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Full text of "Musologie. Systematische übersicht des entwickelungsganges der sprachen, schriften, drucke, bibliotheken, lehr-anstalten, literaturen, wissenschaften und künste, der bibliographie und des literarhistorischen studiums"

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HARVARD 

COLLEGE 
LIBRARY 




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J^^: t-v 



MUSOLOGIE. 



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MÜSOLOGIB. 



SYSTEMATISCHE ÜBERSICHT 



DES 



ENTWICRELÜNGSGANGES 

DER 

SPRACHEN, SCHRIFTEN, DRUCKE, BBUOTHEKEN, LEHR- 
ANSTALTEN, LITERATUREN, 

WISSENSCHAJTEN UND KÜNSTE, 

DER 

BIBLIOGRAPHIE UND DES LITEßABfflSTORISCHEN STUDIUMS. 



VON 

KARL FRIEDBICH HEBLEEEB. 



LEIPZIG: 

F. A. BROCKHAUS. 
1857. 



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Vorrede. 



Die allgemeine oder Culturgeschichte erfasst den 
Menschen nach allen Lebensrichtungen in Staat und 
Kirche, mithin den physischen imd psychischen, und 
letzteres bedeutet hier den politischen, moralischen 
und intellectuellen Menschen. 

Ein wesentlicher Theil der Culturgeschichte ist 
die Musologie, welche den intellectuellen oder 
scientifischen Menschen zum Gegenstande hat. Folglich 
ist Musologie diejenige Wissenschaft, welche in syste- 
matischer Ordnung und historischer Reihenfolge mit 
den literarischen Erzeugnissen und wissenschaftlichen 
Leistungen der Menschen, also mit der Gesammtheit 
der in Sprache, Schrift imd Druck vorhandenen Geistes- 
erzeugnisse, bekannt macht, ganz abgesehen von dem 
sachlichen und formellen unterschied derselben. 

Dieser unterschied begründet sofort die Unter- 
scheidung zwischen originellen oder ursprünglichen, 
unmittelbar aus der schöpferischen Kraft des mensch- 
lichen Geistes hervorgegangenen und zwischen den 



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VI Vorrede. 

secundären oder doctrinären, durch die erstem be- 
dingten und an sie anknüpfenden Geisteserzeugnissen. 
Die erstem lassen sich der Kürze wegen die posi- 
tiven, die letztern dagegen die negativen Lei- 
stungen benennen. 

Daraus folgt, dass die Musologie nach zwei Rich- 
tungen hin ihren Weg einzuschlagen und ihre Aufgabe 
zu lösen hat, indem sie einerseits die Literatur, 
andererseits die durch jene veranlasste Gelehrsam- 
keit so vollständig, als es nur irgend gelingen mag, 
nachweisen muss; da wir unter dieser doppelten Be- 
zeichnung alle diejenigen geistigen Schöpfungen oder 
Werke der Menschen zu verstehen haben, welche durch 
das doppelte Medium der Sprache und der Schrift oder 
des Drucks zur sinnlichen Erscheinung gebracht wor- 
den sind. 

Dieses Doppelgebiet stellt sich in dem vorliegen- 
den Buche dem Auge auch äusserlich dar, als Text 
und Anmerkung, oder als Geschichte und Biblio- 
graphie. 

In gleichmässiger Berechtigung zu dieser Zweithei- 
lung steht, wie es scheint, eine andere Vertheilung 
des ganzen Materials in drei Bücher, unter denen 
das erste, den allgemeinen Theil umfassend, von 
der Vorbereitung und Ausbildung des Menschen 
handelt, oder die Möglichkeit nachweist, einst auf dem 



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Vorrede* VII 

Doppelgebiet der Literatur und Gelehrsamkeit sowol 
zu eigenen als auch zur Orientirung über vorangegan- 
gene Leistungen befilhigt zu werden. Dieses Buch 
nenne ich daher nach eigener Terminologie und mit 
einer eigenthümlich gebildeten vox hybrida, der man 
aber die Bedeutung augenblicldich anhört, Koino- 
doktologie imd handle in derselben in fünf Capiteln 
von der Sprache (Phonoiogie), der Schrift (Graphologie), 
dem Druck (Typologie), den Büchern und Büchersamm- 
lungen (Bibliologie) und von den Bildungsanstalten 
(Studiologie, Grammatologie, Mathematologie). 

Dieses ganze Buch gehört eigentlich der zweiten 
Hälfte jenes Doppelgebiets an, indem es weniger mit 
der originellen als vielmehr mit der doctrinaren Intel- 
lectualität des Menschen zu thun hat, sich daher nicht 
sowol mit der Literatur als vorzugsweise mit der Ge- 
lehrsamkeit beschäftigt. 

Das zweite Buch ist als das mittlere von dreien 
zugleich der eigentliche Kern meiner Arbeit, um des- 
willen auch die beiden andern entstanden sind; sie 
umlagern gleichsam den Stamm wie Sätzlinge, das 
Original als weitverzweigte, aber menschlicher Bil- 
dungsföhigkeit gleichwol zugängliche, auch erreich- 
bare Abdrücke. 

Hier ist die Rede von den Nationalliteraturen 
der culturhistorischen Völker nach gewissem Mass und 



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VIII Vorrede. 

mit noth wendiger Beschränkung; denn auf einem so 
imifassenden Gebiete der Cultur und bei so reichhal- 
tigem Stoffe der Leistung kann es bei einem päda- 
gogisch gehaltenen Grundriss natürlich nur auf 
die DarsteUung der literarischen Hauptmomente, nur 
der bedeutendsten Völker und deren wichtigste Schrift- 
steller imd Schriften abgesehen sein. 

Dieses Buch fuhrt, bei meinem Streben nach 
prägnanter Bezeichnimg, die ich vielleicht weniger 
glücklich als manche Franzosen erreicht habe, den Titel 
Ethnodoktologie imd gehört seinem Hauptinhalte 
nach der Originalität scientifischer Leistungen, also der 
eigentlichen Literatur, an und sondert sich deshalb mit 
strenger Abscheidung in den literarhistorischen Text 
und die bibliographischen Anmerkungen. Seine drei 
ünterabtheilungen behandeln die Literaturen der Orien- 
talen, der classischen Völker und der Occidentalen; 
letztere wiederum nach den drei hervortretenden 
Sprachkreisen des romanischen, germanischen und 
slawischen Terrains. 

Das dritte Buch bietet den angewandten 
Theil oder die eigentlich sogenannte Gelehrsam- 
keit, insofern in demselben die scientifischen Lei- 
stungen der Literarkoryphäen für die Wissenschaften 
imd die freien Künste abgehandelt werden. Es ist 
gleichsam der Nützlichkeitstheil imd deshalb für ihn die 



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Vorrede. IX 

Bezeichnung Chresimodoktologie gewählt Er ist 
gleichmässig positiv und negativ, eine Vereinigung des 
Schaffens und der Doctrin, ein Complex der Gründer der 
Wissenschaft und Kunst, wie der Förderer derselben. 
Seine beiden ünterabtheilungen ergeben sich von selbst, 
die eine als eigentliche Wissenschaftslehre oder Epi- 
stematologie, die andere als Literatur der Kunst, 
zur Vermeidung des Misverständnisses nicht Kunstlehre, 
sondern Kalotechnologie geheissen. 

Wenn nun aus dem Ganzen und speciell aus dem 
Bestreben, Systeme der Wissenschaften und Künste 
hinzustellen, die historische Festhaltung eines Systems 
deutlich vor die^ Augen tritt, so wird man den Titel 
des Werks, Musologie, gerechtfertigt finden, da es 
mehr bietet als eine Geschichte der Literatur 
oder Gelehrsamkeit, indem es beide Rich- 
tungen zu vereinigen sucht. 

Eine Eintheilung in Perioden, wie man sie an ge- 
schichtlichen Werken gewohnt ist, war hier unzweck- 
mässig, zimial da jedes Capitel eine eigene Periodisirung 
seines Stoffs in Anspruch nahm. 

Fragt man endlich nach Absicht und Zweck dieser 
Schrift, so ist Beides in wenigen Worten dargelegt. 
Gross ist der umfang der von mir so genannten positiven 
Gelehrsamkeit und mindestens zehnfach so gross der 
Complex der sogenannten negativen. Gleichwol bleibt 



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X Vorrede. 

es wünschenswerth, dass jeder Gebildete, namentlich 
jeder Studirende, sich eine allgemeine Uebersicht des 
menschlichen Wissens zu verschaffen suche, um sich 
auf dem orbis doctrinae richtig zu orientiren. Diese 
Möglichkeit soll das vorliegende Werk vermitteln, imd 
ich werde mich freuen, wenn niein Wunsch durch meine 
Leistung einigermassen erfüllt wird. 

Königsberg in Pr., am 29. Decbr. 1856. 



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Erklärung der abgekürzten Vornamen. 



' A., Augnst. 
Ab., Abel. 
Abr., Abraham. 
Ad., Adam. 
Adf., Adolf. 
Adlb., Adalbert. 
Adr., Adrian. 
Agst., Angastin. 
Alb. , Albr. , Albert, 

Albrecht. 
Alf., Alfons. 
Alfr., Alfred. 
Alo., Aloys. 
Alx., Alexander. 
Alxi., Alexias. 
Amad., Amadens. 
Ambr., Ambrosius. 
And., Andreas. 
Ang., Angelus. 
Ans., Anselm. 
Ant., Anton. 
Ar., Arthur. 
Am., Arnold. 
Ath., Athanasius. 

B. 
Bk., Burkard. 
Bd., Benedict. 
Bf., Bonifacius. 
Bhd., Bernhard, Bern- 
hardin. 
Bj., Benjamin. 
Bm., Bartholomäus. 
Br., Bruno. 
Bas., Basilius. 
Bt., Baptist. 
Btd., Bartold. 
Bths., Balthasar. 

C. 

Caj., Cajetan. 
Cam., Camillus. 



Gh., Christian. 
Chli., Christlieb. 
Cl., Claudius. 
Clm., Clemens. 
Com., Cornelius. 
Cp., Christoph. 

D. 

D., David. 
Di., Dionys. 
Dm., Dominicas. 
Dn., Daniel. 
Dt., Dietrich. 
Dtl., Detlev. 

E., Ernst. 
Ebb., Eberhard. 
Ed., Eduard. 
Edm., Edmund. 
Em., Emil. 
Erh.', Erhard. 
Eug., Eugen. • 

Eust., Eustachius. 
Ew., Ewald. 

F. 

F., Friedrich. 
Fchtg., Fürchtegott. 
Fd., Ferdinand. 
Fei.,. Felix. 
Fr., Franz. 

G. 

GK, Georg. 
Gbh., Gebhard. 
Gbr., Gabriel. 
Gf., Gottfried. , 
Gh., Gerhard. 
Ghf., Gotthelf. 
Ghld., Gotthold. 
GH., Gottlieb. 
Glo., Gottlob. 
Gsch., Gottschalk. 



Gst., Gustav. 
Gth., Günther. 

H. 
H., Heinrich. 
Hb., Hubert. 
Hg., Hugo. 
Hil., Hilarius. 
Hippol., Hippolyt, 
Hm., Hermann. 
Hrs., Hieronymus. 
Hs., Hans. 
Htm., Hartmann. 



Ign., Ignatz. 
Im., Immanuel. 
Inn., Innocenz. 
Is., Isaak. 
Isid., Isidor. 

J. 

J., Johann. 
Jak., Jakob. 
Jer., Jeremias. 
Jes., Jesaias. 
Jo., Joachim. 
Jon., Jonas. 
Jos., Joseph. 
Jth., Jonathan. 
Jul., Julius. 
Just., JüStUS. 

K. 
K., Karl. 
Kas., Kasimir. 
Kp., Kaspar. 
Kr., Konrad. 
Kst., Konstantin. 

L. 

L., Ludwig. 
Lb. , Lambert , Lam- 
brecht. 



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Xn Erklärung der abgekürzten Vornamen. 



Lbr., Lebrecht. 
Ldf., Ludolf. 
Lhd., Leonhard. 
Lp., Leopold. 
Lr., Lorenz. 
Luc, Lucas. 

M. 
M., Marcus. 
Mch., Michael. 
Mich., Melchior. 
Mr., Moritz. 
Mt., Martin. 
Mth., Matthäus. 
Mthi., Matthias. 
Mx., Maximilian. 

N. 
N., Nikolaus. 
Nth., Nathanael. 



O., Otto. 
Oct., Octavius. 
Osw. , Oswald. 

P. 
P., Paul. • 
Ph., Phüipp. 
Phb., Phüibert. 
Psp., Prosper. 
Pt., Peter. 



Q. 

Q., Quintus. 

B. 
Rh., Robert. 
Reh., Richard. 
Rdf., Rudolf. 
Bhd., Reinhard. 
Rhld., Reinhold. 
Rmd., Raimund. 
Rpr., Ruprecht. 



Sal., Salomo. 
Sb., Sebastian. 
Sc, Scipio. 
Sev., Severin. 
Sgfr., Siegfried. 
Sgm., Sigmund. 
Sim., Simon. 
Sm., Samuel. 
St., Stephan. 
Stn., Stanislaus. 
Sylv., Sylvester. 



T., Titus. 
Tb., Tobias. 
Th., Thomas. 
Thb., Theobald. 



Thdd., Thaddäus. 
Thdr., Theodor. 
Thds., Theodosius. 
Thph., Theophilus. 
Tim., Timotheus. 
Trg., Traugott. 

ü. 

U., Ulrich. 
Urb., Urban. 

V. 

Val., Valentin. 
Vct., Victor. 
Vlkm., Volkmar. 
Vt., Veit. 
Vz., Vinzenz. 

W. 

W., Wilhelm. 
Wfg., Wolfgang. 
Wold., Woldemar. 
Wr., Werner. 
Wth. , Walther. 
Wz., Wenzel. 

X. 

X., Xaver. 

Z. 

Z., Zacharias. ' 



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Inhalt. 



Seile 

Einleitimg: Geschichte des literarhistorischen Stadiums, §.4 — 4 .... i 

Erstes Buch: AUgemeiner Theil. Vorbereitung und Ausbildung. 

Koinodoktologie, §. 5 5 

Cap. i. Phonologie, §. 6 — ^ 6 

Cap. 2. Graphologie, §. 42 — 26 8 

Cap. 3. Typologie, §. 27 — 29 45 

Cap. 4. Bibliologie, §. 30—35 : 47 

Cap. 5. Stadiologie. Grammatologie. Mathematologie, §. 36 — 56 22 
Zweites Buch: Besonderer Theil. Die Nationalliteräturen. Ethno- 

doktologie, §.67 46 

Erste Abtheilung: Orientalische Literaturen , §. 58. 59 46 

Cap. 6. Chinesen, §. 60 — 64 47 

Japanesen , §.65 50 ' 

Cap. 7. Inder, §. 66—76. (Thierfabeln, §. 76.) 64 

Cap. 8. Iranier, §. 77—84. (Literatur des Zendvolkes, §. 79.) ... . 67 
Cap. 9. Perser, §. 82 — 95. (Sieben Perioden neuperslscher Poesie 

und Literatur, §. 84.) 60 

Cap. 40* Semiten, §.96 — 403. (Syrisch, Chaldäi8ch,Puniscfa,Aethio- 

pisch. Koptisch, Armenisch, Georgisch.) 67 

Cap. 44. Araber, §.404 — 444. (Heidnische Zeit, §. 405* Islamitische 

Zeit, §. 406 — 444.) 72" 

Cap. 42. Osmanen, §. 445 — 449 84 

Cap. 43. Hebräer, §. 420 — 427. (Die heilige Schrift Alten Testa- 
ments, §. 423.) 84 

Cap. 44. Juden, §. 428 — 437. (Neun Perioden, §. 428.) 88 

Zweite Abtheilung: Classische Literaturen, §. 438. 439 93 

Cap. 45. Umfang, §. 440. 444 94 

Cap. 46. Hellenen, §. 442 — 249 96 

I. Die mythische oder vorhomerische Periode, §.446 98 



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XIV Inhalt. 

Seite 

n. Die poetische Periode, §. 4 47 98 

a) Das epische Zeltalter, §. H8 — 159 99 

b) Das lyrische Zeitalter, §. 460. 464 404 

a) Elegische Dichtart, §. 462 — 469 405 

ß) lambische Dichtung, §. 470 ; 407 

Y) Melische Poesie, §. 474 407 

ni. Attische oder goldene Periode, §. 473 4 09 

a) Dramatische Poesie, §. 474—486 409 

b) Phüosophie, §. 487—499 447 

c) Geschichte, §. 200—204 425 

<i) Beredtsamkeit, §. 205—207 428 

IV. Alexandrinische Periode, §. 208—249 434 

Cap. 47. Romer, §.220—254. (Aelteste pnd bessere Zeit, §.225 fg.) 437 
Cap. 48. Doppeltes Sprachgebiet unter römischer Herrschaft bis zur 

Zerstörung des weströmischen Kaiserreichs, §. 252 — 

282 454 

Cap. 49. Byzantiner, §. 283—288 473 

Cap. 20. Neugriechen, §. 289—292 , 475 

Cap. 24. Neuere Dichter in classischer Sprache, .§. 293 — 295 .... 478 

Cap. 22. Das Neue Testament, §. 296—299 479 

Cap. 23. Patrologie, §. 300 — 306 484 

Dritte Abtheilung: Occidentallsche Literaturen, §. 307. 308 .... 486 

Cap. 24. Occidentalisch- christliches Sprachgebiet, §. 309 — 346 ... 488 

Erster Kreis: Romanische Literaturen, §.347 492 

Cap. 25. Frankreich, §. 348 — 356. (Neun Perioden, §. 349.) ... 492 

Cap.' 26. Italien, §. 357 — 373. (Vier Perioden, §. 360.) 245 

Cap. 27. Spanien, §. 374 — 390. (Vier Perioden, §. 378 fg.) ... 226 

Cap. 28. Portugal, §. 394—398. (Vier Perioden, §. 393 fg.) ... 234 

Paco -romanisch, §. 399 238 

Zweiter Kreis: Germanische Literaturen, §• 400 238 

Cap. 29* Grossbritannien, Irland und Nordamerika, §. 404 — 446 239 

Vier Perioden der neuenglischen Literatur, §. 408 — 442. 

Die Bühne, §. 443—445. Prosa, §. 446 244 

Cap. 30. Niederland, §. 447—422. (Thierepos, §. 449.) .'. 249 

Cap. 34. Deutschland, §. 423 — 507 253 

A. Aeltere Zeit bis auf die Hohenstaufen, 4452, §. 425—429 ' 254 

B. Blüte der schwäbischen Mundart unter den Hohenstaufen, 4437 — 

4300, §.430 257 

4 ) Epische Poesie, §. 434 258 

a) Volksepos, §. 432 — 435 258 

b) Epos der Kirche, §. 436 264 



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Inhäll. XV 

Seite 

c) Romantisches Epos, §. 437 — 440 264 

d) Historisches Epos, §. 444 . 442 264 

2) Lyrische Poesie, §. 443 — 446 265 

3) Didaktische Poesie, §.447 267 

4) Prosaliteratnr, §.448 267 

C. Vom Untergänge der Hojienstaufen bis zur Keforufttion, 4254 — 

4547 (4300—4500), §. 449—455 268 

D. Von Luther Ws Opitz, 4500 — 4620, §. 456—464 273 

E. Von Opitz bis Gottsched, 4620—4720, §. 462—467 277 

F. Vom Wiederanfblühen der Sprache bis zn Lessing's Tode und 

Herder's und Goethe's Auftreten, 4720—80, §• 468— 

482 282 

Classische Literatur, §. 473 fg. 287 

G. Neueate Zeit, seit 4780 (4770), §. 483 296 

4 ) Die Friedenszeiten, 4770 (4780) — 4790 (4794), §. 484—495 296 

2) Die Revolution, 4790(4794) — 4844 (4843), §.496 — 504 ... 305 

3) Die Freiheitszeiten seit 4843 ,§. 502 — 507 308 

Cap. 32. Skandinavien, §. 608 — 547 34 4 

4 ) Isländische Literatur, §.509 — 542 344 

2) Dänische Literatur, §. 543—545 343 

3) Schwedische Literatur, §. 546. 547 344 

Dritter Kreis: Slawische Literaturen, §. 548. 549 345 

Cap. 33. Böhmen, §. 520 — 526. (Fünf Perioden, §. 524 fg.) 346 

Cap. 34. Serbien, §. 527 — 534. (Illyrisch. Albanisch.) 349 

Cap. 35. Polen, §.532 — 543. (Sechs Perioden. Galizisch. Krainisch.) 320 
Cap. 36. Russland, §.544 — 550. (Drei Perioden. Lettisch. Lithauisch. 

Wendisch.) , 325 

Cap. 37. Ungarn oder Magyarenland, §.554—555. (Zwei Perioden. 

Finnisch.) 330 

Drittes Buch: Angewandter Theil. Chresimodoktologie, §. 556 ... 334 

Erste Abtheilung: Epistematologie, §. 557 .....' 334 

Cap. 38. System der Wissenschaft, §. 558 — 560 335 

Cap. 39. Theologie, §.564—574 337 

Cap. 40. Historik, §. 572—582 346 

Cap. 44. Geographie, §. 583 — 585 350 

Cap. 42. Naturwissenschaften, §. 586 — 598 352 

Cap. 43. Heilkunde, §. 599—608 359 

Cap. 44. Staatswissenschaften, §. 609 — 644 364 

Cap. 45. Kriegswissenschaften, §. 645 — 64 7 368 

Cap. 46. Rechtswissenschaft, §. 648—634 370 

Cap. 47. PMlosophie, §. 635 — 637 382 



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XVI Inhalt 

Seite 

Cap. 48. Mathematik, §. 638 — 643 386 

Cap. 49. Linguistik und Kritik, §. 644—648 388 

Zweite Abtheilung: Ealoteclinologie, §. 649 392 

Cap. 50. System der Kunst, §. 660 — 653 392 

Cap. 54. Poetik, §.654— 681. [4) Lyrik, §.657 — 662. 2) Didaktik, 
§. 663 — 666. 3) Epik, §. 667—674. 4) Dramatik, 
§.672 — 678. Die deutsche Buhne, §. 678. Schauspiel- 
kunst, §. 679. Tanz, §. 680. Metrik, §.684.] 396 

Cap. 52. Rhetorik, §.682—686. (Philosophie der Sprache, §.684.) 443 

Cap. 53. Musik, §. 687—689 446 

Cap. 54. Graphik, §. 690 — 692 . . 1 448 

Cap. 55. Plastik, §. 693—696 420 

Cap. 56. Architektonik, §. 697—699 424 

Cap. 57. Anhang, §. 700 — 703. (Gymnastik und Tumkunst. Fecht- 
kunst. Reitkunst. Gartenkunst.) 427 

Nachträge 429 

Register 433 



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Einleitang. 



Geschichte des literarhistorischen Studiums. 

§. 1. xLine systematische Bearbeitung der Literatur- 
geschichte kennt weder das Alterthum noch das Mittelalter. 
Beide haben nur Vorarbeiten für eine solche Disciplin durch 
Lebensbeschreibungen (Biographien und Nekrologien) von 
Dichtem, Rednern, Philosophen u. s. w., durch Beiulhei- 
lungen und Auszüge ihrer Werke. 

Den ersten Versuch machte zu Anfang des 46. Jahr- 
hunderts Polydorus Vergilius (f 1555), ein gelehrter Theolog 
zu Urbino *. 

Eigentlicher Gründer der Gelehrtengeschichte ist Kr. 
V. Gesner aus Zürich (1516 — 65)*. 

Pt. Lambeek (Lambeccius, 1628 — 80) lehrte seit 1656 
an dem Gymnasium in Hamburg und war der Erste, der 
einen vielumfassenden, chronologisch geordneten Abriss der 
Literaturgeschichte herausgab *. 

Anderweitige Bearbeiter der Literaturgeschichte sind 
Thm. Reinesius (1587— 1667) *, G. Morhof (1639—91)*, 
Pierre Bayle (1647 — 1706)«, Häderich ^, Heumann», 
J. Albr. Fabricius (1668 — 1736) «, J. And. Fabricius lo. 
Nach Heumann's Plan, der sich durch Beichthum des Stoffs, 
glückliche Auswahl und reifes Urtheil auszeichnete, schrieb 
Bougine sein ,Handbuch der allgemeinen Literaturgeschichte' 
1789. Ihm war Reimann (1668 — 1743) als Begründer einer 
bessern Methode Torangegangen, indem er zuerst auf den 
Werth und Nutzen der Gelehrtengeschichte und Literatur- 
kenntniss aufmerksam machte, über Methode und Inhalt der 
einzelnen Werke und über die Verdienste ihrer Verfasser 
ein freies und ziemlich scharfes ürtheil abgab ^K Dagegen 
behaupteten Jocher (1694—1758) »2 und Niceron (1685— 
1738) ^' blos den lexikalischen Standpunkt. 

Seit 1 702 wurde Literaturgeschichte auf Uniyersitaten ge- 

Meblkker. 1 



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2 Einleitung. Geschkfite de^ literarhistorischen Studiums. 

lehrt: in Greifswald von .Lobetanz, in Halle von Gundling, 

in Jena von StoU, in Altorf von Zeltner, in Königsberg 

von Neufeld, in Rinteln von Bierling. 

1 De rerum iaventoribas lib. III, 4499, das später mit drei Büchern 
De prodigiis vermehrt seit 46i4 viele Aaflagen erlebte. — * Bibliotheca 
universalis s. catalogns omnium scriptorum locnpletissimns in tribus Unguis, 
graeca, latina et hebraica, exstantium etc., 4645. Vergl. Hamhart, Bio- 
graphie Gesner's, 4824. — * Prodromus bist, literariae, 4659, 2 . A. 4720. 
Lambeck's Leben, 4724. — * Eponymologicum. — * Polyhistor litera- 
rius, philosophicus, practicus, 4688, 4. A. 4747. — ^ Dictionnaire histo- 
rique et critique, neueste A. 4820; deutsch von Gottsched 4744 — 44. Bayle's 
Leben von Desmaizbaux, deutsch von Kohl 4734, Feuerbach 4838. — 
" Notitia auctorum antiqua et media, 4709. — ^ Conspectns reip. litera- 
riae, 4748. — * Lieferte 4705 — 8 seine Bibliotheca graeca in 44 Bdn., 
fortgesetzt u. neu aufgelegt von Harless in 42 Bdn., 4790 — 4809. Seine 
Bibliotheca latina 4697, neu herausg. von Ernesti 4773. Seine Bibliotheca 
mediae et infimae aetatis, 4746 fg. Dazu ein Supplementband von Schöttoen 
4746, neue A. von Mansi 4754. Seine Bibliotheca ecclesiastica, 4748, und 
Bibliographia antiquaria, 4743, neue A. 4760. — '^ Abriss einer allgem. 
Historie der Gelehrsamkeit, 4754—54. — ** Versuch einer Einleitung in 
die Eist, literaria insgemein u. die deutsche insbesondere, 4708 — 43- Idea 
systematis antiquitatis literariae, 4748. — ^' Jöcher's Allgem. Gelehrten- 
lexikon, 4750, wurde von Adelung bis J 4784 — 87 und von Rotbrmund bis 
Rin 4840—22 ergänzt. — *' Nicbron's M6moires pour servir a lliistoire 
des hommes illustres dans la republique des lettres, 4727 — 41, sind mit 
Anmerkungen u. Zusätzen von Rambach, Baumgarten u. Jani ins Deutsche 
übersetzt, 4 "49— 77. 

§. 2. Geistreicher und philosophischer behandelten die 
Geschichte der Literatur die franzosischen Freunde Goguet 
(17^8 — 58 ) und Fugere ^ ; ferner der Italiener Denina 
(1731—1813)*, ohne jedoch jene Franzosen an Gründlich- 
keit und Selbständigkeit des ürtheils zu erreichen; sodann 
Laharpe (1739—1803) 3, aber nicht ohne Parteilichkeit und 
Ungerechtigkeit. 

Als Theil der Geschichte der menschlichen Cultur wurde 
die Literaturgeschichte behandelt von Iselin (1728 — 82)*, 
Ad. Ferguson (1724 — 1816), Henry Home *, vorzüglich von 
Herder (1744— 1803)0. 

Besondem Buhm haben sich um die Bearbeitung der 
allgemeinen Literaturgeschichte die Deutschen erworben, 
wahrend andere Nationen mehr mit ihter Nationalliteratur 
beschäftigt sind. Gross sind die Leistungen von J. F. L. 
Wachler (1767—1838) '^ und J. Gf. Eichhorn (1752—1827) «, 
der zu Jena und Gottingen in öffentlichen Vorträgen mehr- 
mals die Geschichte der gesammten Literatur behandelt hatte, 
als er den Plan fasste zur Herausgabe einer Geschichte der 
Künste und Wissenschaften seit der Wiederherstellung der- 



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Einleitung. Geschichte des literarhistorischen Siudiums. 3 

selben, welche 4796 begann. Neben diesen fuhren wir noch 
an: Mensel (1743—1820) », F. v. Schlegel (1772—1829) »« 
und Heeren (1760—1842)". 

Die namhafteste Erscheinung auf diesem Felde in neuester 
Zeit ist das von J. G. Thdr. Grässe 1837 begonnene, aber 
noch nicht vollendete ,Lehrbuch der allgemeinen Literär- 
geschichte aller bekannten "Volker der Welt von der ältesten 
bis auf die neueste Zeit', welches sich durch ausserordent- 
liche Belesenheit, Sammlerfleiss und Vollständigkeit aus- 
zeichnet, daneben aber schwerfällig in der Anordnung, 
mangelhaft in der Sichtung und Beurtheilung des Stoffs ist. 
Die , Allgemeine Geschichte der Literatur' von J. Scherr 
1851 bildet den sechsten Band der , Neuen Encyklopädie 
für Wissenschaften und Künste'. 

1 De l'origlne des lois, des arts et des sciences, et de lean progr^g 
chez les ancieDS peuples, 'f 756, auch ins Deutsche u. Englische übersetzt. — 
* Discorso sopra le vicende della letteratura, 1764; deutsch von Seeher 
4785 — 87. Storia politica e letteraria della Grecia libera, 4781 fg.; deutsch 
von Vau 4783 fg. Guide litt^raire, 4794 fg. — * Lyc6e, ou cours de litti- 
rature ancienne et moderne, 4786 fg. Neueste Ausgabe von Buchok 4830. — 
^ HiRZEL, Iselin's Denkmal, 4782. — ^ Lord Eaimes, 1696 — 4782; sein 
Leben von Woodhousb, 4807. — ^ Ideen zur Philosophie u. Gesch. der 
Menschheit, 4784 — 94. 4. A. mit Lüdbn's Einleitung, 4844. Wahl, 
Versuch einer allgem. Gesch. der Literatur, 4787. — "^ Lehrte mit vielem 
Beifall an der Universität zu Breslau. Versuch einer allgem. Gesch. der 
Lit., 4793. Handbuch der allgem. Gesch. d. literar. Cultur, 4804. Hand- 
buch d. Gesch. d. Lit. , 4804. Lehrbuch d. Literaturgescb., 4827. — " Un- 
vollendet gebliebene Allgem. Gesch. d. Cultur u. Literatur des neuem 
Europa, 4796. Literargeschichte, 4799. Gesch. d. Literatur von ihrem 
Anfange bis auf die neuesten Zeiten, 4805 fg., unbeendigt. — ' Gelehrtes 
Deutschland, fortges. von Ebsoh u. Lindmbr, 4796 fg. Lexikon der yon 
4760 — 1800 verstorbenen deutschen Schriftsteller, 4802 fg. Bearbeitung 
von Struve*s Bibliotheca historica, 4782 fg. — '° Gesch. d. alten u. neuen 
Lit., 4845. — ^' Gesch. des Studiums d. class. Lit. seit dem Wiederauf- 
leben der Wissenschaften, 4797 — 4802. 

§. 3. Die Biographen und Kritiker (Literarhistoriker) 
des Alterthums beginnen erst mit dem alexandrinischen Zeit- 
alter: Aristoteles und die Peripatetiker, Kallimachos, Strabo, 
Pausanias, Athenaos, Dionysios von Halikamass, Diogenes 
von Laerte, Philostratos, Plutarch, Eunapios, Ammonios, 
Suidas, Photios; die Romer Varro, Cicero, Cornelius Nepos, 
der altere Plinius, Quintilian, Sueton, Gellius. 

Unter den Neuem lieferten Muster guter Biographien, 
abgesehen von den Autobiographen: 4) in Frankreich: 
Pl^chier, Fontenelle, Racine, Burigny, de Sade, Voltaire, 
Hallet, Boissy d' Anglas, Villemain^; — 2) in England: 

1* 



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4 Einleitung. Geschichte des literarhistorischen Studiums. 

Middleton, Johnson, Murphy, Robertson, Th. Moore, Mar- 
shall, Southey, Wash. Irving 2; — 3) in Deutschland: 
Schrockh, Nicolai, Herder, Klein, Garve, Meissner, 
Niemeyer, Heeren, Dippold, Luden, Voigt, Drumann, 
Vamhagen von Ense, Droysen, Pertz u. A. ^ Der amerika- 
nische Plutarch von Sparks. 

1 Sammlungen von Michaud, 52 Bde., 4814 fg., nebst Supplementen, 
Bd. 53 — 76, 4832 fg., von Rabbb, Yibilh deBoispolin u. Saimtb-Pbeuyb 
4836. — * Biographia britannica, 4747 fg., von Watkins 4825, Longman 
4847 fg. — ^ Die SpecialUteraturen u. Conversations -Lexika (Brockhaus u. 
Pierer) , J6chbr , die Nachträge zu Sulzer's Theorie der SGhönen Künste von 
Dtk, und Schutz, Charakteristik der vornehmsten Dichter aller Nationen, 
4 792 fg. Mbiners' Lebensbeschreibungen berühmter Männer. Erhabd, Gesch. 
des Wiederanfblühens virissenschaftlicher Bildung u. s. vir., 4 827 fg. Ullmamn, 
Reformatoren vor der Reformation u. s. vir., 4 842* Eünstlerlezikon von Mbusbl 
4778 (neueA. 4808), Füssli 4779 (4810) u. Nagleb 4835 fg. Schbödeb, 
Lexikon der hamburgischen SchriftsteUer, 4854.fg. — Bei den Italienern 
65 Bde. Biografia universale antica e moderna, von Emilio de Tipaldo 4844. 
Bei den Spaniern von Cardaneas und Pastob Diaz. Bei den Belgiern 
von Pavtelb DB Vis 4844. Bei den Schweden Biographisk lexicon etc., 
4836. — WiGGERS, Ueber die Biographie, 4777. Jbnisch, Theorie der 
Lebensbeschreibung, 4802. — Das zu erwartende Gelehrten- und Künstler- 
lexikon von Kbsslin. 

§. 4. Die Nekrologien oder Todtenbücher stammen 

aus dem Mittelalter. Eine bedeutende Anzahl derselben ist 

in den Quellensammlungen deutscher Geschichten bei Lan- 

genbeck, Leibnitz, Mencken, Schannat, Schottgen u. A. und 

in den Schriften mehrer historischer Vereine abgedruckt *. 

In neuerer Zeit wählte zuerst Schlichtegroll (1765—1822)* 

den Namen , Nekrolog' als Titel für seine Nachrichten von 

dem Leben merkwürdiger verstorbener Deutschen zwischen 

1790 — 1800, denen er den , Nekrolog der Deutschen für das 

19. Jahrhundert' folgen liess. Daran fügte F. A. Schmidt 

den , Neuen Nekrolog der Deutschen', den seit dessen Tode 

der Verleger Bhd. F. Voigt fortsetzte ^. 

1 Wbdekind, Ueber Nekrologien in s. Noten zu einigen Geschicht- 
schreibern des deutschen Mittelalters, 4823- — * 22 Bde., 4794 — 4804, 
nebst Supplementband 4798; 5 Bde., 4802 — 6. — * Ilmenau Bd. 4—40, 
Weimar 1835 — 63, mit drei Registerbänden 4823— ö3. 



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Erstes Buch. 

Allgemeiner Theil. 



Vorbereitung und Ausbildung. 
Koinodoktologie. 

§. 5. JJer Uranfang des Menschengeschlechts, sein Aus- 
tritt aus thierischer Roheit oder kindlicher Unbefangen- 
heit, sein Uebertritt in die Selbsterkenntniss und in die 
Nothwendigkeit, von seinen Anlagen Gebrauch zu machen, 
sein erster Fortschritt zu wissenschaftlicher Ausbil- 
dung, liegt jenseits des Anfangs aller Geschichte. 

Blumbnbach, De generis humani Tarietate nativa, 4776. GuvnsR, R^gne 
animal, i847. Büpfon, L'homme. Bort db St.-ViHCBMT, L'homme, 2. A. 4836; 
deutsch 1837. Edwards, Des caract^res physiolog. des races hamaines, 4829. 
Prichard, Researches into the physical history of mankind, 4837; dentsch von 
Wagner u. Will 4840 — 48. Lawrbncb, Lectures on pbysiology etc. of 
man, 4849. Kakt, Mnthmaselicher Anfang des Menschengeschlechts, Werke, 
Bd. 7. ScBiLLBR, Etwas über die erste Menschengesehichte, Werke, Bd. 40. 
Gfbörbr, Urgesch. des menschl. Geschlechts, Bd. 2, 4856. Reiche litera- 
rische Nach Weisungen in Drumann's Grundriss der Culturgeschichte , 4847, 
und Wachsmüth's Allgem. Culturgesch. , 3 Thle., 4850 — 62. 



Erstes Capitel. 

Fhonologie. 

§. 6. Von den Mitteln des Menschen zur Aeusserung 
seiner Vemunftthätigkeit im Gesellschaftsleben ist die 
Sprache das edelste und fruchtbringendste. Sie beruht 
auf der Theilung und Begrenzung der Laute, oder auf der 
Articulation *. Das physische Sprachvermogen besitzen 
ausser dem Menschen auch die hohem Thierolassen; aber 
sie drücken nur Empfindungen aus, der Mensch auch Ge- 
danken. Bei ihm ist Sprechen lautes Denken, wie Denken 
leises Sprechen. Eins kann ohne das Andere nicht bestehen. 



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6 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

Der Mensch mus8 sprechen, weil er denkt, nicht blos, weil 

der Verkehr mit Andern es erfodert*. 

^ Olitibb, Ueber die ürstoffe der menschl. Spr., 1821. — ' Wolf- 
gang VOM Ebmpblbn's (4734 — 4 804) SprachmascMne , 4 778. Ueber Mechanis- 
mns der menschL Spr., 4794. Die Mascbine durch Posch Terbessert, 4828. 

§. 7. Die schwierige Frage über den Ursprung und 
Bildungsgang der Sprache hat man, bei der verschiede- 
nen Auffassung dieses dunkelsten Geheimnisses, auch auf 
verschiedenen Wegen zu losen versucht. Der Dogmatis- 
mus ^ nahm das Wunderwerk der Sprache als eine Offen- 
barung des Schopfers an; dagegen wies der Skepticismus * 
das geistige Bediirfiiiss und den Organismus des Menschen 
für die Rede nach. Gleichwol kommt von Gott Sprach- 
vermogen und Sprachbedürfniss '. Verunglückt sind die 
Versuche*, das Hebräische als Ursprache nachzuweisen. 
Ausgemacht ist, dass alle Volker Sprache nicht nur be- 
sassen und besitzen, sondern auch, dass sie dieses Gut durch 
geistige Kraft entwickelt haben *. 

1 ScssMiLCH, Beweis, dass der Ursprung der Sprache von Gott sei, 
4767. Kruse 4827. — ' Herder, Ueber den Ursprung der Sprache, 
4772 u. 4789. Adelung 4784. Monboddo, On the origin and progress of 
language, 4775; deutsch* von Schmidt 4784. — ^ Dorsch , Philos. Gesch. 
der Sprache u. Schrift, 4794. — * Von Postel 4ö38, Bochart 4646, Tho- 
MASius 4697, ScHMiTTHBNNBR 4826. Lauth, Das ToUständige Universal- 
Alphabet auf der physiologisch- histor. Grundlage des hebräischen Systems 
erbaut, 4855. Parrat, NoYum specimen, quo probatur iterum linguarum 
Indo-Europaearum origo Semitica, 4855. — ^ Stbinthal, Ursprung der 
Sprache im Zusammenhange mit den letzten Fragen alles Wissens ; eine Dar- 
stellung der Ansichten W. v. Humboldt's, verglichen mit denen Herder's u. 
Hamann's, 4852. Jak. Grihm, Ueber den Ursprung d. Spr., 4852. Buschmann, 
Ueber den Naturlaut, 4852. Weinholtz, Zur Erklärung des Ursprungs u. der 
Bedeutung des Wortes, 4854* Bruch, Zur Physiologie d. Sprache, 4854. 

§. 8. Ungunst des Himmels ^, Mangel geistiger An- 
lagen, Beschränktheit physischer Organe haben hier und 
da nachtheiligen Einfluss auf die Sprachentwickelung geübt; 
doch macht sich ein Portschritt der Sprachbildung von Ost 
gen West bemerkbar. Diejenige Sprache ist die vollkom- 
menste, welche nebst dem grossten Reichthum an Wörtern 
die meisten Formen besitzt, um alle Modalitaten des Be- 
griffs auszudrucken, und dies gilt von der Sanskrit- und 
griechischen Sprache. Die Declinationen und Conjugationen 
der erstem sind ausgebildeter, reicher und mannichfaltiger 
als die griechischen; und dennoch, um wie viel mehr For- 
men übertrifft die griechische Sprache die übrigen euro- 
päischen; denn für das griechische Verbum gibt es 579, 



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Erstes CapUeL PhoiMlogie, ^ 

für das lateinische nur 424 und für das deutsche gar nur 
47 Formen I Dem Lateinischen am nächsten konunen die 
romanischen Sprachen; höchst unvollständig sind die ger- 
manischen un3 unter diesen vorzugsweise die deutsche*. 

Der Accent ist allen Sprachen gemein, wenn auch nicht 
alle ein Zeichen dafür haben. Durch ihn gewinnt die Sprache 
Klang und Bedeutsamkeit '. 

1 lieber den klimatischen Einflnss, Falcombr 4784 , Stöckhardt 4836, 
FoissAO 4840, Abmstronq 4843. Stbinthal, Grammatik, Logik u. Psycho- 
logie, ihre Principien u. ihr Verhältniss zu einander, 4866. — ' Mbrlbkbr, 
Praktische vergleichende Schalgrammatik der griechischen n. lateinischen 
Sprache, 4864. — ^ W. y. Humboldt, lieber die Eawisprache auf der Insel 
Java, nebst einer Einleitung aber die Verschiedenheit des menschlichen Sprach- 
baues n. ihren Einfluss auf die geistige Entwickelang des Menschengeschlechts, 
4836— * 40, u. in den Abhandlungen der berliner Akademie der W., 4820, 
4823, 4832, 4833. Bopp, Vergleichendes Accentuationssystem, 4864. 

§. 9. Der Mensch fühlt, ehe er denkt, daher die Ono- 
matopoie K Später der metaphorische Gebrauch. Das 
Willkürliche für den Ausdruck des Uebersinnlichen und 
Abstracten. Gewisse eigenthümliche Tone können weder 
nachgeahmt noch durch die Schrift festgehalten werden, 
daher gebührt dem Sprachvermogen der Vorzug vor allen 
Künsten der Buchstabenschrift. 

1 RosBNHATN, Ucber die Onomatopöie in N. Jahrb. f. Philol. XIX., Sup- 
plementbd., 3. H., 373 — 95. Ackermann , Essai sur Tanalyse physique des 
langues, 4838. 

§. 40. Man zählt an 2000 Sprachen, an 5000 Dialekte 
auf dem Erdboden ^. Zu den einsilbigen Sprachen mit Be- 
griflfeschrift gehört Chinesisch, mit Silbenschrift Tibetanisch; 
beiden ähnlich, gleichwol von beiden verschieden, ist Japa* 
nisch. Das Türkische gehört zum Stamm der tatarischen 
Sprachen. Die indo-germanischen Sprachen sind die 
culturhistorischen des Menschengeschlechts^. 

1 Prichabd, Researches into the physicai history of mankind, 4843. 
Deutsch von Wagner u. Will 48i-0— 48. Adblukg, Mithridates oder AUgem. 
Spracbenkunde, fortges. von Vater 4807 — 47, ist ein Hauptwerk über fast 
500 Sprachen und Dialekte. Dazu Berichtigungen und Zusätae über die 
kantabrische und baskische Sprache von W. t. Humboldt, 4817. Die 
meisterhafte ELBiNSCHMiDT*sche Grammatik der grönländischen Spr. , 485t. 
KöLLB, lieber die Kaurisprache, die Hauptspr. des Reiches Bomn, 48oi. 
Helffbrich , Ueber Eintheilung d. Sprachen. Ausland , 4 855, Nr. 4 2 fg. — 
Karten : Balbi, Atlas ethnographique du globe, ou Classification des peaples 
d'apres leurs langues, 4826. Hoffmakn, Oriental. Lit. Karte, 4829. Bbrk- 
HARDi, Sprachkarte, 48i4. Bergbaus, Physikal. Atlas, 4845 — 48. Stricker, 
Sprachkarte von Deutschland, 4849. Berghaus u. Rebac, Bibliothek der 
Länder- u. Völkerkunde, 4844. — Merleker, Lehrbuch der historisch- 
comparativen Geographie, Theil III, 4840, §. 32. — ' Rapp, Grundriss 
der Grammatik des indisch -europäischen. Sprachstammes, Bd. I, 48o^. 



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g Erstes Buch. Koinodoklologie. 

Bbkfbt, Skizze des Organismus d. indo-eujop. sprachen, h, Art. Kieler 
A. Monatsschrift, Jan. 4 854. 

§.44. Als wackere Arbeiter auf dem Gebiete der ver- 
gleichenden Sprachkunde zeichnen sich aus Arnauld 
1660, Beauzee 1767, Harris *, Sylv. deSacy«, Bemhardi 3, 
Vater *, Murray *, Faber ®, de Montlivault ^, HoiBBmeister **, 
Lehrs ^, Michelsen ^^. 

Als eigentliche Begründer der vergleichenden Sprach- 
wissenschaft jstehen Bopp **, Jak. Grimm i* und Ernst Renan ^^ 
oben an. 

1 Hermes oder philos. Untersuchung über die allgem. Grammatik, 4754. 
Philolog. Inquiries, 1784. — ^ Principes de la grammaire generale, 4803. 
Deutsch von Vater 4804. — ^ Allgem. Sprachlehre, 4804 — 3. Anfangs- 
grund^ der Sprachwissenschaft, 4805. — ^ Uebersicht des Neuesten, was 
für Philosophie der Sprache in Deutschland gethan ist, 4779. Versuch einer 
allgem. Sprachlehre, 4804. Lehrbuch einer allgem. Grammatik, 4806. — 
^ Hist. of the European languages, 4823. Deutsch von Wagner 4825. — 
^ Synglosse oder Grundsätze der Sprachforschung, 4826, nebst deren 
Rechtfertigung, 4828. — ^ Gramm, generale et philosopfaique, 4829- — 
8 Erörterung der Grundsätze der Sprachlehre, 4830. — ^ Die Sprach- 
philosophie der Alten, 4838 — 44. — *® Philosophie der Grammatik, 4843. — 
^1 Vergleich. Gramm, des Sanskrit, Zend, Griech., Lat., Lith., Altslaw., 
Goth. u. Deutschen, 4833 — 52. Ueber die keltischen Sprachen vom Ge- 
sichtspunkt der vergleich. Sprachforschung, 4 839. Vergleichendes Accentua- 
tionssystem u. s. w. des Sanskrit u. Griech., 4854, u. Ueber die Sprache 
der alten Preussen in ihren verwandtschaftlichen Beziehungen, 4853. — 
12 S. §. 7, 5. — BiNDSBiL, Zur allgem. vergl. Sprachlehre, 4838. Wocher, 
Allgem. Phonologie oder natürl. Gramm, der menschl. Spr., 4844. Lepsics, 
Allgem. linguistisches Alphabet. Berliner Akademie der Wissensch., Febr. 
4855. Ellissen, Versuch e. Polyglotte der europ. Poesie, 4846. Müller, 
Philologie comparee des langues Indo- Europ eennes dans son rapport avec la 
civilisation primitivo du genre humain, gekrönte Preisschrift, 4849. Kuhn, 
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete des Deutschen, 
Griechischen u. Lateinischen , seit 4 850. Höfer , Zeitschrift für die Wissen- 
schaft der Sprache, seit 4850, zugleich mit einer sprachwissenschaftlichen 
Bibliographie. Die Verdienste der Deutschen um das vergleichende Sprach- 
studium im Magazin für die Liter, des Auslandes, 4855, Nr. 8. — ^^ Sein 
Buch über die semitischen Sprachen sucht in sprachphilosophischer Hinsicht für 
diese Sprachen zu leisten, was Bopp für die indogermanischen geleistet hat. 



Zweites Capitel. 
Graphologie. 

§. 12. Die Schrift, jünger als die Sprache, ist die für 
das Auge durch conventioneil eingeführte Zeichen festgehal- 
tene Tonsprache. Gewisse Stufen der Cultur kann ein Volk 
erreichen, ohne zu schreiben ^, aber zu einer wissenschaft- 
lichen Bildung gelangt man nur nait Hülfe der Schreibkunst. 



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' Zweites Capitel. Graphologie, 9 

Als Behelfe vor der Kenntniss des Alphabets dienten für 
die Anschauung die Gemälde- und symbolische Bilderschrift 
(Hieroglyphe), während die Buchstabenschrift dem Begriff 
diente. Zwischen, beiden bilden den Uebergang die Keil-, 
Pfeil-, Knoten-, Strick-, Wort-.und Silbenschrift in Persien, 
China, Tibet, Peru, Guayana und die Runen des euro- 
päischen Nordens *. 

1 Griechenlands Poesie und Knnst ist älter als die Schreibknnst, 
die sich erst um 600 ▼. Chr. in Griechenland ver breitete und zugleich die 
Erfindung der Prosa vorbereitete (%£^oq X6yoqy oratio pedestris), deren 
sich der Philosoph Pherekydes von Syros (540) und der Historiker Kadmot 
von Milet zuerst bedient haben sollen. Als älteste Denkmale dieser grie- 
chischen Schreibkunst sind die von Böckh und Osann herausgegebenen und 
kritisch erläuterten Inschriften zu betrachten. S. unten §. 685. — * Astlb, 
Origin and progress of writing, i784 — 4803. Amelano, Von d. Alter- 
thom d. Schreibkunst in d. Welt, 1800. Hug, Erfindung d. Buchstaben- 
schrift, i804. Weber, Versuch e. Gesch. d. Schreibkunst, i807. Klapeoth, 
Apercu de Torigine des diverses ecritures de Tancien monde, 483?. W. v. 
Humboldt, lieber den Zusammenhang d. Schrift mit d. Spr., in den Ab- 
handlungen der Berliner Akad. 4834, 32. Hitzig, Die Erfindung des Alpha- 
bets, fß^O. J. Olshacsen in den Kieler Studien, 4844. Büttner, Ver- 
gleichungstafeln. Freret, Reflexions sur les principes g^nerauz de Tart 
d'ecrire. 

§. 13. Die Buchstabenschrift kann eine Vereinfachung 
der Bilderschrift sein, und ihr Vaterland ist wahrscheinlich 
in Ostasien bei den Volkern mit einsilbigen Sprachen zu 
suchen; oder sie ist die Erfindung Mehrer und bei ihrer 
ungemeinen Wichtigkeit mit Recht genannt die Erfindung 
eines gottlichen Wesens, des Hermes Trismegistos , des 
Taaut, des Kadmos. Der toletinische Bischof Eugenius Ju- 
nior * dachte wsich die Sache so : 

Primus hebraeas Moyses exaravit literas. 
Mente Phoenices sagaci condiderunt atticas. 
Quas Latin! scriptitamus edidit Nicostrata. 
Abraham syras et idem repperit chaldaicas. 
Isis arte non minore protulit aegyptias. 
Gulphilas promsit Getarnm, quas videmus ultimas. 

Die Alphabete entstanden muthmasslich gänzlich unab- 
hängig von einander, und zwar zunächst dreierlei, das in- 
dische im Osten, das semitische (mit dem ägyptischen) 
im Westen, in der Mitte von beiden die Keilschrift. Das 
Bekanntwerden der Buchstabenschrift und ihre gangbare An- 
wendung im gemeinen Leben liegen sicherlich weit aus 
einander. Die Zahlzeichen sind wahrscheinlich älter als 
die Buchstaben. 

^ Bei Pktrl's Crinitus, De honesta disciplina, XVII, 4. 



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10 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

§. 44. Die Hieroglyphen stellen die Gegenstande, 
welche sie ausdrücken wollen, entweder wirklich im Bilde 
dar, oder sie bezeichnen, was sich nicht wirklich darstellen 
lässt, durch ein entsprechendes symbolisches Zeichen (z. B. 
Lowe für Grossmuth und Starke), oder auch durch phone- 
tische Lautzeichen, wobei man Gegenstande abbildete, deren 
erste Laute die zu bezeichnenden Buchstaben waren (z. B. 
Berg oder Buch für B). 

Nach Herodot und Diodor ist diese Schrift eine doppelte: 
eine heilige (Hieroglyphen), nur den Priestern bekannte 
(hieratische), abgekürzte Bilderschrift, und eine gemeine 
(demotische), einfache, für den gewöhnlichen Gebrauch 
eingeführte Buchstabenschrift. Der Alexandriner Clemens 
spricht von einer dreifechen Schreibweise der Aegypter: 
von einer heiligen oder hagiographischen, einer priester- 
lichen oder hieratischen und einer enchorischen (demoti- 
schen, epistolographischen). Die beiden letztem waren 
Buchstabenschrift, und die hieratische entstand nur durch 
Verzierung der Charaktere in der demotischen K 

Entzifferungs versuche durch Kircher, Fluche 1812, Sick- 
1er, Warburton, Zoega 1797, Young 1823, Jean Fran^ois 
Champollion 1834, die besonders angeregt und begünstigt 
wurden durch den von Boussard 1799 bei Rosette gefundenen 
Stein mit einer Inschrift in dreierlei Schriftart und darunter 
auch Griechisch 2. 

1 HoRAPOLLO, Hieroglyphica , beste Ausg. von Leemans i835. Die 
demotische Schrift ist tachygraphisch aus der hieratischen entstanden, ein 
Mittelglied zwischen den Hieroglyphen nnd der Schrift der Kopten, mit 
der demotischen Sprache 4000 Jahre in Gebrauch: 7. Jahrh. t. Chr. bis 
3. Jahrh. n. Chr. Brugsch, Grammaire d^motique etc., i855. Ders., 
Scriptura Aegypt. demotica, 4848. Ders., Memoire sur la^ reproduction 
imprimee des caracteres de Tancienne ecritnre demotique des^ Egyptiens etc., 
4866. — * Ueber die Inschrift von Rosette: Sacy 4802, Akerblad 4802, 
QuATREHisRB 4808, Spohn 4840, Yoüng 4844, 4823, Drumann 4823. — 
Der Obelisk von Philä und Champollion 4822. Sbtffarth 4826. Kose- 
gartbn gab 4828 eine geordnete Uebersicht des bisher Entdeckten. Dulau- 
ribr 4833. Champollion, Gramm, egypt., 4840; Dictionn. ^gypt, 4842. 
RosELLiNi, Monumenti etc., 4832. Gegen Champollion: Klaproth, Lettre 
sur la dicouverte d'hierogl., 4827; für ihn: Salvolini 4836, Leemans 4838, 
Lbpsius 4837, 4842, Idelbr 4844, üngarblli 4842. — Sohwartzb, Gesch., 
Mythol. u. Verf. des alten Aegypt., 4844. Saalschutz, Forschungen u. s. w. 
Beilage Hermapion's Obeliskeninschrift, 4848 fg. 

§. 45. Die Keilschrift findet sich auf den alten Bau- 
denkmalen von Persepolis, Babylon, Ninive, der Stadt der 
Semiramis am Wansee in Armenien, auch in Aegypten. 



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Zweites Capüel. Graphologie. 11 

Abzeichnungen derselben von Le Brun, Niebuhr, Ker Porter, 

Rieh, Schulz, Rawlinson, Westergaard, Botta^ 

Entzifferungen (mit Sicherheit wenigstens soweit, dass 

man die Namen Dareios und Xerxes in ihnen findet) Ton 

Grotefend 4 805, Bumouf 1836, Lassen 1836, Westergaard, 

Rawlinson ®. 

1 Bericht in der Allgem. Ztg., 4843, Nr. 474, Beil., und da« Prachtwerk 
Monaments de Ninive etc. von Botta et Flandin, 4849 fg. Reisehericht Ton 
Layard, Niniveh and its Remains, 4849 ; deutsch von Meissner^ 4854. Lecture 
litteraie des hieroglyphes et des cuneiformes par anteur de ia Dactylo- 
logie, 4853. Uoltzmann, Ueber d. zweite Art d. achämenid. Keilschrift in 
der Zeitschrift der deutschen morgenländ. Gesellschaft, VIII, 329. — ' Im 
Joümal of the Royal As. soc, X, 4, 4846 fg. 

§. 16. Bei den Arabern findet sich schon vor Moham- 
med die himjaritische Sprache und Schrift^. Es folgte 
die durch die Schule in Kufa bei Bagdad zur Geltung 
gebrachte kufische Schrift, gleichfalls eine der ältesten 
Formen der arabischen Schrift und wahrscheinlich kurz vor 
Mohammed (570 — 632) eingeführt, sehr ähnlich der alt- 
syrischen Schrift oder dem Estranghelo, später nur noch 
als Münzschrift und bei Inschriften gebraucht, während die 
Neschischrift (Nedsche) allgemeine Geltung erlangte*. 
Die Niederschreibung des Koran wurde epochemachend für 
Sprache und Schrift. 

1 Ueber beide Gesbniüs und Rödigbb, 4841. — ' Stlv. de Sacy in 
den Mem. de Tacad. des inscr., vol. 50. Lindbebg, Sur quelques m^dailles 
cafiques, 4830. 

§. 47. Die Hebräer kannten Buchstabenschrift schon zu 
Mosis Zeit. Der ältere Schriftcharakter ist aus dem phoni- 
kischen Alphabet, der jüdischen Miinzschrift und den samari- 
tanischen Schriftzügen zu erkennen. Er wich nach Esra's Zeit- 
alter (nach 400 v. Chr.) aUmälig der noch üblichen babylo- 
nischen Quadratschrift, von welcher die palmyrenische und 
die syrische Abaiien sind. Die Pinalbuchstaben sowie die 
diakritischen Zeichen sind um mehre Jahrhunderte jünger, die 
Vocale und Accente erst aus dem 6. — 7. Jahrh. n. Chr. . 

Wahl, Allgem. Gesch. d. morgenländ. Sprachen, 4784. Gesbnivs, 
Gesch. d. hehr. Sprache a. Schrift, 4815; 2. Aufl. 48^17. Hartmanm, Lingui- 
stische Einleitung in das Studium d. Bücher d. A. Test., 4848. 

§. 18. Das den Griechen angeblich durch Kadmos 
überbrachte phonikische Alphabet hatte keine Vocale, be- 
stand aus elf Consonanten und vier Hauchzeichen. Darttuf 
vermehrten die Orientalen die Zahl ihrer Schriftzüge mit 



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12 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

sieben neuen. Aus diesem Zuwachs nahmen die Griechen 
das Y, Z, H, 6 an. Epicharmos oder Palamedes erfanden 
das $ und X. Simonides von Keos fugte noch S, ^9 O 
hinzu. Dieses aus 24 Buchstaben bestehende Alphabet 
wurde von den lonem, und wahrscheinlich zuerst von den 
Samiern, angenommen, daher 7pa|i.[JiaTa 'lovixa genannt. 
Kallistratos von Samos brachte es nach Athen, wo es erst 
gegen Ende des Peloponnesischen Kriegs (404 v. Chr.) zu 
Inschriften gebraucht wurde. 

§. 19. Dass die Römer das Alphabet von den Griechen 
schon unter Romulus erhalten, lässt sich nicht bezweifeln. 
Auch scheint die Benennung der Buchstaben der bei den 
Griechen eingeführten gleich gewesen zu sein. Zu den älte- 
sten 16 kamen später das G, wofür ursprünglich das C ge- 
braucht zu sein scheint, das F, entsprechend dem Digamma, 
und H, entsprechend dem Spiritus Asper, femer V, ent- 
standen aus Y und X für S. Die Einführung des Y und Z 
fällt in die letzten Zeiten der Republik. So bildete sich das 
lateinische Alphabet von 23 Buchstaben, welche sich seit 
dem goldenen Zeitalter der römischen Literatur (78 v. Chr. — 
44 n. Chr.) nachweisen lassen. Aber schon früh trat das C 
an die Stelle des K, welches nur als sogenannte Nota bei Ab- 
kürzimgen und in gewissen mit A anfangenden Wörtern bei- 
behalten wurde. Die drei von Kaiser Claudius eingeführten 
Buchstaben (das äolische Digamma A , Antisigma OC und ein 
dritter, dessen Figur und Bedeutung unbekannt ist) ^ kamen 
bald wieder ausser Gebrauch. Erst in das 17. Jahrh. fällt die 
Unterscheidung zwischen I und J, sowie zwischen V und U. 

Das Latein wurde über alle andern Schriftarten des 
Abendlandes herrschend *. 

Die Capital- oder Uncialschrift ist im Griechischen und 
Lateinischen die ältere. Cursivschrift findet man auf einer 
Urkunde von 104 v. Chr., gebräuchlich seit dem 5. Jahrh. 
n. Chr., erst seit dem 8. Jahrh. auch in Handschriften. 

Die griechischen Accentzeichen von Aristophanes von 
Byzanz 200 v. Chr. 3. 

1 Zeune zu Christ' s Abhandlungen über die Literatur, 4776, S. 40< fg. — 
^ Mabillon, De re diplomatica, 4 684 u. 4789. Gatterbr, Diplomatik, 4798. 
ScHÖNBMANN, Diplomatik, 4804 fg. Kopp, Palaeographia critica, 4847 fg. Ders., 
Bilder und Schrift der Vorzeit, 4 849. < — ^ Mbrlbkbr, Die wichtigsten Re- 
geln über die griechischen Accente, 4834. lieber Aussprache der Buchstaben 
K. L. Schneider. 



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Zweites Capitel Graphologie, 13 

§. 20. Runa bezeichnet Buchstabe, Schrift, Gesang und 
Rede in heimlichem Sinne. Das Runenalphabet zählte 
ursprünglich 16 Zeichen, deren Hauptbestandtheil ein senk- 
rechter Strich ist. Man hat auch deutsche, von nordischen 
abweichende Runenalphabete aus dem 8. — <0. Jahrh. 

Ihre, De runarum patria et origine, 4770. Siöboro, Hist. mnarum 
Helsingicamm , 4806. T>ie heUingischen Runen sind eine neue rnnische 
Geheimschrift. Brinjdlfsen, Periculnm runoiogicum, 4823. Liljbobbm, 
Run -Laera, 4832. W. Grimm, Ueber deutsche Runen, 4824. Lafpemibro, 
Gesch. Englands, I, 79. Das gothischo Runenalphabet von A. Ejiichhofp 
(2. Aufl., mit einer Vorrede über Entstehung d. Runen, 4854), beurtheilt von 
Kuhn in der Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung, 4854, 4. Zacher, 
Das gothische Alphabet Vulfilas n. das Runenalphabet, 4855. 

§. 21. In Deutschland folgte auf die Runen die gothi- 
sche Schrift des Ulfilas (360—380 n. Chr.), darauf latei- 
nische imd die Vulgärschriftzeichen der Merovinger, Longo- 
barden, Karolinger. Deutsche Schrift erst seit dem 13. 
Jahrh. Die Currentschrift erst seit Ende des 15. Jahrh. 
Aus derselben Zeit stammen Albrecht Dürer's Propor- 
tionen der Buchstaben. Die Interpunction ist seit dem 
8. Jahrh. gebräuchlich. Die Ordnung der Interpunctions- 
zeichen kommt von Aldus Manutius in Venedig zu Anfange 
des 16. Jahrh. 

§. 22. Schreiber sind die tabellarii, scribae publici, 

notarii, Mönche seit dem 5. Jahrh., anfangs besonders im 

Archipel. Bis zum 13. Jahrh. ward besonders von Cister- 

ciensem und Karthäusem schön geschrieben. Die unschöne 

Schrift begann im 14. Jahrh. Schreibmalerei (besonders an 

den Initialen) übten die Modisten in Nürnberg. Auch bei 

den Moslems gab die Kalligraphie einigen Ersatz für die 

verbotene Malerei. 

Patne, Systemat. Anleitung zur Kalligraphie in ihrem ganzen Um- 
fange, 4839. 

§. 23. Schreibweisen: xtovifiSov (Chinesen), ßou^po- 
9if|86v (Solon's Gesetze). Diese Stierwendeschrift war bei 
den ältesten Griechen und Römern im Gebrauch, wovon 
man noch das Wort versus und ähnliche Ausdrücke ab- 
leiten will. 29atpiq8dv und die Spielereien der alexandrini- 
schen Schule (Eischrift u. a.). Feste Volkssitte für Sanskrit 
und die verwandten, namentlich die classischen und occi- 
dentalischen Sprachen von der Linken, für die semitischen 
Sprachen von der Rechten aus. 



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14 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

§. 24. Schreibmittel: Griffel (Ypa9sIov, stilus), *Rolir 
(xaXafxo^, Exod. 2, 3) aus Knidos und vom Nil, das sich 
neben der Feder vom 6. — 10. Jahrh. im Gebrauch erhielt. 
Gänsefeder 636 zuerst erwähnt. Stahlfeder von James Perry 
( \ 756 — 1 821 ). Dazu die Feile von Mowers in Braunschweig. 

Rothe imd schwarze (sepia) Tinte und Enkaustum. 

§. 25. Schreibmarterial: Stein, Blei, Erz, Baumrinde, 
Wachs, seit 3. Jahrh. v. Chr. ägyptischer Papyrus, zube- 
reitet durch glutinatores und malleatores, Pergament aus 
Pergamus ^, bei den Römern Membrana, charta Augusta, 
Claudia, Baumwollenpapier (charta serica, damascena, Tuch- 
pergament) in China um 450 v. Chr., von den Arabern 704 
in der Bucharei kennen gelernt und im M. Jahrh. nach 
Spanien verpflanzt, nach Deutschland erst um 4300. Casiri 
nennt die Araber als Erfinder des Leinen- oder Lumpen- 
papiers. Darauf schon 4178 ein Friedensvergleich, 4254 die 
Fueros der Stadt Valencia, in Deutschland die erste Ur- 
kunde 1 308. Papiermühle in Nürnberg 4 390 ^. 

1 Dessen Seltenheit im Mittelalter die Palimpseste oder Codices rescripti 
veranlasst. Moyens graphiques bei Balbi, Atlas. Mone, De libris palimpsestis 
tarn latinls quam graecis, \ 855. — ^ Wehrs , Vom Papier und den vor Erfin- 
dung desselben üblich gewesenen Schreibmassen, 4789) Suppl. 4790« Ausser- 
ordentlich beträchtlich ist die Zunahme, welche die Papierfabrikation inner- 
halb des Zollvereins während der letzten 20 Jahre erfahren hat. Die Einfahr 
an Papier, welche sich noch 4834 auf 42,075 Centner belief, war 4862 bereits 
auf 2887 Centner gesunken ; dagegen hatte die Ausfuhr, die im erstgenannten 
Jahre nur 44,668 Centner betragen, sich 4852 auf 40,449 Centner gehoben. 

§. 26. Schreibarten: 4) Tachygraphie: sigla, com- 
pendia scribendi, notae Tironianae, nach Cicero's Frei- 
gelassenem, M. TuHius Tiro, benannt. Ennius soll 1100, 
L. Annans Seneca 5000 Zeichen für Schnellschrift gehabt 
haben *. Abkürzungen waren seit dem 1 1 . Jahrh. gewöhn- 
lich und fortdauernd zur Misgestaltung der Schrift durch 
das ganze Mittelalter. 

2) Verwandt ist die Stenographie, zugleich ein Be- 
dürfiiiss repräsentativer Verfassungen, daher in England 
schon länger als 200 Jahre im Gebrauch, in Prankreich 
4792 angewandt, nach Deutschland 1796 verpflanzt und 
hier seit 1819 von Grabelsberger vervollkommnet. Mavor's 
Idee verfolgte Taylor 1814, Harding 1825. Für Prankreich 
Bartin 1792, für Deutschland Mosengeil 1796, Horstig 1797, 
Leichtlein 1819, Nowack 1830, Gabelsberger 18342. 

3) Lithographie seit 1790. Der Erfinder Aloys Senne- 



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Drittes CapUel. Typologie. 15 

felder aus Prag (f 1834) schrieb in München 1848 sein , Lehr- 
buchs Veredelung durch Hanfstängl, Piloty und Lohle. 

4) Papyrographie von Sennefelder 1847, Manne in 
Frankreich 1841. 

5) Siderographie in England 1820 durch Heath, in 
Deutschland durch Frommel in Karlsruhe. 

6) Photographie oder Daguerreotypie seit 1814 
und 1838. 

7) Galvanographie und Galvanoplastik von Jak. 
Jacobi 1836 und Werner 1844. Chrysotypie von Her- 
schel 1843. 

8) Kryptographie (Chiffire): Cäsar, in Depeschen (die 
spartanische crxuTaXT)) ^. 

9) Pasigrapliie*. 

10) Telegraphier Sprachtelegraphen schon zu Dareiosl. 
Zeit durch Aufstellung von Postenketten (Angareion, Barid 
der Khalifen). Im Abendlande reicht sie bis über die Mitte 
des 5. Jahrb., durch Feuerzeichen in China und anderwärts, 
durch Zurufen bei den alten Galliern. Abgesehen von mannich- 
fachen Versuchen in den ältesten Zeiten , wurde die Telegra- 
phie zuerst 1633 durch den Marquis von Worcester und 
1660 durch den Franzosen Amontons begründet. Telegra- 
phisches System von Chappe 1789. Telegraphisches Gegen- 
sprechen durch den Wiener Ginte. 

1 Kapp, Palaeographia critica, 4827. — ^ Michaelis, Zeitschrift für 
Stenographie, 4855. Andebs, Entwurf einer allgem. Gesch. o. Lit der 
Stenographie, 1855. — ' Kldbbr, üeher Kryptographie, 4809. — * Leibnitz, 
De arte combinatoria, 4666. Wilkins 4668. Beroer, Pian zu einer allgem. 
Rede- (Pasilalie) und Schriftsprache der Nationen, 4779. Nibthammeb, 
lieber Pasigraphie und Ideographie, 4808. Bjem, üeber Schriftsprache u. 
Pasigraphie, 4809. Bonn, Grundzüge einer allgem. Methode zum Sprechen 
und Schreiben aller Sprachen, 4853; beurtheilt Ton Wagner in der Zeit- 
schrift für das Gymnasial wesen, 4855» Aprilhefb. 



Drittes Capitel. 

Typologie. 

§. 27. Xylographie der Chinesen in sehr früher Zeit. 
Die Spielkarten* der Araber^, in Italien schon 1299. Der 
Kartendruck in Deutschland zwischen 1350 — 60 erfimden. 
In Prankreich Kartenspiel 1361. Verbot gegen dasselbe in 
Spanien durch Johann I. 1 387. 



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16 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

Verbreitung der Patronen (Muster, verschieden von 
Schablonen) nach Italien (um 4300?) und dem westlichen 
Europa, in den Niederlanden (134 2?), in Haarlem 4 412 (nicht 
durch Laurens Coster 4 430 erfunden), in Antwerpen 4 442, 
in mehren Städten des • südlichen Deutschland 4 400 — 23. 
Verzierung von Handschriften durch Malerei scheint schon 
im 4. Jahrh. n. Chr. vorzukommen K 

Xylographische Denkmäler: der heilige Christoph in der 
Karthause zu Buxheim 4423, Biblia pauperum 4429. 

Vervollkommnung der Holzschneidekunst durch die frän- 
kische Malerschule: Wohlgemuth, Albr. Dürer, Scheuffelin, 
Luk. Cranach, Hs. Burgkmair im 4 6. Jahrh. Das Hell- 
dunkel von Pilgram oder Hg. da Carpi. Seit dem 46. Jahrh. 
wurde der Kupferstich vorgezogen, aber seit Ende des 48. 
und im 49. Jahrh. hat sich der Holzschnitt zunächst und 
am meisten in England wieder gehoben. 

Erfindung der Xylotypographie (illustrirte Drucke) 
durch den Engländer Th. Bewick (geb. 4753)* 

1 Das Kartenspiel ist wol indischen Ursprungs? -^ ^ Naibi oder Naipes, 
d. h. Wahrsagung. — * Bastard, Peintures des manuscrits dfes le 4"* au 
46"* siecle, 4835 fg. — * Gesch. der Holzschneidekunst von Bbulliot, La- 
BOBDE, Hblleb 4823, RuMOHR, SoTZMANN (im Histor. Taschenbuch, 483*7), 
EoD. Wbigel, Young. 

§. 28. Die Buchdruckerkunst mit gravirten Tafeln 
war in China schon 600 v. Chr, bekannt. Cicero's Ver- 
muthung von der Möglichkeit beweglicher Lettern (,De nat. 
deor.S n, 37). Streit über die Ehre der Erfindung der 
Buchdruckerkunst zwischen Holland (Laurens Coster 4370 — 
4436 [39] in Haarlem) und Deutschland. Jenes feierte das 
Jubiläum 4823, dieses stets anno 40 jedes Jahrhunderts 
(zuerst in Wittenberg), auch 4840 i. Seit Schaab's Be- 
weisführung * ist unbestreitbar Erfinder Henne oder Johann 
Gensfleisch von Fulgeloh, gen. Gudinberg oder Gutenberg, 
aus Mainz (4 397 — 4 468). Die Erfindung wurde in Strasburg 
empfangen, in Mainz geboren. J. Fust 4450. Pt. Schoffer 
von Gemsheim ist Erfinder der Matrizen 4453. 

Die Kunst hörte auf ein Geheimniss zu sein 4 462, als 
Adolf von Nassau den Erzbischof Dietrich von Mainz an- 
griff und die Stadt eroberte, imd verbreitete sich nach Italien 
4 464, Venedig 4 469, Paris 1470, Antwerpen 4 470 (Dierik 
Mertenz benutzt deutsche Typen 4472), Basel und London 
(Caxton) 4 474, Prag 4478, Stockholm 4 483, Lissabon 4 489, 



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Viertes Capitel. Bibliologie. 17 

Erakau U91, Kopenhagen 1493; Mexico 1550, Moskau 1564, 
Lima 1586; Britisch-Nordamerika 1640; Konstantinopel 1 726 
(bald untergegangen, restituirt 1783); Aegypten 1822 K 

> Mbbrmann, Orig. typogr., 4760. Koning, Oorsprong etc. , 4816. — 
* Gesch. d. Erfindung d. Druckerkunst, 4834. Wblleb 4836. Labordb, 
Nouv. rech, sur Torigine de rimprimerie, 4840. — ^ Schulz, Gatenberg oder 
Gesch. d. Buchdruckerkunst, 4 840. Ebenso Falkemstein 4840. Umbrbit, 
Erfind, d. Buchdrk., 4843. Bebnard, De Torigine et les döbuts de rimpri- 
merie en Europe, 4854. Dupont, Histoire de rimprimerie, 4854. Foornibb, 
Trait6 de la typographie, 4854. Jarosl. Wrldtko in Wlastimil schreibt den 
Böhmen einen nicht geringen Theil an der Erfindung der Buchdruckerkunst 
zu, weil Gutenberg von Geburt ein Böhme, wenigstens böhm. Abstammung 
gewesen sei, und behauptet, dass sich die typographische Kunst in Böhmen 
zwar mit Kenntnissnahme des deutschen Drucks, aber unabhängig und 
ohne materielle Hülfe der Deutschen im Lande , und zwar schon früh , ent- 
wickelt habe. 

§. 29. Als sich 1 470 die Schriftgiesserei von der Druckerei 
trennte, blieb mit letzterer der Buchhandel in Verbindung. 
Aeltere Buchdrucker: die Familie Manutius 1488 — 1580, 
de Giunti 1492 — 1592, Etienne, Elzevier 1595 — 1680; 
neuere: Breitkopf, Baskerville, Didot, Bodoni, Tauchnitz, 
Vieweg, Decker, Brockhaus. Schnellpresse von F. König. 
Hill'sche Cylinderpresse. Erleichterung des Setzens durch 
Young und Delcambre. 

Erfindung der Stereotypen durch J. van de Mey in 
Leyden Ende des 17* Jahrb.; ihre Vervollkommnung durch 
J. Müller Anfang des 18. Jahrb., Firmin Didot 1794, Stan- 
hope 1804, Tauchnitz, Breitkopf u. A. 

Westbeemen van Tiellandt, Rapport sur Tinvention de rimprimerie 
stereotype, 4833. — Buchdruckereien wurden 4854 4 639 mit 3405 Pressen 
und 974 Schnellpressen in Deutschland gezählt, wozu noch 4 4 49 Stein- 
und Kupferdruckereien mit Pressen kommen. Die Zahl . der Neuigkeiten, 
welche aus diesen Pressen jährlich hervorgehen, wird nach einem fünf- 
jährigen Durchschnitt auf mehr als 40,000 berechnet. 



Viertes Capitel. 
Bibliologie. 

§. 30. Die Bibliographie oder Bibliognosie und Biblio- 
logie ist das Archiv für die Literaturgeschichte. Sie ward 
durch Kr. Gesner im 16. Jahrb. begründet, und Frankreich 
ist ihr Mutterland. 

Ebsch, Allgem. Repertorium d. Lit., 4793 — 4809. Ebbet, Allgem. 
Bibliographie, 4824 — 30. Hewsius, Allgem. Bücherlexikon, mit Fort- 
setzungen von Eatsbe, Schulz und Schiller. Eatsbr, Allgem. Bücher- 
lexikon, mit Fortsetzung von Zucbold. Qu^bard, France litt^raire. Emslin's 

MXRLSESB. d 



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IS Erstes Buch. Koinodoklologie. 

Kataloge für einzelne Wissenschaften seit 4820. Schriften von Brunnbt u. Rb- 
NOUARD. Petzholdt, Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekwissenschaft. 
Aasserdem sind als Zeitschriften za diesem Zweck zu betrachten : das Naü- 
mann'schb Serapenm, das pariser Bulletin du bibliophile und Stbrckt, 
Bulletin du bibliophile beige. Allgemeine Bibliographie (Hinbichs), Buch- 
händlerbörsenblatt, leipziger Messkatalog. In Frankreich: Bibliographie 
de la France und Catalogne mensuel des nouveautes de la librairie pari- 
sienne. In Belgien: y. Muquardt, Bibliographie de la Belgique; Ben, Journal 
de l'imprimerie et de la librairie; Vlämische Bibliographie. In England: The 
.publisher circular; Lonoman, Monthly list of new books. In Spanien: 
Boletin bibliografico und Revista bibliografica. In Holland: Bibliographie 
▼oor Nederland, Lisst van nieuw uitgekomen boeken.« In Skandinavien: die 
Dansk und Svensk Bibliographi. In Nordamerika: Norton publisheis cir- 
cular und Literary register. Colomb db Batines (144. Jan. 4855), Dizio- 
nario manuale di bibliogr. Italiana. Bibliographisch -statistische Ueber- 
sichten der Literatur des östreichischon Staats haben wir 4844 von Adf. 
SoHMiDL, dann von Dr. v. Wurzbach, 4854 durch die Buchdruckerei der 
V. Ghalenscben Erben erhalten; darin an Encyklopädien und Literatur- 
geschichten in deutsch. Spr. 49, in ital. Spr. 42^, in Gesammtostreich 248. 

§. 31. Büchei'formate: Rollen, pugillares, Codices, 

libri plicatiles, volumina (atyrpaXfaxoc, umbilicus); comua, 

frontes; Folio, Quart, Octav, Sedez, Duodez, Oetodez. 

Auf beiden Seiten beschriebene Blätter erst aus dem 5. Jahrb. 

n. Chr. Lederbände erst seit dem 12. Jahrh. 

ScHWARTZ, De ornamentis librorum etc., 4705 n. 475B. Ledschner, 
ebenso, 4756. 

§. 32. Der Paläotype oder Incunabeln (in cunis 
artis facta) zählt man aus der Zeit zwischen 1440 — 1500 
etwa 1 5,000 \ Darunter finden sich Nikolaus' V. Ablassbrief 
1454, latein. Bibel 1455, Lactantius 1455, Psalterium 1457, 
griech. Grammatik des Laskaris in Mailand 1 476, Cicero's ,De 
pfficiis' 1 465 in 4., ,Nideri praeceptorium divinae legisH 472 mit 
Signatur, ,Sermo ad populum praedicatorius' 1 470 mit Blatt- 
zahl, ,Officium Mariae virginis' 1 473 in 32., Antonio da Siena's 
,Monte Santo di Dio' 1477 mit Kupferstichen, die Collection 
von Alopa zu Florenz 1494 — 96 mit Capitälchen (6 griech. 
Werke: Anthologie, ApoUonios von Rhodos, Euripides, 
Kallimachos, die Gnomiker und Musäos), Editiones prin- 
cipes classicorum, die Aldinen der drei Manutier (zwei 
Aldus und ein Paul). Titelblätter seit 1485. Die Cursiv- 
type Francesco's (Virgil 1501). 

1 Pansbb und Maittaibb, Annales typographici. Hain, Repertorium 
bibliologicum, 4826 — 38. Renouabd, Annales de rimprimerie des Aide, 
ou bist, des trois Manuce, 3. ed., 4834. Ch. F. Hablbss, Literatur der 
ersten hundert Jahre' nach Erfindung der Typographie, 4840. 

§. 33. Zu den ältesten Bücher Sammlungen gehört 
die des Peisistratos in Athen (Gellius), welche die Perser 



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Viertes Capitel. Bmiologie, 19 

entführten und Seleukos Nikator zurücklieferte, und die 
des Aristoteles, welche Theophrast erbte. Dessen Erben 
verweigerten den Verkauf derselben an Konig Ptolemäos 
Philadelphos und verbargen sie auch vor dem König von 
Pergamos in einem Keller, wo sie durch Nässe und Würmer 
zum Theil zerstört wurde; endlich kaufte sie Apellikon von 
Teos, mit dessen Bibliothek sie unter Sulla nach Rom kam. 
Hier wurden die Schriften nach einer Copie des Freige- 
lassenen Tyrannion von Andronikos aus Rhodos in Pragma- 
tien geordnet und von neuem durchgesehen. Diese Erzäh- 
lung Strabo's haben Brandis, Kopp und Stahr mit Recht 
bezweifelt. Auch die chinesischen Kaiser sorgten fi^h für 
Sammlimg von Schriften ihrer Vorfahren und über sie. Die 
alexandrinische Bibliothek im Brucheion mit 4 — 700,000 
Kollen verbrannte zum Theil im Alexandrinischen Kriege, 
47 V. Chr., und wurde mit der im Serapeion und der von 
Antonius an Kleopatra geschenkten pergamenischen (20,000 
Rollen) vom Erzbischof Theophilos unter Theodosius d. Gr. 
391 ganz zerstört, sodass der arabische Eroberer Aegyptens, 
Amru, 640 nichts mehr zu zerstören fand*. 

In Rom wurden die ersten Bibliotheken durch Aemilius 
Paullus (168) und LucuUus (75) angelegt, die erste öffent- 
liche durch Asinius PoUio (38 v. Chr.)*, von Augustus die 
Palatina* und Octaviana. Nach P. Victor (im 4. Jahrh. 
n. Chr.) gab es 38 Bibliotheken in Rom*. In Konstan- 
tinopel die Bibliothek Konstantin^s d. Gr., erweitert auf 
100,000 Rollen durch Julian und Valens, der sieben Ab- 
schreiber (antiquarii) dabei anstellte, verbrannte 477 unter 
Zeno dem Isaurier und nach ihrer Wiederherstellung noch 
zwei mal, 610 und 731. Die neupersische zu Madain wurde 
651 von den Arabern verbrannt. Die arabischen zu Bagdad, 
Kahira (über 100,000 Bde.), im syrischen Tripolis mit einer 
unglaublich grossen Zahl von Büchern, zu Fez, Cordova, 
überhaupt im arabischen Spanien an 70 Bibliotheken, dar- 
unter die "des Khalifen Hakem mit mehr als 600,000 Hand- 
schriften. 

Als Sammler haben sich Verdienste erworben Basilius 
Macedo, die Komnenen, Al-Mamun, Karl d. Gr., Richard 
AungerviUe, Petrarca, Boccaccio. Die Bibliotheksannalen 
beginnen erst im 14. Jahrh. K]arl V. von Frankreich ver- 
mehrte 4380 seine Bibliothek auif 900 Bde., unter denen 

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20 Ersies Buch. Koinodoklologie. 

von Classikem nur Ovid und Lucan waren. Die Vaticani- 
sche (Nikolaus' V.) enthielt U55 nur 5000 Bde. Die kirch- 
lichen Bibliotheken hatten oft nicht über 30 — 40 Bde., welche 
hier und da angekettet und nur gegen Unterpfand ausgeliehen 
wurden. So hatten die Alexandriner für die Autographa der 
drei Tragiker den Athenern elf Talente (gegen 15,000 Thlr.) 
in Versatz gegeben, Hessen aber das Geld im Stiche. 

Die Marcusbibliothek in Venedig des Cardinal Bessarion 
ist 4362 gegründet, die Mediceo-Laurentiana in Florenz 1474, 
die Ambrosianische in Mailand von Federico Borromeo 1609 
(mit 60,000 gedruckten Büchern, 15,000 Handschriften, dar- 
unter viele Palimpseste). Niccolo Niccoli in Florenz im 
1$. Jahrh. offiiete seine Bibliothek zum allgemeinen Gebrauch. 
Die Magliabecchi'sche in Florenz öffentlich 1747. Die hei- 
delberger 1390 gegründet. Die Pauliner in Leipzig. Die 
Rhediger^sche in Breslau. Die Bodlejanische in Oxford 1 480, 
öffentlich 1612. Die in Ofen (Buda) von Matthias Corvinus 
im 15. Jahrh. Gegenwärtig gibt es eine Menge öffentlicher 
und Privatbibliotheken. 

Die statistischen Nachrichten, wie sie in Bezug auf 
Deutschland Bertuch's ,Ephemeriden' geben*, haben ge- 
wöhnlich nur für ein Jahr Gültigkeit. Fast jede grössere 
Sammlung hat ihren Geschichtschreiber geftmden. Die 
pariser Nationalbibliothek, für deren Gründer Franz I. gilt, 
ist augenblicklich das grösste Institut dieser, Art in Europa; 
sie enthält 1,200,000 Bde., 100,000 Handschriften, 1 Million 
historischer Documente und Actenstücke, 1 Million Kupfer- 
stiche, 100,000 Medaillen und Gegenstände des Alterthums \ 
In München 600,000 Bde. und 18,000 Handschriften, in 
Petersburg 350,000 und 12,000, in Wien 300,000 und 12,000, 
in Berlin 400,000 und 5600, in Oxford 500,000 imd 30,000, 
die Bibliothek des Britischen Museum zu London 190,000 
und 60,000. Bei den Osmanen ist Büoherluxus in Samm- 
lung schön geschriebener Korane und theologischer Schriften 
zu finden, wissenschaftliche Werke werden wenig beachtet '^. 

Chronologische, topische imd wissenschaftliche Kataloge ®. 
^ KiTSCHL, Die alex. Bibl., 4838. Naumann, Serapeum, 4840 fg. — 
2 Thorbeekb 4820. — * Lörsen 4749. — ^Lipsius, De bibliothecis, 4002. 
Poppe, De Rom. bibliothecis, 4826. — * Andre, Zahlenstatistik, 4823. — 
<^'JLe Princb, Histor. Handb. über die Einrichtungen der kaiscrl. Bibliothek 
in Paris; neue Auflage durch Louis Paris: Essai historique sur la biblio- 
theque du roi etc. — ^ Ebert, üeber öffentl. Bibl., 4844. Petit -Radel, 
Recherches sur leg biblioth^nes anciennes et modernes, 4849; ebenso Bailly 



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Viertes Capitel Bibliologie. 21 

4828* VoGBL, liiteratur früherer and nodi bestehender öffentl. und Corpora- 
tionsbibl., 4840. — Für Bibliothekwissenschaft: Schrkttihoeb, 4808 — 29. 
Ebbet, Die Bildung des Bibliothekars , 2. Aufl., 4820. Conbtahtin, Biblio- 
thekonomie, 4839. Ders. 4840. Pebvskeb, Ueber öffentl. Bibl., 4839. 
Seizingbb, Bibliothekstechnik mit einem Beitrag zum Archirwesen» 4865. — 
^ Frankb, Catalog. bibl. Banaviensis, 4750 — 56. Avdiffrbdi, Alphabet. 
Katalog, d. Casanati'schen Bibl. , 4764 — 68. Petzholdt, Urkundliche Nach- 
richten zur Gesch. d. sächsischen Bibliotheken, 4855. Ueber die kaiserl. Bibl. 
in Paris: Catalogue des li^res imprim^s de la Bibl. imperiale, 4855, 

§. 34. Der Buchhandel war in dem alten Rom ziem- 
lich einträglich; Horaz spricht von einem Buche, ,qui Sosiis 
aera meret', obgleicli die Bücherpreise billig waren. In dem 
Vicus sandalarius in der vierten Region oder der Via Sacra 
und in dem Argiletum in der elften Region oder dem Circus 
maximus gab es viele Buchläden (tabemae librariae), welche 
bei den Alten fast ebenso wie . die unserigen eingerichtet 
waren. Die Werke waren in Fächern .(nidi) aufgestellt, an 
den Thüren und Säulen (pilae) waren die Titel der Bücher 
befestigt; daher sagt Horaz: ,Nulla taberna meos habet neque 
pila libellos' ^ Die bedeutendsten Buchhändler nach Erfin- 
dung der Druckerkunst sind Fust, Aldus Manutius in Ve- 
nedig, Coburger in Nürnberg. Im Jahre 1854 gab es in 
Deutschland gegen 2000 Buchhändlerfirmen, darunter 400 
Kunst- und Musikalienhandlungen. 

Die Büchermesse in Frankfurt a. M. bestand seit dem 
46. Jahrh., ebenso lange auch die Messkataloge, seit 1608 
in Leipzig (seit dem Auftreten Ferdinand's von Steiermark 
als kaiserl. Commissarius und Schärfung der Censur durch 
die Jesuiten in Frankftirt), in New- York seit 1802*. 

Bücherprivilegien: von Bischof Heinrich zu Bamberg 
1 490, venetianisches 1 491 , päpstliches 1 505, franzosisches 1 507, 
deutsch -kaiserliches 1510. Beschluss der deutschen Bundes- 
versammlung gegen den Nachdruck vom 9. Nov. 1 837 '. 

Antiquare: Elzeviere und Wäbberge zu Leyden und 
Amsterdam, Fritsch, Gleditsch, Weidmann zu Leipzig, 
Bohn in London, Techener in Paris u. A. 

1 ScHÖTTGBN, De librariis et bibliopoiis antiquorum, 4710. Waoner, 
Grundriss der class. Bibliographie, 4 840- Geradd, Essai snr les livres 
dans Tantiquitö particul. chez les Romains, 4840. Pbiohot, Sar la reliüre 
des livres et sur I*etat de la librairie etc., 4834. — * Sohwbtschkb, Mess- 
jahrbücher des deutsch. Buchhandels von 4564 — 4765. Bibliographische« 
«JTahrbuch für den deutschen Buch-, Kunst- und Landkartenhandel seit 1853. 
(HiNRiOHS*) Allgemeine Bibliographie für Deutachland. Bsockhaus, Ailgem. 
Bibliographie. Monatl. Yerzeichniss der wichtigern neuen Erscheinungen 
der deutschen und ausländischen Literatur. Zusammengestellt von TrömeL 
Kirchhoff, Beitrlige zur Gesch. d. deutsch. Buchhandels. Lbmpertz, Bilder- 



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22 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

hefte zar Gesch. d. Bücherhandelr, ^855r — ^ Eisenlohb, Das literarisch- 
artistische Eigenthum und Verlagsrecht mit Rücksicht auf die Gesetzge- 
bungen, 4864' Ders., Sammlung der Gesetze und Verträge zum Schutze 
des literarisch -artistischen Eigenthums in Deutschi., Engl. u. Frankr., 4856- 

§. 35. Mit der Literatur ging die Censur ziemlich glei- 
chen Schritt. Theatercensur in Athen ([i*}] ovofxaaTi xofJioSstv) 
durch Lamachos 404 oder erst 388 K Verbote in Rom gegen 
libelli famosi. Der unter dem Consulat des C. Fannius Strabo 
und M. Valerius Messala gefasste Senatsbeschluss gegen die 
Philosophen und Rhetoren 161 v. Chr. und das 92 v. Chr. 
gegebene Edict der Censoren Cn. Domitius Aenobarbus 
und L. Licinius Crassus ^. Mit der Monarchie trat in Rom 
Gedankensperre ein ^. .Die Kirchen Versammlung zu Kar- 
thago (400) verbot heidnische Bücher, Konstantin die des 
Arius, die Synode zu London 1408 die des Wicliffe. Die 
Obscurantenuniversität zu Köln hat urkundlich zuerst 1479 
die Censur an einer Druckschrift geübt; den Vorgang hatte 
die pariser in Approbation oder Verdammung von Manu- 
scripten genommen. Erzbischof Berthold von Mainz be- 
stellte 1486 Censoren für Mainz und Erfurt, daraufnahm 
das Papstthum die Sache in die Hand, Alexander VI. 1501, 
das Concil im Lateran 1515. Verzeichniss gefährlicher 
Bücher 1546 zu Löwen. ,Index librorum prohibitorum' 1557 
und 1559 durch Paul IV. imd die Jesuiten, geschlossen 1819. 
Die karlsbader Censurbeschlüsse 1819 für Bücher unter 
20 Bogen. Preussisches Pressverbot vom 5. Juni 1850 und 
Pressgesetz vom 12. Mai 1851. Englische Pressfreiheit 
seit 1694. 

^ Von der Beschränkung der komischen Freiheit durch Volksbeschlüsse, 
s. Wachsmüth, Hellen. Alterthumskunde , I, §. 70, Nr. 494 und Beilage 
Nr. 20. — * Gelliüs, Noct. Attic, XV, 4 4. — ^ Grüner, Cremutins 
Cordus oder über Bücherverbote, 4798. Schmidt, Gesch. der Denk- und 
Glaubensfreiheit im ersten Jahrhundert, 4847. 



Fünftes Capitel. 
Studiologie. 

(Grammatologie oder Matbematologie). 

§. 36. Die Wissenschaft des Orients (Asiens und 
Aegyptens) knüpft sich zunächst an die Religion und ist 
darum Alleingut fast nur der Priester geblieben. Daher 
in China der in neun Rangstufen getheilte aristokratische 



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Fünftes Capitel. Sludiologie. . 23 

Gelehrtenstand der Mandarinen, daher die Priesterschulen 
Aegyptens, Indiens und der Hebräer^. 

» Ueber diese Hering ^777. Vitbinga, De synagogis, 4696 n. 4726. 

§. 37. Die Religion der Griechen erfoderte keine In- 
stitute, in welchen der Unterricht darüber ertheilt worden 
wäre. Hier gab es Volksschulen für Lesen, Schreiben und 
Musik (Poesie und Gesang), Philosophen- und Redner- 
schulen für höhere Zweige des Wissens. Waren die griechi- 
schen Knaben zur Schule reif, so wurden sie einem icai&ayoYoc 
übergeben, der sie zum ypa|X|xaTt^C führte, wo sie die 
Elementarwissenschaften lernten. Das Sprichwort ,ouSi vetv 
ou8s Ypa|i|iaTa iidaxoidioüL^ beweist, dass das Lesen allgemein 
war. Kinder von Stande- lernten auch Kithara, Flötenspiel 
und Zeichenkunst. Dies war der primus gradus artium 
liberalium. Dann folgten Grammatik, Rhetorik, Geometrie 
und Arithmetik. Dabei wurde Homer zu Grunde gelegt, 
auch Hesiod, Aesop und die Lyriker gelesen. Dieser Unter- 
richt hiess (xouotxif], und wer nicht ajjiouaoi; sein wollte, musste 
dies wissen. 

Den zweiten Haupttheil der Jugendbildung machte die 
Gymnastik aus, und die Erhaltung der Gymnasien ge- 
hörte zu den Bürgerpflichten (Liturgien). 

Das Hauptbildungsmittel der attischen Jugend war die 
Eigenthümlichkeit des Lebens selbst. Zuerst ein Volksbuch, 
Homer, dessen Gedichte die höchste Vollendung der Form mit 
allgemeiner Fasslichkeit und allgemeinem Nationalinteresse 
verbinden und nicht blos poetische Dictionen, sondern die 
Thaten einer verwandten Vorwelt darstellen. Dann eine ein- 
fache ernste tragische Bühne ohne Spectakeistücke, mit fass- 
liAer und daher bildender Musik, und als Parodie des 
Ernstes das Lustspiel, das den Geist über die Schranken 
der Convenienz hinweghebt. Femer die lebendige Rede in 
den Gerichtssälen, das lebendige Wort, dessen Einfluss 
Plato im ,Phädros^ weit über den todten Buchstaben er- 
hebt. Endlich die Muster- und Meisterwerke aller bilden- 
den Kirnst. 

Das weibliche Geschlecht, mit Ausnahme der niedern 
Stände, lebte zu eingezogen, als dass es mit den Männern 
in der Bildung gleichen Schritt hätte halten können. Sie 
erschienen blos bei Festen öffentlich und waren sonst ohne 
Sorgfalt erzogen. Deshalb spielen die geistreichen Hetären 



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24 Jürstes Buch. Koinodoktologie. 

(Aspasia, Leontion, Archianassa, Timandra, Lais) eine 
Rolle in der griech. Geschichte. 

§. 38. In Rom unterrichteten anfangs blos Griechen, 
später auch Romer. Die Schulen waren entweder offene 
Läden (pergulae) oder geräumige Dachstuben (coenacula), 
wie Orbilius (plagosus, Horaz' ,Epist.', 11, 1, 74 ), der Lehrer 
des Horaz (Suetonius, ,De ill. grammat.', 9), wohnte. Auch 
in den Atrien der Tempel und in den Basiliken gaK es ludi 
literarum und auditoria. Der Ausdruck schola bezeichnet 
jeden Sammelplatz (z. B. schola ollarum). Schreiben lernten 
die Kinder auf tabulae ceratae, in welche sie mit dem stilus 
den ductus literarum eindruckten. Rechnen wurde mit 
Zahlpfennigen (calculi) geübt/ Tabula oder abacus ist die 
Rechentafel, abacus Pythagoreus das Einmaleins. 

Knaben, die für ein höheres Leben bestimmt waren, 
erhielten Unterricht in griechischer und lateinischer Sprache 
und in der Geschichte, was man zusammen eruditio nannte; 
dann folgte der Unterricht in den artes ingenuae und libe- 
rales (scilicet ingenuas didicisse fideliter artes, emoUit mores, 
nee sinit esse feros), Rhetorik, Philosophie, Dialektik, Ma- 
thematik, von denen Cicero (,Pro Archia poeta', 7) mit so 
hoher Begeisterung spricht: ,Haec enim studia adolescentiam 
alunt, senectutem oblectant, secundas res omant, adversis 
perfugium et solatium praebent, delectant domi, non impe- 
diuntforis, pernoctant nobiscum , peregrinantur , rusticantur. 
Quodsi ipsi haec neque attingere, neque sensu nostro gustare 
possemus, tamen ea mirari deberemus, etiam quum in aliis 
videremus'. 

Als der Sprachunterricht seit dem zweiten Punischen 
Kriege (Punico hello secundo Musa pennato gradu intnlit 
se in bellicosam Romuli gentem feram) mit dem Griechischen 
begann, wurden Homer, Sophokles, Euripides, Xenophon, 
Thukydides, Menander gelesen (daher bei Horaz: ,Graecia 
capta ferum victorem vicit et artes intulit agresti Latio'), 
dann folgte die lateinische Grrammatik und Literatur. Jeder 
junge Römer lernte die 12 Tafeln auswendig, grösstentheils 
auch den Ennius und andere Nationaldichter. Dann folgte 
rhetorischer Unterricht, progymnasmata (primordia) und 
declamationes , mündlich und schriftlich , theils Nachbil- 
dungen, theils eigene Versuche. Von der Philosophie be- 
achtete man nur die praktischen Theile, da man Theorie 



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Fünftes Capitel. Studiologie, 25 

und Speculation für ein Geschäft der Müssigen hielt. Von 
schonen Künsten wurde nur die Zeichenkunst für anstandig 
gehalten, nicht Musik, Tanzkunst und Palästrik. Cicero 
(,Pro MurenaS 6) sagt: ,Nemo enim fere saltat sobrius, nisi 
forte insanitS Doch auch hierin änderte die griechische Sitte 
Vieles. Vergl. imten §. 270 fg. 

§. 39. Die äussere Einrichtung der Schulen war 
der unserigen ziemlich gleich. Der Jjehrer sass auf einer 
cathedra oder einem halbrunden Pulte (hemicyclium), die 
Schüler auf subsellia und schrieben auf den Knien (,Batracho- 
myomachie': ,' AoiStq, tqv v^ov iv SsXTOiatv i\i.ol^ iid youvaai ^xa') 
die dictata magistri (etwa vorgelesene Stellen der Classi- 
ker u. A.) oder declamirten stehend. Die 41. Tafel der Ge- 
mälde von Herculanum stellt eine solche Schule vor: der 
Lehrer mit Mantel und Bart steht, vor ihm sitzen drei 
Jünglinge schreibend, drei andere lehnen als Zuhörer an 
den Säulen, im Hintergrunde wird mit der ferula eine 
Züchtigung vollstreckt (daher: manum ferulae subduxisse, der 
Schule entwachsen sein); schlimmere Vergehen wurden mit 
der aus Ochsen- oder Aalhaut verfertigten scutica bestraft. 
Am Minervenfest im März erhielten die Lehrer Schulgeld 
und Geschenke (Minerval) und in den Schulen wurden den 
Aeltern zu Ehren Declamationen gehalten. Vor der Zeit der 
römischen Kaiser* wurden die Lehrer wahrscheinlich nicht 
vom Staate besoldet, wiewol Charondas zu Katana in seinen 
Gesetzen Staatsbesoldungen für die öffentlichen Lehrer fo- 
derte. Die bessern Philosophen lehrten unentgeltUch , aber die 
Sophisten Hessen sich bezahlen, Protagoras für einen Cursus, 
Isokrates für seine Rhetorik 240 Thlr. Erst unter den Kai- 
sern ward die Aufmerksamkeit der Regierung auf den Un- 
terricht gelenkt. Unter August erhielten einzelne Lehrer 
Privilegien (Bürgerrecht und Abgabenfreiheit), desgleichen 
unter Konstantin (,Cod. Theodos.', 13, 3); Vespasian besol- 
dete einige aus dem Piscus. Quintilian war der erste be- 
soldete Lehrer der Rhetorik in Rom. In einer Verordnung 
des Konstantins und Julian 357 (,Cod. Theodos.', 14, 1) 
heisst es: ,Literaturae, quae omnium virtutum maxima est'. 
Vorzüglich wichtig ist die Verordnung der Kaiser Valen- 
tinianl., Valens und Gratian (,Cod. Theodos.', 14, 9). 

Gramer, Geschichte der Erziehung im Alterthum , 4832. Gös», 
ErziehnngsivisäeDSchaft der Griechen und Römer, 1808. Hochrbiiibr, 



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26 Erstes Buch. Koinodoklologie. 

System d. griech. Erziehaog, 4786. Kapp, Platon's Erziehungsichre, 4833. 
Ders,, Aristotelische Staatspädagogik, 4837. Lcbker, Gymnastik der 
Hellenen, 4835. Kbaxjsb, Theagenes 4835, Olympia 4838, Hellenika 48i1. 
Haasb in Ersch und Gruber' 8 Encyklop., III, 9, 363 fg. 

§. 40. Zu den höhern Schulen rechnet man zunächst 
Flaton^s Akademie, deren Name von der Akademie ausser- 
halb Athens herrührt, der Besitzung eines gewissen Akade- 
mos, welche dieser dem Staate zum Behufe eines Gymna- 
siums schenkte. Sie bestand bis 5SI9 n. Chr., als Kaiser 
Justinian I. hier und in andern Städten des Keichs den heid- 
nischen Lehrern die Besoldung entzog. Ihr letzter Lehrer 
Simplicius rettete sich durch die Flucht. Das Lyceum 
war ursprünglich ein dem Apollo Lykeios geheiligter Ort 
in der nächsten Umgebung von Athen, berühmt durch die 
schattigen Haine und herrlichen Gartenanlagen, besonders 
aber durch das Gymnasium, worin Aristoteles und die Peri- 
patetiker lehrten und wonach auch die Römer ähnliche 
Anstalten (auf dem Tusculanum des Cicero, in der Villa 
Hadrian^s zu Tibur) benannten *. Das Aristotelische Nym- 
phäon zu Stagira. Die Rednerschule des Aeschines auf 
Rhodos. Das alexandrinische Museum Ptolemäos^ IL 
Philadelphos (284—246 v. Chr.) in dem Theile des Palastes, 
der zugleich für die Bibliothek bestimmt war. Hier lebte eine 
ausgewählte Gesellschaft von Gelehrten, die auf Staatskosten 
unterhalten wurden (die sprichwörtliche ffirr^aK; Aiy^Trcca als 
gute Kost), um sich ungestört den wissenschaftlichen Bestre- 
bungen hingeben zu können. Kaiser Claudius fügte ein 
zweites zu gleichem Zweck hinzu und benannte es nach sich. 
Das Museum erlitt unter Kaiser Aurelian (270 — 275 n. Chr.) 
durch den Brand des Brucheion eine bedeutende Erschütte- 
rung und ging 636 n. Chr. ganz ein *. Auch die hohe Schule 
zu Antiochia ging in demselben Jahre ein. Die perga- 
menische der Attalen ° und die zu Apollonia, wo unter 
Andern auch Octavian studirte*, hatten gleichfalls hohen Ruf. 
In Rom wurde die Beredtsamkeit als Kunst betrieben seit An- 
kunft der griech. Gesandten (155 v. Chr.) Kameades, Kjrito- 
laos und Diogenes. Hier stiftete Hadrian (117 — 1 38 n. Chr.) 
nach dem Muster des alexandrinischen Museums das Athe- 
näum auf dem Capitol, welches sich bis ins 5. Jahrh. er- 
hielt, worin theils Unterricht in der Poesie und Rhetorik 
von eigens dazu bestellten Lehrern ertheilt wurde, theils 
Schriftsteller ihre Producte öffentlich vorlasen, wie dies im 



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Fünftes Capitel. Studiologie. 27 

Allgemeinen schon seit Augustus .Sitte war, seitdem Asinius 
Pollio die recitationes eingeführt hatte, die man wegen ihrer 
Allgemeinheit zu den Stadtplagen rechnete. Konstantin 
d. Gr. stiftete zu Konstantinopel eine hohe Schule in einem 
achteckigen* Gebäude, das Georg Kodinos Tetradision 
nennt. Die dortigen ökumenischen Lehrer waren Glossa- 
toren, Technographen und Technologen und standen in 
hohem Ajisehen. Leo der Isaurier soll 730 während des 
Bilderstürmens das Oktagon mit der Bibliothek und den 
Gelehrten haben verbrennen lassen. Von demselben Leo 
wurde auch Julian's (361) Auditorium neben der Sophien- 
kirche in Konstantinopel 727 aufgehoben. Die Rechtsschule 
zu Berytos bestand zwischen 234—551., Cäsar Bardas 
gründete 862 eine Akademie für weltliche Wissenschaften 
im Palaste Magnaura und weckte die 425 gestiftete Rechts- 
schule zu Konstantinopel. Antoninus Pius stiftete die so- 
genannten Kaiserschulen« Die alexandrinische Katecheten- 
schule ^. Lehranstalten gab es auch in Gallien und 
Afrika, zu Massilia, Narbo, Burdigala, Augustodunum, 
Lugdunum, Vesontio, Vienna, Durocortum Remorum, Trier, 
Karthago u. s. w. Ihr Untergang erfolgte mit dem Sturze 
des Westromischen Reichs ^. 

