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Full text of "Morphologische Untersuchungen auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen"

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Morphologische üiitersiichmigen 



auf dem Gebiete 



der 



indogerinaiiischeii Sprachen 



Von 



Dr. Hermann Ostboff 

ord. Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft und des Sanskrit 
an der Universität Heidelberg 

und 



Dr. Karl Brugman 



Docenten der vergleichenden Sprachwissenschaft und des Sanskrit an der 
Universität Leipzig 



Vierter Theil 



Leipzig- 
Verlag von S. Hirzel 
1881. 



^,oV.>'Mr,., 







Vorwort. 

Der leser empfängt meine nachstehende arbeit über „die 
tiefstufe im indogermanischen vocalismus " als ersatz für die 
im Vorwort zum ersten teile angekündigte abhandlung „ über 
den bau des indogermanischen Wortes in beziehung auf den 
vocalablaut ". Seit dem sommersemester 1877 in meinen Vor- 
lesungen auf dem boden der neuen von XeiTt-^ ald^- zu luc-^ 
i&- herabsteigenden vocallehre stehend, beabsichtigte ich, 
alsbald den fachgenossen meine theorie vorzulegen, wurde 
aber an der ausarbeitung dadurch gehindert, dass ich lange 
zeit nicht über die Stellung der monophthongischen längen 
indog. <, ü zu tj ü einerseits und zu e/, eu (aij au), ander- 
seits ins klare kommen konnte. Ohne eine sichere einreihung 
der 7, ü in das vocalsystem war, wie ich mir sagte, auch 
kein endgiltiges urteil über das gegenseitige Verhältnis der 
stufen t'/, eil und i, ü möglich. Mittlerweile erschienen die 
bekannten arbeiten von Fick, Kluge, Paul und de Saussure, 
welche im wesentlichen das auch von ' mir gefundene ent- 
hielten. Aber jene lücke betreffs der «, n füllten auch diese 
grundlegenden Untersuchungen nicht oder nur ungenügend 
aus. So richtete ich hinfort mein augenmerk auf umfassende 
materialsam mluugen über das vorkommen von indog. <, m, 
um auf grund derselben die Stellung dieser längen im voca- 
lismus bestimmen zu können. Das resultat meiner beobach- 



— .IV — 

tuDgen wird, wenn es richtig ist, geeignet sein, überhaupt 
die neue vocallehre auf eine veränderte grundlage zu stellen. 

Wie sich die zwiefache form der „tiefstufe" bei 
anderen wurzeln als solchen, die /, w enthalten, grundsprach- 
lich und einzelsprächlich darstellt, wird in der fortsetzung 
meiner abhandlung im fünften teile der „morphologischen 
Untersuchungen" zu zeigen sein. Also 

1) das Verhältnis von /*, /, m, n vor consonanten zu f, /, 
^, n und das ihm parallele von rr, //, mm^ nn vor sonanten 
zu r, /, m, n. Unter berücksichtigung dessen, was bereits 
de Saussure syst, primit. § 14. s. 239—275. über die langen 
liquidae und nasales sonantes ermittelt hat, kann sich der 
leser nun schon selbst sagen, dass ich als indogermanische 
satzdoubletten hinstelle : wie die s. 7^ ff. aufgeführten -^ö-par- 
ticipia mit t, ü und /, m, so indog. stf-tö-s = griech. gtqio- 
-To-gj lat. strU-tu-s und sir-tö-s = sanskr. str-td-s^ griech. 
GTQa-To-g ; wie die s. 1 1 5 ff. besprochenen -??o-bildungen mit 
?, ü und ^, üj so indog. g^f-nö-m = sanskr. jir-nd-m^ lat. 
grU-nu-m und g^r-nö-m = abulg. zin-no :, lit. '^ zir-na- in 
iw-n^i-s m. 'erbse^*, got. kaur-n^ so ferner indog. pl-nö-s 
= sanskr. für-nd-s^ altir. Id-n und pl-nö-s == avest. pere-nö^ 
abul^. pU-niiy lit. pil-na-Sy got. ful-l-s. Wie griech. /Iv-d^i 
TAX sanskr. ved. cru-dhi (s. 54.), so steht griech. ßä-S^i "^geh"* 
{ßrj-d^i) aus indog. g^ifi-dhi zu ved. ga-dhi {ga-lii)^ avest. 
ja-idhi aus g-77i-dhi. Überhaupt wird durch die lange na- 
salis sonans die form gä-^ ßä- in sanskr. d-gä-m, griech. 
£-ßri-v als besondere wurzel beseitigt und kommt mit indog. 
g^eni' zusammen: d-gä-m, e-ßiq-v ist aorist von g'^em-^ wie 
sanskr. d-hhü-s^ d-bhü-t^ griech. e-cfv-v von bheu- (vergl. 
s. 54 f. 388 ff.); in den wurzelschwachen formen des duals und 
plurals act. war sanskr. a, griech. ä = indog. m anfänglich 
zu hause, und homer. ßr^-rriv und ßa-T)]Vj sanskr. ved. gä-td 



R 



und (ja-td stehen in dem Verhältnis uralter doppelformen. 
Dass in den deutschen partieipien ge-hor-en^ ge-stohl-e?i, ije- 
-nomm-en (vergl. s. 373 ff.) trotz des durch die äussere laut- 
ähnlichkeit bewirkten gleichen arrangements im Systeme doch 
eine andere, stärkere wurzelstufe verallgemeinert vorliegt, 
als in (je-worf-en^ ge-holf-en, ge-hroch-en^ wird man gut tun, 
sich jetzt ebenso gegenwärtig zu halten, wie die gleiche tat- 
sache bei got. kij-an-s gegenüber stig-ans (s. 368. 373.). 

2) In wurzeln (oder allgemeiner silben) ohne Sonorlaut 
und mit kurzem vocal auf der „ mittelstufe ", z. b. e^-'^sein', 
pet- 'fallen, fliegen"*, ped- 'fuss', aber auch ag^- ^'agere' fällt 
die stärkere („nebentonige") tiefstufenform mit der mittel- 
oder normalstufe äusserlich zusammen. Z. b. got. gib- in 
gib-an-s partic. mit gib- in gib-a praes., abulg. pek- in pec-enü 
partic. mit pek- in pek-a^ praes.; griech. «/- in «x-to-^\ 
hc-a-A-^TJo-Q partic, anord. ak- in ek-in-n aus *ak-in-n partic. 
ipit griech. «/- in ay-to praes., anord. ak- in ak-a infin. 
praes. Der kurze «-vocal («, e, o\ der sich an sonore laute 
in derselben silbe assimiliert, wodurc*h 7, ?7, f, {^ m^ n ent- 
stehen, hat bei der abwesenheit von sonoren dazu keine ge- 
legenheit und fällt nur auf der stufe der nebentonigkeit noch 
nicht aus. Griech. (pO^-ovo-g ist nach s. 374 f. ein Vertreter 
des im germanischen neben gib-an-s , ek-in-n weggefallenen 
Seitentypus. In den -<</- partieipien wie sanskr. spash-tä-s, 
griech. OY.e7t-T6-g, lat. spec-tii-s und sanskr. sat-tä-s ^ avest. 
pasu-shas-to m., ni-shas-ta f., lat. ob-sessu-s, anord. sess m., 
in -^e/-bildungen wie sanskr. pak-ti-Sj griech. 7cixpi-g^ wo 
nach vulgatem raisonnement über „ sprechbarkeit " und „ nicht- 
sprechbarkeit " der Wörter das wurzelhafte e nicht ausfallen 
konnte (Kluge german. conjug. 16 f., de Saussure syst, pri- 
mit. 48.), ist nur die eine von indogermanischen zwillings- 
formen spck^to- und spk^tö-^ seilt 6- und sdtö-j pek^- 



— VI — 

tei- und pk'^tei^- normalisiert worden, und zwar mit gutem 
bedacht die etymologisch durchsichtiger gebliebene, wie wir 
es so häufig sahen, zugleich die mit der wurzelbetonten para- 
digmenstammform (nom. sing, spek^ -to-s^ sed-to-s^ pek-- 
-ti-s, vergl. s. 93 ff. 106 ff. 284.) zusammengefallene. Die 
vermeintlich unsprechbaren sdlö-^ pk^tel- würde sich die 
spräche, wenn sie sonst keine rettung vor ihnen gehabt hätte, 
schon irgendwie, etwa durch consonantausstossungen und 
assimilationen zu s{d)tö-j p{k^)tGi^-, sprechbar zu machen 
gewusst haben. Eine -we/.-bildung wie sanskr. lü-ni-s f. 
(s. 121.) ist got. sm-n-s f. aus indog. sek'^-ni-s (Sievers 
Paul-Braunes beitr. V 149.). Es sind gen.-abl. sing. ped-6s 
= sanskr. pad-dsj lat. ped-is^ gen. ]A\x\\ ped-öm = sanskr. 
pad-tim^ lat. ped-iim in dieser form neben pd-ös, pd-oiii 
grundsprachlich vorhanden gewesen, sowie müs-ös, iiik^-ös 
neben müs-ös^ uik^-ös (s. 284.). Das Verhältnis von ved. 
dj-maji-^ lat. agme?i : ved. j-mdn- bestimmte ich s. 341 f. als 
gleich mit" demjenigen von ^v\q,q\i. y^ev-f^ia : xv-^ict'', durch ein 
sanskr. '^aj-män-^ lat. ag-men wird die dem griech. xv-iia 
(s. 135 f.) parallel gehende themaform vertreten. 

In diesem betracht unterliegt nun auch einer neuen be- 
urteilung die conjugation des verbum substantivum. Die von 
mir in Kuhns zeitschr. XXIII 579 ff. begründete theorie, nach 
welcher aus dem Singular act. des praesens indic. das e- von 
indog. es-mij es-ti in den einzelsprachen» öfters auf die ur- 
sprünglich nicht wurzelbetonten formen übertragen worden 
sei, hat vielfach zustimniung gefunden ; dennoch gebe ich sie 
jetzt auf. Es ist jedesfalls einfacher, apers. a-mahtj^ griech. 
ea-Tov^ei-fieVy ea-rs, e-äoi^ e-lr^-Vj ea-Tco^ lat. es-tis^ es-tc, 
es-tö^ abulg. y^^-i'e, jes-ta^ jes-mu, jes-te^ lit. es-va, es-tUy 
h-mCy es-tej germ. ^is-um, *iz-tt^j '^iz-wi (— anord. er-iim^ 
er-ii^^ er-Uj ags. kent. ear-im) auf der aus wähl zwischen zwei 



I 



— VII — 

altüberlieferten doppelformen mit e**- und s- beruhen zu 
lassen, wenn anders diese möglichkeit sich darbietet, als in 
so vielen sprachen genau die gleiche neubildung unabhängig 
von einander sich vollziehen zu lassen. German. */z-w7w, 
*/r'-?/9, auch in ahd. b-irimiy h-irut nach Kögel bei Sievers 
Paul-Braunes beitr. VJI 571 f,. machen überdies wegen ihres 
'Z- aus -s- wenigstens den eindruck hohen alters in der 
einzelsprache , so dass sie, falls es neuschöpfungen wären, 
das e- mindestens schon vor dem wirken des Vernerschen 
gesetzes vorgeschoben haben müssten, wie es die ansieht 
Joh. Schmidts Kuhns zeitschr. XXV 598. ist^. Und von dem 
griechischen optativ eXriv dürfte ähnliches gelten; die ana- 
logische Umbildung von "^g-ltj-v zu "^lo-crj-v müsste doch 
auch wol sehr alt sein , vor die verhauchung des intervoca- 
lischen oder anlautenden a- -im griechischen fallen, denn in 
wiefern ein einmal vorhandenes *lrjv aus ^Gärjv (oder *^v 
aus "^Ghjv) durch die Umformung in €llr]v den mustern *la-|tu', 
€G-Tt äugen- odei' vielmehr ohrenfälliger angenähert worden 
wäre, sieht man kaum. Dazu kommt endlich der sanskri- 
tische imperativ edhi\ anerkannter massen • aus einem * as-dhi 
= indog. es- (Uli (Windisch Kuhns zeitschr. XXIII 248., 
verf. ebend. XXIII 586., Joh. Schmidi; ebend. XXIV 319. 
XXV 61., Brugman moi-phol. unters. III 144.). Wenn', wie 
Joh. Schmidt ausgeführt hat, die vocalfärbung des „ersatz- 
dehnungsproductes " sanskr. e- in edhi auf der ursprünglichen 
geltung der ersten silbe mit indogermanischem e - laute (ga-) 



1) Es spricht auch nichts dagegen, *izum, *izu^f selbst bei der 
älteren ansieht von analogisch wieder vorgefügtem ^-, für die allei- 
nigen formen im letzten Stadium der germanischen Spracheinheit zu 
halten. Seltsamer weise glaubt Joh. Schmidt a. a. o. gezeigt zu haben, 
dass nicht *izi(7n, ^izuf), sondern nur *swn, *snj) im gotischen durch 
die neubildungen sijnm, sijitp verdrängt sein könnten. 



— VIII — 

beruht, hat es auch hier sein misliches, die grundform "^as-dhi 
ihr a- durch jüngeren einzelsprachlichen wiedervorschub em- 
pfangen zu lassen, wie ich und andere nach meinem vor- 
gange es bisher getan. Erkennen wir dahingegen sanskr. 
edhi als alte erbform an, so verschwindet die berührte Schwie- 
rigkeit und wir gewinnen in dem sanskr. edhi und dazu viel- 
leicht dem griech. %o-d^i bei Hecataeus (verf. Kuhns zeitschr. 
XXIII 586.) neben avest. z-di, griech. %-o-d^i das doppel- 
formenverhältnis von griech. vIv-^l : sanskr. ved. (^ru-dhi^ 
griech. ßfj-S^L : sanskr. ved. ga-dhij ga-hi^ avest. ja-idhi 
(s. oben s. IV.). 

Auf das bleiben oder abfallen der perfectreduplication 
fällt ebenfalls von unserem Standpunkte aus licht, indem wir 
indogermanische satzdoppelformen s es 6 de = ssLUskr. sasäda 
und {s)s6de = got. sat^ g^eifome = sanskr. y«</ö?/m und 
(g^)g^öme = got. qanij bhebhöldhe = griech. uircoid^e 
und {bh)bh6idhe = got. baidj ahd. beit anzunehmen die 
berechtigung erhalten. Vergl. s. 333. anm. 374. Dass gerade 
in den wurzelschwachen perfectformen die reduplication laut- 
gesetzlich geschwunden sei, ist eine ganz unerwiesene be- 
hauptung; ihr Urheber in Kuhns zeitschr. XXV 30 ff. weiss 
sein accentgesetz („dass eine silbe stärkere Verkürzung er- 
leidet, wenn der hochton auf die zweitfolgende silbe fällt, 
als wenn ihn die unmittelbar folgende trägt"), damit es rich- 
tig erscheine, so lange hin und her zu wenden, bis" der typus 
von sanskr. ja-gm-ürj den für grundsprachlich zu halten doch 
auch er nicht umhin kann, durch das bequeme mittel eines 
v7t€Q(-WQov jenem „gesetze indogermanischer betonung" ein- 
fach entzogen wird. Wem *ta-taksh-ür notwendig zu taksh-ur 
wird, dem sollte doch consequenter weise aus ^ja-gam-ür 
auch nichts anderes werden können als ^gam-ür. Im gegen- 
teil sind ^oi. bit-un^ bug-un für lautgesetzliche ^'bai-bU-uUy 



— IX — 

hüi-hug-un von dem gleichen accentschema am wie jenes 
sanskr. ja-gin-ür^ reduplicationslos geworden durch die ana- 
logie der nach einem anfänglichen längeren kämpfe zwischen 
*bai-baitj *bai-4aug und baüj baug im Singular zum durch- 
bruch gekommenen kürzeren formen. Umgekehrt sind sanskr. 
ved. ba-bhü-ya-t (s. 68.) und griech. Tte-cpqiv-äGi (s. 70.), 
jti-7tvv-oo (s. 65.), statt .lautgesetzlich entwickelter *{bh-)bhü' 
-1/a-ty ^((p-)cpqiy.-ccOij * (7r-)7rj^i;-(fy)o (accentschema aaa), hin- 
sichtlich der reduplication als neubildungen nach den Sin- 
gular- activischen sanskr. '^ba-bhäv-a (vergl. s. 389 ff.), griech. 
"^Tte-cpQoiyi-Sj *TC€-7tvoß-e oder auch nach ihren eigenen ge- 
schwisterformen mit kurzem «, n, '^ba-bhu-yä-t^ '^jte-cpQiA-äoij 
7ie-7tvv-{o)o zu erklären. So ist, dass sanskr. ved. ta-taksh-ürj 
ta-titksh-ätusj ta-taksli-e ihre reduplication vom Singular act. 
ta-tdksh-a wieder bezogen haben, allerdings auch meine mei- 
nung, mögen nun die älteren formen ved. taksh-ür^ taksh- 
-ulhus von indogermanischer zeit her reduplicationsverlustig 
gewesen {taksh-ür aus *t-taksh-ür) oder es durch eine spe- 
ciell sanskritische lautumwandlung Yon'^ta-tksh-ürin taksh-ür 
geworden sein. Und ferner ist, wie griech. 7t€-cpv-{ß)c6g die 
reduplication lautgesetzlich hat und sie an 7te-cpv{F)-vla und 
7ce-(pv{f)-äoi u. dergl. vermittelt haben muss, so anderseits 
in abulg. by-vU partic, dazu in j)ek-u (aus "^pek-vU^ pek-usi 
u. ähnl., dieselbe ebenso lautgesetzlich latent ; latent auf laut- 
gesetzlichem wege auch in lit. bhv-iisi fem., aber durch ana- 
logie hinwiederum in lit. bu-ves masc. (vergl. s. 375—380,). 
Auf solche weise durchweg reduplicationslos geworden, konn- 
ten sich im slavo-baltischen diese bildungen als allgemeine 
praeteritalparticipia an das System des von hause aus nicht 
reduplicierten aorists anschliessen und also auch nach dem 
aussterben der verbum-finitum- formen des alten indogerma- 
nischen perfects fortexistieren. Von den medialen -ono- 



— X — 

participien möchte ich aber glauben, dass ihnen von Ursprung 
an nicht die reduplication zugekommen sei und dass speciell 
nur im indo - iranischen sich sanskr. '^bhid-ana-s (= got. 
hü-a?i-s)y avest. "^han-anö in folge von anglÜderung an das 
perfectsystem zu hi-bhid-dna-s^ ha-nhan-ano erweitert haben. 
Da der abstufung von (tiefstüfigem) eo) und ''a^ diejenige 
von indog. /z, un und /, n vor sonanten gleich ist (vergl. 
s. 353 ff.), so sind sanskr. iydja^ umca^ aus "^yiyaja, *vuvaca 
nach speciell indischem lautgesetze ^) , genau so wie sanskr. 

1) Sanskr. u-, ü- entstehen regulär aus anlautendem *y?<-, "^vii-. 
So in lir-nä f. 'wolle' aus *vür nä^ das mit avest. vare-na f. 'bedeckung*, 
lat. la-na aus *vlä-?ia ein indog. nf-wi (oder vT-nfi) vertritt gegenüber 
dem tonlos -tiefstufigen nl-nft {vl-nä) = abulg. vll-na, lit. vil-na, got. 
vul-la (vergl. sanskr. pür-nä-s = indog. pJ-nö-s, s. IV.); in dem 
gleich wurzeligen nasalpraesens sanskr. ür-no-ti 'bedeckt, verhüllt, schliesst 
ein', aus *vür-no-ti, der zwillingsform zu sanskr. vr-no-ti so, wie es 
dhü-nö-ü zu dhu-nö-ti (s. 49.) ist. Ferner in dem wegen r im europäi- 
schen und armenischen von ii'r-nä 'wolle' etymologisch zu trennenden 
sanskr. ür-an-a-s m. 'widder', aus *vur-an-a-s mit *z;wr- = indog. nrr- 
{.vrr-) nach griech. ßaq-r^v, armen, gar-n (de Saussure syst, primit. 196 f.). 
JDann wol auch in sanskr. urü-s adj. 'breit' aus *vurü-s = indog. 
urr-ü-s (vrr-ü-s) von wurzel sanskr. var- in vär-iy-as- compar., vär- 
-ishtha- superl., var-imän- m. 'weite, weite ausdehnung' u. a.; griech. 
evQv-s entscheidet nichts dagegen, ich fasse es als eine erstarrte alte Zu- 
sammensetzung mit ev-, als entsprossen also aus ^iav-ßqv-s 'recht breit', 
wie Bvd-v-s aus *sav-vd'v-s (s. 191.), die zu postulierende nebenform *elov-i 
ist verloren, zu svqv-s aber bereits rb ev^os hinzu gebildet nach den mustern 
ßad'v-S .-■ßäd'oe, Tta^v-S : Ttaxos^ ra^v-s : tä^oi^ nQaxv-S : xQajoi u. dergl. 
Es gibt im sanskrit anlautendes vu-, vü- nur in einigen formen der 
Wurzel var- 'wählen': ved. vur-ita opt. aor. med. , hotr-vü'r-ya- n. 'hotar- 
wahl' (vergl. de Saussure syst, primit. 260.); hier ist das v von anderen 
formen der wurzel wieder vorgefügt, aber ohne den Vorschub blieb das 
partic. aor. med. ved. ur-änä-s, lautgesetzlich für *vu?'-änä-s. Für den 
analogen lautwandel von *yi- in i- haben wir als zeugen, abgesehen 
von dem perfect iyäja, die desiderativbildungen derselben wurzel, ved. 
iyakshati 'er will opfern, verehren', iyakshü-s adj. 'gern opfernd, sich 
sehnend'; das intensive nachved. iyasyate 'erschlafft, schwindet hin, 
languescit' von wurzel yas-, praes. yäs-ya-ti und yäs-a-ü 'lässt sichs 



I 



jagtüna^ papata reduplicierte perfecta, sowie griech. 'i-äoc 
aus indog. ii-nti genau dem 'i-ccoi aus es-iiti gleichkommt 
(s. 363.). Der modus von sanskr. ved. va-vdc-a (rgv. I 67, 8.), 
avest. va-vac-üj griech. ߀-ßor/-e, Fi-FaXu-e^ Fe-Foqy-Sj got. 
vai-vahl muss also für den jüngeren und der reduplications- 
weise der mit ge'räuschlaut anfangenden wurzeln nachgeahm- 
ten gehalten werden. Die durch sanskr. vec/a^ avest. vaedha, 
griech. olde^ got. vait repraesentierte grundform uulde^ aus 
. (?j)?iöide, beruht auf einem hier wahrscheinlich schon grund- 
sprachlichen ausgleiche zwischen yuuöiUle{==82Lnski\'*uveda) 
und seiner kürzeren nebenform. Joh. Schmidt wusste Kuhns 
zeitschr. XXV 3t. noch* auf keine einzige form des paradigmas 
dieses alten „ praeteritopraesens " lautgesetzlich zu kommen. 
Nach unserer theorie verloren auch die avestischen formen 
des schwachen Stammes mit ij vtd-yd-t^ vid-väo u. a,. (s. 62)., 
lautgesetzlich ihre reduplication, aber sanskr. vid-md^ griech. 
'lö-uevy got. vit-iim durch analogiebildung wie got. hit-nm^ 
lnt(]'7im. Im griechischen ist noch ein solches perfect mit 
lautgesetzlichem reduplicationsschwunde bei wurzelanlauten- 
dem u- das s. 61. besprochene mediale ly-juaLj h-rai aus 
*/7x-/<«f, *ßTy-Tai. Von hier aus bietet sich endlich auch 
die s. 376. anm. angedeutete möglichkeit, die sanskritischen 
perfectbildungen des typus Ij'-e rj-we^ iic-imä iic-ür zu ver- 



heiss werden, müht sich ab'. Es wird in anbetracht von ved. hjakshati^ 
iyjukshü-s niemand bezweifeln können, dass das auch erst aus der spä- 
teren spräche zu belegende yiyaksku-s adj. 'zu opfern im begriff stehend', 
sowie die ähnlichen ebenfalls erst späten yiyavishu-s „vom desid. von 
2. ?/?/-", yiyäsu-s „vom desid. von 1. yä-'' (Petersb. wörterb. VI 137.) 
jüngere der gewöhnlichen reduplications weise der desiderativa anders an- 
lautender wurzeln (z. b. inpaksh- von pac- 'kochen') nachgemachte bil- 
dungen sind. Auf den bei Böhtlingk - Roth a. a. o. mit einer stelle aus 
der räjatarangini belegten eigennamen yilha-s kommt nichts an, da nie- 
mand weiss, welches seine herkunft ist. 



— XII — 

stehen. Es sind dies entweder in der wurzel nebentonig- 
tiefstufige formen mit indog. 7, li, also |/'-<?, üc-ür aus vor- 
histor. sanskr. *y-y-e, '^v-üc-ür herzuleiten; oder die Wurzel- 
silbe war tonlos-tiefstufig, die reduplicationssilbe dann neben- 
tonig-tiefstufig, die grundformen also '^yH/J-^y "^vu-vc-iir. Auf 
jeden fall käme das in der anmerkung zu vorvoriger seite 
dargelegte lautgesetz in anwendung. 

3) Bei den wurzeln mit langem a-vocale ohne sonor- 
laut, wie stha-j dhe-j se-, dö-j wird sich an erscheinungen 
wie den hier folgenden, auch von Brugman morphol. unters. 
III 97—102. besprochenen, der gradunterschied der beiden 
tiefstufenformen zeigen. Sanskr. sthi-td-s, sthi-ti-Sy griech. 
OTa-TO-g, GTa-Gi-Qj ora-Tr^q^ lat. stä-fu-s partic, sta-ti-m^ sta- 
-tu-s m. (-^e?^;- stamm), sta-tu-Ö denom., sta-ior^ got. sta-p-s m. 
(-^e 2 -stamm) neben sanskr. -sthdr- aus '^sth-tär- in savija- 
-shthdr-, savt/e-sfithar-j avest. -star-.aviB ^st-ta?-- in rathae- 
-star-em acc. sing., 7Hithae-stür-d nom. plur., griech. otv-io aus 
*ot-Tv-icü denom.; also lat. sta-tu-ö : griech. o{t;)-tv-iü = 
griech. cpl-rv-io : Isit fü-tu-öj vergl. s. HO. Griech. e-ro-Qy 
e-GL-Sj lat. sä'tu-Sj sa-tor neben sanskr. s-t?^-i (Joh. Schmidt 
Kuhns zeitschr. XXV 29.). Sanskr. -di-td-s 'gegeben' in vi/-ä- 
-dita-s ''aus einander getan, geöffnet' (Petersb. wörterb. IIL 
566. 574.), ved. di-ti-s f. 'besitz', eigentlich 'das geben, zu- 
erteilen', griech. do-To-g^ öo-gl-Qj lat. da-tu-s neben sanskr. 
-t-ta- in a-tta-s^ vij-ä-tta-s ^ ni-tia-s^ paiHi-lta-s, pari-tta-s, 
pra-tta-Sj prati-tta-s^ vi-tta-s ^ sü-tta-Sj -t-ti- f. in ved. bhd- 
(ja-tti-s 'glücksgabe', maghd-tti-s 'das geben und empfangen 
von geschenken', vdsii-tti-s 'empfangen von gütern, bereiche- 
rung' (Petersb. wörterb. V 171. 423. VI 848., Grassmann 
wörterb. z. rgv. 923. 971. 1236., Lindner altind. nominalbild. 
77. anm.). Sanskr. /^zVß', avest. /?zVö, griech. rrai:^'^, l^X.pater^ 
got. fadar neben avest. fedhrö acc. plur. aus '^'ptr-as. Die 



I 



H 



— XIII — 

sanskr. nl-^ pa?n-j prafi-j vi-j sü-tta-s sind um so beweisen- 
der für UDsere theorie, als sich ganz den s. 281 ff. entwickel- 
ten accentabstufungsgesetzen gemäss hier noch nebentonig- 
tiefstufige gestalt des praefixauslautes , -z-, -ü- (vergl. auch 
s. 380 ff.), mit tonlos - tiefstufiger der nachfolgenden Wurzel- 
silbe verbindet (ebenso bei griech. Ttl-Ttr-e imper.). Bei 
Joh. Schmidt wurden dieser art erscheinungen etwas rich- 
tiger Kuhns zeitschr. XXV 56 f. als in dem abschnitt ebend. 
s. 26—43. aufgefasst. Die incongruenz der wurzelstufe zwi- 
schen griech. Tt-d^e-rov^ Ti-d-e-Te und sanskr. dha-t-thäs, 
dha-i-täs^ dka-t-thäj griech. öl-öo-toVj öL-do-re und sanskr. 
da-t-thäs, da-t-tdsj da-t-tkä\ die noch neuerdings Delbrück 
liter. centralbl. 18. juni 1881. sp. 871. zu unwahrscheinlichen 
constructionen veranlassung gab, wird sich als dieselbe her- 
ausstellen wie diejenige zwischen sanskr. bi-bhi-tas und bi- 
-bhi-tas in der gleichen dritten praesensstammclasse (vergl. 
s. 59.). Genauer genommen bilden ein altes, paar sanskr. 
da-t-thd (accentschema add) und lat. da-tis aus ^d-da-tis 
(accentschema aud) ; griech. * öo-ts empfing diß . reduplica- 
tionssilbe wieder vom singular act., welcher seit grundsprach- 
licher zeit den Wechsel zwischen dedomi = sanskr. dadami^ 
avest. dadhämij griech. ölöcoi^u {dt- statt *(5f- jung, nach 
'i-GTä-fiiL und yl-yv-0-f.iai, (.iL-f.iv-co u. dergl.) und anderseits 
{d)d6mi == abulg. darriij lit. dümi, lat. dö (für einstiges 
*r/ö7;z nach ?w2-conjugation) hatte, nach gleichem princip wie 
im perfect der singular act. indogermanisch redupliciert und 
reduplicationsverlustig war (s. VIJI ff.). Den irrationalen vocal 
indo-iran. z, europäisch meist ä (Ficksches „schwa"), zu 
dem die längen S, e, ö auf der accentstufe der nebentonig- 
keit zunächst reduciert wurden, nach seiner grundsprachlichen 
qualität und einzelsprach liehen gestaltung näher zu unter- 
suchen, kann hier noch nicht unternommen werden. 



— XIV — 

4) Es wird endlicli in einem späteren abschnitte auch 
die zwiefache abstufung der tiefstufe in den flexi ons- und 
bildungs Silben zusammenhängend zu betrachten sein. Auf 
diesen abschnitt hier näher einzugehen, ist nicht tunlich. 
Nur wegen der s. 33. für att. iöfco in aussieht gestellten er- 
klärung sei schon hier bemerkt, dass die von nominalen -e/'- 
und -PT^- stammen herkommenden denominativen verba nach 
unserer theorie normal von alters her zwischen -^-«'^, -'^'i^ 
und -i-i5 j -u-ip schwanken, so dass also nach dem muster 
von (.irivito (II. B 769.) neben f.iTivuo das anfänglich allein 
berechtigte nicht denominative iduo (= indog. ämi^/uö aus 
*s?ridf^d) die nebenform löua bekommen konnte. Für das 
s. 285. erwähnte -Jiü- im schwachen praesensstamme der 
fünften verbalclasse berufe ich mich hier auf die avestischen 
beispiele kere-nü-idhi (wornach auch kere-nü-ishi in der indi- 
cativform 2. sing, act.), vere-nü-idJu\ vere-nü-ÜQ^ hu-nü-la^ 
welche, sowie das nominale hu-nü-iwyd abl. plur. (accent- 
schema aaä) als zwillingsform zu sanskr. sü-nü-bhijas (accent- 
schema (iaa\ noch die alte aufeinanderfolge von tonlos- und 
nebentonig-tiefstufiger silbe haben; ferner auf das von Jak. 
Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 273. und Curtius verb. d. 
griech. spr. IP 11 5 f. unbefriedigend erklärte homer. tevy-vv- 
-^i€v (IL n 145.). 

Zerstreute andeutungen über mehrere dieser in morphok 
unters. V zu behandelnden aufgaben, die auch hier schon zu 
skizzieren ich nicht unterlassen mochte, findet der leser auch 
schon in der unten folgenden abhandlung, z. b. s. 139. 199. 
anm. 280. 322 f. 333. anm. 363. 367. 373 f 383 f. 395. anm. 

Was die terminologie anbetrifft, so habe ich mich 
nach beratung mit befreundeten fachgenossen dafür entschie- 
den, die bezeichnungen „tiefstufe", „mittelstufe" und 
„hochstufe" für die drei wurzelformen Ütv-, leLTt-, lout- 



— XY — 

in anwendung zu bringen. Solche termini verdienen immer 
den Vorzug, mit welchen die geringste oder gar keine petitio 
principii verbunden ist. In unserem fall bezeichnungen zu 
finden, die in jedem betracht von mangeln frei wären, ist 
mir nicht gelungen. Da, wie ich weiss, manche früher zwei- 
felnde oder anders denkende fachgenossen durch die neuesten 
ausführungen von Brugman in morphol. unters. III 102 ff, 
überzeugt worden sind, dass Brugman Curtius' stud. IX 367 ff. 
3 SO ff. Kuhns zeitschr. XXIV 2 f. recht hatte, indo-iranisches 
langes ä in offenen silben normal ursprüngliches o {a^) vertre- 
ten zu lassen (vergl. auch unten s. 226. anm. 303. anm.)*), so 
werden wenigstens diese gelehrten jetzt in den perfectformen 
3. sing. act. sanskr. ß-gä'fj-a^ {;u-rrav-a ebenso die stärkste 
wurzelform (stärker als diejenige von jäij-ati praes., (;räG-(is 
neutr.) anzuerkennen bereit sein, wie die Inder hier ihre 
„vrddhi" sahen, und an dem ausdruck „hochstufe" keinen 
anstoss nehmen. Den bemühungen einiger neuerer gelehrten, 
wie Gust. Meyers in Kuhns zeitschr. XXIV 226 ff., Ficks in 
den Götting. gel. anzeig, vom 7. april 1880., Möllers in Paul- 
Braunes beitr. VIl 492 ff*., die „ö -stufe" {Ioltv-) zu derjenigen 
zu machen, welche durch den „ tiefton " („ svarita " oder „ gra- 
vis ") entstehe, ist schon durch die nachfolgenden erörterungen 
über die genesis der stufe mit 7, i7, wie ich glaube, der boden 
entzogen ; ich behalte mir aber noch für eine spätere gelegen- 
heit eine ausführliche Widerlegung jener theorie vor. Dass 
ich nicht vier co ordinierte ablautsstufen aufstellte, son- 



1) Brugman selbst sagt am schluss seines aufsatzes morphol. unters. 
III 129.: „Es kam mir nicht darauf an, mein lautgesetz als richtig zu 
erweisen, sondern nur darauf, zu zeigen, dass das, was Schmidt dagegen 
vorbringt, nicht als eine Widerlegung gelten kann. Wer von uns beiden 
recht hat, wird fernere eingehendere durchforschung des idg. «-vocalis- 
mus lehren müssen." 



— XVI — 

dern ITjt- und U7t- als zwei abarten („nebentonige" und 
„tonlose" tiefstufe) unter einer der drei hauptstufen subsu- 
mierte, wird sich hoffentlich auch anderen nach prüfung der 
folgenden erörterungen als zweckmässig erweisen. 

Zu der materialsammlung s. 1 — 276. stellte sich während 
des drucke^ eine reihe von nachtragen als wünschenswert 
heraus. Einen teil derselben gebe ich s. 401 ff., das übrige 
empfiehlt sich am schluss der ganzen abhandlung über „ die 
tiefstufe " in bd. V mitzuteilen. Ausserdem erlaube ich mir, 
wegen einiger näheren ausführungen, die specieller die indo- 
germanischen „ aoristpraesentia " mit 7, n betreffen (7ergl. 
s. 1 — 12.), den leser auf zwei demnächst in den Paul- Braune- 
schen „beitragen" (bd. VIII) von mir erscheinende artikel 
„zum grammatischen Wechsel der velaren A-- reihe" und „über 
aoristpraesens und imperfectpraesens " zu verweisen. 

Heidelberg 8. juli 1881. 

H. Osthoff. 



Inhalt. 



Hermann Oslhoff Die tiefstufe im indogermanischen 
vocalismus 



Seite 



1. 

Nebeneinander von indog. i, ü und ^, « in denselben alten erb- 
wörtern und wortbildungskategorien : 

A. Praesens mit suff. -^-, -c- (sechster indischer classe, „aorist- 
praesens") und einfacher „thematischer" aorist 1 

B. Praesens mit suff. -^'ö-, -ie-, ursprünglich -«o-, -^e- . . 12 

C. Praesens mit suff. -sk^ö-, sk^e- 34 

D. a) Praesens mit suff". -neu- und b) praesens mit suff'. -uä- 35 

E. Schwacher stamm des praesens zweiter indischer classe oder 

des „unthematischen" aorists 52 

F. Schwacher praesensstamm dritter indischer classe .... 59 

G. Schwacher perfectstamm GO 

H. Nomen mit suff. -k^ö- 72 

I. Nomen mit suff. -tö- (partic.) 72 

J. Nomen mit suff". -lei- 96 

K. Nomen mit suff". -teu- 108 

L. Nomen mit suff. -nii-^ fem. -nä- 115 

M. Nomen mit suff. -neU 120 

N. Nomen mit suff*. -neu- ; 122 

0. Nomen mit suff'. -mo- 123 

P. Nomen mit suff. -mev- 130 

Q. Nomen mit suff. -men- 130 

R. Nomen mit suff'. -i^ö- 147 

S. Nomen mit suff. -ro-, -16- 149 

T. Nomen mit suff". {-rel-) -le^- 104 

U. Nomen mit suff*. -reu- (-leu-?) 165 

V. Nomen mit suff. -uö- 166 



— XVIII — 

Seite 

W. Nomen mit suff. -uen- . . 170 

X. Nomen mit suff, -ö-, fem. -ä- . 172 

Y. Nomen mit suff. -ei- 180 

Z. Nomen mit suff. -eu- 185 

AA. Nomen mit suff. -en- 194 

BB. Nomen mit suff. -ono-, -eno-, -no-\ partic. mediopass. . . . 205 

CG. Wurzelnomina 208 

DD. Pronomina, adverbia, praepositionen , partikelartige Wörter, 

indeclinabilia überhaupt 222 

2. 

Rückblick. Bisherige beurteilungen des nebeneinanders von z, n 

und 1,, n 277 

Pauls accentabstufungstheorie als allgemeine basis der richtigen 

erklärung 280 

3. 

Gesetze über den Wechsel von indog. % ü und Y, ü : 7, ü vor con- 
sonanten form der nebentonigen, 1, u vor consonanten form 

der tonlosen tiefstufe 281 

Gestaltung der tiefstufe bei zwei den «-vocal in der wurzel be- 
gleitenden sonoren, i und u 285 

Constitutives lautgesetz der grundsprache über zwei Sonorlaute als 

bestandteile derselben siibe 285 

Hochbetonte nasalis sonans im griechischen ........ 290 

Weitere Verfolgung des constitutiven lautgesetzes über Sonorlaut 

neben Sonorlaut in einer jsilbe 295 

Anteconsonantische und antesonantische form der tiefstufe bei wur- 
zeln mit zwei sonoren, besonders wurzeln mit ia^u- (indog. 

spiü- und spfu- 'speien') 315 

Mittelstufige ai, au und ihre tiefstufengestaltung 323 

Existenz einer ä- reihe überhaupt 340 

Mittelstufige oi, o u und existenz einer o - reihe 343 

Die neuere „absteigende" vocaltheorie im lichte unserer tiefstufen- 

regeln 348 

Spuren der geltung unserer accentabstufungsgesetze bei f , ti in den 

einzelsprachen 351 

4. 

Abstufung von n, uu und ^', u vor sönanten parallel der von z, ü 

und 1 n vor consonanten 353 



— XIX — 

?V, HU und i, u in einzelnen Wörtern: Seite 

indog. g'^iiä- und (ßjä- 'gewalt' 354 

griech. diä und ^« 354 

indog. dunö ViW^ rfwö 'zwei' 355 

indog. k^uuön- und k^uön- 'hund' 356 

indog. suu- und su- 'sau' 356 

aV, uu und |, m bei ai- und «w -wurzeln 360 

?V, ww und «, « in wortbildungskategorien : 

aoristpraesens und „thematischer" aorist 361 

praesens zweiter indischer classe und „unthematischer" 

aorist 363 

schwacher perfectstamm 363 

intransitivum mit -<?-suffix (griechischer passivaorist) . 364 

medialparticip mit suff. -ono- {-eno-) 368 

Anteconsonantische und antesonantische tiefstufe im particip perf. 
act. : ^, ü und T, u vor sutf. -ii^ös- neben n, uu und /, u vor 

suff. -US- 375 

Die abstufung zi, uu und -e, u im wort- oder wortstammauslaute, 

besonders der proklitiken und ersten compositionsglieder . . 380 
Die lautverbindungen ?/, Tiu , ihre ursprünglichkeit und unursprüng- 

lichkeit . . . . ? 385 

Einzelsprachliche neubildungen , besonders associative, mit 72, Ttu 

(sowie ?, u vor'sonanten) 386 

Berichtigung früherer beobachtungen über das Verhältnis von /«, uu 

und i, u . * 397 

Nachträge . . . .* 401 

Karl Brugman Miscellen 407 

1. Griech. t/s für *k'uis 407 

2. Uridg. ede 'edit, ass' und ese 'fuit' 411 

3. Diegotische Imperativform hii'i und die denominativa von 
consonantischen stammen 414 

Hermann Osthoff Suum cuique .* 418 



Berichtigungen. 

Seite 4 zeile 11 von oben lies: alts. hili^-u. 
„ 8 „ 7 von oben lies: siüg-e-t. 
„ 18 „ 6 von oben lies: dzüv-au. 
„ 24 „ 4 von oben lies: dental. 
„ 45 „ 5 von unten lies: ly-na, zemait. ly-n. 
„ 46 „ 5 von unten lies : jü-juv-us. 
„ 59 „ 5 von oben lies: ci-ki-hi. 
„61 „ 18 von oben lies: 'tx-6-fir}v. 
„ 64 „ 20 von oben lies : blätt. I. 
„ 64 „ 5 von unten lies: So-ßev-ai. 
„ 73 „ 10 von oben lies: ßl-vt-co. 
„ 125 „ 1 von unten lies: i-licö. 
„136 „ 15 von oben lies: dv-fisv-ai. 
„ 174 „ 1 von unten lies: quid?'). • 
„ 178 „ 19 von oben lies: bukkun aus "^hukn-on. 
„ 180 „ 7^ von oben lies: -ei-. 
„ 184 „ 11 von oben lies: Über. 
„187 „ 10 von unten lies: -^w-stämme. 
„ 192- „ 4 von oben lies: sude'u-. 
„211 „ 5 von oben lies: heft 2. 
„ 268 „ 13 von oben lies: xctQa. 
„ 285 „ 12 f. von oben lies : eine -sichere spur. 

Berichtigungen zu theil III. 

S. 33 z. 12 V. u. lies deik^ statt deik\ 

„ 85 „ H „ „ „ sSovfiai „ iSovfxai. 

„ 136 „ 2 V. 0. streich die werte: inf. V7^esti zu vfichq „dresche' 



Die tiefstufe im indogermanischen vocalismus. 



Von Hermann Osthoff. 



1. 

Wir treffen promiscue indog. /, n und ij ü an in den 
nemlichen alten erbwörtern. Das zeige folgende liste. 

A. Praesens mit suff. -ö-, -e- (sechster indischer 
classe, „ aoristpraesens ") und einfacher „thematischer" 
aorist. 

Sanskr. ved. ish-a-nt- 'feindlich anfallend' partic, ish-dt 
adv. Venig, leicht, etwas' neutr. partic. mit ursprüngliche- 
rem accente, eigentlich "^ entschlüpfend, entwischend', ishüt- 
-kdra- adj. ""leicht zu vollbringen', eigentlich 4m entschlüpfen, 
schnell zu machen', ved. i'sh-a-te ""enteilt, flieht' med., ved. 
fsh-a-mäna- partic. med. = sanskr. ved. ish-e *^ich entsende, 
treibe an', ish-a-nta *^sie eilten' aor. med. rgv. I 134, 5., 
üh^e-ma opt. 

Griech. rgiß-co *^reibe, reibe ab' = lat. terg-ö Vische 
ab' aus ^trig-ö. Jedesfalls verhält sich rgiß-co: te?'g-d= 
y.Ql-vto: cer-nöj und TQlrc-To-g: ter-tu-s (altlat. aus *terC'tos 
statt des späteren ter-su-s) = iCQ^-To-g: cer-tu-s. Nun sind 
lat. tergöj ter-tu-s und cerno nicht aus *trtgdj *tric-tu-s und 
*crT?id durch lateinischen lautwandel hervorgegangen ; c?^l-?nen 
= griech. v,Ql-f.ia und cri-bru-m können das für cer-nd dar- 
tun. Aber auch aus *^rii^5, *l?'w-to-Sy *cnndj * cri-^ö-* leiten 
sich die historischen formen mit er nicht direct her; denn 

Osthoff u. Brugman untersuch. IV. j 



fricHrej tri- ^'drei-^ in compositen, tri-hus *^ dreien', trXhu-s f., 
trihuo u. a. lassen in vor consonant ungewandelt. Jedoch 
nebentonig wurde rim'^trigö^ *crino normal zu er; also in 
den compositis äbs-^ de-j ex-tergö^ cö?i-^ dis-, ex-^ st-cerno\ 
vergl. acerbiis 2iU^'^äcn-bo-Sy superl. äcerrimus aus '^ücri-ssi- 
-mos (nach älterer, vorhistorischer betonung des lateini- 
schen, die auch per-fec-tu-s aus * pei^-ßic-tu-s u. dergl. be- 
wirkte) 0. Auch ter ^dreimar ist vielleicht so aus ^tris^ "^ters 
zu deuten, da es häufiger, wie in bis mit terj im satzzu- 
sammenhange nebentonig gewesen sein wird. Darnach rich- 
teten sich dann wol ter-?ii statt tri-ni und tef-tius^ obgleich die 
bekannten Unregelmässigkeiten auch der übrigen sprachen 
in dieser Ordinalzahl das sichere urteil erschweren-). So 
entstand auch cer-tu-s aus "^cri-to-s = griech. x^t'-Td-g laut- 
gesetzlich in in-certu-s = a-y.Q^To-gj aber auch in noti cer- 
tu-s , wenn dieses unter einem haupttone zusammengefasst 
gesprochen ward. Erinnert sei auch an lat. teslis ''zeuge^ 
testäri^ testämentum für "^tersti-s u. s. w. gegenüber osk. tri- 
staamentud, wo also auch wol die lateinischen composita 
cön-^ de-, 6b-testor das ihrige getan haben werden^). 



1) Im dat.-abl. plur. sind lat. äcri-hus, alacri-bus producte des 
„Systemzwanges"; äcri-täs, alacri-täs scheinen mir ebenso die jüngeren 
bildungen für "^äcer-täs, *alacer-täs zu sein, als facili-täs für jünger 
denn facul-täs zu halten ist. 

2) An analogiebildung des ter nach quater ist schwerlich zu denken, 
eher an das umgekehrte, da *quatur dem quater historisch vorausliegen 
wird. Denn dass aus einer indogermanischen grundform ketr lat. quater 
entstehen konnte, hält J. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 286. irr- 
tümlich für „bekannt". 

3) Die fälle solcher ausgleichung, wobei die lautgestalt der mit prae- 
fixen zusammengesetzten verba massgebend wird für das verbum Sim- 
plex, sind im lateinischen und romanischen häufig. Für spargere hat 
Columella XII 39, 3. spergere nach ad-, con-, in-spergei'e. Nur ein lat. 
*plecö würde genau = griech. nXixio sein; der «-laut von pUcö ent- 



— 3 



Lit. dyg-au 'ich keimte, ging auf' (von der saat), eigent- 
lich "^ich stach hervor' aor.^) (praes. dyk-siu^ infin. dyh-ti) 



sprang in den häufiger gebrauchten compositis ex-plicö, hn-plicö, ap- 
plicö\ zu schwachen verben der «-conjugation wurden die letzteren erst 
durch die analogie der zu du-plex, multt-plex gehörigen denominativa 
du-pUcüre, multi-}yUcärey bei denen denn auch solche reste der starken 
bildung wie ex-, im-, ap-j^Ucui, -pUcitus nicht vorliegen. Neben claudö 
kannte die altlateinische Volkssprache ein in nachaugusteischer zeit 
auch in die Schriftsprache übergehendes simplex cliidö\ das italienische 
setzt dieses fort in seinem chiüdere, lat. claudere wäre Italien, "^chiö- 
dere. Ebenso gilt für *cosäre == lat. causäri ital. cusäre wegen ac-y 
in-, 7i-, es- oder s-ciisäre. Italien, gettäre, proveng. getar, fr&nz. Jete)- 
braucht man des e wegen nicht mit Diez etymol. wörterb.'* 161. aus 
ejectare herzuleiten : das Vulgärlatein wird für jactüre ein nach ad-, 
con-y de-, dis-, e-, in-, re-, suh-jectüre umgestaltetes "Ejectare besessen 
haben. Desgleichen ist franz. gesir nur auf ein lat. *jicT?^e reducierbar; 
mithin hat sich in der alten vulgärsprache die ausgleichung zwischen 
jacere und seinen compositis umgekehrt vollzogen wie im classischen 
latein, wo ad-, oh-, siib-Jaceo ihr a statt des i (vergl. die composita von 
Jacio, ad-jicio u. s. w.) von dem simplex wiederempfingen. Schon die alten 
grammatiker kennen als das perfectum zu sisto ausser stell auch stiti, 
und Gellius führt letztere form aus Cato an (vergl. Neue formenl. II ^ 
460 ff.); dieselbe liegt auch dem Italien, stetti zu gründe, da aus lat. stell 
Italien. *stieti hervorgehen musste wie diedi (wornach auch stiedi) aus 
lat. d^di, piede aus pedem (Diez gramm. d. roman. spr. I'* 151. 155), Es 
ist lat. still für stell die aus den compositen von stä7'e und sistere (lat. 
con-, de-, per-, re-slili u. s. w.) verselbständigte perfectform. Die macht 
der composita in allen diesen und ähnlichen fällen wird noch begreiflicher, 
wenn man berücksichtigt, dass auch die simplicia selbst an nnd für 
sich mehrfach im zusammenhange der rede dieselbe lautschwächung der 
Wurzelsilbe zu erfahren hatten, nemlich überall dann, wenn ein für sich 
den hochton in ansprach nehmendes proklitikon ihnen vorhergieng: hne 
Jectö, hlc stitJ, non plicö, non jiciö hiess es im lateinischen ebenso 
lautgesetzlich wie cön-Jectö (nach älterer betonung, worüber näheres 
ein anderes mal), de-stiti, ex-plicöy äh-jiciö, und hüc jactö, hie stell, 
nö7i jaciö beruhen nicht weniger auf ausgleichender neubildung als 
äd-jaceü und als dp-peiö, e'x-petö für *äp-pitö, *ex-pitö u. a. 

l) Ich behalte einer späteren stelle die nähere darlegung vor, wie 
ich mir den Ursprung der eigentümlichen baltischen aoristbildung und 

1* 



— 4 — 

== griech. s-d^ty-o-Vf &^y-€lv '^berühren, betasten', eigentlich 
'an etwas heranstechen, stich weise rühren an' aor. Vergl. 
Fick Kuhns zeitschr. XXII 104. wörterb. P 636. IP 116. In 
anbetracht aller nachfolgenden fälle wird man auch dem lat. 
fig-ö ^'steche, stecke fest' indog. t zuzusprechen geneigt sein. 
Denn erstens ist ein praesens indog. dheiß^ö nirgends nach- 
weisbar. Andererseits liegt häufig neben einer nasalierten 
praesensbildung, wie hier griech. d-iyydvw, \B.tß?igö 'berühre', 
eine solche nach sechster indischer classe, wie das nach- 
folgende material zeigen kann. 

Ags. be-lif-ßy afris. bi-liv-ej (alts. bi-lib-Uj) ahd. bi-lib-u 
'bleibe', ahd, bi-liban infin. == sanskr. a-lip-a-t'^GV beschmierte, 
bestrich, klebte' aor., a-lip-a-ta med.; abulg. pri-lip-ü 'ad- 
haesi' aor.; lit lip-u 'ich steige, klettere', lip-aü 'ich klebte 
an, haftete' (intrans.) und 'ich stieg, kletterte' aor. (infin. 
lip-ti 'steigen, klettern' und 'kleben'). Verwantschaft der 
begriffe 'steigen, klettern' und 'ankleben' wie bei nhd. klim- 
men^ geklommen und klemmen , klammer ^ beklommen^ ver- 
klommeiiy ahd; käban 'adhaerere' = anord. klifa 'scandere'; 
vergl. Hildebrand deutsch, wörterb. unt. klimmen^ Joh. Schmidt 
indog. vocal. I 59. und Bechtel üb. d. bezeichn. d. sinnl. wahr- 
nehm, in d. indog. spr. 9. Nasaliert ist das praesens sanskr. 
limp-ä-tiy lit. limp-ü 'ich klebe', abulg. pri-ti(p)-na (das -p- 
vor w fehlt lautgesetzlich in -li-na^ wird aber nach der ana- 
logie ausserpraesentischer formen hergestellt). Bei dem ger- 
manischen verb haben wir ausser den für lat. ffgö geltend 
gemachten allgemeinen gründen einen directeren anhaltspunkt 
an dem in allen formen des praesensstammes vollzogenen 
„grammatischen Wechsel": urgerm. -lito = indog. lipo. 



-üexion aus dem „thematischen" einfachen aorist der indogermanischen 
grundsprache denke. 



— 5 — 

Das t durch formübertragung vom perf. plur. und partic. 
praet. herzuleiten, hat seine bedenken. Erstens pflegte bei 
solcher radicaleren ausgleichung d,es grammatischen wechseis 
in der regel das praesens nebst dem perf. sing, den ausschlag 
zu geben; ja das praesens widersteht noch oft, wenn selbst 
der Singular perf. schon von der analogie seines plurals und 
particips ergriffen ist; man vergleiche die beispiele bei Verner 
Kuhns zeitschr. XXIII 104 ff. Doch legen wir auch hierauf 
noch kein besonderes gewicht, so wiegt schon schwerer, dass 
man um so mehr irgendwo in einem der altgermanischen 
dialekte einen sicheren rest von germ. / im praesensstamme 
unseres verbs erwarten dürfte, als selbst unter den wenigen 
(im westgermanischen nur zwei) formen des perf. sing, ein 
solcher in Isidors bi-leiph ""remansit' (Graff althochd. sprachsch. 
II 48.) sich darbietet (in got. bi-laif des kalendariums ist aus 
bekanntem gründe das / zweideutig). Freilich ist zur not 
noch eine andere auffassung des bi4iban möglich, die zwar 
den consonantismus ebenso gut erklären würde: ahd. bi-Ubu 
könnte speciell germanischer ersatz für ein *bi-limbu => ur- 
germ. "^bi-limbü^ sanskr. limpami\ lit. limpu sein, indem der 
ausserpraesentische ablaut zu i statt im im praesens hinge- 
drängt hätte. Doch hätte '^bi-limbu, nach manchen ander- 
weitigen analogien zu schliessen, wol eher zu dem neuen 
ablaut *bi-limb2ij "^bi-lamb geführt. 

Avest. vis-a-iti ''kommt herzu, hinein', vis-a-ite med., 
vis-äi conj. med.; grich. eVw = sanskr. viQ-d-tiy vic-ä-te] 
griech. «x-w-^m^, ^x-rj-rat conj. med., rK-ol-i,irjv opt. med. 
Nasale bildung zeigen hier griech. U-vi-ojiiaiy aus ^Ix-vef-o- 
fiaL und auf der fünften sanskritclasse beruhend (de Saussure 
syst, primit. 187. anm.), griech. homer. tjc-avw. 

Avest. vidh'ß'nti'siQ finden', vid-a-t^er erlange' unechter 
conj., vid-a-nt' partic. in vidat-gav-äo adj. gen. dual, "^rinder 



— 6 — 

erlangend, erteilend V üt. isz-vyd-au ""ich bekam zu sehen, 
erblickte, wurde gewahr"* aor. (praes. isS'vys-iu, infin. isz- 
-vys-ti)'^ got fra-veü-i-p ""er rächt', in-veit-i-p *^er betet an',, 
ahd. wiz'i-t ''er rechnet als schuld an, straft, verweist, d. i. 
urgerm. wit-e-pi ""animadvertit', got. in-veit-ai-s , ahd. ^r 
wiz-e opt. aor. aus urgerm. wit-öi-s, wit-öi-p = sanskr. 
ved. vid-ä-nti 'sie finden' rgv. I 67, 4.^), ved. d-vid-a-t^ vid-ä-t 
*^ er fand', vid-ä-nta med., ved. vid-a-si^ vid-u-Sj vid-a-t 
conj., ved. vid-e-t opt., vid-a-nt- Vissend' partic. act. bei 
grammatikem und lexikographen, Pänini, Vopadeva, Amara- 
kosha (vergl. Böhtlingk-Roth VI 1041. unt. 1. vid-) und als 
'^findend, erwerbend' in ved. vid-äd-vasu- adj. ""guter gewin- 
nend'; griech. homer. poet. %d-o-v ""ich sah, ersah, fand', 'lö-e 
aor., homer. Xö-o-vro med., *(5-w, iS-r]-gj Xö-j] conj., id-0L-f.iiy 
lö-oi-g^ Xd-oi opt., XÖ-6-VT- partic. act. Wegen der nasa- 
lierten bildung von sanskr. vind-ä-ti, avest. vind-e-htij viiid-a-t 
lässt in avest. vidherti^ vidat Bartholomae altiran. verb. 45. 
95. 110. das i den nasal vocal bezeichnen, „für den ein be- 
sonderer buchstabe nicht vorhanden war". Aber in vindent?) 
vindat wäre dann der vermeintliche „nasalvocal" (vermeint- 
lich, Wenn Hübschmann Kuhns zeitschr. XXIV 359. über den 
lautwert des n das richtige trifft) doch durch „einen beson- 
deren buchstaben" bezeichnet, da ja Bartholomae nicht an- 
nehmen wird, dass dieselbe sprachform 6ines dialekts gleich- 
zeitig bald mit dem vollen nasal, bald mit nasalvocal ge- 
sprochen worden sei. Bei got. fra-^ in-veitaiij ags. vUan, alts. 
imtany ahd. wiza?i rechtfertigt freilich nur der gesichtspunkt 
der comparativen rücksicht unsere auffassung der foi^ als 
eines aoristpraesens mit indog. i. Ein praesens nach erster 



1) Bei Aufrecht in der ersten aufläge (die zweite ist mir nicht zur 
band) falsch vindänti, vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 1272. 



— 7 — 

indischer classe u e^d ö war der grundsprache wahrscheinlich 
fremd: denn homer. eld-E-rai Vird sichtbar, erscheint' ist, 
wofern man nicht geradezu lö-e-rai dafür einzusetzen hat, 
doch wol nur eine specifisch griechische Umbildung des letz- 
teren nach dem muster des sigmaaorists homer. elo-a-To^ 
augmentiert e-eiö-a-ro (mit verschlepptem augment particip 
l-eio-a-^ievog). Auch an ein ursprachliches praesens ueid-mi 
nach zweiter classe, aus dem das germanische untan durch 
Übergang in die ö - conjugatign hervorgegangen sein könnte, 
ist, wie mir scheint, trotz des sanskr. i^e^-W, abulg. ve-m( 
nicht mit F. Masing d. Verhältnis d. griech. vocalabstufung 
zur Sanskrit. 81. anm. 1. 101. und Brugman morphol. unters. 
III 18. zu denken. Singulares sanskr. vet-ii erscheint statt 
und neben ved-a erst bei den grammatikern ; vergl. Böhtlingk- 
Roth VI 1041. Die von den brähmanas an zu belegenden 
pluralformen vid-masi^ vü-tha (Böthlingk - Roth a. a. o.) sind 
wol nur der praesentischen bedeutung des praeterito-praesens 
zu liebe geschehene Umformungen von vid-mäy vid-ä, zu denen 
auch der mit dvish-yä-m gleichartig gebildete optativ vid- 
-yä'-vi, und das wie dvish-änt- verstandene aoristparticip 
vid-ä-fit- wol einladen konnten; vid-masij vit-tha hatten dann 
ihrerseits den noch jüngeren singular ved-im\ vSt-ti im ge- 
folge. Dass auch abulg. ve-vü nur auf dem alten perfec- 
tischen uoid-m basieren kann, wie schon Mahlows auf- 
fassung ist d. lang, vocale A E 144., folgt aus dem 
Wurzel vocale t', denn slav. e ist nie Vertreter eines indog. e-/, 
jedoch im wortinnern normaler von indog. oi\ vergl. abulg. 
cina = Ttoivy'iy snegü = got. snaiv-s u. a.^) Andere wege 



1) Sonach bliebe auch de Saussure syst, primit. 127. gegen F. Masing 
und Brugman aa. aa. oo. im rechte, wenn jener, die homerischen con- 
junctivformen eid-o-jusv, eiS-e-re als perfecteonjunctive betrachtend, 
darauf sowie auf das kurze wurzelhafte ä von \eä. Ja-bhä7^-a-tf ta-tän-a-t 



— 8 — 

also als der unsrige, das germ. ivit-o bei praesensbilduDgen 
der verwanten sprachen unterzubringen, zeigen sich abge- 
schnitten. 

Griech. vicp-et ^es schneit', homer. v~icp-e-{.iev infin. (IL M 
280.); anord, snyr (für **wy9 aus *smv^)y ags. sniv-e-St^ mhd. 
snitü-e-t (smget)y mhd. snigen {sniweri) infin. ■= lit. snig-o^ 
lett. snigg-a ''es schneite' aor. ; neuniederd. et snigg-e-t ""es 
schneit', snigg-en infin. (westfäl. grafsch. Mark). Von ahd. 
sniimit bei Graff VI 852. ist die länge des i nicht bezeugt, 
jedoch wol nicht anzuzweifeln. Lat. nivit bei Pacuv. praet. 
V. 4. Ribb. ist zwar wahrscheinlich derselben bildung mit 
vicpet^ mhd. sntwet^ neuniederd. snigg-et^ doch ergibt sich aus 
dem verse nichts über die quantität der ersten silbe. „IL M 
280., der einzigen homerischen stelle, an der das verbum 
[viq)eL\ vorkommt, ist vlcp^iev durch Ven. A. und palimps. 
syr. allerdings gut beglaubigt", muss Job. Schmidt vocal. 
I 134. trotz allem anerkennen, was er, unter beistimmung 
von Curtius grundz.^ 318., zu gunsten von veUpeu als der an- 
geblich „ allein berechtigten ", weil „ von Herodian anerkann- 
ten Schreibung" vorbringt. Vergl. auch G. Meyer Bezzen- 
bergers beitr. 182,, 0. Schade altdeutsch, wörterb.^ 840. a. 
vicpet und deutsches snhvit stützen sich gegenseitig. Denn 
bei letzterem spricht der urgermanische Schwund des ^ vor iv 
nach dem Sieversschen gesetze Paul -Braunes beitr. V 149. 
(vergl. dazu Paul ebend. VI 538.) für betonung des verbal- 
ßuffixes und also gegen indog. ei. Mit Noreen Paul-Braunes 
beitr. VII 437. „den grammatischen Wechsel durch den all- 
gemeinen Schwund des z aufgehoben" sein lassen, ginge 
an, wenn wir es hier nicht mit einem defectiven imper- 



u. a. seine ansieht gründet, dass dem conj. perf. ursprünglich mittel- 
Btufenvocalismus (^-atufe) zukam. 



— 9 — 

sonale zu tun hätten. Durch analogiebildung könnte das w 
hier nur von dem opt. perf. (ahd. '^sniwi) und allenfalls dem 
particip. praet. (anord. sniv-inn) ausgegangen sein. Diese 
einwirkung aber auf die doch ungleich häufiger gebrauchte 
3. sing, praes. anzunehmen, ist um so bedenklicher, als das 
starke perfect und particip dieses verbums selbst im altger- 
manischen frühzeitig neubildungen nach schwacher conjuga- 
tion (ags. snivde^ mhd. snite praet., mhd. ge-sniet partic.) 
wichen. In mhd. snujet und neuniederd. snigget stammt das 
g von dem Infinitiv, dem, wie ich in einem nachfolgenden 
aufsatze zeige, urgerm. ;?, nicht w, trotz der suffixbetonung 
und trotz Sievers' gesetz regelrecht zukommt. Man wird 
also vifpUy ungeachtet der autorität Herodians, unangefochten 
lassen müssen und es weder mit G. Meyer nach einem nicht 
existierenden altgriechischen lautgesetze aus veicpsi ableiten, 
noch auch beide formen mit Job. Schmidt auf die nasalierte 
bildung von lat. nijiguü, lit. sninga reducieren dürfen. 

Sanskr. üh-a-ti ''schafft weiter, schiebt, rtickt^ == sanskr. 
uh-a-ti dass. nach praepositionen (vergl. Petersb. wörterb. 
1 1032. und das nomen agentis ved. uhän- 'kehrwisch, besen'). 
Die ungeschwächte wurzelform ist vah- in väk-a-ti ''vehit^ 
wie Grassmann wörterb. z. rgv. 276. richtig annimmt; „bis- 
weilen spielen die bedeutungen von vah- und üh- so in ein- 
ander über, dass es schwer wird, einige formen, die gram- 
matisch zusammenfallen, mit Sicherheit an die rechte stelle 
zu setzen" (Böhtlingk-Roth a. a. o.). 

Sanskr. guh-a-ti *" verbirgt', giih-e med. == sanskr. guh- 
-d-ti, giih-e med., ved. guh-a-s aor., giih-d-mana-s partic. 
med., guhdd-avadya- adj. '^fehler verdeckend'; avest. ä-guz-e 
med. Wie lautet im litauischen das praesens und der aorist 
zu gu'z-ti 'beschützen', gu'sietojis 'beschützer', welche Geitler 
lit. stud. 85. aus einer handschrift Dowkonts verzeichnet? 



— 10 — 

Vergl. Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 165. Das sanskr. ü 
ia guh-a-ti erfordert nicht notwendig lit. ü als entsprechung. 

Lat. glüb-ö ""schäle'; ags. cluf-e ""kliebe, spalte^ clüf-an 
infin. = griech. ylvcp-to. An und für sich würde lat. glüb-ö 
natürlich ebenso wenig für indog. ü zeugen wie düc-d. 

Ags. püt-e *^stosse einen ton aus, heule'', püt-an infin. 
== sanskr. iud-ä-ti 'stösst'. Vergl. sanskr. anu-tunna' partic. 
*^abgestossen , staccato' vom ton (Graff althochd. sprachsch. 

V 235. , Bechtel üb. d. bezeichn. d. sinnl. wahrnehm, in d. 
indog. spr. 81 f.). Daneben erscheint die nasale bildung 
sanskr. ved. ni tund-a-te med., lat. tiind-i-t. 

Avest. büj-a-t *^tat weg, legte ab, reinigte'; lit. büg-au 
'ich wurde scheu, erschrak' aor. (praes. bük-stu, infin. bük-ti) ; 
ags. büg-e ""flecto me, submitto me', büg-an infin., ä-bügan 
■^flectere, incurvare, se incurvare, discedere, vitare', be-bügan 
*^fugere, evitare, circumire', for-bügan ""declinare, praeterire', 
ge-bügan ""flectere se, submittere se', on-bügan 'se submit- 
tere, oboedire', under-büzan 'se submittere', ymb-bügan 'cir- 
cumflectere' = sanskr. bhuj-ä-ti 'biegt', nir-bhujaii 'biegt 
bei Seite, schiebt bei seite, rückt aus der stelle', ved. nir 
bhnjdntä 'herausrückend, rettend aus' partic. act. dual. (rgv. 

VI 62, 6.) , ved. pari bhuj-ä-tl 'möge umspannen , umfangen, 
umfassen', unechter conj.; griech. s-cpvy-o-Vy cpvy-elv 'fliehen' 
aor. Avest. büjat wird von Bartholomae altiran. verb. 45. 
95. HO. auch auf die nebenliegende nasalierte bildung von 
avest. bunj-a-intiy zu der sich lesb. Tte-rpvyycov stellt (Brug- 
man morphol. unters. III 150.), zurückgeführt; ebenso laut- 
gesetzlich unmöglich, wie bei vidhenti, vidat (s. 6.'). Die 



1) Das dritte und letzte Bartholomaesche beispiel derselben art ist 
yüjen, das = *yunjen sein soll, wie auch schon Joh. Schmidt indog. 
vocal. I 131. lehrte und Brugman neuerdings morphol. unters. III 151. 
geglaubt hat. Nach meinem dafürhalten hat auch yüjen indog. ü und ist 



— 11 — 

Wurzel von biegen war indog. bheuk^-. Daraus erklärt sich 
unmittelbar das germ. g^ von ags. bü^an nach Verners ge- 
setze: urgerm. bü^o == indog. bkük^ö. Der Singular perf. 
hat denn auch im angelsächsischen noch sein normales -h: 
bedhj neben neugebildetem becig] vergl. Ettmüller lexic. 
Anglosax. 301. Mit welchem rechte wir damit nun die auf 
indog. </^ basierenden formen der aussergermanischen spra- 
chen zusammenstellen, erfährt man bald weiter unten. 

Lit. lüz-au *^ brach "* (intrans.) aor. (praes. lüsz-tu^ infin. 
lüsz'ti)] anord. Ij/k 1. sing, indic. praes., lük-an infin. ""ver- 
schliessen', ags. lüc-e, lüc-aii^ ahd. ant-lühh-u ""schliesse auf, 
öffne"*, ant-lühhun infin. == sanskr. ruj-ä-ti *^ bricht, erbricht\ 
Ursprüngliche bedeutung war in utramque partem: *^einen 
verschluss auf oder zu brechen'. Das sanskr. g in rug-nä-s 
partic, rug-a-s m. 'gebrechen, krankheit' beruht auf über- 
tritt in die analogie der bildungen wie bhug-nd-s ''gebogen^, 
bhog-ä-s m. 'windung' von bhij- mit indogermanischem velar. 

Ags. scüf-e "^schiebe', ^cüf-an infin., anord. skiif-a schwa- 
ches verb (praet. sküf-a^a) = sanskr. chup-ä~ti '^berührt'' bei 
grammatikern belegt (Petersb. wörterb. II 1097.). Ags. scüf-e 
= germ. sküd-öj indog. sküp-ö. 

Ags. smü^-e 'schmiege mich, krieche hinein', smü^-an 
infin., purh-srnüztm 'hindurchkriechen' = lit. smuk-aü 'glitt 
zwischen oder in etwas herab' aor. (infin. smuk-ti). Urgerm. 
smügo = indog. smük^o. Auch hier zeigt der angelsäch- 
sische ablaut noch den grammatischen .Wechsel in alter Ord- 
nung: smiige^ smedh (freilich auch schon smed^j vergl. Ettmüller 
lex. Anglosax. 707), smu^on. Nasaliert lit. smunk-ii praes. 



== gruudsprachl.^'w^^/^^^ vedischem unthematisch-aoristischem "^yuj-än 
vergl. ved. yuf-ata 3. plur. aor. med., ä-juk-ia 3. sing. aor. med. u. a. 
bei Grassmann wörterb. 1116 f.) ebenso regulär entsprechend, wie so 
häufig zendformen mit ?, ti sanskritischen mit i, u gegenüber stehen. 



— 12 — 

Ich stelle endlich hierher den griechischen aoristinfinitiv 
o-iüx-elv bei Hesiod. op. et di. 727., den man in ermange- 
lung eines '^o-i.Ci%-elv mit Im-elv das doppelspiel von indog. 
i und i spielen lassen muss. Das nur aus o^il%u in einem 
fragment des Eupolis bei Athen. XIV p. 646. F. und aus 
oi^iiX^üj ofir/rjoco bei Eustathius comm. zur IL p. 580, 3. be- 
kannte praesens ofiir/eco halte ich für eine spätere nachbil- 
dung zu dem misverstandenen 6}.ü%elv ; das alte starke prae- 
sens wird ein * of^ielxco = sanskr. meh-ä-m?\ avest. maez-ä-miy 
anord. mig ^ ags. mi^e, niederd. mige oder eine nasalierte 
bildung wie lat. ming-ö, etwa ''^of.nyy-avtOy gewesen sein. Auf 
die starke bildung weist auch zurück der bei Hipponax 
fragm. 55. Bergk^ überlieferte sigmaaorist w^u^ev, dem Eusta- 
thius a. a. 0. oder, wen er ausschreibt, auch durch aufstellung 
eines barytonierten praesens o/uly^iü besser gerecht zu werden 
sucht. Oder wäre ein solches aoristpraesens eine reale grosse 
und bei Eupolis a. a. o. die Überlieferung in ofulxei zu emen- 
dieren, so dass dann auch das germanische verb indog. ?, 
nicht et, haben könnte? 

B. Praesens mit suff. -/ö-, -ze-, ursprünglich 
-iö-y -iß-: 

Sanskr. ci-ya-te 'wird geschichtet, gesammelt, geprüft, 
beachtet' pass.*); griech. homer. tjUbl^ ri-ovai praes., rl-o-v, 
rl-e imperf., ri-e-tca^ ri-e-To mediopass., Ti-e-f-iev infin. = 
griech. homer. nachhomer. t^-w, rt-ei^ tl-ovol praes., rZ-o-v, 
Ti-e-Qy tI-€ imperf. 

Sanskr. ved. nachved. kshi-ija-te ''wird verdorben, kommt 
um"* mediopass.; griech. homer. cpd-i-rjQ ''du kommest um' 



1) Ebenso wenig wie Delbrück syntakt. forsch. IV 73. habe ich mir 
die ansieht Brugmans morphol. unters. 1 187 ff., dass das indo-iranische 
passiv seinem Ursprünge nach etwas anderes als die praesensbildung der 
jod-classe sei, anzueignen vermocht. 



— 13 — 

conj. (Od. ß 368) == griech. homer. e-cpS^i-e-v ""verzehrte, ver- 
darb^ imperf. (11:^446.). 

Sanskr. ved. dt-ya-ti ""schwebt, fliegt' (intens, "^enteilen, 
davonfliegen') = griech. homer. ep. (und bei Aeschylus) 
öt-co ""lasse mich scheuchen, lasse mich jagen, fliehe, flüchte', 
ÖL-o-fiai trans. "^scheuche, jage'. Die nebenform des mediums 
öief-icii ""eile, laufe', nach Fick wörterb. P 109. „vielleicht 
durch assimilierende Wirkung des j im einstigen dij€/LiaL 
[lies *dfjof.iaL] entstanden", ist vielmehr das resultat der 
association der formen wie öl-e-Tatj öl-e-vraij dl-e-od-ac 
mit den synonymen "c-e-Taij Y-e-vraiy l-e-G&ac (weniger mit 
TiS^evrai nach G. Meyer griech. gramm. § 494. s. 380). So 
erklärt sich auch, dass vorzugsweise das ötefxai der träger 
der intransitiven bedeutung des mediopassivs bleibt, wäh- 
rend öL-o-(.iai fast nur als transitiv fungiert. 

Sanskr. ved. pi-ya-ti ""schmäht, begegnet geringschätzig, 
verhöhnt', frätijn-ya-nti^ nach ved. ni pi-ya-ti^ \Qdi. pi-ya-nt- 
partic. subst. "^schmäher, frevler'; akd. fi-ent m. circumflec- 
tiert bei Notker (Graff III 381 f.), mhd. vi-ent m. 'feind' 
partic. ^= got. ß-ja-nd-s m. , anord. fjand-i (für *ß-ja-nd-?) 
m. "^feind'. Das verbum got. /{/'öw, ahd. ße?i 'hassen' nach 
dritter schwacher conjugation ist denominativ des in got. 
ßja-pva f. "^feindschaft' enthaltenen adjectivstammes *Ji/a-'j 
dieser aber kann nominale -/o-bildung sein = indog. pi-iö-j 
jedoch auch -ö-bildung = indog. pü-ö-. Dieselbe unent- 
schiedenheit schwebt über indog. priio- *^lieb' == sanskr. 
priyä-^ got. "^frija- in frija-pva f. ""liebe', frijon "^lieben' 
= abulg. prijati, 

Sanskr. pi-ya-tc "^trinkt', a-pi-ya-ta imperf. mahäbhär. 
III 13611. (Böhtlingk-Roth IV 735.); griech. homer. nach- 
homer. m-o-^ai 'trinke, werde trinken' bei Pindar Olymp. 
VI 86. „ entschieden praesentisch ", sonst als perfectives prae- 



— 14 — 

sens futurisch geworden (Curtius verb. d. griech. spr. IP 315 f., 
Brugman Bezzenbergers beitr. II 251. f. anm., dagegen Del- 
brück syntakt. forsch. IV. 113.), homer. m-ö-f-ievo-g, tü-o- 
-f.ieva partic. (Od. x 160. IL iY493.), homer. m-e-fiev infin. 
(IL JI 825. Od. 7t 143. g 3.), e-m-o-v praeter. (Julian in an- 
thol. Graec. II 195. ed. Jacobs (JbtvTvov coni. Brunck) = griech. 
7ct-o-^ai bei späteren komikern, bei Theokrit, Theognis 
u. a. (Passow unt. TtLvto am schluss), e-Tt^-o-v, homer. 7tl-£Vj 
7tL-o-v praeter., homer. yrt-w, /ct^-/;, Ttt-iß-od-a conj., homer. 
nachhomer. 7VL-oif,Uj Ttt-otj 7tt-oiev opt., homer. nachhomer. 
7tl-€ imper. (Od. l 347. , ex-7tie Euripid. Kykl. 560.), homer. 
nachhomer. Tti-tovy 7ti-ö-vr-egj m-ovoa partic, homer. Tt^-e-sv, 
Tt^i-elv infin., homer. cnci-e-{.iev infin. (Od. o 378.); abulg. /?^y« 
'trinke' nach etymologischer Schreibung in mehreren alten 
handschriften (vergl. Miklosich lex. Palaeoslov. 566. a.). Da- 
gegen ist das gewöhnliche abulg. pi-ja^ für indogermanische 
länge des i bekanntlich nicht beweisend. Mit der wurzel 
pö- m 7te-7to)-yM^ Tto-xog haben diese /-formen etymologisch 
nichts zu schaffen ; vergl. weiter unten über TtLvto. Die bis- 
her offene frage (vergl. Delbrück syntakt. forsch. IV 112 f), 
ob e-7tLov formal imperfect oder aorist sei, entscheidet sich 
zu gunsten des imperfects durch zwei beweismomente. Erstens 
durch die existenz von /tl-&c imper. und 7tl-v sowie ttI-v 
infin.: diese formen gehören dem aorist an, der nach ihrem 
ausweis also grundsprachlich nach mz - conjugation , „unthe- 
matisöh" gebildet war; Ttl-v^ ttL-v ist Infinitiv bildung wie 
(pv'V (Curtius verb. UM 20 f.), neben dessen indicativform 
(e-)cpvj sanskr. {ä-)bhü-t wol niemand einen grundsprachlichen 
„thematischen" aorist *{e-)bhuii-e-i zulässig finden wird'). 



1) Was Grassmann wörterb. z. rgv. 949. als formen des „aor. oder 
Impf." zusammenstellt, a-bhuvam, hhüvas, hküvat, bhüvan^ muss wol als 



— 15 — 

Sodann spricht auch das vorkommen der 7 -formen 7zl-e-f.iev, 
e-m-o-v für imperfectcharakter. Dem Wechsel zwischen 
pi-Jo- und pi-io' im praesensstamm musste im thema- 
tischen aorist, wie wir weiter unten zeigen, ein solcher von 
pii^O' und pi-o- parallel gehen, also war hier ein ^ ur- 
sprünglich unerhört. Der aoristgebrauch aber von e-Ttiov 
hat allerdings die accentuation der formen des verbum infini- 
tum, Ttuüv , 7t LUV j entweder seit der grundsprache her ge- 
schützt, oder (wenn die jod-praesentia schon indogermanisch 
Wurzelbetonung einführten) im griechischen neu hergestellt. 

Sanskr. pri-ya-ii ""ist befriedigt, ist vergnügt, ist froh, 
lässt sich behagen', pri-ya-te intrans. dass., trans. "^liebt, ist 
geneigt^ med. = sanskr. pin-ya-te med. rämäy. II 56, 13 f, 
sarn pri-ye-ta opt. rämäy. II 48, 18. ed. Schlegel (vergl. Petersb. 
wörterb. IV 1167. 11G8.); avest. fryänmahi ys. XXXVIII 12., 
d. i. ^fri-yä-mahi 1. plur. 

Lat. con-gru-ö 'ich falle zusammen mit', in-gru-ö ""ich 
stürze herein, breche herein', eigentlich 'ich wuchte zusam- 
men', 'wuchte herein' aus *-grü-iö^) = griech. ßQv-co 'bin 
schwer und voll, strotze, spriesse üppig hervor'. 

Sanskr. crü-ya-te 'wird gehört, wird vernommen, heisst' 
pass.; altlat. clu-ö 'ich werde genannt, heisse', aus '^clü-iö^) 

neu gebildetes indisches paradigma gelten. Ved. bhüv-an, die 3. plur., 
ist, wie wir weiterhin zeigen, älter als ä-hhäv-an und reguläre form des 
„unthematischen" aorists d-hhü-s, ä-bhü-t^ ä-hhü-ma, ä-hkü-ta. Ebenso 
ist ved. ä-hhuv-am (ob eine indogermanische erbform, darüber später) 
so als normale 1. sing, zu ä-bhü-s, ä-bhü-t zu stellen, wie ved. d-grav-am 
aor. zu dcro-t. Auf der grundlage von bhüv-an und d-bhuv-am ent- 
wickelte sich die thematische flexion mit bhüv-a-s 2. sing., bhüv-a-t 
3. sing. 

1) E. R. Thurneysen stellt in seiner doctordissertation „über die her- 
kunft und bildung der lateinischen verba auf -io der dritten und vierten 
conjugation und ihr gegenseitiges Verhältnis" Leipzig 1879. s. 22 f. das 
lautgesetz auf, „dass im lateinischen das resultat des auslauts der r^-wur- 



— 16 — 

(vergl. unverkürztes altlat. clüeat bei Plautus Menaechm. 575.), 
clu'is 2. siüg., clu-arriy clu-äs, clu-aty clu-ant conj., clu-et fut., 
clu-^-rent conj. imperf. (Neue formenl. d. lat. spr. 11'' 426., 



zeln und eines J-suffixes ein t ist". Brugman morphol. unters. III 45 f. 48. 
stimmt dem bei. Aber Thurneysens beispiele selbst lassen ihn im stich. 
Lat. suf-ßö 'räuchere' hat nicht nur griech. d'v-co, sanskr. dhü-7nä-s, 
abulg. dy-mü, lit. dü-mai, sondern auch griech. d'i-co, S'v-ro-s u. s. w. 
zur Seite. Warum soll fw 'ich werde' auf bhü- in griech. yv-co, e-fv-v, 
sanskr. bhü'-U-s, abulg. by-ti, lit. bü-ti bezogen werden und nicht auf 
bhü- in ^v-co , fv-ro-r, ffv-ai-s^ lat. fu-tuö^ fü-türusl Neben lat. in- 
-ciens 'schwanger' stehen zwar sanskr. gü-nä-s, ^u-ra-s, avest. sü-i^y, 
lat. cü-lu-s, altir. cü-l, aber gerade die auf derselben praesensbildung 
beruhenden griech. iyxv-covj avest. su-ya-nmd 'zunehmend, wachsend' 
zeigen kürze des u. Thurneysen meint, gegen die griechischen lautgesetze, 
entstehung des iy-xvcov aus *ey-xv-cov annehmen zu dürfen. Dem lat. 
piu-s, osk. piihiüi sind lat. ;?m-^w-.s 'rein', sanskr. ^;w-««-?rreinigt, läu- 
tert' ebenso nahe als sdt.nskT.pü-td-s, Isit. pü-7'ii-s. Ferner wozu umbr. sim, 
sif gerade aus dem fi von lat. sü-s, griech. v-s, umbr. ^;«V aus dem von 
griech. tiv-q deuten, da doch die ü von griech. v-ai, ov-ai, altlat. sü-bus 
(Neue formenl. d. lat. spr. I^ 288 f., Bücheier -Windekilde grundriss d. 
lat. declin. § 320. s. 123.), sii-cula und von griech. tv'v-q-os, nv-^ä sich 
nicht minder darbieten? Kurzum, da unsere ganze obige darstellung den 
generellen unterschied zwischen ü- und ??- wurzeln als nichtig erweist, 
so kann nur die lautphysiologische ratio entscheiden, ob in den 
genannten und anderen lateinischen fällen J aus Tn oder aus iii entstan- 
den sei. Und da dünkt es mich ungleich wahrscheinlicher, dass fn in f 
zusammenfliesst, ü aber der Vermischung mit f, welches nachher inter- 
vocalisch ausfällt, widersteht, als das gegenteil. So ist mir auch lat. 
dü-biu-s == *dü-bti-io-s, gleichsam griech. Si-^vio-s, 8i-yvT]s, obwol das 
sanskrit -bhii-ya-m 'werden' im schlussgliede von compositen hat. Da 
nach Windisch Curtius' grundz.^ 305. auch altir. bin 'fio, sum' „über 
*bi-iu aus *bu-iä [*bu-iö] entstanden" ist und im italischen das oskische 
piihiüi, d&s umhv'ische peio-, piho-, peihaner, pihcme?' und pir = griech. 
Ttv'iQ hat, war es da vielleicht schon ein gemeinsames „italo-keltisches" 
lautgesetz, tll in J zu verwandeln? Freilich wird, „da flö, ßam, fiebam 
stets und formen wie fierein und fiere und fien wenigstens in der älteren 
poesie noch öfters gedehntes inneres ? haben" (Leo Meyer Bezzenbergers 
beitr. V 177.), noch das gesetz zu ermitteln sein, wonach im lateinischen 
aus üi entstandenes f bald verkürzt wurde (ausser in fiere, fteri, fterem 



— 17 — 

Corssen ausspr. voc. II ^ 680. 740.) = avest. sru-ye 'ich finde 
erhörung^ pass., vi sru-i/a-ta ''er ward bekannt als^ imperf.; 
griech. ylv-co '^höre'*, e-x?,v-o-v imperf.; lat. clie?is m. "^höriger, 
Client' aus '^ clu-ie-?is (?) partic. (Corssen ausspr. vocal. IP740. 
krit. beitr. 554. krit. nachtr. 38.). Wie. dem e-Ttiov durch 
7tl-&ij so wird dem e-yilvov durch vlv-d^i^ tcAv-tSj ved. cru-dhi 
und d-cro-i sein formaler nicht-aoristcharakter bei aoristischer 
bedeutung (vergl. Delbrück syntakt. forsch. IV 112 f.) ver- 
sichert. Lat. cUens aus "^cluiens bleibt begrifflich und laut- 
lich (vergl. die anmerkung s. 1 5 ff.) möglich , was auch Leo 
Meyer Bezzenbergers beitr. VI 76 ff. dagegen sagt; nur tritt 
Meyers erklärung als 'der sich anlehnende" von würz. kHei- 
der alten jetzt gleichberechtigt an die seite. Ich würde 
den *^ hörigen', ^clü-iensj übrigens auch weniger als ''den ge- 
horchenden' verstehen, vielmehr als denjenigen, 'der nach 
jemand genannt wird, heisst, auf seines patronus namen hört', 
in einklang mit der mediopassiven bedeutung des chb'e und 
sanskr. crfiyate^ avest. vi srut/atOj und „gewis auch mit alt- 
römischen socialpolitischen anschauungen ", wie mir auf be- 
fragen mein freund dr, Soltau mitteilt. 

Griech. Sv-co intrans. 'tauche unter, fahre hinein', trans. 
'versenke, tauche ein', mit v stets bei den Attikern, zuweilen 
bei späteren epikern == griech. homer. ep. öv-w. Was die 
etymologie anbetrifft, so führen uns die gleichungen xaG-ovco 
== sanskr. sivyämi und txtvo) === sanskr. shthivyCwü (unbe- 
legte nebenform zu shthivämi nach Böhtlingk-Roth VII 449.) 
auf dvco = sanskr. divyämi intrans. 'schiesse hervor', trans. 
'lasse hervorschiessen (strahlen, Würfel), strahle, werfe, schleu- 



in suf-fiö, in-ciens, cHens, pius), bald lang blieb (in /'/ö, fläm, fuham 
und 'piius inschriftlich). Es hieng das wol mit dem Wechsel von hoch- 
tonigkeit und nebentonigkeit der das i. enthaltenden ßilbe zusammen; 
vergl. oben s. 2. 

Osthoff u. Brugiuau untersuch. IV. 2 



— 18 - 

dere, spielet Die grundbedeutung war ^schnellen\ sowol 
'hinab, hinunter, hinein, hinweg"* als 'empor, hervor schnellen'. 
Als die wurzeln aller drei verba betrachte ich indog. dien- 
(yergl. Zev vocativ des wurzelnomens) , sia^^iij spia^'u-. 
Und mit unserem övcoj sanskr. dwyäini möchte ich noch zu- 
sammenbringen lit. dzü-s-tu praes., diüw-au aor., dsü-ti infin. 
'eintrocknen, trocken werden, verdorren, mager werden', 
eigentlich 'hinwegschnellen, hinschwinden'; vergl. griechi- 
sches wie vrjoog xara Trjg -d^akazrrjg dvöa (Plato), TtoXeig 
xara yrig eövoav (Aristides), ßiov övvrog (Aeschylus), eöv 
TtQOTcag d6(.iog (Aeschylus), rilLog överai oder dvveij övoig 
rjUovy x^ova övvao vom sterben (Homer) u. a. bei Passow 
handwörterb. unt. övco. Auf der tiefstufe wurden die wur- 
zeln regulär zu rf 2 « -, siu-^ spiu- vor consonanten. Vergl. 
sanskr. du-dyü-vams- (unbelegt) partic. perf. act., du-dyü-shati 
desid., dyü-td- m. n. 'Würfelspiel, glücksspier, ved. a-dyn-lija- 
n. 'unglückliches spiel', dyü- adj. am ende von compp. 'spie- 
lend', lit. f/iw-^2 infin., dzu-ti-s f. 'schwindsucht' (bei Nessel- 
mann wörterb. 168. a. aus Szyrwid), dzü-sna f. dass. (Nessel- 
mann ebend.) und sanskr. dyu-ii-s f. 'glänz, würde', ved. 
dyn-mnä- [n. 'glänz, herrlichkeit , heiterkeit, begeisterung, 
frische, kraftvolles wesen, tüchtigkeit', dyu- m. f. 'himmel, 
tag, helle'. Ferner sanskr. ^/yw-^a- partic. 'genäht', syü-ti- f. 
'das nähen, sack', syü-nd- m. sack', syü-mmi' n. 'band, rie- 
men, ztigel, streifen, naht', stjü- f. 'schnür, dünnes band, 
nadel', ahd. siü-i m. 'naht' partic. (== sanskr. syti-td-s), siu-la 
f. 'seuel, pfrieme, subula' d. i. wol siüla (Graff VI 61.), lit. 
siu-ta-s partic, siü-ti infin., siü-la-s m. 'zwirnsfaden', abulg. 
si-tu partic, H-^/infin., si-lo n. 'subula' aus "^'sjy-tUj *sjy-ti, 
"^sj'y-lo. Ferner sanskr. shtkyü-ta- n. 'das spucken', abhi- 
-shthyüta- 'bespieen', ava-shthyüta- dass., ni-shthyüta- 'aus- 
gespuckt' partic lautgesetzlich aus indog. spiü-tö- neben 



— 19 -^ 

griech. TtTv-ac-g f. *^das spucken"* aus indog. spiu-ii-s^ tvjv- 
-G-fia n.j e-7tTv-ö'(.iai perf. pass. Nun müssen wir, glaube 
ich, das indog^rmanisclie dissimilationsgesetz aufstellen, dass 
einen consonanten beliaftendes i wegfiel, wenn die nächst- 
folgende Silbe mit / anlautete. So wurden die formen der 
jod-praesentia diu-iö, siu-iö, spiu-i^ö bereits grund- 
sprachlich zu dü-iö = griech. dv-iOy su-iö = griech. 
(Kaö-)ovWj lat. suöj spu-iö = lat. spuö. Dann breiteten 
sich vom praesens aus </-, s-, sp~ frühzeitig durch analogie- 
bildung an stelle von di-j si-^ spi- aus. Im griechischen 
hat nur Zevg das C- = di- noch; e-öv-v aor. und öv-vu) 
praes., a-öv-io-g^ öv-rrj-gj öv-Oi-g u. a. sind neuschöpfungen 
statt *£-^-v, *Ct;-rw, '^a-tv-To-g u. s. w. nach ö^-o) praes. 
Ebenso im sanskrit sü-ci-y sü-ci f. *^nader sü-ti- f. ''das nähen^ 
(unbelegt), su-tra- n. 'gam, faden, schnür^ nach verlorenem 
^su-yä-mi. Im lateinischen sü-tu-Sj sü-tor^ sü-türay sü-telüy 
sü-tüi-Sy sU-btda nach suö praes., wie spü-tu-m n., spü-t-ärej 
spü-tU'S m., spü-ma f. nach spuÖ praes. Mhd. sü-t m., ahd. 
sü'la kamen auf neben siü-t, siü-la (Graff a. a. o.); auch 
ahd. su-ten praet. plur. bei Graff ebend. aus D. III 51.; end- 
lich anord. saii-m-ry ags. sea-m^ ahd. sou-m m. ^genähter rand, 
saum\ Die verselbständigung der wurzelform su- ist uralt, 
die Schöpfung eines nomens wie germ. säu-mo-z braucht 
nicht ins historische leben der einzelsprache gelegt zu wer- 
den. Im griechischen können '/.e-/.aa-ov-(.iivo-gj Kao-ov-ro-g 
und -/.ao-ov-ixa n. oi- bergen, gegenüber a- in -/.aa-avoj. Um- 
gekehrt drängen sich aber auch si-y spi- wieder ins jod- 
praesens in den einzelsprachen. So bei dem litauischen 
transitiv dsäu-ju ^ich lasse trocknen, setze zum trocknen hin, 
hänge zum trocknen auf', das (für altes ^-du-ju) sein dz- 
sowol wie das au aus dem futur dzdu-siu bezogen bat; aus 
dem alten ablaut *dü-jUj dzdu-siUj dzü-ti entwickelte sich 



-r- 20 — 

durch zwiefache ausgleichung *dzü-ju (dafür später dzü-stu\ 
dzü'SiUj dzü-ti intrans. und dzäu-jUj dsäu-siUj dzdu-ti trans/) 
Ferner bei abulg. si-ja aus *sjy-ja oder *sjü-ja nach si-ti 
infin., si-tü partic, lett. schü-ju ^ich nähe' statt *su-ju nach 
schü't infin., got. siu-ja^ siu-jan nach ^siu-p-s partic. u. dergl. 
Auch bei griech. tctv-co statt * orcv-co, abulg. pliu-ja^ nach j^liu- 
-chu aor., plju-ti infin. und plju-na^ praes.^), sowie lit. spiäu-ju 
nach dem futur spiäu-siu (auch in beziehung auf die ablauts- 
stufe au) und nach spiau-ti (statt "^spiü-ti) infin. Das anord. 
spy-ja *^speien' kann ^= got. ^spiu-jan (vergl. got. siu-jan 
'^nähen'*) sein, es hindert aber auch nichts, es als die alte 
lautgesetzliche form == *spü-ja?i aufzufassen. — Vielleicht 
kommen als vierte und fünfte gleichartige wurzel noch hinzu : 

1) Solche bereicherung , dass aus einem alten verb zwei formal ge- 
schiedene, ein transitivum und ein intransitivura, hervortreten, verschaifte 
sich die litauische spräche häufiger. Ich erwähne nur: *griü-jii, griäu- 
-siu, griü-ti 'wuchten' = lat. -gruö, griech. ß^vco (s. 15.) ergab griän-ju, 
griäu-siu, griäu-ti 'zertrümmern' und *grm-ju (dafür später grinwü, 
sieh unten), griü-siu, griü-ti 'einstürzen'. Die Übertragung des futur- 
vocalismus auf das jod- praesens und den Infinitiv ist dem litauischMi 
ganz geläufig. Man vergleiche noch: lit. krdu-Ju, kräu-ti 'auf einander 
legen, häufen' nach kräu-siu statt *k?Ti-Ju, *krn-ti = abulg. kry-ja, 
kry-ti 'decken'; indog. lu-iö 'schneide ab, löse', fut. läu-siö (vergl. 
griech. Xäß-io-v 'saatfeld, sichel', dor. Aw-t« 'beute'), lu-te'i- f. 'lösung' 
= lit. *liü-Ju, lidu-siu, *liü-ii, woraus liäu-ju, Udu-siu, liäu-ti 'auf- 
hören', = griech. /^-ty, *Xav-aco, Xv-ais, wofür Xv-co, Xv-<tco, Xv-ai-i. 

2) Eigentlich waren die altslavischen formenverhältnisse hier an- 
fänglich so: ^py-ja^ praes..- *pli-ti (aus *pljy-ti) infin., *pli-na^ (aus 
*pljy-na^) praes.; plju-tu (= indog. spld^ti-tu-m) supin. , pJju-ch-n 
(= indog. spla^u-s-m) ;9-aorist. Nach dem supinum und .9-aoriste 
richtete sich zuerst der Infinitiv: plju-ti] darnach ergab sich das übrige. 
Ähnlich die Infinitive plu-ti 'schiffen', slu-ti 'heissen', snu-ti 'gewebe 
aufziehen', tru-ti 'verderben, verbrauchen' u. a. nach ihren supinen mit 
alter mittelstufiger (normalstufiger) wurzel, sowie nach den sigmaaoristen 
abulg. plu-ch-U = griech. e-nXev-a-a u. s. w. Andere Infinitive haben 
dagegen ihre supina und ^-aoriste nachgezogen, wie by-ti, kry-ti die 
hy-tü by-ch-ü, kry-tü kry-ch-ü, lit. bü-ti das supinum bü'tu{m). 



— 21 — 

g^ia'^u- 'kauen' und rla^'u- 'brüllen'*, deren verbale flexion 
im slaviscben schon Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXIII 348 f. 
in parallele, wenn auch noch nicht in vollständige, zu der- 
jenigen von siti 'nähen"*, pljiiti 'speien' stellte. Abulg. zuja 
'kaue' steht dann für "^ zuja^ (ursprünglich *zi/ja^ nach zu-chu 
aor., "^zi-tü partic, *zi'ti infin., während lit. iau-nos 'fisch- 
kiemen' wie deutsches sau-m zu beurteilen ist. Nhd. kieme f., 
mitteldeutschen Ursprunges (vergl. Hildebrand im deutsch, 
wörterb.), kann zunächst altes schwaches masculin gewesen 
sein wie nhd. hlume ^ schlänge u. a. (Ö. Behaghel German. 
XXIII 269 f.). Dann dürfte wol kie-me normal = ursprüng- 
lich gHü-men- oder giu-men-^ d. i. eine bildung wie 
sanskr. syuman- n., griech. '^-«?yV m. sein und wie griech. 
yh-^ia oder yv-^-ta (sieh weiter unten), trotz der scheinbar 
grösseren ähnlichkeit mit griech. tcvsv-i^uovj ^ev-f-ia^ got. 
hliu-ma m., alts. ahd. rio-mo m. Von ri^au- 'brüllen' ist 
abulg. rcva^ d. i. '^rjeva^ aus *rjova^ (selbst wenn die Wurzel 
CM -Wurzel wäre, bliebe ja ov vorauszusetzen, vergl. plova^ 
= griech. TtXio)) eine praesensbildung erster indischer classe ; 
aber das particip. praes. act. rov?/y bei Miklosich lex. Pa- 
laeoslov. 813. a. aus dem Suprasler codex (vergl. auch Joh. 
Schmidt Kuhns zeitschr. XXIII 351.), deutet, sowie auch die 
ebendaselbst mehrfach belegte infinitivform ?mti statt rjut?\ 
auf das alte jod- praesens *ri/-ja (eventuell durch neubil- 
dung *ri/ja^ = griech. cu-gv-coy ags. /'^/-ö 'rugit' aus germ. 
rw-/e-9 2 zurück. Die anderen sprachen müssten ebendaher 
den anlaut r- statt ri- frühzeitig ganz verallgemeinert haben 
in sanskr. 7'aü-ti 'brüllt, heult', ru-td- partic. 'durchtönt', 
n. 'gebrüll, geschrei, gesang', rava-s m. 'gebrüll, gedröhn, 
gesang, laut, ton', lat. i'ü-mor m. , rävi-s f., rau-cu-s adj., 
got. rü-na f. 'das raunen, geheimnis, rune' u. a. bei Fick 
wörterb. P 196. 742 f. Ferner die wurzel mleu- 'schieben. 



— 22 — 

zuschieben, wegschieben, fortdrängen' in ajuev-oaod-ät bei 
Pindar Pyth. I 86. bildete das jod- praesens indog. rnu-iö 
= griech. f.iv-w trans. 'schliesse, verschliesse, tue zu (äugen 
und mund)', intrans. 'schliesse mich (von äugen, lippen, 
muscheln, wunden), höre auf (von schmerzen, winden)' und 
== lit. * mu'juy wofür durch ausgleichung (mit dem futur mau- 
-siu = griech. afxev'Oco nach s. 19 f.) indu-ju ""schiebe, streife, 
ziehe etwas ring-, cylinder- oder sackartiges auf einen langen 
festen körper, z. b. einen ring auf den finger, einen sack auf 
einen pfähl etc.' (Kurschat litt, gramm. § 1225. s. 316). Vor- 
her aber war das futur mau- siu selbst für ursprüngliches 
"^miau-siu nach dem praesens *mu-ju im anlaute umgeformt 
worden. Auf der gleichen alten neubildung beruht m- für 
ml' in sanskr. ved. kama-mü-ta-s partic. S^on liebe ge- 
drungen', mü-rä-s adj. *" drängend, stürmisch', mü-ni-s m. 
"^ drang, andrang', concr. *^der von innerem drang getriebene, 
ein begeisterter, verzückter, asket' (sich dem ^d-G-rrj-g so 
annähernd), sowie in lat. mü-t-äre^ mov-ed *). Ferner in diesen 
Wörtern, denen wie griech. i^ivw die aus 'zudrängen, zuschie- 
ben' modificirte bedeutung 'schliessen, fest machen, binden' 
zu gründe liegt: sanskr. mü-ta- partic. *^gebunden', n. ""korb', 
mu-ka-s adj. *^stumm', mäv-a-ti und mäv-ya-ti "^bindet' (letz- 
teres contaminationsbildung aus ersterem und altem *7wm'- 
-ya-ti\ griech. juv-xo-gy juv-rt-g ' aq^wvog Hesych., lat. mü-tu-s 
'stumm'. Davon wird sich eine andere wurzel, mia^'u- *" an- 
fetten, anfeuchten, besudeln, netzen' wahrscheinlich durch 
den a-vocal der mittelstufenform unterschieden haben. Diese 
bildete auch ein jod -praesens indog. mu-iöi abulg. rny-ja^ 

1) Curtius grundz.5 324. und Fick wörterb. IP 192. (wesentlich an- 
ders als P 179 f. 726.) haben recht, wenn sie zu obiger wurzel auch 
a-fiv-vco 'wehre ab" stellen. Aber a-fitiß-co ist formal unvereinbar da- 
mit; es ist wol mit K. Walter und Brugman zu lat. mig-räre zu stellen. 



I 

I 



— 23 — 

^ich wasche , avest. "^mu-ya-iti in a-mu-yamna- *^nicht beschä- 
digt, nicht zu Schanden werdend' partic. mediopass. (wegen 
des bedeutungsüberganges vgl. griech. Iv-f^iaLvead^at ""schimpf- 
lich behandeln, beschädigen' aus 'besudeln, beflecken', li-f^iri 
""spülicht, schmutz, unrat, besudelung' und *" beschimpf ung, 
mishandluDg'). Dem mu-io ist dann der jod- Verlust in 
sanskr. mu-tra- n. 'harn', avest. mü-thra- n. 'unreinigkeit, 
schmutz', altir. mü-n 'harn', abulg. my-ti infin. 'waschen', 
7mj-lo 'n. 'waschkraut', russ. my-tva f. ' Waschung', lit. mau- 
'dyti 'haideii trans. zu verdanken. Griech. ^i^-d-og n. 'nässe', 
fAv-ö-a?Jo-g 'feucht' und /.w-qo-v n. 'salbe' können allenfalls 
für * jLuv-d-og^ *f.iiv-ö-al€o-gy * ßtv-Q-ov stehen. — Mit an- 
deren punkten, wie vornemlich der entstehung der wurzel- 
formen c??2/-, siu-y sptu- und g^t^i'j ^^^J:~i ^niTi- 'schie- 
ben', mtu' 'anfeuchten', können wir uns erst unten abfinden. 
Sanskr. dhü-ya-te 'wird heftig erregt, wird geschüttelt, 
wird gewirbelt, stürmt' mediopass.; griech. homer. nach- 
homer. d^v-o) 'stürme, brause, opfere'; anord. dy 'schüttele' 
aus germ. dü-iö^ dy-ja infin. = griech. homer. nachhomer. 
d-v-to 'opfere'; lat. suf-ßö 'räuchere' aus *ßi-ip (s. 15 ff. anm.). 
Neuestens sucht Leo Meyer Bezzenbergers beitr. VI 125 ff. 
d-ietv 'sich heftig bewegen' und d-vsLv 'opfern' aus einander 
zu reissen; in einer für mich sehr wenig überzeugenden 
weise. Für „ihrer bildung nach deutlich von einander ver- 
schieden " wird hoffentlich nach lectüre dieser arbeit niemand 
mehr die beiden S^vsiv des v und t; wegen halten; doch 
hätte sich auch Leo Meyer selbst schon an homer. Ivto 
und kvo)^ homer. tüo und tuo^ (pd-lco und g)0-tcüj 7xUf.iev 
und mefiev erinnern sollen. Ferner wird eingestandener 
massen Leo Meyer an der stelle Od. o 222. die bedeutung 
'opferte' von -d-ve nicht los. Seine eigene anknüpfung des 
S-vco 'opfere' an sanskr. hu- 'opfertrank giessen' ist noch 



— 24 — 

weniger einleuchtend. Denn erstens werden andere nicht 
mehr so leicht wie Leo Meyer den indogermanischen guttural 
(diesen leugnet er in sanskr. hu- nicht) durch den griechi- 
schen dental vertreten sein lassen, nicht z. b. vor v (vergl. 
Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 135—179.), gar nicht 
aber den indogermanischen palatal, den sanskr. hu- nach 
ausweis von avest. zao-thra f. ' Weihwasser' hatte. Sodann 
ist sanskr. hu- ^opfertrank giessen^ nach allgemeiner und 
wol begründeter annähme bereits durch griech. xho prae- 
occupiert, während andererseits in griech. d-vio ''opfere' und 
seiner ganzen sippe die vorwiegende beziehung auf rauch- 
und brandopfer unverkennbar ist. Wer an der bedeutungs- 
entwickelung von Curtius grundz.^ 259. anstoss nimmt und 
ein d-vu) tavQov d-ev) als 'ich stürme dem gott einen stier' 
nicht begreifen kann, der lasse sich belehren durch nhd. der 
himmel regnet steine^ lat. pluit carnem, sanguinem^ oder noch 
besser durch ved. tan no vato mayobhü vätu hheshajäm *^dies 
erquickende heilmittel soll uns der wind (herbei) wehen' 
rgv. I 89, 4. und manches andere der art bei C. Gaedicke 
d. accus, im veda. Breslau 1880. s. 87 ff. Die erscheinung, 
dass eine einzelsprache , wie das griechische bei d^o} und 
^iTw, eine altererbte indogermanische formendoublette zur 
bedeutungsdifferenzierung benutzt, kann Leo Meyer an meh- 
reren punkten dieser Untersuchung bestätigt finden. 

Sanskr. pu-ya-ti Vird faul, stinkt', pu-ya-te dass. med. 
= avest. pu-ye-itij a-pu-ya-nt- ""nicht faulend' partic. Griech. 
öia-Ttvo), das die Wörterbücher angeben, finde ich nirgends 
belegt, sondern nur dia-jtvhoj dia-TCvoiOj öiaTcvloy.io. 

Sanskr. ab kibhü-ya-ti' wird übertroffen, überwältigt, heim- 
gesucht', bei Böhtlingk - Roth V 321. aus der maiträyany- 
upanishad belegt, abki bhü-ya-te dass. mediopass. , anubhü- 
-ya-te Vird empfunden, gefühlt, genossen, erfahren, erlitten 






— 25 — 

wird wahrgenommen, vernommen, kennen gelernt', jiain bhü- 
-ya-te Vird tibertroffen, bemeistert, besiegt, wird umgangen, 
nicht beachtet, gering geschätzt', sani pari bhü-ya-te Vird 
gering geachtet'; griech. nachhomer. (pv-to intrans. '^entstehe, 
wachse', trans. ^bringe hervor, schaffe, lasse entstehen, lasse 
wachsen', cfv-o-fnat intrans. "^entstehe, wachse' med.; altlat. 
fuam intrans. ^ich werde, sei', trans. ''ich schaffe, mache' aus 
*fü-lä-m (s. 15 ff. anm.), fuüSj Juatj fiiant conj. praes., fuet 
trans. 'wird schaffen, machen', futurum aus altem optativ 
*fü-io-i-i (== griech. cpv-oi), umbr. fu-^ia ^^sit' conj. praes., 
fu-ie-s-t 'erit', futur aus dem praesensstamme entwickelt 
wie umbr. her^-ie-s-i" Yol^t* u. a. (anders Brugman morphol. 
unters. III 44 ff.); anord. by ''ich wohne, baue' aus germ. 
bn-iöj ags. b^-an (bei Ettmüller lex. Anglosax. 307. aus 
Bosworth angeführt), mhd. biu{w)en infin. und ohne umlaut 
anord. bü-Uj ags. alts. ahd. bü-an infin. == avest. bu-ye ''ich 
will sein' med., bu-ye-nte 3. plur. ; griech. homer. nachhomer. 
ipv-io^ (pv-o-f-iar^ lat./«"Ö Hch werde' aus *fu'iö (s. 15 ff. anm), 
fiamj ftäSj f't(it) f'iaiit conj., fiet intrans. ''wird werden', 
futur aus altem optativ ^fn-io-i-t (= griech. (pv-ot)^ lat. 
i7i-ßt "^ fängt an', in-fiunt 3. plur.; altir. biu "fio, sum' aus 
* bü-w (s. 16. anm.); anord. byggja^ f^J/yß^a "wohnen, bewoh- 
nen' infin., schwaches verb aus früherem starken, 1. sing, 
praes. indic. urgerm. bu-iö (vergl. Kluge german. conjug. 
127 ff.). Es sind wieder mehrere einzelfragen zu erledigen. 
Die wertvollen von Loewe prodrom. corp. glossar. lat. 363. 
ans licht gezogenen flössen fual: faciatj fuet: f acte t zeigen 
uns an dem lateinischen jod-praesens dieselbe transitive be- 
deutung, welche dem griechischen (pvtü sogar geläufiger ist 
als die intransitive. Letztere ist natürlich die ursprünglichere, 
und im griechischen sind rQlxctg, ^rccoywvaj fcregd, xigaroy 
sQiaj zaQ/tov, vovvj (pqevag (pvecv u. dergl. '^haare u. s. w. 



— 26 — 

wachsen lassen' constructionen des intransitivums mit dem 
„ inhaltsaccusative ", derart, wie sie für das vedische C. Gae- 
dicke d. accus, im veda 156 ff. erörtert. Darnach sind neu- 
gebildet im griechischen ^w«, avÖQag cpÜEiv 'tiere, männer 
hervorbringen' (Plato, Herodot), d^eol (pvovoiv avd-QioTtoig 
q)qevag (Sophokles), Tcdvovgy eTtid-v/ilag q)V€iv (Sophokles), 
6 xQovog q)v€i aörjla (Sophokles) u. a. bei Passow hand- 
wörterb. unt. cpvw, mit nunmehr wirklichen objectsaccusativen. 
Man kann selbst an das sanskr. coi^ayäm babhüva nachvedi- 
schen Ursprunges erinnern (Gaedicke a. a. o. 165 f.). Näher 
liegt aber noch unser deutsches bauen: dasselbe verb mit 
(ptuv , lat. fuam entwickelte auch auf germanischem boden 
die transitive bedeutung in das haus, den ackere sein nest, 
wein oder körn, getreide bauen neben der bleibenden alten 
intransitiven in irgendwo bauen, die bienen bauen^ meta- 
phorisch auf jemand oder auf etwas bauen. Die griechischen 
beiden aoriste eq)vv und ecplöa konnten sich hiernach in ihren 
bedeutungen sondern. So werden auch die lat. fuat 'faciat', 
fuet "faciet' ihren transitiven sinn entwickelt haben, und die 
schwierige vermittelung mit würz, dhe-^ Tl-d^rj-f.itj fa-c-iö 
(Loewe a. a. o., Curtius grundz.^ 254., Brugman morphol. 
unters. III 49.) ist unnötig. Bei Curtius' auffassung der fuantj 
funsj fuatj fuant als aoristconjunctivformen (de aor. lat. reliqu. 
VI ff. == Curtius' stud. V 436 ff.) würde sich, abgesehen da- 
von, dass umbr. fu-ia mit erhaltenem jod immerhin dem 
praesens verbleiben müsste, auch die weitere annähme nötig 
machen, dass jene dann neuere analogieschöpf ungen des la- 
teinischen seien, denn der indogermanische aorist war „un- 
thematisch" (s. 14.), hatte also nicht den conjunctivcharakter 
-ä-. Dem aorist würde ich meinerseits nur osk. fuit ""sit' tab. 
Baut. 28. 29. als optativform (aus *bhmij-J't mit der gewohn- 
ten Übertragung des -i- aus dem plural) und umbr. fu-tu als 



— 27 — 

imperativ (= indog. bhü-tod) zuweisen. Warum ferner 
Curtius sich dadurch, dass ihm Windisch grundz.^ 305. altir. 
biu unter cpvco stellte, nicht bewegen Hess, endlich die Zu- 
sammenstellung von lat. fiö mit Tl^r]f.u s. 254. aufzugeben, 
verstehe ich nicht ganz. Das umbrische participierte an der 
schwächeren praesensform *füiö fiö auch, nach ausweis der 
neubildung des particips ßto = altlat. fitum (Breal les tabl. 
Eugub. 124. f., Thurneysen üb. herk. u. bild. d. lat. verba 
auf -w 24., Brugman morphol. unters. III 48.) , das mit den 
sprösslingen von lat. suf-fiö, nemlich suf-fUu-s partic, suf- 
-fitor^ sitf-fUu-s m., snf-fitiö^ suf-flmeii^ suf-flmcntu-m^ glei- 
cher entstehungSart ist. Um zu germ. hüan überzugehen, so 
scheint mir Mahlow d. lang. voc. A E in d. europ. spr. 43 f. 
das richtigere zu treffen, wenn er den ausfall des i vor i 
und e für urgermauisch hält, während Sievers und Paul (Paul- 
Braunes beitr. V 126 f. VII 112. 160 f.) ihn bloss für das 
westgermanische annehmen^). Dann war die urgermanische 
praesensfiexion unseres verbs ^?7 2* ö, büizi^ hnvSi^ hüipme^ 
hüe^e^ bMlon'^ij infin. büiono. Zu nicht umgelauteten 
formen kamen gesetzmässig die 2. und 3. sing, und 2. plur., 



1) Einige analogiebildungen mehr, als bereits Mahlow statuiert, wer- 
den dabei noch angenommen werden müssen, so z. b. für das gotische 
die Wiedereinführung des -j- in den gen. sing, harjis nach harja, har- 
jam u. s. w. Sonst wüsste ich aber nichts der Mahlowschen regel sich 
direct widersetzendes. Dagegen gut würde sich wiederum mittels der- 
selben das altnordische schwanken zwischen v und j im stamme solcher 
starker verba wie hnyggja und hn0ggva 'stossen' und solcher ursprüng- 
lich starker wie byggja und hyggva 'wohnen' erklären, hnyggjum^ 
hn0ggvi^, hnyggja hätte bei ersterem der alte plural praes. gelautet, 
woraus leicht, wie man sieht, das doppelparadigma entspringen konnte, 
Bei hyggjum, *bjgggvi^, byggja = yvofier, (fvsre, (pvovai war ein schritt 
mehr geschehen, indem zunächst byggvi^ sich durch ausgleichung neu- 
gebildet hatte, darnach erst die j- und die f -formen zu zwei paradigmen 
auseinander traten. 



— 28 — 

da nach Scherers und Sievers' erklärung des z-umlauts mouil- 
lierte consonanten denselben zu vermitteln haben. Der 
infinitiv ags. byan^ mhd. biuwen ist als solcher lautg^setz- 
licher denn anord. büa^ westgerm. bümi] übrigens mag ahd. 
büe7i und sein praesens recht wol hie und da latenten umlaut 
enthalten. Die altnordischen praesentia by^ "^bür^ *byjum^ 
büi^j ^byjüj infin. *byja und */z/Ä-, lykr^ lukum^ luki^^ lüka^ 
infin. lüka werden sich nach gegenseitigem muster zurecht 
gefunden haben. Ebenso gewannen andere j od -praesentia 
ihren umlautslosen plural praes. und infinitiv neben umgelau- 
tetem sing, praes.: yny gnü{u)m gnüa '^schaben'', sny snü{iim) 
snüa *" wenden^, grce grö(u)m gröa *^wachsen\ rce r6{u)7n riki 
'^rudern'*, sie sd{u)m sä '^säen\ Aber die ausgleichung musste 
nicht gerade so erfolgen, denn spyj'a ""speien' und später 
schwach conjugierende wie dyja ""schütteln' (= griech. i^rw), 
gnyja *^tosen', lyja ^zerquetschen' (= griech. Ivcü)j ryja ^den 
Schafen die wolle abscheren' (= lat. rwö ^umstürzen') waren 
ursprünglich von derselben art wie büaj gnüa, snüa. Anord. 
gnyja *" tosen' und gniia ""schaben, kratzen' sind aus einem 
paradigma differenziert, da ihre bedeutungen sich fast ebenso 
nahe liegen wie diejenigen von griech. y.v6ri f., y.v6o-g m. 
""knarren, knarrendes geräusch' und yivvto ""kratzen, reiben'. 
Was für eine neubildung got. bauan statt *büan sei, zeigt Paul 
in seinen beitr. VII 155. f; zu der analogiebildung nach dem 
perfect * bai-bau kam es aber auch leichter, wenn vorher das 
praesens *büja, * bTds, *büipj *büja?nj *büipj *büjand, infin. 
*büjan mit ausmerzung der j-formen zu *^?7a, *brdsu.8. w. 
geworden war. 

Abulg. my-ja^ Vasche' = avest. a-mu-ya-mna- ""nicht be- 
schädigt, nicht zu Schanden werdend'. Vergl. s. 22 f. 

Lat. rw5 ""reisse, raffe fort, raffe auf, raffe zusammen, 
scharre, reisse auf, wühle auf, stürze um, stürze nieder', 



— 29 — 

intrans. 'stürze, renne, stürme, eile, stürze nieder, stürze ein', 
aus vorhist. ini-iö (s. 15 ff. anm.), compp. cör-, c?g-, c??-, e-, 
ir-j ob-j p?'d-j sub-j super-rud] abulg. r?/-/« *^grabe'; anord. n/ 
'schere den schafen die wolle ab' aus urgerm. r?7-?'5, ry-y« 
infin. = griech. homer. nacbhomer. Iqv-co 'reisse, zerre, 
schleppe, ziehe, reisse herab, reisse ab, reisse um, reisse 
heraus', eqv-o-fiai 'reisse an mich, reisse für mich, reisse 
von mir' med., av egv-io 'reisse zurück'. Es ist zunächst 
wol kein zweifei, dass die bedeutung von eqvco, eQvo(.iai^ 
immer das gewaltsame ziehen ausdrückend, diese Zusammen- 
stellung duldet. Homers y^qocöag (.ihv TtvQycov eqvov IL M258., 
^ncQOKQOOOag eqvotxv S 35., ^iTCJtov eg axQOTtoXiv iQveo&ai, doQv 
67r' av.qrig Igvetv Od. ^ 504. 508. (vom ziehen des trojani- 
schen pferdes auf die bürg) könnte auch der Lateiner durch 
sein ruere wiedergeben; ebenso homer. vr^a dg ala oder 
aXade, vrja rJTteiQOvös oder etc iqTveiQOv eqveiv, dict öcoi^iaTa 
Iqveiv t] Ttoöog iq ymI xeiQog (Od. q 479 f.), Tiva aarv tcÖti 
Iqvoai (IL P419.), "jExro^« tqlg Tteql aijjiia SQvetv (IL ß 16.), 
vev.Qov oder vexgovg sQueiv (von den den leichnam zerren- 
den feinden, hunden und raubvögeln). Mit öoqv e§ cüTeiXrjg 
eqveiv oder eqveödai, nvl oCötov e^ (hf^ioio, /tieXlrjv xeiql Ix 
y,qri(.ivolo, cpaqfiiaKOv ex yalrjg eqvsiv (Homer) und ^Upog, jud- 
XaiqaVy aoq , cpaayavov Iqveod-ai (Homer), eyxog eiqvaov 
Sophokl. Trachin. 1033.), qtCav yalrjg eqveod-ai (Nikand. 
ther. 548.) vergleicht sich lat. ocvlös iruerc (Seneca), segetern 
iruere (Vergil) ; tqiya eqvetv vom haarausreissen anthol. Pal. 
V 230, 1. nähert sich dem anord. ryja 'wolle abscheren'. 
Formal ist in dem praesens l-qv-co das £- prothese wie in 
l-qvd-qo-g 'rot', in dem impeifect e-qv-o-Vj dem aorist 
f-qv-Ga aber kann es auch augment sein*). Nun ging aber 

1) Ich bemerke, dass in rjQsvd'ov 'ich rötete', ij^vyov 'spie aus' 
u. dergl das „temporale" augment auf griechischer neubildung beruhen 



— 30 — 

nebenher eine andere doppelformige basis (nicht wurzel) 
ßegv-j ßQv- 'decken, schirmen, schützen, retten^ = sanskr. 
varü- in ved. varü^tdr- 'abwehrer, beschirmer', värü-tha- n. 
Vehr, schirm, schild, obdach', über deren Ursprung wir spä- 
ter eine Vermutung wagen. Letztere bildete regulär im prae- 
sens 6Qvof.iai oder Qvoi^iai, im imperfect augmentiert eigvof^rjv 
(aus * s-߀Qv-i6-f.irjv) und Iqqvo^tiv (aus ^l-ßqv-ip-^ir^v), 
ohne augment egvoi^irjv und QvoinrjVj im sigmatischen aorist 
augmentiert elQvGainrjv und iQQVGajurjVj ohne augment eqvoä- 
(.nqv und QvadfirjVj im einfachen unthematischen aorist (nach 
analogie von wurzelverben) augmentiert elQvf.iriv und eqQv- 
jLiTjVy ohne augment eQV!.tr^v und Qv/^irjv (infin. homer. Qv-G&ai 
II. 141., 3. plur. homer. Qv-aro II. -^515. Od. q 201.), im 
perfect etgifiat (aus *ße'߀Qv-f.iat) und %QQVf.iat (aus * ße- 
ßqv-f.iai). Griech. qv- = indog. iiru- neben egv- = indog. 
ru- ist das normale nach Froehde Kuhns zeitschr. XXII 263 ff. 
Die praesentia med. Fegvoj-iai 'decke, schirme"* und Igvo^at 
'ruo"* fielen nach dem digaramaverlust des ersteren formal 
zusammen; ebenso deckte sich später unter den praeterital- 
formen die nicht augmentierte reihe ߀Qv6i.irjVj ßsQvGdjiiriVy 
ßeqv/iirjv mit der augmentierten oder nicht augmentierten 
eQvof-irjv, eQvGdfurjv, lQVf.iriv von Iqvio 'ruo'. Berührung der 
bedeutungen war auch genügend da: stellen wie 11. JS" 152. 
ex ßeletüv egvGavTO vskvv, IL P 104 f. et Ttwg egiGaified-a 
vcKQov nrjkelÖT] ^dxilrji pflegen diejenigen zu benutzen, wel- 
che wie Passow im handwörterb. unt. egvco den begriff des 



muss ; die altüberkommenen praeteritalfonnen der indogermaniscli mit r- 
anlautenden wurzeln hatten syllabischeß augment vor einfachem q : griech. 
/.^. = sanskr. ä-r-. So gut wie nun aber iQsvyco zur folgerung eines 
neuen aorists ^(»vyov veranlassuug gab, so gut mochten vereinzelt wol auch 
umgekehrt i-Qv-6-firjv, k'-Qv-ro die bildung eines neuen praesens qi-o-uai 
befördern. 



— 31 — 

Schützens, schirmens, rettens aus dem des entreissens, weg- 
raffens abzuleiten suchen. Hier flössen wol in der tat dem 
griechischen Sprachgefühl die beiden von hause aus verschie- 
denen verba in einander, was für eQveiv'rvLQYo' zweierlei folgen 
in formaler beziehung hatte: erstens stellen weisen gebrauch 
wie mit nachwirkendem anlautendem digamma in den home- 
rischen gedichten (doch müsste die Sache darauf hin jetzt 
aufs neue untersucht werden); sodann aufkommen der pro- 
theselosen nebenform Qvofsiai auch für Iqvo^ai *^ruo\ Man 
blieb nicht dabei stehen, qveod-ai h d-avarov , ex xa'/.ov 
(Homer), «x jcovlov (Pindar), ex xeocov jniaupovcov (Euripides) 
zu sagen, wo noch allenfalls an ßgieo^ac 'schützen, retten' 
gedacht werden könnte; auch die ableitungen von sqvco ''ruo' 
entblössten sich hinfort ihres lautgesetzlichen prothetischen e-, 
nemlich ^t;-To-g "^herbeigeschleppt" in QVTolai laeooi Od. C267. 
'S, 10., T« QVTcc ''die züger Hesiod. scut. Heracl. 308., qv-ttiq 
Memen, lenkseil, zügel', Qv-fio-g ^zugholz, deichsei, zug- 
riemen"*, Qvfia ""das ziehen, zug, zugseil', Qv-G-raUo ""reisse 
hin und her' neben eQvOTccUoy QvOTay-rv-g f. *^das hin- und 
herzerren'. Aeol. ßQvrrjQ (Ahrens dial. I 34.) kann nach allem 
diesem, wie auch schon Froehde Kuhns zeitschr. XXH 268. 
anm. vermutete, nur QvrrjQ *^beschützer' sein. Mit würz, 
indog. ue?'s- ^fortschleppen' in griech. egg-eiVy homer. «tto- 
-8Q0-€y aTco-€QO-€t€j lat. vej'v-erey die Curtius in seinen stud. 
VI 266 ff. grund.^ 345. herbeizieht, hat egvio 'reisse' nichts 
zu schaffen, das -o- in verbaler und nominaler Wortbildung 
bei egv-o-ocüj egv-G-ro-g (Sophokl. Aias 730.), qv-o-TiqQy qv- 
-G-rd^cü ist von derselben art wie in s-rdvv-G-Gay e-ravi- 
-G-d-jjVj Te-Taw-G-f-iaij Taw-G-rv-g u. a., auf der bekannten 
griechischen formübertragung von dentalstämmen beruhend. 
Griech. co-qo-ü) 'heule, brülle, rufe laut, schreie', co-qv- 
-0-f.iai dass. med.; ags. r^-9 'rugit' (Grein gloss. unt. r\jn) 



— 32 — 

== griech. io-qv-o-vrm Plato comic. bei Athen, p. 628. E., 
co-Qv-6-rai Dionysius perieget. 83. Dem soeben (s. 27 f.) be- 
merkten gemäss hat ags. rj/-9 statt *riib den umlaut durch 
Übertragung; 1. sing, praes. ind. ags. *ry{j)e aus urgerm. ;'?7?'ö. 
Ungeschwächte wurzelform indog. riMu-^ vergl. oben s. 21. 

Griech. homer. nachhomer. Iv-co ^'löse^; lat. lud 'löse, 
bezahle, btisse' (schulden, strafe), re-/wö ""resolvo", poet. 
so4uö 'löse' (Corssen krit. beitr. 151., Loewe prodrom. corp. 
gloss. lat. 422.) aus *lü-iö (s. 15 ff. anm.); anord. iy 'zer- 
stosse, zerquetsche, zerschmettere' (vgl. homer. ?.vto yovvaTa^ 
yvla UlvvTo) aus germ. In-iö^ ly-ja infin. = griech. homer. 
ep. Iv-io. Die bei lateinischen dichtem sehr übliche „diä- 
rese" der formen des verbums solvö (Neue formenl. d. lat. 
spr. IP 497.) beruht auf sprachhistorischem gründe, nicht 
auf metrischer willkür. Zweisilbiges praesens solvö ist wol 
erst nach dem perfect sohl gebildet, wo so-lv- als schwacher 
stamm vor consonantisch beginnender personalendung (3. plur. 
so-lv-e?'unt) althergebracht war. Umgekehrt macht dann auch 
das perfectum sohl dem praesens die „ diärese " nach ; vergl. 
Neue a. a. o. Bei voluö^ volui und vohöj vohi wird um so 
eher dasselbe zu statuieren sein, als das perfect vohi erst 
nach sohl gebildet sein wird, in anbetracht davon dass das 
-V- von griech. eilvw llvio = voluö (würz, nel-) doch wol 
von hause aus nur praesentisch war. 

Griech. Kaa-Gv-o) 'flicke, schustere, zettele an'; lat. ^ö 
'nähe' aus *?7-/ö (s. 15 ff. anm.) = lett. szü-ju 'nähe' (Bielen- 
stein lett. spr. § 260. I s. 355.) für lautgesetzliches '*sü-ju 
(s. 19 f.). Abulg. sf-ja kann aus *sji/-ja und aus *sju-ja 
entwickelt sein. Desgleichen bleibt in got. siu-ja das u un- 
bestimmbar. Anord. st/-ja 'nähen', das man ansetzt, ist in 
formen des praesensstammes nicht zu belegen ; vergl. 0. Schade 
altdeutsch, wörterb.' 769 ^ 



— 33 — 

Sanskr. stü-yd-te^ pi^asiü-ya-te Svird gelobt, gepriesen' 
pass., ved. stü-yä-mäna-s partic. = avest. stu-y^ ""ich erflehe', 
ä'Stu-ye ^preise', ns stu-ye 'ich schütze durch gebet', /ra 
stu-ye *^ich lobe'. 

Griech. homer. nachhomer. 7cti>-m 'spucke, speie', für 
lautgesetzliches *07tv-io (s. 19 f.) 0, ava-Ttrv-M^ ccTto-Ttrv-co'j 
lat. spud aus ^spü-w (s. 1 5 ff. anm.); anord. spy 'speie' aus germ. 
spü-iö (s. 27 f.), spy-ja infin. = griech. nachhomer. aTt-s- 
-7tTv-€v imperf. „Ypsilon ist im praes. und impf, lang . . .; 
doch wird in compos. von Theoer. 24, 19. u. Ap. Rh. 2, 570. 
4, 925. an ypsilon auch im impf, dann kurz gebraucht, wenn 
die folgende silbe kurz ist, bes. häufig bei Nonn." (Passow 
handwörterb. unt. tttvco^ a/toTtTvw). 

Auch wenn nicht 2, u die wurzel schliessen, sondern 
dahinter noch ein geräuschlaut steht, zeigt die jod-praesens- 
bildung länge und kürze des sonan tischen wurzelsonors. 

Griech. tS-Uo 'schwitze' = sanskr. svid-yä-mi-, ahd. 
swizzu. Das griechische verb hat nach der langen Wurzel- 
silbe im Suffix folgerichtig sonantisches i nach Sievers Paul- 
Braunes beitr. V 129 f. Die kürze der mittleren silbe, wie 
sie Homer in hö^tov Od. i; 214. hat, ist das ursprünglichere; 
neubildung das ~i6io) der Attiker, worüber unten. 

Abulg. kyp4-ja^ 'springe, fliesse über, wimmele von' (infin. 
kyp-oM) = sanskr. kiqi-ya-ti 'wallt auf, zürnt'; lat. cup-U 
'bin lebhaft interessiert, begehre'. 

Avest. büidh-ya^-ta 'er bemerke', büidh-ydi-maidhe opt. 
mQd., fra-büidh-ya-mnö 'erwachend' partic. med. «= sanskr. 
büdh-ya-ti 'erwacht, merkt', budh-ya-te med. 



1) Griech. nvrii^o) 'spucke wiederholt, spütze', itvxiGfia 'das ausge- 
spuckte' sind speciell griechische dissimilationsproducte aus "^nxvxlt.o), 
*7irvTi<T/ia, doch beruhen sie auf demselben allgemeinen lautlichen triebe, 
durch den auch indog. spu-lö aus spiu-iö wurde. 

Osthoff u. Brugmau untersuch.^ IV. - 3 



h 



— 34 — 

Avest. yüidh-ye-iti 'kämpft^, yrndh-ya-tö dual., ynidh-ye- 
-inti plur. = sanskr. yudh-ya-ti^ yudh-ya-le med. 

Abulg. smyca sq *^^schlüpfe, krieche^ (infin. smyk-ati) = 
mhd. smucke smücke ''ziehe dicht an mich , drücke dicht an, 
bekleide, schmücke', smucken smücken infin. Schmücken als 
intensivum zu schmiegen war ursprünglich starkes verb, wie 
alle derartigen bildungen, hatte also denselben perfect- und 
participablaut mit ags. smü^an (s. 1 1.). Das scheinbare stamm- 
nomen des schwachen verbs mhd. smuc m. 'anschmiegen, 
Umarmung', nhd. schmuck ist in Wahrheit eine rückbildung 
aus jenem, wie nhd. satz m., hatz f. aus setzen, hetzen-, 
beweis: die „ consonantendehnung " ohne jod-umlaut. 

C. Praesens mit suff. -sk^ö-, -sk^e-: 

Avest. shü-sa-iti ""er stürzt fort' aus indog. k'^iü-sk^e-ti 
=« avest. fra shu-sa-iti *^er stürzt hervor' aus indog. pro 
k^iu-sk^e-ti. Wurzel sanskr. cyay- {cyu-\ praes. cydv-a-te. 

Im griechischen war homer. (.liö-yto ein solches praesens 
wie avest. shü-sa-iti, da grammatikerzeugnisse das 7 in f.uGyco 
verbürgen; vergl. Lobeck paralip. 410. 414., Job. Schmidt 
indog. vocal. I 123. Es steht jutoyco für ursprüngliches */<7z- 
-Gxw, das lautgesetzlich zu *^7(rxw wurde; für letzteres trat 
/^uoyto ein durch die ausgleichung mit den y- formen e-/nly-r]v, 
f.Uy-vv-^iy deren media statt der tenuis von wurzel meik^- 
aus der grundsprache dem griechischen überkommen war 
(vergl. weiter unten) 0» Sonst hält es aber selbstverständlich 



1) Hesychs Svayoa' anoSvto gut mir als eine unmittelbar nach juiayco 
geschehene Umformung von Svaxco, bei der wesentlich synonymische 
association zwischen "'sich mischen' und 'eintauchen, sich hinein be- 
geben' wirksam war; vergl. homer. fuTaro 8^ o/u.iXq>, TZ^ofidxoiaiv i/nix^v 
mit homer. Svvai o/utXov, ovXafiov av8^cov, TtoXsfiov, fidxt]v , und homer. 
sao) fiiayead'ai 'in ein haus hineinkommen' (Od. <r 49.) mit homer. Svvai 
Sofiov "uä'iSos si'ffco. So scheint über Svayco auch schon Gust. Meyer 
griech. gramm. § 506. s. 389. zu denken, aber für das muster ^iayo) 



— 35 — 

schwer, griechische beispiele derselben art beizubringeD, denn 
wenn grammatikerangaben mangeln, so wissen wir durch 
dichterstellen ja nichts über die naturquantität der wurzel- 
vocale in solchen wie homer. Qvaxev IL Q 730., wie Iv-d-v- 
-OAec IvTvyxavei Hesych. für "^ ev-Tvx-OAei (Curtius verb. d. 
griech. spr. P 286.) ausfindig zu machen. 

D. a) Praesens mit suff. -/«e?^-, und b) praesens 
mit suff. -nü-. Die fünfte und die neunte praesensclasse 
sind bekanntlich in den einzelnen sprachen schwer aus ein- 
ander zu halten. Vergl. Curtius verb. d. griech. P 245 ff. 
Dort wird sehr einleuchtend für das griechische die ent- 
stehung der tj^pen von 1) da(.i-vatOj 2) detx-vvcoj 3) ödix-vco 
und d^v-vio verdeutlicht durch annähme dieser analogischen 
Umbildungen der 1. plur. praes. indic. act. in die ö-conju- 
gation: 1) -va-o-f.iEv aus -va-(.iev\ 2) -vv-o-/,i€"V aus -vv-iii€v\ 
3) -vo-(.iev aus a) va-(,ievj b) -vv-f.i€v. Dazu hat 4) den 
typus von d-v-ve-co^ Ki-ve-w jüngst de Saussure syst, primit. 
187. anm. aufgehellt durch die plausible Vermutung, dass 
yj-veß-io für ein umgeformtes "^xi-vev-i^u zu halten sei; viel- 
leicht knüpft man noch vorteilhafter erstlich an die 1. sing, 
imperf act. an, die aus '^l-y.i-veF-a = sanskr. ä-qi-nav-am 
leicht durch e-cpeq-o-v zu l-m-veF-ov werden mochte, so- 
dann an den alten conjunctiv des -/^jz-verbums, dessen formen 
wie ^'Ai-veF-o-^iEv^ "^Y.L-veF-e-TE sich ebenfalls baldig die 
analogie von cpeg-cü-^ievj cpeq-ri-re bemächtigen konnte, dessen 
1 . sing. act. Ki-viß-io aber geradezu für eine indogernaanische 

gibt er dann dem Ursprung des ay eine lautgesetzlich unhaltbare erklä- 
rung. Auf richtigem wege war Curtius verb. P 287., liess sich aber 
davon abbringen durch das nach Job. Schmidts nasaltheorie angesetzte 
*fiiyy-ax(o, das erstens sicher kein historisches fiiayto erzeugt hätte, 
zweitens aber auch als bildung mit -sk^ö- und innerer nasalierung zu- 
gleich nirgendwo in den indogermanischen sprachen seines gleichen 
haben würde. 

3* 



— 36 — 

erbform zu halten angeht. Weiter unten komme ich auf die 
entwickelung des typus von öain-vaco im lateinischen und 
germanischen, sowie auf diejenige des typus (5«//-)'w, S^v-vw 
in den meisten europäischen sprachen ausserhalb des grie- 
chischen und in den asiatischen idiomen eingehender zu 
sprechen. Dies vorläufig zur rechtfertigung unserer folgen- 
den Zusammenstellungen. „Da hinsichtlich des wurzelvocals 
für die neunte classe dasselbe bildungsprincip besteht wie 
für die fünfte classe" (Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 262.) 
und es uns hier nur auf den wurzelvocalismus ankommt, so 
brauchen wir auch darum hier für unseren zweck die beiden 
classen nicht zu scheiden. 

Griech. homer. Ti-vv-raty TL-vv-vTat mediopass., homer. 
nachhomer. Ti-vco .== sanskr. ci-nö-miy ci-nu-te med.; avest. 
ci-nao-t 'fügte an, las' imperf. (Bartholomae altiran. verb. 106.), 
ci-nv-ant- adj. ''suchend, begierig"*, subst. m. nom. propr. Ver- 
samnaler-' oder ""schichte-, scheide-, richtebrücke' partic. act., 
vi ci-nöi-t^Qx möge aussuchen, unterscheiden' opt., vi ci-nae-ta 
opt. med.; griech. T^-vv-juerai partic. mediopass. Euripid. 
Orest. 322., nachhomer. (von Pindar an) rt-vw. Zu der be- 
liebten vermengung der beiden wurzelformen tet- und rJ- 
(Joh. Schmidt indog. vocal. I 142., G. Meyer Bezzenbergers 
beitr. 182. griech. gramm. § 113. s. Ulf., Curtius verb. d. 
griech. spr. P 168., Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 261.) 
fehlt alle lautgesetzliche berechtigung. Vielmehr kam tJ- 
von hause aus allen denjenigen verbal- und nominalformen 
zu, die, auch ti- nach indogermanischer ablautsregel hatten. 
Von solchen, also unter anderen vom praesens tI-vm aus, 
ging 1 vielfach an die stelle von €i über, z. b. im futur und 
sigmaorist, wo die alten lautgesetzlichen formen mit €i, arto-, 
eyt-TelG€Lj -xelöai u. s. w. reichlich genug „auf älteren und 
allem itacismus fremden Inschriften" bezeugt sind. Umge- 



— 37 — 

kehrt breitete sich auch ei aus, so steht arkad. eg-tei-oi-v 
für "^eg-T^i-Oi-v oder ^eg-ri-oi-v (doch sieh weiter unten), 
vielleicht inschriftliches Tet-jurj für TJ-fni^y wofern hier nicht 
alter indogermanischer stamm Wechsel von k^ei-mä und 
lx^i-7nä- die doppelheit erklärt. tsL-co^ das nach Joh. Schmidt 
a. a. 0. die genau dem sanskritischen cäy-a-te entsprechende 
bildung sein soll, fassen wir besser auch als solche neubil- 
dung entweder für rf-w = sanskr. ^ci-yä-mi (s. 12.), oder 
für *2r£-w, denn eben dies musste das lautgesetzliche pro- 
duct von indog. k'^ei-d = sanskr. cäy-d-mi sein, vergl. homer. 
*/€aTa^, niaroj xiovraiy homer. ßeofiai^). 

Sanskr. ved. nachved. krt-iia-ti 'kauft, erkauft' == altir. 
cre-nim *^ich kaufe^ für *cri-nim (vergl. le-iiim ''adhaereo' 
= lat. li-no). Vergl. im altirischen mit langem i cri-thid adj. 
'emax'. Im griechischen gehört nur e-7tQL--a-iiir]v als laut- 
gesetzlich sigmaloser sigmatischer aorist (Joh. Schmidt Jen. 
literaturz. 1875. s. 668., indog. vocal. 11331., verf. verb. in 
der nominalcomp. 329.) hierher, der in seiner Isolierung zu- 
gleich de Saussure's Vermutung syst, primit. 191. bestätigt, 
dass der sigmaaorist im medium und dual und plural act. 
ursprünglich tiefstufigkeit der wurzel hatte ^). Was 7teQ-vrj-(.u 
'verkaufe' anbetrifft, so beruht es auf einer indogermanischen 
praesensform pr-nä-mi 'schaffe hinüber, schaffe fort' von 
Wurzel per-^ wozu auch sanskr. (präkrit.) pd-na-te 'handelt, 



1) Homer, xeiarai, neiato u. dergl. beruhen auf auffrischung der 
Wurzel durch xel-/iai, xel-r«* U.S.W. In homer. ßsiojucu II. ^431. sehe 
ich nicht nur der bedeutung (Curtius verb. IP 316.), sondern auch der 
form nach ein futurum, regulär aus * ßei-<jip-/iat. 

2) Curtius in der zweiten aufläge des verb. d. griech. spr. IP 305. 
anm.**) verbessert zwar stillschweigend den ihm nachgewiesenen fehler, 
dass von e-7tQiäfii]v als aorist der alte imperativ *7tQiacai zu lauten 
hätte, bringt aber sonst nichts neues von bedeutung gegen die von Joh. 
Schmidt und mir vertretene aoristische auffassung vor. 



— 38 — 

tauscht ein', altir. re-nim *^gebe weg'; griech. 7t€Q-vt]~/iit für 
* TtccQ-vTj-iiu oder *7tQa-vr]-fu durch ausgleichung mit 7t €q- 
-«-w, fut. 7t€Q-a-oco. Ein zu l-TtQL-a-iurjv gehöriges prae- 
sens *7tQt-va-jiiaL ist dem griechischen abhanden gekommen, 
vielleicht wegen der zu grossen ähnlichkeit mit dem gegen- 
sätzlichen *7taQ-va-iiiaL {*7CQa-va-jnai)f 7teq-va-f.iaL. 

Griech. homer. ep. cpM-vco trans. intrans. == sanskr. 
kshi-n-6-ti^ ved. kshi-na-ti trans. Vernichtet, zerstört, ver- 
dirbt'; griech. homer. q)&^i-vv-d^co^ cp^^-vv-S-e-Gze] nachhomer. 
(bei Pindar und Attikern) (pd^t-vco. Die ungeschwächte wur- 
zelstufe fpd^ei- bestand auch hier vor der neubildung von' 
cpd^i-GcOj e-cpd^'i-Ga im futur und aorist; vergl. Herodians 
(p&eiG-rjvwQ bei Gust. Meyer Bezzenbergers beitr. I 82. griech. 
gramm. § 113. s. 11*2. cp&em beurteilt sich in seinem Ver- 
hältnis zu fpd-lcoj sanskr. kshi-ya-te oder "^(p&ew^ sanskr. 
kshdy-a-ti (unbelegt, dhätupätha) ebenso, wie reUo im ent- 
sprechenden -falle. Als homerisch braucht man übrigens 
(pd-elco noch nicht anzuerkennen, noch weniger cpd-eiG^^cn 
II. / 246. statt (pd-iGd-ai oder (pS-lGS-at. 

Griech. ßi-ve-co "^notzüchtige' == sanskr. ved. nachved. 
yZ-wa -^2 'überwältigt, unterdrückt'. Nach Pott, Curtius, Ascoli 
und anderen. ' 

Lit. archaist. gy-7iu 'lebe auf, genese' (Nesselmann 
wörterb. 254. a.); got. kei-na^ ahd. cM-nu 'keime' = sanskr. 
ved. prd ji-nt)-shi 'du belebst, erquickst' rgv. V 84, 1. (vergl. 
Grassmann wörterb. z. rgv. 488., Petersb. wörterb. III 104. 
unterem?.'-), ved. ji-nv-a-ti intrans. 'regt sich, ist frisch, ist 
lebendig', trans. 'treibt an, erregt, erquickt, belebt, fördert'. 

Griech. yü-vs-u) 'setze in bewegung, errege', homer. 
v.i--vv-vrOj Ki-vv-iuevo-g partic. med.; abulg. 5/-7?fl 'illucesco' 
(sinett slüiiice eigentl. 'die sonne regt sich') = sanskr. ei-no-ii 
*^regt an, treibt an', gi-nu-te med. (unbelegt, dhätupätha). 



— 39 — 

Griech. xQt-vto 'sichte, scheide, unterscheide, urteile, 
richte; anord. hri-n 'ich berühre', aus germ. hri-nöy anord. 
hri-na infin. = lat. cef^-nö aus *cri-nö 'sichte, scheide, son- 
dere aus, sondere ab, entscheide, beschliesse'. Das laut- 
gesetzliche betreffs lat. cei^-nö^ cer-tu-s sieh oben s. 1 f. 
Anord. hrina als 'berühren' ist ein 'digito' oder 'tactu cer- 
nere', mit derselben specialisierung des Wurzelbegriffes auf 
den sein object aussondernden tastsinn, wie in lat. ocuUs 
cernere und dann allein cernere 'wahrnehmen, sehen' auf 
den gesichtsinn, und in lat. cernere 'hören' (vöa^ illius certe 
est, idem omnes cernimus Attius trag, fragm. 218. Ribb.) auf 
den gehörsinn. Von der wurzel sk^er^- (k^er-) 'schneiden, 
scheeren' (lit. skii^-iu^ griech. xelgco, ahd. sceran) liegt kra^'i- 
'sichten' in lauten und bedeutung gleich weit ab, so häufig 
beide auch (bei Job. Schmidt indog. vocal II 330. 352., Car- 
tius grundz.^ 156., Fick wörterb. P 239. IP 65. und sonst) 
confundiert zu werden pflegen. Bei Curtius a. a. o. stehen 
gar auch abkömmlinge der wurzel sk^ej^- 'deutlich werden, 
scheinen' (in griech. am-a^ lat. sci-o^ ahd. sci-nan) als ver- 
wante von yi^ivojy cernö, nemlich got. skei-j^-s 'schier, hell, 
rein', skei-r-ein-s 'interpretatio'. 

Sanskr. abhi pt^i-nu-ti 'führt herbei , vereinigt mit', mm 
^rfnä-ti 'fügt zusammen'; griech. xli-va) 'lehne'; lat. ac-, de-^ 
in-y re-cli-nöf -cli-nä-re infin. = avest. ni siri-nao-iti 'über- 
gibt', ni sri-nav'ä-hi conj. (Bartholomae altiran. verb. 106.); 
ags. kli-ma-?ij (alts. hli-?iö-n,) ahd. hli-iie-n^ mhd. le-ne-n 'leh- 
ren'. So gut wie lat. -cli-nä-re mit seiner schwachen ä-con- 
jugation ein „reflex der neunten indischen verbalclasse " ist 
nach Foehde Bezzenbergers beitr. III 305. , so gut muss es 
auch alts. hli-nd-n mit gleichem Charakter (praet. hli-nö-da) 
sein, denn das altsächsische hat die älteste gestalt des ger- 
manischen verbs. Übrigens zeigen auch liorainale bildungen 



— 40 — 

mit w-suffix das doppelspiel von i und « : griech. /li-vi] Hager, 
bett^, lat. ac-cli-ni-s 'sich anlehnend', de-cli-ni-s ''sich weg-' 
neigend', in-cli-nis 'sich neigend' neben ahd. hli-na U-na 
le-na f. 'lehne'. 

Griech. ayi-ve-io, a-yi-vco trans. 'führe, bringe, bringe 
zusammen', intrans. 'bewege mich', homer. ayT-velg, ay'i-vu^ 
ayJ-vovGtj ayl-veovj ayT-v€-oy.o-Vj ayl-ve-(.iEvcii infin. = sanskr. 
ved. nachved. hi-nö-ti 'setzt in bewegung, treibt an, veran- 
lasst zu, beeilt etwas, schleudert, wirft, fördert, befördert 
her, schafft herbei, befördert hin, verlässt, gibt auf, wird 
los, befreit sich von', hi-nu-ie 'setzt sich in bewegung, be- 
eifert sich' med., hi-nv-a-ti 'setzt in bewegung, treibt an' 
u. s. w. (wie hi-nö-li\ ved. hi-nv-a imper. 2. sing. (Böthlingk- 
Roth VII 1607.); avest. zi-nd-t 'er treibe, schaffe, werfe weg, 
entziehe' conj., apers. a-dU-na-m 'ich nahm fort', a-d^i-nd 'er 
nahm fort' 0; got. du-ginna^ ahd. bi-j in-ginnu 'setze ins werk, 
beginne' aus urgerm. '^-^i-nw-ö^ -zinnt. Ich kann nur 
an volksetymologischen Zusammenhang des griech. ay'ivew 
mit ayio glauben: ursprüngliches ^yü-ve-co ward der gleich- 
heit der bedeutungen wegen nach ayto möglichst umgemodelt, 
vielleicht schon zu einer so frühen zeit, als man noch mit 
media aspirata *gh~tv€ßoj sprach. In diesem sinne möchte 
ich von ayvelv ' ayeiv KqrJTsg Hesych. auch mit Curtius verb. 
1*267. sagen: „Die form vermittelt zwischen ayto und ayu- 
vho. " Denn besass man gemeingriechisch ay-ve-co als nasale 



1) Nacli Spiegel d. altpers. keilinschr. 139. bleibt es doch wol kaum 
zweifelhaft, dass die zeichen für iy, uv in der keilschrift zur anwendung 
kommen, wenn es i, ü darzustellen gilt. Die differenzen in der lautform, 
die bei anlegung dieses massstabes zwischen avestisch und altpersisch 
hinsichtlich des i und i, ü und u sich erheben (z. b. apers. vispa = avest. 
vtspd)j. kommen, wie schon Spiegel sah und wie unsere Untersuchung 
bestätigt, nicht in betriebt. 



— 41 — 

bildung von ay- (vergl. osk. anglt^ Fritzsche stud. VII 386.), 
so trat jene Umformung des "^yivho noch leichter ein. Immer- 
hin gebe ich diese nummer nur mit allem vorbehält. 

Abulg. zi-na ""gähne, klaffe', anord. qi-n ''gähne, klaffe', 
gi-na infin. = ags. ^/-we ""gähne', zi-^an infin., ahd. gi-nö-n 
"^ich gähne', gi-non {gi-ntm^ mhd. gi-nen infin. Die schwache 
a - conjugation ist in ahd. gi-non so zu beurteilen wie bei 
alts. hli-nön^ lat. -cli-näre (s. 39.). 

Griech. Tti-vco "^trinke' = sanskr. *pi-7iö-ti in ved. pi- 
-nv-änä-s partic. med. *" schwell end , strotzend' rgv. IX 94, 2. 
(vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 810. 811.), ved. pi-nv-a-ti 
trans. ^schwellt, macht strotzen, lässt reichlich strömen', 
pi-nv-a-te in trans. ^schwillt, strotzt, strömt über' med.; avest. 
fra pi-nao-iti trans. 'breitet aus, befördert', intrans. "^schwillt, 
verbreitet sich'; griech. 7tt-ve imperat. bei Strato anthol. 
Palat. XI 19., wo vielleicht unnötig itLe conjiciert wird. Zieht 
man mit dem Petersb. wörterb. IV 716. und mit Fick wörterb. 
P 144. 374. das nomen sanskr. pi-tü-s m. "^saft, trank, nah- 
rung', avest. pi-tu-sti m. 'speise, nahrung' zu der wurzel pi- 
'schwellen', so ist kein grund abzusehen, warum man nach 
allgemeinem herkommen die sippe sanskr. pi'-ya-te 'trinkt', 
pt-ti-s f. 'trunk', pi-thä-s m. 'trunk' in go-^ surä-^ soma-pithä-Sy 
pi-td-s partic. pass. 'getrunken', act. 'getrunken habend', pi- 
tva absol. 'getrunken habend', griech. jcL-vcoy e-Tti-o-Vj tcl- 
0-f.iai (s. 13 ff.), 7tl-vo-v n. gerstentrank' und abulg. p^^-ja 
pi-j(\j /?/-^/ 'trinken' nebst abulg. pi-vo n. 'trank, hier', lit. 
pjj-va-s m. dass. noch länger davon trennen soll. 'Trinken' 
ist 'schwellen', der trank so gut wie die speise eine 'Schwel- 
lung'. Klar ist das besonders bei neuengl. to swill intrans. 
'stark trinken, sich betrinken', trans. 'tränken, berauschen', 
das mit to swell intrans. 'schwellen' aus 6inem paradigma 
geflossen ist. Im slavischen ist doch wol auch pi-sta f. 'cibus, 



— 42 — 

epulum^ von pi-tije n. '^potus'*, pi-rü m. ^compotatio' nicht 
zu trennen. Die sogenannten objeetaceusative bei Tci-veiv^ 
sanskr. pi-ya-te^ abulg. pi-ti^ wie vöwq, (.led-v, olvovj sanskr. 
udakam, apaSy tejo värimayamiy süräm (vergl. Petersb. wörterb. 
IV 615 f. 735.), abulg ?^oö?ö, sind von hause aus Inhalts- oder 
beziehungsaccusative bei einem intransitiven verb, wie der- 
gleichen ja die älteren sprachen noch weit mehr liebten 
als die modernen ; vergl. Delbrück syntakt. forsch. IV 32., 
Gaedicke d. accus, im veda 52flf. 87 ff. 156 ff., oben s. 24. 25 f. 
Im griechischen ist z. b. unmittelbar die construction des 
eigentlich intransitiven nvtOy xvew 4ch bin angeschwollen, bin 
schwanger, trächtig^ mit dem accusativ vergleichbar: xveiv 
7taLÖLov, l'/.vei cpLlov vlov (II. T 1 1 7.), ßqecpog rj/nlovov -Kviov- 
aav (IL W 266.). Die genitive aber bei TtiveiVy in TtLoi oXvoto 
(Od. X 11.)? cili-iaTOO, o(pQa.7tLco (Od. A 96.), in ycQi^vrjQy Ttora- 
f.iov Ttiveiv haben wir als ablative oder als Stellvertreter sol- 
cher {oXvoio, Ttoraf^iovy vergl. morphol. unters. II 108.) zu 
verstehen, wie am klarsten olvov, evd^ev emvov Od. ö 220. 
zeigt; dass das griechische Sprachgefühl keinen unterschied 
mehr zwischen einer und derselben casusform in oivov 7ctvoj 
*^ich schwelle von dem weine her' und in ohov Tte/tcoTia 
ich habe des weines getrunken' (Delbrück a. a. o. 39 f., 
Gaedicke a. a. o. 43.) empfand, macht jene auffassung weder 
überflüssig noch hinfällig. Mit griech. TtL-Ttl-oxeiv tlvcc ""je- 
mand tränken, einem zu trinken geben"* vergleiche man in 
beziehung auf die reduplicierte form und die causative be- 
deutung vedisches wie rgv. VIII 55, 7. dpipemehd vajrinam 
wir tränkten hier reichlich den blitzträger', rgv. VIII 88, 1. 
tvä'm ida hyö närö ^pipyan vajrin bhurnaydh *^dich, blitzer, 
haben hier getränkt die männer gestern eifervoll' (Grass- 
mann). Mit 7tL-7tl-GK€LV TL {yccla , vdcüQ, cpaqfxav.ov) *^etwas 
zu trinken geben' aber berührt sich rgv. IV 16, 21. isham 



— 43 — 

jaritre nadyo na pipeh ''lass labung schwellen strömen gleich 
dem Sänger' (Grassmann), rgv. VI 50, 12. parjanyävatä pi- 
pyaiäm isham nah *^Parjanya und Väta mögen labetrunk uns 
reichlich spenden'. Vergl. auch noch ved. pdy-as n. saft, 
flüssigkeit, milchtrank' neben pdy-a-te *^er schwillt, strotzt'. 
Der anschluss von 7Ci-vio an das formensystem einer anderen 
Wurzel, pö' *^ trinken' in Tce-7t(jo-y,a, 7te-7to-(.iai , e-jco-d-rjv, 
7vo-t6-Vj 7t6-To-g, Tc6-ai-^^ lat. pö-tu-Sj po-tiö u. a., mit wel- 
cher lautlich das /?/- zu vereinigen unmöglich ist, gehört in 
die kategorie der fälle wie oQaio oxpo(.iai eidov, tqsxo) eöga- 
f.iov, (XIQ6CÜ ellov y lat. fero tuli^ sanskr. päcyämi daddrca 
u. s. w. Derselbe anschluss bewirkte im lesbischen das Sub- 
stitut 7tiü-no für 7Ci-vco'^ denn allerdings kennen die ver- 
wanten sprachen keine nasale praesensbildung aus der wurzel 
pö' (Curtius • verb. d. griech. spr. P 260.), aber tcLvo) hat 
eben an sanskr. pinvati^ avest. pinaoiti in dieser beziehung 
seine analoga. Auch lesb. 7t(x)'^i, wofür später nach ö-con- 
jugation auch /rw 'trink' (Curtius verb. IP 51.), wird so für 
7Tl-^i neugebildet sein, da das damit gleichgestellte ved. pä-hi 
'trink' (Curtius verb. IP47.) vielleicht selbst nur umgestaltetes 
*/^^Ä/ 'schwill' ist; indog. pö-dht würde dem bei dieser art 
Imperativformen gewohnten tiefstufenvocalismus (verf. Kuhns 
zeitschr. XXIII 582 f. morphol. unters. II 137.) widerstreben'). 
Sanskr. ved. bkri-n-änti 'sie versehren' rgv. II 28, 7. 



1) Ich vermute, dass die andere wurzel ursprünglich gar nicht indog. 
pö-j sondern hö- war und als solche in sanskr. pi-bä-mi, lat. bi-hö^ 
altir. i-him vorliegt. Der schon grundsprachliche zusammenschluss von 
bö- xmät.pa'^i- {^n-) zu einem Systeme hätte dann frühzeitig die misch- 
form pö- erzeugt; in samskr. jy^-bä-mi für *bi-bä-mi würde sich der ein- 
fluss des pi- auf bö- nur erst auf die reduplicationssilbe erstreckt 
haben. Hatte etwa bö- 'trinken' auch eine weitere bedeutung 'sich 
nähren', so würde ich die griechische sippe ßio-xcoQ, ßoi-ri-avEiqa, na^- 
ßdJ-Ti'S, ßd-uxco, ßo-ro-v, ßo-r-arrj, ßo-rrjo hinzuziehen. 



— 44 — 

(von waflfen, geschossen, die den Übeltäter treffen), bhri-na-ü 
'er zürnt' (naighant. II 12. krudhyati) -= got. bri-7in-a 'brenne' 
intrans. aus urgerm. bri-nm-6, got. ags. alts. ahd. hrinnan^ 
anord. hrinna infin. Diese von Sonne Kuhns zeitschr. X 100. 
herrührende combination acceptiert auch Grassmann wörterb. 
z. rgv. 967. Alles sonstige sowol über das altindische als 
über das germanische verb vorgebrachte ist unsicher. Was 
z. b. die Zusammenstellung des ved. bhri-i-dnti mit lat./e;*-/ö 
bei Job. Schmidt indog. vocal. II 255. angeht, so könnte ich 
mir nur etwa denken, dass das 2i\i\2X. ferinunt Fest. p. 162. b. 
entstanden wäre durch eine Zusammenbildung der für das 
lateinische Sprachgefühl allmählich gleichbedeutend gewor- 
denen zwei formen feriunt ''sie treffen' und ^J'rmunt 'sie 
brennen, versehren'. Das deutsche brennen im intransiti\^en 
imd transitiven sinne wird nach Soune und Gk-assmann die 
grundbedeutung der wurzel bhra'i- sein; von da aus flössen 
die specialisierten anwendungen als 'zürnen' und 'versehren' 
von brennenden Schneidewerkzeugen, welche letztere auch 
abulg. bri-ja^ bri-ti 'abscheren', bri-ci f., bri-tva f. 'scher- 
messer' zeigen. 

Sanskr. mi-nä-ti 'vermindert' = sanskr. ved. mi-na-ti^ 
nachved. mi-n6-ti\ griech. /iu-vv-d^a) trans. 'vermindere, ver- 
ringere, reibe auf', intrans. 'werde geringer, nehme ab, 
schwinde hin'; lat. mi-nu-Ö\ abulg. mi-na 'comprimo' (infin. 
m^'ti nach Joe- ^/'spannen' zu praes. /?m-a gebildet); lit. mi-nü 
trete, breche flachs, gerbe feile, begatte mich' (von männ- 
lichen tieren, hähnen u. dergl.), eigentlich 'drücke zusammen 
(infin. mm-ti mit wurzelhaft gewordenem nasal wie im sla- 
vischen). Falsch urteilt über das i von sanskr. mi-nä-ii und 
das i, ü der ähnlichen formen de Saussure syst, primit. 243. 
Das spätere erscheinen der volleren form ist zufällig und 
besagt nichts über das historische Verhältnis zu ved. mi-na-ti^ 



— 45 — 

bei dhü-nö-ti: dhu-nö-ti (sieh unten) ist umgekehrt jene die 
früher in der litteratur zu belegende form. 

