(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Musica sacra : Monatschrift für Kirchenmusik u[nd] Liturgie"

Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



PROPIRTY OF 



Midmn 



ß^ams. 




« 8«7 

BTELLFBLU fUKCHAaE l»t4 




a^ll 






1 



-ni 



S 



° 



.o e 



K 



iO 











gij 



Oc(cmndet von Dr. Franz Xaver Witt (f 1888). 



Halbmonatschrift 



fOr 



! 



Hebung und Forderung der kathol. Kirchenmnsik. 



ImosMeben m Dr. Prani Xaver laberl, Direktor der Kirchinmaeiksehnle In Regenaburit. 



* » o 



Neue Folge X., als Fortsetzung XXXL Jahrgang. 



Mit 12 MnsikbeUagen. 



-r» 



'^^®^ 




m^vcm 



Regensburg, Rom und New York. 

Ehruok und "Verlag von Friedrich 

1898. 



^ (5 ^ 






f Ih 



SIC 



ML 

. tyrrr 



v.'M 



STELLfELO 



Inhaltsübersicht 

vom 31. Jahrgang 1898 der Musica sacra. 



f. Abhandlnngen, Anft&txe, Leitartikel« 

Der neue Protektor des Cäcilienvereins, Se. Em. 
Andr. Steinhuber (mit Porträt) S. 1. — Der Kar- 
dinal von Salzburg über Kirchenmusik S. 2. •— 
Kunst braucht Gunst von allen Seiten S. 6. — 
Neu und früher erschieneneKlrchenkompo- 
Bitionen:*) S, 13, 37, 68, 97, 188, 146, 178, 224, 
229, 260. — Vom BQcher- und Musikalienmarkte : 
S. 21, 30, 73, 84, 118, 126, 166, 189, 219, 243, 
258. — Orgranarla**): (Literatur S. 26, 60, 
79, 121, 160, 238; Resolutionen des allgemeinen 
Organisten Vereins am 6. Oktober 1897. S. 26; die 
Beschlüsse des Mailänder Kongresses am 8. De- 
Eember 1897 S. 26; Über Orgelspiel S. 49; Orga- 
nistengehälter betreffend S. 77; die Orgel im Stift 
Einsiedeln S. 80 [mit 2 Illustrationen]; eine Salon- 
orgel von Steinmayer; neue Orgeln in Brixen, 
Bochum und Freising S. 246. — Das 23. Semester 
an der Kirchenmusikschule in Begensburg S. 28. ~ 
Der Priester und der Kirchenchor S. 34. — Das 
Dekret der hl. Biten-Kongregation vom 11. Des. 1897 
S. 44. — Die Charwochenmusik der älteren Vokal- 
komponisten S. 62. — Richard Wagner und Franz 
Witt S. 61. — Das römische Gradualbuch und das 
Epifome Ch-adualis Bamani S. 87. — Kirchenmusik. 
Auffuhrungen des Regensburger Domchores vom 
Palmsonntag bis Ostermontag 1898 S. 96. — Ein 
40 jähriges Bischofsjubiläum (Grundriss der Gäcilien- 
kirche) S. 113. — Vor 30 Jahren und doch heute 
S. 116, 205. — Einiluss des Pfarrherm auf die 
Kirchenmusik S. 124. — Der Volksgesang bei der 
Missa cantata S. 127. — Das silberne Jubiläum des 
amerik. Cäcilien -Vereins S. 142. — Die Gäcilien- 
kirche In Regensburg [mit 2 Abbild.] S. 161. — 
Über Choral Vortrag S. 166, 168, 181, 197. — Die 
Schlussfeicr an der Kirchenmusikschule zu Regens- 
burg S. 161. — Instruktionskurse in Turin und 
Paderborn S. 166, 208, 213. — Popularität S. 194. — 
Instruktion fllr die Regenschori in der Erzdiözese 

*) Dia nntar obtgvm Titel nnd unter der Marke „Vom 
RQcher- und Mueikaltenmarkte" beeproehenen Werke worden in 
» UntombteilanKen anegesohieden nnd eind in eigenem Regietor 
8. VI- VIII aafgexlblt. 

**) Die in dieser Rubrik beeproehenen Kompoeitionen sind im 
alphabotifoben Stobregiater 8. VIII eingereiht 



Wien S. 221, 236. — Grundstimmung der Kirchen- 
musik*. (Zum Andenken an den 10. Jahrestag vom 
Tode Dr. Wittes) S. 241. — Im Jahre 1899 S. 246. 

— Ordinariat Regensburg über DiOzesan-Cäcilien- 
Verein S. 266. 

II. Litnrgica. 

Die Herz-Jesu-Votivmesse am 1. Monatsfreitag 
S. 28. — Das Dekret der hl. Riten -Kongregation 
vom 11. Dez. 1897 8. 44. — Verbot nicht appro- 
bierter Litaneien, die wechselnden Messgesänge fttr 
das Fest des hl. Anton Maria Zaccaria S. 116. — 
Die MUsa cantata ist wirklich eine Missa sckmnis 
S. 223. — Messformular innerhalb der Oktaven be- 
treffend S. 132. 

Ilf. Ans Arotalven und Bibliotheken. 

Zur Geschichte des Kirchengesanges in Nord- 
deutschland S. 4. — Baumaterialien fttr Kirchen- 
musikgeschichte (Ingegneri, Walther Odington, 
Palestrina, Vaet. Croce, Psalmenüberschriften) S. 61. 

— Die 27 Responsorien für die Gharwoche von 
M. A. Ingegneri S. 66. — Ein vierstimmiges Haec 
dies von M. A. Ingegneri S. 90. — Die Musiker 
auf der Kaiserwahl zu Frankfurt 1612 S. 123. — 
Beiträge zur Geschichte der Ohoralbeglcitung S. 149. 

IT. Im Leseximmer. 

Die Zeitschriften über katholische Kirchenmusik 
im Jahre 1898 S. 43. — Alphabetisches - und Sach- 
register EU Nr. 1601 — 2100 des Gäcilien-Vereins- 
Kataloges. (Extrabeilage ku Nr. 12.) 

T. Yermltchte Nachrleliten und Mitteilungen. 

Amfelser, F., Jubiläum S. 36. f S. 193. — Aver- 
kamp, Kirchenkonserte in Amsterdam S. 12, 113. — 
Baden, Berichtigung zu „Mus. s." S. 78, S. 142. — 
Berlin, Konzert des Domchores S. 12. — Bimbach, C, 
t S. 144. — Birlinger f S. 261. — Bohn»s historische 
Konzerte in Breslau S. 12, 76. — Bonn, Festschrift 
zum 26. Jubiläum des Mttnsterchores S. 194. — 
Bordes, aus Paris in Turin S. 179. — Cäcilien- 
vereins -Katalog, Alphabetisches und Sachregister 
zu demselben S. 144. — Capocci, G., f S. 36. ~ 
Chicago, Einweihung des Alexianer-Hospitals S. 68. 



-ö IV ö- 



— China, e>n Missionär fülr Kirchen • Mnsik. — 
Cicognani, A., in Pesaro S. 86. — Denkmäler 
deutscher Tonkunst, bisher 2 Bände S. 196. — 
Dombim, Vorarlberger Cäcilien- Verein S. 268. — 
Dressier, F., Chordirektor in Aussig S. 194. — 
Freiburg i. B., Cäcilienfeier des Chores v. St. Martin 
S. 28. — Oallignani Gius. in Mailand S. 86. — 
GeneraWersammlung des Cäc.-Ver. 18^ S. 182. — 
Genua, K.-M.-Verein S. 69. — Gorzelniasky V. in 
Libau S. 48. — Graz, 12. Generalversammlung des 
Cäcilienvereins S. 86; Instruktionskurs 8. 148. — 
Grillparzer und die K.-M. S. 57. — Haag, M., 
Ehrung desselben S. 111. -— Kataloge für Musik 
S. 182, 265. — Kitzingen, Kirchenkonzert S. 180. ~ 
Kopenhagen, Dr. Hammerichs musikhistorische Vor- 
lesung S. 111. — Kremer, J,, t S. 48. — Kreuz- 
herren, deren K.-M. in Prag S. 76. — L.imburg, 
Bischof Dr. Dom. Willi S. 172. — Luypen, Titular- 
bischof von Orope S. 160; Consecration desselben 
S. 224. — München, Canisius von Huhn-Schmid 
aufgeführt S. 112. — Musikbeilagen zur Muskasacra 
S. 59 u. 96. — Musikunterricht an den bayrischen 
Lehrerbild.-Anstalten S. 58. — üfeurode, Stiftungs- 
fest des Cäcilienvereines S. 24. — Orgel, neue, in 
Steinweiler S. 143. — Paderborn, amtlicher Erlass 
K.-M. betr. S.Ul. — Nachträge zum Instruktionskurs 
S. 252. — Perosi, L., Oratorium: „La Passione" S. 86. 

— Pianino, das erste S. 57. — St. Polten, Anschluss 
an den Cäc.-Verein S. 172.— Dom Pothier, Abt S. 252. 

— Pütz, L., Stiftsorg, in Aachen S. 48. — Quadflieg, 
Jak., Schulrektor S. 144. — Bavanello, 0., in Padua 
S. 59. — Eegensburg, kirchenmusikalischer Kurs 
für 1899 S. 144, 220, 256. — Reinerz, Stiftungsfest des 
Cäc-Ver. S. 24. — Reiser, Bischof v. Rottenburg f 
S. 132. — Rickenbach, Jahresbericht des schwyzer. 
Lehrerseminars S. 110. — Rom, Riegers Orgel; 
Mustafä'sRhrung ; OrchesterkonzertPinelli^s ; Requiem 
im Pantheon: Konzerte an der Cäcilienakademie 
S. 59. — Die päpstliche Kommission für die röm. 
Choralbücher S. 252. — Rorate-Ämter, Missbräuche 
in denselben S. 111. — tSchildknecht, Jos., Diözesan- 
präses von St. Gallen S. 172. ^ Staude, Aug., Ehren- 
domherr S. 120. — Steinhuber, Andr., Dankschreiben 
desselben S. 86. — „Stille Nacht" S. 28. — Stimm- 
bänder-Verkauf (Aprilscherz) S. 112. — Tanz- 
kränzchen und Cäc.-Ver. S. 60, 251. — Tebaldini, G., 
in Parma S. 22. — Thermignon in Turin S. 22. — 
Thielen, P. H., St. Gregoriusritter S. 48. — Thurles, 
kirchenmus. Bericht S. 193. — Trier, Kammer- 
musik S. 76. — Turin: Neue Orgel S. 22; Preis- 
ausschreiben von Borriero und Capra S. 93; K.-M. 



Verein, Ausstellung S. 59. — Utrecht, Palestrina- 
chor gegründet S. 132. — Van Damme t S. 251. — 
„Vesperbuch, römisches" betreffend S.* 256. — 
UTaldsassener Kirchenchor in Arzberg S. 76. — 
Walter, K., MusikaufifÜhrungen im Schullehrer- 
seminar Montabaur S. 57. — Wamdorf, Stehles 
„Absalom'' S. 24. - Wecker , Rud. , kgl. Musik- 
direktor S. 120. — Weickert in Kilkenny S. 28. — 
Wölfel, 0, t 251. — Würzburg, Konzert des Schul- 
lehrer-Sem. S. 180. — Zerrbild, kirchenmusikal. 
aus Ungarn S. 120. 

VI* Offene Korrespondenz. 

Einsendungen von Kirchenmusik -Programmen 
betr. S. 24. — Orlando, Magnum opus S. 60, 96. — 
Röm. Gradualbuch S. 60. — An die firüheren Kirchen- 
musikschüler S. 112, 132, 144, 160, 172, 180, 212, 
220, 228, 244, 256. — Bausteine für die Cäcilien- 
kirche S. 112, 132, 144, 160, 172, 196, 220, 228, 
244, 256. — Neuausgabe des Lieder -Rosenkranzes 
S. 112, 160. — Harmonium von Packard, neue 
Kataloge S. 120, 196. — Messen Palestrina^s in 
modernen Schlüsseln S. 182. — Raffaels Cäcilia als 
Briefbogen S. 180, als Bildchen für Cäcilienvereins- 
Mitglieder und Bausteine für Cädlien-Kirche S. 245, 
256. — Antwort auf zwei Anfragen S. 212. — 
„Römisches Vesperbuch'' betr. S. 256, Beethoven^s 
musikal. Dankesgruss S. 256. 

Yll. Musikbeilagen. 

In Nr. 5 — 8 erschienen als Musikbeilagen die 
Offertorien des Froprium de Tempore vom III. Sonn- 
tag nach Ostern bis zum Dreifaltigkeitssonntag 
incl. für 2 Stimmen mit oblig. Orgelbegl. Es sind 
14 Originalkompositionen von: 

J. Conze, Benedictus ait vereinigte Oberst, u. 
Unterst. Nr. 53^. — L. Ebner, Meditabor S. u. A. 
Nr. 49*; BenedicttM sit T. u. B. Nr. 52*. — 
P. Griesbacher, Benedicite gentea 0. u. A., (A. If. 
ad lib.) Nr. 44*; Confbtna hoc Dem C. u. A. (A II. 
ad lib.) Nr. 46*. — M. Haller, Confitebor Domino 
T. u. B. Nr. 42*; Benedictus sit C. A. Nr. 61*. — 
P. ü. Kornmüller, Emitte spiritum tuum C. A. 
Nr. 45*. — Jos. Schildknecht, Domine Deus 
*$dlutis meae T. B. Nr. 50*. — Ed. Schmid, Conr 
firma hoc Ober- u. Unterst Nr. 48*. — Aug. Wilt- 
berger, Lauda arUma mea T. u. B. Nr. 40*; Bene- 
dicite gentes C. u. A. Nr. 41*; Cofrfitebor Domino 
Ober- und Unterst. Nr. 43*; Cor\firma hoc T. u. B. 
Nr. 47.* 



-K3 V BJ- 



Ortsnamen - Register. *) 



Aaoben 4^. 

Allleroheofeld (Wien) 286. 
Altwasier 204, 228*^, 282*. 
Amberg 251. 
Amiterdam 12*, 110. 
AnkooA 209. 
Annen 177. 
Annwoiler 21^ 249. 
AoBtA 209. 
Arnsdorf 23. 
Arxberg 76. 
ABti 209. 

Anheim 47^ 248. 
AugBbarg 58, 90, 188. 
Aussig 194. 

Bftden 285. 

Bamberg 7b*, 111, 166, 

165, 219. 
BatoTiA 160, 244. 
Bebeisheim 21*, 47*. 
Bellheim 47*. 
BoregszAss 120. 
Berg 47». 
Bergzabern 249. 
Berlin 12*, 120, 218. 
BirkenhOrdt 47*. 
Bisarchio 233. 
Blieskastel 47*. 
Bliesmeggen 47. 
Bochum 177. 
Bologna 209. 
Bonn 187*, 168, 194. 
Boppard 165. 
Bresda 209. 
Breslau 12, 7 '. 
Brighton (Engl.) 61. 
Brixen 208, 288, 246. 
Bumreiler 47*, 249. 
Batschwil 172. 

Chicago 58*, 120. 
China 110. 
Cilli 45*, 233. 
Cinoinnati 179. 
Como 209. 
Cnneo 209 
Csenstochau 227. 

Deggendorf 190. 
Deinsendorf 286. 
Diedesfeld 47*, 249. 
DinkelsbQhl 46*. 
Donauwörth 165. 
Dombim 8 258. 
Dorsten 247. 

Dortmund 187*, 165, 177. 
Dresden 64, 165. 
Duderstadt 188*. 

Ebersfeld 219. 
Edenkoben 21*, 249. 
Edesheim 249. 
Ehrenfeld 48. 
Einsiedeln 80, 211. 
Elberfeld 144, 218, 2ib*. 
Ellingen 4. 



Kllwangen 182. 
Elsass (Süd-RuBsl.) 208. 
Ems 4. 

Enneberg 85*. 
Eppan 288. 
Eflchbaoh 248. 
Essingen 248. 
Eussorthal 249. 
Ezin 188. 

Feldkiroh 94, 246. 
Fladnitz-Passoil 86, 19». 
Flemmlingen 249. 
Florenz 57, 210. 
St. Florian 250. 
8t.Franoi8l42*, 177*,250. 
Frankenthal 142 
Frankfurt a. M. 123. 
Freibnrg i. Br. 28, 218. 
Freiburg i. Sohw. 12*, 51. 
Freising 165, 247. 
Frendenthal 46*. 
Fflnfkirchen 104*. 

I Oagliano 58. 

8t. Gallen 172. 

Oand 251. 
I Qaubickelheim 149. 

Qein^heim 47*. 

QeislhOring 202*. 

Genua .^9, 209, 211. 

Germersheim 21*. 

Gleiswellor 47*, 249. 

Goch 48. 

Godramsstein 248. 

Gossersweiler 249. 

Götzis 94. I 

Graslitz 93*, 104*, 

Graz6,9*,86,93*,94*,148., 

Grossetto 209. j 

Grossgundertshausen 

234*. I 

Gramme 177. i 

Günzburg 138», 193*. 

Habelsohwert 282 

Halle 58. 
, Hallein 23. 

Hasslooh 47*. 
' HeidelbergC8adRussland) 
203. 

Heiligenstadt 165. 
, Hernais (Wien) 6. 
. Herne 177. 
> Herxheim 248. 

Hersogenburg 284*. | 

j HSchen 47*. ' 

HOrdt 47. 
; Hofstede 177. 
I Homburg 21*. 

Hurlach 202*. 

Hatschenhausen 47*. i 

Innsbruck 105*, 111, 208, 

247. 
Insheim 47*, 248. 
lyrea 209. 



Jfigemdorf 59. 
Jägersburg 47*. 
Jerusalem 2a3*, 258. 
Jookgrim 47*. 
Josefsthal 208. 

Kaiserslautern 47. 
Kapsdorf 232. 
Kapsweiler 47*. 
Karlsruhe (8Qd-Ruisland) 

130*, 202. 
Katschari 2^3. 
Kelheim 46*, 244. 
Kempten 251. 
Kilkenny 48. 
Kindsbaoh 47*. 
Kirohenarnbaoh 21*. 
Kirrweiler 249. 
Kitzeck 193. 
Kitztngen 180. 
Kleinaitingen 202*. 
Köln 4, 77, 198, 150. 
Kopenhagen 111. 
Kosthlim (SQdRussl.) 208. 
Kowno 228. 
Krefeld 204*. 

liambaohlO*, 130*, 179*, 

248 251. 
Landaui.'p'f. 21*,165,24P. 
Landshut 190. 
Langendreer 177*. 
Lauingen 188. 
Larant 233. 
Lechfeld 202*. 
Leitmeritz 147, 249. 
Liban 48. 
Lichtenfels 219*. 
Lienz 247. 
LimburK 172. 
Linz 78, 249. 
Lozern 59. 

Hährisch-SchOnberg 35*, 

194. 
Magdeburg 218. 
Maikammer 21*. 
Mailand 19*, 86, 209. 
Hainburg 234*. 
Mainz 149. 
Mallersdorf 202''. 
Mannheim 150. 
Mariaschein 207. 
Marienbad 165. 
Marienstadt 172. 
8t. Martin 249. 
Martinshöhe 48*. 
Mautem 105*. 
8t. Michael 238*. 
Milwankee 179. 
Modena 209. 
MOrlheim 21*, 48*, 248 
Mörzheim 21*, 48* 248. 
Montabaur 57, 14U. 
München 122, 208. 
Münchweiler 21*. 
Manchwies 47*. 
Münster i. W. 182. 



üfesselwang 188. 
Keukandl (SQd-R.) 20:>. 
Neurode 24. 
Neusatz 106*. 
Nenstadl 48*. 
Niederwürzbach 21*. 
Nordhausen 58, 190« 

Oberhochstadt 249. 
Oberigling 202*. 
Obermohr 48*. 
Obemdorf 23. 
Odessa 202. 
Offenbach 48*, 24.^'. 
Olpe 5. 

Orope 100, 244. 
Ossegg 207*. 
Otterbach 20*, 4S*. 
Öttingen 247. 
Oudonbosch 244. 
Oxford 51. 
Ozieri 223. 

Paderborn 5, 111, 16;', 
177, 208, 218, 220, 262. 
Padua 59, 107*. 
Palestrina 51. 
Paris 179. 
Parma 22, 209. 
Passail 36, 193. 
Passau 107*, 190. 
Patsohkan 282. 
Peking 110- 
Pesaro 86. 
8t. Petersburg 227. 
Pfaffenberg 202*. 
Pfarrkirchen 190. 
Pforz 21*. 
Piacenza 209. 
Pirmasens 21*, 48*. 
Plook 228, 227. 
8t.P01ten7d,165,172,23'/. 

Prag 76*. 
PragEmaus 207. 

queiohheim 48% 249. 

Bagusa 36*, 108*. 

Ramberg 249. 

Ransohbaoh 249. 

Reohtenbach 48*. 

Regensburg 10*, 28, 4b*, 
98*, 95*, 118, 140*, 144, 
151, 161, 245, 25r>. 

Reggio Emilia 209. 

Reifenberg 48*. 

Reinerz 24. 

Reinhausen 48. 

Ratz 286. 

Rheinzabem 48*. 

Rimioi 209. 

Roohester 47*. 

Rockenhausen 48*. 

Rohrbach 48*. 

Rom 1, 20, 86, 59*, 116, 
120, 252. 

Roschbach 249. 



*) Anf den mit einoiii * versehenen Seiten linden sieh Berichte Ober kirchenmuttikalisohe Aufltthrnngen. 



.-ö VI' ei- 



Rotienburg 132. 
Kttckenbaoh 110. 

»Alzburg 2, 10*, 57, 58, 
108* 140*, 154* 165. 
Sandelzhausen 2W. 
Sarnowo 228. 
Saulgau 2.51. 
Sohaidt 48^ 
SohesBlitz 219. 
Sohifferstadt 48'*'. 
Bohlegel 24*. 
Sobwaz 247. 
Seligentbai 20*, 120* 
Sia-miao-Oll-kon 110. 
Bondernbeim 48*. 
Speyer 21, 47, 141. 
Sprottau 120, 204, 282. 
Stadlau 236. 
Staffelatein 219. 



Steganraob 219. 
Steinaob 247 
Steinfeld 48*. 
Steinweiler 143. 
Stockerau 236. * 
Stötten 108*, 138. 
StraBBburg i. E. 158, 16.^ 

185. 
Strassburg i. Süd-R. 203. 
Straubing 190. 
Salz 180. 



Thnrles 198* 
Tiraepol 202. 
Traizmaner 234*. 
Trient 20, 109*, 150, 166, 

179*, 209. 
Trier 76, 123, 165. 
Tübingen 51. 



Turin 22, 59, 154, 165, 
179, 208. 

Uniermeitingen 202*. 
Utrecht 132. 

Venedig 36, 175. 
Vercelli 209. 
Yolkenzohwand 234. 

IValdbambaob 249. 
WaldzazBen 109*. 
WallenfelB 219. 
St. Wandrille 252. 
Warndorf 24. 
Warschau 227. 
Wartha 128, 144. 
Woismain 219. 
WettenhauBen 51. 
Weyber 48*, 249. 



Wien 51, 73, 94, 109, 

130*, 221, 236, 256. 
Wien-DObling 236. 
Wien-PreBBbaum 236. 
Wien-Strebersdorf 236. 
Wiener-NeuBtadt 235. 
Winkel 149. 
Winnwoiler 48*. 
Witten 177. 
WitterBheim 48*. 
Wloolawek 228 
WorbiB 138. 
WormB 150. ■ 
Würzburg 165, 180, 191. 
Wyl 165, 172. 

Zarskö-Selo 227. 
ZiegenhalB 204, 251. 
Zug 191. 
Zweibrüoken 21*,48*,14l*. 



Alphabetisches und Sachregister 

der im 31. Jahrg. (1898) der Mus. s. angezeigten und besproclienen 

Eompositionen und Werke. 



1. Choralgesänge. 

Gompendinm Antiphon, et Brev. Rom. S. 250. 

Enobiridion Qradualis Rom. S. 87, 134. 

Gradnale Rom. in 8^. S. 250. 

Kjriale Romannm. S. 87. 

Ofßoium maj. bebd. S. 2.^)0. 

Ordinarium missae. 8. 87. 

Psalterium Yespertinum in Cboral- und in weissen 

Noten (F. Haberl). 8. 250. 
Römisches Gradualbaoli. S. 87. 

2. Messen. 

Allmendinger, G. Op. 16. 4 st. S. 133. 

Op. 13. 3 Mst. 8. 173. 

Arnfelser, F. Op. 101. 3 gem. St. m. 0. 8. 38. 
Bartholomeus, Tb. 4 Mst. m. 0. 8. 38. 
Gonze, Job. Op. 6. 4 Mst. S. 229. 
Diebold, Job. Op. 62. 48t. 8. 38. 

Op. 72. 4 st. S. 39. 

Ebner, Ludw. Op. 11. 4 st. m. 0. 8. 98. 

Op. 42. 2 St. (Ober- n. Unterst.) m. 0. S. 173. 

Op, 44. 3 gleiche 8t. m. O. 8. 220 n. 225. 

Op. 4.'). 2 St. (8. u. A.) ni. 0. 8. 230. 

Eder, P. Viktor. Op. 4. 48t. 8. 220 u. 225. 
Graf, Bonif. Op. 10. 2— 4 st. m. 0. 8. 173. 

Op. 11. 4 st. m. 0. 8. 173. 

Op. 12. 4st. m. 0. 8. 173. . 

Greith, C. Op. 20. 2 gleiche St. ra. 0. S. 174. 
Griesbacher, P. Op. 26. 3 Oberst m. 0. 8. 13. 

Op. 25. 2 St. (Ober- n. Unterst.) m. 0. 8. 39. 

Op. 28. 4 st. m. 0. 8. 70. 

Qruber, Jos. Op. 87. 3 Mst. m. 0. 8. 135. 

Op. 51. 4 St. m. Orob. 8. 146. 

Qruberski, Eng. 4 Mst. m. 0. 8. 174. 
Habert, J. Et. Op. 55. 4 st. m. Orcb. S. 100. 

Op. 8. 4 St. m. 0. 8. 100. 

Haller, M. Op. 7a 15. n. 16. Auflage. 2 Oberst. 
8 14, 230. 

Op. 69«. 8 St. (A. T. B.) m. 0. 8. 70. 

Op. 69b. 3 Mst. m. 0. S. 70. 

Op. 7 b. 4 St. m. 0. 8. 135. 

Op. 71. 5 St. S. 135. 

Joohnm, E. 5 st. 8. 14. 

Kohler, Alois. Op. 1. 4 st. 8. 101. 



Kretsobmer, Edm. Op. 56. 4 st. 8. 14G. 
Lipp, Alb. Op. 46. 4 st. m. 0. 8. IG. 

Op. 61. 4st. m. 0. 8. 16. 

Op. 66. 4st. m. 0. 8. 71. 

L5ble, A. Op. 6. 48t. gem. Chor. 8. 17.^>. 
Mettenleitcr, Bern. Op. 40. 4Bt. S. 17. 

Op. 95. 4 Mst. 8. 101. 

Mitterer, Ign. Op 76. 4 Mst. m. 0. 8. 71. 
Molitor, J. B. Op. .^2. 4 Mst. 8. 147. 
Pagella, Oior. Op. 5. 2 Oberst, m. 8. 101. 
Perosi, Lor. 3 Mst. m. 0. 8. 175. 
Plag, Job. Op. 24. 1 Ober- u. 3 Unterst. 8. 220 

u. 230. 
Qnadflieg, Jak. Op. 12 b. 58t. S. 40. 
Quasten, Jos. Op. 1. 4 st. 8. 17. 
Ratbgeber, G. Op. 16. 3 Mst. 8. 18. 

Op. 23. 4 Möt. 8. 220 u. 230. 

Renner, Jos. jnn. Op. 31. 2st m. 0. 8. 72 u. 102. 
Rheinborger, Jos. Op. 190. 4 Mst. m. 0. 8. 231. 

Sobmidtkonz, M. 4 Mst. m. 0. 8. lO.'l 
Schmitz, P. Op. 7. 4 Mst. S. 220 u. 231. 
ScbOlIgen, W. Op. 6. 48t. 8. 72. 
Schwarz, Ant. Op. 12. 4 Mst. m. 0. S. 148. 
Singenberger , J. 2— 48t. m. 0. 8. 41. 

St. Galli. 2— 3 St. m. 0. 8 42. 

3 Oberst, m. 0. 8. 103. 

3 Mst. m. O. 8. 149. 

3 gleich.. St. 8. 220 n. 231. 

4Mst. m. 0. 8. 250. 

Stehle, Ed. Preismesse. 48t m. 0. 8. 220 u. 231. 
Tappert, H. 2 Oberst, m. 0. 8. 149. 
Thiel, C. Op. 17. 58t. 8. 72. 

Op. 18. 48t m. 0. u. PoB. S. 104. 

Tranken, P. J. Op. 2. 4 u. 5 Mst 8. 18. 
Wiltberger, Ang. Op. 74. 2 Mst. m. 0. 8. 104. 
Witt, Fr. X. Op. 8. 7. Anfl. 4 Mst m. 0. 8. 18. 

Op. 19b. 48t ro. 0. 8. 19. 

Zoller, G. Op. 26. 2 gleiche St m. 0. S. 177. 

3. Requiem. 

Bill, Jos. sen. 48t m. Orcb. 8. 97. 
Gasciolini, Cland. 3 Mst S. 220 n. 225. 
Cervi, L. A. T. u. B. (ambros. Ritus). 8. 166. 
Deschermeier, Jos. Op. 17. 48t 8. 97. 



-ö VII DJ- 



Diebold, Job. Op. 71. Choral m. 0. 8. 39. 
FoBohini, Qaet. Op. 1 15. 2 gleiche St m. 0. 8. 135. 
Haller, Mioh. Op. 3. 48t. 8. U. 
Mttuerer, Joh. Op. 4. 4Bt. m. 0. 8. 146. 
PeroBi, L. 3 Htt m. 0. 8. 176. 
Rathgeber, G. Op. 18. 4 HBt. m. 0. S. 148. 
Renner, Job. jun. Op. 1?. 2 Obervt. m. 0. 8. 102. 

Op. 43. ÖBt. 8. 102. 

SohiffeU Job. Op. 16. 4Bt. 8. 41. 

4. Latein. Motetten, 6raduaL, Offert, etc. 

Ahle, Dr. J. N. Conflrma hoo. 4Bt. 8. 98. 

Allegri-Filke. Lamentat. 48t. 8. 87. 

BOoker, Dr. P. 16 GeBänge für die Charwoohe. 

4 u. 5 eem. 8i 8. 68. 
BosBi. M. E Op.96. «Tota palchra.'' 48r. m. 0. 8.21. 
Byrd, William. „JuBtorum animae.** 58t. 8. 229. 
CerTi, L. 8 Motetten. 2- u. 4 bt. 8. 16G. 

7 Motetten. 2- u. 48t. 8. 166. 

Coronaro, A. Tola pnlchra. 3 Mi»t. m. 0. 8. 21. 
DeBohermeier , Job. Op. 81. 25 Offertorien. 4 et. 

8. 220 11. 22ri. 
Devalle, L. Angelas Domini. 48t. 8. 253. 
Ebner, Lndw. Op. 43. 10 Qes. f. d. hl. Cbarwoche. 

4— 5Bt. 8. 173. • 
£pp, Heinr. 8tabat mater. 4Bt. m. 0. 8. 69. 
Ett^ C. Cantioa Baora. 4. Aufl. Ton M. Mayer. 8. 98. 
Filke, M. Op. 70. 2. Lief. Offert 48t. m. Orch. 8.69. 
FoBohini, G.F. Op. 112. £oco8aoerdofl.4 8t.m.O. 8. 70. 
FttrBt, Konr. Op.58. „Kooe BaoerdoB.** 48t. m.O. 8. 98. 
Greith, 0. Op. 19. Ate Maria. 3 Oberst, m. 0. 8.22. 
Greith, C— Mitterer. Grad. u. Offert. 8. 134. 
Gmber, Job. Op. 109. 2-4 8t. Asperges etc. 8. 230. 
Habert, J. £y. Liber gradualia. 8. 99. 
Haller, M. Op 18. 10 Motetten. 2 Oberst, m. 0. 

S. 101. 
Ingegneri. 27 Besponsorien für die Charw. 8. 6G. 

Haeo dies. 8. 90. 

Krakanip, Fei. 10 Mot. Torsohiedener Kompon. 8. 186. ' 
Nekes, F. Op. 33. erux aie 6 st. 8. 230 
Offertorien, 2Bt.m. O. Mnsikbellagen derMuB s. 1898. 
Orlando^B Magnnm op. muB. 9. Band. 8. 33. 
PaloBtrina-Bewerunge. 6 Motett. 5MBt. 8. 71. 
Palestrina-Haberl. Dies sanotiflcatiiB. 48t. 8. 16. 

— — — — 8icnt oerroB. 4Bt. 8. 16. 

— - — — hone JeBU. 6Bt. 8. IC. 
Palestrina-Haller. quantns lactns. 48t. 8. 16. 
PeroBi, L. £oce sacerdoB. 68t. 8. 175. 
Pichler, B. J. Hora jam OBt 48t. 8. 244. 
Schiffels, Jos. Op. 10. Gradualien in zwei Aas- 
gaben. S. 41. 

Yictoria, T. L. de. Officium hebd. sanct. 4— 8 st. 

8. 42 a. 73. 
Witt, Dr. Fr. X. Op. 34. 155 Gradaal. Torsohied. 
Kompon. 8. 78. 

5. Latein. Hymnen, Psalmen, Litaneien etc. 

Allmendinger. Op. 17. 8 Ges&nge sar InvoBtitar 

eines Pfarrers. 4— Sst. 8. 73. 
Alt, J. W. Vesper für Ostern. 4 st. m. 0. 8. 68. 
Cohen, C. Op. IIa a. b. 5 Fronleichnamshymnen. 

4 gem. oder Mftnnerst. m. 4 oder 8 Pos. 8. 173. 
Deigendesoh, K. 2 YotitTespem. 4 Mst. 8. 145. 
Demattia, A. 10 Gesftnge f. Fronl. 48t 8. 133. 
Desohermeier, Jos. Op. 16. 6 Hymnen. 4 Mst. 8. 38. 
DeTalle, Lor. Op. 34. salat. ] st. m. H. 8. 166. 

— - Op. 31. Tantam ergo. Ist. m. 0. 8. 254. 
Dobler, J. Op. 2 a. „Gloria Deo.'' 4 Mst. 8. 85. 

Op. 2b. „Landate Deum.** 4 st. 8. 8.^. 

Ebner, L. Op. 40. 10 Antiphonen n. Hymnen. 2 st. 

m. 0. 8. 13. 
Engelhart, Fr. X. Bespons. f. Fronl. 4— 6 st. 8. 133. 



Fischer, C. Op. 9. 13 Magnifloat u. 2 Benediotas. 

5 St. 8. 145. 
Foschini, G. Op. 113. Te Deam. 48t. 8. 134. 

Pb. Dixit Dom. 48t. 8. 135. 

Gessner, A. 5 Hymnen 88. 8acram. 4M8t. m. Pop. 8.99. 
Goller, VinE. Lit. lauret. 2 Oberst, m. 8. 174. 
Griesbacher, Pet. Op. 19. Fronleichnamsgesänge. 

48t. 8. 220 a. 226. 

Veni Creator. Op. 27. 4— 78t. 8. 14. 

Haller, Mioh. Op. 16. Landes eachariflt. 8. 136. 
Hamma, Fr. Op. 24. „Aula cantoram.*' 4 M8t. 

8. 220 u. 226. 

- - — Op.25. „8urBum corda." 4 gem. 8t. 8. 220 u. 226. 
Holain,Lud. Op.l5. Te Deam. 4 st. m.O. 8.220a. 226. 
Jooa, Osw. Op. 19. Votivvesper B. M. V. 4Bt 8.89. 
Lipp, Alb. 10 Fange lingua. 4 n. 28t. 8. 15. 

12 eucharist. GeBänge. 2 a. 38t m. 0. 8.15. 

Lateinische Kirchengesänge. (Hymnen, Anti- 
phonen u. s. w.) 4 Mst. ni. a. o. 0. 8. 15. 

Op. 68. 6 lat. Kirchengesänge. 48t. 8. 16. 

Veni Creator. 4 st. m. 0. 8. 146. 

Op.64. 4 Lieferangen. 2— 4 st. 8. 220 a. 230. 

Mandl, Job. Lit. lauret. 3 gem. 8t. m. 0. 8. 16. 
Mittertrr, Ign. Op. 80. Landes 88. 8acram. 48t. 

m. Orch. S. 146. 
Molitor. J. B. Op. 33. „Cantus sacri." 4 Mst. 8. 147. 
NekeB,.Fr. Op. 32. Lit. lauret. 3 gl. St. m.O. 8. 101. 
Nikel, Em. Op. 35. Kirchengesänge (lat. u. deutsch). 

48t. 8. 85. 
Perosi, Lor. „Melodie sacre.'* 20 für 1, 2 und 

mehret, m. 0. 8. 40. 

Ve8perae Nativ. Dom. 4 8t. 8. 175. 

Poszolo, B. Fange lingua. 3 et. (A. T. B.) m. 0. 8. 72. 
Remondi, Rob. Op. 53. Padge lingua. 2 Oberet. 

m. 0. 8. 72. 

— - Op. 55. Lit. lauret. 2 gl. 8t. m. 0. 8. 30. 
RenatuB de Mel. Lit. lauret. 5st. 8. 40. 
Renner, Jos. jun., Op. 34 a u. b. 10 Yen! Creator, 

14 Fange lingua. 4— 8 st. 
Schiffels, Jos. Op. 20. 6 Hymnen. 4 Mst. 8. 103. 

Op. 18. Vesp. Totiv. 4 Mst. 8. 108. 

Op. 18 a. Mar. Antiph. 4 Mst. 8. 103. 

8chmid, Fr. „Die Psalmen der Vesper.*' Ist Choral. 

8. 75. 
8ingenberger, Joh. YIII cant.sacri. 2 gl 8t. m. 0. 8.42. 
8tehle, J. G. E. Te Deum. 8 gem. Ob. 8. 250. 
8trnbel, Jak. Op. 42. Lit. lauret. 4 st. m. 0. 8. 103. 
8zupper, A. Op. 60. 5 liturg. Gesänge. 8. 176. 
Waltrup, P. Bonav. Lit. 88. nom. Jesu. 48t. 8.149. 
Weinberger, K. F. Op. 40. Pealm Miserere. 48t. 

m. 0. 8. 42. 
Wiltberffer, Aug. Op. 71. Lit. lauret. 4 Mst. 8. 18. 
Zoller, G. 16 Fange lingua. 4 Met. 8. 220 u. 232. 

6. Mehrstimmige deutsclie Kirchengeeänge 
und VolIcsgesangbUcher. 

Allmendinger, Karl. Op. 17. Zur Investitur eines 

Pfarrers. 8. 73. 
Blied, Jak. Op. 10. „Hosianna.** Gesangbuch. 8. 32. 
Cohen, C. Psallite Dom. Gesangbuch. 8. 119. 
Colloredo-Mels. 6 Marien-Lieder. 4 st. 8. 32. 
Deschermeier, Jos. Op. 22. 3 Hers- Jesulieder. 4 st. 8. 32. 
Fiesel, G. Op. 10. Bischofempfangslieder. 4 st. 8.85. 
Gabler, Jos. „Te Deum laudamus.** Gesangbuch. 8.73. 
Greitb, K. ^eibnachtslieder. 2 u. 3 st. 8. 22. 
Griesbacher, P. Op. 29. Marlenlob. 4— ^st. 8.244. 
Haberl. Liederrosen krans. 60 Marienlieder zu 4 u. 

5 Mst. 8. 118 u. 190. 
Haller, Mich. Op. 17o. MaiengrQsse. 8. 118. 

Op. 32. Mariengarten. 8. 118. 

Inno cattolico. Harmonisiert fon Cervi und Terra- 

bugio. 8. 22. 



-*3 VIII Gh 



Joohnm, Eng. „Si quaerie miraoula/* S. 16f. 
Leitner, G. A. 3 Ironleiohnamslieder m. 0. o. m. 

Blechbegleitnng. S. 167. 
Lipp, A., 10 Weihnaohtolieder. 4 gem. St. S. 254. 

3 Marienlieder. 4 gem. St. S. 254. 

Lttdke, Aug. 67 kath. Kirchenlieder. 4 Hat. S. 254. 
Mitterer, Ign. Op. 77. Cantioa Hariana. 4 8t. ni. 

Oroh. S. 126. 
Molitor, P. Qregor. „Rosenkranz.^* S. 119. 
Nikel, Em. Op. 35. Klrobengesänge. S. 85. 
Piel, P. „Lumen oordium^S Gesangbuch. 8. 118. 
Schnb, Job. Bittgesang z. hl. Joseph. 28t S. 168. 
Tberesius, P. Op. 11. Lourdes-Lied. 4 st. S. 244. 
Walczyüski, Fr. Op. 16. Polo. Gesangbuch. S. 31. 
Wiltberger, Aug. Op. 27. Marienlieder. 3 Oberst. 

m. 0. S. 75. 
Zimmermann, J. Op. 9. „Heil nnserm Bischof.** 

3 Ausgaben. S. 31. 

?• Orgel- und Harmoniumkompositionen. 

Becker, C Organum ad Ordin. Missae. S. 79. 
Bossi, Enrico. Op. 49. Scherzo. S. 160. 
Bottazzo, L. Op. 110. 6 Trio f. 0. S. 160. 
Ebner, Ludw. Op. 32. 3 grossere Prftlnfjlien. S. 174. 
Gruber, Jos. Handbuch f. Org. S. 79. 
Habert, J. E. Org.-Bej^l. z. Gesangbuch. S. 74. 

Op. 101. Orgeleohule. S. 121. 

Hörn Mich. Orgelbegl. z. Ord. Miss. v. Solesmes. 8. 239. 
Kothe, B. „Orgelkompositionen.** S. 239. 
L'Organista italiano. 20 Orgelstücke. S. 27. 
Monar, A. Jos. Op. 15. Praclud. S. 122. 
Palme, Rud. „Der praktische Organist.'* S. 239. 
Piel, Pet. Op. 85. 2 Hefte, je 60 Stacke. S. 240. 
Qoadflieg, Jak. Orgelb. f. d.Diöz. Münster. LTeil. S.50. 
— — II. Teü. S. 160. 
Benner, Jos. jnn. Op. 39. 10 Trio. S. 26. 
Schildkneoht, Jos. „Harmoniumsohule.** S. 240. 
Schwarz, A. 2 Hefte. Orgelbegleitung zu den 

Responsorien. S. 240. 
Sursyiiski, Stef. Prael. u. Trio. S. 51. 
Tan der Linden. 7 Orgelstücke. S. 26. 
Walcsyüski, Fr. 56 Praeludien. S. 27. 

8. Theoret., Ssthet., geschieht!. Werke. 

Berghold, Jos. „Ehrenkrone d. hl. Joseph.** S. 31. 

DechoTrens, A. ,3jthm. gregor.** S. 16f^. 

Deoreta authentica 8. B. C. S. 166 u. 243. 

Düring, K. H. Über Ch. G. Schr5ter*s Hammer- 
meohanik. S. 190. 

DürmüUer, J. Bericht über „Hl. Kreuz**. S. 243. 

Enrico dj San Mariino. Saggio critico. S. 74. 

Fotchini, G. F. Esposieione d. Mus. i. Turin. 8. 254. 

Fraisen. Bitualbuoh d. Diöz. Schleswig. S. 254. 

Gebele, M. Kalender f. kath. Lehramtskandidaten 
u. für kath. Lehrer S. 244. 

Haberl, F. X. Kirohenmns. Jahrbuch 1898. S. 33. 

„ „ 1899. S. 255. 

Hess, M. Deutscher Musiker- Kalender. 8. 244. 

Kamp und Dierkesmann. Lehrer - Schematismus u. 
Kalender. S. 167. 

Kataloge mnsikalisch-antiquar. S. 132, 255. 

Kirchrath, P. Anleitung zu rationeller Gesang- 
methode. S 2r>4. 

KSstlin, H. A. Umrissd. Musikgesch. 1. Heft. 8. 126. 

Kreischmar, Dr H. „Konzertführer.** 8. 74. 

Kullak, Fr. „Vortrag der Mnsik.** 8. 32. 

Magister choralis. Span. Übersetzung. 8. 126. 

Mever, Wilh. „Über Motetten.'* 8. 126. 

Monier, Dr. A. Die grieoh., grieohisoh-r5m. n. alt- 
christlich-Iatein. Musik. S. 255. 

Musikkataloge u. Prospekte. S. 83 u. 255. 



Niederbayem, ans. Jahresbericht der Lehrerbild.- 
Anstalt 8. 190. 

Prüfer, Dr. Arth. Briefvreohsol swisohen K. Winter- 
feld und E. Krüger. 8 167. 

,,BeToe internationale de mnsiqne** Zeitschrift. 8. 85* 

Ri^mann, Dr.Hugo. Goschichte der Musiktheorie. 8. 244. 

Robert, Gnst. „La musique k Paris.** 8. 75. 

Schmidt, Ant. Wilh. Dissertation über Hothby. 8. 75. 

Vogel, Dr. Emil. Jahrbuch ron Peters f. 1898. 8. 86. 

Weber, W. Orat. „Israel in Igypt.'* von Händel- 
Chrysander. 8. 255. 

Werker. „Tonalitftts-Theorie.** 8. 127. 

Würzburg. Musikschalbericht. 8. 191. 

9. Kompositionen für Scliule, Haus, Konzert etc. 

Adam, A. Die Christnacht. l-a.3st. m.Harm. 8.254. 
Aletter, W. „Melodia** für Klarier. 8. 125. 
Becker, Albert. Op.89. 2 dentsche Psalmen. 8 st. 8; 85. 
Boers, J. C. „An die hl. Cäcilia.** Chor u. Solo. 8.253. 
Bonrin, L. Op. 36. Ges. z. Schansp. .,GK>tt schützt 

das Recht.'* 8. 253. 
Op. 40, 41, 44. Einstimm. Lieder mit Klavier- 
begleitung. 8. 253. 
Deschermeier, J. „FrühllngsblÜten.** Ist. m. Klar. 

8 166 

Op. 23. 5 Festges. 4 Mst. S. 32. 

Op. 25. 4 Festch6re. 4 st. 8. 32. 

Devalle , Lor. Op. 34. salutaris hostia. 1 st. m. 

Harmonium. 8. 166. 
Diepenbrook', A. J. M. Stabat mater. 8. 73. 
Ebner, L. Op. 21 8 Lieder, Op. 22 1 Jftgerlied. 

4 Mst. 8. 118. 
Egler, A. Op 27 n. 31. 2 Lieder. 4 Mst. 8. 243. 
Finotti, Ant. Canoni retrograd!. 8. 166. 
Malier, M. Op. 67. „Institutsleben.*' 3 Oberst, m. 

KlaTier. 8. 85. 

' Op. 32. 5. Aufl. Mariengarten. 8. 118. 

Herrmann, W. Op. 36. 2 Gesfinge. 4 st. 8. 85. 
Hoft, N. „Ehre sei Gott.** 3 Oberst. 8. 254. 
üorkk, Ed. Klanerschule. S. 166. 
Jansen, W. P. H. „Eine Fraoenhand.'* 8. 126. 
Kittan, G. „Herr, nun Iftssest da.** 4 st. 8. 254. 
Lehmann, Fr. „Liederborn.** 4 gem. St. S 22. 
Lipp, Alb. Op. 52 a n. b. Ein Trannngslied. 4 st. 8. 22. 
Lobmann, Hugo. Liederbuch für kath. Schulen. 8. 190. 
Machts, K. „Aus d. Lebens Mai** f. Klav. 8. 167. 
Mende, P. Op. 12. „In Freud und Leid** für Klav. 8. 167. 
Mendelssohii-Filke. „Selig sind die Toten.** 4 gem. St. 

8. 254. 
Mittmann; P. Op. 109. Papsthymne. lst.m.Begl.8.22. 
Moissl, Fr. Willkommgruss. Münnerchor. 8. 167. 
Molitor, P. Gregor. „Rosenkranz.** 8. 119. 
PaleBtrina,G.P.-Schreck,J. Tenebraef.gr. Oroh. 8.31. 
Pichler, R. J. Motette deutsch. 8. 75. 
Pozzolo, B. Ave maris Stella. 8. 30. 
Bauscher, M. Papsthymne. 8. 75. 
Rndniok, W. Op. 28, 29, 31 Ges&nge, 34 Andante 

für 2 V., Vdlo., Klav. u. Harm. 8. 30. 
Sohaick, J. 8. ran. ,.St. Joseph.*' Orator. 8. 167. 
Scholze, Ant. „Orgellehre.** 8. 80. 
Schreck, G. Op. 82. Adventsmotette. 5 st. 8. 254. 
Slunicko. Op. 19. „Tater unser.** 3 Ausg. 8. 86. 

Weihnachtszeit. 8 Ausg. 8. 255. 

Strubel, J. Op.43. „Amphion.** Für gem. Chor. 8. 189. 
Thiel, C. Op. 10. 2 goistl. Gesänge. 4 st. 8. 86. 
Waldmann von der Au. „Liedergarten.** Für gem. 

Stimmen. 8. 31. 
Wiltberger, Aug. Op. 70. „Die hl. Agnes.*' Cantate 

für 3 Oberst, m. Begl. S. 33. 
— — Conoertino für Yiolin und Klavier. S. 244. 



1398. Regensburg, am 1. Januar 1898. |^n 1 



MUSICA SACRA. 

GegTttndet Ton Dr. Frans Xayer Witt (f 1888). 

Halbmonatsclirift für Hebnng and Förderung der MM. Kirclieniniisik. 

Herausgegeben Ton Dr. Frans Xayer Haberl, Direktor der Kirohenmusiluchnle in Begensburg. 

Neue Folge X., als Fortsetzimg XXXI. Jahrgang. Mit 12 Musikbellagen. 



Die ,,Mtuiea $aen^* wiid am 1. und 15. Jeden Monats aaafi:egeben. Jede der 24 Nummern nmliust 12 Seiten Text. Die 12 Miuik- 
beilagen (48 Seiten) werden in den Nnmmem 5—8 yeraendet werden. Der Abonnementpreia des Jahrgänge betrftgt 8 Mark; die 
Beatellong kann bei fader Poatanatalt oder Bnobbandlnng erfolgen. — Bei der Reiobapoat mit 20 Pf. Anfaohlag. Bei franko Zuaendnng 

unter Streifband in Dentaohland nnd Österreich-Ungarn 4 Mk. — ins Analand 4 Mk. 80 Pf. 

iBkaltalbanlehi; Der neue Protektor des Cioilienyereines (mit Porträt). — Der Kardinal von Salzburg 
aber Kirohenmasik. — Ans Archiven nnd Bibliotheken: Zar Geschichte des Kirohengesanges in Norddeuteohland. — 
Kunst braucht Ounst Yon allen Seiten. — Kirchenmnsikalische Aufffihrungen nnd Berichte aus: Grai, Lam- 
baoh, Regensbnrg, Sa^sburg. — Vermischte Nachrichten und Mitteilungen aus: Amsterdam, Berlin, Breslau, Frei- 
burg i. Schw. 

_L 



Der neue Protektor des Cäcilienvereines 

8e. Eminenz Kardinal Andreas Steinhuber 

ist am 11. November 1825 za Unterattlaa bei Griesbach, Diözese Passaa, ge- 
boren uad wurde nach seinen von 1845 — 1853 im deutschen Eolleg zu Rom 
gemachten Stadien dortselbst zum Priester geweiht Im Oktober 1857 trat er 
in das Noviziat der Gesellschaft Jesu (österreichische Ordensprovinz) und wurde 
bereits 1867 als Rektor des deutschen Kollegs nach Rom berufen. Diese Stellung 
bekleidete P. Steinhuber 13 Jahre lang und sammelte in Mussestunden das 
Material für eine Geschichte des CoUegium Qermanicum Hungaricum, — ein 
Buch, das über Pflege des Sarchengesanges und der Musik im deutschen Kolleg 
sehr wertvolle und wichtige Nachrichten enthält.^) 

Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. ernannte den einfachen Jesuitenpater, 
welcher seit 1880 als Konsultor in den päpstlichen Kongregationen durch seine 
Arbeitskraft und Frömmigkeit der Kirche überaus grosse Dienste geleistet hat, 
am 18. Mai 1894 zum Kardinal der römischen Kirche*) mit dem Diakonaltitel 
S. Agata alla Suburra, und übertrug dem als Präfekt der Index - Kongregation 
aufgestellten Kirchenfürsten, neben den zahlreichen Funktionen als Mitglied 
verschiedener Kongregationen (djaxunter auch der S. R. C), am 23. Oktober 1897 
das Protektorat des deutschen Oäcilienvereins. 

Möge der hohe Gönner diese offizielle Vertretung des kirchlichen Oäcilien- 
vereins beim heil. Stuhle recht viele Ji^e beizubehalten sich würdigen, denn 
auch die Kirchenmusik will jenem höchsten, des Menschen allein würdigen 
Zwecke dienen, dem alle übrigen Bestrebungen untergeordnet sein müssen, 
nämlich der Mehrung der göttlichen Ehre.^^) 

Dasselbe erschien 1895 in 2 Bttnden bei Herder in Freiburg und hat im „Kirchen- 
musikalischen Jahrbuch** wiederholt als reiche Quelle gedient. Auch in der Munca (focra 
(vgl. 1896, S. 195) wird es noch öfters erwähnt und benützt werden. 

') Das neueste Porträt Sr. Eminenz s. S. 3 ist dem Prachtwerke „Die katholische Kirche 
unserer Zeit und ihre Diener in Wort und Bild", herausgegeben von der Leogesellschaft in 
Wien, entnommen. 

') Aus dem Vorworte Sr. Eminenz im erwähnten Buche S. XL 



Jooh 

^ B," Der Kardinal von Salzburg übej 



Bl< 
Lipp 



3 



Bec 

B08 

Bot 
Ebr 
Gnj 
Hai 

Hol 
Kot 
L'C 

no 



Sur 



Be 



K 
K 

K 
K 



Die Ansprache, welche Se. Emi-r-Lz Kirl Hill^r zw Salzbnr«^ i' 
Festversammlong des Cäcilienrerein^s as 5. Fv^t.'^^ 15^7 eehalteii 



Lüdl 

Mitt( lautet also:') 

Or 
Holii 
'SWe ^ «_^ «^ , ^ *.-^i.^» — — ,^ 

Piel, aiLssprechen. Es ist viel Wast ja ich d^rf es w':i: si^ ^ i^^'JVS^diu^L 

Th« !l^]*^^^P ^?! der Kirche heraiL^eeÄhÄfi. niii es jätä «^liä* dailr hiwuur^tr 

Wftl 
Wilt 



^Vorerst rnnss ich dem Grüihier dieses Vrrrrti'es i:Li ale» '««i. weldie Ifis 
heutigen Präiies dem Vereine ihre Thau^ken zi^-^^-^i^ LA>«ys. il-tul** nuissten 



wörien. Ich wiU das nicht länger äasröirea. ki ie:-:e «s izr *a. Wie oft käar 
"^'^" erinnern ans meinen froheren Jahren, cä* i-i fz der Kir*'* «* maacbe Li 
» ?ehJ5rt habe. Instige Studentenlieder lait eise^ beiir*= T-siv Z^ ^ iOt ist e^ 

Z™ «chehen, dass sich die Musiker eine eise;* G-itiLt::: i-^-iifra laua:. Tdcher «V 

:KJärte weihten. Wie die Heiden stan de» Gone «3*ä.:i>:e a:::.r«ei<a nod rerberrli' ? 
z. B. die .Ninne, Sterne. Würmer, Schlangen o. dzL » is es ciri: $dta Toreek-L- • 
'^<a anch die nicht cädlianischen Mosiker eanz eigene G nüien skh Toreestdlt La 
nm sie zn verherrlichen. Da war es mänoh^iil der k:-f.>-::eär. d» als Götr 
w<,iite verherrlicht werden, mochte es dann ult den lirL-sis-ien Fanktioaen ütier. 
.r.rr..T.*:n oder nicht; das. was er gesohasen hane. m^fe a^rh n den imreclit^- 
Z^ren vorgetragen, gesungen, in der Kirdie z:a- Ve.-*err::±:=r «iner selbst da- 
;-ra/;iit werden. Bald war es ein Solo-Sänser «der eie >::>>ä:iierin. «üe da al* G ' 
i*.u« verheirLcht wnrden, .«ie wählten ihre Gesang se:-«. se issit^^ singen. m<^- 
^ dann passen oder nicht: sie nnd er moisten ihre <-±z=.r:ii L'.Kn Uaoi, im E 
f^r « -h zn erlaDgen. Während vor dem Altare die We i.'as -hw..Iken dem eir. 
Pal wahren Gott dargebracht wnrden. sanken damals die M=sier a:ir die Knie vor e 

Qai ?-^r.afenen Gottheit. Manchmal war es ein einfiassre: ier Mi:-i in der Gemeinde '■: 

2. -^r ..Agre einfach: ,3rorgen. oder am Sinntaar. niass Iz^dzr Misik g<^niacht werv 

Be- ■'••^ ':!"' 7^';^ gemacht. Die Gemeinde, welche so eine i:iri.-P Mx«ik haben w--' - 

S«J »4r 4:e Gottheit, vor der man mnsiziene 

I .. ■'. d "'*" f °* '»'«'«'« Frage ganz kurz l^.-^lres: Wie L^t es denn v. '■ 

koan^r..' Woran Legt die Schuld? Es L<t vielfach s.> sekomaen, wefl diejenis* 

-leuen vva der Kirche und von Gv.tt die Soree für die LiiL-^ie anfsenapen ist d-^ 

-^,rge d^n^^n a>*r,av^n hatten, denen sie nicht zukam. läe PrieMer selbst, die Se* 

v,rger v^.rM f;a'-:n sich um die Mu>ik nicht mehr l«kÜ2.i:.ert haten alles Laien öf^ 

U«^n. "..e ..a tf,-.n konnten, was sie woUten. Und das zrhi nicLt gut. wenn auch der' 

De v:^'" "v'' '1'*'\/''f ^^^ ^"^"'^ ^^? versteht, das kann er dvh wissen, was diel 

m .u -w ^'^^ *^"''^ rerlangt. das kann er doch wissen, welcher Text in der Kiifi« 

: '"■'.^i^^Z ?^'^'^"''-^n 'werden soU. und welche ffe>-tanet rjer wenigstens toleriert 

Dö ;:■•'-. *-•' f^»^ ö^-l -^^rf ni'^l't aUes denen üt^rlas^a, welchen diese Soree vor (irr 

Eo K.rc.« ar.d vor hört nicht zukommt. 1 

K , ^''*-" •'"'^K'^ '^'^ °''-'» ^^*° Gedanken an. Es steht den SeeUörgem zu an.-l| 

g^ -^r;v^ zu wa>-Len. da .^ aul dem Musikcbor jener Anstand gewahrt werde, wie er si- 

«•-,*»■ X". f-;-',\,"**~ «''^*^^?"- »»erk«neB<wen« Weise ee^e. dei kirch*" 
K- L' l:f. 7^ ■' 'f ^' f es^r^r^2JL.=I:^ des CäcilienTerems k ?iL-f.=rs c:e Winde mhrtol- 

*;^t•'■:V^-^. -*-.;;'. *^.i«^ W.:nM HaUer ei^p.t.U. ef'.iriBgüths. ™d M«efc«e.tlicL.t 
z-"., ;^^ tr . > r* *V* i*-""-'^ ''■"iv "^ <"<•«'»»>»«« B:^-« fallen nnd. n:n t*=^«ifiW« FrScb. ' 

" --t4 K-, ; ;■ f;.'i '^-C r t;-"* "'-^ ^^l^>ber dieses war 2.:tu:*. .U,i i> ein« Wiaerfie.. ■ 

K t.,!t?A / "* ^ ^^' fe.^r.;_-*n Ao?*-.i;,n« beim 40 stön.iiffeB Getute d«5 HMptachiff L 

p-.-«;;?.«^^. «H rf.^ I^r^..fc«k« er»./'^ kein Veto. Aber eine der»;^ ^hlLpera- wSehi das " 
j fc^'":t'f.J':t*rT*ri.*e'. I« 0->rTe:-h ari^al, e^cö^end- DB •«« - n-ampera i*ie«tiitet Ua. 



J 




Kardinal Andreas Steinhuber, S. J. 



Der Kardinal von Salzburg über Kirchenmusik. 

Die Anspräche, welche Se. Eminenz Kard. Haller zu Salzburg in der 
Festyersammlung des Cäcilienvereines am 5. Dezember 1897 gehalten hat, 
lautet also:*) 

„Vorerst muss ich dem Gründer dieses Vereines und allen jenen, welche bis zum 
heutigen Präses dem Vereine ihre Thätigkeit zugewendet haben, meinen innigsten Dank 
aussprechen. Es ist viel Wust, ja ich darf es wohl sagen, es ist viel Wust durch den 
Cäcilienverein aus der Kirche herausgeschafft, und es ist viel Gutes dafür hineingetragen 
worden. Ich will das nicht länger ausführen, ich deute es nur an. Wie oft kann ich 
mich erinnern aus meinen früheren Jahren, dass ich in der Kirche so manche Lieder 
gehört habe, lustige Studentenlieder mit einem heiligen Text. Und wie oft ist es ge- 
scheheU; dass sich die Musiker eine eigene Gottheit geschaffen hatten, welcher sie ihre 
Kräfte weihten. Wie die Heiden statt des Gottes Geschöpfe anbeteten und verherrlichten 
z. B. die Sonne, Sterne, Würmer, Schlangen u. dgl., so ist es nicht selten vorgekommen, 
dass auch die nicht cäcilianischen Musiker ganz eigene Gottheiten sich vorgestellt haben, 
um sie zu verherrlichen. Da war es manchmal der Kompositeur, der als Gottheit 
wollte verherrlicht werden, mochte es dann mit den liturgischen Funktionen überein- 
stimmen oder nicht; das, was er geschaffen hatte, musste auch zu den unrechtesten 
Zeiten vorgetragen, gesungen, in der Kirche zur Verherrlichung seiner selbst darge- 
bracht werden. Bald war es ein Solo-Sänger oder eine Solo-Sängerin, die da als Gott- 
heiten verherrliclit wurden, sie wählten ihre Gesänge selbst, sie mussten singen, mochte 
es dann passen oder nicht; sie und er mussten ihre Stimmen hören lassen, um Ehre 
für sich zu erlangen. Während vor dem Altare die Weihrauchwolken dem einzig 
wahren Gott dargebracht wurden, sanken damals die Musiker auf die Knie vor einer 
geschaffenen Gottheit. Manchmal war es ein einflussreicher Mann in der Gemeinde und 
der sagte einfach: „Morgen, oder am Sonntag, muss lustige Musik gemacht werden", . 
und sie wurde gemacht. Die Gemeinde, welche so eine lustige Musik haben wollte, 
war die Gottheit, vor der man musizierte. 

Ich will nun eine weitere Frage ganz kurz berühren: Wie ist es denn so ge- 
kommen? Woran liegt die Schuld? Es ist vielfach so gekommen, weil diejenigen, 
denen von der Kirche und von Gott die Sorge für die Liturgie aufgetragen ist, diese 
Sorge denen überlassen hatten, denen sie nicht zukam. Die Priester selbst, die Seel- 
sorger selbst haben sich um die Musik nicht mehr bekümmert, haben alles Laien über- 
lassen, die da thun konnten, was sie wollten. Und das geht nicht gut, wenn auch der 
Seelsorger selbst von der Musik wenig versteht, das kann er doch wissen, was die 
Kirche für eine Musik verlangt, das kann er doch wissen, welcher Text in der Kirche 
als Musiktext genommen werden soll, und welche gestattet oder wenigstens toleriert 
sind. Er kann und darf nicht alles denen überlassen, welchen diese Sorge vor der 
Kirche und vor Gott nicht zukommt. 

Dann knüpfe ich noch einen Gedanken an. Es steht den Seelsorgern zu, auch 
darüber zu wachen, dass auf dem Musikchor jener' Anstand gewahrt werde, wie er ge- 

') Ein Korrespondent der ,,Augsb. Postztg.** schrieb unter dem 14. Dezember 1897: „Nachdem 
die ,,ReichspoBt" kürzlich in sehr entschiedener, anerkennenswerter Weise gegen den kirchen- 
musikalischen Unfug Stellung genommen hat, der in Österreich gane und gäbe ist, hat Eardinal- 
Fürsterzbischof Haller in der Festyersammlung des Cäcilienvereins zu Sidzburg die Wunde mit rück- 
haltlosester Offenheit aufgedeckt und in erster Linie den Klerus an seine Pflicht erinnert, den kirchen- 
musikalischen Missständen abzuhelfen. Kardinal HaUer empfiehlt eindringlichst und angelegentlichst 
den Cäcilienverein und wünscht dessen Ausbreitung über die ganze Diözese Salzburg; es werden aber 
hoffentlich seine Worte auch darüber hinaus auf finichtbaren Boden fallen und, um tausendfältige Frucht 
zu tragen, wohl auch zu der Erkenntnis führen müssen, dass mit der Reform des Kirchenchores zugleich 
die Beseitigung des souveränen Kirchendienerunwesens notwendig ist, wenn das katholische 
Österreich seinen Gottesdienst von einer vielfach eingerissenen Handwerksmässigkeit zu der ihm eigenen 
Würde und Hoheit zurückgeführt sehen soU. Schreiber dieses war Zeuge, dass in einer Wiener ange- 
sehenen Kirche während der feierlichen Aussetzung beim 40 stündieen (lebete das Hauptschiff der 
Kirche mit dem Besen gekehrt wurde. Wahrsifheiiuieh war es am Ta^e der wöchentlichen Ejrchen- 
reinigung, und die leeren .Bänke erhoben kein Veto. Aber eine derartige Schlamperei beleuchtet das 
Kirchendienerregiment in Österreich mehr als genügend." D. R. 




Kardinal Andreas Steinhuber, S. J. 



-G 4 ei- 

wahrt werden soll im Hause des Herrn. Denn diejenigen, welche da musizieren, stehen, 
möchte ich sagen, mit der liturgischen Funktion in noch näherer Verbindung, als die 
andern Gläubigen in der Kirche, und deswegen sollen sie durch ihr Benehmen, durch 
ihr Stillschweigen, durch ihr ganzes Betragen zeigen, dass sie durchdrungen sind von 
dem hohen Berufe, den sie auf sich genommen haben. Auch diese Sorge darf nicht 
ganz anderen Menschen überlassen werden, der Seelsorger muss auch ein aufmerksames 
Auge darauf haben. 

Dann soll nicht vergessen werden, dass diejenigen, welche auf dem Chore zur Ehre 
Gottes singen und musizieren, das, was sie mit dem Munde sprechen, durch die That 
und durch ihr Leben nicht yerläugnen. Ich weiss einen FaU und will ihn kurz an- 
deuten. Es ist mir einmal gesagt und geklagt worden, dass auf dem Musikchor ein 
Glied mitwirke, das ein ärgerliches Leben' führe. Ich habe gesagt, fort damit, fort mit 
dem Gliede, und dann ist mir zur Antwort gegeben worden: „aber alle anderen sind, 
wenn nicht schlechter, jedenfalls nicht besser.'^ Schon wollte ich sagen: „Lieber keine 
Musik und nur eine stille Messe, als solche Mitglieder auf dem Chore, welche statt Gott 
zu verherrlichen, gewissermassen Hohn sprechen der Heiligkeit des Ortes und der 
Heiligkeit desjenigen, den sie verherrlichen soUen.^^ Aber ich habe dann doch geglaubt, 
die Sache ein bischen reifen lassen zu müssen und dann sehen, was zu thun sei, und 
ich kann nur sagen, wo seit längerer Zeit solche Glieder sich eingeschlichen haben auf 
dem Musikchor, die das Lob Gottes singen, während sie fort und fort durch die That 
und durch ihr Leben das Volk ärgern und den Herrn beleidigen, dass da so manches 
übersehen worden ist von Seite derjenigen, denen die erste Sorge obgelegen wäre und 
die in dieser Hinsicht vor allen teilnehmen sollen. Also nicht vergessen! Die erste 
Sorge auch in dieser Beziehung dürfen die Seelsorger nidit aus den Händen lassen ; sich 
nicht derselben entschlagen, und jemehr der Cäcilienverein begünstigt wird und wächst 
und gedeiht, desto besser wird es in dieser Beziehung werden. Denn die Kirchenmusik, 
wie sie aus kirchlichem und gläubigem Herzen hervorgegangen ist, veredelt gläubige 
Herzen und bildet heilige Herzen. Dann werden jene, welche einmal an kirchliche 
Musik gewöhnt sind, sie werden auch im Leben demjenigen Ausdruck geben, was ihr 
Herz fühlt und was der Glaube sie lehrt. Deswegen noch einmal meinen innigsten 
Dank dem Gründer dieses Vereines, allen demjenigen, welche so opferwillig sich einge- 
setzt haben für das Gedeihen dieses Vereines und der liebe Gott möge es Ihnen be- 
lohnen, und die heilige Cäcilia wolle den Verein weiterhin fördern, bis er über die 
ganze Diözese ausgebreitet sein wird und reiche Früchte trägt für Zeit und Ewigkeit." 



. Aus Archiven und Bibliotheken. 
Zur Geschichte des Kirchengesanges in Norddeutschland. 

1. Der durch den Emser Kongress bekannte Kurfürst Maximilian Franz, Erzbischof von 
Köln (1784 — 1801) erliess auf Grund einer am Oktober 1798 stattgehabten Visitation am 23. April 
1799 von Ellingen (in Franken) ans einen allgemeinen Visitationsrezess betreffend den sog. Harenser 
Bistrikt im (alten) Herzogtum Westfalen^). Die erste Abteilung dieses Rezesses handelt vom 
Pfarrgottesdienste. Daselbst heisst es: 

„Soviel den öffentlichen Pfarr- Gottesdienst betrifft, so haben wir 

§ 1. bemerket, dass in einigen Pfarrkirchen des Haarenser Distriktes der deutsche Volks- 
Gesang noch nicht üblich ist; Es werden sich demnach sämtliche Pastoren dessen baldige Ein- 
führung um so eifriger angelegen seyn lassen, je weniger es ihnen Selbsten entgehen kann, das^; 
ein gemeinschaftlicher verständlicher Kirchengesang die Andacht und Erbauung vermehre, Zer- 
streuung verhindere, und andere sich einschleicnende minder zweckmässige AndachtSDÜcher 
entferne. 

§ 7. Da in der, der Busse und Besserung vorzüglich gewidmeten Fastenzeit in mehreren 
Pfarreien gar keine Andacht gehalten wird, in andern sehr unzweckmässig die lateinischen 

Landes abgesungen werden, woran das Volk keinen unmittelbaren Antheil nehmen kann 

so wollen wir, dass fürrhin an allen Sonntagen der heiligen Fastenzeit, falls an denselben keine 
ßniderachafts- Andacht eingeführt ist, der Kreuzweg abgehalten werde. 

') Das Herzogtum Westfalen gehörte früher zu Köln, durch die BoUe „De salute animarum'' 
wurde es 1821 der Diözese Paderborn zugeteilt. Vergl. Binterim u. Mooren, Erzd. Köln. I. 62 f. 
(2 A.) Kirchenlexikon VIT, 842. 



5 F>- 

Der § 1. dieses Erlasses findet sich bereits abgedruckt bei Bäamker, das kath. d. Kirchenlied, 
Bd. m. S. 14. ., 

2. An den hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Martin zu Paderborn richtete am 7. Juli 1857 
der Pfarrer Heugstebeck von Olpe (im südlichen Westfalen) folgendes Gesuch: 

,,E. B. G. erlaube ich mir bekefiigtes Werk: Lateinisches Ghoralbuch, enthaltend die Vesper-, 
Kletten- und Messgesänge an den Sonn- und Festtagen des Kircheiyahres, zur gnädigsten Prüfung 
vorzulegen. In der Weise dieses Buches ist seit unvordenklichen Zeiten der Gottesdienst insbesondere 
an den liohen Festen des Jahres vom hiesigen Sängerchore, bestehend aus den angesehenst(6n und 
gebildesten Bürgern und Bürgerssbhnen der Stadt, g:ef eiert worden. In der vor etwa 30 bis 40 
Jahren herrschenden Aufklärunf^speriode, wo man mit Aufwendung aller Kräfte den lateinischen 
Choi-al^an^^ gänzlich zu beseitigen und ausschliesslich durch den deutschen zu ersetzen suchte, 
Hess sich die niesige Gemeinde gar nicht beirren und wollte sich nach wie vor an den erhabenen, 
schönen, ergreifenden Melodien des gregorianischen Kirchengesanges erfreuen. 

Die Einführung dieses Gesanges muss hier in unvordenklicher Zeit gleich Anfangs von 
geschickten Gesangslehrern und mit Kraft stattgefunden haben, da derselbe ohne Notenbncn bloss 
im Wege der Tradition sich bis jetzt erhalten hat. 

Der hiesige Organist, Lehrer Nölke hat nun diese musikalische Tradition fixiert, das 
Felllende aus bewährten Autoren ergänzt, das Irrige verbessert. Diese Arbeit war endlich unum- 
gänglich notwendig, damit Harmonie des Gesanges und Gesamtmitwirkung des Chors resp. der 
Gemeinde erzielt werden möge. 

Bei Ausziehung der Lieder aus dem Brevier, Missale und der Agende bin ich dem Lehrer 
Nölke behülflich gewesen. 

Die Bruchstücke aus der Agende bei Beerdigungen machen auf liturgische Vollständigkeit 
und Korrektheit keinen Anspruch, sondern drücken nur den Standpunkt des gegenwärtigen hiesigen 
Gebrauches aus. 

Dass statt der Offertorien des Missale der Hymnus des Festes aufgeführt ist, schien dadurch 
motiviert, dass die Einübung so vieler Offertorien schwer, dagegen die Hymnen aus den Vespern 
bekannt sind, und darum auch stets von der ganzen Gemeinde mitgesungen wurden. 

Kundig dessen, dass Ew. Bischöfliche Gnaden dem lateinischen Kirchengesange günstig sind, 
ja wollen, dass er da. wo er noch existiert, erhalten, da aber, wo diess nicht der Fall, eingeführt 
werde, üoerreiche icti Ew. Bischöflichen Gnaden mit Vertrauen dies Buch, mit der Unterthänigsten 
Bitte, demselben die Bischöfliche Approbation zu erteilen, und zu erlauben, dass es in seiner 
jetzigen Form beim Gottesdienste in der Pfarrei Olpe gebraucht werden dürfe."* 

Die Druckerlaubnis wurde zunächst am 17. August abgelehnt, damit dieses neue Buch nicht 
etwa späteren Bestimmungen über Einführung eines allgemeinen Gesangbuches und Begelung 
des kirchlichen Gesanges im Wege stehe. Man war eben damals schon mit den Vorarbeiten für 
ein allgemeines Diözesangesangbuch, das freilich erst in den siebziger Jahren erschien, beschäftigt. 
Die Verhandlungen betr. Edition eines Olper Gesangbuches scheinen indes wieder aufgenommen zu 
sein. Im Jahre 1862 erschien bei der Rügenberg'schen Verlagshandlung in.Olne ..mit Genehmigung 
der geistlichen Behörde," wie es auf dem Titelblatte heisst, das von F. A. x^ölke mit besonderer 
Rücksicht auf die Pfarrei Olpe bearbeitete lateinische Choralbuch. Übereinstimmend mit der oben 
abgedruckten, in mehrfacher Hinsicht interessanten Eingabe des Pfarrers Hengstebeck bemerkt der 
Herausgeber Nölke in dem Vorworte: ,J}er lateinische Choralgesang besteht in der Pfarrei Olpe 
seit Ureter Zeit, und ist von derselben ois auf den heutigen Tag mit grosser Liebe und Wärme 
festgehalten und gepflegt worden. Indessen stand der Erhaltung und gedeihlichen Pflege desselben 
Htets das Hinderniss entgegen, dass die Choräle von dem hiesigen Sängerchor nach einem alten, 
im Texte sehr fehlerhaften und unvollständigen Choralbudie ohne Noten ausgeführt werden mussten. 
Die Melodien der lateinischen Lieder sind aber meistens zu umfangreich und zu schwer, als dass 
dieselben ohne Noten durchs Gehör allein richtig aufgefasst werden könnten. Der lateinische 
Choralgesang in der Pfarrkirche zu Olpe hat sich aus diesem Grunde im Laufe der Zeit nicht rein 
erhalten können: es haben sich bei demselben vielfache und erhebliche Mängel eingeschlichen, 
deren Beseitigung ein dringendes Bedürfnis geworden ist " 

Da Nölke einesteils die Melodien, die er „aus der lebendigen Quelle des Sängerchors in 
Olpe schöpfte,^' wo sie ihm „auffallend verunstaltet" erschienen, nach eigenem Ermessen von den 
unnötigen Verzierungen und Übergängen" befreite, andemteüs auch Melodien, die bisher in seiner 
Pfarrkirche unbekannt waren, „aus alten Manuskripten und alten bewährten Werken" entlehnte, 
kann sein Buch leider nicht als ein in allen Details genaues Abbild der musikalischen Tradition, 
wie sich diesselbe mit der Zeit in Olpe in Bezuj? auf den Choral herausgebildet hatte^ gelten. 
Immerhin wird es im Grossen und Ganzen den Choral, wie er anfangs der sechziger Jahre zu 
Olpe nach mündlicher Überlieferung ohne Notenbuch gesungen wurde, ziemlich richtig wiedergeben." 

Den Ruhm, auch unter sehr schwierigen Verhältnissen gegen die Macht und den Einfluss der 
ganzen Zeitströmung den Choralgesang bis in unsere Tage festgehalten und als ehrwürdiges Ver- 
mächtnis gehütet zu haben, wird die rfarrei Olpe wohl nur mit sehr wenigen Kirchen der Diözese 
Paderborn zu teilen brauchen. 

Paderborn. Müller. 



-ö 6 o- 

Kunst braucht Gunst von allen Seiten. 

Diese Überschrift gibt die Redaktion der Muska sacra einer Bede, welche der für 
Kirchenmusik hochverdiente und eifrige Redemptoristenpater Heidenreich ans Wien 
(Hernais) bei dei* Cäcilienfeier in Graz (22. Nov. 1897) mit grossem Beifall gehalten 
hat. Soweit dieselbe von allgemeinem Interesse ist, soll sie als Neujahrsgabe den alten 
und neuen Lesern der Mus. s., der Bedeformeln entkleidet, dargeboten werden. Die 
Berichte über die musikalischen Aufiuhrungen wolle man S. 9 einsehen. Den Gedanken, 
dass für die kirchliche Tonkunst viribtts unitis „mit vereinten Kräften" gearbeitet 
werden müsse, führte der Hochw. Bedner in folgender Weise aus: 

„Ist's denn möglich, dass in unserer wild bewegten Zeit, die vom Streite der 
Parteien wiederhallt, wo in den Parlamenten die heftigsten Kämpfe sich abspielen, wo 
die Gegensätze rauh aufeinanderplatzen , — dass in einer solchen Zeit eine Versamm- 
lung stattfindet, die Versammlung eines Vereines zur Pflege und Eestaurierung der 
katholischen Kirchenmusik? Gilt nicht von unserer Zeit das Wort des Heilandes : „Man 
solle seinen Bock hingeben und sich ein Schwert kaufen?^ 

Nein, es ist billig und gerecht, dass wir, in einer Zeit der Disharmonie und 
schreiendster Dissonanzen, auf dem Gebiete der Musik, im Beiche schönster Harmonien 
uns zusammenfinden, es ist aber auch billig und gerecht, wenn wir Kinder der heiligen 
katholischen Kirche einer Sache wärmste Sympathie entgegenbringen, welche unsere 
gemeinsame Mutter so nahe angeht, wie dieses bei der katholischen ^rchenmusik der 
Fall ist. 

Wir desavouieren dadurch jene, welche meinen, das Beformwerk der liturgischen 
Musik sei nichts anderes als ein Streit, eine Meinungsdifferenz zwischen den Musikern 
verschiedener Bichtung, oder aber jener, welche die Frage der Kirchenmusik als etwas 
unendlich Nebensächliches im Schosse der Kirche betrachten, endlich jener, welche 
meinen, hier gar nichts mitthun zu sollen, weil sie musikalischer Bildung entbehren. 

Nein, nein! Als Katholiken darf uns die Frage der Kirchenmusik nicht kalt 
lassen, sie ist eine Frage der Kunst, deren sich unsere heilige Mutter bedient, um Gott 
zu ehren und auf das Gemüt der Gläubigen zu wirken, und wie die Kirche, da alle 
ihre Kinder, meint, so hofft sie auch ein teilnehmendes Verständnis, warme Sympathien 
von Seite aller ihrer Glieder. 

Ja,' Biehl hat recht, wenn er die Kirche die Kunstschule des gemeinen Mannes 
nennt. Der hat nicht Gelegenheit, Zeit und die Mittel, die herrlichen Werke der 
profanen Architektur, Skulptur, Malerei zu bewundern, sich zu erlaben an den 
Meisterwerken profaner Poesie, Tonkunst. 

Die katholische Kirche hat in der feierlich heiligen Pracht ihres Gottesdienstes 
diese Kunstschule für alle, also auch für den gemeinen Mann, eröffaet. 

„Siehe da (sagt so unübertrefflich schön Ambros) die Architektur hat einen mäch- 
tigen Dom aufgerichtet — tritt hinein, gerufen von den ehernen Stimmen der Glocken — 
gleich riesigen Springquellen steigen diese schlank kräftigen Pfeiler empor, sich treffend 
im Spitzbogen, im Durcheinanderspielen der Gewölberippen — die Materie von ihrer 
lastenden, zur Erde ziehenden Schwere befreit, strebt himmelan! Sinnig hat die Plastik 
die Bauglieder, wo sich ein schicklicher Platz bot, mit wundersam verschlungenem 
Zierwerk in Pfianzenform, bald mit seltenen fremden Thierbildungen geschmückt, ja, 
sie hat menschliche Gestalten, die dich ernst und feierlich anblicken, hervorgerufen, 
gleichsam als letzte und höchste Bildung des Baustoffes, wie ja auch der kosmische 
Stoff als letzte und höchste Bildung in der Menschengestalt erscheint. Eine fremde 
Geisterwelt scheint in den Bäumen jener Spitzfenster zu leben — dasselbe organische 
Zierwerk, dieselben heiligen G^talten, die du eben noch aus schwerem dunklen Stein 
herausgebildet sähest, schauen dich von dort entkörpert in brennenden Glutfarben ver- 
klärt an — milder und in der nahen Wirklichkeit vertrauterer Färbung hat sie die 
Malerei auf jene Flügelaltäre hingezaubert — eine holdselige Himmelskönigin, das lieb- 
lich segnende Kind, Gestalten von Männern und Frauen, die ihr Leben an ein Höchstes 
gesetzt und die dich fragen: „Warum bist du nicht wie wir?" Und was sich in 



-^ 7 &- 

Stein und Farbe schon zweimal anfgebaut, das baut sich ein drittesmal deinem Ohre 
auf in den Klängen der non ertönenden feierlich fagierten Musik, welche in ihren 
wundersamen Tongeweben die Formen des dich umgebenden Domes in ihre Weise über- 
setzt, gleich ihm dir zuruft: ,,Hinan zum Himmel I" und dir auf ihren Schwingen ent- 
gegenbringt jene heiligen Hymnen, welche gottbegeisterte Poesie gedichtet. Und siehe, 
am Altare, umwirbelt von Weihrauchwolken , in der goldenen Pracht der priesterlichen 
Gowftnder stehen geweihte würdige Gestalten und bringen dar das Opfer des neuen 
Bundes, die Messe, die in ihrer dramatischen Entwickelung selbst eip hohes Gedicht ist/^ 

Ja^ — und hier herein ruft die Kirche jeden, diese ihre heilige Kunst soll von 
allen geschaut und genossen werden, von dem Reichen und dem Armen, von dem 
Fürsten wie yom Bettler, yon dem Gelehrten wie von dem einfältigen Manne der Arbeit 
und des mühevollen Schaffens. 0, es ist gewiss nicht gleichgiltig, was da geboten wird, 
nicht gleichgiltig, ob das Gotteshaus wie eine Scheune mit glatten kahlen Wänden sich 
präsentiert, oder aber als ein stilgerechter kunstdurchdachter Bau, ob das Bildwerk 
als armseliges Stttmperwerk oder Musterleistung frommer kirchlicher Skulptur sich dar- 
bietet, ob das Auge andächtige erhebende Gemälde oder bunte Klexereien schaut, ob 
endlich vom Chore eine weltliche, an Theater oder Konzert oder die Drehorgel ge- 
mahnende oder aber eine liturgisch strenge, kirchlich erprobte Musik an's Ohr des 
Gläubigen dringt. Unzweifelhaft wird das eine wie das andere grosse, tiefe Wirkung 
auf die Seele des Katholiken hervorbringen, denn die Kunst, speziell die kirchliche Ton- 
kunst, hat schon in sich betrachtet eine eminente soziale Bedeutung für die menschliche 
Gesellschaft. 

Aber sie hat auch die Rolle eines heilsamen Gegengewichts gegen die bedenk- 
lichen Ausschreitungen der weltlidben Musik. Grossartig sind die Leistungen der pro- 
fanen Tonkunst in Bezug auf Theater und Konzert, eine schrankenlose Bethätigung 
aller innewohnenden Kräfte —• eine üngebundenheit, losgelöst von jedem Gesetze, eine 
Überwucherung des Instrumentalen über das Vokale, eine übermässige Anwendung des 
leidenschaftlichsten Chromas, ein wirksamer Appell an all' die unheimlichen Geister, die 
im Menschenherzen schlafen und nur des Augenblickes harren, wo sie ungezügelt los- 
gelassen werden. 

Dem gegenüber tritt die heilige Tonkunst mit der ihr eigentümlichen, alles Profane 
verachtenden Sprache, mit ihren weisen Gesetzen und Einschränkungen, mit ihrer Be- 
vorzugung des heiligen Wortes und darum der Stimme als Trägerin desselben, mit ihrer 
massvollen Anwendung des Instrumentalep, mit ihrer Ruhe und Leidenschaftslosigkeit, 
mit ihrer Sparsamkeit in Anwendung der modernen, aber auch zugleich bedenkUchen 
Mittel. Gerade von diesem Gesichtspunkte aus zeigt sich die eminent soziale und päda- 
gogische Bedeutung der echten katholischen Kirchenmusik. 

Man wende mir nicht ein: Ja, das ist dann aber Verzicht auf die Bezeichnung 
Kunst, denn, abgesehen von allen inneren Gründen, die Musterschöpiungen des gregori- 
anischen Chorals, der Meisterwerke des a capcUa- Stiles und der neueren kirchlichen 
liturgischen Komponisten haben die Billigung, ja den enthusiastischen Beifall der 
grössten Künstler, eines Beethoven, eines Mozart, eines Richard Wagner, eines Liszt 
gefunden. Bekannte doch Mozart z. B., er wäre bereit, seinen ganzen Künstlerruhm 
hinzugeben fär das Verdienst, eine einzige Präfation, das einzige Exültet komponiert 
zu haben, während Wagner und Liszt die Werke der Palestrina- Epoche bis in die 
Himmel erheben und den Bestrebungen des deutschen Cäcilienvereines mit der ganzen 
Autorität ihres lobeerumkränzten Namens Beifall spendeten. 

Der Cäcilien verein ! Er war ein Werk der göttlichen Providenz. Die göttliche 
Tonkunst war gleich ihren Mitschwestem auf dem Kunstgebiete in die Irre gegangen 
und hatte die I^Ue einer verlorenen Tochter übernommen, hatte vielfach ihre Aufgabe, 
Gott zu ehren und das gläubige Volk zu erbauen, vergessen, hatte verlernt, sich Urch- 
Uchen Gesetzen demütig zu beugen, hatte gemeint, als Kunst unbeirrt eigene, selbst 
gewählte Bahnen wandeln zu können, und während in der Architektur, in der Skulptur, 
in der Malerei, in der Paramentik eine herzerhebende Renaissance vor sich ging, wollte 
in der Tonkunst lange Zeit keine Erlösung kommen. Endlich dämmerte es und zwar 



im kttustsinnigen Bayerland, wo der grosse Mäcen der katholischen Kunst, Ludwig I., 
es durch seine Muniflcenz ermöglichte, in ßegensbnrg das Werk kirchlicher Bestauration 
zu beginnen. Der unvergessliche König fond herrliche Männer, treue Ausfuhrer seiner 
auf das Höchste gerichteten Absichten — die Namen Proske, Schrems, Mettenleiter 
werden für immerwährende Zeiten als die fundamentlegende Kräfte mit Buhm und 
Auszeichnung genannt werden. Doch was nützt es, wenn Begensburg ein kirchenmusi- 
kalisches Born wurde? Was half es, wenn die Bewegung nicht popularisiert und in 
die Massen als fruchtbringender Sauerteig geworfen wurde? 

Da erstand der sei. Dr. Franz X. Witt, ein Mann voll Kenntnis und Thatkraft, 
ein Mann heiliger Bücksichtslosigkeit und Energie, ein ebenso frommer Priester als 
gottbegabter Künstler; er gründete 1868 den „Allgemeinen Gäcilienverein für 
alle Länder deutscher Zunge." Und als er viel zu früh im Jahre 1887 seine 
Augen für immer schloss, da war sein Verein, für den er duldete und litt, für den er 
sozusagen sein Herzblut hergab, über Deutschland, Österreich, Schweiz, Amerika ver- 
breitet und eine tausendköpflge Phalanx hatte den heiligen Schwur geleistet, im Sinne 
seiner Ideen thätig zu sein mit aller Kraft und sie zu verbreiten an allen Orten. 
Der apostolische Stuhl und der katholische Episkopat segneten das heilige Werk und 
freuten sich seiner Erfolge. 

Ein Samenkorn fiel damals auch auf Steiermarks Erde UQd ich denke noch mit 
Bührung und seliger Freude an die Gründung des Seckauer Diözesan-Gäcilien Vereines 
im Jahre 1875 in Brück a. d. Mur. Welche Begeisterung, welche Anteilnahme, wie 
viele Grosses versprechende Kräfte, und welche Hoflöiungen! 

Das Werk der Beform der Kirchenmusik ist eine Sache, die uns alle eminent an- 
geht und für die wir alle, jeder in seiner Weise, thätig sein sollen. 

Für den Klerus ist es eine Ehrensache, für die Kirchenmusik thätig zu sein, denn 
sie ist eine Angelegenheit seiner Barche, der er dient, für die er lebt. Alle Fehler, 
welche eine unwürdige Kirchenmusik in sich und in ihrem Gefolge hat, werden mehr 
oder minder dem Klerus aufs Kerbholz geschrieben. Ursachen genug, dem Beform- 
werke der Kirchenmusik mit Bat und That gegenüberzustehen. 

Die Sonne braucht der Rosenstranch 
Und Kunst braucht Gunst. 

Die eminent soziale Bedeutung der Kirchenmusik sollte auch fürdieBegierungen 
ein Grund sein, sich wärmstens unseres Beformwerkes anzunehmen. 

Auch die hochgeehrte Lehrerschaft wolle mit uns Hand in Hand gehen! Soll 
denn immer Fehde zwischen ihr und dem Klerus bestehen, wollen denn die Missver- 
ständnisse kein Ende nehmen, kann die Kluft, die entstanden, nimmer überbrückt 
werden ? Hier in der Pflege der Tonkunst, zumal der heiligen Tonkunst, wäre ein ge- 
Wissermassen neutrales Feld. Auf diesem Felde würde vielleicht manche Fehde einge- 
stellt, manches Missverständnis aufgeklärt, manche Kluft würde tiberbrückt werden und 
man könnte zur Verständigung und zum ersehnten Frieden gelangen. 

Soll es nicht eine Ehrensache der jetzigen Lehrerschaft sein, sich Lob durch rast- 
lose, nimmermüde Thätigkeit zu erringen? In den Händen der Lehrerschaft liegt die 
musikalische Bildung, besonders die Gesangsbildung unserer Jugend. 

Ohne Zweifel, es geschieht viel in Bezug auf den Gesang, und zahlreiche Vereine 
pflegen ihn mit Lust und Liebe, aber es ist meist nur der Männergesang, während 
grosse Gefahr vorhanden ist, dass die Pflege des gemischten Ghorgesanges ausstirbt, 
weil es an dem nötigen Materiale, an dem musikalisch stimmkundigen Nachwuchs 
gebricht. 

Viele endlich (welche noch ausserhalb des Cäcilien - Vereins stehen) sind gewiss 
gesangeskundig und musikalisch gebildet. Wollen diese ihr bestes Können und ihre 
gediegenen Kräfte den Bestrebungen des Gäcilienvereines zur Verfügung stellen, indem 
sie ausübende Mitglieder desselben werden! In Leipzig z. B. besteht der berühmte 
Biedel'sche Oratorienverein: dort singt die arme Näherin neben dem adeligen Fräulein, 
der Gelehrte, der Mann der Wissenschaft neben dem Arbeiter. Und wdche Muster- 



-e tt- 

leistongen bieten sie! Sie alle vereinigt ein Band — das Band der gemeinsamen 
Ennstbegeisternng. Wie? sollte fiJmliches nicht möglich sein zur Pflege der „Musica 
Sacra'', der heiligen Tonkunst? Sollen wir nicht all' unsere Kraft einsetzen? 

Qtiantuin potes tantum aude, 

Air dein Können setz' gp ein 
Für den Herrn soll es sein. 

Für die wahre Kunst^ für Musterleistungen sei kein Opfer zu schwer, seien keine 
Kosten zu gross. Und in Bezug auf die heilige Tonkunst sollen wir uns mit dem ^bei- 
läufigen, dem stümperhaften, dem fehlerstrotzenden'^ in stummer Resignation begnügen? 

Jene aber, welche musikalisch nicht begabt, oder gehindert sind, als ausübende 
Mitglieder dem Vereine beizutreten, seien dringend gebeten: unterstützende Mitglieder 
des Cäcilienyereines zu werden. 

Die Ziele desselben sind hochideal, aber leider ,4st's einmal im Menschenleben so 
hässlich eingerichtet^^ dass man zur Erreichung des Idealen des Qeldes, der Unter- 
stützung des Sealen dringendst bedarf. 

Keine Furcht, kein Bangen! Gott ist mit unserem Werk! 

Und du, lieber Cäcilienverein, unser „Herzbinkerl" und unser Schmerzenskind, 
blühe und gedeihe bis in die spätesten Geschlechter Gott zur Ehre, den Seelen 
zum Heil!" 

Kirohenmusikalisohe Aufführungen und Berichte. 

D Graz. Ich hatte zu meiner Freude Gelegenheit der schönen Cädlienfeier In Graz beizn- 
wohnen, nnd erlaube mir im Nachstehenden einiges hierüber zu berichten. Das Programm der 
zwölften Mitglieder- Versammlung nnd Cädlien- Festfeier des Diözesan-Cädlien- Vereines Seckan am 
22. November 1897 lautete: 9 Uhr: Pontiflkal-Amt in der Hof- und Domkirche. (Chor des f.-b. 
Knabenseminars.) Introitns Loqudwr, Graduale Ättdi ßia , Commnnio ConfMndantwr superin, Choral. 
Missa in honorem 6. Mariae F., matria dolorosae, 5 st. von P. Griesbacher. Äf^erentur regt, Choral; 
dann Diffusa est gratia, für dreistimm, gem. Chor, von M. Haller. 11 Uhr: Mitglieder- Versammlung 
df»8 Diözesan-Cäcüien- Vereines Seckau: f. Rechenschafts- nnd Kassabericht. 2. Neuwahl des Vereins- 
vorstandes. 3. Vorlage von Resolutionen. 4. Wünsche nnd Anträge. 5 Uhr: Featversammlnng im 
Stefaniensaale: 1. Festmotette für Solo, vierst. gem. Chor und Orgel von Dr. 0. Müller. Domchor 
und Kirchenchor St. Andrä.) 2. Intomnt für vierstimm, gem. Chor und Orgel, von J. V. v. Wöss. 
(Herz-Jesn-Kirchenchor.) 3. Festrede, gehalten von Sr. Hochwürden Herrn P. J. C. Heidenreicli, 
C. Ss, R. 4. Ecce nunc benedidtej für zwölf Stimmen in drei gem. Chören, von P. Palestrina. (I. n. 
II. Domchor. III. Kirchenchor St. Andrä.) 6. Unter gefälliger Mitwirkung des Hochwohlgebomen 
Herrn Cavahere Heinrich Gottinger: Der 135. Psalm, für Bariton -Solo, 4 st. gem. Chor nnd Orgel 
von Fr. Witt. (Domchor.) 

Das Pontifikalamt war von Andächtigen trotz des Werktages sehr zahlreich besucht nnd bot 
in seinem musikalischen Teile den Gläubigen reichlichen Anlass zur Erbauung durch den herrlichen 
nnd andächtigen Vortrag der gewählten Kirchlichen Gesänge. Ich möchte der wackeren Sänger- 
schar ein besonderes Vvort des Lobes nnd der Anerkennung widmen und den Dirigenten Herrn 
Professor Haymäsy aufrichtig nnd herzlich beglückwünschen zu dem schönen Erfolge, den seine 
lieb- und verständnisvolle Hingabe gleicherweise wie der Eifer seiner Sänger rechtfertigte nnd ver- 
diente. Über die Art des Choral -A^rtrages dürfte eine von der des Herrn Dirigenten abweichende 
Ansicht vielleicht nicht unberechtigt, erscheinen; die Anffühmng war aber jedenfalls eine sehr gute 
zu nennen. 

• 

Bedauerlich ist es, dass dem Organisten in der Domorgel ein miserables Instrument zur Ver- 
fügung stand, das wohl schon längst ausser Gebrauch sein sollte. Vielleicht gelingt es (es wäre im 
Interesse der Würde des Gottesdienstes sehr zu wünschen} der Energie des Herrn Domkapellmeisters 
Wibl, unterstützt durch den eifervollen Kunst- nnd Schönheitssinn oes H. Herrn Dompfarrers, hierin 
Wandel zu schaJiBn und dem Ärgernis erregendem Zustande ein Ende zu bereiten. Die Mitglieder- 
versammlung konnte aus dem sehr sachlichen und eingehenden Bericht die Überzeugung gewinnen, 
dass die Vorstandsdiaft mit allem Eifer darnach strebt, die heilige Sache der Kirchenmusik zu 
fördern und das Interesse hierfür zu verallgemeinern. Es wäre gewiss sehr erfreulich, wenn dieselbe 
sich in dieser Thätigkeit von berufener Seite immer unterstützt, und von einer vergrösserten Mitr 
gliederzahl thatkräftig gefördert sähe. 

Auch in weiteren Kreisen wird die Mitteilung des Herrn Präses freudiges Interesse erwecken, 
dass Sr. fürstbischöfl. Gnaden eine ihm für einen kirchlidien Zweck übergebene Spende von 5000 fl. dem 
Diözesan-Verein widmete. Dem Vernehmen nach wird dieses Kapital der Abhaltnng von Instmktions- 
Kursen zu gute kommen. Die sehr zahlreich besuchte Festversammlung wurde durch die Gegenwart 
Sr. Exe. des Herrn Statthalters, des gewesenen Unterrichtsministers, aer Mitglieder des hohen Dom- 
kapitel, des Herrn Bürgermeisters und mehrerer Gemeinderäte ausgezeichnet. Über die bedeutsame 



-G lO E>- 

Bede des in Graz nicht weniger als in Wien gefeierten Bedners P. Heidenreich erhalten E. H. 
speziellen Bericht. Die AnffüÜming der einzelnen Nummern des Pro^amms war eine sehr gute 
und fand reichlichen und verdienten Beifall. Möge die schöne Feier die tüchtigen Chöre nnd deren 
verdienstvolle Dirigenten zu mutigen Ausharren und stetigen Fortschreiten auf dem Wege zu den 
Höhen kirchlicher Kunst ermutigen, und dem Vereine viele begeisterte und auch opferfreudige Mit- 
glieder und Freunde erworben haben. 

(Dem verehrl. Einsender besonderen Dank und Oruss. D. B.) 

Die Bedaktion der Musica aaara fügt diesem Ori^alberichte noch einige Stellen aus 

einem längeren Beferate im ,,Grazer Volksblatt" über Einzelheiten bei, die oben nicht erwähnt sind : 

,J)ie Neuwahl des Vereinsvorstandes ergab folgendes Besultat: Hochw. Herr Joh. Wibl, 
DiözesanpräAes ; Hochw. Herr Prälat Alois Karion, erster Vizepräses, und an Stelle des ausschei- 
denden Herrn J. Eortschak als zweiter Vizepräses Hochw. Herr Pfarrer Geistl. Bat Leopold 
Hofbauer. 

„Die ausgezeichnete Produktion des Gesangschores des fürstbischöfl. Enabenseminars beim 
Pontifikalamte veranlasste die einstimmige Annahme folgender Besolution: 

,J)ie zwölfte Generalversammlung des Diözesan- Cäcilienvereines Seckau nimmt zur freudigen 
Kenntnis, dass bisher im fturstbischöfl. Knabenseminar in Graz der kirchenmusikalischen Erziehung 
der Zö^mige ein so sorgfältiges Augenmerk zu teil ward und spricht daher dieselbe für diese ausser- 
ordentliche Förderung der guten Sache der verehrlichen Leitung dieser Anstalt ihren Dank, dem 
Begenschori Herrn Professor Haimäsy aber für seine aufopferungsvolle Thätigkeit ihre vollste 
Anerkennung aus." 

Im Anschlüsse daran wurde der Vereinsvorstand beauftragt, Sr. Fürstbischöfl. Gnaden folgende 
unterthänige Bitte im Namen der zwölften Generalversammlung und des Vereines zu unterbreiten: 

„In Erwägung, dass die dermaligen Verhältnisse des Domchores in Graz eine aktive Teil- 
nahme der Herren Alumnen des Priesternauses an den mehrstimmigen Aufführungen nicht zulassen, 
infolgedessen eine weitere Fortführung und Vertiefung der kirchenmusikalischen Ausbildung der 
hiezu befähigten Alumnen unmöglich ist- in weiterer Erwägung, dass nur die Verwendung von 
Singknaben jene Disciplin und Exaktheit bei den liturgischen Gesängen für die Dauer ermöglicht, 
wie sie einem kirchlichen Musterchore eigen sein soll, unterbreitet die zwölfte Generalversammlung 
des Diözesan -Cäcilienvereines Seckau Ew. Fürstbischöfl. Gnaden die ehrfurchtsvolle Bitte: Hoch- 
dieselben wollen gnädigst verfügen, dass die Schaffung eines Sängerknabeninstitutes an der Hof- 
und Domkirche in Graz in ernste Erwägung gezogen werde." 

Der Vereinsvorstand dankte zum Schlüsse allen Anwesenden für ihre rege Teilnahme an den 
Verhandlungen der zwölften Generalversammlung und richtete an sie, sowie an alle Mitglieder des 
Vereines, insbesondere aber an die hochw. Geistlichkeit und an die Herren Chorregenten den 
wärmsten Appell, die Bestrebungen des V'ereines in Wort und That zu untei*stützen. Es handle 
sich ja nicht um einen persönlichen Sport ^ nicht um eine reine Kunstfrage, sondern geradezu um 
ein Lebenselement unserer katholischen Liturgie. 

Wer sich das stets vor Augen hält, der könne sich unmöglich von den Bestrebungen unseres 
Vereines ausschliessen. 

Die Worte des heil. Augustinus seien fortan die Parole des Vereines und aller derjenigen, die 
ihm ihre Sympathien entgegenbringen: „In dubiis libertM, in necessariis unitas, inomnihußautemcaritfisJ* 

Hiemit schloss die zwölfte (jeneralversammlung des Diözesan -Cäcilienvereines Seckau.'* 

Lambach, Ob. -Ost. (Benediktinerstift,) Das Bepertorium unsers Chores ist bereits durch 
viele Jahre erprobt und daher ziemlich stabil geworden, so zwar, dass die bestimmten Namen alle 
Jahre wiederkehren. Doch bleiben auch neue Namen nicht unbekannt, wie nachfolgende Messen- 
Clironik vom 8. Juli bis 8. Dezember 1. J. bezeugt. Auer: M. B. M. V. de Lourdes 4 st c. org. 
(2 mal) M. op. 16 für Männerchor. Brunner, M. I. op. 5 3 st. m. Org. Deschermeier, K op. 2. 8 st. 
Ebner, M. op. 39, 5st. Ett, M. in A-dur, 8st., Ett-Haller, M. Requiem, Fischer, Requiem. Galuppi, 
M. 4st. Hailer, M. Octava, S. Henrici 5st. M. Sexta c. org., S. Antonü Päd. c org. Hasler, M. 
Biocit Maria. Marxer, iSegutem, M. in hon. B. M. V., M. op. 8. Mitterer, M. de SS. Martyribns 
(Männerchor), M. op. 47, 3st. m. Org., M. domin. IV, 2st. m. Org., domin. VI. op. 71, c. org. (modern!) 
M. S. Caroli Borom^ M. op. 35 (5 st.), Requiem, ojp. 53 (Männerchor). Modlmayr, Reyiiem. Molitor. 
Requiem. Nekes; M. op. Xl., 4— 6st.; op. 30. (2mal) 6— 7st. (ausgezeichnete Novität! hat einmal 
gar allen gefallen!) MT op. 18 (Männerchor), Credo aus Conze op. 4. Palestrina, M. Hodie Cliristua 
natu8 est, 8 st, M. Iste Coi^essor, M. brevis, M. Sine nomine, M. Äetema Christi munera, M. Lauda 
Sion, M. Veni Sponsa Christi, M. Papae Marzelli (4 st.), M. Jesu nostra redemtis ^4--6st.). Quadflieg, 
M. S. Caeciliae, 48t. c. org. Benner, Requiem. Schildknecht Requiem c. org. Thielen, M. Festiva, 
8 st. c. OM^., M. op 40, Männerchor (Creao aus Haller -FeUni). Viadana. M. Sine nomine. Weber. 
M. I u. M. n. Witt, M. S. Gregorii, M. op. 14, 4 st. c. org. Zöggeier, Requiem. 

P. Beruh. Grüner. 

* Reicensburff . Programm des Domchores am Weihnachtstage. Bei der Matutin : Ign. Mitterer, 
8 Bespons. mit Orgel. 1. Amt: Missa B. M. V. de Lourdes von Auer (mit Orgel). Graduale von 
Mitterer (4 st). Motett: Hodie Christus natus est (2chöri^) von Palestrina. 2. Amt: Ss. Nominis 
Jesu, 2 Männerst. m. Orgel von Mitterer. Off. 2 st von M. Haller. 3. Amt: M. Papae Marcelli; 
6 st von Palestrina. Graduale von P. Ortwein. Off: Tut sunt codi, 8 st von Orlando di Lasso. 

8. Chr. Die 25jährige Jubelfeier des Salzbnreer Cäcilien-VereineB ist vorüber und der 
Ausschuss sowohl, als die Freunde der Kirchenmusik-Keform können mit Freude und Genugthunng 
auf den Verlauf derselben zurückblicken. 



-G 11 F>- 

Der hochwürdigste Weihbischof Dr. Katschthaler, der langjähriga, verdiente Prftses des 
Vereiaes brachte den Jubelgottesdienst Gott dem Herrn dar. Das 37274 der Mus, a, 1897 mitge- 
teilte Programm wurde vom Domchor in glänzender Weise durchgeführt Orlando, Palestrina, 
Bemardi, Oreith — sie alle wurden in dem ihnen eigentämlichen Charakter erfasst und vorgeführt 
Der Domchor hat an diesem Tage neuerdin^ seine ffrosse Leistungsfähigkeit auch in Vokalmusik 
bewiesen und sich den Intentionen seines geistlichen Leiters gehorsam gezeigt 

Die geschäftliche Generalversammlung wickelte sich unter spärlichem Besuche ab. 

Nach einem kurzen Kassaberichte, welcher als ordentlich berunden wurde, leitete Herr Präses 
Feuersinger die Wahl des Ausschusses ein, die sich nach den Wahlzetteln mit Stimmeneinhelligkeit 
vollzog und folgendes Ergebnis hatte: 

Präsident: Feuersinger Balthasar. Ausschussmitglieder: Pletzer Hans, Fachlehrer, 
Spies Hermann, Domchordirektor; Greinz Christian, Domchorvikar; Hotter Johann, Dom- 
chorvikar; Pfisterer Balthasar. Zeremoniar; Httbl Heinrich, IL Domchordirektor: Gruber 
Franz f. e. Alumnus: Obersteiner Joseph, Kooperator; Gmachl Franz, Cnorregent; 
Schwaiger Michael, Lehrer. 

Den Schluss dieser Generalversammlung bildete ein Antrag des Präses, den Gründer des 
Vereines, Herrn Alfons Hübner, zum Ehren-Präsidenten zu ernennen. Der Antrag wurde 
mit Freude aufgenommen und begeistert zum Beschlüsse erhoben. 

Beim Nachmittags -Gottesdienst in der Priesterhaus -Kirche sang der Alumnatschor unter 
Leitung des Herrn Alumnus Gruber zur Prediget das Veni aancte Sjmitu» von Frey, zum Segen und 
als Lied die mitgeteilten Piecen. Ausnahmslos hörten wir über me Aufführungen Lob und Aner- 
kennung; man sagte sich, die Bildungsstufe, das gerade für diesen Ta^ gewählte Pro^mm, lassen 
erraten, dass der Alumnatschor im Laufe des Jahres nur kirchliche Musik und diese in glänzender 
Vorführung bietet 

Der Festversammlung in der Aula des f. e. Kollegium Borromäum (5. Dez.} wohnten unter 
anderen bei: Ihre kaiserl. Hoheit Erzherzomi Anna von Toscana, Se. Emineiiz Kardinal Haller, 
Weihbischof Dr. Katscht haier und Lanaesschul- Inspektor Dr. Luber, das hochwürdigste Dom- 
kapitel fast vollzählig, Schulrat und Direktor Dr. Bekk, sowie Damen aus den angesehensten 
bürgerlichen Familien. 

Kurz nach 5 Uhr eröffiiete Präses Feuersinger und begründete kurz die Veranstaltung der 
Jubelfeier. Schon der erste Chor entfesselte einen wahren Beifallssturm. Derselbe brach von neuem 
los, als Pfarrer Hüber die Kanzel bestieg, um die „Gründer*^ -Festrede zu halten, aus der folgende 
Sätze von allgemeinstem Interesse sind. 

„Schwierigkeiten hat es gegeben und jnbt es noch unzählige und unbeschreibliche, be- 
sonders am Lande; wer sich die Keform der Kirchenmusik angelegen sein lässt, muss sich 
regelmässig auf ein kleines Martyrium gefasst machen. Aber der Erfolg ist nicht ausgeblieben. 

Der Verein kann sich sagen: Ich habe gekämpft, aber nicht ohne Kuhm. Wenn es auch noch 
Kreise gibt, welche den Verein und seine Bestrebungen hassen, auf die Seite setzen: so ist die Idee 
doch schon in die entlegensten, tiefsten Thäler des Gebirges gedrungen, und selbst der Bauer weiss 
davon; freilich ist seine Auffassung häufig auf folgende Stichworte beschränkt: „Nix deutsch*', kein 
„Tusch!'' und mitunter ein bischen länger! Viele Chöre der Erzdiözese liaben sich schon aufge- 
schwungen zu genauer oder weni^tens genauerer Einhaltung der kirchlichen Vorschriften; mit 
elementarer Macht hat der cäcilianische Gedanke einen Posten um den anderen erobert, und wird 
ihm schliesslich niemand mehr widerstehen können. 

Besonders im Angesichte dessen^ was wir heute sehen und hören, im Angesichte derer, welche 
sich den Bestrebungen freundlich zeif^en, müssen wir uns herzlich freuen. Der Alumnatschor 
leistet Wunderbares. Vom Domchor in sdzburg kann man heute sagen: er ist einer der ersten 
in Österreich, was liturgische Gewissenhaftigkeit, kirchliche Auffassung und künstlerische Durch- 
führung anbelangt 

Woher kam dieser Umschwung? Von der Eintracht: die geistliche SteUe, von der höchsten 
angefangen bis herab, der Cäcilienverein in seinen Mitgliedern und Anhängern; die löbl. Behörden, 
denen die Heranbildung der jungen Lehrerschaft, unserer künftigen Chorregenten, obliegt und be- 
sonders der heranwachsende iQerus; sie alle nehmen zu an Interesse für die kirchliche Bichtung 
in der Musik für den Gottesdienst 

Diese Quadrupelallianz muss eingreifen und wo sie so einseift, wie es in Salzburg im gegen- 
wärtigen Augenblicke durch die Festversammlung zum Ausdruck kommt, da muss etwas erreicht 
werden. Für Priester und Lehrer ist das Zusammenwirken in der Kircnenmusik nicht bloss eine 
Arbeit zur Ehre Gottes, sondern eine wahre Kulturarbeit, ein Eden, ein wahres Paradies in 
unseren Tagen.*^ 

Nach dem salutarU hostia von Witt folgte die Kede des Fachlehrers Pletzer: «Warum 
wurden Cäcilien- Vereine gegründet?** Beifall und Heiterkeit wechselten im Publikum zum Zeichen, 
wie die Worte eingeschlagen hatten. 

Der „Jubelchor" von Händel (Orchester, Sängerchor und Solisten zusammen etwa 130 Personen) 
wurde mit einer Präzision und einem Ausdruck zu Gehör j;ebracht, dass es eine wahre Freude war. 

Nach dem Vortrag der „Allmacht" bestieg Se. Enunenz Kardinal Haller die Kanzel, um 
Worte, den Bestrebungen zu widmen, welche wir mit einigem Hechte als das „Ereignis" des 
R:estrigen Jubeltages bezeichnen möchten. 

Nach Absingung der majestätischen Leohymne schritt der Vorsitzende zum Schlüsse, indem er 
allen herzlich dankte, welche in irgend einer Weise zum Gelingen des Jubelfestes beigetragen haben." 



-43 1« DH 

Vermischte Nachrichten und Mitteilungen. 

L AniBterdaiii. Am 12. Dezember 1897 führte Anton Averkamp mit seinem Vokalchor 
nachfolgende kirchtiche Tonsätze anf: 1. Ps. 122 von Jan Pieters Sweelinck (in firanzdaischer 
Sprache), 2. Die marianische Antiphon Ave Regina codorum von Wilhelm Dnfay (anter Hin- 
weis auf Haberrs Bausteine für Musikgeschichte [Wilhelm DuÜEiyl 1885). 3. Ein Agnus Dei von 
Anton BrumeL 4 O sahOaria hostia von Pierre de la Bne. 5. Ps. 33 von J. P. Sweelinck (in 
franz. Sprache). 6. Die sechsstimmige Messe „Tu es Pärtuf* (S., 2 A.. 2 T. und B. aus dem 21. Band 
der Gesamt-Ausgabe von Palestrina's Werken nach den von F. X. H. mit Zeichen fär Phrasiemng 
und Dynamik versehenen Stimmheften. 

2. + Berlin. Donnerstag, den 2. Dez. 1897, ÜEuid in der Kaiser Wühelm-Gedflchtnis-Eirche 
Konzert des Kx\. Domchores statt unter Leitung semes Direktors, Professor Albert Becker, unter 

Stiger Mitwirkung der Konzertsängferin Frau Hedwig Ziemssen und des Organisten Herrn Prof. 
'. Keimann. Programm: 1. Orgel- Vortrag: Toccata in F-dur von Seb. Bach. (Herr Prol Dr. Eei- 
mann.) 2. Motette: Haec dies (68t) von G. F. Palestrina. 3. Männerchor: Tibi laus von Orl. di Lasso. 
4. Motett: Laudate dominum (Sst) von G. P. Palestrina. 5. Sologesang: Arie für Alt aus d. Weih- 
nachts- Oratorium mit obligater Violine ^^Bereite dich" von Seb. Bach. (Frau Hedwig Ziemssen.) 
(>. Weihnachtslied ans dem 14. Jahrhundert nach dem Tonsatz von Bodenschatz für Sst. Chor von 
A. Becker. 7. Orgel -Vortrag: a) NoSl von Nicolaus le Bogue. b) Musette von Dandrieu. c) Ghiacone 
von J. Pachelbel. (Herr Professor Dr. Beimann.) 8. Psdm 2 (fOr Sst Chor) von F. Mendelssohn. 
9. Altböhmisches Weihnachtslied, für Chor gesetzt von C. Biedel. 10. Sologesang: Weihnachtsüed. 
für Alt . J)ie Hirten'' von P. Cornelius. (Frau Hedwig Ziemssen.) 11. Altdeutsches Weihnachtslied 
von R. Volkmann. 12. Weihnachts- Motette ,^ürchtet euch nicht'' von A. Becker, 13. Orgel-Vor- 
trag: Fuge von Dayas. 

8. D Breslau, Im 69. historischen Konzert, welches der Bohn'sche Gesangverein im Musik- 
saale der Kgl. Universität am 29. November 1^7 veranstaltete, kamen Vokalkompositionen (mit 
Ausschluss der Oper) von Gaetano Donizetti (geb. 29. Nov. 1797, f S. April 1848) zur Auf- 
ftthrung. Das Programm des 70. historischen Konzertes, abgehalten am 13. Dezember 1897, brachte 
Arien und Chöre aus dramatischen Werken (,^Artamene', „Tetide", „Le Cadi dup6", „Orfeo", ,Jja 
Bencontre impr^vue", .,Paride ed Elena". „Iphigenie en Aulide". „Alceste", „Armida" und „Iphigenie 
en Tauride") von*Chnstoph WüUbald (iluck (geb. 2. JuU 1714, t 15. Nov. 1787) zu (]tehör. Leiter 
dieser wohlvorbereiteten und äusserst lehrreichen Konzerte ist seit Jahren der Kgl. Musikdirektor 
Dr. Emil Bohn. 

4. + Freibnrg i. Schw. Der Art in Nr. 19^ Jahrg. 1897 der Mus. «. hat bereits S. 271 
eine Erklärung hervorgerufen, welche neuerdings zu einer Bückänssemng Veranlassung gab. Die- 
selbe lautet: 

„Während des ganzen Schu^'ahres (Oktober — Juli incL) wird in der Kollegiumskirche alle 
Sonn- und Feiertage ein doppelter Hauptgottesdienst abgehalten, ein Studenten- und Pfarr- 
gottesdienst. In ersterem werden die liturgischen Vorschriften aufis Pünktlichste befolg. Begel- 
massig wird an den gewöhnlichen Sonntagen alles, was streng liturp^h zur Messe gehört, (also 
Messe mit Einladen) choraliter vorgetragen, mit Ausnahme des Onertoriums, des Tagesoffer- 
toriums meine ich, weiches mehrstimmig gesungen wird: an höheren Sonn- und Feiertagen, Messe, 
Oifertorium und Tantum ergo vierstimmig a capella, die üorigen Einlagen choraliter. Der beteiligte 
Männerchor zählt über 40 Mitglieder. 

Nicht ganz so verhält es sich mit dem Pfarrgottesdienst, bei welchem ein gemischter Chor 
von 45 Mitgbedem (Frauen-, Knaben- und Männerstimmen) gratis mitwirkt Wenn nun aber hier 
die liturg. Gesänge bisweilen (nicht immer) ausfallen, wie es am 5. September aus naheliegenden 
Gründen der Fall war, so geschieht dies nicht aus Missachtung gegen die kirchl. Be- 
stimmungen, wohl aber infolge der mangelhaften Organisation des Pfarrgottesdienstes 
selbst, der eben nur provisorisch und zu einer höchst ungelegenen Stunde in der KoUegiumskirche 
stattfindet (^enug dass auch dieser Chor sich bestrebt, im allgemeinen und nach Möglich- 
keit den liturgischen Vorschriften gerecht zu werden. 

Beide (Thöre bringen ausschliesslich cäcilianische Musik zur Aufführung und dürften 
in Bezug auf kirchlich ästhetische Leistungen hinter den anderen, nicht mit Unrecht gerühmten 
Kirchenchören jedenfaUs nicht zurückbleiben und mit ihnen gleichen Schritt halten." (Um so besser, 
bemerkt die Ked. der Mus. s. Es wird ihr aber im gleichen Berichte zugestanden, dass am 5. Sept. 
mittelmässig gesungen wurde, und als Grund angeführt, dass der betreffende Chor in den Fenen 
war. dass nur wenige in letzter Stunde eine notdürftige Probe mitmachen konnten, und dass der 
ständige Organist und Chordirektor nicht anwesend sein konnte. Eine ähnliche Entschuldigung 
fidng der Bedaktion aus Basel zu mit der Bemerkung, dass dort alles regelmässig in schönster 
Ordnung sei, und dass der Bed. der Musica sacra das Unglück gehabt habe an einem Tage Ohren- 
zeuge zu sein, als der tüchtige Chorregent und Organist in den Ferien war. Das thut inm selber 
leid; er hat jedoch keine allgemeinen Sdüüsse gemacht sondern nur thatsächliche Eindrücke erzählt 
Gut und löblich ist es. dass die betr. Herren soviel Buhe und Ehrgeiz besitzen, wohlmeinende 
Ausstellungen nicht übel zu nehmen, und dass sie eifrig bestrebt sind, den kirchlichen Vorschriften 
nach Möglichkeit nachzukommen.) 



Druck und Verlag von Friedrich Pnstet in Hegen sburg, Gesandtenstrasse. 

Nebst Anxeiffeblatt Nr. 1. 



1898. Regensburg, am 15. Januar 1898. J^n- 2. 



MUSICA SACRA. 

Gegrmndet vod Dr. Franz Xaver Witt (f 1888). 

HalbmoDatsclirift für HebnDj und FörderoDg der katbol. KirGbenmasik. 

Herausgegeben von Dr. Franz Xaver Haberl, Direktor der Elrchenmusikschiile in Regenaburg. 

Nene Folge X., als Fortsetznng XXXI. Jahrgang. Hit 12 Mnsikbeilagen. 



Die ..l/iHJUM taera" wird am 1. und 15. jeden Monate auagegeben. Jade der 24 Nmmnem amfiust lü Seiten Text. Die 12 Masik- 
beilagen (48 Seiten) werden in den Nummern 5 — 8 vei-sendet werden. Der Abonnementpreie des Jahrgangs betrilgt 3 Mark; die 
Beatellnng kann bei ied«' PostansUlt oder Bnchhandlung erfolgen. — Bei der Reichapost mit 20 Pf. AufschUg. Bei franko Zusendung 

unter Streifband in Deutschland und Osterreich-Ungam 4 Mk. -^ ins Ausland 4 Mk. 80 Pf. 

iBkaltalbenleht: Neu und frfiher erschienene Kirchenkompositionen: L. Ebner (2), Pet. Grieshacher (2). 
M. Haller (2), E. Jochum, Alb. Lipp (9), Joh. Mandl, Palestrina (4), Bernh. Mettenleiter, Jos. Quast«n, G. Rathgeber, P. J. Jos. 
Vnmken, Aug. Wiltberger, Dr. P. X. Witt (2). — Kirchenmusikalische Aufführungen und Berichte aus: Mailand. 
Otterbaeh, Seligenthai, Diöz. Speyer. — Vom Bücher- und Musikalienmarkt: M. E. Bossi, Ant. Coronaro, Karl Greith, 
Xorb. Horst, Inno cattolico, Frz. Lehmann, Alb. Lipp, P. Mittmann. — Vermischte Nachrichten und Mitteilungen: 
:«us Italien; „Stille Nacht"; Preiburg i. Br.; Neurode; Reinerz; Schlegel; Wamdorf — Offene Korrespondenzen. 



Neu und früher erschienene Kirchenkompositionen. 

Nach den gleichen Grundsätzen, welche bisher in der Musica sacra für die Referate 
über lateinische Eirchenkompositionen mit liturgischen Texten beobachtet worden sind, 
soll auch im nenen Jahrgang gehandelt werden. Die folgenden Kompositionen sind 
sämtlich im Jahre 1897 publiziert worden, wenn auch einzelne derselben — die meisten 
übrigen tragen, zum Schaden der Bibliographie und meistens zur Täuschung der Käufer, 
gar keine Jahresangabe — mit der Ziffer 1898 versehen sind, eine Gepflogenheit, welche 
för die Publikationen der letzten Jahresmonate allgemein üblich und in keiner Weise 
zu beanstanden ist. 

In zwei Heften komponierte L Ebner je fünf öfters benötigte Antiphonen und 
Hymnen für 2 Singstimmen mit Orgel. ^) Im ersten Hefte sind 3 Nummern für C. und A., 
die beiden Veni Creator mit 3 Textstrophen und der letzten auch für die ausseröster- 
liche Zeit für vereinigte Ober- und ünterstimmen; im zweiten Hefte haben die ersten 
3 Nummern die gleiche Besetzung, zwei Fange lingua aber sind für C. und A. Die 
Melodien der beiden Stimmen sind durchweg schwungvoll erfunden, die Begleitung ist 
gediegen und nicht schwer, die Klangwirkung eine voi^sügliche, die Ausstattung sauber 
und schön, weitere Empfehlung, besonders für kleinere Chöre, unnötig. 

Der unbefleckten Mutter Gottes weihte Peter Griesbaeher eine Messe*) für 3 Ober- 
stimmen mit obligater Orgelbegleitung, -welche den strebsamen Chören in Frauen- 
klöstern, Knaben- und Mädcheninstituten eindringlich empfohlen werden muss und 
den Lieblingsmessen genannter Chöre eingereiht werden wird. Sie ist modulatorisch 
ziemlicli reich, ohne zu sehr abzuschweifen, rhythmisch ohne viele Imitationen kräftig 
ausgestaltet, mit passender Abwechselung für eine, zwei und drei Stimmen, denen sich 
im Et incarnatvs est eine vierte Stimme ad lib. zugesellen kann. Warum BenedictiLs 
zweimal komponiert ist, kann sich Referent nur dadurch erklären, dass der Autor Ab- 



10 CantUB sacri. Op. 40, 1. Heft: Asperges, Vidi aquam, Ant. Veni sancte Spiritus und Q Veni 
Creator, - 2. Heft: 2 salutaris und 3 Fange lingua. Part, jeden Heftes 1 J^ t^ /^, St. ä, 20 .^. 
•T. ft. Bdssenecker (Ad. Stender) in Regensburg, m. J.; T. genau. 

') M. Immaculata in hon. B. M. Virginis Immaculatae ad III v. acqu. Op. 36. Part.. I Ji 50 .^, 
3 St. k 20 /^. T. genau. A. Coppenrath (H. Pawelek) in Regensburg. 



-*3 14 ef- 

wechsehing bringen wollte. Dem ersten Sopran, welcher öfter das hohe g aach auf dem 
Vokale a zu nehmen hat, schärfe man Mässigung bei der Intonation ein. 

Der gleiche Autor edierte beim nämlichen Verleger 13 Veni Creator^) von 

4 bis zu 7 Stimmen unter Beigabe der AUelujaverse Emitte Spiritum und Veni Sande 
Spiritus 8 stimm, für das Pfingstfest. Die ersten 4 Nummern sind fär 4 stimm, gem. 
Chor, Nr. 5 für A. T. Bar. und B., Nr. 6—8 und 10 für 5 Stimmen, Nr. 9 und 11 
für 6, Nr. 12 und 13 für 7 Stimmen komponiert.*) Sämtliche Nummern sind festlich 
und weihevoll empfunden, mit der Menge der Stimmen wächst nicht nur der äusser- 
liche Effekt, sondern auch die rhythmische Mannigfaltigkeit und das Feuer der Dekla- 
mation. Auch kleinere Chöre können die 5- und mehrstimmigen Nummern unschwer 
bewältigen, da auch die einfache Besetzung zu schöner Wirkung ausreichend ist. 

Als ein bibliographisches Unikum in der kirchenmusikalischen Litteratur dürfte 
die fünfzehnte Auflage der 2 stimm. Missa tertia^) von M. Haller bezeichnet werden. 
Dieses Opus 7 erschien zum erstenmal im Jahre 1877 und ist unter Nr. 312 im 
C.-V.-K. durch Fr. Konen, B. Kothe und B. Mettenleiter warm empfohlen worden. 
Ein Chor, welcher die Reform mit gutem Vortrag dieser unendlich einfachen und fass- 
lichen Messe beginnt, befindet sich auf dem besten Wege, guten Geschmack für weihe- 
uud würdevolle Kirchenmusik zu gewinnen. Wohl kann das erste Agnus Dei mit 
miserere noUs wiederholt oder recitiert werden; für eine Neuauflage der beliebten 
Messe aber möge der Komponist ein neues kurzes Agnus Dei mit miserere nobis bei- 
fügen, ein Wunsch, der dem Referenten wiederholt und von vielen Seiten brieflich mit- 
geteilt worden ist. 

Das 4stimm. Requiem^) Op. 3 (C.-V.-K. Nr. 299) von Haller mit 2 Tromp. 

in Es, Basstromp. in B und Bassposaune, übrigens auch ohne diese ausführbar, hat eine 
4. Auflage seit 1874 erlebt. Gewiss wird bei einer Neuauflage der Wunsch nach dem 
fehlenden Graduale Eequiem aetemam mit Vers, dem Kyrie, Christe und Kyrie nach dem 
Responsorium Libera und der Aufiiahme des als Supplement zu Op. 3 selbständig er- 
schienenen*) und im Oädlienvereinskatalog nicht erwähnten Dies irae nicht nur als 
vollständig berechtigt anerkannt, sondern auch erfüllt werden, damit ein so brauchbares 
und praktisches Eequiem liturgisch durchaus vollständig in die Hände der Chorsänger 
gelange. 

Der Nachfolger von Bernhard Mettenleiter als Chorregent in Kempten, E. Joe hani, 
tritt mit einer Messe ^) für 5 Stimmen mit gem. Chor in die Öffentlichkeit ohne Angabe 
der Opuszahl; man sieht jedoch, dass er früher schon eine Routine im Komponieren 
sich angeeignet hat Die ninf Stimmen, S., Mezzos., A., T. und B., sind zu sehr wirkungs- 
vollen Harmonien verbunden, jedoch nicht realer (selbständiger) Weise geführt, sondern 
bald einstimmig vereinigt, bald, wenn auch nur auf kurze Zeit mit dem nächsten Nach- 
bar Fühlung nehmend, so dass öfters die 5 Stimmen vierstimm., die 4 Stimmen dreistimni. 
Harmonien bilden. Ohne Zweifel nahm der Autor auf leichte Ausführbarkeit grosse 
Rücksicht und vermied polyphone Imitationen mit einer gewissen Ängstlichkeit. Die 
Deklamation des liturgischen Textes ist durchaus befriedigend und wird durch ver< 
ständige Direktion schöne Steigerung ermöglichen. Die klangreiche, in der Haupttonart 
As-dur sich bewegende Messe wird auch mittleren Chören leicht zugänglich sein und stellt 



*) HymnaB Veni Creator per moduios diversos IV — VII vocibus concinendus addito uno Veni 
sancte Spiritus VIII voc. necnon Graduali in Dom. Pent. VIII voc. Op. 27. Part. 2 j^ 40 ,^, 
4 St. ä 50 ^. H. P. in R. T. p;enau. 

*) Nr. I, 2, 4, 6, 9 'sind mit den 7 Textstrophen und mit Deo Patri (ausser der österlichen Zeit) 
versehen, in Nr. 3, 5, 7, 8, 10 — 13 ist die erste Str.. dann Accende lumen und die doppelte Sohlus<)< 
Strophe unterlegt. 

") Missa tertia ad II voc. aequ. com. org., Op. 7 a, ed. 15. Part. 1 Jk, 2 St. k 20 ^. T. genau, 
m. J. -^ Pustet in Regensburg. • 

^) Requiem. IV voc. cum quatnor trorobonis ad Hb. F. Pustet in Regensburg. Part. 1 Jt 20 ^, 
St. & 10 ^, Instr. 25 ^; m. J. 

') Im gleichen Verlage, Part. I M, Singst. & 10 ^, Instr. k 15 ^. 

•) M. in honorem 8.. Andreac Ap. 5 voc. inaequ. conciu. — Campoduni (Kempten), J. Kösel. — 
T. genau, m. J. Part, und St. 4 ^^ 25 ^. . 



-« 15 &h 

an die Tre&icherlieit geringe Anforderungen. Dass der Komponist durch die Wahl 
des harmonischen Stiles zu vielen Modulationen gedrängt wurde, soll ohne Tadel nur 
erwähnt sein. Ein gewisses Missbehagen verursachen die letzten Takte vor Christe 
tileisan und am Schluss des letzten Kyrie, die ziemlich sentimental ausgefallen sind, 
sowie die drei letzten Takte von Quoniam tu solüs sßhcttLs. Auch rauss es auffallen, 
dass bei Jesu Christe im Oloria als Tempo „eilend^* und als dynamischer Grad p an- 
gegeben sind. Das Werk kann als Festmesse auch für mittlere Chöre empfohlen werden. 

Eine ganze Reihe von Kirchenkompositionen, welche Alban Lipp im Vereine mit 
anderen Autoren herausgegeben oder als selbständige Werke komponiert hat, liegt zur 
Besprechung vor: 

1. Als Redakteur ist A. Lipp Herausgeber von 10 Fange lingua^) für gem. Chor 
ohne Orgel Nr. 1—7, und 2 stimmig (vereinigte Ober- und Unterst.) mit Orgel Nr. 8—10. 
Die erste Strophe, sowie Tantum ergo mit Oenitori ist überall untergelegt, Nr. 3 ent- 
hält auch noch die Strophe Nohis datus. Die leichten, vielbenötigten, würdigen und 
schönen Hymnen können gut empfohlen werden. 

2. 12 eucharistische Gesänge für 2 und 3 Oberstimmen mit Orgelbegl. ^) enthalten 
ausser einem Fänge lingua von A. Lipp Beiträge von H. Bill (Fange lingua, Jesu dulds 
memoria), Br. Stein (Fange lingua, sacrum convivium), F. Reidl (Fange lingua, 
Adoramus te), A. Löhle (0 salutaris), P. Griesbacher (Ädoramu-s te, VeHlla regis), 
J. B. Thaller (Adoro te) und F. Müller (0 esca viatorum), Wohl sind nicht alle 
Nummern von gleichem musikalischen Werte, unbrauchbar^) aber und unwürdig ist 
keiner der 12 einfachen Gesänge. 

3. Unter dem Titel „Lateinische Kirchengesänge für 4 stimm. Männerchor mit 
oder ohne Orgelbegleitung" gab A. Lipp vier Hefte heraus mit Beiträgen von J. Stein (2), 
K. F. Weinberger (3), A. Löhle, f U. L. Kimberger, f J. Modlmayr (3), f C. Aiblinger, 
t J. G. Mettenleiter, A. Wiltberger, L. Hofhnann, f J. B. Thaller, Fr. Bieger, G. Zoller, 
t C. Ett, V. Engel, C. A. Leitner, F. Müller und dem Herausgeber (8).*) Sämtliche 
Kompositionen sind sehr populär gehalten und lassen sich bereits mit einem einfacli 
besetzten Männerquartett gut zur Ausführung bringen; sie werden daher in Klerikal- 
und Lehrerseminarien gute Verbreitung finden. Die Texte des 3. Heftes sind durchaus 
liturgisch, mit Ausnahme des Ave Maria, in welchem der ganze englische Gruss bis 
Amen in Musik gesetzt ist; Referent ist nämlich der Ansicht, dass beim liturgischen 
Hochamt der Offiertoriumstext Ave Maria an den verscliiedenen Muttergottesfesten genau 
in der Fassung vorgetragen werden soU, welche von der Kirche im Graduale, bezw. 
Missale angegeben ist. Nicht ohne Absicht unterscheidet sich das Ave Maria am 
8. Dezember und Ave gratia plena des Festes der sei. Jimgfrau von Lourdes (11. Febr.) 
von dem des 4. Adventsonntages und der marianischen Votivmessen. Aus den mitge- 
teilten Texten, welche rhythmisch richtig'') und musikalisch recht anregend behandelt 
sind, kann ersehen werden, dass die vier Hefte bei mancherlei kirchlichen Anlässen 
erwünschte Dienste leisten können. 

A. Böhm & Sohn in Augsburg und Wien, Part. 1 wtt 20 ^, St. k 40 ^. Part. u. St, 2 M 60 .^. 
Beiträge lieferten L. Hoffmann, J. B. Thaller, P. H, Thielen, J. Modlmayr, Aug. Löhle (2), K. Fr. Wein- 
borger, J. Qaadflieg- (2) und der Herausgeber. 

») Gleicher Verlag; Part. 1 ^ 20 ^, St. & 40 ^, Part. u. St. 2 M. 

*) D. Red. musste bei der Korrektur für genauere Durchführung der TrennungRBtriche und 
lateinischer Orthographie sorgen, z. B. qui a statt qui-a; fer ist ein Wort fttr sich; recolitur memoriam 
Htatt memoria: hriva statt priva: adange statt adauge, und so einige Dutzendmal weiter. 

*) Augsburg, A. Böhm ; die ersten 3 Hefte Part. IJf 20 ^, St. a 40 .^, Part. u. St. A 2 Jf 80 ^ ; 

4. Heft mit den vier marian. Ant. Part, i Ji ^ St, k 2!) ^, Im 1. Hefte sind die Texte Borate codi 

Vetii Creator iSpir., Veni sancte Spir,, O salutaris, Ave maris stdla, Tantum ergo, Ecce sacerdos und 

Popule mens, im 2. Heft 2 Fange lingua, 2 Adoramus, O esca viatorum, O salutaris hostia, Jemt, duicis 

memoria und O sacrum convivium, im 3. Heft die 8 Offertorientexte Tui sunt codi. Terra tremuit, Con- 

Jirma hoc, Diffusa est, Oloria et honore, Laudate Dominum, Veritas mea, Ave Maria und Ascendit Dens, 

^) Auch in dieser Sammlung sind unrichtige oder fehlende Trennungszeichen, wodurch aus zwei 
Wörtern eines entsteht oder umgekehrt, in Partitur und Stimmen zu beanstanden, können übrigens von 
Inteinknndigon Sängern leicht verbessert werden. Schlimmer sind die ,.Heiden", beispielsweise in Nr. 4 
codis (panats ostium) statt codi, in Nr. 5 Frihwf honier (sie!) statt Tribiis honor, fulit statt tulit, vinda 
statt vittda und zahllose ähnliche Anzeichen mangelhafter Bildung in def lateinischen Sprache. 



-tö 16 fc;»- 

4. Eine sehr leicht ausführbare Messe ^) mit beliebiger Begl. der Orgel für 4 stimm, 
gem. Chor von A. Lipp trägt die Opuszahl 46. Musikalisch recht genügsame Chöre 
wird man nicht tadeln können, wenn sie diese schlichte, jedoch nicht schlechte Arbeit 
ilirem Programme einverleiben. 

5. Die nämliche Ansicht hat Referent von Op. 61, einer sehr leicht ansfuhrbaren 
Messe*) für 4 stimm, gem. Chor mit Orgel ad lib. 

6. Als Op. 63 komponierte A. Lipp 6 lateinische Kirchengesänge für gem. Chor.') 
Die Cantilene and die musikalische Disposition der 6 Nummern ist gewählt und an- 
regend. Besonderes Lob muss dem Responsorium Caligaverunt und Äsperges me ge- 
spendet werden. Auch die 3 Hymnen sind sehr gut geraten; keine Nummer fordert 
von den Sängern grosse Anstrengung. ^ 

Eine sehr leichte lauretanische Litanei für Sopran und Alt (Bass ad lib.) mit 
Orgelbegleitung komponierte Job. Mandl^) und fügte die üblichen 3 Strophen des Fange 
lingua bei. .Er wollte (laut Vorbemerkung) „keineswegs ein Kunstwerk liefern, sondern 
nur einem praktischen Bedürfnisse zu Hilfe kommen und jenen Landchören eine Gabe 
bieten, welche nur über wenige und meist schwache Gesangskräfte verfügen und bei 
welchen die Männer zu den Nachmittagsandachten nur selten kommen. Deshalb 
(?! D. R.) wurde auch dem Bass keine Invokation zugewiesen, sowie von einer selbst- 
ständigen Orgelbegleitung abgesehen". Letztere Bemerkung könnte irreführen, und 
darum sei ausdrücklich erwähnt, dass die 2 Singstimmen mit einer , einfachen , aber 
guten und leicht spielbaren Orgelbegleitung versehen sind. Um einer Übermüdung der 
Sänger und Hörer vorzubeugen, sind die Anrufungen bald dem Sopran, bald dem Altus 
und auch beiden Stimmen zusammen überwiesen. Bei dieser Veriuilassung möchte Ref. 
aufmerksam machen, dass die kirchliche Vorschrift von keiner Wiederholung beim Ein- 
gange der Litanei redet, dass also (auch nach römischer Praxis) dem ersten Kyrie 
eleison unmittelbar Chriate eleison, Kyrie eleison, Christe avdi nos und Christe exaudi 
nos folgen können, demnach nur 5 statt 10 Invokationen vor Pater de coelis Dens nötig 
sind. Die einfache Litanei kann gut empfohlen werden. 

Von den ausgewählten Werken, welche auf Grundlage der Gesamtausgabe der 
Kompositionen des Glov. PierL da Palestrlna durch M. Haller, Ign. Mitterer und den 
Redakteur der Musica sacra auf Wunsch der Verleger Breitkopf & Härtel in Leipzig 
für den heutigen Chorgebrauch eingerichtet und in einzelnen Nummern*) ediert werden, 
sind nachfolgende Motetten erschienen: 

In Serie A das 4 stimmige Dies sanctificatus (Nr. 7) und Sicut cervus desiderat 
mit dem 2. Teil Sitivit anima mea (Nr. 8), redigiert von F. X. H.; als Nr. 9 das 
Motett qitantus ludus zu Ehren des hl. Bischöfe und Bekenners Martin, redigiert 
von M. HaUer, — in Serie C das 6 stimmige Motett hone Jesu (2 Sopr. und 2 Ten.), 
redigiert von F. X. H. 

Über den musikalischen Wert dieser auserlesenen Nummern wird von keiner Seite 
irgend ein Bedenken oder Zweifel gehegt werden können. Was die Grundsätze für 
die Bearbeitung durch die 3 genannten Redakteure betrifft, so mögen dieselben aus dem 
vor 3 Jahren veröffentlichten Programm kurz wiederholt werden: a) Die Lesart der 
Gesamtausgabe wird berücksichtigt sowohl für Text als für Noten ; wo eine Abweichung, 
öfters wegen liturgischer Vorschriften, angezeigt und notwendig erscheint, wird dieselbe 
in kurzer Fussnote mitgeteilt; b) die Partitur wird für Sopran, Alt und Tenor in 



*) Missa in honorem Ss. Ang. Cust. (Schutzengelmesse). Augsburg, A. Böhm; Part. 1 jW 40 ^, 
St. ä 25 ^. T. genau. 

2) M. in hon. S. Elisabethae. A. B»hm & Sohn in Augsburg; Part. 1 UV 40 ^, St ä 25 ^. 
T. genau. 

') Äsperges, O salutaria, Veni Creator , Ave Maria (ganz bis Amen), Caligaverunt oculi mei und 
Fange lingua mit der ersten und den beiden letzten Strophen. Part. 1 .H 20 ^, St. & 25 -d». Bösseneckcr 
(A. Stender) in Regensburg. 

*) Op. 9. Regensburg bei Pustet. Part. 1 JK, St 4 10 ^. T. f^enau, m. J. 

^) Die Part, eines jeden der 4 Hefte ist von Breitkopf & Härtel ii\ Leipzig und durch jede Buch- 
handlung zum Preis je 1 M, jede Einzelstimme in beliebiger Anzahl ä 30 -^ zu beziehen. 



-ö 1» e^ 

Violinschlüssel umgeschrieben, so auch in den Stimmen, deichen für einheitliches 
Atmen oder Phrasieren (' und i) werden beigefügt, ebenso die dynamischen Angaben 
und die Accente des lateinischen Textes; c) jedes Tonstück wird in der Tonlage redi- 
giert, in der es erfahr ungsgemäss am besten wirkt, demnach eventuell höher oder 
tiefer als das Original. Mit Ausnahme der. Messtexte, welche allgemein verstanden 
werden, ist jeder Tonsatz mit der deutschen Übersetzung in Fussnote versehen." 

Man kann erwarten, dass durch dieses Vorgehen einerseits jene befriedigt werden, 
welche sich seit Jahren den Aufführungen von Werken Palestrina's durch die Ausrede 
entzogen haben, es falle den Sängern zu schwer, in den alten Schlüsseln, olme 
dynamische und rhythmische Angaben und oft auch ohne Kenntnis der notwendigen 
Tonhöhe Werke Palestrina's einzustudieren und vorzutragen, — und dass andererseits 
die Vorwürfe mehrerer, für Palesttrina begeisterter Schriftsteller entkräftet werden, 
welche nicht mit Unrecht lebhaft bedauern, dass auch gute Kirchenchöre lieber moderne 
Kompositionen als die klassischen Vokalwerke Palestrina's auffuhren. Ob diese Hoffnung 
und Erwartung erfüllt oder getäuscht werden wird, lässt sich bis heute weder bejahen 
noch verneinen; soviel aber muss konstatiert werden, dass Angebot und Nachtrage 
noch nicht in dem Verhältnisse stehen, als der Wert der auserlesenen Kompositionen 
und die bereits ziemlich reichhaltige Auswahl erwarten lassen.^) Der Unterzeich- 
nete ist gerne bereit, den freundlichen Wünschen und Anträgen für die Auswahl des 
einen oder des anderen unter den zahlreichen Werken Palestrina's zum Zwecke der 
Einzelausgabe möglichst Rechnung zu tragen, und ersucht die Dirigenten von Diözesan- 
oder grösseren kirchlichen Aufführungen um rechtzeitigen Ausdruck diesbezüglicher 
Wünsche. — 

Als Opus 40 bezeichnet der greise und für gute Kirchenmusik sein Leben lang 
mit Eifer und Liebe thätige Bernbanl Hettenleiter eine Messe ^ zu Ehren des hl. Michael 
für 4 stimm, gem. Chor. Da Kompositionen von ihm im C.-V,-K. schon höhere Nummern 
tragen, so scheint er diese praktische und auch in einfachster Besetzung leicht aus- 
führbare Messe aus früherer Zeit jetzt erst als druckreif befunden zu haben. Sie ent- 
spricht den Forderungen gesunder und ungekünstelter Stimmenführung, richtiger Dekla- 
mation und andächtigen Ausdruckes. Wenn der Dirigent auf discrete Abwechselung 
im rhythmischen Vortrag bedacht ist, so wird die nötige Frische und Beweglichkeit 
erzielt werden können, da die Gefahr naheliegt, beim Mangel belebender Imitationen 
und dem Vorherrschen des fast ununterbrochen homophonen Stiles, Sänger und Zuhörer, 
besonders in den längeren Sätzen des Oloria und Oredo, die übrigens musikalisch nicht 
leicht kürzer gefasst werden können, zu ermüden. Die Messe kann sehr gut empfohlen 
werden. 

Von guter Schule und tüchtiger Kenntnis im einfachen Tonsatz zeugt ein Op. 1 
von Jos. Qnasien, Messe ') für 4 stimm, gem. Chor ohne Credo. Die Melodiebildung iat 
fiiessend, die Singstimmen sind nicht bloss Harmonisierungen einer Sopranmelodie, 
sondern bewegen sich mit einer gewissen Selbständigkeit untereinander, einige Male 

') Zur Übersicht zfthlt die Bed. aus den 4 Serien die bisher vorliegenden Einzelnummern auf, 
unter Beifügung der Bedaktionsnaroen (Haller=Hr., Mitterer = Mr., Haberl=Hl. Wenn die Preise nicht 
eigens angegeben sind, so kostet jede in farbigem Umschlag auf feinstem Papier und durch deutlichsten 
Stich heri^estellte Partitur 1 JH, jede Stimme «30 ^. - Serie A (4 stimm.) enthält: 1. Die Messe 
Aetema Christi munera transponiert für A., T., Bar. und B. Part. 1 ^ 60 /^ (Hl.). 3. Exaudi Domine 
f. S., A., T., 6. (Hr.). 3. Erste Lament. des Grttndonnerst. f. Mchor (Hr.). 4. Zweite Lament. des 
Charfreit. f. Mchor. (Hr.). 5. Dritte Lament. des Charsamst. f. Mchor. (Hr.). 6. Die Messe Dies sancti- 
ficatus f. fi^em. Chor. Part. 2 M. (HL). 7.-9. Die obenangeführten Motetten. — Serie B (5 stimm.) 
enthält: 1. Messe wionim cmvivium f. S., A., 2 T., B. Part. 2 J£ 50 .^. (Mr.). 2. Offert. Terra 
tremuit Besetzung, wie 1. (Mr.). 3. Oifert. Äscendit Deus Bes. wie 1. (Mr.). 4. Offert. Cot\firma hoc 
Bes. wie 1. (Mr.) 6. Mot. admirabUe commercium Bes. wie 1. (Hr.). — Serie C (6 stimm.): Dritte 
Lament. des Charsamst. 2 S., A., T., Bar., B. (Hr.). — Serie D. (8 stimm.): Foptde meus f. Doppelchor (Hl.). 

*) M. in hon. S. Michaelis Archang., 4 vor. (S. A. T. B.) cantanda. Kempten, bei Jos. Kösel. 
T. genau, m. J. Part, und St. 4 M. 

•) M. zu Ehren ü. L. P. von der immerwährenden Hilfe. Part. 1 jÄ 20 ^, St. i 16 ^. 
L. vSchwann in Düsseldorf. T. genau. Hässliche Stichfehler, wie pac statt paa:, unrichtige Trennung; 
der Silben und Buchstaben, Mangel der Trennungszeichen, z. B. in carnatus (Et incamatfis ist als 
Einlage zum III. Choralcrcdo 4 stimmig; aufgenommen), verunstalten die sonst fleissigo Arbeit. 



-ö 18 E> 

auch in guten Imitationen, stets in bequemster Stimmenlage. Die Messe kann (nacii 
Angabe des Komponisten) „bei guter Tenorbesetzung" eine kleine Terz tiefer 
intoniert von einer Kinderstimme, Tenor und 2 Bässen ausgeführt werden; Eeferent 
zieht jedoch die Originallage vor. Die Komposition kann gut empfohlen werden. 

Eine Messe von 6. Hathgeber^) ist laut Titel und Vorwort in dreifacher Weise 
ausfuhrbar: a) für 3 Männerstimmen, b) einen Ton tiefer für 3 Frauenst., c) einen 
halben Ton höher für A., T. und B., wobei die Altstimme um eine Oktave tiefer singen 
müsste als geschrieben steht; im Credo wechseln 3 stimm. Sätze mit der harmoni- 
sierten (III.) Choralmelodie ab. Der Komponist entwickelt achtenswerte Kenntnisse im 
Kontrapunkt und in der Imitation und beschäftigt die 3 selbständigen Stimmen mit 
guter Deklamation des liturgischen Textes und unter Ausnützung des Stimmenmufanges 
fiir Tenor I, 11 und ßass. In dieser Besetzung dürfte die Messe am häufigsten Ver- 
wendung finden, wenigstens gibt Referent den Rat, mit den anderen angegebenen Expe- 
rimenten vorsichtig zu sein, denn „eines schickt sich nicht für alle!^^; man darf auch 
guten Sängern — diesen Namen verdienen nur diejenigen, die nicht gedrillt, sondern 
geschult sind! — nicht zuviel zumuten. 

Eine der besten Darbietungen für kirchliche Männerchöre ist eine 4-, in einzelnen 
Sätzen auch 5 stimmige Messe mit;, Orgelbegleitung von P. Jf. Jos. Vininken. ^) Die 
Motive des Introitus In nomine Jesu sind im ganzen Messtext schön verwoben und 
passend eingefügt. Die Orgel begleitung drängt sich nicht vor, dient meist nur als 
Folie für den Gesang einzelner Stimmen, oder als Überleitung zu und Abschluss von 
Textperioden. Die fünfte Stimme (Bariton) tritt nur beim Et incarnatas est und im 
Benedidtis, zwei wundervoll klingenden Vokalsätzen, auf. Alle übrigen Teile der Messe 
sind in modernel" Polyphonie, mit lobenswerter Zurückhaltung im Gebrauche der reich- 
lich zu Gebote stehenden Ausdrucksmittel und dennoch mit grosser Wärmiß und inniger 
Hingabe an den liturgischen Text deklamiert und komponiert. Es ist nicht zu zweifeln, 
dass diese feurige, für einigermassen geschulte Männerchöre äusserst dankbare Messe 
oft und in der vom Komponisten intendierten, durch mancherlei Angaben für Dynamik 
und Rhythmik bezeichneten Weise zu packendem Vortrag gelangen wird. 

Eine lauretanische Litanei für 4 stimm. Männerchor mit Orgel komponierte 
Aog. Wiitberger. ^) Das sehr brauchbare Werk beginnt richtig mit der einfachen, nicht 
wiederholten Einleitung von Kyrie bis Pater de coelis. In reicher Mannigfaltigkeit 
werden nun von einzelnen oder vereinigten Stimmen die Invokationen des offiziellen 
Textes, getragen durch eine fliessende und mittelschwere Orgelbegleitung, gesungen. 
Von Sancta Maria ab sind gewöhnlich 3 Versikel zu einem musikalischen Satz ver- 
einiget, dem ein entsprechendes Ora pro nohis folgt. Die schöne und liturgisch durchaus 
korrekte Litanei sei den katholischen Männerchören aul* das Beste empfohlen. 

Von der beliebten, seiner Zeit preisgekrönten Messe zu Ehren des hl. Franz Xaver, 
welche f Dr. F. X. Witt^i als Op. 8 fiir 4 stimm. Männerchor mit Orgelbegleitung 
komponiert hat, ist eine 7, Auflage notwendig geworden. Das Werk, durch welches 
schon vielen Feinden wahrer Kirchenmusik durch gute Auffuhrurg Einsicht in die 
Grundsätze kirchlicher Tonkunst geworden ist, wurde im Cäc. - Ver. - Kat. unter Nr. 8 
aufgenommen. „Sie (die Messe) zeichnet sich aus duich kirchliche Erhabenheit, Feier- 
lichkeit und edelsten musikalischen Ausdruck, ist eine sehr eiFektreiche Komposition, 
voll frommer Begeisterung und freudigen Jubels, und entspricht allen Anforderungen 
der Liturgie." 

^) M. in hon. 8. Josephi ad 3 voces aequ. et faut muss es heisscn! D. K.) inacqualcs. Op. 16. 
rüstet in Regensburg; ; m. J, T. genau. 

'^) 3L „In nomine Jesu" Op. 2 ad 4 (et 5) voces virilibus (sie! D. R.). Utrecht, van Rossum, fiir 
Deutschiand bei Pustet in Regensburg. Part. 2 ,i6 bO ^, St. a 35 v*). T. genau, m. J. , und kirchl. 
Approbation des Textes! 

») Op. 71. Part. 2 M. St. a 20 .^. Düsseldort, L. Schwann. T. genau. 

*) M. in hon. S. Francisci Xav. ad IV v. aequ. comit. org. Op. 8 a. Fr. Pustet in Regensburg, 
m. J., T. genau. Part, 2 J$ 40 ^, St. a 20 ^. 



-G 19 E>- 

Eine 2. Auflage erschien von Fr. Witt's Op. 19b,') jener Bearbeitung der 

6 stimmigen Konzilsmesse (C.-V.-K. Nr. 87), welche unter Nr. 822 durch Referat von 
P. Piel und Fr. Schmidt sehr empfohlen worden ist. Dem Unterzeichneten ist diese 
Bearbeitung viel sympathischer als das Original, und er empfiehlt sie wohlgeschulten 
Frauen- oder Knabenchören, welche über reichere Stimmittel verfügen, auf das Ein- 
dringlichste. Es ist ihm 1869 als Kaplan der deutschen Nationalkirche zu Born nicht 
gelungen, den Wunsch des f Komponisten durchzusetzen, das päpstliche Sängerkoliegiuni 
zur Aufführung des 6 stimmigen Originals bei Eröffiiung des Konziles zu bewegen ; man 
schützte Palestrina vor, sang ihn aber nicht. Vielleicht führt die Empfehlung dieser 
4 stimmigen Bearbeitung nach fast 30 Jahren dazu, dass einzelne grosse Schönheiten 
des Originals, mehr aber' noch die Fassung von Opus 9 b die Aufmerksamkeit unserer 
Chöre neuerdings auf sich ziehen. F. X. H. 



Kirohenmusikalisohe Auffahrungen und Berichte. 

X Über den Verlauf des Kongresses in Mailand^ dessen Programm in Mtmca sacra M»7, 
Nr. 23, Seite 273 mitgeteilt worden ist, liegen der Redaktion handschriftliche und gedruckte Eeferate 
vor, letztere von Journalen der verschiedensten nolitischen und religiösen Färbung („La Perseverama*', 
,,Vo88etTatore cattolko" , ,,11 secdo" , „Cwiriere deua sera", ,Jja sera** und „Musiea sacra^ von Mailand; 
sie muss sich also entschliessen, aus dem reichen und interessanten Material die bedeutendsten und 
auch für die deutschen Leser lehiTeichen Momente zusammenzufassen. 