^ TJeber die spätem Schicksale Athens und seiner Bildungsanstalten: 
Ahkens, De Athenarum statu etc., 4829. — * Masso's Vermischte Schrif- 
ten, 4804, Bd. 4. Mattbr, Essai historique €ur Tecole d'Alexandrie, 4820. 
lieber das alexandrinische Museum: Schriften von Pabthbt 4838, Klipfel 
4838, Simon 4845, Babthblemy de St. Hilaire 484ö, Vacherot 4846. — 
^Manso, lieber die Attalen, 4845. WEGBNER,DeaulaAtt.,4836. VanCastelle, 
De regib. et antiquit. Pergamen. , 4842. — '* Kbiegk, De peregrinationibus 
Romanor. academicis, 4704. — * Gderike, De schola quae Alex, florui- 
cat., 4824* — ^ Wittich, De grammatistarum et grammaticorum apud Rot 
manos scholis, 4844. Schwarz, Erziehungslehre, 4 829. Schlosser s Auf- 
satz in seinem und Bercht's Archiv, I, 247 fg. Seine Universalhistor. 
Uebersicht, HI, 3, 60 fg. 

§.41. Wer sich den Wissenschaften widmen wollte, 
hatte grosse Schwierigkeit bei der Anschaffimg wissen- 
schaftlicher Werke. Piaton soll für die Schriften des Pytha- 
goräers Philolaos 100 Minen oder 3 Talente (über 4000 
Thlr.) gegeben haben. Aristoteles kaufte die Schriften 
des Speusippos für 3 Talente. 

Von der Lebensart der rom. Gelehrten gibt der jüngere 
Plinius in seinen ^Episteln' ein deutliches Bild. Der ältere 
Plinius stand schon vom 22. Aug. ab so früh auf, dass er 
bei Licht arbeitete und bis tief in die Nacht. Das tag- 



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28 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

liehe Leben eines gelehrten Müssiggängers schildert Uoraz, 
,Satir.', I, 6. 

Zum Bekanntwerden der angehenden Schriftsteller dien- 
ten die Besuche der Buchläden und Bibliotheken, die bis 
auf sieben stiegen, der Vorlesungen, Theater, Odeen, Spazier- 
gänge, Bäder und Forticus. 

§. 49. Neben den römischen und byzantinischen Schalen 
bestanden die der Nestorianer zu Dschondisapur, Ahwaz, 
Nisabur, Edessa (450) und Nisibis und der Juden zu 
Babylon (bis 1040), Kairwan, Fez, Bari, Otranto und in 
Spanien. 

§. 43. Im Orient sind die Hoflager der Dynasten zu- 
gleich die Pflegestätten der Cultur, und deren bietet die 
mohammedanische Welt eine nicht geringe Zahl. 

Bei den Arabern begann unter den Abbassiden 750 die 
Pflege der Wissenschaft, vorzüglich durch Al-Mansor, Harun- 
al-ßaschid und Al-Mamun, deren Medresses zu Bagdad, Da- 
mask, Jerusalem, Kahira, Alexandria, Fez, Marokko, Basra, 
Küfa hohen Ruhm erlangt haben. Die Dschami Escher zu 
Eithira und das Haus der Wissenschaften Ton Hakem. Aehn- 
lieh wirken die Omaj jaden von Cordova aus. Hier grün- 
deten sie 14 Akademien, darunter Saragossa, Toledo, Va- 
lencia, Granada, in Portugal Coimbra ^. Die Araber werden 
Lehrmeister des Occidents ^. 

Die Schulen der Mongolen zu Samarkand, Bochara, 
Kesch u. s. w. 

Der von den türkischen Sultanen seit Orchan gestif- 
teten Moscheen, Schulen und Medresses ist eine Unzahl : 
in Konstantinopel 4653 Schulen, 515 Medresses. Durchweg 
aber herrscht dabei streng sunnitischer Glaubenseifer vor, 
worauf besonders die Derwischorden eingewirkt haben. Auf 
Mohammed^s H. acht Medressen (zu Brusa, Adrianopel, 
Konstantinopel u. s. w.) sollte Exegese, Ueberlieferungs- 
kunde, Jurisprudenz, (theologische) Metaphysik, Astronomie, 
Geometrie, Logik und Rhetorik gelehrt werden. 

1 WusTBNTBLD, Die Akademien der Araber, 4837. Middeldorpf, 
De institutis literariis in Hispania, 4840> Veth, De institutis etc., 1843. — 
^ Taylor, Hist. of Muhamedanism. , 4834; deutsch 4837. Die Arbeiten 
der neuem franz., engl, und deutsch. Orientalisten in den Notices et 
extraits des manuscrits de la bibl. du roi, im Journal Asiatique, Journal 
des savants, den Researches, Transactions und Journalen der engl. Gesell- 
schaften von Kalkutta, Bombay, Madras und der Royal Asiatic society, 



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Fünftes Capiiel. Studiologie. 39 

Jos. y. Haumbr's Fundgruben des Orients und der Zeitschr. der deutocheD 

morgenländ. Gesellschaft. 

§. 44. Die chinesische Erziehung bezweckt nicht die 
Entwickelung der Geisteskräfte zu selbständigem Denken, 
sondern nur das Erlernen Dessen, was die Yor&hren ge- 
wusst und geiibt; daher wird auch nur der Verstand und 
die praktische Lebensklugheit geweckt, während Phantasie, 
Poesie und alle hohem Regungen und Gefühle ohne Pflege 
smd. Unter den Freien gibt es nur den Unterschied des 
Ranges, nicht des Standes. In der ersten Classe stehen die 
Ixelehrten oder Mandarinen. Wissen und Verdienst ent- 
scheiden allein über die Stellung des Mannes im bürger- 
lichen Leben. Schon die Schulen und öffentlichen Prüfun- 
gen bieten Gelegenheit zur Auszeichnung. Dennoch hindern 
Selbstgenügsamkeit, Dünkelund Mistrauen, besonders gegen 
Fremde, den geistigen Fortschritt. 

BioT, Histoire de Tinstruction publique en Chine, 4S45. GCtzlaff, 
6esch. d. chinesischen Reichs (aus d. Engl, von Naumann, 4847)* Bittbr's 
Erdkunde, Bd. 4. 

§. 45. Das neuere Schulwesen ruht auf dem Christen- 
thum. Begründer des deutschen Klosterschulwesens 
ward Rhabanus Maurus *, des franzosischen Gerbert*. 
Stifts- oder Domschulen zur Bildung der Geistlichen im 
Lesen, Schreiben, Singen und Latein zu Monte -Casino, 
Rom, Bologna, Pavia, Tours, Canterbury, York, Fulda, 
Sevilla, St. -Gallen u. s. w. Interesse der Regenten für das 
Schulwesen, Justinian's L, Karl's d. Gr. und seiner Um- 
gebung (Alcuin, Eginhard, Beda), Alfred's d. Gr. Seit dem 
1?. Jahrh. Gründung von Stadtschulen. Papst Alexan- 
der's II. (1159) Befehl, für Lehrer zu sorgen. Die besten 
Schulen finden sich schon im 19. Jahrh. in Frankreich, im 
43. Jahrh. in Italien und wurden daher von Briten und 
Deutschen häufig besucht '. 

Gegenstand des Schulunterrichts waren die sieben 

freien Künste : Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Musik, Arith* 

metik, Geometrie und Astronomie, die man in dem Trivium 

und Quadrivium begriff und deren Functionen folgende 

Hexameter angeben : 

Gram loquitur, Dia verba docet, Rhe verbs ministrat, 
Mus canit, Ar nnmerat, Ge ponderat, As colit astra. 

Vorzugsweise aber wirkten auf die Geister des Mittelalters 



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30 Erfftes Buch. Koinodoklohgie. 

Aristoteles und Augustm, indem sie die Specnlation der 
Scholastiker über die Kirchenlehre beforderten. Die Dogma- 
tiker Ansehn von Canterbnry, Albert d. Gr., Thomas von 
Aquino. Die Mystiker Bernhard und Bonaventura; die 
dogmatischen Mystiker Hugo und Richard von St. Victor. 
Die Skeptiker Abälard und Duns Scotus. Die Dialektik, 
herrschte vor, Grammatik trat in den Hintergrund; sie wurde 
besonders in Orleans, Logik in Paris cultivirt. Mathematik 
studirte man bei den Arabern. Die Naturkunde war sehr zurück. 
Dagegen blühte die deutsche Poesie und Baukunst. 

Als Lehrbücher dienten ausser Donat hauptsächlich 
Ebrardus' (1212) ,Graecismu8S des Minoriten Alexander de 
villa dei (4240) ,Doctrinale puerorum' in Leoninischen Versen, 
beibehalten bis in das 46. Jahrh. und oft erläutert, am be- 
sten von J. von Sinthen, Lehrer des Erasmus, in Deventer 
4488. Von Wörterbüchern Hugutio's (4220) ,VocabulariumS 
J. de Janua's (4 286) ,Catholicon^ u. s. w. Bleibenden Werth 
hat Gerard v. d. Schueren's ,Teutonista', 4477. Für Mytho- 
logie Nockam (f 4245), Alfricus' (4247) ,Poetarium', Mure's 
(t 4284) ,Fabularium'. 

1 Biographien von Bach 4836 n. Kcnstmann 1844. — ^ Ueber ihn 
Hock 4837. — * Laünot, De scholis a Carolo M. et post C. M. instau- 
ratis, 1672. Lobentz, De Carolo M. literarnm fautore, 4828. Ders., Leben 
Alkuin's, 4829. 

§. 46. Neue Wege versuchten zunächst drei Italiener: 
Dante, 4265—4324, Petrarca, 4304—74, und Boccaccio, 
4343 — 75. Darauf entwickelte sich zunächst in Italien die 
classische Bildung durch J. von Rayenna, 4352 — 4442 
oder 4420, und Em. Chrysoloras, den ersten geborenen 
Griechen, der in Italien seit 4396 lehrte. Auf diese 
folgt eine Reihe von Lehrern des Lateinischen und Grie- 
chischen: Guarino, 4370 — 4460, und Vittorino von Feltre *, 
4378 — 1446, Gemisthus Pletho, Marsilius Picinus, Bessa- 
rion, G. von Trapezunt, Philelphus, Poggius, Laurentius 
Valla, Argyropylus, Landinus, Politianus, Picus von Mi- 
randola. Förderung der Studien durch die kleinen Tyrannen 
Italiens, besonders durch Lorenzo von Medici^, der eine 
griechische, und Cosmus von Medici, der die Platonische 
Akademie stiftete, femer durch die Päpste Nikolaus V. und 
Leo X. 3 

Eine höchst verdienstliche iind für Verbreitung der alten 
Literatur äusserst wirksame Umgestaltung des Jugendunter- 



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Fünftes Capitel. Studiohgie. 31 

richts erfolgte in den Niederlanden durch den Karthauser 
Geert Groote, gewohnlich Gerhardns Magnus genannt, 
1340 — 87 (?), Stifter der Brüderschaft der Hieronymianer 
4384, und zwar zunächst in seiner Unterrichts- und Er- 
ziehungsanstalt zu Deventer. In demselben Geist wirkten 
Ghd. von Zütphen (f 1398), Florentius Badewin von 
Leerdam, Th. von Kempen (f 1471), J. Wessel, Rdf. 
Agricola (Hausmann), v. Spiegelberg, Alx. Hegius, Rdf. v. 
Lange, Hm. von dem Busch, Erasmus 1467 — 1536. 

Drei südliche Orte waren damals 'als geistige Concen- 
trationspunkte vorzüglich wichtig: Schlettstadt (L. Drin- 
genberg 1450?), Heidelberg und Tübingen; in Heidelberg 
war J. Reuchlin 1455 — 1522 besonders für das Griechische 
und Hebräische thätig. Kr. Geltes 1459—1508. J. v. Dal- 
berg seit 1482 Bischof von Worms. Schulen in Zwoll, 
Utrecht, Münster (Konig 1821)*. 

1 lieber ihn Obelli 4812. — * Roscob, Life of Lor. d. Med., 1796; 
deutsch von Henke 4806. — ^ Mbrlekbr, Politik der Gesch. der Päp«te, 
4856. — ^ ScHÖTTOEN, De statu scbolaram ante reformationem , 1747. 
Keuffel, Historia originis et progressos scholarum inter Christianos, 1743. 
Murray, De Britan. atq. Hibernia sec. VI. — X. literaraxn domicilio in N. C. 
Gott., T. II. Burkhard, De variis Germaniae scholarum » Carolo M. nsqae 
ad reformationem mutatipnibus, 1815. Ruhkopf, Geschichte des Schnl- u. 
Erziehungswesens in Deutschland, 1794. Gramer, Geschichte der Erzie- 
hung u. des Unterrichts, 4832. Ders., Die Erziehung in den Niederlanden 
während des Mittelalters, 4843. 

§. 47. Die weitere Verbesserung des Jugendunterrichts 
ist eine der Tielen segensreichen Wirkungen der Refor- 
mation (1547), daher am frühesten und reifsten in Deutsch* 
laud und Holland sichtbar. Luther, 4 483 — 4546, Melanchthon 
(Schwarzerd), 4 497 — 4560, zugleich praeceptor Germaniae 
(Lehrbücher der Dialektik, Rhetorik, Physik, Ethik, griech. 
u. lat. Gramm.), Zwingli, 4484 — 4534, haben sich um das 
Volksschulwesen sehr verdient gemacht. Urnen folgten 
Comenius 4634, Locke, Francke 4 695, Rousseau, Basedow, 
Pestalozzi, Fellenberg, Falk (Schulen für verwahrloste Kinder 
der Armen 4810), Salzmann, Niemeyer, Dinter, Bell, Lan- 
caster u. A., die mit ungleichem Erfolge neue Methoden 
versuchten oder Musteranstalten gründeten. Die Verbes- 
serung des katholischen Volksschulwesens ging 4770 von 
Mainz und Oestreich aus, während für den hohem Unter- 
richt schon durch die Jesuiten seit 4540 besser gesorgt war, 
Schullehrerseminarien Deutschlands seit 4754 (zu Hannover), 



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32 'Erstes Buch. Koinodoktologü. 

EJeinkinderschulen (Diesterweg 1845). Unterricht der Taub- 
stummen (in Leipzig durch Heinicke, schon früher in Paris 
durch Abbö de FEpöe) seit 1778 und der Blinden seit 4784 
zu Paris, 4804 zu Wien. Der in Indien kennengelernte 
Bell-Lancaster'sche (1795 oder 1798) wechselseitige Unter- 
richt hat sich seit 1806 über alle Welttheile verbreitet. 

§. 48. Die humanistischen Studien auf den Gymnasien 
in Goldberg unter Trotzendorf 1531, in Ilefeld unter Neauder 
1543, auf den sächsischen Fürstenschulen 1543, den würtem- 
bergischen Klosterschulen 1560. Melanchthon, Camerarius, 
Sturm und ihre Schüler. Die preussischen Gymnasien des 
19. Jahrh. \ 

Von Ordensgesellschaften der katholischen Kirche haben 
sich die Bamabiten (1 536) um Sittenverbesserung und Jugend- 
unterricht, um letztem auch die Scholastiker unter den Je- 
suiten besonders verdient gemacht. Ihren Verfolgungen er- 
lag die Gesellschaft von Port -Royal (1639—1709). Die 
Benedictiner von der Congregation des heil. Maurus (1618 — 
1790) zeichneten sich durch musterhaften Fleiss auf dem 
Gebiete der Geschichte und Patristik aus ^. Die Congre- 
gatio oratorii wurde 1611 gestiftet. 

Die Real- (Semler gebrauchte 1738 von seiner Schule diese 
Benennung zuerst) und Specialschulen: die freiberger für 
Bergwerkskunde 1765, die polytechnischen Anstalten in Paris 
und Wien, die Gewerbschule in Berlin 1828. Ueberall ge- 
deihen die Schulen, nur nicht unter hierarchischer Ober- 
leitung ^. 

1 Mbrleker, Wie sind die prenss. Gymnasien zu ihrer gegenwärtigen 
Einrichtung gelangt? >I848, in der berliner Zeitschrift für das Gymnasial- 
wesen. Ders., Ueber die Gymnasien der Zukunft, 48ö^. Ders., Vor- 
schläge zur Reorganisation des preuss. Schulwesens, 4848. Schulze, Li- 
teraturgeschichte der Schulen im deutschen Reiche, 4804. F. Thiersch, 
Ueber gelehrte Schulen, 4826. — * Mabillon, Annales ordinis S. Bene- 
dicti, 4703. Ziegelhader, Hist. liter. ord. S. Benedict!. — ^ Beneke, 
Erziehungs- n. Unterrichtslehre, 4835. K. v. Raumer, Gesch. der Päda- 
gogik, 4843 fg. Hahn, Das Unterrichtswesen in Frankreich, 4848. 

§. 49. Die Universitäten sind seit dem 12. Jahrh. 
ein Hauptforderungsmittel der aufblühenden literarischen 
Cultur. Die Rechtsschule zu Bologna entstand etwa 1110, 
die ärztliche Bildungsanstalt in Salerno 1075, die philo- 
sophisch-theologische Schule Sorbonne zu Paris 1140, 
privilegirt 1200, organisirt 121^ K Das anfangs freie Lehr- 
recht wurde in Paris seit 1207, in Bologna sqit 1219 vom 



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Fünftes CapiUl. Studiologie, 33 

Kanzler ertheilt. Als sich in Paris seit 4S59 Facultaten ge- 
bildet hatten, erkannten diese, nach vorangegangener Prü- 
fung, das Lehrrecht durch Promotionen zu. Padua seit 
4222 (und 1262) scheint zuerst mehre Wissenschaften (eine 
universitas studiorum) umfasst zu haben. Die berühmteste 
mohammedanische Medresse ist die Ton Nizamelmulk zu 
Bagdad 1067 gestiftete Nidhamia. Die erste deutsche Uni- 
versität ward Prag 1347, die erste protestantische Mar- 
burg 1527 2; in Athen 1837. Seit dem 18. Jahrh. Erwei- 
terung des Umfangs der XJnterrichtsgegenstande, Belebung 
wissenschaftlicher Selbstthätigkeit, Sicherstellung der Zucht 
und Vermehrung literarischer Hülfsmittel und Uebungsan- 
stalten '. Die Bestätigungsurkunden hatten die Päpste aus- 
gefertigt, bis Kaiser Friedrich ü., als erster weltlicher Fürst, 
die Universität Neapel 1224 bestätigte. 

1 Gaupp, De professoribns et medicis, 4827. — ^ ERBiiSD, Gesch. 
des Wiederaufblühens Wissenschaft!. Bildung in Deutschland bis zur Refor- 
mation, 4830. — ^ Brohm, Alterthum, Gesch. u. Statistik der hohen Schulen, 
4783. Mbiners, Gesch. d. Entstehung u. Entwickelung der hohen Schalen 
nnsers Erdtheils, 4802. Wildberg, Jahrbücher der Universitäten Deutsch- 
lands, 1840 fg. WuTTKE, Jahrbücher d. deutschen Uniyersitaten, 4842. Koch, 
Die preuss. Uniyersitaten, 4839 fg. Hüber, Die engl. Universitäten, 4839. 

§. 50. Akademien mit dem Zweck der hohem Aus- 
bildung der Wissenschaft und Kunst entstanden zuerst in 
Italien, durch Antonio Beccadelli Fanormita zu Neapel 4436, 
Marsiglio Ficini zu Florenz 1452, Pompon. Latus zu Eom 
1468. Gegenwärtig gibt es an 350, theUs allgemein wissen- 
schaftliche, theUs für besondere Fächer bestimmte. Zu den 
erstem gehören unter andern die zu Berlin seit 1700, Bo- 
logna, Dublin, Kopenhagen, Lissabon, München, Paris (Aca- 
d^mie royale des sciences 1666 durch Colbert), Petersburg, 
Stockholm, London (,Philosophical transactions' seit 1660), 
Gottingen. Für Sprachen die Academia della Crusca oder 
fiirftiratorum zu Florenz 1582, Academie fran^aise in Paris 
1629 (ihr Wörterbuch 1694). Für Alterthumskunde Aca- 
dämie des inscriptions zu Paris von Colbert 1663. Für Me- 
dicin Academia naturae curiosorum in Wien 1652. 

Reuss, AUgem. Real-Repertorium über die Abhandlungen der europ. 
Akademien, 4802 fg. F. Wolp, Ueber wissenschaftl. Akademien mit be- 
sonderer Beziehung auf die Jcaiserl. ostr eichische, 4856. 

§. 51. Literarische Vereine am Hofe August's, 
KarPs d. Gr., Kaiser Friedrich's IL, Alfons' X. von Casti- 
lien, Robertos und Alfons' von Neapel, Kaiser Karl's IV., 

Merlkkrr. 3 



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34 Entes Buch, Komoäoktologie. 

Cosimo^s und Lorenzo^s von Medici, der Eftte und Fr. Sforza^s, 
Papst Nikolaus^ V., Matthias Corrinus' von Ungarn, Maxi- 
milian^s L u. s. w. 

Dagegen verdanken die historischen und alterthums- 
forschendenVereine und Gesellschaften ihre Entstehung 
erst den Anregungen der neuem Zeit« Den ersten Anstoss 
gab die auf Veraukssung des preussischen Ministers v. Stein 
4849 begründete Gesellschaft für Deutschlands ältere Ge- 
schichtskunde zu Frankfurt a. M. Durch sie gingen her- 
vor die von Pertz herausgegebenen ^Monumenta Germaniae 
historica^ 

WioAKD, Jahrbücher d. Vwtine für Gesch. xu Alterthnrnskimde, 4 834 f^- — 
Pbrtz , . Leben Stein's , 4 8ö3 fg. 

§. 52. Seit dem 46. Jabrh, haben sich als Sprach- 
und Altertfaumsforscher besondern Ruf erworben: 

4) Die Italiener: Jul. Cäsar Scaliger, 4484 — 4558. Die 
Manutii: Aldus der Aeltere mit dem Beinamen Eomanns, 
4446 — 4546 (28 editiones principes). Sein* dritter Sohn 
Paulus, 4542 — 74, und dessen Sohn Aldus der Jüngere, 
4547 — 97. Karl Sigonius, 4524 — 85 ^ Odoardo Corsini, 
4702—65 (,Fasti AtticiS 4744 — 56). Giacomo Facciolati, 
4 682 — 4769 (das gr. lat. Lexikon mit seinem Schuler For- 
ceUini seit 4748). Egidio Forcellini, 4688—4768«. Angele 
Mai, 4784—4854, berühmt durch die Prüfung der Codices 
rescripti, hauptsächlich als ambrosianischer (484 3) und va- 
ticanischer (4849) Bibliothekar. 

Gewinn aus den Schätzen von Herculanum seit 1720 
und Pompeji seit 4750, besonders durch die sinnreichen 
Erfindungen des Antonio Piaggio und des englischen Che- 
mikers Davy '. 

2) Die Deutschen: Kr. Peutinger f 4547 (die tabula 
Peutingeriana). Ph. Melanchthon, 4 497 — 4560 (,Loci com- 
munes rerum theologicarum') *. Der Polyhistor Kr. v. Ges- 
ner, 4546—55. J. Mthi. Gesner, 4694—4764. Bas. Fa- 
ber, 4520 — 76 (,Thesaurus eruditionis scholasticae', 4574). 
F. Sylburg, 4536 — 96 *. Jan Gruter aus Antwerpen, 4560 — 
4627 ö. J. F. Gronov, 4644—74. Sein Sohn Jak. Gronov, 
4645^-4746, gehört den Niederlanden an. Der berühmte 
Polyhistor J. Alb. Fabricius, 4668 — 4736 (BibHotheca 
Graeca, Latina, mediae et infimae i^iatiS) eoclesiastica 
u. s. w.). Von J. A. Emesti, 4707 — 84, ging grosgten- 



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Fünftes Capilel. Stttdiologie. 3f> 

theils die theologisehe Aufklärung aus, insofern sie sich 
auf Philosophie und richtige grammatische Erklärung gr&n^ 
det. Er ist ein wahrhafter Cicero der Deutschen (,Clavig 
CiceronianaS 4739 u. 4834) ^ Heyne, 4789—1842 (,Dift8S 
1802)«. Keiske, 4746—74 (griech. Redner, 4770—75)». 
Reiz, 4733 — 90, Schüler von Emesti, Lehrer von Gf. Her- 
mann *<*. J. D. Michaelis, 4747—94, wirksam fBr biblische 
Grammatik, Geschichte und sachliche Exegese (, Mosaisches 
Recht', 4770 fgO ". Winckelmann, 4747 — 68, ein um 
Kritik, Geschichte und Erklärung der classischen Kunst-* 
werke, sowie um das Studium der Antike unsterblich ver- 
dienter Gelehrter, der eigentliche Schöpfer einer bleibenden 
Kunstgeschichte (des Alterthums, 4764)**. Lessling, 47919—84, 
ist Reformator der deutschen Nationalliteratur und des 
geistigen Lebens in Deutschland überhaupt (,Laokoou, oder 
über die Grenzen der Poesie und Malerei') ^K Schfitz, 
4747—4832 (seine Schüler F. Jacobs und Grenzer) ^*. Beck, 
4757 — 4832, Literator, Archäologe Philolog und Histo-^ 
riker"* P. A. Wolf, 4757—4824 (,Prolegomena in Ho- 
merum') ^^ Gf. Hermann, 4772 — 4848, nach Goethe der 
meisterhafte Kenner, der das Alte zu erneuem und das 
Abgestorbene zu beleben versteht, auf dessenr Denk- und 
Handlungsweise folgende seiner Worte die schönste An- 
wendung finden : ,Ea maxima est et non interitura laus, non 
utilem tantum, sed etiam bonum virum esse' (,Elementa 
doctrinae metricae', 4846; ,De mythologia Graecorum anti- 
quissimaS 4807). J. H. Voss, f754 — 4886, Bahnbrecher 
auf dem Gebiete der historischen Geographie und Mytho- 
logie (,Antisymbolik% 4824 — 26), gross als Uebersetzer clas- 
sischer Werke, ausgezeichnet als Dichter *^ K. OtfiiedMüDer, 
4797 — 4840 (,Orchoraenos und dieMinyer*, 4820; ,Dorier', 
4824; ,Etnisker*, 4828; ,ArchäologieS 4830, 4835, 4844) i». 
Buttmann, 4764 — 4829 (,Griechi8che Grammatik', seit 4792). 
Bthd. G. Niebuhr, 4776—4834 (,Rom. Gesch.', seit 4844; 
,Scriptores bist. Byzantinae', seit 4828) i*. K, A. Bottiger, 
4760 — 4838 (,8abina, oder Morgenscenen einer reichen Rö- 
merin^, seit 4803; archäologische Schriften) *<^. F. Jacobs, 
4764—4847*'. Im. Bekker, 47$5^ Sammler auf den be- 
deutendsten europäischen Bibliotheken (kritische Ausgaben 
der griechischen Classiker). F. Thiersch, 4784, Begründer der 
phüologischen Studien in Baieni (Pmdar). F. Creuzer, 4774 

3* 



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36 Erstes Buch. Koinodokiologie. 

(^Symbolik u. Mythologie der alten Volker, bes. d, Gbriechen', 
seit 4810). A. Bockh, 4784 (Pindar, seit 4811; ,Staatshaus- 
halt der Athener^, 1817; , Attisches Seewesen', 1840; ,Cor- 
pus inscriptionum Graecarum', seit 1824). Ch. A. Lobeck, 
1781, Begründer der philologischen Studien in Ost- und 
Westpreussen (,AglaophamusS 1829; grammat. Schriften). 
K. Lachmann, 1793 — 1850, deutscher und classischer Phi- 
lolog. Adelung's, 1732—1806, und Vater's, 1771 — 1826, 
Sprachforschungen; des Letztem ,Literatur der Grammatiken, 
Lexika und Wortersammlungen aller Sprachen der Erde' 
(1815, 2. Aufl. 1847). 

3) Die Franzosen: Budäus (Bude), 1467—1540««. 
Lambinus (Lambin), 1516—72. Muretus, 1526-85«».- Eb. 
Stephanus (Rb. Etienne), 1503 — 59 (,Thesaurus linguae La- 
tinaeS 1534). Sein Sohn Heinrich, 1528—98 (,Thesauru8 
linguae Graecae', 1572) «*. Just. Scaliger (Sohn von Julius), 
1540 — 1609, Begründer einer verbesserten Chronologie (,De 
emendatione temporum', 1 583) «*. Casaubonus, 1 559 — 1 614««. 
Sein Sohn Mericus f 1 671 . Petavius, 1 583—1 652 (,De doctrina 
temporum', 1627). Salmasius (Saumaise), 1588—1653 (,De 
re militari Rom.', 1657). Faber (Lefevre), 1615—72, Vater 
der berühmten Anna Dacier. Valesius (Valois), 1607 — 7G, 
der Erste, der die von Kst. Porphyrogenneta aus dem Poly- 
bius verfertigten Auszüge 1634 bekannt machte, von denen 
Peiresc 1580 — 1637 eine Abschrift aus Griechenland erhal- 
ten hatte. Vaillant, 1632— 1706, Numismatiker. Montfaucon 
(Montefalconius), 1655 — 1741, für Paläographie. Fröret, 
1 688 — 1 749, Archäolog und Chronolog «^ Fourmont, 1 683— 
1745, Orientalist und Sinolog. D'Anville, 1697—1782, 
Geograph und Kartograph. Barth^lemy, 1716 — 95 (,Palmy- 
renisches Alphabet', 1758; ,Reise des jungen Anacharsis', 
1788 «8). Larcher, 1726 — 1812 (,Chronologie des Herodot'). 
Vilioison, 1753—1805. Brunck, 1729—1803. Schweighäu- 
ser, 1746—1831 (,Polybio8', 1789—95)«». 

4) Die Niederländer: Erasmus, 1467 — 1536 (,Collo- 
quia') ^. Just. Lipsius, 1547 — 1606 ^^ Meursius (de Meurs), 
1579 — 1639 (,Thes. antiq. Graec' ^2). H. Grotius (de 
Groot), 1583—1645 (^De iure belli et pacis', 1625 "). 
Ghd. J. Vössius, 1577 — 1649 ^. Von seinen fünf Söhnen 
Is. Yossius, 1618 — 89. Dn. Hemsius, 1580 — 1655, und sein 
Sohn N, Heinsius, 1620—80. Grävius (Gräfe, ein Deutscher), 



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Fünftes CapUeL Stu44oiogie. 37 

1632—1703 (,Thes. aiitiquit.Rom.S 169i|— 99) ".-Jak. Gronov, 
1 645—1 71 6. Lambertus Bos (Bosius) , 1 670—1 71 7 CEllipses 
Graec.*, 1700 3*^). Das berühmte Geschlecht der Burmann: 
Franz, 1628—79, und seine Sohne: Peter, 1668 — 1741 
(und dessen Sohn Kaspar f 1755), Franz, 1671 — 1719^, 
Johann, 1706—80 (dessen Sohn N. Laurentius 1734—93), 
Peter Secundus, 1713 — 78 (ein Schüler von Düker und 
Drakenborch). Düker (ein Deutscher), 1670 — 1752. Dra- 
kenborch, 1684 — 1748 (Livius, 1738 — 46, 1820—1828). 
Uemsterhuis, 1685 — 1766 (Lehrer von Ruhnken und Valcke- 
naer) ^^. Sein Sohn Franz, 1720 — 90. Wesseling (ein Deut- 
scher), 1(592—1764. Valckenaer, 1715—86»». Ruhnken 
(ein Deutscher), 1723—98 (Kritiker) 3». Wyttenbach (ein 
Schweizer), 1747— 1819 *^ Seine Gattin Johanna, geb. 
Gallien, erhielt von der philosophischen Facultat in Mar- 
burg die Doctorwürde. 

5) Die Engländer: der Kapzier Heinrich's VIIL, 
Thomas Monis, 1480—1535*1. H. Dodwell, 1641 — 1711 
(chronologische Schriften); Ed. Dodwell, 1767—1832, be- 
reiste Griechenland 1801—1806*2. Reh. Bentley, 1662— 
1742 (Kritiker, Horaz, 1711—1723, 1826) *». Potter, 1672— 
1747, Erzbischof von Canterbury und Primas von England. 
Middleton , 1 683 — 1 760 , Theolog und Geschichtschreiber 
(über Cicero 1741, 1790, 1801 **). Markland, 1692—1776*». 
Ferguson, 1724 — 1816, Geschichtsforscher und Moralphilo- 
soph (über Rom, 1783**). Gibbon, 1738—94 (über Rom, 
1782 — 88*0. Gillies, 1747—1836, Historiker. Porson, 
1759 — 1808, nächst Bentley der grösste englische Kritiker. 

6) Die Dänen: Zoega, 1755 — 1809 (über die Obelis- 
ken)*®. Munter (ein Deutscher), 1761 — 1830, Bischof von 
Seeland. Koes f 1811. 

1 Ueber ihn Krebs 4840. — '^ Das Lexikon in neuer Ausgabe von 
FüRLANBTTO 1 828 , welche der in Deutschland durch Voiglländer und Hertel 
veranstalteten zum Grunde liegt, 1829 — 33. — ^ Ueber dieselben Rosimi 
4793 — 4827, Murr, David, Piranesi, Zahn (Ornamente, seit 4828), Gbll 
uijd Gacdy, Cooke, Termite (Wandgemälde mit Erläuterungen von K. O. 
Müller und Welker 4844), Raocl-Rochbttb 4844. — ^ Die Loci com- 
munes von Dbtzer 4828. Kotermund, Verzeichniss der Schriften Melanch- 
thon's, 4814. Seine Opera 4544; Pbücer's Ausg. 4562 — 64; sein Leben 
von Camer ARI17S u. Matthis 4844. Galle, Versuch einer Charakteristik 
Melanchthon's als Theologen, 4840. Nibmeyer, Melanchthon als praecep- 
tor Germaniae, 4847. Strobel, Versuch einer Literaturgesch. von Me- 
lanchthon's Loci theologici, 4776. — * Ueber sein Leben Creuzer in den 
Nova acta societatis Jenensis , Bd. 4 . — ^ Sein Leben von Flatdbr 4 628. — 



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38 Erstem Buch. Koinodoktologie. 

7 Seine Charakteristik von Staixbauh in der Xhomimchale zu Leipzig 
1839. — ^ Seine Biographie von Heeren 1813. — ' Mobus, Vita Reiskii, 
4777. _ 10 Qp. Hebmann'8 JBrinnernngen an Reiz in den Verhandlungen 
des dresdner Phaologeavereins, 4840. Baubb, Denksehrift auf Reis, 4790. 
KoBDES, Piautas u. Reiz. — i> Autobiographie, 1793. Bas Mosaische 
Recht auch von Saalschütz 1853. — '^ Biographien von Güblitt und 
Petebsen, letztere ans dem Dänischen von Priedrichsen 1829. — ^^ Seine 
Schriften von Lachmann 1838^^40. ^-^ ^^ Sein Leben von seinem Sohne 
1834. — ^^ üeber ihn drei Programme vou Nobbb 1834—37. — ^* üeber 
ihn Hanhabt 18^5, Köbte 1833, Gotthold 1843. — " Ueber ihn Paülcs 
48)6« — ^^ Ueber ihn LCokb 1841. — ^^ Ueber ihn LiBBf», und aus 
dem Englischen von Thibaut 1837. — ^^ Ueber ihn Eichstadt 1836, u. 
sein Sohn Karl Wilhelm 1837. — ^^ Einen treuen Abriss seines Lebens 
gab er in den Personalien, 1840, Bd. 7. der vennischten Sohriffeen. ^^ 
2» Werke 1557. Sein Leben von RBOioa 1640. — " Werke 1727 — 30, 
durch RuHNKEN 1789, von Frotscher u. Koch 1834 — 41. — ^* Neueste 
Ausg. von Hase u. Dindorp, 1836 fg. Auszug von Scapüla, Lex. Graeco- 
Lat., 1579, suletzt 1830. Sein Leben von PASSOVin y. Ra^nbb's Histor. 
Taschenbuch, 1831. Renoiiarp, Annales de rimprimerie des EtienneS| ou 
histoire de la famille des Etiennes et de ses editions, 1838 n. 1843. — ^* Beste 
Ausg. 1629. Die Geschichte d. Scaliger von Lbcdscheb 1695 u. Maisbaüx 
1740. Bebnats, Ueber Jos. Just. Scaliger, 1855.^-- '^ CasaubonifinA von 

Wolf 1710 *^ Seine Werke 1796 u. von Champollion-Figeac seit 1825. — 

«* Deutsch von Biester, 1792 fg. — *^ Dahleb, Memoria Schweighaeuseri, 
1830. — ^^ Beste Ansg. 1650. Sein Leben von MOller 1828. Werke dnrch 
Lbclebc 1703— 6. — *i Opera 1585, 1637, 1675. Mibäüs, Yita Lipsii, 
1609. — *2 Von Jak. Gronov 1697 — 1702, Werke von Lami 1741—63. — 
9» Von CoocEJi 1744. Ueber ihn Butler u. Hrs. de Vbibs 1827. — ** Werke 
16S|5— 1701. Briefe 1690. Toll, Oratio de Vossio grammatico perfecto, 
1778. — ^^ Sein Leben von Bürmann 1703. — ^^ Ausg. von Schafer 
1808. — '^Rühnken, Elogium Hemsterhusii, 1 768 u. 1789; Lindemann 1822. — 
'* Opuscula von Ebfdbdt 1808, die Epistolae von Tittmann 1812. — *• Wtt- 
tbnbagh, Vita Ruhnkenii, 1799; auch von Lindbmaiin 1822 u. Fbotschbb 
18i6. RiNK, Ueber Hemsterhuis u. Ruhnken, 1801. — *^ Mahne, Vita Wyt- 
tenbachii, 1823. — ^^ Werke 1559 — 66. De optimo reip. statu deque nova 
insnla Utopia, 15i6; deutsch von Oeffinger 1846. Sein Leben von Rddhabt 
1829, Mackintosh 1830, Prinzessin v. Cbaon 1833. — *^ Sein Reisewerk 
deutsch von Sichler 1821. — ** Ueber ihn F. A. Wolf in den Itlerar. 

Analekten, 1816, Bd. 1, u. Monk ^* Deutsch von Seidel 1791—93. — 

'♦ö Ueber ihn F. A. Wolf, Bd. % der Analekten. ^ *^ Deutsch von Beck 
1784. — " Deutsch von Wenck, Schreüern. Beck 1805 fg., Sporschil 1837 
u. 1843. — ** Ueber ihn Wblckbb. Hebbbn, Gesch. d. Studiums d. class. 
Lit. seit dem Wiederaufleben d. Wissenschaften, 1797 — 1801- 

§. 53. Auf die Erforschung der orientalischen Li- 
teratur, namentlich der arabischen, wendete sich die 
Aufmerksamkeit der Gelehrten schon im Mittelalter. Inno- 
zenz IV. (1243 — 54) befahl, auf der Sorbonne 1251 einen 
Lehrstuhl für das Arabische zu errichten. Unter Clemens V. 
beschloss 1311 die Synode zu Vienne, Lehrer des Arabischen 
und Chaldäischen in Rom, Paris, Oxford, Bologna, Sala- 
manca anzustellen. Reuchlin war durch orientalische Sprach- 
kunde ausgezeichnet. Urban VIII. stiftete in Rom das Col- 
legium pro fide propaganda *. 



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Fünftes CapiteL Stuäiologie. 39 

Die erste asiiitische Gesellschaft teur £iforschuiig der 
Literatur, Geschichte, Geographie, Religion und Sprachen 
des Orients wurde von den Holländern in Batavia gegrün- 
det, deren Verhandlungen u. s. w. zwischen 1780 — 4837 
fallen. Die Asiatic society of Bengal stiftete der Engländer 
William Jones (1746—94) in Kalkutta 1784, deren Asiatic 
researches 1788 — 1833, Journal of the asiatic society of 
Bengal seit 1832, die Arbeiten von Prinsep. Aehnlicbe Ge- 
sellschaften sind in Bombay, Madras, Benkulen auf Sumatra, 
Malakka und auf Ceylon. Die Societe asiatique in Paris 
seit 1822, ihr , Journal asiatique^ seit 1823 durch Sylvestre 
de Sacy, Die Royal asiatic society of Great-Britain and 
Ireland Ton Colebrooke am 19. März 1823 eröffnet. Ihre 
,Transactions^ 1824 — 34 und das ,JoU]hial of the asiatic so- 
ciety^ seit 1833. Damit steht seit 1828 der Oriental trans- 
lation commitee und seit 1842 ein durch den Grafen Munster 
gestifteter Verein in Verbindung zur Herausgabe orienta- 
lischer Texte. Ein asiatisches Museum stand in Petersburg 
seit 1815 unter Frähn. Die ,Zeitschrift för Kunde des Mor- 
genlandes^ 1837 — 42 durch Lassen in Bonn redigirt. Brock- 
haus, ,Zeitschrift der Deutschen morgenläudischen Gesell- 
schaft' seit 1847. 

Die African association durch Banks seit 1788 zur Er- 
forschung des Innern von Afrika und ihre ,Procedings of 
the associations for promotiog the discovery of Africa' seit 
1790. Aegyptiscbe Gesellschaft in Kairo. 

1 BoHN, De fatis studii liDgaanun orientaliiim inter Europaeos, 4769. 

§. 54. Als besondere Hülfsmittel der Studien sind 
Zeitungen, Zeitschriften und encyklopädische Werke zu 
betrachten. 

Zeitungen (teiding) mengen sich in Alles, sie ver- 
gegenwärtigen täglich die vielfältigsten Erscheinungen des 
Staaten- und Volkerlebcns , das Entfernteste wie das Nächst- 
liegende, das Materiellste und das Geistige. Demnach ist 
in jeglichem Gebiete des Culturlebeus ein Platz für sie. 
Wachsmuth, ,Culturgeach.S III, 87, 33. 

Im Keime findet sich dies Institut schon bei den alten 
Römern in den ^chon vor Cäsar angekommenen Acta diurna 
oder Publica . actorum scriptura, worin die Verhandlungen 
in dei" Curie und den Tribunalen, Anzeigen der Feste, 
Gebtirts- und Sterbelisten enthalten waren. Die Annales 



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40 Erstes Buch. Koinodoktologie- 

pontificum horten bald nach der Einnahme von Numantia 
(133 V. Chr.) auf. Die' durch Cäsar veranstaltete Veröf- 
fentlichung der Acta senatus wurde unter August suspendirt, 
darauf seit Tiber unter Cen^ur gestellt und bis ins 5. Jahrh* 
fortgesetzt *. 

Nach einer langen Pause findet sich nach der Mitte des 
16. Jahrh. in Italien, und zwar zu Venedig, ein ähnliches 
Veroffentlichungsmittel, Notizie scritte, die für ein Lesegeld 
von einer Scheidemünze, Gazeta, zugänglich waren, daher 
auch der Name dieser Neuigkeitsblätter. Auch in Deutsch- 
land bestehen Zeitungen seit Anfang des 1 6. Jahrh. Gegen- 
wärtig ist ihre Zahl sehr gross; so z. B. werden seit \. Juli 
185S in Preussen 1671 Zeitschriften und Zeitungen durch 
die betreffenden Behörden an das Publicum ausgegeben, 
darunter 1463 in deutscher Sprache. 

Die erste englische Zeitung wurde 1 588 unter dem Titel 
,The English Mercurio' auf Burleigh's Befehl herausgegeben, 
was jedoch Schlesinger in seinen ,Wanderungen durch 
London^ (1853, 11, 255) bestreitet. Jetzt ist die englische 
Presse die wichtigste und umfangreichste in Europa, wird 
aber gleichwol von der in den Vereinigten nordamerika- 
nischen Staaten noch übertroffen. In Frankreich wurde die 
erste Zeitung 1732 Von ^em Arzte Renaudot unternommen, 
um seine Patienten mit den Tagesneuigkeiten zu versehen. 
Die holländischen Courants. Russland hatte 1846 bei 70 Mill. 
Einwohnern erst 62 periodische Schriften. In Griechenland 
die ,Nauplia' und ,Athena^ Seit 1828 erscheint zu Neuechota 
eine cherokesische Zeitung u. s. w. 

1 Lb Clerc, Des journaux chez les Romains, 4838. Schlosser, Ueber 
die Quellen der spatern latein. Schriftsteller, bes. über Zeitungen, in dem 
von Bercht u. ihm herausgegebenen Archiv für Gesch. n. Lit, 1830. Zell, 
Ueber die Zeitungen d. alten Romer, im Morgenblatt, 4835, N. 446. 

§. 55. Die Zeitschriften habeü das Wissen aus der 
Schule in das Leben eingeführt. Man unterscheidet ihrer 
drei Classen: für das grössere Publicum und für einzelne 
Zweige des Wissens bestimmte und kritische. 

In Frankreich wurde das .Journal des savants' am 5. Jan. 
1665 von Denis de Sallo (pseudonym Hedouville) begrün- 
det. Die ,Nouvelles' von Bayle seit 1 687. , Annee litteraire' 
1 754 — 76. , Journal encyclopedique' i 758 — 91 . , Journal ge- 
neral de la lit. fran^.' seit 1798. ,Athenaeum fran9ais.' 

In England finden wir zunächst die von den Essayisten 



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Fünftes Capüei. Studiologie. 41 

geschriebenen und herausgegebenen Zeitschriften för ver- 
mischte Aufsätze : ,TatlerS ,SpectatorS ,Gruardian' u. a., nach- 
geahmt durch das ganze 18. Jahrh^ Das erste londoner 
Journal wurde 1622 von einem sogenannten Newsman ge- 
gründet, Nathaniel Butter, unter dem Titel ,Weekly News'* 
,The gentleman^s magazine' seit 1731. ,Critical review' 1765 
von SmoUet. ,Edinburgh review' 1802 von Jeffreys, Sidney 
Smith und Brougham. ,Quarterly review' 1809 von Gifford. 
,Edinburgh philosophical Journal' von Brewster u. a. 

In Amerika ^xistirten nach F. v. Baumerts Angabe schon 
^834 8 medicinische, 52 juristische, 120 theologische, 12 
Ackerbau- Zeitschriften und 18 für Mässigkeilsvereine. — 
In Italien Zeno's ,Giomale de' letterati' (1668) 1710 — 33. 
Fabroni's in Pisa 1771, Acerbi's 1815, Gironi's 1826. ,Biblio- 
theca italiana' in Mailand 1822. ,11 contemporaneo' u. a. 

Deutschland erwarb sich in der Kritik das höchste Ver- 
dienst. In Leipzig Mencke's Acta eruditorum 1682 — 1731 
und Nova acta eruditorum 1732 — 76. Leipziger Neue Zei- 
tung von gelehrten Sachen 1715—97. AUgem. deutsche 
Bibliothek von Nicolai 1765 — 1806. Gottingsche Zeitungen 
1739 und Anzeigen 1753 (Michaelis). Relationes de libris 
novis 1752 — 55. Helmstedter Ephemerides lit. 1770 — 75, 
Commentarii 1 776 — 81 , Annales 1 772 — 78. Bertuch's Allgem. 
Lit. -Zeitung in Jena 1785 — 1803, fortgesetzt in Jena und 
Halle seit 1804. Leipziger Jahrb. d. Lit. 1800 und Neue 
Leipziger Lit.-Zeitung 1802 — 19, Leipz. Lit.-Zeitung 1820. 
Heidelberger Jahrbücher 1818. Wiener Jahrbucher d. Lit. 
1818. Hermes in Leipzig 1819. Beck's Repertorium 1819. 
Berliner Jahrbücher der wissenschaftl. Kritik 1827 ^ Prutz, 
Deutsches Museum. Die Grrenzboten von Freytag und 
Schmidt. Brockhaus, Blätter für literar. Unterhaltung. Mor- 
*genblatt für gebildete Leser. Das Ausland. Journal der 
Literatur des Auslandes. Zamcke, Literar. Centralblatt 
für Deutschland, zugleich mit dem Nachweis anderer Zeit- 
schriften und Journale: 1) für Theologie: Protestantische 
Kirchenzeitung für das evangelische Deutschland von Krause; 
Deutsche Zeitschrift für christliche Wissenschaft und christ- 
liches Leben von Schneider ; Zeitschrift für die gesammte lu- 
therische Theologie und Kirche von Rudelbach und Guericke; 
Zeitschrift für Protestantismus und Kirche von Thomasius 
und Hofmann; Protestantische Monatsblätter für innere Zeit- 



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42 Erstes Buch. Koinodoktohfifie. 

geschichte von Geizer; Evangelisehes Cremeindeblatt von 
Weiss; Ejrchliche Zeitschrift von Eliefoth und Mejer; Theo- 
logische Jahrbücher ypn Baur und Zeller; i) für Rechts- 
kunde: Archiv für deutsches Wechselrecht von Siebenhaar 
und Tauchnitz; Archiv des Criminalrechts von Abegg; Der 
Gerichtssaal von Arnold, v. Hye-Glunek und Schwarze; 
Magazin für Rechts- und Staatswissenschaft von Haimerl; 
Blatter für Rechtspflege in Thüringen und Anhalt von 
Hotzel; Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswis- 
senschaft von Brinkmann, Domburg, Marq«ardsen und Pa- 
genstecher; 3) für Staatswissenschaften: Zeitschrift des 
statistischen Bureaus des konigL sächsischen Ministeriums 
des Innern von Engel; ebenso des statistischen Bureaus zu 
Berlin von Dieterici; dazu liefert Helwing Jahresberichte 
über staatswissenschaftliche und cameralistische Literatur; 
tübinger Zeitschrift der gesammten Staatswissenschaften; 
4) für Medicin: Deutsche Klinik von Göschen; Illustrirte 
medicinische Zeitschrift von Rubner; Henkels Zeitschrift 
für die Staatsarzneikunde, fortgesetzt von Behrend; Viertel- 
jahrschrift für gerichtliche und öffentliche Medicin von Casper; 
Vermischte Abhandlungen aus dem Gebiete der Heilkunde 
(in Petersburg herausgegeben); Zeitschrift der Gesellschaft 
der Aerzte in Wien von Hebra; Schmidt's Jahrbücher der 
in- und ausländischen gesammten Medicin; Monatsschrift 
für Geburtskunde und Frauenkrankheiten von Busch, Crede, 
Kitgen und v. Siebold; Homöopathische Vierteljahrschrift 
von Müller; Neues Repertorium für Pharmäcie von Büch- 
ner; Neues Jahrbuch für Pharmäcie und verwandte Fächer 
von Walz und Winckler; Archiv für Pharmäcie von Bley; 
Schweizerische Zeitschrift für Medicin, Chirurgie und Ge- 
burtshülfe von Tschamer; Archiv für Pathologie und The- 
rapie von Zimmermann; Journal für Kinderkrankheiten von, 
Behrend und Hildebrand; Zeitschrift für wissensehaftliehe 
Therapie von Bernhardi; Repertorium der Thierheilkunde 
von Hering; 5) für Naturwissenschaften: Abhandlungen 
der naturforsohenden Gesellschaft zu Halle; Zeitschrift für 
die gesammten Naturwissenschaften von Giebel und Heintz; 
Abhandlungen des zoologisch -mineralogisohen Vereins in 
Regensburg; Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geögnosie 
und' Petrefactenkunde von v. Leonhard und Brouin; Bon- 
plandia von Seemann; Mittheilungen der naturforschenden 



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FünfiM CapU9l. Studiola^e^ . 43 

Gesellschaft in Zürich; Journal flir praktische Chemie von 
Erdmann und Werther; Annalen der Physik und Chemie 
von Poggendorf; Annalen der Chemie und Pharmaoie von 
Wöhler, Liebig und Kopp; Archiv för die Naturgeschichte 
von Troschel; 6) fiir Mathematik: Abhandlungen der ma- 
thematisch-physikalischen Classe der-konigl. sächsischen Ge- 
sellschajfk der Wissenschaften; Arohiv für Mathematik und 
Physik von Grunert; Journal für die reine und angewandte 
Mathematik von Grelle; 7) für Geschichte: Zreitschrift 
für Geschichte des Oberrheins von Mone; Archiv der Ge- 
sellschaft für altere deutsche Gesohichtskunde von Pertz; 
Archiv für schweizerische Geschichte ; Zeitschrift des histo- 
rischen Vereins für Niedersachsen von Bhimenbach, Sohau- 
mann und Grotefend; Anzeiger für Kunde der • deutschen 
Vorzeit von v. u. zu Aufsess, v. Eye und Fronunann (Ger- 
manisches Museum); 8) für Literaturgeöchichte und 
Sprachkunde: Deutsche Vierteljahrsschrift; Jahrbuch der 
deutschen Literatui-geschichte von Henneberger; Zeitschrift 
für deutsches Alterthum; Zeitschrift für vergleichende Sprach- 
forschung auf dem Gebiete des Deutschen, Gri«echisohen und 
Lateinischen von Kuhn; Weimarisches Jahrbuch f&r deutsche 
Sprache, Literatur und Kunst von Hoffmann v, Fallersleben 
imd Schade; Zeitschrift für Stenographie von. Michaelis ; In- 
dische Studien von Weber; Berichte über die Verhandlun- 
gen der konigl. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 
zu Leipzig; Phillips* und Gorres' historisch.-- politische Blät- 
ter für das katholische Deutschland; Literaturblatt; Die 
Natur von Ule und Müller; Zeitschrift für allgemeine Erd- 
kunde von Gumpreoht, mit bibliographischen Beilagen von 
Koner; Minerva (für Geschichte, Politik und Literatur) von 
Bran und Fischer; Mittheilungen aus Justüs Perthes' geo- 
graphischer Anstalt von Petermann; Monatsberichte der 
konigl. preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin: 
Zeitschrift für Alterthumswissenschaft von Cäsar; Rheinisches 
Museum fiir Philologie von Weloker imd Ritsohl; Archiv für 
wissenschaftliche Kunde von Russland von Erman; 9) für 
Kunst: Archiv für die zeichnenden Künste von Naumann; 
WeigeFs Kunstlager- Katalog; Wigand, Jahrbücher für Wis- 
senschaft.und Kunst; Kunstblatt von Eggers; Dlustrirtes Fa- 
milienbuch des östreichisehen Lloyd u. s. w. — Die Anzahl 
sämmtlicher in Deutschland erscheinenden Zeitschriften belief 



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44 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

sich im Jahre 1854 auf 2025, darunter 403 politische, 462^ 
nichtpolitische. 

Die holländische ,Boekzaal van Europe^ 1692, später als 
,BoekzaaldergeleerdewereldS der ,Recen8ent' 1790, Müller^s 
,Referent' seit 1844. — ,Svensk Literatur-Tidende' 1814—24, 
1818 — 31 ,Svea' zu Upsala von Palmblad. — Dorpater Jahr- 
bücher und Verhandlungen der gelehrten esthnischen Ge- 
sellschaft. Petersburger Kalender u. a. Bussische Zeitschrift: 
,Der Polarstem', seit 1855 von Alx. Herzen in London. 

Vereine für Verbreitung guter Volksbucher in Deutsch- 
land, der Schweiz, Frankreich, England, Holland und Nord- 
amerika. Brougham, Stifter der Society for diffusion of 
useftd knowledge 1825. Das ,Penny-Magazine'. Der ,British 
almanac', * ein Muster von Volkskalender. Miss Martineau, 
,Illustrations of political economy', 1 832 fg. ,Deutsche Volks- 
bücher' von Gorres 1 807, herausgegeben von Marbach 1 838. — 
Frankreichs Pamphletliteratur. 

1 Prutz, Gesch. des deatschen JournaliBmus, 4846. 
§. 56. Encyklopädische Schriften findet man schon 
im Alterthum. Die ^Ogoi* oder Definitionen des Speusippos, 
eines Schülers und Neflfen von Piaton. Des- Aristoteles, 
Varro^s ,Antiquitates rerum divinarum et humanarum% des 
altem Plinius ,Historia naturalis^, des Stobäos ,AnthologieS 
des Suidas ,Lexikon^, des Marcianus Capella (460) ,Satirikon^, 
Cassiodor's (562), Isidor's von Sevilla (f 636) Schriften, 
die Auszüge des Photios und Kaisers Konstantin. 

Im Mittelalter die ,Summae^ und ,Specula': Hugo von 
St. -Victor (über ihn Liebner). Der Dominicaner Vincent 
de Beauvais (Bellovacensis, im 13. Jahrh.) lieferte die erste 
Universal-Encyklopädie in dem ,Speculum majus^ das wie- 
derum in ein Speculum historiale, naturale und doctrinale 
zerfiel, dem ein Ungenannter noch das ,Speculum morale^ 
liinzufugte *. Ringelberg's ,Cyclopaedia% 1541. Scalich's 
,Encyclopaedia s. orbis disciplinamm tum sacrarum tum pro- 
fanarum^, 1 559. Reisebus ,Margarita philosophica^, 1 503, und 
1583 als ,Habituum s. disciplinarum perfectissima encyclo- 
paedia^ Martini^s ,Idea methodicae et brevis encyclopaediae 
s. adumbratio universitatis', 1606. Alsted's ,Encyclopaedia 
Vn tomis distinctaS 1620. 

Die Bahn für encyklopädisches Wissen aus einem innem 
Princip brach Fr. Bacon von Verulam (f 1626), Lord- 



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Fünftes Capitel Siudiologie. 45 

kanzter Konig Jakob's I. von England, durch seine Schriften: 
,De dignitate et augmentis scientiarumS 1605, und ,Noyum 
organon scientiarum^, 1 6SI0. Seitdem mehrten sich die Schrif- 
ten, welche ein umfassendes Wissen in systematischer Ord- 
nung zum Gegenstande haben. Jablonski, ^Allgemeines Lexi- 
kon der Künste und Wissenschaften^, 1721. Zedier, ,Gro8se8 
universal -Lexikon', 1731. Ersch und Gruber, , Allgemeine 
Encyklopädie', seit 1818. Pierer, ,Uniyersal-LexikonS 1824. 
Die Conversations-Lexika, besonders von- Brockhaus'. Die 
,Geschichte der Künste und Wissenschaften seit der Wieder- 
herstellung derselben bis an das Ende des 18. Jahrh. von 
einer Gesellschaft Gelehrter', Bd. 1 — 23, geht von A bis Ky, 
1778 — 1804. Eine ,Neue Encyklopädie der Wissenschaften 
und Künste für die deutsche Nation' erscheint seit 1850 in 
Stuttgart. 

In Italien lieferten Coronelli 1696, Pirati 1746; in Eng- 
land Harris 1704, Napier 1788 (,Encyclop. Britannica') 
und Brewster 18Ö7; in Frankreich Diderot und d^Alembert 
(die sogenannten Encyklopädisten) 1751 Encyklopädien '; 
bei den Arabern Avicenna und Hadschi Khalfa, eigentlich 
Mustafa ben Abdallah, bekannt auch unter dem Namen 
Katib Tschelebi, einer der bedeutendsten Historiker und 
Bibliographen der Türken, mehre Jahre erster Secretar und 
Finanzminister des Sultans Murad IV., gestorben zu Kon- 
stantinopel 1655. Sein Hauptwerk ist ein grosses biblio- 
graphisches Lexikon: ,Keschs ul tsunum% in arabischer 
Sprache, worin er die Titel von mehr als 18,000 arabischen, 
persischen und türkischen Büchern aufgezählt und kurze 
Notizen über das Leben der Verfasser hinzugefügt, sowie das 
gesammte mohammedanische Wissen nach 307 sogenannten 
Wissenschaften abgetheilt hat*. Chinesische Encyklopädie 
von Mantuanlin 1300 n. Chr. 

Zu vergleichen ist das Capitel über Linguistik und 

Kritik. 

i Erste Ausg. 4473, als Bibliotheca mandi 4624. — ^ Zar Geschichte 
und Charakteristik des Conversations -Lexikons im Nachwort zur 40* Anfl. 
Anzeige in den Blättern für lilerar. Unterhaltung, 4856, Nr. 32. — • Die 
grösste vorhandene soll die Encyclop^die methodique, ou par ordre de 
metiers, par une societe des gens des lettres seit 4800 sein. — * Eine Aus- 
gabe des Textes mit lateinischer Üebersetzung (Lexicon bibliographicnm et 
encyclopaedicum) gab Flügel 4835. 



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Zweites Buch* 

Besonderer TheiL 



Die Nationalliteratliren. 
Ethnodoktologie. 

§. 57. Auf einem so umfassenden Gebiete der Cultür 
und bei so reichhaltigem Stoflfe der Leistung kann es bei 
einem pädagogisch gehaltenen Grundriss natürlich nur 
auf die Darstellung der literarischen Hauptmomente, 
nur der bedeutendsten Volker und deren wichtigsten Schrift- 
steller und Schriften abgesehen sein. Hiemach behandeln 
wir in drei Abtheilungen die orientalischen, die clas- 
sischen und die occidentalischen Nationalliteraturen. 



Erste Abtbeilung. 
Orientalische Literaturen. 

§. 58. „In China zeigen sich die literarischen Wirktm- 
gen einer vorwiegend auf das Verstandige und Praktische 
gerichteten Cultur, die, in ihren engen Grenzen beharrend, 
keinen Portschritt duldet. Dagegen hat in dem alten Indien 
die Phantasie den Korper einer Riesin angenommen, deren 
Gehirn die ungeheuerlichsten Gebilde, deren Lippen die un- 
denkbarsten Märchen neben den lieblichsten Liedern ent- 
quellen und in deren geheimnisstiefen Augen jene quälerische, 
fanatische Mystik brütet,- die seither die Bunde um die Welt 
gemacht imd wie ein Alp auf der Menschheit lastet. Zer- 
splittert sich die indische Phantasie in tausenderlei Gestalten, 
zerfliesst sie ins Unendliche und Unfassbare, so geht da- 
gegen die hebräische init starrer Consequenz auf ein Ziel 
los, auf die Schaffung, Verehrung und unbewusste Befehdung 



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Sechstes Capilel, Chinesen. 47 

eines Nationalgottes, dessen rachsüchtige Despotie nicht 
Gottliches noch Menschliches neben sich anerkennt oder 
duldet. In Arabien ist die ursprüngliche Poeae- rein Ton 
jeder theologischen Färbung, in grossartig einfacher Weise 
die Urzustände eines hochsinnigen Kriegervolks darstellend, 
während der später hinzutretende Mohammedanismus zwar 
ihre Kraft schwächt, ihr aber zum Ersatz eine ausserordent- 
liche Vielseitigkeit und Beweglichkeit verleiht. In der per- 
sischen. Literatur sehen wir die einzelnen Strahlen orien- 
talischer Phantasie und Bildung wie in einem Brennpunkt 
zusammenfliessen. Die persische Epik beruht wesentlich auf 
dem Dualismus einer Mythologie, welche ^ur monotheistischen 
hebräischen einen so eigenthümlichen Gegensatz bildete Die 
persische Didaktik fasst die Ideen morgenländischer Weis- 
heit in die klaren Sprüche praktischer Lebensphilosophie. 
In der persischen Lyrik beginnt das menschliche Bewusstsein 
einen lachenden Kampf gegen die theologische Abstraction. 
Von der türkischen Literatur ist nur zu sagen, dass sie 
die Tone der arabischen und persischen mit unselbständigen^ 
Eklekticismus wiederholt." 

§. 59. Die Chinesen stehen vereinzelt, mit alleinigem 
Anschluss der Japanesen. Von den Ariern stammen die 
Inder und Iranier und deren Zweig, die mohammedanischen 
Perser. Die Semiten umfassen vorzugsweise die Araber 
und Hebräer, mit Anschluss der jüdischen und osmanischen 
Literatur. 

Eichhorn machte das Werk des Engländers Jones über 
die asiatische Poesie bekannt, unter dem Titel: ,Poeseo8 Asia- 
ticae.comment. libr. VI. cum appendice, auctore Jones', 1777. 
Goethe^s ,Westostlicher Divan' mit den Erläuterungen. Die 
an den betrefitenden Stellen weiter unten genannten Werke 
englischer, französischer und deutscher Sprachforscher und 
üebersetzer. 



Sechstes Capitel. 

Chinesen. 

§. 60, Die Sprache bestimmt den wahren geistigen 
Standpimkt. Sie ist einsilbig, ohne inneres organisches 
Leben, ohne Flexionen^ die das Gedachte genau wiedep*' 



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48 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

geben, und die grammatischen Verhältnisse werden nur 
durch Partikeln angedeutet ^. Der. ganze Sprachschatz 
besteht aus 450 einsilbigen Wörtern, die vermittelst vier 
verschiedener Betonungen, mit welchen sie ausgesprochen 
werden, auf 1203 Wortlaute steigen. Bei dieser geringen 
Anzahl kann es nicht anders sein, als dass dasselbe Wort, 
genau auf dieselbe Weise ausgesprochen, sehr verschiedene 
Bedeutungen hat, und bei den gebräuchlichsten steigt die 
Zahl der damit ausgedruckten Begriffe auf 30 — 40. Daher 
Schwierigkeit der Erlernung dieses Idioms. Man unter- 
scheidet die Gelehrten- oder Mandarinensprache und die 
Provinzialdialekte. Begründer des wissenschaftlichen Stu- 
diums der chinesischen Sprache in Europa ist Abel Re- 
musat ^. 

' W. Y. Humboldt wollte in seiner Schrift : Snr la natnre des formes 
grammaticales , 4827, nachweisen, dass die chinesische Sprache ein Muster 
logischer Präcision sei. — ^ Elemens de la granim. chin., iS22, und 
Essai snr la langue et la litt, chin., 4844. Schott, De indole linguae 
Sin., 4827. Medhdbst, Chinese grammar., 4842. Das heste chinesische 
Wörterbnch liess Kaiser Kanhi 474 4 in 430 Foliobänden anfertigen, woraus 
Gallert 48i2 einen Auszug lieferte. Medhubst, Dictionary of the Hokeen 
dialect of the Chinese language, 4832* 

§. 61. Die Schrift ist Worterschrift mit so vielen, 
bestimmte Begriflfe ausdrückenden Charakteren (an 80,000), 
als überhaupt Worter sind, und überdies sechs verschiedenen 
Arten (deren am meisten verbreitete Tschingtse heisst), so- 
dass zum blossen Lesenlemen Jahre erfoderlich sind. Es 
dienen jedoch 214 Wurzelzeichen, die sogenannten claves 
Sinicae, zur Erklärung der übrigen. 

RisMusAT, Snr l'origine de T^crit chin. in den Mem. de llnstitut. 
Acad. des inscr., V, 8. Calleby, Systema phoneticum scripturae Sinicae, 
4842. — lieber ihre hauptsächlich durch paläographische Studien hervor- 
gerufene Schriftveränderung: Haoer, Monument de Yü, 4802. 

§. 62. Umfangreiche Literatur: der Katalog der Biblio- 
thek des Kaisers Kianlong soll aus 122 Bänden bestehen. 

Obenan stehen die vier heiligen Bücher oder Kings, 
in denen die Lehren- des Confucius niedergelegt sind 
und die er theüs selbst verfasst, theils aus altem Werken 
zusammengetragen hat. Sie stammen aus dem 6. Jahrh. 
V. Chr* 1. Sie heissen: ,Yking' (naturphilosophischen Lihalts), 
,Liking* (über Gebräuche und Ceremonien), ,Schiking' (Lie- 
derbuch) 2, ,Schuking' (das berühmteste von allen, enthal- 
tend Geschichte, Ethik, Metaphysik). Ein fünftes heiliges 



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Sechstes CapUel. Chinesen. 49 

Bach, eine Chronik des Reiches Lu, wird ^Tschüntschiu^ 
genannt. 

Den Kings im Werthe zunächst stehen die vier ,Ssescha^ 
(moralische und politische Lehren) von Confiicius (554 — 478 
V. Chr.) und seinen Schülern verfasst und genannt: ,Tahio', 
,Tschungyung', ,Lunyu' und Schriften des Mengtseu (Mencius, 
t 31 4 V. Chr.) *. Auch gibt es religiöse Werke von Laotse * 
(604 v.Chr.) und seinem Schüler Tschuangtse, Begründer einer 
Vemunftreligion, und von Tschuhi aus dem 1 3. Jahrh. n. Chr. 

1 Marshman, Works of Confncius, 4809; hieraus von Schott 4828 
ins Deutsche übersetzt, ebenso nach der franz. Uebersetzung des Pauthier 
herausgeg. von Gramer, 4844. — ^ Latein, von Lacharme u. mit Anmerk. 
yon Mohl, 4830. Nach dieser latein. Version gibt es zwei metrische 
deutsche Nachbildungen: von BUckert 4833 und Ton Cramer 4844. — ^ Ihre 
Herausgeber sind Marshman 4809, Abel Rbmvsat 4817, Jclibn 4824, 
Pauthier 4837. — ^ Von Julien 4842. — Den chinesischen Katechismus 
der buddhistischen Religion gab Nevmann 4830 deutsch heraus. Ueber 
Buddhaismus : v. Bohlen 4827, Burnouf 4844. 

§, 63. Die poetische Literatur ist reich an Gedichten 
mit und ohne Reim uud an Bomanen. Lyriker aus dem 
Anfange des 8. Jahrh. n. Chr., zugleich Norm- und Formgeber, 
sind Tufii und Lithaipe; Ersterer durch seine Lieder, welche 
den Gesammttitel ,Fu' führen und in ganz China ausserordent- 
lich populär sind; Letzterer durch seinen ,Tangschi' (R^musat, 
,Nouveaux melanges asiatiques'^ I, 474 fg.). Das Formelle der 
Poetik besteht darin, dass jeder chinesische Vers einen voll- 
ständigen Sinn einschliessen muss und neben der Silbenmes- 
sung auch der Reim beobachtet wird. In den Romanen ist 
der Hauptheld meistens ein Literat, die Erfindung arm, die 
Verwickelung gekünstelt, die Katastrophe prosaisch K Ob- 
gleich das Schauspiel den meisten Beifall findet und Peking 
allein sechs Theater hat, zeigt die Bühne doch grosse Mängel: 
keine Illusion, keine Decoration; der Schauspieler bezeichnet 
den Ort der Handlung und wen er darstellt; für weibliche 
Rollen treten Knaben oder Eunuchen ein; Einheit der Zeit, 
des Orts und der Handlung sind unbekannt ^. — Das Drei- 
worterbuch ,Sandszoking' von Vangyoheu ist eine versifi- 

cirte Encyklopädie. 

> Am bekanntesten ist der von Remusat unter dem Titel: Les deuz 
consines, 4896, ins Franzosische übertragene Roman Tukiaoli geworden, 
welcher in der Mitte des 45. Jahrh. geschrieben ist und die Schi^sale des 
Dichters und Gelehrten Sseyoup und der Demoiselle Houngju erzählt; deutsch 
zu Stuttgart 1827. — ^ Dramensammlungen von Julibn 4832 und Bazim 
4838. — Hier und durchweg vergl. K. Rosenkranz, Die Poesie u. ihre 
Geschichte etc., 4856. Jolowicz, Polyglotte der oriental. Poesie, 4863. 

Mekleker. 4 



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50 Zweites Buch. Ethnodokiohgie. 

§. 64. In der Naturkunde und Chemie sind die Chi- 
nesen nicht unerfahren, doch blieb diese Kenntniss ohne 
Einfiuss auf die Heilkunde, da sie nicht seciren. Fast ganz 
unbekannt ist ihnen die Chirurgie, mit Ausnahme der Acu- 
punctur. — Werke gibt es über Astronomie oder vielmehr 
Astrologie, Geometrie, Ackerbau, Kriegskunst, Musik und 
alle Zweige der Technik und Mechanik. Der Criminalcodex 
der jetzigen Mandschudynastie seit 4644. 

Bedeutend sind die historischen und geographischen Lei- 
stungen, indem der jedesmalige neue Beherrscher die An- 
nalen seines Vorfahren von Seiten des Staats ausarbeiten und 
amtlich versiegelt der Gruft in Mukden, das 1 6S15 ßesidenz 
der Mandschufursten wurde, übergeben lässt. Die Provinzial- 
statistiken umfassen 260 Bände. Die eigentliche Geschicht- 
schreibung begann schon unter der Dynastie Han, 206 v. Chr. 
Der Reihenführer ist Ssemathsian und sein Werk ,Sseki' mit 
den Fortsetzungen (der sogenannten 22 Geschichtschreiber 
oder Nianeulsse) reicht von 2637 v. bis 1643 n. Chr. Chro- 
nologische Abrisse von Thungkiankangmu und von Tschuhi 
aus der Mitte des 13. Jahrh. ^. , Geschichte der Gotter 
und Geister.' ,Buch der Berge und Meere.^ 

Lexikalische Arbeiten ^ , auch für die Sprachen der 
Mandschu, Mongolen (ihre Dschangariade) und Tibetaner. 
Encyklopädie von Mantuanlin 1300 n. Chr. Chinesische 
Erfindungen: Papier, Branntwein, Schiesspulver, Bucb- 
druckerei, Compass ^ 

1 Franz. von Maiila, in der Hist. generale de la Chine, 4777 — 83. 
Idbler, Ueber Zeitrechnung der Chinesen, 4837- — * Von Hiüschin 
421 n. Chr.; Peiwenynufu in 486 Bdn.; Phingtselouipien in 220 Bdn. — 
3 Klapsoth, Ueber Erfindung der Boussole^ 4834. Für die Eenntniss 
der Zustände Chinas die Beschreibung von Davis (deutsch von Wesen- 
feld 4839), Windisohmakk und Lay (deutsch von Wilfert 4844). Baziä, 
einer der trefflichsten franzos. Sinologen: Kecherches sur les institutions 
administratives et municipales de la Chine in dem Journ. Asiat., Novbr. 4854. 
Reichhaltige Büchersammlungen chinesischer Literatur in Paris (Foübuojtt^s 
Katalog in der Grammatica Sinica, 4742), London, Berlin (Schott's Ver- 
zeichniss 4840), München und Petersburg. W. Schott, Entwurf einer Be- 
schreibung der chinesischen Literatur, gelesen in der Akademie der Wis- 
senschaften zu Berlin am 7. Febr. 4850. 

§. 65. Die Japanesen gehören zu den civilisirtesten 
Nationen Asiens. Ihre Sprache in zwei Redeweisen: Jamato 
oder* Gelehrtensprache, mit zwei Dialekten: Naiden und 
Gheden, und die Vulgärsprache. 

Dreierlei Schrift: Firokana, Katakiana und chinesische 



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^ebeutea. Ck^Uel. Inder. 51 

Charaktere mit plKmetxsdiem Wertb. Seit dem 43. Jahrh. 
Buchdruckerei. Auch sie sind durch Abgeschlossenheit 
zurückgeblieben^ aber ihre Gelehrten besitzen nicht den 
chinesischen DünkeL 

Werke über Geschichte, Geographie, Astronomie, Botanik^ 
Dichtkunst» In ihren Schauspielen treten auch Frauen auf. 

Grammatik von BsMcsAt, 48i&* -^ Wörterbücher von MBDHvasT 4830 
und Siebold 4841. — Hodgson, Tatarische Sprachstudien in Derdschiling 
seit 4852 fg. — Ein grosses lexikalisches Werk ,Die sieben Meere* für oriental. 
Sprachen wurde auf Befehl des ersten Köaigs von Aadh (Ghssieddin Heid«r) 
zusammengestellt 4849. 



Siebente» Capitel. 
Inder. 

§. 66. Die Arier im tibetanischen Hochlande, in den Quell- 
gebieten des Oxus und Jaxartes, sind die Stammältem der 
Iranier oder des Zendvolkes und der Inder (Hindu) oder des 
Sanskritvolke sS für dessen Anlagen seine Bildung bürgt, 
in welcher es alle Asiaten übertrifft; imd diesen Vorrang ver- 
dankt es nicht allein seiner Phantasie, obgleich fast seine ganze 
Literatur poetisch ist oder doch in metrischer Form erscheint. 

1 Zur Geschichte dieses Volks die Asiatic researches seit 4788, Ward 
4844, Hamilton 4849, Hill 4847 n. 4845 (deutsch 4 839), Hbbbr 4828 (deutsch 
4834), MoNTöOMBBT Mabtiw 4838, Elphikstonb 4843 (2. Aufl.), Hbbbbn, 
Histor. Werke, Bd. 4 2, Ritter, Erdk., Bd. 5, 6, die Schlbqel 4808, v. Bohlen 
4830, MüLLBR, Ostindien, 4 844 , Lassen, Indische Alterthumskunde, 4847 fg. — 
An der Spitze der indischen Ursprachen, Dravida, finden wir als gemeinschaft- 
liche Mutter das Tamul auf der indischen Ostküste, von 4 — 4 4 Mill. gesprochen. 

§. 67. Das Bewunderungswürdigste ist sein altes Idiom^ 
das Sanskrit, welches sich durch Wohllaut, Eeichthum und 
feinen grammatischen Bau als vollkommenste Sprache darstellt, 
deren Wortbildungen von einer sprachlichen Kunstfertigkeit 
zeugen, die in Erstaunen setzt. Merkwürdig ist auch die Aehn- 
lichkeit vieler indischer Worter und Wortformen mit denen 
der griechischen, lateinischen, persischen, gothischen und 
Uthauischen Sprache, und diese Aehnlichkeit erstreckt sich fast 
über den ganzen Wurzelschatz und grammatischen Organis- 
mus, daher man auch das Sanskrit für die Grundsprache der 
indogermanischen Idiome hielt und zum Theil noch halt. 

Das Sanskrit erhielt sich noch bis ins 11. Jahrh. n. Chr. 
im Leben, ist aber seitdem nur Sprache der Schulen und 
Gelehrsamkeit. Doch schon zu Alexander's d. Gr. Zeit 
(3216 V. Chr.) findet sich auf Denkmälern und Münzen auch 

4* 



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52 Zweiies Buch. Elhmdokiolagie. 

die verweichlichte dialektische Form des Pali und Prakrit. 
Die Sprache der Garrows, eines hinterindischen Volkes, 
Gaura, wird als Gelehrtensprache der heutigen Inder genannt, 
worin viele Sanskritschriften übersetzt sind und fast aller Un- 
terricht ertheilt wird. Das Kawi ist die Sprache der Javanesen. 

Beförderer des Sanskritstudiums sind vorzugsweise Jones, 
der Stifter der Asiatischen Gesellschaft zu Kalkutta 1784, 
Wilson und Colebrooke, der 1816 eine Sammlung von 
Sanskritschriften nach England brachte, unter welchen sich 
21 1 Vedas und Vedacommentare, 1 49 Werke über die Vedanta- 
philosophie, 100 über Dialektik und Logik, SI39 heiliger und 
200 profaner Poesie, 57 medicinischen, 67 mathematischen 
und astronomischen, 251 juridischen, 61 lexikalischen und 
136 grammatikalischen Inhalts befanden. 

Indischer Grammatiker Panini 200 v. Chr. (herausg. von 

Bohtlingk 1840). 

Ga&gin de Tasst, Hist. de la lit. ind., 1829* Adelung, Lit. der 
Sanskritsprache, (?. Aufl.) 4837. Grammatik von Bopp, 4827 u. 1829, 
und vergleichende Grammatik, 4833. Benfby, Handbuch d. Sanskritspr. 
u. seine Grammatiken, 4853 — 65. Westerqaard, Radices linguae sanscritae, 
4840. — Von Wörterbüchern gab Roth 4847 das Niriikta des Yaska, 
Colbbbooke 4808 und Loisblbub des Longchamps 4839 das Amara- 
Sinha heraus. Das Hamatschandra erschien 4807, Radhakanta-Deva 4819. 
Wilson, Dictionary of the Sanscrit language, 4832. — Böhtlinok u. Roth, 
Sanskrit -Wörterbuch, 4853 — 55. Burnouf und Lassen, Essai sur le Pali, 
4826. — Lassen, Institut, ling. Pracriticae, 4846. — Ueber das Kawi: 
W. V. Humboldt, §.8,3. 

§. 68. Die Schrift der Hindu war heimische Erfindung, 
Buchstabenschrift mit vollständig ausreichendem Alphabet. 
Vom Gebrauch von Hieroglyphen ist keine Spur. Pali und 
Kawi haben besondere Alphabete, auch nennt manDevanagari- 
Schrift, bengalische, tibetanische, tamulische und malaba- 
rische. Als Schreibmaterial wurden anfangs Palmenblätter 
gebraucht, die man mit eisernen Griflfeln ritzte, nachher 
Seiden- und Baumwollenpapier. 

Lbpsius, Paläographie als Mittel für die Sprachforschung zunächst 
am Sanskrit nachgewiesen, 4834. 

§. 69. Das wichtigste Werk der indischen Literatur 
sind die Religionsbücher oder Sastras, welche in die zum Theil 
dem 14. Jahrh. v. Chr. angehörenden, angeblich von Vyasas 
verfassten oder geordneten vier Bücher der Vedas (Rig-, 
Sama-, Yajus- und Atharva-Veda) und in die aus dem spätem 
Mittelalter herrührenden 18 Bücher der Puranas zerfallen. 

Die Vedas, Quelle der brahmanischen Religion in der 



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Siebentes Capiiel, Inder. 53 

Sanskritsprache, enthalten theils Hymnaoi und Gebete, theils 
Opferyorschriften, theils Lehren und Sprüche und werden 
Ton den Brahmanen studirt und ausgelegt. Die indische 
Poesie, aufs innigste verwebt mit Musik und Tanz, die 
jeder Festlust dienten, ist durch und durch religiös; auch 
wo sie in das Menschliche herabsteigt, geschieht dies nur 
mit Maschinerie des Gotterthums. 

Die. Puranas, Erläuterungen der Vedas, sind die Haupt- 
queUe der reichen und bunten Mythologie. 

Nach den übrigen Schriften, die sich auf Religion und 
Cultus, zugleich aber auch auf profanes Wissen beziehen, 
den Upavedas, Vedangas und Upangas, erscheinen die Inder 
als Erfinder des dem Abendlande erst im 11. Jahrh. durch 
die Araber überkommenen Zehnziffersystems, der Algebra 
und Astronomie, des Schach- und Kartenspiels und der 
Tonleiter von sieben Tonen. 

lieber die Vedas: Colebrookb, Jones, Anquetil-Ddpbbron, M. M6Lr 
LES 4849 — 54, Lanolois 4848 — 54, Payie 4854. Ueber Mythen und Re- 
ligion: Cbeuzbb, Bavr, Görbbs, Stuhb, y. Bohlbn, Lassen, Polieb (484 4), 
M6LLBB, Rhode. M. Mölleb, On the Veda and Zend-Avesta, 4853. Co- 
LEBBOOKE, Ind. Algebra, 4847. Baillt, De l'astron. Ind., 4787. Thätig 
fvLt die Vedas sind ausserdem Benfet, Roth und Weber. A. Weber, In- 
dische Literaturgeschichte , 4852. Holtzmann, Indische Dichtungen , 4854. 

§. 70. Unter den Rechtsbüchern, den Dharmasastras, 
steht den Vedas zunächst an Ansehen das aus dem 12. oder 
6. Jahrh. v. Chr. herrührende Gesetz des Menü oder Manu % 
•welches geistliche und bürgerliche Bechtsverordnungen über 
Erziehung, Ehe, Cultus, Regierung, Rechtspflege, Kastenein- 
richtung u. s. w., nebst den meistens sehr haiien Strafbestim- 
mungen gegen die Uebertreter enthält, ein Rechtssystem, in 
welchem sich Despotismus und Priesterherrschsucht die Hände 
reichen. Femer gehören in diese Kategorie: ,Mitakschara% 
,DayabhagaS ,Dattaka-Mimansa% ,Daya-Krama-Sangraha'*. 

i Original 4843 n. 4830; deutsch von Hüttner y 4797. — ' Colbbbookb, 
Digest of Hindu law, 4804. 

§.71. Waren die Rechts- und die heiligen Bücher 
zunächst für die Braminen oder Priester bestimmt, so soll- 
ten die gleichfalls sehr alten grossen mythisch-epischen 
Darstellungen vorzugsweise den Muth der Ketri oder 
Kriegerkaste beleben, der ,Ramayäna' von Valmiki ^ und 
der ,MahabharataS angeblich von Vyasas*-^, die anfangs, den 
Homerischen Gesängen vergleichbar, mündlich vorgetragen 
und traditionsweise fortgepflanzt wurden. 



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54 Zweites Buch. Ethnodokiologte. 

Der aus eiaben Kaxndas oder Büchern, vielen Sargas 
oder Abschnitten und ans 24,000 Slokas oder Doppelyersen 
bestehende ,Bamayana^ handdt von dem Ejunpfe und Siege 
des göttlichen Helden Bama über Ravana, den Fürsten der 
Bakschasas oder bösen Genien, um seine geraubte Gattin 
zu befreien, und wie er auf diesem Zuge zugleich die Reli- 
gion nach Süden bis Ceylon verbreitete. 

Der aus 48 Gesängen bestehende ,Mahabharata^ enthalt 
fast alle epischen Sagen der Inder, verflochten in den Kampf 
der Bharatiden, zweier verwandten Geschlechter, der Pan- 
davas oder Pandus und der E!auravas oder Kurus, um den 
Thron von Hastinapura, bis letztere mit Hülfe des Ejrischna 
besiegt werden. Eine Episode daraus bUden die ,Nalas^ ^ 
oder die schöne Erzählung von Nal und DamajantL Andere 
Episoden sind: die Reise des Ardschuna zum Himmel 
des Indra (Indralokagananam), Hidimba's Tod, Brahmanen- 
wehklage, Sundas und Upasundas, Savitri, die Flutsage*. 

Spätere epische Dichtungen gibt es vorzugsweise sechs, 

die jedoch fast nur dem Namen nach bisher bekannt sind: 

,Meghaduta' (Wolkenbote) von Kalidasas ^, ,Raghuvansa' 

(Geschlecht des Raghu), die Geburt des Kumaras von KaK- 

dasas, der Tod des Sisupala vonMaghas^, ,Naishadiyacharita^ 

von Sriharscha, ,Kiratarjuniga' von Bharavin. 

^ Aasgabe vob A« W. Schlegel 4829, Gobbesio 4 843; Original und 
üebersetzung von Carey und Marshman, 4806. üebersetzungen von 
Brudistücken durch F, u. A, W. Schlegel, Bopp, Höfer, Holtsmann, — 
^ Ausgabe des Originals 4 834 , Üebersetzungen von GotdslUcker 4 847 u. 4 851 
und F. V. Schach. — * Ausgabe von Bopp 4 840; üebersetzungen von Kose- 
garten 4820, Bopp 4838; freie Nachbildung von Hückert 4828. Mbibr, 
Die elassischen Dichtungen der Inder, 4847. — ^ Alle verdeutscht von 
Bopp. De|^ Grundstoff des Mahabharata, seiner Episoden entkleidet, gab 
HoLTZMANN 4 846 in seinem Werke Kuruinge. — * Deutsch von Hirzel 
4846, MüUer 4847. — « Deutsch von Schütz 4842. 

§. 75. Als wichtigste Quelle der indischen Philosophie, 
als Lehre von der Unwandelbarkeit des Schopfers, ein philo- 
sophisches Gespräch zwischen Ardschuna und Krischna, gilt 
,Bhagavadgita' (der gottliche Gesang) ^. Im Uebrigen zer- 
fallt die indische Philosophie, die sich jedoch unter dem 
Einfiuss der Priesterkaste und bei der herrschenden poeti- 
schen Richtung nicht frei entwickeln konnte, obwol sie die 
wichtigsten Aufgaben der forschenden Vernunft erschöpfte, 
in sechs selbständige Systeme^. 

^ Den Wükins ins Englische, Parraud ins Franzosische, Meier (in 
Klaproth's Asiatischem Magazin) ins Deutsche übersetzte, A. W. Schlbobl 



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Siebentes CapileL Inder. 55 

48i^ u. 4846 im Original mit latein. Uebersetzung beraaegab. Abhandluog 
darüber von W. v. Humboldt, ^826. — * F. Schlegel, Spracbe und 
Weisheit der Inder, 1 808. Colbbbookb , On the phllosophy of the Hindons, 
in den Transactions of the Boyai Asiatic society, II. Windischhamn, San- 
cara (Darsteller des Systems der Vedanta, 4847) s. de theologumenis Vedan- 
ticorum, 4833. Bibliotheca Tamulica von Graul: Tamuliscber Text einer 
Vedantadichtnng nebst Üebersetznng. 

§. 73. Das indische Drama soll von einem mythischen 
Konige und Weisen, Bharata, herstammen, der seine Schau- 
spiele von Gandharven und Apsarasen (Genien, die den Hof- 
staat des Gottes Indra bilden) zur Ergotzung Indra's habe 
aufführen lassen. Zur schönsten Blüte gelangte es unter 
dem glücklichen Könige Vikramaditya (56 v. Chr.?), an 
dessen Hofe die Musen geehrt waren. „Hauptgegenstand 
der indischen Dramen ist die Liebe, während die komische 
Seite desselben sich meistens in der Verspottung der Brah- 
manen zeigt. Dieses Gemisch von Komik und Pathos findet 
sich wieder bei Shakspeare und Calderon, wie denn an 
den Erstem auch die dramatische Sitte der indischen Dichter 
erinnert, ihre Personen abwechselnd in Versen und Prosa 
sprechen zu lassen und die untergeordneten ausserdem durch 
den Gebrauch von Dialekt und Patois zu charakterisiren. 
Dem indischen Schauspiel fehlt der eigentlich dramatische 
Nerv, der Kampf mit dem Schicksal. Dafür gibt es einen 
grossen Reichthum der Naturschilderung, Hoheit und Zart- 
heit der Gesinnung, Buntheit der Scenerie, Innigkeit der 
Herzensäusserung. Ein tragischer Ausgang ist hier nicht ge- 
stattet, sondern die Stücke enden, nachdem sieben, acht, neun 
Acte hindurch geliebelt, gelitten, intriguirt, gelacht und ge- 
klagt worden, mit heller Heiterkeit." Unsere Bezeichnimgen 
Trauerspiel, Lustspiel, Schauspiel hält Scherr nicht passend 
für die Erzeugnisse der indischen Bühne, sondern meint ihr 
Wesen durch Melodramen am richtigsten anzudeuten. 

Obenan stehen die liebliche, blumenreiche Schicksalsfabel 
,Sakuntala oder der Erkennungsring' ^ und ,Vikramorvasi 
(Vikramas und Urvasi) oder der Held und die Nymphe'^. 
Beide von Kalidasas, welcher um 56 v, Chr. am Hofe des 
Königs Vikramaditya. lebte, der die Gangesländer bis nach 
Kaschmir hinauf beherrschte. 

Eine halb lyrische, halb dramatische Dichtung ist ,Gita- 
govinda', ein Cyklus glühender Liebeslieder, welche die 
Liebe des in den Hirten Govinda verwandelten Gottes Kriechna 



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56 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

zur schonen Schäferin Kadha besingen, deren Verfasser, 

Jayadeva, noch vor Kalidasas gelebt haben soll ^. 

Dramaturgie von Dhananjayas unter dem Titel ,Dasaru- 

paka^ aus dem 11. Jahrh. n. Chr. 

1 Pie Sakuntala lernte WilUam Jones dnrch seinen hindostanUchen 
Lehrer kennen, Chdzy gab den Originaltext, Böhtlingk Text und Ueber- 
aetzong, Jones engl. XJebersetzang 1789} Forster deutsch i79i, Gerhard 
metrisch für die Bühne bearbeitet 4820, deutsch auch Hirzel 1833 und 
Schrader 1837. F. Schlegkl sagt, dass dieses Werk von der indischen 
Dichtkunst den besten Begriff geben könne (Gesch. d. alten u. neuen Lit., 
n. A., S. 136), und Bohlet^ bemerkt, dass es ungemein wichtig für die 
Sitten, den Glauben und das ganze innere Leben des indischen Volks ist, 
da die Charaktere ans der Natur entlehnt und nicht, wie im Epos, erdichtet 
sind (Altes Indien, II, 398). Gothe*s Epigramm: 

Willst du die Blüte des frühen, die Früchte des spftteren Jahres, 
Willst da. was reizt and entzückt, willst du. was s&Uigt und nfthrt. 

Willst du den Himmel, die Erde mit einem Namen begreifjpn: 
Nenn' ich Sakuntala dir und so ist Alles gesagt I 

2 Uebersetzt im Theater der Hindu, I, ^95, theilweise auch in den Wiener 
Jahrbüchern 1829, von Hirzel 1839 und BoUensen 1846. — ^ Englisch 
von Jones, daraus deutsch von Majer, metrisch von Riemschneider und 
Bücken. Lassen 1837. Wolfp, Theater der Hindu, 1828 — 31, aus dem 
Engl, des Wilson 1827. 

§. 74. Die indische Lyrik ist erotisch und didakitsch- 
ascetisch ^. ,Mohamudgara^ (Schlägel der Thorheit) von 
Sankara Acharya (8. Jahrh. n. Chr.) ^. Von Kalidasas : ,Srin- 
garatilaka^ (Stimmal der Liebe), ,Ritusanhara^ (Versamm- 
lung der Jahreszeiten) ^. Die erotischen Epigramme von 
Amaru. Erotische Spruche und Lieder von Bhartrihari, einem 
Zeitgenossen Kalidasas^ ^. ,Der zerbrochene Krug^ von Ghata- 
karpuras ^, der mit Kalidasas am Hofe Vikramaditya^s lebte. 

1 FoBTLAOB, Vorlesungen über die Gesch. d. Poesie, 1 839 ; die schönste, 
mit Dichterglut entworfene Schilderung der indischen Poesie. — > Bekannt 
gemacht von Jones, verdeutscht von Bohlen (Altes Indien, II, 176). — 
* Originaltext von Jones, deutsch von Kosegarten. — * Hundert Sprüche 
und Lieder von ihm und fünfzig von Tschaura (?) , übersetzt von Bohlen 
1833. — ^ Im Original und deutsch 1828, deutsch von Bohlen (Altes 
Indien, n, 381). Höfbr, Indische Gedichte, 1844. 

§. 75. Die Thier fabeln sind ein urspriinglich indisches 
Erzeugniss voll L*onie und Satire, in dialogischer Form, 
polemisirend gegen Frommler, Heuchler und Priester. Von 
Vischnusarman die ,Panchatantra^ (fünf Sammlungen oder 
Bücher) aus dem 5. Jahrh. n. Chr. Ein Auszug daraus: 
,Hitopadesa^ (freundliche Unterweisung) ^, in alle Sprachen 
übergegangen, Quelle vieler romantischer Dichtungen des 
Abendlandes und Mittelalters. In der persischen Bearbeitung 
wird als der Verfasser Bidpai angegeben *, welcher Name eine 
üebersetzung des indischen Vidyapriya (Freund der Wissen- 



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Achtes CapHeL Iranier, 57 

Schaft) sein soll. Man hält Bidpai för eine ebenso fabelhafte 
Person wie Locman und Aesop. In Europa wurden diese 
Fabeln zuerst durch die lateinische Uebersetzung bekannt, 
welche J. von Capua 4262 aus der hebräbchen Version des 
Rabbi Joel besorgte. Die erste deutsche Uebersetzung liess 
der würtembergische Herzog Eberhard im Bart 1 480 fertigen. 

Novellensammlungen: von Somadeva die ,Vrihat- 
katha^ (grosse Erzählung) ^, nach Jones eine Art ,Orlando 
furioso^, nach Schlegel das Vorbild zu der arabischen Mär- 
chensammlung ^Tausend und eine Nachts ^asakumara- 
charita^ (Geschichte der zehn Jünglinge), nach Schlegel das 
Vorbild der Volkshistorie von den sieben weisen Meistern. 

1 ScHLSGBL u. Lassen 4829, deutsch ^on M^ler 4843. — ' Wilsov, 
Stlyestbe DB Sagt, Eosboabten 4846, Ph. Wolf 4837. — ' Deatsch 
Ton Brockhaus 4830 u. 4843. — Webbe, lieber den Zusammenhang in- 
discher Fabeln mit griechischen, 4865. 

§. 76. Die Geschichte im hohem Sinne des Worts 
hat sich in Indien niemals ausgebildet, denn Ej-itik, Chro- 
nologie und Geographie sind den Braminen unbekannt, eine 
fortlaufende Aera beginnt erst mit der Hedschra 622. Wil- 
ford und Jones haben nach fabelhaften Stammtafeln mit 
monströsen Zahlen eine Reihe von Dynastien mitgetheüt. In 
den Epopöen und Puranas verlieren sich die wenigen That- 
sachen in Dichtung ^. 

Studien der Botanik, Medicin (ihr Stifter: Dhanvan-* 
tari^), Chirurgie (Rhinoplastik, Staaroperation, Pocken- 
imipfung), Astronomie, Mathematik: Brahmagupta im 6. 
und Bhaskara im \% Jahrh. gelten für die berühmtesten 
Verfasser mathematischer Schriften Indiens '. 

Aus den Schulen der Braminen stammt die Bell-Lan- 

caster'sche Unterrichtsmethode. 

1 Hamilton, Genealogies of the Hlndoos, 4849. — ' The Susruta, 
or System of medicine, 4835; latein. von Hessler 4844* Rotlb, On the 
antiq. of Hindoo- medicine, 4837. — ^ Nbssblmahn, Versuch einer krit. 
Gesch. der Algehra, 4842. Bbnfet's Abhandlung über Indien, in Ersch 
u. Gruber's Encyklopadie. 



Achtes Oapitel. 

Iranier. 

§. 77. Zwischen Indus und Tigris, hauptsächlich in Bak- 
trien, findet sich im hohen Alterthum das Zendvolk, aus 



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58 Zweites Buch. EthnodoiUologie. 

welchem nacheinander die Meder und Perser hervorgegangen 
sind. Das älteste Sprachidiom dieser Volker ist das Zend, 
in welchem die Religionsbücher Zoroaster's, die ,Zend- 
avesta^, verfasst sind, mit einem Alphabet semitischen Ur- 
sprungs. Der Begründer des wissenschaftlichen Studiums 
dieser Sprache wurde Bumouf. 

Dem Zend zunächst steht die Sprache der Keil- 
schriften, welche zur Zeit der altpersischen Achämeniden- 
dynastie (560 — 330 v. Chr.) geredet wurde, aus der sich 
unter den Sassaniden (226 — 651 n. Chr.) das Parsi oder 
Pazend entwickelte, welches sich am reinsten in Firdusi's 
(960—1030 n. Chr.) ,Schahnameh' erhalten hat. Dieses Idiom 
wurde Geschäftssprache, seitdem Mahmud von Ghasna und 
der Seldschukide Alp Arslan die oflfentlichen Schriften in 
persischer Sprache abfassen Hessen. Doch blieb das arabische 
Alphabet bei den Persem üblich. 

Das Pehlewi (Huzvaresch), ursprünglich die Sprache des 
westlichen Persien, gehört den Zeiten der Arsakiden- und 
Sassanidendynastien (256 v. Chr. bis 651 n. Chr.) an. In 
dieser Sprache sind die Commentare zu Zoroaster's Schrif- 
ten, darunter auch das ,Bundehesch% die Keichsgeschichte 
(,Bastannameh^) durch Dihkan, und die auf Koshru Nushir- 
wan's (532 — 579) Befehl durch den Arzt Barsuje aus Indien 
geholten Fabeln des Bidpai verfasst. 

Jones, Grammar of the Persian language, (9. A.) 4828. SpieoIbl, 
Die pars. Sprache, In Höfer*s Zeitschrift für Wissenschaft u. Sprache, 4 845, 
H. 4. V. BoHLEH, Commentatio de origine liog. Zendicae. Paul a 
St.-Baktholomäo, De antiquitate et afßnitate Ung. Zendicae, Samscruda- 
nicae et Germanicae, 4798. Wörterbücher von Bürhanikati 4848, Hest- 
kulzum 4822. Meninski, Lex. Turc.-Arab.-Persicum (neue A. von Jenisch 
u. Klezl, 4780 — 4802). Richabdson, Dictionary Persian, Arabic and English 
(vermehrt von Johnson, 4 829). 

§. 78. Bask * gibt zwar eine gewisse Verwandtschaft 
der Zendsprache und des Sanskrit zu, aber nur so, dass 
die Volker, die beide gesprochen haben, dennoch ihrer Bil- 
dung nach so unabhängig sein können als Lithauer und 
Hindu. Die Aussprache und ganze äussere Form des Zend 
sei sehr verschieden vom Sanskrit; das Beugungssystem 
stimme zwar im Ganzen auch mit dem Sanskrit, aber bei 
weitem mehr mit den europäischen, dem Sanskrit verwandten 
Sprachen überein. Dagegen bemerkt von Bohlen ^, das Zend 
ist noch so sehr Sanskrit, dass ein mittelmässiger Kenner 
dieser Sprache das Original des ,Vendidad' ziemlich versteht; 



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Achtes Capitel, Framer. 59 

zugleich erhellt deutlieh, dass das Zend ans dem Sanskrit 

sich entwickelt habe, nicht aber umgekehrt^ wie einst Jones 

meinte, noch aach neben dem Sanskrit, wie viele Unkenner 

68 haben vorgeben wollen. 

1 Rask, lieber das Alter u. die Echtheit der Zendsprache n. de» 
Zendavesta u. Herstellang de« Zendalphabets , nebst einer Uebersicfat des 
gesammten Sprachstamms (deutsch von v. d, Hagen 4 826). • — * Altes 
Indieu, II, 464. 

§. 79. Was von der Literatur des Zendvolkes und 
der sich aus demselben entwickelnden Priesterkaste durch 
die Parsen (Gebern) in Indien noch erhalten war, ist uns 
durch die Bemühungen franzosischer und deutscher Gelehr- 
ten einigermassen zugänglich gemacht. Anquetil-Duperron 
erlernte während seines Aufenthalts in Indien die heilige 
Sprache, in welcher jene Bücher geschrieben sind, brachte 
den Zendavesta in der Ursprache nach Europa 4762 und 
gab 477 < eine franzosische Uebersetzung desselben. Hierauf 
liess Kleuker eine deutsche. Uebersetzung 1776 erschei- 
nen. Hieran schliessen sich die Arbeiten von Bumouf und 
Olshausen. 

Die Parsen erzählen, bis auf den Einbruch Alexan- 
der's d. Gr. in das persische Reich (330 v. Chr.) seien die 
heiligen Schriften des alten Zendvolkes, in 21 grossen Ab- 
schnitten zusammengestellt, vorhanden gewesen. Diu*ch die 
Verwirrungen des griechisch -persischen Kriegs seien diese 
alle verloren gegangen bis auf einen, von den andern hätten 
sich nur Bruchstücke erhalten. Die ganze Sammlung hiess 
,Avesta' (gottliches Wort), der eine übriggebliebene Theil 
,Vendidad', das religiöse und politische Gesetzbuch. Eine 
Angabe des Inhalts der 21 Abschnitte oder Nosk des ,Ave8ta' 
ist in persischer Sprache erhalten ^. Der ,Vendidad' ist in 
22 Fargards getheilt. Der Vortrag ist in dialogischer Form, 
und Zöroaster empfängt darin den Unterricht von Ormuzd ^. 
Diesen Inhalt des ,Vendidad' hat man unmittelbar mit alten 
indischen Lehren in Verbindung gebracht und namentlich 
dafür auch angeführt, die Sprache, in welcher der ,Vendidad^ 
geschrieben, sei ein Dialekt des Sanskrit ^. 

* VuLLEBS hat sie übersetzt und von Noten begleitet mitgetheilt in den 
Fragmenten über die Religion des Zöroaster, 4831. — ' Ausgabe von Ols^ 
HA1I8BM 4S29, Uebersetzung von Spiegel 485^2. — ^ Höltt, Kritisch -histo- 
rische Untersuchung über die beiden ersten Capitel des Vendidad , 4 829. — 
Rhode , Die heilige Sage u. das gesammte Religionssystem der alten Baktrer, 
Meder u. Perser oder des Zendvolkes, 4820. 



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60 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 80. Ausser dem genannten sind noch folgende Schrift- 
stücke des ^Zendavesta^ erhalten: ,Jasna^^, eine Sammlung 
von Gebeten, herrührend von mehren Verfassern; ,yispe- 
red'*, Lobpreisungen der zu verehrenden Wesen. Diese 
beiden bilden mit dem ^Yendidad^ zusammen den ,yendidad 
Sade' '. Femer das Buch ,Siruze' , ein liturgischer Ka- 
lender; das Buch ,Jeschts Sade^s% eine Sammlung von Ge- 
beten und Bruchstücken aus verlorengegangenen Schriften 
Zoroaster^s. Das Buch ,Bundehesch^ ist eine Compilation 
verschiedenartiger Bruchstücke, theils aus alten, theils aus 
jungem Büchern. 

i Darüber Bdbnouf 1833. — * Ausgabe 4843 * Von Bubnoüf 1834. 

§.81. Von historischen Schriften der persischen Achä- 
menidendynastie erfahren wir durch Ktesias (400 v. Chr.), 
der die Reichsarchive benutzte. Urkunden sind nicht er- 
halten und die Inschriften von Persepolis und andern Städten 
noch nicht vollkommen zugänglich. 

Malcolm, Gesch. Yon Persien, 4845; deutsch von Becker 4830. 



I Neuntes Oapitel. 

'i 

Perser. 