Griech. o-qI-vco ""errege, setze in bewegung'; abulg. rz-wa 
'stosse^, ri'iia se ""stürze^; lit. archaist. ry-nu 'schlinge, schlucke^ 
(Nesselmann wörterb. 440. a. 442. b.), eigentlich "^lasse flies- 
sen' = sanskr. ved. ri-iia-ti ""lässt fliessen, lässt laufen', 
ri-ni'te ""gerät ins fliessen' med., nachved. ri-nv-a-ti act. unbe- 
legt, im dhätupätha (Petersb. wörterb. VII 347.); got. ri-nn-a^ 
ags. ri-nn-Q^ ahd. ri-nn-u 'rinne, renne' aus ViXg^xvn. ri-nw-t ^ 
got. ags. ahd. rinnan^ anord. rinna infin. Gegen den Zusam- 
menhang dieser wurzel ra^z- (vergl. sanskr. re-tas n. 'guss, 
Strom, samenerguss, same', re-tra-m n. 'semen virile') mit 
der Wurzel von sanskr. r-no-ü^ r-7iv-d-ti, griech. oq-vv-juij 
welche letztere e?^- war (vergl. unten), streiten die laut- 
gesetze, mögen auch die bedeutungen nach Joh. Schmidt 
indog. vocal. II 248 ff. noch so nahe sich berühren und dem 
Sprachgefühl der einzelnen Völker die bildungen aus beiden 
wurzeln vielfach volksetymologisch associiert gewesen sein. 
So hat wol griech. 6-qI-vco sich im gebrauche sehr dem 6q- 
-vv-f.ii angenähert, vielleicht auch von diesem die lautform 
seines prothetischen vocals o- (etwa früher *6-()i-rcü?) vor- 
geschrieben bekommen. Von sanskr. r-m-a-vii kommen wir 
nimmer auf got. rinna, das dagegen bei dem häufigen Wechsel 
von fünfter und neunter classe als correlat zu ved. ri-na-mi 
selbst dann nicht auffallen könnte, wenn sanskr. ri-nv-ä-mi 
nicht existierte oder wenn man auf diese unbelegte form 
nichts geben möchte. 

Lit. archaist. u. zemait. ly-na 'es regnet' (Nesselmann 
wörterb. 364. b. 367. a., Schleicher lit. gramm. § 114, 2. 
s. 240.), hochlit. ly-nd-ja, ly-n6-ti 'fein regnen' = sanskr. 
U-na-ii 'ergiesst sich in', durch Wörterbücher belegt (Petersb. 
wörterb. VI 549.); lat. U-nö 'bestreiche, tiberziehe, beschmiere'; 



— 46 — 

altir. le-ni-m ''adhaereo', do-li-ni-in ^mano'; got. af-li-nn-a^ ags. 
li-nn-e^ ahd. bi-li-nn-u 'lasse nach, gebe nach, weiche' aus 
urgerm. li-niv-o^ got. ags. ahd. linnan infin. (anord. Unna 
schwaches verb). Hesychs ahvelv ' aXekfeiv (also wol prae- 
sens ah-ve-w wie xi-ve-co , ^t-ve-co) bleibt der quantität 
nach unbestimmbar. Grundbedeutung der wurzel: *^sich oder 
etwas hinschmiegen'. 

Griech. öi-vo-f^iat *^raffe weg, raube, beraube, plündere, 
verwüste, verheere, schädige, beschädige, versehre, verletze, 
verwunde'; ahd. swt-nu ''schwinde, schwinde hin, nehme ab' 
= vergl. griech. oi-vt-g m. *^schädiger, verwtister, räuber', 
GL-v-og n. ^'schaden, beschädigung' (neben ol-v-og bei Ni- 
kander alexiph. 231.). Von Oi-ve-o-iim^ nur bei Herodot 
und Hippokrates, bleibt die quantität des i unentschieden. 
Über griech. 0- = indog. sii- sprechen wir uns gelegent- 
lich unten aus. 

Avest. giUiao-üi'er vermehrt' yt. X 16.; griech. ßv-vi-co 
'ich stopfe voll, verstopfe'; lett. gü-nu 'hasche', eigentlich 
'dränge nach etwas' (Bielenstein lett. spr. § 260. I 355.) -= 
sanskr. ved. ju-nä'-ti intrans. 'drängt vorwärts, ist rasch, ist 
rege', trans. 'setzt in rasche bewegung, treibt an, betreibt, 
regt an, drängt, fördert, begeistert'; abulg. gii-na "jcQO'Aivko^ 
moveo'. Von ßvveoj steht die quantität des v durch die 
beste Überlieferung von Aristophanes pax 645. fest, wo der 
codex Ravennas eßvvovv gegen das eßvovv der anderen hand- 
schriften hat. Dagegen von öCa-ßvveTai Herod. II 96. ist 
die quantität des v nicht zu constatieren. In sanskr. ved. 
ju-na-ti ist, wie auch in ved. jü-ju-vus , jü-ju-van perf. act., 
in jü-td-s partic, jü-ti-s f. 'das vorwärtsdrängen, antrieb', in 
ved. ju- adj. 'eilend, rasch', m. 'ross', api-jü- 'antreibend' 
und ved. nabho-y mano-^ yätu-^ vayo-^ vasü-jü-^ vigva-, sadyo-^ 
senä-jü- der palatal übertragen von der anderen praesens- 



— 47 — 

hildung jdv-a-ti = indog. g^en-e-ti und von den nominibus 
Yed. jdv-a- m. *^eile, raschheit, drangt, adj. "^eilend, rasch\ 
Yed.jdv-ana-y nsichYed. jav-and- adj. ^treibend, schnell, rasch', 
n. ^Schnelligkeit, raschheit', Yed.Jdv-as n. *^raschheit, Schnellig- 
keit', endlich von ved. jdv4yas-j Jdv-ühtha-, comparativ und 
Superlativ zu fu- *^ schnell, rasch'. Aber geblieben ist der 
lautgesetzliche guttural in ved. agre-gu- adj. 'voran gehend', 
epitheton der gewässer in der väjasaneyi-samh. (Petersb. 
wörterb. u. d. w.), eigentlich wol 'voran, treibend, eilend', 
ferner in ved. ddhri-gu- adj. 'unaufhaltsam vordringend', bei- 
wort von göttern, Agni, Indra, Soma, den Maruts, den Agvinen, 
ved. vanai^-gü' adj. 'im holze, im walde sich umtreibend' 
von Agni, von dieben, ved. {)äci-gu- adj., nur rgv. VIII 17, 12. 
von Indra, nach Grassmann wörterb. z. rgv. 1391. 'in kraft 
einherschreitend'; diese alle pflegte man nebst ved. atithi- 
-gv-d-y eta-gv-a-y ndva-gv-a-j ddga-gv-a- in unhaltbarer weise 
mit gam- 'gehen' zu combinieren. Mit einer zendwurzel zu- 
' eilen', die Justi handb. d. zendspr. 125 b. ansetzt und wegen 
deren Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 66 f. anm. 149. für 
sanskr.yw- alten indogermanischen palatal in anspruch nimmt, 
ist es, fürchte ich, schwach bestellt. Yt. V 63. liest Wester- 
gaard moshu me j ava avanhe 'eile mir rasch zu hilfe' statt 
zava. Anderes mag zu anderen wurzeln gehören. So uziii- 
ihyaos-ca 'des hervorquillenden (wassers)' vend. VI 72. und 
fra-züvaiti 'bringt mit sich' yt. XIV 3. vielleicht zu indog. 
gh^eU' 'giessen', griech. xeoj {fra-zavaiti = Tcgo-xsei?); 
auch zura- in zuro-jata- adj. 'mit gewalt geschlagen' und 
sävare n. 'stärke, kraft' und uzinthya- n. nach Justi 'das 
emporeilen, das erhabensein über etwas' sind nicht not- 
wendig zu sanskr. jü- 'drängen, treiben' zu stellen. Avest. 
(f/w-ymo-zVz'vermehrt' war wol eigentlich 'befördert, promovet'. 
Die eigentümliche bedeutungsentwickelung aber von griech. 



— 48 — 

ßvviu), ßvco hat ihr strictes analogon einmal an unserem 
gedrängt volly sodann an derjenigen von cpqaooeiv, lat. far- 
cire 'verstopfen, vollstopfen'^ denn auch bei diesen war ja 
''drängen' der ausgangspunkt, wie ihn cpQä^avTeg öoqv öoiql, 
octKog oaxet IL N 130., cpgct^avTsg %a yeqqa Herodot. IX 61. 
noch zeigen; vergl. Döderlein latein. synon. u. etymol. VI 122., 
Curtius Kuhns zeitschr. XIII 399 f. grundz.' 302. Im litaui- 
schen existiert die nasale praesensbildung auch, aber in zwei 
entstellungen. Lit. gdu-nu 'hasche, erhasche, bekomme' er- 
hielt au statt u (vergl. das lettische) aus dem futur gdu-siu 
(sieh s. 19 f.). Betreffs guinü 'ich jage, jage nach, treibe' aber 
zeigt schon Schleicher lit. gramm. s. 60. anm. einen rich- 
tigeren weg als später Joh. Schmidt indog. vocal. I 175 f. 
Von der jod-bildung lit. gu-jüj die neben der nasalen liegt 
wie griech. ßv-co neben ßv-ve-co und wie so häufig beide sich 
begleiten, pflanzte sich das/ als i auf das futur und den 
Infinitiv fort; durch güi-siu, giii-ti ward dann auch '^gunu zu 
gui-nii. Directes modell etwa mochte, nachdem erst der 
aorist gyj-aü zu gn-ju neu gebildet war, für die weitere 
Schöpfung von gui-siu^ giii-ti und endlich von gui-nü der ab- 
laut der wurzel ei- 'gehen' sein: lit. ej-aü^ ei-siUj ei-ti neben 
praes. ei-nu. 

Griech. homer. öv-va-f^ievo-io Od. a 276. A 414., Jv-va- 
-f-ievr] f. nom. propr. einer Nereide IL J^43., partic. praes. 
med. = griech. dv-va-fiai 'ich kann, vermag'. Allerdings sind 
dvvafievoiOy Jvvaf.i€vrj bei Homer „wol metrisch" (G. Meyer 
griech. gramm. § 493. s. 379.), wenn wir darunter nur ver- 
stehen, dass der dichter hier einmal des verses halber zu 
der stärkeren der beiden altüberlieferten zwillingsformen griff. 
Joh. Schmidts etymologischen versuch über övvauai Kuhns 
zeitschr. XXV 148 f. kann ich von begrifflicher und lautlicher 
Seite nicht annehmbarer ^nden als die meisten der von ihm 



— 49 — 

kritisierten und verworfenen früheren erklärungen. Schmidt 
hat ebend. 145 ff. 164 ff. an keinem sicheren beispiele für 
mich überzeugend dargetan, dass, ausser in dialektischen 
Wörtern etwa, griech. ö und d^ als Vertreter der palatalen 
indog. g\ gh^ anzuerkennen seien. Begrifflich gelangt Schmidt 
von 'ich werde angeregt zu^ nur sehr künstlich zu 'ich kann, 
vermag\ Besseres denn Ficks auffassung des övrajuat als 
'ich bin fest, bin stark' auf grund von lat. dü-ru-s^ ahd.^w-« 
(wörterb. IP 132.) liegt bis jetzt nicht vor. 

Sanskr. ved. nachved. dhü-nö-ti trans. 'setzt in heftige 
bewegung, schüttelt, erschtittert^ intrans. 'bewegt sich heftig, 
stürmt einher'; griech. e-d-v-ve-o-v 'sie stürmten' imperf. 
Hesiod. scut. Heracl. 210., homer. d^v-ve imperf. = sanskr. 
nachved. dhu-no-ti^ dhu-na-ti unbelegt (dhätup.), nii^ dhu-ne-t 
opt. mahäbhär. XIII 5006. (Petersb. wörterb. III 976.). 

Bei Seite gelassen habe ich im vorhergehenden die lesbi- 
schen praesensformen mit der nasalgemination kqIvvco, xUvvio, 
oQivvco, GLvvoiiiaij denen noch 'ölvvto, TtXvvvco sich anreihen. 
Ich meine nemlich, man hat diesen seither zu viel gewicht 
beigelegt, um den Ursprung der vocallänge in y.Qivio u. s. w. 
zu erklären. Jene lesbischen formen können auf mehrfache 
weise beurteilt werden. Entweder es ist überall das -vv-, 
da an -vl- schwerlich noch zu denken ist (Gust. Meyer bringt 
neuerdings griech. gramm. §293. s. 251.f. ohne ersichtliche 
ratio die erklärungen aus -vFco und -vuj) promiscue in an- 
wendung), aus -vF- entstanden. Dann braucht aber homer. 
att. y^livo) nicht notwendig dieselbe bildung zu sein wie lesb. 
yJdvvcoj sondern kann sich zu diesem ebenso verhalten wie 
ved. bhri-ncmti zu got. hri-nna-nd^ ved. ri-na-ti zu sanskr. 
ri-nva-ti^ und ähnlich wie sanskr. cri-na-ti zu avest. siri- 
•nao-iti. Oder: nur ein teil der lesbischen verba enthielt 
aus -vF- lautgesetzlich hervorgegangenes -vv-, etwa '^rlvvajy 

Ostliotf u. Brugman untersuch. IV. 4 



— 50 — 

* cp^lvvco. Da in diesen die ausserpraesentisehe flexion gleich 
war mit derjenigen von /.oirto, yjJvcOj z. b. re-ri-Aa Ti-ro-Qy 
f-ffd^i-y.a e-(pd^i-(.iaL (pd^i-TÖ-g wie y.i-7.Qi-'/.a /A-ÄQL-(.ica aqi- 
-To-g, yJ-yli-ya yJ-yh-itiai y'/u-To-gj so folgten jenen auf 
-vvcü die y^fvcü, k^Jvco in der gestaltung des praesensstammes 
nach, nahmen auch den doppelnasal an. Oder drittens: alle 
lesbischen verba auf -ivvco und -vvva) gehen zurück auf ent- 
sprechende formen mit einem -v-, indem sie alle sich nach 
der analogie solcher jod-bildungen wie yrewio, tsvvco neben 
fut. yTSvho, "^Tevho und weiterhin sogar orilho, OTteQQco, 
cf&€QQw neben fut. orelho, *G7t€Qeto, '^(pd^egho (Ahrens dial. 

I 131.) richteten, sobald erst auch bei yoivw, yJJvio und ge- 
nossen der nasal einigermassen „wurzelhaft" geworden und 
die futura "^ygireto, *yhveto entstanden waren wie im atti- 
schen und anderwärts. Eine geringere anzahl von mustern 
konnte gentigen, um in dem dialekt der Lesbier die nasal- 
und liquidengemination allmählich zum charakteristischen bil- 
dungsprincip für den praesensstamm der sogenannten „ verba 
liquida" werden zu lassen. Angesichts aller dieser möglich - 
keiten aber wird man zugeben, dass das lesb. -vv- zur er- 
klärung des r, v vor -vto im ausserlesbischen kaum brauch- 
bar ist. Dazu kommt, dass, wenn auch im attischen 7, r 
erscheinen wie in ygJ-vco, yXJ-vto, m-vco, in 6v-vto, 7tXv-vio, 
aiiv-vto u. a., auf solches att. 7, v doch nicht die erklärung 
aus „ersatzdehnung" anwendbar wäre nach J. Wackernagels 
nachweise Kuhns zeitschr. XXV 262 f. Und gerade in den bil- 
dungen ältesten Charakters, homer. ri-vv-Tai, yJ-w-rai^ so- 
wie dann auch in öl-ve-to, yi-ve-w, ßv-ve-to, d^v-ve-io, das 7, v 
durch form Übertragung zu erklären, wie man doch gezwungen 
wäre und wie mein verunglückter versuch morphol. unters. 

II 114. anm. es wollte, hat seine grossen härten, wenn es 
nicht gar, wie bei homer. öv-va-inai, völlig aussichtslos er- 



— 51 — ' 

scheinen dürfte. So, denke ich, unterlässt man es besser 
auch, das «, v da durch -rf- zu erklären, wo es selbst mög- 
lich scheint nach den lautgesetzen, nemlich in homer. ti-vio, 
(fO^i-roj, ogi-vcü, dt-no , S^t-no u. dergl. nach Wackernagel 
a. a. 0. Kann man doch nicht alles mit dem digammawegfall 
aufhellen, so lasse man auch hier das 7, v einfach dem zahl- 
reich an gleicher stelle in den nasalen praesensstammbil- 
dungen erscheinenden 7, n der verwanten sprachen gleich 
stehen und suche in den verben auf -t-vio, -v-vio nicht ohne 
not ein anderes bilduDgsprincip als in denen auf -i-vco, -v-vca 
und als in solchen wie öay-vco, Ka/ii-vw, ra/n-voj. Nur die 
homer. avco^ (pd^ävco, Iaccvco, xr/ccvco bleiben bei Wackernagel 
a. a. 0. als sichere -r/-bildungen. Homer, ji-no, rp^i-vco 
können 1) = urgriech. ^rt-vF-co^ *f/)i^^-j/-w, 2) = urgriech. 
*Tt-vß-coj * cpd^i-vß-w j 3) == urgriech. tl-vlo, cpd^i-vco sein. 
Zu der annähme des ersteren falles zwingt nicht unbedingt 
die rücksicht auf att. tl-voj , cp^t-no^ die ihrerseits == ur- 
griech. "^rt-vF-LOj "^ cp&t-vß-coj aber auch = urgriech. it-vio, 
(pd^L-vio sein dürfen, während att. aql-vio, Y,ll-vio u. s. w. ent- 
weder = urgriech. ^/.Qi-vF-io, *xki-vß-iü oder = urgriech. 
'aqT-vco, yJJ-vco sein müssen. 

Die stelle des griech. lö-lco neben sanskr. svid-yä-mij 
ahd. swizzu (s. 33.) vertreten unter den nasal- bildungen: 

Abulg. ^%-;?a ^schreite, eile'' = sanskr. pra stigh-no-ti 
'schreitet zum angriff vor, greift an', pra sti(fh-nu-yä-t o^i.^ von 
L. Schroeder jetzt aus der maiträyanl samhitä nachgewiesen 
zeitschr. d. deutsch, morgenl. ges. XXXIII 194 f., stigh-nu-te 
'askandane' (dhätup.) med.; russ. steg-nu-ü infin. (= abulg. 
^- stig-na-ti), 

Abulg, df/ch-na 'blase' = abulg. duch-na dass. 

Andere bildungen gleicher art wie abulg. stig-na.^ dych-na^^ 
ohne dass die schwächere form daneben nachweisbar wäre, 



— 52 — 

sind noch: gnech. fiuy-vv-im, wenn auch der praesensstamm 
das für andere formen derselben Wurzel gesicherte 7 (Job. 
Schmidt indog. vocal. I 123. 147.) hatte; abulg. tfch-na'ah- 
undo', vis-n([ '^muttio'', cich-?ia *^niese\ ryk-na 'brülle' und 
vyk-na 'werde gewohnt, lerne' (von würz, indog. a'^uk'^- in 
sanskr. tic-ya-ti 'findet gefallen an, tut gern, ist gewohnt', 
6k-as n. 'behagen, gefallen, ort des behagens, gewohnter ort, 
wohnstätte'). Endlich russ. dial. smyk-nu-tt 'mit dem geigen- 
bogen strei-chen' (Miklosich lexic. Palaeoslov. 866. unt. smy- 
kati) gegenüber dem lit. smimkii mit innerer nasalierung und 
der jodbildung abulg. smyca^ mhd. smücken^ dem aoristprae- 
sens ags. smü^an\ alle von der tiefstufigen wurzel indog. 
smnk^- 'schmiegen, fest andrücken' (s. 11. 34.). 

E. Schwacher stamm des praesens zweiter in- 
discher classe oder des „unthematischen" aorists: 

Sanskr. i-ya-m^ i-yä-t 'ich, er möge gehen' opt. (angeb- 
lich precativ), i-yäs-am precat. = sanskr. ved. nachved. 
i-thaSy i'tdsj i-mds i-masi^ i-thä dual. plur. praes. , i-yii-m, 
i-ya-ty i-y-iis optat., i-hi^ i-tam^ i-tam^ i-tä^ i-täna imperat.; 
avest. i-di 'geh' imper.; griech. i-rov, f-t/€v, 'I-ts dual. plur. 
praes., homer. ^t-TYjv dual, imperf., i-&iy ^-rw, X-tov^ ^-rtovj 
"i-TE imper. Nach den indischen grammatikern regelte sich 
der gebrauch der i- und /-formen im optativ (precativ) dar- 
nach, dass „die wurzel i- nach praepositionen im precativ 
kurz bleibe": vd-i-yat^ nir-i-ydsam^ aber i-ydt^ i-ydsam. Vergl. 
Petersb. wörterb. I 753., Benfey vollständ. sanskritgramm. 
§ 866,1. s. 399., Stenzler elementarb.d. sauskritspr.^- 4- § 183,2. 
s. 36. Unten ergibt sich uns die ratio dieser regel, die indes 
nicht ausnahmslos blieb, gemäss den von Benfey ebend. 
anm. 2. nachgewiesenen sam-iydt^ abhy-ud-iydt. Lat. i-miiSy 
l-tfs indic. und Mö, hte imper. können mit indog. i die 
alten doppelgänger von sanskr. i'-mds, i-thä^ i-tä^ i-tdd^ griech. 






— 53 — 

X-i^t€Vj "L-Te,X-Tiü sein; indes ist wenigstens für die indicativ- 
formen l-mus^ i-tis wegen e-unl aus "^ei-ojit es wahrschein- 
licher, dass ausgleichung des ganzen plurals mit dem Sin- 
gular (i-Sj i-t aus indog. ei-si^ ^i-^0 stattgefunden habe, 
wie beim litauischen dual und plural imper. el-va^ ei-me nach 
el-m\ ei-t sing, indic. und nach ei-siu fut. = sanskr. e-shya-mt 
Doch zeigt das griechische spuren von indog. l im schwachen 
stamme. Darf man wegen sanskr. i-yä-m^ i-yä-t „ das eigen- 
tümliche €u] in Hesiods werken und tagen v. 617., das doch 
wol zu ihai gehören muss" (vergl. Hartel zeitschr. f. d. 
oesterreich. gymn. 1876. s. 630., Gust. Meyer Bezzenbergers 
beitr. I 92.), in ttj abändern, sowie auch bei Homer ^rjv statt 
sYr^v von ^IfiL (Curtius verb. IP 99., J. Wackernagel Bezzen- 
bergers beitr. IV 270.) schreiben? Jedesfalls ist, wie «- von 
L-liievy X-re in den conjunctiv V-w, so auch z- von ^l-fusvj 
*l-T€y opt. *'/-^v, *'i-rj ebendahin übertragen; daher homer. 
'-o-f-iev. Wackernagels einsetzung von ec-o-juev Kuhns zeitschr. 
XXV 279. schafft nur eine form, die auch als jüngere neu- 
bildung nach el-jucj d, €l-oi erklärt werden müsste, da der 
lautgesetzliche alte conjunctiv *e-o-fi€v = sanskr. ved. äy- 
-ä-ma zu lauten hätte, vergl. s. 37. Ebenso würden «i'^v, 
eYrjgj elrj als optativformen von 6l-/a, wenn dieselben doch 
bei Homer und Hesiod zu belassen sind, wofür cl'/yc; 'eas' 
in dem inschriftlichen epigramm bei Kaibel nro. 618. a. 1. 8. 
spricht (vergl. Curtius verb. n'^99.), und att. ehv 'nun gut, 
wolan', wenn es Brugman morphol. unters. I 185 f. richtig 
als conjunctiv = ved. äy-a-t deutet, das ei- nur durch Über- 
tragung vom sing, indic. praes. haben. 

Sanskr. ci-yä-t 'möge schichten' optat. (precat.) schol. 
zu Pänini VH 4, 25. (Petersb. wörterb. H 997.) = sanskr. ved. 
vi ci'taiia ^schichtet, bahnet ihr' imper. rgv. IV 37, 7.; avest. 
vt'ci-dyCd 'zu unterscheiden, zur Unterscheidung' infin. aor. 



— 54 — 

Sanskr. kshi-yä-t ^möge vernichten, verderben' optat. 
(precat.) Vopad. VIII 63. (Petersb. wörterb. II 544.) = grieeh. 
s-cpO^^-ao ^dii kamst um' (Aeschyk sept. 970.), homer. nach- 
homer. e-fd^t-ro (IL JS" 100., SophocL Oed. rex 962.), indic. 
aor. med., homer. nachhomer. cfd-L-fievo-g partic. Man darf 
IL / 246. N 667. Od. ^'117. o 354. den homerischen infinitiv 
aor. med. sowol cpM-oS^ai als rpd^l-Gd^ca schreiben, jedoch 
nicht cp^el-GÜ^aiy vergl. s. 38. Der homerische optativ med. 
mco-cpd-i-f-iriv Od. x 51., cp^-l-ro Od. / 330. hat i als contrac- 
tion aus indog. 7 + ^ oder ^ + 7 und ergänzt das paradigma 
des activischen sanskr. kshi-yu-t. 

Sanskr. jt-yu-l ^möge siegen, möge oben auf sein, möge 
leben' Vopad. s. 176. (Petersb. wörterb. III 96.) = sanskr. 
ved. säm ji-tam *^erobert ihr beide' imper. rgv. IX 7, 9.; 
avest. ji-dytti 'zu bewältigen' infin. aor. ys. XXXII 14. 

Sanskr. ved. vi-thäs Mhr beide erregt, treibt an' indic'. 
dual., ri-Ä«"" treibe an, errege', vi-tüd^ vi-tum imper. = sanskr. 
ved. p'ä vi-hi ^treibe an' imper. (Petersb. wörterb. 3. /'/-). 

Sanskr. crü-yas-am^ ved. (^ril-yas *^er möge hören' precat. 
rgv. II 10, 2.; avest. a-srü-düm 'ihr wurdet bekannt', */v/- 
'idyai 'zum hören, zum hersagen' infin. ; grieeh. homer. nach- 
homer. -Av-d^i 'höre', aIv-te imper. = sanskr. ved. c^ru-yas 
precat. rgv. II 10, 2. (padapätha), (^ru-dhi ^ru-dhi 'höre', 
crii'tdm^ f?'u-tä imper.; gviecih. xlv-f-ievo-g Theokrit. XIV 26., 
homer. nsQL'Akv-^ievo-g nom. propr. IL yl 286. partic. 

Sanskr. ved. nachved. d-bhü-tam 'ihr beide wäret', 
a-bhü-tam^ d-bhü-ma bhü-ma^ d-bhii-ta hhü-ta dual. plur. aor. 
indieat., bhü-ya-s optat., bhü-yäs-am^ bhü-yas precat., bhü- 
-tänij bhü-ta^ bhü-tana imperat.; grieeh. e-rpv-TOv, e-rpi-Ttiv, 
e-cpv-f,iev, e-cpv-re dual. plur. aor. indic. = avest. bu-yäo^ 
bu-yä-t opt. Grieeh. e-cpv-v 3. plur. wird nach bekanntem 
lautgesetze aus '^e-cpv-vr verkürzt sein, ist überdies nebst 



— 55 — 

avest. bu-7i keine indogermanische erbform (vergl. weiter 
unten). In dem Singular aor. sanskr. ved. ä-bhii-s bhii-Sj 
ä-bhü't bhu'tj griech. e-cpv-v, e-cpv-g, e-cpv cpv betrachten wir 
das ü einstweilen als tibertragen von dem plural und dual, 
um später diese ansieht etwas zu modificieren. 

Sanskr. ved. nachved. brü-mas Vir sprechen' praes. 
plur., a-brü-täm imperf. dual., brü-she, brü-te praes. med., 
a-brü-ta imperf. med., brü-ya-t^ brü-y-us opt. , brü-hi^ brü-ta 
imper. ; avest. mrü-ite 'er spricht' praes. med., mrü-idhi 
imper. = sanskr. bru-yä-t opt.; avest. mru-yCio^ mru-yä-t 
opt. Dass sanskr. bruyät „ hier und da fälschlich " für brniyät 
geschrieben werde, braucht man nicht mit dem Petersb. 
wörterb. V 157. anzunehmen^). 

1) Trotz des ^inen, aber sicheren beispiels sanskr. hru- = avest. 
mru- muss das lautgesetz, dass ursprüngliches mr- im altindischen zu 
hr- im anlaut werde wie im altgriechischen, für ausnahmslos gelten. 
Sanskr. mr- erscheint in mraksh- mräkshati 'striegelt, reibt', mrakshdyaü 
'bestreicht'; mrad- mrädate 'reibt', mradäyali 'glättet', mradimän- m. 
'Weichheit, milde, Sanftmut', mradiyas-^ mradish{ha- compar. superl. zu 
mrdü-\ mralana- n. 'Cyperus rotundus' (unbelegt); mrit- mrityati 'zer- 
fällt, löst sich auf; mriyäte 'stirbt'; mruc- mrdcati, mrüücati 'geht 
unter', mrokä- m. name eines verderblichen Agni, einer flamme; 7nred- 
mredali, v2Ja-ni-mredaie 'erfreut, beglückt', ä-mredoyali 'wiederholt'. 
Indem wir annehmen dürfen, dass im Inlaut hinter vocal sanskr. -mr~ 
blieb, wie es im griechischen ebenda zu -iißQ' ward {a-fißQotos, a-fiß^oacos 
gegenüber ßoorös), ergibt sich, dass alle diese fälle mit mr- die laut- 
gestalt verallgemeinerten, welche im unmittelbaren anschluss des tnr- an 
vorhergehenden vocal ihre lautgesetzliche Berechtigung hatte. So ist 
also mriyäte für *briyäte die analogiebildung nach a-mriyata imperf, 
dnu-mriyate, dbhi-miiyate und richtete sich ebenso mröcati nach d-mru- 
cat, ni-7nrocati\ \ed. fmia-mradas- adj. 'wollenweich', urnä mrddish(hä 
'weichste wolle' ü. dergl. beeinflussten mradimän-^ mradish{ha- und ür- 
näyä{s) mrädislHhdyäs gen. sing. Umgekehrt bei brii-: hier sind vielmehr 
d-bravi(, ä-brüta imperf und anu-brü-, upa-bru-^ pra-bru- u. s. w. nach 
brüviti, brüte praes., nach iid-brü-, nir-bru- umgeformt und vergleichen 
sich somit der griechischen neubildung «-/?ooros II 3* 78., Aeschyl. Prom. 2. 
(vergl. G. Meyer griech. gramm. § 179. s. 165.). 



— 56 — 

Sanskr. ved. vi ijü-yäs "er möge verlustig gehen^ precat. 
rgv. VII 104, 15 = sanskr. yu-ya-t "qx möge abwehren, fern- 
halten' opt. (Petersb. wörterb. VI 141. unter 3. yu-). 

Avest. yüj-en ''sie verbanden' 3. plur. act. = sanskr. 
ved. ä-yuk-thäs^ ä-yuk-ta^ yuj-mahe^ d-yug-dhvamj yuj-ata med., 
yuk-shva imper. med. Sieh bereits oben s. 10 f. anm. 

Griech. homer. Iv-to 'löste sich' med. IL ß 1. = griech. 
homer. Iv-ro dass. Nach dem etymol. magn. 274, 50. ge- 
brauchte Pindar den imperativ Ivd-t zu einer spielenden ety- 
mologie von ÖL&vQafußog (Boeckh zu Pindar II 2, 585., Bergk 
poet. lyr. graec. V 400., Curtius verb. d. griech. spr. I^ 191.); 
es ist aber aus dem fragment nicht zu ersehen, ob nicht der 
dichter dort /.v^t gesagt habe. 

Griech. homer. t^v-oo 'du decktest, schütztest' II. X507., 
homer. %qv-to 'er deckte' med. = griech. eqv-To 'wurde 
bewahrt' pass. Hesiod. theogon. 304. Vergl. über das als 
wurzelverbum behandelte denominativum einstweilen oben 
s. 30 f. 

Sanskr. ved. su-te 'gebiert, zeugt', d-sü-ia su-ta 'gebar' 
und 'wurde geboren' imperf. med., pra sü-hi 'errege, schleu- 
dere' imper. = sanskr. pra su-hi 'errege, schleudere' imper. 
(Petersb. wörterb. VII 1022.). Die formale Zusammengehörig- 
keit des prasühij prasuhi zu dem 4. sii- 'zeugen, gebären' 
des Petersb. wörterb. redet auch der Identität dieses mit 
2. SU- 'erregen, schaffen' das wort; ebenso das praesens 
sau-ii dieses letzteren im gatapathabrähmana und dhätupätha 
(Petersb. wörterb. VII 1021.). Unter ihrem 4. sii- bemerken 
Böthlingk-Roth, dass nur wegen suta- und sushiiti- die an- 
nähme von SU- 'gebären' mit kurzem u gerechtfertigt sei. 
Es ist in der tat nur das zufällige ergebnis der speciellen 
altindischen formausgleichungen , wenn das su- 'zeugen, ge- 
bären' vom Standpunkte dieser spräche mehr als sü- erscheint. 



— 57 — 

Eine einschneidende formale differenz von den beiden an- 
deren wurzeln, sii- ^erregen, schaffen' und su- "^pressen', liegt 
darin nicht. Und so möchte ich nicht nur, wie Benfey glossar 
z. sämav. s. 196. und 0. Meyer quaest. Homer. 7 ff., zwei 
dieser gleichlautenden wurzeln, sondern sie alle drei mit 
Grassmann wörterb. z. rgv. 1522. 1560. für identisch halten. 
Die gemeinsame grundbedeutung ist *^zum Vorschein bringen^; 
die specialisierten bedeutungen knüpften sich im indoirani- 
schen vornemlich nur an die verschiedenen praesensbildungen. 
Betreffs dieser letzteren beachte man auch : es ist die imper- 
fective handlung ""pressen, keltern"* allein, welche im sanskrit 
durch das nasale praesens su-nö-ti ausgedrückt wird; das 
perfective 'zum Vorschein bringen' erhält das „ aoristpraesens " 
suv-d-ti zu seinem formalen träger'; und das ebenfalls per- 
fective *^erzeugen, gebären' findet als ein 'an sich' oder 'aus 
sich zum Vorschein bringen' füglich durch das medium eines 
anderen aoristpraesens, su-te^ seinen ausdruck. Darin kann 
man eine bestätigung Delbrückscher anschauungen finden; 
vergl. dessen syntakt. forsch. IV 100. 

Avest. stü-idki 'lohQy preise' impei*. == sanskr. ved. nach- 
ved. stu-mas stu-mäsi^ stu-tha praes. plur., stu-she^ stu-te med., 
6^M-Ä2 'lobe, preise', prä stu-tam^ stu-ta imper. ; avest. vpa 
stu-yä-t opt. 

Wie bei einigen wurzeln nur die tiefstufenformen mit ^ U 
festgehalten wurden, so entschied man sich bei anderen aus- 
schliesslich für die <-, w-formen. So bei ved. ä-ni-täm^ ni-tam 
von ni' 'führen'. Auch griech. €-öv-f.iev, e-öv-te, dv-d'i, dv-tco 
haben die alten seitenformen mit v neben sich wegfallen 
lassen und analogie in den indicativ sing, mit e-dv-v, e-öv-gj 
s-dv öv gewirkt, wie sanskr. d-bhü-tamy griech. e-cpv-Tov 
(s. 54 f.). Der optativ homer. di-ri aus "^dv-i^i (Od. o 348.), 
der im sanskrit als regelrechter „ precativ " mit „ verlängertem ** 



— 58 — 

wurzelvocale gelten würde, ist eine alte bildung wie das 
von uns bei Homer und Hesiod vermutete Tri ^^^ d-f^H^)\ 
der conjunctiv aor. dvco vergleicht sich als neuschöpf ung mit 
dem praesensconjunctiv homer. ^lof^isv (s. 53.) „Überall mit 
langem ?;" erscheint auch homer. a(.i-7cvv'To *^er verschnaufte' 
(Curtius verb. d. griech. spr. I^ 191.). Homer. filK-ro bei 
seiner durch grammatiker wol bezeugten naturlänge des l 
(Lobeck paralip. gramm. graec. 414. 417., Joh. Schmidt indog. 
vocal. I 123., Curtius verb. P 287.) reiht sich darum nicht 
ganz sicher hier an, weil es nach Brugman morphol. unters. 
HI 19. anm. auch sigmatischer aorist aus "^ hIv-o-to sein 
kann. Dasselbe trifft U-to Hesiod. theog. 481., das noch um 
so unsicherer ist, als man auch mit Koechly (vergl. Curtius 
verb. P 193.) 'U-to lesen darf. Den beispielen des Impera- 
tivs mit suff. -dhi und wurzelhaftem ?, n sind noch beizu- 
fügen: avest. ci^Ä-c^z 'verkündige, lehre', griech. /cl-d^i 'trink'; 
beide zwar ohne nachweisbare schwächere nebenform mit /, 
jedoch Ttl-d^L neben ved. pi-pi-hi 'mache schwellen, tränke 
reichlich' (vergl. s. 42 f.) so, wie überhaupt häufig praesens- 
bildung zweiter und dritter indischer classe neben einander 
hergehen. Dass andererseits auch griech. i-S-i^ sanskr. i-hi\ 
avest. ^-f/^ 'geh' und io-d^i^ sanskr. vid-dhi'wissQ^ alte doppel- 
gänger *l-0^i *i-ki "^i-di^ *ßlö-&t *vid-dhi dereinst gehabt 
haben, ist durchaus zu vermuten. Den aoristimperativ von 
O€vco bei Hesych. wollte Göttling accentl. 89. oid-t schrei- 
ben, es ist aber damit wie mit Pindars Iv^t (s. 56.) : weder 
lässt sich av-x^i durch die analogie von vlv-d^i, dv-d-i als 
das notwendige und bessere denn oud-t rechtfertigen, noch 



1) Für den aoristoptativ 8vrj muss auch das oben s. 19. über das 
jod-praesens Svco bemerkte, gelten, dass er lautgesetzlichen verlust des j[ 
in der anlautsgruppe indog. </(- hatte. 



— 59 — 

wird jenes durch das in den tiefstufenformen des griechischen 
verbums oevto durchgeführte kurze v verboten. 

F. Schwacher praesensstamm dritter indischer 
classe: 

Sanskr. ved. dpa ci-ki-hi *^nimm rücksicht auf, respec- 
tiere' imper. atharvav. I 10, 4. = sanskr. ved. änu ci-ki-täm 
'sie beide sollen gedenken' imper. atharvav. VI 53, 1. (Petersb. 
wörterb. II 1002. 1003. unter 2. ci-). 

Sanskr. bi-bhi-tas 'sie beide fürchten sich' dual, act., 
ved. nach ved. bi-bhi-ya-t opt. rgv. I 41, 9. A^valäy. grhyas. 
III 10,11., ved. bi-bhi-tOy bi-bki-tana imper. atharvav. VII 
60, 1. rgv. VIII 55, 15. = sanskr. bi-bhi-tas dual, act., bi- 
bhi-ya-t opt. 

Wiederum gewahren wir: wie einige wurzeln die z-, ü- 
formen neben den /-,?^- formen wegfallen Hessen, so vollzog 
ein kleinerer teil die ausmerzung des alten luxus auch in 
umgekehrter richtung. Sanskr. ved. ju-hu-mds 'wir giessen, 
giessen opfertrank' gehört zu jener, sanskr. ved. ju-hü-mdsi 
ju'hü-mas 'wir rufen an' zu dieser kategorie. In dem ü 
und ü liegt die specifische differenz auch bei diesem wurzel- 
paare (vergl. s. 56 f.) nicht; eher, wenn eine solche überhaupt 
bestand, wie ich trotz Bechtel bezeichn. d. sinnl. wahrnehm, 
in d. indog. spr. 77. 79. 80. 83. zu glauben fortfahre, lag sie 
in dem ablaut der mittel- und hochstufe'). Zu dem imperativ 



1) Mir ist eingefallen, ob nicht die lateinische grussformel have, mit 
etymologisch berechtigtem, auch inschriftlich bezeugtem Ä-, daher und 
wegen der bedeutung von avere 'begehren' zu trennen, die erstarrte 
1. sing, praes. med. = sanskr. ved. häve sei: have imperator, have pia 
anima eigentlich 'ich rufe dich' s. v. a. 'ich grüsse dich'. Vergl. rgv. 
II 118, 11. häve hl väm a<;vinä 'ich rufe euch, ihr Acvinen', rgv. VIII 
13, 13. häve tvä sura üdite have madhyämdine diväh 'dich [o Indra] ruf 
bei sonneuaufgang ich, dich in des tages mitte an' (Grassmann). Nach 
Grassmann wörterb. z. rgv. 1672 ff. bedeutet hü- {hvä-) 'jemandem (dat.) 



— 60 — 

ved. ci'ki'hi lässt sich nach pi-pi-hl (s. 58.) die verlorene 
Schwesterbildung etwa in der form ^ci-ki-hi (lautgesetzlicher 
^ct-ci-hi) vermuten. 

G. Schwacher perfectstamm: 

Griech. homer. poet. r€-T<-^(6Vo-g*^geschätzt, geehrt' partic. 
mediopass. = sanskr. ci-ki-väms-am acc. sing, "^aneinander- 
gereiht habend, geschichtet habend' pai*tic. act. käthakam 
A. Weber ind. stud. III 472. (Petersb. wörterb. II 997. unter 
1. ci-). 

Avest. di-dvish-ma 'wir haben gepeinigt' plur. act. ys. 
LXVII 2. = sanskr. di-dvish-ima Vir haben angefeindet, 
haben gehasst', di-dvish-ns plur. act. 

Sanskr. ved. ni-m-thäs 'ihr beide habet geführt' dual, 
act. (conj.), ni-ni-ijä-t opt. = sanskr. ved. ni-ni-ma plur. act. 
taittiriya-samh. III 2, 8, 3. „wo aber das metrum ninwia for- 
dert" (Petersb. wörterb. IV 265.). 

Sanskr. bi-bhi-ma 'wir haben uns gefürchtet' plur. indic. 
mahäbhär. V 514. (Petersb. wörterb. V 292.), ved. bi-bhi-vun 
'sich ftirchtend' partic. act. rgv. X 105, 3. = avest. bi-wi-väo 
'sich fürchtend', trans. 'erschreekend , furchtbar' partic. act. 



glückwunsch, heilsruf (bhäram) zurufen' an den stellen rgv. 1 117, 18. 
gunäm andhaya hhäram ahvayat sä 'gedeihen rief sie, heil dem blinden 
zu', rgv. V 29, 8. käräm 7iä vi^ve ahvanta deva bhäram iiulräya yäd 
ähim jaghäna 'da riefen heil dem Indra alle götter, wie siegsgesang, da 
er erschlug die schlänge' (Grassmann). Es hätte keine Schwierigkeit, die 
Imperativformen lat. havelöy havete und den Infinitiv havere {Marcus 
haverejuhet 'lässt dich grüssen' Martial.) — weiter existiert in der classi- 
schen latinität noch nichts — durch neubildung entstehen zu lassen: 
für das lateinische Sprachgefühl musste das alte have mit vale und salve 
(vergl. in perpeluum, fräter, have atque vale Catull., have dotnitia, vale 
domina auf einer Inschrift) auf eine linie treten. Für den vocalismus 
ergäbe sich, dass von sanskr. häv-e, häv-a-te, abulg. zov-a^, zov-e-tt die 
Wurzel indog. gh^au- ist, im gegensatz zu gh^eu- 'giessen' in sanskr. 
Ju-hö-mi, griech. x^'^y x^v-fia. 



— 61 — 

Avest. vi-vis-e ''du bist herangekommen, hast dich unter- 
zogen, gehorchst* med. (vend. II 12.); griech. acp-ly-(.iaL 'bin 
gekommen', acp-ly-rai med., acp-ly-d^ai infin. med. = sanskr. 
ved. a vi-vic-us 'sie sind eingegangen in, sind eingedrungen' 
plur. act., sanskr. vi-vic-e^ ved. ni vi-vic-re med., a vi-mv^-yCi-s 
opt. act., sanskr. vi-vi^-vams- partic. act. Man hat griech. 
ly-Hai, h-Tac als eins der seit indogermanischer zeit re- 
duplicationsverlustigen perfecta zu betrachten, worüber vor- 
läufig Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 30 ff., näheres am 
Schlüsse dieser abhandiung zu vergleichen ist. Redupliciert 
wäre griech. "^ely-f-iai aus '^Fe-FL/,-(.iai zu erwarten. Es hat 
allerdings die spätere spräche wol sicher in ly-f-iat das *- 
nicht function^l verschieden gefühlt von dem rj- in riy-^iai. 
Ahnlich traf das griechische auch bei den modis des aorist 
yctcp-j'y-o-f-irjv tyi-e-TO und iy.-io-f.iai ly-rj-Tai, ly-ot-jtirjv r/- 
oi-To, ^y-i-od^ai, ly-o-f-ievo-c; die Verteilung von indog. iitk^- 
und uik^ ' (s. 5.) so, dass seinem formalen bedürfnis des 
„augmentum temporale" genüge geschah, denn r/-6-firiv, 
ly-e-ro (bereits homerisch) ist von hause aus augmentloses 

(t ^ et er 

praeteritum so gut wie homer. ^y-o-/iir]v, 'iy-e-ro, ^y-o-vro^). 



1) Mit rücksicht auf Curtius verb. d. griech. spr. P 183 f. bemerke 
ich, dass man der alten epischen spräche jegliches beispiel von tem- 
poralem augment bei den mit c, v anlautenden verben abzusprechen be- 
rechtigt ist; man kann überall, wo der schein davon vorliegt, auf die 
indogermanische doppelheit von J, U und /, u recurrieren und die be- 
tretende homerische praeter! talform mit I-, i- {v-) als augmentlose an- 
sehen. Namentlich ist ein verlassen der bildungsregel , welche betreiFs 
der augmentation der verba wie eliaaco, l'kxco, eanäco, igya^o/iai bekannt- 
lich auch der späteren graecität noch durchaus fest gegolten hat, der 
spräche Homers vollends nicht zuzutrauen. Auch die spätere spräche 
brauchte, um die temporal augmentierten ixerevan, vfusvalow u. dergl. 
J (verf. morphol unters. 11 123. 139.) zu erhalten, im gründe keine neuen 
[, formen zu bilden, sondern nur altüberlieferte doubletten nach dem 
I Schema von 7]ad'iov: iad'Uo zu diiFerenzieren. 



— 62 - 

Avest. vid-yä-t *er wisse' opt. act., vid-väo vidk-vaOj 
vid-ush-a, vid-ush-Cj vid-ush-öj vidh-vdohh-ö y vith-ush-i^ viih- 
ush-i-m partic. act., vid-ush vith-usK adj. Vissend, keonend, 
wissentlich' (aus dem partic. entwickelt) ; griech. homer. llo- 
Av-iö-og m. nom. propr. eines greisen sehers IL N 663. 666., 
des Sohnes eines traumdeuters IL E 1 48., ursprünglich partic. 
voc. sing, 'o Vielwisser', darnach nom. sing, eines hystero- 
genen -ö-stammes = sanskr. ved. nachved. vid-dthiis^ vid-mdj 
vid-dj vid-üs dual. plur. ind. act., ved. vid-i^e med., vidya-ni^ 
vid-ya-tj vid-ya-ma ^ vid-y-üs opt. act., vid-dhi vid-dhi y vit- 
•tady vit-iäm imper. , vid-van^ vid-ush-a^ vid-üshe^ vid-iish-asy 
vul-vams-as j vid-üsh-i partic. act., ved. vid-us adj. "^achtsam' 
(aus dem partic. entwickelt); griech. homer. nachhomer. Va- 
-Tov , %d-(.i£v 'iG-fiiev, llo-T€ dual. plur. act., 'io-d^i, 'ig-tov, 
'io-T€ imper., homer. ^d-v-hj-Gi partic. act. fem. II. ^4 608. 
2" 380. 482. y 12. Od. ?/ 92., iö-i-lot raasc. plur. 'zeugen' 
Aristoph. Daetal. fragm. 1. Dind. (nach Seidlers emendation); 
got. vit-täSj vit-um^ vit-up^ vitun^ anord. vit-um^ vit-u^^ vit-ii^ 
ahd. ivizz-nUy wizz-ut dual. plur. praes., got. vit-jau^ vit-ei-ma, 
anord. vit-Oj vit-i-m, ahd. wizz-i^ wizz-i-n opt. Griech. ^igtoj^ 
Igtcov und das medium ^lö-fiai bei Hesych. haben uncontro- 
lierbare quantität des i, obschon wahrscheinlicher kürze als 
länge auch bei ihnen herrscht. Jlolv-iöog stellt sich nach 
unserer erklärung zu den masculinen nominativen auf -a 
wie OvEGTaj iTtfCOTa, xtaroxalTccy nach Brugman morphol. 
unters. II 199. anm. 1. und Gust. Meyer griech. gramm. § 325. 
§ 336. „ vocativformen, die die ftinction des nominativs über- 
nommen haben " *). Doch auch abgesehen davon erhält avest. 



1) Zu den eigennamenartigen Substantiven gehören vor allen dingen 
auch die verwantschaftswörter. Eine einwirkung der häufig gebrauchten 
vocativform dieser auf die ganze declination schon in indogermanischer 
zeit wollte Brugman Curtius' stud. IX 384. statuieren. Ähnlich ist nach 



— 63 — 

vid-vdo vielleicht sein genaues griechisches correlat. Nach 
La Roche homer. untersuch. 85 f. wird es auf grund des con- 
stanten homer. idvlfjOL jCQaitideoöi^ das Aristarch auch A 608. 

Y 1 2. statt eiöviriöi 7CQa7tLdeoöL las , wahrscheinlich , „ dass 
er [Aristarch] auch an den übrigen stellen iövla für eldvla 
geschrieben und die «lision vermieden hat, also tqya lövh] 

V 289 , -Äeövci iövla a 428." u. s. w. Vergl. auch Ahrens 

rhein. mus. n. f. II 176 ff., La Roche homer. textkrit. 286 f., 
Hartel homer. stud. III 38 f. Verbannen wir so das junge 
eidvla ganz aus der homerischen spräche, so wird man ungern 

r auf halbem wege stehen bleiben und auch für das mascu- 
i line eldvjg bei Homer eine altertümlichere, so zu sagen home- 
* rischere form zu substituieren geneigt sein. Vermutlich sind 
nun durchweg ursprünglich lötog^ iSorccy Jöoreg u. s. w. im 
Homertext gestanden, wofür die jüngere spräche überall leicht 
I ihre «i- formen einsetzen konnte. Auch das feminin homer. 
und hesiod. ßJÖ-vla = avest. vUh-ushi finde ich, denn ov Ttqiv 
ßTöüla Toyioio ist meines erachtens an der stelle IL P 5., und 
7cluoTa xhecov ßiövlav bei Hesiod. theogon. 887. das echte 
alte , während Hartel homer. stud. HI 39. und Gust. Meyer 
griech. gramm. § 550. anm. s. 417. sich anders helfen. Schon 
J. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 261. postulierte als ho- 
merisches particip Töwg und sah in Ilolv-Jöog einen Überrest 



Behaghel Jen. literaturz. 1879. s. 278. ahd. fate?' die vocativform an stelle 
des alten nom. sing. ahd. *fatcr. So glaube ich auch, dass abulg. brate 
'o bruder' aus indog. bhräter entstanden, dann wie rabe, vluce auf- 
gefasst, die ö - declination und den neuen nom.-acc. sing, bratti hervor- 
gerufen hat. Durch einfluss der alten obliquen casus von der schwäch- 
sten Stammform bralr- erwuchs das slavische nebenparadigma von bratru, 
voc. bratre. Mahlows hypothese d. lang. voc. AEO 68. 115 , dass slav. -ü 
mitunter lautgesetzlich indog. -ör und -ön, -öm vertrete, hat an bratu 
folglich so wenig eine stütze, wie an dem gen. plur. auf -ü nach verf. 
morphol. unters, I 207 ff. 



— 64 — 

desselben „mit abgestumpfter endung". Freilich wollte er 
das I anders erklären, mit bilfe des früheren digamma nach 
dem 6y wodurch aber dem feminin idvla nicht direct geholfen 
sein würde. Das jüngere eldtogj eldvla bildete sich durch 
Übertragung des vocalismus der ins perfectsystem von olöa 
geratenen sigmatischen aoristformen conj. eiöho eUco ^ opt. 
eidsir]v (Brugman morphol. unters. III 16 ff. 23.), wie ebenso 
die attische infinitivform uö-ev-ai, die doch wol notwendig 
mit dem avest. vid-van-öi^ zum wissen, zu wissen^ ys. XXXI 3. 
zusammengehört, dann also Umformung einer urgriechischen 
erbform ^ßlö-ßiv-at ist'). Mit de Saussure syst, primit. 132. 
anm. 1., Curtius verb. d. griech. spr. IP 213. und Gust. Meyer 
griech. gramm. §550. s. 417. ^ße-ßiö-tog^ '^Fe-Fid-ev-m zu 
gründe zu legen, heisst auch der griechischen spräche das 
reduplicierte perfect dieser wurzel aufoctroyieren, das, einzig 
im sanskrit vorhanden'^), dort erst spät auftritt und mit gutem 
fug als neubildung betrachtet wird; und ^gewusst habend' 
wie sanskr. vi-vid-vdn {„viveda wirkliches perf. ", Böhtlingk- 
Roth VI 1042.) bedeutet auch griech. eiöwg nirgend. Homers 
3. plur. JGäoi neben ioäGt (I. Bekker homer. blätt.' 280., Hartel 
homer. stud. III 37 f.) kann nach dem vorschlage von Cur- 
tius verb. IP 157. anm., Leipz. stud. III 189 ff. und J.Wacker- 

1) Die existenz jener von ^iS-sv-ai nicht zu trennenden zendform 
spricht, beUäufig bemerkt, am meisten gegen Brugmans auch von anderen 
Seiten nicht einleuchtende theorie über den Ursprung des griechischen 
infinitivsuf fixes -erat morphol. unters. III 19ff. ; das richtigere deutete 
Brugman selber s. 22 f. anm. an. Griech. i-dvai = indog. i-uen-ai 
nach J. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 273., nicht eine griechische 
neubildung nach Brugman morphol. unters. I 5., bildete mit * Äd-j^evai, 
§s-d{j^)c-{ß)Bv-ai, kypr. So-j^iv-ai u. dergl. den ältesten bestand dieser grie- 
chischen infinitivkategorie. 

2) Avest. fra-vöi-vul-^ ys. XLIII 11., von Justi handb. d. zendspr. 
276. a. als 1. sing. perf. med. erklärt, ist deutlich intensivform, vergl. 
Bartholomae altiran. verb. § 130. s. 92. 



— 65 — 

nagel Kuhns zeitschr. XXV 266. überall 'looaai geschrieben 
werden, braucht es aber nicht notwendig; an Gust. Meyers 
ßeloäoi (a. a. o.) ist aber schwerlich zu denken. 
I Sanskr. ved. gu-crü-i/a-s 'd\x mögest hören^, cu-crü-yä'- 
^ 'tarn opt. rgv. VIII 45, 18. V 74, 10. VIII 62, 5. = sanskr. 
(^u-cru-ma plur. ind. act-, ved. (^u-qru-yä'-s^ cu-cru-ya-tam opt. 
rgv. Vin 45, 18. V 74, 10. VIII 6*2, 5. (padapätha - lesart), 
sanskr. (^u-cru-vän *^ gehört habend, gelernt habend, ein stu- 
dierter' partic. act. (Petersb. wörterb. VII 269.); avest. su- 
-sru-via plur. ind. act. yt. XIII 148.; griech. homer. xe-xkv-d^if 
7i€-Klv-Te imper. 

Sanskr. ved. Ju-hü-rS 'sie rufen' med. rgv. 18, 14. VIII 
8, 6. = sanskr. YQd. ju-ku-?'e dass. rgv. V 19, 2. nach Säyana 
{juluwe yajnärthain tväm uhvayanti) und dem Petersb. wörterb. 
VII 1680. Diese nummer ist freilich zweifelhaft, da andere 
in dem unklaren liede rgv. V 19. das juhure zu hu- *^giessen, 
opfern' beziehen; so Grassmann wörterb. z. rgv. 1671. und 
in der rgvedä-tibersetzung I 539. , Ludwig d. rigveda od. d. 
heil. hymn. d. brähmana I 380. Zu bemerken ist nur, dass 
die auffassung Säyanas und Böhtlingk - Roths an der gram- 
matischen form des kurzen u wegen kein hindernis findet, 
falls sie sonst etwa sich als die empfehlenswertere erweisen 
sollte. 

Griech. homer. Tti-Ttvv-aai ''du bist verständig'.perf. med. 
II. Ü. 377., 7te-7tvv-oo plusquamperf. med. Od. \p 210., Jte- 
-7cvv-f.i€vo-g *^verständig' partic. med. = griech. Tti'jwv-o 
'sei verständig' imper. med. Theogn. 29. (nach der besten 
Überlieferung, der von Bergk aufgenommenen lesart des codex 
Mutinensis, in den anderen handschriften jv^-Ttvv-oo), Ob 
der Infinitiv Tte-Ttvv-öd^ai II. ^ 440. Od. x 495. properispo- 
menon Tte-Ttvv-öd^ai oder paroxytonon Tce-Ttvv-Ox^ac gewesen 
sei, lässt sich nicht ausmachen. Es gilt, gegenüber einer 

Osthoff u. Brugman untersuch. IV. 5 



— 66 — 

neueren etymologie den wurzelhaften Charakter von Ttvv- in 
^c€-7tvv-oaLj fce-itvv'Oo f Tce-7tvv-f.ievog sicher und das Ver- 
hältnis zu 7tivvTÖ-q adj. Verständigt klar zu stellen. Curtius 
grundz.^ 280. 471. 731. und Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 141 ff. belassen 7te-7tvv-(.dvo-g und 7tivv-rö-g beide bei 
der Wurzel TtveF- 'hauchen, schnaufen' in tcvb-co^ ^tvev-f^ia, 
cc/^-7tvv-To und nehmen für Tttw-ro-g anaptyxis des i an, 
deren mangel in ice-jtvv-iiivo-g Schmidt „ durch die verschie- 
denen bedingungen, welche wortanlaut und -inlaut schaffen ", 
rechtfertigen zu können glaubt. Diese erklärung von Jttwro-g 
ist unhaltbar: „aus dem stimmtone des r" entwickelt sich im 
griechischen nur a, wie in ravv-j in y.Tav-elVy d^av-elvj boeot. 
ßaväj und auch dies im wortanlaute nur da, wo von hause 
aus vor dem n einmal im urindogermanischen ein voller vocal 
vorhanden, war. Anknüpfend an Fröhde beitr. z. lat. etymol. 
s. XII ff. zog dagegen Bezzenberger in seinen beitr. II 272., 
unter beistimmung von Fick ebend. 341., TtLvvv6-g und 7ct- 
-7tvv-(.dvo-g zu sanskr. ci- Wahrnehmen' mit dem praesens- 
thema ci-nd-^ ci-nu-. Gegen diese ansieht führt Joh. Schmidt 
a. a. 0. mehrere gründe an, von denen zwei entscheidend 
sind: statt des /t vor i in lawro-g müsste r als regelrechte 
entsprechung von arischem c, wie in rlvvf.taij stehen; und 
zweitens, der Schwund von ursprünglichem i zwischen conso- 
nanten, welchen die herleitung von Tce-jtvv-i-ievo-g aus */r£- 
-7ti-vv-(.ievo-g voraussetzt, ist unerhört. Ich knüpfe an Ficks 
frühere ansieht über Ttivvro-g wörterb. P 147. 677. an, wor- 
nach es zu sanskr. pu-^ pu-m-ti 'reinigen, aufklären' gehört. 
Die anwendung dieser wurzel auf die klare (klärende oder 
zu klärende) verstandestätigkeit ist bekannt durch den vedi- 
schen gebrauch von krätum pu- 'die einsieht oder den geist 
licht, hell, offenbar machen', af^käm, vacarrij manisham pii- 
'ein lied in klarer form ersinnen oder vortragen' u. dergl. 



— 67 — - 

(vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 839ff.)> durch lat. ;?i?-/-5, 
pn-t-ä-re "^bereinigen, berechnen, erwägen, meinen, denken' 
nebst dessen alter zwillingsform mit ü abulg. py-t-a-ja^ py-t-a-tl 
'scrutari', eigentlich auch 'aufs reine bringen' (vergl. weiter 
unten). Lautlich steht i7:^-)'i;-ro-g für *7r<;-j't;-ro-g durch dis- 
similation, wie (pl-rv-co flir *(pv-Tv-io = \2it ßi-tu-ö (sieh 
unten). Die praesensbildung fünfter classe *7tl-vv-f.ti steht 

i-dem indischen pu-nä'-mi nach neunter gegenüber, wie es 
häufig der fall ist, vergl. s. 35 ff. Hier legitimiert sich nun 
auch die von Curtius grund."^ 471. aus vrj-Ttv-Tio-g *^unver- 
ständig, unmündig' richtig gefolgerte wurzel 7cv-] vrj-Tcio-g 
muss darnach keineswegs aus *vi^-7tv-o-g entstanden sein, 

11 wie Joh. Schmidt einwendet, sondern aus *vrj-7tß-io-g^). Da 

■ nun 7ce-7cvv-(.ievo-g zur wurzel pu- nicht gehören kann, über- 
haupt aber keine möglichkeit abzusehen ist, es mit jtnv- 

K^o-g irgendwie auf eine und dieselbe wurzel zurückzuführen, 
so entschliesst man sich wol, um die „absolut gleichbedeu- 
tenden" und in dem Sprachgefühl der Griechen sicherlich 
verknüpft gewesenen Wörter nicht ganz von einander zu 
trennen, zu der annähme: die ganze Wortsippe 7civvr6gj tvl- 
vvTi]y Tttvvoowj 7vLvvoLg (jclvvoig' ovveoig Hesych.) wurde 
wegen der Verdunkelung ihrer herkunft an die basis rtw- 
von 7cv€cü volksetymologisch angelehnt und in folge 
dessen 7ce-7Cvv-^ievo-g 'geschnauft habend, zum aufatmen, 
zur besinnung gekommen' das Substitut des in der Hesychi- 
schen glosse yciwintvrjv' ovveTrjv gewahrten partic. praes. 7cl- 
-rtJ-^f^ro-.^ 'aufgeklärt, verständig seiend', Tcvv-ro-gj 7cvv-to^) 



1) Was bei Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 143. die heranziehung 
des „analogen Verhältnisses" von lit. hröUs 'bruder' zu brolnlis demin. 
aufhellen könnte, verstehe ich nicht recht. 

2) Stünde der accent dieses nvvxo fest, so würde es folglich die 
zwillingsform mit v zu dem homer. a/u-ntv-ro s. 58. sein. 



— 68 — 

aber nach dem zeugnis desselben Hesychios (Ttvvrog' ^i- 
cpqtovy ococpQ(jDv\ jtvvTo' STtvevGevj sv6r]G£v) diejenigen von 

Ttl-VV-TO-gy *7tl-VV-T0. 

Sanskr. ved. ba-bhü-yä-s *^du mögest geworden sein, mö- 
gest sein', ba-bhü-ya-t opt. rgv. X 183, 2. I 27, 2. IV 51, 4., 
ba-bhü-van partic. == griech. homer. ite-cfv-wr-ag acc. plur. 
partic. Od. €477. Die homerische form aus *7t€cpv6Tag mit 
umspringen der Quantität, wie Tsd-vetoTi Od. t 331., Tte/cTewr' 
IL <Z> 503. aus Ted-vr^oTif 7t€7tTr]6Tay herzuleiten, ist unzulässig, 
weil sich die lautgesetzliche behandlung von *äo, r^o im 
ionisch-attischen bei der constitutionellen Verschiedenheit der 
fl-vocale von v nicht ohne weiteres auf vo tibertragen lässt. 
Vielmehr ist das lo in TtecpvojT-ag von dem nom. sing, auf 
-wg herzuleiten, wie es z. b. auch für Te-rgiy-wT-ag IL E 314. 
notwendig ist; eine form Übertragung, zu deren Zustandekom- 
men dann jene fälle Ted^vetor-, TceTcreior- mit ihrer lautgesetz- 
lichen entwickelung des -wr- das ihrige beitragen mochten*). 
Von den ved. ba-bhü-yä-s^ ba-bhü-ya-t^ ba-bhü-van aus über- 
trug sich das ü auf ved. ba-bhu-tha 2. sing, indic. statt * ba- 
'bhö-thtty sowie noch weiterhin auf ba-bhüv-üsy ba-bhü'v-a 
u. dergl., worüber später. 

Griech. homer. (.ie-(.wy,-(jog 'brüllend' partic. (IL 2 580. 
<Z> 237.) = sanskr. mu-miic-üs ''sie haben losgelassen' plur. 

1) In rsd'vrjmr-os red'vrjcär-i, XB&vrjmr-a rsd'vrjtor-tov , 7tenrr}a>r-ES 
ne7trr}a>r-as, xex/u.r]cor-c xsxfir](ör-a sehe ich nicht die älteren formen mit 
dehnung des o durch vorhergehendes ß (Brugman Curtius' stud. IV 135.)- 
Die nom. sing, red'vrjcoi, Ttenrricos, xexfir^cös, sowie effrrjcos bei Hesiod. 
theog. 519., nebst red'PT^or-, xexfirjor- in den obliquen casus werden aus 
der älteren schiebt der epischen spräche, die von dem erst späteren laut- 
gesetz {eo) aus rico und rjo) noch nicht berührt war, fortgeerbt sein. Aus 
ihrem -t^öJs, -rjör- und dem nach digammaausfall und dem wirken jenes 
lautgesetzes entstandenen -ecos (iarecos bei Herodot) und -ecHr- conta- 
minierte sich das -rjcor- in red'vrjcor-, neTcvr^cor-, xsxfirjwr; also rein dich- 
terische nachbildung und das allerjüngste sprachproduct. 



— 69 — 

act., imi-muc-e^ ved. mu-muc-mdhe, mu-muc-re med. (rgv. IX 
29, 5. X 111,9.), ved. mii-mug-dhij mu-miik-tam imper. (viel- 
leicht jedoch zum reduplicierten praesens gehörig, sieh Del- 
t brück altind. verb. 136.). Zur etymologie vergl. Bechtel üb. 
d. bezeichn. d. sinnl. wahrnehm, in d. indog. spr. 80 f., dessen 
, beispiel pancat. LVII 14. simhanädam mumoca *^stiess ein 
t löwengebrüll aus^ sich noch als ähnlich anreihen ha heti 
t sahasä muktah gabdah, mayürdq ca väcö muncafiti därunäh vom 
geschrei der pfauen, tväfn mnktadhvanim^ phtUkäram mukta- 
'van, muktaphütkdra- (Petersb. wörterb. IV 1211. unt. phutr 
P kära-)„ muktvä häsam ""ein gelächter erhebend' und anderes 
bei Böhtlingk - Roth V 812. belegte. In griech. ^e-^vyi-e 
Hesiod. op. et di. 506. AeschyL suppl. 351., e-(.ie-f.im-et 
Od. ^i 395. als formen des sing. act. erscheint v zufolge Über- 
tragung aus dem schwachen stamme. 
K Aus dem sanskrit kommen diese bildungen mit *, ü hinzu 
als solche, die in der schwächeren gestalt mit ?*, u nicht 
nachweisbar sind: \ed, ß-gi van 'gesiegt habend, siegreich' 
partic. ; ved. mi-mi-yä-s^ mi-mi-yä-t opt. act., mi-mi-tas dual, 
act. plusquamperf. , d-mi-mi-ta med. plusquamperf. von mi- 
*^mindern'; du-dyü-vdms- partic. zu ^Z/?^- *^hervorschiessen' (Böht- 
lingk-Roth III 616.), indog. dleu- (s. 17 if.); ved. su-shüd-ima 
'wir haben schmackhaft gemacht'. Bei ji-gi-vm ist die neu- 
bildung der nachvedischen ß-gy-iva , ß'gy-i??ia nsLch ß-gy-us^ 
ß-gy-e an solchem mangel schuld. Bei sanskr. su- 'zeugen, 
gebären' ist die existenz von ved. sa-süv-a im singular act. 
ein indirectes zeugnis für die nicht zu belegenden tiefstufen- 
formen *sa-sü-mäj *sa'SÜ-yä-ty * sa-sü-van^ vergl. ba-bhuv-a 
nach ba-bhü-yä-t, ba-bhü-van. Hier erhalten ferner aus dem 
griechischen ihren platz: -/.e-yLgiy-or-eg Aristoph. av. 1521.; 
homer. nachhomer. ße-ßgid^-äoi (Od. o 334.), ße-ßgid^-vla 
(IL (D 385.), wornach t auch im singular perf. ße-ßqid'-e 



— 70 — 

(IL 11384.) und plusquamperf. ße-ßgid^-et (Od. /r 474.); re- 
-rgly-oT-eg (Arat. phaen. 1132.), homer. rs-TQTy-coT-ag (II. 
5 314.), homer. nachhomer. te-TQJy-vla (IL ^^lOL, Oppian. 
halieut. V 583., anthol. Pal. VI 54, 5.), Ts-TQiy-vlat (Od. w 9.), 
wornach i im singular xe-Tqly-e (Epicharm. bei Athen. X 
p. 411. B.), TE-TQty-st (IL ^^"714.); homer. nachhomer. 7t€- 
(p^iz-ccOL (IL ^ 383. n 775.), Tte-cfQiy-vla (Pindar Isthm. 
VI 40.), 7C£-(pQ'iy-vlai (IL J 282. H 62.); dor. l-QQiy-avri 
(Theokrit. XVI 77.), wornach i im singular homer. e-QQiy-tt 
(IL P 175.), e-QQ-ty-e (IL H 114.), l-qqty-ei (Od. t// 216.); 
ava-KS-zvcp-ajitev (Euripid. cycl. 212.), 'KS-ydcp-or-a (Nonnus 
parapbr. XXI 64.); homer. ße-ßQvx-i6g (IL iV 393. JT 486.), 
wornach v im singular ße-ßgvx-a (Sophocl. Trachin. 1072.), 
homer. ßi-ßQvx-ev (IL P264. Od. «412.). In allen diesen, 
wie in homer. f-ie-juvTc-cog (s. 68.), sehe ich, unterstützt von 
der frühzeitigen Überlieferung in der litteratur, nicht „neu- 
bildungen, die einfach vom praesens abgeleitet sind und den 
vocal desselben zeigen" (Gust. Meyer griech. gramm. § 555. 
s. 421.). Wer weiss auch etwas über die quantität des t in 
den praesentien /.qI'CcOj rolucoy cfgloGU)? Dass bei Hesiod. 
scut. Hercul. 171. unsere ausgaben cpqloaov schreiben, ge- 
schieht eben nach Tte-cpQiy-a j (p^lv-og, cpQly-i^j rpQiz-ojörjg 
und besagt also nichts. Der umstand, dass die jod-prae- 
sentia nicht in der gestalt "^y.Qlyuo, ^^TQJylo), "^ cpQ~r/.uo er- 
scheinen wie löiü) (s. 33.), lässt sogar vermuten, dass x^^'w, 
TQiKco, cpQiGOcü gesprochen wurde. So mag auch rieben ava- 
-ye-yvfp-ajiiev das praesens immerhin zvtc-tcü gewesen sein, 
wie neben homer. (-ie-(.ivy-Log ^ l-f.ie-f.im-8L (s. 68. 69.) der 
aorist homer. jMiTx-«, (j.W-o-v. Betreffs ine-fxvz-wgj e-f.ie-(.ivy-eij 
und e-QQty-avTt, e-QQiy-a wäre es auch verwunderlich, wie 
als „einfach vom praesens abgeleitet" die starken e-QQiy-a^ 
/.le-fim-a aus den denominativen fivy-a-o-juaij ^Jy-e-co hätten 



I 



— 71 — 

entspringen können 0- Wenn also ßgix-^ als aoristpraesens 
(vergl. s. 1 ff.) zu ße-ßQvx-cog im vocalismus stimmt, braucht 
darum letzteres ebenso wenig die analogiebildung nach erste- 
rem zu sein, wie etwa homer. Tte-Ttad-vla diejenige nach 
e-jcad^-o-v aor. Ich bemerke noch : wenn uns die alten Grie- 
chen die Quantität ihrer vocale und besonders derer in po- 
sitionslangen Silben so sorgfältig bezeichnet tiberliefert hätten 
wie die Inder, könnten leicht auch unter den bildungen vom 
schwachen perfectstamme wie homer. e-ly-rov e-iK-TrjVy l-ice- 
-Ttid-^ev j TB-Tv^tti Te-tv/,~rcti T6-TVA-T0 Te-Tvy-f-iivo-Q j 7ce- 
-cpvy-/n€vo-gj Tce-7tvö-(.iai Tte-jtvo-oai Tte-Ttvo-rcu Tce-rcvö-xo 
7ce-7tvo-d^Yiv noch welche mit langem wurzelhaften 7, v ge- 
funden werden. Leider erstrecken sich die grammatikerzeug- 
nisse, welche anderen formen des verbums jnioycoj f,iLy-vv-^i 
länge des l zusichern (vergl. Lobeck paralip. 412. 414., Job. 
Schmidt indog. vocal. I 123., oben s. 34. 52. 58.) nicht auf das 

perf. med. fie-fuy-inaij so dass nach Lobeck „rectius scribi 

f.ie(,u%d^ai .... quam .... fisfilx^at .... necessaria conse- 
cutio non est". Wenn Curtius verb. IP 212. und Gust. Meyer 
a. a. 0. dem hesychischen -Aata-Tci-jtvd'-a' yMTeQQvrjxa wegen 
jcv^oy langes v erteilen, so könnte auch dieser schluss täu- 
schen (vergl. 7tv-oe aor. bei Kallimach. fragm. 313.); aller- 
dings war jcv-d-coy wie auch ßgi-d^cüj nicht mehr einfaches 
wurzelverb, so dass man darum wol ßs-ßqid-a, 7ce-jtvd--cc 
nicht als alte erbformen zu betrachten hat, in sofern letzterem 
eher v nach dem praesens zusprechen darf. 



1) Auch homer. Se-8ov7T-6r-os II. «f^GTO. lasse ich nicht als perfect 
von SovTi'ico gelten, sondern es gehört zu verlorenem *Sevn-co^ mit Ver- 
allgemeinerung des perf - sing. - ablauts ; das Verhältnis zu Sovndco muss 
beurteilt werden, wie de Saussure syst, primit. 72. dasjenige von lat. 
to-lond-i^ spo-pond-i zu den denominativen praesentien tond-eö (griech. 
revS^oj 'nage' ist das eigentliche praesens zu to-tond-i), spo7id-eö auffasst. 



— 72 — 

H. Nomen mit suff. -k^ö-: 

Ags. tvig n. , ahd. zwig n., mhd. zwiCj gen. zwiges n. 
'zweigt aus germ. twi-^ö-m = sanskr. dvi-ka- adj. *^aus 
zwei bestehend', subst. ^paar'. Die nebenform ahd. mhd. 
zun gedenke ich an anderem orte erklären zu können. 

I. Nomen mit suff. -to- (pai-tic): 

Griech. homer. a-Tc-ro-g IL S 484. = sanskr. ci-td-s] 
avest. ci-tha f. ^'strafe, busse'; griech. homer. nachhomer. 
Ti-To-Qy a-t^-To-g] abulg. c^-tü m. *^zahr, po-ci-tu m. *^aut- 
z*ählung\ 

Abulg. zi-io n/yhvrji^ce, fructus, frumentum'; ags. ci-8 m., 
(alts. ki-th masc. oder neutr., kitho^ kithuji gen. dat. plur.), 
mhd. kt-t n. (gen. sing, kides) 'sprössling, spross' aus urgerm. 
kJ-po-rriy ahd. ß^umi-ki'd-i n. *^erstlingsfrucht', mhd. ki-d-e 
n. *^spross, sprössling' aus germ. ki-p-tio-m = ssinskr. ß-tä-s 
'gewonnen, ersiegt, erworben\ Ich kann nicht umhin, die 
wurzeln g^ei- 'leben, aufleben' und g^ei- 'siegen, ersiegen' 
unter dem gemeinsamen grundbegriff 'oben auf sein, die Ober- 
hand haben, die oberhand bekommen oder behalten' zu ver- 
einigen. Der genesende, welcher lebt nach schwerer krank- 
heit, ist ein sieger, hat gewonnen. Die aufkeimende saat 
ist zugleich 'die obsiegende, die oberhand gewinnende'. In 
redensarten wie sanskr. svänii jayatu^ jayatu Jayatu devah^ 
jayati savitä^ ftyt^d vopadevah bedeutet ja?/- 'siegen' nach 
Böhtlingk - Roth III 96. „'siegreich sein' so v. a. 'oben auf 
sein, hoch leben' "; sanskr. jaya-cabda-s m. ist 'siegesruf, ein 
lebehoch'. Während das Petersb. wörterb. in dieser ge- 
brauchsweise mit recht keinen grund zur ansetzung einer 
besonderen wurzel Ji- 'leben' fand, ist es Justi handb. d. 
zendspr. 105. a. 116. b. 117. a. ratsamer erschienen, gi- ji-, 
desider. ji-sh- 'leben' und 7V-, desider. ji-sh- 'überwältigen' 
als zwei wurzeln aus einander zu halten, obgleich die formen 



— 73 — 

beider im avesta bis ins einzelne dieselben sind oder doch 
sein könnten. Sonach ist auch lit. \-gyju^ \-9yti 'erlangen, 
teilhaft werden' nicht mit Fick wörterb. P 570. (der übrigens 
P 28. IP 32. dieses litauische verb noch ärger misversteht) 
„von gyju ^'heilen, gesund werden' durchaus zu scheiden". 
Auch die sonstigen formalen Übereinstimmungen zwischen der 
Sippe von g'^ei- *^leben' und g'^ei- ""siegen' sind zu gross, 
als dass man diese identificierung unterlassen sollte. So ver- 
einigen sich nun die oben s. 38. noch getrennt gelassenen 
nasalen praesensbildungen griech. ßl-ve-w 'überwältige, not- 
züchtige' u. s. w. und lit. gi/-?iu 'lebe auf', got. kei-na u. s. w.; 
homer. ße-o-^im 'lebe' wird das correlat zu sanskr. jäy-a-te 
*^ersiegt, gewinnt für sich'; alts. ki-mo^ ahd. chi-mo m. 'keim' 
wird identisch mit ved. je-man- m. 'Überlegenheit', je-man- 

. adj. 'überlegen'. Einmal belegt das Petersb. wörterb. a. a. 0. 

K auch unser particip ji-td- in jener bedeutung von 'oben auf 
sein, hoch leben': vdshpena pratisiddhe ^pi jaya(^abde jiUtm 
maya Qäkuntala v. 182. ed. Böhtlingk. Die abnorme betonung 
von germ. ki-po-m schliesst indog. i nicht unbedingt aus. 
Ich rechtfertige diese Verbindung von tiefstufe und wurzel- 
betonung vorläufig durch den hinweis auf germ. kün-po-z 
'kund', mür-po-m 'mord' u. dergl. ; vergl. Kluge german. 
conjug. 21., Kögel Paul-Braunes beitr. VII 189., von Bahder 
d. verbalabstr. in d. german. spr. 91. 

Lat. ac-ci-tU'S ""hergeholt, herbeschieden', con-ci-iu-s 'an- 
geregt, aufgeregt', e^'-ci-^?/-^ 'aufgeregt, aufgescheucht, heraus- 
gerufen' = sanskr. ved. nachved. d-tä-s ""erregt, angeregt' 
(mit gi-tä-s 'geschärft, gewetzt, scharf' = lat. cä-tu-s zu- 
sammengefallen), ved. ni-pi'ta-s 'angeregt, gerüstet zu, gierig 
auf, säm-ci-ta-s 'angeregt, beeilt, bereit, gerüstet, fest ent- 
schlossen', söma-d'ta-s 'durch soma erregt' (vom rshi); lat. 
ci-^M-* 'erregt, angeregt, schnell, rasch', con-ci-tu-Sy ea^-ct-tu-s. 



— 74 — 

m-ci-tu-Sj per-ci-tu-s^ ci-to adv. 'schnell, rasch^, ci-t-Uj^e^ con-y 
ex-y in-j sus-citUi^e denomin. Die belege für -ci-tii-s und 
'Ci'tU'S aus lateinischen dichtem sieh bei Neue formenl. d. 
lat. spr. IP 582 f. An sich wäre übrigens dieser hier nur 
der Vollständigkeit halber mit aufgeführte fall ohne beweis- 
kraft, da man auch annehmen darf, dass ac-ciö^ con-ciö^ ex- 
-cid in die analogie der abgeleiteten verba auf -iö wie fmiö^ 
müniö übergehend das particip -cUu-s gebildet haben. 

Vulgärlat. dic-tu-s *^gesagt' in Italien, archaist. ditto ""ge- 
sagt', jetzt 'wie erwähnt, derselbe', span. portug. dito^ pro- 
veng. franz. dit^ Italien. V/zV^a f. 'firma' = sanskr. dish-tä-s 
'gezeigt, gewiesen'; lat. dic-tu-s nach Gellius noct. Att. IX 6. 
(vergl. H. Schmitz beitr. z. lat. sprach- u. literaturk. 8. 38.), 
ital. detto^ bene-detto, rnule-detto^ altfranz. bene-oit (= neu- 
franz. Benoit nom. propr.), male-oit aus bene-dictu-s ^ male- 
-dictu-s. Neuschöpfung des anzunehmenden vulgärlat. dw-tu-s 
nach dem praesens dicö und dem perfect dixi (= ital. dissf) 
franz. je du) zu statuieren, wie W. Förster rhein. mus. n. f. 
XXXIII 297. es für andere entsprechende fälle tut, hätte 
hier seine bedenken. Man würde erwarten, dass die neu- 
bildung auch in der jüngeren zeit innerhalb des verbalsystems 
stünde und fände diese erwartung beim italienischen nicht 
bestätigt; dort lebt gerade in antiken und „isolierten" formen 
das dic-tu-s. 

Lat. pic-tu-s 'gemalt', Italien, archaist. poet. pitto = 
sanskr. ved. pish-td-s 'geschmückt, gestaltet, gebildet'. Hier 
liegt aller verdacht der neubildung vom lateinischen und ro- 
manischen fern, da das ganze lateinische verb pingere der 
nasal durchzieht und demnach auch das regenerierte particip 
vielmehr als Italien. pi'ntOj franz. peint ausfällt. 

Sanskr. pri-tä-s 'geliebt, lieb, vergnügt, fröhlich, befrie- 
digt'; avest. dunmo-fri-tö 'dunstgenährt'; anord. fri-^-r^ ags. 



e 



I 



— 75 — 

j'i'd adj. 'hübsch, schön, anmutig, lieblich', ahd. ffit-ltch adj. 
''erfreulich, angenehm', 2igB. frid-hofj ahd. mhd. /;•^^Äö/ m. 
*^schutz und Schonung gewährender hof, freistätte, gottes- 
acker', got. frei-d-jan *^schonen', anord. fri-^-a ''schmücken, 
zieren', ahd. vin-t-en ''hegen, hätscheln' denom. == avest. 
ßn-tö 'geliebt, freundlich', d-fri-tö "gesegnet'; got. Fripa- 
-reik-s nom. propr., anord. fri-d-il-lj ahd. fri-d-ol fin-d-el m. 
'geliebter', ahd. fri-d-ila f. 'geliebte', ags. Fri-d-la^ ahd. Fri- 
-t'ilo nom. propr., got ga-fri-f)-önj anord. /r/-9-a, SLgs. fH-d-ia?i 
freo-d^ia?ij (alts. fri-th-ö?i,) ahd. ge-fin-d-ön 'friedlich machen, 
schützen , versöhnen , bewahren' denom. Ahd. fridol fridel 
mag wol mit seinem d = germ. p auf den alten bei diesem 
Worte natürlich häufigen vocativ sing, (urgerm./r/^ö/e oder 
friple) zurückweisen; ebenso got. Fripa-rcik-s als eigen- 
name; vergl. s. 62. In der form ahd. friudil^ mhd. vriedel 
erfuhr das nomen frndol den neubelebenden einfluss des 
ch wachen verbums ahd. frijdn friön (Fick wörterb. P 150.). 

Got. heis-t n. 'sauerteig' als 'das beissende' aus germ. 
s-to-m nach Kögel Paul -Braunes beitr. VII 188. = lat. 
/m?/-* 'gespalten', /*^M-m n. 'spalt'. Wurzelbetonung in der 
germanischen form wie in ki-po-m s. 72. 73. 

Griech. ^iux-to-c; 'gemischt', durch grammatikerzeugnisse 
gesichert, die zuerst Lobeck klar stellte (vergl. die bei Joh. 
Schmidt indog. vocal. I 123. angeführte litteratur) == lit. sii- 
-m)sz-ta-s 'schnell durcheinander gemengt'. 

Vulgärlat. misu-s 'geschickt, gelegt, gesetzt' in altitalien. 
misso^ altspan. miso^ franz. mis (Diez gramm. d. roman. spr. 
W 164. 185. 247.), span. müa f. 'messe, messopfer' = lat. 
missu-s^ Italien, messo^ altfranz. mes m. 'speise, gericht' (neu- 
franz. mets)^ Italien, messuj franz. messe f. 'messe'; ahd. fa?'- 
-miss 'cassus', anord. ags. afries. alts. mis-y ahd. fnis- mes- 
'mis-' in compositen, anord. viissa^ ags. missan^ ahd. missen 



— 76 — 

Verfehlen, vermissen' denom. (Kögel Paul -Braunes beitr. 
VII 173 ff.). Diese nummer ist freilich unsicher, da hier 
Försters annähme vulgärlateinischer oder romanischer neu- 
bildung des misus rhein. mus. n. f. XXXIII 297. anm. viel- 
leicht berechtigter ist. In altitalien. misso ist das ss jeden- 
falls jung, wahrscheinlich durch mischbildung aus miso und 
messo entstanden. 

Griech. AZ-ro-g 'glatt, eben, schlicht, einfach', eigentlich 
Vas sich anschmiegt' (sieh s. 46.); lit. dialect. ly-ta ''es hat 
geregnet' partic. neutr. als verbum finitum gebraucht (Kur- 
schat litt, gramm. §.917. s. 244.) == avest. aipi-iri-td ""ange- 
schmutzt'; griech. Xt-to-q *^glatt' bei den späteren dichtem 
Alexander Aetolus, Nonnus, Orph. Argon. (Passow hand- 
wörterb. u. d. w.); lat. ti-iu-s 'bestrichen, aufgestrichen, über- 
zogen', il-titU'Sy ob-litU'S. Gegen Curtius' ihm selber zweifel- 
hafte etymologie von &6-gy wonach es anlautendes y- ver- 
loren haben soll (grundz.^ 367.), spricht sich jetzt auch 
0. Weise Bezzenbergers beitr. VI 116 f. aus. 

Lat. re-lic-tu-s *^verlassen', Italien. i^elittOj lat. de-llc-tu-vi 
n. "^vergehen', Italien, delitto^ franz. delit = sanskr. rik-tä~s 
und ink-ta-s "geräumt, leer'; lit. pri-lik-ta-s ""natürlich, in der 
natur eines dinges begründet', eigentl. *^gestattet, von der 
natur freigegeben' (vergl. lat. lici-tu-s 'freigestellt, gestattet, 
erlaubt'). Für langes i in lat. relictus spricht auch die in- 
schriftliche Schreibung releiclus. 

Sanskr. vi-ta-s 'vergangen, geschwunden, nicht da seiend, 
fehlend, abgängig, unbrauchbar'; lat. vi-t-Urey e-vl-t-üre 'ver- 
meiden, fern sein lassen' denom.; anord. vi-^-r^ alts. wi-d^ 
ahd. z^;z-^'weit' aus germ. wi-'^ö-s = avest. vi-to 'getrennt'. 
Gegen die deutung des sanskr. vi-ta-s aus *vi'i-ta-s 'aus- 
einandergegangen' (Petersb. wörterb. unt. 4. vita-), die volks- 
etymologisch gewesen sein mag, streitet die zendform. Eher 



— 77 — 

ist das praefix indog. u?- 'zer-, auseinander' (sieh unten) 
nach art einer verbalwurzel behandelt oder war überhaupt 
eine solche. 

Avest. vu-tö "^gefunden, erworben', mit der bedeutung 
'gewusst, erkannt' in vistö-fraoreti- adj. 'einer der den glauben 
kennt'; lat. vJsu-s *^gesehen' aus ^vul-to-s^ visö 'besehe, be- 
ißichtige' aus indog. uid-töj ^-praesens; lit. isz-vys-tu 'ich 
[bekomme zu sehen, erblicke, werde gewahr' (== lat. vuo)\ 
jgot. -veis 'weise' in un-veis ^ hindar-veis u. a. , anord. vis-s^ 
fags. vis j alts. ahd. wis 'weise, kundig', eigentlich 'der er- 
kannt hat' aus germ. w~isö-s == sanskr. vit-iä-s 'gefunden, 
erworben, erkannt, bekannt, berühmt'; avest. vis-tö 'bekannt'; 
altir. fess n. 'gewusst' in ro fess 'scitum est' für vorhist. 

I'*-vid-tö-m (vergl. Windisch Kuhns beitr. VIII 466. kurzgef. 
ir. gramm. § 326''. s. 83 f.); got. un-vis (stamm un-vissa-) 
'ungewis', anord. viss ^ ags. ^e-wiSj afries. alts. wiss, ahd. 
gi'iins 'gewis, sicher', ahd. wisso adv. 'profecto', gi-wesso 
gi-ivisso dass. Griech. a-i'a-To-g kann natura langes und 
kurzes t haben. Inlautend aus doppeldental entstandenes ss 
ist in germ. wisö-s zu einfachem s reduciert nach und "wegen 
der vocallänge davor, wie in lat. visu-s] auch durch das 
praeteritum ahd. miiosa im vergleich mit wessa wissa erweist 
sich dies lautgesetz als germanisch *), sowie durch ags. haes f. 
'befehl' (gen. dat. sing, haese^ dat. plur. haesum^ acc. plur. 
he-haesa) aus germ. haisi-s für *haisst'S (zu got. hait- an 
gehörig, vergl. von Bahder d. verbalabstr. in den german. 
spr. 65.). Zu der activischen bedeutung von germ. wisö-s 
vergleiche man, dass griech. a-'COTo-g^ sonst passivisch, als 



1) Denn dass ahd. muosa gegenüber got, ga-mös-ta, ags. mös-te, 
alts. mös-ta, ahd. muos-te die ältere bildungsweise vertritt, zeigt Kögel 
Paul -Braunes beitr. VII 186. Dem Ursprünge des mös-ta vergleichbar 
ist derjenige von italien. span. visto partic. für lat. visu-s. 



— 78 — 

als activisch im sinne von 'nicht sehend, nicht kennend, nicht 
wissend, unkundig"* erscheint bei Euripides Troad. 1313. aräg 
tfiag aiOTog, ebend. 1321. cüotov orAcov ejuwvj dass im latei- 
nischen sci-tu-s als adjectiv 'gescheit, klug, kundig' aus- 
drückt 0- Die Scheidung der bedeutungen der alten doppel- 
gänger germ. wisö-s und loisso-s ist analog der von griech. 
d-viö und ^vw (s. 23 f.). Da Graff althochd. sprachsch. I 1069. 
für die constructionen einemu iz wis tuon aus Otfrid I 4, 64. 
theih thir iz wis däti anführt und an unser eifiem etwas weis 
machen erinnert, so könnte man versucht sein, hier die letzten 
spuren passivischer bedeutung des wiso-s sehen zu wollen. 
Allein bei Otfrid kann auch w1s däti 'gewis machte, ver- 
sicherte' gelesen werden. Oder dies vereinzelte einemu iz 
wis tuon neben häufigem einan es wis tuon (vergl. Graff 
a. a. 0.) ist entstanden durch syntaktische contamination dieser 
letzteren construction mit der ihr synonymen einemu iz kund 
tuon (Graff IV 415 f.). Wegen des modernen einem weis 
machen ist diese letztere annähme vorzuziehen. Eher kann 
für die ursprünglich auch passivische bedeutung des wts6-s 
dessen substantiviertes feminin wtsä 'modus, ratio' = ahd. 
wis^ wovon als erstarrter instrum. sing, wis in adverbialen 
formein wie andai^ wis^ in ictsy zi ivis (Graff I 1073 ff.), oder 
wtson- f, dass. = anord. visa 'strophe', plur. 'lied, gedieht', 
ags. viscy ahd. wisa angeführt werden: 'die weise' ist 'die 
gewusste, allbekannte regel oder norm'. 

Lat. di-visu-s 'getrennt, gespalten, geteilt'; ahd. ur-wis 



1) Cicero scheint, wenn er scUu-s 'gescheit' nie von personeu, wie 
von Plautus an fast alle Schriftsteller, sondern nur von Sachen {sermo, 
Vax, sentenüa) gebraucht, eine art puristischer gene wegen des vermeint- 
lich nur passivischen Charakters der participform empfunden zu haben ; 
ein sermo scitus gieng ihm eher hin, etwa als 'rede, bei der etwas ge- 
wusst wird'. 



— 79 — 

'^expulsus', acc. plur. iir-wlse (mit paradise bei Otfrid II 6, 38. 
reimend), iir-ims 'degeneris, ignobilis, dissimilis parentibus' 
('entartet' s. v. a. "^entfernt von einem früheren zustande') bei 
Graff ahd. sprachsch. I 1068. aus Pa. Ra. gl. K., mbd. ur-wis 
'ohne führung' Nibelung. 857,4. cod. C. aus urgerm. wtsö-Sj 
ahd. ivisan, ar-wisan, pi-wisan^ meiden (Graff 1 1065.), ursprüng- 
lich *^von sich abtrennen, fern halten' (vergl. über lat. vi-t-äre 
s. 76.), 1. sing, praes. in die. urgerm, wiso = indog. uidh-tt 
(vergl. lat. vuo^ lit. -vys-tu von wurzel ueid- s. 77.) = sanskr. 
vid-dhd-s 'durchbohrt, durchschossen', eigentlich 'gespalten, 
aus einander getrennt'. Griech. o-la-To-g m. 'pfeil' als 'spal- 
tender, durchbohrender' aus "^o-FiO-ro-g kann i und e ent- 
halten. Mittelstufenform der wurzel war indog. uia'dh-', 
und sanskr. vi/adh- 'durchbohren', praes. vidh-ya-ti (Petersb. 
wörterb. VI 1438 ff.) ist mit sanskr. vidh- 'leer werden von, 
mangeln einer sache, viduor', praes. nasaliert ved. vindh-d-te 
(Petersb. wörterb. VI 1070., vergl. auch Roth Kuhns zeitschr. 
XIX 223 f.) zu vereinigen. Sanskr. vyadh- , das schon Fick 
wörterb. P 220. richtig mit lat. di-vid-ere zusammenstellt, teilt 
auch den weiteren gebrauch des letzteren und unter anderen 
die aus 'spalten, trennen, isolieren' specialisierte bedeutung 
'durch Isolierung hervorheben, auszeichnen, verzieren', all- 
gemeiner 'behaften mit, versehen mit'; man vergleiche lat. 
(jemma fidviim quae d'ividit aurum (Vergil.) von dem in gold 
gefassten edelsteine, scittulis dividere vestes von dem carrieren 
der zeuge (Plinius bist. nat. VIII 48 [74], 196) und sanskr. 
riddhä- u. a. 'versehen mit, gemischt mit', anu-viddha- 'durch- 
zogen, besetzt mit', i'atnanuviddha-'mii^visvelexi besetzt', pra- 
-viddha- 'gespickt, erfüllt'. Zu sanskr. a-vyadh-^ mj-d-vyadh-^ 
sam-u-vyadh- 'schwingen, im kreise bewegen' stellt sich lat. 
nös aliö mentes^ aliö divisimiis aures 'richteten zerstreut anders- 
wohin den sinn, anderswohin das ohr' (Catull.), animum nunc 



— 80 — 

hüc cclerem nufic dividit illüc *^rasch teilt sich sein geist zwi- 
schen verschiedenen entschlüssen, rasch denkt sein geist hin 
und her' (Vergil.). Am nächsten kommt nir-viddha-s ""aus- 
einander stehend, von einander getrennt' (Petersb. wörterb. 
VI 1442.) dem lat. di-visu-s. Hierher gehört nun auch als 
bildung von schwächster tiefstuf enform indog. uidh-eu-n 
'witwe' = sanskr. vidh-äv-ä u. s. w. (lat. vidua wie denuö 
aus de novöj de *nevöf abulg. vtdova aus *videväj got. viduvö 
statt ^vidivö durch einfluss des lateinischen Wortes); und das- 
selbe indog. uidh-eu- liegt vor in sanskr. ved. vidh-ü-s adj. 
'vereinsamt', nachved. vldh-u-s m. *^mond', sanskr. vidh-u-ra-s 
adj. 'der deichsei beraubt (vom wagen), allein stehend, vom 
geliebten gegenstände getrennt, frei von, ermangelnd, entfernt 
von, abgesondert von, woran etwas fehlt, mitgenommen, 
beschädigt, niedergedrückt, niedergeschlagen, widerwärtig, 
widrig' und in lit. vid-ü-s m. 'mitte, inneres, inwendiges', 
vtd-u-r-y-s m. 'mitte' als 'spaltende'. Lat. di-iudö ist aorist- 
praesens. Der sigmaaorist lat. dt-vis-i ist nicht wie griech. 
e-d€L^-a beschaffen, sondern wie griech. (.u'^-ai^ 6(xl^-ai, 
e-TiG-aj e-lvG-a, d. h. dt-insi hat aus dem plural den indo- 
germanischen tiefstufenablaut i verallgemeinert; *viessT oder 
* viassi war Vorgänger des historischen -insi. Also würde man 
auch bei der annähme lateinischer neubildung des particips 
di-vTsu-s nach di-visi nicht um indog. i herumkommen. Die 
sanskritischen verbalformen vet-syä-mi^ ved-dhäj ved-dhum 
von vyadh-^ sowie avest. vi-vaedh-a (Bartholomae altiran. 
verb. § 121. s. 87.), und die nomina sanskr. vedha- m. 'durch- 
bohrung, durchbruch, durchstich, Öffnung, tiefe, Vertiefung', 
ved-dhar- m. 'durchbohrer, treffer eines zieles', ved-dhavya- 
'zu durchbohren, zu treffen, worin man eindringen muss' sind 
gebildet zu folge falscher auffassung des vidh- in sanskr. 
vidh-ya-ti praes., vi-vidh-üs plur. perf. u. a.; ähnlich ist vi- 



— 81 — 

'Vec'Ci atharvav. VI 61, 2 statt vi-vyäc-a „ein nnregelmässiges 
perf. aus vic- gebildet" (Böhtlingk-Roth VI 1430.). Und ähn- 
lich ist im germanischen wis- gleichsam als ein indog. loeis- 
verstanden die basis für hochstufenformen geworden: ahd. 
u7^-uueis perf. ""subterfugi' (Graft' I 1065.), ahd. weis m., alts. 
ahd. weisOj mhd. weise m. ^orphanus, pupillus', mhd. iveise m. 
'der kostbarste edelstein in der deutschen kaiserkrone' als 
''der einsame, verwaiste, einzige in seiner art\ Witwen und 
waisen bringt also auch die etymologie nahe zusammen. Ist 
etwa das von Graff I 1065. auch beigebrachte kamiissa?i ist 
'cedit' aus Da. (glossen des 8—9 jahrh.) noch eine remini- 
scenz an den älteren ablaut tvtsu^ weis^ "^wissiim^ kawissan 
mit regulärem ss aus doppeldental nach kurzem vocale? Der 
allerälteste germanische ablaut war (mit gotischer lautierung) 
*wlssa, "^wiacly * wi(hi??ij "^widans-^ dafür zuerst * /6v.y^flr, * /^.'ffm, 
"^lüissum, '^wissans] sodann trat lautgesetzliche Vereinfachung 
der gemination ss im praesens und perf. sing. ein. Falls etwa 
griech. od-velo-g adj. 'fremd, ausländisch' für * ßLoS-veio-g 
steht, könnte es einigermassen für indog. inedh- als mittel- 
stufenform in die wagschale fallen. 

Sanskr. si-tti f. 'furche', eigentl. 'abgrenzende linie, ab- 
grenzung'; anord. si-^-i^ 'herabhangend, lang', anord. si-^a^ 
ags. si-de, ahd. si-ta f. 'seite', stamm germ. si-'^S-n- = 
sanskr. si-tä-s 'gebunden'; avest. hi-tö 'gebunden, gezäumt', 
hi'tha f.' Wohnung'; lat. si-tu-s 'gelegen, in einer festen läge 
befindlich, gegründet', von Städten und festen platzen (vergl. 
Corssen ausspr. vocal. P 419.), posäu-s 'niedergelegt'. Über 
die grundbedeutung der wurzel, 'in eine feste läge bringen', 
sieh näheres weiter unten bei besprechung der w^«-bildung 
indog. si-men-, 

Abulg. cis-tu 'rein, heilig', eigentlich 'abgesondert, ge- 
schieden' (von unreinen zutaten, unheiligem); lit. ski/s-ta-s 

Ostholt' u. Brugman untersuch. IV. Q 



— 82 — 

'dünn, verdünnt, wässerig', von lockerem gewebe, verwässer- 
ten flüssigkeiten , eigentlich 'gespalten', und skys-ta-s 'rein, 
klar, heir von flüssigkeiten, dialektisch in Ragnit, Russ 
(Nesselmann wörterb. 479. a.), eigentlich 'scheidbar, unter- 
scheidbar' == lat. scissU'S 'gespalten'; ahd. scesso m. 'rupes', 
substantiviertes particip (Kögel Paul-Braunes beitr. VII 184 f.). 
Griech. oxto-To-g lässt ohne aufschlüsse über die quantität. 

Griech. öl-ro-g m. 'getreide, kost', cc-gi-to-q adj. 'ohne 
essen' = griech. a-o^-ro-g adj. anthol. Palat. VII 118,2. 
Etymologie dunkel, doch -^ö-bildung a priori wahrscheinlich. 

Sanskr. ii-tä-s 'gewebt, genäht', nur bei Amarakosha und 
Hemacandra (Petersb. wörterb. VI 878.) = sanskr. u-tä-s dass. 

AYest duzh-ükh-ta- n. 'schlechte rede', adj. 'böses redend', 
aipy-ükh-dhö 'unterbrochen, mit auslassungen' = sanskr. iik- 
-tä-s 'gesprochen'; avest. ukh-dhö 'gesprochen'. 

Sanskr. cyü-ta-s m. 'after', eigentlich 'der geschüttelte, 
rasch sich bewegende', unbelegt, sanskr. (präkrit.) cü-ta-s 
dass.; avest. shü-tö 'getrieben, geschleudert, geschüttelt' in 
den compositen aipi-, fra-^ arezö-^ aremö-j mainyu-^ vätö- 
'shüto = sanskr. cyu-ta-s partic. , cu-ta-s m. 'after'; avest. 
ansa-shu'tö 'als anteil herausgesprungen, zu teil gefallen'; 
griech. eTtl-Gov-ro-g 'herandringend' Aeschyl. Agam. 887. 
1150. Eumen. 924., Euripid. Hippol. 574. Sanskr. cüta-s cuta-s 
nebst cutis f. 'after' für volksdialektische Wörter zu halten, 
erlaubt ihre bedeutung; auf ein früheres // hinter dem c- 
deutet auch der palatal vor dem //, u hin; c-, inlautend -cc- 
für cy aber ist ganz den assimilationsneigungen des präkrit 
und päli gemäss, vergl. E. Kuhn beitr. z. päligramm. 47. 
Potts vergleichung des griech. ösvm mit sanskr. cyu- wurzel- 
wörterb. II 2, 693. galt mir seit länger schon als allein richtig, 
bis sie neuerdings auch an J. Wackernagel Kuhns, zeitschr. 
XXV 276 f. einen Verteidiger fand. 



— 83 — 

Avest. iizhi'zhnü-tö ^spitz zugescbäitf vend. XIV 24., für 

'• lizhi-khshnütd (etwa durch assimilation des khsh an das vor- 
liergehende zh in tizhi- oder dadurch veranlasster schreib- 
1'ehler?) = sanskr. kshnu-ta-s 'gewetzt, geschärft'; avest. hii- 

■khshnu-tö Vol geschärft'. 

Abulg. sy-lü 'satt', eigentlich 'geschwollen' == griech. 
■.w-To-yaöTiOQ adj.'mit geräumigem bauche', von topfen, Leo- 
iiid. Tarent. anthol. Pal. VI 305, 3., -/.v-x-og n. 'höhlung, weite, 
liohler räum, bauch, hohler bauchiger körper'. Die übliche 
vergleichung des abulg. sy-tu adj., sy-tX f. 'Sättigung' mit 
deutschem satt und dessen aussergermanischen verwanten 
(Fick wörterb. P 792., Curtius grundz.' 398.) gestatten die 
Yocalverhältnisse nicht. 

Avest. sj^ü-tö 'gehört, berühmt'; abulg. sly-t-ije n. 'fama, 
nomen'; ags. eiits.hlü-dy ahd. ä///-^ adj. 'laut' = sanskr. cru-tä-s] 
griech. ylv-T6-g\ lat. in-clü-tii-s] altir. c/o-th 'berühmt' aus 
'^clu'to-s (Windisch kurzgef. ir. gramm. § 21.), kymr. Clot-ri 
nom. propr.; ags. Illo^-hei^e, ahd. Hlot-hari 'Lothar' und 
nhd. Lut-her {^ KlvT6-öTQaTo-g\ ags. HM-vig ^ ahd. Ludo- 

wig (latinisiert Luthouuico im akrostichon Otfrids) 'Ludwig' 
und Chlodoveiis latinisiert 'Chlodwig' (Klvro-fnaxo-g) y Chlot- 

hilt 'Chlothilde', Hlud-olf 'Ludolf , Hlud-rich (= kymr. 
Clot-ri) u. a. Vermutlich sind ags. Ulo^-herCy ahd. Ludo-wiij, 
Hlud-olfy Hlud-rich ihrer dentalstufe (germ. [)) wegen für die 
alten vocative, urgerm. Hlüpo-hui^Uiy Hlüpo-wigeu. s. w., 
zu halten; vergl. oben s. 62. 75. Ahd. Hlot-hari^ Chlol-hilt 
werden nicht sowol auf der accentuation in den übrigen casus 
{Hlii'^ö-hai^io-) beruhen, als das t aus d entwickelt haben 
durch die assimilation an das tonlose folgende h}) Weniger 



I) Ist das richtig, so stützt es zugleich als modernsprachliche pa- 
rallele die ansieht Ascolis und anderer über die entwickelung der tenues 
aspiratae kh, th, jjh aus indogermanischen mediae aspiratae gh^ dh, bh 

6* 



— 84 — 

weiss ich rechenschaft von dem nicht gebrochenen u in Lud- 
-wig, Lnt-he?^^ Lud-olfu. 8l. zugeben. Sollten „ koseformen " 
auf die „vollnamen" eingewirkt haben, wie ahd. Hludio 
«=a griech. KIvtlo-q^ sanskr. (^rutiya-s^ und ahd. Hludizo 
«= KlvTldrjg (Fick d. griech. personenn. CXCVII.)? 

Sanskr. ved. hü-tä-s "angerufen'; avest. zü-tö = sanskr. 
ku-tä-Sj einmal im veda (rgv. VI 50, 15.), in der späteren 
spräche häufig epitheton von göttern und göttlich verehrten 
Wesen, von Böhtlingk-Roth im wörterb. VII 1634. fälschlich 
unter Äw- 'opfern' gestellt, aber ebend. VII 1636. unter 2. hu- 
anerkannt in den nachvedischen compositis abhi-hiita-s 'ange- 
rufen', ä-huta-s 'angerufen, aufgefordert, eingeladen', sam-ü- 
-Äwfa-* 'zusammengerufen'; got. gu-p^ anord. go-^ </w-9, ags. 
alts. afris. go-d^ ahd. go-t 'gott, götze' d. i. urgerm. ursprüng- 
lich neutr. 6U-^6-m 'das angerufene' („secretum illud, quod 
sola reverentia vident" nach Tacit. Germania IX.), später 
durch christlichen einfluss als persönlicher gott masc, vergl. 
Wimmer altnord. gramm. § 46. anm. 2. s. 45. Wenn die Ver- 
fasser des Petersb. wörterb. und Grassmann wörterb. z. rgv. 
1671. an der vedastelle rgv. VI 50, 15. die emendation hü- 
tasas für hutCüas wagen, so zeugen gegen die notwendigkeit 
dieser conjectur einmal die zahlreichen stellen in der nach- 
vedischen litteratur, die Böhtlingk-Roth für huta- als beiwort 
göttlicher wesen verzeichnen, sodann die existenz jener zu 
hü- 'rufen' gehörigen und auch von Böhtlingk-Roth selbst 
dazu gezogenen nachvedischen abhi-, a-, sam-ä-huta-. Wenn 
nun ferner das Petersb. wörterb., wie auch schon Bopps 
glossar, dem huiä- da, wo es epitheton der götter selbst ist, 



im zigeunerischen, griechischen, uritalischen. Sievers' leugnung der Zu- 
sammensetzung der alten medialaspiraten aus tönender media und 
tonlosem hauche grundz. d. lautphysiol. s. 93 f. scheint mir nicht das 
richtige zu treffen. 



— 85 ~ 

neben seiner eigentlichen bedeutuDg ''geopfert^ eine zweite 
^dem geopfert ist' vindiciert, so ist zweierlei dagegen zu be- 
merken. Erstens: gh^ütö- war nach ausweis des germa- 
nischen bereits in der grundsprache bezeichnung vQn göttern, 
und es lässt sich nicht wahrscheinlich machen, dass das 
particip der anderen wurzel yhUi- 'giessen' (vergl. s. 59.) 
in jener zeit bereits etwas anderes als ""gegossen' (griech. 
Xv-To-g) bedeutete. Zweitens: bei sanskr. hu- ^opfertrank 
giessen' erscheint seiner grundbedeutung gemäss der name 
des gottes, dem geopfert wird, im veda nie anders als im 
dativ oder locativ, und in den accusativ kommt bei der activ- 
construction allemal nur die bezeichnung des dargebrachten 
trankes oder sonstigen opfers zu stehen (vergl. Grassmann 
wörterb. z. rgv. 1669 f.), daher ist auch das passivparticip 
dieser wurzel schwerlich eine eigenschaft des gottes selbst, 
etwa ""der beopferte', auszudrücken fähig. Ein ved. hütd- ""an- 
gerufen' von hü- ist um so unbedenklicher, als ja Böhtlingk- 
Roth — in wie weit mit recht, lassen wir dahin gestellt — 
auch für ä-huti- im älteren, vedischen Sprachgebrauch neben 
'opferspende' die bedeutung ""anrufung' finden, Petersb. wörterb. 
I 749. Jene etymologie von yott sprach als eine möglichkeit 
zuerst Ebel Kuhns zeitschr. V 236. aus, dann Fick wörterb. 
I^ 83. 584., beide ohne die wurzel sanskr. hu- *^opfern' abzu- 
weisen; Ebel schadete auch seine unkunde des Vernerschen 
lautverschiebungsgesetzes. In der altnordischen ungebroche- 
nen nebenform ^w9 erkenne ich wiederum den vocativ (s. 62. 
75. 83.), dessen alte endung -e nicht brechend sein musste. 
Lat. düc-tu-s "^geführt', Italien, veraltet -dutto in compo- 
siten, span. veraltet a-ducho 'adductus', proven^. franz. duit 
(Diez gramm. d. roman. spr. IP 163. 185. 217. 247.) =« lat. 
düc-tu-Sj Italien, cöw-, in-^ ri-dotto u. a. Auch diese nummer 
gebe ich wieder mit allem vorbehält gegenüber Förster rhein. 



— 86 — 

mus. D. f. XXXIII 297. anm. Ich habe überhaupt diese Zeug- 
nisse für lat. d%c-tu-s^ mlsu-s^ düc-tii-s nur deswegen aufge- 
nommen, weil mir einerseits diese formen nicht durchaus den 
eindruck junger bildungen im romanischen machen, sodann 
weil ich zu einer jetzt notwendigen erneuten Untersuchung 
darüber anregen möchte, wie weit hier die romanischen 
tochtersprachen altlateinische und sogar altindogermanische 
doppelformen fortsetzen und in wie weit nicht. Dass das alte 
latein überhaupt unter seinen -fö - participien solche doppel- 
gänger mit <, ü neben den formen mit ^, ü hat, ist sicher 
durch de-frU-tum und de-fru-tu-m (s. 87.), rü-ti/s und ini-tu-s 
(s. 88 f.), lü-tu-m und lü-tii-m (s. 89.). 

Sanskr. dyü-tä- m. n. Würfelspiel, glücksspiel' = griech. 
a-6v-To-g Vorin man nicht hinein schnellen darf, nicht zu 
betreten, unzugänglich', a-öv-ro-v n. innerstes heiligtum', 
für lautgesetzliches ^a-tv-ro-v. Vergl. s. 17flP. 

Sanskr. ved. dhü-tä-s "^geschüttelt, rasch hin und her 
bewegt, gewirbelt'; lat. fn-t-äre "^ausschütten', con-fü-t-äre 
Murch umrühren niederschlagen, dämpfen, niederhalten, ein- 
hält tun, in sich zusammenfallen lassen, widerlegen', re-ßi- 
't-äre ^zurücktreiben, zurückdrängen, zurückweisen, in die 
schranken weisen, ablehnen, widerlegen' denom.; anord, 
du-^-r 'geschüttelt' = sanskr. nachved. dhu-tä-s ""geschüttelt'; 
griech. d-v-xo-g *^geopfert'. Das stammnomen von lat. fü- 
-t-äre, con-, re-fütäre ist zwar auch überliefert in ex-futi 
nom. plur. == ef-füsi bei Paul. Fest. p. 81. (vergl. Neue 
formenl. IP 566.), doch ist seine quantität des u damit nicht 
zugleich gegeben. Wegen meines leugnens der herkömm- 
lichen etymologie von fundere, fütäre sieh weiter unten s. 99 f. 

Sanskr. pü-td-s "^gereinigt'; abulg. is-py-tü m. "^perscru- 
tatio', /?;/-^aya /?y-^ofz"scrutari, quaerere, indagare', eigent- 
lich *^aufs reine bringen' denom. = griech. vi]-7tv-T-io-g adj. 



— 87- — 

'unverständig^ (s. oben s. 67.); lat. pü-tu-s ^'rein', pu-t-äre 
'ausputzen, schneiteln (bäume, den weinstock), bereinigen, 
berechnen, erwägen, erachten, meinen^ denom., ex-pütäre 
'aufs reine bringen, ausputzen, beschneiden, genau in er- 
wägung ziehen, ergründen'. 

Sanskr. pii-tau m. dual, 'die hinterbacken', eigentlich 
'die beiden stinkenden', var. lect. bei Hemacandra 609., wo 
es aber nicht notwendig nach Böhtlingk-Roth IV 831. „fehler- 
haft für puta-^ sein muss; avest. pii-tö 'eiternd' in jjüite 
päidhi 'am eiternden fusse' nach Spiegel (sieh Justi wörterb. 
unt. pädha)] lat. pn-te-ö 'rieche faul, bin stinkig' denom. 
= sanskr. pu-tau m. dual, 'die hinterbacken'. 

Abulg. ply-tO'ku adj. 'seicht', ply-to-sti f. 'das flüssig- 
sein', ply't-mü adj. 'schiffend' = sanskr. plii-ta-s 'schwim- 
mend, überschwemmt'; griech. Ttlv-tog 'gewaschen, gespült'. 

Sanskr. bhü-td-s 'geworden'; avest. bii-td\ griech. cfv- 
-T-a-Uo-g 'zeugend' (Orph. hymn. XV 9.), homer. (pv-r-ahrj 
f. 'pflanzung'; lit. hü-ta neutr. 'das gewesensein', erstarrte form 
(Schleicher lit. gloss. u. d. w.) = griech. cpv-i^o-v n. 'ge- 
wächs'; altir. ro bo-th 'man war' aus pr^o bhu-to-m^ bo-th f. 
'hütte', bo'thj kymr. bo-t iniin.; lit. bü-ta-s m. 'wohnung, haus'. 

Griech. ßqv-ro-v n. , ß^v-ro-g m. 'eine art gerstenbier, 
most'; lat. de-frü-tu-?n n. 'eingekochter most' Plaut, pseud. 
741. = lat. de-frü-tu-m n. dass. Vergil. georg. IV 269., Mar- 
tial. IV 46, 9., Statins silv. IV 9, 39.; anord. /»rö-ö, ags. 
bro-^j neuengl. bro-thj ahd. pro-th pro-d n. 'brühe', aus 
germ. brü-po-m mit verschobenem accent. Innerhalb des 
lateinischen selbst hat das u von de-fru-tu-m nicht nach Job. 
Schmidt indog. vocal. II 269. „ zu verschiedenen zeiten ver- 
schiedene quantität" gehabt. Griech. ßQu-ro-v statt '^q)Qv- 
-To-v ist wahrscheinlich an ßQv-w 'strotze' aus indog. g^rü-iö 
(s. 15.) volksetymologisch angelehnt. Es kann, glaube ich, 



— -88 — 

auch die verwantschaft von griech. e(.i-ßQv-o-v n. 'ungeborne 
leibesfrucht, embryo, neugebornes' mit sanskr. bhrü-nd-s m. 
'embryo, kind, knabe' aufrecht erhalten werden, wenn man 
*e(x-(pQv-o-v ''das drinnen brauende' in ''das drinnen strotzende' 
umgewandelt sein lässt. 

Lat. jü-tU'Sj ad-jü-tu-s ^unterstützt, gefördert', eigentlich 
""gewahrt' = sanskr. yu-td-s ''gewehrt, gewahrt', ved. yutd- 
dveshas- adj. 'von feinden befreit'. Nach Fick wörterb. T 184. 

Sanskr. gav-yü-ta- n. ein längenmass; avest. ham-yü-tö 
'verbunden, angepasst, passend*, ä-yü-tö m. nom. propr. (nach 
Justi zu yu- 'verbinden') = sanskr. yu-tä-s 'verbunden, ver- 
mengt, gemischt', yed. ni yti-ta-s 'in seine gewalt gebracht', 
nachved. go-yiita- 'mit rindern besetzt', n. 'rinderstation, kuh- 
hürde'. 

Avest. yükh'dhö 'fest, stark', apa-yiikh-tö 'abgelegt, weg- 
gelegt'^) = sanskr. ynk-iä-s 'verbunden, angeschirrt, ange- 
spannt'; avest. hu-frä-yukh-tö 'wol zugerichtet'. 

Griech. homer. ^i}-To-g 'herbeigerafft, -geschleppt', homer. 
^vTolGiv IciEGOi Od. t 267. ? 10., qv-rä ntr. plur. 'zügel' als 
'gerissenes, woran man reisst' Hesiod. scut. Hercul. 308., für 
lautgesetzliches * eqv-ro-g , * egv-tä (s. 29 ff.) ; lat. r^ü-tu-s 
'aufgerissen, umgestürzt' in der alten juristischen formel 7'nta 
caesa nach Varro ling. lat. IX 60, 104. (vergl. Neue formenl. 

1) Dasselbe avest. li hat auch yükh-tar- 'anschirrer', welches hin- 
sichtlich des Y/urzelablauts nicht dem sanskr. yok-tär-, griech. t,evx-rf]Q 
commensurabel ist (nach Joh. Schmidt indog. vocal. I 141.), eher dem 
von Lindner altind. nomin albildung 73. anm.**) sehr sonderbar beur- 
teilten ved. ush-tdr- pflugstier' und griech. d'v-rrjg 'opferer', ein ge- 
naues analogon der bildung aber an griech. Qv-rrjQ hat. Im zend existiert 
das neöiliche wahrscheinlich durch alten accentwechsel des paradigmas 
der -^«r-stämme zu erklärende ablautsverhältnis auch noch bei vi-sric-tar- 
m. nom. propr. neben srao-tar- 'erhörer' = sanskr. ^ro-tär-, und bei 
ä-fn-tar- 'segensprecher' neben sanskr. pre-tär- 'woltäter, liebhaber, 
pfleger'. 



— 89 — 

d. lat. spr. IP 497. 582.); abulg. ry-tn 'gegraben'; anord. 
rw-ö-r 'abgeschoren' (infin. ry-ja 'den schalen die wolle ab- 
scheren') = sanskr. ru-td-s^ ved. ä-ruta-hanu- 'dessen kinn- 
backe nicht zerschlagen ist' (rgv. X 105, 7.); lat. d%-rntu-s^ 
e-rütU'S j ob-rüiu-s ^ prö-i^ütu-s^ sub-t^ütu-s, semi-rütu-s (Neue 
a. a. 0.), ru-tn-huhi-m n. ' Werkzeug zum aufscharren, ofen- 
krticke, rührkelle, rührlöffel' von ^rU-t-äre denom. ; abulg. 
rü-tn m. 'schnabel' als 'aufscharrender, wühlender'. 

Griech. homer. nachhomer. ßov-lv-To-g m. 'zeit des 
ochsenausspannens', ßov-kvTov-öe 11. II 11^. Od. ^58.; lat. 
so-lü-tu-s 'gelöst'; anord. lü-^-r 'zerstossen, zerquetscht, be- 
täubt, erschöpft' (vergl. s. 32.) == griech. Iv-xo-g 'lösbar'. 

Lat. -lü-tu-s 'bespült, besudelt' in ab-^ al-, col-^ di-j e-, ?7-, 
pol-lfäu-s, spätlat. lü-tu-jji n. 'kot, lehm' bei dem afrikanischen 
grammatiker und dichter des sechsten nachchristlichen Jahr- 
hunderts Corippus (vergl. Voss. Aristarch. II 39. p. 329.), Italien. 
hito m. 'kot, lehm' = lat. lü-tu-s m., lü-tu-m n. 'kot, lehm', 
ital. ioto m. dass.; altir. lo-th f. 'schmutz', gen. loithcj «-stamm; 
lit. lu-t-yna-s m. , lu-t-yne f. 'pfuhl, lehmpftitze' (zweifelhaft, 
nach Nesselmann wörterb. 376. b.). Auf des Corippus messung 
Intum legt schon Diez gramm. d. roman. spr. V 166. gewicht, 
um die italienische doppelform zu erklären. Die mittelstufe 
der Wurzel war lau- in lat. lav-^re 'waschen', lav-äre dass.; 
griech. loF- in Xo-ecoj Xo-e-TQo-v entstand aus indog. lau-j 
wie ich später zeige. 

Sanskr. *w-^a-.y 'geboren habend', sü-tä f. 'gekalbt habend', 
subst. 'tochter', pra-süta-s 'geboren, erzeugt, entsprungen, ent- 
standen', fra-süta f. 'geboren habend, niedergekommen', anu- 
-pra-süta-s 'darauf entstanden', abhi-pra-süta-s 'erzeugt, ge- 
boren', sam-pi^a-sütü-s dass., ved. sü-shüta-s 'wol erzeugt' 
rgv. II 10, 3. = sanskr. su-ia-s m. ^sohn', su-tä f. 'tochter'. 
Um mit dem Petersb. wörterb. VII 1159. das „ä//^« 'tochter' 



— 90 — 

pancat. 181, 5. fehlerhaft für siitä^ zu halten, reicht das arca^ 
€lQr]f,ievov allein als zwingender grund nicht aus. 

Sanskr. ved. sü-ta-s ^angetrieben', compp. ved. nr-shüta-Sj 
pari-shfitd'Sj prä-süta-s = sanskr. *m-^ö-* "angetrieben'. Vergl. 
2. SU- im Petersb. wörterb. VII 1021 f. 

Avest. ashö-slü-ta- n. 'heiliges gebet' = sanskr. ved. 
stu-td-s *^gelobt, gepriesen', stu-tä-m n. 'lob'; avest. stii-tö 
'gelobt', m. 'gebet', ä-stutö 'lobend, preisend', upa-slutö 'ge- 
priesen' . 

Anord. snü-'^'r m. 'agilitas, alacritas, windung, wirbel, 
vorteil, gewinn', ags. snü-d adj. 'rasch, plötzlich herein- 
brechend', m. 'Schnelligkeit, eile', anord. snü-'^-kj-r adj. 'sich 
herumdrehend, wirbelnd, leicht beweglich, schnell' = sanskr. 
snu-ia-s, pra-snuta-s 'fliessend, triefend (von der mutterbrust), 
muttermilch entlassend'. Grundbedeutung der wurzel: 'sich 
oder etwas rasch fortbewegen', von flüssigkeiten intrans. 
'triefen, schnell fliessen', trans. 'rasch ausfliessen lassen'; vgl. 
got. sniv-an 'feilen', griech. ve-co 'schwimme'. 

Sanskr. si/ü-td-s 'genäht'; griech. vso-xar-Tv-ro-g 'neu- 
versohlt' (für -YMG-Gv-To-g) Strattis bei Athen. XIV 622. A. 
(vergl. Lobeck paralip. gramm. Graec. 421.); lat. sü-tu-.s 'ge- 
näht, geflickt'; abulg. si-tü 'genäht' aus ^sjy-tU\ lit. siü-ta-s 
'genäht, benäht, gestickt'; ahd. mhd. siü-t sü-l m, 'naht' 
= abulg. sü-tu m. 'wabe' als 'genähtes' (vergl. lett. schü-t 
'nähen', von bienen 'die zellen machen', Bielenstein lett. spr. 
§ 212. I. s. 279., Fick wörterb. P 800.). Wegen s- statt *i- 
in der lateinischen, der einen germanischen und der schwä- 
cheren slavischen form sieh s. 19 f. 

In einigen fällen bleibt es zweifelhaft, ob wir das doppel- 
spiel von indog. /, ü und /, u oder genaue entsprechung haben. 
So bei \2iX.fuu-Sy con-ßsu-s gegenüber griech. TCLO-xo-gy denn 
die entscheidung der frage, ob letzteres = mo-ro-g oder 



— 91 — 

= Tciö-To-Q, sei, können Tcto-Ti-g^ e-m^-o-furjv u. dergl. nicht 
geben. Ganz so ähnlich, wie Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 165. meint (vergl. auch oben s. 9 f.), braucht lit. gtisz- 
-ta-s m.,^ güsz-ta f. ''das brütenest des hühner und gänse, 
schlechte wohnung, hütte'*) dem sanskr. güdhd-s ^verborgen' 
nicht zu sein, da dieses bekanntlich auch aus urarischem 
guzh-ta-s entsprossen sein kann. Von dieser wurzel indog. 
gh^a'^ugh^- "^verbergen' trennt sich. für mich mit Sicherheit 
die synonyme k^eudh- in griech. y.evd-co ab, gemäss dem 
oben s. 49. über das fragliche der lautgleichung griech. ^ 
== indog. gh^ bemerkten. Zu. k^eudh- gehören die von Fick 
wörterb. P 50 und Joh. Schmidt a. a. o. genannten sanskr. 
küha-j kuhd- m. ^betrtiger, heuchler^, küh-aka- m. ^gaukler^, 
kiih-ara- n. ^höhle"*, kuh-u- f. *^neumond', ags. h^d-an ^abscon- 
dere' u. a.; ebendahin meiner ansieht nach abulg. ciid-o n. 
'wunder', stamm cudes- = griech. xev-d-og n. "^verborgene 
tiefe' (das slav. c vor u = indog. eu regulär nach Collitz 
Bezzenbergers beitr. III 203. anm.). Endlich indog. k^üdh- 
-iö-m *^versteck' ergab germ. hüsö-m ""haus', got. anord. 
ags. alts. ahd. hüs n., wie uid-tö-s zu germ. wisö-s (s. 77.) 
wurde. Ebenso gehört wol zu anord. b7^jöta^ ags. breotan^ 
mhd. briezen 'brechen, hervorbrechen, aufschwellen' als -tö- 
particip mhd. bj^üs m. 'der braus, das brausen', wovon anord. 
brüsa, mhd. brüsen denominatives verbum. Desgleichen zu 
germ. lip-an 'sacht dahin gehen, fahren, gleiten', got. leipan 
in compp., anord. //9a, alts. lithan^ ahd. Man ziehe ich mhd. 
lis adj. 'leise', erweitert mhd. tUe (wie auch wts zu ahd. wisi^ 



1) Das schwanken im geschlechte deutet auf altes litauisches neu- 
trum hin (früher nom. güsz-ta^ gen. güsz-tD) nach Mahlow d. lang, 
voc. AEO 80f. , wo ich indes die auffassung des nom.-acc. sing, der 
slavischen neutralen ö- stamme nicht gut heissen kann; vergl. Brugman 
liter. centralbl. 1880. s. 944. 



— 92 — 

mhd. wUe ward), ahd. liso adv. '^leise^ urgerm. lisö-s aus 
indog. Itt-tö-s. Damit mag wol identisch sein abulg. Us-tü 
m. *^blatt^ als *^das sacht herabfallende, sanft im winde dahin 
fahrende\ Zu lat. -gruö^ griech. ßQvo) (s. 15.) stellt sich afries. 
alts. krü-dj ahd. krü-t chrü-t n. ^kraut' als *^das strotzende, 
das wuchtig, üppig hervorspriessende^, urgerm. ki^n-'^ö-m 
(vergl. griech. ßqv-o-v n. ^moos', lit. grü-da-s m. *^korn, kern^ 
zu ^rnw-^z 'einstürzen'), die neutralform zu lett. ^rz^-^-^'^schwer'; 
gehört nach Fick Bezzenbergers beitr. II 110. ebendahin lat. 
brü-tU'S *^ lastend, schwer' (brütum pondus *^ein schweres ge- 
wicht'), so muss es des b- halber für einen eindringling von 
umbrisch-sabellischer zunge gehalten werden, wie rufu-s ''rot' 
des -f- wegen. Andere germanische participia mit ü sind 
noch: ahd. trü-t "^ traut' (zu got. iraiian, anord. trüa^ alts. 
trüdnj ahd. trüwen ''trauen, glauben' und anord. tryggja 
tryggva ''ruhig, sicher machen', vergl. s. 27. anm.) = lit. driü- 
-ta-s *^fest' (in preuss. drük-tai kann unmöglich die grund- 
form liegen für lit. dtmi-ta-s nach Bezzenberger in seinen beitr. 
11 272.); anord. prü-^-r "stark, kräftig', das Job. Schmidt 
indog. vocal. I 171. II 264. und Zimmer Kuhns zeitschr. XXIV 
208. gegen die lautverschiebungsregel zu derselben sippe 
stellen zu können meinen. Aus dem vedischen sanskrit nenne 
ich noch: Ä:rz-/ß-* ''gekauft'; ä-ji-ia-s ' un verwelkt, unverwelk- 
lich'; pi-td-s '^geschwollen, schwellend' und 'getrunken' (in a-, 
prd-pita-, jivä-pita-sai'ga-) ; (^ish-ta-s von unbekannter bedeu- 
tung nach Böhtlingk-Roth Petersb. wörterb. VII 1812. (viel- 
leicht Zwillingsform zu gish-tä-s "übrig gelassen, ausgezeich- 
net'?); a-kii-ta-m n. "absieht' (zn kav-i-s "weiser, seher', lat. 
cav-eöj griech. zo-ew, wurzel indog. k^au-j sieh s. 89. über 
würz, lau- "waschen, spülen'); dü-tä-s m. "gesandter, böte'. 
Ich hege nun selber den verdacht, dass mehrere der 
participialen -/o-bildungen, die ich als solche mit indog. ?, ü 



— 93 — 

aufführte, in Wahrheit vielleicht wurzelhaftes e/, eu haben. 
Wir haben nemlich alten stamm- und accentwechsel auch 
für das nomen auf -to- anzuerkennen, den in der grund- 
sprache, wie es scheint, besonders die substantivierten 
participia nicht ausgeglichen hatten. Ich stelle im anschluss 
an de Sau'ssure syst, primit. 77., Kluge german. conjug. 21., 
Kögel - Paul - Braunes beitr. VII 188 flP., von Bahder verbal- 
abstr. 91 f., H. Möller Paul-Braunes beitr. VII 466. 502. einige 
darauf hindeutende erscheinungen, vornemlich aus dem ger- 
manischen, hier zusammen. Germ, hleii-po-m *^das hören', 
got. hliu'p, anord. kljö-h n. = avest. crao-te-m n. Mas hören', 
wozu auch abulg. shi-tu partic. *^gehört, gehört habend' stimmt. 
Germ, pen-po-m "^gutes', got. Jyiu-p ^ anord. pjö-^ n. , nach 
Fick wörterb. IIP 136. zu indog. tu- *^valere'. Germ, keji- 
'po-m *^kind', alts. ahd. kin-d n. von würz, g^en- ^geboren 
werden'. Lett. fel-t-s m. 'gold' = indog. gh^el-to-s] indog. 
qh'l-tö-s wäre lett. "^fil-t-s. (Sanskr. ya-^a-^, avest. zä-tö 
*^geboren' und abulg. zla-to 'gold' klären sich uns später auf.) 
Lit. l'e-ta-s ^gegossen', von metallen. Avest. us-paesli-ta- adj. 
'ausgelernt habend'. Avest. stao-ta- n. *^lob' neben siü-ta- 
und stu-ta- (s. 90.), wie si^ao-ta- n. neben srü-ta-. Indog. 
teu-tä f. 'stadt, land' repraesentieren osk. toii-to^ lit. tau-ta^ 
got. piuda^ nur dass in dem litauischen und germanischen 
,nomen die accentuation obliquer casus, wie des gen. sing. 
m^o^. t Utas, sich geltend gemacht hat. Andererseits zeigen 
germanische -/ö-bildungen bei geschwächter wurzelform durch 
Verschiebung betonung der wurzel gemäss der Vernerschen 
regel. So germ. hru-po-m 'gebrautes, brühe', vergl. s. 87. 
Der lettische vocalismus von fel-t-s stimmt zu dem conso- 
nantismus von germ. gül-po-m^ got. gul-p ^ ahd. gol-d und 
hilft diesen erklären; indog. //Ä'e/-^ö- und .^r/?'/-^^/- waren 
in einem paradigma, wie k^leu-to- und kHu-to-, gU>n-to- 



~ 94 — 

= alts. ahd. kin-d und g^ti-tö- = got. kund-s (in compp.), 
anord. kun-d-r^ alts. -cun-d (in god-cund). Ebenso dient 
sanskr. ved. mär-ta-s m. ^sterblicher, mensch^ = indog. wer- 
-to-s (griech. (.ioq-to-q weist sich unten als nicht direct dem 
sanskr. mär-ta-s gleichstehend aus) zur erklärung des p von 
germ. mür-po-m *^mord^, anord. ags. alts. mor-^s^ afries. 
mor-th mor-d^ ahd. mor-d n. == sanskr. mr-td-m n. *^tod\ 
Auch germ. hül-po-z ^hold', got. hul-p-s^ anord. holl-r^ 
ags. alts. ahd. hol-d adj. und germ. nür-po-m ''norden^ ags. 
alts. nor-^^ ahd. nor-d n. setzen die existenz von hel-po-, 
ner-po- (vgl. den -ifew -stamm anord. Njör-^-r nom. propr. 
= germ. Ner-pu-z^ Weinhold Haupts zeitschr. VI 460., 
0. Schade altdeutsch, wörterb.^ 652. b.) voraus. (Anord. hall~r^ 
ags. heal-dy ahd. hal-d 'geneigt' d. i. germ. hdl-po-z ist 
nicht die zu hül-po-z ^^hold' erforderliche starke Stamm- 
form, sondern verhält sich zu diesem wie abulg. zla-to zu 
germ. gül-po-m^ worüber näheres unten.) Lit. gef-ta-s adj. 
*^gelb' ist das wurzelstarke correlat zu abulg. sl^i-tü adj. 'gelb', 
wie lett. fe'l-t-s *^gold' dasjenige zu got. gul-p. Bei alts. ahd. 
mhd. ros-t m. 'aerugo' ist das wegen des Kögeischen dental- 
gesetzes anzunehmende paroxytonon germ. rüt-to-z ange- 
sichts der vielen analogien für solche urgermanische accent- 
verlegung nicht so zweifelhaft, als von Bahder verbalabstr. 42. 
meint. Im sanskrit sind von der art solcher germanischen 
beispiele rik-ta-s 'leer' (s. 76.), jüsh-ta-s 'angenehm'; aber 
auch mit % *z'-^a 'furche' (s. 81.), ein product aus *se-tä und 
^si-ta = germ. si-^dj ahd. si-ta 'seite'. Nach allem diesem 
aber dürfte es nun auch zweifelhaft werden, ob man in 
griech. aTto-deiK-ro-gj Kevyi-To-gy yevG-ro-g^ cpeQ-To-g u. dergl., 
in lat. caesu-Sy auc-tu-s noch schlechthin das ei^ evy €Qj lat. 
aiy au durch einzelsprachliche formüb ertragung wird erklären 
dürfen, wie es z. b. Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 261. tat. 






— 95 — 

Unter unserem obigen material aber wird man nun be- 
sonders germ. ki-po-m 'spross^* (s. 72.) und bis-to-m 'Sauer- 
teig' (s. 75.) lieber als reflexe indogermanischer cfel-to-m^ 
bheid-to-mm anspruch nehmen; um so eher kann in abulg. 
zi'to 'getreide' und germ. ki-po-m 'spross' indog. (fei^- 
-to-m gefunden werden, da im altpreussischen gei-t-s, acc. 
(jei-ta-n 'brod' tatsächlich mit „ vocalsteigerung " (Fick wörterb. 
IP 553.) vorliegt. Dann aber wird noch manches andere 
zweifelhaft. In den sprachen , wo indog. ei, eu mit 7, ü zu- 
sammengefallen sind, bleibt eine -^ö-bildung mit /, u nur 
dann beweiskräftig für uns, wenn die Stellung in der unge- 
schwächten Wurzel ie {ia') ist oder wenn die wurzel eine 
a/-, öw- Wurzel (besser eine nicht -e/-, -ew- wurzel) ist. So 
hat unter allen umständen lat. di-insu-s^ ahd. ur-wis (s. 78 f.) 
indog. i. So auch abulg. cis-tü 'rein, heilig' (s. 81.), weil es 
zu got. skaid-a gehört, das unbefangen betrachtet nur als ein 
praesens wie griech. aid-to erscheinen kann (s. unten); abulg. 
cis-tü wird sich mit lit. skaü-ta-s 'hell, deutlich, klar' (von 
flüssigkeiten und lichterscheinungen) immer nur, wie auch lit. 
skys-ta-s selbst (lit. czys-ta-s ist slavisches lehnwort), mittels 
eines Stammabstufungsverhältnisses zusammenfinden können, 
so gut wie lat. scissu-s^ ahd. scesso (s. 82.) dies müssen. Es 
kann mithin wol auch lat. caesu-s = lit. skais-ta-s (vergl. cae- 
s-iu-s 'hell, helläugig', Fick Kuhns zeitschr. XXI 8 f.) seinen 
indogermanischen wurzelablaut bewahrt haben. Es kann ferner 
lat. laii-tu-s 'gewaschen, sauber' mit lu-tu-s 'gespült' (s. 89.) 
sich so zu 6inem paradigma vereinigen, wie indog. k^leu-to- 
'gehörtes, das hören' (avest., slav., germ.) mit indog. kUu-tu-. 
Ebenso lat. cau-tu-s mit sanskr. ved. a-kü-ta-??i' abzieht' (s. 92.). 
Glücklicher weise bleibt aber auch nach abzug des vielen da- 
durch unsicheren materials eine genügende anzahl gesicherter 
fälle zum zwecke unseres beweises übrig, dass indog. ?, ü 



— 96 — 

in der tiefstufigen wurzel bei den participialen -^ö-bildungen 
mit *^, ü promiscue erscheinen , glücklicher weise besonders 
in folge 'des umstandes, dass wenigstens indog. n nahezu in 
allen einzelsprachen (nur im altitalischen grösstentheils nicht) 
von eu formal geschieden blieb. 

J. Nomen mit suff. tei-: 

Avest. isK'ti-sH f. ^gut, reichtum' = avest. isK-ti-sK f. 
dass. Got. aih-t-s f. ^eigentum, habe' als aih-t-s = avest. 
ish-ti-sh zu fassen, widerrät ags. wh-t^ ahd. eh-t (von Bahder 
d. verbalabstracta in d. german. spr. 68.), dem gemäss man 
hier entweder altüberlieferte ungeschwächte wurzel bei der 
-^eZ-bildung (sieh unten) oder germanische neubildung von 
der auch sonst im germanischen verallgemeinerten hochstufen- 
form des perf.-sing. got. aih (vergl. besonders partic. got. 
aig-an-s mit sanskr. ig-änd-Sj avest. is-äno) anzunehmen hat. 

Avest. isH-ti-sK f. Vunscb, begehr' == sanskr. ish-u'-s f. 
ved. 'das suchen, aufsuchen, nachgehen, wünsch, bitte, ver- 
langen', nachved. 'ausspruch einer autorität'; avest. isH-ti-sli 
f. "wünsch, begehr'. 

Sanskr. ved. ci-ti-s f. Mas sammeln' atharvav. II 9, 4. 
= sanskr. ci-ti-s f. "schiebt, Schichtung, Scheiterhaufen', apa- 
-c^W-* f. "Vergeltung, strafe'; SiYe^t. ci-thi-sH f. "strafe, busse'; 
griech. rl-Gi-g f. "Schätzung, busse, strafe, räche, belohnung', 
a7fo-rm-4j f. "Vergeltung, strafe'. Ich habe mich durch Job. 
Schmidts ausführungen Kuhns zeitschr. XXV 141 f. nicht über- 
zeugen können, dass die verschiedenen (vier) sanskritwurzeln 
ci- nicht auf eine einheit zurückgehen. Wie zum teil Grass- 
mann wörterb. z. rgv. 444. 445 f. und Curtius grundz.^ 488 f., 
vollständiger Fick vergleich, wörterb. P 532,, versuche auch ich 
eine einigung. Der grundbegriff "schichten' führte zu 1) "an 
einander reihen, sammeln', 2) "unterscheiden, wahrnehmen, 
beachten'. Aus 2) entwickelte sich 2. a) "schätzen, taxieren' 



— 97 — 

(geld und geldeswert, strafen, und bussen, belohnungen) und 
2b.) 'in acht halten, respectieren, ehren, wert halten'. Aus 
TiGt-cfowj ist kein griech. "^ri-oi-g zu folgern, nach verf. 
verb, in d. nominalcompp. 177 f. Vergl. auch s. 12. 36 f. 53. 
60. 72. 

Avest. ji-tisH f. 'leben'; abulg. zi-fi f. 'leben', zi-ii infin. ; 
lit. gy-tij isz-gy-ti 'heilen (intrans.), heil werden, genesen, 
gesund werden', {-gy-ti 'etwas erstrebtes erlangen' infin. == 
sanskr. y/-f2-* f. 'erwerb, gewinn, sieg'. Wegen der vermitte- 
lung der bedeutungen sieh oben s. 72 f. 

Sanskr. iii-ti-s f. 'führung, leitung'; lit. mj-ti-s f. 'kämm 
im Webstuhl, die Vorrichtung die fäden auf und nieder zu 
ziehen' (Kurschat litt, gramm. § 677. s. 197.) = avest. aiwi- 
-m-ii-sH f. 'herumführung'. 

Sanskr. pri-ti-s f. 'freude, ergötzung, angenehme empfin- 
dung, befriedigung, gnädige Stimmung, freundschaftliche ge- 
sinnung, freundschaft, liebe' = avest. a-fri-ti-sK f. 'segens- 
spruch', ratxi-fri-ti-sU i. 'gebet zu rechter zeit'. 

Griech. fil^i-g 'mischung' = lit. su-misz-ii 'sich schnell 
durch einander mengen' infin. 

Avest. misä-ti-sK f. 'herabgiessung' = avest. inisK-ti-sK f. 

Abulg. Iis-t1 f. 'fraus, dolus, error', von Miklosich lex. 
Palaeoslov. 348 b. aus dem Suprasler codex belegt = abulg. 
lis-fi f.; got. lis-t'Sj anord. ags. alts. ahd. lis-t f. (alts. ahd. 
auch masc.) 'list'. Da abulg. Hs-t1 auch = indog. leis-ti-s 
sein kann, so ist die nummer unsicher. 

Griech. «-r6-« f. 'weide, Salix' aus **-r^^-5; abulg. vi-ti 
'winden' infin.; lett. wi-t-üli-s m. 'weide', lit. 2^^-^2 'winden' 
infin. = griech. ^-T€-ä f. bei Herodian I 522, 21. II 17, 20. ed. 
Lentz bezeugt; lit. zil-vi-ti-s m. 'grauweide, Weidenrute', gen. 
zU-vicziOj -^/o-stamm aus früherem -^eZ-stamme nach Schleicher 
lit. gramm. § 49. s. 115 f.; ahd. wi-tk wi-dh wi-d^ mhd. wi-t 

Osthoff u. Brugman untersucb. IV'. 7 



— 98 — 

{gQm ivide) f/weidenstrick"* für mgevm. wi-pi-z. Es kön- 
nen auch noch indog. i enthalten lat. vi-ti-s f. ^ranke, rebe, 
Weinrebe, weinstock^, abulg. vi-t^ f. 'res torta in modum 
funis', pa-vi-ti f. *^vitis^, anord. vi-^-i-i^ m., ahd. ivt-da f. Veide\ 
Doch sind diese nicht beweiskräftig ; denn deutlicher als an- 
derswo haben wir hier (sieh s. 106 ff.) die spuren einer wurzel- 
stärkeren Stammform bei einer -^ez'-bildung: indog. i/ei-ti-s 
in avest. vae-ti-sJi f. Veide^ und in dem attischen demos- 
namen inschriftl. Ei-re-a = ^I-re-a, den Gust. Meyer Bezzen- 
bergers beitr. I 84. griech. gramm. § 113. s. 112. zu unerlaub- 
tem zwecke benutzt. Über die accentverschiebung in germ. 
wi-pi-z sieh unten s. 106 ff. 

Abulg. vis-ti f. 'die sehe am äuge, augapfel, pupille' 
(vergl. Miklosich lexic. Palaeoslov. u. d. w.), za-vistii. 'neid', 
eigentlich 'hinsehen' = sanskr. vit-ti-s f. 'bewusstsein, das 
finden, habhaftwerden, fund, das gefundenwerden, Vorhanden- 
sein', ä-vit-ti-s f. 'das nichtfinden, nichthaben'; avest. e-vis- 
'ti'sH f. 'Unkenntnis'. Lit. vyz-dy-s m. 'augapfel, pupille' 
betrachte ich als nach veizdeti umgemodeltes altes *vi/S'ti-s. 
Abulg. vis-ili ksinn allenfalls auch = indog. ueid-ti-s sein; 
vergl. s. 106 ff. 

Anord. Am-9, ags. hj-dj alts. hü-d, ahd. hü-t f. 'haut' aus 
urgerm. hü-^i-s = griech. ey-y.v-iL adv., avyayibhäva- 
comp., eigentlich 'inhäutig'; lat. cü-ti-s f. 'haut'. 

AYQBt fra-srü-üi-sH f. 'stimme, das absingen, absingung' 
== sanskr. c?m-ti-s f. 'das hören, vernehmen, zuhören, laut, 
klang, geräusch, künde, nachricht, gerticht, sage, ausspruch'. 

Avest. ä-zü-iti-sK f. 'opfergabe, fettigkeit' -- sanskr. ved. 
nachved. a-hu-ti-s f. 'opferspende', sarva-hu-ti-s f. 'ein Opfer, 
bei welchem alles material geopfert wird', havir-hu-ti-s f. 
'darbringung einer opfergabe'; griech. yv-oi-g f. 'das aus- 
giessen, guss, libation'. 



— 99 ~ 

Lit. dm-ti-s f. *^schwindsucht^, dziUli *^ hinschwinden, ein- 
trocknen, verdorren"* infin. = sanskr. dyu-ii-s f. 'glänz, würde'; 
griech. dv-öi-g f. 'das untergehen, Untergang' für lautgesetz- 
liches "^'Qv-öi-g (s. 19.). Zur vermittelung der bedeutungen 
sieh s. 18. Von dvoL-d^alaoGog mache ich keinen gebrauch 
aus dem verb. in der nominalcomp. 177 f. erörterten gründe. 

Sanskr. nachved. dhü-ti-s f. 'das schütteln, hin- und her- 
bewegen, fächeln', ved. dhu-li-s m. 'schütteler, erschütterer' 
von den Maruts; griech. d'v-OL-g f. ^das brausen, stürmen, 
tosen'; lat. ef-fü-ti-ö 'schüttele heraus, stosse nur feo aus, 
schwatze heraus, plaudere aus' denom. , fü-ti-li-s adj. pass. 
'^leicht auszuschütten', act. 'leicht ausschüttend, was leicht 
von sich giebt, nicht dicht hält, nichts bei sich behalten kann' 
= griech. ^v-oc-^io-g adj. 'zum opfern geschickt, tauglich ge- 
opfert zu werden'. Lat. fn-tüi-s kann wol auch Weiterbil- 
dung aus dem -^ö - stamme /w-^o- partic. (s. 86.) sein. Das 
aus Varro de ling. lat. V 25, 119. bekannte Ju-ti-s 'vas aqua- 
rium' enthält uns wieder die kenntnis der quantität seines u 
vor, welche nicht ohne weiteres nach dem denominativen 
verb ef-fntire als länge bestimmt werden darf. Indem ich, 
wie schon oben s. 86. angedeutet, verwantschaft des lat./?m- 
dere mit griech. ^foj, got. ijiutan leugne, entgehe ich einer- 
seits der lästigen Zumutung, lateinischen lautwandel von gh- 
in /- neben demjenigen in h- anzuerkennen. Nur für das 
sabinische steht diese lauterscheinung fest dmch faedusy fireus 
u. a. ; was bei Corssen krit. beitr. 203 ff. überhaupt etymo- 
logisch gesichert ist (das wenigste ist es), wird eben sabini- 
schen Ursprunges sein. Sodann glaube ich durch die ab- 
leitung von würz, dhu- auch der bedeutung des funde?*e und 
seiner sippe besser gerecht zu werden. Betreffs con-y re-fü- 
täre liegt es am tage, dass sie begrifflich weniger gut zu x^^"^ 
passen. Und fundcre selbst wird, meine ich, in der ganzen 

7* 



100 — 



Verzweigung seiner bedeutungen — man denke an segetem 
funder c, in algäJundT, corpora hiiml funder e, hostes funder e, 
fundere fugäreque, turpi fugä fundx, jüenls s^ portls fundere^ 
se carcere fundere (von pferden) — begreiflicher, wenn man 
"schütten, aus-, hinschütten', selbst 'schütteln, fortschütteln' 
für die grundbedeutung , die anwendung auf flüssigkeiten 
"^giessen' für daraus specialisiert hält. So mag wol auch 
griech. d-veiv 'opfern' mit den geeigneten objecten wie al- 
(fLTay xQid^ag verbunden dann eher ein 'schütten in die opfer- 
flamme' als ein 'brausen, stürmen lassen' (vergl. s. 24.) aus- 
gedrückt haben. Höchstens könnte mau zugeben, dass in 
lat. fundei^e Wurzel dhu- und wurzel gh^ti- derartig zu- 
sammengeronnen seien, dass etwa ein ^ feinere = griech. 
-d^vvELVy sanskr. dhunoti (s. 49.) mit einem *küdere = got. 
gmtan sich zu der historischen form contaminiert habe in 
folge des teilweisen Zusammenfalles der bedeutungen. Auch 
lat. fnsu-s m. 'spindel, spüle zum spinnen' kann bei unserer 
ansieht als 'das sich schüttelnde, geschüttelte' zu fundere 
gezogen werden, bei der alten etymologie schwerlich. 

Sanskr. pü'-ti-s adj. 'faul, stinkend', ;;w-^/ n. 'jauche, 
eiter', pü-ti-ka-s adj. 'faul, stinkend'; avest. pü-iti-sJi f. 'fäul- 
nis'; lit. pü-ti 'faulen' infin. = anord. fu-^ f., mhd. vu-t f. 
(gen. vüde)^ Schweiz, bair. /?/-</ f., neuniederd. (westfäl. grafsch. 
Mark)/w'-rf f. 'cunnus, vulva, podex'. Anord. /w9, bei Cleasby- 
Vigfusson 177. a. nur in den compositen fu^-flogi^ fu^-hundr 
belegt, zeigt den gewöhnlichen übertritt femininer -ei- stamme 
zur « - declination : nom. sing, ohne -r und gen.fuMr, wie hu^ 
hu6ar^ sott sottar. Darum ist auch unmittelbare Zusammen- 
stellung des germanischen wortes mit dem -^o-stamme sanskr. 
puta- m. dual, (sieh s. 87.), wie bei Fick wörterb. I^ 148. 678. 
IIP 186., nicht statthaft. Der hochdeutschen form wegen be- 
ruht ferner das germanische nomen auf bereits ur- oder vor- 



— 101 ~ 

germanischer wurzelaccentuation : oom Bing, fifpi-z ^ wie 
auch im sanskrit puti-s. Analoga dazu sind das oben s. 97. 98. 
genannte germ. wipi-z Veidenstrick', ferner goi. ga-baui^pi- 
(ja-qumpi-y stapi- *^gestade' u. a.; vergl. Verner Kuhns Zeit- 
schrift XXIII 124., Brugman Curtius' stud. IX 326., verf. 
morphol. unters. II 50 anm., Kögel keron. gloss. 115. 116. 
117. 121. Paul- Braunes beitr. VII 177. 189 f., von Bahder 
d. verbalabstr. in d. german. spr. 62 f. Die bedeutungen des 
indog. /?w-^2-A' in den einzelsprachen vermitteln sich zwang- 
los nach dem, was von Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 34 ff. 
morphol. unters. II 175. 232. anm., verf. verb. in d. nominal- 
comp. 263 ff., Delbrück syntakt. forsch. IV 6 ff., neuerdings 
von Paul princip. d. sprachgesch. 204 ff. über den process 
bemerkt wird, durch den alte (feminine und neutrale) ab- 
stracta (besonders häufig auch -^e?'- stamme) zu concreta mit 
oder ohne genuswechsel , endlich sogar zu adjectiven mit 
oder ohne genusmotion werden. Avest. yüitish f. 'fäulnis'* 
verharrt bei der abstracten grundbedeutung. Im germani- 
schen ist 'stinkung' concret zu 'stinkendes ding', speciell 'stin- 
kender körperteir geworden. Wahrscheinlich jedoch schon 
im indogermanischen, denn das sanskrit endlich bringt es 
von hier aus zu dem adjectiv puli-s^ welches dann ein neu- 
trales concretum pü'li 'jauche, eiter' ergibt'). 



I 



l) Diejenigen forscher haben recht, welche lat. über n. 'euter' und 
uher n. 'fülle', adj. 'reichlich, fruchtbar' nicht zu trennen wagen, wie 
Roth Kuhns zeitschr. XIX 222., Corssen ausspr. vocal. P I5l. 353. krit. 
beitr. 199., Curtius grundz.^ 260 f., Froehde Bezzenbergers beitr. II 336. 
Wenn wir mit Roth in homer. ovd'aQ a^ovQrjs 11. /141. und in lat. über 
ü. 'fülle' die ehemalige abstracte grundbedeutung 'mastigkeit, strotzende 
fülle' gewahrt finden , so ist die entwickelung zu 'euter', sicher ja be- 
reits grundsprachlich, der von uns vermuteten ähnlich frühen von puti-s 
zu 'stinkendes ding' analog. Pflichten wir aber Curtius bei, dass in 
ov&a^ o^ovQrjd, lat. übe?' als 'fülle' „nur ein bild" liege, so drückte lat. 



— 102 — 

Ahulg. pii/-ti "'fliessen'* infin.; lit. plü-ti-s m. *^eine blanke, 
grössere offene stelle im eise der flüsse' (Nesselmann wörterb. 
311. b.), -^/o-stamm (gen. smg.plüczto) aus altem -^e/- stamme 
entwickelt («ieh s. 97.), plü-ti 'ins schwimmen geraten, über- 
strömen' infin. (später dafür plü-s-ti) = sanskr. plu-ti-s f. 
*^das überfliessen, flut, das verschwimmen'; griech. Ttlv-oi-g f. 
''das waschen'. 

Sanskr. bhü-ti-s und bhü'-ti-s f. („oxytoniert im rgveda, 
parox. in den übrigen Schriften" nach Böhtlingk-Roth) "^guter 
zustand, wolsein'; avest. bü-iti-sH m. nom. propr. eines daeva, 
eigentlich ^das wesen'; abulg. by-ti infin., do-by-ti f. "^fenus, 
victoria', za-by-ti f *^oblivio', po-by-ti f. *^victoria,'; lit. bü-ti 
infin., bn-ty-be f. 'wesen, sein, be^haffenheit' = griech. 
cfv-oi-g f.; altir. buith ''esse' infin., „vom stamme *bku-ti-^ 
(Windisch bei Curtius grundz.^ 305.). Wegen cpvoL-too-g sieh 
verb in d. nominal comp. 1 77 f. , oben s. 97. 99. 



über agrl, vitis ursprünglich metaphorisch euter des ackers, weinstocks' 
aus, wie den plural nhera campi im dichterischen gebrauche bei Colu- 
mella X 89. wol kaum jemand nicht concret verstehen wird. Zu dem 
adjectiv Tiber leitet zunächst hinüber, dass bei Vergil. georg. II 234. 275. 
das Substantiv übe7' allein für sich metonymische bezeichnung des frucht- 
baren feldes ist. So hiess auch hic ager über est ursprünglich 'dieser 
acker ist ein euter' (oder 'eine strotzende fülle' nach Roth), und ager 
über war appositional 'ein acker, der ein euter ist', und geschlechtige 
flexionsformen wie in agrum übet-em, agri überes tauchten erst nach 
dem übergange des appositiönalen gefüges in das festere attributivische 
auf. Um noch ein beispiel dieser art zu nennen: homer. Xir- bedeutet 
als Substantiv (dat. tiri, acc. XXra) 'glattes schlichtes gewebe als unter- 
gedeck unter sesseln und teppichen (Od. a 130. x 353.), Überzug über 
einen wagen (IL 6>44l.), decke über einen toten' (IL -5" 352. ^254.). 
Dasselbe Xir- soll adjectiv sein in Xhs Tverorj Od. ^ 64. 79. Mit der sub- 
stantivischen bedeutung 'glattes ding, anschmiegsei ' (vergl. oben s. 76. 
über jti-ro-s) kommt man aber aus; ?hs Tter^rj 'das glatte ding, der felsen' 
ist auch wie rQrjqcov niXsia (verf. forschungen II 48. 124. 133. 146.), lat. 
vetus consuetüdo, ager über u. s. w. zu beurteilen. 



— 103 — 

Sanskr. yü-ti-s "^ Verbindung , Vereinigung^, ved. gäv-yii- 
'H-Sy nachved. go-yti-ti-s f. Weideland, gebiet, wohnplatz', 
später ein bestimmtes längenmass; avest. yü-iti-sK f. '^Ver- 
bindung', uta-yü-iti-sH f. 'fortdauer, kraft', adj. 'fortdauernd, 
kräftig', m. nom. propr.; lett. jü-t-s f. 'gelenk', plur. jütis 
== sanskr. yu-ii-s f. 'das zusammentreffen', gandha-yu-ti-s f. 
'eine mischung wolriechender pulver', graha-yu-ti-s m. 'con- 
junction der planeten'; avest. uta-yrnti-sli m. nom. propr., 
gen. uta-yuioisK yt. XIII 126. Im zend liegen auch hier alle 
drei stufen der bedeutungsentwickelung, vom substantivum 
abstractum über das concretum bis zum adjectiv, vor. Gegen 
Böhtlingk-Roth II 718. muss ich betreffs gdv-yü-ti-s {go-ynti-s) 
der etymologie der indischen grammatiker, wornach es ur- 
sprünglich 'rinderverbinduDg' d. i. entweder 'ort wo rinder 
zusammenkommen' oder 'terrain soweit ununterbrochen die 
zusammengehörige rinderherde weidet' ist, recht geben. 

Sanskr. sü-ti-s f. 'geburt, entstehung', su-shü-ti-s f. 'gute 
gehurt oder zeugung' (unbelegt) = ved. sü-shu-ti-s f. 'eine 
gute geburt oder zeugung' rgv. X 39, 7. Zu 4. sii- im Petersb. 
wörterb. VII 1022 ff. 

Sanskr. ved. pdri-shü-ti-s f. 'bedrängnis', prä-sü-ti-s f. 
'anregung, betreiben, geheiss, erlaubnis' = ved. a-sii-ii-s f. 
'erregung belebung', prt-su-tt-s f. 'feindlicher angriff'. Im 
Petersb. wörterb. zu 2. su- VII 1021 f. 

Sanskr. sii-ti-s f. 'kelterung des soma, ort der soma- 
kelterung'; avest. hü-iti-sU f. 'Zubereitung des haoma' == 
sanskr. ved. a-sii-ti-s f. 'das abkochen, abziehen eines tranks, 
gebräu, trank', ved. soma-su-ti-s f. 'somapressung'; avest. 
üiwish-hu-üi-sH f. 'Zubereitung', dat. sing, aiwisk-hulayae-ca 
visp. X 11. Wenn Hesychs v-oi-g f. 'das regnen' (s. v. vri) so 
richtig accentuiert ist, stellt es sich zu sanskr. sü-ti-s^ avest. 
Mi'iti-sH. Ich zog es vor, die -^^/-bil düngen der verschie- 



— 104 — 

denen su-, wie auch oben s. 89 f. die -fo-bildungen, getrennt 
zu lassen, trotz der s. 56 f. geäusserten ansieht von der iden- 
tität der drei wurzeln. 

Avest. stü-iti-sH f. *^lob', ä-stü-iti-sU f. *^lobpreisung^, upa- 
-stä'iti-sU f. dass., ni-stü-iti-sH f. *^das preisen', asho-stü-iti-sH 
f. 'heiliges gebet' = sanskr. ved. stu-ti-s f. ''lobgebet, preis- 
lied', ved. üpa-stu-ti-s f. 'anruf, preis'. 