1. Tag. 2. Dezember. Beim Hochamt im amhrosianischen Ritus wurden die liturgischen 
(jesänge von den Alumnen des Klerikalseminars nach den archäologischen Melodien ambrosianischer 
('odices gesungen; die Begleitung besorgte Laigi Cervi auf einem Harmonium, Lorenzo Perosi 
führte die Vor- und Nachspiele aus, nach einstinunigem Urteil in meisterhafter Weise. Die Vor- 
träge vom Propst Paolo Borroni beschäftigten sich ausschliesslich mit den Lesarten des ambro»!- 
anischen Gesanges, und jede Frage ttber die gregorianische Gesangesweise wurde ängstlich 
vermieden, denn es waren gemessene Weisungen vorhanden. In Bezug auf die Ausfülirung ver- 
suchte Borroni durch ein auffallendes und unwahr übertriebenes Deklamieren „nach Art der Deutschen**, 
im Gegensatz zur Methode Dom Pothier's und der Schule von Solesmes, Sensation zu machen, 
erreichte aber das Gegenteil, denn die Priester, welche aus italienischen Diözesen mit römischem 
Hitus dem Kon^esse beiwohnten, fanden die unbestimmte und dem italienischen Teinperament durchaus 
fremdartige Deklamations- und Cresangsweise unnatürlich und undurchführbar. (Der Korrespondent 
des „Secolo" äussert sich: ^ un vero perpetuo ondeggiare che non fa piacere", und wundert sich, dass 
man die Forschungen Gevaert's und die neuesten Aufstellungen über eine bestimmte Mensur der 
Neumenschrift des 9. und der späteren Jahrhunderte unerwähnt gelassen habe!) Noch sei bemerkt, 
dass ein Benediktiner von Solesmes, der an der Schule Ch. Bordes zu St. Gei-vais in Paris Unter- 
richt im archäologischen Choral erteilt, in fianzösischer Rede statistische Nachrichten über die 
kirchenmnsikalische „Restauration'^ in Frankreich brachte, und dass unter den fünf von der Ver- 
sammlung angenommenen Beschlüssen unter 2c wörtlich zu lesen ist: „Der heutige musikalische 
Geschmack und viele praktische Erwägungen verlangen eine Trennung mehrerer ausgedehnter 
melismatischer Neunienverbindun^en; man schlägt deshalb vor, bei Neuausgabe der Choralbücher 
|der amhrosianischen Gesanpweise] die alte Lesart genau beizubehalten, aber durch Klammern, 
Asteriscus oder andere Zeicnen jene Phrasen oder melodischen Abschnitte, die ohne Schaden für 
den Wohlklang wej^bleiben können, für schwächere Chöre zu bezeichnen.'* Was sagen die Leser 
der Musiea sacra zu diesem Beschluss. sowie alle jene, welche seit den Dekreten Korns über die 
offiziellen Choralbficher, in denen auf Wunsch der obersten liturgischen Autorität durch Palestrina 
und seine Schüler solche Abkürzungen und Zusammenfassungen schon vor Jahi'hunderten durchge- 
führt worden sind, von den ,.Gelehrten" den Vorwurf hören mussten, die Editio Medicaea sei eme< 
,, Verstümmelung** der altehrwürdigen (resäuj^e des hl. Gregor?! — Sämtliche vorliegende Journale 
besprechen eingehend und fast mit uneingeschränktem Lobe die erste Aufführung (Klarinetten und 
Flöten sind nicht verwendet) der Trilogie Perosi's (Passion nach dem hl. Evanpfelisten Markus), 
welche mit Aufwand eines bedeutenden Orchesters und trefflichen Sänprerchores am Abende des 
ersten Tages stattfand. Sie rühmen dieses neuartige Oratorium und äussern sich dahin, dass der 
Komponist Bach, Händel und Richard Wa^er vortrefflich kenne und Effekte derselben auszunützen 
verstanden habe. Perosi dirigierte selbst und erntete reichsten Beifall. 

Eine Disharmonie, welche Tebaldini. damals noch Kapellmeister zu Padua, nunmehr Direktor 
des Kgl. Konservatoriums in Paima. in Verbindung mit Domkapellmeister Gallotti in Mailand da- 
durcli hervorzurufen drohte, dass er am nämlichen Tage ein historisches Kirchenkonzert im Saale 
des Blindeninstitutes mit Kompositionen von Anerio, Palestrina, Bernabei, Lotti, Vittoria und Orlando 
I^asso veranstaltete, bei dem er illustrierende Einleitungen gab, soll hier nicht weiter berührt werden ; 
da^ \''orgehen war ausser Programm. 

') M. in loenior. Conc. Occ. Vatio. ad 4 v. acqu. coinit. or^. Op. 19 b. Fr. Pustet in Re^ensburg; 
m. J., T. genau. Part, i JH 40 ^, ät. a 10 ^. 



-G »O f>- 

2. Tag. An diesem Taj^e ponüfizierte Kardinal FeiTari selbst in S. Ambrogio und Propst 
Borroni dirigierte eine von Kapeilmeister Lor. Perosi in Venedig zu diesem Kongress komponierte 
neue Messe. Ein Journal bemerkt dass dieselbe in 10 Tagen geschrieben worden sei; Perosi selbst 
übernahm den Orgel nart. Die Urteile über den Wert derselben sind verschieden; eine liberale 
Zeitung vermisst in ihr „den mystischen und liturgischen Stempel** (!) und findet die Arbeit übereilt 
und unzusammenhängend; die „Pcraeverenta" bemerkt, dass die „SpeziaUsten** sich über den Wert 
derselben streiten werden, der eine werde den Mangel an Polyphonie, der andere eine gewisse 
Emanzipation vom herkömmlichen Kirchenstile und zu grosse Nachgiebigkeit des Komponisten gegen- 
über seiner Phantasie beanstanden. Das Werk ist noch ungedruckt. 

Einen ffrossen Erfolg hatte der H. H. Domkapellmeister Richard Pelini aus Trient zu 
verzeichnen, aer im letzten Augenblicke das Thema über den figurierten Kirchengesang übernehmen 
musste, nachdem Tebaldini, der zuerst diesen Vortrag zugesagt -hatte, aus nichtigen Gründen zurück- 
getreten war. In packender und praktischer Weise, teils die unter Terrabugio's Leitung vorgetragenen 
Musterbeispiele mehrstimmiger Kirchenkomno«itionen von Palestrina, Viadana, Lotti u. a. illustrierend, 
teils durch eigenen ausdrucksvollen und deklamatorisch belebten Gesang einzelner Melismeu aus poly- 
phonen Werken den musikalischen Voiirag darstellend, verstand es der Redner, die guten Saiten des 
Italienischen Musiktalentes anzuschlagen, welche nur dann verstummen oder nussklingend t.önen, 
wenn der Subjektivismus über Gebühr in den Vordergrund tritt, oder wenn unnatürliche Manieren 
die reichen Stimmittel und den feinen Sinn des hochbegabten Volkes abstossen und verletzen. Eine 
Reihe von Thesen und Beschlüssen, welche H. Feiini als Folgerungen der entwickelten Grundsätze 
vorlegte, wurde einstimmig angenommen. Der Präsident dieser Sitzung, Kanonikus Nasoni, zugleich 
Direktor der Mailänder „Musica aacra^, hatte den Vortrag Felini's unter Hinweis auf die Notwendig- 
keit einer Reform des mehrstimmigen Kirchengesanges, der Heranbildung von tüchtigen Chor- 
regenten^ der Belebung historischer und kirchenmusikalischer Studien u. s. w. in Italien, in beredter 
Weise eingeleitet. Se. Eminenz Kardinal Ferrari wohnte der Sitzung mit grossem Interesse bei 
und schloss dieselbe mit herrlichen Worten seines Beifalls und der Aunnunterung. 

Am 3. Ta^ trugen die Seminaristen während einer stillen Messe unter Leitung von Kanonikus 
Audreoni kirchliche Musikstücke vor; darauf folgten theoretische und praktische Vorträge über 
Orgelbau und Or^elspiel von L. Bottazzo, Gius. Lurani und Lor. Perosi und Annahme 
melirerer, den wichtigen Gegenstand betreffender Resolutionen. Am Nachmittag nahmen bei 
der Schlussitzung das Wort: Nasoni, zur Einheit in der reformatorischen Bewegung auf- 
munternd, Borroni. über mehrstimmige Hymnenkompositionen, die man strophenweise und nicht 
als sogenannte Musikstücke behandeln solle, und über das Vorurteil, dass man zur Aufführung 
guter Kirchenmusik recht viele gute Stimmittel benötige. Das Sclilusswort ergriff der Hoch- 
würdigste H. Bischof von Pavia imd munterte zur Ausdauer auf dem betreteneu Wege auf. 
Der Kardinal Ferrari sprach das Schlussgebet, und man begab sich nach der Ambrosiuskirciie, um 
das Te Deum zu singen und dem Segen beizuwohnen , weldien Se. Eminenz erteilte. Der Sänger- 
chor de« Klerikalseminafs trug ein Tantum ergo von Witt und das salutaria von Viadana vor. 
Nach dem sakramentalen Segen sprach der Kardinal noch ausserordentlich eindringliche und mit 
tiefer Rührung angehörte Dankes- und Aufmunterungsworte an die Versammelten. 

Am Abend fand die Wiederholung der Trilogie von Perosi statt, welcher die Musik verständigen 
von ganz Mailand beiwohnten, und welche dem Komponisten noch mehr Ehren und Triumphe ein- 
brachte, als die erste Aufführung. 

Die Red. der Muska sacra hat aus den wortreichen, 18 Druckseiten umfassenden Berichten 
nur das Sachliche in möglichster Kürze für die deutschen Leser zusammengestellt. Sie muss 
auf Einzelheiten verzichten , darf aber nicht verschweigen , dass der Enthusiasmus für die Trilogie 
Perosi's in allen Berichten vorheri'scht, ds ob die wichtigen Materien, welche bei diesem Kongresse 
verhandelt wurden, nicht das Hauptinteresse verdient hätten. 

Dieser bedenklichen Erscheinung gegenüber macht sie heute schon auf ein Buch aufmerksam, 
welches ihr jüngst aus Rom zugesandt worden ist, und den Grafen Enrico di San Martino, 
Direktor der Ac^emia di S. (3ecilia, zum Verfasser hat. Dasselbe ist betitelt ßaggio critico aopra 
alcune catue di decadenza deUa Muaica ItaUana aüa fine dd secölo XIX J^ (Kritische Gedanken über 
einige Ursachen des Verfalls in der italienischen Musik am Ende des 19. Jahrhunderts.) Dasselbe 
soll in nächster Zeit inhaltlich auch den Lesern der Mtmca sacra bekannt werden, da es mit Freimut 
und Geschick den Selbsttäuschungen und dem nationalen Chauvinismus vieler italienischen Musiker 
und Nichtmusiker einen scharfen Spiegel vor die Augen hält. Ein Wort zu rechter Zeit! Ob auch 
am rechten Ort? Es ist sehr scnmerzlich zu beobachten, dass die italienischen Kritiker und 
Zeitungsrepor^er herrlich und vielversprechend aufblühende Talente durch überreichen Mehltau un- 
gemessener Bewundening und den Enthusiasmus nationaler Eitelkeit auf grosse Ahnen gleichsam 
versengen, so dass dieselben keine Frucht mehr bringen, oder letztere vor der Zeit unreif abfällt. 

/ Otterbach (Rheiupfalz). Cäcilieufeier. 1. Generalkommuuion , an der sich sämtliche 
Sänger und Sängerinnen beteiligten. (Dirigent selbstverständlich auch.) 2. Beim vormittägigen 
Gottesdienste sangen wir Ebneres Missa: Ave mater amabüis, Einlagen Choral. Schlusslied: Lied zur 
hl. Cäcilia von K. Hamm. 3. Weltliche Feier: Aufführung des Schauspiels „Die hl. Cäcilia" von 
Mich. Haller, Dichtung von Bonn. 

= Kirchenmusikalische Auffülmmgen in der Klosterkirche Seligreiitlial (bei Landshut) 
während der hl. Weihnachtszeit. In der hl. (-hristnacht: Missa sexta 3 voc. c, (). von M. Haller. 
Offertorium recit, dann: VerHm caro factum est, 3 v. c. (). von P. Piel. Am hl. Weihnachtsfeste: 



-» tl »- 

Hochamt: Kunzils • Mobsp, 4 v. c. 0. von Dr. Fr. Witt. Offprtorium recit, dauu: (^leni fidktis, 3 v. 
c 0. von Fr. Konen. Vesper: Psalmen, Antiphojion und Hymnus choraliter. Magniftcat, fals. bord. 
3stimm. von P. Piel. Tantum ergo, 4 v. ohni! 0. von Kewitsch. Am Feste des hl. Stephanus. Hoch- 
amt: Missa Nati est inventus, 2 v. c. 0. von F. Witt. Offertorium: Klegerunt, 3 v. ohne (). von 
Breitenbach. Nachmittags: Litaniae lauretanae (A-dnr), 3 v. c. 0. von Fr. Witt. Tantum ergo, 

3 V. ohne 0. von P. Piel. Am Nenjahrstage. Hochamt: Missa i»honor. St Joseph! , 3 v. ohne 0. 
von Fr. Konen. Oflfertorinm: Laetentur, 2 v. c. 0. von Fr. Konen. Nachmittaes : Lauretanische 
Litanei und Tantum ergo, 4 v. ohne 0. von J. Renner. Am Feste der heil. 3 Äönige. Hochamt: ■ 
Missa in honor. Ss. Cordis Jesu, 3 v. c. 0. von üriesbacher. Offertorium: Regis Tharsis, 2 v. c. (>. 
von M. Haller. Nachmittags: Geh)bt sei Jesus Christus, 3 v. c. 0. von Fr. Witt. Tantum ergo, 

4 V. ohne 0. von Palestnua. — Introitus. (rradnale und Comnuinio werden jedesmtü choraliter 
gesungen. 

Der Katholikentag wird uns lange in Erinnerung bleiben, denn er brachte tur das Musik- 
leben in unserm Hause so viel Anregendes und Freudiges. Unser Repertoire wurde seitdem be- 
deutend bereichert durch manche Gratis-Gabe, welche neue Freunde unserm Hanse spendeten. 

Im Laufe dieses Jahren wui*de ausser mehreren kleineren Kompositionen die St. Anna -Messe 
von Piel und eine 3 stimm. Messe von Engler einstudiert. Gegenwärtig sind Missa „Immaculata^ 
und Missa „Angelica" von Griesbacher zum Einstudieren vorbereitet. 

K. M. Aus der Diözese Speyer erschienen in der „Landauer Ztg." drei Berichte über die 
grösseren kirchenmusikal. Produktionen in der Pfalz während des Jahren 1897. Die Mua, s. hat 
einige Programme bereits im dO, Jahrgang aufgenommen. Wir können uns nicht erinnern , dass 
seit der kirchenmusikal. Reformbeweguüg in der Pfalz ein Jahr so fruchtbar gewesen sei, als das 
Jahr 1897. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Choral gewidmet, sowohl der Ausführung des- 
selben, als auch der Frage seiner liturgischen Verpflichtung und seiner Würde. Die Haupt- 
programme kamen in den Bezirkscäcilienvereinen unter Mitwirkung der zugehörigen Pfarrvereine 
zur Austiihrung. Nur einige seien erwälint: Bezirksverein I^ndau mit Produktion in Mörlheim 
am 30. Mai; Bezirks ver. Pirmasens mit Prod. in Münchweiler am 27. Jnli: Bezirks ver. Landau mit 
Prod. in Mörzheim am 11. Juli, bei welcher der Diözesanpräses Domkapellmeister Niedhammer von 
Spever sich einfand; Bezirksver. Germersheim mit Prod. in PforÄ am 12. Juli; Bezirksv. Homburg 
in Homburg am 18. Juli; Sektion Edenkoben mit Aufführung in Maikammer in Gegenwart des 
Diözesanprftses , am 18. Juli; Bezirksver. Zweibrilcken am 8. Aug. zwei Produktionen in Bebels- 
heim und Kirchenarmbach, deren ersterer der Diözesanpräses beiwohnte; am 12, Sept. Produktionen 
in Niederwttrzbach und Annweiler. Man darf mit Dank gegen Gott bemerken, dass die Liebe zum 
Choral und zu den klassischen Meistern alter und neuer S^eit zunimmt, und die kirchenmusikalische 
Reform stetig vorwärts geht. Die Predigten und Reden haben jedenfalls wieder mehr alte Voi*- 
urteile zerstreut und zur richtigen Anschauung über Musik und Gesang in der Kirche verhelfen. 
Möge die Liebe zu grösseren Auftührungen nicht eher erkalten, bis in allen Pfarr- und Filial- 
gemeinden, in denen die nötige Sängerzahl vorhanden ist, Gäcüien vereine blühen, wachsen und 
gedeihen ! 

Vom Bücher- und Musikalienmarkte. 

Unter den Büchern nnd Musikalien, welche nicht zu direkt liturgischen Zwecken bestimmt sind, 
von denen jedoch einige bei ausserliturgischen Andachten verwendet werden können, wälirend andere 
zur Unterhaltung und geistigen Belehrung dienen, nimmt die Red. in vorliegender Nummer jene 
Einsendungen vor, welche bereits vor Weihnachten 1897 sich auf dem Redaktionstisch einge- 
funden haben. 

Einer der gefeiertsten Organisten Italiens H. E. Boss! komponierte zum 6. Centennarium 
der Übertragung des hl. Hauses nach Loretto die Antiphon Tota pukhra es, Maria als Motett für 
gem. Chor mit obligater Orgelbegl. (Od. 96, bei Borriero e Capra m Turin; in der Edition Marcello 
Capra Nr. 17, Part. Ti. 1,50, St. ä L. 0^20). Es ist Stil in dieser eigenartig angelegten Komposition, 
in welcher das Chroma mit einer gewissen Ängstlichkeit in der Begleitung vermieden ist, während 
in rhytlimischer und modulatorischer Beziehung eine moderne Freiheit waltet. Vor- und Nachhalte, 
die zu diatonischen Dissonanzen führen - diesen neuen Ausdruck wählt Referent für den neu- 
artigen Stil des Meisters — , verleihen dem in der Deklamation des Textes vorzüglich und mit 
grosser Innigkeit durchgeführten Vokalsatze eine packende Kraft. Die Wirkung steigert sich, von 
Satz zu Satz, die figurierte Orgelbegleitung bei Tu laeHtia und dem folgenden Tu honor\ficentia zeugt 
von reicher Phantasie, manni^altiger Wechsel der Taktarten und Tempi belebt den Tonsatz. Von 
Vir^o prudentissima ab übernimmt die Begleitung die Hauptrolle , teilt sie aber bei intercede pro 
nobis mit den polyphon geführten Stimmen und erreicht bei den Wort^.n ad Dominum Jeaum Christum 
den Gipfelj^unkt. Die abschliessende Wiederholung dieses Gebetes verklingt in einfachen, beruhigten 
und beruhigenden gleichzeitigen Akkorden. Bei Maiandachten, aber auch im Konzertsaal mögen 

Sut^ Chöre unter einem musikalisch fühlenden Dirigenten und Organisten die fein durchgeführte 
Komposition, die überdies typographisch glänzend ausgestattet ist, mit Liebe zum Vortrag bringen. 

Eine zweite Komposition mit dem nämlichen Texte (Tota jmkhra es) komponieile Anton 
Coronaro für 3 Männerst mit Orgelbegl. (Ed. Gapra Nr. 11, Part. 90 cent., St. k 10 cent.) unter 
^ringerem Aufwand musikalischer Mittel und nicht ohne Anlehnung an den Geschmack des 
Italienischen Klrchenpublikums, das beim Vortrag subjektives Pathos des Sängers und unerwartete 



-83 »» en 

Harmoniewendungeii der Begleitung liebt. Die Kautilene ist uundrucksvoU augelegt, die Begleitnug 
ineist nur Stütze der Singstimmen, die Wirkung wird trotz der beschränkten Stimmenzahl eine 
gute sein. 

Über das Ave Maria tuv 3 Oberstimmen mit Orgel von Karl Greitli (Opus 19), das 
J. G. Bössenecker in Eegensburg in 2. Auflage einsendet (Part 1 .Ä 20 ^^. St. k 'SO .^), hat die 
Mt€s. 8. 1896, S. 266 berichtet : 4)ie erste Stimme ist grösstenteils Solo und betet gleichsam vor. 
während sich die beiden anderen Stimmen unter geistvoller, dem Stile Mendelssonn's sich an- 
schliessender Begleitung bald mit der ersten vereinigen, bald ihr folgen. Für häusliche Andacht, 
auch mit Harmoniumbegleitung, ist die sch^e Komposition bestens zu empfehlen. 

Zwei deutsche Weihnachtslieder a) „Ehre sei Gott" für 3 Oberst ohne Begl. b) Weihnachts- 
lied für 2 stimm. Kinderchor mit Klavierbegl. sind in Autographle vom Komponisten Xorbert Hörnt 
aus dem Selbstverlag (München, NvmphenDurgerstr. 61) zu beziehen. Jede Part. 1 Jt. jede Stimme 
von a) 10 /^, von b) 5 ^. Sie sina fnsch una populär gehalten und können bei Weihnachtsspielen 
oder vor dem Christbaume wohl gebraucht werden. 

Mit dem Titel Inno cattolico wurde unser bekanntes „Christ ist erstanden** mit 3 italienischen, 
von Conte Giu. Lurani in Mailand gedichteten Textstrophen versehen und auch beim letzten Musik- 
kongress von den Anwesenden mit Begeisterung gesungen. Die „Mimca scura'* in Mailand (Via 
Lanzone Nr. 2) veröffentlichte zwei Harmonisierungen zu demselben, die eine von V. (jervi. die 
andere von Gins. Terrabugio, die auch einzeln bezogen werden können. 

Eine wichtige und zum Gebrauch an Gymnasien, Realgymnasien und ähnlichen höheren 
Lehranstalten bestimmte Sammlung für 4 stimmigen gemischten Chor, gab. Franz Lehmann 
unter dem Titel „Liederborn" bei L. Schwann in Düsseldorf heraus (Preis der Part. 2 Jk ^ ^; 
werden nicht Stimmen dazu gedruckt? Referent hält solche fdr unentbehrlich.) In Abteilung A, 
religiöse Gesänge, ist nur die Aufnahme des O hone Jemi von Palestrina, der latein. Improperien 
von Bernabei und des Ecce quomodo von Jak. Handl zu bedauern; solche rein kirchliche Gesänge 
sollten nun einmal nicht in einer sonst weltlichen Sammlung stehen. Die 206 Nummern füllen 
497 Seiten der Partitur in 8° aus, die Text« derselben beziehen sich auf das Kirchenjahr (deutsche, 
vollerprobte geistliche Lieder), auf Trauer- und Grabgesänge und religiöse Gesänge allgemeinen 
Inhalts. Den weitaus grössten Teil (Nr. 47—206) nehmen Kaiser-, Vaterlands-, Heimats-, Wander-. 
Abschieds- und Soldatenlieder ein: dann werden Wald, Flur, Berg, Wasser. Jahres- und Tages- 
zeiten besungen. Den Schluss bilden 7 Lieder vermischten Inhajtes. Ein alphabetisches InhaJt*<- 
verzeichnis der Textanfänge und Komponisten belehrt, dass die meisten Gesänge dem reichen Schatze 
unserer liederfreudigen deutschen Meister Sucher, Schubert, Kreutzer, Zöllner, Mendelssohn, 
Marschner, Möhring, Abt, Schumann, Klein, Haydn, Mozart, Beethoven u. s. w. entnommen sind: 
unter den neueren Komponisten finden wir: I. Mitterer, P. Piel, A. Wiltberger, Waldmann v. d. Au. 
A. Löhle, J. Modlmajrr, E. Nikel. Fr. WüUner und den Herausgeber selbst genannt. Dass unter 
diesen vielen Kompositionen nicht alle gleichwertig sind, bedarf keiner weiteren Ausführung. Man 
freue sich dieser inhaltreichen Sammlung und dan versichert sein, dass unsere jugendlichen Sänger- 
chöre viel Freude an derselben haben und grossen Nutzen aus ihr ziehen werden. Der billige Preis 
verdient hervorgehoben zu werden. 

Ein Trauungslied „Glückselig, wer auf Gottes Wegen hinwandelt seinen Lebensgang" kompo- 
nierte Alb. Lipp Opus 52a u. b (für 4 stimmigen gem. und im Arrangement für Männerchor); 
A. l^ohm & Sohn in Augsburg; Preis der Part, und St. jeder Ausgabe 80 .^. Die durchaus gleich- 
zeiti|;e Komposition ist gefällig und leicht ausführbar. 

Eine Papsthymne für einstimm. Chor mit Klavier, auch 9 stimm, Blech- oder 18 stimm. Harmonie- 
umsikbegleit. Komponierte P. Mittinann, Chorregent der St. Micliaelispfarrkirche in Breslau als 
Op. 109 (bei Anton Böhm & Sohn in Augsburg) über ein Gedicht von Paul Keller. Papst Leo XIII. 
geruhte die Widmung anzunehmen. Klav. 1 .4(,, Klav.- und 9 stimm. -Begl. i JH 50 ^, Klav.- und 
18 stimm. Begl. 2 M. Schwungvolle Triolen, scharf markierte Rhythmen, volltönende Begleitung 
reissen zu dithyrambischer Wirkung fort und können eine zalüreiche Volksmenge zu höchster Be- 
geisterung elektrisieren. (Fortsetzung folgt.) 

Vermisohte Nachrichten und Mitteilungen. 

1. C. ]• Unter dieser Marke gedenkt die Redaktion der Muska sacra kürzere Mitteilungen 
und Nachrichten aus Briefen, Zeitungen, Broschüren u. s. w., die sich auf die Kirchenmusik beziehen, 
zu sammeln ; umfangreichere Artikel sollen in den bekannten Rubriken untergebracht werden. 

a) Giovanni Tebaldini, bisher Kapellmeister an der Antoniuskirche zu Padua, wurde zum 
Direktor des staatlichen Konservatoriums in Parma, als Nachfolger des an das Konservatmum in 
Mailand berufenen Direktors Giuseppe Gallignani. ernannt und Ende Dezember durch den Präsidenten 
des genannten Institutes, Mariotti, dem Lehrkörper vorgestellt. — b) Am musikalischen Liceo zu 
Turin wird Herr Professor Delfino Thermignon, der im verflossenen Jahre die Kirchenmusikschule 
zu Regensburg besucht hat und vorher scnon Direktor des Choralgesangvereins „Stefano Tempia" 
war, einen eip^enen Kurs für Theorie und Praxis des gregorianischen römischen Chorales eröffnen, 
an welchem sich Geistliche und Laien beteiligen können. — An der gleichen Anstalt wurde jüngst 
eine neue Orgel mit 13 Registern auf 2 Manualen und Pedal mit röhrenpneumatisehem System als 
Übungsinstrument aufgestellt. Auf dem I.Manual finden sichGambaH', BordonpH', Flaute annonieo4', 
im 2. Manual Principal 8', Duleiana 8', Uuda maris 8', Octava 4' und Mixtur, im Pedal Violon- 



-ö «51 a- 

eeÜo 8' und Subbass 16', sowie 4 Koliektivztige. Da« Pifwausschreiben , welches die neui^ Buch- 
handlung Borriero & Capra in Turin für eine Messe, und ein Requiem für H Mäuuei'Stimmen mit 
Orgel ad üb. im verflossenen Jahre erlassen hat, veranlasste 21 Einsendungen für die Messe und 10 
für das Requiem. Die Prüfungskommission, bestellend aus den Professoren Euriro Bossi in Venedig, 
Filippo Capocci in Rom, Roberto Remoudi und dem Priester Giov. Pagella in Turin, hat sämtliche 
Vorlagen abgelehnt, da keine derselben den im Preisausschreiben geforderten Bedingungen voll- 
kommen entsprochen hat. Deshalb wird zu einem neuen £onkui*8 unter den bereits in Mu9kn soc. 
1897, S. 95 angegebenen Bestimmungen von der genannten Musikalienhandlung aufgefordert und 
zwar a) Preis von 200 Lire für eine 2stimmige Messe (C. und A.) mit obligater Orgelbegleitung: 
letztere muss so gehalten sein, dass die Messe auch für T. und B. um eine Oktav tieter ausführbar 
ist, b) 250 Lire für ein vollständiges Reauiem mit gleicher Besetzung. Einsendungstermin ist der 
:jO. April 1898. Am Konkurse können alle teilnehmen, welche sich des ItalieniscJien als Mutter- 
sprache bedienen. 

2. „Stille Nacht"! — Vom Rheine her, aus Lothringen (Metz), Mitteldeutschland, Öster- 
reich und von der „Augsburger Postzeitung'* kamen der Redaktion der M^isica sacra Notizen und 
Zeitungsausschnitte zu, welche vom Weihnachtsliede „Stille Nacht" handeln und sich auf den Artikel 
beziehen, der in Muska sacra 1897 S. 41 gestanden hat und vom H. H. Domkapellmeister Webei- 
in Mainz zuerst im „Mainzer Journal" veröffentlicht worden ist. Ohne ein Wort des genannten 
Artikels zu widerrufen, hat die Redaktion der Muaica sacra nur eine kleine Verbesserung in der 
von ihr S. 42 /. c. gemachten Anmerkung anzubringen, nämlich ; „Nur der Text stammt von dem 1818 

gestorbenen Kooperator J. Mohr, die Melodie aber und die Harmonisierung derselben ist von Franz 
ruber (f 1863 m Hallein)." 

Die katholische Kirchenzeitung in Salzburg schreibt: ,.Am 23. Dez. 1897 wurde in Arnsdorf 
bei Obemdorf am Schulhause in feierlicher Weise eine Gedenktafel für den Dichter und Kompo- 
nisten des in aller Welt erklingenden Weihnachtsliedes: „Stille Narht, heilige Nacht" ent- 
hüllt. Dieselbe trägt folgende Inschrift: 

Stille Nacht, heiüge Nacht! 
Wer hat dich, o Lied, gemacht? 
Mohr hat mich so schön erdacht, 
Gruber zu Gehör gebracht — 
Priester und Lehrer vereint. 

Der Feier wohnte auch eine Tochter des Komponisten und ein Enkel. Herr Diakon Franz 
(tniber bei." 

Die in mehreren Einsendungen vorgeschlagenen Textverbesserungsversuche wollen wir lieber 
mit Stillschweigen übergehen; aber dagegen wird sich jeder wahre und mit den kirchlichen Vor- 
schriften bekannte Freund der Kirchenmusik grundsätzlich wehren müssen, dass man dieses 
Schlummerlied während des liturgischen Gottesdienstes, wenn auch als Einlast* nach dem eigent- 
lichen Oifertorium. vortrage. Die Salzburger Chronik von 1873 erzählt u. a., „dass der Hilfspriester 
Mohi' es vorzog, lieber mit reingestimmter Guitarre, als mit der verstimmten Orgel (der Kirche zu 
St. Nicola in Oberndorf) das Lied zu begleiten.** Die sentimentale Schilderung des J. B. F. in der 
tiAugsb. Postztg." über die Wirkung dieses Liedes auf Jung und Alt ist doch gar zu jämmerlich. 
Übrigens wird sich niemand beunrulugt fühlen, wenn ..die Klangeswellen dieses seelenvollen Weih- 
nachtsliedes, diese einschmeichelnde Tonmalerei der Weihnachtsstimmung, von den Alpen bis zum 
Nordseestrand, vom Schwarzwald bis zum Böhmerwald, vom 'Eifelgobirge bis zur Weichsel und 
überall, wo an unser Ohr deutscher Mutterlaut sclüägt, auf die heiligfrohe Menge" Eindruck machen. 
Man lasse ,,dieses wunderbar anheimelnde Lied unter dem funkelnden und schimmernden Tannen- 
baum, vor den mit vielfarbigen Wachslichtern, glänzenden Glaskugeln, bunten Sternen, vergoldeten 
Nüssen, rotwangigen Äpfeln und lockigen Engelchen gezierten Tannenästen in leisen, ganz leisen 
und dann allmählich anschwellenden Tönen und jetzt m helljubelnden Kinderstimmchen" als Volks- 
lied vortragen, gedulde aber unter keinen Umständen, auch nicht mit veränderten 
Textworten, eine Verwendung desselben als „Kirchenlied". 

Ein Korrespondent der Salzburger kath. Kirchenzt^. schreibt unter dem Eindruck von ähnlichen 
Entweihungen des hl. Christfestes nachfolgende Zeilen, mit denen die Red. der Mm. s. dieses unerquick- 
liche Thema für dieses Jalir abzuschliessen gedenkt: ..(Non plus ultra.) In Wien in der Pfarr- 
kirche zum hl. Carl Borr., die dem ritterlichen Kreuzheri'enorden aus Böhmen zuerkannt ist. wurde 
zur Christmette aufgeführt: Die Pastoralmesse von Kempter mit obligatem Hirtenflötengedudel. 
Graduale: ..Stille Nacht", Oflfertorium: ..Jauchzt Brüder* von Liska. Es ist ein walirer Grans, dass 
die kirchlichen Gesetze so tibertreten werden dürfen. In der Piaristenkirche wurde ein altfran- 
zösisches Weihnachtslied als Graduale aufgeführt. Wer zählt die Soli, Sopransoli, Altsoli, Männer- 
qnartette etc., die an beiden Weihnachtstagen die Chöre Wiens verunstaltet haben! Wie lange noch?" 

3. W Freibupg i. Br. Cäcilienverein von St Martin. Am 29. Nov. 1897, in den Sälen des 
kath. Vereinshauses: Konzert zur Feier des Cäcilienfestes unter gütiger Mitwirkung der Fräulein 
Olivia Diebold (Sopran) und Hedwig Heiland (Alt), der Herren Aug. Ganther (Tenor) und X. Petri 
(Bariton), des Fräuleins Lina Diebold (Klavier), des Herr Musikdirektors Dimmler (Klavier), des 
gemischten Chors des Cäcilienvereins, sowie einer Abteilung des hiesigen Militärorchesters. Leitung ; 
Herr Job. Diebold. Kgl. Musikdirektor. Programm: 1. Legende der heil. Cäcilia für Soli, Chor, 
Klavier und Orchester von J. G. E. Stehle. Einlaee: «5 stimm, gemischter Chor: Pie Jesu. Domine, 
dona eis requiem von Alexis Holländer. 2. Klavieilconzert in E-moU mit Orchesterbegleitung von 



-e *4 E>- 

Fr. C'hopin. Präiil. Lina Diebold. H Hyinno: „Preis" Dir! üottheit", gemlhtchter Chor mit Klavier- 
und Orcliesterbegleituug von W. A. Mozart. Di«'. Klavierbegleitung zu Nr. 1 und 3 hat Herr Musik- 
direktor Dinimler freundlichst übernommen. 

4. A Neurode, 27. Nov. Der Idesige Cäcilien- Verein feierte am vorigen Mittwoch 
sein 181. Stiftungsfest in der. altgewohnten Weise. Am Montage vorher fand für die veratorbenen 
Mitglieder früh 7 ühr in der Pfarrkirche ein Requiem statt. Am Tage selbst wurde ein feierliches 
Hochamt abgehalten, bei welchem die Messe in Es von M. Filke zum ersten Male zur Aufführung 
gelangte. Abends fand eine musikalische Auttühmng statt. Das Programm bildete: a) „Cäcib'a's 
Gebet," Kantate für gemischten achtstimmigen Chor. Solo und Klavierbegleitung mit [Tntersttitzung 
des Streichquartetts von Emil Nikel, b) ,Jn der Spinnstube". Text nach Volksliedern, zusammenge- 
stellt für gemischten Chor und Solo mit Begleitung des Pianoforte von Johann Pache. Beide 
Piecen, welche in exakter Weise zu üehör gebracht wurden, ernteten reichen Beifall. 

6. + Reinerz. Am 22. Nov. beging der hiesige Pfarr-Cäcilien-Verein sein 306. 
Stiftungsfest in feierlicher Weise. Früh um 72^ Uhr wurden die Herren Jubilare (der Senior 
feierte seine 60jährige, drei andere ('horbrüder ihre 25 jährige Mitgliedschaft) von den übrigen 
Vereinsmitgliedern in aas Vereinslokal abgeholt und dort mit Kranz resp. Silbersträusschen dekoriert. 
Von liier aus ging es in feierlichem Zuge in die Pfarrkirche, wo um 9 Uhr ein Hochamt zelebriert 
wurde. Während desselben gelangte zum Vortrag: Introitus, Graduale, OlFertorium und Communio 
aus dem Grf^duale Biomanum und die 9. Messe (H-moU und H-dur) von Brosig. Nach dem gesungenen 
Offertorium war gemeinsamer Opfergang. Abends gingbei vollbesetztem Hause „li^t. Christo phorus" 
von Schmalohr in Szene. Was man kaum gewagt hatte zu glauben : Die Aufführung gefiel allgemein! 
Man merkte es am Publikum, dass dasselbe ganz bei der Sache war. Freilich tbat ein jeder Mit- 
wirkende seine Schuldigkeit im vollstem Masse, Sänger wie Instrumental isten. Soli wie Chöre und 
nicht zu vergessen die Rezitative gelangen vortrefflich. 

6. + Schlegel, 24. Nov. — Vorigen Sonntag wurde in hiesiger Pfarrkirche das Fest der 
Kirchenpatronin, der hl. Katharina, begangen. Leider hatte unser Herr Pfarrer keine 
Aushilfe von auswärts erhalten. Vom Chore wurde die D- Messe von Georg Zeller mit den vor- 
schriftsmässigen Einlagen zu Gehör gebracht Am Choraigesang , welcher bei Introitus und Com- 
munio Verwendung findet, nahmen bereits Alt und Diskant teil, so dass derselbe schon recht kräftig 
und auch sicher klingt. Das Anfangs Ungewöhnliche hat sich bereits eingelebt und schon viele 
Freunde gewonnen. Ausdauer und zähe Festigkeit zeitigen auch hier günstige Eesultate. 

7. © Warndorf. Der Cäcilienverein brachte am letzten Sonntag im Colosseum unter Mit- 
wirkung mehrerer Mitglieder der Volksvereinsdilettanten -Section die biblische Tragödie „Absalom" 
mit der Musik von Stehle (s. Mus. s. 1896, S. 267) zur Aufführung. Es war eine Riesenanfgabe, 
die nur durch festes und geeignetes Zusammenwirken zu bewältigen war. Die Musik ist stellen- 
weise von gewaltiger Kraft, die Sprache edel. In letzterer Beziehung hätten wir im Interesse der 
Sache gewünscht, dass alle Darsteller in allen Teilen des Stückes einer deutlichen Aussprache 
sich beflissen hätten, da diese gerade bei einem derartigen Stücke zum vollen Verständnisse 
absolut notwendig ist. Glänzend darf man sans phrase die Ausstattung des Stückes nennen. 
Die farbenreichen Gewänder, die zahlreichen glitzernden Waffen und dazu die von Meisterhand 
gefertigten Dekorationen übten einen Effekt aus, dessen Eindruck sich wohl niemand entziehen 
konnte. Was das Spiel selbst anbelangt, so war in allen Teilen die sachkundige Hand eines um- 
sichtigen Regisseurs zu spüren. Aber auch die Darsteller auf der Bühne selbst setzten alle 
Kraft ein, um den zahlreichen Schwierigkeiten diesem Stückes gerecht zu werden. Die Rolle des 
Königs David, des Absalom, des Achitophel, des Chusai, Salomon, der Mirjam etc. lagen in den 
besten Händen. Den Höhepunkt erreichte die Spannung in dem markerschütternden Monologe 
Absaloms im 2. Aufzuge, im Zwiegespräch Absaloms mit dem dämonenhaften Intriguanten Achi- 
tophel und in dessen letztem Rache- und Verzweiflungs- Monolog. Einzelne Partien waren von der- 
artiger Wirkung, dass teils bei offener Bühne der Beifall der Zuhörer zum Ausdruck kam, t^ils 
nach Beendigung eines Aufzuges die Darsteller mit Applaus überhäuft wurden. Dem Cädlien- 
vereine kann |zu dieser Aufführung nur gratuliert werden — (wenn er seinem eigentlichen 
Zwecke beim liturgischen Gottesdienst in der Kirche mit dem gleichen Eifer und Enolg obliegt, 
die ihm lokale Lorbeeren im Konzertsaal eingebracht haben. D. K.) 

Offene Korrespondenzen. 

Einsendungen von Kirchenmusik -Programmen, deren Veröffentlichung in der Mus, s, gewünscht wird, 
wollen bis längstens 10., beziehungsweise 25. jeden Monates an die Red. geschehen.. Ältere kirchen- 
inusikal. Berichte haben kein Interesse für die Leser, wenn sie nicht etwa als viertel- oder halbjährige 
tthcrsicht gedacht sind. 

Niederrhein. Ihre scharfe Beleuchtung der Abonnementseinladung eines „gewissen^* Organs für 
kath. E.-M. kann des lieben Friedens willen nicht aufgenommen werden. Ich rate Ihnen zu folgender 
Erwägung: „Sehet, krähte der Gockel, auf meinen Ruf hin wird die Sonne aufgehen. Macht's nach, 
wenn ihr könnt! Die Sonne gin^ lächelnd auf, aber dichte Nebel und finstere Wolken hemmten den 
klaren und vollen Schein; diese wichen auch nicht dem Hahnenschrei. ** 

Drnck und Verlag von Friedrich Pustet in Regensbnrg, Gesandtenstrasse. 

NebBt Anzeifireblatt Nr. 2. 



1398. Regensburg, am 1. Februar 1898. |f>^ 3. 



MUSICA SACRA. 

Gegründet von Dr. Franz Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatschrift für Hebang und Fördepg der kathol. Kirchenniiisit 

Herausgegeben von Dr. Franz Xaver Haberl, Direktor der Kirohenmusikschule in Regensburg. 

Neue Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbeilagen. 



Die „Uusica sacra" wird am 1. und 15. jeden Monats HUB^e(;eben. Jede der 24 Nummern unifusat 12 Seiten Text. Die 12 Musik- 
beilafren (48 Soiteu) werden in den Nammern 5 — 8 versendet wei-den. Der Abonneroentpreia des Jahr^anRa beträft S Mark; die 
BeatelliuiK kann bei \edeT Pnstanstalt oder lJurhhandlun(( erfolgen. — Bei der Keichspoat mit 20 Pf. Aufschlag. Bei franko Zusendung 

unter Streifliand in Deutschland und Österreich-Ungarn 4 Mk. — ins Anstand 4 Mk. 80 Pf. 

iBhaltsQberaicIit : <) r pr ii n a r i a : B(*Hchl (Isso iIom Or^uistciivereins, des MniLändcr Kougrosses ; Litteratiir : .Van'der Linden, 
.Io>, ReniHT, F. Wiilozyiiski, li'orjranista itiiliano. — LiturßicA: Die Herz-Jesu-Votivmesse am 1. Monatsfreitaf^. — Beginn des 
::t. ScmrstcrM an der Kirchenmusikscbiile in Regensbiirg. — Vom Bücher- und Musikalienmarkt: B. Pozzolo, 
K. Uemoudi, W. Ruduick, Pale.striua-SclLreck. Liedorgarton, Walo/.ynski, Ziromennaun (2). — Rhrenkroue des hl. Joseph, Hosianna, 
< 'olloredo-Mels. J. De.schenucior a;, F. Kullak, KirehenmuM. Jahrbuch 18ÜH, Magnum opus nwa. von Orl. di Lasso, Aug. Wiltberger, 
Mu-sikkatologe und Prospekte. — Der Priester und der Kirehenchor. — Kirchenrousi knlisohe Aufführungen und 
Herich te aus: Euneburg (Tirol), Mfthriüdi-Sehönberg, Ragusa. — Vermi sollte Nachrichten und Mitteilungen: Kardinal 
Steinhulier; f Capocci, aus Pesaro und Mailand; Graz, Passail. 



Organaria. 

I. Resolutionen des allgemeinen ürganistenvereins. Am 6. Oktober 1897 
fand zu Köln unter dem Vorsitz des dortigen Domorganisten J. Rodenkirchen die 
4. ordentliche Generalversammlung des allgemeinen Organisten Vereins statt. ^) Der 
Ehrenpräsident des Vereins, H. H. Domkapellmeister C. Cohen, entwickelte in einem 
Einleitungsvortrag die kirchlichen Grundsätze über das Orgelspiel und ermunterte die 
Anwesenden, welche grösstenteils der Kölner -Diözese angehörten, zu eifriger Fort- 
bildung. Rodenkirchen ei'stattete Bericht über den Stand des Vereines, welchem im 
Oktober vorigen Jahres 600 Mitglieder angehörten (Jahresbeitrag 1 Jfe, für welche 
Gratiszustellung des Vereinsorganes erfolgt), und betont die Notwendigkeit einigen Zu- 
sammengehens. 

Dann wurde nachstehende Resolution verlesen und einstimmig angenommen: „Die 
Generalversammlung des Allgemeinen Organisten - Vereins gibt wiederholt ihrer Über- 
zeugung Ausdruck, dass zur Hebung der Notlage, in welcher der katholische Organisten- 
stand sich befindet, vor allem seitens der kirchlichen Behörden Massnahmen ergriffen 
werden müssen. Zur Erreichung des erwähnten Zweckes empfiehlt sie: 

1. Für die Folge Besetzung der Organistenämter mit Organisten, welche entweder 
eine Kirchenmusikschule mit Erfolg besucht oder durch ein Examen die Befähigung 
zum Organisten nachgewiesen haben. 

2. Festsetzung eines gerechten Mindestgehaltes. 

:i. Eine bessere Besoldung für die Nebendienste, insbesondere Erhöhung der Gebühr 
bei bestellten Ämtern und eine angemessene Remuneration bei neuen Stiftungen 
und bei regelmässig wiederkehrenden Verrichtungen. 

4. Anschaffung der Orgelmusikalien durch die Kirchenkassen. 

5. Freie Dienstwohnung oder entsprechende Mietsentschädigung. 

6. Pensionsberechtigung. 

^) Das Organ dieses Vereines erscheint in ungezwungener Folge und trägt den Titel „Der 
Or^^anist**. Die Nummer 8, welche den Bericht ttber die Generalvers, enthält, ist von J. Bodenkirchen 
rudigiert und bei Greven & Bechtold in Köln gedruckt. Von dieser Druckerei sind die einzelnen 
Nummern ii 30 -^ zu beziehen. 



-*3 «6 ei- 

Die Generalversammlung beauftragt den Vorstand, die auf dem Organistentag ge- 
äusserten Wünsche den bischöflichen Behörden mit der ehiiurchtsyoUen Bitte zu unter- 
breiten, hochdieselben möchten sicl^ die Verwirklichung dieser Wünsche angelegen 
sein lassen/^ 

Der Antrag, in den Verein auch Personen, welche kein Organistenamt bekleiden, 
z. B. Geistliche, Lehrer, Organisten a. D., Orgelbauer, Chordirigenten, überhaupt alle, 
welche die Bestrebungen des Allgemeinen Organisten - Vereins mit Interesse verfolgen, 
als ausserordentliche Mitglieder aufzunehmen, war bald erledigt. Die Versammlung 
gab ihre Zustimmung zu folgendem Zusatz zu § ^ der Statuten: 

Dem Allgemeinen Organisten -Verein können auch Organisten ausser Dienst oder 
Personen, welche dem Organistenstande nicht angehören, als ausserordentliche Mitglieder 
beitreten; dieselben haben einen Mindestjahresbeitrag von 1 S zu entrichten; sie haben 
Zutritt zu allen Versammlungen des Vereins, hierbei jedoch nur eine beratende Stimme. 

n. Die Beschlüsse des Mailänder Kongresses. In Nr. 2 der Miisica sacra 
hat die Red. mit kurzen Worten auf die Vorträge hingewiesen, welche am 3. Dez. 1897 
in Mailand über Orgelbau und,. Orgelspiel theoretisch und praktisch sich verbreitet 
haben. Die Red. lässt nun die Übersetzung der diesbezüglichen Beschlüsse, welche ein- 
stimmig angenommen wurden, folgen: a) Li Erwägung, dass aus den Konservatorien, 
städtischen Musikschulen und Blindeninstituten in Italien eine Menge gebildeter Organisten 
hervorgehen, und dass im allgemeinen die Orgelstudien in den genannten Anstalten 
einen ernsten Charakter tragen, spricht der Kongress den Wunsch aus, dass die 
Organisten mehr als bisher in der Behandlung des Instrumentes für den liturgischen 
Gottesdienst erzogen werden mögen und nicht so sehr für den Konzertstil, b) In Er- 
wägung, dass die Orgel, auch wenn sie den Gesang nicht begleitet, im Dienste der 
Liturgie steht, wünscht der Kongress, dass alle Stilformen, welche das Instrument 
seinem wahren Zwecke entfremden, vor, während und nach dem Gottesdienste ausge- 
schlossen sein sollen, c) In Erwägung, dass die Orgel bei der Begleitung des figurierten 
Gesanges eine dienende Stellung einnehmen und daher den Gesang nicht übertönen 
soll, schlägt der Kongress vor, dass man zur Begleitung keine Zungenstimmen ver- 
wende, wenn dieselben nicht ausdrückUch vom Komponisten in besonderen Fällen ver- 
langt werden, d) In Erwägung, das^ es eine hervorragende Aufgabe der Orgel ist, 
beim eigentlich liturgischen Gesang (dem ambrosianischen oder gregorianischen) als 
Zierde zu dienen, wünscht der Kongress 1. dass sich die Organisten auf das Angelegent- 
lichste mit dem Wesen und der Ausführung dieses Gesanges vertraut machen. 2. Be- 
deutende künstlerische Gründe sprechen dafür, den Choralgesang ohne Begleitung vor- 
zutragen; wenn aber eine Begleitung stattfindet, so wähle man eine Harmonisierung, 
welche im Wesen des Choralgesanges begründet ist. :J. Ebenso sorge man dafür, dass 
die Vor-, Zwischen- und Nachspiele zu den Choralgesängen mit den betreffenden Melo- 
dien im Zusammenhange stehen, und dass Motive dieser Gesänge die Grundlage für 
das Orgelspiel bilden. 

in. Litteratur. Sieben Stücke für Harmonium oder Orgel publizierte Nelly P. G. 
Van der Linden^) (Van Snelrewaard). Zum liturgischen Gottesdienst können nur 
wenige gebraucht werden, z. B. die leichte Fuge, das Andante und etwa noch das 
Largo. Für das Harmonium auch ohne Pedal klingen alle Nummern angenehm; sie 
drücken weiche Stimmungen in modernem Stile aus, ohne jedoch direkt sentimental zu 
werden. 

In Mus. 8, 1896, S. 89 wurde das Op. 39 von Jos. Renner ian. als Übungs- und 
Vortragsmaterial für das Triospiel gut empfohlen ; dasselbe ist auch durch Referate der 
Herren E. v. Werra und Aug. Wiltberger unter Nr. 1930 in den C.-V.-K. aufgenommen 
worden. Nunmehr liegt eine zweite, vermehrte Auflage ^) der „Zehn Trios" vor, welcher 

^) Verlag von Metzler & Co. iii>London, in Deutschland durch Heinrich Vos' Buchhandlung in 
EHsen a. Ruhr. Preis 2 JH, Praeludium, Elegie, Fuge, Largo, In mcmoriam. Andante, Postludiuni. 

^ Zwölf Trios für Orgel mit Rncksichtnahme auf leichten Pcdalsatz. Prein 2 J$. J. (t. Bussen- 
ccker (Adolf Stender) in Regensburg. 



-ö »? BH 

zwei neue Nammern (Canons) ohne Preiserhöhung beigegeben sind. Es ist von hohem 
Werte, fär das edle Triospiel eine Auswahl wohlgeformter, hier in modernem Stile er- 
fundener und durchgeführter Orgelsätze zu besitzen. Sämtliche Nummern stehen auf 
3 Liniensystemen, die Pedalapplikatur ist in der Weise bezeichnet, dass die üblichen 
Zeichen fär den rechten Fuss über, für den linken Fuss unter der Pedalnote ange- 
geben sind; ein Hauptwert liegt in der Bücksicht auf leichten und fortschreitend 
erst schwierigeren Pedalsatz. 

66 Präludien und Postlüdien publizierte Monsignore Franz WaleiynsU, ^) Kanonikus 
an der Kathedrale zu Tarnöw, als Op. 10 unter dem Titel „Cantantibus organü'^. Im 
strengeren Stile ist keine einzige Nummer gehalten. Jede besteht trotz der Kürze 
nochmals aus zusammengesetzten kurzen Stücken ohne Durchführung eines leitenden 
Gedankens. Es sind die meisten Stücke wohlklingende Träumereien, die auf dem 
Harmonium eine angenehme und wenig komplizierte Unterhaltung bieten werden, dem 
Charakter und der Majestät der Orgel jedoch zu wenig entsprechen. 

Eine Sammlung modemer Orgelstücke erschien unter dem Titel VOrganista itäliano 
und enthält 20 Originalbeiträge noch lebender italienischer Komponisten *) in prächtigem 
Stiche und herrlicher Ausstattung auf drei Liniensystemen. Dieses Orgelalbum ist ein 
äusserst wertvolles Zeugnis für (Se geistige Bewegung, welche besonders in Oberitalien 
zu gunsten einer ernsteren Richtung im kirchlichen Orgelspiel herrscht und immer 
weitere Kreise zieht. Wir dürfen nicht vergessen, dass Italiener für italienische Orgeln 
geschrieben haben, und schlagen es daher überaus hoch an, dass die besten Meister 
darin einig sind, dem ärgerlichen, possenhaften, gemeinen, ja lasciven und ausgelassenen 
Treiben vergangener Dezennien und dem geistlosen, skandalösen Oedudel tausender von 
Organisten dies- und jenseits der Apenninen müsse um jeden Preis ein Ende gemacht 
werden. Die meisten der angeführten Komponisten und Meister kennt Referent persön- 
lich, fünf derselben sind auch an der hiesigen Kirchenmusikschule gewesen, und er weiss, 
dass alle in künstlerischem Unmut über herrschende Zustände durch Wort und Beispiel 
bestrebt sind, besseren Geschmack zu fördern und auch die Technik des Orgelspiels, 
besonders im Gebrauche des Pedals, auf jene Höhe zu bringen, die notwendig ist, um 
die Königin der Instrumente vor der Gosse zu schützen. Ein offenes Wort darf der Unter- 
zeichnete nicht unterdrücken, das Bedauern nämlich über den Mangel an Einheit und 
stilvoller Durcharbeitung. Die Formen, welche das kirchliche Orgelspiel zur Ver- 
wendung bringen kann, sind nicht sehr zahlreich; aber es muss ein leitender Gedanke 
auch der einfachsten Kadenz zu gründe liegen, erst recht aber dem Vor-, Zwischen- und 
Nachspiel. Für musikalische Träumereien, für melancholische, sentimentale, hypnotische 
und hyperchromatische Gefuhlsausdrücke ist die Orgel nicht das richtige Instrument. 
Solche Dinge besorgen besser die Orchesterwerkzeuge, die eine Chromatik ermöglichen, 
welche in ihren gleichzeitigen Dissonanzen durch die helleren und dunkleren Tonfarben 
einen perspektivischen Eindruck hervorrufen und daher weniger grell das Ohr be- 
lästigen, als gleiche Stellen auf der Orgel. Die thematische Arbeit, die Imitation, 
die Teilnahme sämtlicher Stimmen, auch des Pedals, bei der Durchführung eines klaren 
Motives befriediget vollkommener, als ein bloss rhythmisches Tonspiel, variiert durch 
Registorwechsel, eingeschobene Dissonanzen, unvermutete und gewaltsame Modulationen 
— nach dem Rezepte: „Wo der Gedanke fehlt, da stell' ein leeres Wort sich ein!** — 
Der Italiener liebt farbenreiche Gebilde und wir wollen uns über dieselben gleichfalls 
freuen, wenn sie nicht blosse Arabesken und Zierraten sind. — Nach deutschen Be- 
griffen sind für kirchliche Zwecke am geeignetsten die Nummern von Bottazzo, 

■) Zn bexiehen durch Karl Basohka, Buchhandlung in Tamöw. Preis 2 M. 

'^ Nr. 21 der Edition MarceUo Capra. L^ Organista itaüano. Raocolta di XX Prelndi per organo 
<li compositori italiani contemporanei. Die Komponisten sind: Bolzoni Giov. (Turin). Bossi £nrico 
(Venedig), Bottazio Lui^ (Padua), Gapocci Filippo (Born), Gicognani Ant (Pesaro), Cicognani Gius. 
(AlesBandria), Cipolla Giov. (Savigliano) , Coronaro Ant. (Vicenza), Foschini Gaetano (Turin), Mattioli 
Gugl. (Pesaro), Mauro Ant. (Palermo), Perosi Lor. (Venedig), Piazzano Geremia (VerceUi), Poileri Giov. 
Batt. (Genua), BavaneUo Oreste (Venedig), Bemondi Boberto (Turin), Dino Sincero (Ivrea), Tebaldini Giov. 
(nanmefar in Parma), Terrabugio Gius. (Mailand), Thermignon Delfino (Turin). Komplet 6 Lire, für 
Nnmoier einzeln 1 Lire. Verlag Borriero e Capra in Turin. 



-e t8 £>- 

Ant. Cicognani, Foschini, Kavanello, E^mondi, Terrabugio und die Trio von Perosi 
nnd Thermignon. Nach rein musikalischer Seite stellt der Unterzeichnete 
das stimmungsvolle und einheitlich gearbeitete Präludium von Fil. Capocci an erste 
und das Postiudium von Bossi an zweite Stelle. Sämtliche Stücke tragen jedoch das 
Oepräge hohen Ernstes und bilden zu dem üblichen italienischen Orgelspiel einen Gegen- 
satz, der kaum schärfer gedacht werden könnte. F. X. H. 



Liturgie a. 

Die Herz- Jesu -Votivmesse am 1. Monatsfreitag 

ist durch päpstl. Dekret vom 28. Juni 1889, durch welches das Fest Ss. Cordis Jesu zu einem Feste 
erster Klasse erhoben wurde, für alle Kirchen gestattet, in welchen am 1. Freitag des Monates be- 
sondere Andachtsübungen zu Ehren des heiligsten Herzens Jesu abgehalten werden; dieselbe trägt 
durchaus feierlichen Charakter und hat daher Gloria und Credo, Seit dieser Zeit sind verschiedene 
Anfragen an die Kongregation der hl. Riten ergangen, dcTen Lösung kurz zusammengestellt werden 
soll, soweit die Entscheidungen auch den (iesangschor berühren. 

1) Die Votivmesse darf nur in denjenigen Kirchen und Oratorien gehalten werden, in denen 
mit Gutheissung des Diözesanbischofes am Morgen des ersten Freitags jeden Monates besondere 
Andachtsübnngen zu Ehren des göttlichen Herzens g^ehalten werden, so dass die Votivmesse als 
Vollendung und Abschluss dieser Andacht anzusehen ist. 

2) Wenn ein Fest erster Klasse oder eine privilegierte Ferie, Vigil, Oktave auf einen solchen 
Freitag fallen, dann darf diese Votivmesse nicht gewählt werden. 

3) Das Messformular ist dem Proprium Sanctorum (Freitag nach der Oktav von Fronleichnam, 
unmittelbar vor den Festen des Monates Juni) zu entnehmen und hat als Introitus den Text 
Mserebitur, als Graduale während des gewöhnbchen Kirchenjahres vos omnes mit dem Doppel- 
alleluja y. Discite a me, in der österlichen Zeit das Älleluja, alleluja. y. Domine Deus metis. AUelnja. 
y. Convertisti planctum meum, während der Zeit von Septuagesima bis Ostern als Grad. Improperium 
mit dem Tractus Ego autem sum vermis. Das Offertorium lautet Benedic, anima mea, die Communio 
Improperium. 

4. Die zwei Alleluja nach dem Introitus, sowie das Aüduja am Schlüsse des Offertoriums und 
der Conmiunio sind nur während der österlichen Zeit und am eiffentlichen Festtage (Freitag nach 
der Oktav von Fronleichnam) zu singen. An den übrigen ersten Monatsfreitagen des Kirchen lahres, 
also vom Advent bis Palmsonntag und nach Schluss der Osterzeit bis zum Advent, fallen die ge- 
nannten Alleluja weg. Frühere, sich widersprechende Entscheidungen sind geregelt durch die Antwort 
der Riten -Kongregation vom 5. April 1895. laut welcher auf Anfrage des hoch würdigsten Bischofs 
von Linz: „An in Missa votiva de Ss. Corde Jesu, extra tempus paschale, omitti debeant Alleluja". 
geantwortet wurde ,yAffirmativef*. 

5. Die Präfation ist de Cruce (nicht de Nativitate), das Ite missa est also bei dieser feierlichen 
Votivmesse mit Gloria und Credo im feierlichen Ton zu singen. 

Diese Notizen sind als Ergänzungen einer Bemerkung in Mus. s. Iö96 S. 3ß anzusehen. F. X. H. 



Das 24. Semester an der Kirchenmusikschule in Regensburg 

hat am 16. Januar begonnen. Die zur weiteren Ausbildung fiir katholische Kirchen- 
musik in diesem Jahre aufgenommenen Herren (6 Priester und Kleriker, 10 Lehrer 
und Musiker im Alter von 20 bis 31 Jahren) wurden dem versammelten Lehrerkollegium, 
bestehend aus HH. Domdekan Dr. G. Jacob, HH. Stiftskapellmeister M. Haller, HH. Dom - 
kapellmeister F. X. Engelhart und H. Jos. Renner, durch den unterzeichneten Direktor 
der Kirchenmusikschule vorgestellt. Dieselben gehören nachfolgenden Diözesen an: 
Breslau, Brixen (3), Freiburg i. B., Gnesen- Posen, Görz, Haarlem, Limburg (2), Linz, 
Paderborn, Eegensburg (2), Rottenburg und Trier. 33 weitere Anmeldungen konnten 
für dieses Jahr nicht mehr berücksichtigt werden, weil einerseits die programmässige 
Zahl der Eleven bereits erreicht war, anderseits die meisten Anmeldungen zu spät ein- 
gelaufen waren. 

Der Vorstand der Kirchenmusikschule eröffnete den 24. sechsmonatlichen Kurs 
mit dem katholischen Grusse, betonte den Zweck der Schule für Kirchenmusik, die 
Kürze der Zeit für diesen Unterricht und schloss mit dem Hinweis, dass erst dann 
eine gedeihliche Reform und gründliche Besserung ungehöriger und dem Geiste der 
Kirche wiedersprechender Verhältnisse in der Kirchenmusik eintreten könne, wenn sich 



w^t9^m^m 



jeder Ghorregent, Organist und Sänger stets bewnsst sei, dass er im Gotteshause 
dienen dürfe und müsse. So lange man den genannten Diener des Gottesdienstes den 
Vorwurf machen müsse: „wisset ihr nicht, dass ihr euch im Hause des himmlischen 
Vaters befindet?", solange müsse auch gebessert werden, ob gelegen oder ungelegen. 

Den eigentlichen Eröflfnungsvortrag zu halten hatte der HH. Dr. G. Jacob, wie 
seit Gründung der Schule, gütigst übernommen. Der HH. Domdekan führte nach- 
folgende Gedanken in längerer lebhafter Eede aus: 

Zur Arbeit und Fortbildung seien Schüler und Lehrer aut einem Gebiete ent- 
schlossen, das man lange Zeit vernachlässigt und als herrenloses, ja weltliches Terri- 
torium behandelt und betrachtet habe. Wer mit Gedeihen Kirchenmusik studieren 
wolle, müsse 1) Verständnis der Liturgie gewinnen, 2) Vertrauen zur Schule 
haben, 3) das innerliche Leben pflegen. 

Ad. 1. Die Kirchenmusik ist liturgische Musik und erhält von der Liturgie ihre Norm, 
ihre Form und ihre Wirkung. — Zu welcher Höhe musikalischer Kunst haben sich 
ein Palestrina, ein Orlando di Lasso emporgeschwungen, wie bewundern wir ihre 
genialen Schöpfungen! Selbst aus dem genialen Kopfe eines Palestrina konnte für die 
Kirchenmusik die Norm nicht kommen, sondern aus der Kirche selber, aus ihren litur- 
gischen Vorschriften. Wer nun kein Verständnis für die Liturgie hat, welche die Norm 
bildet, der hat auch für Kirchenmusik kein solches. — In der Kirche ist alles Kunst- 
werk, muss schön zusammenstimmen : die priesterlichen Kleider, der Altarschmuck u. s. w. ; 
die Einheit, dieses Prinzip des Kunstschönen, soll herrschen. Die Liturgie gibt hier 
auch die Form. — Sodann hat die Kirchenmusik einen anderen Zweck als die welt- 
liche Musik; sie ist nicht dazu allein da, um Effekt zu machen, sondern sie soll neben dem 
Lobe Gottes unsere Herzen erheben, uns erbauen. Die Erbauung ist eine Wirkung der 
Gnade, diese geht vom Altare, vom Tabernakel aus. Aus dem Verständnisse der 
liturgischen Bücher und Vorschriften wird sicher Liebe zu derselben gewonnen werden. 
Niemand wird dann nur zu dem Zwecke in's Gotteshaus gehen, um den Gesang zu 
hören, etwa mit der Partitur in der Hand; man wird sich vielmehr zuerst die Frage 
stellen, was für ein Fest feiert die Kirche heute, welches sind ihre Litentionen, ihre 
Vorschriften bezüglich der Zeremonien, des Textes u. s. w., wie kann und werde ich 
denselben am besten und vollkommensten entsprechen. 

Ad 2. Eine Schule, welche seit 24 Jahren öffentlich, aber auch vor dieser Zeit 
schon, segensreich gewirkt hat und deren Schüler fast in allen Ländern des katholischen 
Erdkreises direkt und indirekt thätig sind, verdient Vertrauen. An einer eigentlichen 
Schule muss man Kirchenmusik lernen, nicht aus Büchern allein. Nur eine Schule 
hat Erfahrung hinter sich, erfreut sich der Einheit in der Lehre, weiss die nötigen 
Grenzen für das Lemmaterial zu ziehen. Wo Widersprüche sind, wo ein Lehrer den 
andern bekämpft, wo die entgegengesetztesten Dinge gelehrt, verfochten und geübt 
werden, wo jeder Lehrer andere Grundsätze verteidigt und auf anderer Basis steht, da 
ist nichts Solides zu holen. Auf dem grossen und weitverzweigten Gebiet der Kirchen- 
musik kann die sichere und zielbewusste Führung und Leitung nur in einer Schule 
stattfinden, deren Lehrer nicht einseitig die vorzutragenden Materien ihres Faches 
ausbeuten und durch diesen übertriebenen Fachunterricht den Schüler gleichsam er- 
drücken, sondern welche einig und in stetem Verkehr untereinander und mit den Schülern 
dafür sorgen, dass für alle Fächer, für die theoretischen und praktischen, Zeit übrig 
bleibt. Der Geist des Widerspruches und des Kritisierens ist in jeder Schule ein feind- 
licher Geist; nicht als ob Zweifel ausgesprochen, Erläuterungen angestrebt, weitere 
Belehrung gesucht werden dürfte im Privatverkehr oder beim Unterricht, sondern in 
dem Sinne, dass man schweigend hört, in der Wirklichkeit aber anders handelt und 
arbeitet. Wer die Aufgaben, auch die leichtesten, mit Liebe und Sorgfalt anfertigt, 
wer sich nicht von dem stolzen Gedanken überwinden lässt, was er höre und übe, sei 
für ihn ein überwundener Standpunkt, er brauche ja nicht von vorn anzufangen, wer 
in andere Fächer eingreift, die nicht im Programme der Schule stehen, und sich lieber 
mit unnützen, ft-emdartigen , als mit den vorgeschriebenen und verlangten Übungen 
beschäftigt, der hat nicht das wahre Vertrauen zur Schule und wird voraussichtlich 
wenig in ihr lernen und später noch weniger leisten auf dem Gebiete der Kirchenmusik. 



-G 90 &h 

Ad 3. Die Eirchenrnnsik soll nicht nur Sache des Talentes oder Genie's sein, 
sondern auch Sache der Gnade und der Innerlichkeit, sonst schafft der Komponist 
profane, aber keine kirchliche Musik. Auch ist die Kirchenmusik an das heU. Wort 
gebunden; sie hat nicht die Gemätsbewegungen des Einzelnen wiederzugeben, sondern 
dem Sinne, den die Kirche dem heil. Worte beilegt, zu dienen. Nur wenn das Gemüt 
gesammelt ist, und das innerliche Leben durch Betrachtung, Gebet und Fühlung mit 
den Gnadenmitteln der Kirche gepflegt wird, kann ein tiefes Verständnis für Kirchen- 
musik gewonnen werden. Daraus folgt, dass ungeordnete Zerstreuungen, Hang nach 
weltlicher Unterhaltung und profanen Vergnügungen das innerliche Leben schwächen 
oder vernichten. 

Mit der Aufmunterung, zu beginnen ohne sich weiter zu besinnen, schloss der Hoch- 
würd. Herr Dignitär des bischöflichen Domkapitels seine tiefempfundenen und eindrucks- 
vollen Worte. 

Am folgenden Sonntage, Fest des heiligsten Namens Jesu, hatten die neueinge- 
tretenen Herren Eleven Gelegenheit, beim Hochamt in der Kathedrale die 4 stimmige 
Missa brevis von Joh. Franz Anerio (I. Bd. 1. Heft des Repertorium mtmcae sacrae) 
und nach dem Festoffertorium das 5 stimmige Motett von Palestrina für den 2. Sonntag 
nach Epiph. „Jübüate Deo universa terra*' mit den wechselnden Teilen der Messe nach 
den offiziellen Choralbüchem zu hören. 

Der Unterzeichnete wiederholt bei dieser Gelegenheit seine in der offenen Kor- 
respondenz der Mus. s, 1897 S. 384 ausgesprochene Einladung an die Herren, welche 
seit November 1874 die hiesige Kirchenmusikschule besucht haben, im Laufe dieses 
Jahres über ihre gegenwärtige Stellung, über ihre Thätigkeit in der Zwischenzeit vom 
Austritt aus der Schule bis zu diesem Jahre, womöglich unter Beifügung der neuesten 
Photographie, gefällige Nachricht geben zu wollen. Wenn auch bei dem projektierten 
Jubiläum der Kirchenmusikschule voraussichtlich kaum die Hälfte der zahlreichen Schüler 
persönlich erscheinen kann, so hat es für eine Jubiläumschronik und zur Ergänzung 
der Personallisten sicher einen grossen Wert, einen Überblick inbetreff der Thätigkeit 
unserer ehemaligen Schüler als Komponisten, Chordirektoren, Organisten, Musiklehrer 
und Sänger zu gewinnen. F. X. Haber 1. 



Vom Bücher- und Musikalienmarkte. 

(Fortsetzung ans No. 2.) 

Die 2 folgenden Nmmnem hätte Referent unter der Rubrik ^Liturgische Kompositionen*^ gern 
aufgeführt, wenn nicht in Betreff der Textbehandlung bezw. der Vollständigkeit des liturgischen 
Textes berechtigte Wünsche zu änssem wären. 

* 

a) B. Pozzolo, Kapellmeister am Dome zu Como komponierte die erste und zweite Strophe 
des Hymnus Ave^ maria steUa, fügt jedoch ein ganz unmotiviertes dreimaliges Ave am Schlüsse Sei, 
ebenso den Versikel und Responsonum Requiem aetemam und BequiescarU in pace. Amen, femer die 
erste Strophe von Fange lingua, sowie die erste und letzte von Vexiäa regis. Für diese willkürliche 
und beim Ofücium unbrauchbare Textbehandlung kann kein empfehlendes Wort gebraucht werden, 
wohl aber für die musikalische Bearbeitung, welche einfach und massvoll in zwei Ausgaben (für 
3 Oberstimmen und durch Transposition für 3 ünterstimmen) geliefert wurde. 

b) Eine lauretanische Litanei Op. 55 von Rob. Remondi fär 2 Stimmen (S. u. A. oder 
T. u. B.) ist more Italico (nach italienischer Weise) komponiert, d. h. die zwei Verse nach Sancta 
Matia, nach Maier castisaima, nach Mater Salvatoris, Vir^o fidelia, Va8 insigfie^ Janua coeli, Regina 
Angehrum und die drei Verse nach Regina Virginum mit je einem Ora pro nobis sind als 8 Ein- 
schaltungen des Volksgesanges gedacht und können nach Angabe des Komponisten auch ohne Orgel, 
also bloss 2 stimmig, gesungen werden. Referent möchte nicht wünschen, dass die Orgel wegbleibe, 
obwohl er ans Erfalirung weiss, dass beim Vortrage der übrigen Litaneiverse durch da^ Volk uner- 
quickliche Detonierungen stattfinden, die natürlich beim Eintritt der Orgel um so grausamer wirken ; 
aber ein 2 stimmiger Gesang, den Volksgesang gleichsam unterbrechend, macht ebenfalls keinen an- 
genehmen Eindruck. 

Die beiden Tonsätze sind in der Edition M. Gapra erschienen und zwar a) in doppelter Aus- 
gabe als Nr. 20, jede Part. 75 cent, St. ä 10 cent. b) als Nr. 22, Part. 1 L., St. ä 15 cent. 

Vier Kompositionen von W. Rudnick, erschienen bei C. F. Schmidt in Heilbronn a. N., eignen 
sich ganz besonders für Konzert und Hausmusik ; der Verleger meint auch, aber nach unseren Orund- 



-4G 31 e:}- 

Sätzen mit. unrecht/ für die Kirche, a) Op. 28 Trannngsgesang (ein abgeschmackter pietistischer 
Text) für Sopr. und Ten. mit Orgel, Harmonium oder Pianoforte, Part, und St. 1 jl6 80 ^. Musi- 
kalischer Ausdruck recht gut. 

b) Op. 29. Zwei Duette für Sopran und Alt mit Begl. wie oben, „Vertrauen auf Gott" und 
^Aufwärts . Schön im Ausdruck, trefflich deklamiert. Part, und St. 1 J$, 

c) Op. 31:. Geistl. Lied „Sei getrost" mit Begl. von Violin«», Harmonium oder Pianoforte. 
Sehr dankbar fftr den Vortrag. Part und St. \ .H> 20 ^. 

d) Op. 34. Ein Andante rdiffioso für 2 Violinen, Violoncello und Harmon. oder Pianoforte. 
Ist leicht und gefällig. Part, und St. l M 20 ,^, 

In gleichem Verlage erschien ein wahres Kuriosum, nämlich PaleHtrina G. P., Tenebt-ae 
fitciae mnt für ffrosses Orchester (Streichquintett, 2 Fl., 2 Ob., 2 Clar., 2 Fag., 4 H., 2 Tromp., 
3 Pos. und PauKen), natürlich ohne Text^ aber mit anerkennenswerter Instrumentaltechnik , ver- 
fertigt durch J. Schreck. Unsere Leser wissen, dass dieses Tenebrae nicht von Palestrina, sondern 
von M. A. Ingeg^eri komponiert ist; beide Zeitgenossen würden wahrscheinlich sohreckUche Augen 
machen, wenn sie die autographierte Partitur, eine monströse Vergrössemng des einfachen Originals, 
sehen würden. Dem gleichen Hefte (Part, und St 3 M,) ist eine altböhmische Choralmelodie 
..Komm herab o hl. Oejst'* in gleicher Instrumentierung angefügt. 

Hundert alte und neue Gesängo im Volkston gab Waldmann von der Au (wenn wir reclit 
unterrichtet sind. Silvester Bürgenmaier) mit dem Titel ..Liedergarten'* in der Strassburger 
Dnickerei und Verlagsanstalt (vorm. Schultz & Co.) heraus; Part. 1 wÄ 25 ^. geb. 1 .Ä 50 .^, -- 
sind keine Stimmen da? Das Motto „Nicht alles neue ist gut. und nicht alles gute ist neu^' wurdt* 
in trefflicher Weise beobachtet. Was den einfachen Landcnören und auch weniger geschulten 
Sängern zu angenehmer und bildender Unterhaltung dienen* kann, ist mit Sorgfalt ausgewählt auch 
aus dem Liederschatze früherer Zeiten (Silcher, Ha^dn, Mendelssohn. Klein u. s. w.): die Volks- 
weisen üind vom Herausgeber neu harmonisiert, die Texte streng gesichtet, das ßüchlein kann auch 
einem Schulkinde in die Hand gegeben werden. Es wurde dem Kufe „noch leichter", der von länd- 
lichen Sängerkreisen, aber auch von zahlreichen lustitutschören , in denen gemischte Stimmen sich 
zu einem Quartett oder kleineu Chor zusammenftnden . noch öfters erhoben wird, nach allen Be- 
ziehungen Kechnung getragen, jedoch auch alles Obei-flächliche und Flüchtige glücklich vermieden. 

Der H. H. Kanonikus von Tamöw Franz Walczynäki verfasste zum Gebrauch für die Pfarr- 
kirchen der Diözese Tamöw ein Büchlein mit Titel lind Rubriken in polnischer Snrache. nebst 
Approbation des Diözesanbischofs^ in welchem 16 Vesperpsalmen nach Weisen^ die von aen römischen 
verschieden sind, mit den lateinischen Texten sich Defiuden. Die 4 marianischen Antiphonen und 
i\ö lateinische Hymnen sind mit mensurierten einstimmigen Melodien versehen und zum Vortrag 
dnrch das Volk bestimmt. Sämtliche Gesangs weisen sind nach polnischen Kirchenliedern zum 
Zwpcke einer Andachtfivesper ohne strengliturgischen Charakter verarbeitet. Zu diesem Opus IH 
verfasste der Autor eine einfache Orgelbegieitung und fügte derselben 12 Kadenzen in verschiedenen 
Tonhöhen bei mit einzelnen Antiphontexten zum Zweck der Rezitation. Gesangsheft 50 -^. Orgel- 
begleitung 2 .#; zu beziehen durch das bischöfliche Konsistorium zu Tarnöw in Galizien. 

J. Zimmermann, Hauptlehrer in Remscheid, gab unter Mitwirkung von Jak. Quadflieg 
und Pet Piel deutsche Lieder zur Begrüssung eines Diözesanoberhirten unter dem Titel „Heil 
unserem Bischof*, in Ausgabe B für gemischten Chor (Part. 1 M), in Ausgabe C für Männerchor 
(Part, m ^) als Op. 9 heraus. Die Ausgabe A für 2- und 3 stimm. Kinderchor (Part. 1 ^ 20 ^) 
wurde in Mus. a. 1896, S. 75 besprochen und enthält 24 Lieder. Die 7 in Ausg. B und C ausge- 
wählten Texte eignen sich zum Vortrage für erwachsene Sänger, die als gemischter oder üänner- 
chor den hochw. J&ischof in oder vor seiner Wohnung begrüsseu. Verlag L. Schwann in Düsseldorf. 

Im gleichen Verlage edierte der nämliche Herausgeber 15 Gesänge für 3 stimm. Kinderchoi- 
zur Begrüssung eines neugeweihten Priesters mit dem Titel ..Primizlieder*', Ausg. A. Part. 2^40^: 
in Ausgabe B sind 8 Lieder zum gleichen Zwecke für gemiscliten 3- und 4 stimm. Chor ausgearbeitet, 
in Ausgabe A beflnden sich Beiträge von Joh. Diebold, B. Mettenleiter, P. Piel, Jak. Quadflieg. 
C. Sattler, J. G. Stehle und Jul. Wieraeyer. in Ausgabe B sind 5 Nummern vt)m Herausgeber 
.1. Zimmermann und je 1 von Mettenleiter. Piel und Quadflieg. Es ist ein sinniger Gedanke, den 
ueugeweihten Priester aus Kindermund und gläubigem Herzen dey kirchlichen Sängerchores beim 
Kintritt in seine Heimat und in das väterliche Haus musikalisch zu begrüsseu. Die (redichte. deren 
Verfasser angegeben sind, verleihen den GeiUhlen der Ehrfurcht und Hochachtung, welche ein gläubiger 
Katholik dem Diener des Altares darzubringen pflegt, schönen Ausdruck; derselbe wird erhöht 
durch das musikalische Kleid, das bald einfacher bald festlicher vom Herausgeber und seinen Mit- 
arbeitern gefertigft wurde. 

„Ehreukrone des heil. Joseph" betitelt sich eine neue Monatsschrift, deren Herausgeber 
•Io8. Berffhold, Priester der Wiener Erzdiözese und Direktor des St. Joseph-Knabenasyls V^ien El, 
Rennweg Nr. 81, neben der Verehrung des hl. Joseph in sehr populärem Tone auch die Pflege der 
hl. Musik auf das Programm gesetzt hat. Das erste Heft erschien am 1. Okt. 1897; dieser erste 
Jahrgang kostet bei Frankozusendung durch den genannten Herausgeber (zugleich Verleger) 1 fl. 12 kr., 
für aas deutsche Reichspostgebiet 2 M. In den ersten 2 Heften sind zwei deutsche 2 stimm. Lieder 
zu Ehren des heu. Joseph und zur heil. Cäcib'a von Pet. Piel abgedruckt In den 4 bisher vor- 



-«3 3»' F>- 

liegenden Heften ist eine ständige Rabrik „St. Joseph nnd St. Cäcilia'^ enthalten. Im Januarheft 
wnrde ein Artikel ans der „Reichspost "* von 29. Dez. 1897 (Wien) teilweise abgedruckt, nämlich 
die Stelle „über den Volksgesang in unseren Kirchen". — Die Red. der Mus, s. ersucht einen der 
österreichischen Leser um Zusendung der p[«nannten Nummer der .»Röichspost". da der betr. 
Artikel ihr unbekannt geblieben ist, jedoch, wie es scheint, nicht unberechtigtes Aufsehen erregt hat. 

Das Büchlein „Hosianna**, Sammlung 2- und 3 stimm. Kirchenlieder für Kinderchor, welches 
Jac. Blied als Opus 10 auch zum Gebrauche bei den Festen des katholischen Kircheijjahres bei 
L. Schwann in Düsseldorf schon vor Jahren herausgegeben hat (siehe C.-V.-K. Nr. 232 die Referate 
von Fr. Konen und Fr. Schmidt mit placet von Fr. Witt), wurde von Au^, Wiltberger neu 
bearbeitet und in dieser 3. Auflage durch 31 neue Gesänge (die 1. Auflage enthielt nur 30 Nummern, 
die gegenwärtige hat 61) vermehrt. Den Inhalt bilden Aavents-, Weihnachts-; Fasten -j Oster-, 
Pflngst-, Dreifaltigkeits-, Fronleichnams-, Muttergottes-j Heiligen-, Lob- und Danklieder. sowie solche 
zu Jesus^ zum Tröste der Abgestorbenen und auf Christi Himmelfahrt. Die Originalkompositionen 
Blied's sind unverändert geblieben, die neuen Gesänge haben meistenteils bekannte Melodien aus 
deutschen Gesangbüchern, deren 3 stimmiger Satz von Aug. Wiltberger recht einfach , den Kräften 
der siogenden Schuljugend vollkommen angemessen gehalten ist. Preis unbekannt. Die Sammlung 
wird den Lehrern und Priestern, welche sich der edlen Aufgab^ widmen, die Kinder im mehr- 
stimmigen Gesänge zu unterrichten, sehr willkommen sein und ist auf das Beste zu empfehlen. 

Sechs Lieder für 4stimm. gemischten Chor zu Ehren der sei. Jungfrau Maria komponierte 
Romeo Jos. Graf Colloredo-Mela, Regensburg, Feuchtinger & Gleichauf. Part. 1 .^ 20 ^/, 
St. ä 20 /ft. Nicht alle Gedichte dieser Sammlung eignen sich in ihrer lyrischen, zu wenig positiv 
kirchlichen Poesie für den Vortrag bei Maiandachten in der Kirche. Das musikalische Kleid unter- 
scheidet sich in keiner Weise von dem Schnitt, den lyrische Lieder mit weltlichen Texten zu tragen 
pflegen. Wir haben es mit modernen Liedern zu thun, die nach Seite der melodischen Erfindung 
und harmonischen Fassung angenehm und unterhaltend klingen und durch Weichheit in Melodie, 
Rhythmus und Harmonie besonaers den unmusikalischen Hörer fesseln, aber bei öfterer Wiederholung 
infolge alltäglicher Wendungen ermüden werden, da ihnen tieferer musikalischer Gehalt fehlt. 

Beim gleichen Verleger erschienen: a) drei Lieder zur Verehrung des allerh. Herzens Jesu für 
gem. Chor, Öp. 22, Part. 80 v^, St. ä 15 ^. b) Fünf Festgesänge für 4 stimm. Männerchor, Op. 23. 
rart. 80 c>, Partiepreis von 4 Exempl. ab ä 50 l\, c) Vier Festchöre für 4 stimm, gein. Chor, 
Op. 25. Part. 1 M, St. ä 20 bt^ komponiert von Jos. Deschermeier. 

Dass bei den 3 deutschen Herz- Jesu-Liedern die Angabe der Dichter, sowie die oberhirtliche 
Approbation der Texte fehlt, ist in den Augen des Referenten eine bedauerliche Unterlassung be- 
stimmter kirchlicher Vorschriften. Die Kompositionen halten sich sehr stark an das Metrum der 
Strophenverse, klingen aber musikalisch recht gut. 

Op. 23 trifft den Ton von Gelegenheitschören und wird gern benützt werden, wenn der Ober- 
hirt, der Pfarrer oder ein Primiziant begrüsst wird, bei Gratulationen, Jubiläen und ähnlichen Gelegen- 
heiten. Die Texte lassen eine Menge von Varianten und neuen Strophen in gleichem Versmass zu, 
ohne dass sich die musikalische Hülle bewegt. 

In Op. 25 steht ein Primizfestlied, ein Chor zum Empfang eines Bischofs, sowie das 
Gratulations- und Jubiläumsfestlied (beide letztere aus 0^). 23 arrangiert), die bei den genannten 
Gelegenheiten Freude wecken und dem ausführenden gemischten Chor Ehre bringen werden. 

Ein 128 Seiten in 8" umfassendes, mit vielen Notenbeispielen und einem Facsimile von C. M. 
V. Weber geziertes Buch handelt vom Vortrag in der Musik am Ende des 19. Jahrhunderts und 
hat Franz Kullak zum Verfasser. Leipzig, F. F. C. Leuckart. Preis nicht angegeben. 

Der bekannte Musikpädagoge erklärt in einer Vorbemerkung mit Freimut, dass er mit der 
Vortragsweise, in welcher die Klavier- und Orchesterwerke unserer grossen Tondichter heutzutage 
vielfach ausgeführt werden, nicht einverstanden sei. „Da ist ein hohles Pathos an die Stelle wahrer 
Gefühlsinnigkeit getreten; die langsamen Zeitmasse werden auf das Qualvollste verschleppt und 
selbst Alle^o - Themen in langweiligster Breite gedehnt; im Verlaufe der Tonstücke herrschen 
Manierirtheit und willkürlichste Tempoveränderun^n, während sich in den Finales die gepeinigte 
Natur durch masslose Wildheit für den erlittenen Zwang zu rächen scheint." 

Er will nun in 6 Kapiteln darthun , in welchen Grenzen sich ein wahrhaft schöner Vortrag 
zu bewegen habe. Im ersten werden die Angaben von Anton Schindler, dem Freunde Beethovens, 
über den Vortrag der Beethoven'schen Klaviersonaten und Sjnnphonien, sowie die Lehre von der 
Taktfreiheit, wie mir scheint, viel zu kurz und aphoristisch auf 14 Seiten besprochen. Das zweite 
Kap. behandelt wieder in sehr gedrängten Andeutungen die Einflüsse, welcne Hans v. Bülow in 
seinen öffentlichen Konzerten klassischen Werken gegenüber ausgeübt hat. Das 3. Kap. ist der 
Direktions- und Auffassungsweise von Rieh. Wagner gewidmet, das 4. befasst sich mit der Phra- 
siernngslehre von Dr. H. Kiemann. Erst im 5. und 6. Kaj). entwickelt Kullak seine eigenen An- 
schauungen über die Dynamik (der Korrektor hat auf S. 73 den Setzerkobold ,,das Dynamit** in der 
Kolumnenüberschrift übersehen) und Taktfreiheit Was er über den Bau der Phrasen und Perioden, 
über die Gipfelpunkte des Vortrages, unter Herbeiziehung der Regeln für gute Rezitation und Deklamation 
von Reden oder Gedichten, schreibt und lehrt, ist vorzüglich und durch Beispiele treffend illustriert. 

Für unsere Leser genügt es, auf die interessante Studie aufmerksam gemacht zu haben. Es 
wäre gewiss lehrreich, ähnliche Kommentare über den Vortrag kirchlicher Vokalkompositionen ab- 
zufassen, obwohl derlei Abhandlungen meist einem geschilderten Gastmahl gleichen , bei dem der 



33 

Zuhörer (Leser) hmirrig bleibt Übriffens bietet beim wahrhaft klassischen Vokalsatz, wenn der 
Komponist sich in me Deklamation des Textes wirklich versenkt hat, die richtige Wiedergabe 

f erinnere Schwierigkeiten als bei den Werken der sogenannten absoluten Musik. Dynamik und 
aktrreiheit gehören zweifellos zum wahrhaft schönen Vortrag einer Vokalkomposition; es hängt 
jedoch stets von der Bildung und dem Geschmacke des Dirigenten ab. von seinem Temperamente, 
von der Tüchtigkeit seines Chores und nicht wenig von akustischen Verhältnissen, welches Mass 
von Dynamik und Taktfreiheit angewendet werden soll. Dieses Kapitel, wird stets ein Zankapfel 
der Dirigenten sein; es hängt nur davon ab, dass man das Unwahre, die Pianofortemacherei, 
das falsche Pathos, das blosse Effekthaschen gewissenhaft meide und auch hier im Auslegen nicht 
gar zu frisch und munter sei, etwa nach dem Grundsatz: Legt ihr*s nicht aus, so legt was unter. 

Das kirchenmus. Jahrbach 1898 liegt nun in einem stattlichen Bande vor. £s übertrifft 
seine 12 beziehungsweise 22 Vorgänger im umfang der Musikbeilagen, da die Verlagshandlung 

S^r. Pustet) das grosse Opfer gebracht hat, statt der kontraktmässi^en Zahl von 32 Seiten in diesem 
ahre 84 Seiten, ohne Preiserhöhung (2 M 60 ^0 ^^^ ohne Minderung^der Seitenzahl für die 
wissenschaftlichen Artikel und Abhandlungen, zu gewähren. Möge dieses flntgegenkommen durch 
entsprechende Verbreitung des 23. Jahrgangs belolint und dankend anerkannt werden. 

Das ganze Werk des Officium hehdomadae sanctae von Victoria erscheint zu gleicher Zeit in 
Einzelausgabe als 4. bis 7. Hett des Bepertorium musicae sacrae mit eigenem Vorwort. Die Einzel- 
stimmen werden hergestellt, wenn auf dem Subskriptionswege wenigstens 100 Exemplare der vier 
Stimmenheft« gesichert sind : dieselben können schon bis April dieses Jahres geliefert werden, wenn 
die Interessenten im Laufe des Monates Februar die nötigen Bestellungen bei der Verlagshandlung 
anzumelden die Güte haben wollen. 

Über den Inhalt des 23. Jahrganges verweist die Redaktion auf das Inserat im Anzeigeblatt 
und erhofft für die mühevollen Studien der verehrlichen Mitarbeiter Anerkennung, Empfehlung und 
werkthätige Teilnahme. 

Der neunte Band der Gesamtausgabe von Orlando di LasHO^s Werken, 5. Teil des Magmm 
opus mtisicum, ist fertig gedruckt und wird in den nächsten Tagen au die verehrt. Subskribenten 
versendet werden (ungeb. 10 Ji, geb. 12 .lO. Derselbe umfasst die Nummer 337—^1, nach der 
Zählung des Magnum oims, in welchem die mehrteiligen Motetten als eine Nummer gelten, die 
Nummern 249—289. Die sämtlichen Motetten sind zu 5 Stimmen, sehr viele derselben eignen sich 
als Einlagen nach dem liturgischen Offertorium. Im Vorwort ist die erste Publikation der Nummern 
aus den Mnzeldrucken des 16. Jahrhunderts nachgewiesen, so dass die Stilbildung des grossen Vokal- 
komponisten , angefangen vom Jahre 1556 bis zu seinem Tode 1594, verfolgt werden kann. In 
diesem Bande befindet sich auch das zweiteilige, für die Kulturgeschichte jener Zeit höchst merk- 
Avürdige Tonstück Super flumina Babylon is, in welchem jede der fünf Stimmen den Text zuerst 
buchstabiert, dann syllabiert und die auf diese Weise zerpflückten Worte von rückwärts nach vor- 
wärts wiederholt, z. B. iS'-u, su, p-e-r, per, miper, f'l-u,ßu, p^ flu, super flu u. s. w. Am Schlüsse 
erst wird in feierlichen Akkorden der zusammenhängende Text, im ersten Teil Super flumina Babylonis, 
im zweiten Teil lllic sedimus etflevimus, gebracht. Wie in den ersten vier Teilen des Magnum opus 
(1., 3., 5.. 7. Band der Gesamtausgabe), so sind auch in dissem fünften Teil (9. Band der ö-es.-Ausg.) 
die Druckquellen für jede einzelne Nummer, die Angaben über den Fundort der lateinischen Texte 
und die apnoristischen Charakterisierungen von Dr. Karl Proske zusammengestellt. 

Auch in diesem Jahre hält es der Unterzeichnete weder für Bettelei noch für Schande, die 
öffentliche Bitte zu stellen, man möge ihm zur Fortsetzung und Vollendung des Magnum opus musicum 
durch Subskription entgegenkommen, da er sich auf 100 Exemplai-e verpflichtet hat, während nur 
72 Subskribenten zur Zeit vorhanden sind. „Man muss öfters im Leben aas Deutsche ins Deutliche 
tibersetzen." Bei dieser Gelegenheit sei Herr Dr. Hirschfeld höflichst bedankt für die Unterstützung 
in der Wiener „Neuen musikal. Presse" (Nr. 21 vom J. 1897) durch die Worte: „Den „offenen Weg" 
der Subskriptions- Einladung wollen wir in diesen Blättei-n noch etwas mehr öffnen. Orlando di 
Lasso, dieser Wundermann an musikalischer Kraft und Grösse, sollte auch in der Bibliothek moderner 
Musiker nicht fehlen. Diese Pflicht der Anschaffung wird durch den niedrigen Subkriptionspreis 
wesentlich erleichtert. Dabei ist der Subskribent nicht nur Förderer seines privaten Wissens und 
Geniessens, sondern auch je nach seinem Teile der Förderer der Musikwissenschaft und der Kunst." 

Die hl. Agnes (Dichtung von A. J. Cüppers), Kantate für S.- und A.-S0I0, 3stimm. Frauenchor 
mit Klavier- und Harmoniumbegleitung. Op. /O komponiert von Ang, Wiltberger, Part. 4 .Vfc 50 ^, 
3 Chorst. ä 15 /Ä, Textbuch 10 ^. Man muss sich freuen, dass durch dieses Werk auch den Mädchen- 
und weiblichen Erziehungsinstituten, Jungfrauenvereinen und ähnlichen Anstalten Gelegenheit geboten 
ist, durch freundliche, liebliche, nicht sentimentale, sondern lebensfrische und leichtfassliche Musik 
eine edle, bildende und erbauende Unterhaltung sich verschaffen zu können. Der Klavierpart wird 
durch das obligate Harmonium, das bei den 3 stimm. Chorsätzen selbständig gehalten ist, wirkungs- 
voll verstärkt, besonders aber ist dadurch den Stimmen eine festere Basis gegeben und das Klavier 
konnte in gebrochenen Akkorden harfenartig behandelt werden. Verlag von L. Sdlwann in 
Düsseldorf. 

Mnsikkatalofire und Prospekte liegen vor: 1. Die Monatsberichte über die Neuerscheinungen 
und Unternehmungen, der Jahresbericht für 1897 und ein Katalog der Werke für 1 Klavier zu 4, und 
2 Klav. zu 4 u. 8 Händen des Musikverlages von Breitkopf & Härtel in Leipzig, 2. die Verzeichnisse 
und Spezialkataloge über theoret. und prakt. Musiklitteratur aus dem Lager von C. F. Schmidt, 
Musikalienhandlung in Heilbronn a. Nekar, 3. Prospekt über die Virgil- Klavier -Schule mit Ab- 



-fi3 34 e:h 

bildung und Be8chreibaiie[ eines Tedmikklavleres mit tonstnmmer Mechanik. Berlin W. 35, Pots- 
damerstr. 121 k, 4 Eataloir 129 des Mnsikantiqnariats Leo Liepmannssohn, Berlin SW., Bem- 
burgerstr. 14. (255 wertvolle aber auch teure Nummern älterer Musiklitteratur), 5. Katalog Nr. 292 
von List & Francke in Leipzig, Thalstr. 2, über die verschiedenen Zweige der Musikwissenschaft, 
geistliche und weltliche Werke alter und neuer Zeit. 

Sämtliche Kataloge und Prospekte werden auf Wunsch gratis und franko an die Besteller 
durch die genannten Firmen versendet. F. X. H. 

Der Priester und der Kirchenchor. 

um es nur gleich zu verraten, verstehe ich von der edlen Kunst der Musik — 
ich bedauere das sehr — nicht vieL Ich kann nur sagen, dass ich an einem schönen 
(lesange grosse Freude habe und als Priester einen rechten Respekt vor der Erhaben- 
heit der hl. Liturgie und der für dieselbe geltenden Vorschriften der Kirche. 

Ich bin Präses unseres Kirchenchores, aber meine Thätigkeit beschränkt sich nur 
darauf, dass ich, wenn ich eben kann, zu den Übungsstunden mich einfinde, mit den 
Sängern vor- und nachher ein kurzes Gebet verrichte, — warum auch nicht, ist doch der 
Kirchengesang ein wichtiger Faktor, Gott zu ehren und die Gläubigen zu erbauen — 
ihnen den Text vorlese, übersetze und erkläre, und dann mit ihnen in einer Reihe singe 
unter der Leitung des Dirigenten, der einer unserer Lehrer ist. Der Dirigent macht 
gleichfalls keinen Anspruch, als sei er ein vollendeter Meister auf dem Gebiete der 
Kirchenmusik. Er leitete früher einen gewöhnlichen Gesangverein, nahm dann mit mir 
an dem kirchenmusikalischen Cursus in D. teil und gibt sich seitdem Mühe, sich immer 
mehr hineinzuarbeiten. Bei ihm sieht man, dass unverdrossener Fleiss das Notwen- 
digste erreiclien lässt. 

Unsere Sänger sind ganz einfache Leute, die grösstenteils erst abends spät aus 
der Fabrik kommen. Wir üben einmal in der Woche — Knaben und Männer je eine 
Stunde — und Sonntags Knaben und Männer zusammen, das Proprium mit einigen 
wenigen Knaben und Herren noch besonders. Vor kurzem hatten wir sogar einmal 
„Krach" im Kirchenchor: viele gute Sänger streikten. Aber gerade bei dieser Gelegen- 
heit konnten wir erfahren, wie wertvoll der Choral ist; mit ein paar Sängern und mit 
unseren Knaben, die noch nicht streiken dürfen, Hess sich der Kirchengesang halten, 
ja es wurde, weil weniger da waren, noch reiner und gefälliger gesungen. -^ Mit dem 
Choral ist's wie mit einem Goldstück, es hat seinen Wert in einer kleinen Hand so 
ofut^wie in einer grossen. — 

Was sagen aber die Leute? Es ist nicht zu verhehlen, dass manche Confratres 
einen schwierigen Stand haben. Das einmal in dieser Beziehung irregeleitete Volk wiU 
sich schwer dazu verstehen, den altehrwtirdigen Kirchengesang, den man ihm mit Ge- 
walt genommen hat, wieder lieb zu gewinnen, und doch ist's auch hiermit nicht so 
schlimm, wie mancher meint. 

Ich habe den Leuten in mehreren Predigten oflfen und deutlich den Standpunkt 
der Kirche zum Ejrchengesang klar gelegt — an einschlägiger Litteratur fehlt es nicht 
— sodann haben wir nach und nach, als wir etwas mit vieler Mühe eingeübt hatten, 
etwas gesungen; ein Kyrie, Saricttis, Benedictus — jetzt singen wir jedes Hochamt an 
Sonn- und Werktagen liturgisch. Dabei haben die Leute noch bei jedem Hochamt 
Sonn- und Feiertags 3 deutsche Lieder, eins vor Beginn des Hochamts, ein zweites vor 
der Predigt und ein drittes nach dem Hochamt. Anfangs wurden einige Stimmen laut, 
die mit der „Neuerung" nicht zufrieden waren, aber sie haben sich allgemach beruhigt. 
In meinem früheren Wirkungskreise, einer grösseren Stadt mit mehreren Pfarreien, ge- 
schah es, dass als eine Pfarrei mit dem Choral Ernst machte, eine ganze Anzahl Leute, 
und unter diesen einer, vor dem der Organist einen grossen Respekt und gewaltige 
Angst zugleich hatte, weil er die Orgel sogar übertönte, Sonntags zu einer der andern 
Pfarrkirchen ging, wenn sie die „Kerle mit den roten Büchern" ankommen sahen, bis 
denn auch in diesen Kirchen der liturgische Kirchengesang eingeführt wurde ! Jetzt ist 
Ruhe in allen Wipfeln und man freut sich auf beiden Seiten, dass man den liturgischen 
Gesang hat. Schon mehr wie einmal habe ich aus dem Munde einfacher Arbeiter das 



-is M &h 

Lob des liturgischen Gesanges gehöil;. Vor kurzem fragte ich ein Dienstmädchen, 
warum es denn in diese Kirche gehe: „weil sie dort so schön singen!^ antwortete sie. 
Ich erwiederte ihr darauf, dass das doch alles Latein wäre und sie davon nichts ver- 
stehen könne. Darauf meinte sie ganz naiv: das soUte ich nicht verstehen können? 

Allerdings fragten auch bisweilen einige, warum denn nicht auch früher so ge- 
sungen worden sei! Eine heikle Frage! Ich habe darauf die verlegene Antwort ge- 
geben : wir konnten früher nicht so singen, denn wir hatten noch keinen — Kirchenchor. — 

Allerdings darf nicht geleugnet werden, dass im Choral viel gesündigt wird. 
Woher es kommt, dass manche einen ganzen Horror vor dem Choral haben? — Sie 
haben den Choral singen hören, wie er nicht gesungen werden soll, in solch unwürdiger 
Weise, dass sie sich darüber ärgern mussten. Corruptio optimi pessima. Man kann 
wirklich einen Abscheu bekommen, wenn man im Lettner ein paar Chorsänger hat, 
deren Stimmen der Trompete gleichen, welche die Kugel durchlöchert hat und de auch 
den Oesangsunkundigsten verraten, dass nicht bloss ohne Sinn und Verstand, sondern 
auch ohne alles andere gesungen wird. Es ist wahrhaftig nicht genug nach Noten zu 
singen, von einem Mitgliede des Kirchenchors wird sogar sehr viel erfordert und es 
bedarf der steten Sorge des Geistlichen und des ganzen Fleisses des Dirigenten und 
der vollen Ausdauer der Sänger — dass der Kirchensänger ein moralischer religiöser 
Mensch sein muss, der singend betet und betend singt, versteht sich von selbst — , 
damit der Gesang so sei, wie die Kirche ihn haben will, wie er dient zur Ehre Gottes 
und ganz sicher auch — zur Erbauung der Gläubigen. Ein Pfarrer. 



Eirchenmusikalische Auflührunffen und Berichte. 



Der circa 30 Stimmen starke Chor au der Dekanats- Pfarre Enneberg in Tirol brachte 
an den Weihnachtstagen bis incl. Namen-Jesn-Sonntage folgende Messkompositionen zur Anfiführong: 
Von Mitterer Ign., M. in Epiphania 5 voc. M. in hon. S. Caroli Borrom. 4 voc. cum org. M. VIII toni 
4 voc. M. in hon. S. Caeciliae 4 voc. cum org. M. Papae Marcelli 4 voc. Witt Fr., M. in hon. 
S. Lnciae 4 voc. cnm org. M. op. XII 4 voc. cum org. et 2 Tromboni. Haller M.. M. solemnis 6 voc. 
nnd M. septima 4 voc. Tantum e9'go: 5- nnd 6 stimmig ans Ign. Mitterer, .TuDil. euchar. und ans 
P. Griesbacher, Ave Manna^ sowie Nr. 3 aus Haller M. Landes euch., welcher „unsterbliche Hymnus** 
dahier nur am hohen Weihnachts- und Fronleichnamsfeste zur Aufführung gelangt. Olfertoriuni 
aus Musica eccles. und von Demattia, 3 Responsorien von Mitterer. Maamficat von Mitterer 5 voc. 
von Thielen 6 voc. Viadana 5 voc. und aus der Sammlung von Haberl Fr. Am Feste Maria Purif. 
wird zum erstenmal Haller M. XI. 5 voc. aufgeführt. Die Aufführungen wurden teils vom Unter- 
/pirlineten und teils von dem für die Kirchenmusik sehr thätigen Herrn Kooperator AI. Demattia dirigiert. 

Enneberg, am 21. Januar 1898. J. Frontull, Lehrer und ChoiTegent. 

'1 Hährisch-Scliönberg. Jahresbericht. Der hiesige Pfarrkirchenchor besteht gegenwärtig 
;ius 13 Sopran-, 12 Alt-, 6 Tenor- und 10 Basstimmen nebst der städt. Musikkapelle £ds Instrumental- 
körper. Wöchentlich werden 2 Proben zu je 1 % Stunde abgehalten. Ausserdem unterhält der 
Unterzeichnete eine Gesangschule, in welcher als ÜbungsmateriarBertalottrs zweistimnuge Solfeggien 
und die zweistimmigen Onertorien (Heft I.) dienen. — Neueinstudiert und das erstemal im Laufe 
des Jahres 1897 aufgeftlhrt wurden: Missa Äetema Christi munera von Palestrina (5 mal), Stahai mater 
für Chor und kleines Orchester von Rheinberger (am Charfreitage) , Passionschöre nach Matthäus 
von Leitner. — Zu wiederholten Auftührungen kamen: Missa in hon. St. Chrysostomi von Eönen (4). 
Missa Exnltet und Missa in hon. S. Luciae von Witt (5 resp. 4 mal), Festmesse in A-dnr und Messe 
in C-dur von König (je 3), Festmesse in A-mqll von Förster (5), Messe in D von Filke (5), Missa 
in hon. S. Cassiani von Zangl (3), Johannesmesse von Schweitzer (3), Messen F- und C-moll von 
Hrosig (je 3), Messe in D-moll von Nick (2), Walburgismesse von Pilland (3), Messen von Gruber, 
San tner, Bauer, Schöpf und Choral. — Motetten wurden gesungen von: Bauer, Brosig. Greith. Frey, 
Dressler, Leitner, Schöpf. Kiiidler, Wösendorfer, Haller, Mitterer, Witt, Orl. Lassus una Palestrina. 
Te Deum von Dressler, Schöpf und Witt (Op. 10). — Segensgesän^e werden den eucharistischen 
Sammelwerken von Hanisch, Haller und Mitterer entnommen. — Seit Weihnachten besitzt unsere 
Pfarrkirche auch eine schöne neue Orgel; dieselbe hat 23 klingende Stimmen und ist vom Orgel- 
baumeister Carl Neusser in Neutitschein gebaut. Bei Übernahme des Werkes für den kirchlicnen 
Gebrauch durch den erzbischöflichen Or^elrevisor Jos. Nesvera in Olmütz wurde nicht allein die 
saubere und solide Arbeit der mechanischen Teile (Kegelladen), sondern ganz besonders die 
Charakteristik der einzelnen Stimmen , präzise Tonanspracne und eine leichte Spielart mit grosser 
Anerkennung hervorgehoben. Orgelbaumeister C. Neusser verdient für seine vorzügliche Leistung 
gewiss auch öffentlicli genannt zu werden, zumal der Preis von 4500 fl. Ö.-W. für das Werk ein 
Mehr billiger genannt werden muss. Ferdinand Dressler, Chordirigent. 



36 

t 

A RafiTUsa (Dalmatien). Endlich einmal ist die Zeit gekommen, von der wir ohne Über- 
hebun^ sagen können, dass eine Besserung totkranker Znstände zu erwarten steht, wenigstens 
gegenüber der Indolenz, mit welcher man bisher die Kirchenmusik behandelt und (leider aucn von 
Seite des Klerus) gewürdigt hat. Für das Fest des hl. Blasius (3. Februar. Patron von Ragusa) 
sind in Vorbereitung: Kyrie und Gloria aus einer Messe von Lotti für gem. Chor, Oredo für 3 gem. 
Stimmen von Mitterer , Sanctiis und Agnus Dei aus der M. Aeterna Christi munera von Palestrina. 
Bei der feierlichen Vesper werden wir sinffen: Diadt Dominus , 4 gem. Stimmen von 0. Eavanello, 
die übrigen Psalmen als Falsibordoni von mitterer und Molitor ^ den Hymnus von Lor. Perosi, das 
Magnificat von Orfeo Vecchi, 4 gem. Stimmen und Ave Regina coelorum für 3 gleiche Stimmen 
von 0. Ravanello. 

(Dank für die Mitteilung und das Besorgte, bitte um öftere Berichte, viel Glück und Gottes 
Segen zum angefangenen Werke! D. R.) 



Vermischte Nachricbten und Mitteilungen. 

1. ^ Se. Eminenz Kard. Andreas Steinliuber hatte die Gnade, auf Zusendung der Musica sacra 
mit Begleitschreiben eigenhändige Antwort zu geben. Aus derselben haben folgende Sätze für 
unseren Leserkreis sicher sehr hohes Interesse. Se. Eminenz schreibt: „Sie begrüssen mit 
freundlichen Worten meine vom hl. Vater vollzogene Ernennung zum Protektor 
des Cäcilienvereines. Meinerseits nehme ich davon Veranlassung, den löblichen 
und erfolgreichen Bestrebungen des Vereines meine vollste Anerkennung zu zollen 
und zu versichern, dass es eine besondere Freude für mich sein wird, wenn ich in 
irgend einer Weise die hohe Aufgabe desselben zu fördern Gelegenheit finden werde; 
denn hier handelt es sich wahrhaft um Gottes und seines Hauses Ehre.** 

2. C. L Am 11. Januar abends 8 Uhr 45 Min. starb zu Rom im Alter von 87 Jahren der 
seit dem Jahre 1854 immer in gleicher Stellung unermüdlich thätige Kapellmeister an der Lateranen- 
sischen Basilika von St. Johann, Cavaliere GaStano Capocci. Die von ihm gepflegte Musik- 

fattun^ hat besonders in geistlichen Kreisen grossen Beifall gefunden. Gestärkt durch den Empfang 
er heiligen Sakramente und hochgeehrt durch besonderen Segen des heiligen Vaters ist Capocci 
bald seinem Kollegen Meluzzi (vgl. Musica sacra lö97, S. 112), Kapellmeister von St. Peter, inB 
Jenseits gefolgt. Die Familie Uapocci hat sich schon im vorigen Jahrhundert durch musi- 
kalische Befähigung ausgezeichnet. Der berühmte Organist Filippo Capocci ist ein Sohn des Ver- 
storbenen. Ihm una seiner Familie spricht der Redakteur der musica sacra auch an dieser Stellf» 
das tiefste Beileid aus^ des Verstorbenen und seiner edlen Eigenschaften stets eingedenk, ß. 1. P. - 
Am Kgl. Konservatorium Rossini zu Pesaro , an welchem Pietro Mascagni Direktor ist, wird in 
diesem Jahre durch Professor Ant. Cicognani zum erstenmale auch Unterricht in der Kirchen- 
musik erteilt. Glückauf unserem ehemafigen Schüler, von dessen Kenntnis und Eifer für die 
Musica Sacra schöne Erfolge zu erwarten sind. — In Mailand hat der neue Direktor des Kgl. Kon- 
servatoriums, Cavaliere Gins. Gallignani, bei beginn des Schuljahres einen Kurs für Chorübungen 
eingerichtet, ein vorzügliches, ia unumgänglich notwendiges Mittel, um den in Italien so sehr dar- 
niederliegenden Chorgesang una indirekt auch den Kirchengesang zu heben und zu fördern. — Der 
berühmte Musikverlag Ricordi in Mailand hat das neue Oratorium von Lorenzo Perosi in 
Venedig:: „La Passione di Cristo secondo S. Marco" als Eigentum erworben und wird den Klavi(*r- 
auszug nach einigen Monaten veröffentlichen. 

8. y Über die 12. Generalversammlung und die Cäcilienfestfeier des Diözesancäcilienvereins 
S eck au, welche am 22. November v. J. in Graz stattgefunden hat. ist ein ^ Seiten umfassender 
Bericht hergestellt worden, welcher gegen einen „beliebigen Beitrag" vom Sekretariat des Cäc-Ver. 




44 Dekanatsbezirken der Diö:^ese Seckau. Sehr nachahmenswert fär alle Diözesanvereine. 

4. D (Jubiläum zweier Lehrer.) Am 2i, Dez. versammelte sich in Passail eine zahl- 
reiche, allen Ständen angehörende Gesellschaft, um Herrn Direktor Franz Arnfelser, wie Herrn 
Joseph Bauer zu feiern, da diese Herren durch volle 25 Jahre mit vereinten Kräften an der 
Schule Passail gewirkt haben. Herr Obmann J. Huber begrüsste die Erschienenen, erörterte den 
Zweck der Feier und Hess seine Worte in ein begeistert aufgenommenes dreifaches Hoch auf den 
Monarchen ausklingen; die Feuerwehrkapelle intonierte die Volkshymne, die von der Versammlung 
stehend angehört wurde. Herr Direktor Arnfelser dankte in bewegten Worten und versprach, der 
Schule Passail treu zu bleiben; ihm schloss sich Herr Bauer an. Nach der Festrede des H. Ober- 
lehrer Anton Stering überreichte Katechet Joh. Mandl einen von ihm vertonten, von dem Oberlehrer 
Herrn Stering gedicnteten Festehor, der in feierlicher Weise von der anwesenaen Lehrerschaft vor- 

getragen wurde. Herr Katechet Joh. Mandl feierte dann Herrn Direktor Arnfelser als 
Komponisten, dessen Ruf weit über Österreichs Gauen gedrungen sei. und überreichte 
ein dem Direktor gewidmetes, von ihm vertontes Lied „Frisch gesungen" von A. Cnamisso, welches 
Herr Schulleiter Fritz Karl in prächtiger Weise zu Genör brachte. 



Druck und Verlag von Friedlich Pustet in Regensburg, Gesandtenstrajsse. 

Nebst Anseifireblatt Nr. 3. 






1398. Regensburg, am 15. Februar 1898. ||» 4 



MUSICA SACRA. 

Gegrttndet vod Dr. Franz Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatscbrift för Hebnng nnd Förderong der katbol. Kircbenmnsik. 

Herausgegeben von Dr. Franz Xaver Haberl, Direktor der KirchenmusikBchule in Regensburg. 

Nene Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Hit 12 Mnsikbellagen. 



Die „Mtmea saera" wird am 1. and 15. Jeden Monats ausgegeben. Jede der 24 Nammem nrnfasst 12 Seiten Text, Die 12 Musik- 
beilagen (48 Seiten) werden in den Ntunniem 5 — 8 versendet werden. Der Abonnementpveis des Jahrgangs betrtgt 3 Mark; die 
BesteUnng kann bei jeder Postanstalt oder Bncbbandinng erfolgen. — Bei der Reiehspost mit 20 Pf. Aufschlag. Bei franko Zusendung 

unter Streifband in Deutschland und Österreich-Ungarn 4 Mk. — itis Ausland 4 Mk. 80 Pf. 

iBhftltsBbertleht: Neu und frfiher erschienene Kirchenkompositionen: Greg. Allegri, F. Amfelser, Th. Bartholo- 
mSas, J. Deschermeier, J. Diebold (.S), P. Griesbacher, Osw. Joes, Ren. de Mel, Lor. Perosi, J. Quadflieg, J. SchifTels (2), J. dingen- 
befger (3), Th. L. de Victoria, K. F. Weiuberger. — Im Lesezimmer: Die Zeitschriften Aber kath. Kircbenmnsik i. J. 1898. — 
Das Dekret der 8. R. C. vom 11. Dez. 18»7. — Kirchenmusikalische Aufffihrungen und Berichte auss ClUi, 
Dinkelsbühl, Freudenthal, Kelheim, Regen.sburg, Rochester, Diöx. Speyer.— Personalnotizen aus: Goch, Aachen, Libaii, Kilkenny. 



Neu und früher erschienene Kirchenkompositionen. 

Die erste Lamentation des Charsamstags von Gregor Allegri/) welche bis znm 
Jalae 1870 nach dem traditionellen Musikprogramm der sixtinischen Kapelle zu Rom 
gesungen wurde (vgj. Kirclienmus. Jahrb. 1897, S. 48) und in der Sammlung von 
Bock (6. Band) für den Berliner Kgl. Domchor bereits ediert worden ist, wurde von 
Max Filke transponiert und mit Vortragszeichen versehen. Der musikalische Wert 
ist ein grosser, die Bearbeitung durch den Herausgeber eine gute, verständige und dem 
Geiste der alten Meister verwandte; die Lamentation Ällegri's jedoch hält den Ver- 
gleich mit der von Palestrina^j für den gleichen Tag in keiner Weise aus in Bezug 
auf allgemeine Stimmung, Zartheit der Kantilene und reizende Klangwirkung. Auch 
darf nicht vergessen werden, dass die sagenhafte Wirkung dieser AUegri'schen Lamen- 
tation, sowie des bekannten 5 stimm. Miserere von Allegri, wie Referent in den Jahren 
1868 — 1870 sich 3 mal persönlich überzeugen konnte, nicht in der treuen Wiedergabe 
des geschriebenen Originales zu suchen ist, sondern in den fast jährlich, je nach dem 
Geschmack der führenden Sopranisten, wechselnden Zuthaten an Fiorituren, Doppel- 
schlägen, Trillern, überschlagenden Oktaven und dynamischen, allein der Überraschung 

') Lamentation, Lectio (nicht Sectio) I. Sabbati Saneti (nicht Sabato Sancto) für 4 st. (Jerusalem 56t.) 
gem. Chor von Gr. Allegri (1590—1653). L. Schwann in Düsseldorf. Part. 1 JÄ 50 ^tj, von 10 Exempl. 
ab ä 40 /3}. T. vollständig. Viel schlimmer als der deutsche Titel sieht der italienische auf dem Bück- 
blatte aus; derselbe enthält nicht weniger als 9 Fehler, die den auf ihre Sprache mit Recht eifcrstlchtigen 
Italienern einen wahren Abscheu gegen diese Edition von vornherein einflössen werden. Gewisse 
^Kleinigkeiten", wie man öfter zur Entschuldigung sagt, und deren Tadel man als Nörgelei zu bezeichnen 
beliebt, sollten eben auch bei Herausgabe von ernsten und klassischen Werken sorgfältig beachtet werden, 
da sonst tüchtige, und als Musiker kompetente Persönlichkeiten leicht sich der Lächerlichkeit preisgeben. 
Auch über die Quelle , aus welcher der Herausgeber geschöpft , vermisst man jegliche Angabe, ßaini 
handelt von dieser Lamentation Alle^'s, welche um 1H40 an Stelle einer palestrinensischen eingeführt 
wurde, im 2. Bd. seiner Memorie stortco critiche S. 200 und bedient sich gegenüber einer zweiten Lamen- 
tation, welche 1651 von Allegri selbst an Stelle der von Palestrina gesetzt werden wollte, des 
drastischen Vergleiches: „Die Arbeit AUegri's im Vergleiche mit der Palestrina's ifcmme ihm vor, als 
wenn Hebe bei der Bedienung an der Göttertafel den Mantel der Juno sich umgeworfen hätte." 

■) Sie st^ht im 4. Bd. von Proske's Miisica d'mna u. im 25. Bd. der Gesamtausgabe von !Palestrina's 
Werken, S. 24; ebendaselbst ist S. 70 der gleiche Text für 4 Oberstimmen und 2 mal ftir 5 stimm, gem. 
(.'hör (S. 180 und 19B) komponiert. 



-W 3» Ei- 
dienstbaren Effekten. Die Komposition AUegri's ist gut, aber nicht mehr im strengen 
Palestrinastil, sondern in schwächlicher Nachahmung desselben komponiert; die Zeit, in 
welcher sie entstand, hatte schon viel zu tief in den Becher dramatischer Gesangskunst 
hineingeschaut und konnte nicht mehr jene Klarheit und reine Schönheit gewinnen, 
welche der Glanzperiode des Vokalsatzes im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts eigen 
ist. Eine Aufführung in unserer Zeit nach den dynamischen Angaben Filke's wirrt 
jedoch immer eine dankbare und unschwere Aufgabe für einen Vokalchor bleiben, und 
sind solche für die herannahende Charwoche recht sehr zu empfehlen und zu wünschen. 

Als Op. 101 edierte F. Arnfelser^) eine seiner älteren umgearbeiteten Kompositionen, 
eine Messe für 3 gem. Stimmen mit oblig. Orgelbegleitung. Obwohl diese vortreffliche 
Messe der einfachen Besetzung wegen (S. A. und B.) in erster Linie für Landchöre 
passend ist, so wird doch auch ein grösserer Chor dieselbe gern singen und aufführen. 
Sie ist modulatorisch, besonders im CredOf ziemlich reicli — bei et vitam venturi tritt 
ein zweiter Sopran hinzu, beim Ägmis Dei IIL ein Tenor — , für rhythmische Ab- 
wechselung ist gut gesorgt, jede Stimme hat eine gewisse melodische Selbständigkeit 
und wird nicht über Gebühr angestrengt; nur dem Bass, der übrigens in den meisten 
Fällen mit Baritonen gemischt ist, wird ein Umfang vom tiefen F bis zum es ange- 
wiesen, meistenteils aber bewegt er sich in der Mittellage. 

Eine neue, wirkliche Kraft begrüsst Referent im Komponisten einer Messe ^) für 
4 stimm. Männerchor mit obligater Orgelbegleitung, dessen Name Th. Bartholomeus ist. 
Das Werk ist gross und feierlich angelegt, durchzogen von jener musikalischen Ader, 
die in allen Teilen sichtbar ist und überall lebhaft pulsiert. Eine gute mit feinen 
Registern versehene und reicher Abwechselung fällige Orgel bildet gleichsam die Instru- 
mentation zu dem im modernen, aber imitatorisch, melodisch und harmonisch gemässigten 
Stile gehaltenen Vokalsatze, in welchem der liturgische Text weihevoll, andächtig, 
mit rhetorischem Pathos deklamiert ist. Ein kräftiger Männerchor wird mit dieser 
guten Komposition durch kongeniale Auffassung der Intentionen des Komponisten 
Triumphe feiern, ohne sich rein konzertartiger Mittel bedienen zu müssen. Es ist Stil 
und Charakter in der Messe, und daher soll sie, nicht etwa weil sie modern, 
sondern weil sie einheitlich und mit begeisterter Wärme geschrieben ist, gut empfohlen 
werden. 

Sechs kirchliche Gesänge für 4 stimm. Männerchor komponierte J. Desehermeier ^) 
als Op. 16 Die Kompositionen sind rhythmisch gleichzeitig, leicht fasslich und von 
guter Wirkung. 

Drei würdige Kompositionen vom Kgl. Musikdirektor Job. Diebold^) verdienen gute 
Empfehlung. — Die Messe Op. 62 ist über die Motive des Gradualalleluja vom Char- 
samstag mit grossem Fleiss ausgearbeitet. Die Stimmen sind lebhaft geführt; da aber 
das genannte Choralthema ausserordentlich bekannt ist, und der Autor nicht müde wird, 
dasselbe in allen Stimmen und in verschiedenen Tonhöhen vorzuführen, so liegt die 
Gefahr der Übersättigung nahe. Meistenteils sind die vier Stimmen an der Aibeit, nur 

*) M. VI. ad II r vor. iiiaeqn. oomitanto ors:. Yx. Pustet in Roironsbnrfr; Part. 1 M. Stimmen a 15. 
T. jfenau, mit J. 

•) M. in hon. S. Scrvatii ad quatiior voees aeqii. Org.vno com., auct. Th. B. in Ecelenia S. Servatii 
Morac-Trajeeti Chori Reetor. Op 3.. L, Schwann in DüS5*eldorf. Part. 2 ^ 50 .5^, St. k 20 ^. T. jfenau. 
Meine ff eofifraphi sehen Hilfsmittel haben mich für das Wort Morae-Trajertum im Stirhe tjelassen, denn 
Maastricht, die Hauptstadt der holländischen Provinz Limburg mit dem merkwürdigen gotischen Dom 
St. ServatiuH, hcl-st ßfcwöhnlich Trajectum ad Mosam. Ist's aber nicht Maastricht, welcher Ort dann? 

') Sex Cantiones ecciesiasticae ad 4 voc. aequ. Part. 80 ^, St. ä 15 ^ ; Regensburg, bei Bossen- 
ecker (A. Stender): 2 Veni Oreator, 2 O salytai-is, 1 Fange lingvn mit Tantum ergo, und 1 Tantum ergo 
mit Qenitori. Vom Veni Creatw sind erste und letzte Strophe abgedruckt, ebenso von O salutaris die 
letzte. 

*) MiBsa Alleluja für 4 st. gem. Chor. Op. &2. Part. 1 .H 50 ^, St. ä 26 ^. Dem H. H. Stadt- 
pfarrer Dr. Hansjakob an St. Martin in Freiburg i. B. zum 60. Geburtstag gewidmet. — Opus 71. 
Jiequiem und Libera in cantu chorali Ton. I. und VI. Part. 1 Jk 50 ^. St. 25 ^. — Opus 72. Missa 
O sanctissima, leicht ausftihrbare Messe für 4st. gem. Chor. Part. 1 Jl 50 oj. St. a 25 c). Alle erschienen 
bei Feuchtinger & Qleichauf in Reö:cns])urtj:. T. genau, jedoch olmc Kt/rie am Schlüsse des Libera 
vou Opus 71. 



-*3 39 E^ 

einige Male tritt Ab>vechselung durch 2- und 3 stimm. Sätze ein. Von festlichem 
Charakter ist die Arbeit erfüllt, der Dirigent muss vor Überhastung gewarnt werden. — 
Für das Requiem Op. 71 hat Diebold eine neue Choralmelodie erfunden, die von der- 
jenigen in den offiziellen Büchern abweicht und als Abwechselung dienen soll, besonders 
in Kirchen, die mit Hunderten von jährlichen Trauergottesdiensten belastet sind. Man 
wird die Existenzberechtigung dieser neuen Melodie nicht nur anerkennen, sondern den 
Autor auch beglückwünschen müssen, dass er „dem unwürdigen Herabhaspeln des 
«Einzigen »^^ auf diese Weise Einhalt zu thun bemtiht war. Die Choralmelodie ist höchst 
einfach gehalten und bedient sich nur im Graduale mit Tractus, im Sanctus und Bene- 
dicttis des VI., in allen übrigen Teilen des I. Modus. Auch wurden einzelne Texte mit 
einem einzigen Rezitationston bedacht. Die Orgelbegleitung ist leicht und gut, die an- 
spruchslose Gabe werden Hunderte von Chören mit Dank begrüssen, und es kann nicht 
Wunder nehmen, wenn noch viele ähnliche Versuche in nächster Zeit gemacht werden. — 
Über das Thema der Messe Op. 72 hat Diebold bereits vor 18 Jahren eine Messe 
(Op. 17, bei Fr. Pustet, C.-V.-K. B12) komponiert. Er versuchte dieses Mal dem all- 
bekannten, etwas weicUichen Motive neue Seiten abzugewinnen. Mehr Prägnanz durch 
Einschaltung eines oder mehrerer Gegenthemate würde auch mehr Kraft und Ausdruck 
geschaffen haben. Was Witt seinerzeit am gleichnamigen Opus 17 getadelt hat, ist in 
Opus 72 glücklich vermieden. Die Messe kann und wird gefallen. 

Von Peter Qrlesbaeher ^) liegt eine zweistimmige Messe mit dem Titel „Tut mni 
coeli" für die vereinigten Ober- und Unterstimmen mit Orgelbegl. als Op. 25 vor, die 
wegen ihres grossen Wohllautes, ihrer beispiellosen Einfachheit und der natürlichen, 
ungekünstelten Textdeklamation auch von den schwächsten Chören mühelos aufgeführt 
werden kann. Im Credo sind einige Mal die Choralmelodien von Nr. ni. des Ordinarium 
Missae eingeschaltet. Die Orgelbegleitung ist ebenfalls kinderleicht. Solange die oft 
höchst armseligen Gesangskräfte unserer Kirchenchöre nicht durch Fleiss, Wunder oder 
Zufall tüchtiger werden, müssen wir für jede gute Gabe, die den Kranken und Schwachen 
geboten wird, aber auch die Gesunden und Kräftigen nähren kann, dankbar sein; zu 
diesen guten Gaben gehört sicher das genannte Opus 25. 

Unter Berufung auf die Indulgenz des römischen Stuhles vom 29. Dez. 1884 
(siehe Mus. sacra 1890, S. 84) bearbeitete Oswald Joos^) die Votivvesper zu Ehren 
der Mutter Gottes für 4 stimm, gem. Chor. Die Melodien der Antiphonen sind nach 
dem römischen Vesperale abgedruckt und mit Orgelbegleitung versehen. Eeferent be- 
anstandet die willkürliche Veränderung der offiziellen Schreibweise durch Einschaltung 

von Achtelnoten, z. B. -f-J—^-J--^ und ähnlich regelmässig, da auf diese Weise 

' m ac-cn-bi-tu 

jener hüpfende Choralvortrag entsteht und gefördert wird, gegen den in Theorie 
und Praxis nicht genug angekämpft werden kann. Das Umschreiben der Choral- 
noten in die modernen Noten ist besonders bei Orgelbegleitung nicht grundsätzlich zu 
verwerfen, wenn man die ^ durch o, die g durch J und die # durch J oder ^ J /^ 
wiedergibt unter genauer Beachtung der offiziellen Schreibweise; eine Vermischung 
der beiden Schreibweisen führt zu jenen rhythmischen Ungehörigkeiten, die auch im 
modernen kirchlichen Vokalsatze nicht zu loben sind, wenn der s eine J folgt, oder 
umgekehrt. Die Frage ist priuzipiell, leider jedoch nicht genug beachtet. Die ungeraden 
Verse der Psalmen und das Magnificat sind im Choralton mit Textunterlage nach Mohr 
gegeben. Für die geraden Verse hat Joos einfache Falsibordoni von je 2 Takten in 
Mediatio und Finalis komponiert; für die 1., 3., 5., 7. Strophe des Hymnus Ave maris 
Stella ist die bekannte Komposition von Kaspar Ett gewählt, die. übrigen Strophen, 
deren Text beigegeben ist, sollen rezitiert werden. Eine kurze Überleitung zu den 
einzelnen Antiphonen wäre, besonders zwischen dem ersten und zweiten, zweiten und 

*) M. „Tm* 8unt coeW äst. f. d. verein. Ober- und Unterst m. 0. Part 1 ^ 60 ^, St ä 30 .^; 
bei BösBenccker (Ad. Stender) in Regensburgf. T. genau, ni. J. 

*) Vespere votivae de B. Af. Virgine per annum. Op. 19. Part. 1 ^ 60 ^, St. ä 35 /^. Regens* 
biirg, J. G. Bösscnccker (A. Stender). T. genau , m. J. Die ständige Rubrik Tempore pnftchalia (statt 
paaeholi) kann nicht mehr nU Druckfehler angesehen werden. 



-ö 40 e^ 

dritten, vierten und fünften Psalm, für scliwaclie Organisten nützlich gewesen. Diese 
leichte Votivvesper von der Muttergottes kann auch von schwächeren Chören w^ürdig 
ausgeführt werden. 

Eine dankenswerte Bearbeitung der 5 stimmigen lauretanisclien Litanei von RenatüH 
de Mel (JRinaldo del Melle) '), welche f Jos. Schrems im Ann. 11. der Mus. div. Tom. IV, 
Fase. 1. 1869 aus dem Litaneiensammelwerk von Victorinus veröffentlicht hat,"* edierte 
Hermann Müller, Repetent am Collegium Leoninum zu Paderborn in passender Trans- 



position (3 |(, 4 fc und ^ Schlüssel) und mit Ergänzung der neuen Versikel vor dem 



Agnus Dei. Die herrliche^ leichte und bei einiger massen sorgfältigem Vortrag wirksame 
Litanei ist schon oft bei festlichen Gelegenheiten gern gesungen und gehört worden, 
sie wird im neuen Gewände (der 2. Tenor kann durch Bariton ersetzt werden) noch 
viel mehr Freunde gewinnen. Mehrere Verse sind, teils zur Abwechslung, teils um 
dem mehrstimmigen Chore Buhe zu gönnen, mit Choralmelodie versehen. Die Ausgabe 
ist sorgfältig redigiert und aufs Beste zu empfehlen. 

Unter dem Sammeltitel „Melodie sacre*^^) hat der H. H. Kapellmeister von S. Marco 
in Venedig, Lor. PerosK 20 ein-, zwei- und mehrstimmige Kompositionen ediert. Über 
die ersten 3 Nummern wurde bereits in Mus, s, 1897, S. B9 referiert. Die übrigen 
17 Stücke bestehen aus liturgischen Psalmen, Antiphonen und Hymnen.*) Der melodie- 
reiche Komponist kommt durch diese Sammlung den vaterländischen Kirchenchören in 
beachtenswerter Weise entgegen. Die Textdeklamation ist sehr ausdrucksvoll und ge- 
wählt, die Begleitung originell, ja oft ungewöhnlich und überraschend. Bei den Hymnen 
wäre Beifügung der übrigen Strophen ausser der ersten notwendig gewesen. Von der 
interessanten Sammlung, die übrigens lithographisch ziemlich unsauber ausgefallen ist 
und durch mehrere Flüchtigkeiten im Texte verunstaltet wird, kann jede der 20 Nummern 
auch einzeln bezogen werden. Der Komponist setzt seine Sammlung fort und kündigt 
für das laufende Jahr „Tantum ergo, Litaneien und durchkomponierte Psalmen" an. 

Einer Anregung, die dem Komponisten aus Padua bei Gelegenheit der 1895 statt- 
gehabten Centenarfeierlichkeiten für Komposition des Responsoriums Si quaeris miracula 
geworden war, verdankt eine prächtige Festmesse zu Ehren des hl. Antonius für 5 gem. 
Stimmen mit Orgel von Jak. Quadflieg^) ihre Entstehung. Was Referent über op. 12a 
a. a. 0. rühmend hervorgehoben hat, trifft bei dieser Bearbeitung für 5 gem. Stimmen 
(C, A., T., Bar., B.) in erhöhtem Masse zu : Mannigfaltige, stets melodisclie und natür- 
liche Stimmenführung, in Verbindung mit der selbständigen, sehr fliessend und korrekt 
geschriebenen Orgelbegleitung, sorgföltige, nach den besten Regeln durchgeführte Text- 
deklamation und eine Fülle von echten Kunstmitteln gebieten, diesem op. 12 b eine der 
ersten Rangstufen unter den neueren Kirchenkompositionen anzuweisen. Chore mit 
guten Stimmitteln — möchten doch auch Hofkapellen diese Komposition vortragen, um eine 
bessere Meinung von cäcilianischer Musik zu gewinnen ! — können diese durchaus leichte 
Festmesse mit siegreichem Erfolge auf ihr Programm setzen; sie werden dieselbe stets 
als eine Glanznummer immer mehr schätzen lernen. 

^) Reuati de 3Icl (Rinaldo del Mele [?j) Litaniae Lauret. V voc. concin. quas nostronnn rantorum 
rousuetudini liturgicinque rej^ub'H accmuodatas edidit H. Müller. Part. 2 .U 2o ^, Stinimcu iy '25 ^,. 
Paderborn, Jimferinanu (A. Papc). T. srenau, ui. J. und Imprimatur dos Ordinariates. Der Prci^ 
ist ungewöhnlich hoch. 

=*) Anno prirno. Selbstverlag des Verfassern. In Italien 4 Lire, in Deutschland 4 Lire 40 cent. 

•) Nr. 4. 5 Magnificaty 2 st. Falsihordoni m. 0. Nr. 5. Laudate pueri, 2 st. m. ü. Nr. <>. Domine 
8(dvum me fac, A. und T. m. 0. Nr. 7. Sace»'do8 et Fontifex, A. und Bar. m. 0. Nr. 8. Magnifimf. 

4 Mst. Nr. 9, *2 Lauret. Litaneien für A.. T., B. ui. 0., aber nur einige Verse als Einschaltuufir des 
Volkpgesanges. Nr. 10. Ave maris Stella, T. und B. m. 0. Nr. 11. Jem Corona virginum, A., T., B. m. O. 
Nr, 12. sacrum convivium, 4 Mst. Nr. 13. Hymnus Decora lux, S. , T. m. 0. Nr. 14 — 18 die 

5 Psalmen der Muttergottesvesper für 3Iezz. und Bar. m. 0., deren ungerade Verse, wie es die Italiener 
lieben, durchkomponiert sind. Nr. 19. Hymnus Ave mafis Stella und Nr. 20. Magnificat in gleicher 
Besetzung. 

*) Op. 12b M. in hon. S. Antonii de Padua super I^. Si quaeris miracula (Op. 11). Part. 2 Ji 50 4, 
SU Ä 40 .i/jj Paderborn. Junfermann (Albert Pape). T. genau. ~ U!)er op. 11 und op. 12a (Messe für 
3 Männerst. m. O.) siehe Mns. p, 1890, S. 277 und Aum. 4 dortsolbsr.. 



-*3 41 g>- 

Die Gradualien für alle Sonn- und Festtage des kath. Kirchenjahres*) zum (teil- 
weisen) Bezitieren eingerichtet von Jos. Sehiffels sind die Arbeit mehrerer Jahre von 
Seite des eifrigen Lehrer -Chorregenten (die 1.— 3. Lieferung wurde schon in Mus. sac. 
1895 S. 138 besprochen), denn 87 Nummern, jede mit dem betreffenden Graduale und 
Allelujavers, wenn auch im einfachsten Stile gehalten und durch ausserordentlich viele 
falsobordonartige Sätze noch mehr erleichtert, schafft man nicht in kurzer Zeit; dass 
ein einziger Komponist diese Arbeit auf sich genommen hat, ist für den musikalischen 
Wert bedenklich, nach Seite der Arbeitslust heroisch. Der Verfasser hat in einem 
Vorwort, welchem 2 Inhaltsverzeichnisse A der 6 Lieferungen, B der Gradualtexte in 
alphabetischer Ordnung beigegeben sind, sein Vorgehen gut motiviert.*) Wenn aber 
unsere Kirchenchöre jahraus jahrein nur zu diesem Auskunftsmittel, den kirchlichen 
Vorschriften zu genügen, greifen und nicht auch Choral singen oder bessere und durch- 
geführtere Gradualien, wie sie in der nunmehr vollendeten Gradualiensammlung von 
Witt sich vorfinden, aufführen, dann fallen sie der Stagnation anheira und gewöhnen 
sich an die höchst zweifelhafte Gewandtheit, der Pflicht äusserlich zu genügen, ohne 
innerlich bewegt zu sein oder anzuregen. Besohderes Missfallen erregen dem Referenten 
die Tractusrezitationen vom ersten Fastensonntag bis zum Palmsonntag inclusive; das 
ist absolute Monotonie, ein Wandern in musikalischer Wüste. Die Ausstattung dei* 
Sammlung und die Korrektur der vielen und langen Texte ist tadellos. Dem Referenten 
liegt nur Ausgabe A vor; die Ausgabe B für Männerchor ist oline Zweifel nur durch 
verschiedene Transposition der Ausgabe A zu stände gebracht. 

Der nämliche Autor komponierte ein vollständiges Requiem'*) mit Libera für 

4stimm. gem. Chor als op. 16. Die ei-sten beiden Kyrie sind nach der Choralmelodie 
eingeschaltet, das Graduale ist in kurzer Kadenz rezitiert, ebenso der 2. Vers des 
Tractus und die 6. — 7. Strophe des Dies irae. Für die übrigen Strophen der Sequenz 
sind 4 verschiedene, ganz einfache, 4 stimmige Sätze komponiert, auch im Offertorium 
wird der Vers Hostias grösstenteils rezitiert; im Libera wurden die Verse TVemens, 
Dies illa und Requiem im Modus Simplex der Choralmelodie abgedruckt. Das leichte 
Requiem verdient gute Empfehlung. 

Eine sehr leichte Messe zu Ehren des hl. Geistes für 2^ Kinderstimmen, auch für 
3 oder 4 gem. Stimmen ausführbar und mit leichtester Orgelbegleitung versehen, kom- 
l)onierte Job. Singenberger.^) Der verdiente Meister hat es in vorzüglicher Weise ver- 
standen, für Kinder kindlich zu schreiben, ohne kindisch zu werden; er hat sich des 
einfachen Geheimnisses bedient, den liturgischen Text ungezwungen zu deklamieren und 

Op. 10 AuflSfabc A fllr 4 peni. St. oder 1 stimm, m. O. , Ausg. B fttr 4 MttnnerBt. Jedo der 6 
Liefeniugen Part. 1 .H> 50 /^, St. A 25 ^. Feuchtinffcr und Gleichaiif in Ke^eoHburf^. 1. Lief. Weih- 
nachtHkreis. 2. Lief. Fastenzeit und Osterkreis. 3. u. 4. Lief. Pfin^fstkreis (1 — 10. und 11.— 23. Sonntag). 
.5- Lief. 12 Heiligen feste. 6. Lief, das Commune Sanctorum. 

'*) „Von den wechselnden Messf^esängen wird namentlich das Graduale noch vielfach zur ßoUc 
eines Aschenbrödels verurteilt. Man kennt die melodiereichen Weisen desselben nicht und gönnt ihnen 
im Rahmen eines zu singenden Hochamtes keinen Platz. Wenn's hoch kommt, leistet man durch ein 
eingelegtes Lied, das oft zur Liturgie des Tages in grellstem Gegensatze steht, vermeintlichen Ersatz 
für das ohne Hecht und Grund ausgelassene Graduale. An Stelle des Liedes tritt nicht selten auch ein 
beliebtes Repertoirstück des Organisten. Derartige Missbräuche sollten nicht weiter kultiviert werden. 
Das Graduale darf nicht ausgelassen, wohl aber rezitiert werden. Möchten die Kirchenchörc von 
dieser Vergünstigung nur ausgiebig Gebrauch machen, denn es ist ihnen so die Möglichkeit geboten, ohne 
besonders grosse Vorübungen den kirchlichen Vorschriften Genüge zu leisten und gleichzeitig dem Ein- 
wände, das choraliter gesungene Gradunle verursache zu viel Arbeit und verlängere den Gottesdienst, 
wirksam zu begegnen. Da an geeignetem Material keineswegs Überfluss ist, habe ich es unternommen, 
die Gradualien zum (teilweisen) Rezitieren einzurichten, um den Kirchenchören einen bescheidenen Dienst 
zu leisten. Damit dieselben nicht allzuviel Zeit und Mühe auf die Einübung der Gradualien verwenden 
müssen, ist auf eine möglichst einfache Bearbeitung Bedacht genommen wollen. Den Anfang lasse man 
durch den ganzen Chor (ein- oder mehrstimmig), die V V stets von Einzelnen (ein- oder mehrstimmig), die 
Alleliga immer durch den ganzen Chor singen. Auch kann jede Nummer einstimmig mit Orgelbegleitung, 
wobei die Partitur als Vorlage zu benutzen, vorgetragen werden. Ein leichter und wirkungsvoller 
Wechsel Ist also leicht zu ermöglichen." 

*) Missa pro Defunotis. Part. 1 J^ 50 /^, St. & 25 ^. Feuchtinger und Gleichauf in Regensburg. 
T. genau. 

*) M. in hon. S. Spiritus. Regensburg, bei Fr. Pustet. Part. 1 .W, St. h \2 ^. T. genau, m. J. 



-e 4» E>- 

dabei nicht in rnnsikalische Leiern zu verfallen. Auch ein Musterchor kann durch 
würdige Ausführung dieser Komposition sich Lob verdienen. 

Vom gleichen Komponisten sind 8 leichte Segensgesänge ^) mit dem Psalm 

Latidate Dominum in VI. und VIIL Ton für S. und A. mit Orgel. Nehmet und singet 
sie, ihr Knaben und Mädchen, Jungfrauen und Nonnen; sie sind lieblich und einfach. 

Die Gallusmesse*) von J. Singenberger für S. und A. (B. ad. lib.) mit Orgel 

liegt in 4. Auflage vor. Die 1. Auflage wurde bereits unter Nr. 513 dem C.-V.-K. ein- 
verleibt. Die Messe ist praktisch und unschwer zu singen. 

Das Officium hebdomadae sanctae des spanischen Priesters Tomas Lnis de Vietoria, 
welches im kirchenmus. Jahrbuch seit 1896 als Musikbeilage in moderner Partitur zum 
praktischen Gebrauche für den Palmsonntag, Gründonnerstag, Charfreitag und Char- 
samstag erschienen ist, liegt nun auch als stattlicher Band von 160 Seiten in Einzel- 
abdruck*) vor und bildet das 4. bis 7. Heft vom Bepertorium Musicae sacrae. Den 
Inhalt dieses Werkes, das seit 1585 zum erstenmale vollständig in Partitur veröffentlicht 
ist, bilden: Die Lamentationen der ersten Nokturn und die 6 ßesponsorien der zweiten 
und dritten Nokturnen der 3 letzten Charwochentage, die Chorantworten zur Passion 
des Palmsonntags und Charfreitags, das Canticum Benedictus und den Ps. Miserere mit 
den Improperien (Popide mens), die aus der betreffenden Tagesliturgie genommen sind; 
ein 6 stimm. Domine Jesu Christe und ein 4 stimm. Vere languores nostros können 
als Einlagen in der Fastenzeit benätzt werden. Die meisten der 36 Nummern sind 
4 stimmig (gem. Chor), bei mehreren Responsorien konnte 4 stimm. Männerchor, teils 
zur Abwec^lung teils zur Erhöhung der musikalischen Wirkung, gewählt werden. 
Unter den Lamentationen sind die dritte des Gründonnerstags und Charfreitags für 5, 
die dritte des Charsamstags ist für 6 gem. Stimmen; bei letzterer kann statt eines 
5 stimm. Jerusalem auch ein 8 stimmiges gesungen werden. Da gerade in der Char- 
woche auch solche Kirchenchöre, welche gewöhnlich nicht reine Vokalmusik pflegen, 
ernste und klassische Werke wählen, so glaubt die Redaktion hoffen zu dürfen, dass 
neben den einschlägigen Tonsätzen in Dr. Proske's Musica divina auch die dem 
Palestrinastile*) nicht unebenbürtigen Charwochengesänge Victoria's bei der heiligen 
Liturgie der Trauerwoche vielleicht schon in diesem Jahre erklingen werden. 

Eine sehr wirkungsvolle Vertonung der ungeraden Verse vom Psalm 50 „Msererc",*) 
der in der Fastenzeit bei Nachmittagsandachten, oder an den 3 letzten Charwochentagen 
nach den Landes gebraucht werden kann, ist als op. 40 von Karl Frledr. Weinberger, 
Domkapellmeister in Würzburg für 4 stimm, gem. Chor komponiert und dem bisherigen 
H. H. Bischof von Würzburg, Dr. Franz Joseph von Stein, jüngst zum Erzbischof von 



*) Cantus sacri. Fr. Pustet in Regensburg. Part. 80 ^, St. A, 12 ^ , ra. J. — Die Texte sind: 
sahdaris (2), Tantum ergo (8), esca viatorum, Panis angdicus und Ps. 116. 

') M. in hon. „S. Galli" ad II vcl III vor. com. org. vel harmonio. Part. 1 Ji 40 ^, St. 40 ^. 
Fr. Pustet in Regensburg. T. genau, m. J. 

') Officium hebdomadae sanctae continens varias cantiones sacras ex liturgia nacra Dominicae 
Palmarum, Feriae Y. in Coena Domini, Feriae VT. in Parasceve et Sabbati sancti, 4, 6, 6 et 8 voc. 
aequalium et inaequalium, quarum auctor Thomas Ludovicus de Victoria AbulenBin. Begensbur^', 
Friedr. Pustet. T. genau, m. J. Part. 3 Jl 20 -di. Die Stimmen zu den ersten 4 Nummern (Fueri 
He^aeorum, Chorantworten zur Passion nach Matthacus , 6 stimm. Motett Dotnine Jes^i Qiriate und 
1. Lament. des Gründonnerstages 4 stimm.) sind bereits hergestellt. Preis für die 1., 3. u. 4. Stimme 
^30 /^, 2. Stimme 40 ^. Die Stimmen von Nr. 5 bis zum Schluss können noch bis zur Charwochc 
geliefert werden, wenn ois längstens 15. März 100 Exemplare der Stimmenhefte beim Verleger 
durch Postkarte oder Buchhandlung fest bestellt werden. 

^) Wenn auch Baini auf diesen Spanier nicht immer gut zu sprechen ist und sich in seinem 
grossen Werke über Palestrina sogar zu dem gehässigen Vorwurfe hinreissen lässt: „Es üiesse Mauren- 
blut in Victoria's Adern'' — ja, wenn ein gewisser Bonini in einem Manuskripte der Bibliotcca Riccardiana 
zu Florenz im 17. Jahrhundert erzählt, man habe Victoria seinerzeit den „Affen" von Palestrina genannt, 
so woUen wir uns nach 300 Jahren nicht von nationalem Chauvinismus zu ungerechten Urteilen ver- 
leiten lassen, sondern der Wahrheit gemäss feststellen, dass Victoria der erste und einzige war, der in 
jener Zeit die relativ vollständigste Sammlung mehrstimmiger Tonsät^e für die Haupttage der Char- 
woche als treuer und kindlicher Schüler Palestrina's geschaffen hat. 

*) Ps. 50 Miserere. Feuchtinger & Gleichauf in Regcnsburg. Part, l Jl 50 /^, St. a 25 ^. T. genau. 



-tt 43 ö- 

Mimchen-Freising ernannt, gewidmet. Die geraden Verse können choraliter im VI. Ton 
gesungen oder auf dem Tone g von Männerstimmen ernst und feierlich rezitiert werden. 
Die 10 in gutem Stile durchgeführten nnd unter sich verschiedenen 4 stimmigen Vokal- 
sätze sind nicht schwer und klingen ganz vortrefflich ; die Textdeklamation ist ein- 
dringlich und andächtig. F. X. H. 

Im Lesesimmer. 
Die Zeitschriften Über Icatliolisclie Kirchenmusik im Jahre 1898. 

Da im kirchenmosikalischen Jahrbuch 1896 wegen Raummangel die kirchenmusikalische 
Jahreschronik nicht Platz findeü konnte, so zählt die Ked. an dieser Stelle sämtliche periodisch 
erscheinende Zeitschriften in chronolog:ischer Reihenfolge ihres Entstehens auf, welche 
im laufenden Jahre über kirchenmusikahsche Materien handeln, unter Angabe des Redakteurs, Ver- 
legers und Preises. Aus dem Verzeichnisse allein darf der Schluss gezogen werden, dass die 
katholische Kirchenmusik allenthalben lebhaftes Interesse findet. Die meisten der aufj^ezählten 
Publikationen arbeiten einheitlich nach den Grundsätzen des Gäcilienvereins. 

33. Jahrgang der «.Fliegenden Blätter für kathol. Kirchenmusik'S offizielles Organ des 
Gäcilienvereins, monatlich Imal, 12 Musikbeilagen k 4 Seiten und Vereinskatalog (Ende 1897 bis 
Nr. 2120 angewachsen). Red. Greneralpräses, Monsignore Fried r. Schmidt in Münster. Vorlag 
von Fr. Pustet in Regensburg. 2 M. 

31. Jahrg. „Musica sacra^S monatlich 2 mal, k 12 Seiten Text, jährlich 48 Seiten Musik- 
beilagen. Red. F. X. Haberl. Verl. von Fr. Pustet in Regensburg. 3 M. 

28. Jahrg. „Der Kirchenchor'\ monatl. Imal, Red. Fr. Jos. Battloffg in Frastanz. 
80 kr., in Deutschland 1 .If 50 «^. Mit freiwilliger Musikbeilage redigiert von w. Widmann in 
Eichstätt, aUein 60 kr. = 1 Jfe 20 ^. Selbstverlag in Frastanz. 

25. Jahr^. „Cäcilia", monatl. Imal, Red. und Verleger J. Singenb erger, in S.Francis P.O., 
Mil waukee, Wisconsin. Mit Mnsikbeilage / 2, in Europa / 2,25. 

23. Jahr^. „Kirchenmosikalisches Jahrbuch^', 1 mal im Jahre, mit Musikbeilage (23. Jahr- 

fang des Cäcilienkalenders, 13. Jahrgang des Jahrbuches). Red. F. X. Haberl, Verlag von 
r. Pustet in Regensburg. 2 JÄ 60 vv 

23. Jahrg. „Der Chorwächter", monatl. 1 mal, Red. J. G. E. Stehle in St. Gallen. Verlag 
von J. Glaus in Gossau, Kanton St. Gallen. 1 Fr. 50 cts., für Deutschland Feuchtinger & Gleichaiif 
in Regensburg 1 .H 25 ^. 

23. Jahrg. „8t. Grefforinsblad", 1 mal monatl., Red. M. J. A. Laus in Warmond, Verleger 
St. Jacobs-Godshuis in Haarlem. 1 fl. 50 kr. = 3 Fr. 30 cts. 

23. Jahrg. „GrefiTorinsblatt", Imal monatl. mit „Gregoriusbote** (s. unter 15. Jahrg.), 
Red. Heinricn Böckeier in Aachen, Verl. L. Schwann in Düsseldorf. 2 M. 

22. Jahrg. „Muaica sacra", Imal monatl., mit Musikbeilagen. Red. Nasoni und Borroni, 
Verl. Mailand, via Lanzone Nr. 2. 10 Lire, im Ausland 12 Lire. 

21. Jahrg. „Cerkyeni gla8benlk*\ (Der kirchliche Musiker.) Organ des Laibacher Gädlien- 
Vereins. Verantw. Red. Johann Gnjezua, für Mnsikbeil. Ant. Förster. Druck von Milic 
in Laibach 1 fl. 50 kr. 

20. Jahrg. „Musica Sacra'*, monatl. 1 mal, Red. P. F. R. Comire, S. J. (früher AI. Kunc), 
Verlag von Loubens et Trinchant m Toulouse, rue d'Aubuisson 27. Preis 6 Frs., im Ausland 8 Frs. 

Die „Cäcilia** von J. Gürtler in Boncourt (Schweiz) hat mit Dezember 1897 [19. Jahrg.] zu 
erscheinen aufj^ehört. 

18. Jahrg. „Muzyka Koscielna'* (Die Kirchenmusik), monatl. 1 mal, mit Musikbeilage, 
Red. Dr. Jos. SurzyiisKi in Kosten, Verl. von Teodor Bobowski in Kosten (Prov. Posen). 3 Ji 20 rdi. 

17. Jahr. ,JHiisica sacra'S von Aug. 1897—1896 monatl. Imal. mit Musikbeil., Red. Sosson 
in Namur, Verl. Pölman in Gand; in Belgien 5 Frs., Deutschland 6 Frs. 

15. Jahrg. „6regoriasbote*\ 1 mal monatl. (Gratisbeilage zum „Gregoriusblatt"), Red. 
'W. Schönen in Lennep, Verl. L. Schwann in Düsseldorf. Einzeln nur bei Entnahme von 
5 Exemplaren ä 60 .^. 

15. Jahrg. „Cäcilia*\ monatl. Imal, mit MusikbeiL, Red. abb6 Lutz, Verl. Le Roux & Co. 
in Strassburg i . E. 2 Ji 40 ^. 

13. Jahrg. „Kirchenmas. VierteUahrschrift", 4 mal lährlich , Red. Balthasar Feuer- 
Singer, Verl. von Mittermüller in Salzburg. 1 fl., in Deutschland 2 J(, 60 ^. 

11. Jahrg. „Der katholische KirclienBänger*\ monatl. Imal, Red. Jos. Schulz in Ober- 
weier, Verl. Herder in Freiburg i. B. 2 Jl 40 .^. 

10. Jahrg. „Courrier de St. Gr^(|rolre^\ monatl. Imal, mit Musikbeil., Red. A. Dirven in 
Kesselt (Lanaeken), Verl. P. Basqu6 in Li^ge (Lüttich). 8 Frs. 60 cts. 

Im 9. Jahrg. steht seit Oktober 1897 die in Solesmes, Imprimerie St. Pierre redmerte 
Palöographie umsicale. In Dentschland durch Breitkopf & Härtel in Leipzig (4 Hefte ^ 2d Frc.) 
zu beziehen. 



-ö 44 fc3J- 

6. Jahrg. „Cäcilia", Imal monktl., mit Musikbeil., verantw. Ked. F. Rotter, Verlag 
Franz Görlich in Breslau. 1 .Ä 25 ^. 

Den 6. Jahrg. begann im August 1897 die „Revue du chant gr^gorieni". monatl. 1 mal. 
verantw. Red. P. Paret, Verl. rue raul Bert in Grenoble. 3 Frs. 50 cts., im Ausland 5 Frs. 

5. Jahrg. „KatholikuH Egyhäzy Zeneközlöny^' (kathol. Kii'chenmusikzeitung), monatl. Imal, 
Red. Jos. Kutschera in Budapest. 1 fl. 60 kr. 

4. Jahrg. „Revue de Musique relifirieuse et de chant gr^gorien", monatl. Imal, ver- 
antw. Red. und Verl. J. Mingardon in Marseille. In Frankreich 3 Frs. 

3. Jahrg. „BoUettino ceciliano^', monatl. 2mal, Red. Richard Feiini, Verl. Monanni 
in Trient. 1 fl. 

8. Jahrg. „Spiew koscielny", (Der Kirchengesang.) monatl. 2 mal, mit Musikbeil., Red. 
Dr. Teofil Kowalski, Verl. von K. Miecznikowski, beide in Plock (Russisch - Polen). 3 Rubel: 
in Deutschland 4 Rubel. 

3. Jahrg. „La Mn»ica Religriosa en Espaiia'S monatl. Imal, Rt'd. Philipp Pedrell, 
Verlag im „Palacio Episcopal" zu Madrid. Im Ausland 8 Frs. 

2. Jahrg. „St. Greiroriusbode'S' Imal monatL in flämischer »Sprache, Red. abb6 A. Dirveu 
in Kesselt (Lanaeken), Verl. P. Basque, nie Bois-rEveque in Liege (Lüttich). 3 Frs., im Aus- 
land 3 Frs. 60 cts. 