§. 82. Als die Araber das Sassanidenreich umstürzten 
(651), war in demselben eine üppige Fülle orientalischer 
Cultur. Fürsten, namentlich die beiden Koshru (Nuschir- 
wan, 532—79, und Parwiz, 591—628), und Priester (die 
Mobeds) hatten das Altpersische verjüngt und fortgebildet, 
aus dem Zend waren Schriften in das Pehlewi und Parsi 
übertragen, und die Wissenschaft hatte treffliche Pfleger in 
den Nestorianem, die Byzanz vertrieb. Omar liess bei der 
Eroberung die Bibliothek von Madain (aus der Vereinigung 
von Ktesiphon und Seleucia am Tigris entstanden) verbren- 
nen, und auch später suchte der mohammedanische Fanatis- 
mus Schriften zu vernichten, wo er ihrer habhaft wurde. 
Bei dem U ebertritt zum Islam wurden die Perser meistens 
Schiiten und daher von dem mohammedanischen Rigorismus 
weniger erfallt. Ihr Wesen, dem Franzosischen nicht un- 
ähnlich, musste bald Einfluss auf das von der Heimat ab- 



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Neuntes CapUel. Perser, 61 

geloste Leben der Araber gewinnen; sie wurden bald rüstige 
Arbeiter für arabische Sprache und Literatur und verpflanz- 
ten zugleich ihre Romantik und den magischen Aui^utz der- 
selben mit Zauberwesen (Diws und Peris u. s. w.) in die mo- 
hammedanische Welt, aus welcher theils durch die Kreuz- 
züge, theils durch den Verkehr in Spanien die christliche 
Romantik einen Theil ihrer Wunderwesen empfangen hat. 

§. 83. Unter der trefflichen Dynastie der Sassaniden 
(226—651 n. Chr.) wird der Ritter Behramgur als Erfinder 
der gebundenen Rede genannt. Ursache davon war seine 
geliebte Sklavin Dilaram (Herzensruhe), welche die dich- 
terische Anrede ihres Herrn und Geliebten mit gleichge- 
messenen und am Ausgang gleichtonenden Worten erwiderte. 
Zu derselben Zeit, als Barsuje die Fabeln des Bidpai bearbei- 
tete, dichtete der Vezier Bisurdschimihr das älteste persische 
Heldengedicht ,Wamik und Asra' (der Glühende und die 
Blühende), dessen gerettetes Exemplar noch im 2. Jahrh. 
der Hedschra ein Statthalter von Khorassan verbrennen liess. 
Eine Uebersetzung desselben lieferte v. Hammer 1835. 

§. 84. Die neupersische Poesie und Literatur, 
welche eine Fülle reicher Blüten vor der arabischen voraus 
hat, entwickelte sich seit der Staatsverwaltung der Sama- 
niden,, 913, und ward von Ghasnewiden seit 975, Seldschu- 
kiden seit 1037 und spätem Geschlechtem gefordert, sodass 
vom 10. bis in das 14. Jahrh. die neupersische Dicht- 
kunst in hoher Blüte stand. Hammer- Purgstall ^ hat sie 
in sieben Perioden getheilt und jede an einen bedeutenden 
Dichtemamen geknüpft. 

1 Gesch. der schonen Redekünste Persiens, mit einer Blütenlese aus 
200 pers. Dichtem, 4SI 8. 

§.85. Inder erstenPeriode (913 — 1106) war Ghasna 
unter Mahmud (f 1030) Heimat der Gelehrten und Dichter. 
Hier blühte Firdüsi (der Paradiesische) aus Tus (960 — 1030), 
welcher in dem von Dakiki begonnenen und von Essedi 
beendeten Epos ,Schahnameh' (Konigsbuch) die persische 
Geschichte von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der 
Sassaniden darstellte. Es zerfallt in zwei grosse Hälften, 
deren erstere, mehr poetische, das heroisch -mythische Zeit- 
alter Ält-Irans mit seinem Hauptheros Rustem (Nackschi- 
Rustem) umfasst, die andere, mehr historische, die geschicht- 
lichen Zeiten und insbesondere die Thaten Iskander^s (Alexan- 



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63 Zweite» Buch. Ethnadoklologie. 

der^s d. Gr.) behandelt. Man preist es als die persische 
Iliade^ doch steht diese hinter der Einfachheit und epischen 
Klarheit der Homerischen weit zurück. Es enthalt 60,000 
Doppelverse \ 

Der älteste bekannte Dichter ist Budegi (952), der auf 
Befehl des samanidischen Fürsten Nasr-ben- Achmed die 
Fabeln des Bidpai in Verse umarbeitete, wofür er 80,000 Gold- 
stücke erhielt, und auch sonst in Mesnewi ^ und Kassiden ^ 
sich hervorthat. 

Keikawus, aus der Dynastie der Dilemiden, ist Verfas- 
ser des ,Kabusnameh' *, um 1080, welches in 44 Capiteln 
Moral und Lebensphilosopie enthält und nach des Verfas- 
sers Grossvater, dem Fürsten Kabus^ benannt ist. ,Bastan- 
nameh* war eine Sammlimg historischer Traditionen des 
persischen Nationallebens in Prosa aus der Zeit Jezded- 
gerd's m., des letzten Sassaniden. Aus diesem Werke 
bearbeitete Anssari (f 1029), auf Mahmud's Befehl, die 
Sage von Suhrab, wurde deshalb zum Dichterkonig ernannt, 
erneuerte das alte Gedicht von ,Wamik und Asra' und be- 
sang seinen Gebieter in einer Kasside von 180 Beits (d. h. 
Zelt, Distichen). 

I Der Originaltext erschien zu Kalkutta 4829 und von Mohl besargt 
zu Paris 1839. üebersetzung von Schuck 4854. Die vollständigste Ueber- 
sicfat Yerschaift Görbbs, Das Heldenbuch Ton Iran ans dem Schahnameh, 
4820. IJebersetzungen einzekier Stellen von Ludolff Wahl und Hammer 
in den Fundgruben des Orients u. in der Gesch. der schonen Kedekünste. 
Nachvreisungen über den Inhalt von Rosenkranz in der Allgem. Gesch. d. 
Poesie, von Fobtlaob in der Gesch. d. Poesie. Rdckbkt gab eine Episode 
in Rüstern und Suhrab, 4 838. — * Doppeltgereimtes Gedicht. — * Kasside 
ist ein längeres lyrisches Gedicht, dessen zwei erste Verse und dann immer 
die zweitfoJgenden in demselben Reim enden. — * Der Titel der grossem 
epischen und historischen Werke besteht nämlich immer aus dem Namen 
des Helden und dem" angehängten Wort Namch (Buch), v. Hammeb, Gesch. 
d. osman. Dichtkunst, I, i 6 fg. Der Kabusnameh, bearbeitet von v. Dietz i 8 H . 

§. 86. Die zweite Periode (1406 — 1203) schliesst sich 
an den hofischen und lobpreisenden Dichter Enweri (f zii 
Balkh 1152) und an den fruchtbaren Lyriker und Epiker 
Nisami (f 1180 in seiner Geburtsstadt Gendsche) an, unter 
dessen zahhreichen Werken * am berühmtesten sind der 
sogenannte , Fünfer' (Chamsee), eine Reihe erzahlender 
Gedichte, worunter ,Khosru und Schirin'^, ,Leila und 
Medschnun' », ,Iskandernameh*^ *, ,Heft-peiger' ^ und 
^Nachsenol-esrar' \ 



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Netmtes CapiteL Perner. 83 

üaschid Watwst (f 4 182) schrieb eine Metrik und 

Poetik unter dem Titel ,Hadaikes8ihr^ (Zaubergarten). 

1 Er hinterliese einen Divan (eigentlieh Genienversanunlnng, d. i. ly- 
rische Gedichtsammlung) von etwa 20,000 Versen. — * Wofür er 44 Grund- 
stücke erhielt, v. Hammer 4809. — ' Der Orlando furio^o der Wüste, 
bearbeitet von Atkinson 4836. — ^ Alexanderbncb , eine sagenhafte Aus- 
schmückung von Alexander's d. Gr. Leben und Thaten. Zum Theil über- 
setzt von Rücker t und Charmoy. — * Sieben Schönheiten. Ein Theil da- 
von bearbeitet als Behramgur und die russische Fürstentochter Ton Erd- 
MANN 4832 u. 4843. — ^ Kammer der Geheimnisse, eine Sammlung mora- 
lisch-didaktischer Erzählungen, von Bland 48V4* 

§. 87. Das dritte Zeitalter (4203 — 1300) wird als 
das mystisch-moralische bezeichnet, wo die Beschaulichkeit 
und theosophische Betrachtung vorherrschend war. Ton- 
angeber in dieser Richtung war Ferideddin Attar (erschla- 
gen 1226 zu Shadbah), Verfasser des ,Mantiket-Tair' (Vögel- 
gespräche) und des ,Pendnameh' (Buch des guten Käthes) ^ 
Der tiefsinnige Dschelaleddin Kumi (der meistens zu Iko- 
nium oder Konieh am Hofe der seldschukidischen Sultane 
lebte, auch daselbst 1262 starb) ist der grösste mystische 
Dichter des Orients, die Nachtigall des beschaulichen Lebens, 
Verfasser des ,MesnewiS eines berühmten doppeltgereimten 
ascetischen Gedichts, und Stifter der Mewlewi, des berühm- 
testen Ordens mystischer Derwische ^. Sein Zeitgenosse 
Moslicheddin Saadi (geboren 1189 zu Schiras, gestorben da- 
selbst 1291), der als Gefangener der Kreuzfahrer nach dem 
Abendlande kam, ist der in Europa bekannteste orientalische 
Dichter. Seine lyrischen und didaktischen Gedichte: ,Gti- 
listan' (Rosengarten), ,Bostan^ (Fruchtgarten) * und ,Gha- 
8elen'% enthalten eine Fülle morgenländischer Weisheit*. 

1 Franzosische Uehersetzong von Sacy 4849. — * Ueber beide Dichter 
die Fundgruben des Orients, Hammeb's Gesch. d. schonen Redekünste Per- 
siens, Tholuck's Blütensammlung aus der morgenländ. Mystik. Rosenzweiq» 
Aaswahl aus den Divanen Rumi's, 1838. — ' Beide von Olearius über- 
setzt zur Zeit des Dreissigjahrigen Kriegs; persisch und lateinisch von 
Oentius 4 65i , seitdem in alle Sprachen übertragen. Die neueste deutsche 
Üebersetzung des Gulistan von Woif 184i und Graf 1846; des Bostan von 
V. Sdilechta Wssehrd 1853. — * Ghasel, das Sonett des Orients, nicht in 
der Reimfolge, sondern nur in der Länge von Easside unterschieden, indem 
es aus nicht vireniger als fünf und aus nicht mehr als sieben Distichen be- 
stehen soll. Kachbildner unter den Deutschen ist Graf Platen. ^- ^ Seine 
sammtlichen Werke erschienen zu Kalkutta 1791 — 95. 

§. 88. Der vierte Zeitraum (4300 — 97) umfasst die 
heitere Lyrik und ist zugleich die Glanzperiode dieser 
Dichtungsart bei den Persern. Ihm gebort der Dichterkonig 
Schemseddin Hafis (der Preiswürdige) an (f in seiner Vater-. 



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64 Zweites Buch, Ethnodoktologie, 

Stadt Schiras 1389), dessen Divan wegen der freigeistigen 
Gesinnung verboten wurde K Wassaf, Lobredner des Sul- 
tans Abussaid aus der Familie Dschingis- Ghanas, ist ein 
schwieriger, an Alliterationen, Wortspielen, Allegorien und 
gelehrten Anspielungen reicher Dichter. 

1 Herausgegeben zu Kalkutta 4794 und 4828, Konstantinopel 4840, 
Kairo (mit türkischen Scholien des Suudi) 4834. Deutsch von Hammer 
4842 und Daumer 4846. 

§. 89. Der fünfte Zeitraum (1397—1494) wird als 
die Periode des Stillstandes bezeichnet, begrenzt durch 
Dschami, den letzten Dichter erster Grösse (f 1492), der 
jedoch mehr durch Correctheit und Glätte des Stils und 
durch nachahmendes Talent als durch schöpferisches Genie 
ausgezeichnet ist. Dem Nisami nacheifernd, hat auch er die 
Geschichte von Alexander, von Medschnun und Leila ^, 
sowie den biblischen Stoff Jussuf und Suleicha (Joseph und 
die Frau des Potiphar) ^ in einem sogenannten Fünfer (Cham- 
see) romantisch behandelt. Ausserdem dichtete er nach 
Saadi's Vorgange den ,Beharistan' (Frühlingsgarten) ^, eine 
Sammlung von Anekdoten, Sittensprüchen, Biographien 
u. 8. w. in Prosa und Versen. 

1 Französisch von Chdzy <80ß, deutsch von Hartmann 4807. — * Von 
RosBNZWBio 4824. — ^ Persisch und deutsch von Schleghta- Wssbhbd 
4846. Bruchstücke daraus Hessen Jenisch in der Anthologia Persica, 4778, 
und WiLKBN in der Chrestomathia Persica, 4805, abdrucken. 

§.90. Mit dem sechsten Zeitraum (f494 — 4591) be- 
ginnt die Abnahme der Poesie. Hatifi, der Schwestersohn 
Dschami^s, behandelte ebenfalls in einer Chamsee die Sagen 
von Khosru und Schirin, von Leila und Medschnun u. a. 
Feisi (f 1605), am Hofe des Grossmoguls Akbar, ist der 
Verfasser einer mystisch -philosophischen Dichtung, ,Serre' 
(Sonnenstäubchen), worin die altpersische Lichtreligion dar- 
gestellt wird. Auch hat er die« altindische Erzählung von 
Nala und Damajanti in einem kunstvollen Epos (Kalkutta 
1831) bearbeitet. 

§.91. Li die siebente Periode gehören die neuesten 
grossem Gbedichte: ,Barsunameh% aus 60,000 Beits * be- 
stehend, beschäftigt sich mit der altpersischen Heldensage, 
indem es die Abenteuer Barsu's, des Enkels von Rustan, 
erzählt; ,Schahinschanameh^ (Buch der Konige) erzählt 
die neueste Geschichte Persiens in Versen; ,Georgenameh^ 



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Neunies CapileL Perser. 65 

von Firos ben Kaus (Bombay 1839) schildert die Eroberung 
Indiens durch die Engländer. 

§. 92. In beiden letzten Perioden ist die persische Poesie 
besonders reich an Sammlungen von Gedichten aller Art, 
von Fabeln, Märchen, Novellen u. s. w. * Dieser Reichthum 
stammt aus Indien und ist durch die Perser zu den Arabern 
und weiter nach dem Occident vermittelt. So die Fabeln des 
Bidpai (die ,Anwari soheili^, d. i. die kanopischen Lichter), 
das ,Buch der sieben weisen Meister', woraus im Türkischen 
vierzig Veziere geworden sind, die Erzählungen von ,Tau- 
send und einer Nacht' zur Verherrlichung Vicramaditya's 
und des Khalifen Harun al Raschid (800), als deren Ver- 
fasserin der Literator Fihrist (987) die persische Konigin 
Humai (Herodot's Parysatis), die Tochter Behmen's, nennt, 
wieHammer-Purgstall in der , Wiener Zeitschrift', 1839, Nr. 52, 
berichtet. Doch mögen sie schon in der Zeit der letzten 
Sassaniden (im 6. u. 7. Jahrh.) vorhanden gew^esen sein. Die 
ßedaction, in der wir jetzt die Sammlung besitzen, stammt 
aus Aegypten aus der Mitte des 1 5. Jahrh. In Europa wurde 
sie eingeführt durch Galland ^ und gleich bei ihrem Er- 
scheinen in verschiedene Sprachen übersetzt ^. Durch Petit 
de la Croix und Lesage erschien die Bearbeitung des arabisch- 
persischen Märchenwerks ,Faradsch bäd el schidda' (d. i. 
Freud auf Leid) *. 

1 Chodzko, Specimens of the populär poetry of Persia, 4842. Ein 
Fragment daraus sind die Abenteuer und Gesänge Körroglu's , deutsch von 
Wol/f 4842. — ^ Les mille et une nuits, 4704. — * Die voUständigste 
deutsche ist die von Habicht und .v. d. Hagen 1824 u. öfter. — * Unter 
dem Titel: Les mille et un jours, 1740; deutsch von v. d. Hagen 4836- 
BoDBNSTBDT, Tausend u. ein Tag im Orient, 4850, als Seitenstück. 

§. 93. Die Perser sind die einzigen Mohammedaner, welche 
auch die dramatische Poesie angebaut haben. Die Stücke 
sollen den Myst^res der altern franzosischen Literatur zu 
vergleichen und reich an natürlicher, ergreifender Lyrik sein. 
Die Darstellung des Todes der Aliden, Hassan und Hosein, 
soll nur ein religiöses Schaustück sein. 

Chodzko, Sur la litt^rature dramatique des Persans, 4814. 

§. 94. Die persischen Geschichtschreiber behan- 
deln theils die aUgemeine Geschichte der mohammedanischen 
Staaten, theils Specialgeschichten; doch ist im Ganzen nur 
Weniges davon bis jetzt gedruckt. 

Der Sassanide Jezdedgerd Hess eine Keichsgeschichte, 

Merleuer. 5 



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ß6 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

den ,Bastannanieh^, durch Dihkan verfassen. Der Samanide 
Abdurrisak Hess durch seinen Vezier AI Omri die aus der 
Sassanidenzeit erhaltenen Aufzeichnungen sammeln und daraus 
970 eine Reichsgeschichte verfassen. Doch die Vorliebe für 
Poesie stand der Fortbildung der Geschichtschreibung lange 
im Wege und erst in der Zeit der Mongolenherrschaft machte 
die letztere Fortschritte. Alaeddin Dschowaini (<275), Ge- 
schichte Dschingis-Khan's. Raschideddin (1247 — 4320), Ge- 
schichte der Mongolen, Wassaf (1314), Geschichte Dschin- 
gis-Khan^s und seiner Nachfolger. Scherefeddin (f 4430), 
Geschichte Timur's. Mirkhond (4432—97), ,Rudhat^ (Gar- 
ten der Wonne) oder Universalgeschichte. Auszug daraus 
von seinem Sohne Chondemir. Lari's Universalgeschichte 
bis 4566. Allgemeine Geschichte Indiens von Ferischta 
bis 1619, von Mohammed Haschim bis 4732. Abul Fadhl, 
Geschichte des Grossmoguls Akbar (4556 — 4605). Dieser 
bestellte 44 Gelehrte zur Aufzeichnung der Tages vorfalle, von 
denen täglich zehn das Amt führten und ihre Notizen Abends 
dem Burgvoigt zur Versiegelung übergaben; ebenso eine Ge- 
sellschaft zur Abfassung einer allgemeinen Weltgeschichte. 

Biographien von Gelehrten und Dichtern schrieben Mestufi 
4329, Dauletschah in seinem Werke ,Teskereteschoara' (d.i. 
Beschreibung der Dichter), Lutf Ali Beg in seinem Werke 
,Ateschkedeh' (Feuertempel) *. Mirza ist Fortsetzer von 
Dauletschah's Werk ^. 

^ Herausgegeben von Bland 1844- — ^ Fbaser, Hist. and descript. 
of Pers., >I833. 

§. 95. Die exacten Wissenschaften fanden den ge- 
deihlichsten Anbau. Der Seldschukide Malek Schah veran- 
lasste 4072 die musterhafte Berechnung des Dschelaleddi- 
nischen Sonnenjahrs. Der Mongole Hulagu legte 4259 die 
Sternwarte Nasireddin's zu Maragha (erbaut 744), der Ti- 
muride Ulugh-Beigh (f 4 450) die zu Samarkand an und 
ist selbst Schriftsteller. Nasireddin (4 483 — 4273) übersetzte 
den Euklid. Auch gibt es Werke über Geographie, Medicin, 
Ethik, Religion, Rhetorik, Philologie, üebersetzungen alt- 
indischer und griechischer Schriften (Ptolemäos), gramma- 
tische und lexikalische Arbeiten. 

Stewart, Catalogue of the oriental library of she late Tippoo, Sultan 
of Mysore, 4809. OrSELY, Catal. of several hundred manuscript works, 4 83 f. 



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Zehntes Capitel. Semilen. 67 

Zehntes Capitel. 
Semiten. 

§. 96. Dieser Sprachstamm hat eine weite Verbreitung 
erlangt, denn er umfasst die westwärts von den iranischen 
Zendvölkern über Vorderasien, das nordliche Afrika und 
vermittelst phönikischer Colonien über europäische Inseln 
und Küsten des Mittelmeers verbreiteten Völker der Baby- 
lonier und wahrscheinlich auch Assyrier, Syrer, Kanaaniter, 
Hebräer, Moabiter, Edomiter, Ammoniter, Phoniker, Kar- 
thager, Araber, Armenier, Kappadoker, Lyder und muth- 
masslich auch Aegypter und Aethiopen. 

Wahl, Gesch. d. morgenländ. Spr. u. Lit., 4784. v. Hammer, Ency- 
klopäd. Uebersicht d. Wissenschaften des Orients, 4840. 

Tafel der semitisehen SprachexL 
Altägyptisch ? 

Aramäisch Kanaanitisch Arabisch 

West' Ost- Hebräisch Phönikisch Im Norden Im Süden 

aramäisch aramäisch ^— -^^^^ > oderPunisch. die Sprache Himjaritisch. 

oder oder Talmudisch des Koran. ----.-^-— 

Syrisch. Chaldäisch. oder Rabbi- Aethiopisch. 

Dialekte der Sama- aramäischer Beimischung, 
ritaner, Zabier, In- 
schriften von Palmyra* 

§. 97. Die Blüte des Syrischen fällt in das erste Jahr- 
tausend vor Christus, jetzt ist es nur noch Schrift- und Ge- 
lehrtensprache, verderbt in Kurdistan bei den Nestorianem, 
deren Schulen seit 489 n. Chr. besondern Ruf erlangten. 
Die Schrift heisst Estranghelo \ 

Mit dem ersten Jahrhundert nach Christus beginnt eine 
reiche, meist in Uebersetzungen griechischer Werke bestehende 
Literatur für Theologie, Geschichte, Philosophie, Naturwissen- 
schaften (in den medicinischen Schulen zu Nisabur, Ahwaz 
und Dschondisapur) , und dies setzte sich fort, nachdem die 
syrischen Nestorianer, 489 von Edessa vertrieben, Freistätten 
im Perserreiche gefunden hatten. Auch gelehrte Monophy- 
siten nahmen Theil daran 2. Seit dem 5. Jahrh. versuchten 
sich die syrischen Uebersetzer an Profanschriftstellem (Aristo- 
teles und Hippokrates). 

Der Presbyter Ahrun zu Alexandrien schrieb 635 medi- 



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68 Zweites Buch, Ethnodoklologie. 

cinische Pandekten und als Erster über Pocken ^. Zwei 
Bücher der ,Ilias' übersetzte Theophilos im 8 Jahrh. Die 
Peschito * oder syrische üebersetzung der Bibel gehört 
der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. an. Ephraem Syrus im 
4. Jahrh. * Gregor Abulfaradsch oder Barhebräus (1226—86), 
jakobitischer Weihbischof zu Maragha, schrieb eine Welt- 
chronik ®. Der Gnostiker Bardesanes , zu Ende des 2. Jahrh. 
in Edessa, ist erster Hymnolog der Syrer ^. 

1 Syrische Handschriften in Rom, Paris,. London (Tattam). Gram- 
matik von Hoffmann. Wörterbuch von Castellcs. Chrestomathien von 
Oberleitnbb und Rüdiger. Proben aus Bar Ali und Bar Bahlul bei 6e- 
8BNIUS und Bernstein. — ^ Sergius übersetzte im 6. Jahrh. griechische 
Aerzte ins Persische. • — ^ Wöstenfbld, Gesch. d. arabischen Aerzte u. 
Naturforscher, 4840. — * Ausgabe von Leb in London 4823. — * üeber 
ihn C. V. Lbngbrkb 1832. Seine Gedichte von Hahn und Siepfert. — 
^ Ausgabe von Pocockb i6ö3. — ^ üeber ihn Hahn 4849. — Assemann, 
Acta martyrum oriental. et occidental. Wenrich, De auctor. Graecor. 
versionib. Arab.- Armen., 484?. 

§. 98. Ob der chaldäische oder babylonisch -aramäische 
Dialekt zur Zeit der Unabhängigkeit des Reichs (also vor 
der Eroberung des Landes durch die Chaldäer 747 v. Chr.) 
auch zur Schriftsprache erhoben worden sei, darüber fehlt 
es gänzlich an Nachrichten; doch lassen die Berichte der 
Griechen, namentlich des Herodot und Diodor, über Ninos 
und Semiramis auf eine sagenhaft ausgeschmückte epische 
Poesie schliessen. VieUeicht gehören die in Keilschrift ab- 
gefassten Inschriften auf den Ruinen Babylons diesem Dia- 
lekt an. 

Die aus der babylonischen Gefangenschaft entlassenen 
Juden verpflanzten ihn nach Palästina, wo er seit der Zeit 
der Makkabäer (150 v. Chr.) das Hebräische verdrängte. 
In diesem Dialekt, wie ihn die Juden als Schriftsprache aus- 
gebildet haben, sind uns einige Abschnitte in den kanonischen 
Büchern erhalten ^, sowie eine Reihe von Uebersetzun- 
gen alttestamentlicher Bücher, Targiunim ^, die aus sehr 
verschiedenen Zeitaltern herrühren und hinsichtlich ihres 
linguistischen und exegetischen Charakters bedeutend von- 
einander abweichen. Die chaldäischen Originale vieler apo- 
kryphischen Bücher, die wir nur aus griechischen Ueber- 
setzungen kennen, sind verloren gegangen. Auch Josephus 
schrieb sein Werk ,Ueber den jüdischen Krieg' zuerst iu 
chaldäischer Sprache. 

Die Sprache des Talmud nennt man gewohnlich auch 



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Zehntes Capilel, Semiten. S9 

chaldaisch, doch muss man zwischen dem altem Theile, der 
Mischna, und der jungem Erklärung, der Gemara, wohl 
unterscheiden. Jene ist in einem an das Hebräische sich 
anschliessenden und nur durch einzelne chaldäische Formen 
entstellten Dialekt geschrieben. Die Diction der Gemara 
trägt allerdings den grammatischen und lexikalischen Grund- 
charakter des Chaldäischen an sich , ist jedoch als ein sehr 
ausgeartetes Chaldäisch zu betrachten '. 

Bei den Chaldäem selbst beschränkte sich die Literatur 
wahrscheinlich auf priesterliche Aufzeichnungen für die Tem- 
pelarchive, denn der babylonische Priester Berosos (im alexan- 
drinischen Zeitalter) schöpfte seine griechisch geschriebene 
Geschichte der Chaldäer aus alten Tempelurkunden**. 

1 Esra II, 8 — VI, 48 u. Vn, 12—26. Daniel II, 4 — Vn,28. Je- 
remias X, i 4 . Hibzel, lieber den biblischen Chaldaismus, i 830. — ' Targem 
ist soviel als erklärren. — ^ Zur Erlernung des Chaldäischen : Grammatiken 
von WiNBB 48^2, Berthe au 4843 u. A. Das Wörterbuch Aruch von 
Nathan bar Jachiel aus Rom (f 4 406), mit den Zusätzen von Mussaphia 
(t 4674), welches Landau als rabbinisch- aramäisch -deutsches 4849 
herausgab. — * Von diesem Werke besitzen wir nur noch Bruchstücke 
bei Josephos, Eusebios, Synkellos u. A. Ihre Sammlung von Richter 
in Berosi Chaldaeorum historiae quae snpersunt, 4825. Munter, Reli- 
gion der Babylonier, 4827. lieber die Verbreitung chaldäischer Astro- 
logie s. Letronne, Observations sur Fobjet des representations zodia- 
cales etc., 4 824. 

§. 99. Punisch nur auf Münzen und Inschriften und 
im ,Ponulus' des Plautus, V, 1 ^ Die Nachrichten von einem 
uralten phonikischen Geschichtschreiber Sanchuniathon sind 
ebenso unsicher, al» die angeblich von ihm herrührenden 
Fragmente unecht sind. Ein kleiner Theil seines angeblichen 
Werkes hat sich in der griechischen Uebersetzung von Philo 
aus Byblos erhalten und befindet sich in der ,Praeparatio 
evangelica' von Eusebios ^. Eine vollständige Uebersetzung, 
die aber als schändliche Mystification sich herausstellte, gab 
in neuerer Zeit Wagenfeld (f 4846)3. 

Von karthagischen Schriftstellern werden namentlich 
zwei erwähnt, Hanno und Himilko. Jener unternahm 
550 V. Chr. eine Reise ^ngs der Westküste von Afrika und 
hing nach seiner Rückkehr, wie es Brauch war, eine Tafel 
mit Nachrichten über sein Unternehmen in dem Tempel des 
Kronos zu Karthago auf. Eine griechische Uebersetzung 
dieser Nachrichten ist unter dem Titel ,Periplus' auf die 
Nachwelt gekommen *. Himilko's Reisebeschreibung der 



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70 Zweites Buch. Ethnodoklolt)gie. 

Westküste Europas benutzte noch Avienus (350? n. Chr.) 

in seiner ,Ora maritima^ ^. 

^ Lindemann, De Punicis Plautinis, 4837. Wbx, Meletemata de Pa- 
nicis Plautinis, 4839. Gbsbnics, Script, lingoaeq. Pboen. monumenta, 4836. 
Bater, Ueber Sprache u. Schrift der Phöniker , 4835. Mowers , Phönizer, 
4 844 . Dietrich , Zwei sidonische Inschriften u. eine altphonizische Konigs- 
inschrift, 4855. Hitzig, Ürgesch. u. Alter d. Philister, 4845. — ^ Obelli, 
Sanchuniathonis Beryti quae feruntur fragmenta, 4 826. — * Grotefbnd, 
Die Sanchuniathon'sche Streitfrage nach ungedruckten Briefen gewürdigt, 
4836. Schmidt, Der neuentdeckte Sanchuniathon, 4 838. — * Ausgabe von 
HiRSCHEB 4832. — ^Böttger, Gesch. der Karthager, 1827. Munter, Re- 
ligion der Karthager, (2. A.) 4821. 

§. 100. Das Aethiopische (auch Geez oder Gees ge- 
nannt) mit himjaritischer Schrift und einer kirchlich -histo- 
rischen Literatur seit Einführung des Christenthums im 
4. Jahrh. Uebersetzungen von Apokryphen ^. Wenig ist 
bis jetzt im Druck erschienen ^. Seit dem \ 4. Jahrh. ist die 
äthiopische Sprache durch die amharische verdrängt und 
gehört zu den todten ^. Dialekt von Tigree in der Gegend 
von Axum. 

^ Buch Henoch: Hoffmann 4 838. Ascensio Jesaiae vatis: Lawrence 
4849. — ^ Platt, A catalogue of the Ethiopic hiblical manuscripts, 4823. 
Lepsiüs,^ Denkmäler aus Aethiopien, 4Si9. Lacboze, Hist. du Cbristia* 
nisme d'ilthiopie et d'Aftnenie etc., 4739. Lüdolf, Hist. Aethiop. , 4 684; 
Wörterbuch, 4699; Grammatik, 4702. — ' Isbnbbrg, Amhar. Grammatik, 
4 8V2; Lexikon, 4844. 

§. iOi. Priesterweisheit und Tempelarchive des alten 
Aegypten. Aus solchen Urkunden schrieb Manetho, Ober- 
priester zu Diospolis, im alexandrinischen Zeitalter, seine 
ägyptische Geschichte, deren Inhalt wir nur noch zum Theil 
aus den von Josephos und Synkellos mitgetheilten Aus- 
zügen kennen. Uralte Bekanntschaft mit der Schreibkunst 
und dem Papier \ 

Die koptische Sprache ist im Wesentlichen die alt- 
ägyptische. Die noch vorhandenen, ziemlich zahlreichen 
koptischen Bücher sind insgesammt aus der Zeit nach der 
Bekehrung der Kopten zum Christenthum, welche im 2. und 
3. Jahrh. durch griechische Colonisten erfolgte. Es sind 
Uebersetzungen biblischer Schriften, Legenden,. Homilien, 
Synodalbeschlüsse und Werke der Gnostiker. Auch unter- 
scheidet man im Koptischen die nieder- und oberägyptische 
Mundart 2. Bios die Priester verstehen noch das Koptiadbe 
als Kirchensprache, Landessprache . ist das Arabischb.i 

1 BvNSBM, AegTptens Stella in d. Weitgesehiöhto) 4845 fjg. HacsMAim, 



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Zehntes CapiteL Semiten. 71 

Thoth oder die Wissenschaften des 'alten Aegypten etc., I8öö. Roth, Die 
l^roclamation des Amasis (561 v. Chr.)» «i& Specimen altpelasgischer, mit 
der ägyptischen verwandter Schrift etc., 1855. — ''^ Der Pentateuch von 
WiLKiNS 4734. Die Psalmen in Rom 4744. Koptische Grammatik von 
iScHOLTZ 4778 und Tattam 1831. Wörterbuch von Lacrozb 4775. 

§. 102. Die armenische Literatur hat aus der vor- 
christlichen Zeit nur Bruchstücke bei Moses von Chorene 
(t 487). Das Christenthum wurde durch Gregor den Er- 
ieuchter 349 eingeführt, und seitdem blühte die armenische 
Literatur vom 4. bis in das \ 4. Jahrh. Bei der Vorliebe för 
griechische Literatur gibt es viele Uebersetzungen, ausserdem 
Historiker und Chronisten K Die aus 36 Buchstaben be- 
stehende Schrift führte Mesrob 406 ein, der auch mit seinen 
Söhnen zwischen 444 — 541 die Bibel übersetzte. Die Chronik 
des Eusebios *. Die Reden des Philo '. Der bedeutendste 
Historiker ist Moses von Chorene * ; aus neuerer Zeit Michael 
Tschanitschean und die Mechitaristen auf der Insel S.-La- 
zaro bei* Venedig *. David übersetzte im 5. Jahrh. den Aristo- 
teles. Von Esniki (Joh. Ozniensis) im 8. und Nerses Kla- 
giensis im 1 2. Jahrh. sind ,Vitae sanctorum calendarii Arme- 
nici^ ^. Gedichte von demselben Nerses. Fabeln von Mechi- 
tar Kosch (4790) ^ Die Sprache zerfällt in die alt- und 
neuarmenische ®.' 

' Wbnrich, De auotor. Graecor. versionib. Arab.- Armen., 4842. — 
2 Von AüCHBB 4848. — ^ Von Aüchb» 4822- — * Von Wibton 4736. — 
* Ursprünglich in Konstantinopel von Mekhitar (d. i. Tröster) da Petro 
(geb. 1676) 4704 zu dem Zwecke gestiftet, die armenische Nationalliteratur 
zu heben und die Kenntniss der altarmenischen Sprache eu verbreiten ; seit . 
1747 auf S.-Lazaro. Bome, Le Convent de St. -Laxare a Venise, ou histoire 
snccincte de l'ordre des Mechitaristes armeniens, 4837. Auch in Wien ist 
seit 48 H ein Mechitaristencollegium. — ^Herausgegeben 4840 — 4 4. — 
' SoMAL, Quadro. della storia liter. d*Armenia, 4849. Nbümamn, Gesch. 
der armen. Lit. nach den Werken der Mechitaristen bearbeitet, 4836. — 
^ Grammatiken von Schröder 474 4 und Petermann 4837- Lexika des 
Mechitar 4836, Aucher (armen. -engl.) 4844, Im. Tschaktschak (ar- 
m^.-ital.) 4837. St.-Martin, Mem. bist, et geogr. sur TArmenie, 4848. 

§. 403. -Die georgische oder grusische Literatur, welche 
seit der Bekehrung von Georgien zum Christenthum (4. Jahrh.) 
entstand^ Enthalt theologische, historische, geographische, 
pTiilölogische, legislatorische und poetische Werke, die aber 
noch wenig bekannt sind. Aus dem epischen Gedichte ,Tariel^ 
hatftroßses Proben mitgetheilt, deren Charakter an die epische 
PSäfesie der Perser erinnern soll: Die Schrift heisst Mkhedruli. 



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72 Zweites Buch. Eiknodoktohgie. 

Elftes Oapitel. 
Araber. 

§. 104. Die arabische Sprache, von ursprunglich 
trefflicher Gestaltung und Bildungsfähigkeit, wortreich und 
von geschmeidigen Formen, hatte schon vor Mohammed sich 
als vorzügliches Organ fiir Poesie bewährt. Am reinsten 
ward sie hinfort bei den Beduinen gesprochen, wohin sich 
späterhin arabische Sprachforscher begaben, welche ihre 
Sprache in ihrer Beinheit kennen lernen wollten. Zu litera- 
rischem Gebrauch hatte sie sich wol schon bei den Himjariten 
bewährt *, in dem letzten Jahrhundert vor Mohammed aber 
hierzu der Dialekt der Koreischiten an der Küste Hedjas, 
namentlich in Mekka, sich emporgebildet. Daselbst war 
auch die dem Estranghelo nachgebildete kufische Schrift 
im Gebrauch, bis sie durch das bequemere Nedsche ver- 
drängt wurde. Die Niederschreibung des Koran wurde epoche- 
machend für Sprache und Schrift ; an ihm bildete sich auch 
die Grammatik aus. 

Schon unter Ali (660) lebte der erste arabische Gram- 
matiker Abul Aswad, und seiner Nachfolger und der Ver- 
fasser von Wörterbüchern wurde eine grosse Zahl. Ein 
arabischer Gelehrter schätzte die Wörterbücher, die er be- 
sass, zu 60 Kameellasten ^. Lexikographen sind * AI Dschau- 
hari (f 1009), AI Firuzabadi (f 14U). AI Farabhdi aus 
Basra ist Metriker, Dschordschami Technograph. Gespräch, 
Sprichwort und Kalligraphie, letztere gleichsam als Ersatz- 
mittel für die verbotene Malerei, gehörten zu den Ergotz- 
lichkeiten des arabischen Lebens. Meidani (f 1124) stellte 
6000 Sprichwörter zusammen ^. 

Zur Verbreitung der arabischen Sprache trugen religiöses 
Interesse und politische Massregeln (Eroberung, Verpflan- 
zung nach Spanien) bei. Der Omajjade Abdulmalek befahl 
das Arabische in allen geschäftlichen Schriften statt des 
Persischen, ebenso Walid I. statt des Griechischen zu ge- 
brauchen. 

Die Wiederbelebung des arabischen Studiums erfolgte in 
Frankreich durch Postel 1538, in Deutschland durch Spey, 
seit dem 1 7. Jahrh. in den Niederlanden u. s. w. Sammlun- 
gen arabischer Manuscripte im Escurial, in Rom, Paris, 



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Elftes Capitel Araber. 73 

Leyden, Oxford, London, Gotha, Wien, Berlin, Kopen- 
hagen, Petersburg*. 

1 Gesbnius u. Rödigeb, Üeber die himjaritifiche Sprache n. Schrift» 
4844. — * ToDBBiNi, Letteratura Turchesca, 4787, deutsch von Haus- 
leutner^ 4790. WCstbnpbld, Die Akademien der Araber, 4837. — * Aus- 
gabe von Fbettao 4838. — ^ Flüobl, Gesch. d. arab. Lit. Zbnker, Biblio- 
theca Orientalis, 4840. v. Hammer -Pubgst all, Literaturgesch. d. Araber 
von ihrem Beginn bis zum Ende des 42. Jahrh. der Hedschra, 4850 fg. 
Darüber Wüttkb 4854. 

Die heidnische Zeit. 

§. 1 05. Die besten Dichter lebten vor Mohaonned und be- 
sangen die Thaten ihrer Stämme (daher Stammsagen und 
Stammlieder) und die Schönheit der Frauen. Zu den drei 
grössten Glücksgutem des Arabers gehört es, wenn ein 
Knabe geboren worden, eine edle Stute ein Füllen geworfen 
und ein Dichter sich Beifall erworben. Die dichterischen 
Wettkämpfe, die alljährlich auf der zahlreich besuchten Messe 
zuOkadh abgehalten wurden, trugen nicht wenig zur Blüte 
der Poesie bei. Das Gedicht, welches den Preis davontrug, 
wurde mit goldenen Buchstaben auf persische Seide ge- 
schrieben und zum ewigen Ruhme am Eingange der Kaaba 
aufgehängt, daher der Name Moallakat (aufgehangene Ge- 
dichte). Sieben Dichter sind aus dieser Zeit und jener 
Sammlung, drei aus dem 6., vier aus dem 7. Jahrh. n. Chr.: 
Amru, Hareth, Tarafa, Suheir (Zohair), Antara (auch Held), 
Lebid und Amrilkais *. 

Dieser Zeit werden auch zugeschrieben die Sprüche der 
Königin von Saba und Lieder zum Lobe der Hamasa (Tapfer- 
keit). Ob und wann der sentenzreiche Lokman gelebt habe, 
bleibt dunkel 2. 

1 Ueber ihn Ruckebt 4843. Rosenmulleb, Bd. 6 der Nachträge 
zu Sulzer's allgem. Theorie der schonen Künste. Habtmann , Die hellstrah- 
lenden Plejaden am arabischen Bichterhimmel oder die sieben am Tempel 
zu Mekka aufgehangenen arabischen Gedichte, 4802. Kbemeb, Abu Nuwäs, 
des grössten lyrischen Dichters der Araber, Divan zum ersten mal deutsch 
bearbeitet, 4865. — * üeber ihn Wüstentbld 4832. Seine Sprüche von 
£rpeniu8 4 645, Bebmstein 4847, Fbettao 4830, Schieb und Rask 4834, 
übersetzt von Olearius im Persianischen Rosenhain, von Schalter 4826. 
Weil, Poetische Lit. d. Araber vor u. unmittelbar nach Mohammed, 4837. 

Islamitische Zeit. 

§. 106. Der Koran (al Koran, d. i. Sammlung der Schrif- 
ten), aus 114 Suren bestehend und in rhythmischer Prosa 
verfasst, enthält neben manchen rhetorisch gefärbten Stellen 



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74 Zweites Buch, Ethnodoktologie. 

echt poetische ScMideruBgen voUiFeuer und Phantasie, na- 
mentlich in den Abschnitten, wo die Schfe<?ken des Jüngsten 
Gericht* und die Qualen det Höll6 besefarilebeii weFden. 

Weil, Mohamxned.dqr l^rophet, 4843| u. Histör. -,^rHisc)iQ Opinieitung 
in den Koran, 484 V . Daümbr, Mohammed u. sein WerJc, .i^./ Heber 
seine Entstellung, Form u» Inhalt: Grässb, Aligem.yLiteraturgftsch-,.1, i08 fg. 
Aelteste deiitache Uebersetzung von Schweigern 16i6,äeiie^te yoii Ullmann 
4840. Ueber das Yerhältniss des Islam zum Juden- unJd' Christentbum 
schrieben Gejer, Mauke, Gerok, Möhler, Döllingbr. Der Moslem Scha- 
rastani, deutsch von HaarbrUcker 1851. 

§. 107. Seit Mohammed wurde die Literatur vielseitiger 
und glänzender,, aber sie verlor von ihrer ursprünglichen 
Kraft ijnd 'Ori^nalität. Die Öichter widmeten sich, fortan 
dem Dienste der Khalifen und der Religion^ und man dichtete 
zwar nach allen Regeln der Metrik und Prosodie, aber ohne 
Begeisterung un^ Geschmack. Die I^ursten geizten^nach Lob 
und umgaben deshalb ihr fipilagerf mit. Dichtern und Gelehr- 
ten, und die Muse trat in den.Dienst des dynastisclien Soldes. 
Daher bildet das Lobgedich't ^ eine eig-eui^ Gat^iing in der 
mohammedanischen Welt. Hauptg^tungen» "der lyrischen 
Poesie waren die Kasside, deren Aufgabe Lpti, namentlich 
Selbstlob des Dichters, und das Ghasel, Kürzer als jenes, 
meist erotischen Inhalts. Zu 4icser orientalischen Monotonie 
der immer wicjdeijkehrenden Verherrlichung des Stammes, des 
fipsseß, 4er GeliQbt^n, des' furstlicTien Gönners gesellte sich in 
Spanien noch die Galanterie. Mesnewi sind erzählende Ge- 
dichte- in doppel^ereimten Versen; Makamen eine eigene er- 
5^hlend^ Pichtungsart in Prosa und Versen, aufgebracht durch 
iiamaaani (f 1007). Romantische Erzählungen von Liebe 
bekamen die Araber erst von den Persern. Die satirischen 
Dichtungen sind unsauber, weil es diesen Orientalen an Zart- 
heit des ästhetischen Urtheils fehlt. Das Drama wurde bei den 
Arabern nicht bearbeitet, doch sehen sie gern Marionetten 
und Ombris^ chinoises ah. Per Reim ist bei den Arabern 
alten ürsprnkigs, obsohon Silbenqmintität nioht mangelte. 
*: BiSpai^s "Fabeln übei*8etzte ^chon/Ronzbeh (f. 7^0)5 ge- 
wohnlich genannt Abdallah ben Mokaffa, /unter de^^ Titel 
,Kalilah we Dimnah^, d. i. der Dumme und der Arglistige 
(Schakal), die sich in dem Buche miteinander unterhalten. 
Bfe Märchen :,E3f Leil^? oder |Taiiß?nd mKt'pin^3KadbLt'.aind 
^«Ql^K^USa VQr l9&0*pie|ie!i?geschiFiebe9 ^. Djje.^'J'hs^tei^ A^tar's% 
ein^ 'MU tilfel^ljjßheil: Bf)»<)ß', . zöiclüaete- Ä^äi auf ,Barun's 



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Elftes CapUel. Araber. 75 

Geheiss um 800 auf®. Der berühmteste Divan (Anthologie) 
entstand durch Abu Temmam (805 — 846) 830 und führt von 
der ü^berfichrift seiner ersten Abtheilung den Titel ^Hamasa^ 
(SBji^fei^t^ ', aubh grosse Hamasa, zum Unterschiede von 
difi kleine des Bokhtan 880. Die erstere zerfallt in zehn 
Bücher: Heldenlieder, Todtenklagen, Sprüche der feinen 
Sitöes Lfiebedileder^, SohmäUi^er, 'Gast- und Ehrenlieder, 
Bibi^ipiredbl^ttgen, Keise und;B,uhm, Scherte, Weiberschmähun- 
geii^ ^Äd>'gib|^iigifofesere und Ueüiere Dichtungen von 521 
ififißht^mtiM 56^9idhteri]in<^h, ^darunter Tomadhir, genannt 
ffi'ißiiänsa^^ÄiiJäie ÖtliÄp&fese.- Für den grossten arabischen 
llfchif^ giltyJJot«rfebbi.au« Kufa^^^^^ Doch sind 

^ii^*i(Jdäiöhte*t^mzügW^Js^'' panegfyri'erfi, seine Muse er- 
««iig^jJb» Adelö J&r^iSlRlbst&ndigkeit ötid' sein poetischer 
Chäi^ktek* 'int tiiiM&^hk^ön,' EF^öt^litfhHsind die Makamen 
HaririV aus 'Bäi5SöfÄ'(40Ö*^)l tti)'*iilöd4iäfli«feWgdie Lieder 
und Elegien des Veziefg Thögräi aifs IspkhÄti (f 1121). 
Originell ist der ^Naturmensch' (eine Art philosophischen 
Romans) des spanischen Arabers Tophail (f, 1ii9,0 zu Se- 
villa), ein Gedicht, in welchem der Veraswl^ gfipaacht wird, 
die menschlichen Fähigkeiten von 4^ iWhwJtW Thierheit bis 
zur höchsten Ausbildung histPlUPofet^^wfiibren. 

Der Verfall der ar^bfeQtoiXjJ?0««g^füb^/' w-elche die per- 
sische sich ^rho>i, w9^Öiö»ßbiöto^3l©5itifebg'a«Lfeebalten durch 
die Grünst, welc]^^i;si^ ja«|ißi:^)d§^^WiÖid«b: in Aegypten 
fand, abp^unausbleibjicb.aeit dem 13J. J^^hr^i. 

1 VorBÄ^,4uri -^^sgabe;T©A €rA.üXJ.BB;Mle«liSch' von Habicht 1825 und 
Weil liSSS...:?-: . ^ Anlar, a Bed^toean roiaaiiße hy Tbbbik Hamilton, 4849. — 
^ Dafiir^^toit 4er Dichter «itr^Belohrnrng/ 50,000- Goldstücke. Uebersetzt 
und $xrJ*«Ae?*!>vpn.Äü(i/l-err.4 84(5. — ^ lieber Um. Hammer 4 834. — ^ üeber 
ihn i»tfji^G^£4'S^,.Rc«s;«ft!il 4j8^7,.i8ä6:)i'. 4«Ar4. 

- §?^^^«l|^ der Araber soll an 

1300 Werke zählen, von deiien 'ein grosser Theil in den 

BS)Jito8fehfcken begräb^icli^K' ^ön den in literarischen Ver- 

fcdire gekommenen äößilB^vWzxiglicherni Wakedi's (f 822) 

iilä%^schichte; K^iil^'^^t 889) altarabische Geschichte; 

^BJ8batiSi<Ö38— 9255r)g|apoöi^ von der sich in der Biblio- 

tianfllJtttKähira im lO^hrh. 1200 Exemplare befanden; Mas- 

sndfiteAteiso -Bagdad *^^^57) zwei historisch -geograpliische 

W^ii!^ti^^ilifB!GesdlMb^ Ghasna; Emaded* 

dinV^^1i^Hi^|8»>iftt&d&öfet©^^ persischen Seldschu- 

kiden; Alatii?%^i^f*««f----t233) Leben der Atabeks; Bohaed- 



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76 Zweites Buch, ' Ethnodoklologie. 

din's (4U4— 4235) Leben Saladdin's ^; Kemaleddin's (f nach 
4264) Geschichte Haleb^s *. Abulfaradsch verfasste, aus seiner 
Weltchronik einen Auszug in arabischer Sprache (s. oben 
§. 97, 6). Der ägyptische Christ Elmacin (4223 — 73) lieferte 
eine Geschichte der Sarazenen. Alle übertrifft der Fürst 
vonHama, Abulfeda (4273—4332), durch seine Geschichte 
der Moslem. Neben ihm hat einen Ehrenplatz der Tune- 
ser Ibn Khaldoun (4334 — 4405), berühmt wegen philo- 
sophischer Ansichten und trefflicher Darstellung und als Ora- 
kel der Staatswissenschaften im Orient geachtet*. Ferat's 
(f 4405) Geschichte des 42.-44. Jahrhunderts. Makrisi's 
aus Kahira (4358 — 4444) Geschichte der Dynastien und 
historische Monographien ^ Arabschah^s aus Damask (f 4 450) 
Geschichte Timur's'^. Sojuti's (aus dem 45. Jahrh.) Ge- 
schichte der Khalifen, u. A. Spanien insbesondere hatte eine 
grosse Zahl Geschichtschreiber (Abul Kasem f 4 439, Tamimi, 
Ibn Khatib u. A.). Der Geist ihrer Werke ist aus Casiri 
und Conde zu erkennen®. 

Biographien von Gelehrten lieferten Dschemalleddin Ibn 
Alkefti (ausKoptos in Aegypten, f 4248). Oseiba (4203 — 69) 
ist Biograph mohammedanischer, christlicher und jüdischer 
Aerzte und Naturforscher. Challikan (4344 — 82), Schoba, 
Berichterstatter von Lehranstalten der Schafeiten und ihren 
Lehrern (Wüstenfeld's Gewährsmann). Der hochbegabte 
Osmane Hadschi Khalfa (oben §. 56, 3)*. 

1 Von KosKOABTBN 183i. — * Von Spbemger i841. — * Von Schül- 
TEN8 1705. — * Von Frbttag 4819. — * Abbi 1841 ; Die Berbergeschichte, 
1842. — ^ Von Qüatbbmbbb 1837. — ^ von Manoeb 1767. — ® Casibi, 
Bibl. Arabo-Hispan., 1760 fg. Conde, Hist. de la dominacion de los Arabes 
en Espanna, 1820; deutsch von Buschmann 1824. History of the Maho- 
metan empire in Spain von Shakespeab, Hobne u. A. Einleitung zu 
McBPHY Arab. antiquities of Spain, 1816. — ^ Aufgedeckte Bücher- u. 
Wissenscbaftskunde von Flügel, 1835. 

§. 409. „Die politische Beredtsamkeit konnte in 
einem despotischen Staatswesen keinen Raum finden; sonst 
gab es Stoff zum Beden in den Gerichten vor dem Kadi 
und in den hohem Lehranstalten. Die geistliche Beredt- 
samkeit hatte ihre engen Schranken der Stabilität und Mo- 
notonie. Gleichwie zum Ersatz dafür machten Araber, 
Perser und Türken das Briefschreiben zum Gegenstande 
stilistischer Kunstleistung, wozu auch die sorgfältigste Kalli- 
graphie sich gesellte." 



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Elßea Capüei. Araber. 77 

§. iiOi Die Wissenschaft hatte schon Mohammed ge- 
priesen * und bald kamen die Araber von dem Wahne ziiriick, 
dass der Koran jedes andere Buch entbehrlich mache. Ihre 
Pflege begann schon unter den Omajjaden mit der Ver- 
legung der Residenz nach Damask 661, noch mehr mit der 
Abbassidendynastie 750. Sie ging aus der altgriechischen 
Literatur hervor, wobei die syrischen Nestorianer (oben §. 97) 
die Vermittler waren und die Brücke dazu die Arzneikunde 
bildete. Schon AI Mansor und Harun al Raschid begünstig- 
ten Uebersetzungen griechischer Schriften, doch erst AI 
Mamun nahm es zur Aufgabe, die griechische Literatur bei 
den Arabern einzufuhren. Er sandte an Kaiser Michael den 
Stammler um Bücher und Gelehrte und bestellte einen Aus- 
schuss, die zusammengebrachten Schriften zu übertragen, 
dessen erster Vorsteher Joh. Meswe, von vorzüglicher Thätig- 
keit aber die Christenfamilie Honain in Bagdad (der Vater 
t 874, der Sohn Isaak) war. Man übertrug zunächst ins 
Syrische, worauf dann die arabische Uebersetzung folgte, 
bald auch unmittelbar ins Arabische. Ueberhaupt wurden 
die syrischen Uebersetzungen, sobald arabische da waren, 
beiseite gesetzt und sind deshalb äusserst selten geworden; 
auch die griechischen Originale soll AI Mamun, nach er- 
folgter Uebersetzung, zu vernichten befohlen haben; daher 
der Verlust manches griechischen Urtextes. Auch Motawakel 
(847 — 861) begünstigte die Uebersetzer, unter denen Korrah 
(835 — 901) gleichfalls zu rühmen ist. 

Dergestalt wurden übersetzt Schriften des Hippokrates, 
Galenos, Dioskorides, Theophrast, Euklides, Archimedes, 
ApoUonios von Perga, Heron, Ptolemäos, Aristoteles, Piaton 
(, Staat' und , Gesetze'), Alexander Aphrodisiensis, Plotinos, 
Proklos u. A. Unbeachtet aber blieben die griechischen 
Historiker, Redner und Dichter; denn nur auf dem Ge- 
biete der exacten Wissenschaften und der Philo- 
sophie ist die Grösse der Araber zu suchen. Zu den 
Uebersetzungen kamen bald Commentare in Menge. 

Auf Grund solcher Studien schrieben die Araber mit 
echtem Gelehrtenfleiss, woraus eine massenhafte Literatur 
hervorgegangen ist. Sie haben Polygraphen von seltener 
Productivität aufzuweisen, desgleichen die Osmanen: Sojuti 
(t 1505) verfasste 560 Schriften; Asakir's Geschichte von 
Damask ist von gigantischem Volumen ; der Türke Ferdussi 



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78 Zweites Buch, Elhnodotßiühgie. 

schrieb unter Bajazet IQ, ein Sukiiaattnämeh ift 3^9l£flio- 
bänden, wovon Bajazet. 8,0 behielt und die übrige» verbiö»- 
nen liess; Hadscbi Khalfa (f'lööS) ißt. schon öfter er^feäbfttj; 
unter seinen 307 Wissenschäften findet sich freilich au'ch 
eine Buchstabenspielkunde, eine Kunst Könige zu unterhal- 
ten, Flecke wegzuwaschen, die Lehre von Aphrodisiacis, 
eine -Pragmatik der Hofleute u. A. ^. 

1 y. Hammbb, Eneyklop. Uebersicht, 4844. ^ ^ Das Ganze bei Wachs- 
MüTH, AUgem, Culturgeschichte, I, 543 fg. 

§. i\i4 Die Arzneikunde mit ihrem Gefolge von Apoy, 
• theken. und Krankenhäusern wanderte yo^ den Griechen am 
fruhejäten 25U den Arabern. AI Mansor berief den VorsteheK 
der Krankenanstalt ^ Dschondisapur, Georg Batischua, an 
seinen Hof. Auch AI Mamun hatte zum Arzte einen in der 
genannten Schule gebildeten Christen, Joh. Meswe von Da^; 
mask (t 857) ^ 

Batrik (um 820) übertrug zuerst mediciaiscihe Schpfteu 
der Griechen. Der Perser Kazi (860 — 932), Aufseher ; 4^» 
grossen Krankenhauses in Bagdad, der Galen seiner ^it, 
verfasste 226 Schriften. Die praktische Arzneikunde Zaccar 
ria's, gleichfalls eines Vorstehers des; Krankenhauses in 
Bagdad, wurde noch im 46. Jahrh. von italienischen Aerzten 
studirt. Die medicinische Schule zu Salerno bediente sich 
eines nach den Vorträgen der arabischen Aerzte entworfenen 
Lehrbuchs. Gesetzgeber für die Heilkunde auf Jahrhun- 
derte ward Ibn Sina (Avicenna) aus Aschema bei Bochara 
(980 — 1039), der Fürst der Aerzte, der in seinem System 
zwar dem Galen folgte, aber zugleich die Aristotelische 
Philosophie auf die Heilkunde in Anwendung brachte. Nach 
ihm gelangten zu hoher Geltung Zohr aus Sevilla (f 1160) 
und Ibn Roschd (Averroes) aus Cordova (1105— 98). Auch 
Juden und Christen hatten ausgedehnte Praxis^. 

lieber Arzneimittellehre ist Merv 1 1 60 classischer Autor, 
lieber Diätetik schrieb Jahjah 1070, über Chirurgie Abul- 
kasim aus Cordova (f 1106). Botaniker war Beitar aus 
Malaga (f 1248). Dschabir (Gaber) ben Hajan (702 — 765) 
schrieb über Alchemie ^. Hazem in Spanien schrieb um 
1100 über Optik. 

^ WüSTENFBLD, Gesch. arabischer Aerzte. Sprengel, Gesch. d. Arznei- 
künde; Gesch. d. Chirurgie u. Botanik. — * Isid. Brüeg, De medicis il- 
lustribus Judaeis, qui inter Arabes vixerunt, 1843. — * Gmelin, Gesch. d. 
Chemie, 4797. Schmibdeb, Gesch. d. Alchemie, 4832. 



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Elftes CapUeL Araber. 79 

§. 412. Die griedbi$cbeii M'9tt|i4ßiii^,#ii|te;r J^i^en die 
Araber schon unter vHni^n kännen;^\ ISrlOhank^ed, be^ Musi^ 
Alkharezmi (zürn Unterschiede ton dbtn jüngeioi Greömet^^ 
Mohammed ben Musa ben Schakisr, auch MjDhamed el Ba* 
tani oder Albategöus, f 929, geriannt*) yf&td Begründer 
der Algebra bei den Arabern und bekannt mit dem indischem 
Zahlensystem und der Dekadik. Albategnus und seine Brüder 
führten in die Trigonometrie manche neue Lehrsätze ein 
(Sinus statt der Chorden), wodurch die Methode der Grie- 
chen vereinfacht wurd^. Einen guten Commentar zu Euklid 
schrieb persisöh Najsireddin aus Tus. Harun «^1 Raschid?» 
grosser Vezier,. der Bppünekide Jahjai, Hess des Ptolomäo^ 
jMs^ocXyi ctjvzöl^u;^ übersetzen. Eine bessere Ueberfietsung^ 
,Almagest* genannt, fertigten Alhazen und Sergius untei^ 
AI MamuQ:; einen jA^szug daraus machte El Ferghani 840^ 
Von Arabern rubren :fjg)tlgende astronomische Tafeln her: di^ 
Nasireddinischen zu Maragha, die Bekkhanischen zu Samar«* 
kand, die Toledanischieh und Alphonsinischen. Ein nutz* 
bares Werk über GnonK>nik schrieb Abul Hassan von Ma^ 
rokko im 13* Jahrh. Daselbst schrieb 1450 Alpetragiua 
,Physi8chß Theorie der himmlischen Bewegungen', 

^ Chasles, Gesch. d. Geometrie; deutsch Yon Soknle 4839. — * Nb8- 
SELMANN, Versuch einer krit. Gesch. d. Algebra, 48V2. 

§. 113. Djer Geographie waren die Reiselust, die 
Eroberungen und die Wallfahrten der Araber förderlich. 
Berichte über Wege wurden in Menge niedergeschrieben. 
Sallam^s Reise nach dem Nordosten Asiens (Gog und Ma- 
gog) 846. Wahab's und Hasan's Reisebericht über Indien 
und China 851 und 880. Tajib's (f 899) ,Buch der Wege 
zu den Königreichen'. Kordabeh's und Abdallah's ,Buch der 
Reisewege^ Fozlan's Bericht von seiner Gesandtschaftsreise 
nach Bulgarien 921 *. Obaid^s aus Cofdova Bericht über 
Nordafrika. Batuta's aus Tanger (1324 — 53) Bericht^. San- 
nah's Beschreibung Spaniens, 721. Istakhris, , Sieben Kli- 
mate' ^. Massudi's (um 950) historisch-geographische Schrif- 
ten. HaukaFs (Abul Kasi) aus Mossul Reisebeschreibung, 
978*. Der Fatimid Moez (953 — 975), Gründer der hohen 
Schule zu Kahira, liess eine Art Landkarte sticken. Edrisi, 
um 1153 am Hofe König Roger's von Sicilien, beschrieb 
Nordafrika und Spanien ^ Schehabeddin (f 1229) schrieb 
ein geographisches Wörterbuch; AbdoUatif aus Bagdad 



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so Zweites Bach. Ethnodokiologie^ 

(44ß2— .i|23/| )^ Arzt bei Saladdin, eine Erdkunde Aegyptens. 
Kaswini (f 1283) ist der PKnius des Orients. Werke von 
Wardi (1269-83), Abulfeda (1273—1322), Makrisi (1358— 
1441), Bakuwi (1403), Abu Rihan, El Hassan ben Mo- 
hammed el Wasan aus Cordova oder Granada, bekannter 
unter dem Namen Leo der Afrikaner, 1516. 

> Ausg. von Frasb i823. — * Ausg. von Moura 1840. — ^ Ausg. 
von Möller 4839. — * Ausg. von üylbnbrock 4822. — * üebersetzung 
von Jaübbbt 4836. Tüch, Reise des Sheik Ibrahim, 4850. 

§. 114. Dem Studium der Philosophie waren zwar 
die strengen Dogmatiker des Korans und der Sunna ent- 
gegen *, aber dennoch gilt schon Kindi (f 880) für den 
ersten Aristoteliker, Verfasser von mehr als 200 Schriften. 
Eigentlicher Begründer der arabisch-Aristotelischen Philo- 
sophie ist El Farabi aus Turkestan (f 950), der zweite 
Vemunftlehrer genannt. Avicenna ist hochberuhmter Com- 
mentator des Aristoteles. El Gazeli aus Tus (1061 — ^^1111) 
speculirte über das Verhältniss der Philosophie zur moham- 
medanischen Glaubenslehre ^. Ibn Badschah aus Saragossa, 
Arzt am Hofe der Moraviden zu Fez (f 1138), gilt für 
den ältesten der spanischen Philosophen. Tophail aus Se- 
villa (f 1176) schrieb den philosophischen Boman ,Der 
Naturmensch' (oben §. 107), den Leibniz gern gelesen haben 
soll. Averroes commentirte den Aristoteles und Platon's 
,Staat', und da seine Ansichten über das Verhältniss der 
Seele zum Leibe und seine Erklärungen der alten Philo- 
sophen denen des Avicenna entgegengesetzt waren, so theil- 
ten sich die arabischen Gelehrten in Avicennisten und 
Averroeisten, wie die christlichen Scholastiker in Tho- 
misten und Scotisten. Averroes' Schüler Moses ben Maimou 
wurde Vertreter der Lehre seines Lehrers, und von da ab 
bemächtigten die Juden sich der Philosophie und übertrugen 
sie zu den Christen des Abendlandes. 

* SchmÖlders, Sur les ecoles philos. chez les Arabes, 4842. — ^ Einen 
Ueberblick über die Literatur der orientalischen Mystiker, welche mit 
Djnneid beginnt und mit Scheich Attar ihr £nde erreicht, gibt Hammer 
Fürgstall in seinem arabischen ,Hohen Lied der Liebe Taijeh', 4 854. 



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Zwölf te» Cctpitel Ogmanen. 81 

Zwölftes Capitel. 
Osmanen. 

§. 115. Die Türken waren in der Zeit der Sassaniden 
(um 560) hervorgetreten *. Das von ihnen besetzte Land 
im Norden des Oxus ward nun Turkestan genannt. Um 
960 nahm ein Khan der Oghusen mit 2000 Familien den 
Islam an. Diese hiessen seitdem Turkmanen. Darauf hat 
eine nicht geringe Zahl türkischer Dynaaten Anspruch auf 
Ehrenplätze in der Reihe muselmanischer Culturpfleger. 
Wachsmuth nennt in seiner ,Culturgeschichte' (I, 539 fg.) 
folgende: Die Buiden Aded Eddhaula in Bagdad; Seifed- 
daula, den Beherrscher Syriens; die Samaniden, die Ghasna- 
viden (Mahmud Jemineddaula, der 400 Dichter an seinem 
Hofe hatte und das Amt eines Dichterfürsten gründete, 
welches zuerst Ansari erhielt; Beiran- Schah 1152 versam- 
melte gleichfalls Dichter an seinem Hofe), die Seldschuki- 
den (Nizamelmulk f 1091, Gründer der Lehranstalt Nidhamie 
zu Bagdad; Allaheddin Keikobad in Ikonium, f 1237), die 
Ejubiten (Malel-el-Mansur f 1219, Modaffer f 'ISlii und 
sein Enkel Abulfeda) , die Mongolen in Persien und Indien 
(Hulagu, Dschowaini, Raschideddin, Timur, sein Sohn Roch 
und Enkel Ulugh Beg, Baber). Am rohesten unter allen 
Türkenstammen erscheinen die Osmanen, deren lange Reihe 
von Sultanen w^enig Sinn für Cultur darbietet. Ihre Gesetz- 
sammlung (Kanunname), Fetwas oder Richtersprüche; ihre 
Befehle oder Hattischerifs kommen auf Rechnung christlicher 
Institute; gesammelt von Kudusi 1822, Rahim 1827, Numan 
Effendi 1 832. Der Islam hat von seiner Stärke verloren und 
sich für die Cultur erschöpft^. 

i DE GmoNES, Klaproth, y. Hammeb, Zinkbtsbn in den betreffenden 
Schriften, die anderweitig citirt sind. — * Abriss der Glaubenslehre von 
Mohammed PiR- Ali -EL- Bbrkeyt, herausgeg. 4802; franz. von Garcin de 
Tassy 4822. Petermann, Beiträge zu einer Geschichte der neuesten Re- 
formen des osman. Reichs, enthaltend den Hattischerif von Gulhane u. das 
neueste Strafgesetzbuch, türkisch u. deutsch, 4842. 

§. 116. Die türkische Sprache ist tatarischen Ur- 
sprungs und schliesst sich an das Finnische und Unga- 
rische *. Zwei Dialekte : 

Oestliches Türkisch. Westliches Türkisch oder 

Osmanli *. 



Der ältere oigurische oder Das Kaptschak in Kasan 
nigarische und dschaga- und Astrachan ^. 

taische Sprachstamm '^. 

MlKLEKVn. 



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82 Zweites Buch. Ethnodoklologie, 

Arabisch, in der fluchtigen Schreibweise der Perser, ist die 
gewöhnliche Schrift, auch syrisches Estranghelo. Ausge- 
bildete Kalligraphie, wie bei Arabern und Persem, 

J Schott, Versuch über die tatar. Sprachen , i836. Kellgbbh, Ueber 
das Verhältniss des Finnischen zum Türkischen, 4847. — * Klapboth, 
Ueber Sprache u. Schrift der Uiguren, 4820. — * Grammatik von T»o- 
4AN8RI 4824. — * Grammatiken von Jaubbrt 4839, Redhou»b 4846. 
Wörterbuch von Mbninski. Bianchi, Guide de la conversation en Francs 
et en Türe, 4839. — ^ Hisdoolu, Türkische Vorschriften nebst zwolferlei 
Scbriftgattungen der Perser, 4838. 

§. 417. Für ihre eigene Sprache haben die Türken wenig 
gethan, desto eifriger aber die arabische und persische 
bearbeitet. Wankuli übersetzte das arabische Wörterbuch 
von Dschauhari ^, Asim Effendi den ,Kamus^ ^, Achmed Emin 
Effendi das persische ,Burhan-i-Kati' '. Conunentare über 
persische Dichter: Sudi über den ,Grulistan* des Saadi* 
und über die Gedichte des Hafis ^, Ismael Hakki über das 
,Pendnameh' des Ferideddin Attar * und über das ,Me8newi' 
des Dschelaleddin Rumi ^. 

J Herausgegeben 4803. — ^ Ebenso 4844 u. 4835. — ' Ebenso 4799 
u. 4836. — * Ebenso 4833. — * Ebenso 4835. — * Ebenso 4834. — 
7 Ebenso 4836. Todsrini, Lit. turchesca, 4747; deutsch von Haus- 
leutner 4790. Fbtin Efbndi, Teskcr6-i-Chatim6 ül Echar, d.i. Denk- 
würdigkeiten der Dichter aus neuerer Zeit, eine türkische Literaturge- 
schichte, 4854. 

§. 118. Reiche Literatur, ohne Originalität, Nachbil- 
dungen arabischer und persischer Muster. Die Poesie ist 
ursprünglich doppelt, dschagataisch und osmanisch, und 
verstummte bei den nicht osmanischen Türken früh: der 
Vezier Mir Alischir beschloss sie zu Anfange des 1 6. Jahrh. 

Bei den Osmanen, deren ältester Dichter Aaschik Pascha 
in die Anfange ihres Staates gehört (f 1332), werden 2200 
Dichter gezählt, davon 40 als die bessern, von diesen sieben 
als vorzüglich und als der erste von allen Baki der Lyriker 
(1526 — 99) gerühmt, v. Hammer, der seinen Divan 1825 
übersetzte, nennt ihn nach Motenebbi und Hafis den dritt- 
grossten lyrischen Dichter des Orients. Seine Gedichte sind 
fast durchgehends Oden zum Lobe des Sultans K 

Die Lyrik der Osmanen ist häufiger und widerlicher als 
bei Arabern und Persem von Auslassungen der gröbsten 
Sinnlichkeit, besonders dem Preise der Knabenliebe, be- 
fleckt; ihre Panegyrik führt über die Wolken, während der 
lobpreisende Versmacher im Staube kriecht. Hofdichter gab 



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Zwölftes Capitel. Osmanen. 83 

es seit Bajazet II. Sati war der erste in der Reihe. Lami 
ist der grosste und fruchtbarste Dichter der Osmanen (f \ 531). 
Von ihm sind prosaische Werke, Uebersetzungen persischer 
Werke des Dschami und vier grosse epische Gedichte: 
,Wamik und Afra'^, ,Weise und BaminS ,AbsaI und Sel- 
man% ,Ferhadnameh' (die Liebe des Khosru und der Schirin 
behandehid) '. Fasli's (f 1563) allegorische Dichtung ,Gül 
und Bülbül' (d. i. 'Rose und Nachtigall)*, uebersetzungen 
der romantischen Epopöen aus dem Persischen: Alexander- 
buch, Fabeln des Bidpai durch Ali Tschelebi (Wassi Alissi 
f 1543) unter dem Titel ,Humajunnameh% die Geschichten 
der 40 Veziere von Scheikh Sade. 

< y. Hahmbr, Gesch. d. osman. Dichtkunst, mit einer Blumenlese von 
2200 Dichtern, 4836. — ^ Von v. Hahmbb 4833. — ^ Von v. Hamiibr 
4842 4 Ebenso 4834. 

§. 119. Historische Aufzeichnungen begannen bei 
den Osmanen im 14. Jahrh. Seit Mohammed II. erhielten 
geeignete Manner Auftrag, Geschichte- zu schreiben, seit 
Achmed ü. wurde ein ßeichshistoriograph bestellt. Schwulst, 
Schmeichelei, mönchische Borjoirtheit ist das Charakteristische 
ihrer Werke. Der vorzüglichste osmanische Geschichtschrei- 
ber soll Saadeddin (1536 — 99) sein, der ein älteres Werk 
von Edris (f 1523) benutzte und seine Geschichte bis auf 
Murad I. (1590) herabfuhrt K Naima 1591—1659 ». Reschid 
1 660 — i 721 3. Tschelebisade 1 721 — 27 *. Sami, Schakir 
und Subhi 1730— 43«. Issi 1744— 52 ». Wasif 1752— 73 ^ 
Hadschi Khalfa^s Compilation über 150 Dynastien und chro- 
nologische Tafeln. 

Biographien von Dichtern, Ulemas u. s. w. von Dschelebi 
(t 1561), Latifi (t 1582), KinaUsade (f 1603) u. A. 

Das vorzüglichste geographische Werk der Osmanen, 

wiewol nicht das einzige, ist Hadschi Khalfa's ,Dschihan- 

nameh^ Reisebericht Evlin Mohammed Effendi's 1661 — 65 ®. 

Seeatlas aus dem Jahre 1520. 

» Türk. u. lat. von Köllab 4760. — * Von Frasbr 4832. — ^ Heraus- 
gegeben 4744. — '* Ebenso 4744. — * Ebenso 4788- — ^ Ebenso 4785. — 
" Ebenso 4 805. — ^ Herausgeg. von v. Hammer 4834 u. Jacbert 4844. 



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84 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

Dreizehntes Capitel. 

Hebräer. 

§. 120. Aus dem Alten Testament lässt sich der Zustand 
des Hebräischen aus der Zeit von David bis zu den Mak- 
kabäem (1000 — 150 v. Chr.) erkennen. Spuren einer noch 
altem Sprache haben sich nur in Eigennamen und in den 
Buchstabenbenennungen erhalten. Unter den letzten Königen 
von Juda (seit 600 v. Chr.) nahm die Sprache bereits eine 
aramäische Färbung an; nach Esra^s Zeit (seit 400 v. Chr.) 
ward sie allmäUg von dem Aramäischen verdrängt, und in 
den drei Jahrhunderten zwischen den Makkabäem und dem 
Hadrianischen Kriege (150 vor bis 150 n. Chr.) starb sie 
ganz aus K Reuchlin ist der Wiederhersteller des hebräischen 
Sprachstudiums bei den Christen ^. Ihm folgten Sb. Münster 
(f 1552) und die beiden Buxtorfe (der ältere f 1629, der 
jüngere f 1666), Schultens (f 1750), der auch das Arabische 
benutzte, J. D. Michaelis (1750), Hezel (1777), Vater 
(1820). Gesenius (f 1842) schlug zuerst den Weg einer 
festen und klaren Methode ein, die noch jetzt ihre ent- 
schiedenen Freunde hat, wenn auch von Andern, nament- 
lich Ewald, eine mehr systematische, auf die Natur der 
Sache selbst gegründete und in sich abgeschlossene Methode 
versucht worden ist ^. 

1 Gesbnids, Gesch. d. hebr. Sprache u. Schrift, 4 81Ö. Habtmann, 
Linguistische Einleitung in das Studium der Bücher des A. T., 4817* — 
> Seine drei Bücher De rudimentis Hebraicis erschienen 4506. — ' HÄ- 
YBRNiCK, Einleitung in d. A. T., I, 4 ; Gesch. d. Grundsprachen des A. T. 
Grammatiken von Vatbb , Gbsbnics , Ewald. Wörterbücher von Castblli, 
CooGBJUs, Simonis, Gesbnius (der Thesaurus seit 4829); deutsch -hebräische 
von ScHBÖDBB, El WERT etc. Ueber den parallelismus membrorum (Eben- 
mass der Satzglieder) der hebr. Sprache s. besond. Hbrdbb, Ueber den 
Geist der hebr. Poesie, 4783. Saalschötz, Gesch. u. Würdigung d. Musik 
bei den Hebräern, 4825. 

§. 121. Buchstabenschrift kannten die Hebräer schon zu 

Moses' Zeit. Die Finalbuchstaben und diakritischen Zeichen 

sind mehre Jahrhunderte nach Esra, die Vooale und Accente 

erst im 6. oder 7. Jahrh. n. Chr. entstanden. Der jüngere 

J. Buxtorf stritt mit L. Cappellus in Saumur über das Alter 

der Vocalzeichen. 

HoFFMAMN, Allgem. Encyklopädie, II, 3. Saalschötz, Archäologie 
der Hebräer, Thl. I, <8öö, Abschnitts: Schreibekunst u. Literatur. Bers., 
Zwei Reden über Buchstabenschrift u. ihr ältestes Denkmal 4855. (S. oben 
§. 43 u. 47.) 



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Dreizehntes CapUel. Hebräer. S5 

§. 122. Welthistorische Wichtigkeit des Landes *, 
Voltes, der Religion, Sprache, Schrift und Literatur der 
Hebräer ®. 

Eeligios- patriotischer Geist der Literatur. Die 
Autorität der Oflfenbarung waltet in den Schriften überall 
durch, dennoch gibt es nach Form und Inhalt Unterschei- 
dungen in Gesetz (Pentateuch), Prophetie (vor 700: 
Arnos, Hosea, Jesaias, Micha; zwischen 630 — 520: Joel, 
Nahum, Zephanja, Habakuk, Jeremias, Obadja, Ezechiel, 
Zacharias, Haggai; aus dem 5. Jahrh. Maleachi), Mythe 
und Geschichte (Genesis, Josua, Richter, Ruth, Sa- 
muePs und der Könige Annalen, Bücher SamueFs, Esra, 
Nehemia, Esther, Daniel) ohne philosophische noch welt- 
historische Ansicht, Lyrik mit tiefem religiösen Gefühl und 
reich an schonen Bildern, unter David geregelt (Gesang 
des Moses Exod. 15, der Deborah Jud. 5, Psalmen, Lieder 
der Propheten, Klagelieder und Hohes Lied), Didaktik 
(Jonas, Hiob, Sprüche und Prediger Salomo's) ^ 

Das von einer klaren Erfassung des Realen und einer 
ruhigen Darstellung wirklicher Begebenheiten unzertrenn- 
liche Drama fand keine Pflege. In der Wissenschaft ge- 
ringe Leistungen, am wenigsten in der speculativen, weil 
die Autorität der Offenbarung das Volk des eigenen Nach- 
denkens überhob, es ihnen sogar zum Verbrechen machte. 

* Rittteb's Asien, Bd. 8. — * Ewald, Gesch. d. Volkes Israel , 4853, 
und: XJeber EntstehuDg der israelitischen Lit., I, 4 — 268. Paülüs, Ur- 
sprung d. hebr. Lit. durch SamuePs Geist, i842. Forst, Cultur- u. Lite- 
laturgesqh. d. Juden in Asien, 1849. Saalschutz, Archäologie der He- 
bräer, Bd. 1, 4855. — ^ Ueber die hebräische Literatur die Schriften von 
Lo^TH (De Sacra poesi Hebraeorum, 4758 u. 4815), Michaelis, Hezbl, 
Eichhorn, Herder (Geist d. hebr. Poesie, 4783), Hartmann, Bbrtholdt, 
Jahn, db Wette, Gesen^üs, Umbreit, Grambero, Cbedner, Hengstbn- 
BEBo, Ewald, y. Bohlen, Moyers u. A. 

§. 123. Die heilige Schrift alten Testaments (Bibel) 
enthält nach der jetzigen, aus dem 2. Jahrh. v. Chr. herrüh- 
renden Anordnung, wobei die hebräisch geschriebenen ka- 
nonischen von den giiechisch verfassten oder ins Grie- 
chische übersetzten apokryphischen Bücher streng unter- 
schieden sind, den Pentateuch, die Propheten und die Ha- 
giographa (Psalmen, Sprichwörter, Hiob, Hohes Lied, 
Ruth, Klagelieder des Jeremias, Prediger Salomo, Esther, 
Daniel, E&ra, Nehemia, Bücher der Chronik). 

§. 424. Die kanonischen Bücher (Schluss des Kanons 



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86 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

430 V. Chr.) zerfallen iu historische, poetische und prophe- 
tische Schriften. 

i) Zu den historischen gehören der Pentateuch oder 
die fönf Bücher Mosis ^ : Genesis*, Exodus, Leviticus, Nu- 
meri, Deuteronomium ; das Buch Josua^, das Buch der 
Richter*, das Buch Ruth*, die zwei Bücher Samuel's und 
die zwei Bücher der Konige ®, die zwei Bücher der Chronik % 
die Bücher Esra, Nehemia und Esther ®. 

2) Zu den poetischen Schriften gehören*: das Buch 
Hiob *^, der Psalter ^^, die Sprüche Salomo's ^*, der nicht 
von Salomo herrührende sogenannte Prediger (Kohelet) Sa- 
lomo's ^^, das Hohe Lied Salomo's (Lied der Lieder) **. 

3) Prophetische Schriften^*: aus dem 12 — 9. Jahrh. 
V. Chr.: Elias, Elisa u. a. ohne schriftliche Denkmale; 
zwischen 800 — 700: JoeH^, Arnos *'^, Hosea i®, Jesaias *% 
Micha 2^ und Nahum; aus der chaldäischen Periode: Ze- 
phanja, Jeremias*^, Habakuk**, Ezeohiel*», Obadja^; der 
vierten Periode nach der Verbannung gehören an : Jonas ®% 
Haggai^^, Sacharja (Zacharias), Maleachi, Daniel*''. 

Die Propheten theilt man auch in die vier grossen (Je- 

saias, Jeremias, Ezechiel und Daniel) und in die zwölf 

kleinen ein. 

1 Vater 4802, v. Bohlbn 4835- Hbnostenbbro, Die Echtheit des 
Pentateuch, 4 836 fg. Bbbtheau, Die sieben Gruppen mos. Gesetze, 4 840. — 
2 Schümann, Bohlen, Thiele, Stähelin, Tüch. — ^ Maurer, Hauff. — 
* Stüder. — ^ Maurer. — ^ Maurer, Thbnius. — ^ Gramberq, Mo- 
VERS. — 8 WiNER, Handb. d. Lit. Pelt. — ^ Ewald, Die poet. Bücher 
desA. T., 4839. — '° Schultens, Umbreit, Tholuck, Hirzel, Vaihin- 
GER, Stickel. — 11 Eine Sammlung Ton 450 lyrischen und didaktischen 
Gedichten von verschiedenen Verfassern: de Wette, Hitzig, S-achs, v. Len- 
GERKE, Hcpfeld. — ^^ Klbukbr, Umbreit, Gramberg, Löwenstein. — 
1^ Kaiser, Umbreit, Knobel, Elster. — ^^ Herder, Hug, Kaiser, Ewald, 
Umbreit, Döpke, Bhd. Hirzel, Lippert, Blaubach. — ^^ Eichhorn, Kno- 
bel, Umbreit, Ruckert, Ewald. Hering, Schulen der Propheten, 4777. — 
16 Crednbr, E. Meier. — i^ Vater, — ^^ Maurer, Stuck, Krabbe, 
DE Wette, Simson. — i^ Gesenius, Hitzig, Knouel, Hendbwerk, Drbss- 
LER, Möller, Kleinbrt, Hbngstenberg, Stähelin, Haybrnick, Caspari. — 
'^0 Die kleinen Propheten von Theiner, Ackermann, Hitzig. — ^i Seine 
Klagelieder von Hitzig u. Umbreit. — ** Bäumlein , Delitzsch. — '^ Rq- 
senmüllbr, Hävernick. — *^ Hbndewbrk. — ** Krahmer, Jäger. — 

''^^ SCHEIBEL. — 27 BeRTHOLDT, HÄVERNICK, V. LeNGEBKE. 

§. 125. Ueber Anerkenntniss und Gebrauch der apo- 
kryphischen Bücher schwankte die Kirche von jeher. 
Die griechische Kirche schloss sie mit dem Concil zu Lao- 
dicea 360 aus dem eigentlichen Kanon aus; die lateinische 
dagegen behielt sie seit dem zu Karthago 397 in dem Kanon 



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Dreizehntes CapiteL Hebräer. 87 

bei und das Conoil zu Trident 4545 setzte ihre Anerkennt- 
niss fest; die evangelische Kirche verwirft sie als nicht zur 
Kegel des Glaubens gehörige Bücher. Sie zerfallen in histo- 
rische und didaktische Schriften. 

1) Zu den historischen gehören: Die zwei Bücher der 
Makkabäer, das aller Geschichte und Geographie wider- 
sprechende Buch Judith und die kleinem, dem DanieFschen 
Sagenkreise angehörenden Erzählungen (Susanna, vom Bei 
und Drachen zu Babel, Gesang im Feuerofen u. a.), die 
aber aller geschichtlichen Glaubwürdigkeit entbehren. 

2) Zu den didaktischen Schriften gehören das Buch 

Tobias, der Weisheit, Jesus Sirach, Baruch und das Gebet 

Manasse. 

Delitzsch, Gesch. d. jüd. Poesie vom Abschlnsse der Schriften des 
Alten Bundes bis auf die neueste Zeit, 4838. Gütmann, Die Apokryphen 
des A. T. etc., 4841. Ueber die Apokryphenfrage Stibb, Hbnostbnbbro, 
Keebl 4855. 

§. 126. Die nach dem Exil (538 oder 518) entstandene 
masoretische Schule beschäftigte sich mit der Sammlung 
und Anordnung der heiligen Bücher, die sie nach der Tra- 
dition erklärte. Die sogenannte philosophische Schule 
(Philo) trug misverstandene Philosopheme der Griechen mit 
orientalischen gemischt in die allegorische Erklänmg des 
Alten Testaments. 

GfbÖrer, Krit. Gesch. d. Urchristenth. od. Philo u. die alex. Theo- 
sophie, 4832. Rehond, Ausbreitung d. Jndenthums, 4789. Jost, Gesch. 
d. Juden zur Zeit d. Makkabäer, 4820. Baub, Gesch. alier religiösen Sekten 
der Juden, 4822. Ueber Essener u. Therapeuten: Bbllbrmann 4824, 
Sauer 4829. Gbossmann, De philos. etc. Sadd., 4836. Dahne, Geschieht!. 
Darstellung der jüdisch -alezandrin. Religionsphilosophie, 4834. 

§. 127. Zu den berühmtesten Ausgaben des Alten 
Testaments gehört zunächst die ,Hexapla^ des Origenes, 
die den Tezt des Alten Testaments in sechs nebeneinander 
stehenden Columnen gab: hebräisch mit hebräischen Buch- 
staben, hebräisch mit griechischen Lettern, dann die vier ver- 
schiedenen griechischen Uebersetzungen : des Aquila, Sym- 
machos, der sogenannten Siebzig (Septuaginta) und des Theo- 
dotion. Ihre Fragmente hat Montfaucon 1699 gesammelt. 

Daran schliessen sich die Polyglotten. Zunächst die 
complutensische (herausgegeben zu Alcala de Henares 
oder Complutum) des Cardinais Ximenes in 6 Foliobänden, 
1544 — 47^ welche neben dem hebräischen Text des Alten 
Testaments die altlateinische Uebersetzung (Vulgata) des 



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gg Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Hieronymus, die griechisch -alexandrinische der Septuaginta, 
nebst einer buchstäblichen lateinischen, endlich eine chal- 
däische Paraphrase, ebenfalls mit einer wörtlichen latei- 
nischen Uebersetzung enthält. Umfangreicher sind die ant- 
werpner oder königliche Polyglotte (weil Philipp 11., 
König von Spanien, einen Theil der Kosten trug), die Mon- 
tanus 4569 — 72 herausgab, die pariser, welche der Par- 
lamentsrath Jay 1645 besorgen liess, und die londoner 
Walton'sche von 1657 (mit 2 Supplementbänden von 4669) 
in zehn Sprachen. Die polyglotte Berühmtheit, Cardinal 
Mezzofanti, seit 4849. 



Vierzehntes Capitel. 

Juden. 

§. 428. Die jüdische Literatur, die sich von der 
alttestamentlichen hebräischen unterscheidet, beginnt nach 
der Rückkehr der Juden, wie sie von da an richtiger 
genannt worden, aus dem Babylonischen Exil (seit etwa 
500 V. Chr.). Auf der hebräischen wurzelnd und meist in 
der hebräischen Sprache fortschreitend, nahm diese Li- 
teratur bald persische Religionsbegriffe, griechische Weis- 
heit, römisches Recht, später arabische Poesie und euro- 
päische Wissenschaft in sich auf, Alles jedoch dem väter- 
lichen Glauben unterordnend und nur zur Erklärung der 
Schriften des Alten Testaments verwendend. Seitdem hat 
die jüdische Literatur, obwol ohne äussere Aufmunterung, 
Theü genommen an der Ausbildung des menschlichen Geistes 
und einen noch nicht gebührend erkannten Vorrath der 
mannichfaltigsten Erzeugnisse hervorgebracht. Neun Pe- 
rioden dieses Entwickelungsgangs. 

Delitzsch (oben §. 425, Anm.). Dukes, Zur Kenntniss d. neuhebräischen 
religiösen Poesie, 48i2. Zunz, Ueber die rabbinische Literatur, 4848. 

§. 129. Die erste, durch Esra vorbereitete Periode 
reicht von 444 — 143 v. Chr. und liefert Auslegungen und 
Zusätze zur altem Geschichte (Midraschim), griechische 
Uebersetzungen (Septuaginta unter Ptolemäos 11.) *, die sa- 
maritanische Recension des Pentateuchs, den alexandri- 
nischen Codex der Heiligen Schrift (im Britischen Museum 
zu London) und mehre der sogenannten Hagiographa (ein- 



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Vierzehntes CapUeL Juden, 89 

zelne Psalmen, Spruche Salomo's, Koheleth, Chronik, Thefle 
von Esra und Nehemia, Esther und Daniel), die Bücher der 
Makkabäer, die Leistungen der grossen Synagoge (der Ge- 
setzgeber Ton Esra bis auf den Hohenpriester Simeon), Jesus 
Sirach (um 200 v. Chr.), Aristobulos (ein alexandrinischer 
Jude, 475 v.Chr.)*. 

1 Fbankel, Historisch -krit. Studien zur Septuftginta, 4844. — ^ Ueber 
ihn Walkenaab 4806. 

§. 430. Zweite Periode, U3 v.Chr. bis 435 n.Chr. Der 
Mi drasch oder die Auslegung der heiligen Schriften theUte 
sich in Halacha (Ausbildung des Gesetzes zu praktischen 
Resultaten) und Hagada (Inbegriff der religiösen und ge- 
schichtlichen Auslegungen) und für beide entstanden schrift- 
liche Denkmäler. Die Targumim (Erklärungen) zum Pen- 
tateuch, angeblich von Onkelos aus dem 2. Jahrh. n. Chr., 
und zu den Propheten, angeblich von Jonathan ben Usiel. 
Das Trauerspiel des Dichters Ezechiel (,Auszug aus Aegyp- 
ten') 1. Hillel, beide Gamaliel, Akiba (hingerichtet 420 
V. Chr.) sind Begründer der exegetischen Sammlungen zu 
den Büchern des Alten Testaments, die man späterhin mit 
dem Namen Masora bezeichnete, aber erst im 41. Jahrh. 
zum Abschluss brachte, und Letzterer wird ausserdem als 
Verfasser des ersten kosmogonischen Buches, ,Jezirah^ *, ge- 
nannt, der Grundlage der spätem Kabbala, einer Geheim- 
nisslehre, deren Elemente schon in dem persisch-makedo- 
nischen Zeitalter sichtbar werden und deren Gnmdlage die 
orientalische Emanationslehre bildet ^. Akiba's Schüler, Si- 
meon ben Jochai, ist Verfasser des Buches ,Sohar', welches 
den Pentateuch mystisch deutet. Der Geschichtschreiber 
Josephos (geboren 37 n. Chr. zu Jerusalem, ging nach der 
Eroberung dieser Stadt 70 mit Titus nach Rom) schrieb 
7 Bücher ,Geschichte des jüdischen Kriegs' *, 20 Bücher 
,Jüdische Alterthümer^ 2 Bücher ,Vom Alterthume des jü- 
dischen Volks' gegen Apion, einen alexandrinischen Gram- 
matiker und erklärten Widersacher des jüdischen Volkes *. 
Philo's (40 n.Chr.) philosophische Schriften ^ 

^ Ausgabe von Morel IöOO. — * Deutsch von Meyer 4829. — ^ Rbuch- 
LiN, Knorr V. Rosenroth. Freystadt, De religione cabbalistica, 1832. 
Fränck , Die Kabbala oder Religionsphilosophie d. Hebräer etc. ; deutsch von 
JeUinek I84i. Gesch., Lehren a. Meinungen aller bestandenen u. noch be- 
stehenden religiösen Sekten der Juden u. d. Geheimlehre oder Kabbala, 
<822. — ^ Munter, Der jüd. Krieg etc., 1821. — ^ Ausgaben der Werke des 
Josephos vonHAVBRCAMP 1726, ObbrtiiBr I7S2 — 85, Richter 1825— 27. — 



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90 ZweHes Buch, Ethtwdoktelogie, 

^ AüBgaben yon Morel 4623, Manobt 4742, Pfbivbb 4785—92, Richtbb 

in der Bibl. sacra, 4828. Lbytssohn, De Judaeomm sub Caesaribus con- 
ditione, 4828. 

§.131. In der dritten Periode, 135—475, Blüte der 
jüdischen Schulen in Galiläa, Syrien, Rom und seit 249 
(bis 1039) in Babylonien. Fast gleichzeitig mit der Kab- 
bala entstand auch der Talmud (Unterweisung). Seine 
Grundlage bilden die vorgeblich von Gott dem Moses eben- 
falls auf dem Sinai mitgetheilten Erläuterungen des mo- 
saischen Gesetzes, welche durch Tradition fortgepflanzt und 
vielfach erweitert und ausgeschmückt wurden, bis sie der 
heilige Rabbi Jehuda (f 220) 218 unter dem Namen Misch- 
najoth (zweites Gesetz) in ein System brachte. An dieses 
System schlössen sich alsbald eine zahllose Menge von Com- 
mentaren an, sodass sich Rabbi Jochanan ben Elieser (f 279) 
bewogen sah, um Licht und Ordnung in dieses Chaos zu 
bringen, einen Extract aus diesen Commentaren zu fertigen, 
welcher, Gemara (Erklärung) betitelt, mit der Mischna 
den Talmud ausmacht, der etwa seit 360 neben dem alten 
Religionscodex gesetzliche Geltung gewann und später noch 
zahlreichen Ergänzungen und Umarbeitungen unterworfen 
wurde. 

§. 132. Die vierte Periode, 475 — 740, liefert nui- eine 
doppelte Recension der Gemara: die palästinische oder jeru- 
salemische und die babylonische aus Sura. 

§. 133. In der fünften Periode, 740 — 1040, leben be- 
rühmte Lehrer und Schriftsteller in Kairwan und Fez, Bari 
und Otranto. Anan, um 750, der erste Schriftsteller der 
Karäer oder Karaiten, die, im Gegensatz zu den Rabbani- 
ten, den Talmud verwerfen. Aelteste Gebetsordnung um 800. 
Erstes talmudisches Wörterbuch. Erste hebräische Sprach- 
lehre von Haggaon um 927. Aelteste erhaltene hebräische 
Codices, Vocalsystem, neuere Prosodie der hebräischen 
Verse und der Reim. 

ZuNZ, Die synagogale Poesie des Mittelalters, 4855. 

§. 134. Die sechste oder Glanzperiode, 1040 — 1204, 
trat ein, als der Buide Dschelaleddaula die babylonischen 
Lehranstalten der Juden schloss (1039) und Spanien Haupt- 
sitz jüdischer Studien wurde und bis an das Ende des 
1 5. Jahrh. blieb. Rabbi Mose war schon 990 Vorsteher der 
jüdischen Lehranstalt zu Cordova. Sein Schüler Rabbi 



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Vierzehntes CapiteL Juden. 91 

Joseph übersetzte auf des Khalifen Hescham IL Befehl um 
1000 den Talmud ins Arabische. Sprachkenner und Dichter 
sind Salomo ben Abirol zu Cordova, um 1050, JehudaLevi 
(1080 — 1150) S Aben Esra ben Meir aus Toledo. Rabbi 
Joel übersetzte die ,Sieben weisen Meister^ und Bidpai's 
Fabehi ins Hebräische und hieraus der getaufte Jude Johann 
von Capua (1262 — 78) ins Lateinische. Exegeten sind drei 
Kimchi (der Vater Joseph, 1 160, und zwei Sohne Moses und 
David, 1190) und Sal. Jarchi oder Raschi aus Troyes. Der 
grösste Commentator der Mischna, Arzt und Philosoph ist 
Moses ben Maimon oder Maimonides (1139 — 1205) aus 
Cordova, den die Juden nach Moses für das zweitgrosste 
Genie halten, den Ruhm des Orients und das Licht des 
Oecidents nennen*. Benjamin's von Tudela (f 1173) Be- 
schreibung seiner Reise in den Orient. Das arabische Spa- 
nien bildete hauptsächlich jüdische Aerzte. Diese spanisch- 
jüdische liiteraturbildung kam aber auch den Christen und 
dem übrigen Abendland zu gute. 

In dieser Periode erfolgt auch die neuere Gestaltung 
der hebräischen Sprache, welche man häufig die rabbi- 
nische Sprache nennt, obgleich sie im Grammatischen 
wenig von dem alten Hebräischen abweicht, wenngleich 
aramäische Formen vorkommen. Dagegen musste sie im 
Wortvorrathe über das alte Hebräische hinausgehen, weil 
sich der Ideenkreis um ein Bedeutendes erweitert hatte. So 
wurden, altern hebräischen Wörtern neue Begriffe imterge- 
legt, wnirden Worter von altem abgeleitet imd wissenschaft- 
liche Ausdrücke aus dem Arabischen entlehnt ^. 

1 Sein Divan und seine Biographie von Gbigbb 4851. — * Sein ur- 
sprünglich arabisch geschriebener Commentar zur Mischna erschien in 6 Folio- 
bänden hebräisch und lateinisch zu Amsterdam 4698 — 4703. Mischna deutsch 
von Bähe 4760. Neue Verdeutschung von Fest 4832. Hibschfbld, Geist 
des Talmud, 4840. — ^ Cbllabius, Rabbinismus, 4684. Bbland, Analecta 
rabbinica, 4702. Buxtobf, Lexicon Chaldaicum , Talmudicum et Sabbini- 
cum, 4639. Fabbb, Anmerkungen zur Erlernung des Talmudischen und 
Rabbinischen, 4770. Ree, Die Sprachverhältnisse der heutigen Juden im 
Interesse der Gegenwart und mit besonderer Beziehung auf Volkserziehung, 
4845. Von der Veränderung des jüdischen Geistes seit dem Exil handeln 
die Schriften von Surinobb 4820 und Boon 4834. 

§. 135. Mit der siebenten Periode, 1204—1492, be- 
gann ein neues Stadium der jüdischen Cultur durch 
ihre Theilnahme an den abendländisch- christlichen Litera- 
tursprachen, worin zugleich eine Verflüchtigung ihrea 



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92 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

orientalischen Charakters liegt. Der Dichter Chavisi 
(Jehuda ben Salomo, f 1235) übersetzte die Makamen Ha- 
nnos und schrieb ein selbständiges Makamenwerk ,Tachke- 
moni^ ^ Nachmanides (Moses ben Nachman, 4494 — 4270) 
ist Commentator des Pentateuch und Gründer einer Synagoge 
in Jerusalem (4267). Hebräische Bücher wurden zuerst zu 
Hijar in Aragonien 4485 und zu Lissabon 4489 gedruckt. 

1 Gedruckt in Konstantinopel , wo die Jnden seit 4506 eine Drackerei 
besassen, 4578 und in Amsterdam 4729. lieber ibn Dukes in den Ehren- 
fäulen, 4837. 

§. 436. In der achten Periode, 4492 — 4755, Vertrei- 
bung aus dem westlichen und südlichen und daher Aus- 
breitung der Juden über ganz Europa. In Italien und 
dem Orient, in Deutschland und Polen und in Holland 
wirkten seitdem jüdische Schulen, Druckereien und zahl- 
reiche Schriftsteller, die hebräisch, rabbinisch, lateinisch, 
spanisch, portugiesisch, italienisch und jüdisch -deutsch 
schrieben. 

Isaak ben Jehuda Abravanel oder Abarbanel (geb. in 
Lissabon, gest. in Venedig 4508) stand an mehren Höfen 
in Diensten und schrieb exegetisch-theologische Werke. Der 
berühmteste unter seinen drei Söhnen, Jehuda, gab 4502 
,Dialoghi di amore' heraus, ein einst vielgelesenes, in ver- 
schiedene Sprachen übersetztes philosophisches Werk in 
Platonischem Geiste. Elia Levi ben Ascher oder Levita, 
zubenannt Bachur (geb. 4472^ gest. in Venedig 4549), schrieb 
4518 eine hebräische Grammatik, 4544 ,MeturgemanS ein 
Wörterbuch über das Targum, 4538 ,Masoreth Ha-Maso- 
reth' ^ Asaria de Rossi aus Mantua (4513, starb 4577 in 
Ferrara) ist Begründer der biblischen Kritik. Sein Haupt- 
werk ,Meor-enajim* (4574) beleuchtet Philo und Josephos, 
die aramäischen und griechischen Versionen, den Midrasch, 
die Chronologie u. A. *. Baruch (d. h. Benedict) Spinoza 
aus Amsterdam (4632 — 77), Schleifer optischer Gläser, Philo- 
soph, im Bann der Synagoge wegen der in der Schrift 
,Tractatus theologico-politicus' 1670 vorgetragenen Ansicht, 
dass Philosophie und Religion zwei heterogene Dinge seien. 
Auch schrieb er ,Cartesii principia philosophiae^ (4663), 
wozu die ,Cogitata metaphysica' den Anfang bilden ^. 

1 Deutsch von Semler 1 772- Lateinische Uebersetzungen dieser Werke 
lieferten noch zu des Verfassers Lebzeiten Münster und Fagius. — * Sein 



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Vierzehntes Gapitel. Juden. 93 

Leben von Zumz im Kerem Cheined, V u. VI, 4844 — 43. -- ' Die Opera 
posthnma gab Meter 4677 heraus, darunter das Hauptwerk Ethica ordine 
geometrico demonstrata. Vollständige Sammlung der Schriften von Paulus 
4802, Gfböbbb 4830. Ueber sein Leben schrieben Colbrus (holländisch 
4698, franzosisch 4706, deutsch 4733), Dibz 4783, Pbilippson 4790. 

§. 437. Der neunten Periode, seit 1755, gehören vor- 
zugsweise an Moses Mendelssohn (4729 — 86) ^, der Philo- 
soph und Mathematiker Bendavid (1762—4832), der Dichter 
Mich. Beer (4800—33) *, der Arzt Mich. Friedländer (4769— 
4824), der Advocat Gans (geb. 4788), der Geschichtschrei- 
ber der Israeliten, Jost (geb. 4793) ', u. v. A. 

1 Seine Schriften gab G. B. Mendelssohn heraus, 4843 — 45. — 
^ Dramen: Der Paria; Strnensoe. Seine Werke gab Schbnk 4835. — 
' In 9 Bdn., 4820 — 28. — Die Uebersichten der jüdischen Literatur in 
den Werken von Bartolozzi, Wolf, de Ross betreffen vornehmlich die 
sechste bis achte Periode. 



Zweite Abtheilung. 
Classische Literaturen. 

§. 4 38. „Au die Stelle der ungeziigelteu Phautasie, des 
Grundtypus der orientalischen Literatur im Ganzen und 
Grossen, setzt Hellas die Schönheit, deren Gesetz und 
Mass seine literarische und artistische Thätigkeit durchweg 
bestimmt. Edler und würdevoller Humanismus ist der Cha- 
rakter des hellenischen Ideals, welcher sich in bewusster 
Freiheit in allen Gattungen der Poesie offenbart. Vom kind- 
lich naiven Epos schreitet Griechenland zu jünglingsfreier 
Lyrik und zum künstlerisch vollendeten Drama fort, in wel- 
chem gleichsam die vereinten Kräfte des Mannesalters sich 
kundgeben, während es auch seine Philosophie, seine Rede- 
kunst und Historik, wie seine Religion, wie sein ganzes 
Leben künstlerisch stellt und rundet. Der Charakter der 
romischen Literatur ist Nachahmung." 

§. 4 39. Hellenen und Römer zunächst in gesonderter 
Haltung, sodann das doppelte Sprachgebiet unter romischer 
Herrschaft, die Byzantiner und Neugriechen, moderne Dich- 
ter in classischer Sprache, der christliche Kanon und die 
Patrologie. 



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94 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Fünfzehntes Oapitel. 

umfang. 

§. 440. Der Boden dieser Literatur ist die griechische 
und italische Halbinsel südwärts vom Hämus und den Alpen. 
Classisch hat man sie genannt, weil die meisten ihrer 
Werke den Charakter der Vollkommenheit an sich tragen 
und ihr Studium Jedem unentbehrlich ist, der seinen Ge- 
schmack bilden oder sich den Wissenschaften widmen will. 
Die Zahl ihrer Werke belauft sich auf etwa 1600, von denen 
drei Viertheile griechisch sind, darunter Meisterwerke für 
alle Zeiten. Die Geschichte der griechischen Literatur um- 
fasst mehr als 27, die der romischen nur i 2 Jahrhimderte. 

§. 144. Comparative Periodisirung beider Lite- 
raturen. 

In der Geschichte der griechischen Literatur 
nimmt man gewöhnlich sechs Perioden an: 

4) Die mythische Zeit bis 4184 v. Chr. 
Kadmos (Bachstabenschrift) 4556. Phemonoe (erste Sparen der Orakel, 
Erfindung des Hexameter). Eumolpos. Orpheus 4250« Dädalos (Anfänge 
bildender Kunst). Tiresias (Mantik) 4200. 

2) Die poetische Zeit bis 594 v. Chr. 

Homeros (Homeriden). Kykliker. Hesiodos 960. Archilochos 700. Kal- 
linos, Tyrtäos, Terpandros, Alkman. 

620 — 550 die sieben Weisen (Cum a i /k. j- />• » . i . 