An weiteren -^e/-bildungen mit indog. <, n in der wurzel 
könnte man zunächst alle slavischen und baltischen Infini- 
tive primärer verba auf abulg. -i-tij -y-tiy lit. -}/-ti, -ü-ti 
nennen; also im altbulgarischen pi-ti "trinken', /z-^/'giessen' 
(in compp.), ^r^-^z" bedecken', ??i//-^/ Vaschen', im litauischen 
ry-ti *^schlucken', ly-ti *^regnen', griü-ti *^ einstürzen', siü-ti 
'nähen' u. dergl. mehr. Abulg. pi-ti gehört zu sanskr. ved. 
pt'ti-s f. 'trunk', lit. rij-ti zu ved. i^i-ti-s f. 'ström, lauf' 
(sieh s. 45.); lit. ly-ti zu lit. ly-t\-s f. 'eisscholle'; und wenn 
auch vielleicht abulg. /?/-//, lit. nj-ti^ ly-ti nicht die genauen 
reflexe der im veda als Infinitive gebrauchten dativformen 
pi-tay-ßj ri'tdy-e =-- indog. pJ-tei-ai^ i'l-tei^ai sind, so 
beruhen jene doch sicher auf einem ähnlichen obliquen das 
suffixale Clement betonenden singularcasus (etwa dem locativ 
sing, indog. pl-töi, ri-töi, U-töi?). Ich erwähne aber 
noch sonst einige -^e/-nomina dieser art aus anderen sprachen. 
So griech. ^v-ac-g f. 'das kratzen'. Mehr oder weniger ge- 
währ haben als properispomena die wie ^u^c-g beschaffenen 
griech. d-Uxpi-gy tglipt-g, Ttvl^t-g^ Qlipi-gj i/^i^l^-g nach Lobeck 
paralip. 412. Als reflex von indog. lüd-ti-s wird germ. 
lüsi-s f. 'laus', anord. lüs^ ags. ahd. mhd. lüs eigentlich 
'die sich duckende' sein, zu anord. lüt-a^ ags. lüt-an 'sich 
ducken, sich neigen, niedersinken', ags. ge-lutian 'sich ver- 
bergen', ahd. lüzerij mhd, lüzen 'latere, verborgen liegen, 
heimlich lauern', got. Uut-a 'heuchler', ahd. luzic 'klein', 



— 105 — 

alts. luttilj ahd. luzsil 'klein' gehörig und zu lit. liud-ü 
'traure^, nu-lins-tu^ -Imd-aü^ -liüs-tl 'traurig werden^ (Fick 
Wörter b. IIP 276.). Zu der wurzel indog. bfu^a'^ii- 'brauen', 
von der lat. de-fru-tu-m und die anderen oben s. 87 f. ge- 
nannten Wörter, sowie anord. brugga, mhd. brüwen biHuwen 
kommen, stammt auch germ. binh-'^i-s^ ahd. brnit pinit in 
windis brüt f. ' Windsbraut'; vergl. Job. Schmidt indog. vocal. 
II 269. Da aber sanskr. bhrü-nä-s m. Leibesfrucht' uns die 
Wurzel auch in anwendung auf die brauende entwickelung 
des animalischen lebens zeigt und dasselbe bhrü-nä-s nach 
Böhtlingk-Roth V 4 12.. vereinzelt auch 'eine schwangere frau' 
bedeutet, so dürfen wir, glaub ich, nicht wol anstehen, auch 
in got. brü-p-s^ anord. ^r^i-9-r, ags. bry-d, alts. b?'ü-d^ ahd. 
brü-t prü-t f. 'braut, junge frau, Schwiegertochter' wiederum 
das zum concretum gewordene abstractum zu sehen; von 
selten des ehemannes und der Schwiegereltern wird die neu- 
vermählte vorzugsweise unter jenem gesichtspunkte hoffnungs- 
voll betrachtet. Aus dem slavischen fügt sich noch an sy-ti 
f. 'Sättigung' aus indog. k^ü-ti-s (vergl. s. 83.), is-py-ti f. 
'eqevvQj indagatio', eigentlich 'das aufs reine- bringen' (vergl. 
s. 67. 86.); aus dem litauischen krü-ü-s f. 'weibliche brüst', 
piü-li-s f. 'das mähen, die ernte'. Aus dem sanskrit, beson- 
ders dem vedischen; dhi-ii-s f. 'gedanke', pi-ti-s f. 'trunk', 
in-ti-s f. 'genuss, ergötzung', ü-ti-s f. 'förderung, hilfe', ä-kü- 
-ii-s f. 'absieht' (zu lat. cav-eöj caii-tu-s gehörig, wurzel indog. 
k^au-, vergl. s. 92. 95.), ju-ii-s f. 'das drängen, behendig- 
keit', hü-ti-s f. 'anrufung' (in compp.), pu-ti-s f. 'reinigung, 
reinheit'. Aus dem avesta: mü-üi-sK f. (?) nom. propr. eines 
daeva, 'besudeler, beschädiger'. Gehören zu einander abulg. 
kry-ti infin. 'bedecken' und lit. krU-tt-s 'weibliche brüst', etwa 
als 'das die brüst (pectus) bedeckende', gleichsam 'kissen'? 
vergl. lit. kräu-ti 'aufhäufen'. Wie also abulg. is-py-Ti 'auf- 



— 106 — 

spürung, erforschung' = sanskr. pu-ti-s 'reinigung', so ist 
beiden vielleicht das lit./?/M-^^-* 'mähen, ernte^ gleich, letzteres 
(zu piäu'ti ^'schneiden, abmähen') eigentlich 'das reinmachen, 
wegputzen', sowie im lateinischen piitäre 'reinigen' zu 'schnei- 
den, beschneiden' wird in arbores^ vltes putäi^e^ in am-putüre^ 
de-putüre {vlneam^ malleolum)^ ex-putUre (vltem^ pMös). 

Unter den vorhin s. 101. genannten forschem, welche auf 
häufigere Wurzelbetonung des -^cj-nomens, besonders im ger- 
manischen, aufmerksam machen, hat von Bahder a. a. o. auch 
bemerkt, dass die wurzel- so gut wie die suffixbetonung „ in 
jedem wort durch ein Wechselverhältnis vereinigt waren, durch 

das jedoch — abweichend von den ableitungen durch -tu 

der vocal der Wurzelsilbe nicht berührt wurde". Wenn mit 
letzterem nur gesagt sein soll, dass die -^e/- stamme im all- 
gemeinen etwas früher als die -^ew- stamme durchgängigere 
ausgleichung zu gunsten der tiefstufigen wurzelform vorge- 
nommen zu haben scheinen, so kann man es vielleicht hin- 
gehen lassen. Es bleibt aber zu untersuchen, ob nicht doch 
das griechische mit arkad. eg-rei-oi-g (s. 37.), sowie mit 
Qev-Gi-gy (pev^i-Qj tev^i-g^ reqxjji-g u. dergl. neben zl-ai-g, 
/tio-Ti-gj Qv-Gi-g, Iv-Gi-gj öv-OL-g^ cpv-Gi-g^ ffv^f^Sj Ttvö-n-g 
und neben {xl^t-gy ^v-ot-g, qv-oi-g^ tpv^c-g den zu der ac- 
centuation dieser letzteren stimmenden wurzelablaut gewahrt 
habe. Doch hat von Bahder anderes, wichtigeres übersehen. 
Im indo-iranischen ist bei dem hier gewis alten culturworte 
avest. qao-yaO'iti-sh f. 'trift, weide' und ved. gäv-yü-ti-s f. 
'Weideland' (s. 103.) die ablautsdiiferenz dieselbe wie zwi- 
schen griech. -Tet-Oi-g, qev-Gt-g, (pev^i-g und Ti-Gc-g^ Qv-Gi-g, 
cpv^L-g (genauer *Tl-GL-g, "^qv-Gi-g^ *q)v^i-g)] in diesem falle 
und in dem obigen s. 98., avest. vae-ti-sh\ griech. El-re-ä 
gegenüber sonstigem iß-ti-s^ dürfte sich die Zuflucht zu 
einem beeinflussenden verbum, wie sie bei griech. (p€v^i-g 



— 107 - 

und genossen möglich ist, abgeschnitten .zeigen. Ferner 
konnte durch Lindner altind. nominalbild. 77 f. von Bahder 
aufmerksam werden auf die existenz der vedischen feminina 
he-ti-s ""schuss"*, tdn-ti-s ""reihe', )^än-ti-s 'das gernverweilen', 
ä-han-ti-s *^ Unversehrtheit', dhau-ti-s ""quelle', rad-dhi-s ""ge- 
lingen' (mit J^adh- = got. 7'ed- in ga-red-an) ^ äty-äp-ti-s 
'erreichung', vi-bhräsh-ti-s *^das aufflammen', havyd-dä-ti-s 
'opfergabe', sowie des masculins ?^dn-ti-s ""kämpfer'; offen- 
bar bildungen, die zum teil sogar die betonung der wurzel 
mit der ungeschwächten gestalt derselben in alter harmonie 
vereinigen. Ved. dä-ti-s "^gabe' (auch in dati-vära- 'gern 
schenkend') und dor. öto-TL-g und lat. dös, stamm dö-ti-, 
sind alt trotz ved. di-ti-s f. 'besitz', griech. do-oi-g] denn 
dös ist doch wol im lateinischen eine „isolierte form", bei 
der Umwälzung, welche die conjugation von da-re erlitten, 
wäre gerade "^dä-ti-s "^gabe', wenn dies allein tiberliefert 
war, geschützt gewesen vor dem untergange. Auch lit. gen- 
-ti-s m. 'verwanter' steht bei mittelstuf envocalismus (anderes 
falles Messe es *gin-t)-s) ausser allem verdacht verbaler 
einzelsprachlicher beeinflussung. So würde ich denn auch in 
einem falle wie dem von lat. vec-ti-s m. 'hebel', got. vaih-t-s, 
ahd. lüih-t f., abulg. ves-tX f. 'fahrende habe, sache, ding', 
der ebenfalls nicht jung sein wird, die nicht - tiefstufe als 
indogermanisch einräumen können, so gut wie lat. vec-lu-s 
(sieh oben s. 93 ff.) nicht eine jüngere participform als sanskr. 
üdhd-s zu sein braucht. Von gleichem Charakter ist ved. 
vdsh-ti-s adj. 'begehrend', von mittelstufiger wurzel gegen- 
über tief stufiger in u(^-mdsi, uc^-dntij partic. ug-dnt-j ug-änd-. 
Und so würde ich auch manches germanische in dem von 
Bahderschen Verzeichnisse s. 64 — 78., was sich seiner forde- 
rung tiefstufiger wurzel bei der -tei' bildung nicht fügt, z. b. 
germ. ki^df-ti-z 'kraft', h las -ti-s 'last' (mit wurzelbeto- 



— 108 — 

nuDg nach Kögels regel, vergl. Paul-Braunes beitr. VII 189.), 
pleh-ti'Z 'pflicht', got. ga-plüih-t-s f. 'tröstung' (selbst wenn 
(ja-pläihan „vermutlich reduplicierendes verb" war) u. dergl. 
als alt retten, auch mhd. ttmh-t f. und truh-t f., sowie ags. 
sleah-ty ahd. slah-t f. und got. slauh-t-s f., ferner ags. gräf-tj 
ahd. neuniederd. (J7^af-t f. und hd. gruf-t f. aus einem para- 
digma herleiten und got. ana-min-d-s f. (stamm ana-min-di-) 
das 5 statt j5 (vergl. die -^'o - ableitung got, ga-minpi n.) von 
der schwesterform got. ga-mun-d-s f., anord. mun-dir plur., 
ags. ^e-myn-d f. so beziehen lassen, wie umgekehrt got. gul-p 
das p statt 9 von ^gil-p == lett. fel-t-s (s. 93.) bekam. Weiter- 
hin germ. de-^i-s 'tai^ (= abulg. de-t): f., blago-deti) und 
germ. se-^i-s ^'saat' (== abulg. *se-tY in seti-ba f.) und ags. 
haes f. 'befehr aus germ. kaisi-s (s. 77.) gleichen in bezug 
auf die accentverschiebung den ved. he-ti-s^ dhau-ti-s] die 
ersteren zwei sollten den accent haben, den griech d-e-OL-gy 
e-OL-g aufweisen, umgekehrt diese im nom. und acc. sing, das 
lange e jener darbieten. Man braucht ja nach dem s. 93 ff. 
bemerkten auch die -^o-bildung abulg. se-tü^ lit. ae-la-s 
partic. ^gesät\ anord. «a-ö n., ags. alts. sä-d n. = urgerm. 
se-'^ö-m (von Bahder s. 77.) nicht mehr für jünger in der 
ablautsstufe zu halten als lat. sa-tu-s. Hiernach ist nun 
auch klar, wie ein slavischer Infinitiv vi-ti *^ winden', selbst 
wenn er nicht das genaue und unzweideutige litauische cor- 
relat vy-ti hätte, als reflex einer nicht wurzelbetonten obli- 
quen casusform und dazu dem Systeme des paradigmas ent- 
rückt, ein sichererer zeuge für indog. i sein muss als das 
nomen vi-fi f. 'weide'; vergl. s. 97 f. 104. 

K. Nomen mit suff. -teu-\ 

Griech. homer. nachhomer. y.Xi-Tv-g f. 'abhang, hügel^ 
= sanskr. cin-tv-ä 'gelehnt habend' instrum. gerund. Panin. 
VII 2, 11. (vergl. Petersb. wörterb. VII 349.). Das Verhältnis 



— 109 — 

des yil't-Tv-g zu dem auch überlieferten vleL-ri-g wird so- 
gleich festgestellt werden. 

Sanskr. pi-tv-a 'geschwollen seiend, getrunken habend' 
instrum. gerund. = sanskr. pi-iü-s m. 'saft, trank, speise, 
nahrung'; avest. pi-tu-sh m. ''nahrung, speise'; altir. i-th^ 
altkymr. i-t m. (oder n.) 'frumentum', aus vorhist. *pi-tu-s 
(Stokes Kuhns beitr. VII 27. anm. 53., Windisch ebend. VIII 
5 f. kurzgef. ir. gramm. § 128. s. 35., Zimmer Kuhns zeitschr. 
XXIV 213 f.). 

Sanskr. pt-tu-däru- m. *^fichtenbaum, devadärufichte', n. 
"^das harz dieses baumes'; IbX. pi-tu-ita f. *^schleim, harz der 
bäume' Catull. XXIII 17. Pers. II 57. == griech. Tci-rv-g f. 
""fichte'. Von würz, pf- 'schwellen' nach Fick or. u. occid. 
III 115. vergl. wörterb. IM44. , so dass also diese nummer 
eigentlich mit der vorigen zusammenfällt nach dem s. 41 ff. 
bemerkten. Aus Horat. epist. I 1, 108. satir. II 2, 76. ergibt 
sich kein piiilJta^ da man bei Persius in somnia pUiiitU qiii 
purgZitissima mittiint der lesung pitvilU mit synizese doch 
nicht ausweichen kann. Für sanskr. pita-däru- brauchen 
wir noch nicht mit Fick die volksetymologische umdeutung 
'gelbes holz habend' in anspruch zu nehmen, da wol ptta- 
das für pitii' substituierte -^ö-particip 'geschwollen, strotzend' 
ist. Aber die nebenformen pütu-däru- und püta-däru- be- 
ruhen, jenes auf partieller, dieses auf totaler anlehnung an 
püta- 'gereinigt, blank', partic. von pii- pu-na-ti Ist etwa 
'blankes holz habend' keine besonders treffende bezeichnung 
des fichtenbaumes, so bedenke man, dass schlagend neu zu 
deuten der Volksetymologie überhaupt nur in seltenen glücks- 
f allen gelingt. 

Lat. ri-tU'S m. 'art und weise, gebrauch, sitte', eigent- 
lich 'lauf, verlauf == altir. ri-ih 'lauf, stamm ri-thii- (Win- 
disch kurzgef. ir. gramm. § 129. s. 35.), kymr. rl-t 'vadum', 



— 110 — 

ältgall. Ande-ritum^ Augusto-riium. Zu Wurzel ri- * laufen 
lassen', vergl. s. 45. Anders über die etymologie des kel- 
tischen Wortes Windisch Paul -Braunes beitr. IV 239. anm., 
Zimmer Kuhns zeitschr. XXIV 541. 

Lat. Visus m. ^das sehen' aus *vld-tu-s = altir. ßss m. 
'das wissen' für vorhist. ^vid-tu-s (Windisch kurzgef. ir. 
gramm. § 54. s. 12. § 127. s. 34.}. 

Sanskr. bhü-tv-a instrum. gerund.; griech. cpl-rv-Q m. 
*^erzeuger', cpl-xv n. 'spross, sprössling', (pT-rv-co ""erzeuge' 
denom., (pi-Tv-(.ia n. *^spross, sprössling' für *cpv-Tv-g u. s. w. 
durch dissimilation^) = \3i>t fü-tu-o 'beschlafe, wohne ehe- 
lich bei', fu-tü-ta partic. fem. Griech. cpv-v-evw wird besser 
als neuere denominativbildung von (pv-rö-v gefasst. 

Sanskr. ved. su-tu-s f. 'Schwangerschaft, tracht', ved. 
su'tav-e dat. infin., sü-iv-ä instrum. gerund. = altir. su-th 
m. oder n. 'fetus' (Windisch Paul -Braunes beitr. IV 240. 
kurzgef. ir. gramm. § 128. s. 35.). 

Die spuren der alten Stammabstufung der Wurzelsilbe 
sind hier handgreiflicher als bei den -to- und den -^6>/-stäm- 
men, so dass sie auch von Bahder erkennt und s. 92 ff. das 

1) Dies von Gust. Meyer griech. gramm. § 90. s. 94. jüngst verdäch- 
tigte dissimilationsgesetz erhielt oben s. 67. einen neuen entlastungs- 
zeugen in ntvvro-s aus ♦ttv-j^v-to-s. Entstand auch xiwqö-s 'winselnd' 
aus *xvv-vq6~s 'wie ein hund machend'? Freilich könnte hier auch 
fitvvQos, wie auf die bildung {fit-w-Qo-s eigentlich 'kleine, winzige töne 
machend') , so auf die Umgestaltung gewirkt haben. Bei seiner erwäh- 
nung von yXvuvs als gegenbeispiel bedachte G. Meyer nicht, dass es casus 
mit -Eß- gab, also eine ausgleichung zwischen *yXiyiv-s wn^ ylvxe^-BS an- 
zunehmen erlaubt ist. Auch rawarvs verschlägt nichts: es stand doch 
wol als verbalabstract in stetem bezug zu ravvco, von dem es jederzeit 
sein -v- wieder bekommen konnte; vielleicht ist rawarv-s überhaupt 
erst nach dem wirken des dissimilationsgesetzes gebildet, fivo/uv^co und 
xvavov sind unsicher als hesychische beispiele. Dass bei ^ttvoj nun 
auch die länge des i nicht mehr an der identificierung mit lat. /utuö 
hinderlich sein kann, wird Meyer nach allem obigen wol zugeben. 



— 111 — 

I 

schlagendste zeugnis dafür , die wurzel- und accentverschie- 
denheit beim sanskritischen Infinitiv auf '-tu-m und gerundium 
auf -tv-a^ anführt. Nur wird hier von Bahder darin irren, 
dass er dem nom. und acc. sing, der -^e?^ - bildungen hoch- 
stufe der Wurzel als das ursprüngliche vindiciert; sanskr. 
ketü-s m. Uichterscheinung, helle, klarheit' = got. haidu-s m. 
^'art, weise' kann auch -ew- stamm sein aus der wurzel k^eit-j 
wie es de Saussure syst, primit. 85. fasst. Doch wie dem 
auch sei, es treten uns in dem abstufungsverhältnisse mit 
dem ö^/, a'u der stärkeren wurzelform wiederum nicht nur 
<', üj sondern auch ?, ü entgegen. So hat beim Infinitiv und 
gerundium im sanskrit, wie wir sehen, die abstufung sö-tu-m : 
sü-tv-aj ne-tu-m: ni-tv-a ebenso wol statt, wie diejenige von 
crö'tu-m: gru-tv-a ^ je-iu-m: ji-tv-a\ die Stammform des letz- 
teren, ji-tv-ä\ ist, beiläufig bemerkt, verallgemeinert in altir. 
bi-th m. /weit' als "das lebende' (wurzel g'^e^- 'oben auf 
sein', s. 72 f. 97.), altgall. Bi-tu- in Büu-rlges^). Darnach 
beurteilt sich nun im griechischen das Verhältnis von x/J-Tv-g 
zu der von Herodian II 416, 19. 450, 15. 535, 20. ed. Lentz 
bevorzugten nebenform ^iksL-vv-gj der zu liebe Gust. Meyer 
Bezzenbergers beitr. I 84. griech. gramm. § 113. s. 112. § 184. 
s. 169. § 317. anm. 2. s. 272. gegen das xaJ-tv-q ungerecht 



1) Windisch vergleicht (ähnlich schon Pott wurzel wörterb. I, 2, 1148.) 
zweifelnd griech. cpX-tv ^ cpl-rv-s der keltischen -/6'm - bildung bi-th 'weit' 
Paul-Braunes beitr. IV 222.; die entsprechung des griechischen nomens 
aber müsste ein altir. *bH-th oder *bu-ih sein, nach dem s. 110. ausge- 
führten. Nach unserer etymologie rückt altir. bi-th, altgall. Bi-tu- in 
die Sippe von altir. biu 'lebendig', belhic beothu m. 'leben' ein. Es ist 
ferner die möglichkeit anzuerkennen, dass kelt. bi-tu-s m. mit dem 
oben s. 72 f. 95. besprochenen ags. ci-^ ra., alts. Ä7-M 'sprössling, spross' 
direct zusammen gehöre, in sofern ein masculiner -^^m- stamm (indog. 
(ßci-iu-s oder fßi-tu-s) im germanischen, wie öfter (von Bahder 
verbalabstr. 90 ff.), mit einem masculinen oder neutralen -^ö-stamme zu- 
sammenrinnen konnte. 



— 112 — 

wird; durch griechische lautgesetze ist keine der beiden 
formen aus der anderen entstanden, sowie keine ein recht 
gibt, ihretwegen die historische gewähr der anderen anzu- 
tasten. Es standen einmal vlel-rv- und vXi-riF- ^ sowie 
7/7-t/- im paradigma neben einander; auf die accentuation 
des ersteren deutet noch vSkEltei dat. sing, bei Alkraan fragm. 
95. Bergk^ hin. Die mit AJ-teF- vordem abwechselnd er- 
scheinende form ^yJa-reF- aber hat im griechischen keine 
spuren hinterlassen. Mit sanskr. pt-tv-a und *pi-tu-s in pUu- 
-cJärii- und andererseits mit sanskr. pi-tü-s^ avest. pi-tu-sH 
"^speise, nahrung', altir. z-^ä ""getreide"* (s. 109.) combiniert sich 
als starkwurzelige form lit. pl'-tüs m. plur. 'mittagessen, mit- 
tag' (vergl. Fick wörterb. I' 144. 673 f. IP 407.). Dasselbe 
Verhältnis aber wie zwischen -a/J-Tv-g und /.leirTv-g bietet 
das baltische selbst dar mit lit. h/-tu-s m. ^regen' neben ar 
chaischem und dialektischem lit. le-tn-s (Nesselmann wörterb. 
364 b. aus Szyrwid, Hugo Weber bei verf morphol. unters. 
II 141.) und lett. li-tu-s m. 'regen' •). Avest. rae-tu- 'flüssig- 
keit, befleckung' in raethw-ayana- 'auf befleckung ausgehend', 
raethw-aye-iii 'schmiegt an sich, vermischt sich mit' u. a. 
(Justi handb. d. zendspr. 250. a.) stimmt zu der stärkeren 
litauischen und der lettischen form. Desgleichen germ. li-pu- 
in got. Ici-pu acc. sing. ^oUega (Luc. 115), anord. //-8 n., 
ags. //-9 n., afries. alts. 1f-th n., ahd. U-th H-d m. n. 'getränk, 
künstlicher wein, obstwein, würzwein'; obgleich ja auch 



1) Wenn die regel Mahlows d. lang. voc. AEO 143 f. richtig wäre, 
dass lit. e nie == indog. ei sei, würde hier ein fall vorliegen, der von 
Bahders forderung der hochstufe stützte: le-tu-s == indog. löi^tu-s\ 
denn die wurzel ist indog. le^- in griech. Xsi-ficov. Doch stützt sich 
Mahlow auf unvollständiges material und beurteilt selbst das wenige, 
was er heranzieht, in äusserst problematischer weise. Ich hoffe in bälde 
zeigen zu können, nach welchem gesetze lit. e und ei abwechseln in der 
Vertretung von indog. eL 



— 113 — 

durch Verschiebung indog. i an die stelle von ei vor dem zu- 
sammenfall beider ablautsstufen im germanischen gekommen 
sein könnte (vergl. s. 73. 75. 95. über germ. ki-po-m^ 
bis-to-m). Ist vielleicht der AXTv-eQörjg der griechischen 
sage ein 'nass-träufler' und der yIvTi-sQGäg als *^regenlöser^ 
bei Theokrit. X 42. (Rödiger Kuhns zeitschr. XVIII 70., verf. 
verb. in d. nominalcomp. 203. 205.) nur eine volksetymo- 
logische neudeutung? Im falle dass dies sicher wäre, hätte 
ich das beispiel lit. ly-iu-s = griech. *Xi-rv- ^nass^ unter 
meine beweismaterialsammlung aufnehmen dürfen. Beach- 
tenswert für die frage der Stammabstufung ist auch das ags. 
fri-^u freo-^u f., alts. fri-thu fri-lho m., ahd. fri^thu fri-dhu 
fri-du fri-do m. 'friede': urgerm. fri-pu-z vereinigt accent 
von sanskr. ^pre-tu-m und wurzelablautsstufe von ^pri-tv-ä\ 
genauer von ^ptn-tv-ä'-^ leider sind von sanskr. pri- "^ befriedigt 
sein, gern haben, wolwollend behandeln'' Infinitiv und gerun- 
dium nicht belegt^). 

Unter unserem material werden nun wegen der tatsache 
der Wurzelabstufung bei den -^ew- stammen zweifelhaft: lat. 
pT-tu- in pUu-ua und lat. f^J-tu-s, da sie auch == indog. 
pei-tu-j rei-tu-s sein können. Weniger bedenklich bin 
ich betreffs des lat. visu-s. Denn vielleicht beschränkte das 
latein die wandelung von doppeldental in *.s*, nach langem 



1) Nhd. „friedhof als compositum mit friede, während mhd. frithof 
und [rille scharf getrennt sind" hätte Paul princip. d. sprachgesch. 98. 
nicht unter die beispiele für seinen satz aufnehmen sollen, dass durch 
lautlichen zusammenfall „Wörter ganz verschiedenen Ursprungs für das 
Sprachgefühl den schein etymologischer verwantschaft erhalten können". 
Auch verkennt Paul in seinen beitr. VI 80. und princip. d. sprachgesch. 
117. die Priorität des i vor dem e in ahd. fridu, anord. fri^-r und fre^-r. 
Vergl. über die etymologie von got. freidjan 'schonen', mhd. frU- und 
fride Fick wörterb. IIP 190., 0. Schade altd. wörterb.^ 222 b. 224 a. 225 a., 
verf. oben s. 74 f. 

Ostholf u. Brugman untersuch. lY. 8 



— 114 — 

vocale und diphthongen in s auch auf die Stellung nacli indo- 
germanisch unbetonter silbe, wie es mir Kögel für das ger- 
manische nachgewiesen zu haben scheint. Dann würde sich 
nemlich das „im lateinischen äusserst selten erhaltene" st aus 
dt oder tt (Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 166.) erklä- 
ren. Lat. aes-tu-s bliebe = indog. äidh-tu-s trotz Froehde 
Bezzenbergers beitr. I 200 f.; *cüsio- in custös wäre auf die 
wie got. beis-t (s. 95.) gebildete starkwurzelige participform 
indog. k^eudh-to- von würz, k^eudh- (s. 91.) zurückzu- 
führen; lat. es-t ''er isset' hätte lautgesetzliches st wie got. 
vais-t *^du weist', und erst für die pluralformen es-tis^ es-te 
wäre Brugmans erklärung morphol. unters. III 133 f. in an- 
wendung zu bringen. Selbst com-es-toi\ com-es-türa (Froehde 
Bezzenbergers beitr. I 186.) könnten mit ihrem st gerecht- 
fertigt werden, und bei com-es-tu-s neben com-esu-s (Froehde 
ebend., Brugman morphol. unters. III 134.) würde mir jenes 
ebenfalls die alte wurzelbetonte form des -^ö - particips dar- 
stellen. Die bedeutung des lat. mus-tu-s adj. ""jung, frisch, 
neu' vom wasser und jungen weine, mus-tu-m n. *^most' finde 
ich im gegensatz zu Froehde a. a. o. 192 f. recht im ein- 
klange mit der von sanskr. mod-a-te 'ist lustig, ist fröhlich', 
7wwfl?-2Yfl- *" erfreut, froh', mMc?-/*«- *^ lustig, fröhlich', lit. mud-ru-s, 
mund-rU'Sj mund-ra-s "^munter, flink', ahd. munt-ar u. a. bei 
Fick wörterb. P 180. Da in müstum kurzes u wegen des 
Italien, mosto feststeht, so würde sich dieser lateinische fall 
den oben s. 93 f. genannten germanischen wie gül-po-m^ 
bru-po-m zur Seite stellen als solcher, der ebenfalls durch 
Verschiebung consonantismus der wurzelstarken Stammform 
mit dem tiefstufenvocalismus der anderen verbindet; am ähn- 
lichsten wäre alts. ahd, rast m. *^aerugo' s. 94. Und so 
könnten nun auch noch andere ältere etymologien und form- 
erklärungen, die die gleichung lat. st = indog. tt^ dt, dht 



— 115 — 

voraussetzen und die Froehde in seinem aufsatze Bezzen- 
bergers beitr. 1 177 ff. beanstanden zu müssen glaubte, aufrecht 
erhalten werden. Für unseren -^pm- stamm lat. visii-s würde 
aber folgen: hier liegt mit demselben etwas höheren grade 
von Wahrscheinlichkeit indog. * vor wie bei german. wisö-s 
'weise' gegenüber bis-t 0-771 (s. 77. 95.). In dem supinum 
lat. Visum aber müsste, da *vJs-tum dem Infinitiv sanskr. 
vet-tum zu entsprechen hätte, allerdings das s durch über- 
ragung von dem particip vJsii-s erklärt werden. 

L. Nomen mit suff. -716-^ fem. -nü-: 

Sanskr. kshi-nä-s partic. ^vermindert, erschöpft, hinge- 
schwunden, zu ende gegangen, abnehmend' = griech. y^<- 
rv6-xaQ7co-g adj. 'dessen fruchte schwinden oder abfallen, 
>hne fruchte, unfruchtbar' Pindar Pyth. IV 471., cp&^i-v-67t(x)- 
w-v n. 'Spätherbst' Kallimach. hymn. Cerer. 124., Oppian. 
cyneg. I 459. 465., Paul. Silent. in anthol. Palat. V, 258, 5. 
Man darf also g)d'^v6-KaQ7co-g noch zu den nominalen mustern 
für die verbalen composita rechnen, anstatt zu der schiebt 
der letzteren mit verf. verb. in der nominalcomp. 164., wo 
übrigens auch irrig (p^iv6-KaQ7tog mit 7 geschrieben ist. 

Griech. AXt-vrj f. 'alles woran man sich lehnt, worauf 
man sich legt, lager, bett, polster'; lat. öc-, de-j in-, re-cli-ni-s 
mit /-declination statt - declination im schlussgliede der 
composita wie so häufig = ahd. hli-na li-na le-na f. 'lehne'. 
Sieh oben s. 39 f. 

Lat. tiH-nu-s adj. 'dreifach', tri-ni plur. 'je drei'; lit. 
try-n-iicziei m. plur. 'drillinge' demin. == lit. Un-71-yti-s m. 
(neml. au^nnas) ""drillich'. 

Lat. bi-nu-s adj. 'ein paar, doppelt, zwei' (Lucret. IV 449. 
876.), bi-ni plur. 'je zwei'; lit. dvy-7ia-s m. 'zwilling', dvy- 
■ucziei m. plur. 'zwillinge' demin.; neuengl. to twi-Tie (ge- 
sprochen twain) 'zwirnen, verbinden, verschlingen' denom. 

8* 



— 116 — 

= lit. dvi-n-yti-s m. (neml. audimas) *^zwillich'; neueogl. twi-n 
m. 'zwilling', ahd. zwi-n-al zwi-n-el zwe-n-el adj. 'geminus, 
gemellus\ zwi-n-el-inc m. ^zwilling'. „Engl, twin *^zwillmg' 
wie lat. btm'* fand schon bei Pott etymol. forsch. P 708. kein 
hindernis an der verschiedenen quantität. 

Sanskr. pi-na-s adj. partic. 'fett, feist, dick^; griech. 
7tl-vo-v n. 'gerstentrank, hier' (vergl. s. 41 ff.) = griech. icL- 
-vo-g m. 'schmutz^* als '^feister', Tt^-v-aqS-g adj. 'schmutzig'. 
Ferner ab liegen die bildungen aus einer wurzelform spi-^ 
griech. ö7tl-lo-g 'fleck', altcech. spi-na 'schmutz' bei Curtius 
grundz.' 276. 

Sanskr. /z-;2a-* partic. 'hingeschmiegt, sich anschmiegend'; 
griech. Xi-v6-Gaqy.og 'von zartem fleische' Antiphan. bei Athen. 
X p. 455. F.; lit. ly-na-s m. 'schleie' als 'wegen seiner platt- 
heit geschmeidig dahinschwimmender fisch'; mhd. li-n adj. 
'lau, matt', eigentlich 'aufgelöst, zerlassen' = anord. li-n-r 
adj. 'weich, nachgiebig, fein, sanft, still', schwed. le-n dass., 
/ew-?;äfi?er 'tauwetter'. Der Antiphanesvers rgoxallöag tu ki- 
voöaqy.ovg fzav^aveig' rvqdv Isyco galt, SO viel ich sehe, nur 
wegen zweierlei für anstössig und der correctur bedürftig 
(dagegen jedoch schon V. Hehn kulturpfl. u. haust.* 512.), 
erstens wegen des langen ~i in XivooaQxovgy sodann weil man 
die bezeichnung 'flachs-' oder 'leinfleischig' für zarten käse 
{kcvoaccQKOvg rjyovv XsftTccg xai aTtaXag TQOxccUdag tov loiov- 
Tov TVQov nach Eustath. z. Odyss. p. 1339, 17.) nicht zu recht- 
fertigen wusste; vergl. Meineke comic. Graec. fragm. III 25 f , 
Curtius grundz.^ 366. Aber was letzteren punkt anbetrifft, 
so braucht eben llv6-oaqy,og nur 'von schmiegsamer, weicher 
masse' zu heissen, wenngleich der name des leins, der nach 
der weichen nachgiebigkeit ihrer stengelfasern benannten 
flachspflanze, seinem Ursprünge nach dasselbe particip von 
It- ist, nemlich 



— 117 — 

Griech. ki-vo- in llv-OTttwfievog '^am fanggarn (stell- 
netz) acht gebend' Aristoph. pax 1178.; lat. li-nu-m n. ^flachs, 
lein'; altir. li-n n.; got. lei-n^ anord. li-n, ags. li-n n., alts. 
ahd. li-n m. = griech. IL-vo-v n. ; abulg. ti-nü m. ; lit. h-na-s 
m. *^flachsstengel , die einzelne flachspflanze', li-nai plur. 
"^flachs'. Wie viele entlehnungen auch bei diesem alten cul- 
turworte zwischen den einzelnen Völkern vorgekommen sein 
mögen (vergl. Hehn kulturpfl. u. haust.^ 147 ff. 511 f., Miklo- 
sich lex. Palaeoslov. 348. , Ebel Kuhn - Schleichers beitr. 
II 147.), die grundlage desselben in zwei vorhistorischen for- 
men mit verschiedener Quantität des i scheint mir gesichert. 

Alts. ahd. ski-rij mhd. schi-n adj. *^strahlend, leuchtend, 
hell, sichtbar, augenscheinlich', m. ^glanz, strahl, helligkeit, 
schein, Sichtbarkeit, augenscheinlichkeit' == anord. ski-n n. 
*^glanz, schein', schwed. ske-na f., dän. ski-nne, ahd. sci-na 
sce-na f., mhd. schi-ne schi-n f. ^'schiene, röhre, Schienbein', ahd. 
auch ^^nadel', „weil man durch eine röhre wegen ihrer hohl- 
heit hindurch sehen kann" (0. Schade altd. wörterb.^ 795b.). 

Sanskr. ^u-nä-s partic. 'geschwollen, aufgedunsen', ved. 
cü-na-m n. 'leere, mangel', eigentlich 'das aufgeblähtsein', 
cü-n-yd-s adj. 'leer, öde'; avest. a-sü-na- adj. 'ohne mangel'; 
anord. hü-n-n m. 'bärenjunges, knöpf, kugel an der spitze eines 
gegenständes (des mastes, eines Stockes)', anord. Hü-nary 
ags. Hü-nas m. plur. 'die Hunnen', eigentlich 'riesen, grosse 
kerle', ahd. Hü-n m. sing. 'Hunne', llü-n-i m. dass., -n-iw- 
stamm (vergl. Huni nom. sing, bei Graff IV 960.), mhd. Illu-n-e 
m. 'Hunne', mhd. hiu-n-e ^ mitteld. hü-n-e schwaches masc. 
'riese, hüne' == sanskr. ved. nachved. cu-nä-m n. 'wachstum, 
gedeihen, erfolg', acc. adverb. 'zum gedeihen, mit erfolg', 
besonders vom gedeihen der saaten (Grassmann wörterb. z. 
rgv. 1404.), cu-n-yä-s adj. 'leer', nur bei grammatikern und 
lexikographen (Petersb. wörterb. VI 259.). Wegen der „ zwei 



— 118 — 

wesentlich verschiedenen bedeutungsschattierungen " bei dieser 
Wurzel: „1) negativ: ^^geschwollen, hohl' sein", „2) positiv: 
''geschwollen, voll, stark' sein" vergl. Curtius grundz.^ 159 f. 
Die litteratur über deutsches Hunne^ hüne stellt ausführ- 
lich 0. Schade altd. wörterb.^ 429 f. zusammen. Durch die 
mischung der beiden Stammformen germ. hü-no- und hü- 
-n-iiö- (== sanskr. ^ü-n-yä-) entsprang mit dem gepräge 
der 2 - declination der nom. plur. ahd, Hüni^ anord. Hijnir. 
Ahd. Hüneo gen. plur., wie hirteo gebildet, wie tjesteo auf- 
gefasst, führte zu Hüni nom.-acc plur., um mit diesem zu- 
sammen zu dem nom.-sing. des -wö-stammes Hün so zu passen 
wie gesteo, yesti zu gast. Im altnordischen fasse ich Ilfpiir 
formal als Singularnominativ = sanskr. cü?i(/€is] der plural 
hiess *H/)narj wie hMar zu sing. hMij\ Da bei völker- 
namen die pluralbildung auf -ir im altnordischen häufig war, 
wie in Danir^ Frisir^ Eynir^ Kürir und da einige auch zwi- 
schen -ar und -ir abwechselten, z. b. E(ßar und E(ßh\ 
Vermar und Vermir (Wimmer altnord. gramm. § 46. s. 44 f. 
und ebend. anm. 1. s. 45.), so konnte bei der existenz eines 
nom. sing. *Hünn vom kürzeren alten -7?ö-stamme die spräche 
ins schwanken geraten bei dem gebrauch des Hynir^ indem 
sie es nach und nach so gut wie Hünar und ^Bynar als 
pluralform auf ^Hünn zu beziehen anfing; collectivischer ge- 
brauch der alten singularform, wie bei nhd. der Hunne^ der 
Franzose für das ganze volk, mochte mitwirkend sein. Mhd. 
Hiune^ hiune, mitteld. hüne ist vom nom. sing, aus so in die 
71 - declination übergetreten, wie im neuhochdeutschen später 
hirte. Die identificierung des adjectivs homer. -/.eveo-g^ att. 
xero-Qy ion. K€cv6-g, lesb. y,€vvo-g mit sanskr. günyä-s^ die auch 
Gust. Meyer griech. gramm. § 264. s. 231. noch hat, streitet 
gegen mehrere griechische lautgesetze, wie auch J. Wacker- 
nagel Kuhns zeitschr. XXV 262. erkennt. 



— 119 — 

Avest. tüsK-nä maiti-sH f. ^^zufriedener sinn' ys. XLII 15. 
= avest. tusK-na-maihjäo f. nom. propr. gen. sing. yt. XIII 139. 
In preuss. tus-na-n acc. sing, 'stille' (Fick Kuhns zeitschr. 
XXI 7. worterb. P 95. 334. 603. IP 373. 572.) ist u unbe- 
stimmbar. 

Altir. iü'71 f. "^geheimnis^; (got. i'ü-na^ anord. rü-n^ ags. 
ru-n, alts. ahd. rü-na^ mhd. i^ü-ne f. *^gelieimnis, geheime be- 
ratung, rune', ahd. mhd. auch *^das raunen, leisesprechen, 
flüstern', ags. rü-n-jan^ altniederd. rü-n-an^ ahd. rü-ii-en, 
mhd. rnl-n-en 'raunen' denom. == lett. tm-nä-t 'reden' denom. 

Sanskr. sthu-nä f. 'pfosten, pfeiler, säule'; avest. stü-7i6 m., 
stü-na f. 'säule' = avest. stu-näo acc. plur. 'säulen' yt. X 28. 
(Justi handb. d. zendspr. 301. a. unt. stund). 

Als -no-, -wa - bildungen mit 7, ?z, neben denen ich die 
schwächere form mit /, u nicht nachweisen kann, nenne ich 
noch: sanskr. ji-na-s adj. 'alt, bejahrt'; avest. fri-na- m. 
'lobgebet', ä-frina- m. 'segen', hu-frina- m. 'gutes lobgebet'; 
sanskr. ved. nachved. ü-nä-s^ avest. ü-no partic. adj. 'mangelnd, 
ermangelnd, mangelhaft'; lit. kü-na-s m. 'leib, körper'; altir. 
itü-n n. 'bürg, castell', gall. -dü-nu-m in Campo-j Lug-j Lupo- 
'düim-m u. a., anord. tü-n n., ags. alts. /^^-w, neuengl. tow-n^ 
ahd. mhd. zü-ii m. 'zäun, gehege'; sanskr. dhü-na-s partic. 
'heftig bewegt, geschüttelt', nur bei grammatikern (Pänini), 
aber durch das denominativum dhü-nä-ya-ti act., dhü-nä-ya-te 
med. 'schüttelt, bewegt hin und her' genügend gesichert, 
griech. d-v-vo-g m. 'andrang'; sanskr. bhm-iiä-s m. 'embryo, 
kind, knabe, eine schwangere frau' (vergl. s. 88. 105.) ; griech. 
cfQv-vo-g m., cpgy-yr] f. 'kröte', anord. bim-n-n, ags. ahd. mhd. 
brü-n adj. 'braun' (Curtius grundz.^ 303 f.) ; sanskr. yü-na-m 
n. 'band, schnür'; sanskr. lü-na-s partic. 'abgeschnitten, ge- 
pflückt, abgenagt, zerstochen, zu nichte gemacht'; sanskr. 
sü-na-s partic. adj. 'erzeugt, geboren', m. 'söhn', sü-nd f. 



— 120 — 

"^tochter'; sanskr. ved. nachved. sü-na f. ''geflochtener korb, 
geflochtene Schüssel^, zu indog. sia^'U' *^nähen^ (oben s. 19. 
90.), vergl. Petersb. wörterb. VI 1167. unt. sü?ia-. 

Es findet sich genug hindeutung auf Stammabstufung. 
Und zwar erscheint die starke Wurzelsilbe auf der hochstufe 
sowol wie auf der mittelstufe. Das material bei de Saussure 
syst, primit. 77 f., welches dies zeigt (vergl. auch von Bahder 
verbalabstr. d. german. spr. 58 f. 60 ff.), könnte leicht noch 
vermehrt werden. Es ist nicht dieses ortes, die ratio davon 
zu untersuchen, sondern nur zu bemerken, dass unter unserem 
material wegen der existenz von indog. snep-no-s 'schlaf', 
lit. ber-na-s *^knecht^, got. liug-n ^lüge^, griech. oreq-vo-v 
'brüst, fläche', (peQ-viq 'mitgift' u. ähnl. als nicht sichere 
zeugen für indog. ~t zu bezeichnen sind: lat. -cli-ni-s 'sich 
lehnend', sowie mhd. li-fi adj. und das wort für 'lein' im 
lateinischen und germanischen, altsi ahd. skt-n adj. subst. m. 
In den ableitungen aus Zahlwörtern lat. tri-nJj bt-nJ (s. 115.) 
möchte ich freilich trotzdem indog. i für sicherer als ei halten. 

M. Nomen mit suff. -nei-: 

Lit. ap-vy-nij-s m. ' hopfenranke ', ap-vy-niei pl. 'hopfen' 
= lett. appi-n-sch m. 'hopfen' für ^ ap-ici-^-sch aus *«/?- 
'wi-nj(a)-Sj appim plur. Wegen des -mö-stammes aus mascu- 
linem -we/*- stamme sieh Schleicher lit. gramm. § 51. s. 120., 
Kurschat gramm. d. litt. spr. § 655. s. 193., Bielenstein lett. 
spr. §212, 1. 5. I s. 278. 279. 

Sanskr. tüsh-ni-m acc. sing, adverb. 'stille, schweigend, 
ruhig', iüsh-ni-gila- adj. 'schweigsam' Hemac. 438. (nicht „wol 
fehlerhaft" nach Böhtlingk - Roth III 381.) = avest. tusfi-ni- 
-shad- adj. 'stille, beruhigt sitzend', tusHni-shudhd nom. plur. 
fem. yt. XIII 29. Wegen des -im in dem sanskritischen adverb 
als normalen ausganges des singularaccusativs eines -ez-stam- 
mes verweise ich auf eine spätere stelle dieser Untersuchung. 



— 121 — 

Sanskr. lü-ni-s f. "das schneiden, abschneiden^ eigentl. 
'lösung' == ahd. mhd. lu-n f. ''pflock, acbsnagel am wagen, 
lonnagel', eigentl. *" wodurch das rad vom wagen gelöst wer- 
den kann' (0. Schade altdeutsch, wörterb.^ 577.), st. luni- 
(plur. ahd. liini), weitergebildet in ags. hjnis^ altniederd. lunisa 
f. 'lünse, achsnager, ahd. luning^ mhd. lüninc m. 'achsnagel 
vorm rade\ Dass man got. lun acc sing, 'lösungsmittel, 
loskaufgeld, lösegeld' Marc. X 45. mit rücksicht auf sanskr. 
lü-ni-s passender als -/iez- stamm denn als -wo -stamm be- 
trachtet, bemerkt von Bahder verbalabstr. 59. 81., aber länge 
des u folgt daraus nicht zwingend für lim und für us-lu?ieins 
'loskaufung, erlösung'. Mit jenem ahd. mhd. lu?i vereinigt 
sich got. lun-s zu dem einen urgermanischen worte lu-ni-s 
f. '^lösung, lösemittel', das vielleicht, aber keineswegs 
sicher, je nach der verschieden differenzierten grundbedeutung 
sich in der ü- und der w-form festgesetzt haben mochte, wie 
wir ja dergleichen häufig gewahren. 

Von Bahders Sammlung verbalabstr. 80 f. bestätigt zwar 
nicht unbedingt seine regel über die -we/-bildungen: „Im 
germanischen ist es das vorwiegende, dass der wurzelvocal 
auf der mittleren stufe steht" — vieles kann indog. l sein, 
worin er e/ = germ. i sieht — , widerspricht ihr aber auch 
nicht gerade. Sanskritische beispiele wie ved. (^re-iii-s f. 
*^reihe', yö-ni-s m. ^^schoss', 'pre-ni-s m. *^woltäter\ vdh-ni-s 
m. ^Zugtier' u. a. bei Lindner altind. nominalbild. 88. sind 
auch indifferent. Das griechische hat suff. -iiel- nur noch 
äusserst selten in gebrauch. Um so wertvoller ist verein- 
zeltes wie ev-vL-g adj. *^ beraubt, verlustig' von einer wurzel 
ew- '^mangelhaft machen, berauben', der, wie ich unten zeige, 
sich auch got. van-s adj. "^mangelnd' fügt. Es herrschte dar- 
nach abstufung zwischen mittel- und tiefstufe der wurzel in 
der alten declination der -7^^?*- stamme, und sanskr. ve-w«-A" f. 



— 122 — 

*^haarflechte' (mit cerebralem n wol durch volksmundartlichen 
einfluss) wird folglich, aus indog. we/-7Z2-;y, das Supplement 
zu halt, wi-nei- sein, wie avest. vae-ti-sH f/weide' dasjenige 
zu griech. halt. germ. in-tei- (s. 97 f. 106.); ^2imkx. yü-ni-s 
f. "^Verbindung, Vereinigung' (nur im gabdakalpadruma) kann 
mit yö-ni-s m. *^schoss' zu einer einheitlichen alten declina- 
tion sich zusammenschliessen. Im ganzen vermag die - n e / - 
bilduDgen von der wurzelstufe ?, ü noch das baltische am 
deutlichsten und reichlichsten aufzuweisen ; ich erwähne noch 
aus dem lettischen scJtki-ni-s m. 'raufeisen um gesträuch zu 
roden' (zu sckki-t *" blatten, pflücken'), schip-ni-s m. *^speil- 
zahn , höhnischer lächler' (zu lit. szyp-auti *^auslachen , ver- 
höhnen'), pü-ni-s m. *^strohscheune', schü-ni-s m. 'honig- 
scheibe', plur. *^die wachszellen' (zu schü-t ""nähen, die zellen 
machen', vergl. oben s. 90.), alle freilich zu -;2/^ö-themen 
erweitert. 

N. Nomen mit suff. -neu--, 

Sanskr. sü-nü-s m. 'söhn'; abulg. *y-wK m.; lit. sü-nk-s m. 
= avest. hu-nu-sK m. ; anord. su-n-r (so-n-r), ags. afries. alts. 
ahd. SU-71U m. Spuren der stärkeren form mit ü scheint es 
auch auf germanischem boden zu geben. Wenn wir alts. 
gi-sun-fader als gi-sün-fader lesen, so ist es mit dem Sievers- 
Paulschen synkopierungsgesetze des westgermanischen in ein- 
klang; sonst nicht, wie besonders das ähnliche ahd. sumi- 
fatarungo (Hildebrandsl.) zeigt. Ein vereinzeltes german. 
sünu-y zumal in einer auf höheres alter hinweisenden dvan- 
dvacomposition , kann nicht auffälliger sein, als im griechi- 
schen einmaliges l'ivo- in dem Aristophanischen riv-o7CTaoi.iai 
(s. 117.). Ausserdem weist mir dr. Behaghel aus der kaiser- 
chronik diese assonanzen nach: v. 2280. süne: snuore, v. 2554. 
suones : geAstes ; dieselben beweisen notwendig für lange erste 
silbe in sune^ suones, und das u (uo), wenn es nicht graphisch 



— 123 — 

für ü steht, wird wol nur aus langem ü irgendwie laut- 
gesetzlich erklärt werden können, wie etwa auch ahd. nuo 
= nü, duo = du, Vergl. Behaghel literaturbl. f. german. 
u. roman. philol. 1880. s. 439., dessen lautgesetz eine alte 
flexion ahd. suon, gen. "^sünes voraussetzt. Nach läge der 
dinge weist man mit Sicherheit nicht einmal dem got. simu-s 
auf grund der übrigen altgermanischen formen kürze des u zu. 

Über die gestalt der starkformigen wurzel — denn 
Stammabstufung herrschte sicher auch hier (vergl. stark- 
wurzelige vedische bildungen wie bhä-iiü- m. *^ licht', sthä-nü' 
m. *^stock, stumpf', vag-nü- m. 'ton, ruf' u. a. bei Lindner 
altind. nominalbild. 89.) — lässt sich schwer etwas bestimm- 
tes ausmachen. Doch ist auch für uns hier die frage ohne 
belang, ob sü-neu- mit einem verlorenen "^sen-nu- oder 
mit *s6n-nu- alterniert habe ; keine der einzelsprachlichen 
formen wird davon berührt. 

0. Nomen mit suff. -md--, 

Sanskr. ish-md-s m. Liebesgott' = sanskr. ish-md-s m. 
dass. Griech. T-(.ieQo-g m. "^Sehnsucht, verlangen', das sich 
wol in i-i^i€-Qo-g zerlegt, so dass wir eine substantivierte 
adjectivbildung in der art von cpoße-Qo-gj dole-go-gj rgof^ie- 
-Qo-g erhalten, kann sowol aus ^la-f^ie-Qo-g als aus "^lO-fne- 
-Qo-g entstanden sein. 

Sanskr. ved. nachved. su-st-ma- adj. *^schön gescheitelt 
(vom weihe), gute furchen machend (vom pflüge)' = sanskr. 
ved. si-ma- *^ furche, linie' taittirlya - samh. V 2, 12, 1., nach 
MaMdhara (Böhlingk - Roth VII 1011. unt. 2. sima-). 

Griech. iJ-f^w-g m. *^hunger, hungersnot' = sanskr. ved. 
sri-ma-s m. bezeichnung gewisser nächtlicher gespenstischer 
Wesen atharvav. VIII 6, 10. Von einer wurzel indog. slel- 
'^versehren', wovon auch sre-man- "^fehl, schaden, versehrung' 
in ved. a-sreman- adj. 'fehlerlos, unversehrt' (vergl. Böht- 



— 124 — 

lingk-Roth VII 1410., Grassmann wörterb. z. rgv. 1619., de 
Saussure syst, primit. 74 f.) und als -^e^-bildung lat. Üs^ alt- 
lat. sttls f. ^streit, zank"* (stamm stli-ti-), das wegen des / 
von alts. stridj ahd. strit m. zu trennen ist*). 

Griech. yqv-^d-ä f. *^gerümper Sotad. b. Athen. VII 
p. 293. B.; mengl. crou-me f. "^krume"* (Stratmann diction. of 
the old engl, langu.^ 136 b.), nnld. krui-m f. 'brotkrume' = 
mengl. cru-me cro-me f., neuengl. cru-rrij amd. krü-me f., mnd. 
kro-me f. *^mica\ Das nhd. krüme geht auf mittel-, beziehungs- 
weise niederdeutschen Ursprung zurück ; vergl. Hildebrand im 
deutsch, wörterb. u. d. w., Weigand deutsch, wörterb. u. d. w. 
Für das ags. crume f., gen. cruman^ noch ist dem mitteleng- 
lischen gemäss zwiefache quantität des u vorauszusetzen, wie 
für mgQxm. ki^u-jnö-n- überhaupt. Kluge, dem ich diesen 
nachweis verdanke, findet das etymon ansprechend in dem 
verbum nhd. krau-en^ ahd. krouw-ön *^kratzen\ Das grie- 
chische wort ziehe ich auf meine Verantwortung hinzu; die 
stärkere tiefstufe mit ü zeigt das griechische auch in yQu-rrj 
f. /gerümpel, trödelwaare^ einer -^ä-bildung, die s. 92. mit 
anzuführen gewesen wäre. Gehört lat. gru-mu-s m. ^erd- 
haufen' hierher als 'der durch krauen entstandene' — nhd. 
acker-krume ''die obere weiche und lockere erde, der humus 
in landwirtschaftlichem gebrauche' macht das wahrschein- 
lich — , so hat doch grü-mu-s nicht sicher indog. iZ, sowie 
auch lat. fü-mu-s 'rauch' nicht; vergl. unten s. 125. 127 f. 

Avest. tü-ma- adj. 'kräftig, stark' in iümäspö m. nom. 
propr. 'starke rosse habend'; ags. afries. pü-ma^ ahd. thü-mo 
dü-mo m. 'daumen' als 'der starke finger', formal wahr- 
scheinlich durch -en- substantiviertes adjectiv = sanskr. ved. 

1) Das germanische wort wird dagegen als ursprüngliches wurzel- 
nomen mit ved. sriclh- f. 'der verkehrt handelnde, gottlose, feind', eigentl. 
abstr. 'anfeindung', a-sridh- adj. 'nicht schädigend' identisch sein. 



— 125 — 

tü-m-ra- adj. ^strotzend, feist^ kräftig'; lat. tu-me-ö %m an- 
geschwollen, strotze' denom., tu-mu-lu-s m. *^erdliaufe, hüger, 
tn-m-or na. ^anschwellung, geschwulst', tu-m-idu-s adj. ^an- 
geschwollen'; abulg. t\i-ma f. "^grosse zahl'; anord. pu-ma-l-l 
m. ^daumen'. Vergl. auch die reduplicierte hildung ved. /t2- 
-tii-mä- adj. ^ausgiebig, kräftig'. Anord. pumal-l deckt sich 
formal genau mit lat. tümidu-s. Über quantität und nicht- 
brechung des u in dem altnordischen" worte teilt mir Sievers 
mit: „ Für /wT/zfl// finde ich keinerlei' beweisende stelle, weder 
für kürze noch für länge. Aber da das wort auch neuisl. 
geläufig ist, und dort ü (= ü^ ö gesprochen) und ü (= U) 
deutlich geschieden sind, so werden die lexikographen doch 
wol recht haben. Zum u vergl. niiminn neben kominn^ kona 
neben biina u. ä. " Das heisst wol, dass u in pumall mit- 
tels des von Paul in seinen beitr. VI 243 ff. nachgewiesenen 
Stammwechsels zwischen den suffixformen -ul {-al) und -e/ 
(-//) zu erklären ist. 

Sanskr. dhü-mä-s m. *^rauch', dhü-m-ya f. ^dicker rauch, 
Staubwolke'; griech. S-v-fio-g m. *^mut, leidenschaft, gemüt', 
eigentl. Vallung', S-v-fLi-ia-cü "^räuchere' denom., ^v-fi-icc-fxa 
n. "^räucherwerk'; abulg. dy-mü m. *^rauch, hauch'; lit. dü-mai^ 
lett. dü-mi m. plur. *^rauch' = griech. S-v-ixo-g m., d-v-f.io-v n. 
*^ duftende pflanze, quendel, thymian'; \ai.t. fi-?nu-s m., fi-mu-m 
n. *^mist, dünger' aus "^ßt-vio-s^ '^fU-mo-m. Zweifelhaft ist 
lat. fü-mu-Sy da es auch = ahd. mhd. tou-m m. *^ dampf, 
dunst, duft, geruch' sein kann. Wir haben nemlich alte 
Stammabstufung indog. dhöu-mo- : dhu-mo- anzunehmen, 
worüber sogleich. Was lat. fi-mo- anbetrifft , so entsprang 
es aus ^jn-mo- dann lautgesetzlich, wenn innerhalb des Satz- 
gefüges der ersten silbe der hochton entzogen und nur der 
neben- oder tiefton gelassen wurde. Erstarrte zusammen- 
rtickungen mit praepositionen, wie ü-licö aus in locö^ de-niiö 



— 126 — 

aus de novo ^ se-dulö aus se dolö (Bticheler rhein. mus. n. f. 
XXXV 629 f.) erweisen , dass es lateinischer Sprachgebrauch 
war, die praeposition hoch zu betonen, auch wenn nicht auf 
ihr gerade ein besonderer nachdruck lag (wie im deutschen 
von havsCy nicht nach hause). Dabei konnte das nachfolgende 
Substantiv vor der lautgesetzlichen Schwächung der Wurzel- 
silbe sich retten durch stetigen einfluss der selbständigen form 
desselben, wie z. b. in dd-modum statt * äd-nitdum. Es konnte 
aber wol auch hie und da die ausgleichung in umgekehrter 
richtung erfolgen. Dies nehme ich für fimu-s ^ fXmu-m an, 
indem ich also an praepositionale structuren wie in fimum^ 
inftmö^ exfimöj süb fimä anknüpfe. Vergl. auch oben 
s. 2. über verba mit praepositionen. Wahrscheinlich begün- 
stigte */ö ""mache dunst' in siif-fiö *" räuchere' (s. 16. anm. 23.) 
gerade diese ausgleichung zwischen ^fU-mu-s und fi-mu-s. 

Avest. kaourvö-dü-ma-he m. gen. sing, '^des schwarzschwän- 
zigen' yt. V 21. = avest. du-mo m. 'schwänz'. Nach Justi 
handb. d. zendspr. 158. a. ebenfalls zu würz, dhu- als *^hin- 
und herbewegter, geschüttelter', also mit der vorigen nummer 
im gründe eins. 

Griech. Qv-fw-g m. *^die lange bahn, lauf der sterne, 
tractus' (Arat. phaenom. 927.), zugholz am wagen, deichsei 
(bei Homer), zugriemen', für lautgesetzliches *f(>i;-/D9-c; (vergl. 
s. 29 ff. 88.); anord. rü-m n., alts. ahd. rü-m m. *^raum, spatium, 
Öffnung, freie räumlichkeit, freier platz', mhd. rü-m adj. 'ge- 
räumig' -= avest ru-mö m. 'leichtigkeit' (Justi gloss. u. d. w.) 
oder 'lauf, eile' (Geldner Kuhns zeitschr. XXIV 155.), instr. 
sing, ruma in aspäohhö ?'uma väshem väshaijeinti 'die pferde 
ziehen im flug den wagen' yt. XVII 12. Grundbedeutung von 
indog. ru-mo-s war 'das dahinziehen, freie, ungehinderte 
bewegung'; Wurzel reu- 'reissen, dahinreissen, dahinstürzen' 
in lat. ru-ere (oben s. 28 ff.). Während alts. rüm wegen der 



— 127 — 

nichtbrechung ü sicher hat, könnte es dem got. rums nur 
auf grund der übrigen germanischen sprachen vindiciert wer- 
den. Das avest. ni-ma- ist sicher mit dem neutrum rav-aiih- 
'bahn, freier weg, das weite, weiter räum" verwant, dieses 
aber wurde bereits mit dem deutschen räum verglichen. 
Vergl. J. Darmesteter m6m. de la soc. de linguist. III 55 ff., 
Fick wörterb. I' 197. 743. IP 210. IIP 258. Geldner da- 
gegen Kuhns zeitschr. XXIV 153 ff. trifft das etymon nicht, 
indem er die wurzel avest. sim- hineinmengt." 

Sanskr. sü-mä- n. ^milch, wasser\ m. *^luftraum^ (als 
"^feuchtigkeit auspressender"*), ved. su-shuma- adj. '^leicht ge- 
bärend' rgv. II 32, 7. == sanskr. sii-ma- m. Volke"* (unbelegt). 

Die -/wö-stämme hatten in der starken wurzelform hoch- 
stufenvocalismus (ö- stufe bei e- wurzeln). Dies resultat de 
Saussures syst, primit. 74 ff. findet neuerdings durch von 
Bahders Sammlungen verbalabstr. 130 ff. aus dem germani- 
schen bestätigung. Aber de Saussure und von Bahder verr 
kannten noch die Wurzelabstufung. Wie ahd. totim zu sanskr. 
dhümä-s u. s. w. das correlat ist, so erhalten auch die mei- 
sten übrigen unserer beispiele ein solches. Indog. tu-mö-s 
'^schwellend, kräftig' nemlich in ahd. thaum daum doum *^va- 
por' (Graff sprachsch. V 141.), das von Bahder verbalabstr 
134. richtig von ahd. toum trennt und zu wurzel teii- *^schwel 
len, kräftig werden' stellt. Vielleicht ist zu germ. rü-mö- 
avest. ru-ma- ^raum' das leider unbelegte sanskr. ro-ma- m 
'loch, höhle' in dasselbe Verhältnis zu stellen. Im griechi 
sehen gesellt sich lot-f^w-g m. 'pest, seuche' zu h-f.i6-g m 
*^hunger, hungersnot' und ved. sri-ma-s ^^nächtliches gespenst' 
nur h-^i6- hat von diesen den accent an der alten richtigen 
stelle, Xot-^io- und sri-ma- haben getauscht in der betonung. 
So ist auch sanskr. sö-ma-Sj avest. hao-mö m. *^saft, press- 
trunk' die ergänzung zu sanskr. sü-mä-s {sü-md-m) und su- 



— 128 — 

-ma-s. So sanskr. hö-ma-s m. ^das giessen ins feuer, spen- 
den, Opfer ^ diejenige zu griech. yv-(.iö-g m. ^guss', und man 
muss nicht wie de Saussure syst, primit. 131. letzteres mit 
griechischem lautwandel aus "^xav-f-w-g gewinnen wollen; 
vergl. auch Brugman liter. centralbl. 1879. s. 774. Im vedi- 
schen sanskrit vereinigt sich auch noch das paar 6-ma-s m. 
rgv. I 3, 7. und u-ma-s m. ''helfer, freund, genösse^ von denen 
letztere form wiederum den accent jener hat. Nicht erhalten 
sind die hochstufenformen zu sanskr. ved. bhi-mä-s adj. ^furcht- 
bar', doch vergl. die ableitung lit. bäi-me f. ''furcht' und 
bai-mu-s adj. "^furchtsam', w-adjectiv aus altem -zo-adjectiv 
lit. bai-m-ja- nach Joh. Schmidt Kuhn - Schleichers beitr. IV 
257 ff. ; zu avest. khrü-mo adj. ^greulich' = griech. y.qv-^ö-o, 
m. *^eiskälte, frost', wozu lit. krü-ma-s m. "^Strauch' gehört, 
falls *^rauh' die grundbedeutung ist. Jedoch gerade so sind 
hierzu jene hochstufigen formen zu supplieren, wie zu sanskr. 
ved. idh-mä-s m. *^brennholz', tig-mä-s adj. *^scharf', hi-mä-s 
m. ^kälte' = griech. -xi-fxo-g in dvo-%iiio-gy yiidh-md-s m. 
'kämpfer', cüsh-ma-s adj. ^zischend' (mit verschobenem accent 
nach *cösh-ma-s). Im germanischen sind zu vereinigen got- 
länd. kaum n. *^geheur und ahd. chüma f. *^ klage', kümo adv. 
'aegre, vix'; vergl. von Bahder verbalabstr. 135 f. 138. Mhd. 
scoum ist aber wahrscheinlicher nur österreichische form für 
und aus ahd. mhd. scum m. , anord. scüm n. ^schaum' (von 
Bahder a. a. o. 132.). Die tatsache, dass es hochstufe ist, 
welche der wurzelbetonten paradigmenform der -?72o -bildungen 
eignete, lässt ferner keinen zweifei, dass indog. ^, also tief- 
stufe, auch in anord. li-m n., ags. ahd. li-m m. *^leim, klebe- 
mittel' und in anord. sti-m n. ^a struggle', md. sti-m m. 
"^gewühr zu suchen ist. Germ, sti-mö- ist identisch mit 
ved. sti-mä- adj. ^träge, schleichend', sanskr. /?7^a-*^«ma- adj. 
*^gedrängt, gehäuft', lit. sty-ma-s m., sty-ma f. *^schwarm 



- 129 — 

ziehender fische (ursprÜDglich neutrum wie altnord. stivi, 
vergl. s. 91. anm.), sieh Fick wörterb. P 245., 0. Schade 
altdeutsch, wörterb.^ 872.; germ. li-mö- ebenso mit lat. 
li-mu-s m. "^schmiere, schlämm, kot' (Fick wörterb. I^ 753. 
IIP 268.)^). Demnach entfielen anord. /m, ags. ahd. lim 
"^leim' mit ags. /«//?, ahd. leim m. *^lehm' und anord. stirn, 
md. Stirn mit mhd. steim m. 'gedränge, gewühr aus Einern 
paradigma, und man braucht für diese fälle wenigstens von 
Bahders annähme einer Vermischung zwischen -mo- und -7nen- 
ableitung verbalabstr. 136 f. nicbt, ebenso wenig wie für die 
germanischen -ino - stamme mit «, ü und ii?^ ru = indog. f in 
der Wurzel {hu'^-m6-^ho^^\i ^ stur-m6-^%\MiXm ^ prus-mo- 
^dampf, rauch "*); auch für anord. skümn.j ahd. scümm. und 
ahd. chüma f.. sieht ja von Bahder von solcher erklärung ab. 

1) Einen lateinischen lautwandel von indog. ol in i braucht man, 
ausser in endsilben, nicht anzuerkennen. Sämtliche dafür beigebrachten 
beispiele wie vicu-s = otxo-s, vinu-m = olvo-s, re-tiqui = Uloma, vidi 
= oWa u. dergl. lassen jetzt andere auffassungen zu. Aus einem stamm- 
abstufungsverhältnis indog. uölk^o-: ufk^ö-, uövno: utnö-, das man 
so wie so vorauszusetzen hat, erklären sich die ersteren zwei beispiele 
des lat. t gegenüber griech. oi. Die perfectformen wie re-Uquit re-ti- 
gnimus^ vidit vldimus können dem alten thematischen aorist angehören 
und mit indog. i die doppelgänger von griech. Xins llnojuer, 1§e, ^iSo/ubv 
sein ; oder i in lat. re-liqut, vidi ist aus den schwachen pluralformen des 
indogermanischen perfects in den Singular übertragen worden, wo indog. l 
neben Y auch von alter zeit her zu hause war (vergl. s. 60 ff.). Lat. in- 
-*5rw7?zrtr^ 'beschmutzen' neben ^ö^?^w-^/^ 'schmutz', ohs-coenu-s^ %chmviiz\g^, 
cTinire 'mist machen, misten' (Corssen ausspr. voc. I^ .328.711. IP 424.) 
deutet sich ebenfalls aus einem alten stammwechsel *cöino-: *quinö-\ 
es kann aber auch in-qut-nä-re geradezu als altes primäres »^^-verb der 
neunten classe angesehen werden, wie lat. in-cU-nä-re (s. 39.). In den 
nicht wortschliessenden silben wandelt sich also indog. ol lateinisch nur 
in oe {poena, Poenus, moenia, foedus) und n (punlre, Pünicus, mware, 
miinus, coinmünis, Tmus, cTinire, südäre 'schwitzen' aus *svoidäre), was 
von verschiedener accentstärke abhängig ist. Da nun bei lliim-s als -7110- 
stamra indog. ei ausgeschlossen ist, so bleibt darum nur zurückführung 
auf indog. li-mö-s übrig. 

OstliolF u. Brugman untersuch. IV. Q 



— 130 — 

P. Nomen mit suff. -mei-'. 

Sanskr. ved. nachved. bhu-mi-s {bhü-mi-s\ bhü-mi f. *^erde, 
erdboden, land, landstrich, platz, ort, stelle, statte'; avest. 
bü-mi' f. *^land, erde', bü-mi-m acc. sing. == apers. bii-mi- f. 
*^erde\ bu-mi-m acc. sing. 

Q. Nomen mit ^mH. -men-: 

Griech. homer. J-juev-at ^zn gehen' dat. infin. II. Y 365. 
= griech. homer. ep. t-juev-ac dat. infin., ^-f.i€v loc. infin. 
Für i(.ievai als vermeintlich „sprachwidrige" form setzen 
J. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 273. 279. und Gust. 
Meyer griech. gramm. § 482. s. 371. § 591. s. 440. ebenso un- 
berechtigt 8L(.ievai ein, als wenn sie ud(,ievai statt Xöf.ievai, 
schrieben. Wissen wir denn etwa, dass Hdjuevat nicht ein id- 
-(.lev-ai ist? Ved. vid-mdn-e sagt es uns keineswegs, denn 
beinahe ebenso gut könnte uns avest. vid-van-oi (s. 64.) das 
gegenteil sagen; gleiche betbnung der dativ - Infinitive auf 
-men-ai und -uen-ai bedingte ja gleiches verhalten der 
Wurzelsilbe, und ved. dä-vän-e ist unverkennbar jünger in 
der wurzelvocalstufe als kypr. öo-Fav-ai (wenn so richtig ge- 
lesen wird), att. öovvac aus do-ßev-ai. „ Dieses -Fevai trat, 
wie -(.lev und -/nhaij ursprünglich an die schwache wurzel- 
form an ", bemerkt Wackernagel selbst Kuhns zeitschr. XXV 
273. Indog. t als tief stufenform der wurzel ei- in dem optativ 
sanskr. i-yä-m^ i-yä-t lernten wir s. 52 f. kennen. 

Mhd. gli-me schw. m. *^glühwürmchen, gleimchen', mhd. 
gli-m-en '^leuchten' starkes verb (perf. gleim) aus ursprüng- 
lichem denominativum (got. *gleimjan) = mhd. gli-m st. m. 
"^ funke' (gen. sing, glimmes), schwed. gli-mma^ mhd. nhd. 
gli-mmen ""glühen, glimmen' starkes verb (perf. sing, glam^ 
plur. glummeii) aus ursprünglichem denominativum (got. ^glim- 
Jan oder "^ glimnjanl). Über die quantität des wurzelvocales 
in ahd. glimo m. *^glühwürmchen', alts. glimo m. 'glänz, schim- 



— 131 — 

mer' ist trotz der ansetzung von t in den Wörterbüchern 
(doch nicht bei Graff IV 289.) und bei von Bahder verbal- 
abstr. 141. 143. nichts sicheres ausgemacht; der rückschluss 
vom mittelhochdeutschen kann täuschen. Gegen Jak. Grimm 
machte schon Pott wurzel-wörterb. 12,774. den denomina- 
tiven Charakter von mhd. nhd. (jlimmen geltend; swimmen 
vrar hier das muster für den jungen ablaut, v^ährend mhd. 
glmien den starken verben mit t im praesens sich anschloss. 
Es bleiben nun mehrere möglichkeiten zur erklärung der bil- 
dung dieser denominativen verba. Erstens kann der nomi- 
nale -?/ie/i- stamm als -7/iö- stamm bei der verbalen ablei- 
tung, wie ja so häufig, behandelt worden sein. Oder zwei- 
tens mhd. (jUm m., gen. (jlimmes ist aus den obliquen casus 
des -/;ie??-themas mit schwächster Stammform (gen. plur. ur- 
germ. glimmt aus *gli-?n7i-ö) erwachsen. Oder drittens 
glimmen wenigstens vertritt got. "^glimn-jan, wie auch ahd. 
mhd. nemmen für got. namn-jan neben ahd. mhd. nemnen 
sich findet*); das nomen mhd. glim m. mag dann erst aus 
dem verbum glimmen neu entsprossen sein. Auf jeden fall 
ist zuzugeben, dass unbedingte Sicherheit für ein germ. gli- 
-men- mit kurzem i nicht in anspruch genommen werden 
kann. Die besprechung des Verhältnisses zu ahd. glei-mo, 
mhd. glei-me m. ^glühwürmchen' wird uns unten (s. 145 f.) auf 
das argument gegen indog. ez in mhd. gli-mo^ gli-men führen. 
Ahd. güü-emo m. ^glanz' circumflectiert bei Notk^r (Graff 
sprachsch. IV 291.) = got. glit-mun-jan *^glänzen' denomin., 
ahd. gliz-emen dat. acc. sing, nicht circumflectiert bei Notker 



1) Hängt etwa der Wechsel zwischen mm und mn mit dem nem- 
lichen umstände zusammen wie auch das eintreten oder ausbleiben der 
..consonantendehnung" bei schwachen verben? Vergl. oben s. 27. Also 
ursprünglich ahd. *?iemmiu 1. sing, prates. indic. {mml aus wmj), aber 
nemnis, riemnit 2. und 3. sing, praes. indic? 

9* 



— 132 — . 

(Graff ebend.). Von Babders argument verbalabstr. 142.: „Für 
die länge des i in abd. glizamo spriebt die analogie zabl- 
reicb er anderer bilduugen" würde icb nicbt geltend macben. 
Aucb bier bringe icb das indicium gegen indog. ei in glizemo 
und gegen von Babders vergleicbung des verbältnisses von 
germ. leuh-men-^ anord. Ijömi^ ags. leoma^ alts. Homo m. 
"^glanz, liebt, strabl' zu got. laüh-mun-i f. *^blitz^ unten (s. 145 f.) 
zur spracbe. 

Griecb. -/.ql-^ia n. *^entscbeidung, urteil' Aescbyl. suppl. 
397. = griecb. y.Ql-fia n. dass. Nonn. parapbr. IX 176. 177. 
Ausser den Nonnusstellen zeugt für KQt{.ia als paroxytonon eine 
grammatikerangabe ; vergl. Lobeck paralip. gramm. Graec. 
4171, wo freilieb Nonnus und der betreffende grammatiker 
reg. pros. 34. (G. Hermann de emend. rat. Gr. gramm. 428.) 
des Irrtums bezicbtigt werden. Indes folgt das recbt dazu 
nocb nicbt aus der einmal bei Aescbylus sieber verbürgten 
länge des 7. Wäre das wort in der älteren poesie mebr ge- 
braucbt, so zeigte es sieb vielleicbt aucb dort bäufiger in 
der messung wie bei Nonnus ; so könnte man mit demselben 
recbte scbliessen. Über lat. cri-men sieb weiter unten (s. 141.). 

Griecb. '/.kl-(.ia n. ^neigung, lebne, abdacbung, absenkung, 
himmelsgegend, landstricb^ (in einem cbristlicben epigramm 
anthol. Palat. I 108. reooaQa y^ainjuar ex(^ov -/mI TiöOaqa 
/a^Jjiiata y.6o(.iov), y.ll-jtia-§ f. *" treppe, leiter, geländer' = 
griecb. y,U-i.ia n. *^neigung u. s. w.' (Scymnus perieg. 521., 
Alpbeus anthol. Palat. IX 97, 6., epigr. in pbilol. XVIII 
p. 557., Nonnus Dionys. III 5. V 69. X 139. XIII 80. 333. 
XVII 380. XXI 308. XXVI 147. XXVII 156. XXXII 42. 
XXXIII 166. XXXIV 350. XLVII 507., Dorotbeus 5. 7. 12. 
13. 18., orac. Sibyll. V 339.). Nauck bull, de Tacad. des scien- 
ces de St. Petersbourg XVII (1872.) s. 260. zäblt, worauf 
micb mein College F. Scböll aufmerksam macbt, die genann- 



— 133 — 

ten zum teil auch bei Lobeck paralip. gramm. Graec. 418. 
augemerkten dichterstellen für z/t,«« und 'A)d\.ia auf, zugleich 
die von Cobet bei Scymnus perieg. 521. vorgeschlagene um- 
stelluDg (to Ttqoq f.ieorii.ißQLav öh x?uina ymI votov für über- 
liefertes öe Kai VOTOV y,U^ia) als unnötig verwerfend. Zur 
Sicherung des -/.Xlf^ia aber fällt ausser dem späten epigramm 
in der anthologie ins gewicht, was Lobeck a. a. o. noch her- 
vorhebt, dass auch die lateinischen dichter „clima trochaei 
loco ponunt". 

Sanskr. si-män- m. ^haarscheide, scheiter, f. *^grenze, 
markung eines dorfes, höhepunkt, das non-plus-ultra, hoden- 
sack (wegen der naht desselben)"*, si'-mä f. dass., si-mdn-ta-s 
m. *^scbeitel, Scheidelinie am körper, grenze"*; griech. homer. 
nachhomer. l-fnagy stamm i-ftav-T- m. ^riemen', ~i-f.iov-La f. 
'brunnenseir, i-f.ia-T-io-v n. ''gewand, kleid, kleidungsstück, 
Überwurf, stück tuch, decke' als *^das zum umbinden, festen 
umlegen dienende' (Aristoph. av. 973.), ~i-f.ia-T-iÖLo-v n.^'kleid- 
chen' (Aristoph. Lysistr. 470); anord. si-ma n., si-mi m. (ags. 
si-ma m., alts. si-mo m.) ""strick, seil' = griech. homer. ^i-^iag 
m. ^riemen' (Bekker homer. blätt. 1 279.). Warum dem germ. 
s'i-men- nicht indog.e/ zu vindicieren ist, ergibt sich unten 
(s. 143 f.). Die 5 - declination von sanskr. sima f., in der litte- 
ratur jüngeren datums (vergl. Petersb. wörterb.), wird nur aus 
dem nom. sing, des -7Wf/?«-stammes erwachsen sein; der accent 
dieses si-md deutet noch auf die verlorene stärkere Stamm- 
form ^se-man- hin. Griech. 7-/m-r-^o-v, „dessen Stammwort 
Hesych. 'if-iara' Ijiana aufbewahrt" (Curtius grundz.* 711.), 
stellt Brugman morphol. unters. II 223. zu dieser gruppe; 
sicher richtig ; nur messen. elf-iaTcov auf der mysterieninschrift 
von Andania gehört zu el-^ia == *Fio-{.ia oder ist misch- 
bildung aus letzterem und ifia-riov. Die grundbedeutung 
der Wurzel si- war 'in eine feste läge bringen, einschränken' 



— 134 — 

(lat. si'7ie-re^)j *po-stnere pönere^ si-tu-s ^ po-si-hi-s^ sanskr. 
si-na-s partic. ""stecken geblieben', avest. hi-tha f., hi-thu- m. 
Vobnung'); daber einerseits 'begrenzen, abscbeiteln' (vergl. 
nocb sanskr. sttä f. *^furcbe', si'-ra- m. n. "^pflug^, anord. si-^a, 
ags. si-da, ahd. si-ta f. *'seite''); andererseits *" binden, fesseln' 
und *^anscbirren' (sanskr. si-na-ti 'bindet, umscblingt"*, si-tä-s 
partic. 'gebunden'', avest. hi-ta- 'gebunden, gezäumt"*, lett. 
si-nu, si-i 'binden', avest. pancö-hy-a- adj. 'zu fünfen an- 
gescbirrt', abd. sei-d n. 'strick, fallstrick', abd. sei-to m., 
sei-ta f., mbd. sei-te m. f. 'strick, fallstrick, fessel, saite', ags. 
sä-da m. 'strick', anord. ags. ahd. sei-l^ ags. sa-l^ alts. se-l 
n. 'seil', ahd. sl-lo m. 'geschirr für zugvieh, siele', abulg. 
si-lo n. 'seil, strick', si-lü-kü m. dass.). Vergl. oben s. 81. 
Grassmanns versuch wörterb. z. rgv. 1521., die von dem 
Petersb. wörterb. VII 1013. angenommene wurzel si\- 'eine 
gerade linie ziehen, gerade richten' mit si- 'binden' durch 
den 'mittelbegriff 'ein band, seil gerade aus spannen' zu ver- 
einigen, ist nicht einleuchtend, weil das ziehen einer ge- 
raden linie doch nicht notwendig mit Böhtlingk-Roth in 
den Sanskritwörtern für 'grenze, furche, pflüg' als deren 
gemeinsame begriffliche grundlage gefunden wird. 

Sanskr. ved. nachved. üsh-män- m. 'hitze, dampf, aus- 
dünstung, hitziges wesen, die heisse Jahreszeit', ved. nsh- 
-^maii-ya-s adj. 'dampfend' rgv. I 162, 13., üsh-man-d-s adj. 



1) Bei dem verbum finitum lat. sinere ist 'einschränken , irgendwo 
unterbringen' zu 'belassen an einem orte' abgeblasst. Gebrauchsweisen 
yfie etwsi bmJs 7ne7isibus po7'cös sinunt cum mätrihus (Varro), tieii pro- 
pius tectis taxum sine (Yergil) hat man als die älteren anzuerkennen. 
Ferner ist sbie me (Terenz) eher durch 'lass mich in ruhe' als durch 
'lass mich gehen' zu übersetzen. Nach dem herabsinken des activeren 
Sinnes 'jemand den zustand seiner ruhe anweisen' zu dem leidenderen 
'ihm den ruhigen zustand lassen' ergaben sich die weiteren bedeutungen 
von sinö und de-sinö. 



— 135 — 

dass., üsh-ma-ka-s m. *^die heisse Jahreszeit' (unbelegt), üsh- 
"ina-vant- adj. 'heiss, dampfend' (unbelegt), {ish-mä-ya-rte "^ihi 
hitze oder dampf von sich' denom. (unbelegt) = sanskr. 
ush-man- m. *^ hitze, glut, dampf, ush-ma-ka-s m. *^die heisse 
Jahreszeit' (unbelegt), ush-ma-vant- adj. ^erhitzt, glühend, 
dampfend', ush-mä-ya-te denom. (unbelegt). 

Griech. %v-(.ia n. '^guss', en-^v-^a n. ^ausguss, das ver- 
^iessen' orac. Sibyll. XI 106. = griech. %i-(-ia n., €k-xv-i^icc 
n. orac. Sibyll. III 320. Kürze des v wird auch von Draco 
p. 57, 6. 95, 25. 100, 20. und anderen grammatikern vorge- 
schrieben; vgl. Herodian I 533, 26. II 15, 8. ed. Lentz, G. Her- 
mann zu Orph. hymn. X 22., Lobeck paralip. 417 f. 419 f. 
Für xif^ia aber ist auch, wie Lobeck zeigt, zahlreiche und 
sichere handschriftliche Überlieferung vorhanden. Alexandre 
carmina Sibyllina^ s. 263. hat also recht, sowol sxxv^ia als 
e/.xvf^ia unbeanstandet zu lassen. Im Irrtum sind Cobet Mne- 
mosyne VII 438 f. und Näuck bull, de Tacad. des sciences de 
St. Petersbourg XVII (1872.) s. 260. anm. 52., wenn sie in 
der Verkürzung der vorletzten silbe in ey.xv^ia u. dergl. „ein 
zeichen des Verfalles sehen", wie nach Nauck „ebenso ava- 
GTa/iicc orac. Sibyll. VIII 268. und sonst OTafna (thes. gr. ling. 
vol. 7. pag. 2648.) sich findet, während die älteren Schrift- 
steller ovorrjiLia sagen". Auch orafia für -GTrjf.ia ist durch 
keine metrische Verwilderung verschuldet, sondern bildung 
von anderer, schwächerer wurzelstufe sowie ^cfiia^ av-S-ejua 
(hymn. Homer, in Vener. VI 9. ed. Baumeister, Theokrit. epigr. 
XIII 2., Kallimach. epigr. V 2., Meleager anthol. Pal. VI 162. 
und öfter in der anthologie) neben S-rj/na (Sophokl. fragm. 
484. Dind.), avä-d^rj^ia. Da urteilte also schon richtiger als 
jene sprachmeisterer Meineke zu Callimachi Cyrenensis hymni 
et epigrammata s. 268 f., der Ignoranz der betreffenden dichter 
nicht gelten lässt und „ certam legem et analogiam ab vetere 



— 136 — 

quidem diversam, at aüalogiam tarnen" darin sieht, dass die 
neueren die nomina wie ^ifia^ /.lif-ia^ evdv(.ia von passiven 
(k-Ti-d^rjVj e-'Akt-^TjVj ev-e-öv-x^rjv) bildeten, während die alte 
spräche sie von activformen {„^fjina a d-riow^ h'ölf^ia ab ev- 
övGiüy cpvf-ia a (fvoco''j freilich weniger passend „/Mina ab 
exllva^) abgeleitet hätte. Es lässt sich aber überhaupt die 
Charakterisierung als „ältere" und „jüngere" sprachformen 
hier nicht aufrecht halten, sondern auf griechischem boden 
sind yMfLia und vllf-ia^ yv^^ia und yv^-ia gleich alt und die 
zufälligen Zeitunterschiede in der litterarischen beglaubigung 
machen nichts aus; überdies steht in letzterer hinsieht nicht 
immer die form mit i, v zurück, wie denn ja vli^ia ohne 
Vorurteil angesehen vom rein philologischen Standpunkte aus 
nur für die ältere form gelten müsste. 

Griech. homer. öi-f-ie-vai "^einzugehend dat. infin., 6x- 
-öv-(.ia n. ^ausgezogenes kleid' Hedyl. epigr. anthol. Palat. V 
199. = ev-dv-f^ia n. ^anzug, kleid"* epigr. adesp. CXV. in 
anthol. Graec. IV 140 f. ed. Jacobs {h'dvfi' bei Euripid. Herc. 
443. ist durch Heaths allgemein acceptierte conjectur evöir^ 
entfernt), mc-€v-dv-f.ia n. ^unterkleid^ Hedyl. epigr. anthol. 
Palat. VI 292., Marc. Argentarius epigr. anthol. Palat. VI 201. 
Vergl. Lobeck paralip. 418 f. Zu beachten ist auch, dass 
ein und derselbe dichter, Hedylos (c. 260. v. Chr.), -övi^ia in 
beiden quantitäten des v braucht. Das homer. övjusvat ver- 
kennen ebenfalls J. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 273. 
und Gust. Meyer griech. gramm. § 591. s. 441. 

Griech. d-v-f-ia n. ^das geräucherte, opfer' = griech. 
d-v-f-ia n. Letztere form war die vulgate nach Herodian 
I 352, 23. 533, 26. II 15, 8. ed. Lentz; aber d^v^a attisch 
nach Herodian I 352, 31 f. Vgl. Lentz zu Herodian I 352, 23., 
Lobeck paralip. 419. 

Griech. 7cXv-(.ia n. "^Spülwasser, spülicht' = griech. 7tXv-{.ia 



— 137 — 

n. dass. Nikand. alexiph. 258. 467. Auch grammatiker er- 
kennen nur letzteres an; vergl. Herodian I 352, 23. 533, 26. 
II 15, 8. ed. Lentz., Lobeck paralip. 417. Dennoch findet Lo- 
beck a. a. 0. 419. für Ttlvfua gute handschriftliche gewähr und 
sieht in dem properispomenon „ Atticismi normam et regulam ". 
Sanskr. bhu-man- n. ^erde, weit, wesen\ bhü-mdn- m. 
'^ fülle, menge, reichtum"*; griech. cpv-(.ia n. ^gewächs' = apers. 
bu-mä-m ""erde' acc. sing, auf der Inschrift des Artaxerxes 
Ochus P. 2. (Spiegel altpers. keilinschrift. 66.) , -mä - stamm 
durch metaplasmus aus dem nom, sing, ^bumä (= ved. bhü'ma) 
entwickelt; griech. (pv-f.ia dass., cpv^iareoöLv dat. plur. bei 
Marcellus Sidetes v. 83. „Dass ypsilon kurz war, lehrt cpv- 
(.uiTEGOi in Marc. Sid. v. 83. Damit stimmt Draco p. 95, 23. 

100, 22. überein, aber p. 57, 8. fügt er hinzu, man behaupte, 
die Attiker schrieben (fvf.iaj worauf die canon. prosod. 35. 

101. bei Herm. de emend. gr. Gr. rat. zu beziehen sind" 
(Passow handwörterb. unt. cpvf.ia). Vergl. wegen att. cpv^ia 
neben vulgatem cpvina auch Herodian I 352, 23. 31. 533, 26. 
28. II 15, 8. 9. ed. Lentz, Lobeck paralip. 417 ft 419. 

Griech. Qv-fna n. ^das ziehen, zug, zugseil', eigentlich 
das reissen, raffen"* und Verkzeug zum reissen^, to^ov QUfia 
^^bogensehne' oder *^bogenschuss^ Aeschyl. Pers. 147., ^v-itirj 
f. ^Schwung, Umschwung, andrang, anprall, jede heftige und 
stürmische bewegung"* = griech. gv-fia n. ^schwung, andrang"* 
Orph. hymn. X 22., eigv-^iev-ca "^zu reissen^ dat. infin. Hesiod. 
op. et di. 846. Für QVf.ia gegenüber dem bei den Attikern 
Constanten qvi.ia treten wiederum auch grammatikerzeugnisse 
^in; vergl. Herodian I 352, 23. 533, 26. II 15, 8. ed. Lentz, 
Lobeck paralip. 417 f. 419. Die wurzel ist das s. 28 ff. be- 
sprochene indog. reu- ^raffen, reissen'; das ei- statt l- in 
dem eiQv(Ä£vai Hesiods datiert aus derselben quelle wie der 
Verlust des prothetischen e- in Qv(.iaj Qv/urjy Qu^ia und in 



— 138 — 

QVTo-g (s. 88.), von der confusion mit FeQvto "^ decke, schütze'', 
wovon aor. med. eiQvGccf-irjv , perf. med. e^Qv/nai. Ich kann 
mich also nicht entschliessen , mit Fröhde Kuhns zeitschr. 
XXII 268. Qvf^rj "^Schwung"* und tö^ov qv^a *^bogenschuss' zu 
würz, sreu- ^fliessen' zu stellen'; lg to^ov QVf.ia *^auf bogen- 
schusses weite "* ist eigentlich Mn das raffen des bogens, in 
solche entfernung dass der bogenschütze seinen bogen oder 
die sehne desselben rafft' und von Herodots Igveiv ro^ov, 
Homers vevQrjv ev ro^co Iqvelv (IL 464.) unmöglich zu 
trennen. Nur qvf-ia in der bedeutung *^fluss, ström' bei Pro- 
clus hymn. in Sol. v. 4. aQf.iovli]g qv(.ia TtlovGiov l^oy^e- 
TEvcjv und auf einer korkyraeischen Inschrift (vergl. Lobeck 
paralip. 419.) muss als schwesterform von Qevf.ia zu qko^ 
würz, sreii' gestellt werden. Wegen des Verhältnisses von 
Qv-^iT] zu dem -me/i -stamme sieh s. 139. unter Iv-ixiq, 

Griech. Iv-^a n. "^spülicht, schmutz, besudelung', Iv-fiiq 
f. *^ beschimpf ung', Iv-f-iaivoi-iai "^beschimpfe' denomin. , Iv- 
-f.i€-cüv m. "^Schädiger, verletzer' ^) = griech. Iv-i^ia n. ^Spü- 
licht, schmutz, besudelung'. Die form mit v ist bei dichtem 



1) Allerdings setzt streng genommen Xv-^le-cöv ideell einen -mo- 
stamm * Xv-fio- voraus, von dem es abgeleitet ist wie oivs-cav, afinele-cöv 
von olvo-, afxnelo- u. dergl. Ich sehe in diesen Tte^ieamä bildungen mit 
dem adjectivischen secundärsuffix indog. -uent-\ oive-ßoyv 'der wein- 
reiche' seil. TOTTos oder %(öqoi^ mit -ßtov = sanskr. -van in häla-vän, 
aber von nom. sing, aus als ?i- stamm weiter decliniert, während umge- 
kehrt oivü-ßevr- sich einen neuen sigmatischen nom. sing, nachschuf. 
Die gestaltung des Stammes des gruudnomens in olve-ßoiv mit -e- muss 
wol auch für älter als diejenige in *oiv6-ßsvr-s mit -o- gehalten werden. 
So erkläre ich jetzt auch das -s- in den compositen wie 'Aye-käo-s, aqx^- 
-xaxo-s im gegensatz zu verb. in der nominalcomp. 163 ff. als Überrest 
der älteren weise -ö- stamme in der ableitung und composition zu be- 
handeln; !^/£-, ccQxs- bleiben also nominaler herkunft trotz des -e-, und 
die verbale umdeutung schützte nur das -e-, das in * oivs-TteSo-v, *oixE- 
-q)()Qo-s u. dergl. unterging. 



— 139 — 

nicht zu belegen, aber durch bestimmte grammatikerzeug- 
nisse verbürgt, die dann II aa wiederum als attische Variante 
angeben. Vergl. Herodian I 352, 23. 31. 533, 20. 27. II 15, 
8.9. ed. Lentz, Lobeck paralip. 417 f. 'Pv-f,irjj Iv-fiiq sind 
mit den -?7iew -stammen Qv-f^ia, Iv-f-ia so zu identificieren, 
wie ved. bhu-mü nom.-acc. sing, neutr. mit hhu-ma^ griech. 
vJjqGT^ mit sanskr. cirshü\ die feminine -/wö-declination der 
Qv-l-ir]j Iv-fir] erfolgte, wie bei apers. bu-mä-m (s. 137.), vom 
nom. sing. aus. Vergl. einstweilen Mahlow d. lang, vocale 
AEO 73 f., näheres im verlaufe dieser Untersuchung. 

Sanskr. ved. nachved. syu-man- n. *^band, riemen, gurt, 
Zügel, streifen, kette, reihe, naht am schädel'; griech. att. 
vMT-Ti-^ia (für vMO-öv-i^ia) n. "^zusammengeschustertes, schuh- 
sohlenleder, lederne sohle, anzettelung, intrigue' Aristoph. 
equit. 869. vesp. 1160. (vergl. Lobeck paralip. 421.), ~F-^«iJr 
m. nom. propr. des hochzeitsgottes = griech. v-^iriv m. '^ dünne 
haut, häutchen, sehne^, ^Y-^iriv m. nom. propr. des hoch- 
zeitsgottes Euripid. Troad. 331., vf^iev-aio-q m. ""hochzeits- 
gesang, hochzeitslied', ^Yfiev-aio-g m. nom. propr. des hoch- 
zeitsgottes, vf.i€v-awco *singe das hochzeitslied , heirate', 
v-f-iv-o-g m. 'liedgefüge, lied'. Auch die lateinischen dichter 
noch wechseln in der prosodie von Ilfjmeji nach versbedarf. 
Zur etymologie vergl. Böhtlingk-Roth Petersb. wörterb. VII 
1398., Pott Wurzel - wörterb. I 612., Brugman Curtius' stud. 
IX 256., de Saussure syst, primit. 130. Der hochzeitsgott 
ist als der ""verbinder, zusammenfüger' benannt. 

Die auch für die - T/ze« - stamme und ihre declination 
sichere alte Wurzelabstufung unterschied sich von der der 
-7wo-bildungen (s. 127 ff.) durch den Wechsel zwischen mittel- 
stufe und tiefstufe bei jenen. Vergl. de Saussure syst, primit. 
130 ff., von Bahder verbalabstr. 138 ff. So verbinden sich 
zu ursprünglich 6inem paradigma griech. lei-f^icov m. und 



— 140 — 

Xi-ftT^v m., beides eigentlich ^ort wo es angiesst, begossene 
Stätte, nasse stelle'. So ferner Qv-fiia n. 'fluss, ström' (s. 138.) 
und Qev-f^ia n. dass. So auch hesych. afet-fia n. und homer. 
avT-jiirjv m. (vergl. de Saussure syst, primit. 131.) nebst homer. 
avT-fiii] f. mit -f.ir] als der alten nebenform des nom.-sing.- 
ausganges des (neutralen) -me?i-stsimmes (s. o.); avT-jur^Vj 
avT-f-iri können aber dabei sowol naturlanges als kurzes v 
haben*), wie desgleichen auch Ttvd^-fii^v. Zu unserem mate- 
rial finden sich die starkwurzeligen seitenformen in folgenden 
fällen: sanskr. ved. e-man- n. ^gang' (= griech. *6l-/(«, wofür 
homer. ol-jna „forme sur Tanalogie de olfnog'"'^) nach de Saus- 
sure a. a. o.) zu griech. i-^iev-at und X-f^iev-aij X-f.i8v\ sanskr. 
qre-män- m. ""auszeichnung , vorrang' (mit creyas-^ Qveshthor 
zVi-qri' f. "^Schönheit, schönes aussehen, pracht, wolgefallen, 
befriedigung, wolfahrt, glück, reichtum, ausgezeichnete läge 
und sfellung", eigentlich 'das sichfügen, gute fügung, rich- 
tiger fug') zu griech. -Akl-i^ia und yli-i.ia\ sanskr. ved. hö-man- 
n. 'opferguss, spende', griech. %ev-(.ici zu griech. %v-(.ia und 
xv-(.ia\ griech. Ttkev-fucüv m. "^lunge, eingeweide, meerlunge 
(ein Weichtier)' als 'schwimmendes' zu griech. 7tXv-(.ia und 
7t),v-f.ia\ ags. reo-ma m., alts. rio-mo ^ ahd. riu-mo m. 'rie- 
men' zu griech. ^v-^ia (Fick wörterb. I^ 744.) und qv-^ia, 
eiQv-fÄev-ai. Es sind noch -;?«pw- stamme von der uns vor- 
zugsweise interessierenden art mit der stärkeren form der 
tiefstufe: im avestischen khshnü-main-e 'zur zufriedenstellung' 
dat. sing., eine bildung wie homer. T-i-iev-ai, Sv-(.iev-aL\ im 



1) Auch bekunden avr-firjv^ avr-firj den Zusammenhang mit a^er-fia 
noch durch das (prothetische) «-, das jene formen mit v doch schwer- 
lich aus sich selbst sei es vorzuschieben oder doch getrennt von dem v 
zu lassen vermochten. 

2) Umgekehrt griech. xsv&-fi6-s nach xevd'-fnop^ xsvd'-fxa, statt *xovd-- 
-fio-e oder *xvd'-fio-s. 



— 141 — 

griechischen Tl-(.iri f. '^Schätzung, ehre' und ü-i-it] f. 'sauer- 
teig\ -;/«ä- stamme aus neutralen -?7«e;i- stammen, y.v-f.ia n. 
'woge', y,vv-f.ia n. *^das kratzen', Tqv-f.ia n. und igv-f-U] f. 
'loch, ritz', öTv-(.ia m. "^aufrichtung des männlichen gliedes'. 
Vergl. Lobeck paralip. 420. Mit dem inschriftlichen Tsi-inrj 
erhält nun -rl-^r?; die oben s. 37. angedeutete vermittelung. 
Dazu kommen als griechische bildungen, über welche dichter- 
stellen nichts aussagen, indes mit mehr oder weniger hand- 
schriftlicher gewähr nach Lobeck paralip. 412 ff.: r^lii-jna n. 
''geriebenes, durchtriebener mensch"*, 7cvly-i^ia n. Mas sticken, 
erwürgen', f^uy-fiia n. "^gemischtes, mischung'; betreffs deren 
abwechseln mit TQiftjua, Ttrly/naj (.uyi^icc in anderen Codices 
vom sprachwissenschaftlichen Standpunkte nur gilt, dass die 
„ inconstantia " 1. Bekkers, Lobecks u. a. , welche „ quod quo- 
que loco in codd. scriptum invenitur" aufnehmen, vor dem 
nivellierenden corrigieren anderer, wie G. Hermanns, Jacobs, 
zu loben ist. Aus dem germanischen ist /?7-??«e?i- 'daumen', 
ags. afries. püma , ahd. dümo m. , falls es nicht wie oben 
s. 124. als Substantivierung eines -mo-adjectivs aufzufassen 
ist, sondern mit von Bahder verbalabstr. 1 40. als echter alter 
-?/2ew- stamm, dann hier einzureihen. 

In sprachen, welche indog. ei^ eii mit I, U zusammen- 
fallen Hessen, erheben sich wegen der alten Wurzelabstufung 
wieder Schwierigkeiten bei der bestimmung der ablautsstufe 
eines -?wew- Stammes. Lat. crl-men *^beschuldigung, verbrechen' 
braucht nicht dem griech. y.Ql-f.ia^ lat. nU-men 'wink' nicht 
dem griech. v€v-/na aufs haar congruent zu sein; jenes kann 
auch dem etwa vorauszusetzenden *x^e?-^m, dieses umgekehrt 
griechischem ^vv-iia gleichstehen. Entsprechendes gilt von 
lat. as-sü-men-tu-m 'angenähter läppen' und seinem Verhält- 
nis zu griech. /MG-ov-fia. Lat. rU-men 'säugende brüst, euter', 
als 'ding zum reissen, woran man reisst', und 'kehle, gurgel, 



— 142 — . 

Schlund', als "^diüg zum reissen, was reisst, herunterstürzt' 
(zu lat. ruere\ mag mit ags. reo-ma^ alts. ahd. rio-mo ^rie- 
men' sich decken, sowie mit sanskr. ^ro-man- ""das um- 
stürzen' in roman-tha-s^) m. ''das wiederkäuen' (vergl. lat. 
rümin-Ure *" wiederkäuen') und demgemäss auch mit germ. 
reu-men- *^milchrahm', anord. rjömi m. als *^das abzureis- 
sende', das regelrecht neben der gleichbedeutenden -?;«o-bil- 
dung westgerm. rau-mo-z = ags. rea//?, niederd. rö?nj mhd. 
?wum m. steht (von Bahder verbalabstr. 132. 141.) und also 
mit reu-men-'^riemQn identisch wird, endlich mit lit. rau-tnü 
m. '^muskelfleisch', wol Voran sich reissen lässt'. Aber lat. 
rü-men kann auch = griech. Qv-f^ia sein. Auch von lat. 
lü-men n. bleibt fraglich, ob es direct dem anord. Ij6-mi^ 
ags. leo-ma, alts. lio-mo m. *^glanz, licht, strahl', urgerm. 
leuh-men- gleichkommt oder als Vertreter von indog. lük^- 
-men- näher zu got. laüh-mtm-i f. *^blitz', urgerm. luh-vien- 
sich stellt; got. laüh-mun-i hat, beiläufig, das h der wurzel- 
betonten paradigmenform, das ags. leoma, alts. Homo durch 
die umgekehrte ausgleichung nicht haben (vergl. von Bahders 
erklärungen des ^Qxm. tau- m 6-^ Z2i\xm\ drau-mö-'ixd^\.ni 
und fröhliches treiben' nach Sievers' g^?^-gesetz verbalabstr. 
130. 133. 134., wo aber auch an die Verschiebung zwischen 
tduh-mo-j dräuz-mo- und tu{z)w-mö-j dru(g)w-mö- 
zu erinnern gewesen wäre). Viele germanische -men-hil- 
dungen mit T bei von Bahder verbalabstr. 138 jBP. sind auf 
dieselbe weise zweideutigen wesens wie die angeführten latei- 
nischen, alle, deren wurzel eine ei- wurzel ist. Z. b. in alts. 



1) Man erwartet nach shnän-ta-s, heman-tä-s , auch nach cröma- 
-ta-m n. mit t vielmehr ein *romcm-ta-s. Ich glaube, dass auf letzteres 
manth-ä-s m. 'das umrühren, umschütteln' einwirkte; udgirnasya vä 
avagirnasya vä mantho romanthah bei PataSjali zu Pän. III 1,15. (vergl. 
Petersb. wörterb. II 691. VI 447.) zeigt uns dies volksetymologische spiel. 



— 143 — 

ahd. M-mo m. *^keim' ist indog. g^ei-men- = sanskr. ved. 
je-man- m. "^ Überlegenheit, überlegener'* (s. 73.) und indog. 
g^l-men- zusammengefallen. Das ablautsverhältnis indog. 
ei:i mit von Bahder, jedoch auch unsere abstuf ung indog. 
i : i darf man finden in got. skei-ma m. *^leuchte\ anord. 
ski-mi, (ags. sci-ma^ alts.) ahd. ski-mo m. *^glanz, Schimmer' 
neben (ags. sci-ma, alts. sci-mOj) mitteld. schi-me sche-me m. 
"^schatten, Schattenbild', in ags. afries. svi-ma m. "^schwinder 
(falls dies sicher i hat) neben anord. svi-mi m. dass. 

Sicherheit, dass in einem solchen falle einzelsprach 
liebes ~i = indog. t ist, gibt, wenn er erbracht werden kann 
der nach weis, dass die betreffende wurzel nicht e/-wurzel 
die -77?e?i-bildung also von der art wie griech. dal-/iiwv m. 
cd-f-LCi n., lat. * caid-men- in cae-men-tu-m n. ist. So bei germ 
sJ-men- ^seil', vergl. oben s. 133 f. Zu dessen wurzel ge- 
hört auch lat. sae-ta f. ^börste, starkes tier- und menschen- 
haar' als ^fest eingespanntes' (vergl. sanskr. st-män-^ si-ma^ 
si-män-ta-s ''haarscheide, scheite!'), formal als starkwurzelige 
participform (vergl. s. 93 ff.), dem sich ebenfalls mit indog. aj^ 
anreihen lit. pa-säi-ta-s m. *" zwischen riemen als Verbindungs- 
glied z. b. beim dreschflegel zwischen stiel und klöpfel, rie- 
men der die peitsche an dem stocke befestigt' (kr. Ragnit), 
ags. sä-^ n., ahd. sei-dh sei-d n. ^strick, fallstrick', ags. sa-da 
m. ^strick', ahd. sei-to m., sei-ta f., mhd. sei-te m. f. '^strick, 
fallstrick, fessel, saite eines Instruments'. Da aucti die -tel- 
nomina keine hochstufe, also kein indog. oi bei e/- wurzeln in 
der wurzelstarken form haben nach s. 106 flf., so wird normal 
ein indog. säi^ti-s repraesentirt durch abulg. se-ttf. 'strick, 
fangstrick' (wegen slav. e als nichtvertreter von ursprüngl. ei 
sieh s. 7.), lit. pa-sai-ti-s m. '^riemen, gehenk' (Nesselmann 
wörterb. 278 b.), gen. pa-saicsio^ -^ö- stamm aus -/e/- stamm 
wie häufig (s. 97. 120. 122.). Alle diese, wie sie indog. ai für 



— 144 — 

sanskr. se-iu-s adj. *" bindend, fesselnd', m. ^fesseler, band, 
fessel, dämm, brücke', avest. hae-tu-sk m. 'brücke, weg' und 
sanskr. ved. se-ldr- m. 'fesseler', se-tra- n. 'fessel' sichern, 
so weisen sie andererseits indog. «/ der -wzö-bildung anord. 
sei'Vi-7' m. 'gold-, silberdraht', endlich indog. l den tiefstufen- 
bildungen abulg. si-tX-ce n. 'kleiner strick, fangstrick, schlinge', 
anord. si-^-r adj. 'herabhangend, lang', anord. ä7-9ö, ags. 
si-de^ 2i\i^. si-da^ ahd. st-ta f. 'seite' • (vergl. oben s. 81.), 
endlich unserer -7we/i-bildung germ. si-men- 'seil, strick' zu. 
Lit. se-ta-s m. 'strick zum anbinden des viehs', se-ta f. 'buckel 
oder knöpf, mit dem der'gürtel oder sattelgurt befestigt wird' 
(bei Nesselmann wörterb. 464 a. aus Szyrwid) können des 
lit. e in der „^ -reihe" wegen nur slavische lehn Wörter sein, 
wie für letzteres bereits A. Brückner litu-slav. stud. I 76. 130. 
annimmt. Ferner ist zu bemerken, dass nhd. saüe 'fidis, 
chorda seine dentalstufe, t statt d, von der alten schwester- 
form im paradigma nhd. seite 'latus' übertragen bekommen 
hat durch die umgekehrte accentausgleichung wie bei sanskr. 
^/'-^a 'furche' nach "^se-tä (oben s. 94.). Darf man es wagen, 
zu unserer -;we«-bildung als die starkwurzelige paradigmen- 
form auch griech. al-f^ia n. 'blut' zu ziehen, und die -mo- 
bildung anord. sei-m-r 'draht' = indog. säi-mo-s für iden- 
tisch mit anord. hmiangs-seim-r m., ahd. mhd. seini m. 'honig- 
seim', griech. aiino- in oin-aiiiio-g, av-aif-io-g "U halten, welche 
letzteren bereits Fick wörterb. P 799. IP 256. IIP 313, zu- 
sammenstellte? 'Blut' und 'seim' als 'dickflüssiger saft' wären 
entweder benannt als 'compact in sich verbundene masse' 
oder als 'bindung, bindemittel zwischen den einzelnen teilen 
nicht tropfbar flüssiger körper', wofür sich vielleicht ander- 
weitige analogien beibringen lassen. 

Von der möglichkeit, auf eine ö/-wurzel zu recurrieren, 
wäre vielleicht in noch anderen germanischen fällen gebrauch 



— 145 — 

zu machen, wo von Bahder, um wurzelhaftes gerra. ai einer 
-men-hi\di\m^ statt ~i zu erklären, zu der annähme der Ver- 
mischung von -me/z-stamm mit -;?zö-stamm greift. So könn- 
ten doch wol ahd. glei-mo, mhd. glei-me m. "^glühwürmchen' 
und mhd. gli-me m. dass. (oben s. 1 30 f.) auf ein paradigma, 
das des einen -/^zew-stammes, zurückgehen ; wäre lat. lae-tu-s 
'froh, heiter^ aus *hlat-to-s sicher verwant nach Fick wörterb. 
IP S4. IIP 112., so wüchse die Wahrscheinlichkeit dieser an- 
sieht. Unter dieser Voraussetzung glaubte ich auch in ahd. 
glizemo oben s. 131 f. das i als indog. I betrachten zu sollen; 
und ich berufe mich noch auf die nach dem ausdrücklichen 
bericht römischer schriftsteiler (Tacit. German. 45., Plin. nat. 
bist. XXXVII 3 [1 1 1, 42.) den Deutschen abgehörte lateinische 
benennung des 'bernsteins', glaesum^ formal ein -^ö-particip, 
als solches dann mittelstufig in der wurzel, wie die sehr 
ähnlichen lat. caesu-Sj laesu-Sy jedoch wegen des -s- aus indo- 
germanischem doppeldental auf urgermanischer ausgleichung 
zwischen gläisto- und glis6- beruhend, vergl. s. 77. 91. 
93 ff. Von der erweiterten wurzel indog. gh^lai-d- ist ags. 
zlitunj alts. glUan, ahd. glizan das aoristpraesens, neben dem 
in der bekannten weise (sieh s. 4 ff.) die nasalierte bildung 
mhd. gliiizen hergeht, die auch in abulg. glelda^ gled-eti 
"^sehen' aus ^glmd-juj ^glind-eti zu gründe liegt; gh^lind- 
aus normalstufigem gh^laid-j wie indh- in ^anskr. ved. 
z«//Ä-e*^entflamme^ zu azfl?Ä-, ald-to^). Unsicher freilich wür- 



1) Joh. Schmidt indog. vocal. I 57. führt die ^-formen wie ahd. glU 
zan, gleiz auf die «-formen, mh^. g Unzen ^ glänz, mhd. glaz 'kahlkopf, 
glas-t m., gles-te f. 'glänz', ahd. mhd. glas 'vitrum' zurück. Für diesen 
und noch andere fälle ist der umgekehrte hergang geboten; denn von 
germ. glint- = indog. *g holend- würde man nie auf die historischen 
formen des ablauts germ. glit- : glait- kommen. Dagegen nahmen die 
nasallosen «-formen mhd. glaz u. s. w., ahd. mhd. glat 'glatt, glänzend 
ihren Ursprung von dem alten intensiven jod-praesens mhd. glitzen, in- 

Oathoff u. Brugman untersuch. IV. 1 



— 146 — 

den diese combinationen , wenn auch griech. i'ki-io /werde 
warm oder weich, zerschmelze, zerfliesse, bin üppig, schwelge, 
prunke"*, y}^i^-ri f. 'Weichlichkeit, Üppigkeit, prunk' von Fick 
aa. aa. oo. mit reöht verglichen würde, denn xloid-aco^ tloi- 
d-iOKißy x€-xloid-€v, dia-'Ae-yloiö-tög bei Hesychius (Curtius 
grundz.^ 656. verb. d. griech. spr. P 285. 11^ 207.) weisen 
allerdings wol auf eine e/- wurzel griech. ^xIblö-, Aber wenn 
Curtius grund.^ 656. und Pott wurzel- wörterb. I 1, 556. nicht 
einmal die Zusammenstellung von ^AZ-w mit lat. gli-sco *^ent- 
glimme, lodere auf von selten der bedeutungen besonders 
ansprechend finden, wie viel fraglicher bleibt die verwant- 
schaft des %U-o}, xliö-r] mit der in rede stehenden germa- 
nischen Wortsippe? Also halte ich vorläufig die auffassung 
des ahd. ei in ylei-mo als indog. ai für gerechtfertigt. Was 
von Bahder verbalabstr. s. 143. femer hinderte, germ. smak- 
-TTiew- *^geschmack' = ahd. ge-smagmo m. eine bildung wie 
germ. ah-men-^ge\st^ == got. ahma m., gla^-me?i'''irevide^ 
= ags. glced-ma m. von einer wurzel „ mit A " sein zu lassen, 
sehe ich auch nicht. Sein erklärungsprincip an sich will 
ich durch alles dies nicht in frage stellen; für alts. Itmo, 
ahd. leimo, mhd. leime m. *^lehm' von sicherer e?'- wurzel 
(griech. lei-^wv ^ sieh s. 112. anm.) wüsste ich auch nichts 
anderes, als annähme des Übertritts des -?wö-stammes von ags. 
lärrij ahd. mhd. leim m. (s. 129.) in die schwache declination, 
wobei aber vielleicht die Zuhilfenahme eines nebenliegenden 
gleichwurzeligen -;?iew-stammes gar nicht von nöten ist. Oder 
wenn doch davon gebrauch zu machen ist, wie bei griech. 
ol-{.ia nach ol-^io-g (s. 140.), so möchte ich vermuten, dass 
der zusammenfall des wurzelablauts bei der -m,o- und der 



dem ursprüngliclies glit-ja, glait sich wol zunächst zu glii-ja^ 
glnt umformen mochte, wie bidja, haid zu bz'dja, bad und stikja^ 
staik zu siikja, stak (verf. Paul-Braunes beitr. VIII 140 ff.)- 



— 147 — • 

-men-aMQitvmg in den suffixbetonten casusformen wesentlich 
das seinige zu der Vermischung beitrug. Man musste ja, um 
ein beispiel zu gebrauchen, nebeneinander ursprünglich diese 
Singular - Paradigmen im althochdeutschen haben: 

1) nom. leim (= lat. ^loemus) 
gen. ämes (-= lat. l'iml) 
dat. lime (== lat. l^md) 
acc. leim (= lat. *loemum) 

2) nom. ^lirno (= griech. ^ksljuwv) 
gen. ^Itmin (= griech. Itjuevog) 
dat. *llmi?i (= griech. Xtfxevt) 
acc. *timun (== griech. '^'/Jti.iova) 

3) nom. gleimo (vergl. griech. öalf^nov) 
gen. gttmin 

dat. gttmin 
acc. glimun. 
Wie da eine declination ahd. leimo^ ^fimin^ *limin^ ^limtm^ 
hernach /eZ/wö, leimin u. s. w. auch bei einer ^i-wurzel auf- 
kommen konnte, ist leicht ersichtlich. 

R. Nomen mit suff. -iö-: 

Avest. vis-i/ö adj. ''die clane betreffend', m. *" clanfürst' 
= sanskr. ved. vic-ya-s adj. ^zum hause oder stamme ge- 
hörig, eine gemeinde bildend', m. ^ein mann vom volke oder 
von der dritten käste'; apers. vith-iya adj. *^zum clan gehörig', 
m. 'clangenosse'. 

Sanskr. üh-ya-s adj. *^zu erschliessen' = avest. iiz-y6 
m. nom. propr. des sohnes des Vafihudhäta. Von würz, sanskr. 
üh-, avest. uz- 'beachten, merken auf; vergl. Böhtlingk-Roth 
I 1036., Justi handb. d. zendspr. 61b. 

Sanskr. üh-ya-gana-m n. nom. propr. des vierten gäna 
oder gesangbuche^ des sämaveda == sanskr. uh-ya-gäna-m 
n. dass. 

10* 



— 148 — 

Sanskr. pu-ya- m. n. 'stinkender, fauliger ausfluss, jauche, 
eiter' = griech. 7tv-o-v n. 'eiter' in dem verse des Em- 
pedokles bei Aristoteles gen. auim. IV 8. (ro yaXa) fXTqvbg h 
oyöoaTT] öexccTj] Ttvov etcXeto kevKov y griech. e(j.-7tv-o-g adj. 
*^purulentus' Andromach. v. 55. Die betonung Ttvov ist hand- 
schriftlich häufiger tiberliefert, freilich sonst nicht gesichert. 
Vergl. Lobeck rhematicon sive verb. graec. et nomin. verbal, 
technol. 309 f. 

Sanskr. bhü-ya-m n. ''das werden, sein' am ende von 
compp. z. b. ved. arnutra-bhuya-m n. *^das dortsein, in-jener- 
welt-sein, gestorbensein"*, nachved. ätma-^ deva-^ brahma-bhü- 
ya-TUy ved. vasyo-bhuya-m n. 'besserung, mehrung der wol- 
fahrt"*, nachved. vrtta-bhüya- adj. = lat. du-biu-s ''zweifel- 
haft'', eigentlich 'zwiefachen wesens' aus ^dü-bü-w-s^ vergl. 
s. 1 5 ff. anm. Doch wird diese nummer unsicher dadurch, dass 
man du-biu-s auch aus einem indog. du-bhn-iip-s^ urlat. 
*du-bv'iO'S herleiten kann, wie griech. rrj-Tt-io-g aus *vrj- 
-7tß-w-g (s. 67.) und wie dem griech. vTtsQ-cp-laXo-g ein 
* v7ceq-cpF-ialo-g zu gründe zu legen ist. 

Abulg. ryzdi adj. 'rot' aus *ryd-ji = abulg. ruzda f. 
'rost' aus ^rüd-jä-^ anord. ry'^-r m., r//9 n. 'rost', stamm 
germ. rud-vo-, 

Ahd. ana-liut-e n. 'vultus, facies' nur in Notkers psalmen 
(vergl. Graff II 201 f.), wo das tu sicher als 2-umlaut des ü 
zu verstehen ist (Holtzmann altd. gramm. I 1, 257.) = ahd. 
ana-lutt-e n. dass., ahd. ant-lutt-i n., mhd. ant-lutt-e ant-lütt-e 
n. 'antlitz'. Got lud-ja f. 'TtgoGWTtov^ Matth. VI 17. mag 
lüd-ja oder lüdj'a sein. Ich werde von dr. Kluge auf dieses 
beispiel aufmerksam gemacht. 

Es sei in kürze noch des adjectivs sanskr. ved. tü'-ya-s 
^kräftig' gedacht als einer mit pu-ya-, bhü-ya- gleichartigen 
bildung; indog. tü-io- ist daneben nicht nachweisbar. 



— 149 — 

S. Nomen mit s uff. -ro-j -lö-\ 

Avest. i-re-m n. ^gltick' = sanskr. ved. i-ra f. ''labung, 
genuss, wolbehagen'. Zusammenhang mit sanskr. ir-^ ir-te 
''setzt sich in bewegung, erhebt sich', avest. iraiü ^er stürze, 
werfe hin' (Fick wörterb. P 285.) vermag ich schon der be- 
deutungen wegen nicht zu sehen. 

Sanskr. ved. tdh-r-iya- adj.*^zum heitern himmel gehörig' 
(Petersb. wörterb. V 1149.); ags. afries. td-el^ alts. id-al^ ahd. 
it-al adj. ''pur,- lauter, eitel, leer, nichtig' = griech. ^S-ago-g 
adj. 'heiter, klar, rein' Simmias in anthol. Pal. XV 22, 10. 
(vergl. Lobeck pathol. serm. graeci proleg. 256.). Aus dem 
mit vi- componierten sanskr. vidh-rä- oder vidh-ra- adj. *^klar, 
hell', ved. vidh-re loc. sing. *^bei hellem himmel' ergibt sich 
leider nichts über die Quantität des wurzelvocals. Die unge- 
schwächte wurzelform indog. aidh- in griech. alS-tOy aid-rjQ, 
al^-Qäj ald^-Q-läy lat. aed-es ^ aes-täs sichert für germ. i in 
J^-lö'S 'eitel' die abkunft von indog. t. 

Sanskr. ish-ira-s ra. 'feuer' als 'reges, lebhaftes dement'; 
griech. homer. T-eqö-g adj. *^regsam, rüstig, munter, frisch, 
kräftig, heilig', homer. T-Qo-g, lesb. l-Qo-g adj. dass., homer. 
ep. ion. 'i-Q-v^^ m. 'habicht' = sanskr. ved. ish-irä-s adj. 
'eilend, strömend, regsam, rüstig, munter, frisch, kräftig, 
blühend'; avest. üh-are n. 'Schnelligkeit', acc. adv. 'sofort, 
gleich darnach, sogleich'; griech. homer. nachhomer. att. dor. 
i-eQo-g adj., att. dor. t-eg-ä^ m. 'habicht'. Für homer. 't-Qo-g 
scheint es mir sicherer, von der grundform "^lo-QÖ-g auszu- 
gehen, als von einem *«(j-(>o-g, bei welchem der a-ausfall 
die länge des i auf secundärem wege herbeigeführt hätte. 
Erstens gilt mir Tqr]-Q6-g nicht mehr, wie noch forschungen 
II 48., für den abkömmling eines vorhist. *Tqeo-Q6-g\ tqy]- 
-Qo-g kann spätere griechische bildung von rgi-w sein, wo- 
bei die fälle wie oY.vri-o6-g neben oY.ve-io^ Ttovrj-Qo-g neben 



— 150 — 

7tove-w (Schrader Curtius' stud. X 300 ff.) die muster waren. 
Auch Ttevra-itriQog braucht nicht unbedingt lautgesetzlich 
auf * 7t€vra-ßeT€0-QÖ-g zurückzugehen. Ferner zeigen wol 
TteQl-QQVTo-Qj af^icpl-QQVTo-g deutlich, was aus einem * ^o-Qo-g 
geworden wäre. Der name des habichts homer. ion. iQrj'^y 
att. dor. Uoä^y dor. lagä^ ist wol trotz Brugman Curtius' stud. 
VII 340. nicht von leQo-g zu trennen. Das „ capitel der Volks- 
etymologie" kann man dabei unberührt lassen, wenn man 
nur die ursprüngliche bedeutung des uQog im äuge be- 
hält. Wenn IL JT407. ""der muntere, frische, regsame fisch' 
leQog ix^vg (nicht treffend bei Curtius grundz.^ 161. *^der 
grosse, mächtige fisch') genannt wird, so kann auch der 
rasch enteilende, lebhaft dahinfliegende habicht, dieser wyiv- 
Ttreqog (IL N 62.), wKVTtirrjg (Hesiod. op. et dL 210.), dg t' 
wKLOTog 7C€T€r]VMv (IL O 238.), von demselben stamme „mit 
individualisierendem/" (Curtius grundz.^ 382.) benannt sein. 
Brugman's eigener herleitung aus einem reduplicierten *//(>- 
ßrj'^ steht im wege, dass 'i^rj^ bei Homer keine spuren anlau- 
tenden digammas zeigt; femer, dass dadurch und durch eine 
grundform "^ßi-ßagä^ für dor. Idgä^j att. le^ä'^ doch keine 
einheit mit dem hesychischen ßaqßa^ erreicht wird, welches 
letztere als ein lykisches wort Curtius grund/ 576. mit recht 
als „ bei griechischer Sprachforschung überhaupt gar nicht in 
betracht kommend" zurückweist. Keine der sechs formen 
des adjectivs, homer. (und neuion.) iqogy lesb. Iqog^ boeot. 
thessal. el. dor. lagog, korkyr. el. iaqogy homer. leQÖg^ homer. 
att. dor. ^iSQÖg (vergl. Giese aeol. dial. 409., Ahrens dial. I 26., 
G. Meyer griech. gramm. § 92. s. 96 f. § 244. s. 217.), ist auf 
griechischem boden aus einer der andern lautgesetzlich ent- 
standen. Ohne einen anhält an griechischen lautgesetzen 
lässt noch jüngst G. Meyer griech. gramm. § 92. s. 96 f. aus 
iaqög „durch assimilierenden einfluss des i" leQog^ hieraus 



— 151 ~ 

„durch zusammenziehuDg homer. neuion. iQog^ lesb. Igog^ 
entstehen und meint § 146. s. 139. homer. Jegog aus einem 
* uEQog gewinnen zu können. Dem suffixe sanskr. -irä- ent- 
spricht getreu griech. -ago- = indog. -r?^ö-. Folglich ist das 
in dialekten gewahrte l-ago-g, dessen quantität des wurzel- 
vocals wir nur leider nicht kennen, dem ved. ish-irä-s am 
nächsten, bei eventueller kürze des l vollkommen gleich. 
t-sQo-g, i-eqo-g zeigen suffixvertauschung zufolge der ana- 
logie von dce-qo-gj dole-Qo-gy cpoße-qo-gy TQü/ne-Qo-g u. a., 
ableitungen aus ö- stammen. Ebenso liegt neben oxta-Qo-g 
(Pindar Olymp. III 14. 18.), oxiago-KOf-w-g (Euripid. Bacch. 
876.) gemeingriech. ozcego-gy neben älterem yliaqo-g spä- 
teres xheqo-g, neben ^ciago-g ftieqo-g; vergl. Gust. Meyer 
griech. gramm. § 92. s. 97. Endlich «-^o-, lesb. l-go- = 
ursprüngl. is-rö- verhält sich zu i-aqo-, ish-irä- wie griech. 
iQvd-QÖ-, lat. ruh-ro-^ abulg. rüd-ro- zu sanskr. rudh-irä-^ 
wie sanskr. ^idh-rä- in vidh-rä- zu griech. ^id^-ccqo- (s. 149.) 
griech. OLv-ago- zu ocv-ö-Qo-y vö-ago- zu vö-qo-. Die ent- 
scheidung über die Wechselbeziehung der suffixformen -f /'ö- 
und -?'ö- muss auf dem gebiete der indogermanischen laut- 
lehre, nicht der einer einzelsprache fallen. Vielleicht redu- 
ciert sich die vierheit indog. Js-rrö-j is-rrö-, is-rö-, 
is-rö- weiter zurück auf eine zweiheit is-rrö-, is-rö--^ 
vergl. weiter unten. Woher endlich in igo-gy laqS-g, teqo-gy 
^€Q6-g und leqa^ der Spiritus asper stammt, bleibt vorläufig 
dunkel. Dass der lenis in Igo-g nicht auf rechnung der les- 
bischen Vorliebe für „psilosis" kommt, beweist ausser der 
Sprachvergleichung das iaqo-g der Korkyraeer, hc-iaqog der 
Elier (Gust. Meyer griech. gramm. § 244. s. 217.). Darf man 
an volksetymologischen einfluss von uoS^ai med. ^sich schnell 
bewegen, eilen' auf */€^oi; ''rüstig', * Uqä^' hMcht^ denken? 
Sanskr. ci-ra-s adj. *^lang, langwährend', a-ci-ra-m adv. 



— 152 — 

'"schnell, bald'; slov. ci-l adj. ^ausgerastet' (Miklosich lex. 
Palaeoslov. 1118 b. unter citi)^ abulg. po-ci-ln '^ausgeruht 
habend' partic; got. hvei-la^ Sigs.hvi-lj altfries. hwi-le, alts. 
hwi'l hwi-la^ alid. hwi-l hwi-la wi-la f. *^weile, zeit, Zeitdauer', 
anord. hvi-l f. "^ruhebett^, got. kveilanj ahd. ivilöji *^weilen, 
verweilen, sich aufhalten' denom. = sanskr. ci-rd-s adj. 
'lang, langwährend', ci-rä-m n. 'Verzögerung, das zögern', 
adv. 'lange, langsam, vor langer zeit',- cirena instr., ciräya 
dat., cirät abl. sing, adv., cira-ya-ti und cirä-ya-ti 'macht 
lange, säumt, bleibt lange aus' denom.; abulg. cio-veküy russ. 
celo-vekü m. 'mensch' d. i. urslav. *cilo-vefm (Joh. Schmidt 
indog. vocal. II 38 f. anm.) bahuvrihicomp. 'der eine weile 
lebende, aliquamdiu aevum {vekü m/auovj aevum') habens', 
vielleicht im gegensatz zu gott oder göttern als ewig leben- 
den (homer. aiev l6vTeg\ oder auch 'der eine lange lebens- 
dauer habende'; lett. zil-wek-s m. 'mensch'. Zur etymologie 
vergl. auch Froehde Bezzenbergers beitr. I 199. Die longae- 
vitas wird, wie im slavo- lettischen, öfter zum charakteristi- 
cum für menschen, sowie tier- und pflanzen gattungen; vergl. 
sanskr. cira-jivaka-^ cira-jivin-^ ciram-jiva-^ ciram-jwin-^ cirä- 
yus adj. 'lange lebend, langlebig', zugleich epitheton mensch- 
licher und göttlicher personen, der krähe, bestimmter bäume 
und pflanzen, griech. MaxQÖ-ßiog als nomen proprium, ol 
MaxQoßwt name eines aethiopischen Volkes Herod. III 17. 
Dionys. Perieg. 560. Plin. bist. nat. VI 30, 190. VII 2, 27., eines 
Volkes der Hyperboraeer Orph. Argon. 1112., der ein wohner 
der Stadt Apollonia in Makedonien Plin. bist. nat. IV 10, 37. 
Als der im Wechsel der erscheinungen , z. b. im vergleich 
mit manchen kurzlebigen gattungen der haustiere, ein an- 
dauernderes dasein fristende — denn 'absolut lang' be- 
deutete auch indog. kHlö- nicht — mochte sich der mensch 
in einer naiveren, lebensfroheren phase des antiken denkens 



— 153 — 

vorkommen, während spätere düstere Sentimentalität mit Vor- 
liebe die kürze des menschlichen lebens betonte. 

Sanskr. yz-r^-5 adj. *^lebhaft, rasch, tätig"*; avest. daema- 
-ji-n^ adj. *^ lebhaft an den äugen "*, poiirn-ji-rö ""sehr tätig'; 
abulg. zi-rn m. Veide, pascuum' als '^lebensvolles, frisch grü- 
nendes'; lett. dfi-rns f. plur. 'gelage' = avest.y/-rö adj. ''eifrig', 
j)ouru-ji-rd *^sehr tätig'; lat. vi-re-ö ''bin frisch, bin lebhaft, 
bin kräftig, grüne, blühe' denom., zri-ri-di-s adj. '^frisch, leb- 
haft, munter, jugendfrisch, blühend, grünend, grün'. Etymon: 
Wurzel indog. </^e/- ^oben auf sein, siegen, leben' (s. 72 f.). 

Sanskr. ni-rä-m n. '^wasser, saft' = avest. ni-re-m n, 
"^Wasser'. Zu wurzel rvi- als '^durchgeleitete flüssigkeit', wie 
auch für sanskr. ni-tha-m n. "^führung, durchschlupf, weg' im 
^abdakalpadruma die bedeutung "wasser' angegeben wird 
nach Böhtlingk-Roth IV 285. 

Griech. 7cl-lo-g m. ^filz' == lat. pi-lu-s m. *^haar'. Es 
ist unnötig, mit Gust. Meyer griech. gramm. § 293. s. 251. 
7tllo-g auf '^Ttiho-g zurückzuführen, um auf diese weise 
quantitätsgleichheit mit dem lateinischen Worte zu erzielen. 

Griech. homer. cpl-le voc. sing, '^lieber, freund' IL /f 155. 
E 359. d) 308. = griech. homer. nachhomer. cpt-lo-g adj. 
'^lieb', m. ^freund'. Einen versuch, dem worte pronominale 
herkunft zu vindicieren, trifft man weiter unten. 

Sanskr. vi-rd-s m. *^mann, held'; avest. vi-ro m.; umbr. 
vei-ro m. acC plur. (vergl. Br^al les tabl. Eugub. 89., Job. 
Schmidt indog. vocal. II 358.); lit. vij-ra-s m. = sanskr. ved. 
virä-shdh- adj. *^männer in sich fassend, männer aufnehmend' 
(Petersb. wörterb.) oder "männer beherrschend' (Grassmann 
wörterb. z. rgv.) rgv. I 35, 6.; lat. vir m., stamm vi-ro-\ 
2i\i\x. fer m., stamm fi-ro--^ got. vair^ ags. ver^ alts. ahd. 
wer m., stamm germ. wi-ro-. Ved. virä-shdh- reiht sich 
den unica im griechischen und germanischen, iTv-OTcrao^ai 



— 154 — 

(s. 122.) und gi-sün-fader (s. 117.), an. Andererseits will im 
lateinischen Bücheler coniect. (ind. schol. Bonn. 1878—79) 
p. 24 sq. lex. Ital. XXX a. vielleicht mit recht an dem satur- 
nier der einen Scipionengrabschrift duonöro öptumo fuise 
viro nichts ergänzen und findet so ein lat. vtjw{in)^ für das 
er besonders auf das umbrische sich beruft. Das etymon 
ist lat. vi-Sy griech. i-g f. *^ kraft' (instr. l-cpt ^mit kraft'): 
m-ro'S adj. ^kraftversehen' ist gebildet wie griech. layl)- 
-^o-g*^ kräftig', o/^Ci^-^d-g 'jammervoll' und andererseits sanskr. 
madhü-rd-s 'süssigkeit habend, süss', dsu-ra-s *^lebendig', mit 
der bekannten häufigen function des secundärsuffixes -ro- 
(Bugge Kuhns zeitschr. XX 28., verf. forschungen I 78., 
Lindner altind. nominalbild. 144 ff.). Mittelbar wird durch 
ui-rö-s also auch für ni- 'kraft' alte doppelformigkeit, 
uT- und *w?'-, wahrscheinlich gemacht. 

Sanskr. ved. nachved. si-ra- n. m. 'pflüg'; abulg. russ. 
si-lo n. 'seil, strick' == ahd. si-lo m., mhd. si-lcj si-l m. 
'geschirr für Zugvieh, riemenwerk des Zugviehs, siele'. Zu 
Wurzel indog. sai- 'in eine feste läge bringen', vergl. s. 133 f: 
1 43 f. Daraus folgt auch für das slavische wort, wie oben für 
germ. si-men- (s. 143 f.), die Sicherheit, dass es indog. i ent- 
hält. Die wurzelstarke themaform wäre im slavischen abulg. 
*se-lo == anord. ahd. mhd. sei-l^ ags. *«-/, alts. se-l n. 'seil', 
indog^ säi-lo-m, dessen accent noch ved. si-ra-m hat. Im 
westslavischen heisst es zwar mit suff. -dlo poln. si-dio^ cech. 
*/-fi?/o'laqueus'; das macht mich aber an ursprünglichem -/o- 
nicht irre, da ich glaube, dass öfter in diesen dialekten bei 
alten nomina instrumenti mit -lo das viel häufigere -dlo sich 
eindrängte, z. b. auch bei ^o\vl. szy-dlo^ cech. äz-^/o 'subula' 
gegenüber abulg. neubulg. slov. si-lo^ kleinruss. ^sy-lo = lit. 
siü-la-s m. 'faden zum nähen, zwirnsfaden'^ ahd. siu-la f. 
'subula'. Ist griech, alX-ovQo-g m. f. 'katze, wiesei' eigent- 



— 155 — 

lieh ^seilschwänzig, schwänz wie ein seil habend'? *aik-ov- 
Qo-g könnte im anlaut angelehnt sein an aUlo-g^ wovon Butt- 
mann lexil. II 77. und Passow handwörterb. u. d. w. aik-ov- 
qo-g direet ableiten wollten. Wenn ahd. silo die lautgesetz- 
liche form des nom.-acc. sing, des alten neutralen o-themas 
urgerm. A-27ö(7/z) ist, die westgermanisch bei der kurzen Wur- 
zelsilbe nicht synkopierte nach Paul in seinen beitr. VI 114. 
160., so würde diese casusform den übertritt in die masculine 
/^ - declination veranlasst haben. 

Sanskr. ved. si-ra f. *^strom^ = sanskr. ved. si-rä f. 
'rinnsal' (rgv. I 121, 11.), nachved. ^eine der drei gattungen 
von gefässen des menschlichen körpers welche flüssigkeiten 
führen, ader, Wasserader', plur. ^aderartig sich kreuzende 
linien', ved. nachved. su-shi-rd- adj. *^gutes gerinne habend, 
hohl (von röhren)', m. *^rohr, bambusrohr', n. 'höhlung, ein 
blasinstrument, luftraum'. Die herleitung von würz, sanskr. 
sar- (Böhtlingk- Roth VII 1011. 1018., Grassmann wörterb. 
z. rgv. 1521. 1522., Lindner altind. nominalbild. 152. 166.) 
geht nicht an, da sie nur die eine form sira (alsdann aus 
"^srr-a) erklären könnte. Da 'strombette, ader' die grund- 
bedeutung sein kann, so mag die wurzel dieselbe sein, wie 
für si-ra- ^pflug', si-man-lä-s *^scheitel, grenze', nemlich indog. 
.va/-; ädern und Strombetten sowie röhren sind rinnsale, die 
flüssigkeiten in einer bestimmten, fest umgrenzten richtung 
halten und weiter leiten. Vergl. s. 144. über griech. al-/m. 

Abulg. vyd-ro n., abulg. russ. cech. vijd-ra^ poln. wj/d-ra 
f. "^fischotter'; lit. üd-j^a f., lett. üd-r-i-s m. (-/o-stamm) *^otter' 
= sanskr. ud-rä-s m. *^ein bestimmtes wassertier, krabbe, 
fischotter'; avest. ud-rö m. Vasserhund, fischotter'; griech. 
vö-Qo-g m., vö-qä f. Vasserschlange , hydra'; anord. ot-r^ 
ags. ot-07^ ot-er^ ahd. olt-er ott-ir ot-er odd-er m. *^otter'. 

Griech. ^v-qo-v n. ^schermesser' (Draco 121, 16.); abulg. 



— 156 — 

sy-rü adj. '^roh^; lit. sü-ra-s adj. *^salzig\ lett. sü-r-s adj. 
*^ herbe'; anord. sü-r-r^ ags. ahd. mhd. sii-r adj. ^sauer, bitter' 
== sanskr. kshu-räs m. ^schermesser', kshu-r-i f. "^dolch, 
messer'; griech. §i;-(»o->' n., ^i;-(>o-g m/schermesser'. Draco 
a. a. 0. gibt die quantität des v in ^vq6-v als willkürlich an ; 
vielleicht kannte ebenderselbe auch ein ^vgo-g nach p. 118,25., 
WO- aber Spitzner griech. prosodie 108 a. ^rog emendieren 
möchte. Doch ist damit immerhin bei Dracons bekannter 
unzuverlässigkeit griech. '^vgo-v^ S^o-g nur mangelhaft ge- 
stützt. Das griechische hatte auch ein adjectiv ^vgo-Qj aber 
mit nicht bestimmbarer quantität des ^, nach Hesychs glosse 
^vqov ToiLwVj loxvov, o^v. Dieses mit dem adjectiv ;y?l - 
-rö-s des slavischen, litauischen und germanischen zu identi- 
ficieren ist von Seiten der lautform gestattet, da in ermange- 
lung des doppelconsonantischen anlauts ks- (und ps-) wol zu 
erwarten steht, dass hier die Wörter mit dieser im sanskrit 
und griechischen gewahrten anlautsgruppe die Vereinfachung 
derselben zu s- zeigen^). Von selten des begriflfes vereinigt 
sich alles divergierende — noch im mittelhochdeutschen be- 
deutet sür sowol "^bitter' als ''sauer'* — augenscheinlich unter 
der allgemeinen grundbedeutung ''dem geschmacke wider- 
strebend', was dann durch das griechische und sein verb 
'S,v-w näher als ursprünglich '^kratzend' bestimmt wird. 

Sanskr. 6'M-rfl -.9 adj. ^ stark, heldenhaft', m. *^held'; avest. 
sü-ro adj. 'stark, hehr, heilig', a-sü-rö *^unkräftig'; griech. 
a-xv-Qo-g adj. '^unkräftig, ungiltig', xv-Q-io-g adj. "^mächtig', 
m. '^herr', Kv-Q-og n. '^macht' = altir. cu-r m. '^held', gen. cu- 
radj zum ^stamm erweitert (Windisch Kuhns beitr. VIII 42.). 

Ahd. hlüt-ar hlütt-ar lütt-er (so bei Notker) adj. 'lauter', 

1) Vielleicht auch im lateinischen, da auch dort die anlaute ks-, ps- 
nicht erscheinen. Als ein lateinisches beispiel wage ich weiter unten 
s-uper aus "* x-uper aufzustellen. 



— 157 — 

mhd. lüt-ei'j nhd. laut-er == nfries. lolt-er, lott-re, Vergl. 
0. Schade altd. wörterb.^ 408. Got. hlut-r-s kann länge und 
kürze des u haben. Nicht so^ags. hlui-or hlutt-or, alts. 
hlntt-ar^ denen wol der mangel der „ brechung " zu ö indog. ü 
zuweist, sowie das neufries. lott-er wegen des Vorhanden- 
seins derselben indog. w hat. Daher bleibt die öfter be- 
gegnende kürze des m, wie in mittelniederd. lutt-er, auf rech- 
nung einer speciellen westgermanischen Verkürzung von ü 
zu setzen, deren lautgesetzlichen entstehungsgrund Paul in 
seinen beitr. VII 111. zeigt. Die schwächste tiefstufenform 
indog. kHüd- hat auch griech. y.lvö-cov m. Voge, wogen- 
flut, brandung', sowie wahrscheinlich -/.Ivtix) 'spüle, reinige^ 
(vergl. s. 70.). 

Sanskr. tü-la- n. 'rispe, wedel, büschel am grashalm, 
Schilf', m. n.'baumwolle', fM-/af.*'baumwollenstaude, dochtaus 
baumwolle'; griech. rv-Xri f. *^wulst, polster, pfühl, Schwiele, 
buckel' anthol. Pal. XI 14, 2. 315, 1. 2. ; abulg. ty-lü m. 'nacken'; 
lit. tü-la-s adj. pronom. *^so mancher' d. h. 'einzelne in nicht 
geringer zahl' (Kurschat deutsch.-litt. wörterb. II 44 a.), eigent- 
lich 'ein ganzer wulst' = sanskr. ved. tu-rd-s adj. 'kräftig, 
stark'; griech. Tv-Xo-q m. 'wulst, Schwiele, buckel', tv-16-€iq 
'schwielig' Nicand. ther. 272., rv-ko-io 'mache schwielig, ver- 
härte', Tv-Xrj f. 'wulst, polster, Schwiele, buckel' Eupolis bei 
PoUux VII 192. Antiphanes bei Pollux VII 192. X 40. (vergl. 
Meineke fragm. comic. Graec. II 1, 496. III 124.). 

Avest. tü-ro m. 'feind, Turanier' = avest. tu-?^ö m. 
'feind'. Justis zurückführung auf tau?'v- 'überwinden' lässt 
sich lautgesetzlich nicht rechtfertigen. Vielleicht war aber 
den Iraniern der turanische feind 'der starke, mächtige', und 
jenes ved. turd-s adj. wäre auch hierher zu stellen. 

Sanskr. ved. nachved. dü-rd-s adj. 'fern, weit'; avest. 
(Iü-?^ö adj. dass. = apers. du-ra adj. dass. 



— 158 — 

Sanskr. ved. su-i^a-s m. 'der aus der presse rinnende 
(soma)"* == sanskr. sü-rä f. 'berauschendes geistiges getränk^ 
liqueur'; avest. hti-ra f. 'getränk^*; lett. su-la f. 'saft\ 

Griech. 'i-lr] f. 'holz, gehölz, wald, Waldung, buschwerk, 
gesträuch, ge wachs, stoff, masse', homer. nachhomer. -Y-lri f., 
~Y-)Mi plur. nom. propr. einer Stadt in Boeotien IL B 500. 
Moschus III 89. == griech. homer. ^Y-lri f. name derselben 
Stadt IL E 708. H 221.; lat. si-l-va, mit „diaerese" poet. s^-liia 
(dreisilbig) f. ' wald \ -Aus *vlFr] erklärt sich nach J. Wacker- 
nagel Kuhns zeitschr. XXV 260 ff. (vergl. auch oben s. 50 f.) 
nicht homer. "y^i;, andererseits auch nicht att. vXrj. Also 
sehe ich lieber in lat. sUüa eine Weiterbildung mit dem kürz- 
lich von Wackernagel ebend. 282. besprochenen secundär- 
suffixe -uo-j -uä-'^): wie Miner-va = ^menes-vä 'die mit 
f,ievog begabte', so *sil-lä-vü 'die holzreiche' seil. regiOy wäh- 
rend griech. vXrj einfach als collectivum zu der bedeutung 
'wald' gelangte wie höh bei uns im deutschen. Die schwä- 
chere Stammform "^süla- von *sülä stellt sich zu homer. ^l- 
yA-d-oog u. a. bei verf. morphol. unters. I 270. anm. Es ent- 
sprang nun aus *sülävü zunächst '^siilitäy wie ab-luöy al-lm, 
col-luö, dl-luöy e-luöy pol-luö aus ^ab-lavö u. s. w.^), und 
wie e-luäcriis aus * e-lavücrus das simplex lavücrum begleitet 
(vergl. bereits Corssen krit. beitr. 151.); ähnlich demiö aus 
di novOy viduä aus *vidovä (s. 80. 125 f.). Mit dem i = 
indog. ü in dem historischen sUüa statt *sülüä wird es die- 
selbe bewandtnis haben wie hei fmu-s aus *fümo-s s. 125 f. 
So bleibt noch der Ursprung des zweisilbigen silva fUr und 



1) In der analyse von sanskr. vidhävä, griech. r;id'eos, lat. vidua irrt 
freilich Wackernagel, vergl. oben s. 80. 

2) Nach den compositis bildete sich dann auch ein neues simplex 
luere 'spülen' neben altlat. lavet-e 'waschen', gemäss dem s. 2. 2 f. anm. 
hervorgehobenen ausgleichungstriebe. 



— 159 — 

neben silua zu erklären. Die lateinische vocalsynkope in 
afi-cepSj prln-ceps^ vln-demiay in pcws^ mors^ sors, fors^ dös^ 
iiSy po?iSy in vit^ aus ^ ambi-cepsj * prJmi-ceps u. s. w., ^parti-s 
u. s. w. , * viros neben ihrem nichteintritt in denselben und 
in ähnlichen fällen (vergl. vlni-fei^y nom. sing, sortis bei 
Plautus, nom. sing, finis, orbis u. dergl.) bedarf einer er- 
neuten gründlichen Untersuchung, welche dann wol auch unser ' 
Silva aus silüa und solvö, volvö aus solüöy volüö — denn 
an der s. 32. geäusserten auffassung halte ich nicht fest — 
deuten wird; um accentabstufungen und darauf erfolgte ver- 
schiedene ausgleichung zwischen doppelformen handelt es 
sich auch hier höchst wahrscheinlich. Dass von dem drei- 
silbigen nur noch dichterischen sUüa im lateinischen auszu- 
gehen ist, dafür liegt noch ein indicium in dem t aus ü: 
solche vocalschwächung zu * (in in siliiä lautgesetzlich) er- 
fordert Offenheit der betreffenden nebentonigen oder unbe- 
tonten silbe, sonst tritt vor / ü ein oder bleibt ursprüng- 
liches M, vergl. in-silwe mit in-sultäre. Gurtius' Vermutung, 
über die wurzel von vlrj^ silva grundz.^ 373., dass es s%- 
*^procreare' sei, ist ansprechend. 

Griech. okv-Xo-v n. '^abgezogene rüstung^; lat. ob-scü-ru-s 
'dunker, eigentlich 'bedeckt'; lit. skü-ru f. 'das bedeckende 
feil oder die haut auf dem tierischen körper, auch abge- 
zogen'; mitteld. neuniederd. schü-l-en^ niederlän^. schuy-l-en 
'sich verstecken, sich verbergen' denom., mitteld. schül-hüs 
'hurenhaus', d. i. 'was versteckt ist' oder 'wo man sich ver- 
stohlen hineinschleicht', niederländ. schiiyl-hoeck und schuyl- 
winckel 'versteckwinkel, Schlupfwinkel', ahd. scü-Py mhd. 
schff'7' m. 'bedeckter ort, obdach, schütz' = griech. axiT-Ao-v 
n. 'tierhaut', besonders 'das abgezogene tierfell' Callimach. 
b. schol. Sophocl. Ai. 26., Nicand. ther. 422., Gy,v-l-og n. 
'abgezogene haut, hülse, schale' Theocrit. XXV 142., anthol. 



— 160 — 

Pal. VI 35, 2. 165, 2., Nicand. alexiph. 270.;, lett. sku-ra f. 
'hülle, haut, hülse, schale\ Vergl. Passow handwörterb. unt. 
axvXov, 0. Schade altdeutsch, wörterb.^ 811. 814 a. Von den 
friesischen Wörtern afries. skule schule f. *^hütte auf dem felde 
zum untertreten oder unterkriechen^ afries. saterländ. /w^e/- 
-skule Vogelhütte , vogelherd', nfries. schuwl 'versteck, das 
verbergen^ weiss ich die quantität nicht anzugeben. 

Got. sku-ra f. 'wetterschauer, Unwetter, hagel', sküra 
vindis "lallaxj/ {ü wegen des das ü brechenden r gesichert), 
anord. skü-r f , ags. alts. ahd. scü-r, mhd. schü-r m. 'wetter- 
schauer', auch 'schlachtschauer', engl, shower dass. , mhd. 
sfhü-re f. dass., mhd. neuniederd.^c/H/re/«' hageln, wettern und 
stürmen' denom. = got. vinpi-skau-rö f. 'worf Schaufel', ahd. 
sco-rcij mhd. scho-r f. 'schaufel', mhd. schü7'en schäm 'schü- 
ren' denom., mhd. schore?i 'schaufeln' denom. Zur etymo- 
logie vergl. Pott wurzel - wörterb. I 2, 700., wornach eine 
Wurzel sk^u- 'schnell bewegen-, schütteln, schiessen', mit 
sk^- wegen lit. szdu-ju, szdu-ti 'schiessen' trans. und intrans. 
und zum unterschiede von sk^u- 'bedecken', zu gründe liegt. 
0. Schades vermittelung der beiden schauer altd. wörterb.^ 
814 a. {„wettei^schauer, weil er plötzlich einhüllt und mit 
seinen niederschlagen alles bedeckt") ist überdies zu ge- 
sucht. Das masculin ags. alts. ahd. scür, mhd. schür führt 
Behaghel German. XXIII 273. einleuchtend auf das feminine 
got. sküroj anord. sküry mhd. schüre zurück. 

Ahd. scüf-la scüf-ala^ mhd. schuf -ele schuf -el f. 'schaufei ' 
= avest. suf-ra f. 'pflüg'; schwed. skofv-el^ dän. skov-l^ ags. 
scof-l sceof-l f., neuengl. shov-el^ neuniederländ. schojf-el f. 
'schaufei, schuppe'. Den nachweis der germanischen doublette 
verdanke ich dr. Kluge. Des hochdeutschen / wegen muss 
urgermanische accentverschiebung (skuf-lo) angenommen 
werden. Die bei Graff sprachsch. VI 459. belegten /> -formen, 



— 161 — 

scem-scuble *^vatillae' aus Sg. 283. (9. jahrh.), uuint-scublun 
aus Tg. 4. (10. jahrh.), siud also vielleicht von älterem habitus. 
In schaufei liegt auch, da man an dessen verwantschaft mit 
schieben y got. af-skiubaii, ahd. sciubaii doch festhalten wird, 
der beweis, dass man das -b- .des verbums = indog. -y?- zu 
setzen hat, wie ich oben s. 11 und vorher schon Jurmann 
Kuhns zeitschr. XI 390. tat, dass also die auch des anlauts 
wegen weniger befriedigende vergleichung von schieben mit 
sanskr. kshobh-a-te ^ kshübh-ya-ti ^ kshubh-na-ti *^gerät in be- 
wegung oder aufregung"* (Fick wörterb. IIP 338., 0. Schade 
altd. wörterb.^ 799 b. 809 a.) zu verwerfen ist. Avest. svfra^ 
dessen von Justi handb. d. zendspr. 296 a. angegebenes in- 
disches Schwesterwort sanskr. cüpra- nicht zu existieren 
scheint (Böhtlingk - Roth im Petersb. wörterb. haben es nir- 
gends), erweist indog. s¥- als wurzelanlaut , so dass auch 
lit. sziüpele f. ^ Schaufel^ nicht notwendig germanisches lehn- 
fcwort zu sein braucht. Avest. s = indog. sk^ wie in jasaiti 
== griech. /i«(jx£^, mdiO^. ij^iii-sk^e-ti^ in shusaiii == indog. 
k^iu-sk^e-ti (s. 34.); dagegen ist indog. sk'^ = avest. sk und 
vor palatalen vocalen scy letzteres in scihdai/eiti (vergl. lit. 
skedzu), kas-citj aspas-ca u. a. Im sanskrit aber fielen indog. 
sk^ und indo-iran. sc zusammen ; daher chup-d-ti und gdcchatiy 
rcchäti so gut mit ic)ch wie chid-, chiiiäd-mi^). Auch an 
sanskr. tan cha(^an acc. plur., aus "^tCims QacCrn (tan ca(;än 
dafür durch neubildung), hat unsere beurteilung des anlauts 

1) Für sanskr. käg-cid^ ägvag-ca u. dergl. möchte ich nicht an- 
nehmen, dass sie durch einfluss der sonstigen fälle mit cid, ca nicht 
historisch als "^kac-chid, *a^vac-cha erscheinen; das widerrät ^a-f6'-ö-^« 
= griech. t-an-e-xo (würz. sek'^). Eher wäre denkbar, dass eine zwie- 
fache altindische behandlung des indo-iran. sc je nach der Stellung im 
an- oder inlaute stattfand, also dass lautgesetzlich chhmdmi, aber imperf. 
*ä-^chiada?n entsprang, darnach ausgleichung eintrat; vergl. oben s. 55. 
anm. über sanskr. Or- und -mr- = ursprüngl. /fir-. 

Ostliort' u. Brugmau untersuch. IV. \l 



— 162 — 

des sanskr. chup-d-ti eine stütze; sanskr. indrah curdh und 
indrar cürah (Whitney ind. gramm. § 172. s. 59.) dürfen wir 
beide für nicht lautgesetzliche neuerungen halten. 

Für folgende -rö-, -/ö-bildungen mit 7, ü weiss ich die 
nebenform mit ^, n nicht oder nicht mit Sicherheit nachzu- 
weisen. Sanskr. cri-lä-s^ avest. sri-ro adj. 'schön\ Sanskr. 
Arnz-r«-* adj. Vund, blutig, grausam, roh, hart', avest. Mrz^-rö 
adj. "^verwundend, schrecklich'. Sanskr. cu-la- m. n. *^brat- 
spiess, spiess, wurfspiess', avest. gao-sü-ra f. Manze'. Griech. 
Ttv-Qo-g m. Veizen', abulg. pi/-ro n. *^spelt', lit. pü-rai^ lett. 
pü-m m. plur. *" Weizen'. Lit. pü-l-iei m. plur. ""eiter', (got. 
ßi-l-Sj) anord. fu-l-l^ ags. ahd. mhd. fü-l adj. 'faul'. Sanskr. 
ved. mü-rä-s adj. '^stumpfsinnig, blöde, dumm', ved. mü-rd-s 
adj. *" drängend, stürmisch', sanskr. mu-la- m. n. Vurzel', ahd. 
mü-la f., mitteld. mü-lc f., mhd. mü-l n. *^maul, Schnabel', 
anord. mü-l-i m. "^maul, schnauze, hervorragende felsspitze, 
in die see ragende landspitze' fwurzel des baumes' und 
'maul der tiere' als 'das hinausgeschobene, hervorgedrängte, 
vorsprang', vergl. s. 21 f.). Abulg. chy-la f. 'betrug, bosheit' 
eigentlich 'anzettelung' (auch chy-na f. 'fraus', chyniti 'deci- 
pere', chy-tru adj. 'artificialis, callidus, prudens' gehören 
wol zu indog. f^iü-^ sü- 'nähen'), lit. siu-la-s m. 'faden zum 
nähen', ahd. siü-la und sü-la f., mhd. siu-le f. 'subula, ahl, 
pfriem'. Sanskr. sthü-rä-Sj sthü-ld-s adj. 'grob, dick, gross, 
massiv', griech. orv-lo-g m. 'säule, pfeiler, pfähl, pfosten', 
lett. stü-1's adj. 'hartnäckig'. Sanskr. cf-la-m n. 'gewohn- 
heit, angeborne oder anerzogene art und weise zu sein, Cha- 
rakter'; dhf-ra-s adj. 'verständig, weise, einsichtsvoll'; cild- 
-rd'S m. 'mann der vierten käste'; ved. rü-rd-s adj. 'hitzig' 
vom fieber (vielleicht zu würz, reii-^ lat. ru-ere^ also 'reis- 
send'). Avest. güz-rö adj. 'verborgen'; hf/j-rö m. nom. propr.; 
mrü-rö adj. 'hart, dick'. Griech. /7-Ao-g m. 'futter'; ?//7-Ao-g 



— 163 — 

adj. '^ bloss, nackt, kahl'; ov-lo-v n., av-la n. plur., av-lai f. 
plur. ""raub, tempelraub, repressalien, kaperfreiheit'; yu-go-g 
adj. *^rund, gerundet, ausgebogen', yl-Qo-g m. *^rundung, ring, 
kreis"* (zu yv-alo-v n. ^böblung, Wölbung'); yQv-Xo-g m. 
*^ferkel, scbweinchen'; x^-^o-g m. ''saft, feuebtigkeit', eigentl. 
"^guss'; -O-Qv-Xo-g m. ""gemurmel, gerede'; cpv-Xo-v n., cpv-Xi] f. 
'gescblecbt, gattung, stamm'. Anord. hü-r n., ag^. bü-j^^ abd. 
Im-r pü-?' m. Vobnung, baus'; abd. süh-ar süb-er^ mbd. 
süb-er und um -/ö-suffix erweitert abd. alts. .?/<^-r-?"'sauber' '). 
Bereits Kluge german. conjug. 13. sab bei den germaniseben 
-rö-, -/ö-adjectiven das abwechseln von „debnung und 
schwacher vocalform" und dass „die debnung auf die un- 
betonte Wurzelsilbe beschränkt ist". 

Dass Wurzelabstufung auch bei den -rö-, -/ö- stammen 
herrschte, erscheint sicher. Man beachte z. b. lett. swid-ri 
m. plur. ^sch weiss' neben griech. homer. lö-Qo-g (d. i. id-go-g 
oder lö-Qo-g oder beides); got. bäit-r-s adj. '^bitter' neben 
anord. hit-r^ ags. hii-o,r ^ alts. abd. hitt-ar (so fasst in got. 
baü-r-s auch H. Möller Paul -Braunes beitr. VII 516. das ai 
auf) ; anord. skj6-l n. ^'obdacb, Zufluchtsort, schütz, versteck' 
neben indog. .9Ä:^w-/ö- ^'bedeckendes' (s. 159 f.). Dazu kommt 
die Stellung des verschobenen accents auf /', u und /, ti (sowie 
auf f) in manchen der genannten und in anderen sanskriti- 

1) Es haben Bopp glossar. compar.^ p. 391 b., Graff ahd. sprachsch. 
VI 70. und Hugo Weber etymol. unters. I 25. an die gleichung germ. 
sü'b-rö-s = sanskr. ^ubh-rd-s adj. 'schmuck, schön, klar' gedacht. 
Dieselbe Hesse sich, wie auch schon Pott bemerkt wurzel-wörterb. V 394 f., 
„nur unter Voraussetzung von nicht - ursprünglichkeit des f " aufrecht hal- 
ten, wenn man nemlich annehmen dürfte, dass sanskr. ^ubh- 'schmücken, 
herausputzen, verschönern' im anlaute an das synonyme sanskr. ^udh- 
'reinigen' angelehnt sei, dass also suhhra- mahäbhär. VIII 1765. wol nicht 
„fehlerhaft für ^uhhra-'' stehe (Böhtlingk-Roth VII 1()!»3.). Auch „sübli- 
van- liest Säy. statt (^ühlwan- rgv. IV 38, 6. s. v. a. 'wohlaussehend'" 
(Petersb. wörtcrb. ebend.). 

11* 



— 164 — 

sehen -r«-, -/a - bildungen, der auch Böhtlingk-Roth Petersh. 
wörterb. VII 281. anm. an gfdh-ra, dhi-ra-^ vip-ra-y pu-ra- 
auffiel und gemäss unserem nachweise (oben s. 160 f.) in ahd. 
scüf-ala *^schaufel^ sein germanisches analogon bekommt. 
Eine eingehendere Untersuchung hat zu zeigen, ob mittel- 
stufe, wie in anord. skjö-l^ oder hochstufe, wie in got. bäit-r-s^ 
oder beides mit z, u in den casus mit unbetonter Wurzelsilbe 
abwechselte. Dabei würden auch die -ro- von den -/ö-bil- 
dungen, sowie die primären themen von den secundären (wie 
indog. ui-ro- ^mann"* s. 153 f.) zu trennen sein, was für 
unseren zweck nicht von nöten war. Des Stammwechsels 
wegen kann vorläufig nichts bestimmteres ausgesagt werden 
über das i von abulg. pi-ril m. ''compotatio , convivium^; 
abulg. vi-rü m. 'vortex^, anord. vi-r-r^ ags. vi-r m., engl. 
wi-re "^metalldraht^ (nebst lat. vi-r-iae f. '^armspangen'* mit 
unbestimmbaren i zu indog. we/-*" winden', vergl. s. 98. 106.) ; 
got. skei-r-s^ anord. ski-r-r, ags. sci-i^^ alts. ski-r^ neuniederd. 
schi-r adj. ^rein, lauter, hell, klar'; über das ü von lat. 
dü-ru-s adj. *^hart', pü-ru-s adj. '^rein' u. a. dergl. Von un- 
seren beispielen werben vornemlich dadurch betroffen, also 
sind unsichere zeugen für indog. «, ü abulg. ci-lu ""gerastet 
habend' und germ. hwi-lä-^y^Q\\Q (s. 152.), lat. ob-scU-ru-s 
*^ dunkel' (s. 159.). Dagegen bleibt für germ. i^-l6- ""eitel', 
wie ich s. 149. schon bemerkte, indog. ~t wegen der mittel- 
stuf enform der Wurzel (aidh-) gesichert. 

T. Nomen mit suff. (-^e/-) -lei-: 

Sanskr. tu-li-s f. ""pinsel', tü-lt f. *^baumwolle, docht, 
pinsel' == sanskr. tu-ri-s f., tu-ri f. ""die bürste des webers, 
weberschiff', tu-li-s f., tu-li f. *^die bürste der weher, pinsel, 
bürste'. Vergl. s. 157. sanskr. tü-la- nebst zubehör. 