Ausser diesen periodischen Zeitschriften erscheinen in zwanglosen Nummern a) „Literarischer 
Haudweiser für Freunde kath. Kirchenmusik", red. von Jos. Auer, jährlich 3-4mal, 
Verl. von H. Pawelek in Regensburg. Preis 20 ^. b) „Der Organist", Red. J. Rodenkirehon, 
\'erl. Greven & Bechtold in Köln. Nr. ä 30 ^. F. X. II. 



Das Dekret der hl. Riten-Kongregation vom 11. Dezember 1897 

liegt im Wortlaute in sehr fibersichtlicher Weise gedruckt vor; auf der linken Halb- 
spalte befindet sich der frühere, auf der rechten der neue Text, die Zuthaten oder 
Änderungen des letzteren sind durch Fettdruck ausgezeichnet.^) Diese „Zusätze und 
Veränderungen in den allgemeinen und besonderen Rubriken des römischen Breviers 
und Missale" berühren den Gesangstext der liturgischen Bücher in so geringem Um- 
fange, dass ein paar Zeilen hinreichen, um zu verkünden, 1) dass im Oflfertorium des 
2. Adventsonntages und des Quatemberfreitags der Adventzeit Deus te canversu^ 
(statt convertens) zu sprechen und zu singen ist, 2) dass am 8. September in der 
Commemoration statt Ädriani: Sadriani, 3) in der Postcommunio des Commune 
Doctorum bei einem Kirchenlehrer, der zugleich Bischof war, vom Priester zu singen 

ist: ut nobis ; beattis K Pontifex tuus et . , , .^ qtuiesufmiSf precator . . . ., 

bei einem Kirchenlehrer, der nicht Bischof war, nach dem Doppelpunkt beattis K Con- 
fessor tuus et Doctor egregiu^, qtiaesn/inttSf . . . ., und dass 4) unter den Festen, 
die für einzelne Orte im Anhange des Graduale bezw. Missale stehen, in der Post- 
communio vom heil. Isidor (Agricola 15. Mai) nach dem et praesta: vom Priester zu 
singen ist: ut tmjtis exsequlmtir ctUtunii, intercedeute Sattcto Isidöro Con- 
fessore tim, sentiamu^ effedum. 

Für unsere Kirchenchöre und Komponisten ist also nur die kleine Änderung unter 
1 \cxmversu8\ zu beachten, für die Besitzer des Compendium Gradual. et Miss. Romani 
gelten auch die Punkte 2—4. 

Im Brevier, bezw. Antiphonarium, Vesperale u. s. w. ist ausser dem Beisatze am 
Feste des heil. Paschalis Baylon in der 6. Lektion der 2. Noktum (17. Mai), der den 
lürchenchor nicht berührt, nur zu beachten, dass im Hymnus der Matutin vom Feste 
der Matemitas B, M. F. (11. Sonntag im Oktober unter den Festen pro aliquibus locis) 
in der 3. Verszeile von Coelo redemptar zu sprechen oder zu singen ist: „Ubi futura 
victima^^ statt „C76i caduca membra*'. 

Im eigentlichen Vesperale also ändert sich in Bezug auf den Text nicht ein 
einziges Wort, denn die neue Vorschrift für den 18. Mai, Fest des heil. Märtyrers 
Venantius, betreffend die Zusammensetzung der 4 eigenen Hymnen, wenn die erste oder 
zweite Vesper ausfällt, wird in jedem Diözesankirchenkalender ohnehin eigens angegeben. 

*) Additiones et VariationeH in BubriciR generalibus et äpccialibus Breviarii et Mißsalis Bomani 
induoendae ex decreto diei XI. Dt'cembrip 1897. Regonsbur^, Pustet. 1898. 50 Seiten in 8®. 40 ^. 



-53 45 &-- 

Alle übrigen Zusätze und Veränderungen in den General- und Spezialrubriken 
des Breviere und Missale haben eigentlich nur für einen einzigen Priester jeder 
Diözese, für denjenigen nämlich, der im Auftrage des Bischofs jährlich den Diözesan- 
kirchenkalender herzustellen hat, Wichtigkeit und besondere Bedeutung. Nach 
diesem Kirchenkalender richtet sich ja jeder Priester, Kleriker, Chorregent, Organist, 
Sänger u. s. w. 

Es ist demnach schwer zu begreifen, wie zuerst politische Blätter, dann .auch 
einige theologische und kirchliche Zeitschriften, mit einem wahren Aufwände von Über- 
treibungen über liturgische Revolutionen berichten konnten, und wie es Leute geben 
kann, die weder ein Brevier, noch ein Missale oder andere liturgische Bücher anschaffen 
zu wollen erklärten, wenn in denselben nicht die neuen Rubriken u. s. w. enthalten 
seien, ja die meinten, alle bisherigen liturgischen Bücher seien durch dieses Dekret un- 
brauchbar geworden! Wer sich mit dieser zur „Liturgik" geliörenden Rubrikenänderung 
nach dem erwähnten Büchlein vertraut gemacht hat, kann dem heil. Stuhle nur danken, 
dass gewisse Inkonsequenzen, Unklarheiten, Widersprüche und Schwierigkeiten, welche 
sich bei der Translation und Simplifizierung der Feste und bei der Unterscheidung 
in fe$ta primaria und secundaria ergeben hatten, durch diese wohldurchdachten Ab- 
änderungen und Zusätze, die bereits der frühere Kardinalpräfekt der S. R. C, Cajetan 
Aloisi- Masella angeregt, der gegenwärtige Kardinalpräfekt Mazzella vollendet, und 
der heil. Vater Leo Xni. am 11. Dezember sanktioniert hat, gehoben und beseitigt sind. 

Ohne Bedeutung für den Kirchenchor ist die Bestimmung, dass als Duplicia I. classis 
zu den bisher bekannten Festen auch das Fest des hhl. Herzens Jesu und Maria Ver- 
kündigung, zu denen II. classis das Rosenkranzfest gekommen ist, wobei die Ännuntiatio 
B. M, V. zu den festa primaria und das Festum Sacratissimi Cordts Jesu zu den 
festa secundaria gerechnet wird. 

Für den Leserkreis der Musica sacra werden diese Zeilen, welche die Redaktion 
ursprünglich unter „Liturgica" bringen wollte, aber wegen thörichter Agitatioiien 
und Ausstreuungen literarischer Heissporne als Hauptartikel behandeln zu müssen 
glaubte, die beruliigende Wirkung haben können, dass die oberste liturgische Behörde 
nicht Revolution macht, sondern Ordnung schafft. Am nächsten 2. Adventsonntag ist 
also in allen Kompositionen und Choralbüchern beim Offertorium Deus tu convertens 
die letzte Silbe auszustreichen und conversus zu rezitieren oder zu singen; das besorge 
man lieber heute noch, damit man bis zum 4. Dezember dieses Jahres nicht darauf 
vergesse. F. X. H. 

Kirchenmusikalische AuflPuhrungen und Berichte. 

X Cilli (Uutersteiermark). Seitdem ich im Jahre 1895 von der Kiichenmnsikschule in Regens- 
burg als Stadtpfarrorganist und ßegenschori hier die Stelle übernommen habe, wurden folgende 
Kompositionen aufgeftilirt: Missa 111. und IV. von M. Haller, Missa Nominis Jesus, Missa Domini- 
cahs V. und IV. von ig, Mitterer; Missa in hon. S. Elisabeth, und Sonntagsmesse Op. 15 von 
J. Gruber; Missa S. Caeciliae Op. 15 und Missa in hon. S. Jacobi Op. 21 von Ant. Förster; Missa 
in hon. S. Michaelis Archangeli von Fr. X. Witt; Missa Brevis in hon. S. Stanislai und Missa 
St Angelorum Custodum von Singenberger; Missa Jesu Redemptor, 4 8t. von A. Kaim; zweistimmige 
Messe in A von Fr. Konen; leichte Messe von Oswald Joos Op. 11; Missa in hon. S. Caeciliae, 
4 gem. Stimmen von A. Löhle; Festmesse in D für 4 Stimmen nut Orgel u. Instr. von Georg Zeller. 
Heim Requiem wird nur Choral gesungen. Offertorien für Männerchor von Ig. Mitterer Op. 63; 
Hninner, Op. 10; aus Enchiridion von Tresch 31 Offertorien für 4 gem. Stimmen. Introitus, Graduale, 
( 'ommnnio immer aus Grad. Rom. Tantum ergo von Witt, Förster^ Hribar, Haller, Jos. Weis u. s. w. 
DeutÄche Lieder von Haller, Mohr, Berger und Schmidt; slovenische Lieder von P. Ang. Hribar, 
Hugolin Sattner, Förster, HIadnik und 5 von mir. Unser Kirchenchor besteht aus 10 Damen und 
8 Herrn, welche für die gute Kirchenmusik sehr begeistert sind. (Dank und (rruss. F. X. H.) 

Karl Bervar, Organist und Regenschori. 

ö Dinkelsbtthl, 6. Februar. Am ^este Maria Lichtmess waren es 25 Jahre, dass der hochw. 
Herr Dekan und Stadtpfarrer Joseph Zell er seines hehren Amtes hier waltet. Welch hoher Ver- 
t'hnmg und Hochschätzung sich der hochw. Herr ob seiner segensreichen Wirksamkeit in den ver- 
schiedenen Sparten seines nohen Berufes erfreut, bewies die so gelungene Jubelfeier, au der die 
gesamte hiesige Einwohnerschaft und speziell die besten Kreise den innigsten Anteil nahmen. 
Wenn in diesem Blatte hierüber berichtet wird, so äfpschieht dies deshalb, um der vielen V»^rdlenste 
zu sredenken. die sieh der Gi'tViprto ii. a. ancli nm iEinführnnor liturgischer Kirchenmnsik in d^'m so 



-tä 46 DH 

herrlicheil hiesigen Gotteshause , das der hochsei. Erzbischof Steichele als ^^sicherllch die schönste 
Kirdie im Bistum Angsburg"* in Band ni seines Werkes über genanntes Bistum beschreibt, erworben 
hat. Erst unlängst wurde mit nicht geringen Kosten eine grössere Anzahl von Choralbüchern 
(Epitome und Vesperale) angeschafft, audi die 4 stimmige Gradnaliensammlung von Schiffeis op. 10. 
sodass, nachdem schon seit mehreren Jahren die Hochämter an den Sonntagen der Advents- ana 
Fastenzeit korrekt gemacht worden, nunmehr auch an den übrigen Sonn- und Festtagen die wecli- 
seluden Gesänge beim Hochamte zur Aufführung gelangen, womit bereits an einigen Tagen, sogar 
auch an mehreren Werktagen bei sogenannten Engelämtem der Anfang fi^emacht worden ist. Wir 
wünschen nur, dass der hochw. Herr Jubüar noch viele Jahre so segensreich, wie bisher, im Wein- 
berge des Herrn schaffen und dass er auch fernerhin der Kirchenmusik seine gnädige Unterstützung 
zu teil werden lassen möchte, um so mehr, da doch in dieser Beziehung der rector ecdesiae den 
Ausschlag gibt. 

A Frendenthal in österreichisch Schlesien. Mit dem Jahre 18d4 wurde in der hiesigen 
Klosterkirche der Deutsch-Ordens-Schwestem der erste Versuch gemacht im Choralgesange. Die 
Klosterfrauen zeigten grossen Eifer, und so war es möglich in kurzer Zeit die Beform in der Kirchen- 
musik durchzuführen. Jetzt werden bei jedem Amte die kirchlichen Vorschriften genau beobachtet. 
Introitus, Graduale und Oommunio werden immer aus dem Graduale Bomanum Choral gesungen. 
Folgende Messen wurden eingeübt und gesungen: Choral: Missa in festis solemnibus, dupliciDUs, 
B. V. Mariae und Choralrequiem. Zwei und obreistimmig: Witt, M. ezultet, Haller, Missa III., 
IV., VI., X.; Stehle: Preismesse und Ave R^na; Fiel: Sakramentmesse; Griesbacher: Herz 
Jesu-Aesse; Kenner: M. S. Petri, Hanisch: M. Ave Maria; Singenberger: M. in hon. S. Joan. 
Bapt. und Adorate; Stein: M. Angelorum. Fange lingua von Witt, Haller, Konen, Auer und 
Modimayer. Litaneien von Haller, Sönen, Auer. Überdies ist noch in der Klosterschule ein Gesang- 
unterricnt in 2 Abteilun|:en nach Hallers Vade mecum und Bertalottis Solfeggien. Bei alledem 
wird sich in der Pfarrkirche noch lan^e nichts machen lassen. Beim Bector ecclesiae fehlt das 
Verständnis und der Rector chori ist ein Schüler des Wiener Conservatoriums — auffidt!! Drum 
hat auch an Lichtmess das Credo nach einigen Sätzen aus dem Credo wieder mit „dredo in unum 

Deum Amen, Amen, Amen*" geschlossen. Die meisten Priester hiesiger Gegend haben ihre 

Freude an der Geigerei und Dudelei, Text ist Nebensache. Bei aller Gehässigkeit, bei allen 
Schwierigkeiten wird die Hoffhung nicht verlieren der : passer solitarius Süesius, 

* Kelheim. Der Red. liegt das Verzeichnis über die kirchenmusikalischen Aufführungen 
des verflossenen Jahres von Seite des Pfarrkirchenchores in Kelheim vor. Sie ersieht aus dem- 
selben, mit welchem Ernste und Geschmacke seitens des eifrigen Chorregenten und Lehrers, 
Herrn Limmer^ ein ständiges Kirchenrepertorium festgehalten wird, weiss aber, dass auch neuere 
und gute Erscheinungen tücTitig geprobt und diesem Repertoir einverleibt werden (vgl. Mus, 8. 1897, 
S. Im), Der Chor besteht an hohen Festtagen, wenn auch die benachbarten Herren Lehrer der 
Pfarrei mitwirken, aus 15 Sopran- und ebensoviel Altstimmen, sowie aus je 10 Tenoristen und 
Bassisten — eine stattliche Stimmenzahl. Der für Kirchenmusik unentwegt, begeisterte Chorregent 
hält jeden Freitag Abend allgemeine Probe in der Kirche^ im Laufe der Woche jedoch ungezählte 
Übungen mit den Schulkindern. Die Liste der Kompositionen, welche 1897 vorgetragen wurden, 
nennt: 1. Messen: Auer, in hon. S. Joseph; Beltjens; Ebner (2); Griesbacher. Missa Angelica: 
Haller (8); Mitterer (12); Molitor J. B., Tota pulchraj Falestrina, Iste confessor; Stehle, Salve Regina; 
Witt (7). 2. Yeni creator vor der Predigt, meist Choral gesungen, sowie Kompositionen von Bden- 
hofer, Goller, Mitterer, Witt. 3. Offert orien von Becker, Haller, Kommüller, Mitterer, Tresch 
und Witt. Der Chorgesang wird also gut gepflegt; vom Choralgesang ist wohl keine Rede, aber 
hoffentlich wendet man auch diesem Hauptzweige des liturgischen Gesanges beim Hochamt jene 
Sorgf^t zu, auf die er bei so vielen Gesangskräften rechnen darf. — Über das Interesse und die 
Teilnahme , welche für kirchenmusikalische Bestrebungen und Leistungen im Bezirke Kelheim von 
Seiten passiver Mitglieder bekundet wird, liegen befriedigende Nachrichten vor; leider ist auch ein 
Faktum zu beklagen — ein Beitrag von zwanzig Pfennigen (!?) von Seiten eines Mannes, welcher 
durch Beruf und Stellung mindestens das Zehnfache zu leisten Veranlassung, ja Pflicht gehabt 
hätte! Die Adresse ist nicht in Kelheim zu suchen. Die Red. betont für alle Orte und Verhältnisse 
eine recht lebhafte Agitation gegenüber den „Passiven", um die „Aktiven'' wenigstens moralisch 
zu heben und fibr ihre Bemühungen neu anzuspornen, denn meistens sind es letztere, welche von 
sich sagen können, wie einstens retrus : Gold und Silber habe ich nicht, was ich aber (an gutem 
Willen und Stimmitteln) besitze, das will ich dem Herrn im Gottesdienste opfern. 

O Regeneburir« Domchor. 23. Jan.: Messe „Trdhe me post W 5 stimm, gem. Chor von 
Vittoria, Offert. TvXerwii Jesum 5 stimm, gem. von P. Griesbacher. — 30. Jan.: Messe .JHxit Maria" 
48timm. gem. von Hans L. Hasler, Offert. Dextera Domini 5 stimm, gem. von Palestrina. — 2, Febr. (Licht- 
mess): Bei Austeilung der Kerzen und Prozession Gesänge 4 stimm, gem. von M. Haller, Messe 
„0 admirabüe commercium" 5 st. von Palestrina, nach dem Choraloffert. Einlage HoSie beata Mai-ia 
4 stimm, von Fab. Costantini. — 6. Febr. Missa „brevis" 4 stimm, von Palestrina, Offert. „Bonnm 
est' 5stimm. von Palestrina. Alles übrige Choral. 

O Rochester im Staate New- York, N.-Am. Schreiber dieser Zeilen ist seit ihrem Entstehen 
Leser der Mus, s. sowohl, wie der „Fliegenden Blätter*'. Durch fleissiges Lesen und Probieren der 
Beilagen verschaffte sich die cäcilianische Musik zuerst in meiner Gemeinde und von hier aus Ein- 
gang in den übrigen 5 deutschen Kirchen Rochesters, sowie auch in der Kathedrale. Bis zum 
heutigen Tage sind alle Kirchenchöre treue Cädlianer geblieben, nur einer, der zuerst die Reform 
eingeführt zu haben die Ehre hatte, ist mehr oder wenig(T zu den ägyptischen Fleischtöpfen zurück- 



gekehrt und das wider drn Wille« des ('h(n-diriy:euten dui-ch Druck von oben herab. — Es fehltf 
auch bei uns gar sehr am Vortrage, bis Dr. Witt selig uns den tüchtigen Herrn Prof. Siu^enberger 
schickte. Derselbe brachte im zweiten Jahre seines fiiei-seins sechs volle Wochen bei mir zu, um 
meinen Chor und andere ins rechte Fahrwasser zu bringen. Seit der Zeit haben wir schon 3 mal 
in Rochester das allgemeine amerikanische Cäcilienfest gefeiert. Mein Chor zählt nahezu 50 Mit- 
glieder und habe ich es mir zur Aufgabe und zum Vergnügen gemacht immer eine gute Anzahl 
Knaben zu treffsicheren Choralisten heranzubilden. Die amerikanische Jugend fasst ungemein schnell 
auf imd habe ich selbst bei den Cäcilienversammlun^en mit meinen „Buben** sehr lohnende Eesultate 
erzielt. Alle unsere Aufführungen beim Amte und Vesper, an Sonn- und Werktagen sind voll- 
ständig liturgisch. Die Kinder benützen das „Cantate** von Jos. Mohr und singen auch die Wittsche 
Messe 1 II tonu Gerne möchte ich an Sie eine Frage stellen und das ist : warum unsere Herren Komponisten 
die Dreizahl des Kyrie und Christe so wenig beobachten. Bald sind es nur zwei, dann auch wohl 
vier und fünf, was nach meiner allerdings unmassgeblichen Meinung nicht ganz liturgisch ist. 
(Weniger als ä muss als Defekt bezeichnet werden, D, RJ 

Fr. H. Sinclair, Rektor der St. Peter- und Paulikirche. 

© Die Feier des St. Cäcilientages 1897 in der Diözese Speyer ist von mehr als 40 Pfarr- 
nnd Bezirkscäcilien • Vereinen in so erhebender Weise begangen worden , dass dieser hl. Eifer als 
nachahmenswertes Beispiel für andere Diözesen gelten soll. Die Red, der Mus, s. hat bisher wegen 
Raummangels über diese grossartige Manifestation nicht berichten können und muss um Entschul- 
digung bitten, dass sie auch dieses Mal die Zusammenstellung, welche in 3 Nummern des Beiblattes 
zur „Landauer Ztg." enthalten war, auf kurze Angaben über die kirchliche Feier beschränken 
und von den Berichten über die weltliche absehen muss. 

„Da das Fest der hl. Cäcilia auf einen Montag fiel, wurde mancherorts Sonntags vorher oder 
nachher die Feier gehalten. 

In Arzheim, feierlichem Amt, am folgenden Mittwoch ein Bequietn für die verstorbenen 
Vereinsmitglieder. 

In Beb eis heim, gemeinschaftliche Kommunion, Cäcilienpredigt und 4 st. Messe für Männer- 
chor, nach der Vesper Generalversammlung. 

In Bellheim, Hochamt mit 4 st. Messe. 

Birken hör dt, gemeinsame Kommunion aller aktiven und auch einiger passiven Mitglieder. 
D<ä dem Hochamt mehrstimmige Messe von J. B. Molitor. 

Eine Anzahl der Mitglieder 'des Pfarrcäcilienvereins Blieskastel ging zur hl. Kommunion. 
Im Hochamt wurde eine Messe von Stehle gesungen. 

Burrweiler, verherrlichte das Hochamt durch eine Messe von Kaim. 

In Diedesfeld, gingen die meisten Mitglieder des Pfarrcäcilienvereins schon am Sonntag zur 
hl. Kommunion. Am Feste der hl. Cäcilia war Hochamt für die lebenden und am. folgenden Tage 
ein Seelenamt für die verstorbenen Vereinsmitglieder. 

InGeinsheim feierliches Hochamt, bei dem die Schutzengelmesse von Lipp vorgetragen wurde. 

Gleisweiler, gemeinsame Kommunion des grösseren Teiles der Mitglieder. Im Hochamt 
Teile aus einer 4 st. Messe von Viadana. 

Hassloch. Während des Hochamtes beteiligten sich 77 Mitglieder, darunter 45 Männer, 
voran der gesamte aktive Sängerchor, an der Generalkommunion. Gesungen wurde die Preismesse 
von Stehle. 

In der Pfarrei Höchen feierten die Cäcilienvereine Höchen-Münchwies und Jägers- 
burg die hehre Patronin fol^endermassen : In Frülimesse und Amt Sonntags vorher wurden ent- 
sprechende Predigten über die hl. Cäcilia gehalten, beim Amte eine 4 st. Messe aufgeführt. Am 
Montag Amt mit 4 st. Messe. 

Hör dt, feierliches Hochamt, dann Generalversammlung. 

Hütschenhausen, gemeinsame Kommunion der aktiven Vereinsmitglieder. In der Predigt 
wurde in entsprechender Weise des Festes gedacht und die Gläubigen aufgefordert, das Werk der 
hl. Cäcilia nach Kräften fördern zu helfen. Die Gesänge beim Hocnamte teils aus einer Messe von 
Walther, teils aus einer solchen von Molitor. 

Ins heim, feierliches Amt mit Generalkommunion der Mitglieder. 

Jock^rim, feierliches Hochamt, bei dem eine 4 8t. Messe von Haller (Op. 3) und zum Schlüsse 
ein 4 st. Cäcilienlied gesungen wurden. Dienstag war Requiem für die verstorbenen Vereinsmitglieder. 

Marienpfarrei in Kaiserslautern hielt eine weltliche Feier, in welcher Herr Stadtpfarrer 
Käst nach Wiedergabe zweier Fronleichnamslieder mit Instrumentalbegl. von Haller die inaktiven 
Mitglieder und geladenen Gäste begrüsste. Hr. Kaplan Kempf entwickelte die Berechtigung und 
Bedeutung der kirchlichen Cäcilienvereine für die Pflege der wahren musikalischen Kunst, die im 
Choral und in den Kompositionen der alten Meister verkörpert ist. 

Berg am 29. Nov. gemeinsame Kommunion, feierliclies Hochamt mit mehrstimmiger Messe; 
am 9. Dez. Stiftungsfest mit Choralmesse. 

Bliesmengen, Empfang der hl. Kommunion. 

Kapsweyer, feierliches Amt mit mehrst. Messe, Tags darauf Seelenamt für die ver- 
storbenen Vereinsmitglieder. 

Kindsbach, feierliches Amt mit kurzer Ansprache, und (Teneralkommunion der Mitjrlieder 
des Cäcilien Vereins. Eine 5 st. Messe wurde dabei aufgeführt. 



-<3 48 o- 

Za Martinshöhe hielt der ganze aktive Sängerchor am eigentlichen Festtage in feierlich ge- 
sungenem Hochamte Generalkommunion. Nach dem Hochamte wurde die 6 st. CäciUenhymne von 
Zoller gesungen. In der nämlichen Woche wurde noch ein 4 st. Requiem von Schaller für die 
verstorbenen Vereinsmitglieder gehalten. 

Mörlheim, Generalkommunion der sämtlichen aktiven und passiven Mitglieder. In der 
Predigt wurden die Pflichten bezüglich des Kirchengesanges auseinandergesetzt Amt für die 
lebenden und verstorbenen Vereinsmitglieder. 

Mörzheim, Predigt im Pfarrgottesdienste ttber die Schönheit und Kraft der Einheit im 
Cäcilienvereine. Nach Schluss des liturgischen Amtes (Messe von Casali) 4 st. Cäcilienlied von Kuhn. 
Nachmittags war liturg. Vesper vom Feste der hl. Cäcilia. Am 1. Adventsonntag gemeinsame 
Kommunion, an welcher der grössere Teil der Sänger sich beteiligte. 

Bezirkscäcilienverein Neustadt Produktion in der PfarrKirche zu Neustadt, welche aus 
3-, 4- und 5 stimm. Kompositionen von Mittlrer, Haller, Ebner, Niedhammer und Quadflieg bestand 
und in ihrem kirchlichen Teile von dem Pfarrcäcllienverein Neustadt allein ausgeführt wurde. 

Obermohr. 4st. Messe. 

Offenbach, Hochamt für die lebenden, am Dienstag Seelenamt für die verstorbenen Mitglieder. 

Otterb ach, fast sämtliche Mitgb'eder des Cäcilien Vereins gingen zur hl. Kommunion, im 
Hochamt 4 stimm. Messe. 

In Queichheim besprach die Sonntagspredigt die Pflichten bezüglich des Kirchengesanges. 
Am 24. Nov. Amt für die Vereinsmitglieder. 

Pirmasens, Generalkommunion und Vortrag einer Messe von Piel während des Hochamtes 
am äonntag. Die Predigt, handelte von der Schönheit, Erhabenheit und Angemessenheit des Clioral- 
gesanges und der Ehre und der Verdienstlichkeit des Mitwirkens im Kirchenchor. 

Kechtenbach, 4 st. Messe von Molitor und ein 4 st. Cäcilienlied. 

Rheinzabern, 4 st. Messe von Haller. 

Reifenberg. Amt mit 4st. Messe. Viele Sängerinnen empfingen während des Amtes mit 
den beiden Herren Dirigenten und Organisten die hL Kommunion; es schlössen sich auch einige 
passive Mitglieder an. 

Rockenhausen, 4 st. Predigtlied von Edenhof er, Predigt über Bedeutung und Wichtigkeit 
des Choralgesanges^ eine Messe von Molitor, zum Schluss Cäcilienlied von Götze. Am eigenthchen 
Festtage sangen die Schulkinder eine Choralmesse und zum Schluss das Cäcilienlied von Kuhn. 
Am fo&enden Samstag war ein feierliches Seelenamt für die verstorbenen Vereinsmitglieder. 

Kohrbach bei Landau, während des Hochamtes 4 st. Messe von Stein. Später Seelenamt för 
die verstorbenen Vereinsmitgueder. 

Schaidt, Hochamt, 4 st 

Schiffer Stadt, Levitenamt mit 4 st. Messe von Mitterer, Graduale von Mettenleiter. 

Sondernheim. Amt für die lebenden Mitglieder des Vereins. Am folgenden Tage Requiem 
für die verstorbenen Mitglieder des Pfarrcäcilienvereins. 

Steinfeld, Amt mit mehrst Messe von Weber, dann Seelenamt fär die abgeschiedenen 
Vereinsmitglieder. Die CäcUienhymne von Steinhauer scliloss die Tagesfeier. 

Weyher, Amt und Tags darauf ein Seelenamt für alle verstorbenen Chorsänger. Bei den 
Amtern haben alle lebenden Mitglieder des Pfarrcäcilienvereins statutengemäss beizuwohnen. Es 
wurde eine 4 st. Messe von Jaspers, und das 4 st Reqtiiem von Piel gesungen. 

Winnweiler, Generalkommunion der Mitglieder. Die Festpredigt behandelte die Eigen- 
schaften des kirchlichen Gesanges und Sängers im Anschluss an das Leben der hl. Cäcilia; im 
darauffolgenden Hochamt wurden die betrenenden liturgischen Gesänge teils aus einer Messe von 
Haller, teils aus einer Messe von Diebold genommen; in der Marianischen Nachmittagsandacht 
4 st M.uttergotteslieder von Haller. 

Wittersheim, Generalkommunion der Mitglieder. Beim Hochamt Cäcilienpredigt und 
4 st, Messe für Männerchor. Nach der Vesper Generalversammlung. 

In Zweibrücken setzte Herr Stadtpfarrer in der Festpredigt am Sonntag vorher die Vor- 
schriften der Kiixhe über den Kirchengesang in eingehendster Weise auseinander, legte den Sängern 
ans Herz, wie sie singen sollen, und forderte die ganze Pfarrgemeinde auf, mitzuhelfen, um die 
Sache der hl. Cäcilia zu fördern. Dann folgte ein feierliches Levitenamt, bei dem eine Messe von 
Haller gesungen wurde. Am Festtage selbst wurde ein feierliches Hochamt zu Ehren der hl. Cäcilia 
für alle Vereinsmitgueder gehalten. 

Personaliiotizen. Der hochverdiente Chordirektor und Komponist P. H. Thielen in Goch 
wurde unter dem ^. Januar d. J. von S. Heiligkeit Papst Leo Xlll. zum Ritter des St (^regorius- 
ordens ernannt (Die Red. der Mus, s. gratuliert zu £eser Auszeichnung auf das herzlichste.) — 
Das Stiftskapitel in Aachen ernannte als Nachfolger des f J- Kremers den bisherigen Organisten 
in Ehrenfeld, Ludwig Pütz, zum Stiftsorganisten. — H. VincenzGorzelniaskiist nunmehr 
Chorregent in Li bau (Kurland). — Der bisherige Lehrer in Reinhausen bei Regensburg, 
Herr Weickert, folgte einer Einladung nach Kilkenn^ (Irland) als Organist und Lehrer der 
Kirchenmusik« (Den beiden letztgenannten Schülern der hiesigen Kirchenmusikschule wünscht die 
besten Erfolge F. X. H.) 

Di*uck und Verlag von Friedrich Pustet in Regensburg, Gesandtenstrasse. 

Nebst Anzeigeblatt Nr. 4. 



1398. Regensburg, am 1. März 1898. ^» 5 



MUSICA SACRA. 

GegrOndet yon Dr. Frans Xayer Witt (f 1888). 

Halbmonatschrift für Hebung nnd Förderung der kathol. KircbenmusiL 

Herausgpegfeben von Dr. Franz Xaver Haberl, Direktor der Eirchenmiisikschule in Regfensburg:. 

Nene Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbellagen. 



Die ^Musica taera" wird am 1. nnd 15. jeden Monats aoagogeben. Jede der 24 Nummern umfaast 12 Seiten Text. Die 18 Moaik- 
büilagen (48 Seiten) werden in den Nmnmem .5 — 7 versendet werden. Der Abonnementpreis des Jahrgang betrftgt 3 Mark; die 
pestettnng kann bei ieder Poatanstalt oder Buchhandlung erfolgen. — Bei der Reichspost mit 20 Pf. Aufschlag. Bei franko Zueendiing 

unter Streifband in Deutschland nnd Österreich-Ungarn 4 Mk. — ins Ausland 4 Mk. 80 Pf. 

■■kaltsfiberaleht: Organaria: Orgelspiel (Paderborn, Berlin) und Orgellitteratur (Quadflieg, St. Sarzynski). — Ans 
Archiven nnd Bibliotheken: Baumaterialien für Kirohenmusikgeschiehte (Ingegneri . Palestrina , Vaet , Croce , Psalmen - 
ribersehriften). — Die Charwochenmusik der filteren VokalkomponiNtcn. — Vermischte Nachrichten und 
Mitteilungen: Konzert in Montabaur; GriJlparzer Über Kirchenmusik (Salzburg); das erste Pianino; Kirchweih in Chicago; 
Aufnahme musikalisch veranlagter LebrerpriLparanden ; Kori-espondenzen aus Italien; die 1.— 4. Musikbeilage der Mut, s»; Stiftschor 
in Lüstern; TanKkrftnzrhen und Cficilieuvcrein. — Offene Korrespondenzen. 



Organaria- 
Orgelspiel und Orgellitteratur. Im Rahmen der katholischen Liturgie findet 
das virtuose Orgelspiel sehr wenig Raum, denn beim Hocliamt und zur Vesper bleibt es 
die Hauptaufgabe des Organisten, die vorgeschriebenen Gesänge einzuleiten, zu den 
folgenden überzuleiten und die etwa übriggebliebene Zeit zu Nachspielen, welche die 
Stimmung der verklungenen Gesänge festhalten sollten, zu verwencien. Gerade diese 
Aufgabe ist jedoch schwieriger, als gar viele annehmen. Man behandelt den Gegenstand 
viel zu leicht und glaubt erst dann den Namen eines Organisten zu verdienen, wenn 
man nach langer mechanischer Übung grössere Orgelkompositionen wiederzugeben ge- 
lernt liat und Gelegenheit findet, sich als Virtuose hören zu lassen. Es liegt dem Unter- 
zeichneten ferne, diesen Kunstzweig gering zu schätzen, nur glaubt er zeitweise betonen 
zu müssen, dass die katholischen Organisten zuerst lernen möchten im Kleinen getreu 
zu sein, ehe sie sich mit Grösserem beschäftigen, denn oft ist es bereits vorgekommen, 
dass dieser oder jener Orgelvirtuose die künstlichsten Fugen und Choralbearbeitungen 
von Bach, Sonaten von Mendelssohn, Rheinberger, AI. Guilmant u. s. w. mit Erfolg zu 
Gehör brachte, über ein einfaches, aus eigener Fantasie entwickeltes Vor-, Zwischen- 
und Nachspiel jedoch oder über die Forderung einer logischen, wohlgeformten Modulation 
schmählich gestolpert ist. Es ist daher mit Freude zu begrüssen, dass der Hoch- 
würdigste Herr Bischof von Paderborn neuerdings auf diesen Punkt zurückkommt und, 
unter Einschärfung desselben, bestimmte Weisungen für die Bildung kirchlicher Gesangs- 
chöre auch auf dem Lande daran knüpft. Der Redaktion der Mus. s, wird darüber 
geschrieben : 

„Das „Amtliche Kirchenblatt für die Diözese Paderborn" veröffentlicht 
'Jahrgang 1898, St. 2, S. 5) im Anschluss an eine Verordnung betr. die Ausspendung 
der lü. Firmung folgende, vom 25. Januar d. J. datierte Verfügung des Hochwürdigsten 
Herrn Bischofes Hubertus Simar: „Die Herren Pfarrer ermahnen wir bei dieser Gelegen- 
heit aufs dringendste, für die Befolgung Unserer das kirchliche Orgel spiel betreffen- 
den Vorschriften (Amtl. Kirchbl. 1896, St. 4, Nr. 9) eifrig Sorge zu tragen und, wo 
immer es thunlich ist, die Einführung des von der Kirche vorgeschriebenen liturgischen 
Gesanges beim Hochamte anzustreben. EQerbei ist zu beachten, dass mit diesem Ge- 
sänge an erster Stelle die Schulkinder (zunächst ein ausgewählter Chor) betraut 



-ra 50 &h 

werden sollen ; die daneben allerdings wünschenswerte Teilnahme von Männern wird in 
den meisten Kirchen anf eine geringe Anzahl von Stimmen (3—4) beschränkt werden 
können. Den Abdruck des zitierten bischöflichen Erlasses über das kirchliche Orgel- 
spiel, der zuerst durch die Mits, s. (1896, Nr. 5, S. 61 ff.) weiteren kirchenmusikalischen 
Kreisen bekannt wurde (vergl. auch Mtis.s, 1894, S. 75, 136; 1895, S. 89, 105), leitete 
der Generalpräses Schmidt mit den Worten ein (Flieg. Bl. 1896, Nr. 5, S. 41 ff.): „Von 
dieser wichtigen und bedeutungsvollen Kundgebung des Hochwürd. Bischofes von Pader- 
born nehmen wir um so freudiger auch im Vereinsorgan Akt, als dieselbe einen Punkt 
betrifft, der nicht bloss in der Paderbomer Diözese, sondern wohl in allen Diözesen, in 
denen der Cäcilienverein Eingang gefunden hat, offenbar einer viel intensiveren Pflege 
und Förderung als bisher durchaus bedürftig ist. Mögen die Worte und Mahnungen 
des kunstverständigen Oberhirten überall die wirksame Beachtung finden, die sie ver- 
dienen."*) 

Ernstliches Streben für die klassische Orgellitteratur finden wir besonders in 
protestantischen Kreisen. Über Orgelkonzerte auf technisch vollendeten Instrumenten 
hat die Musica sacra öfters schon referiert und besonders der Thätigkeit von Herrn 
Dr. H. Reimann in Berlin Erwähnung gethan. In ähnlicher Weise trägt der Kgl. Musik- 
direktor Otto Dienel, welcher seit Jahren regelmässig an Mittwochen von 12 — 1 Uhr 
in der Berliner Marienkirche Orgelvorträge mit geistlichen Gesangstücken untermischt 
ausführt, zur Förderung der Orgelmusik bei. Ein schönes Zeugnis für das Interesse, 
welches er seinen Schülern*) und Hörern einzuflössen vermochte, bildet der Umstand, 
dass erstere während der über ein Jahr dauernden Krankheit ihres Meisters die Fort- 
führung der Vorträge gern übernommen haben und dieselben so gut durchführten, dass 
die weiten Räume der Marienkirche jeden Mittwoch dicht gefüllt sind. 

Viel bescheidener, aber in ihrer Art notwendiger für unsere zahlreichen Land- 
organisten, welche zum deutschen Kirchenliede Präludien und Interludien in stilgerechter 
Kunstform benötigen, ist ein Werk von Jae. dnadflfeg/) dessen erster Teil vorliegt, 
und dessen zweiter Teü bis Ostern d. J. in Aussicht steht. Wenn auch dieses Orgel- 
buch zunächst nur für die Diözese Münster bestimmt ist, so möchte Referent dasselbe 
doch in den Händen aller anfangenden, fortschreitenden und au^ebildeten Organisten 
sehen, damit sie lernen und üben, wie man mit den einfachsten Mitteln zu einer schönen 
Stimmenführung, zu einem reinen 3- oder 4 stimm. Orgelsatz kommt, wie man imitieren 
kann, ohne zu künsteln oder über Gebühr zu modulieren, wie man die Register mischen 
soll, wie man den im einfachen Kirchenlied gegebenen Motiven immer neue Seiten ab- 
gewinnen kann, ohne zu ermüden, wie man Trios anlegt und in den mannigfachsten 
Musikformen, Takt- und Tonarten schreiben soll, ohne an die technische Fertigkeit der 
gewöhnlichen Organisten zu grosse Ansprüche zu machen. Dieser erste Teil ist ein 
Meisterstück, vom Schlussteile darf wohl das Gleiche erwartet werden. Auch Harmonium- 
Spielern oder Organisten, deren Füsse noch nicht thätig sein können, ohne dass die 
Hände dabei erlahmen, wird in diesen wunderlieblichen Vor-, Zwischen- und Nachspielen 
(je 2—4 zu 93 Nummern) eine Quelle reinen Genusses fliessen, da fast sämtliche Sätze 
auch ohne Pedal bewältigt werden können. 

») Siehe auch „Cäcilia" (Strassburg, 1896, Nr. 6 u. 7); „Cäciiia" (Breslau, 1896, Nr. 7); St. Grc- 
goriuBblad (Haarlem, hoUändisch, 1896, Nr. 12); Gregoriusblatt (Dttsseldorf, 1896, Nr. 4); Musica sacra 

(Mailand, italienisch, 1896, Nr. 7); „Muzyka KoscieLna" (Posen, polnisch, 1896, S. 9-^11); Spiew Eos> 
cielny" (Flock in Russ.-Polen; 1896). 

') Der Red. der Afus. 8. liegen die Programme aus den Jahren 1895 — 1897 vor. Sie ersieht aus 
denselben, dass Seb. Bach, M. G. Fischer, Joh. Pachelbel, Th. Forchhammer, D. Buxtehude, Mendels- 
sohn und Werke von Otto Dienel das Hauptmaterial der Orgelstttcke bilden. Während der Krankheit 
übernahmen diese Vorträge die Herren B. Irrgane, R. Curth, P. Heuer, R. Schwisselmann , E. Rasch, 
der Domorganist C. Franz, Fr. Finke, M. Jacobi, G. Weisse und A. Mönch. Seit Dezember 1897 leitet 
0. Dienel selbst diese beliebten Kirchenkonzerte auf der von Schlag & Söhne in Schweidnitz erbauten Orgel. 

") Orgelbuch zum Gesangbuch der Diözese Münster, bearb. und mit Vor- und Nachspielen ver- 
gehen von J. Qu. — Münster i. W., AschendorfiTsche Buchhandlung, Vn Seiten Vorwort, 160 Seiten 
Noteustich mit dem Texte der 1. Strophe für jedes Lied. Preis 5 jtt 50 /^. 



-« 51 E>- 

Eine dritte Serie von 13 Präludien und 12 Trios erschien unter Redaktion von 

Stefao SnnyiisU«^) Chordirektor an der Kathedrale zu Tamöy mit Beiträgen der Brüder 
Miecislaus (5) und Josef Surzynski, H. Jarecki und H. Makowski (2)^ die 
12 Trios sind Opus 4 von J. Nowialis. Die Präludien sind recht gefällig, nicht zu 
schwer und in einfachen Tonarten gehalten. Sehr instruktiv^ mit Finger- und Fussatz 
(auf 3 Liniensystemen) und musikalisch sehr wertvoll sind die 12 Trios von Nowialis. 
Der polnische Titel „Preludya na Organy" darf die deutschen Orgelspieler nicht er- 
schrecken, denn der Inhalt ist^ wie eben die Musik überhaupt, international. F. X. H. 



Aus Archiven und Bibliotheken. 
Baumaterialien für Kirchenmusikgeschichte. 

Unter diosem Si)ezialtltel gedenkt die Red. der M^ub, s, zeitweise jene kleineren Notizen zn 
sammeln, welche als historische Neuheiten Beachtnng verdienen, oder ihr von Seite der verehrlichen 
Leser zukommen, oder als Resultate neuerer Forschung und als Korrekturen bisheriger Nachrichten 
Interesse beanspruchen. 

1. Zur Bemerkung in Mtmca sncra 1897, S. 198 und zum Kirchenmus. Jahrb. 1898, S. 79 
sclimbt Dr. Jos. Mantuani aus Wien folgende dankenswerte Zeilen: 

„Die Charwocbenresponsorien des Ingegneri hat Georg Moser in die Chorbächer anonym 
eingetragen; als ich diese zu bearbeiten bekam, stand kein Name dabei. Unterstützt von meinen 
eigenen Notizen, ferner durch die Notizen Schmid's, dem das Druckwerk bekannt war, ferner durch 
alte Bibliothekszettel, kam ich darauf, dass jene Responsorien nur dem Ihl. A. Ingegneri angehören 
können. Schmid nämlich hatte eine Reihe von Blättern, auf denen er Studien von Entzifferungen 
ans der Mensuralnotenschrift machte; einige haben sich erhaltet. Auf diesen nun mlissen nach 
seinen Notizen auch Bruchstücke des in Rede stehenden Werkes gewesen sein, denn er beruft sich 
auf ein Druckwerk (das ihm von Mich. Hauber zugemittelt worden war), in welchem die Respon- 
sorien, Palestrina sonst zugeschrieben, als Werk Ingegneris erscheinen. Auf dem alten Konzept- 
zt»ttel schrieb er die fraglichen Responsorien direkt Ingegneri zu, ohne jedoch irgend etwas als 
Beweis hinzuzufügen." 

2. H. Henry Davey in Bri^hton (England) meldet der Red., dass der Benediktinermönch 
Walther Odington, dessen Traktat m Ooussemackers ücriptores Bd< I. abgedruckt ist, noch um 1330 
in Oxford gelebt habe, dass also dessen Todesjahr in allen Büchern zu fi*üh angesetzt ist. — Auch 
teilt or eine Reihe von Manuskripten und Druckwerken seltenster Art mit, die sich in der Privat- 
bibliothek der Königen von England befinden. Unter denselben liest der Unterzeichnete die 
^Missae Dominieales o vocum diversorum auctomm", eine Sammlung, welche der Karmelitenpater 
Julius Pellinius in Mailand 1593 ediert hat. Da in derselben auch eine Messe von Palestrina steht, 
von der ich im 30. Bande der Gesamtausgabe nur den Altus und Bassus aus der Bibliothek in 
Modena mitteilen konnte, weil C, T. und Quinta vox fehlen^ so wäre es von höchstem Interesse, iune 
zu werden, ob diese 3 Stimmen in der genannten Privatbibliothek vorhanden sind, um dann eine 
vollständige Partitur der 5 stimm. Messe, die in die Jugendzeit des Magister Joannes von Palestrina 
zu setzen ist, herstellen zu können. Der dienstgefällige und eifrige Freund ist auf diesem öffent- 
lichen Wege gebeten, den in Arbeit befindlichen (33.) Schlussband von Palestrina's Werken, wenn 
möglich, durch diesen Beitrag bereichern zu wollen. 

3. Der H. H. Mnsikpräfekt Funk in Dillingen teilt mit, dafis sich in der dortigen Studien- 
bibliothek unter anderen auch zwei geschriebene Codices befinden, von denen der eine 4 stimmige 
Mngnificat in den 8 Kirchentönen von Jac. Vaet (± 8. Jan. 1567 als Kapellmeister des Kaisers Maxi- 
milian II.) enthält, der zweite (aus dem Kloster Wetteuhausen) eine 6 stimmige Messe von Giovanni 
Ooce, sowie Magnificat und Falsibordoni desselben, ferner Kompositionen von Johann Stadlmayr, 
Jakob Florius und Bramieri (ein mir gänzlich unbekannter Name) ausweist. Die 6 stimmige Messe 
von Croce und dessen Falsibordoni dürften wohl wert sein in Partitur gebracht zu werden. 

4. Im Jahrg. 1897 2. Quartalheft der in Tübingen erscheinenden „Theolog. Quartalschrift** 
schreibt Dr. Seb. Euringer S. 203, dass die Psalmenüberschriften (nur 34 haben keine solche) nach 
gewöhiüicher Anschauung entweder den Verfasser, oder die geschichtliche Veranlassung des Psalmes 
oder Anweisungen über den Vortrag geben, und vermutet, dass die Bezeichnuugen „die Hündin des 
Morgenrotes**, „Taube femer Terebintnen" u. s. w. vcx memorialü für dieNoten seien, nach welchen jeder 
Stichus gesungen, oder doch wie beim Psalmengesang geschlossen wurde. Er nimmt an, dass die 
alte hebräische Tonkunst, wie die moderne arabische Musik, ihre Musiktöne in Dritteile zerlegte, 
nnd dass die 7x3 Töne+ 1-22 Töne den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabetes entsprechen u. s. w. 
Gegen diese Hypothese tritt a. a. 0. S. 580 Dr. Hubert Grimme zu Freiburg i. d. Schweiz auf in 
einem Artikel: „Zur Frage nach den Psalmenüberschriften** und gibt eine neue Erklärung des 
Inhaltes, dass diese Überschriften nur als Titel des ganzen Liedes zu gelten haben, der aus einem 
Schlagwort oder aus dem Inhalt des Psalmes genommen ist 

Treffend ist die Bemerkung: „dass die ganze Frage trotz der vielen schon dafür ver- 
schwendeten Tinte recht unbedeutend ist** F. X. H. 



') Preludya na Organ y. Utwory oryginalnc dla uiytku organistöw, zakladöw naukowych i 
miio^nlköw inuzyki ko^cielnej. Warschau und Krakau, Gebetbner & Wolff. Preis 75 kop. netto. 



-ö 5t E> 

Die Charwochenmusik der älteren Vokalkomponisten. 

Mit dem Worte „Charwochenmusik" pflegen die Gegner eines ernsten Kirchen - 
Stiles alle Tonsätze zu bezeichnen, welche ohne Begleitung von Orgel oder Instrumenten 
nur für den Vortrag durch Menschenstimmen komponiert sind; sie glauben mit diesem 
Schlagwort den kräftigen Beweis geliefert zu haben, dass man solche Kompositionen 
sich höchstens in der hl. Charwoche gefallen lassen könne, vielleicht auch noch in der 
Fastenzeit, im übrigen jedoch der eigenen und der Freude der Kirche auf eine leb- 
haftere, durch Beiwerk der Instrumente gesteigerte, in Melodie und Rhythmus den 
Ansprüchen des modernen Ohres gefälligere Weise Ausdruck verleihen müsse. Knüpfen 
wir demnach an dieses nicht ungünstige Vorurteil an in der Hoffnung, dass die be- 
treffenden Chorregenten Ernst machen und Stand halten, wenn in den folgenden Zeilen 
ausschliesslich Vokalwerke älterer Meister namhaft gemacht werden, welche in Partitur, 
meistenteils auch in Einzelstimmen, vorliegen, um die Charwochenprogramme unserer 
katholischen Kirchenchöre zu schmücken. 

Es ist richtig, dass die frommen Meister älterer Zeit mit besonderer Vorliebe und 
in tiefer Ergriffenheit vom Leiden des Gottmenschen herrliche Tonwerke betrachtend 
"geschaffen und betend gesungen haben, richtig aber ist auch leider die Thatsache, dass 
kaum neun Zehntel dessen, was im 16. und im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts an 
Charwochenkompositionen gedruckt worden ist, zu praktischem Gebrauche in Partitur 
vorliegt. Man begnügte sich vor Erscheinen der Mtisica divina von Dr. Karl Proske 
mit den spärlichen Brocken, die seit Ende des vorigen Jahrhunderts meist von protestan- 
tischen Herausgebern für Zwecke der evangelischen Liturgie gesammelt worden sind 
und dem traditionell berühmten Programm der sixtinischen Kapelle entnommen waren. 
Sollte jemand den Vorwurf erheben, warum denn der Cäcilien verein aus dem 
reichen Schatze jener Zeit nicht mehr biete, wenn diese Dinge wirklich so kostbar 
seien, so muss ihm die laute Antwort erteilt werden, dass bereits mehr vorhanden ist, 
als in der Wirklichkeit gebraucht wird, und dass man gern noch mehr edieren werde, 
wenn die Verleger bei solchen Angeboten nicht mit der stereotypen aber wahrheits- 
getreuen Ausrede ablehnen würden, sie hätten ja ohnehin noch grosse Vorräte von älrn- 
Ucher Ware. Wo die Schuldigen sind, dürfte nach dieser kurzen Einleitung nicht 
schwer zu entscheiden sein! Wer sich aber heute noch darauf ausredet, dass er nicht 
gewusst habe, was in diesem Zweige der Liturgie bereits vorhanden und zugänglich 
sei, den möge nachfolgende Liste eines Besseren belehren und ihm die Überzeugung 
verschaffen, dass es Charwochenmusik älterer Meister im Überflusse gibt. Wenn bei 
dieser Aufzählung passende Ergänzungen oder Gesangssätze neuerer Kompositionen, 
die besonders seit dem Wirken des Cäcilienvereins in ziemlich grosser Menge erschienen 
sind, übergangen werden und unerwähnt bleiben, so ist das teUs im Thema dieses Auf- 
satzes begründet, teils in dem Umstände, dass aus dem Cäcilienvereinskatalog und aus 
den Ankündigungen der betreffenden Verleger das Vorhandene leicht aufzufinden ist. 

Von Messen und denjenigen Texten, welche die Chai-wochenliturgie mit der des 
übrigen Kirchenjahres gemeinsam hat, soll gänzlich abgesehen werden. 

Was kann also für den Palmsonntag an älteren Werken als wirksam und 
auch mittleren Chören zugänglich empfohlen werden? — Während der Austeilung 
der Palmen: 1) Pueri Hebraeorum von Palestrina aus Mus. div. Bd. 11, Nr. 39 wird 
eine Sext tiefer mit 3 jt oder 4 b für Männerstimmen besser wirken und auch leichter 
zur Ausfiihrung gebracht werden können, als in der Originallage für Oberstimmen. 
2) Der gleiche Text von T. L. Victoria*) für gem. 4 stimm. Chor ist unübertrefflich 
schön. 3) Die Chorantworten (Cantus turbae) zur Passion nach Matthaeus können aus 
Mus. div. IV. Bd. oder aus der in moderner Partitur mit Transposition und Schlag- 
wörtern versehenen Ausgabe im Bd. ü. Fase. 3 des Repertorium Mus. s., komponiert 
für 4 stimm, gem. Chor von Fr. Soriano, oder aus dem Off. h. s. von V. genommen 
werden. 4) Herrliche Kompositionen des Offertoriums Improperium exspectavit sind: 

^) Officium hebdomadae sanctae aus den Musikbeilagen zum kirchenmus. Jahrbuch und auch in 
Einzelausgabe bei Pustet in Eegensburg erschienen, soll hier nur mit Off. h. s. von V. markiert werdeu. 



- -w 5» e«- 

h) Nr. 40 des Bd. II der Mus. div., auch Nr. 101 des 2. Teils von Orlando di Lasso's 
Magnnm opus musicum für 4 stimm, gem. Chor, eine kleine Terz nach aufwärts zu 
transponieren; b) der gleiche Text für 5 gem. Stimmen steht im 9. Bande der Palestrina- 
ausgabe, einzeln, auch mit Vortragszeichen In Transposition und mit modernen Schlässeln 
versehen, im 10. Hefte des I. Bd. vom Repert. Mus. s. unter den lOfünfstimm. Oflfer- 
torien Palestrina's. 

Am Montag kann das 4 stimm. Offertorlum Eripe me von Orlando di Lasso aus 
Mus. div. Bd. IT, Nr. 37 oder Magnum Opus I. Teil, Nr. 84 in die kleine Oberterz ver- 
setzt gebraucht werden. Sehr tief empfunden ; in langsamem Tempo mit schmerzlichstem 
Ausdruck vorzutragen nach ernsten Proben! 

Am Dienstag dient für die Chorantworten der Passion nach Marcus die Kompo- 
sition des Francesco Soriano für 4 gem. Stimmen aus Mus. div. Bd. IV, S. 19—27, als 
Offertorium das 4 st. Oustodi me von Orlando di Lasso im Magn. op. mus. II. Teil, 
Nr. 134, etwa in die kleine Oberterz versetzt. 

Für den Mittwoch finden sich die Chorantworten von Fr. Soriano für 4 st. gem. 
Chor in Mus. div. Bd. IV, S. 27— 40, auch sind dieselben Texte in einer Komposition für 
4 M&nnerstimmen eines unbekannten Autors des 16. Jahrhunderts (in Einzelpartitur aus 
Mus. s. 1891) gut zu gebrauchen. Das Offertorium Domine exaudi orationem für 4 st. 
gem. Chor aus Magn. op. ü. Teil, Nr. 108 hat Orlando komponiert; es lässt sich in 
der Lage, wirkungsvoller aber einen Ton höher ausführen. 

Für die Matutin des Gründonnerstags existieren 1) von den 3 Lamentationen die 

4 st. Kompositionen Palestrina's aus Bd. IV. der Mus. div., S. 49—66, ebenso in Ge- 
samt -Ausg. von Palestrina, Bd. XXV, S. 1—12; die erste ist auch für Männerchor 
arrangiert.*) 5^ und 6 stimmige Lamentationen für diesen Tag siehe im 25. Bd. von 
Palestrina's Werken, die erste als op. dub. 8 stimm, im 32. Bande S. 163; — dazu 
kommen die 3 Lamentationen im Off. h. s. von V. Die erste Lamentation von 
J. M. Nanino ist für 4 Männerstimmen eingerichtet im kirchenmusikalischen Jahr- 
buch 1891 und in Einzelausgabe als 8. Heft des 1. Bd. vom Repert. Mus. s. erschienen. 
2) Die 9 Responsorien der 3 Noktumen siehe in Mus. div. IV. Bd. S. 105 — 121. Die- 
selben sind 4 stimm, von Croce (3), Viadana (4), Zoilo und Ferrari; da jedoch in vielen 
derselben die Texte nicht vollständig sind, so kann eventuell durch Rezitation das 
Fehlende ergänzt werden. Im III. Teil des Magn. op. befindet sich das grossartige 

5 stimmige Tristis est anima mea von Orlando, dessen Text wohl in Motettenform be- 
liandelt ist, aber mit dem des zweiten Responsorium übereinstimmt. 

H. Domkapellmeister Max Filke in Breslau schreibt darüber an die Red.: „Die 
Werke des grossen Meistere Orlando di Lasso, welche jetzt in der Gesamt -Ausgabe 
])ei Breitkopf & Härtel erscheinen, sind meist von einer solchen überwältigenden Kraft 
und Schönheit, dass man dieselben nicht oft genug bewundern kann. Leider werden 
dieselben viel zu wenig beim Gottesdienste verwendet, was freilich teils von der Schwierig- 
keit und teils von dem Texte abhängt. Es müssen deshalb die verwendbaren Texte und 
Nummern ausfindig gemacht werden, welche besonders schön und leicht sangbar sind. 
Zu den schönsten Nummern, welche in dem 5. Band (3. Teil des Magn. op.) ent- 
halten sind, gehört zweifellos das 5 stimmige „Tristis est anima'*. Orlando hat nur den 
1. Teil des Textes komponiert; ich habe mir nun erlaubt, in wenigen Akkorden den 
fehlenden Text zu ergänzen, woran sich eine V^iederholung der letzten 20 Takte der 
Orlando'schen Kompositionen anschliesst." 

„Die Wirkung dieses Tonstückes ist eine herrliche, besonders bei den Worten vos 
ftujam capietis. Mit einer wunderbaren Ruhe beginnt Orlando Tristis est. Dann steigert 
sicli die Kompostion zu einer nicht geahnten Kraft und Fülle, so dass man glaubt, 
20 Stimmen zu hören, welche immer wieder den Jüngern das vos fugam zurufen. Die 
Wirkung wird dadurch noch erhöht, indem man den Alt II zur Hälfte mit hohen 
Tenören und den Tenor zur Hälfte mit hohen Baritonstimmen besetzt. Möchten in der 

') In der bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erseheinenden „Auswahl". 1. Bd., 3. Heft, bearbeitet 
von M. HaUer. 



-ö 54 ö- 

vorstehenden Charwoche recht viele Chöre dieses einzig schöne Stück zur Aufführung 
bringen." 



Sopran. 



I. Alt. 



11. Alt. 



Tenor. 



Bass. 



I 



r^w 



m 



i 



g=PM^-R 




/ Ecce appropinquat hora, | et Fiüns hominis trad^tur in ma - nns pec 

■im =im — 



- ca - 



± 




/ Ecce appropinqaat hora, | et Füios hominis trad^tor in ma 



nns 



:^.± 



m 



«= 



± 




3s: 

L.V- 



/ Ecce approplnqnat hora, | et Filins hominis trad^tnr in ma - nns pec 



m\ f H 



*=* 



m 



*= 



t 



ä 



m 



f Ecce appropinqnat hora, | et Filius hominis trad^tur in ma 



nuB 



^=1et: 



i=t 



I 



/ Ecce appropinquat hora, | et Filius hominis trad6tur in ma - nus pec - ca - 




pec - ca - tö - rum 



/ vos 



fu - gam ca - pi - 



^E^zt 



I 



X 



ca - t6 - rum 



t 



f vos 



fii - gam 



m 



X 




1=* 



1 



pec - ca - tö - rum 



/ vos 



P 



-T*^ ' •- 



X 



X 



X 



tö 



rum 



vos 



fu - gam ca - pi - 6 



Die letzten 
20 Takte 
des Motet- 
tes werden 
hier wie- 
derholt. 



Auch die 9 Responsorien von M. A. Ingegneri, welche im 32. Bande der Werke 
Palestrina's von S. 93 — 104 als op. dub. mitgeteilt, aber, wie unsere Leser wiederholt 
hören mussten, ein Werk Ingegneri's aus dem Jahre 1588 sind, verdienen alle Be- 
achtung wegen ihrer Klarheit und Textbehandlung. — Victoria hat nur die 6 Respon- 
sorien der II. und III. Noktum 4 stimmig bearbeitet, siehe dieselben im 4. Bande 
Mus. div. S. 161 und für den praktischen Gebrauch eingerichtet in Off. h. s. von V. 

3) Mehrstimmige Kompositionen des Cant. Benedidu^ bieten aj der 4. Band 
der Mus. div. in Tonsätzen von Palestrina, Victoria (auch im Oflf. h. s. von V.) und 
Jac. Händl; die Falsibordoni von Guidetti müssten jedoch mit vollem Texte versehen 
werden, b) die Gesamtausgabe von Palestrina im 32. Bande 4-, 5- und 9 stimmig S. 59, 
einzeln zu praktischem Gebrauche bearbeitet,^) sowie ein 5 stimmiges S. 112 und ein 
2 chöriges S. 169 des 31. Bandes, ferner ein 4 stimmiges im 30. Bande. 



') In meiner Sammlung „Ad iinem Laudum Tridui säcri'\ die auch ein 4 stimm. Christm f actus 
est und den 4- und 5 stimmigen Ps. Miserere von J. Fr. Anerio enthält. Bei Pustet in Regensburg. 



-ö 55 D«- 

c) Für die Antiphon Christus facttis est, deren Text am zweiten und dritten Tage 
einen kleinen Zuwachs erhält, sind aus Mus. div. 4. Bd. für Gründonnerstag mit Ab- 
schlnss bei ad mortem, und für Charfreitag die 2 Nummern von Jac. Händl sehr 
empfehlenswert, auch lässt sich das 4 stimmige Motett von Matteo Asola im 2. Bd. 
der Mus. div., Nr. 41 ohne Schwierigkeit für jeden der 3 Tage einrichten. Eine 
Komposition von J. Fr. Anerio siehe in der Sammlung „Ad finem laudum". 

d) Für den Psalm Miserere können die Falsibordoni von Palestrina, Dentice, 
Nanino und Viadana im 4. Bd. der Mus. ^v. mit Text versehen werden. Durch- 
komponiei-t und sehr brauchbar ist das von Jac. H&ndl I.e. S. 213. Eine mit dreierlei 
Falsibordoni und mit vollständigem Texte versehene 4 stimmige Komposition Victoria's* 
steht im Oflf. h. s. von V. Das 4- und 5 stimmige, auch in der Lück'schen Sammlung 
enthaltene Mserere von Greg. AUegri hat, wie schon in Nr. 4 der Mus, s. bemerkt, 
seine Berühmtheit mehr den Zuthaten als den einfachen Kadenzen zu verdanken, 
übrigens muss ausdrücklich bemerkt werden, dass ein mehrstimmiger Vortrag des 
Miserere nach den Landes der 3 letzten Charwochentage nicht in den liturgischen 
Vorschriften begründet ist, sondern seit 1514 als geduldete Licenz angesehen werden 
muss. *) 

4) Als Graduale während des Hochamtes eignet sich in hervorragender Weise das 
obenerwähnte 4 stimmige Motett von Asola. Das Oflfertorium Dextera Domini, 5 stimmig 
von Palestrina, steht im 9. Bande der Gesamt-Ausgabe, sowie in moderner Partitur im 
10. Heft des 1. Bandes vom Report. Mus. s. unter den 10 Offertorien. Eine 4 stimmige 
Komposition Orlando di Lasso's siehe in Mus. div. 2. Bd., Nr. 27, sowie im Magn. op. 
I. Teil, Nr. 89. Diese Nummer verlangt jedoch einen tüchtigen Dirigenten und wohl- 
geschulten Chor; sie verträgt Transposition in die grosse Untersekunde. 

Am Vorabend desCharfreitags finden sich 1) zurMatutin a) die Lamentationen 
von Palestrina in Mus. div. und Ges. -Ausg., wie oben am Gründonnerstag angegeben. 
Die zweite Lamentation, von M. Haller fiir Männerstimmen bearbeitet, in 1. Serie 4. Heft 
der ausgewählten Werke Pal., die erste Lamentation von Nanino für 4 Männerstimmen 
im achten Hefte des Repert. Mus. s. Ausserdem die erste 4- und zweimal 5 stimmig, 
die zweite 4-, 5- und 6 stimmig, die dritte 5- und zweimal 6 stimmig, die zweite 4-, 5- 
und 6 stimmig, die dritte 5- und zweimal 6 stimmig im 25. Bd. der Ges.- Ausgabe. End- 
lich die erste für gem. Chor, die zweite für 2 C. A. T., die dritte B stimmig von 
T. L. Victoria im Off. h. s. von V. — b) Von den 9 Responsorien der Mus. div. sind 
das erste und dritte von Viadana mit vollständigem Text, die übrigen, 2. und 5. von 
Croce, 4. und 6.-9. von Zoilo, müssen teilweise durch Rezitation ergänzt werden. Fast 
unbrauchbar sind* übrigens die von Zoilo wegen zopfiger rhythmischer Einschaltungen. 
Dagegen sind die 9 R^ponsorien von Ingegneri (32. Bd. der Pal. -Ausgabe), sowie die 
6 Responsorien der 2. und 3. Nokturn von Victoria (im Off. h. s. von V.) von schöner 
Wirkung. — c) Für Benedictvs, Christus f actus est und Miserere wurde oben bei 
Gründonnerstag die verfügbare Litteratur angegeben. 

2) Bei der Liturgie des Charfreitags ist wohl der gregorianische Choral, wie über- 
haupt in der Charwoche, weitaus der würdigste Chorgesang. *) Man pflegt jedoch mehr- 
stimmig zu singen a) die Chorantworten zur Passion nach Johannes, welche von Suriano 
und Victoria in den unterm Palmsonntag erwähnten Ausgaben zu finden sind, — b) die 
Improperien. Der 4. Bd. der Musica divina enthält die von Palestrina') und von 
G. A. Bemabei; letztere sind fast Kopie der ersteren, enthalten aber eine grössere An- 

') Siehe kirohenmus. Jahrb. 1897, S. 47, 3. Anm. 

■) Für die Charwoche ist bekanntlich das „Officium hcbdomadae sanctae" nach der offiziellen Aus- 
e:abe des Graduale und Antiphonarium Romanum von Palmsonntag bis Samstaf^ nach Ostern in ver- 
schiedenen Einzelausgaben hergestellt worden. Ausserdem hat der Unterzeichnete im Charwochenbucli 
7Ai allen Texten und Gesängen (letztere im Violinschlüssel mit weissen Noten auf 5 Linien) die deutsche; 
Übersetzung beigefügt. Die Passionsgesänge nach den vier Evangelisten mit den 9 Lamentationen fl\r 
die drei Tage und dem Rrstdtet für Charsamstag sind in 8 Kleinfolioheften mit grösseren Choralnotcn 
verteilt. Über diese Ausgaben kann man sich im Verlagskatalog von Fr. Pustet genauer orientieren. 

*) In der „Auswahl" bearbeitete der Unterzeichnete die Improperien fiir 8 st. Doppelchor nach dem 
Autograph Palestrina^s im 31. Bd. der Ges.- Ausgabe. Leipzig, Breitkopf & Härtel, 4. Serie, 1. Heft. 



--(3 5A e^ 

zahl der Versikel. Im 2. Bde. der Mas. div. zeichnen sich die von Victoria durch Innig- 
keit aus und haben den Umfang, der fiir die gewöhnlichen Funktionen in kleineren 
Kirchen auszureichen pflegt (siehe auch Off. h. s. von V.). — c) Die Hymnen Fange 
linffua und Vexilla regis singt man am besten choraliter oder nach homophonen Kompo- 
sitionen neuerer Meister; es ist jedoch in manchen Kirchen möglich, und nach der 
Meinung des Unterzeichneten nicht störend oder unliturgisch, während der Funktionen 
des Priesters vor dem Aufheben der heiligen Gestalten ein Adoramtis oder hone Jesu 
oder ähnliche Gesänge einzuschalten.*) 

Bei der Matutin des Charsamstages stehen zur Verfügung 1) die drei 4 stimm. 
Lamentationen von Palestrina im 4. Bd. der Mus. div.; die gleichen Texte im 25. Bd. 
der Gesamt -Ausg., welche überdies von der ersten und zweiten je eine 4- und zwei 
5 stimmige, und von der dritten noch drei 6 stimmige Bearbeitungen enthält.*) — Die 
3 Lamentationen von G. M. Nanino für 4 Männerst. siehe im Bepert. Mus. s. 1. Bd., 
8. Heft ; — die erste von Greg. Allegri, durch M. Filke neu ediert, wurde in Nr. 4 der 
Musica Sacra empfohlen; ~ die erste für gem. Stimmen, die zweite für 2 A., T. und 
Bar., die dritte 6 stimmig von Victoria siehe im Off. h. s. von V. 

2) Unter den 9 Responsorien des 4. Bandes der Mus. div. sind drei von Viadana, 
drei von Jac. Händl, zwei von Zoilo und eines von Croce. Nur die zwei von Zoilo 
sind nicht empfehlenswert. Femer existieren die 9 von M. A. Ingegneri (32. Bd. der 
Pal.- Ausgabe) und die 6 von Victoria im Off. h. s. von V. — Über Benedictus, Christus 
factus und Miserere vgl. die Angaben beim Gründonnerstag. — 

3) In der VormittagsUturgie des Charsamstags wird wohl der gregorianische Choral 
die hauptsächlichsten Dienste leisten, denn es verlohnt sich nicht der Mühe, den Vers 
Confitemini mit dem kurzen Tractus Laudate Dominum mehrstimmig zu singen. Beim 
Magnifkat jedoch leisten die Falsibordoni unserer alten Meister die besten Dienste. ^) — 
Statt des Orgelspiels vom Evangelium bis zur Präfation könnte beispielsweise das 4 st. 
Motett Sicut cervus^) von Palestrina vorgetragen werden, oder das wunderschöne, 
siegesfrohe Motett Vespere autem Sabbati von Jac. Händl (Nr. 44 des II. Bd. der 
Mus. div., eine kleine Terz oder einen Ganzton erhöht). 

Mit diesem Tage sei die Umschau über die allgemein zugänglichen Vokalkompö- 
sitionen der alten Meister geschlossen und nur das 5 stimmige Off. Terra tremuit von 
Palestrina ^) für den Ostersonntag erwähnt, dessen glanzvoller Jubel auch dem modernen 
Ohre Hochgenuss, dem liturgisch gebildeten Kirchensänger aber die höchste Festesfreude 
gewähren wird. 

Schliesslich sei erwähnt, dass J. Diebold (1881) die Responsorien der 1. Noctum 
für die 3 Tage der Charwoche nach alten Meistern (die Mehrzahl aus dem IV. Bd. 
der Mus. div.), als Op. 15 a sehr praktisch eingerichtet, ediert hat, und dass Dr. Böcker 
eben eine Sammlung 4 st. Gesänge für gem. Chor von alten Meistern bei I. Schweitzer 
in Aachen ankündigt.^ 

') Zu dicHera Zwecke können dienen a) die Adoramiis von Rosselli, Lasso und auctor inoertus in» 
4. Bd. der Mus. div. — b) Im 2. Bd. Nr. 43 von Gieg, Aichinger, am benten für Männerchor. — c) Das 
H St. Domine Jesu Christe, oder das 4 st, Vet-e languores von Victoria in Off. h. s. von V. — d) Das 
t> St. hone Jesu von Palestrina (in der Auswahl 3. Serie, 2. Heft) und ähnliche. 

'^) Der 31. Bd. bringt überdies die dritte Lamentation «stimmig, welche Mich. Haller 1894 in den 
Moduli selecti, die behufs des Zentenariums redigiert worden sind, aufgenommen hat. Dieselbe ist auch 
einzeln in der „Auswahl" 3. Serie, 1. Heft erschienen, während in der 1. Serie, 5. Heft die 4 st. Lamen- 
tation von ihm für Männerchor bearbeitet ist. 

*) Siehe die XXX Falsibordoni zu 4, 5 und 6 Stimmen über die 8 Töne des Magniticat im Rcpert. 
Mus. s. II. Bd., 1. Fase. Im 3. Band der Mvs. div. sind das 4 st. Magnificat von Pitoni und besonders 
das von Luc. Marenzio, beide im VIII. Ton, sehr wirksam. 

*) Mus. div. IL Bd. Nr. 163, in der „Auswahl" mit Vortragszeichen u. s. w. versehen als 
7. lieft der 1, Serie. 

*) 9. Band der Ges. -Ausg., in der Breitkopf - Härtel'schen „Auswahl" von Ign, Mitterer für den 
heutigen Gebrauch eingerichtet als 2. Fascikel der 2. Serie. 

^) Es sind laut Inserat Lamentationen, Eesponsorien, Miserere, Stabat mater von Croce, Viadana, 
Vecchi; dieselben werden in Nr. 6 besprochen. 



-e 5* DK 

Wo aber statt der Matutinen sogen. Grabmusiken üblich sind, kann eine Besserung 
unpassender Vorführungen durch Aufnahme der einen oder anderen ebenerwähnten 
Komposition von Palestrina^) oder Orlando^) bei gut gebildeten Sängern unschwer er- 
reicht werden. F. X. H. 

Vermischte Naohriohteii und Mitteilungen. 

1. X Montabanr. Am Sonntag, 23. Januar nachmittag von Vjö bis 6 Uhr fand in der 
Seminartarnhalle dahier eine Musikaufführung der Seminaristen und Präparanden unter Leitung 
des Seminar- und Musiklehrers Herrn K. Walter statt Wenn die Konzertveranstaltungen des 
Seminars sich immer eines starken Besuches erfreuen, so war dies ganz besonders bei obiger Ge- 
legenheit der Fall: die geräumige Halle war bis auf den letzten Platz mit Besuchern von hier und 
auswärts geföUt Das Programm war ein aussergewöhnlich reichhaltiges. Zur Eröffnung trugen 




Triumphgesan^' 

getragen und machten tiefen Eindruck. Ebenso verdienen die übrigen Lieder: „'s Eosmarinkranzle^' 
von Koschat und „lUieins Töchterlein" lobende Anerkennung. Aber auch die Musikpiecen wurden 
tadellos zu Gehör gebracht; es seien nur erwähnt: pLied ohne Worte** von Hecht, „Scherzo" von 
Kullak, Violinchor mit Klavierbegleitunff, pKommt ein Vogerl geflogen", niederöstr. Volkslied, mit 
Variationen in dem Stile verschiedener Meister, und „Ungarische Enapsodie' von Liszt; diese Vor- 
trl^e auf Violine und Klavier zeugten von wahrhaft künstlerischer Fertigkeit Mit dem Chor: 
„Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib die Ehre!" von K. Walter schloss das 
schöne Konzert. Lauter Beifall der zahlreichen Zuhörer belohnte die Mitwirkenden, ganz besonders 
sei aber dem eifrigen Dirigenten Herrn Musiklehrer Walter der öffentliche Dank hiermit ausge- 
sprochen. — Der Reinertrag obiger Aufführung, 200 M, ist dem Ausschusse zur Er- 
richtung eines Denkmals für Kaiser Wilhelm 1. in hies. Stadt überwiesen worden. 

2. -f Salzbnrff. „Franz Grillparzer und die Kirchenmusik'^ betitelte sich ein Aufsatz in 
Nr. 17 des hiesigen „Volksblattes"- Die ,,Salzburger Chronik" bemerkt in Nr. 23 zu diesem unge- 
schickten Angriff u. a.: „Wenn Grillparzer mit Emphase die Fragen hinwirft: ..Ihr wollt die Musik 
wegnehmen? warum nicht auch die Bilder? warum nicht die Pracht in der Ausschmückung der 
Kirchen, der Gewänder und Aufzüge?", so dürfte dieselbe dem Dichter wohl mehr Ehre machen, 
als dem Denker, denn „Qui nimium probat, niliil probat", d. h. mit Übertreibungen beweist man nichts. 
Das „Volksblatt" bringt noch einen anderen Kronzeugen für seine Ansicht, nämlich einen Suf^agan- 
bischof (??), der dem f Fürsterzbischof gegenüber — dem hochverdienten Keformator unserer Dom- 
inusik — den Niedergang der „weihevollen Kirchenmusik im Dom** bedauert haben soll. Es wäre 
unbedingt wirksamer und für die ..Cftcilianer"* vernichtender gewesen, wenn der verehrliche Ein- 
sender auch den Namen des betreffenden Kirchenfürsten, die näheren Umstände, unter welchen 
dieser sein Ausspruch erfolgt sein soll und die Antwort , welche Erzbischof Eder gegeben haben 
durfte, angeführt hätte. 

Als Kirchen, wo noch „alte, gute Musik" zu hören sei (??), nennt das „Volksblatt" St. Peter. 
die Kollegien-, Bürgerspital- lind Jtttillnerkirche. Nach unseren Erfahrungen möchten wir fast ver- 
muten, dass der Volksblätt-Schreiber wenigstens einige Jahre nicht mehr in manche der genannten 
Kirchen gekommen ist. Dass überhaupt das protestaut. ,,Volkablatt", welches von liturgischen 
Kirchengesetzen, von einem Zusammenhang zwischen heil. Messopfer und Musik etc. keine rechte 
Ahnung nat, sich dessen ungeachtet in Beurteilung von derlei Fragen für kompetent und unfehlbar hält, 
nun das findet man nach äouivalenten Leistungen aus der Vergangenheit begreiflich. Die. Vor- 
stehun^en der genannten Kirchen dürften auch kaum mit besonderem Dank das zweifelhafte Lob eines 
..Volksblatt" Quittieren. (Die Red. der Mm, 8. glaubt, dass der Aufsatz von Ed. Langer im kirchen- 
mus. Jahrb. 18^: »Wie steht der Cäc-Ver. zur Instrumental - Kirchenmusik" ein wahres Arsenal 
zur Verteidigung bildet, gesteht aber gerne zu, dass trotz aller Klarheit der kirchl. Anschauung die 
Feinde und Gegner fortbestehen werden; — und das ist gut und nützlich!) 

8. D Das erste Pianino. Man schreibt dem ,,B. B. C." aus Florenz: Cesare Ponsicchi, 
Konservator der iistrumentensammlung des Königlichen Musikinstitutes in Florenz, hat in diesen 
Tagen eine interessante Schrift, betitelt ,J1 primo pianoforte verticale" (Das erste Pianino), ver- 
öffentlicht. Wie schon seit geraumer Zeit feststeht, ist der erste Erfinder des Pianoforteraechanismus 
Bartolomeo Cristofori, Konservator der Instrumentensammlung des Grossherzogs von Toscana. 
Er gab seine Erfindung im Jahre 1711 bekannt, und damit waren alle wesentlichen Bestandteile 
des Tafelklaviers und des Flügels festgestellt. Freilich wurde die Florentiner Erfindung im Auslande 

^) Ich nenne nur das 8 stimm. Stabat mater, von dem Bichanl Wagner eine moderne Ausgabe 
hcHorgt hat; siehe C.-V.-Kat. unter Nr. 437. 

') Dazu ist beispielsweise aus>«er dem genannten Motett Tristis est anima mea das tiefempfundene 
6 stimm. In monte Oliveti, das in den 3 Mot. trium auct. (O.-V.-E. Nr. 1456) und in den, 1894 bei der 
Zentenarfeier vorgeführten „VII moduli von Orlando" sich vorfindet, in hervorragendem Masse geeignet; 
vgl. auch das zweiteilige, in der Liturgie nicht verwendbare JPopule tneus im 3. Teile (5. Band der 
lies. -Ausg.) des Maguum opus mus. Nr. (169). 



-«Q 5» &h 

nur langsam bekannt, so dass der sächsische Orgelbauer Gottfried SUbermann ums Jahr 1740 selbst- 
ständig die Klaviermechanik ein zweites Mal erfand. Anch Gh. G. vSchröter in Nordhaosen ver- 
öffentlichte 1763 einen aDgeblich von ihm selbständig erfundenen Entwurf zu einem Tafelklavier. 
Was nun das Pianino, das aufrechtälehende Klavier, anlangt, so weist Cesare Ponsicchi nach, dass 
es von dem Priester Don Domenico de Melazu Gagliano in Toscana im Jahre 1739 erfunden 
wurde. Das erste von dem musikkundigen Priester erbaute Pianino befindet sich noch heute in 
dem Besitze der Familie Del Mela. Die Mechanik ist im wesentlichen dieselbe wie die gegen- 
wärtig angewandte. Es dauerte 80 Jahre, ehe das Pianino die Alpen tiberschritt und auch in 
Deutschland gebaut wurde. Um das Jahr 1820 beginnen Schmidt in Salzburg und Grüneberger 
in Halle mit dem Bau der ersten deutschen Pianinos, die wegen ihrer Bequemlichkeit rasch ue- 
liebt wurden. 

(Die Red. der Mus, s. kann bei dieser Gelegenheit mitteilen, dass von Weitzmann's Geschichte 
der Klaviermusik eine Neuauflaj^e bei Breitkopf & Härtel voroereitet wird, deren Umarbeitung 
Prof. Dr. Fleischer und Dr. M. Seiffert besorgen.) 

4. 4t- Chicago. Am 8. Dez. 1897 wurde das neue, jetzt vollständig fertige Hospital der 
Alexianer-Brüder an der Racine und Beiden Ave. von dem Erzbischof Feehan feierlichst eingeweiht. 
Der gesangliche Teil der eindrucksvollen Feier wurde von Hrn. Prof. J. Singenberger mit dem 
nut>er seiner Leitung stehenden Studentenchor des Schullehrerseminars von St. Francis^ Wis., in 
hoclianerkennenswerter Weise zur Ausftilirung gebracht. Der vortreffliche Lehrer und seine JtLager 
waren speziell für die Hospital -Einweihung hierher gereist. Zwölf der besten Kräfte seines Chors 
hatte der verdienstvolle Gesangmeister für diese Gelegenheit ausgewählt. 

Es war wirklich ein musikalischer Genuss herrlichster Art, dieses dreifach besetzte Quartett 
in tiefempfundenen religiösen Nummern zu hören. Gleichmässig voll und schön verbanden sich die 
Töne zu den edel geschwungenen Linien der einfachen, aber ausdrucksreichen Melodien des kathol. 
Kirchengesanges, und der von frischen, prächtig geschulten Stimmen geführte und mit grosser 




.V.WXV »."« *«««*.*v.^^* Sorgfalt einstudiert und dem guten Material, das diese frischen Jünglings- 
stimmen abgeben, einen vollendeten Schliff verliehen hat, grosse Ehre. Der vortreffliche Lehrer 
und Chordingent hat sich um die Entwickelung des katholischen Kirchengesanges im Westen der 
Vereinigten Staaten grosse Verdienste erworben, die übrigens bereits vor Jahren durch die Ver- 
leiliung des St. Gregorius-Ritterordens an höchster Stelle zu Rom, vom Papst Leo XIII., gewürdigt 
worden sind. 

Das Programm, welches von den Genannten unter Leitung des Herrn Singenberger und unter 
Mitwirkung des im Münchener Konservatorium und an der Regensburger Kirchenmusikschule aus- 
gebildeten, technisch wie musikalisch schon auf hoher Stufe stehenden Chicagoei* Organisten 
HeiTn Albert Sieben zur Ausführung gebracht wurde, umfasste die folgenden Nummern: 

Ji^cce Sacerdos von J. Singenberger. Veni Oreator, Introitus, Graduale, Communio — gregor. 
Choral. Missa in hon. S. Luciae von Dr. Fr. Witt. Oredo mit Et incamatus est, 4 stimmig. Offert. 
Ave Maria von Ign. Mitterer. Zum heil. Segen: aacrum convivium von M. Hall er. Te Deunt, 
5 stimmig von Fr. Witt. Tantum ergo für 5 Männerst. von M. Haller. Marienlied von C. Aiblinger. 

Etwa fünfzig Priester und viele Deutsche, die durch ihren Gemeinsinn und ihre Freudigkeit 
am Wohlthun bestens bekannt sind, wohnten der schönen Feier bei. (Die Red. der Mus. s. freut 
sich herzlich dieser schönen Feier und bittet um Entschuldigung wegen des verspäteten Abdruckes 
dieser Korrespondenz. Dem seit Neuiahr an der Michaelskirche in Chicago wirkenden Organisten 
und (^horregenten H. Sieben die herzlichsten Glückwünsche und Grüsse.) 

5. A In dem Jahresberichte über den Stand des Diözesan-Cäcilien- Vereins Augsburg 
pro 1897 heisst es u. a.: Der erste Vizepräses unseres Diözesan-Cäcilien -Vereins, Herr Seminar- 
musiklehrer Karl Deigendesch von Lauingen, hat über den Musikunterricht an den 
bayrischen Lehrerbildungsanstalten folgende sehr beachtungswerte Vorschläge empfolilen: 
„Der Musikunterricht an den Lehrerbildungsanstalten lässt sich ohne grössern Zeitaufwand frucht- 
bar und erfolgreicher gestalten und es lässt sich ein höheres Mass der musikalischen Leistungen 
erreichen unter folgenden Bedingungen: 1. Bei der Aufnahme an die Präparandenschule soDen 
musikalisch nicht begabte Knaben nur dann berücksichtigt werden, wenn sie ausserdem Hervor- 
ragendes oder doch soviel leisten, dass sie in Kenntnissen und Anlagen mindestens die Note II ver- 
dienen. Durch diese Massre^eln würden musikalisch nicht begabte Knaben ^ssenteils ferne ge- 
halten, was für den Musikunterricht von grösstem Vorteil wäre. 2. Die in die Präparandenschule 
aufzunehmenden Schüler sollen eine entsprechende Vorbereitung in den Anfangsgründen der Musik 
(Gesang. Klavier, Violine) nachzuweisen haben. Dadurch würde der gesamte Musikunterricht an 
den Lehrerbildungsanstalten einen bedeutenden Vorsprnng gewinnen.^ — Da in absehbarer Zeit der 
Organisten- und li^antordienst auf dem Lande von den Schulstellen wohl nicht getrennt werden 
wird, so ist leicht einzusehen, dass durch die Durchführung der genannten Vorschläge die für den 
Kantor- und Organistendienat brauchbaren Persönlichkeiten erhalten blieben und für kirchenmusi- 
kalischen Nachwuchs in der Lehrerwelt überhaupt gesorgt wäre. Wird aber mit der .fetzigen 
Praxis, musikalisch nicht begabte Knaben onne alle Ausscheidung zum Lehrer- 
berufe zuzulassen, nicht gebrochen, so wird sich in absehbarer Zeit ein sehr grosser Teil 
der Lehrer an den Bestrebungen für Verbesserung der Kirchenmusik schon aus dem Grunde nicht 
mehr beteiligen können, weil ihnen die musikalische Vorbildung hierfür gänzlich felilen wird. 
Gegen die lueraus für die Kirchenmusik sich ergebenden traurigen Folgen würde der Cäcilien- 



-G 50 e*- 

verein vergebens ankämpfen. Es wäre dämm dringend zn wünschen, dass die massgebenden Kreise 
den obigen Vorschlägen ihre Beachtung schenken würden. (Kath. Schulzeitnng in Donauwörth.) 

(Die Eedaktion der Miis. s. ersieht in diesem Vorschlag eine Lebensfrage für die Zukunft der 
Kirchenmusik auf dem Lande.) 

6. C. I. (Vgl. S. 22.) Als Nachfolger von Tebaldini wurde der bisherige Organist zu 
S. Marco in Venedig. Oreste Ravanello, an die Antoniuskirche in Padaa zum Kapellmeister 
berufen. — Aus Rom wird an die Muß. s. unter anderem berichtet: a) Die neue Orgel in 
S. Carlo ai Catinari ist das 600ste Werk der Gebrüder Eieger in Jägemdorf und enthält auf 
2 Manualen 25 Regster, das Pedal hat 27 Tasten. Bei der Orgelprobe im November 1897 spielte 
Fil. Capocci unter anderen das grosse Präludium mit Fuge in Ä-moU von J. S. Bach und die 
(). O^eisonate von Mendelssohn mit ausgezeichnetem E^olg auf dem vorzüglichen Werke, b) Bei 
den Exsequiem für den am 11. Jan. des Jahres f Kapellmeister Gaetano Capocci waren alle 
musikalischen Institute Roms in grossartiger Weise beteiligt. Am 14. Jan. (die tertia) kam in der 
Pfarrkirche S. Carlo ai Catinari, zu welcher der Verstorbene gehörte, das Choralrequiem mit Orgel- 
begleitung in sehr diskreter und zufriedenstellender Weise zum Vortrat. Am 10. Febr. (die 30.) 
wurde unter Leitung Mustafas, des lebenslänglichen Dirigenten der päpstlichen Kapelle, das Requiem 
von Giov. Franc Aierio recht brav gesungen. Das Graduale von Capocci, Dies irae, Benedicttm 
und Libera von Mustafa waren in dem hinlänglich bekannten Effektstil gedacht und aufgeführt. 
c) Am 14. März stehen zu Ehren Mustafä's und zur Erinnerung an dessen vor 50 Jahren 
erfolgten Eintritt als Sopranist in die päpstliche Kapelle verschiedene Akademien und sonstige 
KundgebungQ^ für den Jubilar bevor, d) Am 8. und 10. Febr. fühlte die hiesige, sehr verdiente 
Bachgesellschaft unter Costa in Sala Costanzi das herrliche Magnificat Sach's mit durch- 
schlagendem Erfolg auf. e) Die Societä Orchestrale Roma gab in Sala Dante unter Pinelli 
je ein deutsches, russisches, französisches und italienisches Konzert. Am schönsten gelangten zur 
Wiedergabe die Akadem. Festouverture von Brahms, Beethoven's IX. (ohne Chöre) und das wunder- 
bare Klavierkonzert Sgambati's in G moll, Op. 15, von ihm selbst gespielt, f) Am 19. Jan. war im 
Pantheon das Requiem für Victor Emanuel. Die Komposition von M. Lucidi, ein kirchlich und 
musikalisch misslungenes Werk, wurde unter Direktion von Pietro Masca^, Direktor der Accademia 
Rossini in Pesaro, vorgetragen, g) Für die Konzerte der Accademia di ö. Cecilia lauten die Pro- 

£ ramme: Am 28. Febr. der Derühmte Pariser Orgel virtuos C. M. Widor; am 7. März der berühmte 
ondoner Violin virtuos C. Thomson; am 14. März Emil Sauer; am 21. März Sarasate; am 4. und 
ll.Aprü das Requiem voi> Verdi, Sopran-Solistin Fr. L. Ehrenstein, Hofopemsängerin in Wien. — 
Also Musik im Überfluss! (Zu Ehren der hl. Cäcilia? D. R.) — In Turin hat sich mit Approbation 
des neuen Erzbischofs, Monsign. Agostino Richelmy, ein kirchenmusikalischer Verein 
gebildet^ dessen Vorstände Kanonikus Antonius Berrone. Prof. Marcello Capra (Inhaber der Kirchen- 
musikalienhandlung Borriero e Capra), Ingenieur BeUina sind. Die Red. der Mus. a. wird bei 
nächster Gelegenheit die trefflichen Statuten mitteilen.— Der Unterricht im gregorianischen 
Choral j den Professor Delf. Thermignon am musikalischen Lyceum begonnen hat, ist von 
14 Klerikern und den Eleven der Orgelschule des Professors Kemondi besucht. — Die Vor- 
bereitungen für die bevorstehende Ausstellung kirchlicher Kunst in Turin werden auf das 
Lebhaftste betrieben. Das italienische Kultusministerium hat eine Prämie von 3(XX) Lire für eine 
kirchenmusikal. Konkursarbeit festgesetzt; eine eigene Kommission arbeitet am Programm für diesen 
Konkurs. — Auch in Genua hat sich ein Verein für Kirchenmusik gebildet. Der bisherige 
Organist an der Immacdata, Giov. Battista Polleri,ist zum Direktor der städtischen Musik- 
schule ernannt worden. 

7. * Mit der vorliegenden Nummer wird die 1. — 4. Mnsikbeilage versendet. Dieselben bilden 
die Fortsetzimff der Oriffinalkompositionen 2 stimmiger Offeitorien mit Orgelbegl. und werden vom 
3. Sonntag nach Ostern bis zum Fronleichnamsfeste incl, reichen. Für die Zeit von Quinquagesima 
bis zum 2. Sonntag nach Ostern incl. sei, besonders während der bevorstehenden Charwoche und 
derjenigen Fastensonntage, an denen nach kirchlicher Vorschrift die Orgel schweigt, auf die ein- 
fachen und wirksamen Onertorien für 4 stimm, gem. Chor hingewiesen^ welche den Innalt der Musik- 
beilagen von 1897 gebildet haben und auch als Einzelheft in Partitur und Stimmen erschienen 
sind. Die Stimmen für die Kompositionen des laufenden Jahrganges werden zeitig hergestellt, so 
dass sie bis zum 3. Sonntag nach Ostern in den Händen der Kirchensänger sein können. 

8. ö Lnzern. Der hiesige Stifts-Chor hat schon seit 3 Jahren eine Institution getroffen, 
wonach diejenigen Mitglieder, die den besten Proben- und Kirchenmusik-Besuch aufzuweisen haben, 
mit Prämien ausgezeichnet werden. Zu diesem Zweck wird bei jeder Probe und jedem Gottes- 
dienst ein besonderes Mitglieder- Verzeichnis mit der nötigen Kontrolle versehen^ sodass der Besuch 
ziffemmässig festgestellt werden kann. Ende des Jahres wird summirt und eine Tabelle mit den 
Besuchsziffern sämtlicher Mitglieder angefertigt. Gegenwärtig zählt der Verein 71 aktive Mit- 
glieder. Gewöhnlich werden ca. 2() Prämien festgesetzt und an die Träger der 20 höchsten Ziffeni 
verteilt. Bei gleichnamigen Ziffern prävaliert der grössere Probenbesuch. Auch für das abge- 
laufene Jahr 1897 wurden 20 Prämien ausgeteilt und fand die Preisverteilung am 31. Januar statt, 
wobei eine familiäre Vereinigiing für sämtliche Mitglieder arrangiert wurde. Die Preise bestehen 
durchwegs in Büchern und wird dafür eine passende Auswahl aus der katholischen Belletristik 

fetroffen. Es ist jedenfalls verdienstlich und nachahmenswert, auf diese Weise einen Zweig der 
athol. IJtteratur zu unterstützen, der es vollauf verdient, ganz abgesehen von der wohlthätigen 
Wirkung, welche die Prämiiemng mit sich bringt Thatsächlich hat der Probenbesuch und die 



-^ M ^ 

Leistnnffsfähigkeit des Chores in erfreulicher Weise znfi;enommen. Zur Verteüang gelangten 
wSlhrena den 3 Jahren n. a. folgende Werke, meist gebundene Exemplare: Spillmann, J.: Wolken 
nnd Sonnenschein, Wunderblume von Woxindon, Tapfer und treu. Franz v. Seeburg: Haydn, 
Marienkind, Nachtigall, de Waal: Katakombenbilder, Valeria. Fabiola's Schwestern. Newman: 
Kallista. Wiseman: Fabiola. Diehl: Novellen. Lambert: Bethlehem. Herbert: Aglae, Aphorismen. 
Bolanden: Sickinffen, Königin Bertha. A. Stolz: Hl. Elisabeth. Verdagner: Atlantis. Maj: Reise- 
romane, fremde Pfade. B. A. Betzinger: Von Welt zu Welt, ein Dante* Album. Cordula Peregrina: 
Was das ewige Licht erzählt Woude: Tom und ich. Redeatis: Herzenswünsche. Bauer: Treu 
im Kampf. Kreiten: Den Weg entlani?. Kausen: Im Blütenduft Gerhard: Geheime Sendung. 
Harten: Draussen in der Welt Pütz: Tochter des Marquis. Albini: Engel in der Familie. Dazu 
eine grössere Zahl Doppelbändchen aus Bachem's Novellensammlun^. — Gegenwärtig studiert unser 
Verein die von Herrn Feh aldini zur Feier des Antonius-Jubiläum in Padua komponierte Festmesse, 
ein durch kirchliche Haltung, Würde und Schwung, sowie musikalischen Gehalt sich auszeichnendes 
Opus. (Die gegenteilige Ansicht der Redaktion in betreff dieser Messe siehe M^mca sacra i89t), 
S. 232. F. X. H.) F. J. Breitenbach, Chordirektor. 

9. = Tanzkränzchen und CäclUenverein. Man schreibt der Red.: „Gfestatteri Sie mir 
eine Bitte. Es ist mir bekannt und es liegen förmliche Beschwerden vor, dass einzelne Cäcilien- 
vereine, trotz deutlicher Warnungen in Vereinsblättem , sogenannte Tanzkränzchen veranstalten. 
Man sieht darin wohl mit Recht ein wenig nachahmungs wertes Beispiel, und Pfarrherren, die ihren 
Vereinen solches versagen, kommen in Verlegenheit durch den Hinweis auf andere Vereine, die sich 
das ungerügt erlauben zu dürfen glauben. 

Der selige Generalpräses Witt hat die Sache sehr streng genommen und in den «Iten General- 
statuten stand ein Paragraph, der die Abhaltung von Bällen und Tanzkränzchen seitens der Cäcilieu- 
vereine ausdrücklich verbot 

Da ich voraussetze, dass Sie auch an den Vorbereitungen bei Aufstellung der neuen Statuten 
teilgenommen haben, bitte ich Sie, mir insbesondere zu sagen, warum man das Tanzverbot der 
alten Statuten nicht in die neuen herübergenommen hat Geschah dieses aus inneren Gründen, 
oder wollte man die Sache dem Ermessen der einzelnen Vereinsvorstände überlassen? 

Ich will nicht „römischer als Rom^^, d. h. nicht strenger als die Vereinsleitung sein, bin jedoch 
überzeugt, dass die rfarrcäcilienvereine durch solche Tanzkränzchen auf schiefe Bahnen geraten.** 

Ohne dem Hochw. H. Generalpräses vor^eifen zu wollen, glaubt der Unterzeichnete mit 
Sicherheit behaupten zu können, dass die „TanzKränzchen in Pfarr- oder Bezirksvereinen", welche 
zum allgemeinen Cädlieuvereine gerechnet werden wollen, auf das entschiedenste verboten und 
gründlich abgeschafft werden müssen. Wenn die allgemeinen Stataten ein ausdrückliches Verbot 
nicht mehr enthalten , so liegt die Begründung in dem Umstände, dass man in denselben nicht zu 
sehr ins Detail eingehen nnd gleichsam „den ganzen Dekalog^ aufnehmen wollte. Irrtümer und Miss- 
bräuche soll man abschaffen, wenn sie sich ans Taffeslicht waeen. Dass ein solches Vorgehen für 
den Pfarrvorstand odios ist, liegt auf der Hand. Das beste mttel wird nach meiner Ansicht eine 
Anzeige an den Diözesanpräses sein, welcher nicht säumen wird, bei dem Hochw. Ordinariat ein 
diesbezügliches Verbot in den Statuten des Dlöz esancäcilienvereins anzubalinen, um die 
Vorstände der Pfarr- oder Bezirksvereine zu entlasten. 

Zur Sache selbst sei liier folgende Stelle aus Paul Krutschek^s Buch: ,.Die K.-M. nach dem 
Willen der Kirche", 4. Aufl. S. 336, abgedruckt: j,Mit grosser Strenge ist darauf zu achten, 
dass der Pfarrverein ein kirchlicher bleibe, und kein Vergntigungsverein werde, 
der sich nur religiöser Bestrebungen als eines Deckmantels bedient In den Proben 
ist Rauchen, Biertrinken u. dgl. nicht zu gestatten, öffentliche Aufführungen ausserhalb der Kirche 
dürfen keinen vorherrschend weltlichen Charakter haben, wenn gleich dem Scherz, oder gediegener 
weltlicher Musik bei solchen Gelegenheiten der Zugang nicht durchaus verschlossen zu werden 
braucht Man wähle zur Aufführung am besten religiöse Musik, nicht aber, abgesehen von ein- 
zelnen instruktiven Stücken, eigentlich liturgische, z. B. ganze Messen. Die Musik im Saale 
muss sich von der in der Kirche ungefähr so unterscheiden, wie ein etwa dabei gehaltener Vortiag 
von einer Predig auf der Kanzel. Liebeslieder sind absolut zu vermeiden. Gemeinsame Ausflügi^ 
können, wenn sie sich in ehrbai'en Schranken halten, gestattet werden. Unbedingt zu verbieten 
sind aber bei solchen Gelegenheiten, ebenso nach Aufführungen oder Proben, Tanzvergnüguugen 
unter irgend welchem Titel.^* (Siehe auch Flieg. Bl. 1891, S. 20.) F. X. H. 

Offene Korrespondenzen. 

Der 5. Teil (9. Band der Gesamt - Ausg.) von Oriando's Magnum optis mus, kann erst Ende März 
versendet werden, da der Druck von den Platten nicht durch Mascklucn-, sondern durch Handbetrieb 
geschieht und mehr Zeit erfordert, als die Red. annahm. 

Über das fertige, gegenwärtig zur obcrhirtl. Druckgenehmigung vorliegende Rtfmiscbe Gradualbuch 
und das Enchiridion Oradualis Rtymani wird in der Nummer vom 15. März ein Hauptartikel erscheinen. 
DaH erstere ist dem Inhalte nach dem zweiten gleich, enthält aber deutsche Interlinearübersetzung und 
Rubriken. 

Das offizielle Gutachten über die neue Orgel in Einsiedoln, von der die „Alte und neue Welt" 
auch llluBtrationen gebracht hat« kann erst in der Doppelnummer 7 und 8 vom 1. April Platz finden. 



Druck und Verlag von Friedrich Pustet in Regen sburg, Gesandteustrasse. 
Nebst 1. bis 4. Hnsikbeilage, sowie Anzei^reblatt Nr. 5. 



]^398. Regensburg, am 15. März 1898. ^f» g. 



MUSICA SACRA. 

Gegrttndet yob Dr. Frans Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatschrift ffir Hebung nnd Förderung der katbol. Kirchenmnsil 

Heraugegeben von Dr. Frais Xaver Haberl, Direktor der Kirohenrnnsikiehule ia Begensbarg. 

Nene Folge X., als Fortsetsimg ZXXf. Jahrgang. Hit 12 Mnsikbeilagen. 



Die ^M^utca mtm** wird am 1. mid 16. jaden Monate aiufm(«^n. Jade der S4 Nniiunern oinfraat 12 Seiten Text. Die » Mofik- 
beilagen (48 Seiten) werden io den Nummern 6—7 veraendet werden. Der Abonnementpreia dea Jahrgänge betrigt 8 Mark} die 
Beetellong kann bei lader Poatanatalt oder Bnchhandlnng erfolgen. — Bei der Reichapoat mit 20 Pf. Anfaehlag. Bei firaiiko Znaendung 

unter fltreifbaed in Dentaohland and Oaterreioh-Ungam 4 Mk. — ins Ausland 4 Mk. 80 Pf. 

■■kaltalkeraleht: Richard Wagner und Franz Witt. — Aus Archiven und Bibliotheken: M. A. Ingegneri^s 
S7 CtaarwochenresponsoTJen. — Ken und früher erschienene Kirchenkompositionen: J. W. Alt, Dr. P. Btfoker, H. Epp, 
M. PUke, G. F. Fosehini, P. Oriesbacher, M. Haller (2), A. Lipp, Ign. Mitterer, Paleatrina-Beweronge, Bart Pozaolo, B. Bemondi, 
Joü. Renner jun.« W. Schöllgen, C. Thiel, Th. Lud. da Victoria, Dr. Fr. Witt. — Vom Bfloher- und Musikalienmarkte: 
K. Allmendinger . A. J. M. Diepenbrook , Jos. Qabler und Joh. Ey. Habert , Dr. H. Kretschmar , B. di San Maitino , R. J. Plohler, 
M. Rauscher, G. Robert, Fr. Schmidt, A. W. Sohmidt, Aug. Wiltberger. — Vermischte Naohriohten und Mitteilungen 
siis: Arxberg-WaldsasKen, Bamberg, Breslau, Prag, Trier. 

Richard Wagner und Franz Witt 

Unter dem Titel ,^wei grosse Reformatoren** schrieb R. Klafeky ^) in der «Wiener 
Reichspost» vom 9. Nov. 1897, Nr. 256 einen Artikel, welcher dem Unterzeichneten 
Veranlassung gibt, ein früher gegebenes Versprechen einzulösen, nämlich die Grundsätze 
Wagner's über kathol. Kirchenmusik, die bisher nur in Excerpten bekannt und ver- 
breitet waren, im Zusammenhange mitzuteilen. 

R. Elaüsky schreibt: „Während unter eines mächtigen Fürsten Gunst Richard 
Wagner von den Grosstadttheatem aus die ganze Welt mit seinen monumentalen 
Werken in Staunen und Erregung versetzte, arbeitete in einer kleinen Don^farre 
emsig und bescheiden ein schlichter Mann an demselben Material. Sie waren ganz 
unabhängig voneinander, der grosse Meister und der unbekimnte Dorfpfarrer, ja sie 
schufen in gerade entgegengesetzter Weise: dieser kirchliche, jener Theatermusik. 

Es mag fast paradox erscheinen, Wagner und Witt in einem Atem auszusprechen; 
jedoch — so himmelweit sie sonst verschieden — in einem Punkte glichen sie sich auft 
Haar: In ihrer Eigenschaft als Reformatoren. 

*) Der nämliche Schriftsteller (ist er nur Namensvetter der berühmten dramatischen Sängerin aus 
Ungarn?) scheint auch den Artikel, R. K. gezeichnet, Aber die Chormusik in den Wiener Kirchen, welchen 
unser Vereinsorgan , die FL Bl. t k. K.-M., in Nr. 2, S. S2 abgedruckt hat, sowie „Über dea Volks* 
gesang in unseren Kirchen" („Beichspost" vom 29. 12. 1897) verfasst zu haben. Es ist mit Freude zu 
begrttssen, das» in der Österreichischen Reichshauptstadt die „Einsicht^ wächst, obwohl zu bezweifeln 
ist, dasK die „Aussicht*' auf Erfolg eine grosse ist, wenn Anschauungen, wie sie ein M. M. in der 
„Deutschen Kunst- und Musikzeitung" (10. Jan. 1898 Nr. 1 und 2) in einem Artikel „Ein Wort fttr die 
Kirchenmusik" entwickelt, in weiteren Kreisen Boden gewinnen. Glücklicherweise sind die Anschau- 
ungen von R. K. und M. M. so diametral voneinander entfernt, dass ein Koropromiss undenkbar, also 
Scheidung der Geister möglich ist. H. M. scheint übrigens zum Bezirksamt Jerusalem zu gehören, denn 
so oft er von „Palestrina" redet, schreibt er regelmässig .«Palästina*'! Nur wo Klarheit in den 
Prinzipien herrscht, kann von einer durchgreifenden Besserung die Bede sein. Die Red. deir „Reichs- 
ix>8t" lässt keine nässende Gelegenheit vorübergehen, ohne mit Bestimmtheit ihren richtigen Standpunkt 
zu betonen. So uest man in der Nummer vom 4. März folgende präzise Korrespondenz: C. iL Sie 
fragen: Seit wann ist denn die Arie aus „Rinaldo'* von Händel: „Armida, Ünbarmherz'ge u. s. w." 
ein Qraduale im Hochamt des Sonntags Quinquagesima und überhaupt ein Kirchengesang geworden? 
Oder wie rechtfertigt es der Kirchenchor von St Augustin, daes er diese Arie auf einen andern 
italienischen Text durch eine Solistin am letzten Sonntag während des Hochamtes singen Hess?" — 
Wir antworten: „Sie scheinen in Wien fremd zu sein, sonst würden Sie sich Über nichts wundem." — 
Für die gütige Zusendung der genannten Art. dankt die Red. den .,WieuerfreundeD". 



-^ üt &h 
Die Charw^ochenmusik der älteren Vokalkomponisten. 

Mit dem Worte „Charwochenmusik" pflegen die Gegner eines ernsten Kirchen- 
Stiles alle Tonsätze zu bezeichnen, welche ohne Begleitung von Orgel oder Instrumenten 
nur für den Vortrag durch Menschenstimmen komponiert sind; sie glauben mit diesem 
Schlagwort den kräftigen Beweis geliefert zu haben, dass man solche Kompositionen 
sich höchstens in der hl. Gharwoche gefallen lassen könne, vielleicht auch noch in der 
Fastenzeit, im übrigen jedoch der eigenen und der Freude der Kirche auf eine leb- 
haftere, durch Beiwerk der Instrumente gesteigei1;e, in Melodie und Rhythmus den 
Ansprüchen des modernen Ohres gefälligere Weise Ausdruck verleihen müsse. Knüpfen 
wir demnach an dieses nicht ungünstige Vorurteil an in der Hoffnung, dass die be- 
treffenden Chorregenten Ernst machen und Stand halten, wenn in den folgenden Zeilen 
ausschliesslich Vokalwerke älterer Meister namhaft gemacht werden, welche in Partitur, 
meistenteils auch in Einzelstimmen, vorliegen, um die Charwochenprogramme unserer 
katholischen Kirchenchöre zu schmücken. 

Es ist richtig, dass die frommen Meister älterer Zeit mit besonderer Vorliebe und 
in tiefer Ergriffenheit vom Leiden des Gottmenschen herrliche Tonwerke betrachtend 
'geschaffen und betend gesungen haben, richtig aber ist auch leider die Thatsache, dass 
kaum neun Zehntel dessen, was im 16. und im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts an 
Charwochenkompositionen gedruckt worden ist, zu praktischem Gebrauche in Partitur 
vorliegt. Man begnügte sich vor Erscheinen der Musica divina von Dr. Karl Proske 
mit den spärlichen Brocken, die seit Ende des vorigen Jahrhunderts meist von protestan- 
tischen Herausgebern für Zwecke der evangelischen Liturgie gesammelt worden sind 
und dem traditionell berühmten Programm der sixtinischen Kapelle entnommen waren. 
Sollte jemand den Vorwurf erheben, warum denn der Cäcilien verein aus dem 
reichen Schatze jener Zeit nicht mehr biete, wenn diese Dinge wirklich so kostbar 
seien, so muss ihm die laute Antwort erteilt werden, dass bereits mehr vorhanden ist, 
als in der Wirklichkeit gebraucht wird, und dass man gern noch mehr edieren werde, 
wenn die Verleger bei solchen Angeboten nicht mit der stereotypen aber wahrheits- 
getreuen Ausrede ablehnen würden, sie hätten ja ohnehin noch grosse Vorräte von ähn- 
licher Ware. Wo die Schuldigen sind, dürfte nach dieser kurzen Einleitung nicht 
schwer zu entscheiden sein! Wer sich aber heute noch darauf ausredet, dass er nicht 
gewnsst habe, was in diesem Zweige der Liturgie bereits vorhanden und zugänglich 
sei, den möge nachfolgende Liste eines Besseren belehren .und ihm die Überzeugung 
verschaffen, dass es Gharwochenmusik älterer Meister im Überflusse gibt. Wenn bei 
dieser Aufzählung passende Ergänzungen oder Gesangssätze neuerer Kompositionen, 
die besonders seit dem Wirken des Cäcilienvereins in ziemlich grosser Menge erschienen 
sind, übergangen werden und unerwähnt bleiben, so ist das teils im Thema dieses Auf- 
satzes begründet, teils in dem Umstände, dass aus dem Cäcilienvereinskatalog und aus 
den Ankündigungen der betreffenden Verleger das Vorhandene leicht aufeufinden ist. 

Von Messen und denjenigen Texten, welche die Charwochenliturgie mit der des 
übrigen Kirchenjahres gemeinsam hat, soll gänzlich abgesehen werden. 

Was kann also für den Palmsonntag an älteren Werken als wirksam und 
auch mittleren Chören zugänglich empfohlen werden? — Während der Austeilung 
der Palmen: 1) Pueri Hebraeorum von Palestrina aus Mus. div. Bd. U, Nr. 39 wird 
eine Sext tiefer mit 3 j{ oder 4 b Air Männerstimmen besser wirken und auch leichter 
zur Ausführung gebracht werden können, als in der Originallage fiir Oberstimmen. 
2) Der gleiche Text von T. L. Victoria*) für gem. 4 stimm. Chor ist unübertrefflich 
schön. 3) Die Chorantworten (Cantus turbae) zur Passion nach Matthaeus können aus 
Mus. div. IV. Bd. oder aus der in moderner Partitur mit Transposition und Schlag- 
wörtern versehenen Ausgabe im Bd. 11. Fase. 3 des Repertorium Mus. s., komponiert 
für 4 stimm, gem. Chor von Fr. Soriano, oder aus dem Off. h. s. von V. genommen 
werden. 4) Herrliche Kompositionen des Offertoriums Improperium exspectavit sind: 

^) Officium hebdomadae sanctae aus den Musikbeilagcn zum kirchenmus. Jahrbuch und auch in 
Einzelausgabe bei Pustet in Kcgensburg erschienen, soll hier nur mit Off. h. s. von V. markiert werdeu. 



-w 53 es- 

a) Nr. 40 des Bd. II der Mus. div., auch Nr. 101 des 2. Teils von Orlando di Lasso's 
Magnnm opus musicum für 4 stimm, gem. Chor, eine kleine Terz nach aufwärts zu 
transponieren; b) der gleiche Text für 5 gem. Stimmen steht im 9. Bande der Palestrina- 
ansgabe, einzeln, auch mit Vortragszeichen In Transposition nnd mit modernen Schlüsseln 
versehen, im 10. Hefte des I. Bd, vom Repert. Mus. s. unter den 10 fünfstimm. Oflfer- 
torien Palestrina's. 

Am Montag kann das 4 stimm. Offertorium Eripe me von Orlando di Lasso aus 
Mus. div. Bd. 11, Nr. 37 oder Magnum Opns I. Teil, Nr. 84 in die kleine Oberterz ver- 
setzt gebraucht werden. Sehr tief empfunden ; in langsamem Tempo mit schmerzlichstem 
Ausdruck vorzutragen nach ernsten Proben! 

Am Dienstag dient für die Chorantworten der Passion nach Marcus die Kompo- 
sition des Francesco Soriano für 4 gem. Stimmen aus Mus. div. Bd. IV, S. 19 — 27, als 
Oftertorium das 4 st. Oustodi me von Orlando di Lasso im Magn. op. mus. II. Teil, 
Nr. 134, etwa in die kleine Oberterz versetzt. 

Für den Mittwoch finden sich die Chorantworten von Fr. Soriano für 4 st. gem. 
('hör in Mus. div. Bd. IV, S. 27— 40, auch sind dieselben Texte in einer Komposition für 
4 Männerstimmen eines unbekannten Autors des 16. Jahrhunderts (in Einzelpartitur aus 
Mus. s. 1891) gut zu gebrauchen. Das Offertorium Domine eocaudi orationem für 4 st. 
gem. Chor aus Magn. op. ü. Teil, Nr. 108 hat Orlando komponiert; es lässt sich in 
der Lage, wirkungsvoller aber einen Ton höher ausfuhren. 

Für die Matutin des Gründonnerstags existieren 1) von den 3 Lamentationen die 
4 st. Kompositionen Palestrina's aus Bd. IV. der Mus. div., S. 49—66, ebenso in Ge- 
samt -Ausg. von Palestrina, Bd. XXV, S. 1—12; die erste ist auch für Männerchor 
arrangiert.^) 5-- und 6 stimmige Lamentationen für diesen Tag siehe im 25. Bd. von 
Palestrina's Werken, die erste als op. dub. 8 stimm, im 32. Bande S. 163; — dazu 
kommen die 3 Lamentationen im Off. h. s. von V. Die erste Lamentation von 
J. M. Nanino ist für 4 Männerstimmen eingerichtet im kirchenmusikalischen Jahr- 
buch 1891 und in Einzelausgabe als 8. Heft des 1. Bd. vom Repert. Mus. s. erschienen. 
2) Die 9 Responsorien der 3 Noktumen siehe in Mus. div. IV. Bd. S. 106—121. Die- 
selben sind 4 stimm, von Croce (3), Viadana (4), Zoilo und Ferrari; da jedoch in vielen 
derselben die Texte nicht vollständig sind, so kann eventuell durch Rezitation das 
Fehlende ergänzt werden. Im III. Teil des Magn. op. befindet sich das grossartige 
5 stimmige Tristis est anima mea von Orlando, dessen Text wohl in Motettenform be- 
handelt ist, aber mit dem des zweiten Responsorium übereinstimmt. 

H. Domkapellmeister Max Filke in Breslau schreibt darüber an die Red.: „Die 
Werke des grossen Meister-s Orlando di Lasso, welche jetzt in der Gesamt - Ausgabe 
bei Breitkopf & Härtel erscheinen, sind meist von einer solchen überwältigenden Kraft 
und Schönheit, dass man dieselben nicht oft genug bewundern kann. Leider werden 
dieselben viel zu wenig beim Gottesdienste verwendet, was freilich teils von der Schwierig- 
keit und teils von dem Texte abhängt. Es müssen deshalb die verwendbaren Texte und 
Nummern ausfindig gemacht werden, welche besonders schön und leicht sangbar sind. 
Zu den schönsten Nummern, welche in dem 5. Band (3. Teil des Magn. op.) ent- 
halten sind, gehört zweifellos das 5 stimmige „THstis est anima'*. Orlando hat nur den 
1. Teil des Textes komponiert; ich habe mir nun erlaubt, in wenigen Akkorden den 
fehlenden Text zu ergänzen, woran sich eine Wiederholung der letzten 20 Takte der 
Orlando'schen Kompositionen anschliesst." 

„Die Wirkung dieses Tonstückes ist eine herrliche, besonders bei den Worten vos 
fugam capietis. Mit einer wunderbaren Ruhe beginnt Orlando TVistis est. Dann steigert 
sicli die Kompostion zu einer nicht geahnten Kraft und Fülle, so dass man glaubt, 
20 Stimmen zu hören, welche immer wieder den Jüngern das vos fugam zurufen. Die 
Wirkung wird dadurch noch erhöht, indem man den Alt II zur Hälfte mit hohen 
Tenören und den Tenor zur Hälfte mit hohen Baritonstimmen besetzt. Möchten in der 

') In der bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erscheinenden „Auswahl". 1. Bd., 3. Heft, bearbeitet 
von M. Malier. 



-ß 54 ö- 

Yorstehenden Charwoche recht viele Chöre dieses einzig schöne Stück zur Auffuhrung 
bringen.** 



Sopran. 



I. Alt. 



II. Alt. 



Tenor. 



Bass. 



te 



m 



i 




i 




/ Ecce appropinqaat hora, | et Filius hominis trad^tur in ma - nus pec - ca - 



m^. 



n 



m 



i 




f Ecce appropinqaat hora, | et Filins hominis trad^tor in ma 



nu8 



■^.± 



© 



** 



EE 



t 




/ Ecce appropinqaat hora, | et Filius hominis trad6tar in ma - nas ppc - 




^ 



1=1: 



'S, 



<= 



3 



p 



/ Ecce appropinquat hora, | et Filins hominis trad^tor in ma - 



nus 



^=l=t 



33 




I 



/ Ecce appropinqaat hora, | et Filius hominis trad6tur in ma - nus pec - ca - 



^ 




X 



rum / vos fu - gam c» - pi 




e - - tis. 



pec - ca - tö 



äflF=F=^ 



rum 



/ vos 



fn - gam ca - pi - 



I 



X 



ca - tö - rum 



X 



1 



/ vos 



in • gam 




fc5 




I 



i 



pec - ca - tö - rum 



/ vos 



Uie letzten 
20 Takte 
des Motet^ 
tes werden 
hier wie- 
derholt. 



^ 



4=1:=:^ 



i 



X 



i 



:R=5 



X 






\k 



rum 



vos 



fu - gam ca - pi - e 



Auch die 9 Responsorien von M. A. Ingegneri, welche im 32. Bande der Werke 
Palestrina's von S. 93 — 104 als op. dub. mitgeteilt, aber, wie unsere Leser wiederholt 
hören mussten, ein Werk Ingegneri's aus dem Jahre 1588 sind, verdienen alle Be- 
achtung wegen ihrer Klarheit und Textbehandlung. — Victoria hat nur die 6 Respon- 
sorien der n. nnd III. Noktnm 4 stimmig bearbeitet, siehe dieselben im 4. Bande 
Mus. div. S. 161 und für den praktischen Gebrauch eingerichtet in Off. h. s. von V. 

3) Mehrstimmige Kompositionen des Cant. Benedicts bieten aj der 4. Band 
der Mus. div. in Tonsätzen von Palestrina, Victoria (auch im Off. h. s. von V.) nnd 
Jac. Hdndl; die Falsibordoni von Guidetti müssten jedoch mit vollem Texte versehen 
werden, b) die Gesamtausgabe von Palestrina im 32. Bande 4-, 5- und 9 stimmig S. 59, 
einzeln zu praktischem Gebrauche bearbeitet,^) sowie ein 5 stimmiges S. 112 und ein 
2 chöriges S. 169 des 31. Bandes, femer ein 4 stimmiges im 30. Bande. 



') In meiner Sammlung ,,Ad finem Laudum Tridui säcri", die auch ein 4»timm. Ühristus f actus 
est und den 4- und 5 stimmigen P»). Miserere von J. Fr. Anerio enthält. Bei Pustet in Regensburg. 



-ß 55 e4- 

c) Für die Antiphon Christus factus est, deren Text am zweiten und dritten Tage 
einen kleinen Zuwachs erhält, sind aus Mus. div. 4. Bd. für Gründonnerstag mit Ab- 
schluss bei ad mortem, und för Gharfreitag die 2 Nummern von Jac. Händl sehr 
empfehlenswert, auch lässt sich das 4 stimmige Motett von Matteo Asola im 2, Bd. 
der Mus. div., Nr. 41 ohne Schwierigkeit für jeden der 3 Tage einrichten. Eine 
Komposition von J. Fr. Anerio siehe in der Sammlung „Ad finem laudum". 

d) Für den Psalm Miserere können die Falsibordoni von Palestrina, Dentice, 
Nanino und Viadana im 4. Bd. der Mus. div. mit Text versehen werden. Durcli- 
komponieit und sehr brauchbar ist das von Jac. H&ndl 1. c. S. 213. Eine mit dreierlei 
Falsibordoni und mit vollständigem Texte versehene 4 stimmige Komposition Victoria's' 
steht im Off. h. s. von V. Das 4- und 6 stimmige, auch in der Lück'schen Sammlung 
enthaltene Miserere von Greg. Allegri hat, wie schon in Nr. 4 der Mus. s. bemerkt, 
seine Berühmtheit mehr den Zuthaten als den einfachen Kadenzen zu verdanken, 
übrigens muss ausdrücklich bemerkt werden, dass ein mehrstimmiger Vortrag des 
Miserere nach den Landes der 3 letzten Charwochentage nicht in den liturgischen 
Vorschriften begründet ist, sondern seit 1514 als geduldete Licenz angesehen werden 
muss. ^) 

4) Als Graduale während des Hochamtes eignet sich in hervorragender Weise das 
obenerwähnte 4 stimmige Motett von Asola. Das Oflfertorium Dextera Domini, 6 stimmig 
von Palestrina, steht im 9. Bande der Gesamt-Ausgabe, sowie in modemer Partitur im 
10. Heft des 1. Bandes vom Repert. Mus. s. unter den 10 Offertorien. Eine 4 stimmige 
Komposition Orlando di Lasso's siehe in Mus. div. 2. Bd., Nr. 27, sowie im Magn. op. 
I. Teil, Nr. 89. Diese Nummer verlangt jedoch einen tüchtigen Dirigenten und wohl- 
geschulten Chor; sie verträgt Transposition in die grosse Untersekunde. 

Am Vorabend desCharfreitags finden sich 1) zurMatutin a) die Lamentationen 
von Palestrina in Mus. div. und Ges.- Ausg., wie oben am Gründonnerstag angegeben. 
Die zweite Lamentation, von M. Haller für Männerstimmen bearbeitet, in 1. Serie 4. Heft 
der ausgewählten Werke Pal., die erste Lamentation von Nanino für 4 Männerstimmen 
im achten Hefte des Bepert. Mus. s. Ausserdem die erste 4- und zweimal 5 stimmig, 
die zweite 4-, 6- und 6 stimmig, die dritte 5- und zweimal 6 stimmig, die zweite 4-, 5- 
und 6 stimmig, die dritte 5- und zweimal 6 stimmig im 25. Bd. der Ges.- Ausgabe. End- 
lich die erste für gem. Chor, die zweite für 2 C. A. T., die dritte B stimmig von 
T. L. Victoria im Off. h. s. von V. — b) Von den 9 Besponsorien der Mus. div. sind 
das erste und dritte von Viadana mit vollständigem Text, die übrigen, 2. und 5. von 
C'roce, 4. und 6.-9. von Zoilo, müssen teilweise durch Rezitation ergänzt werden. Fast 
unbrauchbar sind* übrigens die von Zoilo wegen zopfiger rhythmischer Einschaltungen. 
Dagegen sind die 9 Besponsorien von Ingegneri (32. Bd. der Pal. -Ausgabe), sowie die 
6 Besponsorien der 2. und 3. Nokturn von Victoria (im Off. h. s. von V.) von schöner 
Wirkung. — c) Für Benedicttis, Christits factus est und Miserere wurde oben bei 
Gründonnerstag die verfugbare Litteratur angegeben. 

2) Bei der Liturgie des Charfreitags ist wohl der gregorianische Choral, wie über- 
haupt in der Charwoche, weitaus der würdigste Chorgesang. *) Man pflegt jedoch mehr- 
stimmig zu singen a) die Chorantworten zur Passion nach Johannes, welche von Suriano 
und Victoria in den unterm Palmsonntag erwähnten Ausgaben zu finden sind, — b) die 
Improperien. Der 4. Bd. der Musica divina enthält die von Palestrina') und von 
G. A. Bemabei; letztere sind fast Kopie der ersteren, enthalten aber eine grössere An- 

') Siehe kirrhcnmus. Jahrb. 1897, S. 47, 3. Anm. 

') Für die Charwoche ist bekanntlich das „Officium hebdoinadae Hanrtae'' nach der offiziellen Aus- 
firabe des Graduale und ÄntipJumarium Romanum von Palmsonntaii: bis Samstag nach Ostern in vcr- 
srhicdcncn Einzelausgaben hergestellt worden. Ausserdem hat der Unterzeichnete im Charwochcnbnch 
zu allen Texten und (resän^n (letztere im Violinschlttssel mit weissen Noten auf 6 Linien) die deutsche 
ilbersetzun^ bei^efQgt. Die Passions^esän^ nach den vier Evangelisten mit den 9 Lamentationen iWr 
die drei Ta^e und dem Exsulttt ftlr Charsamstag sind in 8 Kleinfolioheften mit grösseren Choralnoton 
verteilt. Über diese Ausgaben kann man sich im Verlagskatalog von Fr. Pustet genauer orientieren. 

*) In der ,,Au8wahl" bearbeitete der Unterzeichnete die Improperien für 8 st. Doppelchor nach dem 
Autograph Palestrina^s im 31. Bd. der Ges.- Ausgabe. Leipzig, Breitkopf & Hftrtel, 4. Serie, 1. Heft. 



-» 56 &$- 

zjthl der Versikel. Im 2. Bde. der Mus. div. zeiclmen sich die von Victoria durch Innig- 
keit aus und haben den Umfang, der für die gewöhnlichen Funktionen in kleineren 
Kirchen auszureichen pflegt (siehe auch Off. h. s. von V.). — c) Die Hymnen Fange 
lingua und Vexilla regia singt man am besten choraliter oder nach homophonen Kompo- 
sitionen neuerer Meister; es ist jedoch in manchen Kirchen möglich, und nach der 
Meinung des Unterzeichneten nicht störend oder unliturgisch, während der Funktionen 
des Priesters vor dem Aufheben der heiligen Gestalten ein Adoramtis oder hone Jesu 
oder ähnliche Gesänge einzuschalten.^) 

Bei der Matutin des Charsamstages stehen zur Verfügung 1) die drei 4 stimm. 
Lamentationen von Palestrina im 4. Bd. der Mus. div.; die gleichen Texte im 26. Bd. 
der Gesamt -Ausg., welche überdies von der ersten und zweiten je eine 4- und zwei 
5 stimmige, und von der dritten noch drei 6 stimmige Bearbeitungen enthält.*) — Die 
3 Lamentationen von G. M. Nanino für 4 Männerst. siehe im Repert. Mus. s. 1. Bd., 
8. Heft ; — die erste von Greg. Allegri, durch M. Filke neu ediert, wurde in Nr. 4 der 
Musica Sacra empfohlen; — die erste für gem. Stimmen, die zweite für 2 A., T. und 
Bar., die dritte 6 stimmig von Victoria siehe im Off. h. s. von V. 

2) Unter den 9 Responsorien des 4. Bandes der Mus. div. sind drei von Viadana, 
drei von Jac. Händl, zwei von Zoilo und eines von Croce. Nur die zwei von Zoilo 
sind nicht empfehlenswert. Femer existieren die 9 von M. A. Ingegneri (32. Bd. der 
Pal- Ausgabe) und die 6 von Victoria im Off. h. s. von V. — Über Benedidus, Christus 
f actus und Miserere vgl. die Angaben beim Gründonnerstag. — 

3) In der Vormittagsliturgie des Charsamstags wird wohl der gregorianische Choral 
die hauptsächlichsten Dienste leisten, denn es verlohnt sich nicht der Mühe, den Vers 
Confitemini mit dem kurzen Tractus Laudate Dominum mehrstimmig zu singen. Beim 
Magnificat jedoch leisten die Falsibordoni unserer alten Meister die besten Dienste. ^) — 
Statt des Orgelspiels vom Evangelium bis zur Präfation könnte beispielsweise das 4 st. 
Motett Sicut cervus^) von Palestrina vorgetragen werden, oder das wunderschöne, 
siegesfrohe Motett Vespere autem Sabbati von Jac. Händl (Nr. 44 des II. Bd. der 
Mus. div., eine kleine Terz oder einen Ganzton erhöht). 

Mit diesem Tage sei die Umschau über die allgemein zugänglichen Vokalkompö- 
sitionen der alten Meister geschlossen und nur das 5 stimmige Off. Terra tremuit von 
Palestrina^) für den Ostersonntag erwähnt, dessen glanzvoller Jubel auch dem modernen 
Ohre Hochgenuss, dem liturgisch gebildeten Kirchensänger aber die höchste Festesfreude 
gewähren wird. 

Schliesslich sei erwähnt, dass J. Diebold (1881) die Responsorien der 1. Noctum 
für die 3 Tage der Charwoche nach alten Meistern (die Mehrzahl aus dem IV. Bd. 
der Mus. div.), als Op. 15 a sehr praktisch eingerichtet, ediert hat, und dass Dr. Böcker 
eben eine Sammlung 4 st. Gesänge für gem. Chor von alten Meistern bei I. Schweitzer 
in Aachen ankündigt.^ 

') Zu diesem Zwecke können dienen a) die Adoramiis von Rosselli, Lasso und auctor inrcrtus in» 
4. Bd. der Mus. div. — b) Ira 2. Bd. Nr. 43 von Gxeg. Aichinger, ain besten fftr Männerchor. — c) Das 
H 8t. Domine Jesu Christe, oder das 4 st. Vere languores von Victoria in Oflf. h. s. von V. — d) Das 
6 St. hone Jesu von Palestrina (in der Auswahl 3. Serie, 2. Heft) und ähnliche. 

^) Der 31. Bd. bringt überdies die dritte Lamentation 6 stimmig, welche Mich. Ualler 1894 in den 
Moduli selecti, die behufs des Zentenariums redigiert worden sind, aufgenommen hat. Dieselbe ist auch 
einzeln in der „Auswahl* 3. Serie, 1. Heft erschienen, während in der 1. Serie, 5. Heft die 4 8t. Lamen- 
tation von ihm fUr Männerchor bearbeitet ist. 

') Siehe die XXX Falsibordoni zu 4, 5 und H Stimmen über die 8 Töne des Magnilicat im Repert. 
Mus. s. 11. Bd., 1. Fase. Im 3. Band der Mus. div. sind das 4 st. Magnificat von Pitorii und besonders 
das von Luc. Marenzio, beide im VIIL Ton, sehr wirksam. 

*) Mus. div. IL Bd. Nr. 163, in der „Auswahl" mit Vortragszeichen u. s. w. versehen als 
7. Heft der 1. Serie. 

*) 9. Band der Ges. -Ausg., in der Breitkopf- Härtel'Bchen „Auswahl" von Ign. Mittlrer für den 
heutigen Gebrauch eingerichtet als 2. Fascikel der 2. Serie. 

*) Es sind laut Inserat Lamentationen, Responsorien, Miserere, Stabat mater von Croce, Viadana, 
Vecchi; dieselben werden in Nr. 6 besprochen. 



-^ SS &h 

Wo aber statt der Matutinen sogen. Grabmasiken üblich sind, kann eine Besserung 
unpassender Vorführungen durch Aufnahme der einen oder anderen ebenerwähnten 
Komposition von Palestrina^) oder Orlando*) bei gut gebildeten Sängern unschwer er- 
reicht werden. F. X. H. 

Yermisohte Nachrichten und Mitteilungen. 

1. X Montabaur. Am Sonntag, 23. Jannar nachmittag von Voö bis 6 Uhr fand in der 
Seminartamhalle dahier eine MusikaufiFührung der Seminaristen und Präparanden unter Leitung 
des Seminar- und Musiklehrers Herrn K. Walter statt. Wenn die Konzertveranstaltungeu des 
Seminars sich immer eines starken Besuches erfreuen, so war die.s ganz besonders bei obiger üe- 
legenheit der Fall; die geräumige Halle war bis auf den letzten Platz mit Besuchern von hier und 
auswärts gefüllt Das Programm war ein aussergewöhnlich reichhaltiges. Zur Eröfl&iung trugen 
die Schüler die „Hymne an Gott", komp. von L. Ebner in vorzüglicher Weise vor. Alsdann 
wecliselten Musik- und Gesangvorträge miteinander ab und erfreuten die Zuhörer. Die Chöre: 
„Der Tiroler Adler" von Mitterer, sowie „Römischer Triumphgesan^" wurden meisterhaft vor- 
getragen und machten tiefen Eindruck. Ebenso verdienen die übrigen Lieder: „'s Rosmarinkranzle^^ 
von Koschat und „Blieins Töchterlein** lobende Anerkennung. Aber auch die Musikpiecen wurden * 
tadellos zu Gehör gebracht; es seien nur erwähnt: ^Lded onne Worte"* von Hecht, „Scherzo" von 
KuUak, Violinchor mit Klavierbegleituuff, j,Kommt ein Vogerl geflogen**, niederöstr. Volkslied, mit 
Variationen in dem Stile verschiedener Meister, und „Ungarische Rhapsodie** von Liszt; diese Vor- 
träge auf Violine und Klavier zeugten von wahrhaft künstlerischer Fertigkeit Mit dem Chor: 
„Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib die Ehre!'* von K. Walter schloss das 
schöne Konzert. Lauter Beifall der zahlreichen Zuhörer oelohnte die Mitwirkenden, ganz besonders 
sei aber dem eifrigen Dirigenten Herrn Musiklehrer Walter der öffentliche Dank niermit ausge- 
sprochen. — Der Reinertrag obiger Aufführung, 200^, ist dem Ausschusse zur Er- 
richtung eines Denkmals für Kaiser Wilhelm 1. in hies. Stadt überwiesen worden. 

2. + Salzbarff. „Franz Grillparzer und die Kirchenmusik** betitelte sich ein Aufsatz in 
Nr. 17 des hiesigen „Volksblattes**. Die „Salzburger Chronik** bemerkt in Nr. 23 zu diesem unge- 
schickten Angriff u. a.: ^.Wenn Grillparzer mit Emphase die Fragen hinwirft: ..Ihr wollt die Musik 
wegnehmen? warum nicht auch die Bilder? warum nicht die Pracht in der Ausschmückung der 
Kirchen, der Gewänder und Aufzüge?**, so dürfte dieselbe dem Dichter wolil mehr Ehre machen, 
als dem Denker, denn „Qui nimium probat, niliil probat**, d. h. mit Übertreibungen beweist man nichts. 
Das „Volkflblatt** bringt noch einen anderen Kronzeugen für seine Ansicht, nämlich einen Suffiragan- 
bischof (??), der dem f Fürsterzbischof gegenüber — dem hochverdienten Reformator unserer Dom- 
musik — den Niedergang der „weihevollen Kirchenmusik im Dom** bedauert haben soll. Es wäre 
imbedingt wirksamer und für die „Cäcilianer* vernichtender gewesen, wenn der verehrliche Ein- 
sender auch den Namen des betreffenden Kirchenfürsten, die näheren Umstände, unter welchen 
dieser sein Ausspruch erfolgt sein soll und die Antwort , welche Erzbischof Eder gegeben haben 
dürfte, angeführt hätte. 

Als Kirchen, wo noch „alte, gute Musik** zu hören sei (??), nennt das „Volksblatt*' St. Peter, 
die Kollegien-, Bürgerspital- und MtiUnerkirche. Nach unseren Erfahrungen möchten wir fast ver- 
muten, dasR der Volksbfätt-Schreiber wenigstens einige Jahre nicht mehr in manche der genannten 
Kirchen gekommen ist. Dass überhaupt das protestaut. ,,Volkablatt**, welches von liturgischen 
Kirchengesetzen, von einem Zusammenhang zwischen heil. Messopfer und Musik etc. keine rechte 
Ahnung nat, sich dessen ungeachtet in Beurteilung von derlei Fragen für kompetent und unfehlbar hält, 
nun das findet man nach äauivalenten Leistungen aus der Vergangenheit begreiflich. Die Vor- 
stehungen der genannten Kircnen dürften auch kaum mit besonderem Dank das zweifelhafte Lob eines 
.,VolksDlatt** quittieren. (Die Red. der Mus. «. glaubt, dass der Aufsatz von Ed. Langer im kirchen- 
mus. Jahrb. 1898: «Wie steht der Cäc.-Ver. zur Instrumental -Kirchenmusik*' ein wahres Arsenal 
zur Verteidigung bildet, gesteht aber gerne zu, dass trotz aller Klarheit der kirchl. Anschauung die. 
Feinde und Gegner fortbestehen werden; — und das ist gut und nützlich!) 

3. D Das erste Pianino. Man schreibt dem ,,B. B. C.** ans Florenz: Cesare Ponsicchi, 
Konservator der Instrumentensammlung des Königlichen Musikinstitutes in Florenz, hat in diesen 
Tagen eine interessante Schrift, betitelt „11 primo pianoforte verticale** (Das erste Pianino), ver- 
öffentlicht. Wie schon seit geraumer Zeit iPesteteht, ist der erste Erfinder des Pianofortemechanismus 
Bartolomeo Cristofori, Konservator der Instrumentensammlung des Grossherzogs von Toscana. 
Er gab seine Erfindung im Jahre 1711 bekannt, und damit waren alle wesentlichen Bestandteile 
des Tafelklaviers und des Flügels festgestellt. Freilich wurde die Florentiner Erfindung im Auslande 

*) Ich nenne nur das 8 stimm. Stäbat mater, von dem Richard Wagner eine moderne Ausgabe 
besorgt hat; siehe C.-V.-Kat. unter Nr. 437. 

*) Dazu ist beispielsweise ausHcr dem genannten Motett Tristis est anima mea das tiefempfundene 
6 stimm. In numte Oliveti, das in den 3 Mot. trium auct. ((\-V.-K. Nr. 1456) und in den, 18H4 bei der 
Zentenarfeicr vorgdUhrten ^VII moduli von Orlando" sich vorfindet, in hervorragendem Mas^e geeignet; 
vgl. auch das zweiteilige, in der Liturgie nicht verwendbare Fopule meus im 3. Teile (5. Band der 
Ges.-Ausg.) des Maguum opus mus. Nr. (169). 



-^ 91» &h 




T6 - ne - brse fa - et» sunt, vo - ce mä 



gna 



in ma - nus tu - as Dö- mi - ne. 




x^-mnt in 



me VI - 



et in om-bra mor - tis. 




et in nm-bra 




Sehen wir nun ab von den unwesentlichen Differenzen in der SchlÜHselangabe, sowie von den 
Fehlem, welche die Kopisten des 18. Jahrhunderts machten, da sie die Bedeutung der Reschwärzteu 
Noten nicht mehr verstanden, dieselben also falsch auflösten, so ergibt sich als Ee^ultat der Yer- 
gleichung zwischen dem Originaldruck der Eesponsorien Ingegneris von 1588 und den Kopien der- 
selben, von denen manche das Werk fälschlich als Komposition Palestrina*8 bezeichnen, dass die 
im 32. Bande der Oes.- Ausgabe von Palestrinas Werken ^s opus dubium abgedruckten, in Wahr- 
heit voningegneri komponierten 27 Eesponsorien kaum 20 kleine Abweichungen aufweisen, welche 
insgesamt den eigentlichen Stil dieses oberitalienischen Meisters nicht be- 



rühren. 



r . X. M. 



Neu und früher erschienene Kirchenkömpositionen. 

Die vollständige zweite Vesper für das Osterfest mit den Antiphonen, welche mit 
Orgelbegleitung versehen sind, hat J. W. AH^) für gem. 4 stimm. Chor sehr praktisch 
bearbeitet. Für das Besponsorium Domine ad adjuvandum ist der feierliche Falso- 
bordone von Victoria gewählt, die Falsibordoni für die 5 Psalmen und Magnificat sind 
von Zachariis, Gima und Viadana. Der zweite, fünfte und achte Vers werden 4 stimm., 
die übrigen mit der ausgesetzten Choralmelodie abwechselnd zwischen Ober- und ünter- 
stimmen gesungen, sodass Klagen über lange Daner einer Vesper in kluger Weise 
abgeschwächt sind. Beim Psalm In eodtu sind sogar drei Choralverse zwischen den 
kurzen Falsibordoni von Zachariis eingeschaltet. Für die Antiphon Haec dies verfasste 
Alt eine wohlgelungene Abkürzung der Choralmelodie des Vesperale. Die schön aus- 
gestattete und äusserst bequem eingerichtete Ausgabe wird am nächsten Osterfeste 
schon einfachen Chören die besten Dienste leisten. 

Die bereits in Nr. 6 angekündigte Sammlung 4 stimmiger Gesänge von alten 
Meistern für gem. Chor zum Gebraudb in der Charwoche, welche Dr. P. BAcker') 
ediert hat, enthält in autographierter Partitur mit Stimmen 16 Nummern. Für den 
Gründonnerstag ist die erste Lamentation (A., T., 2 B.) eine äusserst einfache und würdige 
Komposition von Giov. Croce; die 9 Besponsorien (am Gründonnerstag die ersten drei, 
am Cbarfreitag das 4. — 6., am Charsamstag das 7.-9.) sind aus einem Chorbuch der 
Münchener Hofbibliothek genommen und das Werk eines unbekannten Autors des 



Vesperae de Dominica ReBurrectiunis D. N. J. Chr. ad IV voc. inacqu. Pustet in Regensburg. 
T. genau, m. J. Part. 1 M, St ä 20 >^. 

') In Part, gesetzt von Dr. P. B., emer. Pfarrer und Rektor der Salvatorkirche in Aachen. 
Aachen, Ign. Schweitzer, m. J. Partitur 2 Ul 40 ^, St. & 30 ^. Domchordirektor Franz Nekes schrieb 
dazu ein kurzes Vorwort., in welchem er sämtliche Nummern fttr recht geeignet, nicht wenige als „Perlen 
heiligen Gesanges" bezeichnet. 



HS •• e*- 

17. Jahrhunderts.^) Beim Vortrage der letzteren muss ein sehr massiges Tempo ein- 
gehalten und fast recitiereode Deklamation beobachtet werden. Das Christus factus 
est and den Psalm Miserere von Yiadana hat Beferent in den 70er Jahren wieder- 
holt aufgeführt und deren einfache Schönheit erprobt. — Für den Gharfreitag ist die 
zweite Lamentation, ein schlichtes Werk von Croce (C, A., T., B.) gewählt, sowie 
dessen Poptde meus^) für A., 2 T., B. Vom Hymnus Stdbat maier sind nur 4 Strophen 
mitgeteilt, nämlich die erste und zweite von Croce für 4 stimm, gemischten Chor und 
das Quis est homo und Vidit stium von Horatius Vecchi für A., 2 T., B. — Für 
Charsamstag finden wir die Oratio Jeremiae Prophetae für A., 2 T., B. von Croce. 

Trotz der grossen Einfachheit der 16 Nummern kann nur ein solcher Chor die- 
selben würdig zn Gehör bringen, der an Kompositionen alter Meister gewohnt und 
tmter Leitung eines feinfühligen Dirigenten mit der musikalischen Deklamation und 
deklamatorisdien Tonfarbenmischung auüs Innigste vertraut ist. 

Wenn auch das Stabat mater von HelHrleh Bpp') niemals bei Messe oder Vesper 
Verwendung finden kann, so muss demselben, da es den liturgischen Text vollständig 
bringt und bei Nachmittagsandachten in der Fastenzeit oder in den Andachtsstunden 
während der Charwoche recht schlimme Grabmusiken zu verdrängen geeignet ist, Platz 
an dieser Stelle gegeben werden. Das Werk besteht aus 3 Sätzen, der zweite beginnt 
mit Rro peccatis, der dritte mit Fac nie tecum; der in diesem letzten Satze ange- 
kündigte Canon ist übrigens schon nach einigen Takten erschöpft. Nach Seite der 
Melodie ist die Komposition schmerzlich sentimental, nach Seite der Harmonie krank- 
haft chromatisch. Ein Chor, der dieselbe erträglich rein zur Ausführung bringen will, 
kann nur mit Hilfe der Orgelbegleitung vor Entgleisung geschützt werden. Am meisten 
fürchtet Beferent jenes Gewinsel, das bei Kompositionen, wie die vorliegende, den 
Frauen- und durch kontagiöse Mitteilung den sie begleitenden Männerstimmen so nahe- 
gelegt ist Die reinste Jungfrau und Mutter hat sich nicht wie ein Wurm unter dem 
Kreuze gekrümmt, und konvulsivische Zuckungen, wie sie durch körperliche und 
seelische Leiden bei sensitiven Personen vorzukommen pflegen, sind ihr nach dem all- 
gemeinen Glauben erspart gewesen. Dass bei dem durch und durch modernen Stabat 
mater Epp's, der übrigens nicht ohne musikalische Anlagen ist und die verschiedenen 
Auflösungen der verminderten Septimenakkorde tüchtig gelernt hat, sogar die paradisi 
gloria noch chromatisch versalzen und verpfeflfert wird, vermindert das Verlangen nach 
solcher Paradiesesherrlichkeit. Wie schon Eingangs bemerkt, ist die religiöse Wirkung 
dieser Komposition entschieden grösser, als die vieler Grabmusiken, welche in der 
Charwoche das Heiligtum entweihen , und es soll keinem Chore der Vorwurf gemacht 
werden, dass er seine Kraft für unwürdige Musik aufgewendet habe, wenn es ihm 
gelingt, die mit religiösem Ernst und subjektiver Andacht vorgeführte Komposition den 
Intentionen des Autors entsprechend aufzuführen. 

Als Fortsetzung der Offertorien der hohen und höchsten Feste des Kirchenjahres 
komponierte Mu Fllke^) (vgl. Mus. s. 1897, S. 270) für die Osterzeit die Texte Terra 
tremuit und Angelus Domini descendit für 4 st. gem. Chor mit Orchester. Der Stil 
bringt es mit sich, dass eine dem Texte abgelauschte dramatische Steigerung, die auch 
die Singstimmen ergreift und bis zur Sec^timmigkeit teilt, bei den Worten Terra 
tremuit zur Anwendung kam. Die Fassung des dum resurgeret ist rhythmisch kräftig, 

') In Jul. Jos. Maicr's Katalag ist dieser Codex unter Nr. 112 beschrieben. Auh dem Umatando, 
dass derselbe 1653 dir das (1573 gegründete) Gregorianum von dem Alumnus Ignaz Sies kopiert worden 
int, darf nicht geschlossen werden, dass die in demselben enthaltenen Kompositionen etwa um diese 
Zeit entstanden sind. Aus dem Stile und Texte (im ersten Responsorium stehen noch die Worte fiat 
valuntaa tua, welche ürban VIIL 1632 aus dem Brevier gestrichen hat) wird man auf die Zeit von 
1610—1630 zu scbliessen haben. 

*) In demselben fehlen jedoch die ('horantworten Agioa o Theos, Sanctu4t Dens u. s. w. 

') Stabat maier für S., A.. T. u. B. m. Orgelbegl. A. Böhm & Sohn in Augsburg. Part, l jH 20 rdi, 
St. & 20 ^. T. genau. 

*) Op. 70, 2. Lieferung. Streichquintett, 2 Ob. od. Clar., je 2 Homer, Tromp., Pos., 2 Fag. ad lib. 
und Pünken. A. Böhm & Scmn in Augsburg und Wien. Orgel- und Dir.-Stimmc 1 J^ 50 ^>, Singstimme 
ii 25 r^, Orchesterstimmen kompl. 2 M 60 yd{. T. genau. 



-W 70 ö- 

durfte aber dynamisch nicht piano behandelt werden. Sehr wirksam ist der Orgelpunkt 
auf den Bassnoten A und G mit der Überleitung nach dem hellen, jubelnden und auch 
imitatorisch trefflichen Alleluja, — Viel einfacher ist das Angelte Domini für Oster- 
montag; die 18 Älleluja^ welche man im Wechsel von Solo und Chor zu hören bekommt, 
sind wohl ein sehr subjektiver Pleonasmus der Osterfreude, denn die Liturgie begnügt 
sich im Officium der Osterzeit im höchsten Falle nach den drei ersten Psalmen der 
Laudes mit 9 Älleluja. 

6. F. Fosfhinl komponierte für den feierlichen Einzug des neuen Erzbischofs von 
Turin ein 4 stimmiges Ecce sacerdos^) mit obligater Orgelbegleitung. Der festliche 
Charakter wird durch kräftige Akkorde, schwungvolle Intervallschritte und scheine 
Imitationen bei et testamentum wirksam ausgedrückt, die Orgelbegleitung ist meistens 
nur Stütze der Singstimmen. Der Stil ist modern, die Deklamation des Textes energisch. 

P. Griesbarher hat in Mits. s. 1897 das Offertorium Justitiae Domini (Nr. 24*) 
für den 3. Pastensonntag für 4 stimm, gem. Chor komponiert und erweiterte die schonen 
und ausdrucksvollen Motive desselben zu einer Messe ^), welche als op. 28 den lltel 
„Justitiae Domini" führt. Das Werk ist rhythmisch reich, melodisch einfach, durch 
kontrapunktische Imitationen fesselnd, erfüllt von musikalischem Leben, und auch für 
mittlere Chöre eine dankbare Messe. 

Auf Einladung des rührigen Kirchenmusikverlages Marcello Capra in Turin kompo- 
nierte Mir h. Haller zu den kirchlichen Centenarfeiern, welche in diesem Jahre in der ehe- 
maligen Hauptstadt des Königreiches Savojen stattfinden werden und mit einer Ausstellung 
kirchlicher Kunstgegenstände verbunden sind, eine neue Messe*; für Alt, Tenor, Bass 
und obl. Orgel zu Ehren des hl. Maximus, des ersten Bischofs von Turin. Den Ver- 
hältnissen der italienischen Kirchenchöre Rechnung tragend, bei denen in keinem Falle 
Frauenstimmen zur Verwendung kommen können, während die Knabenstimmen bisher 

noch nicht so gebildet sind , dass sie in der Sopranlage ohne Schreien über c oder ^ 
hinauskommen, wurde als Oberstimme Alt gewählt, der in der Tonart D-dnr zwischen 

h und h in bequemster und klangreichster Bruststimme sich vernehmen lassen kann. 
Die Motive der Messe sind ausserordentlich prägnant und von frischem VSTohlklang, die 
Imitationen und selbständigen Melodiebildungen der Tenor- und Basstimme sind aus- 
drucksvoll erfunden, die Deklamation des Textes drängt von selbst zu jener rhetorischen 
Freiheit des rhythmischen Vortrages, die nur bei solchen Werken angewendet werden 
kann, deren Schöpfer das angeborene musikalische Fühlen auch in Tönen wiederau- 
geben und in künstlerischen Formen darzustellen befähigt sind. Die Orgelbegleitung 
ist nicht blosse Stütze, andererseits nicht überwucherndes Ornament und schweigt 
einigemal gänzlich, um den Wohllaut des dreistimmigen Satzes, besonders wenn er 
gleichzeitig auftritt, nicht zu beeinträchtigen. Die Messe wird auch in Deutschland 
gern und viel gesungen werden, besonders an den Orten, wo man einsichtig genug ist, 
lieber eine dreistimmige Messe gut, als eine vierstimmige mit mittelmässigem oder 
schlechtem Sopran- und Altmaterial unbefriedigend aufzuführen. 

Das gleiche Werk bearbeitete M. Haller als Op. 69 b für 3 stimm. Männer- 
chor*) mit Orgelbegl. In richtiger Erwägung, dass der 3 stimmige Satz bei dem be- 
schränkten ^Umfange der Männerstimmen für eine selbständige Stimmenbewegung viel 
günstiger, wenn auch schwieriger ist, als der 4 stimm. Satz, geschah diese Bearbeitung 

^) Op. WA. f. 4 St. gcin. Chor. T. ifenaii, in. .1. Turin, Borriero & Oupra; Xr. 24 der Edixionc 
Marcello Capra. Pait. 75 ceiit., Stiininen a 10 cont. An italieiH^^che Gepfloji^enheit erinnern uns der 
Accent auf der Schlussilbe von Kcce im fünften Takt, auf da von jurejurando und auf re von crescere. 

■) L. Schwann in Düsseldorf. Part. 2 M, Stimmen a 20 ^i, T. ja;enau. 

^) Mij-sa XVIII. in hon. 8. Maximi, primi Eppi Taurincnsis ad 3 voc inaequ- (.V., T. et B.) org. 
comit. Op. 69 u. T. «renau, m. J. Bomero e Capra (Ed. Cain-a Nr. ZV. Partitur 1 Lire 20 cent. 
St. a 3ü cent. Stich und Ausstattung der Messe sind überraschend rein und schön. In Deutschlnnil 
durch jede Buchliandlun^ bei J. O. Bösseneckt'r (Ad. Stcnder) in Rcgensburij zu beziehen. 

*) Op. H9b. In hon. S. Maximi Ep. Conf. ad \\\ voces acqu. | viriles !| cum orsjf. Regensbur»;. 
Fr. Pustet. Part. 1 Ji 2() jj. St. A 12 ^; T. i>:enau. ni. J. Im Benedictuft Takt 12 ist eiu Stichfehler 
stehen geblieben: ihis c des Tenor y:ehr»rt in den 4. Zwischenraum, das Intervall ist also eine Sekunde, 
nicht eine Nonc. 



-G 71 E>- / 

mit besonderer Rücksicht auf deutsche Chorverhältnisse, wird aber auch im Auslande 
viele Freunde gewinnen, da die füllende Orgelbegleitnng, äusserst einfach gehalten, 
die von vielen Männergesangvereinen leider mit Unrecht gefttrchtete „Leere im Zu- 
sammenklang" prächtig ergänzt, ohne in instrumentales Wesen zu verfallen. Dieses 
Opus 69 b ist unter der geringen Zahl von Messen inr 3 stimmigen Männerclior eine 
der gediegensten und weist in anderer Tonfarbe die hervorragenden Eigenschaften 
aus, welche dem bei Borriero & Gapra in Turin erschienenen Opus 69a zugesprochen 
wurden. 

In beiden Messen können moderne Autoren lernen, was eine Komposition zu 
dem macht, was sie ist. Viele betrachten die Farbe als Hauptsache und die Zeichnung 
als Beiwerk. In der Missa XVIII, wie bei den meisten Werken Hallers, ist die 
Zeichnung, die Deklamation des liturgischen Textes, an der sich sämtliche Stimmen 
nicht mechanisch, sondern organisch beteiligen, die Hauptsache, Farbe (hier Begleitung) 
ist ihm Beiwerk, da die aus der richtigen Deklamation sich entwickelnde Farben- 
fülle vorausgesetzt wird. Die Begleitung ist in diesem Falle eigentlich nur Hinter- 
grund und hebt als solcher die Singstimmen klarer ab. Orosse Maler versichern, dass 
es nicht leicht sei, einen Hintergrund zu malen, und einer derselben (William Hunt, 
Schüler des grossen Millet) behauptet, die alten Meister hätten sich mehr Mühe ge- 
geben mit ihren Hintergründen als mit ihren Figuren; van Dyck sei zu Rubens mit 
der Empfehlung gekommen, er könne schon einen Hintergrund malen, letzterer habe 
ihm geantwortet: „Das ist mehr als ich kann." Wer beides kann, dessen Werke ver- 
dienen studiert und aufgeführt zu werden. 

Das Op. 66 von Alban Upp^) ist eine Messe für 4 stimm, gem. Chor (T. ad lib.) 
mit Orgelbegleitung, in welcher der liturgische Text richtig wiedergegeben ist, und die 
Orgelbegleitung keinerlei Schwierigkeiten enthält. Die einstimmigen Melodien des 
Kyrie und Christe sind keine Motive im Sinne der Kunst, da sie keine Ausarbeitung 
gefunden haben ; der Komponist liebt die Intervallschritte der grossen Sext, der kleinen 
Septime und Oktave, sowie zahlreiche Unisoni der vier Singstimmen; er glaubte wohl 
mit denselben mehr Ausdruck erzielen zu können. Die Messe ist kurz und leicht*^und 
kann auch schwächeren Chören gut empfohlen werden. 