Solone, Thaies, Periander, cum ^ Anch för die Geschichte 

Cieobulo iunguntur Chüo, Pittacus ^^^ römischen Literatur 

atque Bias). Mimnermos. Alkäos. ergeben sich sechs. Perio- 

Sappho. Arion. Aesopos. 570 — 500 den: 
Susarion (Anfange der Komödie in 

Attika), Stesichoros, Ibykos, ffip- ^) Infantia, 753— 240 v. Chr. 

ponax, Theognis, Pythagoras, Si- Numa's Bucher? Die Annalen der 

monides, Anakreon, Pindaros, Kad- Pontifices. Lieder der Salier (axa- 

mos der Milesier (AnÄnge der Hi. menta). Atellanen. Fabius Pictor. 
storie), Korinna, Sophron (Mimen). 

3) Die attische Zeit, goldenes Zeitalter, bis 336 v. Chr. 
Herodotos. Polygnotos. Aeschylos. Sophokles. Euripides. Phidias. Gor^as 
(Sophistik). Bakchyüdes. Sokrates (geistige Mäeutik). Aristophanes. Hip- 
pokrates (Arzneikunde). Myron. Polykleitos. Piaton. Thukydides. Xe- 
nophon. Ktesias. Antiphon (Beredtsamkeit), Andokides, Lysias, Isäos, 
Aeschines, Isokrates-, Lykurgos, Hyperides, Dinarchos, Demosthenes. 
Skopas. ApeUes. Ephoros (Chronologie). 



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Funftehntes Capitel. Umfang. 



85 



4) Das alezandrinische Zeitalter 
bis U6 V. Chr. 

Aristoteles. Eoklides (Mathematik). £pi- 
karos. Zenon. Timäos. Die Siebzig Dol- 
metscher. Theokritos. Zenodotos (Gramma- 
tik). Parische Marmorchronik. Aristarchos. 
Berosos. Manethon. Eratosthenes (mathe- 
matische Geographie). Apollonios von Rho^ 
dos. Archimedes (Mechanik). Aristophanes 
von Byzanz (Accente). Polybios (pragma- 
tische Geschichte). ApoUodoros (Mythologie). 



2) Adolescentia, 240 — 
78 V. Chr. 
Livius Andronicos ( erste 
Trauerspiele in Rom). Nä- 
vius. Cato der Censor. En- 
nias. Plautas. Terentios. 

Puaico beno secundo Masa pen- 
nato gradu 

IntuUt 86 in bellicosam Romuli 
gentem feram. 



5) Das römische Zeit- 
alter bis 306 n. Chr. 
Pasiteles (Künstler nnd €re- 
Schichtschreiber der Kunst). 
Dionysios von Halikarnass. 
Diodoros von Sicilien. Dio- 
nysios Periegetes. Strabo 
(Geographie). Plutarchos. 
Arrianos. Aelianos. Appia- 
nos. Uephästion (Metrik). 
Der Kaiser Marc Aurel. Pto- 
lemäos (Astronomie). Gale- 
nos. Herodianos. Lukianos. 
Athenäos. Dion Kassios. 



6) Das byzantinische 
Zeitalter bis U53. 

Libanios. Zosimos. Nonnos. 
Kointos von Smyrna. Try- 
phiodoros. Kolnthos. Kosmas. 
Georgios Synkellos (Chrono- 
graphie). Konstantinos Por- 
phyrogennetos. Suidas. Das 
grosse Etymologikon. Xiphi- 
linos. Michael Psellos (poli- 
tische Verse). AnnaKomnena. 
Zonaras. Eustathios u. A. 



3) Aetas virilis s. aurea bis 44 n. Chr. 

Graecia capta ferum victorem vicit et artes 
Intulit agresti Latio. 

Lucretlns. Cicero. Atticus. Catullus. Sal- 
lustius. Cornelius Nepos. Julius Cäsar. Hir- 
tius. Asinius Pollio. Mäcenas (Sint Maecena- 
tes, non derunt, Flacce, Marones). Virgilius. 
Horatius. Ovidius. TibuUus. Propertins. Hy- 
ginus. Livius. Trogus Pompejus. Curtins. 
Vitruvius. Monumentum Ancyranum. 

4) Senectus imminens s. aetas vegeta 
s. argentea bis 447 n. Chr. 

M. und L. Annaeus Seneca. Vellcjus Patercu- 
lus. Yalerius Maximus. Phaedrus. Pompo- 
nius Mela. Columella. Persius. Lucanus. 
Silins Italiens. Juvenalis. Martialis. Teren- 
tianns Maurus. Quintilianus. Tacitns. Sueto- 
nius. Florus. Frontinus. 

5) Vegeta senectus s. aetas ferrea 
bis 476. 

Justinus. Gellius. Censorinus. Scriptores 
historiae Augustae. Aurelius Victor. Eutro- 
pius. Ajnmianus Marcellinus. Sext. Rufus 
Ausonius. Orosius. Die Itinerarien und Gram- 
matiker. Der Theodosianische Codex. 

6) Decrepita senectus bis 800. 
Boethius. Cassiodorus. Priscianus. Joman- 
des. Isidorus Hispalensis u. A. 



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96 Zweites Buch. Etknodoktologie. 

Sechzehntes Capitel. 

Hellenen. 

§. 4421. In Griechenland findet man zunächst höhere 

Kräfte und geistigere Bedingungen ihrer Entwickelung als 

in Asien. Die Volker des Orients folgen der Autorität 

oder einem bestimmten Ziel. Das Denken und Wissen der 

Griechen trägt seinen Zweck in sich. Tiefes Gefühl uad 

schöpferische Phantasie bewahren die Griechen vor einseitiger 

Verstandescultur. Reger Sinn für das Schone und richtiger 

Geschmack sind ihre charakteristischen Kennzeichen. Der 

schonen Hülle entspricht der edle Geist. Ueberall Harmonie 

zwischen Wissen und Kunst, zwischen Wesen und Form. 

Werke zur Eenntniss des griechischen Volkes und Landes: 
Gbonov, Thes. antiq. Graec, ^697. Paüly, Realencyklopädie, 4839. 
Hartmann, Cnltargesch. der vornehmsten Volker Griechenlands, 4796. 
F. SoBLBQEL, Die Griechen n. Romer, 4797. Haupt, Allgem. wissen- 
schaftl. Alterthumskunde, 4839. Mitford, Hist. of Greece, 4784; Gillibs 
4786, Thirlwall 4826, Grotb 4845. Pottbr, Archaeolog. Gr., 4699; 
deutsch u. fortgesetzt von Rambach 4775. Babthälbmy, Voyage du jeune 
Anacharsis, 4788; deutsch von Biester 4789. Lbvbsqub, Hist. des anciens 
peuples de la Gr^ce, 4844. Hbbrbn's Ideen, III, 4, mit Nibbvhr's Re- 
cension in dessen philolog. histor. Schriften, I. Wachsmuth, Hellen. Alter- 
thumskunde (2. A. 4846). K. F. Hbrmann, Griech. Antiquitäten, 4836 
u. 4844. VAN Limbouro-Bbovwer, Hist. de la civilisation etc. des Grecs, 
4833. St. John, The Hellenes etc., 4842^. 4844. Reisende neuerer Zeit: 
Spon und Whelbb 4678, besonders Gbll, Dodwbll, Lbakb. Geographie 
von Mannbrt. Ebüsb*s Hellas, 4824. Hoffmann, Griechenland n. d. Grie- 
chen, 4844. Eibpert's Atlas, 4844 fg. 

§. 143. Die Sprache wurde Musik durch Wohllaut, 
Rhythmus und feine Abstuftmg der Töne, ohne Verlust an 
Kraft K In dieser Sprache bildeten sich, durch ihre Ge- 
schmeidigkeit und Fügsamkeit begünstigt, vorzugsweise zahl- 
reiche Dialekte aus. Zuerst der epische oder Home- 
rische, ihm verwandt später der ionische. Beide häufig als 
alt- und neuionisch einander entgegengesetzt; letzterer (Hero- 
dot's Sprache) durch Milde und Weichheit und Häufung der 
Vocale ausgezeichnet. Zu derselben Reihe gehört auch der 
attische Dialekt in seinen verschiedenen Zeitaltem ; dessen 
Blüte zwischen 500 und 300 v. Chr., das goldene oder Pe- 
rikleische Zeitalter Athens (470 — 430) umfassend. Ihn ver- 
breiteten Alexander d. Gr. und die Romer von den Säulen 
des Herakles bis zu den Ufern des Indus, vom Fusse des 
Hämus bis zu den Katarakten des Nil. Die Schriftsteller 



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Sechxehnies CapiteL Hellenen, 97 

dieses Spracfaidioms (Aeschylos, Sophokles, Euripides, Aristo- 
phanes, Thakydides, Xenophon, Piaton, Demosthenes u. A.) 
galten stets für Verkündiger echter Humanität, vor Allen 
geeignet, die Finstemiss der Barbarei zu yerscheuchen. Der 
äolische Dialekt in Asien (Alkäos und Sappho), dann in 
Bootien (Pindaros) für die Lyrik. Der dorische in den 
Colonien (Pythagoräer, Theokritos). Der gemeine, kirch- 
liche (hellenistische des Neuen Testaments) und neu- 
griechische Dialekt. 

F. Jacobs, üeber einen Vorzug d. griech. Sprache im Gebranch ihrer 
Mundarten, 4808, in dessen Vermischten Schriften, m. Gf. Hermann, Ob- 
servationes de Graecae ling. dialectis, Opusc. I, 429. Ahbeks, De dialectis 
Graec, 4840. Sturz, De dialecto Maced. et Alexandrina, 4808. Salma- 
8IU8, De lingua Hellenistica, 4643. 

§. 144. Frühzeitiges Streben nach formalem und syn- 
taktischena Schematismus der Sophisten, Platon's, des 
Aristoteles, der Alexandriner: Arbeiten über Orthographie, 
Orthoepie, Accentlehre, Quantität durch Aristarchos, Krates, 
ApoUonios Dyskolos, Herodianos, Moschopulos, Choro- 
boskos, die byzantinischen Technographen, die Flüchtlinge 
in Italien: Chrysoloras, Laskaris, Theodoros Gaza; in 
Deutschland seit 1518 durch Erasmus, Reuchlin, Me- 
lanchthon, die §. 52 genannten Männer fast in allen euro- 
päischen Ländern. 

Grammatiken von Weller, die hallesche seit 4705, Matthiä, Bdtt- 

MANN, F. ThIERSCH, HbRMANN, KüHlTBR, BERNHARDT, RoST, KbCOBR, 

Lobeck. Lexikographie (Lexlcon, Glossarium, Btjmologicum, Ono- 
masticum, Synonymicum) dnrch Hestohios, Scidas, Pollüx, Orion, Zo- 
NABAS, Etymologicum magnnm, H. Stephanus, Scapula, Hbmstbrhuis, 
Schneider, Passow, Papb, Jacobitz und Seileb; in England durch Bab- 
EEB und Yalpy ; in Frankreich durch Sinneb, Fix u. A. Apollonios über 
Homer, Timäos über Piaton, Habpokbation über die zehn Redner. Die 
Attidsten Phbtnichos, Möbis, Philemon. Ammonios' Synonymenlexikon. 
Sammlungen von Bekkeb, Lachmann u. A. 

§. 445. Aus der Liebe zur Freiheit gehen die grossen 
literarischen und künstlerischen Leistungen der Hel- 
lenen hervor, die zwar manche Fertigkeiten und Kenntnisse 
von Fremden empfingen, aber bald alle Volker als Erfinder 
oder Schopfer der Wissenschaft und schonen Kunst ver- 
dunkelten. Ihr Denken war durchaus originell und national. 
Ihre Bildung schritt gleichmässig nach allen Seiten fort, bis 
der natürliche Kjreislauf menschlicher Thätigkeit vollendet 
war. Die neuere Zeit übertriflPb sie an Umfang der materiel- 
len Kenntnisse (z.B. in den Naturwissenschaften), in der 

Merleirr. 7 



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gg Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Moral das Christenthum; aber sie haben überall den Grund 
gelegt und in der speculativen Wissenschaft jede Art der 
Losung versucht, sodass die Neuem den Bau nur auszu- 
fuhren haben. Unübertrefflich sind sie in der Poesie. Aristo- 
teles ist fast SOOO, Ptolemäos 1400 Jahre Lehrmeister der 
Araber und Germanen. 

Werke über dieLiteratnr der Griechen: Fabbicii Bibl. Graeca, 
4705, neue A. von Hablbss 4790. F. v. Sohlbqbl, Gesch. d. griech. n. 
rom. Poesie, 4798. Cbbuzbb, Epochen d. griech. Literaturgesch. , 4803. 
Gboddeck, Initia hist. Gr. literar., 4824. Scholl, Hist. de la lit. grecqne; 
deutsch von Schwarze u. Finder 4826. Pbtebsbn, Handb. d. griech. Li- 
teraturgesch., 4834. Bbbnhabdt, Grundriss d. griech. Lit., 4836. O. Mol- 
LBB, Gesch. d. griech. Lit. bis auf die Zeiten Alexander's, herausgeg. 
von £. M6LLBB 1844. Veber hellenische Dichtkunst Ulbici 4835 und 
BoDB 4838. 

I. Die mythische oder vorhomerische Periode. 

§. 146. Sie bringt kein Schriftwerk, nur Namen von 
Dichtem und Sängern, deren Functionen dreifach waren als 
aoi5o{, Cepel^ und [xavretc niit Ausübung der Poesie, Musik und 
Orchestik (,Odyss/ I, 152; XXIH, U5; ,Hymn. ad Apoll.^ 
149). Auf Thessaliens und Böotiens Bergen, dem Olympos 
und Helikon, dem Pindos und Parnasses, waren die gehei- 
ligten Orte der Dichtkunst. Dort sind Leier und Harfe er- 
funden; dort sollen Lines, Pamphos, Ölen, Eumolpos, Phi- 
lammon, Thamyris, Amphion, Orpheus (über ihn Bode 1824) 
und Musäos gelebt haben, deren Leistungen Horaz in dem 
Briefe an die Pisonen (,Ars poetica^ 391 fg.) preist. 

Diese lyrisch -religiöse und priesterliche Poesie umfasst 
XpiQaiJLOt, TsXsTaf, xaS'apji.of, icapaXuaetCj Spivoi, axsösi^: xat Ha- 
(xara voaov, ovopiaöTtxa fini. Unter den ältesten Sängern 
der Grossthaten des Heldenalters zeichnen sich besonders 
Phemios auf Ithaka und Demodokos bei den Phäaken aus. 
Den Hexameter soll die delphische Priesterin Phemonoe er- 
funden haben. Dieses Versmass passt vortreflflüch zu der 
Ursprache der Griechen, welcher der später sogenannte 
äolische Dialekt am nächsten kam, weil in ihm der Accent 
(opffK;) vorzugsweise auf der ersten Silbe ruht. 

n. Die poetische Periode. 

§. 147. Sie lässt sich in zwei Zeitalter zerlegen, in 
das epische oder Homerische und in das lyrische. 
Ellissbn, Polyglotte der europ. Poesie, seit 4846. 



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Sechzehntes CapiteL Hellenen. 99 

a) Das epische Zeitalter. 

§. 448. Die epische Poesie vereinigt die höchste Frei- 
heit mit der strengsten Regel. Sie ist voll strotzender Fülle 
und doch nicht iiberschwänglich, kunstvoll ohne eine Spur 
von Anstrengung, wie hingehaucht von einem gottlichen 
Geiste, national und zugleich j30 rein menschlich, dass sie 
jedes Gemüth ergreift. Sie hat die hellenische Gotter- und 
Heroenwelt gebildet, und ihren Höhepunkt bezeichnet der 
Name Homeros. 

F. ScHi^EOEL, Gesch. der epischen Poesie, Bd. 3. Fbith, Antiquit. 
Homericae, 4677. Trbpstra, Antiq. Hom., 4834. Clayier, Hist. des 
Premiers ~ temps de la Gr^ce, 4822. O. Möller, Orchomenos u. Minyer, 
4820. Helbio, Der sittl. Zustand d. griech. Heldenalters, 4839. Nitzsch, 
Die Heldeasage d. Griechen, 4844. 

§. 149. Person, Abstammung und Vaterland dieses Sän- 
gers sind dunkel. Von den vielen Schriften über sein Leben 
sind uns nur zwei erhalten, von einem Herodot und einem 
Plutarch *. Der einer spätem Zeit angehörende Hymnos auf 
Apollo imd Thukydides (III, i04) nennen ihn einen Blind- 
geborenen, da ''OfjLYipo? aus fJLiQOpo^ durch Metathese entstanden 
sei. Aber schon Vellejus Paterculus (I, 5) verlacht diese 
Ansicht: ,Quem si quis coecum genitum putat, omnibus sen- 
sibus orbus est.' Eine Nachricht nennt ihn den Sohn des 
lydischen Mäon, daher die Bezeichnung: der Mäonide. Ueber 
sein Vaterland stritten nicht nur im Alterthum die bekann- 
ten sieben Städte (Septem urbes certant de stirpe insignis 
Homeri: Smyma, Khodus, Colophon, Salamis, Chios, Argos, 
Athenae) und viele Schriftsteller, sondern auch jetzt noch 
neuere Gelehrte. Simonides, Pindar und Thukydides nen- 
nen ihn einen Chier; Rb. Wood* und viele seiner Nach- 
folger beweisen, dass er in lonien, Schubarth ^, dass er in 
Troja gelebt habe; Bhd. Thiersch*, dass er im Pelopon- 
nes geboren sei; Müller* behauptet gegen Heeren und 
Thiersch, dass es unhistorisch sei, anzunehmen, dass die 
Poesie in Altgriechenland entstanden und in ihrer Blüte mit 
den Colonien nach Asien gewandert sei. Herodot (H, 53) 
versteht unter Homer den Verfasser der Gedichte, welche 
bereits sein Zeitalter unter diesem Namen kannte, der beiden 
Epopöen ,Dias' und ,Odyssee'. 

^ Westbrmahn, Biographi Graeci minores, 4845. — * Essay on the 
original genius and writings of Homer, 1769. — ^ Ideen üher Homer u. 



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100 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

sein Zeitalter, 4821* — * Ueber Zeitalter u. Vaterland des Homer, 4824. — 
* Homer. Vorschule, 4834; 2. A. von Baumgartew-Crüsius 4836. 

§. 150. Die ,Uia8^ umfasst aus dem Trojanischen Kriege 
eine Episode von 51 Tagen, die Entzweiung des Agamemnon 
und Achilleus und den Zorn des Letztem (daher ^M'^viv aei5e, 
S'ea, IlTjXifjiaSeo 'AxtX-^oc') bis zur Leichenbestattung Hektor^s 
in 24 Rhapsodien: 4) Am ersten Tage wird Chryses in seiner 
Tochter beleidigt, darauf neun Tage durchflogen das Heer 
die Geschosse Apollon's; 2) am zehnten beschimpft Aga- 
memnon den Achill und raubt ihm die Briseis (I, 54) 

3) zwölf Tage nachher, am 22., fleht Thetis um Rache (I, 493) 

4) am 23. liefert Agamemnon eine Schlacht (II — VU, 380) 

5) am 24. werden die Todten verbrannt (VII, 381—432) 

6) am 25. folgt die Befestigung des Lagers (VII, 433 —465) 

7) am 26. geschieht die zweite Schlacht (VIII, 4 — 488) 

8) am 27. dritte Schlacht und Patroklos' Tod (IX, 1 — 
XVill, 242); 9) am 28. söhnt sich Achill mit Agamemnon 
aus u. s. w. (XIX— XXin, 108); 10) am 29. wird Patroklos' 
Leichnam verbrannt (XXTTT, 109—225); 11) am 30. Leichen- 
spiele (XXm, 226 bis Ende); 12) am 40. fährt Priamos zu 
Achill und löst Hektor's Leichnam, der 13) am 50. verbrannt 
und bestattet wird, und 14) am 51. wird ihm das Grabmal 
errichtet. Sonach sind in jenen 51 Tagen nur 14 Tage der 
Handlung eingeschlossen, und dennoch ist die ,Ilias' die 
vollendetste Epopöe aller Jahrhunderte und aller Volker. 

Lange , Versuch , die ästhetische Einheit der Ilias zu hestimmen , 4 826- 
Abndt, De liiadis compositione , 4838. Zell, Ueher d. Iliade n. d. Ni- 
belungenlied, 4843. F. A. Wolf's Vorlesungen zu den vier ersten Ge- 
sängen der Ilias (von Ustbei), 4830. Uschold, Gesch. d. Trojan. Krieges, 
4836. Koppen, Erklärende Anmerkungen zur Ilias, 2. A. 4820. Aus- 
gaben von Heyne 4802 — 22, Weicbebt 4849, Spitznbb 4833 fg. Gibsbkb, 
Die allmäl. Entstehung d. Gesänge d. Ilias, aus Unterschieden im Gebrauch 
d. Präpositionen nachgewiesen, 4853. 

§. 451. Die ,Odyssee^ erzählt ebenfalls in 214 Rhapsodien 
die Abenteuer des nach Trojas Einnahme in sein Vaterland 
heimkehrenden Odysseus, der sich auf Tenedos von Nestor 
trennt, nach Ismaros zu den Eäkonen kommt, bei Malea 
und Kythera vom Winde erfasst zu den Lotophagen, den 
Kyklopen (Polyphemos), zweimal zuAeolos, nach Lemnos 
zu Antiphates im Lande der Lästrygonen, zur Kirke in 
Aea, zu den Kimmeriern, in die Unterwelt (Asphodelos- 
wiese), wieder zur Kirke, bei den Sirenen und der Skylla 
vorbei nach Thrinakia, in die Charybdis, nach Ogygia zur 



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Sechzehntes Capüel^ Hellenen, 101 

Kalypso, nach Scheria zu den Phäaken und von hier nach 

Ithaka gelangt, wo er durch Tapferkeit und Klugheit seine 

Feinde besiegt. Die zu Grunde liegende Handlung dauert 

nur 40 Tage. 

Bhd. Thibrsch, Urgestait d. Odyssee, iS'iU Hbrtsbbbg, De genuiiift 
Od. forma, 4842- Nitzsch, Erklärende Anm. zur Od., 4826 — 40. Aus- 
gabe von Baümoarten-Crusius 482^ fg. 

§. 152. Die ursprüngliche Einheit dieser beiden grossen 
Gedichte wurde zuerst erschüttert von dem scharfsinnigen 
Philologen F. A. Wolf (,Prolegomena ad HomerumS ^79^)i 
der die Ansicht aufstellte, dass die Homerischen Gesänge 
nicht von einem einzigen Dichter herrührten, sondern von 
einer ionischen Sängerschule, deren Haupt und gross ter Ge- 
nius, Homer, wie ein mythischer Heros mit seinem Namen 
die aller übrigen Sänger verschlungen habe. Die einzelnen 
Gesänge, die, aus demselben Sagenkreise genommen, in 
einem und demselben Sinne von gleichgebildeten Dichtern 
verfasst, einander fortsetzten und ergänzten, seien erst zur 
Zeit des Peisistratos gesammelt und zu den zwei grossen 
Werken vereinigt und in noch späterer Zeit durch Ein- 
schaltungen und Ausscheidungen in ihre heutige Gestalt 
gebracht worden. 

Diese Ansicht machte grosses Aufsehen und fand viele 
Anhänger, aber auch manche Gegner. Die letztem mach- 
ten die Einheit und Gleichförmigkeit in Anlage, Sprache, 
Versbau und Ton geltend; sie bestritten entweder, dass zu 
Homer's Zeit, die sie möglichst spät setzten, die Schreib- 
kunst noch nicht im Gebrauch gewesen, oder sie liessen 
die traditionelle Fortpflanzung bestehen, beschränkten sie 
aber auf das Recitiren einzelner Stücke der bereits als Ganzes 
vorhandenen Dichtungen mit einigen Einschaltungen. 

Eine dritte vermittelnde Ansicht (von Nitzsch, ,De histo- 
ria Homeri% 1830 — 37) macht Homer zum Verfasser der 
beiden grossen Epen mit einem überlegten Plan, doch so, 
dass er wenigstens bei der ,Ilias' ^ ältere Erzählungen zum 
Grunde gelegt und zu einem Ganzen verbunden und um- 
geschaffen habe. Sein Werk sei dann von Rhapsoden * 
von neuem zerlegt und einzeln vorgetragen und erweitert 
worden ^, und diese Rhapsodien habe dann Peisistratos sam- 
meln, aufzeichnen und abermals zu einem Ganzen ordnen 
lassen *. Ihre jetzige Gestalt erhielten die Homerischen 



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]02 Zweites Buch. Ethnodokiologie. 

Dichtungen erst in der alexandrinischen Periode, besonders 

durch die Thätigkeit des besonnenen Kritikers Aristarchos ^. 

^ Bei der die Sparen einer losen Zusammenfägnng zahlreicher und 
offenbarer sind als bei der mehr eine künstliche Einheit nnd Planmässig- 
keit beurkundenden Odyssee, die auch dem ganzen darin dargestellten Zn- 
stande des öffentlichen Lebens nach um mehr als ein Menschenalter später 
zu setzen sein möchte als die Iliade. — ' Deren Pindar zuerst erwähnt und 
Ton ^airr&iv (d^i^v oder dloi5i^ ableitet. Dresio, De rhapsodis, 1734. Darauf 
folgten die Arbeiten der sogenannten Diaskeuasten (über sie Heinrich 4807) 
und Chorizonten. — * 'Eg vtcoXi^4>6««)C, ^>t ötaSox'n«, ^5 uTCoßoX-iJ«;, olov, 
OTCOü h TCpwTO« fXT)5ev, £)ceÖ£v apxeoäat t6v ^xojievov. — * Gbppert, lieber 
d. Ursprung der Homer. Gesänge, 4840. Hayet, De Homericor. carminum 
origine et unitate, 4843. Friedländer, Die Homerische Kritik von Wolf 
bis Grote, 4853, gibt eine Uebersicht des ganzen Meinungsstreites. — 
^ Lbhrb, De Aristarchi studlis Homericis, 4833* 

§. 153. Seit ihrer Bekanntmachung übten diese Home- 
rischen Gesänge nicht nur auf den griechischen Culturgang, 
sondern auf die kiinstlerische Bildung der ganzen euro- 
päischen Menschheit den grossten Einfluss, und ihre Sprache, 
die epische, blieb für immer dieser Gattung der Poesie eigen. 

Die älteste Ausgabe des Homer von Dbmetrios Chalkondilas 4488, 
spätere von Clarkb 4732 — 40, Wolp 4817, Bothb 4833 — 36, Crusiüs 
4840 — 42, Bekkbr 1843. Uebersetzungen von ßodmer, Stoiber^, 
Bürger, J. H, Voss 4793, zuletzt 4840, u. A. Cammann, Vorschule zu 
Homer, 4829. Hblbio, Die sittl. Zustände des griech. Heldenalters zur 
Erläuterung des Homer, 4839* Näoelbbach, Die Homer. Theologie in 
ihrem Zusammenhange, 4840. Völcker, Homer. Geographie u. Weltkunde, 
4830. Damm, Lexicon nov. Hom., 4765, verbessert von Duncan 4827 u. 
Host 4834. Cbusius, Wörterbuch über Homer u. die Homeriden, 4841. 
Spitzner, De versu Graecor. heroico, max., Homerico, 1846. Netto, Biblio- 
theca Hom., 4837. Zeichnungen zu Homer von Tischbein, Flaxman, 
Inohibami u. Genelli. Eine Reihe freier Uebertragungen der Homer. Ge- 
dichte ist verloren gegangen, doch besitzen wir noch ein in Hexametern 
abgefasstes Gedicht: Epitome Iliados Homeri, von einem ungewissen Ver- 
fasser in grosser Einfachheit und Eleganz des Stils. 

§. 154. Die unter dem Titel ,Batrachomyomachie' be- 
kannte Parodie der ,Ilia8' entstand wahrscheinlich um 
500 V. Chr. und ist, nach Plutarch und Suidas, das Werk 
eines gewissen Pigres. 

Ausgaben von Klein 4834, Crusiüs 4839. Paraphrasirt in neugriech. 
Sprache von Dembtriob Sinos 4530 u. Ausgaben dieser Paraphrase von 
Lacbner u. Mullach 4837. Uebersetzungen von WillamoWy Chr. v. Stol- 
berg, Seckendorf, Merleker in der Zeitschrift für Philologie u. Pädagogik, 
4834, Supplementband I, Heft 3- Das Geschichtliche der Parodie 
von Moser in Daub's u. Creuzefs Studien, Bd. 6. Derselbe', Parodia- 
mm exempla, 4849. Wbland, De praecipuis parodiar. Homericar. scripto- 
ribus, 4833, u. Pbltzer, s. §. 470. 

§. 155. Die dem Homer zugeschriebenen Hymnen — 
nicht Anrufungen und Gebete, sondern epische Schilderun- 



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SechzehfUes CapileL Hellenen. 103 

gen der Eigenschaften, Thaten und Schicksale einer Gott- 
heit — rühren von spätem Dichtem her. 

ScHiiOssEB, Homer u. die H., 4798. Aufgaben yoo Ilqbn 4796, 
Matthia 4805, Hermann 1806, Fbamkb 4828. 

§. \ 56. Nach Homer's Vorgange dichteten die sogenann- 
ten Homeriden (eine auf Chios einheimische Sangerschule) 
und die sogenannten kyklischen Dichter eine Reihe ähn- 
licher Epopöen, denen sie die übrigen mit dem Trojaner- 
krieg verbundenen Heldensagen als Stoffe unterlegten, so- 
dass sie gleichsam einen Cyklus um die ,Ilias' und ,0dy8see* 
bildeten, jedoch auch den thebanischen und Herakleischen 
Mythenkreis dazuzogen und in ähnlicher Weise behandelten. 
Der Inhalt dieser verloren gegangenen Dichtungen ist uns 
im Allgemeinen erhalten durch die ,Chrestomathie* des Pro- 
klos aus dem 5. Jahrh. n. Chr. 

Es sind ,Ku7rpia Itctq' von Stasinos aus Kypros *, ,A&to7cfe' 
des.Arktinos von Milet*, ,Kleine Dias' des Lesches von Mi- 
tylene ', ,'IXfoi> Tc^poic' von Arktinos, die ,N6aT0t' des Au- 
geias, ,Telegonie oder Schicksale des Odysseus nach seiner 
Heimkehr' von Eugammon. Die Zeit für die Entstehung dieser 
Gedichte darf man zwischen 950 — 720 v. Chr. ausdehnen*. 

1 Die Vorbegebenheiten des Trojanischen Kriegs bis auf den Anfang 
der Homerischen Ilias. Henrichsen, De canninib. Cypr., 4828. — * Zug 
und Tod des Memnon. — ^ Waffenstreit des Odysseus und Ajax bis zur 
Bereitung des hölzernen Pferdes. — ^ Schwabz, Diss. de poetis cyclicis 
(neu herausgeg. in dessen Diss. sei., 4778). Wollner, De cyclo epico 
poetisque cyclicis, 482S. Müller, De cyclo Graeco epico, 4829. Welcker, 
Der epische Cyklus oder die Homer. Dichter, 4836. Lanob, Ueber die 
cykl. Dichter u. den sogen, epischen Cyklus d. Griechen, 4837. Döntzbr, 
Homer u. d. epische Cyklus, 4839. 

§. 157. Hesiodos aus Askra in Bootien, wohin sein 
Vater aus Kyme im äolischen Kleinasien ausgewandert war, 
nennt Vellejus dem Homer ,ut tempore, ita operis auctori- 
tate proximum', Cicero aber ,multis seoidis inferiorem^ Er 
scheint das Haupt einer neuen Sängerschule, der boo- 
tischen oder pierischen, gewesen zu sein, die man der 
ionischen oder Homerischen entgegensetzte, daher auch die 
Erzählung von seinem Wettstreit mit Homer * zu Chalkis, 
Aulis oder Delos. 

Ihm werden folgende Dichtungen beigelegt: ,Theogonie' 2, 
,Werke und Tage' ^, ,Katalog der Frauen' und die sogenann- 
ten ,Gros8en Eöen' *, , Schild des Herakles' ^ 

' Der aY(«>v, ein Cento aus Homerischen u. Hesiodischen Versen. — 
^ Schon zu Pausanias' Zeit (450 n. Chr.) nicht mehr für das Seinige ge- 



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104 Zweites Buch, Ethnodoktologie. 

halten. Auflgaben von F. A. Wolv 4783, Obbi.li 4837* M^tzbix, De 
emendatione Theog. Hes., 4833. Guioniact, De la Theog. d'Hes., 4835. 
Grüppb, Ueber d. Theogonie des Hes. etc., 4844. Kobk, De pristiiia 
Theog. Hes. forma, 4842. — ' Didaktischen Inhalts. Lbhbs, Ueber die 
Interpolationen der Werke ua^d Tage in seinen Quaestiones epicae, 4837. 
Rahkb , De Hes. oper. et dieb. , 4 838. Aasgaben von Bbvbok in d. Poetae 
gnomici, 4784, vermehrt Ton Schafbb 4847 n. Spohn 4849. — * Mabk- 
soHBFFBL, De catalogo et Eoeis Hes., 4838. — ^ Von Heikbich 4803 v. 
Rankb 4840. Ausgaben sämmtlicher Gedichte Ton Gbayivs 4667, Löshbb 
4 7"/ 8, Gaisford in den Poetae minores Graeci, 4844 u. 4823, L. Dindo&f 
4830, G5TTLINO 4834 (2. A. 4844). Die Bruchstücke von Mabkschbffbl 
4840. Deutsche metrische Uebersetznng von J, H. Vons 4806. F. Thibbsch, 
Ueber d. Gedichte des Hesiod, ihren Ursprung u. Zusammenhang mit denen 
des Homer, 4813. 

§. 458. Zu den herrenlosen Gedichten (Itdq ahioKoza^ 
gehört jMapYCnric' (Eulenspiegel), ein Spottgedicht auf einen 
einfaltigen Menschen; ^Elgeauirr^'^ beim Betteln zu singen. 
Geranomachie, Arachnomachie, Myobatrachomachie, Galeo- 
machie (des Theodoros Prodromos existirt noch), die Xeuco- 
YpajxpiaTOi, Genealogien der Gotter und Helden, Kosmogonien, 
Titanb- und Gigantomachien, ,Argonautika% ,Dionysiaka^, 
,Thebais und Epigonoi', ,Amazomka', ,The8ei8% ,Oedipo- 
deia^ u. a. sind nur dem Titel nach bekannt. 

§. 159. In den Kanon für das Heldengedicht nah- 
men die alexandrinischen Grammatiker nur folgende fünf 
Epiker auf: Homer, Hesiod, Peisandros von Eameiros (650), 
Panyasis von Halikailiass (464) * und Antimachos von Ko- 
lophon (aus dem 5. Jahrh. v. Chr.) *. Peisander und Pa- 
nyasis feierten die Thaten des Herakles, Antimachos die 
Thebais. 

1 Bruchstücke von Tzsohibnbb 4842- Ueber ihn Funke 4837. — 
^ Bruchstücke von Schbllbnbbro 4786. 



b) Das lyrische Zeitalter. 

§. 160. An den Höfen der kleinen Tyrannen in den 
Städten des Mutterlandes und der Colonien herrschte ein 
heiteres, durch Mu|ik und Poesie gehobenes Leben, daher 
auch Dichter und Sanger daselbst gern gesehen und geehrt 
wurden. Zu den Genüssen und Freuden, denen man hier 
nachstrebte, passte das ernste Heldengedicht nicht, daher 
kam eine leichtere und kürzere Gattung auf, die man Lyrik 
nannte, weil ihr Zweck war, zur Leier (Lyra) gesungen 
zu werden. Sie zerfallt in drei Hauptgattungen: ele- 



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Sechzehntes CapUel HeUenen. 105 

gische, iambische und melische, und in mehre Unter- 
abtheilungen. 

Die Literatur gibt Wachsmüth in d. Cultnrgesch. I, 463. Anm., u. 
über die Colonien Baoül-Bochbttb, Hist. de r^tabliss. des colon. grecqiies, 

4845. SoHNBiDEWiN, Delectus poesis Graecor. elegiacae, iambicae, meli- 
cae, 4839. Eine zweite Sammlung von Bbbok 4843. 

§. 161. Der alexandrinische Kanon enthielt neun Ly- 
riker: Alkman den Lyder, Alkäos und Sappho von Mity- 
lene, Stesichoros von Himera, Ibykos (den Grotterfreund) 
von Rhegion, Anakreon von Teos, Simonides von Keos, 
Pindaros von Theben und Bakchylides von Julis; vier El e- 
giker: Kallinos von Ephesos, Mimnermos von Kolophon, 
Philetas von Kos und KÄllimachos von Kyrene; drei 
lambographen: Archilochos, Hipponax und Terpandros. 

a) Elegische Dichtart. 
§. 162. Elegie ist mehr Benennung eines Metrums als 
einer eigenen Dichtungsart, sofern dem heroischen Hexa- 
meter sich der Pentameter zugesellt und so das elegische 
Distichon hervorruft, als dessen Erfinder Kallinos genannt 
wird. Die elegische Poesie ist politischer, gnomischer 
und erotischer Art. 

Wbbbb, Die elegischen Dichter der Hellenen, 4826. CasÄb, De car- 
minis Graecor. elegiaci origine et notiione, 4837. Sohbbidbr, Das eleg. 
Gedicht d. Alten, in Daub*s u. Creuxer^s Studien, JV, 4, 4808. Hbbtzbbrg, 
Der Begriff der antiken Elegie etc., in i'rute' liiterarhist. Taschenbuch, 

4846, S. 208—398. 

§. 163. Die politischen Lieder des Kallinos von 

Ephesos*, Tyrtäos von Athen* und Solon von Athen. 

1 lieber ihn Fbankb 4846. — ^ M^vj icoXefJLiOTiQpta oder ipL^aTTpioi^ bes. 
To KaoT^petov. Matthia, De Tyrtaei carminib., in Vermischte Schriften, 4833- 
Gaisford, Poetae Graeci minores, 4823. Bach 4834 u. 4832. Passow in 
Bü8ching*8 u. Kannegiesser*s Pantheon. Sbckendobf, Blüten griech. Dichter, 
4800. Bbacn, Weisen von Hellas, 4822. Bobbbbo, Hellas u. Bom, 4842. 

§. 164. Die gnomische Poesie ist nach ihrer Ein- 
kleidung epigrammatischer, nach ihrem Inhalte didak- 
tischer Art. Dahin gehören die Denkspruche der Sieben 
Weisen (nach Voss): 

Mass zu halten ist gut (opiorov (Ji^Tpov), dies lehrt Kleobulos ans Lindos. 
Jegliches vorbedacht (pieX^TTn to iidv), heisst Ephyras Sohn Pgriander K 
Wohl erwäge die Zeit (xatpov ^vw^t), sagt Pittakos aus Mitylene. 
Mehrere machen es schlimm (ol tcXcCovc xaxoO , wie Bias meint, der Priener. 
Bürgschaft bringet dir Leid {iyy^a, izdga 8' S-nq), so warnt der Milesier 

Thaies. 
Kenne dich selbst (^vw^t aauiov), so befiehlt der Lakedämonier Cheilon. 
Endlich: nimmer zu sehr (jjiiQÖkv ayav), so gebeut der Kekropier Solon. 



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106 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Femer die Spruche des Theognis aus Megara^, des Pho- 
kylides aus Milet oder Chios ' und die Pythagorischen 

,Xp\)aa sTHi'*. 

1 Statt seiner nennt Plato im Protagoras den Myson aus Chen in 
Lakonien. Waonbb, De Periandro, Corinthior. tyr. , 4828- — * Ausgaben 
Ton Bekkbr 4845 n. 4827 n. Wbloker 4826. Theognis restitntns. Tiie 
personal history of the poet Theognis, deduced from an analysis of bis 
existing fragments, 4842. Bebok, Ueber d. Kritik des Theognis, im Rhei- 
nischen Museum für Philologie, 4843 — 44. — ' Von Nickel 4834. — 
4 McH. Nbander, Opus aureum, in quo continentur Pythagorae carmina 
aurea, Phocylidis, Theognidis et alior. poemata etc., 4559. Rhodomam 
4577. Sylbüeg 4591. Brdnck, Poetae Graec. gnom., 4784- Schä- 
fer 4847. Rhode, De yet. poetar. sapientia gnomica, 4840- F. Thiersch, 
De gnom. carm. Graec, in den Act. philol. Monacens., Bd. 3. Gaisfobd 
4g44 — 20 (neu 4823), Orblli 4849 — 24. Sammlung lat. Gnomiker von 
Tschcckb 4790 u. Kremsieb 4809. 

§. 165. Die Epigramme des Simonides aus Julis auf 
der Insel Keos (554 — 469)% besonders die berühmte In- 
schrift auf die in Thermopylä Gefallenen : 

*0 SeCv', dy^iWzv^ Aax£5ai(jLOv£oic , ort T|58e 

Sein Neffe Bakchylides versuchte sich auf gleicher Bahn, 
gelangte aber nicht zu dem Ruhme des Oheims ^. 

Während bei den Grriechen die empfindsame Seite her- 
vortritt, erscheint bei den Romern der Witz als überwie- 
gender Bestandtheil des Epigramms, und in dieser Weise 
fasst auch Lessing ^ie Theorie des Epigramms auf in den 
,Vermischten Schriften' (Bd. \) ^ Herder's ,Zerstreute Blät- 
ter' , Jacobs' ,Tempe' und die ,Griechische Anthologie' ent- 
halten eine Auswahl griechischer Epigramme*. 

^ ScHNEiDEwiN, Slmonidis Cei carminum reliquiae, 4 835. Richter, 
Simonides von Keos nach seinem Leben beschrieben u. in seinen poet. Ueber- 
resten übersetzt, 4836. Cdrtmann, Simonides et Pythagoras artis mnemo- 
nicae inventores, 4827. — * Aasgabe von Neüb 4 822. — ^ Grokb, De 
theoria epigrammatis denuo constituenda, 4826. — •* Wblckee, Sylloge 
epigramm. Graecor. ex marmorib. etc., (2. A.) 4828. Jacobs, Leben u. 
Kunst der Alten, 4824. 

§. 166. Die didaktische Dichtkunst, welche sowol 
dem Gebiete der Poesie als dem der Philosophie angehört, 
bildete vornehmlich Empedokles von Agrigent (450) aus, 
den wir jedoch mehr aus den Nachahmungen des Romers 
Lucrez (95 — 56 v. Chr.) kennen, als aus den übrig ge- 
bliebenen Fragmenten. 

Stürz, Empedocles Agrig., 480ö. Pbybon, Emped. et Farmenidis 
fragm. etc., 4810. Karsten, Emped. Agr. carminum reL, 4838. Lom- 
MATZsoii, Die Weisheit des Emped. philos. bearbeitet, 4830. Dombnico 
bciNA, Memorie sulla vita et la filosofia di Emped., 4843. 



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Sechzehntes Capitel. Hellenen, 107 

§. 167. Zur didaktisclien Classe gehört auch die Fabel 

(aJvoc, {JLuS'oc, X^yoc, aTcoXoyoc), als deren Bepräsentant Aeso- 
pos (XoYOTCoioc), ein phrygischer Sklave Jadmon^s aus Samos, 
betrachtet wird. Lange erhielten sich seine Fabeln nur 
durch Tradition, dann soll sie Demetrios Phalereus (300) 
gesammelt und Babrios (200 oder 30 v. Chr.) in Choliamben 
umgearbeitet haben. Die gewohnliche Sammlung derselben 
ist von Maximus Planudes K 

1 Herausgeg. durch Rb. Stephancs 4546* Gbaubbt, De Aes. et 
fabulis Aesop., 4825. 

§. 168. Begründer der erotischen Dichtung ist Mim- 
nermos aus Kolophon (geb. 630 v. Chr.), der den Schmerz 
einer unglücklichen Liebe zur Nanno besang K Seine Nach- 
folger sind Antimachos und Hermesianax aus Kolophon, 
Alexander^s d. Gr. Zeitgenossen. 

1 Aasg. Ton Bach i 826. Schönemanm, De vita et carminib. Münn., 4 823* 

§. 469. Eine Nebenform ist das axoXiov (fajxa oder jjlsXoi;, 

ein bei Gastmahlen von den Gästen selbst zur x&apa oder 

- Xupa gesungenes Tafellied, als dessen Erfinder Terpandros 

aus Antissa in Lesbos (670) gilt, zugleich Schopfer der 

griechischen Musik. 

ß) lambisohe Dichtung. 

§. 1 70. Als Erfinder derselben gilt ArchUochos von Faros 
(700), daher Horaz: ,Archilochum prof)rio rabies armavit 
iambo.' Die Alten stellten ihn dem Homer an die Seite. In 
Griechenland waren die dramatischen Dichter, besonders in 
der alten Komödie, unter den Romern Horaz in den ,Epoden' 
seine Nachahmer. Der halbe Pentameter, dessen er sich häufig 
bediente, heisst nach ihm der Archilochisch^ Vers ^. Hipponax 
aus Ephesos (530), auch Erfinder des Choliamb, der deshalb 
auch Hipponaktischer Vers heisst ^. Der ältere Simonides aus 
Samos, auch wegen seiner Auswanderung nach der Sporaden- 
insel Amorgos der Amorginer genannt (650), hinterliess in 
iambischen Trimetern ein Spottgedicht auf die Weiber '. 

> Ausg. von LiEBEL 4812 u. 1849. Uebersetzt von Herder in den 
Zerstreuten Blättern u. von Passow im Pantheon. — ^ Ausg. von Wblckeb 
4S47. Peltzbr, De parodica Graecor. poesi et de Hipponactis , Hegemonis, 
Matronis parodiamm fragmentis, 4855. — ' Ausg. von Welcker 4835. 
uebersetzt von Jacobs im Tempe u. Falbe in Kocii's Eurynome. 

Y) Melische Poesie. 
§. 171. Die melische (erotische) Poesie, auch 
Lyrik im engem Sinne, war aufs innigste mit Musik und 



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108 Zweites Buch. Ethrndoktologie. 

Tanz verbunden. Ihre einzelnen Formen sind S[i.voc, icoiav 
(besonders auf Apoll), xmogri^uz (von Pratinas, auf ApoU, 
begleitet von mimischem Tanz), 5iMpa|jißo^ (auf Bakchos), 
9aXXixa und l^a)Atxa (an Bakchosfesten), ^yxc^ftiov, lmv£- 
X10V9 if7caivo^9 vpievaioiy yafJiiQXia, apitareia, iici^aXa|ua, epo- 
Tixa, TcaiStxa (auf schöne Jünglinge), Tzalywz (fröhliche 
Lieder), ^pT^voc, iizofrlfieioL. 

Als Vater dieser Poesie wird Alkmäon oder mit dorischer 
Endung Alkman der Lyder (640) genannt, zugleich Erfinder 
des nach ihm benannten Alkmanischen Versmasses. Ebenso 
erhielten andere Versmasse durch Alkäos und Sappho \ Askle- 
piades, Olykon und Phaläkos schon früh ihre Vollendung. 
Ausser der Sappho und Erinna zählte man noch sieben 
lyrische Dichterinnen: Myrtis, Korinna,Telesilla,Praxilla, 
Myro (Möro), Nossis und Anyta. Ibykos aus Ehegion* und 
Stesichoros aus Himera ' besangen die Liebe. Der Töne 
Meister, Arion, aus Methymna auf Lesbos (624), gab dem 
Dithyrambos eine kunstvolle, regelmässige Form*. Anakreon 
aus Teos in lonien (530) ist Erfinder der TcaiYvto. Unter 
seinem Namen sind noch 68 Gedichte übrig, von denen die 
Kritik nur wenige als echt anerkennt ^ 

Von dem grössten lyrischen Dichter der Griechen, Pin- 
daros aus Theben (522—442), haben wir noch 45 iKLvocia 
^a\kOLXOL übrig, Preiögesänge auf die in den vier grossen hel- 
lenischen Nationalspielen gekrönten Sieger und auf die Gott- 
heiten, denen diese Feste gewidmet waren, welche Aristo- 
phanes nach dem Orte der Kampfspiele in 44 olympische, 
4 2 pythische, 4 4 nemeische und 8 isthmische Oden eingetheilt 
hat. Horaz, der ihm eine eigene Ode gewidmet hat (IV, 2), 
sagt von ihm: ,Fervet immensusque mit ore proftindo' *. 

1 Matthia, Fragmente des Alkäos, 4827. Biohtbb, Sappho n. Erinna 
nach ihrem Lehen heschriehen n. in ihren poetischen Ueberresten übersetzt 
u. erläutert, 4833« Wblckeb, Sappho von einem herrschenden Vornrtheii 
(Liebe zu Phaon, Sturz vom leukadischen Felsen) befreit, 4846. — * Ueber 
ihn ScHNBiDBwiN 4836. — ^ Ueber ihn Kleine 4828 u. Fritzsche, De pali- 
nodia Stesichori, 4837. — * Ldtkb, De Graecor. dithyr., 4829. Timkowski, 
De dithyr., in Bekker's Act. semin. philolog., I, 246 fg. Schmidt, Diatribe 
in dithyr. poetarumque dithyr. reliquias, 4846. Ueber Philoxenos (aus dem 
4. Jahrh.) Bbbolbin 4843. Bippabt, Philoxeni, Timothei, Telestis dithy- 
rambographor. reliquiae, 4843. — ^ Ausg. von Mehlhorn 4836, Bebok 
4834. Uebersetzungen von Cteim, Götz, Ramler, Degen, Overbeck, Kanne- 
giesser, Jordan, Möhius, Rettig, — ^ Nach der ersten Bekanntmachung 
durch Aldüs 4643 wurden seine Oden herausgegeben von Schmidt 4646, 
Heyne 4773 (zuletzt 4824), Böokh 4844—22, F. Thierbch (mit steter 
Opposition gegen Böckh) 4820, Dissbn 4830 (2. A. von Schnbidbwin 4843). 



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Sechzehntes Capüel. Hellenen. 109 

Uebersetzungen von Fähse 4804—6 u. 4824, Ganten 4844, Mommsen 4846. 
Schneider, Versuch über Pindar's Leben u. Schriften, 4774. Baüoben- 
STEiN, Zur Einleit. in Pindar's Siegeslieder, 4842. Gf. Heruakn, De dia- 
iecto P. etc., Opusc. I, 245 fg. 

§. 172. Die Frage, ob es bei den Hellenen Volkslieder 
gegeben habe, wird von mehren Seiten bejaht. Vielleicht 
gehorten die Kinädologien undEthiologien, die bei mimischen 
und pantomimischen Darstellungen gesungen wurden, zu den 
Volksliedern. Fast alle Beschäftigungen des gewohnlichen 
Lebens hatten ihre Lieder, deren Titel und Classen die 
Grammatiker nennen: Pistika, Elinos, Julos, Aletis, Kata- 
baukalesis u. s. w. 

Zell, lieber die Volkslieder d«r alten Griechen, 4826. Köster, De 
cantilenis popularibns vet. Graecor., 4834. Die Reimereien der Sprach- 
sprecher oder Improvisatoren, die im Alterthum besonders in Griechen- 
land, im Mittelalter in Valencia, Minorca und in Italien heimisch waren, 
wo Petrarca die Sitte der improvisirenden Dichter, den Gesang mit der 
Laute zu begleiten, eingeführt zu haben scheint. In Deutschland findet sich 
besonders in Steiermark und Tirol einiges Talent fnr die Stegreifdichtung. 
GöBRES, Die deutsch. Volksbücher, 4807. 

in. Die attische oder goldene Periode. 

§. 473. In der Perikleischen Generation, dem golde- 
nen Zeitalter der Griechen (469 — 429), oflFenbart sich ein 
geistiges Streben und Ringen, eine Genialitat und Geschick- 
lichkeit zu Allem, was ergriflPen wird, wie es sich in der ganzen 
alten Geschichte nirgends wiederfindet. Dieses attische Zeit- 
alter bringt das Drama, die Philosophie, die Geschicht- 
schreibung und die Beredtsamkeit zur Blüte und Reife. 

KuTZBN, Perikles als Staatsmann , 4834. Ders., De Atheniensium im- 
perio etc., 4837. Lobbntzen, De reb. Athen., 4834. Wbndt, Perikles etc., 
4836. OoiNBKi, Pericles et Plato, 4838. Zikkbisbn, Gesch. Griechen- 
lands etc., 4832 — 40. Dbotsen, Gesch. d. Hellenismus, 4836 — 44. 

a) Dramatische Poesie. 

§. 474. Aus der epischen und lyrischen ging die dra- 
matische Poesie hervor, indem sie zu dem Chorgesange 
Rede und Handlung hinzufugte. Schlosser beweist *, dass 
das Drama ein eigentlich attisches Institut sei und 
sich an die Verehrung des Dionysos anlehne. 

In Athen gab es mehre Dionysien: die grossen oder 
stadtischen, die ländlichen, die Anthesterien und die Lenäen, 
wenn anders diese nicht einerlei sind mit den ländlichen oder 
mit den Anthesterien, worüber gestritten wird. Theatralische 
Vorstellungen wurden nur an den städtischen und an den 



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110 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

ländlichen Dionysien gegeben; dramatische Wettkämpfe aber 
scheinen nur an den städtischen Dionysien stattgefunden zu 
haben ^; auf dem Lande begnügte man sich mit einfachen 
lustigen Aufzügen, mit Phallagogien und phallischen Liedern. 
Die Spassmacher und Improvisatoren hiessen in Sicilien Auto- 
kabdalen, in Lakonien Deikelisten; ihre Autoschediasmata; 
schon im 7. Jahrh. y. Chr. Aristoxenos. 

Aus solchen Chorgesängen und der damit verbundenen 
Erzählung (Bpafjux iKti^ohio^) und Darstellung einer Hand- 
lung bildeten sich unmerklich drei völlig abgeschlossene, 
voneinander getrennte Dichtungsarten, die Tragödie, 
die Komödie und das Satyrspiel ^ 

1 Universalhistor. Uebersicht, II, 402. — * Nach Scholl und Kanne- 
giesser, abweichend Ruhnken, Barthelemy und Bockh. - — ' Nach Aristoteles 
war TpaY(p8ta to iraXatov tJvofia xotvov xai izph^ ttjv xcofKoSiav ' uorepov bl 
xh jjlIv xotvov ovofia ^oxev y) TpaytoSfa, fl ^^ xöpLWÖCa ?8tov. Bülbngrb, De 
theatro ludisque scenicis, 4 603. A. W. Schleobl, Ueber dramat. Kunst u. 
Lit. , 1 808- Scholl , De orig. Gr. dramat. , i 828. BÖokh , Graecae tragoed. 
principium, 4808. Schneider, De originib. tragoediae et comoediae Graec., 
4848. Flöoel, Gesch. d. komischen Lit., 4787 fg. Dahlmann, Primordia 
et successus veteris comoed. Athen., 4844. Gbtsar, De Doriensium co- 
moedia, 4828, u. De Graecor. trag, circa Demosth. temp., 4830. Casau- 
B0NU8, De satyrica Graecor. poesi, 4606; neue A. von Rambach 4774. 

§. 175. Die Aufführung dramatischer Stücke gehörte zu 
den musischen Wettkämpfen. In älterer Zeit traten die 
Dichter nicht mit einem einzebien Stücke zum dichterischen 
Wettkampfe auf, sondern mit einer Tetralogie \ die aus drei 
Tragödien bestand und einem Satyrspiel, oder doch wenigstens 
mit einer Trilogie *, dreien Tragödien, welche meistentheils 
durch den fortlaufenden Inhalt zusanunenhingen, bis Sophokles 
auch den Wettkampf mit einzelnen Tragödien einführte. 

An Schauspieltagen wurden die Theater schon mit Son- 
nenaufgang geöffiiet und man gab vom Morgen bis Abend 
gewohnlich neun Tragödien und drei Satyrspiele von drei 
um den Preis kämpfenden Dichtem. Die einmal aufgeführ- 
ten Stücke durften nur nach Verlaijf eines bestimmten Zeit- 
raums und nach gewissen zweckmässigen Umänderungen zum 
zweiten mal auf die Bühne gebracht werden. Daraus erklärt 
sich der ßeichthum der griechischen Literatur an Theater- 
stücken. Die Alten führen wenigstens 200 Tragödien vom 
ersten Range an und 500 vom zweiten; Komödien werden 
fast ebenso viele gezählt. Die AufRihrung wurde meistens 
von dem Dichter selbst geleitet. Ueber den Erfolg der dra- 
matischen Wettkämpfe verfasste man Urkunden, aus denen 



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Sechzehntes Capüel. Hellenen. Hl 

die hihaaytOLkloLi (kritische Repertorien) hervorgegangen sind. 
Die Aufsicht über die Schauspiele hatten die beiden ersten 
Archonten. Bei ihnen meldeten sich die Dichter und baten 
um den Chor, für welchen die Kosten in den Phylen wechsel- 
ten. Der Chorag und die Choreuten mussten bei den grossen 
Dionysien durchaus attische Bürger sein; an den Lenäen 
wurde diese Liturgie auch den Metoken überlassen. Zu einem 
Stücke gehörten drei Acteurs (seitdem Sophokles den rpt- 
xar{micvr^i^ oder tertiarum partium actorem eingeführt hatte, 
daher Horaz : ,Neu quarta loqui persona laboret'), deren jeder 
mehre Rollen spielen konnte. Die Hauptrollen übernahmen 
anfangs die Dichter selbst, denn die Schauspielkunst war 
bei den Griechen nicht so verachtet wie in Rom. Gute Spieler 
erhielten für zwei Vorstellungen ein Talent (1365 Thaler), 
wie Polos zu Demosthenes' Zeit, Aristodemos und der Sän- 
ger Amobeus. Zu heroischen Rollen wurde der Kothurn 
gebraucht, der aus vier übereinandergelegten Korksohlen 
bestand, dazu eine Haartour, wodurch der Spieler sich der 
Heroenstatur zu nahem suchte. Vor der öffentlichen Auf- 
führung fanden Proben statt in einem Theaterzimmer (jxeXe- 
TTQptov) vor dem Archon, wobei ein Souffleur (uTuoßoXeuc) zu- 
gelassen wurde und gewöhnlich der Dichter selber als x^P^- 
8i5aGxaXoc den Chor einübte. Die Vorbereitungen mussten 
sorgfaltig sein, besonders auf Gesten und Declamation, 
worin das irj^txov (Ausdrucksvolle) liegt, und Cicero sagt: 
jSaepe tota theatra reclamant, si pauUum modo offensum est 
aut contractione aut productione.' Deshalb gingen auch die 
Staatsredner bei den Schauspielern in die Schule. Ob Frauen 
an dem Spiel Theil hatten, ist nicht entschieden; sie wurden 
aber zur Feier der Feste gezogen. Der Name des Stücks 
wurde im Theater durch einen Herold angekündigt. Der Preis 
wurde der Pyle ertheilt und bestand blos in dem Ausspruch, 
dass ihr Chor gesiegt habe. Die Dichter erhielten einen Drei- 
ftiss oder Weinschlauch, später auch Geld oder Kräpze ^. 

* Gf. Hebmann, De compositione tetralogiarum tragicarom, 4849, in 
den Opusc, Bd. IL Scholl, Die Tetralogie d. attisciien Tragiker, 1839. 
Dbotsen, Die Tetralogie, in d. Zeitschrift für die Alterthumswissenschaft, 
4844. — 2 Wblckbb, Die Aeschyleische Trilogie, 4824, u. Nachtrag, 4826. 
Fbanz, Des Aeschylos Oresteia (Agamemnon, Choephoren u. Eumeniden), 
4846. — ^ Ueber die Einrichtung der Theater: Meblbkbb, Kosmogeo- 
graphie, §.523. Geppebt, Die altgriech. Bühne, 4 843- Genelli, Theater 
zu Athen, 4848. Schneider, Das attische Theaterwesen, 4835. Stbaok, 
Das altgriech. Theatergebäude, 4 842. Gruppe, Ariadne, die trag. Kunst, 4 834. 



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112 Zweites Buch. Elhnodoktologie, 

KAinmoiBSSBB, Die komische Bohne £n Athen, 4847. Wagneb, Die griecb. 
Tragödie n. das Theater zu Athen, 48i4. 

§. 176. Die Ableitung des Wortes Tragödie ist un- 
gewiss, vielleicht von Tpayo^ (Bock), welchen die bei der 
Dionysosfeier wetteifernden Sänger zum Siegerlohn erhiel- 
ten, was auch Horaz (,Ar8 poet>, SlSlO) annimmt: ,Carmine 
qui tragico vilem certavit ob hircum.^ Sie wählte ihren Stoff, 
mit geringen Ausnahmen (, Zerstörung Milets^ von Phry- 
nichos, ,Perser' des Aeschylos) aus der Mythologie, um 
durch DarsteUung der Grossthaten der Vergangenheit das 
jüngere Geschlecht zu belehren und zur Nacheiferung zu 
befeuern. Der Chor, schon in den altem lyrischen Dramen 
der Stutzpunkt, ist auch ein wesentlicher Bestandtheil der 
griechischen Tragödie. Er bestand gewohnlich aus Greisen 
oder Jungfrauen und war in den friihesten Zeiten sehr zahl- 
reich: der tragische zählte 50, der satyrische und komische 
24 Personen. Er theilte sich in zwei Hälften, jede mit einem 
Sprecher (xopu9aio^); an der Spitze des Ganzen stand der 
Chorag. Wenn der Chor in den Dialog eingriff, so sprachen 
der Chorag oder die Koryphäen im Namen der übrigen 
Choreuten. Der eigentlich lyrische Theil wurde von dem 
ganzen Chor zu den Tonen der Flöte gesungen und mit an- 
gemessenen Bewegungen (eijxö^eta) begleitet. Seine feier- 
lichen Tänze führte er in der opx'jqcJrpa auf; wenn er nicht 
sang, sondern nur theilnehmend der Handlung zuschaute, 
stand er auf einer Erhöhung (SdjjlsXtq) in der Mitte der Or- 
chestra. Die Tragödien waren nicht in gesonderte Acte einge- 
theilt, sondern spielten die Handlung ununterbrochen bis ans 
Binde fort, hatten jedoch gewisse Abschnitte, während welcher 
die Bühne leer geblieben wäre, wenn der Chor nicht die Schau- 
spieler ersetzt hätte. Eigenthümlich sind ihnen noch die soge- 
nannten drei Einheiten, der Zeit, des Orts und der Handlung. 

Erfinder der Tragödie soll Epigenes von Sikyon oder 

Thespis aus Ikaria in Attika gewesen sein, wie auch Horaz 

(,Ars poet.', 275 fg.) annimmt: 

Ignotum tragicae genas invenisse Camoenae 
Dicitur et plaustris -vexisse poemata Thespis, 
Qaae canerent agerentque pemncti faecibns ora. 

§. 477. Die Komödie entwickelte sich aus den phal- 
lischen Chören und ist entweder auf attischem oder sici- 
lischem Boden entstanden. Ihr Name wird abgeleitet ent- 



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Sechzehntes Capitel. Hellenen. 113 

weder von c^St) ^v xdipiat^ (Dorfgesang), oder vom lustigen 
x5jJL0<; (Schmaus) und t^hri (Weingesang, Freudengesang). So 
zog Susarion aus Megara oder, wie Thespis, aus dem attischen 
Flecken Ikaria, zwischen 576 — 560, in Begleitung eines gewis- 
sen Dolon, auf dem Lande Attikas umher und ergötzte von 
einem Wagen herab, der ihm als Theater diente, das rohe Volk 
mit seinen derben Spässen. Bald wurde das Lustspiel Parodie 
der Gegenwart und der öffentlichen Zustände. Erst mit dem 
Sturz der demokratischen Verfassung wurde die alte Komödie 
durch einen Machtspruch ihrer uneingeschränkten Freiheit und 
des Chores beraubt, daher Horaz (,Ars poet.', 284 fg.): 

Successit vetns bis comoedia, non sine mnlta 
Laude, sed in vitiom libertas ezcidit et vim 
Dignam lege regi; lex est accepta cbornsque 
Tnrpiter obticuit sablato jure nocendi. 

Syrakosios und Lamachos verboten, jener 445, dieser 404, 
Zeitbegebenheiten auf der Bühne darzustellen, lebende Per- 
sonen namentlich einzufuhren (jxy) ovojxaaTt xc^ijkoSsiv, nach 
Andern ein Gesetz von 388), noch durch Masken kenntlich zu 
machen und sich der Parabase ^ zu bedienen. 

Dadurch bildete sich die sogenannte mittlere Komödie, 
welche, die personliche satirische Richtung aufgebend und 
stait derselben die maskirte und charakteristisch -bezeichnende 
aufnehmend, den Uebergang von der alten zu der mit Phi- 
lemon beginnenden und mit Menandros (342 — 290), einem 
Sohne des attischen Heerführers Diopeithes, culminirenden 
neuen oder moralischen, von den Kömem nachgeahmten 
Komödie, ohne Chor, vorbereitete, deren Hauptstoff die Schil- 
derung des Umgangs junger Athener mit Hetären (Terenz) 
und deren Hauptpersonen lustige Diener und liederliche 
Söhne, allegorische Wesen im Prolog (im ,Trinummus^ des 
Plautus) bilden. Die vier Charaktere, welche Menander ge- 
schaffen, hat Ovid in folgendem Distichon zusammengestellt: 

Dum fallaz seryus, durns pater, improba lena 
Vivent, dum meretrix blanda, Menandros erit *. 

^ V^orte, die der Cborag im Namen des Dichters an die Zttocbauer 
sprach and die ohne nähere Beziehung auf die Handlung des Stücks gewöhn- 
lich nach dem ersten Chorgesange eingeschaltet sind. — ^ F. Scbleobl, 
Vom künstl. Werth der alten griech. Komödie, 4794 ; Werke, 4822, IV, 26 fg. 
Stollb, De comoediae Graecae generib., 4834. Gbaüert, De med. Graec. 
comoed. natura (im Khein. Museum), 4S28, H. 4. 

§. 478. Das Satyr drama der Griechen, nach den Sa- 
tyrn benannt, welche die Hauptrolle darin spielen, darf 

Mehlkksr. S 



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114 Zweites Buch, EthnodoJUQlogie. 

nicht mit der romischeu Satire ^ einem didaktischen Gedichte, 

verwechselt werden, dessen Name von satura abgeleitet 

wird. Die romischen Atellanen hatten mit dem griedüsebeQ 

Satyrdrama Aehnlichkeit^ das zugleich der Tragödie und 

Komödie angehörte^ jedoch der erstem verwandter war, 

insofern es seinen Stoff ana der Mythologie entlehnte, sieb 

aber gleichwol von derselben durch seinen heitern Ausgang 

und die darin vorfcomn^enden Possen des Satyrchors unter-* 

sdtxed, in einem eigenthümlichen Silbenmass abgefasst und 

kürzer war als die Komödie, denn es war ein kleine» Stuck, 

das nach der Tragödie zur Erheiterung gegeben wurde. Der 

darin vorkommende Tanz des Chors hiesa ^ucC^vi} und cUiyk 

von seinem Erfinder Sikinnos. 

Die beiden vorzüglichsten Dichter dieser Gattung waren, 

nach Pausanias^ Urtheil, Aeschylos und Aristias« Das einzige 

vollständig erhaltene Satyrdrama ist des Euripides yKyklops^ ^. 

1 Darüber Gbhthb 4836- üeber da« Satyrdrama: Eichstadt 4795 
n. Hermann *8 Widerlegung dieser Schrift in den Opnsc. I., 1827; femer 
Pbisobb 4832. 

§. 179. Die von Epicharmos aus Kos (488 oder 470) 
erfundene sicilische Komödie war eine Mittelgattung 
zwischen dem Satyrspiel und der attischen Komödie. Plau- 
tus hat sich, wie Horaz (,Bpist.*, II, I, 58) versichert, nach 
Epicharmos gebildet, dessen Brttdfistücke Kruseman gesam- 
melt hat (t834). 

§. \S0. Verschieden von diesen drei Arten des kunst- 
mässig ausgebildeten Dramas waren die pantomimischen 
Darstellungen lacherlicher Auftritte und die Mimen, dra- 
matische Gemälde des wirklichen Lebens in Gresprachsform, 
als deren Schopfer Sophron aus Syrakus (420) genannt 
wird. Nachahmung durch Theokritos in den ,AdoniaÄUsen^ 

Ein Tarentiner Rhinthon (2f80) wird Erfinder der EXajo- 
TpaY^Sfa (tragischen Parodie) und daher 9X0«$ oder (^hxxxs- 
7pa9oc (Possenreisser), und Timon von Phlius (270) ein 
SiUograph (atXXo^ ist Spottgedicht oder Parodie) genannt ^ 

KCvot&oi ^ oder iwvtxoi Xoyoi waren Gedichte von komisch- 

lyrisehem Charakter, possenreisseriseh^schmuzigem Inhalt? 

von Simos (daher ai|JLCj>5of) erfunden, dem Lysis (XixJtwSot) 

folgte; Beide übertraf Sotades (xi SoTocSeta). 

> De siUis Graecorum: Eckbrmann -1746, Wöl^^b 1820, Paul 482t 
BöTTiOKR, Ariadne n. Bacchus, eine Pantomime nach Xenophon , in dessen 
Kleinen Schiiften, ISA, III. — * Vgl. oben §. M% 



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Seeh%tktU09 CapiteL HeUen$n. 115 

§. 484. In den alexandrinisoben Kanoi^ für die Tra* 
gödie waren nnr fünf Dichter anfgenommen: AeschyloB^ 
Ion von Ghios^ Ach&os von Eretria, Sophokled und Etiri* 
pides; als sechster Tnrd von Einigen auch Agathon von 
Athen ^ hinzugefügt« 

Aelter als diese sechs ist Phrynichos ^ aus Athen ^ der 
schon 5'H den Siegespreis im Trauerspiel gewann und 476 
wiederum als Sieger auf der Bühne erscheint. Wegen seines 
Stücks ,Milets Zerstörung^ verfiel er in Strafe, weü er ein- 
heimisches Unglück dargestellt hatte. In diese Kategorie 
gehören auch die ^erser^ des Aeschylos, die aber den Sieg 
der Griechen feiern^ und das epische Gedicht des Säthiers 
Chorilos auf den persischen Krieg K 

1 RiTscHL, Dt Agathonis Tita, Atte et retiqaün, 4ftsd. -^ ' Hwpy« 
MANN, lieber Phrynichus, in Jahn's Archiv für Philologie und Pädagogik, 
4830. Otf. MifLlBft, De Phryniehi PhoenissiH, 48?$. — ^ NIkb, De 
Choerilo, 4847. 

%. \%% Aeschylos aus Eleusis in Attika (^5^-456), 
Mitkämpfer in den Schlachten vöü Marathon xmA f-lataä^ 
gestorben bei Konig Biero in Syrakus und bei Gela be- 
graben, ist der Vater des hohem Trauerspiels, bei Horass 

— personae pallaeque repertor honestae, 
Qui docuit magnumque loqai nitiqne cothurno, 

nach Quiütilian ,sublimid et gravis et graüdildqüM saepe 
usque ad vitium, sed rudis in plerisque et incompositus^, Be- 
gründer des dramatischen Dialogs durch Einfuhrung des zwei- 
ten Schauspielers (SsufcpayovtamJO? Verfasser von 70 — 90 Tra- 
gödien, von denen nur noch isieben übrig sind: ,Agamemnoil* 
(seine Heimkehr und Ermordung durch Klytamnesträ und 
Aegisthos), ,Choephoren^ (Blutrache des Orestes aü d^ii 
Mördern seines Vaters), ,Eumeniden' (Verfolgung des Ofefiteö 
durch die Furien und Lossprectung vor* dem Areöpag), der 
,Gefe8seIte iPrometheus^, die ,Perser*, die ,Sieben gegen The-* 
ben', die ,Schutzflehenden^ (Danaos^ und seiner 50 Tochter 
Flucht aus Aegypten und Schutz in Argos). 

Ausgaben von Stanley 4663, mit Pobson's Verbesgerungen 4795 
u. 48Ö6, SOHÖTZ nsr7 — 4804 (neue A. 1808— 2 4i), Wbllait«* 482ft, 
W. Diin>ontF in dem f^eCaei AMttid. Ghra«ci, K%%Oy Bovair %m\ , 6^. Hbb- 
KA«]«. Ueber^taiHigiNi sämDuaiGlker TragödieB Vob Fähse 1809, Vos* 48d6, 
Drojfssn 483^ (2. A. 4^41), einzelnrer roa SUvern, \^. v. ttumbotdt, Off. 
UiJtÜer. PEfftftSEN, De Aesehyli tif* et fabuli», 4J|f4. BtÄMirt*, Uebet 
die ideo des Schicksals in d. Tragödien deg Ae«eb. y 484 4. B* dben §. 47&y ). 

§. 483. Sophokles aus K^lonos in Athen (496 — 405), 



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116 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

der Torzüglichste unter den drei grossen Tragikern der 
Griechen, zwanzig mal Sieger in poetischen Wetikämpfen, 
Anfsteller des dritten Schauspielers, Verfasser von beinahe 
430 Tragödien, von denen ebenfalls nur noch sieben vollstän- 
dig übrig sind: ,Antigone^, die vollendetste, die auch in deut- 
dcher Uebersetzung von Böckh und Musikbegleitung ^ von 
Mendelssohn -Bartholdy 1841 in Berlin und seitdem auch in 
andern Städten mit grossem Beifall aufgeführt worden ist ^; 
diese, ,Konig Oedipus^ und ,Oedipus auf Kolonos^ gehören 
dem grossen thebanischen Sagenkreise an; der ,Geissel- 
tragende Ajax^ und ,Philoktet^ gehören dem Sagenkreise 
des Trojanerkriegs an; ,Elektra^ (wie die ,Choephoren' des 
Aeschylos) ist ein Theil der Atridensage ; die ,Trachinierin- 
nen^ behandeln den Untergang des Herakles. 

Ausgaben von Brumok 4786 fg., Musgbavb 4800 fg., Ebfcrdt 4802 — 
4844 n. Hebmann, Elmslet 1827, Schafeb 4840, Schneider u. Witzschel 
4823 — 44, Wunder 4825, Neue 4834, W. Dindorf 4832^36, Ahrens 
4842; einzelner Stacke: Ajax von Lobbck, Antigene von Wex n. Böckh, 
König Oedipus von Elmslet , Oedipus auf Kolonos von Rsisia n. Elmslbt, 
Philoktet Ton Buttmann; die Fragmente von Bothb 4846. Ellbnbt, 
Lexicon Soph., 4834 fg. Wunder, Gonspectas metrorum, qaibus S. nsns 
est, 4825. Deutsche Uebersetzungen von ,4«^ Solger, Donner, Thudichum. 
LE88INO, Leben des S., herausgeg. von Eschbnburo 4790. Scholl, So- 
phokles, sein Leben u. Wirken, 4841. LObker, Die Sophokleische Theo- 
logie n. Ethik, 4864 n. 4855. 

> Clavieraaszug 4843. — ' Böckh, Tölkbn u. Föbstbb, Ueber die 
Antigene des S. u. ihre Darstellung auf dem Schlosstheater im Neuen 
Palais bei Sanssouci 4842 und auf dem deutschen Theater 4842. 

§. 184. Euripides aus Salamis (480 — 406), Sohn des 
Mnesarchos und der XaxavoTcoXi^Tpia Kleito, brachte aus dem 
Umgange mit Anaxagoras, Prodikos, Protagoras und So- 
krates die Sprache der Philosophie auf die Biihne und wird 
daher 9iX6ao9o<; oxiqvixo^ genannt, der Liebling seines Zeit- 
alters, Tpa^ixckaToc, Benutzer des sogenannten Maschinen- 
gottes und des Prologs, gestorben bei Konig Archelaos in 
Makedonien. Von seinen 75 oder 120 Tragödien besitzen 
wir, ausser dem Satyrdrama ,Kyklops', noch 18, deren 
einige für unecht gehalten werden: ,Hekabe', ,Orestes', 
,Phonissä^, ,MedeaS ,'l7C7ceXuTO^ OTe9avYj96po<;' (gewann 429 
den Sieg über die Stücke des lophon und Ion), ,Alkestis% 
,Andromache', ,EQketides^ (Supplices), ,Iphigenia in Aulis^ 
Iphigenia in Tauris', ,Troades% ,Bakchä% ,HeraklidenS 
.Helenas ,lonS ,Rasender Herakles', ,Elektra' und ,Rhe80s^ 

Ausgahen von Barnes 4694, Müsqrave 4778, Matthia 4813 — 37, 



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Sechzehnte* Capitel. Hellenen. X17 

BoissoNADB 4SÜ5 — 27, Fix 4840; Handausgaben von L. n. W. Dihdobf 
482611. 4830, BoTHB 4 825 fg.; einzelner Stacke von Pobsok, Valokbnabb, 
Brcnok, Mabkland, Elhslbt, Monk, 6p. Hbbmanit, Sbidlbb, Klotb, 
Lbntino, Pflvgk, Bothb. Deutsche Uebersetzungen von Bothe, Donner. 
ScHNBiTHER, De E. phüosopho, 4828. Gboppb, Ariadne, 4836. Patih, 
Etudes sur les tragiques grecs etc., 4844 — 43- 

§. 185. Der alexandrinische Kanon für die alte 

Komödie, deren es 365 Stücke gab, umfasste die Dichter 

Epicharmos, Kratinos, Piaton, Aristophanes, Pherekrates 

(nach ihm der Pherekratische Vers) und Eupolis; für die 

mittlere 9 deren es im Ganzen 674 Stücke gab, Antiphanes 

aus Rhodos (380) und Alexis aus Thurii; für die neuere? 

deren 64 Dichter gezählt werden, Philemon aus Soli in 

Eilikien, Philippides, Apollodoros, Diphilos aus Sinope und 

Menandros aus Athen, der allein 105 und darunter acht 

gekrönte Stücke verfasst hat. 

Mbinbkb, Fragmenta comicorum Graecorum, 4839, u. Menandri et Phi- 
lemonis reliquiae, 4823. Curae criticae in comicor. fragmenta ab Athenaeo 
«ervata, 4845. Commentationes miscellaneae , 4822. Quaestiones scenicae, 
4826 — 30. De Euphorionis Chalcidensis vita et scriptis, 4823. Analecta 
Alezandrina, 4843, in denen die Fragmente der Dichter Euphorien, Rhia- 
nus und Alex. Aetolus gesammelt und erläutert sind. Auch von des Kra- 
tinos 24 Lustspielen, die ihm neun mal den Sieg brachten, besitzen wir 
nar noch Fragmente. Lucas, Cratinus et Eupolis, 4826; Rubkbl 4827. 

§. 186, Vollständig erhalten sind uns nur elf Stücke 
von den 54 des Aristophanes, der mit dem attischen Bür- 
gerrecht beschenkt im vierten Jahre des Peloponnesischen 
Kriegs (427) als Dichter auftrat und noch 386 lebte, 
Muster des attischen Dialekts: ,Achamer^ 4SI5, ,Iiitter' 4S1A, 
,Wolken' 423, ,Wespen' 422, ,Frieden' 421, ,V6gel' 414, 
,Lysistrata^, ,Thesmophoriazusen^, ,Frösche^ 405, ,Ekklesia- 
zusen^ (Weiberconvent); in dem ,Pluto8^ 388 haben wir ein 
Beispiel der mittlem Komödie ; der verloren gegangene ,Ko- 
kalos^ 388 gehorte der neuem Komödie an. 

Ausgaben von Brungk 4784 — 83, Intbrnizi unter Beck's Aufsicht 
begonnen 4794, beendigt durch W. Dindorf 4826, Bbkkbb 4829, W. Dm- 
DORp 4838; Plutus von Hemsterhvis 4744 u. 4844, Wolken von 6f. Hbb- 
MAHH 4799 u. 4830 u. Rbisig 4820. Uebersetzungen von Voss 4824 u. 
Droysen 4835 — 38, der Wolken von Wolf 4842. Rötscher, Aristophanes 
n. sein Zeitalter, 4833. 

b) Philosophie. 

§. 187. Die Philosophie entstand in loniea, ging von 
da nach einigen nahegelegenen griechischen Colonien und 
nach Grossgriechenland über, bis sie, auch von hier ver- 



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WS Zweites Buch. Eihnodoklologie, 

scheuoht, in Athen einen festen Sitz erhielt, von wo aus 

sich die menschliche Cultur über ganz Griechenland und 

weiterhin verbreitete. 

Bbandis, Handb. d. Gesch. d. griech.-r6in. Philosophie, i^Zo^kk- 
Ritter n. Prelles, Hist. philosophiae graeco-roman. ex fontium locis 
contexta, 4838. Zj^l^es, IHe Philosophie d* (krieche«, aeit 4844; Bd. 4: 
Die voTSokratische Philosophie, 2. A. 4 855» Tennemahn, Grundriss d. 
Geseh. d. Philos. von Wendt, 4828, zugleich mitliterar. Citaten. Kabstbh, 
Philos. grfiee. v^\. reUq^a^i 4^30. 

• §. 188. Die ionische Philosophenschule ^ (die sogenann- 
ten Physiker) stellte sich die Aufgabe, die Erscheinungen 
in der Natur aus den Kräften und Eigenschaften des Stoffs 
selbst zu erklären, und schlug dabei einen doppelten Weg 
ein, einen dynamischen und einen mechanischen. Den erstem 
ging Thaies, der das Wasser, Anaximenes (540) und Dio- 
genes von Apollonia (460)^, welche die Luft, Herakleitos 
(tfxoTetvoc, 500) ?, der das Feuer, und Pherekydes von Syros 
(540) *, der den Aether und die Erde als Urprincipe auf- 
stellte. Den andern Weg betraten Anaximander (600), De- 
mokritos von Abdera (450)*, Leukippos und Anaxagoras *, 
Freund undliejirer des Perikles, welche die Welt aus einer 
Verbindung einfacher, untheilbarer Grundbesfcandtheile ent- 
§tehen lassen, welche die beiden erßtem als Atome ^, die 
letzteyn als IjomoQmerie^ bezeichnetep. 

1 Ti^ppMA|i9, QriechenlwU«! frs^f Philosophen, 47^0' ^ittb», Qesch. 
d. ionischen Philps., 48^4. — * Soplbibbmaohbr in dr Vermischten SchFif- 
ten, Bd. 2. Panzbbbibter, De Biogenis etc. scriptis et doctrina, 4830- 
SOHORif, An^xagorae et Diog. fragip., 4899. -^ ^ Seine Braehstücke (Mnsae) 
Yon Sqhlsisbiiacheb im Mnseum der Alterthmnswissenschaften, 4 805, IH. ^ 
* Seine Fragm. von Stübz 4789 (3. A. 4824). — ^ Muli^ach, Dem. fragro., 
4843» GBVFEits , Qaaestiones Dem. , 4829. Bvkohabd, Dem. philos., 4830, 
4934. -^ ^ ßeipe Fragm, y^n Sg^AUB^cii 4817 u. Sopo^iv 4899* Beitrigf 
zur ErJtlärung seiner Lehre voß Caecs 4797 u. Brbier 4840* — ^ Papbh- 
coEDT, De atomioorum doctrina, 4832* 

§. 189. Die Pythagpräiscbe Philosophie rührt ihren 
Grrundzügen »aoh von ihrem Gründer Pytbagoras (geboren 
584 auf Samos, Stifter des Bundes zu Kroton in UnteritalieB) 
her, der zuerst den Namen aQ9oc mit dem eines 9tX6c^09o; 
vertauschte; aber die Ausbildung der Lehre gehört seinen 
Jüngern an, deren bekannteste, Philolaos und Archytas, 
Zeitgenossen des Sokrates sind. Sie trugen ihre Lehren in 
Bnathematisohen Formen vor (diü^er die Mathematiker), weil 
aie in de» Äahjieöveyhältnissen d^^s We«en der Dinge e^ 
kf^nnten, deren f^ntatebung sie sieh wiederum durob ^Uon- 



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SechjUhmUs CapiUl. fMlenen. 119 

verbindtmgen eiidirtea. £äne poetische Aneicfat war die 

Lehre von der Harmonie der Sphären. 

RiTTBlt, Oes(sh. d. l^ythagöt, Phttos., 4896. RfellRHOLD, B^tr&ge znr 
Erlftuterufig d. Pythagor. Metaphysik, 4827. Bhakihb, XJeber die Zablen- 
lehre der Pythagor. Q. Platoniker) im Rhein. Mas., II. HAftTBMBTBnr, 
De Arcbytae TareDtini fragm. philos., 1833. QaciPl^lt, Ueber die Fragm. 
des Archytae n. d. altem Pythagofäer, 4846. 

§. 490. Wahrend die ionische und PythagoräiBChe Philo- 
sophie das sinnlich Wahrnehmbare aus dem Unsichtbaren 
und Ewigen kommend und in ihm bestehend begriff, er^ 
klärte Xenophanes aus Kolophon (536), der Stifter der 
eleatischen Schule (zu Elea in Unteritalien), die Welt 
selbst als das Ewige und Unveränderliche und wurde da- 
durch der Vater des Pantheismus. Er und seine Schüler, 
Pannen! des aus Elea (500), Empedokles aus Agrigent (440), 
Zenon slus Elea (450), liessen nur die menschliche Vernunft 
als Erkenntnissquelle der Wahrheit gelten. 

Bbaxbus, Commentationes Eleatioae, 4843* FCllbbosn, Parmenidei' 
Lehrgedicht, i79ß. 

§. 494. Das Glück der Perserkriege hatte die Griechen, 
besonders die Athener, verwohnt. Weltklugheit uöid LebenS- 
genuss wurden als die höchsten Güter angesehen und an 
die Stelle der Religion und des sittlichen Grefohls trat eine 
auf Lug imd Trug gegmndete Philosophie ^ deren Urheber 
und Lehrer, Gorgias von Leontini in Sicüien (440), Prota- 
goras aus Abdera, Prodikos aus lülis auf Kos, Hippias aus 
Elis, Polos, Thrasymachos^ Kallikles u. A., unter dem Namen 
der Sophisten bekannt sind \ 

Gegen sie trat Sokrates aus Alopeke in Attika (469—399), 
des Sophroniskos und der Phänarete Sohn, mit seiner geistigen 
Mäeutik auf und weckte das Gefühl für Keligion, Sittlich- 
keit und Recht in der Btust seinet Sohiiler« Daher sagten 
schon die Alten (Oic. ,Tusc.', V, 4), er habe die Weisheit 
vom Himmel auf die Erde gebracht, und das Orakel nannte 
ihn dvSpcov aTCavrcjv aofcütatov (Scholien zu Aristophanes' 
,WolkenS 444)^. 

Unter seinen zahlreichen Schülern, den sogenannten So- 
kratikem, haben Piaton ^ und Xenophon"^ seine Lehj^e am 
treuesten bewahrt, während Antisthenes *, Aristippos ®, Eu- 
klides ^ sie durch Folgerungen und Schlüsse entstellten. 

Der alexandrinische Kanon umfasste fünf Philosophen: 



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118 



Zweites Buch, Elhwy 



scheuoht, in Athen einen feste* ^ 

mix die menscUiche Cultur / | 

weiterhij» verbreitete. ^ 

Bbandis, Handb. d. Gesch., 
Ritter u. Prellbb, Hist. pW 
coutexta, 4838. Zrl^jsb, Pi J 
Die vorsokratische Philoso' '|' 
Gesch. d. Philos. von Wen / ^ « 1 
P^os. gr^c. vel- veliqr *' j ^ 

§. 488, Dieio/ |||i 



f 



^ 



eles » und The 



ictis literar. 9« 
\, 4832. Ba 

9ER, De BC 

li, 4837. 
Del- 
?ehrif 
5otr 



ten Physiker) ; / 
f 



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^> 



in der Natur 
selbst zu er 
ein, eineiig * 
ging T^ 
gene» 



ßchu. 
-iien Schule. 



wiaer hohen Ideen unu 
Darstellung in feiner dialogischer 
genannt, ward zu Athen 429 geboren, 
. Ariston und der Periktione, ursprunglich 

f^r " genannt, aber wegen seiner breiten Stirn oder 
^^ w^t (^^^ Sokrates?) als Piaton bezeichnet, ausserdem ge- 
^ bildet durch Dionysios, Ariston, Drakon, Kratylos, Eu- 
^jdes, Theodoros, Archytas und den ägyptischen Priester 
gechnuphis (?) in allen Zweigen des Wissens und der 
Kunst, starb 348 bei einem Gastmahle an seinem Geburts- 
tage (7. Thargelion = April) K 

Der Kern seiner Lehre, in welcher die vier Hauptrich- 
tungen der altem Philosophie wie in ihrem Brennpunkte 
vereinigt sind, besteht darin, dass allein das Seiende, die 
Idee, Dauer und Wahrheit habe, dass das Irdische und 
Werdende nur Schein und Wechsel und das Forschen nach 
der ewigen Wahrheit Zweck des Lebens sei. 

Schleiermacher versuchte in seiner Uebersetzung » die 
Platonischen Schriften als ein grosses systematisches Ganzes 
darzusteUen. Den vorahnenden Aufriss des Ganzen sollte 
der Dialog ,Phädros* (über die Schönheit) enthalten. An ihn 
schliessen sich zunächst die elementaren Sokratischen Ge- 
spräche an, die auf die Dialektik, als das Mittel, und die 
Ideen, als den wahren Gegenstand der Philosophie, hin- 
leiten: ,Protagoras^ 3, ,Parmenides' % ,Lysis' «, ,Laches' (von 
der Tapferkeit), ,Charmides' (von der Besonnenheit), ,Eu- 
typhron* «, , Apologie', ,Kriton' ^ ^^q^j andere kleinere Ge- 
spräche. 

Eine zweite Reihe sollten die dialektischen oder vermit- 



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^4^9 Capitel. HeUenen. 128 

♦elti^^^^ti «-^xLi V^^ Fragmente». Da« Gedicht 

^g^^^^^iss ^^ ^ 'pgenes von Laerte geben die 

"^Hi^ an^tt^ ^ .^ohen Systems. 

-on der r. . Wiblakd'« Ariatipp. — » ©a». 

^•. ., * - t 

": $ J • f * ■ '''^' ^**) l^ehauptete, 

r-»^ V ^ ^ ^ J - ^ höchste Gut sei. 

\ ^«f ? - von dem Gymna- 

'^ ^ * Mn ging in der 

.icheno. • -»e (geb. 414). 

(^von der Insel ±y.. ^^ n^^g gi^^ 

^w^olf Bücher von den Gesetze*. ^tigonos 

wird), dazu als Einleitung ,Minos' (vox. >ischen 

erste oder ältere Alkibiades' (von der mens«... «0^7) in 

,Der zweite oder jüngere Alkibiades* (vom Gebeu img 

parchos' (von der Gewinnsucht), ,Die Liebhaber' (vou 'nt 
Philosophie), ,Theage8' (von der Weisheit), ,Hippia8 \^, ^ 
(vom Schonen), ,Hippias 11.' (von der Lüge), ,Ion' {y^ 
der poetischen Begeisterung und von der ,Ilias'), ,Menexe. 
nos' (Rede auf gefallene Athener), ,Kleitophon' (luporpsTcu- 
x6<;, Ermahnung), ,Das Gastmahl' (von der Liebe), ,Kra- 
tylos' (über die Natur der Sprache und Beschaffenheit der 
Namen, — vom Weltgeiste). 

Im Gegensatz zu Schleiermacher hat K. F. Hermann 1839 
eine Anordnung versucht, die ein Bild der individuellen all- 
mBÜg^^ Ausbildung des Platonischeil Gedankenkreises geben 
soll 9 wie er, anfangs gebunden an die engen Grenzen So- 
kratischer Philosophie, nach und nach seine Untersuchungen 
immer weiter erstreckte und vollständiger entwickelte ^^\ 

1 Üeber sein Leben schrieben: Hestchios, 536 n. Chr., Oltmpio- 
DOBOS, 550 n. Chr., Tbnnbmann, Ast, Wigobbs, Dblbbuck, Sochbb, 
Schieb IBBMAOH]^» u. A. — ^ Nicht ganz vollendet, seit 4804, neue A. 
^g^7 28» — ' Vertheidigung der Sokratischen Gesprächsform, mit be- 
sonderer Beziehung auf die Mittheilung des Ethischen. — * Der Staats- 
weise ; Ergänzung und Gegenstück des vorhergehenden Dialogs in Hinsicht 
des philosophischen Forscbens , — Lehre von den Begriffen. — * Von der 
Freimdschaft, erläuternder Nachtrag zu einer im Phädrus über die Liebe 
aiis«espro ebenen Behauptung. — ^ Von den Pflichten gegen die Götter, 
£of ocyiou , — schliesst sich mit Bezug auf die Anklage gegen Sokrates als 
dialektische Erörterung über den Begriff der Frömmigkeit an den Prota- 
coras an. — ' Hepl TCpaxTou, von den Bürgerpflichten. — ^ Auch der 
Pvthaßoraische Philosoph Timäos der Lokrer, im 6. Jahrb. v. Chr., hat 
einen gleichnamigen Dialog über die Weltseele geschrieben, den jedoch 
d*e Kritik a^s untergeschoben bezeichnet: Gelder 1836. — ^ Haixptwerk- 



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122 Zweit£$ Buch. jElhnodolU(>logie. 

J>ie ewigen G^eten der Wahrheit, Vollkonmieiiheit und Harmonie so11«b 
auf ähnliche Art im Reiche der sittlichen Freiheit wirken, wie sie der 
Schopfer im Weltall realisirt hat. Sein Staat ist ein ideelles Werk der 
Phantasie. ^ '^ üeber das Yerhaltniss der Platonischen Pfailosi^hie cu 
ihrer Zeit nnd zur Bildung der MenBchheit überhaupt s. Scblossbk's Uni- 
versalhistor. Üebersicht, I, 3, 272 fg. Tennemanh, System der Piaton. 
Philos., 4792 — 96. Xiedemaiiii, Argumenta dialogor. P., im 4 2* Bde. der 
zweibrücker Ausg^ Abt, Platon's Leben u. Schriften, 4846, u. Lexieon 
Plat., 1834 — 39. Socheb, lieber P.'s Schriften, 4820* ^an Hbcsde, Initia 
philos. P., 4827 — 36. Süokow, Die wlssenschaftl. u. konstlerische Form 
der Piaton. Schriften in ihrer bisher Ferborgenen Eigenthämlichkeit darge- 
stellt, 4856. SüSEMiHi^, Die genetische Entwickelung d. Platonischen Philo- 
sophie, 4866. Ausgaben von H. Stbphanus 4578, mit der lat. IJeber- 
setzung des Ficinus 4602, die zweibrücker 4784 — 87, Bekker 4846 — 23, 
4826, Stallbaum 4824—26, Ast 4849 — 32; einzelner Dialoge im 49. Jahrh. 
von Hbibpobf, Buttmann, F. A. Wolf, Ast, Stallbaum, Sghneidbb, 
NiTzscH u. A. üebersetzung der Bücher vom Staate von Schneider 4842. 
Neueste IJebersetzung eämmüicher Werke von H, 3^ler, mit Einleitungen 
beig^eitet von K. Steinhan, Bd. 4—6, 4850—66. 

§. 193, Seine nächsten Schüler und Nachfolger, sein 
Neffe Speusippos, Xenokrates aus Chalkedon (379 — 214) i, 
Polemo aus Athen, Krantor aus Soli in Kilikien, hielten 
sich in der Nähe der echten Platonischen Lehre; aber Ar- 
kesilaos aus Pitane in Aeolien (346 — 241) und Kameades 
aus Kyrene (217 oder 132 geboren) wendeten sich einem 
skeptischen Probabilismus zu, der die sogenannte jüngere 
Akademie charakterisirt. 

1 Wtkpbbssb, Diatribe de Xenocrate, 4831* 

§. 194. Sokrates hatte als Zweck seiner aufs praktische 
Leben gerichteten Philosophie die Glückseligkeit und als 
Mittel und Weg ein tugendhaftes Leben und ein Streben 
nach Göttlichkeit hingestellt. Unter den Händen einzelner 
seiner Schüler erfuhr diese Glückseligkeitslehre ver- 
schiedene Gestaltungen. 

Der Welt- und Lebemann Aristipp von Kyrene (380) 
lehrte, dass die angenehmen Empfindungen das höchste Gut 
seien. Sein Grundsatz war, man müsse die Verhältnisse 
sich, nicht sich den Verhältnissen unterwerfen (nach Horaz : 
,Mihi res, non me rebus, submittere conor') K 

An ihn lehnt sich Epikuros von Gargettos (341 — 269), 
lehrend in einem Garten bei Athen, daher seine Schüler 
Ol oLTZo oder ot hc töv xVjtcov und xYjTcoXoyot genannt, dass die 
rihovri oder das physisch- ethische Wohlleben höchstes Gut 
sei, eine Lehre, die einige Jahrhunderte später Lieblings- 
philosophie der hohem Stände Roms wurde (Horaz nennt 
sich ,Epicuri de grege porcus'). Von seinen 300 SchrilGben 



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sechzehntes Capitel. Hellenen, 128 

oder Büchern haben wir nur Fragmente*. Das Gedicht 

des Römers Lucrez nnd Diogenes von Laerte geben die 

beste Erl&atenmg des epikuräischen Systems. 

> Wbndt, De philofl. Cyipenaiea, 4836. Wiblamd's Aristlpp. — 3 Qam. 
sBiii>i, Po Titn, «iioribiia et ^oetrin» Spionri, 4647» 4684, q. Syntegvii 
phiios. Epicuri. 

§. 195. Antistbenes aus Athen (geb« 4S2) behauptete, 
dass Genügsamkeit und Entbehrung das höchste Gut sei. 
Seine Schule nannte xnan die kynische, von dem Gymna- 
sium Kynosarges, wo er lehrte. Am weitesten ging in der 
Enthaltsamkeit sein Schüler Diogenes vonSinope (geb. 414). 

Auf diesem Grunde erbaute Zeno (362—264) aus Kit^ 
tion a.uf der Insel Kypros, Freund des Königs Antigonos 
Gonnatas von Makedonien, sein System der stoischen 
Philosophie, welches seinen Namen von der oroa tcoocäiq in 
Athen, woselbst er lehrte, erhalten hat. Die Entbehrung 
und Bekämpfung der Leidenschaften (d. h. die Tugend) ist 
das höchste Gut nach diesem System. Zeno's Schriften sind 
verloren gegangen, nur seine Anhanger aus spätem Zeiten 
haben uns seine Lehre erhalten: Seneoa, Arrian, Marc 
Aurel, Cicero (,De ßnibusS ,De officüsS ,Tuscul. disput.^ 
und ,Quaestiones academioae')? Sextus Empiricus, Joh. 
Stobäus, Diogenes Laertius, Kutarch und SimpUcius. 

§. 196. Euklides von Megara (f 424) ist StifW der 
megarisohen oder eristisohen Schule, die das Gute als das 
Kinzige, was in Wahrheit sei, aufstellte und eleatische Be- 
griffe mit der Sokratischen Sittenlehre verschmolz. 

§. 197. Die skeptische Schule gründete Pyrrho (daher 
Pyrrhonismus) aus Elis (350 — 260), dem das oberste Gut 
in dem Aufgeben alles ürtheils (^tco^,*»]) und in der Seelen- 
ruhe liegt (vj^x^*)? ^® *^ Charakterfestigkeit (arapa^te), 
Leidenschaftslosigkeit (dwca^eta) und Gleichgültigkeit (aSta- 
90p{a) beruht. Um dieses Ziel zu erlangen, stellte Pyrrho 
zehn Mittel oder Weisen der Unentschiedenheit (TpoTcoi ^tuq- 
X^ic) ftuf, deren Zahl nachher auf 15 gebracht wurde. Zu 
seinen Anhängern gehören Aenesidemos (aus der zweiten 
Hälfte des 1. Jahrh. v. Chr.) ^ und Sextus mit dem Bei- 
namen Empiricus, weil er als Arzt der empirischen Schule 
angehörte. 

1 ScHvitUB's Aenesidemus, 4793, ist eine BekftmpfuBg tqd Kant'» 
Kritik der reinen Vernunft mit den Waffen des Skepticlsmns. 



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124 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 498. Den Gegensatz zu Piaton, den Schöpfer des 
Idealismus, bildet dessen grosster Schüler, Aristoteles, der 
Begründer des Realismus und Stiftet der peripatetischen 
Schule, aus Stagira in Makedonien (384 — 321), 20 Jahre 
lang Platon^s Schüler, fünf oder acht Jahre lang (seit 342?) 
Alexander's d. Gr. Lehrer, auch Lehrer in den Gängen (^v 
iceptTudcTotc) des Lyceums zu Athen vor einem gemischten 
Publicum (exoterisch oder populär) und im engem Kreise 
vor seinen Schülern (esoterisch), Sammler der ersten Biblio- 
thek, gestorben zu Chalkis auf Euboa. 

Sein System ruht auf den beiden Sätzen, dass der Geist 
seine Ideen aus der Erfahrung annehme, und, dass die durch 
Erfahrung erkannten Eigenschaften Wahrheit haben , mögen 
sie verborgen oder am Tage liegen. 

Er ist Schopfer der philosophischen Terminologie und 
der meisten noch gangbaren Definitionen, Begründer der 
Logik, Psychologie, Rhetorik und Poetik, Vater der Natur- 
geschichte (Zoologie und vergleichenden Anatomie), Physio- 
gnomik und Metaphysik. Seine Physik ist ein schwacher 
Versuch. Seine Ethik und Politik (in 8 Büchern) erheben 
sich nicht zu den^ höchsten Principien. Seine Werke sind 
zahlreich. Unter dem Namen ,Organon' werden seme Schrif- 
ten logischen Inhalts in 1 4 Büchern begriffen. Viele Schrif- 
ten sind verloren gegangen, darunter die ,Politien' (über 
458 alte Staatsverfassungen), andere ihm untergeschoben. 

Seine Philosophie, welche, den Griechen zu trocken, den 
Römern zu speculativ, lange in geringerer Achtung stand, 
gewann neues Ansehen am byzantinischen Hofe und bei 
den Arabern und genoss, von diesen in Europa eingeführt, 
während des Mittelalters einer überspannten Verehrung. 
Descartes (1596 — 1650) stürzte ihr Ansehen, Newton (1642 — 
1727) und Locke (1632—1704) hoben es wieder. 

Starb, Aristotelia, 4830. Michelet, Examen crit. de Touvrage 
d'Aristot. etc., 4836. Rayaisson, Essai sur la metaphys. A., 4836. 
JouRDAN, Geschichte d. Arist. Schriften im Mittelalter (deutsch von Stahr 
4834). Ausg. sämmtlicher Werke von Stlbüro 4587, Casaübonüs 4590; 
von der zweibrücker Ausg. durch Buhle erschienen nur 5 Bde., 4794 — 4800- 
Die Akademie der Wissensch. zu Berlin veranstaltet seit 4834 eine Ausg. 
durch Bekkeb mit lat. Uebersetz. u. Auszügen aus den alten* Commenta- 
toren, die Brandis besorgt hat. Rhetorik von Reiz u. Garve; Poetik 
von Hbbhakn , Gräfenhan u. Ritter ; Ethik von Zell u. Korais ; Meta- 
physik von Brandis u. Bonitz; Politik von Schneider, Eorais u. Gott- 
LiNo; Zoologie von Schneider; die Bücher von der Seele von Trendelbn- 
BCRo; Meteorologie von Idbler etc. 



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Sechzehntes Capitel. Heilmen. 135 

§. 199. Des Aristoteles Nachfolger war Theof^irast aus 
Eresos auf Lesbos (392? — 286), zugleich Begründer der 
Pflanzenkunde K Sein vorzüglichstes philosophisches Werk 
smd seine Sittengemälde (/HSTücoI xapoxTTjps^') in 30 Capi- 
teln 2. ,Thiergeschichte* ^. 

> Aasg. von Staorhouse 4843 u. Sprengbl 4822, mit Uebersetz. u. 
£rläuteniiigen. — ^ Ausg. von Sibbbnkbbs 4708, Sohnbidbr 4799» Ast 
4846; deutsch von HoUinger 4810. — ' Ausg. von Schnbidbr 478i u. 
Jacobs 4832- Ausg. des Ganzen von Dan. Hbinsius 4643, Schneider 
4848—24, WimmbB'4846. 

c) Geschichte. 

§. 200. Die Geschichte nahm bei den Griechen ihren 
Ursprung aus der Sage (fiu^^oroxoc 'EXXa<;), daher ihr 
poetisches Gewand. Die Gründungen der Städte (xTteeic) 
waren der Gegenstand für die Sagenerzähler oder Logo- 
graphen : Kadmos, Dionysios und Hekatäos von Milet, 
Charon von Lampsakos, Xanthos den Lyder, Pherekydes 
von Leros und Hellanikos von Mitylene, deren Werke nur 
noch in Bruchstücken übrig sind. Ausbildung aller 
Hauptformen der Geschichtschreibung schon in der 
Periode der Freiheit durch Herodot, Thukydides 
und Xenophon für die allgemeine Geschichte, die 
Geschichte der eigenen Zeit und die der eigenen 
Thaten. 

Historicor. Graecor. fr£kgm. von Cbeuzer 4806 u. Höllbr ^840. 
Klausen, Hecataei fragm. 4834- Ukert, Untersuchungen über d. Geogr. 
des Hekatäos, 4844. Fragm. des Pherekydes von Sturz 4789 (3- A. 4824) 
und Matthia in den Vermischten Schriften, 4833. Sturz, Fragm. d. Hella- 
nikos, 4827. Vossius, De historicis Graecis, 4664, neue A. von Wbster- 
MANN 4838. Mbrleker, Die histoir. Schuldisciplinen, 4834, I, 466 fg. 

§. 204. Mit Herodotos von Halikamass (484 — 408?) 
hebt der Kanon der Alexandriner für die Geschichte 
an, der ausser den vier grossten Historikern, Herodot, Thu- 
kydides, Xenophon und Polybios, noch sechs andere ent- 
hielt, deren Werke bis auf wenige Fragmente untergegangen 
smd, Theopompos von Chios, Ephoros von Kyme, Anaxi- 
menes von Lampsakos, Kallisthenes von Olynthos, Hella- 
nikos von Lesbos und Philistos aus Syrakus. 

Herodot's angegriffenes, aber befreites Hellas, verfloch- 
ten in eine allgemeine Geschichte der damaligen Haupt- 
völker, wurde die grosse, allgemein interessante National-» 



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126 Zw0iU$ Buch, EihnodQktologie. 

angelegenheit und reihte mcb würdig an die Homerischen 
Werke an. 