Sanskr. ved. nachved. bhu-ri-s adj. ^reichlich, massen- 
haft, bedeutend, gross, gewaltig, viel, häufig, zahlreich', 



• — 165 — 

hhü-ri n. adv. ^reichlich, oft, vier; avest. hü-iri n. "^ fülle, 
Vollkommenheit'; abulg. by-lii, *^kraut^ als *^das volle, üppige, 
reichlich wachsende' (vergl. ved. ydvasasya bureh *^reicher, 
üppiger weide' rgv. VII 93, 2.), by-l-ije n. dass., by-li m. 
(gen. bylja) ' i^ayioTavcov elg, primatum unus' = sanskr. ved. 
bhu-iH-shä'h- adj. Siel in sich fassend' rgv. IX 88, 2.; griech. 
(pv-Xlo-v n. *^blatt, kraut' aus *cpv-X-io-v] \2ii. fo-l-iu-m n. 
*^blatt'. Während bylije^ cpvllovj folium wol coUectivbil- 
dungen sind, ist das masculine slavische bjj-U == sanskr. 
bhu-ri-s nur in die analogie der -/ö- stamme tibergetretener 
alter -e/-stamm; vergl. Leskien handb. d. altbulg. spr. § 51. 
anm. 3. s. 31. Durch welches gesetz kommt ö statt ii in 
lat. foliu-m'^ 

U. Nomen mit suff. -reu- {-leu-?): 

Sanskr. ved. pü-rü-s m. *^mensch, leute', als nom. propr. 
bezeichnung eines volksstammes , nachved. pü-rus m. nom. 
propr. eines alten fürsten (nach Böhtlingk-Roth IV 790. die 
ältere form von pu-ru-s\ ved. pu-ru-sha-s m. '^mann, mensch, 
person', a-pürushä-s adj. ''unbelebt' (rgv. X 155, 3.), nach- 
ved. antai^a-pürusha-s m. *^der innere mensch , die seele' == 
sanskr. pu-rii-s m. nom. propr. eines alten fürsten, pü-ru- 
-sha-s m. ""mann, mensch'. Die ableitung des 'pütni- von par- 
'füllen' (Grassmann wörterb. z. rgv. 844.) und Lindners da- 
mit zusammenhängende annähme eines Suffixes -ü- (altind. 
nominalbild. 61.) scheitert aus demselben gründe, wie die- 
jenige des sira von sar- (s. 155.); über pür-aya-ti ^füllt' 
sieh weiter unten. Die wurzel ist vielmehr pu- ^zeugen, mann- 
bar sein oder werden' in sanskr. pu-trd-s ""söhn', pu-mä?ns- 
"^mann, männliches wesen, mensch', lat. pii-tu-s *^knabe', osk. 
pu-klo-, sabell. pu-clo- ^sohn, kind' (Bücheier rhein. mus. 
n. f. XXXIII 15 f. lexic. Ital. XXIII b.), lat. pü-bes 'mann- 
bar'; vergl. Curtius grundz.^ 287. 



— 166 — • 

In der bildung gleicht dem yü-i'ü-s völlig isanskr. bhi-rü-s 
adj. *^ furchtsam^; dem pu-rü-s vielleicht lat. pi-ru-s f. ^birn- 
baum', vy^ofern dies ursprüDglich ''der strotzende"* und mit 
sanskr. ved. pe-ru-s adj. ^schwellend, gähren machend", pe- 
-rü-s adj. 'trinkend^* aus einem paradigma hervorgegangen ist. 

V. Nomen mit suff. -wö-: 

Sanskr. ji-vd- adj. 'lebend, lebendig'', m. n. 'leben*, 
ji-vd-tha-s m. 'leben', ji-v-ya-s adj. 'lebendig^*, ji-va-ti 'er 
lebt* praes.; slyg^I ß-v-yö adj. 'lebendig'; lat. vi-vo-s adj., 
vi-vi-t praes.; altir. biu beo adj. 'vivus'; abulg. zi-vU adj. 
'vivus*, ^/-üö-^Ä m. 'leben*, zi-ve-ti'^'^Wit' praes.; Y\i. (jij-va-s 
adj. 'lebendig^, yy-va-ta f. 'leben"* = apers. fi-va subst. 
'leben*, avest. ß-va-iti 'hhi' praes. yt. XXIV, 1. (vergl. Justi 
handb. d. zendspr. 112 b. unt. 2,jaiti-)j supers. fi-va-ky 'du 
lebst* praes., j'i-vä 'lebe' imper. praes.; griech. ßt-o-g m. 
'leben"*, ßt-o-ro-g m., ßX-o-xfi m. 'leben, lebensunterhalt*, 
homer. ßX-o-fisod-a 'wir leben, werden leben* hymn. in Apoll. 
Pyth. 350. aus * ßX-fo-f^ao^a praes. als futur gebraucht (vergl. 
Curtius verb. d. griech. spr. IP 316.), ßl-o-to 'lebe* denomin.; 
altir. bethu beothu m., gen. bethad, stamm *bi-vo-tät- 'vita*, 
biad n., gen. biük biid, stamm ^bi-vo-to- 'victus* (Windisch 
bei Curtius grundz.* 477. Paul-Braunes beitr. IV 222 f. kurzgef. 
ir. gramm. § 82. s. 19. § 112. s. 31. § 134. s. 35.); got. qiu-s 
adj. 'lebendig', stamm qi-va-. Die wurzel ist /y^e/- 'oben 
aufsein, leben, siegen"* (vergl. s. 72 f. 97. 111. anm). Das 
verb g^i-ne-ti ist darnach entweder als eine indogerma- 
nische praesensbildung mit süff. -?iö-, 'if^- anzusehen, die 
sich zu dem nominalstamme mit demselben suffix ebenso 
verhält wie zu einander die praesens- und nominalstämme 
auf -iö- -ie-y auf -tö- -te-. Oder man kann annehmen, dass 
ein grundsprachliches jod -praesens ^'^^-/ö, reflectiert durch 
lit« 9I/'ß^ ''lebe aul, werde gesund, werde heil* und homer. 



— 167 — 

ßX-6-(.ieö^a (darnach dann aus "^ßl-io-i^ua^a) bereits vor 
der ersten Sprachtrennung nach der analogie des nominalen 
-/{o-stammes g^t-uö- ^ich zu g^t- uö umgestaltete und beide 
praesensformen dann neben einander fortlebten. 

Sanskr. ved. pi-va-s adj. 'fett' rgv. I 187, 8. 9. 10. aita- 
reya-brähm. 113. (wo aber auch der a- stamm pivas- mög- 
lich, vergl. Böhtlingk-ßoth IV 748.), ved. pi'-vas- n. 'fett, 
speck'; griech. 7cl-o-g adj. 'fett, feist, fruchtbar' Epicharm. 
bei PoUux 1X79., Orph. Argon. 508., Trl-o-r^^o-g compar. 
Homer, bymn. in Apoll. Del. 48., 7Ü-6-TaTo-g superl. domer. 
IL / 577., Hesiod. oper. et di. 583., Bacchylid. in anthol. 
Palat. VI 53, 2. , 7ci-os n. 'fett' (nur bei Hippocrates zu be- 
legen); abulg. pi-vo n. 'trunk, berauschendes getränk', als 
'Schwellung, fetttrunk'; lit. py-va-s m. 'hier' = avest. pi- 
-vai'ih- n. 'fett', pivas-ca acc. sing. vend. XVIII 115. Der 
unverkennbare anspruch des abulg. pi-vo , lit. py-va-s auf 
morphologische Zugehörigkeit zu dieser gruppe, der auch 
Fick wörterb. P 144. 674. sich aufdrängt, bestätigt weiter 
unsere s. 41 ff. entwickelte ansieht über /??- 'trinken'; vergl. 
auch noch jclaXeiq 7c6oig bei Nicand. alexiph. 360. Es könnte 
sein, dass sich das -wo-thema als nicht grundsprachlich aus- 
wiese ; denn auch das slavische und litauische nomen leiden 
die zurückführ ung auf ein ursprüngliches neutrum auf -06\ 
Im griechischen konnte es zu einer adjectivischen ö-decli- 
nation kommen, wenn sich das ererbte neutrale Substantiv 
7ciog in der weise, wie es Brugman morphol. unters. II 
232. anm. von 7ciaQ zeigt, zum adjectiv ausbildete (vergl. 
oben s. 101.) und mit 7clovy dem neutrum des ererbten -uen- 
Stammes {jciov- == sanskr. phan-y sieh unten) sich zu- 
sammengesellte; vergl. zweideutiges 7tlov als neutrales Sub- 
stantiv bei Nicand. alexiph. 77. Es bliebe unter solchen 
umständen jedenfalls das neutrum auf -os in der doppel- 



— 168 — 

• 

form indog. pi-uös \m^ pi-u6s n. ^fett, fetter trunk' ge- 
sichert. 

Avest. vis-po pron. adj. *^ganz, all' == sanskr. vic-va-s 
pron. adj. 'jeder, all, sämmtlich, ganz'; apers. vis-pa-zana 
adj. *^aus allen stammen bestehend'. Nach der von J. Wacker- 
nagel Kuhns zeitschr. XXV 282. angedeuteten etymologie 
wäre indog. uik^-uö-s eigentlich *^den stamm, das (ganze) 
Volk betreffend'. Es ist mir aber zweifelhaft, ob dieselbe 
secundäre stammbildung voraussetzende auffassung auf apers. 
visa^ abulg. vm, lit. visa-s^ lett. wis, apreuss. wissas passe. 
Ich vermute für diese herkunft von einem indog. iiisö-s^) 
und die gleiche wurzel mit sanskr. vish- in vi-vesh-ti *^ bringt 
zu Stande, bringt fertig', vishu ""nach beiden selten hin gleich', 
vergl. besonders sanskr. vishücina- adj. *^nach beiden selten 
hinaus gehend' und *^sich überallhin verbreitend'. Im alt- 
persischen beruht visa statt "^visha auf einer gemein - altira- 
nischen lautgesetzlichen verwandelung des sh (== indog. s) 
in s% So geschieht auch dem lit. s in vha-s genüge, das 

1) Die reste der älteren o-flexion des abulg. vtsi sieh bei Leskien 
handb. d. altbulg. spr. § 46. s. 44. Die abweichungen davon bewirkte 
die analogie der pronomina abulg. ^1 und si. Von diesen letzteren ist 
übrigens si, ursprünglich alter e- stamm indog. k^i- = lat. ci-, lit. szi-, 
germ. hi- (Fick wörterb. I^ 549.), selbst schon durch Jif vielfaeh beein- 
flusst. Auf der alten z-flexion beruhen nur noch der nom. und acc. 
sing. masc. si\ im feminin ist si nom. sing. == indog. k^t, sija acc. sing. 
== indog. k^ij^äm, sije acc. (nom.) plur. = indog. kiianSy formen des 
movierten l- (-£«-) feminins (vergl. verf. morphol. unters. II 15. anm.). 
Aber neuschöpfungen sind z. b. se nom.- acc. sing, neutr. , sego gen., 
semu dat. sing, masc- neutr., nach je, jego u. s. w. Ebenso dann vts\ 
vise, visego wie ß st, je se, jego sego-, der ^-laut von viso-, *vtsü 
mochte bewirken, dass es von to-, tu abrückend sich näher an s^ an- 
schloss. 

2) Wie ebenso noch apers. isu- 'pfeil' == avest. ishu- m., sanskr. 
ishu- m. f., griech. i-6-s und avest. ist- m. oder n. 'eis' = anord. is-s m., 
ags. fries. ahd. ts n., beide von würz, indog. Is- 'schnell entfahren, ent- 



— 169 — 

man anderen falles eher mit Fick wörterb. P 219. 784. auf 
slavischen einfluss zurückzuführen als zur stütze undenkbarer 



schlüpfen, gleiten' (oben s. 1.); vergl. Fick wörterb. I^ 30. Ich vermute 
dieses gemein -iranische dissimilationsgesetz : vor einem in demselben 
Worte nachfolgenden sh (oder avest. sH) ging iran. sh in s über. Dann 
hätte avest. isdisU gen. sing., die einzige von isi- 'eis' belegte casusform 
(vend. IX 13.), lautgesetzliches s. Indo-iran. ishu- 'pfeil' musste zu iran. 
isu- werden im nom. sing, avest. *isus/i, apers. *istts7i, im gen.-abl. 
sing, avest. *isaosh', apers. *isaush, im loc. plur. avest. *isushu, apers. 
*isushuvä, endlich im instr. plur. avest. *isubisH, apers. *isubish. Sonst 
aber blieb sh in ishu-, also im nom. plur. avest. ishavo, ishavas-ca, im 
gen. plur. avest. ishunäm, apers. *ishuväm. Dann erfolgte ausgleichung 
in verschiedener richtung in beiden dialekten ; daher durch analogie- 
bildung avest. ishusK nom. sing,, apers. isuväm gen. plur. Bei apers. 
*visha 'all, ganz' hub das s an vom gen. plur., loc. plur., instr. plur. 
masc.-neutr. pronominaler declination: *visaishäm, *visaishuvä, *visai- 
hish. Darnach dann apers. visa- in visa-dahyu adj. comp, 'alle länder 
darstellend' und im nom.-acc. sing, neutr. visam, der einzigen auf den 
keilinschriften belegten casusform von nominaler bildung, wie im sanskrit 
vicvam, särvam neben vieve vi(^vesham, särve sdrveshäm, im zend vtg- 
pem neben vispe vhpa^shäm. Eventuell ist der instr. plur. avest. *wm- 
1)1811, apers. *isuhish, *visaibish auszunehmen, indem vielleicht nur ein 
im auslaute derselben oder im anlaute der unmittelbar nachfolgenden 
silbe stehendes sh (sH) so dissimilierend auf vorhergehendes sh wirkte; 
dann dürfte man aber wol zum ersatze für apers. visa auf die ältere 
instr.- plur.- form *vismsh (vergl. avest. täisH, vtspäisH == sanskr. taiSy 
vicvais) zurückgreifen. Fick a. a. o. erwähnt als beispiel für iran. s 
statt sh auch noch avest. tris- 'husten', 3. plur. imperf. tuseii vend. III 106. 
(nach Hang essays 207. vielmehr 'they whine', vergl. Bechtel üb. d. be- 
zeichn. d. sinnl. wahrnehm. 82.). Aber damit hat es unstreitig eine an- 
dere bewantnis. Denn das lat. tussi-s weist andere wege als die zu einer 
wurzelform indog. tus-\ es kann nicht aus *ius-ti-s entstanden sein wie 
ves-ti-s, iis-tu-Sj ges-tu-s, gus-tu-s, gus-t-ure u. dergl. zeigen, vergl. 
Froehde Bezzenbergers beitr. I 178 ff. Supponieren wir aber vorhistor. 
lat. *tuts-ti-s, so ist alles in Ordnung; muss man ja doch nach den 
neuesten Untersuchungen von Verner anz. f. deutsch, altert. IV 341 f. und 
Brugman morphol. unters. III 131 ff. gerade als Vorstufe für die latei- 
nische und gerinanische Verwandlung von ursprünglichem doppeldental 
in SS ein tst mit secundär entwickeltem s voraussetzen (lat. fossa aus 



— 170 — 

sprachgeschichtlicher constructionen (vergl. auch Delbrück 
einleit. in d. sprachstud. 124 f.) zu benutzen hätte. 

Das altpreuss. gey-wa-s 'lebendig^ gey-wa-ns acc. plur. 
'die lebendigen' neben gy-wa-n subst. acc. sing, 'das leben' 
(Fick wörterb. IP 553.) deutet auf wurzelabstufung hin, daher 
lat. vi-vO'Sj abulg. zi-vüj ferner abulg. pi-vo als nicht durch- 
aus sichere beispiele für indog. i bezeichnet werden müssen. 

W. Nomen mit suff. -ue?i-: 

Sanskr. ic-va-i^ä-s adj. 'vermögend, im stände' m. 'herr, 
gebieter, fürst, könig' = avest. is-van- adj. 'vermögend, stark', 
is-vä nom. sing. ys. XLII 14. XL VI 4., is-va-tö abl.-gen. 
sing. yt. XIII 96. Sanskr. ic-va-?m-s beruht auf einem */V- 
-vafi' wie pi-va-rä-s^ griech. 7Ci-a-q6-g auf pfvan-j m-wv 
(Fick wörterb. P285f., Brugman morphol. unters. II 240 f.). 
Wenn wir den genitiv avest. üvatö vai^äzahe 'des starken 
Varäza' so verstehen, wie Fick Bezzenbergers beitr. V 183. 
griech. rijca-^og^ dovQa-rog^ so können wir der Justischen 
ansetzung eines besonderen themas isvant- handb. d. zendspr. 
58 a. entraten; über Vermischung der ablativ- und genitiv- 
formen und - constructionen im avesta handele ich morphol. 
unters. II 106 ff. 

Griech. xll-aiv(x) 'wärme, erwärme' (Aristoph. Lysistr. 
386., Alexis b. Athen. IX p. 379 B., Apollonidas Smyrn. in 
anth. Pal. IX 244, 4.) aus "^ylT-ßti-iix) denom., ykl-a-QÖ-i; adj. 
'lauwarm, lau' (Aristoph. Acharn. 975., Magnes b. Athen. XIV 
p. 646 E.) aus ^xü-ßn-qo-g (Brugman morphol. unters. II 205. 

*fotUi, *fotstäy ^fotsä). Indog. tut-s-y die um „determinierendes 5" er- 
weiterte Wurzel tud- 'stossen', konnte 'husten' oder 'wimmern' bedeuten, 
sowie noch andere geräusche bezeichnen in anord. pyss m. 'an uproar, 
tumult', pysja 'to rush', ahd. dösön 'tosen'; vergl Bechtel a. a. o., verf. 
oben s. 10. Wegen avest. s aus ursprünglichem ts sieh Justi gramm. 
§ 82. , Hübschmaun Kuhns zeitschr. XXIV 350. , verf. morphol. unters. 
II 2. anm., Brugman ebend. III 137 f. 



— 171 — 

241.) = griech. iXl-aivio denom. (Aristoph. eccles. 64., So- 
phocl. b. Athen. XIII p. 604 F., Meleager in anth. Pal. V 151, 6. 
165,4. 172,2. XII 63, 4. 125,8.), yXl-a-^o-^ adj. (Nicand. 
alexiph. 360. und bei Athen. III p. 126 C. emend. Casaub.). 

Sanskr. ved. nachved. yi-van- adj. *^schwellend, strotzend, 
voll, feist, fett', pi-va-rä-s adj. "^ feist, fett', pf-va-r-i adj. fem.; 
griech. m-wv adj. *^fett, feist', 7Ü-alvco *^mache fett, mäste 
dünge' denom., 7cl-aQ n. *^fett', TtT-a-Uo-g adj. 'fett, feist' 
(anthol. Pal. VI 190, 10. 299, 2., Nicand. alexiph. 360.) == 
griech. 7ti-alv€c *^mästet' denom. ganz spät bei Gregor. Naz. 
(vergl. Morell-Maltby lex. Graeco-prosodiac.^ 792 a. anm. 2., 
Spitzner griech. prosod. s. 77.). Von griech. jtt-a-Qo-gj jct-a- 
-X6-g ist die quantität nicht zu ermitteln. Sanskr. pi-va-?'-d-6'j 
pi-va-r-i können auch, wenn im griechischen jti-e-Qo-g, 
7ci-€iQaj IIT-e-Q-la näher zu ihnen gehören als 7Ci-a-Q6-gj 
ableitungen des oben s. 167. besprochenen -wo-stammes sein, 
wofern wiederum dieser grundsprachlicher herkunft ist (vergl. 
auch s. 151.). Doch gehen wir auf die schwierige, zuletzt 
von Brugman morphol. unters. II 204 f. 240 f. 244 fif. erörterte 
frage nach dem Verhältnis der suffixformen hier nicht näher 
ein. Den sanskritischen nom. sing, pivärij den Böhtlingk- 
Roth Petersb. wörterb. IV 748. mit stellen aus dem mahäbhä- 
rata belegen und unter ein thema pivams- setzen, fUr das 
genaueste correlat zu griech. 7citov zu halten, ist verlockend ; 
es entstünde dann auf altindischem boden selbst in pivän 
und pivä der „doublet syntactique ", den Havet mem. de la 
soc. de linguist. IV 274. treffend in die grundsprache verlegt'). 



l) Vergl. auch ved. vibhväü vou vibhvan- (Grassmanu wörterb. z. 
rgv. Yorw. VII und sp. 1288., verf. morphol. unters. I 264. anm.). Ob 
freilich Havet a. a. o. das gesetz über die grundsprachlichen „syntak- 
tischen doubletten" wie mäter und male nom. sing, 'mutter' richtig 
ermittelt, ist eine andere frage. Ich selbst war, im gegensatz zu meinen 



— 172 — 

X. Nomen mit suff. -ö-y fem. -ä-: 

Sanskr. ic-a f. ''vermögen, gewalt, herrschaft", concr. 
''deichsei' C woran man den wagen in der gewalt hat') = 
avest. häm-is-a f. *^ dieselbe deichser, hämisäm-ca acc. sing. 
yt. X 125. Im sanskrit ist für ''deichser zwar ishä die häu- 
figere und früher zu belegende form, im veda die alleinige, 
vergl. Petersb. wörterb. I 856.; doch entscheidet das zend 
zu gunsten von ica der art, dass man in sanskr. ishä volks- 
etymologischen anschluss an ish-, ish-a-ti "in rasche bewe- 
gung setzen' (sieh oben s. 1.) sehen wird. 

Sanskr. ish-a-s m. ^saft, trank', ish-a-s m. nom. propr. ; 
griech. -lo-ßdrujg m. nom. propr., i-a-oi^iat *^heile', d. i. '^frische 
auf, mache wieder rüstig, bringe zum wolsein' denom., l-c- 
-TQo-g m. *^arzt' = sanskr. ish-ä-s m. *^saft, trank, name der 
beiden herbstmonate' (als "^der frischen, saftigen'), ved. ish- 
-a-yä-ti und ish-ä-ya-timix2iXi^. Hst frisch, rege, rüstig, kräf- 
tig', trans. ^erfrischt, stärkt, belebt' denom.; griech.'/o-zaaT/^, 
^lo-läo-Qj "lo-cpöjVy ^lo-cpcüOOaj "l-avaooay ^l-aveiQaj ^[-avS-rj 



ausführungen morphol. unters. I 256 ff. 261 ff., auf den gedanken ge- 
kommen, sigmatische und asigmatische nominativbildung consonantischer 
Stämme etwa so durch „syntaktische phonetik" zu erklären, dass ich 
beim -w^-particip ein hheronts esti neben bherön k'^e (aus *bhe- 
ronts k^e) für den ältesten zustand halten wollte. Indog. nepöis 
und indog. tie'pöt 'neffe, enkel' würden folgendermassen verteilt sein. 
Avest. 7iapäo aus vorhistor. ur-iran. *napäs (vergl. iiapäose yt. VIII 34.), 
indo-iran. *tiapäts] ebenso lat. Jiepös sigmatisch. Aber germ. 7ie'fö 
aus indog. ne'pöt vollzog vom nom. sing, auord. *7iefa (dafür später 
neß), ags. 7iefa, ahd. nefo aus den übertritt zur /z-declination, den Paul 
in seinen beitr. VI 229 f. bei Voraussetzung eines urgerm. neföz für das 
altnordische nicht mit zu gewinnen wusste, den Mahlow d. langen voc. 
AEO 96 f. bei gleicher Voraussetzung nur durch ein lautgeschichtliches 
gewaltdecret (vergl. Brugman liter. centralbl. 1880. sp. 944.) erzwingt. 
Sanskr. näpät kann asigmatischer und sigmatischer nominativ sein ; des- 
gleichen ist apers. napä entweder = ur-iran. "^napäs oder = ur-iran. 
*napät. 



— 173 — 

nomm. propr., ^-a-ofiat *^heile', i-cü-fdvrj partic. Euripid. 
Hippol. 597., ^-ä-TQo-g m. *^arzt' (Euripid. Hippol. 296. suppl. 
252. Troad. 1233. fragm. 1071. Bind., Aristoph. eccles. 363. 
Plut. 406. 407., Menand. ed. Meineke p. 96. 205. (= p. 325. 
V. 326.) 219. 235. Philem. ed. Meineke p. 360. 381. 404. 413. 
432., orac. b. Athen. I p. 22 E.). Wegen der griechischen 
„ganz alten, meist mythischen" eigennamen mit -/o-, "/o- 
sieh Fick griech. personenn. 39. Das adjectiv te-Qo-g (oben 
s. 149 iF.) könnte in dieser form mit suff. -€-q6- auch ablei- 
tung des hier behandelten -ö-stammes indog. z*-^-^- sein. 

Griech. cpTfÄ-6-g '^ Verengung, verschliessung einer Öff- 
nung, maulkorb, beisskorb, gebiss der pferde, der über die 
nase hergehende und diese einklemmende züger, cpl^-i-a ntr. 
plur. anthol. Pal. VI 312, == griech. cpif.i-6-g m. dass. Max. 
Planud. Boeth. XV 16., cptu-o-XrjTCTo-g adj. *^vom zügel ge- 
halten oder gebändigt^ Planud. Boeth. VII 30. Verwant scheint 
mir abulg. zhu-a^ ze-ti ^ocpLyyeiVj comprimere^ se-telt m. 
''zloLogj collare\ Dann kann nur ein indog. yh^ia^'m- die 
Wurzel sein, da indog. gk^a^im- mit zwei schliessenden 
sonoren ausgeschlossen ist. Ficks vergleichungen mit dem 
abulg. zma wörterb. IP 87. befriedigen auch Curtius grundz.^ 
547. in begrifflicher beziehung nicht recht. Andererseits pro- 
testieren teils begriffe teils laute, wenn Fick wörterb. P 834. 
cpTl-w-g mit cpitQo-g *^baumstamm, block, klotz, stück holz\ 
(polTo-g ''das umherirren, umherschweifen' und mit abulg. 
spojay spoüi ""conjungere' zusammenbringt*). 



I 



1) Was (p = indog. gh'^ vor l in (ptub-i angeht, so bemerke ich 
wegen Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 144. 151 flf. 168 If., dass ich an 
S, & als die gemeingriechische lautliche entsprechung von indog. g'\ gh^ 
vor palatalen vocalen nicht glaube, da Joh. Schmidt für ßios 'leben', 
ßeiofiai, ßcos 'bogen', ßiä 'gewalt' u. dergl. keineswegs probable erklä- 
rungen des ß durch formübertragungen aufgestellt hat. Für die meisten 



— 174 — 

Griech. x^td-Tj f/weichlichkeit, Üppigkeit' Pseudo-Phokyl. 
V. 200. von Bergk poet. lyr. gr. IP 474 nur des 7 wegen ver- 
dächtigt = griech. x/u^ö-rj f. dass. , yJuS-a-oj denom. 

' Griech. ^-a-tj f. Veisung, rechtsspruch , recht, rechts- 
pflege' (Hesiod. op. et di. 263. rama cfvXaaoo^uevoij ßaai- 
Iri^g^ Id-vveTE dixag) = sanskr. dt(^-ci f. ^'richtung, himmels- 
richtung'; griech. homer. nachhomer. ör/.-rj f. "^rechtsspruch, 
recht'; lat. cami-dic-u-s m. "^Sachwalter, rechtsanwalt'. Nur 
untergeordnete handschriften haben an der Hesiodstelle f.iv- 
^ovg statt dfxag, die besseren alle letzteres, eine fj dUag 
als marginalbemerkuDg zu juvd-ovg im texte; vergl. Köchly- 
Kinkel z. d. st. So scheint f.ivd-ovg correctur des echten diy.ag 
gewesen zu sein, womit man dem vermeintlich verdorbenen 
metrum aufhelfen wollte ; auch ist i.Lvd^og vom 'rechtsspruch' 
gesagt ganz hesiodischem und überhaupt griechischem Sprach- 
gebrauch zuwider, wie auch Spohn z. d. st. und Paley bei 
Köchly- Kinkel Hesiodea quae feruntur carmina p. XXXVJ. 
bemerken. In ßaGilrjeg^ Id^vvsTe liegt ebenfalls, wie ich 
weiter unten zeige, kein metrischer anstoss. 

Abulg. vid-ü m. *^das sehen, schauen', za-vid-a f. *^neid', 
eigentlich 'das hinterhersehen, misgünstige hinsehen', vizda 
Video, specto' denom., vid-e-ti infin., za-vizda Mnvideo', za- 
-md-e-ii infin. ; lit. pa-vyd-a-s m., pa-vyd-a f. 'neid, misgunst', 
pa-vf/d-siu 'ich neide, misgönne' denom., pa-vi/d-ii-ti infin., 
pa-vyd-y-s adj. 'neidisch, misgünstig', pa-injd-u-kli-s m.'neider' 
== lat. in-vul-ii-s adj. 'neidisch', vid-e-o 'ich sehe' denom., 

der von Schmidt behandelten fälle, wie SCaira, Sisqös, Sdlsaq, gibt es 
andere nicht minder berechtigte, zum teil aber entschieden bessere ety- 
mologien. Tennis einerseits und media und media aspirata andererseits 
können sich doch wol verschieden verhalten bei dem griechischen pala- 
talismus der alten velaren /t- laute, sowie sich ja auch im altirischen 
beim labialisierungsprocesse tenuis und media nicht parallel bleiben (altir. 
hin 'vivus', hen 'frau' gegenüber cethh' 'vier', cm, cid 'quis, quid?'. 



— 175 — 

vid-e-re infin., in-vid-eo *" beneide, misgönne' denom. , in- 
-vid-e-re infin.; got. vit-a-i-f) "^sieht auf etwas, beachtet, be- 
obachtet etwas' 3. sing, indic. praes. denom. Vergl. Fick 
wörterb. P 785. In den slavischen Wörtern könnte an sich i 
auch = indog. ei sein ; aber die genaue morphologische con- 
gruenz namentlich des denominativen verbs mit lit. pa-vyd-e-ti^ 
das schon der verschiedenen praeposition wegen schwerlich 
in dem Verhältnis der entlehnung zu abulg. za-vid-e-ti steht, 
ist doch wol unumgänglich. 

Avest. vish-a- m. oder n. *^gift\ vish-a-vaiit- adj. *^giftig'; 
griech. \-6-g m.\ lat. vir-u-s n.; altir. ß ^'gift' = sanskr. 
vish-ä-m n.'^gift', «wÄ-ß-* adj /giftig', vish-ä f. eine bestimmte 
pflanze; avest. visHn.^ visha-yäat-ca abl. sing. fem. (?) ""von 
gift', visha-gainti- adj. ^giftig stinkend'. Die Schwankungen 
des geschlechtes, bei widersprechender grammatischer form 
im lateinischen, deuten sich wol aus dem tibergange des ur- 
sprünglich neutralen Substantivs in adjectivische function und 
damit geschlechtige motion; vergl. s. 101 f. anm. Am voll- 
ständigsten zeigt das sanskrit die folgen dieses processes mit 
vish-d-Sy vish-ä , vish-ä-m. Im latein scheint derselbe ins 
stocken geraten zu sein. Wahrscheinlich gelangte man hier 
zuerst von hlc flös '^Vtrum est zu hic ßös vlrvs est] dann 
aber wurde vu^us nicht wie im griechischen 7o^, consequent 
zum masculinen Substantiv oder gar, gleich dem sanskr. 
visk-d-Sj zum vollen adjectiv ausgebildet, sondern die remini- 
scenz an das alte einstweilen daneben fortbestehende neu- 
tYViTJi*iürum verschaffte dem neuen virus das neutrale genus 
von jenem, wobei die tatsächliche existenz lateinischer neutra 
auf 'Vs wie geniis^ corpus mitwirken konnte. 

Sanskr. ved. nachved. ii'sh-a-s m. ^salzige erde, steppen- 
salz' als *^brennendes' (vergl. engl, hot 'heiss' und 'scharf, 
ätzend von geschmack'), üsh-a-ka- *^salz' oder 'pfeffer', 



— 176 — 

üsh-a-rd-s adj. "^salzhaltig' vom boden, subst. ^salziger boden', 
üsh-a-vant- adj. dass., ush-i f. *^mit salz geschwängerter, un- 
frucktbarer boden"* = sanskr. ush-a- m. ^salzhaltige erde', 
n. *" fossiles salz', ush-ä f. ""das brennen, glühen'. Wurzel 
indog. eus- ^brennen, sengen' (griech. ev-co, lat. ?lr-ö). 

Sanskr. üsh-a-m n. ^morgenanbruch' (Böhtlingk - Roth I 
1031. unt. usha- d.), üsh-a-ka- n. ^tagesanbruch', unbelegt, 
iish-ä f. nom. propr. der gemahlin Aniruddha's = sanskr. 
ved. ush-ä-s adj. ^leuchtend' (rgv. II 2, 8. nach der lesart des 
Petersb. wörterb. I 1010. ushena^ vulg. arushena)^ m. ^tages- 
anbruch', ved. ush-a f. ""morgenröte', nachved. ush-ä f. nom. 
propr. der gemahlin Aniruddha's; avest. usha f. nom. propr. 
*^ Aurora'. Dass der ä- stamm usha- ""morgenröte' nicht von 
hause aus neben dem -ö*- stamme ushas- existiert habe, ist 
möglich, indes durch Brugman Curtius' stud. IX 307. Kuhns 
zeitschr. XXIV 25 ff. und Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 
15. 24. noch keineswegs ausgemacht, wie jener aus diesem 
entsprang; indog. usösjp, (oder usüsTp, nach Job. Schmidt) 
ergab kein sanskr. usham^ avest. usham acc. sing. Wurzel 
indog. aiis- ^^aufleuchten' (lesb. «t;-w^, lat. am^-ord)^ nicht 
zu confundieren mit ew 5- "^sengen', wenn auch die tiefstuf en- 
formen vaus- zusammentreffen. 

Griech. xvß-o-g n. Viereckiger körper, Würfel' anthol. 
Palat. XIV 8. , als lateinisches fremdwort cübus bei Auson. 
idyll. XI 3. = griech. xvß-o-g m. dass.; lat. in-cüb-u-s m. 
*^alp'. Als grundbedeutung ist aufzustellen: Vas wuchtend 
aufliegt'. 

Ags. hrüs-e f. *^erdscholle, erde' == abulg. krüch-a, russ. 
kroch-a f. *^mica'; ahd. t^os-a f. *^glacies, crusta'. Zur etjmo- 
logie vergl. Fick wörterb. 111^84 f., wo jedoch das angel- 
sächsische wort noch hriise geschrieben ist. Aber statt ü 
wäre o zu erwarten wie in ahd. rosa-^ auch ist die länge 



— 177 — , 

des u in hrüse vermutet von Schubert de Anglosaxonum arte 
metrica p. 30., und Sievers Anglia I 576. hat ihm zugestimmt. 
Urgerm. hrüs-o-n- als schwaches feminin muss den accent 
des s wegen bereits auf die Wurzelsilbe nach analogie einer 
starkwurzeligen paradigmenform mit „ diphthong " (vergl. 
abulg. kruch-ü m. ''brocken, Stückchen') zurückgezogen haben. 
Nach einer mitteilung von dr. Kluge gebe ich diese nummer. 

Avest. süc-ö adj. 'klar', sücä n. acc. plur. ys. XXX 2. 
== sanskr. ved. quc-ä-s adj. ""rein, hell' rgv. X 26, 6. 

Sanskr. ved. nachved. tüsh-a- m. n. ^zipfel, einfassung 
oder franse eines gewandes' = sanskr. ved. nachved. tüsh-a-s 
m. ''hülse des reises, getreides u. s. w., spelze'. 

Sanskr. dhüp-a-s m. '^ räucherwerk, der beim verbrennen 
von räucherwerk aufsteigende rauch'; griech. xvcp-o-g m. 
'rauch, dampf, qualm, dunst', rvcp-ojg m., Tvcp-cjv (oder 
rvcp-cüv) m. Virbelwind, Windsbraut, Wasserhose', Tücp-a-cov 
Tvcp-iüv m. nom. propr. = griech. Tvcp-o-g m. 'rauch, dampf, 
qualm' Gregor. Naz. carm. p. 109, 20. 222, 45. Dronk., homer. 
nachhomer. Tvcp-a-cov m. nom. propr., Tvcp-ä-ov-w-g adj., 
homer. nachhomer. Tvcp-co-eu-g m. nom. propr. Vergl. über 
den Wechsel der prosodie des v auch Lobeck Sophocl. Ai.^ 
p. 152 sq. not., Spitzner griech. prosodie s. 100., Passow hand- 
wörterb. d, griech. spr. unt. rucpogy Tvcpcoevg. Übrigens ist 
das. Verhältnis der consonantischen entsprechung (man er- 
wartet sanskr. ^duhha-s oder umgekehrt griech. "^d-vTto-g) 
noch nicht tiberzeugend festgestellt. 

Avest. büj-6 m. 'das wegtun, ablegen, reinigung', hüj-e-m 
acc. sing. ys. XXXI 13.; anord. hük-r^ ags. hüc ^ aniederd. 
mitteld. hük^ ahd. hüh buch püch^ mhd. buch m. 'bauch, 
rümpf = sanskr. buj-a- 'krümmung, biegung' in bhuja-ga-s 
m. 'schlänge' (vergl. Petersb. wörterb. V 307. unt. bhujaga-\ 
bhüj-as m. 'arm, rüssel eines elephanten, Seite einer mathe- 

Osthoff u. Brugman untersuch. IV. |2 



— 178 — 

matischen figur\ Die grundbedeutung des nomens *^beugung, 
biegung' specialisierte sich im zend zu "^das bei-seite-beugen, 
beseitigen, wegtun, wegschaffen^ (Justi handb. d. zendspr. 
215a. unt. buj-^)^ im sanskrit und germanischen zu 'biegung 
am körper, gebogener oder sich biegender körperteil'. Könnte 
vielleicht zwischen sanskr. bhuja-ga-s *^schlange^ und deut- 
schem bauch ein engerer rapport obwalten, indem jenes eigent- 
lich ""bauchgänger' bedeutete? Vergl. den fluch der schlänge 
im paradiese genes. III 14. 

Avest. büz-a- m. ^bock' = avest. buz-ya- adj. "^die ziege 
betreffend\ Anord. bokki m., ags. bucca m., ahd. bok boch 
poch pocch m. (plur. poccha)^ mhd. boc m. (gen. bockes) T)e- 
ruhen wahrscheinlich auf einem -e;i-stamme indog. bhug^en--^ 
die schwächste themaform bhug^n- wurde zu germ. ^bukn-^ 
bukk- (vergl. Paul in seinen beitr. VII 133 ff. anm. 2.) und 
verallgemeinerte sich, entweder mit bleiben der n - declination 
wie im altnordischen und angelsächsischen, oder mit über- 
tritt des bukk' in die o - declination wie im hochdeutschen 
(gen. plur. ahd. poccho = urgerm. bukko aus *bukn-ö). 

Griech. homer. nachhomer. (xvd-o-g m. ^sage, rede, er- 
zählung^ (.ivd-'S-oiLiai denom. == griech. (,ivd--o-g m. Gregor, 
theolog. anthol. Palat. VIII 8, 1., iLivd-rj-f-ia n. 'gesagtes, er- 
zähltes^ Theodor. Prodrom, (vergl. Jacobs addenda z. anthol. 



1) Vergl. auch oben s. 10. Geldner Kuhns zeitschr. XXIV 142 flf. 
macht den von selten der bedeutungen bekämpften Zusammenhang dieses 
avest. buj- mit sanskr. 1. bhuj- durch seine nachweise eher noch wahr- 
scheinlicher, als das gegenteil. Mit bitfijaind 'sie verscheuchen' yt. XIV 46. 
(so nach Geldner) und büjat 'er errettet' yt. IV 3. (ebenfalls nach Geldner), 
äzd-büj- 'aus not befreiend' (desgleichen nach Geldner) berührt sich doch 
sanskr. nir-bhuj- 'bei seite biegen, aus der stelle rücken', dann im rgveda 
'herausrücken, retten aus' (Grassmann wörterb. 939.) so nahe wie nur 
möglich. So liegt auch got. us-baugjan 'auskehren, ausfegen' nicht 
„begrifflich etwas weit ab" von biugan 'beugen', ga-Uugan 'biegen'. 



— 179 — 

Palat. p. LXIV.). Ob suffix -0-, ist auch hier zweifelhaft; 
vielleicht alte composition mit würz, dhe- wie in (xio-d-d-g 
(sieh unten), vergl. Curtius grundz.^ 336. 

Neuniederländ. luik n. ^deckel, laden, klappe', anord. 
lük-a f. *^the hollow hand held like a cup, the lid in the 
opening of a loft', neuniederd. westfäl. (grafsch. Mark, Ravens- 
berg) liuk-e f. 'luke' (vergl. Jellinghaus westfäl. gramm. § 63. 
s. 30.) = sanskr. ved. a-ruj-ä-s adj. ^^zerbrechend' (rgv. VIII 
45, 13.), ved. valam-ruj-ä-s adj. m. *^ höhlenerbrechend, höhlen- 
brecher' (rgv. III 45, 2.), sanskr. ruj-a f. 'bruch'; anord. lok 
n. ^ende, beschluss', ags. loc n. ^verschluss', ahd. mhd. nhd. 
loch n. 'verschluss, versteck, höhle, loch, Öffnung'. Nhd. 
Inke ist aus dem niederdeutschen. Der dat. sing. got. us-luka 
'avoL^et' Ephes. VI 19. ist der Stammbildung (ob 0- oder 
^/- stamm), dem genus (ob masc. oder neutr.), drittens auch 
der quantität des u nach unbestimmbar. 

Griech. oxvcp-o-s m., OKvcp-og n. 'becher, trinkgeschirr^ 
Hesiod., Anakreon, Anaximand. u. Panyasis b. Athen. XI 
p. 498. B. C. D. = griech. homer. nachhomer. Gxvcp-o-g m., 
oxv(p-og n. dass. Die Schreibung axviccpog an den stellen, 
wo die erste silbe lang ist, scheint mir nur ein notbehelf zu 
sein; vergl. Passow handwörterb. u. d. w. und die daselbst 
angeführte litteratur über diese frage. 

Anord. stük-a, ahd. stüch-a^ mhd. stüch-e^ nhd. stauch-e f. 
*^manica' == ags. stoc-ti f. *^manica'. Belege für letzteres gibt 
Mone quell, u. forsch. I 437. 438. aus glossen. Nach einer 
mitteilung dr. Kluges. 

Sanskr. ved. nachved. stvip-a-s m. 'schöpf ; griech. ormt-rj 
f.'werg, heede' (vergl. Lobeck ad Phrynich. p. 261.) = sanskr. 
ved. nachved. stup-ä-s m. 'schöpf'; griech. orvTc-og n. 'stock, 
Stange, Stengel, stiel, stamm, Strunk, stumpf, klotz, block', 
neutraler -<?.v- stamm wol aus altem masculinen -o-stamm; 

12* 



— 180 — 

lat. stüp-e-ö ''stocke, stehe starr und still, bin betäubt, bin 
verblüfft, bin verdutzt, stutze^ denom. Lat. stüpa f. Verg, 
heede^ {stüpeus adj. bei Vergil und Ovid) kann auch auf 
einer Stammform des alten paradigmas mit nicht reducierter 
Wurzel (etwa indog. stoiipä-) beruhen; selbst entlehnung 
aus dem griechischen ist nicht ausgeschlossen. 

Y. Nomen mit suff. -ei-: 

Sanskr. vtc-i-s f. (und m. nach grammatikern) , vic-i f. 
''welle, woge, eine bestimmte hölle' = sanskr. vic-i-s f., 
vic-i f/welle'. Vergl. Böhtlingk-Roth VI 1012. 1290. Wurzel 
sanskr. vyac- ^m sich fassen^ wovon vijdc-as' n. *^umfäng- 
lichkeit, umfassender weiter raum\ 

Lit. üg-i-s m. Wachstum, wuchs, schössling eines Jahres', 
gen. %-zö, -^'o-stamm aus altem -e/-stamm (vergl. s. 97. 102. 
120. 122.) == griech. vy-l-eig adj.Vachstum habend, wachsend', 
vyievra oXßov "^blühendes glück, wachsenden segen' Pindar. 
Olymp. V 54. Es ist bei berücksichtigung des litauischen 
stammnomens das Pindarische vyl-etg ein etymologisch so 
durchsichtiges -/«j^r-adjectivum wie %aQi-eig "^anmut habend"* 
von /a^i-g; schon die alten grammatiker stellten vyleig mit 
XccQleig in parallele, so Choirosboskos , sieh Herodian I 289, 
24—26. II 618, 35—619, 3. ed. Lentz. So wird man also 
von vyl-eig ausgehen dürfen, um das seither morphologisch 
so dunkle vyii^g *^gesund', das von Herodot, Thukydides und 
Aristophanes an zu belegen ist, zu deuten ; denn was H. Möller 
Kuhns zeitschr. XXIV 458. 513. zur erklärung des letzteren 
beibringt, befriedigt zwar Curtius grundz.^ 678. anm.*) (etwas 
anders s. 739.), nicht aber andere, die sonst kein „urspr. g^ 
als mouilliertes y in der gestalt yi im griechischen noch wirk- 
lich vorliegen" sehen und für diesen einzigen fall die aus- 
nahmestellung nicht begreifen. Mir scheint nun mehreres 
auf die einstige existenz eines -e*-adjectivs *vyi^g im grie- 



— 181 — 

chischen hinzudeuten. Vornemlich vyeiäf das eine ableitung 
ist wie altatt. alrj^elä von akrj^rjgj avaiöeiä (Aristophan. 
fragm. 29. Dindorf.) von avaLÖrig ; „ dass die ableitungen von 
oxytonierten -6(7 -stammen ursprünglich -eia betonten, über- 
liefert Choiroboskos in Bekkers anecdota III p. 1314. = Hero- 
dian II 454, 20." (Gust. Meyer Bezzenbergers beitr. I 88 f.). 
Das von grammatikern gut bezeugte, wenn auch falsch (durch 
„krasis" aus vyieia) erklärte vyeLä (vergl. Lobeck paralip. 
gramm. graec. 28. pathol. graeci serm. elem. I 279. II 134., 
Herodian II 333, 12. 554, 31. 35. 595, 23. ed. Lentz) gilt nun 
zwar den neueren als „spät" oder als „rarum et saepe su- 
spectum" (Curtius grundz.^ 187., Passow handwörterb. unter 
vyLsLaj Lobeck pathol. graeci serm. elem. II 134.); ich sehe 
aber nicht, aus welchem entscheidenden gründe. Denn Passow 
a.a.O. bemerkt doch auch über die „spätere ioxm vyeia'': 

„vysla findet sich bei Plut. Luc. u. a. spät., wiewol 

neuere herausgeber diese auch in hdschr. der altern 
classiker sich häufig findende form auch bei spät. 
Schriftstellern zum teil nach autorität guter handschriften 
wieder entfernt haben ". Auch hinsichtlich der inschriftlichen 
beglaubigung ist vyelaj soweit ich es controlieren kann, in 
keiner beziehung ungünstiger als vyUca gestellt. Femer 
zeugt für altes ^vyrjg: vycL-vo-g Sidi,j "^Yyel-vo-g nom. propr., 
häufig auf Inschriften, bildungsgleich mit ogsi-vo-g, okotei- 
-v6-gj (paBL-vo-g von -£a- stammen. Nun verhält sich func- 
tional unser *vyi]g zu dem neutrum sanskr. öjas *^ kraft, lebens- 
frische, lebenskraft', avest. aojd 'kraft', lat. *augus in augus- 
-tu-Sj griech. *avyog in €QL-avyi]gj d. i. indog. äug^os (Fick 
wörterb. P 31.), gleichwie griech. xpevörig adj. zu ipevdog n., 
homer. eleyxrg adj. 'schändlich' (II. J 242. ß 239.) zu Uey- 
%og n., sanskr. apas adj. 'tätig' zu dpas n. 'tätigkeit, hand- 
lung' u. andere mehr; vergl. Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 



— 182 -^ 

34 ff. Auch formal wird das Verhältnis * vyrjg : * aiyog dem- 
jenigen von tpevörig : xpevdog ganz gleich, wenn wir für letz- 
teres die mit der accentuation conformere gestalt ^ipvörjg: 
ipevöog einsetzen^). Ist nach allem diesem ein '^vyj]g so ge- 



1) Ich kann das gewöhnliche erscheinen des mittelstufigen wurzel- 
ablauts bei den neutra auf -os, das man als ein charakteristicum dieser 
stammclasse zu betrachten angefangen hat, doch nicht für etwas ur- 
sprüngliches, nur für das resultat einer späteren ausgleichung zwischen 
ablauts verschiedenen Stammformen halten; ich stimme also jetzt, im 
gegensatz zu morphol. unters. II 16 f. anm., der Möllerschen beurteilung 
der doubletten wie ßad-os und ße'v&os, Ttdd-os und nsv&os (Kuhns zeitschr. 
XXIV 441. Paul -Braunes beitr. VII 503 f.) bei. Eine isolierte form ist 
im veda der loc. sing, upds-i 'im schoss', zu dem der nom.-acc. sing. 
*vd2)as von würz, vap- 'hinstreuen, aufschütten' (vergl. vap-ä f. 'auf- 
wurf, häufen der ameisen, höhlung, loch', vüp-ra- m. n. 'aufwurf von 
erde, aufgeschütteter erdwall, ein hohes flussufer, abhang eines berges, 
graben, feld das besäet wird') gewesen sein wird; neben upds-i nur noch 
das compositum npdstha-s m. 'schoss' für *upds-stha-s, eigentlich 'im 
schösse befindliche stelle'. Von der wurzel pa^u- 'faulen' mag ein 
grundsprachliches nentmm pd^nos 'fäulnis, eiter' die drei Stammformen 
pd^uos (nom.-acc. sing.), puue's- (loc. sing, puues-i), püs- aus 
*puiis- (gen.-abl. sing, piis-ös) gehabt haben; je eine der beiden 
schwächeren wurde im griechischen {nvos aus ^nvßos) und im lateini- 
schen ( />wir, pwr-w) verallgemeinert, während pa^w 5 verlorenging. Nur 
so wird sich auch lat. rüs, rnr-is n. mit avest. ravahh- n. 'weite, weiter 
räum' zwanglos vereinigen. Ähnlich wie lat. püs und griech. tzvos liegen 
ferner im veda neben einander die instrumentalformen hish-a und hhi- 
yäs-ä 'aus furcht'; ich sehe in dem letzteren wie in dem dativ (infin.) 
hhiyds-e die neuschöpfung nach dem loc. sing. *bhit/ds-i. Wiederum 
existiert ein nom.-acc. sing. *bhdyas nicht, nur ein ebenfalls nach *bhi- 
yds-i geformter acc. sing. masc. ved. bhiyds-am 'furcht', dessen genus- 
wechsel wahrscheinlich mit der bei einem neutrum später ungewohnten 
accentuation der m\x^iQviovm*bhiyds-i zusammenhing; apds-i, i'akshds-i 
hatten je nach ihrem übergange zu geschlechtigen concretis auch die 
neugebildeten accusative apds-am, rakshds-am zur seite. So sind auch 
yjsvSos und yjevS'^g, sowie *avyos und {sQc-)avyT]s aus dem einen alten 
paradigma ipsvSos *y/vS£i, *avyos *vyei. Dass nicht notwendig die 
jüngere geschlechtige (adjectivische) -^5-bildung der accentuation gerade 
des loc. sing, folgt, zeigt die betonungsdifferenz von ved. su-mdnäs und 



— 183 — 

nügend gesichert als möglich, so wird es gerechtfertigt sein, 
vyiTig als die jüngste form und als contaminationsbildung aus 
Pindars vyL-eig und jenem * vyTqq zu betrachten, der zu folge 
dann auch vyeiä zu vyieLä (Aristoph. av. 604., Ttlovd-vyLeiäv ^) 
ebend. v. 731.), später t/Ze^«, vyet-vo-g zu vyiec-vo-g zu wer- 
den hatte. Um so leichter mochte die neuschöpfung vyii^g 
sich einstellen, als compärativ und Superlativ zu vyLeig, vyieo- 
-TEQO-g vyiea-Taro-g (vergl. xaqdo-reQo-g xaQtea-Taro-g zu 
XccQleig)y bereits auch passend waren für einen solchen neuen 
-^6(7 -stamm des positivs, desgleichen der dat. plur. vykoc 
(vergl. xaQieot) nur einer einfachen Verschiebung des accents 
zu vyieoi bedurfte. Zu weiterer gegenseitiger beeinfiussung 
zwischen vyLeig und vy^qg konnte es auch nach der Schöpfung 
des letzteren noch kommen; dahin würde gehören, wenn 
an der Pindarstelle Aristarch (vergl. Herodian I 239, 25 sq. 
ed. Lentz) paroxytoniertes vyievra als wirklich existierende 
sprachform lesen wollte, und nicht vielmehr, was wahrschein- 
licher, aus grammatikercourtoisie gegen vyuaj vycrjgj welches 
letztere motiv allein bei Bergks schlimmbesserung des vyLevta 

griech. ev-/Lievrje. Ein griechisches -^^-neutrum mit tiefstufe der wurzel, 
und zwar mit der stärkeren form derselben indog. %, ist ISos 'schweiss', 
zu erklären aus der alten flexion indog. STieulos, suides-i (vergl. ld-i(o 
s. 33.), also misverstanden von Gust. Meyer griech. gramm. § 113. s. 113. 
Als adjectiv zugleich und tiefstufig in der Wurzelsilbe ist aus dem san- 
skrit mit griech. *y/7js zu vergleichen ved. duväs- 'vordringend, hinaus- 
strebend'. 

1) Nicht „reichtumswolsein , entw. reichtum mit gesundheit verbun- 
den, od. wie Find. Ol. 5, 53. vyieis oXßos, gesunder, d. i. echter solider 
reichtum" nach Passow handwörterb. unt. nlovd'-vyieia, das auch Gust. 
Meyer Kuhns zeitschr. XXII 27. unter die griechischen dvandvas ein- 
reihte. Vielmehr nur 'mehrung des reichtums', ein tatpurusha- compo- 
situm; hier waltet noch die grundbedeutung der wurzel. Dadurch er- 
weist sich auch noch Pindars vyiecsj wie von formaler seite, als eine 
altertümliche, wenigstens erstarrende bildung, gegenüber dem jüngeren 
vyirj^ mit seiner fortgeschrittenen bedeutungseutwickelung. 



— 184 — 

in die unform vytrjvra das massgebende war. Die wurzel 
von lit. üg-i-Sj griech. *vy-i-s in vyl-eig ist also indog. aug^- 
'wachsen'', trans/wachsen lassen, vermehren'* in griech. av^co^ 
av^avcüj lat. augeOj got. avkan^ anord. auka ''mehren^, lit. 
äugUj dukti Sachsen "*, somit auch Möllers rechnung auf den 
palatal indog. g^ in vynqg hinfällig. 

Lit. trük-i-s m. ^zug (z. b. fischzug), riss, bruch, spalte, 
geplatzte stelle"*, gen. trük-io, ebenfalls mit junger -/o-decli- 
nation == lit. pa-trük-i-s m. Verzug, verSäumnis, aufenthalt', 
gen. pa-trük-io (bei Nesselmann wörterb. 119 b. aus Szyrwid). 

Über anord. rüg-r m. ^roggen^ = ags. ry^e m., abulg. 
rüzt m., lit. rugiei m. plur. schreibt mir dr. Kluge: „ich 
habe Sie früher auf an. rügr (= ae. ri/ge) hingewiesen; so 
finden Sie allerdings überall angegeben, aber trotzdem ist 
der ansatz nicht richtig, wie Söderberg forngutnisk Ijudlaera 
1879. s. 11. anm. 2. nach einer mitteilung von Hofi'ory be- 
weist; rügr ist allein richtig." Ich habe mir aber für die 
-e/-themen, welche so constant z. b. im germanischen als 
nomina actionis «, ü in der wurzel zeigen (vergl. von Bahder 
verbalabstr. 25 ff.), noch diese fälle mit J, ü notiert: sanskr. 
ved. nachved. vic-i-s f. ''trug, Verführung^; sanskr. ved. nach- 
ved. vrih-i-s m. ^reis^; sanskr. ved. nachved. düsh-is adj. 
*^verderbend, vernichtend, zerstörend' in aräti-^ ätma-, krtyä-j 
tanü-düshi-s j düsh-i-s f. "^giftiger Stoff', düsh-i-s^ düsh-i f. 
*^unreinigkeit des auges'; avest, ^wy-z- m. nom. propr. eines 
daeva, büj-i-sravahh- m. nom. propr. eines sohnes des VisH- 
täspa (wol als *^ruhm zum genusse habend, rühm geniessend' 
zu der wurzel sanskr. 3. bhuj- im Petersb. wörterb., der 
Geldner Kuhns zeitschr. XXIV 144. weitere avestische ver- 
wantschaft zuweist); lit. rüd-i-s f. *^rost'; lit. lüz-i-s m. (hyste- 
rogener -/o-stamm) ''bruch, gebrochene stelle', das an got. 
us-luk-s '^Öffnung' dann, seinen doppelgänger haben würde. 



r 



— 185 — 

wenn von Bahder d. verbalabstr. in d. german. spr. 30. den 
dat. sing, us-luka richtig als form eines -e^f- Stammes mit 
kurzem u der wurzel auffasste, was aber fraglich bleibt 
(vergl. oben s. 179.). 

Z. Nomen mit suff. -eu-: 

Griech. i-6-g m. *^pfeir, homer. T-o-xeatqa *^pfeilaus- 
giesserin"* = sanskr. ish-u-s m. f. *^pfeir; avest. ish-u-sk m. 
'^pfeil'; griech. homer. X-6-(^uoQOi adj. *^die mit dem pfeil sich 
auszeichnenden'' *), ^i-o-%eaiqa *^pfeilausgiesserin' Pindar. Pyth. 
II 16. Das apers. isiiväm gen. plur., wegen dessen s für sh 
s. 168 f. anm. zu vergleichen ist, lasse ich lieber als nichts 
entscheidend bei seite; da im anlaut apers. a und ä nicht 
graphisch unterschieden werden, so ist möglich, dass für i 
und ij u und u in gleicher Stellung das gleiche galt, während 
für die Scheidung der wortinlautenden % ü von /, u allerdings 
indicia vorhanden sind (vergl. s. 40. anm.). Griech. t-o- 
wahrscheinlich lautgesetzlich aus *?(r-?;-, *?-i;-; denn 
wegen der regel, dass -gF- zwischen vocalen nicht ganz aus- 
fiel (verf. verb. in d. nominalcomp. 343., Brugman morphol. 
unters. III 87., C. A. Müller „de J^ litera in lingua Graeca 
inter vocales posita" dissert. inaug. Lips. 1880. s. 61 ff., Gust. 
Meyer griech. gramm. § 269. s. 233.), ist die ältere erklärung 
von lö-q, *^pfeir aus erweitertem *ioß-6-g (Brugman Curtius 
stud. IV 170., Fick wörterb. P 30. 286. 509. IP 34., Curtius 
grundz.' 402.) hinfällig'). Der IL Y 68. überlieferte neutrale 



1) Wegen -fico^o-s vergl. jetzt Bechtel üb. d. bezeich, d. sinnl. wahr- 
nehm. 101. anm. 

2) Ich vermute, wozu ich durch Brugman Fleckeisens jahrbb. f. class. 
philol. 1880, s. 661. anm. angeregt werde: nach dem Spirantenschwunde 
intervocalischer -a-, -ji- (-ot-) zusammentreffende iv und w wurden laut- 
gesetzlich zu 10, vo dissimiliert. Tatsächlich existiert iv im griechischen 
nur in der schallwörtergruppe iv interj., cvytj, ivyfioSy i'v/l, Iv^co, ivxrrjs ^ 
vergl. bereits Froehde Bezzenbergers beitr. III 25. über die naturgemäss 



— 186 — 

plural la verdankt wol dem einflusse des gattungsnamens 
ßelea seinen genusfnetaplasmus, und diesem zuge folgte auch 

abnorme entsprechung iv'C,eiv = \2i.tjugere 'wie ein hühnergeier schreien'. 
Dazu kommen ein paar frem d Wörter : der skythische volksname "IvQxai 
bei Herodot IV22. ; dann 'ivio^es- alysi ayQiai, varQixiSes Hesych. (vergl. 
Curtius grund.^ 663. anm.), ebenfalls samt einer nebenform mit io- (Ioq- 
xes- rcov 8oQxd8(ov ^(oatv Hesych., 'ioQxoc Oppian. kyneg. III 3), das (etwa 
,mit lat. hircus, sabin. fircus'i) keltisches lehnwort ist .aus altir. iurch^ 
corn. yorch 'caprea', kymr. iwrch 'rehbock' nach Bezzenberger in seinen 
beitr. IV 3 17. anm., Gust. Meyer griech. gramm. § 35. s. 39. (vergl. auch 
Ebel Kuhn-Schleichers beitr. II 157., Stokes ebend. VII 401., Windisch 
ebend. VIII 437.). Sehen wir von diesen ab, so haben wir ausser los 'pfeil' 
als stützen für den vermuteten lautgesetzlichen wandel: wo-z 'schnür' 
aus '*'avvav-s, *vvv-s = lat. nuru-s, -^m- stamm; v6-s 'söhn' aus *viv-e, 
*vv'S, -/d?w- stamm. Endlich auch i'o-s 'ein' aus *^i<jv-s, '^j='iv-s = sanskr. 
*vishu-s 'nach beiden selten hin gleich' (stamm vishu- „nur in ablei- 
tungen und Zusammensetzungen erhalten", vergl. Böhtlingk - Roth VI 
1256 if.), ir. fiu 'ähnlich' aus uTsu-s (Stokes Kuhns beitr. VIII 343.). 
Denn die Vorstellung, dass einheit als Identität zugleich höchster grad 
der ähnlichkeit, gleichheit ist, kennen wir als sprachlich verkörpert schon 
durch indog. sem- 'unus' in sk, fi-ia, iV, ä-na^, lat. sem-el u. s. w. 
und 'idem, aequalis, similis' in 6fi-6-£, o/n-oio-s, 6fi-aX6-s, lat. sim-iii-Sy 
altir. co-sm-ail 'similis', sam-ail 'similitudo', ferner durch sanskr. eka-s 
'einer, einzig, ein und derselbe' = lat. aequo-s 'gleich', aequ-äli-s 'gleich'. 
An den meisten stellen seines Vorkommens bei Homer bedeutet io-s noch 
'gleich' oder 'ein und derselbe' und ist synonym mit to-os, ofxos oder 
6 avroiy ^0 II. -^ 437. ov yaQ navxmv rjev ofibs d'QOOs ov8 'Ca y^Qvi^ 
Z \1'l. ol fiev Tiavres i^ xiov i]fiari "A'CSoe bloo}, 7 318 ff. Xar] fidiQa fie- 
vovri, xal et fiäXa ris nolefii^oi' ev Si ifj rif^fj rjfxev xaxos rjSe xai 
sad'XoS' xäxd'av' b ja, cos o r^ as^yos avrjQ o re TioXXa ioQycöi, iV 354. rj 
fiav afAcporsQOieiv bfibv yevos rjS^ la Ttar^rj , -2" 251. ^'Exro^i ^' rjev e'rai- 
^os, ifi 8^ iv vvxri yevovro, X 477. t^ aqa yiyvöfied'^ aiarj afKporsQOi 
(Faesi z. d. st. vergleicht O 209. iaofioqov xai bfif] nenQonfievov aiffrj), 
iß 496. [vtol] EvveaxaiSexa fiev uoi ifjS ix vt]8vos rjaav. Synonymum da- 
gegen von eis oder fibvos ist los nur an diesen vier stellen: II. A 174. 
r^ Se r ifj ayacpaivexai, aljcvs bXed'QOS (gegensatz Tiäaas ifoßriOE Xeiov\ 
iT 173. rrjs fiev irjs arixos r]Qxe Mevead'ios (gegensatz V. 179. rrjS 8' ere- 
QTjs Ev8a>Q0S)y (P 569. iv 8e Xa ipvxrj , d'vtjxov 8e e (paa^ avd'Qconoi, „er 
hat eine einzige (nicht wieder ersetzbare) seele, nur ein — nicht unver- 
lierbares — leben" (Faesi z. d. st.), Od. | 437 f. rrjv fiev iav vvfKprjffi 



i 



— 187 — 

oiOTo-g mit seinem plural blora bei späteren dichtem; vergl. 
Hesych. s. v. oiara, Passow handwörterb. unt. oiOTog. üm- 

xai 'E^/ufi MatvdSos vu d'ijxsv inev^äf.ievos , ras S" aXXas veXfiev exa- 
arois. Wenn Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 36. homer. i« dem 
got. si 'ea' gleichsetzt, so wird das erstens durch seine bemerkung „be- 
grifflich wie got. ai?is: skr. ena-'' nur sehr kümmerlich gestützt; femer 
vernachlässigt Schmidt dabei die digammaspuren an den zwei stellen 
II. / 319. 569., in einer formelhaften wendung, wozu leicht noch ^ 174. 
durch änderung in t^ ^£ t^ kommt; drittens würde wol ein griechisches 
correlat von got. si den spiritus asper haben, also *iä lauten müssen. 
Die consequenzen nun aus jenem lautgesetz über *iv, *vv waren für 
die declination von Tos 'pfeiF, vv6-s, v6-s, Yo-s 'gleich, ein' diese: über- 
tritt in die o - declination vom nom. und acc. sing., acc. plur. aus; bei 
lo-s zugleich neuschöpf ung des feminins m, iav (ob auch des unbelegten 
neutrums *io-v"?) nach dem directen muster des synonymums ftia, /uiap, 
daher mit perispomenierung im gen. und dat. sing, t^s, Irj, sowie dar- 
nach auch im dat. sing, masc.-neutr. im, während für den nom. sing, 
masc. *i6-s — denn so darf die accentuation als die eines ehemaligen 
adjectivs auf -v-e vermutet werden — vielmehr nach dem femininen no- 
minativ i'a sich das durch Herodian II 437, 9. ed. Lentz gesicherte par- 
oxytonon i'o-s einstellte. Was von v6-s 'söhn' die weiteren zahlreichen 
anomalien der declination betrifft, so bespreche ich sie später an an- 
derem orte im zusammenhange; den inschriftlichen nom. sing, vvs C. I. A. 
I 398. betrachte ich als neubildung zu den bleibenden i^- formen der 
obliquen casus vt'os, veX, vels u. s. w. Über i'o-s 'gleich, ein' sei noch 
bemerkt, dass man seinetwegen nicht i'ao-s 'gleich' von sanskr. vishu- 
zu trennen braucht. Das intervocalische -a-, älter -aa-, ist = -c^-, 
wie wol allgemein anerkannt. Ich erkläre jetzt auch das -a- in Saav-s, 
d'Qaav-s (vergl. morphol. unters. II 44 ff*.) und rjfiiav-s als Übertragung 
aus denjenigen ehemals vorhandenen casus, die in der declination der 
-^M-stämme schwächste Stammform des nomens vor vocalisch anlautendem 
casussuffixe hatten, also etwa aus dem gen. sing. *daaj^-ös *8aa-6s, gen. 
plur. ^Sauj'-cov *Saa-(ov (hier entsprang, beiläufig, auch das morphol. 
unters. II 47 f. besprochene consonantische thema 8aa- in Saa-niralov, 
Saa-TtkrjrcG u. a.). Es ist nicht zufall, dass gerade diese w-adjectiva uns 
die scheinbaren Unregelmässigkeiten in beziehung auf das intervocalische 
"(T- darbieten. Dem rj/ui-avs verbleibt trotz C. A. Müller a. a. o. 62. 
indog. s und seine vergleichbarkeit mit avest. thri-shva-, cathru-shva-, 
denen arkad. Tjfii-aaoi ganz suffixgleich ist, nach der übereinstimmenden 
ansieht Bopps vergl. gramm. § 308. 11^62., Ascolis studj critici 425 f., 



— 188 — 

gekehrt hat nach i6-g m. '^pfeil' sich vermutlich ßi6-g m. 
'^bogen'* gerichtet, statt ^ßcaf. = sanskr. jy« f., avest. y^a f. 
'^bogensehne'*, lit. gijä f. *" faden'. Analoga zu solchem genus- 
wechsel sieh bei Delbrück syntakt. forsch. IV 6 ff. 

Altir. fi-u adj. *^ ähnlich, gleich, würdig, passend' = 
sanskr. vish-u- *^nach beiden selten hin gleich': griech. homer. 
*-o-g adj. numer. 'gleich, ein und derselbe, ein , lo-o-g adj. 
""gleich, gerecht, billig' (doch vielleicht -/o-stamm). Vergl. 
ausser Stokes Kuhns beitr. VIII 343. wegen der Quantität des 
irischen Wortes Windisch ir. texte wörterb. 552 a., wegen 
unserer lautlichen und begrifflichen vermittelung s. 185 ff. 
anm. Betreffs des properispomenons homer. ioog kann, je- 
doch braucht nicht Gust. Meyers verschlag griech. gramm. 
§ 225. s. 199. anm. Bezzenbergers beitr, V 184., "iooog zu 
schreiben, befolgt zu werden; die begrtindung „denn für i 
giebt es keine erklärung" war ein verfrühtes entsagen. 

Griech. homer. nachhomer. Zi9^-i;-g adj. 'gerade auf etwas 
losgehend, gerade entgegengerichtet, gerade, richtig', id-v 
Td-v-g adv. 'gerad darauf los, geradaus, in gerader richtung 
entgegen', homer. Jd-i-g f. 'das geraddarauflosgehen, gerader 
unverzagter angriff oder andrang, unternehmen, vorhaben, 
stürmisches verlangen, streben, trachten, dringender wünsch, 

Curtius' grundz.5 666., Gust. Meyers griech. gramm. § 269. s. 233. Nach- 
dem also auch 'tos gelegentlich sein -a- (oder -aa-) aus solchen obliquen 
casus wiedergenommen hatte, begann allmählich die (sehr minimale) be- 
deutungsdifferenzierung zwischen ib-s und Xao-s (Coao-s). Zuzugeben ist 
indessen, dass Xoo-s auch auf einen bereits grundsprachlichen -wö -stamm 
zurückgehen könne , wie der von indischen grammatikern als . vedisch 
citierte acc. sing, vishva-m (vergl. Petersb. wörterb. V 1256.), wie ferner 
got. vis n. 'meeresstille' (Fick wörterb. I^ 787.), das auf *mw nicht be- 
ruhen, aber für ''^visv stehen kann wie ni-h 'neque' für *ni-hv (in got. 
sahv, laihv perf. zu saihvan, leihvan u. dergl. ist schliessendes -v durch 
systemzwang bedingt) und vielleicht also gen. *visvis, dat. *visva weiter 
declinierte. 



— 189 - 

neigung' (nur acc. sing, id-v^v II. Z 79. Od. S 434. 7C 304. 
hymn. Homer, in Apoll. 539.), id-v-vw *^riclite gerade darauf 
los, lenke gerade darauf hin, richte, lenke, leite' denom. 
= griech. Xd^-v-vco denom. (anthol. Planud. IV 74, 3. ov yccQ 
CXT8Q ixaöTLyog ^d-vverai utTtog ayrjvcoQ). Beide quantitäten 
des t in l^vvo) bezeugt auch Draco p. 52, 3 sqq. und führt 
den Homervers IL Q 110. TqcogIv Icp^ iTtTtoöci^oiOiv ^^vvojusv, 
ocpQa }cal '^'ExTcoQ für die kürze an. So hat allerdings ein 
teil der Homerhandschriften, darunter der Harleianus D; 
doch liest man nach sonstiger ebenfalls guter Überlieferung 
iTtTCoödjuoig Td-vvof.iev. Hesiods op. et di, 263. xavra cpv- 
laöö6(XBV0L, ßaoikrjegy i&vvere öUag besprachen wir des dfxag 
wegen schon oben s. .174. ßaGilrjeg, i&vvete nimmt nach den 
meisten und besten handschriften Köchly auf; nur in zwei 
Codices, den Florentinern B und nach Köchly -Kinkels 
bezeichnung, steht ßaötXelgy id-vvere^ das um so verwerf- 
licher erscheint wegen der der altepischen spräche fremden 
vocativform ßaOilelg^ welche auch op. et di. 248. von G. Her- 
mann auf grund einer handschrift beseitigt worden ist (vergl. 
G. Hermann ad hymn. Homer, in Cerer. v. 137., Göttling zu 
Hesiod. op. et di. 248. 263., Rzach Fleckeisens jahrbb. f. class. 
philol. supplementb. VIII (1876.) s. 407., Gust. Meyer griech. 
gramm. § 354. s. 299.). Dennoch kann, worauf mich F. Scholl 
aufmerksam macht, die best bezeugte lesart ßaatl^eg, id-v- 
vETs für ein id-vveTs darum nichts beweisen, weil man ßaöi- 
Ireg, iS-vveTs mit synizese lesen kann, wie in denselben op. 
et di. 607. ßovol -/.al rjiniovoLGLV e/trßTavoV avTccQ ETtetta 
(ebenso eTtrßravd hymn. Homer. III 113.); vergl. Rzach a. a. o. 
8. 376. Sicher steht jedesfalls ^id^vverai mit X- in dem citier- 
ten verse der anthologie; vergl. Jacobs z. anthol. Planud. III 
846., Spitzner griech. prosodie s. 110. Wenn man an der 
herleitung des denominativums id-vvo) aus dem in homer. 



— 190 — 

id-vv-rara enthaltenen -wera-stamme (verf. forschungen II 25., 
Brugman morphol. unters. II 201 f.) festhalten will, so wäre 
das heispiel l^vvo) = td-ivco streng genommen unter unsere 
rubrik W. (oben s. 170 f.) zu stellen gewesen. Es braucht 
aber id-ivw nicht notwendig ^= *id-vv-uo zu sein, sondern 
die griechischen denominativbildungen auf -vvco von nominen 
auf -v-g mögen auch den Ursprung haben, dass nach dem 
überlieferten muster jotierter und nasalierter praesensbildung 
bei alten wurzelverben, wie ßv-vojj öv-vu), d-v-viß neben ßv-tj, 
dv-Wy d^v-co (vergl. auch s. 48.), später ein id-v-vtj, agri-vo) 
neben id-v-co^ ccqtv-co aufkamen, dann direct rjdv-vwj taxv-vo) 
von Yjdv-gj Taxv-Qj womit der alte parallelismus der -uen- 
und -ew- Stämme nicht in frage gestellt sein soll. Ferner ist 
unser J^v-g^ J^vvco = iMvco in Wahrheit nicht ein heispiel 
für das indogermanische doppelspiel von i und i, sondern 
für dasjenige von ü und ü. Denn das in letzter zeit etymo- 
logisch viel versuchte griech. i^-v-g beurteilten am richtig- 
sten Angermann „ die erscheinungen der dissimilation im grie- 
chischen" Meissen 1873. s. 24 f. und Brugman Kuhns zeitschr. 
XXV 306. (negativ auch morphol. unters. II 202. anm.) , die 
es aus "^vd^v-g herzuleiten raten, wie cplrv-g aus ^(pvrv-g 
(vergl. oben s. 67. 110.). Die wurzel ist, Angermann zu- 
folge, indog. uudh- ^mit heftigkeit auf etwas losgehen, sich 
auf etwas stürzen^ in lat. vüd-ei'e (vergl. vMere in hosterrij 
in-vUdere)y anord. va^-a Vaten, dringen, vorwärtsdringen, 
stürzen^ ags. vad-an, ahd. wat-an *^ waten, dringen' nebst got. 
vöd-Sy anord. <^8-r, ags. vöd, ahd. wuot wuat adj. Vütend, 
rasend"*, ahd. mhd. wuot f. ""heftige gemütsaufregung , wut, 
raserei, stürmisches verlangen' (0. Schade altdeutsch, wörterb.'- 
11 03 f. 12141), ferner mit hochstufenform in griech. at^-so) 
*^ßtosse'. Nun existieren aber die nebenformen des griechi- 
schen -ew-adjectivs mit ev-i €v^v-g] und mit ei-: el&v^ 



— 191 — 

(•id^v-ovTdy elS^v-cpalkov ei-d-v-cpalkoty eld^v-TtricJv j durch 
Hesych, den Attikisten Pausanias bei Eustath. 1413,38. und 
im Florentiner etymol. magn. bei Miller melanges de litt, 
gr. 100. bezeugt, homer. ep. et^^aQ adv. ^stracks, sogleich, so- 
fort'. Vergl. Lentz zu Herodian II 498, 12., Legerlotz Kuhns 
zeitschr. VIII 423. anm., Bezzenberger in seinen beitr. IV 345., 
Gust. Meyer griech. gramm. § 113. s. 1 13. § 298. s. 255. anm. 
Wir erinnern uns zunächst nach s. 110. anm., dass die laut- 
gesetzliche fiexion von id-v-g zwischen den themenformen 
Jd'-v- und "^vd-eF- abzuwechseln hätte. Sodann schlage ich 
vor, in evS-v-Qj et^-v-g ein compositum mit *€Ov-y ev- 
zu sehen: urgriech. ^eovS-v-g aus '^ löv-vd-v-g *^gut, recht 
drauf los dringend'. Nach dem sigmaschwunde und der 
dissimilation des v vor t, jedoch vor der vocalcontraction 
flectierte das compositum: sing. nom. *67^t-g, acc. ^ud-v-Vj 
neutr. * eid-v, aber gen. * evS-sß-oQj dat. * evS-eß-ij plur. nom. 
*lvd-eF-sgy neutr. ^evd^eß-a, fem. sing. ^evd-eF-ca'^ woraus 
sich bei angenommener ausgleichung alles erklärt. Die tiber- 
lieferten formen mit eld- sind sämtlich lautgesetzlich ent- 
standene, ausgenommen das homer. eld^aq. Ist etwa dieses 
in der alten majuskelschrift verlesenes EQAP, d. i. homer. 
rjd^aQ = urgriech. ^'ßäd^ag gewesen, also auf einer wurzel- 
starken Stammform beruhendes altes adverbial gebrauchtes 
neutrum auf -aQ? Keine einzige der Iliasstellen E 337. 
yl 578. M 353. N 412. F 119. 349. 707. Y 473. W 256. 
sträubt sich gegen den digammatischen anlaut des el^ag, 
beziehungsweise r]d^aQ. Dann kann man, da evd-v-g sich bei 
Homer erst in den hymnen findet, auch keine noch uncon- 
trahierten formen der alten spräche mit "^ei^v-j "^eiJS-eß- 
(^IvS-v-j *€L-9-€ß-) anzutreffen erwarten*). Es ist der ins 

1) Für die relative Chronologie der lautgeschichte ergäbe sich aus 
dem obigen: das dissimilationsgesetz über v vor einem v in folgender 



-~ 192 — 

griechische übergegangene adjectivstamm indog. udheu- von 
der Wurzel indog. iiädh- in derselben weise gebildet wie 
von indog. suäd- '^schmackhaft machen^ der ins gotische ver- 
erbte adjectivstamm 6z~</eM- ^süss^; denn nur mit hilfe eines 
alten abstufungsverhältnisses suüdu-s: sudeu- wird sich 
got. sut-s (ob sUt-s oder süt-s^ steht durchaus nicht fest) mit 
sanskr. svädü-Sj griech. adv^gj deren accent und wurzelstufe 
in ihrer combination auch eine Verschiebung anzeigen, femer 
mit lat. suävi-s und mit den formen der westgermanischen 
dialekte selbst, ags. svele^ alts. swdiij ahd. suozi^ zwang- 
los vermitteln lassen; comparativ und Superlativ mit indog. 
SU ad- konnten mitwirkend sein, um ausserhalb des gotischen 
die wurzelstarke Stammform im positiv durchzusetzen, wäh- 
rend umgekehrt im gotischen der comparativ s^ttiza durch 
die im positiv zwischen suadu- und sudeu- getroffene aus- 
gleichung in seiner form mit bestimmt wurde. Dürfte viel- 
leicht geradezu got. vöd-s^ anord. ö9-r, ags. vdd^ ahd. wuot 
wuat Vütend, rasend' dasselbe alte adjectiv mit griech. 
t^-v-g sein und sich so zu diesem hinsichtlich des wurzel- 
ablauts verhalten, wie sanskr. svädü-s, griech. adv-g zu got. 
sut-s j da, so viel ich sehe, nichts der annähme ernstlich 
im wege steht, dass jenes germanische nomen von hause 
aus -ew- stamm gewesen sei? Denn wie der gotische nom. 
sing, vod-s Marc. V 18. ist ja auch sut-s Timoth. 13,3. 
ohne stammhaftes -?/-; ausserdem ist von jenem nur in der 
schwachen form der acc. sing, vödan Marc. V 15. 16. be- 
legt, die entsprechende formation von sut-s aber kennt man 
nicht, sie kann darum auch '^sutan gewesen sein. Dann 



silbe muss mindestens älter sein als die nach dem spirantenschwunde 
von intervocalischem -a- stattfindenden vocalcontractionen, denn einmal 
zweisilbiges syd^v- mit dem diphthonge ev hätte schwerlich noch eine 
•um Wandelung zu eid-v- erfahren. 



# —los- 

käme ebenso mit dem homerischen feminin Id-v-g ^stür- 
mischer andrang, unternehmen, dringendes verlangen' das 
germanische Substantiv anord. ö<S-r m. ''animus, mens, poe- 
sis, Carmen' (gen. sing, o^ar und ^9.v), ahd. wuot f., mhd. 
wnot m. und f. 'heftige gemütsaufregung, wut, raserei, stür- 
misches verlangen' zusammen, das mit seinem schwanken- 
den genus ganz wol, sowie Sigs.fldd m., alts. flöd m. und f., 
ahd. fluot m. und f. = got. flödu-s u. a., auf alte 2/-decli- 
nation hindeuten könnte, die im westgermanischen nach der 
Synkope des charaktervocals -u- im nom. und acc. sing, 
hinter langer Stammsilbe später der z-declination (gen. dat. 
sing. ahd. imwti, mhd. wüete) weichen musste; vergl. Sievers 
Paul -Braunes beitr. V 104 ff., von Bahder d. verbalabstr. in 
d. german. spr. 94 ff. Got. sut-s hat, wenn es = süt-s ist 
und somit dem Td-v-g gleich steht, dieselbe ablautsstufe der 
Wurzel suUd- wie die vedische 1. plur. perf. act. su-shüd-ima 
Vir haben schmackhaft gemacht, gut zubereitet (oben s. 69.). 
Im falle aber, dass es got. sut-s lautete, wird es parallele 
zu griech. ^^id-v-q in t-d-v-ve-rac und ist ablautsgleich mit 
sanskr. sarn-süd-e dat. infin. 'zum kosten, zum gemessen' in 
ved. svädüsh te astu samsMe rgv. VIII 17, 6. Auf die Stellung 
der wurzelformen uadh- (im germanischen praesens wado) 
und suad' (in griech. e-aö-o-v aor., sanskr. sväd-a-ti, 
sväd-a-te praes. gegenüber griech. äd-e-rat), denen meines 
erachtens im vergleich mit udh-j sud- nur der anspruch 
analogisch nachgeschaffener tiefstufenformen zukommt, kann 
ich erst später näher eingehen. 

Es folgen ein paar -e?;(-bildungen mit wurzelhaftem ?, 
wie indog. iseu- 'schiessend, pfeil', aber ohne erweisbare 
nebenform mit /. 

Lat. tdrüs adj. fem. plur. seil, noctes 'die hellen nachte', 
als mitte des alten mondmonats, später im römischen kalen- 

Osthoff u. Brugman untersuch. IV. 13 



— 194 — ^ 

der auf einen tag in der monatsmitte beschränkt, gehört zur 
Wurzel aidh-j griech. ai^-co. An die stelle dieser treff- 
lichen etymologie, die von Corssen krit. beitr. 261. spr. d. 
Etrusker II 61. 237 f., Schleicher compend.' § 49. s. 88., 
Stokes Kuhns beitr. VIII 331., Fick wörterb. IP 32. vertreten 
wird (nur dass fälschlich, dem grammatischen geschlecht und 
der natur der sache zuwider, einige dieser gelehrten 'helle 
tage"* in tdüs finden), scheint mir ßezzenberger in seinen 
beitr. IV 323. nichts besseres zu setzen. -Ist das verbum 
idnüre ^'dividere', mit dem bei Macrobius sat. I 15, 17. Idüs 
etymologisiert wird, nicht erst ad hoc erfunden und darum 
zu einem etruskischen gestempelt*), so kann es doch nur 
selbst eine ableitung von tdüs sein, etwa *^den monat durch 
den idustag teilen' bedeutend, und beweist nichts für die 
herkunft und ursprüngliche bedeutung der Idüs selbst. So 
hierüber auch schon Corssen spr. d. Etrusker II 238. Die 
inschriftliche Schreibung eidus begegnet am frühesten auf der 
Genueser bronze vom jähre 117 v. Chr., C. I. Lat. nro. 199. 
(vergl. Corssen ausspr. vocal. P 718.), also nicht in vor- 
gracchischer zeit, so dass man nicht hinter dem ei den alten 
diphthong ei zu suchen braucht. Indog. 1 ist, die richtigkeit 
der ableitung von aidh- überhaupt vorausgesetzt, in lat. 
tdüs so sicher wie in german. 1^-lö-s *^eiter (oben s. 149.) 

Zu dem litauischen aorist dyg-au^ Infinitiv dijk-li (oben 
s. 3.) stellt sich mit gleichem ablaut als -ew-adjectiv lit. 
dyg-u-s ""stachlig, scharf, spitzig"*, mit /-suffix erweitert in 
lit. dyg-u-l-y-s m. 'stachel, seitenstechen\ 

AA. Nomen mit suff. -en--. 

Griech. homer. nachhomer. 7-alvco "^belebe, erquicke, er- 

1) Dort bei Macrobius finden sich noch andere etymologische kunst- 
stückchen mit diesem iduäre, wie z. b. auch v-iduäre == [a\ v[irö] 
iduäre (!). 



— 195 — 

heitere, heile' (II. 103. ^ 598. Od. / 359. ^ 59., Meleager 
in anthol. Palat. XII 95, 5., Quint. Smyrn. IV 402. X 327., 
Orph. lith. 265.), aus ^Jo-ii-iajo denom. = sanskr. ved. ish- 
-an-yä-ti *" treibt zur eile an, erregt' denom., ved. ish-an-ya 
f. ^erregung, antrieb'; griech. homer. nachhomer. ^-alvco '^be- 
lebe, erquicke'. Hat Od. x 59. die conjunctivform Tav^f] 
langes /", in Übereinstimmung mit mehrfach gesichertem lalvco 
in nachhomerischer dichtung (vergl. auch Spitzner griech. 
prosodie s. 106.), so folgt, dass man den praeteritalen indi- 
cativformen laLvero^ lavd-t] an den übrigen drei Homerstellen 
kein „temporales augment" beizulegen braucht. Ebenso ver- 
stehe ich, abweichend von Curtius verb. P 133 f., als aug- 
mentlos ixävs IL A AZ\. B 17., IKSTO A 362. Q) 44., ha^ov 
B 333, 394. :^ 29. O 10., faxe A 482. N 822. 834. P 723. 
2 219. 228. Y 62. ^ 216. Od. ß 428. l 395 u. a. und er- 
kenne überhaupt für Homer kein „augmentum temporale" 
von i'-, ^-y V- an, namentlich nicht bei ursprünglich digam- 
matisch anlautenden wurzeln; vergl. s. 61. 

Griech. TQiT-tov m. nom. propr. *^ Triton', söhn des Po- 
seidon oder des Nereus und der Amphitrite, ein mächtiger 
meergott, ferner name verschiedener flüsse, TqIt-lo f. bei- 
wort der Athene anthol. Palat. VI 194., TQLT-wv-lg f. see in 
Libyen, nymphe desselben, beiname der Athene = altir. 
friath ''meer', gen. treth-an^ „dessen stamm ^tritan- genau 
dem des griech. Tqltwv entspricht" (Windisch Paul-Braunes 
beitr. IV 268. kurzgef. ir. gramm. § 155. s. 39.). Die stamm- 
bildung ist wol nicht primär, und es hätte wol wegen Tqt-to- 
-yhEia neben sanskr. ved. Iri-tä-s m. namen eines gottes 
(tritä äptyäh)y avest. thri-tö m. namen eines heroen (vergl. 
thraetaonö üthwyänd)^ griech. T^/-To-g *^ dritter' (vergl. Böht- 
lingk-Roth III 249., Grassmann wörterb. z. rgv. 557.) als 
superlativische -t6-{-th6-)\)\\di\m^ ein indog. tri-td-s ver- 

13* 



— 196 — 

zeichnet werden müssen; um so mehr als auch appellatives 
griech. TQTto-yevrjg m., TQlro-yeveia f. adj. *^ drittgeboren' vor- 
liegt in dem verse :rcalg f-iot TQlroyevrjg eIltj, /nrj TQTroyeveia 
poet. b. schol. IL 39. (vergl. Passow handwörterb. unt. 
TQLroyevrjg). 

Sanskr. ved. nachved. plih-än- {pli'k-an-) m. 'milz', 
plih-ä f. dass. -tt- stamm aus dem nom. sing, entwickelt == 
sanskr. plik-an- m. *^milz\ i/akrt plihä Yäjnavalkya III 94. am 
ende eines ^loka, daher ^ metrisch gesichert (vergl. Petersb. 
wörterb. IV 1 1 86. unt. plihan-). Auf das schwierige Verhält- 
nis zu den europäischen damit verglichenen bezeichnungen 
der *^milz' gehen wir hier nicht ein. 

Sanskr. üh-an-i f. ^besen', unbelegt = sanskr. ved. uh-dn- 
^kehrwisch, besen', instr. uhn-ä, gen. uhn-äs rgv. X 68, 4. 5., 
nach Böhtlingk-Roths lesung Petersb. wörterb. I 1016. (alias 
ndnä^ udnäs). Zweifelhaft. 

Sanskr. an-üd-a-ha-m n. *^mangel an wasser', anüdake 
loc. sing, am ende des verses rämäy. I 20, 16., also ü metrisch 
gesichert (vergl. Petersb. wörterb. I 228.); griech. homer. 
nachhomer. id-wq n. Vasser', vöato-7tlri^ *^vom wasser ge- 
schlagen"* (Oppian. kyneg. II 142., vSaTOftlrjyeoLv conj. Guiet, 
überliefert vdaTOTtrjysoLv)^ vSaGL-GTeyrjg *^das wasser abhal- 
ten, wasserdicht' (Philipp. Thessal. in anthol. Palat.VI90, 5.), 
vdar-lo-v n. Vässerchen' (Kaibel epigramm. nro. 27 1 , 6.), 
vödr-Lvo-g ""wässrig, feucht, durchsichtig wie wasser, ge- 
schmeidig wie wasser' (Theocrit. XXVIII 11., Callimach. 
fragm. 295., anthol. Palat. IX 567, 5., append. epigramm. 
120, 3. = Kaibel epigramm. nro. 548, 3.), vSaro-eig'^wsiSBe- 
rig', vd-og n. Vasser' (Theogn. 961.) = sanskr. ved. ud-dn- 
n. 'wasserwoge, wasser', ved. ud-a-kä-m, nachved. 2/rf-a-A:fl-m 
n. wasser ; griech. homer. nachhomer. vö-wg n., vöar-lvo-g 
adj. (Matron b. Athen. IV 136 C), i)ö-og n. (Hesiod. op. 



— 197 — 

et di. 61.). Lett. lid-en-s m. "^wasser' ist als zeugnis für 
indog. ü nicht zu brauchen, da es auch aus '^und-en-s ent- 
standen sein kann ; vergl. zemait. und-u^ apreuss. und-s nom., 
und' an wund- an acc. sing. (Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 22.). Über v6-ioq bemerkt Passow handwörterb. u. d. w. : 
„Ypsilon ist von natur kurz, u. so stets bei den Att.; doch 
findet sich bei Homer u. epp. dasselbe in der vershebung in 
allen casibus lang u. einmal auch bei Ar. ran. 1339. im dak- 
tylus, was auch von den abgeleiteten u. zusammengesetzten 
Wörtern gilt; erst b. spät. epp. findet sich die länge auch 
in der verssenkung, h. Hom. Cer. 382. [corr.: 381.]. Ap. Rh. 
4, 290. ßatrach. 97. Man. 6, 424." Vergl. auch Draco p. 91, 
2 sqq., Spitzner griech. prosodie s. 110. Die -ro-bildung 
indog. ud-rd- Vassertier, otter' nahmen wir schon s. 155. 
voraus. 

Sanskr. ved. nachved. udh-an-^ üdh-as-^ nom.- acc. sing. 
ii'dh-ar n. *^euter^; lit. üd-r-u-juy üd-r-u-ti *^eutern, milch ins 
euter bekommen' denom. ; ags. afries. üd-er^ altengl. neuengl. 
udder^ niederländ. uid-er, ahd. üt-ar, mhd. üt-er^ iut-er (mit 
/-Umlaut des u) m., nhd. eut-er n. = sanskr. ved. tri/'udh-än- 
adj. 'drei euter habend' rgv. III 56, 3., nachved. udh-as n. 
'euter' Ramänätha zu Amarakosha II 9, 73. gabdakalpadr. 
(vergl. Petersb. wörterb. I 935.). Altengl. neuengl. Widder er- 
litt dieselbe Verkürzung der vocallänge wie mittelniederd. 
lutter 'lauter' und neuengl. atter 'eiter'; vergl. Paul - Braunes 
beitr. VII 111., oben s. 157. Von lat. üb-er bleibt zweifel- 
haft, ob sein ü dem indog. oij, von griech. ovd-aQy der 
wurzelstarken Stammform des alten nom. -acc. sing., oder 
dem indog. ü des sanskritischen, litauischen und germani- 
schen Wortes entspreche oder == indog. eu sei (sieh folg. 
Seite). Es war 6ndh-f^ gen. udk-n-ös, loc. udh-en-i 
vermutlich die indogermanische flexion, wie analog bei dem 



— 198 — 

Worte für 'wasser' y^od-f^)^ gen. üd-n-ös^ loc. ud-en-i. 
Die ew-formen smovd. jügr Jüfr (woher das gjf== indog. dh?)j 
fries. tader iadder^ die H. Möller Paul-Braunes beitr. VII 520. 
anführt, scheinen mir noch am ehesten als zeugen für eine 
nebenliegende alte -e^-stammbildung indog. eudhos benutzbar 
zu sein. Denn eine solche dürfen wir als grundsprachliche 
anerkennen, einmal mit rücksicht auf sanskr. odh-as n., das 
zwar nur beim scholiasten zu Amarakosha II 9, 73. belegt 
ist (Petersb. wörterb. I 1121.), dessen existenz aber durch 
die aus demselben paradigma entsprungenen ^-formen üdh-as- 
und udh-as- (vergl. s. 182. anm.) weiter gesichert wird; so- 
dann gestützt auf das entsprechende nebeneinander von griech. 
vö-og und vö-wq^ (^^^%o^ und iurjxaQ u. dergl. (sieh unten 
s. 1 99 f. anm.). Das auslautende -r muss freilich die friesische 
form iader iadder^ da germ. -z westgermanisch abfällt (Paul 
in seinen beitr. VI 547 ff.), entweder als -r von der coexi- 
stierenden r-form (== griech. ovd-aq) oder als -z aus dem 
obliquen casus des -e^- Stammes selbst entnommen haben. 
Mit dem «-umlaut in mhd. luter^ nhd. euter hat es wol diese 
bewantnis. Graff althochd. sprachsch. I 158. belegt den dat. 
sing, utrin ^ubere matris^ und setzt dazu einen nominativ 
schwacher declination utaro an. So möchte man vermuten, 
dass noch im germanischen eine flexion ahd. ütar, gen. dat. 
sing, "^ütin unmittelbar vorauszusetzen sei, die sich zu ütary 
üt{a)rin ausgeglichen habe, wie ähnlich das lateinische sein 
jecur, ^jecinis = sanskr. yäkrty yakn-äs (vergl. lat. femur, 
feminis) zu jecur^ jecinoris umänderte (Job. Schmidt Kuhns 



1) Sanskr. öd-ma-s m. , öd-man- n. 'das wogen, fluten' müssen für 
neubildungen der einzelsprache von der wurzelform ud- aus gehalten 
werden, wie die zu den wurzeln vyadh-, vyac- gehörenden Wörter mit 
vedh-, vec- (s. 80 f.). In ved. öd-at-i adj. 'quellend, wallend' (von der 
morgenröte) mag auch das praefix ä- stecken. 



— 199 — 

zeitschr. XXV 23., Delbrück einleit. in das sprachstud. 110.) 
und dabei in der neubildung jecinoris die heterogenen suffix- 
elemente des nom.-acc. sing, und der übrigen casus in um- 
gekehrter reihenfolge verschmolz. Das ahd. wazzar, wazza- 
-res dahingegen statt wazza?', ^wazzhi (= got. vatins) gleicht 
mehr den lateinischen ebenfalls neuen paradigmen jecur je- 
coris ^ femur femoris oder Uberj überis^). Es konnte nun 



1) Um das lat. -b- = indog. -dh- in übe?' nach dem von mir Jen. 
literaturz. 1878. art. 476. mitgeteilten lautgesetze erklären zu können, 
muss man es in unmittelbare berührung mit dem stamm- oder casus- 
bildenden -r zu bringen suchen. Dies -r war in der indogermanischen 
grundsprache auf den nom.-acc. sing, beschränkt, wie de Saussure syst. 
primit. 225. und Brugman morphol. unters. II 231 tf, wahrscheinlich ge- 
macht haben; vergl. auch Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 22. Im 
leben der einzelsprachen drang das -r- frühzeitig in die übrigen casus 
ein. Dies kann im urlateinischen so geschehen sein, dass an die stelle 
der ältesten flexion indog. gen.-abl. sing. Udhn-ös, Aoc. üdhen-i = 
sanskr. ved. ü'dhn-as, udhan-i zunächst eine jüngere mit üdhr-ös, 
üdher-i sich schob. Eine schwächste Stammform Tidhr- muss auch 
im litauischen, nach dem denominativ üdr-uti zu schliessen, entstanden 
sein. Das latein Hess die stärkere Stammform nPer-, die lautgesetz- 
lich zu nder- geworden wäre, sich zu üfer- nach dem muster der 
schwachen üfr- umgestalten und verdrängte darnach die letztere ganz 
aus dem paradigma. Wegen über- in Uber-i, uber-is, über-Uf dessen -e?'- 
also dynamisch = einem indog. -ct- ist, heisst es auch im nom.-acc. 
sing. Tiber stditt * übur , denn der ausgang des nom.-acc. sing, war indo- 
germanisch abwechselnd -r oder -f , worüber weiteres unten. Ved. ü'dhar 
nemlich denke ich mir so entstanden, dass man bei dem nebenein- 
ander von üdhas und altem *üdhr (vergl. griech. fiijxos und fii]x^Qy 
TtTos und nlttQ, etwa auch lat. 7^öbus und röbur) an der geltung des 
visarga der form udhah irre wurde : es war -h hier = -s wie in mänah^ 
tiäbhah, wurde aber des '^ üdhr wegen so aufgefasst wie in den voca- 
tiven sing, pitah^ bhratah neben den Stammformen pitf-^ bkratr-, so 
trat ü'dhar für udhah hervor in denselben Stellungen, wo auch intar^ 
hhrätar gebraucht wurden, und * üdhr verschwand dann ganz aus der 
spräche. Bei lat. jecur, femur, und wol auch ebur, röbur schritt um- 
gekehrt wie bei über die vocalische ausgleichung in der ableitungssilbe 
vom nom.-acc. sing, aus, indem die Verschiedenheit von -ur und -or-is, 



— 200 — 

der dat. sing. ahd. tUrin den /-umlaut des wurzelvocals 
liefern in mhd. mter, nhd. euter, nach Paul und Braune in 



-or-a erst wieder eine secundäre durch wandelung des auslautenden 
-or — indog. -r sonans in -ur entstandene ist, während „r [im inlaut] 
vor sich mehrfach ein o wählt oder erhält statt i<" (Corsseu ausspr. 
voc. IP81.). Die bei Neue formenl. d. lat. spr. I'^ 173 f. aus gramma- 
tikern angeführten jecor, femor, ebor, röbo?\ sowie ador, marmor zeigen 
auch diese differenz wieder ausgeglichen ; nur aequor kann wegen des qu 
(vergl. aequo-s, aequo-m wie servo-s, servo-m u. a. bei Corssen ausspr. 
voc. IP97f.) lautgesetzlich sein -or bewahrt haben. Anders gerichtete 
ausgleichung ergab dagegen lat. fulguris, gutturis, sulfuris; „wie aber 
einige zu dem gen. sing, röboris eboris femoris jecoris einen nomin. auf 
or forderten, so hielten andere zu rohur ebiir marmur (denn auch diese 
form wurde angenommen) einen plur. robura ebura marmura für not- 
wendig" (Neue formenl. 1 2 174.). Jedoch existieren auch die älteren ful- 
gora fulgorum fulgoribus in häufiger und guter handschriftlicher Über- 
lieferung (Neue formenl. I^ 175.); und dazu fulgera fulgercUor, guttere 
(Neue ebend.) von noch älterem gepräge der themaform. Mit über 
gleichen schritt hielten die neutra süber, tüber, acer, cadäver u. a. (Neue 
formenl. P 166.). Endlich teilweise iter ^ bei welchem auf eine alte 
flexion *itur *iten-is zunächst *ttur iter-is, hernach iter iier-is folgte, 
worauf dann aus iter-is und dem noch daneben fortbestehenden *iten-is 
{*itin-is) die mischform ite?i-er-is, später itin-er-is hervorging, endlich 
hieraus ein jüngster nominativ iliner (itener); sieh die belege bei Neue 
formenl. d. lat. spr. P 187 f. Ich bemerke noch, dass ich nicht die mög- 
lichkeit der herkunft einiger dieser neutra auf -ur, -or (und -er?) von 
alten -^5- stammen leugne: so des röbur, wenn die ältere form röbus, 
auch in röbus-tus, ist; des fiilg-ur, wenn es = griech. ^Uy-oz n. 'brand, 
flamme' (Hesych.), jedoch dann auf anderer Stammform indog. bhhf-es- 
beruhend, ist (vergl. Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 46.). Aber gesetzt 
auch, dass wir hier und in femus (Eitschl opusc. philol. II 439. anm.**) 
neben femur nicht die lateinischen parallelen zu sanskr. üdhas- und 
udhar und zu den griechischen paaren firjxos und tirjX^Qt ^*ös und nXaQ, 
weiterhin auch vSos und vdcoQ zu sehen haben (was mir nicht so durch- 
aus sicher ist), so ändert sich dadurch doch an den angenommenen 
ausgleichungen nichts, indem dann ja lat. fulgur, röbur durch die ana- 
logie von Jecur, femur geschaffen waren, wie durch die umgekehrte be- 
einflussung jecus-cubu-m, falls ein *Jecus nicht alt war, ermöglicht wurde 
(Brugman ebend. 32.). 



— 201 — 

ihren beitr. IV408flP. 556 f.; hernach ward erst im mittel- 
und neuhochdeutschen der durch formübertragung umgelau- 
tete nom.-acc. sing, iuterj euter so als -/'0- stamm flectiert, 
wie bereits im althochdeutschen wazzar-^ vergl. auch Möller 
Paul - Braunes beitr. VII 5 1 0. 0- 



1) Was die w-declination von griech. ov&aQ, Tjna^, v8o)q u. dergl. 
betriift, die als basis von ov&a-r-os, ^na-r-os, v8a-r-os jetzt nach Brug- 
man morphol. unters. II 227 ff. 231 ff. (vergl. auch Lindner altind. nomi- 
nalbild. 39. anm., Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 22.) wol niemand 
mehr in abrede stellen wird, so darf man, scheint mir, die beiden neue- 
sten erklärungen der dentalen Stammerweiterung, Brugmans construc- 
tionen morphol. unters. II 220 ff*. 229 f. und Ficks fruchtbaren gedanken 
an das ablativische adverbialsuffix -tos Bezzenbergers beitr. V 183., mit- 
einander combinieren; doch kann man Brugmans hypothese jetzt eher 
entbehren als auf Ficks Standpunkt verzichten. Ohne die existenz alter 
überlieferter pluralformen von - m ^ ^ - stammen, bvcfiara^ {xaa-)avfiara 
= lat. {co-g)nömenta, {as-)sumetita, wären vielleicht die alten adverbialen 
ablative, 6v6/u,a~Tos, {xaa-jovfia-ros = sanskr. nama-tas^ syü'ma-tas, nicht 
so sicher dazu gelangt, definitiv an die stelle von *ovofiv-os^ {^xaa-)- 
<jvfiv-os = sanskr. namn-as, syumn-as zu rücken und im verein mit dem 
einzigen dat. plur. Iv6ua-ai, {xaa-)avfia-at = sanskr. nä'ma-su, syuma-su 
eine solch radicale Umwälzung des ganzen declinationssystems zu be- 
wirken. Umgekehrt aber, ohne das erbtum von ovd'a-ros, jJTta-roe, vda- 
-TOS = sanskr. "^üdha-tas, "^yaka-tas^ *uäa-tas hätten ovd'aQ *ovd'v-oe^ 
TjTtaQ *Tj7iv-os, vSojQ * vSv-os k&uiQ. vcraulassuHg gehabt, bei abweichen- 
dem nom.-acc. sing, den bahnen der ovofia, xaa-av/ia zu folgen; denn 
nebenstämme auf -nio- dürfen wir schwerlich bei den Wörtern für 'euter', 
'leber', Vasser' voraussetzen, so dass also die plurale ov&ara ov&drcovy 
rJTtara i]när(ovy vSara vSarcov, sowie die entsprechenden gen.- dat. dual, 
keine erbformen sind ; und der einzige dat. plur. ov&a-ai, rjna-ai, vda-ai 
= sanskr. *iidha-su (vergl. ved. udha-bhis), *yäka-su (vergl. ved. (^äka- 
-bhis taittiriya-samh. V 7, 23, 1. von gäkrt-), *udä-su (vergl. ved. udd-hhis) 
hätte wol auch hier nicht genügt in ermangelung eines begleitenden 
alten abl-gen. sing, ov^a-ros, rjna-Tos, vSa-ros. Ähnlich lässt Brugmans 
theorie notwendig die entstehung der -nto- und weiterhin -?i^-decli- 
nation bei dem griechischen worte für 'ohr' im dunkeln, da dessen 
nom.-acc. sing, von alters her die form eines -<?5- Stammes, att. ovs 
aus *o(j«^)os, vorhist. *ovao& = abulg. ucho, hat (Gust. Meyer griech. 
gramm. § 333. s. 285.); während die anerkennung des abl.-gen. sing. 



— 202 — 

Neuniederd. (westfäl. grafsch. Mark) Mup-en m. ''eine 
gehäufte masse, so viel als man auf einmal trägt oder nimmt', 

*oa-r6s = att. (oros als erb form auch hier unmittelbar weiter hilft. In- 
dem man aber bei den ovofxa, xäa-avfia die Brugmansche anschauungs- 
weise neben der Fickschen festhält, wie man ja darf, bleiben bei dieser 
gruppe als entschiedene griechische neubildungen (in einziger hinsieht 
auf die themagestaltung) nur der dat. sing, und der nom.-acc.-voc. dual. 
(bvofia-r-i ovofia-t-e, xaa-avfia-x-i xaG-ffv/ia-r-s). Der vor {xaa-)avfiari 
gewichene ältere dat. (loc.) sing, ist 'vfiev-i = sanskr. syuman-i, der 
sich in dem neuen paradigma des /«-Stammes, 'vfirjv %fiev-osm. (s. 139.) 
eine zweite heimat gründete. Die amplificative neubildung von yovaroe 
ScQaros, homer. yovvaros, SovQaros würde sich am leichtesten erklären 
wenn man nach der theorie Joh. Schmidts und Mahlows (d. lang, voc 
AEO 72 ff.) früheren gelegentlichen singularischen gebrauch der for 
men yovva, SovQa voraussetzt, wodurch ro yovva, ro Sovoa in die ana 
logie von ro ovofia geraten konnten. Anderesfalls müsste man auf das 
alte nebeneinanderliegen von -uen- und -eu-sfämmen (verf. forschungen 
II 24 f. oben s. 190., Brugman'^morphol. unters. II 189 f. 201 f. 217.) re- 
currieren, und yovva-ros, Sov^a-ros wären im princip also adverbiale ab- 
lativformen wie avest. is-va-td (oben s. 170.), ihre paarung mit yow, §6^v 
vergleichbar einer eventuellen sanskritischen beziehung des dhän-va-tas 
'von dem bogen', formal von dhän-van- n., auf dhan-ü-s m., welche be- 
ziehung ja in anbetracht von dhan-icn-ä, instr. von dhän-van- in dem 
paradigma des dhan-ü-s, sich wol denken liesse. Ich vermute endlich 
auch, dass im sanskrit der nora.-acc. sing, yäkr-t, cäkr-t sein -t empfing, 
indem *yäkr, *^äkr mit den adverbialablativen *yaka-tas (== rjTia-ros), 
*caka-tas (vergl. gäka-hhis) zusammentretend letztere zuerst zu yäkr-tas, 
gdkr-tas umschufen; diese als die historischen formen des abl.-gen. sing. 
wurden in der folge als ydkrt-as, gäkrt-as vom Sprachgefühl verstanden. 
Composita auf -kr-t von wurzel kar- konnten dann volksetymologisch 
mitwirken zur Schöpfung der neuen nom.-acc.-sing.-formen yäkr-t, gäkr-t 
(Brugman morphol. unters. II 234.), ebenso gut aber auch jedes andere 
Verhältnis der art wie hfd n. nom.-acc; hrd-äs abl.-gen., marüt m. nom..- 
marüt-as abl.-gen. Hat etwa auch im armenischen leard 'leber' (gen. 
lerdi) aus *tj.ekart (Hübschmann Kuhns zeitschr. XXIII 401., Brugman 
morphol. unters, a. a. o.), das übrigens noch eine silbe hinter dem dental 
eingebüsst haben muss, in ähnlicher weise mit hilfe des alten ins casus- 
system aufgenommenen adverbiums auf -tos die dentale Weiterbildung 
erfahren? Imgriechischen scheint Bäfia^, Sa/uaQ-ros für früheres SäuaQ, 
*8d/ia-ros dem zustande von *yäkr, yäkr-tas für einstiges *ydkr, *yaka- 



— 203 — 

ahd. hüf-Oj mhd. hüf-e m. *^haufe, häufen^ = lat. in-cüb-o 
m. *^schatzgeist der auf den vergrabenen schätzen liegt und 
sie bewacht, alp\ In dem genannten und anderen neunieder- 
deutschen dialekten Westfalens, z. b. auch im ravensbergi- 
schen, ist iu = germ. ü ; vergl. H. Jellinghaus westfäl. gramm. 
§§62.63. s. 29f, oben s. 179. 

Über die tiefstufigkeit der wurzel bei den geschlechtigen 
;?- Stämmen, insbesondere den masculinen nomina agentis, 
handelte ich ausführlicher in Paul -Braunes beitr. III 12 ff. 
Es sind die dortigen ausführungen hier durch zwei allgemeine 
bemerkungen zu ergänzen. Erstens: accentwechsel zwischen 
Wurzel-, themasuffix- und casussuffixsilbe wird doch auch 
hier anzuerkennen sein, wodurch z. b. sanskr. raj-an- 'könig' 
seine abnormität der betonung und des wurzelablauts ver- 
liert. Und ferner: wie indog. /, ?/, so zeigt sich, wie wir 
sehen, wennschon seltener, auch 7, ü in der tiefstufigen wurzel. 
Unser zuletzt gestelltes beispiel ahd. htifo = lat. m-cübo ist 
besonders geeignet, alles dies zusammen zu illustrieren. Denn 
dazu gehört ausser dem neuniederd. hiupen auch noch aus 
demselben volksdialekt-e/i häupen 'eine grosse menge, masse, 
sehr vier, erstarrte acc.-sing.-form (z. b. en häupen geld^ en 
häupen water als objects- und subjectscasus) = alts. "^hopun 
oder ^höpon, got. "^haupan. Ja selbst ags. heäp ^ alts. höp^ 
neuniederd. häup , ahd. houf häuf, mhd. houf m. kann zur 
regelmässigen form des nom. sing, eines -e;2-stammes werden 



-tas zu entsprechen; vergl. Brugman morphol. unters. II 233. „Es ist 
gewis verführerisch genug", bemerkt Brugman ebend., „das r von "jnax- 
zum vergleich [mit dem t von yähi] heranzuziehen." Dieser Verführung 
brauchen wir also nicht zu widerstehen und können doch gleichzeitig 
in rjTia-ros griechische ^«-flexion und eine form des gleichen Systems mit 
sanskr. yakn-äs sehen, sowie 6v6fia-ros, vSa-ros, *6a-t6s ca-ros die grie- 
chischen Seitenstücke zu sanskr. nä'mn-as lat. nömin-is got. namin-s^ 
sanskr. ved. udn-äs lit. vanden-s got. vatin-s, got. ausin-s geworden sind. 



— 204 — 

= germ. häupö, got. *haupa. Macht man von dem Havet- 
schen „doublet syntactique" indog. -ö und -ön (vergl. oben 
s. 171.) ttir das germanische gebrauch, so hat man got. guma^ 
auhsa auf die seite von sanskr. ukshä\ griech. «j^dw, «r/w, lat. 
homö^ lit. zmüj akmu zu stellen, ags. g^z/^/za, alts. gumOj ahd. 
yomOj ohso dagegen auf diejenige von sanskr. pivän^ griech. 
r€7iTwVj a7]öwv, ehcüv, abulg. kamt/. Wenn vereinzelt das 
westgermanische den ausgang von got. guma^ auhsa d. i. indog. 
urgerm. -ö festhielt, so erfolgte synkope desselben nach langer 
Stammsilbe, was dann wol regelmässig wie bei keäp höp 
houf den übertritt in die o - declination zur folge hatte. Das 
anord. höp-r kommt nicht in betracht; da es wegen des 6 
— man erwartet *haup-r — gar nicht echt nordisch sein 
kann, nach Cleasby-Vigfusson diction. 281a. auch nur in 
jungen handschriften belegt ist, ist es wol unbedenklich lehn- 
wort niederdeutscher herkunft (vergl. alts. höp). 

Ich nenne noch einige - e;^ - bildungen mit 7, u aus dem 
Sanskrit, griechischen und germanischen, zu denen mir das 
pendant mit «, ü fehlt. Sanskr. snih-än- m. '^feuchtigkeit der 
nase\ nebst snih-ä f. dass., aus dem nom. sing, des /i- Stam- 
mes durch metaplasmus -«-stamm (vergl. s. 196.); ved. nach- 
ved. püsh-dn- m. nom. propr. des nährenden, gedeihen schaf- 
fenden, wolstand bringenden sonnengenius und hirtengottes. 
Griech. xi;^-wj/ m. *^krummholz, nackenholz', das trotz ywrp-o-g 
adj. *^ krumm, gekrümmt' primäre Wortbildung und mit unter 
den mustern zur ausbildung des „individualisierenden" -wv 
gewesen sein wird, nach verf. forschungen II 46. 55 f. Griech. 
tQvy-c6v f. *^turteltaube', zu tqv^w ''gurre' mit v nach s. 70. 
Ahd. thrübo drübo trübo, mhd. trübo m. ^traube', stamm 
germ. prüt-en- = indog. ti^üp-en-] wurzelverwant mit 
lit. trup-üy trup-'eti *^locker sein, bröckeln, krümeln', trup-u-s 
adj. 'locker, bröckelig' (0. Schade altdeutsch, wörterb.^ 112 b.). 



— 205 — 

BB. Nomen mit suff. -ono-, -eno-^ -no-\ partic. medio- 
pass. Wegen der Stammabstufung in der suffixform verweise 
ich kurz auf morphol. unters. II 13., bemerke ausserdem^ dass 
unter den s. 115 ff. behandelten -wö-bildungen natürlich schon 
einige participia vorausgenommen sind, solche, bei denen ein 
Wechsel mit den volleren suffixformen -ono-^ -eno- nicht vor- 
liegt oder doch nicht in betracht zu kommen brauchte. Da- 
durch ist allerdings gleichartiges aus einander gerissen wor- 
den. Es ist möglich, dass die s. 120. berührte Schwierigkeit, 
den vocalismus der wurzelstarken paradigmenform (ob mittel- 
oder hochstufe) zu bestimmen, mit dem verschiedenen Ur- 
sprünge des -y?ö-suffixes zusammenhänge. 

Sanskr. ved. fg-ima-s und ic-änä-s adj. subst. *^zu eigen 
habend, besitzend, vermögend, beherrschend, herrscher, ge- 
bieter' = avest. is-änd adj. *^mächtig, herrschend'. Vergl. 
dazu oben s. 96. 1 70. In ved. i'c-äna-s ist jedenfalls der accent 
abnorm, meiner ansieht nach unter dem einflusse des verbum 
finitum i(;-e^ i'sh-te verändert; in letzterem aber, das ich für 
ein perfect med. ohne reduplication halte, wird wol der Sin- 
gular des verlorenen activs *ef-a = got. aih seine Wirkung 
in bezug auf den accent geübt haben. Möllers bemühungen 
Kuhns zeitschr. XXIV 444 ff. , den Zusammenhang des ger- 
manischen praeteritopraesens mit sanskr. zp-, avest. is- in 
neuer weise mittels angeblicher 2-epenthese der wurzel ak^- 
sich zurechtzulegen, haben für mich in keinem punkte Über- 
zeugungskraft. Ist sanskr. i(^-e selbst perfect mit der grund- 
bedeutung 'ich habe in meine gewalt gebracht', so verschwin- 
det namentlich das eine argument Möllers, dass der sinn 
'besitze, verfüge über, herrsche, vermag' bei got. aih „durch 
das perfect so gut wie aufgehoben werden würde". Wenn 
sich ferner bei aih^ aigum von dem erwarteten kurzen / im 
plural (auch langes 7 darf jetzt nach dem oben s. 60 — 71. 



— 206 — 

ausgeführten daneben erwartet werden) „in allen germani- 
schen dialekten keine spur" findet und Möller daraus ein 
recht herleitet, an der „z-wurzel" zu zweifeln, was sagt er 
dann zu der vielleicht schon grundsprachlichen Übertragung 
der nicht reducierten wurzelform k^ei- '^liegen'* ins medium 
zweiter indischer praesensclasse, sanskr. ce-she^ ge-te = griech. 
Kel-GaLy y.el-tai (Gust. Meyer griech. gramm. § 482. s. 372.)? 
Die individuellen gründe, warum nhd. ich vwiss: wir wissen 
bis auf diesen tag sich der alten Stammabstufung erfreut und 
nih: aigum schon im gotischen nicht mehr, muss man, wie 
in so vielen ähnlichen fällen, sich bescheiden nicht zu wissen. 
Einzelne nur praesentisch zu denkende formen von sanskr. 
ic-y wie in der 3. sing, tsh-te und selbst thematisches tr-n-te 
(Petersb. wörterb. I 851.) neben fp-e, besagen so wenig etwas 
gegen den ursprünglichen perfectcharakter, wie ved-miy vid- 
-masi gegen denjenigen von ved-a ins gewicht fallen (vergl. 
oben s. 7.), und sind ähnlich wie die althochdeutschen nach- 
bildungen mit rein praesentichen endungen eigist^ eigames 
(Möller Kuhns zeitschr. XXIV 446.) aufzufassen. Doch ist 
vielleicht ish-te die ältere form gegenüber fc-e und nur wegen 
der praesentischen bedeutung gewahrt, während ri-ric-e^ nu- 
-nud-e als 3. sing, formal die 1. sing. perf. med. sind, so 
gebraucht wegen der activischen ri-rec-a^ nu-nöd-a in beiden 
functionen, was dann allerdings auch einige praesentia med. 
wie ved. bruv-e^ huv-e nachahmten und mit letzterem dann 
ic-e selbst (Delbrück altind. verb. § 103. s. 70.). 

Anord. tig-in-n adj. ^vornehm', .tig-n f. Vornehmer rang' 
= ags. he-tiz-en *^argutus, criminatus, accusatus', on-tizen- 
-ness f. ''criminatio'*, ahd. ge-zig-en ^geziehen^ ar-zig-an ""ne- 
gatus"*, pi-zig-an *^insimulatus, argutus\ fir-zig-an ''denegatus, 
abnegatus, abdicatus'. Grundbedeutung des indog. dik'-ö- 
no-s: Vorauf man zeigt, was man durch zeigen kennzeichnet 



— 207 — 

und hervorhebt'. Für anord. tiginn ist die länge von Sievers 
Paul-Braunes beitr. VI 334. anm. 2. aus metrischen gründen 
vermutet und, wie mich dr. Kluge auf grund einer ihm ge- 
wordenen mitteilung Hofforys benachrichtigt, durch die alt- 
schwedischen homilien von Wisen erwiesen. Lat. dig-nu-s^ 
das dem anord. tig-in-n wol mit recht, wenn auch öfter unter 
falschen Voraussetzungen über die wurzel, verglichen wird 
(Fick wörterb. I^ 611. IP 378., Möller Kuhns zeitschr. XXIV 
489.), hatte auch naturlanges 7, wie W. Schmitz beitr. z. lat. 
sprach - u. literaturk. 57 ff. und Job. Schmidt indog. vocal. 
I 102. aus einem Zeugnisse Priscianus und dem inschriftlichen 
DiGNI mit /longa inscr. regn. Neapol. 4496. zeigen. Doch 
kann i in dxgnus auch durch secundäre längung aus dem vor 
g7i entwickelten nasalvocal entstanden sein nach Job. Schmidts 
erklärung a. a. o. 

Sanskr. üsh-ana-m n. *^pfeffer' als *^ brennendes gewürz' 
(vergl. s. 175 f.), üsh-ana f. 'piper longum', üsh-na- adj.'heiss, 
warm' beim scholiasten zu Amarakosha I 1, 3, 19. (nach 
Böhtlingk - Roth I 1031. „schlechte Schreibung fUr ushna-^) 
= sanskr. z/5Ä-aw«-w n.*^pfeffer, die wurzel von piper longum', 
iish-anä f. *^piper longum, getrockneter ingwer', ved. nach- 
ved. ush-nä- adj. *^heiss, warm', m. n. *^hitze, die heisse 
Jahreszeit', m. ^zwiebel', ush-?iä f. 'hitze, auszehrung, galle'. 

Lit. triüd-na-s adj. ^schwer bedrängt, betrübend, betrübt, 
traurig'; Sinord. prüt-m-?i adj. "^geschwollen, beschwert, swoln, 
oppressed' = anord. prot-in-7i ^abgemattet, erschöpft', ags. 
ä-prot-en ""taediosus', un-ä-prot-en 'indefessus', ahd. ufi-er- 
-droz-en *^ unverdrossen', yi-droz-an "^pertaesus'. Lit. triüd- 
-na-s hält Brückner litu-slav. stud. I 147. für ein slavisches 
lehnwort aus weissruss. kleinruss. trüdmjj\ poln. trudny = 
abulg. trud-mü 'lassus, molestus', welches slavische adjectiv 
eine secundärableitung aus abulg. t?'ud-ü m. 'labor' ist; not- 



— 208 — 

wendig geboten scheint mir diese auffassung des litauischen 
Wortes nicht, vergl. die folgende nummer. In anord. kona 
prütin ^femina tumenti facie prae dolore' (Egilsson lexic. poet. 
924 b.) kann wol prütin noch geradezu durch Verdrossen' 
wiedergegeben werden. 

Lit. liüd'iia-s adj. ^traurig, betrübt, niedergeschlagen' 
= anord. lot-in-n^ ags. z^-lot-en 'geneigt, gebeugt, nieder- 
gesunken', anord. lot-n-ing f. 'ehrerbietung'. Zu dem aorist- 
praesens lit. liüd-u 'gehe traurig einher, traure, bin innerlich 
betrübt (infin. Imd-'eti)^ anord. lüt-aj ags. lüt-an 'sich neigen, 
niedersinken'. Auf anord. lüt-n-ing f. 'ehrerbietung' ist zur 
erschliessung eines "^lüt-in-n allerdings nichts zu geben, es 
kann bildung mit dem bereits einheitlichen suffixcomplex 
-ning aus dem verbalstamme von lüt-a sein, sowie lük-ning 
f. 'bezahlung' von lük-a-^ vergl. von Bahder d. verbalabstr. 
in d. german. spr. 190. 

Ausserdem macht mich Kluge noch aufmerksam auf 
anord. ü-hlif-in-n 'der sich selbst nicht schont' (bei Cleasby- 
Vigfusson unter ?/-), dessen gegenstück mit ^ in der althoch- 
deutschen form ^ga-hlib-an zu lih-an^ leib (Graff IV 1109 f.) 
uns nur die kärglichkeit und Zufälligkeit der sprachüberliefe- 
rung vorenthält ; hier hätte sich das alte formenpaar zwischen 
medialer und passivischer bedeutung des particips differen- 
ziert, wie bei mehreren -^ö-participien, z. b. germ. wiso-s 
und wissö-s (s. 77 f.), griech. ßov-lv-To-g seil, xaigog 'die 
ochsenausspannende tageszeit' und Iv-To-g (s. 89.), die Spal- 
tung in den activischen und passivischen sinn hervortrat. 

CC. Wurzelnomina: 

Sanskr. ved. nachved. ä-pri- f. eigentlich 'gunstgewin- 
nung, beschwichtigung', plur. 'einnehmende, versöhnende 
Sprüche, placationes', a-pri-bhis instr. plur. = avest. ä-fri- 
-vacahh- adj. 'segnende worte führend', u-fri-vana- n. 'segens- 



I 



— 209 — 

wünsch', raiu-fri-sh f. 'satisfaction of the' heads of creation 
by invokiüg them^, ratu-fri-shu loc. plur. (Haug zand-pahlavi 
glossary 114 f., Bezzenberger Kuhns beitr. VIII 120.). Die 
erklärung bei Haug und Bezzenberger aa. aa. oo., dass ratu- 
frisH^ -frishu Verkürzungen aus i^atu-ßnii-sK , -friti-shu seien, 
ist grundlos; liegt neben ä-Jriti- gleichbedeutendes ä-fri- in 
d-fri-vacahh-^ a-fri-vana-^ so kann auch neben ratu-friti- die 
suffixlose bildung ratu-fri- bestanden haben. 

Avest. mizh-da- n. *^lohn' = avest. asK-mizh-däQ adj. 
fem. plur. ^viel lohn bringende', hii-mizh-ddo adj. fem. plur. 
^guten lohn bringende' ys. LIV 7. nach Westergaards lesart; 
abulg. miz-da Vf.uod-6g\ got. miz-dö f. ''(.nöd^og^ ^ ags. meqr-d 
f. ''miete, lohn'. Ob griech. jnio-d-o-g = (.üö-d-o-g oder = 
Luo-d-6-g sei, ist nicht zu entscheiden. Desgleichen muss ich 
dahin gestellt sein lassen, ob in ags. med^ altfries. mede mide 
meide meithe^ alts. meda mieda meodttj abd; meta meata miata 
mietet^ mhd. miete langes oder kurzes i untergegangen sei 
und ob vielleicht mit hilfe der alten doppelqiiantität sich die 
buntformigkeit des germanischen Wortes einigermassen er- 
klären lassen wird. Da das nomen doch wahrscheinlich ein 
compositum mit der wurzel dhe- ""setzen, schaffen' ist (Justi 
handb. d. zendspr. 233 b., Delbrück Zachers zeitschr. I 10., 
Curtius grundz.^ 260.), so- glaubten wir indog. m^is als wurzel- 
nomen hier aufführen zu dürfen. 

Avest. vis- f. ""haus, familie, dorf, clan'; griech. Qgr]- 
-lY,-i dat. sing., (d^Yi-'u-eg nom. plur. *^Thracier' Apollon. 
Rhod. I 24. 632. Nicand. ther. 49., egrj-k-w-g adj. 'thra- 
cisch' Apollon. Rhod. I 1110. *IV 905. Phanocles b. Stob, 
floril. LXIV 14. , poet. b. Steph. Byzant. s. v. Qgcjch] = 
sanskr. ved. vir- f. 'niederlassung, wohnsitz, haus, gemeinde, 
stamm, volk, mannschaft, leute'; apers. vith- vlh- i, 'clan, 
stamm', vith-am vth-avi acc. sing., vth-ä instr. sing, (vergl. 

Ostlioflf u. Brugman untersuch. IV. 14 



— 210 — 

über die beiden Schreibungen vith- und vth- Hübschmann 
Kuhns zeitschr. XXIV 377 f.); griech. homer. hesiod. tqI- 
Xa-i'/,-eg *^in drei stamme geteilt' von den Doriern (Od. 
T \ll.j Hesiod. fragm. CLXXVHI ed. Marckscheffel) , homer. 
nachhomer. Qqtj-Ix-cc acc. sing., QQrj-iy-EQy GQi]-ly-ag plur. 
'Thracier', QQrj-ix-w-g adj. 'thracisch', QQr]-l/-lr] f. 'Thra- 
cien'; abulg. vts-i f. 'dorf\ zur ?*-declination übergetreten. 
In dem epitheton der Dorier, TQiya'r/-£gj mit Fick Bezzen- 
bergers beitr. III 168. ein */r/- 'stamm' wiederzufinden, ist 
sehr verlockend, zumal die alten selbst die deutung 'm drei 
colonien geteilt' kannten {Ttavteg de %qiYalv.£g Aaleovrai, 
ovv£'/,a TQiaorjv yalav exag TtdrQrjg löaoavro bei Hesiod). 
Doch mehr als Curtius grundz.^ 738. müsste man sich in 
i:Qi%a-i7,-eg an dem langen ä von rgr/Jx- stossen: tgiy^Uy 
woran Curtius erinnert, könnte doch nur etwas zur aufklä- 
rung beitragen, wenn es eben homer. * TQtyJi-T'/.-eg hiesse. 
So bleiben entweder die /lioqdEg TQL%-aiy-eg *^haarschüt- 
teler, die das haupthaar flattern lassenden'; vergl. homer. 
7toh)-cäy.-og *^des mit vielen erschütterungen verbundenen' 
(tvoU^olo IL A 165. 7 328. Od. >1314.), /.oqvS-aU-i 'dem 
helmschüttelnden' (IL X 132.). Oder* man hat, und dazu 
entschliesse ich mich allerdings, zu messen Tqlya-iy-Eg^ was 
an beiden stellen der vers erlaubt:- bei Homer Jcagdeg tZ 
TQl%cUeg dlol tb TlelaoyoLy bei Hesiod als hexameteraus- 
gang 7tavTEg de TQTxaiy.eg y.aXeovTai. Dann bekommt man 
hier ein griech. *ß7y- = sanskr. vig--^ "^Tglya als alte neben- 
form von T:Qt%a darf getrost zugelassen werden, vergl. die -no- 
und - /ö - bildungen mit indogr ^r1- s. 115. 1951, die -k^o- 
und -7«o-bildungen mit indog. dm- s. 72. 115 f. Was aber 
ist Qqä- in dem namen der Thracier? Sind es vielleicht nur 
'die landbesiedeler'? Denn man kann an sanskr. dhar-Ci f. 
'erde' denken, zu dem sich griech. *^Q-ä ebenso verhalten 



— 211 — 

könnte wie sanskr. gn-a^ altir. mn-ä gen. sing., griech. *f^iv-cc 
aus *ßv-ä in (.iva-{i)o-(.iai ''suche mir ein weib, freie' zu abulg. 
zen-tty got. qin-d , altir. beiiy armen, kin (Mahlow bei Job. 
Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 129., verf. morphol. unters. II 
13 ff., über /uraof-iat Kuhns zeitschr. XXVI heft 1.). 

Avest. vid' adj. ^kennend', vid-ö nom. plur. ys. L 18. 
= sanskr. vid- adj. subst. Vissend, kennend, sich verstehend 
auf, vertraut mit etwas, kenner', selbständig und am ende 
zahlreicher composita; griech. homer. ^'i-ld-oQj "li-id-i gen. 
dat. sing. nom. propr. des unsichtbaren unterweltgottes. 

Avest. zemar-güz- adj. 'sich in die erde verbergend', 
zcmar-güz-6 non^. plur., zemar-güss-a acc. plur. == sanskr. 
ved. guh- f. 'versteck' rgv. I 67, 3. 6. 

. Griech. iyßt-g oder h/ßv-g m. 'fisch', iy&v-v oder ixd-v-v 
acc. sing.; lyd^v voc. sing. (Crates b. Athen. VI p. 267 F.), 
l^di-ÖLo-v n. 'fischchen' (Aristoph. fragm, 344, 8. Dindorf., 
Mnesimach. b. Athen. VIII p. 359 D., Menander b. Athen. IV 
p. 132 E.); lit. zü-stu 'ich fische', praes. (für denominatives 
'^' zü-ju eingetreten, wie dzü-stu für "^dzü-ju = griech. dv-co 
s. 18.), zü-sti infin. (bei Nesselmann wörterb. 552a. aus 
Szyrwid) = griech. lydi-g nom. sing. (Matron b. Athen. IV 
p. 135 C), ixd-v-v acc. sing. (Theocrit. XXI 49.), iyß%-(jL 
dat. plur., compp. y.ctll-iyd^v-q nom. sing, 'schönfisch' (Oppian. 
halieut. I 185. III 191. 335.), /.aXl-iyd^v-v acc. sing. (Niwne- 
nius b. Athen. VII p. 295 B.), lyd-ij-ÖLo-v n. 'fischchen' (Arche- 
strat. b. Athen. VII p. 31 IC, Lucian. in anthol. Palat. XI 
405, 6.), compp. lyd'v-ßoko-gy ix^v-ßolecoy Ix&v-ßolevgjixd'v- 
-ßoQo-gy Ix^v-ßoTo-gj ix^v-yoro-Qj ix^v-doyto-gy ix^v-i^ied(x)Vy 
ix^v-v6f.w-gj ix^v-7cayrigy iy^v-cpayo-gy ix^v-cp6vo-g. Dass 
von lyßv-gy lyßv-v die letzte silbe auch gekürzt vorkomme, 
behauptete gegen Porson mit recht Meineke Menandri et 
Philemonis reliquiae p. 44. ; später scheint derselbe aber seine 

14* 



— 212 — 

meinung geändert zu haben, da er bei Theocrit. XXI 49. 
ixd-v für überliefertes ixS^iv Q.o\i]mQYiQ, bei Athen. IV p. 135 C. 
aber statt der best verbürgten lesart ^ (.lövri l^d-vg lovoa 
(so auch der codex Marcianus Venetus) aus einer jüngeren 
handschrift, dem Laurentianus (B nach Dindorfs bezeichnung), 
iq iLiovr] ix^vg ovoa aufnahm. Wenn Herodian II 615, 22. 
ed. Lentz perispomenier^ng ixS-vg vorschreibt (vergl. auch 
Gust. Meyer griech. gramm. § 317. s. 272.) und also die im 
sprachgebrauche häufigere form mit v sanctioniert , so be- 
rechtigt auch das nicht, bestimmter Überlieferung zuwider 
gänzliche unbekanntschaft der spräche mit dem v in den 
zweisilbigen casus voraussetzen. Dazu koipmt betreffs des 
compositums /mIX-ix^v-Qj was Spitzner griech. prosodie s. 42 f. 
bemerkt: „Die bestimmte kürze, selbst solcher, die von ur- 
sprünglich langen formen zusammengesetzt sind, wie von 
ix^vg und ocpQvg, lehren schon die alten, als Arkad. de acc. 
92, 5. Constant. Lask. 233, 6. Et. M. 246, 12. 565, 16. 599, 33. 
und, wenn auch letzteres wegen ^iaXhx^vg zu schwanken 
scheint, so spricht doch der gebrauch der dichter für die 
Verkürzung u. proparoxytonirung. " Über das deminutiv Ix- 
^v-ÖLo-v vergl. ]M[eineke Menandri et Philem. reliq. p. 160., 
Buttmann ausführl. griech. sprachl. P 105 f. 11^ 442. Aber 
deren erklärung der endung -vöio-v^ dass sie aus *-vtdio-v 
zusajnmengezogen sei, vernichtet unnötiger weise die mor- 
phologische gleichheit von iy^d-v-dio-v und ix^v-öio-v. Auch 
in ßoTQv-öto-v und ;^£A^-^«o-j^ , die Meineke a. a. o. noch 
nachweist, darf unmittelbar das suffixiale v gefunden wer- 
den, das die Stammnomina neben dem v kennen: ßörgvg 
Ixay-Qov ^TTiKwg, ßqaxv '"Eklr^vixcog nach Moeris s. v. ßorgvg 
(vergl. Gust. Meyer griech. gramm. § 317. s. 272.); x^^^Sy 
xilv-v bei Homer, hymn. in Mercur. 33. 153. 243. gegenüber 
xelv-g bei Callimach. hymn. in Apoll. 16., Oppian. halieut. V 



I 



— 213 — 

404., Arat. phaenom. 268. (vergl. Passow handwörterb. unt. 
xilvg). acpv-öto-v aber (Aristoph. b. Athen. VII 285 E.) von 
acpvri "^sardelle^ mag als deminutiv der species wol direct 
nach demjenigen des genus, ix^v-öw-v, zurecht geformt sein, 
also auch nicht der aufstellung einer grundform *a(pvtöio-v 
bedürfen. Meines erachtens ist ix^^-äco-v eine solche bil- 
dung von ix^d-g, wie /coU-öw-Vy IxL-dio-Vj 6q)l-dio-Vj kttj- 
oL-öio-v von itoU-Qy exi-g u. s. w. ; denn mag immerhin der 
suffixcomplex -lö-w-v an nominalstämmen auf -lö- erwachsen 
sein (vergl. 7ta-iö-io-v von jca-lö-^ qacpavLd-io-v. von qacpa- 
vtd-)j so konnte doch bei nachbildungen damit oder darnach 
ebenso wol in „proportionaler analogie" verfahren werden als 
in „schlichter formübertragung " (vergl. verf. morphol. unters. 
II 138 ff. 141 ff.). Den letzteren modus zeigen v-tS-w-v 
(Xenoph. mem. I 2, 30.), i^iv-töco-v im gegensatz zu ix^^- 
-dco'Vj ßoTQv-ÖLo-Vj x^^i'-^i^o-v] für „unattisch" wird Xeno- 
phons vtÖLov wegen derer auf -vdio-v mit unrecht von Butt- 
mann erklärt. — Es lassen leider in der frage nach der 
quantität des u diese aussergriechischen Vertreter von indog. 
(jh^ju- im stich: altpreuss. suckans acc. plur. (dem ck nach 
wahrscheinlich suckans)^ lit. su-klf/-Sj su-klija-s m. *^fischer' 
zu-kle f. 'fischerei', m. 'fischer' (Nesselmann a. a. o.), i^w- 
-kly-stüy iu-klt/ste f. ^fischerei^, zu-klavju *^ treibe fischerei, 
fische im kleinen^^ zu-klav-ima-s m. *^ fischerei im kleinen ; 
sowie endlich armen, tzu-kn *" fisch ^ das zwar von Fick Kuhns 
zeitschr. XXII 384. wörterb. P 584. Izü-kn geschrieben wird. 
Sanskr. ved. nachved. bhü- adj. am ende von compo- 
siten *^ werdend, entstehend, entstanden, seiend', f. 'das wer- 
den, entstehen, weit, Weltraum, erde', ved. pra-bha- adj. 
'hervorragend, übertreffend, vermögend, mächtig', ved. vi-bhu- 
adj. 'weit reichend, durchdringend, ausgezeichnet, hervor- 
ragend, kräftig'; anord. bü n., ags. alts. bü n., ahd. bü pii 



— 214 — 

m. n. "^Wohnung, Wirtschaft, bau"* == sanskr. ved. nachved. 
pra-bhü- adj. ^hervorragend, übertreffend, vermögend, mäch- 
tig", m. ^herr, gebieter', vi-bhü- adj. Veitreichend, durch- 
dringend, reichlich, vermögend, mächtig, wirksam, tüchtig", 
ved. mayo-bhü- adj. ^zur labung gereichend', gam-bhü- adj. 
*^zum heile gereichend"; lat. 'pro-bu-s adj. ^tüchtig, brauchbar, 
gut, rechtschaffen", super-bu-s adj. ^hochfahrend, stolz". Das 
germanische nomen hü fst nicht mit Sicherheit als ein er- 
erbtes wurzelnomen, das nur einzelsprachlich in die o - decli- 
natiori überging, zu bezeichnen, da es auch gänzliche neu- 
bildung aus dem entsprechenden verbum sein kann. Lat. 
pro-bu-s und super-bu-s sind nebst dejisu-s^ altlat. torru-s u. a. 
Fick wörterb. P 193. IP 104. 132.) aus der u- in die ö-de- 
clination vom nom. und acc. sing. masc. aus übergetreten; 
ähnlich schon Pott wurzel- wörterb. I 256. über probu-s = 
sanskr. pra-bhü-s. 

Avest. äzö-büj- adj. *^aus der not befreiend", äzö-büj-d 
gen. sing., äz6-büj-em acc. sing. = sanskr. ved. tri-bhüj- adj. 
'dreifältig, dreifach", eigentlich 'dreimal sich biegend", tri- 
-bhüj-am acc. sing. fem. atharvav. VIII 9, 2. Vergl. s. 10. 177 f. 

Sanskr. bhrü-s f. 'augenbraue", bhrü-shü loc. plur., bhrü- 
-bhyam instr.- dat.- abl. dual., compp. bhrü-madhi/a-j bhrü- 
-caturya-^ bhrü-cäpa-^ bhrü-mandala-^ bhrü-lutd, bhrü-kmn^a- 
{bhrü-kumsa-) m. 'ein Schauspieler in weiblichem anzuge", 
bhrü-kuti-s bhrü-kuti f. 'das verziehen der brauen", bhrü- 
-kshepa-j bhrü-jäha-j bhrü-bhanga-^ bhrü-bheda-^ bhrü-vikära-^ 
bhrü-vikshepa-j bhrü-viceshtita- , bhrü-vüapa- ^ bhrü-vüasa-^ 
compp. vwartita-bhrü-s^ nata-bhrü-Sj samnata-bhrü-s^ utkshipta- 
-bhrü-Sylamba-bhrü-s^ su-bhrü-s adj. 'schönbrauig", su-bhrü-m 
acc. sing.; huzvar. brii^ neupr. abrü 'braue"; griech. ocpqv-g 
oder ocpqv-g f. nom. sing., ocpqv-v oder 6cpqv-v acc. sing.; 
anord. brü f. 'brücke" als 'augenbraue über dem wasser" 



— 215 — 

(wie abulg. bj'üvi f. ''supercilium' und 'ponticulus^, vergl. Fick 
wörterb. W 622.), anord. hrü-n^ ags. hrü-n f. *^augenbraue^, 
mhd. hrü-ne f. leibliche scham^ als *^ brauenartiger erhöhter 
rand^ = sanskr. compp. bhru-kumca- {bhru-kumsa-) und 
bhrktim^a- (bhr-kumsa') m. ^ein Schauspieler in weiblichem 
anzuge^, bhru-kuti-s bkru-kuti und bhr-kud-s bhr-kuti f. *^das 
verziehen der brauen"*, bhru-bhanga- m. dass., compp. ut- 
kshipta-bhru-s j samnata-bhru-s ^ su-bhru-s adj. *^schönbrauig\ 
su-bhru-m acc. sing., su-bhru-ca'pa- ^bogen der schönen brauen^ 
ind. spr. II 2489. ed. Böhtlingk (Petersb. wörterb. V 411. 412. 
413. VII 1093.); griech. ocpQv-OL dat. plur., compp. ev-ocpQv-g 
adj. ^schönbrauig' (anthol. Palat. V 76, 2.), xQ^^-ocpQv-g (Op- 
pian. halieut. I 169. III 188.), ovv-ocpQv-g (Arcad. de accent. 
p. 92, 6.) nom. sing. , Kvdv-o(pQv-v (Theocrit. IV 59.) , kevyt- 
-ocpQv-v (Lycophr. 346.) acc. sing., yivav-ocpqv (Theocrit. XVII 
53.) voc. sing, (vergl. Spitzner griech. prosodie s. 42 f. 40.); 
abulg. hrü-logü m. 'wildhöhle, Schlupfwinkel des wildes, 
wildlager', eigentlich 'brauenlager, kluft oder loch mit augen- 
brauenartigem rande darum^; anord. bry-ggjiij ags. bry-cz 
bri-c^^ ahd. pru-cca^ mhd. bru-cke brü-cke f. *^ brücke^, stamm 
germ. brü-iön- oder eher brü-^-iön- (d. i. indog. bhrü-iä 
oder bhru-k'^-iji adj. fem. 'die brauenartige', oder demin. 
*^ kleine braue'). Die form sanskr. bhr- für bhru- zeigt sich 
nur in denjenigen compositen, deren zweites glied in erster 
Silbe ein u hat. Ich vermute darum ein dissimilationsgesetz ; 
ru geht im sanskrit vor einer folgenden silbe mit u m r 
über. Die nebenformen bhru-kutl-s bkru-kuti^ bkru-kuiru^m-s 
(-kumsa-s) sind dann die jüngeren, in denen bhru- behufs auf- 
frischung der etymologie nach bhr u-b hang a-s^ bhru-cäpa-s und 
solchen wiederhergestellt ward^). Wegen des circumflexes, 

1) So erklärt sich vor allen dingen auch sanskr. (;r-n6-mi 'ich höre' 
== avest. suru-nao-imi j altir. du-ni-m: in den schwachen formen ist 



216 



der für ocpqv-gy 6g)Qv-v vorgeschrieben wird, vergl. Herodian 
I 236, 22 sq. 238, 13. 17. II 615, 22. 625, 12. 937, 2. ed. Lentz. 



sanskr. ^r-nu- lautgesetzlich aus * cru-nu- entstanden, dann ging r durch 
ausgleichung auf die starke Stammform *f/7< -;/(>- {*crunäv-) über, welche 
ja bei weitem nur die minderheit der formen des praesensstammes bildet. 
Bei priish-nö-ti : prush-nu-te ging die ausgleichung den umgekehrten weg; 
das starke prush-nö- hatte alle ausserpräsentischen formen mit prush- 
wie das particip prush-itä-s zur hilfe. Mit dieser erklärung des qr-nö-mi 
fällt die hauptstütze der zwar sehr scharfsinnigen, aber äusserst gewägten 
theorie de Saussures über die fünfte praesensclasse , syst, primit. 244. 
Vielleicht müssen wir das dissimilationsgesetz auf ri vor folgendem i 
ausdehnen. Dann würde hhr-nl-yd-te 'er zürnt' ganz normal von der 
Wurzel blirt- (oben s. 43 f.) gebildet sein. Von ri-nä'-mi der plural 
r-ni-mä-s führte zu der nebenform des Singulars r-7ta-7m (Peteish. wörterb. 
I 399. unt. ar-) , was die volksetymologische Verknüpfung mit r-nö-mi 
von würz, indog. er- (s. 45.) auch noch begünstigen konnte. Anderer- 
seits konnte das nebeneinander von ri-na-mi und r-ni-mds zur einfüh- 
ruDg eines ri und weiterhin rt auch in «r- wurzeln führen, so dass so 
die von Joh. Schmidt indog. vocal. II 254. mit der „svarabhakti" behan- 
delten fälle vri-na-ti, vri-nä-ti 'wählt', ^ri-nä-mi 'menge, mische' (vergl. 
xs^-avrifii) , gri-7iä-li 'kocht' (partic. qrä-ta-s und (^r-iä-s) zu erklären 
sein würden: zuerst entsprang nach jenem muster vri-nä-ti zu vr-ni-ie 
"statt vr-nä-ti] darnach führte die häufige doppelheit von mi-nä-ti und 
mi-nä-ti (oben s. 44.) auch zu vri-nä-ti mit i. Da es auch für fn- 
-7ia-mi = y,li-v(o von Wurzel k^lei- ein nebenparadigma mit *gri-nä-mi 
(= alts. hli-no) und plur. *gr-ni-mäs gegeben haben wird, so hat wol 
dies muster vor allen anderen das praesens *^r-Hä'-7m, *gr-7ii-mäs der 
wurzeln gar- 'mengen, mischen', grä- 'kochen' beeinflusst; daher a-gi- 
-gray-us 'sie mischten' von gar- und gri-tä-s 'gekocht' von grä- (vergl. 
Petersb. wörterb. VII 292 f. unt. grtä-) ebenso wol wie a-gi-gray-us, cri- 
-tä-s von gri- 'lehnen'. Vom speciell sanskritischen Standpunkte könnte 
auch tr-ti'ya-s 'dritter' lautgesetzlich für *tri-tiya-s stehen und trtä-s 
im atharvaveda (Petersb. wörterb. III 429.) für tri-ld-s (s. oben s. 195.) 
durch jenes hervorgerufen sein. Zwischen kfmi-s und krimi-s m. 'wurm' 
ist „die Schreibart so wechselnd, dass z. .b. im AV. kaum eine stelle 
ist, in welcher nicht die handschriften sowol die eine als die andere 
darböten", nach Böhtlingk - Roth II 407. Unser lautgesetz könnte zu 
gunsten der priorität der. n- form entscheiden und eine ursprüngliche 
altindische decliuation mit krimes, kriuLaUf kriinayas einerseits und 



I 

1 

I 



— 217 — 

• 
Die übertragene bedeutung in unserem brücke und in slav. 

brü-logü (gleichsam griech. ^ ocpQv-loyo-g) hat in dem ge- 
brauche von griech. ocpqv-g ihre parallelen, in sofern dieses 
auch 'erhöhter rand, erhöhung, anhöhe, hügel, hügelrand, 
rand des grabens, flussrand, uferrand, erhöhtes ufer^ bedeutet. 
Nach dem neupers. abj^il und abulg. obruvi neben briivt scheint 
das griech. o- in ocpqv-g fast etwas mehr als prothese zu 
sein; es könnte eine verschieden abgestufte Wurzel obh- 
(eb/i-) mit Suffix -reii- (sieh s. 165 f.) zu gründe liegen, so 
dass dann mit unrecht indog. bhru-s hier seinen platz unter 
den wurzelnominen gefunden hätte. 

Sanskr. iriüsh- ^maus', ved. mush-as nom. plur. rgv. I 
105, 8., müsh-a-s m., müsh-d f. *^ratte, maus\ müsh-t f. *^ratte\ 
müsh-a-ka-s m. *^dieb, ratte, maus^, mush-i-ka müsh-a-ka f. 
*^ratte, maus\ mush-i-ka-s m. *^ratte, maus^; griech. (.ivg m. 
'maus, musker, iivaL dat. plur. (Herodian II 642, 3. ed. Lentz), 
f.iv-i6v m. ""muskelknoten' bei Homer (II. 11315. 324.), Theo- 
crit, Apollonius Khodius, Quintus Smyrnaeus (vergl. Spitzner 
zu 11. JT315., Passow handwörterb. u. d. w.), homer. fiv-eko-g 
. m. '^mar^', fiv-o-ö6xo-g adj. *^ mause aufnehmend"* (Nicand. 
ther. 795.); lat. müs m. f., mür-is gen. sing., mür-em acc. 
sing.; abulg. mys-ii. 'maus"*, aus ^mijch-^i^ mit gewöhnlichem 
übertritt zur z-declination (vergl. vis-i S.-210.), mys-i-ka f., 
mys-i'Ci m. ''maus^ mt/s-t-ca f. ''brachium'; anord. ags. ahd. 
mhd. ?7iüsj nhd. maus f. ''maus, oberarm- und daumenmusker, 
nom.- acc. sing, aus germ. müs-'S,'müs-u{m)^ anord. müs^ 
ags. mp dat. sing., anord. mys-Sj ags. mp nom. (acc.) plur., 
anord. ags. müs-a-gQu. plur., müs-um dat. plur., aus grund- 



kfmis, kfmim, Icfmiriy kfmishu u. s. w. andererseits voraussetzen lassen. 
Doch kann ich hier nicht untersuchen, ob etwa die verwanten sprachen 
diese beurteilung der sanskr. tt'ti't/as (vergl. s. 2.), krimi-s kfnü-s um- 
stossen. 



— 218 — 

sprachlichen (germ.) müs-i^), mUs-es, müs-ö/?ij mUs-mmi 
== sanskr. ved. nachved. mush-kä-s m. ^hode, weibliche 
schäm ^ eigentlich ^mäuschen"*, müsh-a-ha-s m. ^dieb^; griech. 
fiv-6g, f.w-1 gen.' dat. sing., {.iv-eq^ juv-cov, f.iv-oi (batracho- 
myom. 173. 174. 178.), (.i%-ag plur., (.iv-a'S, m. ^miesmuscher, 
att. und bei späteren epikern {.iv-e-16-g m. "^mark^, compp. 
f,iv-ayQäj /.w-ayQO-Qj f,iv-o-y.T6vo-g] lat. müs-culu-s m. *^mus- 
kel"*, mit ü nach ital. mos-colo (ital. musculo ist als gelehr- 
tenwort aufs neue dem latein entnommen). Jede indogerma- 
nische form mit müs- hatte eine nebenform mit mUs- und 
umgekehrt ; bereits grundsprachlich hiess z. b. der gen. sing, 
sowol müs-ös wie viüs-ös. Im Irrtum ist Joh. Schmidt, 
wenn er Kuhns zeitschr. XXV 21. den „alten ablaut ii : u"" 
dieses nomens mit demjenigen von a-vocalen (indog. ä : d) 
gleichartig behandelt. Und es hatten ü sowol wie u anfangs 
nur die nicht auf der wurzel hochbetonten casusformen; ein 
wurzelstarkes thema mit „diphthong" ma^'us- ist vorauszu- 
setzen, wenn es freilich auch schon in grundsprachlicher zeit 
verdrängt worden zu sein scheint. Latein, slavisch und ger- 
manisch Hessen im paradigma von müs- die nebenformen 
mit der kürze u ganz wegfallen. Das griechische aber suchte 
nach seinem intervocalischen sigmaausfall eine auswahl zwi- 
schen den ü- und i<- formen zu treffen nach dem muster der 
declination der alten auf u ausgehenden einsilbigen themen, 

1) Mit von Bahder verbalabstr. 23 f. betrachte ich Sievers' regel 
Paul-Braunes beitr. V lllff. ,• dass mit i-synkope nach tanger silbe im 
altnordischen notwendig 2 -Umlaut in der letzteren verbunden sein müsse, 
nicht' als gesichert. Ob von Bahders versuch, Sievers zu berichtigen, als 
gelungen zu betrachten sei, entscheide ich hier nicht. Jedesfalls bleibt, 
so lange die „isolierte form" anord. umh um = ags, ymb mit ihrer um- 
lautslosigkeit nicht erklärt ist , auch aussieht vorhanden , dass im dat. 
(= loc.) sing, anord. miis == ags. m?js sei. Ich hoffe an anderem orte 
auf die in kurzen werten nicht abzumachende frage der altnordischen 
2 -Synkope zurückzukommen. 



_ 219 — 

« 

nach v-s vogj Ix^v-g ix^v-ogj 6cpQv-g ocpqv-og^ bei denen 
nach indogermanischer regel kein ü vor folgendem vocalisch 
anlautendem casussuffix erscheint, weil hier -uti-^ die soge- 
nannte „Spaltung", althergebracht war (sieh weiter unten). 
Aber es blieb das alte schwanken im dat. plur. (.ivoL und 
(.IV Ol. Weder sind sanskr. hhrü-shu^ griech. (ivoi neubil- 
dungen mit Übertragung „starker" Stammform, indem ocpQv-OL 
angeblich das alte bewahrt; noch ist, falls „die Verkürzung 
fin ocpQvog, bhrüvmi] durch die Spaltungen von ü vor vocalen 
in UV herbeigeführt" ist, in diesem falle „das v in ocpqiöt 

Paus ocpQvcüv eingedrungen". Doch nicht nur in der auswahl 
zwischen * (.iv-og^ "^ (iv-lj "^ (w-eg und (.iv-og^ (.iv-Lj juv-eg zeigt 
sich der einfluss von v-og, v-i, v-eg u. s. w., sondern directer 
noch in der neubildung von (ivv acc. sing., juv voc. sing, 
(anthol. Palat. XI 391,2.), statt ^/iw-a oder *^<t;-a, *(^vg 
oder "^f-ivg. 

Sanskr. ved. nachved. sü-karä-s m. ^schwein, eber\ sü- 
t-kari' f. 'sau'; avest. hü-kehrpa instr. sing, 'in schweine- 
■gestalt' (yt. X 70. 127. XIV 15.); griech. v-g öv-g m. f.; l-v 
^ Gv-v acc. sing.; lat. sü-s m. f., sü-bus dat.-abl. plur. bei 
Lucrez und in Varros Eumeniden (vergl. Bticheler-Winde- 
kilde grundr. d. lat. decl. § 320. s. 123., wo aber fehlerhaft 
contraction aus dem späteren nach /-declination gebildeten 
sui-bus angenommen wird); anord. *y-r, ags. ahd. mhd. sü f. 
nom. sing., anord. ags. ahd. mhd. sü acc. sing., anord. sü-m 
dat. plur., lautgesetzlich aus germ. aw-^*), sU-rn^ sü-mi 



1) Vergl. betreffs des e-umlauts in anord. syr Verner Kuhns zeitschr. 
XXIII 113. anm. und die dort genannte litteratur, ausserdem Paul in 
seinen beitr. VII 155. anm. In anord. müs nom. sing, steht -s für -ss, 
das wol mit rücksicht auf das einfache 6- in den übrigen casus (ausser 
nom. -acc. plur.) sei es aussprachlich sei es bloss graphisch nicht zur 
geltung kam. Vielleicht ist auch indogermanisch auslautendes -ss 



[ 



— 220 — 

= griech. homer. att. gv-oL dat. plur., compp. homer. v-cpoQ- 
ßo-g ov-cpOQßo-g, ov-ßojTrj-gj ov-ßSoia neutr. plur., ov-cpeio-g 
av-cpeo-g] lat. sü-bus dat.-abl. plur. bei Lucrez (vergl. Neue 
formenl. d. lat. spr. P 288 f., Bücheler-Windekilde a. a. o.), 
sü-cula f. *'schweinclien'* (Plautus Rud. IV 4, 126.) , sü-bulcus 
*^schweiiiehirt' (Martial. X 98, 10.); altkymr. hu-cc 'sus\ 
körn, ho'ch '^porcus\ Von ved. sü-karä-s gibt Lindner 
altind. nominalbild. 69. die accentuation unrichtig als die 
eines proparoxytonon an. Die suffixgruppe -ka-ra- darf man 
übrigens immerhin mit Curtius grundz.^ 382. und Lindner 
a. a. 0. in sü-karä-s suchen trotz der oxytoniertheit, denn wie 
nahe lag hier volksetymologische deutung als 'su-macher', 
wodurch dann *sü-kara-s seinen accent änderte. An den 
angeführten avestastellen yt. X 70. 127. XIV 15. wird hü 
kehrpa varäzahe von Spiegel, dem Justi handb. d. zendspr. 
326a. folgt, übersetzt 'in der gestalt eines eberschweines'. 
Wie hü aber gen. sing, sein könnte, ist nicht abzusehen. 
Unsere auffassung von hü-kehrpa als compositum und die 
Übersetzung 'in der schweinsgestalt des ebers' wird der gram- 
matik und dem sinne • der stellen gerecht. - Im lateinischen 
bildet nach dem muster der auf alter Überlieferung beruhen- 
den doppelheit sü-bus und sü-bus sich auch zu bü-bus = 
sanskr. gö-bhyas ein bü-bus bei Ausonius epigramm. LXII, 2. ; 
vergl. Neue formenl. I^ 289., Bücheler-Windekilde a. a. o. 
Ahnlich wird wol auch bü-bulcu-s neben bü-bulu-s durch 
sü-bulcu-s zu seinem ü gekommen sein*). — Das scheinbar 



regelrecht zu anord. -s geworden, während ein junges nach vocalsyn- 
kope entstehendes anord. -ss, wie in myss nom. plur., hüss gen. sing., 
keiner Vereinfachung unterlag. 

1) Auch im altnordischen muss wol die völlig gleiche declination 
von hjr und syr (Wimmer altnord. gramm. § 59. s. 53.) durch mehrfache 
gegenseitige beeinflussuug zu stände gekommen sein, wobei ebenfalls 



— 221 — 

abnorme g- in griech. atg hoffen wir im verfolg der Unter- 
suchung zu einer unbrauchbaren waffe in der band der vor- 
fechter für „sporadischen lautwandel" machen zu können. 

Das schwanken zwischen i und T findet sich auch bei 
griech. yäg oder xlg m. ^holzwurm, made^ Xfg oder llg m. 
Möwe'. Vergl. Choerobosc. . b. Bekker anecd.. Gr. p. 1194., 
schol. Ven. II. vi 480., etym. magn. p. 567, 9. , Meineke ana- 
lecta Alex. p. 63., Lobeck paralip. gramm. Gr. 84., Miller me- 
langes de litt, grecque 207., Nauck bull, de l'acad. des scienc. 
de St.-Petersbourg XVII (1872.) s. 188. Als auffallendstes 
beispiel gilt des Callimachus fragra. 329. lieg (.lev re IfeGoi^ 
das beide quantitäten von IT- in einem verse darbietet. Auch 
xT- zeigt sich nicht nur vor vocalisch anlautenden casus- 
suffixen wie im gen. sing, xi-og-^ „yagL von /.lg attisch" er- 
wähnt Gust. Meyer griech. gramm. § 372. s. 307. So lange 
jedoch die etymologie und Stammbildung "dieser Wörter im 
dunkeln liegen, muss das urteil in suspenso bleiben, ob sie 
^ (als S' oder //-stamme) mit dem .9-stamme f-ito- oder mit 
W^^-f h^^-1 ocpQv- in eine kategorie gehören. Die indoger- 
manischen Wörter für 'löwe' machen fast den eindruck, als 
ob sich formal alles am besten vereinigen würde bei Zu- 
grundelegung einer wurzel lieii- und eines ursprünglichen 
Wurzelnomens davon wie sanskr. rh/iiu-Sj griech. Z^v-g von 
indog. die II- (vergl. s. 18.). Dann hätte griech. A?(/)-og 
zu llg, Uv als neubildungen geführt, wie Ji{F)-6g zu dem 
/Jig des Tarentiners Rhinthon (Herodian II 698, 5 sq. ed. Lentz, 
Gust. Meyer griech. gramm. § 322. s. 276.); ebenso lt{F)-iüv 



» 



augenscheinlich zumeist die 'kuh' nach der 'sau' sich gerichtet hat Die 
obigg erklärung von lat. bü-bus ist aber dann nicht nötig , wenn ' etwa 
sanskr. gö-bhyas selbst nicht alt, sondern nachfolger einer erbform 
sanskr. *,gu-hhyäs oder *gu-bhi/äs (vergl. anord. kü-?7i dat. plur.) sein 
sollte. 



— 222 - 

gen. plur. zu ll-eg. Auch abulg. Iw-ü würde auf derselben 
schwachen Stammform beruhen, während griech. Mcov für 
"^hsF-ijJv etwa an den alten nom. plur. indog. Heu- es ali- 
knüpfen dürfte. Lat. leö^ ir. leo^ ahd. lewo können griechische* 
lehnwörter sein. Wegen lit. liü-ta-s vergl. Pauli d. benennung 
d. löwen bei den Indogermanen Münden 1873. s. 2 ff., Joh. 
Schmidt Kuhns beitr. VI 147., Brückner litu-slav. stud. I 105. 
anm. Pauli hätte also richtig liü-ta-s von würz, liv- in pa- 
rallele zu siü-ta-s von siv- gesetzt, und man könnte auch 
seiner combination mit lat. lü-tu-m^ lü-teu-Sj lu-ro-r^ lü-ridu-Sy 
sowie hv-or^ Iw-eö^ llv-idu-s füglich zustimmen. 

DD. Pronomina, adverbia, praepositionen, par- 
tikelartige Wörter, indeclinabilia überhaupt: 

Sanskr. ati- in ati-reka-s m. "^überschuss , überbleibser 
Qatapathabrähm. IV 5, 10, 8. = sanskr. dti adv. verbalpraef. 
Vorbei, vorüber, über das mass, überaus, allzusehr', praep. 
''über — hinaus, über — weg, über', ati-reka-s m. 'überschuss, 
Überbleibsel, übermass'; avest. aiti verbalpraef. (z. b. in aiti- 
'bar- 'wiederbringen'), praep. 'über — hinaus'; griech. %ti 
adv. 'überdies, ferner, noch'. Die brähmanastelle mit att- 
-reka-s „wird Käthy. Qr. 25, 13, 15. mit kurzem / citiert" 
(Petersb. wörterb. I 107.). 