Eine neue Messe von Ignaz Mltterer') verdankt ebenfalls den Turiner Centenarien 
ihre Entstehung und ist für 4 stimm. Männerchor mit oblig. Orgelbegleitung komponiert. 
Die Motive sind äusserst knapp, rhythmisch präcis und melodisch ausdrucksvoll^ er- 
funden und kehren im Laufe der Komposition in verschiedenen Wendungen wieder. 
Die Messe ist von südlichem Feuer durchglüht, voll dramatischer Effekte, anregend zur 
lebhaften Betrachtung des liturgischen Textes, nirgends trocken oder bloss reflektierend, 
in allen Stimmen festlich klingend. Die Orgelbegleitung umkleidet, besonders bei Solo- 
oder ünisonostellen , den Gesangsatz mit .farbenprächtigem Gewände und ist öfters 
orchestral angelegt. 

An dem Kunstwerke sollen und werden nicht bloss die Italiener Freude haben, 
denen zulieb der Komponist modulatorisch lebhafter gewesen ist, als er sonst bei seinen 
gewiss nicht langweiligen, vielmehr stets packenden Kompositionen zu sein pflegte, 
sondern auch die vielen Männerchöre des Cäcilien Vereines, welche diese Prachtmesse 
unschwer bewältigen werden. 

Sechs 5 stimm. Motetten von Giov. Pierluigi da Palestrlna^) hat H. Bewerunge, 
Mnsikprofessor am theologischen Zentralseminar zu Maynooth (Irland), für 5 stimmigen 
Männerchor eingerichtet (2 T., Bar., 2 B.), und mit Tempo-, Atem- und Vortragszeichen 

•) 8t. AlbanK-Messe. A. Böhm & Sohn in Aujfsbiirg: und Wien. Part. 1 ^ 10 ^, St. a 25 ^. 
T. genau. 

*) II. in hon. S.»«. Sindonin D. N. J. Chr., quam ad 4 voc. vir. conc. org. composuit J. M. Op. 76. 
Borriero e Capra in Turin. (Edizione Mnrceüo Capra Nr. is.) T. genau, m. J. Part. 2 Lire, St. ä 30 cent. 
In der Kathedrale San Giovanni befindet sich hinter dem Hochaltar die ('apclla del Ss. Sudario, in 
welcher ein Teil dos Linnenturhes. in dem der göttliche Leichnam eingehüllt war, aufbewahrt wird. 

•) O admirahile commercium. lmin*ouerium exHvecfavit, Terra tremuit, Dnmive Deua in MmyUcitatc. 
KxRuUnte Deo und Diffusa est gratia. So Wann in l)ti»8eldorf. Part. 3 M, St. a Wh ^^. T. y:cnau, m. J. 



^ HG It ö- 

versehen. Das Unternehmen ist geistreich und neu, auch muss man der Versicherung 
des Herausgebers, dass er sich durch mehrfache Aufführungen von der guten Wirkung 
dieser Bearbeitungen überzeugt habe, vollen Glauben schenken ; tüchtigen Männerchören 
ist durch die neuartige Fassung dieser sechs Palestrinaperlen eine wertvolle Gabe 
geboten. Wer die Originalien dieser 4 Offiertorien und 2 Motetten^) nicht kennt oder 
zu hören keine Gelegenheit hat, kann sich über die Wirkung und das Wesen des 
Palestrinastiles ein BÜd machen, das ebenso gut ist, als viele Nachbildungen Bafad'scher 
Gemälde in Radierungen oder Stichen. Dass aber jener Farbenschmelz, in welchem 
Palestrina durch Herbeiziehung von Sopran und Alt grösseren Tonumfang und mehr 
Licht erzielte, durch die Bearbeitung Bewerunge's verloren gegangen ist, wird auch 
der verdiente Herausgeber zugestehen müssen; die fünf Männerstimmen mit ihren 
dunkleren Tonfarben sind in dem engen Räume von zwei Oktaven eingeschlossen und 
haben nicht mehr jene freie Bewegung, welche dem Meister innerhalb dreier Oktaven 
zu Gebote stand. Der interessante Versuch ist aller Beachtung wert und Referent bittet 
um Nachricht, wenn tüchtige Männerchöre die eine oder andere dieser Motetten (viel- 
leicht das Improperium am Palmsonntag oder Terra tremuit am Osterfeste) nach den 
vorzüglichen Angaben Bewerunge's zur Aufführung bringen sollten. 

In einem Fange lingtta von B. Pozzolo für A., T. und B. sind die Strophen in 
die mensurierte Choralmeiodie (1., 3. u. 5. im ^U, 2., 4. u. 6. im V* Takte) gekleidet, 
unter Beifügung einer oblig. einfachen Orgelbegleitung.^) Die Arbeit bekundet tüchtige 
Schulung und kirchlichen Ernst. 

Tantum ergo und Oenitori in fortlaufendem Satze komponierte R. Remondi (op. 53.) 
für zwei Oberstimmem,*) die in zart geschwungener Cantilene, umspielt von selbständiger 
Orgelbegl. und unter sich imitierend, in melodiöser Führung andächtig und liebUch 
klingen. 

Eine zweistimm. Messe '^) von Jos. Renner Jim. wandelt nicht die ausgetretenen Pfade 
leichter Landmessen, ohne dem C. und A. mehr zuzumuten, als man überhaupt von 
einem Sänger verlangen muss. Melodieführung und Orgelbegleitung sind modern; letztere 
fordert, keine grosse Technik, wohl aber Geschmack in der Registrierung und Vertrautheit 
mit der Cadenz- und Harmonielehre. In rhythmischer Begleitung herrscht ausserordent- 
liche Mässigung und Ruhe, massige Chromatik ist der interessanten und nicht gewöhn- 
lichen Orgelbegleitung zugewiesen, die Singstinimen sind fast durchgehend in diatonischen 
Intervallen geführt. Guten und mittleren Chören kann diese Messe empfohlen werden. 

Eine ausserordentlich tüchtige Arbeit ist die Heinrichsmesse in As-dur für gem. 
46t. Chor von W. Sf hAllgen, ^) deren in den Kyriesätzen angekündigte Motive, mit 
Geschick erweitert und mit Kunst ausgearbeitet, bei den verschiedenen Teilen des Mess- 
textes wiederkehren und so zu einheitlicher Stimmung führen. Es ist ein frommes 
Singen in diesen imitatorischen Formen, ein Wohlklang und eine Klarheit in der 
polyphonen Stimmtührung, welche den Wunsch erregen, es mögen sich unsere guten 
Chöre mit dem anmuthigen Werke oft und gerne beschäftigen. 

Zu den preiswürdigsten Messen der neuesten Zeit ist das Op. 17 von Carl lUei für 
5 St. (C, A., T., 2 B.) zu zählen,®) wenn die musikalische Faktur als solche in Betracht 
kömmt ; die Anlage der Partitur auf 5 Liniensystemen (2 Viol.- und Bass- und 1 Tenor- 
schlüssel) erleichtert die Übersicht der Stimmenführung in ausserordentlicher Weise 
und muss lobend hervorgehoben werden. Obwohl aus dem Thema über die Antiphon 
Ave Maria (g c d d a b a), das auch in anderen Choralmelodien öfters zu finden ist, 
der Schluss gezogen werden kann, dass der kontrapunktisch durchgebildete Komponist 

^) Erstere aus dem 9. Bd., admirabüe aus dem 1., Extdtate aus dem 4. Bd. der Ge8.-Au8g;abc. 

*) Bartol. Pozzolo ist Kapellmeister in Como. Verlauf von Boiriero und Capra in Turin. JEdiz. 
l'apra Nr. 19. Part. 75 ccnt. 8t. ä, 10 cent. T. vollst., mit J. 

*) Turin, Borriero u. Capra. Ediz. Capra Nr. 16. Part. 75 cent. St. a 10 cent. Text vollst, m. J. 

*) 2. Messe für S. u. A. mit Or^el. Op. 31. Augsburg und Wien, Ant. Böhm. Part. 2 M, 
St. ä 40 ^. T. vollst. 

*) M. in hon. S. Henrici. Op. 6. Part. 2 ,Ä, St. ä. 25 /^. Schwann in Düsseldorf. T. voUst. 

°) Loretomesse über ein dorisches Thema für 58t. gem. Chor a capeila. Part. 3 M. St. a 60 v^. 
Leipzig, F. E. C. Leuckart (C. Sander). T. vollst. 



-13 »3 er- 
sieh auch in der dorischen Tonart zu bewegen gesonnen war, so muss doch konstatiert 
werden, dass die Loretomesse weder im Sinne des 16. Jahrhunderts, noch in dem der 
Bach'schen Schule als „dorisch" gelten kann, sondern sich auf modernen, übrigens ganz 
soliden Geleisen fortbewegt. Von dieser akademischen Frage absehend, wünscht Referent, 
dass tüchtige, gutgeschulte Chöre sich ernstlich mit dem Studium des schönen, festlich 
angelegten, modulatorisch reich ausgestatteten, rhythmisch hochpathetischen Werkes 
beschäftigen ; die Wirkung auf die Sänger und Hörer kann bei energischer und geistes- 
verwandter Direktion nicht fehlen, denn die dynamischen und rhythmischen Andeutungen 
des Komponisten verhindern Fehlgriffe auf das Möglichste. 

Unter Hinweis auf S. 52 der Mus. s. sei hier bemerkt, dass die 36 vier-, fünf- und 
sechsst. Tonsätze, wel(^he den Inhalt des Officium hebd. s. von Th. Lud. de Vietoria bilden, 
nunmehr auch in eigenem Bande als 4. — 7. Heft des 2. Bandes vom Repertarium mu$. s. 
erschienen sind.*) Ein eigenes Vorwort und doppeltes Inhaltsverzeichnis gibt die nötigen 
Aufschlüsse über Verwendung und Bedeutung dieses Meisterwerkes kirchl. Vokalgesanges. 

Die 155 Oradnalien, Alleluja und Traktus, Hymnen, Sequenzen und 
Motetten des ganzen Kirchenjahres für 1-, 3-, 4- und 5 st gem. und Männerchor, welche 
Pr. Witt in den „Flieg. Bl. für k. K. M. und Mus. .»." durch mehrere Jahre veröffent- 
licht hat, sind nunmelu: in Partitur vollständig erschienen und bilden einen stattlichen, 
sehr brauchbaren Band^) mit praktischen Registern. (Vgl. die Referate über das 3., 
4, und 7. Heft in MtM. s. 1897 S. 100, 210 und 268.) F. X. H. 

Vom Bücher- und Musikalienmarkte. 

„Drei Gesänge zur Investitur eines Pfarrers'', und zwar ein Begrüssougslied mit deutschem 
Text. 4 stimmig, sowie Ego sum paator Inmus 4 stimmig und Ymi Oreatar 5 stimmig komponierte 
Karl Allmenaini^er in Abtsgemünd als Op. 17, Eeigensburg bei Fr. Pnstet Partitur 1 M, 
8., A., T. ä 6 V), B. & 10 /^. Die di*ei Nummern sind trotz ihrer Einfachheit änsserst wirkungsvoll 
nnd mnsikalisch gediegen. Vom Hymnus Veni Creator ist nur die 1. Strophe komponiert und Amen 
beigefügt; derselbe kann auch vor der Pi-edigt gebraucht werden. 

Ein Stabat nuUer von A. J. M. Diepenbrock, Verlag von Stampf & Koning in Amsterdam, 
ist für den Konzertgebrauch bestimmt und dem Dirigenten des gemischten Gesangchors in Amster- 
dam. Herrn Ant. Averkamp gewidmet. Der lateinische Text dieser herrlichen Dichtung des Jacopone 
da Todi stimmt nicht in allen Versen mit dem der liturgischen Bücher überein. Was die Kompo- 
sition als solche anlangt, so wechseln ganz einfache, homophon nnd harmonisch gedachte Strophen 
mit Hehr chromatischen nnd durch Stimmenteilung 5-, 6- nnd 8 stimmig anwachsenden Sätzen ab. 
Der Antor bemühte sich dnrch Tonmalerei den Textausdmck zu erhöhen und ist um kein.. J^Iittel 
der Modulation, des Rhythmoswechsels nnd dynamischer Effekte verlegen. Den Zweck, dnrch Äusser- 
lichkeiti'n zu überraschen, hat er auf Kosten des reinen Satzes ohne Zweifel erreicht, dass aber die 
grellsten Tonfarben von # bis pp nebeneinander gesetzt sind , will dem Referenten aurchans nicht 
behagen; auch findet er den Farbenapparat für die Worte paradisi gloria, am Schlüsse der durch- 
komponierten Seqnenz, der von pp, cresc. bis /, decresc bis pp und dtmn zu- nnd abnehmend bis ppj) 
für sieben Takte in Anspruch genommen ist, nicht nnr unpassend, sondeni hier auch unnatürlich. 
Solche' Linien führen nicht zur Paradiesesherrliclikeit. 

Für die Diözesen Wien, Linz nnd St. Polten ist von Seiten der betreffenden Ordinariate ein 
katholisches Gesangbuch approbiert worden, das den Titel „Te Deum landamus" trägt. Zu dem- 
selben verfasste Jos. Gabier eine Broschüre von 100 Seiten in 8^ (Breitkopf & Härtel in Leipzig), 
in welcher znei^t allffemeine Bemerkungen über das katholische Kirchenlied (S. 1— 25J unter Hin- 
weis auf die einschlägige Litteratur znsammengefasst sind. Dann folgen die besonderen Bemerkungen 
über die 106 Nummern des neuen Gesangbuches, in ähnlicher Weise mit historischen und kritischen 
Notizen versehen, wie solche von P. Dreves für das „0 Christ hie merk'" und von Jos. Mohr zum 
„Psälterlein*' gegeben worden sind. Der Verfasser ist mit der einschlägigen Litteratur vollständig 
vertrant nnd erzählt S. 27. dass die Auswahl und Ordnung der Liedertexte von ihm selbst besorgt, 
die WaJil der Melodien aber von ihm in Verbindung mit f Joh. Ev. Habert, der für das ^anzo 
Werk die Harmonisierung bearbeitet hat, getroffen worden ist. Nachdem die Texte durch die ge- 
nannten Ordinariate approbiert worden sind , steht es dem Referenten nicht zu , sich über diesen 
Punkt persönlich auszusprechen. Was die Wahl der Melodien anlangt, so sind ihm unter anderen 
die gar zn liedermässigen Weisen von Aiblinger, Schnbiger, Schubert nicht sympathisch, obwohl 

') Off. h. s. continens varias cantiones sacras ex Liturgia sacra Dominicae Palmarum, Fer. V. 
et VL et Sabb. Sancti. Regensburg. Fr. Pustet, Part 3 .4( 20 ^4, in elegantem Einband 4 JK 20 4^, 
Text vollst., mit Jahr. Die Stimmen sind im Stich und werden bei sofortiger Bestellung zur rechten 
Zeit, noch vor der Charwocke, versendet 

^0p. 84. 1879—1889. Preis der 8 Hefte in elegantem Einband 8 Ul 80 ^. Fr. Pustet, Regens- 
. vollst, m. J. 



-P3 14 e^ 

sie niemand ankirclilich nennen kann; die Erfahitin^ jedoch hat gelehrt^ dass solche moderne Weisen 
im Munde des Volkes, besonders nach der rhythmischen Seite ^erne ausarten und entweder durch 
schleppenden oder durch zu lebhaften Vortrag einen trivialen Beigeschmack erhalten. Nach Seite 
der Liturffie befremdet nur der Hinweis auf eine Verordnung eines Ordinariates vom 29. Okt. 1845. 
aus dem hervorzugehen scheint, dass man auf die Intonation des lateinischen Te Deum laudamus 
von Seite des Priesters ohne Bedenken das deutsche ^jGrosser Gott, wir loben Dich" folgen lassen 
könne. Zur Erteilung einer solchen Erlaubnis ist kein katholisches Ordinariat befugt. Mit der 
Singmesse von Michael Haydn beginnt und mit der österi'eichischen Volkshymne „(lOtt erhalte, 
Gott beschütze** schliesst dieses katholische Gesangbuch, bei dessen zweiter Auflage (1880 ist die 
erste erschienen) „eine Anzahl minderwertiger oder seltener verwendbarer Texte und Melodien 
weggelassen und dafür bessere, entsprechendere aufgenommen wurden". — Zu diesem Gesangbuche 
schrieb der t Job. Ev. Habert die Harmonisiening in schlichtem 4 stimmigem Satze und so. dass 
die Lieder auch 4 stimmig gesungen werden können. Der Band von 117 Seiten in Folio, von ßreit- 
kopf & Härtel prächtig ausgestattet, enthält auch sämtliche Textstrophe^i , von denen jedoch nur 
die erste zwischen den zwei Notensystemen unterlegt ist. Die mit einem * versehenen Nummern 
sind nach dem Tode Haberts von einem Ungenannten harmonisiert worden; bei einer derselben 
(Nr. 97) muss satt des ^ ein l? als Vorzeichen konigiert werden. Gegenüber den Orgelbüchern, 
welche seit dem Wirken des Cäcilien Vereins in fast allen Diözesen erschienen und mit Vor- und 
Nachspielen auf das Mannigfaltigste und Eeichste ausgestattet sind, muss es als ein grosser Mane^el 
di^B Orgelbuches von J. E. Habert bedauert werden, dass nicht ein einziges Vor-, Nach- oder 
Zwischenspiel (für die einzelnen Strophen) beigegeben ist; man mutet den schwächeren Organisten gai- 
viel zu und öffnet auf diese Weise die Schleussen ungegohrener und unsauberer Organistenphantasie. 

Unter dem Titel -Kleiner Konzertführer" sind bei Breitkopf & Härtel in Leipzig 12 Heftchen 
ii 10 \ erschienen, weiche den ausgezeichneten Musikschriftsteller und Dirigenten Prof. Dr. Her- 
mann Kretzschmar , Universitätsmusikdirektor in Leipzig zum Verfasser haben. Dieselben sind 
mit Zustimmung des Verlegers A. G. Liebeskind, bei dem Kretzschmar's „Führer durch den Konzert- 
saal" erschienen ist, in Einzelausgaben durch Notenbeisniele bereichert und entsprechend umge- 
arbeitet, vortreffliche Hilfsmittel, um die Musiker und Musikliebhaber mit dem Aufbau grösserer 
Musikwerke vertraut zu machen. Bisher sind folgende Werke einzeln besprochen worden: 
Nr. 501. Bach, Johannes-Passion. Nr. 502. Bach, Matthäus -Passion. Nr. 503. Bach, H-moU-Messo. 
Nr. 504. Beethoven, Missa solemnis. Nr. 505. Beethoven, 5. Sjrmphonie in C-moll. Nr. 506. Berlioz, 
Harold-Symphonie. Nr. 507. Berlioz, Symphonie fantastique. Nr. 508. Händel . Israel in Eygypten. 
Nr. 509. Haydn, Schöpfung. Nr. 510. Liszt, Paust -Symphonie. Nr. 511. Liszt, Legende von der 
heiligen Elisabeth. Nr. 512. Mozart, Requiem. Weitere Konzertführer werden in rascher Folg»» 
erscheinen. Werke, die noch nicht ausgegeben sind, liefert die Verlagshandlung auf Wunsch von 
Konzertanstalten bei rechtzeitiger Mitteilung schon vorher. Jede Buch- und Musikalienhandlung 
nimmt Bestellungen entgegen. 

Über das Buch von Enrico dl San Martino, ^Saggio critko sopra akune cause ä% decadema 
mlla musica italiana aJle flne (kl secolo XIX.*' [Koma, via della Pace, Num. 35. (Tipografia di Filippo 
Cuggiani), 207 Seiten] hat sich die Mus. ». bereits auf S. 20 geäussert; sie will ihr Versprechen, den 
ernsten Inhalt auszüglich mitzuteilen, in folgenden Zeilen einlösen. In 11 Abschnitten spricht der 
Verfasser mit eindringlichen, manchmal Keulenschlägen nicht unähnlichen Worten von einigen 
Ursachen des Verfalls der Musik in Italien am Ende des 19. Jahrhunderts, fügt aber auch seine 
Katschläge zur Verbesserung bei. — Das 1. Kap. beginnt mit dem Satze: „Italien befindet sich 
gegenwärtig in einer nach jedem Gesichtspunkte unglückseligen Lage." In politischer, finanzieller 
und künstlerischer Beziehung steht es schlecht, nach musikahscher Seite wird die Seltenheit wahrer 
musikalischer Genie's, welche seit Jahrhunderten den Kuhm Italiens gebildet haben, beklagt. — Im 
2. Kap. ist von der Impotenz die Rede, mit welcher die neueren italienischen Kompositionen be- 
haftet sind, es fehle an der ruhigen, ernsten Liebe zur wahren, echten Kunst; die Form sei das 
Kleid des Gedankens, beides vermisse er. Statt gesunder, kräftiger Kost biete man aufregende und 
aufreizende Gewürze und Zuthaten; in den neuen Formen, die nicht existierten, wenn man das 
Studium der grossen Klassiker nicht vernachlässiget oder missachtet hätte , zwingt man uns die 
ganze Tonleiter vom Schönen bis zum Monströsen, vom Grossen bis zum Nichts^ vom Übermächtigen 
bis zum Schwächlichen zu durchlaufen. Das gi-osse Talent und die Leichtigkeit der Auffassung sei 
wohl die Ursache, dass der Italiener nicht so neissig und so ausdauernd sei, wie die anderen Völker. 
Als Gegenmittel wird unerbittliche Strenge der Lehrer. Kritiker und des Publikums gegen alle 
musikalischen Werke verlangt, denen trotz ihres bestechenden Glanzes Idee und Form f etilen. — 
Als weitere Ursache des Venalls wird im 3. Kapitel der Mangel an Glauben, unter dem der Ver- 
fasser nicht nur den religiösen, sondern vor allem den idealen an die Kunst versteht, beklagt. Man 
habe sich dem Skeptizismus ergeben, und darum sei sowohl die Kirchenmusik als auch das Oratorium 
so sehr in' Verfall geraten gegenüber der Zeit eines Palestrina, Marcello, Händel, Bach u. s. >y. — 
Das 4. Kapitel scmldert den schädlichen Einfluss, welchen Richard Wagner auf die italienische 
Kunst geübt habe; der Verfasser sieht in klimatischen Verhältnissen, nationalen Anlagen und Ge- 
wohnheiten so wesentliche Faktoren, dass er gemischte Chorvereine in Italien für unmöglich hält (!). 
Das Kapitel ist überhaupt äusserst merkwürdig, aber nach Lage der Dinge nur in nebensächlichen 
Punkten anfechtbar. — Im 5. Kap. wird das moderne Leben, die Nervosität und der fieberhafte 
Drang nach neuen Genüssen als Ursache der Verderbtheit des Geschmackes bezeichnet. Das 6. Kap. 
spricht von jenen, welche musikalisch arbeiten, nur um ihre Lebsucht befriedigen zu können. Daher 

a. Kap.) machen sich die Künstler zu Sklaven des Publikums und verlieren ihre Unabhängigkeit. — 
it dem 8. Kap. beginnen Vorschläge zur Besserung: In Italien sind zu viele Schulen ffir Musik- 



-43 »5 E>- 

anterrichtf in denen nnr die Mittelmässigkeit gepflegt wIihI. Die Vorbildung dieser Musikanten sei 
nach allen Beziehnngen eine geringe; man veriang:e deshalb eine allgemeinere, für die Konser- 
vatorien auch humanistische Bildung. — Das 9. Kap. redet von der JKonzentrieruiig der Musik- 
schulen in wenigen, aber bedeutenden Städten (in Italien hat nämlich jede, auch die kleinste Stadt 
eine Musikschule), das 10. macht Vorschläge, um die wirklichen Musiker vor den unvernünftigen 
Forderungen des Publikums zu schützen und ihre künstlerische Freiheit zu wahren. Ein kurzes 
Schlusswort (11. Kap.) bekundet den hohen £rnst und tiefen Schmerz des Verfassers, von dessen 
Vorschlägen nur zu wünschen ist, dass sie ins Leben treten können. 

Rud. Joh. Pichler (Eom, Via del camnidoglio 5) sendet der Red. eine Motette im mixolydisciien 
tVlI.) Ton mit deutschem Texte ,jünsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist" in autographierter 
Partitur zu. Der Komponist hat eine strenge Schule durchgemacht und behandelt die trefflich ge- 
wählten Motive mit dem schwungvoll deklamierten Texte im gemischten 4 stimm. Chor äusserst 
gewandt und eindrucksvoll. Besten Dank für die Aufmerksamkeit und herzliches Criückauf zu 
grösseren Werken im gleichen Stil. 

Eine Papsthymne für Unisonochor mit Pianofortebegl. zu 4 oder zu 2 Händen „Erhebet euch 
im Freundesbunde" ist bei A. Coppenrath (H. Pawelek) erschienen und wurde von dem f Doni- 
kapellmeister Max Rauscher komponiert. Dieselbe ist sehr schwungvoll und Iflsst sich wegen der 

bequemen Stimmlage zwischen es und es durch Hunderte von Sängern wirksam zum Vortrag bringen. 

Die Konzertberichte und Artikel, welche der Musikreferent der Pariser Bevue ülmtrU von 
1896/97 veröffentlicht hat. sind in eineni Bändchen von 266 Seiten gesammelt erschienen. Das Buch 
betitelt sich La musique a Paris 1896— -1897, 3me annee, der Verfasser ist Gustave Robert, der 
Verleger Ch. Delagrave, 15 rne Soufflot in Paris. Preis 3 Fre. 50 cts. Man sendete dies Büchlein 
an die Red. der Mus, 8, mit dem Ersuchen, den Waschzettel des Buclihändlers als Inserat aufzu- 
nehmen; in demselben wird von den sehr interessanten Bemerkungen gesprochen, welche der Ver- 
fasser über die musikalische Begabung der deutschen (la musicalite des Allemands ä pt^opos des con- 
certs Nikisch) bei Gelegenheit des Konzertes von Nikisch gemacht hat. Man möchte aus diesen 
Worten auf Lob schUessen. Die Red. der Mus. s. hält es daher für notwendig zu konstatieren, dass 
G. Eobert im Gegenteile die musicalite der Franzosen als Komponisten und Dirigenten viel höher 
stellt, als die der Deutschen und mit Mottl und Nikisch sehr unzufrieden war, auch seine Lands- 
leute kräftig tadelt, welche in den Konzerten der Genannten applaudiert haben. Über diese Ansicht 
soll mit dem Verfasser nicht gerechtet werden; wer sich für das Buch interessiert, hat Gelegenheit, 
die Anflchauungen eines echten Franzosen in musikalischer Beziehung kennen zu lernen, denn Paris 
ist Frankreich. Unter den bibliographischen Besprechungen findet Referent eige sehr warme 
Empfehlung des Buches von Abb^, Chaminade „La musique sacree, teile qtte la veut VEglis^, über das 
auch in Mus, s. 1897. S. 57 lobend referiert worden ist. 

unter dem Titel „Die Psalmen der Vesper und der Komplet nach römischer Singweise und 
mit der in der Domkirche zu Münster gebräuchlichen Textunterlage" bearbeitete Monsignore 
Friedr. Schmidt sämtliche Vesperpsalmen mit dem G-Schlüssel auf 4 Linien und so transponiert, 
dass der I., IV. und VI. Ton eine Sekunde höher, der IL eine Quart höher, der III., V. und WY\1, 
eine Sekunde, der VII. Ton eine Terz tiefer stehen; der Text ist, wie im Psalterium vesj)ertinum 
des ünterzeicnneten bei Mediatio und Finalis durch senkrechte Linien auf die Melodie verteilt. Wir 
besitzen nun. seitdem die S. R. C. die Verteilung der Textsilben unter die Psjilmformeln vollständig 
freigegeben liat, bereits sechs unter sich nur in wenigen Punkten verschiedene Anweisungen. Das 
Büchlein unseres Generalpräses ist vorzüglich und wird den Zweck, Einheit und Übereinstimmung 
beim Psalmengesange zu erzielen, vollkommen erreichen. Münster i. W., Buchhandlung Regensberg; 
geb. 1 wÄ 20 -;?^. 

Als Inauffuraldissertation zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde an der Universität 
Leipzig legte ÄJit. Wilh. Schmidt eine 74 Seiten umfassende und Dr. Hugo Riemann gewidmete 
Studie vor über die Calliopea legale des Johannes Hothby, einen Beitrag zur Musiktheorie des 
15. Jahrhunderts. Leipzig, bei Hesse & Becker. Der Verfasser hat die Litteratur über den 
engÜBchen KarmeütenmÖnch fleissig zusammengesucht und der Arbeit von P. ütto Kornmüller im 
klrchenmusikalischen Jahrb. 1893 die biographischen Notizen entnommen. In 4 Teilen wird dann 
der Inhalt der Calliopea legale, welclie Raimund Schlecht nach der französischen Übersetzung 
Ooussemaker's in der Trierer Cäcilia 1874 deutsch bearbeitet und mit Anmerkungen vei-sehen hat. 
nach drei italienischen Manuskripten kommentiert. Beim Lesen stört es. dass tür die italienischen 
Texte die gleiche Schrift angewendet wurde, wie für die deutschen Erklärungen. Dunkle Stellen 
in dieser und in den anderen Schriften Hothby's bleiben immer noch bestehen; dieser Theoretiker 
macht überhaupt den Eindruck, als habe der i. J. 1471 Verstorbene sich um nichts gekümmert, was 
zu seiner Zeit die praktischen Musiker des 15. Jahrhunderts ins Leben gerufen hatten. Die fieissige 
Studie Schmidt's sollte durch Herbeiziehung der übrigen Schriften Hothby's und durch Vergleichung 
mit denen des Tinctoris zu einem grösseren Buche über die Geschichte der musikalischen Theorie 
des 15. Jahrhunderts Veranlassung geben! Der kenntnisreiche Verfasser besitzt zui* Abfassung 
eines solchen Werkes die nötigen Eigenschaften, die Schwierigkeit wird nur darin bestehen, hierfür 
einen Verleger und die nötige Zahl von Abnehmern zu finden. 

,.Ave Maria** betitelt sich eine Sammlung von 10 deutschen Marienliedem für 3 st. Frauen- 
und Kinderchor mit Orgelbegl., komponiert von Aag. Wütberger Op. 27. Schwann in Düssel- 
dorf; Part. 2 M^ St. ä 25 /^. Einige Nummern, die auch ohne Orgelbegl. gesungen werden können, 
sind mit * bezeichnet. Melodie, Textdeklamation, Ausdruck und musikalische Behandlung sind lieb- 
lich, treffiich, innig und wirkungsvoll. F. X. H. 



h 



-Ö »6 BH 

YermiBohte Nachrichten und Mitteilungen« 

1. X Im katholischen Volksverein zu Arzberg fand ein Konzert des Waldsaasener Kirchen- 
chorcs am 13. März statt mit folgendem Programm. Weihegesang an die heilige Cäcilia, gem. 
Chor von Schildknecht. Wie lieblich sind die Boten, Chor aas „Pamns** von Mendelssohn. Singst 
Du für mich, Männerchor von Lipp. Dank sei Dir, Öott, Chor ans „Elias^ von Mendelssohn. Der 
Tiroler Adler, Cantate fdr Männerchor und Soli mit Klavierbegl. von Mitterer. Recitativ. Terzett 
und Chor aus „Christus" von Mendelssohn. Herbstsonntaff, gem. Chor von Löhle, Herr, unser 
Herrscher, Chor aus „Ellas** von Mendelssohn. Nun alle Eflumen träumen. Männerchor von Lipp. 
O welch eine Tiefe des Keichtums. Chor aus „Paulus** von MendelsHohn. 

2. + Bamberg. Der Domchor fährte am Feste Maria Lichtjuess die ProzesHionsgesänge 
von Hanisdi, sowie die Missa Papae Marcelli von Palestrina, femer das dreistimmige Offertoriuni 
Diffiim von HaUer auf. Wälirend der Sonntage Sentuagesima bis Quadragesima wurden die herr- 
lichen 5stimm. Offertorien von Palestrina. am 1. una 2. Fastensonntag je eines der schönen Respon- 
sorien für die (3harwoche von Mitterer nach dem Choraloffertorium eingelegt. Am 28. Februar und 
2. März sang der Domchor bei ausverkauftem Hause im hiesigen StadtUieater die Chöre zum Fest- 
spiel „Dreizehnlinden^* (in der Bearbeitung von Pauss), dessen Reinertrag dem hiesigen kathnl. 
Arbeiterverein zu einem projektierten Arbeiterheim zufloss. Was die Musik betrifft, so ist dieselbe 
von Maria von Arnds einfach, zu Herzen gehend, aber nicht ganz originell. Nach den Tages- 
blättern fanden die Chöre ungeteilten BeifaU. Für die Knaben waren &s häufige Chroma. der 
•*/« Takt und die hohe Lage anfangs ungewohnt. Die Soli wurden von Frl. Tremel (Alt) und Öerm 
Lehrer Friedrich (Bariton) bestens executiert. Am Feste der hl. Kunigunda, 3. März, sangen die 
Zöglinge des hiesigen Lehrerseminars unter Leitung des Herrn Musiklehrers Schmitt die Missa 
solemnis von Bill für Männerchor und Orgel (Orgelbegleitung H. Musiklehrer Schmidtkonz) in aus- 
gezeichneter Weise. 

3. O Breslau. Der Bohn'sche Gesangverein brachte am 15. Februar in 16 Nummern 
das deutsche Lied in den Befreiungskriegen (1813/15) nach Volksweisen und Komposititmen von 
Fr. H. Himmel, Ad. Philipsbom, Albert Methiessel^ Fr. Ign. Lanzka, Karl Keller, B. A. Weber, 
C. M. V. Weber, L. van Beethoven und Job. Cotta beim 71. nistorischen Kona^rt zur Aufführung. — 
Am 28. Febr. fand das 72. historische Konzert statt, bestehend in geistlicher Musik von Felix 
Mendelssohn-Bartholdy. Die 11 Nummern des ernsten Programmes bestanden aus dem Präludium 
f. Orgel op. 37, Nr. 2, und Ada^o aus der Sonate op. 65, Nr. 1, (Orgel gesnielt von Dr. Em. Bohn>, 
aus einer Hymne fdr Sopran mit Chor, dem Psalm Laudate jnteri op. 39, Nr. 2, Arie aus »Paulus'' 
Recitativ und Doppelquartett aus „Flias'S 8 stimmige Sätze aus op. 79, ersten Chor aus dem 42. Psalm, 
Nr. 5 aus op. 48 una Nr. 11 aus op. 9 und dem Chor „Es wird ein Stern*' aus op. 97. 

4. O Prair. Die Red. der Mus, s. veröffentlicht gern nachfolgende Erklärung, welche ihr 
infolge des Abdruckes einer Korrespondenz aus dem „Salzb. Kirchenbl.'' in Mus. s, S. 23 zugegangen 
ist. Da die Bemerkung über die Karlskirche in Wien leicht missverstanden werden kann, so ist es 
um so erfreulicher, von einem Mitgliede des Kreuzherrenordens aus Böhmen gute Nachrichten 
über Pflege der Kirchenmusik dortselbst zu erhalten. Die Erklärung lautet wörtlich: „In der Mutter- 
kirche des Kreuzherrenordens (bei St. Franz} in Prag werden grundsätzlich nur cäciUanische 
Kompositionen aufgeführt. Als Beweis stehe hier eine kleine Probe unseres kirchenmusikalischen 
Programm's vom 2. März (das Fest der sei. Agnes von Böhmen, Süfterin des Kreuzherrenordens) : 
Um 7 Ulir bei einf^r stillen Messe (zelebriert durch Sr. Eminenz den Hochwürd. Herrn Kardinal 
Schönborn) Kyrie und Sanctus aus der 3 stimmigen Messe von Lotti, Regnttm muni von Hai 1er. 
fJiffusa est gratia von Jos. Förster. Oratio S. Ignatii und S. Franci9ci Xav, von Witt, esca 
i)iatorum von Modlmayr, Jesu rex aämirabüis von Palestrina, Fange Hiwua von P. Tereaius 
a S. Maria. Um 10 Uhr beim Pontiflkalamte (Sr. Excellenz der Hochwürd. Herr Bischof von Leit- 
meritz, Dr. Emmanuel Schöbel): Ecce sacerdos magnus (Förster), Missa Panis Ängelicue (Koenen), 
Einlagen von Witt und Förster. Inti-oitus, Tractus, Communio — Choral, Fange lingua (Traumihler), 
Te Defm in C-moll von Witt" 

5. Hf Aus Trier erhält die Red. eine Nummer der „Tr. Landesztg." vom 1. März d. J., in 
welcher mit schwungvollen Worten über einen Kammermusikabend berichtet wird, der den Mit- 
glie/dem de« dortigen Musikvereins hohen Grenuss bereitete. Das Streichquartett des Oürzenich- 
orchesters aus Köln brachte 3 Quartette zu meisterhaftem Vortrage, Schöpfungen von Beethoven, 
Schubert und Schumann. Die Anre^ng, dass durch einheimische ICräfte ähnliche Kammermosik- 
abende veranstaltet werden mögen, hndet die Eed. der Mus. a. selxr erklärlich und lobenswert, denn 
orfuhrungsgemäss nimmt der (ieschmack für ernstere Kirchenmusik im gebildeten Publikum mit 
dt'r Freude an der Polyphonie der klassischen Quartette zu. 



_ Vorliegende Nnmmer enthält 16 Seiten Text, am 1. April wird eine Doppel- 
nnniiner mit 20 Textseiteu erscheinen, welcher auch die 8 noch rttckständigen Magik- 
beilage» beigelegt werden. 



Druck und Verlag von Friedrich PuBtet in Begensbnrg, Gesandtenstrasse. 

Nebst Anseigeblatt Nr. S. 



]>oppelnii]iinier. 

1S98. Regensburg, am 1. u. 15. April 1898. ^':> 7 ^ g. 



MUSICA SACRA. 

Gegründet von Dr. Franz Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatschrift für Hebung nnd Fördemng der kathol. Kircbeninnsik. 

Herausgegeben von Dr. Frans Xaver Haberl, Direktor der Eirchenmnsikschule in Begensbnrg. 

Neue Folge Z., als Fortsetzimg XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnslkbeilagen. 



Die „Mutiea Mcra" wird am 1. und 16. Jeden Monat« aDB^egeben. Jede der 84 Nnmnem omfiaaBt 19 Seiten Text. Die IS Monk- 
beila^n (48 Seiten) wurden in den Nonunem 6, 7 nnd 8 versendet. Der Abonnementpreis dea Jahrgangs betrilgt S Mark; dl« 
Beatellnng kann bei {eder Poatanstalt oder Bnohhandlnng erfolgen. — Bei der Reiohapost mit 20 Pf. Anfsohlag. Bei firaiiko Zusendiuig 

nnter Streifband in DentBchland und Österreich-Ungarn 4 Mk. — ins Analand 4 Mk. 80 Pf. 

lahAltalkerileht: Organaria: 1. Organistengehftlter betr. 2. Litteratur (C. Becker, Jos. Gmber, Ant. Soholxe). 3. Über 
die Orgel in Stift Ria^iedeln (mit % Illnstr.) — Vom Biloher- und Musikalienmarkte: Alb. Becker, Jos. Dobler (S), 

V 

O. Fiesel, M. Haller, W. Herrmaon, E. Nikel, Revae internationale, Job. Slonioko, C. Thiel, Petersjahrbaoh von E. Vogel. — 
Da.s rOmisohe Oradualbuoh und Rpitome Oradnalis Romani. — Ana Archiven und Bibliotheken: Ein 4at. 
Haee die» von Ingegneri. -- Kirchenmnsikalisohe Auffahrungen und Berichte aus: Oraslitz, Regensborg, Diösese 
Seckau, Vorarlberg, Wien. - Kirchenmnsikal. Programm des üoinchoreN Regensburg von Palmsonntag bis 
Ostermontag. — Offene Korrespondenzen. 

Organaria. 

I. Organistengehälter betreffend. — Auf die Eingabe, welche der Organisten- 
verein (Sitz in Köln) an den Hochwürdigsten Episkopat Deutschlands unter Vorlage 
der sechs Resolutionen, die in Nr. 3, Seite 26 der Mils. s. veröffentlicht worden sind, 
gemacht hat, sind im Laufe des Jahres 1897 Antwortschreiben der Ordinariate von 
Rottenburg, Würzburg, Eichstätt, Speyer, Posen und Paderborn erfolgt und in Nr. 9 
des Vereinsorgans „Der Organist" publiziert. Die ausführlichste und sachlichste Er- 
klärung gab wohl der Hochwürdigste Herr Bischof Hubert v. Simar in der Ajitwort 
vom 7. Januar 1898. Dieselbe lautet wörtlich: 

„Auf das gefilllige Schreiben des verehrlichen Vorstandes vom 20. v. M. erwidere ich er- 
gebenst, dass ich die Bestrebungen des Vereins mit dem wärmsten Interesse verfolge und, so weit 
es thonlich ist, gerne unterstütze. In welcher Weise ich in der hiesigen Diözese sowohl das kirch- 
liche Orgelspiel als auch die Besoldunffsverhältnisse der Organisten zu heben mich bemühe, wolle 
der verehrliche Vorstand aus meinem ErTasse vom 10. Febr 1896 ersehen. Den in der Resolution vom 
<). Okt. V. J. ausgesprochenen Wünschen ist durch denselben teilweise schon im voraus entsprochen wor- 
den. Im übrigen aber möchte ich den verehrlichen Vorstand darauf aufmerksam machen ^aass es nicht 
in der Macht der Bischöflichen Behörden liegt, einseitig durch allgemeine Verordnungen eine bessere 
Besoldung der Organisten herbeizuführen, da sie in dieser Beziehung auf die gesetzhche Mitwirkung 
der Kirchenvorstände bezw. der kirchlichen Gemeindevertretungen angewiesen sind. Auch aus dem 
Urunde ist eine allgemeine Regelung nicht wohl angängig, weil die amtlichen Aufgaben der 
Organisten in den einzehien Gemeinden wie auch die matenellen Verhältnisse der Gemeinden selbst, 
die grössten Verschiedenheiten aufweisen. Hier kann nur ein Weg zum erwünschten Ziele führen : 
die einzelnen Organisten müssen ihre Desiderien den betreffenden Eirchenvorständen unterbreiten; 
dif'se sind zunächst gesetzlich befugt, die Gehaltsverhältnisse der Kirchenbeamten bezw. die für 
<laH Orgelspiel im Nebenamte zu gewährende Remuneration zu regeln. Deren bezügliche Verbesse- 
rungsvorscüläge werden zweifelsonne bei den Bischöflichen Behörden, wenn nicht entscheidende 
Momente es verbieten, stets bereitwillige Zustimmung finden. Sollten in einzelnen Fällen die an 
di(^ Kirchenvorstände gerichteten Anträge keine Berücksichtigung finden, so würde es sich empfehlen, 
hiervon der Bischöflichen Behörde, unter Vorlegung des ablennenden Bescheides, Mitteilung zu 
machen. Diese würde dann in der Lage sein, nun auch ihrerseits je nach Befund der Umstände, 
mit dem Kirchenvorstande über die Frage in Verhandlung zu treten. 

Mit Rücksicht auf die mir vorgelegte Resolution möchte ich noch des weiteren bemerken, 
dass in meiner Diözese das Organistenamt fast ausschliesslich in den Händen der Lehrer liegt und 
dass nur solche mit demselben betraut werden, welche durch eine Prüfung ihre Qualifikation dar- 
$?ethan haben. 



-te »Ä £4- 

Den Bestrebungen des Vereinjes und seines Vorstandes wünsche ich Öottes Segen und den 
bersten Erfolg." 

Wie in Paderborn, so ist auch in sämtlichen bayrischen Diözesen die Funktion 
des Organisten oder Chorregenten mit den Schulstellen verbunden; sie werden nur als 
Nebenämter betrachtet. Diese „eigenartigen" Verhältnisse geben nun leider an vielen 
Orten Veranlassung zu den verschiedensten Klagen, sowohl von Seite der Lehrer- 
Organisten als auch der Kirchengemeinden oder -Vorstände. Ein grelles Streiflicht auf 
solche unerquickliche Zustände wirft ein Artikel in der neuen badischen Schulzeitung, 
welcher der Red. schon im Dezember vorigen Jahres zugesendet worden ist. In der 
Freiburger Diözese ist der Kirchenvorstand frei in der Wahl des Chorregenten und 
Organisten, in der Regel jedoch wird ein dazu befähigter Lehrer gewählt; in Bayern 
rauss der Lehrer den Organistendienst übernehmen, der Kirchenvorstand kann keinen 
anderen wählen. Das letztere Verhältnis fuhrt nirgends zu Unzukömmlichkeiten, 
wenn der Lehrer nicht von den Tendenzen erfüllt, ist, welche darnach streben, Kirche 
und Schule gänzlich von einander zu trennen. Über die Verhältnisse in Baden nun 
lässt sich der Verfasser eines längeren Artikels mit der Überschrift: „Wer soll noch 
Lehrer werden?" in Nr. 48 des Jahrg. 1897 der obengenannten, von M. Rodel in Mann- 
heim redigierten Schulzeitung folgendermassen vernehmen: 

„Ein weiterer Punkt, in dem die amtliche Stellung des badischen Volksschullehrers in recht 
bedenklicher Weise erscheint, sind die Kirchen dl enste, zu denen der Lehrer auf Grund des 
Gesetzes und der Verordnung „angehalten" wird. Es ist wahrlich nicht nötig , darüber noch viele 
Worte zu machen: es ist doch klar, dass es ein Unding ist, wenn man einen Teil zwingt, es dem 
andern aber freistellt, wenn man einen Beamten zwingt, Dienste zu verrichten, die mit seiner eigent- 
lichen Dienststellung nichts zu thun haben, wenn man dem Lehrer den Kirchgang und die Beauf- 
sichtigung der Kinder während des Gottesdienstes zur Dienstpflicht macht. Der Lehrer muss 
Organist sein, die Kirche kann anstellen, wen sie will; ersterer kann, wenn ihm die verletzend 
niedere Vergiitung von jährlich 100 M. bewilligt wird, den Vertrag mit der Kirche nicht kündigen, 
während dieser jeaerzeit freisteht, den Lehreror^anisten zu entlassen. Das ist ein unhaltbarer Zustand. 
Der Lehrer ist Staatsdiener, d. h. im wesentlichen dasselbe, was ein Amtmann, ein Gymnaaial- 
professor, ein Kreis- und Oberschulrat, was ein — Minister ist. Im wesentlichen — der Unter- 
schied zwischen ihm und den verschiedenen Beamtenkategorien ist nur ein gradueller. Becht^ 
fertigt aber dieser CTaduelle Unterschied eine gesetzliche Bestimmung, die gerade mit dem Wesent- 
lichen unvereinbar Ist? Ist der Lehrer Staatsdiener , so hat die Kirche kein Anrecht an ihn d. li. 
als Beamten, und der Staat sollte seine Beamten nicnt zwangsweise der Kirche zu gewissen Ver- 
richtungen zuweisen. 

Wenn man den Lehrer zwingen kann, den Organistendienst zu tibernehmen, (also eine mit 
dem Staate und dem Schulamte nicht in der geringsten Beziehung st.ehende Funktion), so muss man 
in Konsequenz dessen auch alle übrigen Beamten -anhalten" können, irgendwelche Funktionen, die 
mit dem Staate und den Dienstpflichten des betr. Beamten in keiner Beziehung stehen (jüso z. B. 
kirchliclie), auszuüben. Der Einwand, den man hin und wieder zu hören bekommt ^ dass nämlich 
sonst niemand ausser dem I^ehrer den Organistendienst übernehmen könne, hat auch nicht die leisest»« 
Beweiskraft. Es handelt sich ganz einfach darum, ob die Kirche das Recht hat, einen Staat*»- 
beamten in iliren Dienst zwingen zu lassen oder nicht, und ob der Staat, der alle mit gleichem 
Masse zu messen hat, nur eine Beamtenkatefforie zu Kirchendiensten gerechter weise „anhalten** 
kann. Wenn die Kirche düleses Recht hätte und der Staat nicht ^egen einen Beamtenstand anders 
sich verhalten will als gegen die übrip:en, dann müssten notwendigenveise alle diejenigen, welche 
sich in den Dienst des Staates stellen wollen, für kirchliche Dienste, z. B. den Orgaiiistendienst, 
vorbereitet werden, damit jeder Beamte, beispielsweise auch ein Oberförster, fähiff ist, auf Antrag 
der -kirchlichen Ooerbehörde** Kirchendienste zu übernehmen. Man sieht, zu weichen Reeultateii 
man 
die 
der „ 

das nämliche Recht einräumen, das man den übrigen Beamten und Staatsbürgern zugesteht. Bis 
dies geschieht, nimmt aber der Lehrer eine amtliche Stellung ein, die nicht in unsere Zeit und nicht 
in unsere Rechfc^verhältnisse passt." 

Die Red. der Musica sacra ersucht einen der freundlichen Leser in Baden, über 
die thatsächlichen Verhältnisse und die Ursachen der Verbitterung, die in obigen 
Zeilen so greU zu Tage tritt, in sachlicher Weise sich zu äussern, und wiederholt, dass 
auch die Grundsätze des Cäcilienvereins die so natürliche Verbindung des Lehrers mit 
der Kirche stets betonen und den Lehrer-Organisten oder -Chorregenten wünschen, 
dass ihre Bezüge aus kirchlichen Verrichtungen niclit mit in die Lehrergehälter ein- 
bezogen werden. 




-•g t9 F»- 

II. Littefatar. — C. Beekei*, der eifrige Chorregent am Salesianum zu St. Francis 
Wisc, hat eine Orgelbegleitong ^) zu mehreren Messformalaren des Ordinarium Missae 
veröffentlicht, welche mit Asper ges, Vidi aquam und 4 Melodien des Deo gratias zum 
Ite Missa est beginnt, und ^e erste bis fünfte, die siebente, elfte und zwölfte Messe, 
drei Credo, das Bequiem mit Libera, die Messresponsorien , die Hymnen Fange lingua, 
Vetii Creator und Te Deum nach den offiziellen Ghoralbüchern umfasst. Die Gaden- 
zierung ist an mehreren Stellen in dorischen und mixolydischen Tonsätzen öfters ver- 
sucht und dadurch ein befriedigender harmonischer Abschluss erreicht worden. Auch 
sind Querstände möglichst vermieden, und durchgehende Noten geschickt angewendet; 
damit hat der Verfasser ein klareres Harmoniebild erreicht, als in den unten (in der 
Anm.) genannten zwei Heften. Möge er in Zukunft noch einige Schritte weiter gehen 
und nicht fürchten, dass er den diatonischen Charakter der Begleitung zerstört, wenn 
er in den Mittelstimmen zur Verschärfung modulatorischer Tendenzen manchmal ein || 
beziehungsweise h einzuschalten den Mut hat. Beferent kann beispielsweise der Cadenz 
am Schluss des Ite missa est in duplicibus, bei welcher die Melodie f e d mit den Bass- 
noten f c d, oder mit Harmonisierung der Melodie b c h a g mit den Bassnoten g f g 
f gy oder endlich der Harmonie g a d zur Melodie d c d m keiner Weise zustimmen. 
Solche Harmonieabschlüsse befriedigen nicht, befremden wohl, widersprechen aber den 
natürlichen harmonischen Gefühlen. Der Stich ist sehr deutüch, in den Mittelstimmen 
wurde durch r und. l Handwechsel angegeben, Pedal ist unnötig; auch Harmonium- 
spieler können zur Übung diese ausgewählten stehenden Messgesänge benutzen und sich 
dadurch für das Legatospiel auf der Orgel vorbereiten. 

Das praktische Handbuch für Organisten ^), herausgegeben von Jos. Graber, dessen 
1. Heft bereits in Mus. s. 1896 S. 139 besprochen und gut empfohlen worden ist, hat 
zwei Fortsetzungen erhalten, nämlich ein zweites Heft mit 62 Cadenzen und 137 Orgel- 
stücken in den gebräuchlichsten modernen Dur- und Molltonarten, und ein drittes mit 
548 Modulationen von aUen Dur- und Molltonarten in sämtliche Dur- und Molltonarten. 

Die Komposition des 2. Heftes sind nach Tonarten geordnet, beginnen von c fort- 
schreitend bis E-dur und As-dur, ähnlich für die Molltonarten, welche der betreffenden 
Durtonart eingefügt sind. Eolumnenüberschriften würden das rasche Auffinden wesent- 
lich erleichtert haben. Einige schwierigere Stücke sind auf drei Notensystemen wieder- 
gegeben, in jeder Nummer ist die Pedalapplikatur beigefügt. Die Sammlung ist des- 
halb sehr wertvoll und empfehlenswert, weil sie unter Berücksichtigung der katholischen 
Liturgie besonders viele kurze, zwei oder drei Doppelsysteme ausfüllende und wohl- 
geformte Präludien, Cadenzen, Versetten u. s. w. enthält, welche nicht nur die musi- 
kalische Phantasie des Anfängers anregen und dessen Technik fördern helfen, sondern 
auch zum gottesdienstlichen Gebrauche sehr gut verwendbar sind. Bedeutende An- 
forderungen sind an den Organisten in keiner einzigen Nummer gestellt. 

Das 3. Heft von 27 Querquartseiten mit den 548 Modulationen ist vom Heraus- 
geber Jos. Gruber, Stiftsorganist in St. Florian allein bearbeitet (2 jK> 50 /^) und 



M über eine ähnUche Publikation des H. H., nämlich den ersten Teil der Orgelbeffleitung zu 
einzelnen Festen des Herrn ist in Muaka sacra 1894, S. 150 referiert worden. Der 2. Teil, einzelne 
Hauptfeste aus dem Commune und Proprium sanctorum enthaltend, wurde von M. Haller in Mus, a, 1896 
S. 25 eingehender besprochen. Auf letzteres Referat, in welchem ttber die Cadenzbildung, besonders des 
dorischen und mixolydischen Tones, über Trltonverhältnissc und die Unterscheidung zwischen Diatonie 
und Chroma bezw. konsonierende Harmonie wertvolle Grundsätze niedergelegt sind, sei hier ausdrück- 
lich aufmerksam gemacht. — Verleger des neuen „Organum ad selecta ex Ordinario Missae'* ist 
M. H. Wiltzius & Co. in Milwaukee, Wisc. Preis unbekannt. 71 Seiten in Quer-Folio. 

') Verlag von Feuchtinger & Gleicbauf in Regensburg. Der 1. Band mit 48 Cadenzen und 
136 Orgelstücken in den alten Kirchentonarten kostet 4 .^^ 50 /^, beim 2. Band sind als Mitarbeiter 
aufgezöilt: Adler (8), Albrechtsberger (5), J. S. Bach (3), J. F. Breitenbach (2). J. Diebold (2), 
G. E. Eberiin (2), M. G. Fischer (4), R. Führer (20), Gebhardi (2), H. Götze (3), J. Gruber (31), 
G. HöUer (2), P. M. Hom (3), W. Kothe (3), W. Plhak (4), Jac. Quadflieg (8), J. C. Rembt (3), Chr. H. 
Rinck (13), J. G. Vierling (4), ausserdem mit je 1 Nummer: Bachmann, Barthel, J. Bernards, P. Gries- 
bacher, J. C. Kittel, Knecht, E. Köhler, J. L. Krebs, Fr. Kühmstedt, A. Lipp, Q, Muffat, Aug. Mühling, 
i\ F. Pitsch, G. Srheibner, Jos. Schildknecht, E. A. Sorge, C. G. Umbreit, W. Wedemann, Aug. Wilt- 
berger und K. H. Zöllner. Preis der 111 prächtig ausgestatteten Querquartseiten 6 M. 



-«3 80 ES- 

recht praktisch angelegt. Die Modulationen gehen von G-dur oder A-moll aus und 
führen bis Ges-dur oder Es-moU, darauf folgen die von G-dur oder E-moll u. s. w., 
den Schluss bilden die von Fis (Ges)-dur und Dis (Es)-moll. Als Modulationsmittel 
sind meist Harmonien verwendet, welche nach 2 Takten in die neue Tonart einfuhren ; 
denselben ist dann eine Cadenz in Dur oder Moll beigefügt Anfängern und Übenden 
ist die Sammlung sehr zu empfehlen. 

Ein Büchlein von Anton Seholze behandelt auf 47 Seiten die innere Einrichtung, 
Pflege, Instandhaltung und Behandlung der Orgel, sowie auch das Orgelspiel und hat 
den Titel „Orgellehre^S Es ist schwer, über Compendien dieser Art keine Satire zu 
schreiben. Einen gründlichen Unterricht will der Verfasser nicht geben, glaubt aber 
doch, dass derselbe durch das Büchlein auch in kurzer Zeit einigermassen fruchtbringend 
gestaltet werden könne. Dieses muss Referent durchaus negieren, denn es fehlen nicht 
nur die allernotwendigsten Zeichnungen, sondern auch in den Definitionen sind empfind- 
liche Lücken. Stoffverteilung und Darstellung sind oberflächlich und einseitig, nicht zu 
reden von dem Register der berühmten Meister der Orgel, aus dem wohl niemand klar 
wird, nach welchen Gesichtspunkten dasselbe angelegt worden ist. Der Litteratur zu 
dem behandelten Gegenstand wird mit keiner Silbe Erwähnung gethan; wenn sie dem 
Verfasser bekannt wäre, so hätte er wohl seine Orgellehre nid^t drucken lassen. 

in. Über die Orgel im Stift Einsiedeln. — Das technische Gutachten von 
Stehle in St. Gallen, Breitenbach in Luzem und P. Ambros Schnyder in Stift Eigel- 
berg über die auf Veranlassung des gegenwärtigen Abtes Columban und unter dessen 
Mitwirkung ausgeführte Vervollständigung der Hauptorgel in Einsiedeln ist bereits in 
mehreren Blättern (auch in unserem Vereinsorgan) mit der Disposition des Werkes be- 
kannt geworden. Die Red. der Muska sacra ist also ihres Versprechens auf S. 60, 
diesen Expertenbericht über das von der Firma C. G. Weigle in Stuttgart durch 
13 Hochdrnckluftstimmen und drei 16-füssige Register mit Normalluftdruck vermehrte 
Orgelwerk, beziehungsweise über die Verbindung der Hauptorgel mit 2 Nebenorgeln, 
abdrucken zu lassen, überhoben. Da jedoch im sechsten Hefte der bei Benziger & Co. 
in Einsiedeln erscheinenden illustrierten Zeitschrift „Alte und Neue Welt^^ eine sehr 
populär und belehrend gehaltene, auch mit Zeichnungen und photographischem Auf- 
nahmen geschmückte Beschreibung der neuen Orgel in der Stiftskirche von Maria Ein- 
siedeln enthalten ist, welche zugleich eine kurze Geschichte der seit 3. Mai 1798 ver- 
stummten beiden Nebenorgeln bringt, so wendete sich die Redaktion an den Verfasser 
des genannten Artikels, P. Raimund Netzhammer, 0. S. B. mit der Bitte, aus Text und 
Illustrationen des Artikels den Lesern der Musica sacra die interessantesten Details 
mitteilen zu dürfen. Diese Erlaubnis ist erfolgt, und die Red. bringt nachfolgenoe Ab- 
schnitte zum Abdruck: 

„Der verstorbene Abt Basilius. ein ^osser Eiferer für die Zierde und Schönheit des Hauses 
Grottes, hatte die Ausschmückung und Renovation der Stiftskirche in Angriff genommen und bereits 
die Altäre aufgefrischt und Fenster und Boden geschmackvoll erneuert. Sein Nachfolger, mit dem 
Abschlnss dieser Arbeiten beschäftigt, sah sogleich ein, dass die beiden Orgelgehäuse aus dem 
vorigen Jahrhundert, weil kunstgerecht in den Gesamtbau eingegliedert, keineswegs entfernt, sondern 
um jeden Preis erhalten werden müssen. Da man zudem überzeugt war, dass £e in den vierziger 
Jahren von Orffelbauraeister Kiene über dem St. Anna -Altar erbaute Hauptorgel für die Zwecke 
der Klosterkirche nicht genüge, fasste Abt Columban den weitgehenden Plan, die beiden zer- 
trümmerten Orgelwerke zu erneuern, diese elektrisch mit der alten Hauptorgel zu verbinden und 
dadurch ein grosses einheitliches Werk zu schaffen, das allen Bedüi-fnissen von Einsiedeins grösseren 
und kleineren Festen gerecht werden könne. 

Der grossartig angelegte Plan umfasste aber nicht nur die elektrische Verbindung der drei 
Orgelteile, welche 40—50 Meter auseinanderliegen, sondern auch die Anwendung einer neuen 
Pfeifenart. Der geniale Orffeibauer Weirie in Stuttgart hatte eben Labialpfeifen erfunden, 
welche einen weit volleren unof kräftigeren Ton als gewöhnliche Orffeipfeifen geben; er erzielte 
diese starken und doch angenehmen Klangfarben, indem er seine Pfeifen mit halbkreisförmigem 
Kemspalt und ebensolchem Labium konatruiei-te und höhere Druckluft znführte. Herr Prälat 
Columoan, längst mit den Geheimnissen des Orgelbaues vertraut, folgte stets mit grösstem 

^) Es ist für Lehrerbildungsanstalten und angehende Organisten bestimmt und versichert, nicht 
nur eiue (beschichte der Orgel, sondern auch die Namen berühmter Heister des Orgelspieles bieten zu 
wollen. Verlag von Carl Gräser in Wien, geb. 1 Ji. 



-t3 81 £«> 

Interesse allen Erfindungen auf diesem Oebiete. Auf Weigles Erfindung war er besonders gespannt. 
Sollte sie sich bewähren, so hoffte er eine ausgiebige Verwendung derselben für seine Kirche, in 
welcher man wegen Mangel an Platz auf das Aufstellen weniger, aber starker Stimmen bedacht 
sein musste. Die Eonzertorgel der Liederhalie in Stuttgart, welche unter 56 Stimmen auch 8 sehr 
wohl gelungene Begister nach dem neuen System besitzt, half aber über alle Bedenken weg und 
80 ging es rasch an die Ausführung des grossen Gedankens. Das Weigle'sche Geschäft übernahm 
den Bau der neuen Orgelteile, Abt Columban seinerseits die Erstellung des für alle drei Werke 
gemeinsamen Spieltisches und die elektrische Verbindung derselben.'' 

Der Blasebalg wurde bereits im September 1896 aufgestellt, denn für die Hoch- 
druckregister ist ausserordentlich viel Wind notwend^ und der Hochwürdigste Prälat 
wollte auch die alte Hauptorgel von dem Zentralgebläse bedient wissen. Es wurden 
also zwei grosse je 4 m lange und 2,5 m breite Magazinbäige konstruiert, der eine 
mit Winddfttck von 120 mm für die gewöhnlichen Pfeifen, der zweite mit 300 mm 
Druckluft für die 13 Hochdruckregister. Über diese Orgelteile schreibt P. Baimund: 

„Es kann kaum überflüssig sein, hier zu erwähnen, wie der Orgelbauer den Luftdruck in den 
Kanälen und Bälgen mittels der Wind wage misst. In eine gebogene Glasröhre wird so viel 
(gefärbtes) Wasser gegossen, bis dessen Niveau in beiden Schenkeln genau auf den Nullpunkt der 
in Millimeter eingeteilten Skala trifft. Das eine Ende der Röhre wird durch einen Gummischlauch 
in den ausgebohrten Kanal eingeführt, so dass die gepresste Luft auch auf die Wassersäule wirken 
kann; druckt der Wind die Wassersäule z. B. um dO mm in den ersten Schenkel hinunter und 
wird sie demnach im zweiten um 50 mm gehoben, so sagt der Orgelbauer, der Wind sei 100 mm 
stark. —Den verlangten Dmck erhält man durch entsprechende Belastung der Blasbäl^e. Während 
bei dem einen unserer Bälge der Dnick von 120 mm durch das Eigengewicht der mit Eisen flan- 
kierten Oberplatte eneicht wird^ konnte bei dem zweiten Balg der SbO mm starke Druck nur durch 
eine Belastung mit starken Eisenbahnscliienen im Gewichte von ungefähr 66 Zentnern erreicht 
werden. 

Weil je vier Schönfbälge notwendig wurden^ um die Luft in die grossen Magazinbälge einzu- 
uumpen, konnte man nicht mehr daran denken, diese Maschinen durch Menschenkraft becuenen zu 
lassen, weshalb man zu einem Elektromotor von drei Pferdestärken seine Zuflucht nahm, der 
den Strom von einem Generator erhält, welcher zugleich der elektrischen Beleuchtung des Klosters 
dient. Den Schluss der Arbeiten beim Gebläse bildete das Anbringen jener Einrichtung, welche 
automatisch die Schöpfbälge ausschaltet oder in Bewegung setzt, je nachdem die Magazinbttlge 
gefüllt oder auf die Hälfte entleert sind. 

W^enn bei einem Orgelbau von gewöhnlichen Verhältnissen der Blasebalg, der selbstverständ- 
lich wegen des auszuhaltenden Winddruckes sehr solid gearbeitet sein muss, aufgestellt ist, so geht 
im allgemeinen die Verbindung desselben mit dem Registrier- und Pfeifenwerk rasch vor sich. In 
Einsieaeln aber, wo die Orgelteile weit von dem Centralgebläse entfernt liegen, nahm der An- 
schluss der Windkanäle, welche zum grosseh Teil quer über die Gewölbe des Chores geführt 
werden mussten, Wochen in Anspruch. Besondere Schwierigkeiten verursachten die Windleitungen, 
welche unter dem Boden der in stark geschwungenen Linien verlaufenden Galerie des Kirchen- 
schiffes bis zur Hauptorgel verlegt werden mussten." 

In der, alten Hauptorgel wollte man die Mechanik mit der Kölirenpneumatik ver- 
tauschen. Über diese neuere Vervollkommnung im Orgelbau äussert sich P. Baimund; 

„Sofern das Gebläse der Orgel in Thätigkeit ist, braucht es von Seite des Organisten besonders 
zweier Bewegungen, um aus dem komplizierten Instrumente Töne hervorzubringen. Er muss Register 
ziehen und Tasten drücken. Durch uas Herausziehen der Begisterknöpfe, welche gewöhfüich rechts 
und links von der Klaviatur angebracht sind, bewirkt der S|)ieler, dass durch Aufziehen einer 
Klappe (V^iitil) die Druckluft in engere Kanäle (Windladen) einströmen kann, über weichen die 
Pfeifen der betreffenden Stimmen stehen, so dass es nur noch des Herabziehens eines kleinen Ventils 
bedarf, um dem Wind den Zugamg zu den Pfeifen zu offnen. Das Bewegen dieses letztem Ventils 
bewirkt der Organist durch Drücken der Taste. Alle diese Bewegungen der Ventile Hessen Mher 
die Orgelbauer mit Hilfe eines sinnreich ausgedachten und fein ausgeführten Hebelwerkes aus- 
föhren, das sich mit seinen Zugruten (Abstrakten) glockenzugähnlich durch die ganze Orgel ver- 
zweigte. Solche rein mechanisch gebaute Orgeln machten siber ein rasches Spiel mühsam, indem 
besonders bei voUgriffi^en Akkorden so viele Hebel in Bewegung gesetzt werden mussten, uass die 
Fingerkraft rasch abnahm und ermüdete. 

Die Orgelbauer unserer Tage erleichtern nun dem Organisten das Sjjiel wesentlich dadurch, 
dass sie durch das Herabdrücken der Tasten nur ein kleines Ventil, das sich im Spieltisch in un- 
mittelbarer Nähe der Taste befindet, heben lassen, welches plötzlich Druckluft in ein Röhrchen 
einströmen lässt. Dieser Windstoss veranlasst dann in weiter entlegenen Apparaten neue Bewegungen, 
bis endlich den Windmassen der Kanäle der We^ zur Pfeife geöffhet wird. Da bei diesem System 
Wind (griechisch „pneuma") durch enge Blei- una Messingröhren geleitet wird, nennt man dasselbe 
Röhrenpneumatik. 

Ein solches röhrenpneumatisches System konstruierte nun auch Abt Columban füi' die Haunt- 
orgel, welche yon Kiene mit einer rein mechanischen Traktur gebaut worden war. Hen* Präiat 
Columban hatte aber liiebei nicht notwendig, fiemde Systeme zu kopieren; als gewandter Orgel- 



-K3 



EJ- 



physiker war es ihm leicht, ein eigenes System anHzndenkea, bei welchem er luter anderem anch 

Quecksilber (Qnecksilberpeamatik} als Abaperrflüssigkeit für die Dmcklnft der Bahren verwendete. 
Diese Pnenraalik masste an die dten Schleifladen, welche man beibehalten wollte, angeschlossen 
werden. Dieser sinnreiche, pnenmatische Heclianismos entstand in der Elosterschreiiierei unter der 
kundigen Hand zweier Laienbrüder, welche die Angaben und Zeichnuneen ihres Vorgesetzten 
gewissenhaft ansfälirten. Die Th&tigkeit des Abl«s beschränkt« sich aber hiebei nicht etwa einzig 
auf Eeissbrett, Stift nnd Zirkel, oft genng nahm er selbst Hobel und Felle zur Hand, 
Durch AnsfUhmng 8 



Quf 

deb 



löckgllber -Pneumatik bil- 



BchwierigB ten Teil des ganzen 
Werkes vor, auf den Bau 
eines Spieltisches für das 
gesamte, weitverzweigte In- 
stromeut, der seinen Platz 
an St«Ue des ällheren Spiel- 
daches der Kauptorgel erhal- 
ten sollte. Hätte es genügt, 
durch Tasten und Re^ater- 
züge nur die pneumatischen 
Hebel der alten Orgel ans- 
läsen zu lassen, so wttrde 
die Konstruktion leicht ond 
die AosfUhrung derselben eiu- 
fkch gewesen eeiu, Da ea 
sich aber darum handelte, 
mittels der [gleichen zwei 
Klaviaturen auch noch die 
Pfeifen der weit entlegenen 
Orgelt«ile in den Spielbereich 
des Organisten zu stellen, so 
musstendieEinricbtungendes 





SchamiHtchs DarsliHuni dsr BawafuifM von der Taste bis lu ilan Pfeilen. 

Spieltisches komplizierter nnd doppelt schwierig dadurch werden, dasa 
der verfügbare Kaum sehr beschr^ikt war. Han half sich jedoch glfick- 
lich ilber die vielen Schwierigkeiten weg, zirkelte jedes Plätzchen gnt 
ans und bante bis auf die Gewölbe hinunter, auf denen die Orgel tribfini' 
steht. So gewann man Eanm znm Aufstellen nicht nur der Windkäetchen 
mit der Unmasse von Ventilen, Stechern und Rohrchen, sondern auch dei' 
Kontaktvomchtungen, die beim Niederdrücken der Tasten oder beim Ziehen 
der Register dpn Schluss der elektrischen Stromkreise vermitteln müssen." 
Besonders lehrreich ist die Schilderung des Vorganges , wie die Töne so wunder- 
bar rasch in der kaum messbaren Zeit zwischen dem Drücken der Taste und dem Eiin- 
strOmen des Windes in die Pfeifen sich bilden: 

„Wird auf der Klaviatnr der Hauptorgel die Tast« a (in der Figur abgekürzt gezeichnet), 
welche auf dem Drehpunkt b ruht, her abgedrückt, ao bewegt sie den auf ihr sitzenden Stecher c 
und mit diesem die Holzklappe d (Ventil) in die Höhe. Letzteres Ventil befindet sich nebst vielen 
andemin dem sog. Ventilkasten A, der beständig mit einem Windkanal verbanden und demnach 
immer mit Druckluft nnd zwar hier mit solcher von 120 mm Starke gefMt ist. Durch daa Heben 
des Ventiles d strömt die Druckluft in das Röhrchen e nnd durch dieses zur Kontaktvorrich- 
tung B. Indieaem Apparat trifft der Wind zunächst auf ein geachmeidiges Leder f (Ledermem- 
bran), das winddicht auf dem Holz befestigt ist. Weil die Ledermembran nicht straff angespannt 
ist, wird sie vermöge des Winddmckes nm einige Miilimeter in die Höhe betrieben nnd hebt dadurch 
auch den auf ihr befestigten Stecher g, der seinerseits das Metallfedenmen fa mit der Platinspitze 
gegen den Eontaktatreiten i drückt. Dnrch diese wichtige Bewegung wird eine Drahtleitnng 
geechlossen; der Strom durcheilt mit Blitzesschnelle die langgestreckten Drähte bis zu den neuen 



-t3 83 Ea- 

OrjKelteilen, am in dum t'lekiii scheu AaslOsnaesapparat C Welgles Röhrenpneamatik in Tbätig- 
keit EQ setaen. Sobald nämlich der Strom in den vielen Windungen der Spole k zirkoUert^ wird 
der weiche Eisenkern 1 magnetisch und zieht infolgedeaBen das mit einem kleinen HulzvenUl ver- 
bundene BlseoklOtzchen m an sich. Dadurch wird der 120 mm starken Dmckluft des Kanälctaene n 
der Weg zum Böhrcheu o freigegeben und treibt in der sog. Station D mittels einer Leder- 
membran den Stecher u und mit diesem das mit einem kleinen Grwichtchen beschwerte Schwana- 
ventil q in die Höhe. Iiurch Heben des Ventils q tritt nun auch die hochgespannte Tiuft von 300 mm 
Druck, mit welcher der Windkasten r bestÄndig geflUlt ist, in Thfttigkeit. Dieser Wind streicht 
durch das Bdhrchen s und hebt bei der Windateuemng E mittels Ledermembran den Stecher t, 
au welchem zwei Ventile u und v befestigt sind. Sobald diese Vi'ntUe nach oben getrieben werden, 
Hchliessl V die 300 mm starke Druckluft des Kanals w ab , und n lässt den langgestreckten, mit 
Drncklnft geflUlten Kanal F sich entleeren. Anf den Rahmen des Kanals F sina geschmeidige. 



/ 



A-' 




Splattiuh dw Hauplofgsl. Nnih lincr für „.Vltc und Nciiu Welt" gcinncliteii p bot ograph Ischen Aufnahme. 

luftdicht schliesseude Ledirmembranon x und y aufgeleimt. Diese Uembrauen werden in der 
Ruhelage infolge des Winddmckes im Kanal F gi'g<'U den Boden der Windladen G gedriickt. 
Sobald aber F eutleei-t wird, lassen die Membranen nach und uehmeii im gleichen AugenoHck die 
l.aee der gestrichelten Linien an , sofern die Windl&den U mit dem für die Pfeifeu beistimmten 
Wind von 280 mm Druck gefüllt sind, was durch Ziehen der Register bewirkt werden kann. Sind 
aber die Ledemi eiubraneu in der Sleilnng der gestrichelten Linien , ^o gelangt die Drncklnft ans 
i; In der Richtung der I'feil« zu den Pfeifen H und J. In der ersti-ivn entsteht der Ton dadurch, 
ilass die Lnfi durili die Sniilic S gegen die scliaiie Kunte L iLabium) getrieben wird und in der 
zweiten, dass sie beim Einströmen in dius liobr K <lic Metullzunge Z lu Schwingungen versetzt. 
.MIe diese teils durch Dmckluft, teils durch F^lektrizität verunlus>teu Bewegungen folgen sich mii 
Holcher Geschwindigkeit, diiss der Ton selbst beim kflrzeslen Anschlag der Tasten rauch, sicher und 
in voller Starke gebildet wird. Ein wulirhuft .stuunenswerter Mechatiisnius!" 

Übel* die DispositioB und Intonatiou der drei Orgeln schreibt P. R.: 
„Es reiht sich aber uiclit uline weiters l'leife an Pfeife . denn jede wird vom Stimmer, bevor 
sie den ihr bestimmten Platz auf dem l'feifeustock endgültig einnehmen darf, genau auf Charakter 
und Stärke, auf Auspraohe und StJmmhöhe nniersnclit. Alle vorhandenen Fehler müssen beseitigt. 
and die Töne eines Registers so umgestaltfit werden, dass sie von den höchsten bis zu den tiefsten 
nicht nur gleJcheii Charakter, z. B. Fliitencharakter, sondern auch gleich mäs.'i ige Stärke besitzen- 
Diese .\rbeit, man nennt sie Intonieren, ist schwierig nnd erfordert von seite de^ Intonators 
grosses Gestdiick, feines Gehbr und ausdauernde Geduld. Herr Schneider, Wcigles vorzuglichster 



1! 



-K3 84 e^ 

Intonator, verfägt über diese Eigenschaften in hervorragender Weise und ihm verdankt Eilisiedelns 
KTosse Orgel ihre künstlerisoh vollendete Intonation. Aot Eolumban, selbst Musiker und Organist, 
bestimmte Anzahl nnd Art der Eegister für sein grosses Werk. Überzeugt, dass sich alle Labial- 
reffister mit Hochdrack nach Weigles System behandeln lassen, disponierte der hohe Prälat auch 
solche Hochdruckstimmen, die bis anhin noch nicht gemacht wurden, wie eine Fugara^ein Geisen- 
prinzipal, eine eng mensurierte Violine, einen Kontrabass und einen Prinzipalbass 32^. An dem 
Orgelbauer war es, die Möglichkeit in Wirklichkeit umzusetzen, und er löste die an ihn gestellte 
Aufgabe in meisterhafter Weise. 

Das äusserst schwierige Intonieren der Hochdruckpfeifen nahm viel Zeit in Anspruch und es 
reihte sich deshalb nur lan^am Stimme an Stimme. Die musikalischen Ohren wurden aber für das 
wochenlan^e eintönige Musizieren der Orgelbauer reichlich entschädigt, als sie Ende Juli anlässlicli 
der kirchhchen Schlussfeier der Stiftsschule zum ersten Mal die vollen kräftigen Hochdrucktöne 
der Manualstimmen in den hohen Gewölben des vielbesuchten Gotteshauses wiederhallen hörten. 
War man damals schon von der Schönheit und Stärke der Klangfarben überrascht, so war dies in 
noch weit höherem Masse der Fall, als bei der ergreifenden Abendprozession der weltbekannten 
Feier der Engelweihe auch die unterdessen spielbar gewordenen Bässe, man möchte sagen, donner- 
ähnlich durch die Kirche brausten. Damit aber auch das Liebliche und Zarte in der Orgel ver- 
treten sei, wurden für die Hochdruckstimmen des zweiten Manuales feine Eegister disponiert: eine 
Flöte, eine Gamba, eine Violine und, damit die Zungenstimmen nicht fehlen, ein Hom. Weil aber 
auch diese möglichst feinen Register wegen der Konstruktion und des ihnen zugeföhrten Windes 
von 300 mm Druck immer noch einen recht starken Klang geben , wurden sie in ednen dreiseitig 
zugemauerten Kasten gestellt, dessen vierte Seite durch bewegliche Jalousien teilweise oder voll- 
ständig geöffnet werden kann. Die 14 beweglichen Bretter dieser Jalousien werden durch einen 
elektro-pneumatischen Mechanismus geöffiiet oder geschlossen, wenn der Organist mit seinem rechten 
Fuss ein Trittbrett abwärts oder aiSwärts bewegt. 

Sobald einige der mächtigen Hochdruckregister zum Spielen fertig waren, konnte man es 
deutlich bemerken, wie sie im vollen Werk mit ihrer wuchtigen Fülle die Stimmen der alten Haupt- 
orgel dermassen übertönten und verwischten, dass diese nicht mehr gebührend zur Geltung kam. 
Es mangelte namentlich an demjenigen, was man den Glanz der Orgel nennt. Dieser Glanz wurde 
aber sofort in vollkommen befriedigendem Masse erzielt, als man im alten Werke die Mixturen und 
ähnliche Eegister stärker intonieren liess, wodurch diese gewöhnlich dünnen und spitzigen Stimmen 
so kräftig wurden, dass sie, die dicken und vollen Tonmassen gleichsam durcliDrechend, in dem 
Fluten und Wogen der Tonwellen sich oben zu halten vermögen. 

Um es dem Organisten zu ermöglichen, einzelne Sätze seiner Orgelstücke rasch in beliebigen 
Tonstärken und verschiedenen Klangfarben abwechslungsvoll vorzutragen, wurden über dreissig 
Druckknöpfe angebracht. Diese gestatten mittels elektrisch oder pneumatisch wirkender Mechanismen 
das sofortige Spiel aller Stimmen gleichen Charakters (Chöre), das Ausschalten der Hochdruck- oder 
der Hauptorgei oder auch einzelner Teile derselben , das Einschalten des Werkes in verschiedenen 
Stärken vom feinsten Pianissimo bis zum Fortissimo im vollen Werk, endlich das Umschalten der 
Hochdruckstimmen vom ersten Manual auf das zweite und umgekehrt, was besonders für Solospiel 
von überraschend schöner Wirkung ist Mit dem Anbringen der komplizierten Einrichtungen für 
die Dmckknöpfe war der ganze umfängliche Orgelbau zum Abschluss gekommen. 

Das grosse Werk, das mit nur 50 Registern we^en der ihr eingesetzten 13 Hochdruckstimmen 
an Kraft und Tonfülle mit jeder bestehenden Orgel sich messen kann, ist eine herrliche Zierde der 
berühmten Wallfahrtskirche und bedeutet eine erfirenliche Erscheinung auf dem Gebiete des Orgelbaues." 

Nach diesen meisterhaft klaren Schilderungen^ kann es nicht wundernehmen, wenn 
die drei eingangs erwähnten Orgelrevisoren das Gesamtresaltat ihrer Untersuchungen 
in dem Satze zusammenfassten : ,^iese Orgel ist ein nach genialen Ideen erbautes, mit 
grösster Meisterschaft aasgeführtes, durch neue Erfindungen ausgezeichnetes, in seiner 
Dreiteilung und Vereinigung geradezu ganz einziges Werk, vorzüglich gelungen, und 
erfüllt mit mächtiger Urgewalt so majestätisch als wohlthuend den weiten Raum, wie 
es eine rare Menge der herrlichsten Solostimmen enthält, ist ein Triumph der neuesten 
fortgeschrittensten Orgelbau-Technik und setzt der Restauration der herrlichen Stifts- 
kirche die Krone auf." F. X. H. 



Vom Bacher- und Musikalienmarkte. 

< Zwei* Psalmen für gem. Doppelchor a capella erschienen als Op. 89 von Albert Becker bei 
Breitkonf & Härtel in Leipzig. Part, je 1 ^, 8 St. ä 30 ^. Die erste Nummer über den Text 
yjch heoe meine Augen aui zu den Bergen*' beginnt in zarter Deklamation der 4 Oberstimmen; die 
vier Männerstimmen wiederholen nach 4 Takten die gleichen Worte mit gesteigertem Ausdruck. 
„Meine Hilfe kommt von dem Herrn** verkünden nacheinander die 8 Stimmen in wachsender Ton- 
stärke; hei der Wortmalerei „und der dich behütet, schläft nicht" klingt der Doppelchor pianissimo 

') Die Bed. dankt höflichst für Zusendung des Expertenberichtes und des „Separatabdruckes** aus 
,,Alte und neue Welt", der ausser den im Art. von P. Baimund befindlichen sechs Blustrationen noch 
ein Gedicht von Lamartine über die Orgel als kirchliches Instrument, Porträt des Prälaten P. Colnmban 
und Ansicht von Kirche und Kloster Einsiedeln enthält. 



-« S5 E«- 

an8 und tasat in einem Schlt&saatz Text und Motiv der Einleiinng aasdrucksvoll und kriftiff zu- 
sammen. — In der zweite Nummei* über die Worte , J)a Hirte Israels, h5re^^ treten U&q zwei Gl^öre 
als gemischte schon anfangs auf, teilen sich jedoch im Fortschritt der Komposition öfters in Ober- 
stimmen nnd Unterstimmen. Durch prächtige Elan^irkungen. Kombinationen, Tonfarbenmisohungen 
und energische, begeisterte Textesdeklamation zeichnen sicbi beide Psalmen aus nnd werden oei 
Konzerten nnd Vereinsversammlungen grösserer Oesangschöre. deren Bässe das tiefe H und C 
(jedoch nur ein paar Mal im zartesten piano und als Schlnssnbte) ohne Schnarren erreichen, aus- 
gezeichnete Eindrucke hervorrufen. Sie sind nicht schwer nnd äusserst dankbar. 

Nicht alle der 42 Nummern, die den Inhalt der Sammlung „Gloria Deo" für 4 st. Männer- 
chor bilden, haben streng liturgischen Text, die meisten dieser lateinischen Kircheugesänge jedoch 
eignen sich als Hymnen oder Oneilorien auch beim liturgischen Gottesdienste. Die Sammlung ist 
herausgegeben von Joh. Dobler. Seminarmusiklehi*er in Zug, und besteht aus Originalkompoedtionen 
von Jos. Dobler (30), M. Dobler (1). P. Haas (1), B. Kühne (2), D, PfylT6), F. Schell ®, 
J. Schildknecht (4). Dem Text nach bilden den Inhalt 9 Veni Creator, 1 Ymi Sancte SnirÜM 
(Antiphon), 7 Fange Itnftta, Deus ego amo te, eaca viatoruin, Lauda Sum, 2 salutaria, Verbum 
ffwpemwnf 2 Jesu duicts mentorta, Cor didoe, Jesu Bedemptor, Vexiüa rem$, 4 Laudate Dominum 
(Ps. 116), Haec dies (t Ostern), 2 late conjtsaor, Ave maria Stella und die öffertorien Ave Maria (2), 
In omnem terram, Justorum animae, Mirabüis Deus und Veritas mea. Bei den Hymnen sind meist 
nur 2 bis 3 Strophen untergelegt, die übrigen sollen (nach Wunsch des Herausgebers) choraliter 
gesungen oder rezitiert werden. Die Kompositionen sind einfach und würdig und Können auch von 
einem kleineren Männerchor oder im Quartett wirkungsvoll vorgetragen werden. Verlag von 
FeuchtinRer & Gleichauf in Begensburg. rart. 1 •!( 50 .^, bei Abnahme von 10 Exemplaren ä 80 ^. 
da Einzelstimmen nicht erschienen sind. 

Als Seitenstück zu diesem Op. 2a gab Jos. Dobler als Op. 2b 15 der obengenannten 

lateinischen Kirchengesänge, welche von ihm komponiert sind, für gemischten Chor heraus mit 
dem Titel „Laudate Deum\ Verlag, wie Op. 2 a. Part 1 j« 50 ^, St. ä 30 ^. Darunter befinden 
sich 10 Hymnen, das Haec dies, Ps. Laudate Dominum, die Ofifertorien Ave Maria für 8. Dez. und 
4. Adventsonntag, sowie Veritas mea und In omnem terram. Auch für schwächere Chöre gut brauchbar. 

G. Flesel edierte als Op. 10 bei Feuchtinger & Gleichauf in Begensburg „Drei deutsche 
(besänge zum Empfange des Ooerhirten'^ für 4stimm. gem. Chor; Part i jtt. St ä 20 ^. Die 
kernigen Melodien sind klangvoll harmonisiert und in sehr be<iuemen Stimmlagen, so dass auch 
kleinere und an Gesaneskräften ärmere Gemeinden und Chöre sich mit Erfolg an dieselben wagen 
dürfen. Die Texte sind a) „Ein Haus voll Glorie", b) „Dem Hirten lasst erschslllen**, c) „Das ist 
ein Tag der Gnaden**, jede Nummer mit drei Strophen. 

Nicht über das dramatische Gedicht mit Chören für Töchttrinstitute , welches Dr. A. Schegl- 
mann verfasst hat unter dem Titel „Institutsleben** , sondern über die Musik, welche M. Haller 
als op. 67 zu einzelnen Scenen komnonierte, sollen folgende Zeilen berichten. In einer vier- 
händigen Ouvertüre, frisch, kurz una leicht, sind drei Motive späterer Gesänge eingeflochten. 
Der Einleitungschor für 3 Oberstimmen mit Klavierbegleitung ist besonders sinnig bei deu 
Worten „Lasst die Kleinen zu mir kommen**. Beim Chor der Lehrerinnen konnte aem Texte 
gegenüber („Willst du wahre (!?) Zögling sein") nur das Versmass anregen. Lustig ist der „Eisen- 
bimnchor*' mit dem Motive der grossen Sext , das zur Zeit der basischen Ostbamigesellschaft als 
Signal zu hören war und auch den Wiener Musikern, welche im Jahre der Grundsteinlegung des 
Waffnertheaters in Biwreuth bei der 9. Svmphonie Beethovens mitgewirkt hatten, soviel Spass 
machte, dass sie auf der Bückfahrt nach Wien bei mehreren Stationen mit gewendetem Bock auf 
den rasch herbeigeholten Instrumenten die heitersten Walzer darüber improvisierten. Besonders 
zart ist das herrliche Gedicht Schenkendorffs „Muttersprache** fär Chor una einfache Soli in Tönen 
geraten. Auch die Musik zu Nr. 7 „Ausfluff^^ entspricht ihrem Zweck vollkommen. Es ist nicht 
zu zweifeln ) dass die in Alfred Coppenraths (H. Paweleks) Verlag zu Begensburg erschienene, 
55 Seiten in Hochfolio umfassende Musik Hallers wegen ihrer einfachen Lieblichkeit und lieblichen 
Kindlichkeit in den unter geistlicher Leitung stehenden katholischen Töchterschulen viele Freundinneu 
ünden wird. 

Zwei Gesänge für 4 st. gem. Chor komponiert von W. Herrmann Op. 36 vertonen ein Ge- 
dicht von Bodenstedt „Vom Bergsee** und 0. F. Gensichen's „Abschied vom Meer** in gefäUiffer 
Form und können als Ünterhaltungslieder besseren Gesangvereinen wohl empfohlen werden. Verlag 
von Feuchtinger & Gleichauf. Part. 1 j« 20 ^, St ii 25 ^. 

Dreissig Kircheneesänge für 4st. gem. Chor gab Emil Nlkel, z. Z. Pfarrer in Marienau, 
als Op. 35 heraus; Feucnünger & Gleichauf in Begensburg. Part 2 M, St ä, 50 .^. An lateinischen 
Texten finden sich Ecce sacerdos, Asperges, Vidi aquam, Tantum ergo, Jesu dukis memoria, Salve 
Regina und Veni Creator, sämtlich vom Herausgeber komponiert Die übrigen Nummern mit 
deutschem Text haben den gleichen Autor, ausgenommen je eine Nummer von A. Marx, W. Nikel, 
P. M. Ortwein, J. Stein, 2 von J. Quadflieg und ein von P. Piel harmonisiertes quam amabUis. 
Unter den deutschen Liedern hält Beferent för unkirchlich in Text die Nr. 9 „Wenn mich kein 
Mensch verstehen will** von A. Marx, die ,jBetauten Bösen und ihr Geheimnis** nach Text und 
Musik; solche Marienlieder sollten nicht einmal bei der häuslichen Andacht zu Gehör ge- 
bracht werden. 

Mit dem Titel „Revue internationale de uinsiqne, himenstidle et iUiuftree, absolument 
kiectimte ä iwüpendante** erscheint zu Paris, rue Viffuon 3, ^chsmal jährlich eine Zeitschiaft, welche 
über die musikalischen Bewegungen in Konzert una Oper durch hervorragende französische Schrift- 



HQ 86 ö- 

steiler bedient ist. Preis 25 Frs. für den Jahrgang von 6 Heften von je ca. 60—70 Seiten in gi*. 8^. 
Musikalische Kritik und Chronik, sowie Notizen üoer Geschichte der Mnsik, Publikationen des Aus- 
landes, musikalische Rechtspflege und kleinere Mitteilungen aus der Eunstwelt bilden den Inhalt 
der Hefte, von denen der KedT der Mu8. s, der zweite Fascikel vom 15. März vorliegt. Derselbe 
berichtet über die Aufführungen der Wagnerischen „Meistersinger" zu I^yon und Paris, referiert 
über musikalische Schriften, die sich auf Opern beziehen, gibt eine Beschi'eibung des DruckeH 
29 französischer Chansons, welche 1590 zu Paris bei Pierre Attaingnant herausgekommen sind — 
in der Eitner'schen Bibliographie sind sämtliche Drucke dieses französischen Petrucci, jedoch mit 
ungenauer Angabe des Druckiahres aufoeführt — sowie der Sammlung, welche Export in neuerer 
Zeit von älteren 4 stimmigen Chansons besorgt hat. Darauf folgt eine von Adolf Julien im Feuille- 
tonstile abgefasste Besprechung der Werke und des Lebens von Johannes Brahms; den Rest bilden 
Chronik und Bibliographie. 

Als Op. 19, Nr. 1 von Job. Slunicko versendet Anton Böhm & Sohn in Augsburg und 
Wien ein „Vaterunser" in dreierlei Ausgaben a) für gem. Chor, Part, und St. 1 .It 20 .^, d) für 
S. oder T. mit Orgel oder Pianof. c) für A. oder B. mit O. od. P. (i 80 ^. Für die Kirche könnte 
bei einer Nachmittaesandacht die vierstimmi&^e Bearbeitung geeignet sein. In harmonischer Gleich- 
zeitigkeit, die bei den Worten „Unser täglich Brot*' chromatisiert und durch enharmonische Ver- 
wechselung bei der Bitte ,,sondem erlöse uns** in die Tonart zurückkehrt ^ ist der ganze Satz ge- 
halten, der mit Amen abschliesst und von reb'giösem Ernste durchdrungen ist. 

Zwei geistliche Gesänge für 4 stimm, gem. Chor oder Soloquartett von Carl Thiel (Op. 10) 
empfiehlt Beferent für Vereinsversammlungen, Abendunterhaltungen oder Konzerte auf das An- 
gelegentlichste. Nr. 1 ist eine liebliche musikalische Meditation über die Worte der hl. Schrift 
„Gott ist die Liebe", Nr. 2 über den Psalmvers „Glückselig, wer den Herrn fürchtet". Jede Stimme 
bewegt sich in schön geschwung:ener melodischer Linie, die Vereinigunjp^ der vier Stimmen bewirkt 
ein reizendes Harmoniebild. Die Kompositionen sind nicht schwer, rast durchaus diatonisch ge- 
halten und ganz dem religiösen Texte angepasst. Verlag von F. £. C. Leuckart in Leipzig; Part, 
und Stimmen jeder Nummer l Ji 20 ^^ einzelne Stimmen k 15 ^. 

Zum viertenmaie erscheint das Jahrbuch der Musikbibliothek Peters für 1897, herausgegeben 
von Dr. Emil Vogel. Leipzig, Verlag von C. F. Peters. 105 Seiten in gr. 8°. Nach einem kurzen 
Jahresbericht über den Besuch und die Benützung der Bibliothek, sowie der Neuanschaffungen für 
dieselbe schreibt der Eed. eine sorgf^ldge Ikonographie über Christ Gluck, dessen Porträt nach 
einem Kupferstich von S. C. Miger in raris das Jtuirbuch schmückt. Schon Burney schrieb in 
seinem Tagebuch (1773) von dem damals 58jährigen Gluck: „Er ist ein ebenso fürchterlicher Mann, 
als Händel zu sein pflegte: ein wahrer Dragoner, vor dem sich jedermann furchtet ** Darauf folgt 
der Bericht von Dr. Hermann Kretzschmar über bemerkenswerte musikalische Bücher und Schriften 
aus dem Jahre 1897 (S. 21—44). Beferent dankt herzlich für die ehrende Erwähnung, welche das 
„kirchenmusikalische Jahrbuch'* in diesen geistvollen Spalten gefunden hat; es wurden ihm 2 Seiten 
gewidmet, und der Bericht über den Ji^gang 1^7 schliesst mit den Worten : 

„Das Haberische Jahrbuch richtet den Blick ausschliesslich nach rückwärts: wird es jemand 
„darum reaktionär nennen wollen? Man könnte ebensogut fragen, ob jemand me Lust und den 
„Mut hat, unserer Musik ihren Sebastian Bach wieder zu nehmen. Das Band, mit dem unser Jahr- 
„hundert die neue Tonkunst an die Schätze der Vergangenheit geknüpft hat , kann für die nächste 
„ZMt nur noch straffer angezogen werden. Denn die Aussichten unserer Komposition sind noch 
„auf lange hinaus nicht d^e besten und der laufende Bedarf wird sich ohne die Heranziehung 
„weiterer Bibliothekvorräte nicht decken lassen. Bei dieser Sachlage haben alle Arbeiten, die 
„unsere Bibliothekskunde erleichtem und erweitem, nicht bloss wissenschaftliche, sondern unmittelbai- 
„praktisch einleuchtende Bedeutung. Sie bilden die erste Vorbedingung für die femeren Erfolge 
„im Erforschen und Benutzen alter Kunst." — Es ist von ßrosser Wichtigkeit und Bedeutung, dass 
ein Mann vom Ansehen Kretzschmars auch die wissenschaftliche Bildung des Musikers im genannten 
Berichte ausserordentlich betont und unter anderen goldenen Worten Gmndsätze, wie folgende, 
aufstellt: ,J)ie Musik als Kunst braucht eine Ei^&izung. eine Führung durch die Musikwissenschaft 

auf Schritt und Tritt Wo das Wissen fällt, begmnt die Stümperei ihrer Pflichten 

gegen die praktische Kunst soll die Musikwissenschaft jederzeit eingedenk bleiben, immer soll 
Qire Vertreter der Gmndsatz leiten: dass musikalische Wissenschaft uncT musikalisches Schriftentuni 

nicht für sich, sondern für die Kunst da sind, dieser helfen und die Wege ebnen sollen 

!E^ndet die Gelehrsamkeit zur Praxis das richtiee Verhältnis, so werden ihre Arbeiten in der 
Begel das Wesen und Streben einer Periode vollständiger und genauer wiederspiegeln, als die 
KompoEdtionen." Kretzschmar erblickt in dem Übergewichte des Konzertes eine der grössten 
Gefanren für die deutsche Musik und schliesst mit dem mahnenden, durchaus berechtigten Satze: 
„Selbst wenn es (das Konzertwesen) innerlich gesünder wäre, als es zur Zeit ist, müssten wir mit 
allen Kräften darnach streben, dieses Institut zu anderen, zwar bescheideneren, aber wichtigeren 
Formen der Musiknflege allmählich wieder in dm rechte Verhältnis zu bringen." — Der gleiche 
Schriftstdler lässt aann von S. 47-60 einen Au&atz über das deutsche Lied seit dem Tode Bichard 
Wagners folgen, beklsH2:t Auswüchse in demselben, die auf ein Sinken des „Liedgeistes" schliesseii 
lassen, und freut sich über die von Brahms besorgten 49 Volkslieder und die in neuerer Zeit angt>- 
bahnten Sammlungen alter VolksUeder. unter den neuesten Kompositeuren, welche auch die Ballade 
wieder in die HAUsmusdk einführen, nennt Kretzschmar Plüddemann, Philipp Graf zu Eulenburg, 

S. 24 ist irrtümlich Nanini statt Nanino gedruckt; die 6 Codices mit Kompositionen aus der 
2. Hälfte des 15. Jahrh. sind nicht in „Trier", sondern in Trient aufgefunden worden. F. X. H. 



-«3 8» ES- 

Hans Hennann, besonders aber Rngp Wolf. — Unter den „Kleinen Mitteilungen^ sind: Balladenfra^- 
mente von Bob. Scliumann (Max Friedländer), Graupner als Konkurrent von Bach für die Stelle 
als Leijpzifi[er Thomaskantor (1722/23), ein Beitrag von Dr. Rud. Schwartz über Friedrich Grimmer 
(t 185Cf), Aomponist von Romanzen und Balladen, und von Dr. Emil Vogel über die älteste Sing- 
weise von Arndts Gedicht „Was ist des Deutschen Vaterland?*' Diese soll von Zelter stammen, 
ist aber durch die bekannte von Gustav Reichardt, welche 1828 für Männerchor als op. 7 zum 
erstenmale erschienen ist, verdrängt worden. — Den Schluss des Petersjahrbnches bildet ein Ver- 
zeichnis der 1897 erschienenen Bücher und Schriften über Musik in allen Sprachen, geordnet nach 
dem Schema: A. Lexica und Verzeichnisse, B. Periodische Schriften, C. Geschichte der Musik, 
D. Biographien und Monographien in Sammlungen, E. Biographien und Monographien, F. Allgemeine 
Musiklehre (Kunstgesang, Kirchen^esang, Instrumentenbau und Instrumentationslehre), G. Ästhetik, 
Belletristik, Kritik, Akustik, Physiologisches, Autorenrechte. F. X. H. 

Das römische Gradualbuch und das €pitome Qradualis J(omanL 

unsere freundlichen Leser erinnern sich an eine offene Anfrage, welche der Ver- 
leger der authentischen römischen Ghoralbücher (libri chorici Ecclesiae), in Nr. 24 der 
M\i8, 8, von 1896, S. 283 mit den folgenden Worten stellte: ,,Die Bedürftiisse, An- 
schauungen, Wünsche, Anfragen u. s. w. in betreff populärer Ausgaben der offiziellen 
Choralbächer sind aus Gegenden und Ländern deutscher Zunge in so vielfacher und 
mannigfaltiger Weise kundgegeben worden, dass die Verlagshandlung es für not- 
wendig erachtet, die offene Anfrage zn stellen: „Auf welche Art und Weise kann den 
Ausreden, Klagen, Vorstellungen und Wünschen wegen eines praktischen Buches, 
das besonders den Laiensängem, den Lehrern und Chorregenten in Filial- und Pfarr- 
kirchen möglichst entgegenkommen und den Vortrag der von der Kirche vorgeschriebenen 
Gesangstexte nach den offiziellen Choralbüchem erleichtern soU, — abgeholfen werden?'' 

Die Antworten und Zuschriften auf diese Frage, welcher auch eine engere und 
genauere Formulierung, ein Schema und zwei Probedruckseiten beigegeben waren, er- 
folgten in solcher Menge, aber auch in so bunten und mannigfaltigen Formen, dass 
einerseits kein Bedenken und Zweifel über das dringende Bedürfnis nach einer solchen 
Ausgabe mehr Platz finden konnte, anderseits die voUste Überzeugung gewonnen werden 
musste, wie fest und tief seit dem Erscheinen der ersten Handausgabe des Graduale 
Bomanum (1871) das Vertrauen auf die Auktorität des römischen Stuhles, der die von 
Palestrina selbst teilweise besorgte editio medicaea von 1614 und 1615 als Norm des 
römischen Choralgesanges gewählt hat, Wurzel gefasst hatte, ungeachtet, vielleicht 
gerade wegen der leidenschaftlichen, unwahren und mit den giftigsten Waffen geführten 
Verdächtigungen gegen dieselben. 

Eingehende und reifliche Beratungen mit hervorragenden Freunden und Führern 
der kirchenmusikaliscben Reformbewegung, des Cäcilienvereins und massgebender 
Persönlichkeiten in Rom haben den Entschluss gereift, statt des früher projek- 
tierten Buches „Enchiridion Oradualis RomanV^ eine Doppelausgabe zu veran- 
stalten, eine für die Gesangschöre deutscher Zunge, eine zweite für die aus- 
ländischen Diözesen und Länder, in denen der auüientisch römische Choral, besonders 
seit dem letzten, abschliessenden Breve Rom's vom 7. Juli 1894 (Qtiod, S. Augustinus), 
ebenfalls eingeführt worden ist. Beide Ausgaben sind nach ernster* Arbeit von 14 Monaten 
fertig gestellt und haben nach genauer Prüfung die Druckgenehmigung des Hoch- 
würdigsten Ordinariates Regensburg erhalten. 

Gleichsam als Vorläufer der beiden Werke ist im Laufe des Jahres 1897 das 
Ordinarium Missae in der Doppelausgabe als Kyriale Bomanum und mit dem Titel: 
„Die gewöhnlichen Messgesänge des Oraduale Romanum*^ erschienen und auf das freund- 
lichste aufgenommen worden. 

Ans den Vorbemerkungen zum „Römischen Gradualbuch %^) das in deutscher 
Sprache auch die notwendigsten Bemerkungen über die Einrichtung des römischen Mess- 

^) Römische» Gradualbuch. Die wechHelnden und ständigen MessgCBänge des offiziellen Graduale 
Bomanum mit deutscher Obersetzung der Rubriken und Texte. Ausgabe mit Choralnoten im Violin- 
schlüssel auf fünf Linien, in der Tonlage der Orgelbegleitung zum Graduale Romanum. Mit Approbation 
des bischöflichen Ordinariates Begensburg. VIII u. 608 Seiten 3 ^. — In Halbchagrinband 4M 20 /^. 
Fr. Pustet, Regensburg. 



buches entbält/) werden die Omndsatze, Dadi denen die Redaktion der beiden Bficher 
darchgefübrt wurde, am klarsten erkannt; dieselben lauten: 

M Vielfachen Anträgen und Wünschen nachkommend, hat sich der Verleg^ der 
ofiBzieUen römischen Choralbächer entschlossen, diejenigen Gesinge des „römischen 
Gradnalbuches^ (Oraduale Bamanum), welche in Ffarr- oder Filialkirchen im Laufe 
des Kirchenjahres benötigt werden, in den Violinschlüssel übertragen zu lassen und in 
der Tonhöhe dem Auge darzustellen, in welcher sie gewöhnlich vorgetragen werden. 

Es wird nützlich sein, über die Einrichtung des römischen Messbuches, welcher 
die des römischen Gradualbuches entspricht, die notwendigsten Bemerkungen voraus- 
zuschicken. 

Das Ißssale Bamanum besteht aus sechs grösseren Abteilungen, ebenso das 
Oraduale Bofnanum, nämlich: 

1) Preprim de Tenpore, d. h. Messen für die Feste, Sonn- und Wochentage der 
Kirchenzeit (tempus) vom ersten Adventsonntag bis zum letzten Sonntag nach Pfingsten. 
Zwischen Charsamstag und Ostern ist 

2) der Ordo Nfssae mit dem Canon eingeschaltet^) 

3) Das Preprim Hisstnmi de SaHetfs enthält die wechselnden Messformulare der 
Feste Mariens, der Heiligen, Engel etc. vom 29. November (Vigilie des heil. Apostels 
Andreas) bis 26. November. Da die meisten Feste der Heiligen bis auf wenige Gebete 
bestimmte Formularien gemeinsam haben, so ist 

4j ein Teil des Messbuches mit Couiiuie SaHftoniii betitelt. Dasselbe zerfällt 
in folgende Unterabteilungen: 

I) In Vigüia unitis Apostoli (Vigilie eines Apostelfestes); 2) Commtme imiics 
Martyris Pontificis (Feier eines Märtyrers, der Bischof war) mit zwei verschiedenen 
Formularen; 3) Commtme unius Mart. non Pont (Märtyrer aber nicht Bischof) 
mit zwei Formularen; 4) Comm. Mart tempo^-e Paschali. De uno Martyre (Fest 
eines Märtyrers während der Osterzeit); 5) De pluribus MartyriJms temp. Pasch. 
(Fest mehrerer Märtyrer während der Osterzeit) ; 6) Comm. plurimorum Mart extra 
temp. Pasch. (Feier mehrerer Märtyrer ausser der Osterzeit) mit drei Formularen; 

7) Commune Confessoris Pontificis (Bekenner und Bischof), mit zweierlei Messen; 

8) Commune Doctorum (Kirchenlehrer); 9) Commune Conf. non Pont (Bekenner 
nicht Bischof), mit zwei Messen; 10) Ißssa pro Ahbatibus (hl. Äbte); 11) Comm, 
Virginum, Pro Yirgine et Mart. (Jungfrau und Martyrin) mit dreierlei Messen; 

12) Pro Virgine tantum (die bloss Jungfrau, nicht Martyrin war), zwei Formulare , 

13) Commune non Virginum. Pro uno Martyre non Virgine (bloss Martyrin, nicht 
«rungfrau); 14) Pro nee Virg. nee Mart (weder Jungfrau noch Martyrin, also z. B. 
eine hl. Witwe); 15) In anniversario Dedicationis Ecdesiae (Kirchweihfest). — 

5) In der Abteilung der Votivmessen^) (Hissae votivae) sind zuerst Formulare 
für jeden Tag der Woche angegeben; für Montag von der heil. Dreifaltigkeit, wenn 
nicht für Verstorbene zelebriert wird,*) für Dienstag von den heil. Engeln, für Mitt- 
woch von den Apostelfürsten Petrus und Paulus, fiir Donnerstag vom heil. Altars- 
Sakrament, für Freitag vom heil. Kreuz oder vom Leiden des Herrn, für Samstag von 
der Mutter Gottes, letztere mit fünf Formularen, je nach der Kirchenzeit. Auf diese 
folgen dreizehn Votivmessen für verschiedene Anliegen, z. B. Papstwahl, fär Kranke, 

') AuH dem Magister chwalis und dem ,,Kleineii Gradual- und Messbuch'' von F. X. H. 

Der Ordo Missae enthält die Gebete, welche in jeder Messe regelmässig vorkommen. Im vor- 
liegenden Böm. Qradualbuch sind die feststehenden Gesänge des Kyrie, Gloria, SanctvSf Benedictus und 
Agnys Dei, sowie des Oredo am Ende unter der Überschrift Ordinarium Missae ({gewöhnliche Mess- 
gesänge) aufgeführt; in einem Anhange sind mehrere Hymnen, sowie der y. Glorta Patri nach dem 
Introitus in den 8 Tonarten mit den nötigen Versetzungen in die verschiedenen Tonhöhen beigefügt. 

') „Votiv heissen jene Messen, welche in einem besonderen Anliegen, sei es als Bitte, oder Dank, 
oder Lob, dargebracht werden." Amberger, Postoraltheol. 2. Bd. Seite 241. 

^) Die Mssa pro Defunctis steht im Messbuch am Ende aller Votivmessen, im „Gradualbuch" am 
Ende des Ordinaritim Missae. 



-G 9» &- 

am Frieden, für Brautleute etc., verschiedene Gebete, die Messen für die Verstorbenen, 
die Austeilung des Weihwassers') u. s. w. 

Da die Regeln, wann und welche Votivmesse gehalten werden können, hier unmög- 
lich Platz finden können, so ist aufs dringendste zu wänschen, dass der zelebrierende 
Priester den Chorregenten oder die Sänger bei jedem einzelnen Falle 
sowohl auf das Messformular als auf den Rang der Feier (ob feierlich 
oder gewöhnlich) aufmerksam mache. 

6) In der Abteilung Feste pro allqnlbns loels sind eine grosse Zahl von Festen 
aufgeführt, welche nicht allgemein, sondern nur an einigen Orten gefeiert werden; 
sie beginnen mit dem 8. Dezember und reichen bis 29. November. 

Als Anhang wird den Missalen das Diözesanproprium beigebnnden; auch Länder, 
Orden, Provinzen u. s. w. können ihr Proprium haben. 

Wie schon Eingangs bemerkt, sind nicht sämtliche Gesänge des vollständigen 
Graduale Romanum aufgenommen, sondern nur diejenigen der Sonn- und Festtage des 
ganzen Kirchenjahres und der Heiligenfeste, welche feierlich (ritu duplici) begangen 
werden; demnach sind die Messformularien der sogenannten einfachen oder halbfeier- 
lichen Heiligenfeste (rittts simplex und semiduplex)^ sowie der Werktage (feriae) während 
der Advent- und Fastenzeit fibergangen worden. Diejenigen Ferien jedoch, die auf 
Zeiten des Kirchenjahres treffen, während welcher kein Heiligenfest gefeiert werden 
kann, z. 6. während der Char-, Oster- und Pfingstwoche, wurden aufgenommen, da an 
solchen Tagen auch in kleineren und überhaupt in Pfarrkirchen ein gesungenes Amt 
mit oder ohne Leviten notwendig werden kann. 

Die vorliegende Ausgabe unterscheidet sich, wie schon aus dem Titel hervorgeht, 
von der Originalausgabe des Oraduale Romanum durch Anwendung des Violinschlüssels 
auf fünf Linien und Versetzung der Melodien in die Tonlage, in welcher auch die Orgel- 
begleitung zum Oraduale Romanum von Haberl-Hanisch-Quadflieg-Schildknecht steht, 
sowie mit Rücksicht darauf, dass alle Stimmgattungen in bequemer, weder die Stimm- 
noch die Sprechwerkzeuge hindernder Weise am Vortrage der Choralgesänge teilnehmen 
können. Überdies sind sämtliche Texte in möglichst wortgetreuer Übersetzung dem 
lateinischen Texte unterlegt, und auch die sogenannten Rubriken (Vorschriften) in 
deutscher Sprache beigegeben. 

Man wird nach dem Schlüssel und den Vorzeichen eine Note in Klammem finden. 
Dieselbe kann als Recitationston gelten, wenn ein Gesangssatz, z. B. die Wiederholung 
des Introitus oder ein Teil des Graduale aus irgend einem Grunde nur rezitiert wer- 
den soll. 

Wenn einsilbige, jedoch zu betonende Wörter, z. B. te, me, non und ähnliche in 
der Melodie nur mit einer einzigen Note versehen sind, so wurde der Vokal meistens 
fttt gedruckt, damit die Sänger solche Wörter mehr betonen als z. B. die einsilbigen 
Wörter de, in, ad, per. 

Bei den Gesängen zwischen Epistel und Evangelium, dem eigentlichen Graduale, 
wurde die Einrichtung getroffen, dass im sogenannten Commune Sandorum (Formulare, 
welche vielen Festen gemeinsam sind) sämtliche Melodien des Graduale, sowie der 
doppelten und einfachen Alleluja mit y. vollständig zum Abdruck gelangten, während 
von den TracUis meist nur der letzte Vers mit der Melodie versehen ist, die vorher- 
gehenden Verse jedoch nur mjt der Rezitationsnote abgedruckt sind. Im Proprium de 
Tempore (Gesänge der Sonn- und Festtage während des Kirchenjahres), im Proprium 
Sandorum (Gesänge für einzelne Heiligenfeste) und in der Abteilung der Festa pro 
aliquibus locis (Feste einzelner Orte und Diözesen) wurden auch Verse des Graduale, 
sowie der einfachen oder doppelten Alleluja — die Alleluja sind stets in Noten aus- 
gesetzt — bloss mit der Rezitationsnote versehen. Folgen mehrere Verse nur mit der 
Kezitationsnote nacheinander, wie das bei den Tradus von grösserem umfange der 

') Mit Asperaea und Vidi aquam beginnt darf Ordinär iutn Misaae, welches durch * bei der Seiten- 
zahl vom vorhergehenden Teile, welcher durch [ ] vom ersten Teile mit gewöhnlichen Ziifem sich unter- 
scheidet, abgesondert iHt. 



-ö 90 ES- 

Fall ist, so wird vorausgesetzt, dass einer von Männerstimmen, ein anderer von IQiaben- 
stimmen, ein dritter vom Gesamtchor singend rezitiert werde. Es bleibt natürlich dem 
Chorregenten überlassen , in welcher Weise er eventnell auch solche mit Melodien ver- 
sehene Texte in würdevoller und erbauender Abwechslung mit oder ohne Orgelbe- 
gleitung vortragen lassen will. 

Wer sich mit der Rezitation der liturgischen Texte, welche in diesem römischen 
Gradualbuch vollständig enthalten sind, nicht befreunden kann, dem bleibt es unbe- 
nommen, durch wenige ausgewählte Sänger aus dem Oraduale Romanum selbst die in 
vorliegender Ausgabe nur mit Bezitationston versehenen Texte mit den authentischen 
Melodien zur Ausfuhrung bringen zu lassen. 

Da besonders in Deutschland die meisten Chöre von Jugend auf nur im Lesen 
des Violinschlüssels und im Treffen der Noten auf Grund der fixen Tonhöhe der Tasten- 
instrumente (Orgel) geschult sind, so dürften die Schwierigkeiten, welche mancherorts 
der Einführung und dem Vortrag des Choralgesanges entgegengestanden haben, durch 
diese Ausgabe beseitigt sein. 

Wer übrigens bisher mit Erfolg die Gradualgesänge aus den typischen Original- 
ausgaben mit den Schlüsseln und in der Schreibweise derselben geübt hat, möge bei 
dieser löblichen Gewohnheit bleiben, da sowohl das vollständige Oraduale Romanum 
als auch der Epitome ex Oraduali Romano und das Compendium Oradiidlis et Missalis 
Romani (selbstverständlich auch nach dem Erlöschen des 30 jährigen, dem Eegensburger- 
Verleger durch den hl. Stuhl gewährten Privilegiums mit dem Jahre 1900) fortbestehen. 

Möge auch dieser Versuch, die kirchlichen Gesangsweisen, welche der Chor beim 
heiligen Messopfer ausführen soll, immer populärer zu machen, zu den Erfolgen fähren, 
die nach zahlreichen Zuschriften an die Verlagshandlung der offiziellen Choralbücher 
aus weiten Kreisen in Aussicht gestellt worden sind." 

Die ganz gleiche Anlage und Einteilung findet sich im Enchiridion Gradualis 
Romani,^) das jedoch nur den lateinischen Text mit den Rubriken wie im Gradttah 
Romanum enthält und daher weniger umfangreich geworden ist. 



Aus Archiven und Bibliotheken. 
Ein vierstimmiges Haec dies von M. A. Ingegneri 

veröffentlicht die Red. der Mus. s. 10 Tajfe vor Ostern uud glaubt damit jenen Chören, welche bei 
den Landes und Vespern der Osterwoche ein frisches, aus den Motiven des ffregorianischen Chorals 
gewähltes Tonstück zum liturgischen Gebrauch verwenden wollen, einen Gefallen zu erweisen. Die 



Atem- und Vortragszeichen hat die Red. einge- "JT °~"l ~n~ ^^ ~~] "^^ TM 



setzt, die Öriginalschlüssel sind: TO i- [f3 



1 



t^i 



es erfolgte demnach die Transposition des im äolischen Modus komponierten Tonstückes in die kleine 
ünterterz. Das Zeitmass nehme man frisch und beweglich, und es wird sich zeigen, dass die kleine und 
leichte Arbeit des Kapellmeisters von Cremona, über welchen im kirchenmus. Jahrbuch 1898 eine 
eingehende bio - bibliographische Studie veröffentlicht worden ist, eine Perle der klassischen Poly- 
phonie genannt zu werden verdient Die Nummer ist dem Dmckwerk von 1586 (Sacraiiun Cantionum 
cum quatuor vocibus Liber primus) entnommen. Den Inhalt desselben haben die HeiTen Eleven, 
welche im laufenden Jalire die Kirchenmusikschule daliier besuchen, nach dem kompletten Exemplar 
des Stadtarchives in Augsburg, das in zuvorkommendster Weise durch Herrn Bibliothekar Dr. Ruess 
für mehrere Wochen geliehen worden ist, in Partitur gebracht, sodass diese 21 Nummern voll- 
ständifi^ zur Beurteüung vorliegen; die Antiphon Haec dies ist Nr. 12. Da die genannten Herren 
auch ranf- und sechsstimmige Kompositionen ingeg^neri's in Partitur setzen werden, so besteht jetzt 
schon der Entschluss, eine Auswjäu der besten vier- bis sechsstimmigen, sowohl nach liturgischer 
Seite brauchbaren als auch musikalisch wertvollen Motetten als Beilage zum kirchenmusikaüschen 
Jahrbuch 1899 zu veröffentliclien. 



') Enchiridion Gradiialiis Romani sivc C'antiones Missae pro diversitate temporis et festorum 
hodiemis rhoris accoiumodatae juxta editionem typicam Gradualis Romani quod curavit S. Rituum Con- 
gregatio. Cum approbatione Rev. Ordinarii Ratisbonensis. VIII u. 494 S. 2 JH 40 ^, In Halbchagrin- 
band 3 jtf 60 /^. Regensburg, Fr. Pustet. 



■^ "•■ 



- .J— -I 




Cantiis. mf 



-ö 91 en 



^^^ 



^^ 



Hbbo 



Altiis. *) 



dl 




3TJI =J'j -^^ 



Hsec 



es, quam fe - cit 



Tenor. 




w/ H»c . . . di - - - 



js: 



mf H»c 
Bassiis. 



^ 



Das ist der Tag, 



es, 



quam 



den 



« 



1 



:s: 



es, 



#^ 







^S 



^n 



3:3^ 



:i==±=4=1: 



#z«zatz:t 



quam fe - cit 1)6 



mi - 



D6 



mi-uus, quam fe - cit D6 - mi - nus, 



iS 



quam fe 



cit 




m 



I 



t 



±^ 



mi • aus, quam fe - - cit 



D6 - mi- 



I 



quam 



fe - - cit 
gemacht hat 



Dö . 
der Herr: 



mi - aus, 




/ 



l^^ü 




11: 



t 



nus> 



hsec di 



es, 



hsdc di 



/ 



es, quam fe - cit 



^^^ 



DÖ - - - im 



--^ 



mi - uns. 



hiec 



di 



es, hopc di 




^^^^^^^^^^^^^^ 



i=z 



nos, hsec 



di 



ÄE^ 



/ 



es, 



qoam 



i 



^ 



^ 



^m 



h8BC 



di 



*) Der Organist leite nach den Psalmen der Laude» oder Vesper nach Fis-mdl und schlicssc mit 
dem teraloscn Accordc fia ci8 fis. 



^ 9» B(- 



m 



g^^^^ 



s^ 



3 



Do - mi-nus, haec di - - es 



quam fe 



cit Dö - mi- 




68, 



quam fe - dt D6 



mi-nns. 



quam fe - cit 




!BS 



;-Ui^j. -rTr-rz} r r ' r'HTl 



fe - cit Dö 



mi- nns, quam fe - cit D6 



mi-nas, 







^E^ 



* 



i 



U 



" r r \ ~ f^ n ^^ r 



es, quam fe - cit Dö 



mi- nus, 



hsec di 




i 



I 




^^^ 



^^m 




1^ 



nus, quam fe - cit Dö 



mi 



rit. 



nus, ex-sul - t6 
fnf 



m 



i 




P 



■i 






t 



^ 



:35 



Dö - mi-nus, quam fe - - cit Dö 



mi - nus, ex-sul - tö 



rit. 



^ 



t 



g 



1^^ 



hiBc di - - es, quam fe - cit Dö 




.02. 



rit. 



mi 



nus, 



ä 



± 



^ 



es, quam fe - cit Dö 



nu 



nus, ex-sul - tö 

lasset uns frohlocken 



ffei^ 



'—i 



^ 



/ 



ISS3 



mus, ex'Sul - t^ 




mu8, ex-8ul - te 

f 



mtis et 



• • ■ 



lae-tÄ - 



p 



.—^-4. 



mus, ex-sul ' tt 



m 



*=t 



5; 



1 



mus 



et liB - t6 



mur, et 




1 



w^- 



1^^ 



/ 



-1PT-S=g= 



ex - sul - tö 



mus, ex ' sul - tt 



Ä 



m'us et 



Ise-tö 



& 




m 



m 




mus, ex-suZ - te 



mus, eX'Sfd - tö 



mus et . . . Ise - • 
und uns erfreuen an ilun. 



ea 




Wt ^ — — — 



' mar m e 



Ise - t6 - 



mur in e 




i^^izi^^a 



'^- 



j^t^±. 



l8ß-t^ 



mnr. 



et 



Ise 



t6 



mnr m 



e 



a. 




mnr, et Im - U - 



mur, et Ise - t6 - mnr in e - a. 




^!^b:^ 




t6 



mnr^ et ke ' ti 



mur, et Ise - t^ - mnr in p 



a. 



Kirohenmusikalisohe Aufführungen und Berichte. 

Gädlien -Verein in Graslitz (Böhmen). Derselbe brachte nnter Leitnn^ seines Dirigenten 
Herrn Regenschori Johann Stnrm zar Anffühmng;: am 3. Fastensonntag: Missa Brevis von 
Palestrina. Gradaale: Mxsurge von Leitner. Offertorinm: Justitiae von Dr. Fr. X. Witt. Introltas, 
Commanio nnd Fange lingua, Choral. Am 4. Sonntag in der Fasten : Missa Brevis von J. B. Molitor. 
Gradnale: Laetatus von Leitner. Offertorinm: Laudate Dominum von Dr. Witt. Introitns, Commnnio 
nnd Fange lingua, Choral. Am Feste Maria Verkündigung: Messe von Wynand Nick, Op. 8 mit 
Instmmentalbegleitnng. Gradnale. Choral. Offertorinm: Ave Maria von Dr. Fr. X. Witt. Introitns 
und Commnnio, Choral. Fange lingua von Ig. Tranmihler. Nachmittag nach der Fastenpredigt, 
znm ersten Mal. Ps. 50. Miserere von Caspar Ett, 4 st. Am Passions -Sonntag: Introitus, Kyrie, 
(Choral. Gradnale: Erij^e me von C. A. Leitner. Credo: Nr. L, Choral. Sanctus, Benedictus nnd 
Agnus: ans der Missa in hon. St. Fidelis von J. B. Molitor, Op. 12. Offertorinm, Commnnio nnd 
Fange lingua, Choral. G. 

Reirensburir. Domchor. In der Zeit vom 10. Febr. bis 27. März (Passionssonntag) ge- 
langteu im hiesigen Dome folgende Kompositionen zur Aufführung: a) Messen von: Anerio, 
M. vHI. Toni, 4 St.: Ebner, De Spiritu sancto, 4 st. m. 0., Ave Regina, 5 st.; Griesbacher, Matris 
dolorosae, Sst; Haller, M. VII., 4 st. m. 0., M. XIL B., 4 st. m. 0„ M. XVIIL i. h. B. M. V., 5 st.; 
Hasler, 11. secunda, 4 st, Ecce quam honnm, 5 st; Mitterer, VIII. Toni, 4 St.; Orl. Lassus, V. Toni, 
4 8t, Laudate Dominum, 4 st, Fuistpie fay perdu, 4 st; Palestrina, Ute Con/easor, 4 st. Sine nomine, 
48t, M. Papae Marcelli, 6st; Viadana, L^hora passa^ 4st, Sine nomine, 4st b) Gradnalien: 
Mitterer', Domine praevenisti, 4 st m. 0.; Wittj Eripe me, 48t c) Offertorien: Aner, Veritan 
mea, 5 st; Ebner, 'JF^io« regum, 2 8t m. 0., Constttues, 2 8t m. 0.; Haller, Ave Maria, 5 st, Afferentur 
regi, 4 st m. 0., Sacerdotes, 48t, Veritas mea, 5 st m. 0.; Mitterer, Vetitas mea, 5 st; Palestrina, 
Ferjßce aresaua, Benedict%i8 es, Scapylis suis, Meditabor, Justitiae Domini, Laudate Dominum, Cot^fitebor, 
sämtliche 5 st; Quadflieg, Inveni David, 2 st m. 0. d) Aap er g es: 4 st von Haller nnd Hanisch, 
e) Fange lingua und Tantum: von Engelhart, Hanisch, Haller und Mitterer. f) Te Deum: von 
(Griesbacher für 4 st. gem. Chor nnd für 4 st Männerchor. 

+ Chorberichte aus der Diözese Seckau. Veröffentlicht durch den Vorstand des 
Diözesan-Cäcilien- Vereines Seckau - Graz. 

1. Chor der Hof- und Domkirche. 10 Soprane, 10 Alte (Damen), 6 Tenöre, H Bässe. — Die 
Heranbildung von Sängerknaben wurde mit Beginn dieses Jahres in Angriff genommen. — Die 
GesangsschuTe besuchen bis jetzt 7 Knaben. — Das Repertoire wurde seit dem letzten Thätigkeits- 
bericht einer durchgreifenden Sichtung unterzogen nnd in seinem branchbaren Teile bedeutend ver- 
mehrt — Nenangeschafft wurden u. a.: Messen und zwar Palestrina Aetema Christi munera. Dies 
sanctificatus : G. Croce, Missa prima; Bequiem 4 st c. Org. von Schildknecht: Te Deum von Cohen; 
Gradualien- Sammlung von Modlmayr; Offertorien -Sammlung von Leitner: daneben der Fortbezug 
des Magnum opus musicum von Orlando , Kirchenmusikwerke redig. von Th. Kretschmann. — Neue 
Instmmentalmessen von Mitterer: In hon. Ss. Cordis Jesu, von M. Filke, Op. 34. Zur Aufführung 
gelangten zum erstenmale die Missa Angelomm von Griesbacher, (6 st c. organo); Herz-Jesn-Messt* 
von Mitterer; Requiem von Schildknecht; aus dem früheren Repertoire hauptsächlich Messen von 
Hailer (VIH., XIL, XIV., XL, XVIL); Mitterer, Missa in Epiphania; Palestrina, Assumpta est, Me 
confessar, Missa brevis; Instmmentalmessen von Greith, Filke, Witt — Messen mit Orgelbegleitnug 
von Stehle, Witt, Gmber, Haller. — Beim nachmittägigen Gottesdienste an höheren Festtagen 
werden für die bisher gebräuchlichen Litaneien meistens Sakraments -Motetten verwendet. (Hauer. 
Mitterer.) Die Choralgesänge bei Amt, Terz und Vesper werden nur mehr nach der offiziellen Aus- 
gabe des Gradnale und Vesperale gesungen. Deutscher Volksgesang bei der täglichen Segenmesse 
nach dem Diözesan-Gesangbuch „Hosanna^. Johann Wibl, Domkapellmeister. 



-« 94 R>- 

2. Chorberichte aus dem Kreisdekanate Graz. Chor der Klosterkirche nnd Vorstadtpfarre 
St. Anna im Münzgraben zu Oraz. -- 7 Soprane, 4 Alte. 2 TenÖre, 3 Bässe. — Das reichhaltige 
Mnsikalienrepertoire des Chores wurde fleissi^ benützt. Neuangeschafft: Missa in hon. S. Thomae, 
4 st. c. Org. von Gmber; Missa Papalis Jubilaei, 48t. c. Org. von Diebold. Missa Sancta Maria. 
4 St. c. Org. von L. Ebner: Missa in hon. B. M. V. von M. Filke; Lauretanische Litanei, 4 st. c. Org! 
von L. Ebner; Lauret. Litanei von Witt; Pia cantica, Op. 73 von Mitterer; Marienlieder von ver- 
Hchiedenen Komponisten; Gradualien und Offertorien aus verschiedenen Sammelwerken, zum teil 
von dem gefertigten Regenschori selbst komponiert oder den Verhältnissen entsprechend einge- 
richtet. P. Benedict Bertignol, 0. Pr. und Regenschori. 

8. Pfarrkirche Thal bei Graz. — Die Neuanschaffungen dieses Chores beweisen einen guten 
Geist und regen Fortschritt auf der Bahn der Reform. -^ Missa dominiciJis von Gruber; Eoner, 
Lauretanische Litanei für 4 Stimmen nnd Orgel; Ebner, Marianische Antiphonen; M. Brosiff, Messe 
Nr. 4; Hesse Orgelalbum 3. Band; Diebold Orgelkompositionen Op. 43. — Neuaufgeführt: Missa in 
hon. 8. Augustini von Gruber: Ebner, 4 Marianische Antiphonen; Brosig, Missa Nr. 4; Stein, Offer- 
torien,\Op. 38; Brückner, A., S Tantum ergo für gem. Chor. 

Franz Bernhard, Chordirigent und Oberlehrer. 
(Fortsetzung folgt) 

An die Mitglieder des ..Vorarlbergrer-Cäcilien Vereines** richtet Wunib. Briem in 
Feldkirch folgende Mitteilung: „Wie die Mitglieder wissen, ist bei der letzten Generalversamm- 
lung am 25. August 1897 in Götzis bei der Wahl eines Vorstandes kein Resultat erzielt worden, 
und es wurde mit der Lösung dieser Frage von der Generalversammlung ein Komit^ betraut. 
i}a88elbe hatte 3 Sitzungen, in Dombim, Br^enz und in Feldkirch, und bei der letzteren am 
8. März d. J. wurde endlich diese Aufgabe gelöst, und ich kann allen Mitgliedern die freudige 
Mitteilung machen, dass Herr Max Scnwenl^. Cnordirektor in Bregenz, die Vorstandstelle nun 
definitiv übernommen hat. An seiner Seite stenen hochwürd. Herr Johann Gabi, Kaplan in Hat- 
lerdort" (Dombirn) als Schriftführer und hochwürd. Herr Müller, Pfarrer in Grossdori (Bregenzer- 
wald) als Kassier. Vorstandsstellvertreter ist der Unterzeichnete. Es mögen also in Zukunft die 
Mitglieder sich in allen Vereinsangelegenheiten (Anmeldungen, Austritte, Bezirks- und Organisten- 
versammig. etc.) an den neuen Vorstand wenden. Die Berichte über Organisten- und Bezirksver- 
sammlungen sollen kurzgefasst immer an den Schriftführer und die Vereinsbeiträge der Mitglieder, 
(die noch restanten pro 1897 und die neuen pro 1898) an den Kassier eingesandt werden. 

So scheide ich denn als Vorstand aus dem „Vorarlberger Cäcilienverein^, den ich nun durch 
27 Jahre geleitet habe, mit dem frohen Bewusstsein, denselben gut organisiert und materiell geordnet 
meinem Nachfolp;er, Herrn Chordirektor Schwenk, übergeben zu können, und mit der Beruhigung 
diesen Verein einem Manne überg[eben zu haben, dem Sie Alle das vollste Vertrauen entgegen 
bringen, und unter dessen energischen und tüchtigen Leitung der Verein sicher wachsen und 
blühen wird." Wunibald Briem. 

Wien. D. A. M. Wenn aus Österreich Nachrichten über Kirchenmusik einlangen, kann 
man darauf gefasst sein , dass sie wenig Erfreuliches enthalten. (Dieser Satz ist wohl zu pessi- 
mistisch gefasst! D. R.) Auch und insoesonders von Wien, der „gössen Musikstadt*', hört man 
nichts Gutes. Die einzelnen p. t. Chorregenten haben — mit wenigen Ausnahmen — • kein Ver- 
ständnis für die echte Kirchenmusik, die hochw. Geistlichkeit kümmert sich darum blutwenig. 
Sclireiber dieses — selbst dem geistlichen Stande angehörig — hat Gelegenheit genu^, in die Ver- 
hältnisse näheren Einblick zu nehmen, wäre aber froh, hätte er diese Gelegenheit nicht, denn er 
sah und sieht nichts Gutes. Soll doch S. Eminenz der Erzbischof selbst verlangen, dass oei seinen 
Pontificalämtem Haydn und Mozart aufgeführt, die Responsorien vierstimmig gesunken werden. 
Ein musikalisch gebildeter Geistlicher äusserte sich mir gegenüber: „Ich mische mich in die Sache 
nicht ein; mir ist es gleichgiltig , was auf dem Chore gesungen wird, — nur kurz muss es sein.*' 
Da aber bei den Cäcilianem (Warum diesen Ausdruck , als ob die Cfhorregenten, welche sich an 
die kirchlichen Vorschriften halten, Sektierer wären!? D. R.) der liturgische Text voUkommen 
genommen wird, so ist damit von diesem Herrn und seinen Gesinnungsgenossen das Urteil schon 
gesprochen. Man ist hier eben gewohnt, vom Credo z. B. den Anfang, das „Et incamatos est** 
— ein rührendes Sopransolo — und das „vitam venturi saeculi** unter Pauken und Trompeten 
mit einer mächtigen Fuge das „Amen"* zu hören — davon will man nicht abgehen. Findet sich 
nun ein Chorregent, der dem entgegenzutreten wagt, so wird er von seinen KoUe^en in einer 
solchen Weise angegriffen, dass ihm wahrlich alle Lust vergehen könnte, sich noch weiter zu 
bemühen. Doch davon will ich schweigen! 

Ich habe mir für heute vorgenommen .dem allgemeinen Tadel ein wenig Lob entgegenzu- 
stellen und will demnach ablassen^ in diesem Tone fortzufahren. Vor allem ist es aufs freudigste 
zu begrüssen, dass seit einiger Zeit, da in hiesigen Blättern vernichtende Artikel gegen die Schand- 
leistungen der meisten Chorregenten erschienen sind, sich fast alle in strengeren k&chlichen Werken 
versuchten. So konnte man am dritten Fastensonntage in der Stadtofarrkirche am Hof die Missa 
Papae MarcelU hören, in der Petei-skirche sogar etwas Choral, wofür dem Herrn Dirigenten Rouland 
die wärmste Anerkennung zu zollen ist. Ich will keine Kritik über das „Wie?** des Gebrachten 
üben, denn das Messe der guten Sache entgegenarbeiten: ohne Zweifel ist Palestrina schwerer auf- 
zuführen, als Mozart. (Je nach Umständen! wer richtig Choral singen und ohne Hilfe der Instru- 
mente zu intonieren, zu deklamieren, zu atmen und selbständig zu treffen gelehrt worden ist, wird 
Palestrinas Gesänge leichter ünden, als alle neueren und neuesten, im diatonisch temperierten oder 
im chromatischen Stile komponierten Gesänge mit oder ohne Begleitung. D. R.) Der erste Versuch 



-i3 M &h 

kann kaum gut f^lingen. vielleicht der zweite and dritte, — also »wie**, dan i^t Vorderhand 
Nebensache, creoen wir ans vielmehr, dass etwas geschieht. Aach in der Votivkirche^ St. Johannes- 
kirche, in der Pfarrkirche zu Gersthof wird kirchliche Mnsik getrieben. Doch die Hauptstütze für 
den Cäcilianismns sind and bleiben die Dominikaner und St. Michaelerkirchen, und darüber will ich 
heute sprechen. Da aber die Chormusik in den ersteren bis vor kurzem derselbe Dirigent besorgte, 
der nunmehr in der Hof- und Stadtpfarrkirche zu St. Michael angestellt ist, und sein wackerer 
Nachfolger F. Habel ganz in seine Fusstapfen tritt, spreche ich nur speciell von der Chormusik 
b(ü St. Michael. 

Dirigent Prof. Auffust Weirich studierte unter Joseph Böhm, der dem Cäcilianismns durch 
den Ambrosiusverein in Wien Fingaug verschaffte, abef leider durch die Kurzsichtigkeit und den 
Starrsinn seines Pfarrers gebunden war. Unser Mann hat demnach gute Schule gemacht; überdies 
bezeichnete ihn sein Lehrer als einen seiner besten Schüler. Nachdem er über zehn Jalire an der 
Brigittenauer Pfarrkirche gewirkt hatte, wurde er an die Dominikaner Klosterkirche berufen und 
von da direkt in die Hof^farre St. Michael. , 

Gegenwärtig verfügt Prof. Weirich über einen Chor von 14—16 Sopranen und hat dazu 10 Alte, 
<>— 10 Tenöre und 5-12 fiässe. Er kann also einen Chor von beinahe SO Sängern herstellen, lauter 
tüchtige, geschulte Sänger, die etwas zu leisten imstande sind. Dabei — und das ist nichtrühmlich 
genug zu oetonen — herrscht unter ihnen die musterhafteste Ordnung. Kein unnützes Geplauder ist 
gestattet, bei der Wandlung und Kommunion knieen alle nieder, wonn der Kapellmeister mit eutem 
ßeispiel vorangeht. Weirich ist ein ausgezeichneter Interpret des unsterblichen Witt, bringt dessen 
Werke zu mustergiltiger Aufführung. Ich glaube nach dem Gesagten gut zu tlinn, sein Programm 
hier anzufügen. 

Von Meister Witt bringt er die Messen S. Francisci, S. Ambrosii, S. Raphaelis und die 
unvergleichliche T. jonici. Von 1. Mitterer die Missa S, Caroli Borr., S. Thomae. Von Kaim die 
S. Henrici- und St. Annae-Messe. Von Ett das grosse Requiem. An den grossen Feierta«pen führte 
er zum Feste des hl. Erzengels Michael (Patron der Kirche) die Missa solemnis von Stehle auf. 
der noch durch seine Preismesse „Salve Regina^ vertreten ist. zu Weihnachten die Missa solemnis 
von Greith, — ein grossarti^ kontrapunktisch angelegtes Werlc. — Zu Epiphania Domini die Missa 
choralis von Fr. Liszt, zu Lichtmess Rheinbergers originelle Messe in F-moU. Die Üffertorien und 
(i^raduale sind meistenteils von Witt und von Weirich selbst. Denn er komponiert auch mit viel 
Glück, wie das seine Sonntagsmesse, Festmesse in Es-dur und besonders Missa „S. Ludovici** in 
G-molI beweisen. Letzteres Opus verdiente wirklich, allgemein bekannt zu werden, — ich kann 
mir nicht erklären, warum er es nicht in Druck ^bt. Mir steht eine Autorität zur Seite, wenn 
ich behaupte, die Technik unseres Komponisten sei geradezu verblüffend. Ich weiHS nicht ^ ob es 
dem Betreffenden angenehm ist, öffentbch genannt zu werden, bin aber gerne bereit, ihn auf 
Hpeziellen Wunsch zu nennen. Er ist weit tOber die Grenzen Europas bekannt, hat er ja selbst in 
Amerika Triumphe gefeiert. Schliesslich will ich noch bemerken, dass Hofballmusikdirektor Strauss 
sich mit Vorließe die Aufführungen bei St. Michael anhört. Es ist zwar liier der Platz nicht, das 
Auditorium anzuführen, aber ich that dies — aus Freude darüber, dass auch Musiker von Rui sich 
für cäcilianische Musik interessieren. Gott pebe, dass sie bald auch bei uns in der Kirche die 
dominierende Stellung einnehme. Prof. Weirich trägt hiezu gewissenhaft bei , und deswegen möge 
er sich auch gefallen lassen, ein wenig Anerkennung zu finden. (Der volle Name und die Stellung 
des verehrlichen Einsenders dieser Originalkorrespondenz waren der Red. hinreichende Gewähr 
für unverkürzte, wenn auch mit Commentaren versehene Aufnahme.) 

Kirchenmusik. Aufführungen des Regensburger -Domchores 

vom Palmsonntag bis Ostermontag 1898. 

Palmsonntag, den 3. April. Um Vjd Uhr Palmweihe: Gesänge bei der Weihe, 
Austeilung der Palmen und bei der Prozession, 4 stimmig von Hai 1er. — Beim Hoch- 
amt: Messe Hör le tue forze, 48t von Fei. Anerio. Passion, 4st. von Suriano. Offer- 
torinm, 4 st. von Haller. 

Montag, den 4. April Um H Uhr: Messe Latida Sion von Palestrina. Offer- 
torium, 4 st. von Au er. 

Dienstag, den 5. April. Um H Uhr: Messe Sine nomine j 4 st. von Viadana. 
Passion, 4st. von Suriano. Offertorinm, 5st. von Griesbacher. 

Hittwofh, den 6. April. Um 8 Uhr: Messe Dixit Maria von H. Leo Hassler. 
Passion, 4 st. von Suriano. Offertorinm choraliter. Als Einlage: Vere languores, 4 st. 
vonVittoria. Nachmittag Vs4Uhr: Matutin. Incipit Lamentatio, 8st. von Palestrina. 
1., 2., 3. Responsorium von Mitterer. 4., 5., (>. Responsorium von Haller. 7., 8., 
9. Responsorium von Vittoria. Benedicttis, 4 st. von Vittoria. Christus factus est, 
4 St. von Mitterer. 

CIrflndonnerstag, den 7. April. Um 8 Uhr: Pontifikalamt. Missa brevis, 4 st. von 
Palestrina. Grad.: Christus factus est, 2 chörig von Hai 1er. Offertorinm: Dextera 
Domini, 5 st. von Palestrina. Ad Communi(mem Cleri: Domine non sum dignus, für 



-ö »6 Bj- 

4 Knabenst. von Hall er. salutaris hostia, 5 st. von Orlando Lasso. Pange lingua^ 5 st. 
von Thielen. Nachmittag V24Uhr: Matutin. Lamentation. Matribiis, 4st. von Vittoria. 
Responsorien 1 — 9 von Mitterer. Benedictus, 4 st. vonPalestrina. Christus factus est, 
4 st. von Mitterer. Am Ölberg (Domgarten): In monte Oliveti, 6 st. von Orlando. 

€harfreitag, den 8. April. Anfang der Zeremonien nm 8 Uhr. Passion, 4 st von 
Suriano. Improperien, 2 chörig von Palestrina. Bei der L Prozession: Vexilla 
regis, 4 st. von Mitterer. Auf der Epistelseite: Domine Jesu Christ e, 6 st. von 
Vittoria. Bei der 2. Prozession: Jesu dulds amar, 48t. von Ha 11 er. Tenebrae factae 
sunt, 4 st. von Ha 11 er. Nachmittag ^2^ Uhr: Matutin. Lamentatio HL., 6 st. von 
Vittoria. 1. — 6. Responsorium, 4 st. von Mitterer. 7., 8., 9. Resp. von Vittoria. 
Benedictus, 4 st. von Handl. Christus factus est, 4 st. von Mitterer. 

Charsamstag, den 9. April. Um 7 Uhr: Weihe des Feuers, der Osterkerze 
und des Taufwassers, choraliter. Um 9 Uhr: ad Missam: Kj/rie choraliter. Das 
Übrige aus der Messe: De Spiritu sancto, 4 st. mit Orgel von Ebner. Grad, choraliter. 
Psalm: Laudate, 5 st. von Viadana. Magnificat, 5 st. von Mitterer. Abends 6 Uhr: 
Auferstehungsfeier. 2 Responsorien, 4 st mit Orgel von Mitterer. Te deum, 
choraliter. Haec dies, 6 st von Griesbacher. Benedictus, 5 st von Vittoria. Zur 
Auferstehung: Motett: Surreocit pastor bonus, 5 st von Haller. Aurora coelum 
purpurat, 4 st von Mitterer. Tantum ergo, 5 st von Griesbacher. 

Ostorsonnta^, den 10. April. Um 9 Uhr: Pontifikalamt Ecce Sacerdos, 6 st 
von Thielen. Missa: Papae Marcelli, 6 st von Palestrina. Graduale, 4st von Haller. 
Sequenz, 4 st von Hai 1er. Offertorium: Ten-a tremuit, 5 st von Palestrina. Nach- 
mittag 3 Uhr: Vesper. Psalmen, 5- und 6 st von verschiedenen alten Meistern, 
L Dixit, 5st von Viadana. 2, Confitebor, 5 st von Viadana. 3. Beatus, 6 st SLUCtore 
incerto. 4. Laudate pueri, 5 st von Viadana. 5. In exitu, 6 st von Stemmelio. 
Haec dies, 6 st von Griesbacher. Magnificat, 6 st von Viadana. 

Ostermontag, den 11. April. Um 9 Uhr: Hochamt Missa in hon. B. M. V., 
5 st von Haller. Graduale, 4 st von Haller. Sequenz, 4st von Haller. Offer- 
torium: 4 st von Renner jun. Nachmittag Va^ Uhr: Vesper. Psalmen, 4 st. von 
verscliiedenen alten Meistern. 1. Dixit, 4 st von Zachariis. 2. Confitebor, 4 st von 
Viadana. 3. Beatus, 4 st von Viadana. 4. Laudate pu^ri, 4 st von Sario. 5. In 
exitu, 4 st von Zachariis. Haec dies, 4 st von Haller. Magnificat, 4 st von Mitterer. 

Fr. X. Engel hart, Domkapellmeister. 

Offene Korrespondenzen. 

Die Musikbeila^en für den lanfd. Jahrgang der Mus, s. werden mit der vorliegenden Doppel- 
numm^er versendet und enthalten die Offert, vom 3. Sonntag nach Ostern bis zum Dreifalügkeitst'este 
incl. Die Autoren dieser Originalkompositionen über die liturg. Offertorientexte sind in alphabetischer 
Ordnung: Joh. Conze(Nr.53*), L. Ebner (Nr. 49*, 52*), P. Griesbacher (Nr. 44* 46*), M. Haller, 
(Nr. 4^, 51*), P. ü. Kornmtiller (Nr. 45*), Jos. Schildknecht (Nr. 50*). Edm. Schmid 
(Nr. 47*). Aug. Wiltberger (Nr. 40*, 41*, 43*, 48*). Nach alphabetischer Ordnung der Texte 
sind mit beifolgender Stimmenbesetzung komponiert: > Äscendit Deus für C. und 2 Aj (A. U ad lib.) 
von P. Griesbacher, Benedicite gentes für C. u. A. von A. Wiltberger, Benedictus dt tür C. u. A. von 
M. Heller, für T. u. B. von L. Ebner, für Ober- u. Unterst, von Jon. Conze , Confirma hoc für 0. n. 
A. (A. II ad üb.) von P. Griesbacher, für T, u. B. von A. Wiltberger, für Ober- u. Unterst, von 
E. Schmid, Cor^tebor Domino nimis für T. u. B. von M. Haller, für Ober- n. Unterst, von A. Wilt- 
berger. Domine Dem für T. u. B. von Jos. Scliildkuecht, Emitte SpirUum iuum für C. u. A. von 
P. Ü. Kommüller, Lattda anima mea Dominum für T. u. B. von A. Wiltberger, Meditabor in mandatis 
für C. u. A. von Ebner. Unter diesen 14 Nummern sind also für C. u. A.: Nr. 41*, 51*. 49*, 44*, 
4H*, 45*, fiir vereini^t^ Ober - u. Unterstimmen Nr. 53* 48*, 43*, für T. u. B. 40*, 42*, 47*. 50*, 52*. 
Da bei den Offertonen Ckmfirma und Benedictus sit auch auf die Votivmessen Bücksicht genommen 
wurde, die ausser und während der österlichen Zeit in feierlicher Weise abgehalten werden, so 
erklärt sich die geringe Zahl der verschiedenen Offertorientexte (auch tiir die drei Tage der 
Bittwoche und das Fest des hl. Marcus ist eine zweite, bezw. dritte Komposition aufgenommen 
worden); in den folgenden Jahrgängen 1899 und 1900 wird die Offertoriensammlung des Proprium 
de Tempore abgeschlossen werden. Die Einzelausgabe der Part, findet im Laufe dieses Monates statt. 

+ Den verehrlichcn Subskribenten den Magnum opus von Orlando di Lasso diene zur gefälligen 
Nachricht, dass bei Versendung den 5. Teile» (9. Band der Ges. -Ausg.) nicht mehr Postnachnalmie ge- 
wählt wurde, sondern dass jedem Exemplar eine Postanweisung ohne Stempelmarke beigelegt wird. 
Die Empfänger sind gebeten den notierten Preis fUr Band und Frankatur einzusenden und den Post- 
schein als Quittung zu betrachten. F. X. H. 



Druck und Verlag von Friedrich Pnstet in Regen ab urg, Gesandtenstrasse. 
Nebst 5. bis 12. Musikbeilaire, sowie A.nzeiffeblatt Nr. 7. 



1898. Regensburg, am 1. Mai 1898. ^n- 9 



MUSICA SACRA. 

GeerrOndet von Dr. Frans Xaver Witt (f 1888). 

HalbmoDatschrift fflr Hebnng und Fördenini der kathol. Kircheninnsik. 

Herausgegeben von Dr. Frans Xaver Haberl, Direktor der Kirohenmuaikflohule in Aegensbnrg. 

Neue Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbeilagan. 



Die „Muäca ioera" wird am 1. und 15. jeden Monate aascrefreben. Jede der 84 Nammem ambaat 12 Seiten Text. Die IS Mnaik- 
b«ila|^n (48 Seiten) wurden in den Nammem 5, 7 und 8 veraendet. Der Abonnementpreia dea Jahrgänge betiftgt 9 Mark; die 
Boatellong kann bei fader Poatanatalt oder Buohhandlnng erfolgen. ~ Bei der Reiohapoat mit 80 Pf. Anfaohlag. Bei franko Znaandiing 

unter Streifband in Dentichland und ÖMterreich-Ungam 4 Mk. — in» Analand 4 Mk. 80 Pf. 

lahaltalkaraleht: Neu und frUber erNohienene RirohenkompOMitionen: Joa. Bill sen.., Jos. Deaohermeier, 
I^iidw. Ebner, Konrad Fttrst und J. X. Ahle. A. Gesaner, Job. By. Habert (S), M. Haller, A. Kohler, B. Mettenleiter, Fr. Nekea, 
»iov. PHgella, J<»s. Kenner juu. (3), Jos. ScliifWs (3), M. Schmidtkonz, J. äingenberger, Jac Strubel, C. Thiel, A. Wiltbaiger. — 
Kirehenmuaikalisohe Aufführungen und Berichte aua: Ffinfkirchen, Oraalitz, Innsbruck, Mautem, Neoaats, Padua, 
Passnu. Raguüa. Salzburg. Stötten, Trient, Wald.«mjis«u, Wien. — Vermisch teNachrichten undMitteilungen aus: Amaterdamp 
HiokenlMich, China. Btunberg, ÖNterreich, Innsbruck, Paderborn, Kopenhagen, MOnohen; ein AprilHoherz. — Offene Korreapondensen. 

Neu und früher erschienene Kirchenkompositionen. 

Ein Bequiem in D - moU mit Libera von Jos* Bill sen. ') kann aus den Angaben 
der Direktionsstimnie, welche nur die Sopranmelodie und im Orgelpart kurze An- 
deutungen über die Instrumentation enthält, sehr schwer beurteilt werden. Der Stil 
dieses Requiem ist durchaus modern ; Chromatik und Enharmonik herrschen vor, können 
jedoch über eine ermüdende Homophonie nicht hinweghelfen. Die Instrumentation ist 
sehr zurückhaltend, immer nur Stütze des Gesanges; die Violinen brechen die Akkorde 
und sind ohne selbständige Führung. Mit Ausnahme des Libera ist der Text liturgisch 
vollständig, auch gut deklamiert; der Gesangspart ist trotz tiberwuchernder Chromatik 
unschwer zu singen. Die Arbeit gehört mit zu den Erzeugnissen, welche auf ihren 
Kunstwert nicht streng geprüft werden dürfen, die angenehm klingen und als Lttcken- 
büs.ser für jene Chöre bestimmt, ja empfeldenswert sind, welche im Laufe des Jahres 
^o.ssen Bedarf an instrumentierten Requiem, aber schlechte oder minder gute Auswahl 
an solchen haben. Die Auffassung des Textes ist an vielen Stellen zu dramatisch und 
subjektiv;^) auch ist die Komposition nicht aus dem Texte herausgewachsen, letzterer 
erst nachträglich in den modernen Periodenbau eingefugt. Am wenigsten kann eine 
Aufführung mit Orgel allein befürwortet werden, da letztere, z. B. im ersten Benedictus 
oder im Agnus Dei, eine ihrem Charakter nicht entsprechende Behandlung erfahren hat. 

Ein Requiem von Jos. Desrhermeier ') mit Sequenz und Libera für 4 st. gem. 
( Ihor ist auch für die bescheidensten Verhältnisse wegen leichter Ausführbarkeit, ausser- 
ordentlich massigen Stimmenumfanges, besonders fär Sopran und Tenor, empfehlenswert 
und passend. Der liturgische Text ist sogar beim Dies irae vollständig wiedergegeben.^) 

*) Die Ausgabe für 4 st gem. Chor ni. 0. koHt«t 4 M, die Ausffabe mit Orchesterbegleitung 7 M* 
A. Böhm ÜL Sohn in Augsburg. Das Requiem kann auch 3 st. ohne Tenor, von einer Singstimme und 
im Unisono der 4 Singst, ausgeführt werden! Ausser dem Streichquintett sind auch 3 Posaunen und 
Pauken vorhanden, die ohne Schaden wegbleiben können. 

') Man sehe das Tremens factus im Libero, die Worte de ore leonis und in obscnriim im Oifertorium, 
das erste der zwei Benetlictus u. s. w. 

*) Op. 17. Boessenecker (Ad. Stender) in Regensburg. Part 1 ^ 20 ^, St. & 30 ^. T. genau. 
Das Requiem ist 18d8 erschienen. 

^) Zur Brleichterung einer Auswahl wäre die Xumerierung der einzelnen Strophen, gut gewesen. 
Vor huic ergo parce muss das t des Wortes juiicantm in ff verwandelt werdeo; kleinere Inteisunk- 
tions- und Trennungsfehler sind leicht su verbessern. 



-ra 98 e:4- 

Beim Libera hätte noch Kyrie mit Christa und Kyrie beigefügt werden sollen, um jeder 
Willkür oder handwerksmässigen Behandlung beim Vortrag £eser Versikel, welche vom 
Musikchor aus besorgt werden müssen, vorzubeugen. 

Eine der festlichsten und schönsten Messen des fleissigen und tüchtigen Meisters 
Ludwig Ebner ^) ist die Missa de Spiritu sancto für 4 st. gem. Chor mit obligater Orgel- 
begleitung. Die vokale Wirkung ist glanzvoll, durch schöne Stimmenfuhrung und ge- 
wandte Imitationen einfacher, in prägnanter Kürze erfundener Motive ausgezeichnet. 

Das g kehrt im Sopran öfters wieder, aber auf günstigen Vokalen und so vorbereitet, 
dass es bei einiger Aufmerksamkeit nicht zu grell wirkt. Die Orgelbegleitung ist 
selbständig und verleiht durch Steigerung der Vokalwirkung dieser Komposition einen 
hochfestlichen Charakter. Auch im modernen polyphonen Satz ist trotz der feurigen 
und eindringlichen Deklamation des liturgischen Textes jede theatralische Effekthascherei 
glücklich vermieden; man glaubt das liturgische Wort aus dem begeisterten Munde 
eines lebhaft bewegten Predigers zu hören. 

Die bekannte, schon vor etwa fünfeig Jahren von J. M. Ha üb er und 0. Ett 
besorgte Sammlung Cantica sacra hat bereits durch Dr. F. X. Witt im Jahre 1870 
eine Neubearbeitung erfahren, über welche der Unterzeichnete im C.-V.-K. unter Nr. 100 
unter anderem bemerkte: „Hauber's und Ett's Eifer für eine würdige K.-M. zu einer 
Zeit, wo Sinn und Verständnis für dieselbe viel rarer waren als jetzt, verdient alle 
Anerkennung; .... ihr Budi hat viel Gutes gestiftet und war ein Sendbote besseren 
Geschmacks." Als Witt im Jahre 1889 eine dritte Auflage der Cantica sacra vor- 
bereitete, überrasclite ihn der Tod nacli den Schlussworten der Sequenz „dona eis requiem, 
Amen\ Der H.H. Seminarinspektor und Ohorregent Mich. Mayer in Regensburg 
vollendete 1890 die dritte Auflage und konnte bereits in diesem Jahre eine vierte 
besorgen, in welcher eine durchgreifende Neuordnung der Gesänge und zahlreiche Ver- 
besserungen angebracht wurden.^) Ausser den Gesängen der 1. Auflage, welche mit 
einer 3- oder 4 stimmigen sehr leichten Orgelbegleitung ohne Pedal versehen sind (in 
der 1. Auflage war nur Melodie und Bass mit den nötigen Ziffern bezeichnet), wurden die 
Messresponsorien nach den offiziellen Büchern in mehrfacher Harmonisierung und Ton- 
höhe, eine Choralmesse von Witt, eine mensurierte einstimmige Messe von J. Neudegger, 
zwei Requiemmessen von M. Mayer (Choral und 1 stimm, mit Orgel), die Votivvesper 
vom allerheiligsten Altarssakrament (mit 3 stimm. Falsibordoni von M. Mayer) und andere 
Gesänge, welche den Bedürfnissen kleinerer Chöre Rechnung tragen, aufgenommen.^) 
Diese Cantica sacra sollen auf keinem Kirchenchore fehlen, denn nach liturgischer Seite 
ist das Gebotene tadellos, nach musikalischer trotz aller Einfachheit, natürlich bei an- 
ständigem Vortrage, andächtig und befriedigend. Man beachte die Nachträge und Be- 
richtigungen auf S. 255. 