Herodoty auf Beisen in Griechenland, Makedonien, Thra* 
kien, Babylon, Memphis und Libyen gebildet, lag Theile 
seines Werks auf den olympischen Spielen 457 und an den 
Panathenaen 446 vor, starb in Thurii in Unteritalien. Sein 
Werk, von den alexandrinischen Grammatikern in neun 
Bücher zerlegt und nach den neun Musen benannt, umfasst 
den Zeitraum von 720 — 479 und ist treu und rechtschaffen 
gearbeitet K 

1 Ansgaben von Aldus 4502, Geonov 4716, Wesselino a. Yalcke- 
MABB 4763, Reiz u. Schafer 4800 — 22, Schweiohauser 4806, Gaisford 
4824, Bahr 4830 — 35. Erklärmig von Steih, 4855. Uebersetzungen : latein. 
von Laur, Valla 4474, französ. Ton Larcher 4786, meisterhafte deutscbe tod 
Lange 4840, SchöU (44 Bde.) 4828 — 32. Schweioüaüser, Lexieon Hetöd., 
4824 Tk. 4844. Bbrvbll, The geographica! syattm of H., 4800 (2« A. 4^32 j 
deutsch TOD Bredow 4802)* Bobrik, Geogr. d«H., 4838. DAHi.MAini, Herodot, 
ans 8. Buche s. Leben, 4823. Bt.uM, Herodot a. Ktefiias, 4836. Hbtse, 
DeH. vita et iünerib., 4826. WAASDtiSBxmQj De natlva iimplksitsU« Her., 
4830- Hovfmbistbb, Sittlich- religiöse Lebensansicht dei» H«, 4832. 

§. Ä02. Thukydidea, de« Olcros 8öhn aus Athen (474-— 
402?), Befehlshaber in Amphipolis, verbannt^ ^mordet, schrieb 
die Geschichte des Peloponnesischen Kriegs (431-^410) mit 
Wahrheitsliebe und Kritik in acht Büchern. Seine Diction 
wird als das vollkommenste Muster des Atticismus betrachtet. 
Seine Fortsetzer sind Xenophon, Kratippos und Theopomp. 

Ausgaben von Wasse u. Dukbr 4744, Poppo 4824—40, Bloom^ibl» 
4842, Koch, mit der meisterhaften latein. Üebersetzung EnenkeVs, 48i6. 
Deatsche ITeWsetz. von Heilmann 4760 (neaeste Umarbeitung von Bredow 
4823), Jacohi 4804—8, Osiander 4826 — 29, Müller. Klein, Kämpf. 
Mabkellinos' griech. Lebensbeschreibung des Thuk. bei WestermanHy in 
Biographi graeci minores, 4845. Dodwbll, Annales Thuc. , 4702. Crbu- 
2ER, Herodot n. Thuk. etc.» 4798. Roth^ üeber Thuk. u. Tacitus, 4842. 
Krügbb, Untersuchungen über des Thuk. Leben, 4832. Wüttkb, De 
Thuc. etc., 4839. Boschbr, Ldsen» Werke o. Zeitalter des Thuk., 4842. 

§. ^a. Xenophon^ des Gryllos Sohn ans Athen (446—3^)^ 
ia der Schlacht bei DcUon 4St4 von Sokrates gerettet, mit 
den Zehntausend in Anen 4(^i ^ aus Athen wegen seines La* 
konismu» veirbannt, gestorben in Skilhis bei Olympia in Eüs. 
Seine Werke : ,' Avtißa^^ (Zug der Zehntausend gegen Ajrta^ 
xerses II. Mnemon und Rückzug nach der Schlacht bei JLisk- 
naxa 401 und Kyros' d. Jüngern To^ /EäiXipixa* (griechische 
GescMehte als Fortsetzung des Thukydides, 410— -362), 
^V9eu TuoetSetV (Geschichte dea ähem Kyros, ein historisclier 
JSoman im Sinne des Orients), /ATcoptvTqjjLoveilftaTa Soxpa- 



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Sedvtehniei Capitel. Heüetien, 127 

ToucS ,2ü(Ji7c6atovS /AyeaO^aocS ,Ob<ovo|iitxocS ,K\>vTf|Y€Toc6<;S 
,IIspl TCoXtTsCac AaxsSaipiovfwv xat 'A^vafwv', ,ndpoi -Jj Tcspt 
irpecoSöv', ,nept C7nct>rij(;', ,'Kpüv'. 

Ausgaben von H. STsniAifus 1564, Lwiiglayiüs 4569 ete., Wbll» 
4703, Tbibmx 4763, Weisu 4798--4&04, G^ail, mit franz. Ueberutx.^ 
4804 — 46, Schneider 4825 — 40, Bobmhmann 4828 — 44^ L. Dirdobf 
4839. Anabasis von L. Dindokf 4804, 4825 u. 4829, KrOcfer 4825, 
Graft 4842; daza die Eriänteron^lfai ▼on BsKusUr 4847 (ctoatBck von 
Iaoh 4823) u. AmawoRTH 4844. Kyropädie ton Poppo 4824, L* Div- 
DORF 4824 u. 4830, Jacobitz 4843- Hellenika von Morus 4778, L. Din. 
DORF 4824 n. 4834. Memorabilien ron Ebwbsti (mit Rimwintif's u. Valcke- 
9abr'9 Noten, ^. A.) 4772, W. I>I5Dorv 4825, Hebb8t 4827> L. Dtmooiur 
4834, Sa€PPe 4834, Setffebt 4844. Symposion von Bornbmanh 4824, 
Herbst 4830. Hiero von Frotscber 4822, Graff 4842. Agesilaos von 
Heilabd 4844. Oekonomikos von Breitenbach 4842. De rep. Lacedaem. 
von Haasb 4833. De re equestri von Courier 4843, F. Jacobs 4825. 
Scripta minora von L. Dindorf 4824- GastmabI, Hiero n. Agesilaos von 
Hanov 482Ö ti. Saupfe 4844. Uebersetzungen von einem Verein von Ge- 
lehrten {Walz, Finkh, Tafel, Osiander) 4827 — 31, Meyer 4827. Ana- 
basis von Becker 4802 n. Halbkart (2. A.) 4822. Kyropädie von Meyer 
4843 n. Neide 4826. Denkwürdigkeiten des Sokrates von» Weiske 179 ^^ 
Knnhardt 4802, Hottinger 4849, Frohöse 4824. Sturz, Lexicon Xen., 
4804—4. DoDWEMi.^ Chronologia Xen., 4700. Cobbt> Prosopographia 
Xenopbontea, 4836. Creuzer^ De Xen. bistorico, 4799. Erüoer, De 
vita Xen. quaest. eritica», 4822* 

§. 204. Etesias war Leibarzt bei Kyros d. Jüngern, bis 
zu dessen Tode 401 , dann bei König Artaxerxes 11. Mnemon 
von Persien und schrieb aus persischen Beichsannalen eine 
persische, assyrische und indische Geschichte ^. 

Theopompos ans Chios (im 4. Jahrh.) schrieb 42 Bücher 
,H.ellenika^ als Fortsetzung des Tbukydidee bis 394 nxid 
5B Bücher ,PhiKppika* \ 

Philistos ^ Ephoros \ Von den Geschichtschreibem 
Alexander^s d. Ghr. (Kallisthenes *, lOitarchos, Hien my mos 
Yon Kardia, Ptolemaos Lagi u. A.} sagt Quintilian: ,lBge^ 
Blum probatur, fides infamatur' : das Staunen über wunder- 
gleiche Thaten und Naturgestaltungen verderbt die Ge^ 
•schichte zur Fabelei •. 

> Fxagm. von LroK 4^3, BIbr igfi. lieber ibn Retti« fSlT n. 
Blum 4836. — ^ Fragm. voa Wighers 4829> TuEiaa 4 837, MCxlbr 
(Historicoi. Graecor.fragna.) 4844. üeber ibn Asghbach 4823 u. Pfi.ugic 
i8J7. — 3^ Fragm. über Sicilien bei Göller, De sitii et origine Syraenaurum, 
4848. >- ^ Hauptqqelle des Döodor. Frag«, voa MsiBR-MsRa 4845. — 
* Westermann, De CaUistbenis vita et scriptis, 4838- — ^ St.-Croi», 
Examen des historiens d'Alex. le grand, 4775. Geier, Alex. M. historia- 
rum Striptores aetate snppares, 484^4. Drotsen, Alexander d. Gr., 483^ 
Flaiiob., Gescb. Makedoniens^ 4832. Otv. M^llbr,, Ueber d. WobnsitKA 
d. makedon. Volks, 4825. VailIiANT,. HisL. Ptolemaeor., 4804. Heyne, 
De genio seculf Ptolem., in s. Optrsc. acad., 1783, Bd. 4. Drumann, D« 
reb. Ptole«., 4824. 



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128 ZiveiUs Buch. Ethnodoktologie. 

d) Beredtsamkeit. 

§. S05. Die eigentliche Staatsberedtsamkeit ist blos 
in Athen zu Hause. Man unterscheidet politische, gericht- 
liche und epideiktische Redner oder sogenannte Rhetores 
und Sophisten, wie sie sich in späterer Zeit nennen *. 

Der aJexandrinische Kanon enthielt folgende zehn at- 
tische Redner: Antiphon, Isokrates, Andokides, Lysias, 
Isäos, Demosthenes, Aeschines, Hyperides, Lykurgos und 
Dinarchos, die alle zwischen 420 und 320 in Athen blühten^. 

^ EöLER, Vergleichung d. alten u. neuen Redekunst, 478ö. Po an 
Hbusdb , De antiqua eloquentia cum recentiore comparata , 4 803. Ruhnken, 
Hist. erit. orator. Graec, vor dessen Rutilius de figuris. Bblin de Ballu, 
Hist. crit. de Teloquence chez les Grecs, 4813. Manso, Ueber d. Bildung d. 
Rhetorik unter d. Griechen, in dessen Vermischten Abh. u. Aufs., 4821. 
We&tbbmann, Gesch. der Beredtsamkeit in Griechenland u. Rom, 4833* 
Gros, ^tudes sur l'^tat de la rhetorique chez les Gr., 4835. Böhnokb, 
Forschungen auf d. Gebiete d. attischen Redner, 4843 fg. — ^ Sammlungen 
der Oratores Graeci vouReiske 4772, Bekkbr 4823, Baiteb u. Savppb 4842. 

§.206. Antiphon aus Ehamnus in Attika (480 — 411), 
Lehrer der Beredtsamkeit, der selbst nur ein mal ojBPentlich 
redete, der Verrätherei angeklagt und hingerichtet. Seine 
Reden zerfallen in Sixavcxot, STfjptTfjYoptxoL und sTctSeixTtxot, 
und ihrer sind noch 17 ^. Auch schrieb er eine ,Tsxv>) 

Andokides der Athener (geb. 467) starb mit Atimie be- 
legt im Exil. Reden: ,nepl twv (lucJtifjpfovS ,KaTa^AXxtßia8ouS 
,nepL r^c eauToS xa^cSou' und ,n6pt r^^ Tcpoc AaxeSaifJLOvtou^ 
elpVjVTjiS 388 2. 

Lysias aus Athen (geb. 458), Sohn des Syrakusiers Ke- 
phalos, ging mitHerodot 444 nach Thurii, unterstützte das 
Unternehmen des Thrasybul gegen die Dreissig Tyrannen, 
ist auch rhetorischer Tecbnograph. Von seinen 200 Reden 
sind noch 44 unvollständig übrig, darunter auch ,A6yo€ ^m* 
Ta9i0(;' auf die mit Iphikrates 389 den Korinthem zu Hülfe 
geschickten, aber gefaUenen Athener^. 

Isokrates von Athen (436 — 338), Schüler des Prodikos 
und Gorgias, Lehrer der Beredtsamkeit, aus dessen Schule 
die grossten Redner und Schriftsteller hervorgingen, redete 
aus Mangel an Dreistigkeit nie öffentlich oder doch nur 
sehr selten, liess sich für den Unterricht 1000 Drachmen 
(a 7 Sgr. 2 Pf. = 240 Thbr.) zahlen und erhielt von Konig 
Nikokles 210 Talente (etwa 27,120 Thlr.) für eine Rede. Noch 



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Sechzehntes CapileL Hellenen. 129 

sind 21 Reden übrig, darunter der ^Panegyrikos', in wel- 
chem die Griechen zur Eintracht gegen die Perser ermun- 
tert werden^, und der ,Panathenaikos% eine Lobrede auf 
Athen, die erste Stelle einnehmen. Er starb eines frei- 
willigen Hungertodes, als er von der Niederlage bei Chä- 
ronea gehört hattet 

Isäos aus Athen oder Chalkis, Lehrer des Demosthenes. 
Noch elf Xo-yot xXTjptxot ®. 

Lykurgos, Lykophron's Sohn, von Athen (408—328), 
aus dem Oeschlechte der Eteobutaden, zwölf Jahre lang 
Schatzmeister der öffentlichen Einkünfte. Von seinen 1Ö 
Reden ist nur noch die eine gegen Leokrates übrig ^. 

Aeschines von Athen, Sohn eines Freigelassenen, ge- 
wandter Staatsmann, Gesandter im Peloponnes 348 und an 
Philipp mit Demosthenes 344, tpikuazÜ^tdVy von Demosthenee 
in dem Processe xept axs^avou 330 besiegt, geht freiwillig 
324 in die Verbannung nach Ehodos, wo er eine Redner- 
schule errichtet und 314 in Samos stirbt. Noch drei mit 
den Namen der Grazien von den Alexandrinern überschrie- 
bene Reden und zwölf unechte Briefe ®. 

Hyperides von Athen, Freund des Demosthenes, den er 
jedoch einmal anklagt, dass er sich habe von Harpalos be- 
stechen lassen, von Antipater hingerichtet 323. Von 52 Reden 
noch eine übrig unter denen des Demosthenes *. 

Deinarchos von Korinth (360 — 319), des Theophrast 
Schüler; noch drei Reden ^^. 

Demades von Athen, nicht im Kanon, von niederer Her- 
kunft, im Dienste der makedonischen Könige. Noch ein 
für unecht gehaltenes Fragment einer Rede übrig **• 

* Ausg. von Mätzneb 1838. — ^ Ausg. von Schiller 4836. Üeber- 
setzung von Bekker i832. — ' Ausg. von Föbtsch 4829, Franz 4834, 
eine Auswahl von Brbmi 4826. HÖlscheb, De vita et scriptis Lysiae, 
4837. — * Daher der antimedische Hellenist genannt. ■ — * Ausg. von 
Lanob 4 803, Korais 4807, W. Dindobf 4825, Bbemi 4 834, Baiteb u. 
Sauppe 4839; des Panegyrikos von Sfohn 4847, Pinzgeb 482ö, W. Dik- 
DORF 4826, Baiteb 4834; des Areopagitikos von Beromann 4849 u. Ben- 
sbler 4832; des Euagoras von Benselbr 1834; De permatatione (avT(5oaiO 
von Brbmi 4844, Obelli 4844. Uebersetznngen : französ. von Auger 4784, ital. 
von Labanti 1842, deutsch von Benseier 4829 — 34, Christian 4833 — 36; des 
Panegyrikos von Lange 4797 (2. A. 4833) u. Hoffa 4839; An den Demoikos 
von Drescher 4826. Schirach, De vita etc. Isocratis, 4766. Ppund, De Isoer. 
vita et scriptis, 4 833. — ^ Ausg. u. Uebersetzung von Schömann 4 830, französ. 
^on Auger 4783. Libbmann, De Is. vita et scriptis, 4834. — ^ Ausg. von 
Heinrich 4824, Bbckbb 4824 , Osann 4824, Pinzobb mit deutscher Ueber- 
setzung 4824, Blums 1828, Baiteb u. Sadppe 4834, Matznbb 4836; deutsche 

Mbalkker. 9 



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130 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Uebersete. Ton Simon, NUssHn. Die Fragmente der übrigen Reden von 
K1E88LINO 4834. Nissen, De vita et reb. gesiis Lycnrgi, 4833. Blume, 
Närratio deLyc, 4834. — ® Ausg. von Bbbmi 4822 u. deutsche Uebersetz. 
4828. — * KiEssLiHo, De Hyperide, 4837. — ^^ Ausg. von Schuid 4826, 
Commentar von Wurm 4828. — '^ Lbabdt, De Demade oratore Athe- 
niensi, 4834. 

§. 207. Demosthenes (üatavisuc) der Athener (385 — 333), 
Sohn eines Waffenschmieds, Schüler des Piaton, Euklid 
von Me^ara und Isäos seit 364, der grosste Redner des 
Alterthums und Gegner Philipp^s von Makedonien, starb im 
Tempel des Poseidon auf Kalauria an Grift. Auf der in 
Athen ihm errichteten Statue lautete die Inschrift: 

Ovtcot' 5v 'EXXtJvwv ijp£ev "Aptjc Maxc5«5v K 
Wir besitzen von ihm 6 t Reden und 65 Eingänge und Ent- 
würfe, welche die alten Bhetoren in drei Classen ordnen: 

1) Siebzehn Xdyoi aufjtßouXsunxof oder Staatsreden: ,nepl 
ouiJ^iopifiv^ 351, ,nepl ouvTo^eo^^ (ob unecht?), ,nept MeyoXoTCoXi- 
Töv' 353, ,nspl TTJ^ TÖv 'PoSfov Ü^xüegla^' 350, JOispl töv Tcpc^ 
'AXi^avSpov auv^xfiSv^ 325 oder 3214 ; von den zwölf Reden, 
welche sich auf die Streitigkeiten mit Philipp beziehen, 
wurde die erste 351, die zweite, dritte und vierte 348, die 
fünfte 347, die sechste 346, die siebente 345, die achte 344, 
die neunte 343, die zehnte und elfte 342, die zwölfte 344 
gehalten: 1 . und 2. (zwei Theile) ,npbc $tXüncov Xoyo^ Tcpöroc', 
3. 4. 5* ,'OXuv^axel rpetcS ^« ^Hcpl x^c elp'qv^cS 7. ,Kara *i- 
XiTCTcqp Xoyo^ SeuTspo^S 8* ^üspl vr^ ^ AXov^öou', 9. ,Il6pi rcJv iv 
Xe^^v)^9 7CpaYiJLaT(i>v ^ h Tcspl Aioice^ou^^, 40. ^ELara $iX(7C7üo\) 
Xdyoc TpftocS 11. ,Kaxa #iX(7CWou Xayo< rirapTO^S 12, /Oicpo< 
TYjv $tXfincou iictöToXtjv Xo^o^S 

2) Vierundzwanzig Xoyoi 5c>cavixo{, darunter 11 crimina- 
listische: gegen Meidias, ,nepl icopaTtpeaßeta^^ gegen Aeschines, 
,ncpl GTCfotvou^ gegen Aeschines (Ulpian^s Anekdote von dem 
IJifa^eDtpc), g^gen Leptines, Androtion, Timokrates, Aristo- 
krates, Aristogeiton, Theokrines, Eubulides^ Ausspruch, 
Neära; die übrigen 43 sind bürgerliche Actionen (&txat). 

3) Zwei XoYOt i7a5et>ctcxef *. 

1 Ueber ihn Plütasoh nnd Diohts ton Halikabhass. Lobscliriften 
auf ihn von Libanios und Lvkianos (Psendo-Lokianos). Becker, De- 
mosihenes als Staatsmann n. Redner, 4846 (2. A. 4830), ist die beste 
historisch-kritiscbe Einleitung zu seinen Werken. Jbhisoh, Aesthetiseh- 
krttische Parallele der beiden grossten Redner des Alterthums, Demosthenes 
u. Cicero, 4804. — ' Ausgaben von Aldus 4604, Fblioianus 4543, Hrs. 
Wolf, mit Ulpian*s griech. Commentar u. lat. Uebersetz., 4649, 4672, 



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Sechzehntes Capitel. fJellenen, 131 

Taylob 474^, 47Ö7, Schafbb 4822—26, W. Dwdobf 4826; Orationes 
selectae von Brbmi 4829, Rbuteb 4833; De Corona von Dissbk 4837; 
In Leptinem yon F. A. Wolf (2. A. von Bbbmi 4834); In Midiam yon 
BcTTiCANN 4823 (3. A. 4844), Blume 4828, Mbteb 4832; In Androtionem 
voa FüNKHÄNBL 4832; Philippicae von Vömbl 4829 — 33, Fbanke 4842; 
Olynthiacae von Frotschbb n. Funkhanbl 4834. Deutsche TJebersetz. von 
Beiske 4764—68, F. Jacobs (Staatsreden) 4833; Für die Krone ron F. v. 
Baumer 4844; die Philippischen von Becker 4823 — 25; franz. von Auger 
4777 (neue A. von Planche 4849 — 24); engl, von Leland 4766 — 70 
(neueste A. 4844). Wbstbbmann, Quaest. Dem., 4830 — 37- Scholtbit, 
De Dem. eloquentiae charactere, 4835> 

IV. Die alexandrinische Periode. 

§. 208. Die alexandrinische ist die systematisirende, 
kritisirende Periode. Dem Scha£Fen folgte auch bei den 
Griechen das Sammeln, Lernen, Erklären; dem Erfinden 
die Gelehrsamkeit. Alexandria in Aegypten, schon durch 
seine günstige Lage zum Sitz der Cultur bestimmt, ward 
von den kunstliebenden Ptolemaem auch zum Sitz der Ge- 
lehrsamkeit gemacht. Mit ihr wetteiferten die Schulen zu 
Rhodos und Pergamos (besonders unter Attalos L und Eu- 
menes n.) seit S183. Kaiser Claudius stiftete zu Alexandria 
ein neues Museum, und so behielt diese Stadt auch unter 
der Begünstigung der romischen Kaiser ihre Gelehiien- 
schule. 

Drumakm, Gesch. d. Verfalls d. "griech. Staaten, 4844, u. De reb. 
Ptolemaeor., 4824. Champollion-Figbac, Annal. des Lagides, 4849. Lb- 
tbonkb, Recherches pour ser^ir a lliist. de l'iSgypte, 4883, n. Eecnell des 
inscript. grecques et latines de riSgypte, 4843- 

§. S09. Die grosste Bedeutung erlangten die Gramma- 
tiker, worunter man nicht blosse Sprachlehrer oder Sprach- 
forscher, sondern Philologen und Literatoren, die ebenso wol 
Sachen als Worte erklärten; zu verstehen hat, eine Art 
Encyklopädisten. Ihr Verdienst ist, mit vereinter Kraft 
die vorhandenen Denkmäler der Cultur und Literatur ge- 
sammelt, geprüft, beurtheilt (in Kanones redigirt) und för 
die folgenden Geschlechter aufbewahrt zu haben. Die Ho- 
merischen Gesänge gaben den meisten Stoff zu Untersuchun- 
gen dieser Art. Leider sind die Werke der altem Gram- 
matiker fast alle verloren gegangen, des Zenodotos ^ und 
seiner Schüler Aristophanes ^ von Byzanz und Aristarchos 
von Samothrake ^, des berühmtesten Kritikers des Alterthums. 

In ihrem Kanon standen in der zweiten Classe der Tra- 
giker sieben aus der alexandrinischen Zeit, die sogenannte 



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132 Zweites Buch. Elhnvdoktologie. 

tragische Plejade, von denen keine Schrift mehr existirt, 
und die sogenannte dichterische Plejade: ApoUonios von 
Rhodos, Aratos, Lykophron, Nikandros, Theokritos und 
zwei ganz unbekannte: Philiskos und der jüngere Homeros. 
Aristarch's Gegner war Krates von Mallos in Kilikien, 
Stifter der pergamenischen Schule, Gesandter und Forderer 
der griechischen Literatur in Rom (167) *. Zoilos opLYjpo- 
[xaaTt^. ApoUonios der Sophist, 30 v. Chr. ^. Eratosthenes 
von Kyrene (276 — 194) war mehr Astronom und Geograph 
als Philolog ®. Philo von Byzanz '^. Didymos Chalkenteros, 
30 V. Chr. Der Mythograph Apollodoros von Athen, Schüler 
des Aristarch, Panätios und Diogenes (140 v. Chr.)®. 

' Hbffter, De Zenodoto eiusqne stadiis Homericis, 4839- — ^ Ein 
noch übriges Fragment des Aristopbanes gab Boissonade 4829 heraus. 
Schmidt, De Callistrato Aristophaneo , 1838. — ^ Lehrs, De Aristarchi 
stadiis Homericis, 4833. — * Wbgeneb, De aula Attalica etc., 4836. — 
6 Fragm. von Villoison 4773 u. Tollics 4788. — ^ Bernhardt, Era- 
tosthenica, 4822. Die Eatasterismen von Sghaübagh 4795 n. Matthia 
4847. WiLBBRO, Die Construction der allgem. Karten des Eratosthenes, 
4834} a. Das Netz der allgem. Karten des Eratosthenes u. Ptolemäos, 
4836. — "^ Orelli, Philonis Byz. libellus de Septem orbis spectacnlis, 
4846. — ® Ausg. von Hbtnb 4782 u. 4803, Clavier, mit franz. Uebersetz., 
4805 t Wbstbrmann, in den My;(hographl Graeci, 4842- 

§. 210. In der Poesie sollte Kritik das Genie ersetzen, 
daher sind die Alexandriner meist Dichter und Granmiatiker 
zugleich K 

Die Argonautik des Rhodiers ApoUonios aus Alexandrien 
oder Naukratis nennt Quintilian ,non contemnendum opus 
aequabili quaciam mediocritate^ ^. 

Ein vefkünstelt dunkles, prophetisch -episches Monodrama 
ist der Monolog von 430 Jamben: , Alexandra^ oder ,Kassandra^ 
des Lykophron aus Chalkis in Euboa (250) ^. 

Das Lehrgedicht nahm seinen StoflF aus der Astrognosie, 
Geographie imd Gtistronomie. — Archestratos vom Gela, 
Zeitgenosse des Aristoteles, schrieb eine ,raaTpoXoYia' oder 
,raaTpovo[xtV, auch jAeiTcvoXoyta' oder /OJ^oTcotta', welche En- 
nius unter dem Titel ,Carmina hedypathetica' übersetzt haben 
soll. Bruchstücke finden sich bei Athenäos. — Dikäarchos 
von Messana: ,'Ava'Ypa9Y| xat ßtoc r^c'EXXaSocS inlamben*.— 
Der berühmteste Lehrdichter ist Aratos aus Soli (später 
Pompejopolis) in Kilikien, am Hofe des Antigenes Gona- 
tas (276 — 239): ,^a(.v6fxsva' und ,Atocnr)(jistacS in Hexametern, 
bewundert von Ovid (,cum sole et luna semper Aratus erit'). 



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Sechzehntes Capitel. Hellenen. 133 

übersetzt von Cicero und Cäsar Germanicus (Bruchstücke) 
und Bufus Festus Avienus (vollständig); noch vier Com- 
mentare darüber aus dem Alterthum*. — Nikandros (170) 
aus Kolophon: ,OY)piaxa' (von giftigen Thieren und den 
Heilmitteln gegen ihren Biss) und ,'AXs$t9ap[xaxa' (von Heil- 
mitteln gegen vergiftete Speisen und Getränke) \ — Skymuos 
von Chios (88 v. Chr.) und Dionysios der Perieget aus 
Charax am arabischen Meerbusen (40 v. Chr. oder gar 
300 n. Chr.) sind Verfasser einer jUepiriyyici<; vfi^ oIxoujjisvt)^:'. 
Das letztere Werk commentirte Eustathios und übersetzten 
Avienus und Priscianus ins Lateinische, Bremi ins Deutsche ''. 

' Manso, Vermischte Schriften, 4801, Bd. 4. Matter, Essai historiqua 
8iir r^cole d'Alex., 4820. — ^ Ausg. von Bbünck 4780, Sohapbr 4840 — 43, 
Wbllaüeb 4828. Deutsche Uebersetz. von Willmann 4832. Wbichbrt, 
Ueber d. Leben n. Gedicht d. Apollon., 4824. — ^ Isaak u. J. Tkbtzbs 
schrieben darüber Commentare. Ausg. von Fottbb 4697, 4702, Sbbabtiami 
4803, MuLLBB 4844, Bachmamn 4830. Niebühb, Ueber d. Zeitalter Lyko- 
phron*s des Dunkeln, in den kl. histor. -philo!. Schriften, 4828. — * Fragm. tob 
Fuhr 4844. — ^ Ausg. von Buhle 4792—4804, Buttmann 4826, Bekkbb 
4828. Deutsche Uebersetz. von Voss 4824, franz. von flalma 4823. — 
^ Ausg. von Bandini, mit ital. Uebersetz., 4764, Schneider 4792, 4846, 
LsHRs (mit lat. Uebersetz.) 4845. — ^ Nachgelassene Schriften 4826. 
Ausg. von Passow 4825, in den Geographi minores von Hudson 4703, 
Gail 4828, Bernhardt 4828. Letronnb, Fragments des po^mes geogra- 
phiques de S. de Ohio etc., 4840. 

§. 241. Für den vorzüglichsten elegischen Dichter hält 

Quintilian den Kallimachos aus Kyrene (300), des Battos Sohn, 

den CatuU und Properz nachahmten und von dem Ovid sagt : 

Battiades semper toto cantabitur orbe, 
Quamvis ingenio non valet, arte valet. 

Erhalten sind 73 Epigramme, 6 Hymnen und Fragmente. Das 
Gedicht auf das Haupthaar der Berenike, welches Konon unter 
die Sternbilder setzte, kennen wir nur aus Catull's lateinischer 
Uebertragung K Unmittelbar an Kallimachos reihten die alten 
Eunstrichter den Philetas von Kos an, der von so dünner 
und leichter Gestalt gewesen sein soll, dass er habe Blei 
in den Sohlen tragen müssen, um nicht vom Winde fort- 
geführt zu werden *. Sein Freund und Schüler Hermesianax 
verfasste unter dem Namen seiner Geliebten Leontion drei 
Bücher Elegien erotischen Inhalts ^. 

' Ausg. von Gräviüs 4697, Ernbsti 4764, mit Spanheim's gelehrtem 
Commentar, Blomfibld 4845. Lüzac, Elegiarum firagm., 4799. Deutsche 
Uebersetz. yon Ahlwar dt 4794 u. Schwende 4824. Sohkbidbwin, Delectus 
poeseos Graec. elegiacae etc., 4848. — ^ Fragm. von Kat6br u. Bach. — 
' Ausg. von RiEOLER u. Axt, Gf. Hbrmaitn, Bd. 4. der Opusc. , Bach, 
Bailet; Weher* s TJebersetzung. 



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134 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

§• 212. Der grosste bukolische Dichter, zugleich 
Vorbild Virgil's, ist Theokritos von Syrakus (270), von 
welchem wir 30 in veredeltem dorischen Dialekt geschrie- 
bene, hexametrisch eingekleidete ,EE8uXXta' und 21 Epigramme 
besitzen ^ Neben ihm stehen Bion von Smyma^ und Mos- 
chos von Syrakus. 

1 Ausg. Ton Rbiskb i| 765 , Yalckbnabr 4779, Heindobf 4840, Kibss- 
Liico 4849, F. Jacobs 4824, Gbbl, Boisbonadb, Mbinbkb 4825 u. 4836, 
ZiEOLBR 4848, Prachtausgabe von Wabton. 4770 u. Schäfer 4840. Deutsche 
Uebersetz. von Voss 4808 n. 4845, Witter, Naumann. Herder, Ueber 
Theokrit u. die Idyllenpoesie. Eichstadt, De carminum Theoer. ad ge- 
nera sua rerocatoram indole ac virtatibns, 4793« — ^ Aosg. tob Hent- 
KERKE, Heslin, Jacobs , Wakefield ; übersetzt von Manso. 

§. 213. Die stoische Philosophie wurde 140 v. Chr. 

durch Panätios von Rhodos in Rom bekannt. Poseidonios 

von Apamea kam 52 v. Chr. nach Rom. — Der berühmteste 

Epikuräer zu Cicero's Zeit (60) war Philodömos aus Gadara 

in Colesyrien. — Am berühmtesten wurden die alexandri- 

nischen Neuplatoniker, welche Plato mit orientalischen 

Ansichten in engere Verbindung zu setzen suchten. (Unten 

§. 278.) . 

FiCHTB, De phiios. novae Platonieae origine, 4848. Boutbrwbk, 
Philosophorum Alexandrinorum ac neoplatonicoram recensio accuratior, 4824. 
Simon, Hist. de Teoole d'Alex., 484d. Bartbblbmt St.-Hilairb, De 
Tecole d'Alex., 4845. 

§. 214. Unter den Historikern dieser Zeit steht obenan 
Polybios aus Megalopolis in Arkadien (205 — 123), Sohn 
des Lykortas, Schüler Philopomen's, seit 166 als Geisel in 
Rom im Umgange mit den Scipionen, Augenzeuge der Zer- 
störungen von Karthago und Korinth. Sein Werk in 
40 Büchern umfasst den Zeitraum der allgemeinen Ge- 
schichte von 390 — 146; erhalten sind nur die ersten fünf 
Bücher vollständig *. 

Diodoros aus Argyripn (San-Füippo d'Agirone) auf Si- 
cilien, daher Sikelos beigenannt, ein Zeitgenosse Cäsar^s und 
Augusts, schrieb eine allgemeine Geschichte in 40 Büchern 
unter dem Titel: ,BtßXt.oi^xi() taxoptxiqS von den ältesten Zeiten 
bis 60 V. Chr.; noch vollständig sind Buch 1 —5 und 11 — 20, 
Fragmente von Buch 6 — 10 und Auszüge (bei Photios) der 
letzten 20 Bücher von Ang. Mai*. 

Sein Zeitgenosse Dionysios von Halikarnass lebte seit 
31 V. Chr. 22 Jahre in Rom und schrieb römische Geschichte 
in 22 Büchern von Erbauung der Stadt bis zum ersten Pu- 



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Sechzehntes Capitel. Hellenen- 135 

nischen Kriege, doch sind nur die ersten elf Bacher er- 
halten bis 441 V. Chr. » 

Dionys gehört auch zu den Literatoren durch folgende 
Schriften: ^Ilepi cJuvSrfoea)^ 6vQ|JiaTOv' *, jTsxvri ftjToptxi]'*, 
,Tüv OL^TjUcdo'* xp(ötc' *, ,n6pt Twv 'Atcixöv ^ir2Xop(i>v urojj.vji||Jia- 
Tta|i.o{*, ,IIepi Tou 0ouxu8t5ou xapaicrijpo^ xat töv Xoitcuv to3 

1 Anfigaben seiner JIpayfAaTucin aTCodfiific ^on Casaitbomds 4609, 
Gbonoy 4670, Bbäbsti 4763, Sohwbighaüsbb 4789 — 95, 4834, Bbkkbe 
4844. Die Excerpte von Mai 4827, Gbbl 4829 n. Lucht 4830. tTeber- 
setzangen: franz. von Thuülier, mit kriegswissenschaftl. Erlauterongen Ton 
Folard, 4727; deutsch von Oelanits u. Troesel, mit Folard's u. Guischart' $ 
Anm., 475Ö— 69, Seyhold 4779 — 83, Benicken, mit bildl. Darstellungen, 
4820, Storch 4828. Lucas, Ueber des P. Darstellung d. Aetoliscben Bundes, 
4827. Mbblekbb, Ueber des P. Darstellung d. Achäischen Bundes, 4828, 
in d. Jahrbüchern für Philologie u. Pädagogik, Supplementbd. I, H. 2. Ders., 
Achaicorum libri tres, 4837. Hbusdb, De school van P. etc., 4844- Nitzsch, 
Polybios etc., 4842. Bbandstädtbb, Bemerkungen über das Geschichtswerk 
desP., 4843. Ders., Gesch. des ätolischen Landes etc., 4844. Hbyd, Vita 
P., 4742. VAK Goudoeybb, De historicis P. laudibus, 4809. — ' Neue Ausg. 
von L. DiNDOBF 4828. Ausg. von Wessblino 4746, L. Dindobp. Uebersetz. 
von Stroth u. Kaltwasser, Wurm, — ' Ausg. von Stlbcbo, Hudson, 
Reiske 4774 — 77. Deutsche Uebersetz. von Benzler, Schauer, Pragm. von 
Mai (darüber Stbüve 4820). Weismann, De Dionys. H. vita et scriptis, 
4837. — ^ Ausg. von SchIfeb u. Göllbb. — ^ Wahrscheinlich unecht, 
von Schott. — ^ Kbugbb, Dionysii Historiographica, 4823. 

Exacte Wissenschaften. 

§. 215. Mit der Geschichte steht die Geographie in 
engster Verbindung, sowol die politische als die mathema- 
tisch-astronomische, und mit letzterer wiederum die Chro- 
nologie (Timäoß undEphoros); jedoch wurden diese exacten 
Wissenschaften erst in der alexandrinischen Periode angebaut, 
während in altem Zeiten sich vorzugsweise die Philosophen 
> der ionischen Schule mit Geographie, Katurforschung und 
Astronomie, die der italischen mit Arithmetik und die 
der akademischen mit Geometrie beschäftigten. 

§. 216. Für die Chronologie ist die parische Mar- 
mor chronik wichtig, die 264 v. Chr. verfertigt sein soD. 
Sie wurde 4627 von dem Engländer Petty, der auf Kosten 
des Lord Arundel (daher Marmor ArundeUanum, auch Oxo- 
niense, weil sie in Oxford aufbewahrt wird) reiste, auf der 
Insel Paros gefunden. Sie umfasste die Hauptbegebenheiten 
Ghiechenlands und insbesondere Athens mit Zeitbestimmun- 
gen von Kekrops bis auf den Archen Diognetos, 1582 — 264. 

F. THIBB6CH 4834* Stbphani (in d. Zeitschr. für Alterthumswissensch.)) 



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136 Zweites Buch. Ethnodoktologie, 

Ross' Reisen auf den griech. Inseln des Aegäischen Meeres, 4844 — 43, n. 
Inscriptiones Graecae ineditae, 4842- 

§. 247. Die Werke der Geographen dieser Periode 
sind fast ganz verloren gegangen. Nearchos^ Reisebericht 
ist durch Arrian erhalten K Agatharchides. Der Massiliote 
Pytheas ^. 

Der bedeutendste' unter den griechischen Geographen ist 
Strabon aus Amasea in Kappadokien (geb. um 60 v. Chr.). 
Auf Reisen gebildet, benutzte er die Schriften seiner Vor- 
gänger Hekatäos, Artemidor, Eudoxos, Eratosthenes und 
schrieb eine Geographie in 17 Büchern, von denen das 
siebente sehr lückenhaft ist, zugleich über Sitten und Ver- 
ÜEissungen, über Politik und Statistik berichtend \ 

^ Ausg. von Vincent, mit engl, üebersetz., 4809. Geier ^l Alex, 
hlstoriaram scriptores etc., 4844. — ^ Aasg. von Fuhr 4835, Lelewbl 4836; 
deutsch von jETojfman?* 4828. — ' Hebren, De fontibus Strab. , 4823. Sie- 
BELI8, De Strab. patria etc., 4828- Ausgaben: die erste 4546, von Ca- 
SACBONUS (2. A.) 4620, Almeloween 4707, Siebenkees, Tzschucke n. 
Fribdemann 4796 — 4848, Falgoner, Korais, Kramer 4844. Tafel, 
Fragm. lib. VII. Palatino - Vaticana, 4844. Franz. üebersetz. von de la Porte 
du Theil, Korais u. Gosselin, auf Napoleon's Befehl, 4805 — 49; deutsch 
von Kärcher u. Groskur d. 

§. Sil 8. Mathematiker des 5. und 4. Jahrh. sind Theo- 
doros von Kyrene, Archytas von Tarent, die Kalender- 
verfertiger Meton (432) und Euktemon; Eudoxos von Knidos, 
nach Cicero der Purst unter den Astronomen. Hipparchols 
aus Nikäa in Bithynien (160 — 125) ist Grunder der wissen- 
schaftlichen Astronomie K Aristarchos von Samos *. Aristyl- 
los und Timocharis. Eukleides' ,STOixe'^a' (Elemente) in 
45 oder 13 Büchern, die beiden letzten sind muthmasslich 
von Hypsikles 3. Archimedes aus Syrakus (287 — 212), 
Grunder der Statik, grosster Mechaniker des Alterthums, 
Verfertiger des Frachtschiffs Syrakusia *. Einer seiner Schu- 
ler war ApoUonios von Perga in Pamphylien (246): ,K(>)vi>ca 
axoiY^doi' *. Der Arithmetiker Diophantos ^ 

* MbrIiEKER, Kosmogeographie, 4848, Cap. 2 u. 9- — '^ Ausg. von 
Valla 4488, Wallis 4688. — ' Ausg. 4533, mit dem Commentar des 
Proklos zum ersten Buche, von August 4826 — 29, beste von GsBaoBT 
4703 u. Peyrabd 4844 — 48; deutsch von Lorenz 4784, Hoffmann 4829, 
Dippe 4 840 *, die Dedomena von Wurm 4 825 ; die ihm beigelegten Anfangs- 
gründe der Musik von Pen a 4557. — ^ Merlekeb, Gesch. d. Geographie, 
4839, S. 4 44. Ausg. von Tokelli 4792, erläutert u. übersetzt von Ni%%a 
4824. Uebersetzungen einzelner Schriften von Hauhef 4798, Hoffmann 
4847, Krüger 4820, Gutenäcker 4828. — * Ausg. von Gregory u, Halley 
4740, deutsch von Diesterweg 4822 u. Paucker 4837. — ^ Von 43 Büchern 



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Siebzehntes CapÜel ROmer. 137 

sind die sechs ersten erhalten. Ausg. von Baohbt, Fbbmat; deutsch von 
Schulz; De numeris polygonis übersetzt von Poselger 4840- 

§. 249. Auf dem Gebiete der Heilkunde betrachtet 
man Alkmäon, ^en Schüler des Pythagoras, als den ersten 
vergleichenden Anatomen. Die Asklepiaden stifteten zwei 
berühmte miteinander wetteifernde Schulen, die empi- 
rische zu Knidos und die philosophische zu Kos, aus 
welcher auch Hippokrates hervorging, der berühmteste Arzt 
des Alterthums und der Begründer der wissenschaftlichen 
Heilkunde; er lebte zwischen 460 und 377 oder 356, in Athen 
zur Zeit der Pest 429 ^. Die alexandrinischen Aerzte er- 
hielten zuerst die Erlaubniss, den menschlichen Korper zu 
zergliedern. Die ersten grossen Anatomen waren unter Pto- 
lemäos Lagi, 300: Herophilos und Erasistratos. Damals 
theilte sich die Heilkunde in drei Zweige: Diätetik, Phar- 
macie und Chirurgie *. Der erste griechische Arzt, der sich 
um 219 in Rom niederliess, war Archagathos; später (HO) 
Asklepiades aus Prusa in Bithynien. August's Leibarzt An- 
toninus Musa. Dioskorides (Pedanius oder Pedacius) aus 
Anazarbos in Kilikien (40 v. oder n. Chr.) schrieb fünf 
Bücher ,nspt SXy)^ lax^iyrfi' und war 16 oder 17 Jahrhunderte 
hindurch einzige Quelle für das Studium der Botanik und 
Pharmakologie ^. 

^ Ausg. von FoBS 1595 u. 1657, Chabtier (zugleich mit Galbhos) 
4639 — 79, Kühn 1826 u. 1827. Deutsche üehersetzung von Grimm 1781—92. 
Poes, Oeconomia Hippocratis, 1561, 1588 u. 1662. — ^ Marx, Herophi- 
los, 4838. HiBRONTMUS, Erasistrati et Erasistrateorum historia, 1790. — 
^ Ausg. von Sabacencs 1598, Sprengel 1829- Commentar von Matthio- 
Lvs 1565. 



Siebzehntes Capitel. 

Römer. 

§. 220. Die Sprache der Bewohner von Latium, die sich 
aus dem ältesten äolischen Dialekt und aus den Sprachen 
der Aboriginer bildete, wurde auch die Schriftsprache der 
Romer. Daher finden sich alle Bezeichnungen des niedrigen 
Lebens eines beschränkten Gesichtskreises als ursprünglich 
äolisch- griechische, während die Ausdrücke des Ideenkreises 
der Herrschaft echt lateinisch sind. Diese auffallende Er- 
scheinung wiederholt sich noch ein mal in der Geschichte, 



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138 Zweites Buch, Bthnodoktologie. 

und zwar in England, nach der Eroberung durch die Norman- 
nen i 066, indem hier alle Ausdrucke des Dienstkreises angel- 
sächsischen oder germanischen, die der herrschenden Kreise 
romanischen (französisch -normannischen) Ursprungs sind. 

JÄOKBL, Der german. Ursprung d. lat. Sprache a. des röm. Volks, 4830. 
JoBAHNSEN, Die Lehre d. lat. Wortbildung^ nach Anleitung d. ToJ^komme- 
nen Bildungsgesetze des Sanskrit genetisch behandelt, 4832« Gbotefend, 
Rudimenta linguae Oscae, 4839, n. Rudim. ling. Umbricae ex inscriptionibus 
antiqnis enodata, 4835 — 38. Solche Inschriften enthalten die sieben Enga- 
binischen Tafeln, die man 4444 zu Gubbio im Kirchenstaate, dem alten 
Jugnbium oder Eugubium in Umbrien , rorfand. Bekannt gemacht durch Bo- 
NAROTA in Dempfer^s Etruria regaUs, 4723) erklärt durch Lanzi, Saggio di 
lingua etrusca, 4789. Otf. Möller, Die Etrusker. Lassen, Beiträge zur 
Deutung der Eugubin. Tafeln, 4833. Lbpsics, De tab. Eugub., 4833, n. 
Inscript. Umbricae et Oscae, 4844. Mommsen, Die unterital. Dialekte, 4850. 
AuTBEOHT. u. KmcHHOVP, Die nmbrischen Sprachdenkmäler, 4849 — 54- 

§. 221. Fortdauernder Unterschied der lingua urbana 
und rustica K Die erstere erlitt während der zwolfhundert- 
jährigen Dauer romischer Herrschaft in Italien und fast über 
den ganzen damals bekannten Erdkreis merkliche Verände- 
rungen. Sie hatte ihr goldenes (78 vor bis 44 n. Chr.), 
silbernes (14 — 417 n. Chr.) und ehernes Zeitalter, bis sie im 
6. Jahrb. n. Chr. gänzlich erstarb und mit den Vulgär- 
sprachen vermischt ward, woraus die sogenannten romani- 
schen Sprachen hervorgingen. Seitdem wird das Latein 
als eine todte Sprache erlernt. 

Unter den Römern stehen als nachaUmungswerthe Muster 

obenan Cäsar, Cicero, Livius, Horatius, Virgilius, Ovi- 

dius, Phädrus. Doch tragen sie fast in allen ihren Lei- 

stungen nur das Gepräge der Nachahmung griechischer 

Meisterwerke *. 

1 Von dieser Waohsmüth in seinem u. Günther' 8 Athenäum, I, 2. — 
2 Hboewisgh, Zustand der Wissenschaften u. des Gelehrtenstudiums bei d. 
Romern (in s. kleinen Schriften), 4786- 

§. 222. Die wissenschaftliche Behandlung der 

romischen Sprache begann schon unter den Römern 

selbst durch Varro *, ward aber besonders seit dem 45. 

Jahrh. betrieben durch Aldus Manutius, Melanchthon, Eras- 

mus, Valla, Scaliger, Ghd. J.Voss, Cellar*, Gesner, Rud- 

diman ', Maria de Monte ^ und in neuerer Zeit ^. 

^ 24 Bücher De lingua Latina, wovon aber nur Buch 4 — 9, also im 
Gkoizen 6 Bücher erhalten sind; Ausg. von Spbngbl 4826 u. Emendatio- 
nes Varronianae, 1830, u. Otf. Müllee 4833. — * Gramm. Lat., 4659. — 
» Institut, gramm. Lat., 4725, u. Ton Stallbaum 4823- — * Latium rcsti- 
tntnm, 4720. — * Neuere Grammatiken: die hallesche von Lahgb 4707, 



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Siebzehntes Capitel, Römer. 139 

märkische 4748, von Sohxllxa, Bbödeb, Wbkox, Sbtfbbt 4798 — 4802, 
Gbotbfbnd, Kahshobn, Z0MPT, Schulz, Billboth, Madyio. Miohblsbh, 

Histor. XJebersicbt des Studiums d. lat. Gramm., 4837- Tdbsbllibüs, lieber 
Partikeln, 4829 — 36« Synonymik Yon Dödbblbin 4826 — 38, Habicht, 
Schultz. UeberStil: MatthiX, Hand, Hbiniohbn, Gbtsab, Naoblsbach. 
Antibarbams von Krbbs 4843> Lexikographen: Bob. Stbphanus, Fabbb, 
Gesneb, Facciolati, Fobcellini, Schblleb, Kabghbb, Fbbund. Die spä- 
tere Latinitat ist bearbeitet yon Dubbesbb (Sbighbub du Canob, 4640 — 88), 
Glossarium ad scriptores mediae et infimae Lat. , 4 678 n. öfter , yon Hbnschbl 
4840} ebenso Graecitatis, 4688* Cbllabius, De fatis ling. Lat., 4704* Walch, 
Hist. critica ling. Lat., 4746 u. 4764. Bubckhabdt, De ling. Lat. in Ger- 
mania fatis, 4743. Funccius, De ling. Lat. seaectate, 4750. Obbbliiv, De 
ling. Lat. barbarie, 4774. Eine Geschichte des lateinischen Accents erhal- 
ten wir yon Weil n. BeblSw, De Taccentuation latine, 4865 fg. 

§. 223. Mit den Wissenschaften befreundete sich Rom 

nicht vor der Zeit seines sittlichen Verfalls ^, nnd auch 

dann blieb seine Bildung einseitig. Seit 200 t. Chr. wurden 

griechisclie Studien von einzelnen Römern betrieben, Cato, 

Aemilius PauUus, Scipio Aemilianus. Krates begann 469 

seine Vorlesungen und griechische Philosophie seit 455 in 

Rom. Seitdem besuchten die Romer die hohen Schulen 

Griechenlands ^. Literarische Hülfsmittel bringen die Heere 

als Beute nach Rom seit 168. Dennoch stellten selbst die 

gebildetsten Männer in Rom die Wissenschaften so tief, dass 

noch Cicero dem Krieger und Staatsmanne den ersten Rang, 

dem Sachwalter den zweiten, dem Rechtskundigen den dritten, 

endlich den letzten dem Gelehrten oder Philosophen zuweist '. 

1 Cicero, De oratore, n, 66: ,TJt qnisqne optime Graece sciret, ita 
esse neqmseimnm,« als Ansicht eines Vorfahren. .«- ' Cbllaxiüs , De studiis 
Rom. literariis, 4698, in Sallengre's Thes., lU. Kribgk, De peregrinat. 
Rom. academicis, 4704- — ^ Gbabvii Thes., 4694, mit Nachträgen von 
Sallenorb 4746 u. Polenüs 4737. Bbaüfobt, La r^p. rom., 4766. Rö- 
mische Aiterthümer Ton Apah 4794 (deutsch von Meyer 4794 u. 4847), 
Crbczbr 4824 u. 4829, Rufebti 4844, Becker 4843 (fortgesetzt von Mar< 
QUABDT). Montesquieu, Consideration sur ia grandeur et la d^cadence 
des Rom., 4734. Gibbon, History of the decline and fall of the Roman 
empire, 4182—88 u. öfter (deutsch von Wenck, Schreiter «. Beck 480ö— 7, 
von Sporschil 4837 n. 4843). Römische Geschichte von Rollin 4739, 
Ferguson 4783 (deutsch von Beck 4784), Kiebuhb seit 4844, Wachs- 
MUTH 4849, Fiedler 4824 n. 4839, Blum 4828, Bböokbr 4844, Arnold. 
4842, ScHWEGLER 4852, Gerlach u. Bachofen 4853, Kortum, Walter, 
Drumann, Hock, Rbiff, Tillbmont 4700 (bis 548), Crevier 4750 (bis 
Konstantin d. Gr.), Mommsbn 4855. Chateaubriand, ]ffist. de la ehute de 
Temp. rom., 4824. Naudbt, Des changements de V^mp. rom. sons Dio- 
cletien etc., 4847. Buchhandel u. Bibliotheken bei den Römern, in Becker^s 
Gallus, n, 308 fg.; bei den Griechen, im Charikles, n, 443 fg. Daselbst 
über griechische Erziehung, n, i ig, u. nber Gymnasien, II, 464 fg. 

§. 224. Die Bearbeitung der Geschichte der rö- 
mischen Literatur beginnt mit Fabricius 1697. 

Scholl 4824. Bernhardt 4830. Wolf's Vorlesungen, herausgeg. 



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140 Zweites Bttch, Ethnodoktologie. 

von Gürtler 4832. Kravsb 4835. Bahr (3. A. 4844). Klotz, Handb. 
der lat. Literaturgesch. nach d. Quellen bearb., 4846. 

Aelteste und bessere Zeit, 

§. 225. Der Werth jeder geistigen Thätigkeit 
wird immer mit Bücksicht auf den Staat bestimmt. 
Daher ausgezeichnete Leistungen in der Kriegs- 
kunst und Gesetzgebung, in Beredtsamkeit, Bau- 
kunst und in der Geschichte, sofern sie den ro- 
mischen Staat betrifft. Die Dichter geben nur Nach- 
bildungen griechischer Muster und die Philosophie 
war ganz von den Griechen entlehnt. 

§. 226. Die ersten rohen Versuche der Dichtkunst 
bestanden nur in Liedern, die man theils zum Andenken 
an grosse und verdiente Männer bei Gastmählern, theils 
für religiöse Zwecke bei Opfern an gewissen Festtagen und 
bei Processionen absang. Unter letztem werden besonders 
die der Salier, die von Numa angeordneten carmina Sa- 
liaria, auch Axamenta genannt, erwähnt, in denen die Alten 
selbst die erste Spur lateinischer Verse erkannten. Ein 
kleines unverständliches Fragment hat Varro aufbewahrt. 
Einen schlechtem Inhalt hatten die plumpen und beissenden 
Fescenninen, von der etruskischen Stadt Fescennia be- 
nannt, die bald vom Lande auch in die Hauptstadt kamen 
und hier bei Hochzeiten, Triumphen unä zuletzt auch auf 
dem Theater gebraucht wurden. Eine Art Volksdrama 
waren die Atellanen, auch ludi Osci genannt, die aus 
der alten oscischen Stadt Atella in Campanien stammten ^ 
Als stehende Charaktermasken erscheinen in denselben der 
Brutus, Maccus und Bucca, ähnlich dem Harlekin oder 
Pulcinello der neuem Burlesken. Atellanendichter sind Fa- 
bius Dorsennus, Q, Novius, L. Pomponius undMummius^. 
Das Metrum ist der Satumische Vers ^: 

Exodia sind vielleicht Zwischenlieder zwischen den einzelnen 

Atellanen, die sehr kurz waren. 

J üeber Atellanen : Schobeb, Weybr, Zell (Ferienschriften), Munck. — 
' BoTHE, Poetarum Latinor. scenicor. fragm., 4834. Ribbeck, Scenicae 
Romanor. poesis fragm., 4855* — ^ Duntzer u. Lersch, De versu Satur- 
nio, 4838. Weise, Der Saturn. Vers im Plautus u. an sich nach dem Zeug- 
nisse der Grammatiker betrachtet, 1839- 

§. 227. Die Pest in Rom (365) und der Ausspruch des 



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Siebzehntes CapiteL Römer, 141 

Orakels brachten etruskische histriones dahin. Livius (VII, 2) 
nennt ihre kunstlosen Possen saturas. 

Der Erste aber, der mit einem eigentlichen Drama in 
Rom 239 oder 240 auftrat, war Livius Andronicus, ein 
Grieche von Geburt, ungewiss, ob mit einer Tragödie, 
wie man bisher geglaubt, oder mit einer Komödie, wie 
Osann behauptet ^. Es waren üebertragungen und Nach- 
bildungen griechischer Stücke*. 

In derselben Weise trat ein geborener Grieche aus Cam- 
panien, Cn. Nävius, 234 mit Tragödien und Komödien auf, 
soll sich auch im Epos (über den Ersten Punischen ICrieg ') 
versucht haben. Wegen der Freiheit, mit welcher er ro- 
mische Grosse angriff, musste er nach ütica entweichen, 
wo er 204 starb \ Bekannt ist die Drohung der Meteller 
gegen ihn: ,Dabunt malum Metelli Naevio poetae,' und seine 
Grabschrift: ,Mortalis immortalis flere si foret fas, flerent 
divae Camoenae Naevium poetam.* 

Ihm folgte als Bearbeiter und Nachbildner griechischer 
Dramen Ennius aus Rudiä in Caläbrien (geb. 239), der auch 
das Epos (zweiter Punischer Krieg) und den Hexameter 
in Rom einfiihrte. Seine ,Annalen' in 18 Büchern waren 
eine versificirte Chronik ^. 

Grossem Ruhm auf der romischen Bühne erlangten En- 
nius' Schwestersohn Pacuvius mit seinem ,Orestes' ® und 
Attius oder Accius mit seinem ,PhiloktetesS ,Decius^ ,Bru- 
tus' und seiner ,Medea'; daher Horaz von ihnen sagt: ,Au- 
fert Pacuvius docti famam senis, Attius aJti.' Varius, Vir- 
gil's Freund, schrieb einen ,Thyestes' ^, Ovid eine ,Medea^ 
C. Afranius (133) verfasste Nationalspiele: ,Horatius', ,Cur- 
tius% ,Coriolanus', ,Manlius Capitolinus'. 

Man darf wol die Tragödie griechischen Inhalts^ crepi- 
data, von den römischen Nationalspielen, praetextata, unter- 
scheiden. 

1 Analecta critica, 4816: De Livii A. vita. — * Fragm. bei Bothb 
u. Ddntzer. Dollen, De vita Livii A., 4838. — * Nach Cicero Incu- 
lenter scriptnin. ■ — * Fragm. von Klussmann 4843- — ^ Fragm. von Co- 
LUMNA, Hessel, GiLES , BoTHE (Bd. 5), GocRNAT in den M^moires de 
Taeadem. de Caen, 4840; der Annalen von Merüla, Spangenberg. Hoch, 
De Ennianor. Annalinm fragm., 4839. — ^ Stieglitz, De Pacuvii Dulo- 
reste, 4826. — ' Weichbrt, De L. Varii et Cassii Parmensis vita et car- 
minibns, 4836. 

§. 228. In der Komödie scheinen die Römer ebenfalls 

nicht blos griechische Stücke nachgeahmt zu haben, sondern 



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142 Zweites Buch. Ethnodoklologie, 

auch mit eigenen Versuchen selbständig aufgetreten zu sein, 
wie schon der Unterschied zwischen der comoedia palliata 
und togata zeigt Als Arten der letztem nennt man noch 
comoedia trabeata (Ritterstnck), erfinden von Melissus, 
einem Freigelassenen des Mäcenas, tun^cata oder tabemaria 
(Eneipenlustspiel), planipedia oder planipedaria, auch rici- 
niata, mit Bezug auf eine eigene Art von weiblicher rö- 
mischer Kleidung (ricinia), endlich Rhintoniaca (Hilaro- 
tragodie)) nach einem Schauspieler Bhinton benannt. In Ab- 
sicht auf die Art des Vortrags unterschied man auch comoe- 
dia motoria, stataria, mixta. Der Gebrauch von Masken ist 
wol erst diurch Roscius oder Aesopus um 1 03 aufgekommen. 

§. 229. Der wahre Vater der romischen Komödie ist 
M. Attius Plautus (f 483) aus Sarsina in Umbrien, der 
etwa 430 Stücke als Nachahmer des Diphilos, Epicharmos 
und PhilemoQ verfasst haben soll, von denen Varro nur 24 
far echt anerkannte, die sogenannten Varronianae, und 
darunter noch 20 übrig: die Tragikomödie ,Amphitruo' (nach- 
gebildet von Boccaccio, Molifere U.A.), ,Asinaria^, ,Aulu- 
laria^ (Geldtopf eines geizigen Alten, Moliere's ,Avare'), 
,Captivi', ,Curculio' (Schmarotzer), ,CasinaS ,Cistellaria' 
(Kästchen), ,Epidicu8', ,Chry8alus oder Bacchides' (zwei 
Buhleriunen), ,Pbasma oder Mostellaria^ (Gespenst, nach- 
geahmt von Reynard, Addison, Destouches u. A.), ,Me- 
naechmi^ (Zwillingsbrüderpaar, nachgeahmt von Reynard), 
,Miles gloriosus' (Holbein's ,Bramarbas^), ,Mercator^, ,P8eu- 
dolus', ,Poenulus', ,Persa', ,Rudens^, ,StichusS ,Trinum- 
musS ,Truculentus'. 

Auag. von Mebvla 4472, Lambih 4577, Taübmakn 4605 — 24 , Gbonov 
4684 u. Ernbsti 4760, Botbb 4809—44, 4834, Richter, Weise 4837, 
RiTSCBL. Für Betonnng und Versmass ist das Meiste geleistet tob Linde - 
MAKN 4823 n. 4844, GtF. Hbrmakn, 6bi»pbbt, Ritsghl. Lingb, Quaestio- 
nes Plaut., 4849. Rost, Gommentationes Plaut., herausgeg. von Lipsxds 
4836. Deutsche Uebersetzung von Köpke 4849, Rapp 4838 — 44, Host. 
Lbssutg, Ueber d. Leben u. die Werke des Plautus, Bd. 22. Becker, 
De comicis Rom. fabulis, maxime Plautinis, 4833- Ritschl, Parerga zu 
Plautus u. Terenz, 4845. 

§. aao. P. Terentius Afer aus Karthago (493—153), 
Freigelassener des Senators Terentius Lucanus, Nachachmer 
des Menander, daher von Cäsar dimidiatus Menander ge- 
nannt. Noch sechs Komödien, die, wie die Plautinischen, 
palliatae sind: ,Andria' (165 aufgeführt), ,Hecyra' (Stief- 
mutter), ,HeautontimorumenosS ,Eunuchus*, ,Phormio* 



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Siebx$hntet CapUel. Römer. 143 

(Schmarotzer), ,AdelpIii^ Horaz sa^: ^Vincere Caecilius 

(nichts übrig) gravitate, Terentius arte.' 

Erläutonmgeii von Abl. DoKAtirs n. Rvhkxxh, Dictata in Terentii 
comoedlas, heransgeg. von Schopbn 4825. Ansg. von Lihdbnbbog 4602, 
Gbonov 4686, Bbntlby 4726, 4794, Wbstbehop 4726, verbessert von 
Stallbauh 4830, Perlet, Botbb, Klotz, Vollbbhr 4846. Deutsche 
Uebersetz. von KindervcUer, Köpke, Wolper, Benfey, Bearbeitet für das 
franz. Theater von Moli^be, für das deutsche von v. Einbiedbl 4840. 

§. 234. Die dramatigrchen Mimen der Bomer unter- 
scheiden sich eben dadurch TOn den griechischen, die nur 
zum Lesen bestimmt waren. Zu Cäsar's Zeit waren in 
dieser Gattung Decimus Laberius und P. Syrus ausgezeich- 
net. Als die Sprache aufhorte, das Wesentliche des Mimus 
zu sein, und an ihre Stelle unter den Kaisem Gesticulation, 
Geberdensprache (saltatio) trat, artete der Mimus in den 
PantominoLUS (Ballet) a\Ls, worin unter August sich Bathyl- 
los, Pylades und Hylas hervorthaten. 

Der von Macbobiüs mitgctheilte Prologus von Becher 4787 heraus- 
gegeben und von Wieland übersetzt in Horaz* Satiren , 4849, Bd. 4. Zno- 
lbb, De mimis Rom., 4789* 

§. 232. Von der dramatischen Satire (satura, poetisches 
Quodlibet) ist die didaktische verschieden, die ihren Ur- 
sprung dem Ennius verdankt, Charakterschilderung und 
Sittengemälde *. 

Der romische Ritter C. Lucilius aus Suessa in Campa- 
nien (447 — 102) schrieb 30 Bücher Satiren, in denen er 
Laster und Gebrechen rügte und sich des Hexameters be- 
diente *. 

Als Erneuerer der Lucilischen Satire trat Horaz auf, 
während sich an diie ältere des Ennius M. Terentius Yarro 
anschloss, der mehre Nachfolger hatte, deren Arbeiten aber 
fast alle, bis auf Seneca's /A7üOxoXo>cuv^oaic' (Verwandelung 
des Kaisers Claudius in einen Kürbis), des Petronius ,Sa- 
tyricon' und des Kaisers Julian ,Mtao7cciYövS verloren ge- 
gangen sind. Diese Art nennt man satira Varroniana oder 
auch, nach dem griechischen cynischen Philosophen Me- 
uippos, satira Menippea ^, auch cynica. VirgiFs ,Dirae*, 
Ovid's ,Ibis^ sind in dieser Weise satirischer Art. 

^ Casaübobcs , De satirica poesi Graec. et Rom. (verbesserte Ausg. von 
Hambach 4774). Chbbbitliez, Essai snr la satire lat., 4829- Paldamvs, 
üeber Ursprung n. Begriff d. Satire, 4834. — * Fragm. von Dovsa, Tab- 
^^^ 4836. Hbvsdb, Stadia critica in Laciliom poetam, 4842, nebst Epist. 
deLucilio, 4844. Gbelach, Lucil. u. d. r5m. Satura, 4844. — ^ Obhler, 
Varronis saturamm Menippearnm reliqniae, 4844. 



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144 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. S133. In die Eaiserzeit fallen die beiden Happtsatiriker 

der Romer, A. Persius Flaccus * aus Volaterrä in Etrurien 

(34 — 62 n. Chr.) und Decimus Junius Juvenalis '-^ aus Aqui- 

num (geb. 45 oder 42 n. Chr.), die nicht mehr, wie Horaz, 

in heiterer Laune und mit humoristischem Witz, Thorheiten 

aufdecken, sondern mit herbem Ernst und bitterer Strenge 

die Laster ihrer Zeit tadeln. 

' Aasg. von Casacboncs, Passow 4809, zugleich mit deutscher üeber- 
setzung, Webbb, Plum, Ddbnsr, Obelli in den Eclogae poetar. Latinor., 
4833, Jahn, Hbikbich, D6ntzeb. Deutsche üebersetzung von Donner, 
Weher, Teuffel. — ^ Dessen Satiren theilten schon die alten Grammatiker 
in fünf Bücher. Ausg. von HennInics 4686, Ruperti 4804, Heinrich. 
Schmidt, Deiectus sadrarum, 4835. Deutsche Uebersetz. von Haugwil», 
Donner, Weber. Fbawckb, De vita Juvenalis, 4820 — 27. Eine Samm- 
lung seiner alten Commentatoren und Scholiasten von Gramer 4823. 

§• 234. T. Lucretius Carus (95 — 56 v. Chr., todtete 

sich durch eimen Liebestrank) hinterliess ein in 6 Biicher 

abgetheiltes Lehrgedicht: ,I)e rerum natura^ Darstellung 

der epikuräischen Philosophie. 

Ausg. von Lambin, Havbrgamp, Wakbfield, Fobbioeb 4828, LaCH- 
MANN 4848. Deutsche Uebersetz. von Knebel. Siebelis, Quaest. Lacre- 
tianae,^ 4844. Des Cardinais Melchior v. Polignac (4664 — 4744) Anti- 
Lucretius s. de deo et natura, 4747 Paris, 4748 Leipzig. 

§. 235. Die Werke der altem romischen Epiker (Nä- 
vius, Ennius) sind bis auf unbedeutende Bruchstücke ver- 
loren gegangen. Allen voran glänzt P. Vergilius Maro aus 
Andes bei Mantua, am 45. Oct. 70 v. Chr. geboren, von 
Augustus und dessen Freunden hochgeschätzt, gestorben 
am 22. Sept. 48 v. Chr. in Brundisium. Seine Gebeine 
kamen nach Neapel und wurden an der Via Puteolana 
beigesetzt, wo man noch jetzt das Grabmal zeigt. Seine 
Grabschrift : 

Mantua me genuit, Calabri rapuere, tenet nunc 
Parthenope, cecini: pascua, rnra, duces. 

Seine Werke sind ein grosses episches Gedicht in zwölf 
Gesängen, ,AeneisS das jedoch der letzten Feile entbehrt, 
daher der Dichter selbst noch in seinen letzten Stunden die 
Vernichtung desselben angeordnet haben soll ; gleichwol er- 
scheint sie als das vollkommenste Epos der romischen Poesie 
und als die geschmackvollste Nachbildung der Homerischen 
Gesänge. Sie schildert die Irrfahrten des Aeneas bis zu 
seiner Ankunft in Latium und seinem Siege über Turnus. 
Femer ein didaktisches Gedicht, ,Georgica', . über den Land- 



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SiehxehfUes Capitel, Rfimer. 145 

bau in 4 Bachern, und zehn bukolische Gedichte, die von 
den alten Grammatikern mit dem Namen ,Eklogen^ be- 
zeichnet sind. 

Ausserdem werden ihm noch einige andere Poesien bei- 
gelegt: ein scherzhaftes Gedicht, ,Culex', in 413 Hexa- 
metern, worin der Schatten einer getodteten Mücke auftritt 
und um Beerdigung bittet; ,CirisS in 540 Versen, eine Be- 
handlung des Mythus Ton Nisus und ScyUa; es wird von 
Einigen dem Freunde VirgiFs, Cornelius Gallus, zuge- 
schrieben; ,Copa^, in 38 Versen, eine lockende Einladung 
zur Einkehr; ,Moretum', in 133 Versen, worin die Beschäf- 
tigungen in den Morgenstunden des Tages angegeben werden; 
44 kleinere Gedichte, die sogenannten ,Catalecta^, darunter 
auch die ,Dirae'. 

Die alten Grammatiker, Tib. Claudius Donatus, Servius 
und Philargyrius, beschäftigten sich mit dem Dichter und 
seinen Werken, deren Verse man im Mittelalter zu prophe- 
tischen Zwecken als sortes Virgilianae benutzte. 

SiEBENHAAB, De fsbulis, quae media aetate de Virgilio circnmfereban- 
tnr, 4837. Ausg. (die erste) yon sb la Cbbda 4608, Bürmanii 4746, 
Hbyne 4767 (3. A. 4803), wovon Ph. Waonbb eine neue Bearbeitung 
geliefert hat, 4830 — 44, Didot, Bodoni 4793, die mitital., span., franz., 
engl. u. deutscher Uebersetz. 4826, der Prachtabdruck der Heyne -Wagmbb*- 
sehen Ausg. mit 200 Kupfern u. Vignetten; die 50 Bilder zur Aeneide nüt 
franz. u. deutscher Erklärung voxv Fbommel 4830; gute Hand- u. Schul- 
ausgaben Yon Wunderlich u. Ruhkopf, Jahn, Fobbiobb, Waonbb. Die 
Georgica mit deutscher Uebersetz. u. Erklär. Yon Voss 4800, ebenso die 
Belogen, die Aeneide von Thiel, Pbbblkamp, Gossbau; deutsche Ueber- 
setzung von Voss, Neuffer, Osiander, Ubsinus, Virg. cum Graecis scri- 
ptoribns compiirfitur (edirt von Yalckenabb 4745). Eiohhofp, i^tudes 
grecques sur Y., 4825. Tissot, iltudes sur Y. compare avec tous les 
poetes etc., 4826. Wbdewee: Homer, Yirgil, Tasso, 4843. Cbusiüs, 
liBt.- deutsches Wörterbuch zu Yirgil, 4846. Antiquitates Yirgilianae ad 
vitam populi Kom. descriptae, 4843. 

§. 236. Wie die spätem griechischen Epiker allesamnit 
Homer, so haben die spätem römischen durchweg Yirgil 
nachgeahmt. Unter ihnen nimmt Lucanus aus Corduba in 
Spanien (38 — 65 n. Chr., durch Nero zum Tode verurtheilt) 
die ehrenvollste Stelle ein, dessen nicht ganz vollendetes 
Hauptwerk in 10 Büchern, ,Pharsalia% den Krieg zwischen 
Cäsar und Pompejus besingt ^ 

Valerius Flaccus (f .89 n. Chr.) hinterliess ein unvollendetes 
Gedicht, ,Argonautica', in 8 Büchern, Nachbildung des 
Werkes von Apollonios Bhodios ^. * . 

Silius Italiens (Consul 68, starb 100 n. Chr. eines frei- 

Mbrlkkkr. 1 



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146 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

willigen Todes, um sich yon einem unheilbaren Korperleiden 
zu befreien) hinterliess ,Punica s. de hello Punioc^ aenHfa^, 
nach des jungem Flinius Urtheil ^ma^ose €mm ifmui mgenio^ 
▼erfasst K 

Des P. Papinius StaEfiw «us Neapel (61—96 n. Chr.) 
epische Gedichte, .^tb/ätms' in 4 2 Gesängen und unToUendete 
^Achilleis^ in 2 Büchern; 5 Bücher ,SilTae' (vermischte Ge- 
dichte), darunter ein ,Propemptikon^ '^ an den in den par- 
ihischen Ejrieg ziehenden Asinius Pollio ^ 

1 Aasg. (die erste) 4469, ^on Ocdbndorp, Bubmann, Wbbbb, Wbisb. 
Deutsche U^rsets. ¥on Baue. Lbloup, De poesi epica et Pbarsalia La- 
cani, 4828. KIstnbb, Qnaest. in Luc. Phars., 4826—28. — ^ Ausg. 
(erste) 4474, von Hbinsiüs, Bubmann, Hablbss, Waonbb, Wbbbr im 
Corp. poet. Lat., 4833, das acbte Buch yob Wbicbbbt. Deutsche lleber- 
setzung von Wunderlich 4805. Wbicbebt, Epist. critic. de Flacc. Argon., 
4842. — ' Ausg. iron Dbakenbobch, Ebnbsti, Rupebti. — • ^ Wie das 
des Helvius Cinna des 4. Jahrh. y. Chr. — ^ Ausg. von Gbonoy, Babth, 
D6bnbb; der Silva« von Mabkland 4728 (wieder von Sillig 4827), Hand 
4847. Gbonov, Diatribe in Statii Silvas, 4637 (von Hand 4844). Wei- 
CHBBT, Poetar. Lat. reliquiae, 4830. 

§. 237. P. Ovidius Naso aus Sulmo im Lande der Pe- 
ligner (geb. am 20. März 43 v. Chr.), gestorben in der Ver- 
bannung zu Tomi 17 n. Chr. Die Ursache seiner durch 
August verhängten Verbannung gibt er nicht an, bezeichnet 
sie nur von fem in dem Verse: 

Cur aliqnid vidi, cur noxia lumina feci. 

Versucht hat er sich in den meisten Gattungen der Poesie, 
in der erzählenden, didaktischen, lyrischen und elegischen. 
Sein Hauptwerk sind die 15 Bucher ,Metamorphoseon^, eine 
Verbindung von 250 Fabeln, die mit dem Chaos beginnen 
und bis auf Cäsar^s Tod reichen; von Maximus Planudes 
im 14. Jahrh. ins Griechische übersetzte In den ,Fasti^ 
oder dem Festkalender der ersten sechs Monate, daher in 
6 Büchern, werden an die merkwürdigsten Tage und Feste 
des romischen Kalenders Erzählungen aus der romischen 
Mythologie und Geschichte angeknüpft *. ,Amores' in 
3 Büchern, ,Ars amandi^ in 3 Büchern'. ,Bemedia amo- 
ris^, zugleich ein Beitrag zur Kenntniss des sittlich verderb- 
ten Zustandes der damaligen römischen Welt. ,Hcroides^ 
oder 24 Liebesbriefe der Heroinen*. , Medicamina faciei'- 
,Tristia' in 5 Büchern ^ ,Epistolae ex Ponto' in 4 Büchern. 
,Halieuticon' ». Das Schmähgedicht ,Ibise ,Nux'. Das 
Trauerspiel ,Medea' ist verloren gegangen. Kleinere Ge- 



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Siebx^HUg CapUei Römer. 147 

dichte, z. B. ^Elegia ad LiTiam Augiistam^ und die sogenann- 
ten ,CatalectaS werden ihm mit Unrecht beigelegte Von 
seinem Dichtertalent sagt er selbst: 

Sponte 6iia carmen niiineroe TenielMit *ad sptos, 
£t qaod tentabam dicere, yersus erat. 

1 Aosg. von Gibbig (3. A. toh Jahn 4824 — 23), BAUMaABTSN-Cku- 
sius, Bach, Fbldbausch, Lobs. Uebersetz. von Rode, P/Ux, ausgewählte 
Yerwandelnngen von VosSf freie Nachbildung von Abb. Voss. Unten 
§. 277 — 284. — ' Ausg. von Conbad, deutsch von Geis u. MetMger. — 
3 Uebersetz. von Slrombeck, Torney, eme Nachbildung von Adleb 4843. — 

* Ausg. von Tbbpstba u. Lobs. — * Ausg. von Jahn, Mbbkbl; deutsch 
von Stromheck. — * Wie Oppian ^AXtevrtxöc und KuvtjYeTtxdt schrieb, auch 
Ovid*8 Zeitgenosse Gratius Faliscns. — ? Ausg. aller Werke (die erste 4474 ) 
Ton Dan. u. Nie. Hbinsius, Bcbmann, Amab, Jahn. 

§. 238. Die Elegiker i. C. Yalerins Catullus ans Sir- 
mio im Veronesischen (geb, 87 v. Chr.), Freund des Cicero, 
hat 446 Gedichte hinterlassen, die zu Anfange des 44. Jahrh. 
durch Benrenuto di Camposani zu Verona aufgeftinden 
wurden, darunter von eigenthümlichem Charakter ,Atys^ und 
das ,Epithalamium Pelei et Thetidos^ ^. 

Albius TibuUus, in der Begleitung seines Gönners Mes- 
sala erkrankt in Corcyra, stirbt jung 49 oder 20 v. Chr. 
Von ihm 37 Gedichte in elegischem Yersmass und in 4 Bücher 
getheilt, wovon das dritte Buch Heyne und J. H. Voss ' 
einem gewissen Lygdamus^, das vierte zmn grossen Theil 
einer gewissen Sulpicia ^ zugeschrieben haben ^. 

Sext. Aurelius Propertius (zwischen 50 — 10 v. Chr.) aus 

Mevania oder Hispellum in ümbrien, Günstling des Macenas, 

nahm zum Muster den Alexandriner KdHmachos fax seine 

Elegien in 4 Büchern ^ 

* Gbvppb, Die romische Elegie, 4838. — * Ausg. von LsNa, Gcblitt, 
Obblli in den Belog, poet. Lat., 4833. Ansg. des Ganzen von Sillio, 
Lachkann, Döbibg. Uebersetz. von RanUer u. Schwenck, — * Musen- 
almanach, 4786, u. in der Vorrede zur Üebersetzung des Tibull 4840- — 

* Eichstadt, De Lygd. carminib., 4829 — 34. — * Nicht der «ngeblichen 
Verfasserin De edioto Domitiani, quo philosophos exegit oder Satira de 
cormpio reip. statu. Wbbnsdobf in den Poet. Lat. minores, Bd. 3, bear- 
beitet von GuBLiTT u. Manbabd. — ^ Ausg. von Vvlpiüs, Bbobbhutzbm, 
Hbtnb (4. A. von \^iindbblich u. Dissbn 4849), J. H. Voss, Bach, 
HvscBKB, Golbbbt, Laobmanb, Dissbn. Deutsche Uebersetz. von Vo98, 
Strombeck, Günther, Richter, Nürnberger. — ' Ausg. von Bbobkhützbb, 
VvLPius, BüBiCANB u. Santbn, Paldamus, Hbbtzbbbo. Deutsche Üeber- 
setzung von Knebel, Strombeck, Voss, Hertiber g, 

§. 239. Der grösste romische Lyriker und Pindar^s 
glücklicher Nachahmer ist Q. Horatius Flaecus aus Venusia 
(daher cygnus Venusinus) auf der Grenze Apuliens und 

10* 



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148 ZweUeg Buch. Ethnodoktologie. 

Liucaniens, Freund und Gunstimg des Macenas und Au- 
gustus, geb. 8. Dec, 65, gest, 26. Nov. 9 v. Chr. Seine 
,Carmina^ bestehen aus 4 Büchern ,Oden^, nebst dem ,Car* 
men seculare^, und 'einem fünften Buche ^Epoden^, in welchen 
er Vieles aus den besten griechischen Lyrikern (Archilochos, 
Alkäos, Sappho, Alkman, Stesichoros, Pindaros u. A.) ent- 
lehnt hat K Femer 4 Bücher ,SermonesS nämlich 2 Bücher 
,Satiren^ * und 21 Bücher ^Episteln* ^. ,Ar8 poetica' oder 
,Epistola ad Pisones'*. 

1 Ausg. Yon Jani, Mitschbelich, Yamdbbboubg, Pbbelkamp. Deutsche 
Uebersetz. von /. U, Vos9, Kamler, ScheUer, Günther, v. d. Decken, u. 
die Sammlung von gereimten Uebersetzimgen o. Nachbildungen von Kosen- 
l^eyn. — ' Ausg. von Hbnidobf (verbesserte A. von Wcstemann 4843) 
Q. Kibchbbb; meisterhafte Uebersetzung von Wieland. — ^ Ausg. von 
ScHMiD, Obbabius u. Schmid, D6NTZBB. Uebersetz. von Wietand, Günther, 
Passow. — * Ausg. von Hubd u. aus d. Englischen von Eschenburg 4772. 
Ausg. des Ganzen (älteste H70) vonLAMSiN, Bbntlbt 4744 (zuletzt 4826), 
CuNNiNOHAM, Fba (neu von Bothb), Döbibq, Orblli. Sohulausg. von 
Jahn, Zbll, Mbinike, Dillbnbcrgbr. Aeltere Erklärer: Akron, Por- 
PHTRiOM u. der Scholiast des Cruquius. Sueton, Vita Horatii. Teuffel, 
Charakteristik des Horaz, 4842, u. Horaz, eine literarhistorische Ueber- 
sicht, 4843. Wbber, Horaz als Mensch u. Dichter, 4844. Horkel 4852. 

§. 240. M. Yalerius Martialis aus Bilbilis in Spanien 
(40 — K 00 n. Chi".) ist der eigentliche Schopfer des neuem oder 
witzigen Epigramms. Seinen Ruhm begründen 44 Bücher 
Epigramme (s. oben §. 465). 

Ausg. von Radbb, Schrbvel, Lbmairb, Schhbidbwik; Auszug von 
Ramler. Deutsch yotl Willmann. Diestlino, 50 Epigr., 4835. 

§. 244» Fetronius aus Massilia, Consul in Rom, Fro- 
cohsul in Bithynien, Festgenosse und Festrathgeber des Nero, 
daher auch Arbiter beigenannt, entleibt sich aus Furcht vor 
Strafe 67 n. Chr. Von ihm soll eine Art Roman, ,Saty- 
ricon' (oben §. 232) herrühren, dessen Verfasser aber Niebuhr 
uud Weichert in eine weit spätere Zeit (2. oder 3. Jahrh.) 
versetzen. 

Stcder, Ueber d. Zeitalter des F., im Rhein. Museum, 4842, I. Be- 
kannt gemacht wurde dieses Werk 4499. £rst 4662 fand man zu Traun 
in Dalmatien das sogenannte Gastmahl des Trimalchio , welches Frambotti 
herausgab. Da« Ganze gaben Burmahn 4709 u. Anton 4784. Die zu 
Belgrad gefundenen und von Fr. Nodot veröffentlichten und die aus der 
Bibliothek zu St. -Gallen von Märchen a herausgegebenen Fragmente be- 
ruhen auf einem literarischen Betrüge. Uebersetz. Ton Heinse u. Gröninger. 

§. 242. Unter dem Namen des Phädrus oder Phäder, 

der von Greburt ein Thrazier und Freigelassener des Augustus 

gewesen 'sein soll, besitzen wir eine Sammlung von 90 

in 5 Bücher abgetheilten Fabeln. Da aber Phädrus von 



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Siehuhnus CapUel. Bömer. 149 

keinem der alten Schriftsteller als Verfiisser dieser Fabeln 

genannt wird und die Römer in der Gattung der Aesopischen 

Fabel, /nach der Behauptung des Philosophen Seneca, sich 

iiberhaüpt nie versucht haben, so hat man seit J. F. Christ 

(den Schöpfer der eigentlichen Archäologie in Deutschland, 

4701 — 56), der das Ganze für ein Machwerk des £rzbischofs 

Perotti (U30— 80) hielt, vielfach an der Echtheit derselben 

gezweifelt \ Das sechste Buch mit 3S Fabeln wurde \ *1TI 

zu Parma aufgefunden, aber wegen Unleserlichkeit und 

Lückenhaftigkeit von Burmann unbeachtet gelassen, bis es 

Cassitti und Janelli 1809, Orelli 4834 bekannt miachten. 

1 Ausg. von BuEMANN, Schwabs, Obblli, Dbbsslbr. Brauchbare 
Schulausg. von Bbohm, Pauflbr, Bbck, Zbll, Hoffmamb. Üebersetz. 
von Schwarz, Vogelsang, Heinzelmann. Kbblbb, Rom. Fabeldichter, 4838. 

§. 243. Die Geschichtschreibung begann in Rom mit 
den dürren Registern über merkwürdige Vorfälle, die bis 
auf P. Mucius (130 v. Chr.) von dem Pontifex Maximus ge- 
führt wurden und Annales maximi oder pontificum hiessen. 
Daran schlössen sich die ,Fasti magistratuum% ,Libri lintei^ 
^Laudationes fimebres', die versificirten Chroniken des Nävius 
und Ennius und die Annalisten, deren Livius erwähnt, Fabius 
Pictor, Cincius Alimentus, Valerius Antias, Piso *. 

Die ,0rigine8' des altem Cato (M. Porcius Cato Cen- 
sorius, 234 oder 239 — 148) in 7 Büchern, worin die Ge- 
schichte Roms von den ältesten Zeiten bis auf seine letzten 
Lebensverhältnisse oder bis auf den Zug des Serv. Sulpi- 
cius Galba nach Lusitanien abgehandelt war, sind verloren 
gegangen 2. Auch die historischen Schriften des gelehr- 
testen Romers, M. Terentius Varro (geb. 116), sind unter- 
gegangen K 

1 Kbausb, Historicor. Graecor. firagm., 4833* — ' Sein Werk: De 
re rustica Yon Gbsmbb u. Schbeidbb 4794, in den Scriptoret rei rasticae. 
Seine Reden, deren Cicero noch 150 las, in Mbtbb's Oratomm Boaa, 
fragm., 4842. — ^ Fbanckbn, Fragm. Varronis, quae inveninniar in Ubria 
Augnstini, 4836. Dbyit, Sententiae Varron. etc., 4843. De re msticii 
libri m von Sohnbidbb 4794. Papb, Diss. historico-literaria de Yanr., 4835.. 

§. 244. Grosse Muster in der Geschichtschrei- 
bung erhielt Rom erst mit der griechischen Cultun 
Seitdem war es vorzugsweise die Geschichte und 
Beredtsamkeit, worin auch hier Ausgezeichnetes, 
geleistet ist. 

Ulrici, Charakteristiic der antiken Hiatoriegraphie, 4833. 



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150 Zweites BwA. Ethnodokiciogie. 

§• i4S. Die Beihe der grossen, noch vpriiandenen Histo- 
riker eroffiaet C. Julius Cäsar (400—44 v. Cbr.)^ dessen 
ihatenreicbes Leben Sueton und Flutarch ausfuhrlich be- 
schrieben hab^i. Die firiiher dem Jul. Celsius beigelegte 
,Yita J. Caesaris^ gab Schneider 4827 heraus und erklärte 
sie fiir ein Werin des Petrarca. Tacitus sagt xon ihm: 
^ummus auctorum divus Julius/ Seine ,Commentarii de 
belle Gallico^ in 7 Büchern (das achte von Aulus Hirtius? 
der 43 bei Mutina fiel) und ,De hello civili^ in 3 Büchern. . 
Ungewiss sind die Verfasser der Bücher De hello Alexan- 
drino, Africano und Hispanico. 

Ansg. (erste 4469) von-CLABKB 4712, Gbaviüs Ouobhdobp, Dahitb, 
MÖBiüs, Hbbzog, Badmstabk, Schnbidbb 4840. Erlsntenmgen der Geo- 
graphie Galliens von Fiedlbb und Hbfnbb. Wörterbuch von Cbüsiüs. 
Deutsche Uebersetz. von Haus, Wagner, Schaumann, VoUmer, Baum- 
stark. Sein Leben vorzugsweise von Dbumank im 3. Bde. der Geschichte 
Roms etc., 4837. 

§. 246, Cornelius Nepos aus Hostilia oder Verona, Freund 
des Cicero, noch unter Augustus am Leben, hinterliess histo- 
rische und geographische Werke, die verloren gegangen sind. 
Unter seinem Namen besitzen wir ein dem Alterthum un- 
bekanntes Werk ,Vitae excellentium imperatorum', kurze 
Biographien von 20 griechischen Feldherren (Miltiades, The- 
mistokles, Aristides, Pausanias, Cimon, Lysander, Alci- 
biades, Thrasybul, Conen, Dion, Iphicrates, Chabrias, Ti- 
motheus, Datames, Epaminondas, Pelopidas, Agesilaus, 
Eumenes, Phocion, Timoleon), eine Nomenclatur ,De regi- 
bus% griechischer und persischer Könige, nebst dem Leben 
des Hamilcar und Hannibal und zwei grössere Lebensbe« 
Schreibungen des Cato und Atticus, als deren Verfasser 
Aemilius Probus (380 n. Chr.) genannt wird. 

Ausg. von Stavbbbm 4734 (neu von Babdili 4820), Bbbmi, Pautlbr, 
GH)iiTHBB, Fbldbausoh, Dähi«b,Roth, Benbokb. VehetBetz, Yon Dellinger j 
Roth. WÖrterb. von Billbbbbgk u. Cbosius. Ribk, Saggio di an esame 
etc., 4848 (deutsch von Hermann 4829). De vift» et scriptis Com. Nep. 
vouRankb, Walicki, Liebebkühn- Pohlmann, Ldtbmhds, Nibsbn, Hisalt, 

WiCHBBS, FrBUDENBEBO. 

§. 247. C. Sallustius (oder Salustius, von salus, nach 
Gerlach) Crispus aus Amitemum im Sabinerlande, romischer 
Senator, durch die Censoren Appius Claudius Puloher und 
L. Piso (50 y. Chr.) senatu motus, von Cäsar restituirt und 
zum Statthalter von Numidien gemacht, starb 35 v. Chr. 



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SiebMeknUs CapiM. Bümer, 151 

Vollstuidig erhalten sind noch sein ,BeUum Catiliaarium^ 
lind ^Bellum Jugurthinüm^ 

Ausg. (er6te4470) von Wabsb, Cobtb,Havbkoaiip, Obblach, Kaits, 
Jaumaiik, Fabri, HBAzoGy DiBTSOB, LiNKBR 4 855. Deatsch yod ScMüter, WoU- 
mann, Strombeck, Höck. Worterb. von Palm u. Crusius. Orblli, Orationes 
et epifltolae ex hietoriftrum libris deperditis, 4834. Kbbtssio, Commentat. 
de Sali, fragm., 4835. Otf. MCllbr, Histor. ktit, Untersachiuigeii d. Nach- 
richten über Sal., 4847. LöBBLL, Zur Beortheilung d. Sal., 4848. Brossbs, 
Hist. de la rep. Rom, dans le cours du septl^me si^cle par Sal., 4777. 

§. 248. Der berühmteste römische Geschichtschreiber ist 
T. Livius aus Padua (Patavium, 59 v. Chr. bis 47 n. Chr.), 
Günstling des Augustus, Erzieher des Kaisers Claudius. Er 
hinterliess ein grosses historisches Werk, ,Annale8S welches 
die Geschichte der Romer von der Ankunft des Aeneas bis auf 
den Tod des Drusus (10 v. Chr.) in U2 Büchern umfasste, 
deren wir nur 35 (die zehn ersten von Erbauung der Stadt 
bis 293, dann 21 — 45 von 218—168 v. Chr.) vollständig, 
nach Decaden abgetheilt, besitzen, dagegen von den übrigen 
nur Epitomae, welche Florus verfasst haben soll, und Sup- 
plementa von Freinsheim 1654; auch Einiges aus dem 91. und 
4 20. Buche und das 33. Buch aus einer bamberger Hand- 
schrift (Kreyssig 1839). 

Ausg. (erste 4469) von Grosov, Clbriccs, Drakknborch (von Al- 
soHBFBKi 4844), Ebnesti (von Krbtssig 48113 — 27), Stotb u. Döbiho, 
RuFBRTi, Bavmoartbm-Crusius, Raschio. Deutsch von Ueiminger u. 
Oertel. Krüsb, De fide Livii recte aestimanda, 4842. F. Lachmahn, De 
fontibos historiar. Livii, 4822 — 28. Söltl, Liv. in s. Gesch., 4832. 

§• 249. In die Zeit des Augustus gehört Pompejus Trogus, 
der ein Werk in 44 Büchern: ,Historiae Philippicae (w«il 
die macedonische Geschichte den Hauptinhalt bildete) et 
totius mundi origines et terrae situs', hinterliess, welches 
die Geschichte von Ninus bis 5 v. Chr. umfasste. Daraus 
besitzen wir nur einen um 160 n. Chr. gefertigten Auszug 
von M. Junianus Justinus oder M. Justinus Prontinus *. 

Verloren sind die Schriften ^ des Asinius PoUio (geb. 
75 V. Chr.)*, des M. Tullius Tiro, Freigelassenen des Ci- 
cero, Augustes', des M. Yipsanius Agrippa Memoiren. 

Das ,Monumentum Ancyranum' verherrlicht August's 
Thaten und wurde 1553 durch Busbecq copirt*. 

1 Ansg. (erste 4 470) von Gravius, Gronov, Frotscher, Dobner, 
MfiTZBiiL. Deutsch von Kolbe, Schaumann, Schwarz* — * Thobbbokb, 
De C. Asin. Poll. studiis doctrinae, 4820. — ^ Wbiohbrt, De Aug. scriptis, 
4836. — * Mbblbker, Kosmogeographie, §. 444. 

§• 250. Die Beredtsamkeit war in Rom schon früh 



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153 Zweiies Buch. Eihnodokiologie. 

ein Staatsbedürfiiiss: sie lenkte den Sinn des Volks, die 
Beraihung desSenats und das Urtheil der Gerichte; sie gab 
Einfluss im Staate nnd führte zu Würden und Ehren K 

Cicero's Vorgänger waren in Rom : M. Cornelius Cethe- 
gus (suadae meduUa), M. Porcius Cato, der jüngere Scipio 
Afiricanus, Serg. Sulpicius Galba, C. Gracchus, M. Anto- 
nius, L. Licinius Crassus; seine Zeitgenossen: Q. Horten- 
sius Hortalus u. C. Julius Cäsar ^. 

1 Wbstbkmahh, Gesch. d. rom. Beredtoamkeit, 4835. Ellendt, Pro- 
legomena historiam eloquentiae Born, usqne ad Caesares adiunbrantia, vor 
dessea Ausgabe von Cioero's Bratas, (2. A.) 1844. — ' Metvb, Orato- 
mm Born, fragm., (2. A.) 4842. 

§. 251. Der grosste Redner Borns ist M. Tullius Cicero 
aus Arpinum im Marserlande (3. Jan, 405 — 42 v. Chr.), 
dessen Leben sein Freigelassener Tiro und Comel. Nepos 
in verloren gegangenen Schriften schilderten; noch erhalten 
sind die Biographien von Plutarch und Aurel. Victor K Ge- 
bildet durch den Dichter Archias, die Redner Licin. Cras- 
sus, M. Antonius, Aemil. Scaurus, die Rechtsgelehrten 
Q. Mucius Scävola Augur und Q. Mucius Scävola Pontifex, 
den Epikuräer Fhädrus, die Akademiker Philo von Larissa 
und Antiochos, den Stoiker Diodotos, den Rhetor Molo 
von Rhodos und Demetrios, durch den ber&hmten Poseido- 
nios und in Athen; Quästor 75, Statthalter in Sicilien 74, 
Aedil 69, Prätor 65, Consul (homo novus) 62, pater patriae, 
iniperator togatus, nach Augusf s Urtheil ein grosser Mann, 
der es mit Rom gut meinte, ermordet auf Antonius^ Geheiss 
durch Popilius. Sein Stil ist Muster der Latinität. 

Seine erhaltenen Schriften zerfallen in rhetorische, 
in Reden, Briefe und in philosophische. 

4) Die rhetorischen Schriften sind: ,Libri IV rhe- 
toricorum' (über deren Verfasser üngewissheit herrscht). 
,Rhetorica s. de inventione libri duo', 87*. ,De oratore 
libri tres^, 54 •. ,Brutu8 s. de claris oratoribus% 45 *. ,Orator 
8. de optimo genere dicendi' *. ,Topica ad C. Trebatium', 43, 
,De partitione oratoria'. ,De optimo genere oratorum' •. 

2) Die Reden: ,Pro Quinctio% Sept. 80; ,Pro Sexto 
Roscio Amerino', 79; ,Pro Q. Roscio comoedo', 75; ,In 
Caecilium s. divinatio in Caecilium', 69; ,In Verrem' (eine 
Reihe von Reden in zwei Theilen, actiones) '^; ,Pro M. Fon- 
tejo', 68; ,Pro Caecina', ,Pro lege Manilia^ 65; ,Pro A. Cluen- 



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Sieh%ehnies Capüel. Römer, 153 

tio Avito', 65; ,De lege agraria in Servilium Rtillam ora- 
tione« tres', 62; ,Pro C. Rabirio perduellionis reo% 63; 
,Quatuor orationes in Catilinam% 6S (darüber Gludius 1826, 
Hagen 1851 und in seinem ^Catilina^ 1854); jPro L. Murena^, 
62; ,Pro L. Valerio FlaccoS 58; ,Pro C. Comelio SullaS 
,Pro A. Licinio Archia poeta% 60; ,Po8t reditum ad Qui- 
rites^, ,In senatu^, ,Pro domo sua ad pontifices^, ,De haruspi- 
cum responsis^, 56 — 55; ,Pro P. SextioS 55; ,In Vatinium^ 
,Pro M, Coelio Rufe', 55; ,De provinciis consularibus% 55; 
,Pro L. Comelio Balbo% 55; ,In L. Calpumium Pisonem,^ 
54; ,Pro Cn. Plancio', 53; ,Pro L. Rabirio Posthumo', 53; 
,Pro T. Annio Milone', 51; ,Pro M. Marcello', 46; ,Pro 
Ligario% 46; ,Pro Dejotaro', 45; ,Orationes XIV in M. An- 
tonium', 2. Sept. 43 bis 24. Mai 42 •. Die Bruchstücke ver- 
dankt man den Nachforschungen von Ang. Mai, Peyron und 
Niebuhr®. Unter den alten Erklärem der Reden Cicero's 
steht oben an Q. Asconius Pedianus (f 41 n. Chr.) ^^ 

3) Die Briefe werden gewohnlich in vier Abtheilungen 
zerlegt: ,Ad diversos libri XVI'; ,Ad T. Pomponium Atticum 
libriXVI'; ,Ad Quintum fratrem libri tres'**; ,Ad Brutum 
über' ". 

4) Seine Verdienste um Einführung und Verbreitung der 
griechischen Philosophie in Rom schildern Kühner^* und 
Brandis ^*. Er ist Eklektiker ohne ein bestimmtes System : 
,De republica libri sex', 53 ^\ ,De legibus libri tres', 52 *•• 
,Academica% 44 ^^ ,De finibus bonorum et malorum libri 
quinque', 44 ". ,Tusculanarum disputationum libri quin- 
que% 43 '^ ,De natura deorum libri tres', 43 *<^. ,De di- 
vinatione libri duo', 43 ^\ ,De fato', 43 **. ,Cato maior 
8. de senectute' **. ,Laelius s. de amiciüa^ **. ,De officiis 
libri tre8% 43^*. ,Paradoxa stoicorum sex'**. 

1 MiDDLETON, Gesch. Roms, Cicero's Zeitalter nmfassend, Terbanden 
mit dessen Lebensgesch. , 4744 (deutsch von Seidel 4794 — 93). Schirlitz, 
Vorschule zam Cicero, 4837. Dbumahh, Gesch. Borns etc., 4834 — 44« 
Bd. 5 u. 6. Cicero. BbCckseb, Leben Cicero's (Bd. 4.), 4853. -^ ' Von 
LiNDEMANN 4828. — ^ Von Peabce, MClleb, Hemriohsen, Kuviss, 
Ellbmdt 4840. — ^ Von Ellbndt, Stbbn, Mbtbb. — * Von Mbybb, 
GöLLBB n. Pbter. — ^ Erste Ausg. 4485, bei Aldüs 4544, Ton Schütz 
1804—8. — 7 Von Zumpt 4834. — ^ Von Wbbnsdobf 4824 u. 4825. — 
^ Ihre Ausg. von Beier 4825. — '° Ausg. (erste 4444) von Manutics, 
Gbaviüs, Klotz 4835. Ansgewählte Beden von Möbius 4842, Matthia, 
RAtTEB, Stbiivmetz, Bekbckb, ScFrLB; Woiff's deutsche Uebersetzang 
anserwählter Reden 4806 — 49 u. neue Sammlung 4823 fg. — " Öie zweite 
v- dritte Classe von Mahutivs 4579, Gbäviüs 4677, Schötz 4809—42. — 



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154 Zw0U9$ Buch. EthnodMoloifie. 

i> Eine Aoswakl Ton ICattbia, FwhAM%y SCptls. Ueberseta. yod Wieland 
(fortgesetzt yon Gräter 4808 — 24 u. 4842). Abbkbn, Cicero in s. Brie- 
fen, 4835. — *' Cieeronis in philos. einsque partes merita, 4825. — 
'^ Handb. d. gri^ch. n. rom. Philosophie, 4835—44. — ^^ Von Bskmaedi 
4798; von Mai in einem Palimpsest im Kloster zu Bobbio gefanden und 
edirt 4822, später von Hbineich, Stbinackee, Lehnee, Mosbe. — ^^ Von 
DATuros, G5EBHI, Mosbe n. Cebüxbe. — i? Minder richtig Academicae 
qnaestiones oder dispatationes, von Dayisius, Göebne, Oeelli. — i^ Von 

Dayisius, GrÖEBNx, Otto. — " VoE Oeelli, Köhmbe, Elotz, Mosbe 

>o Von Heihdoef, Ceeuzbe, Mosee. — >i Von Hottihgbe, Mosbe, Oibsb. — 
** Von Bebmi. — *^ Von Gbehhaed, Otto, Kloti, Huttbe n. Geldbe. — 
>^VonBBiBE, Klots. — >^ VonHEUSiEOEE n. Zumpt, Geeehaed, Beibe, 
Stöeeebbeo; übersetzt Yon Garve, Hottinger, — '^ Gesammtansgaben 
(erste 4498) von Viotoeius, P. Mahütiüs, Lambin, Geoeoy, Vbebueo, 
Eehbbti, Ouyet, Faogiolati, Garatoni, Schute, Bbhtiyoolio, Oeelli, 
Nobeb. Unter den Chrestomathien ist die beste von Oliybt, Hottieobe 
u. Oghsnee, Ciceromi Edogae. Deutsche Uebersetz. Yon Strombeck, Jacobs, 
Droysen, Zumpt, Westermann n. Klotz, — Lexika zu Cic. Yon Nibolius, 
Faogiolati; Clavis von Eeebsti n. SchStb; Onomasticom Tuliianiun Yon 
Oeelli u. Baitee, 4836—38. 



Achtzehntes Capitel. 

Doppeltes Sprachgebiet unter römischer Herrschaft, 

bis zur Zerstörung des weströmischen Kaiserreichs, 

476 n. Chr. 

§. 252. Das Romische Ist Staatssprache, das Griechische 
Cultursprache : Cicero, ,Pro Archia^, 4 : ,6raeca leguntur in 
Omnibus fere gentibus; Latina suis finibus, exiguis sane, 
continentur/ Die Zeit vieler Schriftsteller ist ungewiss. 

Feaeke, Zur Gesch. Trajan*s u. seiner Zeitgenossen, 4837- 

§. 253. Unter den Schriftstellern dieser Zeit be- 
haupten vorzugsweise die Historiker, und zwar 
Griechen sowol wie Komer, den ersten Rang. 

1) Griechen. 

§. 254. Plutarchos aus Chäronea in Bootien (50 — 420 
oder 430 n. Chr.), Lehrer des Kaisers Hadrian und durch 
ihn procurator Chraeciae, zuletzt in seiner Heimat Archont 
und Apollopriester. Von seinen etwa 300 philosophischen 
und historischen Schriften besitzen wir noch 425 mit Ein- 
schluss der unechten, darunter ,Ethica^ oder ,Moralia^ (Er- 
läuterungen Platonischer Philosophie) und 46 ,Bfot rcapoX- 
X-y)XoiS im Ganzen aber 50 Lebensbeschreibungen: 4) ,The- 



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AchtxehfUes CapiteL Doppetiig SfirachgMet tmter räm» Herrschaß. 1S5 

seng nnd RomnlusS 2) ^^kurgtui ^u^ NimukS ^) )Soion und 
Yaler. PoplicolaS 4) ^ThemistoUes und CsmillusS 5) ,Perikle8 
und Q. Fabius Maximus^, 6) ^Alkibiades und CoriolanusS 
7) ,Timoleon und Aemilius Paulus', 8) ^elopidas und Mar- 
cellusS 9) ^Aristides und Cato CensoriusS ^0) ^hilopomen 
und FlamininusS 44) ,Pyrrho8 und MariusS 42) ,Ly8ander 
und SullaS 13) ,Kimon und LucuUusS U) ,Nikia8 und 
Crassus*, 15) ^umenes und Sertorius', 16) ,Äge8Üao8 und 
PompejusS 17) , Alexander d. Gr, u. Cäsar*, 18) ,Phokion 
und Cato Uticensis% 19) ,Agis, Kleomenes und die beiden 
Gracchen*, 20) ,Demosthene8 und Cicero', 21) ,Demetrio8 
Poliorketes und M. Antonius', 22) ,Dion und M. Brutus'; 
ohne Parallele stoben ,Artaxerxes Mnemon', ,Aratos', ,Galba' 
und ,Otho'. 

Nach dem Muster dieser Biographien hat man in neuerer 
Zeit in mehren Ländern Sammlungen vaterländischer Bio- 
graphien unter dem Titel Plutarch veranstaltet, darunter der 
deutsche Plutarch von Niemeyer. 