Sansjir. adhi- in adhi-kara-s m. 'Oberaufsicht, Verwal- 
tung' Manu XI 63. (vergl. Petersb. wörterb. I 154.) = sanskr. 
ved. nachved. adln adv. 'oben auf, darüber, hinauf, ober-, 
über-', praep. 'auf, über', ädhi-ka-s adj. 'überschüssig, das 
mass überschreitend', adhi-kära-s m. 'Oberaufsicht, Verwal- 
tung, amt'. 

Sanskr. am-, ni- in ved. nachved. äni-ka- n. 'angesicht, 
aussehen, erscheinung, scharfe seite (eines beils), spitze (eines 
Speers , pfeils u. s. w.) , Vorderseite von etwas aufgestelltem 
(einer reihe u. s. w.), reihe, zug', m. n. 'beer, Schlacht', ni-ca-s 



— 223 — 

adj., ved. nt-c-i f. ^niedrig, nach unten gewandt, abwärts 
gehend', ved. ni-ca instr. adv. ^ unten, hinunter, nieder "*, ved. 
7ii-ca(l abl. adv. Von unten', ved. nachved. ni-cais instr. plur. 
adv. ^niedrig, unten, nach unten, tief, in der tiefe', ved. 
nachved. ni-c-ina- adj. *^unten befindlich, nach unten gerichtet, 
herabhängend, herabfliessend', compp. ni-tta- partic. praet. 
pass. von ni-dd- (Petersb. wörterb. III 575.), ni-karshin-j 
ni-kCira-^ ni-käca-, ni-vdka-, ni-vrt-j ni-pära-, ved. ni-shäh-j 
ved. nachved. ni-kard-] avest. ni adv. verbalpraef. *^nieder', 
compp. nt-dasta^ ni-dyCitäm u.a.; griech. homer. nachhomer. 
hl-Ttiq f. ''das anfahren, scharfe anrede, drohung, schelten', 
homer. nachhomer. ^Evt-Tt-ev-g m. name mehrerer flüsse 
(vergl. sanskr. nic-fna-s ^herabfliessend', nica-gä f.^'fluss', ved. 
Cipo nfcihj sindhavo nicfh rgv. VII 18, 15., IX 88, 6.), vT-yM-io 
'siege, besiege', eigentlich 'mache nieder, kriege unter' de- 
nom. = sanskr. ved. nachved. ni adv. praef. 'niederwärts, 
hinunter, hinein, rückwärts' (m selbständig nur atharvav. X 
8, 7., vergl. PW IV 129.), ni-taram adv. 'unterwärts, vollstän- 
dig, ganz, jedenfalls, besonders, vorzüglich, in hohem grade, 
ausdrücklich', ved. nachved. ni-tya-s adj. 'eigen, stetig, immer- 
während, ununterbrochen, durchgängig, ewig, ununterbrochen 
sich an einem ort aufhaltend, in etwas verharrend'; avest. 
amt'kü m. 'angesicht, front', ni adv. verbalpraef. 'nieder', 
apers. ni- praef. in ni-padiy loc. 'in den fussstapfen'; griech. 
tvl adv., fcT^ praep. 'in'; ags. ni-^er^ (alts. ni-tkar ni-dhar^) 
ahd. ni'dar ni-dei^ , mhd. ni-der adv. 'nieder^ hinunter, her- 
unter', altnord. ne-fian^ ags. neo-Mnj (alts. ni-thana ni-dliana^ 
ahd. ni-dana^ mhd. ni-dene ni-den adv. 'unten', ags. ahd. 
ne-st n. 'nest'. An die etymologie sanskr. dni-ka-m^ avest. 
aini-ko 'front' von würz, an- 'atmen' ist nicht zu glauben. 
Das feminin zu beiden ist griech. hl-7a]j von dem die verba 
hiöoto und IviTt-TCü nur denominativbildungen sind, jenes 



— 224 — 

die ältere, evlTt-rcü die jüngere und wol nach mustern wie 
aargaic-TOJ : aöTQajt-rj^ y.oXajc-TM: y.6lacp-o-g entstandene; 
evcTtTw wurde dann wie ein primäres verb in der flexion 
behandelt. Für 'Evucsvg bietet die von den schollen zu Pind. 
Ol. XI 72. bezeugte lesart 'EviAevg (var. lect. Ni-Asvg) auch 
bei anderen ansichten über die etyraologie (Savelsberg de 
digammo ejusque immutationibus 42 f., Curtius grundz.^ 461.) 
den älteren Ä"-laut. Das Substantiv griech. ^>fy.r] 'sieg' darf 
für eine rückbildung aus vTxaco gelten oder nach Brealschem 
terminus für eins der nicht seltenen „noms postverbaux"'). 
Ob sanskr. niffd-s^ lat. rüdu-s *^nest' auf indog. ni-'sd-o- 
oder ni-sd-6- (würz, sed-) beruhen, ist ihnen nicht anzu- 
sehen. 

Lat. anti-quo-s adj. Vas vorhergeht in rang und zeit, 
wichtiger, angelegentlicher, früher, vormalig, alt' = sanskr. 
ved. nachved. dnti adv. 'gegenüber, davor, vor, angesichts, 
in gegenwart, nahe', praep. mit gen. 'in die nähe von, zu', 
anti-kä- adj. 'mit oder an etwas das ende erreichend (räum- 
lich oder zeitlich), nahe', n. 'nähe', anti-kä-m acc. adv. *^in 
die nähe, herbei, zu — hin, auf — zu, vor — hin', anti-kena 
instrum. adv. 'nahe bei', anti-käd abl. adv. 'aus der nähe, 
in der nähe, dicht bei, in die nähe von', anti-ke loc. adv. 
'in der nähe, dicht an', ved. dnti-ta-s adv. 'aus der nähe, 
corainus', anti-mä-s adj. 'der letzte, unmittelbar folgend, sehr 
nahe', anti-tama-s - 2i^]. 'sehr nahe', ved. dnti-grha-m n. 'räum 



1) Vergl. mem. de la soc. de linguist. IV 82.: „J'appelle ainsi des 
noms qui ont ete formes apres les verbes dont ils ont l'air d'etre les 
primitifs" ; z. b. lat. „pugna de pugnäre, qui lui-meme est tire de pugnüs 
'lepoing'" Ich verweise auch auf die s. 34. genannten nhd. satz, hatz, 
schmuck und auf zahlreiche romanische beispiele bei Diez gramm. d. 
roman. spf. II'' 289 ff., wie Italien, stima, span. estma, franz. estime aus 
aeslimare, italien. span. %«, franz. ligue aus ligäre, italien. span. pro- 
venQ. compra aus comparäre u. s. w. 



-- 225 — 

vor dem hause, nähe des hauses', ved. anti-devd-s m. ^gegen- 
spieler'; griech. avrl praep. 'gegenüber, gegen, anstatt, für, 
vor"*; lat. ante adv. 'vorn, vor, voran, vorher \ praep. 'vor\ 
anti-cifpUre 'vorher nehmen, vorweg nehmen'. 

Sanskr. «;;z-, ;;/- „adv. (praep.) 'erlangung, Verbindung"* 
und 'anschliessung' bezeichnend" (Petersb. wörterb. I 303. 
unter dpi) in ved. api-c-i/a-s adj. 'geheim, verborgen^ ved. 
äpt-vrta- 'bedeckt, verhüllt, verschlossen' (Böhtlingk - Roth 
VI 698., Grassmann wörterb. z. rgv. 1322.), ved. api-ju- adj. 
'treibend^ apt-nasa-s m. 'verstopfte nase, schnupfen', pi-na- 
sa-s m. 'nasenkatarrh, schnupfen'; avest. aipt adv. 'selbst, 
gerade', praep. mit acc. 'um, nach, auf, in', mit instrum. 
'hin zu', apers. aph/ adv. 'auch, noch' (graphisch für öjm/, 
vergl. s. 40. anm.) = sanskr. dpi, pi adv. 'dazu, auch, ferner', 
verbalpraef. 'zu, nach', pi-dhätavya-s adj. 'zuzudecken, zu 
verstopfen, zu schliessen', api-dhäna- pi-dhdna- n. 'das zu- 
decken, verstopfen, verschliessen', m. n. 'deckel, decke', 
pi-dhdyaka-s adj. 'verdeckend, verhüllend', pi-hita-m n. be- 
zeichnung einer redefigur, 'versteckte andeutung, durch welche 
man einem andern zu verstehen gibt, dass man sein geheim- 
nis kenne', „partic. praet. pass. von dhd- mit pi- == opi-" 
(Petersb. wörterb. IV 735.), api-nah- und pi-nah- 'anbinden, 
befestigen, anlegen, zubinden, durch binden verhüllen, unter- 
binden, verstopfen', pi-jiaddka-s ^^slyüc] avest. aipi adv. 'selbst, 
gsrade', verbalpraefix (z. b. in aipi-jas- 'hingehen, kommen'), 
praep. mit acc. 'um, nach, auf, in', mit loc. 'an'; griech, 
homer. nachhomer. e7ci adv. 'es ist dabei, ist da, ist zur 
band, findet statt', hvi: adv. verbalpraef. praep. 'auf, an, zu'. 
Avest. aipt ist nicht auf den gäthädialekt beschränkt, da es 
auch vend. X 35. überliefert ist. Doch auch in jenem falle 
bliebe aipt für uns brauchbar: ich halte die gäthädialektische 
und altpersische längung wortauslautender vocale nur für die 

Ostboü' u. Brugman untersuch. lY, \ 5 



— 226 — 



consequente ausgleichung zu gunsten einer von zwei aus 
grundsprachlicher zeit ererbten formen mit verschiedener 
quantität*). Homer, eitld'va) IL ^ 175. Od. Jt 297. hymn. in 
Mercur. 475. darf man zu ^ico ziehen, ohne mit Hartel homer. 



1) Die «-vocale konnten im indo - iranisclien zu der licenz, auslau- 
tend zwischen ä und ä abzuwechseln, erstens durch die analogie der 
t und u kommen. Sodann aber auch durch folgenden umstand. Au der 
regel über indog. ö, dass es „im arischen lautgesetzlich in geschlossener 
Silbe durch a, in oifener durch ä vertreten sei", halte ich aus den von 
Brugman morphol. unters. III 102 ff. erörterten gründen — auch Möllers 
versuch Paul-Braunes beitr. VII 498., zwischen Collitz-Schmidt und Brug- 
man -Osthoff zu vermitteln, abweisend — fest. Eine vielleicht zuzu- 
lassende einschränkung der regel bringe ich selber weiter unten zur 
spräche. Es sind aber meines erachtens die wortauslautenden indog. o 
nicht mehr von derselben zu eximieren, sondern in sanskr. äj)a^ avest. 
apa = griech. ano und in sanskr. prä^ avest. fra = griech. n^o kann 
die vor doppelconsonanz im anlaut des nächstfolgenden wertes cnt- 
standeue lautform gesehen werden, in ved. dpa, pra (Whitney iud. gramm. 
§248. s. 83), avest. apä {apäca vend. XV 133.), frä dagegen die ur- 
sprünglich vor einfachem consonanten berechtigte. Ebenso kamen 
doppelformen mit -a und -ä auf in mehreren personalendungen des verbs : 
2. sing. med. imper. sanskr. -sva und -svä (ved. vdkasva und vähasvä 
in einem verse rgv. VIII 26, 23.), avest. -hva -shva und avest. -Am -shvä, 
apers. -iivä (in pati-paya-uvä, vergl. Spiegel altpers. keiliuschr. 167. 169. 
208.); 2. sing. med. optat. und praet. avest. -nlia -sHa und -nhä -sHä 
(= griech. -{o)o)\ 3. sing. med. optat- und praet. sanskr. avest. -ta und 
ved. avest. apers. -tä (= griech. -to); 3. plur. med. optat. und praet. 
sanskr. -nta, avest. -flta und avest. apers. -Tita (= griech. -vro). Im 
gen. sing, der o - declination entsprechen die ausgänge ved. -a-syä in 
a-syä, hariria-syä (Whitney ebend.) und gäthädial. apers. -a-hyä dem 
homerischen -o-io gleich normal wie sanskr. -a-sya, avest. -a-he (aus 
*-a-hya). Durch alles dies konnte das schwanken der quantität auch 
die indo - iranischen -«, welche = indog. -e und = indog. -a sind, er- 
greifen, so dass Imperativformen wie ved. pibä 2. sing., ved. ^rnuiä\ 
avest. ^raotä, und die 2. sing. perf. act ved. vetthä, gäthädial. vöista 
= griech. olad'a allerdings für analogische neubildungen zu halten sind. 
Wo sonst noch, ausser an stelle von indog. -o, indo-iranisch -a und -ä 
im auslaute neben einander lautgesetzlich entsprangen, kann erst an 
späterer stelle (in morphol. unters. V.) gezeigt werden. 



— 227 — 

stud. P 65., Gust. Meyer griech. gramm. § 213. s. 190. der 
aspirata ^ als altem doppellaute positionsbildende kraft bei- 
zulegen; doch beweist der fall auch für uns nichts bei der 
möglichkeit der herleitung von Id-vio. Betreffs der baltischen 
postposition lit. -pi^ -jo, lett. p- (vergl. morphol. unters. II 8 f. 
32 f.) entscheidet sich nur sicher, dass -p = indog. -p t ist. 
Dagegen lit. -pi kann Verkürzung aus indog. "^-pl sein und aus 
einem „diphthongischen" urlit. *-/?«? mit gestossener betonung 
nach dem von Leskien archiv f. slav. philol. V 188 ff. erkannten 
gesetze; vergl. lett. pl neben dialektischem pi *^bei, an, zu' 
(Bielenstein lett. spr. § 554. II 306 ff.). Lit. ape freilich, wozu 
wol griech. e/iei zunächst gehört, hat geschliffene betonung. 
Sanskr. abhi- in äbhi-ka-s adj. *^ hinter etwas her, lüstern', 
ved. abht-ka-m n. *^das zusammentreffen, widerstand', adv. 
*^beim zusammentreffen, gleichzeitig, rechtzeitig', praep. mit 
abl. 'von — her, aus, aus anlass von, wegen, vor' (bei verbis 
des Schützens, rettens), ved. abhi-vrta- ""umgeben von, ein- 
gefasst von' (Böhtlingk-Roth VI 698., Grassmann wörterb. 
z. rgv. 1322.), ved. abM-moda-müd- adj. ^fröhlich zujubelnd' 
{^- abhi-moda- *^das zujubeln'), ved. abhi-läpa-ldp- adj. *^ klage- 
wimmernd' i^abhi-läpa- 'das sprechen über etwas'), ved. 
abhi-varijä-s m. *^bereich', ved. abhi-vm^tä-s adj. 'siegreich an- 
greifend', m. 'siegreicher angriff, sieg', abhl-cäpa-s m.'^cYmQVQ 
beschuldigung', abhi-shanga-s m. Verwünschung', ved. abhi- 
-shah- adj. 'übergewaltig'; avest. gäthädial. nibi adv. 'oben, 
dazu, herzu', praep. 'über, super, de, in bezug auf', gäthä- 
dial. aibi-jareturö m. nom. plur. 'lobpreiser', gäthädial. aibi- 
-hawisKia- adj. 'der welcher am meisten (notwendig) gegeben 
werden muss', gäthädial. aibi-yar- 'lobpreisen', aibi-darez' 
'festhalten an', apers. abiy praep. mit acc.'zu'; griech. homer. 
ifl-l^ voc. sing, 'lieber, freund', eigentlich 'beigehöriger, zu 
getaner' (s. 153.) = sanskr. abhi adv. 'herbei, hinein, oben', 

15* 



— 228 -- 

praep. *zu — her, zu — hin, nach — hin, gegen, in — hinein, 
um, für, aus anlass von, wegen, in bezug auf, auf, über, 
bei', abhi-las adv. 'herbei, hinzu, nebenbei, nahebei', ctbhi- 
-ka-s adj. *^ hinter etwas her, begierig, lüstern', abhi-vrta-s 
'^umgeben von' (Petersb. wörterb. VI 698.), abhi-läpa-s m. *^aus- 
druck, wort', abhi-cäpa-s m. *^fluch, schwere beschuldigung, 
Verleumdung', abhi-shanga-s m/ vollständige Verbindung, Um- 
armung, besessensein, schwur, Verwünschung, Verleumdung, 
niederlage, schlag'; avest. aibi aiwi adv. praep.; griech. 
cpL-lo-g adj. subst. 'angehörig, freund'; got. />/*, ags. alts. bl 
be, ahd. bi pi^ mhd. nhd. be- praep. verbalpraef. Ich gebe 
also die von Behaghel Germania XXIII 292. versuchte und 
von mir morphol. unters. II 32 f. gebilligte vermittelung des 
germ. bi mit indog. epi pi auf; denn ein indog. ebln 
bhl 'bei' scheint mir nicht zu umgehen. Sanskr. abki^ 
avest. aibi aiwi weichen auch in der bedeutung beträchtlich 
von den damit verglichenen griech. cc/acflj ahd. umbi ab. 
Höchstens ist zuzugeben, dass im indo- iranischen zwei ety- 
mologisch verschiedene formen, indog. rnbhi 'um' und ebht 
'bei', zusammengefallen seien. Das ebkJ bhi liegt auch 
im griechischen vor in dem inschriftlichen IcpL-oQ/Mg und in 
IcpialTTig m. 'alp, incubo', die man also nicht mit Curtius 
grundz.^ 317. „in das gebiet der hauchversetzung " zu ver- 
weisen hat und für die hti-oQy.oQ, iTCiälrrig vielmehr die 
etymologisch verständlicher geformten Substitute der späteren 
Sprachperiode sein werden. Wenn nicht für cpialelg^ cpia- 
XovfX€v Aristoph. vesp. 1348. pax 432. "(piaXelg^ ^ cpiaXov^ev 
nach vocal zu schreiben ist (vergl. G. Hermann zu Aristoph. 
nub. 1301.), so hat (piallto 'fasse an, lege band an' die 
form mit indogermanischer vocalsynkope wie germ. bi- und 
griech. (pl-lo-g. Von ecpL-oQy,o-g (vergl. sanskr. abhi-cap- 'ver- 
fluchen', caus. 'jemand beschwören, obsecrare', abhl-cäpa-s 



t 



— 229 — 

*^ Verfluchung^) ist aber die quantität des l nicht zu consta- 
tieren, und hp-Wk-vrio, (homer. ^Ecp-^cclrrig nom. propr. IL 
E 385. Od. l 308.) scheint mir mit ecp-Lallo) {cp-iallu)) zu 
^lallto zu gehören. Griech. cpl-Xo-g wahrt seine grundbedeu- 
tung ^ bei -gehörig, zu-getan^ am besten in der homerischen 
und poetischen beziehung auf die eigenen glieder des mensch- 
lichen körpers (rjroQy zfJQy X^lQ^^^ yvla, yovvaTay o^ijuara 
u. dergl.) oder überhaupt auf den jemand eigenen besitz {(plla 
uf-iara IL B 261.), woran sich dann der gebrauch von (pL-lo-g 
für die nächsten angehörigen, verwanten (/nrjTrjQ cpLlrj) und 
freunde, schloss. Ahd. bi pi, mhd. bi, nhd. bei kann auch 
indog. ei enthalten wie lit. bei '^und^, eigentlich '^ dabei, noch 
dazu' (Kurschat litt, gramm. §§ 1618—1622. s. 435 f.). Die 
formal dem (pL-lo-g entsprechende -/ö-bildung hat im ger- 
manischen eine weit abweichende, aber zu ved. abhi-ka-m 
"^zusammentreffen, widerstand' stimmende bedeutungsentwicke- 
lung durchgemacht: mhd. bi-l m. *^der augenblick wenn der 
gejagte hirsch steht und sich gegen die hunde zur wehre 
setzt, gegen wehr, kämpf. 

Sanskr. i- *^er, der', pronominalstamm in ved. i-ärksha-^ 
i'-dfc-j i-dr(^a- adj. 'von diesem aussehen, derartig, so be- 
schaffen, ein solcher', ved. i'-vant- adj. *^so gross, so statt- 
lich, so trefflich, so viel, tantus', ved. t-m nachgesetzte enkli- 
tische Verstärkungspartikel, ursprünglich accusativ des deute- 
stammes i- (Petersb. wörterb. I 846. , Grassmann wörterb. z. 
rgv. 231 ff.); avest. i-t Verstärkungspartikel, ursprüngl. neutr. 
sing., i-m Verstärkungspartikel, ersetzt öfters ein pronom. 
demonstr. 'ihn' (Justi handb. d. zendspr. 59.); griech. -i deik- 
tische Partikel in omoö-i, rovrov-iy tout-T, tovToy-T, 60-1, 
eyieivoo-L u. a., griech. -tv dass. in ovtoa-iVj rovrovo-lVj 
hsLvoo-ivf ovrwo-ivj umbr. -ei anhängepartikel hinter re- 
lativ- und Interrogativpronomen in po-ei nom. sing, masc.'qui' 



— 230 — 

tab. Iguv. Via 1., yors-el neutr. sing, ^quod^ tab. Iguv. Via 9. 
aus *y>ö^-^, pors-ei nom. plur. masc. ^qui^ tab. Iguv. Via 15. 
(formal neutr. sing.), j)ers-ei ^'si, cum, quando, postquam' tab. 
Iguv. Via 26. 27. 28. 36. aus ""pid-i (vergl. Breal les tabl. 
Eugub. 14. 30. 42. 51. 79.); abulg. i partikel, „additur aliis 
pronominibus " (Miklosich lex. Palaeoslov. 235 b. vergl. gramm. 
d. slav. spr. IV 120.) aus indog. id oder im = sanskr. i- 
in i-tara-^ i-tdsy i-ti^ i-dä^ i-va^ i-hä u. a., ved. i-d enkli- 
tische verstärkende partikel *^eben, gerade, selbst, sogar, nur^, 
sanskr. id-dm neutr. sing., im-äm masc. acc. sing, (vergl. 
C. Gaedicke d. accus, im veda 15.); avest. /- in i-te, i-tha^ 
i-dha u. a. , i-t Verstärkungspartikel *^eben, gerade^ (yt. XXII 
10.); lat. i- in i-ta, i-tem^ i-bi^ i-termu u. a., i-s *^er\ i-d "^es^ 
altlat. em acc, sing, aus * im^ altlat. i-bus dat.-abl. plur., id-em 
neutr. sing.; got. i-Sy ahd. i-r e-r, mhd. e-r *^er\ got. i-t-a^ 
alts. i-tj ahd. i-z^ mhd. e-z ""es", got. alts. i-n-Oj ahd. i-n^an), 
mhd. i-n '"\]m\ got. alts. i-nij ahd. i-m i-n, mhd. i-7i dat. 
plur. 'ihnen', got. i-ns acc. plur. masc. 'sie'. Ved. im ist 
nicht überliefert, wird aber rgv. I 164, 7. 16. von Grassmann 
wörterb. z. rgv. 231. aus metrischen gründen hergestellt. Von 
kypr. IV* avTri. avTiqv. avTov, Ku/cqlol Hesych. und von dem 
entsprechenden altlat. im acc. sing, kennen wir die quan- 
tität nicht. Den instrumental sing, dieses pronominalstammes, 
also die morphol. unters. II 139 f. (vergl. auch von Bahder 
verbalabstr. 19 f.) beschriebene casusbildung , sehe ich in 
ved. /, Verstärkungspartikel, die man öfter fälschlich mit im 
ganz identificiert, und avest. i, Verstärkungspartikel in hyat i 
ys. XXXV 8., yathä i ys. XLVIII 6. (Justi handb. d. zendspr. 
59 a.); grundbedeutung dieses i also wol 'auf diese weise, 
so'. Nun kann zwar griech. -i in ovroo-i, hecvoo-t auch 
diese alte instrumentalform = ved. avest. i sein, wie es Fick 
vergleich, wörterb. P 27. 282. 505. (ihm folgend Kögel Paul- 



— 231 — 

Braunes beitr. VIII 127.) fasst. Jedoch auch der gleichung 
griech. -i = avest. it steht nichts im wege, und man braucht 
folglich wegen der verschiedenen quantität auch nicht mehr 
mit Delbrück syntakt. forsch. IV 143. an der wesensgleich- 
heit der griechischen partikel mit ved. i'd zu zweifeln. Da- 
gegen ist, wie auch Brugman Fleckeisens jahrbb. f. class. 
philol. 1880. s. 669. bemerkt, die von Delbrück zugelassene 
möglichkeit, dass griech. -t = ved. im sei, abzulehnen. Dem 
im kann lautgesetzlich nur das att. -Iv in ovtoo-TVj exeivoo-ivj 
TovTovo-ivj ovTwo-iv gleichstehen, dass durch ausdrückliche 
grammatikerzeugnisse (Apollon. de pronom. p. 75 c. Bekk., 
Draco p. 106, 19., Phavorin. lex. s. v. ovrog) und gute hand- 
schriftliche Überlieferung bei Aristophanes, Demosthenes, Isaeus 
u. a. hinreichend, auch der quantität nach, beglaubigt wird; 
vergl. Buttmann ausführl. griech. sprachl. P 309. § 80. anm. 3., 
Passow handwörterb. unt. ovTog. Und ich wage die Ver- 
mutung, dass den Griechen in dem für sie gleichbedeutend 
gewordenen formenpaare omoo-tv und omoo-iy nachdem sich 
die erstere form als bequeme hiatusableiterin dauernder im 
gebrauche vor vocalen eingebürgert hatte, die quelle für 
den Ursprung des v ephelkystikon erstand. Denn 
leicht mochte z. b. ein dat. plur. Tovroio-tv und toiroio-l 
zuerst bei ^tgayinaoi, dann beide bei ^fyovoiy bei rl^rjot 
u. s. w. nachahmung finden. Die bedeutungsgleichheit zwi- 
schen -i und -iv mag auch alt sein und darauf beruhen, 
dass indog. tm nicht nur acc. sing. masc. fem. war, sondern 
nominal gebildete neutrumsform wie sanskr. kmj Mm (s. 233.). 
Im umbrischen ist ausser in der Schreibung von po-eij pors-ci) 
pe?\s-ei die quantität der enklitischen partikel nicht zu be- 
stimmen, nemlich nicht in po-i po-e nom. sing. masc. 'qui', 
pud-e pors-e pors-i neutr. sing, und conjunction, pure 
pur-i nom. plur. masc, paf-e acc. plur. fem., pis-i nom. 



— 232 — 

sing. masc. , pid-i pid-e ped-e pirs-i plrs-e pers-i pers-e 
neutr. siog., pif-i acc. plur. masc- fem. ; vergl. die beleg- 
stellen bei Breal les tabl. Eugub. index unt. pede, pisj poei, 
pud-e. Lat. id-em ist = sanskr. id-äm. Mit derselben ver- 
stärkenden Partikel besass man altlateinisch auch em-em ""eun- 
dem^ (vergl. Neue formenl. d. lat. spr. IP 194.) = sanskr. 
im-dm-^ aber id-em ward späterhin als i-dem analysiert und 
dadurch das muster für * is-dem i-dem^ eä-dem u. s. w. Kögels 
Vorschlag, das schwierige ahd. -er von jener ^ hlinter nom. 
sing, masc, unser ^ iuuer gen. plur. mittels der deiktischen 
Verstärkungspartikel -i zu -deuten, Paul -Braunes beitr. VIII 
127 f., bedarf noch erst weiterer stützen, damit man ver- 
trauen dazu haben kann. Wenn Mahlow d. lang, voc A E 
102. mit „dem hervorhebenden 7, das besonders im griechi- 
schen und gotischen sehr beliebt ist " vielleicht an die relativ- 
partikel in got. sa-ei^ pat-eij pan-ei, iz-ei^ ik-eij pu-ei\ jiiz-ei 
u. s. w. denkt, so könnte formal dies got. -ei bloss mit der 
nasalierten form ved. avest. m, griech. -iv identificiert wer- 
den; für indog. td oder das instrumentalische i müsste doch 
wol in der auslautssilbe der mehrsilbigen wortformen die 
Verkürzung got. -i erscheinen wie in der 3. sing. opt. perf. 
beri. Ich sehe aber auch von selten der bedeutung nicht 
ein, wie ein deiktisches dement, das als solches naturgemäss 
in ovToö-i das demonstrativum noch demonstrativer macht, 
in got. sa-ei^ pat-ei zur abwechslung das demonstrativum ins 
relativum habe umwandeln können. Einen versuch zur er- 
klärung des got. -ei und der conjunction ei 'dass, damit, ob^, 
wobei der relativische Ursprung gewahrt bleibt, gibt Paul in 
seinen beitr. VI 218. Dagegen steckt das deiktische indog. 
Id auf germanischem boden wahrscheinlich in got. sai^ ahd. 
mhd. se *^ecce, en"* = sanskr. ved. sed für **^ id, nach verf. 
Paul -Braunes beitr. VIII, heft 2. 



— 233 — 

Sanskr. ki- interrogativer und indefiniter pronominal- 
stamm in ki-drksha-j ki-df^;-^ ki-dr{m- adj. "^wie beschaffen, 
wie geartet, was fUr ein', ved. ki-vant- adj. ^wie gross, wie 
weit, wie viel', ved. ki-iti^ eigentlich acc. sing, neutr. nach 
nominaler declination, dann enklitische partikel ohne wesent- 
liche bedeutungsänderung in ved. ä-kim praep. c. abl. *^von 
— her', ma-kim *^nimmer, nicht'; avest. cU, apers. ciy (aus 
^cid) enklitische verallgemeinernde partikel, ursprünglich 
neutr. sing. (Justi handb. d. zendspr. 11 Ob. unt. 1. c?/, Spiegel 
d. altpers. keilinschr. gloss. s. 196.), avest. ci-cä Vas?' acc. 
sing, neutr. ys. XIII 5. XL VI 5. (Justi handb. d. zendspr. 
s. 110. unt. 3. cij s. 239 b. unt. yd) für *cic-cä aus *ctd'cä, 
avest. nae-cit 'keineswegs' ys. XXXII 7. (Justi handbuch 
d. zendsprache 165 b. unt. 7iaeci) für ^naec-cit aus *?iaed- 
-cidf avest. ci-m *^wen?' acc. sing. masc. ys. XXI 3., nae-cim^ 
L mä-cim 'keinen, nieihanden' ys. XXXIV 7. LVII 15. yt. XIII 
137. (Justi handb. d. zendspr. s. 165 b. unt. naeci^ s. 231a. 
unt. wa), apers. ciy-karam 'wie vielfach?' inschr. von Per- 
sepolis Nßa, 39. (Spiegel d. altpers. keilinschr. s. 105. 196.); 
griech. homer. tT neutr. sing. (Od. ^ 89.) ; umbr. -pei verall- 
gemeinernde enklitische partikel aus vorhist. */?<</ in po- 
druh-pei 'utrinque' oder sei-podruh-pei 'utroque vorsum, se- 
paratim utroque' tab. Iguv. Via 11., panu-pei 'quandoque, 
quandocunque' tab. Iguv. VII b 1. (vergl. Br6al les tables 
Eugub. 47. 216., Bücheier lex. Ital. unt. quando^ quotra und 
sed se) = sanskr. ved. ki-s fragepartikel, die frage als solche 
hervorhebend, eigentl. nom. sing. masc. (rgv. X 52, 3.), nä-kis^ 
ma-kis 'niemand, keiner', ki-m neutr. sing., ved. ci-d enkli- 
tische partikel 'sogar, selbst, auch, wenigstens'; avest. ci-sK 
nom. sing. masc. fem., nae-cisJi, mä-cisfi 'niemand, keiner , 
apers. cisK-ciy 'irgend wer', s^est. ci-t neutr. sing, und en- 
klitische partikel, ci-m acc. sing. masc. fem., nae-cim ""keinen' 



— 234 — 

vend. XIII 54., apers. ci-tä adv. ''so lange inschv. von Be- 
histän Bh. 28. 48. 63. aus dem pronominalstamme cl- gebildet 
nach Oppert und Spiegel (Spiegel altpers. keilinschr. gloss. 
s. 196.); griech. xi-q tIl-Qj ov-rlg, (Mr-rig nom. sing. masc. 
fem., tI TL neutr. sing., Ov-tl-v 'Niemand^ acc. sing, des 
Scherznamens des Odysseus Od. l 369., 'u-v-a ri-v-a acc. 
sing. masc. fem., rt-Gt xl-ot dat. plur. ; lat. qui-s^ qui-d^ que-m 
aus *qui-m, qui-hus\ altir. ce ci pron. interrog. Welcher?' 
pron. indef. aus ursprüngl. k^is (Windisch ir. texte wörterb. 
415b.); abulg. ci-to 'was?', eigentlich 'was das?'. Wegen 
des sanskr. k- statt c- in ki-^ ki- vergl. verf. morphol. unters. I 
115. anm., Collitz Bezzenbergers beitr. III 206., Job. Schmidt 
Kuhns zeitschr. XXV 66. Dass wir in avest. naedsHj jiaecit, 
sowie in cicä und yäcica acc. neutr. plur. 'quaecunque' vend. 
III 148. das -c- auf -cc- aus -de- {*naed- = selbständigem 
mit) zurückführen, scheitert nicht an dem Vorhandensein von 
1/atcitj kahmätcit u. dergl. , da letztere ja als die moderne- 
ren zusammenrückungen aus den unversehrten einzelbestand- 
teilen gefasst werden können. Apers. cish-ciy ist überliefert 
auf der Inschrift Bh. I 53., wo ich kashciy nah/ adarshnaush 
cishciy thastanaiy pariy gaumätam übersetze 'nicht wagte je- 
mand, irgend wer (d. i. 'wer es auch sein mochte'), über 
Gaumäta zu sprechen'*); Spiegel, indem er d. altpers. keil- 
inschr. 7. gloss. s. 106. unt. ciy das cish-ciy als 'irgend etwas' 
fasst, statuiert ohne not den eintritt der masculinform für das 
neutrum. Was Faesi-Kayser zu Od. J 89. zur entschuldigung 



1) Oder ist etwa noch eine andere interpretation der stelle rich- 
tiger, bei der man kashciy zu dem vorhergehenden satze zieht? mättja- 
mäm khshnäsätiy tya adam naiy bardiya amiy hya k'uraush putra 
kashciy 'damit mich nicht kenne irgend jemand, dass ich nicht Bardiya, 
der söhn des Kuru, bin', denkt der Usurpator Gaumäta. Darauf folgt als 
neuer öatz naiy adai^shnaush cishciy 'es wagte niemand' u. s. w. 



— 235 — 

der messung tT beibriDgen, befriedigt nicht ; Idq-vef-döT Izelr] 
Od. Q 37. enthält selbst in dem locativischen -7 eine anti- 
quität (vergl. weiter unten), wie nach unserer meinung das t7. 
Die „erweiterung zu einem w- stamm", welche das griechische 
pronomen erfahren, erklärt sehr ansprechend Gust. Meyer 
griech. gramm. § 437. s. 346. als „vom accusativ *tIv aus- 
gegangen, dem man die gewöhnliche accusativendung -« noch 
einmal anfügte"*). Abgesehen von umbr. podruh-peij j)anu- 



1) An vielen beispielen aus den indogermanischen sprachen wird von 
Brugman morphol. unters. III 67—73. die doppelsetzung desselben bil- 
dungselements auf dem wege der formassociation illustriert. Ich hebe 
nur den der entstehung des xiv-a aus *ri-v ähnlichsten lall (a. a. o. 
s. 70.) heraus: „Im hochdeutschen tragen eine reihe von pronominal- 
formen doppelte flexionsendung, indem an die fertige alte casusform noch 
einmal die adjectivische flexionsendung angesetzt wurde: ahd. acc. sg. 
fmen-an neben hweii, in-an mhd. in-en neben in (Grimm gramm. I^ 708. 
721 ed. öch., Weinhold mhd. gr. 454), gen. pl. ir-er statt ir seit dem 
14. jahrh., dat. pl. in-en statt in (im) seit dem 11. jahrh. (Weinhold 459), 
nhd. gen. sg. fem. ir-er statt ir, vorübergehend auch dat. sg. fem. ir-er 
statt ir, nhd. gen. pl. der-er statt der, dat. pl. den-en statt den {dem), 
nhd. vereinzelt gen. pl. nns{e)r-er eu{e)r-er statt unser euer. Haupthebel 
dieser neuerungen war der drang den casus als solchen schärfer auszu- 
prägen." In anderer weise aber, durch Übertragung der endungen der 
schwachen declination, sind nhd. wess-en, dess-en, der-en (gen. sing. fem. 
und gen. plur.) aus den kürzeren und älteren tves, des, der erweitert. 
Vergl. auch Paul princip. d. sprachgesch. 138 f. Im griechischen selbst 
stellt sich auf nicht -pronominalem gebiete zu rCv-a und seinen nachbil- 
dungen riv-os, riv-t, xiv-e^ u. s. w. der „in sehr alter zeit durch an- 
fügung des gewöhnlichen accusativzeichens -«" aus Zriv =^ sanskr. dyä'm 
neugebildete accusativ Zriv-a mit seinen consequenzen Zriv-ös, Zriv-i 
(Gust. Meyer griech. gramm. '§ 322. s. 275 f.j. Den stamm hv- 'kraft, 
muskel, sehne' in \v-ö'i, Iv-a, Iv-es, homer. iv-eaiv (II. *F 191.), Iv-io-v 
hatte vielleicht auch zuerst der acc. sing. Iv-a occupiert, nachdem '^l-v 
= \si.t. vi-m dieselbe Wandelung wie * n-v und Zrj-v durchgemacht hatte; 
denn man hat ja sowol die in l-(pi noch nicht erscheinende ?i - declination 
des griechischen wie die teilweise ;?-(/•-) declination des lateinischen no- 
mens (über letztere vergl. Brugman morphol. unters. I 24.) für jüngere 
entwickelung zu halten. Dass vom nom. sing. i-£ = lat. vi-s aus sich 



— 236 — 

-pei, mit ei für l in der weise der lateinischen schritt der 
jüngeren tafeln wie veiro (s. 153 f.) und po-ei j)ors-ei pers-ei 

der übertritt in die analogie von nasalstämmen mit sigmatischen nomi- 
nativen wie SeXfis, 2alafuz, Tgäxis vollzogen habe, möchte ich darum 
nicht annehmen, weil man gar nicht weiss, ob die ?i - declination dieser 
letzteren alt und nicht vielmehr in ähnlicher weise entsprungen ist wie 
bei f-s oder auch erst nach dem directen muster dieses letzteren. Denn 
TQaxi-s z. b. könnte doch wol, mit abzug zunächst des analogisch an- 
gefügten -s auf *rQäx-A zurüchgehend , das regelrecht movierte feminin 
von x^a^v-g 'rauh, uneben' sein, wie sanskr. svädv-i dasjenige von svä- 
dü-s'y trotz TQäxsTa, denn auch rjSela und svädvi vereinigen sich durch 
eine indogermanische flexion nom. sing, suädeui, gen. suädni^äs 
(älter noch sude'ui, suduiids, vergl. oben s. 192 f.). So liegt auch 
^£^9pf-s neben der -^w-bildung SeXcpv-s f. 'mutterleib, bärmutter'; 8EX(pi'S 
freilich masculin, möglicher weise jedoch erst secundär durch den eiu- 
fluss von o ixO'vs als gattungsnamen. Die nebenformen des nom. sing, 
auf -V, SeX<piv, ^aXa/uiv, T^äx'iv , sind nachweislich erst aus bedeutend 
späterer zeit zu belegen (vergl. Passow handwörterb. uu. dd. ww.), daher 
irrt Brugman Curtius' stud. IX 403 f. in der bestimmung des chrono- 
logischen Verhältnisses beider nominativbildungen ; jene formen auf -iv 
haben erst wieder nach den obhquen casus -v statt -s bekommen. Auch 
bei axTZv-j EXevGlv-j SQfüv-, ixrXv-, nrjqiv-, QrjyfiXv-, arafiXv-, TeXxiv-, 
üidlv- u. a. (Lobeck paralip. gramm. Graec. 107 f.) vermögen wir die 
w-declination auf 2 - declination zu reducieren und werden dadurch in 
der anknüpfung an bekanntere indogermanische Stammbildungen (be- 
sonders mit den suffixen -^£-, -tei-, -mei-) wesentlich erleichtert wer- 
den; ich komme an späterer stelle darauf zurück. Selbst S'i-g m. f. 
'häufe, sandhaufe, düne, meeresstrand , meeresboden, meeresschlamm' 
und ^i-s f. 'nase' dürften nicht nasalstämme von hause aus gewesen sein. 
&-i-s könnte aus der wurzel dhe- 'legen, setzen' (vergl. griech. d-f^-ficov 
m. 'häufe') mit dem suffixe - ^ z- gebildet, das indogermanische zwillings- 
wort zu sanskr. dh-i-s m. sein, das in der bedeutung 'was aufgeschüttet, 
aufgehäuft ist' oder 'aufgeschüttetes entßaltend, aufgehäuftes in sich 
schliessend, behälter' am ende vieler composita erscheint, wie in ved. 
api-dhi-s 'bedeckung', ved. nachved. ni-dhi-s 'ort des niederlegens, auf- 
bewahrungsort, behälter (vergl. nidhir apäm und sarvämbho-nidhis für 
'das meer', „nach Räjan. im CKDr. bedeutet nidhi- auch ohne weiteren 
beisatz 'meer'", Petersb. wörterb. IV 154.), niedergelegtes gut, aufbe- 
wahrter schätz', ved. nachved. j^an-rfÄ/-^ m. 'einschluss, gehege, wall 
(„vom meere, das die erde umschliesst" Bhägav.-puräna I 10, 3., vergl. 



— 237 — 

(s. 229 f. 231 f..), sind in der frage nach der vocalquantität 
die oskischen und iimbrischen formen des pronominalstammes 

Petersb. wörterb. IV 530.), Umfassung, schutzwehr, hülle, hof um sonne 
und mond, horizont, nimbus, umfang, umkreis, Umgebung, die- um das 
altarfeuer gelegten grünen hölzer welche dasselbe zusammenhalten sollen', 
san-dhi-s m. 'zusammenfügung, Verbindung', ferner in amhu-dlii-s 'meer', 
amhho-dhi-s 'meer', klltda-dhi-s 'meer', jala-dhi-s 'ocean', toya-dhi-s 
'meer, ocean', ved. nachved. uda-dhi-s 'Wasserbehälter' (von der wölke, 
von seen. Aussen, vom meer), ved. utsa-dhi-s 'behälter, Umfassung einer 
quelle', sowie in ved. nachved. ishu-dlii-s m. f. 'köcher', ved. garhha- 
-dhi-s m. 'brütort, nest, ort der begattung' u. a. bei Böhtlingk - Roth 
Petersb. III 959. unt. 3. dhi-. Den Zusammenhang von d'4-s mit ri-dr^-^n 
vertrat schon Passow handwörterb.^ u. d. w.; die häufige beziehung auch 
des sanskr. -dhi-s auf das meer lässt vermuten, dass schon den Indo- 
germanen dh-i-s eine geläufige bezeichnung des meeresbehälters mit 
seinen anschichtungen darin und daran war. Entsprechend möchte ich 
griech. ^-f-s f. 'nase' als abkömmling eines grundsprachlichen sr-l-s 
auf sanskr. sar- 'rasch laufen, gleiten, fliessen, ins fliessen geraten' be- 
ziehen; sanskr. sar-i-si.^ sar-i f. 'Wasserfall', das die wurzelstarke para- 
digmenform der -^^'-bildung repraesentieren könnte, ist leider unbelegt 
(vergl. Petersb. wörterb. VII 778. unt. sarä-, VII 787. unt. sari-), aber 
das in vedischer und späterer litteratur häufige sari-t- f. 'bach, fluss' 
ist vielleicht aus dem wie yäkr-tas, gäkr-tas (vergl. oben s. 201 f. anm.) 
zu beurteilenden abl.-gen. sing, sari-tas erwachsen. Wiederum sind die 
nasalierten nominativformen d-Jv^ qIv erweislich jünger als die sigma- 
tischen. Denn qCv erscheint am frühesten bei Hippocrates p. 346, 50. 
und ist im übrigen nur hellenistisch, wofür es auch ausdrücklich von 
Thomas Magister p. 323, 10. ed. Ritschi erklärt wurde ; und d-Cv vollends 
ist nur eine von grammatikern angenommene form, die sich im ge- 
brauch nicht nachweisen lässt. Vergl. Passow handwörterb.^ unt. d-is 
und ^ts, Gust. Meyer griech. gramm. § 313. s. 268. Mir scheint nun, 
als wenn wir anzunehmen hätten, dass die einsilbigen l-s, Ms, qI-s voran- 
gegangen seien in der erweiterung ihrer alten acc.-sinjg.- formen *l-v, 
*d-l-v, *^i-r, dass darnach die mehrsilbigen ^EXevai-s, ^aXa/ui-Sy T^äxi-s, 
axri-e u. s. w., jenen f-s, -d-i-e, ^i-s unmittelbar in der annähme der w-de- 
clination gefolgt seien. Denn bei Iv-a, &lr-a, Qiv-a und rtV-a, Ziiv-a 
können wir, wie bei nhd. ihr-er, der-er, den-euy wess-en u. s. w., den 
psychologischen antrieb zu der neubildung in dem bedürfnis eines nach 
seinen stofflichen und formalen bestandteilen klarer gegliederten wort- 
körpers finden; bei darstellung des bedeutungs- und beziehungsaus- 



— 238 — 

pi- indifferent, nemlich osk. /?w, /;Äm, pid, -pid enklit. par- 
tikel, pit-pit (bei Festus), umbr. pis (pis-i) pis pir^ pid-e 

druckes an einer einzigen silbe machte sich naturgemäss „der drang den 
casus als solchen schärfer auszuprägen" leichter geltend. Lat. plüs^ 
franz. plus und ahd. mer, nhd. mehr haben stärkere veranlassung zur 
häufung oder wiederauffrischuug des comparativsuffixes , wodurch spät- 
lat. plnr-idr-i's, franz. plus-ieur-s und ahd. mer-iro , nhd. mehrere her- 
vorgehen, als mehrsilbige comparative, etwa lat. mäjus, ahd. hezir, ob- 
wol auch ein ahd. hezer-ora als neuschöpfung nicht ausgeschlossen ist; 
vergl. Pott etymol. forsch. I^ l, 560., Wöltflin lat. u. roman. compar. 45 f., 
Brugman morphol. unters. III 69, Es hängt, gewis mit der einsilbigkeit 
der älteren formen des neutrums des demonstrativpronomens mhd. ditz^ 
diz, nhd. dies zusammen, dass dafür und daneben die „jüngeren er- 
weiterungen durch adjectivische flexion" ditz-es, diss-es^ dis-es ent- 
stehen (Weinhold mhd. gramm. § 467. s. 469.); die mehrsilbigen muster 
für die neubildung dies-es, nhd. jen-es, Jed-es, all-es, bli7id-es u. dergl., 
zerlegten sich für das Sprachgefühl deutlich in einen stamm- oder wurzel- 
haften und den unentbehrlich scheinenden flexivischen bestandteil. Brug- 
man a. a. 0. 71 f. bemerkt auch noch im allgemeinen: „Aber der zug 
wenigstens ist allen diesen neubildungen gemeinsam, dass das betreffende 
Sprachelement in der alten, es nur einmal enthaltenden form zu der 
zeit, wo die neubildung entsprang, für die empfindung der sprechenden 
nicht genau dieselbe bedeutung hatte, die man sprechend zum ausdruck 

bringen wollte In den meisten fällen war es ein streben nach 

deutlichkeit, nach schärferer hervorhebung , was zur neubildung reizte: 
denjenigen Römern, die ve?itiktre [nach volüäre, clämitäre, agitäre] statt 
venture aufbrachten, war das letztere für ihren gerade obwaltenden mit- 
teilungszweck nicht frequentativisch genug, den Deutschen, die mer-ir- 
mer-dr- schufen, das ältere mer- nicht comparativisch genug." So meine 
ich nun, dass den Griechen ihre "^Iv, *d'lv, *qIv, *TtV, Zrjv eher „nicht 
accusativisch genug" werden konnten als *a'^xlv, *^aXa/uip, *'EXevalv 
u. s. w., sowie den Deutschen ihre einsilbigen pronominalformen ir der^ 
in den und dergl. häufig erweiterungsbedürftig erschienen sind, unser, 
euer als geü. plur. weit seltener, gar nicht dagegen dieser jener jeder 
aller , diesen jenen u. s. w. — Im lateinischen empfahl sich der neue 
plural vires, den man zu vis nach dem Verhältnis etwa von mürds neben 
müs bildete, vor der älteren bei Lucretius, Varro u. a. noch anzutreffen- 
den pluralform v~is (vergl. Neue formenl. d. lat. spr. I-^ 497.), d. i. wol 
eigentlich acc. plur. aus indog. ut-ns, hauptsächlich wegen der gleich- 
lautigkeit der letzteren form mit dem nom sing.; daher auch im alt- 



> 



— 239 — 

pid-i ped-e pws-e pers-i pers-ei pers-e^ für ^ spricht bei 
ihnen nur im allgemeinen das hinüberschwanken der qualität 
nach dem e-laut (osk. i) hin. In anderer beziehung ist zwei- 
deutig das erste glied von got. hvi-leiks^ alts. hwi-lic, mitteld. 
wi-lich wl-lch Vie beschaffen, weicht hier kann gleicher 
weise das indog. k'-X- gefunden werden und indog. k^e-, die 
Stammform von avest. ca-hyä^ griech. ion. t€-o, got. hvi-s^ 
ahd. hwe-s we-s gen. sing, und von alts. hwe-thar hwe-dhar^ 
ahd. hwe-davy mhd. we-der Ver von beiden\ Vergl. über 
indog. k'^e- Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 92 ff., Gust. 
Meyer griech. gramm. § 437. s. 347.; beide gelehrte scheinen 
mir nur nicht stark genug die ursprüngliche paradigmatische 
einheit von indog. k-e- und k'^o- zu betonen. Ist got. hvi- 
-leiks mit indog. k'^e- gebildet, so verhält es sich zu ahd. 
hwe-lih we-Hhy mhd. nhd. we-lchj wie ahd. hwe-dar zu got. 
hva-pa?'-^ denn we-lch kann doch wol nur = got. *hva-leiks 
sein und dürfte misbräuchlich allgemein, auch noch neuer- 
dings von Paul mittelhochd. gramm. § 143. s. 56., mit „ge- 
brochenem" e geschrieben werden. Man beachte auch das 
noch umlautsfreie uualihhu rehtu "^qua ratione?^ der keroni- 
schen glossen (Graff ahd. sprachsch. IV 1208.); dann ander- 
seits zi uuilihero uuis bei Graff ebend. aus Vergilglossen, 
wodurch allein auch das althochdeutsche seinen anteil hat 
an der auf indog. k'^e- oder k^i- zurückführ baren composition. 
Sanskr. ved. na-hf part. ^ja nicht, denn nicht, gewis 
nicht, durchaus nicht', ved. iia-M nü *^ nimmermehr, durchaus 



lateinischeil sper'es neben spes als nom. und acc. plur. (Neue formenl. 
d. lat. spr. I^ 570., Brugman morphol. unters. I 24.). War zum auf- 
geben von "^'vi-um, vi-hus an sich dann wiederum weniger triftige ver- 
anlassung vorhanden, so mögen eben auch deren Substitute viriu/n, viri- 
bus nur die weiteren folgerungen aus vires sein, sowie altlat. speribns 
neben spe-bus die entsprechende aus speres. 



— 240 — 

nicht' rgv. I 167, 9. IV 18, 4. VIII 3, 13. (vergl. Grassmann 
wörterb. z. rgv. 721. und das dort citierte prätig. 442, 483.); 
avest. (nicht auf den gäthädialekt beschränkt) zt part. Menn, 
certe, also, nemlich^ nach relativen z. b. yoi zi^ yä zi^ inter- 
rogativpronominen z. b. hat zi ^quidnam?', ye-zi conj. "^wenn, 
ob' für lautgesetzliches ^yazt aus ^yad-zi (s. u.); abulg. zi 
„particula in codd. recentioribus non raro pronominibus de- 
monstrativis et adverbiis inde derivatis additur ", z. b. ovü-zij 
onü-zi^ sX-zi^ se-zi^ ta-zi^ tako-zi^ toji-zi (Miklosich lex. Pa- 
laeoslov. 225. unt. zi^ = sanskr. ved. nachved. Az' part/ denn, 
ja, nemlich, doch (aufmunternd in befehls- und Wunschsätzen), 
allerdings, ja wol, in der tat', nach verschiedenen demon- 
strativis z. b. sa hi^ tad hi^ iathCi hiy imam hi^ nach relativis 
z. b. yo hi^ yad hi, yathä hi^ yadi hiy nach oder mit inter- 
rogativis z. b. ko hi^ kirn hl, katham In (Petersb. wörterb. 
VII 1 609 f.), ved. nachved. na-hi 'ja nicht, denn nicht, gewis 
nicht, durchaus nicht', na-kinu rgv. I 80, 15. VI 27, 3., nn-hi 
nü *^nicht ja erst jetzt' rgv. VIII 21, 7.; avest. zi part. 'denn 
yt. XIV 12. (Justi handb. d. zendspr. 125 b. unt. zi)^ ya-zi 
conj. 'wenn, ob' aus *yad^-zi, yazi-ca 'und ob' yt. XXIV 47., 
ye-zi conj. 'wenn, ob' für lautgesetzliches ya-zi-, griech. 
homer. att. ov-xt 'nicht', vaL-xl 'jawol, allerdings, wahrhaf- 
tig' (Sophocl. Oedip. rex 684. , Callimachus epigr. XXVIII 5. 
ed. Meineke), homer. nachhomer. rj-xT, dor. a-yji 'wo' (in 
dem versfragment äxi Aixa (.dya oa(xa im etymol. magn. 
417, 1.). Die interjection sanskr. ht, welche staunen, ent- 
setzen, schmerz, lachen und behagen ausdrückt (Petersb. 
wörterb. VII 1629.), gehört wol als eine urschöpfung der alt- 
indischen spräche nicht zu dieser sippe. Da avest. kat zi 
yt. VIII 57. auf einer Verjüngung durch allezeit frisch erfol- 
gende zusammenrückung der beiden einzelnen demente be- 
ruhen kann, so hindert es nicht unsere auffassung des ein- 



— 241 — 

maligen ya:ii als ^yat-zi = sanskr. yad-dhi aus ^yad hi-^ 
vergl. s. 234. über czc«, naecit neben kat-cit. Aus ^yazi^ 
yazi ist aber avest. ye-zi, ye-zi geworden durch den einfluss 
des gleichbedeutenden ^yedM, yedhi ""wenn' == apers. ynd^iy^ 
sanskr. ved. yddi,, yädi. Griech. i.ii]-xi ist nur bezeugt durch 
Bekkers anecd. Gr. p. 108, 14.: ^vrixi' log vat^i xat ov%i. Ev- 
ßovXog JaLÖäho ; woraus sich nichts über die quantität des l 
ergibt. Die sicher richtige identificierung des -xi in vaL-yj^ 
ov-xL mit sanskr. hi geht auf Pott wurzel - wörterb. I 1, 567. 
zurück, dem ich nur in der herbeiziehung der litauischen 
enklitika gi „hinter fragwörtern z. b. kur-gi *^wo denn?' und 
imper. dük-gr *^so gib doch' " des palatals im iranischen und 
slavischen wegen nicht beistimmen kann. Eoschers meinung 
dagegen ühev furjxh ^(^i^Xh ^h^ und rixi Curtius' stud. III 143 if., 
„ dass in allen vier Wörtern -xt aus ursprünglichem -/.c durch 
aspiration entstanden ist, dass wir also von der tenuis aus- 
gehen müssen, wenn wir diese formen erklären wollen ", führt 
lautgesetzlich nicht zum befriedigenden ziele. Homer, neu- 
ion. neugriech. ov-y.L muss nicht mit ov-xf , das vai-ya auf 
einer attischen vase nicht mit vaL-xt identisch sein. Nur in 
ov-'ALj val-xc finde ich ein pronomen im neutrum, aber nicht 
das indefinite indog. k^id 'was', das ja im griechischen als 
Tt erscheint, sondern das demonstrative indog. k^id 'dieses' 
= got. h?t{-a)y ags. hity anord. hit{t)y das neutrum zu dem 
masculin lit. szr-s^ abulg. slj altir. ce 'dieser' (Windisch ir. 
texte wörterb. 415 b. unt. 1. cfi\ welches im slavischen durch 
die neubildung abulg. sc (vergl. oben s. 168. anm. 1.) ersetzt 
wurde: also homer. rjh Aal ovyI eigentlich 'oder auch dies 
nicht', vaiia 'wahrlich das, dies fürwahr, allerdings dies''). 



1) Auch mit J. Wackernagels identificierung des multiplicativen -vi 
in TtolXa-yii mit sanskr. cid kann ich mich nicht befreunden, und nament- 
lich der schUiss „griech *itiS kann aber im arischen, da mit <;, anlau- 

Osthoff u. Brngman untersuch. IV. \ 6 



— 242 — 

Die bedeutungsgleichheit zwischen ov-yj und ov-y.i konnte 
sich leicht herstellen und um so eher befestigen, als in einem 



tende enklitika nicht existieren, nur durch cid reflectiert werden", ist 
für mich sehr überraschend. Griech. -xt muss doch nicht um jeden preis 
verwantschaft im sanskrit haben. Dagegen stimme ich darin Wacker- 
nagel bei, dass in Ttolht-ms das selbst schon adverbiale neutr. plur. 
'jtoXla 'viele male, oft' (II. B 798. H 130.) stecke, sowie in homer. oggol-xi 
roGGa-xi, nachhoraer. noGa-xt (Plato), navQä-xi (Theognis 859., Hesych.), 
SiGGa-xi Stxrä-xi,, ohya-xi (etym. magn. p. 172, 6.), nXeiGra-xi^ tqig- 
ad-xc die betreffenden adverbialen neutra plur.; tt«?}^« 'selten' gebraucht 
Hesiod theog. 780. Dazu kommt S-a/nd-xt bei Herodian I 506, 17. ed. 
Lentz (vergl. Lentz zu Herodian II 220, 7., Gust. Meyer griech. gramm. 
§ 305. s. 261.), von dem gleichbedeutenden primitivum d-afid adv. 'zu- 
samt, scharenweis, dicht gedrängt, oft, häufig'. Ferner können *a^- 
rid'Xi , * iGa-xc , * onoGa-xt , * 7t£Qirrd-xt , * nXsovd-xi , * itvxvd-xi , * gtiol- 
viä-xi, *Gvxvd-xt u. a. nach den Weiterbildungen mit -e^ d^nä-xis, iGa-xis 
u. s. w., deren belege Bauuack Kuhns zeitschr. XXV 240 f. gibt, voraus- 
gesetzt werden; Ttvxvn, Gv%vn für sich allein im sinne von 'oft, häufig' 
sind bekannt. „Bemerkenswert" erscheint auch mir das nv in dem von 
Baunack a. a. o. aus Plato, Xenophon und Hesych angeführten roaav- 
rd-xis: eine deuthche reminiscenz an das neutrum plur. Nun enthal- 
ten TiolXä-xi und genossen meines erachtcns dasselbe -xi = got. hit{-a) 
wie ov-xi, vai-xc; grundbegriff also dort: 'oftmal dies, dies vielmal ge- 
nommen'. Man darf ferner annehmen, dass frühzeitig unter diesen bil- 
dungen von adjectiven eine normalisierung des accents vorgegangen war, 
der art dass sich z. b. *oGGa-xi, *r6aaa-xi, *6Xiya-xi, *iGa-xi nach 
TtoXXä-xi, SiGGa-xc, rQiGGd-xi, ^afiä-xi, * 7teQirrd-xi , *7tvxvd.-xi u. dergl. 
richteten. Überdies hatten solche wie *7iavQd-xi, * nXelGra-xi , *7iXeo- 
vä-xt wol eigentlich aussprachlich nichts zu ändern , da man nur der 
empfundeneu worteinheit wegen nicht die Schreibung der zwei accente 
wie in ttoZ^'s r«s, dvd-QOiTiös rts befolgt haben wird. Durch die normali- 
sierung der accentuation wurde die einheit des wortbildungstypus er- 
reicht, und indem man dann noXXä-xi,, oGGa-xt nicht mehr direct auf 
noXXd, oGGa, sondern auf noXv-, oggo- überhaupt bezog- zufolge des von 
Paul princip. d. sprachgesch. t45 ff. geschilderten triebes der „Verschie- 
bung in der gruppierung der etymologisch zusammenhängenden Wörter", 
ward auch den cardinalzahlwörtern die neue multiplicativbildung zugäng- 
lich, in rer^d-xt, jcevra-xi, s^ä-xi, £7Crd-xi, oxxd-xi, i^rjxovTÜ-xt u. a., und 
konnte man hinfort auch rovrd-xt, *roGovrd-xi statt *rai'r«-xt, '^roGav- 
rd-xi sagen. Wie dann die form -xts aus -xi erwuchs, zeigt Baunack 



^ 



-- 243 — 

falle, bei apostropbe des -i vor folgendem aspirierten vocale, 
beide in ov"/ sieb begegneten; ovx '^'^h ^^X (^^t/uof^iai können 
zu OVY.L und zu ovxL geboren; vor eri gab es wol zuerst 
ov-y-hi und "^ov-x-eri, und das etym. magn. 368, 30. be- 
merkt ganz richtig: cocpeUe yaq Uyeo&ai ovyi €Qxojnai. Es 
sind *ovx-£TLj *ovxf fQxojuat später gewieben, da man den 
gebrauch des ovx neben dem ovk aus ovkI nach dem muster 
anderer fälle, wie acp^ neben a7t\ -/.ad-" neben xar\ avd-' 
neben avx^ auf die Stellung vor Spiritus asper einschränkte, 
so dass hinfort jedes ovx nur als eine phonetische (oder gra- 
phische) modification des ovy, erscheinen mochte und Hero- 
dian II 202, 9. ed. Lentz allerdings veranlassung zu seiner 



Kuhns zeitschr. XXV 243. richtig: durch die analogie von ,,Sii xm^TQii, 
jenen alten indogermanischen numeraladverhien". W-ackernagel a. a. o. 
zieht auch das schwanken des auslauts hei ovrays und ovrco herhei, wie 
denn auch schon die alten grammatiker nach Lentz zu Herodian II 220, 7. 
das hewegliche -s der' numeral - und der übrigen adverbia als eins be- 
trachteten. Da wir den dualismus von -a-ycis und -a-xi erklären können, 
so vermute ich, dass unsere multiplicativen adverbia recht eigentlich die 
muster wurden, um anderen adverbien das gegen den hiatus geeignete, 
so zu sagen ephelkystische -e mitzuteilen, das sich mittels der analogie 
der fex-s, ans, iv-xus, ixros (Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 7 4 f., Kuhns 
Meyer griech. gramm. § 303. s. 2fi0.) wegen des grösstenteils constant 
festen -s dieser letzteren doch wol nicht genügend deuten dürfte. Viel- 
leicht zeigte sich gemäss der grösseren formalen ähnlichkeit der anwuchs 
des -s nach dem muster von Ttollaxi-z, d-afinxi-s- (Pindar Nem. X 72. 
Isthm. 137., Lentz zu Herodian II 220,7.) neben nollaxi, d'afiaxi zu- 
erst nur bei solchen auf -«, also bei ax^i-s, jus'xQi-e, av&i-s, neQvn-s (dor.), 
nurow/i-s (Brugman a. a. o.), iyxvri-s (Lentz zu Herodian a. a. o.); dar- 
nach dann auch allgemeiner, in iyyv-e, 'id'v-g, sv&v-s, jueaarjyv-s , avn- 
xQv-s neben ^iyyv^ Jd'v u. s. w., in ovroj-'S, ovnco-s, onco-s, (o-g neben 
ov-rco u. s. w. , in a-rge/ia-e, riQSfias. Dass das einzige tarent. n^ta-Tis 
'einmal' den reflex von sanskr. cid enthalte, kann man allerdings Wacker- 
nagel zugeben, nur ist auch hier -s im griechischen analogisch zugefügt. 
Durchaus falsch urteilte ich noch morphol. unters. II 19. über das -x/s 
der multiplicativa. 

16* 



^ 244 ~ 

regel über ov%i bekam, dass es nvölTTore aTroßolrjV tov 7 
Ttdoxst. über jiirj-y-sTf. gilt, dass es, wenn kein * iurj-'AL 
neben firj-xt existierte, trotz Roschers protest doch nur eine 
bildung „nach falscher analogie von ot-xcrt" bleibt. Eine 
spur weiterer gegenseitiger beeinflussung zwischen ov-xl und 
ov-'/d dürfte noch in der accentuation zu finden sein. Indog. 
f/hH war nicht enklitisch, wie das vedische sanskrit zeigt; 
daher auch griech. ov-xl wie ved. na-ki^ na-hi\ während 
vielleicht für griech. ov-vl eigentlich * ov-y,i zu erwarten wäre 
nach 7tolla-y.i (vergl. die anmerkung s. 241 ff.). Es heisst 
dann ov-'aL nach ov-xi- Aber f^irj-x^^ vai-xt^ r]-xi werden 
wir der grundsprachlichen betonung nach mit ved. eva lii 
rgv. I 8, 8. 9. 10., te hi rgv. I 90, 2., tan hi rgv. I 94, 3. 
auf gleiche linie zu stellen haben: im griechischen ist das 
ursprünglich nicht enklitische -// durch verlust seiner Selb- 
ständigkeit in folge des an Wuchses enklitikon, daher accent- 
los gegenüber dem /<ij, vai^ rj geworden, .wovor es in oi-xl 
wegen der atonen natur des ov verschont blieb. Daher ist 
nunmehr auch die accentuation in firj-x^j vai-xi als päroxy- 
tonen bei naturlanger erster und kurzer Schlusssilbe von der 
art wie in i-iri tT, xa/ t^, ti tT^, roL-vvv u. dergl. Durch 
Apollonius de adverb. p. 573, 5., Choerob. dict. 427., 26., 
epim. Hom. 303, 22. (in anecd. Oxon. ed. Gramer I), Hero- 
dian I 9, 4. 5. 506, 1. 2. II 71, 14. 200, 11. 202, 9. 26. 27. 
400, 25. 464, 9. 10. ed. Lentz, etym. magn. 315, 20. 607, 13. 
29. 638, 50. 52 adnot. steht die verschiedene betonungsweise 
des ovy^i gegenüber ^Tqy.h ^cc^Xh W ^^^^ J vergl. auch Passow 
handwörterb. unt. vaLxt. 

Griech. TQT-xcc-^/.-eg m. plur. 'die in drei stamme ge- 
teilten' Homer. Od. t 177. Hesiod. fragm. CLXXVIII. ed. 
.Marckscheffel == griech. homer. nachhomer. tq^-xcc adv, 'drei- 
fach'. Nähere begründung der messung TQTydlKEgj sowie 



t 



— 245 — 

Verweisung auf andere bildungen aus indog. ti'i- sieh oben 
s. 210. 

Avest. gäthädial. paiti adv. *^ hinzu', praepos. und post- 
pos. mit acc. dat. abl. gen. loc. ^auf, an, zu, bei, für, um, 
nach, gegen, wegen', apers. patiy praepos. und postpos. mit 
acc. loc. instr. *^zu, an, gegen, je nach' = avest. paiti adv. 
praepos. und postpos., apers. pati-kara-m n. 'bild', pati-pa- 
da-m adv. *^an seinen ort'; griech. homer. dor. ^cozlj ycori 
praep. *^zu, bei, nach — hin', verbalpraef. 

Sanskr. pari- in ved. päri-vrla-s partic. 'umringt, ein- 
geschlossen' (Petersb. wörterb. VI 699., Grassmann wörterb. 
z. rgv. 1322.), pari'tta-s partic. 'tibergeben, überantwortet, 
anvertraut, niedergelegt bei oder in, umgeben, begrenzt' 
(Petersb. wörterb. III 575. unt. pari-dä-^ IV 563.), ved. nach- 
ved. pari-nah- f. ' Umfassung, verschlag, truhe, kästen', ved. 
pari-gäsä'S m. "^ausschnitt', nachved. pari-kshit- m. nom. propr. 
mehrerer männer, pari-näma-^ pari-ndya-y pari-näha-^ pari- 
-täpa-j pari-tosha-j pari-däha-, pari-däna-^ pari-päka-j pari- 
-bhäva-j pari-mäna-^ pari-rambha-^ pari-varta-^ pari-vada-^ 
pari-väpa-j part-vära-^ pari-vdha-y pari-vettar -^ pari-veca-j 
pari-cesha-y pari-sheka-^ pari-sära-y pari-hära-j pari-häsa-y 
(Petersb. wörterb. IV 562 f.); avest. gäthädial. pairi adv. 
"^herum', praepos. und postpos. mit acc. instr. dat. abl. loc. 
*^um, während, für, von — weg, über, unter, bei', apers. 
parit/ praepos. mit acc. 'um, über' ■= sanskr. ved. nachved. 
pari adv. 'rings, umher, weiterhin, entgegen', praepos. mit 
acc. 'um, gegen, nach — hin, entgegen', mit abl. 'von — her', 
verbalpraef.; avest. pairi adv. praep. verbalpraef.; griech. 
7C£QL, jveQi adv. praepos. mit gen. dat. acc. 'um, über', verbal- 
praef. 

Sanskr. prati- in ved. nachved. prali-ka' adj. 'entgegen- 
tretend, zugewandt, widrig, entgegengesetzt, verkehrt', n.'das 



— 246 — 

äussere, Oberfläche, äussere gestalt, antlitz, facies, abbild, 
Sinnbild', prati-c-i' adj. f. 'zugewandt, zugekehrt, adversus, 
zurückgewandt^ prati-c-mä-s adj. ^'entgegenkommend, zuge- 
wandt, adversus', prati-c-ina-s adj. 'abgewandt, aversus, hin- 
ten befindlich, nachfolgend, zukünftig', nachved. prati-c-ya- 
adj. 'im westen befindlich', subst. 'westen', ved. nachved. 
prati'kücä-s m. 'Widerschein, schein, aussehen', ved. pt^ati- 
-bodhd-s m. 'Wachsamkeit', pi^ati-vartd-s adj. 'in sich zurück- 
laufend', pruti-vi- adj. 'annehmend, gern empfangend', m. 
oder f. 'empfangnahme', nachved. praü-kära-^ pruti-ykäta-j 
prali-toda-j prati-dar(;d-^ prati-nähü-^ pruti-müna-^ prati-rädha-j 
prati-väpa-y prati-väka-j prali-vera-j prati-sara-mj prali-hara-^ 
praü-häsa- (Petersb. wörterb. IV 988. 989. 990. 991. 992.); 
2ih\\\^. proti praepos. mit dat. '/cQog, ad', proti-vü adv. 'con- 
tra^, proti-va adv. 'e regione', praepos. mit dat. acc. '/c^og, 
versus' = sanskr. ved. nachved. präti praepos. und postpos. 
mit acc. abl. 'gegen, nach, zu, bei', verbal- und nominal- 
praef., prati-ka-s adj. 'einen kärshäpana wert' nur bei gram- 
matikern belegt (Böhtlingk - Roth IV 945.); griech. homer. 
7cqoT^i praepos. mit gen. dat. acc. 'zu, bei, nach — hin'. 

Sanskr. ved. yddi conj. 'wenn'; apers. i/ud^iy conj. 'wenn, 
als^ == sanskr. ved. nachved. ydd'r^ avest. yedhi conj. 'wenn, 
ob', apers. yadH-pad^^iy 'wenn vielleicht' auf der Inschrift von 
Persepolis NRa. 38. (Spiegel altpers. keilinschr. 52.). Der 
gebrauch des yedhl ist im avesta sehr eingeschränkt zu gunsten 
der mischbildung aus ihm und yazi, avest. yezl (s. 241.); 
nur in der Verbindung yedhi zi = sanskr. yddi hi hat man 
aus dissimilatorischem bestreben das yezi nicht einzuführen 
gewagt, was Justi handb. d. zendspr. 249 b. so aufiasst: 
„Folgt zi (denn), so wird yezi dissimilations halber zu yedhi 
abgeplattet ; oder sollte yeti erst aus contraction von yedhi zi 
entstanden sein?" 



I 



— 247 — 

Saniskr. vi- in vi-ta-s adj. 'vergangeu, geischwundcD, nicht 
da seiend, fehlend, abgängig, unbrauchbar' (sieh oben s. 76 f.), 
vi'ttü-s partic. praet. von vi-dü- atharvav.-prätig. LEI 11. schol. 
(Petersb. wörterb. VI 1295.), ved. vi-barhä-s m.'^das zerstreuen, 
verjagen', ved. nachved. vi-rüdh- f. ^gewächs, kraut', ved. 
vi'-rudha- n. dass., nachved. vi-rudhd f., vi-rudhi- f. dass., 
vi'kucu-y vi'lamsa-j vi-näha-j vi-märya-j vi-vadha-j vi-vadhika-, 
vt-sarpa- (Petersb. wörterb. VI 1289. 1293. 1296. 1304 f. 1307.); 
avest. Vi adv. 'auseinander, fort, gegen', verbal- und nominal- 
praef. 'zer-, auseinander', vi-tura- adj. compar. 'weiter', vi- 
-tarc-ni neutr. adv. 'weiter'; lat. vi-t-üre ""fern sein lassen, 
meiden' (s. 76f.); anord. vi-^-r, ags. vi-d, alts. wi-d^ ahd. 
mhd. wi-t adj. 'weit, von grosser ausdehnung, umfangreich, 
entfernt' (s. 7 6 f.) = sanskr. ved. nachved. vi praepos. be- 
zeichnet 'trennung' und 'abstand', verbal- und nominalpraef., 
vi-tara-s adj. 'weiter führend' (von einem pfade) ^atapatha- 
brähm. XIV 7,2,11., ved. vi-tard-m adv. 'weiter, ferner' 
(von räum und zeit), vl-tara-ni adv. 'weiter weg'; avest. vi 
adv. verbal- und nominalpraef., vi-ta- adj. 'getrennt' (s. 76 f.); 
anord. vi-^ adv. und praep. mit dat. oder acc. 'gegen, wider, 
bei, mit', ags. vi-lS praepos. mit dat. oder acc. 'gegen, wider', 
neuengl. wi-th, afries. wi-tli praepos. 'gegen', alts. wi-th wi-dh 
wi-d praepos. 'wider, gegen', got. vi-pra adv. in Zusammen- 
setzungen, praepos. mit acc. 'gegen' (freundlich und feind- 
lich), örtlich 'gegenüber, vor', anord. vi-^r^ ags. ivi-^er^ afries. 
wi-ther we-lher^ alts. tri-lhur tvi-dar wi-dlier tvi-de-r adv. 
in Zusammensetzungen, praepos. mit dat. acc. instr., ahd. 
wi'tliar wi-dhar wi-dar wi-dir wi-dery mhd. ivi-der adv. 
'gegen, entgegen, zurück', zeitlich * wieder, wiederum', prae- 
pos. mit dat. und acc. 'gegen, gegenüber', nhd. wi-der adv. 
praepos. , wie-der adv. Schwerlich treffen Böhtlingk - Roth 
Petersb. wörterb. VI 1035. das richtige, wenn sie in vi-tara-s 



— 248 — 

'weiter führend' anstatt einer comparativbildung eine Zusam- 
mensetzung mit tara-Sj nomen agentis zu /«/•- 'tiberschreiten', 
sehen. 

Sanskr. anü- in ved. nachved. dnü-ka- m. n. 'rückgrat, 
der den rückgrat des feueraltars bildende streifen', n. 'ge- 
schlecht, familie, eigentümlichkeit des geschlechts, tempera- 
ment, Charakter', m. 'frühere geburt', eigentlich adj. 'eine 
gerade fortlaufende richtung einhaltend', ved. anü-k-ya-m n. 
'rückgrat', ved. nachved. anü-c-i und anü-c-i adj. f. 'der 
richtung eines andern folgend, hinterher folgend, der länge 
nach genommen', anü-c-ya-m n. 'das langbrett eines bettes', 
anü'C-md-s adj. 'auf einander folgend', anü-radhd-s adj. 'heil, 
gedeihen schaffend', anü-rüdh- adj. 'anhängend, nachstrebend' 
rgv. III 55, 5. (Petersb. wörterb. I 216. unt. anun'idh-); miü- 
-vfj- m. f. 'ein körperteil in der nähe der rippen', nachved. 
anü'bdndhya- adj. '(zum opfer) anzubinden', anü-yäjd-s m. 
'nachopfer' mit ü in den taittiriya-büchern geschrieben nach 
Säyana z. aitareya-brähm. 111. (Petersb. wörterb. I 214. unt. 
anuydjd')^ anü-rädhä f. 'das 15te der mondhäuser'; apers. 
anuv praepos. mit loc. 'längs, an'*) = sanskr. ved. nachved. 
dnu adv. 'hinterher, später, darauf, wiederum, ferner', prae- 
pos. und postpos. mit acc. abl. 'entlang, über — hin, längs, 
an, durch — hin, zu — hin, nach — hin, hinter, hinter — 
her, zur zeit von, um, unmittelbar nach, nach, auf, gemäss, 
nach art, entsprechend, in betreff von, in bezug auf, in folge, 
wegen', verbal- und nominalpraef., dnu-ka-s adj. 'hinter etwas 
her, begierig, abhängig', ved. anu-rüdh- adj. 'anhängend. 



1) Die im auslaut geschehende Verallgemeinerung der formen mit 
-i, -ü im altpersischen (s. 225 f.) und die graphische darstellung dieser 
durch -iy , -uv (vergl. s. 40. anm.) hat dazu geführt, ein -?/, -v in der 
keilschrift auch hinter das im diphthonge stehende -/, -m zu hängen, also 
in duraiy^ Bäbirauv loc. sing. 



— 249 — 

Dachstrebend' väjasaneyi-samh. XXX 9., nachved. unu'i/üjä-s 
m/Dachopfer', umi-/'ud/iät'dsLS 15te der mondhäuser'; avest. 
anu prae- oder postpos. mit acc. 'läogs, nach, in', adv. verbal- 
und nominalpraef., apers. cmu-siija m. ^nachfolger, anhänger'. 
— Hier ist der ort, über sanskr. ä/iü-ka-: dnu-ka-^ sowie 
dni-ka-: avest. aini-ka- (s. 222 f.), lat. untl-quo-: sanskr. anti- 
-kä- (s. 224.), sanskr. äbhi-ka- (abhi-ka-) : äbhl-ka- (s. 227 f.), 
yräti-ka-: prati-ka- (s. 245 f.) zusammenfassend zu handeln. 
Es können die indischen bildungen auf -i-ka-^ -ü-ka- mit den 
bekannten compositen auf -y-anc-^ -v-anc-j wie praty-dnc-^ 
anv-diic-j formal nichts weiter als das stammhafte adverb ge- 
meinsam haben; jene sind nur directe ableitungen aus den 
adverbien (praepositionen) mit secundärem -A'^ö-suffix, so 
gut wie ihre correlate mit sanskr. -i-ka-y -u-ka-. Bei lat. 
anti-quo-s ist auch jeder versuch, das -I-ywö auf die nasa- 
lierte suffixform von yrop-inquo-s y lojuj-inqiio-s zurückzu- 
bringen, als lautgesetzwidrig abzuweisen. Von sanskr. prd- 
tt-ka-y dnü-ka- sind aber ferner nicht die formen mit -i-c- 
und 'ü-c- in dem paradigma der -y-anc-y -^)-«wc-adjectiva, 
wie prati-c-a -e -ds -aviy fem. prati-c-iy anü-c-a -e -ds -um^ 
fem. miü-c-iy zu trennen, sowie diese letzteren andererseits 
mit der nasalierten Stammform auf -anc- in den starken casus 
auch eine vermittelung nach den lautgesetzen, was noch Jph. 
Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 96. nicht erkannte, nicht ein- 
gehen. Wie tudat-ä y tu(htl-ey tiidat-dsy tudat-äm mit tuddl-siiy 
tuddd-bhis gleiche Stammform haben, so müssten auch neben 
praty-ak-shu praty-ay-bhisy anv-ak-shu afw-ag-bhis eigentlich 
stehen "^ praty-ac-a -e u. s. w. , * anv-ac-ä -e u. s. w. Auch 
griech. -a/c-6 in akkod-a/c-o-gy /cod-a/c-o-g = indog. -iik'^-d- 
(Bezzenberger in seinen beitr. IV 337 ff.) könnte unmöglich 
mit vorhergehendem -j^-, -ß- eine contraction zu "^-ijc-ö-y 
"^mc-o- erleiden. Und wo wäre im sanskrit etwas wie *^'w- 



— 250 — 

-bhisj '^cü'shu statt rvä-bhis^ (wd-su von gvan-j wie '^marul- 
'üt-uSy * ?nurut-üt-i statt niurül-vat-as ^ mariU-vat-i von ma- 
rüt'vaiU- erhört? Ich meine also, dass die ableitungen mit 
-A:^o- Suffix und dem stärkeren auslaute des stammadverbs 
(-^-, -ü-) davor, sanskr. präti-ka-Sj äiiü-ka-s u. dergl., auf die 
declination der -ö/7c - bildungen in dieser spräche eingewirkt 
haben müssen. Jene hatten auch in ihrer o - declination einen 
lautgesetzlichen Wechsel zwischen -ka- = indog. -^'^o- und 
-ca- = indog. -k^e- entwickelt; vergl. Job. Schmidt Kuhns 
zeitschr. XXV 96 ff. Wurde dieser Wechsel zu gunsten der 
-c- formen ausgeglichen, wie es bei ni-ca- tatsächlich sich 
zeigt, so näherten sich, da ja ein gleiches bei den compo- 
siten (oder pseudo - compositen ?) auf -ahk- -ujic- geschah 
(Job. Schmidt ebend. 95 f.), z. b. die beiderseitigen genitive 
sing, als *prati-cä-sjja (indog. protl-k^e-sj.o) und *prati/- 
-ac'dSj ni-cä-sya (= indog. nl-k^e-sio) und *?ii/-uc-dsj *a7iü- 
-cd-sya und ^anv-ac-ds] das ergab leicht bei der gleichen 
bedeutung die mischbildungen pratk-dSj anuc-ds. Die loc. 
sing, prati-ce^ ni-cej anü-ce von ^prati-ca- (= prdli-ka-)^ 
ni-ca-j *afiü-ca- (= dnü-ka-) konnten ohne weiteres als da- 
tive pratic-e^ nic-e^ unuc-e für ^ prattjac-e^ '^nyac-e^ ^ aiwac-e 
einrücken. Geht man auf die ältere, indogermanische, noch 
in den veda hinabragende bildungsweise des instrum. sing, 
und gen. plur. der -ö -stamme zurück, so waren bei dem 
- c« - paradigma auch die formen prali-cä'j prati-cam fertig, 
um ^praty-ac-äy ^ praty-ac-am verdrängen zu können. Auch 
die feminina mit movierendem -i zu den -A'^o-bildungen, 
prati-c-i (ved. auch prati-c-i-m acc. sing.), nl-c-ij unä-c-i 
(ajiu-c-i)j konnten leicht für "^ pruty-uc-i u. s. w. eingestellt 
werden. Die -i-ka-^ -w-Äa-adjectiva aber bildeten, nachdem 
sie diesen dienst mit ihren -c-formen den -ß//f-stämmen ge- 
leistet hatten, darnach sich ihre casus neu von der den gut- 



— 251 — 

tural -k- durchführenden Stammform, ausgenommen nachved. 
nl'ca-j das anders ausglich'). 

Sanskr. ved. sä adv. 'wol, gut', praef. in den compp. 
ved. sü-nära-s adj. ^froh, freudig, wonnig, erfreulich^, ved. 
nachved, sü-nfta-s adj. 'fröhlich, wonnig, freundlich', su-nftä 
f. 'freude, wonne, frohlocken, jubel, jubellied, freundlichkeit', 
\Qd. 6u-bharva'S adj. *^wolgenärt', sü-niäya-m adj. neutr. 'von 
guter arbeit' rgv. VIII 66, 11., sü-ydvasa- adj. 'weidereich', n. 
'eine gute weide'; avest. hü adv. ''gut' ys. XXXIV 13., comp. 
hü-sfinäthra- adj. 'gut waschend, gut reinigend', hü-sUnä- 
thf'äos'Cä acc. plur. fem. ys. XXXVIII 9. = sanskr. ved. nach- 
ved. SU adv. praef., su-mäya-m rgv. VIII 66, 11. (padapätha), 
ved. su'ijävasa- (ausserhalb des rgveda, in letzterem pada- 
pätha - lesart) ; avest. hu adv. 'gut' yt. XVI 3., hu- praef. in 
vielen compp.; altir. su-j so- 'bene' praef., z. b. in su-lhain 
adj. 'perpetuus', so-nirt adj. 'firmus, fortis', so-chruth adj. 
'schön' (Windisch bei Curtius grundz.^ 375.). Das griech. eu 
bei Homer und epikern lässt ohne alle aufschlüsse, denn 
diese alte zweisilbige form wird als solche nur vor doppel- 
consonanz notwendig gelesen, wo also v in der arsis des 
daktylus stehend auch durch position ^lang wird; in der 
thesis kann auch schon bei Homer statt hü stets contrahiertes 



1) Selbstverständlich sind sam-y-äflc-, sam-T-c-i, sam-i-c-hid- und 
lid-t-c-i, ud-l-c-ina- nur analogiebildungen nach praty-äüc-, prati'-c-'i, 
praty-c-inä- oder pratt-c-i'na-, sowie nach ny-afic-, m-c-i, m-c-tna-, wie 
auch schon Joh. Schmidt jene auffasst, und sam-l-kä-m 'feindliches zu- 
sammentreffen' nach «///^r-X:«-/« 'zusammentreffen', pm/^-Arö-m' Oberfläche, 
äussere gestalt'. Wie Mahlow es rechtfertigen will, dass er d. lang. voc. 
A E 79. präfika-m, äiiika-iii ^= griech. nQoacDno-v, evcono-v setzt und 
ebenso ahhika- als sanskritische umwandelung aus *abhi-aka- deutet, 
muss, wie vieles ähnliche, ihm selbst überlassen bleiben. Richti» ist bei 
Mahlow a. a. o. nur, dass auch er in änika- n. „noch die praeposition 
*a/ti enthalten" sieht; vergl. oben" s. 222 f. 



— 252 — 

SV gelesen werden. Dasselbe gilt über das adjectiv It-g: 
an stellen wie IL iV 246. ^sQa^cwv €vg avreßolrioevj iV (391. 
Blag T^ evg' amaq ^ETteuov kann einsilbiges evg gelesen 
werden. Damit soll nicht gesagt werden, dass zweisilbige 
Ivy Ivg vermieden werden müssen; nur sind sie nicht sicher 
überliefert. Da man aber mit langem *£<)- unbedenklich 
operieren darf, so kommt in frage, ob nicht homer. eü^fxe'Urjg 
von der durch Hartel in seinen homer. stud. I' 1 ff. vertre- 
tenen erklärungstheorie (vergl. auch Gust. Meyer griech. 
gramm. § 288. s. 247.) dadurch auszunehmen sei, dass man 
es hinfort ev-^uUrjg liest. 

Sanskr. ved. ü enklitische partikel *^und, auch, ferner, 
anderseits, hinwiederum, dagegen, nun, schon, sogleich', oft 
nur hervorhebend; avest. gäthädial. -ü als festgewachsenes 
enklitikon in den dritten personen sing, und plur. imper. 
praes. und aor., wie sing, irat-ü^ vi-vanhat-üj verezt/dt-ü^ 
aiwy-äkshaijat-üj ast-üj jant-üy dät-üy pät-ü^ säst-ü^ mroot-ü^ 
sraot-üy dudät-üj plur. heiit-üj scant-ü (von sac-)^ apers. -uv 
in denselben Imperativformen, sing, barat^-uv, pät^-uv^ ni- 
-kant'-uvy dadüf-uv (pluralformen sind nicht belegt) = sanskr. 
ved. nachved. u enklitische partikel, -u festgewachsen in den- 
selben Imperativformen, z. b. ved. sing, bhavat-u, bödhat-Uy 
vahat-Uj ast/at-Uj suvat-Uj kalpayat-Uy (jachat-u, pibai-Uy si- 
dat-Uy ast'Uy et-Uj dät-Uj dhat-u, pät-Uy hant-Uy bruvit-Uy eröt-Uy 
bhüt-Uy dadät-Uy dadhät-iiy pipart-Uy ^rnöt-Uy aiiakt-Uy prnäkt-Uy 
punat-u y plur. bhävant-Uy vähant-Uy mühtjant-Uy vicant-Uy su- 
vant-Uy vardhajjant-Uy gachant-Uy pibant-Uy sidant-Uy sänt-Uy 
yäni-Uy dhänt-Uy pänt-Uy bruvant-Uy cruvant-Uy dadhant-Uy crji- 
vänt-Uy anjant-Uy ptmant-u] avest. -u in denselben Imperativ- 
formen, z. b. sing. barat-Uy vanhat-Uy hacat-Uy disyat-Uy mi- 
tayat-Uy ast-Uy jant-Uy mithnat-Uy plur. patant-Uy barent-iiy 
pärayaht'Uy vädhayant-Uy jasehl-Uy isent^Uy yant-Uy a-frinent-Uy 



— 253 — 

jahhent-u (aorit mit -.v-); griech. 7tav-v adv. *^ganz, sehr, 
gar sehr' (vergl. Curtius grundztige d. griech. etymol;' 467., 
Sonne Kuhns zeitschr. XII 284. anm.**). Um mit letzterem 
zu beginnen, so ist in 7rctv-'i' die hervorhebende partikel an 
das adverbial gebrauchte neutrum zu Tcag angefügt, ^tav 
aus ^itavT ist die normale und ohne zv^eifel einst gemein- 
griechische form dieses neutrums gevresen. Sie verblieb bei 
den Aeoliern und Doriern nach Herodian II 12, 22 sqq. ed. 
Lentz, allgemein in TCQo-jtavj a-Ttavy ovfi-TcaVy zweimal ent- 
halten in dem „ reduplicierten neutrum" 7taf.i-7tccv (Curtius 
a. a. 0.); jedoch findet sich attisch, sowie bei Pindar und 
Theocrit, auch a-rcäv neben a-jtav, Vergl. die bei Passow 
handwörterb. unt. ajtag und Ttäg angeführte litteratur. Das 
vulgäre /täv ist nicht lautgesetzlich „in folge der einsilbig- 
keit" gedehnt, wie es nach Job. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 15. und Brugman morphol. unters. III 125 f. erscheinen 
könnte; solche lautgesetzliche dehnung kenne ich überhaupt 
im griechischen nicht. Vielmehr ist ftav analogiebildung 
nach dena masculinen /rap, wie es eigentlich schon Herodian 
a. a. 0. mit öiu yag ro öi-^aöd-ai tijv TteQiOTtwiiievrjv rov 7Cag 
agaeviKov eATslvet rd ä erklärt; ^rag : Jtctv = xalog : xakov 
oder = ccTtXovg : cltxXovv war eine wol mögliche formen- 
association. Die einsilbigkeit hat nun zwar auch nach meinem 
dafürhalten etwas zu schaffen mit der differenz von nav und 
a-7tavy ovjii-7taVf TtQo-Ttav: letztere wurden durch die ana- 
logie von jn^Xäg fxilaVj raXäg raXav und Ivoäg Ivöav ge- 
schützt, die bis auf /tav wegen dessen verschiedensilbigkeit 
sich nicht erstreckte ; bei der Schöpfung von 7cav erwies sich 
der trieb nach „stofflicher" ausgleichung stärker als der- 
jenige nach (hier conservierend wirkender) „formaler", und 
das hängt wieder mit dem s. 235 ff. anm. geschilderten bedürf- 
nis der sprechenden zusammen, bei einsilbigen wortformen 



— 254 — 

in erster linie das gefiihl des bedeutungsausdruckes vor dem- 
jenigen der formalen beziehung zu haben. Vereinzeltes a-7täv 
statt a-7tav mag dann erst wieder nach :rtav gebildet sein. 
Den Lesbiern aber wäre, wie man sieht, jene neuschöpfung 
des Ttav unmöglich gewesen, wegen ihres masculins ^alg für 
Ttag. Gänzlich verfehlt ist Gust. Meyers beurteilung der 
flexion von Tcag griech. gramm. § 313. s. 268. § 333. s. 284., 
der, ein ^TtaFevr- als grundform construierend (ähnlich 
mit anknüpfung an den pronominalstamm Jto- Pott wurzel- 
wörterb. 12,828., Curtius grundz.' 467., Delbrück syntakt. 
forsch. IV 136. anm. 1.), gerade umgekehrt Ttäv für das 
ältere und TtQo-Txav, a-Ttav, dor. aeol. Tcciv für kürzungen 
nach der analogie von fuelav^ TccXav hält. Wenn es hier 
mit der contraction etwas wäre, so mtissten doch auch die 
casusformen TvävT-a, TtavT-sgy Ttavr-ag den circumflex haben, 
und vor allen dingen hätten als „isolierte formen" die ad- 
verbia 7tav-v^ Ttaju-Ttav vielmehr als *7rav-Vj *7rdjii-7rccv zu 
erscheinen. Gust. Meyer erklärte doch das bei Herodian 
II 12, 21. ed. Lentz aus einem dichter angeführte t7Tavaßm> 
als „nach der länge im masculinum gewagt", warum nicht 
auch 7täv'> — Was dann jene indo-iranischen imperativformen 
auf -/?/, -nüt anbetrifft, so habe ich das material derselben 
(weiteres bei Delbrück altind. verb. § 76. s. 58 f. §§ 95. 96. 
s. 65 f., Bartholomae altiran. verb. § 58. s. 46 f. § 78. s. 50.) 
darum etwas gehäuft aufgeführt, damit man alsbald tiber- 
schaue, wie nach abzug der enklitischen partikel in der tat 
in allen stammclassen nichts anderes zurückbleibt als die 
Delbrückschen „unechten conjunctive" oder die Brugman- 
schen „ injunctive " (morphol. unters. III 1 ff.) : regelrechte 
„gunastufe" oder „verstärkte wurzelform" der augmentlosen 
singularen praeteritalform in solchen der zweiten hauptcon- 
jugation wie sanskr. n-t-v^ dvesh-t-u, ns-t-u, han-t-Uj da- 



— 255 — 

(Ihd-i-v ^ cpw-i-u^ priiak-t-u, pmiä-t-v^ zugleich bewahrung 
des vollen ursprünglichen personalausgangs -nt- in der 3. plur. 
und der consonantengruppen in 8. sing, dvesht-u^ ast-u, hnnt-u, 
pipcü^t-y, prndkt-u u. dergl. unter dem schütze des Inlauts; 
wegen der frühen Verschmelzung auch im sanskrit kein -d- 
in gacha(-u, hhift-Uj et-Uy dadhät-n, ernöt-7/, punat-u wie 
bei losem u in ved. dgachad u rgv. III 31, 7., dbhüd u rgv. 
I 46, 10. 1 1. III 5, 3. VI 64, 1. VII 76, 2. Grassmann wörterb. 
z. rgy. 240 f. belegt den gebrauch des nicht festgewachsenen 
71 (?/) bei verbalformen im veda. Es bezeichnet darnach ?/ 
„ das sofortige eintreten der handlung, und zwar erstens, wenn 
das diese handlung bezeichnende verb im praesens indicativ 
steht 'nun, schon, sogleich'"; „ebenso bei Zeitformen der Ver- 
gangenheit, wo es durch 'schon, soeben, sogleich "* übersetzt 
werden mag"; endlich „ebenso beim imperativ und dem in 
iraperativischem sinne stehenden conjunctiv und optativ". 
Beispiele für den letzteren fall sind u. a.: rgv. VI 24, 9. 
stha ü sMi ürdhvdh 'steh aufrecht bald', rgv. VII 34, 12. 
drislito (= *dinshfa u) asman 'o unterstützt uns', rgv. VIII 
50, 5. cagdhy ii shü 'o sei du hilfreich'. Es gibt bei unseren 
3. sing, und plur. auf -/-?/, -nt-u im sanskrit und avestischen 
kaum discrepanzen zwischen der form vor -u und der ent- 
sprechenden praeteritalform ohne augment (= „injunctiv- 
form"). Das "^dadh-ant in ved. dadhant-u rgv. VII 62, 6. ist 
älter in der endung als d-dadh-us imperf , da letzteres wie 
überhaupt die praesensbildungen der dritten und die redupli- 
cierenden der zweiten classe {d-dad-us^ a-jaksh-us) wegen des 
Übereintreffens in der reduplicierten wurzelform später die 
endung der 3. plur. perf. -its (dudh-üsj dad-us) annahmen; 
ved. dadhat-u rgv. VII 51, 1. aber ist neubildung nach der 
indicativform des praesens dadhati (rgv. I 55, 5.) aus ^dd- 
dh-niiy indem das häufige Verhältnis -anti : -mtf-u vorbildlich 



— 256 — 

werden d. i. die neue Wechselbeziehung zu der praesensform 
zu einer unausbleiblichen machen musste'). Das „sicher per- 
fectische" habhüt-u rgv. I 127, 10. (Delbrück altind. verb. 
§76. s. 58.) muss nach unserer theorie zu dem „augment- 
tempus vom perfectstamme " (plusquamperfectum) gezogen 
werden , in dem ein * ä-ba-hhü-t * ba-bhü-t als 3. sing, indic. 
nach d-du-dro-tj tü-to-t u. a. (Delbrück altind. verb. § 149. 
s. 122 ff.), sowie gemäss der auch zwischen ä-bhii-t bhu-t-n 
und d-cro-t gr6-t-ii^ so-t-n bestehenden wurzelvocalischen 
differenz wol erwartet werden kann. Avest. aya-nt-u ^sie 
sollen kommen' zieht Justi handb. d. zendspr. 55 a. zu ä -\- /-, 
was des kurzen anlautenden a- wegen nicht angeht; Bar- 
tholomae altiran. verb. § 78. s. 50. zählt ayantu einfach mit 
auf ohne erwähnung einer Unregelmässigkeit; ich glaube, 
däss hier einmal hinter einer „echten" conjunctivform ur- 
iran. *aj/ant = ved. dyan das -u fest geworden ist. Nach 
Windisch sind altir. berad 'ev soll tragen' und berat 'sie 
sollen tragen' auf vorhist. *beratu und *berantu zurückzu- 
führen und so mit sanskr. bhdratu und bhdrantu zu identi- 
ficieren (Paul-Braunes beitr. IV 240 f.) ; ob urkelt. -u oder -ü 
bestand, ergibt sich nicht. Den anwuchs der partikel u in 
germanischen imperativ- und optativformen hat Brugman 
literar. centralbl. 1880. sp. 943. angenommen^). Man hat 



1) Umgekehrt kann ved. dadh-anti rgv. VII 56, 19. mit hilfe der 
Imperativform dadh-ant-u, aber auch, sowie diese selbst und wie not- 
wendig die häufigere 3. sing. med. dddha-te (Grassmann wörterb. z. rgv. 
668.), mittels des einflusses der ö-conjugation erklärt werden. Oder ist 
auch *dadh-d7iU das ältere? Man kennt den grund der abweichenden 
accentuation in dddh-ati, jnhv-ati und in dem -wif-particip däd-at-, jüh- 
v-at- noch nicht. 

2) In got. nimmt 1 . sing. opt. praes., das auch nach Windisch indi- 
cativform sein soll aus indog. nemo -f- w, meiner meinung nach mit 
unrecht. Ich kann an den indicativ- oder conjunctivcharakter dieser 






— 257 — 

wol got. üt-steigudmi '/.araßario^ niclit zu imperativischem 
griech. GTer/sTtOj sondern zu dem „injunctiviselien" medialen 
OTslxsTOj und got. * steig andau (vergl. liugandau '^ yaiiir]odraj- 
öav^ Corinth. I 7, 9.) ebenso zu otsLxovto zu stellen ; so er- 
klärt sich nicht nur überhaupt die dritte plur. auf -ündau 
leichter und unmittelbarer, sondern der partikelantritt brauchte 
auch nicht auf das wirken des germanischen consonantischen 
auslautsgesetzes an der grundform indog. steigh^etöd zu 
warten, und das -a-u von at-steigada-Uj liuganda-u wird ganz 
gleichwertig mit dem in den optativformen haitaiza-Uj hai- 
taida-Uj haitainda-u. So erscheinen folglich die got. at-stei- 
gadaUj Imgandau als die medialen gegenstücke zu den acti- 
vischen Imperativformen des indo - iranischen und keltischen 
auf -/?/, -ntu. Doch will ich die möglichkeit, das at-steigadmi 
aus einem steig^ketdd u zu deuten, nicht unbedingt in 
abrede stellen. Denn wir dürfen die freie Verfügung über 
die Partikel u doch wol nicht überhaupt den einzelsprachen 
in der weise beschränken, dass wir meinen, sie hätten nur 
in ihrer frühesten periode der Unversehrtheit der alten wort- 
auslaute dieselbe enklitisch anfügen können. Dagegen ist 
vor allem schon unser griech. 7cav-Vy nicht *7cavT-v. Dann 
hat den Ursprung von tovto aus *t6 v to doch Delbrück syn- 
takt. forsch. IV 139 f. sehr wahrscheinlich gemacht*); hier 



einzigen form in dem optativparadigma (den conjunctiv nimmt für got. 
nimau, sijau Kögel zeitschr. f. gymnasialw. XXXIV 406. Paul -Braunes 
beitr. VIII 106. in beschlag) nicht glauben, werde vielmehr an späterer 
stelle ausführlicher zeigen, wie man bei der Brugman-Paulschen ansieht 
in Paul - Braunes beitr. IV 376 ff. , dass indog. n e'rn ohn zu gründe zu 
legen sei, nach den bildungs- und lautgesetzen der grundsprache und 
der germäiiischen einzelsprache zu befriedigendem ziele gelangt. 

1) Freilich dürfte ein etwas anderer ausgangspunkt als der von Del- 
brück gewählte, bei welchem man bloss auf die zwei neutralformen rovro 
und ravra zwanglos kommt, noch directer zu dem ziele, die genesis des 

Osthoff u. BruguKiu uutorsucli. IV. 17 



— 258 — 

heisst es auch nicht ^toö-v-to, so dass also das gebilde 
TovTo erst nach dem falle des -6 durch das auslautsgesetz 
zu Stande gekommen sein kann'). 



0V10S aufzuhellen, führen. Das neutrum des Indefinitpronomens, indog. 
k^'id, liegt in mehreren sprachen (sanskrit, iranisch, griechisch, italisch) 
als enklitische partikel im adverbialen sinne vor und erscheint so be- 
sonders auch hinter anderen pronominen ohne rücksicht auf . genus, 
numerus und casus dieser letzteren ; ich erinnere nur an yä(^-c'id ija-cid 
ye-cid yä'^-cid, käg-cid kä-cid ke'-cid, sä-cid te^cid in dem sanskrit, be- 
sonders dem vedischen, an osk. pütürüs-pid nom. plur. masc, pute- 
rei -pid loc. sing. masc. Vergl. oben s. 233 ff. So nun dienen auch die 
neutra sing, demonstrativer pronomina häufiger als adverbiale anhängsei 
in deiktischer bedeutung: indog. td im sanskrit (ved. sed aus * sä id 
und *sä id, ved. täm id, täsyed = "^täsya id, täsmä id = * täsmai id), 
iranischen, griechischen {ovroa-i, 684), italischen (umbrischen), slavischen 
und germanischen (got. sai 'ecce' == sanskr. ved. sed), vergl. s. 229 ff.; 
indog. kUd in griech. ov-xi, noXXa-xt, vergl. s. 241. 241 f. anm. ; endlich 
indog. tod, wie im abulg. ct-to 'was?' (s. 234.), so auch in dem mascu- 
linen abulg. kü-to 'wer?', eigentlich 'wer das?' s. v. a. 'wer da?'. An 
letzteres anknüpfend möchte ich glauben, dass die Griechen in frühester 
zeit nach grundsprachlichem brauche im nom. sing. *o v ro 'er da, der 
da', *ä V ro 'sie da, die da', *to v zo 'es da, das da' sagten, wie die 
Slaven kü-to, c^-to. Die daraus resultierende griechische formeutrias 
* ovro * avro tovto unterlag später, da sie von modernerem Sprachgefühl 
als der flexion ermangelnd empfunden ward, der einwirkung anderer pro- 
nomina mit endflexion, daher dann ovro-s avia twto nach allo-<i olITm 
alXo, exeivo-s exeivä exeivo, o-i' ä o u. a. Es kann nicht, wie ich noch 
im allgemeinen bemerke, in der indogermanischen grundsprache die be- 
rechtigte eigentümlichkeit gewisser pronomina an sich gewesen sein, als 
enklitika zu dienen, sondern im princip muss, wie wir es in modernen 
lebenden sprachen sehen, jede pronominalform des enklitischen gebrauches 
fähig gewesen sein. Freilich war es die eine mehr, die andere weniger, 
je nach der verschiedenen bedeutung der einzelnen und wol auch je 
nach dem verschiedenen äusseren umfange der lautformen (die zwei- und 
mehrsilbigen minder leicht und häufig als die einsilbigen). 

1) Räumt man ähnlich für das baltische ein, dass zuerst eine 1. sing. 
aor. lit. *likq = griech. Xino-v (vergl. vi-tkq acc. sing. = griech. Xvxo-v), 
d. i. gesprochen * lika, entstanden war, dahinter dann u trat wie in ved. 
dbhüd u, ügachad u (sieh oben s. 255.), dviudami u rgv. III 1, 3., so 



— 259 — 

Saoskr. iid-ara- 'bauch' als 'hervorstehender, exterieur\ 
an-üdara-m adj. neutr. 'ohne bauch' mahäbhär. XIV 1305., 

kommen wir auf das historische lit. likaü ; vergl. s*. 3. anm. Die flexion 
likaü^ likäi, liko, likome entwickelte sich dann, indem likaü in die 
bahnen des praesens der denominativen « - conjugation, ynataü^ j'eszkau 
(= ahd. eiscu-n) mit -au aus indog. -cilö, tibertrat. Zwei fälle aus 
sanskritischer conjugation und declination, die festgewachsenes -n haben, 
sind noch: die 3. sing, (und darnach auch 1. sing.) perf. act. dadaü 
'dedit' aus indog. dedo u (vergl. ohne -u ved. paprä', jaha, Whitney 
ind. gramm. § 800 c. s. 281.); der nom.-acc.-voc. dual, dgvau aus indog. 
e'k^vö u. Sanskritische sandhigesetze , mittels deren man von dadä' u, 
d^vä IC nur zu "^dadö, *dcvo gelangen würde, darf man nicht in anwendung 
bringen, ebenso wenig wie bei gachat-u, hhiä-ii (s. o. s. 255.); sondern die 
zusammenrückung ist auch hier uralt, dedöu, e'k^vöu wahrscheinlich 
bereits indogermanisch, da das germanische mit dem ja dualisch ge- 
formten Zahlwort der achtzahl, got. ahtau, anord. dtta, ags. eahta, fries. 
ahtaj alts. ahd. ahto, zu sanskr. (ved. und nachved.) ash(aü stimmt, nicht 
zu ved. ashtä, avest. asJita, griech. oxrio, lat. octö. Ich denke mir, dass 
man in der grundsprache bei aufzählungen etwa dnd (duno) pode 
dnöu dönte 'zwei füsse- und zwei zahne auch' sagte, wie im veda 
rgv. I 34, 2. trir näktam yäthäs trir v agvinä divä 'dreimal kommt 
ihr des nachts, dreimal auch, o Agvinen, des tags', v. 6. trir no acvinä 
divyäni bheshaja trih pä'rthiväni trir u dhattam adbhyäh 'gebt drei- 
mal uns, A^vinen, die arzeneien des himmels, dreimal die der erde, 
und dreimal die aus den wassern entsprungenen' (Grassmann). Dazu 
stimmt auch das an den bekannten vedischen „götterdvandven" mit dop- 
pelter dualform (Delbrück Kuhns zeitschr. XXII 271., Whitney ind. 
gramm. §§ 1255. 1256. s. 460f.) wahrzunehmende princip: neben — ä 
' — au wie in iiidrä-värunaUy indrä-sömau, bhavä-rudraü, bhavä-^'arvaii, 
mitra-värunau, suryä-candramäsau, somä-piishanau (voc. rgv. II 40, 5.), 
sömä-riidrau (voc. rgv. VI 74, 4. , somä-rudraü nom. im gatapathabräh- 
mana) findet sich zwar — ä — ä in indrä-parvatä (voc), indrä-päshänä, 
indrä-värunäf indrä-sömä, ushä'sä-näktä, miträ-värunä^ vätä-parjanyä\ 
süryä-candramäsä^ suryä-mäsä ^ sömä-püshanä (voc. rgv. II 40, 1. 3.), 
sömä-rudrä (voc. rgv. VI 74, 1.2.3.), aber ein typus — au — ä kommt 
nicht vor, überhaupt kein -au an erster «teile statt -ä in solchen 
wie indrä-bfliaspätl, indrä-vishniif turvä(;ä-yddu, dyavä-prthivi . Wenn 
indrd-värunau einst das allein übliche war, so trat ved. indrä-vdrunä 
dafür ein durch die ausgleichung des Schlussgliedes mit dem aufangs- 
gliede indrä- oder, anders ausgedrückt, in folge des allmählichen ver- 

17* 



— 260 — 

„die länge durch das versmass gesichert" (Böhtlingk - Roth 
Petersb. wörterb. I 915. unt. udd?m-)j comparativ zu "^üd ^aus, 
hervor'; slov. russ. westslav. vi/ praepos. *^aus', „praepositio 
idem valens ac izü" (Miklosich lex. Palaeoslov. 114b., vergl. 
gramm. d. slav. spr. IV 201., Joh. Schmidt indog. vocal. II 
180. 195.), aus *vi/dj indog. üd] lett. z//' verbalpraef. 'drauf, 
auf', praepos. ""auf, auf — hin'; anord. ut^ ags. fries. alts. lit^ 
ahd. mhd. iiz praepos. adv. 'aus, heraus', anord. üti^ ags. 
utej fries. alts. üta^ ahd. mhd. uze adv. 'aussen, draussen, 
hinaus', anord. ütarij ags. alts. t^taUj ahd. 77za?ia üzun^ mhd. 
üzen adv. 'von aussen her, aussen', praepos. 'ausserhalb, 
ausser, aus', anord. ut-ar-r^ ahd. üz-ar, mhd. üz-er adj. com- 
par. 'der äussere', anord. üt-arj fries. üt-erj alts. {fm^-)iit-a7\ 
ahd. üz-m^j mhd. 7iz-er adv. compar. 'v^eiter hinaus, ausser', 
praepos. 'ausser, ausserhalb' = sanskr. üd adv. praef 'hin- 
aus, aus, hinauf, empor', üt-tara- compar., ut-tamä- superl., 

blassens des functionsunterschiedes zwischen der form auf -au und der 
auf -ä. Bei Havets versuche, den „doublet syntactique" altind. dva und 
dvaü zu erklären, mdm. de la soc. de linguist. IV 274., müsste, da indog. 
dnüu die letzte alleinige gruudform wäre, die einheit der bildung dieser 
dualform bei den o- und den consonantischen stammen (vergl. morphol. 
unters. I 159. 226. II 120.) aufgegeben werden, wozu man sich doch 
schwer entschliesst. Die wähl des -äv = -au vor vocal des nächstfol- 
genden Wortes, die sich z. b. ganz deutlich in dem liede rgv. VI 74. zeigt, 
wo auf dreimaliges sömärudrä vor consonanten in den ersten drei versen« 
zuletzt sömärudräv ihä im vierten verse folgt, erklärt sich leicht aus 
der zweckmässigen Verteilung der ursprünglich nach anderem princip 
geschaifenen doppelformen;' in jenem hymnus könnte Havet keine be- 
stätigung seiner theorie finden, denn ebenso gut läge eine bestätigung 
der unsrigen darin, welche das dualische indog. -öu der letzten stelle 
in der aufzählung zuweist. Ist, beiläufig, von der art des ved. trir u 
rgv. I 34, 2. 6. das althochdeutsche Zahladverb zrvir-o 'zweimal, zwier', 
also gleich einem sanskr. dvir m, indog. duis u, wenn auch wegen 
Verners lautverschiebungsregel nicht ganz unmittelbar? zwir-o enthielte 
dann auch denselben Schlussbestandteil, unsere partikel w, wie das car- 
dinale got. ahta-u. 



I 



- ~ 261 — 

ud-(ira- oder ud-ard- m. "^ bauch ^; avest. uz^ us adv. praef. 
^heraus, nach oben^, us-tema- superl., ud-ard- *^bauch^ in uda- 
rö-thräsa- oder udarö-thrusKta- "^auf dem bauche kriechend'; 
altir. iid-^ od- praef. 'heraus' (Windisch Curtius' grundz.^ 228.) ; 
abulg. vuz- vüs- verbalpraef. *^auf, hinter, für, anstatt', vüzü 
praep. *^für, anstatt'; lit. uz- iisz- verbalpraef., iiz praepos. 
'hinter, für, anstatt', lett. uf verbalpraef. 'darauf, auf', prae- 
pos. 'auf'; (got. usj) ahd. mhd. ur- praepos. mit dat. 'aus, 
aus — heraus, aus — hervor, von — her, von — weg', (got. 
uz- uz-y) anord. er- {or- nur in ör-/ö/ n. ' Urlaub', vielleicht 
lehnwort), ags. ör-, alts. or- ur-, ahd. mhd. ur- untrennbare 
Vorsetzpartikel in nominaler composition. Griech. vo-iEQo-g^ 
vo-Taxo-g sind zweideutig bezüglich der Quantität ihres v. 
Ebenso got. ut^ uta^ utanuy wo nur der übrigen germanischen 
dialekte wegen u das wahrscheinlichere ist, sowie anderer- 
seits für got. US wjj- das anord. oj'-, ags. or-^ ahd. mhd. ur- 
die kürze zwar nicht sichert, aber doch vermuten lässt. 
Sollten wir das indo - iranische wort für 'bauch', sanskr. 
üd-ara- und ud-ara-, avest. ud-ara-, vielleicht mit unrecht 
als die dem anord. üt-ar-r^ ahd. üz-ar genau entsprechende 
comparativbildung ansehen und richtiger Pott etymol. forsch. 
P 630. und Justi handb. d. zendspr. 62 a. darin ein compo- 
situm aus ud- und würz, ür- 'sich erheben, aufgehen' (griech. 
oq-vv-i-ii) finden, so bleibt doch auch so der Zusammenhang 
mit dem adverb (praepos.) ud gesichert, was für uns hier 
genügt. Gegenüber Fick wörterb. IIP 33. raten wir „beachte 
anord. utan^ utar ohne brechung des u zu ö", wodurch 
eben kürze des u wie in sanskr. ud ausgeschlossen ist; der 
fehler rührt von Egilsson lex. poet. 838. her, richtig utan^ utar 
bei Cleasby-Vigfusson diction. 669 b. 670 a. Die avestische 
form, US- vor tonlosen, uz- vor tönenden, beruht auf Verall- 
gemeinerung der vor dentalen, wie in us-tema-, us-tdna- 'aus- 



— 262 — ' 

gestreckt', nsnäiti- Vaschung' in uz-daeza- '^anhäufung', uz- 
-daqyu- "^auswärtig', uz-däna- ^erhöhung', lautgesetzlich ent- 
wickelten gestalt; nur udara- 'bauch' blieb als „isolierte 
form" von der nivellierung verschont. Entsprechend urteile 
ich über den auslaut von abulg. vüz- vüs-, vüzüj lit. tiz- 
usz- üz j lett. üfy uf. Dass der gebrauch im wesentlichen 
der von sanskr. üd ist, zeigen etwa abulg. vu[s]-stati 'auf- 
stehen', vüz-iti 'ascendere', vüs-tokü 'oriens', lit. usz-iek'ki 
'aufgehen' (von gestirnen, vom samen), uz-rikti 'aufschreien' 
neben sanskr. üt-[s\lhä- 'aufstehen', iid-l- 'aufgehen (von ge- 
stirnen), heraus-, hervorgehen, entstehen', üd-gä- 'gesang an- 
stimmen' u. dergl. Abulg. blayodati vuzü blagodatt '^xctQig 
avTi iaqiTO(i ist wörtlicher ^cl^iq, ez laquio^^ gnade auf 
gnade', ebenso lit. aUjbs uz därba praszyti eigentlich 'lohn 
auf seine arbeit hin fordern'. Im slavischen ist "formal ganz 
wie im zend vus^ vor tonlosen dentalen (^, s\ vüz- vor tönen- 
den dentalen (</, z) aus "^vüd- entwickelt und dann weiter 
verbreitet; vüz-u praep. hat nur graphisch auslautenden 
vocal. Im litauischen wird vor s us- gesprochen, regulär für 
*Mfl?-, z. b. in u{s)-6'töä, u(s)'si-d'etiy vergl. Kurschat litt, 
gramm. § 144.; das wi-" hat sich von fällen wie uz-zelti 
'aufsprossen', das usz- von solchen wie usz-szdlti 'zufrieren' 
ans verbreitet, welche zunächst auf solche wie *uz-d'eti 'auf- 
legen', * w.v-^eA:e^/ 'aufgehen' gewirkt haben werden. Im let- 
tischen kann üf^ uf, vor tonlosen graphisch statt üs, m (nach 
Bielenstein lett. spr. §§ 101. 106.), wiederum dieselbe brei- 
tere quelle für seinen Ursprung wie im zend und slavischen 
gehabt haben. Auf alles dies gestützt wage ich es endlich 
auch, got. US US- uz-, anord. er-, ags. or-, alts. or- ur-, ahd. 
mhd. ur- auf ähnlichen umwegen ^u dem germanischen re- 
praesentanten des indog. üd, dessen bedeutungen es doch 
in jeder beziehung hat, also mit germ. üt 'aus' identisch 



» 



— 263 — 

werden zu lassen. Gemeingermanisch, so nehme ich an, ward 
die form uz- von den fällen wie vorhistor. got. ^uz-daiuls^ 
'^uz-dreiban^ "^ uz-driusany *uz-dj^stSj *uz-dails (= ahd. mhd. 
ur-teil f.) aus verallgemeinert. Das uz- hielt sich im gotischen 
lautgesetzlich, wie es scheint, bei sonantischem anlaut des 
damit nächstverbundenen Wortes, in uz-eta m. ^krippe^, uz-ön 
perf. 'l'^ejcvevoe ^Marc. XV 37. 39.)* uz-uh {uz-uh-iddja 'e^rjl- 
^ov' Joh. XVI 28.). Sonst verhärtete sich germ. uz- gotisch 
zu us-j was mit anderen diesem dialekt eigentümlichen ver- 
wandelungen der lenis in die fortis, wie der regelmässig im 
auslaut erfolgenden ersetzung von -z, -8, -t durch -Sj -/, -/, 
dem eintreten des got. -s- für germ. -z- im inlaut in hausjan^ 
vasjarij basja (plur. zu basi n. ^beere"*), im zusammenhange 
steht und worüber Paul in seinen beitr. VI 548. zu vergleichen 
ist*). Wegen der mit der verschiedenen accentuierung des 
verbalen und nominalen compositums zusammenhängenden 
weiteren lautspaltungen, die germ. uz- im westgermanischen 



1) Pauls fassung des betreffenden gotischen lautgesetzes : „die Ver- 
wandlung der lenis in die fortis ist wol nicht nur im wortauslaut, son- 
dern überhaupt im silbenauslaut eingetreten" lässt«noch Schwierigkeiten 
zurück, wie auch ihr urheber selbst nicht verkennt. Freilich bei unserem 
praefix könnte man für us-agjan^ us-agljan^ ns-aivjan, us-ulpan die aus- 
gleichung verantwortlich machen, welche uz-eta, uz-ön, uz-uh aus irgend 
welchen gründen nicht betraf. Und so scheint mir der negative teil der 
Panischen regel, dass das hinüberziehen des consonanten zur folgenden 
Silbe die Verhärtung hinderte, sicherer zu sein, als der positive, welcher 
für azgö, huzd, mizdö keinen rat schafft. Allerdings bereitet azgö auch 
sonst noch formale Schwierigkeiten in seinem Verhältnisse zu den ent- 
sprechenden aussergotischen formen ; vergl. verf. Kuhns zeitschr. XXIII 88. 
Für huzd könnte man nach Pauls regel ausgleichung einer früheren 
flexion: nom.-acc.-sing. huzd, gen. "^husdis voraussetzen; in der ein- 
silbigen form huzd stünde ja z nicht im silbenauslaut. Da aber für 
mizdö sich nichts von dergleichen auskunftsmitteln bietet, so musß eine 
genügendere fassung des gotischen Verhärtungsgesetzes als die Paulsche 
abgewartet werden. 



— 264 — 

erfuhr (ags. alts. a- neben or-, ahd. ar- a- neben z/r-, nhd. 
er-lauben^ er-teüen neben ur-laub, w^-teü)^ vergl. Paul in 
seinen beitr. VI 552 f. princip. d. sprachgesch. 152. Es bleibt 
zuletzt noch über das apers. ud in ud-apatatä imperf. med. 
*^ erhob sich, en\pörte sich', us-fashanäm acc. sing, "auf bau, 
hochbau"* (so ist doch wol auf der Inschrift des Artaxerxes 
Ochus P. 29. zu lesen anstatt mit Spiegel altpers. keilinschr. 
66. 155. 164. 190 f usa-tashanäm), uzmayä loc. dual. *^am 
kreuz, am galgen"* aus * ud-zmayä (Spiegel altpers. keilinschr. 
89., verf morphol. unters. II 98 f.) ein wort zu sagen übrig. 
Zu rückschltissen auf die quantität ist wegen der Stellung 
des u im wortanlaute von diesen keilinschriftlichen formen 
kein gebrauch zu machen, vergl. das oben s. 185. gelegent- 
lich des apers. isu- *^pfeil' bemerkte. Was aber die lautliche 
differenzierung des dentalen auslau ts von indog. nd anbe- 
trifft, so scheint der altpersische dialekt, so weit wenigstens 
die paar überlieferten beispiele einen schluss gestatten, daraus 
noch keine veranlassung zu ausgleichungen genommen zu 
haben, wie das avestische und die sprachen der nordeuro- 
päischen gruppe. 

Abulg. vi/so-kü' adj, 'hoch\ vj/so-ta f. 'höhe\ vf/se adv. 
compar. '^avwreqov^ vipi\ vom stamme *vijso- aus *t^f/p-so-j 
indog. üp-so-\ ahd. mhd. iif adv. praepos. 'auf, hinauf', 
ahd. nfe, vfen^ bei Notker circumflectiert (vergl. Graff ahd. 
sprachsch. I 169 f.), mhd. iife adv. praepos. 'auf, mhd. na 
ilfen praepos. 'auf == sanskr. üpa adv. 'herzu, hinzu, her- 
bei', praepos. 'auf, hinauf zu, her zu, bei', upäri adv. 'oben, 
darauf, nach oben', praep. 'über, oberhalb', üpara- adj. 'der 
untere, hintere, spätere', upamä- adj. 'der oberste, höchste'; 
avest. upa adv. verbalpraef. praepos., upairi adv. praep., 
upara- adj. 'der obere', upama- adj. 'oberster, höchster'; 
griech. vjco praepos. verbalpraef., v/ceq v7C€Iq praepos. ver- 



■-^''-FA-f'^V^t' 




— 265 — 

alpraef., vn-a^o-c, adj. höchster , v^i adv. hoch , vxpoo, 
n. ^höhe^; lat. s-uh praepos. verbalpraef. , *-?^/^6v praepos. 
verbalpraef., s-uperu-s adj. cpmpar. 'oberer'; anord. of praep. 
*^um, wegen, über', ahd. oba opa^ mhd. obe ob, mitteld. op 
adv. *^oben\ praepos. 'über, oberhalb, auf\ anord. ofan^ alts. 
otana otan^ ahd. obana opana, mhd. obeiie oben adv. 'von 
oben her, oben', anord. upp, mitteld. altniederd. iip, ahd. uf 
bei Notker nicht circumflectiert (Graff a. a. o.), mhd. iif adv. 
praep. *^auf, hinauf, aufwärts', anord. uppi^ mhd. itffe adv. 
'auf, oben', anord. opinn^ ags. open, alts. opan^ ahd. offau 
adj. 'aufgetan, offen', anord. ö/ar adv. 'weiter oben', -ags. 
o/er, alts. obar^ mitteld. ober over praepos. 'über', anord. 
yfir^ ahd. ubir^ mhd. über über, nhd. über praepos., (got. 
uf-tüj) anord. op-t, ags. of-l, engl. o/-t of-ten, alts. of-to, 
of-t, mhd. ö/-^e adv. 'oft, saepe' „vom aufhäufen herge- 
nommen" (Pott etymol. forsch. P 1, 452.). Got. uf-, ub-uh, 
uf-ar, uf-ar-assiis , yf-jö, uf-ta bleiben unbestimmbar hin- 
sichtlich der quantität. Apers. upä praepos. 'bei', upa-stäni 
acc. sing, 'hilfe, beistand' sind wegen des u im anlaute keine 
sicheren Zeugnisse für die kürze desselben, vergl. über hu- 
s. 185., über lul- s. 264. Im latein ist die vor tönenden con- 
sonanten, wie in sub ctivö, sub-dücö entstandene lautform bei 
sub sub-ter verallgemeinert, vergl. p in super, suprä^ superus, 
superior^). Ist etwa das prothetische lat. s- für *A'6- die 
schwächste form der praeposition ew-, also derselbe rest durch 
die proklisis bereits frühzeitig (indogermanisch) entstanden, 
zu welchem ex- im italienischen in s-aygio = lat. ex-agium, 



1) Ebenso ja auch bei lat. ah = griech. «tto, sanskr. äpa\ in ap-erio 
als erstarrter zusatfnmensetzung steckt das alte p. Ebenso bei lat. oh 
= lat. op- in op-erio, osk. i'ip op, lit. api- ap- und, abgesehen von 
der vocalstufe der Wurzelsilbe (vergl. verf. morphol. unters. II 33. oben 
s. 225 0'. 228.), griech. k'Tti, sanskr. dpi, avest. aipi. 



— 266 — 

in s-chiudere , s-porre u. s. w. später wieder regulär herab- 
schmolz? Dann würde lat. s-uper zunächst zu griech. l'%- 
-vTteQd-e (Sophocl. Philoct. 29.) gehören*). Will man auch 
ahd. uf nicht als gesichert betrachten , so sind doch die im 
mittelhochdeutschen sehr häufigen Schreibungen wie uffe = 
ü/e gewis als beweis für die kürze zu nehmen; so urteilt 
auch Paul nach brieflicher mitteilung. Mit mittelstufigem 



1) Vergl. bereits s. 156. anm. Ich möchte noch einen fall aus dem 
lateinischen unter denselben gesichtspunkt bringen. Man trennt nich£ 
gern lat. scrüta neutr. plur. gerümpel, trödelwaare', wovon scrTUäri 
'durchstöbern, durchwühlen, durchsuchen' denominativ, von dem gleich- 
bedeutenden griech. yQvrtj f. und kann beide doch auch nach meiner 
Überzeugung nicht in der bisherigen weise, „Wegfall des Sibilanten in 
Verbindung mit erweichung" voraussetzend (Curtius grundz.^ 703., Fick 
vergleich, wörterb. P 818. 1P272., Joh. Schmidt indog. vocal. II 291.), 
in einklang bringen, um so weniger, da sich oben s. 124. für y^v-rrj, 
yQv-fie-ä anderweitige lateinische und germanische verwantschaft fand, 
die auch nur auf den einfachen indogermanischen anlaut g- (</*-'?) hin- 
weist. Vielleicht stellt nun lat. s-crfita ein indog. ks-grU-lä aus 
eics-grii-tä 'ausgekrautes' dar; die Verhärtung des g zur tenuis lat. c 
war die folge der assimilation an das tonlose s-. Anord. skrü^ n. 
'schmuck' scheint mir seiner bedeutung nach von scrüta, y^rrj abzu- 
liegen; gehört es aber dazu, wie Fick meint, so hat das altnordische 
wort dasselbe praefixtrumm indog. {e)ks-. Elbenso ahd. scrod *scru- 
tatio', scrodön 'scrutari', die, wenn sie nicht lateinische lehnwörter sind 
nach Joh. Schmidt a. a. o., die indogermanische zYrillingsform mit ü zu 
der -/o-bildung des griechischen und lateinischen mit ü darbieten. — 
Sollte,' was den für das lateinische wie für die nordeuropäischen sprachen 
(s. 156.) in anspruch genommenen lautwandel von indog. ks- in s- an- 
betriift, vielleicht noch ein lateinisches beispiel der art si-ti-s f. 'durst' 
sein, eigentlich 'auszehrung, erschöpfung, das hinschwinden, hinwelken' 
= sanskr. kshi-ti-s f., griech. (f&i-at-s f. ? Man vergleiche griech. Xi-fi6-i 
'hunger' als 'versehrenden' und verwant mit Xoi-fio-s 'pest, seuche' 
(s. 123 f. 127.); ferner, dass berührung der begriffe 'trockenheit , dürre' 
und 'hinschwinden, vergehen, untergehen' sich auch bei der sippschaft 
von lit. dzü-stu 'trockne ein, verdorre', diäu-ju 'lasse trocknen' mit lit. 
dzü-ti-s f. 'schwindsucht', griech. 8v-(o, Sv-vai, dv-a-is (s. 18. ISTf. 98 f.) 
zeigt. 



— 267 — 

vocalismus steht im germanischen neben üp , np das adverb 
got. 2Mjo ^aufwärts'. Es hat nun die schwächste germanische 
form np jedesfalls nicht den vocal indog. -o im auslaut ge- 
habt, vielleicht gar keinen vocal wie sanskr. iid\ weisen ja 
doch auf solche kürzeste form up auch die den stamm mit -s- 
erweiternden slav. ^lyyp-s-o-^ griech. vxp-ij vip-og^ vifj-o-^iy 
vifj-o-S-ev j vip-ov und griech. vit-rw-gj deutsch of-l hin. 
Wenn das von Möller Paul -Braunes beitr. VII 474 ff. ent- 
wickelte gesetz über die synkope eines „urgerm. a [o] in 
der zweiten von zwei unbetonten kurzen silben" richtig ist 
(Sievers Paul-Braunes beitr. VIII 93. erkennt es an), so könnte 
auch nach diesem aus einem indog. üpo in der proklise „vor 
folgender hochbetonter silbe, die mit einfachem verschluss- 
oder reibelaut anlautet ", sich germ. np mit Verlust des später 
brechung bewirkenden vocals gebildet haben, während unter 
anderen bedingungen der satzstellung aus demselben upo 
normal die gebrochene nebenform ahd. oba, anord. of her- 
vorging. Allein die erstere annähme ist vorzuziehen, weil 
sie auch zu einer befriedigenden erklärung des consonan- 
tischen auslauts in up, üp, got. iup führt: ihres p wegen 
stellen diese die in der zeit vor der ersten lautverschiebung 
proklitisch vor medien entstandene, hernach normalisierte 
lautgestalt dar, von welcher dann got. lupa^ anord. uppi\ 
germ. up-ono- 'offen' als speciell germanische Wortbildungen 
entsprangen. Über griech. v\\)iy v\\)6-d-Ev ^ abulg. vf/so-kn 
anders Fick Bezzenbergers beitr. II 188. 

Griech. homer. ep. avTi-y.Qv adv. *^grad entgegen, grade, 
grad aus, gradeswegs, gradezu, grade hindurch, durch und 
durch, durchaus^ homer. ep. '/.ar-avTi~-/.()v adv. *^grad herab' 
Od. X 559. / 64. Apollon. Rhod. II 624. = griech. homer. 
avTL-KQv adv. IL E 130., nachhomer. ep. att. avri-KQv-g oder 
richtiger avtc-xQv-g 'grad, gradeswegs, schnurstracks, grade- 



_ 268 — 

zu' Quint. Smyrn. IV 376. VIII 323. XIII 97. Vielfach schwan- 
kend sind die angaben der alten, wie über betonungs- und 
bedeutungsunterschiede, so auch über die quantität der schluss- 
silbe in avn-yiQv und am-KQu-g {avTL-xgv-g)] doch erkann- 
ten einige auch ausdrücklich die doppelzeitigkeit des v an. 
Vergl. Draco p. 25, 1 sqq., etymol. magn. 114, 29 sqq., Apollon. 
de adverb. 614, 7., schol. Ven. zu II. E 100., Eustath. zu 
IL E 100., Herodian I 507, 2 sq. 513, 9 sq. 536, 32 sq. II 19, 
30 sq. 48,17sq. 19sq. 831, 15 sqq. 846, 23 sqq. ed. Lentz, 
Bekker anecd. Gr. 1328., G. Hermann Orph. p. 706., Spitzner 
griech. pros. s. 40., Buttmann ausführl. griech. sprachl. § 117. 
IV s. 366., Passow handwörterb.^ unt. avnzQv. Während die 
ansieht einiger alten, dass avTi-xQv aus *avTt^y.aQv mit -/.dgä 
'köpf' zusammenhänge, unbedingt verwerflich ist, klingt da- 
gegen die Vermutung Passows a. a. o., dass nahe etymo- 
logische verwantschaft mit avTi-xQoveiv '^gegenstossen , ent- 
gegensein, widerstreben', avTLXQOvec (.loL n *^es kommt mir 
etwas in die quere' (Thucyd. VI 46, 2. , Demosth. de Corona 
198.) bestehe, durchaus glaublich. 

Sanskr. ved. tu, auffordernde, hervorhebende, adversa- 
tive Partikel *^doch, nun; aber, sondern, Vielmehr; doch, be- 
sonders'; avest. tü^ tii-m Mu' pronom. 2. pers. sing., tu auf- 
fordernde Partikel; griech. homer. dor. tu-v-ti 'du'; lat. tu 
'du'; altir. tu 'du'; abulg. russ. ty 'du'; anord. pü^ altschwed. 
/>M, mengl. pou (Stratmann diction. of the old engl, langu.^ 
594 f.), neuengl. thou^ neuniederd. westfäl. (grafsch. Mark, 
Ravensberg) diu (H. Jellinghaus westfäl. gramm. § 63. s. 30.), 
mhd. dü^ mhd. oberd. (bair.) duo 'du' == sanskr. tii partikel; 
avest. tu 'du', von Justi handb. d. zendspr. 135a. mit der 
einen stelle vend. XVIII 54. belegt; griech. dor. zriJ'.bei Alc- 
man, Epicharm, in der Lysistrata des Aristophanes (vergl. 
Ahrens dial. II 248.), ion.-att. ov (mit a- = xF- aus den 




— 269 — 

obliquen casus nach J. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXIV 
609.); lit. tu 'du'; ahd. thu dn^ mhd. du^ nhd. du proklitisch 
und enklitisch, du orthotoniert mit neuer längung. Alle ge- 
brauchsweisen der arischen partikel sanskr. tu tu, avest. tu 
erklären sich befriedigend, wenn man darin das verblasste 
Personalpronomen der 2. pers. sing, sieht. Die partikel zeigt 
sich im veda „besonders bei imperativen zweiter person" 
oder „bei auffordernden conjunctionen ", „die aufforderung 
dringender machend " ; vergl. Petersb. wörterb. III 350., Grass- 
mann wörterb. z. rgv. 568. Ich meine nun, dass eine arische 
anwendung der partikel tii tu wie in rgv. VIII 13, 14. vi tu 
gahij p^d tu drava 'o komm doch her, o eile doch' oder in 
rgv. III 51, 10. pibä tv asyä *^ trink doch davon' ursprünglich 
nicht verschiedener art war von der germanischen Setzung 
des Pronomens thu du beim imperativ wie in der grussformel 
ahd. heil ivis thu bei Tatian = alts. hei wis thu (Hei. 259.), 
in ahd. drof ni zuiuolo thu thes bei Ofrid, in ahd. eba- 
nemo uuis du muate ""aequo esto animo' der Keichenauer 
bibelglossen (vergl. Graff ahd. sprachsch. V 79.), in alts. ne 
habe thu ivekan hugi^ni forhti thu thinun ferhe (Hei. 262 f. 
Monac). Auch im neuhochdeutschen noch empfinden wir, 
wie man durch das dem imperativ beigegebene du in komm 
du, sei du zufrieden, habe du guten mut die aufforderung 
dem angeredeten gewissermassen eindringlicher ans herz legt. 
In avest. däos-tü 'mache du' ys. XXVIII 7. findet schon 
Justi handb. 135 b. mit recht das pronomen; aber kaum ver- 
schieden davon sind vedische stellen wie rgv. I 169, 4. tväm 
tu na indra tarn rayim däh, wo man die auffordernde par- 
tikel tu' annimmt, wo es aber nach unserer ansieht das zwei- 
mal in verschiedener form gesetzte pronomen ist, welches 
der bitte *^du, du, o Indra, gib uns diesen reichtum' ihren 
besonders dringenden Charakter verleiht. Zur partikel konnte 



— 270 — 

das Sanskrit und avestische tu tu darum verblassen lassen, 
weil das erweiterte sanskr. tv-turij avest. tü-m für den ge- 
brauch als pronomen sich festsetzte. Die einzelnen schritte 
aber auf diesem wege der bedeutungsentwickelung des tu tu 
nehmen wir noch wahr. Nach dem muster des tu tu bei 
der 2. sing, imperat. oder conjunct. stellten sich wol zunächst 
auch Verbindungen desselben mit der 2. plur. oder dual, im- 
perat. ein, wie rgv. 1 bj \. ä tv elä ni shidata^ ys. VIII 8. 
avi tu (lim disyata, an welcher letzteren stelle also die Parsen- 
tradition nicht weit vom rechten ab war, wenn sie (vergl. 
Justi handb. s. 157 a.) tu als plural gebrauchtes pronomen 
der zweiten person fasste: in 'du, setzt euch doch nieder^ 
'du, straft ihn doch' wird gleichsam an ein Individuum aus 
einer schar noch speciell die sie alle angehende aufforde- 
rung gerichtet. Dann ward nachgerade das tu tu auch bei 
dritten personen des Singulars, duals oder plurals imperat. 
(conjunct.) als schlechthin „auffordernde partikel" zulässig, 
wie wir es haben in rgv. IV 1, 10. sä tu no agnir nayatu 
'er, Agni, führe für uns herbei', yt. XIII 145. upa tu no 
idha yäo ashaonäm möshu isentu fravashayd 'verlangen mögen 
nach uns alsbald hieher die Fravashis der reinen\ Wie 
die besonders im späteren sanskrit dem tu eigene bedeu- 
tung 'aber, sondern, vielmehr' aus 'du' entspringt, erkennen 
wir, wenn wir z. b. rgv. VI 29, 5. nä te äntah cävaso dhäyy 
asyd vi tu bäbadhe rödasi mahitvfiy anstatt mit Grassmann 
(im Wörter buche unter tu) 'nicht ward dieser deiner kraft 
ein ziel gesetzt, sondern deine grosse stösst die beiden 
weiten aus einander' zu übersetzen, den schlusssatz wieder- 
geben durch 'deine grosse, du, stösst die beiden weiten aus 
einander': beim beginn der erwähnung des gegensatzes wird 
der, an den die rede gerichtet ist, durch setzung des pro- 
nomens gleichsam noch einmal ausdrücklich zur aufmerksam- 




— 271 — 

keit angehalten. Es braucht denn auch nicht immer gerade 
etwas gegensätzliches zu sein, nach welchem man so 
das tu setzen kann; bei jedem emphatischeren ausspruche 
ist es anwendbar. In rgv. III 30, 12. tat tv asya, rgv. VII 
86, 1. dhfrd tv usya mahma janumshi findet Grassmann für 
tu seine bedeutungen „'^doch, besonders' bei behauptungen " ; 
wir übersetzen Mas, du, ist sein (Indras) werk', *" weise, du, 
sind durch seine (Varunas) macht die Schöpfungen'. Bevor 
man in diesem lichte die arische partikel tu tu sah, war es 
einerseits befremdlich, dass die durch alle übrigen sprachen 
durchgehende kürzere form des pronomens du dem sanskrit 
ganz unbekannt sein und hier nur die erweiterung tv-am 
(tuv-äm) existieren sollte; und andererseits, dass umgekehrt 
von der im sanskrit so häufigen partikel tu in den europäi- 
schen sprachen keine spur entdeckt wurde. Wie im griechi- 
schen ein anderer casus desselben Personalpronomens 2. pers., 
der dativ (loc.) sing, tol = indog. toi (J- Wackernagel 
Kuhns zeitschr. XXIV 594 ^.) , auf anderen , aber doch ähn- 
lichen wegen sich zur partikel ausbildete, ist bekannt als 
ein resultat Nägelsbachscher Untersuchungen. Man vergleiche 
darüber jetzt Cauer Curtius' sud. VII 140 ff. und beachte be- 
sonders diese zwei conincidenzpunkte : auch bei tol „singu- 
larem dativi formam usurpari etiam iis locis, quibus ad com- 
plures verba fiant, mirari non possumus", sondern das wird 
von Nägelsbach durch beispiele ähnlichen gebrauches von 
aye und iöe bei der anrede an mehrere illustriert (Cauer 
a. a. 0. 143. anm.); und ferner ist der von Cauer ebend. also 
formulierte allgemeine grund . „ nempe sententia aliqua toL 
particula addita affirmatur ideo, quod, quae eä continentur, 
audienti cordi aut putat futura esse is, qui loquitur, 
aut esse cupit" auch der unsrige. — Apers. t'uvm *^du' 
wird von Spiegel altpers. keilinschr. 140. mit avest. lim 



• — 272 — 

identificiert, aber die möglichkeit der lesung fuvam (= sanskr. 
tvar/iy avest. tvem) statt fiivjii verwehrt uns die benutzung 
der form als eines Zeugnisses für indog. ^ü. — Wenn wir 
im germanischen, um die stärkere form pü zu erweisen, zum 
teil auf moderne dialekte, mittel- und neuenglisch und neu- 
niederdeutsch, herabgreifen müssen, so zwingt dazu nur der 
trübe Spiegel der schriftlichen Sprachüberlieferung des alt- 
germanischen : got. ags. /m, alts. thu können länge oder kürze 
oder abwechselnd bald länge und bald kürze des u gehabt 
haben. Das namentlich in bairischen quellen häufige, doch 
auch in alemannischen angetroffene mhd. duo (vergl. Wein- 
hold mittelhochd. gramm. § 129. s. 109 f. § 455. s. 450.) glaube 
ich mit 0. Behaghel literaturbl. f. german. u. roman. philol. 
1880. s. 439. als eine lautgesetzliche Variante von du be- 
trachten zu müssen, wie suon als eine ebensolche von *sü?i 
(oben s. 1221). Übrigens ist einzuräumen, dass überhaupt 
german. pü ein unsicheres zeugnis für indog. tu ist: wie 
im neuhochdeutschen schriftsprachliches du durch moderne 
längung in hoch toniger Stellung entsprang, so könnte der- 
selbe process schon einmal in urgermanischer zeit an fi ü = 
indog. tu sich vollzogen haben, da wir es mit einer der voca- 
lisch auslautenden einsilbigen wortformen zu tun haben, über 
die das bei Sievers Paul-Braunes beitr. II 122., Paul ebend. 
VI 553., Möller ebend. VII 476. anm. erwähnte lautgesetz gilt. 
Noch im jetzigen niederdeutschen Westfalens, der grafschaften 
Mark und Eavensberg, sind diu = germ. p ü und du = germ. 
püj jenes als volltonige, dieses als pro- und enklitische form, 
an ihrem alten platze im sprachgebrauche; vergl. H. Jelling- 
haus a. a. o. — Dass indog. teTi- die mittelstufenform der 
Wurzel des Personalpronomens du war, beweist hinreichend 
das griechische mit dem possessivum homer. T€(ß)-6-g. 

Sanskr. Jiu adv. ^nun, jetzt, augenblicklich ^ nü-näm adv. 



— 273 — 

das»., nu-tana-y nu-tna- adj. ^jetzig, jung, neu'; avest. w?/, 
.. mi-ram acc. sing. fem. adv., nü-rem acc. sing, neutr. adv. ; 
griech. vv-v^ vv-vl adv. ; lat. nü-per adv. ; abulg. ni/-ne adv. 
^jetzt^; anord. 7^^/, nü-na^ altschwed. nü^ mengl. 7iou (Strat- 
mann diction. of the old engl, langu.^ 420 b.), neuengl. now^ 
neuniederd. westfäl. niu (Jellinghaus a. a. o.) , ahd. mhd. nü 
(Graff sprachsch. II 976 ff.), mhd. oberd. (bair.) nuo (Wein- 
hold bair. gramm. § 114. s. 110 f. mittelhochd. gramm. § 129. 
s. 109 f. § 314. s. 286.) = sanskr. w?/; avest. nu-rem -^ ^vi^ok. 
vvj n^v-Vy beide enklitisch und, wie att. toI-vvv zeigt, nicht 
von jeher auf die dichtersprache beschränkt; lat. nü-dius 
(vergl. Fleckeisen in seinen jahrbb. 1867. s. 627. anm. 2., 
Ritschi' neue Plautin. excurse 91.); altir. nu, no „eine un- 
übersetzbare verbalpartikel , die namentlich dem praesens 
vorzutreten pflegt" (Windisch bei Curtius grundz.^ 318. kurz- 
gef. ir. gramm. § 10. s. 3.); lit. lett. nu ^nun, jetzt', lit. nu-(ji 
*^nun denn' aufforderungspartikel , lit. nu-lij lett. nii-le ''nun, 
jetzt', lett. nu-nai dass. (Bielenstein lett. spr. § 534. II s. 279.); 
anord. mengl. nu (Stratmann a. a. o.), ahd. nu^ nOj besonders 
enklitisch, z. b. in dem häufigen se nu, se no^ se no nu, si nu^ 
sinOy sih no 'ecce' (Graff VI 114.), mhd. nUj nu «, no-r-Ci 
interj. *^nun wolan, wolan denn', nhd. nü (vulgär), im nü, 
nü-n mit neuer dehnung durch orthotonese. Got. ags. alts. 
nu bleiben wieder unbestimmbar. Verschiedene die germa- 
nischen formen betreffende fragen sind ganz dieselben wie 
bei dem pronomen der 2. sing. du. So die über das Ver- 
hältnis von- mhd. nuo zu nü und nu^ vergl. s. 272. Ferner 
ist, wie urgerm. pfi^ so aus denselben gründen germ. nü 
als ein zweifelhafter zeuge für indogermanisches ü anzuer- 
kennen; vergl. ebend. Dieselben volksdialekte Westfalens 
scheiden niu und nü noch heute nach orthotonese und pro- 
oder enklise, die ebenso diu und du differenziert halten, und 

Ostlioü" u. Brugman untersuth. IV. 1^ 



— 274 — 

stehen damit auf dem urgermanischen Standpunkte, im gegen- 
satz zur hochdeutschen schritt- und Umgangssprache, die */?«?/, 
*dau= germ. nüj pü nicht mehr kennt. Die mittelstufen- 
form der wurzel des indog. nu zeigt sich als neii- am klar- 
sten in griech. veF-o-g, got. niu-ji-s '^neu\ 

Sanskr. ved. makshu adv. ^prompte, alsbald, bald, rasch' 
= sanskr. ved. nachved. makshü dass., ständige lesart des 
padapätha im rgveda; avest. moshu adv. ^alsbald, bald, so- 
gleich'; lat. mox aus ^moxü. Man darf das adverb als er- 
starrten loc. plur. des Stammes ved. mäh- adj. 'gross,, ge- 
waltig, mächtig' ansehen. Im lateinischen ist meines er- 
messens gleicher art vix 'mit genauer not, mit mühe, kaum', 
das als loc. plur. aus ^vixü zu dem defectiven lat. vic- f., 
plur. vic- es 'wechselfälle des Schicksals, wechselfälle des 
kampfes, kampfgefahren, kämpfe' (vergl. Vergils vitüvisse 
vices Banaum) gehört: vix eväsi hiess ursprünglich 'ich bin 
unter kritischen umständen, in den wechselfällen der gefahr- 
vollen läge davon gekommen'; ähnlich ja franz. a feine^ 
Italien, a stento , a fatica. Schon Pott wurzel - wörterb. III 
292 f. deutete vix als „mit (schliesslichem, wennschon nicht 
leichtem) siege ", Zusammenhang mit vincere statuierend, das 
seinerseits von vic-, vic-es f. nicht zu trennen ist (Möller 
Kuhns zeitschr. XXIV 500.), und den „ zischer " von vix mit 
demjenigen von mox in Verbindung bringend. Das stamm- 
haftwerden des locativsuffixes -su in ved. makshü'-hhis, padap. 
makshü-bhis instrum. plur. (rgv. VIII 26, 6.) und ved. mak- 
shu-tama- adj. superl.* 'promptissimus', ved. mak^hü-yü- adj. 
'eilig, schnell' (rgv. VII 74, 4.) erklärt sich wie in ved. 
prtsü-shu (verf. verb. in d. nominalcomp. 190., Brugman mor- 
phol. unters. III 70.) und etwa durch die hilfe misverstan- 
dener unechter Zusammensetzungen wie ved. makshtc-javas- 
adj. 'rasche eile habend, schnell herbeieilend' (rgv. VI 




— 275 — 

45, 14.)^). Bei ved. maksluim-gamä- ''schnell herbeieilend^ 
muss mit Böhtlingk - Roth Petersb. wörterb. V421. „eine bil- 
dung nach lautanalogie {oraTn-gama-, tttram-gama-) angenom- 
men werden"; ähnlich erklärt Brugman Curtius' stud. IX 268. 
in vasun-dhara- ^rßichtum bergend' von vasii- neutr. das ein- 
dringen des nasals durch die muster wie viijam-hharä-^ arin- 
-dama-. Dem gäthädialekt des altiranischen blieb es vor- 
behalten, für die stärkere form -sü des indogermanischen 
loc.-plur.- Suffixes, die uns im veda also mak-shu darbietet, 
sich später mit Vorliebe zu entscheiden, in gaethä-lnt^ pou- 
7'U'shü^ maretae-shü, dregvasü u. a., was ich morphol. unters. 
II 2. noch- fälschlich als „hysterogene vocaldehnung " bezeich- 
nete ; vergl. oben s. 225 f. 

Sanskr. ved. nachved. yü-yäm personalpron. 2. plur. 
nom. *^ihr'; avest. yü-sky yü-^hem nom., yü-shma-ibyä (gäthä- 
dial.), yü-shma-oyd dat., yü-shmat abl., yü-shmäkem gen., //m- 
-shmuka- adj. *^euer, eurig', yü-shmäkem acc. sing., yü-shmäkäi 
dat. sing., yü-skmdka-hyä gen. sing., yü-shma-vant- adj. *^der 
eurige', yfi-shma-vat-äm gen. plur.; Mi. jus, lett. jus per- 

1) Ein griechisches analogen zu der entstehungsweise der ved. 
prtsü-s/m und makshu-hhis, mnkshu-tama-, makshü-yü- sehe ich in dem 
adjectiv 'itpi-o-s kräftig, stark' der homerischen ~L(pia ftrjXa. Man braucht 
wegen ifi-o-s nemlich nicht die ansieht aufzugeben, dass das adverb 
l-fi 'mit macht, mit gewalt' erstarrter instrumental von f-s = lat. vis 
sei. Zahlreiche casuelle composita mit t-^i, vornehmlich alte personen- 
namen, ^Itpi-avaaaa^ ^Ifpi-y^vEia^ ^[(pi-Safiäs^ ^I<pi-xXh]S "Ifi'xXo-s, ^Ifi-xQnrf]S^ 
^I^i-fieSeia , ^Itpi-voo-e u. a. , konnten auch hier das abstrahieren eines 
quasi-nominalstammes l(pi- befördern helfen. Dass, wie I. Bekker homer. 
blätt. I 160. glaubte, in dem verse des Aratus phaenom. 588. ^Cfpek ye 
fiev l(pi ne'Koid'coz das l-tpi gar noch als lebendige instrumentalform zu 
verstehen sei, erscheint mir zweifelhaft, da man bei der nicht unerhörten, 
wenngleich selteneren construction von Tteid'ead'ai mit dem genitiv (vergl. 
verf. Paul-Braunes beitr. VIII 145.) doch auch mit Köchly (in den poetae 
bucol. et didact. Paris. 1851.) „ense quidem fortiter fisus" an jener stelle 
übersetzen kann. 

18* 



• — 276 — 

sonalpron. nom. plur. *^ihr\ lit. jü-sü^ lett. jü-su geD., lit. 
jü-syjh loc. = sanskr. ved. Dachved. yu-shmän personalpron. 
acc. plur. *^euch', yed.yu-shmas acc. plur. fem. väjasaneyi-samh. 
XI 47. (Petersb. wörterb. VI 137.), ved. nacbved. yu-shma-^ 
hhis instr. , yU'shmä-bkyam dat. , yu-shmdt. abl. , yu-shmakam 
gen., yu-shma-su, yu-shme loc, ved. yu-shmäka- adj. *^euer', 
yu-shmakena instr. sing. masc. rgv. I 166, 14., yu-skmdkd-bhis 
instr. plur. fem. rgv. I 39, 8. , ved. yu-shma-vant- adj. ^euch 
gehörig', yu-shma-vatsu loc. plur. rgv. II 29, 4.; griech. lesb. 
homer. v-(.i(.ieg personalpron. nom., plur. 'ihr' aus ^j-v-o/negy 
v-^fie acc., v-fi(xh v-fifxt dat., lesb. v-fi(.io-g adj. *^euer'; lit. 
JUS acc. plur. 'euch', ju-ms^ lett. ju-ms dat., lit. jti-mis instr., 
ju-du masc, ju-dvi fem. nom.- acc. dual., jü-dvejü gen., //>- 
'dvem dat. -instr., jii-dvese loc. Von den griechischen for- 
men der anderen dialekte haben wir abzusehen, da v-/Li€lgj 
v-fulv v-(xiVy v-f.iag v-y,ag u. s. w. der ^-verschleifung wegen 
weder für indog. w, noch für n beweisen, während die lesbi- 
schen formen durch ihren accent für letzteres zeugen. Auch 
aus dem germanischen ergibt sich nichts, da in got. jus nom. 
plur. u anceps ist und die formen der anderen dialekte durch 
lautgesetze oder analogiewirkungen zu sehr entstellt sind. 
Viel gewicht ist auch auf das zeugnis des litauischen para- 
digmas nicht zu legen, da offenbar auf dasselbe der plural 
der nominalen -ew-stämme (j«*, jus^ jü-ms^ ju-mis wie sünüSj 
sünusj sünü-msy sUnu-mh) eingewirkt hat, eine ein Wirkung, 
die freilich ebenso wol in der Verteilung der alten doppel- 
formen mit'il und u (vergl. oben s. 218 f. über griech. fivg) 
als in anderem bestehen mochte; vielleicht ist nur der nom. 
plur. 7*7/* alte erbform = avest. ?/?M', got, jus (Leskien declin. 
im slav.-lit. u. german. 151.). ou in preuss. jou-s nom. plur.^ 
jou-son gen., jou-mans dat. ist doch wol diphthongierung 
aus ü. 



277 



2. 

Das nebeneinander von indog. ^, ü und ^, n erfordert 
eine erklärung aus einem gusse: durch ein gemein- indo- 
germanisches lautgesetz. Die ganze Sachlage weist 
darauf hin. Bald hat dieselbe spräche *, w, die in einem 
anderen ganz entsprechenden falle i, ü darbietet; bald er- 
scheint länge und kürze in derselben spräche, ohne dass 
man mit den speciellen lautgesetzen dieser die eine der 
doppelformen aus der anderen zu erklären vermöchte. Ich 
verweise der kürze halber auf folg-ende meist auch schon im 
vorhergehenden zerstreut berücksichtigte neuere litteratur, wo 
der leser das mehr oder weniger verfehlte isolierter erklä- 
rungen oder beurteilungen einzelner fälle, in denen indog. 7, ü 
neben oder für ^, ü erscheinen, selber sehen möge: Job. 
Schmidt indog. vocal. I 123. 131. 134. 140 ff. II 216. 242. 
269. 344. 358. Kuhns zeitschr. XXIII 283., Curtius grundz.^ 
477. verb. P 216 f. 221. 230 ff. 249 f., Bartholomae altiran. 
verb. s. 45. 95. 110., Brugman Curtius' stud. IV 170. 178. 182. 
185. Kuhns zeitschr. XXIV 261 ff., G. Meyer Bezzenbergers 
beitr. I 81 ff. griech. gramm. § 31. s. 33. § 32. s. 33 f. § 02. 
s. 66; § 90. s. 94. § 113. s. 111 ff. § 146. s. 139. § 156. s. 149. 
§ 184. s. 169. § 293. s. 251 f. § 298. s. 254 f. § 317. s. 272, 
§ 319. s. 273 f. § 345. s. 294. § 482. s. 371. § 489. s. 377 f. 
§ 494. s. 380 f. § 496, 4. 7. anm. 2. s. 382. § 499. s. 385. § 511. , 
s. 391. § 516. s. 393. § 523. s. 398. § 555. s. 421. § 591. a.b. 
s. 440 f., Osthoff morphol. unters. II 114. anm., Misteli zeit- 
schr. f. völkerpsych. u. sprachwiss. XI 463., Möller Kuhns 
zeitschr. XXIV 504. Paul-Braunes beitr. VII 514. 520. 524. 547. 
nachtr. zu s. 514., J. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 273. 

Dass in wenigen fällen die einzelsprachlichen lautgesetze 
eine isolierte erklärung ermöglichen, wie bei homer. tivw^ 



— 278 — 

cp^ivcü (s. 49 ff.), bei german./w, 7iü (s. 272. 273.) und etwa 
auch german. bJ in seinem Verhältnis zu bi (vergl. s. 228. 
229.), ist ohne belang für die gesamte Sachlage. Ein solcher 
einzelfall ist von keiner beweiskraft für die von uns aufzu- 
stellende theorie, doch dürfte im allgemeinen auch ihn aus 
dem rahmen des gesamtbildes herauszunehmen nicht ge- 
raten sein. 

Noch andere abzüge an unserem beweismaterial können 
dadurch entstehen, dass man in einer anzahl von fällen die 
glaubwürdigkeit der von uns benutzten quellen für die eine 
oder die andere quantität der einzelsprachlichen z, u in zweifei 
zieht. So ist es gewis an und für sich wenig oder gar nichts 
beweisend, wenn Gregor von Nazianz Tttalveiv oder Maximus 
Planudes cp^i^wg mit kürze der ersten silbe gebraucht (vergl. 
s. 171. 173.): diese späten griechischen versifexe haben wol 
schon nur nach dem accente gesprochen und also naturlänge 
der nicht accentuierten silben wie das neugriechische ver- 
nachlässigt. Wenn ich trotzdem solche zweifelhaften bei- 
spiele auch aufgenommen habe, so geschah es, weil die 
grenze schwer zu ziehen war, weil bei dem in weitem um- 
fange sichtbaren schwanken der quantität von t und v in der 
alten gräcität die möglichkeit doch nicht in abrede zu 
stellen ist, dass die spätere und späteste griechische poesie 
bei ihrem abweichenden usus in quanlitätsfragen, die l und v 
• betreffen, auf uns verlorene ältere muster sich gestützt habe. 
Dann ist, da ich einmal von abzügen rede, die ich mir 
werde gefallen lassen müssen, auch noch der neuen von mir 
auf grund der gleichung i, ü = ^, ü aufgestellten etymologien 
zu gedenken. Wie viele derselben der leser auch beanstan- 
den zu müssen glaube, es bleiben unter allen umständen 
genug höchst sichere und allgemein geglaubte wortverglei- 
chungen übrig, welche an der tatsache der wechselnden ent- 



— 279 — 

sprechung i, ü und ^'/w zwischen den einzelsprachen nicht 
zweifeln lassen und darum für sich jene auf hellung durch 
ein gemein-indogermanisches lautgesetz notwendig erheischen. 
Auch den ersten versuch einer umfassenden systema- 
tischen erklärung der i, ü vom Standpunkte der neueren 
vocalismustheorie, denjenigen von de Saussure syst, primit. 
239 ff., muss ich als mislungen bezeichnen,, obgleich er den 
beifall Joh. Schmidts anzeig. f. deutsch, altert. VI 119. und 
H. Möllers Paul-Braunes beitr. VII 492 ff. gefunden hat. Um 
nur eins hervorzuheben: nach de Saussure soll nur den im 
Sanskrit sogenannten „ udätta- wurzeln " das «, ü zukommen. 
kUeu- ^hören^ ist keine udätta- Wurzel, da es sanskr. crö-tu-m 
im Infinitiv, nicht ^ C7^avi-tu-m bildet (vergl. de Saussure 
s. 248 f.),. und doch treffen wir das -^ö-particip mit ü an, 
wenn auch zufällig nicht im sanskrit und griechischen (s. 83.), 
doch hat auch das griechische /.Iv-d^t, ytkv-re (s. 54.), und 
das sanskrit das passiv crü-ija-te (s. 15.), den precativ ved. 
i'.rü-yas neben cru-yä's des padapätha (s. 54.), den opt. 
perf. ved. gu-grü-yas ^ cu-grü-ya-tam neben padap. cu-gru- 
ya-Sj {m-cru-ya-tam (s. 65.), das desiderativ cü-gi^ü-sh-a-te^ 
mit dem sich abulg. sly-sati zunächst berührt. Das misliche 
seiner ganzen theorie tritt bei de Saussure besonders s. 260 f. 
hervor, wo er, auf eine anzahl unserer fälle mit ?, u zu 
sprechen kommend, sich nur so zu helfen weiss, dass er 
mehrere wurzeln für „udättäs" und „anudättäs" zugleich, 
erklärt. Ich fürchte nur, dass diese so ausnahmsweise zu- 
gelassenen zwitterwurzeln schliesslich nicht eine winzige min- 
derheit, sondern bei weitem die grosse mehrheit aller sein 
werden. Mit dem doch noch sehr problematischen „pho- 
neme ^1", woraus bei Möller bereits ein „consonant A*" 
neben einem „consonanten E"" geworden ist (vergl. Köl- 
bings engl. stud. III 150 f. Paul-Braunes beitr. VII 492 ff. anm.), 



— 280 — 

werden wir nach meiner Überzeugung *den indogermanischen 
langen /, ü nicht beikommen. 

Den einzig brauchbaren gedanken über den Ursprung 
der ^, n und ihr .Verhältnis zu eij eu und t^ ü finde ich bei 
Kögel Paul -Braunes beitr. VIII 108., wenn dieser meint, 
dass „ höchstwahrscheinlich der Übergang [von ez*, eu zu deren 
reductionen ^, ü] durch die mittelstufe i ü erfolgt ist (ur- 
sprachliches i ü kommt meist in unbetonten silben vor, vgl. 
Job. Schmidt a. a. o. s. 119.)". Ich constatiere um so lieber 
das zusammentreffen dieses Urteils mit der von mir im nach- 
stehenden entworfenen theorie, je weniger ich sonst aus 
Kögels abhandlung „gegen nasalis sonans" mir habe an- 
eignen können. Auch jene richtige bemerkung über 7, n er- 
scheint bei Kögel sogleich mit verkehrten Schlussfolgerungen 
in bezug auf die sonantischen liquiden und nasale verquickt. 
Die analogie der tiefstufig zu /, u werdenden e?, eu darf nach 
wie vor herangezogen werden zur erkl'ärung von nasalis und 
liquida sonans, auch wenn dort „der Übergang durch die 
mittelstufe *, n erfolgt ist"; denn in richtiger consequenz hat 
man nur zu schliessen, dass hier, bei em^ en, er, el nemlich, 
der durchgang zu /^, w, r, / analog durch die mittelstufen 
¥» V'j Tt l geschah. Diese consequenz vom Standpunkte 
der tatsachen der lautgeschichte zu rechtfertigen, bleibt dem 
schluss dieser abhandlung in morphol. unters. V. vorbehalten. 