Ein Ecce sacerdos von Konrad FArst, Op. 58, und die Antiphon Confirma Jioc von 
Dr. J« S* Ahle für gem. Chor, ersteres mit teilweiser, letztere ohne Orgelbegleitung, 
sind für den Empfang des Diözesanbischofs bei Spendung des hl. Sakramentes der Fir- 
mung bestimmt und in den einfachsten Weisen, jedoch ausdrucksvoll und feierlich 
komponiert. *) 

Fünf Hymnen zu Ehren des allerheiligsten Altarssakramentes, komponiert von 
A. fifessner, bildeten in Nr. 3 der „Cäcilia^^ (Strassburg 1898) eine Musikbeilage, die 

') Op. 11. T. genau, ohne J. Part. 1 ^ 60 /^, St. ä 30 ^. Boessenecker (Ad. Stender) iu 
Begensburg. ^ 

*) Cantica sacra. Kirchliche Oesänge mit Orgelbegleitung für den Pfarrgottesdienst. Gesammelt 
und herausgegeben von Hauber, Ett und Witt. Mit obcrhirtlicher Druckgenehmigung. Fr. Pustet. 
Begensburg; geb. 1 JC 40 ^j YIII u. 256 Seiten in 8^, mit ausführlichem Inhaltsverzeichnis für Vor- 
mittags- und Nachmittagsgottesdienst; m. J. 

') Für diese Neuauflage wurden auch zu mehreren Nummern Einzelstimmen hergestellt. Auf diese 
Weise können für Messe und Requiem auch die Schulkinder herangezogen werden. Preis dieser Einzel- 
stimmen ist auf der Rückseite des Einbandes notiert und beträgt beispielsweise für 16 Seiten 8 ^, für 
24 S. 12 .^, bei Bezug von 12 Stücken 80 ^, von 50 Stücken 3 ^ 20 ^, bezw. 1 M 20 ^ oder 4 J4 80 ^. 

^) Ant Böhm & Sohn in Augsburg. Part, und St. 1 ./« 20 ;^ , St. & 15 ^. Bei Ecce Sacerdos 
konnte auch auf das Ällel%^a Rücksicht genommen werden, das in der österlichen Zeit nach den Worten 
in plebem suam angefügt werden muss. 



-«3 90 e»- 

anch im Einzelabdrack erschienen ist.^) Dieselben sind für 4 Männerstimmen kompo- 
niert und mit Vor-, Zwischen- und Nachspielen von je 2 Trompeten und Posaunen 
versehen. Der Bass kann mit Tuba verstärkt werden, für die Vor- und Nachspiele 
wird ein reicher besetztes Blasorchester feierlich wirken. Die Komposition ist vorzüg- 
lich, voll Majestät, nach rhythmischer Seite und harmonisch mannigfaltig ausgestattet. ^ 
Die fünf Hymnen verdienen für die herannahende Fronleichnamszeit recht viele gute 
Aufluhrungen. Da in der Partitur nur die Texte der ersten und letzten Strophen an- 
gegeben sind, so werden Komponist und Verleger gut thun, Einzelstimmen herstellen 
zu lassen, in denen dann sämtUdie Textstrophen abgedruckt werden sollen, denn bei 
öffentlichen Prozessionen wird man mit zwei Strophen bei jedem Hjrmnus selten aus- 
reichen ; auch werden erfahrungsgemäss Kompositionen, die noch dazu für stark besetzte 
Chöre berechnet sind, ohne bUUge Einzelstimmen wenig gekauft. 

unter dem Titel ^oh. Ev. Habert*s Werke^'*) liegt ein stattlicher, prachtvoll 
ausgestatteter, 249 Folioseiten umfassender Partiturband vor, welcher dem Hoch- 
würdigsten Herrn Bischof von Linz, Dr. Franz Maria Doppelbauer, dediziert ist und 
den Untertitel „Liber Oradualis erstes Buch: Nr. 1 — 66^ trägt. Der musikalische 
Wert der 66 Nummern ist ein sehr ungleicher, interessant aber bleibt es, die Wand- 
lungen zu beobachten, welche J. E. Habert vom Jahre 1868 bis etwa 1888 durch- 
gemacht hat Die vokalen Bearbeitungen der wechselnden Messteile sind im kontra- 
punktischen Stile des vorigen Jahrhunderts gehalten, können also von jenen, welche die 
Kontrapunktik von Fux ttr echten Palestrinastil halten, als Nachahmung der Werke 
des Meisters von Präneste angesehen werden. Wer jedoch die 32 Bände der Gesamt- 
ausgabe von Giovanni Pierluigi durchstudiert hat, oder einen grossen Teil derselben 
aufführen hörte, wird diese Ansicht nicht teilen; trotzdem braucht man ihn nicht als 
Gegner von Fux und Habert anzuklagen. Auch ist der Zweck der Kirchenmusik nicht 
allein der im Vorworte S. XII angegebene; „an Festtagen dem Gottesdienst den Glanz 
durch die heilige Musik erhöhen zu helfen, insbesondere durch den Gebrauch eines 
grösseren Orchesters**, nicht einmal die „erbauende Wirkung** reicht hin, um den Zweck 
der Kirchenmusik zu erfüllen. Wenn der Komponist von diesem Standpunkte aus , Jeder 
.seichten Kirchenmusik die Existenzberechtigung abspricht, mag sie auch leicht und vom 
liturgischen Standpunkt aus untadelig sein**, so sind unsere Landchöre und die kleineren 
Kirchen, welche nur auf wenige Sänger angewiesen sind, durch diese rigorose, von der 
Kirche niemals aufgestellte Sentenz auf den Aussterbeetat gesetzt. Übrigens wurde 
übersehen, dass es der Vortrag ist, welcher auch die einfachste, unscheinbarste, 

') Verlag von F. Le Eoux & Co. Part 60 ^. 1. Sacria aolemniia, 2. Verbum 8upemum, 8. 8aluti8 
humanae, 4. Aeteme Bex, B. Tantum ergo. 

') Derselbe ist als 2. Lieferung der Gesamtausgabe bezeichnet und kostet bei Subskription 20 Jk, 
Leipzig, Breitkopf & Härtel. Er ist mit Unterstützung der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissen- 
Hcbaft, Kunst und Litteratur in Böhmen herausgegeben und mit Approbation für die Texte vom hochw. 
biRchöfl. KonRistorium in Linz vom 8. Juli 1893 versehen. Den Inhalt bilden Introitus, Graduale, Oifer- 
torium und Communio vom 1. — 4. Sonntag im Advent, fOr die erste und dritte Messe von Weihnachten 
4 stimm., vom 3. Adventsonntag und am Weihnachtsfeste 4 stimm, m. Listr. und 4 stimm, m. Orgel. 
Darauf folgt Grad., Off. und Comm. vom 80. Nov., Intr. vom 8. Des., Comm. vom 4. Dez., Grad, vom 
0., 7.- und 13. Dez., Intr. (2), Grad. (4), Offert (4), ('omm. (2) vom 8. Dez., Grad., Off. und Comm. vom 
21. Dez., 4 stimm., teils m. Org. teils m. Instr. Den Schluss bilden von S. 218 — 249 die wechselnden 
Me^steile der Apostelvi^lien , sowie der Missa Sti^tuit und Sacerdotes Dei, Ein alphabetischer Index 
gibt Aufschlüsse über die komponierten Introitus, Gradualverse mit Aüehfja u. s. w., in einem chrono- 
logii^chen Register wird die Entstehungszeit der 65 Nummern von 1858 bis zum Januar 1898, also aus 
oinem Zeitraum von 35 Jahren, angegeben; die meisten Nummern fallen in die Jahre 1891 und 1892. 
Im Vorwort, das vomJMai 1894 datiert ist, erzählt der f Meister seinen Bildungsgang und motiviert 
die Kompositionen der Introitus und Comrounionen mit dem Satze: „Einer Instrumentalmesse einen 
,Jntroitii8 im ('horal voranzustellen halte ich für ganz unkünstlerisch und ich halte es für gut, wenn 
««entweder mehrstimmiger Gesang allein oder mit Begleitung der Or^el oder der Streichinstrumente beim 
., Introitus zur Anwendung kommt." Diese Begründung ist gewiss nicht stichhaltig, denn die Intonation 
des Qloria und Credo durch den Priester, der Gesang der Orationen, der Präfation, des Pater noater^ 
Jte miasa est u. s. w. müsste folgerichtig ebenfalls als unkünstlerisch qualifiziert werden, oder man 
müsste diese Intonation durch Melodien ersetzen, die eventuell mensuriert, mit Orgel oder Instrumenten 
liegleitet, dem Stile der nachfolgenden Chorkomposition sich gleichsam assimilieren. Es ist eben die 
Signatur verfehlter Kirchenkompositionen, wenn sie mit (lem liturgischen Gesang des Priesters sich 
schlecht verbinden. Wer soll da Platz machen? 



leichteste, wenn man will ^seichteste'' Komposition nicht nur erträglich, sondern auch 
erbauend, glänzend, kirchlich, würdig gestalten kann. Wenn der Franzose sagt „ce n'est 
pas le ton qui fait la musique'', so will er gewiss damit auch ausdrücken, dass die 
schönste Komposition durch schlechten Vortrag verdorben werden kann. Dieses Un- 
glück kann aber besonders die vokalen Werke Habert's treffen, welche in fast trockenen 
Formeln, meist unter syllabischer Behandlung des Textes, von einer verschwindend 
geringen Anzahl von Dom- und Klosterkirchen und von besseren Chören in Städten 
und auf dem Lande, für die Habert den „Liber Oradtuüis'^ geschrieben hat, bewältiget 
werden können. Es fehlt diesen Werken das, was den Dichter zum Dichter macht, 
jenes packende, innerliche, feurige Moment, das die Form vergessen lässt und durch 
seinen Inhalt niemals ermüdet. Man denke z. B. an die Messiade von Klopstock! Die 
Kompositionen mit Orgelbegleitung sind dem Meister gut gelungen, besonders jene, in 
denen die Orgel selbständig auftritt und nicht als blosse Stütze oder Füllung der Sing- 
stimmen erscheint. Als dritte Stilgattung bilden den Inhalt des bunten Werkes die 
instrumentierten Tonsätze. Einige derselben sind, wie Nr. 19, 21, 23, 25b, 28, 37 
und ähnliche, nach Ansicht des Unterzeichneten diiekt abzulehnen, besonders jene, in 
denen eine freirhythmische Ohoralmelodie , wie beispielsweise in Nr. 37 {Oaudens 
gaudebo), zerrissen und in mensurierte Fesseln geschlagen wird, während die Instru- 
mente sich an dieser Qual zu erfreuen scheinen. Referent wünscht nur, dass recht 
viele praktische Musiker und erfahrene Komponisten diesen Band durcharbeiten, wie es 
der Unterzeichnete gethan hat, denn er zweifelt nicht, dass ihm die Mehrzahl bei- 
stimmen wird in der Behauptung, dass eine Reform der katholischen Kirchenmusik mit 
der überwiegenden Mehrzahl der 65 Kompositionen Habert's weder Fortscliritte machen, 
noch Boden gewinnen wird. Es liegt dem Unterzeichneten ferne, den guten Willen, das 
tüchtige Können und die fromme Absicht des seligen Meisters von Gmunden in Zweifel 
zu ziehen, aber gegenüber vielen besseren und lebensfähigeren Werken muss der „Liber 
Gradualis^* in den Hintergrund treten. Dass durch denselben anderseits wertlose Mache, 
ärgerliche Trödelmusik, sentimentale und geistlose Instrumentalwerke verdrängt werden 
mögen, ist auf das Lebhafteste zu wünschen, und es kann nur mit Freude begrüsst 
werden, wenn die mit heiligem Ernste, mühevollem Fleisse und grosser Sauberkeit 
gearbeiteten Instrumentalkompositionen Habert's die Stelle der genannten unkirchlichen 
Erzeugnisse einnehmen werden. 

Die Messe zu Ehren des hl. Jordan^) Op. 55 von J. E. Habert nimmt auf 

bessere Landchöre Rücksicht, hält sich in Bezug auf Tonalität (C-dur) in engen Grenzen 
und ist liturgisch durchaus korrekt. Das Credo ermüdet sehr, und aucli die figurierenden 
Streichinstrumente können den Pulsschlag matter Deklamation niclit beschleunigen. Die 
Messe ist übrigens wegen ihrer Einfachheit, Klarheit und Würde gut zu empfehlen. 

Eine Messe in G-moll (und -dur) zu Eliren des hl. Franz von AssLsi ist 

für 4 stimm, gem. Chor mit Orgel geschrieben; letztere spielt meist nur mit den Sing- 
stimmen und fügt nur an einigen Stellen fällende Töne ein. Witt äusserte sich 18()8 
über Bruchstücke dieser Messe,^) die ihm durch den Komponisten zu Händen gekommen 
waren: „Dieselben zeigen eine durchaus schöne und tüchtige, ernste und kirclüiche 
Arbeit. Nach diesen Bruchstücken zu urteilen, wird diese Messe keinen grossartig 
feierlichen, aber einen frommandächtigen Eindruck machen.^' Diese Ansicht kann für 
das ganze Werk gelten, das ein schönes Zeugnis von den guten Grundsätzen ablegt, 
mit welchen J. Ev. Habert in die Reform der kathol. Kirchenmusik eingetreten ist. 

») Pur S., A., B. (T. ad Hb.), 2 Viol.. 2 H., Violonc, Violon und Org:. Leipzig, Breitkopf & Härtel. 
34 Seiten. Partitur 4 JC, T. genau. 

') Op. 8 erhielt beim internationalen Konkar» für Kirchenmusik, der in Belgien 1866 ausge- 
schrieben war,^ und bei dem sich 76 Konkurrenten aus 12 Nationen beteiligt hatten, den 3. Preis. Die 
Jury hatte übrigens bemerkt, dass keine der eingelaufenen Kompositionen vollständig befriedigt habe. 
Man vergleiche den Artikel von V^itt in Nr. 4 der „Fliegenden Blätter" 1868, Seite 28 über diesen 
Konkurs, bei welchem ein Eduard Silas den 1., und Gottfr. Preyer den 2. Preis erhalten hatten. Der 
Artikel ist fortgesetzt Seite 34 bis 36. Die Messe bildet in der 1. Serie der Gesamtausgabe (1. Buch 
der Messen) die Nr. 2. Verlag von Op. 8 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. Preis unbekannt. 



-<3 lOl O- 

Die 10 Motetten ftir 2 Oberstimmen mit Orgel von Hlrh« Hatter sind in 3. unver- 
änderter Auflage erschienen.^) Den Inhalt bilden die Offertorien für die drei Weih- 
nachtsämter, für Epiphanie, Ostersonntag und -Montag, Christi Himmelfahrt, Pflngst- 
sonntag und die liturg. Texte Farvulus ßitis und Haec dies. Das Werk fand bereits in 
der 1. Auflage im C.-V.-K. No. 522 Aufnahme und wird seine Zugkraft für kleinere 
Chöre, für religiöse weibliche Genossenschaften und Enabenseminarien noch auf Dezennien 
hinaus bewahren. 

Das erste Werk, welches Alois KoUer *) der Öffentlichkeit übergibt, ist eine Messe 
für 4 st. gem. Chor. Der gewissenhafte und talentierte Komponist gibt in den Vor- 
bemerkungen Aufschluss über die Verwendung der drei Motive, welche in den drei 
Teilen des Kyrie zuerst auftreten und später in den verschiedenen Messteilen wieder- 
kehren. Auf diese Weise hat der Dirigent Gelegenheit, beim Vortrag der Messe das 
kontrapunktische Beiwerk zurücktreten zu lassen und die verwendeten Themen hervor- 
zuheben, natürlich im Rahmen der Satzdeklamation. Die Motive sind äusserst einfach, 
durch Imitationen jedoch, geschickte Umkehrungen, Verkürzungen und Verlängerungen 
und eine frische, lebendige Textbehandlung wird rhythmische Mannigfaltigkeit, fliessende 
iStimmenfiihrung und geschlossene Einheit im diatonischen Stile erzielt. Die Messe klingt 
sehr angenehm, ist leicht auszuführen und wird eine schöne Wirkung nicht verfehlen. 
Solche Arbeiten wiegen ganze Bände harmonisch - modulatorisch gearbeiteter Kirchen- 
kompositionen auf. 

Bernhard Hettenlelter^) komponierte als Op. 96 eine Messe für 4 st. Männerchor. 
Die Komposition ist von äusserster Schlichtheit, kurz, leicht, meist homophon. Der Be- 
handlung des Credo kann Referent nicht zustimmen, denn sowohl die einstimmig er- 
fundenen choralartigen Melodien, welche dem 1. und 2. Bass als Rezitativ zugedacht 
sind, als auch die 2 stimmigen für 1. und 2. Tenor in Mensur komponierten Sätzchen 
stören im Zusammenhang mit den übrigen vierstimmigen.^) 

Mit dem Titel Litaniae Lauretanae (Nr. 3) edierte Franz Kekes^j als Op. 32 die 
Anrufungen der Muttergotteslitanei für 3 gleiche Stimmen mit den Antworten für Volks- 
gesang mit Orgel oder för 4 st. gem. Chor. Bei den Antworten Ora pro nobis u. s. w. 
hat der Komponist 22 Sätzchen für 4 st. gem. Chor geschaffen, unter denen der Dirigent 
auswählen kann, wenn er nicht vorzieht, diese 22 verschiedenen zweitaktigen Gadenzen, 
bei welchen der Sopran immer die gleiche Melodie hat, in ihrer Aufeinanderfolge vor- 
tragen zu lassen. Die Komposition kann auch in der Weise benutzt werden, dass nur 
die Antworten vom vierstimm. Chore, die Anrufungen aber, einstimmig nach der Volks- 
melodie (fgag|gaba|agahc) von einem oder mehreren Sängern gesungen 
werden ; in diesem Falle haben die Vorsänger immer drei Versikel zusammenzunehmen, 
der Chor aber antwortet nur mit einem Ora pro nobis. Diese einfache Litanei in F-dur 
sei für den kommenden Maimonat aufs Beste empfohlen. 

Eine Messe zu Ehren des hl. Herzens Jesu für 2 Oberstimmen mit Orgelbegleitung 
von dem Salesianerpriester Cliov. Pagella ^') erfreut durch das Bestreben nach schöner 

') X Mot. pro festiH principalibus Douiini ad 2 voccs cum Org. Op. 18. Text yoUständig, mit 
Jahr. ReRensbiirg:, Fr. Pustet. Part. 1 .^ 20 ^, St. & 26 ^. 

^) Missa I. 4 voc. inaequ. Op. 1. Dem H. H. M. Haller vom ehemaligen Schüler der Kirchen- 
iiiuHikschuIc gewidmet. PuKtet in Regensburg. Part. 1 Ji 20 .^j St. k 15 ^. T. genau, m. J. 

') Sic trägt den Titel Jubiläumsmosse und ist dem Hochw. Herrn Bischof von Eichstätt zum 
70. Geburtstage (27. August 1897) gewidmet. L. Sehwann in Düsseldorf. Part. 1 ^ 50 .^, St. k 15 ^. 
T. genau, ohne J. 

*) Für den Ausdruck wurden italienische Wörter, wie religioso, solenne, maestoso, gewählt, welche 
wühl zu allgemeinen Sinn haben; ungewöhnlich und sprachunrichtig ist der Ausdruck Jubüoso beim 
(rloria und Portafo beim Benedictus. 

^) Ign. Schweitzer in Aachen. Part. 50 -^ , in Partien von wenigstens 10 Exemplaren k 15 ^. 
Diese Preisbestimmung findet Referent sehr praktisch, denn auf diese Weise werden bei kleineren 
Werken (8 Seiten) die Anschaffungskosten für die Einzelstimmen erspart und die Sänger an das Lesen 
einfacher Partituren gewöhnt; damit ist auch das Treffen erleichtert. 

*) M. Ss. Cordis Jenu a 2 voci blanche Op. 6 auf dem Titel, Op. 5 in der Partitur! Der Komponist 
ist Kapellmeister und Organist an der Kirche S. Giovanni Evangelista in Turin und Professor des ^regor. 
Chorals am erzbischöfl. Seminar dortselbst. Part. 2 Lire , die Singstimme 30 cent. Verl. der Libreria 
Salesiana in Turin, Via Madama Cristina 1. T. genau, ohne J. 



-63 109 E^ 

Textesdeklamation and ausdrucksvoller Cantilene. Wenn, besonders in Gloria und Credo, 
die häufige Aufeinanderfolge Von je 2 verbundenen Achteln über je einer Silbe den 
Rhythmus nicht beeinträchtigen würde, so wäre an der Melodiebilduug fast nichts zu 
tadeln. Die Begleitung ist nach den Gesetzen der in Deutschland üblichen Harmonie- 
lehre, welche besonders für Quartsextakkorde und Dissonanzen Vorbereitung und Auflösung 
verlangt, auffallend frei und regellos. Ansätze zu Imitationen sind gegeben, werden 
aber nicht durchgeführt. Der phantasiereiche Jünger Don Bosco's müsste eine strenge 
Schule durchmachen, um Spreu vom Waizen sdieiden zu lernen und sein musikalisches 
Talent durch Studium klassischer Werke und Bezähmung übersprudelnder Einfälle 
zu bilden. 

Von Jos. Renner lim* liegen 3 Kompositionen vor: 

1. Ein Bequiem für S. und A. mit Orgelbegl. Op. 13, in welchem der liturgische 
Text nicht nur vollständig^) (beim Dies irae sind 11 Strophen unterlegt, leider fehlt 
die vorletzte Lacrimosa, sodass die Strophe Huic ergo ohne den notwendigen Vorder- 
satz dasteht), sondern auch deutlich wiedergegeben ist. Die Führung der zwei Sing- 
stimmen ist meist diatonisch (beim de ore im Offertorium wird es sich empfehlen, den 
Sopran bei der Silbe o - d statt c singen zu lassen ; im zweiten Satz der Sequenz wirkt 
der Tritonus h f unangenehm), die Orgelbegleitung bewegt sich in modernen Geleisen, 
ist jedoch edel, mittelschwer und an vielen Stellen mit überraschenden Akkordwendungen 
ausgestattet. Bei feinem Vortrage und guter Registrierung (Pedal ist nirgends ange- 
geben und auch entbehrlich) wird dieses Bequiem tiefen Eindruck machen; es unter- 
scheidet sich vorteilhajft von den sogenannten leichten Landrequiem. 

2. Op. 31 ist als „zweite Messe für S. und A. mit Orgelbegl." betitelt.*) Auch in 
dieser Messe ist der moderne Stil vertreten, besonders bei Behandlung der Orgelstimme, 
die ebenfalls ohne Pedalangabe geblieben ist. Die Führung der zwei Singstimmen ist 
eine gewandte und selbständige, nur einige Male sind sie im Einklang, oder homophon 
gehalten. Die Behandlung der Orgelstimme ist modulatorisch reich und farbensatt. Gutge- 
schulten, modern gebildeten Chören wird die nicht schwierige Messe willkommen sein. ^) 

3. Ein grosses, in modernem Trauergewande auftretendes Werk ist ein Requiem 
für 5 gem. Stimmen, Op. 43.*) Als 5. Stimme ist Bariton eingefügt, überdies werden 
an manchen Stellen die Einzelstimmen geteilt, um grössere harmonische Effekte zu er- 
zielen. Ein Vergleich mit den bisher bekannten Bequiemkompositionen ist unzulässig, 
denn dieses Op. 43 ist einstweilen ein Unikum. Referent anerkennt die reiche Phantasie, 
den Ernst der Motive, die Innigkeit der Cantilene in jeder Stimme, den Ausdruck in 
der Behandlung des liturgischen Textes, den ausserordentlichen Wohlklang an Stellen, 
welche durch dissonierende, vor- oder nachgehaltene Töne oder durch chromatische Ein- 
schaltungen nicht alteriert sind, zweifelt jedoch an der Geduld unserer Chorregenten 
und Sänger, welche ernstliche und eindringliche Proben abhalten müssen, um den In- 
tentionen des Komponisten gerecht zu werden und das mit hohem Ernste und tiefer 
Ergriffenheit entworfene und durchgeführte Werk oline irgendwelche instrumentale Stütze 
zu vollendetem Vortrag zu bringen. Diese Totenmesse fordert einen nach Menge und 
Qualität des Stimmenmaterials tüchtig geschulten Sängerchor, sowie^ungewöhnliche Auf- 
fassungskraft des Dirigenten für Tempomodifikationen und beim Eintritt enharmonischer 
Verw^hselungen (siehe besonders die letzten Takte des dritten Agnus Dei), Durch 
einfachere Mittel konnten grössere Wirkungen erzielt werden, denn bei Kompositionen 
für die Kirche haben subjektive Stimmungen nicht jene Berechtigung, welche ihnen im 

^) Im Responsorium Lihera fehlt An|B:abe der Wiederholung ,von Libera bis f. Tremens, sowie 
Kyrie mit Christe und Kyrie. 

*) Op. 13 und 31 sind bei A. Böhm & Sohn in Augsburg, ohne Angabe des Jahres, erschienen. 
Die Part, des Requiem kostet 2 Ji 60 ^, St. ä 50; Part, von Op. 31 2 ^, St. d, 40 ^. 

^) Dass der Querstand Es-dur A-dur im 4. Takt des Agnus Dei und ähnliche Dissonanzen, be- 
sonders im Oredo, nicht nach jedermanns Geschmack sind, glaubt Referent betonen zu sollen, besonders 
wenn der Organist auf Registrierung keine oder geringe Sorgfalt verwendet. 

^) Diese Missa pro Defunctis hat der Komponist seinem f Vater, Jos. Renner sen., gewidmet. 
Part. 1 Jt 60 ^, St. ä 30 /3). T. genau, nur im Libera fehlt Angabe der Wiederholung yon Libera^ 
sowie ^/rie, Christe, Kyrie. 



-t3 lOS Bh 

Oratorium gerne zugestanden werden. Wenn auch der moderne Stil von der Kirche 
nicht ausgeschlossen und von der kirchlichen Autorität nicht verboten ist, so muss im 
Interesse einer gesunden Entwickelung unserer EirchengesangschOre dafür gesorgt 
werden, dass sie nicht in dunkle Gebiete und unwirtsame Begionen gefittirt werden, 
die dem Canon jeder kathol. Kirchenmusik, dem gregorianischen Choral, so ferne liegen, 
dass sie nur den liturgischen Text gemeinsam haben, ausserdem aber äusserst wenige 
Berührungspunkte aufweisen. 

Sechs Vesperhymnen für Männerstimmen (4 st.) von Jos. Sf hilf eis sii^d einfach, 
strophenartig komponiert und können bei Vespern oder Nachmittagsandachten auch 
schwächeren Männerchören empfohlen werden. Bei jedem Hymnus sind sämtliche 
Strophen unterlegt und die treffenden Versikel angefügt. Die Deklamation ist richtig, 
nur musste im Ave maris steUa statt manstrate die Trennung der beiden Wörter so 
eingerichtet werden, dass dem te eine grössere Betonung gegeben werden kann. Auch 
befriediget das Amen dieser Nummer in keiner Weise, da ihm der Charakter einer 
Cadenz fehlt. Bei Veni Creator hätte die letzte Strophe zum Gebrauche ausserhalb 
der österlichen Zeit beigefügt werden können. 

Eine Votivvesper zum allerheiligsten Altarssakrament komponierte derselbe 

Autor*) für 4 Männerstimmen mit Detis in adjutorium, den harmonisierten Antiphonen 
zu den Psalmen und den beiden Magnificat, und unter Einschaltung falsibordoniartiger, 
nur je 2 Takte bei Mediatio und Finalis zählender Cadenzen. Die Komposition nimmt 
auf die schwächsten Männerchöre Rücksicht, beim Hymnus wechselt die Choralmelodie 
mit einem ganz leichten 4 st. Satz ab ; am Schluss der Vesper sind die vier marianischen 
Antiphonen ebenfalls in ganz anspruchslosem, jedoch würdigem Tonsatz angefügt. 

Diese vier Antiphonen sind als Op. 18 a beim gleichen Verleger (Part. 75 /^, bei 
10 Exempl. k 50 ^) auch in Einzelabdruck erschienen. 

H. Srhmldtkonz ^ komponierte über die Motive des Tractus Veni spansa Christi 
eine Messe für 4 Männerstimmen mit Orgelbegleitung, die den Titel „Missa Veni sponsa 
Christi** trägt. Die sieben benutzten und in den verschiedensten Wendungen bearbeiteten 
Themen sind in einer Vorbemerkung aufgeziQilt und in der Partitur bei jedem Er- 
scheinen mit römischen Ziffern angedeutet. Trotz dieser strengen, vor Abirrungen der 
Phantasie trefflich bewahrenden und die Stileinheit fördernden Disposition ist der ge- 
wandte Eontrapunktiker nirgends dem blossen Ton- und Formenspiel unterlegen und 
wusste durch eine belebende, öfters auch selbständig eingreifende Orgelbegleitung Ab- 
wechselung zu schaffen. Die vier Männerstimmen bewegen sich selbständig und in so 
bequemer Lage, dass keiner derselben eine Überanstrengung ausserhalb des natürlichen 
Tonumfanges zugemutet wird. In der Orgelstimme muss beim Credo S. 16 der D-moll- 
Akkord (also a statt b) genommen werden. Die Messe sei den Männerchören besonders 
in Seminarien und Anstalten zum Studium und zur Auffühiiing aufs Beste empfohlen. 

Eine Messe von J. Slnxenberger ^) zu Ehren der hl. Familie für 3 Oberstimmen 
(2 S. u. A.) mit Orgelbegl. wird als Ausgabe B bezeichnet. Sie eignet sich trefflich 
für Frauenchöre, klingt frisch und abwechselungsreich, und stellt an den Organisten 
nur bescheidene Ansprüche, ohne in Monotonie zu verfallen. 

Die lauretanische Litanei von Jar. Strobel/) welche die 1. und 2. Musikbeilage 
des laufenden Jahrgangs unseres Vereinsorgans gebildet hat, ist mit einem Fange lingua 
(erste, vorletzte und letzte Strophe) auch in Einzelabdruck erschienen. Sie ist für 
4 St. gem. Chor mit Orgelbegleitung, sehr fasslich, von geringem Stimmumfang und im 
mannigfaltigen Wechsel der Anrufungen und Antworten geschrieben. Im Maimonat 

') Op. 20. Part. 80 ^, bei Bczuf^ von wenigHtcn» 4 Exemplaren ä 50 /^, Stimmen sind nicht 
orschienen. Kegensburgr, Feuchtinger & Gleichauf, ohne Jahr. Die Texte sind Jesu Bedemptor, Veni 
(Veator, Fange lingua, Placare Christe, Ave maris steUa und Oodestis urbs. 

^^ Op. 18. L. Schwann in Düsseldorf. Part. 2 M, von 10 Exemplaren ab je 1 ^ 60 /^, also 
ohne Einzelstimmen. T. genau, ohne J. 

*) Pustet in Ref^ensburg. Part. 1 j^ 40 ^, St. ä 15 ^. T. genau, mit J. 

*) Regensburg, Pr. Pustet. Part. 1 .11 20 J>, St. k 15 ;^. T. genau, m. J. 

') Op. 42. Fr. Pustet in Regensburg. Part. 60 ^, St. & 10 ^, T. genau, m. J. 



möge sie recht viele Aufführungen erleben; auch schwächeren Chören ist sie sehr zu 
empfehlen. 

Einen neuartigen, jedoch ernst-feierlichen und würdigen Eindruck wird die Missa 
choralis in hon. S. Sebastiani für gem. Chor mit Orgelbegl. und 3 Posaunen, oder Orgel 
allein, von Carl Thiel erzielen. Frei erfundene, mensurierte und an syllabische Choral- 
ges&nge erinnernde Motive treten als Unisoni der unter- und Oberstimmen auf und 
erscheinen in modemer und reicher Harmonisierung auch in 4 stimm, gem. Chor. Die 
Orgelbegleitung ist äusserst prunkvoll und modulatorisch sehr mannigfaltig ausgestattet ; 
zu den 3 Posaunen, welche sicher ausserordentlichen Glanz verleihen werden, kann 
man nur raten, wenn sehr diskrete, tüchtige und rhythmisch dem Gesänge sich eng 
anschmiegende Bläser zur Verfügung stehen. Was auf harmonischem Wege und durch 
schwungvolle, in grossen Intervallsdiritten sich bewegende Melodien erreichbar ist, hat 
der phantasievolle Komponist erschöpft. Das deklamatorische Pathos wird auf das 
höchste gespannt, und an Überraschungen und dramatischen Wirkungen fehlt es nicht. 
Der liturgische Text ist in das farbensatteste Eleid gehüllt, ohne dessen Eindringlich- 
keit und Verständlichkeit wesentlich zu beeinträchtigen. 

Zu Ehren des hl. Erzengels Michael schrieb Aug. Wlltberger eine Messe (Op. 74) 
für zwei Männerst. mit Orgel,') deren praktische Brauchbarkeit betont werden muss. 
Die kurzen Motive sind schön imitiert, die Sanglichkeit der Cantilenen ist eine vorzüg- 
liche, die Orgelbegleitung eine selbständige, den Textausdruck erhöhend und belebend. 
Sdche Messen sind besonders jenen jugendlichen Männerchören dringend zu empfehlen, 
welche ihre mangelhaften oder unfert^en Stimmittel gerne mit mehrstimm. Kompositionen 
von grösserer Anlage vergeuden und dadurch ihren Stimmorganen und den Kompo- 
sitionen mehr Schaden zufügen, als sie glauben wollen. F. X. H. 



Kirohenmusikalisclie Aufführungen und Berichte. 

Nachfolgende Einseudangeu sind ein erfreulicher Beweis, dass die Charwoche vielen Chören 
Veranlassung gegeben hat, das kirchenmusikalische Pro^mm gediegener und reicher zu gestalten« 
und besonders Werken älteren oder strengeren Stiles sich zuzuwenden. 

A Eirchenmusikalisches Programm des Fttnfkirchner Domchores für die Charwoche 1898. 
Palmsonntag: Ecce sacerdoa, 6st. lOonst. Porta. Gesänge der Palmweihe: Choral; Respons. In monte 
Oliveii, Cum Angdia und Inaredimte, 4 st. von M. HaUer. Missa choraliter, Passion 4 st von Suriano. 
Offertorinm: Improperiwmy Ist. von Orl. di Lasso. — Mittwoch zur Matutin: 9 Responsorien von 
Mitterer. Christus f actus est, 2 chörig von M. Haller. Miserere, 4 u. 5 st. Allegri. — Gründonnerstag: 
Ecce sacerdos, 6 st. von Thielen. Missa choraliter. Qloria aus Palestrinas „ Missa Papae Marcelli*^ 6 st., 
Grad. Christus f actus est, 2 chörig von M. Haller. Offert. Dextera Domini, 4 st. von Orl. di Lasso. Zur 
Communion Lauda Sion, 4 st. — Fange linaua, 4 st. von Haller. — Zur Fusswaschuug: Mandatum 
novum, 4Bt. von J. G. Mettenleiter. — Zur Matutin: 9 Responsorien, 4 st. von Haller. Christus /actus 
est und Misttrere von Fr. Anerio. — Charfreitag. Passion 4 st von Suriano. Improperien 2 chörig 
von Palestrina. Zur Prozession: VeodUa reois, 68t von Mettenleiter. Zur 2. Prozession: Jesu dulcis 
amor, 48t von Haller. — Zur Matutin: 9 Responsorien, 4 st. von Haller. Christus /actus est 48t. von 
Mitterer. — Miserere 4- und öst von Palestrina. — Charsamstag: Missa: choraliter, Gloria aus 
der Missa „De Immac. Conc. B. M. V." von Quadflieg 2 st mit Orgel. — Ps. Laudate Bonünum und 
Magnificat, 48t von Caes. de Zachariis. Zur Auferstehung: Exsurge, 4 st. von 1. Glatt. Regina coeli, 
4 st von Suriano. Tantum er^ — Qenitori, 4 st. von L. Vittoria. — Ostersonntag: Ecce sacerdos^ 
6 st von M. Haller. Missa ,^aj[)ae Marcelli", 6 st. von Palestrina. Offert. Terra trcmuit, 48t. von 
M. Haller. Intr., Grad., Sequentia, Communio: Choral. Die Vesper mit 4st Falsibordoni. — Oster- 
montag: Missa „Octavi Toni" ost von Jo. Croce. Offert. Ängdus Domini 5st Palestrina. Alles 
übrige resp. wie am Ostersonntag. Ignaz Glatt, Domkapellmeister in Fiinfkirchen. 

Cädlienverein GrasUtz (Böhmen). Von diesem Verein wurde in letzter Zeit aufgeführt: 
Am Palmsonntag zur Palmenweihe Antiphonen, Resi^onsorien und Gloria Laus im Choral nach 
liturgischer Vorschrift. Während des Hochamtes: Introitus und Communio Choral, Chrdo I, Choral. 
Die übriffen Gesänge u. zwar: Kvrie, Sanctus, Benedictus und Agnus für 4 gem. Stimmen aus Missa 
St. Fidelis von J. B. Molitor. Offertorinm: Improperium von Dr. F. Witt, für 4 gem. Stimmen. 
Passion nach St. Matthäus liturgisch bearbeitet für Solo und 4 st. gemischten Chor von Jos. Wer- 

') Dieses Op. 18 ist dem neuen Propst bei St Hedwig in Berlin, C. Neuber („dem hochverdienten 
Förderer kirchlicher Liturgie und Musik'O gewidmet. L. Schwann in Düsseldorf. Part, l Ji SO .^. 
St & 15 /^, die Posaunenstimmen sind in Abschrift zu beziehen. T. genau, ohne J. 

') Part. 2 ^, St* ä 80 ^. L. Schwann, Dttsseidorfl T. genau, ohne Jahr. 



H3 105 &- 

liczek. Sämtliche Nummern ohne Orgelbegleitang dirigierte Herr Regenschori Johann Sturm. Am 
Gründonnerstag ohne Orgelbegleitang. Missa in fefitis solemnibns Choral. Graduale; Ch-istus 
/actus, für 4 gemiscnte Stimmen von Johann Sturm. Credo I Choral. Offertorinm: Dextera Domini, 
für 4 gemischte Stimmen von Johann Sturm. Zur Prozession Fange lingua» Choral. Am Char- 
frei tag L Tractns Domine audivi, Choral. Passion nach St. Johannes liturgisch bearbeitet für Soli 
und 48t gemischten Chor von Jos. Worliczek. Popide weus, für 4 gemischte Stimmen von Vittoria. 
VeariOa regü, für 4 gemischte Stimmen von Joh. Sturm. Ecce qitomodo für 4 gemischte Stimmen von 
J. Handl. Charsamstag: Bei den verschiedenen Weihen alles Choral, besonders erwähne des 
herrlichen Gesanges Exultet, welchen hochw. Herr Kaplan Anton Schicker, zugleich Dirigent Stell- 
vertreter des C. V'., in einer hier noch nie gehörten Vollkommenheit sang. Zum Hochamte : Kyrii» 
Choral. Alles übrige für 4 gemischte Stimmen aus einer Messe von Scnöpf. Zur Auferstehungs- 
feier: Te Deum für 4 gemischte Stimmen mit Orchesterbegleitung von Schöpf. Reaina codi für 4 ge- 
mischte Stimmen mit Orchester von Johann Sturm. Tantum ergo für 4 gemischte Stimmen mit 
Orgelbegleitung von Traumihler. — Am Ostersonntag: Vidi aquam, Choral. Introitus, Seouenz 
und Communio, Choral. Messe für 4 gemischte Stimmen, Orchester und Orgel von Wienand Nick, 
opus 8. Graduale für 4 gemischte Stimmen von C. A. Leitner. Offertorinm Terra tremuif, für 4 ge- 
mischte Stimmen und Orchester von J. Gruber. Fange lingva, 4 st. von J. Mohr. Nachmittag 
liturgische Vesper von J. B. Molitor, 4 st. falsibordoni. Haec dies, 48t von C. Ett. Regina cotli, 
48t von Jos. Schulz. Fange linmia, 4st Ostermontag: Direktion Chormeisterstellvertreter 
Hochw. Herr Kaplan Anton Schicker. Orgel: Herr Regenschori Joh. Sturm. Introitus und Com- 
munio, Choral. Missa „St Luciae" für 48t. gemischten Chor mit Orchester und Orgelbegleitung 
von Dr. Fr. X. Witt. Graduale: Haec dies 48t. von C. A. Leitner. Offertorinm : Angelu» Domini, 
48t. mit Orchester und Orgelbegleitung von Gruber. Fange lingua von Litterscheid. Nachmittag: 
Litanei von M. Mosmair 4 st J&gina codi von Ad. Kaim. 4 st G. 

X Programm für die Aufführungen des Chores der St. Jakobs-Stadt^farrkirche zu Innsbruck 
während der Char- und Osterwoche 1®8. Palmsonntag: Zur Palm weihe: Hosanna Filio David, 
In monte diveti, Sanctus mit Benedictus und Fueri Hd»-aeorum, 4 st. von M. Haller, Op. 45b. Zur 
Prozession: Ante sex dies und Ingrediente Domino, 4 st von Ig. Mitterer. Zum Hochamte: Missa 
sacf-um contnvium, 5 st von G. P. da Palestrina. Graduale TentUsti manumj 4 st. von lg. Mitterer. 
Offertorinm Improperium exspectavit, 5 st von G. P. da Palestrina. Passio nach Matthäus. 48t. von 
Francesco Soriano. Asperges, Introitus , Communio etc. choral. — Abends 5 Uhr zur Rbsenkranz- 
Bruderschaftsandacht: Magnificat, V toni und Tantum ergo, 5 st. von Ig. Mitterer. — Zur Trauer- 
mette am Mittwoch, Donnerstag und Freitag der Charwoche: Lamentationen für 4 Mänuerst 
von J. Kerer, 27 Responsorieu, 4 st. von Ig. Mitterer, Benedictus und Christus /actus est, für 4 Männerst. 
von M. Haag. — Gründonnerstag: Missa de Ascensione Domini, 5 st von lg. Mitterer. Gloria 
aus der Missa in hon. S. Antonii, 4 st. mit obl. Or^elbegl. von P. Piel. Graduale Christus /actus 
est, 4 st von G. M. Asola. Offertorinm Dextera Domim, 4 st. von Orlando di Lasso. Zur Kommunion 
der Priester Coenantihus Ulis, 6 st Motett von M. Haller. Während der Prozession Tange lingua, 
in E-dur, 4 st von M. Haller. -- Char fr ei tag: Passio nach Johannes 48t von Soriano. Impro- 
perien für 4 st. Doppelchor von G. Bemabei. Hymnus Vexüla regis, 5 st. von M. Haller. ^ur 
Prozession: Tenebrae, 4 8t von P. H. Thielen. -• Abends Grabmusik: Stabat mater, für gem. Chor, 
Soli. Streichquintett, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotttr. 2 Homer und Bassposaune von Jos. Rliein- 
berger, Op. 16. — Charsamstag: Die Gesänge bis inklusive der Allerheiligen - Litanei Choral. 
Kyrie choral. Oloria, Sanctus und Senedictus aus der Missa in hon, S. Mathiae Ap., 4 8t mit oblig. 
Orgelbegl. von P. Piel. Graduale Conßtemini, und Tractns Laudate Dominum, 4 nt. von lg. Mitterer. 
Magnificat, VIII. toni, 5 st. von L. Viadana. — Abends: Auferstehungslied und Tc Deum, für gem. 
Chor, Streichquintett, 2 Klarinetten. 2 Hörner. 2 Trompeten und Posaune von lg. Mitterer. Tantum 
ergo und Genitori, für gem. Chor, Streichquintett, 2 Klarinett^en. 2 Hörner, 2 Trompeten und Posaune 
von Ig. Mitt-erer. Op. 80 Nr. 1 (XII. Tantum ergo, Joh. Gross). — Ostersonntag: Missa in hon. 
S. Joseph und Offertorinm Terra tremuit, für gem. Chor, Streichquintett, Flöte, 2 Klarinetten, 
2 Hörner. 2 Trompeten und 3 Posaunen von Karl Greith. Sequenz Victimae pasvhali, 4 st von 
lg. Mitterer. Introitus und Communio choral. — Abends: Lauretanische Litanei für gem. Chor, 
Streichouiutett , 2 Klarinetten, 2 Homer und 2 Trompeten von Karl Greith. Te Deum, für gem. 
Chor, Streichqnintett, 2 Klarinetten, 2 Homer und 2 Trompeten von Horak - Brosig. Tantum ergo 
und Genitori fiir gem. ('hör, Streichquartett, 2 Klarinetten, 2 Homer, 2 Trompeten und Posaune von 
Ig. Mitterer, Op. 80. Nr. 6. — Ostermontag: Missa in Es und ()ffertorium Angdus Domini, für 
gem. ('bor, Streichqnintett, 2 Klarinetten, 2 Fagott, 2 Höraer, 2 Trompeten und 2 Posaunen von 
Max Filke. Sequenz wie oben. Introitus und Communio choral. Abends: Hymnus Jesu rea- 




Introitus, Seonenz und Communio choral. -— Abends: Jesti dulcis memoria, für gem. ('hör. Streich- 
quintett. 2 Klarinetten und 2 Hörner von Ig. Mitterer. Te Deum, für gem. Chor, Streicliquartett. 
2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Trompeten und Posaune von J. Gmber. Tantum ergo und Genitori, für 
gem. Chor. Streichqnintett 2 Klannetten, 2 Hörner, 2 Trompeten und Bassposaune von Ig. Mitterer. 
Op. 80. Nr. 5. 

'^ Redemptoristenkirche in Mautern. Obersteiermark. Aufführungen vom Palmsonntag bis 
zum weissen Sonntag. Palmsonntag. Palmweihe: ganz choraliter. Messe: Aßtema Christi munera 



von Palestrina, für Alt und 3 Männerstimmen edidit Haberl. Grad, choraliter; Off. rezitiert, dann: 
Exaudi Dens von Giovanni Croce. ~ PassioO Turba der ganze ('hör choraUter. Nachmittag: 
vor der Predigt: Omnes (tmici dereliquerunt me von Palestrina: nach der Predigt: Adoramus te Chrüte 
von Aichinger. Mittwoch und an den 2 folgenaen Tagen, Landes choraliter. Lamentationen von 
Stehle, Mkerere von Witt.^ — Gründonnerstag. Messe von Singenberger SS. Cordis Jesu. Grad. 
Chriatits /actus est von Witt, Off. Coenantibus Ulis von Haller, 58t. Zur Fusswaschung: Domine tu 
mihi lavas pedes, Ubi charitas, choraliter. — Char fr ei tag. Alles choraliter. Tractus, Improperia, 
VexiUa. Passio von Suriano. Bei der Übertragung des Allerheiligsten zum hl. Grabe: Ecce quo- 
modo moritur justm von Handl. Abends vor der Predigt: Stabat mater, 8 st. von Palestrina; nach 
der Predigt: Popule meus von Vittoria. — Charsamstag. Bei der Übertragung des Allerheiligsten, 
Septdio Domino signatum est monumentum von Handl. Das übrige alles choraliter. Missa; Kyrie: 
de S. Cruce von Mitterer, Gloria, 'Sanctus, Benedictus aus der Messe Salve resina von Stehle. 
Auferstehung. Bei der Prozession: Freu dich erlöste Christenheit, aus dem Diözesangesangs- 
buche „Hosanna^^ Te Deum von Witt, C-moll, mit Instrumenten, Regina coeli von Piel, 8 st. — 
Ostersonntag. I. Amt. Messe: Eorultet von Witt. Einlagen Choral. U. Amt. Messe S. Luciae 
von Witt. Grad. Dies sanct^catus von Giov. Croce, Oflf. Äudujd von Handl. Nachmittag, Vesper, 
alles choraliter. — Ostermontag. Amt. Missa papae Marcelli, 6 st. von Palestrina. Grad. Mate 
dies von Ingegneri aus Mus. s. No. 7. ') Off. Ängdus autem von Anerio. Nachmittag, Litanei von 
Auer, 5st., Kegina coeli von Witt — Weisser Sonntag. Vorabend: Litanei von Orlando Lasso, 
58t. Ke^a coeli von Piel, 28t. Amt: Missa L sexti toni von Giov. Croce, 5 st., Grad. Haec dies 
von Thielen. Off. An^elus autem Domini von Anerio. Nachmittag. Litanei von Witt (A-dur) 
Regina coeli von Lotti. Dazu verschiedene Tantum ergo von Haller, Mitterer, Jaspers, Witt, 
Palestrina. P. Gottlieb Matejic, C. 8s. R. 

D Der Nensatzer Pfarr-Cäcilien- Verein. Es ist allgemein bekannt, dass der hiesige Kirchen- 
chor schon seit Jahren mit dem schönsten Erfolge gewirkt und während dieser Zeit solch klassische 
Werke berühmter Meister zur Aufführung brachte, welche selbst einem grösseren Domchore zur 
Ehre gereicht hätten. 

Um noch intensiver im Dienste des Herrn — und zu seiner grösseren Ehre zu sein, wird sich 
der Kirchenchor unter dem Namen „Nensatzer Pfarr-Cäcilien- Verein" zu einem Vereine konstituieren. 
Dieser Verein bildet eine Filiale des „üng. Landes-Cäcilien- Vereins", welcher unter dem Protektorate 
Seiner Eminenz des hochwürdigsten Kardinals und Fürst-Primas von Ungarn steht. 

Ehrenpräses des „N. Pf.-C.-V." ist der hierortige hochw. Herr Abt-Pfarrer. Ferner wird 
Se. Excellenz unser hochwürdigster Herr Erzbischof ehrfurchtsvoll ersucht, da^ Protektorat dieses 
Pf.-C.-Vereines gnädigst anzunenmen. 

Wir haben grosse Hoffnung, dass S. Excellenz das Protektorat anzunehmen geruhen wird, 
da er in seinem Rundschreiben vom 11. März 1898 die Bildung der Pfarr-Cäcilien- Vereine sowohl 
in seiner Residenzstadt, als auch in den grösseren Pfarrg;emeinaen warm empfahl. 

Schon in der Generalversammlung der hiesigen Kirchenrepräsentanz vom 29. Dezember 1897 
wurde beschlossen, einen Pfan'-Cäcilien- Verein zu gründen. Noch an diesem Tage gaben 21 Herren 
ihre Unterschrift, dass sie mit dem Beitrage von jährlich 2 Kronen als unterstützende Mitglieder 
in den „N. Pf.-C.-V." eintreten. Der Grundstein ward hiemit gelegt. Bald darauf, am 6. Jänner 1898, 
erging ein Aufruf an das röm.-kath. Publikum, es möge je zalilrdcher in den Verein eintreten. 

Der Erfolg war glänzend, drei beständige, (welche ein- und allemal 40 Kronen in den Verein 
einzahlen), und 102 unterstützende Mitglieder zählt bisher der Verein. Unter den letzteren gibt 
es auch solche, welche den Verein mit einer jährlichen Taxe von 4—10 Kronen unterstützen. 

Das eingeflossene Geld dient: 1. zur Anschaffung von Musikalien; 2. zur Bezahlung der Militär- 
Kapelle bei kirchenmusikalischen Aufführungen. 

Zugleich wird das röm.-kath. Publikum ersucht, es mös^e als unterstützende Mitglieder in den 
Verein eintreten. Melden kann man sich bei jedem aktiven Mitgliede, deren der Verein 32 zählt. 

Es wird auch je eher eine konstituiejeude Generalversammlung abgehalten, bei welcher alles 
andere näher besprochen wird. — 

Und nun folge das Osterprogramm des „Neusatzer Pfarr-Cäcilien-Vereines"* : Ostersonntag, 
den 10. April. Um halb 10 Uhr Predigt. Um 10 Uhr: PontifikaJamt. Missa in hon. B. M. V. 48t. 
mit Orchester von M. Filke. GradusJe: Haec dies, V. Confitemini, 48t. von Leitner. Offertorium: 
Tefra tremuit, 4 st. mit Orchester von M. Filke. — Ostermontag, den 11. April ein feierlicher 
Dankgottesdienst. Um 10 Uhr: Pontitikalamt, dem ein Te Deum vorausgeht. St. Kassiansmesse, 



^) Schade, dass die herrlichen, verheissenen Passionschöre, von denen ein Teil in der M^is. a. 1891 
veröffentlicht wurde (sec. Lucam), noch nicht erschienen sind. (Sie wären erschienen, wenn schon vor 
7 Jahren irgend eine Stimme nach denselben verlangt hätte. Vielleicht können sie im nächsten Jahre 
den Inhalt eines Heftes vom Repcrtorium Musicae sacrae bilden. D. B.) 

^) Die schönen Lamentationen von Nanino sind nicht vollständig, was den Text betrifft, und es 
müssten demnach die Priester die Lamentationen nachbeten; deswegen konnten wir sie nicht auffuhren. 
(Dieser Defekt trifft bei sämtlichen Lamentationen der alten Meister zu. Da auch coram summoPontifice 
vor 1870 nur diejenigen Texte gesungen wurden, welche AUegri, Palestrina, Vittoria, u. s. w. komponiert, 
hatten, so darf eine stillschweigende Zustimmung des kirchlichen Oberhauptes bei Abkürzung der Lamen- 
tationentexte angenommen werden. Die heutige Praxis in Rom handelt ebenso. D. R.) 

*) Wahrhait ein herrliches und frisches Motett. 



48t. mit Orehester von ZangL Gradaale: Eaec dies, V. Dicat nimc, 4 st. von Leitner. Offertorinm: 
Äng^u8 Domini, 4Ht. von Stehle. 

Padaa. Unter Leitung des neuen Kapelhneisters Oreste Bavauello wurden von der 
Kapelle an der Basilika des hl. Antonius nachfolgende Werke vorgetragen: 

3. Ajpril. Palmsonntag: Pueri Hebraeorum, für 4 gleiche Stimmen von Palestrina. Gloria, 
laus, Introit., Credo und Communio, gregorian. Graduale und Tractn», 3 st. in falsobordone von 
Tebaldini. Passio, 4 st. von F. Suriano. jKyrie, Sanctus, Agnus Dei, aus der 3 st. Messe von A. Lotti. 
Nachmittags am 3. und 5. Aprü: Fange lingua, 48t. von C. P. Colonna. Zum Completorium : Te 
iMcis, 4 8t. von G. Tebaldini. Tantum ergo, 4 8t. von 0. Eavanello. — 6. April. Mittwoch: Die 
Responsorien für 3 gl. St. von einem unbekannten Autor des 17. Jahrh. IX. Kesponsor. für 3 gl. 8t. 
von C. Grassi. Benmictus, 4 st. von Palestrina. Miserere, 4 st. von 0. Eavanello. — 7. April. Grün- 
donnerstag: Introitus, Grad., Offert, und Commnnio, in falsobordone und Choral. Kyrie, Oloria, 
4 St. von Td)aldlni. Sanctus, Agnus Dei^ 4 st. aus der Messe Aeterno Christi munera, von Palestrina. 
Die Eesponsorien für 3 gl. St. von Autor Ignotus (1600). IX. Eesponsor., 4 st. von L. Bottazzo. - 
Benedictus, 4 8t. von Psüestrina. Miserere, 4 st. von 0. Ravanello. — 8. April. Charfreitag: Tractus, 

3 gl. St. von Tebaldini. Passion, 4 8t. von Vittoria. Improperien, 48t von Bemabei. Die Respon- 
sorien far 3 gl. St. von Auetor Ignotus (1600). IX. Eesponsoriiim von M. A. Ingegneri. Benedwtus, 

4 5t von Palestrina. Miserere, ist von 0. Ravanello. — 9. April. Charsamstag: Kyrie, 3 st von 
Singenberger. Gloria, 48t. mit Org. von Tebaldini. Tractus, AUdt^ja, Vesper, Choral. Laudate 
Dominum, 2 st von Haller. Magnificat, 48t von Piel. — 10. April. Ostersonntag: Introitus und 
Sequenz, Choral. Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Bei, Messe zu Ehren des hl. Joseph, für gem. 
4 st Chor mit Orgel von 0. Ravanello. Graduale, 4 st von L. Bottazzo. Offertorium, 4 st von 
Greith. Communio, 4st. von L. Bottazzo. Diadt Dominus, 4 st von 0. Ravanello. Co^/itebor, 4 st. 
falsobordone von Viadana. Beatus vir., 4 st. falsobordone von F. Carole Andrea, Laudate pueri, 
48t von 0. Ravanello. In eaitu Israel, gregor. Choral. Magnificat, 4 st. von 0. di Lasso. Regina 
codi, 4 st von A. Lotti. 

ö Eirchenmusikaufführungen in der hohen Domkirche zu Passau vom Aschermittwoch, 
den 23. Febr. bis Ostermontag, den 11. April. 23. Febr. Aschermittwoch. Missa: L'hora passa, 
4 voc. Yiadana. Offert, a) de cRe, Choral, b) Eacaudi Deus und Voce mea, 4 voc. Croce. 24.Tebr. 
Donnerstagamt: Missa de Apostolis, 5 voc. Mitterer. Offert. Constitues, 2 voc. cum org. Monar. 
27. Febr. Dom. I. Quadr. Missa in Amoll, 4 voc. Canniciari. Offert. Scapulis suis, 4 voc, Witt.- 
3. März. Donnersta^amt Missa Vn., 4 voc. Haller. Offert. Aferentur, 4 voc, Mitterer. 6. März, 
Dom. n. Quadr. Missa -Sine nomine**, 4 voc. Viadana. Offert Meditabor, 8 voc. Ebner. 10. März. 
Donnerstagamt Missa Ivb., 4 voc cum org^ HaJler. Offert. Laelamini, a) 4 voc, Witt, b) 2 voc 
cum org.. Ebner. 12. März. PontiÜkalamt Ecce sacerdos, 5 voc, Thielen. Missa in h. s. Raphaelis 
Ardi., 5 voc, Witt Offert, a) de Missa Benedictus sit Deus, 4 voc, Mettenleiter, b) Benedictus es, 
8 voc, Ett. Te Deum, 5 voc. cum org., Auer. 13. März. Dom. 111. Qua^. Missa Aetema Christi 
munera, 4 voc, Palestrina. Offert. Justitiae Domini, 4 voc, Witt. 15. März. Missa de Requiem, 
4 voc, Löhle. 17. März. Donnerstagamt. Missa VIb., 3 voc ae^u. cum org.. Haller. Offert. Inveni 
David, 2 voc. cum org., Schildknecht. 19. März. S. Joseph. Missa in h. B. M. V., 5 voc. Haller. 
Offert. Veritas, 5 voc, Mitterer. 20. März. Dom. IV. Quadr. Missa. in hon. s. Luciae, 4 voc. cum 
org., Witt. Offert. Laudate Dom., 8 voc, Ett 24. März. Donnerstagamt. Missa Exuttet, 4 voc. 
cum org., Witt. Offert, a) de Missa Choral, b) Ave verum, 4 voc. Mozart. 25. März. Annuntiatio 
B. M. V. Missa in hon. s. HieronvmL 7 voc, Ahle. Offert. Ave Maria, 5 voc. Haller. 27. März. 
Dom. V. Quadr. Missa n. 4 voc, L. Hasler. Offert. CorMehor tibi, 4 voc, Orlando Lasso. 31. März. 
Donnerstagamt. Missa XIII., 4 voc, Haller. Offert. Calix bened., 2 voc cum org., Breitenbach. 

3. April. Dom. Palmarum: a) zur Palmenweihe: Osanna Füio David 4 st. von Michael Haller. 
In monte OHveti 4 st. von Giov. Croce; Sanctus"^ xmä. Benedictus 4 st. von Michael Haller. b) Zur 
Palmenausteilung: Fueri Hebraeorumy 4 st. von Palestrina. c)}Zilr Prozession: Cum Angdis et pu&ris, 
48t. von Michael Haller; Ingrediente Domino, 4 st. von Michael Haller. d) Zum Hocnamte: Missa 
tertia Vni. toni, 5 st von Giovanni Croce; Turbagesänge zur Passion, 4 st. von Francesco Soriano; 
Offertorium: Improperium exsvectavit, 5 st. von Palestrina. e) Zur Vesper: Hymnus Veocüla regis pro- 
deunt, 5 st. von Michael Hauer. Mc^ificat Vin/lj 4 st von Witt; Ave Begina coelorum, 8 st von 
Palestrina. Alle übrigen vorgeschriebenen hier nicht aufgeführten Gesänge werden im offiziellen 
romischen Chorale ausgeführt. Am Gründonnerstag: 1. Eoce sacerdos magnus, 6 st von CostanzoPorta ; 
2. Missa Iste Confessor, 4 st. von Palestrina; 3. Graduale Christus f actus est, 4 st von Matteo Asola; 

4. Offertorium Deoctera Domini, 48t von Orlando Lasso; 5. Zur Kommunion des Klerus: a) Respon- 
sorium: Coenantibus iüis, 6 st. von Haller: b) Ave verum corpus, 4 st. von Mozart; c) Responsonum: 
Misit me vivens Pater, 6 st von M. Haller. 6. Zur Prozession: Hymnus Fange lingua, 6 st. von 
P. Griesbacher. — Am Charfreitage: Turbagesänge zur Passion, 4st von Francesco Soriano; 
2. Improperien, 8 st von Palestrina-ßernabei ; 3. Hymnus Veocilla Begis prodeunt , 4 st von C. Ett, 
Strophe 6: crux avef und 7. Te fons salutis, 6 st von Orlando Lasso; 4. Zur Grablegungsprozession: 
Ecce qmmodo moritur justus, 48t. von Jak. Handl. — Am Charsamstage: 1. Zur Taufwasserweihe: 
Sicut cervus, 4 st von Witt; 2. Hochamte; Missa Exultet, 4 st mit Orgelbegleitung von Witt. — 
Versus Confitemini Domino und Traktus Laudate Dominum, 4 st. von Witt;1rsalmus Laudate Dominum, 
48t.; Canticum Magnificat, Ost. von Witt. Alle übrigen an den genannten 3 Tagen vorgeschriebenen, 
hier nicht aufgefohrten Gesänge werden im offiziellen römischen Choräle ausgeführt. Zur Aufer- 
stehung: 1. Te Deum, 5 st mit Begleitung der Orgel und eines Posaunenchores von Auer (Posaunen- 
chor von J. Weidner); 2. Responsorium: Aüelmja, 6st. von Tom. Lud. Vittoria; 3. Prozessionschor: 
Cum rex gloriae Christus, Ostermotett tür 4st gem. Chor, Orgel und Posaunen von M. Füke; 4. Tant^mi 



ergo, 5st. mit Orgel- und Posannenbegleitaiig von M. Haller. — Ostersonntag. Znm Pontifikal- 
amt: 1. Ecce meerdos magnus, 4 st. mit Orgelbegleitang von C. Greith; 2. Missa £cce ego Joamiea, 6 st. 
von Palestrina; 3. Gradaale Haec dies, 5 st. von P. Ortwein; 4. Sequenz: Victimae Paschali, choraliter; 

5. Offertorium: Terra tremuitj 48t. von Haller. Zur Vesper: Domine ad a^juvandum, 4 st von Tom. 
Lud. da Vittoiia; 2. Psalmi 109. HO, 111, 112 und 113 5 st. Falsibordoni von Lud. Viadana; 
3. Haec dies, 2chbrig von J. Handl; 4. Magnificat, 4 st. von A. Ebenberger; 5. Regina coeli, 2 chörig 
von P. Piel. — Ostermontag. Zum Hochamte: 1. Missa de Apostolis, öst. von I. Mitterer; 

2. Graduale Haec dies, 4 st. von M. Haller; 3. Offertorium: Angelus Domini, 4 st. von M. Hailer. Zur 
Vesper: 1. Haec dies, 4 st. von Wiltberger; 2. Magnificat, 4 st. Falsibordoni von Cäsar de Zachariis; 

3. Regina codi, 48t. von Leitner. Alle übrigen vorgeschriebenen hier nicht aufgeführten Gesänge 
werden im offiziellen römischen Choräle ausgeführt Clem. Bachstefel, Domkapellmeister. 

§ Ra£[asa. Die kirchenmnsikaüsche Bewegung macht hier infolge des Interesses, das unsere 
jungen Kleriker an gutem Eirchengesange nehmen, grosse Fortschritte seit zwei Jahren; leider 
kann von anderen Orten Dalmatiens eine ähnliche Osterbotschaft nicht verkündet werden. Wälu*end 
der Charwoche wurden aufgeführt die Passionsantworten nach Matthäus und Johannes für 4 gleiche 
Stimmen von Encrois (wer ist er? wo war er? D. R.). An jedem Tage des Triduum Sanctum 
sangen wir die 3 letzten Responsorien von M. A. Ingegneri, am Gründonnerstag auch das 5. (Ter^hrae), 
ferner Christus f actus est von Pitoni und das 4 st. Miserere von A. Lotti. Beim Pontifikalamt des 
Gründonnerstags kam die 2 st. Missa XU. von Haller mit dem Sanctu^s aus der Messe Aeter^ia Christi 
munera von Palestrina zum Vortrag, am Charfreitag sangen wir die Improperien von Vittoria. Am 
Osterfeste Kyrie von Lotti, Olof-ia und Credo von Ig. Mitterer, Sanctus von Palestrina und Agnus Dei 
von M. Haller. Zu grosser Ermutigung gereicht es uns, dass jene Personen, welche Anfangs einer 
Gesangsreform sehr feindlich gegenüberstanden, nunmehr vollständig für dieselbe gewonnen, ja 
begeistert sind, und dass einige Laien mit erbaulichem Mfer bei unseren Aufführungen durch ihre 
Stimmittel freiwillig mitgeholfen haben. Möge das Beispiel von Baffusa auch in anderen Städten 
Dalmatiens nachgeanmt werden. (Die Red. der Mus. 's, wünscht zu diesen ersten Erfolgen herzlich 
Glück, dankt für die Mitteilung und meldet dem freundlichen Einsender, dass die Sendung des 

Herrn Dubokovic befriedigt hat). 

-fr Salzbur^r. Domchor. Am Palmsonntag: Gesänge zur Palmweihe von Haller. Ursula- 
Messe von Haller. Gradualien und Tractus 2 chörige Falsibordoni im 4. Ton von Steph. Bemardi, 
Offertorium Improperium von Hdler. Zum Stundgebet Instiumental- Litanei in B von Carl Greith. 
Am Montag Instrumental-Litanei de Sacramento in Es von Carl Santner. — Am Montag u. Dienstag 
wurde nach der Nachmittagspredigt Adoremus te Christe, 4 st. von Bemardi, und nach der Komplet 
Miserere von C. Ett und am Mittwoch zur Einsetzung Faii^e lingua, 7 st. von Haller ^ gesungen. 
Zur Trauermette für den Gründonnerstag: Lamentationen: Choral. Responsoneu: 1. In 
mante oliveti, 2. Tristis est 3. Ecce vidimus von Dr. Frz. Witt. 4. Amicus meus, 5. Judas mercator. 

6. ünus von Haller. 7. Eram quasi agnus von Viadana, 0. S. Fr. 8. Tina hora von Ferriario. 
9. Seniores von Viadana. Benedictus, I. toni von Jak. Handl. Christus /actus est, 4 st. von Haller. 
Miserere, 2 chörig von Palestrina. (?) — Am Gründonnerstag: Zum Hochamt um 7 Uhr: Introitus 
und Communio, Choral. Missa: II biatico e dolce cigno von Bemardi. Qloria aus der Missa in hon. 
B. M. V. von HöUwart. Graduale: Christus f actus est, Doppelchor von Haller. Offertorium: Dextera 
Domini von Mitterer (Alt und 3 ünterstimmen). Zur Priest^rkommunion: Coenantihus, 6 st. von 
M. Haller. Zur Übertragung des Allerheiligsten: FatMe lingua von Hupfauf. — Zur Trauermette 
für Karfreitag: Responsonen: 1. Omnes amid von Viadana, 0. S. Fr. 2. Vdum templi. 3. Vhiea 
mea von Mitterer. 4. Tamquam ad latronem von Haller. 5. Tmebrae, Männerchor, unbekannter 
Auktor (18. Jahrb.). 6, Anima meam von Haller. 7. Tradidemnt von Mitterer. 8. Jesum tradidit 
und 9. Caligaverunt von Haller. Das übrige wie am Mittwoch. — Charfreitag: 8 Uhr zur Fassio 
sec. Joamiem, Turba aus einem salzb. Kodex unbekannten Auktors. Improperien : Pomüe meus, Doppel- 
c.hor von Palestrina. Zur Prozession aus der Sakristei: Vexilla regis, 5 st. von Haller. Zum Grabe: 
Recessit pastor von Haller. Nach der Grablegung: Tenearae in As von Haydn. Zum Einzug der 
Kreuzprozessiou gegen 4 Uhr: Vexilla regis, wie oben. — Zur Trauermette für Charsamstag: 
Responsorien: 1. Sicut ovis von Dr. Witt. 2. Jerusalem surge von Haller. 3. Flange von Mitterer. 

4. Mecessit pastor von Haller. 5. O vos omnes, Männerchor von Vittoria. 6. Ecce quomodo von Handl. 

7. Afititerunt und 8. Aestimatus sum von Mitterer. 9. SepttUo Domino von Haller. Das übrige wie 
am Mittwoch. — Am Charsamstag: Zur Auferstehungsmesse Eandtet-Kesse mit Orgel und Posaunen 
von Dr. Witt. Magnificat VIII. , 2 st. von Viadana. Zur Auferstehungsfeier lun Va^ Uhr Invita- 
torium : Surrexit Dominus vere (Der Herr ist wahrhaft auferstanden !) Responsorium : Angdus Domini 
und Cum transiisset sdbbatum, 5 st. von Stefano Bemardi. Te Deum von Horak-Brosig. Zu den ge- 
sungenen Landes: Haec dies von Haller, Benedictus von Viadani. Regina codi von Lotti. — Am 
Ostersonutag: Zum Einzug des Kardinals -Fürsterzbischofes, Ecce sacerdos mit Posaunen und 
Trompetenbegleitung von Thadd. König. Missa solemnis in Es mit Orchester von Max Filke. 
Graduale und Sequenz von Mich. Haller. Offert. Terra tremuit mit Orchester von Carl Greith. 
Nachmittags: Fasibordonivesper von Viadana. — Am Ostermontag: Instrumentalmesse in F von 
BYanz Picka. Graduale und Sequenz von Haller. Offert. Angdw Damini von Jos. Renner. Stdla 
codi von Johann Pletzer. 

ö Stötten, (Diöz. Augsburg). Infolge der Besprechung in Mus. s, 1897 Nr. 20, S. 236 f. 
liessen wir uns die Messe von Nekes crux, ave senden. Hr. Lehrer Franz Heuberger hier hat 
mit imserm Chor die Messe seit ein paar Monaten mit grossem Fleisse einstudiert. Am Ostersonntag 
und Montag wurde sie recht gut aiugefohrt. Der Chor ist begeistert; die Wirkung war mächtig; 



-43 lOO &h 

im Volke, an welches ich einige Worte der Belehrung gerichtet habe, herrscht Anerkennung. — 
Am Ostersonntag Alts neue Ostervesper, auch recht schon. Fr. Rönigsberger, Pfarrer. 

yf Trient. Wahrend der (Jharwoche wurden in der hiesigen Domkirche unter Leitung des 
H. H. Domkapellmeisters Rice. Feiini ausser den Antiphonen und Psalmen der authentischen Choral- 
ansgaben nachfolgende mehrstimmige Kompositionen zur AuiTülirung gebrachs: An den 3 Tagen 
sang man die 3. Lamentation von Mitterer-Kerer , die Responsorien des (Trändonnerstages waren 
Kompositionen von Giov. ('roce, Ant. Ferrari, M. Haller und L. Viadana, am (/harfreiti^ wurden 
die Responsorien von Giov. Croce, M. Haller, Lud. da Viadana und Annib. Zoilo gesungen, bei der 
X'^erehrung des Kreuzes die Improperien von Palestrina, am Chai*Hamstag kamen die Responsorien 
von Giov. ('roce, M. Haller, Jac. Handl und Lud. Viadana zur AuifUhrung. Beim Pontiftkalamt 
dos Ostersonntajgfs tnig man die 5 st. Messe VL Toni von Giov. Croce vor. Die Vesper bestand 
aus Falsibordoni von Ctts. de Zachariis und Lud. Viadana. (Soeben gehen der Red. Iierichte der 
Trienterblätter „La Patria^ und .La Voce cattolica" zu, aus denen sie ersieht, dass die Auf- 
fühmngen sehr gelungen waren und den besten Eindruck gemacht haben. Wenn auch das reiclüicho. 
wohlverdiente Lob eine Ermutigung für den energischeji und geduldigen Don Feiini ist, so reichen 
diese Worte nicht hin, um seine Tnaten genärena zu belohnen. Die Red. wttnscht, dass er schon 
um Pfingsten nach dem Gebete (hv^rma hoc I)eii8 Gewährung der allemötigsten Bedürfnisse zur 
Festigung seines neugebildeten Chores finden werde.) 

4* WaldsasHener Kirchenchor. — Programm: Palmsonntag: Prozessionsgesänge von 
Vittoria und Haller; Missa Vi. Toni, öst von Croce; Graduale von Witt; während der Fassion: 
O Domine, 6st. von Vittoria; Chriatw fnctiis ext, 5st von Ebner; Offert. Improperium, 5Bt. von 
Palestrina. Gründonnerstag: O snlufaria hostia, Messe von Haller; Grad. (Ihriatw f actus est von 
Anerio; Offert Dextera Domint von Mitterer; am Abend ölbergandacht: Lamentationen choraliter 
und 4st. von Palestrina. Charfreitae: C^irist^ui factm est, 5 st. von Ebner: Improperien von Vittoria; 
Veaciüa regis, 58t von Ebner; am Abend: Tn monte Oliveti, 6 st. von Orlando; Stabat mater von 
Mitterer. Charsamstag: Preismesse von Stehle; Cof{fitemini von Witt; MagnifictU, 5st von Witt. 
Zur Auferstehung: Angdus Domini, 4st mit Orgel von Mitterer; Surrexit pastor bowis, 5 st von 
Haller; Aurora codi von Hanisch; Te Deum, 58t von Quadfiieg: Tantum ergo, 4st. mit Or^el von 
Mitterer. Ostersonntaff: Vidi aquam^ 5 st von Haller; Missa de Ni^vitate, <ist von Mitterer; 
Graduale^ 58t von Ort wein; Sequenz, 48t. von Mitterer: Off. Terra tremuit von Palestri^ Ve«per, 
5 St. Fals] bordoni von Viadana, Mitterer; Haec dies von Haller: Regina coeli vonLotti; Fange lingua 
und Tantum trao, 5- und 68t von Mitterer und Griesbacher. Beaeutendore Neuauiftthmn^en wälireud 
des Winters: Missa O erux.ave, 6 st von Neke«; sämtliche 5 st Offertorien von Palestrina aus dem 
Repert Mus. s. Fase. II; rassauer Dommesse, 6 st. mit Orgel von Griesbacher; Laurentiusmesse, 
4 st von Qnadflieg; Missa VL toni von Croce; Missa Dies sanctificatus von Palestrina; Missa solemnis, 
Hat von Thielen; Missa de Spiritu sancto, 4 st. mit Orgel von Ebner. — Das reiche Programm 
spricht für sich selbst und loot den musterhaften Fleiss und Opfermut der Waldsaj^sener Sänger- 
schar und ihres energischen, begabten Dirigenten. Sämtliche Piecen wurden mit kaum einer einzigen 
Ausnahme glücklichst zu Gehör gebracht und stets dankbar aufgenommen. Der seltenen Pracht 
unserer beHihmten Klosterkirche entspricht die Schönlieit der hl. Musik. Franz Lehner. 

(Die Red. drückt ihr bewundeiiides Erstaunen über dieses herrliche Programm aus, das jeder 
(.'athedrale zum Ruhme gereicht) 

= In der „Reichspost" (Wien) vom 24. März ist zu losen : „Neues zum Kapitel: Kirchen- 
musik in Wien. In der Fastenzeit, wo Streich- und Hlechmusik in der Kirche schweigt, kommt 
Ko recht klar zu Tage, ob und was ein ('hör leistet. Das Gesaugsquartett tritt in den Vonlergrund, 
das eigentliche Element der Kirclienmnsik , frei und losgelöst von jedem stützenden Instrumente. 
„Die menschliche Stimme ist das beste und schönste Instrument.** Sie kann das donnernde Forte 
uurch unzählige feine Nuancen übergehen lassen in ein ersterbendes Piano, wie es der geübteste 
Bogen des Violinvirtuosen nicht vermag. Sie kann jubeln, frohlocken, trauern und weinen, sie kann 
drohen und zürnen, bitten und flehen. Wohl bringt dies auch der Künstler auf seiner Geige zu- 
wege: Paganini spielte seine Zuhörer in Freud und Leid, Zorn und Be^istemng; aber, welch 
himmelweiter Unterschied zwischen seiner noch so zarten Sordine und der einschmeicne]nden.Stimni(* 
des Menschen! Dort, totes Holz, hier frisch pulsierendes Leben; dort, künstliche Töne, hier natür- 
liche Ijaute. ~ Was Wunder also, wenn die katholische. Kirche, die Gründerin und erste Pflegerin 
unserer Kunst überhaupt, bei ihrer eottesdienstlichen Musik sich in erster Linie des menschlichen 
Gesanges bedient? Die Stimme des Menschen ist das dankbarste, sie ist aber auch das schwerste 
Instrument: dem Sänger sowohl als auch dem Komponisten, der für sie schreibt. Trotzdem ge- 
bricht's uns an beiden nicht Wir haben einen Palestrina, Orlando di Lasso, Lotti etc., die ihre 
Kunst in den Dienst der Kirche stellten und durch sie gross wurden, wir nennen einen Witt, 
Greitli, etc. Ein grosser Verein besteht — faat über die ganze Erde verbreitet — für diesen 
Zweck und bringt allenthalben ^ite Früchte zur Reife. Er fasst die Musik in der Kirche, wie sie 
CB vei*dient und wofür sie von jeher gegolten, als eigenen Kunstzweig auf und eifert seine Mit- 
glieder au, in diesem Sinne zu wirken und zu schaffen. Wohl hat er bei uns zu Lande nocli 
nicht eanz festen Fuss gefasst, doch seinen Einfluss schon geltend gemacht 

Mit CTOsser Genugthuung hat wohl Jeder, der dafür Verständnis und Interesse besitzt, gesehen, 
wie eben in der Fastenzeit bei uns in Wien echte, wahre Kirchenmusik auf den Chören ge- 
pflegt wird, wie die alten Meister neben den gediegenen modernen Künstlern Gottes Lob und Ehre 
verkünden. In der Kirche .Am Hof* wurde am dritten Fastensonntag die Missa Papae Marcelli 
von Palestrina, am vierten die Missa in C von Witt gesungen, in der Votivkirche die Missa in C 



-e llO en 

von LottL im Petersdom soffar Choral gebracht Darüber wollen wir uns freuen und haben Grund 
zur Freude. Das wahrhaft Gute wird uud muss den Sieg davontragen, wenn auch die Augustiner- 
kirche bei Mozart und der Frau Baronin Skrebensky verharrt. Herrscht doch wenige 
Schritte davon die hehre Cäcilia uneingeschränkt! Es ist eine Freude, einem Hochamte bei St. Michael 
beizuwohnen, herzerhebend die Andacht, die einem die wackeren Männer und Frauen ins Herz 
singen. Ich will nicht zum Lobredner werden. Aber zu Invocabit die unvergleichliche Missa 
T, jonici, zu ReminiAcere die Missa iSt. Ambrosii. zu Laetare die Missa S. Raphaelis von Witt zu 
h'ören — das kann nicht genug gelobt werden, l^rofessor Weirich mag mit Befriedigung auf seine 
tüchtige Sängerschar blicKen: sie leistet unter seinem Zauberstab Hervorragendes.** 



Vermisohte Nachrichten und Mitteilungen. 

1. Q Amsterdam. Am Charfreitag (8. April) brachte Ant. Averkamp im 17. Konzert far 

feistliche Musik mit seinem Vokalchor nachfolgende klassische Werke zur Aufführung: 1) Von 
^alestrina die 6 stimm. (Jrntio Jeremiae Fi'ophetae, welche im August 1894 bei der Palestrinafeier 
in Eegensburg gesungen worden ist , sowie die 8 stimm. Improperien mit dem Orux fiddis aus der 
Gesamtausgabe, 2) von T. L. daVittoria die beiden Motetten Vere languores und vos omnes aus 
dem neu edierten Officium hebd. sanctae Vittoria's, 3) von MatteoAsola das 4 stimm. Christus f actus 
est aus Proske's Mus. div., 4) das 5 stimm. Stabai mater von Josquin de Pres, 5) das 6 stimm. 
Motett Timor et tremor von Orlando die Lasso. 

2. 2L Rickenbach. Der Jahresbericht des Schwyzerischen Lehrerseminars zu Bickenbach 

Sibt auch Kunde von der eifrigen Pflege der Musik dortselbst (Ferd. Schell). Im Vorkurs und in 
er ersten Klasse muss eine Stunde wöchentlich genügen, um die allgemeinen Vorkenntnisse (Ton, 
Tonart, Skala, Intervall) zu lehren, in der zweiten, um die Akkorolehre durchzunehmen, in der 
dritten, um die Modulationen, Kirchentonarten und iure harmonische Behandlung zu zeigen. Für 
Gesang sind in der ersten Klasse 2 Wochenstunden festgesetzt, für die zweite und dritte werden 
die Obung[en in einer Stunde fortgesetzt sowie der Chor- und Volksgesang gelehrt. Zwei V7ochen- 
stunden sind gemeinsame Übungen für Choral nach Graduale und V esperale , sowie für 4 stimm. 
Messen. Litaneien, Motetten u. s. w. für Männerchor. Das Orgelspiel wird von der zweiten Klasse 
an in 2 Wochenstunden gellehrt und in der dritten fortgesetzt; beim täglichen Seminargottesdienst 
aber, in welchem abwechselnd Choralmessen, Bequiem und deutsche Messgesänge vorgetragen werden, 
wird das Orgelspiel von den flUiigen Zöglingen der Reihe nach besorgt. Das Schu^ahr hat am 
27. April d. J, mit einer musikiüiscnen Produktion abgeschlossen, deren Programm teils für Streich- 
instrumente, teils für Klavier- und Gesang -Nummern von A. Wiltberger, F. Silcher, Boieldieu. 
F. Schell, J. Haydn, M. Ziehrer, W. Decker (die Red. ersucht den freundlichen Einsender um An- 

fabe des Verlages des als Nr. 8 angeführten Chinesenmarsches für 4 stimm. Männerchor) und 
eter Piel aufweist. 

3. 4- Ein Missionär in China für Kirchenmusik. In den fünfziger Jahren dieses 
Jahrhunderts wirkte als M)ostolischer Vikar der Mongolei Bischof Daguin. Er war gebürtiger 
Franzose. Mitglied der Kongregation der Mission (Lazarist). Als der Bischof Mounr, früher 
apost. Vikar der Mongolei, nach der Mission von Peking transferiert wurde, wurde er 1051, schon 
mehrere Jahre als missionarius apost. in der mongolischen Mission beschäftigt, zum Nachfolger des 
Bischofs Mouly ernannt und zum apost. Vikar der Mongolei geweiht, wo er bis zu seinem Tode 
(Ende der fünfziger Jahre) segensreich wirkte. Über diesen Bischof teilt J. E. Beiffert,') vordem 
apost. Missionar des chinesischen Reiches , in seinem Buche „Zehn Jahre in China^ auf Seite 134 
Folgendes mit: 

„Bischof Daguin war, wie alle bekennen, denen es vergönnt war, ihn näher zu kennen, ein 
Mann von hervorragendem apostolischem Eifer. Es würde zu weit führen, Proben seiner Geduld 
und Sanftmut mitzuteilen: Kurz, diese Tugenden übte er in heroischer Weise. Es lag ihm besonders 
am Herzen, die Schönheit und Erhabenheit des katholischen Kultus in dem Heidenlande zu Tage 
treten zu lassen und dadurch nicht bloss die Chiisten in ihrem Glauben zu befestigen und dafür zu 
begeistern, sondern auch die Heiden anzuziehen. Zu dem Ende hatte er sich der unbeschreiblichen 
Mühe unterzogen, das römische ,jGraduab/ und „Vesperale" dem chinesischen Chorgesange zugänglicli 
zu machen, indem er die lateinischen Worte mit chinesischen Charakteren wiederzugeben, und da, 
wo es nicht gelang ^ mit Zeichen, worüber die Sänger in Kenntnis gesetzt wurden, auszuhelfen 
suchte. Die Noten hess er wie sie waren. Er hat einen ganzen Folio-Band ausgearbeitet. Ais ich 
diese Arbeit sah, wusste ich nicht, was ich mehr bewundem sollte, das kühne Unternelunen oder 
seine Ausdauer, womit er die Schwieriffkeit^.n zu überwinden gesucht hat. Zugleich hatte er sich 
in Sia-miao-öU-kou') einen Chor gebildet und denselben in sein Werk ein^eföhrt und darin ein- 
geübt. Ich muss gestehen, dass die Sänger an Sonn- und Festtagen, wo ich ein Hochamt hielt, 
sowie bei der sakramentalen Nachmittags-Andacht mit ihren Leistungen mich zufrieden stellten. 
Oft habe ich mir sa^en müssen, dass in mancher Pfarrkirche der Heimat') nicht ein solch guter 
Gesang zu finden sei, wie in der Kirche von Sia-miao-öU-kou. Bei der Onferung und nach der 
Wandlung Hessen die Sänger sich die Freude nicht nehmen, einige Musikstückchen mit ihren 

^) Der freundlichen Güte dieses ehrwürdigen JubilarprIeBters verdanken wir auch die obigen 
biographischen Nachrichten. 

') Daselbst hatte der Bischof seine Residenz. 

*) NorddeutAchluid. Der Verfasser stammt aus Driburg (Westfalen). 



-t3 Ul »- 

chineBiBchen Instrnmeaten (Flöten, Pauken, Violinen, Cimbeln und Harfen) einzufügen. Wenn an 
hohen Festen beim Beginn des Hochamtes nnd bei der Wandlung dann noch das Rauschen, Geknall 
und Geknatter der Feuerwerkskbrper hinzukamen, dann war alles geschehen, was die Feier des 
Festes heben und die Kunde davon im ganzen Dorfe und der nächsten Umgegend verbreiten konnte." 

H. M. in P. 

4. Der katholische Verleger und Buchdruckereibesitzer P. Franke in Bamberg erhielt 
als Anerkennung für 2 seiner Kompositionen (Lieder mit Klavierbegleitung) vom GrsdT-Keffenten 
Ernst von Lippe-Detmold die Erinnerungsmedaille. Dieselbe wird an rotseidenem mit Silber durch- 
wirktem Bande getragen. 

5. FL Bezu^ehmend auf die in Mwica sacra abgedruckten Artikel der ^Wiener Reichspost*' 
bemerke ic^ dass sie nicht bloss von Wien, sondern so ziemlich von ganz Österreich gelten. — Leider 
hat unser Volk weder Sinn, noch Verständnis für eine ernstere, kirchliche Melodie. Es will eben 
seine ,, Jodler" auch in der Kirche singen, und das wollen selbst die .,sogenannteu" Chorsänger! — 
Nur ein Beispiel. Bei. uns musste ich trotz meines feierlichen Protestes oei den Mai-Andachten und 
öfter bei den Rorate -Ämtern ein Marienlied hören, dessen Hauptmotive dem Tyrolerlied: „Auf der 
Alm, da gibt's koa Siind'!'' so ähnlich sind, wie ein Ei dem andern. Sollte E. H. dieses Lied und 
das nachgemachte Marienlied zufällig unbekannt sein, so kann ich Ihnen von beiden die Abschrift 
zur Verfügung stellen. (Danke für die Bescherung und nehme sie für empfangen an. D. R.) 

6. Die yjNeue Tiroler Stimmen'^ berichten in Nr. 296 aus Innsbruck: Eine Familien-Feier. 
So möchten wir das Fest nennen, welches zu Ehren des Namensfestes und zugleich der hohen päpst- 
lichen Auszeichnung unseres hocnw. Herrn Stadtpfarrers und Prälaten Dr. Johann Kometer im 
Kreise geladener Gäste stattfand. Der Andreas- Hofer -Saal beim „goldenen Stern" war mit einer 
erlesenen Gesellschaft gefüllt; die Bürgerschaft war ebenso gut vertreten wie der Regulär- und 
Säkular-Klerus. 

Den Hauptgenuss verschaffte der Versammlung der Innsbrucker Pfarrchor, dessen Dar- 
bietung allgemeines, begeistertes Lob fanden. 

Der Herr Chordirektor M. Haag hat bei dieser Gelegenheit gezeigt, was er aus dem hiesigen 
Pfarrchore gemacht hat Das Programm war folgendes: Festchor. 4 st. gem. Chor von P. H. Thielen; 
Prolog (Frl. Maria Huter); j^Singet dem Herrn ein hohes Lied", gem. Chor für vereinigte Ober- 
und Unterstimmen und Eiavierbegl. von L. Ebner; Vision des heil. Johannes oder Bilder aus der 
Entwickelung der kirchlichen Baukunst und Musik (FrL Maria Perr): Gloria in eoccdsis Deo. 6 st. 
Weihnachtsmotette von P. H. Thielen: Festrede. (Prof. H. v. Schmuck); Erwiederung des Prälaten 
Dr. Kometer und Toast auf Se. Heiligkeit Papst Leo XHL: ^uam apedasi pede8 evan^dizantium 
pacem! 4 st gem. Chor mit Klavierbegl. von Ig. Mitterer; a) Weihnachtsglocken, 2 8t. mit Klavier- 
bc^L von S. JBreu, b) In dulci jubilo, Weihnachtslied aus dem 13. Jahrhundert nir Sopran und Alt 
mit Klavierbegl.; Toastrede auf Se. Majestät den Kaiser, gesprochen vom Redakteur Dr. Jehly; 
Auf dem See. Gedicht von Goethe, 4 st. gem. Chor von F. Mendelssohn; ,^Glückwunsch" und 
„Wunsch", (Frl. Maria Dinkhauser und Maria Auer); „Seid nun fröhlich, jubilieret!** 6 st Weih- 
nachtslied von P. H. Thielen; Toast auf Fiirstb. Simon gesprochen vom Msgr. Mayr; ,,0 wunder- 
bares, tiefes Schweigen**, 4 st. gem. Chor von F. Mendelssohn ; , JiObet den Herrn nah und fem**, 
4 st. gem. Chor von J. Äheinberger; „Herr bleib' bei uns!** 6 st. gem. Chor mit Klavierbegl. von 
K. Deigendesch. 

(Die Red. gratuliert zu den schönen Erfolgen und bittet um Nachricht über Einweihung und 
Eröffiiung des neuen, durch die Anregung bei diesem Konzert und durch die Munificenz de^ 
H. H. Prälaten entstellenden Übungslokales für den Stadtpfarrchor.) 

7. Das „Amtliche Kirchwiblatt für die Diözese Paderborn** veröffentlicht (J. 1898 St. 5 S. 30) 
folgenden, vom 4. April d. J. datierten Erlass des Hochwürd. Herrn Bischofes Dr. Hubertus Simar : 

„Nachdem nunmelir durch die Ernennung der Bezirks -Präsidenten die Organisation des 
Cäcilienvereines in der ganzen Diözese angebahnt ist. geben wir uns der Hoffnung hin, dass 
die Herren Geistlichen, Organisten und Chordirektoren dem Vereine beitreten und die Bestrebungen 
desselben thunlichst unterstützen und fördern werden. Wir bemerken bei dieser Gelegenheit noch- 
mals, dass es sich bei jenen Bestrebungen nicht bloss um die Einführung des von der Kirche vor- 
geschriebenen liturgischen G^anges handelt, sondern auch um die Pflege des deutschen Kirchen- 
liedes, und dass in beiden Beziehungen die wilnschenswerte Reform an erster Stelle von der Mit- 
wirkung der Schule erwartet wird.** 

„Da die Benutzung verschiedener, von einander abweichender Ausgaben der liturgischen Ge- 
sangbücher (Graduale und Yesperale) innerhalb der Diözese die Schwierigkeiten der Einführung 
des Choralgesanges vermehren und die Eintracht unter den dabei beteiligten Faktoren gefährden! 
würde, so bestimmen wir hiermit, dass nur die offizielle römische Ausgabe der genannten 
Choralbücher, welche bei Pustet in Regensburg erschienen ist, in den Kirchen der Diözese ein- 
geführt und gebraucht werden darf.** 

8. (S> Kopenhagen. Herr Dr. Hammerich hat vor ein paar Jahren die musikhistorischen Vor- 
lesungen an hiesiger Universität nach einer Pause von ca. 150 Jahren wieder aufgenommen; die 
praktischen, illustrierenden Probestücke wurden durch den Chor des hiesigen Organisten Jos. Hammer- 
müller gegeben. Er hat mit dem gregor. Choral angefangen, (über 100 Zuhörer) und in den letzten 
Semestern über die niederländischen und itaUenisch^ Schulen, besonders Orlando und Palestnna 



Im Laufe des letzten JahreB errichtete er ein masikhistorisches Hnsenm (300 No.) nnd nnter« 
nimmt jetztf nm dieses zn erweitem, eine Reise nach Deutschland und Belgien. 

fEei den Vorlesungen im letzten Winter sind von einem kleinen Chor des H. HammerrnttUer 

gesungen worden: Von Orlandus Lassus: Domine ne in furore tuo, L Busspsalm und Miserere^ 5 St., 
hansou: Qtumt mon mari vient, 4 st. Von Palestrina: Improperien, 2 chörig, vos omnea (eigentlich 
von M. A. Ingegneri) für 4 Männerstimmen, Kyrie aus Missa: Äetema Chrütti munera, PueriHebrae- 
orfim, Agnus aus Missa de beata Virgine. Luca Marenzio: Madrigal Z^ro toma, Morales: vos 
omnes. Vittoria: Kyrie aus Missa Quarti toni." Giov. Croce: Ovoeomnea, Gastoldi: Baletto: Viver 
lieto voglio, (Dem Dirigenten, unserm ehemal. Schüler, die besten Grüsse und Glückwünsche. D R.) 

9. rV München. Canisius. Geistlische Dichtung von Adalbert Huhn. Musik von Jos. Schmid für 
Soli nnd Chor mit Klavierbegleitung wurde aufgefünrt am Feste des hl. Petrus Canisius am Mitt- 
woch den 27. April^ nachmittags im grossen »aale des kath. Kasino Barerstrasse 7, durch den 
Kirchenchor der Heilig-Geistkirche mit gütiger Unterstützung hervorragender Gesangskräfte. Der 
Reinertrag fiel dem Pensionsverein des Chor- und Mesnerpersonals der Heilig -G^tkirche zu. 
(Kurzer Bericht über die Aufführung, Dichtung des H. H. Diözesanpräses für München -Freising, 
und Komposition wird die Red. der Mus. s. gerne aufnehmen und erbittet einen solchen.) 

10. § Ein „Aprilscherz'* wurde am 1. April d. J. in einem Nachbarorte der Stadt H. in 
Scene gesetzt. In einer dortigen Wirtschaft sprach ein Gast sein Bedauern darüber aus, dass es 
dem Gesangverein, dem er afi Mitglied angehörte, noch nie gelungen sei, sich einen Preis zu er- 
singen. „Ja,** meinte ein loser Schalk, „das liegt an den Stimmbändern! — Wenn ein Gesangverein 
im Besitze guter Stimmbänder ist dann ist es sehr leicht für ihn, einen Preis zu erzielen."* Darob 
Ohrenspitzen des nicht mit besonderem Mutterwitz ges^eten fremden Gastes. „Ja, wo sind demi 
diese zu haben?** wagte er endlich zn fragen. Die ob dieser naiven Frage vergnügt schmunzelnde 
Gesellschaft gab nun dem Fragesteller die Adresse des Wirtes ihrer hiesigen Stammkneipe an, und 
der Gast hatte nichts eiligeres zu thun, als rasch nach H. zu fahren und sich bei dem betr. Wirte 
nach dem Preise der „Stimmbänder** zu erkundigen. Natürlich hatte dieser leider augenblicklich 
keine mehr „vorrätig", — der Herr möge sich nur geflQligst zu dem in dem betr. Nachbarorte 
wohnenden städtischen Kapellmeister bemühen, dieser werde sicher noch im Besitze vorzüglicher 
„Stimmbänder** sein. Ob der Sangesbmder sie dort erhalten, oder ob er dort eingesehen hat, dass 
er das Opfer eines Aprilscherzes geworden, ist nicht bekannt. 



OfTene Korrespondenzen. 

Der in Mus. s. 1897, S. 284 erfolgten und 1898, S. 30 wiederholten Einkdung an sämtliche Herren, 
welche seit November 1874 die hiesige Kirchenmusikschule besucht haben, entsprachen bis zum heutigen 
Tage nur nachfolgende: H. B. in X., L 0. in F., F. Seh. in R«, W. J. in Y., St. 8. in T., 
sämtliche mit Photographie. In dieser Abkürzung werden zukünftige Einsendungen regelmässig ver- 
öfTentlicht und wollen zugleich als dankende Empfangsbestätigung angesehen werden. Voraussichtlich 
wird dan 25jährige Jubiläum der Kirchenmusikächule dahier im Sommer 1900 stattfinden; demungeachtet 
sind unsere ehemaligen SchtUer freundlichst gebeten, möglichst bald und zahlreich ttber ihre Stellungen 
nach dem Verlassen der Kirchenmusikschule unter Beilage der neuesten Photographie im Laufe dieses 
Jahres Bericht zu erstatten, da die Jubiläutnschronik auf die Jahrgänge 1899 und 1900 des Kirchen- 
musikalischen Jahrbuches verteilt werden muss. — 

J. M. in W. Bestätige dankend den Empfang von 10M79 ^ für die „Cäcilicnkapelle*'. Ihnen und allen 
verehrlichen Lesern, welche sich filr die Errichtung eines Gotteshauses bei der K.-M.-Schule interessieren, 
kann heute die Mitteilung gemacht werden, dass eine ansehnliche Kirche mit Seelsorgstelle bereits ttber 
das Stadium der Wünsche hinaus ins Auge gcfasst ist, und dass die oberhirtliche Stelle diesen Plänen 
zustimmt. Wenn die vorbereitenden Schritte in den nächsten Monaten vollendet sein werden, dann 
sollen Zeichnungen und nähere Details nicht länger verschwiegen werden. Wenn sich daher Mitglieder 
des Cäcilienverems , ehemalige Schüler und tlberhaupt Wohlthäter für den Kirchenbau bei der Kirchen- 
musikschule schon durch diese Notizen angeregt fühlen sollten, ein kleines oder grosses Geschenk zu 
spenden, vielleicht besonders mit Hinblick auf die Orgel und die Glocken, welche m der neuen Kirche 
notwendig sind, so werden auch die kleinsten Gaben mit herzlichem „Vergelte Gott!^ an dieser 
Stelle als Quittung für den Empfang verzeichnet werden. 

Nach B., R,, P. und 8. Die beiden Hefte des „Liederrosenkranzes", von welchem 1866 das 
erste, 1867 das zweite durch den Red. der Mus. s., damals Musikpräfekt an den bischöil. Seminarien in 
Passau, herausgegeben worden sind, werden im Laufe des Monats Mai in neuer Auflage in Partitur und 
Stimmen erscheinen. Viele Nummern der ersten Anflage sind weggelassen und durch neue Original- 
kompositionen Ä!lr 4 und 6 Männerstimmen ersetzt worden. Der neue „Liederrosenkranz*^ wird 60 Ge- 
sänge enthalten, und zwar, gleichsam als Oredo des „Rosenkranzes", eine laurct. Litanei von M. Haller, 
als Pater noster vor „Glaube, Hoffnung und Liebe" die laurct. Litanei von Fr. Witt, nach der 1. Aufl. 
umgearbeitet und ergänzt. Derselben folgen 3 Pange lingua mit Tantum ergo u. s. w. Als erstes 
Pater noster ist der Hymnus Ave maris steüa, als zweites bis fünftes sind die marian. Antiphonen ge- 
wählt; denselben folgen dann je 10 deutsche Marienlieder. Die Ausgabe erfolgt nicht mehr in 2 Heftin. 
sondern als Ganzes. Die erste Auflage ist schon seit 1885 gänzlich vergriffen. 

Dmck nnd VerUig von Friedrich Pustet in Regen sbnrg, Gesandtenstrasse. 

Nebst Aniel^eblatt Nr. 8. 
Dieser Nummer mit 16 Seiten Text wird am 15. Mal die Nr. 10 mit 8 Seiten Text folsren. 



1898. Regensburg, am 15. Mai 1898. Kf»- IQ 



MUSICA SACRA. 

Gegrtlndet yob Dr. Frani Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatsclirift für Hebimi und Fördenmi der katM. KircheiiiDasik. 

Heransgegebei yon Dr. Frani Xaver Haberl, Direktor der Kirchenmosiksehule In Begeasbarg. 

Nene Folge Z., als Fortsetzimg XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbellagen. 

Di« „Mudeß taera" wird am 1. und 15. Jeden Monate aoaKeReben. Jede der 24 Nummern amüaaat IS Seiten Text. Die tv Kuaik< 
beiUiK** (^ Seiten) worden in den Mmamem 6, 7 und 8 veraendet. Der Abonnementpreia dea Jahrgänge batrigt 8 Hark} die 
BtateUiUf kann bei Jeder Poatanatalt oder Bnobhandlnng erfolgen. » Bei der Reiohapoat mit M Pf. Aufschlag. Bei franko Zuaendong 

unter Streifband in Dentaehland und Osterreioh-Üngam 4 Mk. -~ ins Ausland 4 Mk. 80 PI 

lakaltslikaraieht: Ein vierslgjthriges Bischof sjubiltom.— Litnrgioa: 1. Verbot nicht aipprobierter Litaneien, 
a. Die wechselnden Ifessgesinge fUr das Fest des hl. Ant. M. Zacoaria.^- Vor 80 Jahren und doch hente. ~ Vom Bücher- 
and Mnsikalienmarkte: Ludw. Ebner, If. Haller (8), Liederrosenkranz , PiaOUe Domfno von Cohen, Lumtn eonUMin von Fiel, 
F. Oreg. Ifolitor. — Vermischte Nachrichten und Mitteilnngen: JabiUomsfeier in Seligenthal, ein Urohemaa. Zenbild, 
PeiBonalnotisen. — Offene Korrespondenzen. 

Ein vierzigjähriges Bischofsjubiläum 

wurde am 2. Mai, Fest des heil. Athanasiiis, in der hohen Kathedrale zn Regensborg 
in wttrdigster Weise gefeiert. 

Se. bischöflichen Gnaden Ignatios von Senesträy, der im Jahre 1858 vom damaligen 
päpstlichen Nontius Fttrsten Chigi unter Assistenz der hochwürdigsten Bischöfe von 
Passan nnd Würzbnrg am genannten Tage zum Bischof konsekriert und inthronisiert 
worden ist (geb. 13. JaU 1818), hatten wohl den Wunsch geäussert, dass man yon fest- 
lichen Veranstaltungen absehen möge, allein die katholischen Vereine der Stadt und 
der Klerus der Diözese veranstalteten eine zwar einfache, aber ergreifende und höchst 
wärdige Feier. 

Am 1. Mai beehrte der Hochwttrdigste Herr Jubilar die im grossen ISaale des 
katholischen Kasino abgehaltene Festversanunlung mit seiner Gegenwart. Ein imposanter 
Männerchor brachte unter der Leitung des H. H. Domkapellmeisters Engelhart einen 
schwungvollen Festgesang von Wilhelm Kothe, eine zu diesem Zweck von H. Hüttinger 
gedichtete und von M. Haller für Männerchor mit Begleitung von Klarinetten, Fagott, 
Hörnern, Trompeten, Posaune und Bombardon komponierte Festhymne, sowie die Papst- 
hymne von P. H. Thielen zu packendem Vortrag. 

Am Festage selbst pontifizierte Se. bischöfl. Gnaden in der mit Fahnen, Blumen 
und Gesträuchen aufs reichste dekorierten Kathedrale, empfangen von mehr als 
200 Klerikern und Priestern aus der ganzen Diözese und vom Domchor begrflsst mit 
dem 6 stimmigen Ecce sacerdos von L. Ebner. Die 6 stimmige Messe Tu es Petrus für 
S., 2 A., 2 T., B. von Giov. Pierl. da Palestrina, welche 1894 auch beim Palestrina- 
Jubiläum gesungen worden ist (aus dem 21. Band der Ges. -Ausg.), fand eine trefiftiche 
Wiedergabe, Introitus, die Gradualallelujaverse und Communio wurden choraliter ge- 
sungen, als Offertorium die 4 stimmige Komposition Inveni David von M. Haller, und 
am Schlüsse des Pontifikalamtes das 6 stimmige Te Deum mit Orgel von Jos. Auer 
aufgefiihrt. 

Unter Hinweis auf den Cäcilienkalender für 1884, in welchem bei Gelegenheit des 
26 jährigen Bischo£^ubiläums (2. Mai 1883) der berühmte, vom sei Vorgänger des Hoch- 
würdigsten Herrn Bischofs Ignatius, Valentin v. Riedel, am 16. April 1857 erlassene 
Hirtenbrief über die Kirchenmusik zum Abdruck gebracht worden ist, sei mit Dank 
gegen Gott wiederholt, dass der Hochwürdigste Herr Bischof Ignatius von Seneströy 



-ö 114 &- 



während der 40 Jahre seines Episkopates an den dort ausgesprochenen Grandsätzen 
unentwegt festgehalten und durch die musterhafte, beim Altardienst streng durchge- 
führte Beobachtung der liturgischen Vorschriften und Zeremonien der idealen Eichtung 
katholischer Kirchenmusik jene Stellung gewahrt und gewährt hat, durch welche sie 
im Dienste der Kirche zu ihrer yollen Geltung kommen kann, da sie nicht als Zuthat 
und blosse Festzierde, sondern als wesentlicher Bestandteil der Liturgie sich ent- 
wickeln kann. 

An diese Grundsätze hat auch das Programm der Kirchenmusikschule in Regens- 
burg sich angeschlossen und nur auf diese Weise ist es möglich geworden, seit 23 Jahren 
den Besuchern dieser Schule die praktischen Beispiele über die Kirchlichkeit und Würde 
des römischen Chorales und des Palestrinastiles zu bieten; würde diese Möglichkeit — 
was Gott verhüten wolle — irgend einmal der Schule entzogen werden, dann müsste 
auch ihre Existenz fallen. Dieser Gedanke was es auch, der den Unterzeichneten ge- 
drängt hat, Sr. bischöfl. Gnaden am Vorabende des Jubiläumsfestes als Vorstand der 
Kirchenmusikschule die ehrerbietigsten Glückwünsche darzubringen. Bei dieser Gelegen- 
heit wagte er auch die Bitte, für eine neue katholische Kirche, welche neben der Kirchen- 
musikschule im Osten vier tcd von Begensburg, wenn möglich im Laufe der nächsten 
zwei Jahre erbaut werden soll, zu gestatten, dass dieses Gotteshaus, dessen Grundriss 
hier beigefügt ist, den Namen der hl. CftfUia, Schutzpatronin des Cäcilien Vereins, 
tragen dürfe. ^^^ 



M 




Diese Bitte wurde gerne gewährt, ein Umstand, der sicher in weiteren Kreisen, 
besonders unter den zahlreichen Mitgliedern des Cäcilienvereins , Dankbarkeit und 
Freude* hervorrufen wird. Wir bitten zu Gott und hoflTen, dass der Hochwürdigste 
Herr Jubilar die Kirche zu Ehren der hl. Gäcilia in vollster Rüstigkeit längstens in zwei 
Jahren feierlich konsekrieren könne und laden alle Verehrer der römischen Jungfrau 
und Martyrin ein, auch ihrerseits zum Bau und zur Ausschmückung des Gotteshauses 
ein Scherflein beitragen zu wollen, da nicht nur lokale Bedürfnisse und Interessen durch 



-« 115 b>- 

die Gftcilienkirche befriedigt werden, sondern anch ein Denkmal der Begeisterung für 
die hohen Ziele der kirchlichen Kunst und ein Zeichen der Verehrung gegen die 
Männer Dr. Carl Proske, J. G. Mettenleiter, Jos. Schrems, Dr. Fr. X. Witt^ welche als 
Pioniere liturgischer Eirchenmusikreform mit glänzendem Beispiele yorangegangen sind, 
geschaffen werden kann. Die Namen der Wohlthäter werden getreulich in eigenen 
Bachern verzeichnet werden ; die freundlichen Geber sind für alle Zukunft in die Gebete 
und Opfer, welche in der neuen Cäcilienkirche stattfinden werden, eingeschlossen. 

F. X. H. 

Liturgica- 

1. Verbot nicht approbierter Litaneien. 

Eine Entscheidung der S. B. C. vom IL Februar 1896 behandelt die Litaneienfrage, ttber 
weiche In Mus, «. 1897, S. 250 eingehender gesprochen worden ist. Bekanntlich ist ausser der 
Allerheiligen-, der lanretanischen und Namen Jesu-Litanei durch Entscheidunp: der S. R. C. vom 
28. November 1895 der Gebranch anderer Litaneien (z. B. Herz Jesu oder Maria, de SS. Sacra- 
mento, Aloysius-, St. Josephs-, Antonius-Litanei), auch wenn sie die Gutheissung einzelner 
Bischöfe erhalten haben, bdm öffentlichen, wenn auch ausserliturgischen Gottesdienst 
verboten worden. 

Bei der Ritenkongregation vnirden nun drei Einzelanfragen gestellt und in folgender Weise 
beantwortet. 

I. Ob solche vom heiligen Stahl nicht approbierte Litaneien so strenge verboten seien, dass sie 
auch in Klöstern und Instituten privatim nicht gebetet oder gesungen werden dürfen? 

Resp. Negative, d. h. sie sind nicht so strenge verboten, als dass man sie auch privatim 
nicht gebrauchen dürfte. 

II. Ob solche Litaneien in Klöstern, Instituten, reb'giösen Genossenschaften gemeinschaftlich im 
Chor oder in einem öffentlichen Oratorium gebetet oder gesungen werden dürfen? 

Resp. Negative, d. h. aie sind so strenge verboten, dass sie beim gemeinsamen öffentlichen 
C'horgeoet (in choro pubUco) oder in einem öffentUcnen Oratorium nicht verwendet werden 
dürfen. 

111. Wurde gefragt, ob es den Gläubigen erlaubt sei, solche Litaneien in der Kirche (in publica 
Ecclesia) entweder privatim oder gemeinschaftlich zu beten und zu singen? 

Resp. ad L partem: Affirmative, d. h. privatim können sie von den einzelnen Gläubigen 
für sich gebetet werden, ad U. partem: Negative, gemeinschaftlich darf es nicht geschehen. 

2. Die wechselnden Messgesänge fOr das Fest des hl. Antonius Maria Zaccaria 

sind unter dem 22. April d. Jahres von der Kongregation der hl. Riten mit eigener Approbation 
versehen worden. Bekanntlich hat die Heiligspreoiung im vorigen Jahre zu Rom stattgefunden, 
und wird das OfHzinm des hl. A. M. Zaccana im Messbnch und Brevier am 5. Juli 1899, unter 
Versetzung der hh. Cyrillufi und Methodius auf den 7. Juli, iu allen Kirchen der katholischen 
Welt begangen werden. Die päpstliche Kommission für die Ghoralbücher hat die Gesangsweise 
des Introitus, Graduale u. s. w. abgefasst und geprüft, worauf die S. Rit. Congreg. die Appro- 
bation in besonders feierlicher Weise erteilte. Sie befiehlt ^ diese Gesangsweisen dem römischen 
(rradnale einzuverleiben, welches „unter apostolischer Antontftt und auf Veranlassung der Riten- 
konkregation in Rom hergestellt und von fViedrich Pustet za Rej|;ensburg im Jahre 1871 so^ 
wie in späteren Jahren gedruckt worden ist" Diese Approbationsformel ist deshalb nicht ohne 
tiefe Bedeutung, weil einzelne Stimmen noch nicht verklungen sind, welche die Hoffiiung hegen, 
die Ritenkongregation werde nach dem Erlöschen des Dmckprivilegiums, das der Firma Friedrich 
Pustet bis 31. Dezember 1900 gewährt ist, die römischen Cnoralbücher, welche im letzten Dekret 
vom 7. Jnli 1894 als „libri choricl Ecdesiae" (Chorbücher der Kirche) erklärt worden sind, fallen 
lassen oder durch neue ersetzen. 

Der Wortlaut dieser Approbation ist folgender: 

Approbatio. Suprascriptum Introitum, Graduale, Tractum etc. recentioris Missae propriae 
iu fpsto S. Antonii Mariae Zaccaria Conf., exaratum a Fontificia Commissione ad Chorales libros 
recognoscendos deputata, Sacrorum Rituum Congregatio approhavit, atque inseri mandavit Qraduali 
Romano de Tempore et de Sanctis, qnod ApostoUca Auctoritate et cura ipsiusmet Sacri Consilii Romae 
digestum, typis cl. Viri Comm. Fnderid Pustet Ratisbonae anno 1871 ac deinceps editum fuit. In 
fidem etc. 

Ex Secretaria Sacror. Ritnnm Congregationis die 22. Aprilis 1898. 

.T Q , Pro R. P. D. D. Panid S. R. C. Secretario 

^^- ^'^ Philippus di Fava Substitutus. 



H3 US &h 

Vor 30 Jahren und doch heute. 

Wolkenlos lächelt der Himmel, eine Yorahnong der Anferstehungsfrende im Herzen 
erweckend. 

Etwas leidend will ich die Prophezien etc. abwarten, um bei Beginn des Amtes 
einzutreffen. Da ich dafür zwei Stunden annehme und die Zeremonien um 7 Uhr be- 
ginnen, so stehe ich um 9 Uhr an der Eirchenpforte: da plötzlich erheben nach zwei- 
tägigem Schweigen die Osterglocken ihr sehnlich erwartetes AUelqja- Geläute und aus 
der Kirche dringt mir würziger Weihrauchduft entgegen; dazu ein wahres Chaos 
von Schall und Tönen, dessen Entstehungsgeschichte nicht so leicht zu beschreiben ist, 
da ja mehrere Faktoren zusammenwirken. Die meiste Aufmerksamkeit yerdienen offen- 
bar die Ministranten, welche mit geröteten Gesichtern und strahlenden Augen ihre 
Glocken schwingen mit dem offenbaren Bestreben, es einander allem, was singt und 
tönt, zuYorzuthun; der Zelebrans rezitiert dabei mit ziemlich vernehmlicher Stimme den 
Gloria -Text und yom Chore erschallt — nun, was erschallt denn? Ja das ist wieder 
nicht so einfach ; das dominierende sind sicher die paar Hörner, die ihren Namen wohl 
yon „Hören^ ableiten wollen, dann vernimmst du etliche Geigen, eine dünne Sopran- 
stimme, einen ausgesungenen Alt und dazwischen mitunter bei hervorragenden Stellen 
des Chorregenten durchdringenden Bass. Das Ganze wird von der Orgel getragen, an 
der ich sonst nichts auszusetzen habe, als dass sie bei dieser Gelegenheit wieder einmal 
durch ein miserables Staccato- Spiel und durch diverse Fehlgriffe auf dem Pedal miss- 
handelt wird — das Manual aber ist durch zwanzig- bis dj^issigjährige Wiederholung 
bereits in Fleisch und Blut übergegangen, da gibt es gottlob seltner Fehlgriffe. 

Diese sämtlichen Cliorfaktoren einigen sich, um zum misslungenen Vortrage zu 
bringen das Gloria aus einer Messe von — ja von wem ? Ich wüsste es wirklich nicht 

I 



genau und sicher anzugeben; q S« i ^ ^ . i ^ -^ 

^elleicht gibt die folgende ±= =^^ ^B^ - ^ ^ f—-^^ 
Probe Aufschluss: '^^ k ^ ~ — ^-^ 1 — ' — ^d : 



S: 



X 



Lau - dÄ - mns te. Be-ne- dl - ci-mus te. etc. 

Heute sind sie auch etwas begeisterter als sonst und daher ist auch das Tempo 
etwas lebhafter als sonst; heute J = ca. 60 M. M. Aber sie mühen sich nicht lange. 
Oloriam tuam. Cum sancto Spiritu in gloria Dei Patris. Amen, amen, amen. Das 
genügt. Der Zelebrans ist fertig, die Ministranten ruhen aus, die Trompete hat mit 
einem jähen Stoss-Seufzer geendet, die Violinen werden in den Kasten gelegt, Sopran 
und Alt treten ab, die Orgel schweigt wieder mit Ausnahme des AUelvja und der 
Vesper, nur der Chorregent singt eintönig und schwerfällig den Choral; es ist wieder 
Charfreitag geworden. Ist so etwas nicht geistreich, ja sagen wir geradezu effektvoll? 
Erinnert das nicht so ganz an Haydn's genialen Gedanken bei der Abschiedssymphonie? 
unser Chorregent ist auch ganz entzückt von solcher Wirkung und wird darum am 
Charsamstag cäcUianischer a& der CäciUaner; er schweigt auch und spielt nicht beim 
Offertorium, das ja heute aus&llt; er begleitet selbst den Choral nicht ausser bei 
Graduale und Vesper. 

Das Graduale aber wird in folgender Weise executiert: Celebrans: Allduja; 
Chorregent: Alleluja mit Orgel. Item einen Ton höher und zum 3. Male eine grosse 
Terz höher dasselbe Alleluja. Dabei helfen dem Chorregenten ein paar Bassisten mit 
kräftigen Stimmen; die Orgel wächst bis Pleno. 

Hierauf der Chorregent allein ohne Orgel: 



^.^.y^^irfit^A ;> J^ i^f^^ffp4=^4^^4.^^^Mi^n^^ 



Con-fi-t6 - mi-ni D6-mi-no,qn6-ni-am bo-nus, quo - ni-amins^-cultmimi-se-ri-cördi-a e-jns. 

Das genügt; Chorregent schliesst, Celebrans singt: Dominus vobiscum, mein Freund 
schaut mich lächelnd an und zuckt die Achseln. 



H3 in B»- 

Beim Sandus (ohne Orgel) zeigt sich der 



^ b, ^ -^=i— JH^^^^T^^ 



ehemalige Konservatorist im vollen Glanae .^ ^ ^ . -. 

seiner Stimme und Vortragsweise: X - a - o oun - ctu *) 

Mit den Zischlauten lebt der Chorregent auf dem Eriegsfuss; nur hie und da be- 
kommt man sie zu hören, *dann aber um so deutlicher, so z. B. gestern bei der Grab- 
muepk, als es sich darum handelte, dem blasenden und schreienden Chorpersonal ein 
wirkungsvolles ppp abzuringen. 

Benedidus wie Sanctus. Agnus Dei nan dicitur. 

Nach den Domiite non sum dignus singt der Chorregent immediate sein Äüelvja 
aus einer jedenfalls hundertjährigen Choral-Ausgabe. Hierauf mit Orgel: 




^^z£;^^J^'^'^rTqg^!r]fcfc!^lP^>^=^ ^l 



Lau- dA - te Dö-mi-nnm omnes gen-tes: lau • d&- te e - nm o-mueä pö- pu - li. 

Der eine Vers genügt dem eifrigen Chorregenten vollauf; für den VIII. Psalmton 
scheint er eine besondere Vorliebe zu haben; denn so oft; ihm in seiner Praxis etwas 
unterkommt, das ein Bsalmvers zu sein scheint, legt er ihn dem VUI. Tone unter. 

Celebrans ist noch bei der Sumptio Sanguinis; lange Pause — endlich stimmt er 
an: Vespere autem Sabbati; der Chorregent singt die Antiphon zu Ende und stimmt 
hierauf allein mit Orgel das Magnificat an, welches er diesmal gewissenhaft Vers für 
Vers durchsingt ; wenigstens vermute ich, dass das seine Absicht war, verstehen konnte 
man ihn nicht, weil er zu seiner faulen Stimme beinahe sämtliche Mixturen gezogen hatte. 
Mir kam es beinahe vor, als ob das Gemurmel gar nicht lateinisch wäre, mir war es, 
als hörte ich ganz andere Sprache: 



^Z^-^TT^-^L > > J-,^^=^=# - ?-J»-^^^ff 



, Jjfit ei - nem Cha - os von Tö - neu wül ich die Ve - spar ver - höh - nen. 

Die Kir - chen-ver-wal-tiuigmusskar-gen: wer will mir mein Sin -gen ver- ar-gen? 
Dem Ca - ciü - a - nis-mns zum Höh - ne: sing' ich: ,,Ehre dem Va - ter, dem Soh - ne.^* 

Hierauf wollte der Chorregent vorschriftsgemäss die Antiphon wiederholen, be- 
merkte aber noch rechtzeitig, dass sie ungebührlich lang sei, daher begnügte er sich 

mit einer wiederholten In- _f. ^ ' V k k V k k ^ > . . ^ ., 

tonation des Magnificat ^_p-~yng Z-J r/ J" J^/ J^ / J, ^^^ 



Ma - gni -fi-cat &-ni-mame-aD6-mi- num. 
So schloss die merkwürdige Charsamstag- Vesper. 

Entschuldigen Sie, wenn ich mir mit diesem Berichte etwas Luft mache; es wird 
einem etwas be&user im Herzen, wenn man nach solchen Erfahrungen sich aussprechen 
kann. Wenn Sie einmal die Bubrik eröfihen: „Vor dreissig Jahren und doch heute'', 
kann ich Ihnen noch weitere derartige Berichte zur Verfögung stellen.'' 

(Diesen Schmerzensschrei eines bekannten, ja berühmten Eirchenkomponisten ver- 
öffentlicht die Red. der Mus. s, als Leitartikel und eröffnet hiermit die vom Einsender 
gewünschte neue Bubrik. Wie weit es, nicht etwa nur auf dem Lande, in Märkten 
oder kleineren Städten, sondern auch in Eathedralkirchen und Landeshauptstädten, an 
der Pflege des Gesanges überhaupt, am Vortrag des Chorals und an der Beobachtung der 
liturgischen Vorschriften auch nach 30 Jahren ernstlichen und unermüdeten Fleisses für 
Besserung kirchenmusikalischer Verhältnisse noch fehlt, das haben sieben Männer er- 
fahren, welche am Ostermontag in Begleitung des Bed. der Mus. s. in fönf Haupt- 
kirchen einer musikalisch berühmten Residenzstadt bei Amt und Vesper Kompositionen 
und Vortragsweisen, Textverstümmelungen und musikalische Roheiten zu vernehmen 
Gelegenheit hatten, die man im 19. Jahrh. für unmöglich halten möchte und nur mehr 
in katholischen Kirchen wagen zu können scheint Am meisten wunderte sie der Um- 

^) Ich schaute auf den Chor, der Regent lag, den Kopf auf die Hand g;esttttzt, an der Brüstung 
und lang Pfundnote fUr Pftindnote gleiehmäsBig an? die armen Zuhörer herab. 



H3 IM GH 

ruhiger. 



Idhaft I I I I ruhiger. ^^^ — 




Darf sich denn ein Frem- der drän*gen zu der Got-tes-mut - ter traut? 

PP 



^^^^^^^^^^^ 



Die Figuren des anmutigen Titelbildes haben archaistische, die Ton weisen des lieblichen -Rosen- 
kranzes" moderne Züge. F. a. H. 

Vermisohte Naohrichten und Mitteilungen. 

1. ö Kirchenmusikalische Aufführungen bei Gelegenheit der 8. Centenar-Feier der Gründung 
des Cisterzienserordens an den 3 letzten Tagen des Monats Mai in der Klosterkirche zu SeUiren- 
thal (Landshut). Sonntag den 29. MaL Hochamt: Konzilsmesse, 4 voc. c. o. von Fr. Witt. Offner- 
torium: Cor^firma, 4 voc. s. o. von P. Fiel. Abends: Maiandacht: Marienlied, 4 st mit Orgel von 
G. Greith. Tantum ergo, 4 voc. s. o. yon Fr. Witt — Montag den dO. Mal. Hochamt: Missa in hon. 
St. Joseph!. 3 voc. s. o. von Fr. Konen. Credo aus Missa in hon. Ss. Ck>rdi8 Jesu, 3 voc. c. o. von 
P. GriesDacner. Offert, redt, dann Cowfirma, 3 voc. c o. von Fiel. Abends: Maiaudacht: Marien- 
lied, 3 St. ohne Orgel von P. Piel. Tantum ergo, 4 voc. s. o. von Griesbacher. — Diensta«^ den 
31. Mai. Predigt und Hochamt: Veni Creator, 4 voc. s. o. von Fr. Witt Missa „Angelica^, 4 voc. 
c. 0. von P. Griesbacher. Offert. Portos codi, 4 voc c. o. von P. Piel. Nachmittags: Litaniae laure- 
tanae, 4 voc. s. o. von K Stehle. Te Deum, 3 voc. s. o. von Fr. Witt. Tantum ergo, 4 voc. s. o. 
von ralestrina. Abends: Maiandacht: Marienlied. 4 st m. Orgel von C. Greith. Tantum ergo, 4 voc. 
s. 0. von Griesbacher. Introitus, Graduale und Communio werden stets choraliter gesungen. 

Vom Brevier wird an diesen Tagen die Terz und die Vesper gesungen. 

(Die Bed. macht Ghorregenten una Sänger, welche an den genannten Tagen abkommen können, 
auf diese FesÜichk:eiten besonders aufmerksam. Ohne Zweifel wird dieser Musterchor von Frauen- 
stimmen nicht nur das musikalische, sondern auch das ideale, religiöse Moment, wie bei der Katho- 
likenversammlung im Aug. 18d7, zur Geltung bringen, also belehren und erbauen. 

2. A ^Bin kirchenmasikalisches Zerrbild erhielt die Redaktion aus Ungarn: In 
Bereffszäsz fand ein feierliches Traueramt mit voller Assistenz für die gestorbene Gräfin 
SchönDom- Buchheim (geb. Trautmannsdorf^ statt. Die .Pi^cen*' waren: Introitus: Ein Teil aus 
Beethovens Trauermarsch, Solo-Stimme mit Orgel, ungariscn. Qraduale: Ein kalvinischer Grabgesang 
aus Debreczin (Hauptstadt der Kalviner in Ungarn), was sie vierstimmig singen, Solo, vorgetragen 
mit Orgel, ungarisch. Cffertorium: ein ungarischer Grabgesang unbekannten un^rischen Textes für 
Solo-Summe mit Orgel. Sanctus: Ein Teil aus Bachs Trauermarsch, Solo-Stimme mit Org[el. Benedictus: 
Männerquartett unter der Leitung des kathol. Lehrers; „Slijatok** (Weinet alle), ein ungarisches 
Grabliea. Zwei liturgische Gesänge waren lateinisch: Dies irae (erste und letzte Strophe, die anderen 
nicht) von einer Solo-Stimme mit Orgel j und Libera mit vollständigem Texte, Quartett, aber alles, 
nur kirdilich nicht, mit ekelhafter Snssigkeit und Sentimentalität vorgetragen.'^ 

8. Personalnotizen. Mit grosser Freude erfüllte die schlesischen Cäcilianer die Ernennung 
des um die Förderung der Sache der heiligen Cäcilia so rühmlich bekannten H. H. Erzpriesters 
Augunt Staude in ^rottau zum Ehrendomherm der Kathedrale Breslau. Möge die Erfüllung 
unseres aufrichtigen Wunsches: Äd muitos annos! die heil. Cäcilia erflehen. (Dielted. der Mus, s. 
schliesst sich dieser Gratulation mit Freude und Hoflhung an.) — Der Chordirigent und Organist 
der kathol. Kirche St. Hedwig in Berlin, H. Rnd. Wecker, ist zum Kgl. Musikdirektor ernannt 
worden. — 

Offene EorrespondenBen. 

F. D. in M.-8ch. Dankend erhalten; das Gewünschte besorgt. 

Alb. 8. in Chicago. Gratuliere zur Organistenstelle zu St. Michael dortselbst und danke für die 
interessanten Zeitungsnummem. Herzlichen Grass. 

D. F. Die Firma Fr. Pustet dahier erOiFnet eine Filiale in Rom (bei Fontana Trevi) und wird den 
neuen liturgischen Ausgaben aach „Itomae*' beifOgen. Bis auf weiteres wollen Sie Ihre Wünsche 
richten an Herrn Gius. Antinori, via della Maddfuena n. 27, Roma. 

R. E., B. Ly K. 0. Harmonium nach amerikanischem System mit Sauggebläse besorgt auch die 
Kirchenmusikschule in Regensburg, resp. der Geschäftsführer derselben in dieser Branche, um den Preis 
von 120 Mk.; dieselben umfassen jedoch, wie auch die von Ihnen erwähnten, nur 4 Oktaven und 
eine Zungenreihe. Nächstens wird ein neuer Katalog ausgegeben, der jedoch den bewährten, aus- 
gezeichneten Instrumenten von Packard nur wenige neue r^ummern beifügt. Die Litteratur für 
die Instrumente von Estey oder Mason & Hamlin kann auch ^ die Hannonium von Packard 
dienen und von Breitkopf & Härtel besorgt werden. 

Druck und Verlag von Friedrich Pustet in Regensburg, Gesandtenstrasse. 

Nebst Ansel^eblatt Nr. 9. 



-^ HO &h 

Eletoriom und einige lateinische Hymnen, wie Veni Cfreator, Tantum ergo n. s. w. Ohne Zweifel 
atte der emsige nnd hocliverdiente Meister von Boppard die rheinischen Gymnasialverhältnisse im 
Auge, nach welchen ansser dem sonn- nnd festtäglichen Vor- nnd Nachmittagsgottesdienste noch 
zweimal in der Woche heilige Messe obligat ist, nnd bei welcher gebetet nnd s^esnngen wird. Das 
dentsche Kirchenlied wird bei diesen Gottesdiensten vorzugsweise gepflegt, nna es mnss konstatiert 
werden, dass die allermeisten der aufgenommenen Lieder wertvoll und gediegen sind; Konzessionen 
wurden gemacht bei Nr. 1, 25, 32, 33, 65 und wenigen anderen. Ein Vergleich mit dem 1896 in 
Mu8. 8, S. 230 besprochenen, im musikalischen Teil von C. Cohen redigierten und eben in 3. Aufl. 
bei Schwann in Dusseldorf erschienenen (geb. 2 J6 30 /^) Fsaüite Domino!, das ebenfalls für höhere 
Lehranstalten bestimmt ist, föllt nicht zu Unlüsten des von Fiel besorgten Lumen cordium aus; 
beide Bücher verdienen Beachtung und Einführung in den Kreisen, für welche sie bestimmt 
sind. Referent bedauert jedoch in Piers Büchlein, dass bei der Wiedergabe der liturgischen 
Gesänge im Violinschlüssel eine Schreibweise der offiziellen Melodien in lauter Viertelnoten 
gewählt wurde, besonders aber, dass Punkte und Striche, „bei denen eine milde Betonung 
angebracht werden soll", über einzelne Noten und Notengruppen gesetzt wurden. Auf diese Weise 
entsteht ein manierierter, hüpfender und stossender Vortra&f des Chorals, der dem anerkannten 
Grundsatz: „Singe die Worte mit den Noten so, wie du sie ohne Noten sprichst*^ schnurstracks 
entgegen ist nna zu einer Verwirrung führen muss, wie sie seiner Zeit bei der Referentenversamm- 
lung m Bamberg (1890) zu äusserst unerquicklichem Ausdruck gekommen ist. Die Sänger, (die 
H. ü. Ahle, Cohen, Tresch, Maurer und Referent) wurden vom befi^eitenden Organisten (riel) teils 
gejagt, teils zurückgehalten und hatten alle Mühe, den liturgischen Text spraclirichtig zu dekla- 
mieren und den sich aufdrängenden rhythmischen Stössen des Organisten auszuweichen. Wenn der 
Vortrag für Laienohren nicht geradezu verunglückte, so lag das Verdienst in der Nachgiebigkeit 
der fünf genannten Sänger. Manchmal treffen die Punkte, welche im J^umen cordium** über 
Accentsilben stehen, mit den Sprachregeln überein, sehr oft jedoch nicht, besonders, wenn beim 
Podatus oder Clivis die erste Note ohne Grund hervorgehoben wird, wodnrch unmotivierte, vom 
Texte gewaltsam losgetrennte Betonungen entstehen, die auf das Ohr wirken, wie nervöse 
Zuckungen und Gliederreissen eines Gichtkranken auf das Auge, z. B. 



ikj:%Jif??nlItgJTJll^^^77^ ^ 



Oi-b& - vit. mel - le &nm^n - ti e - - os. Sic - ut e - rat u. s. w. 



Solche Accente erschüttern und vernichten den freien Rhythmus der Deklamation. Nach dieser 
Seite spricht sich Referent unumwunden gegen die rhythmische Alteration der offiziellen Choral- 
gesänge aus, besonders da auch die Archäologen beim Vortrag aus dem Liber Gradualis von 
Dom Pothier in neuerer Zeit von dem System des Stossens und Trippeins abzugehen sich bewogen 
gefunden haben und zur Einsicht gelangt sind, dass die fliessende Deklamation und die musikalische 
Rhythmik unter diesen Manieren Schaden nehmen. 

Die Sammlungen PieFs nnd Cohen's haben zwischen 50 nnd 60 Gesänge und Lieder gemein- 
sam; unter denselben aber gibt es für die gleichen Texte verschiedene Melodien oder in den sonst 
gleichen Melodien kleine Abänderungen. Für die Choralgesänge, soweit sie beiden Bücliem gemein- 
sam sind, sind ähnliche Differenzen ausgeschlossen, besonders wenn man die unglückseligen Punkte 
nnd Striche im „Lumen cordium" gänzlich unbeachtet lässt Cohen hat die Choralnote belassen 
und die Gesänge auf fünf Linien mit G-Schlüssel umgesetzt; das verdient den Vorzug. Wer sich 
in Deutschland der Hoi&iung hingibt, dass es möglich sein werde, ein einheitliches Gesangbuch von 
deutschen Kirchenliedem zu schaffen, der mag schon aus dem Vergleich zwischen den beiden, mit 
Geschick und Geschmack redimierten Büchlein von Piel und Cohen diese Hoffnung ruhig fallen 
lassen; die musikalische Autorität allein bringt so etwas nicht zustande, wenn nicht der ganze 
Episkopat, oder wenigstens ein grosser Teil desselben diese Frage in die Hand nimmt. 

„Rosenkranz" sind fünfzehn Lieder zur sei. Jungfrau und Gottesmutter betitelt, welche 
P. GreflTor Molitor, Benediktiner der Beuroner Kongregation, für vierstimm. Frauenchor 
komponiert hat; Verlag der Kunstschule in Beuron, Part. 2 M,St ä dO ^ Den dichterisch wert- 
vollen Texten von Ansgar Pöllmann, Louise Hensel, G. M. Dreves, Emilie v. Ringseis und 
F. W. Weber entsnrechen auch die zarten Weisen des Tondichters. Die Deklamation strebt mit 
allen Mitteln nach innigem, verständnisvollem^ begeistertem^ ja hinreissendem Ausdrucke. Frauen- 
chöre, welche diese 15 Lieder mit soviel Innigkeit, Zartheit und lebhafter Empfindung vortragen, 
als sie der Komponist gedacht hat, werden tiefe Bewegung hervorrufen; mau lasse sie jedoch lieber 
unauf geführt und freue sich des Wohlklangs derselben am Klavier und Harmonium, wenn das 
Stimmenmaterial ungenügend, oder die Textesdeklamation nicht ausserordentlich exakt und einheit- 
lich ist, oder gar wenn die dirigierende Persönlichkeit diesen zarten Geschöpfen Bewegung und 
Leben nimmt. Jede Sentimentalität ist glücklich vermieden, aber ein starkes nnd doch fein ge- 
bildetes Gefühl für Rhythmik und Selbständigkeit der Einzelstimmen muss vorausgesetzt werden. 
Dissonierende Vorhalte, Durchgänge und Nachschläge, überraschende Harmoniewendungen wechsebi 
mit lichtvollen und wohlklingenden diatonischen Fort«chreitungen ab; Referent hat nur eine Stelle 
zu beanstanden, von der er wünschen möchte, dass sie der Komponist als Stichfehler erklären 
könne, obwohl er sie zweimal wiederholt, nämlich die Zeile in Nr. 2, besonders der zweite Takt in 
Verbindung mit dem ersten und dritten. Man urteile selbst: 



H3 Ml» h>- 

Was die Zeichen für Pedalapplikatur anlangt, so spricht Ref. wiederholt das 
schmerzliclie Bedauern aus, dass jeder Orgellehrer seine Privatansichten als allgemeine 
Norm hinzustellen pflegt. Dadurch ist in neuerer Zeit eine Menge der verschiedensten 
Zeichen entstanden, welche auch geäbte Organisten zwingen, sich entweder mit den 
Privatanschauongen zuerst gründlich zu befreunden, oder dieselben ganz ausser acht 
zu lassen und zu sehen, wie sie mit dem Pedalsatz fertig werden. Hier scheint eben- 
falls, wie bei Orthographie, temperierter Stimmung und ähnlichen pädagogischen Fragen 
ein Kommando von oben herab, so eine Art militärischen Befehles, notwendig zu sein. 
Vielleicht findet sich unter den Lesern der Mibs. s. eine Persönlichkeit welche dieses 
Thema entweder sehr ausfuhrlich im kirchenmusikalischen Jahrbuch für 1899 nach 
historischer und graphischer Seite behandelt, oder in einem kürzeren übersichtlichen 
Artikel in der Musica sacra. 

Eine Sammlung von Fest-Vor- und Nachspielen für die Orgel gab A. Jos. Monar^) 
mit dem Titel „Pleno organo" unter Mitwirkung verschiedener Komponisten heraus. 
Dieselben sind nach Tonarten (C — E-dur, F — As-dur, A — Fis-moll, D-— F-moU) 
geordnet. Noch praktischer wäre es gewesen, diese Tonarten als Kolumnentitel über- 
sichtlich anzugeben, um nicht für jeden Bedarfsfall im Inhaltsregister nachschlagen zu 
müssen. Nr. 60 — 66 sind Nachspiele zu verschiedenen Ite missa est, den Schluss 
bilden zwei wirkungsvolle Orgelphantasien des Herausgebers. Lobend ist hervorzuheben, 
dass der Wechsel des Pleno organo mit anderen Eegistem, Rohr- oder Zungenstimmen, 
angegeben ist, und dass die meisten Nummern auf 3 Systemen, also mit eigener Pedal- 
zeile, dargestellt sind. Wenn auch nicht virtnosenhafte Anforderungen an den Spieler 
gestellt werden, so fordern doch die meisten Nummern wenigstens zweimanualige Orgel- 
werke und eine Technik, welche über die Mittelmässigkeit hinausgeht Auch tüchtigen 
Orgelimprovisatoren ist diese schöne Sammlung zu empfehlen, denn man redet bezw. 
spielt nicht immer glücklich aus dem Stegreif, und es ist keine Schande, in der Kirche 
nach Vorlagen zu spielen; überdies wird der gebildete Organist durch wohlüberlegte 
Kürzungen oder Erweiterungen anregender Kompositionen in seiner Phantasie nicht 
beschränkt, sondern nur gesammelt und zu neuen Gedanken angeregt. Der -{> Dom- 
organist Jos. Hanisch improvisierte dann am allerbesten, wenn er irgend ein nur mit 
den Melodien versehenes Choralbuch vor sich hatte; er pflegte ständig und aufmerksam 
in demselben zu lesen, und wer ihm zusah, hatte den Eindruck, als ob er seine Vor- 
und Zwischenspiele aus dem Graduale oder Vesperale heraus fix und fertig ablese. 
Das schön ausgestattete, in seinem musikalischen Inhalt wohl mehr und minder wertvolle, 
aber keine unwürdige Nummer enthaltende Werk bietet grösstenteils moderne Orgel- 
musik, und zwar gute und tüchtige. 

n. Eine Salonorgel. Die „Augsb..Postztg." berichtet über eine Privatorgel aus 
der Anstalt von Steinmayer & Co. zu Öttingen im Ries (Bayern), welche sich ein 
Augsburger Fabrikant herstellen liess. Die architektonischen Teile sind im Stile der 
deutschen Benaissance gehalten, statt des Pfeifenprospektes sind fünf Füllungen mit 
passenden Gemälden und Medaillons angebracht. Die Zeichnung des Gehäuses von 
Architekt Keller und die von Kunstmaler W. Eilers in München ausgeführten Gemälde 
werden als Kunstwerke gerühmt. „Der Magazinbalg mit zwei Schöpfern, wird von 
einem Heissluftmotor angetrieben, beide arbeiten ruiug und tadellos. Als Salonorgel 
in einem bescheidenen Baum stehend, ist die Disposition (I. Manual Geigen*Princip. 8', 
Salic. 8', Wienerfl. 8', Dolce 4', ü. Man. Äoline 8', Liebl. Gedact 8', Vox coel. 8'. 
Pedal: Bourdoubass; zwei Pedalkopp, und eine Manualkopp, nebst Oktavkopp.) so glück- 
lich getroffen, dass bei grosser Fülle keine Übersättigung vorhanden und eine reiche 
Kombination von Klangwirkungen ermöglicht ist. Nachdem das eigentliche Orgelwerk 
in einen Schwellkasten eingebaut, so ist dadurch nicht nur eine eigenartige unbeschreib- 

^) Op. 15. Junfermann (Pape) in Paderborn. 185 Seiten in Quer-4^ Preis 6 «M 50 .«5^. Dieselbe 
enth&lt von Eman. Adler 1, Bemards 8, Blum 2, Dahm 2, Deigendesch 1, Diebold 1, EsBcr 2, OöUse 2, 
Hoffinann 8, Kölzer 1, Monar 15, Pauli 8, Piel 5, Plag 6, PUUs 1, Quadflieg 8, Ravanello 3, Renner jun. 1, 
Rodenkirchen 2, Schildknecht 1, Schweich 8, Dr. Surzynski 2, Veith 2, A. Wiltberger 8 Nummern. Der 
Herausgeber war so artig, ein Verzeichnis der von den Mitarbeitern bisher veröffentlichten Orgelkompo- 
sitionen mit Angabe des Preises, Verlegers u. s. w. anzu^gen. 



-ra «MI Bi- 

liehe Wirkung zn erzielen, sondern ist die Mannigfaltigkeit noch ganz bedeatend ver* 
mehrt Dass in der Technik alle modernen Erfindungen angewendet sind, versteht sich 
von selbst. Die Mechanik ist durch Röhrenpneumatik ersetzt, und mustergijtig ge- 
raten, da fortwährende Versuche auf eine erstaunliche Höhe gefdhrt haben." 

Es ist erfreulich zu hören, dass auch Hausorgeln wieder gebaut werden, denn auf 
diese Weise kann eine gediegene Technik des Orgelspiels und der gute Geschmack für 
Begisterwechsel und Toi^arben gefördert werden, da wenige Organisten sich in der Lage 
be&den, für ihre Übungen zu jeder Jahreszeit die Eirchenorgel zu benätzen. F. X. H. 



Aus Archiven und Bibliotheken. 
Die Musiker auf der Kaiserwahl zu Franl(furt a. M. 1612. 

Selten mag man die ^Furier vnd Futterzettel" der Kurfürsten und sonstigen hohen Herren, 
^wie dieselbe sampt den Dingen zur Krönung einritten**. so vollzählig beisammen finden, wie es mii 
j^en Dokumenten möglich ist, die gelegentlich der Wahl und Krönung des Kaisers Matthias L zu 
Frankfurt a. M. 1612 ausgegeben wurden. ^) Es sind nicht weni^r als zwölf gedruckte Schriften 

frösseren und geringeren umfanges, die üoer den Hofstaat der einzelnen Fürsten detaillierte Aus- 
onft geben. 

Die Furierzettel sind auch für die Musikgeschichte wichtige Quellen. Mögen sie dies selbst 
bekunden. 

Kaiser Matthias, dem besonders daran liegen musste, den grössten fürstlichen Pomp zu ent- 
falten, führte nicht weniger als fünfzig Mnsiker mit sich, nämlich: 

Gammer Musici: „Christoff Strauss, Don Pietro de Nngera (Nagera), Amoldus de Sayve, 
Marco Antonio Mosto. 

Spanische Musici: Martin Valdivieso^')'^ Antonio Vitoria."^ 

Zur Cap eil gehörig: Alexander Orologio, Vicecapellmeister; Thomas Podenstein, Org^iist. 

Altisten: (Jeorg Straub, Frandscus Mengadf, Matthias de Sayve, Christoff Wagner, 
Johann Chreutzer (Krevczer), Jacob Häberle. 

Tenoristen: Andreas de Roriff, Johannes Lippins, Matthäus Habereitter (Habereiner), 
Georg Conrad de Londn ^ongin), Johann Jacob Kuppers. Jacob Langhans. 

Bassisten: Georg Pleicnsrnm, Caspar Christian, Paulus Danat (Donat), Don Francesco de 
Fascoselos,'*' Friedrich Lorenkhofer. 

Discantisten: Johann Dalwin, Jacobus Wanner. 

Capellknaben: Andre Frisch (Früz), Georg Seybalt,* Zacharias Prenner,* Caspar Pestel,* 
Sebastian Gieter,* Simon Strobel.* — 17 Trompeter.** 

Kurfürst Johann Georg von Sachsen hatte folgende Mitglieder seiner Kapelle bei sich: 

„Johann Leon Hessler FI]. Thomaa Dax (Tax),"^ Wilhelm Günther,* Johann Geckritz,* Gregor 
Haiger (Hoier), Michael Mehlich,* Hans Klee^^ Augnstas Dax. Wentzell Hübner,* Simon Michael, 
Johann Max,* Zacharias Hangk,* Johann Agncola beneben 4 Knaben.** 

Im Gefolge des Erzbischofs Ferdinand yon Köln befanden sich von Musikern: 

„Joannino Favereo, Capellmeister^ Wilhelm Blota^o. Organist; Wilhelm, Lautenist;* Peter 
Anthoni^ Michael Bouchon,* Jacobus Pieluack,* Anthomus le Badde,* Matthäus Janiar,* Hans Ider- 
hoffer,* Bartholomäus Khncher,* Simon a Cmce,* Senger Knabe, Jonas Schiefel.* ** 

Den Erzbischof Lothar von Trier begleiteten : 

-Nicolaus Kirchhoff,* Organist; M. Johann Esch,* Eobert Kirchhoff,* Florentz Camis,* 
Michael,* Bassist; Polycarpus,* Posaunblaser.** 

Bei den übrigen Fürsten sind entweder gar keine Musiker oder nur die Gesamtzahl der 

Trompeter angegeben. , , ™. ,. , 

Der G^chichtsknndige wird ohne weiteres den Wert dieses dürren Namensverzeichnisses er- 
messen. Die Namen der Kaiserlichen und kurfürstlich -sächsischen Musiker sind, wenige ausge- 
nommen, zwar schon durch Köchel (die kais. Hofbiusikkapelle in Wien) und Fürstenau ^. Gesch. 
d. Musik und d. Theaters a. Hofe zu Dresden) bekannt geworden. Allein ein näherer Vergleich 
lehrt, dass mandier Musiker in Frankfurt eine andere Funktion zu erfüllen hatte, als daheim. Sind 
demnach die Furierzettel hinsichtlich der kaiserlichen und sächsischen Kapelle wertvolle Ergänzungen 
zu den Listen Köchers und Fürstenau's, so bieten sie andererseits ganz neues, wenn auch geringes 
Material zur Musikgeschichte von Köln und Trier. Was aber noch mehr bedeutet, als diese Be- 
reicherung unseres lexikalischen Wissens, das ist die Vertiefung unserer musikalischen Anschauung. 
Wieviel und was mag hier nicht alles von Sängern und Spielern zusammen musiziert worden sein! 
Wie mögen die guten Beichsstädter Mund und: Nase au^^perrt haben, wo es der Herrlichkeiten 

') Siehe das 91. Bücherverzeichnis des Ho&ntiquariats von Em. Mai in Berlin (unter „Frank- 

l^irt: B„ M "^ 

*) Die bisher unbekannten Musiker sind durch * bezeichnet. Über die anderen geben ausser 
Köchel und Fürstenau die Lexika von F6ti8, Walther, Gerber u. s. w. Auskunft. 



zn sehen und zu hören schier eine Überfälle gab! Wie mögen sich aber auch bei solchen Gelegen- 
heiten Beziehungen von Person zu Person unter den Mnsikem, die räumlich weit getrennt sonst 
liur dem Kufe nach einander, kannten, mit Leichtigkeit angebahnt haben! Und nun denke man sich 
als Gegensatz zu diesem festlichen Treiben, zu Spiel, Gesang und Trompetenschall den Tod Hassler^s, 
der ihn mitten auf der Wahlstatt musikalischen Wettstreites hier am 8. Juni ereilte , und seine 
feierliche Beisetzung am 10. Juni. Man müsste ein Dichter sein, um diesen Kontrast des Näheren 
9»uszumalen. 

Man siebt, auch die unscheinbaren Furierzettel reden eine eindringliche Sprache. Wem der 
Zufall ähnliche Dokumente in die Hand spielen sollte, lege sie darum nicht achtlos bei Seite. 

Berlin. Dr. Max Seiffert. 

Einfluss des Pfarrherrn auf die Kirchenmusik. ') 

Vor etlichen Monaten brachte die Augsb. Postzeitong im Feuilleton einen Artikel, 
vfOTin der Verfasser manche Mängel, welche in der katholischen Kirchenmusik hie und 
da nnd nicht gar so selten vorkommen, bespricht und Vorschläge zn deren Abhilfe 
macht. Als besonders wirksames Mittel wird hervorgehoben und empfohlen, dass bei 
Bischöflichen Visitationen auch ein besonderes Augenmerk auf die Kirchenmusik der 
betreffenden Pfarrei gerichtet werden solle, und dass eine Einsichtnahme des kirchen- 
muäikalischen Repertoires ganz am Platze wäre. 

An und für sich erscheint dieser Vorschlag vollkommen richtig, da es sich um 
eine Sache handelt, die nicht weniger der Beachtung und Bischöflicher Revision be- 
nötiget, als der Zustand der hl. Gefässe, Päramente u. s. w. Jedoch kömmt man damit 
nach meiner unmassgeblichen Ansicht keineswegs zum gewünschten Ziele. 

Wer soll und wer kann eine solche musikalische Revision bei dieser Gelegenheit 
vornehmen, und wie soll sie geschehen? Die Kirchenmusik, welche bei einer vorher 
bekannt gewordenen Bischöflichen Visitation, bei der Firmung, bei Einweihung einer 
Kirche u. s. w. aufgeführt wird, kann bei weitem nicht an allen Orten als der richtige 
Masstab angenommen werden, um einen Chor zu beurteilen; denn dazu bereitet man 
sich eigens vot und zieht sehr häufig bessere Kräfte aus der Nachbarschaft herbei. In 
Betreff dessen, was in dieser oder jener Kirche aufgeführt zu werden pflegt, kann man 
sidi höchstens an das Verzeichnis des Kirchenmusik -Archivs halten. Aber wie viele 
oder vielmehr wie wenige Kirchen besitzen ein eigentliches Archiv und erst gar ein 
Verzeichnis vom Inhalte desselben? Und wenn auch ein solches vorhanden ist und 
wirklich nur Gutes enthält, so ist damit nicht immer auch schon die Bürgschaft ge- 
gegeben, dass nur dies Gute gebraucht wird. Kann nicht ein Chor ein gutes Repertoire 
besitzen und der Chorregent doch hin und wieder alten Schund auffuhren? Gar so un- 
denklich ist dies nicht. Und wie wird der Vortrag beschaffen sein? 

Überdies muss ein Censor auch bedeutende Musikkenntnisse besitzen und nament- 
lich in der Kirchenmusik-Litteratur erfahren sein, um richtig urteilen zu können; dies 
wird aber bei den den Bischof begleitenden Persönlichkeiten gar selten der Fall sein. 
Man wird sich gewöhnlich mit den Angaben des betreffenden Pfarrvorstandes begnügen 
müssen. Es können nur noch Fragen gestellt werden z. B. ob und in wiefeme die 
kirchlichen Vorschriften bezüglich des Chores beobachtet werden, wie das Chorpersonal 
sich verhält, ob von selten der Kirchenverwaltung auch etwas für die Kirchenmusik ge- 
schieht u. d. gl. 

Die Bischöflichen Visitationen werden demnach auch nicht zuwege bringen, was 
der obengenannte Verfasser von denselben sich erwartet. Die wirksamste Macht, die 
Kirchenmusik in Ordnung zu bringen und in Ordnung zn erhalten, liegt in den Händen 
des Pfarrvorstandes; dieser nämlich hat als rector ecclesiae und Wächter des Heilig- 
tums nicht bloss das Recht, sondern auch die Pflicht, wie auf die würdevolle Vollziehung 
aller Kultushandlungen, so auch auf eine dieselben begleitende Musik seine Sorge zu 
erstrecken. Wenn ein Pfarrer diese seine Pflicht wohl in acht nimmt, so wird er 
sicherlich Gutes, auch bei weniger begabten und minder fähigen Chorregenten wenigstens 
Anständiges erzielen. 

Von P. Utto Kornmüller, 0. S. B., in Metten in theol prakt. Monatsschrift (Passau, 1898, 
5. Heft S. 821). 



-» IM &- 

Sind dem Pfarrer hiezn spezifisch musikalische Eenntnisse notwendig? Gut ist 
es, wenn er sie hat, aber durchaus notwendig sind sie nicht. Auch olme dieselben 
kann er die Beachtung der kirchlichen Vorschriften urgieren; er kann fordern, dass bei 
den liturgischen Gottesdiensten stets die lateinischen, und zwar die treffenden Texte 
gesungen werden ; dass die Sänger alle Texte deutlich und richtig singen, dass der Chor 
die Besponsorien der heil. Messe anständig vortrage, und dass dieselben nicht durch 
volles Orgelspiel unhörbar werden; dass das Ghorpersonal sich ehrerbietig verhalte; dass 
der guten Erhaltung der Orgel und der der Kirche zugehörigen Musikalien die nötige 
Sor^alt zugewendet werde. Auch dazu gehört keine besondere Kenntnis, um zwischen 
einer ernsteren Musik und zwischen blosser Liedelei und tänzelndem Wesen zu unter- 
scheiden. Andächtig vermögen auch minder begabte Sänger zu singen. Also darauf 
kommt es am allerwenigsten an, dass der Pfarrer etwa ein guter Musiker sei. Die 
meisten Ghorregenten sind ja doch Leute, welche, wenn sie auf etwas' aufmerksam ge- 
macht werden, sich gefügig zeigen und selbst so viel religiösen Sinn oder wenigstens 
ästhetisches Gefühl besitzen, um auf eine anständige Musik bedacht zu sein. 

Freilich sollten die Priester ihrerseits mit gutem Beispiele vorangehen und sich 
stets bemühen, die Altar- und sonstigen liturgischen Gesänge z. B. bei Begräbnissen 
und Vigilien immer würdevoll vorzutragen. Wenn aber etwa ein Geistlicher die Gebete 
und Gesänge zu rasch und unandächtig absingt, so wäre dies keiji gutes Beispiel, und 
er könnte den Chor nicht tadeln, der solches nachahmen würde. 

Bei dieser Gelegenheit will ich auch einen Punkt zur Sprache bringen, der einer 
Berücksichtigung bedürfte, ich meine die verschiedenen Manieren, welche beim Priester* 
gesange sich bemerklich machen. Einer singt so langsam, dass man das Ende z. B. 
einer Präfation kaum erwarten kann, ein anderer so rasch, als wäre die grösste Eile 
geboten; einer singt alle Töne, mögen sie verbunden oder unverbunden sein, gleich lang; 
ein anderer trägt nach einem kräftigeren Ansatz die Texte sehr schnell und mit leiserer 
Stimme vor bis zu den letzten zwei oder drei Silben vor einem Abschnitte, welche 
dann mit starker Stimme hervorgebracht und übermässig gedehnt werden; wieder 
andere behandeln bei gebundenen Noten alle, ausser einer Hauptnote, wie kürzeste Vor- 
oder Nachschläge. Manche junge Geistliche lieben es, in sehr hoher Tonlage zu singen, 
so dass dem Chore das Respondieren oft schwer ist; ob das Gegenteil jetzt auch noch 
vorkommt, weiss ich nicht, jedoch vor sehr vielen Jahren hörte ich einen Pfarrer, der 
die Orationen u. s. w. regelmässig im untern B sang. 

In den Seminarien werden doch die Kleriker in gutem und ordentlichem Gesange 
einheitlich unterrichtet, warum nun diese verschiedenen Manieren? 