Gesammtausg. von H. Stephahus , Rbiskb, Hcttbn. Die Moralia you 
Xtlandbr u. Wtttbnbaoh, Dübnbb (mit lat. Uebersetz.), Winckblmaiiv. 
Die Vitae von Bbtan u. Mosbs db Soül, Kobais, Sohafbb, Sintbbib. 
Hbbbbn, De fontib. et anctoritate vitarom paral. Plnt., 4820. K. F. Hbb- 
mann, De foBtib. vitar. Plut., 4836. Beck, De placitis philosophor., 4787. 
Wyttbnbach, De sera nmninis vindicta, 4772. Ustbbi, Consolatio ad 
Apollonium, 4830. Winckblmann, Erolicus, 4836- Bbbdow*8 Philopomen, 
beide Gracchen n. Brutas. Schnbidbr*8 Alezander u. Cäsar. Fabeici*b 
Timoleon , Gracchen u. Bratns. Bahr*8 Philopömen , Flaminin , Pyrrhus u. 
Alkibiades. Hbu>'8 Aemil. Paulus u. Timoleon. Sintbnib* u. Gottsobiok's 
Themistokles. Yögblin's Brutus. Sintbnis* Perikles. Schömann's Agis 
n. Kleomenes. Ebambb*s Phokion. Wbstbrmann's Solon. Ekker's Ki- 
mon. — Uebersetz. der moralischen Schriften von Bahr, der Lebensbe- 
Bchreibnngen von Schirach, Kleiber; beider von Kaltwasser, 

§. 255. Flavius Arrianos aus Nikomedien in Bithynien, 
durch Hadrian praefectus Cappadociae, Historiker, Geo- 
graph, Philosoph und Taktiker. Seine /Iatop{ai avaßaaec^ 
'AXe^avSpou' in 7 Büchern und attischem Dialekt ', ,'Iv8txiQ' 
in ionischem Dialekt *. Für die alte Geographie wichtig ist 
Arrian's Schreiben an Hadrian über die Umschif^g (Pe- 
riplus) des Pontes Euxinos und des Kothen Meeres ^. ,Lehr- 
buch der Taktik und die Schlachtordnung gegen die Alanen^ \ 
,Kynegetikos' ^ Auch gab er als Schüler £piktet^s (geh«, 
um 50 n. Chr., Sklave des Epaphroditos in Rom, eines Frei- 
gelassenen des Nero), dessen Handbuch (,Encheiridion') der 
Moral (stoische Philosophie) heraus und Epiktet^s ,Unter- 



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156 Zweüei Buch, EthnodokU^ope. 

redungen^ in 8 Büchern, von denen wir nur die ersten vier 

besitzen ^. 

1 Ausg. von Schmrdbk, Ellendt, Kk6oxe. Deutsch von Dörner. 
VAN DEK Cbts, Coiiunentar. geogr. in Arrian., 4828, nebst Karte. — * Ausg. 
von ScHMiBDER. — ' AuBg. Yon Hudson u. Gail in den Geogr. Graec. 
min. — * Von Schefveb n. Blakoabd. — ^ Von Holstein, in Xenophon's 
Opnsc polit. Ton Zevnb n. Sacppb. — ^ Schweiohausbb, Pbiios. Epiot. 
monnmenta, 4799, n. Eobay 4827. 

§. 256. Appianos aus Alexandrien (98 — 160 n. Chr.), 

kaiserlicher Procurator. Seine ,Romische Geschichte' in 

24 Büchern ist nur ungefähr zur Hälfte erhalten und um- 

fasst die Zeit bis auf August nach ethnographischer £in- 

theilung. 

Wiederhersteller o. Herausgeber ist Schweighacseb 4785, Uebersetzer 
Dillenius u. Zeiss, 

§. 257. Dion Kassios Kokkeianos aus Nikäa in Bithy- 

nien, im Consulat Amtsgenosse des Kaisers Alexander Se- 

verus 222, schrieb 80 Bücher romischer Geschichte von 

754 V. bis 229 n. Chr. Von den ersten 35 Büchern nur 

Bruchstücke, ein Theil des 36., 37 — 54 fast ganz erhalten, 

55 mit Lücken, 56 — 60 vollständig, von 64 an nur Fragmente, 

von 35 — 80 ein Auszug des Mönchs J. Xiphilinos (14. Jahrh.) 

auf Befehl des Kaisers Mich. Dukas. 

Die Fragm. von Valesiüs, Peibbsciüs u. Ubsinus. Mai, Scriptor. 
vet. nova collectio. Ausg. von Fabbicius n. Rbimabus, Stubz. Uebersetz. 
von Wagner, Penzel, LorenU, Tafel Wilmans, De fontib. et auctoritate 
Dion. Cass., 4835. 

§. 258. Herodianos (470 — 240 n. Chr.) schrieb romische 

Geschichte von 480— 238 ^ 

Klaudios Aelianos, der Sophist, aus Präneste, aus dem 
3. Jahrh. n. Chr., schrieb ,noix(Xai Eoroptet' (eine geschieht* 
liehe Compilation) * und , lieber die Natur der Thiere' '. 
Mach Einigen gehören beide Werke verschiedenen Verfas- 
sern an. 

Der Taktiker Aelianos (98—438 n. Chr.)*. 

Fragmente der Spätem*. Eusebios ist Kirchenhistoriker 

(40 Bücher), Biograph (Leben Konstantin's d. Gr.) und 

Chronist ^ 

1 Ausg. von Aldus, Ibmisch, F. A. Wolf, Wbbbb, Lange, Bbkkeb. 
Lat. Uebersetz. von Politianus. Deutsch von Cunrad. — * Ausg. von 
Gbonov, Kühn, Kobat. — ^ Von Schneideb u. Jacobs. — * Ausg. von 
Arobbius. Deutsch in Bacmoäbtnbb's Samml. aller Kriegsschriftsteller d. 
Griechen, '4 779. — ^ Von Dav. Höschel 4603 u. Ph. Labbäus, Pro- 
trepticon de Byz. historiae scriptorib., 4648. — ^ lieber seine Glaubwürdig- 
keit MöLLEB, Danz, Kestneb, Rbutebdahl, Ribnstba. S. unten §. 303. 



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Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet unier röm. Berrsehafl. 157 

2) Romer. 

§. 259. C. Vellejus Paterculus (48 v. bis 34 n. Chr.) 
hinterliess ,Historiae Rom. libri 11% deren Anfang fehlt und 
die nach I, 8 eine Lücke enthält, einen Abriss einer all- 
gemeinen Geschichte von Trojas Zerstörung bis 30 n. Chr. 
Dieses Werk machte zuerst Beatus Rhenanus aus einer ein- 
zigen Handschrift des Klosters Murbach im Elsass 4520 
bekannt, die später aber spurlos verschwand, bis 4835 durch 
Orelli eine angebliche Abschrift dieses Codex herauskam, 
welche Bonifaz Amerbach zu Anfang des 4 6. Jahrh. zu Basel 
gemacht hatte. 

Fechter, Die Amerbach'sche Abschrift des Vellej. n. ihr Verhältnbs 
zum mnrbacher Codex u. zur editio princeps, 4844. Ausg. von Lipsids, 
Hbinsics, Hudson, Bvrmann, Orelli, Ereyssiq, Bothe, Kritz. Uebersetz. 
von Jacobs, Stromheck, Gölte. Ueber Vellejus, sein Werk und seine Glaub- 
würdigkeit: Herbl 4794, Moroenstern 4798 (auch in den Ansg. von 
Krause n. Frotscher), Sauppe im Schweizer Museum für histor. Wis- 
senschaft, 4837. 

§. 260. Valerius Maximus (unter Tiberius) schrieb ,Facto- 
nun dictorumque memorabilium lib. X' *. 

L. Annans Florus (von unbekannter Zeit und Herkunft) : 
^Epitome de gestis Rom.^ oder ,Rerum Rom. lib. IV' *. 

Q. Curtius Rufiis (von ungewisser Zeit) : ,De rebus gestis 

Alexandri M. lib. X^ wovon die beiden ersten fehlenden 

Bücher Bruno, Freinsheim und Cellarius zu ergänzen 

suchten '. 

1 Ausg. YonLiPtfius, Thysiub, Torrbniüs, Hase, Calembbro, KsMPr 
4854. Deutsch von üoffmann. — ' Ausg. von Grate, Düker, Fischer, 
TiTZE. Deutsch von Schallgruber. Titze, De epltomes oet. yero anctore, 
4804. GossRAü, De Florl qua vlxerlt aetate, 4837. — ^ Ausg. von Sna- 
KBNBURO 4724, ZuMPT, BAUMSTARK, MÜTZELL 4844. Deutsch von Oster- 
tag. Ueber sein Leben und Zeitalter Finzger in Seebode's Archiv, 4824, 
Bd. 4, Hirt 4820 n. Büttuakn's Gegenschrift 4820» Niebuhr in den 
Denkschriften der berliner Akademie 4823. 

§. 261. C. Cornelius Tacitus, wahrscheinlich aus In- 
teramna, constd suffectus 97 n. Chr., schrieb ,Vita Agrico- 
lae' ^, seines Schwiegervaters, ,De situ, moribus populisque 
Germaniae' zur Zeit Trajan's *, ,Annalium lib. XVI' vom 
Tode August's bis zum Ausgange des Cäsarischen Ge- 
schlechts durch Nero's Tod (14—68) % ,Historiarum lib. V 
von 68 — 96*, ,Dialogus de oratoribus s. de causis corruptae 
eloquentiae' ^ Ueber historische Kunst sagt er selbst: 
,Praecipuum munus annalium reor, ne virtutes sileantur. 



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158 Zweites Buch. Elhnodokiologie. 

utque pravis dictisque factisque ex posteritate et infamia 

aetus sitV 

tiMmu voll Barkbb, Dbokkb, Klun, Hbbtbl, Pbbblkakp, Walch 
(mit deolMMtlkilwrsetz. n. Commentar), Roth. — > Ansg. Ton Bredow, 
Passow, DiLTiTO» VmUL ^ Kibsslino, J. Gbimm, Rittbb, Weishacpt. — 
' Davon fehlt ein Thefi te ffinften Buehes. Diese 5 Bficher fand Leo's X. 
Schatzmeister, Angelo Arcomboldo, Anfiuig des 46. Jahrh. im Kloster zu 
Korvey, und Ph. Bbroaldvs machte sie 4545 bekannt. Dann fehlen 
das 7* — 40. nebst Anfang des 44. nnd der Schlnss des 46. Buchs, also die 
ganze Regiemngsgeschichte des Caligula und die der ersten Jahre des 
Claudius. » ^ Ausg. von Sghlctbb; franz. Uebersetz. von Burnouf u. 
Panckoucke, — ^ Ausg. von Dbokkb, Obelli, Böttichbb (auch Lexicon 
Taciteum, 4830), Papst. Deutsch von Hübsch. — * AUgem. Ausg. von 
Bbat. Bhbhahos, LiPsirs, Gbobov, Ebmbsti u. Obbblin, Bbkkbb, Wal- 
theb, Bach, Rittbb, Rcpebti, D6bneb 4845. Deutsche Uebersetz. von 
Woltmann, Strombeck, Bickleffs, Gutmann, Bötticher. Ueber seinen Kunst- 
Charakter S0vbbm in d. Abhandlungen d. berliner Akademie d. Wissensch., 
48il2 u. 48il3, u. Hoffmabb, Die Weltanschauung des Tacit., 4834. 

§. 262. C. Suetonius Tranquillus, unter Hadrian magister 
epistolarum : ,Lebensbeschreibimgeii der ersten zwölf Kaiser, 
von Jul. Cäsar bis Domitian' K 

Die Sammlung der ^Scriptores historiae Augustae^ ent- 
halt von sechs verschiedenen Verfassern (Ael. Spartianus, 
Vulcatius Gallicanus, Trebellius Pollio, Flavius Vopiscus, 
Ael. Lampridius, Jul. Capitolinus) eine Reihe von Bio- 
graphien romischer Kaiser von Hadrian bis Carus (147 — 285) 
und kann als Fortsetzung des Sueton betrachtet werden 2. 

Ausserdem sind noch drei Epitomatoren des 4. Jahrh. 
zu nennen: Aurelius Victor ', Eutropius * und Sextus Rufus. 

Ammianus Marcellinus, ein Grieche von Geburt, im Ge- 
folge des filaisers Julian viel auf Reisen und hochgebildet, 
schrieb in Rom eine ,G«8chichte^ in 31 Büchern von 96 — 378, 
von der die 13 ersten Bücher (%— 3521) fehlen*. 

Der spanische Presbyter Orosius (420) schrieb auf den 
Rath des heil. Augnstin 7 Bücher ,Geschichte gegen die 
Heiden% auch ,Hormesta* genannt, von Erschaffimg der 
Welt bis 417 n, Chr.«. 

Aus Cassiodor's ,Historia Gothorum^ besitzen wir einen 

Auszug von Jemandes oder Jordanes ^. 

1 Ausg. Yon TouaNTius, Casaubonus, Gulyma, Burmamn, Oudbk- 
DOftp, Ebmbsti, F. A. Wolf (mit d. Commentar yod Casaubonus), Baum- 
oartbn-Crusius mit einer Clavis Suet. Deutsch Yon Eichhoff, Schenk, 
Strombeck. Krausb, De Suet. fontib. et auctoritate, 4834. ^— ' A«sg. 
▼on Cabaubonvs, Salm asius, PCttmamm. — ^ Ausg. von Schott, Abbbtsbh, 
Grvbbb, Sohrötbb. — 4 Ausg. von Havbrkamp, Tzschcckb, Hbbmamk, 
Zbll, Ramshorn. Die griech. Uebersetz. des Päanius von Kaltwasser. — 
» Ausg. von Waobbr u. Ebfvbdt, mit Commentar Ton Gbobot. Deutseb 



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▼nr Wagner, — ^ Ausg. von SciiessLBs u, Havbbsamp. Möbnbr, He 

Orosii Tita etc., 4844. — "^ Ausg. von Gabst. — Ueber die Qaellen der 
Geschicbtsclireiber unter den romischen Kaisem handeln Pbvtz, De fonti- 
basetc., 4838; Hibzel, Comparatio etc., 4854; Sibvbbs, Tacitns u. Tiber, 
ein Programm des bamburger Johaoneums, 4854; Ludw. Schillbb in der 
Zeitschrift für das Gymnasialwesen, 4853, H. 3. 

§. 263. An die Historiker schliessen sich zunächst 
diejenigen Msnner an, welche über Länder- und 
Völkerkunde, über Zeitrechnung und das Yerhält- 
niss der Erde zur Sonne und zu den übrigen Pla- 
neten geschrieben haben. 

Mbblbkbb, Gesch. d. Geographie, 4839, n. Kotmogeographie, 4848, 
Cap. 3. u. 9. 

§. 264. Pausanias (nach früherer Annahme aus Cäsarea 
in Kappadokien), ein Lyder (460 n. Chr.): ,n8pti7p|ÄC xif 
'EiXdtSoc' (Reise durch Griechenland) in 10 Büchern*. 

Der einzige romische Geograph ist Pomponius Mela 
aus Tingentera in Hispania Bätica (40 n. Chr.): ,De situ 
orbis libri IIP «. 

IQaud. Ftolemäos, Geograph, Astronom, Chronolog und 
Mathematiker, nach der gewohnlichen, doch unbegründeten 
Annahme aus Pelusion in Aegypten (150 n. Chr.), hinter- 
liess ,reüYpa9tx'}] u^tq^tjok;' in 8 Büchern *, ,n()6xet()oi xavo- 
vs^' (astronomische Tafeln), ,Me'yaXif] ouvro^i^' in 13 Büchern 
(enthaltend das sogenannte Ptolemäische Weltsystem) *, 
,KavG)v ßaaiXsiöv' (ein chronologisches Verzeichniss von 55 Re- 
gierungen). 

Stephanos von Byzanz (Ende des 5. Jahrh.): ,'E^xd? 
oder ,Il6pl TcoXeovS ein geographisches Wörterbuch, nur noch 
in Bruchstücken; das Uebrige im Auszuge des Hermolaos 
(aus dem 6. Jahrh.) *. 

,Periplus* des Markianos von Heraklea (410). 

Solinus (3. Jahrh.): ,Collectanea' oder ,Polyhi8tor*, auch 
,De situ et mirabilibus orbis' genannt**. 

Rufus Festus Avienus aus Volsinii in Etrurien (360?) 
gab in 705 Jamben eine ,Ora maritima' (Schilderung der 
Küste von Gades bis Massilia)'^. 

.Ausonius (309 — 392): ,Mosella' (unten §. 280). 

Cl. Rutilius Numatianus (417): geographisches Gedicht 
Joe reditu' (Reise von Rom nach Gallien) *. 

Sextus Rufus : ^De regionibus urbis Romae' imd ,Libellus 
provinciarum Rom.'. 



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160 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

P. Victor: ,De regionibus urbis Romae^ 

Vibius Sequester (Ende des 4. Jahrb.): Gedicht ,De 
fluminibus, fontibus, gentibus etc.^ 

Die Itinerarien und die ,Tabula Feutingeriana^ (220 n. Chr. 
oder aus dem 4. Jahrb.), benannt nach dem nürnberger Raths- 
herm Kr. Peutinger, der sie von Kr. Celtes zur Heraus- 
gabe erhielt, als dieser sie im Kloster zu Tegemsee auf- 
geftinden hatte *. 

1 Ausg. Ton MvsoBus, Faoius, Clayibb, Sibbblis, Bbkkbb, Schcbabt 
u. Walz. Deutsche Uebersetz. Ydn Goldhagen, Wiedasch, Si'ebelis. König, 
De Paus, fide etc., 4833- Meblbkbb, Ein Wort über Pausan. , in Seebode's 
Archiv etc., 4832, Snpplementbd. I, H. 2- — ' Ausg. von Is. Voss, Jak. 
Gbonoy, Abb. Gbonov, Tzschücke, Titze, Weichbbt. Deutsch von 
JXetge. — ' Ausg. von Wilbbbo u. Gbashof , Nobbb. Deutsch von Georg i 
in s. Alten Geogr., Bd. 4. Heeben, De fontibus geographicor. Ptolem., 4828. 
WiLBBBG, Das Netz der allgem. Karten des Eratosthenes u. Ptolem., 4834. — 
4 Uebersetzt 827 ins Arabische durch Äl Hassen ben Jussuf u. Sergius als 
Thir al magesthi, daher Almagest, 4230 ins Lateinische durch Aegidius Ti- 
huldi. Griech. Text u. franz. Uebersetz. von Halma 4843 — 28. — ^ Ausg. 
von Bbbkbl , W. Dindobf , Wbstebmann , Mbineke. — ^ So genannt in der 
ersten Ausg. 4473, später vouGbasseb, Götz. Salmasius: Exercitationes 
Plinianae in Solini polyhistora. — ^ Ausg. von Mettaibe, Wbbnsdobf, 
HimsoN, Bebhhabdt in d. Samml. d. kl. Geogr. u. lat. Dichter, einzeln 
von Fbibsbmann 4786. — ^ Ausg. von Kapp, Gbcbbb, Webnsdobf, Zumpt: 
Observationes in R. N. Carmen, 4837. — ^ M. Welsbb gab sie 4594 heraus; 
^744 fand man sie unter Peutinger*s Handschriften; durch Prinz Eugen kam sie 
an die Bibliothek nach Wien, wo man in neuester Zeit noch ein Blatt auffand. 
Ausg. vonScHBYB 4753, in Katancsich's Orbis antiq., 4825, v. Mannest 4824. 

§. 265. Chronographen: Phlegon von Tralles in Ly- 
dien (daher Trallianus) schrieb , Wunderbare Geschichten', 
,De macrobiis* und ,'OXd(ji7ciovixöv xat XP^^^^^'^ ffuva^cdTijS 
wovon nur noch die 477. Olympiade übrig ist, in deren 
drittem Jahre Virgil geboren ist K 

Sextus Julius Africanus aus Emmaus in Palästina oder aus 
Libyen (3. Jahrh. n. Chr.): ,IIsvTaßLßXov yifio^okoytxo'^'y von 
Erschaffiing der Welt (nach ihm 5499 v. Chr.) bis 221 n. Chr. 
reichend. Nur Bruchstücke bei spätem Chronisten. 

Censorinus (238 n. Chr.) : ,De die natali' (urbis Romae) '^. 

Des Eusebios ,navTo8a7ri] EcrcoptV und ,Xpovi.xdc >exvov' ^, 
fortgesetzt von dem heil. Hieronymus; dieser von Idatius. 

Georgios, von seiner kirchlichen Würde Synkellos bei- 
genannt (um 800): /ExXoyJj x?°'^°TP*9^*C'' Durchweg nur 
Fragmente. 

^ Ansg. von Franz u. Wbstermann in den Paradoxographi a. scripto- 
res rerum mirabilium Graeci, 4839* — ^ Ausg. von Lindbnbroq, Haver- 
CAMP, Gruber. — ^ In einer annenischen Uebersetz. von ^ohrab n. Mai 
4848, u. in einer latein. von Aucher 4848. 



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Achtzehntes Capitel, Doppeltes Sprachgebiet unter röm. Herrschaft. 161 

§. 266. Mathematiker, Feldmesser (Gromatici), 
Taktiker. P. Nigidius Figulus, Cicero's gelehrter Zeit- 
genosse. Baumeister M. Vitruvius PoUio aus Verona (?) 
im Zeitalter des August und Tiber, schrieb ,De archi- 
tectura lib. X% aufgefunden von dem Florentiner Poggi in 
St..Gallen ^ 

Sextus JuUus Frontinus, curator aquarum unter Nerva, 
Feldherr, Rechtsgelehrter und Redner (f um 105 n. Chr.): 
,Strategematicon' (von Kriegslisten) in 4 Büchern * und 
,De aquaeductibus urbis Romae' ^. Das Buch ,De re agra- 
ria, limitibus et coloniis' wurde ihm ehemals falschlich 
beigelegt *. 

L. Junius Moderatus Columella aus Cadix hinterliess 
12 Bücher ,De re rustica' (das zehnte ,De cultu hortorum' 
in Versen), Anhang ,De arboribus' *. Palladius: 14 Bücher 
,De re rustica' (das letzte in Distichen). Die ,Geoponika' 
des Kassianos Bassos (zwischen 780 — 799) in 20 Büchern, 
Auszüge aus alten Schriftstellern. 

Taktiker: Philo vonByzanz (150 v. Chr.) schrieb ausser- 
dem ,nspi TÖv 67CTa S^a^ifiarov' ®. Aeneas: ,2Tpan]Yi.xa, xaxTi- 
xbv xai 7cokopXY|Ti.xov' ''. Onosandros (etwa 50 n. Chr.): ,2Tpa- 
Dfiytxoc Xoyoi;' ®. Blaiser Hadrian : ,'ETCinq5rj[jLa^ Arrian: 
,"ExTacji<; xaxa 'AXavov' und ,A6yo^ TaxTtxb<; -JJ '^iyyyi Taxnxi^'. 
Aelian's ,TaxTt.xa'. Polyänos (150 n. Chr.): jSrpatTjYr^pLa- 
TLxa' ®. Flavius Vegetius Renatus (um 380 n. Chr.): ,Epi- 
tome institutionum rei militaris' in 5 Büchern ^^. 

1 Ausg. von Rode (auch Knpfer), Schneideb, Stratioo (mit Evpfern 
u. einem Lexicon Vitruviannm), Marini. Deutsch von Rode. Italienisch 
von Viviani u. einem Dizzionario universale d'architettura, 4830. Gbkblli, 
Exeget. Briefe über Vitruv's Baukunst. Stieglitz, Archäolog. Unterhal- 
tungen, 4820. — * Ausg. von Oudbndorp, Schwebel, Wibgmann. — 
' Ausg. von Adler, Dederich, von demselben auch deutsch. — ^ Qöes, 
Rei agrariae auctores. Schneider, Scriptores rei rusticae, 4797* Die so- 
' genannten Gromatioi schrieben über Feldmesskunst. — ^ Deutsch von Cur- 
tius. — ^ Ausg. von Orblli 4846. — ^ Ausg. von Orelli 4848. — 
^ Ausg. von ScHV7EBBL u. Korais. Deutsch nebst Planen n. Zeichnungen 
von Baumgärtner. — * Ausg. von Casavbobus, Hübsinna, Eobaib. Deutseih 
von Seyboldy Blume. — '° Ausg. von Scrivbb, Schwbbbl. Deutsch von 
Meinecke u. Lipowski. 

§. 267. Die von den Griechen vernachlässigten Natur- 
wissenschaften fanden an zwei Romern wackere Bearbeiter: 
L. Annans Seneca der Philosoph (f 65 n. Chr.) : ,Quaestio- 
num naturalium libri VII' K C. -Plinius Secundus Major 

Mkrlekcb. 1 1 



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182 ZweiUM Buch. Eihnodoklologie. 

aus Verona oder Comum (23 — 79 n. Chr.): encyklopadigches 

Werk in 37 Büchern, ,Historia naturalisS Excerpte aus mehr 

als 2000 griechischen Werken^. 

» Ausg. Ton KÖLEB, deutsch von Buhkopf. Fickebt machte Gronovii 
notM in Senecae qnaesttones naturales bekannt, 4846. — * Aosg. tob 
Habdouih, Fbabz, Siixio, Pabgkoücbjs. Deutsch von Grosse, Fritsch, 
Kulk, Strack 4855. Franzos. von Grandsagna, mit iatein. Text u. Anm. 
von Ottwcr, LclronM u. A., 4829 fg. Hbyfb, Excerpta ex Plin. Hist. nat, 
qnae ad artes spectant, 4790 (neae A. von W68Tbmanh 4824). Ghshsb, 
Chrestomathia Pliniana, 4776. 

§. 268, Mediciner: Cornelius Celsus (30 n. Chr.), 
8 Bücher ,De medicina' K P. Vegetius Veterinarius : ,Ars 
▼eterinaria s. mulomedicina', eine elende Uebersetzung der 
,'IinaaTptx^S die ein bomirter Mönch des 42. oder 43. Jahrh. 
gemacht zu haben scheint*. Klaudios Galenos aus Perga- 
mus (134 — 200), nach Hippokrates der berühmteste Arzt 
des Alterthums, Autorität in der alten Welt bis auf Para- 
celsus (4493-4544), Verfasser von über 340 Werken». 

1 Ausg. von Kbausb u. Tabga. — * Bei Sohbbidbb, Bd. 4. der Scripto- 
res rei rusticae. — ^ Ausg. von Chabtibb mit lat. Uebersetz., K6hn. Deutsch 
von Sprengel u. Nöldecke. 

§. 269. Die Epistolographie bildete sich zu einem 
eigenen Zweige der Literatur erst nach Augustes Zeit aus. 
L. Annans Seneca's 424 Briefe an seinen Freund Lucilius^. 
Der jüngere C. Plinius Cacilius Secundus aus Comum 
(62 — 4 40 n. Chr.), NeflFe des altem Plinius, durch Trajan 
Consul und dann Proconsul in Bithynien und Pontes: 
40 Bücher Briefe^ und Panegyricus auf Trajan ^ Von 
M. Cornelius Pronto, einem berühmten Lehrer der Beredt- 
samkeit unter Hadrian (seine Schüler Frontonianer), aus 
Cirta in Numidien, der zu den höchsten Staatswürden ge- 
langte und um 470 n. Chr. starb, kannte man bis 4845 nur 
Fragmente seiner grammatischen Schriften (,De di£FerentÜ8 
vocabulorum') ; Ang. Mai entdeckte in der Ambrosianischen 
Bibliothek zu Mailand eine grosse Anzahl von Briefen^. 
Q. Aurelius Symmachus (Ende des 4. Jahrh.), berühmter 
Bedner und Vertheidiger des Heidenthums *: 40 Bücher 
Briefe ^ 

1 Ausg. von SoBWBieHÄVBEB, deutsch von Olshausen. — ' Ausg. von 
Giutia, TiTSB, D6BINO; ein Delectus von Hbbbst. — ^ Ausg. von Wiboamd, 
HoFFA. Beide Schriften (2 u. 3) von Schott. Gesammtausg. von Gbsnbb 
u. ScBATBB, Gibbig, Gbos. lieber Plinius und seine Schriften Giebio 4798, 
Hbu> 48S3. -^ ^ Ausg. durch Nibbvhb 4846, neue Sammlung 4832. Roth, 



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Achtzehntes CapiteL Doppeltes Sprachgebiet unter röm. Herrschaft. 169 

lieber die Schriften des Froiito, 4817. — * Brnchstucke von acht Reden 
durch Mai 4816. — * Ausg. von Jdbbtus, Lbctius, Scioppius, Parbos. 

§. 270. Der Name der Sophisten war seit Sokrates 
mit dem der Philosophen vertauscht worden und selbst in 
Verachtung gefallen. In der Eaiserzeit gelangte er wieder 
zu Ansehen, behielt aber nicht seine ehemalige Bedeutung, 
sondern bezeichnete Diejenigen, welche die praktische 
Uebung der Redekunst übernahmen, während die 
theoretische Ausübung den sogenannten Bhetoren über- 
lassen blieb. Nur die Poesie gehorte nicht in den Ejreis 
der Sophistik, und die eigentliche Gelehrsamkeit behielt fort* 
dauernd ihren Namen Grammatik. 

BoMHELL, De mutata eloquentiae Rom. eonditione, 4836. 

Die Reden selbst theilte man in etwa acht Classen ein: 
Melete (ausgearbeitete Rede über einen fingirten Gegen* 
stand), Systasis (Empfehlungsrede von geringerm Um&nge), 
Logos (wichtige Rede), Protreptikos (Ermunterungsrede), 
Lalia (Höflichkeitsformeln), Schedion oder Schediasma (Rede 
ohne Vorbereitung), Dialexis (Abhandlung), Epideixis 
(Prunkrede). 

§. 271. Dio Chrysostomos aus Prusa in Bithynien (50 
n. Chr.), am Hofe Trajan's: 80 Declamationen *. Kaiser 
Hadrian trat oft in Wettstreit mit Dichtem, Philosophen 
und Rednern. Antonius Polemo (120 n. Chr.), Stifter einer 
Rhetoren- und Sophistenschule zu Smyma: noch zwei Lob- 
reden auf Kynägeiros und Kallimachos ^. Hermogenes aus 
Tarsus in Kilikien (160 n. Chr.): 5 Bücher Redekunst •. 
Lesbonax aus Lesbos (4. Jahrh. n. Chr.): zwei Reden ^. 
Tiberius Claudius Herodes, mit dem Beinamen Attikos, aus 
Marathon (An£ang des 2. Jahrh. n. Chr.), 443 n. Chr. Consul 
in Athen, starb 180 n. Chr. ^. Aelios Aristeides aus Mysien 
(geb. 117 oder 129): 55 Reden und eine theoretische Schrift 
über Beredtsamkeit ®. 

Lukianos (o ^7axXif|^el<; fSkaa<frri[L6^) aus Samosata in der 
syrischeiii Provinz Kommagene (geb. mn 125 n. Chr.). Seine 
meisten Schriften haben die Form des Dialogs ^. Sein Zeit- 
genosse Maximos Tyrios: 41 philosophisch-rhetorische Ab- 
handlungen ®. Flavios Philostratos aus Lemnos (um 200 
n. Chr.): Lebensbeschreibung des Apollonios von Tyana 
(verfasst auf Verlangen der Kaiserin Julia, Gemahlin des 

11* 



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Ig4 Zweites Buch. Etknodoktologie. 

Septimius Severus), ,Heroika% 2 Bücher ,Vitae sophista- 
rum% ^Imagines' ^. Athenäos aus Naukratis (Ende des 
2. Jahrb.): 15 Bücher ,Asi.7cvoao9taTaf' (Gastmahl von Ge- 
lehrten) ^^ Aphthonios (300?); bekannt ist die ,Chria 
Aphtboniana^ ^K Der jüngere Plinius und die fast 200 Jahre 
spätefn ,Duodecim panegyrioi veteres' ^^. Ennodius, Bischof 
zu Pavia 545 n. Chr.: Briefe und Panegyricus auf Theo- 
dorich ^^. 

Themistios Euphrades aus Paphlagonien (4. Jahrb.): 
33 Reden **. Sein Schüler Libanios aus Antiochia am Oron- 
tes (3U oder 345 — 393), der Voltaire seiner Zeit i*. Hi- 
merios aus Prusias in Bithynien (geb. 315): 24 Reden ^\ 
Kaiser Julianos Apostata: Reden, Satiren, Briefe ^^ Syne- 
sios, seit 410 Bischof von Ptolemais: Reden, Briefe und 
Hymnen^®. Georgios aus Kypros (1282): Theologische 
Schriften und Lobreden auf die Kaiser Michael und An- 
dronikos Paläologos. 

> Ausg. von MoRBLL u. Ernest. Chbistinb Rbiskb 4784, Empebius 
4844. — ^ Ausg. von Obblli 4849. — ^ Walz in den Rhetores Graec. 
Buch 5: Progymnasmats von Websenmbtbb 4842. — * Ausg. von Obblli 
4820. — * FioRiLLo, Herod. Attic. quae supersunt (eine Rede), 4804. 
Auf ihn gehen die sogenannten triopischen Inschriften des Dichters 
Maroellos Sidetes, deren Originale sich im Louvre zu Paris befinden: von 
.VlcoMTi, EiobstAdt erläutert, von F. Jacobs übersetzt in Leben u. Kunst 
der Alten, I, 2. — ^ Ausg. von W. Dindobf, zwei hinzugekommene von 
Gbaubbt. — "^ Ausg. 4496, von Rbitz, mit Anm. von HEMSTBBHms u. 
lat. Uebersetz. von Gbsnbb 4743 — 46, wozu noch ein Lexicon Luc. kam, 
von ScHMiBDBB, LEHMANN, JacoEitz u. W. Dindorf. Die Gottergespräche 
von Poppo n. Fbitzsorb. Die Todtengespräche von Voiotländbb u. Klotz ; 
beide zusammen von Koch. Toxaris von Jacob q. Jacobitz. Charon von 
Koch. Wie man Geschichte schreiben müsse von Hbbmann. Timon von 
Jacobitz. Traum, Anacharsis, Demonaz, Timon, Doppelte Anklage n. 
•Wahre Geschichte von Sch6nb. Auserwählte Geschichten von Geist, 
Etbell u. Wbismann, Setpfebt. Deutsch von Wieland, MinckioUz, Pauly. 
Jacob, Charakteristik Luc, 4832. Wetzlab, De aetate, vita scriptisq. 
Luc, 4834. — ^ Ausg. von Rbiskb. — ^ Ausg. vouKaiseb, Heroika von 
BoissoHADE, Imagines, zugleich mit des Kallistratos 44 Staturae, von Jacobs 
u. Wblckbb (bei Goethe, Bd. 39). Deutsch von Jacobs u. Lindau, Der 
jüngere Philostratos (f 264 n. Chr.) fügte noch 48 Imagines zu denen seines 
Oheims, lieber diesen Rehfcbs 4799. — ^° Ausg. von Casaubonüs, 
vSpBWBiOBAusBB, W. DiNDOBF. Meineke, Philologicae exercitationes in 
, Athenaenm, 4843. — ^^ Besondere Ausg. von Petzholdt 4839. — ^' Ausg. 
von Jaqbb u. Abntzen. — i^ In Manso's Gesch. d. ostgoth. Reichs , 4824. 
DieEloges der Franzosen sind dem Panegyricus ähnlich, so auch das 
^loginm d^ NeBlaceiner seit Ernesti, z. B. Rdhnkbn's Elogium Hemster- 
^hnsii. Thomas, Essais sur les Sieges. — ** Ausg. von Mai 4846 u. 
Wv Dindorf 4832. — " Reden u. Declamationen von Rbiskb 4794 — 97. 
Briefe von J. C. Wolf 4738. Siebbnkees, Anecd. Graec., 4798. Bois- 
80NADB, Auecd. Graec, 4829. Petersen, Commentationes de Lib., 4827. — 
i* Ausg. von Wernsdorp 4790. — >7 Ausg. von Spanheim 4696. Die 



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Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet unter röm. Herrschaft. 165 

Satire Caesarea von Hablbss nSÖ. Bie Satire Antiochikos oder Myso- 
pogon. Verloren sind seine Gedichte und Geschichte seiner Feldzage gegen 
die Germanen. — ^^ Ausg. von Pbtay 4634, 4640- Einzelne Schriften von 
Ebabingbb 4825, mit de'htscher Uebersetz. Hymnen mit franz. Uebersetz. 
von Gr^goire u. Collombat 4836. Claüsbn, De Synesio philosopho, 4834. 

§. 272. Die Rhetoreu oder Kunstlichter halten die 

Mitte zwischen den Sophisten und Philologen. Hierher 

gehören Dionys von Halikamass (oben §. 244), M. Annans 

Seneca, auch der Rhetor genannt^, zum Unterschiede von 

seinem Sohne Lucius, dem Philosophen. Sein zweiter Sohn 

Annans Mela ist Vater des Dichters Lucan. Rutilius Lupus: 

2 Bücher ,De figuris sententiarum et elocutionis^ *. M. Fabius 

Quintilianus (oder Quinctilianus) aus Calagurris in Spanien, 

erster vom Staate besoldeter Lehrer der Beredtsamkeit in 

Rom, lebte zwischen 42 und 4 48 n. Chr. Domitian verlieh 

ihm omamenta consularia. Seine ,Duodecim libri institu- 

tionis oratoriae' sind in ihrem zehnten Buche besonders 

interessant für Literaturgeschichte. Auch legt man ihm 

49 grossere und 445 kleinere ,Declamationes^ und den Dialog 

,De oratoribus^ oder ,De causis corruptae eloquentiae' (auch 

dem Tacitus und dem jungem Plinius) bei ^. Dionysios 

Kassios Longinos, Minister der Königin Zenobia in Pal- 

myra, durch Aurelian 273 zum Tode verurtheilt: ,nept u^oix;' 

(vom Erhabenen) *. 

1 Von seinen Controversiarnm lib. X. sind nur 5 Bacher vollständig. 
Auch- sein Suasoriarum liber ist verstümmelt. Ausg. von Gbonov. — 
2 Ausg. von RoHNKEN, Frotschbr, Jacob. Koch*» Observationum ap 
pendix, 4 844. — ^ Ausg. von Spalding, Buttmann u. Zümpt. Bonnell, 
Lex. Quittt., 4834. Handausg. von Meter. Deutsch von Henke als Lehr- 
buch d. schönen Wissensch. in Prosa, 4775 — 77. Buch 40 von Herbst; 
deutsch von Reuscher u. Herzog. Die Declamationes von Bürmann 4720. — 
* Ausg. von ToüP mit Rchnken's Anmerk., Wbibkb, Eooer. Deutsch von 
Schlosser. Französ. von Boileau. Echtheit bezweifelt von Knox , Remarks 
on the supposed Dionys. Long., 4826. 

§. 273. Auch die romischen und byzantinischen 
Kaiser waren, wie ehemals die Ptolemäer, Pfleger 
der Philologie oder des Studiums der Grammatik. 
rpa{Ji|jiaTi.xof sind die Gelehrten, ^pap-fiaxtaraf die 
Lehrer der Elemente der Sprachkunde, Jene thei- 
len sich in Technographen, Scholiasten und Lexiko- 
graphen. Die nützlichsten Erzeugnisse dieser Pe- 
riode sind Lexika (Xs^ewv auvayüyaQ und Glossarien. 

§. 274. Didymos Chalkenteros (Zeitgenosse Cäsar's) soll 
4000 Bände verfasst haben, wovon nur noch wenige Frag-^ 



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166 Zweites Buch. Eihnodoktologie, 

mente. ApoIIonios der Sophist aus Alexandria (zu Augustes 
2ieit) : ,Leiikon Homerischer Wörter* \ ApoIIonios Dysko- 
los (Murrkopf) aus Alexandria (2. Jahrh.) : ,Ueber das Pro- 
nomen* *, ,Ueber die Conjunctionen und Adverbien' ^, ,üeber 
Redetheile* \ Sein Sohn Aelios Herodianos (480 n. Chr.) *. 
Timäos der Sophist (2. Jahrh. n. Chr.): ,Ae$6(< ÜXaTovLxaC' ^ 
Jul. PoUux (Polydeukes) aus Naukratis (175): 40 Bücher 
,'0vo[jiaaux6v* ^. Phrynichos, mit dem Beinamen Arabios, aus 
Bithynien (480): ,'ExXo7ii] arcucßv ^tjjjkxtov xal ovojigctöv' ®. 
Die erste ,T^x^ ypaixpiaTtXTQ' schrieb Dionysios der Thraker 
(440 n.Chr.), zugleich das Normalbuch. Georgios Choro- 
boskos (4. oder 5. Jahrh.). Philemon (5. oder 40. Jahrh.): 
,Technologi8ches Lexikon'*. Manuel Moschopulos (4390?). 
Viele grammatische Werke aus dieser Zeit liegen ungedruckt 
in den Bibliotheken. Eustathios (seit 4 460 Erzbischof von 
Thessalonich): ^üopsxßoXaf^ (Commentare zu Homer und 
Dionys Periegetes) ^®. Möris Atticista (unter Hadrian?) ^K 
Harpokration : ,Ae5txbv tüv Sexa ^rcpov' (4. Jahrh.)**. 
Orion Thebanus (ein Aegypter, 5. Jahrh.): über griechische 
Etymologien ^^ Ammonios (4. Jahrh.): ,n&pi tov oixocov 
xal Sia96p<i)v Xe^eov^ ^\ Des Hesychios (aus dem 4. oder 
6. Jahrh.) Glossar bleibt eine der wichtigsten Quellen für 
unsere Kenntniss der griechischen Sprache **. Das Wörter- 
buch des Suidas (ob er existirte?) ^^ Das ^ETDpLoXoytxbv 
[KiyoL' (40. Jahrh.?) ^^. Joh. PhUoponos (680): über Dia- 
lekte und Accente. Thomas Magister (4340?): ,Verzeich- 
niss attischer Wörter*. Sein Zeitgenosse Georg Lekapenos: 
,Alphabetische Grammatik'. 

' Ausg. von ViLLoisoN, ToLLiüs. — ' Bekker 4847, Skrzbczka 
4847. — 3 Bekker, Anecd. Graec, Bd. 2. — * Skrzbczka 4853 u. 4855. — 
* Ueber ihn Wbttin 4842. Ausg. in den Anecd. Graec. von Bekker, 
Cbamer, Bachmann, Yilloison, in der Ausg. des Moris von Koch, bei 
Hebmann, De emendanda ratione grammaticae Graecae, 4804, u. in dessen 
Appendix ad Dracon. Straton. , 4844. LfeHRs, Herodiani scripta tria emen- 
datiora etc., 4848. — ^ Ruhnken. Koch, Observationes etc., 4833. — 
7 Hbmstbbhcis, W. Dindorf, Bekker. Rankb, PoUuz et Lucianus , 4834. 
Von einem christlichen Schriftsteller gleiches Namens eine Historia physica 
oder Sacra; Ausg. von Bianconi u. Hardt. — » Ausg. von Paüw u. Lo- 
BBCK. — 9 Von BuBNBY u. OsANN. — 1« Mit Devariüs' Registern 4825—28. 
Proömium zum Pindarischen Commentar von Schneiderin 4837. Seine 
theologischen Aufsätze u. Briefe von Tapel 4 832. — ^ * Von Koch u. A. — 
*' Von Dindorf u. A. — ** Von Sturz. Ritschl, De Oro et Orione, 
4834. — " Von Scbäfeb. — ^^ Von Alberti u. Rubnken 4746 — 66, 
mit Ergänzungen von Schön 4792. Ranke, De lexici Hes. vera origine 
et genuina forma, 4834. — ^^ Von Bernhardt 4834. Tovp, Emendatio- 



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Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet unter rOm. Herrschaft. 167 

nes in Süidam, 4760 — 67» u. Carae noTissimae, 4775 (neue A. fon Pob- 
soN 4790). — ^^ Von Schäfer, u. Etymol. Gndianum Ton Stub». Rightsb, 
De Aeschyli, Sophoclis, Euripidis interpretibus Graecis, 4839. 

§. 275. Q. Asconius Pedianus (4. Jahrb. n. Chr.), vor- 
nehmster Erklärer der Reden des Cicero \ Ein Schüler von 
Fronte und Sulpicius ApoUinaris ist Aulus Gellius (Agel- 
lius): 20 Bücher ,Noctes Atticae^ (das achte fehlt) *. Aelius 
Donatus (354 in Rom): ,De literis, syllabis, pedibus et 
tonis^, femer ,De octo partibus orationis, de barbarismo et 
soloecismo, schematibus et tropis'^. Von T. Claudius Do- 
natus eine Biographie Virgil's und Fragment eines Com- 
mentars \ In den Anfang des 5. Jahrb. werden gesetzt: 
Flavius Sosipater Charisius (,Institutione8 grammaticae') 
und Diomedes (,De oratione, partibus orationis et vario 
rhetorum genere lib. HI ad Athanasium^). Sextus Pompejus 
Festus (von unbestimmter Zeit) machte in 20 Büchern einen 
Auszug aus des Verrius Flaccus (f 14 n. Chr.) Werk 
,De verborum significatione' ^ Maurus Honoratus Servius 
(4. Jahrb.): Commentar zu Virgil ^ und ,Centimetrum' ^ 
Priscianus Cäsariensis, von seiner Vaterstadt Cäsarea 
(6. Jahrb.), lehrte in Konstantinopel: 18 Bücher ,lnstitutiones 
grammaticae^ oder ,Commentarii grammatici^ Die 16 ersten 
Bücher behandeln die einzelnen Redetheile, die beiden letzten 
die Syntax (,De constructione libri duo') ®. 

1 Ueber ihn Madyio 4828, Orblli 4833. — ^ Ansg. tod Bbroaldv«, 
beidea Gronov u. Lion. — » Von Lindemann im Corpus grammaticor. 
Lat., Bd. 4. SoTZMANN, Gesch. der Xylographie, in Baumerts Histor. 
Taschenbuch, 4837. Schwbtschkx, De Donati minoris frleigm., 4839. 
Von seinen Commentariis in Terentii comoedias ist noch ein Auszug zu 
fünf Komödien (in Klotz' Ausg. des Terenz, 4838 — 40). — * In Hbtnb'« 
Virgil, Bd. 4. — * Von K. Otp. Möller 4839. — ^ Von Bubmann, u. mit 
Phüargyrius u. Probus von Lion. — ^ Ars de pedibus versuum s. centam 
metris von Santbn 4788 u. Klein 4824. — ^ Ausg. von Kbbhl u. Lindb- 
MANN. Sammlungen der latein. Grammatiker von Gothofbedus u. Put- 
soHius. SüRiNOAB, Hist. crit. scholiastarum (über die latein. Scholiasten), 
4835. Sammlungen der Scholiasten von Zacharias, Kalieroi, Musubds 

U. liASKARIS. 

§. 276. Metriker und Verskünstler: Hephastion^s 
aus Alexandria (Mitte 2. Jahrb.) metrisches' ^Ftfisi^lhio'^' K 
Terentianus Maurus (100 n. Chr.): 4 Bücher ,De literis, 
syllabis, pedibus, metris'^. Drakon's Werk über Metrik ist 
erhalten. Aristeides Kointilianos : 3 Bücher ,IIepi ^OMCixifi^. 
J. Tzetzes (12. Jahrb.): Scholien zu Homer', /IXiaxa^ 
(aus 1665 Hexametern), ,Ti Tcpo 'OinKjpouS ,Ta 'OjiiQpou' und 



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168 Ztoeites Buch. Ethnodoktologie. 

,Ta (xsy '^OfjiY^pov' *, ,XtXta5e<;^ (in politischen lamben my- 
thische Gedichte) *. 

> Von Gaispobd. — ^ Von Lemmbp u. Lachuamm. ~ ^ Von Hermanh 
mit Drakon Stratonicensis 4842. — * Von Jacobs u. Bekker. — ^ Von 
KiBSSUNO 4826. 

§. 277. Zum Anschluss an obige Gelehrte eignen 
sich: Antoninus Liberalis (1 47) mit seinen ,Metamorphosen' ^. 
C. Julius Hyginus^: ,Fabularum liber' (244 Fabeln) und 
4 Bücher ,Poeticön astronomicön' '. Konon (aus Cäsar's 
oder August's Zeit) : 50 Fabeln *. Palaphatos (3. oder 
4. Jahrb., ob wirkliche Person?): ,De incredibilibus' ^ Jul. 
Obsequens (2. oder 4. Jahrb.) : nach Livius' Vorgange ,Pro- 
digiorum liber^ ^ Job. Lydus : ,De ostentisS 

Marcianus Capeila aus Madaura in Afrika (470 in Rom): 
IL Bücher ,Satyricon% die beiden ersten ,De nuptiis philo- 
logiae et Mercurii', die sieben folgenden von den sieben 
Wissenschaften : Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Geometrie, 
Astrologie, Arithmetik und Musik (mit Poesie) ^ 

Der Patriarch Photios (f 892): ,Lexikon' ®, ,Myriobiblon' 
(Encyklopädie) ^, ,Nomokanon' ^^, ,De consolatione' ^\ 

Maximos Planudes (Gesandter des altern Andronikos in 
Venedig 1327): ,Biographie des Aesop' ^^, Epigramme, Briefe, 
Reden *^, Uebersetzung der , Metamorphosen'^ Ovid's in 
Prosa ^*, der Gedichte des Boethius ^*, des Ciceronischen 
,Sommum Scipionis^ ^® und eines Fragments der Schrift ,Ad 
Herennium' i^. 

* Koch, Westbrmann, Mythographi Graeci, 4842. — * Der Eine in 
Aagust's Zeit und Vorsteher der palatinischen Bibliothek, der Andere aus 
der Zeit der Antonine oder des Theodosius. - ^ Ausg. von van Stayerbn 
4742 u. Mai, Bd. 3 der Ciassici auetor. e Vatican. codd. edit. , 4834. — 
* Ausg. von Kanne, Bekker, Westermann. — * Ausg. von Fischer, 
Ernesti, Westermann; deutsch von Bückling u. Grosse. — ^ Ausg. von 
ScHBFPER, OüDENDOBP, Kapp. — 7 Ausg. vou Kopp 4836. Vergl. oben 
§. 244. — ^ Ausg. von 6f. Hermann u, Porson. — *> Ausg. von Schott, 
zugleich mit lat. Uebersetz. , Bekker. — ^^ Ausg. von Justbllus. Völlcs, 
Bibl. juris canonici vet., 4664. Briefe, 4654. — " Ausg. von Rittbrs- 
Hüsius 4604. Sammlung bei Hai, Scriptor. veter. nova collectio e Vatican. 
cod., 4825—27. — '^ Von R. Stephanüs. — »^ Bachmann, Bd. 2 der 
Anecdota Graec, 1828. — ^^ Boissonade 4822. — ^^ Webbb 4833. — 
16 Hess 4833. — »^ Matthia 4840. 

§. 278. Zur Geschichte der Philosophie. Diogenes 
von Laerte in Kilikien (230): 10 Bücher über Leben und 
Meinungen berühmter Manner ^. Ihm folgten Eunapios von 
Sardes (4. oder 5. Jahrh.) und Hesychios Illustris von Milet 



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Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet unter röm, Herrschaft. 169 

(525) *. Die Auszüge aus etwa 500 Dichtem und Schrift- 
stellern, welche J. von Stobi in Makedonien (5. oder 
6. Jahrh.) fertigte, werden seit lange in zwei Theile zerlegt: 
,Anthologie% auch ,Sermones' ^, und ,Eklogen^ (physische 
und ethische) *. 

Stoiker: Epiktetos aus Hieropolis in Phrygien (geb. 
50 n. Chr., s. oben §. 255): 4 Bücher ,Encheiridion' *. Die 
Schrift des Kaisers Marc Aurel Antoninus Philos. ,IIpo^ 
saurov' ^ iöt in die meisten lebenden Sprachen übersetzt ^. 
Demonax und Simplikios; doch rechnet man Letztem auch 
zu den Peripatetikern, deren Lehrgebäude eigentlich 
wiederherstellte Alexander von Aphrodisias in Karlen (200): 
Commentare, über Willensfreiheit und Selbstbestimmung, 
Fragen aus der Physik (1536), über das Schicksal und die 
Seele ®. Die Neupythagoräer gehören zu den Enthu- 
siasten : ApoUonios von Tyana in Kappadokien (50 n. Chr.) •. 

Platoniker: Philo von Larissa (aus Cicero's Zeit), der 
Geschichtschreiber Plutarch (in seinen ,Moralia'), der Jude 
Philo aus Alexandria (40 n. Chr.) und der Christenfeind 
Celsus (138) ^^. Für den aus Aegypten stammenden Syn- 
kretismus wirkten besonders die Neuplatoniker: Am- 
monios Sakkas aus Alexandria, wo er 241 starb: speculative 
Abhandlungen ^\ Sein Schüler Plotin aus LykopoUs in 
Aegypten (geb. 205), und dessen Schüler Porphyrios aus 
Batanea in Syrien (233 — 305) ^^. lamblichos aus Chalkis 
in Kölesyrien (4. Jahrh.) ^^. Proklos aus Konstantinopel 
(412 — 485)^*. Sein Schüler Ammonios Hermeiu ist einer 
der besten Erklärer des Aristoteles. Hierokles (5. Jahrh.) i*. 
Der Skeptiker Sextos Empirikos (oben §. 197) ^^ 

Den Uebergang von den Philosophen zu den Dichtem 
vermittelt L. Annans Seneca der Philosoph, den wir als 
Epistolographen und Naturhistoriker schon oben erwähnten. 
Als Philosoph ist er Eklektiker ^^. Dagegen werden ihm 
von Vielen die neim Trauerspiele abgesprochen: ,Rasender 
Hercules', ,Oetäischer Hercules^ ,ThyestesS ,Phönicierin- 
nen', ,Hippolytus', ,Oedipus', ,Troerinnen', ,Medea' und ,Aga 
memnon' ; ,Octavia' gehört ihm nicht ^®. 

Anicius Manlius Torquatus Severinus Boethius aus Rom 
(geboren zwischen 470 — 475, hingerichtet 524 oder 526 auf 
Theodorich's Befehl), Consul 510: 5 Bücher ,De consola- 
tione philosophiae', in dialogischer Form *^. Gremisthos Plethon 



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170 Zweites Bück* Ethnodokiologie. 

aus Konstaatmopel (f 4 454 ) schrieb. ,Ueber den Unterschied 
der Platonischen und Aristotelischen Philosophie^ ,üeber das 
Schicksal^ *®, ,Ueber die vier Cai^dinaltugenden^ ^i, ,Scholien 
zum ThukydidesS ^Geschichte Griechenlands seit der Schlacht 
von Mantinea^ **. 

1 HÖBHBR mit latein. XJebersetzong des Ambrosius 4829, deutsch von 
Snell. — * Ausg. von Mbürsius u. Obblli. — ^ Gaisford u. W. Dindobf. — 
^ Hbbbbn. Lectiones Stobenses von Jacobs 4827 u. Halm 4844. Das Ganze 
von Mbibbkb 4 855* — ^ Scbtwbighadseb mit Epicteteae philosph. monum., 
4799; deutsch yoq Schulz. — ^ Kobais. — ? Ins Deutsche von Schulz, ins 
Persische von Hammer. — ^ Obelli 4824. — ^ Badb, ApoUon. von Tyana 
u. Christus etc. , 4832. Philostbatos, Leben des Apollon. von Tyana. — 
10 Gegen ihn Obigbhbs. — ^^ Latein, von Marsilius Ficinus (CBErzBB 4835)» 
deutsch Yon EngelharcU. — ^* Ausser mehren grammat. u. philosoph. Schriften 
ein Leben des Pythagoras (von Holstein , u. mit Jamblichos von Kdstkbb 
u. KiESSLiNQ), De abstinentia ab esu animalinm (von Rhoeb, franzos. von 
Burigny), De antro nymphar. (Göiis). ~ i^ Ueber ägyptische Mysterien 
(Galb), Leben des Pythagoras u. Ermahnung zur Philosophie (von Kiess- 
LiMG). — ^* Seine Schriften von CorsiM u. Cbbuzeb. — ^^ Commentar 
zu den goldenen Spruchen des Pythagoras (Wabbeh, deutsch von Schuft- 
hess) u. 'Aoreia (spasshafte Erzählungen, von Schieb u. Kobais, deutsch 
von Ramler). Gesammtansg. von Peabson u. Needham. — i^ Ausg. von 
Fabbicids, Mund, Bekbsb, latein. von Stephanus u. Hervet, deutsch von 
Niethammer u. Buhle, — ^^ De ira, drei De consolatione ad Helviam, 
Polybinm u. Marciam, De Providentia, De animi tranquillitate, De con- 
stantia sapientis, De dementia, De brevitate vitae, De vita beata u. De 
beneficiis lib. VII. Ausg. von Vooel, Fickbbt u. A. Wbbnbb, De Sene- 
cae philos., 48^4. Klotesgh, L. A. Seneca, 4799^4802. Reinhardt, 
De Sen. vita et scriptis, 4846. — ^^ Ausg. von Bothe u. A. Deutsch 
von Swoboda u. Sommer. — " Ausg. von Bebt, Vulpiüs, Helfrbcht; 
deutsch mit Anm. von Freytag. XJebertragen in die meisten neuem Spra- 
chen, ins Angelsächsische von Konig Alfred (? gedruckt 4678 u. 4835), 
Althochdeutsche im 4 4. Jahrh. (von Gb äff). Heyne, Censura Boethii etc., 
in dessen Opusc. acad., Bd. 6. Seine übrigen Schriften von Mai in den 
Glassici auctores e Yatic. codd., 4834, Bd. 3. — '^ Von Rbimabus. — 
'1 Von Occo. — ** Von Reichabd. 

§. 279. Griechische Dichter: Oppianos aus Ana- 
zarba in Eilikien (Ende des 2. Jahrh.): ,Eynegetika^ und 
,Halieutika' K Die neuere Kritik unterscheidet einen altern 
Oppian für die ^Halieutik^ und einen jiingem aus Apamea 
in Syrien für die ,Kynegetik'. 

Eointos Smyrnäos oder Kalaber (Mitte des 4. Jahrh.): 
14 Bücher ,Ta pie^' ""'OjjL-yjpov' oder ,napaXei7ü6p.eva ^OpiTipouS 
als Fortsetzung der ,Ilias' bis zur Rückkehr der Griechen ^. 

MusAos (5. oder 6. Jahrh.) : ,Ta xa^' 'Hpw xai AeavSpov' ^ 

Eoluthos aus Lykopolis in Aegypten: ,'EX^c apTcaTT^'*. 

Tryphiodoros, ein Aegypter (5. Jahrh.): 700 Verse ,'IX(ou 
aXoatc' ^. Nonnos aus Panopolis in Aegypten (Anfang oder 
Ende des 5. Jahrh.), nach Gf. Hermann der Wiederher- 



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Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet unter rOm. Herrschaft. 171 

steller des Hexameters: 48 Bücher ^Aiovuoioxa^ oder ,Baa- 
aagoidi' ^ und Paraphrase des Evangeliums Johannis ^. 

1 Ausg. Ton Schneider 4776 u. 4813. — ^ Ausg. von Rhodomanh, 
Pauw, Ttchsbn, Lehbs in der Ausg. des Hesiod, 4840. Probe deatseher 
Uebersetz. von Pfarrius u. Platz, — ' Bearbeitung von Schiller. Ausg. 
von ScHRADEB u. ScHÄFEB , Hbikrich, Passow mit deutscher Uebersetz., 
MöBiDS, BoBBERO in Hellas u. Rom, 4842, Bd. 4. — * Ausg. Ton Lbhmbp 
u. ScHÄPER, Bbkkbr, Jclibn ; deutsch von Passow. — ^ Ausg. Ton Soha* 
FEE u. Wbrmickb. Cijntz, TrjTphiodorea, 4845. — * Ausg. Ton Gräfe; 
Buch 8 — 43 von Moser, mit mytholog. Commentar. — ^ Ausg. von 
Passow. Wbichert, De Nenno, 4840. Uwarow, Nonnos Ton PanopoUs, 
4847, u. Sur les Dionysiaques in den ^tudes de philologie et de cri- 
tique, 4843. 

§. SI80. Romische Dichter: C. Claudianus aus Alexan- 
dria (Ende des 4. Jahrh.): ,Raub der Proserpina', ,Gigan- 
tomachie', kleine Gedichte (zum Lobe des Honorius) ^. 

T. Junius Calpurnius Siculus (3. Jahrh.?): Elf Eklogen 
oder Idyllen^. M. Aurelius Olympius Nemesianus, ein Bair- 
thager (3. Jahrh.?): ,Halieutika% ,Kynegetika' und ,Nautika', 
,De aucupioS 9Laus Herculis' \ Decimus Magnus Ausonius aus 
Burdegala (Bordeaux, 309 — 392), Sohn des Leibarztes des 
Kaisers Valentinian L, Erzieher des Kaisers Gratian, Consul 
in Gallien 379 : Eklogen, Epigramme, Briefe in Versen, 20 so- 
genannte Idyllen (,Mosella', ,Cento nuptialis'), Panegyricus 
auf Gratian*. CöHus: ,De arte coquinaria s. de opsoniis et 
condimentis' *. Das Gedicht: ,DeAnastasii laude'* und die 
,Periegese' des Dionys lateinisch ^. 

1 Ausg. y. Bormann, König, Doüllat. — ' Ausg. von Bbck, mit 
Virgii von Grauff; deutsch von Adeluny, Wiss u. Klausen, In den Samm- 
lungen von Maittairb, Bubmann, Wernsdorf. Weber, Corp. poetar. 
l«at., 4833. — ^ Ausg. von Haupt 4838, Müller 4834, mit deutscher 
Uebersetz. , n. in den Sammlungen der kleinen latein. Dichter von Werns- 
dorf u. Weber. — * Ausg. von Scaligbb, Tollius, Soüchay; der Mo- 
sella mit deutscher Uebersetz. von Tross u. Böckino; franzos. von Jau- 
berl. — fr Ausg. von Leister , Almbloween , Bebnhold. Dierbach , Flora 
Apidana, 4834. — ^ Ausg. von Endlicher. — ^ Bei Wernsdorf in Bd. 5 
der Poet. Lat. minor. 

§. 284. Der Roman ist eigenthümliches Erzeugniss 
dieser Periode. Man unterscheidet die milesischen oder 
iiiagischen Geschichten ^, die romanhaften oder ersonnenen 
Keisen, die eigentlichen Romane oder Liebesgeschichten und 
Briefe von Liebenden. 

Partheifios aus Nikaa in Bithynien (zur Zeit Cäsar^s und 
Augustes) : 36 Liebesgeschichten ^. Xenophon^s aus Ephesos 
^Bphesiaka^ in 5 Büchern '. Heliodoros aus Emesa in Syrien 



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172 Zweites Buch, Elhnodokiologie. 

(390) : \ Bücher , Aethiopika^ *. Achilleus Tatios aus Alexan- 
dria (Anfang des 4. oder Mitte des 5. Jahrb.): 8 Bücher 
^Geschichten der Leukippe und des Kleitophon' *. Chariton 
aus Aphrodisias in Karien (4. oder 5. Jahrb.): ,Liebes- 
abenteuer des Cbäreas und der Kalirrboe^ ®. Longos: ,Schä- 
ferroman von Daphnis und Cbloe^ Alkiphron (2. oder 
5. Jahrb.): 3 Bücher von 116 Briefen ''. Aristänetos (f 358 
bei dem Erdbeben von Nikomedien) : 2 Bücher 50 erotischer 
Briefe ®. 

Der Romer A. Lucius Appulejus (falschlich Apulejus) 
aus Madaura in Afrika (aus der Zeit der Antonine): ,Meta- 
morphoseon s. de Asino aureo lib. XI% darin die Episode 
von Amor und Psyche, die Herder den zartesten Roman 
nennt ®. 

' So genannt nach Aristeides* Milesiaka. Otid, Tristien, 11, 4^2 n. 443- — 
* Hbykb. Passow, Corpus scriptor. eroticor. Graec, 4824 fg. Westeb- 
MANN , Mytbographi Graec. , i 843. — * Pbbblkamp , Passow. Deutsch von 
Bürger \i. Krabinger. — * Mitschbrlich , Scriptores erotici Graec. , 4792, 
Korais; deutsch von Göttling u. F. Jacobs. — * Salmasids, F. Jagobs; 
deutsch von Ast u. Güläenapfel. — ^ Von Bbck, mit latein. üebersetz. von 
Reiske; deutsch von Heyne u. Schmieder. — ^ Wagner; deutsch von 
Herel. — ^ Abresch, auch Lectiones Aristaeneteae, 1749, Boissonade; 
deutsch von Fere/. Manso, üeber den griech. Boman, 4804, in Vermischte 
Schriften, Bd. 2. Struve, lieber die Romane der Griechen, 4822, in 
dessen Abhandlungen u. Reden. — ^ Oudendobp u. Rohnkbn, vollendet 
von BosscHA, Hildebrand; deutsch von Rode, üeber ihn Stahb u. Gbb- 
oobovics. 

§. 282. Für die Nachwelt ist die Gesetzgebung der 
Römer, soweit sie das Privatrecht betrifft, von der grössten 
Wichtigkeit. Die gebildetsten Völker haben das romische 
,Corpus juris' benutzt. Es ist die Errungenschaft von Jahr- 
hunderten, nicht das Werk eines einzelnen Gesetzgebers, 
hervorgegangen aus dem Bediirfniss der Gegenwart und 
daher auf Erfahrung gegründet, nicht auf eine unsichere 
Theorie, ausgezeichnet durch praktischen Geist, scharfe Be- 
grenzung der Rechtsbegriffe und durch eine einfache, männ- 
liche und bedeutungsvolle Sprache *. 

Die vier Bücher der ,Institutionen' des Gajus (\\1—^^'^) 
entdeckte Niebuhr 1816 2. Ulpian's (unter den Severen, 
um 200) Fragmente \ ,Codex Justinianeus' seit 529 (ver- 
loren), dann 534 ^ Die 60 Bücher der ,BasilikenS begon- 
nen unter Kaiser Basilius Macedo (f 886) und |e8chlossen 
unter Leo dem Weisen *. Scholiast derselbien ist Theodor 
von Hermopolis. 



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NeunsiehnUa Capitel. Bysanüner. 173 

Den Grund zum kanonischen Recht legte Johannes Scho- 

lastikos im 6. Jahrh. 

1 DiBKSEN, Uebersicht der bisherigen Versuche zar Kritik u. Her- 
stellang der Zwölftafelfragmente, 4 821 4* — ^ Herausgeg. von Bbkkbr, 
Göschen n. Bethmann -Hollweg >I820, Blume 4825) Hefftbr 4830, 
Laghhann u. Böcking 4844. Gans, Scholien zum Gajus, 4824. — ^ Von 
Hdgo u. Endlicher. — * Ausg. von Beck, Gebr. Eribgel, Hbrm. Osbn- 
BBüGGBN, Schrader; deutsch von Otto, Schüfing u. Sintenis. — * Hbim- 
BACH 4833 — 42. Haübold, Manuale Basilicorum, 4849. Goguet, De 
rorigine des lois, des arts et des sciences, 4758. Pastoret, Hist. de la 
legislation, 4847 — 37. Meter, Esprit, origine et progr^s des institutions 
judiciaires des principaux peuples de l'Enrope, 4849 — 23. 



Neunzehntes Capitel. 
Byzantiner. 

§. 283. Ein etwa tausendjähriger Zeitraum (395 — 1453) 
mit mehr oder weniger Vorwalten sittlicher Rohheit. Zu- 
flucht der vernachlässigten Literatur in die Klöster, obgleich 
ihr einzelne Kaiser (die Makedoner, 867 — 1056, Komnenen, 
4057 — 1185, Paläologen, 1259 — 1453) Schutz und Förde- 
rung angedeihen lassen. 

Das Latein hatte als officielle Sprache schon vor und 
unter Justinian (527 — 565) das Griechische zur Seite und 
wich diesem gänzlich unter Mauritios (582 — 602) oderHe- 
raklios (610 — 641), nur einzelne Reste davon wurden in 
der Staatssprache beibehalten '. 

Konstantinopel, als Hauptstadt und Residenz, wurde der 
Concentrationspunkt der Gelehrsamkeit, die hier durch die 
ökumenischen Lehrer zu einem abgeschlossenen System ge- 
langte. Das Wissen gilt mehr als das Denken. Einzelne 
Technographen, Scholiasten, Lexikographen, Anthologen und 
Sophisten sind schon im vorigen Capitel erwähnt, weil ihre 
Zeitbestimmung im Allgemeinen unsicher und schwierig ist. 

1 Z. B. der Zuruf: ,Multos annos victorem te faciat DeusS "wie vom 
Französischen in der Staatssprache Englands bei der Sanction der Gesetze : 
,Soit fait comme il est desire.' 

§. 284. Hauptrichtung war die Historiographie, 
daher nennt man Byzantiner vorzugsweise diejenigen grie- 
chischen Schriftsteller, welche die Geschichte des byzanti- 
nischen Kaiserreichs behandelt haben *. Nur wenige dieser 
Schriftsteller zeichnen sich durch reinen Stil und geschmack- 



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174 Zweites Buch. Ethnodoktologie» 

volle DarBtellung aus; fast alle compiliren ohne Plan; Partei- 
lichkeit macht ihre Arbeiten unglaubwürdig. Die bedeu- 
tendsten sind Zosimos und Prokopios. Die übrigen theilt 
man in vier Classen: in eigentliche Historiker, in Chronisten, 
in Biographen und in Solche, die über Verfassung, Alter- 
thümer und verschiedene statistische Gegenstände geschrie- 
ben haben*. 

1 Labbb, De Byz. hist. scriptorib., 4648. Hanke, De Byz. rerum 
scriptorib. Graec., 4677. Byzantiner auch in der Münzkunde: Scaclt, 
Kssai de Classification des suites mon^taires byz., 4836> mit Atlas. — 
' Ausgaben von hASBi, Fabrotti, Dcprbsnb u. A., 42 Bde., 4654— 474 ^ 
auf Ludwig's XIV. Veranlassung, u. von Niebdhr in Verbindnng mit 

BbKKBB, L. U.W. DiMDORF, SCHOPEM , MbINEKB, L ACHMANN u. A. Seit 4828. 

MuBALT, Essai de Chronographie byzantine etc., 4855. 

§. 285. Zosimos (430 und 590): ,Ge8chichte von August 
bis auf den jungem Theodosius' (30 v. Chr. bis 408 n. Chr.) '. 
Prokopios aus Casarea in Palästina (527, 22 Jahre im Ge- 
folge Belisar's) : ,Geschichte seiner Zeit', ,PersikaS ,Gothika', 
,*Av^x8oTa* *. Die ,Encyklopädie' des Kaisers Konstantinos 
Porphyrogennetos (942—959) in 53 Theilen, Auszüge aus 
classischen Historikern. Noch 3 Bücher übrig: ,n6pl icpsö- 
ßeiöv', ,nepl apexijc xat xaxfaj;' und ^Ilept tvojimv', aufgenom- 
men in die Ausgaben der betreffenden Schriftsteller. 

1 Ansg. von Bekker; deutsch von Seybold n. Heyler. — ' Aosg. ^o" 
W. DiNDORF n. Orelli; dentsch von Kannegiesser, 

§. 286. Die ^Christliche Toppgraphie' des Kosmas Indo- 
pleustes oder Indikopleustes (550?) in 42 Büchern, zugleich 
mit den ,Inschriften des Thrones und der Tafel von Adule'. 

MoKTFAuooN, Nova collectio patrum Graec., 4707, Bd. 2. Thbvbsot, 
Relations de divers, voyage« curienz, 4666, Bd. 4. Bdttmah»*8 Muwihb 
der Alterthmnswissenschaffc, Bd. 2- 

§. 287. Anthologien von Meleager aus Gadara in Sy- 
rien (60 y. Chr.), Philippos von Thessalonike (400), Ko- 
genianos von Heraklea, Strato aus Sardes (420), Konstan- 
tinos Kephalas (9. — 40. Jahrb.), Maximos Planudes. | 

Passow, De vestigiis coronanim Melcagri et Philippi in Anthologia 
Graeca, 4827. Die Poesien von Mamso 4798 u. Gräfe 4844. Sammler | 
und Herausgeber in den sogenannten Anekdota sind: Bbunce, Jacobs, 
Wblckbb. TJebersetz. von Sonntag, Stolberg, Voss, Conz, Herder, Jo' i 
eobs (Leben u. Kunst d. Alten, 4824). Latein. Anthologien von Scauobk, 
PiTTB&us, Bübmahn, Mbtbb, Wbbnsdobf. 

§. 288. Dichter, darunter besonders Epigrainmatisten: 
Agathias Scholastikos aus Myrina in Aetolien (6. Jahrb. > 
audi Bechtsgelehrter und Historiker. Seine Anthologie 



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Zivanxigitei Capitel. Neugriechen. 175 

(,KuxXo(;^) ist verloren gegangen. Die palindromischen Verse 

(,Kapxlvoi') des Kaisers Leo des Philosophen (886 — 941). 

Die politischen Verse des Michael Psellos (41. Jahrh.) und 

des Philes *. Die carmina figurata des Dosiades 'O ßopioc. 

Theodoros Prodromos Hilarion (12. Jahrh.): ,Galeomyo- 

machie' und Roman ,Dosikles und Shodante^ Die unter 

dem Namen des Orpheus erhaltenen Dichterwerke: ('Ypivoi 

TsXsxaf', /ApYOvauTtxaS ,Ai^ixa' u.a.* 

1 lieber ihn Thorlacics 4843. Seine Epigramme von Wbrnsdorp. 
Henrighsen, Ueber die polit. Verse; deutsch von Friedrichsen 1839. — 
^ 6f. Hermann, Orphica, 4805. Lobbgk's Sammlung im Aglaophamos, 
4829. BoDB, Orpheus poetar. Graec. antiquissimus, 4838. 



Zwanzigstes Capitel. 
Xeugriechen. 

§. 289. Von den Griechen des europäischen Continents, 
insbesondere denen des heutigen Königreichs Griechenland, 
ist es historisch nachgewiesen, dass sie aus einer Ver- 
mischung altgriechischer Ureinwohner, oder vielmehr by- 
zantinischer Griechen, mit einer Mehrzahl slawischer und 
später albanischer Eindringlinge, die nach und nach gräci- 
sirt wurden, entstanden sind, wenn schon die Behauptung 
Fallmerayer's ^, dass das altgriechische Element in Morea 
und dem eigentlichen Hellas in der Zeit der Slaweneinbrüche 
vom 6. — 10. Jahrh. gänzlich vernichtet worden sei, für eine 
hyperbolische gehalten werden muss^. 

Der Unterschied der neugriechischen Sprache von dem 
Altgriechischen besteht theils in den fremden Zusätzen, theils 
in der veränderten Bedeutung mancher Worter, theils in der 
Verminderung der alten reichen Formen der Declination 
(Verlust des Dativs) und Conjugation; auch offenbart sich 
in der Syntax ein bedeutender Unterschied. 

Die Aussprache des Neugriechischen ist in der Haupt- 
sache die unter der Reuchlinischen bekannte ^ 

Das Interesse für das Studium des Neugriechischen wurde 
durch P. Thiersch angeregt, gefordert durch Friedmann, 
Poppo, Grf. Hermann und durch die Universitäten Berlin, 
Leipzig, Breslau, Königsberg, München, Korfo (seit 18914 
durch Lord Guilford), Athen (seit 4837), durch Worter- 



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176 Zweites Buch. Elhnodoktologie, 

bücher und Grammatiken von Schmidt, Anselm, Kind, 
JuL David*, Russiadis. 

1 Gesch. d. Halbinsel Morea während des Mittelalters, 4830 — 36) u. 
Welchen Einfluss hatte die Besetzung Griechenlands durch die Slawen auf 
das Schicksal der Stadt Athen? 4835. — * Zinkeise», Gesch. Griechen- 
lands, Thl. I, 4832, im Anhange'S. 837: Bemerkungen zu Fallmerayer's 
Gesch. von Morea. — * Darüber Henbichsen 4839- Folgende Home- 
rische Stelle: 

A6Tä{^ iitti xareSo Xo|j,7cp6v ^rfoc i^eXioio, 

Ol |x4v xoxxeiovte« Ißav oixovSe exaciToc, 

'Hijri exotffTq> ö&jt« itepixXüxo« 'Ap^fiYoi^etc 

"H^oiaxoc uo^Tja' elSuiTjffi itpairiSeffaiv , 

lautet nach der uns ungewöhnlichen Reuchlinischen Aussprache: 

Aftar epi katedi lampron phaos igliio, 
Hi men kakkiontes eoan ikonde bekastos. 
Hieb! hekasto doraa perikliios Amphigiiis 
Hipbaestos piis' idiisi prapidessin. 

Mbrlbkbb, Praktische vergleichende Schulgrammatik der griech. u. latein. 

Sprache, 4854, S. 40. — * Zum Beispiel: Suvotctixo? TCapaXXTfjXtfffjiOi; ttjc 

fcXXTQVtx*^? xal YpatxtxYJ? tq aTCXoeXXTQVtxTJ? yX^ffaiQ?, 4820; deutsch 4-827. 

§. 290. Ueber neugriechische Literatur: Villemain''s 
,LaskarisS 1825;Iken's,LeukotheaS1825,und,EunomiaS 1827; 
Risos Nerulos, ,Cours de litterat. grecque moderne^ -1827; 
Brandis, ,Mittheilungen über Griechenland^, 1842; Schmidt- 
Phiseldeck, ,'EXX7ivtxoc IlapvaacJocS 1827, /O 'A|jiapavTO<; TjTot 
Ta f68a ryj^ avay£vv'if]^sia7)^'EXXa8o(;S 1843; Thdr. Kind, ,Neu- 
griechische Anthologie^ 1845, und ,Beiträge zur bessern 
Kenntniss des neuern Griechenland % 1831; Ellissen, , Ver- 
such einer Polyglotte der europäischen Poesie^ 1846; San- 
ders, ,Das Volksleben der Neugriechen', 1844; Leake, ,Re- 
searches in Greece^ 1814. 

§. 291. Die neugriechische Poesie zerfallt in Volks- und 
Kunstpoesie. Zur erstem gehören namentlich die Klephthen- 
lieder. 

Romantisches Epos ,Rhotokritos' von Wizenzos Komaros 
(16. Jahrh.). Von Allatios (1638) Schilderung der althel- 
lenischen Herrlichkeit und ihres Untergangs. Schäferdich- 
tung von Drymitikos (17. Jahrh.). ,Bosporomachia' (aus 
dem 18. Jahrh.). Konstantinos Rhigas aus Velestini in Thes- 
salien (geb. 1753): Kriegs- und Freiheitshymnen. Der um 
Literatur und Staat der Neugriechen hochverdiente Ada- 
mantios Korais (1748 — 1833). 

Seit 1821 sangen Christopulos (der neue Anakreon), die 
beiden Sutsos, von denen sich Alexander fast in allen Gat- 
tungen der Poesie versuchte, im Epos (/O TcepiTcXavoiJisvo^'), 



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Zwanzigstes CapUel Neugriechen, 177 

in Satiren (,navd()a(i.a r^^ ^EXXa&o^S 4B33), im politischen 
Roman (,^0 'E^optcrco^ tou i831 eToix;^ deutsch i837), und 
Panagos Sutsos auch im lyrischen Drama (, Wanderer^) und 
im Roman (,Leandro8^). Femer Lyriker: Rhisos Nerulos, 
Tantalidis, Alex. Ypsilanti (1792 — 4828), Orphanidis, Ka- 
rasutsas u. A. 

Dramatiker: Sabelios (,Timoleon% ^Konstantin Paläo- 
logosS ,Rhigas^), Pikkolos (,Demosthenes'), Rhisos Nenilos 
(,Polyxena% ,Aspasia% und komisches Epos: ,Raub der 
Truthenne'), Rhangawis (Tragödien: ,Phrosyne' und ,Der 
Vorabend'). 

Trikupis^ romantisches Gedicht: ,Dimos', 4821. Rhan- 
gawis' episches Gedicht: ,'0 XaoicXavo^' (der Volksver- 
fiihrer). 

§.292. Wissenschaften. Theologen: TheoklitosPhar- 
makidis und Konst. Oikonomos 4835 fg. 

Selbständige Behandlung der Philosophie, Rhetorik und 
Mathematik: Dan. Philippidis, Stephan und Neophytos 
Dukas u. A. 

Geographie : Dan. Philippidis, auch Historiker (, Geschichte 
Rumuniens, d. i. Walachei, Moldau und Bessarabien', 4846); 
Surmelis' ,Geschichte Athens'; Philemon (,Die Hetarie'); 
Germanos' ,Freiheitskrieg' ; Schinas' ,Ge8chichte der alten 
Nationen', 4845. Gegen Fallmerayer schrieben Paparrigo- 
pulos und Levkias. 

Paläologos (Staatsokonomie). Trikupis (politische Reden). 
Alex. Maurokordatos (Anatomie, 4 836). Olympios (Chirurgie). 
Maurogannis (,Klima von Athen', 4842). 

Archäologen: Sakellarios, 4796; Pittakis, 4835; Rhan* 
gawis, 4842. Philologen: Eorais, Neophytos Dukas, Aso- 
pios und Wamwas (Syntax); Zenobis Pop (Metrik); Kon* 
togonis (Mythologie); Skarlatos Byzantios (Alt- und neu- 
griechisches Wörterbuch). Literarhistoriker: Gasis, Alexan- 
dridis, Kanellos, Rhisos Nerulos, Pappadopulos (/EXXyjvocvj 
ßißXco7pa9fa', 4845). 

Wissenschaftliche Zeitschrift in Athen seit 4840: ,Eupu- 
Tcaixoc 'Epocvian()<;'. Neugriechische Literatur in den ,Blattem 
für literarische Unterhaltung', 4855, Nr. 32. Marino Vreto, 
,Contes et poemes de la Gr^ce moderne', 4855, mit einer 
Einleitung von dem Franzosen M^rimöe. 



Hbrleksk. 4 2 



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178 ZweUes Buch, EthnodoMologie. 

Einundzwanzigstes Capitel. 

Neuere Dichter in classischer Sprache. 

§. 293. Lateinische Poesie seit Auflösung des West- 
römischen Reichs in ihren bedeutendsten Repräsentanten. 

Lbtsbe, Hist poetarum et poematnm med. aevi, 4724. Büdik, Leben 
und Wiii:en der Tonaglichsten Uteiniscben Dichter des 45 — 48. Jahrb., 
4827. Bähb, Gesch. der römischen Literatur im karolingischen Zeitalter,^ 
4840> Jak. Gkimm, Lateinische Gedichte des 40. u. 44. Jahrb. Rosbn- 
KBAiiz, Gesch. der Poesie, S. 540 fg. Cholbyios 1, 308 fg. Pbkbault, 
ParallMe des anciens et des modernes, 4688 — 96- 

§. 294. Im 6. Jahrh. in Italien, Frankreich, Spanien und 
Afrika: Boethius, Avitus, Ennodius, Eugenius, Fortunatus. — 
Armuth des 7. und 8. Jahrh. — Im 9. Jahrh. Theodulphus, 
Walafiried Strabo, Rhabanus Maurus. — Im 10. Jahrh. 
Uroswitha oder Helena von Rossow, Gerbert und sein 
Schüler König Robert. Die versus Leonini von Papst 
Leo TV. oder einem Leo des 42. Jahrh. — Im 14. Jahrh. 
Wippo, Bemard von Fleury, Kirchenlieder des Hermann 
Contractus, Adhemar von Puy, Romulus (? älteste prosaische 
Uebersetzung Aesopischer Fabeln). — Im 421. Jahrh. England 
und Frankreich reich: Simon Capraaurea, Bemardin, Clugny 
und Chartres, Alanus ab Isulis, Joh. Parvus von Salisbury, 
Pindarus Thebanus, Grualter Mapes (,Mihi est proposi- 
tum^). In Italien Henricus von Settimello.- Der Deutsche 
GHinther. 

Im 43. Jahrh. Frangipani, Jacoponus de Benedictis 
(,Stabat mater^), Henricus von Middelburg. — Im 44. und 
45. Jahrh. fast ausschliesslich Italiener: Petrarca, Boccaccio, 
Balthasar Costa. (Papst Johann XXH.), Campanus, Anton 
Urceus Codrus (Ergänzer der Plautinischen ,Auiulana^), 
Kr. Celtes (4459—4500). — Im 46. Jahrh. Italiener: Cotta, 
Sannazaro, Bembo, Hrs. Vida aus Cremona (f 4566, auch 
,De ludo scacchorum^), Palearius; Deutsche: Erasmus, Ulrich 
V. Hütten, Melanchthon, Camerarius, Sabinus, Lotichius; 
Niederländer: Everard Secundus, Dousa; Franzosen: H. Ste- 
phanus, Muret, Scaliger; der Schotte Buchanan; der Eng- 
länder Owen. — Im 47. Jahrh. Hugo Grotius, Heinse, Sar- 
biewski, Bälde, Gianetasio, Ceva, Rapin. — Im 48. und 
49. Jahrh. Melchior de Polignac (f 4744: ,Anti-LucretiusS 
oben §.234, Anm.), Christ, Platner, Klotz, Reiz, Döring, 



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Zweiundzwanxigtte^ CapiteL Das Neue Testament. 179 

S£^cherlicfa, Spalding, Gf. Hermann, Fubs, Lobeck, K. Mül- 
ler, Hooft, Santen, v. Bosch u. A. 

§. 295. In griechischer Sprache: Bhodomann, Sca- 
liger, Stephanus, Neander, Crusius, Heinse, Reiz, Gf. Her- 
mann, Reh. Porson u. A. 



Zweiundzwanzigstes Capitel. 

Das Neue Testament. 

§. S196. Die Schriften des Neuen Testaments treten als 
Geschichte, Lehre und Weissagung auf und bieten insofern 
eine Analogie dar mit dem Alten Testament, in welchem 
man auch historische, prophetische und didaktische Bücher 
unterscheidet. Der Kanon des Neuen Testaments schloss 
sich allmälig vom 2. — 4. Jahrh. ab. Schon im 2. Jahrh. theilte 
man das Neue Testament in Euay^eXiov (Matthäus, Markus, 
liukas und Johannes; die drei ersten auch Synoptiker ge- 
nannt) und ' A.v:6axoko(; (die Apostelgeschichte des Lukas und 
die apostolischen Briefe). Die Echtheit der fünf historischen 
Bücher, der PauUnischen Briefe, des ersten Briefes Petri 
und des ersten Briefes Johannis war im 3. Jahrh. allgemein 
anerkannt, daher sie Eusebios in seiner Ejrchengeschichte 
(325) ojjLoXoy&upieva nennt, die übrigen Schriflen dagegen 
avTiX&Yopisva. Die Apokryphen des Neuen Testaments stam- 
men aus den drei ersten Jahrhunderten der Kirche her ^ 
Die Grundsprache des Neuen Testaments ist das Grie- 
chische, nicht, wie Bolten und Bertholdt wollten, das Ara- 
mäische. Zweifel in Betreff der ursprünglichen Gestalt des 
Matthäus ^. 

1 Gesammelt von Fabricivs 4749. Thilo, Codex apoeryphna N. T., 
4832. — > SiBFFXBT, Urgestalt des Matthäus. 

Neutestamentliche Grammatiker: Sal. Glassics (f 4656) in 
Jena, Kp. Wy88 in Zürich (+ 4659), G. Pasor in Franeker (f 4637), 
Wmbb 4823 tt. 4844s Wörterbücher von Schöttobh, Schlbiisiibb, 
Wahl, Brbtschneideb. Einleitungen in das N. T. von Hamlxik, 
Schmidt, Eichhorn, Hco, db Wbttb, Bertholdt, Gubricke, Schott, 
FniLMOSBR , Schnbckbnbcbsbr , Cbbdhbb , Nbvdbokbr , Rbvbs. Ausgaben 
des N. T. von Knapp, Schott, Tittmann, Vatbr, Hahn, LaobmanM» 
Näbb, Göschen, Theile, Tischendorf. 

§. 297. Commentare zum Neuen Testament von 
Rosenmüller, Paulus, Olshausen, De Wette, Meyer, Theile. 

12* 



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180 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Zu den historischen Büchern (Eywgelien und Apostel- 
geschichte) von Künol, Fritzsche. 

Synopsen von Grriesbach (von Rodiger 1841), De Wette 
und Lücke. 

Matthäus von Baumgarten -Crusius (von Otto 1844), 
Mayer, Gratz, Sieffert, Kleinert, Olshausen, Amoldi. 

Markus von Saunier, Knobel, Wilke. 

Lukas von Bomemann, Schleiermacher, Planck. 

Johannes von Lücke, Tholuck, Baumgarten -Crusius, 
Bretschneider, Strauss, Weisse, Lützelberger, Br. Bauer, 
Wegscheider, Hemsen, Usteri, Frommann, Schweizer. 

Apostelgeschichte von Heinrichs, Robinson, De Wette, 
Schneckenburger. 

Paulinische Briefe (und Brief an die Hebräer) von Calvin, 
Koppe (und Ammon), Schott und Winzer, Bisping. 

Brief an die Romer von Tholuck, Flatt, Rückert, Reiche, 
Glockler, Kolner, Stewart, Nielsen, Klee, Stengel (von 
Beck 1836), Fritzsche. 

Briefe an die Korinther von Krause, Monis, Flatt (von 
Hofimann 18S17), Billroth, Heydenreich, Jäger, Scharling. 

Brief an die Galater von Borger, Winer, Flatt (mit 
Epheser), Paulus, Usteri, Matthies, Rückert, Schott (mit 
Thessalonicher), Moller (dänisch), Windischmann. 

Brief an die Epheser von Harless, Meier, Matthies, Rückert. 

Brief an die Philipper von Rheinwald, Matthies, van Hen- 
gel, Holemann. 

Brief an die Kolosser von Bahr, Böhmer, Steiger, Huther, 
Mayerhoff. 

Briefe an die Thessalonicher von Schott und Pelt. 

Die Pastoralbriefe von Heydenreich, Flatt, Matthies, Leo, 
Mack, Eichhorn, Schleiermacher, Planck, Wegscheider, Baur, 
Baumgarten, Böttger. 

An Philemon von Schmid und Hagenbach. 

Brief an die Hebräer von Monis, Storr, D. Schulz, 
Böhme, Bleek, Künol, Paulus, Tholuck, Klee, Stein, 
Stanglein. 

Katholische Briefe und Apokalypse von Augusti, Pott, 
Jachmann. 

Briefe Petri von Steiger, Mayerhoff, Windischmann, 
Ullmann. 

Briefe Johannis von Lücke, Paulus, Rickli. 



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Dreiunäzwanxigstes CapitcL Patrologie. 181 

Briefe Jakobi und Judä von Herder und Scharling. 

Jakobus und 1. Petri von Hottinger. 

Jakobus von Schulthess, Gebser, Schneckenburger, Theile, 
Kern, Bhd. Jacobi. 

Judä von Hänlein. 

Apokalypse von Bengel, Herder (,Mapava^aS 1779), 
Ewald, Lücke, Züllich, Böhmer (auch zur biblischen Typik). 
Dazu Wörterbücher von Braun, Oertel und Tinius. 

Apokalypse und Buch Daniel von Auberlen. 

§. 2198. Die Beschreibung des Lebens Jesu begann 
mit der äusserlichen Zusammenfugung der Quellen und setzte 
sich in der Art bis auf Bengel (1687 — 1752) fort; seitdem 
von Herder, Hess, Reinhard, Vermehren, Hacker, Greiling, 
Paulus, Hase, Strauss, Neander, Krabbe, Kuhn, Hartmann, 
Francke, Weisse, Theile, Sepp, Lange, Ebrard, Riegler, 
Friedlieb, Lichtenstein, Wichelhaus. 

§. 299. Das Leben der Apostel und die Gründung der 
Barche von Hess, Lücke, Planck, Neander, Rothe, Gfrorer. 

Das Leben des Apostel Paulus insbesondere von Schrader, 
Hemsen, Schott. 



Dreiundzwanzigstes Capitel. 

Patrologie. 

§. 300. Die Patristik oder Patrologie beschäftigt sich 

zunächst mit der Geschichte der Schüler der Apostel, die 

man ge wohnlich ApostolischeVäter nennt. Dazu gehören 

im eigentlichen, kirchlichen Sinne Bamabas, Clemens von 

Rom, Ignatios, Polykarpos und Papias; im uneigentlichen 

Sinne auch HeHnas und Dionysios Areopagita. 

Eine Collectivausgabe der Schriften dieser Männer von Cotblieb i672 
u. Clebicus 4724 n. danach Handaasgaben von Fbey 4742 u. Hbfelb 4839. 
t Kbitzleb, Die Heldenzeiten des Christenthums , 4856. 

§. 301. Brief des Bamabas (eigentlich Joses, f 64). 
Clemens von Rom (Romanus), angeblich erwähnt Philip- 
per IV, 3, gestorben i02 als Bischof der romischen Ge- 
meinde: ,Zwei Briefe an die Itorinther' *, , Apostolische Ka- 
nonen und Constitutionen^ ^ , ,Clementinen' ^. Ignatios *, 
Bischof in Antiochia, 49 — 107 oder 116: ,Briefe' *. Poly-' 
karpos, Bischof in Smyrna (f 169): ,Briefe' ®. Der ,Hirte^ 



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183 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

des Uermas (Rom. XVl, 44) nnr noch in lateinischer üeber- 
setzung ^. Dionysios Areopagita, angeblieh erster Bischof 
zn Athens 

1 Uebersetzt von Wocher 4830. -^ ' Drei Untersuchungen darüber, 
4832. Merlekbb, Die Politik der romisclien Papste, 4856. Alle Consti- 
tutionen Tor der Zeit des Siricins sind untergeschoben. — ^49 griechische 
Homilien u. in der lat. IJebersetznng des Rnnnus als Recognitiones Cle- 
mentis, bei Gbrsdobp, Biblioth. patr. eccles. Lat. sei., 4837, Bd. 4. Kbst- 
iiBB*8 Agape, 4849. — * Angeblich das SLind, weiches Jesus seinen Jun- 
gem als Muster hinstellte: Matth. XVIU, 2. Mark. IX, 36. — ^ Ausg. 
Ton J. Voss 4646 n. 4680, mit denen des Bamabas; übersetzt von Wocher 
4829. — ^ Uebersetz. von Wocher 4830, mit denen des Clemens. — ? Ausg. 
Ton Jachmakii 4835. — ^ Uebersetz. seiner Schriften von Engelhardt 4823; 
Untersuchungen darüber von Vogt 4836. 

§. 309. Kirchenväter heissen im engem Sinne die 
Lehrer und Schriftsteller der alt^i Kirche vom 2. — 6. Jahrh., 
im weitem alle bis zu den Scholastikern (im 44. Jahrb.) 
herab. Die eigentUcheu Kirchenvater theilen sich in solche, 
die griechisch, und in solche, die lateinisch geschrieben 
haben. Ihre Werke beschäftigen sich mit Philosophemen 
und gnostischen Auffassungen des Christenthums \ mit Ortho- 
doxie und Härese (besonders seit 325), mit Apologetik und 
Polemik, mit Kritik und Exegetik, mit der Geschichte der 
christlichen Kirche und mit dem Unterricht und der Er- 
bauung des Volks. 

1 LöFFLER, Vom Platonismus der Kirchenväter, 4792. Keil, Opus- 
cnla, 4824. — Die erste Zusammenstellung des patristischen Materials ist 
von HiEROKTMvs (f 420): De viris Uiustribns s. de scriptoribus ecclesiasti- 
cis, worauf bis in das 47. Jahrh. mehre Förderer des patristischen Studiums 
folgten. Magna bibl. vett. patrum (de i*k Bioke), 4664 — 72. Mazima 
bibl. Tett. patmm, 4677. Gallandii Bibl. Graeoo-Latina vet. patr., 
4765 — 84. Fabricics, Poetar. ret. eccles. Opera, 4664. Arevalo, Poetae 
ehrist., 4788.'^R58LBR, Bibliothek d. Kirchenväter in Uebersets. n. Aus- 
zügen etc., 4776 — 86, von Augusti 4842, Botaabds 4834, Sinnee 4842. 
Einleitende Schriften von Walch 4770 (Danz 4834), Schökemank, Wi- 
HER, Engelhardt. Gold witzer, Bibliographie der KirehenTäter u. Kir- 
chenlehrer vom 4. — 43. Jahrh., 4828. Danz, Initia doctrinae patristicae. 
MöHLEB n. Reithmatbe 4839. Böheinobr, Die Kirche Christi etc., seit 
4842, will sein Werk bis Schleiermacher fortfahren. Kirchliche u. theolog.T 
Literargeschichte von Flügge, Staudlin, Busse. Zur theolog. Bücher- 
kenntniss die Schriften von Walcb, Nöbbelt, Nibmbtbb, Fuhrmann, 
WiNEB,- Deegbn n. Zimmermann. Villbmain, Tableau de Teloquence 
chretienne an IV""* siecle; deutsch von Köhler 4856. 

I) Griechen. 

§. 303. T. Flavius Clemens aus Athen, in Alexandria 
190 Presbyter und Katechet (daher Alexandrinus): drei ein 



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Dreiundxwanzigstes Capüel Patrologie. 183 

Hauptwerk bildende Bücher: ,Protreptiko8', ,Pädagogo8^ und 
,Stroaiata' (,Stromatei8') \ 

Sein Schüler Origenes Adamantios aus Alexandria 
(185 — 254): von seinen angeblichen 6000 Werken ist die 
Schrift ,De principiis^ nur noch in einer lateinischen Ueber- 
setzung des Rufin in Bruchstücken vorhanden^. 

Eusebios Pamphili aus Cäsarea in Palästina (270 — 340), 
daselbst Bischof 314: 40 Bücher ,Kirchengeschichte^ bis 324 
(oben §. 258) % ,Chronikon' (oben §. 265), 15 Bücher ,Prae- 
paratio evangelica'*, 20 Bücher ^Demonstratio evangelica' *, 
,Ijeben Konstantin^s d. Gr/ ^ Athanasios aus Alexandria 
(296 — 373) ^ Joh. Chrysostomos aus Antiochien (347 — 
1 4. Sept. 407), Bischof in Konstantinopel 397, von der sechsten 
ökumenischen Synode 680 Chrysostomos beigenannt«. 

Justinos der Märtyrer aus Sichem oder Flavia Neapolis 
in Samarien (f 165 in Rom): zwei Apologien an beide 
Antonine, ,Dialogus cum Tryphone Judaeo' ^. Irenäos, 
Schüler des Polykarpos in Smyrna, 177 Bischof von Lyon, 
wo er 202 starb ^^. Basilius d. Gr. aus Cäsarea in Kappa- 
dokien (329 — 379), Bischof 370, Stammvater der morgen- 
ländischen Ordensgeistlichen *'. 

Epiphanios aus Besanduke in Palästina, Bischof von 
Constantia (früher Salamis) auf Cypem, 367 — 403 '*. Gregor 
von Nazianz (328 — 390), Bischof zu Sasima 371, Patriarch 
in Konstantinopel 380 — 381 '•. Gregor von Nyssa (f nach 
394), jüngerer Bruder Basilius^ d. Gr. **. Der Thaumaturg 
Gregor (Theodoros aus Neocäsarea), 244 Bischof, Schüler 
des Origenes **. 

^ Verloren sind die Hypotyposeis. Hymnus auf den Erlöser von Pipeb 
1835. Ausg. von Potter 4715. Quis dives salutem consequi possit, Ton 
Sboaar 1816. Etlbrt, Clem. t. Alex, als Philosoph n. Dichter, 1832. — 
^. Ausg. von Redbpbnning u. Schnitzer. Ermahnung zom Märtyrerthum 
von Wetstein. Gegen Celsus, deutsch von Mosheim. Gesammtausgabe 
Ton DB LA RüE u. LoMMATzscH. Die Hexapla oben §. 127. Ueber ihn 
und seine Lehre Thomasivb 1837 n. Redbpbnsino 1841. — ^ Fortgesetzt 
von SoKRATBS , SozoMENos u. Tbbodoretos ; frei latein. Ton Rcfw u. bis 
395 fortgeführt. Ausg. Ton Valois, Readino, Heinicben; deutsch von 
Stroth. — * Ausg. Ton VioBR 1628. — * Ausg. von Montaiou 1628; nur 
noch 10 Bucher uuTollkommen erhalten. — <> Ausg. Ton Hbiniohbn 1830. 
Manbo^ Leben Konstantin*s'd. Gr., 1817. — ^ Das Athanaeiannm symbo- 
lum. Seine Schriften von Montfaucoiv 1698 u. tou dems. in Bd. 2 der 
Bibl. patrnm, 1706; nber ihn Möhlbr 1827 u. 1839. — ^ Seine Werke 
griech. u. latein. Ton Mohtfavcok 1718 — 38^(2. A. 1834—40). De sa- 
cerdotio Ton Leo 1834. Homiliae in Matthaeum von Field 1839 (über- 
setzt Ton Cramer u. A.). Ueber ihn Nbahder 1824 (2. A. 1832). — 



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184 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

* Nicht Ton ihm Epistoia ad Diognetum. Ausg. Ton M^&^mds ü. Otto. 
Sein Leben Ton Otto u. Sbmisch. — ^^ MASSüET'sche Ausg. seiner Werke. 
Contra haereticos nur in latein. Uebersetz. von P^a/f. Christologie von 
DüNOKBK 4844. — ^^ Sein Leben u. seine Lehre von Elosb 4835; seine 
Schriften von Gabnibr i72i — 30 n. den Benedictinem. — *» Seine Schrif- 
ten von Pbtav 4622, darunter Panarion oder Verzeichniss aller (80) 
Ketzereien, über Masse u. Gewichte u. Sermo de fide. Epiphanias Scho- 
lasticns (6. Jahrh.) compilirte mit Gassiodor ans Sokrates, Sozomenos und 
Theodoret die Historia tripartita, das kirchengeschichtliche Handbuch des 
Mittelalters. — ^^ Seine Werke von Morbllius 4630, sein Leben von 
Ulluann 4826. — '^ Seine Werke von Mobbllics 4664, sein Leben u. 
seine Meinungen von Rüpp 4834. — '^ Seine Schriften griech. u. latein. 
von G. Voss 4604. 

2) Lateiner. 

§. 304. Tertullianus aus Karthago (f 220) ^ Sein Schuler 
Cyprianus (200— U. Sept. 258), 248 Bischof in seiner Vater- 
stadt Karthago 2. Ambrosius (340 — 397), Bischof in Mai- 
land 374 '. Augustinus aus Tagaste in Afrika (13. Nov. 354 
bis H. oder 28. Aug. 430), Bischof zu Hippo (jetzt Bona) 
395*. Hieronymus aus Stridon in Dalmatien (331 oder 
342 — 4i9 oder 420), starb in einem Kloster bei Bethlehem *. 
Lactantius (f um 330), der christliche Cicero ^ Amobius 
der Aeltere (300), Lehrer der Beredtsamkeit zu Sicca in 
Numidien, daher der Afrikaner ^. Der jüngere Amobius 
(5. Jahrh.), Bischof in Gallien®. Gregor, Bischof von 
Tours 573 (f 17. Nov. 594) ^. Isidorus Pelusiota aus Alexan- 
dria (f 450) ^^. Isidorus Hispalensis aus Cartagena in Murcia, 
Bischof von Sevilla (Hispalis), f 636 ^^ Pelagius, britischer 
Mönch, in Rom 409, stirbt in Jerusalem 420 **'^. Ulfilas 
(geb. 318), Bischof der Gothen 348, Umbildner der ger- 
manischen Runenschrift durch Benutzung des griechischen 
Alphabets für seine Bibelübersetzung; damit zugleich Be- 
ginn der deutschen Literaturgeschichte *^ Leo I., d. Gr., 
Papst 440—461 i*. Gregor L, d. Gr. (540—604), Papst 
590—604 »^ . 

1 Seine Schriften (darunter Apologeticns bei Gelegenheit der Christen- 
Terfolgung unter Severus, 492 — 241) von Rhbnanüs, Rioaltius, Leopold 
in derBibl. patr. Lat. sei., 4839 — 44. Neandbb, Antignosticns, Geist des 
'^Tertullianus u. Einleitung in seine Schriften, 4825. — * 83 Epistolae, De 
unitate ecclesiae (von Stepbani); Ausg. von Rioaltiub, Balvzzt; deutsch 
4848. Dodwbll's Dissertationes Cyprianicae, 4684. Sein Leben u. seine 
Lehre Ton Rettbbbo 4834 u. Hutheb 4839. — * Seine Schriften von den 
Benedictinem 4686—90. Der Ambrosiauische Lobgesang (Te Denm lau- 
damus) wahrscheinlich ein Jahrhundert jünger. Der Ambrosianische Ritus 
des Kirchengesangs (darüber Mazzucchblli u. Fumaoalli). Der Com- 
mentar zu den Paulinischen Briefen (wahrscheinlich von Hilarins) des Am- 



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Dreittndzwanzigstes CapUel, Patrologie. 185 

brosiaster. — ^ Sein Leben erzaUt er in den Confessiones (von A. Nbandbb 
4 823, K. V. RÄUMER 4 856). Seine Schriften durch die Benedictiner 4 835 — 39 ; 
De civitate Dei 4 825 (deutsch von Silbert)* Seine Lehre von der gratia irresisti- 
bilis brachte ihn in Streit mit Pelagins. lieber ihn Bindbmann 4 844 ; über 
ihn u. Pelagins Wioobrs. — ^ Seine Uebersetznngen des A. n. N. T. liegen 
der Vulgata zum Grunde. Seine Werke von Ebasmus u. Vallarsi. — 
^ Lnstitationes divinae (von Davisiüs), Carmen de Phoenice (von Mar- 
tini). Sämmtliche Werke von Fritzschb, in Gersdorfs Bibl. patmm, 
Bd. 40, 4842 — 44. — ^7 Bücher Adversus gentes (von Orelli). — 
s Commentar über die Psalmen. Praedestinatus ? — ^40 Bücher Gesch. 
der Franken, 7 Bücher Miraculorum, ein Buch Vitae patrum. Ausg. von 
RuiHART. lieber ihn Löbbll 4839. — ^° Zahlreiche Briefe (edirt 4638). 
üeber ihn Nibmbtbb 4825. -— ** Seine Schriften von Arbvalo 4797 — 4803, 
darunter Gesch. der Gothen zwischen 476 — 628 (von Röslbr 4803). Die 
pseudoisidorischen Decretalen (vom 9. Jahrh. an gesammelt) erhielten den 
Namen von einem Isidorus Mercator oder Peccator. Mbrlbkbr, Politik 
der rom. Päpste, 4856. — ^' Darstellung seiner Lehre von Wigobrs u. 
Lbntzbn 4833. — ^^ Codex argenteus aus der Abtei Werden im 46. Jahrh., 
nach Prag u. 4648 nach Upsala, herausgeg. 4665 von Fr. Junius. Den 
Codex Carolinus fand Kittel in einem Palimpsest in Wolfenbüttel (von 
Zahn 4 805)- Die übrigen Bruchstücke von Mai u. Castiolioni 4849 — 39, 
von Massmann 4834. Gesammtausg. von Gabblbntz u. Löbb 4836—47. 
Ueber sein Leben u. Lehre von Waitz 4840, Gabblbntz u. Löbb 4855. — 
** üeber ihn Arendt 4835 u. Perthel 4843. Seine Werke zu Venedig 
4755 — 57. — ^^ Werke: Moralia s. expositiones in lobum u. Dialogi s. 
de vita et miraculis patrum Italicorum, von Wioobrs 4838. 