Meinen eigenen erklärungsversuch gebe ich nun hier in 
einer reihe von Sätzen, deren richtigkeit ich bald kürzer, 
bald, wo es nötig scheint, eingehender zu begründen suche. 
Diese erklärung basiert auf den von Paul in seinen beitr. 
VI 130 ff. ausführlich dargelegten theorien über dreistufige 
(exspiratorische) accentuation. Was Paul dort über die 
verschiedenen möglichkeiten der combination von hau.pt- 
ton, nebenton und tonlosigkeit theoretisch ermittelt 



— 281 — 

und praktisch fürs germanische verwertet, wird hier als be- 
kannt vorausgesetzt. In betreff der terminologie halte ich 
es für unverfänglich, die bezeichnungen „hauptton", „neben- 
ton", „tonlos" auch für die abstufungen des nicht musi- 
kalischen accents in anwendung zu bringen. Bei Paul sind 
gleichbedeutend damit seine Unterscheidungen einer star- 
ken, mittleren und schwachen stufe. Dass die be- 
tonung der indogermanischen grundsprache keine andere als 
die musikalische (nach Verners bezeichnung „ chromatische ") 
war, kann ich durch Möller Paul -Braunes beitr. VII 493 ff*, 
nicht für erwiesen halten. Doch will ich hier darob in der 
theorie nicht rechten. Sollten unsere nachfolgenden erörte- 
rungen nur einigermassen das richtige treffen, so werden 
diejenigen einen harten stand haben, welche den exspiratori- 
schen accent für die grundsprache ganz abweisen zu dürfen 
glaubten. Bei verschiedener accents tärke ist der ausfall 
oder nichtausfall eines kurzen a- lautes, um nur diese eine 
wichtige erscheinung des indogermanischen vocalismus her- 
auszuheben, wol jedem sofort physiologisch begreiflich; wie 
verschiedene tonhöhe denselben hätte bewirken können, hat 
uns Möller mit keinem worte verraten. Auch an die mög- 
lichkeit einer combination von chromatischer und exspira- 
torischer betonung innerhalb gewisser grenzen muss gedacht 
werden. Es lässt sich füglich die frage aufwerfcD, ob nicht 
überhaupt die rein musikalische accentuation einer spracl^ 
mit abwesenheit jedes exspiratorischen Clements für ein non- 
sens zu halten sei. 

3. 

I. Indog. <, ü entsprangen aus ei oi «/, eu ou au, 
sowie aus ie io Uiy tie no ua vor consonanten in 
nicht haupttoniger silbe, indem sich hier das 



— 282 — 

fl-element jener Verbindungen an den begleiten- 
den Sonorlaut assimilierte. So wurden zunächst neld- 
-tö-s zu u'iid-tö-Sj k^leu-tö-s zu k^luu-tö-s\ so auch 
aidh-rö-s zu ii^dh-r6-s. Andererseits ergab so uegh^-S 
ein uugh^-6. Dann führte contraction zu utd-tö-s^ kUü- 
-t6-s\ tdh-rö-s'^ ügk^-ö (= sanskr. '^üh-a-mi^ wofür durch 
accentverschiebung uh-ä-mi). 

n. Indog. 2, w blieben als längen, wenn der sie 
enthaltenden silbe der nebenton gewahrt blieb; 
sie verkürzten sich zu *, w, wenn durch irgend 
welißhe umstände, die die Stellung im satze, der vor- 
tritt eines compositionsgliedes, die praefigierung oder suffigie- 
rung einer wortbildungssilbe u. dergl. mit sich brachte, der 
nebenton der silbe zur tonlosigkeit herabsank. 

So ist lautgesetzlich sowol kHutös als kHutös (mit ' 
bezeichne ich die nebentonigkeit, mit '' die tonlosigkeit). 
Ersteres gebührte dem anfang des satzes oder Satzgliedes; 
dem inneren des satzes aber dann, wenn' unmittelbar vorher 
eine tonlose silbe ging; ursprüngliches uelk^etai^) kleu- 



1) Ich stelle also hier im vorbeigehen die „glottogonische" theorie 
auf, dass die activen personalendungen -m/, -si, -ti, -nti aus den 
medialen -mal, -sai, -tai, -ntai durch „tonentziehung" entstanden 
sind, ebenso aber auch, dass in der secundärreihe -m, -s, -t, -nt die 
tiefstuf enformen von *-mo, -so, -to, -nto sind. ^d.\i%^v. dvesh-ti und 
dvish-te beruhen auf einer und derselben ur-indogermanischen grundform 
dua^istal, die durch den accent differenziert wurde, je nachdem man 
'hasst für sich' oder 'hasst für sich' ausdrücken wollte. Es besagt 
hiergegen nichts, dass man sonach die mf-conjugation, wo allein die 
endungen -mai, -salj -tal, -ntai; und '*'-mo, -so, -to, -nto hoch- 
betont sind, zum träger und erhalter derselben wird machen und in 
petetal (= griech. Tterexai), ntk^etai (= sanskr. vigäte, avest. visaite) 
folgerichtig sehr frühzeitige neubildungen nach duistäi, k^^irlutäi 
U.S.W, wird sehen müssen. Ein vor dem wirken unserer accentabstu- 
fungsgesetze vorhandenes petontai ist unmöglich das griech. TteTovrar^ 




— 283 — 

tös ward zu uik^ett kHutös\ aber so k^leutös je nach 
den umständen entweder zu so kHutbs oder zu so kHu- 
iösj jedesfalls a'ber zu kUütos mit kürze. So ergab auch 
der vortritt mehrsilbiger sowol wie einsilbiger praefixe, wo- 
fern sie nur den hauptton für sich in anspruch nahmen, kürze : 
eji-kHutös (== lat. in-clütus). Aber auch pert-k^lutbs: 
da 'tosj vorher haupttonig, in der composition darum wenig- 
stens den oder einen nebenton für sich heischte, konnte für 
die • unmittelbar vorhergehende silbe nur tonlosigkeit übrig 
bleiben, nach dem grundgesetz „es können nicht zwei auf 
einander folgende silben- ganz gleiche tonhöhe oder gleiches 
tongewicht haben" (Paul a. a. o. 131.). Wegen perl- in 

jenes hätte lautgesetzlich zu petnt\ oder zu petnti (über n vergl. 
weiter unten) werden müssen. Die typen wf/r^öw^/, nfk^önt (alle ein- 
fachen aoriste) retteten das .-ön-, die m^-conjugation das -täi-, und so 
sind die historischen Ttsrovrac, Tteropro schon auf ziemlich vielen Vor- 
aussetzungen beruhende grundsprachliche analogiegebilde. Für offenbar 
unter sich verwante casussuffixe in der declination nehme ich ähnliche 
difierenzierung 6iner grundform an. Wie bei uns ins haüs und ins 
haus bei gleichen lautüchen elementen doch verschiedenen sinn haben, 
so konnte ein und dasselbe \xv-m^og. uodenai je nachdem ud^'näl 
= sanskr. dat. sing, udne (genauer sanskr. *tidne, vergl. s. 196 f.) oder 
ude'nt = sanskr. loc. sing. udd7ii ergeben. Ein locativ sanskr. udni muss 
schon auf Verschiebung beruhen, ebenso anderseits auch schon die dativ- 
infinitive wie ved. vidmdne, griech. cSfievai. Sehen wir uns aber unter 
noch älterem erstarrtem sprachgut um, so bieten uns etwa praepo- 
sitionen das alte richtige Verhältnis dar: der loc. per- i (= sanskr. 
pdr-i, griech. Tts^-i) neben dem dat. prr-dl (= griech. naQ-ai, avest. 
par-c) oder j9'V-«j (= Id^i. pr-ae) entspricht unseren anforderungen an 
die Schicksale einer urgrundform per ai. Überhaupt ist die declination 
dieses alten wurzelnomens per- 'Überschreitung, vorübergang' lehrreich: 
prr-6s {= sanskr. pur-äs, avest. par-o ^ griech. na^-os) ist der alte 
ablatio, prr-d {= griech. Tia^-a) der alte instrumental. Gust. Meyer 
z. b. kann es diesem alten paradigma \oiiper- vielleicht glauben, was 
er eigentlich schon den Infinitiven i'Sfierai, Soßevai hätte glauben sollen 
(vergl. dessen griech. gramm. § 345. s. 294. anm.), dass da^ suftix des 
dat. sing, indog. -a^ war, nichts anderes. 



— 284 — 

peri-kHutbs vergl. s. 245.; es hat nach s. 282 f. a'nm. aus 
ai entstandenes i in der nebentonigen silbe. 

Vielleicht wird man die angeführten beispiele des nom. 
sing. u1dtd-Sj kHutö-Sj idhrö-s wenig passend finden: 
gerade der nominativ sing, war wol auch in der ö-decli- 
nation nach dem gesetz des accent- und Stammwechsels (vergl. 
s. 93 ff. 120. 127 ff. 163 f. 170.) nicht von anfang an oxy- 
tonon. Dann mag man aber zur veranschaulichung des Ur- 
sprunges der doppelheit kUutö- und kHuto- zu anderen 
casusformen greifen, die ursprünglich die stammbildende silbe 
betonten. War kUeutos älteste form des nom. sing., so ge- 
staltete sich nach denselben regeln des durchgängigen accent- 
stufenwechsels bei zusammenftigung mit einem haupttonigen 
praefix die declination des compositums etwa folgendermas- 
sen: nom. sing. peri-kHÜtos neben pert-kHiltd- {pert- 
-kUute-) als Stammform obliquer casus, etwa gen. sing. 
pert-kHuthsjo. Auf die genaue ansetzung der endsilben 
und deren verhalten in bezug auf die accentstufe kommt es 
uns hier noch nicht an. 

Aus anderen declinationsstämmclassen seien beispiele: 
titk^os Mes Stammes', inüsos Mer maus' hiess es als abl.- 
gen. sing, im satzanlaute und im satzinnern nach, tonloser 
sowie haupttoniger silbe; ebenso Är^iZ^ö/«*^ der haut', sünous 
"^des Sohnes'. Aber ibd uik^os, tbd jnusösy wenn das 
heutrum sing, des demonstrativums seinerseits nebentonig war. 
Ähnlich dpb k^utois^Sih cute', dpo sunous'sih filio' gegen- 
über töd estt k^Ütöis 'istud est cutis', töd esti sunous 
*^istud est filii'. 

Auf verbalem gebiet bestand nach unseren regeln im 
aoristpraesens sowol sntgk^ett als snigh^etiy glübhesi 
als glubhesi] aber im aorist mit dem augment nur 
e-sjiigh^htj e-glubhes. In der fünften indischen classe 



— 285 — ^ 

^entwickelte der singular praes. act. die doppelformen k^t- 
ncumi und k'^ineumi (= sanskr. cinomi). Die 1. plur. act. 
und 3. sing. med. wechselten ab zwischen k^tnumös k^\- 
nutäi (= griech. TivvraC) und k^inumos k^\nütäi] letz- 
teres waren die nach nebenton auf der Schlusssilbe des un- 
mittelbar vorhergehenden Wortes hergebrachten formen. Die 
historischen sanskr. cinumds cinute^ griech. tivvrat mit ihrer 
unmittelbaren aufeinanderfolge der beiden gleichstufigen silben 
er- TL- und -nu- -vv- sind bereits jüngere mischproducte. 
Was -nü- in k^mumus k'^lnütdi angeht, so ist es nicht 
ein blosses postulat unserer theorie, sondern das avestische 
wahrt reichliche, das griechische wenigstens einige sichere 
spuren dieser gestaltung des stammsuffixes in den oxytonier- 
ten verbalformen der -weM-classö. Ich komme später darauf 
zurück. 

Bei zwei den a-vocal in der wurzel begleitenden so- 
noren geschah die assimilation desselben an den zweiten. 
Daher 5w«(/-, *M?rf- 'schwitzen^; nicht ^süid-^ ^snid-^ wie 
ngh^-j ugh^- "^schieben, rücken\ Dies hängt zusammen mit 
einem constitutiven lautgesetz der grundsprache , das ich 
glaube annehmen zu müssen: gerieten bei der silben- 
bildung zwei Sonorlaute als bestandteile dersel- 
ben Silbe neben einander, so übernahm ursprüng- 
lich stets der erste derselben die rolle des con- 
sonanten, der zweite wurde sonant. Nach diesem 
gesetze gibt es kein indog. iu , ui in einer silbe, sondern nur 
iiiy iuy nur ein sanskr. äyü-bhis^ nicht *div-bhis] hingegen 
wol di-vdsj griech. JL-ßog. Darum heisst auch das particip 
von var- sanskr. vrtä-s und ist für got. vaurd die grundform 
nrdhö-m. Darum auch die 3. plur. indog. i^nti *^sie gehen' 
= sanskr. ydnti. Ebenso indog. k^unsü^ k^unbkis = sanskr. 
^vd'SUj cvd-bhis von k^urn- *^hund^; k^un-bhis: kUi-n6s 



— 286 — 

== sanskr. dyiUhhis: di-väs. Brugman hatte, wie mir scheint, 
gar nicht nötig, morphol. unters. III 121 f. anm. gegen Joh. 
Schmidts forderung eines * cun-bhü^ das eine form wäre wie 
jenes *dw-bhis^ das historische gm-bhis als spätere analogie- 
bildung zu rechtfertigen. Denn wem „ die differenz von evd- 
bhis und (^ünas die annähme einer nasalis sonans unmöglich 
macht" (Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 44.), müsste dem 
nicht ebenso durch die differenz von sanskr. dyübhis und 
dims die annähme eines indog. u unmöglich werden?') 

Unserer regel gemäss ist auch die homerische und neu- 
ionische, sowie bei den attischen dramatikern vorkommende 
Optativendung -oLaro in yevoLaro^ oKoiaio^ Ttvd-oLaTo ^ Ttev- 
S^olaroj Xa^olaTOj alod^ctvoiaTO u. a. (Curtius verb. d. griech. 
spr. P 97. 99 f.) älter als ätt. -olvtOj das Homer noch ganz 
abgeht nach Hoffmanns emendation von i^ayjoivro !Ax(xLoi 
IL A 344. 'in iia%eoia% läyaioL Es bieten ferner homer. 
-/.exvvrai, XeXvvTai^ elqvvTOj qrjyvvvTOj yJvvvtOj att. y.s'/.Xivr(xi 
ezexlLVTOj -aelvTai ev.etvTo in folge von neubildung -vtcii, 
-vTo dar anstatt des nach i, ?; d. i. </, vf wie sonst nach 
consonanten (in rerayaraLj Iretayato) früher allein berech- 
tigten -aiai^ -aro in homer. eiqvaraL eiQuaro, /.exXlaTai, 
-/.^atai -/.eato (Curtius verb. I^ 97 f.); vergl. auch homer. öe-- 
öläGij Ttecpväoi. Und sanskrit und zend haben sich der neu- 
schöpfung der unindogermanischen endungen -unti, -untai 
statt -?/w^z, -untdi immer enthalten: nirgends für vpivdnti 
avest. verenvaintiy ved. vrnvaie ein ^vrmmti ^verenuintt, 
*vrnuntej wie doch neben tevyvväoi ion. CevyvvGi (für "^Kevy- 



1) Übrigens hatte sich in de Saussure syst, primit. 43 f. bereits vor 
Brugman derjenige „anhänger der indogermanischen nasalis sonaüs" ge- 
funden, der von Joh. Schmidts einwurf in der Jenaer literaturz. 1877. 
art. 691. „notiz genommen" und auf erscheinungen wie sanskr. vrtä-s in 
einem dem unseren ähnlichen sinne hingewiesen hatte. 




— 287 — 

vvoi aus *L8vyvvvTi) und gemeiDgriech. tevyvvvTai. Bereits 
Brugman Curtius' stud. IX 296. fasste richtig die griechischen 
Verbalstämme auf v und t hinsichtlich der ihnen zukommen- 
den formen der personalendungen 3. plur. mit den auf con- 
sonanten ausgehenden zusammen. Im Irrtum aber zeigt sich 
Brugman morphol. unters. III 66. über das chronologische Ver- 
hältnis von -oLaTo und -olvto in der 3. plur. med. des Opta- 
tivs. Irrtümer begeht auch G. Meyer, wenn er griech. gramm. 
§19. s. 22. yhoi-v%o ebenso wie Brugman für älter als y^- 
voi-axo erklärt, dazu § 468. s. 363. in '/,u-vxai die „regel- 
mässige bildung " und in homer. xearai -/.mro {xelaTat xelaTo)^ 
xexllaTaiy elgyarat eiQvaro die neuschöpfung sieht, endlich 
§550. s. 418. für öeöLäöiy das Brugman Curtius' stud. IX 297. 
nur zum nachfolger eines früheren *Ö8ÖlaOL machen wollte, 
als ältere form, ein * de-öFi-vxt postuliert und § 554. s. 420. 
2i\{(i\i Ttecpväöi „mit secundär eingetretener endung" gebildet 
sein lässt. Homer. Kiazai wird auch durch das damit iden- 
tische kret. xLarai oder xtaraL (Gust. Meyer griech. gramm. 
§ 468. s. 363.) in seinem anspruche auf altertümlichkeit ge- 
stützt. Es sind Aearat xmro, xeKllataCy eiqvataL elQvaxo 
mit unter den mustern gewesen, nach welchen sich homer. 
ßeßh'i^arai ßeßlrj-aTOj bei Herodot Ti^e-araij ly-öiöo-araif 
STtiGTs-aTaLy dvve-arai bildeten, so gut wie homer. JiaraL 
rjaro statt der jüngeren formen att. rjvrai tjvto dabei mit- 
wirkend waren. Es müsste * gerade "^ ös-öFi-vri, wenn es 
existierte, für die neubildung angesehen werden. Von der 
art eines solchen * öeößivTt ist allerdings lat. int : TtoQevovTat 
gloss. Philox. bei Loewe prodrom. 421. Wäre dies aus "^ient 
lautgesetzlich zu deuten, wie Kögel meint Paul-Braunes beitr. 
VIII 106. anm., so hätte diese grundform *i-ent dasselbe -en- 
= griech. -av- wie umbr. s-ent = griech. "^t-avTi e-äoiy 
d. i. die regelrechte italische form der hochbetonten nasalis 



— 288 — 

sonans nach verf. Kuhns zeitschr. XXIV 423. morphol. unters. 
I 98. Da jedoch Kögels lautgesetz über anlautendes lat. je- 
nicht erwiesen ist — direct dagegen zeugen jecur^ jentUre 
jentd,cuhim^ und i "^gehe' imper., tra ^orn lassen andere er- 
klärungen zu als die ihnen von Kögel gegebenen — , so ist 
es sicherer, jenes i-nt als neubildung zu betrachten: zu Trrms 
Uis wurde es nachgeschaffen nach massgabe der formen- 
verhältnisse in optativ- und conjunctivsy steinen, also etwa 
sint neben sJmus sitis j velint neben velimus vetitis nndi ferant 
neben ferümus feräiis. Vielleicht ist geradezu da, als altlat. 
si-ent = griech. *€l-av durch das jüngere sint ersetzt zu 
werden anfing (vergl. s. 291 ff.), auch *i-ent = griech. 
*'l-avTL t-äüi, sanskr. y-anti gegenüber einem jüngeren int 
ins wanken gekommen. Wer mit Brugman Bezzenbergers 
beitr. II 246. bei Theognis 716. das von Brunck und G. Her- 
mann conjicierte Igl recipieren will, würde seine grundform 
* %-vTL ebenso als neuschöpfung statt * Xavxi = taGt zu recht- 
fertigen und auf cpego-vri : cpeQO-f-ieVj xid^e-vn : rid^e-f.iev 
als die muster für H-vn : %-fxev zu verweisen haben. Das 
uGi der Überlieferung — so hat der massgebende codex 
Mutinensis — kann man mit einer untergeordneten hand- 
schrift ÜGL accentuieren ; dann wäre wol dies vereinzelte 
üGi *^sie gehen' zu erklären als nachbildung zu eiGi *^sie sind' 
nach dem Schema der 1. sing, elf^u : ei(.iL. Aber auch ein- 
fach eIgL 'sie sind' kann Theognis, wie mir scheint, gemeint 
haben : in acpaq eiGi jtoSeg wäre das adverb mit dem verbum 
substantivum nicht kühner als in entsprechendem lateinischem 
praestö sunt pedeSy oder in griech. eyyvg rjGaVy Kalcjg Igti, 
lat. bene est (vergl. Curtius griech. schulgramm." § 361, 7. 
anm. s. 206., Koch griech. schulgramm.^ § 69, 1. anm. 3. 
s. 151.). Welche gebrechliche stütze Theognidisches elGt *^sie 
gehen' für etwelche die indogermanische lautlehre und mor- 




— 289 — 

pbologie betreffende theorieen (Job. Scbmidt anzeig. f. deutscb. 
altert. VI 118. Kubns zeitscbr. XXV591., Kögel Paul-Braunes 
beitr. VIII 106.) ist, ergibt sich biernacb von selbst; nur XäOL 
ist sieber beglaubigt für die 3. plur. von elfiiy daneben nichts 
anderes. 

In Ordnung zeigt sich unsere constitutive lautregel auch 
bei B-OTal-aro Hesiod. scut. Herc. 288., e-cp^ag-aTat Thu- 
cyd. III 13, 8., da deren ausgänge -l-aroy -Q-arai normal 
= indog. -l-?itöj -r-nidi sind. 

Bei den Attikern ist, wie sich yeroi-vro (und in dessen 
gefolge auch öe^aivro statt des älteren öe^aLaTo) nach l-ye- 
ro-vTO, ferner xe-xA^-j/ra^, /,e-xv-vrai nach eOTa-vrai, elvTai 
(aus "^ e-Gs-vTai) y öi-öo-vTat neu bildeten, wie auch "^Zev- 
yvv-aTaij ^etevyvv-axo ihre endungen nach cpego-vraiy l-cpe- 
Qo-vTo änderten, so dagegen activisches ^evyvv-äoi nebst X-äoc 
analogiewirkend gewesen bei dem Ursprünge von *loTd-äac 
loTccöif TL&e-äöiy ÖLÖo-äoL, Aufgelöst wurde die gleichung 
Qevyvv-f^ev tevyvv-Te : tevyvv-ccöi = Ti^-e-f.iev tl^€-t€ : x. 
D2iloT;aoi somit, auch nach Curtius verb. P 72., aus contra- 
hiertem ^löra-äöi erklärt werden kann, so hat dies dann 
wol die accentverschiebung in xid^elOL^ lelaiy öiöomty Uv- 
yvvoi statt *Tl^€LOty ^ulöl u. s. w. bewirkt. Die gewagte 
annähme Gust. Meyers griech. gramm. § 456. s. 358. , dass 
gegen die ausdrückliche Überlieferung bei Herodian I 459. 
ed. Lentz correctur des accentes in diesen 3. plur. auf -«a<, 
-elöLj -VGL vorzunehmen sei, ist also unnütz. Wahrscheinlich 
sind loTccGL und laoi, die frühesten dieser proportionalen neu- 
schöpfungen, vor dem wirken der contractionsgesetze ent- 
sprungen, att. laai aus *'ieäGi wie vyiä aus * vyua (gegen- 
über Gacprj aus ^Gaipea). Nachher bildeten sich, darum der 
contraction entgehend, in derselben weise U-äGi (Herodian 
I 459, 19. ed. Lentz), Tid^i-äGtj ÖLÖo-äGi. Die bei späteren 

Osthoff u. Brugman untersuch. IV. \ 9 



— 290 — 

sich findenden „nd^e-ainevj ÖLÖo-caSy ttvyvv-ajiiev j welche 
die grammatiker als barbarismen anführen" (Buttmann aus- 
führl. griech. sprachl. P § 107. s. 505f.**) sind erst wieder 
folgerungen aus der 3. plur. nach dem schema 7tE7toid^-a^ev^ 
-axe : TteTtoLd-äöL. Auch für die perfectformen att. eoTccoi, 
ßeßccGij Tsd-väüL haben wir wol weniger mit Gust. Meyer 
griech. gramm. § 457. s. 358. § 554. s. 420. an der tiber- 
lieferten betonung zu ändern, als vielmehr auf die grund- 
formen ^höra-äoiy homer. ßeßa-äoLj.^TE&va-äoi zurückzu- 
greifen, die nebst homer. yeya-äGi, inefia-äotj boeot. aito- 
öeöo-avd'i in der endung neubildungen sind nach solchen wie 
TtecpQrÄ-äoij yeyqacp-ciGL, TtSTtoid^-äoi (Brugman Curtius' stud. 
IX 296. 297., Gust. Meyer griech. gramm. § 551. s. 419. § 554. 
s. 420.), aber auch nach homer. deöi-äöt^ Ttecpv-äoi. 

Joh. Schmidt, indem er anzeig. f. deutsch, altert. VI 118. 
Kuhns zeitschr. XXV 591. griech. ev^ nicht avy für die ge- 
stalt- der „ betonten nasalis sonans " ausgibt , hat mich nicht 
im mindesten Überzeugt, wie auch Brugman morphol. unters. 
III 65. anm. nicht. Was soll zunächst ein so problema- 
tischer fall wie die form der secundären personalendung 
der 1. plur. griech. -i^uv lehren, als deren ursprüngliche ge- 
stalt Schmidt -mam oder -man nachgewiesen zu haben 
meint? Selbst wenn man sich im übrigen auf Schmidts 
Standpunkt stellen und an eine zwiefache indogermanische 
abstufung dieser personalendung, je nachdem sie hochbetont 
war oder nicht, glauben will: ist nicht auch -vien : -mn 
(oder in Schmidtschen zeichen -man : -man) eine solche 
wol zulässige abstufung, so dass man hier die „hochbetonte 
nasalis sonans" gar nicht braucht? Ferner meine ansieht 
Kuhns zeitschr. XXIV 421 f. über das e- statt *«- in dor. 
hti att. eioL 3. plur., dor. evreg partic, die Gust. Meyer 
griech. gramm. § 10. s. 9. § 19. s. 22. anm. 2. acceptiert, hat 




— 291 — 

sich Schmidt nicht zu widerlegen benötigt gefunden, sowie 
auch Kögel Paul-Braunes beitr. VIII 105. darauf keine rück- 
sicht nimmt. Mit dem einfiuss von *eGf^il, hrlj conj. eco 
auf €vtIj svTegj boeot. h^io wird ja auch Schmidt wenigstens 
den Spiritus lenis statt des asper für ursprüngliches s- in den 
letzteren formen zu rechtfertigen haben. Im hinblick auf 
den gleichklang von eo) conj., eXr^v opt. mit Tid^eto^ Tid-etriv 
möchte ich aber jetzt mit Brugman Curtius' stud. IX 305 f. 
337. in IvtL] evreg „blosse anlehnungen an Tid-evri und tl- 
^evreg" sehen'). Des Theognis elot ""sie gehen"*, nach Schmidt 
aus *i-ev'TL hervorgegangen, ist bereits vorhin (s. 288 f.) er- 
ledigt. So bleibt für Schmidts ansieht nur die endung der 
3. plur. opt. act. ehv übrig, welche form einem „urspr. 
'^sunt'^ gleich kommen soll. Wie man diese optativendung 
anders auffassen kann, zeigt im anschlusse an Curtius Brug- 
man morphol. unters. III 65.: „Q€1€v(t) verhält sich zu ^elrjv 
ebenso wie hpavev{T) zu ecpavrjVy- aeiOL d. i. *aevrt zu arif.ii.'^ 
Das interpretiere ich mir so, dass S-aUv für eine lautgesetz- 
liche kürzung aus ^^e-irj-vT zu halten sei; die fassung und 
begründung dieses schon morphol. unters. II 58. von mir an- 
gedeuteten kürzungsgesetzes behalte ich einer später folgen- 
den stelle vor. Aber Brugman a. a. o. irrte darin, dass er 
-ie-vii^) für „die älteste form der 3. pl. aller mit -7?^-, -T- 
gebildeten optative" erklärte. Ich urteile mit Gust. Meyer 
griech. gramm. § 584. s. 437., dass in elischem ow-eav C. 1. 1 1. 
= Gvv-elav und in der sogenannten aeolischen flexion des 

1) Schmidts erklärung der enduug -aaai der herakleischen plural- 
dative von participien, die mir richtig zu sein scheint, wird von obiger 
polemik keineswegs berührt. Man braucht ja nicht herakl. äWaoaiv 
selbst direct aus der alten flexion £VT-es : *äaai zu gewinnen, sondern 
evr-aoai, ist von dem stamme ivr- entsprungen nach dem muster von 
TiQaGGovr-aaai und nachdem sich letzteres auf die von Schmidt darge- 
legte weise aus 7t^aaaovx-ss : *n^a<jaaaai entwickelt hatte. 

19* 



292 



Optativs vom sigmatischen aorist wie Tioeiav der personalaus- 
gang in seiner ältesten griechischen gestalt, -av = ursprtingl. 
-71 1^ vorliege*). Indog. s~{i)i-nt lautete die 3. plur. opt. der 



1) Gust. Meyer fügt aus der inschrift bei Keil syll. inscr. Boeot. 
p. 14, 3. 4. noch boeot. naQ-slav bei, das auch Curtius verb. d. griech. 
spr. IP 98. für eine optativform hält. Es ist aber TtaQ-sXav die indi- 
cativform des imperfects, wie denn ja auch Keil a. a. o. p. 15. bemerkt, 
dass er es zu naQBi{a]av habe ergänzen wollen. Boeot. elav würde ge- 
meingriech. *rjav sein und ist die älteste form der 3. plur. imperf. der 
Wurzel ia- auf griechischem boden , lautgesetzlicher dem sanskr. äsan 
entsprechend als das vulgäre rjaav. Mit boeot. elav steht „ abgesehen 
von der Verschiedenheit der wurzelstufe, das rjv für die 3. plur. bei 
Doriern und Hesiod theog. 321. 825., aus *e-av = indog. e-s-iU (Gust. 
Meyer griech. gramm. § 483. s. 374.), auf gleicher stufe. In rja-av^ homer. 
sG-av zog das -a- wieder ein von rja-rov, ria-rrjv, ija-rs her. Nun war 
lautgesetzlich sigmalos in demselben imperfectparadigma die 1. plur. 
rjfxsv geworden, aus *rj<x-fiev, wie T]ju,ai, rifirjv, rjfisd'a aus *7]a-fiai u. s. w. 
Das verkennt Gust. Meyer griech. gramm. § 483. s. 374. § 484. s. 374., 
obgleich er doch § 268. s. 233. r]fiai im zusammenhange ipit «//eis, t;//£t» 
und anderen des ursprünglichen -s- vor -fi- verlustigen wortformen richtig 
beurteilte und §483. s. 373. betreffs des att. ia-fiev, dor. ia-fids richtig 
bemerkte, dass es neben dem lautgesetzlich entwickelten homer. neuion. 
elfxdv die neubildung nach ia-ri sein müsse, woran als eine möglichkeit 
ja sogar auch Curtius grundz.^ 433. denkt. Wie ia-fxev, so kam auch 
das Cram. anecd. gr. IV 22, 2. bezeugte dor. rja-fiai zu seinem -Ofi- durch 
analogiebildung, unter dem einfluss von rjo-rai, rja-ro. Da im imperfect 
von ia- rj-ftev 'wir waren' durch seine analogiewirkung zu den.neben- 
formen des duals 7]-rov, rj-rrjv und der 2. plur. vre, der 1. sing, rj-v 
(für älteres ^-a) führte, wie analog rj-fiai, 7]-/u,t]v, rj-fisd'a zu xä&-T]-r ac, 
xa^-^-To, ri'vrai, rj-vro r— 80 statuierte schon Brugman Curtius' stud. 
IX 310. Kuhns zeitschr. XXIV 261., das wahre wesen der 3. plur. rjaav 
allerdings gleichzeitig noch verkennend — , so ist auf diese weise wol 
Tj-aav neben rj-v, rj-rov, rj-TTjv, rj-fiev, ij-rs das muster geworden für i-fii- 
yrj-aav, i-Xv&rj-ffav, für opt. arairj-ffav, für s-arrj-ffav, e-d'e-aav, e-8o-aav 
und lara-aaVj atpa-aav^ e-rid's-aav ^ i-SiSo-aav , für -s-aav oder -si-aav 
im plusquamperfect, endlich für noch manches weitere in mittlerer und 
jüngster gräcität. Nicht also vom sigmatischen aorist aus, wo der Zisch- 
laut gar kein specielles charakteristicum der 3. plur. war, ist die weite 
Verbreitung der ganzen endung -aav fürderhin noch zu datieren mit verf. 



— 293 — 

Wurzel <?*-, mit -i- nicht minder als sanskr. s-y-ür bei anderer 
aber auch sonantisch beginnender personalendung. Von da 
aus löst' sich alles in befriedigender weise. Im vedischen 
Sanskrit betrachte ich mit Bugge Kuhns zeitschr. XXII 394. 
duh-ii/-än rgv. I 120, 9. als die in hinsieht auf die personal- 
endung älteste form der 3. plur. opt. zweiter hauptconju- 
gation; in duh-ty-än, für lautgesetzliches *duh-iy-än (oder 
"^duh-y-än) ist nur, wie auch in die 1. sing, med. duh-iy-ä 
für "^ duh-iy-ä {*duh-y-ä)y das -i- von den formen mit conso- 
nantisch anlautender personalendung wie 2. 3. sing. med. 
duhi-thas^ duhi-ta (rgv. 11 18, 8.) übertragen worden; ähnlich 
nach Brugman Bezzenbergers beitr. II 246. anm. 3. zu adhite 
d. i. '^adhi-i-te *^er liest' die 1. sing, adhtye und 3. plur. adhi- 
yate statt ^adhi-y-e^ "^ adhi-y-ate. Später ist ved. dyhiy-dn^ 
nach ausbreitung der endung -ur im optativ misverstanden, 
die veranlassung für die „unecht-conjunctivisch" ausstehende 
neuschöpfung der 3. sing, duhiyät rgv. II 11, 21. IV 41, 5. 
X 101, 9. geworden, mit welcher form Delbrück altind. verb. 
§71. s. 57. nur durch aufstellung eines unerweisbaren de- 

verb. in der nomiualcomp. 337 f., Gust. Meyer griech. graram. § 460. 
s. 360.; das einzige ^aar, selbst schon eine neubildung statt *^«>/, war 
das Vorbild. Das für uns wertvolle boeot. {7ta^-)elav ist selbst seiner- 
seits massgebend gewesen zur Schöpfung von boeot. aved'i-av und ave- 
d'si-av (Ahrens dial. I 211. II 525., Curtius verb. d. griech. spr. P 74. 
II 2 431.), aus '^ av-e-d'e-av und * dv'6-d'T]-av, wornach also letzteres nicht 
„die offenbar ältere form" nach Curtius, sondern die jüngere mit einge- 
drungenem starkem wurzelvocalismus ist nach Gust. Meyer griech. gramni. 
§ 523. 8. 396.f. (boeot. *i-&ei'V, ^e-d^ei =» griech. *e'd'r}-v, griech. kypr. 
{aar-)k'-d'r}). Wenn aber die erst auf jüngeren boeotischen Inschriften 
bezeugten eXaßo-ffav, aTirjXd'o-aav , evix(o-aav , inid'co-aav (vergl. Gust. 
Meyer griech. gramm. § 400. s. 360.) einheimische prbducte dieser mund- 
art sind, nicht (was wahrscheinlicher ist) aus der xoivrj stammen, so 
muss vorausgesetzt werden, dass die alten Boeotier ausser elav auch die 
neubildung * sl-aav =»= ri-aav entwickelt und darauf das musterverhältnis 
*sl-aav : *s2-fiev {= rj-fiev) auch ihrerseits hatten fruchtbar werden lassen. 



— 294 — 

nominativs '^duhiyäli fertig werden zu können meinte. Im 
avesta repraesentiert q-y-en ys. L 4. die indogermanische 
grundform s-l-iit-^ ^h-y-cm d. i. ^h-iy-an würde gleich einem 
indog. s-ii-nt sein, aber dafür ist mit ä avest. hyän yt. 
VIII 55. eingetreten zu folge der ausgleichung mit sing. h-yä~ty 
welchen einfluss ja auch sanskr. s-ya-ma^ s-ya-ta, avest. 
q-yä-mäy q-yä-tä zeigen; hyäre endlich vend. XVII 28. hat 
ebendaher sein «, als älteres * h-y-are ist es die neubildung 
derselben art wie sanskr. s-y-us d. i. richtiger s-y-iir nach 
J. Darmesteter mem. de la soc. de linguist. III 96 ff. Altlat. 
Stent ist in s-i-entj aus ^s-ii-enl oder ^^s-i^ent^), zu zerlegen 
und hat ital. en = indog. riy wie die indicativform umbr. 
s-ent ; also dem el. eav ist sient congruent, nicht dem schein- 
bar ähnlicheren elev. An die stelle von *€l-avT schob sich 
vorhistor. griech. *€'/i;)^2: = histor. eiev nach dem-muster der 
singularformen: das -av stand ganz vereinzelt da -in dem 
paradigma; bei dem versuch der ausgleichung aber boten 
sich, da man in elav nicht volles -av, nur -v als zeichen der 
3. plur. fühlte (gemäss e-cpeqo-Vj s-liTto-v ebenso ja auch in 
s-rvipa-Vj woher die themaabstraction rxiipa- für den sigma- 
aorist), dri^v^ cfrj-gj d}]{-T) dar als ebenfalls einen zwischen- 
vocal vor der personalendung zeigend. Mithin erweist sich 
shv aus *drjVTB\8 die neubildung gleicher art, wie. es in 
der avestasprache hi/ä7i für älteres "^h-y-an ist (s. o.). Ist 
die Schöpfung des elev nicht so alt als das wirken des (ge- 
meingriechischen) kürzungsgesetzes, das *£-cpavr]-vT zu e-(pa- 
v€-v(t) machte, so darf man auch annehmen, dass direct nach 
dem Vorbild von £-(pavi]-Vj -r]-g, -iq : e-cpavev das optativ- 
paradigma von elri-v ^ eiiq-g ^ eXrj die neue form eUv acqui- 

1) Über die gesetzlichen bedingungen , wornach bereits indogerma- 
nisch der Wechsel von -n- und -?- in s-ii-nt und s-i-nt sich regelte, 
handeln wir an späterer stelle dieser Untersuchung. 



— 295 — 

rierte. So ist also für -ev statt -av in der 3. plur. opt. indi- 
viduelle veranlassung da gewesen. Wo das aber nicht der 
fall war, sucht auch Joh. Schmidt vergebens nach stützen 
für seine gleichung griech. €v = indog. w, z. b. *im indicativ 
des sigmatischen aorists : wo ist auch nur die geringste spur 
einer 3. plur. indic. aor. wie "^e^Tvip-ev statt e-rvifj-av? 

Anders lag die sache in dem „aeolischen" optativ des 
sigmatischen aorists. Hier hatte das -«i^ der 3. plur. opt. • 
eine stütze an dem gleichen ausgange der entsprechenden 
indicativformen, rvipeiav an ervipavy und ist darum von tv- 
ipeiav aus die flexion Tvxjjeia, rvipeiag, Tvipece entsprungen; 
vergl. Brugman morphol. unters. III 64 f., Gust. Meyer griech. 
gramm. §590. s. 439. Erst bei anerkennung von -eiav als 
ältester form in der 3. plur. — nach Brugman ist es nur 
die älteste der analogiebildungen — ist berührung mit der 
indicativflexion an einem punkte da und gewinnen die con- 
structionen, welche ein ursprüngliches paradigma '^Tvipelriv, 
^Tvxpeirigj ^Tvipeltjj TvipeifACv, *Tvip€iT€j rvipeiav zu gründe 
legen, festeren boden. Mehr oder weniger gehen ja, bei noch 
so differierendem urteil über den Ursprung jenes „aeolischen" 
aoristoptativs , die verschiedenen neueren erklärungstheorien 
wenigstens in der wähl solches ausgangspunktes zusammen ; 
nemlich mit Brugman und Gust. Meyer auch Misteli zeitschr. 
f. völkerpsychol. u. sprach wiss. XI 418 f. XII 26 f. Letzterer- 
entscheidet sich ebenfalls für -av als ältesten ausgang der 
3. plur. opt., seine meinung aber, dass die endung „sich im 
vocale an -(.lev, -re assimiliert" habe und also ausserhalb 
des aoristischen -crfi-optativs -ev in ehvy ^elevj rid^elev auf- 
gekommen sei, klingt sehr unwahrscheinlich. 

In der o-conjugation müssen ursprünglich *cp€QOLa(Ty 
"^UTtoiair) als 3. plur. opt. act. und reflexe von indog. bhe- 
rointy lik^olnt bestanden haben: griech. -«(t) aus nicht 



— 296 — 

hochtonigem indog. - ^2 ^. Dafür trat leicht cpegoLav ein durch 
anheftung des -v als gewohnten exponenten der 3. plur. ; ge- 
wahrt ist der typus in elischem aTto-rlvoiaVy für das man 
noch nicht notwendig mit Gust. Meyer griech. gramm. § 586. 
s. 438. gerade ow-eav oder dieses allein das Vorbild sein 
lassen muss, sondern die sämtlichen formen der 3. plur. act. 
auf -V, auch die indicativischen. Ähnlich bildete sich im 
zend barayen: für lautgesetzliches ^baray-at^ das in der folge 
nicht pluralisch genug aussah, substituierte man ^baray-ant, 
die grundform der historischen form; entsprechend im grie- 
chischen sigmaaorist die 3. plur. indic. med. hvxpavro statt 
^hvip-aTo {-aTo aus -ntö) zu ervip-av nach eXlTto-vro neben 
eXiTco-v. So ist auch im avestischen opt. med. thematischer 
conjugation -ay-anta von yaz-ay-anta^ maez-ay-anta , ishay- 
-anta neubildung statt *-ay-ata = griech. -ot-aro in yevoL-aro. 
Jenes griechische cpegoi-av hatte nun weitere Schicksale. Ent- 
weder es blieb im gefolge von elav^ conservierte sich mit 
diesem gemeinsam wie im elischen, rückte aber sonst zu 
(peqoi-ev weiter wie elav zu el£v\ die gleich formierten und 
bildungsgleich empfundenen dual- und pluralformen, (peqoL- 
'TOVj cpeqoi-rävy cp€QOL-jnevy (peQOi-reVfiQ ei-rovj fi'-räv u. s. w., 
entschieden auch über die 3. plur. mit. Oder ^egoi-av wich 
einem cpegoL-Vj dem werte für ^ in der proportion ecpego- 
'(Aev : Ecpeqo-v (3. plur.) == cpeQOi-f.iev : x. Mit Sicherheit ist 
nur der delphischen mundart diese bildung zuzuerkennen 
nach dem Ttaq-ey^oiVy ^ekoiVy Ttoieoiv auf Inschriften ; vergl. 
Curtius verb. d. griech. spr. IP 104 f., Brugman morphol. 
unters. III 65. anm., Gust. Meyer griech. gramm. § 586. s. 438. 
Localdialektisch also gewann man auch das activische pen- 
dant zu der weiter verbreiteten medialen neuschöpfung 3. plur. 
-oiVTo für älteres -oiaxo. Und neubildungen derselben art 
sind meines erachtens auch : im lateinischen fere-nt aus ^fe- 



■— 297 — 

re-nt nach fere-mus, fere-tis ; im germanischen got. bairat'n-aj 
auf "^ bairai-n{d) beruhend, nach bairai-ma, bairai-p. Ja in 
diesen sprachen ist auch die 3. plur. optat. von Systemen der 
y;2z-conjugation der nemlichen Umbildung verfallen. Sicher 
im lateinischen, wo s-i-nt^ velintj fecerinf, aus * 8-1-711 u. s. w. 
verkürzt, durch die 1. und 2. plur. auf -i-musj -i-tis hervor- 
gerufen wurden ; sient ist ja wol allgemein anerkannt als die 
sprachhistorisch ältere form. Im germanischen ist in ags. 
alts. ahd. sin und got. vilein-a, berein-a das -*- wahrschein- 
lich nur ebenso durch formübertragung zu erklären;, wofern 
ich Kuhns zeitschr. XXIV 423. morphol. unters. I 98 f. doch 
recht gehabt haben sollte mit meiner auffassung des in der 
3. plur. indic. sind (dagegen Paul in seinen beitr. VI 238.), 
könnte allesfalls auch an eine lautgesetzliche deutung der 
optativform 3. pjur. westgerm. sin aus urgerm. siiinp ge- 
dacht werden. Diejenigen forscher, welche wie Brugman 
und Gust. Meyer die auf -oint mit n .consonans beruhenden 
formen des delphischen griechisch, des italischen und germa- 
nischen für die einzig lautgesetzlichen fortsetzer der 3. plur. 
opt. der verba auf -ö halten, dürften mühe haben sich mit 
folgendem einwürfe genügend abzufinden: war einst cpeQoiv 
gemeingriechisch, nicht rein localdialektisch , so hätte die 
spräche kaum veranlassung gehabt, von jenem regelmässige- 
ren gebilde (in derselben weise „ regelmässiger ", wie es etwa 
griech. Tey.T;6v-ioy gegenüber sanskr. täkshn-äm ist) zu den 
sonderbareren cpeqoiav und cpegoiev abzuirren. Noch schwerer 
wäre solche abänderung der reihe cpeQOi-v, -oi-Qy -ol{-t)j 
-ot-ToVj -ol-TÖcVj -oi-(.ievj -OL-rSj -ol-v zu motivieren, als im 
lateinischen der Ursprung des sientj vorausgesetzt einmal dies 
sei die jüngere form gewesen, denn sient hätte sich statt sint 
doch wenigstens nach dem singular altlat. sie/Uj siesj stet ein- 
finden können. 



— 298 — 

Wo im imperfect der mi-conjugsition oder unthematiscben 
aorist das sanskrit den indogermanischen personalausgang 
der 3. plur. act. gewahrt (nicht durch -ur ersetzt) hat, zeigt 
derselbe sich constant als -an = indog. -?jt auch hinter 
Wurzel- oder verbalstammschliessenden ?, m, die dann ihrer- 
seits consonantisch als -y-, -v- (-/?/-, -uv-) fungieren: ved. 
a-v7j-an ''sie strebten^ (zu 1. vt-)-^ ay-an 'sie gingen', aug- 
mentlos ved. y-an rgv. III 4, 9. (vergl. Delbrück altind. 
verb. § 136. s. 100., Brugman Bezzenbergers beitr. II 245.); 
(i-briiv-an ""sie sprachen^;, ä-paknuv-an 'sie konnten'; d-r?ny-an 
'sie lehnten'; u-bhüv-an 'sie wurden, waren' u. s. w. Das 
sind nicht analogiebildungen nach solchen wie as-an 'sie 
waren', ä-dvish-an 'sie hassten', ä-bhind-an 'sie spalteten'; 
wären sie es, so würde wol bei der reichhaltigkeit seines 
verbalen formenbestandes besonders das yedische sanskrit 
irgend welche reste der zu erwartenden lautgesetzlichen aus- 
gänge *-i-Ti{t)y ^-u-n(t) blicken' lassen. In solchem betracht 
wird man also nicht umhin können, auch avest. bu-n und 
griech. e-cpv-v (vergl. bereits oben s. 54 f.), sowie e-dv-v für 
jünger in der endung zu halten als sanskr. ä-bhiiv-an-^ jene 
sind die proportionalen neubildungen nach der weise der 
„thematischen" verba oder der „unthematischen" mit wurzel- 
schliessenden a-lauten : griech. e-cpv-v aus * e-cpv-vir) : e-cpv- 
-(.lev = €-(p€Qo-v ; e-(peQo-f.LEv oder = homer. Ttgo-nd-e-v, 
arkad. e-do-v (Curtius verb. d. griech. spr. P 74 f.) ; e-rid^e- 
-(.lev^ £-do-(.i€v. Auch ved. a-gm-an gm-an und a-kr-an, 
a-vr-an vr-än (Delbrück altind. verb. § 89. s. 63.) stimmen 
zu unserer bildungsregel, da ihre ausgänge auf indog. -m-nt, 
-r-7Jtj nicht ^-m-nt^ ^-r-nt, zurückweisen, sowie die 
medialen ved. ä-gm-ata^ ä-tn-ata^ ä-kr-ata auf indog. -m-iitd, 
-?i-7itöj -r-?i-tö und im praesens ved. ghn-änti auf indog. 
-n-ntiy bi-bhi'-ati auf -r-nti. Daher folgt für homer. e-y.rav 



— 299 — 

plur. von Wurzel kt€v-j dass es neubildung für *€-zTv-av 
Xoder *£-xr«r-av) sein muss, neubildung zu e-xza-inevj 
€-ATa-TOj Y.ia-^evcttj y.ra-f.ievo-g (Brugman Kuhns zeitschr. 
XXIV 263 f. Bezzenbergers beitr. II ^49.), die mit e-(pa-iiev, 
€-cpa-TOf ipä-(.ievy cpa-fAevo-g, woneben 3. plur. homer. e-cpa-Vj 
mit "^e-OTa-fiievj woneben homer. e-ora-v, associiert worden 
waren. Auch das particip y.Tag aus *ycTavT-g steht für älteres 
*xTv-avT-g oder ^xTav-avr-g nach der analogie voij cpagy 
OTag, vergl. yed. ghn-d?it- 'tödtend' von han-, gm-dn(- *^ kom- 
mend^ von (jafn-y kr-dni- ''machend' von kar-. So schon Brug- 
man Kuhns zeitschr. XIV 265. anm. über e^ravy /.xag. Dass 
auch homer. e-ßa-Vy ßag nur als neuschöpfungen gleicher 
art wie e-xravy -/.rag aufzufassen sind, kann erst an späterer 
stelle gezeigt werden. 

Im activparticip mit -?it- müssen alle griechischen bil- 
dungen auf -v-vt- als neuschöpfungen betrachtet werden, also 
Cevyvv-vT- und cpv-vr-y öv-vt- nach (peqo-vt- und loTa-vT' 
Ti-d^e-vT- öiöo-vT-y ord-vT- S^e-vr- öo-vt-. Das lautgesetz- 
liche wären *^evyvv-avT-y *fpv-avT- neben *'(^€vyvv-aT''y 
*cpv-aT für die schwächsten casus. Von solchem Standpunkte 
ist das indo - iranische wiederum noch nirgends abgewichen, 
nirgends ein sanskr. *ta?m-nt- *^dehnend', *caknu-?it- 'kön- 
nend' und *hu-nt- *^rufend', sondern tanv-dnt- tanv-at-y ^ak- 
nuv-dnt- ^aknuv-at-y huv-yint- Jmv-at-y wie auch stets y-dnt- 
?/-a^ 'gehend', vy-dnt- i;y-rt/- '^strebend' (zu 1. vi-) statt ganz 
unerhörter *i'?it-j "^vi-nt-. 

Ich betrachte hiernach die fälle, wo das zusammentreffen 
von Sonorlaut und Sonorlaut nach den indogermanischen bil- 
dungsgesetzen im grundsprachlichen wortauslaute zu 
erfolgen hatte, und halte mich zunächst noch auf dem ge- 
biete der personalendungen. 

Es entspricht unserem constitutiven lautgesetze, wenn im 



— 300 — 

griechischen von den wurzeln indog. ez- \ind.gk^eu-j k'^ieii-^ 
käu- die 1 . sing. act. des unthematischen aorists (imperfects) 
nach Brugman Bezzenbergers beitr. II 245* ff. auf -a ausgeht: 
att. f^-a] att. £-/«-«, homer. *e-x€-a *e-xev-a, /«i;-«; homer. 
f-öoev-a^ Gev-a; homer. e-y-iq-a. Unerhört sind namentlich 
wieder im sanskrit in dem gleichen falle die ausgänge * -e-m^ 
*-o-m oder auch bei Übertragung tiefstufiger wurzel in den 
Singular * -^-m , * -u-m. Kein * ai-m trotz ai-s ai-t , kein 
^ä-cro-m trotz ved. ä-cro-t oder ^d-bhü-m trotz d-bhü-s d-bhü-t. 
Die historischen 1. sing, ay-a-m^ ved. d-crav-a-m^ d-bhuv-a-m 
(vergl. s. 14 f. anm.) beruhen auf w -losen formen, die ebenso 
wie äs-a-m, d-naish-a-m das -m von d-bhara-m annahmen, 
wie der acc. sing, 'pad-a-m dasjenige ^q\i dcva-m (morphol. 
unters. I 105 f. anm.). Ebenso wie das sanskrit scheint sich 
das zend zu verhalten, denn didhaem ""ich sah', mraom ''ich 
sprach' sind Umwandlungen nach bekanntem lautgesetze aus 
"^ di-dhay-am j "^mrav-am^ wie die „thematisch" gebildeten 
ni-zhbaem^ baom (Bartholomae altiran. verb. § 2. s. 23.) aus 
^ni'zhbaya-m^ *bava-m, Griech. att. fj-a (über homer. neu- 
ion. Tita vergl. jetzt Brugman morphol. unters. III 24 f. und 
Jak. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 265 f.) ist nur in 
einem belang nicht ursprünglich, es mtisste ohne jota sub- 
scriptum *^a aus *^/a = sanskr. äy-a-m heissen; das jota 
beruht auf Übertragung von den dual- und pluralformen att. 
i^-Tovy f]-i:t]Vj fri-iev, fj-T€, die ihrerseits frühzeitig nach dem 
muster der verlorenen 2. und 3. sing. *fj-9, ^j] sich gebildet 
hatten, wie ebenso auch im sanskrit dual, ai-tam^ ai-tam^ 
plur. ai-ma^ ai-ta mit starker Stammform nach dem Sin- 
gular ai-s^ ai-t (Brugman Bezzenbergers beitr. II 245.). Brug- 
mans erklärung der attischen flexion feiv, fjeig ,jJ€ioS^aj fja 
u. s. w. morphol. unters. III 24. bedarf auch dieser ergän- 
zung, dass jj- in fjeiv statt *r]- aus derselben quelle ab- 




— 301 — 

zuleiten ist. In homer. xav-a^ e-ooev-a möchte ich ev für 
erwartetes e{ß) — lautgesetzlich in dieser beziehung bei 
Homer e-xe-av IL 3 347. Q 799. — am liebsten formiiber- 
tragung von den verschollenen "^e-x^v-g '^B-xev{-T)^ *e-GGev-g 
*€-OGev(-T) in der 2. und 3. sing, sein lassen; doch vergl. 
auch Wackeraagel Kuhns zeitschr. XXV 268 ff. 274 ff. Die 
auf nasal und liquida schliessenden wurzeln zeigen im indi- 
schen wieder einklang der bildungsweise der 1. sing, praeter, 
der 7722-conjugation, indem auch der ausgang von ved. d-ha- 
n-a-m mit abzug des -m auf indog. -n-m und derjenige von 
ved. d-gam-a-j7ij d-kar-a-rriy wenn dies nicht der ö-conju- 
gation zugehörige formen sind (vergl. Delbrück altind. verb. 
§ 2. s. 25.), ebenso auf -m-m^ -r-rp, basiert. Darnach po- 
stuliert Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 265. Bezzenbergers 
beitr. II 249. mit recht als urgriechische 1. sing. aor. ein 
*£'-T€)^-a = sanskr. ^d-tan-a-m (vergl. ved. d-tan 2. und 
3. sing.) und *€-xT6v-aj letzteres für die neubildung homer. 
'AaT-€-y.Tav IL z/ 319. 

Jüngerer ersatz für "^e-cpv-äj *€-öv-a müssten folglich 
auch griech. e-cpv-Vy e-Sv-v sein. Allein man hat ferner zu 
berücksichtigen: vor sonantischem anlaut des nächstfol- 
genden Wortes hatte der nasal, da er in der gesprochenen 
spräche dann hinübergezogen wird und nicht mehr zu 6iner 
Silbe mit dem ihm vorhergehenden Sonorlaut gehört, trotz- 
dem als consonant zu fungieren. Schon de Saussure syst. 
primit. 40 f. war betreffs der auslautenden nasalis sonans auf 
dem richtigen wege, grundsprachliche formale distinctionen 
je nach dem verschiedenen anlaute des nächsten Wortes zu 
statuieren; mit seinen Vermutungen berühren sich die nach- 
folgenden aufstellungen. . 

Es können also griech. e-cpv-v und das zu ved. d-bkuv-a-m 
erweiterte sanskr. ^d-bhiv-a auf einem indogermanischen 



• — 302 — 

„ doublet syntactique " beruhen. Erst von diesem Standpunkte 
aus gewinnen wir, scheint mir, eine genügende, weil einheit- 
liche erklärung der bildung der 1. sing. act. des Optativs 
der ö - conjugation. Grundsprachlich waren bhei^oirn und 
hheroiin vorhanden, je nach dem verschiedenen anlaut des 
nächsten wortes differenziert; bhepohn toil und bheroiin 
in der pausa, aber bheroim id. Das griechische verall- 
gemeinerte mit TQkpoiVy ai^KXQTOiv (Curtius verb. d. griech. spr. 
P 46. IV 92., Gust. Meyer griech. gramm. § 442, 3. s. 350.) 
den antesonantischen typus; an dem -oiv als- ältester grie- 
chischer formation braucht man also nicht mit Misteli zeitschr. 
f. völkerpsychol. XI 41 9 f. XII 25 ff. anstoss zu nehmen. Will 
man zwar lieber zQecpoi-v als eine griechische neubildung zu 
tQ€cpot-g TQkpoi nehmen, die nach dem muster von l-xid-iq-v 
neben l-Tld-iq-g e-Tid-rj aufkam, so steht ernstliches auch 
dieser auffassung nicht im wege. Den anteconsonantischen 
und pausatypus bherohn repraesentiert , obwol ebenfalls 
verallgemeinert, am klarsten das altgermanische: got. bairau 
aus urgerm. beroiu{n)^ wie ich mit Paul deute (vergl. oben 
s. 256 f. anm.), des -/-ausfalles wegen auf das von Paul in 
seinen beitr. VI 161. formulierte lautgesetz verweisend. Das 
perfectische got. berjau, wofür "^berje aus *ber-je-m zu er- 
warten wäre, und sijau^ viljau haben sich in der endung 
an bairau angeglichen. Die mit (peQoiv übereinstimmende 
bildung hätte im germanischen eine mit der 3. sing. got. 
bairai zusammenfallende form ergeben, welche darum viel- 
leicht, der leicht entstehenden misverständnisse halber, der 
spräche weniger genehm war. Wir erkennen nun auch, dass 
in der 3. plur. got. *bairaun-a es war, welches durch bai- 
rain-a verdrängt wurde. Im sanskrit hat bhärey-a-m^ von 
dem zunächst wieder das -m als junger zusatz zu subtra- 
hieren ist, auch den typus mit sonantischem nasal, bheroiip,^ 



— 303 — . 

• 
zur grundlage. Das e in bhärey-am^ hhärey-ur erklärt Brug- 

man Bezzenbergers beitr. II 246. anm. 3.') So hat also Jak. 

Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 268. mit seiner bemer- 

kung: „das äquivalent von skr. bhareyam könnte z. b. im 

attischen nicht anders als (peoLo lauten", nicht unrecht; *TQ€(pco 

aus *TQ€(pojia ist nur der aufgegebene alte doppelgänger von 

TQ€(poLv. Zu bemerken ist nemlich, dass in hinsieht auf das 

„ verbliebene " intervocalische i auch yevolaroj el. a^co-Tivoiav, 

obwol sie die relativ ursprünglichere bildung gegenüber 

yevoiVTo j delph. TCciq-^%oiv darstellen, nur neuschöpfungen 

sind. Über die „Schonung", deren das moduszeichen in ye- 

voiaxo ^ cpeqoievj sowie in dolr]Vj aralrjv, ^elrjv „bedurfte", 



1) Allerdings nicht * bhdray-a??i , *hhäray-ur, sondern * bhäräy-am, 
* hhäräy-ur sollte Brugman nach seiner lehre über arisches ä = indog. o 
als die älteren verdrängten formen voraussetzen. Doch heisst es auch 
im avesta nur -äy-en und -äy-aTita in der 3. plur. act. und med. opt.; 
eine 1. sing. act. ist von praesentien der ö-conjugation im iranischen 
nicht überliefert. Avest. harayen und yazayaüla wären eins der besseren 
argumente in den bänden 'derjenigen gewesen, die an die gleichung indo- 
iran. ä == indog. o in offener silbe nicht glauben. Ich könnte mir, wie 
schon s. 220. anm. angedeutet, als eine denkbare beschränkung dieses 
viel staub aufwirbelnden lautgesetzes vielleicht gefallen lassen: nur für 
hochbetontes indog. 6 gilt die regel, dass es sich arisch vor einfacher 
consonanz .zu ä entwickelt. Dann wären di.YeBt.' * ishäyen , ishäyafita 
analogiebildungen nach härayen^ *bürayaflta; andererseits -ä- in sanskr. 
tud-a-mas, («-) lud-a-ma wären lautgesetzlich, -ä- in hhär-ä-mas, ä-hhar^ 
-ä-ma darnach gerichtet. Doch kann ich auf die anderen dabei noch 
anzunehmenden ausgleichungen hier nicht näher eingehen, viele der- 
selben liegen überdies für den kundigen leser am tage. Auch das über 
den Wechsel von -ä und -a im wortauslaute oben s. 226. anm. ausge- 
führte bedürfte teilweise anderer fassung, indem z. b. die mediale per- 
sonalendung indog. -to = griech. -xo ihre Spaltung in sanskr. avest. -tu 
und ved. avest. (gäthädial.) apers. -tä eher der verschiedenen betonung 
im imperfect und optativ der ersten und zweiten hauptconjugation (ur- 
sprünglich sanskr. {a-)bhdrata, bhäreta neben *{a-)dvish-(ä', *dvishitä') 
verdanken dürfte. 



. — 304 — 

• 
spricht sich als einen „erfolg der Wirkung der analögie" 

richtig Delbrück einleit. in d. sprachstud. 104. 105. gegen 

Curtius aus. Demselben Vorgang der wiederherstellenden aus- 

gleichung verdanken ja auch homer. xelaraij 'Aelaro u. dergl. 

ihr intervocalisches -l- nach s. 37, anm. 1. 

Im alten latein bestand, bevor in dem optativparadigma 
des futurum simplex der dritten conjugation sich für die 
1. sing, dauernd die conjunctivform auf -am einbürgerte, der 
gebrauch einer form auf -em (-<?), die besonders bei Cato 
nach den Zeugnissen der grammatiker reichlich vertreten, 
auch bei Plautus in guter handschriftlicher Überlieferung nicht 
selten ist; z. b. fadem facie^ accipiem, dice. Vergl. Neue 
formenl. d. lat. spr. IP447., Bücheier rhein. mus. f. philol. 
n. f. XXXVI,243. Das sind die mit rgecpoiv, afidgroLv über- 
einstimmenden bildungen und ebenso wie diese, wie im latei- 
nischen selbst dJcererrij essem^ ferner amem entweder fort- 
setzungen des grundsprachlichen antesonantischen typus oder 
neuschöpfungen nach den übrigen personen ; amem, ames, bei- 
läufig, auf vorhistor. *ajnawim *amaiois, *amaoim *amäois 
beruhend. Hätte sich die lateinische spräche für den typus 
hheroim, wie germanisch und sanskrit, entschieden, so 
würde er wol historisch lat. ^ferom {^feruin) lauten, aus 
^ferom, weiterhin aus "^feroi-em. Denn intervocalisches i 
hatte auch hier auszufallen, und nach amäs, amat, amäle aus 
* ama-ie-s{i)y * ama-ie-t(i)y ^ ama-w-te, sowie nach hostes nom. 
plur. aus *kostei-es kann man wol nur ö als contractions- 
summe aus o{i)e erwarten. 

Das sanskr. -a, griech. -a der 1. sing. perf. act. habe 
ich morphol. unters. I 227 ff. anm. im anschluss an Brugman 
als spross alter nasalis sonans gefasst. Von den darüber 
geäusserten „ Vermutungen über Vermutungen " habe ich durch 
neuere polemik keinen grund etwas wesentliches zurückzu- 



— 305 — 

nehmen; vergl. auch Paul in seinen beitr. VI 126. und be- 
sonders Brugman morphol. unters. III 120 ff. Nur stellen sich 
die von mir angenommenen ausgleichungen jetzt etwas anders 
bei veränderter formulierung des lautgesetzes. Nach sonor- 
lauten fungierte wortschliessendes -m abwechselnd als con- 
sonans und als sonans, je nach der satzstellung. Ved. cakära 
und jagäma brauchen jetzt nicht mehr die ausgleichungspro- 
dücte aus den factoren ^cakäPy *jagäm einer- und ^sasada 
anderseits zu sein, sondern werden einfacher als die com- 
promissbildungen aus den alten formenpaaren ^cakär und 
"^ cakära j *jagdm und * jagäma aufgefasst; die neuen cakära^ 
jagäma wurden dann massgebend zur Veränderung der quan- 
tität in ^sasä'düj '^papata^ ^tatapa, vor denen jene den Vor- 
zug der formalen differenz von der 3. sing, hätten. Ent- 
sprechend im germanischen. Got. bar, hal, gam, for aus 
'^'harm, *halm u. s. w. sind die Verallgemeinerung des ante- 
sonantischen typus, wie es griech. TQecpoiv im optativ ist. 
Es scheinen nun zwar für diese annähme die Verhältnisse 
doch recht ungünstig zu liegen : einerseits got. bar und * baj^u, 
qam und ^qamu, anderseits nur '^satu, *vasUj *baugUj *gröbu 
u. s. w., und doch sieg der formation bar, qam?\ Aber die 
endung der 1. dual, perf., got. -u in vit-Vj set-u, sanskr. -va 
in vid-väy sed-i-vä ist in ihrer grundsprachlichen gestalt, ob 
indog. -]t^äj -iißj oder -uä oder noch anders, noch ganz un- 
aufgeklärt, und so darf man wol vorläufig annehmen, dass 
diese personalform bereits in urgermanischer zeit denselben 
ausgang hatte wie im gotischen. Wenn z. b. -uni das be- 
treffende personalsuffix war, das von nicht die endsilbe be- 
tonenden verbalformen wie indog. e-bhero-uqi bhero-utii 
imperf. = sanskr. ä-bharä-va bhärä-vUj indog. bkeroi-ii/^i, 
tudöi-urii opt. = sanskr. bhäre-va, tude-va früh auch ins 
perfect übernommen war (vergl. oben s. 290. über das secun- 

Ostlioff u. Brujjiuan untersuch. IV. 20 



— 306 — 

därsuffix der 1. plur.)^ so hatte allerdings aus einem indog. 
uid-nm wol nur germ. wit-vnin^ ferner wit-wu^ in letzter 
Instanz wit-u wie got. vit-u zu resultieren, da inlautendes w 
nach consonant vor dem homorganen u wol sehr frühzeitiger 
absorption unterlag (vergl. Paul in seinen beitr. VIII 162 ff., 
Sievers ebend. VIII 86 f.). In solchem falle konnte dann 
aber der typus bar in der 1. sing, vor '^baru einen wesent- 
lichen vorsprung wegen des beru^ vesu im dual erhalten; 
noch entschiedener /ör , öl vor */örM , * ölu bei dem bereits 
urgermanisch gleichgewordenen wurzelablaute des Singulars 
und dual-plurals. In haihald-u und seinesgleichen fiel auch 
die dualform mit der einzig entwickelten 1. sing, auf -u zu- 
sammen. Vermischung mit der 3. sing, war bei der nor- 
malisierung von bar, för und der nachbildung von haihald 
nicht zu befürchten, weil die 3. sing, damals wol noch nicht 
ihre endung -e synkopiert hatte; denn um den preis einer 
Vermischung der 1. mit der 3. sing, wäre die spräche wol 
nicht einer solchen mit der so viel seltener gebrauchten 
1. dual, aus dem wege gegangen. 

Nach wurzelauslautendem 2, u durfte auch die personal- 
endung der 1. sing. perf. act. indogermanisch als -m und 
als -m erscheinen. Ein Vertreter des anteconsonantischen und 
pausatypus, wie er im griechischen bei allen liquidisch und 
nasalisch schliessenden wurzeln {e-cp^og-ay €-y,Tov-a) einzig 
üblich ist, ist bei einer ei-wmzoi in derselben spräche öelöw 
aus *öe-dßoi-a (Mahlow Kuhns zeitschr. XXIV 294.) = indog. 
de-du6i'7ii\ dslöco als „isolierte form" zugleich ein zeugnis 
gegen de Saussures Vermutung syst, primit. 72 f. , dass der 
1. sing. perf. act. ursprünglich nicht o, sondern e als wurzel- 
vocal zugekommen sei, womit sonst ja die im indo-iranischen 
bestehenden wurzelvocalischen Schwierigkeiten am leichtesten 
gelöst sein würden. Dass im sanskrit und zend die formen 



— 307 — 

wie ved. hi-bhäy-a^ m-cräv-a^ avest. di-dhay-a nur für *Z>2- 
-bhe-771^ ^ m-cr6-m^ * di-dhae-m (histor. didhaem yt. XXIV 43. 
fasst man als imperfect dritter praesensciasse oder als „ prae- 
teritum vom perfectstamm " aus ^ didhayam^ vergl. Justi handb. 
d. zendspr. 156 b., Bartholomae altiran. verb. § 122. s. 88.) 
die nachfolger sind, kann ich nun nicht mehr behaupten, 
wie noch morphol. unters. I 229. anm.; ^hi-bhay-a^ ^cu-crav-a^ 
"^di-dhäy-a von der art wie griech. "^ öe-ößoi^-a dürfen auch 
vorausgesetzt werden und liegen den sie umgestaltenden 
mustern ca-kä7'-a^ ja-gdm-a formal näher. 

Für denjenigen, der nach wie vor an -m als perfectische 
personalendung nicht glauben mag, war diese auseinander- 
setzung über die 1. sing. perf. act. zur rechtfertigung unseres 
constitutiven lautgesetzes überhaupt nicht notwendig. 

Auf nominalem gebiete kommt vor allem der acc. sing, 
in betracht. Griech. 7taT^q-a^ öcoroQ-aj al-a und zexrov-a 
stellen den anteconsonantischen und pausatypus dar. Ebenso 
lat. patr-em (für älteres '^pater-em\ dator-em (für ^dator-em 
nach dem nom. sing. ^ datör\ sal-em^ homin-em^). Da altir. 

1) Aus *hömdn-em lautgesetzlich herleitbar, wie feri-mus aus *fero- 
-mos , i-licö aus ^in-locö u. dergl. (vergl. s. 125 f.), jedoch auch aus 
*hümen-em, was wie griech. noi^iv-a neubildung aus der Stammform 
des alten loc. sing, sein würde. Altlat. homön-em verstehe ich, wie ser- 
mö?i-em, mit Brugman nach wie vor als bildung aus dem „nominativ- 
paradigma", trotz neuerer mir nicht fasslicher ablautsconstructionen, 
nach denen auch nöS-a jüngeres Substitut für ein *7tü}8-a sein soll. 
Über die quantität des stammsuffixvocals in umbr. homon-us dat. plur., 
osk. humun-s nom. plur. wissen wir zwar nichts directes; aber länge 
ist mit nichten notwendig anzunehmen. Bei dem umbrischen werte sogar, 
mit einiger Sicherheit nicht, da langes ö in dieser spräche meistens zu 
u (w) verdumpft erscheint: bei neuumbr. -or neben -ur im nom. plur. 
der ö- stamme {totcor neben lovinur), -o neben -ii im abl. sing, {pihaclo, 
lertio neben pihacluy vergl. Bücheier Jen. literaturz. 1876. art. 339.) und 
-0 aus *-öm in den gen. plur. Ätiersio, peracrio (verf. morphol. unters. 
I 224 f.) kann in der auslautenden silbe das o auch eine rückeut- 

20* 



— ao8 — 

athii^ w-, air-mitin n- für vorhistorische "^pater-in^ '^ment'm-in 
stehen nach Windisch Paul -Braunes beitr. IV 223., so ver- 
hält sich also auch das keltische in diesem punkte wie das 
griechische und lateinische ; über altir. in aus nasalis sonans 
vergl. morphol. unters. I 106 ff. Ferner schliesst sich das 
slavische mit abulg. maier-e^ kamen-e an, deren -e aus * -ein 
auslautend die nasalis sonans vertritt'). Im sanskrit, womit 
das avestische stimmt, findet die „tatsache von dätar-am'' 
und püdr-arnj ukshän-am nun die erklärung, dass der regu- 



■wickelung aus u nach dessen Verkürzung (vergl. den acc. sing, manom 
der M - declination) sein. Ich weise also mit Joh. Schmidt Kuhns zeit- 
schr. XXV 14. den umbr. du-purs-us, petur-purs-us wegen des n pöd- 
als Stammform zu, erkläre aber das wie bei got. fotu-s, anord. föt-r^ 
ahd. fuoz verallgemeinerte ö aus der nominativlänge von dor. neos = 
sanskr. pät, Hören somit umbr. -pUrs-us und ars-fertUr-o auf, stützen 
für Schmidts ablautstheorien zu sein, so erwächst anderseits in umbr. 
liomon-us ein weiteres directes argument dagegen, dessen beweiskraft 
nur auf dieselbe künstliche weise wie diejenige von got. guman acc. sing., 
guman-s nom. plur. aus der weit geschafft werden könnte. Vergl. Brug- 
man morphol. unters. III 124 ff., wo nur die beurteilung des Verhält- 
nisses von TTcJs und ttos im griechischen nom. sing, zu berichtigen ist; 
cTßJs, *7rfi^-os, *ne8-i^ 7i68-a halte ich für die älteste griechische flexion, 
nos für neubildung nach dem acc. sing, und nom. plur. wie jtodos, 
TtoS'i. Dass wir den Ursprung der nominativischen vocallänge noch nicht 
kennen, hindert nicht, uns dieses factors bei der reconstruction der 
grundsprachlichen üexionsparadigmen zu bedienen. 

1) Nur natura oder positipne langes e}i^ d. i. urslav. cm, em oder 
en -f- conson. , em -)- conson. ergibt histor. e. Also in deve-fi '9', de- 
se-tX '10' und 3. plur. praes. jad-eti, dad-eH, ved-eti, aor. sigmat. bys-e 
aus * bys-e t zwar e = griech. a oder av, indog. n oder n ; aber -e aus 
*-mimacc. sing. Daraus folgt schon, dass *mater-em "^kamen-em aus 
den Stellungen vor consonant losgelöst worden sein mussten, in welchen 
verbleibend sie auch auslautend -e hätten entwickeln müssen. Als pausa- 
formen entsprangen mater-e, kamen-e regelrecht. In ime = ovofia, sanskr. 
nä'ma, lat. nömen ist entweder die nicht-pausaform, die vor consonanten 
galt (z. b. in ime to == sanskr. nä'ma lät lautgesetzlich) normalisiert, 
oder das -e ist hier anders als aus grundsprachlichem -n zu erklären. 



— 309 — 

läre antecoDsonantische und pausatypus um das -m von äpca-m 
erweitert wurde, wie es ja auch für pad-a-m anzunehmen 
ist. Eine Verallgemeinerung des entgegengesetzten, ante- 
sonantischen typus dagegen treffen wir auf germanischem 
boden an. Got. hanan^ anord. hana beruhen mit ihrer schluss- 
silbe auf dem indogermanischen einsilbigen ausgange -onm] 
anderesfalls hiesse es got. '^hanan-u^ anord. ^honun. Bei ags. 
hanan, alts. ahd. hanun (-o?i) haben wir wenigstens keinen 
grund etwas anderes anzunehmen, obgleich ja diese west- 
germanischen formen an sich germ. -u apokopiert haben 
könnten. Nicht ganz so verhält es sich mit dem accusativ 
der -e/'-stämme. Zwar got. fada?^ ist wie ka?ian beschaffen, 
auf einsilbiges grundsprachliches -term hinweisend. Aber 
wegen anord. /o9?/r muss, wenn für dieses die erklärung aus 
'-^'fiibar-u (Sievers Paul- Braunes beitr. V 160.) die einzig mög- 
liche ist, entweder bis ins urgermanische hineinreichendes fort- 
bestehen der mit griech. jcmeq-a harmonierenden formation 
neben der anderen angenommen werden, oder "^fw^ar-u ist 
im speciellen skandinavischen sprachleben um das endungs-?/ 
consonantischer stamme auf geräuschlaut, in ^föt-u acc. sing. 
== histor. anord. föt , got. föt-u ^) erweitert worden nach 
meiner schon morphol. unters. I 228. anm. aufgestellten er- 
klärung. Wegen der gestaltung der Stammform in got fada/'j 
anord. ßpur ist Paul in seinen beitr. VI 253. zu vergleichen. 
Indifferent sind wiederum die formen der westgermanischen 
dialekte , ags. Jader , alts. fader , ahd. Jäter , die übrigens 



1) Was neuerdings Kögel Paul-Braunes beitr. VIII IM gegen diese 
auffassung des acc. sing. got. fötu, iunJjUj anord. föt, tonn u. s. w. vor- 
bringt, ist weit davon entfernt, für mich überzeugend zu sein. Zu einer 
antikritik, um die Kögeische polemik gegen meine aufstellungen zu be- 
leuchten, wird mir binnen kurzem an anderer stelle gelegenheit geboten 
werden. 



— 310 — 

ebenso gut den 'alten nom. sing, auf -er (ahd. ^fatef) ersetzt 
haben können wie nach Behaghel Jenaer literaturz. 1879. 
s. 278. (vergl. oben s. 62 f. anm.) der vocativ. 

Sehr entschieden neigte sich aber schon die indogerma- 
nische grundsprache in der i- und ?/ - declination der nor- 
malisierung der ursprünglich nur vor sonanten geltenden acc- 
sing.-ausgänge -i-m^ -u-m zu, neben denen wir trotzdem 
-/-?/?, -u-W' ^Is di® sliQVL doppelgänger voraussetzen müssen. 
Das hat aber seinen leicht ersichtlichen grund. In der o - de- 
clination bestand nur - -?/? , vor consonant sowol wie sonant 
des nächsten Wortes; ebenso in der ö-declination -ä-m. Das 
gab den ausschlag bei der auswahl zwischen den doppel- 
formen der i- und ?/- stamme; der parallelismus von -o-s 
neben -i-Sj -u-s im nom. sing, drückte zu stark auf das durch 
den pleonasmus der /-, w- stamme bewirkte ungleiche Ver- 
hältnis im accusativ. Die griechischen erst bei späteren 
dichtem vorkommenden iyßv-a^ offQu-ctj vr]6v-aj ßorgv-a 
(Gust. Meyer griech. gramm. § 329. s. 282.) brauchen für 
unsere frage nicht in betracht zu kommen. Ebenso ist homer. 
€VQ6-a schon der von evQv-v differenten ablautsstufe des 
Stammsuffixes wegen eine unbezweifelbare neubildung. Aber 
in einem falle wie: sanskr. näv-am aus *7iäv-a^ griech. homer. 
vij-cx, lat. näv-em gegenüber griech. att. vav-v dürfte es sich 
doch fragen, ob nicht das griechische noch beide indoger- 
manischen erbformen aufweist und erst in den dialekten die 
ausmerzung je einer vorgenommen hat; wo nicht, so kann 
man wol nur att. vav-v für die einzelsprachliche neubildung 
halten und hat dann einen weiteren beleg für unser constitu- 
tives lautgesetz. Wie weit für letzteres auch zeugt, dass bei 
den griechischen masculinen auf -ev-g formen wie '^ßaoilev-v 
gegenüber homer. ßaodrj-aj att. ßaadeä (-«« aus -tjcc wie 
€w aus Tjo) nirgends überliefert sind (vergl. Gust. Meyer 



— 311 — 

griech. gramm. § 330. s. 282 f.) , lasse ich hier ununter- 
sucht. 

Wichtige bestätigungen unserer doppelformen voraus- 
setzenden theorie könnten diese in letzterer zeit öfter be- 
sprochenen accusativformen werden: sanskr. pänthdmy avest. 
pantä??i; sanskr. mahäm\ avest. zam\ avest. zyäm\ sanskr. 
(jam^ griech. homer. dor. ßtov^ alts. kö^ ahd. chuo (aus germ. 
kom ko7i)\ sanskr. dyam^ griech. homer. Ziyi^. Vergl. Brug- 
man Curtius' stud. IX 307 ff. Kuhns zeitschr. XXIV 25. anm., 
de Saussure syst, primit. 41., Havet mem. de la soc. de lin- 
guist. IV 274., Kögel Paul -Braunes beitr. VIII 114 f. Das 
grundsprachliche lautgesetz, nach welchem hier der sonor- 
laut vor dem nasal ausgedrängt ward 0, ist zwar noch keines- 
wegs genau ermittelt; Havets fassung desselben kann ich 
aus mehreren gründen nicht billigen. Dass jedoch nur -m 
consonans in jenen accusativformen von je her vorgelegen 
habe, ist klar, und so könnten sie wol mittels grundsprach- 
licher Satzphonetik mit sanskr. pänthän-am^ avest pantän-em 
(aus indo-iran. *pa?ithä?i-a erweitert), griech. yß^ov-a (für 



1) Die ähnlichen accusative von 5- stammen, wie sanskr. ved. ushä'm, 
medhäm, jarä'm, avest. ushmn, mazdcim^ dürfen, glaube ich, trotz ihrer 
ähulichkeit nicht in die für sanskr. gam == griech. ßu>v^ ahd. chuo 
u. s. w. zu suchende erklärung mit einbegriifen werden. Jene sind nur 
im indo - iranischen nachweisbar. Ferner ist -s- bei jenen geräuschlaut 
gegenüber den stammschliessenden Sonorlauten -w-, -in-^ -u- bei diesen. 
Ich sehe keine Schwierigkeit, in indo-iranischer zeit ushä'm durch solche 
neuschöpfung entstanden sein zu lassen, wie im griechischen anerkannter- 
massen 2!(OKoaTi]v nach ^AXxißtaSriv gebildet ist. Nach massgabe . aller 
nom. sing, auf -s mit vorhergehendem vocale konnte indo-iran. ushä's 
misverständlich in ushä's zerlegt werden. Diese erklärung nähert sich 
der von Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 27. bekämpften Benfeyschen, 
ohne wie diese zu dem einwürfe veranlassung zu geben, es „müsste schon 
in der arischen grundsprache ushä's in *ushä' übergegangen sein", damit 
ushä'm eine analogiebildung nach dem nominativ sein könne. 



— 312 — 

*X^O|t<-«), griech. xi6v-a (für *7fo^t-a), lat. hiem-em^ griöch. 
ßö-a (bei Pherekydes nach Herodian II 705, 31 sq. ed. Lentz, 
vergl. Gust. Meyer griech. gramm. § 330. s. 282.) lat. bov-em^ 
lat. lov-em sich vereinigen. Griech. ßovv wäre dann eine 
nicht anzuzweifelnde neubildung nach dem nominativ ßovg 
aus ^ßojvg = sanskr. ijaiis^ wodurch ferner auch att. vavv 
als Vertreter einer erbform — diese hätte * väv^ att. * vrjv zu 
lauten — unhaltbar würde. 

Das cardinalzahlwort für '9', indog. 7ieu/n (oder neun 
nach Jak. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 281. 284.) ist 
auch noch als zeugnis für unsere constitutive lautregel zu 
nennen; die antesonantische form indog. neiim (jieii?i) mit 
nasalis consonans zeigt sich nirgends, da got. ahd. niun nach 
germanischem lautgesetz für ^nivun steht (vergl. s. 306.). 

Es erübrigt endlich noch ein wort über den pluralaccu- 
sativ auf Sonorlaut ausgehender nominalthemen. Die aus- 
gänge -insj -uns von indog. (jh^^osti-ns^ sünu-ns können 
nach unserer theorie nicht in eine sehr hohe zeit der grund- 
sprache zurückreichen. Es liegt hier ein weiterer fall yon 
bereits indogermanischer „ proportionaler analogiebildung " vor, 
wie ich dies vom nom.-acc.-voc. dual, derselben stammclassen 
morphol. unters. II 132 ff. gezeigt zu haben glaube. Da -im, 
-um des acc. sing., wie wir gesehen, nicht auf gänzlicher 
neuschöpfung, nur auf begünstigung durch die proportionale 
analogie der ö - declination beruhen, so konnte das -i?iSj -uns 
im plural ein facit der auflösung dieser dreigliedrigen Pro- 
portionen sein : -o-s : -o-m : -o-ns ^= -i-s : -i-m : x = -u-s : 
-u-m:x. Mit homer. dor. TtoU-ag, homer. vey,v-ag (Gust. 
Meyer griech. gramm. §§ 358. 359. s. 301.) wurden griechische 
neubildungen geschaffen, die sich den allerursprünglichsten 
formationen des urindogermanischen so im charakter an- 
nähern, wie im dual griech. Jtöle-By Tcrjxe-e nach morphol. 



— 313 — 

unters. II 134 ff. Ob aber nicht einige der so beschaffenen 
griechischen pluralaccusative doch altes erbteil seien, etwa 
homer. ocpgv-ag = sanskr. bhruv-as u. a., bedürfte weiterer 
erwägung. Denn dass wenigstens att. vavg und att. homer. 
ßovg den preis der grösseren altertümlichkeit vor sanskr. 
näv-dsj dor. vä-agj homer. ep. v^-ag und vor homer. ßo-ag 
nicht beanspruchen können, dürfte ausgemacht sein ; ebenso, 
dass sanskr. gä's^ dor. /icJ^- bei Theocrit VIII 47. nur die wei- 
teren folgerungen der entsprechenden singularaccusative gamy 
ßcüv sein können. Irrig also beurteilt Gust. Meyer griech. 
gramm. § 360. s. 301. das Verhältnis dieser verschiedenen 
griechischen acc.-plur.-bildungen. Bei den nasal- und liquida- 
stämmen ist im acc. plur. unser gesetz nirgends, so viel ich 
sehe, erheblicher gestört. Sanskr. tdkshii-asj ukshn-äs sowol 
wie griech. reKrov-agj icoif-ih-agy agv-ag sind, in Ordnung, 
sowie got. auhsn-uns Corinth. I, 9, 9., wenn so Kögel Paul- 
Braunes beitr. VIII 115. richtig das auhsunns der handschrift 
corrigiert. Die vulgäre bildung im germanischen, got. hanan-Sy 
alts. ahd. hamm (hano/i) wird man für die übertragene nomi- 
nativform des plurals halten müssen. Auch avest. fedhr-öy 
griech. 7caT£Q-ag, ak-ag geben uns nichts zu monieren. In 
got. bropr-uns muss man den ausgang -/nms auf ein indog. 
-r-ns, nicht auf -f-w*, zurückbringen, so dass die bildung 
derjenigen von SLYest. fedhr-ö j griech. avöga-g^ homer. d^v- 
yarQ-ag gleich wird. Dass im sanskrit piifh moderne nach- 
ahm ung des acc. plur. der i- und m - declination sei, braucht 
kaum angemerkt zu werden; pitfn : pitf-shuj pitf-bhis = 
sünun : sünü-shUy sünü-bhis. 

Eine leicht zu beseitigende ausnähme unserer regel ist 
noch, wenn im indo- iranischen die lautfolgen inv ^ uiiv ^ rnv 
in der conjugation der praesensbildungen fünfter classe be- 
gegnen, was in der 3. plur. indic. act. und med. praes. und 



— 314 — 

imperf., 1. sing. med. praes. und imperf., 2. 3. dual, und 
3. plur. med. imper., in den formen des schwaclien optativ- 
stammes mit -i-, im participium act. und med. geschieht. 
Z. b. sanskr. cinvantij ci'nvate, a-cinvan^ a-cinvata, cmve, 
a-cinvij cifiväthäm, cinvätäm^ cinvatämj cinvtya, cinvant-, cin- 
väna-\ sanskr. sunvänti u. s. w.; sanskr. ved. krnvdnti, avest. 
kerenvainti u. s. w. Diese formen sind immerhin bei weitem 
in der minderheit gegenüber denen des gleichen Systems, die 
-no- avest. -nao-^ -nu- regulär vor nachfolgendem consonanten 
haben, also dass eine beeinflussung seitens dieser letzteren 
gruppe anzunehmen gestattet sein wird, durch welche in der 
3. plur. praes. act. die lautgesetzlich zu fordernden sanskr. 
^ cyanvanli^ "^svanvanti, "^kranvänti = indog. k'^hiiniti, snn- 
untt\ ki^nnnti (über an = n vor i, u vergl. Brugman 
morphol. unt.ers. II 210 ff.) ausgemerzt wurden. 

Hauptsächlich würde unserer regel endlich die wurzel- 
gestalt der schwachen formen in der siebenten sanskriti- 
schen praesensclasse , mit dem was genetisch dazu gehört, 
widersprechen: indog. bhind-j li?ik^-y bhung^-^ bhundh-^ 
jung^-, k'^^nt' in sanskr. bhind-mds \sit ßnd-öj sanskr. riüc- 
-mäs griech. Xt/.i7t-dvco lat. linqu-Oy avest. bunj-ainti griech. 
q)vyy-ava)j griech. TtvvS-avoinac lit. bund-iij sanskr. yuhj-mds 
lat. jung-öj sanskr. krnt-dti avest. kerent-aiti u. ähnl. Doch 
wird hier vermutlich erst später, nachdem jenes die aufein- 
anderfolge von Sonorlaut und Sonorlaut derselben silbe ur- 
sprünglich regelnde gesetz bereits gewirkt hatte, der nasal 
durch einen noch unerkannten lautgesetzlichen act aus dem 
Suffix in die wurzel hinüber gedrungen sein. Brugmans er- 
klärung dieser nasalinfigierenden praesensbildung morphol. 
unters. III 148 ff. ist mir nicht einleuchtend. 

Zum Schlüsse erwähne ich noch, dass, wenn die obigen 
ausführungen das richtige treffen, auch Brugman jetzt kein 




— 315 — 

mehr hat, wie noch morphol. unters. I 4. anm., das 
particip sanskr. yatd-s von yam- als argument für den an- 
laut j- dieser wurzel mit zu benutzen. Auch von einer Wur- 
zel lam- konnte, trotz ishtd-s von iay^-j das particip nicht 
*imtä-s *intd-s lauten. 

Durch diesen excurs ist es, wie ich hoffe, genügend klar 
gestellt, in welchem allgelneinen zusammenhange es steht, 
wenn vor consonanten wurzeln mit zwei Sonorlauten auf der 
accentstufe der nebentonigkeit die assimilation des a-vocals 
so vornehmen, dass für den letzten Sonorlaut sein ent- 
sprechender sonant in der quantität als länge erscheint ; z. b. 
indog. diü-tö- ^geschnellt', siu-tö- *^genäht', spiü-tö- 
^gespieen' von dleu-^ 6'ia^u-j spia'^Ti- nach s. 281 ff. 285. 
Das Verhältnis der wurzelformen diu-, siii-j sptit- zu diu-y 
siu-y spii- tritt nun von selbst in das erwünschte licht. Jenes 
sind die vor nachfolgendem sonanten ebenso regulär ent- 
springenden tiefstufenformen. Indem z. b. in einem gen.-abl. 
sing, ur- indog. di^eii-ös das -u- aussprachlich zur zweiten 
silbe gehörte, konnte und musste der zusammenfluss des 
wurzelhaften e mit dem allein zu derselben silbe gehörigen 
sonoren erfolgen, also mit dem vorhergehenden /; das er- 
gab zunächst di-Jiös, welches seinerseits sich dann nach 
demselben gesetze in die satzdoublette dtnös und diuös 
(= sanskr. div-äs, griech. Jiß-og) spaltete, nach welchem 
im particip diü-tö- sich in diütö- und driitö- differen- 
zierte. 

Betrachten wir hiernach die formalen Verhältnisse der 
conjugation der wurzel spia^'u- *^speien' etwas näher. Sie 
bildete in der grundsprache ein jod-praesens spru-i^ö^ woraus 
frühzeitig nach dem s. 19 ff. ausgeführten spu-ij hervor- 
ging ; ferner ein aoristpraesens spiu-ö. Das letztere liegt am 



— 316 — 

klarsten im germanischen vor als got. speiva^ dessen ablauts- 
reihe historisch derjenigen von beita bau gleich geworden 
ist, ursprünglich aber praes. speiva, perf. ^spjau = anord. 
spjö (aus urgerm. spjäw-e 3. sing.), ^spjum 1. plur., spivun 
'3. plur. (= indog. spinnt) ^ partic. spivans war. Da das 
altnordische im praesens die jod-bildung spy-ja hegte, so 
war hier keine veranlassung, wegen eines praesensablauts 
mit germ. ~t das alte perfect spjö aufzugeben. Aber mit dem 
gotischen geht im wesentlichen das westgermanische: infin. 
ags. spiva?if ahd. spiwan^ perf. sing. ags. späv^ ahd. spe speo, 
Ahd. spinn 3. plur. perf. (bei Otfrid) ist lautgesetzlicher noch 
als got. spivun j alts. spiwun^ da letztere form das w durch 
systemzwang wiederhergestellt hat, das wie in got. ahd. niun 
urgermanisch vor u ausfiel (vergl. s. 306. 312.). Für das 
Sanskrit ist entsprechend, wenn wir der perfectreduplications- 
silbe dabei sogleich ihre speciellen altindischen gestaltungen 
zuweisen, auszugehen von einem a verbo: praes. "^ spiv-ä'-mi^ 
perf. sing, '^ta-shthijav-a^ plur. 1. pers. ^ tu-shthyu-md, 2. pers. 
pi-shpiv-dj 3. pers. * pi-shpiv-ür^ partic. perf. act. ^tu-shthyu- 
varns- in starker, * pi-shpiv-üsh- in schwacher Stammform, 
-/ö- partic. shthyü-ld'S. Wir sind nur für indog. spi- den 
lautwandel in sanskr. shthy- vorauszusetzen berechtigt, durch 
ausgleichung aber konnte sich die cerebrale lautgruppe über 
das ganze verbum verbreiten. Daher hinfort das praesens 
shthiv-ä-mi (über den accent wie in ukämi^ (jü'hämi näheres 
in morphol. unters. V.) und die 3. plur. perf. ti-shthiv-ur; 
woneben ein neuer singular perf. in der form li-shthev-a^ von 
ganz ähnlicher art also wie got. spaiv ^ nicht lange auf sich 
warten liess. ti-shthev-a mit cerebral auch in der reduplica- 
tionssilbe ist wol noch modernere nebenform, vergl. Petersb. 
wörterb. VII 449. ; der parallelismus von ta-sthaü : sthä-y ta- 
-stdmbh-a : stambh- erforderte schliesslich ein solches verhält- 



— 317 — 

nis H-shthev-a : shthiv- ; neben tu-shtäv-a lag dahingegen ja 
als nicht redupliciert die nicht cerebrale gestalt stu-. Die nur 
aus dem dhätupätha zu belegende praesensform sanskr. shthiv- 
-yä-mi glaube ich als eine contamination aus shthiv-ä-mi und 
der sonst verschollenen jod-bildung "^spu-yä-mi (= lat. spu-ö^ 
griech. tctv-coj vergl. s. 33.) betrachten zu dürfen. Letzteres, 
*spu-yä-mij war wol auch zunächst zu * sthu-yä^/ni durch 
ausgleichung umgestaltet worden; wenn aber zu *shthyu- 
-yä-mi nach shthyü-tä-s j so brauchte in solchem ^shthyu- 
-yä-mi nur rollentausch der beiden wurzelhaften sonoren nach 
der analogie des nebenliegenden aoristpraesens sthtv-ä-mi ein- 
zutreten. Regelrechte tiefstufen bildungen mit indogermani- 
schem ablaut In- sind noch im sanskrit shthiv-a-'s nom*. ag. 
in hiraiiya- shthiv -a-s m. nom. propr. eines berges Cgold 
speiend^), ni-shthiv-a-s m. "^das ausspucken^ ni-shthw-ita-m 
n. *^das ausspucken, auswurf*, shthiv-ana-m y ni-shthiv-ana-m 
n. 'das spucken, ausspucken, auswurf, ausgeworfener speichel', 
shthiv-i-s adj. ^spuckend', shthiv-iii- adj. dass., shthiv-i f. ^das 
spucken' (rakla-shthiv-i ''blutspeien'). Aber der einzelsprach- 
liche ablautsreihenwechsel wie in dem perfect ti-shthev-a tritt 
noch hervor in sanskr. ni-shthev-a- m. n. ^das ausspucken^, 
shthev-ana-m j ni-shthev-ana-m n. "^das spucken, ausspucken'. 
Auf slavischem gebiet ist als eine ausgleichung, die die ante- 
sonan tische tiefstufenform, und zwar die tonlose indog. spiu-^ 
betroffen hat, anzumerken, dass abulg. plw-ati 'spuere' von 
plju-chü aor. , plju-tu supin. u. dergl. ' das eingeschobene / 
bekommen, vermutlich auch nach denselben Vorbildern an- 
lautendes s- abgeworfen hat, denn in der anlautsgruppe "^splj- 
== indog. spi- dürfte sich die einbusse des Zischlautes eher 
motivieren lassen (vergl. auch griech. jctv- aus * ojch- s. 19 f. 
33.); der ursprüngliche zustand wäre also durch abulg. "^spw- 
-ali neben plju-cha repraesentiert. 



— 318 — 

Nach gleichem princip sind bei den übrigen wurzeln, 
die den Wechsel zwischen iu und In zeigen, die historischen 
formenverhältnisse der einzelsprachen zurecht zu legen. Wir 
fassen kurz die übrigen hauptsächlich in betracht kommen- 
den beispiele ins äuge. 

*/a^w-*^nähen\ Antesonantische tiefstufenform: 
nebentonig in sanskr. siv-aka-s m. ^näher^, siv-ikä f. 
'^näherin'*, sw-ana-m n. ^das nähen', stv-ani f. *^frenulum prae- 
putii'; tonlos in den (nicht belegten) sanskritischen per- 
fectformen dual, si-shiv-athus^ si-shiv-atusy plur. si-shiv-ay si- 
shiv-ur, med. si-shiv-e. Neubildung von s^iu- aus durch 
tibertritt in die analogie von e/^r-wurzeln: sanskr. 
si-sAev-a perf. sing, act., a-sev-it aor. sigmat. Contami- 
nation des aoristpraesens und jodpraesens (s. 19f. 
32.); sanskr. sw-yä-mi^ aus * sm-a-mi (vergl. shthiv-ä-mi) 
und *su-yä-mr^ vielleicht war aus letzterem vorher nach 
syü-tä-Sy syu-man- u. s. w. wieder neugebildetes * syu-yä-mi 
(vergl. s. 19 f.) geworden, das der Umformung nach *slv-ä'mi 
näher lag. 

dien- *^schnellen\ Antesonantische tiefstufen- 
form: nebentonig in sanskr. ved. div-e dat., div-i loc. 
sing, von div- f. 'würfelspier, sanskr. ved. prati-div-an- m. 
"^gegner im spleiß nachved. Mie sonne', div-ana-m n. *^das 
spielen mit würfeln'; tonlos in sanskr. de-div-itl intens., 
sanskr. div-äs, div-i, div-a, div-e, div-am von div- m. f. 
*^himmel, tag, helle',* griech. JXF-og, z/r/-/, JtF-a, sanskr. 
div-asa- m. n. "^himmel, tag', -prati-div-an- m. *^sonne' u. a. 
Neubildungen nach der ej^-reihe: sanskr. di-dev-a, 
di-dev-itha perf. sing, act., a-dev-it aor. sigmat., dev-ishyali 
fut. sigmat., dev-itä fut. periphrast., dev-itvä gerund., di-dev- 
-ishati desider. (vergl. Petersb. wörterb. III 616.), dev-a-te 
praes. med. 'schleudert, wirft, würfelt' (Petersb. wörterb. 



— 319 — 

III 735 f. unt. dev-)j dev-ana-m n. *^das strahlen, würfeln, 
spiel, scherz^, dev-ds adj. *^ himmlisch, göttlich^ m. *^gott^ 
= avest. daev-öy altlat. deiv-o-s^ lit. dev-a-s] der ablauts- 
wechsel konnte, wie das letztere beispiel zeigt, bereits grund- 
sprachlich erfolgen. Contamination des aoristprae- 
sens und jod-praesens (s. 17 ff.): sanskr. div-yä-mi. Das 
beispiel der doppelform prati-div-an- = prati-dw-ari' reiht 
sich der kategorie AA in unserer materialsammlung (oben 
s. 194 ff.) an. Ved. prati-div-n-e dat. sing. rgv. X 34, 6., 
nachved. pi^ati-dw-n-as abl.-gen. sing, (vergl. Böhtlingk-Roth 

IV 955. unt. pratidivan-) y statt zu erwartender * 'dyü-n-e^ 
* -dyü-n-asy sind durch analogie der starken und „ mittleren " 
casus zu erklären, in denen dw- vor a, a bestand; -dw-n-e 
trat zu -dw-än-aniy 'dw-a-bhis nach raj-h-e neben räj-än-am^ 
raj-a-bhis. Ebenso muss abulg. dm- m. 'tag' entstanden 
sein, wenn es Leskien archiv f. slav. philol. III 108 f. richtig 
aus * dw-n- erklärt. Auch sanskr. ved. dw-yd-s adj. 'himm- 
lisch' vertritt *dyu-yd-s infolge des einflusses der meisten 
casus des stammnomens mit div- vor vocalen. Im sanskriti- 
schen desiderativ steht noch neben di-dev-ishatl älteres du- 
-dyü-shatij vergl. Petersb. wörterb. III 616. Und es hat im 
partic. perf. act. das nebeneinander von sanskr. dudyüväms- 
und didiväms- (Böhtlingk-Roth ebend.) seinen grund in der 
älteren flexion: stark du-dyu-vdms'^ schwach di-cRv-üsh-. 

ifia^'u- 'kauen'; vergl. s. 21. Antesonantische 
tief stufenform: nebentonig in lat. ijin-ißv-a f. 'zahn- 
fleisch'; tonlos in ahd. chiw-a ch'ew-a, amhd. chiw-Cy mhd. 
k'ew-e f. 'kiefer, kinnbacken, rächen, halfter am maule der 
tiere' (== got. *kw-öj indog. (fiu-ä). 

7/2 /e 7^- 'schieben'; vergl. s. 21 f. Antesonantische 
tiefstufenform: nebentonig in sanskr. mtv-a-ti aorist- 
praes., a-w2/ü-a-/2 'schiebt, drängt, drückt auf, öffnet', ved. 



— 320 — 

ni-miv-a-ti "^drängt zu, drückt nieder', jrra-mw-a-li ""schiebt 
hin ZU; drängt, bewegt'; 'präü-mw-a-ii ""schiebt zurück, drängt 
zurück, drückt zu, schliesst zu', ved. ä-mw-at-kä-s adj. "^an- 
dringend, drängend', miv-ä f. "^einge weide wurm, wind' (als 
drängender'). 

w.ia''u- ^anfetten, anfeuchten, besudeln'; vergl. s. 22 f., 
Fick Kuhns zeitschr. XX 366. Antesonantische tief- 
stufe nform: nebentonig in sanskr. mw-a-ti ""ist feist, 
ist fett' aoristpraes., unbelegt (Petersb. wörterb. V 796. unt. 
2. mw-^^ mw-a-rä-s adj. "^leid zufügend'; tonlos in griech. 
fu-a-Qo-g adj. ^befleckt, besudelt, verunreinigt, unrein, ver- 
rucht, frevelhaft', ^l-aivto "^beflecke, besudele, beschmutze, 
verunreinige, entweihe', aus *u7ß-n-Q6-gj * fuß-T^i-uo ^ griech. 
* fxtF-ä f. ^besudelung', loc, sing. * f,uF-ai in jniat-cpovo-g 
adj. 'in besudelung tödtend, unter befleckung hinraordend', 
f,uaL-yafxla f. "^blutschande' (bei Suidas) d. i. ableitung aus 
* liiLal-ya(.io-g adj. 'ehe in befleckung habend' (vergl. /iuaL- 
-cpovla von ^iai-cpovo-gY). Vielleicht steht auch in griech. 



1) In beziehung auf den formalen Charakter des ersten gliedes 
stellen sich also die composita fiiai-^ovo-s, fiiai-ya/iia zu %afiai-6vvri<i 
X,afxai-yevr]S^ Orjßai-yevrjS, JJvXai'fitvrjs nvXai-fiäxo-S U. a. (Gust, Meyer 
Curtius' stud. VI 384. griech. gramm. § 349. s. 297.). Den locativ fand 
in ftiai' bereits richtig Rödiger de prior, membror. in nomin. Graec. 
compos. conformat. fin. 80 ff., nur freilich die wahre bedeutung von 
/niai-fovo-s preisgebend denjenigen des zahlworts fiia 'una'. Die son- 
stigen bisherigen beurteilungen des /u.iac-y6vo~s , besonders die auf ver- 
bale deutung des anfangsgliedes ausgehenden (Buttmann griech. sprachl. 
IP 463., Döderlein homer. gloss. 163 f., Clemm de compos. Graec. 14. 
not. 38. Curtius' stud. VII 50., Curtius in seinen stud. III 192., Gust. 
Meyer ebend. V 31. VI 385. VII 180 f., Fritsch ebend. VI 135.), haben, 
von allen sonstigen formalen sqhwierigkeiten .abgesehen, schon allein an 
dem „auffallenden accent" in /uiai-fovo-s ein unüberwindliches hindernis. 
Ist -(povo-s nomen agentis in dem tatpurusha und nicht das nomen 
actionis (povo-s 'mord', so vergleichen sich in accentuation und sonstiger 
bildungsweise mit fjLi,ai-(p6vo-s am besten einerseits nvlai-fiaxo-s 'am tore 



— 321 — 

f^u-a-Qo-g das -a- nicht für sonantischen nasal, sondern die 
bildung mit secundärem -rö-suffix hat gleichfalls ihr primi- 
kämpfend', anderseits avS^o-cpovos 'männermordend'. Sind wir bei fitat- 
nicht so glücklich, das feminine stammnomen * fiiß-a 'besudelung' in selb- 
ständigem gebrauche irgendwo aufzufinden, so sind wir dagegen in dieser 
günstigeren läge bei raXai- in raXai-7i(OQ0-s , raXal-tp^iov , raXat-Tcad'rjSj 
raXai'-fiox^o-g, TaXai'fis'vrjS: raXai- ist locativ YOn *raX-a f. 'standhaftes 
tragen, dulden' = mhd. dol-e f. 'leiden', ahd. *dol-a f. 'passio' in dola-lih 
adj. 'passibilis' (Graff althochd. sprachsch. V 135.), sanskr. tul-ä f. 'wage' 
(als 'hebende, tragende'). Jene composita mit xaXai-, bahuvrihis der 
gattung nach, brauchen nun nicht alle das enge tor der strict locati- 
vischen auflösung des ersten gliedes zu passieren; ein teil derselben, 
ja die meisten können nachbildungen nach wenigen alten mustern mit 
der erstarrten casusform sein, so dass z. b. nach homer. TaXai-fievrjs 
(IL B 865.), eigentlich 'im dulden mut habend' aber als 'standhaften 
mutes seiend' aufgefasst, raXaC-cpQOJv 'duldesinn' gebildet sein mag. Im 
gegensatz zu dem casuellen raXat- halte ich für den reinen (schwach- 
formigen) stamm desselben feminins *raXä das ra)M- in raXa-e^yo-s, 
jaXa-xd^Sio-s, raXa-Tiad'rjS, raXa-nei^io-s, raXa-Ttsv&rjs, xaXa-vQivoSy raXa- 
-^Qcov, die ebenfalls als bahuvrihis zu deuten sind {raXa-e^yo-s z. b, 'ar- 
beiten zum dulden habend'), wegen des altertümlichen Charakters des 
„compositionsvocales" aber mit homer. '^Xxo^-S'oo-s u. dergl. (verf. mor- 
phol. unters. I 270. anm.) zusammengehören; raXa-6-s adj. 'duldsam' Ari- 
stoph. av. 687. ist eine ableitung mit -j^o-, raXa-qo-s m. 'tragkorb', eigent- 
lich adj. 'mit einer trage (Vorrichtung zum tragen) versehen', eine solche 
mit secundärem -qo- (vergl. s. 154.) aus demselben ^raX-ä f. Erst dor. 
rXä-d'v/uo-Sj homer, TXrj-noXsfiu-e = dor. T/m-tioXsjuo-s, rX'q-nad'rjs können 
für verbale Schöpfungen von e-rXä-v aus gehalten werden. rXai-nad'rjS 
bei Hesych ist entweder eine mischbildung aus raXai-nad'ijs und rXrj- 
-Ttad-i^e, oder wir haben, was mir wahrscheinlicher ist, in der doppel- 
form des locativs raX-ai- und rX-ai- das alte Verhältnis von raX-äg und 
!l^-TA-äs noXv-rX-ag, ßaX-rjvai und ßX-rjvat, boeot. ßav-a und griech. *fiv-ä 
in fivä-ofiai und dergleichen mehr (morphol. unters. II 14 ff. anm. oben 
s. 210 f.). Indem ferner neben (iiat-fovo-s und ^ fiiai-yaiio-g (so betont, 
wenn bahuvrihicompositum 'ehe in beüeckung habend', sonst * ^uai-ya- 
fio-g) das denominative verbum fiiaivai bestand, lag hier der Ursprung 
der verbalen composita l^Xd'ai-juevTjs von dX&aivcjj /ua^ai-novg von fta- 
^alvco, %aXaL-novg (Nicander ther. 458.), xaXai-Qvito-i oder %aXai-^no-v 
von xaXaivco (Hesiod. scut. Herc. 308.). Denn diese allgemeine bemer- 
kung Clemms Curtius' stud. VII 50. kann man wol unterschreiben: „Bei 

Ostlioff u. Brugman untersuch. IV. 21 



— 322 — 

tives nomen in dem feminin * (nTß-a 'besudelung\ Bei der 
Voraussetzung eines indog. ml u-n-rö- müsste auch sanskr. 
mw-a-rä-s == griech. fM-a-Qo-g in die kategorie AA. unserer 
materialsammlung (oben s. 194 ff.) eingereiht werden. 

liei- V^lblich sein, blassgelb sein\ Antesonan- 
tische tiefstufenform: nebentonig in griech. XTß- 
'^löwe'*, lat. liv-or m.y iTv-e-re, hv-escere, llv-i'du-sj tonlos in 
griech. I7ß- ""löwe', abulg. l^v-ü *'löwe\ Vergl. s. 221 f. Lit. 
Im-ta-s ''löwe' zeigt die nebentonige anteconsonantische tief- 
stufenform. In lat. lü-tu-m n. ^färbekraut, gilbkraut, gelbe 
farbe^, lü-t-eu-s adj. *^gelblich, goldgelb', lü-r-or m. Pfahle 
färbe, leichenblässe', lü-r-idu-s adj. ^ blassgelb, mattgelb, 
fahr wird das /- aus //- lautgesetzlich reduciert sein, wo- 
fern nicht ein verlorenes jod- praesens auch hier für den 
ausfall des i aus der ursprünglich anlautenden consonanten- 
gruppe verantwortlich zu machen sein dürfte. 

Die gestaltung der tiefstufenform bei dieser art wurzeln 
ist aber mit dem gesagten noch nicht völlig aufgeklärt. In 
diesen formen z. b. zeigt sich doch auch -iuu- vor folgen- 
den sonanten statt -«?{-: lit. siuv-oüj lett. schuw-u aor. *^ich 
nähte"* (über das praesens lit. siuv-ü als eine neuerung für 
*.nu-jü = lett. schit-ju sieh weiter unten), lett. schüw-eja f. 
'^näherin^ abulg. siv-enü partic. *^genäht\ sw-ü m. ^sutura', 

allen diesen bildungen ist festzuhalten, dass die spräche, nachdem 
einmal die prototype verbaler Zusammensetzung geschaffen 
waren [das wie ? eben hat Clemm nicht gezeigt] und als solche lebendig 
gefühlt wurden, nun noch weiter ging und selbst von abgeleiteten verbis 
den vermeintlichen stamm, d.h. das für äuge und ohr in der prae- 
sensbildung bleibende (also hier taXai- [?], y^aXai- u. s. w.) zur compo- 
sition verwandte". Aber die verba ^fiiaico, ^raXaCco, *aXd-aico, *fiaQaio) 
sind lauter haltlose fictionen, mit denen Curtius in seinen stud. III 192. 
verb. d. griech. spr. I^ 340. und Clemm a. a. o. operieren, und selbst für 
xaXaico^ das „ja wirklich vorliegen", „sich neben xaläoi und '/^a'kat.io 
linden" soll, hätten sie uns doch ihre quelle nennen mögen. 



— 323 — 

sw-ict m. *^sutor^ aus * sjiiv-enu w.. s.w.; sanskr. ved. dyuv-e 
dat. sing., dyüv-am acc. sing, atharvav. VII 50, 9. 109, 5. 
von div' f. Vürfelspier (Petersb. wörterb. III 661.); abulg. 
;5U'-a aoristpraes. *^ich kaue' aus "^ zjUv-a^, ags. ceov-an, abd. 
khiw-an chmw-an ^ mbd. kmw-en aoristpraes. 'käuen"* (das 
praesentisebe iu bat den ablaut ags. ceav ^ cuvon^ abd. hou 
choUj chuun^ ge-cuwan naeb sieb gezogen statt eines laut- 
gesetzlicben got. *kjnu perf. sing., * ki{v)-un 3. plur., *kw- 
-an-s partic); abulg. riv-a, cecb. rv-u aoristpraes. 'icb brülle' 
aus urslav. *rjuv-a^ (neben dem s. 21. genannten „imperfect- 
praesens" abulg. rev-a, neubulg. rev-üy serb. rev-em^ slov. 
rjov-em^ cecb. rev-u für urslav. *rjev-a aus *rjov-aJ. Vergl. 
Job. Scbmidt Kubns zeitscbr. XXIII 348 f. Es existierte ein 
bereits grundspracblicbes lautgesetz, nacb welcbem unter be- 
stimmten bedingungen innerbalb des Satzgefüges neben den 
doppelformen siu-dno-s und siu-öno-s für das -ono- 
(-ewö-)particip sieb ein siuij-öno-Sj neben stu-6 und s^u-ö, 
g^iu-o und g^tJi-o für das aoristpraesens sieb ein siuu-ü, 
gHuu-Oy neben dtii-äi und dtu-äi für den dativ sing, sieb 
ein diu u- dl entwickelt batte ; und zwar diese simi-öjio-s, 
sluu-Oy g^iuii'6^ diuii-äi als die jüngsten der drillings- 
formen und eine der beiden scbwesterbildungen zur gene- 
tiscben Voraussetzung babend. Docb kann bierauf erst an 
späterer stelle (in morpbol. unters. V.) näber eingegangen 
werden, wo sieb dann aucb zeigen wird, dass Job. Scbmidts 
erklärung des abulg. ptiv-ati 'spuere' aus *pljüv-ati (a. a. o.) 
vor der vorbin s. 317. gegebenen zurtickzusteben hat. Einst- 
weilen bat sich unsere Untersuchung wieder anderen zielen 
zuzuwenden. 

Unter unserem beweismaterial s. 1-^276. findet der dar- 
nach suchende leser auch genügend viele beispiele, welche 

21* 



— 324 — 

dartun, dass indog. 0/ demselben process des herabsinkens 
zu tiefstufigem i und i unterliegt wie mittelstufiges indog. eL 
Ich habe die fälle, die ich keineswegs alle als gleich sicher 
ausgeben will, immer als solche zu markieren gesucht. Doch 
sei es mir wegen der Wichtigkeit der frage gestattet, auf 
mehrere derselben hier zurückzukommen und im zusammen- 
hange damit anderes gleichgeartetes vorzubringen. 

Vor vielen anderen lehrreich ist die wurzel aidk- "^flam- 
men, flammend hell sein\ von der das griechische praesens 
at^-w. Wir lernten s. 149. von ihr mit dem dualismus des 
% und t die adjectivische -rö-(-lö-)hMuiig ~idh-r6- iidh-lö-) 
kennen, s. 193 f. mit indog. t das -ew-adjectiv tdk-en-^ 
worauf lat. td-üs beruht. Die schwächste oder tonlose tief- 
stufe mit i bieten viele sanskritformen dar, wie z. b. ved. 
idh-änä- partic. med. ^angezündet, entflammt^, idh-yä-te praes. 
pass. *^wird angezündet, flammt', idh-mä- m. n. "^brennholz^ 
iddhä-s partic. adj. "^entzündet, rein, lauter\ Von letzterem 
particip haben wir die femininform auch im germanischen 
als ahd. essa f. ^esse' = indog. idh-th\ vergl. Schleicher 
Kuhns zeitschr. XI 52., Pott wurzel- wörterb. IV 764., Kögel 
Paul -Braunes beitr. VII 176. Wenn auf das einmalige ahd. 
eissa 'sufflatorium' bei Graff althochd. sprachsch. I 481. aus 
einem codex des 11 — 12. Jahrhunderts gewicht zu legen ist, 
so repraesentiert es die wurzelstarke paradigmenform des 
nomens, die nur das ss statt st durch ausgleichung bekom- 
men hat; urgerm. aissU aus *äistJl : issä-j wie ähnlich 
Zlaiso- ""bernstein' aus *^läisto- : *^lisö-. Vergl. 
s. 93 ff. 145. 

Auch für abulg. cis-tüj lit. skys-ta-s = lat. scissu-Sy ahd. 
scessOj griech. oxio-ro-g vermute ich herkunft von einer ai- 
wurzel indog. sk'^aU--^ vergl. oben s. 81 f. 95. Das von 
Kluge german. conjug. 75. 77 f. und Kögel üb. d. keron. 



— 325 — 

gloss. 114. nachgewiesene urgerm. skaipan hindert nicht 
die alte vergleichung mit sanskr. chid-, chinäd-mi 'spalte', 
chid-rd- adj. "durchlöchert", n. 'spalt, loch', avest. scid-^ 
scind-ayeüi ""spaltet, sprengt, zerbricht', lat. scid-^ scind-ere^ 
griech. oxtd-, oxl^coy oxLö-eg, lit. sk'ed-, sk'edziu *" verdünne', 
sked-a f/holzspan', sked-j^ä f/span', lett. skdid-a f/holzspan', 
skaid-r-s adj. 'hell, klar, deutlich, durchsichtig, undicht, rein, 
redlich, nüchtern'. Es muss lautgesetzlich mit der nasalen 
praesensstammbildung zusammenhängen, dass wir häufiger 
bei der existenz einer solchen indogermanisches schwan- 
ken des Wurzelauslauts zwischen tenuis und media wahr- 
nehmen. Den bereits von Zimmer nominalsuff. a und ä 288 f. 
namhaft gemachten fällen füge ich hier eine anzahl weiterer 
hinzu. Sanskr. nid- nind-a-ti 'verspottet, schmäht, ver- 
achtet, schilt, tadelt, schimpft auf', ved. nid- f. 'spott, 
Schmähung, Verachtung', griech. o-vetö-og n. 'schmähung, 
schimpf', 6-v€td-lUü 'schmähe', lett. nid-u aor. 'hasste, nei- 
dete', nid-et infin., ndid-Sj i-ndid-s m. 'hass, feindschaft', 
naid-ig-s adj. ^feindselig', got. ga-nait-jan ahd. neizen 'schmä- 
hen, lästern', got. nait-ein-s f. 'lästerung', schwed. nit n. 
'z61e, ferveur, ardeur, affection' neben gael. naith-eas 'härm, 
injury, mischief ', got. neip n. ^(pd-ovog^ anord. n{6 n. 'contu- 
mely', ags. wzö, alts. nith nidh^ ahd. nith nid m. 'anstrengung, 
eifer, feindseliger eifer, hass, groll, neid', anord. nilS-a 'ver- 
höhnen', ahd. nid-any mhd. nid-en 'hassen, neiden, eifersüch- 
tig sein'; vergl. Pott wurzel-wörterb. IV 853 f. Griech. ^^/-, 
l^ily-vv-fzcj e-f^ly-rjVj (xiy-ci{ö-)gy f^ly-a neben sanskr. mip- 
-rd-Sj ved. ni-mi^-la-Sj sdm-mic-la-Sy lit. su-misz-tü, su-misz-aüj 
su-misz'ti 'sich schnell durch einander mengen, verwirren', 
lat. mic-üre 'sich zuckend und zitternd hin und her bewegen, 
zucken, zittern, zappeln, (die finger u. dergl.) schnellen {digitis 
micüre)j funkeln, strahlen, schimmern, blinken, blitzen', 



— 326 — 

di-mic-Ure ""herumfecliteii, sich herumschlagen, kämpfen, rin- 
gen'*). Sanskr. /?2wy- ^pingere"* (unbelegt, dhätupätha), pin- 
j-dya-ti "^ tritt zu nahe', pifij-ä f. *^das wehetun, verletzen', 
lat. piny-ö *^sticke' und pig-et *^es sticht, widert an' neben 
sanskr. pif-j pimg-d-ti ^schneidet aus, schmückt, gestaltet, 
bildet', pe(^-as n. ^gestalt, gebilde, schmuck', pic-una-s adj. 
^böse gesinnt, verräterisch', griech. 7cr/,-Q6-g ""scharf, bitter', 
7toiY,-LXo-g *^bunt', got. filu-faih-s " 7toXvTCoUiXo(i ^ ahd. feh 
Variegatus' , abulg. pts-ati "^schreiben' . Sanskr. hhuj-d-ti 'biegt' , 
nir-bhuj-ya-te *" drückt sich bei seite, entwischt', bhüj-a-s m. 
*^arm', ^ÄMy-a- *^krümmung, biegung', bhog-d-s m.Vindung, ring 
(einer schlänge)', ^Awy-yz/-A' adj. 'biegsam, geschmeidig', avest. 
bunj-a-i7iti ''sie verscheuchen', büj-a-t aor. 'tat weg, legte 
ab', büj-ö m. 'das wegtun, ablegen, reinigung', griech. f/)€?;/-w, 
B-q)vy-o-Vj (pvyy-ävio (Aeschyl. Prom. 513., Sophocl. El. 
132.), lesb. 7C€-cpvyy-a)Vj (pvy-r], cpv^a^ Isit fug-idj fug-a^ 
anord. bük-r^ ags. büc, aniederd. mitteld. bük^ ahd. mhd. 
bück m. 'bauch', lit. büg-au 'ich wurde scheu, erschrak', 
baug-u-s adj. 'furchtsam, furchtbar' neben griech. cpvz-og n., 
(pvK-Lo-v n. 'meertang, seegras' (als 'biegsames, zurückwei- 
chendes gewächs'), ags. bü^-an 'se flectere', got. biug-an 



1) Die wurzelverwantschaft des lat. mic-äre mit miscere (aus *mic- 
-scere) steht mir durch folgende erwägungen fest. Die einzelnen auf- 
einanderfolgenden phasen der schnellen oder schnellenden bewegung ver- 
mischen sich, gehen für den beobachter ununterscheidbar in einander 
über. Ähnliche bedeutungsentwickelung zeigt dieselbe wurzel meik^- 
'mischen^ in lit. su-misz-ti 'sich schnell durch einander mengen', sumiszai 
llkti 'verworren fliegen', sumiszusios eiles 'verworrene reihen'; vergl. 
Kurschat deutsch.- litt, wörterb. II 316b. unt. verwirren. Lat. dimicäre 
proeliö ist eigentlich 'im kämpf sich zermischen, auseinanderwirren'; es 
rückt also seinen synonymen proelia miscere (Vergilius), certämina mi- 
scere (Livius), manüs miscere (Propertius), sowie im griechischen Homers 
fiiyrifiBvai, ev Sat ^vy^fj (II. N 286.) , fityrjvai ev daC XevyaXe'rj (II. ^ 386.), 
fiiyrjfievai iv 7taM/u,r}<Tiv (IL 469.) auch etymologisch sehr nahe. 



— 327 — 

^•Accf^TtreLv^j m-baug-jan "^auskehren , ausfegen^ anord. bog-i^ 
ags. bo^-üj alts. ahd. bog-o^ mhd. bog-e m. "^ bogen, biegung^ 
sämtlich mit germ. z = indog. k^ nach Verners gesetz (in 
got. biugtty ahd. biogaUj mhd. nhd. biegeji durch formtiber- 
tragung, indem german. büga?i wie lükan in mehreren dia- 
lekten den ablaut ü : au : ü in den häufigeren eu : au : u än- 
derte); vergl. s. 10 f. 177 f. Sanskr. miij-^ möj-a-ii und 
münj-a-ti 'gibt einen bestimmten ton von sich' (unbelegt), 
griech. i^iv'Qio ""stosse einen laut aus, stöhne,, seufze', lat. 
müg-iö "^brülle, krache, ertöne', lat. mung-öy e-mung-ö 
*^schneuze aus', mug-il "^schneuzfisch' neben sanskr. muc-, 
munc-d-ti 'lässt los, gibt von sich', griech. (.wx-aoinaty 
fX€-(xvA-a'hriXlWf e-fiVÄ-o-v aor., ccTto-fwooto *^schneuze aus', 
fiv'/,-o-g m. "^schleim, rotz', lat. müc-u-s m. *^rotz', lett. mük-u 
'^streife mich ab, fliehe' wahrscheinlich aus "^munk-u (Bielen- 
stein lett. spr. § 260. I. s. 354.) ; vergl. Bechtel bezeichn. d. 
sinnl. wahrnehm. 80 f., oben s. 68 f. Fröhde Bezzenbergers 
beitr. I 251 f. wird sich also irren, wenn er des wurzelaus- 
lautes wegen got. biug-an von sanskr. bhvj-ä-ti trennen und 
mit griech. /cTvy- f. "^ falte', TtTvooco '^ich falte' combinieren 
zu müssen glaubt ; bei der annähme, dass das germanische ^ 
von indogermanischer tenuis herstamme, ist die vergleichung 
des deutschen biegen mit sanskr. bhujätij griech. cpevyaj u. s. w. 
unanstössig, weil sich dieser fall, wie wir sehen, in einen 
grösseren kreis gleichartiger erscheinungen einreiht. 

Derartig ist nun, meine ich, auch unser indog. sk^'td- 
*^scheiden' neben sk^it-. Die nasalierte praesensbildung 
haben wir germanisch in ahd. scindan scintan "^schinden, spal- 
ten', das vom praesens aus dem ablaut der ew^- wurzeln 
(got. bindan : band) folgte. Die d-form aber lebt meiner an- 
sieht nach auch im germanischen : in anord. s^kita^ ags. scitan, 
ahd. setz an 'scheissen', das nach Miklosich lex. Palaeoslov. 



— 328 — 

1107 a. und Job. Schmidt indog. vocal. II 472. zu abulg. cediti 
'^seihen'' gehörig eigentlich ''abspalten, absonderung {exci'e- 
mentum) machen' ausdrückt. Das gleichzeitige Vorhanden- 
sein der auf media und der auf die tenuis ausgehenden wurzel- 
form hat im germanischen selbst seine analoga an got. taik-n-s 
neben teihan , ags. fdc alts. fac ahd. fah neben got. fähan 
u. a. bei Zimmer a. a. o., an deutschem bauch neben biegen. 
Ebenso kennt das litauische neben häufigerer d-ioxm in sked-^ 
sk'edziu u. s. w. das skaü- in skait-yti *^zählen\ skalt-liu-s 
m. *^zahr*). 

Von unserer wurzel braucht man ferner auch das schon 
immer von Leo Meyer, Schweizer-Sidler, Corssen, Pott, Cur- 



1) Zimmers erklärung a. a. o., „dass schon vor dem eintritt der 
ersten lautverschiebung der nasal facultativ auf den begleitenden ton- 
losen explosivlaut gewirkt hatte, d. h. ihn in einen tönenden assimilierte**, 
wird in ihrem kerne richtig sein. "Wir haben aber die erweichung der 
verschlussfortis zur verschlusslenis durch den nasal für einen bereits 
indogermanischen lautvorgang zu halten, und das „facultative" entfernen 
wir durch die annähme, dass frühzeitige ausgleichungen in verschiedener 
richtung zwischen der gestalt der wurzel im praesensstamme und ausser- 
halb desselben stattgefunden haben , so dass also griech. fiiy-vv-fii : 
*s-fiix-T]v, Ttrjy-vv-fii : *i-7cax~r]v als der ältere zustand vorausgesetzt wer- 
den könnte, bei der wurzel deik^- aber *8iy'vv-fii (vergl. Sely-/ua, Se- 
-8siy-/iai, lat. dig-nu-s oben s. 207.) .' Six-rj. Sodann. dürfte eine schranke 
für das grundsprachliche lautgesetz die gewesen sein, dass der nasal nur 
bei vorhergehender unbetonter (nicht haupttoniger) silbe die fortis er- 
weichen konnte. Daher entgingen fälle wie indog. suep-no-s 'schlaf 
= sanskr. sväpna-s anord. svefn der erweichung des wurzelauslautes 
und griech. vn-vo-s als repraesentant einer suffixbetonten Stammform 
(verf. morphol. unters. II 1 1 f.) müsste, wie den accent auf vn-, so das n 
von der wurzelbetonten seitenform im paradigma empfangen haben; indog. 
sue'p-no- : sub-nö- (= griech. '^v/u.-vo-) war das ursprüngliche Ver- 
hältnis. Sicherer jedoch wird sich über die in rede stehende lauterschei- 
nung erst dann urteilen lassen, wenn das gesetz über das vielfache hin- 
überdringen des nasals aus dem praesenssuffix in die Wurzelsilbe (vergl. 
oben s. 314.) ermittelt sein wird. 




.— 329 — 

tius, Fick u. a. (vergl. Curtius grundz.^ 247.) dazu gehaltene 
lat. caed-ere *^ hauen, aushauen, aushöhlen, ausschneiden, aus- 
brechen^ nicht zu trennen. Hoffentlich kommen wir bald 
dem indogermanischen anlautsgesetz oder gesetz des „ äusse- 
ren sandhi " (denn derartiges muss es wol sein) auf den grund, 
nach welchem in der grundsprache gelegentlich s- vor fol- 
gendem explosivlaute verstummte, so dass die doppelwurzeln 
wie sk^er- und k^er- "^scheren, schneiden'', sk^a^'u- und 
k^a^'u- ^bedecken^ (in indog. k^ü-t ei- ^haut^), spek^- und 
/?eA:*- *^spähen^, steg^- und teg^- *^decken^, staud- und 
taud- *^stossen^, unser sk^ait- sk^aid^ und (k'^ait-) 
k^aid- "^scheiden, spalten^ u. a. mehr in die einzelsprachen 
übergingen *). 



1) Bei rayos reyr] neben areyos Greyrj ars'yco^ xiSvatai neben axiS- 
vaxai u. dergl. denkt Gust. Meyer griech. gramm. § 252. s. 223. an ab- 
fall des o- „auf griechischem boden", Delbrück einleit in d. sprachstud. 
115. anm. gar an „entlehnung", während Curtius grundz.^ 429. hier die 
„besonders klaren" fälle seiner willkürlichen und gesetzlosen lautwande- 
lung vor sich zu haben glaubte. Fasst man die gesamtheit aller der- 
artiger beispiele aus den indogermanischen sprachen ins äuge, so wird 
man sich der einsieht nicht verschliessen können: damit man nicht so 
und so oft der mislichen läge ausgesetzt sei, nach nicht weiter zu er- 
weisenden seltsamen Vorgängen in der einzelsprache auszuschauen, wie 
z. b. bei sanskr. ved. spä(^- m. "späher', spash-ta-s partic. (== lat. spec- 
-iu-s), a-spash-ta aor. med., pa-spa(}-e perf. med. neben päg-ya-ti praes., 
sind indogermanische doppelformen mit und ohne s- unbedingt, an- 
zuerkennen. Nun machte mich vor kurzem Sievers mit rücksicht auf 
das, was ich Paul-Braunes beitr. VIII 150. über das ordinale ahd. sehsto 
bemerkte, brieflich darauf aufmerksam, „dass die germ. form *sehtd ist, 
altn. sc'itij ahd. selten (meist von den herausgebern corrigiert) sehto 
== gr. ^xTos"; vergl. sehta aus Tatian, sehtin, sehtun aus Keros inter- 
linearversion der Benedictinerregel bei Graff althochd. sprachsch. VI 153., 
über mhd. alem. sehte Weinhold alemann, gramm. § 326. s. 309. mittel- 
hochd. gramm. § 321. s. 297. Da sich die ausdrängung des s aus der 
lautgruppe hst durch kein germanisches lautgesetz erklärt — besonders 
so durch alle dialekte hindurchgehende Wörter wie got. maihstus^ isländ. 



— 330 — . 

Auf grund des lat. caed-öj got. skaid-a nun, einer prae- 
sensbildung wie aXd-o) (vergl. s. 95.), glaube ich allen den- 
jenigen formen dieser wurzel mit i, deren i sich nicht wie 
in den lateinischen compositen con-^ ex-^ in-, oc-, re-ciderc 
u. a., parri-, mMri-, lapi-cida durch ein einzelsprach- 
liches lautgesetz als umwandelung von ai oder sonstwie 
erklären lässt, indog. i zuschreiben zu müssen. Ausser abulg. 
cis-tüy lit. skys-ta-s sind das besonders germanische Wörter: 
anord. ski^, ahd. seit, mhd. schit n. *^ holzstück, scheit'; 
mhd. mitteld. schiten ''spalten', starkes und schwaches verb; 
mhd. sckiden ''scheiden, trennen', starkes verb; mhd. ge- 
-schide adj. '^gescheit, schlau', ge-scMde f. *^gescheitheit, ge- 
wandtheit'; endlich von der ^-form das schon genannte anord. 
skita, ags. scitarij ahd. scizan nebst dem nomen anord. skit-r m., 
mhd. schize f. ''sordes ventris, durchfall'. Schwächste tief- 
stufenform mit t haben, ausser den schon Paul in seinen 



mistrj ags. mist meox mix, ahd. mhd. neuniederl. neuniederd. mist be- 
weisen das — , so scheint schon für die grundsprache der aus dem sanskrit 
und griechischen bekannte lautwandel, dass s zwischen explosivlauten 
verklang, in anspruch genommen werden zu müssen. Dann muss lat. 
sextus statt *secius eine neubildung von dem cardinale aus sein wie 
got. saihsta, &ga. sixta, ^fries^ sexta, alts. ahd. sehsto; in sanskr. shash- 
thds, shathtis, avest. ksUtvö, kshvasHtim, abulg. sesfi, sestyj, lit. szesz- 
tas, lett. sests dagegen ist der innere Zischlaut normaler Vertreter des 
palatals ä:^ vergl. Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 121. anm. Hierauf 
gestützt möchte ich die Vermutung wagen, jene anlautsgruppen sk^-, sk^-, 
st-, sp- seien ihres s- beraubt worden in der satzstellung nach unmittel- 
bar vorhergehendem explosivlaute. Also indogermanisch bereits würde 
sich ud pek^iö (phonetisch genauer wol ut pek^iö) = sanskr. ut- 
-pagyämi 'ich schaue empor' aus *ud spek^iö neben pert spek^iö 
== avest. parri spasyämi lat. per-spiciö entwickelt haben und sanskr. 
pari-pa(^yämi wäre neuschöpfung nach ut-pa^yämi, tat pagyämi u. dergl. 
Die herausbildung des asigmatischen nominativs neben und aus dem sig- 
matischen, 'vn^og.nepöt k^e zur seite von nepöts esti (vergl. s. 171 f. 
anm.), fiele ja eigentlich unter dieselbe alte lautregel. 



— 331 — 

beitr. VI 123. richtig verstandenen ahd. scidon^ scidunga, noch 
mhd. schitj gen. schides m. "^Scheidung, Unterscheidung', mhd. 
schilere adj. *^dünn, lückenhaft, nicht dicht\ 

Hiernach kann germ. skiiö *^scheisse' nur als aorist- 
praesens = indog. sk^ido verstanden werden. War auch 
mhd. sohlte j schUe ein solches = indog. sk^ltS, so muss 
die erstere form sohlten im praesens die ursprünglichere sein, 
das d der anderen aus dem perf. sing, stammen. Doch 
können in sohlten und schiden auch von hause aus denomi- 
native, erst später stark flectierte verba enthalten sein ; vergl. 
0. Schade altd. wörterb.^ 791b. 799 a. Es ist drittens auch 
noch die auffassung möglich: in sohiden^ sohlten kann ein 
jod-praesens urgerm. skipiiö stecken, das zu griech. "^oxi- 
öuo Gxl^cü sich verhalten würde wie griech. töIco zu sanskr. 
svidi/ämi, ahd. swizzu (s. o. s. 33.); dann wäre wiederum die 
form sohiden im praesens die ältere wegen der vielleicht 
schon alten Wurzelbetonung der jod-classe (vergl. / in got. 
haf-ja und Kluge german. conjug. 128.), t in sohlten aus dem 
perf. plur. und particip. praet. übertragen ; ausserdem begriffe 
sich gut die von Schade aa. aa. oo. hervorgehobene früh- 
zeitige schwache conjugation dieser verba. 

Das i aller dieser Wörter unterstützt also in keiner weise 
einen so gekünstelten etymologischen und morphologischen 
versuch mit germ. skaipan, wie ihn Möller Kölbings engl, 
stud. III 156 f. Paul-Braunes beitr. VII 532. anm. macht. Es ist 
meiner Überzeugung nach (vergl. auch Brugman Bezzenbergers 
beitr. II 253. liter. centralbl. 1879. s. 773.) ein radicaler Irr- 
tum, dass, wie de Saussure und Möller meinen, alle indoger- 
manischen wurzeln im gründe e- wurzeln sein müssten, und 
ebenso falsch, in der weise dieser gelehrten und Kluges, so- 
wie Noreens Paul-Braunes beitr. VII 431. anm. 5., die Unmög- 
lichkeit einer tiefstufenform ?, u von indog. a/, an zu lehren. 



— 332 — 

Die leugner der a- reihe und der tiefstufenform /, u von 
ai^ au müssen vielfach die einfachsten erklärungen mühsam 
umgehen. Über den namen der morgenröte heisst es bei 
Möller Kuhns zeitschr. XXIV 496. anm. : „Indogerm. ausäs 
ausas- ward indoiran. ushä's-, ushäs- durch die von der ana- 
logie geforderte wiederholte Wirkung des ablautgesetzes ; in 
den sprachen, denen dies gesetz am lebendigsten im bewusst- 
sein haftete, im indischen und germanischen, ist die nach- 
trägliche Wirkung desselben überhaupt nichts seltenes. " Dass 
anfänglich bestehendes sanskr. * öshas- : * oskäs- sich zuerst 
nach dem muster anderer paradigmen mit o : u == indog. 
eu : u zu * öshas- : ushäs- multiformiert, hernach dieses wieder 
zu ushas- : ushäs- sich uniformiert habe, ist schon eine etwas 
starke Zumutung an unseren glauben; doch Hesse man sie 
sich noch gefallen, wenn es nur diesen oder überhaupt nur 
indo- iranische fälle der art gäbe. Aber woher soll im grie- 
chischen aXd-to : ^aid-aQo-g den anstoss zur herstellung des 
analogischen ablauts ai^-w : i^-ago-g empfangen haben? 
Wie entsprang im germanischen das isolierte particip issäj 
ahd. essüj durch analogischen ablaut? 

Alle die Schwankungen des verbalablauts zwischen a/.27-, 
au£C' und eir-j e?/^- reihe im germanischen, die Kluge ger- 
man. conjug. 83 ff. 160 f. behandelt, erklären sich meines er- 
messens einfach, sobald man anerkennt, dass in den schwa- 
chen perfectformen und im partic. praet. ursprünglich der 
wurzelvocalismus beider reihen der gleiche, /, w, war. Dann 
ist das perf. sing, anord. sveip die nachbildung zu svipurn, 
svipinn^ während es zu einer entsprechenden nachbildung des 
praesens germ. *swipan anstatt swaipan = anord. sveipa, 
ags. sväpan "^fegen, wegscheuchen, vertreiben"* nicht kam. 
Dass auch got. midja-sveipains und das schwache anord. svipa 
nicht eine ej-wurzel beweisen, sondern indog. i enthalten 




— 333 — 

können, wird jetzt Kluge selber zugeben. Zuweilen kam es 
aber auch zu einer neuschöpfung des praesens nach der e/^*-, 
ew^- reihe. So bei diesen: anord. brjöta gegenüber älterem 
ags. breatan *^brechen^; got. ahd. hiufan^ alts. hiöban '^weh- 
klagen^ gegenüber ags. ^heafan in heof redupl. perf.; got. 
hniupan 'brechen^ gegenüber ags. "^hiieapan in hneop redupl. 
perf.; vielleicht auch bei gemein-germ. swifan = anord. 
svifttj ags. svffan, mhd. simfen gegenüber ahd. sweifan^ mhd. 
sweifen. In einem falle wie dem letzteren aber darf man, 
da auch anord. svifa für ^svifja stehen kann, selbst an ein 
altüberliefertes jod-praesens des typus 'idiix) denken: urgerm. 
swifiiö = indog. suipiiö hatte mit urgerm. swäifö = 
indog. sTidipö die ausserpraesentischen formen gemeinsam, 
so dass sogar die möglichkeit einer germanischen neubildung 
des vereinzelt dastehenden ahd. sweifan^ mhd. sweifen zu dem 
reduplicierten perfect swief = germ. sweswaif nicht aus- 
geschlossen ist. Ein aoristpraesens indog. suipi ist des / 
in swifan wegen nicht ratsam anzunehmen*). 



1) Die obigen ausführungen erleiden vielleicht in der folge doch 
eine modification und berichtigung. Ich werde an späterer stelle (vergl. 
das „Vorwort") zu zeigen haben, wie das bewahren oder abwerfen der 
perfectreduplicationssilbe auf grundsprachlicher satzphonetik beruht, wie 
indog. s es öde, g^eg'^öme, k'^ek^löpe = sanskr. sasä'da, jagama, 
griech. xe'xXofe und indog. so de, g'^örne, k^löpe (aus *ssöde, 
*g'^g^öme, *k'^k-löpe) = got. sat, qam, hlaf uralte satzdoubletten 
sind, gleichwie indog. pedös und pdös 'des fusses', indog. e sin 6s 
und smus 'wir sind', esnti und snti 'sie sind', esfem und siern 'ich 
sei', indog. k^etuöres und k'^tuores 'vier' u. a. Dann wird sich also 
die möglichkeit zeigen, jene germanischen reduplicierten perfecta ags. 
heof, hneop, ahd. srvief als die Überreste der perfecta mit reduplication 
von ei-, <??^ -wurzeln im germanischen zu betrachten, so iiass sie, die 
doppelformen der reduplicationslosen got. *hau/' ahd. * hou f&lts. *hd/', 
got. "^knaup, anord. sveif si.gs. sväf mhd. smeif, nach älterer ablauts- 
regelung gar nicht abnorm zu den praesentien got. hiufa ahd. hiufu alts. 
hi\it)u, got. hniupa, anord. svlf ags. svife mhd. swife (»= indog. sueipö) 



— 334 — 

Am handgreiflichsten liegen uns für hl an p an die spuren 
des älteren ablauts hlaiipa., hlaihlatip , {hlai)hlupum^ 
hlupans weit verbreitet vor. Den bei Kluge a.a.O. 84 f. 
ervrähnten perf. plur. anord. hlupum^ ags. hlupon^ mittelengl. 
lupeuj dem opt. perf. anord. hJj/pa hlepa und dem partieip 
mittelengl. /ö/7e;2 reihen sich auf hochdeutschem gebiet anhd. 
Ivffe o*pt. perf., mhd. anhd. ge-loffen partic. (J. Grimm deutsche 
gramm. P 852. 901. 991. des neuen abdrucks) an. Ich kann 
in diesen, weil sie aus dem System herausfallen, nur alte 
formen sehen. Neuere volksmundarten , wie das südfrän- 
kische, halten an dem partieip ge-loffen bis auf den heutigen 
tag fest. Es ist mir unerfindlich, wonach es eine jüngere 
analogiebildung sein könnte. An gesoffen als muster ist 
nicht zu denken, da dieselben mundarten nicht wie die 
Schriftsprache die praesentia laufen und saufen im vocal zu- 
sammenfallen lassen ; im Heidelberger dialekt heisst es saufe^ 
gesoffe^ aber läfe^ ß^^^ffe. Wenn das althochdeutsche von 
diesen dem mittel- und älteren neuhochdeutschen bekannten 
antiquitäten nichts aufweist, so halte ich das für zufall der 
mangelhaften Sprachüberlieferung. Auch dass Wimmer alt- 
nord. gramm. § 132. s. 111. die formen mit j'ö im plur. perf. 
(hljöpum) die älte&ten nennt, scheint nicht günstig für unsere 
annähme ; doch bedarf die sache jetzt einer genaueren Unter- 
suchung, die vielleicht den auf angelsächsischem boden we- 
nigstens frühzeitig genug überlieferten formationen auch im 
altnordischen ein nicht allzu geringes litterarhistorisches an- 
sehn geben wird. 

sich stellen würden. Dass der besitz oder nichtbesitz der perfectischen 
reduplication nicht von allem anfang an, wie zur zeit des streng geord- 
neten germanischen verbalablauts, ein unterscheidendes charakteristicum 
der nicht -<?/-,-^M- wurzeln und der -^|-,^w- wurzeln war, dürfte ja jetzt 
wol ein schon länger allgemein zugestandener satz sein; vergl. verf. mor- 
phol. unters. I 238 f. anm., Paul in seinen beitr. VII 155 f. 



— 335 — 

Stavtan bekommt seinen ursprünglichen schwachen per- 
fect- und participablaut zugewiesen durch ahd. pr-stuzzen^ 
unter-süizzen *^sustentare, fulcire', sluzzelingün adv. ^temere, 
temerarie^ mhd. nhd. stützen^ mhd. nhd. sttitz m. , nhd. 
stutzen *^mit den hörnern stossen (wie ziegen , schafe) , be- 
schneiden, plötzlich still stehen^; vergl. Paul in seinen beitr. 
VI 123. Ziehen wir die alte nebenform der würze! mit be- 
reits grundsprachlich apokopiertem s- (vergl. oben s. 329.) 
hinzu, so erscheinen auch Vertreter nebentoniger tiefstufe 
mit ü: griech. Tvd-ev-g ''Schläger, Stösser, Martell' (Curtius 
grundz.^ 226f.); lat. iüsu-s nebst compp. con-, oh-^ re-, sub- 
-iüsu-s aus indog. tüd-to-s (daneben als neubildung nach 
dem praesens tnnsu-Sj vergl. Neue formenl. IP 568 f.); ags. 
püt-an *^töne ausstossen^ (oben s. 10.). Andererseits mit ton- 
loser tiefstufe u: sanskr. tud-ö.-ti, tu-tud-imd^ tun-nä-s partic, 
-tud-a-s adj. in compp. '^stossend' ; lat. tu-tud-mu-s^ tud- 
-c{t)-s f. ^^hammer', tnd-itüre'^ anord. Jmt-iim^ pot-inn^ ags. 
Jnit-on^ pot-ofi^ ahd. duz-un^ doz-en plur. perf. und partic. 
praet., anord. pyt-r m. 'brausen, geheur, pot n. 'luftzug, un- 
gestüm', mhd. duz m! geräusch, schall, rauschender ström, 
schwair. Got. put-haurn ist zweideutig. Wenn altlat. tu- 
-tnd-ij con-tüd-it (vergl. Neue formenl. IP 476., Corssen aus- 
spr. voc. I^ 555 f.) mit recht als reste starker perf.-sing.- 
formen betrachtet werden (Windisch Kuhns zeitschr. XXIII 
252., Brugman Curtius' stud. IX 372.), so zeugen sie doch 
keineswegs für indog. ow, also ew- reihe, sondern sind wegen 
got. staut-arij stai-staul für lautgesetzliche umwandelungen von 
urlat. *fü'täud-iy "^ cön-täud-it zu halten, wie fe-felli^ con- 
-clüdö solche von "^fe-fall-ly ^con-cläud-ö sind. Doch ist 
auch gestattet, das n in tu-tüd-t, con-tüd-it für indog. ü und 
die formen somit für analogiebildungen nach den schwachen 
des plurals von nebentoniger tiefstufe zu halten. Vergl. über l 



— 336 — 

« 

und ü im schwachen perfectstamme oben s. 60 — 71.; über 
die möglichkeit, so auch das lat. z in re-tiqu-Jj vid-i aufzu- 
fassen, s. 129. anm. Endlich bei dem praesens anord. pjötOj 
ags. peotan, ahd. diozan^ welches das klarste zeugnis für 
die ew- Wurzel abgeben zu können scheint, verfliegt dieser 
schein ebenso bald: es ist jüngere bildung der germanischen 
einzelsprachen für das aoristpraesens ags. pütan (oben s. 10.) 
und hat eben in seinem wurzelvocalismus bei der verwant- 
schaft mit st au tan das kriterium solches späteren Ursprunges, 
wie es got. biugan ahd. biogan mhd. nhd. biegen^ anord. 
smjüga mhd. smiegen nhd. schmiegen^ got. skiuban ahd. sciu- 
ban mhd. nhd. schieben in ihrem consonantismus, wegen des 
Z,b = indog. A:^, /?, haben gegenüber den älteren aoristprae- 
sentien ags. bü^an^ ags. smü^an, ags. scufan neuniederd. 
(westfäl. grafschaft Mark) schiuwen, vergl. s. 10 f. 11. 160 f. 
326 f. 

Zu anord. bauta^ ags. beatan, ahd. pözan, mhd. bözen 
*^stossen, schlagen' stellt sich nach Paul in seinen beitr. VI 
123. mhd. blitze m. "^abgestumpftes, klumpenartiges stück, 
klumpen, schreckbild, Poltergeist, butzemann'; ausserdem neu- 
niederd. btitt adj. 'stumpf, plump, grob, ungeschliffen\ Tief- 
stufenformen mit ü sind: Island, büt-r m. 'holzklotz', mhd. 
büz m. 'schlag, schmiss, stoss', mhd. biizen schw. v. 'bauzen, 
gackern wie die hühner' (vergl. mhd. wörterb. I 190 b.), mhd. 
biuz m. 'schlag, stoss' mit z-umlaut des ü. Ein verbum 
mhd. biezen kann allein wegen ge-bozzen Lassbergs lieders. 
III 423. nicht aufgestellt werden mit dem mhd. wörterb. 1 190. ; 
gebozzen im reime auf grozzen ist natürlich == gebozen, 
und die praesensform biuzet ist Rabenschi. 921. nur conjectur 
flir überliefertes pauzzet. Das richtige sah schon Grimm 
deutsch, wörterb. II 268 f. Vollends ganz unmittelhochdeutsch 
als starkes ablautendes verb wäre das von Kluge german. 



— 337 — 

conjug. 160. aus Lexer band Wörter b. I 291. entnommene 
biuzen. 

Für got. aukan^ anord. miküj lit. dugu^ dukti^ lat. augeö, 
griech. av^Wj av^avio zeugt sanskr. vg-rd-^ avest. ugh-ra- 
adj. 'stark, gewaltig', vielleicht auch griech. vß-gt-g nach 
Bezzenberger in seinen beitr. II 155. Somit ist auch anord. 
yküy eka opt. perf. (Wimmer altnord. gramm. § 132. s. 111.) 
als alt der wurzelvocalstufe nach zu betrachten. Der plur. 
perf. anovd. jukum enthält in demj- die reduplication r-y-wA^-w^/i 
entspricht einem got. ^ai-uk-um^ während j-ok-um wie got. 
ai-aiik-um ist ; auch im optativ liegt redupliciertes j-yk-i vor 
neben j/k-i^ yk-a. Dürfte es gestattet sein, in den redupli- 
cationslosen yka^ yki vielmehr den optativ des „unthema- 
tischen" aorists zu sehen? Die stärkere tiefstufenform üg-- 
von aug^- vertreten litauische Wörter: üg-i-s m. 'wuchs, 
sehössling eines Jahres', üg-li-s m. 'junger zweig, schoss', 
von denen jenes mit griech. "^vy-t-g in vyl-eig die indoger- 
manische doublette eines -e/- Stammes bildet nach vS. 180 ff. 
Mit der wurzel ctug^- sollte man nicht länger zum schaden 
der klaren erkenntnis der vocalverhältnisse (vergl. de Saus- 
sure syst, primit. 280 f. 281. anm. 2.) das zwar synonyme, 
aber auch im consonantismus wesentlich abweichende, weil 
palatal auslautende uag^- 'rege sein, kräftig sein', trans. 
'stärken, kräftigen' confundieren, das in sanskr. vdkshati 'er 
erstarkt, wächst', väja- m. 'rüstige kraft, regsamkeit', avest. 
fra-vüziionte conj. med. 'sie stärken sich', vuzyant- partic. 
adj. 'behende, schnell', väza- m. 'kraft', got. vakan 'wachen', 
vahsjan 'wachsen', vökr-s m. ' Wucher' zu gründe liegt. Zu 
diesem uag^- gehören auch lat. vigeo^ vigescö^ vigil^ aber 
für lautgesetzliche * vaged u. s. w. stehend zufolge des ein- 
flusses der composita wie per-vigeöy re-vigescöy per-vigil 
(mehr beispiele derartiger ausgleichung sieh oben s. 2.), wäh- 

Osthoff u. Brugman untersuch. IV. 22 



— 338 — 

rend vegeö ""bin lebhaft, munter^ trans. *" errege, setze in be- 
wegung", vegeiu-s adj. 'rüstig, lebhaft, munter' für "^vageo 
etc. sich wol volksetymologisch nach vehor "^bewege mich, 
fahre einher "*, vehemens 'heftig, hitzig, stark, gewaltig'' ge- 
richtet haben. Griech. «/«Iw, das am meisten jene con- 
fusion befördert hat (vergl. de Saussure syst, primit'. 276., 
Gust. Meyer griech. gramm. § 99. s. 101.'§ 105. s. 104.), bleibt 
selbstverständlich bei av^to] dass und wie jenes sich mit 
einer einsilbigen wurzel aug"^- wol verträgt, zeigt sich uns 
gelegentlich an späterer stelle. 

Woher die besonderen anlasse zu der uniformierung der 
ablautsreihen got. skaida^ skaiskaid^ skaiskaidiim ^ skaidans 
und stautttj staistaut^ staistautum^ staiitans der altgermanischen 
spräche kommen konnten, werden wir im fortgang der Unter- 
suchung erfahren. 

Kluges und Möllers theorie, die alle diese verba, wenn 
sie irgend tiefstufe mit z, u zeigen, auf die e- reihe zurück- 
bringen will, findet auch den beifall Joh. Schmidts nicht; 
vergl. anzeig. f. deutsch, altert. VI 128. Und in der tat sind 
die Voraussetzungen: l) dass die dritte sanskritische prae- 
sensclasse den wurzelvocalismus des perf. sing. act. (indog. o) 
gehabt habe, 2) dass die reduplicationssilbe mit z-vocal im 
germanischen spurlos ha"be wegfallen können, 3) dass bei 
so vielen ursprünglichen ^wz-verben alle spuren der alten 
Twz-conjugation des praesens und ihrer Stammabstufung im 
altgermanischen hätten verwischt werden können — doch zu 
gewaltsam, um glaublich zu erscheinen. Das einzige bis jetzt 
nachgewiesene praesens dritter indischer classe im germa- 
nischen, das aber Kluge und Möller entgangen ist, ahd. bi- 
-b^-n 'bebe"* = sanskr. bi-bhe-mi 'fürchte mich' hält seine 
reduplicationssilbe fest'). Damit aber bi-b^-n wegen seines e 
1) Brieflicher mitteilung dr. Kluges zufolge ist er selbst auch nach- 



— 339 — 

(anord. bifa^ ags. beofian bifiaiij alts. bibdn sind anerkannt 
nur spätere Substitute für biben) nicht wenigstens dazu be- 
nutzt werde, um hochstufenvocalismus, indog..o2, der dritten 
praesensclasse zu vindicieren, bemerke ich: die wurzel war 
keine e- wurzel, da aus einer solchen die andere praesens- 
bildung erster classe abulg. boj-a se 'fürchte mich' sich nicht 
unmittelbar erklären würde; boj-a se ist von der 1. sing, und 
von der 3. plur. boj(Hj lautgesetzlich flir urslav. *^öy-ö-w^«^^), 
sowie vom partic. praes. act. boje aus in die schwache con- 
jugation übergetreten {boisi se, boitX se statt *bojesij "^bojeii) 
wie auch andere, intransitiva vornemlich, z. b. leza, lezati 
= germ. HzLö^ ahd. liggu (verf. Paul -Braunes beitr. VIII 
141.). Dem slavischen gemäss stehen ved. bhdy-a-te, avest. 
bay-a-inti für indog. bkdi-e-talj bhdi-o-7itij nicht für 
bhei-e-tai, bhei-o-nti. Und ich möchte auch für diese 
ö2- Wurzel hier auf ihre stärkeren und schwächeren tiefstufen- 



träglich auf das seiner theorie ungünstige ahd. bi-bi-n aufmerksam ge- 
worden. Vergl. jetzt Kuhns zeitschr. XXVI 85 f., wo aber Kluge von 
der gleichung ahd. bi-be-n = sanskr. bi-bhe'-mi als von einer schon der 
älteren Sprachwissenschaft nicht fremden erkenntnis hätte reden dürfen. 
Benfey ist, so viel ich weiss, der urheber derselben in seinem griech. 
wurzellex. II 104 f.; vergl. auch Curtius grundz.^ 298., Brugman Curtius' 
stud. VII 208 f. 

1) Der vulgäre slavische ausgang der 3. plur. indic. praes. der primi- 
tiven jodverba, -jat^ in abulg. dejafl, luzqft^ beruht seinerseits auf neu- 
bildung nach der form der nicht jotierten wie vezaü. Umgekehrt ahmen 
die letzteren die jod-praesentia nach in den ersten personen des duals 
undplurals: vezeve, vezemü für lautgesetzliche *vezove, *vezomü nach 
dejeve, dejemu. Diese erklärung ziehe ich wenigstens der annähme ein- 
facher Übertragung des -e- von den zweiten personen dual, und plur. 
vezeta, vezete (Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXIII 359. XXV 99., Brug- 
man morphol. unters. III 120.) vor, weil sich so leichter die ausnahme- 
stellung des einfachen aorists mit vezove, vezomu begreift : aoriststämme 
mit jod gab es nicht, daher hier auch keine einwirkung der personal- 
ausgänge solcher. 

22* 



— 340 — 

« 
formen mit ^ und /aufmerksam machen: ^ in sanskr. bi-bki- 

-tas dual, praes., ved. bi-bhi-yä'-t opt. praes., bi-bhi-ma perf. 
plur., ved. bi-hhi-vak partic. perf. act., bhi-ya-te praes. pass., 
bki-tä-s partic., bhi-ti-s f. *^ furcht^, bhi-md-s adj. ^furchtbar, 
schrecklich V bhi-rü-s adj. 'furchtsam, schüchtern, feig', bhi- 
f. ^furcht, schrecken', lett. bi-stü-s praes., bi-tl-s infin. 'sich 
fürchten'; / in sanskr. bi-bhi-tas dual, praes., bi-bhi-yä-t opt. 
praes., ved. vi bi-bhi-sha-thäs aor. causat. 2. sing, med., avest. 
bi'Wi-väo partic. perf act. Vergl. s. 59. 60. 128. 166. 

Nicht am unwirksamsten wird man vielleicht die theorie 
von dem nicht ausfallenden „ ^ " widerlegen durch nach weis 
seines ausfalles da, wo es nicht von einem Sonorlaut be- 
gleitet steht. 

Die übliche erklärung des praefixes po- in lat. po-situ-s 
(vergl. Corssen ausspr. vocal. P419f, Schweizer- Sidler Kuhns 
zeitschr. XIX 302., Curtius grundz.^ 285.) kann ich nicht 
billigen; Sius ^port-situ-s wäxe *possüu-s oder allenfalls *pö- 
situ-s entstanden. Richtig beurteilte zuerst Grassmann Kuhns 
zeitschr. XXIII 569. die bildung von po-situ-s: *pö-smOj so- 
wie po-li-ö, das Curtius grundz.^ 366. treffend mit li-nö zu- 
sammenhält , sind Zusammensetzungen mit der schwachen 
Zwillingsform der indogermanischen praeposition dp o = 
sanskr. ö/?a, avest. apa^ griech. «tto, lat. ab^ got. af. Die 
eigentliche bedeutung von pönere ist 'ab-legen, von sich weg- 
stellen',- die von po-lire 'weg -streichen, ab -glätten'. Das 
formale Verhältnis von p6 und äpo ist dasselbe wie das- 
jenige von indog. pi und epi^ bhi und eÄÄz, ni und 6ni 
u. a. (verf morphol. unters. 11 32 f. oben s. 222 ff. 225 ff. 227 ff.). 
Ein weiterer zeuge für p6 ist ahd. /o-?iö, das von Pott ety- 
mol. forsch. P 39. 445. 451. und Curtius grundz^ 263. doch 
wol richtig zu «Wo, got. a/, ahd. aba gestellt wird und dessen 
verbliebener o - laut sich aus der nebentonigkeit der ihn ent- 



— 341 — 

haltenden silbe nach Paul in seinen beitr. VI 186 ff. erklären 
wird. Lit. /?a-, abulg. po weichen in den bedeutungen, die 
Fick wörterb. IP 597. aufzählt (vergl. auch Bielenstein d. 
lett. spr. §§ 549. 550. 551. II s. 296 ff.), ab; aber Grassmann 
a. a. 0, identificiert sie doch mit lat. po- in po-situ-s^ und 
„bei der ausserordentlichen beweglichkeit der bedeutungen 
der praepositionalstämme " (Bielenstein a. a. o.) hat er viel- 
leicht nicht unrecht darin. Die perfective bedeutung, die 
lit. pa- den damit zusammengesetzten verben gibt, ist wol 
auch in lat. po-lire^ ponere gegenüber linere^ sinere wieder- 
zufinden ; vergl. nhd. ab-tun^ ah-machen^ ab-reisen^ ab-brechen 
u. a. , griech. aTt-eqycitof.icxtj a7t-€Q€lda)j aTto-ßXsTtco y ccjto- 
-ßQL^Wj lat. ab'solvere^ alle perfectiv, wie schon Pott etypaol. 
forsch. I^ 441. erkennt. Sodann haben wir nach Pott ebend. 
indog. p 6 auch als osset. fa- „ praep. insep. häufig vor verben, 
um die gänzliche Vollendung von handlungen oder zu- 
ständen auszudrücken oder ihnen in anderer beziehung eine 
grössere bestimmtheit mitzuteilen"; z. b. osset. fa-kjanyn 
"^(fertig) machen, vollenden"*, fa-oje-kjanun *^ aus verkaufen'. 
Und sicher endlich ist, wie mir scheint, dass die auf der 
basis pos- entsprungene Wortsippe, sanskr. pac-cä\ pag-cädj 
avest. pas-cüj pas-kät^ apers. pasä^ pasne^ lat. pos-^ pos-t, 
pö?iej lit. päs, päs-kuiy pas-küi mit äpo zusammengehört, 
woran ebenfalls schon Pott etymol. forsch. I^ 462 f. und neuer- 
dings wieder Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 97. anm. 3. 
gedacht hat; mit sanskr. äpa-ra- *^der hintere' ist ja pa^^'^a- 
ganz gleichbedeutend.. 