Um niein oben begonnenes Thema zu Ende zu führen, glaube ich, da mir die 
Bischöflichen Visitationen für die Besserung der Kirchenmusik ziemlich unzulänglich 
erscheinen, viel mehr dagegen von der Thätigkeit des Pfarrers abhängt, als ein er- 
spriessUches Mittel in Vorschlag bringen zu dürfen: 1) es möchten bei den geistlichen 
Exerzitien, worin ja stets über die Pflichten des Priesters gehandelt wird, auch eine 
eindringliche Erinnerung an die Pflicht, um eine kirchenwürdige Musik nach Möglich- 
keit besorgt zu sein, nicht fehlen; 2) es möchte in den Klerikalseminarien den Kandi- 
daten der Wert und die Bedeutung aer Kirchenmusik gründlich auseinandergesetzt und 
die kirchlichen Vorschriften im einzelnen ihnen vorgeführt werden. Die Kirchenmusik 
gehört auch in die Pastoral, und warum sollte man auf die Einhaltung der übrjgen 
liturgischen Vorsdiriften so strenge dringen, die Vorschriften über kirchlichen Gesang 
ganz stiefmütterlich behandeln? 



Vom Bücher- und 

A. Aletter*8 Musikverlag in Wiesbaden (C. F. Fleischer , Leipzig) tibersendet eine Klavier-^ 
komposition von W. Aletter, ^Melodia'* betitelt als Probe emer neuen Sammlung „Zwanzig- 
pfennigbibliothek^. Die Piöce ist wirklich melodiös und einschmeichelnd, die CantUene liefet 
in der haken Hand. Das Stück ist von mittlerer Schwierigkeit. Femer von Ludwig Mendels- 
sohn eine Maznrka, On. 68 Nr. 3, för Violine und Pianoforte (Violiostimme in L Lage) ans der 
Sammlung „Leichte ona gefällige Vortragsstücke", die ebenfalls der „20 ^ -Bibliothek** einverleibt 



-«3 IM ^ 

ist und recht nett klingt Ans den ^leichten nnd melodiösen Einderstückchen'' liegen zn bleichem' 
Preise vor zwei leichte, niedliche Pi^cen, Walzer and Polka, für Pianoforte von Leo Norden. 

Znr feierlichen Krönung der jungen Königin von Holland vertonte W. P. H. Jansen ein 
Gedicht von D. F. van Heyst „Een Vronwehand, Neuw Koninginnelied*' für gem. Chor. Dieses 
Op. 24 ist in *S-Gravenhage bei Gh. van Eck erschienen; Elavieranszug 1 fl. 50 kr., St ä 90 kr. 
Die Einleitung bildet ein Tenorsolo, nach welchem der Chor ,.die lieve, {enge Eoninffin'' mit be- 
geistertem Juoel begrttsst, darauf ladet der Tenor zu neuer Huldigung ein, und der Cnor ruft ein- 
stimmig ,^omt küssen w^ die vrouwehand, die 't volk regeert van Nederland.'' Patriotischer Jubel 
und kmdiiche Gefühle strömen aus den Solo- und Chorweisen, die von einer geschickten und gut 
figurierten Elavierbegleitung , deren Übertragung für Orchester schöne Effekte erzielen wird, ge- 
hoben sind. 

Von der ^Musikgeschichte im ümriss** von H. A. Köstlin, Prof. an der Universität Giessen, 
wurde der Redaktion einstweilen die erste lieferung der 5. verbesserten Auflage durch den Ver- 
leger Beuther & Reichard in Berlin als Recensionsexemplar zugesendet. Das Werk soll in 7 Liefe- 
rungen k 1 Ji vollständig sein. Die Musik des Altertums hat in dieser neuen Auflage Dr. Earl 
Schmidt, das Eapitel über die Entwickelung der Musik in Italien, Frankreich und England Dr. Willibald 
Nagel bearbeitet Die Redaktion der Mt«. «. behält sich vor, nach dem Erscheinen des ganzen 
Werkes eine eingehendere Besprechung abzufassen; die vorliegende 1. Lieferung reicht bis zu Gregor 
den Grossen. In betreff der &bliographie hat Referent die Bemerkung zu machen, dass entweaer 
eine chronologische oder alphabetische Aufzahlung der benützten litteratur hätte gewählt werden 
sollen. Von mehreren dtierten Werken sind nicht die neuesten Auflagen benützt; so flguriert z. B. 
der Magister chorab's noch in seiner 1. Auflage von 1863. Schliesslich sei bemerkt, dass diese neue 
Auflage als Handbuch für Vorlesungen gedacht ist und diesen Charakter noch bestimmter als bisher 
zum Ausdrucke bringt; dem Professor ist ein weiter Spielraum für Einschaltungen gelassen, wenn 
er die Grundlinien und Thesen anzunehmen in der Lage ist. 

Vom ,,Maffister choralis** ist bereits im Jahre 1889 die erste spanische Übersetzung erschienen, 
die schon seit 2 Jahren vergriffen ist Nunmehr hat der Augustinerpater Leoncio ^ufiria im 
Eskurialkloster zu Madrid eine zweite Auflage nach der letzten fhuazösischen Übersetzung des 
„Magister choralis" ausgearbeitet mit dem Titel „Ouia teMco prdcHco para d estudio y ^ecucSon del 
conto romano cfiddV*. l^gensburg, bei Fr. Pustet Preis br. 2 M. in Leinwand 2 Ui^ 60 ^. Die £ed. 
wollte diese spanische Übersetzung an dieser Stelle anzeigen, da vielleicht mancher unserer Leser 
Interesse hat, an der Hand der deutschen Ausgabe sich in der spanischen Sprache zu üben. 

Bei L. Auer in Donauwörth erschien a) unter dem Titel „Das Pfingstfest** ein Melodrama in 
3 AbteilungexL gedichtet von G. Pirkl, für SoU, gem. Chor, Männerchor und Elavier komponiert 
von Anton Maier , Op. 72 , Preis für Part und St 1 j^ 20 /^ und b} „Der gute Hirt^ melo- 
dramatisches Tableau, nir SoU. dreistimm. Chor (gleiche Stn.) und Elavier vom gleichen Dichter 
und Eomponisten (Op. 70), Preis für Part, und St 60 /^! Freunden melodramatiscner Musik seien 
diese einnichen Eompositionen , unter denen besonders das Op. 72 recht wirksam ist, für Festvei^ 
Sammlungen oder Abendvorstellimgen ai^ das wärmste empfonlen. Den Klavierpart kann ein mittel- 
mässiger Spieler nach einiger Übung unschwer beherrschen. Besonders hervorzuheben ist der 
billige Preis der beiden mit Tvpendruck hergestellten Musikstücke gegenüber ähnlichen weniger 
umfangreichen, aber um das dreifache kostspidigeren, zur Erbauung oder Unterhaltung bestimmten 
Publikationen. 

Eine Studie .Über den Ursprung des Motettes, vorläufige Bemerkungen von Wilhelm Meyer 
(aus Speyer), Professor in Göttingen^ wurde der Ked. als Einzelabdruck aus den Nachrichten der 
Kfi;l. CTesellschafb der Wissenschanen zu Göttingen (philog.-histor. Elasse. 1896, Heft 2) zugesendet 
wcDn auch der Verfasser, wie er selbst bemerkt, kein eigentlicher Musiker ist, so hat er imt dieser 
Studie aus einem der dunkeln Gebiete mittelalterlicher mehrstimmiger Eirchenmusik dem Musik- 
historiker sehr schätzenswerte Beiträge geliefert, und man wird es ihm danken, wenn er diese „vor- 
läufigen Bemerkungen'' über den sinnigen Zusammenhang der Texte, deren oft ebensoviele von ver- 
schiedenen Stimmen gesungen werden, als Stimmen vorhanden sina, über die Erweiterungen der 
liturgischen Texte durch hochrhetonscne Zusätze, über den Anfang, die Eigentümlichkeiten und die 
Weiterentwickelung des Motetts, über die Conducti und den Inhalt der kostbaren Florentinerhand- 
schrift aus der Zeit der Meister Leoninus und Perrotinus u. s. w. durch Fortsetzung seiner Studien 
noch weiter ausführt Wer von unseren Lesern Handschriften einschlägigen Inhalts, besonders 
mehrstimmig komponierter Antiphonen und liturfi;ischer Stücke vom 12. bis 14. Jahrhundert besitzt 
oder kennt, wolle die Bitte des Verfassers, ihm Mitteilung davon zu geben, gütigst erfüllen. 

Der hehren Himmelskönigin sind sieben marianische Gesänge zum Gebrauche bei nach- 
mittägigen Andachten mit dem litel „Cantica Mariana^^ eewidmet. Dieses Op. 77 von Ign. Mitterer 
ist für gem. Chor mit Befdeit des Streichauartetts oder der Orgel komponiert; Direktionsstimme 1 fl., 
Singstn. 80 kr., In8tmm.%tn. 70 lor., Verlag von Johann Gross (Sim. A. Beiss) in Innsbruck, Stich 
von Jos. Eberle & Co. in Wien. Die Texte sind: Sub tuum praesidium, glorioea virginum, Ave marü 
itdla, Alma Bedemptoris^ Ave Begina, Regina codi. Salve Regina, Dem Streichquartett können zwei 
nicht obligate Homer sich zugesellen. Nur bei Nr. 7 wird die Orgelbegleitung statt des Streich- 
quartettes abzulehnen sein; eine Verbindung des letzteren mit der ersteren möchte Referent der 
Tonreinheit halber nicht anraten, da das Streichquartett (Vdl. und Bass gehen mit einander) ohne 
Orgel viel idealer klingt. Die 7 Nummern sind Perlen geistlicher Musik und werden bei marianischen 
Andachten gerne gehört und gesungen werden, mcht als liturgische Gesänge sind die vier 



-t3 19V &h 

marisnischen Antiphonen nnd der ^rmnns Ave maris steUa gedacht und empfimden, sondern als 
frommes, and&chtiges Gebet, wie es der Priester dem Volke zu G^ör bringt, durch den Zauber der 
Töne natörlich viel eindringlicher, als durch das blosse Wort. Wenn es sich um das Gefallen 
handelt^ so gibt Referent unter den 7 Nummern dem Ave maris steUa den Vorzug (in der Begleitung 
S. 8 beim Worte castos hat auch die Orgel mit der Singstimme c zu nehmen) ; sehr schön deklamiert 
ist auch Ahna 'Bedemptoris (im 12. Takt hat die Orgel mit dem Sopran fis statt e zu spielen; in der 
1. Violinstimme sind die beiden Noten richtig). Einen freiereu Stil schlägt der Meister im Salve 
Btiffina an; die Synkopierungen in den Streichinstrumenten illustrieren sehr wirkungsvoll die fest- 
geschlossene Deklamation der Sin^timmen. Von Chören, welche gute Instrumentalmusik pflegen, 
werden diese sieben „Cantica Manana*^ sicher mit Freude begrüsst werden. 

Eine Broschüre von Werker, erschienen bei Herm. Braams in Norden und Nordemey 
(50 Seiten), hat fieferent zweimal gelesen und auch andere gebildete Leute lesen lassen, muss aber 
erklftren, dass er sie nicht verstanden hat. Sie ist betitelt: ,4)ie Theorie der Tonalität, ein Beitrag 
zur Gründung eines konsequenten Ton- und Musiktheorie-Systems". Es scheint fast, als ob Werker 
unsere Dur- und Moll tonieitern beseitigt und durch die „Zigeunertonleiter'' ersetzt haben möchte, 
da er von ihr behauptet, „dass sie als streng beschlossene Tonalität reicher an Harmonien sei und 
mehr melodische Vielseitigkeit, vor allem aucn mehr Modulationsgele^enheit biete, als die alten 
Kunstleitem.'' Die beigefdgten Notenbeispiele machen die Sache nicht viel klarer, und Bef. muss mit 
dem Autor S. 35 erklären: ,7Was man damit sagen will, ist mir einigermassen verschleiert." F. X. H. 



Der Volksgesang beim einfachen Amte (Jvfissa canfafaj.^) 

Wie bekannt, stellte Herr Dr. Bimbach vor einigen Jahren die Behauptung auf, 
es gäbe nach den Rubriken des Missale nnd nach den Rubrizisten nur zwei Arten 
von Messen, feierliche and private. Das ohne Assistenten gesungene Amt sei aber 
nicht feierlich, also privat, nnd demgemäss seien die bezüglich des Gesanges in der 
feierlichen Messe erlassenen kirchlichen Vorschriften für dasselbe nicht verpflichtend, 
so dass man mit gutem Gewissen während desselben in der Volkssprache singen könne. 
Eine ganze Reihe von Widerlegungen erfolgte und es v^urde festgestellt: 1) die Rubriken 
enthalten auch nicht einen Schatten von Beweis für diese Behauptung; vielmehr be- 
handeln sie das einfache Amt im Anschlüsse an die feierliche, nicht an die private 
Messe ^t. cel. Miss. VI. 8). Auch müsse nach Rubr. gen. Miss. XVI. 1. bei der Privat- 
messe Verschiedenes nur laut gesprochen werden, das Singen komme nur der feier- 
lichen Messe zu (1. c. nr. 3). 2) Das einfache Amt besitzt die Privilegien der feier- 
lichen Messe, welche der privaten versagt sind. 3) Die von Herm Dr. B. in seinem 
ersten Aufsatz gänzlich übergangenen, den Rubriken gleichwertigen Dekrete der 
Ritenkongregation verlangen auch von der „gesungenen Messe^ den Ausschluss der 
Volkssprache, oder den Gebrauch der lateinischen, so die vom 27. Febr. 1847, 11. Sept. 1847, 
7. Aug. 1875, 21. Juni 1879, 29. Dez. 1884, 31. Jan. 1896. Ebenso stellen sie das einfache 
Amt In ausdrücklichen Gegensatz zur Privatmesse, den 9. April 1808, 6. Febr. 1892, 
31. Jan. 1896. 4) Die Rubrizisten behandeln aus praktischen Gründen das einfache 
Amt teils im Anschluss an die Privat-, teils an die feierliche Messe, aber kein einziger 
nennt sie eine Privatmesse, Banldry an einer Stelle ausgenommen, der sie aber an 
anderer Stelle wieder davon ausschliesst, und buchstäblich kein einziger sagt, dass dabei 
in der Volkssprache gesungen werden dürfe, vielmehr setzen sie entweder den lateinischen 
Gesang als selbstverständUch voraus, da sie einen Widerspruch nicht voraussahen, teils 
fordern sie ihn ausdrücklich. Ich nenne hier: De Herdt, Baldeschi, Falise, Schober, 
Bjirtmann, Thalhofer, Wapelhorst, Mancini, Piller, Eienle. Die Beweisstellen kann ich 
unmöglich hier nochmals anführen, und muss deshalb auf meine früheren Broschüren 
verweisen. 

Nenestens (1897) hat sich diesen noch Professor A. Schmid in seinem „Caeremoniale^ 
angeschlossen, der S. 156 f. augenscheinlich in Rücksicht auf die jüngsten Pressfehden 
schreibt: ,J)er Text soll in missa cantata ohne Leviten und in solemni mit Leviten 
zur Übereinstimmung mit dem Gebete und Gesänge des Priesters lateinisch sein; nur 
in der Privatmesse ist deutscher Volksgesang gestattet. Die lateinische Sprache ist 
geboten Jn functionibus et offlcüs liturgicis^, auch wenn Introitus -- Agnus lateinisch 

^) Obwohl dieser Art. von Krutschek bereits in Nr. 4 unseres Vereinsor^anes abgedruckt war, so 
glaubt die Red. der Mus, s, denselben wegen seines wichtigen Inhaltes auch jenen Lesern mitteilen 2u 
sollen, welche nicht Abonnenten der „Fliegenden Blätter fUr kathol. Kirchen-Musik*' sind. 



gesungen würde; dagegen extra functiones litorgicas trage man der Gewohnheit Rech- 
nung. S. R. C. 21. Juni 1879 ad 1. Auch am 31. Jan. 1896 untersagte die S. R- C. 
Gesänge in der Volkssprache in missa solemni vel cantata, erlaubt sie aber in missa 
privata. Nach dieser Unterscheidung von dreierlei Arten von Messen, welche schon in 
den Generalrubriken des Missale I. 16 n. 3 und U. 6 n. 8 (cantata) ausgesprochen sich 
findet, ist die missa cantata ohne Leviten (II. 6 n. 8) nicht missa privata (I. 16 n. 3); 
ebenso ist die cantata nicht solemnis, wohl aber jede solemnis eine cantata. Auch in 
anderer Hinsicht tritt dieser Unterschied deutlich vor Augen, z. B. ist ein festum 
Simplex an Festen 11. Klasse in allen gesungenen Messen mit und ohne Leviten nicht 
zu commemorieren, wohl aber in missis privatis. S. R. C. 9. April 1808 ad 4; 
7. Sept. 1816 ad 10." S. 164 sagt Schmid mit dürren Worten: „Deutsche Gesänge in ge- 
sungenen Ämtern mit oder ohne Leviten sind verboten, weil sie mit den liturgischen 
Texten nicht zusammenstimmen, die künstlerische Einheit der Opferhandlung 
stören und einen Übergang zur Nationalkirche bilden." . . . Ausführlich habe 
ich mich hierüber in meinem Buche „Die Kirchenmusik" verbreitet und bemerke nur, 
dass unter den heutigen Verhältnissen der letzte Punkt nicht oft und scharf genug be- 
tont werden kann. Was aus unserm katholischen, für alle Völker bestimmten 
Gottesdienste werden kann, wenn der Fanatismus der Sprachenfrage sich ihn als 
Objekt seiner leidenschaftlichen Agitation erwählen darf, das lassen uns die jüngsten 
in verschiedenen Parlamenten und Städten vorgekommenen rohen und wüsten Skandal- 
scenen ahnen. Dass es jetzt schon geschieht, dass Katholiken sich nur deshalb vom 
pflichtmässigen Gottesdienste fernhalten, weil darin verbotenerweise in der Sprache 
ihrer „Gegner" gesungen wird, habe ich auch berichtet. 

Deshalb haben auch eine Anzahl Hochwürdigster Herren Bischöfe erklärt , dass im 
liturgischen Gottesdienste, in Amt mit und ohne Assistenten und Vesper, nur lateinisch 
gesungen werden dürfe, mit Ausschluss des Gesanges 'in der Volkssprache und zwar 
haben sie das nicht al^ Diözesanvorschrift bezeichnet, sondern als Vorschrift 
der katholischen Kirche. Spezielles hierüber findet man gleichfalls in meinem 
oben erwähnten Buche. Hier muss ich ganz kurz sein, da es sich nur um das ein- 
fache Amt handelt (denn die Ausschliessung der Volkssprache vom Amt mit Assistenz 
hat Dr. B. nicht bestritten) und da ich nur zur Orientierung der Leser eine Zusammen- 
fassung der Hauptargumente bieten will. 

Der Streit schien einzuschlafen, zumal nachdem für die von mir ausgesetzten 
500 Mark auf Seite der Gegner sich kein Liebhaber gefunden hat; da tritt plötzlich 
Dr. B. in der römischen Zeitschrift Analecta ecclesiastica mit einer lateinischen 
Wiederholung seiner Behauptung auf. Nachricht davon erhielt ich durch folgende Notiz 
der Neisser Zeitung: 

„6r. — Über den deutschen Volksgesang bei unserem sogenannten Amte hat Herr Erz- 
priester Dr. Birnbach in Wartha eine lateinische Abhandlung verfasst, die im AuguiBt- 
hefte der Römischen analecta ecclesiastica veröffentlicht ist. Die Redaktion macht dazu 
folgende Anmerkung: „Huius dissertationis conclusiones , etsi non omnibus arrideant, 
possunt libere exponi, usquedum aliter a suprema auctoritate definiatur", zu Deutsch: 
„Obwohl die Schlussfolgerungen vorstehender Abhandlung nicht allen zusagen, dürfen 
sie doch frei und ungehindert vorgetragen werden, bis dass von höchster Stelle anders 
bestimmt wird." Da die Römische Redaktion eine solche Anmerkung sicher nicht ohne 
vorausgehende Anfrage bei der Riten -Kongregation gemacht haben dürfte, so folgt 
hieraus das, was Pfarrer Dr. Birnbach stets verteidigt hat: dass nämlich dem deutschen 
Volksgesange bei unserem Amte kein römisches Dekret entgegensteht. Der Volks- 
gesang ist also auch bei unserem Amte toleriert und wird sicherlich toleriert bleiben." 

Jetzt sind wir natürlich glänzend geschlagen. Wenn das kein Beweis fär unser 
Unrecht ist, dass die Riten-Kongregation von dem Artikel vorher Kenntnis gehabt und 
gegen ihn keine Einwendung erhoben haben „dürfte", so gibt es überhaupt keinen. 
Die Anfrage dürfte geschehen sein, folglich ist der Volksgesang beim Amte offiziell 
geduldet. Leider ist uns diese Logik, für welche nur Gr., nicht Dr. B. verantwortlich 
zu machen ist, zu unverständlich, als dass wir uns ihr widerstandslos unterwerfen 



-ö 199 &h 

könnten. Mir kam daher der Gedanke, eine Anfrage „dürfte^' vielleicht nicht erfolgt 
und die Spekulation aof unsere Vertrauensseligkeit ,,dtirfte^' vermessen sein. Deswegen 
wandte ich mich mit Beilegung des Zeitungsausschnittes nach Rom. Die mir von dort 
gewordene Antwort war sehr interessant und ich will das, was zu veröffentlichen ich 
ausdrücklich ermächtigt wurde, den geehrten Lesern nicht vorenthalten. 

Die betreffende sehr kompetente Stelle teilt nämlich mit, „dass an die Biten- 
Eongregation keine Anfrage erfolgt sei; wäre das geschehen, so wäre der Artikel 
wahrscheinlich nicht erschienen, im übrigen bringe er nichts neues und es sei wirklich 
nicht der Mühe wert, ihn zu lesen.^ Da ich demnach nichts neues zu widerlegen habe, 
so ist es natürlich, dass ich mir diese unfruchtbare Mühe erspare, und herzlich froh 
bin, in keine neue, mir in der Seele widerstrebende Polemik eintreten zu müssen. 

Mein Gewährsmann schreibt mir weiter: „er habe über die Bemerkung in der 
Neisser Zeitung herzlich lachen müssen. Was verstehen denn die Deutschen eigentlich 
unter Biten-Kongregation ? Die Eonsultoren, die OfQziale, den Substitut, den Sekretär 
u. s. w.? Diese alle bilden nicht die Biten- Kongregation; sie sind Mitglieder, aber 
nicht die Kongregation, sie können ihre subjektive Meinung ausdrücken, aber damit 
ist noch nichts gesagt; in der Kongregation wird oft gerade das Gegenteil davon ent- 
schieden. Es wurden allerdings zwei Mitglieder vom Redakteur gefragt, aber beide 
sprachen sich im negativen Sinne aus. Das ist die ganze Fühlung der Bedak- 
tion mit der Biten-Kongregation.'^ Die in der Neisser -Zeitung gezogene Folgerung 
„dürfte'^ demnach jedes Grundes entbehren. Endlich wundert sich meine Quelle, dass 
hier nicht die Entscheidung vom 31. Januar 1896 genüge, wodurch ausdrücklich er- 
klärt wurde, nur in der Privatmesse ist der Volksgesang zulässig, nicht aber in der 
feierlichen oder der gesungenen. Anderen Leuten mag dieses Dekret ja genügen, nicht 
aber Herrn Dr. B., denn er erklärte im Schlesischen Pastoralblatt, dasselbe ginge uns 
nichts an, da es nach Italien gerichtet sei. Ich machte ihn sofort darauf aufmerksam, 
dass er mit dieser Ausrede nicht durchkomme, denn es enthalte die authentische Er- 
klärung, dass die „gesungene Messe^' keine Privatmesse sei und entziehe somit seiner 
ganzen Beweisführung die Grundlage. Es sei doch direkt unmöglich, dass in Deutsch- 
land die gesungene Messe eine Privatmesse sei, in Italien aber nicht. Dass mein Ein- 
wand erfolglos war, sieht man. 

Nachdem ich schon kurz in der „Cäcilia^^ den Sachverhalt dargelegt und die un- 
bequeme Thatsache ans Tageslicht gezogen, dass die Kongregation nicht gefragt worden 
sei, sondern nur zwei Mitglieder, welche sich aber gegenteilig ausgesprochen hätten, 
erklärte Dr. B., das spräche für ihn, da offenbar die Meinungen der beiden Konsultoren 
nicht durchschlagend gewesen seien! Wie man doch aus bitteren Blumen Honig zu 
saugen versteht! Die beiden Konsultoren sollten und wollten gar keine Widerlegung 
liefern, sondern nur ihr Urteil abgeben, und das war negativ. Sollte die Sache 
vor die Kongregation kommen, so würden die Herren schon imstande sein, ihr Urteil 
auch zu begründen. 

Zum Schlüsse möchte ich noch die Frage stellen: Was soll die römische Publi- 
kation eigentlich bezwecken? Ich meine, es soll dort Stimmung gemacht und mass- 
gebende Pei-sonen, welche die deutschen Widerlegungen nicht kennen, sollen beeinflusst 
werden. Glaubt man denn wirklich, dadurch zu erreichen, Bom werde einigen eigen- 
willigen Köpfen zuliebe seine bisherige konsequente Gesetzgebung ändern und sich 
selbst und diejenigen deutschen Bischöfe, welche amtlich und wiederholt öffentlich er- 
klärt haben, nach kirchlicher Vorsclirift sei der Volksgesang bei der gesungenen Messe 
nicht erlaubt, desavouieren? An eine sofortige^Durchfühioing der kirchlichen Vor- 
schrift denkt bei uns niemand, wie schon bis zum Überdruss oft erklärt wurde, sondern 
nur die prinzipielle Leugnung des Bestehens der Vorschrift wird von uns so scharf 
bekämpft. Sobald man allseitig anerkennt, dass das Verbot des Volksgesanges bei 
feierlichen liturgischen Funktionen besteht, wird sich auch ein Weg finden lassen, diese 
Überzeugung vorsichtig und allmählich praktisch durchzufuhren. Je älter man wird, 
desto mehr lernt man wohl warten; dabei darf man aber nie das zu erstrebende Ziel 
aus dem Auge lassen. Wenn wir beten und arbeiten, wird Gott auch Gedeihen geben 
und den WiUen der Kirche zum endlichen Siege fähren. 



Der CäcilienYerein strebt ausschliesslich danach, den Willen der Kirche anszu- 
fdhren. Sollte die kirchliche Oesetzgebnng ihrer durch Jahrhunderte hindurch befolgten 
Praxis entgegen den Volksgesang beim einfachen Amte gestatten« so würde bei uns 
sofort aller liturgische Gesang zum Tode verurteilt sein; denn das einfache 
Amt ist die Regel, das mit Assistenten die Ausnahme und in den allermeisten Kirchen 
Deutschlands kann nur in ganz aussergewGhnlichen Fällen, bei Primizen, Sekundizen etc., 
ein Amt mit Assistenz gehalten werden. Welcher Ghordirigent wird dann noch sich die 
Mühe geben, anstatt des bequemen Volksgesanges lateinischen Kunstgesang aufzuführen ? 

Der Unterschied zwischen katholischem und protestantischem Gottesdienst würde 
verwischt werden, denn gesungen wird hier nicht anders wie dort, und bei den zahl- 
reichen gemischten Ehen wäre der Besuch des protestantischen Gottesdienstes seitens 
der in protestantischen Gegenden wohnenden Katholiken noch mehr als jetzt zu be- 
fürchten. Doch das wäre dann nicht unsere Verantwortung. Bom hat hierin zu be- 
fehlen und wir werden gehorchen. Paul Krutschek. 

KirchenmuBikalische Aufiührungen und Berichte. 

J. St. Kolonie Karlsruhe (Südrussland). Charwochenprogramm. Am Palmsonntag: Zur 
Prozession: Cum Angdis und Inof-ediente, 48t. von Haller; wänreud der Paasion Miserere , 2ch&rig 
von Victoria, b<me Jesu von Palestrina. — Donnerstag: Qloria aus der Koenenmesse, 2st m. 
Orgel, zur Prozession: Fange lingua von E. Schmid. — Freitag: Währeni^der Prozession wie am 
Pafinsonntag. Popule mens von Victoria. I. Prozession: Vexilla regis, (Choral). IE. Prozession zum 
hL Grabe: Becesstt von E. Schmid. — Samstag: Prozession zum Taufbronnen: Sieut cervua von 
E. Schmid. Qloria, wie Donnerstag. Anferstehnngsfeier: Nach der Prozession Matuün. Die 
2 Responsorien 4 st. c. Org. von Mitterer. BMtna coeli, 4 st von Suriano. Deutsches Lied: „Freu 
dich erlöste Christenheit^. 4 st. c. Org. von £. Schmid. — Ostersonntag: Vor dem Hocnamte 
lanret. Litanei von M. Hailer. Zur Aussetzung: salutariSy 4 st. von E. Schmid. Missa brevis von 
Jaspers. Haec dies von M. A. Ingegneri. Motett zum Offertorium: Angdus Domini von Mitterw. 
Tantum ergo I. von Hanisch. Vesper: Zur Aussetzung und Se^en wie im Hochamte. Ps. DiacU 
Dominus von Zacharüs. Ps. Beatus vir. von J. Steingass. Maantf. von E. Schmid. Haec dies von 




von grossem Eifer der hiesigen Gemeinde fiir die heilige Sache Zeugnis gibt Neu wurden in 
diesem Jahre einstudiert: Ave Regina von Gr. Aichinger. Miserere von Victoria. Missa brevis von 
Jaspers. Haec dies von M. A. Ingegneri. Begina codi von Suriano. Ps. Dixit Dominus von Zacharüs. 
Ps. Beatus vir, von Steingass. 

6r. Stiftschor Lambach, Ober- Osterreich. Seit Neigahr wurden folgende Messen neu auf- 
^efährt und für das ständige Repertoir bereit gelegt: Ebner, Op. 39. 5 st Kumin D. Op. 5. Nekes, 
Op. 12 und On. 15. Quadffieg:, Op. 12b, 5 st c (Jrg. Schöllgen, Op. 6. Die übrigen Messen in 
bunter Abwecnslung, wie frttnere Jahre, je nach Stand der Sänger; so z. B. a^i 17. April: Thielen, 
Od. 25, 8 st c. Org. Am 1. Mai: Orl. Lassus: Qual dtnna, 5 st In der Charwoche nahezu alles 
klassische Namen, wie frühere Jahre. Besonders ragten wieder hervor die 4— 5 st. Lamentationen 
von Dr. Witt. Vom Herrn Prälaten an bis zum letzten Alt herab greifen wir 3 mal lieber nach 
der nächstbesten Palestrina -Messe, als nach den weitgehenden, öfters zu weichen Kompositionen 
einzelner neuer Komponisten! 

y Wien. AnlässUch der Heiligsprechung ihres Stifters Anton Maria Zaccaria haben die 
P. P. fiamabiten der österreichischen Ordensprovinz in ihrer K. K. Hofkirche „St Michael" zu 
Wien vom 12. bis 15. Mai L J. ein pompöses Triduum veranstaltet, das am 12. eine Eröffiiungsfeier 
einleitete, während an jedem der drei folgenden Tage ein Pontiükai-Amt und *Segen, eine feierliche 
Vesper und Predigt abgehalten wurde. Die Chormusik hatte demnach diese Ta^e hindurch sdiwere 
und anstrengende Arbeit, wenn man überdies bedenkt, dass für den neuen Heiligen ein ganz eigenes 
Officium vorgeschrieben ist. 

So musste schon für die Eröffnungsfeier die Antiphon: „Bespice de coelo, Pater" komponiert 
werden, welcher Aufgabe sich der Dirigent Prof. August Weirich mit gutem Glücke unterzog. 
Darauf folgte ein Te JUeum von C. Kempter , das — wenn auch mitunter etwas verbraucht — im 
ganzen doch als wirkungsvoll und kirchncb bezeichnet werden kann. Sehr gut gefallen haben die 
Litaniae lauretanae in A-dur von Witt. Ohne Ermüdung wird die Gottesmutter bei allen ihren 
vielen Beinamen angerufen, und folgt jedem einzelnen Rute eine innige andächtige Bitte, wobei die 
vier gemischten Stimmen abwechselnd die EoUe des Vorbeters und Volkes übernehmen. Nur eines 
hätten wir an dem Werke auszusetzen: das Kf^e deison am Schlüsse, als zur lauretauischen Litanei 
nicht gehörig. Die sehr wirkungsvolle Instmmentation von Meister Greith gab dem Prachtwerke 
einen schönen Beiscbmuck. Ein Begina codi von Weirich und ein annehmbares Tantum ergo von 
K. Führer beschlossen die Vorfeier. 

Während des Pontiükalamtes am ersten Festestage wurden Introitns und Communio aus 
dem Choralbuche und die Messe Begina codi von Stehle gesungen. Gut klangen das Graduale von 



-43 ISl et- 

Wdrich und das Offertorilun von Witt für vierstiinmigen gemischten Chor. Die nachmittägige 
Vesper war von Troppmann. der H3rmnns Choral und das B^na codi von Weirich. Die Litaneien 
wnraen an diesem nnd dem folgenden Tage vom Volke gebetet 

Als Festmesse für den zweiten Festtag figurierte die in Es von Weirich. Da dieses Werk 
— infolge allzn^osser Bescheidenheit von Seiten des Komponisten, der sie nicht in Druck legen 
will — über Wien hinans nicht bekannt sein dürfte, 




will — uDcr Wien mnaxis uigdx, oe&iuiui) seui aome, q y 
wollen wir sie hier etwas näher besprechen. Im jSS^ 
Ktfrie brinirt das Motiv: y 



Kyrie bringt 

zuerst der Alt unter harmonischer Begleitung von Tenor und Bass. Im zweiten Takte fällt der 
Sopran ein, bringt das Motiv in der Oktave, variiert dasselbe bei der zweiten Wiederholung, und 
führt in den Dominantdreiklang nach B-dur. Im Christe erscheint das Thema umgekehrt Der 
Sopran setzt ein. die Violinen begleiten in Terzen, bis im dritten Takte Alt und Tenor einfallen, 
im 6. der Bass die Leiter des Dominantdreiklanges hinabsteigt, um über einem kurzen Orgelpunkte 
auf B die übrigen Stimmen das Christe ddaon zum Schlüsse bringen zu lassen. Zum zweiten Kyrie 
erscheint das ursprüngliche Motiv von einem Terzette (Sopran, Alt und .j^^ 



erscneini aas ursprungiicne mouv von emem xerzene i^oopran, axi una .a -u. 
Tenor) eingeführt, vom Bass im dritten Takte in Gegenbewegung auf- jfcFj 



^tTT^ 



gefasst, und durch mehrere Variationen zu einem ruhigen Schlüsse ? 

febracht — Das Qkria be^nnt unisono mit dem Hauptmotive also: Ft in ter-ra pax 

is zum LaudamM te^ wo sich die Stimmen teilen und in kräftigen Akkorden Gottes Lob verkünden, 
um bei adoramua te wieder nachzulassen und andächtig anzubeten. Ebenso 



wird Gott ruhig der Dank ausgesprochen mit gratias agimw, wobei jedoch ^^ 
ein kleines crescendo eintritt, das in einem forüssimo Gott als Himmels- ^^ 
könig, als ailmäditigen Vater preist. Das Qui töUia bringt das Hauptmotiv 
in der Form unverändert 




qui tol-lis 



und verwendet es zu einem schönen Satze in G-moll. Miserere singen die Stimmen unisono, das die 
Violinen in Sequenzen immer steigern, zuletzt jedoch in einen verhaudienden Dominantoreiklang 
austönen lassen. Qu/miam nimmt die ursprün^uche Gestalt des Themas wieder auf. Das ganze 
Stück ist frisch geschrieben und thut seine Wirkung. 

Im Oredo wird das Haupt- pj- j^ m \ n- \ » i T^i^ f I F * — f I ( ■ T 
motiv etwas erweitert: f m T^ \ I— p 



T' r i! I.-LZ B 



E 



^ 



und kommt in den verschiedensten Variationen zum Vorschein; am grossartigsten wirkt es bei 
Deufn de Deo, Deum verum de Deo vero, wo es Sopran und Alt in Terzen beginnen, Tenor und Bass 
im zweiten Takte (ebenfalls in Terzen) wieder bnngen. 

Das Et incamahiB est variiert in ruhiger, erhebender Form das Hauptmotiv, lässt sich in 
einem homophonen Satze an, um bei Orucifiants unisono, bei 8ub Ponüo imitationsweise die Leidens- 
geschichte zu besingen, die in das ruhige sepultus est ausklingt. Mit Et resurrexit wird die anfäng- 
liche Form des Themas wieder aufgenommen und unter mannigfachen, dem Textesworte entsprechenden 
Variationen bis zum Schlüsse fortgeführt. Das Credo ist unbedingt das schönste an dem ganzen Werke. — 

Im Sanetus lautet das 'i Jf ' i ^ 



Hauptmotiv 




nnd besingt sehr schön die Heiligkeit Gottes 



ctus, Sabaoth. Hier setzen die 'Colinen pianissimo 
ein zu einem kleinen Nachspiele, auf das ein kräftiges Pleni im D-moll-Akkorde folgt Das Hosanna 
ist kontrapunktisch gehalten. 

Ruhig klinfii das Benedietus, das in Sw K^ J I J T J I -^^ kontrapunktisch 

einer herruchen Variation das Hauptmotiv ffl J '^ -l-^ ^ ^ ° I tritt wieder das J7o«anna 
erkennen lässt Be-ne - di - ctus, auf. 

Das Agnus Dei kehrt ^ i, —^ — bringt es zuerst in C-moll, das zweite Mal 



das Hauptmotiv um. 



p 



fc 








in Es-dur , das dritte Mal wieder in der An- 
fangstonart, wobei Eontntpunktik mit har- 



monischen Sätzen schön abwechselt. Das Dona nobis pacem ist ähnlich wie Kyne eleison gehalten 
und klingt dnrdi die Singstimmen in eine sehr ruhige Bitte um «Frieden" aus. — 

Die Messe gefiel allgemein; besonders auch ihre geistreiche Instrumentation, die mit viel Ge- 
schick sich an die Singstimmen anschmiegt, ohne sie je zu erdrücken. Eine kurze Charakteristik 
könnte man mit Lessing's Worten dahin abgeben: Einheit in Mannigfaltigkeit 

Die Vesper für Nachmittag stammte auch aus der Feder Weirich*s und hat viele schöne 
Stellen aufzuweisen. Das Begina codi war von Fioravanti. 

Einen Hochsfenuss bot die Festmesse fär den dritten Tag, als welche Greith*s Missa solemnis 
fi^egeben wurde. Sie ist wohl allgemein bekannt und bedarf deshalb nicht erst unserer Würdigung. 
Betreffs ihrer Aufführung kann man, ohne zu übertreiben, sagen, dass sie vollkommner kaum ge- 
boten werden wird. Besonders erhebend wurde das Sanetus ge- ^. - — * 
sungen, bei dem sich ein hiesiger Fachmann für Kirchenmusik ^=i 
äusserte: er habe noch nie ein herrlicheres Hosanna -Motiv ge- ™== 
fnnden als das von Greith. 0-sän 



~ ^4=U=f^ ^ 



na 



Im allgemeinen kann man über die Musik während des Triduums ein fast uneingeschränktes 
Lob auBspredien* Das Programm war, wie wir gesehen, sorgfältig ausgewählt, und die Ausführung 
gelang mit dem, an 60 Mann starken Chor aufs vortremichste. — (Die volle Veranwortlichkeit für 
diese Ausführungen muss die Redaktion dem Herrn Einsender überlassen.) 



Vermischte Nachrichten und Mitteilungen. 

1. * Der H. H. Generalpräses Monsignore Friedr. Schmidt in Münster hat in Nr. 5 des 
Vereinsorgans vom 15. Mai mitgeteilt, dass in diesem Jahre (entgegen den Vereinbamngen in 
Landshut) keine Generalversammlnng stattfinden könne, dass aber dieselbe im Jahre 1899, da anch 
Neuwahl der Vorstände vorgenommen werden müsse, wahrsdieinlich zu Münster i. W^ werde ab- 
gehalten werden. 

2. + Utrecht. Ähnlich dem Chore A. Averkamj[) in Amsterdam hat sich auch in Utrecht 
ein „Palestrinachor" >- unabhängig vom Domchor Eppink's — gebildet unter der Direktion des 
Domorganisten P. J. Jos. Vranken. (13 Damen und 12 Herrn.) Im 4. Konzerte am 19. Mai (Peters- 
kirche) lautete das Programm der Kompositionen von Palestrina: I. Teil: Dies sanctificatus, 4 8t. 
Innocentea pro Christo, 4 Frauenstimmen.^ Ave Maria, 48t. Dum complerentur, 68t. 11. Teil: Missa 
Hodie Christus natus est^ 8 st. (ohne Credo). Auch in der Kathedrale werden vom Chor „St Gregorius 
Magnus" meistens Werke von Palestrina während des Gottesdienstes aufgeführt. Der „Palestrina- 
Koor^ besteht jedoch aus Damen und Herren, die Palestrina gerne stu£eren und aufführen, und 
dessen Werke nerrlich finden. Die Damen sind erössem Teils Konzert- Sän^erinen oder Gesangs- 
Lehrerinen, die keine Befriedigung mehr finden in Mendelssohns, Schubert's, Schumanns Werken und 
nun auf Palestrina, als Meister des Vokalgesanges schwören. (Wie bildend und erfreulich wäre 
es, wenn in grösseren Städten, wo viele Gesangskräfte schlummern oder vergeudet werden, frei- 
willige Chöre unter Leitung sachkundiger und mit den alten Meistern vertrauter Dirigenten 
Palestrina und Orlando di Lasso pflegten. Man muss das Publikum erziehen und besonders auch 
die feineren Kreise für diese Gattung der reinsten Vokalmusik begeistern und gewinnen. D. E.) 

8. t Bottenbnrfi:. In der Nacht des 11. Mai ist der H. H. Bischof v. Eeiser in EUwanffen 
an Magenblutung verscnieden, nachdem er die zwei letzten Tage noch ca. 2500 Firmlingen das 
heil. Sakrament gespendet hatte. Über die vom H. Chordirektor Alt in Ellwangen geleitete Sirchen- 
musik hatte sich der Hochw. Oberlvirt aus Anlass eines Ständchens noch in den anerkennendsten 
und begeistertsten Worten ausgesprochen. 




platz 

Kulturhistorikers' 

Leipzig über die Novitäten von Februar und April 1898; Leo Li'epmannsso'hn, Berlin SW., 
Bernburgerstr. 14, Katalog 131, sehr kostbare und seltene theoretische und nraktische Musikdrucke 
enthaltend, z. B. die Practica musice des Franchinus Gaffur, Ausgabe von 1496 für 300 M, Ausgabe 
von 1512 rar 250 M\ die Kataloge von C. F. Schmidt in Heilbronn a. Neckar bieten in den ver- 
schiedenen Zusammenstellungen rar Pianoforte, Gesang, Orgel oder Harmonium, Streichinstrumente 
mit und ohne Begleitung eine reiche Auswahl mit verhältnismässig recht billigen Preisen; das Buch- 
und Kunstantiquariat von Jac. Kosenthai, München, Karlstrasse 10, gab im Katalog 18 ein auch 
in bibliographischer Beziehung wertvolles Verzeichnis litterarischer Seltenheiten , Handschriften, 
Einbände u. s. w. heraus, welches auf 216 Seiten u. a. für Liturgie (S. 159) und Musik (S. 183) 
Kostbarkeiten, z. B. das Büchlein des Pietro Aaron, „Thoscanello de la Musica" in Ausgabe 
von 1523 für 175 M, das gleiche in Ausgabe 1529 für 125 M, den .^Dialoge** von Vinz. Galilei 
um 225 Mj ein Gradualmanusknpt aus dem 11. Jahrh. um 2000 .fi, die Missae posthumae von Orlando 
di Lasso, München 1610, um 220 M, das Enchiridion von G. Ithaw in Wittenberg, um 100 M^ 
u. s. w. anbietet 



Offene Korrespondenzen. 

Gaben fOr die Clclllenkirohe. Übertrag von S. 112: 10 M 79 <^. F. 8ch. in ^,bM, F. D. in M. 
„Cäcilia hilft!'' 3 j«i 40 ^, J. M. in W. 10 M, A. A. in H. 30 M. Summa: 59 M 19 ^. Vergelt's Gott! F. X. H. 

Photogr. mit curr. v. (vgl. Mus, s, 112) übersendeten J. 8ch. in R., 8. G. in M., J. A. in N., W. A. 
in E. Vivant sequentes! 

V. D. in D. Wenn in Mus. s» 1889, S. 69 und 167 als Formular des Ordinarium Missae fttr den 
Sonntag innerhalb der Oktaven von Epiphanie und Ascensio die Wahl zwischen den 7. und 9. Mess- 
formular freigestellt wurde, so konnte trotzdem jedes andere gesungen werden, so gut als man eine 
1- oder mehrstimmige Messe irgend eines Komponisten ausführen kann. Wird nämlich von Seite des 
Priesters Oloria und Ite missa est an den beiden genannten Oktav Sonntagen vorschriftsmässig semiduplex 
gesungen, so steht diese Weise im 7. und im 9. Formular. Wird jedoch die Frage gestellt: „ob diese 
beiden Dom. infra Oct. zu den Sonntagen infra annum gehören^', so wird man antworten müssen: 
nein! sondern zu den Tagen, welche (wie das 9. Formular besagt) infra Oct., quae non sunt B. M. V. 
fallen. — Von Messen Palestrina's, die bisher in modernen Schlüsseln erschienen sind, nenne ich 
Ihnen die 48t. Aetema ChrisU muneraj Dies sanctificatus, die 5 st. sacrum convivium (S., A., 2 T., B) 
und admirahüe commercium; letztere bei Fr. Pustet in Regensburg, die ersteren drei in der „Samm- 
lung der ausgewählten Werke Palestrina^s für den heut. Chorgebrauch" bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. 
Wenn die Auswahl nicht grösser ist, so liegt die Schuld an denjenigen Chören, die sich nicht mit 
Palestrina^s Werken beschäftigen, dieselben mögen nun in neuen oder in alten Schlüsseln stehen. 



Dmck nnd Verlag von Friedrich Pustet in Regen sbnrg, Gesandtenstrasse. 

Nebst Anselffeblatt Nr. 10. 



1398. Regensburg, am 15. Juni 1898. '^'i- 12. 



MUSICA SACRA. 

Gegründet von Dr. Frans Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatschrift für Hebung nnd Förderung der kathol. Kirchenrnnsik. 

Heransg^geben von Dr. Frans Xaver Haberl, Direktor der KirchenmuflikBchule in Regensburg. 

Nene Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbeilagen. 

Di« „Mmäea »aera** wird am 1. und 16.' jeden Monats anage^bon. Jede der 24 Nummern omfaast 19 Seiten Text. Die 19 Moaik- 
beüagen (48 Seiten) worden in den Nnmmem 5 , 7 und 8 veraendet. Der Abonnementpreia dea Jahrgangs beträgt 8 Mark ; die 
Beetellnng kann bei {eder Poatanstalt oder Bnchbandlnng erfolgen. — Bei der Reiohapoat mit 90 Pf. Aufschlag. Bei franko Znsondnnf? 

unter Streifband in Deutschland nnd Österreich-Üngam 4 Mk. — ins Ausland 4 Mk. 80 Pf. 

iBkalisfikerateht: Neu nnd frflhor erschienene Kirehenkompositionen: C. Allmendinger, A. Demattia, Franz 
Xav. Sngelhazt, Greith-Mittcrer , Enchir. Grad. Rom., G. F. Foschini (3), J. Gruber, M. Haller (3), F. Krakamp. — Kirchen- 
musikalische Anfffihrungen nnd Berichte aas: Bonn, Dortmund, Duderstadt, Gfinzburg, Regensburg, Salzburg, Zwei- 
brflcken. — Das silberne Jnbilftum des amerik. Cäc-Yer. — Vermischte Nachrichten and Mitteilungen: Neue 
Orgel in Steinweiler; Eirchenmna. Kurse in Graz; f Dr. 0. Birnbach; J. Quadflieg, Sohulrektor; Einladung zum Kurs a. d. K. M. 
Hch. Regensbnrg i. J. 1899; Sachregister zu Nr. 1501—9100 des C.-V.-K. — Offene Korrespondenzen. 



Neu und früher erschienene Kirchenkompositionen. 

Gediegene Faktur, fiiessende und saubere Melodieführung , schöne Imitationen der 
Einzelstimmen und ausdrucksvolle Textdeklamation zeichnen die Messe „De S. Cruce^' 
für 4 stimm, gemischten Chor von Carl Allmendinger^) aus. Dieselbe ist von mittlerer 
Schwierigkeit nnd kann von allen Chören mit Glück und Erfolg vorgetragen werden, 
welche Sinn und Verständnis für guten Vokalsatz haben. Inbezug auf die Textver- 
teilung, besonders nach Viertelnoten, hat sich der Komponist in lobenswerter Weise 
Mühe gegeben, dem guten Beispiel der alten Meister zu folgen; einige Kleinigkeiten, 
besonders die Verwendung des Vokals u oder o bei längeren Melismen, verursachen 
keine wesentliche Störung der Klangwirkung. 

A« Demattia^) komponierte zehn Gesänge zur Feier der Fronleichnamsprozession 
für 4 stimm, gem. Chor mit 4 stimm. Blechbegleitung. Die Gesänge sind in der aller- 
einfachsten Weise behandelt, ausserordentlich leicht und recht angenehm zu hören. Die 
Blechinstrumente leiten jede Nummer mit drei bis fünf Takten Vorspiel ein und unter- 
stützen auch den Gesangschor in diskreter Weise. Es ist schade, dass der Komponist 
nur eine einzige Strophe der genannten Hymnen unterlegt hat, und dass sogar bei Nr. 10 
die Schlusstrophe Oenitori fehlt. Wenn auch Landcliöre vielleicht keinen Bedarf an 
den sämtlichen Hymnenstrophen haben, so war doch nach liturgischer Vorschrift das 
Oenitori nicht zu umgehen. Trotz dieser Textkürzung ist in Nr. 1, 5 und 7-10 ein 
Amen beigefügt. Manche Chöre werden sich dadurch helfen, dass sie die Texte der 
einen oder anderen, darunter jedenfalls der Schlusstrophe, mit Tinte eintragen. 

F. I. Encelhart ') gab die Responsorien zur Fronleichnamsprozession heraus, welche 
nach dem Eudiologium Ratisbonense bei den vier Altären nach den Evangelien und vor 
dem Segen üblich sind, für Unisonochor, d. h. mit der Choralmelodie in der Sopran- 
stimme unter Beifägung einer falsobordoneartigen Harmonisierung für S., A., 2 T., Bar. 
und B. Die Wirkung dieser einfachen Harmonisierung der bekannten Responsorien- 

*) Op. 16. J. G. Boessenecker (Ad. Stender), Regensburg. Part. 1 .^ 20 ^, Stimmen ä 30 <^. 
T. genau, m. J. 

') Regensburg, A. Coppenrath (H. Pawelek), Part. 80 -S^, St. ä 15 /3). Die eucharistischen Texte 
sind : 1. Fange lingtui, 2. Latula Sion mit der Strophe SU laus plena^ 3. Sacris solemniis, 4. Qttod in coena, 
5. Verbf^m mpemum, 6. Ecce panü, 7. SaluHs humanae, 8. Bonepastor, 9. Aeteme Rex, 10. Tantum ergo. 

"*) J. Gr. Boessenecker, Kogetfsburg; mit J. Prei^ 6 ^, bei 12 Exemplaren 60 ^. 



-K3 134 ö- 

melodien, die auch 5- und 4 stimm, gesungen werden können, ist jedesmal eine hoch- 
feierliche und empfiehlt sich im Freien, wo die Orgel fehlt, auf das Allerbeste, wenn 
sämtliche Stimmen deutlich und gut zusammensprechen. 

Die 9. und 10. Lieferung der nachgelassenen kirchenmusikalischen Werke von 
€arl Oreith, weiland Domkapellmeister in München, gab Ign. Mitterer heraus und 
spendete dadurch den Chören, welche edle Instrumentalkirchenmusik aufzuführen in der 
Lage sind, eine schöne mustergiltige Sammlung von Oflfertorien und Gradualien. *) Die 
vorliegenden Kompositionen Oreith's sind äusserst einfach, sehr leicht und fasslich, 
aber dennoch musikalisch gehaltvoll und recht andächtig. „Ganz hervorragend schön 
und dabei leicht fassbar ist das Oflfertorium Elegerunt", bemerkt Mitterer zur 9. Liefe- 
rung. Die Tempobestimmungen stammen vom Herausgeber. Sämtliche Kompositionen 
der zwei Hefte sind für 4 st. gem. Chor mit Begleitung des Streichquartetts und einer 
nicht obligaten OrgelfüUstimme. Bei den vier Gradualien der 10. Lieferung ist nur 
der eigentliche Gradualtext ohne den Vers zum Alleluja komponiert, ein liturgischer 
Defekt, welchen der Herausgeber ohne Mühe ergänzen konnte, da ihm der Greith'sche 
Stil wohlbekannt und geläufig ist. Wenn auch — was jedoch bedauerlich ist — auf 
den meisten Chören, besonders wo die Instrumentalmusik gepflegt wird, dem liturgischen 
Gradualtext nicht jene Sorgfalt gewidmet wird, die er vorschriftsmässig verdient, so 
hätte die Ergänzung der fehlenden Textworte durch Mitterer den Greith'schen Kompo- 
sitionen einen besonderen Vorzug gegenüber den früher üblichen Verstümmlungen der 
Gradualtexte verschafft. 

Unter Hinweis auf den Artikel in Mus. s. S. 87: „Das röm. Gradualbuch und das 
Enehiridion Gradnalls Romani^^ sei nur kurz erwähnt, dass letzteres Buch ^) erst Ende des 
Monats Mai fertig gedruckt und zur Versendung gelangt ist. Ausstattung und Inhalt 
stimmen mit denen des römischen Gradualbuches überein, es fehlt jedoch die deutsche 
Interlinearübersetzung der liturgischen Texte; die Überschriften und Rubriken sind, 
wie im offiziellen Graduale Romanum, nur in lateinischer Sprache abgedruckt. Da 
sowohl in Ländern deutscher Zunge, als auch in ausländischen Diözesen und Kirchen, 
die sich des authentischen römischen Choralgesanges bedienen, Chöre bestehen, welche 
die gleichmässige Choralnotation auf fünf Linien mit ausschliesslicher Verwendung des 
G-Schlüssels und in der Versetzung, beziehungsweise Tonhöhe, in der man die Gesänge 
auszuführen pflegt, wünschen und bedürfen, so ist durch das Enehiridion auch für solche 
Verhältnisse gesorgt. Als Orgelbegleitung sowohl für das römische Gradualbuch, als 
auch für Epitome und Enehiridion Gradualis Romani dienen die zwei Quartfoliobände 
des Organum comitans von Haberl-Hanisch-Quadflieg- Schildknecht. Für die zu rezi- 
tierenden Texte ist im Enehiridion und im röm. Gradualbuch der Rezitationston ange- 
geben; wem die Übung fehlt, auf einem Tone mannigfaltig zu harmonisieren, der 
bediene sich der Rezitationskadenzen von Jos. Schildknecht (bei Pustet in Regensburg). 

Drei Werke von OaeUuio F. Fosf hin! wurden zur Besprechung der Red. zugesandt^} : 

a) Im Te Deum wechseln Choralverse (in Italien vom Volke gesungen) mit 4 st. 
Sätzen ab; letztere sind äusserst einfach und populär gehalten. Da sie jedoch mehr als 
Kadenzformeln behandelt sind, so muss sich der Text Verrenkungen gefallen lassen, 

*) Die 9. Lief. Op. 60a (op. posth. 20a) enthält die Offertorientexte EUgerunt Apoatdi, Ccdix hene- 
dictionis und De profundia, die 10. Lief. Op. 60 b (op. posth. 20 b) die Gradualien Justus ut palma, 
Spccioaus forma, Oloria et honore und Esto mihi. Preis jeder Lieferung 1 fl. 50 kr. Verlag von 
Job. Gross (S. A. Reiss) in Innsbruck. Die früheren Serien sind in der Vereinsbuchhandlung zu Inns- 
bruck erschienen und nunmehr mit der Fortsetzung in den genannten neuen Verlag übergegangen. 

*) Regensburg, Fr. Pustet, VIII und 494 Seiten, darunter 284 für Proprium de Tempore und de 
SanctiSy [132] für Commune Sanctorum sowie Feata pro (üiquihus locis, und 94* flir Ordirutrium Missae 
mit Requiem, Anhang und Register. 1896. Preis, 2 M, 40 r^, ^eh. S JH, bO ^. Mit oberhirtlicher 
Approbation. Durch den Wegfall der deutschen Übersetzungen ist das Enehiridion um 100 Seiten 
weniger umfangreich geworden, als das römische Gradualbuch. 

') Sie sind sämtlich bei MarccUo Capra in Turin erschienen: a) Op. 113, Te Deum für 4 stimm, 
gem. Chor (Nr. 25 a) und in Ausgabe für 3 Männerst. (Nr. 25 b) m. 0. Part. 1 Lire 25 cent., St. & 20 cent. 
b) Op. 115. Requiem mit Dies irae und Resp. Libera für 2 gleiche St. m. 0. (Nr. 27.) Part 2 Lire, 
St. ä 40 cent. c) Op. 116. Deua in adjutorium und Ps. Dixit Dominus für 4 st. gem. Chor. (Nr. 5 der 
Edizlone Capra). Part, l Lire 25 cent., St. k 20 ocut. Sämtliche m. J. 



H3 135 Ein- 
weiche das Sprachgefühl verletzen. Die Sätzchen Nr. 12, 14, 22, 28 sind in betreff 
der Melodiebildung nicht gut geartet und verleiten zu trivialem Vortrag. 

b) Im Bequiem Op. 115 finden sich mehrere liturgische Verstösse, welche hindern, 
das ganze Werk zur Aufführung zu empfehlen. Das Graduale Bequiem ist nämlich mit 
dem letzten Kyrie eleison musikalisch so verbunden, als ob sie zusammengehörten; am 
Schlüsse der Communio ist das Bequiescant in pace, welches der Priester zu singen hat, 
mit dem Besponsorium Amen fälschlich als kurzer musikalischer Satz angefugt. Eine Ai^- 
föhrnng für S. und A. ist weniger empfehlenswert, besser wählt man T. und B. Für 
italienische Gepflogenheiten bedeutet das Requiem Foschini's einen grossen Fortschritt. 

c) Im Psalm Dixit Dominus ist jeder Vers in kadenzenartigen Sätzen komponiert. 
Der Text ist in mensurierte Formeln eingezwängt, wodurch rhythmische Monotonie und 
einigemale unrichtige Textdeklamation entsteht.^) 

Referent bemerkt mit grosser Freude, dass sich in Italien immer mehr ernste 
Männer finden, welche, musikalischen Trivialitäten abhold, auf allmähliche Zurück- 
fiihrung zu besserem Geschmack hinarbeiten, wenn sie auch manchmal noch Kon- 
zessionen machen, die ihnen vielleicht selbst schwer fallen, die sie aber zu vermindern 
trachten, nach dem Sprichwort „chi va piano, va sano — wer langsam geht, bleibt 
gesund." 

Messen fiir drei Männerstimmen mit obl. Orgelbegl. sind immer willkommen, vor- 
nehmlich für jene Ghorverhältnisse, in denen sich sehr viele kleinere Kirchen befinden, 
oder bei Funktionen, welche mit geringerer Feierlichkeit begangen werden, auch in 
Klerikalseminarien , deren Stimmenmaterial noch nicht vollständig entwickelt ist Zu 
diesen Kompositionen gehört die Messe zu Ehren der allerh. Dreifaltigkeit (ohne Oredo) 
von Jos. Oniber,') welche in ganz schlichten melodischen Wendungen und sehr sang- 
baren Weisen den liturgischen Text deutlich und fromm deklamiert; die ebenso ge- 
schickte wie leichte Orgelbegleitung bildet einen gesättigten Untergrund. Ein schöner 
und sorgfältiger Vortrag dieser Messe wird erbauen und befriedigt sicher mehr, als eine 
über die Kräfte gehende 4 stimm. Männerstimmen-Messe mit oder ohne Orgelbegleitung. 

Von der „Missa tertia^, Ausgabe B für 4 stimm, gem. Chor mit Orgel, welche 
Xieh. Hidler') ursprünglich zweistimmig komponiert hat (siehe über die 15, Auflage 
Mus. 8. S. 14), ist nunmehr die 3. Auflage erschienen. Man singe sie oft und überall. 

Die neue 6stimmige „Missa XIX.'' zu Ehren des hl. Erzengels Michael^) 

wird bald eine der beliebtesten Messkompositionen unserer Kirchenchöre sein. Referent 
hat sie unter Direktion des Komponisten gehört, als das Werk noch im Manuskript 
war, und am Pfingstmontag einer Aufführung derselben durch den hiesigen Domchor 
beigewohnt. Man suche nicht einen grossen Aufwand kontrapunktischer Formen, 
packender Rhythmen, überraschender Harmoniewendungen, pausbackiger Effekte, un- 
ruhiger, aufregender oder aus nervöser Aufregung stammender Modulationen, sondern 
bewundere die Logik in der Durchführung und Verwendung der bescheidensten und 
unscheinbarsten Motive, die reizenden, durch Gegenbewegungen, Nachahmungen, unge- 
zwungene Textdeklamation, synkopierte Rhythmen, Mannigfaltigkeit des Stimmenwechsels 
(Bariton ist die 5. Stimme) erzielten Klangwirkungen. Niemals ermüdend, stets die 
vollste Aufmerksamkeit anregend und bis zum Ende fesselnd strömen die Tonwellen 
dahin, bald in ruhigster Bewegung, bald sich drängend und anwachsend erheben sie 
sich an gewissen Punkten in gewaltiger Weise, ohne in Sturm und Ungewitter auszu- 



^) Im ersten Vers haben alle 4 Stimmen a dextris (nicht ad) zu singen; beim Worte genui ist 
(He kurze Silbe auf dem schlechten Vokale u über Gebtthr betont. 

*) M. (sine Credo) in hon. äs. Trinitatis, für Ten., Bar. und Bass m. 0., Op. 87b. Begensburg, 
Pustet. Part. 1 jM, St. ä 16 .^. T. genau, ro. J. In der Partitur ist der Tenor eine Oktave tiefer in 
der wirklichen Klanglage gesetzt, sodass er mit der Oberstimme der Orgelbegleitung harmoniert; in der 
Einzelstimme ist die sonst übliche, um eine Oktave höhere Schreibweise gewählt. 

■) M. III. ad 4 voces Op. 7b (Ed. 3.) Fr. Pustet in Regensburg. Part. 1 j« 20 ^, St. ä 12 ;^ 
(siehe über die 1. Aufl. Referat unter Nr. 1846 des C-.V.-E.). T. genau, m. J. 

*) M. XIX. 6 voc. in hon. S. Mich. Archang., Op. 71. Part. 1 .^ 20 ^, St. k 16 ^. Pustet in 
Regensburg. T. genau, m. J. 



-ra 136 &h 

arten, nur vom Hauche des im betrachtenden Gebete versunkenen, den liturgischen 
Text nach allen Seiten erwägenden Sängers geleitet. 

Ohne auf die einzelnen Schönheiten des Meisterwerkes näher einzugehen, beschränkt 
sich Ref. auf den Hinweis, wie natürlich, unmerklich und doch so wirkungsvoll das 
Ab- und Eintreten der Einzelstimmen erfolgt, mit welch' unwiderstehlicher Zug-, nicht 
Schlagkraft die fünf Stimmen zu einem mächtigen f (z. B. Deus Pater omnipotens^ 
miserere nohis, Amen im Gloria und Credo) sich vereinen. Zarte und ergreifende p-Stellen 
fehlen natürlich nicht; unter denselben sollen hervorgehoben werden das erste Qui toüis, 
das Et incamatus est, besonders jedoch der Eintritt des Soprans im 8. Takt des Bene- 
didus. Zu allen diesen Vorzügen gesellt sich aber einer der grössten: die Messe 
Haller's kann von fünf oder zehn Sängern ebenso wirkungsvoll vorgetragen werden, als 
von dem stärksten Gesangschor; der Eindruck wird geistig der gleiche säin, wenn auch 
akustisch verschieden. Wem dieses Urteil als übergrosse Schmeichelei erscheint, den 
ersucht Referent um gegenteiligen Bericht nach einer guten Auifuhrung. 

Aus den „Landes Eucharisticae" Op. 16 (C.-V.-K. Nr. 399) wurden fünf 

Hymnen mit je 4 Textstrophen (Fange lingua jedoch mit allen) für Unisonochor — 
Melodie des Sopran — einzeln abgedruckt unter Beifügung der Versikel und Respon- 
sorien, welche nach dem Eucholog, Ratisbon. bei der Fronleichnamsprozession vorge- 
schrieben sind. Eine fünfstimmige Begleitung von Blechinstrumenten (3 Tromp., Pos. 
und Bomb.) dazu ist von F. X. Engelhart arrangiert. Die Wirkung dieser volkstüm- 
lichen Hymnenmelodien ist bei entsprechender Besetzung des Unisonochores (ca. 40 bis 
60 Männerst., besser noch, gemischt mit Knaben- und Mädchen-Stimmen) eine äusserst feier- 
liche. Auf diese Weise kann auch der gemischte Chor, welcher etwa an den Altären 
Motetten oder bei der Prozession ähnliche Hymnen von Auer, Ebner, Hanisch, Mitterer u. a. 
(Siehe die Sachregister zu C.-V.-K. Nr. 1—2100 unter II, 7) mehrstimmig vorträgt, 
geschont, und die latts plena et decora zu einer continita ausgestaltet werden. 

Zehn Originalkompositionen rheinischer Kirchenkomponisten für 4-, 5- und 6 stimm, 
gem. Chor kamen beim 25 jähr. Jubelfeste des Münsterchores zu Bonn zur Aufführung 
Und sind vom Organisten und Chordirektor der genannten Münsterkirche, FeUx Krakamp,') 
als geschlossene Sammlung herausgegeben worden. Diese Kompositionen sind ein glän> 
zendes Zeugnis nicht allein für die Tüchtigkeit des Bonner Münsterchores und den regen 
Eifer der rheinischen Kirchenchöre, sondern besonders für den hohen Ernst, die liturgische 
Durchbildung und die kirchenmusikalischen Grundsätze der zehn Komponisten, welche 
Perlen und Schmuck zum Jubiläumsfeste gewidmet haben. Die Sammlung ist sichtbar 
mit Rücksicht auf die Brauchbarkeit und Verbreitung auf allen Kirchenchören, welche 
gediegene Vokalmusik pflegen, entstanden, also keine blosse Gelegenheitspublikation, 
und verdient darum alle Beachtung der Chorregenten, welche über eine grössere Sängerzahl 
verfügen oder an den Hauptfesten des Kirchenjahres packende und wirkungsvolle Offer- 
torien aufiuhren können, z. B. die 6 stimmigen: Veritas mea von Nekes, Confirma hoc 
von Quadflieg, Terra tremuit von Piel, die Ant. Sacerdos et Pontifex von P. H. Thielen, 
sämtliche für 2 Ober- und 4 Unterstimmen. Aucti die übrigen 4- und 5 stimm. Nummern 
sind wertvoll und sehr wohlklingend. Wenn bei grösseren Cäcilienvereins -Versammlungen 
bei der Wahl des Programmes Verlegenheiten eintreten, so greife man frisch zu diesem 
Festhefte und stosse sich weder in Süddeutschland noch in Österreich an den „rheinischen 
Kirchenkomponisten", denn sie haben gute Musik für die katholische Liturgie geschrieben. 
— (Fortsetzung folgt in Nr. 13.) 

Sing- und die 5 Instr.-St. ä 10 ^, Die Hymnen sind Tange lingua, Sacris soUrnniis, Verhim 
ftupemum, Salutü hunmnae und Aeteme Rex. In den „Land. Euch." als Nr. 4 und 8—11 enthalten. 
Regensburg, Fr. Pustet. 

•) Verlag von A. Henry in Bonn. Part. 3 jÄ, 4 Stn. k 25 ^. Inhalt: 1. Oflf. Veritas mea. 
68t. V. Franz Nekes, 2. Ave Maria, 4 st. v. Jul. Frischen, a. OfF. Confirma hoc, 6 st. v. Jak. Quadflieg. 
4. Off. Domine Deus, f. A., 2 T., 2 B. m. obL Org. von Priedr. Konen, 6. Off. Dextera Domini, 4Btimm. 
V. Fei. Krakarap (Op. 14), 6. Off. Tm sunt codi, 4»t m. Org. v. Friedr. Konen. 7. Off. Terra tremuit, 
68t. V. P. Piel, 8. Off. Confitdmntur codi, 5 st. v. Karl Cohen, 9. Tantum ergo mit Genitori, 5 st. von 
Aug. Wiltbergcr, 10. die Xnt. Sacerdns et Pontifejc zum Empfang des BischofH. 6»t. v. P. H. Thielen 
(Op. 83). 



-« 13V B4- 

Kirchenmusikalisohe AuflKllirungen und Berichte. 

^ Bonn. Der Kirchliche Gesang-Verein ,, Münsterchor" veranstaltete ans Anlass seines 
:^5jäliriffen Jubilänrns am 15. Mai Mittag m der Beethovenhalle einen Festakt, nachdem am Morgen 
in der Miinsterkirche die Mitglieder znr gemeinschaftlichen hl. Kommnnion gegangen waren nnd 
später einem feierlichen Hochamt beigewohnt hatten, bei welchem Herr Oberpfarrer Neu eine An- 
sprache hielt. Der Vereins -Präsident. Herr Henry, warf zunächst einen Rückblick auf die Ent- 
stehung des Vereins, verbreitete sich dann des Weitem über dessen V^irken und wies u. A. darauf 
hin, dass der Verein aus Anlass seines Stiftungsfestes die Aufführung eines grösseren Musikwerkes 




die mau dem Vereine dargebracht habe, bat, dieselben auch fernerhin dem Vereine zu bewahren 
und endete mit einem Hoch auf die Anwesenden. Nachdem der Münsterchor das Könen'sche Tut 
tnmt codi präzise und stimmungsvoll vorgetragen, trat Herr Jacobs vor, um die 5 Jubilare, die 
dem Vereine seit seinem Bestehen angehört haben, zu beglückwünschen. Herr Diözesanpräses 
Cohen erörteil« dann das Wesen der .Sirchenmusik, die in aen Dienst Gottes, des Volkes und der 
Kunst gestellt werden müsse, besonders wie diese Musik das Volk in die Kirche ziehen, und auf 
den Altar hinweisen müsse und sprach dem Münsterchor für die Leistungen seine Anerkennung aus. 
Die grosse Höhe, auf die der Verein gebracht worden, sei nur möglich, wenn Pfarrer und Kirchen- 
vorstand ihn so oj)ferwillig unterstützten, wenn ein so unermüdlicher Präsident an der Spitze stehe, 
wenn die eigentliche Seele, der Dirigent so vielseitig und meisterhaft thätig sei. Auch die Mit- 
glieder hätten allen Anspruch hierauf wegen ihrer gewissenhaften Mitwirkung. 

Nach versclüedenen Glückwünschen mehrerer Deputationen und auswärtiger Vereine folgte 
nachmittags 5 Uhr ein zweites Konzert des Münsterchores, dessen Programm aus deutschen Kirchen- 
liedern nnd lateinischen Kompositionen bestand, beginnend vom Aaventsonntag und die Haupt- 
momente des ganzen Kirchenjahres strdfend. 

Am Abend vereinigte ein Gartenfest mit weltlichem Musikprogi*amm Einheimische und 
Fremde zur Erholung und Unterhaltung. 

Eine eigene Festschrift von 78 Seiten berichtet über Entstehung des kirchlichen Gesangvereines 
,,Mtinsterchor^ und enthält die Statuten und Namen, sowie das Programm mit den Texten der Ge- 
siinge, welche vom 12.— 15, Mai zum Vortrage kamen. 

(Die Red. der Afu«. «. wünscht den wohlorganisierten Vereinsmitgliedern mit ihrem Dirigenten 
uachti^ägUch Glück zu den schönen Erfolgen und verweist auf das Referat über die zehn Nummern 
(S. 136), welche Fei. Krakamp herausgegeben hat. Dieselben wurden mit vielen anderen schon bekannten 
Kompositionen von Witt, Äiblinger, ralestrina, Mitterer, Haller u. s. w. beim Jubelfeste gesungen; 
beim Hauptgottesdienst wurde me 6 stimm. Messe O crux ave von Nekes, als Beqtiiem das 4 stimm, 
von C. Ett aufgeführt. — Könnte die Festschrift nicht auch dem Buchhandel übergeben werden? 
Sit* kann viel Gutes wirken und schlummernde Kräfte wecken.) 

==* Die III. Generalversammlung des Diözesan-Cäcilienvereins Paderborn ta^te 
am Dienstag 31. Mai d. J. in Dortmund. Der Diözesan-Cäcilienverein Paderborn wurde im 
Jahre 1893 in Bochum gegründet und hielt seine erste Versammlung 1894 zu Dortmund. Bis zur 
II. Generalversammlung (1895 zu Paderborn) hatten 23 Kirchenchöre unseres Bistums ihren Beitritt 
erklärt. Auf der diesiährigen III. Generalversammlung konnte den zahlreich erschienenen Freunden 
der Muskd sacra die Nachricht mitgeteilt werden, dass die Zahl der dem Verbände aggregierten 
Kirchenchöre der Diözese in den drei letzten Jaliren auf 71 gestiegen ist; die Zahl ofer aktiven 
Mitglieder, unter denen sich viele Geistliche und Lehrer befinden, beträgt etwa 1500. In der am 
Morgen stattfindenden Festversammlung behandelte HeiT Lehrer Ewald aus Dortmund einige Ein- 
wendungen und Bedenken gegen den von der Kirche für das Hochamt vorgeschriebenen Gesang; 
Herr Lehrer Hengesbach aus Lippstadt ermunterte in überaus praktischer Darlegimg zur Pflege 
and Förderung des deutschen Kirchenliedes. Der vom Diözesanpräses Herrn Repetenten Müller 
aus Paderborn erstattete Jahresbericht gab ein erfreuliches Bild von der gedeihlichen Entwickelung 
des Verbandes. In der Nachmittagsversammlung wurde in sehr re^er und interessanter Diskussion 
hauptsächlich die Pflege des deutschen Kirchengesanges durch die Schule und die Hebung und 
Beorderung eines den Gesetzen der Kunst und der Kirche gleichmässig entsprechenden Or^elspieles 
eingehenof erörtert und beraten. Für die musikalischen AufPühruugen war ein reichhaltiges Pro- 
mmm aufgestellt, das eine grosse Men^e deutscher Kirchenlieder, Choralsätze, mehrstimmige 
Kompositionen und grössere Orgelkompositionen enthielt. Die Meister der vokalen Polyphonie 
waren mit den Namen Palestrina, Anerio, Thiel, Lotti, Commer sehr glücklich vertreten; als Orgel- 
komponisten wies das Programm u. a. Albrechtsberf^er, Bach, Stehle, Brosig, Rheinberger, Buxtehude, 
Qnaoflie^ und Radecke auf. Der unter der tüchtigen Leitung des Herrn Holtschneider stehende 
Pfarrcäcilienvein der Propsteikirche zu Dortmund brachte die mehrstimmigen Gesangssätze in 
wirkungsvoller Weise zu Gehör; besonderes Lob fand die Aufführung der Messe Aetema Christi 
mnnera von Palestrina. In dem Vortrage der Orgelwerke erwies sich Herr Holtschneider, ein 
Schüler der Hochschule für Musik zu Berlin, als hervorragender Organist mit virtuoser Technik 
und gutem Geschmack. Mögen die den Forderungen der Kunst und der Liturgie in gleicher Weise 
dienenden Bestrebungen des Diözesan-Gädlienvereins. der sich der hohen Protektion und steten 
Fürsorge des hoch würdigsten Herrn Bischof es Hubertus erfreut, des steigenden Interesses und der 
wachsenden Teilnahme bei GeistHchen und Laien sicher sein! 

(Westfäl. Volksblatt (Paderborn). 2. Juni 1898. Nr. 146.) 



^ 138 BH 

+ Daderstadt. (Ohne Schuld der Red. verspätet.) In der Pfarrkirche zu Duder»tadt 
wurde wiederholt die Votivvesper zum Allerhl. Altarssakramente von grösseren Schulkindern — 
Knaben und Mädchen abwechselnd — gesungen. Es waren an 140 Sänger, die sich zum Lobe des 
Allerhöchsten zusammengefunden. Die betreffenden Antiphonen, welche immer wiederholt wurden, 
führten 2 Männerstimmen aus. Am meisten erbauten wohl die 6 Strophen des unvergleichlichen 
Hymnus: Panoe lingua. Die Vesperpsalmen, sowie das Magniißcat wurden einstimmig (choraliter) 
vorgetragen. Man sah es den kleinen Sängern an, dass sie mit Lust und Liebe wirkten. Wäre es 
nicht praktisch, die Sache im Auge zu bebrüten und auch in anderen Orten ab und zu eine Vesper 
zu singen? Der Titel des Heftchens lautet: „Die Votivvesper vom Allerhl. Altarssakramente nach 
dem römischen Vesperbuch im ViolisscÜüssel mit weissen Noten und einheitlicher Textunterlage der 
Psalmen". Volksausgabe. Preis ä, 20 .^ bei Pustet -Regensburg. • 

Bei dieser Gelegenheit sei auch noch einer Pflicht der Dankbarkeit genügt. Herr Lehrer 
Augustin Apel in Worbis ist seit 1. «Tan. 1^7 an das Lehrerseminar in Exin (Prov. Posen) 
berufen worden. Er hat der Sache des Kirchengesanges grosse Opfer an Zeit und Geld gebracht. 
Seinem Eifer ist das Interesse mit zu verdanken, welches sich auf dem Eichsfelde allenthalben für 
den kirchlichen Gesang zeigt. Die Freunde des gregorianischen Gesanges werden dies stets dankbar 
anerkennen. (Dem tüchtigen und unermüdlichen Förderer der Mus, s, entbietet die Red. herzliche 
Glückwünsche und gute Erfolge.) 

A Am 30. und 31. Mai fand zu Gfinzbnrff a. D. die XIL Generalversammlung des 
Diözesan-Cäcilienvereins Augsburg statt , deren Verlauf die sehr zahlreichen Besucher vollauf be- 
friedigte. Eingeleitet wurde dieselbe am Abende des 30. Mai mit einer Maiandacht in der Stadt- 
pfarrkirche , wobei nach der von H. H. Domkapellmeister V^idmann-Eichstätt gehaltenen Predigt 
ein Tantw/n ergo und Ave Maria, 4 voc. von L. da Vittoria, sowie der Ps. 41 Quemadirwdum desiderat 
C€rvi48, für gem. Chor mit Orgel begleitung von Fr. Konen zur Aufführung gelangte. Die Ausführung 
war tadellos; doch schien der Psalm im Ganzen mehr zart als kraftvoll gefasst, wozu vielleicht 
auch die Länge des Tonstückes, das überdies besonders an den Tenor starke Anforderungen stellte, 
mag beigetragen haben. Nach dieser kirchlichen Feier führte H. H. Domkapellmeister Widmann- 
Eichstätt die neue von Steinmeyer in Öttingen erbaute 32 stimmige Orffei vor in .Fantasie*' und 
„Pastorale** aus Sonate XII von Rheinberger. Die Wirkung der an sich herrlichen Stimmen dieses 
Orgelwerkes wird leider durch die ungünstigen, akustischen Verhältnisse der Kirche nicht unwesent- 
lich beeinträchtigt. Abends 8 Uhr fand im Aronensaale die Begrüssung der Gäste statt, wobei der 
Kirchenchor Günzburg nicht müde wurde, durch den Vortrag gewählter Lieder die zahlreich 
erschienenen Festgäste zu erfreuen. 

Die Begrüssüngsrede hielt der Hochw. Hr. Stadtpfarrer J. B. Berkmüller, welcher den 
Cäcilienverein als die Arche pries, in die sich jeder retten kann und soll, der sich nicht von den 
schmutzigen Wassern der kircnenmusikalischen Sündflut fortreissen lassen will. Der H. H. Diözesan- 
präses Dr. J. N. Ahle sprach hierauf seine Freude und seinen Dank für die herzliche Begrüssung 
aus und entbot den Erschienenen herzlichen Willkomm. Hr. Pfarrer Königsberger von Stött^n, 
einer von der „alten Garde** des Diözesancäcilienvereins Augsburg, zeigte in humorvoller Rede am 
Beispiele seines eigenen, kleinen Kirchenchores die Möglichkeit, auch bei schwachen und schwächsten 
Kränen liturgisch richtig zu singen. 

Die Festfeier am 31. Mai nahm ihren Anfang mit einer stillen hl. Messe 7 Uhr morgens in 
der Frauenkirche. Während derselben gelangte durch den Chor der englischen Fräulein muster- 
haft zur AuflÜhrung: Ki/rie, Qloria, Benedictus aus der D-dur- Messe für 3 stimm. Frauenchor von 
A. J. Engler; Ave Matta, für 4 stimm. Frauenchor von Dr. J. N. Ahle (Manuskript); O glorima 
Domina, für 4 stimm. Frauenchor und Orgel von Stehle, Op. 69. Überraschend wirKten die vielen 
dynamischen Schattierungen im Gesanp^e und besonders das p war hie und da von reizender Wir- 
kung, dass es wirklich an einen „englischen** Chor gemahnte. 

Um 9 [Ihr begann die Predigt in der Stadtpfarrkirche, welche der H, H. Pfarrer Waggiu 
von Nesselwang hielt über das Thema, wie ohne den hl. Geist auch keine wahre Kirchenmusik zu- 
stande kommen kann, und dass darum der hl. Geist das Herz des Musikers und des Laien gänzh'ch 
in seiner Gewalt haben muss wie ein Instrument, das mit den vier goldenen Saiten des Glaubens, 
der Sittlichkeit, der Demut und des Gehorsams bespannt sein soll. Nach dieser von hoher Be- 
geisterung getragenen und zündenden Rede begann das vom H. H. Präses Dr. Ahle zelebrierte Hoch- 
amt. Unter der Direktion des H. H. Chorregenten Alois Griesmayr gelangte zur Auffiihrung: 
Introitas, Sequentia: Ymi sancte Spirifm, Communio Choral, Missa: Op. 169 m C für Solo, Chor, 
Streichinstrumente und Orgel von Jos. Rheinberger; Offertorium Portas codi, 5 voc. von Dr. J. 
N. Ahle (Manuskript). Der Choral wurde fliessend vorgetragen, unterstützt von einer sehr diskreten 
Orgelbegleitung, oie nur auffallender Weise bei der Sequenz wegblieb. Die Walil der Messe möchte 
vielleicht manchem auffallend erscheinen, wenn auch sicher nur sehr wenige solches Entsetzen 
dariiber empfinden, wie es in einer Zuschrift an den H. H. Diözesanpräses zum Ausdruck kam, 
worin es nämlich hiess, eine solche Messe zur Aufführung bei der Generalveraammlung eines Cädlien- 
vereines wählen, wäre ebenso, wie wenn man an der Spitze einer monarchischen Feier die Marseillaise 
stellen würde. Ist es nun wirklich so are? Wenn man bedenkt, — Hr. Seminarlehrer Deigendesch 
von Lauingen fühlte dies in nachfolgender Versammlung aus, - wie unser ganze« musiKalisches 
Fühlen und Empfinden in neuer und neuester Zeit ein ganz anderes geworden ist als ps früher war,') 

') Die Konsequenzen dieseti . vielleicht ungenau gefaHsten Satzes müssten auf allen Gebieten der 
Wissenschaft und Kunnt verheerende Hein. „Ganz anders", also wesentlich anders kann auch das 



180 &h 

wie unsere Ohren durch die modernen Akkorde (Nonenakkorde) , Harmonlenfortsclireitungen) 
Rhythnuk n. s. w. verwöhnt sind wie der Gaumen eines Gourmands, der einfache Kost nicht mehr 
verträgt.*) so Iftsst sich wohl^ auch bei höchster Anerkennung der vollendeten Meisterwerke des 
16. ona 17. Jahrhunderts, doch die Existenzberechtigung der neueren Kirchenmusik, die nicht im 
Gewände ihrer älteren Schwester einhertrittj sofeme sie nur den Geist der Kirche atmet, gewiss 
nicht in Abrede stellen. Man sagt zwar, die Kirchenmusik müsse sich wesentlich von der welt- 
lichen Musik unterscheiden und weist darum hin auf die klassischen, polyphonen Werke der Alten ; 
allein man verfi^isst vielleicht doch dabei, dass die Kirchenmusik eines Palestrina, Orlando und 
anderer KirchenKomponisten damalip^er Zeit sich in nichts vom weltlichen Liede unterschied.*) Wenn 
man nun dieser Kircnenmusik. die sich in ihrer äusseren Form ganz mit dem weltlichen Liede deckt, 
im eminenten Sinne Kirchlicnkeit und Klassicität vindiziert, warum sollte es heutzutage verboten 
sein, von den gewiss mächtigen Errungenschaften der Profanmusik seit jener fernen Zeit auch in 
der Kirche einen vernünftigen, der Heiligkeit des Ortes entsprechenden Gebrauch zu machen? 
Würden die alten Meister heutzutage leben, so würden sie gewiss auch anders schreiben") und die 
modernen Mittel der musikalischen Ausdrucksweise ergiebigst benützen. Von diesem Gesichtspunkte 
aus betrachtet, ist es gewiss gerechtfertigt, — uro nicht mehr zu sagen — auch einmal einen 
modernen Meister bei einer solcheu Gelegenheit zur Sprache kommen zu lassen. Was nun die 
Wahl der C-dur- Messe von Rheinberger anbelangt, so glaubte der H. H. Präses, gestützt auf das 
Urteil Dr. Haberrs in Musica sacra 1893 Nr. 7, das. ohne die vom liturgischen Standpunkte aus sich 
ergebenden Mängel der Messe zu verschweigen, doch die Messe als „erhaben dastehend unter den 
Instrumentalmessen aus neuerer Zeit'' bezeichnet, sein tölerari potest aussprechen zu sollen.^) Die 
Messe ist vom Standpunkte der Kunst betrachtet ein Meisterwerk und vom Standpunkte der Liturgie 
aus steht ihr wohl kein kirchliches Verbot entgegen. Weisen wir also solche Kunstwerke nicht 
kurzer Hand aus der Kirche, sondern handeln wir, wie H. H. Diözesanpräses sagte, nach dem alt- 
bewährten Grundsatze, alles Hohe und Edle, was der Menschengeist eraacht, unserem Schöpfer zu 
Füssen zu legen! — Die Ausführung der Messe war musterhaft; sehr gut war der Wechsel von 
;} und/; das Orchester, das leider die charakteristische Färbung des Bläserchores vermissen Hess, 
umspielte in äusserst zarter Weise das immer hervortretende herrliche Gefüge des 4 stimm. Satzes. 
Das Offertorium, ein 5 stimmiger, herrlicher, polyphoner Jubelgesang war in seinem Geiste richtig 
erfasst und mit Begeisterung vorgetragen. Nach dem Hochamte spielte Hr. Domkapellmeister 
Widmann die Konzert-Fantasie über die österreichische Nationalhymne von Stehle. 

Um 11 Uhr war geschlossene Mitgliederversammlung im Kronensaale. Der H. H. Diözesan- 
präses gab eine Übersicht vom Stande und der Wirksamkeit des Vereins, wonach in der Diözese 
acht Bezirks- und neun Pfarrcäcilienvereine bestehen. Es wirken aber noch viele fl,ndere Chöre 
im Geiste des Vereins, wenn sie demselben auch nicht formell angeschlossen sind. H. H. Präses 
ermahnt die schwächeren Chöre, statt zu den schwierigen Werken der Alten, für welche meist 
noch das Verständnis und das Können fehlt, lieber zu den guten Werken neuerer Meister zu greifen. 
Im Interesse der Pflege einer guten Kirchenmusik , die ia meist in den Händen des Lehrers liegt, 
wäre der Vorschlag des Hm. Seminarlehrers Deigendescn freudigst zu be^üssen. dass künftig bei 
der Aufnahme von Knaben in Präparandenschulen der Befähigungsnachweis hinsichtlich genügender 
musikalischer Begabung und eine gewisse musikalische Voroildung gefordert würde. Für einen 
diesbezüglichen Antrag des Hm. Landtagsabgeordneten Wörle im Landtag spricht H. H. Präses 
den geziemenden Dank aus ; ebenso richtet er noch Worte des Dankes an den Kirchenchor Günz- 
burg, der mit Übemahme der musikalischen Auffühmngen so grosse Opfer gebracht hat. Nach 
Erstattung des Kassenberichts durch H. H. Seminarpräfekten Funk nielt Herr Seminarlehrer 
Deigendesch von Lauin^en eine kurze Ansprache, welche recht beherzigenswerte Gedanken ent- 
hielt. Nach seiner Ansicht kann man das Schmerzenskind Choral besser auf die Füsse bringen 
durch die Auswahl gewisser Kirchentonarten , die, wie die lydische, mixolydische. jonische, unserem 
Ohre näher liejB^en'.) Redner warnt vor schlechten Aufführungen alter Meister, oeklagt. dass viele 
Komponisten sich nicht als Meister in der Beschränkung, sondern als Beschränktheit aes Stoffes^) 

heutige musikal. Empfinden und Fühlen nicht sein; wir haben nur eiuen gröseercn Reichtum von Hilfs- 
mitteln und können eklektischer, erfahrungsreicher urteilen. Der Stil istja nicht das Wesen des 
Gedankens, sondern nur eine mehr oder weniger glückliche Ausdrucksform. F. X. H. 

^) Das ist aber ein ungesunder Zustand , gegen den auch im engeren Vaterland von Seb. Kneipp 
Abhilfe möglich ist, wenn starker Wille vorherrscht. F. X. H. 

*) Wenn dieser Satz wirklich gesprochen worden ist, dann muäs man solchen Hangel an musik- 
historischem Wissen bedauern und den Redner yerurteilen, über den Inhalt des 29. und beispielsweise 
9. Bandes von Palestrina's Werken eine vergleichende Studie für das kirchcnmus. Jahrbuch zu schreiben. 
Dass die Madrigale Palestrina*« heutzutage zu ausserordentlich ernsten Kirchcukompositionen verwendet 
werden könnten, sei gerne zugegeben. F. X. H. 

') Diese falsche Logik ist wiederholt als Trugechluss zurückgewiesen worden. Als Beweis für 
die .«Inferiorität^' Palestrina's gegenüber den modernen Komponisten wird der Satz sicher nicht gelten 
wollen! F. X. H. 

^) Da sich der verehrte H. Korrespondent auf Mm», s. beruft, so bittet die Red. den ganzen 
zitierten Artikel im Zusammenhang zu le^en, besonders S. 83—85, 90 und 92. 

') Diese halben Hassregeln werden niemals zum Ziele führen. F. X. H, 

•) Unverständlich! Oder grob? F. X. H. 



-ö 140 ö-^ 

zeigen;. .ermahnt, die eugen Schraukeu der Kirchenmusik nicht noch mehr einzuengen durch allzu- 
grosse Ängstlichkeit*,) cBe an jedem freieren musikalischen Gedanken etwas Weltliches wittert, 
wodurch so häufig die Schwingen der Phantasie heim Komponisten gelähmt werden.') Grundsatz 
soll sein: Gehorsam gegen die Kirche und Treue gegen die Kunst! Den hedauemswerten 
Rückgang des musikalischen Lebens im Volke führt Redner zurück auf die immer grösser werdende 
Vernachlässigung des Volksgesanges in Schule und Saus und verspricht sich Besserung von der 
Ausführung seiner schon oben angedeuteten Vorschläge. Leider war wegen vorgerückter Zeit eine 
Debatte über diese äusserst interessanten und zeitgemässen Gedanken nicht mehr möglich.') 

Nachmittags 2 Uhr war eine kirchenmusikalische Produktion in der Frauenkirche. Das sehr 

fut durchgeführte Programm war folgendes: 1) Gloria, aus der Messe Iste Cor^fessor von Palestrina; 
) Siiper flumina Babylonia, 4 voc. v. Orlando di Lasso ; 3) De profundiSf 4 voc. v. J. Fux ; 4) Ängdus 
Domxni, 4 voc. V. Stehle; 5) Credo aus der A-dur- Messe, 8 voc. für Doppelchor v. Ett; 6) Sanctus 
aus der Missa XIII, 4 voc. v. Haller; 7) Jubüate Deo, 5 voc. v. Aiblinger; 8) Agnus Dei aus der 
Missa Ad regias Agni dapeSj 4 voc. v. Habert; 9) Veritäs mea, 8 voc. für Doppelchor v. Witt. Nach 
Beendigung der Produktion hielt Hr. Domkapellmeister Widmann einen theoretisch -praktischen 
Vorti'ag über Orgelbau und Orgelspiel. 

O Reffensbarg:. In der Zeit vom 2L Apiil bis zum Dreifaltigkeitssonntage brachte der 
hiesige Domchor nachfolgende Kompositionen zur Aufführung: a) Messen: von Croce: Sexti Toni, 
5 St.; von Ebner: Are mater amahüiSf 4 st. und De spiritu sancto, 5st. m. 0.; von Griesbacher: In hon. 
S. Emmerami. 4 st.; von Haller: In hon. S. Maximi (M. XVin.) f. A., T.. B. m. 0., Missa VIII., 48t. 
m. 0., Missa !XI., öst, Missa XTTT.. 4st., Missa XIX. in hon. S. Michaelis, öst; von Mitterer: De 
Ascensione, 5st., M. Papae Marc, 4st. bearb., M. Dom. IE., 4st. m. 0., M. Dom. IV. f. Ober- und 
ünterstn. ui. 0., In hon. S. Caroli Borr., 48t. m. 0.; von Palestrina: Lauda Sion, 4st., Tu es Fetrw, 
Hst. (zum 40.jähr. Bischofsjubiläum (s. Mu8. a, S. 113), AacmAo ad Patrem, 58t. (am Christihimmel- 
fahrtstage, an welchem Se. Excell. päpstl. Nuntius Lorenzelli im hohen Dome pontifizierte), tkxe ego 
Joannes, 6st. (an Pfingsten); von Vittoria: Simüe est regnum, 4st. — Gradualien und Sequenzen: 
von Mitterer und P. Ortwein. — c) Offertorien und Motetten: von Oroce, Gnesbacher, 
Haller (7), Marenzio, Mitterer (3), Palestrina (4) und Benner jun. — d) Ecce sacerdos: 4 st und 6 st 
von Ebner, 6 st. von Haller. — e) Fange lingua und Tantum ergo: 2 st. m. 0. von Ebner, 5 st. von 
Griesbacher 2 4 st. gem. und 4 st. Mch. (3) von Haller, 4 st. von Hohnerlein. 4 st. (2) von Mitterer, 
5st. von Thielen. — f) Te Deum: 5st. m. 0. von Auer, 4st. m. 0. vou'Engel. 

* Salzbarg:. (Das goldene Priesterjubiläum des Kardinals Haller). Es ist in 
weiteren Kreisen nicht unbekannt, welchen Schutz Se. Eminenz Kardinal -Fürsterzbischof Joh. 
Haller dem Salzburger Cädlienvereine angedeihen lässt und mit welchem Interesse Hochdieselbe 
an den Bestrebungen des Cäcilien Vereins überhaupt thatkräfbigen Anteil nimmt. Die Nummern der 
Musica saa-a von 1897 und 1^ sind hiefür ein sprechender Beleg. Am 21. Mai d. J. war der 
50. Jahrestag der Priesterweihe unseres vielgeliebten Oberhirten wiedergekehrt. Zur würdigen 
Feier dieses üfedenktages rüstete sich die gesamte Erzdiözese, und in der Landeshauptstadt wie im 
kleinsten Gebirgsdörflein wurde das seltene Fest mit gleicher Begeisterung begangen. Die Haupt- 
feierlichkeit wurde auf Sonntag den 22. Mai verlegt. Die Einleitung am Vorabende bildete ein 
imposanter Fackelzug mit Serenade und bengalischer Beleuchtung auf dem Kapitelplatze vor dem 
fürsterzbisch. Palais. Ein prächtiges Wetter begünstigte die Hauptfeier am Sonntag. Um 8 Uhr 
früh fand Einzug in die herrliche Metropolitan-Domkirche statt, woselbst Fürstbischof Dr. Kahn 
die Festpredigt hielt. Bei dem solemnen Hochamt fand der Domchor unter der Leitung des Hochw. 
Hm. Chordirektors Hermann Spies vorzügliche Gelegenheit, ein glänzendes Zeugnis seiner erprobten 
Leistungsfähigkeit zu Uefem. Das Programm war folgendes : Zum Einzug: Ecce sacerdos v. Th. König. 



^) Diese Furcht ist sicher sehr unbegründet; es wäre lehrreich, die „ängstlichen Chorregenten '^ 
in Deutschland kennen zu lernen. F. X. H. 

') Das Gleichnis ist trefflich; leider sind diese Schwingen meist von der Qualität der Dädalus- 
flügel. F. X. H. 

') Wenn die Red. der Mtis, s. diese Ausführungen mit ausserordentlichen Anmerkungen versehen 
hat, so lag es ihr ferne, den eiirigen, tüchtigen und wohlmeinenden H. Seminarlehrer Deigendesch zu 
verletzen. Sie möchte die verehrlichen Leser anregen, in ihren Kreisen ähnliche Fragen aufzuwerfen, 
Mühe, Studien und Zeit zu verwenden, um dieselben zu klären und zu lösen ,,im Gehorsam gegen die 
Kirche, in Treue gegen die Kunst" und im Lichte der Kirchen- und der Musikgeschichte. — 
Ein Bericht in Nr. 127 der „Augsb. Postztg.'* enthält übrigens den Inhalt des Vortrages in einer Fas- 
sung, welche zu keinerlei Einwendung oder Widerspruch Veranlassung gibt. A. a. 0. heist es; „Herr 
Seminarlehrer Deigendesch-Lauingen besprach drei Hindemisse, welche einem erfolgreichen Wirken des 
Cäcilienvereins vielfach im Wege stehen: erstens die Fremdartigkeit des Tonsystems im Choral und 
im Palestrinastil für unser, an moderne Musik gewohntes Ohr, — wogep^en zu wirken ist durch Ange- 
wöhnung in guten Aufführungen. Aber eben mangelhafte Aufführung wirkt als zweites Hindernis und 
bringt £e beste, ältere oder neuere, Komposition und die cäcilianische Sache überhaupt in Misskredit. 
Ein drittes Hindernis liegt darin, dass der Musik im gesamten Unterrichts- und Erziehungswesen 
überhaupt nicht die wünschenswerte Pflege zu teil wird.'* Allseitiger BeifaU wurde diesem so lehr- 
reichen Vortrage gespendet und die Red. der Mi*s, s. schliesst sich unter solchen Verhältnissen 
demselben an. 



-ö 141 &- 

Dann Vmi treaicr, bat. von Kenner. Ziun Hochamt bt:kamcn wir die herrliche InstrumentalniBäse 
in C von Rheinbereer zn hören, welche wirklich in g:ediegener Weise ausgeführt wurde. Das 
Graduale, ÄlUlt^af negnavit Dominus war eine neue wirkungsvolle Komposition unseres Domchor- 
direktors Herm. Spies. Offertorium Äscetidit Dens von J. Renner, Te Deum von Jos. Gruber. ~ 
Zur nachmittä^gen Festversammlung im städtischen Kursaale vereinigte sich der Domchor und 
dessen vorzügliches Orchester mit einer ausgewählten Sängerschaar von HeiTen und Damen vom 
J.Mozarteum", von der Salzburger Liedertafel und dem Männergesangverein ,, Harmonie", um dem 
vornehmen Auditorium, unter welchem sich Mitglieder des allerhöchsten Kaiserhauses und der 
hohen Aristokratie, der Landesvertretung und des Stadtmagistrates , geistliche und weltliche Hono- 
ratioren u. s. w. befanden, einen gediegenen Kunstgenuss zu verschaffen. Die Versammlung wurde 
nach dem Erscheinen Sr. Eminenz und der geladenen Bischöfe mit dem neuen Begrüssungschor 
eröffiiet, welchen Domkapellmeister Filke in Breslau für den Empfang des Kard. Kopp (für Männer- 
stimmen und Harmoniemusik) komponiert hatte. Der Text war von dem bekannten genialen Dichter 
Militärkaplan Joseph Seeber umgedichtet. Unter der Leitung des Herrn Fachlelirers Hans Pletzer 
mit Akkuratesse zur Vorführung gebracht, verfehlte dieses Opus nicht, einen feierlichen Eindruck 
auf die Zuhörerschaft hervorzurufen. Nicht minder gilt das auch von Schubert's ^ossem Chor 
„die Allmacht*', für Soli. Chor und Orchester eingerichtet von Gottschalg und Götze (Dirigent: Dom- 
kapellmeister Spies), weicher an zweiter Stelle, nach dem sinnigen Festgedicht (ebenfalls von Seeber) 
zum Vortrag gelangte. Am meisten Eindruck machte iedoch der prächtige Schlusschor mit Arie 
-Kommt all ilu* Seraphim in Flammenreih'n** auaJLändel s .Samson**, unter der Direktion des Herrn 
Spies mit wirkungsvoller Ferve exekutiert. — Die Musik hatte demnach sowohl in der Kirche wie 
im Festsaale einen Hauptanteil an dem schönen Verlaufe der Jubelfeier. 

Gelegentlich möchte ich auch noch des Alumnatschores im hiesigen f: e. Priesterhause 
Erwähnung machen. Derselbe verfügt über einen tüchtigen Gesangschor und eine gutbesetzte 
Instrumentalmusikkapelle, welche ebenfalls vor einer Woche im engeren Kreise der Theologen Ge- 
legenheit fand, bei einer Huldigungsfeier für Se. Eminenz ihr Können an den Tag zu legen. Seinen 
acntenswerten Aufschwung verdankt dieser Chor zumeist den Bemühungen des cand. theol. Franz 
Grub er. Der von ihm für diese interne Feier komponierte Jubelchor für Männerstimmen mit 
Orchester fand sehr grossen Beifall. 

> Zweibrttcken, L Juni. Die diesjährige Versammlung des Diözesan-Cäcilienvereins 
Speyer tagte am Pfingstdienstage in den Mauern unserer Stadt. Eine grosse Anzahl Geistlicher, 
Lehrer, Vereinsdirigenten und anderer Freunde des cäcilianischen Gesanges hatte sich eingefunden. 
Programmgemäss begann die Feier mit einem levitierten Hochamte, bei dem der Pfan*verein die 
M. EandtaU Deo von Stehle zum Vortrage brachte. Sie wurde nut ungewöhnlicher Sicherheit und 
Präzision durchgeführt. Dem Choral wurde im Proprium seine Stelle angewiesen. Welche Bedeu- 
tung dem Chord zukommt , wenn derselbe gut eingeschult ist^ wenn insbesondere ein exaktes Zu- 
sammensprechen und eine gewisse Accentuierung beobachtet wird, wurde hier zum prägnanten Aus- 
dru(^ georacht. Das Hochamt allein hätte genu^, um den vollgiitigen Beweis zu erbringen, dass 
der lateinische Gesang allein der berufene beim liturgischen Gottesdienst, beim Hochamt und sakra- 
mentalen Segen ist Die nachmittägige kirchenmnsikalische Feier wurde in der Form eines Gottes- 
dienstes abgehalten. Dem Introitus In nomine Jesu, choraliter. folgte das Kyrie aus der Missa 
sexta B von Haller, das Qloria aus der Ostermesse (Choral), dann das Jttbüate Deo von Orlando 
di Lasso. Um auch die tiefergreifende Wirkung des Klagegesanges auf das Gemüt der Zuhörer 
zu lenken, wurden die Responsorien vom Charsamstag Flanpe quasi von Viadana und O vos omnes 
von Croce eingelegt. Hierauf kam die Weihnachtsfreude im Tecum vrincimum von Stehle zum 
Ausdruck. Um dem Choral nach Gebühr gerecht zu werden, folgte aas Onertorium Domine vom 
Kirchweihfeste, welchem sich der österliche Jubelgesang Sun-exit von Haller anschloss. Das fünf- 
stimmige Diffusa est von Palestrina wurde mit Geschick zu Gehör gebracht Feierlich erklang 
nun das Magnificat von Viadana , abwechselnd choraliter mit Falsibordoni vorgetragen. Das nach- 
folgende Regina coeli von Lotti wirkte erfrischend und belebend, während oie nächste Nummer, 
Tantum ergo von Ett, der ehrfurchtsvollen und demütigen Anbetung des allerheiligsten Altarssakra- 
mentes reichen AUvSdruck verlieh. Grossartig und erhaben sollte sich der Schluss der kirchenmusi- 
kalischen Produktion gestalten in dem vierstimmigen Te Deum mit Orgel- und Orchesterbegleitung 
von Konen. Der Pfarrcäcilienverein Zweibrücken hat sich mit diesen Leistungen ein enrendes 
Denkmal auf dem Gebiete des Kirchengesanges gesetzt und gezeigt, was Eifer, Müne und Ausdauer 
auch hier zn Stande bringen. Eine eigenartige Erscheinung wollen wir hier nicht unerwähnt 
lassen, weil sie mit der Sache in engstem Zusammenhange steht Als vor vier Monaten die Ein- 
übung der Gesänge mit allem Ernst und Nachdruck aufgenommen werden sollte, befiel den ein- 
übenden Dirigenten eine schwere Krankheit, die ihn voraussichtlich auf Monate hinaus arbeitsunfähig 
machte. Was nun thun, da ein geeigneter Dirigent scheinbar nirgends zu finden war? Da trat 
ein Mann aus den Reihen der Sänger hervor^ bot dem Präses des Vereines, dem Herrn Stadtpfarrer, 
sein ganzes musikalisches Können und Wissen an mit dem Versprechen, alle seine Kräfte zur 
Erreicnnng des Zieles einzusetzen. Dieser dem Gewerbestande angehörige Mann, der, nebenbei 

gesagt, über einen Fond musikalischer Kenntnisse verfügt, schulte in der Kurzen Zeit den hiesigen 
farrcäcilienverein so allseitig und gründlich ein, dass derselbe furchtlos an seine Aufgabe heran- 
treten und die Zuhörer mit wahren Glanzleistungen überraschen konnte. In Anerkennung seiner 
Verdienste wurden ihm denn auch in der an die kirchliche Feier sich anreihenden weltlichen von 
den Sängerinnen des Vereins ein Lorbeerkranz, von den Sängern ein silberner Pokal, vom Pfarr- 



-G 14!t &- 



Cäcilienvereiü als solclieu eine goldeue Uhr überreicht. Ferner wurde er zum Ehrendirigenten 
* Ku.^ iu :^. i.ai«^i.i.^..>^i- x-xx_^_ TT_i. — j_ ingehftndifft wurde. — D' '^ " 

in FranKenthal statt 



V/C»V»AU.OU Y ex CAIX CU0 OVfl^UVU CXU13 ^\ßl\JLXjU.r- Ulli UUC11C/1\>111'. J^V/lllt31 

ernannt, worüber ihm eine künstlerisch ausgestattete Urkunde eingehändigt wurde. — Die nächst- 
jährige Versammlung de-s Diözesan-Cäcilienvereins Speyer findet ii 



Das silberne Jubiläum des Amerikanischen Cäcilienvereines. 

Mit den aufrichtigsten und wärmsten Glückwünschen zur Jubiläunisfeier des von 
H. Prot J. Singenberger vor 25 Jahren begründeten und unter unsagbaren Opfern und 
Kämpfen erhaltenen nnd verbreiteten amerikan. Cäcilienvereins teilt die Redaktion der 
Musica Sacra nachfolgende Einladung aus der „Cäcilia" Singenberger's mit: 

„Die XV. Generalversammlung des Amerikanischen Cäcilienvereines 
wird am 20., 21. und 22. Juni in St. Francis, Wis., gehalten, und wird zugleich die 
Feier seines 25jährigen Bestandes sein. 

Am 7. Mai 1873 versammelten sich im Lehrerseminar zu St. Francis, Wis., etwa 
60 Musikfreunde aus dem Priester- nnd Lehrerstande, um im Anschluss an den 
deutschen vom heil. Vater Pius IX. approbierten Cäcilienverein den „Amerikanischen 
CäciUenverein" zu gründen. Der hochwürd. Dr. J. Salzmann, Gründer und Rektor 
beider Seminarien, wurde znm Vorsitzenden der konstituierenden Versammlung erwählt. 
Er besprach die Notwendigkeit und Wichtigkeit eines solchen Vereines, las die von 
einem improvisierten Komite ausgearbeiteten Statuten vor und forderte zur Wahl der 
erforderlichen Beamten auf. Das Resultat war folgendes: J. Singenberger, Präsident; 
C. R. Scholter, Theologe, Vizepräsident; J. Jung, Prokurator des Lehrerseminares, 
L Schatzmeister; F. W. Pape, Theologe, ü. Schatzmeister; J. Enzelberger, Theologe, 
korrespondierender Sekretär ; H. Karis, Lehramtskandidat, rekordierender Sekretär. Der 
hochwürdigste Herr J. M. Henni, damaliger Bischof von Milwaukee, Wis., übernahm 
das Protektorat über den jungen, so wichtigen Verein, über dessen Gründung er seine 
grosse Freude äusserte. Schon sechs Wochen nach der Gründung, am 21. Juni, fand 
durch die vereinigten Chöre beider Seminarien, unter Direktion des Vereinspräsidenten, 
im Priesterseminar die erste kirchenmusikalische Aufführung statt. Gregorianischer 
Choral, sowie Kompositionen von Palestrina, Haller, Croce, Hassler, Witt, Stehle und 
Singenberger wurden in vortrefflicher Weise zu Gehör gebracht. 

Das Entstehen des Vereines wurde allenthalben mit Freuden begrüsst; die Zahl 
der Mitglieder wuchs rasch; ermutigende Zuschriften aus allen Teilen der Union von 
Priestern und Laien trafen ein, besonders auch von Seiten vieler hochwürdigster Erz- 
bischöfe, Bischöfe und Äbte. Durch die nun im Laufe der Jahre abgehaltenen Vereins- 
versammlungen, verbunden mit mustergiltigen Vorführungen gregorianischen Chorales, 
sowie kirchlicher Tonwerke alter und neuer Meister, durch das im Jahre 1874 ins 
Leben gerufene Vereinsorgan „Cäcilia", durch mehrere vom Präsidenten veranstaltete 
Choral- und Direktionskurse, sowie durch die eifrige Thätigkeit so mancher Mitglieder 
hat der Amerikanische Cäcilienverein im Dienste der Kirche vieles, ja sehr vieles für 
die Besserung unserer kirchenmusikalischen Zustände gethan und erreicht Trotz all 
der vielen und grossen Hindemisse und Schwierigkeiten, welche der Ausbreitung des 
Vereins naturnotwendig hemmend entgegentraten, kann er am Ende des ersten Viertel- 
jahrhunderts auf eine segensreiche Wirksamkeit und auf Erfolge zurückblicken, welche 
Freund und Feind anerkennen rauss. Die Vereinsmitglieder mögen darum mit dank- 
erfülltem Herzen zu demjenigen aufblicken, für dessen Ehre allein sie so opferwillig 
gearbeitet haben, und zu ihm flehen, dass er auch fernerhin ihren Bemühungen für eine 
gottesdienstliche Musik nach den Vorschriften und dem Geiste der Kirche Segen und 
Gedeihen verleihe! — 

Man wird es ganz passend finden, dass die Feier des 25jährigen Jubiläums hier 
in St. Francis, Wis., an der Wiege des Vereines, in würdiger, für einen kirchlichen 
Verein geziemenden Weise begangen werde. 

Der Eröfihungsgottesdienst, Montag abend den 20. Juni, findet jedoch nicht in 
St. Francis, sondern in Milwaukee, und zwar in der St. Franziskus -(Kapuziner-) Kirche 



-» 143 \>' 

statt. Seit Bestand des Cäcilieüvereines wird in dieser Kirche jahraus-jahrein durchaas 
liturgisch gesungen, und ich betrachte es als eine Ehrenpflicht, den hochw. Kapuziner- 
vätern den ersten Teil des Festes anzubieten. Die Obern sowohl wie der Dirigent und 
Organist acceptierten denn auch bereitwilligst, und so ist durch Mitwirkung dieses 
Kirchenchores zugleich die Möglichkeit zur Darbietung wenigstens einiger Kompositionen 
für gemischten Chor geschaffen, während unserseits bei den Gottesdiensten am Dienstag 
und Mittwoch in der Priesterseminarkirche in St. Francis durch die beiden Chöre des 
Priester- und Lehrerseminares ausschliesslich Choral und Männerchöre geboten werden. 

Ich lade nun hiermit alle Mitglieder und Freunde des Amerikanischen Cäcilien- 
vereines zu dessen Jubiläumsfeier herzlichst ein. Besonders interessant dfirfte der Be- 
such von Seiten jener Herren aus dem Priester- und Laienstande sein, welche dem 
Vereine gleich bei seinem ersten Entstehen beigetreten und ihm durch die nun vor- 
flossenen 25 Jahre treu geblieben sind. 

St. Francis, Wis., 1. Mai 1898. J. Singenberger, 

Präsident des Amerik. Cäcilieüvereines.^' 



Vermisohte Naohriohten und Mitteilungen. 

1. W Stein weiler (Pfalz). Cäcilienverein, Dirigent: H. Lehrer Bayersdörfer. Im Laufe des 
Monates Juni findet in der hies. kath. Kirche die Aufstellanp^ einer neuen Orgel statt, welche von den 
K. Württemberg. Hoforgelbaumeistern E. F. Walker & Co. m Lndwigsbnrg erbant worden ist. Das 
nene Werk zählt 21 klingende Register, 3 Kopijelnngen, eine Eollektivanlage .Tuttl^ mit Koppeln und 
als Stenenmg eine „freie Kombination^ mia ist nach pneumatischem Kegelladensystem ausgeführt. 
Die Register verteilen sich wie folgt: I. Manual: Bourdon 16', Prinzipal 8', Gamba 8', Doppelnöte 8', 
Salicional 8', Gedackt 8', Oktave 4',.. Rohrflöte 4', Mixtur 2»/,' 4 fach. II. Manual: Geigenprinzipal 8', 
Lieblich Gedackt 8', Gam8horn8', Aoline 8^ Voix c61este 8' von 4' an. Fugara 4', Plauto dolce 4', 
ComettS' 3— 5 fach. Pedal: Violon 16', Subbass 16', Oktavbass 8', Violoncello 8'. Auf die fest- 
stehenden Kollektivanlsjgen Piano und Forte wurde verzichtet, weil man bei ihrer Verwendung selten 
die erwünschte Klangwirkung erreicht, man also bei immer gleicher Klangfarbe und bei dem- 
selben Stärkegrad bald ein oder mehrere Register zu viel, bald deren zu wenig hat Ungleich 
interessanter namentlich für jene Organisten, die zugleich Chorregenten sind und ihre Messen selbst 
begleiten mfLssen, ist die Anbringung einer Neuerung in dieser Orgel, der sogenannten ^freien 
Kombination". Der Organist ist dadurch, ohne fremde Hilfe beanspruchen zu müssen, in oie an- 

genehme Lage versetzt, mittelst Druckknöpfchen oder breitliegenden, über der oberen Manualtastatur 
egenden Registertasten jede erwünschte Registrierung vor dem Spiel vorbereiten d. h. 
frei einstellen und in jedem beliebigen Momente erklingen lassen zu können. Welcher 
Vorteil, zumal wenn man bedenkt, wie schwer z. ß. auf alten Schleifladenorgeln das Registrieren 
beim Spielen sich bewerkstelligen lässt. Diese Registrierungen sind demnach nicht ein für allemal 
dieselben, wie z. B. bei den KoUektivanlagen^ sondern man kann, soviel und so oft man will, jedes- 
mal eine andere Klangmischung brinp^en. Die freie Kombination, die zu beiden Seiten der Manual- 
klaviaturen untergebrachte Hauptregistratur und endlich die Kollektivanlage für Tntti und Koppeln 
lösen sich durch besondere Re^stertasten über der oberen Manualklaviatur gegenseitig aus. Die 
Kosten der Orgel stellen sich einschliesslich des Preises für das Gehäuse auf 7100 M. 

Mit begreiflicher Erwaitung und Spannung sehen deshalb die hiesigen Katholiken, welche 
seit dem Brande ihrer Kirche am 3. Oktober 1895, wobei auch die 1856 von Schlimbach in Speyer 
erbaute 20 registrige Orgel in Flammen aufging, auf die erhebenden Klänge der „Königin der 
Instrumente" verzichten mussten, der Anfstelning des neuen Werkes entgegen. Ea soll gleichsam 
die glückliche Vollendung und Ausschmückung unserer, herrlicher als zuvor aus der Äsche er- 
standenen ^ Vierzehn -Notnelferkirche" krönen. Bei der Übernahme und Weihe der neuen Orgel 
wird der hiesige C'äcilienverein ausser dem 4 stimmigen Psalm Laudate Dominum und der 4 stimm. 
Motette Jubünte Deo von Allmendinger beim Hocbamte Dr. Fr. Witt's Lucienmesse zum erstenmal o 
zur Aufführung bringen. An einem der darauflbigenden Sonntage findet sodann hier ein Kirchen- 
konzert statt, bei welchem sich mehrere auswärtige Cäcilienvereine beteiligen werden. 

2. ^*^^ Graz. Die Einrichtnng der nunmehr regelmässigen kirchenmnsikalischen 
lustrnktionskurse für unsere Diözese wurde in einer am 4. Mai 1. J. zu Graz stattgehabten 
Konferenz von Kirchenmusiken! in folgender Weise beschlossen: 

Der Kurs zerfällt in zw^i Lehrgänge, von denen der erste Harmonielehre mit besonderer 
Rücksicht auf das kirchliche Orgelspiel, Methode des Elementar-Gesan^nterrichtes, Liturgik, kirchen- 
musikalisches Repertoire und Choralgesang; der zweite Lehrgang Kontrapunkt, Musikgeschichte, 
Ästhetik der Kirchenmusik und Choralgesang umfasst. 

Den Beschlüssen dieser Konferenz entsprechend wird der Instruktionskurs als erster Jahr- 
gang am 19. September 1. J. in Graz eröffnet und dauert bis incl. 24. September (Montag bis Samstag). 
Der UnteiTicht wird in 3 Vormittags- (9 bis 12) und 3 Nachmittagsstunden (3 bis 6) erteilt. 



-ö 144 &- 

Zur Teilnahme am lustraktionskurBe äiud znuächst jene Herren berufen und berechtigt, welche 
als Chorregenten beziehunffsweise Organisten bereits fungieren und in gleicher Weise jene Herren 
Lehrer, welche auf einen Cfhorregentenposten reflektieren. 

Die Anmeldungen zur Teilnahme am Kurse werden bis spätestens 1. September d. J. beim 
»Sekretariate des Diözesan-Cädlienvereines, Albrechtgasse 5, in Graz entgegengenommen, wofern di** 
Zahl der bereits früher erfolgten Anmeldungen eine weitere Aufiiahme überhaupt noch ermöglicht. 

Den P. T. Kursteilnehmern kann für die Dauer des Kui*ses eine entsprechende Ermässigunir 
der Wohnung- und Verpflegekosten zugesichert werden, wenn sie die diesbezüglichen, vom Vor- 
stande des Diözesan-Cäcilienvereines getroffenen Vereinbarungen acceptieren. 

Nähere Auskünfte in dieser Angelegenheit erteilt das Sekretariat des Diözesan-Cäcilien- 
vereines in Graz, Albrechtgasse 5. 

3. t I^er in den Vereinsblättern oft genannte H. H. Erzpriester und Stadtpfarrer von Wart ha, 
Dr. Otto Birnbach, ein vorher kerngesunder Mann, erlag den 4. Juni — noch nicht 43 Jahre 
alt — einem Herz- und Nierenleiden. Seinen Eifer, der mit einer ausserordentlichen persönlichen 
Liebenswürdigkeit gepaart war, wird niemand bestreiten. Zu bedauern ist nur, dass er denselben 
auch stark bethätigt hat, um die den kirchlichen Vorschriften zuwiderlaufende Behauptung zu ver- 
fechten ^ beim einfachen Amte dürfe man in der Volkssprache singen. Geboren am 26. Juli 1855 
in Berlin, wurde er am gleichen Tage 1883 als Germaniker in Rom zum Priester geweiht, wirkte 
bis 1890 als Kaplan zu St. Sebastian in Berlin und Ottmachau; seit 28. Okt. 1896 stand er dem 
Archipresbyterat Camenz vor. Die kunstgerechte Renovierung der schönen Wallfahrtskirche in 
Wartna ist ein ehrendes Denkmal seines Wirkens. R. L P. 

4. So Herr Jakob Qnadflieg, bisher Lehrer und Organist an der Marienkirche zu Elber- 
feld, wurde am 1. Mai d. J. in seine neue Stellung als Schulrektor in der gleichen Stadt eingeführt. 
(Die Red. der Mus, «. beglückwünscht den ersten Eleven der K.-M.-Sch. und treuen Mitarbeiter für 
die musikalische Zierde des Gotteshauses zu dieser ehrenden Beförderung auf das herzlichste.) 

5. O Regensburg. Für den kirchenmusikalischen Kurs vom 15. Januar bis 15. Juli 1899 
erfolgten bis heute 19 Anfragen, von denen 6 ihre definitive Erledigung durch Ai±iahme in die 
Kirchenmusikschule gefunden nahen. Da nur 14 SchtUer programmässig zugelassen werden können, 
so ersucht der Unterzeichnete, unter Vorlage der verlangten Zeugnisse im Laufe der Sommermonate 
die Anmeldungen bethätig:en zu wollen. Erfahrungsgemäss können viele Priester und Lehrer, 
welche sich gegenwärtig in fester Stellung befinden, oftmals erst nach Monaten den benötigten 
sechsmonatlicnen Urlaub oder erbetenen Bescheid ihrer vorgesetzten Behörden erlangen. Um daher 
bei der Aufnahme der programmässigen Zahl von Schülern nicht behindert zu sein, erscheint es 
wünschenswert, dass die Aufnahmen mindestens drei Monate vor Beginn des 24. Semesters geregelt 
sind. — Schulprogramm und Statuten werden auf Wunsch gratis und ft'anco versendet: vgl. auch 
Mus. 8. 1897, 9. 120 und 183. F. X. Hab er 1, Direktor der K.-Ml-Sch. 

6. 15 Das alphabetische and Sachregister über Nr. 1501—2100 des Cäcilienvereinskataloges 
wird nicht nur der Nr. 6 des Vereinsorgans vom 15. ds. Mts., sondern auch der vorliegenden Nummer 
der Mus, s. gratis beigelegt, da die Arbeit vom Red. der Zeitschrift unter Beihilfe der jeweiligen 
Sekretäre der K.-M.-Scn. (ähnlich dem Sachregister von Nr. 1—1500) besorgt worden ist. Die 32 Seiten 
ausserordentlicher Beilage sollen dadurch wieder eingebracht werden, dass acht von den zwölf noch 
folgenden Nummern nur acht statt zwölf Seiten Text enthalten werden. — Wenn auch die 
meisten Abonnenten der Mus. s. zugleich die „^i^- Blätter für kath. K.-M.^ halten, also in den 
Besitz eines doppelten Exemplars des Sachregisters gelangen, so werden dieselben gute Verwendung* 
für das zweite Exemplar dadurch finden, dass sie es dem Chorregenten, Organisten oder Liventar 
überlassen. Leider sind diese Sachregister zum C.-V.-K. noch viel zu wenig bekannt und verbreitet; 
daher die unzähligen und lästigen Anfragen über Eirchenkompositionen, welche für diese oder jene 
Verhältnisse passend wären. Der kürzeste und beste Rat wird immer sein : „Nehmet und leset die 
Sachregister von 1—2100 des C.-V.-K., lasset euch mehrere der passend scheinenden Kompositionen 
von einer Buchhandlung zur Ansicht senden, wählt dann aus und kauft, was ihr brauchen könnt.^ 
Das beiliegende Register ist überdies durch jede Buchhandlung in Einzelausgabe zum Preise von 
40 /^ zu beziehen. 

Offene Korrespondenzen. 

Photogr. mit curr. vitae (vgl. Mus. s. S. 112) sendeten H. T. in K., R. H. in F. 

Nach dem Rhein. Artikel über Ghoralvortrag mit aufgedrungener Polemik werden mit Nr. 13 
beginnen. 

Gaben fUr die CScilienklrche. Obertrag von S. 133: 69 Ji 19 di, i. B. in S. 10 jfi, J. Q. in E. 15 M 
= 84 J( 19 ^. Vergelt's Gott! F. X. H. 



Druck und Verlag von Friedrich Piutet in Hegensburg, Gesandtenstrasse. 

Mit Beilagen: AlphabetiBches and sachlicheB Generalregister zum Yereinskatalog 

(No. 1501-2100) und Anzoigeblatt Nr. 11. 



Doppelnununer. 

1898. Regensburg, am 1. u. 15. Juli 1898. J^»- ]^ ^ \^ 



MUSICA SACRA. 

Gesrrttndet von Dr. Frans Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatschrift fflr Hebon^ nnd Fördernng der katM. KirchenmasilL. 

Herausgegeben von Dr. Frans Xaver Haberl, Direktor der Kirohenmuflikschule in Begensbnrg. 

Neue Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbeilagen. 



Die „Muiica $aem** wird am 1. nnd 16. jeden MonaU anagegeben. Jede der 24 Nunmani nmfaaat 12 Seiten Text. Die 12 Mnsik- 
beilagen (48 Seiten) wurden in den Nonunem 5, 7 nnd 8 yenendet. Der Abonnementpreis des Jahrgangs betrigt S Mark 4 die 
Beetellnng kann bei {ed«r Poetanstalt oder Bnchhandlnng erfolfren. — Bei der Reiohspost mit 20 Pf. Aufschlag. Bei franko Zusendung 

unter Streifband in Deutschland und Österreich-Ungarn 4 Mk. — ins Ausland 4 BIk. 80 Pf. 

iBbaltsflberileht: Nen nnd frQher erschienene Kirchenkompositionen: K. Deigendesch, G.Fischer, J. Oruber, 
Edm. Kretschmer, A. Lipp, Job. Meuerer, Ign. Mitterer, J. B. Molitor (2), 2 stimm. Offertorieu, G. Rathgeber, Jos. Renner jun. (2), 
Ant. Schwan, Joh. Singenberger , H. Tappert, P. Bonav. Waltrup. — Aas Archiven and Bibliotheken: Beiträge znr Oe- 
Kchichte der Choralbegleitong (von K. Walter). — Die Cäcilienkirche in Regensburg (mit 2 Abbild.). — Kirehenmosi- 
kalische Auffflhrnngen und Berichte aas: Salzbui^, Turin, Dresden. — Über Choralvortrag. ~ Orgauaria: 
Litteratur: Enr. fiossi, L. Bottazzo, Jac. Quadflieg. — Offene Korrespondenzen. 

Neu und früher erschienene Kirchenkompositionen. 

Zwei Votivvespem mit Falsibordoni für Männerchor von Karl Dei^endesfh^) sind 
geeignet, in ElerikaLseminarien, Lehrer- und Präparandenanstalten praktische Anleitung 
zur Aufführung einer liturgischen Vesper zu geben und als solche bei Nachmittags- 
andachten verwendet zu werden. Die sämtlichen Antiphonen, Psalmen, Hymnen und 
Magnificat der beiden Votivvespem sind in Transposition, abwechselnd als Choral und 
leichte Falsibordoni abgedruckt und mit kurzen Zwischenspielen, beziehungsweise Über- 
leitungen versehen. Die Antiphonen sind nicht harmonisiert, bei den Choral versen 
jedoch steht bezifferter Bass. In den Hymnen Fange lingua und Ave maris Stella ist 
nur die erste Strophe choraliter mit bezifferter Bassbegleitung abgedruckt, die übrigen 
sind mit Rezitationston und einer Orgelbegleitung versehen. Für die erste und siebente 
Strophe von Ave maris Stella ist eine einfache Komposition für 4 Männerstimmen ad Hb. 
beigegeben. Wenn die Rezitation, wie es sich geziemt, eine rhythmisch bewegte ist, so 
wiM man sich in der Begleitung mit einer geringeren Zahl von durchgehenden und 
ornamentierenden Noten behelfen njüssen. 

C. Fisfher^) komponierte dreizehn Magnificat über die 8 Kirchen töne (den 1., 3., 
4., 7. und 8. je zweimal) sowie das Benedictes im ersten Ton für das Triduum sacrum 
und im achten Ton für Weihnachten und Ostern als Falsibordoni für 5 gem. Stimmen. 
Jeder der fünfstimmigen Falsibordoni steht auf 3 Systemen. Die Psalmverse sind wegen 
der Teztverschiedenheit einzeln behandelt, entweder die geraden als Falsibordoni und 
die ungeraden mit der Choralmelodie, oder umgekehrt. Diese 6 stimmig. Cadenzen sind 
kräftig, klar und kürz, und werden eine hochfestliche Wirkung nicht verfehlen. 

^) Vom allerheil. AltarHsakrament und zu Ehren der sei. Jung^frau. Partitur l Ji bO ^; sind 
nicht auch Einzelstimmen erschienen? Verlag von A. Böhm in Augsburg. Der verehrte Herr Heraus» 
geber, Kgl. Seminarlehrer in Lauingen, ersucht, einige Stichfehler zu verbessern, da ihm vom Verleger 
eine dritte Korrektur nicht mehr zugesendet worden ist. Dieselben sind: S. 3 soll der Punkt bei 
AUduja im vorletzten Takt nicht bei a. sondern bei c stehen; S. 7 Vers 2 soll das c des ersten Basses 
einen Punkt haben ; S. 13^ ist in der Choralantiphon bei der Silbe tu von accubitu $§ statt a zu singen : 
S. 20 muss in der Intonation des Maffnificat auf die Silbe gni f b gesungen werden. 

Psal- 



«) Op. 9. 13 Intonationes Oantici „MagniflcaV* et 2 Intonationes Cantici: „Benedicts** cum Ps 
modus quae vulgo „Falsibordoni'' nuneupantur, V vocibus imparibus, seil.: C, A., T., B.ir., H. \'orl 
von L. .Schwann in Dilsscldorf ; Preis 4 M, von 10 Exompl. ab je .'1 M, T. genau. 



ag 



-ö 146 b>- 

Eine Messe, welche Jos. firiiber unter dem Titel „M.Mater dolorosa"^) für gem. 
Chor mit Streichquintett und 2 Hörnern mit Org. oder mit letzterer allein komponiert 
hat, kann nur vom Standpunkt eines Zugeständnisses an die vielen musikmachenden 
Chöre beurteilt werden. Besonders im Credo ereignen sich rhythmische Vorgänge, z. B. die 
oft wiederkehrenden Mensuren ^- _J^J^_J_J_, oder _J_Aj^J_, oder ^. ^ \ ^ ^ ^ 
welche mit den Sprachgesetzen und Deklamationsregeln in unlöslichem Widerspruche 
stehen. Der Text ist ja vollständig und genau, die Musik kurz und sehr leicht aus- 
fuhrbar — kombiniert. Dem Komponisten aber und den Chören muss man zurufen: 
„Excelsior!" 

Die Messe Nr. 6 für gemischten vierstimmigen Chor von Edm. Kretsf hmer ^) hat 
in liturgischer Beziehung den Vorzug der Textvollständigkeit aufeuweisen ; nur im Credo 
S. 11 muss de statt te Deo vero stehen. Sie ist im modernen Stile geschrieben, ein 
leitender musikalischer Gedanke ist nicht ausgeprägt. An Selbständigkeit der Einzel- 
stimmen mangelt es nicht, noch aucli an modulatorischer Abwechselung, dynamischen 
Effekten, zarten Stellen und markigen Rhythmen. Alle diese Mittel stehen jedoch zu 
wenig im Dienste des liturgischen Textes, sondern mehr in dem der absoluten Musik. 
Überdies sind tüchtige Sänger, beziehungsweise Treffer erforderlich. Wer durch Scharf- 
sinn neue melodische und harmonische Tonverbindungen ausklügelt, irrt gewöhnlich 
von den natürlichen und gegebenen Pfaden ab und verwickelt sich mehr oder weniger 
im Staudenwerk der Spekulation. 

Zwei Hefte mit je vier Veni sande Spiritus y das erste für gemischten Chor mit 
Begleitung von 4 Blechinstr. oder Orgel, das zweite für gem. Chor mit und ohne Orgel 
edierte Alban Lipp.^) 

Ein Requiem für 4stimm. gem. Clior mit Orgel oder 4stimm. Blechbegleitung 
von Job. Heilerer^) weist wohl keine holie Opuszahl auf, ist aber nach musikalischer 
und liturgischer Seite durchaus entsprechend, nicht schwer und sehr zu empfehlen. Der 
liturgische Text ist vollständig, und auch beim Dies irae wurden sämtliche Verse kom- 
poniert, sodass eventuell von der Indulgenz, einige Strophen dieser Sequenz zu übergehen, 
ohne Störung und mit kluger Umgehung der offenen Frage, welche Absätze man aus- 
lassen könne,*) Gebrauch gemacht werden kann. Im Responsorium Libera ist in anerken- 
nenswerter Weise auf die sämtlichen vorgeschriebenen Wiederholungen Rücksicht genom- 
men und auch das Kyrie etc. am Schlüsse in Choralmelodie abgedruckt. Die Orgel oder 
statt ilirer 2 Trompeten und 2 Posaunen sind sehr diskret, meistens nur als Stütze 
für die Singstimmen und zur Vermeidung des Sinkens der letzteren behandelt. Wenn 
freilich Chöre an die Ausführung dieses Requiem gehen, welche kaum sechs Takte zu 
singen vermögen, ohne zu detonieren, dann mag der Einsatz der Orgel oder der In- 
strumente zu einer musikalischen Höllenqual werden; solche Sängen haben voraussicht- 
lich überhaupt keinen Geschmack und Sinn für die Schönheiten eines Vokalsatzes. 

Eine Sammlung von zwölf Tantum ergo mit Genitori für gem. Chor mit Orchester- 
begleitung, auch 4stimm. mit Orgel ausführbar, komponierte Ignaz Mltlerer^) Unter 

M Op. 51. Au8g. mit Instr.-Bcgl. 6 Ji, mit Singstn. und Or«;. 4 M kompl. A. Böhm & Sohn 
in Augsburg. • 

') Op. 56. Part. 2 j« 40 ^, St. a ao ^. Otto Junne in Leipzig, Schott freies in Brilssel. 

') Im ersten Hefte ist je eine Nummer von F. Bieger, P. (rricsbachcr, J. B. Thaller und Lipp, 
im zweiten komponierte Lipp zwei, J. A. Troppmann und J. B. Thaller je eine Nummer der bekannten 
Antiphon Veni sancte Sidritus. Im 2. Heft wird konstant fehlerhaft reiMnorum als ein Wort ge- 
schrieben, im 1. begeht nur Griesbachcr diesen Fehler nicht. -- A. Böhm & Sohn in Augsburg. Preis: 
1. Heft Part. 1 J(, St. a 25 i?j, Blechstn. zus. 50 ^; 2. Heft Part. 70 v^ Singstn. ix 20 ^, 

*) Op. 4. Fr. Pustet in Regensburg. Part. 1 M <>0 ^, Singstn. ä 20 ^, Instr.-Stn. a 15 ^. 
r. genau, m. Jahr. 



6 



) Nach der Privatanschauung des Unterzeichneten sollten, wenn irgendwie möglieh, die L, 9.. 
10., 12., 14. — 19. Strophe mit Amtn sreaungcn werden. 

*) Op. HO. Org.- u. Direktionsatimme 90 kr.. Singstn. a 45 kr., Orchesterstn. 1 fl. 80 kr., kompl. 
4 fl. 50 kr. Innsbruck, Joh. Gross (S. A. Reisa), in Deutschland durch Keuyhtinger & Glcichauf in Regensburg. 



dem Titel „Laudes SS. Sacraiiienti". Die zwölf Stücke können in vierfacher Art aus- 
geführt werden : a) in voller Besetzung, nämlich zum Streichquintett Klarinetten, Hörner, 
Trompeten, Posaune und Pauken bei Nr. 1, 3, 5, 6, 9 und 11, b) bei den übrigen 
Nummern Streichquintett, Klar, und Hörner, c) mit Streichquintett allein, wobei die 
Orgel mit streichenden Stimmen gebraucht werden kann, wenn der Gesangschor stark 
besetzt ist, d) nur mit Orgelbegleitung. Da gerade dieser heilige Text seit etwa 
l(K) Jahren in Instrumentalkompositionen ausserordentlich nachlässig, tändelnd, ja skan- 
dalös behandelt worden ist, und ein ganzer Sumpf blasphemischer Fange lingua und 
Tantum ergo nachgewiesen werden kann, so ist das Beginnen und Unternehmen des 
hinlänglich berühmten Komponisten, den liturgischen Text des grossen Aquinaten in 
mannigfaltigster Weise nach Seite der Melodie, des Rhythmus und der Harmonie in 
modernem Stile zu bearbeiten und auch die Instrumente, wo sie üblich sind und gut 
besetzt werden können, zum Schmucke und Festesglanz heranzuziehen, anerkennens- 
wert und löblich. Mögen diese zwölf Tantum ergo dazu beitragen, dass gemeine 
Instrumentalmache von unseren .Kirchenchören verschwinde. Auch ohne Instrumente 
mit der einfachen Orgelbegleitung werden dieselben für die Fronleichnamszeit und bei 
Segensandachten sich den Beifall der Kirchenchöre erringen. 

Eine äusserst schlichte und leichte, in den vier Männerstimmen durchweg homo- 
phon gehaltene Messe von 4. B. Holitor^) ist zu Ehreir des hl. Johannes des Täufers 

geschrieben. Der I. Tenor überschreitet niemals das /*, der II. Bass das F. Der Text 
wird ohne Aufenthalt verständlich und gut deklamiert und dadurch eine grosse Kürze 
bei der Ausführung erreicht. Im Credo ist bei Et resurrexit, Et in Spiritum und Et 
unam aandam harmonische Bezitation angewendet, welche besser vermieden werden 
konnte, da alle übrigen Teile in^der Mensur stehen. Eine leichtere Messe für Männer- 
stimmen, als dieses Op. 3^ wird ^ohl kaum existieren. Sie lässt übrigens eine schwung- 
volle Direktion und einen deklamatorisch belebten Vortrag zu und wird auch von den 
schwächsten Chören gut zu Oehör gebracht werden können. 

Unter dem Titel „Cantus sacri*'''*) Op. 33 edierte J. B. Molitor eine 

grosse Sammlung lateinischer, fast durchgehends liturgischer Gesänge für Männer- 
stimmen (110 Nummern). Die meisten Kompositionen sind vom Herausgeber, 4 von 
Witt, 3 von P. Piel, je 2 von Ett, Aiblinger, A. Wiltberger, P. Greg. Molitor, 
P. U. KommüUer, Ed. Stehle, je 1 von Dr. Ahle, Casciolini (das Fanis Angelicus ist 
nicht von Baini, wie Ref. schon vor Jahren quellenmässig nachgewiesen), P. Doss,^) 
Durante, Groiss, Martini, V. Kuffo und P. H. Thielen. Antiphonen, Motetten und Offer- 
torien zu Ehren des allerheil. Altarssakramentes, der Muttergottes, für die Advent-, 
Fasten-, Passionszeit und Charwoche bilden den Hauptinhalt dieser praktischen und 
auch schwächeren Männerchören leicht zugänglichen Sammlung.*) Im Vorwort sind 
recht beherzigenswerte Gedanken über „leicht ausführbare Kirchenkompositionen" aus- 
gesprochen und Referent stimmt unter gewissen Voraussetzungen gern dem Satze bei: 
„Chöre, die mit einfachen, kirchlichen Kompositionen beginnen, werden zu reger Thätig- 
keit angeeifert, weil sie ohne grosse Mühe und Zeitaufwand frühzeitig die Fertigkeit 
erlangen, das Gelernte beim Gottesdienste in würdiger Weise vorzutragen. Lust und 
Liebe zur Sache werden wachsen und das Verlangen erwecken, neue, grössere und 
auch kunstreichere Werke kennen zu lernen, zu üben und aufzuführen." Ein beson- 
derer Vorzug dieser Sammlung sind die geringen Anforderungen, welche an den I. Tenor 
gestellt werden; derselbe berührt hohe Lagen nur vorübergehend und schliesst niemals 
in denselben. 

^) M. in hon. S. Joa. Bapt. ad 4 voc. aeqii., Op. 32. Fr. Pustet in Regensburg; T. genau, mit J. 
Part. IM 20 /^, Stimmen k 15 \ 

') Fr. Pustet in Regensburg. Dem hoch würdigsten Herrn Bischof Joh. Bapt. Schöbcl von 
Leitmeritz gewidmet. Part. fUr 112 Seiten in Quart 4 M 80 ^, Stimmen (jede 47 Seiten) 4 1 Ut 80 ^; 
mit Jahr. 

') Über die Litaneien vom Herzen Jesu siehe Mus, a. 1898, Nr. 10, S. 116! 

*) Im Offertorium des 2. Adventsonntags muss convertens in cofiversus und in Nr. 44 Jmtitint* 
korrigiert werden. 



-<3 148 &h 

Über den Inhalt der Musikbeilagen zur Mtis. s. wurde bereits S. 96 kurz berichtet. 
Nunmehr ist auch die Einzelausgabe der Zweisttniiii. Off ertorien ^) mit obl. Orgelbegl. 
(2. Bd., 3. Heft, vom R'oprium de Tempore) erschienen mit 14 Originalkompositionen 
von Conze, Ebner (2), Griesbacher (2), Haller (2), Kornmüller, Schildknecht, E. Schmid, 
A. Wiltberger (4), Sechs von den 14 OflFertorien vom 3. Sonntag nach Ostern bis zum 
Dreifaltigkeitsfest sind für C. und A., darunter 2 für C. und 2 A., drei für vereinigte 
Ober- und ünterstimmen, fünf für T. u. B. Auch dieses Heft wird gleich den bisherigen, 
nicht nur an den genannten Sonn- und Festtagen, sondern auch bei Votivämtern zu Ehren 
der hl. Dreifaltigkeit oder des heiligen Geistes, sowie bei Heranbildung der Sänger zum 
imitatorischen und polyphonen Kirchengesang, zu welchem die Unabhängigkeit der Stimmen 
Vorbedingung ist, gute Dienste leisten. 

Ein Requiem für 4stimm. Männerchor mit Orgelbegl. von G. Rathgeber^) kann 
gut empfohlen werden. An Requiem für Männerstimmen mit Orgel, welche bei Leichen- 
begängnissen von Priestern oder Lehrern, zu denen gewöhnlich sangeskundige Mit- 
brüder oder Kollegen sich in grösserer Anzahl einfinden, aufgefiihrt werden können, 
ist noch kein Überfluss; nur hüte man sich, das Requiem ohne Probe vorzutragen, ob- 
wohl es keine besonderen Schwierigkeiten enthält, da die Orgel helfend eingreift. Har- 
monische Kecitationen bei Te decet und dem Anfang des Graduale konnten vermieden 
werden. Vom Dies irae sind nur fünf Strophen in Choralmelodie abgedruckt, der 
Y- Hostias im Oflfertorium wird von allen Stimmen auf einem Ton recitiert. Mit Aus- 
nahme des Schlusskyrie ist das 1^. Libera liturgisch richtig durchgeführt. 

Zehn Vem Creator für gem. Chor (fünf 4 st., drei 5 st., ein 6 st. und ein 8 stimmiges) 
Op. 34 a und vierzehn Fange lingua für gem. Chor (sechs zu 4, drei zu 5, zwei zu 6, 
eines zu 7, zwei zu 8 Stimmen) Op. 34 b komponierte Jos. Renner Jun.^) in festlich 
modernem Stile für jene liturgischen Funktionen, in denen zur Anrufung des hl. Geistes 
oder bei eucharistischen Andachten solche Gesänge häufig gebraucht werden. Im 
Hymnus Veni Creator sind die erste, fünfte und letzte Strophe unterlegt; auch ist auf 
die Veränderung der letzten Strophe während der österlichen Zeit Rücksicht genommen. 
Bei den meisten Nummern kann im Bedarfsfälle die Choralmelodie in entsprechender 
Transposition für die übrigen Strophen eingelegt oder Rezitation derselben angewendet 
werden. Beim Hymnus Fange lingua sind durchweg die sechs Strophen abgedruckt. 
Für Abwechselung im Rhythmus, in harmonischen Fortschreitungen, chromatischen Durch- 
gängen und dynamischen Wirkungen ist reichlich gesorgt. 

Eine Messe für 4 Männerstimmen mit obl. Orgelbegl. zu Ehren des hl. Petrus von 
Anton Schwarz steht nach dem Urteil des Referenten an der Grenze des kirchenmusika- 
lischen Stiles, nicht so fast wegen Melodiebildung — die Motive des Kyrie kehren 
vielmehr bis zum Überdruss wieder — sondern wegen Mangel an vollständiger Aus- 
arbeitung derselben. Um diesen Defekt zu bemänteln, greift der musikalisch offenbar 
reichbegabte Autor zu allerlei äusserlichen Mitteln. In der Orgelbegleitung, die fleissig 

») Regensburg, Fr. Pustet, 1898. Part. 1 M, 2 St. ä 30 ^. T. genau; in. Jahr. 

^) M. pro Def. Op. 18. Regensburg: , Fr. Pustet. T. genau, am Schluss des Libera fehlt jedoch 
KyrU etc.; m. Jahr. Part. 1 Ut 40 /^, St. ä 15 ^. 

») Op. 34a. Part. 2 fr. 50 cts., St. k 30 cts., Op. 34b. Part. 3 frs. St. k 40 cts. Leipzig, 
Otto Junne und Brüssel, Schott fröres, ohne Jahr. Die Bemerkung des Verlegers: „tous droits d*execuHo7i 
publique et de reproductian riaervis*^ hat für Prankreich und Belgien volle Geltung, für Deutschland 
und Österreich gilt nur das Verbot des 'Sa.chdrncks (reproductim), nicht aber der. Aufführung (executimiK 
In neuerer Zeit gehen nämlich Autoren, Komponisten und Musikverleger in Österreich und teilweise 
auch in Deutschland mit dem Gedanken um, eine Gesellschaft, von welcher auch die Aufführungsrechte 
erworben werden müssen, ins Leben zu rufen, ähnlich wie bei Opern, Operetten u. s. w. Für die 
kirchenmusikalische Produktivität könnte das Zustandekommen einer solchen Gesellschaft zu einem zwei- 
schneidigen Schwerte werden. Die Notenfabrikanten und die wirklichen Komponisten einerseits, die 
schwachen und die guten Kirchenchöre anderseits werden sich voraussichtlich in zwei Lager teilen! 
Diese Perspektive in die Zukunft hat auch Literessc für die Rntwickolung des Cäcilienverems , sowie 
für das Absterben oder Aufblühen unserer katholischen Kirchenchöre. „Qui vivra, verra!" sagt der 
Franzose, der Italiener aber: „chi viwä vedrä;" wir Deutsche lassen uns Zeit und übersetzen: ,,wer'.s 
erlebt, wird schon sehen, was herauskömmt!" 

*) Op. 12. M. in hon. S. Petri. Schwann in Düsseldorf. Part. 2 Ji 50 ^, Stimmen a 20 .^. 



-» 140 &- 

mit FiBgersatz versehen ist, hilft Abwechselung der Manuale und der Register über 
leere ünisonistellen oder siissliche Soli einzelner Stimmen hinweg. Chromatisch - modu- 
latorische Einschaltungen suchen für neue Wirkungen zu sorgen. Auf diese Weise wird 
der Eindruck längerer Sätze, besonders des Credo ein unruhiger; sie spannen nicht, 
sie überraschen nur und erinnern zu sehr an weltliche Männerchöre, in welchen solche 
Tendenzen weniger gefährlich und yerfahrerisch sind, da man in diesem Genre den 
Effekt programmässig pflegt. Der liturgische Text ist in dieser Petrusmesse durch die 
subjektiven Stimmungen des Komponisten bald lieblich idyllisch, hald hochpathetisch 
und dramatisch behandelt, stets aber würdig. 

Von der Messe Job. Singenberger^s zu Ehren der heil. Familie liegt die Aus- 
grabe A für a T. und B. mit Orgelbegl. zur Besprechung vor. Was in Mtis, $. S. 103 
bei der Ausgabe für 2 S. und A. empfehlend und lobend geschrieben wurde, kann auch 
für diese Bearbeitung gelten; die Messe wird in der Besetzung für drei Männerstimmen 
ohne Zweifel noch besser wirken, da die dunkleren Tonfarben der Männerstimmen mit 
den helleren Tönen der Orgel in reicherer Abwechselung sich verbinden. 

Eine höchst einfache, wirklich kinderleichte und geföUige Messe für 2 Oberstimmen 
mit Orgelbegl. schrieb Heinr. Tappert') zu Ehren der hl. Schutzengel. 

Eine Litanei vom hl. Namen Jesu für vier gem. Stn. schrieb P. Bonav. Waltrop ^) 
(). F. M. mit Zwischensätzen für 3 st. Männerchor. In den Vorbemerkungen werden 
über die einstimmigen taktfreien Sätze, sowie über die Einschaltungen des dreistimmigen 
Männerchores die notwendigen Anweisungen gegeben. Die Litanei ist äusserst einfach, 
recht andächtig, und liturgisch genau. Ein Tantum ergo mit Oenitori für gemischten 
Chor ist beigenigt. F. X. H, 

Aus Archiven und Bibliotheken. 
Beiträge zur Geschichte der Choralbegleitung. 

Von K. Walter in Montabaur. 

I. Vor einiger Z»»it erwarb ich von eiuer Familie aus Winkel im Rheingau folgendes Buch 
für meine Bibliothek: .Choral-Schlag-Buch, In welchem der Generalbass mit dem Unterschied 
sine mensura zu dem Choral-Gesang ist componiret , und zwar ausgesetzt und abgetheilt zu sehen, 
welche Noten zu dem Discant-Griff für die rechte Hand, und welcne Noten zu dem Bass- Griff für 
die linke Hand gehören, welches deneA,jenigen, so nur den General-Bass gedencken zu lernen, auch 
Anfangs zum Vortheil dienet. Vorhero ist eine kurtze Unterriclitung von dem General-Bass, und 
von dem Cantu Chorali und Fifi^urali beygefügt. Zur Nachricht. Weilen der Cantus Choralis ver- 
schiedentlich, und einer nach dem andern, wie dieser, in den Druck erfolget, derowegen aus welchem 
gedrucktem Choral-Buch derselbe genommen seye, davon ist der Titulus eines jeden Theils, wie hier 
m pagina prima, allemahl zu sehen. Par» prima. Der Choral -Gesang ist genommen aus dem 
("horal-Bnch, dessen Titulus : Manuale eccleaiasttcum pro Archi-Dioecesi Moguntina^ complectens Missas etc. 
Item aus dem Choral-Buch, dessen Titulus : Extracttis AntipJumarii, complectens Vesperas Dominicarum 
et Festorum totius anni pro Parochis, Archi-IHoecesis Moguntinae, Breviario Bomano, Cantui vero Gre- 
ooriano accommodatus. Aus alleinigem Motivo zum nothwendigen Gebrauch bei dem heiligen Gottes- 
Dienst, und zum leichten Begriff und Nutzen für die Anfänger, und für die nicht Gegründete. Ein- 
gerichtet von Gerardo Lentz, Ludirectore in Gaubickelheim, Archi-Dioecesis Moguntina. 1761. (htm 
Apirrohatione et Permiasu Suiteriorunr. Moguntiae, Ex Typogr. Klect. Aulic. Academ. p-ivil. apud Haeredes 
Haeffner, per Joann. Benjam. Waylandt.** Querform. 72 S. 




derowegen würdig gefunden, dass solche Choral- Schlag- Bücher in Kupffer gestochen, und in den 
Druck Defördert werden. Welches wir Ends-Ünterschriehene hiermit anprohieren. In ndem Joannes 
Michael Schmitt, Churfürstlicher Capell- Meister in Maynz.*) iYanz Aaverius Richter, Cammer- 

») M, in hon. S. Familiae Jesu, Mariae, Joseph. Part. 1 j« 20 ^, Stn. k 15 ^. Fr. Pustet in 
Regensburg. T. genau, m. J. 

*) Verlag von J. Singenbergcr , St. Francis, Wisc. Für Deutschland bei Bcnzigcr, Herder und 
laustet. Preis unbekannt. 

■) Part. 1 Jiy Stn. ä 15 ;^. L. Schwann in Düsseldorf. T. genau. 

♦) F^tis, Biogr. univers. des musiciens VIII. 477. Gerber, hiBtorisch-biogr. Lexikon der Ton- 
künstler. 11. Leipzig 1792. Sp. 438. Gerber, Neues historisch - biogr. Lexikon der Tonkttnstler. IV. 
Leipzig 1814. Sp. 92. Mendel, Musikalisches Eonversations- Lexikon. IX. Berlin 1878. S. 127. 
Schilling, Encyclopädic der gesamten musikalischen Wissenschaften. VI. Stuttgart 1838. S. 228. 



•^ 150 DH 



Virtnos und Compositeur von Ihro Ghorfl. Dhlt. zu Pfaltz.^) Don Giuseppe Ludoli, Maestro di Capella 
della Sua A. S. ßlect. di Colon. Georgius Fridericus Cron,') Churfürsthch-Trierischer Capell-Meister. 
Frandscus Rietschel, Ihro Churftirstlichen Durchlaucht zu Pfalz erster Hof- Organist. Joannes 
Ignatius Maxfelder, Ihro Churfürstlichen Durchlaucht zu Pfabs zweyter Hof - Organist. Joannes 
Antonius Schwachhofer, Churfürstlicher Concert-Meister in Maynz.') Joannes Adamus Becker, 
Churftirstlicher Hof- Organist in Maynz. Aegidius van den Eden, Cammer -Virtuos und Organist 
von Ihro Churfürstlichen Durchlaucht zu Colin. Franciscus Anschütz. Organista Aulae Trevirensis. 
Fridericus Stark, Vicarius et Organista Metropol. Mogunt.*) Philippus Carolus Vogelmann, 
Vicarius et Succentor Metropol. Mo^;unt. Theodorus Eltz, Succentor etMusicae Director Ecdesiae 
Metropol. Colon. Joannes Gregorius van der Linden, Organista Metropol. Colon. Wilhelmus 
Gern, Ecclesiae Cathedralis Wormatiensis Organista. Ernestus Melchior Rosalino, Stadt-Organist 
in Manheim. Joannes Carolus Prochaska, Kector Manhemii. J. G. Petz, Organista ad Gradus 
B. Mariae Virginis et ad S. Quintinum in Maynz. Benedictus Löscher, Ord. Praedicat. Organista 
An Maynz. 

Die „Kurtze Explication üher das Choral- Schlag- Buch*^ enthält u. a. folgende interessante 
Sätze: „Unter dem Choral-Schlägen ist zierlich, kleine Läuffger oder Gänge bisweilen einzufuhren: 
bey den Cadentzen und sonsten, wo es vonnöthen, Triller zu machen. Zu dem Choral -Gesang offt 
die Orgel nicht stärcker angehen lassen, als wie nur nöthig, den Chor bey dem Thon zu erhalten. 
Mit dem Pedal bey einer oder mehreren Haupt-Bass-Noten Interim als ein wenig zu pausiren. Aus 
dem Choral -Schlag -Buch können hin und wieder nach Belieben einige Sachen in den Figural ge- 
setzet, daraus Praeludien und Fantasien gemacht werden." 

Folgende Gesänge sind in dem Buche mit einer Orgelbegleitung versehen: das (hdinarium 
Missae, die Missa pro Defunctis, das Te Deum laudamus, die Complet, die Hymnen für die Haupt- 
feste des Kirchenjanres, das Magnificat in den 8 Kirchentonarten und die 4 marianischen Antiphonen. 

Besonders interessant ist die angewandte Notation. Es ist dieselbe, welche über 100 Jahre 
später von H. Oberhoffer,*) J. E. Habert.®) P. Piel und P. Schmetz^ hauptsächlich aus dem Grunde 
gebraucht worden ist, um in der Melodie jegliche Vorstellung von Mensur zu unterdrücken.*) 

Einige Proben aus dem Werke des G. Lentz mögen hier Platz finden: 



Lau 



da 



mus 



te. 



f 



£"^ ^ iiT-rj^."^^ 



^=i=^ 



4=Ä- 



\ 




Ky - ri - e 




r 

*) Der Name dieses Komponisten ist handschriftlich nachgetragen worden. Fetis 1. c. VII. 247. 
Gerber l. c. IL 283. Neues Lexik. HL 854. Mendel 1. c. VlIL 335. Schilling l. c. V. 734. 

M. f. M. 1892, S. 37. 

») Gerber 1. c. IL 479. Schilling 1. c. VI. 296. 

*) Gerber 1. c. H. 562. Neues Lexikon. IV. 251. SchilHng 1. c. VI. 469. F6tis 1. c. VIIL 113. 

*) Die Schule des katholischen Organisten. Op. 36. Trier 1869. 5. Aufl. 1896. 

^) Besponsorien bei der heil. Messe. Missa in Dominicis per annum. Gmunden (Selbstverlag). 

^) Orgelbegleitung zum Ordinarium Missae. Düsseldorf 1887. 2. Aufl. 1894. — P. Schmetz, die 
Harmonisierung des gregorianischen ('horalgcsangcs. Ein Handbuch zur Erlernung der Choralbegleitnng. 
Düsseldorf 1885. 2. Aufl. 1894. 

*) Diese Illusion wird aber durch die mensurierten Werte der begleitenden Stimmen wieder zer- 
stört! — Diese Publikation unseres verehrten H. Mitarbeiters wird besonders wertvoll durch die für die 
K.-Mus.-Gesch. des 18. Jahrb. interessanten Namen der „Referenten", welche ihr Urteil über das Werk 
von G. Lentz abgegeben haben. Die Einrichtung der Referate des Cäc. -Vereins -Kataloges, sowie die 
Methode, die Choralmelodien mit schwarzen Noten darzustellen, ist also bereits vor mehr als hundert 
Jahren üblich gewesen! Wahrlich: Nihü stth seile novum! F. X. H, 



-t3 151 E>- 






e 



lei 



8on. 