§. 305. Einer der ältesten Apologeten ist Athenagoras 
(177) ^ Minucius Felix (3. Jahrh.): Apologie ,0ctaviu8' *. 
Tatianos '. Die Spottschrift des Hermias (^00) gegen die 
heidnischen Philosophen \ Theodor von Mopsuestia (f 429) *. 
Hilarins der Heilige, Bischof von Pictavium (Poitiers), hae- 
reticorum maUeus et flagellum genannt, f 13. Jan. 368 ^ 
Die Kirchenhistoriker: Soki'ates aus Konstantinopel 
(geb. 380) ^, Sozomenos aus Bethelia bei Gaza (geb. um 
400) 8, Theodoretos 4210 Bischof von Kyros am Euphrat •. 

ApoUinaris der Jüngere, 362 Bischof in Laodicea in Sy- 
rien, Gründer des sogenannten Apollinarismus : dichterische 
Umschreibung der Psalmen. Juvencus (f 334): Umschrei- 
bung der Genesis und Geschichte Jesu in Hexametern *^. 
Prudentius *'. Colius Sedulius (5. Jahrh.): ,Mirabilium di- 
vinomm s. operis paschalis lib. V% enthält in Hexametern 
die Geschichte Jesu ^^. 

1 Legatio pro Christianis von Lindner. Ueber Auferstehung d. Todten 
(4544). — ' Ausg. von Mcralto 4836, deutsch von Lübkerl. Ueber ihn 
Meier 4824. — * Ueber ihn Daniel 4837. — * Ausg. von Worth u. 
DoMMERioH, deutsch von Thienemann. — ^ Ueber ihn Fritzschb 4837. 
Seine Werke von v. Weonern 4834. — * Seine Werke von Oberthöb 
4784 — 88. — ^ 7 Bücher von 306 — 439 (von Readino). — » 9 Bücher 
zwischen 323 — 439 (von Valesius). — « Zwischen 322 — 429- Ausg. von 
SiRiioND u. Garnier, Schulze u. Nösselt. — ^^ Ausg. von Gebsbb 



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186 Zweites Bvch. Ethnodohtologie, 

4g27. _ n Gedichte Ton Obbabiüb e^rt. — i> Andere Gedichte: Col- 
latio Vet. et Not. Test.; Hymno« de incarnatione Terbi, aus Virgilischen 
Versen zusammengesetzt; Hymnus acrostichns, in iambischen Dimetern o. 
alphabetischer Reihenfolge der Verse. Ausg. von Cbllabiijb, Gbunbk, 
Abhtzbh u. Abetal. 

§. 306. Den Anfang der Legenden macht Ennodius^ 
,Leben des heiligen Epiphanios^ Musterwerk seiner Art 
wurde die ,Goldene Legende^ Jacob's a Voragine (f i298), 
8. unten §. 668. 

Acta sanctorum, 1643. 



Dritte Abtheilung. 
Occidentalische Literatnren. 

§. 307. f^Die Basis der modernen Literatur im wei- 
testen Sinne i^t die christ- katholische Glaubenslehre. Ihre 
Tochter, die Romantik, wurde die Muse der Dichtung des 
Mittelalters und schlug zuerst in Frankreich ihren Wohn- 
sitz auf. Von hier aus beherrschten ihre Inspirationen die 
Literatur sämmtlicher west- und südeuropäischer Nationen. 
Am wenigsten unbedingt war ihr die italische Literatur 
unterworfen, weil in Italien der romantische Einfluss von 
vornherein in der wieder angebahnten Bekanntschaft mit dem 
antiken ein Gegengewicht fand, was aber für die Ent- 
wickelung der italischen Poesie eben kein Glück war, indem 
die classische Reminiscenz dieselbe schon in ihren Anfangen 
zu einer unyolksthümlich gelehrten machte. Am reinsten, 
reichsten und volksmassigsten erblühte die romantische Dich- 
tung auf der Pyrenäischen Halbinsel, und Spanien 
kann sich vor allen Nationen Europas rühmen, eine zugleich 
grossartige und nationale Literatur zu besitzen. Mit ihr 
wetteifert die englische, welche ebenfalls auf dem Funda- 
ment der Volkspoesie den Triumph der Kunstdichtung, ein 
treffliches und nationales Drama, aufgebaut hat. 

Die mittelalterlich -romantische Dichtung Deutschlands 
zeichnet sich vor der anderer Völker durch einen Zug seelen- 
voller Innigkeit aus, und diesen Zug wussten die Deutschen 
nicht nur in eigentlich romantische StofFe, sondern auch in 
ihre altnationale, romantisch umgebildete Heldensage zu 



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Dritte Abtheilung, OccidentcUische Literaturen. 187 

legen, wodurch freilich die ürsprünglichkeit derselben stark 
beeinträchtigt wurde. Mit Italien und Frankreich theilt 
Deutschland den Mangel eines nationalen Theaters. 

Unberührt von romantischen Einflüssen entfaltet sich in 
der Poesie des alten Nordens eine Biesenhaftigkeit der 
Phantasie, welche an die des alten Indien erinnert, nur dass 
hier Alles weich und verschwommen, dort Alles schroff 
und zackig ist. 

Auch die altslawische Yolkspoesie hat sich unabhängig 
von der Romantik entwickelt und zeigt die £igenthümlich- 
keit einer vorwiegend historischen Färbung." 

§. 308. „Vom i6. Jahrh. an. webt sich unter der Ein- 
wirkung classischer Studien allmälig ein Band der Wechsel- 
wirkung zwischen den europäischen Literaturen. Im i 7. Jahrh. 
gibt die italische und spanische, im 48. die französische, 
im 49. endlich die englische und deutsche den Ton an. 
Nach dem Vorgang Italiens stellt Frankreich in der ge- 
lehrten Hofdichtung die classischen Muster auf, wie es hin- 
wieder später durch seine revolutionäre Literatur das Signal 
zur Befreiung der Geister gibt. Dann kommt England an 
die Reihe, um mit den gesunden 'Elementen seiner altem 
und neuem Dichtung, vor allem mit Shakspeare^schen, die 
deutsche Classik zu befruchten, und von dieser, wie von 
der ihr nachtretenden Neuromantik, gehen darauf leuch- 
tende und zündende Strahlen in aUe europäischen Länder 
aus. In Frankreich, Italien und Spanien wird die Pseudo- 
classik gestürzt, und diese Länder, dann mit glänzendstem 
Erfolg England, die skandinavischen und slawischen Länder, 
selbst Ungarn und Neugriechenland, mit grosserm oder ge- 
ringerm Glück, bedienen sich der romantisch -nationalen 
Principien als eines Verjüngungsmittels ihres Schriftenthums, 
Da und dort hat der junge Baum modern-nationaler Poesie 
prachtvolle Blüten getrieben. Die neueste Zeit aber zeigt 
einen auffallenden Stillstand der literarischen Bewegung/^ 

Für Sprache und Literatur des europ. Abendlandes: Bocterwek, 
Gesch. d. Poesie u. Beredtsamkeit, 4804 fg. Thdr. Mvkdt, Gesch. d. Lit. 
d. Gegenwart von 4789 an, (2. A.) 4853. 



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188 Zweites Budt. Ethnodokiologie. 

Vierundzwanzigstes Capitel. 

Occidentalisch - christliches Sprachgebiet. 

§. 309. Als allgemeines Kennzeichen, das die germa- 
nischen Sprachen von den urverwandten (oben §. 40 u. 4 4) 
unterscheidet ^ und unter ihren eigenen einzelnen Zweigen 
eine wesentliche Verschiedenheit begründet, hat Jak, Grimm 
die Lautverschiebung^ nachgewiesen. 

> Vor allen andern Sprachen ausgezeichnet nnd durch die gebildetsten 
Nationen repräsentirt sind die indisch- europäischen und unter diesen 
wiederum die indisch -germanischen Sprachidiome: Sanskrit, die medischen, 
semitischen, griechischen und lateinische oder romische, die reingerma- 
nischen, romanischen und slawischen Sprachen. — ^ Dies ist der Wechsel 
der Muten. Es sind nämlich in identisch un entlehnten Wörtern die stum- 
men Consonanten von der ursprünglichen Stufe gerückt. Aus ursprüng- 
licher Tennis ist im Gothischen Aspirata, aus ursprünglicher Media ist 
Tennis, aus ursprünglicher Aspirata ist Media geworden. So entspricht 
z. B. dem griechischen tc das gothische f , dem griechischen ß das gothische p, 
dem griechischen 9 das gothische b. Die Lautverschiebung innerhalb der 
germanischen Sprachen zeigt sich im Hochdeutschen, d. h. hier in den 
oberdeutschen Mundarten. Während nämlich in den übrigen deutschen 
Sprachen die stummen Consonanten auf der Stufe geblieben sind, die sie 
im Gothischen eingenommen haben, sind sie im Hochdeutschen nochmals 
verrückt worden. Für das Allhochdeutsche stellt sich das strenge Gesetz 
so dar, dass gothische Aspirata althochdeutscher Media, gothische Tenuis 
althochdeutscher Aspirata, gothische Media althochdeutscher Tenuis ent- 
spricht. Die etwaigen Stonmgen dieser Consequenz innerhalb der alt-, 
mittel- und neuhochdeutschen Mundarten beeinträchtigen die Wahrheit dieser 
grammatischen Entdeckung nicht. Derselbe Trieb der Lautverschiebung 
zeigt sich noch jetzt in ober- und mitteldeutschen Mundarten, in der Ver- 
wechselung der sogenannten weichen und harten Buchstaben. Das Sprach- 
gebiet der deutschen Hauptmundarten s. bei Gbimm, Deutsche Grammatik, 
3. A., I, 2 fg. Venedey, Gesch. des deutschen Volks, -1856. 

§. 340. Die gothischen Sprachdenkmäler des Ul- 
filas (4. Jahrh.) geben das älteste Zeugniss von der ur- 
sprünglichen Beschaffenheit der germanischen Sprachen ^. 

Die Sprachdenkmäler der Angelsachsen reichen bis in 
das 7. Jahrh.* in dem Gedichte Caedmon's (+ 680)^. Aus 
der angelsächsischen Sprache ging durch Zutritt eines 
romanischen Elements, das die Normannen 1066 zubrachten, 
die englische Sprache hervor, die sich der Zeit nach in 
das Altenglische und seit dem \ 4. Jahrh. in das Neuenglische 
scheidet. „Wie mächtig das germanische Element im 
Englischen sei, hat jüngst Macaulay in seinem Stil 
aufs herrlichste dargethan." 

Für die altnordische Sprache Skandinaviens zeugen die 



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Vierundsnoangigstes CapUel. OceidentaHsek-ekriilU^i SprachgefHet. 180 

weit altem, wenn auch erst im i4. Jahrb. angezeichneten 
Lieder der altem ,Edda^ Aus dieser noch in Island er- . 
hahenen Form (Norraena tunga) entwickelte sich das 
Dänische in Dänemark und Norwegen und das Schwe- 
dische \ 

Gering sind die Spuren des Longobardischen und Burgun- 
dischen. Die Mundart der Friesen hörte mit dem \ 4. Jahrb. 
als eigentliche Schriftsprache auf*. Sie bildet den üeber- 
gang Tom Dänischen ins Sächsische. Das fast einzige Denk- 
mal der altsächsischen Sprache ist der ,Heljand^ des 9. Jahrb. 
(Uebersetz. von Rapp, \ 856). Seitdem war bis in das \ 6. Jahrb. 
Niederdeutsch die Schriftsprache*. Ihr folgte Hoch- 
deutsch, während jenes Idiom auch durch Plattdeutsch be- 
zeichnet ward. 

Aus der Mundart der Niederfranken erstand im 1 3. Jahrb. 
als Schriftsprache die niederländische und seit dem 
\ 5. Jahrb. die neuniederländiscbe Sprache ^. 

1 Gabblentz u. Löbb, Gothiscbes Glossar.. — > Th. Wrioht, Bio- 
grapbia Britannica literar., 4842. — ^ Ausg. yobBoütbbwbk 4849. Hickbs, 
Thes. linguar. sept., ilAi. Turner, Hist. of the Anglosazons. Leo, Alt- 
sachsische u. angelsächsische Sprachproben , 4838. — ^ Rabk, Undersogelse 
u. s. w., 4848, u. Yeiledning u. s. w., 4832; deutsch von Wienbarg 4839. 
Petersen, Det danske, norske og swenske Sprogs Historie, 4829 fg. — 
» WiABiyi, Gesch. d. altfries. Sprache, 4784. — * Kindbrlinö, Gesch. d. 
niedersächs. Sprache, 4808. — ^ Willems, Nederduitsche Taal- enLetter- 
konde, 4849. Monb, Uebersetz. d. niederländ. Volkslit. alt. Zeit, 4838. 
Vgl. unten §. 447. 

§. 311. Drei Zeiträume des Hochdeutschen, der 
eigentlichen deutschen Literatursprache. 

1) Zum Althochdeutschen, von dem unsere Eenntniss 
bis zum 7. Jahrb. reicht, fuhrt keine Brücke vom ßothischen. 
Innerhalb desselben herrschen drei Mundarten, die aleman- 
nische, fränkische und bairische ^. 

2) Es geht im 12. Jahrb. über in das Mittelhoch- 
deutsche, das im 13. Jahrb. in der Poesie zu seiner höchsten 
Blüte gelangt. Seine Mundarten sind dieselben, wie im 
Althochdeutschen, führen aber die Namen der schwä- 
bischen, bairisch- ostreichischen und fränkischen, deren 
Eiufluss sich über den Mittelrhein, Hessen und Thüringeni 
erstreckte *. 

3) Das Neuhochdeutsche beginnt im 16. Jahrb. mit 
Luther und ist seitdem herrschende Schriftsprache K 

Auf die Frage: wo das beste Deutsch gesprochen werde? 



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190 Zweites Buch» Ethnodoktologie. 

entschied Adelung für Meissen. Daher die Elbe in Schil- 

ler^s ,Fla8sen^: 

Alle ihr andero, ihr sprecht nur ein Kauderwelsch; unter den Flüssen 
Deutschlands rede nor ich, und auch in Meissen nur deutsch! 

1 Grafp, Althochdeutscher Sprachschatz, 4834 fg. Richthopen, Alt- 
friesisches Wörterbuch. — > Barthbl, Grundriss d. mittelhochdeutschen 
Formenlehre für Anfanger, 4854. Ppbiffbr, Beiträge zur Gesch. d. mittel- 
deutschen Sprache n. Lit., 4864. M^llbb u. Zarnckb, Mittelhochdeutsches 
Wörterb. etc., seit 4854. — ^ Adblcno, Gesch. d. deutschen Sprache, 4784. 
Jak. Grimm, Deutsche Grammatik, 4822, u. Gesch. d. deutschen Sprache, 
4848. WooHBR, Entwickel. d. deutschen Sprache, 4843. Jak. u. W. Gbihm, 
Deutsches Wörterbuch, seit 4852. Prvtz, Zur deutschen Lit.- u. Cultur- 
gesch., 4854. Schötbnsack, Grundriss d. neuhochdeutschen Sprache, 4856. 
Die Literatur der Dialekte bei Vatbr, Lit. d. Grammatik. Fibmbnich, 
Deutsche Sprachproben in Germaniens Yölkerstimmon, seit 4846. Deutsch- 
lands Mundarten , eine Monatsschrift für Dichtung, Forschung n. Kritik von 
Pahgkofbb, fortgesetzt von Frommann, 4854 u. 4855. Schweminski, Ma- 
terialien zur Gesch. d. deutschen Mundarten {Herrig, ArchiT, 43, 4—49). 

§. 312. Das Romanze und die daraus hervorgegangenen 
romanischen Mundarten entstanden aus der Vermischung 
des Germanischen mit der lingua Romana rustica oder dem 
sermo ytdgaris seit dem 6. Jahrh.: Italienisch, Spanisch, 
Portugiesisch, Provenzalisch, Franzosisch, Daco -Romanisch 
oder Walachisch, Ladin im Engadinthal, Mundart in Grau- 
bündten. 

Bei allen wesentlichen Abweichungen soll die innere Ver- 
wandtschaft dieser Dialekte lange anerkannt sein, i^e man 
aus Rambaut's (f i207) ,Descort' (Klage) schliessen zu 
können meint, worin auf eine provenzalische Strophe eine 
italienische, franzosische, gascognische und catalonische folgt. 

Planta, Gesch. d. roman. Sprachen, 4776. Sismondi, Pe la litter. 
etc., 4843; deutsch Ton Hain 4846. Dibyrnbach, Ueber d. roman. Schrift- 
sprachen, 4834. Hbilhaibb, Entstehung der roman. Sprachen, 4834. 
CoNRADi, Prakt. deutsch -roman. Grammatik, 4820, u. Dictionar. etc., 4823. 
Dies, Gramm, der roman. Sprachen, 4836—43. Wörterbuch der romaa. 
Sprachen, 4853, mit etymolog. Ergänzungen Ton Mahn. Fuchs, Ueber die 
sogenannten unregelmassigen Zeitwörter in den roman. Sprachen , nebst An- 
deutungen über die wichtigsten roman. Mundarten, 4840. Mahn, Etymolog. 
Untersuchungen auf dem Gebiet d. roman. Sprachen, Spec. 4 — 4, 4854 u. 
4855. Bopp, Ueber das Albanesische, 4855. 

§. 3i3. .Die slawische Kirchensprache kam durch die 
Bruder Cyrill und Method (860) mit dem Cyrillischen Alpha- 
bet und dem Christenthum von Griechenlaiul her K Aus der 
Volkssprache finden sich Anklänge in Liedern aus dem 
slawischen Heidenthum. 

Dobrowski nimmt zwei Ordnungen au: 1) den südöst- 
lichen Zweig (meist griechisch-katholische Slawen) mit 



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Vierundxwangigttes CapiteL Occid0ntalii€h''Ch$i$tHehe8 Sprachgebiet. 191 

eigenem Alphabet, Kirilica, noch jetzt in den religiösen 
Schriften herrschend und bis ins 17. Jahrb. auch Amtsschrift, 
woraus sich die glagolitische, russische und serbische 
Schrift bildete, umfassend Russen, Bulgaren, Serben, 
Dalmater, Kroaten und Winden oder Slowenen in Steier- 
mark, Kärnten und Krain. 

2) Nordwestlicher Zweig (katholische Slawen) mit 
lateinischer Schrift, umfassend Polen, Böhmen, Slo- 
waken und Sorben - Wenden *. 

1 DoBBOwsKi, Cyrill u. Method, 4823. — ' Ders., Grammatik. Schat- 
TASiK, Gesch. d. slaw. Sprache u. Lit. nach allen Mundarten, 4826, n. 
Slawische Alterthümer (deutsch 4843). Kaülftjss, Die Slawen, 4842. 

§. 34 4. Gelten wird ein einst weit verbreiteter Volks- 
stanmi genannt, der jetzt nur noch in den westlichen Thei- 
len Europas, in der französischen Kleinbretagne, in Hoch- 
schottland, Wales, auf der Insel Man und in Irland sich er- 
halten und seine Sprache, die in Comwallis seit etwa 70 Jah- 
ren erloschen ist^ bewahrt hat. Die aus dem Griechischen ent- 
standene Buchstabenschrift war von den Druiden verbreitet. 

RosTBENBN, Wortefbuch d. altbreton. Sprache, 4732. Mahb, Anti- 
qnit^ duMorbihan, 4829. Coübbon, Essai sur lliist., la langue etö. de la 
Bretagne armoricaine, 4840. Lboonideo, Gramm, celto-hretonne, 4807 u. 
4838. Kabdanbt, Hist. de la lang, des Bret. , 4824. Macphbbson, On the 
origine of the anc. Caled., 4768. Mackbnzib, Rapport of the committee etc., 
4805. SoHÖPFLiN, Vindiciae Celtloae. Radlof, Neue Untersuchungen des 
Celtenthums, 4822. L. Dibfbnbach, Celtlca, 4839. Bopp, Ueber d. cel- 
tische Sprache etc., 4839. Zbuss, Die Deutschen u. die Nacbbarstämme, 
4837. Grammatica Celtica, 4853. Mollbb, Die Marken des Vaterlandes, 
4837. Lbo, Die Malbergische Glosse, ein Rest altcelt. Sprache u. Rechts- 
anffassung, 4842. Edwabds, Recherches sur les langues celtiques, 4844- 
HoLTZMAMN, Gelten u. Germanen, 4855 (unten §. 404), u. Ueber das Ver- 
halten d. Malberger Glosse zur Lex Sallca, 4853. 

§. 3<5. Ob die über Ungarn verbreitete Sprache der 
Magyaren mit der lappländischen und finnischen ^ oder 
mit den sogenannten orientaliscben ^ verwandt sei, darüber 
gehen die Gelehrten auseinander. Beimischungen des La- 
teinischen sind unverkennbar ^. 

1 Nach Rudbeck, Eccard, Ihre, Hell, Sajnovits, Gatterer, Sobloser, 
fiüsching, Hagen, Gyarmathi. — * Nach Otrokotsi, Oertel, Kalmar, Ver- 
segi, Beregszaszi. — ^ MGllbb, Der nigrische Volksstamm, 4837. Gbubbb, 
Bist lingnae Hungaricae, 4830. Sprachlehre u. Wörterbuch von Bioon 
4846, u. A. 

§.316. In der grossen Trias des Germanischen , Roma- 
oisdben und Slawischen erscheinen die beiden erstem als die 
Organe der Production und Mittheilung, das letztere nebst 



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192 Xweites Bmtk. EHunodoktologie. 

den geringen Massen des Celtischen, Tarauischen u. s. w. 

als Organe der Empfangniss und Nachbildung. 

Eine cnltnrhistorische SchUdenmg dieser Ydlkerfsmilien bei Wachs- 
■WTH, Coltargeflch., m, 34 — 44. Ehoblmahh, Bibliographie der neuem 
Sprachen, 4842. 



Erster Kreis. 
Romanische Literatnreii* 

§• 347. Das älteste Schriftdenkmal neugebildeter roma- 
nischer Sprache ist ein Gedicht über die Gefangenschaft des 
Boethius, femer ein Siegeslied der Franken unter Chlotar U. 
(Alleinherrscher 643—622), der Eid von Strasburg 842, 
den Ludwig der Deutsche seinem Bruder Karl dem Kahlen 
leistete, worin die Grundzüge des Nordfranzosischen erkenn- 
bar sind. Der Vertrag von Koblenz 860 ist die nächst- 
folgende franzosisch -romanische Sprachprobe. Das Sieges- 
lied auf Ludwig^s III. Sieg über die Normannen bei Sau- 
court in Vimeu 884. Das älteste rhythmische Denkmal in 
nordfranzosischem Romanze die Prosa (Kirchenlied) von der 
heiligen Eulalia aus dem 9. Jahrh. 

Dns, Altroman. Sprachdenkmale, 4S46. Hoffmann u. Willems , Elno- 
nensia, 4S37. 



Fünfundzwanzigstes Capitel. 
Frankreich. 

§. 318. Die franzosische Sprache schied sich etwa 
seit der Thronbesteigung der Capetinger (987), nach und 
nach mit schärferer Bestimmtheit, in zwei -Hauptdialekte, 
den wallonischen im Norden und den limosinischen 
im Süden. Der Unterschied wurde nach dem Bejahungs- 
ausdrucke bezeichnet: die südliche Sprache hiess langue 
d^oc (die occitanische, limosinische, roman proven^al, nach 
der romischen provincia Narbonnensis im südlichen Gallien) \ 
die nordliche langue d^oil oder d'oui (die nordfranzosische 
oder roman wallon). 

Die nördliche trat durch kirchliche Begünstigung ^ fiiiher 
in das öffentliche Leben ein ^; dagegen gelai^te die süd- 



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Fünfundzwanxigstes CapiteL Frankreich. 193 

liehe, die am frühesten ausgebildete Sprache des 
romanischen Kreises, zuerst zu reiferer Kunstausbildung. 
Aus dem zwischen beiden in der Mitte stehenden Dialekt 
an der Seine ist seit dem 43. Jahrh. die heutige franzö- 
sische Schriftsprache hervorgegangen*, 

1 Omnes de Burgundia et Alvernia et Yasconia et Gothia Provin- 
ciales appellabantar. — ^ KirchenversammlaDgen zu Tours 843, zu Mousson 
995. — * Gesänge und Legenden, Predigten von Norbert in Belgien 4 449 
und Vital in Rheims 4420. — ^ Abnaüld u. Lancblot, Gramm, de Port^^ 
Royal, 4803. Poügbns, Tresor des origines etc. de la langne fir., 4849. 
Roquefort, Gloss. de la langue romane, 4808 — 20. Von den Dialekten 
(CoQUEBEBT DE Montbset) M^lauges etc. , 4834. Die altem Sprachproben 
des Proyenzalischen bei Mary- Lafon, Tableau bist, et litt(&r. de la langue 
parl^e dans le midi de la France et connue sous le nom de langue pro- 
ven^ale, 4842. Millin, Essai sur la langue et la litt, proy., 4844. A. W. 
Sohlegel, Observat. etc., 4848. Mandet, Hist. de la langue prov., 4840. 

§. 349. Die franzosische Literatur umfasst im Gan- 
zen neun Perioden, von denen die drei ersten dem Mittel- 
alter angehören, und zwar so, dass innerhalb der beiden 
ersten Perioden, d. i. bis zum Ende des 43. Jahrb., nord- und 
südfranzosische Literatur getrennt stehen und erst mit Beginn 
der dritten Periode zu einer Nationalliteratur miteinander 
verschmelzen. 

Henry, Hist. de la litt, fr., 4844. Ampere, Hist. de la formation 
de la litt, fr., 4844. Sismokdi, De la litt, du midi de ^urope, Tom. I, II. 
Yillbmaim, Cours de litt. fran9., 4828—30. Idelbe, Gesch. d. altfranzös. 
Nationallit. , 4842. Mager, Gesch. d. französ. Nationallit. neuerer u. 
neuester Zeit, 4837. Kretssig', Gesch. d. französ. Lit., 4848. Desgl. von 
YiLLEiCAiN, NiSARD, Haar, Pbucker 4852. BouTERWEK, Gcsch. d. Poesie 
n. Beredtsamkeit seit Ende des 43. Jahrh., 4804, Bd. 5 — 6, u. allgemei- 
nere Arbeiten von Rosenkranz, Gbasse, den beiden Sghleobl, Mvndt, 
FoRTLAGE, ScHERR u. A. Ds Castres , Gruudriss der französ. Lit. yon 
ihrem Entstehen bis zum Sturze Lud w. Phi]ipp*8 , 4854. Nettbment, Gesch. 
d. Restaurationsliteratur, 4854, u. Gesch. d. französ. Lit. während d. Juli- 
reglerung, 4855. Blick auf d. französ. Lit. im 46. Jahrh. bei Ranke, Gesch. 
Frankreichs, I, 377 — 386; dieselbe unter Ludwig XIV., III, 345 — 368. 

§. 320. Vorzeit. Verwandtschaft der Sprache und 
Sage, der Religion und Sitte neben Ueberlieferungen von 
Wanderungen aus Osten weisen auf einen gemeinschaftlichen 
Urstamm der germanischen Völker im kaukasischen Asien 
hin. Durchweg körperliche Tüchtigkeit, reine Sitte, Achtung 
des Weibes, Monogamie. Runenschrift. Historische Lieder 
als Lobgesänge auf Wodan, Tuisko, Man und die Helden 
(Armin). Zaubersprüche. Kampf- und Kriegslieder. Die 
Volkslieder der Druiden und Barden leben in der Bre- 
tagne fort ^. Barden heissen bei den Gelten und Galen die 
Dichter und Rhapsoden , die zu Cäsar's Zeit aus der Gegend 

Mbrlbkir. 1 3 



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194 Zw9it$s Buch. EtknodoMologie. 

der Rhone und Garonne nach England, Irland, Schottland 

und den umliegenden Inseln wanderten. Nach E. Wil-> 

liams ^ war Tydain Stifter des Bardenthums, den besonders 

Oasian verherrlicht hat (unten §. 404). Seit E^lopstock ist es 

Sitte, auch die ältesten Sänger der Germanen Barden zu 

benennen. Er nannte seine drei Hermannsdramen (,Bermanns- 

Schlacht', ,Hermann und die Fürsten' und ,Hermann's Tod*) 

Bardiet, welches Denis und Gerstenberg in lyrischer, Kretsch- 

mann in epischer Form behandelten. 

1 Db LA ViLLBMABQUE, BftTzas-Breiz. Chants populalres de la Bretagn«, 
4840 (4. Aasg. 4846); deutsch von Keller u. tou v, Seckendorf 4844. 
Ders., Poemea des bardes bretons dn VI® si^le, 4850. — ' Ueber die 
waliser u. britisohen Barden , 4828. Das geistige Alterthum yon Wales von 
JovBS, Williams a. Owen, unter d. «Titel: The Myyyriaa archaeology of 
Wales, 4804—7. 

§. 324. Die erste Periode reicht von der Errichtung 
der neueuropäischen Staaten nach dem durch die Volker- 
wanderung herbeigeführten Sturze des Weströmischen Reiclis 
(476) bis zum Ende des 41. Jahrh. oder bis auf die Zeit 
der Exeuzzüge. Es ist die Entwickelungsperiode der 
Keime des neuen Lebens unter dem Schutte der alten Welt. 

Seit dem Beginn der Volkerwanderung (375) machten 
die Germanen Bekanntschaffc mit griechischen und romischen 
Sagen, und daher entstanden neue germanische Sagen (vom 
Fuchs, Wolf, Baren) und Sagenkreise, die sieh grössten- 
theils an die Geschichte anlehnten, ohne jedoch Zeit und 
Baum zu sondern. Daraus entstand, im Gegensatz der das- 
sischen, die romantische Poesie, die hauptsächlich in 
den Ländern, wo die romanischen Sprachen über die ger- 
manischen der eingewanderten Volker den Sieg davontrugen, 
Wurzel fasste ^ 

Zunächst religiös* kirchliche Tendenz der Literatur 
in Erklärungen der heiligen Schriften, Predigten und Hei- 
ligenlegenden, noch bis zum 9« Jahrh. nur in lateinischer 
Sprache, die erst seit Anfimg des 9. Jahrh. der selbständigen 
Ausbildung der beiden romanischen Hauptmundarten Frank- 
reichs weichen musste. Diese Sprachbildung in sich ward 
dann aber so bedeutend^ dass schon die Grossgräfin Mathilde 
von Toscana (4075) das Franzosische liebte und dass es iai 
4 3. Jahrh. als Umgangssprache weit und breit galt. Dante's 
Lehrer, Brünette Latini, nennt es eine laague d^litable. 

» HüBBR, Die rottiÄntische Poesie in Frankreich, 1838. AuoosTm 



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Fünfun4sv?unxigsie$ CapiuL Frankreich. 195 

Thhbsrt, Snsilütngai aus den merovingischen Zeiten, mit einleitenden Be» 

trachtungen über d. Gesch. Frankreichs, deutsch 1855. 

§• 322. Die zweite Periode umfasst das 12. und 43. 
Jahrb., die Blütezeit der eigentlichen mittelalterlichen Na- 
tionalliteraturen. Einfluss des Lehnsstaats, des Ritterwesens 
mit seiner Courtoisie, Galanterie und Cheyalerie. Litera- 
risches Doppelgebiet der Provenzalen und Nord- 
franzosen. 

1) Die Provenzalen. 

§. 323. Die Troubadourpoesie des 1 4 . und 1 2. Jahrb. 
ist die älteste neueuropäische Kunstlyrik, die ihre Aus- 
bildung erlangte unter dem £influ8S der kirchlichen Hym- 
nodie, des chevalereskcn Geistes zu Ende des 4 4. und An- 
£Euig des 42. Jahrb., der adeligen Gesellschaft, der Hofe der 
Grossen und der Minne. 

Als Konig Alfons IV. von Castilien mit Hülfe fran- 
zosischer Eitter den Mauren die Stadt Toledo (Ende des 
44. Jahrb.) entrissen hatte, lernte man dort die geistige 
und gesellige Bildung, besonders aber die Gesänge und 
Dichtungen der Besiegten kennen und brachte die Keime 
dieser fröhlichen Wissenschaft (gaya scienza) in die 
Heimat zurück. Seitdem wurde die Provence der vor- 
nehmste Sitz der fröhlichen Dichtkunst, deren arabische 
Grundlage sich schon dadurch verräth, dass ihr, wie der 
arabischen Poesie, das Epos und Drama fremd bleibt und 
sie fiEust ausschliesslich in dem lyrischen Kreise des Liebes«- 
liedes, in der Romanze, der Didaktik und Satire sich bewegt. 

Bald verbanden sich mit den ritterlichen Uebvmgen des 
Turniers die anmuthigen Spiele der Liebeshöfe oder Minne- 
gerichte (corts d'amor) K Die Höfe der Grafen von Tou- 
louse, von Provence und Barcelona und der Könige von 
Ar^on waren die Centralpunkte für die Kunst des 
Finden 8 (art de trobar), deren Ausüber sich Trouba- 
dours (trobador, trobaire, Finder, Erfinder, wie Tcotiqtaf 
von ^uoielv, Producenten) nannten. Einen niedrigem Rang, 
obgleich von früherm 'Ursprünge ^ als sie, nahmen die 
Jongleurs (joculatores, Spielleute) ein, welche aus Ge- 
sang, Musik und Erzählung ein Gewerbe machten und 
vieLFach zur Gaukelei und Possenreisserei herabsanken« Ein 
Troubadour, welcher die Gabe, seine Lieder singend vor- 
zntragen, nicht besass, pflegte einen Jongleur (joglar) zum 

13* 



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196^ Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Begleiter anzunehmen und yon diesem seine Gedichte vor- 
tragen zu hissen. 

1 Erst spiter In ihrer Entartimg Colleges de la gaye science genannt, 
lieber sie Abbtih 4803. — * Naeh dem Ton Dibs in der Poesie der Tron- 
badonrs, S. 24, angefahrten Zeogniss des Troabadour Guiraut Riquier, 
4250—94. 

§. 324. Anfangs hiess alle poetische Aeusserung schlecht- 
weg Vers (vers), erst spater kam die Bezeichnung Lied 
(canzo, canzoneta) auf. Fröhliche Gesänge nannte man 
Soulas, klagende Lais, Moi^enlieder Albas, Abendstandchen 
Serenas. Sonett hiess ein mit Instrumenten, Ballade ein 
mit Tanz begleitetes Lied. Hauptgegenstand dieser Kunst 
blieb das Minnelied. Daneben aber findet sich auch die 
Legende, die Fabel, die Novelle (novas), die Erzählung 
(contes), die Tenzone (Streitgedicht, von tenzos = Streit) 
und das Sirventes (DienJstgedicht, Lob- und Rügelied), 
llietztere vornehmlich gegen Rom und die Pfaffheit gerichtet, 
wodurch jene Sänger gewissermassen Lenker des politischen 
und socialen Lebens ihres Landes wurden. 

Matsvbb, Altfiranzös. Lieder etc., 4853. 

§• 3S5. Die Blütezeit der provenzalischen Poesie 
ist der Zeitraum von 4070 — 49194. Dann zerfiel sie mit dem 
Ritterthum und selbst ihre Sprache wurde infolge der Albi- 
genserkriege verfolgt. 

Die bedeutendsten provenzalischen Troubadoure 
waren:. Wilhelm IX., Herzog von Aquitanien und Graf von 
Poitiers, 4071 — 4427, zugleich der älteste und erste ; sodann 
Jaufre Rudel, Prinz von Blaya, 4440—70; Graf Rambaut m. 
von Orange (regierte 4450 — 73) ; Eonig AUbns 11. von Aragon 
(regierte 4462 — 96): Konig Richard Lowenherz von Eng- 
land und Graf von Poitiers (regierte 4489 — 99); Robert L, 
Dauphin von Auvei^e (regierte 4 4 69 --4 234); Peire Vidal, 
4475—4245; Bertran von Born, 4480—95; Araut Daniel, 
4 480 — 4200, wahrscheinlich Erfinder der Sestine; Peire 
Cardinal, 4240—30; Guiraut Riquier, 4250—94; Johann 
von Brienne; Thibaut lY. von Champagne und Konig von 
Navarra (La Ravelli^re 4742); Heinrich DI., Herzog von 
Brabant; Peter von Dreux, Graf von Bretagne; Karl von 
Anjou^ König von Neapel, u. A. 

Die spätem Versuche des phantastischen provenzalischen 
Königs Rene, 4 408— 80,. die Poesie seines Landes wieder 



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Fünfundzwanzigstes Capitel. Frankreich. 197 

zu erwecken, waren ohne Erfolg (Schiller 's , Jungfrau von 
OrleansS I, 2). 

Als neuere Troubadours werden Godolin und Jasmin 
genannt. 

Raynoüabd , Choix des poesies des Troub. , 4846 — 24 , n. Lezique 
roman, 4 838 fg. Diez, Die Poesie d. Tronb., 4826, u. Leben a. Werke 
der Troub., 4829. Brinckmbibr, Die provenzal. Troub., 4844, u. Rüge- 
lieder der Troub., 4846. Rochegüdb, Parnasse ocoitanien. Mahn, Die Werke 
der Troub., 4846; Ton demselben mehre Untersuchungen über dieselben, 
seit 4 853. Schebb gibt eine Zusammenstellung der dichterischen Leistungen 
der Troubadours in deutschen Uebersetzungen in seinem Bildersaal der Welt- 
literatur, S. 477 — 490. Babtsch, Provenzalisches Lesebuch, 4855. Fau- 
BiEL, Hist. de la poesie provencale, 4840. Cabbib, Le troubadour mo- 
derne, 4844. 

§. 326. Von dieser Kunstdichtung war die Volkspoesie, 
in Volksliedern (Noels) und Färsen (Farsas) bestehend, 
gänzlich getrennt. 

PiEBQUiN DE Gembloüx, Hist. lit. phüologique et bibliographique des 
patois, 4844. Guntheb, lieber die sndfranzos. Volkspoesie, 4844. 

2) Die Nordfranzosen. 

§. 327. Im Norden Einfluss der Kloster, Stiftsschulen, 
gelehrter Bischöfe und Konige. Zurücktreten der Lyrik, 
Blüte der epischen Historien und scholastischen Didaktik. 
Helden- und Geschlechtssagen (chansons de geste), halb- 
mythische Reimchroniken und abenteuerliche Mären (lais, 
romans d'aventure). Verbindung mit der Volkspoesie. 

Hier hiessen die Gestalter dieser poetischen Stoffe Trou- 
veres (von trouver = finden, Clercs und Maistres) und 
wurden Von den Menestriers (Menestrels) , welche ihre 
Gedichte vortrugen, und' von den Jongleurs, welche dich- 
terischen Vortrag mit Gesang und Instrumentalmusik be- 
gleiteten, unterstützt. Die Ei^der der Ritterromane heissen 
Fabliers oder Fableors. 

Stoff eintheilung: Kirchliche Dichtungen, Nationalepen 
des fränkisch -karolingischen, des bretonischen und des nor- 
mannischen Sagenkreises und antike oder orientalische Stoffe. 

Form- und Vortragseintheilung: gesagte und ge- 
sungene (chansons de geste), gesagte oder gelesene (fabliaux 
und contes) Dichtungen. 

Roqubfobt, De letat de la poesie franpaise dans le XJI^ et XIIP 
siecle, 4824. Uhland, Ueber das altfranzos. Epos, in den Musen, 4842. 
Fd. Wolf, Ueber die altfranzos. Heldengedichte, 4833. Kelleb's Rom- 
vart, 4843. Lbboux db Linct, Recueil de chants historiques fran^ais, 4844. 

§. 3218. Die Quellen der kirchlichen Dichtungen sind 



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196 ZweUes Buek. Bilmodoktologie. 

die Bibel, Acta martymm oder sanctomm: ^udas Mak- 
kabäns^, ^Barlaam und Josaphat% ,yoyage de St^^Bran- 
don an paradis terreatre^ (4424), Paraphrase der Bibel von 
Berengiers oder Beranger, ,Herakliiis^ von Vautier d^Arras 
(1248, Massmaim 1843), ,Vie de Sie. -Elisabeth^ Ton Rute- 
beaf u. A. 

§. 329. Die fränkisch-karolingischen Nationalepen 
in tirades monorimes, zum tiieilweisen Absingen (in caisses 
oder 'Rhapsodien) bestimmt, nmÜASsen: 

4) Umgestaltung der germanischen Helden- und Ge- 
schlechtssagen zu firanzosischen Nationalepen, um die Zeit 
der ersten Capetinger, 987 — 1480; 

2) die durch die Kreuzzüge entzündete Begeisterung bis 
in die Mitte des 43. Jahrb.: Pseudo-Turpin^s Chronik 
(14. Jahrfa.), eine Biographie EarFs d. Gr. (in Romanzen 
bearbeitet von F. Schlegel, ,Werke' I), die Legende von 
KarFs d. Ghr. Zuge nach Konstantinopel und Jerusalem, 
Roman von Berta mit dem grossen Fusse (von Adenez), 
Roman von Flos und Blancflos, Granu le Loherain oder 
Lohengrin (Paris 4833 - 46), Rolandslied (Roland's Tod im 
Thale Ronceval) von Turold (Mitte des 12. Jahrb.) »: 

3) Verbindung der Helden mit den Feen Avalons, die 
Zauberer Malegis und Meriin, Haimonskinder, Riesen und 
Zwerge, Zauberhomer und Magnetberge. 

Localisirung dieser Epen in die kerlingischen (frau- 
cigenischen, d. i. aus dem Lande zwischen Seine und Loire, 
Duch^ de France), aquitamschen, provenzalischen, burgun- 
disch-arelatisehen, lotharingischen und belgischen. 

Heldengeschlechter (gestes): das burgundische Girat 

de Roussifion, das lotharingisch-belgische der Lotherains, das 

karolingische Königsgeschlecht, das austrasisch- deutsche des 

Doolin von Mayence (,Doolin von Mainz^ von Alxinger) und 

das aquitanisch-provenzalische des Guerin de Montglaive*. 

1 Sammlung Romans des donze pairs de France, 4S32 — 42. Michel, 
I^a Chanson de Boland ou de Roncevanx, 4837. Monin's Dissertation, 4832- 
S. unten §. 454, 4« — ' Gharlemagne, an Anglo- Norman poem, 4836. 

§. 330. Die Elemente des bretonischen Sagenkreises 
sind druidiscbe Mythen, mythisch -märchenhafte Erzählun- 
gen der Barden von Wales, Verherrlichung des Ritter- und 
Christenthums , hauptsächlich durch die Tristans- und 
Gralsage. 



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FünfundiwanMgstM Cafniei. Frankreich, 199 

Der heilige Crral (sanotus cruor, saog real, aan gr^al, Grcd) 

oder das heilige Blut, durch deu Lauzeustich dea Loogiuus 

aus der Seite Christi hervorgelookt, durch Joseph voo Ari* 

mathia in einer Demantschüssel aufge&ngeu, nach England 

gebracht 9 ist hier den Bittern der Massenie (Templeisen) 

zur Hut anyertraut. Die betreffenden Eomane sind: ,Merlin% 

,De sang-real', ,PercevalS begonnen 1190 von Chrestien de 

Troycs (über ihn Holland 1864), vollendet von Gautier de 

Denet und Manessier um 1210. Der Boman ,Lancelot du lao' 

(Liebe des Lancelot zu Genevre oder Ginievra, Gemahlin des 

Königs Artus) von Chrestien de Troyes 1190 angefangen und 

nach dessen Tode von Godefroi de Leingni (Ligny) beendigt, 

ein Frosaroman von Walter Map, Der Boman ,Tri8tan und 

Isolt^ von Luces de Gast, in Beime gebracht von (Chrestien von 

Troyes K ,Ereo^ und ,Iwein* (,ChevaUer au lion*) von Chrestien 

von Troyes ^. Der ,Vigaloi8' oder ,Guy Gallois', d. i, Vitus 

Gallensis. Die nach dem Lateinischen des Galfiied von 

Monmouth bearbeitete ,Beimchronik^ oder ,Brut^ des anglo- 

normandischen Trouväre Bichard Wace (f 1184) enthalt 

die Bitterepen von Konig Axtus und den Bittern der runden 

Tafel (romans d^aventure de la table ronde). Die Lais 

der Marie de France (Boquefort 1880). Prosaromane der 

ClercB und Maistres unter den englisoben Königen aus dem 

Hause Anjou seit 1154. 

1 Herftosgeg. von FaAHOMQU« Mioasf* 4835. — * Lady Cbablottb 
GvBST, Mabidogion (d.i. Jugendunterhaltung), 4838. Th. ds la Villb- 
MABQUB , Contes populaires des anciens Bretons , Bd. 2 , 1 842. San Martb 
(Ä. Schuli) in seiner Artnrsage u. den Märehen dos rothen Buchs von - 
Horgetst, 4847. Errsoir, Axua^nt EngUsh m^trioal romances, Bd. 4, 4802« 
A.KfitLEB, Li romans dou chevalier au leon, 4844| u. in seiner Romvart, 4844- 

§• 331. Der normani;iische Sagenkreis, unter dem 
Einfluss der Hofe von Eouen und London, umfasst alt- 
nordiache Mytheu, Nordseesagen, Geschicke und Thaten der 
Herzoge imd Könige und einzelner Bitter. Hauptdichter ist 
Bichard Wace (Leroux de Lincy 1836—38). ,Lai d'Have- 
lok le Danois^ (Madden 1828, Michel 1833). ,Boman de 
Robert le diable' (Trebutien 1837). ,Boman d'JEustache le 
moine, pirate fameux' (Michel 1834). ,Boman du chevalier 
au Lyon', vielleicht von Gace Brulez. 

LvzARCBE, Adam. Drame anglo - normand du XU^ si^cle etc., 4854, 
wichtiger Beitrag zur I^itQratur des anglo* normannischen Dialekts. 

Looale und gemischte Sagen in den Boma- 



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200 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

nen von Partenopeus de Blois (Crapelet 1834), Denis Piramus 
im 43. Jahrh. (Robert 1834), Comte de Poitiers (Michel 4831), 
Castellan von Couoy (Uhland^s Bearbeitung). Die Fabliaux 
von Barbazan und M^on. 

§. 333. Antik-gelehrte Stoffe: Trojanischer Krieg, 
die Sagen der CykUker, romische Kaisergeschichte, Alexan- 
der d. Gr. Die Trouvferes sind B^noit de St.-More, 4 455, 
Alexander de Paris und Lambert li Cors, 4484, Ayme de 
Varennes, 4488. Roman von dem Erzzauberer Yirgil , auch 
in dem Roman ,Cleomade8^ von Adenez le Roi. 

§. 334. Epische Behandlung der Zeitgeschichte: 
, Roman du Chevalier au cygne^ (Eroberung Jerusalems 
durch Gottfried von Bouillon). ,Chronique rim^e' des Phi- 
lipp Mouskes (t 4282; Reiffenberg 4836). ,Ystoire de li 
Normand^ imd ,Chronique de Robert Viseart' von Ayme 
aus dem 42. Jahrh. (Champollion-Figeac 4835). Die Me- 
moiren des Marschalls der Champagne Yillehardouin (f 424 8 ; 
Paris 4838) und des Jean Sire de JoinviUe (f 4345; Pe- 
titot 484.9). 

§. 335. Die Mitte zwischen Epik und Didaktik halten 

die Contes (conter = erzählen), Contes d^vots und Mi- 

racles, Fabliaux (fabler, spanisch hablar = sprechen^, 

merkwürdig durch levitas Gallica und esprit railleur. Rutebeui 

(1 230—80) i ist Prototyp von Villon, Lafontaine und Voltaire. 

' JuBiNAL 4839^ — 42 11. in modernisirenden Auszogen von LBOBAxtD 
d'Ausst 4829. 

§. 336. Reichthum der didaktischen Poesie. Phi- 
lippe de Thaun (Anfang des 42. Jahrh.): ,Livre des cr^a- 
tures' und ,Bestiaire' *. Reclus de Mollen: ,Miserere' urkd 
,Roman de charitö^ Die ,Ysopet8^ der Marie de France ^. 
Nachbildungen des Bidpai und des Romans der Sieben 
weisen Meister (,De sept sages de Rome') von Herbert 
um 4260 ^ ,Disciplina clericalis^ von Petrus Alfonsi. ,Ro- 
mans du Renard ^ aus dem Anfang des 43. Jahrh. in einzelnen 
Branches von verschiedenen Dichtem: Pierre de St.-Cloud, 
Richard de Lison, Marie de France, Jaquemars Gielee*. 

1 Wbigbt, Populär treaüses on science written daring the middle ages, 
4844. ~ * RoBBBT, Fable« etc., 4826. — * Ausg. von Kbllbb 4836. — 
* Von Mboh 4826 u. Chabaillb 4836. 

§. 337. Satire und Allegorie : Dits, Complaintes, Bibles 
(Guiot von Provins, Hugo von Bersil), Disputaisons und 



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Fünfundxwanzigsies Capittl. Franütreich. 201 

Batailles (Henry d'Andeli), Songes, Voyages d'enfer und 

de paradis (,La voye ou le songe d^enfer^ von Raoul de 

Houdan 1490), ,L^art d'aimer^ (,Roman de la rose^ Ton 

Gnillaume de Lorris, f um 4260, und Jean de Meung, 

1279—4348? i). Walther von Metz (Mitte des 43. Jahrb.): 

,Image du monde^ ,Proverbes et dictons populaires' ^. 

1 Hersasgegeben von Mbon 4843. — ^ Crapblbt 4831, Lbboux db 
LiNOT 4 842. 

§. 338. Die Kunstlyrik des Nordens bildete sich erst 
unter Philipp August's (4 480 — 1223) Nachfolgern, unter 
dem Frauenregimente der Konigin Blanche, der Gräfinnen 
von Flandern und Champagne. Einfluss der Troubadour- 
poesie. Mehr als 136 Liederdichter im 42. und 43. Jahrh. 
Lais lyriques, Ballades, Pastourelles, Bomances, Biotes. 

Labobdb, Essai sur la musiqoe. Jubinal, Jongleurs et Trouy^res, 
4835. Paris, Romancero fran^., 4833. Boquefobt, vgl. §. 327> 

§. 339. Anfänge des nordfranzösischen Dramas. 
Epltres farcies: Mysteres (Darstellungen aus der biblischen 
Geschichte), Miracles, Jeux. ,La resurrection du sauveur^, 
,De Th^ophile' von Rutebeuf; ,De St. -Nicolas' von Jean 
Bodel d^Arras 4SI50. ,Li Grieus de Robin et de Marion^ 
von Adam de la Halle (f 4S86). Die Moralit^s (allegor 
rische Stücke). 

Sammlung im Theatre firanpais an moyen age yon Monübbgüb und 
MiCHBL 4839. 

Verschmelzen der nord- und südfranzosischen 
Poesie. 

§. 340. Dritte Periode vom Ende des 43. bis Anfang 
des 46. Jahrh. Die Gegensätze: Kirchen- und Ritterthum 
erliegen dem Konig- und Bürgerthum. Begründung des 
Absolutismus durch Ludwig XI. (4464 — 83). Zurücktreten 
des Idealen vor dem Reellen. Herrschaft des Verstandes 
über die Phantasie. Die Poesie wird zünftig. Capitouls 
von Toulouse. Die Jeux floraux. Flors del gay saber oder 
Leys d^amors K Grammatik aus dem 4 3. Jahrh. ^. 

Absterben der Epik. Die Dits. Prosaromane (Roman 
Von Perceforest). Die Amadisromane. Volksbücher (,Die 
schöne Magelone^ ,MelusineS ,Paris und Vienne^). Liebes- 
romane: Anton de Lasalle (4459): ,Roman de Petit Jehan de 
Saintre' '. ,Les cent nouvelles' *. Des Trouvere Cavelier 



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20S Zweites Buch. Bihnodoktoloifie. 

,Chroiiique de Bertraod du Giiesdin^ K Jean Froissart 
(f 4404). Philippe des Comines (f 4509): Memoiren. 

Die Didaktik sich fortbewegend in Allegorie und Satire. 
Die moralisirend oder satirisirend allegorisoben Dichtungen 
in der Form der Songes, Doctrinaux, Däbats, Nefs, Danses, 
Blasons. Raoul de Presle, Guillanme de GuilleTiUe, Pierre 
Michault, Martin Franc. Martial d^Auvergne (, Danses ma- 
cabres' und ,Arret8 d'amour'), Gtdllaume Coquillart. 

Die Lyrik voll von Gegensätzen und Uebergängen, leb- 
loser Förmlichkeit und spielender Künstelei. Herzog Karl 
▼on OrMans (4 394 — 4 466) und seine Hofdichter ^ Die Khd- 
toriciens und Gelegenheitsdichter in ihren Puis de palinods 
f&r ihre Servantois et sottes chansons, Chants royaux, Bal- 
lades, Lays, Virelays, Rondaux mit neuen formes et patrons. 
Alain Chartier (geb. 4386), Franz Villon^ (geb. 4434), sein 
Nachahmer Marot, Clotilde de Vallon-Chalys (4405—95)» 
Volksdichter Oliver Basselin (4350 — 4448) aus Val de Vire 
in der Normandie, daher seine Chansons genannt ,Yaux de 
Vire' (Vaudeville) *>; sein Nachfolger Jean Lehoux. 

Die Producte der dramatischen Poesie werden eigentliche 
Volksschauspiele. Die Confr^rie de la passion, 4398, von 
Karl VI. 4402 privilegirt ^^. Die Myst^res (in Spanien Autos 
sacramentales und Comedias sagradas): Le grand myst^re 
und Miracles ^K Die £nfants sans souci unter Karl VH. 
zur Geisselung der sottise (Narrenfeste). Die Sotties oder 
Sottises (Farcen mit satirischer Tendenz) ä la halle. Pierre 
Griegore. Les clercs de la Bazocbe (Gerichtshalle) zu Anfang 
des 45. Jahrb.: Jiloralites, Farces (komische Scenen aus dem 
Volksleben). Pierre Blanchet**. 

1 Gkatibh d'Arroclt 4844. "*• ' A«8g. von 6us99AaD 4840. -^ 
3 Beste Auag. Pari« 4843. — * Lbäoüx pb Linct 4844. — * Charwbiie 
4839. — ^ S. Gedichte von Gdicq^ibd u. CHAMPOLLioiv-FioEAQ 4842. — 
' Ausg. von Pbampsault 4832. — * Fb. v. Gaudt 4837. — • Tbavbrs 
4833. — ^^ TAiXiLAWDiBB 4834- -^ *^ Jübiwai 4837, Aua«uge von 
Leboy 4837. — ^' Sammlungen von Simeoh Cabon 4798 — 4806, Lbboüx 
DB LiMCY 4837. Gesch. des franzos. Theaters von Parfait, Bbavchamps, 
Lavalli^rb, Süaed, Maorih 4838 (Ders., HUt. des marionettM ob Europe, 
4852), Onesimb Lbrot 4844. 

§. 344. Vierte Periode von Frans I. bis Ludwig XIV. 
(4545 — 4643). Zeit der Gahrung und des Kampfes i» Po- 
litik und Literatur. Förderung des Studiums der classisoben 
Literatur durch Franz I. (daher le p^re des lettres), den 
Stifter des Königlichen Collegiums, SuUy, Richelieu (Aka* 



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FünfunubtuxmMigsUs CapM. Frankreich. 908 

demie 4635); durch W. Bud^ (Budäus, 4467— 15A0) be- 
gründet und verbreitet durch Jacq. Lef^vre d'Etaples (Fabef 
Stapulensis, f 4537), die gelehrten Buchdrucker Kb. Etienne 
(Stephanus, f 4559) und seinen Sohn Heinrich (f 4598), 
Muretus, 45Sl6-*85, Cujacius, 4 520--* 90, Jos. Scaliger, 
4540 — 4609, Jos. Oasaubonus aus Genf, 1559 — 1644, den 
grossen Mathematiker und Philosophen Descartes (Carte- 
sius), 4596—4650, Benedict Spinoza, 4632—77, den Histo- 
riker de Thou (Thuanus), 4544 — 4607. 

Durch Franz I. (4545 — 47) wurde die an der Seine ent- 
standene Sprache vor Gericht und in öffentlichen Verband* 
lungen, sowie im Leben gangbar. Seit der Stiftung der 
Akademie durch Richelieu 4635 wurde sie stationär. Sprach* 
bildner: Pascal, 4623-^62, Larochefoucauld, Bossuet, F^* 
nelon, Massillon, Corneille, Kacine, Moli^re, Voltaire, Rous- 
seau, Mirabeau, Chateaubriand, Mad. de Stael, Courier, die 
romantische Schule gegen das cela ne se dit pas. Das 
,Dictionnaire^ der Akademie 4694 nach den Vorarbeiten von 
Rb. Etienne 4540, J. Nicot 4606 und Fh. Monet 4628. Mit 
dem Nimweger Frieden 4678 trat die franzosische Sprache 
an Stelle des Latein als diplomatische Sprache ein und 
wurde seitdem auch zur geseUschafüichen Universal- und 
Hofsprache erhoben. Einfluss der Revolution auf WorU 
erzeugniss und Bedeutungsänderung. 

Allou, EMai snr rnnivenaliU de la langue fran^., 4S9S. Mbbcibr, 
Ndologie, ou vocabuUire de mots noaveanz, 4804. Hinbt, Hiat de la 
langue fran^., 4844 u. 4842* Ampere, Hist. de la r^formation de la lang, 
fran?., 4844. Grosse Zahl von Wörterbüchern: Riohblbt 4680, Fcbbtibbb 
4690, BoiSTS 4800, Tbibadt 4820, Raymond 4832, Landais 4834, Mosin 
XX, Pbsghibr. Etyoiologien ; Mbnaob 4694, Roquefort 4829, Nobl und 
Carpentier 4834. Synonymik: Girard, Beauzee, Raubavd u, Gcizot 4809. 
NoDiEB, Examen oritique des dictionnaires de la langue fran^., 4828. Gram- 
matiker: Etibnnb u. Garnier 4589, Dbsmabais 4705, MlLtT (20. A. 4829). 
Vanieb ist Begründer einer neuen grammatischen Schale: Schipflin, 
Stadler, Maoeb. Schnakenbubg, Tah. synoptiq. et compar. des idiomeft 
popalaires on patois de la France, 4840. B«arbdtangea der französischen 
Literatur des 46. Jahrh. yon Gibabdin u. Chaslbs 4829, Babon 4844. 

§. 342. Streben der Poesie nach freigebiger Gönnerschaft, 
nach der Gunst des Pnblioums, besonders des Hofes und der 
vornehmen Welt. Clement Marot (1495 — 4554), erster Hof- 
dichter im Liede, in der Erzählung, Epistel und Elegie, Ueber* 
Setzer der Psalmen (le style marotique). Margarethe von Valois 
(4492-- 4569), Franz^ L Schwester, schrieb nach Boccaccio^s 
Muster hundert Novellen: ,Heptameron^ Maria Stuart, 



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204 ZweUes Buch, Bihnodoktologie. 

Karl IX., Heinrich lY. (, Charmante Gabrielle^) beschäftig- 
ten sich mit Poesie. Nachahmung der Alten und der die 
Alten nachahmenden Ausländer, besonders durch das fran- 
zosische Siebengestirn^ (la pl^iade fran^aise): Toran Ron- 
sard (4524 — 85), der sogenannte franzosische Homer und 
Petrarca, Prince des poetes fran9ais; sein Epos ,La Fran- 
ciade^ und seine ,Les Amours^. Sein Gegner d'Aubigne 
(4550—1630): ,Les tragiques'. Malherbe (4556— 1628) ist 
Schopfer der franzosischen Lyiik (der Alexandriner- Vers), 
JodeUe (1532 — 73), Begründer des neuem franzosischen 
Dramas (,Cleopätre captive^ ,DidonS ,Abbö Eugene, ou la 
rencontre*), Regnier (1573 — 1613) der Satire, Barclay 
(1583 — 1621) des politischen, Rabelais (1483—1553) des 
satirischen Romans (,Gargantua und Pantagruel^; seine Werke 
1711 und 1823, deutsch von Regis 1832), Balzac (f 1655) 
des Briefes. Nachahmer des Yirgil in der Idylle ist Segrais 
(f 1624). Schäferroman durch Honore d'Urf(6 aus Mar- 
seille (geb. 1567: ,Astre' und ,Der schmachtende Seladon*) *. 

1 Matbb, Das franzos. Siebengestim (Ronsard, da Bellay, Jodelle, 
de Baif, Thyard, BeUeau, Danrat), in FnUgf LiterarMst. Taschenb., II, 
4844. — ^ GovjET, Biblioth^ne fran^aise, 4748—56, 48 Vol. 

§. 343. Memoirenschreiber: Brantöme, 1527 — 1614, 
Margarethe (Heinrich^s IV. Gemahlin), SuUy, Cardinal Retz, 
Beza (,Hist. des ^glises r^formees^). Didaktiker: Mon- 
taigne, 1533—92, Charron, f 1603; Jean Bodin (1529 oder 
1530 — 96) ist Begründer der wissenschaftlichen Politik, 
J, Calvin (Caulyin oder Chauvin, 1509 — 64; sein Leben 
von Paul Henry 1835 — 38; die vollständigste Ausgabe seiner 
Werke zu Amsterdam 1667; Hundeshagen, Ueber den Ein- 
fluss des Calvinismus auf die Ideen von Staat und staats- 
bürgerlicher Freiheit, 1842). 

Gerichtliche und parlamentarische Redner: L^Höpital, 
1505 — 73, Seguier, 1504 — 80 (gegen die Inquisition), du 
Vair, 1556—1621. 

§. 344. Fünfte Periode. Zeitalter Ludwig's XIV., 
1643 — 1715. Goldenes Zeitalter der französischen Lite- 
ratur, indem der Ruhm der Thaten dieses Fürsten, der 
Glanz seines Hofes und seine Freigebigkeit die schon be- 
gonnene Blüte der Kunst und Wissenschaft vollends ent- 
falteten. Versäumnisse Mazarin^s, 1643 — 61, Thätigkeit Col- 
bert's, 1661 — 83: Akademie der Inschriften und schonen 



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FünfundxwanzigMes CapUel Frankreich. 205 

Wissenschaften 1663, für Malerei und Sculptur 1664, för 
mathematische und Naturwissenschaften, für Musik und Bau- 
kunst, , Journal des savants^ 

Correctheit und Glätte wurden vorzugsweise gefodei-t, 
die ganze Literatur ward formell und conyentionell, der 
Hof war der Pamass und die französische Akademie decre- 
tirte Unsterblichkeit oder Verdammung. Aesthetisches Grund- 
gesetz der Dichter: ü^tudiez la cour et connaissez la ville. 
Vergleich mit dem Zeitalter des Perikles, der Ptolemäer, 
des Augustus, der Mediceer, Friedrich's d. Gr. 

Diese conventionelle Geschmacksrichtung wird vorzugs- 
weise repräsentirt durch Boileau Despr^aux (4636 — 1714), 
den geschickten Nachahmer des Horaz durch Episteln, Sa- 
tiren und eine ,Art poötique^, den sogenannten l^gislateur 
du göut. Auch sein komisches Epos ,Le lutrin^ (,Das Chor- 
pult^) steht bei seinen Landsleuten noch jetzt in Ansehen. Doch 
übte er eine beschränkte, der Erkenntniss wahrer Poesie er- 
mangelnde Kritik aus. Seine Werke erschienen zu Paris 1809. 

§. 345. Die dramatische Poesie, vorzüglich geeignet, 
Hoffeste glänzend zu verschönern, gewann in diesem Zeit- 
alter das Uebergewicht» 

Für den Schopfer des französischen Trauerspiels gilt 
seit 4635 Pierre Corneille aus Ronen (4606 — 85), auch 
Je grand Corneille genannt, der aber mit Lustspielen schon 
4629 begann, unter denen ein späteres, ,Der Lügner', von 
4642 (,Le menteur', nach Pedro de Roxas), am höchsten 
gestellt wird. Sein erstes Trauerspiel ,M^d4eS 4635, ist nach 
Seneca^s Vorgange gearbeitet, das zweite soll ein ungeschick- 
tes Plagiat des spanischen Dramas ,Las mocedades del Cid' 
von Guillen de Castro sein ^. Für Meisterwerke gelten der 
franzosischen Kritik die ,Horaces', ,Cinna' und ,Polyeucte' 
von 4639 und ,Rodogune' von 4646. Im Ganzen lieferte er 
33 Stücke *. Sein Bruder Thomas Corneille ist auch Drama- 
tiker (sein ,Graf Essex', Laube 4855). 

Jean Racine aus Ferte-Milon (24. Dec. 4639 — 22. April 
4699), der grosste Tragiker der Franzosen, der franzosische 
Sophokles, begann 4664 mit der ,Thebaide'; es folgten 
Alexandre' 4665, ,Andromache' 4667, ,Britannicus' 4669, 
,Berenice' 4670, ,Bajazet' 4672, ,Mithridat' 4673, ,Iphigenie' 
1674, ,Phädra' 4677, ,E8ther' 4689 und ,Athalia' 4692, beide 
mit Choren, letzteres das Meisterwerk. Sein Zweck war 



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306 Zweites Budi. EUmodokiologie. 

Rfihnuig der Zuhörer durch Leidenschaftsmalerei. Sein ein« 
ziges Lustspiel ^es phudenrs^ 1668, ist eine Nachahmung 
der ,W^spen^ des Aristophanes. Ausserdem schrieb er 
Oden, Epigramme, Briefe, eine Lobrede auf Corneille, 
,Hist. du Port-Boyal^, ,Lettres a Tauteur des heresiea ima- 
ginairesS 1666 *• 

Von den übrigen Tragödiendichtem jener Periode ist der 
altere Cr^billon (4674 — 4764) der bedeutendste, genannt 
le terrible oder der französische Aeschylos. 

Jean Baptiste Poquelin, berühmt unter dem Namen Mo- 
häre, aus Paris (15. Jan. 46S2 — 47. Febr. 1673), ist nicht 
nur der ausgezeichnetste aller franzosischen Lustspieldichter, 
sondern überhaupt an der Spitze aller neuem komischen 
Dichter. Von seinen 32 Stücken sind als Tortrefflich zu be- 
zeichnen: ,L^^cole des maris% ,Le marii^e forc^% ,Le misan- 
thropeS ,TartaffeS ^^^^ (au%e{uhrt 4669, K. Gutzkow's ,Ur- 
bild des TartufFe*), ,L'aTare% ,Le bourgeois gentilhomme^ ^. 

Unter seinen Mitbewerbern im Lustspiel ist der talent- 
YoUste Regnard (4 647 — 4 709 : sein ,Spieler^ = ^Le joüeur'). 
Ausserdem: d'Ancourt, 4664—4736, Dufi^ny, f 4734, Le- 
grand, f 4728 (sein ,Konig von Schlaraffenland^: ,Le roi de 
Cocagne'), Baron, f 4729. 

Die Schubladenstücke (pieces k tiroir) von Boursault, 
4638 — 4704. Possen von Lesage und Scarron. Die Markt- 
theater (th^tres de la foire) für die komische Oper und das 
Vaudeville, besonders seit 4697 (Lesage und Domeval 4 724). 

Die heroische Oper bildete sich durch des Florentiners 
LuUi (4633—87) Musik und Quinault's (4634—88) Texte 
(,Kadmu8^, ,Ariadne^). 

1 Nach Schack's Analyse in der Gesch. der dramat Lit. n. Kunst in 
Spanien, II, 430 — 442, u. Schbbr, AUgem. literatorgescfa., I, 425. Dax« 
die Sentiments de raead^mie fran^. snr la tragicom^die du Cid von Chape- 
LAiN aaf Richelieu's Befehl. — ' Ausg. von Voltaire 4764 u. Renocaru 
4847. VicTOBiK Fabrs, ^oge de Com., 4807. Tacbbbav, Hist. de la 
vie et des onvrages de Com., 4829. Ueber ihn A. W. Sqhlbobl in den 
Vorlesungen über dramat. Kunst u. Lit, VI, 82, u. Lessino, VII, 454. — 
3 Unter vielen Ausgaben seiner Werke die von Tissot 4826. Seine Dra- 
men deatsch von Viehoff 4842 — 46. — ^ Unter vielen Aufgaben die von 
Mabtih 4 845 fg. Uebersetz. von Braunfels t Demmler, Duller, Wolffn. A. 
4837 u. 4838. Cailhava, Etudes^sur Mol., 4802. Tacherau, Hist. de 
la vie et des ouvrages de Mol., 4825 u. 4828. Chamfort's Lobrede. Cba- 
rakterittiken des Dichters von Sobleobl u. Jacobs (Nachtrage za Sulzer's 
Theorie d. schonen Künste, I, 4). 

§. 346. In der versificirten ErzaUung steht Jean de La- 



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FünfundxwanxigHes CapiieL Frankreich, S07 

fontaine (le bon homme^ 4624 --95) als unübertroffener Fa- 
bulist obenan. Seine Werke in 6 Banden zu Paris 4848. 

Mislingen des Epos : Chapelain (^Die Jungfrau von 
Orleans'), Scudöry f ^^^7 (,Alaric'), Lemoine f <672 
(,Der heilige Ludwig^). Erzbischof Fen^lon von Cambray 
(4654—4745): ^Les aventures de T^lemaqueS eigentlich ein 
didaktischer Roman. Durch seine komischen Romane, in 
welchen er seine spanischen Vorbilder (Guevara und Men- 
doza) zum Theil übertraf, zeichnete sich Lesage (4 668 — 4 747) 
aufii; seine Hauptwerke sind der ,Hinkende Teufel^ und die 
,6eschichte des Gil Blas von Santillana^ Erfinder der Feen- 
mär eben, als Gegner der antikisirenden Literatur, ist Per- 
rault (4633 — 4703): ,Ensählungen meiner Mutter Gans^. Ihm 
folgten die Nachbildner der arabischen Märchensammlung 
,Tausend und eine Nacht ^, darunter besonders Hamilton, 
t 47S0, in der persischen von ,Tausend und ein Tag^ 

§. 347. Die lyrische Poesie jener Zeit erhob sich 
selten über Lieder, Sonette, Rondeaux und Madrigale, in 
welchen bald zierliche Galanterie und Witz , bald fröhlicher, 
oft frivoler Leichtsinn herrscht, wie in den Gedichten 
Luillier's (4639—47^0)« Auch die Oden Jean Bapt. Rons- 
seau^s (1669 — 4744) zeichnen sich mehr durch Adel und 
Eleganz der Sprache aus, als durch lyrischen Schwung. 
Gr^court (1 684 — 4 743) nennen die Franzosen ihren Anakreon. 

§. 348. Zu den ersten Prosaikern dieses Zeitalters ge- 
hört der Herzog von Larochefoucauld (4643 — 80) durch 
seine treffenden, aber gemüthlosen Reflexionen und Maximen, 
der Bischof Bossuet (4687 — 4704) von Meaux als geistlicher 
Redner und Verfiisser einer Weltgeschichte, Labruy^re 
(4639 — 96) durch seine mit scharfer Beobachtungsgabe und 
in der elegantesten Sprache abge&ssten Charaktere, und 
die schon genannten Romandichter. Als Briefschreiberinnen 
werden genannt: Babet, die geistreiche Geliebte Boursault^s, 
die Marquise de Maintenon (4635 — 4749), die Marquise 
von S^vign^ (4626—96) und die Comtesse de Stael (4693— 
4750). Durch Beredtsamkeit sind ausgezeichnet: Bossuet, 
P^nelon, Bourdaloue, 4632—4704, MassiUon, 4665—4742, 
Flfchier, 4632—4740, Saurin, 4677—4730, Paul Pelisson 
(t 4693), Olivier Patru (f 4693) und der Philosoph und 
akademische Kedner Fontenelle (4657 — 4757). Historische 
Kunstwerke brachte Frankreich damals nicht hervor, es ver- 



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308 Zweites Buch. Ethnodoklolopie. 

mehrte nur die Zahl der Memoiren. Rollin (4664 — 4744): 
,Hist. ancienne^ und ,Hist. romaine^. Bossuet, ,Discours sur 
rhist. universelle'. Bayle's (4647 — 4706) historisch -kri- 
tisches ,Dictionnaire'. 

§. 349. Sechste Periode, das 48. Jahrhundert, le siecle 
philosophique. In der Philosophie Materialismus und Atheis- 
mus, in der Moral ^Egoismus, in der Religion Gottlosigkeit, 
in der Politik Misstimmung und Verachtung, in der Literar- 
tur Skepticismus (Fontenelle und Lamothe geg)en die Alten). 
Wichtigkeit der Salons: Mad. Greoffirin, de TEspinasse, Du- 
Deffant, Baron Holbach (,Syst4me de la nature, ou des lois 
du monde physique et moral'). 

Begründung der Frivolität vornehmlich durch Fran^ois 
Marie Arouet aus Chatenay bei Paris, der unter dem Namen 
Voltaire (4694—4778) zu welthistorischer Bedeutung ge- 
langte, der Kopf des Genius seiner Zeit, dessen Ein- 
fluss tun so verderblicher sein musste, je grösser sein Witz 
und seine Sprachgewandtheit und die Vielseitigkeit war, mit 
welcher er sich auf allen Gebieten der Poesie nicht ohne 
Erfolg versuchte, obgleich alle seine Dichtungen weit mehr 
reformistische Manifeste als reine Kunstwerke sind. Siebzehn- 
jährig dichtete er das Trauerspiel ,Oedipus'; es folgten 
,BrutusS ,Cäsar's Tod', ,Catilina', ,Das Triumvirat', ,Orest', 
,MeropeS alle in classischem Geschmack; dagegen ,Zaire^, 
,AlzireS ,Mahomet', ,Semiramis', ,Tancred', ,Die chinesische 
Waise', zugleich seine dramatischen Meisterwerke, in christ- 
lich-ritterlich-romantischem Geiste. Seine oppositionelle 
Tendenz zeigt sich in seinen Epigrammen, Episteln und 
Oden (,Sur les malheurs du temps', ,La chambre de la 
justice' gegen denStaat, in der Epistel an üranie von 4722 
,Le pour et le contre' gegen Religion und Kirche). Sein 
Epos ,Henriade' ist ein rhetorisches Machwerk zwischen 
4726 — 29, ohne Feuer und Leben. Das komische Helden- 
gedicht ,Pucelle d'Orleans', in 21 Gesängen, wurde zwischen 
4730 — 62 gearbeitet. Seine philosophischen Schriften (,fele- 
ments de la philosophie de Newton', ,Dictionnaire philos.', 
,Philos. de Thist.', ,Bible comment^e', ,Hist. de l'^tablisse- 
ment du christianisme' u. a.) sind flach, aber anziehend ge- 
schrieben. Unter seinen vielen Tendenzromanen stehen ,Zadig^ 
und ,Candide, oder die beste Welt' obenan. Als historischen 
Schriftsteller stellt ihn Schlosser ziemlich hoch und nennt 



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Fünfundiwanzigsies CapiteL Frankreich. 309 

den ,£8sai sur les moeurs et sur Pesprit des nations depuis 
Charlemagne^ die erste philosophische Universalgeschichte. 
Dahin gehören die Arbeiten über Karl Xu., Ludwig XTV., 
über Rassland unter Peter L, Geschichte des pariser Par- 
laments, die ,Annales de TEmpire^ u. a. Am Hofe Frie- 
drich's d. Gr. lebte Voltaire 1750 — 53. Seine Werke sind 
seit i8i5 öfter angelegt, voran sein Leben von Condorcet. 
lieber seine politischen Gedichte Ellissen (, Epigonen', IV, 
3 — 94). 

§. 350. Die Unzufriedenheit mit dem Vorhandenen wurde 
auch durch Rousseau, Montesquieu und die sogenannten 
Encyklopädisten (Diderot und d'Alembert) genährt. 

Jacques Rousseau aus Genf (1712 — 78), der Idealist, das 
Herz des Genius seiner Zeit. Seine bedeutendsten Schrif- 
ten sind ,Die neue Heloise' (, Julie, ou la nouvelle H^loise'), 
1759, ,Ueber die Erziehung' oder ,]ämile, ou de Teducation'J 
1762, und ,üeber den gesellschaftlichen Grundvertrag* (,Con- 
trat social^), 1762. Seine Selbstbiographie ist bis gegen 
das Ende von 1 765 fortgeführt \ 

Montesquieu (1689 — 1755) griff in seinem Roman ,Lettre8 
persanes', 1721 (deutsch von Michaelis 1803), die kirch- 
lichen, socialen und politischen Institute Europas und be- 
sonders Prankreichs an, schrieb 1734 ,Consid^rations sur 
les causes de la grandeur et de la d^cadence des Romains^ 
(deutsch von Hacke 1828) und 1748 ,Esprit des lois'«. 

Unter den sogenannten neuen oder Modephilosophen 
Frankreichs steht Diderot (1713 — 84) obenan, der sich im 
Roman, als Dramaturg und dramatischer Dichter versuchte, 
ein talentvoDer, vielseitig gebildeter, aber gegen alles Her- 
kömmliche sich auflehnender Mann, der seine Ansichten 
namentlich durch die von ihm und dem berühmten Mathe- 
matiker d'Alembert (1717 — 83) seit 1751 herausgegebene 
und bis 1 765 fortgesetzte grosse ,Encyklopädie der Wissen- 
schaften, Künste und Gewerbe' (,Encyclopedie, ou diction- 
naire raisonne des sciences, des arts et des mötiers, par 
une societe de gens de lettres') verbreitete. 

1 Ausg. seiner Schriften in 21 Bdn. von Lbqüibn 4824 u. 4822, in 
einem Bde. 4826. Ueber seinen Charakter als Mensch u. Schriftsteller Frau 
V. Stabl 4789 u. Müsset -Pathay 4822. Dass seine Schriften, besonders 
sein Discours sur l'origine et les fondements de Tinegalite parmi les hommes, 
als Auflösung der Preisfrage der dijoner Akademie, die commnnistischen 
und socialistischen Lehren und Theorien Babeufs, St.-Simon'8, Fonrier's, 

Mbblxkeii. 1 4 



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310 Zweit98 Buch. EihnQäoktohffie. 

Cftbefc's u. A. ▼otzvgweise «pger«^^ haben ^ wird als bekamt Thatsaebe 
yoranBgcsetot. — ^ Auf ihn Eloge von Villkmain 4846» von der Akademie 
gekrönt. 

§. 354. Das komische Heldengedicht vou Gresset (4709 — 
4777), ,Vert-Vert', und der unsittliche Roman von Marmon- 
tel, 4723—99, Florian (4755— 94; ,Numa Pompilius', ,Gon- 
salvo de Cordova', ,Wiihelm Teil'), von dem Jüngern Cre- 
billon, 4707—77, Bretonne (4734 — 4805: ,La vie de mon 
p^re', ,Le paysan perverti% ,Les contemporaines'), Louvet 
de Couvray (4760—97: ,Faabla8'). Englands Einfluss auf 
Charakterromane bei Prevot d'Exiles (4697—4763: ,Hi8t. 
du Chevalier des Grieux et de Manon Lescaut') und Saint- 
Pierre (4737—4844: ,Paul et Virginie', ,La chaumiere in- 
dienixe'; darüber Humboldt im ,Kosmo8S H, 67 ; seine Werke 
Paris 4830 u. 4834). Schöpfer der Ballade ist Moncrif 
(f 4770), Colardeau führte die Heroide ein. In der Ko- 
mödie sind die Leistungen Marivaux^ (4688 — 4763: Mari- 
vaudage), in der Oper Beaumarchais^ (f 4799) zu erwähnen 
(, Barbier von Sevilla', ,Hochzeit des Figaro'). 

§. 352. Die geistliche Beredtsamkeit ohne Gedeihen, da- 
gegen Triumph der akademischen durch d'Al^nbert, BaUly, 
Graf Guilbert u. A., der gerichtlichen und parlamentarischen 
durch d^Aguesseau, 4667—4754, u. A. ^ 

Geschichtschreibung: Gondorcet (Civilisationsgeschichte), 
Mably, 4709—77, Goguet, Barth^en^y, 4746—95 (»Voyage 
du jeune Anadiarsis'; deutsch von Biester), Kaynal, 
474 1—96, Friedrich d, Gr., GaiDard, 4726 — 4806, Rulhiere, 
f 4794, Millot. Memoiren (Spiegelbilder): von Duclos, 
1704 — 72, Mercier, 4740 — 4849. 

Zahlreiche Ueb^setzungen der classischen Werke des 
Alterthums und Auslandes. 

1 FouRNBL, Hist. des afocats an parlement, 4843. Pinabp, Le bar- 
reau fran^ais, 4843. 

§. 353. Siebente Periode: Kevolutionszeit. Die Li- 
teratur der Journale und Pamphlets. Die parlamentarische 
Beredtsamkeit in Blüte. Die ,Poesies nationales de la re- 
volution fran^aise' von ephemerem Werthe. 

Redner: Mirabeau, monstre d^esprit, de talens et de viees 
(über ihn Pipitz 4854 und Lewitz 4852 u. A.). Für consti- 
tutionelles Konigthum: Sieyes (,Qu'est ce que le tiers-etat', 
4789), Lafayette, Bailly, Larochefoucauld -Liancourt, Lally- 



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Fänfun(3bfwanzigst99 Capitel. Frankreich. %i\ 

Tottendal, Noailles, Maory, Cazal^, Necker, Mounier, 
Volney, Baniave n. A, Für Republik: Condorcet (der Phi- 
losoph der Eevolution: ,£8qmsse d'iin tableau historique des 
progres de Fesprit humain^), Brissot, Bnzot, Petion, Ro- 
land und seine Gattin, geb. Maoon Phlipon (ihre Memoiren 
erofihen die ^Bibliothek ausgewählter Memoiren des 4R. und 
19. Jahrh.^ von Pipitz imd Fink, 1844 fg.), Vergniarad, Gen- 
sonne, Bischof Gr^goire, Danton, Marat, Gamet, Robes- 
pierre u. A. '. 

Lyriker; Lebnm (47219 — 4807), der franzosische Pindar, 
Rouget de Flsle (4760—4885: die ,Mar8eiIlaiseS 4792), 
Andr^Ch^nier (4762 — 94), der beste Idylliker Frankreichs 
(,La jeune captiTe^ sm Ehren der Demoiselle de Coigny). 

Tragiker: Laharpe, 4739 — 4803, Marie Joseph Cb^nier 
(4764—4844: ,Karl IX.', ,Jean Calas', ,Gracchu8S ,Tinio- 
leon' u. s. w.). Fahre d^Eglantine u. A. 

Komiker: CoDot d*Herboisw 
1 Rovx n. BvoBBv, Eist* parlementaire de Is r4voIiition fran^^ 4S33->40. 

§. 354. Achte Periode. Erste Kaiserzeit. Napoleon^s 
Gunst nur für die seiences exactes und Unterdrückung des 
freien Wortes. Trägerin der neuen Ideen ist Mad. de Stael 
(4766 — 4847), Tochter des berühmten Kecker, durch ihre 
Schriften: ,I>e FAllemagne^; ,De la litterature, consid^r^ 
dans ses rapports arec les institntions sociales*; ,RMexions 
sur le proc^s de la reiue^^ ,Coiisid^ratioiis sur les princi- 
paux er^nements de la n^yolut. firan^»^; Romane: ,Delpkine* 
und ,Corinne, ou TltaKe*. (Werke 4820 an Paris«) 

Der Lyriker Paray (4 753 — 4 84 4), der franÄosische TibuU, 
zugleich Epiker (^La guerre des dieux anciens et moder- 
nes'). Tragiker: Amault (4766— 4834)^ nahm seine Stoffe 
aus der heroischen Kömerzeit (,Marius inMintama^); Jouy 
(geb. 47^9); von ihm unter Anderm ,Belisai^ und die Opern- 
texte ,Vestalin* und ^Cortez' (Compositionen Spontini^s); 
Lemercier's (geb.* 4773) Tragikomödie ,Dame Censurc'. 

Als Redner zeichnete sich Napoleon aus. Timon (Cor- 
menin): ,LdTre des orateursS 4843. 

Die grossen Thaten gaben der Gescfaichtschreibung reich- 
liehen Stoff: Molleville, Necker, Stael ^ Bailleul, Dulaure, 
Lameth, Tissot, Thibeaudeau, Norvins, Lacretelle, Mignet 
(geb. 4796), Thiers (geb. 4797). üeber Napoleon: Segur, 
Thiers, Bignon, Lef^bre, Gourgaud u. A. 

44* 



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312 Zweües Buch. Ethnodoktologie, 

§. 355. Neunte Periode. Restauration und Julirevo- 
lution, Republik und neues Kaiserthum. Neuromantiscbe 
Literatur der Franzosen. Repräsentanten: Victor Hugo 
aus Besanpon (geb. 1802), Charles Nodier (4783—1845), 
Robert de Lamennais (geb. 4782). Die Tendenzpoesie 
seit der Julirevolution: Mad. Dudevant. 

Den christlich-religiösen Geist in die Gesellschaft und Li- 
teratur zurückzufuhren übernahm Chateaubriand aus St.-Malo 
in der Bretagne (geb. 1769) durch sein Buch ,Genie du 
christianisme etc.', in seinen Poesien sich anlehnend an 
Rousseau und St. -Pierre: ,Les martyres', ,Atala', ,ßreneS 
,Les Natchez% ,Le8 aventures du demier Abencerrage'. 
Für den Katholicismus stritten Bonald (geb. 1762) und Jos. 
de Maistre (1753—4821). 

Lyriker: Lamartine (geb. 1790) im Anschluss an Cha- 
teaubriand's Christlichkeit*; Delavigne (1794 — 1846); Be- 
ranger (geb. 19. Aug. 1780), Frankreichs nationalster und 
populärster Dichter (seine Lieder deutsch von Seeger 1839); 
Victor Hugo, Ste.-Beuve, Musset, Lebrun, Alfred de Vigny 
(geb. 1 798). Volksdichter : der Bäcker Reboul und der Schrift- 
setzer Moreau. Dichterinnen: Desbordes-Valmore, Tastu, Gi- 
rardin. Satiriker: August Barbier (geb. um 4810) durch seine 
,Jambes' (deutsch von L. G. Forster). Satirisch-politische 
Epistel von Barthelemy (geb. 1796) und Mery (geb. 1794). 
Didaktiker : Esmenard, Michaud, Dam, Fahre, Legouve. Fabel : 
Viennet. — Grrosse Zahl verunglückter Epopöen (Quinet). 

La der dramatischen Literatur Zwiespalt zwischen dem 
Classicismus und Romanticismus : Laharpe, Amault, Le- 
gouve, Raynouard, Lemercier, Alex. Dumas, Vict. Hugo, 
de Vigny; realistische Schule: Vitet, Merimee. Die Schau- 
spielerin Rachel. Die Proverbes dramatiques, Soenes popu- 
laires, Vaudevilles, Melodrames: Scribe. Sanunlungen: ,Le 
magazin theatral' und ,La France dramatique au XIK*" siede'. 
Brazier, ,Chroniques des petits the&tres de Paris', 1837. 

Grosse Zahl der Romanscribenten: de Genlis, Krü- 
dener, Cottin, de Souza, Herzogin von Duras. Sittenroman: 
Balzac, Eng. Sue (,Mysteres de Paris'), Pigault- Lebrun, 
Paul de Kock. Historischer Roman: Vict. Hugo (,Notre- 
Dame de Paris'), de Vigny (,Cinq-Mars'), Lecroix, Soulie, 
d'Arlincourt, Georges Sand (Aurora Marquise Dudevant, 
Tochter Dupin's, eines Sohnes des Marschalls von Sachsen, 



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Fünfundzivanzigstes Capitel Frankreich. 213 

geb. 1804), eine ausserordentlich fruchtbare Schriftstellerin 
in Kousseau^s Stil; seit 1832 erschienen 36 Romane in un- 
unterbrochener Folge, kleinere Joumalarbeit^n und ihre 
Memoiren. Sittenmaler und Pamphletisten : Jouy, Courier 
(1773 — 1825), Grandville; ,Charivari' und andere Journale; 
der Konig des Feuilletons : Jules Janin. Beiseschilderungen : 
Marmier, — Zur Geschichte der Volksschriften : Nisard, ,Hist. 
des livres populaires, ou de la litterature du colportage, de- 
puis le XV'' si^cle jusqu^k Tetablissement de la commission 
d'examen des livres du colportage 30. Nov. 1852^, 1855. 

Beredtsamkeit: der Publicist Benj. Constant de Re- 
becque (1767—1830), Foy, Manuel, Chateaubriand, Villele, 
Guizot, Thiers, Odilen -Barrot, die Bruder Dupin, Cormenin. 

Geschichtschreibung: die systematische oder ratio- 
nelle Schule: Guizot; die descriptive: Barante, Thierry, 
Capefigue;. die fatalistische: Mignet, Thiers; die vermit- 
telnde : Michelet. Allgemeine Weltgeschichte : Anquetil, 
Segur, Letronne, Koch, Scholl, Simonde de Sismondi, Pey- 
ronnet, Montlosier, Depping, Ste. -Aulaire, Thibaudeau. Me- 
moires: Napoleon's, von Bourrienne, Las Cases, Mad. Cam- 
pan, Fain, Herzogin von Abrantes, Salvandy, Louis Blanc. 
Culturgeschichte : Guizot, Matter, Literaturgeschichte: Ray- 
nouard, Fauriel, Ampere. Archäologie und Kunstgeschichte : 
Miliin, Dulaure, Lenoix, Laborde, Quatremere de Quincy, 
Seroux d'Agincourt, Raoul-Rochette, Schweighäuser. Ge- 
schichte der Musik : Fötis. Die grossen biographischen Werke : 
,Biographie universelle' in 60 Bänden, 1811—27, und der 
Zeitgenossen. 

1 Seine Unterhaltungen über die Lit. aller Zeiten, in monatlichen Hef- 
ten seit 1856. 

§. 356. Das gelehrte Frankreich. Als Universalgenie 
obenan der Deutsche Alex. v. Humboldt (über ihn Ewald 1 854). 

Mathematik: Ramus, Descartes, Pascal, Fermat, de 
PHöpital, d'Alembert, Condorcet, Lagrange, Bougainville, 
Monge, Legendre, Lacroix. — Mechanik: Vaucanson, Ber- 
thoud, Mariotte. — Statik: Montgolfier, Charles, Pilätre de 
Rozier. — Wasserbau: Belidor. — Festungsbau und Belage- 
rungskunst : Vauban, Moritz von Sachsen, Carnot. — Nautik : 
Bouguer. — Astronomie: Gassendi, Richer, Cassini, La- 
caille, Bailly, Lalande, Delambre, Laplace, Biot, Arago. 

Physik und Chemie: Deluc, Ampere, Hauy (Klrystallo- 



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214 Zu)eü98 Buch. Elknodoktoloyie. 

graphie), Lavousier, Foureroy^ Morreau«, Berthollet, Yau- 
quelia, Chaptal. — Geognosie, Oeologie, Miueralogk, 
Petrefactenkunde : Buffon, Sausfiure, Deluc, Dolomieu,Cu- 
vier, Brongniart. — Zoologie: Buffon, R^unmr, Adaason, 
Lacepdde, Cuvier, GeoSroj St.-Hilaire, Lamark, Aucbmn, 
Dejean. Die Erdumsegler Duperrey, Dumout dUrville, 
Freycinet. — Botanik: DecandoUe, Redout;e, Labilkrdiere, 
Delessert. — Medioin und Chirurgie: Pare (f 1592), de 
la Peyronie, Stifter der chirurgischen Akademie in Paris, 
1734, ficole de Chirurgie, 4774, Tronchin, f 1781, Desault, 
t 1795, Dupuytren, f 1835, Larrey, f 1842, Pinel (f iS26, 
Psychiatrie), Broussais, f 1838, Tissot, Orfila (To^ologie). 

StaatBwissenschaften: Bodin, f 159^, Voltaire, ßous- 
seau, Montesquieu, Mably, Rayaal, die Encyklopadisten, 
Maistre, Bonald. — Nationalökonomie: Cdbert (Mercantil- 
System), Quesnay (f 1774, physiokratisches Systeoa), Turgot, 
t 1781, Say, Comte, Ganilh. — Geographie und Kwto- 
graphie: Delisle, d^Anville, Cassini, Boccage, Maltebrun, 
t 1826- — Statistik: Fran^ois de Neufchateau. 

Jurisprudenz: Cujacius, Pothier, f 1772, Pastoret, 
Comte, Lenninier. 

Theologie: Calvin, Beza, Bossuet, Massillon, Flechier, 
Bourdaloue, Charron, Pascal, Amaidd, Huet, Fenelon, Cha- 
teaubriand, Benj. Constant, Lamennais, Frayssinous. 

Philologie: Budäus, C. Scaliger, Stephanus, MuretoB, 
Turnebus, Lambinus, Hotomannus, Pithöus, J. Scaliger, 
Casaubonus, Yigerus, Saknasius, Palmerius, Faber, Du- 
fresne, Bossuet und Huet (Ausgaben in usum Delphini), 
Anne Dacier, Hardouin, Sanadon, Vaillant, Freret, d'Anville, 
Montfaucon, Caylus, de Brosses, Villoison, Larcher, Bninck, 
Oberlin, Schweighäuser ,^ Barth^lemy, Volney, Courier, Le- 
tronne, Fourmont, B^usat, Chezy, ChampoUion, Langles, 
Quatrem^e de Quincy, Burnouf. 

Philosophie: Abälard (Wilkens 1855), Thomas Ton 
Aquino, Montaigne, Charron, Bodin, Descartes, Pascal, Male- 
branche, Huet, Gassendi, Lamothe-le-Vayer, Fenelon, Bossud, 
St.-Evremont, Larochefoucauld, Fonteaelle, Bajde, Voltaire, 
Condillac, Diderot, d'Alembert, Helvetius, Duclos, Marmontel, 
Condorcet, Kaynal, Holbach, Lamettrie, Rousseau, Buffon, 
Bonnet, Montesquieu, Volney, Garat, St-Martin, Maistre, 
Lamennais, Bonald, Koyer-Collard, Cousin, Constant, Droz, 



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Sechsundsttvanzisisles CapUel Hatten, 315 

Leroux (der St-Sunoiiiami»), Foiuier, Micfaelet, Quinet, Ler- 
minier. Einfuhruiig der deuteeben Pbilaeophie. — Für Rheto- 
rik, PoetikjAesthetik: Palißsot, Segur, Nodier,Ste.-Beuvea. A. 

Franz. Bochhaadierblatt, früher Jonmal de la Utw«me, jetot Coarrier 
de ia librairie, erficheiat jeden Sonnabend in Paris. Umfang des ft»nzo- 
sischen Buchhandels: 4388 Buchhändler, 103S Buchdrucker, H60 Litho- 
grapb«D, 4^ Kupferdradcer. 



Sechsundzwanzigstes Capitel. 

Italien. 

§. 357. Hier erhielt sich nicht nur das Latein langer 
im Munde der Gebildeten als in den übrigen romanischen 
Lib»dem, sondern auch das Komanzo zersplitterte sich von 
den Alpen bis abwärts nach Sicilien in unzahlige Dialekte >, 
die sich jedoch in drei Gruppen bringen lassen. Im Norden 
des Landes behaupteten die germanischen Eroberer vor- 
wiegenden sprachlichen Einfluss^ der sich noch heutzutage 
in der Kraft und Rauheit der Dialekte Piemonts, der Lom- 
bardei und der Romagna kundgibt. In der Weichheit und dem 
melodischen Flusse der Rede Roms und Toscanas dagegen 
macht sich mehr die Nachwirkung der Glätte und Eleganz 
von Cicero's Sprache föhlbar. Endlich lassen sich griechische 
und arabische Sprachelemente aus dem calabrischen und sici- 
lischen Dialekt noch jetzt deutlich heraushören ^. 

^ BioMDBLLi, Saggio 6ui dialetti giUio-italici, 4853, mit einer grossen 
Sprachkarte, zahlt %0 lombardische, 113 emilianische und 23 piemontesische 
Dialekte. — ^ Ansichten üb«r die Ausbildung der in Italien herrschenden 
Dialekte als Provinzialsprachen der Bömerzeit von Lbonabdo Bbuni 
(45. Jahrb.), Cardinal Bbmbo, dem Vater der italienischen Kritik, durch 
sein Buoh: Delia volgar Hngua, Quadbio und Maffbi : Verena ühistrata. 
Dagegen behaupten Mubatoki (Itaiia antiqua) und Ratvouabd (Onunmairo 
comparee ete., 4824), dass das Italienische ein Eraeugniss der Völkerwan- 
derung sei. Die Unrwandlungen erfolgten bis in das 43. Jahrb. und man 
unterschied drei Sprachen, die auf der Grabschrift Gregorys V. (999) st^en: 
Francigena, Yulgarl (audb Eomaniscfa) et voce Latina instituit poindos. Wsm- 
TBVP, Beiträge 2nr Kenntmss der neapolitanischen Mundart, 4855. 

§. 358. Das Italienische, als vom Latein verschieden 
und aus der lingua rustica sich hervorbildend, ist schon im 
10. Jahrb. erkennbar, blieb aber gegen das Provenzalische, 
das auch in Italien selir beliebt war, weit zurück und trat 
erst gegen Ende des 12. Jahrh. in die Literatur ein, und 
zwar von allen seinen Dialekten zuerst der sicilianische, 
dessen Anfange Dante (,Vita uuova') zwischen 1140 — 50 



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216 Zweites Buch. EthnodolUologte, 

setzt, mit dem Dichter Ciullo d^Alcamo, 4487 — 94, zugleich 
über ganz Italien sich ausbreitend seit Kaiser Friedrich^s 11. 
Herrschaft (4242 — 50). Dante (,De vulgari eloquentia') 
nennt das Bücher-Italienisch volgare illustre und die ita- 
lienische Sprache, soweit sie als Gesammteigenthum aller 
Italiener erscheint, Latinum. In der Urkundenprosa kämpfte 
noch im 42. Jahrh. das Notarienlatein mit dem neuen volgare 
um den Platz. 

Das Toscanische (Tuscum) organisirte sich als volgare 
iUustre erst im 4 3. Jahrh. mit Ricordano Malespini's ,Chronik' 
und Brunetto Latini's ,Cento noveUe antiche' (Ende des 
4 3. Jahrh. , von verschiedenen Dichtem). Diese toscanische 
oder florentinische wurde die Hof-, Cardinal- und Prunk- 
sprache, illustre, commune, aulica, cortigiana, cardiuale, 
solenne, und noch besonders durch Dante, Petrarca und 
Boccaccio gehoben. 

Von den übrigen Dialekten ]!taliens wurden erst später 
einige in die Literatur eingeführt. 

§. 359. Die christliche Kirche ward auch hier sehr 

bald der Concentrationspunkt aller geistigen Interessen und 

Bestrebungen, doch ging hier die Bekanntschaft mit den 

classischen Werken nie ganz verloren. 

G. GiBSEBRECHT, De literBT. studiis apud Italos primis medii aevi se- 
culis , 4 845. Wachsmüth, Culturgescbichte , II, 369 fg. Schon zu Lothar's I. 
Zeit (843) hohe Schulen zu Cremona, Fermo, Florenz, Pavia, Turin, 
Verona, Benevent; die Benedictiner auf Monte- Casino. Rechtsschulen im 
ii, Jahrh. zu Ravenna und Bologna (Pepo, Irnerius im 42. Jahrb., die 
vier Doctoren [Glossatoren]: Bulgarus, Martinus Gosia, Hugo de Porta 
Ravennate und Jacobus; auf sie das Distichon, angeblich von Irnerius: 

Bulgarus os aureum, Martinus copia legum, 
Mens legum est Hugo. Jacobus id quod ego. 

Gratianus und sein Decretum, 4 450), Mailand, Mantua, Modenau. s. w. Die 
salernitanische Schule der Medicin. Auch im 42. und 43. Jahrh. geht alle 
geistige Entwickelung von der Kirche aus. Arnold von Brescia 4 4 39 geg®'^ 
den Papst. Innocenz HI., Bonifaz VIII., Gregor IX. und Baimund von 
Pennaforte. Sammlungen des Rechts. Merlbker, Politik der rom. Päpste, 
4856. Giovanni von Vicenza 4233. Thomas von Aquino und Bonaventura 
als aristotelische Philosophen. Der Chronist Gottfried von Viterbo. Mat- 
teo Spinello, 4247 — 68. Fibonacci führt die arabischen Ziffern ein. Marco 
Polo 4270—95 auf Reisen in Asien. Der Reisende Odorico von Pordenone 
4330. Erfindung der Brillen durch einen Florentiner. Dagomari im 44. Jahrii., 
Verfertiger astronomischer Instrumente. Petrus de Crescentiis über den 
Ackerbau. Der Geograph Uberti (Dittamonde). Petro d'Albano (Conci- 
liatore: Bekanntschaft mit Averrhoes). Astrologie und Alchymie. p'' 
mundus Lullus. Politische und kirchliche Parteien upd Sekten : Ghibelliaen 
und Guelfen ; Beguinen , Waldenser und Albigenser , Brüder und Scbwesteni 
des freien Geistes ; Franciscaner und Dominicaner. — Einfluss solcber Ele 
mente auf Dante 's Divina commedia, Pbtrarca's Canzionere, Boccaccios 



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Sechsundzwansigstes Capitei Italien. 217 

Decamerone. Einfluss dieser Msiiner auf Uebung der Geister, Erweiterung 
und Verbreitung des Wissens und die Literatur der Landessprache. — Erster 
griechischer Lehrstuhl in Florenz i 348 für Pilato , den Lehrer Boccaccio's. 

§. 360. Die italienische Literatur zählt vier Pe- 
rioden. 

Cbbscimbbni (4663 — 4728), Storia della volgar poesia. Tiraboscbi 
(4734—94), Storia della letteratura ital. (neue A. 4822). Ginovbne 
(4748 — 4846), Hist. litteraire dltalie, 4844 (beendigt von Salvi). Si- 
MONDE DE SiSMONDi, De la ütterature du midi de l'Europe. Boütbbwbk, 
Gesch. der Poesie u. Beredtsamkeit seit Ende des 43. Jahrh., Bd. 4 u. 2. 
Goethe, Neueste ital. Lit., in seinen Werken, Bd. 38, S. 243. Ranke, Zur 
Gesch. der ital. Poesie, 4837. Beümont, Die poet Lit. der Italiener im 
49. Jahrb., 4844. Ruth, Gesch. der ital. Poesie, 4844 — 47. Aehnliche 
Werke wie das von Tiraboscbi schrieben Cobniani 4848, fortgesetzt von 
Ticozi 4832, Maffbi 4834, Uooni 4820 (deutsch 4825—30), Ambrosoli 
4834 — 33, Lbvati 4834. Ad. Ebebt, Handb. der italienischen National- 
literatur, 4 853. K. Schmitt , Handb. d. Italien. Lit., 4 854. Gründliche Kenner 
der italienischen Literatur: Reumont, Witte und König Johann von Sachsen. 

§. 364. Die erste Periode reicht bis ans Ende des 
\ 4. Jahrh. An den angeblich ältesten Dichter Italiens, CiuUo 
d'Aleamo, schliessen sich Friedrich H., seine Sohne Manfred 
und Enzio und seine Trovatoren (Guido delle Colonne, No- 
tajo , Mazzeo Ricco und die Dichterin Nina) an seinem Hofe 
in Palermo an. Von hier zog sich die Poesie nach Bo- 
logna, wo Ghiido Cavalcanti (f 1300) den toscanischen Stil 
geltend machte. Es folgen die berühmten Schriftsteller des 
13. Jahrh., (üe sogenannten Trecentisten. 

Es betrachten die Italiener erst Dante Allighieri (1265 — 
1321) aus Florenz als den Sdiöpfer ihrer poetischen Sprache 
und den Vater ihrer Poesie. Die Terzine erscheint zuerst 
bei ihm in einer Vollkommenheit, weshalb man ihn irriger- 
weise für deren Erfinder hält. Seine ,Commedia' erhielt von 
der Verehrung der spätem Geschlechter den Beisatz divina ^. 

Francesco Petrarca aus Arezzo (1304 — 74) verdankt, 
ausser seiner Wirksamkeit für die classische Literatur*, die 
allgemeine Achtung, welche ihm die Nachwelt zollt, seinen 
italienischen Gedichten, namentlich denen aus der Zeit von 
1327 — 54, in welcher er eine schöne Frau, Laura, feierte, 
zu der er von der gliihendsten Liebe entbrannt war, die 
aber ihrer Keuschheit und Würde nie etwas vergab. Sein 
Lehrer im Griechischen war Barlaam ^. 

Sein Freund und Schüler Giovanni Boccaccio aus Paris 
(1313 — 75) schrieb über Dante* undMehres in lateinischer 
Sprache *, Seine ,Teseide' ist der erste Versuch einer ita- 
lienischen Epopöe itt Ottave geschrieben, für deren Erfinder 



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218 Zweites Buch. Etknodokiologie, 

er gilt. Seinen Buhm verdankt er seinem ^Decftmerone^ 
einer Sammlung von hundert, zum Theil aus provenzalischen 
Dichtem entlehnten Novellen ®* Hierin sind seine Nach- 
folger Sacchetti (geb. 1335) und Ser Giovanni im ,11 pe- 
corone' (d. i. Tölpel). 