Yed.j'mdn- 'bahn', einfach in dem loc. sing. j-?ndn (rgv. 
VII 21, 6. 60,2.), sonst in den compositis päri-Jman-j tiru- 
-jman-y prthu-jman-y dvibarha-jman- und in jma-ya- Mie bahn 
entlang gehend', halte ich für dasselbe wie ved. äj-mah- n. 
'bahn' = lat. ag-men^ mit differenter wurzelstufe, leite es 



— 342 — 

also von aj- ""agere' ab. Sanskr. j-mdn- :■ dj-maii-^ lat. ag-men 
= griech. ;(?T-^a : %ev-^aj sanskr. hö-man- == griech. qv-^a : 
QBv-fxa u. a. (oben s. 139 ff.). Die bisherige etymologie, nach 
welcher jman- zu gam- *^gehen^ gehören soll^ scheitert doch 
wol an dem palatal des wertes und scheint mir nach Joh. 
Schmidts rettungsversuche Kuhns zeitschr. XXV 86. um nichts 
-annehmbarer. Das sanskrit hat bei gam- '^gehen'* in folge 
von ausgleichung nur noch g^ nicht mehr j\ ist es also irgend 
wahrscheinlich , dass jmdn- den ihm lautgesetzlich nicht zu- 
kommenden, durch Übertragung von den untergegangenen 
verbalformen mit 7- hineingekommenen palatal darbiete? Das 
ved. prthu-gmä'n-am rgv. X 99, 1., worin Schmidt „den vor m 
regelrechten guttural erhalten" sieht, wird man demnach 
besser als ein volksetymologisches Substitut für jyrthu-jman-am 
ansehen; diese form, für eine spätere generation in ihrem 
Ursprünge verdunkelt, wurde an die wurzel gam- angelehnt. 
Ich weiss nicht, wie diejenigen, denen das „ phon^me A " 
als „ consonant wie 2, u " (nach Möllers fassung) nicht ausfallen 
kann, diese sich ihrer theorie entgegenstellenden Schwierig- 
keiten beseitigen werden. Für mich genügen erscheinungen 
wie die genannten, um die notwendigkeit, praesens bildungen 
wie sanskr. äj-a-ti, avest. az-a-iti, griech. ay-Wy lat. ag-Oj 
anord. ak-a unter die kategorie der „ aoristpraesentia " zu 
rechnen, durch die bisher dafür angeführten gründe — viel- 
leicht finden sich andere entscheidendere — nicht erwiesen 
zu sehen. Auch sehe ich nicht ein, warum durchaus nur 
eine vocalreihe (die e- reihe) dagewesen sein soll. Geben 
wir uns etwa auch beim consonantismus mühe, die verschie- 
denen reihen der gutturalen, dentalen und labialen auf eine 
einheit zurückzubringen? Wie es vorläufig richtiger ist, das 
gebiet der beiden A-- reihen so scharf und klar als möglich 
zu scheiden, als schon jetzt sich nach den möglichkeiten um- 



— 343 — 

zusehen, wie die velaren und die palatalen im letzten gründe 
zu vereinigen seien : so ist auch im vocalismus vor der hand 
das lautlich nicht identische möglichst auseinander zu halten. 
Bekommen wir zwei, vier, ja sechs grundsprachliche ablauts- 
reihen heraus, so darf uns das nicht kümmern. Wenn wir 
nur die regelmässigkeit der bewegung in jeder 
einzelnen reihe klarlegen und die gleichen gründe der 
sich entsprechenden einzelnen vocalablautungen durchschauen 
werden, so ist unser erstrebtes ziel eines glatten vocalsystems 
erreicht. Am verderblichsten aber erscheint mir das allzu 
frühe hereinziehen des semitischen in die häuslichen fragen 
des indogermanischen vocalismus. Das trübt die Unbefangen- 
heit des blickes, und auch Möller wird sich doch sagen 
müssen, dass es nicht das letzte ziel indogermanischer Sprach- 
forschung ist, einheit unseres Sprachstammes mit dem semiti- 
schen, insbesondere einheit des vocalsystetns beider zu er- 
weisen. Zeigt sich nach eingehender objectiver erforschung 
unseres vocalismus keine aussieht, die verwantschaft beider 
Sprachstämme auf grund des gleichen Organismus der wurzel- 
und woftformen zu behaupten, nun, so ist das resultat kein 
bedauerlicheres, als wenn es umgekehrt wäre. 

Ja, „ die statuierer des zweiten a " (Möller Kölbings engl, 
stud. III 150.) müssen, wofern ich mich nicht sehr täusche, 
noch ÖLaLQ6Ti'MüT;€Q0L werden und neben der ^- und a- reihe 
auch eine Ö -reihe als zulässig erachten. Das griechische vor 
allem, dem wir ja jetzt die führerschaft in fragen des voca- 
lismus zugestehen, weist darauf hin. Denn die praesentia 
od-o-^aLy av{a)-oly-(x)j oXx-o-f.iaCj oup-w und kqov-Wj dürfte 
man sie nicht am einfachsten als „normalstufige" in der 
ö- reihe, wie 7teT-o-f.iaLj kelTt-iOj cpavy-co in der e-, aXd'-w^ 
av-o) in der ß.- reihe, ansehen? An Übertragung der vocal- 
stufe des perfect sing, ist bei jenen doch schwerlich zu 



— 344 — 

denken, da sonst dergleichen nicht vorkommt. Höchstens 
gäbe o%x-o-(.iai seiner bedeutung wegen veranlassung, es für 
„perfectisch und durch den perfectdiphthong charakterisiert" 
zu halten (Curtius grundz.^ 507. verb. IP 238.). Aber erstens 
ist Sonnes und Curtius' vergleichung mit got. vaik 'cessi' 
schon der abnormen lautverschiebung (x = germ. k) wegen 
hinfällig. Zweitens würden, wäre oi%o^Lai von derselben art 
wie homer. avtöyu^ syrakus. ohölio (Curtius verb. IP 199 ff., 
Gust. Meyer griech. gramm. § 560. s. 425.), wol irgend welche 
spuren der älteren echten perfectflexion , wie eben «Vw;/«, 
okwlnj vorliegen. Drittens könnte oixo/xai als medium 
doch auf keinen fall direct aus einem perfect hergeleitet 
werden, da ja dem medium perf. kein oi, sondern tiefstufen- 
vocalismus zukam; es wäre aber gewagt, zur erklärung der 
isolierten form gar erst einen singular act. perf. *olx-cc zu 
construieren. So' müssen wir wol den ursprünglich praesen- 
tischen bildungscharakter des or/-o-f^iaL gelten lassen, aus 
dem vielmehr Herodots or/r]jiiaL sowie att. oH^toza (Curtius 
verb. I'^ 389. 398.) als die der perfectischen bedeutung zu 
liebe nachgeschaffenen jüngeren formationen hervorgingen. 
Ich stelle zu oXx-o-f.iaij das nirgends spuren digammatischen 
anlauts zeigt, die avestische wurzel iz- 'fortgehen' bei Justi 
handb. d. zendspr. 55 b. mit der jod-praesensbildung iz-ye-nti 
3. plur. praes.: ys. XXIII 5. haca ahmät nmänät izf/e?iti \we\che) 
aus diesem hause fortgehen'. Was diy-o)^ oXy-vv-iu angeht, 
so ist betreffs der etymologie und der besserung von un- 
formen in unserem Homertext {ßs'iyvvvTo^ wL^e) J. Wacker- 
nagel Bezzenbergers beitr. IV 303 ff. zu vergleichen, nur dass 
Wackernagel über das formale Verhältnis der beiden prae- 
sentia oXy-o) und oXy-vv-^n nicht die richtigen aufschlüsse 
gibt: oXy-vv-(xi kann nur von o%y-o) oder dem futur o'/^w, 
aor. homer. rj-oc^e seinen diphthong haben, denn ebenso 



— 345 — 

haben ösU-vv-ilil und tevy-vv-^i ihre „gunierung" von öeL^u 
e-öu^a^ tev^to e-Kev^a, vergl. Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 
260 f. Dass oXcp-co zu sanskr. yäbh-ämi^ abulg. jeb-a^ *futuo' 
(Fick wörterb. P 1S2. IP 730 f.) nicht gehören kann, bemerkt 
schon Pott Wurzel- wörterb. V 197.; die Zusammenstellung mit 
avest. vaep-ämi *^futuo' würde am vocalismus kein hinder- 
nis finden; anord. vif^ ags. vif, alts. wif (gen. lofb-es)^ ahd. 
wib ivip n. Veib"* müsste, wenn Pott a. a. o. es richtig zu 
oX(p-to zieht, nicht mit indog. ei^ sondern mit i einer tief- 
stuf enform uibh-ö-m (uif-d-TTi) entstammen. Von -^qovu)^ 
zu dem als tiefstufenbildung avTL-'HQv gehört (vergl. s. 268.), 
muss zugegeben werden, dass es auch auf einer «-wurzel 
ki^au- beruhen kann, wie lov-co, lat. lav-ö auf lau- (oben 
s. 89. 92.); das ov vor vocal haben wol y,Qov-oj, Xov-o) 
— lautgesetzlich sind *x^o(/)-w, k6{ß)-cü (vergl. ko^ Od. 
X 361.) — nach dem futur KQov-owy Xov-gco^ aor. e-xQov-oay 
e-kov-Ga und ähnlichen formen hergestellt. 

Mittelstufenvocalismus der wurzel hatte anerkanntermas- 
sen von anfang an auch das sigmatische futurum. Sollte 
nach Brugman morphol. unters. III 58 ff. das griechische futur 
auf -oiü auch zu einem conjunctiv aoristi werden, so würde 
das an der frg-ge der ablautsstufe der wurzel nichts ändern. 
Nun ist griech. oHgcoj da es im verbalsysteme einer ganz 
anderen wurzel (f/)€^-) steht, eine „isolierte form"; als solche 
weiss ich es samt dem entsprechenden sanskr. vek-shyä-mi 
für ^vesh-shya-mi *^ich werde ausrichten, zu stände bringen' 
(Petersb. wörterb. VI 1241. unt. 1. vish-) nur aus einer wurzel 
uoU- zu gewinnen. Von der Wortsippe oI(5-/<a, olö-oo, n., 
oid-akso-Qj oiö-äwj oiö-iwj olS-dvojy oiö-alvco machen die 
beiden nomina oiö-f.ia und olö-og den eindruck, als sei der 
vocal der übrigen Wörter nur durch sie bestimmt worden, 
nicht umgekehrt. Da neutra auf -og und -ina (vergl. s. 139 ff.) 



— 346 — 

bei nicht reducierter wurzel mittelstufigkeit derselben haben, 
so dürfte also auch hier eine o- wurzel oid- sich darbieten, 
deren stärkere tiefstufenform id- in hd-iq f. 'waldgebirg, saltus' 
(Fick wörterb. I^ 507. IP 33.) vorliegen würdet- 

Einiges bringt auch das lateinische herbei. Das prae- 
sens altlat. ol-ö 'ich rieche', älter als ol-eö^ wird doch wol 
/ für ursprüngliches d haben, wenngleich das gesetz dieses 
lautüberganges noch nicht erwiesen ist. In wiefern die jod- 
praesentia griech. oCw, lat. fod-iö und das particip lat. fossa 
mittelstufigen wurzelformen orf-, hhod- nicht widersprechen, 
kann ich erst in morphol. unters. V. eingehender zeigen. 
Wenn man eine wurzelform lok'^- 'laut tönen, schreien, lär- 
men, schwätzen, sprechen' aufstellt, ist lat. loqu-or eine prae- 
sensbildung wie sequ-or in anderer vocalreihe; tiefstufiges 
^A^2_ __ griech. la/.- normal in läoyM aus */«x-(yxw, aor. 
e-Xay-o-v ^ Xe-Xcm-o-vTOj perf. Xe-lay-vla^ in Xav-ego-g u. a. 
Die formen mit « , wie dor. läy.-eo) (Theocrit II 24.) , perf. 
homer. le-lrjy-wg (II. X141.), sind wir berechtigt, für grie- 
chische neuschöpfungen auf grund der die ablautsreihe wech- 
selnden wurzelform lav- zu halten. Die beliebte combina- 
tion des abulg. rek-a^ mit lat. loqu-or^ griech. e-lav-ov ist 
schon des slav. r wegen, das zu griech. lat. / nicht stimmt, 
aufzugeben. Lateinische neutra auf -os wie griech. olö-og 
könnten on-us^ op-us sein. 

Wenn de Saussure syst, primit. 161 ff. auch griech. od- 
-ofxai^ lat. ö/-ö, loqu-or zu aoristpraesentien machen will, so 
lässt sich dem eben die existenz jener griechischen praesentia 



1) Lat. aemidus 'tumidus, Tre^vaTjfievos, inflatus', das Fick a. a. o. 
und Curtius grundz.^ 245. noch zu oW-fia, olS-os stellen, scheint mir 
wegen seines abweichenden diphthonges jetzt besser von Froehde Bezzen- 
bergers beitr. V 273. aus *ais-mtdo-s gedeutet und an andere yerwant- 
schaft angeschlossen zu werden. 



— 347 •— 

mit im diphthoDge, o%y-to^ oXcp-o), oXx-of.iaiy entgegenhalten: 
diese können nicht tiefstufig in der wurzel sein, folglich liegt 
auch kein grund vor, in od^-o^aL^ ol-ö, loqu-or reducierte 
wurzelform anzunehmen. oS-o-juaL : TtsT-o-fxai = o%y-o) : 
leiTt-o). Für das germanische und die nordeuropäischen 
sprachen überhaupt ist allerdings die aufstellung einer ö-reihe 
an sich von keinem weiteren belange. Praesentia mit o 
mussten hier mit den praesentien der «-reihe zusammen- 
gerinnen. Nur durch Isit.fod-idj fossa wissen wir es, dass 
abulg. bod-a^ auch eine bildung wie o^-o-fnai ist. Mit lat. 
loqu-or scheint mir alts. ahd. Lah-an, ags. lean 'schelten, 
schmähen, tadeln, vorwürfe machen^ wovon die nomina 
anord. lost-?' m. 'fehler, laster^ und ags. leah-tor^ alts. ahd. 
lastai' n. 'tadel, Schmähung, schimpf' (Kögel Paul -Braunes 
beitr. VII 193., von Bahder d. verbalabstr. in d. german. spr. 
96. 148.), identisch zu sein; denn wie der begriff des lauten 
Schreiens oder lärmenden Sprechens sich zu dem des an- 
schreiens, beschreiens, schimpfens verengen könne, zeigt sich 
an derselben wurzel im griechischen: Eurip. Androm. 671. 
Toiavra kaGxELg tovg cpilovg 'so sprichst du von den freun- 
den, so schmähst du sie' nach Passows Übersetzung hand- 
wörterb.^ unt. Aacrxw. Was Kluge Kuhns zeitschr. XXVI 89. 
mit griech. lao^rj 'spott, schmach' für ahd. lah-an, laster 
beweisen will, nemlich wurzelauslaut mit tenuis aspirata 
indog. -M-, erledigt sich schon durch das von Job. Schmidt 
in der beigegebenen redactionsnote hervorgehobene lautge- 
setzliche bedenken. Aber für *Aaax-^iy scheint läö&r] stehen 
zu können und dürfte dann an das praesens laov.io zunächst 
anzuknüpfen sein. 

Im allgemeinen spricht für mich noch gegen die theorien 
de Saussures* und Möllers, nach denen „ A " gleich dem /, u^ r^ 
/, m, n ein „ coefficient sonantique " sein soll, was de Saussure 



— 348 — 

selbst syst, primit. 181 ff. gewissenhaft hervorhebt: es exi- 
stieren wurzeln auf „ A + sonante ", und diese dürften nicht 
vorkommen, sowie ja indogermanische wurzeln auf in im ir 
il^ un um ur ul oder rz ru rn rm^ li^ lu In Im oder ni nu 
nr nl, m{ mu 7m^ ml unerhört sind. Trotzdem nicht das 
„phoneme ^4" zu dem indog* e (a,) und o (a,) hin zu ver- 
weisen, heisst doch wol, sich durch die auch anderwärts auf- 
stossenden „besoins du Systeme" (vergl. de Saussure s. 163.) 
nicht allzu sehr schrecken lassen. 

Mit diesen bemerkungen glaube ich es nun genügend 
gerechtfertigt zu haben, dass ich- noch andere vocalreihen 
neben der e- reihe annehme und die gesetze über die assimi- 
lation zu ^, ü auf nebentoniger und die demnächstige kürzung 
zu «, ü auf tonloser tiefstufe auch auf die „diphthonge" aiaUj 
oi ou ausdehne. Sollte unsere auffassung der indog. 7, ü 
die früherhin über diese vocale vorgebrachten ansichten zu 
verdrängen geeignet erscheinen , so hätten dieselben /, ü in 
dei' geschichte der theorien vom indogermanischen vocalismus 
eine stark wechselnde rolle zu spielen gehabt. Wurden die 
„ dehnungen " oder „ einlautigen vocalsteigerungen " früher ein- 
mal dazu benutzt, den Ursprung des „ guna " aus den „ grund- 
vocalen" /, u zu demonstrieren (Job. Schmidt indog. vocal. 
I 140 ff.), so weisen sie uns jetzt den umgekehrten weg von 
den „ diphthongen " ei eu, a{ au ^ oi ou zw. /, u hin. 

Durch unsere fixierung der Stellung der * und ü dürfte 
nun auch die neuere „absteigende" vocalismustheorie mit der 
devise „le gouna est mort" (Havet) von einem einwände 
befreit werden, der ihr von einigen selten nicht ohne eine 
gewisse berechtigung gemacht worden ist. Die lautphysio- 
logischen bedenken müssen verstummen, welche Misteli zeit- 
schr. f. völkerpsychol. XI 240 ff. und Curtius verb. d. griech. 



349 — 



spr. ir 38 f. vorbringen, dass das „ausspringen" eines a oder e 
um nichts begreiflicher sei als das von der alten gunatheorie 
behauptete „ einspringen " eines a in den wortkörper, dass die 
^ reduction der diphthonge et und ev zu i und v : leiTteiv li- 
7t€lVj y.evd-eiv v.vd-elv'' mehr „rein arithmetisch betrachtet" 
der „ausstossung des wurzelhaften e" in y.e-yl-e-ro parallel 
erscheine als vom Standpunkte der physiologischen einsieht, 
dass „die Schwächung von dadarcüs gagamüs zu dadrcüs 
gagmtis ungleich verständlicher sei als diejenige von bibhai- 
düs bubhmigüs zu blbhidüs bubhugüs^. Die annähme, dass 
indog. lik^- aus leik^- entstanden sei, hört auf zu den von 
dem „jüngeren geschlecht der Sprachforscher" perhorrescier- 
ten constructionen zu gehören, „ die sich nur auf dem papier 
gut ausnehmen", sobald Itk^- als die Übergangsstufe nach- 
gewiesen (vergl. lit. hjk-iu-s m. ^rest') und gezeigt worden 
ist, dass man durch zwei auf einander folgende grundsprach- 
liche lautwandelungen von leik"^- zu lik"^- abwärts gelangt. 
Für die assimilatorische Umsetzung der alten indogermani- 
schen /- und ?/- diphthonge in i, w, wie wir sie behaupten, 
kann als ein analogon aus jüngeren Sprachperioden angeführt 
werden: der nicht angezweifelte lateinische tibergang von 
a/, au in T, ü im schlussgliede von compositen, in-mdöy cön- 
-clüdd neben "^cdidö caedö, cläudöy der doch wol wie die 
Schwächung von *per-factos zu per-fecius und alles der- 
gleichen in einer Verlegung des haupt - worttones auf das 
praefix (erste compositionsglied) in der zeit älterer, vorhisto- 
rischer betonung der lateinischen spräche- seinen grund haben 
wird. Vergl. s. 2. 125 f. 330. 335. Wenn wir ferner dann 
indog. ij ü bei noch weiterer Verminderung der tonstärke der 
betreffenden silbe, eintritt der tonlosigkeit für nebentonigkeit, 
zu tj ü herabsinken lassen, so wird dafür, glaube ich, kaum 
im ernst ein Zweifler nachweise der physiologischen möglich- 



— 350 — 

keit durch beibringung modernsprachlicher analogien ver- 
langen. Ich erinnere zum tiberfluss an solche abschwächun- 
gen, wie die der componierten alten -rieh und -lieh zu -rich^ 
-Uch im hochdeutschen, in Diet-rich^ wüte-rich^ amhd. swe- 
-lich swe-lechy md. wi-lich swi-lich u. a. ; vergl. Weinhold 
mittelhochd. gramm. §40. s. 41., Paul mittelhochd. gramm. 
§ 13. anm. 1. s. 9. Da aber Curtius „aus jenem viel empfoh- 
lenen gesundbrunnen der lebenden sprachen" auch beispiele 
des Vorganges, dass ein diphthong ai zu ^ wird, wünscht, so 
kann ihm vielleicht mit folgendem einen auch in dieser be- 
ziehung gedient werden. Neuengl. my ^ gesprochen mai^ ist 
wie das entsprechende nhd. mein = ahd. mhd. min die haupt- 
tonige, darum diphthongierte satzform, die nur in der folge 
auch in nebentoniger Stellung (in my fäther^ my sistej^) mit 
verwandt worden ist. Daneben aber besteht für my ^ wenn 
es ohne allen nachdruck gebraucht wird, namentlich in der 
familiären rede die ausspräche als mi\ mi fäther] allgemein 
herrschend in my-lord = mi-lörd. Dieses mi ist die eigent- 
liche form der proklise gewesen und als solche aus jenem 
mal durch die tonlosigkeit entstanden. Schwerlich dürfte die 
abschwächung mX aus mai in so alte zeit zurückreichen, wo 
für letzteres noch dessen nicht diphthongierte grundform 
mengl. mi bestand, so dass dann aus dieser direct das heu- 
tige mi herzuleiten wäre; eher möchte ich glauben, dass 
noch ein modernes mi irgendwo aufzuweisen sein werde, als 
die zu postulierende zwischenform zwischen med und mi^). 



1) Das neuengUsche hat überhaupt, worauf mich Paul aufmerksam 
macht, in seiner volkstümlichen heutigen ausspräche mancherlei erschei- 
nungen, die als parallelen dessen dienen können, was die neuere vocal- 
theorie als lautvorgänge der ältesten indogermanischen vorzeit annehmen 
zu müssen glaubt. So die entwickelung von sonantischen nasalen und 
liquiden auch in den Vorsilben der Wörter, wenn z. b. en'öf {enough) zu 




— 351 — 

Ich constatiere jedoch zum schluss: unsere theorie gibt das 
unmittelbare „ausspringen" des e, «, o aus den diphthong- 
verbind ungen indog. ei ai oif eii aii ou auf, also ist von 
uns füglich der beweis gar nicht zu verlangen, wie jener ver- 
meintliche von Misteli und Curtius nicht mit unrecht rätsel- 
haft gefundene lautvorgang durch analogien aus neueren spra- 
chen und lautphysiologische begrtindung gerechtfertigt wer- 
den könne. 

Man kann endlich fragen: gibt es nicht noch spuren in 
den einzelsprachen, die darauf hindeuten, dass der gebrauch 
jener von uns statuierten grundsprachlichen doppelformen mit 
I, ü und V, u einst wirklich nach einem solchen. accentabstu- 
fungsgesetz, wie wir es aufstellten, sich regelte? Wir sind 
in der tat auch nach dieser Seite hin nicht gänzlich von allen 
anhaltspunkten. entblösst. 

Schon s. 272. 273 f. erwähnte ich, dass in niederdeutschen 
dialekten Westfalens noch heutiges tages eine Scheidung im 
gebrauche zwischen den formen diu^ niu und du^ nu je nach 
dem verschiedenen tongewicht, das ihnen im satze zukommt, 
herrscht. Ahnlicher art ist doch auch, wenn die alten Grie- 
chen ihr vv und vvv (z. b. in roL-vvv) enklitisch gebrauchten, 
aber daneben nicht- enklitisches vvv hatten; nur dieses vvvy 
kann man sagen , hat im griechischen seine ursprüngliche 
gebrauchssphäre tiberschritten , in sofern' es von der neben- 
tonigen Satzstellung auch zu haupttoniger gelangt ist, für 
welche letztere ganz ursprünglich eine form mit „diphthong" 
eu bestanden haben muss. Dazu halte man nun, was im 
vedischen sanskrit über nu und nü gilt, dass im rgvedä „ zu 

nnof und nof wird. Wie indog. es- 'sein' zu s- bei nachfolgendem 
hauptaccente sank, so ist engl, öpon (upon) volksaussprachlich häufig 
als p'on anzutreffen. Engl, pon : rrä-lörd = indog. s-the"si\.nBkr. s-thd: 
t-the sanskr. ^-thä. 



— 352 — 

anfang eines Stollens " stets nur die erstere „ gedehnte " form, 
niemals nü steht; vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. '745., 
Benfey ^die quantitätsverschiedenheiten in den samhitä- und 
pada- texten der veden' Göttingen 1879. IV 2, 27. und das 
von beiden gelehrten citierte rgv.-prätig. 465. ed. M. Müller. 
Im anfange des satzes, wo die stimme keinen grund hat, 
sogleich zur tonlosigkeit herabzusinken, ist darum gemäss 
unserer s. 282 f. entwickelten regel die nebentonige tiefstufen- 
form nu nach bereits indogermanischem sprachgebrauche ge- 
rechtfertigt. Die Vermutung, welche Benfey a. a. o. 29 ff. 
äussert, dass in solchem falle jenes im anfang eines Stollens 
befindliche nii aus nii u bestehend noch die partikel u berge, 
ist also liberflüssig und scheint auch von ihrem Urheber selbst 
hinterdrein in richtiger erwägung des griechischen nebenein- 
auders von vvv und vv^ vCv und des dadurch wahrscheinlichen 
höheren alters einer form n n fallen gelassen zu werden. Von 
der Partikel u führt Benfey quantitätsverschiedenh. IV 1 , 1 8 ff. 
mit anknüpfung an das rgv.-prätig. 449. 488. aus, dass sie 
regelmässig „ gedehnt " als ü vor nu und su (shü in der sam- 
hitä) erscheine. Unsere abstufungsregeln erfordern einen ähn- 
lichen zustand als den ursprünglichen : war von den zwei zu- 
sammentretenden enklitischen partikeln die eine tonlos, so 
musste die andere nebentonig sein, so dass von hause aus die 
combinationen sanskr. ü shu und u shü existierten, aber nicht 
ü shü und u shu. Das wichtigste zeugnjs aber ist wol fol- 
gendes. Die indischen grammatiker, PäniDi VII 4, 23. 24., 
Vopadeva XXIII 16., kannten die regeln, dass hinter prae- 
fixen bei der wurzel i- *^gehen' im precativ keine Ver- 
längerung des i- und bei üh- ^schieben' (vergl. s. 9.) im 
precativ, passiv und gerundium eine Verkürzung des ü- 
stattfinde. Vergl. Benfey sämav.-gloss. s. 33. vollständ. san- 
skritgramm. § 866, 1. s. 399. § 874, 8. s. 405. § 915, II. ausn. 



— 353 — 

u. bemm. 6. s. 430., Böhtlingk-Roth Petersb. wörterb. I 753. 
1032., Stenzler elementarb. d. sanskritspr.' '• § 183, 2. s. 36., 
oben s. 52. Ob nach der vedischen und bekanntlich indo- 
germanischen betonung des verbum finitum sdm iyät und 
sdm nhyutj sdm uhyate im unabhängigen hauptsatze stehen 
mochte oder sam iyä't und sam uhyät^ sam uhyate im ab- 
hängigen nebensatze: auf jeden fall hatte die Wurzelsilbe, dort 
bei dem accentschema dlia^ hier bei dem von «'« (für die 
drei ersten silben), die schwächste tonge wichtstufe inne und 
schloss daher das /-, ü- der simplicia iyä't und üliyat^ uhyate, 
aus. Erst durch ausgleichung mit den letzteren konnten auch 
sam -iyät abhy-ud-iyät^ '^ sam-uhyät "^sam-ühyate zu stände 
kommen. Eine Verschiebung der alten Stufenverhältnisse 
zeigt eigentlich auch schon das in der wurzel normale ge- 
bilde ud-iyät an : es musste als form des nebensatzes mit 
dem Schema äad ursprünglich "^üd-iyat lauten, aber das ^üd 
ist, wie fast durchweg im sanskrit, ausgemerzt zu gunsten 
der nebenform ud (vergl. s. 259 ff.) ; in dem singular act. des 
indic. praes. wechselten, nach massgabe der accentstufe der 
im nebensatze unmittelbar vorhergehenden silbe, einst sanskr. 
*üd-eti und ud-eti uni einand-er ab. 

Es dürfte zur beurteilung meiner theorie für den leser 
vielleicht von Interesse sein, zu erfahren, dass ich auf diese 
historisch- einzelsprachlichen reminiscenzen an das alte gesetz 
des wechseis von 7, ü und t, ü erst hinterdrein aufmerksam 
geworden, nicht zum entwerfen meiner constructionen von 
ihnen ausgegangen bin. 

4. 

III. Den 7, w vor consonanten stehen //, u?/ vor 
sonanten gleich, durch dieselbe assimilation des 
r/-elements wie jene entstanden, nur von der con- 

OsthoflF u. Brugman untersuch. lY. 23 



■ — 354 — 

traction verschont bleibend, weil consonantische 
funetion des zweiten elements erforderlich blieb. 

IV. Den ^, ü vor consonantep aber entsprechen 
vor soiianten iy u, dies.e ebenso aus ii, uu mittels 
einbusse einer mora (hier der sonantischen) re- 
duciert wie «, ü aus *, ü. 

Das war schon bekannt, dass in der sanskritischen decli- 
nation von dhi'-s dhiy-as und bhu-s bhuv-as dem dhi-y blm- 
vor consonanten das dhiy-y bhuv- mit sogenannter „Spaltung" 
vor sonantisch. anlautenden Suffixen parallel sei. Nicht so, 
dass anstatt jener Paradigmen oder neben denselben das alt- 
indische auch diejenigen von "^dhi-s "^dhy-asy "^ hhü-s "^ bhv-ds 
als erbtum aus dem indogermanischen besitzen könnte. 

Es verhält sich also z. b. g'^iia 'gewalt' (würz, fi^el- 
*^oben auf sein, bezwingen^, sanskr. je-, jäy-a-ti) = päli 
jiyä (E. Kuhn beitr. z. päligramm. 47., vergl. auch ved. 
jiyayas- "^mächtiger ^, jiyeshtha- "^mächtigster^ bei Grassmann 
wörterb. z. rgv. 502. 503.), griech. ßi{l)\ zu cj^\a == sanskr. 
pälij)/« (E. Kuhn ebend.) so wie ik^a *^ deichser = sanskr. 
ica zu ik^ü ==«avest. isa (oben s. 172.) oder wie lug^ti 
"^bruch, loch' = anord. luka\ neuniederd. Inke, linke zu 
luQ^a = sanßkr. ruja (s. 179.). Desgleichen griech. ßw-o, 
''bogen' für '^ßi{i)a (vergl. s. 188.), lit. gijh ''faden': sanskr. 
jya f. *^bogensehne'; avest. y^a f. kann = *y^y« und = 
*y?/a sein. 

Eine indogermanische ^satzdoublette ist wol auch reflec- 
tiert durch griech. öia und 'Ca aus *(5«a; vergl. Ahrens dial. 
I 46., Curtius grundz.'^ 617 f., veif. morphol. unters. II 16. 
anm., Gust. Meyer griech. gramm. § 261. s. 230. Wenn auch 
die Lesbiermundart das Za bevorzugte, so war es doch be- 
kanntlich weder ganz auf diese beschränkt, noch lässt sich 
behaupten, dass C- aus gemeingriech. di- vor sonanten ein 




_ 355 — 

specieller lesbisch er lautwandel war, trotz des Zovvvoog einer 
lesbischen schrift, das eben selbst nur eine ehemals gemein- 
griechische zwillingsschwesterform von Jtovvoog gewesen 
sein kann. 

Nach griechischen lautgesetzen vereinigen sich auch 
nicht övco-dsy.a bei Homer und anderen epikern, Pindar und 
Herodot und homer. nachhomer. öw-dexa aus "^dßco-öeza. 
Wir haben das indogermanische formenpaar diiuö und du 6 
"^zwei^ aufzustellen. Die nebentonige tiefstufenform reprae- 
sentieren ved. duva duvaü masc, d?ive fem., duva-daga {dvä- 
-da^a viersilbig rgv. I 25, 8. 164, 11. 48. IV 33, 7.), avest. 
duva yt. V 131. XIX 26. (vergl. Geldner metrik des jüngeren- 
avesta § 39 f.), griech. öv{ß)o öv{ß)a)y öv{ß)cü-S€xay lat. 
duOj abulg. düva^ lett. dialekt. duwa (Bielenstein lett. spr. 
§ 131. I s. 189.); die tonlose sanskr. ved. dva dvaü masc!, 
dve fem. neutr. , dva-da(^a^ dvayä-Sj griech. d{F)co-ö-exa, 
S(F)oi6-g^ altir. da masc, di fem. (aus "^dvä, *dvai nach 
Windisch Curtius' grundz.'^ 239.), abulg. dva^ d.voj\ lit. dv^jü 
gen., dvem dat., dvem instr,, dvi fem., dveji ^je zwei^, dvejö- 
pa-s *^zweierlei\ got. tvai tvös tva^ anord. tveir tvcer tvau^ 
ags. tve^en tvä tvi^^ ahd. swene zwä zwei. Einsilbiges dva 
dvauy dve steht neben zweisilbig zu lesendem im veda voll- 
kommen fest (vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 649 f.) ; drei- 
silbiges dvu-da^a = öoj-dexa wenigstens durch dvCidacäsya 
rgv. VII 103, 9. und dvu'dacükrtim rgv. I 164, 12., während 
das bei trishtubhmetrum dreisibige dva-daca und viersilbige 
ä-dvd-da^dm rgv. X 114, 5. 6. wegen der metrischen Schwie- 
rigkeiten des betreffenden liedes (vergl. Grassmann wörterb. 
650. unt. dvu-daqnn) als unsicher bei Seite bleiben mögen. 
Das Zahladverb 'zweimal' hat .nur im vedischen sanskrit den 
Vertreter der stärkeren form mit uu : ved. f/i'/'* zweisilbig, 
also duvis rgv. I 53, 9. VI 66, 2. X 120, 3. (vergl. Grassmann 

23* 



— 356 — 

wörterb. z. rgv. 653.); daneben indog. dms == sanskr. ved. 
dvis ^ avest. hüli^ griech. ^(/)/g, lat. bis^ got. tvis (in tvis- 
-standan, tvis-stnss\ ahd. sivir^ zwir-o (oben s. 260. anm.). 

Die indogermaniscbe doppelheit k^uuo{n) und k^utin) 
'hund', die man derjenigen von ahd. hüfo und lat. in-cubo 
(oben s. 202 f.) parallel zu setzen hat, ist vertreten durch 
ved. cuvä\ griech. %v(ß)a)v einer- und sanskr. ved. nach ved. 
fvuj avest. späj lit. szu aus *szvu anderseits. Die belege 
aus dem rgveda für „aufgelöstes" pwa, mvan-au neben 
„nicht aufgelösten" pvuj gvan-am^ pvän-ä sieh bei Grassmann 
wörterb. z. rgv. 1433. Es differieren auch cuv-ä\ xv-cov von 
gv'ä\ sp-ä, ^szv-u in demselben grade wie avest. sü-n-ö gen. 
sing., sü-n-e dat. sing., m-n-äm gen. plur., sü-n-i-sK m. f. 
*^^hund' von sanskr. (pi-n-as gu-n-e cü-n-i cü-n-äm^ cu-n-i f. 
^hündin', griech. xv-v-ög xv-v-l -/.v-v-wvy lit. ssu-n-s gen. 
sing. , lit. dial. szu-n-i-s nom. sing. (Kurschat gramm. d. litt, 
spr. § 731. s. 207.). Nur das nachvedische sanskrit und das 
litauische haben in der Wurzel gleichstufige themenformen im 
paradigma bei einander gehalten; das griechische lässt mit 
der nebentonigen äntesonantischen die tonlose anteconsonan- 
tische, umgekehrt das avestische mit der tonlosen äntesonan- 
tischen die nebentonige anteconsonantische alternieren. Die 
Stammform k^un- ist nicht durch „ samprasärana " aus k^u-on- 
entstanden, sondern durch Verkürzung aus dgn im zend ge- 
wahrten k^ün-, das seinerseits aus k^uu-n- (dieses weiter- 
hin aus kuu-on-. welches endlich aus k^ a'^u-onA sich 
gebildet hatte, wie k^lü-tö-s aus kHuu-tö-s (oben s. 282.). 

Mit der form sü- ""sau' vor consonanten (s. 219.) ist 
gleichstufig suu- in griech. v{F)-6g Gv(ß)-6gj v(ß)-l Gv(ß)-lj 
v{ß)-cüv Gv{ß)-wvj v-aiva Gv-atva f., v-eio-g adj., v-rjvla f., 
v-L-no-g adj., v-o-ftovGlä f., Gv-aygo-g m,, Gv-o-ßavßalo-g 
adj., Gv-o-xTaGiä f., Gv-o-TiTovo-g adj., Gv-o-xTovlä f., Gv-o- 



M^' 



— 357 — 

-(povri-g f. adj.; in lat. su-is^ su-ij su-umj lat.su-mu-s adj., 
su-iUu-s adj., su-lle n.; lett. suw-en-s *^ ferker (BieleDstein lett. 
spr. § 131. I s. 189.). Aber das tonlos - tiefstufige und dem 
sü- vor consonanten (vergl. s. 220.) parallele su- zeigt sich 
in -abulg. sv-inü adj. "^suillus"*, sv-imja f. ''sus^; in got. sv-ein, 
anord. sv-m^ ags. sv-tUy alts. alid. sw-in n. '^schwein\ End- 
lich in zwei griechischen Wörtern : o-lxa ' vg ^d^iwvsg Hesych. 
(Curtius grundz.^ 382.), o-Lalo-Q m. *^fettes schwein, mast- 
schwein, fett', aus "^aF-ma^ * oß-l-alo-g. Lat. su-inu-s adj. 
iind anderseits abulg. sv-inü adj., deutsches sw-in n. sind 
grundsprachliche zwillingswörter ^). Seinen zweifei an der 



1) Got. sv-ein n. : abulg. sv-inü, lat. su-mu-s adj. = got. gait-ein n. : 
lat. haed-inu-s adj. Das suffix -Iwö-, von hause aus in einem stamm- 
abstufungsverhältnisse mit einem -a^ino- = avest. -a^na- stehend, bil- 
dete ursprünglich adjectiva der herkunft, vornemlich auch stoffadjectiva. 
Man vergleiöhe beispiele aus dem avestischeh und mehreren europäischen 
sprachen bei Fick Kuhns zeitschr. XVIII 453 f., Bugge Kuhns zeitschr. 
XX 42.; für den Wechsel von -%no- mit -^no- ist besonders bemerkens- 
wert griech. v8ar-tro-s (oben s. 196.). Von einem substantivierton stoff- 
adjectiv, dessen stammnomen ein lebendes wesen bezeichnet, zu dem de- 
minutivum oder hypokoristikon , von 'das schweinerne', 'das böckerne' 
zu 'schweinchen', 'böckchen' ist nur ein klefiier schritt. So entsprang 
also das germanische deminutivsuffix -hi in mhd. maged-ln, vinger-m, 
vogel-hi, andere hypokoristische ableitungselemente mit indog. -k^-, -l- er- 
weiternd in den combinationen mhd. -ch-in, -hm (Weinhold mittelhochd. 
gramm. § 261. s. 233 f. § 2(34. s. 236 f.). Zu den germanischen deminu- 
tiven auf -ino-m aus tiernamen kommen einige dem etymon nach ver- 
stecktere hinzu. Einmal ags. hec-en n. 'junge ziege' = got. *hak-ehi, 
als zu dem primitivum abulg. koza f. 'ziege' gehörig. Sodann macht 
mich dr. Kluge darauf aufmerksam, dass auf zwei urgermanischen for- 
men, kcuk-ino-m und kük-ino-m, diese bezeichnungen des jungen 
huhns zurückgehen: ags. cic-en, ueuengl. chick-en, mittel- und neu- 
niederländ. kiek-en n. = got. *kmk-ei?t\ neuniederl. kuik-en, mittel- und 
neuniederd. kük-en, neuniederd. westfäl. (grafsch. Mark) kuik-en (/-Um- 
laut ui von iu == germ. ü wie in huiser, micise, luise plur. zu hius 
'haus', mius 'maus', lius 'laus' in demselben dialekt), mitteld. küch-ln vt. 
= got. *kük-ein. Das Stammwort ist, wofür sich auch Hildebrand im 



— 358 — 

verwantschaft von olaXo-g mit ov-g wird Joh. Schmidt (vergl. 
Kuhüs zeitschr. XXV 142. anm.) wol fahren lassen, wenn man 
jenes nicht mehr aus *ov-ako-s mit Übergang von v vor 
vocal in t entstehen lässt; die Stammbildungsbestandteile 
sind suff. -to — h suff. -alo- ; den deminutivischen Charakter 
darf o-l-alo-g haben, auch wenn es ' homerisch als epitheton 
von ov-g erscheint. Die grundform '^oFLalog fand übrigens 
schon Savelsberg Kuhns zeitschr. XXI 123 f. (vergl. auch Gust. 
Meyer griech. gramm. § 222. s. 197.), wenn er gleich das i 
darin mis verstand '). Lakon. G-V/,-a sieht aus wie ein acc. 
sing. fem. in der art der lat. jün-lc-em^ com-lc-em^ victr-lc-em ; 
das interpretamentum im nominativ vg hindert wol nicht es 
so aufzufassen "(vergl. in umgekehrter discrepanz die lako- 
nische glosse 7caQöovXa'/.LQ' tov TQißiova orav yevr^taL cog 
^vlay.og), anderes falles liegt die emendation tv nahe zur 
band. Von hier aus haben wir auch hoffnung, endlich mit 
dem den strengen lautgesetzlern in den weg geworfenen stein 



deutsch, wörterb. unt. küken entscheidet, anord. kokk-r m. , neuengl. 
cock 'hahn' = got. *kukk-s.\ demgemäss wol eine urgermanisch ablau- 
tende declination dieses »letzteren anzunehmen, wobei keuko-z mit 
kükö- und kukkö- in den nicht- wurzelbetonten casusformen abwech- 
selte ; die Vereinfachung des doppelconsonanten kk nach langem vocale 
oder diphthongen scheint regel gewesen zu sein wie diejenige des ss in 
rvisö- 'weise', hüsü- 'haus' u. a. (oben s. 77. 91 f. 104.). Mit got. *kuk-ein 
= neuniederländ. kuik-en, neuniederd. küken, westfäl. kuik-en ist lat. 
su-lnu-s aus suu-ino-s gleichstufig in der wurzel, während dem got. 
sv-ein, abulg. sv-iitü ein got. *kukk-ein von der auch in dem Stammwort 
anord. kokk-r, neuengl, cock verallgemeinerten wurzelstufe parallel sein 
würde. 

' 1) Ebenso entstand viieQ-fpiaXo-s aus *v7iEQ-(pß-ialo-s. Dürfte dieser 
bildung als einer mit secundärem suffixe -lo- vielleicht ein abstractum 
* v7isQ-cp-iä = lat. super-h-ia zu grundie liegen, da auch letzteres für 
* super-bv-ia wol stehen kann? Vergl. oben s. 148. Joh. Schmidts her- 
leitnng des vns^cpiaXos 2ms*v7csQ-(psj^-alo-g hat an dialektischen er- 
scheinungen wie boeot. xXios, qiovtos keine stütze. 



I 



I 



I 



— 359 — 

des anstosses, dem rätselhaften a- in ov(i (Curtius grundz.^ 
431.), fertig zu werden. Anlautendes oF- verflüchtigte sich 
nicht unter allen umständen zum Spiritus asper, sondern blieb 
in bestimmten fällen als a- erhalten; vergl. Curtius grundz.'^ 
429 f. und die (indes nicht alle etymologisch sicheren, zum 
teil unrichtigen) beispiele bei Gust. Meyer griech. gramm. 
§222. s. 196 f.^). Machte nun das urgriechische einst auch 



1) Intervocalisches aß fiel niclit aus im griechischen; vergl. oben 
s. 187 f. anm. Folglich conjugierte man einst praes. rid'oj neben imperf. 
e-ffrjd-ov; dann erfolgte ausgleichung nach beiden richtungen bei dieser 
Wurzel Gßrjd"' 'sieben'. Bei anderen wurzeln in der conjugation aber nur 
in einer richtung. So bei biqco 'knüpfe' = lat. ^^rö, würz. suer-\ bei 
allofiai = lat. saUo, wurzel syLcl- 'ansteigen, in die höhe gehen', ahd. 
stveUan. Andererseits bei aaC^co = lat. säriö, würz. suär-\ bei aivo/xai, 
= ahd. 5/ymw; aaivco^yfuxz. sua'^n-\ aamo^yfMvz. snak-\x.2i.. Nomina 
wahrten das aß- als -aa- -a- zunächst in der composition, so in den homer. 
ev-aoe^fio-s, xovi-aaaXo-s (xovi-aaXo-s). Doch ging im festeren gefüge mit 
proklitischen , vocalisch oder consonantisch auslautenden Wörtern das 
anlautende a- = aß- ebenfalls nicht verloren. Läutgesetzlich waren im 
satzanlaute oder isolierten gebrauche überhaupt *£Xfia, *«7os (vergl. 
alXofiai), *elqd, * €^is (vergl. si^co), ^eXrjri], wie qcvoos, r^Svs u. a. Aber 
ebenso lautgesetzlich rb aeXfia und ana^ nara aeXfxaros^ ai aslCSss, 6 
aaXos und ix aäXov, rj aeiQd und ix aeiQcis, y ae^is, 7) und a aeXrivrj^ SOWie 
beim verbum auch ano-, Sia-arjd'io, ano-, dTti-j xara-, na^a-aaricOj vno- 
aaivfo, vTto-aai^co, avu-oalevoi u. dergl. So kamen auch die griechischen 
Springpriester oder Salier zu ihrer doppelten namensform; 'Ekloi und 
^elloi (Curtius grundz.^ 548.), letzteres aus den Verbindungen oi ZeXloi^ 
ü> Selloi entwickelt. Die von Delbrück neuerdings einleit. in d. sprach- 
stud. 115. anm. aufgestellte, auf der distinction zweier ß beruhende er- 
klärung unserer fälle : „a mit consonantischem ß wird aa (a), während a 
vor halbvocalischem ß abfällt" Hesse sich nur dann hören, wenn es keine 
doppelentwickelung an denselben wurzeln gäbe, wie in r^^'(o und ar]d'(o^ 
EiQ(o und aeiQä asQis, aXlo/xat 'EXXol und aaXo'S aaXevco JSeXkoi. Bei- 
läufig: „wenn eingeräumt wird, dass aß bald a, bald ß übrig 'lässt, so 
begreift ref nicht, weshalb der gleichartigen gruppe aj solche doppelte 
Umwandlung verweigert wird", meint der „(?)"recensent von Gust. Meyers 
griechischer grammatik im liter. centralbl. 1880. uro. 43. sp. 1421. Es 
wird dem referenten nicht unbekannt sein, was noch neuerdings J. Wacker- 



— 360 — 

von casusformen mit tonloser tiefstufe, * oF-6g * GG-6gy * oß-l 
*Go-lj *Gß-cüv *GG-iüVy gebrauch, so konnte von diesen, so- 
wie auch von den Weiterbildungen G-l/-a, G-lalo-g, das v-g 
anlautendes g- wieder empfangen. Die endgiltige wähl der 
formen von nebentoniger tiefstufe, v-6g, v-ly v-tov {Gv-6g, 
Gv-lj Gv-wv)j war bedingt durch die grössere etymologische 
durchsichtigkeit dieser. 

Von den vermutlich nicht e- wurzeln seienden indog. 
bhai' ^sich fürchten' (vergl. s. 339.), gh'aii- 'rufen' (vergl. 
s. 59. ebend. anm.) stelle ich hier noch Wortbildungen, be- 
sonders nicht verbale, mit beiden graden der antesonan- 
tischen tiefstufe im wertanlaute zusammen. Indog. bhil- in 
sanskr. bhiy-ä instr., bhiy-e dat. sing., bhiy-äs abl.-gen. von 
bhi-^ f. *^ furcht', ved. bhiy-änd-s partic. med. (s. 368.), -ved. 
bhiy-ds-am acc, bhiy-äs-ä instr. sing., bhiy-äs-e dat.-infin. von 
bhiy-ds- m. "^furcht' (gleichstufig in der wurzel mit ved. bhi- 
-.SÄ-« instr. , vergK s. 182. anm.), lit. bij-aü-s b/j'-öti-s 'sich 
fürchten'; indog. bki- in sanskr. ved. bhy-ns-ate *^ fürchtet 
sich, bebt', ved. sva-bhy-asd-s adj. Von selbst erschrocken' 
(atharvav. XI 9, 17.). Indog. (jh^uu- in sanskr, ved. hun- 
-anyati denom. "^ruft, schreit' (rgv. I 119,9.), abulg. zUv-ü 
m. *^ruf', zuv-ati infin. 'rufen'; indog. gh^u- in sanskr. hv-äj 
ä-hv-ä f. 'name, benennung', ved. nachved, hv-d-ya-ti hv-d- 
-ya-te 'ruft, ruft an' denom., hv-ä-tar- m. 'rufer', hv-äna-m^ 
ä-hv-äna-rn n. 'das herbeirufen', avest. zb-a-ye-iti 'ruft' de- 
nom., hu-zb-ä-ta- partic. 'wol angerufen', zb-d-tar- m. 'lob- 
redner', abulg. zv-ati infin. 'rufen', zv-a-taji m., zv-a-teii m. 



nagel Kuhns zeitschr. XXV 267 ff. ausführlich zeigt, dass von allen drei 
Spiranten a,j, ß der letztere am spätesten, nemlich allein nicht pan- 
hellenisch, wegfiel. Also gab es auch eine zeit, wo aß eine „gleichartige 
gruppe cy'" gar nicht zur seite hatte. 



— 361 -- 

'^rufer', zv-onu m. ^ton, glockenton, glocke' (s. unt.). Im 
avestischen des gäthädialekts sind aber nach Bartholomaes 
beobachtungen d. gäthäs u. heil, gebete 36. 52. 60. 94. 164. 
formen des verbum zb-ayeiti noch häufiger „ nach metrischem 
bedürfnis" mit „silbebildendem?;" zu lesen, n^mWoh ziiv-ayä 
ys. XXXIU 5. XLV 14. L 10., zuv-mjente ys. XLVHI 12., 
obgleich die schritt überall die ausgleichung zu gunsten der 
anderen formenreihe mit zb- = indog. gh^u- vollzogen hat. 
Mit der doublette avest. zuv-a-ye-üi neben sanskr. hv-ä-ya-ti^ 
avest. zb-a-yc-iti dürften wir, da ich dies indo - iranische 
verbum nur für ein denominativ des nomens sanskr. hv-ä 
(ti-hv-a) f. ""benennung, name^ halte, als eine entsprechende 
griechische parallelisieren : ein "^ ßav-d-o-i.iat 'ich freie' (von 
boeot. ßav-a = indog. q^^nn-a) neben f^iv-a-o-f^iai (vergl. 
s. 211. 321. anm.). Nach primitivis freilich wie ndy-a-ti 'ev 
führt' muss wol das denominative sanskr. hva-ya-ti seinen 
accent geändert haben. 

Wir betrachten nun die abstufung von indog. /?, u u 
und l, u bei bestimmten wortbildungskategorien des verbal- 
und nommalbaues und beginnen, wie bei 7, ü ^ t, ü s. 1 fif., 
mit dem praesens sechster indischer classe. 

Sanskr. kshiy-ä-ti und suv-ä-ti sind aoristpraesentia wie 
avest. vts-a-itij griech. Fx-w und sanskr. guk-a-tiy germ. luka?i ; 
vergl. s. 1 if. Aber sanskr. kshy-ä-ti und sv-ä-tij die sich in 
den brähmanas und im atharvaveda finden (Whitney ind. 
gramm. § 755. s. 263.), entsprechen den sanskr. vic-ä-ti^ 
ruj'ä'ti. In beiden stufen liegt auch bei sanskr. hü- 'rufen, 
anrufen' aoristpraesens und thematischer aorist im veda vor: 
nebentonig- tiefstufig ved. huv-a-t huv-e huv-ä-mahe, huv-e-ma 
huv-ey-a^ ä-huv-e ä-kuv-a-nta, wozu mit „aufgelöstem" hv- 
d. i. huv- kommen dreisilbig zu sprechendes ved. d-hv-a-t 
rgv. I 24, 12. 13., a-hv-e rgv. III 56, 4., viersilbiges d-hv-ä-ma 



— 362 — 

rgv. VI 50, V)y a-hv-a-nta rgv. IV 6, 9. V 29, 8. X 122, 8.; 
anderseits tonlos - tiefstufig zweisilbiges ved. d-hv-a-tj d-kv-e. 
Vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 1673 f. Das griechische hat 
an "^Kä-ELv Kt-€lv nicht einen aorist wie liic-elVy ^r/-€lVj 
id-elVj 7c7^-€lVj sondern einen solchen wie o^uly-elv Hesiod. 
op. et di. 727. (vergl. oben s. 12.) und wie lit. df/g-au (s. 3.), 
büg-au (s. 10.), lüz-aü (s. 11.). Hiernach nun rechtfertigt 
sich diö oben s. 15. gemachte bemerkung, dass dem Wechsel 
zwischen einem indog. /?J-/ö- und pi-^o- im praesensstamm 
im thematischen aorist ein solcher von pii-o- und p^-o- 
parallel gehen musste. Auch die litauischen aoriste gij-aü 
*^ich lebte auf, genas, wurde gesund', rij-aü 'ich schluckte', 
lij-o 'es regnete', puv-aü 'ich faulte', zuv-aü 'ich kam um' 
teilen nicht die schwächste stufe von lik-aüj lip-aü, bud-aüj 
sondern die nebentonige tiefstufe jener dyg-au^ büg-au^ lüz-au 
und anderseits der jod- und nasalpraesentia derselben wur- 
zeln gy-jii gy-nu^ ^"y-ju ry-nu^ ^IJ-j^ ly-nu, pü-nu (= anord. 
fü-na infin.), zü-nw^ vergl. s. 38. 45. 166 f. und weiter unten. 
Vielleicht ist das unbelegte sanskr. riy-d-ii (dhätupätha) als 
das gleichstufige aoristpraesens «u lit. rij-aü aor. zu fassen. 
Die zu griech. €-xt{l)-o-v erforderliche zwillingsform ist in 
der form ^e-oG-o-v aus *6-x?}-o-v (vergl. morphol. unters. 
II 15. anm.) zu postulieren. Mit zi(i)-elv stellen sich zu 
of,ä%-elv weiterhin auch die aoriste griech. jcraq-elv^ ßak-elv, 
TafLi-eiVj d-av-elv aus *7CTrQ-€iVj "^ßll-elv^ *T7n/,i-€lVj ^^nv-elVy 
während *^r^-€rr, *ßl-elv^ ^r^-elv, *d'v-elv die mit Xijc-elVy 
cpvy-tlv gleichstufigen Seitenformen sein würden. 



1) Für Brugman, der morphol. unters. I 10. in sanskr. hv-ä- von 
hv-ä-tar-^ hv-ä-na- = avest. zb-ä- von zb-ä-ta-, zb-ä-tar- sein verbales 
„«-Suffix" findet, beweist ved. ä-hv-ä-ma rgv. VI 50, 4. doch wol nichts, 
da in dieser aoristform das -ä- doch kaum etwas anderes ist als der 
„thematische vocal" = indog. -o-. 



I 



— 363 ~ 

Griech. '^%-avTi I-ccöl = indog. ii-nli deckt sich in 
der vocalstufe auch nicht genau mit sanskr. y-änti^ avest. 
y-einti und correspondiert auch nicht völlig mit l-ixev^ %-T;e\ 
das diesen letzteren gleichstufige * am * äot =^ sanskr. y-driti 
war für den Griechen augenscheinlich unbrauchbarer. Gleich- 
stufig mit %-äoL aber ist der dativ - Infinitiv homer. J-fi€vaL 
(oben s. 130.); 'i-aoL aus *ii-avrc : sanskr. y-änti =^^i-(j,ev(xL : 
^1-f.ievai = sanskr. i-yä-m : i-yä-m opt. (s. 52.). Wie sich 
also griech. i-äot von ^t-(A.evj ^-tb abhebt, so im sanskrit der 
imper. (injunct. mit -u) aor. ved. vi ciy-äntu ""sie sollen schich- 
ten, sollen bahnen"* rgv. I 90, 4. von ved. vi ci-tana] ciy-äntu 
ist dagegen gleichstufig mit dem optat. (precat.) sanskr. ci-yä-t 
(oben s. 53.). Aus ciy-äntu erhellt also auch die möglichkeit 
eines sanskr. ^iy-äntu ""sie sollen gehen^ statt y-äntu und 
mithin eines sanskr. ^iy-änti ^== griech. X-äoi. Dass sich 
auch griech. e-äoi 'sie sind" aus ^eo-avTt zu sanskr.. s-äiiti 
verhalte wie X-äöt zu sanskr. y-änti^ das au zeigen ist aufgäbe 
der fortsetzung difeser Untersuchung in morphol. unters. V.; 
vergl. vorläufig oben s. 333. anm. und das „vorwort". 

Nicht mit dem homer; /ce-cpv-cog aus * 7C€-cpv-ßc6g ge- 
sellt sich die 3. plur. perf. homer. jce-cpv-äoL (II. ^ 484. Q 84. 
hymn. in Mercur. 125.) aus *7C€-(pvß-äoL zusammen, sondern 
als bildung von nebentoniger tiefstufe mit den sanskr. ved. 
ha-bkü-vähj ba-bhü-yä-Sj ba-bhü-ya-tj worüber s. 68. zu ver- 
gleichen ist. Die ursprünglichkeit der personalendung in 
jce-(pv-äoL ward s. 285 ff. festgestellt. Das avestische besitzt, 
abgesehen von dem verschiedenen personalsuffixe, in bä- 
-bv-are yt. XIII 1 50. die schwächere zwillingsform zu griech. 
7ce-(pv{F)-äoi, wofern nicht jenes bä-bv-are nur graphisch 
für bä-buv-a?'e steht. Wie das griech. in uTteg-cp-lako-g aus 
"^ v/c6Q-(pß-lalo-g (s. 358. anm.), so hielt das sanskrit in ved. 
ä-bkv-a- adj. '^nicht seiend, ungeheuer', und vi-bhv-an- adj. 



— 364 — 

"^ durchdringend, weitreichend^, vi-bhv-än- adj. *" tüchtig, ge- 
schickt', mätari-bhv-ari adj. fem. 'in der mutter befindlich'* 
(rgv. X 120, 9.) die schwächste stufe dieser wurzel fest, im 
gegensatz zu der sonst meist verallgemeinerten zweitschwäch- 
sten sanskr. bhuv- vor sonanten, bhü- vor consonanten. 

Zu griech. 7ce-(pv{F)-äoi stellen sich aus dem sanskrit 
als gleichstufig ju-huv-ur ""sie haben gerufen' und mediales 
ju-huv-e von derselben wurzel im gatapathabrähmana (Petersb. 
wörterb. VII 1680.), aber auch dreisilbig zu lesendes ved. 
ju-hv-e (rgv. X 149,5.) d. i. ju-huv-e \ desgleichen ved. yz2- 
juv-ur (rgv. VII 21, 5.), ved. su-shuv-e im atharvaveda (Petersb. 
wörterb. VII 1021.), ved. du-dhuv-i-ta opt. perf. med. (rgv. 
VIII 59, 11.). Aber wie eventuell avest. bä-bv-are^ so ist 
zweisilbiges ved. ju-hv-e (rgv. I 32, 6.) beschaffen; so auch 
mn&kv. ji-gi/-ur j ji-gi/-e. Und wie die proportion gilt: ved. 
ju-huv-e : ju-hv-e = ju-hü-re : ju-hu-re (vergl. s. 65.), so er- 
halten wir vollständigen parallelismus der formen, wenn wir 
aMchjü-juv-ur VLudjü-ju-vä'rns- partic. (rgv.* IV 11, 4. V31, 11.), 
su-shuv-e und su-shu-vams- partic. (rgv. VIII 32, 21.) und 
anderseits ji-gy-ur ji-gy-e und ved. ji-gi-väms- partic. (vergl. 
s. 69.) zu diesen vorauszusetzenden doubletten ergänzen : jü- 
-juv-urund "^jü-jv-ür^ ^jü-jü-voims- \mdjü-ju-vams--^ su-shuv-e 
und *su-shv-ej * su-shü-väms- und su-shu-vams- \ *ji-ghj-ür 
*ji-giy-e und ji-gy-ur ji-gy-e^ ji-gi-väms- und ^ji-gi-väms-. 

Für die richtige beurteilung der griechischen passiv- 
aoriste auf -ri-v seheint mir durch Brugman morphol. unters. 
171 ff. trotz des dissensus anderer forscher der sichere weg 
gewiesen zu sein. Nur hat wol Brugman die grundsprach- 
liche quelle dieser formation eines intransitivums mit dem 
Verbalsuffixe -e- als etwas zu wenig umfänglich angenommen. 
Wenn e-ßX-rj-v = sanskr. a-gl-ä-m und e-oß-rj-v, s-oxl-rj-v 
mit recht als zum ältesten bestand gehörig bezeichnet wer- 



I 



— 365 — 

den, so sieht man nicht ein, warum solchen dreisilbigen von 
gleicher wurzelstufe, wie e-U7t-t]-Vj e-Kvy-rj-Vj s-TQaTt-ri-Vy 
mit denen ja auch Brugman „die spräche in formeller be- 
ziehung zunächst eigentlich keine neue kategorie schaffen" 
lässt (morphol. unters. I 74.), der indogermanische adelsbrief 
aberkannt wird. Sodann weist mit keinem eigentlich ent- 
scheidenden gründe Brugman einige lateinische parallelen zu 
der griechischen passivaoristbildung von der band, auf die 
namentlich Curtius aufmerksam gemacht hatte. Lat. fulg-e-re 
entspricht doch nur genauer den anforderungen an den ur- 
sprünglichen vocalismus der verbalen -e-bildungen als griech. 
cpley-ij-vaiy so dass man dieses für ein nach cpley-o) um- 
geformtes Substitut eines älteren * cpXay-rj-vai wird halten 
dürfen, wie auch TeQGrjvatj d^eqrjvat (conj. d^egeco Od. q 23.), 
GTeQijvatj öia-j xaTa-leyrjvat den vocalismus von rsQGOjLiaiy 
S-sQcoj aTeQOfiiatj Xfycü übernommen •haben müssen; wegen 
lat. fulg- = indog. bhlg"^- auch in dem neutrum fulg-iw sieh 
s. 200. anm. Und je unstreitiger Brugman mit der bemer- 
kung: „es bleibt als unzweifelhaft genaue Übereinstimmung 
nur licere = kiTtrjvat übrig" (morphol. unters. I 78.)Jbeifall 
verdient, um so weniger überzeugt er mit dem zusatze : „ und 
diese muss schon wegen der bedeutungsdifferenz sicherlich 
für zufällig gelten. " Mit einem ähnlichen zweifei wegen ge- 
ringfügig divergierender bedeutungsentwickelung könnte man 
auch Brugmans gleichung e-ßl-iq-v *^ich erhielt einen schuss 
ward getroffen^ = sanskr. a-gl-ä-m *^ich fühlte mich erschöpft, 
kam von kräften' für „zufällig" erklären und damit das 
ganze fundament seiner theorie des griechischen -?y-aorists 
in frage stellen. Auch dürfte es doch nur ein zufälliger 
mangel auf selten des griechischen sein, dass wir nicht mit 
dem wie das jod-praesens lat. chi^re = sanskr. crüyatey avest. 
sruyt^ (s. 15 ff.) intransitiv - passivischen lat. chwre 'genannt 



— 366 — 

werden, heissen' ein griech. ^x/xrjvaL zusammenstellen kön- 
nen. Mir scheint das eigentlich neuernde betreffs der -e-bil- 
dungen bei der griechischen spräche nur darin zu liegen, 
dass man hier die alten praesentia zu den augmentprae- 
teriten wie e-ßl-rj-v (oder e-ßccl-iq-v)^ l-liTt-'t]^ ein griech. 
^ßl-ij-fii (oder *ßal-rj-f.it) == ssrnskr. gl-a-mij griech. */J7t- 
-r]-Tt = lat. lic-e-tj zu gunsten der die intransitiv-passivische 
function mit übernehmenden medialen praesensformen ßak- 
lo(.iaij lÜTtmai allmählich in Wegfall kommen Hess. Daher 
bin ich also auch nicht der ansieht von Curtius verb. d. griech. 
spr. IP 38. anm., dass die formen des griechischen starken 
passivaorists, da sie „ specifisch griechisch " seien, „ bei fragen 
nach der uralten indogermanischen vocalisation besser bei 
seite bleiben"^). 

Dass die bildung des intransitivums mit -e- auch an 
wurzeln vorkam, die wir überhaupt nur in der intransitiven 
bedeutung kennen, zeigen im griechischen Qv-ij-vaiy fiav-rj- 
-vcciy xctQ-rj-vai u. a. So ist auch von ez- *^gehen^ meines 
erachtens mit dem -e-suffix gebildet indog. e-^-e-vi^ e-i-e-s, 
e-i-e^t = sanskr. a-y-d-m, d-y-a-s^ d-y-a-t^ got. i-ddj-a^ 
i-ddj-e-Sj i'ddj-a\ vergl. Kluge german. conjug. 124 ff., Möller 
Kuhns zeitschr. XXIV 432. anm. Kölbings engl. stud. III 158. 
Dies indog. e-i-e-m steht auf völlig gleicher stufe der wurzel 
wie die griech. €-ßl-rj-Vy e-oß-ii-Vy e-GxX-r^-v, wie bei der- 
selben Wurzel ei- ^gehen' sanskr. y-äntiy y-dntUj ved. y-driy 
partic. y-dnt-. Wir dürfen aber auch die nebentonige tief- 
stufe mit -/z-, -un- als begleiterin der tonlosen mit -|-, -n- in 
dem -e-intransitivum erwarten, und diese erwartung realisiert 



1) Die hauptsächlichsten bedenken, die Curtius verb. d. griech. spr, 
II 2 359 f. anm. gegen Brugmans theorie über die passivaoriste mit -r]- 
geltend macht, dürften durch die obigen bemerkuhgen gleichfalls aus 
dem wege geräumt sein. 



— 367 — 

sich durch griech. l-cpurj-Vj l-cpviq-i;, e-cpxjrj aus '^l-cpToF-rj-Vy 
* l:-(pvß-rj-g y "^l-cpvß-rj-T neben abulg. be ''du warst', he ""er 
war' imperf. aus ^bv-e-Sj *bv-^-t. cpvrjvat hat Hippocrates, 
in der participform cpceig Menander bei Stob. flor. XXXVI 12., 
sodann spätere, während q)vf] conj. bei Euripides fragm. 378. 
Dind., Plato rep. 494 B. und sonst nach Cobet nov. lect. 560. 
und Nauck m^l. IV 357. zweifelhaft ist; vergl. Passow hand- 
wörterb.^ unt. cpvcoj Veitch greek verbs irreg. and defect. 
016., iCurtius verb. d. griech. spr. IP 354. Das abulg. be 
erklärte aus ^bv-e, wie obetü "^gelübde, versprechen' aus 
*ob-veiüy öZ>zWum winden' aus ^ob-viti, schon Leskien handb. 
d. abulg. spr. § 88. anm. 2. s. 67. (vergl. auch § 45. s. 26. 
und Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 82.). Indem be wie b?/j 
flvy da, fe u. a. als sigmatisch - aoristisch aufgefasst wurde 
(in bxjy de u. s. w. sind sigmatischer und primitiver aorist der 
77«/-conjugation zusammengefallen, da z. b. by = *b?/-s-s 
'^by~s-t und = */;?/-a' */>?/-f ist), sind zu be später als 1. sing. 
be-cMy als plural be-chomü^ bestey be-s^j' als dual be-chove, 
bt'Sta nachgeschaffen worden. Vielleicht ist mit griech. s-(pv7] 
altlat. fuet im saturnier auf der Scipionengrabschrift (^ I. L. 
I 32. (h/c fuet a[piid vos\) congruent und der ausgang -et 
im älteren latein von da auf perfectformen wie dedet über- 
tragen worden. Ein paar, wie es griech. {■-cpv{ß)-r]-g €-cpv{F)-rj 
neben abulg. b{v)-e ist, besitzt das griechische selbst an 
seinem e-ßak-rj-v aus "^e-ßll-rj-v neben e-ßl-rj-Vy wonach man 
weitere ähnliche doubletten, z. b. * e-Gy.aX-i]-v : e-GKX~r]-v, 
anderseits e-ddQ-r]-v : "^e-ÖQ-rj-Vj e-öTtctQ-yj-v : *€-a7VQ-r]-Vf 
l-cpd^aQ-iqv i^^lß-cpS-Q-Tj-Vj e-xaQ-iq-v : "^e-xq-iq-Vj l-ocpal-iq-v : 
*e-öcpl-rj-Vy {--/.lav-rj-v : ^e-^iv-rj-v, 8-dd/Li-r]-v : ^e-ö/u-Tj-Vj 
wird vermuten dürfen. Über e-ßdl-rj-v als erbform neben 
e-ßk-rj-v und über den parallelismus beider mit €-cpv{f)-r] = 
abulg. b{vye bringt näheres der band V. dieser morphol. unters. 



— 368 • — 

Die medialparticipien wie ved. piy-ana-Sy hhiy-änä-Sy 
viy-änd-s (Grassmann wörterb. z. rgv. 1314.), suv-änä-s^ huv- 
-6nd-s bezog man schon immer richtig auf die wurzelformen 
pi-j bki-^ vi-j sü'j hü- und ging nur darin fehl, diese wurzel- 
formen für etwas generisch verschiedenes von solchen mit 
/', ü zu halten. Jene wurzeln selbst erweisen, wie sie ^, ü 
vor consonanten kennen , so auch ?/, v vor vocalen , z. b. in 
ved. bi-bhy-at-^ d-bi-bhy-at- partic. praes., bi-bhy-atus bi- 
-bhy-ur bi-bhy-üsh-i perf., ved. d-vy-an imperf. u. a. Dazu 
kommen die schwächeren zwillingsformen für die medial- 
participia selbst: ved. vy-and-s'^ ved. sv-änd-Sy im rgveda 
„tiberall *yaw« zu sprechen und im SV. auch so geschrieben, 
hingegen im RV. überall suvdnd geschrieben" (Grassmann 
wörterb. z. rgv. 1524.). Als reduplicierte bildungen dieser 
art sind zwillingsformen bei der Identität der verschiedenen 
sanskritwurzeln sü- (vergl. s. 56 f.): ved. su-shuv-äiid-s'^m der 
weihe begriffen, geweiht^ in der taittiriya-samhitä (Petersb. 
wörterb. VII 1021. unt. %.su-) und ved. su-shv-änd-s ''gepresst 
habend, gepresst"* im rgveda (Petersb. wörterb. VII 1019. unt. 
1. su-j Grassmann wörterb. z. rgv. 1524.). So ist nun auch 
das got. us-kij-ana-ta Luc. VIII 6. nicht gleichstufig mit 
bit-an-Sy stig-an-s^ jedoch mit dem praesens uS-kei-na^ alts. 
M-nUy ahd. cM-nu = lit. gy-nw^ vergl. s. 38. Den ansschlag 
zu gunsten des kij-ana- werden ähnliche rücksichten auf das 
Interesse der deutlichkeit gegeben haben, wie im griechischen 
bei der wähl zwischen v-6g {av-6g) und *(y-og, X-äöt und 
*aöY. Doch in isolierten formen lebt der typus got. ^kj-ana-^ 
ved. sv-dnd- im germanischen, lateinischen und slavischen, 
bei wurzeln auf -r-, -/- und geräuschlaut im griechischen. 

Eine wurzel indog. ew- Mn mangel versetzen, berauben^ 
oder intransitiv 'mangeln, ermangeln^ zeigt sich in griech. 
et'-)' ^-g adj. 'ermangelnd, beraubt'; die hochstufe ou- enthält 



I 



— 369 — 

• 

das germanische adjectiv got; au-p-s^ anord. aii-^-r^ ags. ea-^e 
e-9<?, alts. 0-9/ , ahd. ö-di *^öde, leer\ Nebentonige tiefstufe 
haben sanskr. z/-wd-, avest. u-na- adj. Voran etwas fehlt, 
mangelhaft, mangelnd', eigentlich particip mit -?iö-y avest. 
7/-?ia f. 'Verminderung", sanskr. ii-nd-i/a-ii 'er lässt unerfüllt' 
denom. Vergl. s. 119. 121. Tonlose stufe u- vor consonant 
herrscht in avest. u-ya-mna- paitic. praes. med. 'mangelnd', 
mi-uyamna' 'nicht mangelnd'. Mit letzterer correspondiert u- 
vor sonant in dem -ö/^ö-particip got. v-an-s, ags. v-an^ afries. 
w-on^ alts. ahd. w-an adj. 'mangelhaft, fehlend', neuniederd. 
w-M adj. 'verrückt' nebst den compositen anord. van-vitr^ 
ahd. tmana-miize wan-wizze^ mhd. wan-icitze^ wan-tvit^fec 'des 
Verstandes ermangelnd', mhd. umn-schaffen 'mangelhaft, übel 
beschaffen', nhd. wakn-ivitZj wahn-sinn^ ivahn-schaffen mit 
volksetymologischer anlehnung an mhd. iväiij nhd. loahn m. 
'opinio' (Paul princip. d. sprachgesch. 82. 97 f.). Formal ver- 
hält sich got. v-ana- : sanskr. {i-7iä- = got. bit-ana- : sanskr. 
*bhin-?iä- (wofür das schwächststufige bhin-nä')] vergl. auch 
indog. k^]i-6n- 'hund' und k^U-n- s. 356. In got. v-cin n. 
'mangel' ist das neutrum des particips substantiviert^ wie 
in avest. ii-na das feminin. Die erhebung des suffixvocals 
zum scheinbaren wurzelvocal bewirkte die Verschiedenheit 
derselben endungen in heutigem tv-ahn und ge-biss-en^ also 
die nemliche Ursache, welche die vocalische Verschiedenheit 
von das^ was und der endung \xi jen-es, jed-es, all-es her- 
vorrief und diejenige des gleichen deminutivsuffixes in nhd. 
schw-ein und kük-eUj mäd-ck-en (vergl. s. 357. anm.)*). 



1) Mit der ansetzung einer wurzel tie- oder auch uä- (Fick wörterb. 
13 202. 758., Bugge Cftrtius' stud. IV 328., Curtius gruudz.^ 702..anm.) 
kommt man niclit zum ziele. Erstens sind wurzeln auf auslautendes -e- 
dem indogermanischen unbekannt; vergl. Brugman morphol. unters. III 97. 
Sodann begreift sich auch griech. sv-n-s nicht aus *j's-vc-s, da die als 
Ostiioll' u. Brugman untersuch. IV. 24 



— 370 — 

Indog. da^'u- ''ehren, verehren, anerkennen', insbeson- 
dere 'durch geschenke ehren, begaben, belohnen, huldigen' 
bildet nebentonig vor sonant ved. düv-as n. ' Verehrung, ehre, 
ehrenbezeugung', duv-as-yä-ti 'er ehrt, verehrt, erkennt an, 
belohnt', duv-as-yü-, duv-o-yü- adj. 'verehrend, ehrerbietig', 
ä-duv-as adj. nom. plur. (rgv. VII 4, 6.) 'ohne dienst' (nach 
Ludwig), 'gabenlos' (nach G-rassmann). Wie got. v-an-s von 
eu-, ist particip dieser wurzel da^ti- lat. b-onu-s 'gut' aus 
^dii-ono-s^ eigentlich 'verehrt, was in ehren steht, anerken- 
nung geniesst', lat. b-eno- adj. dass. in beni-gnu-s^ dem ad- 
verb bene und den deminuti vischen Weiterbildungen bellu-s^ 
bellnlu^. Sogar von der uralten suffixtrias -ono-, -eno-^ -no-, 
über welche morphol. unters. II 13. und oben s. 205. die rede 
war, bieten sich hier. im lateinischen zwei stufen, -ono- und 
-ewö-, an einem worte dar. Der saturnier in der Scipionen- 
grabschrift C. I. L. I 32., der das duonoro enthält, hilft nicht 
entscheiden, ob diese altlateinische form drei- oder viersilbig 
war. Im ersteren falle allein ist sie die directe mutterform 
von bonorum. Im letzteren falle, dem weniger wahrschein- 
lichen, wäre anzunehmen, dass bis in die zeit des alten lateins 
sich die beiden indogermanischen doppelformen duu-ono- 
und du'ono' neben einander behauptet hätten und dann 
von der classischen latinität erst die stärkere aufgegeben wor- 
den sei. Auch b-eH-re 'begaben, beglücken', b-eü-tu-s partic. 
adj. haben b- = du-. Dass diese nemlich hierher gehören, 
ist mir sicherer, als durch welche mittelstufen hindurch wir 
sie auf da^'u- zurückzuleiten haben. Da *^e«ö beö = du- 
-em-iö sein kann, so liegt wol ein nominalstamm du -ein - 
zwischen der wurzel und dem lateinischen denominativum. 



stützen dienenden fälle ev^i-s, evvrj, angeblich aus *^f^v-s, "^ßeva = ahd. 
rvona in rvonaheit (Fick Bezzenbergers beitr. 161.), ülusorische sind und 
anders beurteüt werden müssen. 



— 371 — 

Ein Suffix -eiä- nun ist nicht häufig. Vielleicht war du-eid, 
bereits secundäre ableitung mit collectivischem -iä von einem 
grundnomen du-o-^ wie griech. diOQ^-ia ötoqs-a von dwQo-^ 
öwqe- und t^eta aus "^'CeFe-La von *Ksßo-y *Cf/€- (^ei- (in 
'Cel-öwQo-g nach J. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXIV 278.) 
= sanskr. jdva-y lit. jdva-j und wie avd-QaK-tä von av^Qax- ; 
vergl. Curtius grundz.^ 577. 609 f. So könnte also, wenn 
du-o- ^ehre, ehrengabe' hiess, d7i-e-iß ^anzahl von ehren, 
ehrengabenfülle' bedeutQt haben. Doch wie dem auch sei, 
jedesfalls würde sich beäre aus ^dii-eH-re nicht anders zu 
Wurzel da'^ii- verhalten, als wie lat. cr-eU-re zu wurzel k'^er-, 
sanskr. kar- in lat. cer-ji-s (vergl. Corssen ausspr. vocal. P 
473., Curtius grundz.^ 154 f.) ^). Lateinische repraesentanten 



1 ) Lassen wir in lat. b-ono- das b- von b-eno- b-ene adv. übertragen 
sein, so haben wir tatsächlich den lateinischen lautwandel von du- zu b- 

t- nur vor den hellen vocalen e und /, in bene, beäre, bellum, bi-, bis u. a. 
bei Corssen ausspr. vocal. I^ I24f. So glaube ich auch im zend diesen 
lautwandel nur vor / annehmen zu sollen. Denn obwol Hübschmann 
Kuhns zeitschr. XXIV 339. 365. 366. und Bartholomae d. gäthas u. heil, 
gebete d. altiran. volkes 94. recht haben, in der verwandelung zu {d)b 
das sichere kriterium für consonantisches u der lautgruppe dv zu. 
sehen, so irren sie doch, wenn ihnen darum umgekehrt jedes überlieferte 
nicht gewandelte dv als duv gilt. Avest. dvaish- 'peinigen' müsste dar- 
nach zweisilbig == duvaesh- sein; aber die zweisilbigen wurzeln wollen 
mir vorläufig, wie gewis auch noch anderen, nicht in den sinn. Zu 
unserer regel stimmend zeigen die tiefstufenformen dieser wurzel die- 
selbe fast ausnahmslos als ibish-, gäthadial. d[ai\bish- ; vergl. Justi handb. 
d. zendspr. 138. 143 a. Umgekehrt haben wir mit dv- das perfect di- 
-dhvaesha und die nomina dvaesh-anh-, a-dvaesh-a-, vi-dvaesh-a, vi- 
-dvaesU-tva- von stärkerer wurzelform. Ausgleichung ist nur anzunehmen 
einerseits für die perfectform di-dvish-ma ys. LXVII 2. , anderseits für 
die causativformen tbaeshayeiti, tba^shayäl und die nomina ßaesh-a- m., 
tbaesh-anh- n. nebst deren ableitungen (Justi handb. 137.). Besonders 
bestätigend sind die formen des Zahlwortes 'zwei', bi-, bisli, bitiya- 
{d[ai]bitiya-) und gäthadial. daibitä = sanskr. dvitä (Hübschmann Kuhns 
zeitschr. XXIV 365.) gegenüber dva, dva-dasa, welche letzteren nicht 

24* 



— 372 — . 

der nebentonigen tiefstufe dun- müssen wir, glaube ich, in 
dfen optativformen altlat. duim^ dulSj duiij duint sehen,' die 
wol dem lateinischen sprachbewusstsein als sprösslinge der 
Wurzel dö- da- ^geben"* gelten durften, aber nicht, wie es 
mir scheint, der modernen sprachwissenschaftlichen betrach- 
tung. Die ursprüngliche edlere bedeutung könnte man z. b. 
noch in Plautus Amphitr. prol. 72. palmam duint ^sie mögen 
die palme verehren"* finden wollen. 

Für das slavische gilt, dass die .wurzeln auf -y- im par- 
ticip praet. pass. vor dem suffix -enu ^^spaltung von -;/- zu 

notwendig überall, ebenso wenig wie im veda dva dvaü, dva-da^a, mit 
-UV- gelesen werden müssen (vergl. s. 355.). dv- liegt endlich auch regel- 
recht vor in dvae-tha f. 'furcht', während in dem eigeunämen daivö- 
-thoisH gen. sing. yt. XIII 98., eigentlich 'die daevas erschreckend', th- 
vo» den casus wie nom. sing. *-tbi-sh', acc. sing. *-tbi-7n übertragen sein 
muss. Ferner ist normales dv- auch vorhanden in dvafslia-^ dvafshanh-, 
dvar- 'laufen, stürzen' u. a. — Lautphysiologisch wird sich die zwie- 
fache lateinische und avestische behandlung des dii- wol folgendermassen 
erklären. Vor e und i spricht man die dentalen d und t (übrigens auch 
die gutturalen g, k) „mit' mehr oder weniger gradlinigen und parallel 
einander genäherten lippenrändern", während sie vor ö, u und etwas 
weniger entschieden auch vor a mehr mit „gerundeter lippenvorstülpung" 
hervorgebracht werden. Bei diie^ dui nun hindert zunächst das zwischen- 
liegende u nicht, dass sich durch regressive assimilation der dental doch 
in seiner ausspräche sogleich nach dem e, i richtet. Dadurch wird dann 
der halbvocal ii zum Übergang in den bilabialen Spiranten 7V genötigt, 
denn für w und 7v liegt ebenfalls ihr charakteristischer articulations- 
unterschied in der „gerundeten lippenvorstülpung" dort und den „mehr 
oder weniger gradlinigen und parallel einander genäherten lippenrändern" 
hier, nach Sievers grundz. d. lautphysiol. § 13, 2, 1. s. 70. (= grundz. d. 
phonetik § 15, 1. s. 99.). dw- endlich kann in dh-, b übergehen, wäh- 
rend dii- dazu keine veranlassung hat. Wenn nicht auch twe, trvi in 
denselben sprachen in pe, pi gewandelt werden, so liegt das wol an der 
härteren natur der tenuis i, vermöge deren sie kräftiger dem ?v wider- 
stand leistet. Übrigens unterliegt auch das dfv- dem übergange zu b- 
im lateinischen nur anlautend ; im Inlaute siegt die bilabiale spirans ganz 
über den explosivlaut , z. b. in suävis aus *snädwi-s, molli-s für *mol- 
wi-s aus *t7ioldwi-s = sanskr. mrdü-s. 



— 373 — 

-iiv-^ haben, z. b. abulg. za-buv-enü Vergessen' von za-by-ti\ 
vergl. Schleicher compend.'^ § 85, 4. s. 126., Leskien handb. 
d. altbiilg. spr. § 81. anm. 2. s. 60. Bildungen also, wie ved. 
sUv-änd-Sj bhiy-dnä-s^ got. us-kij-ana-ta besitzt in za-l/üv-enü 
u. dergl. die Slavensprache. Aber ein particip mit demselben 
Suffix ist auch abulg. zv-onii m. ^ton, glocke' von der wurzel 
(jh^au- ^rufen' in abulg. zov-Oj zuv-ati und zv-ati (vergl. 
s. 360 f.): zv-onü in seiner isolierung zugleich lehrreich für das 
vorkommen der sonst neben -eiio- im slavischen ausgestor- 
benen Schwestersuffixform -ono-. Ob Fick vergleich, wörterb. 
P 84. mit recht zv-onii und sanskr. hv-tma-m n. ^das herbei- 
rufen' (nicht ""ton, schrei' nach Fick) identificiert, bleibe da- 
hingestellt ; es kann das sanskritische nomen auch eine junge 
einzelsprachliche verbalabstractbildung aus hv-ä- (vergl. 
s. 362. anm.) sein wie stha-na-m ""das stehen' aus sthä-. 

Das got. ky-an-s stellt sich für uns als ein particip von 
gleicher wurzelstufe heraus, wie es mit indog. I, n vor con- 
sonant die s. 205 £P. behandelten sanskr. ic-änä-s (ip'ä?ia-s)j 
anord. tig-in-n, ü-hlif-m-n^ prut-in-n u. a. sind. . Es liegt 
übrigens noch ein weiterer grund vor, als der s. 368. geltend 
gemachte der etymologischen deatlichkeit , warum das ger- 
manische dem kij-an-s den Vorzug vor *k/-aji-s gab und bei 
einem lebendig gebliebenen verbalablaute der wurzel eu- 
'mangeln' wol auch für ^uv-an-s statt v-a?i-s sich entschieden 
haben würde. Obschon nemlich ky-an-s nicht gleichstufig 
mit stig-an-Sy bit-a n-s war^ musste doch jenes vom Sprach- 
gefühl eher als *kj-mi-s mit diesen parallelisiert werden, 
des gleich empfundenen kurzen t wegen. Dieselbe neben- 
tonige tiefstufe aber wie in ky-an-s normalisierte die ger- 
manische spräche constant in anderen ablautsreihen. Dass 
auch got. baur-an-s^ hid-an-s, qum-an-s und gib-^an-s nur auf 
der von deutlichkeitsrücksichten gelenkten aus wähl zwischen 



— 374 — 

-zwei ererbten zwillingsformen, baur-an-s'miö.*br-an-Sy hul-an-s 
und *hl-a?i-Sj qum-an-s und ^qm-an-s^ gib-an-s woid^gb-an-Sj 
beruhen, wird ebenfalls in morphol. unters. V weiter auszu- 
führen sein. Man vergleiche vor der band Paul in seinen 
beitr. VI 408 ff., der übrigens die meinung jetzt wol aufgeben 
wird, dass in wurzelformen wie germ. stig-^ gut- (und bund-^ 
trud-\ „ wo der Sonorlaut zwischen zwei consonanten zu stehen 
kommt", die beiden schwächsten stufen ununterscheidbar zu- 
sammenfallen mussten. Got. hul-an-s : *hl-an-s = griech. 
ßaX-^-vai : ßl-^-vaij yergl. s. 367. ; und got. gib-an-s : *gb-an-s 
= indog. es-ie-My es-nti^ g'^e-g'^öm-e (griech. eiiqv, eäoi, 
83LnskY.ja-gam-a):mdog.s-ie-mj s-ntij (g^-)g^öm-e (sanskr. 
s-7/a-mj S'dntij got. qam)j vergl. s. 333. anm. 363. Die be- 
stätigenden „isolierten formen", welche unseren postulaten 
^br-an-Sy *hl-a?i-Sj *gb-an-s weiteren festen boden geben, 
sind ausser sanskritformen wie ved. kr-änä-s von Wurzel ka?'- 
mehrere im griechischen zu Substantiven erstarrte participien 
mit -ono-y die man als solche seither noch nicht erkannte. 
Ich meine: Kq-övo-q m. nom. propr. des gottes, das Curtius 
grundz.^ 155. an sanskr. kar-and-s ""machend, kunstfertig' er- 
innert, mir direct = ved. ki^-äiiä-s ^wirkend, wirksam, eifrig, 
geschäftig"*, häufiger epitheton von göttern, Agni's, Soma's, 
der Maruts (vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 343.), zu sein 
scheint; S-g-ovo-g m. *^sitz, stuhl' von dher- 'halten, stützen', 
sanskr. dhar-\ xQ-6vo-g m. "^zeit' als ""umfassende zeitgrenze, 
spanne' von der wurzel indog. gh^er- (Curtius grundz.^ 200.); 
vl-ovo-g m. *^getreibe, getümmel' von würz, v.el- in yiel-o-juai; 
endlich cpd^-ovo-g m. *"neid, misgunst' als 'leidenschaftliches 
begehren' von der in nod-o-g m. "^sehnsüchtiges verlangen' 
steckenden wurzel (vergl. im sanskrit ved. ven- ven-a-ti 
1. ""sich sehnen, verlangen', 2. ""neidisch sein auf etwas' nach 
dem Petersb. wörterb. VF 1371 f.). In Kq-ovo-g^ -d-q-övo-gj 



II 



-- 375 — 

kI-ovo-q constatierte die etymologie und schwache wurzelform 
auch Brugman morphol. unters. I 51. anm. 1. II 203. III 20. 
anm. 2. Dies also sind bildungen von er-, e/-, ew- (a^a^-) 
wurzeln wie lat. ^dii-ono-s h-onu-s^ got. v-an-s von eii- (a^'u-) 
wurzeln. Als substantivierte participia von der abstract ent- 
wickelten bedeutung eines nomens actionis haben griech." 
Kl-6vo-g und cpd-6vo-g ihr analogon an got. vig-an-s *^ kämpf ' 
(Paul Paul-Braunes beitr. VI 540.), und umgekehrt dieses an 
jenen, so dass Joh. Schmidt anzeig. f. deutsch, altert. VI 127 f. 
keinen grund hatte, an der Vulfilastelle Luc. XIV 31. die jetzt 
fast allgemein recipierte lesart Lobes du vigana '^elg TcöXei.iov^ 
zu verwerfen und zu meinen: „die annähme eines nominal- 
stammes vigana- hat keinen anhält, weder im gotischen noch 
sonst wo"*)- 

Gelegenheit, die beiden tiefstuf engrade der Wurzelsilbe 
wol zu unterscheiden und ferner des verschiedenen Verhal- 
tens der letzteren beim antritt sonantisch und consonan tisch 
beginnender suffixsilben sich deutlich bewusst zu werden, 
bietet besonders das particip perf. act. mit seinem Wechsel 
zwichen -uos- in den starken und -us- in den schwachen 
casus. Wie ved. pi-pi-väms-am und pi-py-üsh-t (Grassmann 
wörterb. z. rgv. 811.) der wurzelstufe nach genau zu einander 
stimmen, so disharmonieren in demselben belang ved. di-di- 
-van nnd di-dii/-tish-as gen. sing. (rgv. VIII 23, 4.); so ander-^ 
seits auch ved. ji-gi-viin und ji-gy-ush-e ji-gy-üsh-as (Grass- 
.mann wörterb. 488.),. /'/-/'Äz-z^öw und bi-hhy-ush-t (Grassmann 



1 ) Treffen die obigen nachweise von -o«ö-participien im lateinischen, 
slavischen und griechischen das richtige, so wird es den gegnern der 
ansieht, dass arisches -u in offener silbe normal dem indog. europ. o 
entspreche (vergl. s. 226. anm. 303. anm.), nunmehr obliegen, sich auch 
mit dieser neuen gleichung : suff. sanskr! avest. -äna- = griech. lat. slav. 
-ono-, got. -ana- abzufinden. 



— 376 — 

wörterb. 938.). Letztere, ji-yij-üsh-e ji-gy-üsh-as^ bi-bhy- 
-üsh-ij gehören stricter zu einem vorauszusetzenden sanskr. 
*ji-gi-van (vergl. s. 69. 364.) und zu der avestischen mas- 
culinform bi-wi-väo (vergl. s. 60.), zu sanskr. y/-<7«-i;a/«, bi- 
bhi-vüh aber vice versa feminine "^ji-gvj-üsh-i, ^ bi-bhiy-üsh-i. 
Ebenso ist discrepanz der wurzelstufe zu statuieren zwi- 
schen sanskr. su-shiiv-üsh-as gen. sing. (rgv. X 94, 14.) 
und su-shu-va?ps-am acc. sing. (rgv. VIII 32, 21.), zwischen 
homer. Tte-cpv-vla (11.^^513. H 288.) = * Tce-cpvß-vla und 
homer. ^te-cpv-wg (Od. e 477.) = "^ jte-cfv-ßiog. Es haben 
su-shuv-üsh-as , jte-cpv{F)-vla ^ gleich der 1. sing. med. ved. 
su-shuv-e und der 3. plur. homer. 7ce-(pv(ß)-c(0i nach s. 363 f., 
die ablautstufe von sanskr. "^su-shü-varij sanskr. ba-bhü- 
-vmij und ist also fce-(pv(F)-vla ein indirectes zeugnis für 
ein verlorenes masculin griech. '^7te-(pv-{F)iogj wie umge- 
kehrt 7ce-(pv-{F)wg ein feminin * 7ce-fp{ß)-vla voraussetzen 
lässt. Brugman irrt Kuhns zeitschr. XXIV 85., wenn er von 
ved. su-shuv-üsh-as meint, „dass dessen v erst nachträglich 
in die form hineingekommen sein kann " 0- D^-ss sich flir 
das Sprachgefühl der Inder und Griechen die paare su-shuv- 
-üsh-as und su-shu-vams-am^ 7C€-cpv{f)-vla und /t€-cpv-{ß)iüg 
enger zusammenschlössen als unter der sprachwissenschaft- 



1) Brugman denkt, dass „bei rein lautlicher Umgestaltung aus *sii- 
-shu-üsh-as wnii^su-shu-üs sicher *sushüshas und *siishäs entsprungen 
wären". Allerdings. Aber bei der neuen vocalismustheorie, wo für das 
Sanskrit sav- die wurzel ist, dürfen wir die aufstellung so aussehender 
grundformen gar nicht mehr zulassen. Die grundform in sanskritischem 
gewande ist für das -shuv-ür in su-shuv-ür ein *-shav-ür, dessen a in 
der nebentonigen Silbe sich an das v assimilierte. Auch mit ücür 'sie 
sprachen*, das Brugman als aus *u-uc-ür entstanden vergleicht, hat es 
eine* andere bewantnis ; als seine unmittelbar voBausliegende basis wird 
von mir ein vorhistorisches sanskr. *v-iic-ür im „vorwort-* probabel zu 
machen gesucht. 



!t 



— 377 — ■ 

liehen sonde, musste ein fast noch näher liegender sprach- 
vorgang sein, als im germanischen das parallelwerden der 
früher nicht parallelen got. kij-ari-s und bü-an-s, stig-an-s 
(vergl. s. 373.). Mit derselben art von unansbleiblichkeit er- 
folgte im griechischen das zusammentreten der ungleich- 
stufigen 7ce-(pv-vla und Tte-cpv-cog wie dasjenige von v-og 
v-i v-iov mit v-olj ^-aoc mit i-juev X-re (s. 356 ff. 363.). 

Das litauische hat die „Spaltung" in -y-, -uv- vor der 
Suffixform -US- in diesen femininformen des partic. praet. act. : 
yij-us-ij Dj-iis-ij t'fj-us-ij buv-us-ij piw-us-i, ziiv-iis-iy damit 
also die nebentonig-tiefstufigen bildungen ; glj-us-i = unserem 
vorausgesetzten sanskr. ^ ji-ghj-ush-i (würz, g^ei- ''oben auf 
sein, siegen, leben', vergl. s. 72 f.), buv-iis-i == griech. jte- 
-cfv{f)-vla. Da man nun bei den nominativen sing. masc. 
lit. bü-vesj pü-vesj sii-vesy wie bei dä-ves u. dergl., und bei 
abulg. by-vü gleicher weise wie da-viij pi-vüj bi-vü doch wol 
mit Brugma'n Kuhns zeitschr. XXIV 81 ff. 85. 88 f. in dem -v- 
den anlaut der alten suffixform -uos wird sehen müssen, so 
sind also auch im litauischen die verschiedenstufigen bii-ves 
und buv-iiS'i, wie im griechischen 7ce'cpv-{ß)c6g und 7ce- 
-fpv(/)-vla, wegen äusserer formaler ähnlichkeit zu einem 
paradigma zusammengeraten. Und das führt weiter auf die 
Vermutung, dass die durch büv-us-?] piiv-iis-f) mv-us-iy sowie 
auch durch die aoriste buv-aüj puv-aüj zuv-aü veranlasste 
falsche analyse buv-esy puv-esj zuv-es statt bü-ves u. s. w. 
auch die bildung von siik-esj dug-es neben siik-us-ij äug-us-i 
und- von gy-^s, J^y-es neben g)j-us-iy r)j-us-i veranlasst habe ; 
denn vielleicht ist die annähme lautgesetzlichen ^'-verlusts 
in * sük-vesj * äug-ves doch nichf so unbedenklich, wie Brug- 
man a. a. o. 88. meint, und auf gfj-esj rij'-es wenigstens 
dürften wir wol von den ursprünglicheren formen aus, die 
*gi/-ves (= YQd. ji-gi-vdn) oder *gi-wesj *ri/-ves oder "^ri-ves 



— 378 — 

waren, gar nicht anders kommen. Im altindischen ist es 
eine analoge erscheinung, wenn sich zu di-dw-ush- ein di- 
-diväms- neu bildet statt dii-dyü-vams- oder ^du-dyu-vdms- 
(vergl. s. 319.), denn dafür war das muster doch auch wol 
die vom Sprachgefühl falsch empfundene paarung solcher 
wie su-shu-väms- und su-shuv-nsh-. Dass sich nach dem als 
däv-es aufgefassten lit. dä-ves partic. praet. von du-ti ''geben^ 
das praeteritum dav-iaü gebildet haben könne, vermuteten 
schon Leskien d. declin. im slav.-lit. u. german. 21. 57. imd 
Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 88. 

Im gegensatz zu lit. bü-v'es = griech: Tce-(pv'{F)i6g hat 
das slavische in dem nom: sing, abulg. by-vu den reflex der 
wurzelstärkeren sanskritform ba-bliü-van. Zu by-vü das femi- 
nin und die mit ihm von der gleichen Stammform gebildeten 
obliquen casus aller genera (masc.-neutr. gen. sing, byvusa, 
dat. sing, byvüsu u. s. w.) haben das y des nöm. sing, masc.- 
neutr. by-vü angenommen: abulg. byvnsij für älteres "^büv-us-i 
= lit. buv-us-ij griech. 7ce-cpv{fyvla. Anders bei wurzeln 
auf -/- im slavischen. Das abulg. zi-vU *^gelebt habend' ist 
= sanskr. ved. ji-gi-van 'gesiegt habend', vergl. s. 72 f. So 
dürfen wir auch das abulg. pi-vu "^getrunken habend' gleich 
einem sanskr. ^pi-pi-van 'geschwollen seiend' (vergl. s. 41 ff.) 
zu setzen und zur zwillingsform. des historischen ved. pi-pi- 
-vä'n zu machen keinen anstand nehmen. Setzen wir nun 
bei abulg. ii-vü^ pi-vü eine flexion voraus, bei der sich, 
ganz wie bei ved. ji-gi-van und ji-gy-üsh-e ji-giy-üsh-as , bi- 
-bhi-vän und bi-bhy-üsh-i^ nebentonige anteconsonantische mit 
tonloser antesonantischer tiefstufenform der wurzel gepaart 
hatte, so führt uns das auf ein' einstiges paradigma mit abulg. 
zi-vüj pi-vü j fem. *^-is-/, *plj-is-i aus *zj-üs-ij '^pj-üs-i. 
Dass ein solches ehemals bestanden habe, darauf deutet 
doch wol die flexion dieser participia bei abgeleiteten verben 



— 379 — 

auf -i'ti wie chvali-ti '^loben' hin, welche letzteren ja über- 
haupt nur in nachahmung der wurzelverba wie z4-ti^ fi-ti, 
bi-tij li-ti zu dem besitz dieser ganzen participbildung ge- 
kommen sind. Schon Brugman Kuhns zeitschr. XXIV 86 f. 
beschreibt ganz richtig, wenn auch mit hinterdrein geäusser- 
ten zweifeln, dass die sache sich noch anders verhalten 
möchte, unter hinweis eben auf sanskr. bi-bhy-üsh-as ^ bi- 
bhj-nsh-i den gang der ausgleichenden neubildungen von ur- 
sprünglichem chvali-t)üj chvalj'is-i zu chvali-vü chvalwüs-i 
einerseits und ckvalß chvalj-u-t anderseits. Für beide ent- 
wickelungen war das muster pek-ü aus *pek-vu neben pek-ns-i\ 
und nach diesem müssen sich auch in der ersteren richtung 
jene zi-vü *B-is-ij pi-vu ^^plj-is-i zu zi-vu ^sivils-ij pi-vü 
pivus-i ausgeglichen haben; allenfalls freilich auch zi-vü, 
pi-vü mit iem,*zi/-u-i (== lit. g)j-us-i)j '^pij-is-i aus ^zif-is-i, 
"^py-u-i (über abulg. ?y aus tj sieh s. 14. und unten s. 386.), 
d. i. mit masculin und feminin von gleichstufiger (nebentonig- 
tiefstufiger) wurzelform. Da wir, wie lit. gy-es-, rfj-es auf 
"^gif-vesj *rt/-vesj so vdlges (zunächst "Hus ^vdlgies) auf ^val- 
gy-ves zurückbringen, welchen Standpunkt das altpreussische 
mit klantl-wuns von klantl-t *^fluchen\ att-ski-wiins von "^et- 
-skt-t ""aufstehen"* {et-skisei ""du stehst auf) tatsächlich noch 
inne hält, so dürfen wir glauben, mit der gleichen flexion 
von lit. *valgi/-vesj gen. sing, välgi-us-io, fem. välgi-us-i und 
abulg. chvali-vü j gen. sing. chvalj-\s-a, fem. chvalj-ts-i auf 
ein ur-slavobaltisches paradigma zu kommen, also auch den 
tibergang des particips perf. act. mit indog. -u^s, -usi von 
den Wurzelverben auf lit. -y-ti, slav. -i-ti auf abgeleitete mit 
demselben infinitivausgange für eine gemeinsame neuerung 
in slavo-baltischer zeit halten. Und von da weiterhin -auch 
den Übergang an abgeleitete verba überhaupt, nach apreuss. 
tayko-imns von tayku-t ""schaffen, machen', abulg. dela-vü. 



— 380 — 

zele-vu von dela-ti^ zele-iil Auch nahm das slavische hier 
seine veranlassung, selbst bei wurzelverben den „infinitiv- 
stamm wuchern" zu lassen, wie in abulg. plu-vu, pe-vü von 
plu-ti "^schiffen', pe-ti *^singen^, in dä-vii von c/ä-ti *^geben' 
gegenüber älter vocalisiertem lit. dd-ves (Brugman Kuhns 
zeitschr. XXIV 87.). 

Im vedischen sanskrit entspricht er den nebentonigen 
tiefstufenformen tu' (s. 268 flf.), nu (s. 272 ff. 351 f.), wenn vor 
vocalen tv^ nv als volle silbe, d. i. dann als tüv, hüv gelesen 
werden müssen. Ebendarauf beruht der Wechsel von ved. 
tuv-dm und tv-dm *^du^, tuväy tuvam und tväy iväm 'dich\ 
tuväd und ivdd abl. ""von dir^, den das iranische auch laut- 
lich vergröbert darstellt in avest. tvern^ tvärrty tvat d. i. tuveniy 
tuväm^ tuvafj apers. fuvam (eventuell aber fuvm = avest. 
tum nach s. 271 f.) neben avest. thwdy thivämy thivatj apers. 
thvä7n ; vergl.* Hübschmann Kuhns zeitschr. XXIV 365. 366., 
Bartholomae d. gäthäs u. heil, gebete 94. 95. anm. So stufen 
sich auch die praefixe und partikeln ved. hit/ und Äy, mi/ 
und ni/, viy und vy^ iiv und v, siiv und sv in derselben weise 
ab wie vor consonanten ved. hi , avest. zi, abulg. zi mit 
sanskr. hi^ avest. zi^ griech. -yX (s. 239 ff.), sanskr. avest. niy 
griech. vi- mit sanskr. a^est. apers. german. ni (s. 222 ff.), 
sanskr. avest. vi^ lat. Vi- mit sanskr. avest. german. vi{^. 247.), 
wie ved. avest. ü mit sanskr. avest. ii, griech. -v (s. 252 ff.), 
sanskr. ved. nachved. sü^ avest. hü mit sanskr. su^ avest. huy 
altir. SU- so- (vergl. s. 251., wo noch aus dem Petersb. 
wörterb. VII 1162.. sü-tta- Vol gegeben' nachzutragen ist, 
das grammatiker für su-dalta- kennen, wie ni-tta-y vi-tla-y 
pari-tta- für ni-datta- u. s. w., und das also die stärkere form 
sü- .auch für das classische sanskrit erweist). Geschrieben 
haben die überlieferten vedatexte die dem sü- entsprechende 
form suv- in dem wertvollen suv-itd- adj. 'gangbar, glücklich 



I 



— 381 — 

fahrend', n. 'guter fortgang, glückliclie fahrt, wolergehen, 
glück "*, dem oppositum von dur-itä- (Benfey sämav. gioss. 
198 b., Böhtlingk-Roth Petersb. wörterb. VII 1130., Grass- 
mann wörterb. z. rgv. 1551.); zu der väjas.-samh. V 5. be- 
legten zwillingsform sv-itä- (Petersb. wörterb. VII 1477.) ver- 
hält sich suv-itä'j wie zu su-mäya-^ su-yävasa- ved. sü-maya-^ 
su-yävasa-. Bei der composition mit demselben praefix indog. 
SU- hat das avesta die form hü- vor consonant nur zweimal, 
in hü-hereta- Vol gemacht, wol gebahnt' ys. XXXIV 13. 
und hü-sKnathra- ädj. ""gut waschend' ys. XXXVIll 9. (vergl. 
s. 251.), dazu einmal misbräuchlich vor sonarit in hü-isKti- f. 
'verlangen, wünsch'; sonst stets vor consonanten das schwächst- 
stufige hu-. Aber constant setzte dieselbe spräche das mit hü- 
correspondierende huv- vor vocalen in hv-ahhvi-j hv-azäna-j 
hv-anta-j ho-apaiih-j hv-ascva-y hv-asta-, hv-aspa-, hv-älw- 
yasta-j hv-äsäta-j hv-äzä?'a-, hv-äpa^ hv-äpuo y welche sämt- 
lich anderenfalles mit g- = indog. su- anlauten würden; 
vergl, Hübschmann Kuhns zeitschr. XXIV 366., Bartholomae 
d. gäthäs u. heil, gebete 94. So verhalF auch hier das Inter- 
esse der etymologischen deutlichkeit der form zur alleinherr- 
schaft, welche die weniger von den lautgesetzen entstellte 
und dem chiastisch gegenüberstehenden (tonlos- tiefstufigen) 
pendant vor consonanten {hu-) äusserlich ähnlichere war. 

Selbstverständlich will ich auch die vor sonanten ge- 
schriebenen formen sanskr. äty^ ädhy^ änty^ äpy^ abhi/, päry, 
präty^ yädy^ änv^ wo dieselben im veda zweisilbig zu lesen 
sind, als dliyj ddhiy u. s. w., d?iuv aufgefasst wissen und für 
die pendants der anteconsonantischen formen mit -z, -ü, mögen 
die letzteren im sanskrit selbst belegt sein oder nicht, aus- 
geben; vergl. s. 222. 224 f. 225 flf. 227 if. 245 f 248 flf. Ja 
ich glaube diese betrachtungsweise auch auf das altgrie- 
chische ausdehnen oder, besser ausgedrückt, dem griechi- 



— 382 — 

sehen reste dieses vom vedischen sanskrit so wol conser- 
vierten gebrauches indogermanischer satzdoubletten vindi- 
cieren zu sollen. Das ist ja sicher, dass die homerische 
spräche in eiv und mtelg aus *eviy *v7ceQl formen hat wie 
jene sanskritischen auf (nicht silbebildendes d. i. nicht als 
'ly zu lesendes) -y. Beide, elv und vTteiQj kommen tatsäch- 
lich nur vor sonanten vor: in eiv LiQi(.iOLq (IL B 783.), eiv 
hl ölfpQO) (IL E 160. 609. ^ 103. 127.), negya/no) eiv leqfj 
(IL £446.), dv ayoQjj (IL Jf 382. 414. / 13. JT387. :^ 274. 
497. T 88. Od. y 127. epigi\ XIII 4. XIV 5. ed. Baumeister), 
eiv !dtöao (IL-X52.389. ^19. 103. 179. Od. ö %U, /211. 
350. V 208. to 204. 264.), eiv ^^löog (IL Q 593.), eiv all 
(Od. «162. ri 244. i 25. hymn. ApolL Del. 38.), eiv "id-a-Äj) 
(Od. ß 256. V 135. X 30. \p 122.), eiv vöan (Od. l 392.), eiv 
eleoloiv (Od. ^32.); in vTtelq cda (IL '^227. ß 14. Od. ö 172. 
L 254. hy.mn. ApolL Pyth. 276.), vTceiQ-exto und seinen ab- 
leitungen v7telQ-oxog 'YTceiQ-oxlörjv (IL ^ 673.), vTceig-ißalov 
(IL ^ 637.). mceiQ also == sanskr. updry , während * vTteqi 
= upäiH daneben verloren ist. Dann folgt aus TleiQL-d-oog 
nach Potts, deutung etymol. forsch. P 485. (vergl. auch Curtius 
grundz.^ 274.) allerdings indirect ein '^7ceLQ = sanskr. pdry. 
Wie nemlich das von Gust. Meyer griech. gramm. § 109. 
s. 107. nicht richtig beurteilte bei Horher fünfmalige eivi in 
eivl d-Qovii) (IL 199. O 150.), eivl ^vQrjOL (Od. l 417. x 310. 
l^i 256.) für eine contaminationsbildung aus der anteconso- 
nantischen form evl und der antesonantischen eiv = * evi zu 
halten ist, so entsprang auch 7ceiQi- in neiQi-d-oog durch 
die mischung von Jteqi und "^ueLQ = ^TceqL Dann ist wol 
auch Ttqog so mit fcgorl, sanskr. prdti zu vereinigen, dass 
man jenes genau dem einsilbigen sanskr. präty gleichsetzt: 
^TtqoTi vor sonant ergab regulär "^Jtqooö (vergl. auch TtQoooco 
Ttqoöo) aus *7r^oT/w), woraus verselbständigt Ttqogy das dann 




f 



— 383 — 

seiner ursprünglichen bestimmung zuwider auch vor conso- 
nanten in anwendung kam*)- Nach diesen indicien nun, 
meine ich, dürfen wir weiter gehen und vermuten, dass da, 
wo im griechischen bei engerer Verbindung durch compo- 
sition sowie pro- oder enklise ein -c, -v am auslaut des 
ersten gliedes oder Wortes vor nachfolgendem vocal „uneli- 
diert" vorliegt, es sich eigentlich um -^/, -vß handelt und 
um die nebentonige, in der Stellung vor consonanten durch 
indog. -?, -ü dargestellte tiefstufenform. So z. b. in homer. 
avrt-dveiQa mit avrä- = lat. anti- in anü-quo-s (s. 224.); 
in STtc-aX/iisvog (IL H 15. Od. co 320.), 7C€qI-€i^il (Od. g 248. 
2:326.), TCQorL-oooofiai (IL X 356. Od. «389. rj U, §219. 
i/; 365.). Wenn nach bekannter regel griech. tvsqI vor dem 
augment nie seinen endvocal elidiert, so ist eben nicht vier- 
silbiges jceQi-ecpeqov mit dreisilbigem sanskr. jmry-abharam 
laut für laut identisch, sondern beide differieren in dem- 
selben grade wie im sanskrit pari-ndh-^ pari-kshit- .von den 
nebenformen pari-nah-^ parn-kshit- u. dergl. (s. 245 f.), wie 
abulg. proti von sanskr. prdti\ griech. 7cqotT. Aber TtQooip)- 
'kpeqov ist genau =^. sanskr. praty-abhai'am , und so würde 
auch nur ein "^ jceiQ-e-cpeqov unmittelbar dem parif-abharam 
gleich stehen. So haben auch ßtoTi-aveLqa, ywöi-dveiga und 
TTolv-aivog Tcokv-avd^rjg j sowie Höql IotL, (.lid^v IotI streng 
genommen nicht die stufe von Ttaf-i-ßcoTi voc. sing, in rcaf^i- 
(SwtX rä (Sophocl. Philoct. 391.), jcol^-öwQog jcoXv-ßevd-rjgj 
von XöqT^ t€j ^tsd^v T€, sondern diejenige von homer. jtöll-g 

1) Sanskr. präü Hess ich morphol. unters. I 210. anm., um das ä 
in offener silbe = griech. o zu erklären, unter dem einflusse von prä 
stehen. Jetzt scheint mir, da auch die oben s. 303. anm.^ zugelassene 
einschränkung des gesetzes über arisches ä und ä = indog. o dem präti 
nicht hilft, noch eher annehmbar zu sein, dass das lautgesetzlich kurze a 
der antesonantischen seitenform präty = griech. nqoi auf prdti statt 
"^präti = griech. TtqoxC übertragen worden sei. 



— 384 — 

nom. , n:6lL-v, iurjTl-Vj ^cq/j^-Vj oT-v, ^ovqT-v, xaQi-v acc, 
G€tT voc, 'TtoXv-g^ ve'/ü-gj ögv-g (und nachhomer. ÖQi-itw-gj 
ÖQv-TOf-io-g neben homer. ÖQv-f.iaj ÖQv-TÖino-gy nachhomer. 
ÖQv-xoXccTtTrj-gy dQv-jteTtrig^ dgv-cpay.ro-g und neben sanskr. 
drii- m. n., dru-md-Sj dru-ghand-s^ dim-padd-mj diui-shdd-^ abulg. 
drü-kolilj drä-koli) nom., vsy.v-Vj ßagv-Vy iS-u-Vj ßQw-Tv-Vy 
yJÜTv-v acc. und von anderen ähnlichen formen mit suffixalem 
-T-j -V- statt -T-, -V- bei und nach Homer (Gust. Meyer 
griech. gramm. § 317. s. 272. § 319. s. 273 f. § 329. s. 2S1 f. 
§ 336. s. 286.), sowie von loyv-qö-g, o'i^-Qo-g (oben s. 154.), 
ja auch von den heteroklitisch gewordeneu azTi-g, 'Elevoi-g^ 
eQf.u-gf qriyiu-gj oTa/ni-g nom. sing, (vergl. s. 236. anm.), 
endlich ausserhalb des griechischen von sanskr. ved. /;?/;'w', 
u?'Uj vdsü neutr. sing, und plur., purü-idma- superl., put^ü- 
-rdvas-y purü-?'iic-, purü-i'dsu-y von avest. asti-jn^ ähüiri-vi acc. 
sing, masc, dvaidt neutr. sing., ahü-m^ nasü-my vohü-in acc. 
sing, masc, vohü neutr. sing., von lat. <yßw?7, cornü, ve?'ü 
nom. -acc. sing, neutr. (Neue formenl. d. lat. spr. P 345., 
Bücheier -Wind ekilde grundr. d. lat. declin. § 40. s. 19.). Für 
schon indogermanisches schwanken desausganges der neutra 
auf -ü und -ü spricht sich bereits auch Mahlow d. lang. voc. 
AEO 73. 156. aus*). Dass die Griechen statt oder neben 
f.dd'viF) IgtL einst auch "^(.ild^F Ion gesprochen haben wie 
die Inder mddhv asii, darf nach elvj vTteiQ, *7t€iQj jcgog ge- 
trost vermutet werden. Sie fühlten natürlich in fiid^v eorij 
TceQi-kpeQov das -t», -I ebenso wenig verschieden von dem 
in i-ieS-T) tovtOj TtEQi-cpeQio^ wie sie eine ahnung haben konn- 
ten von dem gradunterschiede der gleich lautenden wurzel- 
vocale in v-ög und v-oL^ X-äoi und "i-f^iev \-tb^ Tte-cpv-vla 



1) Doch nicht ohne die für die metrik interessante entdeckung 
eines yXäcpv in Hesiod. op. et di. 533. xat ^'^«991; Tcejqrjevl 



I 



I 



— 385 — 

und 7t€-(pv-ojg (s. 856 ff. 363. 376 f.). Die berechtigung unserer 
auffassung aber dürfte besonders aus solchen erscheinungen 
der homerischen spräche erhellen, wie dass IL i2 18. h ytovt 
€KTavvoagj Od. l 191. €v 'aovl ay/^i Ttvgog die kürze -7 vor 
folgendem sonanten unbestreitbar das aequivalent einer länge 
-7 vor consonant ist^); hier ist in einer den indischen sandhi- 
gesetzen gemässen weise eigentlich ^xovä eKtarvaag^ ^-/Mvii 
ayii mit „Spaltung von -«" zu sehen ^). 

Die lautverbindungen l2-, nu- vor sonanten haben ur- 
sprünglich in indogermanischer zeit nur da bestanden, wo 



1) Freilich möchte ich die dativbildung von xor7, nbll,, fiaarJ, welche 
durch die verschiedenen griechischen dialekte genügend verbreitet ist, 
um als ehemals panhellenisuh gelten zu können (vergl. Gust. Meyer griech. 
gramm. § 346. s. 294 f.), nicht mehr in der hergebrachten weise als locativ- 
bildung mit griechischer contraction von -i -i gedeutet wissen. Ich sehe 
hier jetzt lieber die griechischen repraesentanten des alten Instrumen- 
talis sing, der '-^/-Stämme mit der endung indog. -J. Vergl. über das 
wesen dieser formation und ihre im indo - iranischen, keltischen, germa- 
nischen nachgewiesene Vertretung verf. morphol. unters. II 139 f. IV 230., 
von Bahder verbalabstr. 19 f. Somit würde auch Windisch' zweifei, ob 
man mit den altirischen singulardativen fäith, süil, muir für vorhist. 
*väti, *snlT, *?}iori den vedischen instrumental 7iiatT oder griechisches 
TioXl ZU vergleichen habe (Paul-Braunes beitr. IV 239 f.), gegenstandlos 
werden. 

2) Die von Hartel in seinen homer. stud. III (Wiener Sitzungs- 
berichte d. königl.-kaiserl. akad. d. wissensch. philos.-histor. cl. jahrg. 
1874. s. 7 ff.) sehr scharfsinnig begründete theorie, wornach man xai 
alXoi, sv^^T^cii eivai, fiol ewens u. dergl. bei Homer zu lesen hat (vergl. 
auch Gust. Meyer griech. gramm. § 151. s. 143.), dürfte durch die obigen 
bemerkungen eine weitere stütze erhalten. Ohne die annähme einer im 
anschluss an jene fälle wie xcihi ixravvaas, >c6v1i äyxi, xc^i aXXoi aus- 
gebildeten kunstregel des epischen gesanges wird man freilich doch nicht 
wol auskommen. Die letztere ergänzung braucht man, um z. b. die 
metrische Verkürzung des -ov des gen. sing, der ö- stamme vor sonanten 
erklären zu können, bei welchem seiner genesis gemäss ein recurs auf 
die ausspräche -ovl {-oß) nicht statthaft ist. 

Osthoff u, Brugman untersuch. IV. , 25 



— 386 — 

das letzte element derselben, -/-, -w-, der anlaut einer stamm- 
oder wortbildungssilbe war, wie z. b. in jod-praesentien mit 
-i-/- (s. 12 ff. 15. 362.), in participien perf. act. auf -ü-ii6s 
(s. 364. 376 ff.). Wo anstatt der aus einer und derselben 
„ zelle " entwickelten indog. ? /-, u u - (um mich eines de Saus- 
sure'schen terminus zu bedienen) oder statt /-, ii- in einer 
einzelnen spräche li-j üu- erscheinen, ist dies entweder laut- 
gesetzliche oder associative neubildung der einzelsprache. 
Lautgesetzliche z. b., wenn im slavischen {/- zu //'- (= u'-) 
wird, wenn hier vor dem participialsuffix -enii (vergl. s. 372 f.) 
die Verbalstämme auf -/- -?j- haben statt der „ Spaltung in 
-y-": abulg. ^//'-e/iu 'geschlagen^* von bi-tf\ wofür die älteren 
quellen noch häufiger die etymologische Schreibung b\j-enü 
bieten. Vergl. Leskien handb. d. altbulg. spr. § 21. s. 12. 
§ 24. anm. s. 15 f. § 81. anm. 3. s. 60. Aber viel häufiger 
entstehen die gruppen iz-, ?7?/- durch formübertragungen. 

Ich hatte schon s. 293. gelegenheit zu erwähnen, dass 
und woher die optativform ved. duh-iy-dn in folge von asso- 
ciativer neubildung das -iy- statt -iy- oder -y- habe. Es 
ist bemerkenswert, däss die 3. plur. act. sanskr. dvish-y-ury 
die einzige activform, welche den schwachen stamm des 
Optativs beibehält, zugleich die lautgesetzlichste in bezug auf 
die gestaltung des optativelementes vor sonantisch anlauten- 
dem personalsuffixe ist. Indem sich -yä- vom Singular act. 
aus über die dual- und pluralformen des activs, deren per- 
sonalendungen mit consonant beginnen, ausbreitete {dvish- 
-yä-va , dvish-yä-tam u. s. w.) , wurde dvish-y-ur von dieser 
Seite her isoliert, da vor dem -wr das -yä- nicht wol auf- 
kommen konnte wie vor consonanten. Dem banne der medial- 
formen mit -2-, dvish-i-thäs j dvish-t-ta, dvish-i-vahij dvish-i- 
-mahij dvish-i-dhvam^ dvish-t-ran^ nach denen die auch me- 
dialen 1. sing. * dvj'sk-y-a j 2. dual. * dvtsk-y-äthäm ^ 3. dual. 



I 



I 



I 



— 387 — 

"^dvish-ij-alam sich in (lvishu/-a u. s. w. umänderten, war 
aber ^A'zVÄ-?/-z/r eben als activische form entrückt: durch eine 
eventuelle Umwandlung m "^dvish-iy-w nach dem medium 
hätte es ja die allen activformen gemeinsame und darum 
für das activ nachgerade charakteristische wortbasis dvisJuj- 
aufgegeben. In dem -//- von s-y-iir^ dvish-y-iir liegt auch, 
da es der correspondent von -^, nicht von -~i- ist, der be- 
weis, dass das lange sanskr. avest. -i- im schwachen optativ- 
stamme der /«/-conjugation, lat. -f- von s-i-mus s-i-tis^ vel-T- 
-miis vel-i-tü'j slav. -?- in abulg. jad-i-mü jad-i-te jad-i-ve 
jad-i-tej ved-i-mü u. s. w., dad-i-mü u. s. w/), got. -ei- von 
vii-ei-ts vil-ei-ma vil-ei-p ^ ber-ei-ina bet^-el-p trotz alledem 

1) Die zugehörige 2. 3. sing, imper. abulg. Jazdt, vezdX, dazdX hat 
auch Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXIV 305. nicht aufzuklären ver- 
mocht; hoffentlich traf ich jüngst das richtige literaturbl. f. german. u. 
roman. philol. 1881. nr. 8. Von den ausser /öfz^T , vezd'i, dazd^ nach 
Miklosich vergl. gramm. III 91 f. im slavischen noch vorhandenen Opta- 
tiven gleicher art dürfte wol vizdl, 'sieh' noch näher als i^czd^ 'wisse', 
da ja der vocahsmus der Stammsilbe von uHr/T, Jazd^, dazd^ nicht laut- 
gesetzlich verjüngt ist, an die Imperativform sanskr. vid-dhi, griech. ^la-d-i. 
herankommen, nemlich nach abzug des aus *vizda opt. (oder *vlzde, 
wenn nicht abulg. Ja = indog. ic) = avest. ^v'idi/äo (vergl. 3. sing. vuJyät 
oben s. 62.) entnommenen -zd- als deren alte bereits s. 58. geheischte 
Zwillingsform slav. *mr/lf==f indog. uid-dhi. Abulg. cliosli 'wolle' und 
'du willst' aber (daneben häufigeres chosti nach heri, wie auch vizdi 
neben vizd^) und moz^ 'du kannst', welches Mahlow d. lang. voc. AEO 
166. treffend mit der m/- conjugation des got. mag, opt, mag] au, mageis 
zusammenbringt, entstanden wol so, dass die alten Potentialen *chosta, 
*?noza zur zeit des kampfes zwischen *JazcIa und dem neuen misch- 
gebilde JazdX auch ihrerseits nach der analogie des letzteren ihr -a in -T 
umwandelten. Ob hiernach einige herren (vergl. Collitz anzeig. f. deutsch, 
altert. V 344 ff. , Mahlow d. lang. voc. AEO 88.) fortfahren werden, aus 
denjazd'^, vczd^, dazd1 capital zu rückschlüssen auf andere gewalt- 
same auslautsverkürzungen des slavischen zu machen und klares (z. b. 
dass der gen. pluc vlukti, konji. nicht den ausgang -am gehabt haben 
kann) in beliebter weise durch noch dunkles zu verwirren, mag uns die 
zeit lehren. 

25* 



— 388 — 

auch nur auf einer zwischen indogermanischen doppelformen 
mit -i- und -i- vpllzogenen auswahl beruht. Dass die end- 
giltige entscheidung zu gunsten der -7-formen noch nicht in 
grundsprachlicher zeit fiel, dafür bürgen einige tiberlieferte 
avestische optativformen mit -i- : 2. sing. med. äh-i-sHa von äh- 
'^sitzen'' ys. LXVII 28. yt. X 32., fra-mw-i-sKa von fra-mru- 
*^sprechen' yt. X 119. Femer lit. -i- in plur. suktum-h-i-me^ 
'b-i-te^ dual, -b-i-va, -b-i-ta^ d. i. Zusammensetzungen mit 
dem opt. aor. der wurzel bheu- von tonlos-tiefstufiger wurzel- 
form (b-i-me^ b-i-te aus "^bv-i-me^ ^bv-i-te). Ob in griech. 
6-l-TOV e-lL-TTjv €-l-jii€v €-l-T€ j lu do-1-f.irjv j cfa-l-o, d^e-l-TO 
und allen dergleichen ursprünglich kurzes oder langes -i- 
contrahiert sei, weiss bekanntlich niemand zu entscheiden; 
warum sollte nicht ein y.ad^-fro (Curtius verb. d. griech. spr. 
IP 107.) ebenso gut einem avest. ^äh-i-ta gleichstehen wie 
dem sanskr. äs-i-ta?- 

Die 3. plur. aor. ved. ä-bküv-an, so ursprünglich wegen 
ihrer personalendung (sieh s. 54 f. 298.), ist, wie auch die 
nachvedische 1. sing. a-bhüv-aiTij dies nicht in betreff der 
wurzelform, die ü durch ausgleichung mit den anderen per- 
sonen des duals und plurals bekommen hat; vergl. s. 15. 
anm. 54 f. 57. Ähnliches gilt von dem -Hv- des perfects 
ba-bküv-ttj wie ich oben s. 68. 69. schon andeutete. Zuerst 
werden die formen des duals und plurals und des particips 
mit -UV- vor sonantisch anlautenden Suffixen (s. 363 f. 376 ff.) 
von anderen auch wurzelschwachen formen des verbs oder 
des perfectstammes selbst, denen -ü- vor consonanten eignete, 
die vocallänge angenommen haben, z.h.^ba-bhuv-ür^ partic. 
fem. * ba-bhuv-üsh'i von dem opt. perf. ved. ba-bhü-t/ä-s, ba- 
'bhü-yä-t, dem partic. masc. ved. ba-bhü-van] doch auch 
selbst ä-bhü-tam , ä-bhü-tam , d-bhü-ma , ä-bhü-ta im aorist 
konnten mitwirken zur neuschöpfung der perfectischen ba- 



p 



I 



— 389 — 

'bhüv'i/rj ba-bküv-üsh-i (rgv. I 164, 41.) mit ü. Als bildung 
Dach dem masculinen ba-bhü-van ist ba-bhüv-ush-i ganz dem 
abulg. byV'US'i statt *bnv-ns-i nach bi/-vü gleich; vergl. 
s. 378. Nach diesem grassieren des -üv- in den schwachen 
formen des perfectstammes kam dann auch der sing. act. in 
der form sanskr. ba-bkuv-a auf statt "^ba-bhäv-a = avest. 
ba-näv-a (vend. V 73. yt. XIII 2.), altir. böi ''fuit' aus vor- 
histor. ''(be-)bov-e (Windisch Kuhns zeitschr. XXIII 242. und 
bei Curtius grundz. d. griech. etyraol.^ 305.). Avest. ba-väv-a 
sollte eigentlich ^ba-wdv-a lauten; vermutlich erhielt letz- 
teres den anlaut ba-v- durch die association mit dem prae- 
sens bav-aiti Brugmans anschauung von dem perfect dieser 
Wurzel morphol. unters. III 51 f. ist eine au fond irrige. Sie 
berücksichtigt erstens nicht die avestische und altirische form, 
der zu folge auch ein altlat. fov-erint mit verallgemeinerter 
starker wurzelform immerhin existiert haben könnte ; ein got. 
*bai-bau postulierte mit recht von anderen gesichtspunkten 
aus auch schon Paul in seinen beitr. VII 155 f. (vergl. auch 
oben s. 28.)^). Ferner verkannte Brugman noch, dass diese 



1) Pauls annähme einer Übertragung des au von *bai-haii auf das 
gotische praesens baiia „verstösst", nach Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXVI 2., „leider gegen ein elementargesetz des gotischen". Ja, wenn 
nicht auch gälte, was Joh. Schmidt anderwärts, indog. vocal. I 44., treffend 
bemerkt: „Es ist nämlich eine vilfach zu beobachtende erscheinung, 
dass jedes lautgesetz in der spräche seine begränzte zeit hat, innerhalb 
deren allein es wirkt. Laute und lautverbindungen , welche im wärend 
der zeit seiner Wirksamkeit unfelbar verfallen sein würden, bleiben un- 
verändert, wenn sie erst nach ablauf diser zeit entstehen." Die fälle 
wie got. naveis, plur. zu naiis, konnten längst bestehen zu der zeit, als 
baua durch jene ausgleichung au statt n vom perfect empfing, so dass 
ein * bava statt baua nicht notwendig erwartet zu werden braucht. Joh. 
Schmidt bemerkt ferner Kuhns zeitschr. XXVI 6.: „Paul beitr. VII, 155 
hält an der alten gleichsetzung von baua mit fvco fest, den irrthura er- 
weist schon aeol. yitcy", und s. 9.: „Dass an. byr = *buir = got. baiäs 



— 390 — 

Wurzel bhü- keine irgendwie aparte Stellung im vocalismus 
einnimmt, sondern wie gh^eu- ^giessen', sreti- ""fliessen', 
kHeii' ''hören'' u. a. normalstufig als bheii- anzusetzen ist. 
Das zeigt nicht nur griech. vTteq-cpev, sondern auch das wie 
griech. %£{J^)-coj qe{F)-co = sanskr. si^iv-ä-mi beschaffene 
praesens indog. bheu-ö = sanskr. bhdv-ä-mij avest. bav-d-miy 
ags. beo aus germ. bew-ö (Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 594.). Ihr eigenartiges aussehen hat die sippe dieser 
Wurzel nur durch das frühzeitige und weit verbreitete (viel- 
leicht schon hie und da indogermanische) Umsichgreifen der 
nebentonigen tiefstufenform indog. bhü- bekommen, das auf 
kosten von bhu- nicht nur und von hochstufigem bhon- im 
perfect. sing, des sanskrit (z. b. ved. ba-bhu-tha 2. sing, für 
* ba-bhö-tka) j sondern auch von mittelstufigem bheu- ge- 
schah, letzteres z. b. bei dem futur avest. bü-shya-ntem partic, 
griech. cpv-Gcoj lit. bü-siu^ abulg. by-sasteje partic. (älter ist 
im wurzelvocalismus sanskr. bhav-i-shyä-mi)^ bei dem Sin- 
gular des sigmaaorists griech. e-cpv-öa, abulg. by-chu. Ganz 
gleicher art sind aber im griechischen die neubildungen tl-öm 
e-TL-Ga stSiitTel-Gcü e-rei-Ga (vergl. s. 36 f.), cpS-i-Gcj e-(p^T-Gc( 
(s. 38.), Iv-Go) e-Xv-oa (s. 20. anm. 1.) u. a., im lateinischen 
di-visT (s. 80.), im sanskrit durch den einfluss von praes. 
sü-te fut. su-shya-nti partic. neben so-shya-tiy so-shyä-nti 



sei, wird wohl niemand bestreiten." . Beides ist entkräftet, wenn meine 
oben s. 27 f. gemachten constructionen (die gedruckt waren vor dem er- 
scheinen des neuesten Schmidtschen aufsatzes Kuhns zeitschr. XXVI 1 ff.) 
das richtige trafen: baiia bleibt = aeol. cpvico trotz des jod-mangels bei 
jenem, und anord. hyr ist nicht der lautgesetzliche nachf olger eines *brdr. 
Auch die. positiven aufstellungen Schmidts über bmian, büany nach denen 
es „denominativum des in allen germanischen sprachen ausser der goti- 
schen erhaltenen hu"' sein soll, haben gar nichts überzeugendes; eher 
war das genetische Verhältnis von bmimi, bücm und bii das gerade um- 
gekehrte, vergl. oben s. 2 13 f. 



I 



I 



— 391 — 

(Petersb. wörterb. VII 1023.). Darin aber hatte Brugman 
a. a. 0. freilich recht, dass er die annähme Corssens und 
anderer, dass "^fov-l, '^fov-ii^ ^fov-imus^ fov-erint die grimd- 
formen für die altlateinischen formen mit w, /?77, füit u. s. w. 
{Neue formenl. d. lat. spr. IP 596 f.) gewesen seien, mit den 
lateinischen lautgesetzen unvereinbar fand. Altlat. fü-i muss 
wie sanskr. ba-bhüv-a sein ü aus denjenigen schwachen for- 
men des plurals (und duals) bekommen haben, welche con- 
sonantisch anlautendes personalsuffix hatten. Eine 1. plur.« 
perf. act. indog. {bhe-)bkü-mem empfing im sanskrit und 
lateinischen von den perfecten anderer mit geräuschlaut schlies- 
sender wurzeln das „ hilfsvocalische " -/-, daher also für * ba- 
-bhü-mä sanskr. ba-bhü-v-imä (^ ba-bhü-mä auch bei Zimmer 
ostgerm. u. westgerm. 52. anm. als heischeform und in der- 
selben weise für älter gehalten wie ved. ba-bhu-tha g^gQn- 
üher ba-bhür-i-tka)j illr *fü-mtis sAÜSit. fü-i-mus ] ähnlich ist 
ja auch das german. -u- in got. sai-sö-u-m vai-vö-u-m hinein- 
getreten. Was dann lat. /w7, füit, füimus, füetnnt anbetrifft, 
so gestatten diese, so viel ich sehe, eine dreifache möglich- 
keit der beurteilung des wurzelvocalismus. Erstens könne^n 
es die directen classisch- lateinischen sprösslinge jener älteren 
füij füit u. s. w. sein mit der bekannten kürzung von „ vocalis 
ante vocalem". Zweitens aber mag jenes fü- vor vocal auch 
= */wt'-, indog. bhuii- sein, so dass m füi, füimus die vor 
sonantisch anlautenden suffixen hergebrachte Stammform von 
nebentoniger tiefstufe normalisiert wäre , dieselbe wie in 
griech. homer. 7te-cpv{ß)-äöij 7ce-(fv(F)-vla. Drittens endlich 
ist möglich: da die composita db-füi, äd-fm, de-füi laut- 
gesetzlich aus '^äh-fovJ u. s. w. herleitbar sind wie de-nm 
aus "^de-novö, vidim-eiViS "^vidovä (vergl. oben s. 80. 158.), so 
kann das simplex füi die auf ausgleichung mit den compo- 
siten beruhende formation -N^n starkem stamme indog. bhoii^- 



— 392 — 

sein; vergl. lat. stiti für und neben steti nach (id-stütj de- 
'Stiii u. a. (oben s. 3. anm.). 

Wie sanskr. fm-bhiiv-aj muss auch ved. sa-süv-a zu seinem 
'üv- gekommen sein, wenngleich die musterformen wie *sa- 
'SÜ-?7idj * sa^sü-i/a-t j *sa-sü-van nur erschlossene existenzen 
sind ; vergl. s. 69. Andere altindische fälle mit der hystero- 
genen lautgruppe sanskr. -üv bespricht bereits Delbrück 
Kuhns zeitschr. XXI 87 f.; das dort genannte aVc'«| d^r^ine- 
vov a-b?'üvan von brü- ''sprechen^ unterliegt, wenn es rich- 
tig überliefert ist statt a-bimvaiij derselben beurteilung wie 
ä-bhüv-an von bhü-. 

An den Homerstellen IL B 30. 75. 654. JS" 515. Od. 
7t 463. q 201. erscheinen dgi-araiy eigv-aroj qt-aro mit v 
gegenüber dqi-axai 11.^239. X303. Od. C265., elqu-aro 
II. J 248. Jene sind unstreitig neubildungen gleichen kalibers 
wie sanskr. ba-bhüv-iirj da in eigv-arat, elqv-aTo -v- vor 
sonant = -vF- ist wie in 7te-cpv{ß)-äou Von den formen 
wie homer. egv-oo, sqv-oo (oben s. 56.) ist das -t- in eigv- 
-araiy eigv-aro übertragen worden. Dass in dem ganzen 
conjunctiv aor. öucoj z. b. in homer. dtrj IL ^ 194. 209. 
P 455., das v durch die analogie von indic. e-dv-fnevj e-öv-r€, 
imper. öv-^ij öv-TCOj.müu. dt-f-iev-ai (s. 136.) und opt. dir] 
aus * öv-hi (Od. ö 348. v 286.) zu erklären sei (vergl. s. 57 f.), 
ebenso das t- in dem conjunctiv homer. i-o-fiev durch die- 
jenige von indic. *7-iii€Vy *i-Tf, infin. T-juev-at (vergl. s. 53. 
58. 130.), würde auch dann notwendig sein anzunehmen, 
wenn nicht überhaupt diese conjunctive der ?w/-conjugation 
nach indogermanischer bildungsregel mittelstufen-, sondern 
tiefstufenvocalismus gehabt hätten. 

Die mit altlat. fmt gleichklingenden perfecta altlat. plüil^ 
lüity ad-nüü (Neue formenL.d. lat. spr. IP 497 f. 597.) und 
lat. jüvi sind auch hinsichtlich ihres ü (üv) so zu beurteilen 



I 



) 



— 393 — 

wie jenes. Wenn ich oben s. 365 f. recht hatte, das lat. cluere 
einem wie cpvrjvaij gv^vai gebildeten griechischen -e-aorist 
^xlvrjvai zu vergleichen, so folgt, dass auch in clfwat bei 
Plautus Menaechm. 575. für das -ü- statt -ii- aus *-?/m- eine 
erklärung durch formassociation zu suchen ist. Es bietet 
sich das gleichbedeutende jod-praesens lat. clmre dar, wel- 
ches nach s. 15 fp. altlateinich einmal *clüere gewesen sein 
muss. Hätte griech. cpv(ß)-^vaL länge des v- {"^ (pvi]vai)j so 
wäre es doch auch nahe liegend, das dem einfluss von cpv-to 
zuzuschreiben. Nach unserer auffassung ist ja aber das mor- 
phologische Verhältnis von lat. cluere und cluere (cluerJ) kein 
anderes als dasjenige von (pv€Lv zu cpvrjvai. 

Durch analogiebildung zu erklärendes üv haben auch 
die litauischen praesentia püvii ""faule^, süvü *^ komme um', 
griüvu "^stürze ein', kliüvü ""hake an, bleibe hängen'. . Sie haben 
sämtlich veraltete oder im zemaitischen noch lebendige for- 
men auf -nu zur Seite: pu-?iUy zü-nUy griü-nv, klm-nu] vergl. 
Schleicher lit. gramm. § 114, 2. s. 240. gloss. s. 282 a. 342 b. 
Diese letzteren sind bildungen neunter (oder fünfter) indischer 
classe mit nebentoniger tiefstufenform der wurzel, folgen also 
grundsprachlichem bildungsprincip gleich den s. 35 — 52. be- 
sprochenen nasalpraesentien mit ?, ü. Zu pU-7iu stellt sich 
überdies, um sein hohes alter noch entschiedener zu sichern, 
als bildung eines Ursprunges mit ihm anord. fü-na infin. ''ver- 
faulen', schwaches verb, dessen particip fü-inn ""faul' aber 
noch auf die alte starkformige bildung zurückweist (Wimmer 
altnoi'd. gramm. § 132. anm. 2. s. 111.). Auf folgende weise 
nun könnte man sich die Umformung jener älteren litauischen 
praesentia auf -nu in solche auf -vü erklären. Lit. yy-ju 
'lebe auf, genese', ry-ju ""schlinge, schlucke', ly-ja ""es regnet' 
sind jod-bildungen in der art der griech. rZ-w, cpd^i-coj sanskr^ 
pi-yä-mi (oben s. 12 ff.) und können sämtlich uralter her- 



— 394 — 

kunft sein. Vielleicht ist }2i gy-ju, wie s. 166 f. bemerkt, das 
pendant zu homer. ß^-o-f-ieo^^a. Bis auf das genus verbi ent- 
spricht ri/-ji/j ursprünglich 'lasse fliessen"*, dem sanskr. ved. 
7n-ya-t€ mediopass. '^gerät ins fliessen, rinnt'; 'ly-ja ebenso 
dem sanskr. li-ya-te mediopass. 'schmiegt sich an", pra-liyaie 
u. a. ""zergeht, löst sich auf, schmilzt "* und dem lat. po-li-ö 
(vergl. s. 340.) aus ^po-U-iö oder "^po-lt-iö. Die aoriste dieser 
nun, lit. gif-aü, rif-aüj l)j-o erwiesen sich uns, wie auch 
puv-aü, suv-aüj oben s. 362. als formationen wie griech. 
e-Kt{iyo'V y.i{i)-elv. Dem Sprachgefühl mussten aber die 
verschiedenen -j- in gy-ju praes. und gij-aü aor. bald gleich- 
bedeutend werden, wie es die verschiedenen -v- von bk-vis 
masc. und biw-us-i {em. (s. 377.) nicht aus einander halten 
konnte. So stellte sich denn nach gif-aü die falsche analyse 
gyj-u ein. .Hiernach schon konnte das Verhältnis von pü-?ui : 
püv-aü aor., zü-?iti : zvv-aü aor., griü-nu : gimiv-aü aor., 
kliü-nu : kliüv-aü aor. zu püv-u : püv-aü u. s. w., gemäss dem- 
jenigen von gyj'-ii : gu-aü, umgestaltet werden. Es kam aber 
noch etwas anderes hinzu, um die neubildung von püv-ü und 
genossen zu befördern. Jene jod-praesentia gy-ßij n/'J"j 
ly-j'a haben auch ältere und zemaitische nebenformen nasaler 
bildung: gy-nu^ ry-nUj ly-na = zemait. ly-?i] und auch diese 
erweisen sich durch unsere Zusammenstellungen s. 38. 45 f. 73. 
als alte erbstücke. Man erkennt, wie auch das nebeneinander 
von lit. gy-nu praes., gy-ßi praes. und gi/ra^ aor. leicht zwi- 
schen pü-nn praes. und puv~aü aor. ein neues püv-ü drängen 
konnte 0« Ja, ich möchte geradezu vermuten, dass unsere 



1) Aus derselben quelle, der nachahmung der muster gy-Jü gij-aii, 
ry-jii rij-aü, ly-ja lij-o, schreibt sich die praesentische vocaldehnung 
wol bei noch mehreren litauischen verben her. Meines erachtens sind 
2. b. auch die ablaute von kyl-ü, kil-aü, kil-ii 'sich erheben', dyl-ii, 
dil-aü, dil-ti 'sich abnutzen, schwinden' und yr-ü, ir-aü, ir-ti 'treniren' 



— 395 — 

püvu^ süvüy griüvüj kliüvü nichts anderes als die directen 
Substitute alter jod-praesentia derselben wurzeln sind; würde 
ja doch *pü-ju dem sanskr. pu-T/ä-rntj avest. pii-ye-iti (s. 24.) 
und '^(ji'iü-jii dem lat. (cow-, in-) gru-öy griech. ßqv-co (s. 15.) 
sich zugesellen. In diesem falle ist dann der alte ablaut 
"^pü-ju : piiv-aü einfach zu püru : piivaü ausgeglichen worden, 
wie in umgekehrter richtung lit. gu-ju : "^guv-aü = lett. 
gu-Ju : guw-2i (Bielenstein lett. spr. § 260. I s. 355.) sich zu 
gi/ju : gujaü ausglich (vergl. oben s. 48.). Wegen lett. schu-ju : 
schüiV'U : scM-t ^nähen^ (Bielenstein a. a. o.) ist es doch auch 
durchaus wahrscheinlich, dass das litauische a verbo siüvu : 
siüv-aü : siü-ti mit abzug der ausgleichung auf älteres *siü-ju : 
shiv-aü : siü-ti zurückzubringen ist, wodurch auch die litaui- 
sche Sprache an dem jod-praesens der wurzel ä/«"'?/- (vergl. 
s. 17 ff. 32.) ihren anteil bekäme; vergl. s. 322.^. — Die 



auf diesem wege entstanden. Dann dürfen wir nemlich kyl-ü, dyl-ü, 
yr-ü {\r-n), deren wurzelgestalt aus keiner der indogermanischen vocal- 
stufen erklärbar ist, für die Substitute älterer praesentia von anderer 
formation halten, mögen diese nun *kil-nü = lat. {ex-)cello (Froehde 
Bezzenbergers beitr. III 285 tf.), *dil-nü, "^ir-nü oder *kil-iü (wovon das 
transitivum kel-iü 'ich erhebe' eine Umbildung nach dem futur kel-siu 
sein könnte, wie auch der infinitiv kel-ti 'erheben' eine ebensolche von 
kil-ti 'sich erheben'), *dii-iüj *ir-m (identisch mit i?^-iü 'rudere', d. i. 
'trenne die wasserwogen') oder endlich nach sechster indischer classe 
als „aoristpraesentia" *kil-ü, *dil-n, *ir-ü gelautet haben. In *kil-nü, 
*dil-m(, *ir-nü und *kil-iü, *dil-iü, *ir-iü wäre, wie in den jnfinitiven 
kil-ti, dil-tif ir-ii, lit. ^7, ir vor consonant der bekannte Vertreter von 
indog. Z, r; das il, «r vor sonant aber in den aoristen kil-aü, dil-aü, 
ir-mi wird sich uns in morphol. unters. V als die normale litauische ge- 
stalt von indog. U, rr (= griech. aX, a^ in ßal-elv, TtraQ-eiv, germ. 
iil, ur in got. Iml-ans, haur-ans) näher ausweisen. 

1) Die paarung von gleichwurzeligem jod-präesens und nasal-prae- 
sens muss in alte zeit zurückgehen und wird, wie im griechischen bei 
rf-co rf-vco, (p&^-oJ fdT.-v(0, ßv-co ßv-vco^ Sv-co Sv-vco, d'V-co ■d'v-vco u. a., 
im lateinischen bei po-U-ö ii-7iö, so mehr oder weniger in allen einzel- 
sprachen wahrgenommen. Dem litauischen werden durch die obigen 



— 396 — 

aoristform lit. dzüv-au "ich trocknete ein, verdorrte' hat das ü 
vor V von dem praesens dzii-stii und infinitiv dzü-ti (vergl. 
s. 18.) bezogen, reduciert sich also auf ein wie siuv-aü, 
griüv-aüy kliüv-aü beschaffenes *dzüv-au. 

Im germanischen sind als associative neubildungen die 
altnordischen participien bü-imij fü-inn^ gnü-injij snü-iiin^ 
lü-inn, spü-inn und hlü-it, knü-i^r, lü-i^r, rü-i^r zu betrach- 
ten, da eine lautgesetzliche wandelung von uv in il dem alt- 
nordischen nicht bekannt ist. fü-inn statt "^fiiv-inn (vergl. 



ablautsreconstructionen an *pü-jü pü-nu und genossen vier neue paare 
dieser art zugewiesen. Gerade im baltischen sprachzweige hat aber un- 
verkennbar jenes alte paarverhältnis auch massenhaft gewuchert zur er- 
zeugung von neubildungen. Wenn lett. schü-nu 'ich nähe' neben schu-Ju, 
trotzdem ein nasalpraesens von sia^u- anderweitig nicht nachweisbar 
ist, wenigstens der vocalstufe nach noch altüberliefert sein könnte, wie 
lett. gü-nu = griech. ßv-vco neben gu-jit = griech. ßv-(o (vergl. s. 46 flf.), 
so haben doch im lettischen und im zemaitischen litauisch, seltener im 
hochlitüuischen nach jenen älteren Vorbildern praesentia auf -ju viel- 
fach den ausgang -nu bekommen: lett. äu-nu, lit. au-jiü neben lett. 
äu-Ju 'lege fussbekleidung an' = lat. -u-ö in ex-, ind-uö\ zemait. liau-nic- 
neben hochlit. liäu-ju 'höre auf = griech. Iv-oj (s. 20. anm. 1.); lett. 
rdu-nu, zemait. rau-nu neben lett. lit. räu-ju 'reisse aus* = lat. ru-ö 
(s. 28 f.). So erscheinen ferner lett. schau-nu zemait. szmi-nu 'schiesse', 
lett. bfdu-nu zemait. hUau-nu 'brülle, blöke', lett. j> tau- w?/ z^mdAi. piau-nu 
'schneide, mähe', lett. k^au-nu zemait. krau-nu 'häufe', lett. spiau-fiu 
zemait. spiaii-nu 'spucke' an der seite von lett. schaü-Ju ht. szäu-jv, 
lett. bf äu-Ju lit. hliäu-ju, lett. pfau-ju lit. piäu-ju, lett. k-fau-Ju lit. 
kräu-Ju, lett. spfau-ju lit. spiäu-ju. Vergl. Schleicher lit. gramm. § 1 14, 2. 
s. 240. , Bielenstein lett. spr. § 260. I s. 354 f. In einigen localdialekten 
erstreckt sich dies eintreten des -nu für -ju auch auf die abgeleiteten 
verba : bei Schleicher Donaleitis s. 336. wird aus der mundart von Anyk- 
szczei z. b. karaliau-nu = karaliäu-ju 'herrsche', kialiau-nu = ke- 
liäu-ju 'reise' citiert, Brugman teilt mir aus dem dialekt von Godlewa 
(poln.-lit.) poteriäu-na 'er betet das vaterunser' = poteridu-je von pö- 
terius 'paternoster' mit. Dies ist das frappanteste analogen für die ent- 
stehungsweise der griechischen denomiuativa i&u-pca, aQxv-vcu, Tjdv-vcoy 
raxv-vco, wie ich sie oben s. 1^0. schilderte. 



— 397 — 

lit. puv-aü aor., puv-usi partic. perf.) richtete sich nach for- 
men wie fü-na infin. u. a. Ebenso das nomen anord. füi m. 
*^fäulnis', -ew-stamm, statt ^fuv-i-^ vergl. in der wurzel nor- 
maleres indog. k^uU'ön- ""hund' (s. 356.). Für büinn^ gnüinn^ 
sniunn sind ebenfalls die Infinitive hüa^ gnüay snüa die quelle 
des u oder, richtiger gesagt, was vom jod - praesensstamme 
nach den oben s. 27 f entwickelten regeln lautgesetzlich nicht 
umgelautetes ü hatte; ebenso bei Imnn, spuinn^ denn auch 
ly-ja ""erschöpfen , abnutzen^, spy-ja ""speien^ müssen einen 
Wechsel von ü und y im praesensstamme gekannt haben, 
überdies existieren als eventuelle Vorbilder für u in lüinn^ 
spüinn die schwachen praeterita /w-öa, spü-^a (Wimmer alt- 
nord. gramm. § 149 a. s. 124. §;31. s. 110. anm. 2.). Für^ 
die participia /zz-ö-r, r^i-ö-r, die indogermanische erbformen 
sind (vergl. s. 89.), traten, ebenso für ä/z/-^ 'gewärmt', knü-^-r 
*" geschlagen "*, die formen auf -zö-r, -ü ein zu folge späterer 
gleichmachung, nachdem wahrscheinlich zuvor bei vielen 
schwachen verben des altnordischen solche doppelheiten wie 
tali^/' und tal^r, tami^r und tairi^r in reichlicherer menge 
entstanden waren. 

Über die indogermanische abstufung von /?, uu mit iyU 
war, ohne dass der parallelismus mit derjenigen von i, ü 
und ^, u vor consonanten bemerkt wurde, bereits die rede 
bei verf. morphol. unters. II 14 f. anm., Brugman ebend. 155 f 
Ich unterschied a. a. o. als „ freistehende " und „ angelehnte " 
stufe, was ich jetzt „nebentonige" und „tonlose" form der 
tiefstufe rationeller zu nennen glaube. Wenn Brugman die 
bildungen mit seinem „verbalsuffix -ä-" oder überhaupt die 
fälle, wo „langer betonter vocal" folge, von der möglich- 
keit der stufe ii-, uu^ (sowie nn-, rr-) vor dem -ä- exi- 
mieren will, so sehe ich dafür nirgends einen tatsächlichen 
oder lautphysiologischen anhält. Das nomen g^iiä f. =« päli 



— . 398 — 

jiyu^ griech. ßiä (s. 354.) z. b. zeigt die stufe //- vor „langem 
betonten vocal " ; und iüxn n- vor -ü tritt ein (fiinäi. == boeot. 
ßavdj anord. kona (Sievers Paul -Braunes beitr. VIII 84 f.), 
neben g'^?iä = sanskr. gnä und in altir. vmd gen. sing., 
griech. f.ivä-o-(.Lai denom. Da Brugman zu seinem verbalen 
-«-suffix auch das -»^- des griechischen passivaorists rech- 
nete, so erweisen auch griech. ßal-ijvaij cpv{ß)-^vacj die 
nach s. 366 f. nicht jünger im Wurzel vocalismus sind als 
ßk-rjvat, abulg. ^(v)-ej die Unrichtigkeit seiner regel. Und 
wenn ferner Brugman meinte: „Die Wurzelsilbe muss die 
anlautssilbe des Wortes sein", damit li, uuu.s. w. stehen 
können, so ist das nur in so weit richtig, als wir factisch 
allerdings das //, tiu^ 7i^, ?nm, fr, // meist in den an- 
lautssilben der Wörter gewahren; tatsächlich meist da, 
aber nicht notwendig nur da. 

Brugman a. a. o. und morphol. unters. III 101. 110. 116. 
schreibt auch statt ii-y un-^ sowie statt ;•;•-, ?^7^-, inm- vor 
sonant z-, u-^ r-, /«-, rjri-. Ihm folgt hierin Sievers Paul-Braunes 
beitr. VIII 82fif. Dass das unstatthaft sei, dürfte schon aus 
allem vorhergehenden genügend klar geworden sein. Unter 
anderem leitet uns die Überlieferung des ältesten indogerma- 
nischen Sprachdenkmals selbst auf das in dieser beziehung 
richtigere hin. Wo im veda phonetisch geschrieben wird, 
haben wir das suffix -h/a- statt '"^-ia- (zweisilbigen -//o-), in 
apvii/d-j mibnya- u. a. Davon aber sind dreisilbig zu lesende 
anvyd- {ägvya-), mitrya- nicht etwas formal verschiedenes, 
und so sind diese letzteren den schreibgebrauch der späteren 
Sprachperiode befolgenden wortbilder auch nicht, wenn man 
wie Grassmanns Wörterbuch die vom metrum erforderten 
„ auflösungen " schreiben will, mit acvid- {dcvia-), mitria- 
wiederzugeben. Dreisilbig zu lesende ved. ahve (rgv. III 
56, 4.) und jukve (rg7. X 149, 5.) sind mit geschriebenem 



— 399 — 

ahiivoj juhuve unverkennbar identisch, wie übrigens hier 
auch Grassmann selbst wörterb. z. rgv. 1673. 1675. zu sehen 
scheint; vergl. auch s. 361 f. 364. Niemand wird bestreiten 
wollen, dass geschriebenes ved. suv-itd- (vergl. s. 380 f.) mass- 
gebend sein müsse, um dem eine eigene silbe ausmachenden 
ved. SV seinen phonetischen wert zuzuweisen, nicht das sii 
vor consonanten. Im classischen sanskrit ist die geschriebene 
und zum guten teil wol auch die gesprochene spräche im 
allgemeinen sehr in beziehung auf zy, uv und y, Vj besonders 
in den suffixalen silben, normalisiert worden. Doch /, u vor 
vocalen erscheinen hier nirgends; dagegen tiv regulär in 
diesem unter Sievers' gesetz (Paul -Braunes beitr. V 129 ff.) 
fallenden beispiele, einem der nächstliegenden Zeugnisse für 
das gesetz: ac-nuv-aiiti ^ dp-iiuv-anti, dabh-niiv-anti , prush- 
-nuv-djitij pak-nuv-anti gegenüber gr-nv-änttj su-nv-dnlij str- 
"iiV'äntij hi-nv'ä?iii, tanv-dnti u. s. w. Auch im zend ist von 
Hübschmanns Kuhns zeitschr. XXIV 367. zugelassenen drei 
möglichkeiten , die zeichen für inlautendes y und v wieder- 
zugeben, „1) durch 2, z/, 2) durch iij^ uvy 3) durch ?/, v", die 
erste zu streichen , und Bartholomae d. gäthäs u. heil, ge- 
bete 8 ff. verfährt in dieser hinsieht bereits mit einzig rich- 
tiger consequenz im transscribieren. So ist auch im grie- 
chischen Tölcü = "^lö-ikü (s. 33.), 'i7C7tiog = "^hcjc-ih-g, 
TtOTvia == ^icoT-v-LUXj öeixvväOL == *Ö€tx-vvß-avTLj homer. 
zeMaraLy elqvaTai = ^xe-xlli^araij ^elguß-aTaL (s. 286 f. 
392.). -Und so setzen wir auch Xäot, = *Li-avTij xielv = 
'^7,u-€-߀Vj dvco == *övß-iOy y,viov == *y,vß-cüv u. S. w. Nebeji 
dem griechischen ist es hauptsächlich das lateinische oder 
altitalische überhaupt, das in dieser hinsieht nicht phonetisch 
schreibt: schwerlich werden lat. ?nüßw (: griech. ftvCio = 
Jölco : sanskr. svidyumi ahd. swizzii) und lat. de-imö aus *de- 
-novöj osk. fuü opt. aor. (vergl. s. 26.) aussprachlich etwas 



— 400 — 

anderes als "^mügnö, *de-nuud, '^fuuü gewesen sein; der- 
selbe laut, der sich in novos = ^nouos wegen des articu- 
lationsabstahdes von dem vorhergehenden o - vocale deutlich 
genug für das lateinische ohr abhob, tat dies in *de-m/jiö 
nicht nach dem vorhergehenden gleich articulierten sonan- 
tischen u. Vom Standpunkte des germanischen hat schon 
Paul in seinen beitr. VII 1 1 0. die forderung einer suffixform 
-iw- nach langer Stammsilbe statt -w- ausgesprochen. Das 
aufzustellende allgemeine gesetz aber wäre: von einem 
als sonanten fungierenden Sonorlaute musste zu 
einem nicht homorganen nächstfolgenden sonan- 
ten stets im indogermanischen der dem ersteren 
sonanten zugehörige consonant (halbvocal) hinüber 
leiten. Das stimmt auch zu Sievers' allgemeiner lautphysio- 
logischer regel über die Übergänge von sonant zu sonant 
grundz. d. lautphysiol. § 16, Ib. anm. 3. s. 89.: „streng ge- 
nommen wird sich in jedem falle die existenz eines halb- 
vocales nachweisen lassen". Bei unseren neuhochdeutschen 
sonantischen nasalen und liquiden tritt uns die regel vielleicht 
noch deutlicher entgegen, denn in viersilbigem beritt{e)ney 
dreisilbigen zitt{e)re^ schütt{e)le wird die an Wesenheit der 
consonanten n^r^l niemandem klar zu machen notwendig 
sein, dagegen wol manchem nichtfachmanne das Vorhanden- 
sein von „vocalen" n^ r, /. Paul a. a. o. hat also durchaus 
recht, für nasalis und liquida sonans dieselbe ausspräche vor 
einem sonanten wie im neuhochdeutschen als die bereits indo- 
germanische zu vermuten. 

Zu bemerken ist endlich noch, dass im princip richtiges 
betreffs der abstufung zwischen ii^ uu und z, u zu beob- 
achten bereits Bartholomae d. gäthäs u. heil, gebete 94 ff. anm. 
im begriff war, indem er wenigstens die accentstufe der nach- 
folgenden Silben in betracht zog. Dass für ein enkli- 



— 401 — 

tisch es thivä ^dich"* nur tonlose tiefstufe seiner Wurzelsilbe 
4ibrig bleibt, tvem, iväm dagegen -iiv- aufweisen können, 
aber nicht notwendig immer müssen, ergibt sich aus unseren 
gesetzen von selbst. Manche seiner beispiele hat übrigens 
Bartholomae a. a. o. nicht glücklich gewählt. Die dvaeshdj 
dva (Ivadasaj dvarefitäy dvafshoj dvmimaibijas-cäj dvaethä nicht 
aus dem oben s. 371 f. anm. erörterten gründe. Ebenso hat 
indog. suepno- ''schlaf'' immer consonantisches u für den- 
jenigen, der an eine zweisilbige wurzel, etwa sa^nep-j 
noch nicht zu denken wagt; daher notwendig im zend nur 

qafna-. 

(Fortsetzung folgt.) 




Nachträge. 



S. 8. Nebst neuniederd. smg-et ist ein Vertreter der ton- 
los - tiefstufigen schwesterform von griech. vicp-u: altir. sjiig-id 
^'es tropft, regnet' (Windisch ir. texte gloss. s. 784b.). Die 
|b „ irische wurzelform snag ", welche das perfectum senaich aus 
*se-matg erkennen lässt (vergl. Stokes Kuhns beitr. VII 11., 
Windisch Kuhns zeitschr. XXIII 215. Curtius' grundz.' 318. 
kurzgef. ir. gramm. § 295. s. 75.), entsprang, indem snigid 
in die analogie der praesentia von e«- wurzeln, z. b. altir. 
7vV/?fi? (== lat. ?'egit) mit dem perfectum ?'e-?mig 'porrexit, di- 
rexit', übertrat. Derselbe ablautswechsel nach demselben 
muster liegt vor, wenn altir. nigim ""ich wasche', zu griech. 
vlUoj vhtTCüj sanskr. ?iij- gehörig, in dem ]^evfect fo-7ienaig 
""purificavit' und sonst „unverkennbar die wurzelform nag^ 
zeigt; vergl. Windisch Kuhns zeitschr. XXIII 211. Curtius' 
grundz.' 317 f. kurzgef ir. gramm. § 295. s. 75. 

Osthoff u. Brugmau untersuch. IV. 26 



— 402 — 

S. 12. Ags. beahj smeak als Zeugnisse für den ursprüng- 
lichen Wurzelauslaut mit indogermanischer tenuis hei huzan^ 
smvzdn zu benutzen, ist verboten, da -ä für -z eine normale 
auslautsverhärtung des angelsächsischen ist, z. b. auch in mäh 
perf. von mi^anj wo indogermanische media aspirata bestand, 
in ags. biirh = got. baiirys u. a. 