::^: 



^^^^^^^^^^^ 




1 



S. 1. 



Pff#F"=^==^g^ 



Di 



es 



i - ne, di 



es 



il - la. 



^fl=^-^ 



2e 



±± 



t 



ir 



S. 31. 



'* 



-S- 



=p 



ti 



i: 



-i 




l 



Als Anhang? sind dem Bucht' vorschiedeue deiitscho ( handschriftliche) „Gesäuge zum Amt*' 
der heiligen Messe, welche bei den K. K. Regim, pflegen gesungen zu werden", beigefügt worden. 
Die nichtssagenden Text« mit ihren wässerigen Melodien erweisen sich als echte Kinder des aus- 
gehenden 18. Jahrhunderts. Ein Teil dieser verwerflichen Produkte stammt, soweit ich feststellen 
konnte, aus den genügend bekannten Gesangbüchern von Salzburg, St. Gallen, Konstanz und Frei- 
burg, sowie aus dem fast unbekannten Werke: „Melodien zu dem Katholischen Gebeth- und Gesang- 
buch des Landkapitels Dietkirchen im Herzogthum Nassau. Hadamar 1823. Im Verlage der neuen 
Gelehrten Buchhandlung". Querform., I. Abtheilung 66 Seiten, IL Abtheilung 61 Seiten. 



Die Cäcilienkirche in Regensburg 

beziehungsweise der Neubau eines Gotteshauses im romanischen Stile mit einer Seelsorg- 
stelle für das Ostenviertel der Stadt findet nicht nur in den hiesigen Kreisen, sondern 
auch auswärts lebhaftes Interesse. 

Den Nachrichten, welche in Mus. «., S. 114 gegeben wurden, können heute nach- 
folgende Thatsachen angereiht werden. Eine Versammlung, welche am 2. Juni, auf 
schriftliche Einladung des H. H. Dompropstes, Prälaten Dr. Kagerer, an mehrere an- 
gesehene Geistliche und Laien der Stadt, abgehalten wurde, zeigte erfreuliche Über- 
einstimmung über Notwendigkeit und Nützlichkeit der projektierten Kirche. Es wurde 
der Beschluss gefasst, einen Kirchenbauverein „St. Cäcilia" zu gründen. Die Nachricht, 
dass von Seite der Kirchenmusikschule ein namhafter Beitrag, bestehend in der 
Schenkung des Bauplatzes, eines Hauses mit Garten für den Seelsorger und der Baar- 
summe von 30000 Jk geleistet werde, so dass der zu gründende Verein nur mehr 
die Summe von 150000 Jh aufzubringen habe, ermutigte zur beschleunigten Aus- 
fuhrung des Statutenentwurfes für den Kirchenbauverein. Se. bischöflichen Gnaden er- 
klärten überdies, dass er selbst als Bischof von Regensburg, auch für seine Nachfolger, 
Bauherr und Protektor der neuen Kirche sein wolle. In einer zweiten, grösseren Ver- 
sammlung am Feste des Aloysius (21. Juni) wurden die Statuten des Vereines beraten 
und angenommen, sowie der aus zwölf Personen bestehende Ausschuss gewählt. Nach 
obrigkeitlicher Genehmigung dieser Statuten und Anerkennung des Vereins werden die 
Sammlungen beginnen können. Der Mindestbeitrag eines Vereinsmitgliedes ist auf 20 ^^ 
monatlich festgesetzt. 

Wenn der Red. der Mtis. s. auch nicht erwarten kann, dass sich die Leser dieses 
Blattes, die Mitglieder des Cäcilienvereins und die früheren Herren Eleven der Kirchen- 
musikschule in dem Masse für die Cäcilienkirche interessieren und erwärmen, als die 
Kreise der Stadt Regensburg selbst, so wagt er doch im Hinblick auf die edlen Zwecke, 
zunächst die Ehre Gottes und das Heil der Seelen % dann unter Hinweis auf das Andenken 

*) Für die Stadt wurden weitere Motive namhaft gemacht: 1) die Notwendigkeit einer neuen 
Kirche im ÖHtenviertel, da in Regensburg bekanntlich aUe Kirchen im Zentrum der Stadt liegen, während 




Ältliche, von <»r WaluMburg«rttnit< aut ilchttwri Selt«n(afid« mit Sakrittei. 

der Männer, welche zuerst die KirchenDHisikreform von hier ans in weitere Kiei.se 
trugen (s. Mus. s. S. HB), auf das 20jährige Pontifikat Leo XIII., auf das nahende 
Ende des 19. Jahrhunderts, das mit Zustimmung und Billigung des hl. Vaters in der 
ganzen katholischen Welt durch Almosen und Gebete feierlich begangen werden soll, 
auf das im Jahre 1900 stattfindende 25jährige Jubiläum der hiesigen Kirchenmusik- 
schule, die höfliche Bitte und freundliche Einladung, noch im Laufe dieses Jahres, etwa 
bis zum Feste der hl. Cäcilia, entweder dem hiesigen Kirchenbauverein „Sancta Cäcilia" 
durch einen jährlichen Beitrag von a Jfc 40 ^ — Hunderte und Tausende von Mark 
sind natürlich nicht ausgeschlossen — beizutreten, oder durch eine einmalige Gabe fiir 
die erste Cäcilienkirche in Deutschland seit der Verehrung der hl. Cäcilia als Patronin 
der Kirchenmusik , Bausteine an den Unterzeichneten einzusenden. Die einmaligen 

enh .-VuxdehnuDg der Staut nach Westen und Osten die let/teic Oegend Kiemliüh weit von einem Güttea- 
hnuee entfernt sei und die Dompfarrei an Seelen^ahl immer mehr zunehme. 3) Dass seit mehr nls 
!i90 Jahren in Regensburg keine neue Kirchi? mehr gebaut worden itei, obwohl die Einwohnerzahl min- 
destens um das dreifache gestiegen ist. 3) Die Erinnerung an das Mjährige Episliopat des HochwUrd. 
DiOzesanbischofs Ignatius und an die 150 Jahre, welche seit dem Einzug der Thum und Taiis'sehea Ptlraten- 
familie in Hegenshurg (dies JubilSum wird im Herbst feierlieh begangen werden) verflossen nind. 



-13 153 a- 







HBrdlich« gegen die RelcKtitraue gBrlchtete Hauptanticht 

Gaben auswärtiger Freunde werden in eigenem Buche gesondert von den Beiträgen 
aus hiesiger Stadt verzeichnet und sollen zunächst dazu dienen Orgel und Glocken 
in stilgemässer und den mn^ikaliiächen Anforderungen entsprechender Weise zu be- 
schaffen. Da der Hauptaltar der hl üäcilia zugedacht ist ) so wäre es höchst erfreu- 
lich, wenn die Gaben der Etrchenmusikfreunde so leicblich fliessen dass em würdiger 
(.'iborinms-Altar aus Marmor durch diese Beiträge geschaffen werden konnte 

Dem Grundnss der mehr als ^noo lersonen fassenden Cäcihenkirche (s S. 114) 
folgen hier die ostbche Seiten and die nbrdbche Hauptfa^ade der Kirche deren Pläne 
von einem hiesigen Architekten dem Kgl Ereis und ßegierungshauassessor Friedrich 
Niedermeier, entworfen sind Wenn Gott seinen Segen die heibge Cäcilia ihre Für- 
bitte und die hiesigen und auswärtigen Gunner und Wohlthäter die übrigen Mittel 
spenden, dann können no h in diesem Jahre die Grundmauern wachsen so dass die 
Kirche im Jahre l'^OO dem öffentlichen Gottesdienste übergeben werden kann 

Regensburg am Feste des hl Johannes Baptist 

des Schutzheiligen der Kirchen'.anger Franz Xa^ Haberl. 

') Zwei 8eit«naltäre Kind /u Ehren der Heligsten Jungfrau Mana uotl des hl. Joseph heRtimmt. 



HG 164 &h 

Eirchenmusikalische Aufführungen und Berichte. 

Q Salzburg. Kurze Jahresübersicht des Domchorprogrammes 1897. 1) VokalmeHseu: 
Haller Michael: Missa qttam auavis und Ursnlamesse. Mitterer Ignaz: De nativitate, epiphania, 
de ascensione, de assumptione. Orlando di Lasso: Qual dona, Palestnna: Iste confessor^ missa brevis. 
Papae Marcelli, 48t. Vittoria: quam gloriosum. Croce Giov.: VUI. toni. Joseph Renner jun. : 
Männerchormesse in B. Requiem für Männerchor von H. Spies. 

2) Orgelmessen: Griesbacher Pet. : Missa angelica. Gruber Jos., Thomas- u. Friedrichsmesse 
(für Männercnor), Mitterer Iffn.: Borromäus- und Josephsmesse. Dr. Witt: Xaveriusmesse (für gem. 
und Männerchor), Exultet und Lucienmesse. 




(t 1872): Messe in G u. Requiem in F. HöUwarth Hans: die 3 ersten Messen. Kinns Ferd.: Messe 
in C. König Thadd. : Messe in D, A u. B , Requiem in F. Mitterer Ign. : Herz-Jesu-Messe, Reqiiiem 
in C u. As. Picka Franz (Prag-Chordirektor) : Messe in F. Rheinberger Jos. : Messe in B (Männer- 
chor) u. C. Schweitzer: Messe in E. Zangl: Messe in D. G u. B. Stehle Ed.: Messe in D u. E. 
*Pembaur: Messe in D. Zeller: 1. u. 2. Festmesse. Bibl Äud.: Requiem in C. Cherubini: Requiem 
in C. Ett Kasp.: Requiem in C. Fülirer-Habert: Messe in Es u. Requiem in C. Taux: Requiem für 
Männerchor. Kammerlander. »Hans Pletzer. 

4) Grradualien: Mitterer (4 Lief.), Greith, Spies, Dr. Witt, König (Dreifaltigkeitssonntag). 
Habert (Liber grad.), Haller, das Graduale wird fast immer mehrstimmig gesungen. Auf das Fest 
der hl. Cäcilia widmete Hochw. Griesbacher dem Domchor ein 6 stimmiges Graduale, welches lHii7 
das erste Mal zur Auffuhrung kam. Förster (Ocuii), Diebold, Piel, Kammerlander, Bonamico, Ber- 
uardi, Tractus), Schaller, Scarlatti, Stehle. 

5) Offertorien: Im Laufe der letzten Jahre wurde das Repertoir in dieser Richtung so sehr 
bereichert, dass fast für alle Gelegenheiten der liturgische Text genommen werden kann. Nicht 
selten nahm der Chorleiter Gelegenheit, eine Lücke auszufällen durch Komposition des treffenden 
Textes. Folgende Namen mögen für die kurze Übersicht genügen: Palestrina, Orlando, Greith, 
Haller, Mitterer, Filke, Quadflieg, Nekes, Hupfauf. Renner, Stehle, Witt, Platzer. Spies, Taux, Gries- 
bacher, Jettinger, Picka, Piel, Bernardi, Eberlin, Habert, Biechteler, Gruber, Rheinberger, Benevoli, 
Arkadelt, Obersteiner. Auer, Foggia, Aiblinger, Kothe, Brosig, Jork. 

6)Vespern: Die Choral vespern kommen am öftesten zur Aufführung: an höheren Festen 
singen wir Falsibordoni-Vespern : Gfroiss, Alt, Molitor, Witt-Cima, und etwa 5, welche aus Musica 
divina, Musica sacra und Kirchenmus. Jahrbuch und den alten Salzb. Falsibordoni des Stefano Ber- 
nardi für einzelne Feste eigens zusammengestellt wurden. An Vorabenden für festa Pallii werden 
mit wenigen Ausnahmen nach altem Herkommen Instrumentalvespem aufgeführt und zw. Dr. Brosig, 
Schnabel, Schaller, im Ganzen 6 mit vollständigem Text. Vesperhymnen, zumeist harmonisierter 
Choral von L. Deisböck, auch polyphone Kompositionen von Engl, Abraham Megerle und Hupfauf. 

7)Litaneien: Greith in B., Santner, Aiblinger, König, Führer, Schnabel, Rastrelli, Obersteiner, 
Stein, Gruber, Mitterer, Kempter, Moosmeier, Dr. Witt, Zoller, Mettenleiter, Habert. 

Nach der Pontificalvesper werden an Stelle der Litaneien öfters die Motetten und Hymnen — 
instrumentiert — von Greith und Mitterer und das Ave verum von Mozart aufgeführt. 

8) Fange lingua, bezw. Tantum ergo: Abb6 Vogler, Taux, Haller, Brückner, Hupfauf, 
Schmidt, Spies, Schreiner, Hanisch, Ett, Molitor, Ferd. Gruber, Santner. 

9) Momo quidam bei theophorischen Prozessionen an Donnerstagen: Taux (harmonis. Choral), 
Gruber, 4 Männerchöre von Herm. Spies. 

10; Stella coeli, Votivgesang für Kapitelkirchen im Salzburger Sprengel: Bernardi, 5st. 
Haydn. Santner, flupfauf (9), Spies (11), Platzer (2). 

11) a. Asperges me: Habert, Haller, Gruber Jos. u. Felix, Hupfauf, Stadlmayr (2 Nummern 
östimm.), Spies, Taux u. Mitterer. — b. Vidi aquam: Haller, Mitterer, Gruber Fei., Spies, Taux. 

12) Te Deum: Horak- Brosig, Mitterer, Führer, Gruber Joseph. 

13) Responsorien für die Weihnachtsmette von Mitterer, für Ostern und beim Totenofficium 
von Steph. Bernardi und Achleitner. 

14) Responsorien bei der Fronleichnamsprozession von Santner, Gruber und Haller. 

15) Liber a von M. Haydn, Hupfauf, H^ler, Bernardi, Thielen, Renner, Spies, König, Zaininger, 
P. Singer, Kammerlander. 

X Turin. Bald nach seiner Rückkehr von der Kirchenmusikschule in Regensburg konnte» 
Herr Professor Delfino Thermignon auf Anregung des Direktoriums der städt. Musikschule in 
Turin einen Kurs für gregorianischen Kirchengesang am Liceo musicale eröffnen. Seit 1. Januar d. Js. 
haben 12 Kleriker des hiesigen erzbischötlichen Seminars mit Erlaubnis des Hochw. Herrn Erz- 
bischofs diesen Choralkurs besucht. Ausserdem haben noch zehn Orgelschüler des genannten 
Lyceums und mehrere eifrige Freunde des Kirchengesanges an demselben teilgenommen. 

Bereits nach 5 Monaten wurden herrliche Resultate erzielt. Am 6. Juni feierte man in der 
Kirche Corpus Domini das Kirchweihfest mit feierlichem Hochamt unter Assistenz des Erzbischofs. 
Unter der Direktion ihres Lehrers sang die Schule die wechselnden Teile des Officiums aus dem 
Proprium von Turin „Festum Miraculi insignis sanctissimi Corporis Christi**, die stehenden Teile 
aber aus cjer von Prof. Thermignon selbst zu diesem Zwecke Komponierten Messe für 3 Männer- 
stimmen mit Orgelbegleitung. 



HG IM &- 

Dieser Fuuktiou woliute ausser dem Direktionsrat des Lkeo mwiade uud dem Komit^. für die 
AnööteUuüg kirchlicher Kunst, welche gegenwärtig stattfindet und bis Oktober dauert, eine Depu- 
tation des Stadtraagristrates bei. Alle erklärten einstimmig ihre vollste Befriedigung über die 
empfangenen Eindrücke und sprachen den Wunsch aus, dass diese Schule auch in den folgenden 
Jahren fortbestehen möge. Der Kirchenvorstand und das Kollegiatkapitel der Kirche Corpus JDomini 
druckten Herrn Prof. Thermignon In den schmeichelhaftesten Worten ihre Freude und Bewunderung 
über die Schönheit und den Ernst der gehörten Musik aus. 

^Ä ^i* "^^^^ ^*^^ ^^ Schlussprüfung in Gegenwart des Schulrates vom Liceo musicale 
stntt. Die Schüler beantworteten die theoretischen Fragen über die Kirchentonarten. Reper- 
knssionen u. s. w. auf das Sicherste und trugen dann einzelne Gesänge aus dem Graduale, unter 
anderem auch den herrlichen Introit. Exsurge; quare obdotynis, Domine! vor. Einige Antiphonen 
und Psalmen, mit Falsibordoni für 3 Männerstimmen von Thermignon abwechselnd, bildeten den 
.schlufls des Kurses. Der Direktor des Liceo, Prof. BohsonijUnd die Mitglieder des Direktionsrates 
sprachen ihre Befriedigung über das Gehörte aus mit dem Wunsche, dass die Schülerzahl sich ver- 
dreifachen möge. 

Ohne Übertreibung kann versichert werden, dass die Restauration der Kirchenmusik in Turin 
seit kurzer Zeit bedeutende Schritte nach von^'ärts gemacht hat. Möge das Beispiel von Turin 
und Ivrea (in letzterer Stadt geschieht auf Anregung des Domkapitels und der Seminarien 
ausserordentlich viel in diesem Punkte) auch auf dem Lande und in den übrigen Diözesen Piemonts, 
in denen leider manche noch zaudern und nicht an die Arbeit wollen, dauernden Einfluss ausüben. 
Ihr jungen Kleriker jedoch, die ihr mit so grossem Eifer und Opfersinn eure Unterhaltungsstunden 
d|*i»Studium der Musica sacra geweiht habt, fahret fort in diesem Dienste der Kirche, damit ihr 
aJs Pnester für die heilige Sache arbeiten und wirken könnt nach dem Willen der Kirche ! (Danke 
nir die erfreubche Mitteflung! Auf Wiedersehen im September! D. Red.) 

O ,,yor dreissi^ Jahren und doch heute." — Diese Rubrik aus Nr. 10 der Mus. s. ver- 
anlasst mich (so sclireibt ein bedeutender und in seiner äusserlichen Stellung hochangesehener 
Musikfreund aus Osterreich au die Red. der Mus. ä. unter dem 26. V. 1898). meine jüngsten Er- 
fahrungen über die Hofkirchenmusik in Dresden als Schmerzensschrei Ilirem Blatte auf phono- 
ffraphischem Wege zu senden. Die 30jährige Wirksamkeit des Cäcilienvereins hat an dieser mit 
den reichsten Mitteln ausgestatteten Hofkirche nicht das geringste gebessert. Der Gradualientext 
war nicht der von jenem Sonntage, vom Oifertorium habe ich kein Wort verstanden. Das Kyrie 
dauerte eine Ewigkeit und doch wai* es kein feierliches Amt, nur ein Geistlicher beim Altare. 
Die Instrumente übertönten sehr oft die Singstimmen und traten weniger begleitend, mehr als 
Selbstzweck auf; sie erinnerten auch sehr an Theatermusik. Hatten doch die Pauken mehrmals 
Solo durch einen Takt. Selbstverständlich wurde sehr gut gegeigt und geblasen; die Komposition 
ist's, die mir gar nicht zusagte, aber gar nicht. Vom Texte verstand ich hie und da ein Wort, mit 
Not. Glofia und (hedo hatten am Schlüsse eine Fuge. Ich konnte besonders der über: Cum sancto 
Spiritu gar keinen Geschmack abgewinnen. Warum sollen denn diese 2 Schlussätze 10-20 mal 
wiederholt werden? Beim Graduale atmete ich auf; die Instrumente hatten die Güte zu schweigen. 
Ein Motett wurde gesungen, freilich nicht in guter Vortrags- ^ 

art. Was hätte ich für ein Stück „Choral" gegeben! 
Die Responsorien so wie seit Menschengedenken. Es ist 
wirklich schon ein Menschengedenken, dass ich sie höre; ich 
bin schon Anfang der Sechzigerjahre durch Dresden ge- 
kommen und in dieser Kirche gewesen. Ich habe die ganze 
Entwickung des Eisenbahnbaues mitgemacht, aber eine Ent- 
wicklung der Musik der kath. Hofkirche in Dresden habe 
ich nicht erlebt, diese blieb wie sie war, und machte keinen 

Schritt, den kirchlichen Vorschriften näher zu kommen, oder I 

besser zu entsprechen. A-men, A - - men. 

Et cum spiri - tu tu - o. 

Ungefähr so ist das Amen und Et cum Sjnritu tuo. Vor der Präfation sind 3 Respons. etwas 
anders. Wenn der Priester Tenorstimme hat und sein Dorn, vob. in c singt, dann muss der Sopran 
des Chores bis g steigen. („Wer kann da helfen?" fragt die Redaktion der Mus. s.) 

Über Choralvortrag 

hat die Redaktion der Mos. s. seit Jahren schon so vielfach geschrieben (nicht nur im 
Magister chorälis)^ gesprochen, auf kirchenmusikalischen Kursen gelehrt, durch Hunderte 
von Schülern weiterverbreitet, in Form von Aphorismen (s. Mus. s. 1897, S. 49, 201 
und 257) ihre Ansichten dargelegt, dass es ihr schwer, ja unmöglich zu sein scheint^ 
diese Materie noch klarer und eingehender zu behandeln. In den letzten Wochen jedoch 
sieht sie sich durch Zuschriften, Klagen, Proteste und Vorkoramnisse genötigt, wieder- 
holt auf diesen Gegenstand zurückzukommen. 

Den ersten ^Jistoss, die Prinzipien frage des Choralvortrages wieder hervorzu- 
heben, gibt eine Zuschrift des Kgl. Musikdirektors H. Peter Piel in Boppard, in welcher 




-43 156 g>- 

er gegen Bemerkungen im Referate über sein Büchlein „Lumen cordiumf^ (S. 119) Protest 
erhebt und dessen Veröffentlichung in der Mm, s. trotz aufklärenden und versöhnlichen 
Briefwechsels verlangt. Herr Seminaroberlehrer P. Piel wünscht folgende vom 20. Mai 
datierte Erklärung aufgenommen; die Redaktion beschränkt sich einstweilen auf erläu- 
ternde und abwehrende Fussnoten. 

„Nehmen Sie meinen Dank für die wohlwollende Kritik, die Sie an dem Büchlein Lumen 
cordium übten. — Dass Sie durch die in demselben angewendete Notation der Choralgesänge Ver- 
anlassung nehmen, eine Prinzipienfra^e über den rhytmnischen und dynamischen Choralvortrag 
zu streifen in einer Weise, die mich m der Öffentlichkeit als einen Mann darstellt, der eine ebenso 
ärgerliche als lächerliche Vortragsweise des Chorals lehre, thut mir deshalb leid, weü ich eine 
solche Behandlung nicht verdiene.') Wenn meine Art, den Vortrag des Chorals zu lehren, das 
Kesultat hätte, das Sie ihr zuschreiben, so müsste sich das ja in erster Keihe bei dem Chor der 
Seminai'zöglinge zeigen. Nun haben aber sehr urteilsfähige Männer, die zu den hervorragendsten 
Mitgliedern des Cäcilien- Vereins zählen (Dr. Frz. Witt, P. ütto KommüUer^ Professor Singen- 
berger, Domkapellmeister Koenen, DomkapeUmeister Lenz u. v. a.), unsere Zöglinge Choral singen 
hören, und das Urteü ist stets das gewesen, dass der Vortrag ein sehr würdiger sei. Ich kann nicht 
annehmen, dass die Lobspräche, die aus dem Munde solcher Männer unserm Choralgesang gespendet 
wurden, eine unwahre Schmeichelei gewesen sein sollten.') — 

Sie exemplifizieren meinen Choral -Vortrag durch ein Vorkommnis bei der Referenten -Ver- 
sammlung zu Bamberg 1890. Ich will gewiss mein Orgelspiel bei dem damals gesungenen Amt 
nicht als vollendet darstellen; es wäre das auch verwegen: Man denke sich fünf Herren, die viel- 
leicht in ihrem Leben zum erstenmale ein Ensemble bflden, dazu einen Organisten, der keinen der 
Herren beim Choral -Vortrag je begleitet hat. dazu ein ganz unbekanntes Messformulare, für den 
Organisten noch dazu schwierige Transpositiönen der einzelnen Choralstücke, und das Ganze ohne 
die allergeringste Vorbereitung. Da müsste schon ein Wunder geschehen, wenn das einen 
Muster-Vortrag geben sollte.*) — Für den Organisten kam noch hinzu, dass das redal gar nicht zu 
gebrauchen war, die ganze Messe also manualiter gespielt werden müsste. Wenn trotzdem ein 
sehr musikknndiges Mitglied der Versammlung, mit aem ich absolute keine nähern Beziehungen 
hatte, mir nach dem Amte ein Kompliment über das Orgelspiel machte (und das kann nur die 
Choralbegleitung betroffen haben, denn im übrigen hat sich die Orgel sehr schweigsam ver- 
halten), so muss doch auch selbst das musikkundige Auditorium so grosse ünvollkommenheiten, 
wie die Choral-Begleitung sie gehabt haben sollte, nicht empfunden nahen*). 

Sie wissen, verehrter Herr Direktor, ein wie grosser Gegner einer Übertragung der 
Choralnoten in moderne Noten ich bin; war ich doch mit dem verstorbenen Schmetz der erste, 
der bei der Notation der ChoraJbegleitungen die Melodie genau nach den römischen Büchern in 
Choralnoten drucken liess.') — Wenn ich für meinen Freund, den Hochw. Herrn P. Mohr manche 
Choralbegleitungen in früherer Zelt ausarbeitete und dabei die Choralmelodien in modernen Noten 
darstellte, so geschah das auf ganz speziellen Wunsch des genannten Herrn. In den Fällen, wo ich 
selbständig arbeiten konnte, habe ich die Melodien stets in Choralnoten notiert; ich erwähne 
nur mein Ordinarium Missae, das Laudate Dominum, die Begleitung zum Vesperale 

§arvum, zum Officium parvum B. M. V. und zu den Choralstücken meines Op. 50. Ich that 
ieses, weil ich überzeugt bin, dass keine Darstellung mit modernen Noten die Notation der 
Choralnoten ersetzen kann. Dass ich in dem Lumen cordium von dieser Gepflogenheit abgewichen 

*) Gegen diesen Vorwurf verteidige ich mich i^jcht, sondern bitte jeden Unbefangenen, das Beferat 
S. 119 nochmal» aufmerksam und mit den schärfsten Augen zu lesen. Amicus Pid, sed magis amica 
veritas. Der Daumer'sche Spruch: „Auf ein Gemüt von Adel wirkt schon ein leiser Tadel** ist sicher 
richtig, auch ein anderer: „Es gibt eine Lieblosigkeit, die sich Wahrheitsliebe nennt*', — wer aber in 
der Öffentlichkeit lehrt, schreibt, steht und wirkt, muss Widerspruch ertragen lernen und darf sich nicht 
persönlich gekränkt fÜfaJen, wenn sachlich geurteilt worden ist. Man möchte sonst an Schiller^s 
Worte denken: „Nicht der laute, nur der gerechte Tadel kann verletzen." 

^) Dieses Lob ist unzweifelhaft verdient gewesen und sicher wird auch der Unterzeichnete dem- 
selben beipflichten, wenn er die Seminarzöglinge unter H. PieTs Leitung singen hören könnte. Nach 
der Methode PiePs muss aber jeder Choralsatz erst zugerichtet werden, und dann bleibt die Frage 
offen: „Warum wird diese Note betont, die andere nicht?" Eine prinzipielle Methode muss für alle 
Fälle gelten können! Überdies kann ein Vortrag „würdig** und doch unrichtig sein. 

*) Den Fehler haben wir alle gemacht. Der Vorfall sei ein warnendes Beispiel, auch den Choral 
niemals ohne Probe vortragen zu lassen. In Arezzo ist^s gelungen, in Bamberg nicht. 

^) Vor- und Nachspiel, sowie die Harmonisierung als solche waren ja meisterhaft! Da aber die 
Sänger dem Organisten nachgaben, konnten offene Dissidien hintangehalten werden. Ideal ist eine 
solche Aufführung keineswegs und die nachträglichen Äusserungen der Mitwirkenden bestätigten dieses 
Urteil. Vielleicht wäre es besser gewesen, schon damals die Prinzipienfrage des rhythmischen und 
dynamischen Vortrages nicht bloss zu streifen, sondern gründlich zu diskutieren. Wir waren aber zu 
anderen Beratungen versammelt; auch die Zeit drängte. 

*) Diese Meinung wird durch den Artikel S. IBO dieser Nummer widerlegt. Wenn aber der 
Schaden wirklich so enorm, und diese Art der Notierung für die Orgelbegleitung wirklich „so falsch als 
möglich ist", dann war es nicht konsequent, „auf Wunsch*' Orgelbegleitungen mit „weissen Noten" z« 
schreiben und im Lumen cordium eine dritte Methode anzuwenden. 



H3 159 Bh 

bin. hat seinen Grund darin, dass, nachdem ich das Manuskript getreu nach den römischen Bücliern 
in Choralnoten ausgearbeitet hatte, die Hauptinteressenten des Buches sich so sehr gegen die Auf- 
nahme der Choralnoteu aussprachen, dass ich dadurch mich gezwungen sah, moderne Noten an- 
zuwenden. Sollte ich nun zu der vielfach adoptierten Weise mich bekennen, die ^ durch o, die p 
durch ^ und die $ durch J darzustellen? 

Das konnte mir nicht in den Sinn kommen, da ich diese Darstellungs weise für so falsch als 
nif^glich halte. Wie soll ich mir z. B. Stellen wie folgende, aus dem III. Credo deuten? 

r Q — -.« Sollen die beiden Podatus so gesungen werden, dass der 

F irn Tim .,-- - — ^ u-- höhere Ton eine doppelt so lange Dauer oder über- 

I v)/ "H — " JOL n rit * haupt eine längere Dauer als der tiefere Ton erhält? 

Pa - trem sa - lü - tem Grsmz gewiss nicht! Wenn die beiden Töne nicht gleich 
' lang gesungen werden, so muss eher der zweite Ton der 

P Q . , — kürzere sein. Die Noten fahren also hier gewiss irre.*) — 

^^ i ffr \ ' ~l i ^ mt \ JT^ gJ ^^®^ ®^^ ^® Ä-Note vielleicht den Accent bezeichnen? 

I \yy *^ 7Z — ^ II mi-^^ ■ ■ Auch in diesem Falle wäre die Notation falsch. Ich habe 

Pa - trem sa - liT^- tem ^^^^ *^ diesem Grunde für eine solche Notierungsweise 
' nicht entschliessen können, und die Notierung in Viertel- 

noten ist mir, wenn nicht richtig, so doch richtiger vorgekommen, als die eben berührte 
Notierungsweise, wenn ich auch nicht für die Ansicht schwärme, dass die Töne der Choralgesänge 
eine mathematisch abgemessene gleiche Dauer haben sollen. 

Bezüglich des Accentes steht nun einmal fest, dass der Choralgesang, wie jede Musik, 
Accente aufweisen muss. Der von Ihnen angezogene Grundsatz: „Singe die Worte mit den 
Noten so, wie du sie ohne Noten sprichst! — kann nur solange Geltung beanspruchen, als 
es sich um syllabische Gesänge handelt; er lässt uns aber vollständig im Stich, sobald es sich 
um reichere, melismatische Formen handelt, und bei diesen sollen doch auch Accente zur Geltung 
gelangen. Auf welchen Tönen der accentuierten Silbe aber ruht nun der Accent? Er kann doch 
unmöglich auf der ganzen Gruppe liefen, denn wo alles accentuiert ist, da ist nichts accen- 
tuiert.*) — Es ist deshalb für den Unkundigen nötig, bei reichern Gesäugen die Töne zu bezeichnen, 
welche den Accent haben sollen, mag das nun in dem Notentext durch besondere Zeichen geschehen, 
oder ma^ es vom Leiter des Gesanges den Ausführenden mündlich mitgeteilt werden, oder mag 
die richtige Accentuierung durch blosses Vorsingen gelehrt werden. (? D. R.) 

Dass bei Bezeichnung der Accente eine manirierte, stossende Vortragsweise entstehen 
kann, will ich nicht in Abrede stellen: es wird das aber nur dann der Fall sein, wenn der Accen- 
tuieiiing nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird und namentlich dann, wenn die Accente 
nicht milde genommen werden. — Es ist das gerade so. als wenn man Schülern den Hexameter 
erklärt und wül nun eine entsprechende Dichtung vortragen lasqen. Es muss hierbei zweierlei be- 
achtet werden: Versmass und Inhalt der Dichtung. Das Versmass muss herausklingen, aber so 
massvoll und milde, dass die Schüler die Verse nicht scandieren, sondern nur den schönen Wechsel 
von Hebung und Senkung zur Wahrnehmung bringen und dabei den Ausdruck, der dem Inhalt 
gilt, hiebt vernachlässigen. (Das trifft beim Uymnengesang zu; die Prosatexte verlangen anderen 
Vortrag. F. X. H.) 

Ich habe bis jetzt in allen meinen Choralausgaben die Darstellung der Accente durch Punkte 
und Striche angewendet und habe noch von keiner Seite vernommen, dass das dem Choral -Vor- 
trag hiuderlicb gewesen sei, wohl aber von vielen Seiten, dass diese Bezeichnung als eine dankens- 
werte Direktive empfunden worden sei. Wer übrigens einer solchen Direktive nicht bedarf, hat 
nichts weiteres zu tnun, als die angebrachten Zeichen einfach zu ignorieren.') 

Es würde mich ausserordentlich freuen, wenn sich mir Gelegenheit bieten würde, Ihnen unsere 
beiden obern Seminarklassen im Choralgesang vorführen zu können; ich glaube nicht, dass Sie den 
Vortra;«: unwürdig ünden würden. 

Ich darf Sie wohl bitten, meinen Zeilen Aufnahme in Ihr Organ zu gewähren.*' 

Die kurzen Bemerkungen zum Briefe des Herrn Fiel konnten die Differenzpunkte 
nur andeuten. Weitere Art&el, welche sich besonders mit der rhythmisch • dynamischen 



') Die Notationsweise der offiziellen Choralbücher ist «im Mag. clor, seit 1883 nach den von der 
päpstl. Kommission angenommenen Nonnen eingehend dargelegt; s. § 7 der 11. Aufl. von 1896 S. 28, 
1. und 2. Anm. S. 29, § 43, S. 202 flgde. Diese Regeln stammen nicht von mir, Hondern haben aln 
Kommentar der päpstlichen Kommission zu gelten und sollen in folgenden Artikeln neuerdings durch 
Beinpiele gestützt werden. 

') Qui hene disHnguitf bene docet: wer gut unterscheidet, lehrt richtig. Hier ist aber nicht gut 
unterschieden. Die prinzipielle Trennung bei der Behandlung des syllabi»chen und des neumierten Choral- 
gesanges seheint die Hauptursache für alle Experimente zu sein, welche (nicht von H. Fiel allein) 
heim Vortrage der offiziellen Choralmelodien so viel Unheil und Verwirrung anrichten. Daher verlohnt es 
sich, in eigenen Artikeln zu zeigen, dass der obige Grundsatz fttr den syUabischen Gesang auch auf die 
reicheren Melodien ausgedehnt werden kann und muss, wenn Einheit und Sicherheit des Vortrages er- 
zielt werden soll und will. 

') Durch dieses Zugeständnis sind den subjektiven Auffassungen und Vortragsweisen Thür 
und Thor geöffnet. „Wenn der Purpur fällt, muss auch der Herzog nach/' Diese Alternative ist 
Kwingcnd. Gilt der Text mehr als die Noten? Gelten die Noten mehr als der Text? ,,Seiu oder 
Nichtsein" ist hier die Frage, deren Lösung versucht werden muss. 



-e 158 ö- 

Prinzipienlrage , die nur aus dem Texte und dessen richtiger Deklamation einheitlich 
und verständlicli gelöst werden kann, zu beschäftigen haben, sollen in nächster Zeit 
fdgen. Unterdessen sind in der Strassburger „Cäcilia" Regeln für den Vortrag des 
gregorianischen Chorals erschienen, welche auch in unserem Vereinsorgan vom Hochw. 
Herrn Generalpräses abgedruckt worden sind. Dieselben stammen grösstenteils aus 
den Bemerkungen und Beispielen, welche Schreiber dieser Zeilen beim kirchenmusikal. 
Instruktionskurs zu Strassburg im September 1897 gelehrt und vorgetragen hat. Be- 
kanntlich wurde dieser Kurs von der oberhirtlichen Stelle aus angeordnet, um Dissidien 
zu beseitigen, welche in der Diözese Strassburg über den Vortrag des gregorianischen 
Chorals entstanden waren; vgl. Mils. $, 1897, S. 118 (Referat über die Broschüre „Vom 
elsässischen Choralboden") und S. 227. 

Die Grundsätze des Herrn Musikdirektors Piel sind übrigens viel weniger gefähr- 
lich, als jene, welche Ursache zur Entzweiung in der Strassburger Diözese waren und auch 
zu unerquicklichen Auftritten bei der jüngsten Diözesanversammlung in Bonn, ziemlich bald 
nach den glänzenden Jubiläumsfestlichkeiten des dortigen Münsterchores, Anlass gaben. 

Herr Musikdirektor Piel lässt sich in seinem Eifer, was er als das Beste erkennt 
zu lehren und praktisch durchzuführen, auf verschiedene Versuche ein, ohne die Textes- 
deklamation zu Gunsten der Notation vollständig in den Hintergrund zu drängen, aner- 
kennt wenigstens für den syllabischen Gesang die Herrschaft des Textes über die Noten, 
sowie die rhythmische Deklamation und „schwärmt nicht für die mathematisch abge- 
messene gleiche Dauer der Noten im Choralgesang.*' Herr Krabbel jedoch machte den 
Versuch, für die in Mus, s, 1896, S. 265 kurz besprochenen Regeln über den Vortrag des 
gregorianischen Chorals Propaganda zu machen. Welche Eindrücke erzielt worden sind, 
ist gedruckt in der neuesten Nummer 6 des „Gregoriusboten" zu lesen: 

„Ein Cäcilianer schreibt mir, wie folgt: „Lieber Herr Bruno! Ohne Zweifel waren Sie bei 
der diesjährigen General versammlimg wieder mit dabei, und so dürfte Ihre ,Mappe* schon um 
einige Blätter bereichert worden sein. Ich für meinen Teü habe die Rückreise von Bonn mit selt- 
sam gemischten Gefülilen angetreten: erinnern Sie sich nur der schönen musikalischen Aufführungen 
in den einzelnen Kirchen, namentlicn in der Münsterkirche, und anderseits der Choralvorträge im 
Gesellenhause! Also das soll mustergültig gesungener Choral sein, wie wir ihn bei der instruEtiven 
Probe zu hören bekamen? So sollen die Benediktiner den ehn\'ürdigen Gesang — zerhacken? 
Dann hätten wir allerdings auch ,Hackati8ten* in mtmdsl Und der grosse hl. Gregor hätte sein 
,Ad televavi^ so gesungen, wiejene jugendlichen Sänger in Bonn? Und endlich St. Äugustin hätte 
bei solchem Gesänge ois zu Tnränen gertlhrt werden können? . . . Ich gestehe offen: der Herr 
Rektor Qnadflieg hat da mit seinem (zwar etwas derben) Proteste mii* ^anz aus der Seele gesprochen; 
sein argumentum ad hominem war kurz, packend, schlagend, — oder smd Sie anderer Ansicht?" — 

Der verehrte Herr Briefschreiber geräth da in eine Erregimg, als ob es sich um Sein oder 
Nichtsein des gregorianischen Chorals handle*), während doch der den Vorsitz führend«» Herr 
Diözesanpräses bei dem hochgehenden Wellenschlag der gedachten Diskussion das Steuer richtig 
handhabte, indem er zu verstehen gab: die richtige Vortragsweise des Chorals sei wohl in der 
Mitte zwischen den beiden extremen Anschauungen zu suchen. Die eine Vortragsweise, wie sie 
bis um die Mitte der 80er Jahre innerhalb des Cäcilienvereins, und speziell hier zu Lande, gelehrt, 
wurde, ist heute von fast allen besseren Chören thatsäclilich aufgegeben; ihr Hauptfehler lag darin, 
dass die betonten Silben und Töne (in Tonfiguren) zu sehr gedehnt, die unbetonten entsprechend 
verkürzt wurden; dass man ferner zu stark betonte etc.; das andere Extrem zu hören, hatten wir 
allerdings in der instruktiven Probe vom 2. ds. Mts. . reichlich Gelegenheit. Die Textsilben und 
selbst die Tonftguren klangen ungefähr so, wie wenn in einem profanen Musikstücke mit etwas 
bewegtem Tempo jede Note das staccato-Zeichen trägt; ja, jener G-esang machte auf das Ohr einen 
ähnlichen Eindruck, wie das Skelett eines schöngestalteten menschlichen Körpers auf das Auge. 
Bisher habe ich denn auch niemand von den Besuchern der Generalversammlung gesprochen, der 
diese Vortragsweise ,schön* gefunden hätte. Der Hinweis des Hrn. K. auf die Vortragsweise der 
deutschen Kirchenlieder (bei (xelegenheit derselben instruktiven Probe) war meines Erachten« 
so unglückb'ch, wie möglich. Um es kurz zu machen: das Richtige liegt hier, wie so oft, in der 
Mitte." Bruno. 

Das von H. Bökeler redigierte „Gregoriusblatt" bringt nicht die leiseste An- 
deutung über diesen Vorfall ; auch Berichte anderer Zeitungen über diese Versammlung 
sind dem Unterzeichneten nicht bekannt geworden. Um so eindringlicher aber lauten 



*) Wenigstens handelt es sich um den würdigen Vortrag des offiziellen römischen Chorals. Wie 
man die archäologischen Melodien vortragen will, kann man getrost den Freunden derselben überlassen 
und abwarten, ob dir Theorien von Pothier, Moequereau, Hou'lard oder Dechcvrens den Sieg erringen. F. X. H. 



-t3 150 E^H 

die Korrespondenzen an die Ked. der Mus. s., nicht nur von ehemaligen Schülern oder 
Eursteilnehmern, sondern auch von Persönlichkeiten, mit denen der Unterzeichnete bis- 
her i¥eder mündlich noch schriftlich verkehrt hat. In einem derselben wird mitgeteilt: 

Gestern (2. Jnni) fand in Bonn die diesjährige Diözesan -Versammlung des Cäcilien Vereins 
statt Der Grund, weshalb ich dieses Schreiben an Sie richte, ist die Befürchtung, es möchte ein 
Vortrag, den Hocnw. Herr Repetent Krabbel vom erzbisch. Konvikt in Bonn über Clioralgesang 
hielt, emen unheilvollen Einflnss auf die Entwicklung der Kirchenmusik in unserer Diözese gewinnen. 
Hen* Kr. berief sich in seinem Vortrage besonders auf Ihre Person.*) Nach meiner Meinung wird 
nie und nimmer eine Vortragsweise Ihren Beifall finden, die so ganz und gar allen Gesetzen der 
Schönheit und Natürlichkeit zuwider ist. 

Es wurde im Verlaufe dieses Vortrages von einem aus 12 Konvlktoristen gebildeten Chor 
der Versammlung eine Serie von 8 Introiten vorgeführt. Die Art der Ausführung war eine der- 
artige, dass nach Schluss der Produktion aus der Mitte der Versammlung heraus der bei vielen 
mit Mühe zurückgehaltene Ärger über eine solche Misshandlnng de^ ehrwürdigen Choralgesanges 
zu einem sehr drastischen Ausdruck kam. 

Sie gestatten mir wohl, Ihnen, soweit das schriftlich geschehen kann, vorzuführen, wie der 
Vortrag der Gesänge beschaffen war. 

Herr Kr. Hess die einzelnen Noten (longae, brevea, semibreves) gleich lang, gleich betont und 
dabei stark abgestossen in einem Tempo singen, das (mit Ausnahme der Scnlussnoten) zwischen 
m. m. 206-220 geschwankt haben mag. Also richtig martellato (gehämmert)! Das hatte aber die 
Wirkung, dass bei vielen Zuhörern einerseits das Zwerchfell in sympathische Schwingungen geriet, 
bei andern der Zorn über eine solche Unnatur vorherrschend wurde. 

Schon im September vorigen Jahres war ich versucht, über den Choralvortrag der Benedik- 
tiner zu Maria-Laach an Sie zu schreiben, besonders da Herr Direktor Boekeler mir dort erklärte, 
„Sie wären ebenfalls auf demselben Standpunkte angekommen. Die Akten über den Vortrag 
des Chorals wären geschlossen —jetzt neisse es sich fügen" u. s. w. (Wa as?! F. X. H.) 

Zu Maria-Laach merkte man deutlich die Absicht, die Noten von gleicher Dauer zu machen, 
das Zeitmass war indess m. m. 80—112. Die Sänger sangen jedoch ausserordentlich leise und ab- 
solut rein. Durch die häufigen Cäsuren, vor denen immer retardiert wurde, gestaltete sich der 
Eindnick ernst und würdevoll, — aber gekünstelt klang es doch! Der natürlicne Fluss der Melodie 
darf doch wohl nicht durch das hässliche Scandieren fortgesetzt unterbrochen werden ! Wie ungern 
hört man anstatt meam mehahaham singen! 

Mag also immerhin Herr Direktor Boekeler Recht haben, wenn er behauptet, eine accen- 
tuierte (i. e. lange) Silbe muss kurz — und eine unbetonte Silbe soll etwas länger sein (? möglich? 
I). R.) — das natürliche Gefühl sträubt sich energisch dagegen, und ich glaube^ mau würde den 
Eindruck des Choralgesanges nicht verbessern, sondern viel eher verschlimmem nut dieser Gesangs- 
nianier. 

Herr Direktor! Ich würde mir nicht erlaubt haben, Sie mit dieser Zuschrift zu behellige», 
wenn ich nicht bestimmt wüsste, dass Sie immer und überall (Jnnatur und hässliche Manieren 
bekämpft haben und bekämpfen werden. Erheben Sie doch noch einmal Ihre waniende Stimme, 
dass man nicht aus dem funkelnden Edelstein des Chorals einen Flitterkram mache, den man ohne 
Abscheu nicht besehen kann.** 

Die Red. der Mus. s. übergeht den Wortlaut zweier anderer Zuschriften, welche 

Äusserungen, Urteile und Vorgänge mitteilen, die sie für unmöglich zu halten geneigt 

ist. Nur eine Stelle aus einem 4. Briefe muss sie zur Fixierung der Situation abdrucken 

lassen. Dieselbe lautet: 

„Am Pfingstdonnerstag den 2. Juni war in Bonn die Diözesanversammluug des Cäc-Ver. 
der Erzdiözese Köln. Die Aufführungen des Münsterchores waren durchgängig musterhaft. 
Die andern Chöre zeigten auch gutes Streben, doch waren die Leistungen verschieden wertig, 
Dirigenten mit guter musikalischer Bildimg, mit musikalischem Gefühl und bedeutender Keproduktions- 
fähigkeit fehlen noch allenthalben. Das non plus ultra war eine Choralprobe an Introiten, vor- 
genommen von H. H. Krabbel -Bonn. Na, so was! Alle Noten von absolut gleicher Länge, nur 
an den Schlüssen kleine Dehnungen. Dabei wurde jede Note so -<^'=*- ausgeführt: — 




3^d=^^ ^^3^==S=^^^^ ^ 



t 



Ad te le - - va - - vi a - - ni - mam me - - am 

also da braucht's keine besondere Notiening, keine Phrasiening, keinen Rhythmus, keinen Schwung, 
überhaupt kein Choralstudium mehr. Da ist Gesang und Musik Nebensache; freier Rhythmus ist 
ein überwundener Standpunkt! Genug, wenn das die richtige, oder anders gesagt, die zukünftige 
Ausffthmngsweise des Chorals sein soll, singe ich keine Note Choral mehr und gehe jedem solchen 
Choralhochamt 100 Schritt© aus dem Wege.^ 

*) Mit welchen Worten und in welcher Weise? Sollte die versöhnliche Bemerkung, welche in 
Mus, s. 1897 S. 191 über den Art. Ui omnes unum des Hrn. Kr. im Gregoriusblatte Nr. 6 ]897 gemacht 
worden ist, ihn dazu angeregt haben? Dann müsste man wieder erfahren, dass zwischen Thooric und 
Praxis eine grosse Kluft bestehen und die niusikallspho fides wirklich nur ex nitdihi (vom Hören) kommen 
kann. F. X. H. 



-ö 160 &h 

Hiemit schliesse ich vorläufig den Ai-tikel, der nach Lage der Dinge sich mit 
Namen abgeben musste. Da man aber den Unterzeichneten als Gewährsmann für einen 
durchaus verwerflichen, für den römischen, ofliziellen Choralgesang geradezu mörderi- 
schen Vortrag herangezogen hat, so sieht er sich — zu seinem grössten Bedauern — 
genötigt, in folgenden Artikeln zum hundertetenmale zu wiederholen, was jeder im 
Magister chorälis^ in verschiedenen Polemiken seit 30 Jahren, theoretisch und praktisch 
(bei 15 Instruktionskursen seit 9 Jahren) hören konnte. 

Es liegt ihm ferne, als „autoritative Stimme" gelten zu wollen, er wird auch 
jedes persönliche Gezänk vermeiden; wenn aber bis zur Generalversammlung 1899 
niclit Klärung und Klarheit geschaflfen werden kann, dann wird man die Prinzipien- 
frage des Choralvortrages unter die Themate und Thesen für diese Versammlung 
aufnehmen müssen. F. X. H. 

Organaria. 

Ein Scherzo in G-moU für die Orgel von Enrieo Bossi,^ Op. 49, Nr. 2, kann 
wohl nicht für die Kirchenorgel gemeint sein, nicht so fast schon des Titels halber, als 
besonders wegen der wirklich humorvollen, technisch bemerkenswerten und musikalisch 
geistreichen Anlage und Durchführung. Für die Konzertorgel wird das Scherzo eflfektvoll 
klingen, obwohl einem die Königin der Instrumente leid thun kann, wenn sie zu neckischer 
Unterhaltung sich hergeben muss. Für das Pedal ist ein drittes Liniensystem gewählt. 

Nicht nur instructiv, sondern auch besonders schön, sehr fein erdacht und streng 
durchgeführt sind sechs Orgeltrio zu kirchlichem Gebrauch von Lnlgi Bottazzo,^) Op. 110. 
Auf drei Notensystemen sind die Cantilenen der zwei Manuale deutlich phrasiert, mit 
Legatobogen und Fingersatz versehen, sowie das selbständige Pedal mit Zeichen für 
Absatz und Spitze für linken und rechten Fuss genau bezeichnet. Die sechs Kompo- 
sitionen gehören mit zu den schönsten und orgelmässigsten , die in neuerer Zeit für 
das edle Triospiel geschaffen worden sind. 

Von der Orgelbegleitung zum Gesangbuche der Diözese Münster, bearbeitet und mit 
Vor- und Nachspielen von Jae. QnadfUeg') versehen, ist nunmehr auch der zweite Teil er- 
schienen. Was in Mus, s, S. 60 vom ersten Teile empfehlend und rühmend geschrieben 
worden ist, gilt auch von diesem zweiten abschliessenden Teile. Man kann der Diözese 
Münster nur Glück wünschen, man muss sie sogar beneiden wegen eines Werkes, das 
besonders in den mannigfaltigsten, durchaus mit hohem Ernste und minutiösem Fleisse 
ausgearbeiteten Vor- und Nachspielen vor ähnlichen Orgelbüchem sich auf das Vorteil- 
hafteste auszeichnet. Vielleicht wird sich in Mus. s. noch in diesem Jahre für den Ab- 
druck einiger Beispiele daraus Platz finden lassen, ähnlich wie auch mehrere Vorspiele 
Quadflieg's über den Introitus Oaudeamu^ omnes aufgenommen worden sind. Den Löwen- 
anteil an der Riesenarbeit kann Quadflieg beanspruchen ; einige Vorspiele sind von J. Die- 
bold, Pet. Piel, Jos. Schildknecht und J. Singenberger. F. X. H. 

Offene Korrespondenz: FUr die CScilienkirche. Übertrag aus S. 144: 84 M 19 ^, J. H. in L. 
:]8 Jfi Sl .^, A. St. in R. 30 JC, H. B. in St. 10 M = 158 M. Vergelt's Gott! F. X. H, 

Photogr. mit curr. vitae sendete Ch. L. in E. Dank für Brief und Nachrichten. 

Die Stimmen zum „Liederrosenkranz" werden bis zum August fertiggestellt sein. 

Nach Holland. Danke fUr die von drei Seiten gemeldete Nachricht, dass der H. H. Edmund 
Luypen, S. J., welcher 1882 die hiesige Kirchcnmusikschule besucht bat, 1883 in den Jesuiten- 
orden trat und 1889 als Missionär nach Indien gekommen ist, von Sr. Heiligkeit zum Titularbischof 
von Orope und apostolischen Vicar von Batavia auf Java ernannt worden ist. Ich bitte um genauere 
Adresse des Hochwürdigsten Bischofes, um denselben von Seite der K. M. Seh. auf das Herzlichste 
beglückwünschen zu können. Den verehrlichen Lesern der Mw. 8. ist dieser Name nicht unbekannt, 
denn der H. H. Edmund Luypen hat 1883 die offenen Briefe von Lann über den Kongress von Arezzo 
aus dem Holländischen ins Deutsche übersetzt. 

*) Turin, Marcello Capra. Preis 1 Lire 50 ct.. 13 Seiten in quer 4**. 

*) Turin, Marcello Capra. Preis 1 Lire 50 ct. 15 S. in quer 4®. „Äet Trio per orqano ad U80 ecdesiasHco^' 

') Münster in WestL, AschendorfiTs Buchhandlung. Seite 161 — 336, mit einem alphabetischen 

Verzeichnis zu den 177 Kirchenliedern. Als Anhang sind grössere Nachspiele für feierliche Gelegenheiten 

(8 Seiten) beigegeben. Preis 6 Ji. 



Druck und Verlag von Friedrich Pustet in Regen sburg, Qesandtonstrasse. 

Nebflt Beilage Nr. 12. 



1898. Regensburg, am 1. August 1898. ^i? 15^ 



MUSICA SACRA. 

Gegrftodet von Dr. Frans Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatsclirift ffir Hebung und Förderong der kathol. Kircbenmasik. 

Herauflgegeben von Dr. Franz Xaver Haberl, Direktor der Kirchenrnnsikschule in Regensbnrg. 

Neue Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Mit 12 Musikbeilagen. 

Die „Jfiofca Mcra" wird am 1. and 15. jeden Monate aasgegeben. Jede der 24 Nnnunern aiiifaaat 18 Seiten Text. Die 18 Mnaik- 
beilagen (4S Seiten) worden in den Nummern 6, 7 und 8 versendet. Der Abonnementpreia dee Jahrgänge betrftgt S Mark; die 
Bestellung kann bei |eder Poatenstelt oder Buchhandlung erfolgen. — Bei der Reichapoat mit 80 Pf. Anfaohlag. Bei firaiiko Zusendung 

unter Streifband In Deutachland und Österreich-Ungarn 4 Mk. — ins Analand 4 Mk. 80 Pf. 

lahAltsfiberaieht: Die Schlussfeier an der K.-M.-Sch. zu Regeusburg. — Im Lesezimmer: Sind die Vor- 
schriften Aber den Kirchengesang ernst zu nehmen? — Instruktionsknrse in Turin und Paderborn. — Vom Bücher- 
und Musikalienmarkte: L. Cervi, A. Dechevrens, J. Deschermeier , L. Devalle, Decreta Authentioa S. R. C. , Ant. Finotti, 
Rd. Horak, Eug. Jochura, westphftl. Lehrerkalender, C. A. Leitner, K. Machte, P. Monde, F. Moissl, A. Prüfer, J. S. van Schalk, 
Job. Schuh. — über Choralvortrag. 1. Artikel. — Vermischte Nachrichten und Mitteilungen aus: Limburg, 
St. Gallen, St. Polten. - Offene Korrespondenzen. 

Die Schlussfeier an der K.-M.-Sch. zu Regensburg 

fand in diesem Jahre am Feste des hl Heinrich statt. Dasselbe wird in der Diözese 
Eegensborg und speziell als dupl L cl in der Stiftskirche U. L. Frau zur alten Kapelle, 
die vom hl. Kaiser Heinrich und dessen Gemahlin, der lil. Kunigunde, gegründet wurde, 
am 13. Juli begangen. Die 15 Herren, welche den sechsmonatlichen Kurs in diesem 
Jahre besucht haben (s. Mics. s. 8. 28) wohnten dem feierlichen Hochamte in der ge- 
nannten Kirche bei. H. H. Stiftskapellmeister Mich. Haller führte mit sehr verstärktem 
Chore seine neueste 5 stimm. Messe in wirksamster Weise auf;^) als Oflfertorinm sein 
glänzendes 5 st. Veritas mea. In den Nachmittagsstunden wurde der offizielle Schluss 
durch einige Worte des Unterzeichneten über den Gedanken des hl. Paulus: „Oursttm 
amsummavi, fidem servavi — den Lauf hab' ich vollendet, den Glauben bewahrt" — mit der 
Mahnung, an den Grundsätzen der Schule festzuhalten, um dieses Geständnis auch beim 
Lebensende ablegen zu können, eingeleitet. 

In den Abschieds werten betonte der H. H. Domdekan Dr. G. Jacob als Fundament 
für die Fortbildung die Liebe zum kirchlichen Gottesdienste und fährte 
nachfolgende Gedanken aus: 

„Es gibt keine Fortbildung im kirchenmusikalischen Wirken ohne Liebe zur 
Liturgie; das gilt für Geistliche und Laien, für jede Lebensstellung. Dieses Fundament 
aber vertieft sich und stärkt sich, wenn im Auge behalten wird: 

1. Das immer richtigere Verständnis der Liturgie. 

2. Das richtige Mitwirken mit der Liturgie. 

3. Das richtige Mitleben mit der Liturgie. 

1. Alles Verständnis der Kirchenmusik nach allen Seiten beruht einzig auf dem 
Verständnis des Gottesdienstes. Je tiefer dieses Verständnis geht, desto tiefer wird die 
Liebe zum Gottesdienste, desto leichter gelingt die Fortbildung. Diese Liebe zeigt sich 
im grossen Verlangen, die hl. Bücher des Gottesdienstes gut kennen zu lernen. Es 
gibt viele Männer, die in gar vielen kirchlichen Dingen erfahren sind, aber nicht wissen, 
was im Messbuche, Brevier, Pontificale, Rituale u. s. w. steht. Hierin Verständnis zu 
erlangen, ist eine Notwendigkeit; dieses Studium ist sehr erleichtert durch die vollständigen 
ofSziellen Ausgaben der liturgischen Bücher. Diese Liebe und das Verständnis der Kirchen- 
musik zeigen sich dann in der Aufmerksamkeit auf den Bitus, auf die Feier des Gk)ttes- 

^) In hon. S. Michaelis; siehe Mus. 8, S. 135. 



A 



-ö 169 ES- 

dienstes. Es ist in der Kirche Gottes alles (Gebet, Opfer, Segnnngen etc.) umgeben 
mit einer gewissen äusserlichen Feierlichkeit, die aidf das Auge und Gemüt gleichmässig 
wirkt. Wenn ein Priester noch so alt wird und noch so lange studiert, immer wird 
er neue Schönheiten, neue tie&innige Gedanken finden. Im Mittelalter schätzte man 
das Kleinste nicht gering, überall sah man den Geist Gottes; vgl. das Bationale von 
Durandus. Eine Reihe von Werken sind in neuerer Zeit erschienen, um einzuführen 
in die Liturgie. Amberger II. Band der Pastoraltheologie z. B. behandelt Liturgie und 
Gottesdienst in einer Schönheit, mit einer Begeisterung, wie sie nirgends gefunden 
werden kann. Wer dieses Werk durchstudiert, emp&ngt ein ganz anderes Bild von 
der Bedeutung der Liturgie; dasselbe hilft zum Verständnis und fördert die Liebe zum 
Gottesdienste. 

2. Ein Spruch sagt: Docendo discimtis (durch Lehren lernen wir), wir können auch 
sagen: operando dtsdmtcs (durch Arbeiten lernen wir). Wer einmal recht mitwirkt mit 
der Liturgie, darin thätig ist mit Ehrfurcht, Freude und Beharrlichkeit, der 
zeigt, dass er Liebe zum Gottesdienste im Herzen hat, der wird sich leicht fortbilden, 
er wird immer fester werden in seinen Grundsätzen. 

Man hört und liest öfter: „Der niedere Kirchendienst ist nichts Würdiges för den 
Lehrer!*' Wer aber den Mesnerdienst verrichtet, vertritt die Stelle eines Ostiariers 
und Acolythen. In der Kirche gibt es keine niederen Dienste. Was fär den Altar und 
Gottesdienst geschieht, kann nichts Niedriges sein. Wer wahrhafte Liebe zum Gottes- 
dienste hat, der sieht es als eine Ehre an, für Kirche und Altar arbeiten zu können. 
Im Leben des sei. Thomas Morus liest man, dass er es im Brauche hatte, wo es ge- 
schehen konnte, bei der hl. Messe zu dienen, auch wenn er auf dem Lande war. Als 
man ihn darüber beredete, sprach er: „Ich halte es für eine grössere Ehre, dem Priester 
beim Altare zu dienen, als meinem Könige am Hofe.'' .Das ist Ehrfurchtl Diese Ehr- 
furcht aber fehlt meistens. Das zeigt sich schon im Äusseren, im Hin- und Hergehen, 
bei der Kniebeugung u. s. w. 

Dieses Mitwirken muss auch mit Freude geschehen, ohne Zwang. Es ist eine 
Schande, wenn ein Ghorregent immer und bei jeder Gelegenheit fragt: „Was bekomme 
ich z. B. für diese gesungene Litanei, diese Verrichtung steht nicht in meiner Fassion." 
Es sind leider niedrige Besoldungen vorhanden ; dieselben sollen aber die ideale Freudig- 
keit, die Bereitwilligkeit und die Liebe zum Gottesdienste nicht ertöten oder die Fort- 
bildung hindern, sonst werden solche Männer auch das Bezahlte nur handwerksmässig 
thun, weil es sein muss und so weit es sein muss. 

Auch die Ausdauer und die Beharrlichkeit sind notwendig. Man kann in Lagen 
kommen, wo man sich sagen muss: „Jetzt kann ich das Gelernte nicht anwenden. Es 
stellen sich Hindemisse entgegen auch von geistlicher Seite, ich stosse überall auf 
Widerwillen.'' Da muss man sich einfach fügen, und das was notwendig geschehen 
muss, recht vollkomme^ und gut thun. Kann diese oder jene Messe nicht auf- 
geführt werden, dann singe man recht vollkommen was möglich ist, und wären es auch 
nur ßesponsorien der hl. Messe, oder das Asperges, Libera u. s. w. Wer die einfachsten 
Gesänge gut und würdig, mit Ernst und Andacht singt und vortragen lässt, bildet sich 
ebenfalls fort Je grösser die Schwierigkeit, desto vollkommener wird dann die Liebe, 
desto besser schreitet man in der Kirchenmusik fort. Wer sich durch Schwierigkeiten 
nicht abhalten lässt, bei dem ist keine Gefahr, dass er zurückbleibt Mit einer gewissen 
Bangigkeit wird der dritte Punkt erwähnt, da er leider viel zu wenig beachtet wird. 

3. Wo eine wirkliche Liebe zur K.-M. ist, da ist auch notwendig das Mitleben 
mit der Kirche. Was nützt der beste Orgelspieler, Sänger oder Komponist, wenn er 
nicht im Innern mitlebt mit dem Gottesdienste. Der beste Musikdirigent, wenn er 
nicht mit der Kirche lebt, ist kein Direktor für Kirchenmusik. Daher halte jeder an 
den 3 Entschlüssen fest: 1. zu beten, 2. öfters die hl. Sakramente zu empfangen und 3. 
einen christlichen Wandel zu führen. Eine Fortbildung ohne diese gibt es nicht, das 
zeigt die Erfahrung. Wer sich wieder aufrichtet zu diesen drei Übungen, schreitet 
wieder fort. Es ist nun einmal in der Kirche Gottes so: wir müssen alles betend thun, 
betend singen und singend beten. Alles muss Gebet werden. Wer überhaupt sich nicht 
im Gebete übt, sondern alles nur äusserlich nimmt, der hat kein innerliche^ Leben. 



-43 1611 &^ 

Der berähmte Maler Fra Angelico da Fiesole wiederholte: „Der kann Christas nicht 
malen, der Christas nicht im Herzen trägt/^ Wer kein Bedürfnis znm Empfange der 
hL Sakramente hat, in dem ist auch keine Liebe znm Gottesdienste. Wer meint, man 
könne das äossere Leben und das Leben in der Kirche, am Altare oder auf dem Chore 
trennen, wird sich niemals in der E.-M. fortbilden. Was hat denn die Welt mit dem 
Altare gemein? Hat denn der Weltmensch die Fähigkeit, beim Altare zu dienen I Licht 
und Finsternis vertragen sich nicht. 

Diese ernsten Worte können nützlich werden. „Mein Wunsch ist: Bewahren Sie 
die Liebe, bewahren Sie den Glauben zum Berufe, die Freudigkeit am Gottesdienste; 
dann werden Sie am besten sich fortbilden. Die Liebe zum Gottesdienste muss Sie 
drängen, das Ziel anzustreben, dessen Erreichen in sechs Monaten nicht möglich ist." 

Anmeldungen zum 24 Kurse ^) vom 16. Jan. — 15. Juli 1899 nimmt der Unter- 
zeichnete bis 1. Sept. d. J. entgegen, soweit die auf 14 bis 16 Personen normierte Schüler- 
zahl (Priester und solche Laien, die das 18. Lebensjahr tiberschritten haben) es gestattet. 
Programm und Statuten werden gratis und franko auf Verlangen zugesendet vom Red. 
dieser Halbmonatschrift, dem derzeitigen Direktor der K.-M.-Sch. Diejenigen Herrn, 
welche sich fttr 1898 angemeldet hatten, aber wegen Überschreitung der Normalzahl 
nicht mehr aufgenommen werden konnten, wollen längstens 1. Sept. erklären, 
ob sie für den Kurs 1899 noch auf Zulassung reflektieren. F. X. H. 

Im Lesezimmer. 
' Sind die Vorschriften Über den Kircliengesang ernst zu nehmen? 

Eine beinah sündhafte Frage! Aber verzeihlich, wenn man die Ignoranz gegen die kirchlichen 
Gesangsvorschriften öfters an kompetent scheinender Stelle wahrnehmen moss. Man zähle die Pfarr- 
kirchenchöro und die Altäre einer Diözese and unterscheide zwischen denen, welche den Gehorsam 
gegen die kirchlichen Gesangsvorschriften jahraus, jahrein thatsächlich üben, und denen, welche es 
an einem solchen Gehorsam offenkundig ermangeln lassen. Wer getraut sich, zn behaupten, gar 
nachzuweisen, dass die Zahl der erstem die Mehrheit bildet? Da kommen aus drei oder vier Nach- 
barpfarreien die Bittprozessionen in eine Kirche. Damit es nfoierUch" wird, singt der Priester am 
Altar die lateinischen Gesänge eines Amtes und der Kirchenctior singt gemeinsam mit Schulldndem 
und Volk einen dentschen Messgesang! Viele der Anwesenden kennen das Verbot eines solchen 
p Amtes'*; die mitwirkenden Lehrer -Organisten kennen es, und den Ghoraängem blieb das von der 
Kirche gegebene Verbot nicht unbekannt, walirscheinlich ist es auch den Schulkindern schon mit- 
geteilt worden; jedoch — es wird ein „deutsches Amt" mit dem Mischmasch eines lateinischen Altar- 
nnd deutschen Volksgesanges gehalten! £in Beispiel des Gehorsams, nein, dürfte man nicht auf 
mildernde Umstände erkennen, so müsste man sagen: ein Beispiel des offenkundigen Ungehorsams 
gegen eine ausdrückliche kirchliche Vorschrift! Ich hüte mich, Namen öffentlich zu nennen; es ist 
nicht notwendig. Auch Jesus brauchte niur in flüchtigen Sand zu schreiben; die Schuldigen wussten, 
warum sie keine Nachweise forderten. Sind die Vorschriften über den Kirchengesang 
ernst zu nehmen? Ja? oder Nein? 

In N. hält der Cäcilien verein eine Bezirks- oder auch eine Diözesanversammlung. Zwei, drei, 
vielleicht mehr Nachbar- Kirchonchöre beteiligen sich an den Aufführungen oder sie nehmen als 
Gäste daran teil. Der Festprediger verkündet von der Kanzel aus, wie der Kircheogesang des 
Chores und des Priesters nach dem Willen der Kirche beschaffen sein muss. Die Festaufführungen 
lieben eine Probe darüber. Nach dem Feste, — in wie vielen Kirchen wird ein kirchengesang- 
hcher Abusus abgestellt? Es wird nach wie vor nur beim Requiem der Introitus gesungen und 
selbst da ohne mederholung oder ohne K^ie. Am Sonntag bleibt das DamintM vobiacum und Oremiis 
vor dem Offertorinm gesan^ich regelmässig weg. Text- Verstümmelungen im Gesang des Kirchen- 
chores werden der Komposition zur Last gelegt; Neuanschaffungen scheitern an der Ebbe der Stif- 
tungskasse; für regelmässige Gesan^proben fehlt die Zeit — ausser es gelte dem Sololied bei einer 
ausserliturgischen , obgleich immerhin auch kirchlichen Andacht! — Ich gestehe, die Häufong der 
hier aufgezählten Fälle sieht schwarz aus. Man mildere ab^r immerhin me Farbentöne; wird man 
das Gemälde weiss waschen können? Diejenigen, welchen Gesetz -Übertretungen solcher Art zur 
Last fallen, kennen die kirchlichen Gesangsvorschriften; man hat sie för Sänger und Nichtsänger 
von der Kanzel aus ~ wohl noch dazu in Gegenwart des Bischofs — verkündet und eingeschärft. 
Befolgt werden sie in der einen Pfarrkirche; in wie vielen andern aber nicht? Sind die Vor- 
schriften über den Kirchengesang ernst zu nehmen? 

Gestern wohnte der Ghorregent einer kleinen Stadt einem Leichengottesdienste in der ent- 
fernten Bischofsstadt bei; er hatte einen verstorbenen Verwandten dort zu Grabe begleitet. Zu 

') Da der erste Kurs wohl im Nov. 1874 begonnen, aber im Juni 1876 geschlossen hat, so ist der Kurs 
vom Jahre 1900 als 25. zu bezeichnen; daher wird auch die Jubiläumsfeier auf das Jahr 1900 festgesetzt. 



-» 164 ^ 

seinem Tröste hoffte er in der ersten Kirche der Diözese, in der bischöflichen Kathedrale, einem 
mnstergültigen Seelenamte beiwohnen zu können. wie enttäuscht kam er zurück! Mit welcher 
Verstümmelung wurden die Texte der Cantica sacra abgesungeu! und wie wenig erbauUch! Nicht 
einmal die Responsorien waren korrekt! „Auf meinem Chore würde ich mich der Sünde furchten," 
spricht er, „so singen zu lassen ! Wofür geh' ich mir Mühe, auf Korrektheit zu dringen, wenn das 
in der Diözesanhauptkirche geschehen dm?" — Sind die Vorschriften über den Kirchen- 
gesang ernst zu nehmen? 

ui den Seminarien werden die Kleriker in ^tem und vorschriftsmässigem Gesänge einheitlich 
unterrichtet. Und die erste heilige Messe , die sie als festliches Amt feiern , — ist nun auch dafür 
gesorgt, dass dabei die kirchlichen Vorschriften über den Gesang beobachtet werden? Ja. es sind 
mir Fälle solcher Vorsorge bekannt. Gegenteilige Fälle, in welchen vom Primizianten selbst eine 
Messkomposition gewünscht wird, die allen kirchlichen Anforderungen widerspricht, darf man als 
Ausnahmsfälle ansehen, und man hüteli sich, in öffentlichen Blättern darüber Berichte zu versenden. 
Aber in solchen (thatsächlichen) AiisnahmsfäUen , die doch nicht ohne Zustimmung und Assistenz 
mehrerer gutunterrichteter Teilnehmer möglich sind, fragt man sich betroffen: „Sind die Vor- 
schriften über den Kirchengesang ernst zu nehmen?" Wenn ja, wie ist es möglich, dass 
diese Vorschriften da und anderwärts un^erügt^ offenkundig und fortgesetzt übertreten werden 
können? Wenn nein, werden die Vorschriften nicht öffentlicn von der Kanzel verkündet? warum 
rühmt sich der Cäcilienverein, der ihre Befolgung anstrebt, höchster Approbation? 

Ach^ die „souveränen" Pfarrer sind schuld! Ach, die „bösen" Chorregenten sind schuld! Hat 
sich da eine Pfarrei einer jahrelangen Übung des kirchlich -liturgischen Gesanges beflissen. Nun 
tritt ein Wechsel in der Person des eifrigen Kaplans, des begeisterten Chorregenten ein, und die 
kaum geschaffene Chortradition ist abgeschnitten! Ja, es lassen sich leider solche Erlebnisse auf- 
zählen. Schützt ein Rector ecderiae seine mehr oder weniger stichhaltigen Gründe vor, oder wird 
sich ein Chorregent des Verpflichtenden der kirchlichen Vorschrift nicht bewusst^ oder vermochte 
die ihm anerzogene Bildung die Renitenz gegen die kirchliche Autorität nicht zu klären und nicht 
zu überwinden, so muss es freilich zu betrübenden Erlebnissen kommen. Vielleicht spielen dabei 
politische Uneinigkeiten mitherein. Vielleicht hat die Erziehung und Vorbildung es versäumt, das 
Gewissen nach dieser Eichtung hin zu schärfen oder die nötigen Kenntnisse zu vermitteln. Das 
alles sind freilich traurige Erscheinungen, die nicht oder nicht sogleich zu ändern sind; sie lassen 
sogar die Frage: „Sind die Vorschriften über den Kirchengesang ernst zu nehmen?" vielleicht in 
einem etwas andern Lichte erscheinen! Man kann da z. B. enteegen fragen: .,Sind die 
Massregeln gegen den Alkoholismus ernst zu nehmen?" Man kennt die Folgen des Alkonolismus; 
dennoch erweisen sich die Massre^eln ^egen denselben meistens als unzureichend, ja vielfach als gar 
nicht vorhanden. Die Gewohnheit gleicht auch hierin einem eisernen Kleide, das man nicht ohne 
Umstände abwerfen kann. Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Vorurteile über die Nährkraft 
oder Stärkungsfälii^eit alkoholischer Getränke u. s. w. lassen sich nicht über Nacht umändern. 
Auch ist der böse Wille nicht ganz aus der Welt zu schaffen und Fehler werden unter Menschen 
immer vorkommen. 

Allein der Parallelismus beider Fragen stimmt nicht ganz. Dort autoritative Personen, manch- 
mal von hoher Instanz, hier willkürliche Anerkennung der VeniunftgrtLnde. Da es sich bei den 
Vorschriften über den Kirchengesang in der That um eine Gewissensirage handelt, so lautet die 
Antwort auf die wiederholt gestellte Frage entschieden: „Ja, die Vorschriften über den 
Kirchengesang sind ernst zu nehmen!" Die da und dort vorkommenden Übertretungen heben 
die Verpflichtung zum Gehorsam nicht auf. Die da und dort notwendige Warnung vor einer Über- 
stürzung der Reform ist selbst eine Bestätigung der stetig ane^estrebten Besserung. Die von oben 
feübte, oft unerklärlich scheinende Nachsicht ist die weise Nacnsicht des Arztes, der beim Weichen 
er Elrankheit schon mit dem Eintreten eines Schlafes sich begnügt Das Erwachen wird ein Er- 
wachen zur Genesung sein. So auch mit den Kirchenchören. Ein sicheres Zeichen der überwun- 
denen Krisis macht sich schon bemerklich: niemand komponiert, fast niemand verlegt noch Kirchen- 
musik, die mit den liturgischen Gesetzen im offenen Widerspruch steht. Auch dieser Schlaf ver- 
spricht ein Erwachen der Genesung. 

Von der Besiegung des Feindes ^eben übrigens auch die vorstehend aufgeführten Anklagen 
Zeugnis. (1 und 2.) Ja, die Vorschriften über den Kirchengesang sind ernst zu nehmen; denn 
da — wie zugegeben — schon die Kinder und das Volk die Verbote gegen unkirchlichen gottes- 
dienstlichen Gesang inne werden, und da Musteraufführungen bei den Kirchenmusikfesten der Cäci- 
lienvereine jedermann mit der Musik nach dem Willen der Kirche bekannt machen: darum fällt der 
Widerstand des sonst an alten Gewohnheiten hängenden Volkes allmählich von selbst hinweg; für 
die Eeform ist der Boden geebnet 

(3 und 4.) Ja, die Vorschriften über den Kirchengesang sind ernst zu nehmen; denn wenn 
Kathedralkirchen und Orte mit Primizfeierlichkeiten, wo kirchlich unkorrekte Musik gemacht wird, 
sich jetzt schon hüten, mit ihren Aufführungen zu prahlen, und wenn sie öffentliche Berichte scheuen, 
ja verhindern: dann empfinden sie bereits den Eindruck der Minderwertigkeit ihrer Kunst und die 
Eückständigkeit ihres Geschmackes. Eingeständnis des Irrtums ist aber der erste Schritt zum Sieg 
der Wahrheit. 

Alle diese Erscheinungen bedeuten somit einen allmählichen Rückzug der reformfeindlichen 
Kirchenmusik. Der Feind Will seinen Rückzug jetzt noch maskieren durch einen Schein widerstand; 
aber dass er sich geschlagen fühlt, gesteht er teils unbewusst und teils bewusst längst ein. 

Also „verliere kein Mensch Jen Mut wegen dieses Pliilisters"! Der Goliath ist längst ge- 
schlagen durch den David „Witt". Das Philisterheer: verweltlichte klassische und unklassisdie 



-<3 165 ?>- 

.,Masik in der Kirche" räumt Schritt für Schritt das Feld. Wie aber einst David sein ganzes Leben 
lang den Kampf fortzusetzen genöti^ war, so sah auch der Pionier der Kircheamusikrefonn, der 
selige Witt, die lange Dauer des Kampfes für eine tridentinisch vorgezeichnete Kirchenmusik voraus. 
Er anerkannte, dass nicht in der ersten Generation, kaum schon in der zweiten Generation die 
Durchfährung der von ihm eingeleiteten Reform erreichbar sei. Dennoch Hess er den Mut nicht 
sinken, um so weniger darf heute der Cäcilienverein die Geduld verlieren: Kirchliche Ordnungs- 
gesetze gleichen dem Sauerteige im Evangelium; die widerstrebende oder träge Mehlmasse der Ge- 
wohnheitsmacht findet sich allmählich und unwillkürlich vom Sauerteig durchdmngen , — soweit 
überhaupt lebendes Mehl, statt Schwerspatstaub in Betracht zu kommen hat. Schwerspatstaub ver- 
mag zu drücken; im Mehle wirkt der echte „Sauerteig'^ — 

Vom Bilde zur Sache! Der Kirchengesang ist ein wesentlicher Bestandteil des feierlichen 
Gottesdienstes der Kirche. Ausschliessliches Recht, über die Gestaltung ihrer Gt)ttesdienstfeier zu 
bestimmen, hat die Kirche. Wenn nun die Kirche dennoch in der Geltendmachung dieses Rechtes 
auf die Schwachheit der Menschen langmütige Rücksicht nimmt, dann müssen wohl wir alle an 
unsere Brust klopfen und gestehen, dass auch unsere Schwachheit einen Teil der Schuld trägt an 
den langsamen Portschritten der Reform. Wir unterlassen vielleicht zu sehr, die Schwachheit unserer 
Mitwirkung durch anhaltendes Gebet zu unterstützen. Die Darbringung eines vollkommenen Gottes- 
dienstes ist vor allem ein Werk der Gnade Gottes. Verbinden wir also mit unserm unverzagten 
Eifer für die Ehre Gottes ganz vorzüglich das Gebet. Das ist dann der sicherste Prüfstein, dass 
wir selbst es mit den Vorschriften über den Kirchengesang ernst nehmen, und der 
Erfolg wird bestätigen, dass sie wirklich tiefernst zu nehmen sind. 
(Aus der bei Auer in Donauwörth erscheinenden, durch M. Gebele redig. „Kath. Schulztg." Nr. 28.) 



Instruktionskurse in Turin und Paderborn 

hat der Unterzeichnete auf Einladung der betreffenden Cäcilienvereine und mit Gut- 
heissung der zuständigen Diözesanoberhirten zugesagt. 

In Turin findet bekanntlich in diesem Jahre bei Gelegenheit mehrfacher Centenar- 
feiern (vergl. Mus. s, 1897 Seite 49) eine Ausstellung kirchliclier Kunst statt. Das 
Eomit6 hat mit Approbation des gegenwärtigen Erzbischofes von Turin, Agostino 
Eichel ray, den Unterzeichneten eingeladen, in Verbindung mit dem K H. Domkapell- 
meister von Trient, Riccardp Feiini, in den Tagen vom 11. bis 18. September einen 
Instruktionskurs für gregorianischen Choral, polyphone und figurierte Kirchenmusik, Orgel- 
spiel und liturgische Vorschriften abzuhalten. Das genaue Programm (täglich Unter- 
richt von 8—10 und von 16Va bis 18V« d. L 4 bis 6 Uhr nachmittags) nennt als Lehr- 
mittel das Psalterium Vespertinum, die 50 zweisilbigen Solfeggien von A. Bertalotti, 
die italienische Ausgabe des „Magister choralis^^ das Compendium Oradualis und Epitome 
Vesperalis Bomani^ die 4 stimmige Messe „Aetema Christi munera^' in der Bearbeitung 
für Alt, Tenor, Bariton und Bass und das 6 st. Motett „0 hone Jesu'' von Palestrina, 
sowie die Messe (opus 76) von Ign. Mitter er in honorem Ä 8. Sindonis D. K J. Chr. für 
Männerchor mit Orgelbegleitung; diese soll am 18. September (Fest der 7 Schmerzen 
Mariens) mit dem treffenden Proprium im authentisch-römischen Choral zur Auffuhrung 
gebracht werden. 

Acht Tage später beginnt der 3. Kurs in der Diözese und Bischofsstadt Paderborn 
mit Unterstütznng des H. Domchordirektors Herm. Müller. Ähnlich dem ersten in Dort- 
mund (s. Mus. s. 1894 S. 136) und dem zweiten in Heiligenstadt (s. Mus. s. 1896 S. 105) 
abgehaltenen Instruktionskurse wird sich auch das Programm des für die Zeit vom 
25. September bis 1. Oktober in Aussicht genommenen Kurses in Paderborn gestalten; 
die thatkräftige Initiative des Hochw. Bischofes Dr. Hubert Simar bietet die beste 
Garantie für den Eifer und die Zahl der Teilnehn\er. Zu demselben können auch Männer, 
welche dem genannten Bistum nicht angehören, kommen, wenn sie sich frühzeitig 
ab den H. H. Müller, Repetent am Kollegium Leoninum dortselbst, wenden. 

Die Instruktionskurse hat der Unterzeichnete seit 1890 immer nur mit Vorwissen 
und ausdrücklicher Genehmigung der hochwürdigsten Diözesanbischöfe (in Freising, 
Nymphenburg, Landau i. d. Pf., St. Polten, Salzburg, Trier, Wyl, Würzburg, Bamberg, 
Dortmund, Heiligenstadt; Marienbad, Strassburg i. E.) gegeben , also im Anschlüsse an 
die kirchUche Autorität. Das nämliche geschieht auch in Turin und Paderborn, und 
deshalb werden auch diese Kurse nicht ohne segensreiche Früchte für die Besserung 
kirchenmusikalischer Verhältnisse und für Befestigung in den Vorschriften und Regeln 
der Kirche und der Kunst sich gestalten. Das gebe Gott! F. X. H. 



-fä 166 &h 
Vom Bücher- und Musikalienmarkte. 

Unter dem Sammeltitel .^mposizioni sacre a 2, 8 e 4 vod di fädle esecazione con e seuza 
accompagnamento d'Orffano od Harmoniain'' erschienen zu Mailand in der Calcoffrafia Mnsica sacra, 
Via Lanzone 2, drei Hefte mit Kompositionen von hnigi Cervi. Da die meisten der gnt gearbeiteten 
zwei-, drei- and vierstimmigen Kompositionen für £e ambrosianische Litiirgie bestimmt sind, so 
können sie nur an dieser Stelle erwannt werden. 1. Im Reqoiem für A., TT und B. stimmen nor 
der Introitns, das Offertorinm, Sanctns und Benedictns mit den Texten der römischen Liturgie 
überein. Die Komposition ist ernst, kurz, leicht and ohne Orgelbegldtang. 2. Eine Sammlang von 
acht lateinischen Motetten, daranter vier 2 stimm, mit Orgelbegi. and vier für 4 st. gem. Chor, 
enthält zam Gebraach in der römischen Liturgie die Texte aacrum convivium, Juatus ut palma, 
Dextera Domini and zwei Motetten za Ehren des hl. Joseph. 3. Eine ähnliche Sammlung von sieben 
lateinischen Gesängen (vier zu 2, zwei zu 3. eine zu 4 gemischte Stimmen) bietet u. a. die brauch- 
baren Texte Tota pukhra ea, Coro mea una Stabunt justi. Der Komponist zeigt sich als guter 
Deklamator , tüchtiger Musiker und feinsinniger Organist; er überschreitet niemals die Grenzen 
kirchlicher Würde, einfacher CantUene und dezenter ßhythmen. 

Von den itudes de sdence muaieale des Jesuitenpaters A. Dechevrens ist im Verlage des 
Autors (Paris, 26. rue Lhomond oder in der typographie musicale, 4, rue Malebranche) der 
2. „Rythmique er^gorienne*' betitelte, 436 Sdten in Gross-Oktav umfassende Band erschienen. Das 
grossartig^ angelegte Werk kann hier nur angezeigt und wird im kirchenmusikalischen Jahrbuch 
lur 1899 inhaltlicn genauer besprochen werden. 

J. Deschermeier edierte bei J. G. Bössenecker (A. Stender) in Regensburg 50 der schönsten 
Jugendlieder für eine Singstimme, bearbeitet mit einfacher Klavierbegleitung. Brosch. 2 ^, ge- 
bunden 3 Jü 26 ^ unter dem Titel „Frühlingsblüten^. Namen wie Schubert, Schumann, 
Mendelssohn, Beethoven, Weber, und unsere schönsten Volkslieder sind in der trefüich ausgestatteten 
Sammlung vertreten. Der Herausgeber hat eine sehr leichte Klavierbegleitung zu sämtlichen 
Nummern ausgearbdtet und selbst mehrere Melodien beigesteuert. Die Texte sind alle edel. Die 
trefiüiche Sammlung kann in Familien und Instituten unbedenklich gebraucht werden. Tiefere Ton- 
lage würde sich bei den meisten Nummern empfehlen, besonders wenn Kinder singen. 

Ein salutaria von Lorenzo Devalle, Organist in Dogliani (Mondovi}, op. 34, ist im Selbst- 
verlag des Autors (75 cent) für dne Sopranstimme mit Harmoniumbegleitung erschienen. Der 
zweite Teil ist nach Text^und^usik wörtliche Wiederholung des ersten. Der Bingstimme ist der 

geringe Tonumfang von d bis Iis zugeteilt. Für die Kirche kann das sonst sympathische Tonstück 
nicht empfohlen werden. 

Die bekannte Sammlung der Dekrete^ welche die Konfi^re&^ation der hl. Riten in Rom seit dem 
Jahre 1588 erlassen hat, und welche seinerzeit (1807) (iaraellini edierte, ist auf Wunsch des 
hl. Vaters Leo Xni. neu bearbeitet worden durch mehrere Konsultoren der S. R. C. und unter der Auf- 
sicht des gegenwärtigen Kardinalpräfekten und Bischofs von Palestrina, S. Emin. Mazzella. Der L Bd. 
dieser ofuziellen Aktensammlung ist zu Rom in der Buchhandlung der Propaganda erschienen mit 
dem Titel: Decreta Anthentica Congre^ationis Sacrorum Rituum Ex Actis f^'usdem OoUecta 
ejusque auctoritate promulgata sub Auspiciis SS. Domini Nostri Leonis Papae XIII. Vd. I. 
Ab Anno 1588 Num. 1 usque ad annum 1705 num. 2162. In Zukunft werden nur mehr diejenigen 
Entscheidungen, welche in dieser offiziellen Ausgabe enthalten sind, als ^tig und rechtskräftig 
anfi^esehen, da eine Menge sich widersj^rechender oder unklarer und überfltissiger Decisionen weg- 
lielen. Am Schlüsse des voraussichtlich m 2 Jahren vollendeten Werkes werden eingehende Register 
den Gebrauch der umfangreichen Sammlung erleichtem. Auf dasselbe kann bei Fr. Pustet subscri- 
biert werden. 

Oanoni retrogradi im strengen Kontrapunkt für 4, 6, 8 und 10 Stimmen publizierte 
Ant. Finotti in Ferrara im Verlag der musica sacra zu Mailand (Via Lanzone 2). Die interessanten 
Arbeiten geben Zeugnis von den tüchtigen Studien des Autors^ dem daranliegt, dass die .[ugend- 
lichen Musikschüler in den strengsten, wenn auch oft mechanischen Kontrapunktformen sich be- 
wegen lernen. 

Der österreichische Klavierpädagoge Ed. Horak hat in Verbindung mit seinem Bruder Adolf 
eine zweibändige Klavierschule herausgegeben, vom ersten Anfang bis zur Mittelstufe nach päda- 
gogischen Grundsätzen verfasst. Von derselben lie^ der erste Band aus dem Verlag von P. J. Tonger 
in Aöln a. Rh. vor. Preis 3 M^ 125 Seiten in Folio. Eine Abhandlung über die Klavierunterrichts- 
methode ist dem Bande vorgedruckt und gibt die Erklärung für die Tnatsache, dass die Horak*sche 
Klavierspielmethode sich besonders beim Massenunterricht vortrefflich bewährt hat. Von einem 
zweiten Werke: „Einführung in die Kunst des Klavierspiels" ist von Ed. Horak im gleichen 
Verlag der erste Band, 10 Vortragsstudien (Werke von Wanhal, Clement!, Steibelt, Kozeluch und 
Baldenecker) erschienen. 35 Seiten in Folio, Preis 1 M. 

Eufiren Jochnm komponierte die H^ne zu Ehren des hl. Antonius: „Si qtuieris miracula'* 
mit deutschem Texte für Soli und Chor mit Begl. der Orgel oder des Harmoniums in vier Ab- 
teilungen. Jos. Kösel in Kempten, Part, und St. 2 ^ 60 c^. Das schwun^oU geschriebene und 
effektreiche Tonstück wurde zur Feier der Grundsteinlegung der Kapuzinerkirche m München kom- 
poniert. Autor oder Verleger (?) fügen bei, dass sich die Hymne zum Gebrauche in allen Männer- 



-ß 16V &- 

kl58tern, sowie in jenen Kirchen, deren Patxon der hl. Antonius von Padna ist, eigne. Referent 
ist darchans anderer Ansicht; kann jedoch ^e mit einem Baritonsolo, dem sich der Männerchor 
anschliesst, beginnende Hymne (ein Kräftiger Satz für Männerstimmen, sowie als Nr. 3 ein Tenor- 
solo mit jfolfi^endem Chor und als Schlnsseffekt wiederum ein Männerchor) für Abendunter- 
haltungen oder Konzerte Jn Klerikal- oder Lehrerseminarien, auch in Klöstern und Jün^lings- 
vereinen gat empfehlen. Über die gewöhnlichen Wirkungen, welche bei solchen Kompositionen 
gewünscht und erreicht werden, geht die Hymne nicht hinaus; durch Taktwechsel zwischen '/4, ^/« 
und % wird schöne Abwechslung erzielt. Klavierbegleitung kann eventuell das Harmonium ersetzen; 
für die Kirchenorgel passt die Begleitung weniger. 

Der Schematismus und Kalender der kath. Lehrer und Lehrerinnen Westfalens für 
das Jahr 1898/99 im Auftrag der litterarischen Kommission der Hermann-Hubertus-Stiftung heraus- 
{?egeben von K. Kamp, Lehrer in Bochum und J. Dierkesmann, Lehrer in Arnsberg kann bei 
J. Stahl in Arnsberg gebunden um den Preis von 1 M bezogen werden. Neben dem statistischen 
Material aus 44 Kreisen, mit Personalrenster, Angabe der Gehaltsverhältnisse u. s. w. ist der 
Kalender vom April 1898 bis Dezember 1899 mit Terminkalender für Konferenzen, Gedenktafeln 
u. s. w., auch mit andern nützlichen Tabellen beigegeben. H. Müller in Paderborn erläutert kurz und 
trefflich die 5 Gebote für Organisten, nämlich ij übe und studiere, 2) präpariere deine Funktionen, 
3) benütze gute Vorlagen, 4) begleite leise. 5) diene Gott! — Solche Kalender sind ein treffliches 
Bindemittel für gutgesinnte katholische Lenrer und Lehrerinnen. 

Drei Fronleichnamslieder für Volksgesang oder Kirchenchor mit Orgelbegl. oder mit Begl. 
von 4 Blechinstr. arranji^erte G. Ang. Leitner und gab sie bei A. Böhm & Sohn in Augsburg 
heraus. Part. 1 M, die eine Singstimme 10 ;;^, in Partienbezug billiger. Die Texte sind „Himmelsau , 
„Herr, von ganzem Herzen lieb* ich Dich**, „0 Heiland, der erbarmungsvoll". Was den Gesang 
deutscher Lieder während der Kommunionspendung beim Hochamt oder bei einer theophorischen 
Prozession betrifft, so mnss auf eine Entscheidung der Biten- Kongregation vom 14. Januar d. J. 
hingewiesen werden. Auf die Fra^e nämlich, ob es erlaubt sei, beim Hochamt wähi*end der Kom- 
munionspendung und bei der feierlichen Prozession mit dem Allerheiligsten abwechselnd mit 
liturgiscnen Hymnen Gesänge in der Muttersprache vorzutragen, erfolgte die Antwort: Negative 
ad utrumque d. h. es ist in l)eiden Fällen nicht erlaubt. 

„Aus des Lebens Mai^ beütebi sich acht leicht« kleine und niedliche Charakterstücke für 
Piano mit Bücksicht auf kleine Hände von Karl Machts. Regensburg, J. G. Bössenecker. 1 .^ 20 .^^ 

Paul Mende komponierte 5 charakteristische Kinderstücke (Op. 12, Verlag von Bössenecker 
in Regensburg, Preis 1 ^H) mit dem Titel: „In iSreud und Leid**. 

Den Willkommgruss des Reichenberger Männergesangvereins an den Wiener -Schubertbund 
komponierte Franz Moissl in packenden und tremchen Weisen für Männerchor. Verlag von 
F. E. C. Leuckart in Leipzig. 

Den Briefwechsel zwischen Karl von Winterfeld und Ed. Krüger veröffentlichte 
nach dem Original Dr. Arthur Prüfer, Dozent der Universität Leipzig. Derselbe schrieb eine 
57 Seiten umfassende Einleitung über den Lebensgang und die musikalische Thätigkeit der beiden 
genannten Männer und fü^e ein Namen- und Sachregister bei. Die Briefe v. Winterfeld's an 
Krüger und vice versa steigern das Interesse an diesem musikalischen Meinungsaustausch. Den 
Schluös der 136 Seiten bildet ein Brief von Frz. Commer, Berlin 15. September 1853 an Krüger, 
da der erstere von der Familie von Wüiterfeld's den Auftrag erhalten hatte, dessen musikaliscnen 
Nachlass zu ordnen. Drei Bildnisse von Dr. Krüger, Rektor des Gymnasiums zu Emden in Ost- 
friesland, Karl von Winterfeld und des 1611 verstorbenen Johannes Eccardus schmücken das der 
Schriftstellerin La Mara zugeeignete und von der Verlagshandlung E. A. Seemann schön aus- 
gestattete Buch (Preis 4 .#), über welches im kirchenmusikalischen Jahrbuch 1899 eingehender 
referiert werden wird, da besonders C. v. Winterfeld sowohl für da* Verständnis der klassischen 
Vokalkomponisten des 16. Jahrhunderts, als besonders für die Herstellung des Gemein- und Choral- 
gesanges m der evangelischen Kirche grosse Verdienste sich gesammelt hat. 

Ein ganz besonders hervorragendes Werk ist Op. 4 des H. H. J. S. van Schalk, betitelt 
„Sankt Joseph. Oratorium mit lebenden Bildern für Soli, Chor und Orchester. Dichtung von 
.1. H. Vaas, deutsche Übersetzung von Leo von Heemstede. Verlag von J. R. van Rossum in Utrecht. 
Der Klavierauszug gibt einen guten Begriff von der musikanschen Faktur und der mehr als 
gewöhnlichen Tüchtigkeit des holländischen Priesters. Der erste Satz, von vier Männerstimmen 
vorzutragen, spricht von der Verlobung des hl. Joseph. Demselben folj^ ein kurzer, aber reizender 
Zwischensatz von vier Knabenstimmen, bei dem das erste lebende Bild erscheinen kann. Daran 
schliesst sich ein Tenorsolo, dem ba}d ein 4 stimm, gem. Chor sich anreiht; der Text preist die 
Keuschheit des Nährvaters Jesu. — Ähnlich wird der zweite Satz, ,jTraum des hl. Joseph^ betitelt, 
von einem Männerchore eingeleitet. Beim Tenorsolo kann das zweite Bild folgen, in welchem ein 
Engel den Sohn Davids ermahnt, jeden Verdacht über die Reinheit Mariens sich auszuschlagen. 
Der Männerchor, mit einem durchschlagenden Baritonsolo durchilochten, nreist den hl. Joseph ob 
seines Opfergeiste^. — Der dritte Satz, 4 stimm, ^em. Chor, schildert die Stellung Joseph's bei der 
Geburt des Herrn. Eine prächtige Gabe für Weilmachten. Tenor und Bariton , bald einzeln . bald 
im Duo vereint, untermiscnt von Knabenstimmen, führen zu einem 4 stimm, gem. Chor von einfacher 
Schönheit und Feierlichkeit. — Im vierten Satz wird „die heil. Familie" geschildert. Tenor- und 



-i3 16S E> 

Baritonsoli und ein Männerchor haben diese Aufgabe zu lösen. — Der fünfte Satz ist „Tod des 
heil. Joseph** betitelt (Tenor, Männerstimmenquartett und gem. Chor, letzterer gebildet aus vier 
Männerstimmen und den zwei Oberstimmen). — Im sechsten Teile wird St. Joseph als „Patron der 
Arbeiter** gepriesen. Dem Liede des Aufruhrs (gedichtet von Dr. Schaepmann) folgt dius Lied der 
christlichen Arbeiter. Aus diesem Tumulte schsJlt das Gebet zum hl. Joseph, von Sopran und Alt 
einstimmig gesungen. Dieser dramatische Gegensatz ist besonders packend. Das Baritonsolo leitet 
zu einem einstimmigen, wiederum von Dr. Schaepmann gedichteten Katholischen Lied zu Ehren des 
hl. Joseph tlber, das von allen Anwesenden gesungen werden kann und vom Komponisten prächtig 
durchgearbeitet worden ist in dem glanzvollen doppelchörigen Schlussatz: „hilf auf freiem Boden 
bauen uns mit dir den Arbeitsstand**, 2. Strophe „segne, Gott, die dir vertrauen, segne, Gott, das 
Vaterland**. 

Gegenüber ähnlichen Kantaten und sogenannten Oratorien, die in den letzteren Jahren für 
unsere katholischen Vereine, Gesangschöre, mstitute u. s. w. gedichtet und komponiert worden sind, 
nimmt dieses Werk, dessen deutsche Übersetzung gelungen und der Musik angepasst ist, eine ausser- 
ordentlich hervorragende Stellung ein. Es ist nicht zu zweifeln^ dass einigermassen tüchtige Chöre 
im Laufe des nächsten Winters sich an die Aufführung dieses heblichen, in Text und MusiK poesie- 
reichen und nicht allzuschwierigen Werkes macheu werden. Die Red. der Mus. s. wird sich freuen, 
recht viele gelungene Aufführungen mit oder ohne lebende Bilder seinerzeit registrieren zu können. 

Joh. Schah komponierte zu Ehren des hl. Nährvaters Joseph einen 2 stimm. Bittgesang 
mit deutschem Texte bei J. Lentner in München. Preis 75 ^. Das Reinerträgnis fällt dem Kirchen- 
baufond der neuen St Josephskirche in München zu. S. und A. oder T. und Bar. können die lieb- 
lichen, andächtigen und ausdrucksvollen Melodien dieses Bittgesanges zu recht innigem Vortrag 
bringen, sowohl bei häuslicher Andacht als auch in der Kirche zu Ehren des hl. Nährvaters Jesu. 

_^___ F. X. H. 

Über Choralvortrag. 

1. Artikel. 

Obwohl über den Vortrag des rezitierten ..und syllabischen Choralgesanges unter 
allen Forschern und Praktikern, Einheit und Übereinstimmung zu herrschen scheint, 
und alle den Grundsatz anzuerkennen vorgeben, dass die Rezitation des Textes auf 
einem Tone oder der syllabische Gesang auf wechselnden Tönen sich nach den Gesetzen 
der lateinischen Sprache und den Regeln der Deklamation zu richten habe, so zeigen 
sich dennoch in der Praxis Unterschiede und Verschiedenheiten, ähnlich denen, welche 
aus den Temperamenten sich ergeben und durch geringeres oder tieferes Verständnis 
des Textinhaltes, durch mangelhafte oder fortgesetzte Schulung und Übung der Sprech- 
und Ton Werkzeuge, durch grössere oder geringere Deutlichkeit bei Wiedergabe der 
Sprachlaute und Wortverbindungen und ähnlicher, die Kunst des Vortrages bildender 
Momente zu erklären sind. 

Man lasse die nach der Interpunktion der liturgischen Bticher wiedergegebenen 
Worte: Pater noster, qui es in coelis: Sanctificetur nomen tuum: adveniat regnum 
tuum, fiat volnntas tua, sicut in coelo et in terra, von einem Phlegmatiker, Sanguiniker, 
Eoleriker oder Melancholiker, von einem der lateinischen Sprache unkundigen oder von 
einem mit der Sprache nach Wortlaut und Sinn wohl vertrauten, aber gedankenlosen, 
unvernünftigen Sänger auf einem Tone rezitieren, und es wird sich zeigen, dass in Be- 
treff der Betonung, des Zeitmasses (Tempo, Pausen, Rhythmus), und der Modulation 
(hier nur als Klangfarbe zu verstehen) die verschiedensten Eindrücke entstehen, von 
denen es für den ersten Augenblick scheint, als ob sie niemals zu künstlerischer oder 
musikalischer Einheit sich vereinigen Hessen. 

Kann vielleicht dadurch geholfen werden, dass man die Sänger anleitet und zwingt, 
die Deutlichkeit und Verständüctteit des Textes durch gleichmässiges, im Tone zurück- 
haltendes Tempo aller Wörter und Silben zu erreichen? Die Gesetze der Sprache 
imd Tonkunst erheben lauten Widerspruch; denn niemand kann Gefallen finden an 
einem Redner, der die Silben und Wörter seines Vortrages in gleichmässiger Hast oder 
mit konsequenter Trägheit rezitiert.^) 



*) Der offizielle Bericht des H. H. Dinzesanpräses und Domkapelhneißters C. Cohen in Köln drückt 
sich in der neuesten Nummer den „Greg:oriusboten" über die in Mus. s. Seite 158 erwähnte Choralprobe 
in Bonn folgendermassen aus: ,,Nachdem (U. Repetent Krabbel) in kurzen ZQgen theoretische Aus- 
einandersetzungen und Regeln geboten hatte, die im wesentlichen sich auf die Forschungen von Dom 



HS teil &- 

m 

Als das einzige und beste Mittel zur Erzielung deklamatorischer und musikalischer 
Einheit empfiehlt es sich, den liturgischen Text, der, wie jede Sprache, schon Musik 
in sich trägt, nach Seite der Deutlichkeit, des Accentes, der Wörter und Sätze, der vor- 
gezeichneten Interpunktion u. s. w. so lange mit den Sprechwerkzeugen zu äben, bis 
jede Undeutlichkeit, Ungenauigkeit, Fehlerhaftigkeit und Unverständlichkeit gehoben 
ist. Wer nicht gut spricht, hört auch nicht gut. Reinheit, Wohlklang und Charakter 
der Sprache muss aus dem Munde de9 Lehrers in das Qehör des Schülers übergeleitet 
werden. Es ist nicht unbedingt notwendig, dass die Schüler, was sie aussprechen auch 
verstehen und auffassen; man macht ja täglich die Erfahrung, dass Kinder aus Familien, 
in denen zwei oder drei Sprachen üblich sind, nicht nur iiQ Auffassungskraft für die 
richtige Aussprache der Wörter besitzen, sondern auch genau so nachsprechen, ihre 
Sprech Werkzeuge genau so ausbilden, wie sie durch tägliche Übung gewöhnt werden. 
Wer im Schwabenland aufwächst und erzogen wird, nimmt schwäbischen Dialekt an. 
Wer in Deutschland von deutschen Eltern geboren ist, in Italien aber erzogen wird 
und nur mehr die Sprache Dante^s hört, wird nicht deutsch, sondern italienisch sprechen. 
Zuerst also erziehe man den Choralsänger zu guter, deutlicher, richtiger, genauer 
Artikulation, Vokalisation, Behandlung der Konsonantenformen, Accentuierung und Unter- 
scheidung der Wörter, richtige Betonung der Sätze, — mit einem Worte, zur Kunst 
der Deklamation und des Vortrags. 

Zu diesem Zwecke eignen sich an erster Stelle die stehenden Messgesänge 
(Ordinarium Missae) und die Vesperpsalmen (Psalterium vespertimim). Wenn auch die 
lateinische Sprache unter die toten Sprachen gezählt wird, so ist sie doch in der 
Liturgie so lebendig, ausdrucks- und eindrucksvoll, wie jede lebende Sprache, und es 
wäre ein grosses Unrecht, diese lebensvolle, im Wohlklang der Vokale, Silben und 
Wörter so erhabene und durch ihre Auserwählung als liturgische Sprache gleichsam 
geheiligte Mundart der Kirche durch stossende, trippelnde, stampfende, in Tonstärke 
gleichmässige Aussprache gleichsam mit kleinen Hammerschlägen zu Tode zu martern, 
um sich in Kehlkopfübungen oder Solfeggien ergehen zu können. — 

Für die Lektionen, Evangelien und grösstenteils auch für die Psalmodie bedürfen 
wir kaum einer Notation oder äusserer Zeichen für Melodie und Rhythmus. Man lässt 
in diesen Fällen den Grundsatz gelten, dass die Worte und Sätze den einfachen Tönen 
rhythmische Bewegung, richtige Accentuation , natürlichen Vortrag mitzuteilen haben, 
dass der Buchstabe die Königin, die Musik deren Sklavin sei. Als man anfing, durch 
Neumenzeichen die einfachen und zusammengesetzten MeIodiet{)ne darzustellen, unter- 
schied man bereits die tieferen und höheren Töne, die einfachen und die aus drei oder 
mehr Noten bestehenden Gruppen durch eigene Zeichen. ') 

Pothier stützen, suchte er deren Anwendung mit einem kleinen, von Konviktoristen gebildeten Chor, 
durch den Vortrag mehrerer Introiten der Advent- und Weihnachtszeit klar zu machen. Der Eindruck, 
den die Zuhörer von den vorgefllhrteu Beispielen gewannen, war ungeföhr derselbe, den auf der General- 
versammlung des Cäcilien Vereins zu Brixen die Bede des P. Ambrosius Kienle über den Choralvortrag 
hervorrief. Die gleiohmässige Behandlung der Textsilben und das mit dem Ticken einer Uhr zu ver- 
gleichende Punktieren der einzelnen Noten liess den Choral so fremdartig erscheinen, dass damals der 
(iencralpräses Schmidt sich veranlasst fühlte, die Eirchenchöre vor der Annahme und Durchführung 
einer solchen Methode des Choralvortrages zu warnen. In Bonn stiess auch diese Art und Weise der 
Behandlung des Chorals auf lebhafte Opposition, welcher Herr Rektor Quadflieg aus Elberfeld Ausdruck 
verlieh. Um einer erregten und voraussichtlich unfruchtbaren Debatte vorzubeugen, ergriff der Unter- 
zeichnete das Wort, und betonte, dass manche der vorgetragenen Regeln für eine schöne Deklamation 
des Textes wertvoll seien und deshalb die Beachtung verdienten; denn sie trügen dazu bei, mit der 
veralteten Vortragsweise, welche noch heutzutage auf manchen Chören herrschte, aufzuräumen. Das 
übermässig lange Anhalten der Accentsilben , das Verschlucken von Nebensilben, das flüchtige Hinweg- 
gleiten über die mittleren Noten der Neumen und das regelmässige Dehnen der obersten, beziehungsweise 
der letzten Note von einer neuen Silbe, das ruck- und stossweise Singen und sonstige, der richtigen 
Deklamation zuwiderlaufende Gewohnheiten könnten korrigiert werden durch Annäherung an die von 
Herrn Krabbel gebotenen Belehrungen. Das Bichti^^e liege auch hier in der Mitte. Die Versammlung 
bekundet durch lauten Beifall ihr Einverständnis mit dieser kurzen Vermittelung." 

^) In welcher Weise das geschah, kann und soU hier nicht weiter ausgerahrt werden; die reiche 
Litteratur über die archäologische Schi^ibweise ist seit etwa 20 Jahren zu einer Spezialwissenschaft 
herangewachsen. Wer sich genauer informieren will, findet in den Referaten des kirchenmusikalischen 
.Tsüirbuches über die Studien von Dom Pothier, Mocquereau, Dechevrens, Houdard und vieler anderer, 
meist französischer Schriftsteller die reichsten Aufschlüsse. 



Für die Leser der Mtmca sacra und die Mitglieder des Cäcüienvereins haben nur 
die offiziellen Aasgaben des authentischen römischen Choralgesanges, niedergelegt in den 
Libri chorici Ecclesiae, praktischen Wert. Auch über die Entstehung und Geschichte 
dieser Choralbucher ist seit 30 Jahren ausserordentlich viel geschrieben worden.^) Da 
durch die letzten Kundgebungen Borns das Interesse für den römischen Ghoralgesang 
stets in der Zunahme begriffen ist, und die Zahl deijenigen, welche sich fttr die 
archäologischen Lesearten begeistert haben, immer geringer wird, so bleibt als Haupt- 
aufgabe für private und öffentliche Belehrung das ernstliche Eindringen in die richtige 
und sachgemässe Vortragsweise, in die sor^ltige und kunstgerechte Wiedergabe der 
offiziellen Melodien übrig. 

Versetzen wir uns sogleich in das 16. Jahrhundert. In den Ghoralbüchern, 
welche vor dem Konzil von Trient im Drucke erschienen sind, finden wir bei den ein- 
fachen Noten entweder die sogenannte longa 1^ oder die brems M, sowie die Ver- 
bindungen von zwei und drei Noten, für sich und in Gruppen verbunden.*) In vor- 
tridentinischen Missalen (Ven. 1533) sind beispielsweise die eingangs erwähnten Worte 
des „Pater noster" notiert wie in Tabelle unter a. Die Edition von Solesmes schreibt 
wie unter b; die erste offizielle Ausgabe des Missale Bomanum von 1570 unter Pius V. 
notiert wie unter c. Die Präfationsausgabe von Joh. Guidetti, Bom 1588, schreibt wie 
unter d; die zweite Ausgabe des römischen Missale von 1589 mit den Dekreten von 
Pius V. und Sixtus V. versehen, notiert wie unter e. Nehmen wir zu diesen die Missale- 
Ausgaben bis herauf zur typischen Edition von 1883 (s. unter f), so ergeben sich so 
viele Varianten in der Notierungsweise, dass man irre werden möchte, ob denn über- 
haupt ein leitendes Prinzip zu Grunde gelegen habe.^) 

Guidetti führte zum 1. Male die ♦ als einzelne Note fdr eine Silbe ein, schreibt 
aber im Vorwort zum Cantus passionis (1586)*): „Diejenigen, welchen diese Singweise 
vielleicht neu zu sein scheint, sollen beachten, dass durch die ♦ die kurze Silbe, welche 
bei der Aussprache schneller zu singen ist, angezeigt wird.^' 

Siehe: Offener. Brief in Betreff der Neuedition der Ed. Medicffia von F. X. H. 1870, Palestrina 
und das oifizieUe Qraduale Roman um von F. X. H. 1894; offene Briefe Über den Kongress von Arezzo 
von J. M. Lang, ins Deutsche übersetzt von Edmund Luypen und des nämlichen Autors Broschüre Dix 
ans aprh le Beeret Romanorum Pontificum; Dr. J. Ahle, die Choralausgabe der hl. Ritenkongregation 
(editio Medicsea) , ihre (beschichte und Stellung unter den liturgischen Büchern der römisch-katholischen 
Kirche, sowie eine Menge einzelner Artikel in Mus, «., angefangen von 1870 bis zu diesem Jahre. 

*) 9 heisst podatus^ Ji divis, tP. scandicus, $% dimacus, ü torculus^^^ porrectus; i0 heisst 
scandictis flexus, pi porrectus fleocus, fi\ torculus resupinus, ^ pes subbipunctis , IJW dimacus re8t4pinus, 
J^ scandicus subhipunctisj f ^ porrectus praebipunctis, Nl% porrectus subhipundis u. s. w. bis zu 6 und 
7 Ünterverbindungen. Die Archäologen der Schule von Solesmes sagen uns, dass diese verschiedenen Noten- 
formen keinerlei Einfluss auf die Dauer des Tones haben, sondern in ihrem Zeitmass alle gleich sind. 
Dechevrens und Houdard nehmen eine Mensur und Wertunterschiede von M M und # an, gehen aber 
in der Bestimmung dieser Unterschiede auseinander. Wenn man die Geschichte der Mcnsuralnotation bis 
zum 15. Jahrhundert ins Auge fasst, so muss der Umstand auffallen, dass ein Wert unterschied zwischen 
^ M ♦ schon bei Beginn der Mensuration sich vorfindet, so dass die Hypothesen von Dechevrens 

wenigstens historische Basis haben.^ Auch ist es merkwürdig, dass die Formen der Mensuralnotation in 
den verschiedenen Jahrhunderten, bis herauf in das 16., denen der Choralnotation sehr ähnlich sind, aber 
bei den klassischen Vokalkomponisten des 16. Jahrhunderts, wie bei Palestrina, Lassus, Victoria u. s. w. 
mit Rücksicht auf die Verständlichkeit des Textes und auf die Klarheit der musikalischen Perioden immer 
mehr sich vereinfachten, und dass auch die Choralmelodien als Motive für mehrstimmige Kompositionen 
verkürzt wurden. Man vergleiche die Tabelle von Nanino im kirchenmusikalischen Jahrbuch 1898 S. 30 
und den Artikel: „Wie bringt man ältere Vokalkompositionen in Partitur?'^ 

') Die Ausgaben a, c, d, e sind auch in bezug auf Interpunktion, Absatzzeichen u. s. w. unter- 
einander verschieden. 

^) In der Einleitung zumDirectorium chori von 1582 sagt er: „Obwohl ich mich bei Redaktion der Musik- 
noten, wie sie nämlich gestellt, verbunden, getrennt, vermehrt oder vermindert werden sollen, der alten 
Antiphonarien und Psalterien unserer vatikanischen Basilika und der neueren Ausgaben bedient habe, 
so wollte ich doch weder auf diese Handschriften, noch auf mein Urteil mich verlassen. Ich gab daher 
das Werk zur Einsicht und Korrektur jenem Manne, der sicher als Fürst der Musikkunst gelten kann, 
dem Johann Pierluigi von Palestrina, unserem Kapellmeister. Derselbe hat in seiner angebornen Liebens- 
würdigkeit nicht nur meiner Bitte entsprochen, sondern auch das Urteil abgegeben, dass dieses Buch 
vorzüglich gut und in seiner Art vollkommen sei." 



-ö IW ö- 



" 'S 1 1 i l i i zEiz ^ i 1 11 1 1 1 ^in ^1 -U 



Pa ter no ster qni es in cce lis sancti ü ce tur no men tu am, ad ve ni at etc. 



b)$ 



!)fe 




?f^: 



^F^ 




tp p-1-ij-qe MiJb:^^^ 




w=E3EJf 




e)$ 



jlL^'i:, l '^TF^Jilii^J!":^^ ■VlI.'L-l 1 1 ] 




Pa -ter no-ster, qui es in coB-lis: San-cti - fi - ce -tur no-men tn-nm: Ad-v6-ni-at etc. 



Das Resultat dieser kleineD Tabelle lässt sich in den Satz fassen: „Im letzten 
Viertel des 16. Jahrhunderts zeigt sich das Bestreben, den einfachen Noten je nach 
ihrer Gestalt auch das Verhältnis einer relativen Zeitdauer unter sich beizulegen, und 
zwar so, dass die li^ eine Accentsilbe bezeichnet, ohne etwa zu bestimmen, dass alle als 

langae geschriebenen Noten gl eich lang und gleichstark sein sollen, sondern dass sie stets 
mit Bezug auf die wechselnde Betonung der Wörter im Satze aufzufassen seien. Das war 
ein grosser Fortschritt, eine wahre Kriegserklärung gegen den Canto martellato, 
der £e 1^ gleichsam als grossen Hammer mit Stiel ansah, durch welche jede Silbe 

totgeschlagen werden müsse. Das Prinzip der Sprachdeklamation war dadurch sanktio- 
niert, der Wortaccent, den die liturgischen Bücher bis zum heutigen Tag bei 
allen drei- und mehrsilbigen Wörtern angeben, ist auch bei den zweisilbigen Wörtern 
in der Notenform sichtbar. 

Die editio Mediccea, von welcher Palestrina wenigstens den ersten Band, das 
Proprium de Tempore mit dem Ordinarium Missae, im Auftrage von Papst Gregor XIIT. 
druckfertig hergestellt hat, während der zweite Band von seinen Schülern Franc. Suriano 
und Fei. Anerio vollendet und revidiert worden ist, haben das Prinzip Guidetti's nur 
in der Weise modifiziert, dass sie die ♦ nicht für einzelne Silben anwendeten, sondern 
bei den nicht accentuierten und kurzen Silben regelmässig sich der H bedienten.') 

Die Kongregation der hl. Riten verlangte vor 30 Jahren eine dem Originaldruck des 
Grad. Bom, der ed. Mediccea vollständig gleiche Wiedergabe, sowohl für die Folio- 



^) Das bekannte Credo (Nr. 3) bildet die einzige Ausnahme und ist so notiert, dass man den Sprach- 
rhythmus in subjektiver V^eise darzustellen sich bemühte. So lautet Fol. 206 des 1. Bandes der Ed. Med. 
der Anfang des Credo folgendermassen : 




S^^ife 



Pa trem omnipo tent-em, facto rem coe li et terrae, vi si bi li um o mni um et 



m 




vi si bi li nm. Et in n num Do mi num Je sam Chri stum Fi li um De i etc. 

Wohl liegt dieser Notation eine rhjrthmische Sprachbewegung zu gründe, sie kann aber bei 
obiger Schreibweise sehr leicht in Manier und läppische Vortragsart umschlagen. Dass in den jetzigen 
Drucken die Interpunktionen genau beachtet, die Trennungsstriche für die Silben und der Zwischen- 
raum für die einzelnen Wörter nunmehr in den Text verlegt sind, ist doch eben&lls eine bedeutende 
Verbesserung ! 



j 



als für die neue Oktavausgabe, welche im Jahre 1871 erschienen ist; diese letztere ist 
ein durchaus genauer Abdruck der Ed, Med. von 1614 und 1615. Da aber in Betreff 
des Gebrauches der li^ für die Accentsilben eine konsequente Durchführung mangelte, 

und nur manchmal und sehr selten die longa bei Accentsilben vorgefunden wurde, so 
entschloss sich die päpstliche Kommission nach den Ereignissen auf dem Kongresse 
von Arezzo zu einer durchgreifenden, auf festbestimmten und genau umgrenzten Prin- 
zipien beruhenden einheitlichen Schreibweise, für welche sie nach langen Beratungen 
und im Einverständnis mit dem damaligen Präfekten der Ritenkongregation nachfolgende 
Regeln zu Grunde legte: 1) Die li^ soll immer die Accentsilbe anzeigen, wenn sie allein 

steht; sie wird auch regelmässig bei der Notenverbindung des divis und climacus 
gebraucht (wie auch in der Originalausg.) , ohne jedoch eine eigene Betonung oder 
Verlängerung der ersten Note auszudrücken. 2) Der podatus und scandicus wird 
durch ,1^ ^ oder J^'/l^ ausgedrückt. Die erstere Schreibweise ist angewendet, wenn 
eine accentuierte Silbe unterlegt ist, und wenn die folgende Note einer neuen Silbe auf 
gleicher Stufe steht oder tiefer ist als die letzte des podatus; die zweite Schreibweise ist 
gewählt, wenn die dem podatus folgende Note einer neuen Silbe höher steht, als die letzte 
des accentuierten podatus, oder wenn bei kurzen und accentlosen Silben ein podatus 
oder scandicus vorgezeichnet ist. 3) Der Gebrauch der ♦ ist in der Weise geregelt, 
dass dieselbe niemals für eine einzelne Silbe gewählt wird, sondern nur (wie in der 
Ed, Medic.) in abwärts sich bewegenden Notengruppen; sie sind in diesen Fällen auch 
leichter, rascher, — stets aber legato zu singen. 

Beispiele und Erläuterungen über den Vortrag der syllabischen Gesänge nach 
dem Grundsatze: „Singe die Worte mit den Noten dynamisch und rhythmisch so, wie 
du sie ohne Noten sprachrichtig und ausdrucksvoll deklamierst", sowie über die prak- 
tische Bedeutung obiger Hauptregeln sollen den Inhalt des 2. Artikels bilden. F. X. H. 



Vermischte Nachricbten und Mitteilungen. 

1. A Limburg. Der neuerwählte Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Dominikns Willi, 
bisher Abt des Cisterzienserklosters in Marienstatt, Diözese Limburg, gilt als eifriger Förderer der 
Ideen nnd Grundsätze des Cäcilienvereins. Möge durch den neuen Hochwtirdigsten Oberhirten 
für unsere Diözese die Morgenröte fiir die echte Kirchenmusik anbrechen! 

2. §o St. Gallen. Bei der neunten Generalversammlung des Diözesancäcilien Vereins, welche am 
30. Mai in Bütschwil stattgefunden hat, lehnte der bisherige Präses. Dekan H. H. Job. Chr. Bischoff 
in Wyl, eine Wiederwahl ab. Statt seiner wurde H. Jos. Schildknecht, Musikprofessor am Lehrer- 
seminar in Korschach zum Diözesanpräses gewählt. 

3. D St. Polten. Der Beschluss, welcher bei der letzten Generalversammlung des Diözesan- 
Cäcilienvereins gefasst worden ist, sich dem „allgemeinen Cäcilienvereine" anzuschliessen, 
hat die Zustimmung des Hochw. Diözesanbischofes Dr. Kössler gefunden. Deo gratiaa! 



Offene Korrespondenzen. 

FOr die CIcilienkirche. Übertrag aus S. 160: 158 Ji. J. B. Rektor in C. 10 Ji, M. G. in D. 3 J^, 
J. B. in H, 10 M>j Pfaircäcilienverein ad S. Patroclum in Soest 30 Ji , C. C. in K. 10 ^ , A. L in B. 
2 .1i 40 .^, F. S. in G. 12 .^ 60 ^ = 236 M. Vergelt's Gott! 

Photogr. oder curr, vitae sendeten: J. A. van S. in U., H. B. in St., C. C. in K., Br. L. F. in Bl., 
M. H. in I. , 0. S. in B. , J. P. in S. (Natürlich sehr willkommen 1900 !) Dringend um Einsendung der 
Photographie gebeten sind die Herren, welche vom November 1874 bis Juli 1882 (Transferierung der 
Schule als selbständiges Institut) hier gewesen sind, da bereits im kirchenmusikal. Jahrbuch für 1899 
die Chronik bis zum genannten Jahre publiziert werden soll. 

Die vielen Berichte Über kichcnmusikal. Aufführungen müssen auf die Nummern vom 
15. August und 1. September verteilt werden; die Redaktion bittet die verehrl. Einsender um Geduld. 

Druck nnd Verlag von Friedrich PuBtet in Begensbnrg, Gesandtenstrasse. 

Nebst Beilage Nr. 13. 



1398. Regensburg, am 15. August 1898. |^» lg 



MUSICA SACRA. 

Gegründet von Dr. Franz Xaver Witt (f 1888). 

HalbmoMtscIirift für Hebnni nnd Fordernn^ der UM. KircheDmnsil 

Herausgegeben von Dr. Frans Xaver Haberl, Direktor der Xirchenmusikflchule in Regensburg. 

Nene Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbeilagen. 



Di« „J/Mfaa taera" wird am 1. nnd 15. jeden Monats aasf^egeben. Jede der 24 Nammern omfaiat 12 Seiten Text. Die 12 Moaik- 
beil«!^ (48 Seiten) worden in den Nnmmem 5, 7 nnd 8 versendet. Der Abonnementpreis des Jahrgangs beträgt 8 Mark; die 
Beetellong kann bei ieder Postanstalt oder Bncfahandlnng erfolgen. — Bei der Keiohspost mit 20 Pf. Anfschlag. Bei franko Zusendnni; 

nnter Streifband in Deutschland und Ösferreich-Ungam 4 Mk. — ins Ausland 4 Mk. 80 Pf. 

iBliBltsiberilelit; Neu nnd früher erschienene Kirchenkompositionen: K. Allmendinger, C. Cohen, L. Ebner (3), 
V. Ooller, P. B. Graf (3), E. Oniberski, A. Löhle, L. Perosi (3), A. Szupper, G. Zoller. — Kirchenmnsikalisohe Auf- 
fnhrungen und Berichte aus: Bochum (Witten), St. Francis, Lambaoh, Trient, Turin, WOnburg (Kitzingen). — Offene 
Korrespondensen. 

Neu und früher erschienene Kirchenkompositionen. 

Eine Messe de Ss. Jhinitate für 2 Tenöre and 1 Bass komponierte Karl Allmen- 
dinger.') Die einfache und würdige Komposition ist als Musikbeilage des Vereins- 
organs (Flieg. Bl. f. kath. E.-M. 1898 Nr. 6 u. 6) erschienen, nnd dadurch von selbst 
empfohlen. Die schwierige Aufgabe, für 3 stimmigen Männerchor ohne Begleitung den 
Regeln der Kunst und den Vorschriften der Liturgie zu entsprechen, ist sehr gut gelöst, 
sowohl in Bezug auf Melodiebildung als auch Textbehandlung, Imitation, Ausdruck 
und Natürlichkeit. Beim zweiten Affnus Dei ist noch ein erster Bass beigefügt; das 
hohe g muss dem ersten Tenor ohne Gewaltthätigkeit gelingen, ebenso dem 2. Bass 
das tiefe g. 

Fünf Fronleichnamshymnen in doppelter Ausgabe: A für gem. 4 stimm. Chor und 
B für 4 stimm. Männerchor mit Begleitung eines 4- oder 8 stimm. Posaunenchores 
komponierte C. Cohen als Opus IIa und b. Kurze Vor- und Nachspiele der Blech- 
instrumente leiten die latein. Hymnentexte ein, können aber auch von der Orgel be- 
sorgt werden. Melodien und Harmonisierung sind kräftig und wirkungsvoll. In der 
Partitur ist nur die 1. Strophe unterlegt; die Texte der übrigen sind am Schlüsse jeder 
Nummer abgedruckt.*) 

Opus 42 von L Ebner ist eine Messe zu Ehren der hl. Schutzengel für vereinigte 
Ober- und Unterstimmen mit Begleitung der Orgel,') deren melodischer Fluss, ge- 
wandte Harmoniebildung, ausdrucksvolle Textesdeklamation und schwungvolle Rhythmik 
nicht nur jenen Gesangskräften angepasst ist, welche mit Mezzosopran- und Bariton- 
stimmen übermässig gesegnet sind, sondern auch besseren Chören bei einfacheren Gelegen- 
heiten, und zur Abwechslung bei Überladung mit kirchlichen Verrichtungen sehr empfohlen 
werden kann und willkommen sein wird. 

Op. 43 des gleichen Meisters enthält zehn Gesänge zum Gebrauch in der 

hl. Charwoche für 4- und 6 stimm. Chor.*) Die acht, bezgw. zehn Gesänge zeugen von 

') Op. 13. Regensburg, Fr. Pustet. T. genau, m. J. Part. 80 ^, St. i 15 ^. 

*) Düsseldorf, L. Schwann. T. genau, m. J. 1. Fange lingua, 2. Sacris solemniia. 3) Verbum 
supemum. 4. Salutis hutnanae Sator, 5. Aeteme Itex. Preis nicht angegeben. 

*) Missa in hon. Ss. Angelorum Custodum. Regensburg, J. G. Bössenecker (A. Stender). Partitur 
1 .^ 60 ^, St. k 80 ^. T. genau, mit J. 

*) Regensburg, J. G. Bössenecker (A. Stender). T. genau, m. J. Inhalt: 0£f. Improperium des 
Palmsonntag, Grad. Christus /actus est, eines zu 4, eines zu 5 St. und Off. Dextera Domim für Grün- 
donnerstag, die Responsorien In monte Oliveti, Trisiis est, Ecce vidimus und Caligaverunt, sowie eine 
4- und eine 5 stimm. Komposition des Hymnus Veociüa regis prodeunt 



• 
tiefem Verständnisse des liturgischen Textes und drücken die ernste Charwochen- 
stimmong in treffenden Tönen und Weisen aus. Jede der 4 Stimmen weiss vom Mit- 
gefühle des gläubigen Herzens mit den erschütternden Leiden des Gottmenschen etwas 
zu sagen ; sie klingen zusammen in Andacht, Ehrerbietung und innigem Gebete. Sänger 
und Dirigent haben Gelegenheit zu zeigen, dass sie mit dem Komponisten fühlen, und 
sollen bei der Deklamation nach dynamischer und rhythmischer Seite ihre Schuldigkeit 
erfüllen, nicht nach Angabe des Taktpendels, sondern sprachmusikaliscl^ geschult 

Da andere Orgelkompositionen augenblicklich nicht zum Referate vorliegen, 

so schaltet die Red. das Opus 32 von L. Ebner ausnahmsweise an dieser Stelle, nicht ^ 
unter organaria, ein. Drei grössere Präludien für Orgel sind als Einzelabdruck aus 
Diebold, op. 68, „100 grössere und kleinere Originalkompositionen" (s. Mus. s. 1897, 
S. 141) erschienen und eignen sich vorzüglich als Festvorspiele und zur Übung für vor- 
geschrittene Orgelschüler. Die effektvollen Stücke sind auf drei Liniensystemen, in Manual 
mit genauem Fingersatz, in Pedal mit den üblichen Angaben r. 1. und Klammem ver- 
sehen^). Gegenüber den mehr Virtuosenzwecken dienenden Orgelstücken moderner, 
neuerer Meister sei der hohe Ernst, die durchaus regelmässige Behandlung der Motive, 
der vollgriffigen Akkorde und der rhythmischen Figurationen lobend und als muster- 
giltig hervorzuheben. Wechsel der Tonfarben und eventuell der Manuale ist nur durch 
p, mf, f und ff angedeutet; das reicht auch vollkommen hin. 

Eine lauretan. Litanei für 2 Oberstimmen mit Orgelbegl. von ¥ine. GoUer wendet 
sich besonders an Instituts- und Elosterchöre und brin^ den vollständigen liturgischen 
Text in einfach lieblichen Melodien, mannigfaltiger Abwechslung von Soli, Chor der 
beiden Stimmen (einzeln und im Zusammenklang) zu andächtigem Ausdruck unter dis- 
kreter und leichter, stützender und füllender Begleitung der Orgel ^). 

Drei sehr leichte und kurze Messen mit Orgelbegl.^) von Bonlfaz Graf, 0. S. B., 
wollen den schwachen Landchören entgegen kommen. Sie sind würdig, stellen an Sänger 
und Organisten geringe Anforderungen, behandeln den liturgischen T^xt deklamatorisch 
gut und sind frei von Gemeinplätzen in Melodie, Harmonie und Rhythmus. 

Die Messe zu Ehren der hl. Klara von C. Gretth für zwei gleiche Stimmen mit 
Orgelbegl. liegt in neuer Titelauflage vor*). Unter 143 des Cäc.-Ver. Kat. hat diese 
Messe in Referaten von Fr. Witt, B. Mettenleiter und Fr. Schmidt sehr warme 
Empfehlung gefunden. Witt nennt sie einen „Wegweiser für Pensionate, Klöster etc. 
in das Gebiet strengerer kirchlicher Tonkunst, — nur wenige Wendungen sind ihm 
zu weich." 

Ein mit viel Talent, Fleiss und Sorgfalt geschriebenes, von gründlicher Schulung 
in Melodiebildung, Textesdeklamation und Verwendung musikalischer Motive zeugendes 
Werk ist die Messe zu Ehren des heiligen Sigismund für 4 stimmigen Männerchor 
mit Orgelbegleitung von Eng. Graberski ^). Die kirchen musikalische Reform in 
Russisch -Polen nimmt seit einigen Jahren unter kundiger Führung musikalisch aus- 
gebildeter Priester und Laien, im Anschlnss an die Grundsätze des Cäcilienvereins, einen 



Begensburg, Feuchtinger und Gleichauf, Preis 1 Ji 20 ^, 

') Regensburg, A. Coppenrath (H. Pawelek). Part. 1 .Ä, St. 4 20 ^. Wiederholung vom Kyrie, 
Ckriate u. s. w. konnte wegbleiben. Die Trennungsstriche fehlen bei Exaudi und müssen entfernt werden 
bei Audi noa. Ähnlich sind S. 4 Trennungsstriche bei inviolota und intemerata^ S. 5 bei Yeneranda 
und S. 11 im Parce anzubringen. Diese Bemerkungen wolle man nicht als kleinliche Nörgeleien auf- 
fassen, denn Trennung von Silben, die verbunden, und Verbindung von Wörtern, die getrennt sein sollen, 
erzeugen erfahrungsgemäss falsche Betonung, unrichtige Atemverteilung und Dynamik. 

•) Op. 10 für S. und A., S., A., B. oder 4 ffem. St., op. 11 fUr gem. Chor (T. nicht obligat), 
Op. 12, 4 St. gem. Chor. Verlagsanstalt Benziger und Cie. in Einsiedeln, Waldshut und Köln. T. genau, 
m. J. Partitur und Stimmen je 1 M 20 .^. Es darf nicht verschwiegen werden, dass Partitur und 
Stimmen nur authographiert sind, und zwar in einer Weise, dass unsere, durch deutliche und schöne 
Stiche und Drucke verwöhnten Sänger und Chorregenten unangenehm berührt werden müssen. 

^) Missa in hon. S. Clarae ad 2 voces aequales. Op. XX.* Part. \ M bO ^^ die beiden Sing- 
stimmen auf einem Blatt 40 Jd{. Begensburg, J. G. Bössenecker (A. Stender). T. genau, m. J. 

^) Missa in hon. S. Sigismundi, patroni ecclesiae cathedralis Plocensis ad 4 voces viriles comit. 
organ. Begensburg, Fr. Pustet. Part. 1 j^ 60 ^, St. k 15 ^. T. genau; m. J. und Approbation des 
bischöfl. Ordinariates von Plo^k. « 



-e 1*5 F>- 

so gewaltigen Au&chwang, .dass Kunst and Religion nur gewinnen können. Wenn in 
den Priesterseminarien neben der gewissenhaften Pflege des römisch - liturgischen Ge- 
sanges auch die mehrstimmige Mnsik mit Geschmack und Verständnis geübt werden 
will, so liegt viel daran, ob die gewählten Kompositionen musikalisch gediegen sind 
nsd die Kräfte der Ausführenden nicht übersteigen. Die Messe Gruberski's ist wohl 
nicht im strengen Stile geschrieben, bewegt sich aber in Formen, welche als musikalisch 
und kirchlich durchaus berechtigt anzuerkennen sind; die Orgelbegleitung ist nicht 
schwer und erhöht die Tonfarbenwirkung. 

Eine Messe zu Ehren der heil. Anna schrieb A« LöUe für 4 stimm, gem. Chor^). 
Die einfache Komposition ist rhythmisch und thematisch interessant, in der Stimmen- 
fährung gewandt, in der Wirkung gut. Der Dirigent hat dafür zu sorgen, dass die 
Textesdeklamation beim öfteren Wechsel der Taktarten und bei den Hauptabschlüssen 
des liturgischen Textes nicht in steifer metronomischer, sondern in freier, den Sprach- 
gesetzen entsprechender Weise gehandhabt werde. 

Man kann die Beobachtung machen, dass die genialsten Künstler in Malerei, 
Skulptur und Tonkunst sich gedrungen fublten, recht viel zu schaffen, und recht 
schnell zu arbeiten. Dieser Schaffensdrang ist der Künstlerseele angeboren. Überall 
und von allen Seiten strömen ihr Formen, Farben, Töne, Harmonien, Motive zu. Der 
BUdhauer und Maler braucht nur die Zeit, sie in Holz und Stein, durch Pinsel und 
Farben dem Auge yorzuzaubern, während der Komponist bei der Improyisation auf 
irgend einem Instrumente in unmittelbarsten Kontakt mit dem Zuhörer tritt Wenn 
er jedoch die Tonweisen niederschreibt, so läutern sich die Phantasiegebilde, der Ver- 
stand scheidet aus und wählt, die Vernunft bringt Nüchternheit, Gefühl und Herz dürfen 
und sollen mitsprechen, aber geleitet von der Erfahrung, in der Kirchenmusik von den 
liturgischen Vorschriften, beim Gottesdienst geschützt durch die Erinnerung und Be- 
trachtung der hl. Mysterien. Brinkmann äussert sich über Talent und Genie: 

„Trauet dem echten Genie! Es veredelt und stärkt die Empfindung; 
Aber ein leichtes Talent schmückt nur und schwächt den Verstand, 

und Jean Paul bemerkt: „Genialische Menschen haben so viel Festtage, als andere 
Werkeltage." 

Diese Einleitung zu Referaten über drei neue Kirchenkompositionen von Lor. Perofii, 
dem jungen Eiipellmeister zu San Marco in Venedig, hält Referent für notwendig, denn 
seit etwa einem Jahre hat sich die Thätigkeit des nicht nur talentierten, sondern wirk- 
lich genialen jimgen Priesters in einer Weise gesteigert, die teils Bewunderung und 
Freude, teils Bedenken, ja Bangen erregt. Seine Oratorien, besonders das neueste: 
„Auferweckung des Lazarus", haben in Italien und auch in deutschen, französischen 
und englischen Musikzeitungen und in Kunstberichten politischer Blätter so viel Aufsehen 
erregt, so viel Enthusiasmus hervorgerufen, dass ein „neues Gestirn am südlichen 
Himmel angegangen zu sein" scheint Ist's ein Stern, der zur hL Krippe führt? Die 
Mu8. 8, hat sich schon öfters mit den Kirchenkompositionen Perosi's beschäftigt, auf 
dessen Melodienfüllhorn und auf die neuartigen Harmonien, wie sie geistreiche Organisten 
improvisieren, hingewiesen. Die drei vorliegenden Arbeiten*) sind ohne Opuszahl, sie 
scheinen aber — wenigstens Requiem und Messe — im Laufe des letzten Jahres ent- 
standen zu sein. Die gewählten Töne in der Weihnachtsvesper stimmen mit dem röm. 
Vesperale überein (statt 11. muss bei Laudate pueri YIJL Ton stehen !), die Zwischenverse 
für Choral sind nur im Text ohne Noten abgedruckt; das Magnijficat im Vin. Ton 
Als Stil wählte Perosi die „Psdlmodda modulata*' (s. IH. Bd. von Proske's Mus. div.), nach 
welcher jeder Vers nicht als Falsobordone behandelt, sondern mit zarten und gelungenen, 
kurzen und charakteristischen, musikalisch rhythmischen Meditationen über den mehr 
oder weniger dramatischen Psalmentext versehen ist, um das Interesse der Sänger und 



Op. 6. Ravensburg, Dom. T. genau. Part. 1 ^ 50 ^, St. ^ 20 ^. 

^ Ein 6 stimm. Ecce scuxrdos und £e Ps. der 1. Vesper von Weihnachten für gern. 4 stimm. Chor. 
Part 2 Ft., eine Messe fttr 3 Männerst. mit Orgelbegl. Part. 2 Fr. öO cent. und ein Requiem mit voll- 
ständigem Dies irae und Ltbera, Part. 3 Fr. ; sämtliche verlegt bei Ricordi & Co. in Mailand. T. genau ; 
nur im Ecce aacerdoa hätten die paar Zeilen für Qloria Patri im 8. Psalmton nicht gespart werden soUen. 






-^ 17A Vi- 

flörer stets wc^ch zu erhalten. Die Vesper ist sehr leicht, gut sangbar, wohlklingend 
und bietet dem Dirigenten Gelegenheit, nach deklamatorischer Seite herrliche Wirkungen 
zu erzielen. Das 6 stimm. Ecce sacerdos klingt frisch und festlich, stellt aber an die 
beiden Tenöre „hohe" Anforderungen. Während Perosi in dieser Festvesper ziemlich 
objektiv erscheint, tritt er in der Messe mit seiner persönlichen Eigenart hervor. Jean 
Paul würde sagen: „Alle Kräfte stehen auf einmal in der Blüte und die Phantasie ist 
nicht die Blume, sondern die Blumengöttin, welche die zusammenstäubenden Blumen- 
kelche für neue Mischungen ordnet, gleichsam die Kraft voll Kräfte." Der Komponist 
schwimmt in süssen, einschmeichelnden Melodien und zieht Sänger — die 3 Männer- 
stimmen liegen meist sehr hoch, sind aber durch eine musikalisch reizende, dem Streich- 
orchaster ähnliche Orgelbegl. getragen ~ und Hörer in dieses Bad hinein. Oratorien- 
stil herrscht vor und fesselt den Musiklaien durch reichste Abwechslung, harmonische 
Fülle und mannigfaltigen Ehythmus. Wer von dieser Speise viel geniesst — und sie 
schmeckt sehr pikant — wird nie mehr Palestrina oder die ernsteren Vokal- 
werke singen und hören wollen. — Höher steht nach Seite der Erfindung das 
Requiem für 3 Männerst., — eine bezaubernde Leistung beim ersten Genuss! Eine 
bezeichnende Wendung (ähnliche finden sich in Messe und Requiem) ist im Hosanna 
(Tonart G-dur): 

Ho-sÄn- na in ex - o61 - . - . gis. 

VPP I I 

crf_ 




E, A, 

Was die Zukunft bringt aus Perosi's unbestritten genialer Kunstseele, wagt Referent 
nicht zu prophezeien. Wenn demselben die Läuterung des Geschmackes seiner Lands- 
leute einstweilen als Ideal vorschwebt, so ist sein Streben ein lobenswertes und sicher 
erfolgreiches; aber die Gefahr liegt nahe, dass er den schlechten Geschmack nur betäubt 
und bei ähnlichen weiteren Hervorbringungen selbst schwach und hypnotisch wird, oder 
den bezaubernden Farbenschmelz der Zeichnung und Durchführung vorzuziehen sich 
gewöhnt. — Wenn jetzt schon Stimmen in seinem Vaterlande laut werden, welche von 
Perosi als einem neuen „Palestrina^^ reden und den römischen Altmeister als „unzeitgemäss^^ 
nur mit patriotischer Hochachtung, jedoch als „überwundenen Standpunkt" beurteilen,^) 
so ist Referent überzeugt, dass Perosi theoretisch Palestrina bewundert und hoch- 
schätzt — er hat's an der hiesigen K.-M.-Sch. oft und begeistert bewiesen — , aber der 
betretene Weg führt nicht zu Palestrina, sondern, wenn auch nicht in Abgründe, 
nur in den Zauberwald der Phantasie. Möge ihn die Vorsehung vor dem Schicksal 
des Amfortas bewahren! Wer die Messe lind das Requiem von Perosi gut vorträgt, 
erfasst und dirigiert, wird eines überraschenden Erfolges sicher sein, aber auch die 
warnenden Zeilen eines herzlichen Freundes des Komponisten nicht unberechtigt oder 
gar ungerecht finden. 

Fünf liturgische Gesänge von A. Sznpper bekunden eine gewisse Fertigkeit in 
musikalischen Formen, welche vor etwa 40 Jaliren noch günstig beurteilt wurden, auch 
nicht direkt unkirchlich sind, aber den Text in den Hintergrund drängen und sich mehr 
für die Orgel eignen als für den getragenen Gesang. Eine rühmliche Ausnahme macht 
das Tantum ergo und das Asperges^). Es sind Anläufe zu Imitationen gemacht, 
aber der Text leidet dabei Schaden. Die offene Quinte zwischen es und h bei exältavit 
in Nr. 4 könnte man noch verzeihen, denn solche Dinge passieren jedem Organisten, 
der mehr an das harmonische Spiel gewöhnt ist; am meisten befremdet der Satz 
Qu,aniam in saeculum in „Vidi aquam** und das letzte „e^ quievit" im ,f Terra tremniV^, 
Wolle der talentierte Komponist sich durch diese Bemerkungen in seinem Eifer nicht 
abschrecken lassen, sondern gute ältere und neuere Werke studieren. 

^ Die „Mttnchener Flieg. Bl.'' geisselten in Nr. 5 1897 älmliche Anschauungen moderner Maler 
folgendermassen: „Ein modemer Maler ruft vor einem Gemälde Raphaels aus: ,;Wenn der jetzt lebte, 
was könnte der Kerl von uns lernen !** 

") Op. 60. 1. Asperges, 2. Vidi aquam, 3. Terra tremnit 4. Dextera Domini. Der Komponist 
leitet den Chor der Prämonstratenser in Czoma (Ungarn). Preis der Part 2 SLronen. 



Eine Messe za Ehren des heiligsten Herzens Jesu von 6. Zoller für zwei gleiche 
Stimmen mit Begleitung der Orgel, verdient hohes Lob und fleissige Aufführung. ') Die 
Führung der 2 Singstimmen ist klar und lieblich, die Behandlung des Textes vortreff- 
lich; die begleitende Orgel hat eine gewisse Selbständigkeit auch in den Oberstimmen, 
obwohl sie im allgemeinen die beiden Singstimmen unterstützt und fährt. F. X. H. 



Kirchenmusikalisohe AuflPahrungen und Berichte. 

+ Bochum. Der Bezirks -Cädlien- Verein für das Dekanat Bochnm hielt am 10. Juli seine 
XV. General-Versammlung in Witten ab. Das Programm lautete: Feierliches Leviten-Hoch- 
amt mit Festpredigt in der Pfarrkirche. Der Kirchenchor Witten übernahm den Gesang, 
a) Aaperges, Introitns, Gradnale, 0£fertoriam, aus dem Qrad. Eom, b) Kyrie, Gloria, Sanctus, Bene- 
dictus, Agnus Dei aus Witt: M. in hon. S. Ludae, opns 11, für 4 st. gem. Chor und Orgel, c) Oredo 
ans Konen: Messe für 3 st. Männerchor (Tenor, Bariton, Bass). d) Zum Sclüusse: Fuge. Nach- 
mittags 3 Uhr: Andacht und Aufführung kirchlicher Gesänge. Gebet und deutsches Kirchen- 
lied: ^Dem^erzen Jesu singe" (Knabenchor Witten). Introitus für den 4. Fastensonntag. Kyrie 
fär die Sonntage des Advents und der Fastenzeit (Kirchenchor der St. Josephspfarre Bochum). 

r' u8 Dei aus Witt, M. in hon. S. Raphaelis 5 st. (Chor der Propsteikirche Bochum). Credo aus 
in hon. S. Clementis von Plel für 4st. Männerchor (Kirchenchor Hofstede-Riemke). Introitus 
und Grad. Choral aus Dilexisti juatitiam (Kirchenchor Herne). Sanctua aus Missa von riel opus 48 
für gem. Chor (£[irchenchor Langendreer). Lauda Sion von C. Jaspers (Kirchenchor Grumme). 
Gebet und deutsches Kirchenlied: „0 Mensch erkenn die Triebe etc.^ (Knabenchor Witten^. In- 
troitus, Choral Viri GalHaei (Kirchenchor Grumme). Kyrie aus Missa von Fiel opus 48. (Kirchen- 
chor Langendreer). Offertonum und Communio aus Missa in hon. Ss. Petri et Pauli (Kirchenchor 
der St Josephspfarre Bochum). Ascendit Dem von Haller (Offertorium von Christi Himmelfahrt) 
(Kirchenchor der Propsteikirche Bochum). Offert Füiae.regum und Communio Ouinque prudentes 
vir^nes ans Grad Bom. (Kirchenchor Herne). Benedicta für gem. Chor (Kirchencnor Annen.) In- 
troitus Multae tribulationea. (Kirchenchor Hofstede-Riemke). Magnificat Vill. Ton. Choral mit Falsi- 
bordon. für 58t gem. Chor von Viadana. (Kirchenchor Witten). Tantum ergo und Genitori für 7 st. 

fem. Chor von P. Magnus Ortwein 0. S. B. (Kirchenchor Witten). Nachmittags 5 Uhr: General- 
versammlung im grossen Saale des katholischen Gesellenhauses. Tagesordnung: a) Be- 
richterstattung, b) Vortrag und instruktive Probe, c) Verschiedenes. Der Kirchenchor Witten sang 
zur Eröffiiung den 4 st Chor Lobsingt dem Herrn von August Wiltberger und zum Schluss den 
4 st Männercnor: Ave Maria von Fr. Abt 

Der Pfarrcäcilienverein in Witten ist einer der ältesten Kirchenchöre der Diöcese Paderborn. 
Bereits im Jahre 1893 konnte er sein 50jährige8 Bestehen feiern. Unter mehrmals wechselndem 
Namen und trotz vieler Hindernisse hat der Verein sich ehrenvoll seinen kirchlichen Charakter 
erhalten. Er kann sich rühmen, den liturgischen Gesang mehr oder minder vollständig schon 
gepflegt zu haben, als man ihm anderwärts — auch in den grösseren Städten des Bistums — noch 
Antipathieen entgegenbrachte. In der letzten Periode hat sidi das Hauptverdienst um den Kirchen- 
chor Herr Rektor Heggen (jetzt in Dortmund) erworben, welcher mit hoher Begabung und uner- 
müdlichem Fleisse als Dirigent von 1883—1894, eifrig unterstützt durch Herrn Lehrer Schmeck, 
gewirkt hat. Später stand der Verein unter der kundigen Leitung des Herrn Lehrers Westhaus ; 
seit 1894 dirigirt mit erfreulichem Erfolge Herr Lehrer Becher. Sowohl die beiden ersten Pfarrer 
Wittens: Herren Pfarrer Werner und Dechant Poggel, als auch der jetzige Herr Pfarrer Kühling 
haben dem Verein ratend imd helfend zur Seite gestanden. Im letzten Jahrzehnt leiteten ihn mit 
Interesse und Erfolg in die von der Kirche gewünschten Bahnen Herr Kaplan Hovestadt (jetzt 
Pfarrer in* Annen), Herr Vikar Funke (jetzt Repetent in Paderborn) ^ und seit 1896 Herr vikar 
Schulte. Dem Bezirks Cäcilienverein für das Dekanat Bochum, der, wie heute seine XV., so 1883 
seine I. Generalversammlung in Witten abhielt, gehört der Wittener Kirchenchor seit dessen Grün- 
dung an; als Zweigverein des Diözesan-Cäcilienvereins wurde er am 22. April 1896 aufgenommen. 

Der Personalbestand beläuft sich auf ca. 120 Mitglieder, worunter ca. 55 Ehrenmitglieder 
(Jahresbeitrag M 3,00), ca, 40 mit guter Stimme begabte Knaben im Alter von 10—14 Jahren, 
ca. 25 aktive Mitglieder (Männerstimmen). 

Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Pfarrer Kühliiyi:, Ehrenpräses. Vikar Schulte, 
Präses. Lehrer Becker, Dirigent. Lehrer Conze, Schriftführer. Kemper sen., (früher langjähriger 
Präses);; Kassier. Blöming, Bibliothekar. 

Das Fest ist gut verlaufen. Nachmittags hielt unser Diözesanpräses Müller aus Paderborn 
den Vortrag und machte u. a. auf den Kursus in Paderborn im September d. J. aufmerksam. Das 
nächstj^rige Cäcilienfest findet in (brumme bei Bochum statt. 

Q Das silberne Jubiläum des amerikanischen Cäcilienvereins zu St. Francis, Wis. 
Am 20., 21. und 22. Juni d. J. beging der amerikanische Cäcilienverein das Fest seines 25jährigen 
Bestehens. An dem Orte, wo der Verein ins Leben gerufen wurde, um die Missbräuche in katho- 

*) Op. 26. Missa in hon. Ss. cordis Jesu. Regensburg, J. G. Bössenecker (A. Stander). Partitut 
1 Jk 20 ^, St. > 30 ^. T. genau, m. J. 



liflcher Kirchenmaslk abzuschaffen und den Gesetzen der kirehlichen Liturgie Achtong und Gehorsam 
durch Hinweis anf dieselben zn verschaffen, wurde auch das silberne JnbilSUim in gebührender Weise 
gefeiert. Die Beteiligung seitens der hochw. Geistlichkeit war eine bisher nie dagewesene. Nach 
meiner Schätzung waren etwa drei bis vierhundert Priester anwesend. Aus den Prärien Nebraska's. 
aus dem weiten Dakota, aus dem fernen Süden^ aus St Louis, ja sogar aus New Orleans, waren 
Freunde kirchlicher Kunst herbeigeeilt: durch ihre Gegenwart wollten sie dem Jubelvereine ihre 
Verehrung und Anerkennung zollen una zu gleicher Zeit sich erbauen an dem mustergiltigen Vor- 
trag kirchlicher Tonstücke. 

Montag Abend wurde das erste Konzert in der Kapuziner -Kirche in der Stadt Milwaukee 
gegeben. Man nahm den tüchtigen Gesangchor dieser Kirche zur Teilnahme an dem Jubelfeste, 
weil derselbe seit dem Bestehen des Vereins kirchliche Musik in der edelsten Weise gepflegt hat. 
Diesem Gesangchor und seinem tüchtigen Dirigenten, Herrn Prof. J. M^er, erwies man die Ehre, 
das Jubelkonzert mit dem grossartigen achtstimmigen Motett von Witt : Qloria et hanore zu erö&en. 

Folgendes Programm wurde in Anbetracht der beschränkten Anzahl der Chormitglieder in 
wahrhaft glänzender und für die Kirchenmusik befriedigender Weise durchgeführt. 

1. Oloria et Aonore, für 8 gemischte Stimmen v. Dr. Fr. Witt. 2. Salve Begina, Gregoranischer 
Choral. 3. Domine, non fium digwis, für 4 Männerstimmen v. T. Vittoria. 4. Diffusa est gratia, für 
5 Männerst. v. G. P. Palestrina. 5. Gloria aus Missa Brevis , für 4 gem. Stimmen von G. P. Pale- 
strina. 6. Improperiwn eocspectavit für 4 Männerst. v. Fr. Nekes. 7. Lamentntio in Fer. V. in Coena 
Domini, für 4 Männerst. v. G. P. Palestrina. 8. Begina codi, für 4 gemischte Stimmen und Orgel 
V. J. G. E. Stehle. 9. Veritas mea, für 4 gem. Stimmen v. Ch. Becker. 10. Marienlied, für 4 Männerst. 
V. C. Greith. 11. Coenantibus iUis, für 5 Männerst. v. M. Haller. 12. Veni Creator ^ Gregor. Choral. 
Zum hl. Segen: 13. O Deua, ego amo te, für 4 Männerst mit Orgel v. Fr. Witt. 14. Tantf$m ergo, 
Gregor. Choral. 15. Marienlied, für 4 Männerst. v. H. Tappert. Bei diesem Konzerte sang: No. 1, 5. 8, 9 : 
Der Chor der St. Franziskus-Kirche, Dirigent J. Meyer. No. 3, 6, 10 : Der Chor des Pnesterseminares 
zu St Francis, Wis. j Dirigent Rev. Ch. Becker. No. 4, 7, 11: Der Chor des Lehrerseminares zu 
St. Francis, Wis., Dirigent J. Singenberger. No. 2, 12, 13, 14, 15: Die beiden Seminarchöre, unter 
Direktion von J. Singenberger. 

Was nun die Tüchtigkeit der einzelnen Chöre anbetrifft, muss ich sagen, alle drei verdienen 
grosses Lob; denn aus den Leistungen war die gute Schulung und fleissige Arbeit der Chormitglieder 
zu erkennen. Ganz besonders abgefeilt waren die Nummern, welche der Chor des Lehrerseminars 
vortrug; man erkannte aus dem Vortrag die feine AnfCassung, wie auch die strenge Schulung des 
Herrn Prof. Singenberger. Die TüchtigKcit dieses Chores ist um so mehr zu loben, weil sicn das 
Material zusammensetzt aus jimgen Leuten im Alter von 15 bis 20 Jahren, in welchen, wie bekannt, 
bei jungen Männern die Stimme noch nicht ^fertig^ ist. Der Chor des Priesterseminars war beson- 
ders in den Bässen und Baritonisten besser bestellt; auch dieser Chor und sein verdienter Dirigent, 
Hochw. Prof. Karl Becker, verdient für die zarte und kunstvolle Wiedergabe der schönen Kompo- 
sitionen unbedingtes Lob. Mächtiff kamen die Konzertnummern zur Geltung, welche beide Männer- 
chöre vereint sangen. Kein Wunder, dass bei den meisten Anwesenden fiese Kompositionen den 
grössten Anklang fanden! Sehr nobel hielt sich der gemischte Chor der Kapuzinerkirche. Ja, 
viele geistliche Herren schienen an den Vorträgen dieses Chores am meisten Freude zu finden. 
Dem Dirigenten, Prof. Meyer, und seinen Chormitgliedem kann man in der That zu dem Erfolge 
dieses Abends gratulieren. Der Vortrag des Chorales hat mich mit Ausnahme von ein paar Num- 
mern befriedigt. Wie man sich zu hüten hat, den ^Fluss** der Chortdmelodie durch Scnleppen zu 
hemmen, so muss auch jede „Hast" vermieden werden. Sobald der Zuhörer merkt, dass der Vor- 
trag des Chorales „hastig'^ ist^ schwindet die Andacht. Dem Chore des Lehrerseminars merkte 
man die „Schule" an. Das Artikulieren war zu hörbar; Jeder Ton der Nenmen erklang fast wie 
staccato gesungen. 