S. 40 f. Die nummer mit griech. aytveco, aytvo) = sanskr. 
hinömi, avest. sinät u. s. w. ist zu streichen. Erstens hatte 
nach dem aus indischen grammatikern bekannten perfect 
ji-ghmj-a (Petersb. wörterb. VII 1606.) die wurzel des san- 
skritischen verbs indogermanischen velar im anlaut, wodurch 
die vergleichung mit avest. zinät hinfällig wird. Zweitens 
mag griech. ayivco in folgender weise zu ay-co gehören." Es 
bestand ein nominaler -e/- stamm '^ayi-g *^das treiben^ der 
sich wol mit sanskr. äji-s f. Vettlauf, wettkampf, rennbahn^ 
durch ein Stammabstufungsverhältnis vereinigt; von "^ayi-g 
abgeleitetes "^ayi-co bekam die nebenform ayi-vco^ nach tl-vcuj 
cpM-vto neben t/-w, cpd^L-io (vergl. s. 190. 396. anm. über 
die bildung der denominativen wie Td-t-vco)-^ neben Ityi-vco 
trat ayl-vho nach dem mustervon ^v-vsmj ßv-vko neben 
S-v-nOy ßv-vco. *ayl-io : ayl-vco : ayi-v€iü = -d-v-w : d-v-vco : 
d^v-vho = ßv-co : ßv-vco : ßv-vho. Für Joh. Schmidts an- 
nähme eines „parasitisch entwickelten" t in aylveojj Kuhns 
zeitschr. XXV 48. anm., fehlt mir die lautgesetzliche begrün- 
dung. Avest. zi-nä-t, apers. a-d'i-nä mit Hübschmann Kuhns 
zeitschr. XXIII 390. bei sanskr. ji-na-ti *" überwältigt, bringt 
um die habe"* zu stellen, geht wegen des velaren anlauts 
des letzteren (vergl. oben s. 38. 72 f.) auch nicht an. Nur 
dass got. du-ginna^ ahd. bi-, in-ginnu = sanskr. hin6mi\ hm- 
vämi sei, könnte ich vorläufig aufrecht erhalten. 

S. 43 f. Zu sanskr. ved. bhri-n-änti ''sie versehren' u. s. w. 
füge man 2LYQBt. bri-?i-enti\ bri-nanha von bri- 'schneiden^* bei. 



I 



— 403 — 

die von Bartholomae altiran. verb. § 149. s. 105. aus schwan- 
kender handschriftlicher Überlieferung ermittelt werden. 

S. 91. Der etymologie von germ. hüs gereicht weiter 
zur empfehlung, dass so haus und hülte am zwangslosesten 
auf eine und dieselbe wurzel zurückgeführt werden: ahd. 
hufta^ mhd. hiUte Mitte f. als -/ä- stamm urgerm. hufs-iß 
= indog. k'^udh-iü. Die beziehung von Mitte auf griech. 
y,£vd^-io findet sich schon bei Weigand deutsch, wörterb. P 
715., 0. Schade altdeutsch, wörterb.^ 435 a. 

S. 104 f. Zu s. 91. unter die -to-, - ^« - bildungen wie 
Mis^ lim hätte auch germ. lus f. gestellt werden müssen, denn 
die einen -^e/- stamm darin sehende analyse scheitert. Die 
laus decliniert in allen germanischen dialekten wie die maus 
(vergl. s. 21 7 f.): im altnordischen und angelsächsischen beide 
consonantisch , nom.-acc. plur. anord. lys-Sj m\js-s (Wimmer 
altnord. gramm. § 58 c. s. 52.) = ags. lys^ m^s] im hoch- 
deutschen beide mit z-declination, mhd. liuse gen., dat. sing., 
nom.-acc. gen. plur. wie 7nuise. Das wird auf anschluss des 
lüs an die flexion des namens des anderen kleinen untiers 
beruhen. Aber von der 2-declinatiön eines german. lüsi-s 
= indog. lüd-ti-s hätte sich im angelsächsischen kaum 
eine brücke gefunden zu der consonantischen von 7nüs ; denn 
ags. lüsj neuengl. huse im nom. und acc. sing, kann nicht 
genuine form eines -ez-themas sein, als solche wäre */^.y, 
neuengl. "^lise zu erwarten, vergl. ags. h0 neuengl. Mde 
*^haut', ags. bnjd neuengl. bride 'braut'. Im altnordischen 
hätte allerdings vielleicht der acc. sing, umlautslos als Im 
aus '^lüsi{m) (vergl. oben s. 218. anm.) mit miis zusammen- 
fallen können. Alles kommt in Ordnung, wenn wir, das ein- 
mal aufgestellte etymon nicht aufgebend, lüs für einen ur- 
sprünglichen participialen -^5 -stamm halten. German. lüs 6 
= indog. lüd'tä ergab normal anord. ags. ahd. mhd. lüs-^ 

26* 



— 404 — 

in allen dialekten vollzog sich der ansehluss an müs vom 
nom. sing, aus; gotiscli wäre *toa in diesem casus zu er- 
warten. Anord. lüsar gen. sing, hätte aber folglich von länger 
her diese endung als müsar^ das nach jenem wiederum ana- 
logiebildung sein könnte, sowie nach hrünar\ denn auch 
anordn hrün f. ^augenbraue"* war -ä-stamm (= ags. hrün^ mhd. 
braune y s. 215.), der sich mit dem consonantischen miis zu- 
sammengesellte (nom.-acc. plur. brynn wie myss^ vergl. Wim- 
mer a. a. 0.). Im hochdeutschen, wo also lüs zu den bekann- 
ten nominativen sing, wie ahd. puoz^ halpj uns hinzukommt 
(Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XIX 283. anm. , 0. Behaghel 
German. XXIII 272 ff.), würde es ein interessanter beleg sein, 
wie vereinzelt bei individueller veranlassung, d. i. hier der 
nähe des früher der z-declination angeschlossenen müs, die 
lautgesetzlich synkopierte nom.- sing.- form eines langsilbigen 
-ä- Stammes doch den übertritt zu der flexion der weiblichen 
-c/- Stämme herbeiführen konnte, der nach Behaghel a. a. o. 
sonst nicht nachweisbar ist neben zahlreichen fällen des mit 
genuswechsel verbundenen tiberganges in die ö - declination. 

S. 124 f. Ein german. /»n-zwe/z- 'daumen' neben pü- 
-men- ist vielleicht auch gewährleistet durch mittelengl. 
pome, pombe^ thombe (Stratmann diction. of the old engl, 
lang.^ 595 a.), neuengl. thumb, 

S. 129. anm. Ein lateinischer lautwandel von indog. oi 
vor eonsonanten in e ist wegen der optativformen feres , fe- 
rlmus, 'feretis anzuerkennen. Schon in anbetracht dessen 
muss das urteil über die regelung der lautgesetzlichen Ver- 
tretung des betreffenden grundsprachlichen „diphthonges" im 
lateinischen mehr in suspenso bleiben, als es in jener an- 
merkung geschehen ist. 

S. 137 f. Es ist doch fraglich ^ ob qvfxa 'schwung, an- 
drang in aevact) GTQog)dhyyi, -d-oov QV(.La diveiovoa Orph. 



Il 



I 



— 405 -- 

hymn. X 22. und Qv^-ia *^fluss, ström'* in aq(.iovir]g Qvf.ia tcXov- 
GLov s^oxsTeycov Procl. hymn. in Sol. 4. verschiedene Wörter 
sind. Entweder gehören beide zu der wurzel indog. rew- 
""rafifen, reissen' oder beide zu sreu- ''fliessen', griech. q€co, 
Vergl. G. Hermann zu Orph. hymn. X 22. Dadurch wird die 
ganze nummer mit griech. Qv-^ia = Qv-^ia, eigv-f-iev-ca u. s. w.. 
in frage gestellt. 

S. 145. Lat.-germ. glaesum ist falsch beurteilt. Nach 
den ermittelungen Müllenhoffs zeitschr. • f. deutsch, altert. 
XXXIII 2. weisen ags. <//(Jr, niederd. glä?^^ fß<^rig, glätten auf 
ein urgem. glezo- hin. 

S. 184. Wenn ich avest. biij-i-sravahh- nom. propr. rich- 
tig deutete als "rühm zum genusse habend, rühm genies- 
send', so bietet zu dem anfangsgliede büj-i- die tonlos -tief- 
stufige schwesterform mit U sanskr. ved. bhiij-i-s f. ''gewährung 
von genuss, erfreuung' dar. Aus dem griechischen hätte 
a. a. 0. als -e^'-bildung mit ü in der wurzel genannt werden 
sollen Kid-i- in dem ganz wie avest. hüj-i-sravanh- beschaffe- 
nen compositum homer. 7.vö-c-av€iQa f. ""die männer zur •Ver- 
herrlichung habende, männer verherrlichende'. 

S. 256. und ebend. anm. 2. Windisch, nach brieflicher 
mitteilung, wollte nicht den indicativ mit accessorischem -u 
in got. ?iimau sehen, sondern den conjunctiv und das Verhält- 
nis von nimau und nwiais, nimai für analog demjenigen von 
lat. feram und ferls^ fo^^t^ engl. I shall take und thou wllt 
take^ he will take halten. Gegen Windisch' erklärung der 
altirischen Imperativform 3. sing, bei^ad^ die ich a. a. o. accep- 
tierte, wendet Mahlow d. lang. voc. AEO 161. mit recht ein, 
dass „ aller analogie nach der vor t stehende vocal im irischen 
ehemals e war", aus einem indog. bheretu aber altir. berad 
des -a- wegen nicht zu gewinnen sei. Auch altir. heraid 
3. sing, indic, beraid 2. plur. indic. und imper. können aus 



— 406 — 

demselben gründe nicht auf den entsprechenden indogerma- 
nischen grundformen mit „thematischem" -e- beruhen. Je- 
doch ist 3. sing, indic. lenaid der getreue reflex von sanskr. 
li-na-ti und altir. le-na-d 3. sing, im per. wol derjenige von 
sanskr. li-na-t-u imper. , und das -naid von 2. plur. indic. 
.und imper. altir. le-na-id deckt sich genau mit dem griech. 
-vare von ödjLi-va-T€, Demnach scheinen die altirischen 
3. sing, beraidj bei^ad^ 2. plur. bey^aid die analogiebildungen 
nach lenaid^ lenad^ lenaid zu sein, sowie schon Brugman 
morphol. unters. I 148 f. und Zimmer Bezzenbergers beitr. III 
326 ff. für die 1. sing, indic. berim das Vorbild der lenim^renim^ 
crenim in anspruch nahmen. Vielleicht müssen dann auch 
vice versa altir. lenid 3. sing, indic, lenid 2. plur. indic. und 
imper. als dem typus von berid in umgekehrter ausgleichung 
nachgeahmt betrachtet werden. Wenn Mahlow a. a. o. auch 
mit recht behauptet, dass für berad nur eine grundform mit 
„folgendem hellen vocal" aufzustellen sei, so wäre es am 
einfachsten, für das muster lenad an ein wie griech. dai^i- 
-va-To beschaffenes vorhist. altir. "^li-na-ta als mediale in- 
junctivform ohne -w, im gegensatz zu got. at-steigada-u (vergl. 
oben s. 257.), zu denken, für berat 3. plur. imper. aber ent- 
sprechend an ein "^ber-a-nta = griech. fpeq-o-vTo. 

S. 259. anm. Der dualismus von durch -u erweitertem 
sanskr. asktaüj got. ahtau und unerweitertem sanskr. ved. 
asktä'j avest. asHtaj griech. oxrw, lat. octdj sowie von sanskr. 
vfkau und ved. vfkcij griech. Ivxcoy abulg. vlüka dual, findet, 
worauf mich Windisch aufmerksam macht, weitere Vertretung 
durch altir. ddu, dö „ für den gebrauch ohne Substantiv " (Win- 
disch kurzgef. ir. gramm. § 230. s. 53.) == sanskr. dvaü neben 
altir. da = sanskr. ved. dväj avest. dva^ griech. (5tw, lat. duöy 
abulg. duvay dva. 



11 



Miscelkn. 

Von Karl Brugman. 

1. Griech. xig für *k'i/is. 

Durch die neueren Untersuchungen über 'die Vertretung 
der uridg, k^ g^ gh^ im griechischen (s. die von G. Meyer 
Gr. gr. s. 169 citierte literatur) sind die gesetze, nach denen 
sich die mannigfaltigkeit der lautvertretung ordnet, der haupt- 
sache nach endgültig festgestellt. Im einzelnen bleibt noch 
mancherlei zu erledigen. So z. b. die frage, welches die 
urgriech. gestalt von Wörtern wie rlg und rh ist. Gehen 
Tig und T€ auf urgriech. k'is und k'e (vgl. ved. eicl und ca) 
oder auf urgriech. knis und kue (vgl. lat. qms und qUe) zu- 
rück? Joh. Schmidt (in Kuhn's ztschr. XXV 135 ff.) und 
G. Meyer (a. a. o.), die den gegenständ zuletzt behandelt 
haben, setzen k'is und ke ohne labialisierung an. Mit unrecht. 
Dass kms und kiw gesprochen wurde, zeigt homer. lesb. otti, 
Schmidt erwähnt diese form zwar s. 138, lässt sich aber auf 
eine erklärung des tt gar nicht ein*). G. Meyer sagt s. 174: 
„OTTL aus *ok'i "^ot'i '^otji^. Hiermit ist das tt nicht erklärt, 



1) Das von Schmidt mit om auf gleiche linie gestellte r^t-orris 
= TQi-oTiCs und ottTs* orpeis Hesych. (cod. om?) lasse ich bei seile, weil 
über die grundform dieses Substantivs nicht eher entschieden werden 
kann, als bis wir über das (pB' von cxfd'al^ib^^ das xr von boeot. oxraUos 
und das ksh von aind. äkshi ins reine gekommen sein werden, s. Morph, 
unters. II 172. 



— 408 — 

denn erstlich ist die annähme, aus h sei tjt geworden, nicht 
gerechtfertigt, und zweitens wäre aus ^otjt im homerischen 
und lesbischen oööl entstanden. Die griechische grundform 
war o-k'ui: k'u wurde durch denselben assimilationsprocess 
zu TT, durch den ku in homer. lesb. O-Ttjccog zu tctz wurde. 
Im anlaut wurde das assimilationsproduct auf einfaches t 
reduciert: r/g, wie Ttwg mit einfachem 7t. 

Warum kommen im homerischen und lesbischen neben 
OTtTiiog niemals formen wie eitTtoj-iat rgsTtfcw vor, sondern 
immer nur 67to(.iac TQ€7tü}? Ich vermute, dass hier die re- 
duction von Ttn schon frühzeitiger unter dem einfluss von 
formen wie eipo/^iai eo7t6(.irjv erqexpa stattfand, in denen jtit 
sich wegen des benachbarten consonanten nicht behaupten 
konnte. Da in 'IjtJtog für ekuos die doppelconsonanz nie 
reduction zu einfachem 7t erfuhr, so wird oTtug (statt o7t7tioq) 
als eine analogiebildung nach yrcJg anzusehen sein: ebenso 
oTiy statt oTTLy als eine solche nach ti. 

Ein urgriech. k'ids und k'ue anzusetzen haben sich Schmidt 
und Meyer wol darum gescheut, weil sie in dem ii ein hinder- 
nis sahen für die annähme, der zu t hinführende palatal A' 
sei als solcher durch den darauf folgenden palatalen vocal 
bedingt. Aber mit dieser annähme verträgt sich unsere 
auffassung sehr gut. Die vorausnähme der i- und e-articu- 
lation bewirkte erweichung zugleich des m und des A-, gab 
der ganzen lautgruppe die /- und e-nüance. Man hat also 
die urgriech. formen k'iiis und k'ue genauer k'uis und k'ue 
zu schreiben. Analoge erscheinungen bietet das slavische. 
Abulg. cvisti ^'blühen' und cvelü ""blute' gehen auf urslav. 
kvisti und kvetu zurück, deren k das cechische, polnische, 
ober- und niedersorbische bewahrt haben, s. Miklosich Alt- 
sloven. lautlehre^ s. 238. Dieses c, mit dem ,das (urslav.) c 
von vliici und vlnce zu vergleichen ist, konnte nur ent- 



t 



— 409 — 

stehen, wenn auch v mit von dem erweichungsprocess er- 
griffen worden war. Vgl. ausserdem abulg. 1. sg. umr\stvlja 
'tödte' von umrltviti^ wo / auf das vorausgehende t ganz in 
derselben weise wie z. b. in vrTsta Vende"* zu vintlti ge- 
wirkt hat, also auch das i' erweicht hatte. 

' Haben wir sonach für xio, urgriech. liüis vorauszusetzen, 
so sind auch jteoaoi und vitto auf pekuid und nig'uio zurück- 
zuführen. 

Das kypr. olg verhält sich zu xig wie arkad. 'Qeqed-Qov 
zu öiqeS^Qov. Genau die laute zu bestimmen, welche hier 
mit -den zeichen o und C gemeint sind, ist nicht möglich. 
Sicher aber ist, dass diese Zischlaute eine secundäre entwick- 
lung sind und unsern ansatz von urgriech. k'uis und g'uere- 
thron nicht tangieren. 

Weiter erhebt sich nun die frage, ob urgr. k'ii cju ghu 
vor palatalen vocalen nicht auch' lautgesetzlich unter um- 
ständen zu 7c ß cp wurden. Diese frage ist aufzuwerfen, weil 
in einer reihe von Wörtern labiale erscheinen, wo man nach 
dem Vertretungsgesetz, wie es Schmidt fasst, dentale er- 
warten sollte, namentlich in aeolischen formen. Lesb. 7tif.i7ce 
= jcevTE. Lesb. JtioovQegy boeot. /chTaqeQ = rezTageg, 
Lesb. jcrjXvL = TTjkol, das man gewöhnlich nach Benfey 
(Wurzeil. II 236) mit aind. caramd- ""der letzte^ verbindet, 
dazu delph. Ilrjkexleag == Tt]A€xX^gj und vielleicht auch 
boeot. IledeoTQorLdagy vgl. ephes. TtjÄeorgag (s. Fick Stud. 
VIII 448); freilich auch boeot. inschr. Tetlecpäveiog Kaibel 
Hermes VIII 421, doch kann dieses auf einer nur halbwegs 
vollzogenen boeotisierung einer fremddialektischen form be- 
ruhen. Aeol. ßeAcplg == öelcplgj boeot. BehpoL = z/ehpoi. 
In betracht zu ziehen ist auch der boeot. flussnamen UeQ- 
(.iiqöaogj da die Variante T€QiiU]oo6g bei Hesiod Theog. 5 
möglicher weise in einer dialektisch verschiedenen form ihre 



— 410 — 

begründuDg hat. Sodann kypr. Tteloet == teioei. Ferner 
7teloi.iat neben Telho, ßilog neben arkad. Igöeklovrec, ßlog 
gegenüber lit. gi/vas u. a., s. Schmidt a. a. o. Mit ausnähme 
von 7crjlvCf rr^loly das er s. 139 von aind. caramd- trennen, 
auf ein urgriech. '^tFtiIol zurückführen und mit lit. toli 'fern' 
zusammenbringen möchte, greift Schmidt bei allen diesen 
Wörtern zu dem mittel der formübertragung, indem er den 
dental von 7tevTe reTrageg u. s. w. als urgriechisch betrachtet 
und den labial aus andern formen desselben Stammes her- 
übergekommen sein lässt, z. b. ist ihm lesb. 7ti^7te eine 
analogiebilduDg nach TtefATtrogj ßelog eine solche nach -ßoh] 
u. s. w. Hinsichtlich der tenues scheint mir Schmidt im recht 
zu sein. Denn wenn man auch angesichts der verhältnis- 
mässig zahlreichen 7c statt i gerade im aeolischen leicht ver- 
sucht sein könnte für diese dialektgruppe lautgesetzlichen 
Übergang von urgr. k'ue- in 7ce- anzunehmen, so macht doch 
der umstand, dass aind. ca im aeolischen ebenso wie in an- 
dern dialekten durch tI vertreten ist, in hohem grade wahr- 
scheinlich, dass T£- auch im aeolischen die lautgesetzliche 
fortsetzung von urgr. k'ue- war*). Anders verhält es sich 
mit der media und der aspirata. Dass auch hier der labiale 
explosivlaut (/i, cp) vor palatalen vocalen niemals lautgesetz- 
lich entwickelt sein soll, wie Schmidt behauptet, ist mir sehr 
zweifelhaft. Schwierigkeit bereiten der Schmidt'schen hypo- 
these vor allen ßiog ''bogen' = aind. Jyä und ßla 'gewalt' 
= aind. jyit. Denn formen mit /i, von denen aus dieser 
consonant übertragen sein könnte, gibt es hier überhaupt 



1) Dass k'ui- im aeolischen, wie sonst, lautgesetzlich zu t<- wurde, 
lehrt sofort orri, oti. Aber ottc würde für die aeol. behandlung von 
k'ue- nichts beweisen können, da i vorausgehendes ku stärker palatali- 
siert haben mochte als e, vgl. die verschiedene behandlung des r in ^t- 
Scoat und didors. 



— 411 — 

nicht, und Schmidt weiss keine bessere auskunft als die, 
dass „ diese versprengten nachkommen einer in den arischen 
sprachen reich entwickelten familie die ß vor i durch ähn- 
liche Übertragungen werden erhalten haben wie ßeio{.iaij 
ßlog"] letztere sollen nemlich ihr ß von einem hypothetisch 
aDgesetzten */iofog ^^vita"* bezogen haben (s. 159). Vgl. auch 
Osthoff oben s. 173 f. anm. Des näheren auf diese frage ein- 
zugehen, ist hier nicht der ort*). 

1^1 2. Uridg. ede 'edit, ass' und ese 'fuit'. 

^^ Got. fr-etj anord. dtj ags. letj ahd. äz fr-äz beweisen, 
1 dass zu got. lian ''essen^ die 3. sg. praet. im urgermanischen 
f * ete lautete ; got. at ist eine neubildung nach (jaf (vgl. Jessen 
Tidskr. for filol. 1 205 f., Möller Kölbing's Engl. stud. III 154). 
Vergleicht man weiter lat. edity griech. Mr^dej das auf älteres 
*r](5£ schliessen lässt, und aind. ächj so ergibt sich als idg. 
grundform ede. Dem entsprechend muss von es- ^sein' die 
3. sg. pf. urindogermanisch als es e angesetzt werden : aind. 
asüj gr. 1. sgn r]a 2. sg. rjo^a 3.sg. i)€v. Im griechischen 
ist nemlich das alte perfect von w. es- mit dem alten imper- 
fect zusammcDgeronnen. Anlass gab die 1. sg. /]«, die laut- 
gesetzlich zugleich imperfect- und perfectform war. rjbd^a 
ist die alte form der 2. sg. perf., der durch rja die imper- 
fectfunction zugeführt wurde, rjc^v) ist aind. asa. 

Wie ist nun das e von ede und ese zu beurteilen? 
Osthoff hat Morph, unt. II 113 ff. nachgewiesen, dass 
L bei grundsprachlichen vocalcontractionen,. so weit sie bis jetzt 

1) In dem neuesten heft seiner beitrage, das mir nach niederschrift 
des obigen zukommt, erklärt Bezzenberger für 'möglich', dass gr. ri auf 
kve zurückzuführen sei (Beitr. VI 236 anm. 2). Von orn macht er als 
argument gegen Job. Schmidt und G. Meyer keinen gebrauch. 



— .412 — 

durchsichtig sind, allemal die qualität des ersteren der bei- 
den zusammenfliessenden vocale für den aus der contraction 
resultierenden langen vocal massgebend wurde, z. b. indo- 
germ. dhenti 3. pl. conj. (messen. jtQoxLdnqvTi) für dhe-onti 
YOTL dhe^ ^setzen"*, vß^ös nom. plur. (osk. Abellanüs) für 
vlk^o-es von vlk^o- '^Yfo\i\ Daher fasse ich ede und 
ese als e 6 de e ose. 

Als schwache perfectstammform hat man wol ebenfalls 
uridg. ed- es- anzusetzen, da in den historischen Sprach- 
perioden ein ablaut innerhalb des perfectstammes nicht wahr- 
zunehmen ist. Möller a. a. o. sagt allerdings, der schwache 
perfectstamm müsse urgermanisch et- gewesen sein. Und Joh. 
Schmidt Anzeig. f. d. altert. VI 121 sagt: „Zu starkem "^e-od- 
= skr. Ud- kann die schwache form ursprünglich nicht ^e-ed- 
= ed-j got. et-, sondern nur "^ed- mit kurzem vocale ge- 
wesen sein, da der wurzelvocal schwand, vgl. pa-pat- : pa-pt-^ 
ja-gam- : ja-grn- ". Aber diese argumentation hat durchaus 
nichts zwingendes. Denn ein ed- als schwache perfectstamm- 
form ist aus keiner idg. spräche nachzuweisen; und wenn 
man auch als möglich zugeben muss, dass ursprünglich 
^-d-j d. h. reduplicationssilbe 4- schwache, des vocals be- 
rauhte wurzelform (vgl. d-6nt- für ed-ö?it-), der schwache 
perfectstamm war und daraus erst durch ausgleichung mit 
den singularformen des indicativs ed- entstand, so sehe ich 
doch nicht, wie man beweisen will, dass nicht schon uridg. 
die schwache form ed- lautete und dieses ed- nicht die da- 
mals rein lautgesetzlich entsprungene form war. Die 
bildung des perfects durch vortritt der reduplicationssilbe ist 
doch wol älter als die Wirksamkeit des lautgesetzes , durch 
welches im urindogermanischen kurze a - vocale in den silben 
vor dem hochton schwanden, wie in s-te ""ihr seid' (aind. 
s-thd) für es-te. Wenn wir demnach als ursprünglich eine 



413 



l 

f 1. pl. eed-me (oder eod-nie) oder eed-dme (oder eod- 
" -dmeY) ansetzen, so ist es sehr wol denkbar, dass hier 
keine ausstossung des wurzelvocals stattfand wie sonst, son- 
dern eine contraction des wurzelvocals mit dem redupli- 
cations-e zu e. Denn es liegen eben hier besondere laut- 
verhältnisse vor. Sollte der augmentierte indic. impf, von es- 
""sein' im plur. und du. urindogermanisch e-s-mem e-s-te 
u. s. w. gewesen sein, wofür man homer. eoav geltend machen 
könnte (s. verf. Bezzenberger's Beitr. II 245), so würde diess 
für Möller's und Schmidt's schwachen perfectstamm e-d- 
nichts beweisen: denn die Verbindung des augments, eines 
ursprünglich selbständigen wörtchens, mit der folgenden ver- 
balform war in der zeit der idg. Ursprache, als das lautgesetz 
aufkam, demzufolge es-te Mhr seid' zu s-te wurde, sicher 
noch eine viel lockerere (vgl. Morph, unt. III 12 ff. 88 f.) als 

(die Verbindung der reduplicatlonssilbe mit der folgenden 
Wurzelsilbe im perfect. Eine entscheidung über die gestalt 
der schwachen perfectstammform von w. ed- und es- zu der 
zeit, als die formen wie jie-jit- se-zd- (aind. papt- sed-) 
lautgesetzlich entstanden, ist vorläufig nicht zu treffen, und 
ich begnüge mich mit der an sich wahrscheinlichen annähme, 
dass gegen ausgang der idg. Ursprache in den schwachen 
perfectformen schön ed- gesprochen wurde. Also 3. sg. ur- 
idg. ^V/e, 1. pl. eddme oder edme» 



1) Die personalendung ist mit aller reserve angesetzt. Mit 9 be- 
zeichne ich den idg. vorfahr des in aind. sed-i-mä lat. sM-i-mus got. 
set-u-m gr. lerqafp-a-fiEv der personalendung vorausgehenden kurzen 
vocals. Dieser vocal war, wie die aind. formen wie vidinä rarabhmä 
und die griechischen ^\^ ßi^^ev k'oiyfisv zeigen, ursprünglich nicht durch- 
gehends vorhanden. Nach welchem princip sich sein Vorhandensein und 
nichtVorhandensein in ältester zeit regelte, ist noch nicht ermittelt, vidtnä 
ßiSfier verhalten sich zu sedimd xexqäcpauev wie aor. ämamsta exs{S)aa 
zu djanishia iay.iSaaa (Morph, unters. III 77 ff.). 



— 414 — 

Wenn das lit. praeter, edau *^frass' auf grundlage des 
idg. perfects entstanden ist, so enthält auch diese form das 
e von ^'de. Durch Übertragung ist das e jedesfalls in die 
formen edmi eduj fut. esiu, infin. estl und in edzios hinein- 
gekommen. Ebenso in slav. emi^ inf. est! {jainij jasti) uijd 
medv-edij in got. uz-eta und in homer. tüiii-7]GTrig, falls hier- 
für nicht mit Wackernagel (Bezzenb. beitr. IV 267) co/n-soTrig 
zu schreiben ist. Für die neubildung von nomina vom perfect- 
stamm ed-- aus ist lehrreich gr. eör^dcov' cpayeScuva Hesych. 
und das durch übertritt in den ablaut e : 6 entsprungene 
Idißdr]. In ähnlicher weise ist die zunächst aus se-zd- ent- 
standene schwache perfectstammform uridg. sed- (in aind. 
sedimä^ lat. sedimus^ got. setumY) von w. sed- sod- *^sitzen* 
(vgl. Morph, unt. III 144) aus dem gebiet des perfects her- 
ausgetreten: lat. sedesj sedare^ lit. shtis^ sed'eti, slav. sesti^ 
und mir scheint, dass auch das e von lat. tecjula, got. anda- 
nerrij mmH u. a. ähnlichen formen direct oder indirect auf 
das perfectische e zurückgeht, was hier nicht näher ausge- 
führt werden kann. 



3. Die gotis€he Imperativform hiri und die de- 
nominativa von consonantischen stammen. 

Dass got. hiri 'öevQo^ eine 2'. sg. imperat. ist, ergibt 
sich mit Wahrscheinlichkeit aus Job. XI 34 fraiija, hiri jah 
saihv yivQie, eq^ov v.al %öe und aus dem danebenstehen von 

1) Im griechischen ist der perfectstamm rß- durch das verbum riarat 
verdrängt worden. Vielleicht ist es aber nicht bloss gedankenlose Ver- 
wechslung der formen i^a^i^v und rjffrrjr, wenn es bei Hesychius r^arriv • 
ixa&e'^ovTo, dvixcös. vnrtQxov und bei ApoUonius Sophista Lex. 85, 4 
fiaxTjV ävxl rov^ szad'a'^ovro rj avtl rov r^cav heisst. Ein ^ijarrjv wäre 
die regelrecht zu erwartende 3. du. 'plusqu. von einem r^S- = sM-. 



I 



— 415 — 

hirjats und hh^Ji[>. Man setzt gewöhnlich ein verbum hirjan 
'hierher kommen' an (Grimm III 246). Zu gründe liegt, wie 
Bopp (Vergl. gramm. IP 216) erkannt hat, ein adv. *A/-r 
von dem pronominalstamm ///- in hi-mma hi-dre etc. Auf- 
fallend ist, dass es im gotischen nicht '^hairi ^hairjats 
'^hairji[) heisst. Erklärt ist diese anomalie bis jetzt noch 
nicht. Unterbleibt die brechung des i etwa lautgesetzlich, 
wenn r von zwei ursprünglichen i eingeschlossen ist? 

Dieses *Ä/r, zunächst für sich allein als zuruf imperati- 
visch verwandt, wurde in derselben weise mit Imperativischen 
flexionsendungen bekleidet, wie z. b. von der slav. partikel 
na (cape) eine 2. du. na-ta 2. pl. na-te 'hier habt ihr's!' ge- 
bildet wird: hierüber und über ähnliche imperativbildungen 
in andern sprachen sieh Pott Et. forsch. I"-^ 414 und Miklo- 
sich Vergl. gramm. IV 94. 156. So erklärt sich einfach, 
warum von dem verbum hwjaji eben nur imperativformen vor- 
kommen. 

Wie ist nun Mri als 2. sg. zu beurteilen? „Die form 
sollte", sagt Grimm ganz richtig, „hirei lauten". 

Dass Mri für hidre i (z von '/ gehen"*) stehe, wie noch 
Scherer Zur gesch. d. d. spr.^ 323 f. glaubt, ist nicht im min- 
desten -wahrscheinlich zu machen. Eher Hesse sich denken, 
hlri sei nur syntaktisch eine 2. sg., der herkunft nach 
aber eine erstarrte adverbialform, so wie das im slav. 
neben na-ta na-ie als 2. sg. fungierende na .'hier hast du's' 
ja auch jeder personalendung enträt. Nur sieht man dann 
nicht, was für eine adverbialform hi-ri sein könnte. Fol- 
gende deutung dürfte das richtige treffen. 

Die german. praesentia auf -jan sind sehr verschiedenen 
Ursprungs. Sie sind: 

1) Bildungen der aind. IV conjug.-classe, wie vaürkja 
= abaktr. verezydmi gr. ^FqaCio (wofür ^«Cw mit b durch aus- 



— 416 — 

gleichung mit dem fut. Feq^co u. s. w., s. Lit. centralbl. 1880 
s. 943). 

2) Denominativa von consonantischen stammen, wie z. b. 
veitvodja von veitvod-] namnja von 7iamn' im gen. pl. namn-e] 
glitmunja von '^glitmnn-j vgl. ahd. glizemo'^ kaiipatja laiihatja 
mit einem ausgang -atja^ der, wie Kögel Paul-Braune's Beitr. 
VII 183 erkannt hat (vergl. auch von Bahder Die verbal- 
abstracta in d. german. spr. 111), dem gr. -äuo = "dö-jw 
gleichkommt^); wol auch riqhja zum alten copsonantischen 
stäram >2^z;5-, vgl. aind. rajas-yd-ti, 

3) Denominativa von o- stammen, wie rignjan von ?'igna-, 
andbahtja von andbahta-. Ausgang der 3. sg. ursprünglich 
-eletij vgl. aind. deva-yä-ti^ griech. g)t?Jco. 

4) Denominativa von /- stammen, wie didpja von dtilpi-^ 
anamahtja von anamahti-, Ausgang der 3. sg. ursprünglich 
-netij vgl. aind. arati-yä-ti (Whitney § 1061), gr. y.oviei, 
lat. ß?iio. 

5) Causativa wie nasja, gatarhja. Ausgang der 3. sg. 
ursprünglich -eieti^ vgl. aind. dar^äyati. 

Während nun die 2. sg. imper. cmdbahtei (3), didpei (4) 
und nasei (5) ihren ausgang -ei regelrecht nach den auslaut- 
gesetzen bekommen haben, sind vmMei (\) und veitiwdei{T) 
aus den vorauszusetzenden formen "^vaürkw und "^veitvodie 
nicht zu erklären, sie sind neubildungen nach den classen 
3 — 5 statt *vmMi und *veitvodi\ 

Von hiri nehme ich demnach an, dass es eine 2. sg. imper. 
nach art von ^veüvodi ist. Es hatte sich, weil in keinem 
grösseren verbalen formensystem stehend, dem einfluss der 



1) Das praeter, kaupasta, das in derselben weise wie ga-mösia st 
statt SS angenommen hat nach der analogie der praeterita wie ga-daürsta, 
verhält sich zu praes. kaupatja wie gr. ovofiaaros xXriiaros zu ovofxat,(a 



— 417 



formen wie imdhahtei^ dulpei^ nasei entzogen und ist die ein- 
zige form, die uns durch ihre lautliche gestaltung direct an 
die hand gibt, dass dem germanischen denominativa von con- 
sonantischen stammen nach art des aind. namas-ijä-ti^ des 
griech. /,i]QvöOio d. i. '^/.rjQvyt-uo etc. nicht abgehen. 



Suum cuique. 

Von Hermann Osthoff. 

Als ich in diesen morphol. unters, II 22 ff. 76 ff. über das 
„ determinierende ä " hinter casusformen des altiranischen han- 
delte, ist mir entgangen, dass bereits von Kern zeitschr. d. 
deutsch, morgenländ. gesellsch. XXIII 239. der anwuchs dieser 
Partikel in apers. apiy-ä, näviy-ä und in der endung avest. 
-hv-a^ -skv-aj apers. -uv-äj -shuv-ä des loc. plur. angenommen 
ward. Ich wurde durch Pott zeitschr. d. deutsch, morgenländ. 
gesellsch. XXXIII 76. auf dies übersehen aufmerksam. 



Druck von J. B. Hirsehfeld in. Leipzig. 



Morphologische Untersuchungen 



auf dem Gebiete 



der 



indogermanischeii Spraclien 



Von 



Dr. Hermann Osthoff 

ord. Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft und des Sanskrit 
an der Universität Heidelberg 



und 



Dr. Karl Brugmann 

ord. Professor der indogermanischen Sprachwissenschaft 
an der Universität Leipzig 



Fünfter Theil 

mit einem Sach- und Wortregister zu allen fünf Theilen 



Leipzig 

Verlag von S. Hirzel 

1890. 



Vorwort. 

S. 73 wird die erklärung des wurzelvocalismus von lat. 
ralis, indem ich es auf *sra-ti-s zurückführe und zu ser-Oy 
griech. bIqcd stelle, vertagt und auf eine unten folgende, auch 
s. 106 nochmals erwähnte Untersuchung „zur lateinischen Ver- 
tretung der sonantischen liquiden und nasale" verwiesen. 

Diese abhandlung war abgeschlossen und sollte den be- 
weis erbringen, dass die im griechischen und germanischen 
vorliegende doppelformige gestaltung von indog. r^ /, in 
öaQTog und ÖQciTog, xagöla und KQaölrj, ETzagdov und STtga- 
öov u. dgl., aisl. sordenn und strodenn^ auch auf lateini- 
schem boden sich zeige und hier neben ör (wr), ul {ol) ^=^ 
griech. aQ, al, germ. ur, ul in morSt cor^ po{r)sco, fulgere 
u. s. w. die formen lat. ra, la anzuerkennen seien, als die 
Seitenstücke zu griech. Qa, la^ germ. rw, lu, Beispiele: 
franijOf Jragilis wie got. brukuiis zu brikan, wz. bhreg-; gra- 
dior zu got. grid acc. sing. *^schritt' ; rapio zu repens und 
alban. riep *^ beraube^ = indog. *re/?ö ; flagräj^e zu griech. cpHyu ; 
labium zu nhd. lefze und lippe; lacio zu ahd. locchön Uocken^; 
lapis zu griech. kcTtag. Und von der art wie im griechischen 
ÖQarog zu Ö€qw, eÖQaY,ov zu öeQxoinai, wie aisl. sirodenn zu 
serda, so zunächst jenes lat. (A)rfl-/2-4* zu *<?/'- ö; ferner gravis 
zu aind. gur-ü-sh, griech. ßaQ-v-g, got. kaür-u-s; gla-c-ie-s 
zu gel-ii. Lat. flagräre : fulgere = griech. ögarog : öaQrog. 



— IV — 

Ferner enthielt die abhandlung den versuch, auch für 
die nasal is sonans eine durchgehende doppelgestaltung im 
griechischen, germanischen und lateinischen aufzudecken: 
griech. va, /.la, germ. nu, mu, lat. «a, ma neben den be- 
.kannten formen griech. a, germ. ww, um, lat. en {in\ em {im) 
= indog. 71, in, Beispiele: griech. vauo < ^vaG-ycj zu 
ve{o)-o-^(xL, voG-TO-g; fiarevo), }j.aOTriQ, (.laGTvg, (.laGievu) zu 
fĀTaXkov, (xeTakXcccj; yva-d-o-g, yva-d-fxo-g zu yiv-v-g, yheiov, 
lat. gena, got. kimius; germ. aisl. gnostenn zu gnesta; aisl. 
knoda (= got. *knudön) zu abulg. gnetq ^drücke^; ags. be-, 
Ze-nu^on praeteritopraes. plur., ahd. gi-nuht f., got. hi-nauhts 
pari zu got. ga-nah, abulg. nesq, lit. nesz-ü; lat. nac-tu-s 
von derselben wurzel indog. nee- und mithin = got. (bi-) 
nauh-t-s; lat. magniis zu armen, mee, griech. ^eyag, got. 
mikils. 

Endlich wurde ausgeführt, wie der durchgehenden dop- 
pelvertretung der kurzen sonantischen liquiden und nasale 
parallel sei eine doppelentwickelung bei den längen indog. 
Ä l> ?> W iö derselben Sprachengruppe : griech. og, ol und 
Qw, Xüjy germ. ar, öl und rö, lö, lat. ar, al und rä, /ä; 
griech. « und ra, ^ä, germ. an, am und wo, wiö, lat. an, am 
und wo, mä. 

Die abhandlung war abgeschlossen und der druckerei 
bereits tibergeben, als ich erkannte, dass auch durch die 
übrigen indogermanischen sprachen der dualismus von griech. 
aQ, al und ^a, la, germ. ur, ul und ru^ lu, lat. or {ur)^ ul 
(ol) und ra, la hindurch gehe. Dies bewog mich, das ma- 
nuscript zurückzuziehen, um die sache in ihrem ganzen um- 
fange auszuarbeiten. 

Die bekannten formen für r, l sonans im keltischen, 
balto-slavischen u. s. w., wie kelt. ri (re), // (le), slavo-balt. 
rr, il, aind. r, avest. ere sind nur entsprechungen von griech. 



I 



— V — 

aQ, al, germ. ui\ ul, lat. or {ur), ul (ol). Daneben treten 
als die dem griech. ga, /or, germ. ru, lu, lat. ra, la sich an- 
reihenden formen: kelt. ra^ la, balto-slav. /'/, li, indo- 
iran. r«. 

Beispiele. Air. fraig Vand', stamm urkelt. *v?^ag-et-, 
zu griech. e(/)€Qyw, eegyruf^t, Igyad-u) ^ wz. ve?'^--^ Jrass f. 
*^regen' << *vrassU << *vrastä zu eQöiq^ esQOt], aind. värsh-a-ti 
*^regnet', varshä- m. n. "^regen", wz. vers-; flaith f. "^herrschaft"* 
<< *vla-ti-s zu WZ. ?^e/- Vollen , gebieten', lat. velle, got. z^zY- 
jau *^ich wiir (got. wal-da, abulg. vladq, lit. ivaldaü "^herrsche' 
ebendahin als beruhend auf einem dk- praesens indog. 
f*vl-dh6). Abulg. r)^c/ *^ sprich' zxirekq praes. ; g?nmeti '' don- 
nern ZU gromü ^donner' ; lujü-kü *^leicht' zu ela^vg (urslav. 
Stellung r^c-, grim-, ttg-, vgl. russ. gremet! , legkyj). Lit. 
dri-skaü *^werde zerrissen' zu griech. öeQWj got. ga-taira; lit. 
dri'skaü : nu-dir-ta-s ^geschunden' = griech. öga-To-g : öag- 
To-g. Lit. drimbu, drrbaü, dripti 'dickflüssig oder breiartig 
fallen' zu drebiu 'werfe breiiges'; hridaü aor., h7nsti infin. zu 
b7^edu praes. 'wate'. Aind. vraja-s m. 'zäun, umhegung, 
bürde' wie 2Xr.fi'aig zu griech. l{ß)eQyo); rajatd-m n. 'silber' 
zu würz, erz- 'glänzen' in got. airk-n-s 'rein, heilig', ahd. 
erchan 'echt', ags. eorcan-stän 'edelstein' und in aind. ärj- 
una-s adj. 'weisslich, licht, silbern' ; vi^a-td-iti n. 'wille, gebot, 
gesetz, Satzung^ zu var~y idg. we/- 'wollen', wie slit, flaith 
'herrschaft'. Es gelten wieder die parallelismen : wie griech. 
ÖQa-To-g : daq-xo-g^ SO aind. vraj-d-s : vrj-dna-m 'umhegung, 
umfriedigter platz'; so raj-atd-m : avest. erez-atem^ griech. 
agyvQog, aQyog, aQyrjg (lat. argentum, argilla, arguOj air. 
argat 'silber' haben arg- << indog. f ^-) ; so vra-id-m : vf-td-s 
pari 'gewählt', vrnUe praes. Bei avest. ra-tu-sh' 'bestimmte 
zeit': aind. r-ti/sh dass., wz. ar- 'fügen, passend machen' 
(oder fr- ?) in aind. dram adv. 'passend, genug', griech. 



-~ VI — 

ccQTvw, aQfisvog, aQXLog, kehrt sich das paarverhältnis um, 
im vergleich mit aind. rajaldm : avest. ere^atem. 

Auch für die gewöhnlichen formen der nasalis sonans 
finden sich in den sämtlichen indogermanischen sprachen 
Seitengestalten, die in historischer zeit hinter consonantischem 
nasal die vocalentfaltung haben: wie griech. va, ^la, germ. 
nu, mu, lat. na, ma^ so kelt. na, ma, slavo-balt. ni, mi^ 
indo-iran. na, ma. Air. nasc *^ring' , nascim *^ binde' , naidm 
n. "^nexum", fo-naidm *^ binden, vertrag', gleichstufig mit ahd. 
nuscia ^spange, mantelschnalle', ga-niisken *^ verknüpfen', nusta 
Verknüpfung', zu mittelstufigem aisl. nist, niste n. 'heftnadel'. 
Lit. midüs "^met' aus wurzel abstufendem paradigma mit medus 
'honig', abulg. medü, griech. (xid-v, ahd. mUu, mitu entwickelt 
(W. Meyer Kuhn's zeitschr. XXVIII 163 anm. 2). Aind. 
cwaM-a-^2*^ durchbohrt, durchstösst' aoristpraes., avest. snath-o 
"^schlagen, schlag' von gleicher ablautstufe wie got. hnupö 
"^spitzpfahl' oder ^^stachel', zu wz. cent{hy in griech. y.€VTicü, 

K€VTQOV. 

So gehen endlich doppelformen für die längen indog. 
Ty L ^f ¥ durch alle sprachen hindurch. Ein beispiel für 
indo-iran. rä neben aind. ir, mj; avest. are = f: von wz. 
erz' *^glänzen' (vgl. s. v) kommt aind. rö'y-a-^/ 'prangt, glänzt' 
aoristpraes., avest. häm-räzayata "^leuchtete, sprühte', in der- 
selben weise, wie von sie?- 'ausbreiten' griech. orgw-To-g, 
lat. strä-tu-Sy während lat. argentum wie OTogvvf^i, aind. 
rajatdm wie orgarog, avest. erezatem und griech. agyvgog 
wie kret. gortyn. oxaQTog beschaffen; auch verhält sich aind. 
rä'j-a-ti : got. airk-n-Sy ahd. erchan, wie z. b. griech. TQCüy-hj 
'loch' : got. pairkö 'loch, öhr'. 

Diese andeutungen mögen hier genügen. Die nähere 
ausftihrung bleibt meinem buche „liquida und nasalis sonans" 
(Strassburg, Trübner's verlag) vorbehalten. Da jene zuerst 



VII 



geplante abhandlung „ zur lateinischen Vertretung der sonan- 
tischen liquiden und nasale" zugleich den nebentitel „die 
tiefstufe im indogermanischen vocalismus, fortsetzung und 
schluss" führen sollte, so wird mit dem erscheinen des ge- 
nannten buches auch das morphol. unters. IV vorw. s. iv 
gegebene versprechen einer fortsetzung der Untersuchung 
über die „tiefstufe" eingelöst sein. 



Dieser fünfte theil der morphologischen Untersuchungen 
wird voraussichtlich der letzte sein. Für die sorgfältige an- 
'. fertigung der ihm beigegebenen auf alle fünf bände sich er- 
streckenden register, die manchem willkommen sein werden, 
sage ich, zugleich im namen meines mitherausgebers, herrn 
Dr. Sütterlin auch an dieser stelle herzlichen dank. 



Heidelberg, 8, febr. 1890. 



H. Osthoff. 



Inhalt 

Seite 

Karl Brugmann Die bildung der zehner und der hunderter in 
den indogermanischen sprachen 1 

Excurs : Zur bildung des nom. acc. plur. neutr. . . 52 

Hermann Osthoff Anlautend indog. sr- im lateinischen .... 62 

Die lautgrnppe mr im lateinischen, germanischen und 

altindischen 85 

Nachtrag zu s. 86 f. anm. 2 137 

Karl Brugmann Nochmals gr. hnxaxoaiOL lat. septingenti\ got. 
taihuntehiind ; ai. paücä-^dt- gr. TCFvz^-xovta 138 

Register zu Band I bis V, bearbeitet von L. Sütterlin. 

I. Sachregister 145 

II. Wortregister 160 



Die bildung der zehner und der hunderter in den 
indogermanischen sprachen. 

Von Karl Brugmann. 



Die Sonderstellung, welche die Zahlwörter nach verlust 
ihrer anfänglichen, schon in der zeit der indogermanischen 
Urgemeinschaft verdunkelten appellativbedeutung in dem Sy- 
stem der Wortklassen einnahmen, hatte zur folge, dass diese 
Wörter in mancher beziehung ihre eigenen wege gingen : nicht 
in lautlicher beziehung, wie man mitunter behauptet hat — 
denn die lautgesetze waren und sind für alle wortkategorien 
dieselben — , wol aber in morphologischer und syntaktischer 
hinsieht. Einestheils hielten die numeralia hier ursprüngliche 
Verhältnisse fest, über die die andern Wortklassen hinaus- 
schritten: z. b. stammt die aus der indogermanischen urzeit 
überkommene indeclinabilität der adjecti vischen Wörter fünf 
bis zehn aller Wahrscheinlichkeit nach aus einer periode, wo 
das attributive adjecti v überhaupt noch keine casusendungen 
nöthig hatte. Anderseits erfuhren die Zahlwörter neuerungen, 
von denen sich die andern nominalkategorien freihielten: 
vgl. z. b. den Übergang von Qatena härinUm *^mit 100 fuchsen 
(rossen)^ zu gatena hdribhish und i^atärn häribhish im indischen 
(gleichartiges auch in den europäischen sprachen). 

Dank den zahlreichen Untersuchungen, die die indoger- 
manischen numeralia seit Bopp und J. Grimm erfahren haben, 

Osthoff u. Brugmann untersuch. V. \ 



ist der entwicklungsgang, den diese Wörter in formaler und 
in syntaktischer beziehung bis auf die jüngsten zeiten herab 
genommen haben, in den wesentlichsten zügen aufgehellt. 
Ueber viele einzelheiten aber ist noch nicht das letzte wort 
gesprochen. So über die bildung der hunderter in den classi- 
schen sprachen und über die zehnerbildung in allen sprach- 
zweigen. Zu weiterer aufhellung dieser formationen beizu- 
tragen ist der zweck der folgenden Untersuchung*). 

Ich beginne mit den hundertern, weil diese geringere 
Schwierigkeiten bieten. 

2. 

Das uridg. *kmt6-m *^100' (ai. ^atam gr. k-y.ar6v lat. cen- 
tum air. cet got. hund lit. szimta-s) war ein neutrales Sub- 
stantiv, das sich mit dem gen. plur. des gezählten gegenstän- 
des verband. Es war aus *dkmt6-m hervorgegangen, gleich- 
wie das in den ausdrücken für die decaden enthaltene dement 
*ieomt- *ic7jiit- (gr. -tcovt- -yiax-) aus *dlcomt- ^dÜiiit-, und ge- 
hörte mit diesem zu *defim '10\ Der verlast des c in der 
ersten silbe war, wie zuerst wohl Scherer gesehen hat (z. 
gesch. d. deutsch, spr.^ 579), durch die tonlosigkeit der silbe 
veranlasst, vgl. idg. *pd' 'fuss' in av. fra-bd-a- "der obere 
fuss"* neben "^ped- *pod' u. dgl. *femt6-m bedeutete also *^eine 
zehnheit', nemlich von decaden, mit derselben ellipse, durch 
die später das ai. dagaii-sh 'decas' zur bedeutung ^hecatontas^ 



1) Anlass zur publicierung dieser Untersuchung war mir die dar- 
stellung der geschichte der idg. Zahlwörter in der demnächst zu ver- 
öffentlichenden zweiten hälfte des zweiten bandes meines grundrisses 
der vergleichenden grammatik. Bei der diesem buche gebotenen kürze 
der fassung musste ich besorgen, mehrere abweichungen von den bis- 
herigen anschauungen würden nicht hinlänglich begründet erscheinen. 
Hoffentlich wird dieser schein durch den vorliegenden aufsatz beseitigt. 



» 



— 3 — 

gelangte. Ob man "^Umto-m zunächst in '^kint-ö-m zu zerlegen 
und als eine Weiterbildung von jenem in den zahlen 20 bis 
90 enthaltenen abstractum ^komt- *limt' anzusehen hat, oder 
ob das wort unmittelbar vom adjectivischen *deüifl mittels 
des Suffixes -tö- abgeleitet wurde, dürfte kaum mehr zu ent- 
scheiden sein. 

Mit "^ümtö-m wurden nun auch die zahlen 200, 300 bis 
900 gebildet, indem man der mehrheitsform dieses Substan- 
tivs die adjectivischen einerbezeichnungen attributiv in glei- 
chem casus beisetzte: 200 *du6i hntöi (dual), 300 */n Ürrtih 
(plur.) u. s. f. Die meisten sprachen hielten diese ausdrucks- 
weise fest^. Ai. 200 dvse gate, 300 triiii patäni n. 8. w.y av. 
duj/e satte '200', panca sata'bOO\ nava sata *'900'. Air. 200 
du cet (dat. dih cetaib)^ 300 tri cet u. s. w. Got. tva liunda 
(dat. tvüim hundam) ahd. zwei hunt *^200', prija hunda thriu 
huiit '300' u. s. w. Lit. du szimiu (duszimtu) '200', trys szimtai 
[trijsszimtai) '300' u. s.w.; aksl. düve süte '200',^^? ^w?« 
'300' u. s. w. 

Wie verhielten sich nun zu diesen ausdrücken die griechi- 
schen, diäxooioi u. s. w., und die lateinischen, ducenti u. s. w.? 



Was zunächst die lateinischen zahlen betrifft, so sagt 
Mahlow Die langen vocale A E s. 98 : „ducenti = s. dve fate 
sl. dve süte. ducenti aus *dücenti, mit ü = oi, wie in inlauten- 
den Wurzelsilben, da die beiden Wörter zusammengezogen 
waren (ähnl. russ. dvesti); ducenti wird als nom. pl. masc. 
aufgefasst und zieht die anderen hunderte, tHcenti u. s. w.. 



1) Das armenische hat für 'lOO' ein mit *kmtö-m unverwandtes, 
etymologisch unaufgeklärtes wort , hariur , demgemäss für ' 200 ' erku 
hariu?' imö. erkennr, für '300' ereU -hariur, für '400' coreU -hariur Vi.&.Yr. 

1* 



— 4 — 

mit sich, wie viyinti, = ßiyiaTi^ auch triginia, = TQLay.ovTa, 
veranlasst hat*^ Dem schliesst sich J. Schmidt Die piural- 
bildungen der indogerm. neutra s. 6. 52 an. Diese ansieht ist 
aber aus mehreren gründen unhaltbar. 

Zunächst haben wir zur annähme einer Verkürzung von 
*duoi- über *duü- *dü' (vgl. südo?^ aus *suoid') zu du- kein 
recht. 

Femer stehen trecenil und quadringenft entgegen, da sie 
als erstes glied kein neutrum plur. enthielten, sondern eine 
Stammform : sie nöthigen uns, auch das du- von du-centt als 
Stammform (vgl. du-plex u. dgl.) zu fassen, tre- war dem gr. 
rqe- in dem böot. Tge-Tcedda^) und dem balt.-slav. tre- in lit. 
tre-czia-s aksl. tre-tiji '3ter' lit. tre-fi 'je drei' gleich, qua- 
drin-genü aber war für *quadru-geniJ eingetreten nach septin- 
genti, wie dieses auch die form octin-genfi ^ für *octi-genti 
oder *octö-genfii und das bei Columella für nöngenti auf- 
tretende nönin-genti ins leben rief. Dass quadrin-genli nicht 
etwa ein "^quudr^-gentl mit nom. acc. plur. neutr. als vorder- 
glied ersetzt hatte (vgl. quadrä-gintü), wird sich weiter unten 
ergeben. 

Endlich widerspricht auch das neutrum du-centum, da 
dessen erster theil ohne zweifei Stammform war und niemand 
sein du- von dem in du-centt enthaltenen trennen wird. 

Dies ducentum in Verbindung mit den gleichartigen neu- 
tra trecentum quadringentum u. s. f. weist uns auf den richtigen 
weg zur erklärung der hunderter im lateinischen. Diese sin- 
gularischen substantiva wurden, wie Neue Formenlehre^ II 155 



1) Auf der Nikareta-inschrift Collitz' Samml. n. 488, C. xq£-, nicht 
TQa- hat der stein, wie unlängst Dr. Joh. Baunack durch autopsie fest- 
stellte. Meister bringt das wort mit recht mit zQine'Qav ' rrjv TQÜnt- 
'Qav. BoKOTOL bei Hesych in Verbindung und vermuthet ansprechend in 
den von Hephaestus gefertigten tgiitoöeq S 373 ff. dreifüssige tischchen. 



zeigt, besonders in gewicht- und geldangaben verwendet und 
bedeuteten collectiv eine 'zweihundertschaft', 'dreihundert- 
Schaft' u. s. w., z. b. milia ducentum frumenti tollis medimnum 
Lucil., rettulU auri pondo mille octingentum septuaginta quin- 
que Varro, qui mimeri inier se multiplicati efficiunt mille du- 
centum et viginli quinque Colum. Sie waren nicht, wie Kühner 
Ausführl. gramm. der lat. spr. Y s. 420 mit hinweis 2,\ki sesier- 
tiuin annimmt, pluralische genitive, die zu singularischen 
neutra umgedeutet wurden, sondern aus der idg. urzeit über- 
kommene neutrale collectiva; bei den zahlen 200 bis 400 
war das erste glied des compositums die Stammform. Sie 
stellen sich den im indischen neben dm pate u. s. w. erschei- 
nenden dvi'^atä-ni tri-patä-m u. s. w. unmittelbar zur seite, 
und es wird sich zeigen, dass aus solchen collectiva auch die 
griechischen öiäycooioi u. s. w. hervorgegangen waren, du- 
in du-centum war neubildung für *dui- nach dem muster von 
*quadru-centum^ gleichwie du -plus du-plex (umbr; du-pla 
'duplas') durch quadru-plu-s quadru-'plex hervorgerufen worden 
waren, s. verf. Grundriss II s. 59. quingento- aus *qulnqu{ey 
centO'y ähnlich wie qiiindecim aus *quinqu{e)deci7n, sescento- 
aus *secs-cento- wie misceo aus *mic-sceö (Stolz Lat. gr.^ s. 306) 
und, mit Wiedereinführung der form sex, sex-cento- (ähnlich 
ahd. sehs-zug für und neben sehzug '60'). 

Dass unsere lat. substantiva die fortsetzung urindoger- 
manischer stammcomposita bildeten, dafür darf vielleicht 
auch das g von -gentum geltend gemacht werden. Nach 
Thurneysen Kuhn's zeitschr. XXVI 312 f. wäre das g aller- 
dings erst auf italischem boden, in septingenti und nongenß, 
wo einst -ü- zwischen nasalen gestanden hatte {*sept^ Üriitü, 
*neun (cmtu), lautgesetzlich entsprungen; entsprechend sollen 
die für septuägesimu-s nönügesimu-s vorausgesetzten *septin- 
gensumu-s *nöngensumU'S erst im italischen lautgesetzlich zu 



— 6 — 

-g- gekommen sein. Bedeükt man aber, dass auch das z 
des albanesischen -zet 'anzahl von 20'' {ne-zet ""eine zwanzig- 
heit^ dü'zet *^zwei zwanzigheiten' u. s. w.) auf die media g 
weist (G. Meyer Abhandl. zu M. Hertz' 70. geburtstag, 1888 
s. 90 f.), so ist wahrscheinlich, dass jenes lat. g schon in 
uridg. zeit im in laut in der nähe von nasalen, nach einem 
noch näher zu umgrenzenden lautgesetz, entstanden war. Dann 
wären aber der ursprüngliche sitz der media -g- in den hunder- 
terbenennungen eben jene neutralen composita auf -gentum 
gewesen ; denn hier, z. b. in * septmUiiitö-m, hatte ü schon in 
der zeit der idg. Urgemeinschaft im inlaut gestanden, im gegen- 
satz zu ^seplTii ümtä = ai. sapta gatüni. Zuversichtlicher dürfte 
man so urtheilen, wenn nicht die möglichkeit bliebe, das -g- in 
den hundertern als aus den zehnerbenennungen (z. b. septuü- 
gesimus nönägesirrms) herübergekommen zu betrachten. 

Wie kamen nun die Römer zu den adjectivischen du- 
cenü irecenti u. s. w.? Man könnte daran denken, neben 
ducentum, trecenlum hätten *dvoi centoi, *triä centü gestanden, 
durch formvermischuDg sei *ducentoi entsprungen und diese 
dualische form, zum plural umgedeutet, habe trecenti u. s. w. 
hervorgerufen. Aber einfacher und natürlicher ist jedenfalls 
die annähme, dass man zunächst den abhängigen gen. plur. 
durch assimilation in den dem ducentum zukommenden casus 
verwandelte, und dass man weiterhin das zahlwort sich im 
genus, numerus und casus nach dem Substantiv richten Hess. 
Jene mittelstufe ist thatsächlich vertreten durch eine pompe- 
janische wandinschrift, C. I. L. IV 1136: in praedis luiiae Sp, 
f. Felicis locantur balneum Venerium et nongentum tabernae 
pergulae cenacula. Und der Übergang zum frei flectierten 
adjectiv ducenti wird beleuchtet durch Plinius XXXIII 2 § 3 1 : 
Decuriae quoque ipsae pluribus discretae nominlbus fuere, 
tribunorum aeris et selectorum et iudicum. Praeter hos etiam- 



— 7 — 

niim nongenli vocabantur, ex omnihns electi ad custodias suf- 
fragiorum cistas in comüiis. Et divisus hie quoqiie ordo erat 
supei^ba usvrpatione nominumy cum alius se nongentum, 
alias selectum, alius tribunum appellaret, d. h/indem der 
eine sich einen zur neunhundertschaft gehörigen nannte\ 
Zwischen nöngentu-m n. Mie neunhundertschaft' nemlich und 
diesem nöngentu-s ''zur neunh. gehörig' bestand dasselbe 
verhältniss wie zwischen ^razez-m *^dreiweg ' und tri-viu-s 2i^]. 
*^ drei wegig', gr. red^Qi7t7to-v Viergespann' und Ted^QLJtTto-g 
adj. Vierspännig', ai. tri-rMrä-m 'trinoctium' und tri-rüträ-s 
'drei nachte (tage) dauernd'. Der Übergang zu ducentl ward 
demnach durch die den dvigucomposita ohne weiteres zu- 
stehende adjectivnatur, wenn nicht allererst angeregt, so doch 
wesentlich erleichtert. Und so erklärt sich zugleich, warum 
man zwar von ducentu-m zu ducentl^ aber nicht von centu-m 
zu einem adj ecti vischen plur. *centi fortschritt. 

Gestützt wird unsere auffassung von ducentl , wie wir 
unten sehen werden, durch das homerische Seycaxedot avegeg^ 
durch die griechischen Zahlwörter auf -y^ooioi^ durch den Über- 
gang von pahcäpatä vänünü?n 'mit einer fünfzigzahl von pfeilen 
über paiicüpatä vünäisk zu pancUfadbhir vünäish im altindi- 
schen und durch das avestische prisatanam bawrinam 'tri- 
ginta fibrorum'. 



Wir kommen zum griechischen ausdruck für die hunderter. 
Was zunächst das verhältniss des ion. att. -■/.ooioi zu dor. 
böot. -/«T^oi arkad. -aolöloi anlangt, so ist klar, dass o auf 
analogischer neuerung beruhte. Von -Kovra wurden zunächst, 
und zwar wohl bereits im urgriechischen, die zugehörigen 
Ordnungszahlen auf *-'AaGTo-g == idg. *k?^it+to- (vgl. ai. tj^im^at- 
tamd'S lat. tricesimu-s) beeinflusst, indem man entweder über 



*-'Aovaro-g (vgl. av. visqstema- ""208161^ nach einem aus prisqs 
''SO^ zu entnehmenden *prisqstema- , dieses aber für "^pinsas- 
tema-) zu --/.ooto-g gelangte (verf. Curtius' stud. IV 76 f. Griech. 
gramm.^ s. 69) oder allein das o von -yiovca auf ^-yiaoTo-g 
übertrug. Weiter verbreitete sich dann das o einerseits rück- 
wärts auf 20 und 10: ion. att. eiKoaro-g (böot. j^iKaazo-g) e%- 
xoot (böot. dor. ^Uart, dor. seUaTL)^ arkad. ömoro-g öi6-Ö€xo^) 
(att ösKaro-g, de-aa)] anderseits vorwärts auf 100 und die 
hekatontaden : arkad. exoTov-ßoia und ion. att. -y.oolol. 

Auf stamm als vorderglied weisen mit entschiedenheit hin 
dmxoGioL ion. öirjKoowt und TeTgaKoocot] jenes ist, wie längst 
erkannt ist, nur begreiflich als eine Umbildung von *dL-yi6oioL 
nach dem muster von iQiä-y.ooiOi ion. TQirj/,60101. Auch 
TtevTa-yLoaioi i§a-y,6aioi STtTa-yiöaiot eva-y,6oioi lassen echte 
composition vermuten, denn sie stellen sich den compp. wie 
7i€VTd-7trjxv-g, i^a-TColtg, OYxä-Tiovg u. dgl. zur seite: das -a- 
in der compositionsfuge war von rerga- STtra- ha- auf die 
500, 600, 800 übergegangen. Hiernach haben wir anzunehmen, 
dass auch im griech. einst jene neutralcoUectiva, *di-y.aTo-v 
*TQL-xaTo-v u. s. w., bestanden. 

Während nun im lateinischen diese substantivischen com- 
posita unmittelbar auch adjectivisch verwendet wurden, ge- 
schah die adjectivierung im griechischen mittels des suffixes 
-/ö-, so dass sich der lat. ausdruck zum griechischen ver- 
hielt wie 6(.w-7tdTWQ zu ofiOTtaTQ-io-g, Ttav-rjfiSQO-g zu Jtav- 
rj(xiQ-io-g, öey^d-f^rjvo-g zu ai. cldgamüs-iya-Sf lat. celeri-pes 
zu acuped-iu-s u. dgl., s. verf. Grundriss II s. 119 flf. Neben 
*TEi;Qa-'aaro-v ""die vierhundertheit, vierhundertschaft' stellte 
sich rerQaadT-iO' Vierhundertheitlich, aus einer vierhundert- 



1) Auf der neu gefundenen Inschrift Bullet, de corresp. hellen. IV 
(1889) p. 281. 



— 9 — 

heit bestehend, eine v. ausmachend'. In derselben weise 
hatten die Inder -gat-ya-^ wie in shashtrirncacchatya-s *^aus 
136 bestehend'. Am reinsten tritt diese bedeutung der ad- 
jectiva auf -yiar-to- in ihrer Verbindung mit singularischen 
collectivbegriffen hervor, wie Thuk. 1 62 ttjv öccöcoolav Ytctcov 
'die aus einer zweihundertheit bestehende reiterei', Xenoph. 
Kyr. IV 6, 2 aal %7C7tov e^co diOxiXLav rgiazoolav, Anab. I 7, 
10 aoiclg f,iVQLa xal T€TQa7,ooia. Mehr verblasst war sie dann 
in avÖQsg TSTQaKooioiy eigentlich "^männer, die (zusammen) 
eine vierhundertschaft bilden , und durch diese bezeichnungs- 
weise wurde das alte *avdQcov TSTtaQa (€)xofTa bereits in 
urgriechischer zeit verdrängt. Auf die letztere ausdrucks- 
weise scheint nur noch das TQiä- in TQtä-xoGioi, hinzuweisen, 
indem die annähme nahe liegt, es sei durch contamination 
des neutr. pl. *TQiä xarcc und des adjectivs *TQiKaT-w- zu 
Stande gekommen. Indessen gehen wir hier keineswegs 
sicher. Denn so gut das homer. TcevTrimoLOi eine neubildung 
nach TtevTtjxovTa war, kann auch TQiäKoGLOL für *tqik6gioi 
eingetreten sein nach dem muster von rQia-novra, das von 
anfang an ein neutr. pl. als erstes glied besass. 

Zur erläuterung des -Kario- kann der ausdruck für 1000 
dienen. Aus dem ai. sa-häsra-m 'ein tausend'') und aus 
lesb. xk.XXioi dor. xiqhoi ion. xsLIlol ist ein idg. coUectivum 
*gheslo' 'das tausend' zu entnehmen; att. %^Ato^ hatte nach 
der Thurneysen'schen hypothese (Kuhn's zeitschr. XXX 353) 
ein *ghzlö- als grundlage. Schon in idg. urzeit entstand nun 
ein adjectivum "^ghesl-iio- {^ghzl'iio') ' tausendheitlich , aus 
einer tausendheit bestehend'. Daher ai. sahasriya-: Rigv. 
VII 56, 14 sahasriyam ddmyam bhägäm etdm gr harne dhiy am 

1) Vgl. ahd. ein hu?it, alban. na feint und das gr. h-xarov, das 
wahrscheinlich auf grund eines älteren nebeneinanders von *a.-xaT6v 
und *6V xaxöv (vgl. ai. dvii^mtä-m und dve ^ate) entsprungen war. 



— 10 — 

marutö yushadhvam ^diesen euren, eine tausendheit betra- 
genden (tausendfachen) antheil am hausgut, am opfer des 
hauses lasst euch, Maruts, gefallen', I 168, 2 sahasriy^sö aptim 
normdyö {nd ürmäyö) *^ gleichwie zu tausenden auftretende 
(tausendfache) wasserwogen'. Ferner gr. ylho- zunächst mit 
singularischen coUectiva, wie Herod. V 63 QeöoaXol de orpi 
öeo(.dvoLöL ciTteTtefxipav KOivfj yvw^r) xQe6[.ievoi xi^Xirjv hcuov 
*^eine eine tausendheit ausmachende reiterei', Xen. Kyr. IV 6, 2 
%7t7tov öioxiUav rergaycoolav, dann aber auch ///<ot avÖQeg, 
eigentlich 'männer, die (zusammen) eine tausendheit bilden'. 

Daneben findet sich oggov t^ evveaxeUot ejtiaxov rj de- 
'/.äxeiXoi av€Q€g ev rcoXe^ui) sgiöa ^vvayovreg aqijog bei Homer 
E 860 !B 148 0- Es bestand also ein Ivveaxeilo-j das als com- 
positum ohne weiteres adjectivisch gebraucht werden konnte 
gleichwie av. pou?m-kaza7?ra' Viele tausende ausmachend' 
lat. ducenti^ und dessen neutrum * evveaxeUo-v 'die neun- 
tausendschaft' den ai. sn-häsra-m dvi-sahasra-m dvi-^mtä-ni 
u. s. w. entsprechen würde. 

Da ai. gatya- nur in der späteren literatur auftritt, so 
liegt der gedanke nahe, gr. -ymt-lo- sei erst auf griechischem 
boden in anlehnung an ;f£d-^o- x^^'^o- aufgekommen. Wahr- 
scheinlich war aber doch auch bei der hundertzahl die ad- 
jectivbildung mittels -/o- altüberkommen. Zunächst spricht 
hierfür das bereits vedische (^atin- *^eine hundertheit aus- 
machend, hundertfach' (entsprechend im ved. auch sahasrm-)^ 
da 'in- auf erweiterung von -ip- mittels -en- beruhte (vgl. 
verf. Grundriss II s. 335 f., Streitberg in Paul-Braune's beitr. 
XIV 203 ff.). Ferner auch das germanisch-baltischslavische 
wort für 1000. Gestützt auf salfränk. thüs-chunde thius-chunde 



1) -x^iXoL war die lesart Aristarch's, -yiloL die des Aristophanes. 
Auch Hesych hat öexaxeiXoL' ösxaxiaxt^ioi. 



I 



11 



aisl. püS'hundraä und westgot. thju-phadus ^'chiliarch^ (vgl. 
bei Vulfila pnsundi-^fafis), hat man längst vermuthet, dass got. 
püsimdi f. und n. {tva püsundja ^2000'), ahd. düsunt f. und n., 
aksl. tysesta tysqsta f. (aus ^-ent-ijA *-ont'iä)^ preuss. tüsimto-ns 
(acc. pl.}, lit. tükstanti-s gen. -czio lett. iükstut-s ursprünglich 
'vielhundertheit^ bedeuteten und zum ersten bestandtheil ein 
mit ai. iuvi- ''viel, mächtig' verwandtes adjectiv hatten. S. 
Scherer Z. gesch. d. deutsch, spr.^ 589 ff. Aksl. -sssta ent- 
hielte das ^siiOj das als lautgesetzliche Fortsetzung von idg. 
*a??itö-m zu erwarten ist^); -sqsta wäre wohl neubildung, da für 
ein idg. *fcomtom neben *k?/Uö-m ""lOO' sonst kein anhält ge- 
geben ist. Ganz sicher hat eine Umbildung das lit.- lett. wort 
erfahren (man übersehe nicht das w, für das, wie im preussi- 
schen, m zu erwarten war): es sieht aus wie ein part. des 
lett. präsens tukstu ""seh welle'. Ist diese sehr ansprechende 
deutung des wortes tausend richtig, so haben wir auch hier 
unser suffix -io-] das mit diesem gebildete adjectivum erfuhr 
Substantivierung. Mit preuss. tUsimto-ns^) aber vergleichen 
sich lat. dU'Centi av. jfouru-hazanra- gr. evvea-xsilou 



Die benenhung der zahlen von 100 bis 900 in allen idg. 
sprachen (ausser dem armenischen, s. s. 3 fussnote 1) beruht 
auf dem neutrum *d/if^itö-m. Dieses bedeutete ursprünglich 
''auzahl von 10' und hat sich mit dieser bedeutung, wenn 
ich recht sehe, in die germanische Sonderentwicklung hinein 
erhalten. 



1) süio halte ich für ein lehnwort. S. Techmer's Intern, zeitschr. 1 251 . 

2) Enchir. 11 : adder steimans, quai mien tnile bhe maians pallaip- 
Sans läiku, segge as labban en tüsimtons streipstoos {slreipstoos wohl 
druckfehler) 'aber denen, so mich lieben und meine geböte halten, thue 
ich wohl in tausend glied'. 



— 12 — 

Viel behandelt sind die altgermanischen ausdrücke für 
die zahlen 70, 80, 90, 100: got. sibunt^hund ahtäutehund nhinte- 
hund taihuntehund^ as. antsibunta antahtoda, ags. hundseofontig 
hundeaktatig hundnigontig hundteöntig , ahd. sibujizo ahtozo 
zehanzo. Nur über die zwei punkte ist man einig, dass as. 
ant- eine durch formassociation bewirkte Umgestaltung von 
hiind- war, und dass, wie im ahd. die vom 9. jahrh. an 
(Bened., Tat., Otfr.) auftretenden sibunzug ahtoziig niunzug 
zehanzug Umbildungen der älteren formen auf -zo nach der 
analogie von zweinzug u. s. w. waren, so auch die ags. formen 
im ausgang an twen-tiz u. s. w. angelehnt, also etwa aus 
^hundseofonta u. s. w. umgeformt waren. 

Bopp (Vergl. gramm. IP 86 f.) analysierte sibun-tehund 
und erklärte tehunda- für eine nebenform der Ordinalzahl tai- 
hundan-. Viele haben sich ihm in dieser wortzerlegung ange- 
schlossen, haben aber angemessener den zweiten theil für 
eine alte coUectivbildung mit dem sinn *^zehnheit' erklärt. 
Man müsste sich ein altes neutrum ^diki^to-m als nebenform 
von "^dekjrit- f. und ^deüriiti' f. denken, und sibuntehmid wäre 
ein compositum von der art des ai. dvi-gatd-m und des lat. 
dii-centu-rn. Gegen diese theorie spricht zweierlei. Erstlich 
ist ein ^deitrjßo-m^ das nach art der arischen vriddhi-ablei- 
tungen gebildet sein müsste (vgl. verf. Grundriss II s. 106 f. 
264)^), nirgends sonst, auch nicht in den neben dem gotischen 
stehenden germanischen sprachen, nachweisbar, und an eine 
associative Umgestaltung von *taihunda- in tehunda-^ etwa 
durch einfluss von ^tegu-iia- (got. t^evi *" Ordnung, anzahl von 
50'), wird doch niemand glauben wollen ; taihuntaihund war 
kaum mehr als Schreibfehler, und zeigt, dass man die wesen- 



1) So wurde im altindischen z. b. neben dagataya- in jüngerer zeit 
ein däi^ataya- gestellt. 



— 13 - 

heit dieser zahlwortbildungen nicht mehr empfand. Zweitens 
kommen wir bei dieser auffassung von sibuntehund zu keiner 
erklärung der westgermanischen formen, die von den goti- 
schen schlechterdings nicht getrennt werden können. Dass 
die erste silbe von tehund dort einfach abgefallen sei, wäre 
eine überkühne annähme. 

Durch Holtzmann (Germania I 217) kam die ansieht auf, 
dass sibuiite-hund zu th eilen sei. Der erste theil sei die 
Ordinalzahl, die irgend eine Störung erlitten habe, der zweite 
gehöre zu ai. -Qat- gr. -y.ovTa lat. -gintü *^decas', und der sinn 
des ganzen sei ""die siebente zehn' gewesen. Da es weder 
Holtzmann noch einem von denen, die sich ihm anschlössen, 
gelang, jene Störung nachzuweisen, so hat diese hypothese 
keinen boden unter sich. 

Scherer's erklärung sibun te hund ""die zehn bei, auf sieben, 
d. h. die zehn an siebenter stelle' (Zur gesch. d. deutsch, spr.^ 
589) braucht nicht widerlegt zu werden. 

Es wundert mich, dass noch niemand in got. taihunte- 
ahd. zehanzo pluralische genitive vermuthet hat. In der 

fcthat sind sie das, wenn ich nicht ganz irre, und entsprechen 

■genau dem griech. dev-äötov. 

P Das ö der griechischen zahlcollectiva auf -aö- {ÖByictö- 
= ai. dagät' lit. deszimt- aksl. deset-) kann, wie ich schon 
Grundriss I s. 202 fussnote 1 und s. 348 zu bemerken ge- 
legenheit hatte, für ein uridg. -d- gehalten und zu jenen 
nicht seltenen, noch immer räthselhaften, aber thatsächlich 
feststehenden fällen eines uridg. wechseis von tenuis und 
media gerechnet werden. Dieses idg. -d- dürfen wir somit 
auch im germanischen erwarten. Got. taihunte-hund war also 
de7,adiov de/ag , sibunfe^hund "^eTVTaöwv Ö€Kag\ dagegen as. 
ant-sibunta ags. *hund'Seofonta waren '^dexag hTtTaöcov\ und 
im ahd. Hess man unter dem druck der voraufgehenden zehner 



II 



— 14 — 

den ausdriick für 'öeKag' ganz fallen, umgekehrt wie man 
anderwärts, z. B. bei idg, */im(ö-m 'lOO' und bei ai. shashti-sh 
'60^ das wort für 'dBY.aöwv^ unterdrückte. 

Die Stämme got. sibunt- niunt- taihiint- waren aus vorger- 
manischer zeit überkommene collectiva. Dagegen haben wir 
bei der achtzahl neubildung; denn aus idg. urzeit war hier 
eine -t'^-d-) bildung nicht ererbt. Auffallend ist nun as. ant- 
alitoda mit d neben got. ahtäute-hund ahd. ahtozo. Handelte 
es sich nicht gerade um die acht, so könnte man an jenen 
idg. Wechsel zwischen media und tenuis anknüpfen. So bleibt 
wohl nichts andres übrig als anlehnung an die Ordnungszahl 
ahtodo anzunehmen (vgl. Scherer a. o. s. 588); mnd. tachten- 
tich (neben tachtendich) und. tachtentig bekam sein -/- natürlich 
erst infolge des einlenkens in den ausgang der zahlen 20 bis 60. 

Bei unserer auffassung wird nun auch klar, warum diese 
bildung der zehner nur bei 70 bis 100 erscheint. Nur bei 
7, 9, 10 hatte man solche mit -/- {-d-) gebildete collectiva 
(vgl. gr. eTtrdg evvedg öexdg ^i. dapät- u. s. w.) '), denen einst 

l) Im griechischen wucherte -ac weiter: fxovdg kvag, övdg, XQidq, 
rexQag, k^dg, eßöofxdg (vgl. sßöo/utjxowa) , oxzdg oyöodg (oySorjxovra), 
TSTTagccxovtäg, exaxovxdg u. s. w. J. Schmidt Pluralbild. 295 sagt: „Dem 
griech. xQidg entspricht trietis. Gleich gebildet sind quoti-ens, toti-ens 
die wievielheit, sovielheit, welche zu adverbien erstarrten. Von ihnen 
wucherte das i auf alle gleichartigen formen weiter, so dass überall 
-iens griechischem -dg gegenübersteht : quinqtdens, sexiens, septiens, de- 
ciens = nsfjLTtdg, k^dg, knxdg, öexdg''. Der gleichsetzung von t ri ms ^ dritieV 
mit TQidg 'dreiheit' habe ich schon Grundriss II s. 368 widersprochen 
mit rücksicht auf Schmidt Kuhn's zeitschr. XXV 137 und muss es auch 
jetzt wieder thun. Die bedeutung ist eine zu verschiedene. Während 
xQidg, das von ÖFxdg u. s. w. nicht getrennt werden kann, ins urindo- 
germanische übersetzt ein *triimts wäre, gehörte trieiis zu quadräns und 
enthielt wie dieses ein /i^suffix. und quotiens quinquiens u. s. w. stelle 
ich immer noch mit Pott (Die quin, und vig. zählm. 157) zu ai. kiyanl- 
und iyant-\ vgl. auch Stolz Lat. gr.^ s. 351 f. 



— 15 — 

formen mit -ti- zur seile standen (ai. saptati-sh aisl. sjaimd] 
ai. navatish aisl. nmnd aksl. devetX-^ ai. dagati-sh aisl. tiund 
lit. deszimti-s aksl. desiti)^ während für 5 und 6 nur f2-formen 
bestanden hatten (vgl. ai. pankti-sh aisl. ^w^ aksl. peti-^ ai. 
shashti-sh aisl. ^e^^ aksl. ^e^^O- Dadurch war eine formale 
isolierung jener ^ stamme herbeigeführt gegenüber den voraus- 
gehenden zahlen. Die zwischen 7 und 9 stehende zahl aber, 
deren idg. collectivbildung in dem ai. afiti-sh vorzuliegen 
scheint, musste sich der weise der nächstumgebenden zahlen 
fügen. 

hund 'decas', das im westgermanischen vor den gen. pl. 
gestellt war, war hier bereits in vorhistorischer zeit indecli- 
nabel geworden. Im gotischen erscheint -hiind meist ebenfalls 
flexionslos, wie Luc. 2, 37 söh pan viduvö jere ahtäutehund 
jah ßdvdr xal avr^ X^Q^ Inov oydorjKOvra TeooccQtov. Ein- 
mal erscheint noch der gen. auf -w, Luc. 15, 7 qipa izvis patei 
sva faheds vairpip in himina in äinis fravaürhtis idreigöndins 
päu in ninntehundis jah niurie garaihiäize päiei ni paürbvn 
idreigös Xiyu) vfilv otl ovTtog xagct eotai ev rcp ovQavcp STtl evl 
VjtiiiiiaQTOjhii ^sravoovvTL r/ eTtl evevrjKovra evvea Sixaloig ktL 
I Wollten wir nun, Holtzmann folgend, unser hund mit dem 
pkus ai. -fö^ giech. -xar- -ycovr- u. s. w. zu folgernden und 
unten genauer zu betrachtenden stamme *l€fnt- */eomt- 'decas', 
der von idg. urzeit her in der bildung der zahlen 20 bis 90 
heimisch war, identificieren , so würden formale Schwierig- 
keiten nicht entstehen, man hätte nur ein einlenken in die 
ö- declination in der urgermanischen periode zu statuieren. 
Aber es ergäbe sich auf diesem wege keine befriedigende 
antwort auf die frage, wie man dazu kam, von der zähl- 
weise 2 zehner, 3 zehner ... 6 zehner überzuspringen zu 
der zähl weise 10 siebener, 10 achter, 10 neuner. Dieses räthsel 
löst sich, wenn wir unser hundj worauf ja auch die form als 



— 16 — 

ö- stamm unmittelbar weist, als das idg. '^kmtd-m ^dfxag 
ö^^äbiav ansehen, es also identificieren mit dem in got, tva 
hiinda vorliegenden substantivum. Wie im altindischen shash- 
ti-shy das gewöhnlich 's^ag 6ey,aöwvj sechzig' bedeutete, und 
im avestischen navaiti-sh '^evveag öeycdöcov, neunzig' sich auch 
noch in dem allgemeineren sinne von s^ag und svveag er- 
halten hatten (s. Joh. Schmidt Pluralbild. 294), so konnte 
^üiTitö-m in dem Zeitpunkt, als die idg. ureinheit sich auf- 
löste, neben der specialisierten bedeutung 'öezag dexadcov' 
auch noch die allgemeinere bedeutung bewahrt haben. Ja 
es steht nichts im wege, unser taihunte-hund geradezu noch 
als den ausdruck zu nehmen, aus dem das idg. ^kmto-m 'lOO' 
elliptisch verkürzt worden war ; das germanische hätte dann 
allein von den idg. sprachen diese ursprünglichere ausdrucks- 
weise neben der abgekürzten in sein sonderleben herüber- 
gebracht. Dass man nach diesem taihunte-hund dann auch 
sihunte-hund niunte-hund bildete, denen sich in jüngerer zeit 
ein gleichartiger ausdruck für 80 anschloss, hat nichts auf- 
fallendes. Dafür, dass taihunte-hund die älteste bildung dieser 
art war, lässt sich auch der umstand geltend machen, dass 
*deJiint- zugleich im ar., griech., german. und baltisch - slav. 
erscheint, während sich ^septr^it- und *neunt- nur im griech. 
und german. zeigen, also wohl erst nach *dek^t- neu ge- 
schaffen worden waren. 

Dass die zählweise bei 70 bis 90 überhaupt eine andere 
gewesen sein soll als bei den vorausgehenden zehnern, daran 
wird nicht anstoss nehmen, wer an ausdrücke denkt wie ai. 
try-una-shashii-sh ^bl^ ekönavimgati-sh und ü?iavim(;ati-sh'^ 19\ 
gr. evog deovra el^oatv errj *^19 Jahre', lat. duo-de-trlgmtä 
ün-de-vlgi?iit j ags. twä Ices twentiz *^18', hd. dial. zwai-min- 
dreisich ains-mm-zwainzich. Mit diesen haben die unsrigen 
auch insofern besondere ähnlichkeit, als in derselben weise. 



\ 



— 17 — 

wie dort die zehner 20, 30 u. s. w. den ausdruck für die 
nächstvorhergehenden einer bestimmte, hier die benennung 
der zahl 100 für die nächstvorhergehenden zehner mass- 
gebend wurde. 

Hiernach dürfte unsere auffassung von siburitehiind u. s. w. 
hinlänglich gerechtfertigt erscheinen. Die geschichte der 
germanischen benennung der vorausgehenden zehner 20 bis 
60 wird uns erst in § 17 und 18 beschäftigen, und wir werden 
dort auch auf die frage einzugehen haben, in welchem chro- 
nologischen Verhältnisse die in der historischen periode der 
germanischen entwicklung entgegentretenden ausdrücke für 
20 bis 60 zu unsern sibunte-hund u. s. w. stehen. 

Wir wenden uns jetzt zu der decadenbezeichnungsweise 
der idg. sprachen, die durch formen wie ai. trm-gdl- und 
gr. TQLä-xovra vertreten ist. 

6. 
Wie s. 2 bemerkt worden ist, war der in den decaden- 
ausd rücken auftretende stamm *icomt- ^ü/iit- aus HHomt- 
"^dkint hervorgegangen und hatte die bedeutung ''zehnheit, 
anzahl von zehn'. Dieser stamm wurde ursprünglich als 
neutrum im dual (bei 20) und plural (bei 30 bis 90) flectiert; 
die attributiv vorausgehenden einer, soweit sie nicht über- 
haupt von haus aus indeclinabilia waren (5 bis 9), hatten das 
gleiche genus und den gleichen numerus und casus wie das 
wort für decade. Aber in keiner spräche treffen wir diese 
bezeichnung für die zehner mehr als declinierbare formen 
an, überall erscheint der nom.-acc. erstarrt^). Sicher hatte 
sich dieser erstarrungsprocess bei den vorausstehenden einer- 

1) Im griechischen hie und da auftretende casusformen, wie rea- 
asQaxovTiov, xQirjxovTsaaiv (G. Meyer Gr. gr.^ s. 376 ff.), waren junge neu- 
schöpfungen, so gut wie ne/uncov und dexcav für nevre und ddxa. 
Oöthoff u. Brugmann untersuch. V. 2 



- 18 - 

zahlen unter gewissen Verhältnissen bereits in der periode 
der Urgemeinschaft vollzogen. Das zeigt unter anderm der 
umstand, dass man schon damals in der zahl 50 ein ^peidqe 
(ai. paiicä-f^dt- gr. 7cevTrj-K0VTa) als neubilduug für *pe7?qe 
einführte. Ob auch *£?nti und "^üomia schon vor der auf- 
lösung der Urgemeinschaft iudeclinabel geworden waren, ist 
nicht zu entscheiden; jedenfalls wurde aber *komta bis ins 
einzelsprachliche leben hinein als neutr. plur. empfunden. 
So haben wir: 

gr. dor. böot. sl-xan att. elL-y.ooi; rgia-Kovra; dor. ion. 
T€TQüj-xovTa att. TezTaQa-y.ovTa; TtevTiq-Y.ovTa; k^rj-v.ovTa; 
eßdo(-iri-y,ovTa; oydori-Y.ovTa hom. oydiü-y.ovTa ; ev€vi]-y.ovTa 
hom. Ivvrj-y.ovTa ötäisch h'i]-y.ovTa; 

lat. vi-ginii; tn-gifUä; quadrä-ginlä; quinquä-giniä ; sexä- 
gintä; septuä-gintä ; octo-ginlä vulgärlat. ocliiä-gintä; 7wnä- 
gintä ; 

armen. /fsa?i '20' aus *fesantz; -sun aus *-sonta in den 
folgenden: eresun; Uar-a-sim; yi-sun; vat-sun\ evt^an-a-sun; 
ut-sun; inn-sun^); 

av. v'tsait?"2(f ] entsprechend gab es auch im urindischen 
einen indeclinablen dual *vimpat?\ derselbe wurde nach dem 
Vorbild von sliashii-sh *^60' saptati-sh *70' u. s. f. schon in vor- 
historischer zeit in ein singularabstractum vimpati-sh ver- 
wandelt. 

Auf grund dieser ausdrücke schuf man nun, noch in der 



1) Dass ich diese armen. Zahlwörter hierher und nicht zu den unten 
zu besprechenden singularischen collectivbildungen stelle, stützt sich da- 
rauf, dass man ihre singularische flexion für die ursprüngliche zu halten 
— nach Hübschmann's brieflicher mittheilung — kein recht hat. Im 
altarmenischen sind pluralformen belegt: gen. Jisan-ic eresn-ic. Sicher 
waren äsan und die Zahlwörter auf -sun einst indeclinabel gewesen (wie 
gr. -xaxL und -xovxa) und kamen später erst zu ihrer /-declination. 



- 19 — 

idg. Ursprache, composita weiblichen geschlechts als ab- 
stracta oder collectiva. Sie sind repräsentiert durch: 

ai. trim-gät- 'anzahl von 30', catmrim-cät- ^anzahl von 
40' , pancä-imt- *^anzahl von 50' ; av. pri-sas (erstarrter nom. 
sg., vgl. Ascoli Krit. stud. 100, Benfey Das idg. thema des 
Zahlworts 'zwei' ist du s. 25)^) und pri-sat-, capwar"-sat-, 
pancä-sat-; 

gr. böot. FLKag thess. hag att. eiY.ag; rgiäxag; 

air. ßche 'anzahl von 20' gen. ßcket dat. ßchit; tricha 
'anzahl von 30' gen. -chat dat. -chit; cethorcha 'anzahl von 
40'; cöica 'anzahl von 50' ; sesca *^anzahl von 60' ; sechtmo-ga 
-ijo 'anzahl von 70' ; ochtmo-ga *^anzahl von 80' ; nocha oder 
?iocha (mittelir.) *^anzahl von 90'. 

Ferner ordinalia mittels -io- und -t-riimo-, die alle von 
haus aus die schwache Stammform *-kmt- hatten: 

ai. trimgat-tamä-s , catvärimgat'tamd'S y pancägat-tamä-s, 
av. vmistema- (vgl. s. 8); 

gr. böot. ßr/MGTo-g att. eiy-ooTo-g; TQiäxooTO-g ; dor. te- 
TQCoy.oOTo-g att. zsTTagazoGTo-g; TtevTTjyioOTO-g ; e^rjKOOTO-g ; 
VKßdo/iir]y,oor6-g ; 6yöor]y.ooT6-g ; evevrixoGTo-g (zum -o- der vor- 
letzten Silbe s. s. 8); 

IP' lat. auf -cmsumu-s -cesumu-s -cesimu-s aus *-ce7issumo- : 
vicesimii-s v'igesimu-s; trlcesimu-s trigesimu-s ; quadrägesimti-s ; 
quinquägesmiu-s ; sexUgesimn-s; septuägesimii-s ; octögesimu-s; 
nönägesimu-s. 



I 



Kaum einem zweifei kann unterliegen, dass die collec- 
iva und ordinalia, die als erstes glied die zahlen 2 bis 4 



1) Ahnlich pcmcä(;ät krshnä ni vapah saltdsrä 50000 dunkle schleu- 
dertest du zu boden' Rigv. IV 16, 13, mit attraction von hrsknä- an 
sahäsra, wie lat. duo delecta milia mililum. 



- 20 — 

enthielten, sofort mit der erstarrten form des nom. acc. dual. 
(2) oder plur. (3 und 4) dieser einer ins leben traten, dass 
sie nicht etwa zuerst die Stammform der einer hatten 
(z. b. Hri-üomt- Hri-ümt' *^anzahl von 30' und Hrl-kint-^rto- 
'30ster') und später erst nach der analogie der alten cardi- 
nalausdrücke die casusform einführten. Die collectiva ver- 
gleichen sich also mit jüngeren Schöpfungen wie aisl. tvUeg-t 
*€tzag' priteg-t '^ TQta7.dg\ lit. dvideszimti-s " eh/Mg' (z. h. po 
dvideszimtes metu bei Bretken), das man aufgrund von *dv) 
deszimti "^20' schuf, gr. höeyiäg dtode^Aag, anderseits die ord- 
nungszahlwörter mit solchen wie ahd. zweinzugösto '20ste' 
dri!^ugösto '^30ste', aksl. düvadesetXnu *^20ster' tridesetmü 
*^30ster', gr. evömaTog öcoöexaTog. Erst durch das bedürfniss 
der ableitung wurden in unsern zahlwortbildungen die einer- 
formen mit dem zehnerausdruck zu einer unlösbaren einheit 
verschmolzen. Die zu gründe liegenden ausdrücke waren 
damals, als die collectiva und die ordinalia entstanden, nur 
erst auf dem wege zu compositioneller Vereinheitlichung. Das 
verhältniss des femininum *t?'i/comt- *trikiiit- und des ordinale 
*tfik7ritHo- * trikmt tmmo- zu *tri kointa mag also damals ähn- 
lich gewesen sein dem von aksl. düvades^tmü zu düva des et i^ 
von lat. quartadecumant zu quarta decuma, Sacravienses zu Sa- 
cra via, av. aspa-vira-jan- *^rosse und männer zu boden schla- 
gend' zu aspa vira (dualverbindung), vgl. verf. Grundriss II s. 5. 
Freilich nimmt neuerdings J. Schmidt Pluralbild. s. 296 
an, unsere femininen collectiva seien von anfang an aus dem 
stamme der einer und der decade zusammengesetzt ge- 
wesen. Er beruft sich auf av. pri-sas pri-sat-, capwar''-sat- 
und panca-sat- neben pancä-sat-. Aber von pri- wissen wir 
nicht, ob es nicht schlechte Schreibung statt prt- oder p?i- 
war, wovon noch s. 27 zu handeln sein wird, capivur^- 
braucht ebenfalls nicht Stammform gewesen zu sein, es war 



I 



21 



|r! 



höchst wahrscheinlich eine art nom. acc. pl. neutr., wie sich 
s. 30 herausstellen wird. Und panca-sat- kann aus der zeit 
ererbt gewesen sein, in der man für ^penqe üomta noch *penqe 
komtd hatte (vgl. auch armen, yi-sun und air. cöica). Indessen 
wir wollen einmal zugeben, es handle sich im avestischen 
wirklich um "^stammcomposita", so wären wir doch keines- 
wegs genöthigt, diese als alterthümlichste formationen anzu- 
sehen. Denn es liegen sichere fälle vor, in denen im arischen 
(wie auch anderwärts) in den zahlwortcomposita stamm- für 
casusform eindrang: av. pH-dasa-' IS ter' capru-dasa- ^14ter' 
ai. catur-dacä- *^14ter cätur-daga *^14' gegenüber ai. trayö- 
da(m- *^13ter' träyö-daga *^13^ dva-daga av. dva-dasa *^12\ 
Beweisen die av. Zahlwörter also keineswegs das, was sie 
nach J. Schmidt beweisen sollen, so fällt anderseits nach 
meiner Überzeugung schwer ins gewicht, dass, wenn wir es 
mit altüberkommenen stammcomposita zu thun hätten, wir 
erwarten müssten, sie zeigten nicht feminines, sondern neu- 
trales geschlecht. Denn nur neutrale substantivische dvigu 
sind bis jetzt als uridg. nachgewiesen. 

Wenn unsere zahlsubstantiva als feminina gebildet wur- 
den, so geschah das nach der analogie des nahe stehenden 
*dek/nt- ^zehnzahl' (ai. dapät- gr. da'Accg lit. deszimt- aksl. desel-}. 

8. 

Betrachten wir nun die abstufungs- und flexionsverhält- 
nisse des Stammes ko?nt- bei den cardinalia und collectiva. 
iii{?) knit-i '2 decaden' hatte als nom. acc. du. regel- 
ässig schwache Stammform: sd. virn-fati-sk (s. s. 18) av. 
vi'saiti, armen, fesan, gr. sl-Kari Fei-'AaTi, lat. vt-ginti. Diese 
ging auch in das collectivum über*): gr. j^Lxdg «txag, air. 
ßche (mcymr. uyeint com. ugans), 

1) Das im ai. in den jüngeren denkmälern auftretende subst. virngat- 



— 22 - 

Dagegen lautete der nom. acc. plur. *ieomt'9j Deben dem 
die schwachen casus einst */c??it- hatten, wie loc. *kjnt-siL 
Jener starke stamm erscheint in armen, -sun gr. --/.ovra und 
in av. pri-sas air. -cha -fja, der schwache in lat. -gutta und 
in ai. tn'm-pdt- av. pri-sat- u. s. w. gr. TQiä/Mg. Dass *kojfit- 
von */coml-j aus in die collectiva herübergenommen war, 
steht durch av. pri-sas und air. -cha fest. Dagegen muss 
für lat. 'fjintä u. s. w. dahin gestellt bleiben, ob und inwie- 
weit */c?7it- von formen wie loc. *k?nt-suj die ja einmal müssen 
existiert haben, übertragen war oder von den zugehörigen 
ordinalia und der zahl 20; niemand wird z. b. beweisen 
können, dass lat. -gintä nicht lediglich nach vi-ginli für 
*-co?itä (*-gontä) eingetreten war. 

Im griech. waren die Casusausgänge in -zar-t und y.ovr-a 
die lautgesetzlichen fortsetzungender grundsprachlichen. Denn 
an die theorie von J. Schmidt, dass der ausgang des nom. acc. 
plur. neutr. uridg. -i gewesen und demgemäss -'/.ovra für 
*-xovT-t eingetreten sei, vermag ich nicht zu glauben, s. den 
am schluss dieses aufsatzes folgenden excurs. 

Lat. -gint-n zeigt dieselbe Umbildung nach der weise 
des gleichen casus der 0- stamme, die auch sonst die con- 
sonantischen formen erfuhren (über die erhaltung der vocal- 
länge in -gintä gegenüber jnga, bona u. dgl. s. verf. Grund - 
riss I s. 504). Diese lat. formen sind insofern wichtig, als 
sie zeigen, dass noch auf italischem boden das gefühl dafür 
lebendig war, dass die zehnerzahlen '^tnconta = *tri kömto 
u. s. w. neutra plur. seien. Bei vlginti finde ich keine ent- 
scheidung dafür, ob sein auslautendes -i dehnung des idg. -/ 

betrachte ich als neubildung nach den Zahlwörtern 30 bis 50 tntn^dt- 
u. s. w., wie umgekehrt neben trimcäl- in jüngerer zeit auch ein trint- 
gati-sh aufkam nach dem vorbild von vim(^ati-sh. Anders J. Schmidt 
Pluralbild. 295. 



^ 



t 



— 23 - 

nach der analogie des -ä von Ingintä war (vgl. lit. devyn-l 
und septyn-i für *devin-\ und *septin-) nach asztü-ni)^ oder 
ob das ursprüngliche -/ durch den ausgang des nom. acc. du. 
neutr. der ö-stämme -ol oder -ei (verf. Gr. gr.^ s. 1 24) ersetzt 
wurde, wie Schulze Kuhn's zeitschr. XXVIII 277 glaubt. 
Käme das zahlwort auf umbrisch-samnitischem Sprachgebiet 
zum Vorschein, wäre die frage wahrscheinlich sofort gelöst. 

Die declinationsverhältnisse der femininischen coUectiva 
bedürfen nur weniger erläuterungen. 

Im av. wurde die accusativform -sat-em auch nomina- 
tivisch gebraucht, wohl mit rücksicht auf das neutrum satem 
'100', daher dann auch tibergang in die ö-declination: gen. 
pl. prisatanam und pcmcäsata-gäya- *^raum von 50 schritt' 
(J. Schmidt Pluralb. 295). 

Für pancäpatä vänänäni ""mit 50 pfeilen' sagte der Inder 
auch, mit Casusassimilation, pancäpatä vmßish und weiter, in- 
dem er das zahlwort wie ein adjectiv im numerus sich nach 
dem Substantiv richten Hess, pancägadbhir värßish; entspre- 
chend av. prisatanani haiimnani 'triginta tibrorum' ; dieselbe 
erscheinung im litauischen, wie loc. deszimtisa vi'estosu ^\n 
decem urbibus' (Bezzenberger Beitr. zur gesch. d. lit. spr. 178 f.). 
Dass diese ar. pluralbildungen unmittelbar an die uridg. plu- 
ralische ausdrucksweise, wie ^penqe komts *^5 decaden', anzu- 
knüpfen sei, ist durchaus unwahrscheinlich. 

Weiter zu den dem körnt- vorgestellten einem!' 

9. 

Erhebliche Schwierigkeiten bereitet die zahl 20. Dass 
das mit u anlautende element, ai. mm- av. «?-, gr. ßi- ßu- 
u. s. w., ein ausdruck für '2' war, kann keinem zweifei 
unterliegen, vgl. ai. dve (^ate aksl. dce süte '200' und was 
Delbrück Synt. forsch. IV 1 5 f. über den gebrauch des duals 



— 24 — 

im indogermanisclien bemerkt. Aber schwerlich war es aus 
'^'(hä- hervorgegaDgen ; denn ein besonderer anlass für den 
abfall des d- ist unauffindlich. Vielmehr stellt es ein von 
'*duö etymologisch verschiedenes wort für die zweizahl dar, 
wie es ja auch für die einzahl mindestens zwei wurzelhaft 
verschiedene Wörter in unsern sprachen seit uridg. zeit gab. 
Unser *m/- *^zwei' verbinde ich mit ai. vi ^auseinander', vi- 
tarä-m av. vJtaj'd-m *^ weiter', got. vipra *^gegen, wider', ai. 
vi-shu- z)2-ÄÄzja- *^nach beiden, nach verschiedenen Seiten', ge- 
bildet wie av. pri-lva- (vgl. Benfey Das idg. thema des Zahl- 
worts *^zwei' ist du s. 10). Gehen wir von *m- als stamm 
aus, so wäre *ui- von demselben ein regelmässiger nom. acc. 
du. Dieses * m- ist aber nirgends sicher bezeugt. Av. visaüi 
kann einen nasal verloren haben und dem ai. vimgali- gleich- 
gesetzt werden; von dem l des gr. i^Uari kennen wir die 
quantität nicht; lat. vJgintt {veigintiQ. I. L. I 1194, nach 105 
V. Chr.) kann ebenso gut auf *//ei- (vgl. seUarL srKooi) als auf 
*m- zurückgeführt werden; und das aus armen. /?*aw zu ent- 
nehmende *gsan (g- = n-, -s- = -k-, -an- = -m-) kann ebenso 
gut altes *gisan{ti) als altes *gisan{ti) gewesen sein. Air. ß-che 
zeigt *Mi-, und es liegt zwar nahe, zu sagen, es sei nach der 
analogie von tri-cha (s. u.) für *ß-che eingetreten, aber sicher 
ist das keineswegs. Unklar ist endlich auch der anlaut von 
altcymr. uceint com. ugans; Thurneysen Kuhn's zeitschr. 
XXVI 310 sagt: „Geht auch kymr. uceint auf *veicanti zu- 
rück, etwa durch *oicanti wie un von *omos f Zu vergleichen 
ist ucher = air. fescor gr. {y)€07t€Qog ^ welches eher auf 
*vecanti aus ^vicanti (air. fiche) hinweist". 

Fest stehen also nur *Me/- (j^eUaTi) und *ui7i- oder *täm- 
(ai. vim-pati-)j und daneben gab es *w«- oder *wz- oder beide 
zugleich. 

*?/2>2- oder *uim' wird man als altererbt betrachten müs- 



I 



25 — 



sen, so lange nicht einzusehen ist, wie der nasal erst auf 
arischem boden in die form hineinkommen konnte. 

Ablehnen muss ich sowohl den Benfey'schen erklärungs- 
versuch a. o. s. 27. 35, als auch den von Thurneysen a. o. 
s. 312. Benfey nimmt an, die ai. vimgatL- trimfdt- catvärim- 
i'üt- seien dadurch zu ihrem nasal gekommen, dass der nasal 
der vorauszusetzenden *-pö7?^/- *-fa?it- „durch eine art assimi- 
lation einen nasal in der vorhergehenden silbe erzeugte und 
dann verschwand, gewissermassen von seiner richtigen stelle 
sich in die vordere silbe flüchtete". Solche ad hoc con- 
struierte und sonst nirgends hervortretende lautgesetze auf- 
zustellen ist unstatthaft. Thurneysen bemerkt: „Das m in skr. 
vimgati irimgat und catvärimpat könnte unter einfluss der 
formen "^saptä-gat ['70'] ^navä-gat ['90'] entstanden sein 
{ä bezeichnet den zwischen urspr. 7i {in) und reinem a stehen- 
den nasalvocal), wenn wir berechtigt sind solche bildungen 
anzusetzen". Diese berechtigung bestreite ich nicht; es wird 
sich uns unten ergeben, dass die idg. ausdrücke für 70 und 
90 als einerformen wahrscheinlich '^septom- und '^nenen- ent- 
halten hatten, was der Thurneysen'scheu hypothese noch 
günstiger wäre. Aber vergeblich fragt man, warum der nasal 
gerade in jene ihrem lautlichen habitus nach doch beträcht- 
lich abstehenden und in der Zahlenreihe entfernt liegenden 
formen mit z-vocal eindrang, warum dann nicht wenigstens 
auch pancä-gät' in pancam-gät- oder pancäm-gät- verwan- 
delt wurde. 

Ich vermuthe in vim- ein casussuffix -m^). Es ist mög- 



1 ) Auf diesen Gedanken ist auch herr dr. K. Meringer gekommen, 
der mir am 1. juni d. j. schrieb: „Man findet vei-, vi-, vim- im ersten 
gliede der einzelsprachl. bezeichnungen des Zahlwortes zwanzig. Das 
sieht doch resten einer alten singularischen flexion eines Stammes vi- 
recht ähnlich?" 



- 26 — 

lieh, dass nach der analogie von '^dno-m ''zweiheit' (ai. dvan- 
(häm *^jedesmal zwei zusammen, paar', vgl. pürvas-pürvas 
*^der je frühere', armen, mi 7ni 'singuli' tasii tarn Meni') ein 
*ui-m gebildet wurde (vgl. ki-vi)^ das sich zuerst mit der 
Zehnerbenennung im gen. plur. verband (vgl. aksl. pet1 desetii 
= TtevTccg Ss'/MÖcor für 50) und später erstarrte und zum 
attributiven adjectiv wurde (vgl. lat. centum virt, centum virls). 
Auch wäre denkbar und vielleicht vorzuziehen, dass ein 
femininum "^ui-s 'zweiheit' bestand, dessen erstarrter acc. 
^iii-m gewesen wäre, vgl. die erstarrung der accusativform 
in lit. tr\s'deszimi{s) ketures-deszimt(s), der dativform in ahd. 
zwein-zug as. twen- tig == ^ot tvdim tigiim (J. Grimm Germania 
I 23, Sievers Ags. gramm.^ s. 151). Dass catvärirui^r'it- eine 
jüngere analogiebildung war, wird niemand bestreiten. Aber 
war auch trim-cät- erst nach vim-Qati- geschaffen? Nöthig 
ist diese annähme nicht, sondern *tri-m als 'abstractum' 
könnte ebenso alt sein als *in-?fi'). Es drängt sich aber hier 
noch ein anderer gedanke auf, der uns zugleich eine hand- 
habe zur deutung des *?/e( in ßei-y.arc gäbe. Da *tri' sich 
in *//'-/- zerlegt (vgl. *ter- */;•- in lesb. rig-ro-g, lat. tej^-tiu-s 
umbr. tev'li-m, ai. ir-üya-s^ preuss. tir-ti-s acc. lir-tie-n), so 
könnte man '^id- in *w-z- zerlegen und gewänne so anschluss an 
die Wurzel von av. u-yamna- *^mangelnd' ai. ü-nü- 'woran etwas 
fehlt' ahd. ic-an ""mangelhaft, fehlend' gr. ev-vi-g 'ermangelnd, 
beraubt' (vgl. Osthoff Morph, unters. IV 368), so dass man 
als ursprüngliche bedeutung dieser wurzel 'auseinandergehen, 
abgehen' anzusehen hätte. Und nimmt man nun neben *u-i- 



1) Das seltsame acymr. irimuceint '30' (Zeuss-Ebel Gr. C. p. 3 19 sq.), 
das an acymr. uceint '20', an air. sechtmo-ga '70' (dem ochlmo-ga '80 
nachgebildet wurde) und an air. celhor-cha (das aus * cetru-cont-s er- 
klärt werden kann, s. u.) gemahnt, sei hier wenigstens genannt. Viel- 
leicht weiss ein keltologe mit der form etwas anzufangen. 



I 



n 



- 27 — 

einen stamm *jf-o- an, so wäre *//<?/ in ßsl-zari dessen regel- 
rechter nom. acc. du. neutr., gleichstehend dem *duei neben 
Vwö/ (vgl. verf. Gr. gr." s. 124). 

Das sind alles nur höchst unsichere vermuthungen, und 
ich theile sie hier nur mit, um zu zeigen, wie wenig wir 
bis jetzt über das erste glied der idg. bezeichnung für 20, 
das von vielen mit voller bestimmtheit als *wl- angesetzt wird, 
wirklich wissen. Hoffentlich aber haben diese auseinander- 
setzungen zugleich die Wirkung, dass sie einen andern auf 
die evident richtige erklärung bringen. 

Unsicher ist auch, wie ich schon andeutete, das ver- 
hältniss des ersten gliedes von av. vlsaiti pinsat- zu dem- 
jenigen von ai. vlnigali- (rimpät-. Bekanntlich halten einige 
gelehrte, mit gutem recht, wie es scheint, die quantitätsbe- 
zeichnuDg der av. i und u für ganz unzuverlässig. Bartho- 
lomae im Handbuch der altiran. dial. s. 21 vermuthet, dass 
man vhaüi prisat- gesprochen habe, dass der nasal wegen 
mangels eines eigenen buchstabens für / unausgedrückt ge- 
blieben sei. Ar. forsch. II 84 weist er nach, dass nista eine 
2 pl. injunct. act. aus dem stamme nind- (ai. nind- 'schmähen') 
war, somit ein *ni7is-ta zur Voraussetzung hatte, scheint aber 
die frage offen zu lassen, ob hier wie in den Wörtern für 
20 und 30 nasalvocal oder bloss / (7?) gesprochen wurde. 
Nun darf man zwar gewiss nicht mit J. Schmidt Pluralb. 275 
die Identität von av. vi- mit ai. vini-^ d. h. den hervorgang 
von vi- aus *vi- für eine feststehende thatsache ausgeben. 
Immerhin ist aber, bei dem umstand, dass die indische bil- 
duDg aus vorindischer Zeit ererbt zu sein scheint, grössere 
Wahrscheinlichkeit für av. vi- = *vim- als für vi- = idg. *wl- 
(nom. acc. du. neutr.) oder *///-. Ob pri- = *tn'm- oder = */;v- 
(nom. acc. pl. neutr.) oder == *lri- (Stammform, vgl. s. 20 f.) 
war, muss vorläufig ganz unentschieden bleiben. 



28 



10. 



Der nom. acc. pl. neutr. */rI (vgl. ved. t74 air. tri aksl. 
tri) des uridg. *^rl üomta "'S decaden' war bewahrt in lat. 
tri-gintä^). Er kann auch in av. pin-sas pri-sat- enthalten 
sein, wie wir soeben sahen, und steckte ferner wohl in armen. 
eresun» zunächst aus ^eri-asun mit dem später hinzugekom- 
menen "^compositionsvocar -Ö-. Gr. TQtä-KOvza ion. TQir-y.ovza 
hatte eine doppelte Umbildung erfahren: zuerst wurde *tqT- 
durch %^/a- ersetzt, wie alle nom. acc. pl. neutr. das -a der 
consonantischen stamme {(pegovr-a) erhielten, alsdann wurde 
a gedehnt nach dem muster von leTQw-Aovra und TtevTiq- 
Y.ovxa. 

Anders urtheilt über TqiarY.ovi:a jetzt J. Schmidt Pluralb. 
39 f. 42. 297, der gr. Tqia = uridg. *tria setzt und nur in- 
sofern mit uns übereinstimmt, als er tqia- ebenfalls für eine 
neubildung statt Hqia.- erklärt ; über Schmidt's tqia = idg. 
*tria s. den unten folgenden excurs. 

Dass air. tricha von alter zeit her kurzen vocal hatte, 
zeigt bret. tregont (Thurneysen Kuhn's zeitschr. XXVI 312). 
Dass es nicht *irecka hiess, wie man nach den lautgesetzen 



1) Dieser nom. acc. pl. tri soll nach V. Henry Le Musöon VI 578 
auch in tri-ni stecken. Entsprechend soll das bl- von bi-nl dual ge- 
wesen sein. Obwohl das von Henry nicht genannte lit. dvynü 'zwillinge' 
diese hypothese zu begünstigen scheint, halte ich es für wahrscheinlicher, 
dass *his-no- *tris-fio- zu gründe lagen, vgl. terfii quaterni. *bis-no- 
deckt sich mit mhd. zwirn m. 'zweidrähtiger faden' ahd. zwirnen zwir- 
nön 'zweifach zusammendrehen' urgerm. *luiz-nä-, zu ahd. zwir-or aisl. 
tvis-var 'zweimal', deren zweiter theil die wurzel uert- 'vertere' enthielt 
(vgl. ai. tri-vdriu-sh tri-vft- "^dreifach'). Zur anfügung des suffixes -no- 
an das multiplicativadverbium vergleiche man aisl. tvis-t-r 'zwiespältig' 
engl, ttvis-t 'zweifädiger strick', air. tress- 'dritter' wohl aus *tris-to- 
(Grundriss H s. 233), ahd. zwis-k zwis-ki 'zwiefach' dris-k dris-ki 'drei- 
fach' u. dgl. 



k 



I 



— 29 - 

erwarten sollte, mag theils durch das freistehende tri (vor 
substant.), theils durch fiche veranlasst sein. Im altinsel- 
keltischen drang also für *trl- die Stammform ein, wie auch 
vielleicht ceihorcha ''40', worauf mich Thurneysen aufmerk- 
sam macht, ein ^cetru-cont- (vgl. gall. Fetru-corius) war, vgl. 
oben s. 20 f. av. panca-sat- capru-dasa- pri-dasa-, ferner aksl. 
dvo-des^tmü neben diiva-dese/mü '20 ster' peto-?iades^lmu neben 
p^tt-na-des^lmiV Ib ter' u. dgl. (verf. Grundriss II s. 40. 49. 81 f.). 

11. 

Bei 40 erscheinen formen des nom. acc. plur. neutr. in 
ai. catvUiHm-Qat- für *catväri-(;dt- und in att. tbtt aQ<x--/,ovTa 
ion. arkad. reooeqa-'/^ovra böot. ^tsTTaga-Kovra. Hierzu viel- 
leicht auch air. cethorcha^ das Thurneysen Kuhn's zeitschr. 
XXVI 311 aus nom. acc. plur. neutr. ^celura- (vgl. ai. acc. 
pl. masc. catür-as^ lesb. TceovQ-eg) erklärt, das sich aber auch, 
wie wir sahen, aus ^cetru- ableiten lässt; mittelir. cethracha 
entstand nach Thurneysen's vermuthung unter einfluss von 
mittelir. cethri '^4\ 

Lat. quadrä- in quadrü-yintä als neutr. pl. eines Stammes 
"^ quadro- zu fassen, wie man öfters gethan hat, geht nicht 
an, weil es einen solchen stamm nicht gab. Und an neu- 
schöpfung eines neutr. pl. zu quattuor mit entlehnung des 
-a von den o- stammen (etwa wie in facinor-a) ist auch nicht 
zu denken, weil man nicht begriffe, warum die Kömer zu 
quüdr- statt "^quattuor- sollten übergegangen sein. 

Auch dor. ion. tetqlij-'/.ovzcc macht Schwierigkeit. J. Bau- 
nack's erklärung, es sei eine associationsbildung nach hom. 
oy6i6-'/.ovTa (Kuhn's zeitschr. XXV 235) wird von J. Schmidt 
Pluralbild. 192 mit recht abgelehnt. Aber was hier ver- 
muthungsweise an die stelle gesetzt wird, dass die form aus 
*TeTiüQ-7.ovTa entstanden sei und einen uridg. nom. acc. plur. 



— 30 — 

iieutr. *qetuör enthalten habe, ist sicher nicht besser, sondern 
schlechter. Eine solche metathesis ist noch auf keinem 
punkte der griechischen entwicklungsperiode nachgewiesen. 
Aus *T€TWQKovTa WSLYG gcwlss '^teTOQKOvTa geworden nach 
Oöthoff's verktirzungsgesetz (s. verf. Gr. gr.^ s. 47). 

Ich nehme an, dass zwischen quadi^ü' und t€tqio- das- 
selbe verhältniss bestand wie zwischen slrätu-s und otqco- 
To-g u. dgl. (verf. Grundriss I s. 243 f.), d. h. ich gehe von 
einem idg. *qetuT' aus. Aus diesem lassen sich auch herleiten 
das av. capwaf'-sat- und das armen, /{ar-asim; zum laut- 
gesetzlichen vgl. av. ar^-ma- armen, ai^-viukn = ai. Ir-mä-s 
idg. *f-m6- 'arm, bug', av. slar''-ta- neben ai. stlr-nd- u. dgl. 
(Grundriss a. o.). 

capwar^- könnte man freilich auch mit ca/jwar^-za7?gra- 
'vierfüssig' und dem nom. propr. capwar-aspa- , ferner mit 
ätar -carana- "^zum feuer gehörig' nar-yar- 'männer ver- 
schlingend' u. dgl., die im ersten compositionsglied starke 
Stammform statt der schwachen zeigen (vgl. dat. abl. pl. 
star^-byö neben ner'-byö)^ zusammenstellen. Aber gegen cap- 
ivar"' als Stammform in cupwar''-sat- spricht caprudasa- (ai. 
catur-dai.'äs cälur-dapa). Hier war sicher eine Stammform an 
die stelle von casusformen getreten, und wenn solches auch 
bei der zahl 40 geschah, warum führte man hier nicht eben- 
falls capru' ein? Warum sprach man nicht capru-sat- neben 
panca-sat-, wie capru-dasa- neben pa?ica-dasa- stand? Ich 
vermuthe also, dass erst das altüberkommene, mit reTQio-KovTa 
und quadrä-gintä bildungsgleiche capwar'^-sal- ^ eben weil es 
mit formen wie ätar'-carana- auf einer linie zu stehen schien, 
den anstoss einerseits dazu gab, dass mau neben composita 
wie capru-mäh/a- 'viermonatlich' solche wie capwar^-zangra- 
stellte, und anderseits dazu, dass man für pancä-sat- smchpanca- 
sal- und für ^prisat- oder '^prlsat- saich pn'-sot- sprach, falls 



- 31 — 

wirklich die letztere Schreibung buchstäblich zu nehmen 
sein sollte. 

Armen, kar-a-sun kann nach den lautgesetzeu auch auf 
'\q)tn^r- mit kurzem r (vgl. gr. TQa-Tte'Ca) zurückgeführt wer- 
den. Aber so lauge nicht im armenischen anderwärts in den 
decadennamen stamme als vorderglied nachgewiesen sind, 
ist es wahrscheinlicher, dass kar- aus "^(q^ifr- hervorging. 
Unser '^qetirr {qtuf) komtd bildet nemlich die natürliche 
brücke zwischen *trt komts und "^penqe fiomta. Aus der 
letzteren Verbindung, die durch ion. dor. TtevvrjxovTa und ai. 
pahcä-gät- av. pancä-sat- als uridg. erwiesen ist, kann, wie 
J. Schmidt a. o. 294. 297 mit recht betont, nicht gefolgert 
werden, dass es einmal auch einen selbständigen idg. 
nom. acc. pl. neutr. '-pejdqe gegeben habe ; nirgends erscheint 
ein solcher. Schmidt sagt: „Nach dem muster der bildungen 
für 30 und 40, welche indog. tria (vielleicht auch schon daraus 
zusammengezogenes tri) und qetaör oder ye///ör« [nach unserer 
ansieht qet2i.örd\ als erste glieder hatten, konnte auch in das 
erste glied von 50 eine form gesetzt werden, welche ntr. pl. 
lu penqc sein sollte, aber bisher nicht üblich war. Wurde 
erst zu diesem zwecke neu gebildet, dann begreift sich, 
tass sie auch ausschliesslich auf ihn beschränkt geblieben 
^ist und die ältere Verbindung der unflectierten fünfzahl mit 
dem n. a. pl. ntr. anderer nomina als der decade unangetastet 
■ort bestehen Hess". 

H Nach welchem muster man im anschluss an "^tria und 
ip^e/wör *qeLijöri {*qetuÖrd) zu *pe7?qe nehen * penqe gekom- 
Iken sein soll, ist nicht recht abzusehen. Befriedigend er- 
erklärt sich *pe7?q2 nur, wenn wir der idg. Ursprache *trJ 
zuschreiben, und für dieses und zwar als die einzige uridg. 
form des neutr. plur. sprechen auch sonst, wie wir im excurs 
sehen werden, die thatsachen. Es begreift sich aber jetzt 



— 32 ~ 

die uridg. neubildung *penq'e um so leichter, da sich ihr 
ein *qetuf beigesellt. Diese beiden ansätze stützen sich 
gegenseitig^). 

Ob *qetuf auch nur eine bildung ad hoc, nur in dem 
ausdruck für 40 nach der analogie von * tri geschaffen war, 
oder ob man auch anderwärts *qetiiT neben ^qetuord oder 
^qetuor (ai. caivari lat. qualiuor got. fidvör) sprach, lasse 
ich hier ununtersucht. Ich erinnere nur daran, dass die 
ved. pluralendung -mä in nä-rnä dhar-mä u. s. w. (Lanman 
Noun-Inflection 539 f.) auf *-w^ zurückführbar ist und so sich 
eine beachtenswerthe parallele ergäbe; denn riamä würde 
sich zu naman-i verhalten wie *qet?fT' zu catvuj^i. War ^q^tuf 
überhaupt erst in anknüpfung an */r7 geschaffen worden, so 
vergleichen sich die im ai. seit der zeit der Brahmanas auf- 
tretenden neubildungen wie bhartr üusLch pucini purüni t/ugäni. 

Dass auch nach der zeit, in der *qctuf komts aufkam, 
dieser ausdruck in beiden gliedern noch als neutr. pl. em- 
pfunden wurde, scheinen auf den ersten blick das gr. t€t- 
TCLq6i-Y.ovTa und das ai. catvTirim-gät- für * catväri-(^at- zu er- 
weisen. Indessen nöthigt nichts zu der annähme, dass diese 
formen erst in einer jüngeren zeit entstanden. Man kann 
annehmen, dass, als im zahlwort 40 *qetuT aufkam, eine an- 
dere ältere neutralbildung in diesem zahlwort, *qetuö7^a oder 
*qetuör, durch jenes nicht verdrängt wurde. Es könnte z. b. 
"^qettjT zunächst in der coUectiv- und der ordinalbildung (vgl. 
av. capwar'^-sal' dor. Tergcü-xoGTo-g lat. quadrä-gesimu-s) sich 
festgesetzt haben, in denen der einerausdruck enger mit dem 



1) Ich mache beiläufig darauf aufmerksam, dass, wenn unsere 
hypothese richtig ist, die (zuerst von de Saussure Mem. 239 ff. aufge- 
stellte) theorie, dass die idg. Ursprache neben kurzen so- 
nantischen liquidae auch gedehnte besessen habe, die er- 
wünschteste bestätigung erhält. 



I 



— 33 — 

zehnerausdruck verbunden war, während man *qetuör{d) 
komtif (vgl. gr. TeTTagd-Kovra) noch beibehielt, und späterhin 
könnten ausgleichungen stattgefunden haben, wie gr. Tsrra- 
QaxooTo-g nach TeTT(xQ(XY.ovTa^ umgekehrt TSTQconovTa nach 
TeTQcoxooTo-g. Und in ähnlicher weise könnte auch neben 
*penqe sich *pe7?qe bei der zahl 50 erhalten haben und darauf 
noch das schwanken zwischen den formen panca-sat- und pan- 
cä-sat- im Avesta beruhen, die sich dann wie ai. catvärirn-gdt- 
zu av. capwar^-sat- und wie att. TerraQa-xovTa zu dor. tetqoj' 
-yiovza verhalten würden. 

Von Interesse wäre zu wissen, woraus das armen, yi-sun 
und das air. cöica entstanden waren. Dass ?//- mit y- = h- 
zu hing gehörte, ist klar (Hübschmann Zeitschr. d. deutsch, 
morg. ges. XXXV 656, Armen, stud. I 45. 74). Aber es ist 
unentscheidbar, ob *penqe' oder *pe73qe- zu gründe gelegen 
hatte. Und dieser selbe zweifei bleibt bei cöica^ dessen ur- 
kelt. form um so schwerer zu ermitteln ist, weil man mit der 
möglichkeit eines Silbenverlustes durch dissimilation (vgl. 
gall. Leucamulus aus *LeucO'Camulo-t verf. Grundriss I s. 484) 
zu rechnen hat. 

Lat. quinquä-gintä hatte sein -ä- von qtiachTi'gmta tiber- 
kommen in gleicher weise wie sexä-gintä u. s. w. Ahnlich 
im griechischen e^rj-xovra u. s. w. nach dem vorbild von 
evTTj-yiovta, 

12. 

Die uridg. benennungen der decaden 60 bis 90 sind im 
[arischen spurlos untergegangen. Die dafür eingetretenen 
Wörter sind: 60 ai. shashti-sh d^Y. oosvasti-s ; 10 b\. saptati-sk 
av. huptiiiti-s mit ä nach astäiti-s , während haptaipi-vant- 
*^70fach' noch a aufweist; 80 ai. ag'iti-sh av. astäüi-s; 90 ai. 
navati-sh av. navaiti-s. Wie schon s. 15 bemerkt ist, ent- 

Osthoff u. Brugraann untersuch. V. 3 



— 34 — 

sprachen diese femininsubstantiva den slav. sesti ""Gzahl' 
dev^ti '9zahr und den aisl. seil '6 zahl' sjaitnd '7 zahl' nliind 
'9 zahl' und bedeuteten ursprünglich nur 'sechsheit, sechszahl' 
u. s. w., wobei *^von decaden' hinzuverstanden wurde. Ai. 
shashti-sh findet sich im vedischen auch noch in dem weite- 
ren sinne von 'sechsheit' (Rigv. VII 18, 14, s. Schmidt Pluralb. 
294), ebenso SiY.?iavaiti-s in dem entsprechenden von *^neunheit'. 

Die Verdrängung der uridg. bezeichnungen deutet darauf 
hin, dass im urarischen bei höheren zahlen eine sexagesimal- 
rechnung aufgekommen war, in der das wort shashti-sh wsvas- 
ti-s 'schock' die beherrschende Stellung hatte. Durch dieses 
wurde das dem pancäfdt- pancäsat- entsprechende wort ftir 
'anzahl von 60' zurückgedrängt, und später griffen durch 
analogiewirkung auch bei den folgenden zehnern die dem 
shashti- entsprechenden bildungen für die urindogermanischen 
decadenbenennungen platz. Hierzu passt gut der nachweis 
Cantor's Mathemat. beitr. zum kulturleben der Völker 1883, 
g. 361 f.'), dass bei den alten Persern die zahl 60 und ihre Ver- 
vielfachungen (ähnlich wie bei den Römern se.vägintä, sescenti) 
ganz besonders geläufig waren (vgl. Herodot I 189. 202, IV 
98, VII 35). 

Somit sind wir für die einzelsprachliche fortentwicklung 
der uridg. ausdrücke für 60 bis 90 auf das armenische, grie- 
chische, lateinische und keltische beschränkt. 

13. 

Man erwartet als die ursprünglichen ausdrücke *[sii\eks^) 
iiomld, *sepl?^i komta, *o/ild üomla, *neim (*emm) komla. In 
den Sprachdenkmälern erscheinen folgende formen: 

1) Auf diesen nachweis machte mich Fr. Kluge aufmerksam. 

2) Von der schwierigen frage, welchen anlaut oder welche anlaute 
dieses zahlwort im uridg. hatte, sehe ich hier ab. 



I 



I 



I 



I 



— 35 — 

"^ßO"*; armen, vaf-sun; gr. e^tj-xovTa; lat. sea^ä-gintä; air. 
seS'Ca ; 

'10' : armen, evfan-a-sun; gr. eßdoi.irj-xovTa, herakl. delph. 
eßS€iLir]-}iovTa; lat. septuü-gintä ; air. sechtmo-ga; 

'80': armen, iif-sim; gr. oydorj-yiovTa \iom, oyöc6-y,ovta; 
lat. octo-gintäf vulgärlat. octuä-gintä ; air. ochtmo-ga; 

*^90': armen. inn-sun\ hom. att. ev€vt]-xovTaj hom. Ii^yjj- 
xo)'r«, ötäisch ej^jy-xovra; lat. nönä-gintä ; mittelir. wöcäö oder 
nocha (vgl. air. nöicht-ech 'QOjährig'). 

14. 

Armen, vaf-sun (vgl. vec ^'ß' aus *we^* und ves-tasan 
'16') entstand aus "^vac-sun, indem in -^W- der eine von bei- 
den A-lauten beseitigt wurde. Die Schreibung vafsun wählte 
man statt vacurij um das element -suti fürs äuge hervortreten 
zu lassen; vgl. gr. moTtaw für e^7caco. Das a des Zahlworts 
ist ebenso räthselhaft wie das von tas?i 'decem' (Hübschmann 
Armen, stud. I 52. 58). 

Air. sesca nir. seasga aus * se{c)s-co}it-s, 

Dass das rj von gr. e^-ij-xorr«, das « von lat. sex-a-gintn 
ebenso wie das -r^- und das -ä- der folgenden decaden von 
TcevTi]-zovTa und von fjuadrä-gmtU übertragen war, wurde 
schon s. 33 bemerkt. Es setzte sich hier die bewegung fort, 
die in uridg. zeit von *tri üomtd ausgegangen war und da- 
mals ^getijf ßo?nid *peT?qc' fiomld ins leben gerufen hatte, nur 
dass im lateinischen, ehe der stoss weiter wirkte, *quinque- 
sich dem quadrä- im ausgang angeglichen hatte. 

15. 

An Schwierigkeit ebenbürtige seitenstücke zur zwanzig 
sind die siebenzig und die achtzig. Ich kann hier, wie bei 
der zahl 20, kaum mehr als möglichkeiten bieten, und wenn 



— 36 — 

ich diese, auf die einzelheiten eingehend, vorlege und nicht 
einfach mit einem non liquet über diese formen hinweg- 
schreite, so geschieht das aus denselben gründen, die mich 
bei der besprechung der zwanzig leiteten (s. s. 27). 

Die ursprünglichen bildungen scheinen bei 70 durch armen. 
evtan-a-sun (vom *^compositionsvocar -a- ist abzusehen), bei 
80 durch armen, ut-sun^ hom. oyöi6-Y.ovTa {-yd- nach oyöoo-g 
oyöorj'AovTa)^ lat. octö-gintä vertreten zu sein. Lat. septuTi- 
gintä war neubildung nach octua-ginta (Wackernagel Kuhn's 
zeitschr. XXV 281), umgekehrt air. ocktmo-ga nach sechtmo-ga. 
So weit wäre alles in Ordnung. Wie erklären sich aber gr. 
eßdoixrjxovTa eßöefurjAovTa air. sechtmo-ga und gr. oyöoijxovTu 
vulgärlat. octuä-gintä .^ 

Die gr. Wörter standen ebenso wie kßöo^dg eßdojuay.ig 
und oyöodg in näherem Zusammenhang mit den ordinalia 
%ßdo(.io-g epidaur. kßöefxalog und oyöoo-g. Wie kam dieser 
zu Stande? 

Wir müssen zuerst die Ordnungszahlen näher ins äuge 
fassen, eßdo^o-g ist lautgesetzlich weder aus ursprünglichem 
*sepdmo- oder *sebdmo- (zur articulationsart der verschluss- 
laute s. verf. Grundriss I s. 347) zu gewinnen, das durch aksl. 
sedmu preuss. septma-s sepma-s lit. sekma-s und mittelbar wohl 
auch durch got. sibun vertreten ist'), noch aus ursprünglichem 

1) Zur erklärung von sibun nimmt Ascoli (Krit. stud. 101) an, dass 
neben *septyi bereits in idg. urzeit eine ^-lose form bestanden habe (vgl. 
ai. afi-ti-sh '80' neben idg. *oktöu). Einfacher ist die annähme, dass im 
urgermanischen ein *septmö'''liQT^ zu *scbmö- und ein *septfn^l' zu 
*sefi2im geworden war und dass dieses nach jenem zu *sebiim umgebildet 
wurde (ähnlich Sievers Paul-Br. Beitr. V 119, Osthoff Morph, ünt. II 51 f.). 
Vgl. auch den verlust des Mautes in urbalt.-slav. *osmo-^SteT ' (aksl. ostnü 
preuss. acc. asma-n lit. äszma-s)\ hier muss schwund des t angenom- 
men werden, weil diese ?/?o-bildung, trotzdem dass sie auch im ar. und 
kelt. vorliegt (ai. ashtamä-s av. astema- air. ochtm-ad ncymr. wythv-et 



— 37 — 

"^septmmo- = ai. saptamd-s lat. septimu-s air. sechtni-ad mcymi\ 
seithu-et. Für das urgriechische hat man wohl ein ^eßöfAo- 
= aksl. sedmo- und ein *k7tTai.Lo- = ai. saptamd- anzunehmen. 
Beide vereinigten sich zu *eßöa^o-. Nun könnte man daran 
denken, eßdof-w-g habe sein erstes -o- durch einwirkung von 
oy6o{ß)o-s erhalten. Aber war -o{ß)- in oyöo{ß)o'g alt? Lat. 
oclavo-s und osk. TJhtavis *^Octavius' mit ihrem auffallenden 
ä, das auch von Thurneysen und von Meringer nicht auf- 
geklärt ist (Kuhn's zeitschr. XXVIII 154. 232), lassen wenig- 
stens so viel vermuthen, dass der zweite vocal von oyöo{ß)0'Q 
einmal lang war. Und dann fragt sich : hatte nicht vielmehr 
oyöo{ß)o-g^ dessen -yd- nebst dem von 6yöoriy.ovT:a oyöodg 
doch sicher nach dem -ßd- der siebenzahl für -xr- einge- 
treten war, auch sein -o(/)- erst nach der analogie von 
6^^o,«o-c; angenommen ? Nun scheint o;^(^o?J/ov2ra mit vulgär- 
lat. octuäginta^ dessen höheres alter auf lateinischem boden 
durch die analogiebildung septuäginta sicher gestellt ist, auf 
ein gemeinsames "^oktou- zu weisen. Und so fragt sich auch : 
war nicht 6yöo{ß)o-g in der zweiten silbe durch oyöorjKovTa 
beeinflusst worden? Erwägt man noch alles andere in be- 
tracht zu ziehende, so ergeben sich zur erklärung von eßSo- 
(.it'fKovTa und eßöof.iäg folgende möglichkeiten, mit denen man 
zu rechnen hat: 

1 . Nach dem vorbild von oyöorixovTa : oyöoag : oyöoo-g 
schuf man zu £ßöof.io-g die formen eßöof^irjxovTa eßdofiag. 

2. In einer periode des urgriechischen, als der labiale 
nasal des idg. *septm noch bestand, wurde diese form vor 
-ÄovTa mittels eines vocales erweitert — ob dieser sogleich 
das von 7t£VTi^Kovra ausgegangene -^- war, lasse ich unent- 



aus *oktmmo-), eine relativ späte neubildung war und nicht mit agtli-sh 
in unmittelbaren Zusammenhang gebracht werden darf. 



— 38 — 

schieden — , und es entstand etwas wie Hnraii-r-'AovTa. Man 
berücksichtige dabei, dass *septm im griech. lautgesetzlich 
zu *e7CTaiii *£7CTav führen musste (verf. Gr. gr.^ s. 41). Mit 
air. sechtmoga wäre eine unmittelbare Vereinigung möglich, 
da dieses auf *sechtnim-u-cont- (vgl. cethorcha ^40' aus "^hietrii- 
cont-{?) und acymr. trimu-ceint- ^ dO^) zurückführbar ist. Lag 
nun neben * STtTa^-rj-KovTa eine ordinalform ^eßda/ao-gj so 
konnte von dieser aus leicht -ß6- und später in beide formen 
-0- statt -a- von oyöoo-g oyöoTJKovra aus eindringen. 

3. Zieht man das neben *{d)Jim-i- stehende *{d)kom-t' 
Mecade' und den umstand in betracht, dass aus evev-rj-y.ovTcc 
auf ein altüberkommenes *enuen- neben * enmi * neim scheint 
geschlossen werden zu müssen (s. § 16), so Hesse sich für ißöo- 
(Arixovra eß6o(.iag eßdofiazig ein idg. *septom- als grundlage 
denken, das sich nur in der zehnerbildung erhalten hätte. 
Auch hier Hesse sich air. sechtmo-ga anschliessen, da es auch 
aus '^ sechiom-u-cont- lautgesetzlich herleitbar ist. 

In letzterer art für kßde^riy.ovTa ein altes ^ septem- als 
weitere ablautstufe neben ^septrp, anzusetzen, würde an sich 
nichts hindern. Aber ich ziehe auf alle fälle die annähme 
vor, dass eßöejurjxovTa erst unter einwirkung von Ivevry/.ovta 
aus ißöoi^rjTiovTa umgebildet worden war und seinerseits dann 
die form eßöe/aalog ins leben rief. 

Für oydoTjyiovTa möchte ich zunächst an der Zusammen- 
stellung mit octuägintä festhalten, das gewiss aus *octov-ä- 
(oder vielleicht ^octav-ä-) hervorgegangen war und, wenn man 
vom -ä- absieht, nicht wie eine speciell italische neuschöpfung 
aussieht, oyöw-y.ovra und octö-ginta könnten beide leicht 
jüngere analogiebildungen gewesen sein. Aber weiter kom- 
men wir auch hier nicht eher, als bis oyöo{^)o-g und octTivo-s 
aufgeklärt sind. 

Bemerken will ich nur noch, dass aus idg. *oktöii (ai. 



39 



ashßü) im griecli. und ital. nach dem Osthoff'schen vocal- 
kürzungsgesetz (verf. Grundriss I s. 463) vor conson. "^oktou ent- 
stehen musste, und dass der ahd. dat. ahtow-en (zu ahto got. 
ahtdu) nicht unmittelbar zum vergleich mit unsern griech. und 
lat. formen herangezogen werden darf, da diese flexion des 
Zahlwortes eine germanische neuerung war. 



16. 

Es bleibt noch die zahl 90. 

Keine Schwierigkeiten bereiten armen, inn-sun und lat. 
mn-a-gintit (vgl. nön-u-s). 

Air. nöichUech '90 jährig' (mir. nöcha oder nocha) weist 
auf air. ^micha^ das mit seinem ch keine alte form sein 
kann. Man erwartet im anschluss an nöin- ein '^fiöica (vgl. 
verf. Grundriss I § 212 und § 513). Der spirant drang wohl 
aus den formen ein, in denen das erste glied im urkeltischen 
sonantisch schloss, tri-cha u. s. w. 

Gr. ev£vi^-xovTaj evvrj-xovra evrj-Kovra haben sehr ver- 
schiedene deutungen erfahren. Mehrere derselben weiss ich 
mit den lautgesetzen nicht in einklang zu bringen und lehne 
sie daher ab. 

G. Meyer Gr. gr.- 379 und W. Schulze Quaest. Homer, 
p. 29 sq. construieren ein ordinale "^enm-o-s {*envn-o-s), und 
während jener gelehrte annimmt, aus *€vßv- sei mit ana- 
ptyktischem e ein *lvßev- und daraus weiter das hev- von 
evevr'j-KovTa entstanden, lässt dieser *lvßvo- zu ^evvo- ge- 
worden sein, auf dem hom. hvi'i-Y.ovTa {t 174) und m- 
zovTa (Cauer Del." n. 385 a 7) beruhten. Der ansatz eines 
*e?iimo- ist aber unstatthaft, weil den idg. lautverbindungs- 
gesetzen zuwiderlaufend. Diese verlangten ein dreisilbiges 
*e?iuno-j und Schulze's meinung, das ^ yoii*£vj'vo- sei Spi- 
rant, nicht u consonans gewesen, setzt nur ein x für ein 



— 40 — 

anderes ; denn wie kann er beweisen, dass das u von * hvsßa 
(nach Wackernagel's mir einleuchtender deutung = Hv vißa 
"^im ganzen neun, volle neun', Kuhn's zeitschr. XXVIII 132 ff.) 
ai. ndva lat. novem u. s. w. einmal ein andrer laut gewesen 
sei als z. b. das u von vißo-g ai. näva-s lat. novo-s etc. Zu 
IvevTq-Kovta kommt Schulze, indem er neben *evßvo-g ein 
*eveßv6-g construiert (ebenfalls mit spirant), aus dem *lvev6-g 
geworden sei, wie -Älovi-g aus *Y,loFVL-g, Durch die heran- 
ziehung von -^lovi-g wird wiederum nur ein x an das andere 
gereiht, vgl. verf. Zum heut, stand der sprach wiss. s. 69 ff.^). 
Zudem lässt Schulze ebenso wie G. Meyer die frage uner- 
ledigt, wie die Ordnungszahl in den ausdruck für 90 hinein- 
gerathen konnte. 

De Saussure Melanges Graux p. 743 setzt für das ur- 
griechische zwei typen an: *kveßa und "^hevEFa, Aus letzte- 
rem sei durch ausfall des zweiten e ein '^h{e)veFa = att. 
evv€aj durch ausfall des dritten e ein *£v€v{€)jra geworden, 
und aus *evevj^}]-'aovTa sei evevrj-yiovta hervorgegangen. 
Erstens ist mir solche synkope auf griechischem boden un- 
erwiesen^), und zweitens hat die zu gründe gelegte form 
*ev€vej^a nirgends an den andern idg. sprachen einen anhält. 

Osthoff Morph, unt. I 123 nimmt an, neben einem *€vv€i]- 
xovta, ^everjytovTa sei eine zeit lang ewij-KovTa (homer.), 
evrjy^ovta hergegangen; evrjyiovTa habe sich damals mit ^everj- 
xovTa zu evevi^ycovTa verbunden. Diese annähme wird da- 
durch unmöglich, dass im att. ivv^a^ nicht ^evea^ und evevi]- 



1) Das hier neben xXovig genannte exo/ntv, das man aus '^ixoj'ßev 
zu deuten pflegte, glaube ich jetzt richtig erklärt zu haben Gr. gr.^ 
s. 152 f. 

2) Was ich von de Saussure's'loi rythmique' halte, dessen Vorhanden- 
sein an sich ich nicht leugne, habe ich Kuhn's zeitschr. XXVII 590 f., 
Gr. gr.2 s. 46 fussnote 1 angedeutet. 



i 



! 



— 41 — 

Tiovra, nicht *lvvevrf/,ovT;a (dieses ist eine nur handschriftliche, 
aber schlecht beglaubigte und jetzt aufgegebene form) die 
regelmässige bildung war. 

Hom. evvri-y.ovTa vertritt mit svv-rjf,iaQ da8*lj^j=-a, welches 
dem armen, inn entsprach und mit ihm die grundform *enim 
hatte (Osthoff a. o). Zur selben grundform gehörten hom. 
eivä-ereg elva-vvy^eg elva-ioq. Diese zeigen ionische, jene 
äolische lautgestaltung. In den letzten Jahren ist mehrfach 
gestritten worden, ob man die beiderlei formen neben einan- 
der als echt homerisch anzuerkennen, oder ob man wie kvvrj- 
Y.ovTa so auch evvdersg etc., oder wie dvasTsg so auch eivrj- 
Kovra slvrj(.iaQ als die homerischen formen anzusehen habe 
(vgl. besonders Wackernagel Kuhn's zeitschr. XXV 280, Fick 
Bezzenberger's Beitr. VII 148, Smyth Der diphthong Eis. 63 f., 
Christ Homeri Iliadis carmina p. 110. 131. 733.). Auf die 
gründe, die man für jede dieser auffassungen geltend gemacht 
hat, kann ich hier nicht eingehen. Meiner Überzeugung 
nach trifft keine von den drei annahmen das richtige, son- 
dern derjenige dichter, der auf grund der epischen Volks- 
lieder die (schriftliche) abfassung einer epopöe zuerst in an- 
griff nahm, fand evßrjxovTa evßarog vor, wie auch ^hßog 
^evßio-g^), evße-/.a, cpd-avßo), ccqj^t], öeößL(.iev u. dgl. Die be- 
grtindung dieser ansieht wird sogleich folgen. 

Für ev€vrKovTa gehe ich mit Wackernagel u. a. von 
*evj^€vrj- aus. Die behandlung der ersten silbe in den ver- 
schiedenen dialecten widerspricht diesem ansatz nicht: 

Das hevTjy^ovTa der herakleischen tafeln kann ebenso wohl 
echt herakleisch als auch ein atticismus (wie dtäxoGioi neben 

1) Scharfsinnig erklärt L. Meyer Bezzenberger's Beitr. VI 120, 
dem sich W. Schulze Quaest. Hom. p. 17 anschliesst, die form §€viog 
bei Homer neben durchgehendem ^nvog daraus, dass man ^sUuog oder 
^£vrj-og gesprochen habe. 



— 42 — 

einheimischem diäxarwi) gewesen sein; im letzteren falle 
wäre nur der Spiritus durch die herakleische Sprechweise 
(evvea wie öxrcJ, Meister Curtius' Stud. IV 399) beeinflusst 
worden. 

Auf der Inschrift von Chios Röhl I. A. n. 381 steht Ive- 
vrjKovTCüv neben Iva-y.ooUov aus *Ev^a-. 

Bei Homer evevrjTtovTa nur B 602. Dass bei diesem dich- 
ter kein * evvevrjxovra oder * eivevrjKovTa überliefert ist, be- 
greift sich aus dem versmass, und die vorkommende form 
steht auf gleicher linie mit evaTTj {B 313. 327) neben eu'a- 
Tog, £v€y,a evey.ev (oft) neben eheaa aus *evߣy.a (Osthoff 
Zur gesch. des perf. 336 ff.), hooL-xd-uv neben evvool-yaiog 
(Bekker elvoolyaiog) aus * h>-soGi-j avoiro (a, -3" 473)') neben 
ävo(.iai aus *avfoi.iai^ deöLäöiv (ß 663) VTtoöeloaTS {ß 66) 
neben deiöiixEv {öedßL^ev) vTtodöeLoäg (vTcoößeioäg). Diese 
formen ohne digammawirkung aus Homer wegzuschaffen geht 
ohne gewaltmassregeln nicht an '^). Sie mit Wackernagel für 
atticismen zu halten, wird so lange nicht erlaubt sein, als 
nicht Aristarch's meinung, Homer sei ein geborener Athener 
gewesen, festeren boden unter sich hat oder attischer einfluss 
auf die homerische spräche anderswie glaubhaft nachge- 
wiesen ist. Ich sehe keine andere möglichkeit als die, dass 



1) Diese form ist präsens, nicht aorist. 

2) W. Schulze in seinen Quaest. Homer, will 5 313 = 327 für 
axcLQ iir^xriQ evaTTj ^v (Nauck sev)^ ^ zsxe xbxva geschrieben wissen 
(irizriQ SSV elvuzrj (p. 31). Homerisches h'vexa soll sich daraus erklären, 
dass es neben elvexa = *sem-veka auch einmal ein *o-8xa (cf. 6-7ia- 
xqoq) gegeben habe, das vermuthlich für evsxa einzusetzen sei(p. 52 sqq.)- 
Für avoixo sei mit einigen deteriores (s. La Roche z. d. St.) ävvxo (ex 
*avvLxo, cf. rjvvxo) zu schreiben (p. 32) — eine unerhörte optativbildung 
eines verbum auf -vv-f^i. Ich meine, diese versuche zeigen zur genüge, 
wie gut man daran thut, sich nach einer erkläi'ung des überlieferten 
umzusehen, ehe man es über den häufen wirft. 



— 43 — 

man annimmt, bei Homer, d. h. in dem epischen kunstdialekt, 
den der epopöenverfasser vorfand, sei hj^arog, evßexa, öe- 
dßiiiieVf €ÖßaQ u. s. w. gesprochen worden, die liederdichter 
aber hätten zuweilen das ^ unausgesprochen gelassen, zum 
theil im Zusammenhang mit metrischen bedürfnissen (wie bei 
evevTjyiovra, evool/ßcov, dsSläGL)'^ das stand in enger bezieh- 
ung zu der "^Vernachlässigung^ des digamma im anlaut^). 

1) Die alte, bis auf den entdecker des homerischen digamma zu- 
rückzuverfolgende idee, dass die homerstellen, in denen anlautendes ^ 
'vernachlässigt' erscheint, verderbt seien, ist weder ohne gewaltmass- 
regeln durchzuführen, noch bedarf man ihrer, um den homerischen 
dialekt verständlich erscheinen zu lassen. Gegen so leichte conjecturen 
wie XL£ J'ava^ für xXsv äva^ Z 11^ , ov yag J'olö^ für ov yaQ t' olö^ 
Z 367, ov yccQ cprjf^L J^snsaai für ov yäg (prjß' inssaac Y 211 u. dgl. 
will ich nichts sagen. Aber wo man überlieferte Wörter durch ganz 
andere ersetzen oder Wortumstellungen vornehmen muss, um das /• heraus- 
zubekommen (vgl. Cobet, Nauck u. a.), da hört das wissenschaftliche de- 
monstrieren auf. Wie denkt man sich denn den Vorgang der textver- 
derbniss in stellen wie cozQvve fxivog xal &vfzbv kxdorov, das in den ver- 
schiedensten Partien der Ilias {E 470. 792, Z 72, A 291, N 155, 500. 
514. 667, 17 210. 275, ausserdem d- 15) vorkommt und aus wtqvve (xevoq 
^vfjLOv ze hxdarov verderbt sein soll, wie schon Bentley annahm? Wenn 
es blosse nachlässigkeit war, die den durch den Schwund des digamma 
bewirkten hiatus in wegfall kommen Hess, so begreift man nicht die 
consequenz, mit der in dieser wendung dieses verderbniss platz griff. 
War es aber absieht, mit der man gegen diesen hiatus vorging, so be- 
greift man nicht, warum man zwar hier durchgriff, sich sonst aber in 
2324 fällen (nach Hartel's Zählung) das gleiche übel gefallen Hess. 

Da das ^ noch Jahrhunderte über Homer hinaus auf ionischem 
boden nachweisbar ist (FaQVfovriq, ßnpLXQaxLÖriq, s. Kretschmer Kuhn's 
zeitschr. XXIX 390 f.), so geht es kaum an, zu sagen, gegen ende der 
vorhomerischen periode der volksepik sei anlautendes /• in der gewöhn- 
lichen Verkehrssprache des ganzen ionischen gebietes geschwunden, und 
danach habe man auch in der dichtungssprache digammalose formen 
eingeführt. 

Alles wird verständlich, wenn wir annehmen, dass bei den loniern. 



_ 44 — 

Als man später aufhörte das ^ zu bezeichnen, war es noch 
üblich, doppelconsonanz einfach zu schreiben (z. b. EAA^AN 
= elaoav und == elaooav)^ und erst mit dem aufkommen 
der doppelschreibung der consonanten und der bezeichnung 
der quantitätsunterschiede bei den e- und 0- lauten geriet 
die schriftliche darstellung in fällen, wo die lebendige spräche 
keinen anhält zur entscheidung bot und die mündliche tra- 
dition verdunkelt war, in Verlegenheit'). Damals verfiel man 



die der liederdichtung oblagen, nicht überall genau derselbe dialekt 
herrschte, dass schon längere zeit vor dem auftreten eines epopöenver- 
f assers in einem theil des gebietes, in dem die liederdichtung leben- 
dig war, ^- in der alltagssprache geschwunden war. In dieser gegend 
kamen zuerst Wendungen wie üjtqvvs (xsvoq xal Snjfibv kxdcazovy iv 6^ 
olvov ex^ve auf, und in folge des wanderns der lieder und durch Sprach- 
mischung entstand in der epik die ungleichmässigkeit im gebrauch des 
^-, die Homer vorfand. 

In dieser selben gegend hatten aber auch die formen ivevTjxovta 
evuxoq, svsxa, avoixo, deöläai u. s. w. ihre heimat, und sie wurden in 
dem epischen kunstdialekt wegen metrischer bequemlichkeit gerne auf- 
genommen. 

So viel zur erläuterung des im texte gesagten, das leicht missver- 
standen werden könnte. 

1) Aus dieser Verlegenheit rührt auch der gebrauch her, auf der 
einen seite ekXaßev, s/u/nai^ev, ve^saal (vefzeaaei), auf der andern Äpsg, 
dvsQsg (ä), a.v8(peloq {ä, doch auch avvBcpeXoq), anoveovro {ä) , jinoX- 
lo)Voq {a), dxafiazoq («-) u. dgl. zu schreiben und daneben dnevl^ovxo 
stehen zu lassen (Zs^vglt] und trochäisches o(piv kommen hier nicht in 
betracht wegen der besonderen natur des (p, s. Hartel Homer, stud. P 65). 
In allen diesen fällen müsste doppelconsonanz geschrieben werden, also 
nicht nur sXXaßsv, sondern auch "ÄQ^eq, dvvsQeq u. s. w., wie man zum 
theil jetzt auch bereits schreibt. Denn es gaben doch wohl die in der 
alltagsrede entstandenen und von hier in die epische spräche eingeführten 
doppelheiten wie dnokrjya) und dno-XXriyo) (wurzel oXtjy-), (oxv-gooq und 
ßad^v-QQooq (wurzel gqsf-), eXaoav und eXaaaav, vsßsada) und vefieaadoD 
den anlass, dass die dichter sich gestatteten in jenen fällen die kurze 



I 



— 45 — 

auf evv7]KovTa neben eharog, vTtodöeLoag neben deiÖL(.iev 
-d-eovöijg. 

Das erschlossene * evj'€V'i]-xovTa zeigt, dass die letzte 
Silbe von *enun "^neim dereinst ablaut hatte ; vgl. *{d)kom-t' 
neben *(d}km-t- und eventuell auch *septom- neben *septm 
s. 38. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass auch die lat. 
und die ir. form für 90 sowie auch lat. nonu-s auf idg. ^neueii- 
zurückführbar sind. 

Vom hom. hß-rj-yiovra {hvrjKovza) öt. hrjytovva sagt 
Wackernagel Kuhn's zeitschr. XXV 280, dass es möglicher 
weise durch syllabische dissimilation aus "^ €v߀vi]y.ovTa her- 
vorgegangen sei; dabei vermuthet er, dass die homerisch- ioni- 
sche gestalt der beiden formen eivrjxovTa und eivevTJzovTa 
gewesen sei. Lautgesetzlich ist hiergegen nichts zu erinnern. 
Ist aber unsere annähme richtig, dass der epopöendichter 
noch vß vorfand, so wird der hervorgang der kürzeren form 
aus der längeren unwahrscheinlich. Denn wenn bei solcher 
syllabischen dissimilation in der ersten silbe eine conso- 
nantengruppe und in der zweiten ein einfacher consonaut 
stand, so war immer nur der letzte laut der consonanten- 
gruppe der, den auch die folgende silbe enthielt, z. b. oTtta- 
'9'ivaQ aus * OTCiod-o-d-evciQ, -d-ctQövvog aus *^aQGo-ovvo-g. Ich 
nehme also an, dass wir es mit zwei ursprünglich verschie- 
denen bildungen zu thun haben: evj^-r-zovca vergleicht sich 
nächstens mit armen, inn-sun. 



silbe lang zu gebrauchen. Zunächst wird man die gemination nur auf 
Wörter mit nasalen, liquiden und a und erst dann auch auf Wörter mit 
verschlusslauten übertragen haben. Von anderer art war 'i/usvai (das, 
wie TLd^rjßEvai, nach formen wie xixijf^svcci xaXtjfiavcct eingetreten war), 
wieder von anderer waren fälle wie xvdveog neben xvavog, dloyevijg 
neben SioxQeip^g, f/,sT£xic(&ov neben xicd u. dgl. mehr. 



— 46 — 

17. 

Während das armenische, die classischen sprachen und 
das irische bei sämmtlichen zehnern von 20 bis 90 den ur- 
indogermanischen mit *{d)leomt- 'decade' gebildeten ausdruck 
festhielten und das arische diesen ausdruck wenigstens bei 
den zahlen 20 bis 50 bewahrte, ging er im germanischen 
und im baltisch-slavischen bereits in vorhistorischen zeiten 
verloren. Es traten im letzteren sprachzweig durchgehends, 
im ersteren zunächst nur bei 20 bis 60 bezeichnungen an 
die stelle, die etymologisch im wesentlichen dieselben de- 
mente und genau denselben sinn hatten, die die uridg. be- 
zeichnungen besessen hatten, wie z. b. got. preis tigjus lit. 
trijs deszimtys aksl. tin desqli *^drei decaden'. 

Wahrscheinlich war das dement ^komi- ^kiiil- ebenso 
wie in den andern idg. sprachen zu einem blossen suffix 
herabgesunken, und durch die neuen ausdrücke, die an das 
im selbständigen gebrauch lebendig gebliebene idg. wort für 
'decade' anknüpften, wurde nun jener ursprüngliche sinn 
wieder klar herausgehoben. Aber im lauf der zeit verfielen 
auch diese neuen benennungen jenem verdunklungsprocess, 
den einst die alten erlitten hatten. Z. b. in mhd. drl-^ic 
vier-zic und nhd. drei-sslg vier-zig war und ist der zweite 
bestandtheil in gleicher weise zu einem blossen suffix herab- 
gedrückt, wie es -Y.ovra und -ghita in TQiä-y.ovra reTragcc- 
xovTa trl-ginla quadrü-ginta schon im beginn der geschicht- 
lichen Periode der classischen sprachen waren. Und wie die 
Griechen und Römer aus ihren aus adjectivischer zahl und 
Substantiv bestehenden zehnerbenennungen einfache adjectiva 
machten, die den casus des gezählten gegenständes annahmen, 
so geschab das auch mit den deutschen decadennamen: wir 
sagen in vierzig wochen^ während in ahd. zeit nocli feorzug 
wehhöno galt (vgl. got. dageßdvor tiguns '^rif.ieqiüv rirragag öe- 



— 47 — 

y:aSag^)j gleichwie gr. TQiaxovra avÖQsg für ehemaliges *tQla 
y.ovra avögcov und lat. irlginta t^/rl für ehemaliges */r7 cöw/ä 
viröm eingerückt waren. So ist der neubau, den die Ger- 
manen mit ihren zehnern vorgenommen hatten, wieder in 
hohem masse verwittert, und wir stehen nach Vollendung 
eines doppelten kreislaufes heute auf derselben stufe wie die 
Italiener mit ihren venti trenia quaranta etc. und die Griechen 
mit ihren eiY,ooi TQiavra GaQavza etc., die den uridg. aus- 
druck unmittelbar fortsetzen. 

18. 

Auffallend ist der germanische ausdruck für decade 
* te^u-. 

Ich war bisher, wie wohl die meisten Sprachforscher, 
der meinung, dieser ?/-stamm sei auf grund des dat. plur. er- 
wachsen, in dem das //^ des Stammes *^e<j?/w- = idg. *dclcm- 
mit dem m des casussuffixes zusammengetroffen war: got. 
tigum{-m) habe dem ai. ilagä-bhish entsprochen, sei wie su- 
nuvi aufgefasst worden und habe die bildung von tigjus u. s. w. 
veranlasst. Diese meinung muss aufgegeben werden. Idg. 
"^deÜtn ' 1 0' war indeclinabel, und so könnte ttgum = degä-bhish 
nur eine zufällige Übereinstimmung gewesen sein, gleichwie 
gr. lesb. öeYxov = ai. dapTmam u. dgl. Und wie soll das wort 
zehn ohne jeden stammbildungszusatz zu der bedeutung des 
abstractsubstantivs *^zehnheit' gekommen sein? Hieran schei- 
tert jene erklärung. 

Die annähme, tigii- sei mittels des Suffixes -u- von ^deÜT^i 
aus gebildet worden mit Übergebung des -m etwa wie ai. 
-daf-a- als Schlussglied von composita oder wie lat. dec-üs 
dec-uHa dec-xinx dec-ussi-s, ist ebenfalls unstatthaft, schon 
darum , weil -u- im germanischen nicht secundärsuffix war. 

So wird man '*trgu- mit dem idg. *dek?fit- (ai. dafdt- 



— 48 — 

gr. Ö€}iag lit. deszimt- aksl. des^t-) in der weise zusammen- 
bringen müssen, dass man zunächst im instr. pl. *tegu7id- 
mis und in einer gleichartigen mit einem m- suffix ver- 
sehenen dualform (bei dem ausdruck für 20) die lautgruppe 
-undm- über -unm- zu -umm- -um- geworden sein und von 
einem so entstandenen tigum aus alsdann tigjus u. s. w. neu 
gebildet sein lässt. Wie sich zu *te^u- die formen mit 
u in der Wurzelsilbe ahd. -zug aisl. togr tugr verhielten, 
bleibt dabei noch eine offene frage. In bezug auf das mas- 
culinische geschlecht des Wortes vergleiche man aksl. dura 
des^ti. 

In den einzelnen germanischen sprachen begegnen fol- 
gende formen. 

Got. tvdi tigjus (dat. tväim tigum), * preis tigjus (acc. 
prins tiguns gen. prij'e tigive), fidvör tigjus, fimf tigjus, saihs 
tigjus. 

Entsprechend aisl. prir teger {tigir, tuger) u. s. w. mit 
flexion beider Wörter. 

Ahd. zwein-zug as. twen-tig ags. twen-tiz twen-ti^ mit 
starr gewordenem dativ im ersten glied (vgl. s. 26), also in- 
direct noch declinabilität des ersten gliedes im urwestger- 
manischen bezeugend. In den folgenden zehnern war