Ich verstehe ffar wohl, dass sich dieses ,^chulmässige" Singen im Laufe der Zeit abschleifen 
wird, auch dass jeder Lehrer gezwungen ist, die Vokaie und Konsonanten von seinen Schülern 
schärfer nehmen zu lassen^ als inm selbst lieb ist; von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, wird 
man nicht leicht ein ungünstiges Urteil über die Vortragsweise des CnorsJes seitens der Schüler 
des Lehrerseminars fällen. Sehr schön wurden während der Festtage verschiedene Choralnummern 
der kombinierten Seminarchöre unter Direktion von Prof. Singenberger vorgetragen. Über das 
Orgelspiel bei dem Konzerte, sowie bei den beiden Hochämtern ist nicht viel zu sagen; über das 
Niveau des Alltäglichen erhob es sich nicht. Aber sehr fein und kirchlich war das Orgelspiel bei 
dem sonntäglichen Hochamt im Lehrerseminar. Prof. Singenberger spielte selbst; in der That, das 
war ein kirchliches Orgelspiel! 

Für Dienstae und Mittwoch war folgende Tagesordnung: Dienstag, den 21. Juni (Fest des 
hl. Alovsius). In der Kapelle des Priesterseminars zu St Francis, Wis. Bajuiem für die verstor- 
benen Mitglieder des Cäcilien- und Albertusvereines, Gregorianischer Choral. Pontiflkal-Amt Eece 
Sacerdos, für 4 Männerstimmen v. I. Mitterer. Missa Septimi toni, für 4 Männerst v. Dr. fr, Witt 
Introitus, Graduale, Communio. Gregorian. Choral. Onertorium Quis ascendet, für 4 Männerst von 
M. Haller. Festversammlung des Cäcilien -Vereines. Nachmittags: Dramatische Aufftlhrung des 
Albertus- Vereines. Abends: Festversammlung des Albertus- Vereines. 

Mittwoch den 22. Juni (Votivmesse vom hl. Joseph). Pontifikal-Amt Ecce Sacerdos, for 
4 Mftanerst und Orgel v. J. Smgenberger. Missa in honorem S. Gregorii, für 4 M&nnerst. und Orgel 
V. J. Singenberger. Festpredigt gehalten v. V. Rev. P. M. Abbelen. äegen mit dem Allerheihg- 



-« 199 Ei- 
sten: sacrttm convivium, fdr 8 Männerst. v. M. Haller. Te Deum laudamua, für 4 Männerst von 
Dr. Fr. Witt. Tantum ergo, für 5 Männerst. v. U. Haller. Lied zum hl. Joseph, für 4 Männerst 
V. P. Fiel. Nadimittags: Musikalisch -deklamatorische Schlussnnterhaltnng, gegeoen von den Zög- 
lingen des Lehrerseminares und Pio-Nono- Colleges, in der Schulhalle des Lehrerseminares, wozu 
sämtliche Festbesucher herzlichst eingeladen wurden. 

Die Gottesdienste am Dienstag und Mittwoch fanden in der Kapelle des Priesterseminares zu 
8t. Francis, Wis., statt Sämtliche Uesänge wurden gemeinschaftlich von den ChOren des Priester- 
und Lehrerseminares, unter Direktion von J. Singenberger vorgetragen. 

Es genüge, die musikalischen Aufführungen in diesen Tagen mit dem Prädikate ».grossartig'^ 
zu bezeichnen. Die neue Messe Singenbergers zu Ehren des nl. Gregor ist ein präctitiges Opus 
voll Glanz und Kraft. Alle Musikkenner zollten dieser neuesten Schö|)ran^ des Vereinspräsidenten 

S*osses Lob. Wir zweifeln nicht, dass diese Messe, sobald sie publiziert ist, von den Kirchlichen 
ännerchören des In- und Auslandes gerne gesungen wird. 

Bei der Festversammlung am Dienstag Morgen wurde Herr Prof. Singenberger. welcher 
25 Jahre lang mit der grössten Umsicht den Verein geleitet hat, in herrlicher weise geehrt. Der 
Hochwürdigste Erzbischof von Milwaukee, Fr. Katzer, sdienkte dem Jubilar eine schöne Heimstätte, 
in welcher Herr Singenberger bis dahin mietweise gewohnt hatte; die Vereinsmitglieder überreichten 
ihm ein Geldgeschenk in der Höhe von mehr als 700 Dollars. In der That eine ehrenvolle Aner^ 
kennung der grossen Verdienste des Vereinspräsidenten. 

Möge die Festversammlung beim silbernen Jubiläum des Cäcilien Vereins reiche Früchte zeitie^en! 

Die vielen Hunderte von Priestern und Organisten, welche derselben beiwohnten, sind sicner- 
lich in ihre Heimat zurückgekehrt, um mit Begeisterung und neugestähltem Mute für walire und 
echte kirchliche Kunst weiterzuarbeiten und auch andere dafür zu gewinnen. Das walte Gott! 

H. Tappert im Cincinnati— Volksfreund. 

O Lambach, Ob. -Ost Seit 15. Mai bis L Juli wnrden von dem Stiftschor aufgeführt: 
Messen: Anerio, M. brevis, M. Hör le tue forze adopra. Casali (Lück Nr. 13). Croce, M. HI. 
octavi toni, 5 st Diebold, M. „Te Deum^*. Griesbacher. op. 28. Haller, M. S. Ursulae, op. 20. op. 41 
und op. 71, 58t (Ist meines Erachtens nach erstmaliger Aufführung weit besser ausgefallen als 
op. 65. Beim „Qui sedes** steht für Tenor in der Partitur eine Viertel statt halbe Note. Und das 
Btnfdicimw möchte ich bedeutend ritardando zum Adoramua hinüberleiten. Es ist wahr, Effekt 
macht z. B. ein op. 30 von Nekes mehr, aber Gebet ist da wieder durch und durch.) Haisler, M. 
Secunda. Marxer, M. op. 8 und in hon. B. M. V. und Requiem. Mitterer, M. de Asceu. D., 58t; 
M. de Assumptione, 5st; M. op. 47 c. org. Nekes, op. XI, 4- 6 st. Palestrina, M. Papae Marc, 4st. 
SchöUgen, M. op. 6. Viadana, M. sine nomine. Weber, M. I. et M. 11, — Litaneien: Auer, op. 7, 
5 st (2 mal). Gruber, 8 st Haller, op. 11. Mitterer, 4 st Nusser, für 4 Männerst. Witt, H-molL 5st 
Die Fronleichnams -Gesänge von Haller op. 16 wurden heuer zum erstenmal mit 4 stimmiger Blech- 
begleitung sehr vorteilhaft ausgeführt Die treffenden Einlagen waren meist von Mitterer, Witt, 
Stehle, Auer, Haller. Obenan steht immer der Choral. 

% Trient. Am Feste des Patrones der Kathedrale und Diözese Trient, des heil. Vigilius 
(26. Juni), wurde beim Pontifikalamt unter Leitung des H. H. Domkapellmeisters Richard Feiini 
die 4 st Messe ,Xauda Sion*^ von Palestrina zur Aufführung gebracht; zur Vesner sang man Falsi- 
bordoni von Giov. Croce und de Zachariis. Die „Voce Cattdica" enthält einen scnwungvoll geschrie- 
benen Artikel über die vorzügliche Aufführung, welche der aus Knabenstimmen, die H. Feiini mit 
unendlichen Mühen herangebüdet hat, und aus den Männerstimmen des Klerikalseminars gebildete 
Gesangschor zu stände brachte. Besonders rühmenswert ist die Reinheit der Aussprache, die Schön- 
heit der Intonation und das einheitliche Zusammensingen des jugendlichen Chores, so dass ein her- 
vorragender Musiker Trients das Urteil fällen konnte, der gegenwärtige Domchor übertreffe die 
Gesangschöre in Padua und Venedig, die man gegenwärtig als nie besten Italiens bezeichet. Sicher 
wird es dem Fleiss und der Ausdauer Felinis gebngen, ausser der bereits früher aufgeführten Messe 
^.Aetet-na Chriati munera*'^ von Palestrina und andern klassischen Vokalwerken, auch noch die 6 st 
Mi88a Papae Marcdli zu Gehör zu bringen. 

D Tarin. Vom 2. bis 4. Juni hörten wir einen aus 'Herrn und Damen zusammengesetzten 
Vokalchor (circa 30 Personen) unter der Leitung des jungen Kapellmeister Bordes, aen viel- 
gepriesenen Dirigenten der schola cantorum zu Saint Gervais in Paris. Das Ausstellungskomit^ 
hatte die nicht geringen Kosten übernommen und man muss bekennen, dass diese seit 1892 von 
Bordes gebildete Sängerschar mit grosser Feinheit der Intonation und in trefflichen Ensemble ihre 
Aufgabe gelöst hat. Aus dem 1. Konzert heben wir das 4 stimmige Motett O magnum mysterium 
von Th. L. da Vittoria, das Ave Maria von Palestrina, den „Vogelgesang** des französ. Altmeisters 
Jannequin und das Ave verum von de la Tombelle hervor, im 2. Konzert gefielen ein Choral der 
Bach*schen Kantate: „Aus tiefer Not**, die Lamentation von Palestrina und dessen Madrigal „la 
cruda mia nemica'*. Die altfranzösischen Canzonen und eine 5 stimm. Chanson k danser des engl. 
Komponisten Th. Morley riefen lebhaften Beifall hervor. Im 3. Konzert, dem auch die Herzogin 
Mutter von Genua beiwohnte, bewunderte man am meisten das Christus resurgens von Richafort, ein 
Responsorium von Palestrina — es ist aber von M. A. Ingegneri ! — und dessen Madrigal I vaghi 
fiori und das Ave Maria von Bordes. Einen wahren Enthusiasmus erregte die 4 stimm. Phantasie 
von Jannequin: Bataiüe de Marignan (1545). — Der Chor brachte auch gregorianische Gesänge 
nach der Ausgabe und Vortragsweise von Solesmes zu Gehör mit ernstem , weichem Ausdruck und 



H3 180 E^ 

einem Ensemble der Stimmen^ dass sie wie aus einem Munde erklangen. Da aber der Sprach- 
rhythmns, den auch das Lateinische, wie das Italienische verlangt, fast gänzlich in den Hinterhand • 
trat, und die Hänfang und Men^e der Nenmen den Zusammenhap^ und die Verständlichkeit des Textes 
ausserordentlich hemmten und ninderten, so konnte man nur die dynamische Fertigkeit anstaunen und 
die Gewandtheit Jiber die Neumenketten in leichtem Flug hinwegzusetzen . — Sämtliche Auffährungen 
fanden in der Herz Mariäkirche statt, in der sich eine grossartige neue Oi^el von der Finna 
Vegezzi-Bossi befindet^ welche ebenfalls in diesem Jahre fertig geworden ist Bei Gelegenheit der 
Orgelprüfting haben sich die hervorragenden modernen Organisten: der Italiener Enrico Bossi, der 
Franzose A. Guilmant und der Amerikaner Clarence Eddy , ausgezeichnet; letzterer entwickelt auf 
dem Pedal eine bisher unerhörte Technik mit den Füssen, als ob dieselben zwei fünffingerige Hände 
wären. (Ob durch solche Konzerte von Kunstfertigkeiten die walure und echte Kircnenmusik in 
Italien gefördert wird, bezweifelt die Bed. der Mu8, s, !) 

Der Corriere nazionale und die neueste Nummer der mailändischen Muaica saera begrüssen den 
vom 11. bis 18. Septbr. angekündigten kirchenmusikalischen Instruktionskurs mit sehr sympatischen 
Worten. . . . Die Beteiligung an demselben scheint eine sehr starke zu werden. Aber auch von 
Seite der Musikkräfte Turin's sind während der Aussteilung für kirchliche Kunst heiTorragende 
Leistungen zu verzeichnen. Gius. Dogliani, der Dirigent des salesianerchores (Knaben- und Männer- 
stimmen) führte ein Ave Maria von Palestrina, das schwierige Motett Tota pukhra es von Bossi 
(Op. 96) und „die Schöpfung* von Haydn trefflich auf. Delph. Thermignon brachte mit seinem Chor 
der Akademie Stefano Tempia einen Psalm von Marcello, ein Motett von Bosselli, das Tend>rae von 
M. A. Ingegneri und ein sehr schönes SaluHs humanae satoi- eigener Komposition zu gelungenster 
Aufführung. Während des marianischen Kongresses im September werden wir die beiden neuen 
Oratorien unseres ausgezeichneten Lorenzo Perosi (Domkapellmeister in Venedig) hören, nämlich 
die Traffignrazione di Criato und die Risurrezione di Lazzaro, — Was ausserdem während der gross- 
artigen Aussteilung in Turin zu sehen und zu hören ist, werden Sie im September mit eigenen 
Augen und Ohren beobachten und — beurteilen. 

-ff Wttrzburff. Seit einer Reihe von Jahren veranstaltet das hiesige Schullehrerseminar am 
Jahresschlüsse ein Kirchenkonzert. Auch am 5. Juli 1. Js. war dasselbe von einem zahlreichen 
Publikum besucht. Die Aufführung fand grossen Beifall. Besonders wirkten die musterhafte 
Deklamation und korrekte Textaussprache beim Choral und den mehrstimmigen Chören. Bei den 
Orgelstticken zeigten sich die Schüler als würdige Nachfolger ihres Lehrers K. Weinberger. Die 
beiden einfachen Kirchenlieder aus dem Diözesangebetbuch erweckten allgemeine Begeisterung. 

Das Pro^amm lautete: Konzert des Kgl. Schullehrer- Seminars zum Besten des Vereins zur 
Obsorge für hilfsbedürftige Taubstumme Unterfrankens in der Neubaukirche zu Wtirzburg. Pro- 
gramm. 1. Praeludium (Monolog Nr. XI) von Rheinberger. (Schäder, II. Kurs.) 2. Zwei Motetten: 
a) Quoniam die ac nocte von Orlando di Lasso, b) Coenantibus Ulis, fünfstimmig von Haller. 3. Missa 
in honorem St. Joannis Evangelistae: Kyrie, Sanctus, Benedidus, Agtiua Dei, zweistimmig mit Orgel- 
begleitung von J. Stein. (Orgel: Barthelmes, II. Kurs.) 4. Largo appasionato aus der Sonate patn6- 
tique von Beethoven. Für Orgel und Violinchor eingerichtet von Gr. fleciit. (Orgel: Warmuth. II. Kurs.) 
5. Vesperae de Nativitate D. N. J. Chr.: Hymnus, V. R., Antiphona ad Magniflcat. Psalm Magni- 
ticat falso bordone von J. G. Maier. 6. Fuge für die Orgel, op. 30 von K. F. Weihberger. (Deeg^ 
IL Kurs.) 7. Zwei Kirchenlieder a. d. Diözesan-Gesangbuche : a) Schönster Herr Jesu; b) Jesus 
Christus für uns am Kreuz gestorben. 8. Andante für Orgel und Violinchor von Albert Becker. 
(Orgel: Bardroff, I. Kurs.) 9. Gebet: ,jHerr, den ich tief im Herzen trage". Männerchor, op. 42, 
No. 1 von K. F. Weinberger. 10. Adagio molto aus der 3. Sonate für Orgd von Guilmant. (Englert, 
IL Kurs.) IL Friedhoflied, preisgekrönter Männerchor von Heybiom. Direktion: K. F. Weinberger. 

Auch in Kitzingen fand im Laufe des Sommers ein Kirchenkonzert statt von Seite der Kirchen- 
chöre von Stift Haag aus Würzburg, Wiesentheid, Kitzingen und Marktbreit Überraschend war 
der Erfolg, den der Kitzinger Kirchenchor unter Leitung des neuen Dirigenten H. Lehrer Heuler 
(».rzielte. Es waren besonders die Motetten von Palestrina und Orlando di Lasso, welche musterhaft 
aufgetuhrt wurden. Solche Musterproduktionen bewirken auch im Volke das Verständnis für echte 
Kirchenmusik und erreichen mehr, als alle Belehrung durch Wort und Schrift. — 

Offene Korrespondenzen. 

• 

Photogr. oder curr, vitae sendeteD : C. A. V. in Y., E. W. in C, F. E. in U., M. 8. in Th., B. 6. in P., 
A. G. in St., A. H. in L (Hcrzl. Beileid zu den Hchmerzlichen Verlusten. Für das Übrige Dank; P. genilgt.) 

Nach T. und P. Der Holzschnitt Brendamour's von Baphaers „Cäcilia^ (Original in Bologna) ist 
auf feinem Briefpapier in Braundruck wieder aufgelegt worden. Das Dutzend (Briefbogen in 4^ mit 
3 leeren Seiten tUr Schrift oder Druck) kostet, direkt von der K.-K.-Sch. in Regensburg bezogen, 
franko 1 M bei vorheriger Einsendung des Betragen in Briefmarken oder durch Postanweisung. Siehe 
auch Inserat. 

An ehemal. SchOler. Wer LuHt hat, eine Mesner- und Organistenstelle in den deutschen Kolonien 
Südrusslands zu Übernehmen, wende sich unter Einsendung des ZeugniHSCs der hiesigen K.-M.-Srb. an 
H. H. Jos. Kessler, Pfarrer in ISulz, Sttdrussland (Kreis Odessa, Post Tschemerlejef). 



Druck und Verlag von Friedrich Pnntet in Regensburg, Gesandtenstrasse. 

Nebst Beilage Nr. 14. 



Doppelmunniei^. 

1898. Regensburg, am 1. u. 15. September 1898. {^i» j^7 & 18. 



MUSIC A SACRA. 

Oegrttndet von Dr. Franz Xaver Witt (f 1888). 

Halbmonatschrift für Hebno^ und Fördenm^ der kathol. EircheninnsiL 

Herausg^egeben von Dr. Franz Xaver Haberl, Direktor der KirchenmusikBchule in Regensburg;. 

Nene Folge X«, als Fortsetznsg XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbeilagen. 

Di« ^Mutiea mera** wird am 1. und 15. jeden MonaU RasK«seb«n. Jede der 24 Nummern amCaast 18 Seiten Text. Die 18 Mosik- 
b«ilagen (48 Seiten) wurden in den Nonunem 5 , 7 und 8 versendet. Der Abonnementpreie des Jahrgangs betrftgt 3 Mark ; die 
Bectellong kann bei feder Postanetalt oder Bncbkandlnng erfolgen. — Bei der Reiohapost mit 80 Pf. Anfachlag. Bei franko Zusendung 

unter Streifband in Deutschland und Österreich-Ungarn 4 Mk. — ins Ausland 4 Mk. 80 Pf. 

iBliBltsflbertlehl: Über Choralvortrag. 2. Artikel. — Vom Bttcher- und Mnsikalienmarkte: J. Strubel, 
Haberra Liederroscnkrans (Stimmen), Hugo Löbmann, Karl Heinr. Döring, Jahresberichte der Lehreranstalten in Niederbayem, 
des KoaservatoriumH in Wflnburg und des Institutes in Zug. -- Vermischte Nachrichten und Mitteilungen aus: Baden* 
Fladnitz - l'assail , Qflnzburg (zu JAm. s. S. 138), Thurles, Bonn, Aussig. — Popularität. — Offene Korrespondenzen. 

Über Choralvortrag. 

2. Artikel. 

Im Ansckloss an die Notationsweise der ofBziellen Ghoralbticher (seit 1883, vergl. 
S. 170 bis 172) sei wiederholt, dass die ^ den Wortaccent auch in den Noten dar- 
stellen will, ohne etwa die Betonung der 1. Note beim divis fV, der 2. beim podatits i^ 
darstdlen zu wollen. Es wäre demnach falsch, die Figur ^ in der Weise vorzu- 
tragen, dass nur die zweite Note betont oder verlängert wird. Beide Töne sind 
gleich stark und lang; der höhere darf weder eine doppelt so lange Dauer noch über- 
haupt eine längere Dauer als der tiefere erhalten. Dass im f^ die ^ auch bei nicht 
accentuierten Silben so gut wie bei accentuierten angewendet ist, könnte man als die 
einzige Inkonsequenz der von der päpstlichen Eommisston normierten Schreibweise hin- 
stellen, besonders da die erste Note einer jeden Ton Verbindung, dieselbe mag zwei 
oder mehr Töne in sich fassen, eben als erste, von selbst deutlich vernehmbar ist. 
Man behielt jedoch diese Notationsweise des ^ bei, weil alle Manuskripte und Drucke 
aller Zeiten diese Schreibweise des divis (Verbindung von acuttis und gravis) an- 
wenden. Wer die Intention der ,JSerausgeber^ kennt, wird sich jedoch an dieser „In- 
konsequenz^ ebensowenig stossen, als etwa jene Lehrer und Schüler verwirrt werden, 
welche bald Heiligtum, bald wieder Heiligthum lesen, da eben auch die „Herausgeber^^ 
der neuen Orthographie nur in den äusseren Zeichen von den früheren Zeiten abweichen, 
für beide Schreibweisen jedoch eine und dieselbe Aussprache voraussetzen und ver- 
langen. Die gleiche Bemerkung hat für den scandicus, als Erweiterung des podatiis, 
für den porrectu^ als Verbindung von divis und podatus, und für den dimacus, als 
Erweiterung des divis zu gelten. Das Hauptaugenmerk des Sängers beansprucht der 
liturgische Text, dessen richtige, deutliche, schöne, nach allen Seiten und in allen mög- 
lichen Verbindungen von Konsonanten und Vokalen ausgefeilte Wiedergabe die einzig 
solide Grundlage für schöne Deklamation und richtigen Choralvortrag bilden und bleiben 
muss. Ganz richtig ist demnach der Satz: „die Note kann das geistige Verständnis 
fördern, nicht schaffen; vielmehr muss dieses selbstmächtig das Wort als Träger des 
Gedankens erfassen und mit dem rechten Sinne auch den rechten Ausdruck heraus- 
fühlen".^) 



') D. Pothier in Mölodies grtgorieimeB, Übersetzung von P. Ambrosiua Kienle, S. 81 und 82. 



I 

Die sechs auf Seite 171 zusammengestellten Notier ongsformen des Pater noster 
können nur in einer Weise, nämlich unter Beachtung der Deklamationsgesetze richtig 
vorgetragen werden. Wenn diese Worte des Pater noster — abgesehen von der indi- 
viduellen Tonfarbe der Stimme, vom Temperament, vom jugendlichen oder vorge- 
schrittenen Alter oder ähnlichen rein äusseren Zufälligkeiten — nicht einheitlich er- 
klingen, wenn vielmehr die Erfahrung gemacht werden muss, dass Männer von hohem 
Ernste, geistiger Durchbildung, grosser Frömmigkeit, gutem Geschmacke in Sachen der 
Ästhetik und Kunst beim Vortrag des Pater noster eine Aussprache, Deklamatin und 
Vortragsweise zu Gehör bringen, die man nicht für möglich halten sollte, wenn solche 
Männer, welche das lateinische Pater noster beim lauten Gebete oder bei der blossen 
Rezitation tadellos aussprechen, beim Gesänge aber alle Silben auf den Eopf stellen, 
die langen kurz, die kurzen läng, die SchlussUben mit unmässiger Dehnung, mit einer 
furchtbar anwachsenden Stimme, mit unmotivierten Schreilauten, in hüpfenden oder 
schwerfälligen Rhythmen vortragen, so daif und muss man annehmen, dass ihnen die Ge- 
heimnisse der Gesangsdeklamation niemals bekannt gegeben wurden oder zum Bewusstsein 
gekommen sind. Es gab eine Zeit, in welcher man dem Grundsatz huldigte: Musica 
non subiacet reguiis Donati — die Musiker und Sänger haben sich nicht nach den 
Regeln der Grammatik des Donatus zu richten, diese Zeit ist glücklicherweise vorüber, 
wir sagen vielmehr: Potitcs considerandus est senstis quam modulatio — viel mehr Be- 
achtung muss dem Texte als der Melodie geschenkt werden; die Silben, Wörter und 
Sätze sollen den Oberbefehl über die einzdnen, paarweise oder in grösseren Gruppen 
vereinigten Noten und Töne führen. 

So lange die Regeln Cicero's und QuintiUan's ^) über die Kunst des Vortrages, 
über die, Sprachelemente, Atemgymnastik, Wortverbindung, Betonung der Wörter un4 

') Die Red. der Mus. s. kann es sich nicht versagen, einige Sätze aus dem 11. Buche Quintilian^s, 
de institutione oratoria (Anleitung zur Bedekunst) in Übersetzung mitzuteilen, denn dieselben sind auch 
Sängern von grösstem Nutzen: 

„1) Der Atem werde nicht zu häufig eingezogen, so dass er den Satz gleichsam zerstückelt; noch 
so lange ausgehalten, bis er gleichsam erstirbt. 

2) Diejenigen, welche einen längeren Satz aussprechen woUen, müssen Atem schöpfen, so jedoch, dass 
sie dies nicht allzulange dauernd oder mit Geräusch machen, noch überhaupt so, dass es merkbar wird. 

3) Der Atem ist zu üben, dass er möglichst lang sei. Um dies zu erreichen, stieg Demosthenetn 
bergauf, während er viele Verse dabei aussprach. Derselbe pflegte auch, damit er desto leichter die 
Worte mit geübtem Munde aussprechen könne, zu Hause zu sprechen, während er Steinchen im 
Munde hatte. 

4) Es gibt Leute, welche den Atem mangels einer genügenden Anzahl von Zähnen nicht schöpfeu, 
sondern gewissermassen schlürfen. 

Ebenso finden sich solche, welche durch häufiges Atmen, welches, indem es einwärts geschieht, 
laut vor sieh geht, Zugtiere, die unter der Last und dem Joche keuchen, nachahmen. Zu husten, häufig 
auszuspucken, ganz von der Lunge aus Schleim heraufzubefördem , mit dem Speichel des Mundes die 
Umstehenden anzuspritzen und den grössten TeU des Atems beim Sprechen bei der Nase herauslasBen, 
sind zwar an und für sich keine Fehler der Stimme; da sie aber gelegentlich der Stimmbildung 
vorkommen, seien sie hier angeführt. 

5) Bei der Rede muss eine gewisse Gleichheit herrschen, dass sie nämlich nicht durch Ungleich- 
heit der Pausen und Töne hüpfend erscheint, indem lange Silben mit kurzen, gewichtige mit leichten, 
betonte mit unbetonten verwechselt werden, und so durch die Ungleichheit dieser Dinge, welche man 
füglich mit Füssen vergleichen kann, die Rede förmlich hinkt. 

6) Bei der Rede muss aber auch eine gewisse Verschiedenheit herrschen, und diese bezieht sich 
auf die Aussprache. 

Wie die Fertigkeit wohlgefällig wirkt, die Stärke der Stimme zu verändern und den Ohren wohl 
thut, so erquickt sie den Sprecher selbst, durch Veränderung dessen, was anstrengt; wie dies beim 
Stehen, Gehen, Sitzen uud Liegen der Fall ist, von welchen Beschäftigungen wir keine lange aushalten 
können. Wir wollen also meiden, was griechisch ^ovoiovia (Monotonie) genannt wird, welche in einer 
und derselben Richtung des Geistes und der Stimme besteht; so dass wir bloss alles nicht heraus- 
schreien, was ja unverständig wäre; oder in einer Sprach weise, welcher die Bewegung abgeht; oder 
unter so leisem Gemurmel, dass die ganze Energie der Rede verloren geht, sondern uns bestreben, dass. 
wenn auch in den Redeteilen und Gefühlen eine gewisse Gleichheit vorhanden ist, in der Stimme doch 
gewisse, wenn auch nicht allzugrosse Veränderungen statt haben, wie es die Wichtigkeit der Worte 
oder der Gehalt dessen, was ausgesprochen wird, das Ende der Rede, der Anfang oder Übergang er- 
fordert, wie jene, welche wohl mit gleichen Farben malen, jedoch das eine hervortretend, anderes zurück- 
tretend darstellen. 

7) Wie jedes Gut, so wird auch das der Stimme durch Sorgfalt vergrössert, durch Nachlässig^keit 
vermindert. Es liegt aber dem Redner nicht ob, dieselbe Sorgfalt 2n haben, wie die Sangmeister, vieles 



-43 ISft e^ 

Sätze und ähnliche Bestandteile des rednerischen Vortrages nicht schon in den Latein- 
schulen, Knaben- und Elerikalseminarien gründlich gelehrt und geübt werden, so lange 
werden wir uns über den sogenannten Predigerton, der in mechanisch wiederkehrenden, 
auf- und absteigenden, ab- und zunehmenden, mit dem Inhalt der Worte und Sätze 
selten in Verbindung stehenden Tönen und Tonfarben besteht, beklagen müssen, aber 
auch über schlechten Altar- und Chorgesang. 

Der syllabische Gesang enthält meistens schon Verbindungen von 2, 3 und 
mehreren Noten; das blosse Rezitieren, auch wenn es auf einem Tone in gesangartiger 
Weise geschieht, ist noch kein Oesang, sondern nur Vorbereiljung zu demselben. „Der 
Einklang^ — so sagen die alten Theoretiker — „ist nicht Gesang, denn unter 
Gesang versteht man eine Veränderung des Tones, es findet eine Tonverschiedenheit 
statt, wenn sich die Stimme ändert*^ Die einfachsten Veränderungen entstehen durch 
auf- und abwärtssteigende Intervalle. Jede Tonleiter kann durch rhythmische Gliede- 
rung für die verschiedensten Texte zu einem nützlichen Übungsmaterial verwendet und 
umgestaltet werden; vergl. Mag. chor. 11. Auflage S. 45 ff. Ein Beispiel mag zur 
Anregung dienen: 



^^=f=^^3^^ r-ps;5=^ 




ä 




Pa - ter no -ster, qui es in cob - lis: san- cti - fi - cö - tar no - men in • um 
Lan - d4 • te pd - e - ri D6 - mi* num, lau - dÄ - te no - men D6 - mi - ni. 
Me- m6 - ri -am fe - oit mi - ra - bi - li - um su - 6 - ram. 
D6 - mi - ne, quin- que ta - l^n • ta tra - di - di • sü mi - hi. 
Di • 16 - zi, qa6 -ni-am ex-&a-di-et D6-mi- nns. 
Vo - ta me - a D6 - mi - no red- dam in con- apö - ota o - mnis p6 - pu - li. 

Man würde sich mit Recht wundem, wenn die Notierung für die obigen 6 ver- 
schiedenen Sätze, deren Accente, Wortlängen, Interpunktionen u. s. w. unter einander 
verschieden sind, in der gleichen Weise (wie oben) notiert wären, oder gar in gleich 
langen und gleich starken Tönen gesungen werden wollten. Man versuche, jedem der 
obigen Texte in deklamatorischer Form das musikalische Gewand umzuwerfen, und 
man wird finden, dass sich, um beim Gleichnisse zu bleiben, der einfache Faltenwurf un- 
gekünstelt und natürlich mit jedem Texte verändert. Auf diesem Wege und durch 
ähnliche Mittel wird der Chorallehrer das Sprachgefühl wecken und seine Schüler an- 
leiten, die erste Aufmerksamkeit dem Texte, seinen Beugungen, langen, mittleren und 
kurzen Silben, wachsenden, abnehmenden, starken und schwachen Tönen zuzuwenden^ 



jedoch ist beiden gemein, die Festigkeit des Körpers, damit nicht unsere Stimme zum Geflüster der Ver- 
schnittenen , der Weiber und Kranken herabsinke , was durch Spazierengehen , Salben , Enthaltung von 
Unzucht, leichte Verdauung der Speisen, also Massigkeit, vermieden wird. Ausserdem muss der Schlund 
rein sein, d. i. weich und leicht; durch einen Fehler an ihm wird die Stimme geschwächt ^ undeutlich, 
rauh und gewaltsam unterbrochen. Denn wie eine Flöte, auf dieselbe Weise angeblasen, einen anderen 
Ton bei geschlossenen, einen andern bei geöffneten Löchern gibt, wieder einen verschiedenen, wenn sie 
nicht genügend gereinigt ist, und einen andern, wenn sie zerbrochen ist, so erstickt ein nicht gereinigter 
Schlund die Stimme. 

8) Was in der Musik der ttbermässifl: starke oder allzu schwache Ton ist, passt nicht fllr den 
Redner; denn ersterer, der zu wenig deutlich und aUzu laut klingt, kann keine ' Gemütsbewegung her- 
vorrufen, und letzterer kann, da er weffen seiner übermässigen Feinheit nicht mehr wahr ist, weder in 
der Aussprache verändert werden, noch kann er den Gegenstand weiters wirksam vortragen. Die 
Stimme ist wie eine Saite; wenn sie, allzu nachgelassen, keine Kraft mehr hat, so läuft sie, aufs 
äusserste gespannt, GefiJir zu springen. Man wende also die Mittelstärke des Tones an; wenn der 
Inhalt des Bedestoffes eine Steigerung erheischt, kann er erhöbt, wenn die Bede ein Nachlassen erfordert, 
kann er leiser gemacht werden. 

9) Die Stimme darf nicht über Gebühr erhoben werden ; denn es macht sich sonst öfter ein er- 
stickender Ton bemerkbar, und bei grösserer Anstrengung ist die Deutlichkeit eine geringere, und wenn 
sie gar zu sehr herausgepresst wird, macht sich jener Ton bemerkbar, dem die Griechen seinen Namen 
von dem allzufrüh singenden Hahn' gegeben haben. Die Stimme darf auch nicht durch allzu grosse 
Schnelligkeit verdorben werden; denn dadurch geht Deutlichkeit und Ausdruck verloren, und öfters 
werden auch die Worte um einen ihrer Teile verkürzt. Das Gegenteil ist eine allzu grosse Langsamkeit. 
Der Mund sei also leicht, aber nicht überstürzend; gemässigt schnell, aber nicht schleppend.*' 

(Vielleicht hat einer der verehrl. Leser die Güte, die sämtlichen, für Sprache und Vortrag ein- 
schlägigen Lehren dieses berühmten Schülers Cicero^s für das kirchenmusikal. Jahrbuch zu bearbeiten?!) 



-» 194 Dh 



die zweite aber den mit den Silben, Wörtern und Sätzen verbundenen einfachen Noten. 
Als Tempo wähle man ein moderato, um der Stimme und den Sprechwerkzeugen die 
nötige Zeit zur Beobachtung der für Sprache und Ton notwendigen, soeben angeführten 
Elemente zu lassen; die geübteren können es auch in rascherem Tempo versuchen, 
ohne die Grenzen der Deutlichkeit und Würde zu überschreiten. 

Wird nun diese Übung mit den Psalmen und den verschiedenen Psalmtönen nebst 
ihren Finalen fortgesetzt, so häufen sich die Punkte, auf welche Lehrer und Sänger 
ihre Aufmerksamkeit zu richten haben. Wählen, wir als Beispiel den Psalm Dvxit 
Dominus im 7. Ton mit der 1. Finala In der Melodie des initium begegnen wir zuerst 
einem clivis, dem ein podatus folgt, während in der mediatio die umgekehrte Notenver- 
bindung erscheint. Man hat sich gewöhnt (man erlasse uns, die Ursachen dieser Ge- 
wohnheit aufzuzählen; dieselben sind entweder äusserst lächerlich oder unendlich 
traurig), stereotype Betonungen, besonders in der mediatio und für die höchsten Noten 
zu gebrauchen und für schön zu halten. Die Konsequenz des Prinzips: „Singe, wie du 
sprichst!^ fordert aber, dass eine und dieselbe Note oder Notengruppe (in 
unserem Falle der Podatus) länger, kürzer, stärker, schwächer gesungen werde, je nach 
dem Worte, das bei jedem Psalmyers auf diese Note oder Gruppe trifft. Das Beispiel 
wird die These am besten erläutern. Die Versetzung hat in die kleine ünterterz statt- 
gefunden, die Text -Verteilung geschah nach dem Grundsatz: „So viele Noten oder 
Notengruppen {Podatus und Clivis werden als eine Note gezählt) in Mediatio oder Finalis 
stehen, so viele Silben werden abgezählt. Als einzige Ausnahme gelten jene 
kurzen Silben, welche, bei Wörtern mit dem Accent auf der drittletzten Silbe, auf 
die vorletzte Stelle kommen; dieselben werden nämlich bei der Zählung übergangen, 
jedoch deutlich und leicht mit dem Tone der accentuierten Silbe versehen, z. B. in 
D6mi-nus, g6nü-i, Spiritü-i,Mdchisedech, FilT-o, 6rdl-nem u. ähnl. 




teB^ 



i p=^ 



^1 



mi-^) 



1. Di - xit Dominus 

2. Donec ponam ini 

3. Virgam virtütis tu« | emittet Dömi - - - nus*) 

4. Tecnm principiam in die virtdtis tnse | in splendöri-busv 

5. Jur&vit Dominus, et non poeni 

6. Dominus a 

7. Judicäbit in natiönibns | imple .... 

8. De torr^nte in 

9. Gloria Pa 

10. Sicut erat in principio, | et v 



D6-*)-ini - no me - 

cos tu - 

ex Si - 

San - ctö - 




wt 

tns 
m 
a 
et 
et 



e - 
tu - 

1 - 

bi - 

Fi-li 

sem - 



o: 

OS, 

on: 
mm: 
um: 

is, 
nas: 
bet: 

0, 

per, 







1^ 



:«=»: 



1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 



dex-*) - tris 
dum*) 



tu - 

tu - 

g^-nu 

Mel - 



me 
6 

6 

■ 

- 1 



18. 

rum. 
rum. 
te. 



chi-se -dech. 



- 8B 



re 
tö 
ca 
san 
A 



ges. 

rum. 

pnt. 

cto. 

roen. 



Sede a 

8cab611um pe - - ------ 

dominäre in m6dio inimicö mm*) 

ex utero ante luclfe mm*) 

Tu es sac^rdos in set^mum | secündum ordi - • nem*) 

confrögit in die ir» su-') 

conquass&bit c&pita in ter ra*) mul - 

8. proptörea exal tÄ-') - bit 

9. et Spi ri-»)-tu - i 

10. et in saecula saecu 16-') - mm. 

^) Bei Vers 1, 2, 5, 6, 8 würde der Podatua so zu schreiben sein i/^, da Accentsilben auf ihn 

treffen, welche die beiden Noten — nicht etwa die letzte allein — dynamisch in den Vordergrund 
drängen. 

^) Bei Vers 3, 4, 7 u. 9 ist der Podatus s o zu schreiben ^, Die fettgedruckte Silbe tritt heraus, 
die beiden Noten des Podatus schwingen sich, gleich sämtlichen Schlussilben einer jeden Vershälfte leicht 
und p in die Höhe. In Vers 10 ist mittlere, nicht aecentuierte Betonung. 

') In Vers 1, 6, 8, 9 u. 10 könnte die einzelne Note so ^ geschrieben sein, ebenso die vorletzte 
in Vers 1, 2, 3, 6—10. 

*) In Ver.^ 2, 8, 4, 6 ist der Accent durch fett gedruckte Vokale angegeben; die beiden Noten der 
Finale seien leicht und schwächer (decresc.) im Tone, wie die SUbe auch in der Rede sein müsste, — 
und etwas gedehnt. 



-» 195 &h 

Auf diese Weise lernen die Sänger, der Note die Bewegungen und Beugungen 
der Wörter mitzuteilen, dieselbe in den Dienst des Textes zu stellen. Man erkennt 
unschwer den Dilettanten, wenn man die höhere Note in allen Fällen stärker 
singen hört, auch wenn die mit dem Tone zu verbindende Silbe eine abnehmende und 
schwächere Tonfarbe fordert. Wer also beispielsweise singt: 

7 




D6 - roi - na- -8 6r - di- ne--xii D6- zni- nils pe - dam bi - bei 

hat alle erdenkliche Ursache, eine sacbgemässe und gründliche * Schulung für die 
rhythmisch-dynamische Verbindung der Wörter und Sätze mit den Noten durchzumachen. 
Durch solche Übungen in der Psalmodie (s. das Psalterium Vespertinum des Unter- 
zeichneten in weisser Notation mit Violinschlüssel und auch in Choralnotetion) wird 
am wirksamsten jener einschläfernden Monotonie vorgebeugt, mit welcher bestimmte 
Noten, besonders die höheren nach der Dominante, regelmässig und mechanisch betont 
werden. Das Psalmensingen soll nicht einem Glockenspiel (cariUonJ gleichen, das durch 
Walzen wie in der Drehorgel oder Spieluhr die fünf oder sechs Gloäen in rhythmisch 
gleichmässigen Zwischenräumen zu Gehör bringt, sondern muss durch den mannig- 
faltigen Wechsel von accentuierten, schweren, leichten, kräftigen und schwächeren 
Tönen, die ihren Charakter aus der gehobenen Textesdeklamation erhalten, zu jener 
Höhe gebracht werden, die der Psalnüst mit den Worten: „JPsallite sapienter — psaUeret 
vernünftige^ beschreibt Nur auf diese Weise werden die Worte des hl. Augustin ver- 
ständlich (Conf. IX, 6, 14): „Wenn ich mich aber der Thränen erinnere, welche ich 
nach Wiedergewinnung meines Glaubens bei den Gesängen deiner Kirche vergossen 
habe, so fühle ich mich jetzt noch gerührt, nicht durch den Gesang selbst, sondern 
durch die gesungenen Worte, die in fliessendem Vortrage und ganz ange- 
passterMelodie gesungen werden, und ich anerkenne neuerdings den grossen Nutzen 
dieser Einrichtung.'' 

Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes wolle man den wiederholten Hinweis auf 
die Notwendigkeit vollendeter Textesdeklamation nicht für eine Liebhaberei oder subjektive 
Anschauung des Unterzeichneten halten, sondern .überzeugt sein, dass alle Mühen und 
Versuche, auf einem anderen Wege als dem der Übertragung des Wortes auf den Ton 
einen musikalisch und sprachlich richtigen Eindruck hervorzurufen, weder zu einem 
einheitlichen noch befriedigenden Ghoralvortrage führen können. 

Dieser Ansicht sind erfreulicherweise auch die Verfasser der Regeln für den Vortrag des 
gregorianischen Chorals, welche im Auftrage des Vorstandes des elsässischen CäcUien- 
Vereins zusammengestellt und in der Cäcilia (Bed. Abb6 Lutz in Strassburg) Nr. 4 u. 6 
veröffentlicht worden sind ^). Der Unterzeichnete lässt dieselben ebenfalls abdrucken und 

unser VereiDBorgan hat dieselben bereits mitgeteilt und auch die Augustnummer des Gregorius- 
boten (Red. W. SchOnen) beginnt mit dem Abdruck derselben. Interessant ist auch, was a. a. 0. S. 61 
aus der trefSichen, seinerzeit bei Hurter in Schaffhausen erschienenen « nunmehr der internationalen Ver- 
lagsanstalt (yormals J. G. Manz) in Regen sburg gehörigen Schrift „Choral und Liturgie" zitiert wird: 

„Es glaube niemand, dass es zum guten Choralgesange keiner Kunstfertigkeit bedürfe; ia, wir 
behaupten Jdlhn, dass es viel leichter sei, die bestimmten, genau abgegrenzten Gesetze und Schranken 
des mensurierten polyphonen Gesanges (beispielsweise des Palestrinagesonges) einzuhalten, als im rezi- 
tativen, sich frei bewegenden Choralgesange die entsprechende, den Geist des Textes vollkommen 
ausdrückende Bewegung und Acoentuation nicht bloss in jedem grammatischen und 
melodischen Satze, sondern sogar in jedem Worte und. jeder melodischen Formel zu 
beobachten, alle Nüancirungen der guten ungebundenen Redeform auf den Gesang zu 
Übertragen, — kurz, redend zu singen und singend zu reden, oder besser: betend zu 
sinffen und singend zu beten. Hierzu fürwahr reicht einige mechanische Gewandtheit 
nicht aus.** Die zugehörige Applikation wird der verständige Leser sich schon selber machen. 

An einer anderen Stelle der zitierten Schrift wirft der Verfasser die Frage auf: „Woran soll man 
nun erkennen, ob eine Methode, welche die Ausführung des gregorianischen Chorals leiten will, die 
richtige ist?" — Er beantwortet sie, indem er u. a. sagt.: „Wenn die Methode musikalische 
Schönheiten enthüllt, welche keine andere (Methode) erkennen lässt; wenn sie die traditionellen 
Merkmale einer richtigen Ausführung erklärt und anwendet und dabei in keinem Stücke den grossen 
Meistern, deren Aussprüche auf diesem Gebiete massgebend sind, entgegentritt; wenn sie in ihren Regeln, 
überall natürlich, Privatgeschmack und Willkür flieht und jene Regeln praktisch wie theoretisch als 
treue Eonsequenzen stets aus einem natürlichen Prinzip, aus der Natur und dem Wesen des liturgischen 
Gesanges selbst ableitet, dann muss sie unbedenklich die richtige sein." 



H3 186 e4- 

wird nur diejenigen Punkte, bei denen er anderer Ansicht sein zu müssen glaubt, teils 
weglassen, teils mit Anmerkungen versehen, soweit die weggelassenen oder zu modifi- 
zierenden.. Stellen mit der Gesangs- und Notationsweise der offiziellen Choralbttcher 
nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Nach einer den lokalen Verhältnissen der 
Diözese Strassburg angepassten Einleitung heisst es: 



Intellanff. 

Seinem Wesen nach ist der Ghoralgesang, was jeder andere Kmistgesang sein soll, eine 
in schöner Modiilatioü und geordneter Bewegung einhergehende feierliche Textoeklamation. Es 
sind also in ihm dre# Dinge wohl zn beachten: 

1. Der Text. Er ist die Hauptsache und moss sie sein. Die gute Textanssprache ist das 
Hanpterfordemis zu dem schönen Vortrag der Choralgesänge. 

2. Die Modulation (Melodie) d. h. die schöne und geordnete Reihenfolge von Tönen, abge- 
sehen von ihrer Verbindung mit dem Texte betrachtet 

3. Die geordnete Bewegimg der Melodie, in ihrer Verbindung mit dem Texte betrachtet. Sie 
wird Rhythmus genannt. 

Es werden also zu behandeln sein: 

I. Die Aussprache des Choraltextes, 
n. Die (reine) Choralmelodie, 
m. Der Choralrhythmus. 

Anhang: Allgemeine Vortragsregeln. 

I. Aii»»praehe de» Choraltextes. 

Die gute Textaussprache ist so wichtig, dass von ihr schlechthin der schöne Vortrag des 
Choralgesanges bedingt ist. Vor allem muss man richtig spredien, wenn man schön singen will. 
Man vergesse nie den alten Satz: Singe die Worte mit den Noten so, wie du sie sprichst 
ohne Noten. Es ist dies der Fundamentalsatz für den Vortrag des Chorals. 

Der Choral text wird aber nur dann richtig gesprochen, wenn in ihm 1) jedes einzelne Wort 
für sich, und 2) die Worte in ihrem Satzzusammennange richtig gesprochen oder deklamiert werden. 

1. Aussprache des Einzelwortes. • 

Jedes Wort, auch jedes lateinische, besteht aus einem oder mehreren Vokalen (Selbstlauten) 
und einem oder mehreren Konsonanten (Mitlauten) und wird mit einer gewissen Betonung 
gesprochen. Der Sänger muss stets bestrebt sein, jedes Wort, jede Silbe des Wortes mit grösster 
Deutlichkeit und schönstem Wohlklang zu sprechen und zu singen. Den Wohlklang geben 
die Vokale, die Deutlichkeit die Konsonanten. 

a. Die Vokale. 

1) Die einzelnen Vokale oder ihre Zusammensetzungen als Diphthonge (Doppellaute) müssen 
klar und rein, hell oder dunkler je nach ihrer Natur erklingen, frei von Trübungen des Dialekts. 

2) Der Klang des Vokals muss während der ganzen Tondauer die gleiche Färbung haben. 

3) Bei Diphthongen hat der erste Vokal den Klang während der ganzen Tondauer mit der 

Einschränkung, dass der zweite Vokal am Ende derselben rasch angefügt wird, z. B. la udem. 

NB. Man spricht cU-i-i, fi-de-i, nicht diai, fidai. Besonders ist dde Aussprache des Wortes 
elHson zn merken. Dieses Wort ist viersilbig und wird demnach ^-usan gesprochen, nicht daisan 

4) Zwischen zwei Vokale, die nicht Diphthong sind, darf kein fremder Vokal gesetzt werden, 
z. B. me(i)u8, me(i)am, De(i)us etc. 

5) Einem Vokale am Anfange eines Wortes darf man keinen fremden Laut vorsetzen, z. B. 
(n)Amen, (h)Amen, (n) Agnus etc. 

b. Die Konsonanten. 

Die Konsonanten geben dem Worte die Deutlichkeit. 

1) Sie müssen deshalb je ihrer Natur nach als harte (p, t, c) und weiche (b, d, g) reclit 
bestimmt und scharf ausgesprochen werden. Dies gilt schon in der gewöhnlichen Sprache, besonders 
aber im Gesänge. 

2) Da der Tonklang auf den Vokalen ruht, müssen die Konsonanten schnell ausgesprochen 
werden, um nicht zu sehr den Klang der Vokale zu unterbrechen. 

3) Die klingenden Konsonanten (1, m, n, r. s) sollen bei Verdoppelung als verdoppelte 
tönend vernommen werden, z. B. tol-lis, nicht iolia, ü4a, nicht ila, aibf/l-la, nicht sibyla, hosdn-fm, 
nicht hosdna, ter-ra, nicht tera etc. 

4) Man hüte sich, die Endkonsonanten in der Aussprache zu vernachlässigen. Man spreche 
et, nicht e oder ed, sunt etc. In allen diesen Punkten hüte man sich jedoch vor lächerlicher Über- 
treibung. 

c. Betonung. 

In jedem lateinischen Worte gibt es nur eine betonte Silbe (Accentsilbe). Dies ist von 
Wichtii^keit bei längeren Worten, z.^. dominoH^neSf benedictiSnibus etc., in denen man versucht ist, 
d6mindti6neSf bhiedicttönibus zu sprechen. 



^ 19V ^ 

1) Die einsilbigeu Wörter bedürfen für die Betonung keiner besondeni Regel. (Siehe jedoch 
die Anmerkung.) 

2) Die zweisilbigen haben die Betonung (den Accent) auf der ersten Silbe. 

3) Die drei- und mehrsilbigen haben den Accent auf der zweit- oder drittletzten Silbe, 
die dann in unsem Büchern durch das Accentzeichen ' bemerkbar gemacht ist. Der Accent geht 
nie über die drittletzte Silbe zurück. 

Anmerkung: Tonlose Wörter sind: 

a) Die Konjunktionen zu Anfang eines Satzes oder Satzteiles; z. B. Sicut erat in prindpio, 
et nunc et »emper . . . wobei die Worte sicut und et ein wenig zurücktreten, nicht betont werden, 
um den Accent des ihnen folgenden Wortes besser hervorzuheDen. 

b) Die Präpositionen vor^ ihrem Pronomen oder Substantiv; z. B. ad te, super te, propternös, 
in ti, in si, Deum de Deo, lumen de lümine. 

^c) Die Relativpronomina, die keinen Hauptsatz beginnen, z. B. A^nus Dei, qui toüis. . Tu 

es qui ventürus es, . Aber: Qui mdt venire post me; Qui sedes ad dttteram Patris; Qui töttis peccäta 
mundi, 

NB. Betont sind die fragenden Fürwörter: Quis ^t iste, qui venit de Edom? — Quis revolvet 
nobis läpidem? 

4) Der Accent eines Wortes besteht in einer verstärkten und ein wenig ver- 
längerten Aussprache der Accentsilbe. Daraus ergibt sich folgende Regel: 

Die Vormund nach dem Accent stehenden Silben sind schwächer als die Accentsilbe aus- 
zusprechen; pardvit, keines. 

Anmerkung: Die tonlosen Silben müssen recht deutlich gesprochen und verstanden werden, 
besonders in den auf der drittletzten Silbe betonten Wörtern, z. B. Dominus, nicht D&m^nus, 
hömines, nicht h6m'nes, pidum tu6rum, auch nicht pid^m t(u)orum etc, . . 

Bei den auf der drittletzten Silbe betonten Wörtern ist es ebenso hässlichj die letzte Sübe 
rasch abzubrechen, als sie unnatürlich zu verlängern: man spreche also mcht homtness,^) auch nicht 

hdminees. 

2. Satzdeklamation. 

Die hl. Texte des Choralgesanges sind nicht einzeln dastehende, abgerissene Worte, sondern 
bilden in ihrem Zusammenhange die DegeistertOj inhaltsreiche, wunderbare Gebetssprache der heil. 
Kirche. Es ist deshalb von der gpössten Wichtigkeit, die Texte so zum Ausdruck zu bringen, dass 
ihr Inhalt vollständig wiedergegeben werde. 

Hierzu ist vor allem erfordert, dass man sich die Regeln für die Aussprache der Einzelworte 
theoretisch und praktisch zu eigen gemacht habe. Es mögen jedoch für die Aussprache der Worte 
im Zusammenhang mit andern noch folgende Winke angezeigt sein: 

1) Jedes Wort muss als solches für sich gesprochen und verstanden werden, d. h. man muss 
jedes einzelne Wort von seinem Nachbarworte unterscheiden. Man spreche demnach nicht Diaci- 
dominusdominomeo, man könnte ebensogut folgende Worte herausnehmen: Diocido minus dornt nomeo, 
sondern Diocit D&minus Domino mSo. 

2) Gleichartige An- und Auslaute der Worte trenne man deutlich, jedoch nicht ängstlich 
übertrieben, von einander, z. B. Diocit Dominus, Qui sedes ad dexteram Patris; Tu es Sachyios. — 
Kyrie düson, Veni eUcta mea; erit glöria a Domino etc. . . 

Die Hauptsache jedoch, die bei der richtigen Textdeklamation zu beobachten ist, besteht im 
sinngemässen Sprechen oder Singen. Hierzu ist selbstverständlich die Kenntnis des Textinhaltes 
die erste Voraussetzung, damit man das zusammenspreche oder singe, was inhaltlich zusammeu- 
gehörtj und je durch kleinere oder grössere Absätze oder Pausen trenne, was logisch voneinander 
verschieden ist. Es ist somit keine unberechtigte, sondern ganz naturgemässe Forderung, dass der 
Dirigent den Text der Choralgesänge in der tJoersetzung besitze, um den Sängern wenigstens dem 
Sinne nach den Inhalt des zu Singenden mitzuteilen. 

Man würde dann nicht mehr singen Oruc\fia:us \ etiam pro nobis, Er wurde gekreuzigt auch 
(sogar) für uns (!), sondern Oruc^fixus Hiam pro nofns: Er wurde auch gekreuzigt für uns; nicht 

mehr Et in Spiritum, sanetum Dörntttum, (Ich glaube) An den Geist, den heiligen Herrn, sondern 
Et in Spiritum sanetum, D6mmum et vivificdntem: Und an den hl. Geist, den Herrn und Lebendig- 
macher; oder Im Libera: dum discussio \ venerit atque | Ventura ira: Wenn das Gericht | kommt und 
I der kommende Zorn, statt dum discussio venerit \ atque ventüra ira; oder im Alma: Tujtuae — 

genuisti: Du welche | geboren hast, statt Tu \ quae genuisti, u. s. w. Und so würden ähnliche und 
noch scnlimmere Text-Entstellungen und Verzerrungen verschwinden. 

^) Aus einer der vielen Zuschriften, welche der Red. der Mus. s, seit dem Erscheinen der Artikel 
über Choralvortrag zugekommen sind, zitiert sie nachfolgende Zeilen: „Mich zog es nach dem gefeierten 
B., um während eines Choralamtes dorten im Himmel sein zu können. Da war ich wirklich wie vom 
Himmel — gefallen. Dieses Hymnusgetänzel (s. v. v. !) ja sogar dieses Salve Regina l Dieses H-loss 
turiMss mt-8e-n-corr-<feM oe-culoss ad noss! Fein ,zart, deutlich war die Aussprache, aber als „gekünstelt*' 
rousste ich sie beurteilen n. s. w.'* 



Nummer n redet von der Choralmelodie, führt die bereits in Mus. s. S. 170 an- 
gegebenen einfachen und zusammengesetzten Choralnotenformen auf, jedoch in der Dar- 
stdlung, welche ihnen im neuen Strassburger Graduale gegeben sein wird. Entgegen 
der Notation in den offiziellen Choralbächem wird dort auch die ♦ als kürzeste, selbst- 
stäiidige Note gebraucht, der podatus nur durch >^, der clivis bezw. cUmacus durch 1^ 
oder ^ dargestellt. Letzteres hält der Unterzeichnete für unrichtig, da, wie oben be- 
merkt, die erste Note schon nach physikalischen Erwägungen — weil sie als erste in 
das Ohr eintritt — betonter klingt als die folgende zweite. Beide sollen aber gleich 
stark oder schwach, kurz oder lang sein, je nachdem die Silbe, mit der sie Verbin- 
dung eingehen, stark oder schwach ist. 

In ni ist vom Choralrhythmus die Kede. 

III. Der Clioralrliytliiiin». 

Unter Choralrhythmns versteht man die schöu geordnete Bewegung des Vortrags der Choral- 
melodien. Wie ein guter Redner bald leiser, bald stärker, bald langsamer, bald rascher spricht 
and dadurch eine gewisse schöne Bewegung, einen gewissen Fluss in seinen Vortrag bringt, 
ebenso muss auch der Sänger die aufeinanderfolgenden Töne einer Melodie in einer gewissen 
Bewegung , in einem fs^ewissen Ehvthmus singen. Dieser Rhythmus wird in der modernen Musik 
durch den Takt bewirkt, im Choral durch den Rhythmus des Textes, und es gim das oberste Gesetz 
tlir den Choralrhythmus; Der Choralrhythmus ist Sprachrhvtnmus, d. h. die Choralmelodien 
werden wesentlicn mit der Bewegung gesungen, mit der der Choraltext gesprochen wird. Es 
ist dieses Gesetz nichts anderes als der oben ausgesprochene Fundamentalsatz: „Singe die Worte 
mit den Noten so, wie du sie ohne Noten sprichst.^ 

Die Choralmelodien sind entweder einfache oder reichere. Die allereinfachsten sind jene, 
bei denen jede Textsilbe in der Regel nur eine Note hat; sie werden infolgedessen syllabische 
Melodien genannt. 

1. Der Rhythmus der syllabiachen Choralmelodien.' 

Diese Melodien (Oredo, Salve Beuina [5. Ton], viele Antiphonen des Vesperale) bieten am 
wenigsten Schwierigkeiten in ihrem rhythmischen Vortrage, da der Rhythmus ganz allein durch 
den Textrhythmus bestimmt ist. Was im Texte betont oder nicht betont gesprochen wird, wird 
auch in der Melodie betont oder nicht betont gesungen. Wie oben schon gesagt, hat jede Textailbe 
der syUabischen Melodien in der Regel nur eine Note. Diese kann dreifach sein: entweder eine 

Virga ^« die über einer betonten Silbe steht , und wegen der eintretenden kleineren Verlängerung 

Longa genannt wird , oder ein Punctum M ♦, wovon die erste Note (H) über einer unbetonten kurzen 
Silbe steht und deshalb auch Brevis heisst. Die Note ♦ steht im syUabischen Gesänge in unsem 
(Strassburger) Büchern meist hinter der Accentsübe eines dreisilbigen Wortes; sie klingt ein wenig 
kürzer als die Brevis und wird deshalb auch Semibrevis genannt. Es ist jedoch zu bemerken, dass 
diese Note einen deu^ich vernehmbaren Ton darstellt, und dass, wie man nicht z. B. D6m(i)nu» 




sprechen darf, man auch nicht \ singen soll 

D6-m(i)-nus 

Stehen in einzelnen Ausnahmsfällen über einer betonten Silbe einer syUabischen Melodie 
andere Tonfiguren, nämlich Podatus, Clivis, Forrecttts, Torciüus, Scandicus, Climacus, so wird die 
betreffende figur mit einem gewissen Ansätze angesungen und der Accent ziemlich gleichmässig 
auf sie verteilt, z. B. : 

I j_ I » I 

'P 'P 'i~^ T"^ "i"^ T"^ 




Dö-mi-nus. D6-mi-nus. Dö - mi-nus. D6 - mi-nus. D6 - mi-nus. D6 - mi-nus. 

Stehen diese Tonfigaren über unbetonten Silben, so sind sie ebenfalls unbetont, Mcht und 
abgerundet zu sinken. Besonders ist dies zu beobachten und durch lange, sorgfältige Übung zu 
erstreben, wenn die Accentsübe nur eine Note, unbetonte Silben aber deren mehrere haben. In 
diesem Falle ist die Accentnote sorgfältig und deutlich hervorzuheben, damit sie ein gewisses Über- 
gewicht über die unbetonten Silben habe. Man singe also nicht: 



- H ^ ■. ~ — rr sondern * 




Do-mi-nÜ8, Dö-mi-nus. 

Statt der hier angeratenen Betonung der ersten Note im podatus, clivis, porrectu^, 
torcülus, scandicus, und climacus befürwortet die Red. der Mus, s., dass man bei 
accentuierten Silben den dynamischen Ausdruck nicht nur „ziemlich'^, sondern durch- 



-» 189 E>- 

aus gleichmässig auf die 2 oder 3 auf- oder abwärts steigenden Notengruppen verteile 
und die durch Wahl der ♦ sehr nahe liegende, häpfende Silbenaussprache durchaus 
vermeide. Die Meister des polyphonen Gesanges haben niemals auf eine o eine J folgen 
lassen, sondern die Vermittlung der p oder p* in Anspruch genommen und hiemit 
ihren feinen Sinn für rhythmische Gliederung kundgeben. 

Die kurzen Bemerkungen der „Gäcilia^* über „den Rhythmus der reicheren Choral- 
melodien" sind wohl zu summarisch und befriedigen am wenigsten; es soll im 4. Artikel 
auf Einzelheiten zurückgekommen werden. Becht gut und praktisch sind die «allge- 
meinen Vortragsregeln" im Anhang (Caecilia S. 35): vom Tempo (Bewegung), von der 
Djrnamik (Tonstärke) und dem Ausdruck. Sie lauten: 

„Die gate Textdeklamation besteht neben einer guten Aussprache in einem bald schnelleren, 
bald langsameren Vortrag der Sätze oder der einzelnen Satzteile. Ein ^ter Redner beobachtet 
dieses in seinem Vortrag, und so mnss auch der Choralsänger die heiligen Texte bald rascher, bald 
langsamer singen. Das Tempo (Bewegung) richtet sich besonders nach dem Gedanken- nnd 
Gemhls-Inhalt des Textes, welcher auch nier mass- nnd ausschlaggebend ist. So muss z. 6. das 
flehende £yn> in der hl. Messe gemessener und feierlicher gesungen werden, als das recitativartige, 
fliessende Oredo, das anbetende SancHts langsamer als das juDelnde Oloria. 

Ja selbst in einem einzelnen Gesangsstücke soll der Vortrag häufig sich beschleunigen oder 
verzögern, je nach Inhalt der Worte. So zum Beispiel sind etwas langsamer zu singen, doch so, 
dass Qie einheitliche Bewegung des ganzen Gesangstückes nicht darunter leide, der hl. Name Jesu, 
oder jene Stellen, bei welchen der Ptiester das Haupt verbeugt oder entblösst: Adoramus te, Gratias 
ägimus tibi, Sügcipe deprecatiönem nostram, Et homo /actus est. 

Im Allgemeinen ist in Bezug auf das Tempo die goldene Mittelstrasse zu wählen zwischen 
dem zu hastig eilenden und dem besonders vielfach vorkommenden schleppenden und breiten 
Choralvortrage. In der Begel soll der Vortrag leicht fliessend und lebhaft, ja oft freudig und 
schwungToll gehalten werden.** 

„Eine gute Textdeklamation erfordert ferner eine sich abermals aus dem Inhalte und der 
Beschaffenheit des Textes sich ergebende Verschiedenheit in der Tonstärke des Vortrages. 

Im allgemeinen soll der Choral nie mit voller und breiter oder gar schreiender 
Stimme gesungen werden, was demselben einen harten und rohen Ausdruck verleiht; vielmehr 
soll derseloe in der Begel nur mezza voce d. h. mit halber Stimmstärke vorgetragen werden, 
was die mannigfaltigsten Vorteile zur Erzielung eines schönen Choralgesanges bietet 

Dementsprechend darf die Orgel den Choral nur mit sanften Stimmenregistern begleiten 
und nie den Gesang übertönen, sondern demselben nur einen weichen, ruhigen Teppich unterbreiten, 
auf dem er sich bewegen kann. Es gäbe viel zu klagen über die Thatsache, dass gerade der Miss- 
branch nnd die falsche Behandlung der Orgel den grössten Teil der Schuld trägt an dem Verfalle des 
Choralgesan^es. (Diesen Satz klebe man in grossen roten Lettern auf die Organistenpulte. F. X. H.) 

Die fernere Schattierung des Vortrages, d. h. der Wechsel von leiser- stärker-, creacetido' de- 
creaeendo-Singea), welcher sem* dazu beiträgt, einen ausdrucksvollen Choralgesang zu erzielen, 
ergibt sich wieder aus der natürlichen } schönen und begeisterten Deklamation des Textes, dart 
aber nie affektiert und gekünstelt sein.** 

„Zu diesen praktischen . natürlichen Grundregeln , auf welche der ^te und richtige Vortrag 
des Chorals beruht, kommt äoer bei demselben noch ein anderes, übernatürliches Moment. 

Der Choral als liturgischer Kirchengesang ist nämlich vor allem die Gebetssprache der Kirche, 
der feierlichste und vollkommenste Ausdruck des Lob-, Dank- und Bittgebetes,, welches dem Herzen 
der Kirche entströmt Der innerliche Grundcharakter des Chorals ist also vor allem Gebet, und 
ist der Choral vor allem als Gebetsgesang und Gesangsgebet in seiner feierlichsten und er- 
habensten Form aufzufassen.** 

Nach diesen Einschaltungen über die Vorbedingungen zum richtigen Choralvortrag 
sollen Beispiele über den Vortrag antiphonartiger Gesänge, zu denen auch IntrmttM und 
Commtmio gezählt werden müssen, und die das Mittelglied zwischen den einfach* 
syllabischen und den reicheren Choralmelodien bilden, im 3. Artikel folgen. F. X. H. 



Vom Bücher- und Musikalienmarkte. 

„Amphion" betitelt sich eine schön ausgestattete Sammlung vierstimm, gem. Chöre für den aus- 
schliesslichen Gebrauch in Gymnasien und Realschulen, welche J. Strubel als Op. 43 jugendlichen 
Sängern darbietet. Es ist auf den Stimmenumfang sowohl der noch nicht ausgereiften Tenoristen 
nnd Bassisten als auch auf die bequeme Lage von Sopran und Alt — ersterer überschreitet äusserst 
selten das / — auf das sorgfältigste Räcksicht genommen. Die Partitur (Stimmen sind nicht er- 
schienen) kostet in dauerhaftem Einband 2 .^( 50 ^, bei Partiebezug von mindestens 10 Exemplaren 
a 2 ^; ein äusserst billiger Preis för die 153 Nummern auf 443 Seiten; Verlag von Feuchtinger 
nnd Gleichauf in Regensburg. Der Inhalt setzt sich zusammen aus Vaterlandsliedem (21 Nr.), ^eistl. 
Liedern und Gesängen, nicht für die Kirche bestimmt (Nr. 22—37), Morgen- und Abendhedern 
(Nr. 38—54), Frühlings-, Sommer-, Herbst-, Marsch- und Naturliedem (Nr. 54—94), vermischten Liedern 
nnd (besängen (Nr. 95--128), 8 heiteren Liedern, 7 Grabgesängen und schliesslich einigen Gesellschafts- 



-« lOO E>- 

liedern für 1 und 2 Stimmen. Wer junge Leute vom 10. bis 18. oder 20. Jahre musikalisch be- 
schäftigten soll, wird dem Herausgeber zum Dank verpflichtet sein, dass die Texte nach Inhalt und 
Form in keiner Weise weder Parität noch Sittlichkeit verletzen, vielmehr die jugendlich -lebhafte 
Phantasie immer in gesunden Bahnen zu erhalten und dieselbe anzuregen geeignet sind; auch sind 
ausrangierte und musikalisch wenig wertvolle Eompositioneu veralteter Gesänge weggeblieben. 
Die guten, alten Lieder begrüssen wir mit Freude, die neuen Kompositionen sindT frisch, schwung- 
voll und wirksam. Von besonderem Werte ist aas i^phabetische Verzeichnis der Komponisten 
(circa 96 aus 3 Jahrhunderten) mt kurzen biographischen Notizen. Ein alphabetisches Register der 
Textanfänge vervollständigt die Übersichtlichkeit und erleichtert das Anfänden der Lieder. Amphion 
hat nach mythologischen Erzählungen die Gabe des Gesanges und Saitenspieles besessen und beim Bau 
Thebens die Felsenblöcke durch sein bezauberndes Spief mühelos zusammengefügt. Eine ähnliche 
Aufgabe, die kantigen und schwerfälligen Elemente unter den jugendlichen Sängern zu frischem und 
lebendigem Zusammenwirken beim Gesänge anzuregen, wolle das Strubersche Liederbuch erfüllen, 
denn die pädagogische Musiklitteratur ist verhältnismässig noch arm an Werken, welche gleich dem 
vorliegenden, den bedeutungsvollen und wichtigen Zweck, den gemischten Ghorgesang schon von 
Jugend auf zu pflegen, zu erfüllen geeignet sind. 

Vom Liederrosenkranz zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria, dessen 2. Aufl. in Partitur 
S. 118 der Mus. a. kurz angekündiget worden ist, sind nun auch die 4 Einzelstimmen in 4 bequemen 
Notenheften erschienen. Preis brosch. ä 60 .^, g^b. ä 75 /5>, Verlag von Fr. Pustet Nachfolgende 
Druckfehler, welche sich in der Partitur vorfinden, wurden in den Stimmen bereits verbessert 



II. Bass: , n. Tenor: L Tenor: 



^^- 



Pag. 1, Zeile 6, p> f — =H ; pag. 39, Z. 1, m p r~3 ; pag. 63, Z. 1, ^ 



Afr "• r c r '• 'T'Äs: " ^^ 



^ 



Takt 3: 



st/ 

Die 60 Marienlieder für 4 Männerstimmen (nur 2 Nummern sind für 5) sind grösstenteils 
schon seit 1866 bekannt und verbreitet und wollen zum Lobe der Himmelskönigin und zur Erbau- 
ung der Gläubigen bei nicht liturgischen Nachmitta^andachten dienen, der Monat Oktober ist 
ja besonders der „Rosenkranzkönigin** geweiht 

Das Liederbucn für katholische Schulen von Hufiro Löbmann, 2. Teil, Oberstufe, über 
welches die Mus, s, in Nr. 5 des Jahrgangs 1897 sehr empfehlend berichten konnte, wurde in 
2. Auflage als 3. und 4 Tausend (bei F. X. Pflugmacher in Leipzig, Preis 40 ^) neu ausgegeben. 
Der Übungsstoff ist noch vermehrt, stets aber wurde auf die beschränkten Ziele des Gesangsunter- 
richte in der Volksschule gewissenhafte Rücksicht genommen. 

Jahresberichte aus Anstalten, welche sich ausschliesslich oder wenigstens (wie dieLehrer- 
seminarien) eingehender mit der Musik beschäftigen, wurden der Red. eingesendet aus: Dresden. 
Der Bericht des Kgl. Konservatoriums für Musik über das 42. Studieirjahr (Wamatz und Lehmann, 
Preis 30 ^) ist durch eine musikhistorische Studie von Karl Heinr. Döring: geschmückt, in welcher 
Rückblicke auf die Geschichte der Erfindung des Hammerklavieres im 18. Jahrhundert dem Gedächtnis 
Christoph Gottlieb Schröter's gewidmet sind, des Mannes, der mit dem Italiener Christofori, dem 
Franzosen Marius und dem deutschen Silbermann zu den Erfindern der Hammermechanik in den Klavieren 

fezählt werden muss. Die Studie ist mit grossem Fleisse ausgearbeitet und ^bt neuerdings Zeugnis, 
ass die geistigen Urheber nicht jenen Lohn zu erhalten pflegen, den sie in den Annalen der Gt^- 
schichte verdienen. Gh. G. Schröter ist im Jahre 1732 zu Nordhausen gestorben; die materielle 
Ausbeute seiner Erfindung der Hammermechaidk hat J. Silbermann besorgt, das „Klavier der Zu- 
kunft" aber ist schon nach 100 Jahren durch die Klaviervirtuosen, Frz. Liszt an der Spitze, zu 
ausserordentlicher Vollendung gekommen. 

Der Jahresbericht der Kgl. bayr. Lehrerbildungsanstalten in Niederbayern umfasst die 
Kgl. Präparandenschulen Deggendorf, Landshut, rassau und Pfarrkirchen, sowie das 
Kgl. Schuilehrerseminar in Straubing. In diesen 5 Anstalten wird der Musik, beziehungsweise dem 
Gesänge, Klavier, Orgel- und Violinspiel, der Harmonielehre und nicht zuletzt auch der Kirchen- 
musik und dem Kirchendienst erfreuliche Aufmerksamkeit gewidmet So lautete beispielsweise das 
Unterrichtsprogramm für die 2 Kurse des Kgl. Schnllehrerseminars in Straubing (Anton Schwarz, 
Musiklehrer für Harmonielehre, Orgel, Gesang und Kirchenchordienst, Brücklmayer für Klavier 
und Violin in beiden Kursen sowie für Orchester, und der H. H. Seminarpräfekt Jos. Reiter für 
Kirchendienst): 

1. Gesang. I. Kurs. a. Choral. Theorie: Wesen des Chorals. Tonleiter. Noten. Linien- 
system. Schlüssel. Custos. Intervalle. Die 8 Kirchentöne und ihre Merkmale. Vertiefiings- und 
Auflösezeichen. Digsis. Pausen. Vortragsweise. Wert des Chorals. 

Praktisch: Studieren der 8 Psalmtöne. Anwendung derselben in den Vesper- Psalmen aus 
Psälterium Vespertinum von Haberl. Offic. defunct. Teilweise Wechselgesänge zum Hochamt. 

b) Figuralgesang: Tonbildung, Vokalisation, Textaussprache, Vortrag. Übungen in Tonleitern 
und Intervallen; dynamische, sowie Accord- und Modulationsübungen mit Notennamen und Solmi- 
sationssilben, 2 stimm. Solfeggien von Bertalotti, Messen etc., weltliche Chöre. (Siehe n. Kurs.) 

U. Kurs. Vertiefung und Erweiterung des im I. Kurse Behandelten; hiezu kommt im 

a. Choral: Offic. de Nativ., de hehdom. sanct. Sämtliche treffende: Introitus^ Oraduale, Sequenzen, 
Tractus, Communio aus Grad, Rom, Antiphonen, Hymnen aus Vesperale Rom, 

b. Fi^uralgesang: Fortsetzung der Solfeggien von Bertalotti. Gesteigerte Übungen im 
Treffen, sowie zur Krzielung eines gediegenen Vor&ages. Messen von Bemards, Bill, Brücklmayer, 



-e 1»! ö- 

Dohmen, Haller, Hamiua, Sander, Hanisch, Koenen, Mitterer, Nekes, Oberhofer, Piel, Rheinberger, 
Schweitzer, Singenberger, A. Wiltberger, Witt, Edenhofer, Löbmann. Auer X, Ahle, Schwarz, Stehle. 
Offert orien von AibUnger, Ett, Haller, Koenen, P. ütto Kommäller. Kothe, Piel, A. Wiltberger, 
Witt, Klein, Nanino, Brücklmayer, Orlando, Palestrina. Vespern von Cima-Witt, Schaller. Zachariis- 
Witt. Litaneien von Edenhofer, Haller, Koenen, Piel, Renner, Schmidt, Schwarz, Singenberger, 
Stehle, Stein, Perlatiq, Witt, Modimayer, Schmidkonz. Miserere von Allegri, Casciolini, Witt. 
Te Deum von Nekes. Piel, Witt, Maas, choraüter ans Ord. Miss. Tantnm ergo von Baini, Brückl- 
mayer, Colonna, Haller, Pitoni, Schmidt. Tangel, Thielen, Vittoria, Witt. Marienlieder: Greith, 
Hauptmann, Koenen, Seiler, Schwarz, Aiblinger. Marianische Antiphonen von Modimayer, Röder, 
Piel, Konen, Kothe. Requiem von Ett und Piel. 

2. Or^elspiel. I. Kurs. Übungen aus Herzogs Orgelschule mit besonderer Berücksichtigung 
des Pedalspiels. Kadenzen. Sequenzen mit den verschiedenen Accorden in allen Tonarten in enger 
and weiter Harmonie, im Anschlüsse an die Harmonielehre. Die verschiedenen Arten von Respon- 
sorien zum Hochamte, zur Litanei, Wettersegen, Te Deum, Tantum ergo etc. harmonisiert von 
A. Edenhofer. Diktieren von bezifferten Bässen, Transponieren von leichteren Stücken. Präludieren 
in freier und in periodischer Form. Die 8 taktige Periode im ganzen und Vi T^^^ ^ ^^^' luid 
MoUtonaiten. Modulationen mit Dominant-Dreiklang, Sextakkord und Dominant-Sept-Akkord samt 
Umkehrungen von Dur nach Dur. 

II. Kurs. Derselbe Stoff mit gesteigerten Forderungen. Sämtliche Responsorien. Modu- 
lationen mit Septakkord salht ümkehrungen, 7 fache Lösungen des Dominantseptakkordes, enhar- 
monische Mehrdeutigkeit des Dominantseptakkordes als übermässiger '/s und '/s Akkord, Alteration 
der Akkorde, der verminderte 7 Akkord in 12 facher Lösung mittels 3 Regeln. 

Die Kirchentonarten. Charakteristische Unterschiede und Merkmale. Harmonisierung der 
treffenden Skalen, Bildung von Schlüssen samt gebräuchlichen Transpositionen. Harmonisierung 
von gregorianischen Chorälen , Bestimmung, Harmonisierung und Transpositionen von Melodien aus 
dem Oraduale Bomamtm, 

3. Harmonielehre. I. Kurs. Wiederholung der allgemeinen Musiklehre und der Lehre 
vom Dreiklane, Septimen-Akkord samt Umkehrungen. Die l^benseptimenakkorde. Harmonisieren 
gegebener Melodien nach ihrer tonartlichen Zugehörigkeit Transponieren gegebener Beispiele 
schriftlich oder praktisch am Klavier und auf der Orgel. Einfache Modulationen mit Dominant- 
Dreiklang und Septakkord von Dur-Dur samt Umkehrungen. 

n. Kurs. Wiederholung des im I. Kurs erlernten Stoffes. Lehre von den Nebenseptimen- 
Akkorden, dem Nonen - Akkorae , dem verminderten Septimen -Akkorde, den alterierten Akkorden, 
dem Vorhalte, der Vorausnähme, dem Wechseltone, den Durchgangs- und Hilfstönen, der diatonischen 
und enharmonischen Mehrdeutigkeit der Akkorde, dem Orgelpunkte etc. etc. nach Heinze. Muster- 
beispiele aus Piel, Rheinberger, Bach etc. 

Modulationslehre an praktischen Beispielen. Die Modulation in einem Tonstücke. Tonschlüsse. 
Harmonisierung von metrischen Chorälen, wobei besonders auf gute Führung des Basses Rücksicht 
genommen wurde ^ ausführliche Behandlung der Kirchentonarten und Harmonisieren modemer und 
alter Choralmelodien. Bildung und Transponierung von Kadenzen in den Kirchentonarten, Harmoni- 
sierung von Psalmtönen, teilweise Responsorien. 

4. Kirchenmusik. An den Werktagen zweimal allgemeiner Kirchen^esang mit Benützung 
des Gesangbuches „Cädlia^ von Mohr, an den übrigen Tagen einstimmige Messen mit Orgel von 




spielten. 

An Sonn- und Festtagen Messen, Vespern, Litaneien, Miserere, Offertorien aus dem Kataloge 
des Cäcilienvereins. Heranziehen aller hiezu befähigten Zöglinge zum Orgelspielen beim Amte, bei 
der Vesper und den Litaneien. Siehe Gesang IL. Kurs. 

5. Kirchendienst. Pflichten des Mesners im allgemeinen, bei sämtlichen gottesdienstlichen 
Funktionen am Altar und bei Spendung der hl. Sakramente und Sakramentalien. Kenntnis des 
Direktoriums, des Kiche^jahres und der damit verbundenen Funktionen. Erklärung des Officium 
defunctorum. 

Der Bericht der Kgl. Musikschule Würzburff (Direktor Dr. Karl Kliebert, Professor für 
Orgel Leo Glötzner, für Chorgesang Simon Breu und H. Sehultze) weist aus, dass für die Or^el 
11 Schüler und 5 Hospitanten, für Kontrapunkt 20 Schüler eingeschrieben waren. Am stärksten ist 
der Chorgesang (180 Schüler und 330 Hospitanten = 510). sowie die Harmonielehre (83 Schüler 
und 7 Hospitanten) vertreten; für Partiturspiel und Direktion sind nur 7 Schüler und 1 Hospitant 
angeführt Dabei ist zu erwähnen, dass die Zöglinge des Kgl. Lehrerseminars den obligatorischen 
Unterricht in Violin- und Klavierspiel von Lehrkräften der Kgl. Musikschule erhalten, und dass 430 
aus der Universität, den 2 Gymnasien und dem Lehrerseminar unter den 671 Eleven der Kgl. Musik- 
schule sicli befinden, so dass immerhin noch 211 Musikschüler übrig bleiben, welche das Studium 
der Musik berufsmässig betreiben. Es drängt sich da wohl die ängstliche Frage auf, „woher wird 
man Brot nehmen für so viele ?** 

Der Jahresbericht des Knabenpensionates und des freien kath. LehrerseminaiH bei St. Michael in 
Zaj: spricht ebenfalls vom Musikunterricht (Musiklehrer J. Dobler) und zählt das Pensum der 4 Kurse 
in tolgender Weise auf (Klavier- und Violinunterrichtsprogramm übergeht die Redaktion der Mus. s:) 



-43 19* &h 

I. Mnsiktheorie. I. Knrs. 1 Stnnde. Allgemeine Mnsiklehre: Vorkenntnisse; (das mensch- 
liche Grehör- und Stimmorgan);. Lehre von den Intervallen, Tonleitern, Tonarten; (Verzierungen); 
Eirchentonarten. 

n. Kurs. 1 Std. Harmonielehre: die Dreiklänge und deren Umkehnmgen; die verschiedenen 
Schlüsse (Kadenzen); Dominant-Septakkord und seine Umkehmngen; Harmonisieiiing der Tonleitern; 
Transpositionen. 

III. Kurs. 1 Std. Die Nebenseptimenakkorde; Nonenakkord: die alterierten Akkorde, die 
harmoniefremden Töne; Mehrdeutij^keit der Akkorde; Modulationen, Generalbassübungeo. 

rv. Kurs. 1 Std. Hamonisieren yon Kirchenliedern j der Vokalsatz; das Einfachste aus der 
Formenlehre; Choralharmonisierung. Liturgik (Einführung in den Organistendienst) ; Bau, Re^strie- 
run^ und Pflege der Orgel; Abriss der Musikgeschichte; Kurze Belehrung über die gebräucUichsten 
musikalischen Instrumente. Kenntnis der kirchenmusikalischen Litteratur (nach Oäc.-Ver.-Katalog.). 

n. Gesang. I. Kurs. I Std. Elementarübungen; Tonbildungs-, Unterscheidungs-, Treff- und 
rhythmische Übungen nach Massgabe der eingeführten Gesanglehre; Vorbereitung der zutreffenden 
Chorgesänge. 

IL Kurs. I Std. Gesteigerte Übungen mit besonderer Bücksicht auf selbständiges Singen und 
Sicherheit. 

m. Kurs. 1 Std. Die schwierigeren Übungen aus der Gesanglehre; Singen der Molltonleitem ; 
Singen vom Blatt. 

IV. Knrs. 1 Std. Solfeggien (von Bertalotti, Ausgabe in den aiten Schlüsseln); Direktions- 
übungen; Behandlung des Gesangnnterrichtes in der Volksschule. 

L— IV. Kurs. 2 Std. gemeinsam. Chorgesanff: a) Choralgesang nach dem Qraduale und 
Vesperale Boinanum (Übersetzung und Erklärung derselben); b) Figuralgesang: mehrstimmige Messen 
mit und ohne Begleitung, Gradualien, Offertorien, Hymnen, Motetten, Magnificat, Litaneien, c) Kirchen- 
lieder, nach dem ein^eiührten Diözesangesangbuch (P. M.ohr, „PsSIterlein*'). d) Vierstimmige welt- 
liche Lieder aus Heim, Weber etc. Vor jedem Feiertage Vorbereitung auf die |fottesdienstlichen 
Gesänge; die liturgischen Gesänge werden immer genau nach kirchlicher Vorschnft ausgeführt. 

m. Orgel. UL Kurs. 2 Std. Manualübungen nach Massgabe der eingeführten Orgelschule. 
Angewandte Manualübungen: Orgelstücke, Begleitung zu Kirchenliedern und Choralgesängen; das 
Pedalspiel, Orgelstücke mit Pedal. 

IV. Kurs. 2 Std. Schwierigere Orgelstücke; Pedal -Etüden; Begleitung zu Choral- und 
deutschen Messgesängen; vierstimmige Messen für gemiscbten Chor. — Die fanigen Zöglinge be- 
gleiten abwechslungsweise den Gesang bei Singmessen, Nachmittags- und Abendandiu^hten. F. X. H. 



Vermisohte Naohriohten und Mitteilungen. 

A Aus Baden erhält die Redaktion zu dem Artikel in der Aprilnummer der Mus, s. S. 7d nach- 
folgende dankenswerte Zuschrift eines eifrigen Lehrer-Chorregenten: 

„Wenn man ausserhalb der gelbroten Grenzpfähle von den badischen Lehrern spricht und 
schreibt, so ist man gar zu gern (? D. R.) mit dem Urteil fertig, als seien dieselben in ihrer grossen 
Mehrzahl halbe Heiden, die alles, was auf Relig^ion und Kirche Bezug hat, nur gezwungen, schlecht 
und um den Lohn thun. Allerdings beten die badischen Lehrer etwas laut ums tägliche Brot; 
aber ihre Berufsarbeit wird keineswegs nur schlecht und ungern besorgt. Was insbesondere den 
Organistendienst betrifft, so kann Einsender sagen, dass die vielen Organisten, die er kennt, den- 
selben gerne und nach bestem Vermögen besorgen. Nur ganz selten hört man von jenen Fällen, 
dass ein Lehrer von der Schulbehörde zur Übernahme des Organistendienstes gezwungen werden 
muss: dagegen gibt es gar manche Orte, wo mehrere Lehrer zur Übernahme bereit wären. Der 
Organistenoienst wird auch meistens gut besorgt. (Bravo! D. R.) Es werden fast regelmässig in 
den Prüfungsbescheiden der kompetenten Behörden die Verdienste des Organisten und Lehrers um 
den kirchlicnen Gesang gewürdigt und nicht selten liest man in öffentlichen Blättern das Lob über 
die Leistungen des Organisten und der Sänger bei kirchlichen Festlichkeiten. Auch der Eifer der 
Lehrer bei den kirchenmusikalischen Kursen, und die schönen Leistungen bei den von den Bezirks- 
vereinen veranstalteten Gesangsfesten bekunden die freudige Erfüllung dieser Berufspflichten. 

Durch diese eifervolle Pflichterfüllung der Lehrer und Organisten ist denn auch in den 
meisten Kirchen der Diözese trotz der Kürze der Zeit für eine so schwierige und heikle Sache die 
Reform der Kirchenmusik durchgeführt, an dem einen Orte vollständiger und besser als an einem 
andern, je nach der Fähigkeit und Fertigkeit des Organisten und der Gunst der Umstände. 

Wenn aber mancherorts die Kirchenmusik noch nicht den kirchlichen Vorschriften entspricht, 
oder noch im ar^en liegt, so fehlt es deswegen nicht immer am guten Willen des Lehrers, sondern 
häufiger liegt die Schmd in äussern Umständen, die sich hindernd in den Weg steUen, oder an 
den Sängern, die man nicht überall für den heiligen Dienst bereit findet, oder auch an der. durch 
die Aufführungen der weltlichen Gesangvereine und die früheren kirchenmusikalischen Produktionen 
verdorbenen Geschmacksrichtung des Volkes. Auch ist wohl zu beachten, dass die Reform der 
Kirchenmusik bei uns erst während einer verhältnismässig kurzen Zeit angestrebt wird. War 
doch vor 20 Jahren noch der Choral in der Lehrerschaft kaum bekannt, noch weniger wurde er 
in gewöhnlichen Kirchen des Dorfes oder der kleineren Stadt gesungen; man verstand bei uns 
unter Choral ein in ein- und zweizeitigen Tönen fortschreitendes Kirchenued. ?Erst in den 80 er Jahren 
wurde er erstmals von dem verdienten Chordirektor Molitor in einzelnen Kursen gelehrte 



I9d 

Bessere Ansbildnng der Lehrer in der Eirchenmnsik , Kenntnis der kirchenmosikalischen 
Litteratnr, der Eirchensprache nnd der liturgischen Vorschriften, Bekanntschaft mit den besten 
Erzea^nissen der Kirchenmusik aus neuer und alter Zeit würden ganz gewiss eine weitere Hebung 
der heiligen Musik zur Folge haben. Man sollte schon im Seminar mit den besten Kompositionen 
bekannt machen und bei Ftüfiinffen darnach fragen. Auch die Aufiführung einiger Kompositionen 
der alten Meister würde den Geschmack Iftutem, Verständnis für die richtige Kirchenmusik anbahnen 
und manche minderwertige und vielbentttzte Erzengnisse zurückdrängen. Die Kenntnis von Samm- 
lungen vierstimmiger religiöser Lieder kann dem angehenden Organisten wenig nützen. Die Semi- 
naristen dürften auch das w-adtude Bomanum in die Hand bekommen und mit der Notation desselben, mit 
den Kirchentonarten und mit der Harmonisierung des Chorals vertraut gemacht werden. (Bravo! D. R.) 

Wenn nun aus vereinzelten Aitikeln in den beiden Schulzeitungen des Landes auf eine dem 
Organistendienst abgeneigte oder gar feindliche Stimmung unter den badischen Lehrern geschlossen 
werden möchte, ist wom zu beachten^ dass diese Artikel nicht der Meinungsausdruck der 
ganzen badischen Lehrerschaft sind, vielmehr nur eines einzelnen Herrn, der seiner 
gegenwärtigen Misstimmung berechtigten oder unberechtigten Ausdruck gibt. Mancher ältere 
Lehrer hat nämlich die Reform als eine unnötige, aufgedrungene Neuerung empfunden, nicht gern 
vom Hergebrachten gelassen und sich nur schwer in me kirchlichen Vorschriften hineingelebt. Ist 
doch in der erten Zeit der Reform sogar mancher Geistliche der Sache gleichgültig gegenüberge- 
standen. Manchmal wird aber auch die heilige Sache mit mehr Eifer als Sachkenntnis und 
Klugheit betrieben. Dem gewissenhaften, mit den liturgischen Vorschriften vertrauten Lehrer 
sollte man auch in der Auswahl der einzuübenden Kompositionen innerhalb des Vereinskataloges 
f^eieHand lassen, nicht die Produktion derselben einzeln vorschreiben und ihm dadurch die Schaf- 
fungsfreude ersticken und die Arbeitskraft lähmen. (Ganz einverstanden. D. R.) 

Solche Stimmen in der Presse sind vereinzelt und würden bei einer anderweitigen Besorgung 
des Organistendienstes vielleicht noch mehr laut werdoi; sie gehen wohl manchmal gar von 
solchen Herren aus, die keinen Organistendienst besorgen, noch ie oesorgt haben und es auf eine 
gänzliche Trennung der Schule von der Kirche aogesenen haben. 

Es steht also nicht so schlimm in der badischen Lehrerwelt in dieser Sache, wie man gerne 
ausserhalb des Landes annimmt. Im Gegenteil wissen die meisten Organisten und Lehrer sehr 
wohl, dass der pekuniäre Schaden, der ihnen durch die Entziehung des Organistendienstes erwüchse, 
der gerinpte wäre , und sie würden es tief beklagen, wenn mit Aufhebung des § 38 des Elemen- 
tamntemchtsgesetzes, wodurch der Lehrer zur Übernahme des Organistendienstes angehalten 
werden kann, noch eines der wenigen Bande, welche die Schule mit der Kirche verbinden, durch- 
schnitten würde. Der vom rechten Berufsgeiste erfüllte Lehrer ist auch bei uns der Kirchenbehörde 
dankbar für die weise Anordnung, wodurch sie den für den Lehrer ehrenden Organistendienst und 
den biblischen Geschichtsunterricnt in seine Hände gelegt hat (Besten Dank! D. R.) 

+ Fladnitz-Passail (Steiermark). Der verdienstvolle, mit Eifer und Beharrlichkeit für die 
Sache der hl. Cädlia seit vielen Jahren thätige Chordirektor und Komponist Franz Arnfelser ist 
nach nur einwöchentlicher Krankheit als Opfer der Typhus-Ejpidemie am 21. Juli um Vs^ Uhr früh 

festorben. Er war geboren im Jahre 1846 zu Kitzeck in Steiermark und über 25 Jahre im Markte 
assail als Lehrer und Oberlehrer thätig. Anlässlich seines 25jähr. Dienstjubiläums in Passail am 
27. Dez. 1897 wurde ihm der Titel „Volksschuldirektor" mit 100 fl. jährl. Zulage verliehen. Der 
Verein erleidet durch seinen Tod einen grossen Verlust — Möge die hl. Cäcilia mit dem grossen 
Chore der himmlischen Cäcilianer ihn zum ewigen Frieden geführt haben. R. I. P. 

Johann Mandl, Kaplan, Fladnitz-Passail (Steiermark). 

Zu Mm^. #• S. 138. Die Fussnoten zu dem Berichte aus Gttnsbarff würde die Red. nicht 
gemacht haben, wenn ihr damals schon der Gedankengang und Wortlaut des Vortrages bekannt 
gewesen wäre, den Herr Seminarlehrer Deigendesch bei der genannten Generalversammlung abge- 
halten hat. Leider hat der Beriditerstatter die von der Red. Deanstandeten Sätze aus dem Zusam- 
menhang der Rede gerissen und dadurch bei den Lesern und der Red. den Eindruck hervorgerufen, 
als hätten diese Sätze den Hauptinhalt des durchaus korrekten, sehr fleissig und gründlich aus- 

fearbeiteten Vortrages wiedergegeben. Die Red. der Mu8. s. bedauert, wenn Herr Deigendesch infolge 
er hiednrch entstandenen Missverständnise in seiner Stellung als Seminarmusiklehrer oder von Seite 
der Leser der Mua. a. fälschlich beurteilt worden sein soUte. Übrigens hat die Red. der Mus. a. 
schon in Anm. 3 S. 140 dem lehrreichen Vortrage nach dem Referat der Augsb. Postztg. 
uneingeschränkten Beifall gespendet und wiederholt hier ihre volle Übereinstimmung mit den Haupt- 
gedanken desselben. F. X. Haberl. 

A Thurles. Co. Tipn. (Irland). Die Kirchenmusik wird hier mit unermüdlichem Eifer treu 
dem Graste der heiligen Cäcilia ausgeführt. Im Priester-Seminar (St. Patrik's-CoUege) wird fleissig 
Choral gesungen, im Ghanzen 4 Übungen wöchentlich. Auch die Chöre der beiden Nonnenklöster 
(Ursulinnen und Schulschwestem) zeigen gössen Eifer. — Im Pensionat fand nun anfangs Juni die 
jährliche Musik -Prüfung (Pianoforte, V iolm und Gesang) seitens der Royal -Akademie in London 
statt. Sir George Martin, Organist von St. Paul, London, war sehr befriedigt über die Leistungen 
der Gesangsschülerinnen. 

Seit Weihnachten 1897 wurden in der hiesigen erzbischöflichen Kathedrale folgende Kompo- 
sitionen aufgeführt: Haller, Missa Septima und Octava. Hanisch, Missa Auxilium Christianornm. 
Koenen, Missa in hon. SS. Trium regum. Mitterer, Missa festiva in hon. S. Caroli Borromaei. 
Piel, Messe zu Ehren des hl Antonius von Padna. Quadflieg, Missa in hon. S. Jacobi. Witt, Missa 
in hon. S. Luciae. Witt, Missa in hon. S. Franäsci Xaverfl. — Offertorien aus : Stehle's Motetten- 



buch, Haller^s 12 Motetten nnd 18 Motetten, Mitterer, Pia Cantica, Motetten von Greith, Jaspers, 
Piel^ Witt, Zangl, Dr. Smith (Dnblin). — Zum sakramentalen Searen: salutarü v. Haller, Dr. Smith. 
Fama angdicus v. Haller. Ädoro te v. Öreith. Avejverum v. Piel n. Schmidt. Tantum ergo v. Haller, 
Ett, Mitterer, Witt, Smith, Scherer. Litaneien v. Koenen. — Während der Charwoche: Mitterer's 
Besponsorien, Ecce auamodo v. Handl, Miserere v. Rheinberger, Popule meua v. Vittoria, Stdbat Mater 
V. Rheinberger. — Von dem Alumnenchor des St Patnck's-College: Motetten aus Wittes Cantus 
Hocri, Jepkens und PieUs Kirchliche Gesänge. Wiltberger. — Introitus, Graduale, Credo, Communio 
wurden immer choraliter von dem Alumnencnor ausgeiührt. — Während derselben Zeit von dem 
Chor der ürsulinnen: Bheinberger, Missa Sti. Kosarii. Haller, Missa sexta. Mitterer, Missa 
Veni spwaa. Koenen, Missa in hon. S. Ursulae. Piel, Messe zu Ehren der seligsten Gottesmutter 
Maria; Missa in hon. Ss. SacramenÜ; Missa in hon. Ss. Cordis Jesu. Koenen, Missa in honorem 
S. Joseph. Modimayer, Messe zu Ehren des heil. Benedictus. Greith^ Missa in hon. S. Clarae. Gries- 
bacher, Missa in hon. Ss. Cordis Jesu. Witt, Missa in mem. Condlii Oecum. Vaticani. — Oifertorien 
von Haller, Piel, Cohen, Mitterer, Koenen, Witt, Scherer. — Von dem Chor der Schul- 
schwestern: Greith. Missa in hon. S. Clarae. Hanisch, Missa in hon. S. Joseph. Dr. Smith, Herz- 
Jesu-Messe. Hiedler, Missa Sexta. Mitterer, Missa Yeni sponsa. — Offertorien von Haller, Singen- 
berger, Bheinberger, Koenen, Scherer. Max Scherer, Organist u. Chordirektor. 

Bonn. Anknüpfend an die Anfrage in Nr. 12, S. 137 der Mm, a,, teüen wir mitj dass 
soweit aer Vorrat reicht, die Festschrift zur Feier des 25jähr. Jubelfestes des kirchl. 
Gesangvereines Münsterchor Bonn, ge^en Einsendung von 50 Pfg. (Briefkaarken) vom Prä- 
sidenten des Vereins Carl Henry, Bonn. Schillerstrasse 12 zu erhalten ist. (Für die ehrende 
Zuschrift des „Münsterchores" spricht die Redaktion ihren Dank aus.) 

2|. Aussig. (Böhmen.) Dem bisherigen Chordirektor zu Mährisch-Schönberg, Ferd. Dressler, 
wurde unter mehreren Bewerbern die Lmtung des hiesigen Kirchenchores übertragen. (Die Red. 
der Mus, s. gratuliert beiden Teilen.) 



Popularität *) 

Aristoteles sagt, wenn je ein Gerechter auf die Erde käme, wäre er nicht an 
seinem Platz, und er würde sich gewiss fremd fühlen. Sicherlich wäre er nicht populär. 
Darin liegt ausgedrückt, dass die grosse Menge nicht gerecht ist. Die Athener wurden 
es müde, Aristides „den Gerechten^^ genannt zu hören: sie schickten ihn in die Ver- 
bannung. Darin liegt wiederum ausgedrückt, dass die Volksmeinung von Athen keine 
Geduld mit einem Gerechten hatte. Er war ihnen ein Dorn im Auge, ein Stachel im 
Gewissen. Erfreute sich daher jemand der Gunst dieses zivilisieriesten Volkes der 
alten Welt, so ist das gerade kein Beweis dafür, dass er sich durch sittliche Grösse 
auszeichnet. Am populärsten waren bei ihnen die Kleons und die Demagogen, die ihren 
ungerechten Gelüsten schmeichelten. P^re Gratry hat irgendwo gesagt, die Sophisten 
seien wieder bei uns eingekehrt, das heisst, jene Schule geistiger Verrenkung, die das 
Gesetz des Widerspruches leugnet und behauptet, es könne etwas zugleich wahr und 
fatech sein, nach denselben Kategorien der Zeit, des Umstandes und der Beziehung. 
Zum Glück ist diese Schule nicht gross, denn niemand versteht sie; aber wir furchten, 
auch die Demagogen sind wieder bei uns eingekehrt, und zwar in voller Macht; denn 
wir zählen jetzt eine grosse Zahl von Eleons höher und niederer Art unter uns, die 
mit geradezu unersättlicher Gier nach Volksgunst haschen. Popularität bedeutet vielerlei. 
Sie bedeutet, dass jemand beim Volke allgemein beliebt ist, oder dass er allgemein be- 
wundert wird, oder dass er sich der Sympathie oder des Vertrauens des Volkes erfreut. 
Das isind vier verschiedene Arten legitimer Popularität. Aber diese Popularität kann 
nur von guten Männern, grossen Männern, wohlthätigen Männern oder weisen Männern 
erworben werden. Daneben gibt es viele Arten fakcher Popularität. Von ihr kann 
man meistens sagen: Wie gewonnen, so zerronnen, denn sie hat keinen bleibenden, 
dauerhaften Grund. So ist der Löwe oder die Löwin der Saison populär; und so haben 
die meisten Abenteurer ihre Zeit. So ist es auch mit populären Predigern, populären 
Sängern und populären Spassmachern. Doch das ist eine Popularität, die sich auf be- 
stimmte Gesellschaftskreise beschränkt, oder sogar nur auf die oberen Zehntausend. Sie 

^) Von dem bertüimten Kardinal Manning, Erzbischof von Westmünster , ist im Heideröschen 
Verlage unter dem Titel „Erholungsstadien" eine Sammlung von sehr lesenswerten kleineren Auf- 
sfttzen erschienen, von welchen wir hier einen mitteilen. — Wer nach ^^Popularität" in kirchenmusikal. 
Fragen hascht, wird aus diesen kernigen Gedanken viel lernen können. Für die wahre Popularität 
der Kirchenmusik hat der sei. Dr. A. Walter im Cäcilienkalender 1880 und 1881 geistvolle und über- 
zeugende Worte geschrieben. F. X. H. 



HS 1A5 eh 

kommt und geht, sie steigt und fällt, schliesslich geht sie aus wie ein Nachtlicht und 
lässt nichts zurück, was besonders angenehm wäre. 

Es gibt yiele Wege, auf denen sich die Menschen populär zu machen suchen. Die 
Griechen' nannten gewisse Popularitätshascher ^ Gefälligkeitsmenschen ^'; sie suchten 
jedermann zu gefallen. Die Römer nannten sie ,^ustimmungsmenschen^^ ; sie stimmten 
allem zu und widersprachen niemanden. Das ist vielleicht die ursprügliche Bedeutung 
des Wortes „angenehme Person^': eine Person, die alles annimmt. Der heilige Paulus 
nennt solche Leute „menschengefällig". Und die Mo^altheologie spricht von einer be- 
rechneten Willfährigkeit, die bis auf Simon Magus zurückgeht und daher den Namen 
„Simonie der Zunge" hat. Aber die Menschen gehen im allgemeinen nur selten auf all 
(Üesen Vogelleim. Leute, die keine eigenen Ansichten haben, haben auch keine eigene 
Überzeugung; wer aber keine Überzeugung hat, hat auch keine Willenskraft und kein 
Gewissen. Es sind menschliche Chamäleons ohne bestimmte Farbe. Sie wechseln die 
Farbe, je nachdem sie mit diesem oder jenem leben oder reden. Sie jagen nach 
Popularität, sind aber nie populär; man toleriert sie in der Gesellschaft, aber niemand 
traut ihnen. Inmitten solcher Leute wäre es eine wahre Erfrischung, Dr. Johnson's 
„rechtem Hasser" zu begegnen; denn wie der Philosoph sagt, ist es ein Zeichen von 
magnanimittis, wenn man in Freundschaft und Feindschaft offen ist. 

Andere Menschen suchen sich beliebt zu machen, indem sie die Kunst der Unter- 
haltung pflegen. Ein Mann, der mehr gut als gross war, hat ein Tagebuch hinter- 
lassen, worin sich alle Unterhaltungsthemata notiert finden, auf die er sich vor jedem 
Essen vorbereitet hatte. Sydney Smith beschreibt einen andern einflussreichen Mann 
seiner Zeit als „einen Tischgenossen reinsten Wassers". Dergleichen Personen sind in 
Privatkreisen oft recht beliebt. Es sind amüsante Gesellscha^r; sie helfen die grössten 
aller menschlichen Qualen, die man „dinner-parties" — Tischgesellschaften — nennt, 
etwas weniger unerträglich machen. Allein auch diese Popularität der Gesellschafts- 
menschen hat ihre Grenzen. In der Wissenschaft der geselligen Unterhaltung gilt es 
nämlich als ein Axiom, dass gute Leute langweilig sind: sie suchen ja niemand zu ver- 
leumden, kramen keinen Klatsch aus, erzählen keine Skandalgeschichten, haben keine 
Freude an geheimen Bosheiten, verraten keine Familiengeheimnisse, lachen nicht über 
die Schwächen oder gar über die Tugenden anderer und würzen ihre Beden nicht mit 
zweideutigen Worten. Der Beiz der Unterhaltung mit ihnen geht daher halb ver- 
loren; sie wird fade und geschmacklos; sie wird eben nie persönlich und boshaft und 
sündigt nicht gegen die Nächstenliebe. Diese Leute lange anhören zu müssen, ist daher 
für die meisten eine harte Geduldprobe; ihre gute Natur irritiert geradezu, sie ist ein 
zu starker Hemmschuh für die Zügellosigkeit plauderhafter Zungen. Und sie sind ganz 
entschieden nicht populär. 

Wenn ^r von Männern der Bede zu Männern der That übergehe^ , müssen wir 
das Gebiet der Popularität noch mehr begrenzen. Es gibt gute und demütige Leute, 
die, dem Bäte des griechischen Weisen gemäss, ihren Lebenslauf still vollenden, bevor 
die Welt von ihrem Leben und ihrem Hingang Notiz genommen hat. Leute dieser 
Art können weder populär, noch unpopulär sein, einfach deshalb, weil man sie nicht 
kennt. Andere sind so passiv, dass sie sich dem Einflüsse eines jeden hingeben, mit 
dem sie gerade zusamQentrefien. Wer das letzte Wort hat, hat sie in seiner Gewalt, 
und oft kann man aus der Wendung ihrer Sätze und beinahe aus dem Tone ihrer 
Stimme erraten, mit wem sie zuletzt gesprochen haben. Leute dieser Art sind eben- 
ffidls zu unbedeutend, um populär oder unpopulär zu sein. Das Weisse des Eies hat 
keinen Geschmack. 

Aber es gibt andere, die nicht umhin können, ihr eigenes Urteil zu haben und zu 
sagen, was sie denken, und zu denken, was sie sagen. Es sind Männer, die nicht 
G^uld genug haben, um viele Worte zu verlieren; es widerspräche ihrem offenen 
Charakter, nicht aufrichtig zu sein, und sie sind zu voll von ihren Gedanken und 
Plänen, um viele Umstände zu machen. Die Italiener nennen solche Leute irrtienti, da 
sie auf Menschen und Dinge einstürmen. Sie sind geneigt, grosse Hoffnungen auf 
andere zu setzen, da es ihnen selbstverständlich dünkt, dass jedermann nach hohen 
Zielen strebe. Sie sind einigermassen befehlshaberisch, geradeheraus und aggressiv. Sie 



1<^6 

arbeiten selbst und treiben andere zur Arbeit an, sie sind nicht unfreundlich und nicht 
unsympathisch; aber sie machen's wie schnelle Fussgänger, die ihre Begleiter zum 
Dauerlaufe zwingen, und das ist nicht sehr angenehm. Der heilige Augustinus sagt, 
für die, welche gut zu Fuss seien, sei es eine Liebespflicht, langsam zu gehen; denn 
sie können das. Die Langsamen hingegen können mit ihnen nicht gleichen Schritt 
halten. Solche Leute nun sind nicht populär; aber sie sind's, die wir zuerst au&uchen, 
wenn wir in Verlegenheit sind; bei schönem Wetter halten wir uns in angemessener 
Entfernung von ihnen. Man kann sie mit den heissblütigen , wilden Soldaten ver- 
gleichen, £e in Disziplin und militärischem Geist exakt und pünktlich, dabei jedoch im 
Frieden lästige Kameraden sind: es sind die Männer, nach denen sich im Kampfe alle 
umsehen. Populär sind sie nicht, denn sie gefallen nur denen, die sie verstehen und 
dieselben Ziele verfolgen. Andern sind sie entschieden unangenehm. Sie sagen und 
thun Dinge in dieser unserer leichtlebigen, lustigen und gewissenlosen Welt, £e nicht 
selten die Freude der Sorglosen stören und das Gewissen der Schuldigen beunruhigen. 
Wäre die Mehrzahl der Menschen gerecht und ehrlich, massig und hochherzig, so hätte 
die Popularität eines Mannes, den die Mehrzahl verehrt, die Bedeutung, dass er alle 
genannten sittlichen Vorzüge in hohem Grade besitzt. Ist die Mehrzahl der Menschen 
aber gerade das Gegenteil davon, so begreift man leicht, warum gesagt wurde: „Wehe 
euch, wenn alle Menschen gut von euch reden I^^ 

In Wirklichkeit findet man ^meistens keine Popularität , wenn man danach strebt, 
und wenn man gar nicht daran denkt, kommt sie unbemerkt. Ein Popularitätshascher 
verrät sich selbst und verdirbt sich dadurch das Geschäft. Seine Haltung und sein 
Auftreten sind zu selbstbewusst , er sieht aus, wie die Amerikaner sagen, „wie seine 
eigene, mit allgemeinen Beiträgen errichtete Statue'^ 

Wer im Leben am populärsten war, wird nach dem Tode oft am schnellsten ver- 
gessen; und wer jetzt, in dieser Welt des Kampfes, gar nicht populär ist, dem wird 
oft später in der Geschichte eine ungeahnte Verehrung zuteil. Als Sir Robert Peel die 
erste Reformbill bekämpfte, war er vielleicht der unpopulärste Mann von ganz England. 
Als er die Korngesetze aufhob, war in den Häusern und Herzen des engUschen Volkes 
niemand so populär, wie er. John Bright genoss dreissig Jahre hindurch die Popularität 
eines Volkstribuns; aber vor kurzem wurde er ausgezischt. Hätte einer von diesen 
Staatsmännern den Beifall des Volkes gesucht, so würden sie in der Geschichte Englands 
nicht als Führer und Wohlthäter des Volkes bezeichnet werden. Unpopularität ist das 
Schicksal derer, die allein zu stehen wissen und kräftige Spuren ihres Wirkens bei 
anderen Menschen zurücklassen. Allein die Zeit berichtet das momentane Unrecht, 
das allen geschieht, die sich von dem veränderlichen Hauch populären Beifalls nicht 
fortreissen lassen. _, 

' Offene Korrespondenzen. 

Photogr. dankend erhalten von H. M. in W., R. F. in T«, E. 8t. in 0., H. 8ch. in B. 

Bausteine fttr die caclllenkirche. Übertrag aus S. 172: 236 M. R. F. in T. 20 M, L. E. in D. 10 M, 
A. Seh. in M. 20 ^ = 286 Ji. Verhelfe Gott! 

An Viele. Der neue Katalog für die amerikanischen Harmonium liegt dieser Nummer bei. Die 
Preise ü\i die bisher geführten Instrumente sind ganz gleich geblieben, obwohl die Numerierung wegen 
Einschaltung neuer Modelle und Stile sich geändert hat. Es wurde besonders Rücksicht genommen: 
1) dass auch einfachere und billige Instrumente (von 140 M ab) von Anfängern ausgewählt werden 
können, dass 2^ bei jedem Instrument die Anzahl der Zungen beigesetzt wurde ^ denn nicht die 
Zahl der Register, sondern die Menge der Zungen ist für den höheren oder genngeren Wert der 
Harmonium massgebend, und dass 3) einige Pedalharmonium zu Übungszwecken eingeschaltet wurden, 
um den vielen iGifragen nach billigen und zur Übung im Pedalspiel geeigneten Zungeninstrumenten 
zu genügen. 

7 ? Von den „Denkmälern deutscher Tonkunst^, welche seit 1892 durch eine von der Kgl. preuss. 
Regierung berufene Kommission bei "Breitkopf und Härtel in Leipzig ediert werden, sind bisher nur 
zwei Werke erschienen, nämlich Samuel Scheidt's Tabulaiura nova ftir Orgel und Klavier von Max 
Sei ff er t und der 1. Band von Hans Leo Hassler's Werken: Cantiones sacrae für 4—12 Stn. heraus- 
gegeben von Herm. Gehrmann. Seit 1894 ist eine Stockung eingetreten, deren Ursachen sich einstweilen 
der Öffentlichkeit entziehen. 

Drack und Verlag von Friedrich PuBtet in Regen sb arg, Gesandtenstrasse. 
Nebst Beilage Nr. 15 und Harmoninm-Katalofir. 



]^398. Regensburg, am 1. Oktober 1898. }^» 19, 



MUSICA SACRA. 

Gegründet von Dr. Franz Xaver Witt (f 1888). 

HalbmoMtsclirift fflr Hebung und Fördernng der kathol. Kircbenrnnslk. 

HerauBg^egeben von Dr. Franz Xaver Haberi, Direktor der EirchenmuBlkscliule in BegenBburg. 

Nene Folge X., als Fortsetzung XXXI. Jahrgang. Mit 12 Mnsikbeilagen. 

Die „Mtaica tacra" wird am 1. und 15. jeden MonaU anagegeben. Jede der 84 Nammem tunfaaat 12 Seiten Text. Die 12 Moaik- 
beilagen (48 Seiten) wurden in den Nummern 5, 7 und 8 veraendet. Der Abonnementpreia dea Jahrgänge beträgt S Mark; die 
Beatellnng kann bei jeder PoaUnatalt oder Buchhandlung erfolgen. — Bei der Reichapoat mit 20 Pf. Aufachiag. Bei franko Znaendnng 

unter Streifband in Deutachland und Österreich-Ungarn 4 Mk. — ins Analand 4 Mk. 80 Pf. 

Inlialtaiiberatcht: Über Choralvortrag. 3. Artikel. — Kirohenmusikalische Aufffihrnngen und Berichte 
aus: Lechfelii, Mallersdorf, Russland, Sclüesien (Altwasser, Ziegenhals), Krefeld i vor 30 Jahren und doch heute (sein OfTertorien- 
Repertoire), aas Böhmen. — Ein Brief über den kirchenmusikalischen Kurs in Turin. — Offene Korrespondenzen. 

Über Choralvortrag. 

3. Artikel. 

„Die einfache, den Worten und Sätzen des Textes sich anschliessende Sprach- 
melodie der Antiphonen mag die Ursache sein, dass .die verschiedenen Ausgaben der 
Choralbücher beim Antiphonengesang die erfreulichste Übereinstimmung durch die Jahr- 
hunderte hindurch aufweisen. Von der eifrigen Pflege des Antiphonengesanges hängt 
wohl vorzugsweise das wachsende Gedeihen und segensreiche Fortschreiten im grego- 
rianischen Gesänge ab, durch ihn kann eine gute, nachahmenswerte Tradition begründet 
werden." *) „Melodien,*) welche im allgemeinen wenig ausgedehnt sind, des Reizes eines 
regelmässigen Rhythmus und instrumentaler Begleitung entbehren und nur aus etwa 
50 traditionellen Motiven (Themen) bestehen, — das sind die Antiphonen. Kann eine 
so ärmliche Musik, eine solche Kompositionsweise zu ästhetischen Schöpfungen fuhren? 
Wer ausschliesslich die moderne Kunst pflegt und von Jugend auf gewohnt ist, die 
Mehrstimmigkeit (Polyphonie) als unentbehrliches Element des musikalischen Werkes 
zu betrachten, wird ohne Zweifel auf unsere Frage eine verneinende Antwort geben. 
In seinen Augen haben die Gesänge des Antiphonars nur archäologisches Interesse; für 
ihn sind sie versteinerte Modulationen, ohne lebendigen Ausdruck und ohne jede 
musikalische Schönheit. Ganz verschieden wird die Antwort des Künstlers lauten, der 
von Jugend auf diese ersten kirchlichen Gesänge gepflegt hat, und bei welchem auch 
die tägliche Beschäftigung mit moderner Musik keineswegs die Empfänglichkeit für 
diese magere homophone Musik ertötet hat."*) 

Gewiss kann der schöne Vortrag unserer herrlichen Vesperantiphonen, die um so 
einfacher und schwungvoller sich dem liturgischen Texte anbequemen, je älter sie sind, 
die Liebe zum Choralgesange entflammen und bewahren, aber nur bei richtiger, sinn- 



^) Magister chorcUis, 11. Aufl. S. Ö25. 

*) Übersetzt aus Fr. Aug. Gevaert^s Werk La Melop^e aniique. Gand, Ad. Hoste. 1895. S. 151. 

•) „Der Ataviwiius (Auftreten erblicher, hier geistiger Eigenschaften von mehr oder weniger ent- 
fernten Ahnen. F. X. H.) spielt hier wahrscheinlich eine Bolle. Personen, vom Lande, deren Ahnen in 
einer Boihe von Generationen keine anderen Konzerte oder Schauspiele kennen gelernt haben, als die 
kirchlichen Officien, müssen diese Musik viel lebhafter empfinden als die gebomen Städter, und es ist 
zweifelhaft, ob die Nicht -Katholiken jene unaussprechliche Freude an den liturgischen Gesängen voll 
^eniessen können." (Dieser Gedanke erklärt auch das zähe Festhalten am deutschen Volksgesaug in 
jenen Gegenden, in denen vor etwa 100 Jahren Kanonen angewendet wurden, um die Liebe zum Choral- 
gesang zu vernichten. F. X. H.) 



-ö 19» ö- 

gemässer Deklamation, bei genauester Bieachtong des Sprachrhythmas, der die Noten . 
und Notengruppen in den ausschliesslichen Dienst der Wörter und Sätze, der Inter- 
punktionen, Absätze und des Textsinnes stellt. 

Es ist deshalb sehr zu bedauern, wenn in neuerer Zeit viele Chöre von dem 
Privilegium, an gewöhnlichen Pfarr- oder Filialkirchen statt der Tages- irgendeine 
Votiv- Vesper zu wählen, einen so umfangreichen Gebrauch machen, dass die herr- 
lichen Antiphonen und Hymnen des Vesperäle Romanum fast niemals oder doch sehr 
selten geübt, gehört und gebraucht werden. Andererseits muss beständig gegen die 
Verkrustung oder „Versteinerung" solcher Melodien gekämpft werden, welche sehr 
geläufig geworden sind, wie z. B. die Antiphonen des Officium defundorum, besonders 
bei den Vespern und beim Benedictus am Grabe. Welche Töne und Laute muss 
man bei diesen ernsten kirchlichen Verrichtungen hören! Wie kläglich und ärger- 
lich werden diese Choralantiphonen abgeleiert, abgebrüllt, herausgestossen, misshandelt 
in Wort und Ton, abgejagt, veruustaltet, gemartert. Wenn dann Gebildete oder auch 
Andersgläubige (bei Begräbnissen) solch tölpelhaften Tongebilden und Kraftäusserungen 
zuzuhören genötigt sind, — dann ist das Urteil über den Choralgesang der katholischen 
Kirche bald gefällt! Der Priester (Kirchen vorstand oder Seelsorger), welcher derlei 
Ärgernisse nicht mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft und beseitigt, 
wird mitschuldig an dem moralischen Schaden, den solche Aufiführungen am Grabe 
oder im Gotteshause anrichten. Worte schildern es nicht, aber die Erinnerungen der 
verehrl. Leser werden ohne Zweifel lebhaft, wenn der Unterzeichnete auf eine der 
schönsten und erhabensten, aber auch am schlimmsten malträtierten Antiphonen bei- 
spielsweise hinweist, auf Ego sum vor dem BenedidiLS. Jesus war noch nicht im Hause 
des Lazarus angekommen, als Martha ihm entgegeneilte und ihr Leid klagte. Da 
sprach zu ihr Jesus (Joh. 11, 25): „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer da 
glaubt an mich, wird, selbst wenn er gestorben ist, leben. Und jeder, der da lebt und 
glaubt an mich, wird nimmer sterben in Ewigkeit." Wer diesen Choralgesang so vor- 
tragen kann, wie man fast regelmässig und allgemein ihn hören muss, dem möchte 
mau am offenen Grabe zurufen: „Oredis hoc? — Glaubst du das?** 

Und doch ist nichts einfacher, natürlicher, verständlicher und tiefer, den Um- 
ständen, dem feierlichen Ernste der Kultushandlung mehr angepasst, als die gregorianische 
Melodie der Antiphon Ego mm. Eine Klagearie, ein Trauer-Chor oder -Marsch, musi- 
kalisch noch so kunstvoll und erschütternd, muss in der geistigen, seelischen Wirkung 
gegen diese wenigen, im SprachrhytJimus feierlich und gläubig vorgetragenen Intervalle 
zurücktreten. Die Melodie lautet bekanntlich: 



fegEÜfl^SEEr^EÄEiEg-^fpi^ 




E-go sum re-sur-r6cti - et vi - ta: quicre-dit in me, e - ti-am si mör-tu-ns fii - o-rit, 



vi-vet: et o-mnis qui vi-vit, et cre-dit in me, non mo-ri - 6 - tur in se - ter-mim. 

Wie ist sie nach den bisher erörterten Grundsätzen und Regeln vorzutragen? 
Der intonierende Priester spricht im Namen des Erlösers und singt, ergriffen von 
der unendlichen Liebe Jesu, mit ernstfeierlichen Tönen Ego sum. Die Sänger fahren 
olme störende und unmotivierte Pause fort. Die höchste Steigerung in Melodie und 
Tonstärke liegt bei den Worten qui credit in me; der eingeschaltete Zwischensatz 
etiam si bis vivet ist im Rhythmus zu beschleunigen, bei fuerit trete ritardando 
und decrescendo ein, um das tröstliche vivet vorzubereiten. Die Bewegung hebt sich 
wieder bei den verheissenden Worten et omnis, nach denen kurze Trennung stattfinden 
kann, obwohl kein Unterscheidungszeichen angebracht ist, damit die, auch durch gleiclie 
Melodie sinnreich ausgedrückte Übereinstimmung zwischen „Leben und Glauben" nach 
und an Jesus, recht deutlich hervortrete. Der Schlussatz ist eine herrliche Prophe- 
zeiung, ein wahrer Triumphgesang des Siegers über Tod und Hölle, von dem die Kirche 
am Charsamstage mit freudiger Zuvemcht meldet: mors, ero mors Um - o Tod, 
ich werde dein Tod sein! 



-ö 199 &- 

Soweit äussere Zeichen den inneren Gehalt dieser wundervollen Antiphon darzu- 
stellen vermögen, versucht der Unterzeichnete durch Markierungen in Text und Noten 
den richtigen, sinn- und sachgemässen Vortrag niederzuschreiben, wählt Trans- 
position in die Oberquart und (für die allerschwächsten Sänger) das fünflinige System 
mit Violinschlüssel 



tnf rit f ^^ *^^ mf accd. 










m 



u) I b) c) I b) 0) c) c.) 

E-go snm re-Bur-r^-ctT-o et vi - ta: qiücre-dit in nie, 6 - ti-am si mör-tu-us fii - c-rit, 
Ich bin die Auferstehung und das Leben : wer glaubt an mich, auch wenn er gestorben ist, 

f zs^^ *»/ rit 



<r- 



lE^i^ 



(') 




vi-vet: et o-mnis qui vl-vit, et cre-dit in me, nonm5-rr- ^ - tnr in aß - t^r-nnm. 
wird leben: und jeder, der lebet und glaubet an mich, nicht wird er sterben in Ewigkeit. 

a) Dieier podattu muss gleichmftssig, leicht und legato vorgetragen werden. 

b) Dieser cUvi8 ist ohne Druck auf die erste Note auszuftlhren ; bei mof^iehtr treten beide Noten hervor. 

c) Dieser podatua muss die Acoentsilbe durch glcichmässiges Hervorheben der beiden Noten 
hörbar machen, am stärksten bei credit und omnia. 

Wenn auch nicht alle Antiphonen textlich und musikalisch so reich und anregend 
sind, wie die genannte, so bietet doch jede Anhaltspunkte, um den richtigen, sprachlich- 
musikalischen Ausdruck zu erlernen oder zu verbessern. Man lasse sich diese kleine 
Mühe nicht gereuen; jeder Chor wird dadurch nicht nur gewinnen, sondern sicli stets 
auf der Höhe kirchlichen und musikalischen Denkens und Fühlens halten. — 

Eine reichere Gestaltung zeigen die Antiphonen, welche im römischen Graduale als 
Introitus und Communio ehemals mit Psalmen verbunden waren, nunmehr aber für sich 
stehen ; — nur im Introitus ist der erste Psalmvers mit dem Oloria Patri noch erhalten. 
Im 16. Jalirhundert hat die römische Kirche den Entschluss gefasst, in Erfüllung der 
Trienter-Concilbeschlüsse vorerst Missale und Brevier zu reformieren, dann auch die 
in denselben vorhandenen Choralmelodien einheitlich zu gestalten. Papst Gregor XIII. 
beauftragte den römischen Meister Giovanni Pierluigi ans Palestrina (gewöhnlich nur 
„Palestrina" genannt), welcher es fttr die „grösste Ehre" erklärte, den Choralgesang 
„von Barbarismen und von den üblen Klängen gut zu läutern." ^ In der editio Medicaea 
des Graduale von 1614, die von der päpstlichen Kommission (1868) als Norm für die 
offizielle Neuausgabe gewählt worden ist, sieht man die Grundsätze durchgeführt, welche 
der Unterzeichnete in einigen Artikeln „Archäologische und offizielle Choralmelodien" 
(Mus, 8. 1896 S. 184, 217, 1897 S. 53, 113, 265) durch vergleichende Beispiele gezeigt 
iiat. Das Prinzip, der Oberherrschaft des Textes über die Noten ist hochgehalten, die 
Auswüchse und Überwucherungen einfacher und natürlicher Sprachgesangsweisen sind 
von kundiger Meisterhand zugeschnitten, für Licht und Luft, d. h. Verständlichkeit und 
Deutlichkeit des liturgischen Wortes ist gesorgt worden.*) Die Dienste, welche 
Palestrina der polyphonen Gesangsmusik geleistet hat, und welche die kirchl. Autorität 
bis auf unsere Zeit her anerkennt, erwies er auch dem liturgisclien, frei rhythmischen 
Gesänge; er gab dem Texte die Freiheit, entlastete ihn von der Menge und Schwere 
der Notengruppen, förderte seine Ausdrucksfähigkeit und verlieh ihm jenen idealen 
Schwung, den auch seine besten, polyphonen Werke in den Einzelstimmen befolgen, wenn 
sie richtig erfasst werden. In diesem Sinne ist auch Dr. Proske's berühmter Grundsatz 



') Kirehenmus. Jahrbuch 1886, S. 39 im Briefe an Herzog Wilhelm von Mantua vom 5. Nov. 1578. 

*) Edm. Langer schrieb im Sept. 1897 an den Unterzeichneten: „Wenn der Choral auch wirklich 
in den Ambrosianischen Hymnen von der alten Musik Ausgang genommen, so Ist das System der gleichen 
Dauer der Choralnoten oder auch einer mensuriertcn Wertmessung durchbrochen worden, sobald man 
zu nicht metrischen Sätzen griff — und zwar zum Heile des Kirchengesanges, da in der freie icu 
(4cbundenheit mehr „Oeist" lag, als im Takt-Rhythmus. Die von Gott geleitete Praxis der Kirche hat 
allmählich ein ererbtes, starres, weltliches Prinzip zum Heile der C^eistesfreiheit durchbrochen, und der 
(/horal aus dieser Periode ist der bessere, kirchlichere.'^ 



-G »00 ö- 



(Einleitang zum 1. Bande der Mu8. div.) zu verstehen: ,J)ie allgemeine Basis und Brücke 
zur Auffassung und Darstellung der kontrapunktischen Werke der alten Eirchenkom- 
ponisten ist der gregorianische Gesang/^ 

Wie weit, aber in neuer Zeit die Meinungen über die Lesearten der archäologischen 
Gesangsweisen und besonders über den Vortrag derselben auseinander gehen, 
möge folgendes Beispiel darthun. Der Introitus Oaudeamics findet im Graduale Born, 
an vielen Festen Verwendungen mit ganz geringen Textänderungen in der Mitte. Es ge- 
nügt, Anfang und Schluss desselben nach verschiedenen Lesearten mitzuteilen und zwar 
a) nach Dom Pothier's Liber Oradualis (1883 und 1895), b) nach der editio medicaea 
von 1614, c) nach der typischen Ausgabe der hl. Eiten-Kongregation (1896), d) nach 
der Ansicht von G. Houdard^), e) und f) nach den beiden Lesearten von Dechevrens *). 



I 



a) Pag. 44, 8, Thomae, Ep. et Mari, 



5fl= 




-: X > f J^V^*^ ^ ::: ? < ■ fS i. i ^. i -iw 



Gau -de - A-mus o-mnes in Dö - mi 



^ 



no, di-em fe-stiim ce-le - brän-tes w. s, w. 




\J^<-!^ 



1 irV^ 



t^cz^, in^„ 




gaa-dent An - . ge 



li , et col - lÄu - dant Fi - li - um 



De 



^ 



1. 



b) Ed. med. Tom. L fol. 28b S. Thomae, Ep. et Mart 



^^=^^^s^ 




'"^'^P ^i» < f ^ w nf '^ ^ ~^ 



Gau-de - a - mos o-mnes in Do 



mi-nO) di-em fe-stam ce-le-bran-tes u. s. w. 




gau - dent An - ge - li , et col - lau - dant Fi - li - nm De - i. 

c) Pag. 28. Ebenso in allen Auszügen, wie Epitome, Compendium etc. 




:'3*"-ÜEÜE^ 



gpg 



Gaa-de - ä - mus o-mnes in Dö 



mi - no, di - em fe-stum ce - le-brän-tes «. s. w. 




et col - lau - dant Fi - li - nm De 



1. 




gau - dent An - ge - 11 , 

d) Houdard. Ez. 269. Nacli St. Gallen und Einsiedlercodex aus Neumen übertragen. 

-«CT --•* allarg , mölto. 



3=3^ 




Gande-& - nrns o - mnes 



in Dö 



mi 



no u. 8. w. gan - dent An 




li, et col - lÄu 







^^^ffl4^ 



dant Fi 



li-um 



*) Le rythme du chant dit Gr^gorien dUpr^s la notation neumatique. Parig. Fischbachcr. 
1898. S. 196. 

*) Btudes de science musicale. Paris, Rue Lhomond 26. 1898. Tom. 111. p. 341 und 479. 



H3 *01 E»- 



e) Decbevrens. pag. 341. 



m 



w^ 



nt 



i^ja^ 



Gaude-a - 



mus - ranes 




in Do 



no u. 8, tr. 



^gjs^^^gijj^'p^^^i^li^ 



gau - 



dent An 



pp 



li 



et col - lau 



^^^mj^ m 




m^^^^i^^ 



dant 



Fi 



li-nm 



De 



]. 



f) Dechevrens 1. c. pag. 479. 

Aüegro, 



ipg^^^aga-^i^ ^ g^^g^^ 



Gaude-a 



mu8 0- mnes 



in Do 



mi- no u. 9. w. 



^Süi^^ig 




ti 




^-sfid -^FJ^^ 



gau 



- dent An 



ge - li 



et col-lau 



|^=gtegj^g{a^-i^^^ä Ej^T^ ^ 



dant 



Fi - li-um 



De 



1. 



Es sei dem Leser äberlassen, die melodische Übereinstimmung zwischen a, d, e 
und f, sowie die rhythmischen Verhältnisse, beziehungsweise Anordnungen und Ver- 
schiedenheiten der gleichen Töne und Intervalle eingehender zu vergleichen und schliess- 
lich einen Blick auf b und c zu werfen, um zu beurteilen, ob die editio medicaea und 
die typische Ausgabe der offiziellen römischen Choralbücher wirklich „Verstümmelungen" 
der archäologischen Leseart enthält, ob sie dem liturgischen Texte, der Deklamation 
und Verständlichkeit desselben gerecht wird u. s. w. Die -Tonleiter ist bei gleichmässig 
rhythmisierter Aufeinanderfolge der Intervalle noch kein musikalisch geniessbares 
Produkt, erst durch die Verschiedenheit der Rhythmen (und beim Gesang durch die 
wechselnden Stärkegrade) kann sie einen ästhetischen Eindruck machen; ähnlich ist es 
bei der Anordnung einzelner oder verbundener, auf- und abwärtssteigender Intervalle. 
Letztere können ohne Worte höchstens einen instrumentalen Eindruck durch Be- 
tonen, Rhythmisieren, Verdoppeln und Verzieren der Noten hervorrufen, aber ein Ver 
ständnis des Textes, eine aus voller Seele strömende Deklamation der kirchlichen 
Texte kann nicht erreicht werden, ohne dass die Noten und die Gruppen derselben 
nach Tempo, Stärkegrad, Betonung, Ausdruck in absoluter Unterordnung und vollstän- 
digem Gehorsam der Wörter und Sätze stehen. Diese Forderung kann bei den Bei- 
spielen b und c leicht und allgemein erfüllt werden, und es dürfte überflüssig sein, 
eine weitere Darstellung durch moderne Schriftzeichen zu geben. Der 4. Artikel wird 
übrigens Gelegenheit bieten, auch vom Vortrage der reicher neumisierten Gesänge in 
den „Chorbüchern der Kirche" zu reden und das gleiche Prinzip auf dieselben 



anzuwenden. 



F. X. H. 



Eirchenmusikalische Auflührungen und Berichte. 

D Am 29. Augast fand in Kloster Lechfeld die 17. Versammlung des Bezirkscäcilienvereins 
Lechfeld statt, welcher an diesem Tage zugleich das 25jälirige Juhiläum seines Bestehens feierte. 
Das Programm lautete: 10 Uhr Predigt und Amt in der Klosterkirche, wohei die heilige Messe für 
die noch lehenden und bereits verstorbenen Mitglieder des Vereins fjelesen wird. Veni aancte Spiritus, 
5 stimmig von Aiblinger. Introitus und Communio choraliter. Kvrte, Sanctns, Benedictus und Ägiius 
aus der Augustinus-Messe Op. 18. 4 st. von Witt, Olaria aus der Missa solemnis Op. 23 von L. Ebner, 
Graduale, Manuskript, 48t. von M. G., Oifertoriura In virtute tua für Männerchor aus den Offerte- 
Heften Nr. 21. Mittags 12 Uhr: Gemeinsames, einfaches Mahl, bei welcher Gelegenheit auch Bericht 
erstattet wurde über die Entstehung und bisherige Wirksamkeit des Vereins. Nachmittags 2 Uhr: 
Kirchenmusikalische Produktion in der Klosterkirche. I. Kirchenchor Hurlach: a) Motett: Cum 
nngelis et jnteris zur Prozession am Psdmsonntag von M. Haller für 4 st. gem. Chor. Op. 45. b) Marien- 
lied: ,,Mutter der göttlichen Gnade" aus Ave, Maier amabüis von Fr. Koenen für zwei gl. St. und 
Orgelbegl., Op. 51. c) Kyrie aus der Missa in hon. St. Thomae Aquin. von T. Mitterer für 4 st. 
gem. Chor und Orgelbegl. — IL Kirchenchor Kleinaitingen: a) Introitus aus der Messe Statuü 
de Com. Conf. , Choral. — Psalm öst. b) Domine exaudi orationem meam aus der Messe des Char- 
mittwochs, 5 st. von Witt, c) 1. Ontcem tuam aus der Charfreitagsliturgie, Choral. 2. Ego sum aus 
d»'m Begräbnisritus. 3. Ite missa est, resp. Bcnedicamus Domino an den Mutter-Gottes-Festen, an den 
Sonntagen unter dem Jahre, auch an Septuag., Sexag. und Quinquag., an den Advent- und Fasten- 
Monntagen, an den Ferialtagen unter dem Jahre und innerhalb der Advent- und Fastenzeit. 4. Onidelis 
Herodes, Hymnus aus der Dreikönigsvesper. Choral, d) ^Maria Osterfreud", 48t. Marienlied von 
Haller. e) Äscendit Deus, Offertorium aut Cliristi HimmeliaJirt für vier gem. St. von Schaller. - 
ill. Kirchenchor Oberigling: a) Vidi aquam, Choral, b) Grad. Venite filii für den 7. Sonntag 
nach Pfingsten, Choral mit Orgel aus Grad. Rom. c) Kyrte und Oloria aus der Missa in honorem 
St. Andreae Avell. von Witt. 3) Grad. Requiem aeternam, Choral mit Orgel aus Grad. Bom., sodann 
Tr. Ahsolve aus Missa pro def. für vereinigte Ober- und Unterstimmen von I. Mitterer, Op. 69. 
p) Offert. Füiae regum für zwei gleiche Stimmen mit Orgel von I. Mitterer. f) Sanctus und 
Jknedidus für zwei gem. Stimmen mit Or^el aus der Heribertmesse, Op. 39 von Fr. Koenen. 
g) Vesperhymnus Salutis humanne, Choral mit Orgel, 3 Strophen gesungen, 2 rezitiert, für Christi 
Himmelfahrt. — IV. Kirchenchor Unterm ei tingen in Vereinigung mit dem Frauenchor von 
Graben: a) Sanctus, 2 st. aus Missa V. von M. Hafler. b) Psalm XLl (41) Ouemadmodum desiderat 
von Fr. Koenen. Nachmittag 4 Uhr: Gesellige Unterhaltung im Gasthaus. Alles zur grössern Ehre 
Gottes und der heil. Cäcilia, der Schutzpatronin unserer Kirchenchöre. 

Der Vereinspräses: AI. Hacker, Pfarrer in Kleinaitingen. 

X Der Bezirks-Cäcilien- Verein Mallersdorf (Diöz. Begeusburg) feierte am 5. September in 
Mallersdorf das herkömmliche Cäcilienfest mit folgendem Programme: Um V«10 Uhr: Hochamt. 
(Kirchenchor Mallersdorf) Missa: Jam sd recedit von Griesbacher. Introitus, (^raduale, Communio 
Choral. Offertorium; Inveni David, 4 st. von Haller. Um 11 Ulir: Vereinsversammlung. Um 12 Uhr: 
Gemeinsames Mittagessen. Um 1 Uhr: Probe des Gesamtchores. Um 2 Uhr: Feierliche Litanei. 
(Kirchenchor Mallersdorf.) Lit laur, für mehrst gem. Chor von Jos. Gruber. Tantum ergo, mehrst, 
von Haller. Unmittelbar darauf: Kirchenchor Geiselhöring: Intonuit, 4 st. von Mitterer. Ädjuva 
nos, N. 2 in C, 4 st. von Brticklmeier. Agnus aus Missa Dom. I. 4 st. von Mitterer. Kirchenchor 
Pfaffeuberg: I. 2 Offertorien: a) Assumpia est für Sopr. und Alt von Jos. Bartsch, b) In virtute tua 
für Tenor und Bass von L. Ebner. II. Magnificat^ 5 st. von Viadana. Gesamtchor: Offertorium 
Desiderium fiir Männerchor von Griesbacher. 

Q Spanisches aus Russland. Seit mehreren Jahren hat sich die kirchenmusikalische 
ReformBewegung, Dank der Initiative eines eifrigen Priesters, auch in die Diözese Tiraspol ver- 

Sflanzt, die die deutschen Kolonien im Süden und Osten des europäischen Russland umfasst Aber 
as Jempus beneplaciti'* ist noch nicht gekommen. Immerhin wird jedoch von vielen Seiten eifrig 
fearbeitet, diese Zeit vorzubereiten, ihr die Wege zu ebnen. Der Acker wird bearbeitet, die Sameu- 
örner werden ausgestreut, und mit dem Säemanne im Evangelium wartet man auf den Segen 
von oben. 

Ein bedeutender Schritt vorwärts wurde gethan. indem sich die grösste Stadtpfarrei der 
Diözese, die katholische Stadtpfarrei in Odessa, den Retormbestrebungen anschloss. Der bisherige 
Organist in Karlsnihe, der dort 5 Jahre die Kirchenmusik in kirchlichem Sinne geleitet hat, 
H. Edm. Schmid, wurde von H. H. Stadtpfarrer und Dekan R. Reichert nach Odessa berufen , und 
ihm der Auftrag erteilt, die Kirchenmusik so einzurichten, dass alle kirchlichen Vorschriften be- 
obachtet werden. So kann man nunmehr in dieser Kirche, in welcher früher nur gespielte Ämter 
und Vespern, im höchsten Fall halbe Gloria und Viertels -Credo zu hören waren, an Feier-, Sonn- 
und Werktagen ganzen Ämtern und liturgisch vollständigen Feierlichkeiten beiwohnen. Und das 
will sicher viel sagen, wenn grosse Städte, die ja gewöhnlich mit dem schlechten Beispiel voran- 
gehen, auch einmal ein gutes geben. Das zieht mehr, als wenn ein kleiner Ort, selbst mit idealen 
Zuständen, sich als Muster bietet. Wenn auch die Proauktionen des jungen und noch kleinen Chores 
keine hervorragenden, grossartigen sind, so sind sie doch anständig u^a würdig. Das andere kann 
und wird, bei ungestörter Entwicklung, daraus hervorwachsen. Es war im abgelaufenen ersten 
Jahre schon sehr' angenehm zu bemerken, dass überhaupt ein ('hör da war, während früher bei 
l^ozessionen, Umzügen u. dergl. von einem solchen nichts bemerkbar war. Die Priester musst-en 
bei solchen Gelegenheiten die Gesänge ausführen. Und da diese Priester aus verschiedenen Nationen 



-43 903 e:^ 

(Polen, DoutÄche. Fraiizosen und Italiener) und verschiedenen Diözesen, da ferner die betr. Gesänge 
wühl in Noten vorhanden waren^ aber „traditionell" gesungen \\iirden, so kam bei diesem Zusammen- 
wirken verschiedener Gewohnheiten manchmal etwas recht - Spanisches heraus. Im vergangenen 
Jahr ist der kleine Chor bei allen solchen Gelegenheiten eingetreten mit einfachen, würdigen Ge- 
sängen; hoffentlich wird es auch in Zukunft so bleiben. 

Sehr anerkennenswert ist, dass die Priester der Odessaer kathol. Kirche, die früher, wie viele 
ihrer Kollegen noch, am Gottesdienste besonders die Kürze lobten, nun geduldig ihr ganzes Gloria 
und Credo, den Introitus und das Graduale abhören, ohne darüber in Ohnmacnt zu fallen. Eine 
echt priesterliche That war es von H. Superior Reichert, dass er, einmal aufmerksam gemacht, kurz 
und einfach entschied: „Gibt es solche kirchliche Vorschriften über die gottesdienstliche Musik, so 
müssen sie auch beobachtet werden," und sofort selbst mit dem guten Beispiel voranging. Damit 
aber das Spanische nicht fehle, fand sich auch Opposition in den verschiedensten Formen. So musstr 
der Organist nachgeben , wenn ihm der zelebrierende Priester in das (gekürzte) Dies irae hinein 
das Evangelium sang! Ist das nicht Spanisch? Erhebend dagegen wirkt es wieder, wenn ein alter, 
fa^it 90 jähriger Greis, seine körperliche Gebrechlichkeit überwindend, ruhig abwartet, bis den kirch- 
lichen Vorsciiriften genügt ist. 




Besserem sind vorhanden. Das hat ein kirchenmusikalischer Instruktionskurs, der in Odessa vom 
dortigen Organisten abgehalten wurde, bewiesen. Dieser Kurs wurde, wie es in der Einladung 
heisst, auf Wunsch einiger Organisten einberufen; wohl mit bischöflicher Genehmigung, aber 
doch nur vom Kursleiter selbst, der um die Auslagen und Zeitverluste zu decken, sogar einen 
kleineren Beitrag von den Kursteilnehmern erheben musste. Da aller weitere Antneb fehlte, so 
waren die Aussichten so gering, dass, wie einige hintennach meinten, sie die Anmeldung unter- 
liessen, weil sie glaubten, es komme doch nichts zu stände. Trotzdem fanden sich 6 Organisten ein, 
zum tt'il aus weiter Ferne. Trotz der so geringen Entlohnung, von der die meisten Familien zu 
unterhalten haben, nahmen sie die nicht gerade unbeträchtlichen Kosten auf sich und setzten sich 
1 1 Tage lang zusammen, um täglich 5—6 Stunden fleissig und eifrig zu üben, was so vielfacli uocli 
nicht geschätzt wird. Das ist anerkennungswert, das ist nachahmenswert! Darum auch sollen die 
Namen dieser 6 eifrigen Jünger der Musica sacra hier genannt werden. Es sind: Joseph Frank aus 
Heidelberg, Anton Bader aus Kostheim (beide im Taurischen Gouvernement). Sebastian üng^miach 
aus Josepnsthal, Peter Black aus Elsass, Joseph Black aus Neukandel. und Wend. Heilfuss aus 
Katschari, Pfarrei Strassburg (im Cherson'schen Gouvernement). Allerdings hätten es statt sechs, 
zwanzig bis dreissig Kursteilnehmer sein können, wenn mehr Antrieb und Unterstützung dagewesen 
wäre. Die Kursisten hatten die Ehre, dass der in Odessa z. Z. anwesende Bischof Symon eigens 
von seiner Villa hereinkam, um ihrem Schlussgottesdienste beizuwohnen. Ein in Odessa zufällig 
anwesender polnischer Priester (H. fl. Bugaitschik. Mitglied des Ausschusses für Reform der Kirchen- 
musik in Russisch-Polen) besuchte dagegen täglich zweimal die Gesangsttbungen der Kursisten und 
eiferte sie an durch seine Teilnahme und sein Interesse. Dass er von Mitbrüdern zu hören bekam, 
„das sei ein schülerhaftes Benehmen^, ist sicher spanisch. 

„Es fiel ein Reif in kühler Nacht" u. s. w., so klang es kürzlich in unserer neugegründeten 
katholischen Zeltschrift „Clemens". Ein Ruf nach alten Fleischtöpfen! Das klang schon wieder 
sehr spanisch. 

In einem Aufsatze „Ein Jahr im Seminar" leistet sich der Verfasser nebenbei folgenden 
P;issus: ..Nun (bei den Exerdtien) beginnt das Abendgebet, das seinen Abschluss mit dem Miserere 
erhält. Dieser 50. Buss^salm wurde früher (nebenbei gesagt) nach einer Melodie gesungen, die der 
Stimmung der Schüler in diesen Tagen vortrefflich entsprach. Es lag in dem Tone etwas Weh- 
mütiges und Sehnsüchtiges. Man fühlte den tiefen Schmerz der Seele über die Beleidigungen 
Gottes; man merkte ihr Ringen und Arbeiten, um sich von den Fessein der Sünde loszumachen. 
Das ganze (?) machte den tiefen Eindruck einer wahren Bussgesinnung." Zu Nutz und Frommen 
der Musikästhetiker wollen wir diese Melodie hersetzen, wie sie hier meist gesungen wird. 

I II I V V V 




j ^BgBj i 




Miserere me - i De - us secundum magnam miseri - cor-di- am tu - am. 



Nun möge mir einmal einer all das, was da oben gesagt, aus dieser Melodie' heraussuchen! 
Im besten Falle ist anzunehmen, dass die Sänger die Wirkungen, die der erhabene Text in ihnen 
h**rvorgebracht, fälschlicherweise der Melodie zuschrieben. Thatsächlich haben schon manche fromme, 
Priester, die das noch mitmachten, versichert, dass dieser Gesang grossen Eindruck auf sie gemacht 
habe. Seitdem sie aber einmal aufmerksam gemacht worden sind, können sie ihn nicht mehr hören. 
Die Wirkung der Melodie blieb eben neben der übermächtigeren des Textes verborgen. Zwar ist 
jede Melodie an und für sich verschieden deutbar, und erhält ihren Charaktca* mehr oder weniger 
durch den Rhythmus, und ihre volle Deutuns; erst durch den begleitenden Text. Doch lässt sich 
das nioht soweit ausdehnen, da.ss eine iede Melodie zu jedem Texte passt. Und dass sie nicht 
zusammenpassen, trifft sicher hier zu. Wenn diese Melodie an und für sich etwas bedeuten soll, so 
ist es sicher etwas Tändelndes und Leichtfertiges, im höchsten Falle etwas Süss! ich-schm achtendes, 



am liebsten möchte ich sagen etwas Fades, Nichtssagendes. In eine solche Melodie kann der beste 
Vortrag keine wahre Bussgesinnone hineintragen, um so weniger der hier gewohnte. Sollte sich 
der Verfasser jenes Artikels dnrch diese Aasfünrangen beleidigt fühlen, so möge er verzeihen nnd 
künftig bedenken: „was man nicht versteht, davon soll man die Hände lassen^. Hätte er übrigens 
nur Obiges geschrieben, so wäre ich darauf nicht eingegangen. Aber er fährt in seinem Aufsätze 
fort, wie folgt: 

„Schade nur, dass der Fsalmton dem Übereifer für die Verbesserung des Kirchengesauges zum 
Opfer gefallen ist. Er steht nicht im „Haberl**, und das war der einzige hinreichende Grund, um 
ihn abzuschaffen. Ja, er steht nicht darin, aber mit allen, die dort verzeichnet sind, kann er den 
Vergleich aushalten. Es wäre wünschenswert, in diesem Stücke den „alten Weg" aufzusuchen, 
damit er nicht mit Gras verwachse.'^ 

Zunächst sei bemerkt, dass jene Melodie gar kein „Psalmton'' ist, sondern nur eine durch 
unsere Gewohnheiten des Freibegleitens und Übersetzens entstandene, kaum mehr erkennbare Ver- 
unstaltung des bekannten Misereretones : 




Ein ganz flüchtiger vergleichender Blick auf die beiden Melodien zeigt, wie sehr dieser 
„Psalmton** verballhornisiert worden ist, bis zur völligen Umwandlung. Das übrige möchte fast 
vermuten lassen, die östlichen Ghoralfeinde hätten von den westlichen gelernt, was aber kaum der 
Fall ist, da keine Verbindung besteht. Die Kampfweise ist aber dieseloe. Man hat einen Rücken 
vor sich, sagt, das ist ein Eselsrücken und schlägt drauf los. 

In einem Seminar, wo Priester erzogen werden, gibt es kein Publikum, das zu berücksichtigen 
wäre, sondern es gibt nur Gehorsam gegen die kirchlichen Vorschriften. Wenn da nicht, wo dann? 
Und es ist ein ^tes Zeichen einmal nir den Geschmack an unserm Seminar, dass man jene Bänkel- 
sängermelodie aogeschafft hat, und ebenso für den kirchlichen Geist dort, dass man Destrebt ist. 
jenen Weg zu wandeln, der zu unserer Mutterkirche nach Rom führt — und nicht nach Spanien. — 

Das Erfreulichste ist, dass die Reform der Kirchenmusik auch in Russisch -Polen unter 
kundiger und eifriger Leitung und mit Förderung angesehener Bischöfe so schöne Fortschritte 
macht. Wenn von dorther, worauf sich bisher unsere Gegner berufen haben, mit uns gearbeitet 
wird, so werden wir unser Ziel um so schneller erreichen. — 

(Ein Amerikaner, und darum Feind alles Spanischen — in der Kirchenmusik.) 

A Schlesien. Am 24. Juli waren 25 Jahre verflossen, seitdem in Altwasser die erste 
Generalversammlung des mittelschlesischen Cäcilienvereins abgehalten wurde, um das 
silberne Jubiläum dieses Festtages zu feiern, wird in diesem Jahre wieder die Generalversammlung 
des obengenannten Vereines in unserm Orte abgehalten werden und zwar am 3. und 4. Okt. Am 
3. Okt. wird abends eine feierliche Seeensandacht stattfinden. Nach derselben werden die Improperien 
Palestrina's für 8 stimmigen Doppelcnor, bearbeitet von Dr. F. X. Haberl, gesungen werden. An 
die kirchliche Vorfeier scnliesst sich eine weltliche im Saale des Hotel Seifert an, wobei die Kantate 
„Cäcilia*8 Gebet" von Nikel für Soli, achtstimmigen Chor mit Klavier-, Harmonium- und Streich- 
quartettbegleitung zur Aufführung kommen wird. Am Hauptfesttage wird Herr Kanonikus Staude 
aus Sprottau die Festpredigt halten. Diese Notiz allein dürfte genügen, Cäcilianer aus allen 
Richtungen der Windrose herbeizulocken. An das levitierte Hochamt, wobei die Missa secunda von 
Hasler und ein fünfstimmiges Offertorium von Haller gesungen wird, reihen sich Aufführungen 
kirchlicher Tonwerke älterer und neuer Meister. Auch werden Orgelsätze von Frescobaldi, Munat, 
Kolb, Nauss, Hörn, Piel, Adler, W. Kothe und Brosig während und nach dem Festgottesdienste zu 
Gehör gebracht werden. Eine Dr. Karl Proske Gedäditnisfeier, wobei das De profundis von Proske 
von der Gesangsabteilung des kathol. Gesellenvereines vorgetragen werden wird, reiht sich an die 
kirchliche Feier an. 

-fr Das 50 jähr. Dienstjubiläum des Herrn Seminar -Oberlehrers Heinze in Ziegenhals und 
die Erinnerungsfeier an das 25jähr. Bestehen des Lehrerseminars in Ziegenhals werden durch eine 
gemeinsame Feier am 30. Sept. und 1. Okt. d. J. begangen mit Konzert am 30. abends, ausgeführt 
von den Zöglingen der Anstalt in Verbindung mit einem gem. Chor und am 1. Okt. durch Fest- 
gottesdienst in der Pfarrkirche. Festakt u. s. w. (Die Red. der Mus, s. dankt für die ehrende Ein- 
ladung zu diesem Jubiläum, die ihr von Seite des Komites zugegangen ist und wird des greisen 
und hochverdienten Herrn Oberlehrers Leop. Heinze beim Kurs in Paderborn und beim Hochamte 
daselbst am 1. Okt. (M. in hon. S. Antonii de Padua für 3 st. Männerchor, Op. 12 von Jak. Quad- 
flieg) geistig und mit Worten gedenken.) 

^f Krefeld. Das Pontifikalamt bei Eröffnung der 45. Generalversammlung der 
Katholiken Deutschlands am Montag, den 22. August, in der Dionysiuskirche gab dem Unter- 
zeichneten Gelegenheit, die Leistungen des Pfarr- Cäcilienvereins an genannter Kirche kennen zu 
lernen. Der Chor hatte, wie es bei so hochfeierlichen Anlässen sich geziemt, nur Kompositionen 
von entschiedenem Kunstwerte auf sein Programm gesetzt. Beim Einzüge des hoch wür- 
digsten Herrn Bischofs erklang das Responsorium Ecce sacerdos, eine sehr schöne, schwungvolle 
Konaposition, deren Autor dem Referenten unbekannt ist. Frisch und begeistert vorgetragen, machte 
das Dttick einen sehr guten Eindruck. Als der bischöfliche Celebrant dann an die Stufen des Altares 
trat, wurde der Introitus choriditer angestimmt und ebenso zu Ende gesungen. Mit besonderer 



-ß SOS >■ 

Gena^hunn^ moss hervorgehoben werden , dass der Dionysioschor nicht, wie so mancbre Kirchen- 
chöre es leider thnn , den Choral als notwendiges Übel , als Aschenbrödel, sondern mit der gleichen 
Sorgfalt nnd Liebe behandelt, wie auch die polyphonen Gesänge. So schön, wie der Htroitns, 
worden anch die übrigen Choralstücke gesungen. Alles klang andächtig nnd wahrhaft erbauend. 
Als Ordinarium Mssae war eine Novität von Michael Haller gewählt — eine herrliche funfstimmige 
Missa, deren ganze Haltung lebhaft an die grossen Meister des 16. Jahrhunderts erinnert. Dass 
dieses erst vor kurzem erschienene Werk schon jetzt zu Gehör gebracht werden konnte, ist ein 

flänzender Beweis von der Tüchtigkeit und dem Fleisse des Dionysiuschores nnd seines Dirigenten 
[erm Jx. — Zum Ofifertorium wurde ein grossartiges sechsstimmiges Confoina hoc von dem Alt- 
meister Orlandus Lassus vorgetragen. — Nach Schluss des Amtes erklang dann noch der Hymnus 
Veni Creator, in welchem der Choral mit mehrstimmigen Zwischensätzen von Palestrina abwecnselte. 
Diese mehrstimmigen Sätze sind ausgezeichnet durch die geistreiche Art, wie Palestrina die dem 
Choral entnommenen Motive zum kunstreichen polyphonen Satze verarbeitet. 

Aus dem Vorstehenden