1 £twa 60 Ausgaben seit 4472, darunter die besten von Loubardi 
1794 n. 4845 — 47, die mailandische 4S<09 nnd die florentiner 4847. Von 
grossem Einfluss auf die Textesanordnnng war die Bekanntmachung der 
von BoocAOCio herstammenden Handscfar^ ^Rovato 4820) und die von 
QuiBioo TiviAMi besorgte Ausgabe: Giusta la lezione del cod. Bartollnnno, 
4823 — 28 , sowie die Ausgabe der als beste gerühmten Erklärung: L'ottimo 
eommento della Divina commedia, 4827 — 29. Die Literatur über dieses 
Gedicht ist ungeheuer gross.- Zahllose Commentare behandeln bald den 
ästhetischen W^rth des Gedichts, bald. die darin befindliche Theologie und 
Philosophie, bfdd die geschichtlichen Thatsachen, bi^d die offenbaren od« 
geheimen, politischen oder religiösen Tendenzen des Dichters. Viele Com- 
mentare sind zu einzelnen Versen erschienen, oder über eiuTOlne Allegorien 
und Anspidungen, so mehre über das V^tro. Besoadei» zu erwähnen sind 
die Commentare von A&rivabene 4830 n. Foscolo 4^25 u. der neneste: 
RtJTH, Studien über Dante, ein Beitrag zum Verstandniss der gottlichen 
Komödie, 4853. Uebersetzungen Ton Bachenschwaw» , Kannegiesser, Streck- 
fuss, Philalethes (Prinz [jetzt König] Johann ron Sachsen), Kopisch. Die 
lyrischen Gedichte deutsch von Kannegiesser u. Witte , seine Vita nuova von 
Oeynhausen u, Förster. Flakman's Zeichnungen zur GoMüchen Koin6(Ue 
sind gestochen von IHslrucci (nach Piroli) in dem Atlante Dantesco. Sein 
Leben von Boccaccio, Balbo. Missbrini, Dell' amore dl Daate e del ritratto 
di Beatr. Portinari , (3. A.) 4832. Golomb db Batines, Bibliografia Dan- 
tesca, 4853. Schlosses, lieber Dante, 4824. — ^ lEr faxMl Ckero's Briefe 
Ad familiäres, schrieb De remediis utriusque förtunae, ein Gedieht: Africa, 
worin er seinen Lieblingshelden feierte und wofür er zu Eom auf dem Ca- 
pitol am ersten Osterfeiertage 4344 den poetischen Lorberkranz unter grossen 
Feierlichkeiten empfing, De viris illustrilms, Historia Julii Caesaris (Ausg. von 
ScHNEroBB 4 827). — * üeber 200 Ausgaben seiner Werke. Die vollfltän- 
digste seiner Birne mit Tassowi's u. A. Erklärungen 4827 — 29. üebersetz. 
von GrieSy A. W, Schlegel, Daniel, Förster, K^uie, Biegeleben rt. Kriger. 
Biographien des Dichters von Abbe de Sadb, einem Nachkommen der an- 
gebeteten Laura, Tibabobchi, Baldblli, Fernow, Wismayr u. ügo Foscolo. 
Mabsand's 900 Bde. Bibliotheca Petrarchesca zur Geschichte des IMchters 
kaufte Karl X. vx)n Frankreich 4829. — * Origine, vita e costumi di Dante 
u. Commento sopra la commedia di Dante, reichend bis zum 47. Gesänge der 
Hölle. — * Göttergenealogie, De montium, silvarum, lacuum etc. nominibns, 
De casibus virorum et lieminarum illostrium. De elaris maiieribus, 4 6 Eklogen, 
Briefe etc. — ^ Aufig. von Fosoou) 4825, Uebersätz. von Witte. Seine 
Opere complete von Moutier 4827. Ueber sein Leben Manbtti, Masni» 
Tiraboschi u. A. 

§. 362. Zweite Periode, das fünfzehnte und sech- 
zehnte Jahrhundert umfassend, Italien« Cinquecento, 
buon secolo. Aufblühen der itaüemschen Kunst durch 
Michel Angelo, Leonardo da Vinci, Tizian, ßafael. Cor- 
reggio, Bramante und der eleganten Hofsitte, wie sie Ca- 
etiglione in seinem ,Cortegiano' schildert. Kampf gegen 



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Sechsundzvmnsigsies Capitel. Italien. 319 

das Papsttlium ^. Sinken des Handels und der Seemaeht 
(Columbus). Zeit der FurstaJieiTSchaft *. 

1 N. V. Cusa H32, Jastinianus, f 4455, Sanzio, Maatuanns, Ab- 
stemio, Paaiomutamiis , San-Oeorgio, Aeneas Sylvius Pioooiomixd ; far 
dasselbe die Dominicaner und einige Goncilien, Job. de Turrecremata , Ca- 
jetan (gegen ihn Jae. Almain). — * Pflege der Philologie an den 
Höfen der Viseoniti, Sforza, £^te, Montferrat, liedici und Königs Alfons 
Ton Neapel. Philosophische Studien und Käimple, besonders der An^rustiner- 
monche: Paul, doctor profundissimus (Savonarola^s Lehrer), Pelacane, doctor 
famosissimus, Faya, philosophor. «ui seculi praestantlssimus. Ankunft der 
Griechen in Italien seit ^453* Die fiomanitteii und die Buefadmeker- 
kun»t. Gel^irte Gesellsehaften für die amene lettere : Alegretti*« 4 3S0 , der 
Augustiner von San-Spirito in Florenz, des Cosmus von Medici (Ficinus, 
Pico Ton Mirandoh^ [^ndini, CaTaU»nti, Alberti), des Beraardo Bfooettaii 
(Platonische Akademie), de« Bessarion Akaidemie in Aom^ des Pompoaio 
Leto, die Accademia de Pontano zu Neapel <Panormitanp, Valla), des 
AMus Manutius In Venedig (Musuro, Bembo, Banuto) und seiner Familie, 
4447 — 4537. Lehrer des Lateinischen und Griechischen: GioTooni 
da Ravenna (Zöglii^ des Petrarca), Manuel Ghrjsoloras in Florenz 4398, 
Guarino, 4436 — 60, Georg von Trapezunt, f 4484, Job. Argyropulos, 
i 4486, Tbex^d. Gaea, f 4478, Bessarion, 1 1472, Gemist. Pletho, Anrlspa» 
Gasparino von Baigizza, Travezeari, Bruno, Filellb, Laureat Valla, Pe- 
rotto, Poggio, Beroaldo, Angelo Poliziano, Ciriaco von Ancona (Itinerario, 
4 433 -—35), Flavit), Leto, Maffei, Fulvio. 

§. 363. Verfallen der italienischen Sprache mit 
dem Aufbliihen der sogenannten humani^schen Studien. 
Kampf der Latinisten ^ gegen die Verehrer der Vulgär- 
sprache ^. Zwist der Florentiner (mit Berufung auf die 
Trecentisten) und Sienesen mit den übrigen Italienern um 
die Ehre, Italien mit seiner Gemeinsprache beschenkt zu 
haben. Diesem Streite la^^, mit Verwerfung 'des Particular- 
interesses, die Idee einer italienischen Gesammtnationalität 
zum Grunde ^. Auch die Volksdichter traten aus antinatio- 
nalen Absichten als Verthddiger des florentinischen Vor- 
rechts auf. 

1 BoHoi;o Amaseo 4529-, Casllo Si&osio, De lat. lingoae asu reti- 
nendo. — ^ Bembo's Prosa, 4525. Fortunio's Regole grammaticali della 
volgare üngua, 4526. In demselben Sinne <fie grammatis^n Schriften von 
LiBCiEWio und Flatiinio. — ^ Für Florenz Dolcb 4550, Tolommbi 1655, 
Varchi 4570, Salviati 4584. Für Gesammtitalien Castelvetro 4572 u. 
Mvzio 4582. OiAMBüiiLARiSä II Gello (wber die florentin. Sprache), 4547. 
Vocabülarien von Mineabi «535, Lujta 4536, Alünko 4543, der Omaca 
4642 (wiederholt 4623, 4694, 4729—38). Ausgaben der Testi di lingva 
(Musterschriftsteller). Dati'b Prose fiorentine, 4664. ARMAXORfs Raccolla 
d^li aiitori del ben pariar, 4683. Die Accademia deUa Crasca oder Far- 
furatorum zu Florenz 4582 für die Trecentisten und ^g^en Tamo. Bsffi'a 
Anticrusca, 4642. Bartolo's II torto e il diritto del Non si puö, 4655, 
u. Ortografia ital., 4670. 

§. .364. Die Dramatik lieferte vom Anfange des f3. Jahrh» 



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220 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

bis Ende des 45. Jahrh. hier nur die sogenannten Myste- 
rien und Moralitäten (Pigure, Vangelii, Esempli, Istorie 
oder Commedie spirituali), deren älteste erhaltene von Dati 
und Belcari um 1445 entstanden. Es folgten die Komödien 
des Plautus und Terenz und Nachahmungen derselben, die 
sogenannte Commedia erudita, die erste unter dem Titel 
,Calendaria^ vom Cardinal Bibbiena, eigentlich Bemardo Do- 
vizi (geb. 1470), zu Rom durch Pomponio Leto (f 1498). 
Dahin gehören die vier Lustspiele Ariosto's (,Cas8aria^, ,1 sup- 
positi^, ,Lena', ,11 negromante') und Macchiavelli^s ,Man- 
dragola^ Im Gegensatz zu dieser die Yolkskomödie, die 
sogenannte Commedia deU^ arte, mit stehenden Masken 
und Charakteren: Dottore (oder Graziano) aus Bologna, 
Pantalone aus Venedig, Arlechino aus Bergamo (in Neapel 
Policinello, Pulcinello), Scaramuzzo oder Spavineto (miles 
gloriosus), stotternder Tartaglia, Colombina (auch Smeral- 
dina), Arlechino's Geliebte, romischer Stutzer Gelsomino, mai- 
ländischer Querkopf Baltrame, Gelegenheitsmacher Brighella 
aus Ferrara und zwei calabresische Lümmel Giangurgulo 
und Coriello. Als Dichter dieser Gattung werden genannt 
Pietro Arötino (1492 — 1557: ,Marescalco', ,Cortigiana'*, ,Ipo- 
crito', ,TalantaS ,11 filosofo*), Lodovico Dolce, Giordano 
Bruno (verbrannt zu Rom 1600: ,n candelajo') u. A. 

Die Tragödie blieb Sache der Gelehrten. Der ,Orfeo' 
des Angelo Poliziano wurde 1472 zu Mantua am Hofe der 
Gonzaga aufgeführt. Als die besten Tragödien werden die 
,Sofoni8be' des Trissino in versi sciolti (dem tragischen Vers- 
mass) 1515 und der ,Orest^ und die ,Rosmunda^ des Rucellai 
( 1 475 — 1 525) bezeichnet. Es folgten die Dichter Cintio, Orti, 
Manfredi, Speroni, Tasso (im ,Torri8mondo') und Aretino (in 
der ,Orazia') und die Uebersetzer und Modernisirer antiker 
Tragödien: Alamanni, Giustiniano, Anguillara und Dolce. 

Das Schäferspiel ging aus Sannazaro's (geb. 1458) 
Roman ,Arcadia' hervor, und das erste regelmässige Spiel 
dieser Gattung war Beccari's ,Sacrificio' 1554 zu Ferrara, 
Rinuccini's ,Daphne' zu Florenz 1594, Torquato Tasso^s 
,Aminta' 1572, Guarini's (1537—1612) ,Pastor fido' (deutsch 
von H. Müller) u. A. 

CoLOMB DE Batinbs, Bibliographie aller im 45. u. 46. Jahrh. gedruck- 
ten religiösen u. weltlichen Theaterstacke Italiens (Rappresentazioni), 4853- 
Flöoel, Gesch. des Groteskkomischen, 4788. 



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Sechsundzwanzigstes Capüel. halten. 221 

§. 365. Pflege der Lyrik in den vielen Akademien: ar- 
denti in Bologna, informi, ombrosi, selvaggi in Bavenna, 
riformati in Cesena, smarriti in Faenza, rinvigoriti in Fo- 
ligno, scossi, unisoui, insensati in Perugia, ottusi in Spo- 
leto, assorditi in Urbino, rozzi in Siena, della crusca in 
Florenz. Dichter: Pietro Bembo, 1470 — 1547; Castiglione, 
1 1529; Fracastoro, f 1518; Erzbischof Giovanni della Casa, 
t 1556 (Zotenreisser): Caro; Baldi; Tolonunei; Alamanni; 
Vittoria Colonna (1490 — 1547), die Gattin des tapfem Feld- 
hauptmanns Pescara; Veronica da Gambara, 1485 — 1500; 
Gaspara Stampa (1524 — 54), Italiens Sappho; Torquato 
Tasso's ,Canzionere' (Soi\ette, Canzonen, Madrigale; ,RimeS 
mit Auswahl deutsch von K. Förster). 

Didaktik: Rucellars ,Bienenzucht' (,Le api'), Ala- 
manni^s ,Landbau' (,Coltivazione' oder ,Deir agricoltura'). 

§. 366. Die italienische Epik ist reines Kunstproduct, 
weder national noch naiv. Der fränkisch -karolingische Sagen- 
kreis wurde schon im 14. Jahrh. in einem Boman bearbeitet: 
,ReaIi di Francia etc.' (Franciae regales, die fränkischen 
Konigskinder) , von Konstantin's d. Gr. Taufe bis auf 
KarFs d. Gr. Bomerzug reichend. Daran schliessen sich 
drei in Ottaven abgefasste Rittergedichte : ,Buovo d' Antona' 
aus der ersten Hälfte des 14. Jahrh., ,La Spagna' von Za- 
nobi aus Florenz (der Chronik des Turpin folgend), ,La 
regina Ancroja'. Darauf folgte Luca Pulci's ,Ciriffo Calva- 
neoS LuigiPulci's (1432 — 87) ,11 Morgante maggiore', Sa- 
vonarola's ,Libro d'arme e d'amore- uomato Mambriano' in 
45 Gesängen (späterer Zweig der Karlssäge, die Geschichte 
der Haimonskinder), Bello's ,Mambriano% Bojardo's (Gra- 
fen von Scandiano, 1430 — 94), ,Orlando innamorato' in 50 
langen Gesängen ^, Lodovico Ariosto's aus Reggio (1474 — 
1533) ,Orlando ftirioso' ^ in 46 Gesängen, Alamanni's (f 1556) 
,Avarchide' (eine possirliche- und geschmacklose Roman ti- 
sirung der ,llias'), Bernardo Tasso's (+ 1569) ,L'Amadigi' ^. 

Francesco Berni (f 1536) travestirte den ,Orlando inna- 
morato' und begründete durch seine Manier das Bernesco 
oder die poesia Bemesca, deren Nebengattung die poesia 
maccaronica des Folengo (1491 — 1544) in seinem ,Macca- 
ronicon' und ,Orlandino' wurde *. 

Der Florentiner Jacopo Carlo romantisirte die ,Ilias' 
1491 in seinem Gedicht ,11 Trojano% Dolce die ,Dias' und 



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333 Zweite» Buch. Eiknodokiologie. 

,Aenei8^, Trissino sdirieb in 37 GesiDgen und in Tersi 
sciolti die ^talia fiberata Asd Goti^. Daneb^i die lateimschen 
Epiker: Sannazaro, Vida (Schadispiel), Bartolini u. A. 

Das grosste und bedeutendste italienische Epos ist Tor- 
quato Tasso^s aus Sorrento bei Neapel (154i — 95) ,Gem- 
salenime liberata^ in 30 Gesangen \ Seine ülMrigen Ebrapt- 
werke sind: ,11 Rinaldo% ^L^Aminta* (deutsch Ton Walter 
4794), über tausend ,Sonetti e Canzoni^ (deutscii von 
Forster), über 300 Madrigale, Jl TorrismoDdo% ,Iia Gerusa- 
lemme conq^dstata^ (eine verfehlte Umarbeitung des ,Befreiten 
Jerusalem^), ,Lie sette giomate del mondo creato etc/ ^. Sein 
Nachahmer Guarini, 4537 — 4642. Seine Zei^enossenChiabrera 
(4552 — 4637), Nachahmer des Pindar (fünf epische Gredichte: 
,Befreites Itidien^, ,Florenz^, ,GothiadeS ,Amadeide^, ,Roger'), 
undTassoni (4 565 — 4 635: komischesG^dicht : ,Der EimerraubS 
deutsch von Kritz), Bracciolini (f 4645: ,Das wiedereroberte 
Kjreuz' und die epische , Verspottung der Gotter*), Tcsti 
( 4 593 — 4 646), Nadiahmer desHoraz, Lorenzo Lippi: ,Wiedcr- 
eroberung von Malmantile^ oder der Tischtuchsburg. 

1 Ansg. 4495. Dentsch ron Gries 4835 n. Begis 4840. — * Erschien 
1546. I>eat8€h von Orws 4804» Strtckfuss 4848, Kurtz 4844. ^ ^ Yai.. 
Schmidt» Heber die ital. Heldengedichte ans dem Sagenkreise Karins d. Gr., 
4820. — * Gbnthb, Gesch. der maccaronischen Poesie, 4836. — ^ Erste 
Ausg. 4584, beste Mantiia 4584. Deutsch ron Gries 4800 (6. A. 4844), 
Streckfuss 4829, DtOtenhofer 4840. — ^ Die vollstäadigste Ausgabe aller 
Werke in 30 Bdn. von Rosini 4 820 fg. Sein Leben von Ebert 4849 n. A. 

§. 367. Novellendichter: Massuccio ausSalemo: ,No- 
yellino^ von 50 Erzählungen, voll Satire gegen die Geist- 
lichkeit. Erzbischof Bandello's (1480 — 4562) unzüchtige, 
schmutzige und zotige Novellen (Uebersetzung von Adrian 
4818). Firenzuola 4548^ LuigiPulci, Niccolo Macchiavelli. 
Aus Luigi da Porto^s Erzählung schöpfte Shakspeare den 
Stoff zu seiner Tragödie ^omeo und Julia*. Straparola's 
^iacevoli notti^ Grazzini aus Florenz (f 4583), genannt 
U Lasca, lieferte das beste Novellenbucb jener Zieit (deutsch, 
Leipzig 1788). — Satiriker Pietro Nelli. 

Kbblbr, Ital. NovelkoschaU^ aasgewshlt u. übersetzt, 48^. 

§. 368. Prosaisehe Kunstwerke: Macchiavelli's (I461>— 
4597) ^Principe* und Geschichte sein» Vaterstadt Florenz 
zwischen 4945 — 1499 ( die florentinische Ausgabe seiner 
Werke 1782), Guicciardini's (4489—4540) Geschichte Ita- 
liens zwischen 4493—4539% Paolo Sarpi^s (4559—4693) 



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Sech8Undxwanatiff3tes Capitei Halten. 393 

Geschichte des Tridenter Concils, Davila's (4576—1631) 

Geschichte der bürgerlichen Kriege in Frankreich. 

1 Sein Leben von Remioio Fiobbntino u. von Manni in d. Ausg. setner 
Gesch. ^on 1640 u. 4738. 

§. 369. Aufschwung der Wissenschaften: Gre- 
gorys XHl. Kalenderverbesserung 1582. Galilei (1564 — 
1642), Entdecker der Theorie der Plauetenbewegung, Ver- 
vollkommner des vom Glasschleifer Johnson in Middelburg 
4 590 erfundenen Teleskops, Vertheidiger des Kopemicanischen 
Weltsystems. Sein Schüler Evangelista Torricelli ('f'4644), 
Erfinder des Barometers. Anatom Vasal 1543, Omitholog 
. Aldrovandi, 4522 — 1605, Hrs. Cardanus, 4504—75, Gior- 
dano Bruno und Th. Campanella (1568—1639) Philosophen 
(Vereinigung der Mystik und Naturwissenscbafi;). 

§. 370. Dritte Periode: siebzehntes und achtzehn« 
tes Jahrhundert, Seicento, daher Seicentisten. 

Zu den Trecentisten und Nation^isten traten die Pro- 
vinaialisten als dritte Partei hinzu, welche es auf Bearbei- 
tung der Provinzialdialekte absahen, seitdem Muratori (1 672 — 
1 750) darauf aufmerksam gemacht ^. Die vierte Partei bil- 
deten die üniversalisten. So war der Weg für den Ein- 
bruch der französischen Revolution auch im literarischen 
Italien gebahnt*. Als Ausbeute dieser Richtung ergaben 
sich reichhaltigere lexikalische Arbeiten \ 

1 6 ALI Am, Del dialetto neapolitano; Piptno för den piemontemscfaen 
4783, Pasqualino für den siciUanischeii, in seinem Vocabniario etimo- 
logico, 4795. Die Akademie der Filopatridi in Neapel 4760. — * Die 
Stürmer gegen die florentinische Sprachherrschaft und die Anbetung der 
Trecentisten : Monti (Proposita di aleone correzioni) und Perticari (Serii* 
tori del trecento e laro imitatori). — ^ Grammatikea und Wört^bücher 
der italienischen Schriftsprache sind in solcher Menge geliefert worden, das« 
Antolini 4825 in seiner Schrift La lessicomania esaminata (2. A. 4896) 
darüber spöttelte. Casaccia*8 genuesisches Wörterbuch,. 4 844; Oheru« 
BiNi's mailändiscfaes, 4 844» Q* paresisches, 4827; Bobrio'» venetianisches, 
4 826 ; Nannini's ferrarisches ; Melcbiorbi's brescianisches ,, u. a. Gute lexi- 
kalische Arbeiten tod Vitiani u. Tuzzi 4834, Lessoni 4835, Tommasbo 
(neu bearbeitet yon Yibüsseux 1839). CAfiTiouA, Stud} suUa lingua, 48%6« 

§. 371. Auf der Grenze des vorigen und dieses Zeit- 
alters war die Poesie in Verfall gerathen durch witzelnde 
und phantastische Geschmacklosigkeit des talentvollen Giam- 
battista Marini oder Marino aus Neapel (4569 — 1625), be- 
sonders durch seinen ,Adonis^ in SIC Gesangen, der kaum 
einer Dichtungsgattung eingereiht werden kann. Das ko- 
mische Epos ,Ricciardetto^ in 30 Gesängen des Fortiguerra 



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224 Zweites Buch. EtknodoJctologie. 

(1674—1735; deutsch von Gries). Dann folgte zwar eine 
gedeihlichere, jedoch von franzosischem Einfluss abhängige 
Pflege der Poesie. 

Als Lyriker sind zu nennen Chiabrera, 1552 — 4637, 
Testi, 1593 — 1646, Guidi, 1650 — 1712, Frugoni, 1692— 
1768, und vor Allen Vincenzo da Filicaja aus Florenz, 
1642 — 1707, Zappi, 1667 — 1719, und seine Gattin, die 
schone Faustina Maratti. Seit 1650 blühte die Yolkspoesie 
nur noch in Sicilien, wo Griovanni Meli (deutsch von Fd. Gre- 
gorovius, 1856) ihr vornehmster Repräsentant ist. 

Die Oper entstand zu Anfange des 17. Jahrh. und theilte 
sich in opera seria und opera buffa (in Venedig 1624). Ita- 
lienische Oper in Paris 1646. Apostolo Zeno, 1669 — 1750, 
und Pietro Metastasio, 1698 — 1782, sind Opemdichter, 
Letzterer zugleich Vollender der tragischen oder ernsten Oper. 

Eine Reform des Lustspiels beabsichtigte der frucht- 
bare, aber oberflächliche Goldoni, 1707 — 93, aber nicht 
er, sondern sein genialer Nebenbuhler, Graf Carlo Gozzi 
(1718 — 1802), führte sie durch. Trauerspieldichter: 
Graf Alfieri, 1749—1803, Giovanni Pindemonte, 1751— 181 S, 
Vincenzo Monti , 1 754 — 1 828, 

Die Lebensweise der Vornehmen schilderte als Satiriker 
Giuseppe Parini (1729 — 99) in seinem Gedicht ,n giorno' 
(wie etwa Martial). Satiriker sind auch der berühmte Maler 
SalvatorRosa, 1615—75, und Graf Gasparo Gozzi, 1713 — 86. 

Der ,Pentamerone' (Novellensammlung) Giambattista Ba- 
sile^s in neapolitanischem Dialekt stammt aus dem Anfange 
des 17. Jahrb. (deutsch von Liebrecht 1846). Roman (,Briefe 
zweier Liebenden' und umgearbeitet als ,Letzte Briefe des 
Jacopo Ortis') von Ugo Foscolo, 1773 — 1827. 

Ossian's Uebersetzer ist Cesarotti, 1730 — 1808. 

§. 372. Die Historiker: Muratori, Pietro Giannone 
(geb. 1676), Tiraboschi (1731—94: ,Storia della letteratura 
italiana'), Cicognara und Botta (,Storia d'Italia dal 1789— 
1814'). Stiftung der Akademie der Arkadier zu Rom 1690 
durch Crescimbeni und dessen ,Istoria della volgar poesia' 
(Venedig 1731). Bearbeiter der Staatswissenschaften: 
Vico, 1669-1744, FUangieri, 1752—88, Beccaria, 1735 — 93. 

Ausgezeichnete Leistungen in den medicinischen, 
mathematischen und Naturwissenschaften: Malpighi 
(f 1694) gehört zu den grössten neuern Anatomen. Cassini 



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Sechsundzwanzigstes Capilel. Italien. 225 

(4625 — 1712) bereicherte die Astronomie durch wichtige 
Entdeckungen, Piazzi durch Entdeckung der Ceres 1804. 
Astronom und Mathematiker Frisi, 1727 — 84. Galvani's 
(t 1799) thierische Elektricität, Volta's (1745—1827) gal- 
vanische Batterie. 

Saluzzo's Akademie seit 1783 zur Erforschung des 
Alterthums : Corsini, Morelli, Fabroni, Bandini, Audiflfredi,' 
Maffei, Lanzi, Rosini, Fea, Ignarra, Ficcoroni, Manni, 
Sestini u. A. Winckelmann's Leistungen. 

§. 373. Vierte Periode: Neunzehntes Jahrhundert. 
Politische Bewegungen und Handlungen als Vorläufer der 
franzosischen Revolution. Verkündigung der republikani- 
schen und philanthropischen Ideen, welche mit der franzo- 
sischen Literatur in Italien eindrangen, von Beccaria im 
Norden, von Filangieri im Süden von Italien. Aufhebung 
des Jesuitenordens 1774. Klaiser Joseph's IL, Grossherzog 
Leopold's von Toscana, Tanucci's und Sambuca^s Reformen 
in Neapel. Parini's Verspottung des Adels. Verri gegen 
die Akademien. Cesarotti's, Monti^s, Foscolo's, Spedalieri's, 
Pellico's Freiheitsruf. 

Mailand Italiens Athen seit 1805. Foscolo, Gesetz- 
geber auf dem Gebiet der ästhetischen Kritik. Seine Tu- 
gendschule. Die classische und romantische Schule 
voll Eifers far das Erziehungswesen. Der Romanticismus 
Manzoni's (geb. 1784), Gioja's und Grossi's in dem ,Con- 
ciliatore' gegen den Classicismus der von Monti, Acerbi, 
Breislakund Giordani 1816 gegründeten ,Bibliotheca italiana^ 
Grraf Perro in Mailand, Mäcen der Romantiker. Pellico's 
,Le mie prigioni'. Philolog und vielgepriesener Lyriker ist 
Graf Leopardi (1798—1837: ,CantiS 1831 ; deutsch von Kanne- 
giesser). Hynmopoeten: Manzoni, Borghi, Arici, Emiliani, 
Montinari, Costa, Muzzarelli, Vittorelli u. A. Geistlicher 
Redner Barbieri. 

Stürmende Romantiker: Guerazzi, Guarlandi. Vereini- 
gungsversuche der classischen und romantischen Schule 
durch Niccolini (geb. 1786): Tragödien: ,Polis8enaS ,Ino 
e Temisto', ,Medea' und ,Edipo% ,Antonio Foscarini', ,Gio- 
vanni da Procida% ,Arnoldo da Brescia', ,Lodovico il Moro', 
rPilippo Strozzi^ 

Uebersetzungen aus de;n Franzosischen, Englischen und 
Deutschen (Cesare Cantü: ,Biblioteca scelta'), 

Mbrleker. 1 Ö 



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226 Zweites Buch. Eihnodoktologie. 

Miitelmässigkeit der Romandichter. Gute historische 
Romane Gruerazzi's. Sittenromane des Neapolitaners Ranieri. 

Geschiehtschreiber: Compagnoni, Ramboldi, Serva, 
Manno, Litta, Varese, Garzetti, Morbio, Coppi, Cantü, 
Muletti, Coletta, Pagano, Ranieri, Cassetta, Moise u. A. 

Philosophen: Romagnosi (geb. 4761), Borelli, BozzeDi, 
Galluppi, Rosmini (Orden der christlichen Liebe seit 1828, 
bestätigt 1839). Seine Schüler Tarditi, Tommaseo und de 
Cavours (,Fragm. philos.', 1841). Sein Gegner Gioberti. 

Der gegenwärtige politische Zustand Italiens erschwert 
die Studien und macht den Schriftstellern das literarische 
Leben ausserordentlich sauer. 



Siebenundzwanzigstes Capital. 
Spanien. 

§. 374. Neben der römischen Schriftsprache (sermo ur- 
banus) bildete sich auch hier eine Umgangs- und Volks- 
sprache (lingua Romana rustica), welche die Westgothen 
nach ihrem üebertritt zum Katholicismus (unter Reccared 
um 600) so sehr zu ihrer eigenen machten, dass sie aus 
ihrer Muttersprache nur jene Worter beibehielten und dem 
spanischen Romanze einbürgerten, die sie zur Bezeichnung 
der ihnen eigenthümlichen Staats- und Kriegsinstitutionen 
nöthig hatten. Einen neuen Zusatz, besonders in Bezug auf 
die Ausdrucke der Industrie, Wissenschaft und des Handels, 
brachten seit 711 die Araber. Beimischimgen aus dem Phoni- 
kischen. Griechischen und Hebräischen. Doch erstreckt sich 
der fremde Einfluss nur auf Lautlehre und Wortgehalt; 
Wortbildung und Biegung sind in dieser hochtönenden 
Mundart echt romanisch geblieben und näher dem Latein 
als selbst in der italienischen. 

§. 375. Die ältesten schriftlich aufgezeichneten Spuren 
des Spanischen finden sich im 7. Jahrh. in Isidor^s ,Origines*. 
Zur Schriftsprache ausgebildet erscheint am frühesten die 
castilische Mundart (lengua castellana) in der Reim- 
chronik (1130? abgeschrieben 1207) von den Thaten des 
Cid Rodrigo Diaz de Vivar el Campeador (f 1099), in dem 
westgothischen Gesetzbuche aus dem 13. Jahrh.: Forum judi- 



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Siebmundxwanzigstea CapHel. Spanien. 227 

cum (f\iero juzgo, Ausgabe der Akademie 1845). König 
Alfons X., der Weise (geb. 1221, f ^284), erhob die casti- 
lische Sprache zu öffentlicher Gültigkeit im Geschäftsleben, 
doch wurde sie erst gegen die Mitte des 16. Jahrh. durch 
die ganze spanische Monarchie die herrschende im eigent- 
lichsten Sinne des Worts. 

Daneben dauerte die mit der provenzalischen und limou- 
sinischen verschmolzene catalonische Poesie bis in das 
15. Jahrh. fort, wie die Gedichte Peter's IH. von Aragon 
(t 1285), Friedrich's von Sicilien (f 1326), Heinrich's von 
Villena (f 1434), Ausias Marcha Valencia (f 1450) und 
der Koman ,Tirante des MartorelP (1435) bezeugen. 

Die galicische Mundart bildet den Uebergang zum 
Portugiesischen, die catalonisch-valencianische oder limou- 
sinische zum Französischen K Daneben in der Provinz Bis- 
caya die Sprache der alten Cantabrer, die* jetzt Baskisch 
oder Vaskisch heisst^. 

> Aldrbtb , Origen de la lengua castellana, 4606 und 4682. 
N. Antonii, Bibl. Hispan., 4696; cur. Batbri, 4788. Matans t Ziscab, 
Origines de la lengua esp., 4737. — ^ W, v. Humboldt, Prüfung der Unter- 
suchungen über die Urbewohner Hispaniens vermittelst der baskischen 
Sprache, 4S24, und einige Spanier: Zarramendi 4 739 u. 4745, Astartoa 4 803, 
Iztueta 4824. Eine Sammlung baskischer Nationallieder 4826. 

§. 376. Grammatisch und lexikalisch behandelte das 
Spanische zuerst Anton de Labrija i49S!. Gesetzgebend 
wurde für dasselbe die Grammatik und das Wörterbuch der 
spianischen Akademie (zuerst 1771), später bereichert durch 
Salya. 

Grammatiken von Fbancbson, Keil und Fuchs. Handlexika von 
France soN und Seckendorf. Etymologisches Wörterbuch von Coyarru- 
BiAS 4674) Cabreba 4837. Etymologische Beiträge von Gaballbbo 4834. 
Synonymik von Hübrta und March. Für Orthographie ein Tratado der 
Akademie (Normalausgabe 4845). 

§. 377. Zur Literatur.. 

Vblasqubz , Origines de la poesia castellana , 4 754 ; bearbeitet von Dieze, 
4796. Sarmibnto , Memoria para la historia de la poesia y poetas espanoles. 
MoHBDANo , Hist. Uteraria de Espana. Mabtinbz de la Rosa , Sobre la poesia 
epica espanola. Ochoa , Noticia de todos los poetas espanoles. Qdimitana, 
Annalisti dei principali poeml epici spagnuoli. Aroota de Molina, Discurso 
sobre la poesia castellana. yiARD0T,.]ätude8 de TEspagne; deutsch bearbeitet 
▼on Thdr. Hell, 4836. Tiokhor, Hist. of the Span. lit. , 4849; deutsch von- 
Julius y 4852. Wolf, Beiträge zur Geschichte der castil. Nationalliteratur. 
Brinckmbier , Abriss einer Mocumentirten Geschichte der span. National- 
literatur von den frühesten Zeiten bis Anfang des 47. Jahrh., 4844. Clabus, 
Darstellung der span. Literatur im Mittelalter, 4846. v. Schack, Geschichte 
der dramat. Kunst und Literatur in Spanien, 4845; 2. Aufl. 4855. I^le 
Werke von Boutbrwek, Bd. 3 (spanisch von Gomez de Cortina und 

45» 



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228 Zweites Buch. Elhnodohtologie. 

Hugalde y MolinedOj 4829) und Sismondi, Bd. 2, und die bezüglichen 
Abschnitte in den literarhistor. Werken von Schlegel, Wachleb, Gräsbb, 
Rosenkranz, Mcndt, Schebb n. A. Lbmcke, Handbuch der span. Lite- 
ratur in 3 Bdn., 4855 fg. Sammelwerke von Sedano, Campant, Mbmdibil 
T Silybla, Quintana: Poesias selectas castellanas und Musa epica esp., 
;|g30 — 33; BöHL db Febbb, Ochoa und Madbt : Espagne poetique, 4826; 
PciBusQDB, Bist, oomparee des litt. esp. et fran^., 4843; Bubnavbntcba 
Cablos Abibac, Biblioteca de autores esp., desde la formacion del leo- 
guaje basta nuestras dias, 4846 fg. 

§. 378. Die beiden ersten Perioden der spanischen 
Nationalliteratur gehören dem Mittelalter an, während wel- 
cher Zeit eine ununterbrochene Neutralisation des abend- 
ländisch-christlichen Wesens mit dem sarazenischen (711 — 
1492) stattfand. Unaufhörliche Kreuzziige und Streben nach 
Reinheit des Geblüts und des Glaubens trotz aller Liebes- 
und Yerwandtschaftsbande zwischen Christen und Mauren. 
Bei dem ausserordentlichen Ueichthum, der hier nebst den 
tapfersten Rittern zusammenströmte, entwickelte sich ein 
eigenthümlich schönes Leben in ritterlicher Thätigkeit und 
Galanterie und in Pflege ländlicher Cultur, fiberall begleitet 
von Liedern und von Interessen romantischer Liebe, 

§. 379. Romanzen (Romances) nannte man die Poesie 
überhaupt. Dann verband man damit eine dreifache Bedeu- 
tung: die ViJgärsprache, die lyrisch- epische Dichtung (can- 
tares, decires) und eine Versart, bestehend aus acht- und 
sechssilbigen Versen mit trochäischem Rhythmus (versos de 
redondilla mayor y menor), in den epischen Dichtungen ohne 
Strophenabtheilungen, in den lyrischen in Stanzen (estancias) 
oder Couplets (coplas) getheilt. Erfinder dieser Dichtungs- 
gattung soll der Araber Mocdem ben Maaref (im 1 0. Jahrh.), 
Meister darin Ebadet Alcazzaz sein. 

§. 380. Die erste Periode reicht von den ersten künst- 
lichen Schöpfungen in castilischem Romanze bis auf die 
Zeiten Johann's 11. von Castilien, 1406 — 54. Vorherr- 
schen der epischen und didaktischen Richtungen. 

,Poema del Cid' eines unbekaimten Verfassers zwischen 
1135 — 57 *- Bemardo del Carpio. Feman Gonzalez, erster 
Grraf von Castilien. Reine Kpen konnten die Spanier 
als Mischvolk nicht haben. Die kirchlich -ritterlichen 
Poesien (Legenden): Gonzalo von Berceo, 1198 — 1268. 
Die Trobadores (Dichter) und Jogiares (Sänger) der Ritter- 
romanzen: Juan Lorenzo Segura aus Astorga (Mitte des 
13. Jahrh.) in dem ,Poema de Alejandro Magno'*. 



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Siebenundzwanzigstes Capitel. Spanien. 229 

V 

Aus der Ritterromanze ging der Ritterroman hervor, 
und zwar die Amadisromane, von Vasco de Lobeira aus 
Oporto (f 1325 oder 1403) in portugiesischer Sprache; seine 
spanische Bearbeitung erhielt er durch Garzia Ordonnez de 
Montalvo (Ende des 15. Jahrh.). S. unten §. 454, 5. 

Alfons X. ist Förderer der Wissenschaften, Gönner der 
Gelehrten und Dichter, Schopfer der spanischen Prosa; seine 
Gesetzsammlungen ', sein didaktisches Gedicht ,Libro del 
tesoro ö del candado'; sein Beispiel wirkte auch auf seine 
Nachfolger gunstig, auf Sancho IV., Ferdinand IV., Al- 
fons XI. (,Allgemeine Chronik' in Redondilien). Der bedeu- 
tendste Dichter des 14. Jahrh. ist Juan Ruiz, Erzpriester von 
Hita (f 1351)^ als Satiriker und Erotiker. Lopez de Ayala 
( 1 332 — 1 407) : ,Rimado de palacio^ Der Jude Rabbi Santo : 
,Consejos y documentos al rey Don Pedro' (den Grausamen). 

Chroniken von Ayala, Juan Nunez de Villason. Reise- 
beschreibung des Ruy Gonzalez de Clavijo, 1403 — 6, der 
als Gesandter an Timur nach Samarkand ging. 

^ Das Original in Schcbbrt's Bibl. castellana, portuguez y provenzal, 
4809. Inhalt im Auszuge bei Clarus, I, 490 — 241. Uebersetzungen der 
Cidromanzen von Herder, Duttenhofer, Regia (das Liederbuch vom Cid, 
4842), der seiner Arbeit das von Keller vollständig publicirte Romancero 
del Cid, 4840, zu Grunde legte. Mönnioh, Herder's Cid und die span. 
Cidromanzen, 4855, unten §. 485. — ^ Ihre Sammlung erfolgte erst im 
45. und 46. Jahrb.: Cancionero general, 4544; Cancionero de romances, 
4555; Romancero general, 4604; Romancero y cancionero, 4832; Roman- 
cero castellano, 4844. Uebersetzungen von Herder, Jariges, Wolf, Geibel, 
Clarus, Arenlsschildt u. A. Sanchez, Coleccion de poesias castell. ante- 
riores al siglo XV. , 4 842. — ^ Herausgeg. v. d. Akademie d. Gesch., 4 836- 

§. 381. Zweite Periode, das 15. Jahrhundert, 1406 — 
1516. Lyrische Poesie, hofische Kunstlyrik nach dem 
Muster der Troubadourpoesie: der spanische Ennius Juan 
de Mena, 1412 — 56; liiigo Lopez de Mendoza, Marques 
von Santillana oder Santa Juliana, 1398 — 1458; drei Manri- 
ques (Rodrigo, Gomez und Jorge, 1470), Juan de la En- 
zina (1500)1. 

Anfange des Dramas: Villena, 1412 (auch Poetik: la 
gaya ciencia), das Schaf ergespräch ,Mingo Rebulgo' (1450) 
und Rojas' ,Celestina' (vor 1500, deutsch von Bülow, 1843) 
bestimmten den Ton für das Lustspiel. Hauptbestandtheil 
der Dramatik Spaniens ist die Komödie, wie jedes in drei 
Acten oder Tageszeiten (Jornadas) getheilte, in Versen ver- 
fasste Schauspiel hiess, das die Mitte zwischen den tragi- 
schen und komischen Elementen hielt. Auch hier ging das 



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230 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Drama zunächst aus den geistlichen Mysterien heryo]". Es 
folgten die Autos sacramentales (Fronleichnamsstacke) , Autos 
al nacimiento, Comedias divinas und De santos, Comedias 
de ruido, De capa y espada, Loas (Lobgedichte als Vor- 
spiele), Pasos, Farsas, Entremeses (Zwischenspiele), Sai- 
netes (Divertissements), Comedias de figuron- 

Geschicfatsstil des Hemando del Pulgar und Mendoza^. 

1 Ihre Cancionerofi von Babna und Fernando del Castillo, 4544. — 
2 Coleccion de cronicas jener Zeit, 4779 — 87. 

§. 382. Dritte Periode, 1546 — 4700, goldenes Zeit- 
alter der Literatur der Philippe. Die Autos da F^ hindern 
nicht den Aufschwung zum Schönen. In dem spanischen 
Reiche geht die Sonne nicht unter. Seine Ausdehnung über 
Neapel (durch den zweiten Cid, Gonsalvo Fernandez de Cor-, 
dova, el gran capitano), Mailand, die Niederlande, Mexico 
und Peru. Castilien und Aragonien vereinigt unter den 
Habsburgem. Einfluss italienischer Literatur. Die mauri- 
schen oder moresken und die Schäferromanzen; deren Samm- 
lungen in ,Silvas' imd ,Rosa8' von Juan de Timoneda, 4572, 
Miguel de Madrigal, 4605 K 

' Neuere Romanzen von J. Grimm 4845, Depping 4847, Wolp 4846. 

§. 383. Unter vielen aus dem Klerus und Adel hervor- 
gegangenen Dichtem sind Tonangeber und Stellvertreter des 
Nationalgeschmacks, mit Nachbildung italienischer Muster: 
Boscan (1492 — 1542: ,Hero und Leander' nach Musäos, 
,Keich der Liebe'; seine Werke 1543), Garcilaso de la Vega 
(1503 — 36: Eklogen, Elegien, Canzonen, Sonette, Oden, 
Episteln, Lieder; durchweg vortrefflich; seine Werke 1580). 
Ihm folgten zwei Portugiesen: Saa de Miranda, 1495—1558, 
und Montemayor (1520 — 61 : Schäferroman ,Diana'). Femer: 
Gil Polo (, Diana enamorada', 1564), Mendoza aus Granada 
(1500 — 75: ,Lazarillo de Tormes', 1586, ein echtspanischer 
Schelmenroman ; deutsch von Keil 1810). Die grossen Lyriker 
Herrera (f 1578: ,Oden') und Ponce de Leon, 1527—91 K 

Die Epik beschäftigte sich vorzugsweise mit Verherr- 
lichung Karl's V. in den sogenannten ,Caroleas' und mit 
den Kriegs- und Seezügen der Spanier. Rufo's ,Austriade', 
Virues' ,Monserrate' und Ercilla's (geb. 1533; ,Araucana' 
(deutsch von Winterling, 1831) bezeichnet Cervantes als die 
trefflichsten epischen Werke in castilianischer Sprache. 

* Hoffmann's Blüten span. Poesie liefern eine Auswahl von Gedichten 
der eben Genannten. 



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Siebenundztffanzigstes Capitel. Spanien. 331 

§. 384. Miguel de Cervantes Saavedra aus Alcala de 
Henares (1547 — 46f6) wollte durch seinen ^on Quijote' 
eine Reform des Geschmacks und der Denkart bei seinen 
Landsleuten hervorbringen und jenem abenteuerlichen Helden- 
geiste mit allen seinen ebenso lächerlichen als Übeln Folgen, 
deren Quelle die ßitterromane waren, ein Ende machen K 
Zugleich ist er der erste Spanier, der Novellen schrieb. 

' Ins Deutsche übertragen von Bertuch, Tieck, SoUau, Keller u. A. 
Sämmtliche Romane und Novellen von Keller und Nottbb, 1840 — 42. 
Gesammtausgabe seiner Werke: zu Madrid 4803 — 5 (ohne die Komödien) 
und 4 829 (ohne die Reise nach dem Pamass), Baudry in der Coleccion 
de los mejores autores espanoles, 4840 fg. 

§. 385. Die glänzendste Periode des spanischen Dra- 
mas reicht vom Ausgang des 16. bis gegen Ende des 17. 
Jahrh., und die zahlreichen Bühnendichter jener Zeit ge- 
stalten sich in zwei grosse Gruppen, als deren Mittelpunkte 
Lope de Yega und Calderon de la Barca glänzen. 

Ueber die Schauspielerbanden, deren er acht Gat- 
tungen aufzählt, handelt die ,Unterhaltende Beise^ des Rojas, 
1603, 'und über das spanische Drama F. Wolf in seiner Re- 
cension des Schack'schen Werks (, Geschichte des spanischen 
Dramas') in den ,Blättem für literar. Unterhaltung', 1 846 —49. 

Wbllmann, Die vier ältesten spanischen Dramatiker, in Prutz Literar- 
historischem Taschenbuch, 4843, 203 — 250- 

§. 386. Der genialste dramatische Dichter Spaniens ist 
Lope Felix de Vega Carpio aus Madrid, 1562 — 163ö, dessen 
geistige Fruchtbarkeit zum Sprichwort geworden und mit 
Recht allgemein bewundert ist. Man hat von ihm zwei 
Epopöen: ,Angelica' und ,La Jerusalen conquistada% fünf 
mythologische Gedichte: ,Circe% ,Andromeda% ,Philomela', 
,Orfeo' und ,Proserpina% vier grössere historische Gedichte: 
,San-Isidor^, ,La Dragontea% ,La corona tragica^ und ,La 
virgen de la Almudena% ein komisches Heldengedicht unter 
dem Namen des Tome de Burguillos: ,La Gatomaquia^, 
mehre beschreibende und didaktische Gedichte, wie ,La 
descripcion de la Tapada% ,E1 laurel de Apolo% ,LaMada- 
lena^, ,E1 nuevo arte de hacer comedias^ (eine Art Poetik 
oder Dramaturgie), eine Unzahl von Sonetten, Romanzen, 
Oden, Elegien, Episteln etc., mehre Werke theils in Versen, 
theils in Prosa, acht Novellen in Prosa. Sein Hauptruhm 
besteht in seinen Komödien, deren bis 1632, wo er auf- 
hörte für die Buhne zu schreiben, über 1500 fertig waren. 



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232 Zweites Buch. EUinodoktologie. 

doch sind nur 320 in der Sammlung seiner ,Comedias% 
1604 — 47, im Druck erschienen. In jeder Stoff- und Stil- 
gattung des Dramas hat er Ausgezeichnetes geleistet. Er 
soll 21,346,000 Verse geschrieben haben. Für seine Komö- 
dien soll er 80,000 und für seine Autos 6000 Dukaten Ho- 
norar erhalten haben. 

Uebersetznngen einiger Dramen von Malsburg, Soden, Dohm, Schack. 
Analysen von 24 Stücken gab Enk in seinen Studien über Vega, 4839, und 
Eichard Uebersetznngen seiner Bomane und Novellen in: Lope's romantischen 
Dichtungen, 4824—27. Seine Werke Madrid, 4776 fg., 2Quartbde., ohne 
die dramatischen Werke, die noch nicht aUe gedruckt sind. Sein Schüler 
Montalyan: Fama posthuma a la vida y muerte de Lope de Y., 4636. 
Lord Holland: Some account of the life and writings of L. d. Y., 4 806. 

§. 387, Calderon de la Barca aus Madrid (1601—87), 
das grosste poetische Genie, welches der Katholicismus 
hervorgebracht, der katholische Dichter par excellence '. 
Im Ganzen sind von ihm 428 Dramen, heroische Komödien, 
historische Schauspiele, romantische Tragödien (obenan: 
,Der standhafte Prinz*), Intriguenstücke, 95 Autos sacra- 
mentales, SlOO Loas, 100 Sainetes^. 

' Urtheile über ihn von Schlegel j Val. Schmidt (Wiener Jahrb. d. Lit., 
4822, XVII fg.), Schack, J, Schmidt (Gesch. d. Romantik), Zimmermann 
(Zur Geach. d. Poesie, 4847), F, v. Haumer (Hist. Taschenb., Neue Folge, 
3. Jahrg.), Immermann (Deutsche Pandora, Bd. 3). — ' Vollständigste 
Ausg. d. Schauspiele zu Madrid 4683 — 89, db Apcntes 4760 — 63, Keil 
4820 fg* Meisterhafte Uebersetzungen einzelner Stücke von A. W. Schlegel 
in seinem Span. Theater, Gries, Malsburg. Auf die deutsche Bühne brachten 
ihn Goethe und Schlegel. Von Eichendobff, Zur Gesch. des Dramas, 4854. 

§. 388. Zwei Hauptrichtungen der Prosa: Streben 
nach Concision und Eleganz der Form, den antiken Mustern 
entsprechend, und Entwickelung des Nationalstils nach Men- 
doza's Vorgange. 

Treffliche Leistungen für die Novelle und den Roman 
(Flut von Ritterromanen): Timoneda (,PatranosS 1576), 
Aleman (f nach 1600), Guevara, 1574—1646, u. A. Histo- 
rischer Roman: Hita, Vega. Religiöser Roman der Nonne 
Agreda (f 1675). 

Didaktiker: Guevara (f 1544), Oliva (f 1533), Mexia 
(t 1552), Las Casas (1474 — 1566: Sklavenhandel), Ant. 
Perez (f 1611), Diego de Saavedra (f 1648), Gracian 
(+ 1652: Gongorismus). ^ 

Historiker: A vila ( Feldzüge KarFs V. ) , Ocampo 
(f 1576? Urgeschichte Spaniens) und seine Nachfolger 
Morales, 1513 — 90, und Molina. Zurita (1512 — 80: ,Anales 
de la Corona de Aragon') und sein Fortsetzer Argensola 



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Siehenundzwanzigsles Capüel. Spanien. 233 

(auch die Erobeining der Molukken). Garilay (f 4600?) 
und Sylva, Graf von Portalegre, beachteten den Zusammen- 
hang der spanischen und portugiesischen Geschichte. Coloma 
(Geschichte der Kriege in den Niederlanden, 1588—99). 
Moncada (1586 — 4635: Expedition gegen die Türken und 
Griechen). Mariana ( 1 537 — 4 623 : allgemeine Geschichte 
Spaniens). Herrera (4549 — 4625: Westindien). Xeres 
(,Hist. de la conquista del Peru'; deutsch von Külb) und 
sein Fortsetzer Zarate. Castillo (,Hist. verdadera de la con- 
quista de la nueva Espa&a^ deutsch von Rehfues) und sein 
Fortsetzer Gomara, Torquemada, Clavigero, Ant. de Solis 
(1640 — 86: ,Hist. de la conquista de Mexico', 4684; deutsch 
von Forster). Melo (,Hist. de los movimientos, separacion 
y guerra de Cataluiia en tiempo de Felipe IV.', 4624 — 65). 

§• 389. Vierte Periode. Die letzten 4 50 Jahre. 
Eindringen der modernen, besonders französischen Bildung 
in Spanien mit der Thronbesteigung des Hauses Anjou K 
Den französischen Kunstton forderte Luzan (seine ,Poetik', 
4737, f 4754), dagegen war Vertreter der Nationalliteratur 
Garcia de la Huerta (f nach 4787). Gemässigte Reforma- 
toren: Moratin, Cadahalso, Iriarte (f 4794), Cienfiiegos, 
Gunitana. Zamora^s ,Don Juan', 4722. 

Neuer Aufschwung durch die franzosische Invasion; neue 
Productionsepochen 4842, 4820, 4834: Martinez de la Rosa, 
Angel de Saavedra, Breton de los Herreros; die Neuesien: 
Tapia, Maury, Hartzenbusch u. A. ®. 

Wiederbearbeitung der Romanzen- und Sagenpoesie durch 
Saavedra, Mora, Zorilla u. A. Im Drama Nachahmung fran- 
zösischer, britischer und deutscher Muster: Moratin (f 4828) 
u. A. ,Galeria dramatica' und ,Teatro modemo' K 

Ausgezeichnete Prosaisten auf den Gebieten der histo- 
rischen Disciplinen, der Geographie und Statistik. Marques 
de San-Felipe (f 4726: Geschichte des Successionskriegs), 
Isla, 1 4784, Clavijo, 4726—4806, Campomanes, 4 725—4803, 
Munoz (4745 — 99: beste Geschichte der Entdeckung und 
Eroberung Amerikas), Conde (4770— -4820: Geschichte der 
arabischen Invasion), Llorente (4757 — 4823: Geschichte 
der spanischen Inquisition in franzosischer Sprache), Tapia 
(Culturgeschichte Spaniens seit 74 4, 4840); Toreno, Ar- 
guelles und Maldonado schrieben die Geschichte des Unab- 
hängigkeitskriegs, 4835 — 37. Gunitana: ,Vidas de Espano- 



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234 Zweites Buch. Etknodoktologie. 

les celebre8> Navarrcte: ,Coleccion de los viages y descu- 
brimientos.' 

1 Der Spanier Mora schildert das Verderben jener Zeit. Blätter zur 
Kritik d. Lit. d. Auslandes, 4840. — ^ Ochoa, Apuntes para nna biblio- 
teca de escritores espanoles contemporaneos, 4840 fg. Brinckmeier, Natio- 
nallit. d. Spanier im 49« Jahrb., 4850. — ^ lieber einige spanisch -ameri- 
kanische Dichter: Heredia, f 4839, Inijillo, Alpuche, f 4844, Milanes, 
den Mulatten Placido, f 4844, finden sich im Juliheft der Blätter für lit. 
Unterhaltung, 4850, Nachrichten; Thaies Bemard im Athenaeum fran^ais 
und Magazin für die Lit. des Auslandes, 4855, Nr. 55- 

§. 390. Die wissenschaftliche Literatur hat sich in 
Spanien weniger glänzend entwickelt als die National- 
literatur; geistlicher und weltlicher Druck haben besonders 
den Aufechwung der Philosophie gehindert. Der Dia- 
lektiker Raimundus Lullüs aus Palma auf Majorca, 4234 — 
1345 ^; in neuester Zeit der Philosoph Jaime Balmes. 

Auch die wissenschaftliche Theologie erlag der Inqui- 
sition und dem Jesuitismus: Isidorus Hispalensis aus Carta- 
gena, geb. 636*; in neuester Zeit Bibelübersetzung von 
Torres Amat, Felipe Scio de San-Miguel und Gonzalez 
Carvajal; Villanueva 4834, Romo 4843. 

Die Rechtswissenschaft und Politik sind gleichfalls 
erst in neuester Zeit angebaut ^i Donoso, Cabarrus, Canga- 
Arguelles, Florez Estrada. 

Verdiente Mediciner erhielt Spanien erst im 48. Jahrb. 
Botaniker: Cayanilles, f 4804, Ruiz, Rojas Clemente, Azara, 
Lagasca und Ruiz y Pavon. Zahlreiche Mineralogen. König!. 
Akademie der mathematischen und Naturwissenschaften zu 
Madrid, 4847. Mathematiker: Navarrete, Lista u. A. Unter- 
geordnete Stellung der Philologie: Salva. 

Scientifische Journale und Encyklopädien seit 4842 in 
Madrid und Barcelona. Juan Penalver: ,Panlexicon% 4842. 

» S. Werke von Salzimger, 4724—42, in 40 Bdn. ^ * g, Werke 
von Faüstüs A&btalo, 4797 — 4803, 7 Bde. — ^ Coleccion de Cortes 
de Leon y Castilla von der Akademie d. Gesch. , 4 836 — 43. 



Achtundzwanzigstes Capitel. 

Portugal. 

§. 394. Sprachlich gehört zu Portugal die ganze Nord- 
westküste der Pyrenäischen Halbinsel. Im Vergleich mit 
dem Castilianischen enthält das Portugiesische eine grössere 
Beimischung des Französischen aus den Zeiten Heinrich's 



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Achlundiivanzigates Capitel Portugal 235 

von Burgund (1409), geringere des Arabischen ^ Die älteste 
rein portugiesische Urkunde ist mit era 4230 = 4492 ge- 
zeichnet^. Die Mundarten von Gralicia, Minho und Beira. 

1 Untersuchungen von Framo. de Santo -Luiz, 4827, und JoXo de 
SousA, 4830. NcNEz de Leon, Del origen de la lengua portuguesca, 
i 606. Thätigkeit der Akademie der Wissenschaften zu Lissabon für Gesch. 
d. portugies. Sprache. — ' Ribeiro's ürkundensammlung, 4798. Santa- 
RosA DE ViTEBBo, Elucidario, 4798. Das beste Wörterbuch von dem 
Brasilianer Antonio de Mor2es Silva, 4789. Solano Constancio, 
Kritisch - etymolog. Wörterbuch, 4836, und Sprachlehre, 4834. Die beste 
Grammatik von Barboza, 4830, für Deutsche die von Aldoni, 4843. 
RoQUBTTB, Dlct. portugais-fran^., 4853. 

§. 392. Die Verschiedenheit in dem Charakter und der 
Literatur der beiden stammverwandten Hauptvolker der Pyre- 
näischen Halbinsel ist theils in den geographischen, theils 
in ihren Mischungsverhältnissen mit fremden Nationalitäten 
begründet. Im Vergleich mit der spanischen entbehrt die 
portugiesische Literatur fast ganz und gar der Ori- 
ginalität, und man kann ihre Entwickelungsperioden vor- 
zugsweise nach den sie bestimmenden fremden Einflüssen 
eintheilen. So bildete sie sich in der ersten Periode bis 
zum 14. Jahrh. unter dem Einfiuss der provenzalischen 
Kunstpoesie; in der zweiten bis zum Anfang des 16. Jahrh. 
unter dem spanischen Einfluss; in der dritten bis in die 
Mitte des 18. Jahrh. nach classischen, italienischen und 
spanischen Mustern; endlich in der vierten Periode nach 
dem Vorbilde der classisch- französischen, der englischen 
und der modern -europäischen Literatur überhaupt. Die 
charakteristischen Grundzüge der indigenen portu- 
giesischen Poesie sind süssliche Weichheit, melan- 
cholische Vagheit, elegische Sentimentalität, wie 
der Nationalcharakter. 

Quellen zur Literaturgesch. sind Machado's Bibl. lusitana historica» 
critica e chronologica, 4744 — 52; Cejo's commentirte Bibl. historica de 
Portugal, 4804; der akademische Catalogo dos livros, 4799; die Memorias 
de lit. portngueza der lissaboner Akademie 'd. Wiss. Literaturgesch. von 
Garbett durch seine historisch -kritische Einleitung zu dem Parnaso lusi- 
tano, 4826. Bovterwek, Bd. 4; Sismovdi, Cap. 36 — 40. Denis, Resume 
de l'hist. litt^raire du Portugal, 4826, und Chefs -d'oeuYre du th^ätre portug., 
4823. Bellebmann, Die alten Liederbücher der Portugiesen, 4840. 

§. 393. Erste Periode: bis zum 14. Jahrh. Volks- 

poesie, später in Liederbüchern (Cancioneiros) gesammelt, 

bis in das 8. Jahrh. hinaufreichend: ,Trovas dos Figueiredos^ 

deren Sprache jedoch dem 15. Jahrh. anzugehören scheint: 

Coelho's(?) Lied auf den portugiesischen Cid, Gon^alo Her- 



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236 Zweites Buch, Ethnodoklologie. 

miguez (4480); 260 Lieder in den ,Fragmentos de hum 
cancioneiro inedito% 48Si3; des weisen Alfons X. geistliche 
Romanzen in altportugiesischer oder galicischer Sprache; 
Lieder des Königs Denis (Dionys des Gerechten, 4279 — 
4325; herausgegeben 4846). Die provenzalische Kunst- 
poesie zog mit Heinrich von Burgund und seinen südfran- 
zösischen Rittern 4409 ein. 

§. 394. Zweite Periode: 44. und 45. Jahrhundert« 
Der Hof bleibt Centrum der poetischen Bildung Portugals 
und die portugiesische Literatur ist fast nur Abdioick der 
spanischen Redondilhas, Cantigas, Yilhancicos. Die Könige 
von Alfons IV. bis Emanuel d. Gr. (4325—4524) sind 
Dichter und Sänger. Macias der Verliebte (o namorado) 
wird der berühmteste Liederdichter des 45. Jahrh. genannt. 
Garcia de Resende gab in seinem ,Cancioneiro general' 
4546 Lieder von 450 Dichtem, als deren letzter und bedeu- 
tendster Ribeiro (4545) betrachtet wird, der Eklogen und 
den ersten portugiesischen Roman (,MeninaeMo9a') schrieb 
und die Glanzperiode der Literatur Portugals einleitete. 

Anfang der Prosa durch Chroniken und den ,Amadis 
de Gaula' (oben §. 380). 

§.395. Dritte Periode, 4500 — 4750. Zu der den Ita- 
lienern nachgeahmten Schäferpoesie (Miranda, geb. 4 495, 
und Montemayor) kam die 'Ritterromantik durch Moraes 
(ermordet 4572: ,Chronica de Palmeria de Inglaterra'). Fer- 
reira (4528 — 69) ist Haupt der regelmassigen Kunstschule 
und lieferte in seiner ,Inez de Castro* die erste portu- 
giesische Tragödie in classischem Geschmack. • 

Luis de Camoens (4529 — 79) lieferte in den ,Lu8iaden* 
(os Lusiadas, d. i. Lusitanen, deutsch von Booch-Arkossy, 4 854) 
das erste neuere Nationalepos, eine glanzvolle Verherr- 
lichung des besonders in Ostindien erworbenen portugiesischen 
Heldenruhms, angeblich zum grossen Theil gedichtet in einer 
Grotte bei Macao *. » Ausserdem schrieb er Sonette, Canzonen, 
Sestinen, Oden, Elegien, Eklogen, Stanzen, Redondilien, Epi- 
gramme, Satiren und drei Komödien (,Amphitruo' nach Plau- 
tus, ,König Seleucus' und ,Liebe des Philodem') ^. A. v. Hum- 
boldt nennt Camoens im eigentlichen Sinne des Worts einen 
grossen Seemaler (Kosmos, H, 59). 

' Ausgabe von Souza Botelho und in fast alle Sprachen übersetzt: 
ins Spanische von Gomes de Tapia, Garzos und Gil; ins Französische 



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Ächtundzwanzigstea Capitel. Portugal. 237 

von Mlliä; ins Italienische von Nervi und Briccolani; ins Englische von 
Mickle und Musgrave; ins Polnische von Przybylski; ins Deutsche von 
Donner. — * Obras completas von Babbeto Fbio und Monteibo, 4834. 
Biographien von Magnim, 4844 ; Adauson, Memoirs of the life and writings 
of Luis Camoens, 4820. Camoens ist zum Gegenstande eines epischen 
Gedichts genommen (Camoes poema, 4825) von Almeid a Gaebet. 

§. 396. Unter spanischer Herrschaft (1580 — 1640) auch 
Abhängigkeit von spanischer Literatur. Vasconcellos 
(t 1582): Lustspiele. Andrade Caminha (f 1589). Diego 
Bemardes (f 1596). Auch nach der Befreiung von spani- 
scher Herrschaft schreibt Mande Feria (f 1649) hauptsäch- 
lich castilisch. Lobo (Mitte des 16. Jahrh.) ist Dichter und 
besonders berühmter Prosaist, der den Ciceronianischen Pe- 
riodenbau einführte durch sein Werk ,üeber das Benehmen 
eines WeltmannsS 1619. Barcellar (1610 — 63) ist schmach- 
tender Elegiker. 

Die Prosa gestaltete sich in Novellen und Romanen 
und erreichte ihre Vollendung in Joäo de Barros' (1496 — 
1570) trefflicher Beschreibung der Thaten der Portugiesen 
in Ostindien. Denselben Gegenstand bearbeitete gleichzeitig 
Castanheda. Alfons von Albuquerque (f nach 1576) feierte 
biographisch die grossen Thaten seines Vaters. Brito ( 1 569 — 
1617): älteste Geschichte Portugals bis 1109. Andrada 
(t 1657): ,Vita de D. Joäo de CastroS 1651. 

§. 397. Vierte Periode: Franzosischer Einfluss. Pom- 
bal's aufgeklärter Despotismus im Kampfe mit dem alten 
Obscurantismus. Menezes, Graf Ericeyra, 1673 — 1741, ist 
der erste Nachahmer der Franzosen in seiner ,Henriqueida' 
(Stiftung des portugiesischen Staats). Academia portugueza, 
1714, gestifl:et nach dem Muster der franzosischen; Dichter- 
gesellschaft der Arkadier nach dem Muster der römischen. 
Der portugiesische Horaz Correo Garpäo. Komischer Sitten- 
maler Antonio Dinys da Cruz e Silva, 1 732—1 800. Dramatiker 
Gomez (,Inez de Castro'; deutsch von Wittich). Der Bra- 
silianer Claudio Manoel da Costa, 1768. Francisco Manoel 
do Nascimento (1734 — 1819), Repräsentant des strengen 
classischen Stils , Lyriker und Prosaist. Manoel Maria Bar- 
bosa da Bocage (1766 — 1805) ist der berühmteste und volks- 
thümlichste unter allen neuem portugiesischen Dichtern; sein 
Gongorismus oder Elmanismus. Elegiker Castilho (geb. 1 800). 
Garret: ,Pamaso lusitano% 1826, und ,Satyricos portuguezes', 
1834. — Constancio's Geschichte Brasiliens, 1838. 



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238 Zweites Buch. Etknodoktologie. 

§. 398. Die Wissenschaften behielten in Portugal bis 
in die neuesten Zeiten einen scholastischen Zuschnitt, ob- 
gleich Nunez ein ausgezeichneter Mathematiker war und 
Magellan als Reisender und Entdecker (1519 — 21) europäi- 
schen Ruf hat. Der freiere Aufschwung begann erst durch 
die 1779 gestiftete Akademie der Wissenschaften. — Perreira: 
^agnum lexicon novissimum Lat. et Lusitan.^, 1843. 



§. 399. Das alte Dacien zwischen der Theiss, Donau, 
dem obern Dniestr und den Karpaten, also das ostliche 
Ungarn, Siebenbürgen, die Walachei, Moldau und Buko- 
wina imifassend, wurde von Trajan, 101 — 106, dem römischen 
Reiche einverleibt und mit römischen Colonisten bevölkert, 
welche die Stammväter der jetzigen Moldauer und Walachen 
in der Walachei, Siebenbürgen, Ungarn, im Banat und in 
der Bukowina geworden sind, wo die moldo-walachische 
oder daco-romanische Sprache geredet wird, die dem 
Lateinischen treuer geblieben zu sein scheint als die übrigen 
romanischen Sprachen, z. B. 

Lat.: iugnm, Daco-roman. : iuga, Ital.: giogo, Span.: yugo, Franz.: joug 

— locus, — — locu, — Inogo, — lugar, — Heu 

— piper, — — piper, — pepe, — P^P«» — poivre. 
Körnbach, Stadien über daco-romao. Sprache und Literatnr, 4850. 

ScHBRR, Literaturgeschichte, S. 284. 

Die Romanen in Siebenbürgen führten 1643 statt der bis 
dahin herrschenden slawischen die romanische Sprache in 
die Liturgie ein, und seitdem wurden in diesem Idiom Le- 
genden, Predigten und Kirchenlieder geschrieben. Neuere 
Lyriker sind: Assaky, Rossetti, Negri, Sion. Didaktiker: 
Alexandresku. Humorist: Negruzzi. Satiriker: Alexandri. 

Die Geschichte des^ türkischen Reichs von dem Hospodar 
der Moldau Demeter Kantemir (1673 — 1723) ist lateinisch 
geschrieben. 

Zweiter Kreis. 
Genoanisehe Literaturen. 

§. 400. Drei Sprach- und Literaturgebiete sind es vor- 
zugsweise, die den grossten Einfluss auf die Civilisation 
der neuem Volker ausüben. Zwei davon gehören dem ger- 
manischen, eines dem romanischen Literaturkreise an. Die 
deutsche Literatur ist vor allen berufen, die von Goethe 



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Neunundzwanzigates Capüel Grossbfitannien, Irland u. Nordamerika. 239 

proclamirte Weltliteratur zu vermitteln, da sie unter allen 
Literaturen am wenigsten an nationaler Engherzigkeit leidet 
und das allgemein Menschliche am allseitigsten und rein- 
sten vertritt. Dennoch steht die Verbreitung der deutschen 
Sprache jener der firanzösischen und englischen nach. Eng- 
land ist der Sitz einer stolzen Ariötokratie, Prankreich hat 
die erbliche Aristokratie vernichtet; aber in ganz divergi- 
render Richtung ist die französische Sprache im weltmän- 
nischen Gebiet vornehmer Stande herrschend geblieben, wäh- 
rend die englische zur Völkersprache im Weltverkehr wird. 

AssoN, De runiTersalite de la langne franp.; 1828. Margobaff, 
Deutsche Literatur, Wissenschaft und Kunst im Auslande, in Bd. 191 der 
Brockhaus' sehen Gegenwart, 1856. 



Neunundzwanzigstes Capitel. 
Grossbritannien, Irland und Nordamerika. 

§. 401. Grossbritannien ist nicht nur ein europäisches, 
sondern in der That ein Weltreich, die Stifterin eines Welt- 
staatensystems, die hauptsächlichste Gründerin christlich- 
europäischer Cultur ausserhalb Europas. Wachsmuth, ,Cul- 
turgesch-S DI, 41—68. 

§. 402. Alphabet und Buchstaben dieser Sprache datiren 
aus romischer Zeit. In der Sprache selbst sind Urbestand- 
theile des Altbritischen, Celtischen oder Galischen. Ein- 
fiuss der Romer seit 50 v. Chr., der Angelsachsen seit 449 
n. Chr., des Christenthums seit Ende des 6. Jahrh., der 
Dänen seit 780, der Normanno -Franzosen seit 1066. Hof- 
und Staatasprache wurde das Englische seit Eduard III., 
1327 — 77. Ihrie festere Begründung als Schriftsprache er- 
folgte durch die Uebersetzung der Bibel^ 1535, und mehrer 
Werke des classischen Alterthums. 

Durch diesen Process wurde die englische eine der reich- 
sten Sprachen und durch Dichter und Eedner, durch Schrift- 
steller und Künstler zugleich eine der gebildetsten und durch 
die Energie des englischen Nationalsinns eine der kräftigsten. 
Die reinsten Mundarten in London und Dublin. Die Volks- 
patois. Das nordamerikaüdsche Englisch. 

Walkbr, Prononncing dictionary, (33. A.) 4839. Flügbl, Vollst, 
engl. - d eut. Wörterbuch , ( 3 . A . ) 4 844. Spobschil , Deutsch - engl. Wörter- 
buch, (2. A.) 4838. Sprachlehren von Waoheb 48SI3, Fldgbl 4824, 
Lloyd 4844, Schmitz (3. A.) 4&53. üeber die Indianersprachen von 



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240 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Nord- and Südamerika: Ludwig, The literature of American aboriginal 
linguistics, seit 4852. 

§. 403. Zur Literatur. 

Wabton, HistoryofEngl.poetry, 477ö— 84 u. 4824, vom 44— 46. Jahrh- 
reichend. Johnson, Lives of the most eminent Engl, poets, (neue A.) 4846- 
IsAAK d'Isbabli, Curiosities of literature. Hazlitt, Literary remains, 4836- 
MoNTGOMBBT, Lectures on poetry and general literature, 4 833. Collieb, The 
bist, of Engl, dramatic poetry, 4834. Cunningham, Hist. of Engl. lit. from 
Johnson to Scott, 4 833. Stanhope Busbt , Lecture on the Engl, poetry to the 
time of Milton. Chambbbs, Cyclopaedia of Engl, lit., a hist. crit. and biogr. 
of British antors, 4 844. Wbioht, Essays on the lit. , populär superstitiohs and 
hist. of England in the middle ages, 4846. Hallam , The hist. of middle ages 
und Introduction of the lit. of Europa in the 45^ Century, 4837. Cbaik, 
Sketches of the hist. of lit. and learning in England , 4844. Ellis, Speci- 
mens of the early Engl, poets, (5. A.) 4845. Der Italiener Pbcchio: Storia 
della poes. ingl., 4837- Der Franzose Chatbaubbiand und die Revues. 
Eschbnbubo's Auszug aus Wabton als Bd. 3 der Nachträge zu Sulzer. 
Femer die öfter genannten Literaturwerke, auch Hbbdeb in seinen Stimmen 
der Volker in Liedern. Talv j , Geschichtl. Charakteristik der Volkslieder 
german. Nationen (über engl. Volkslieder S. 473 — 644), 4840. Fibdlbb, 
Gesch. der volksthüml. schottischen Liederdichtung, 4846. Ellissbn^ Poly- 
glotte der europ. Poesie. Die englischen Reviews, die deutschen Blätter 
zur Kunde der Literatur des Auslandes seit 4836. Magazin für Literatur 
des Auslandes. Hebbig und Vibhopf, Archiv für das Studium neuerer 
_ Sprachen und Literaturen. Bbnsch, Gesch. d. engl. Spr. u. Lit. von den 
ältesten Zeiten bis zur Einführung der Buchdruckerkunst, 4853. W. Spal- 
DiNG , Gesch. d. engl. Lit. nebst Proben aus den bedeutendem Schriftstellern 
und einer Entwickelungsgeschichte der engl. Spr., deutsch 4 854. Buchneb, 
Gesch. d. engl. Poesie von der Mitte des 4 4. bis zur Mitte des 4 9. Jahrh. , 4 855. 
D0BB*8 CoUection of Standard American authors, seit 4855, enthält: Bibd, 
Bbtant, Coopbb, Cubtis, Emebson, Fbanklin, Habland, Hawthobne, 
LoNGFBLLow (dcsseu Hiawatha die bedeutendste Dichtung in engl. Sprache, 
die seit Jahren erschienen ist; deutsch von BöUger)^ Mabvel, Poe, Pbescott, 
Spabks. Die deut. Uebertragungen, welche bei Kollmann erscheinen, würden 
eine massige Bibliothek füllen. Hbttnbb, Literaturgesch. des 4 8. Jahrh., 4 856 : 
Tbl. 4 : Gesch. d. engl. Lit. v. 4660 — 4770; Tbl. 2: franz., Tbl. 3: deut. Lit. 
Tb&bneb, Bibliographical guide to American literature etc., 4855. London- 
catalogue of books published in Great-Britain from 4834 — 55. 

§. 404. Bei den celtischen Völkerschaften, deren Reste 

die Iren und GäJen sind, waren die mit dem Druidenthum 

zusammenhängenden Barden die Träger der geistigen Cultur. 

Der Stifter ihres Ordens wird Merlin genannt (oben §. 320). 

Die Gesänge Ossian's durch Macphebson (4738 — 96) gesammelt, 
deutsch von Denis, Ahlwardt, BöUger;. die Unechtheit der Lieder Ossian's 
von der Talvj, 4840. Rosenkbanz, Gesch. der Poesie, S. 276 fg< Proben 
von echten alten irischen Volksballaden und Bardenliedern bei 
Walkeb: Historical memoirs of the Irish bards und in der Miss Bbookb: 
Relicks of Lrish poetry, darunter die Ballade von Konig Finn's Jagd 
(Original und Verdeutschung bei Ellissen, I, 4 8 fg-)« I^er blinde Ire Turlough 
O'Karolan, 4670 — 4738, der Gäle Bobert Mackay , genannt der Blaue Bob, 
4744 — 78, sind die letzten Volksdichter celtischen Stammes (oben §. 344)- 
San Mabtb, Die Sagen von Merlin, 4853. Mittheilungen über den Outlaw 
Robin Hood und die Robin -Hood- Balladen von Güth, Hüntbb, I^tienne 
in der Revue des deux mondes, 4. Oct. 4854. 



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Neunundzwanxigstes CapUel. Großbritannien, Irland u. Nordamerika. 241 

§. 405. Kymrische Bardengesänge in Wales und 

Comwallis. 

In den Sammlungen von Joves, Williams und Owen: Myryrian 
archaiology, 4804; Eyans, Specimens of the ancient Welsh poetry, 4764- 
Die Hen Chwedlau (alte Geschichten) und die Mabinogion (Jugendunter- 
haltungen) Yon Charlotte Gubst enthalten walisische Dichtungen in Prosa, 
meistens aus den Sagen von Artus und seiner Tafelrunde. 

§. 406. Literatur unter den Angelsachsen, 449 — 1066, 
Caedmon's (f 630) ^Lobgesang auf Gott', dichterische Be- 
arbeitung mehrer Stücke des Alten Testaments und des neu- 
testameutlichen Mythus von der Ueberwältigung der Hölle 
durch Christus (Ausgabe von Bouterwek 1849). Bruch-, 
stuck von ,Judith und Holofemes'. Heiligenlegenden des 
Abtes Cynewulf im 10. und 11. Jahrh. Das ,Lied von 
Beowidf' ist das älteste germanische Heldengedicht (von 
EttmüUer 1840). 

Die Volksballadendichtung sammelte Pbbcy (4765, 4807 u. 4839). 
TJebersetzungen von Herder, Talvj, Wolff. Bkda's, Duncan's und König 
Alfbbd's (874 — 904) Schriften. Die angelsachsische Chronik. Wulf- 
stan's Reisebericht (oben §. 340). 

§. 407. In der normannischen Periode, 1066 — 1328, 
Hof- und Volkspoesie; bei Hofe die Trouveres und Jongleurs, 
im Volke die Minstrels. Rb. von Gloucester dichtete 1280 
die Reimchronik von England. Das aus 14,696 Halbversen 
ohne Reim, aber mit Assonanzen, bestehende mystisch- 
satirische Gedicht des Mönchs Langland ( 1 370 ? ). Ein 
allegorisch -moralisches Gedicht von Gower, 1323 — 1408. 

Sammlungen von Bitsen 4802, Evans 4840, Ellis 4844 , Pbbct 4842. 

Vier Perioden der neuenglischen Literatur. 

§. 408. Die erste Periode, 1328—1558, beginnt mit 
Geoflfrey Chaucer (1328—1400) aus London, dem Vater 
der englischen Nationalpoesie; doch ist sein Verdienst mehr 
ein technisches als schöpferisches. Sein ,The romaunt of 
the rose' ist eine englische Uebersetzung des berühmten 
altfranzosischen Romans von der Rose. Auch seine übri- 
gen Arbeiten (danmter ,Troilus and Cressida') sind, mehr 
oder weniger Nachbildungen der Alten und der Ita- 
liener, besonders Ovid's und Boccaccio's. Seine ,CÄnter- 
bury-tales' (deutsch von Kannegiesser 1829 und Fiedler 
1844) sind in dem sogenannten heroisdien Versmass ge- 
schrieben, bestehend aus funfflissigen gereimten lamben, 

Mebleker. 1 6 



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242 Zweiiet Buch, Ethnodoktologie. 

abwechselnd mit Prosa. Seine Nachahmer sind kaum der 
Erwähnung werth. 

§. 409. Schottlands engere Verbindung mit Eng- 
land (1050, 1291 , vereint 1603 und 1706) erklärt die üeber- 
einstimmung der Landessprachen und die Gleichmässigkeit 
der Entwickelung und Ausbildung der Nationalliteratur, 
welche seit Anfang des 13. Jahrh. reich an Balladen und 
Liedern ist. 

Th. Lermont, 1283 — 1307: Epos ,Tristram'. John 
Barbour, 1316 — 96, besang die Thaten des Rb. Bruce 
(4306—21); Harry, 1361—1446, das Heldenleben Wal- 
lace's. Winton's (f 1420) Chronik. Konig Jakob's L (geb. 
1393, regierte seit 1424, ermordet 1438) Lieder. Dunbar 
(1465 — 1530), Verfasser von drei allegorischen Dichtungen, 
ist der grosste schottische Dichter jener Zeit. 

Späterhin gänzliches Aufgehen Schottlands in die gesell- 
schaftliche und literarische Bildung Englands; nur die ge- 
lehrten Unterrichtsanstalten Schottlands haben sich den 
Federungen der neuern Zeit entsprechender entwickelt als 
die englischen. 

Revss, Das gelehrte England, 4 794 ; Nachtrag, 4 804. Hbbbio, Hand- 
buch der franzos. und engl. Nationalliteratur, 4856. 

§. 410. Zweite Periode, 1558 — 1702, darunter das 
berühmte Elizabethan age, 1558 — 1603. Beginn der welt- 
historischen Bedeutung Englands. 

Lieder und Balladen von Wyat, 1503 — 42. ,Songs and 
Sonnets' des Grafen Surrey (enthauptet 1547) und Ueber- 
setzung einiger Stellen der Aeneide in ungereimten funf- 
fiissigen lamben (Blankverse) , fortan Hauptmetrum der 
englischen Poesie. Sidney 's (1554 — 86) Eklogenpoesie 
wurde fortgesetzt durch den ,Schäferkalender' Spenser's 
(1553 — 99). Sein allegorisches Epos: ,Die Feenkönigin^ 
(,The fairy queen'), in neunzeiligen iambischen Strophen 
(Spenserian stanza). Sein Fortsetzer Drayton, 1 563 — 1 631 . 
Sonstige Dichter jener Zeit: Walter Raleigh, Nash, Taylor, 
Donne, Hall, Lily, der Schotte Lindsay (f 1567?), Waller, 
1605 — 87. Cowley's (1618 — 67) ,Davideis'. John Milton 
aus London (1608 — 74): Ödes, Sonnets, Songs, Psalms, 
Miscellanies; ,The paradise lost^ in 12 Gesängen reimloser 
lamben, 1655 — 65 (eine Art von Göttlicher Komödie, aber 
eine protestantische); ,The paradise regained', 4 Bücher K 



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Neunundxwanztgstes CapÜH, Gronbritannien, Irland u. Nordamerika, 343 

Butler's (4642 — 80) komisches Epos ,Hu(libra8S 4665 9. 

Das Drama und William Shakspeare, 4564 — 4616. 

I Deutsche Uebersetznng der Werke Ton Böttger seit 4843. Sein 
Leben von Hatlbt 4746 und Iyimet 4833- Ueber ihn Macaulat, Essays, 
II, 256 fg. — * Deutsch von SoUau 4798 und Eiselein 4846. 

§. 414. Dritte Periode, 1702-60. Um die Zeit der 
Königin Anna (1702 — 14) erfuhr Englands schone Literatur 
eine zum Theil aus dem ernsten Charakter der Nation und 
aus der Berücksichtigung der französischen Literatur hervor- 
gegangene Umgestaltung, welche Witz, Verständigkeit und 
Correctheit an die Stelle dichterischer Genialitat setzte. 

Der Dichter Dryden (1631—1701) ist Begründer der 
englischen Elritik. Sein Dialog ,Ueber die dramatische 
Dichtkunst^ seine ,Fable8 ancient and modem% 1700, 
darunter die berühmteste Ode der englischen Literatur, 
das ,Alexanderfest^ (Musik von Händel). Alx. Popels aus 
London (1688 — 1744) Uebersetznng der Homerischen »Dias' 
und komisches Epos ,Bape of the lock^ 1712 ^ Thomson^s 
(1700 — 48) ,JahreszeitenS 1726 «. Young's (1681—1765) 
,NachtgedankenS 1741». Cowper's (1731—1800) Lehr- 
gedicht ,The task' (,Die Aufgabe')*. Addison's (1672 — 
1719) und Steele's (1675 — 1729) Wochenblätter. Gay's 
Fabeln. Congreve's (1672—1729) Lustspiele. Swift's 
(1667—1745) Satiren und komischer Reiseroman ,Gxdliver's 
travelsS 1727*. Sein Freund Arbuthnot (f 1735) schrieb 
einen Commentar zu ,Gulliver's Reisen' und gab den Roman 
,John Bull' heraus. Macpherson^s Ossianische Gedichte. 
Defoe's ( 1 663 — 1 731 ) ,Robinson Crusoe', 1719 (Fata eines 
schottischen Matrosen, Alx. Selkirk). Erweiterung der Ro- 
manlitei^atur, indem Richardson (1689 — 1761) und Gold- 
smith (1729 — 74) den moralischen Familienroman, Fielding 
(1707—54) den komischen, Sterne (1713 — 68) den humo- 
ristischen einführten. 

1 Seine Werke englisch 4806, deutsch von Böttger und Oelkers 4842. — 
* Deutsch von Schmitthenner 4822. — * Deutsch von Benzel-Sternau 
4 825. — * Darüber Kannboibssbr in den Blättern zur Kunde der Literatur 
d. Ansl., 4840, S. 493 -> 528. — ^ Seine Werke in London 4755, Edin- 
bürg 4844; deutsch von Kotlenkamp 4837* Reois, Swiftbüchlein, 4847*. 

§. 412. Vierte Periode, seit 1760. Burns (1759 — 96) 
erhob die schottische Volksdichtung zur höchsten Vollen- 
dung und trug dadurch wesentlich bei zur Verjüngung der 
Nationalliteratur Grossbritanniens und zur Bereicherung der 

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244 Zweites Buch. Ethnodoktohgie. 

WeltUteratnr ^ Durch ihn angeregt traten an die hundert 
Volkßdichter auf, darunter Joanna Baillie (f 4854), Walter 
Scott's Freundin, James Hogg (1772—4835), gewohnlich der 
Ettrickschäfer genannt, Tannahill (1774 — 1810), Cunningham 
(1784 — 1842), Motherwell (1797-1835), NicoU (1814- 37). 

Unter den neuesten Romandichtern erwarben sieh euro- 
päische Berühmtheit Scott, Byron, Bulwer, Cooper, Moore, 
Marryat und Boz, und die Dichter gruppiren sich in Ro- 
mantiker (Byron, Moore, Shelley u. A.) und in Sentimen- 
tale (Wordsworth, Coleridge, Southey, Wilson u. A.). 

Walter Scott aus Edinburg (15. Oct. 1771 bis 21. Sept. 
1832) fand in Schottlands Natur, sowie in den Traditionen 
der schottischen und englischen Geschichte einen Quell 
unversieglicher Inspiration, und seine ganze poetische Tha- 
tigkeit bildet gleichsam eine unendliche, aber nie ermüdende 
Variation des Themas der Vaterlandsliebe. Er übersetzte 
Bürger^s Balladen und Gothe's ,Gotz% schrieb dann Balla- 
den und Dramen, seit 1814 die Waverley- Novellen, so- 
dass 1831 74 Bände historischer Novellen (,Das Herz von 
Mid-Lothian', ,Die Schwärmer', ,Die Braut von Lammer- 
moor', ,Die Legende von Montrose', ,Ivanhoe', ,Kenilworth% 
,Quentin Durward', ,Woodstock' u. s. w.) fertig waren. Unkri- 
tisch ist sein ,Leben Napoleon's', 1 827. Geschichte Schott- 
lands imd literarhistorische Arbeiten. Seine Werke wurden 
nicht nur in fast alle gebildeten Sprachen oft zehn- und mehr- 
fach übersetzt, sondern auch vielfach nachgedruckt. Sein 
Leben von seinem Schwiegersohn Lockhart in 10 Bdn., 1839; 
deutsch im Auszuge von Brühl 1839. 

Beschreibende Didaktiker: Crabbe, 1754—1832. Words- 
worth (1770 — 1850) gilt gewohnlich für das Haupt der so- 
genannten Seeschule (Lake-school), deren Dichter (Lakers) 
Seescenen zu schildern pflegen. Coleridge (1775 — 1834): 
Romanze ,Genevieve' (deutsch von Plonnies), Autobiograph, 
1817. Southey (geb. 1774), Hofpoet seit 1813, auch Hi- 
storiker. Wilson, geb. 1789. 

Von der Didaktik zur Romantik gingen über Rogers, 
1765 — 1832, und Campbell (geb. 1777). Ferner Th. Moore 
aus Dublin (geb. 1780), Anakreontiker und Satiriker: 
,Lalla Rookh, an Oriental romance^, bestehend aus vier poe- 
tischen Erzählungen (,Der verschleierte Prophet von Kho- 
rassänS ,Da8 Paradies und die Peri', ,Die Feueranbeter', 



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Neunundzwanzigstes CapiteL Grossbritannien, Irland u. Nordamerika. 245 

,Das Licht des Harems'), um welche sich eine kurze, in 
Prosa geschriebene Liebesgeschichte als anmuthiger Rahmen 
legt (seine poetischen Werke deutsch von Oelkers, 1839). 
Sein Buch über Byron, 1830, gibt nur schwachen Ersatz 
für das durch ihn vernichtete Manuscript von Byron's Denk- 
würdigkeiten. 

George Byron -Gordon aus London (oder Dover, oder 
Schottland? 4788 — 1824) seit 1798 Lord und Peer, in misan- 
thropischer Stimmung durch das Misgeschick eines EJump- 
fusses, 1809 — 11 im Orient: ,Childe Harold's pilgrimage^ 
1811 — 17; poetische Erzählungen: ,The giaour', ,The bride 
of AbydosS ,The corsair% ,Hebrew melodies', ,The siege 
of Corinth', ,Parisina'; komische Erzählung ,Beppo'; Epos 
,Don Juan' u. A.*. Sein Freund Shelley (geb. 1792, er- 
trank im Mittelmeer 1822) ist der letzte der bedeutendem 
Poeten Englands. Felicia Hemans, 1794 — 1835, und Eliza- 
beth Landon, 1804 — 38. 

Der Amerikaner James Fenimore Cooper (geb. 1789 zu 
Burlington am Delaware) ist gross in der Schilderung des 
Indianer- und Ansiedlerlebens, in der Beschreibung der 
primitiven Sitten und Bräuche seines Landes, in der Dar- 
stellung amerikanischer Naturscenen (,The last of the Mohi- 
cans^, ,The prairie'); auch ist er Schopf er des modernen See- 
romans (,The pilot' u. A.). Der Seenovellist Marryat. Lady 
Morgan schildert Lrlands Sitten, Reisewerke. Der Humorist 
Charles Dickens, genannt Boz (geb. 1812): ,Sketche8 of 
London' und ,Pickwick-papers'. Washington Irving aus 
Neuyork (geb. 1783), Humorist (,Sketch-book', ,Brace- 
bridge- Halls ,Tales of a traveller', ,The Alhambra') und 
Historiker (, Leben des Columbus' u. A.). Geographische 
und ethnographische Romane der neuesten englischen Lite- 
ratur. Bulwer's (geb. 1803) antiquarische und historische 
Romane (, Eugen Aram', ,Rienzi% ,Die letzten Tage von 
Pompeji^ ,Athen'). 

^ Ueber ihn Walter Scott's Schwiegersohn LocicnABT: The life of 
Rob. Borns, 4828, nnd Fibdleb in seiner Gesch. d. schott. Liederdichtang, 
I, 438 — 255. Seine poet. Arbeiten sind in vielen Ausgaben erschienen und 
ins Deutsche übertragen von Gerhard , Kaufmann , tiockelmann, Heintze, 
Freiligraih und Fiedler. — * Ueber sein Leben Hunt und Moobe, Med^ 
wiifs, Salvo, Lady Blessirgton , MGlleb in den Zeitgenossen, 4817, 
Willkomm's biogr. Roman Lord Byron, üebersetzung des Childe Harold 
von Zedlilz, der Dramen und lyr. Gedichte von P filzer, des Manfred und 



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246 Zweüei Buch, Eihnodoktotogie. 

Gianr von HiUther, sammtlicher Werke in der sswickaaer, frankfiirter 
(redigirt tob Adrian) ^ Stuttgarter und leipziger (von Böttger) Ausgabe. 
Die beste Originalausgabe 4842. Bas grosse belletristisch - realistische 
Dioskurenpaar Englands ist Dickbhs und Thackbrat. 

§. 413. Die Bühne (zu Holywell 4570, Druiylane, 
Lmcolns-Inn-Fields, Coventgarden) und das Drama (Ger- 
yinus, 1844 fg., und Ulrici, I, 1 — 100) geht, wie in an- 
dern Ländern, aus dem Katholicismus hervor: Mirakel- 
spiele (Miracles oder Plays of miracles), moralische Spiele 
(Morals oder Moral plays). John Heywood^s Zwischenspiele 
(Interludes) seit 1525. Heinrich's VJlI. Parlamentsacte 1543 
gegen Schauspiele, au%ehoben durch Eduard VI. 1547, er- 
neuert durch Maria 4553 und 1556 Aufhebung aller dra- 
matischen Vorstellungen. Elisabeth's Reformen: erster Frei- 
brief, 10. Mai 1575, für Leicester^s Schauspieler. Blüte des 
englischen Dramas zwischen 1580 und 4620. 

Das romantische oder historische Drama (History 
oder Chronicle history): üdall's (f 1557) ,Ralph Koyster 
Doyster' (Schilderung der Liebesmisgeschicke eines lon- 
doner Gecken), 1550; ,Romeo and Juliet', 1560; Norton's 
,Ferrex and Porrex', 1561 ; Hughe^s ,The misfortunes of Ar- 
thur', 1587; Gössen: ,Schoolof abuseS 1579; Lily, 1554-^98; 
Lodge, 1556 — 1616; Peele, f 1598; Greene, f 1592; Kyd: 
,The Spanish tragedie*, 1599; Marlowe (f 1593): ,Tragical 
history of the life and death of Doctor Faustus' (deutsch 
von Müller, 1818). 

§. 414. William Shakspeare aus Stratford am Avon 
in der Grafschaft Warwickshire (1564 — 1616) übertraf alle 
Vorgänger und blieb den Nachfolgern unerreichbar; der 
dramatische Homer; seit 1589 Theilhaber am Globus- und 
Blackfriars- Theater; seine Blütezeit 1597 — 1606. Unter 
seinen Stücken sind die fünf Trauerspiele ,Macbeth' 
(die Tragödie des Ehrgeizes; seit Aeschylos' ,Eumeniden^ 
die furchtbarste), ,Konig Lear' (die des Mitleids), ,Othello' 
(die der Eifersucht), ,Hamlet' (hier bildet der Gegensatz 
der Charakterschwäche zur erfoderten Thatkraft das Tra- 
gische) und ,Romeo und Julie' (nach Lessing das einzige 
Stück, das die Liebe dictirt hat) die berühmtesten und durch 
meisterhafte Schilderung der Leidenschaften ausgezeichnet- 
sten. Unter den Lustspielen gehören drei ganz der Phan- 
tasiewelt an: der ,Sommernachtstraum', der ,Sturm' und 
das ,Wintermärchen'. Seine übrigen Lustspiele sind meist 



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Neunundzwanzigstes CapiteL Grossbritannien, Irland u. Nordamerika. 247 

aus Novellen entlehnt, darunter die beliebtesten der ,Kauf- 
mann von Venedig' und ,Ma8s für Mass; ,Die beiden Edel- 
leute von Verona^ ,Die IrrungenS ,Die gezähmte Keiferin', 
, Verlorene Liebesmühe*, ,Ende gut, Alles gut', ,Viel Lärm 
lun niehtsS ,Wie es euch gefällt', ,Was ihr wollt', ,Die 
lustigen Weiber von Windsor'; ,Cymbeline', ,Timon von 
Athen', ,Troilus und Cressida'. Es folgen <3 geschieht^ 
liehe Schauspiele: drei aus der römischen Geschichte 
nach Plutarch : ,Coriolan', , Julius Cäsar' (das eigent- 
lich Brutus heissen sollte und den ersten Bang einnimmt), 
,Antonius und Cleopatra^ Die zehn aus der englischen 
Geschichte geschöpften nennt Schlegel nur Ein Werk, ein 
historisches Heldengedicht in dramatischer Form. Acht 
unter ihnen, von Bichard II. bis Richard III. (4377 oder 
1 399 — - 4 485), umfassen die Zeit der Bosenkriege; diesen geht 
König Johann (4199 — 4216) voran und Heinrich Vm. (1509 
— 47) folgt als Epilog. Ausserdem haben wir von ihm zwei 
erzählende Gedichte: ,Venus und Adonis', 1593, imd ,Baub 
der Lucretia', 1594; lyrische Gedichte 1599 und Sonette 1609. 
Ausgabe seiner Werke von Stebybns imdJoHNSON 4803, Colliee 4843. 
Deutsche üebersetzungen von Wieland, Eschenburg, A. W.Schlegel, Tieck, 
Benda, Vo«« und seinen Söhnen, Jut. Körner, Bötty er, Fischer, Simrock, 
Ortlepp, Bapp und Keller. Zur Kritik des grossen Dichters Kmioht 4849, 
Ulrici 4847, Gebtinus 4849, Schlegel, Tieck, Rötscher, Dblius seit 
4854 (Hamlet, Othello, Lear), Eckardt in Bern seit 4854 u. A. Die deutsche 
Bühne eröffiiete ihm Schröder, 

§. 415. Nach ihm zerfallen die Dramatiker in zwei 
Kategorien: in volksthümliche : Munday, Ohettle, Hey- 
wood, Dekker, Chapman, Middleton; und in gelehrte: 
Ben Jonson, 1573 — 1637; Beaumont, 1586—1616; Fletcher, 
1576 — 1625; Ford, 1586 — 1650, u. A. 

Einer spätem Periode gehören an: Dryden, 1631 — 
1 701 ; Davenant ( 1 605 — 68 ) , mit dramatiischen Opern * ; 
Otway, 1651—85; Lee, 1657 — 93; Rowe, 1673 — 1718; 
Herzog von Buckingham (f 1721); Shadwell (1640 — 92: 
,Libertine' ist die Geschichte des Don Juan); Cibber, 1671 — 
1757; Congreve, 1670 — 1729; Farquhar, 1678 — 1707«; 
Garrick, 1716-79; Sheridan (1752 — 1816: ,The school for 
scandal^, 1777). 

Aus neuester Zeit: Coleridge, Scott, Byron, Bulwer, 
Knowles, Milman u. A. 

1 HooABTH, Memoirs of the musical drama, 4838* — ' Hawkins, 
The origin of the EngUeh drama, 4773. 



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248 Zweites Buch, Elhnodoktologie. 

§. 446. Die Prosa in späterer Ausbildung, seit 
Mitte des 46. Jahrh. Die Oeschichtschreiber Daniel und 
Walter Raleigh sind die ersten Prosaisten. Milton^s ,De- 
fensio pro populo Anglicano% 4649. Algemon Sidney 
(4622 — 83): ^Theorie des Staatsrechts'- Hobbes, 4588 — 
4679. Baco von Verulam, 4560 — 4626, Englands Stolz. 
Neper (f 4617): Logarithmen. Harriot (f 4624): Algebra. 
Gilbert (f 4603): Magnetismus. Harvey: Kreislauf des 
Bluts, 4649. 

Meisterwerke historischer Kunst sind Hume^s (474 4 — 
76) ,Geschichte von England' (bis 4688), Robertson's (4724 

— 93) ,Geschichte Kaiser Karl's V.', Gibbon's (4737 — 94) 
,Geschichte des Verfalls und Untergangs des romischen 
Reichs', Macaulay^s ,Geschichte Englands'. 

Die politische Beredtsamkeit, durch die Verfassung des 
Landes gefordert, gelangte zu gediegener Entwickelung, 
besonders durch den altem Pitt (Chatham, 4708 — 78), den 
jungem Pitt, 4 759 — 4 806 , Burke, 4 730 — 97 , Canning, f 4 827, 
Peel, Russell u. A. 

Forderung der Studien des classischen Alterthums, 
dem sich seit Ende des 48. Jahrh. eine fruchtbare Beschäfti- 
gung mit der Sanskritliteratur anschloss, durch Bentley, 
4662—4742, und Person, 4759 — 4808. 

Die durchaus praktische Richtung des englischen Natio- 
nalcharakters gibt sich am meisten kund in der Bearbeitung 
der Philosophie: Alcuin, Erigena Scotus (geb. lun 833, 
in Oxford unter Alfred d. Gr., 877) ^, Anselm von Canter- 
bury, 4033 — 4 409 *, Alexander von Haies (f 4245), Doctor 
irrefragabilis, Duns Scotus (4245 — 4308), Doctor subtilis, 
Occam (f 4343 oder 4347), Doctor singularis et invincibilis, 
Buridan (f nach 4358, sein Esel), Bacon, Locke, 4632 — 
4 704, Hume, Shaftesbury, 4670 — 4713, Adam Smith, 4 723 

— 90, Ferguson, 4724 — 484 4. Der Mathematiker Isaak 
Newton, 1 642 — 4 727. Der Astronom Herschel, 4 740 — 4 820. 
Die Physiker Cavendish, 4733 — 4840, und Pristley, 4 733 — 
4804. In der Medicin wurde Brown (f 4788) Schopfer eines 
neuen (des Erregungs-) Systems. Forderung der Geogra- 
phie durch Reisen, Entdeckungen und Gesellschaften. 

Die öffentlichen und Privatvereine zur Forderung der 
Künste und Wissenschaften. Royal society in London. 
Zeitschriften und Vorlesungen. ,The annual register' und 



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Dreissigstes Capitel. Niederland. 249 

,The new aunual register'. Tytler und Napier: ,Encyclo- 
pedia Britannica* (31 Bde., 1771—1842). 

1 Veber ihn Studenmatbb 4834. — ' Ueber ihn Frank 4842. 



Dreissigstes Capitel. 
Xiederland. 

Ohne Artikel, nach Niebahr, Nachgelassene Schriften nicht philolo- 
gischen Inhalts, S. 381. 

§. 417. Gegenwärtig kann man in dem Gesammtgebiet 
der Niederlande zwischen den Dünen der Nordsee und den 
Stromgebieten des Rhein, der Scheide, Maas, Yssel und 
Ems fünf wesentlich verschiedene Mundarten der 
niederdeutschen Sprache annehmen: 1) das eigentlich Hol- 
ländische, schon seit dem 10. Jahrh. Büchersprache der 
nördlichen Provinzen (oben §. 310); 2) das Friesische; 
3) die geldemsche oder sogenannte niederrheinische; 4) die 
groningische Mundart, wozu auch die oberysselsche gehört, 
und 5) die vlämische Mundart, oder die deutsch -belgische 
in Flandern und Brabant, während die romanisch -belgische 
oder wallonische Sprache sich im Hennegau, Namur, Lüt- 
tich und einem Theil von Limburg und endlich bei den 
hohem Ständen oder den Gebildeten in Belgien die fran- 
zösische Sprache zur Geltung gebracht hat. 

' Ypet, Beknopte geschiedenis der nederlandsche taal, 4812. 

§. 418. Einwirkung Frankreichs auf die niederländische 
Kunstpoesie, Deutschlands auf die Volksdichtung. Von 
diesem Invloed handeln die Schriften von W. de Clercq, 
1825 S und van Capelle, 1821 «. 

Seit dem 13. Jahrh. begann die eigenthümliche Aus- 
bildung der nun von ihrer Schwester sich bestimmter unter- 
scheidenden Landessprache. Die ältesten Denkmäler be- 
stehen in Stadtrechten und Chroniken, besonders in Nach- 
bildungen ausländischer romantischer Dichtungen ^ Bibel- 
übersetzungen (die zu Delft 1477). Bekämpfung des La- 
tein, dessen sich die Gelehrten zu bedienen pflegten, durch 
Plantin, 1573, und Stevin. Die Kammer der Rhetoriker zu 
Amsterdam und ihre Grrammatik, 1584*. 

' Beantwoording der vrage: welken invloed heeft vreemde letter- 
kunde etc. gehad op de nederlandsche taal en letterkunde sints het begin 



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250 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

der 45. eeaw tot op onze dagen? — ' Over den invloed der hol- 
landsche letterkunde op de hoogdaitsche in de 47* eeuw. — ^ Willems 
aas Antwerpen : Yerfaandeling orer de niederduytsche taal en letter- 
kunde etc., 4849—24' Van Cafbllb, Bydragen tot de geschiedenis der 
wetenschappen en letteren in Nederland, 4824. Lbbbocqut, Pr^cis de 
lliist. litt, de Pays-Bas, 4827. Snbllaebt, Hist. de la litt, flamande. 
BowBiNO, Sketch of the langnage and literatare of Holland, 4 829. Yisscheb, 
Bloemlezing alt den beste Schriften der nederlandsche dichters van de 43. tot 
en met de 48. eenw, 4820. Hoffmann, Horae Belgicae, 4 830 fg., 44 Theile 
bis 4855. Monb, Uebersicbt der niederländ. Yolksliteratar alt. Zeit, 4838. 
P. F. L. y. EiCBSTORFF, Deutsche Blamenlese ans niederländ. Dichtem, 4826. 
Mautillon, Auswahl niederländ. Gedichte (ins Deutsche übertragen), 
i|g39_44. — 4 Katb's Grammatik, 4722; Hutdbcofbb's 4730. Mblis 
Stokb*8 Stil für die Prosa, 4772; Sibgenbbbk für Orthographie, Kinkbr 
für J*ro8odie. Wörterbücher von Kilian (f 4507), Wbiland 4799. 
Sbbbubb gibt soeben eine Geschichte dör niederländ. u. franzos. Literatur 
unter folgendem Titel: Geschiedenis der nederlandsche en fransche letter- 
kunde in het graÜBchap Vlandem, van de vroegste tyden tot aen het einde 
der regering van het huis ran Burgondie, 4 855. — Hbnobick Conscibnce, 
ein belgischer (vlämlscher) Schriftsteller. 

§. 419» Das Haupterzeugniss niederländischer Volks- 
dichtung ist das Thierepos von Reinhart dem Fuchs, 
welches, hinweisend auf die Ursitze der germanischen 
Stamme in Asien, wo in der altindischen Literatur die 
Thiersage gleichfalls ein wichtiges Element ist, zugleich 
als die letzte eigenthumliche poetische Gestaltung der alt- 
deutschen Thiersage zu betrachten ist, über deren Wesen, 
Alter und Geschichte, sowie über die aus ihr erwachsenen 
Dichtungen insbesondere Jak. Grimm in seiner trefflichen Ein- 
leitung zu ,Reinhart Fuchs^^ 4834^ Aufschluss gegeben hat K 

Die Haupthelden des deutschen Thierepos sind der Fuphs 
Ragnihart, d. i. der kluge Rathgeber, woraus Reinhart und 
das niedersäohsische Deminutiv Reineke entstanden sind, der 
Wolf Isengrimm und der Bär Bruno , d. i. der Braune , an 
dessen Stelle als Thierkonig dann der Lowe trat, der im 
ältesten hierher gehörigen lateinischen Gedichte Rufanus, 
iin ältesten deutschen Yrevel, dann französisch Noble heisst. 
Ein Geistlicher in Südflandem zu Anfang des 42. Jahrh. 
behandelte in lateinischen Distichen zwei Geschichten vom 
Wolf im ,Isengrimus^ Dieselben Geschichten mit zehn an- 
dern erzählte auch in lateinischen Distichen ein Magister 
Nivardus, vielleicht ein nordflandrischer Benedictiner, etwa 
50 Jahre später in dem ,Reinardus vulpes' *. Etwa um die- 
selbe Zeit (Mitte des 4^. Jahrh.) fällt auch die erste uns 
bekannte deutsche dichterische Bearbeitung dieses Gegen- 
standes durch Heinrich den Glichesäre, d. i. Gleissner, 



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Dreissig$tes Capitel. Niederland. 251 

einen Elsasser, der nach einem franzosischen (uns verlorenen) 
Gedichte seinen ,Reinhart Fuchs' dichtete, von dem in der 
ursprünglichen Gestalt nur etwa ein Drittel in Bruchst&cken 
erhalten ist \ Dagegen hat sich bis auf ein Geringes eine 
Umarbeitung des Gedichts aus dem Anfang des 43. Jahrh. 
erhalten^. Die franzosischen Dichtungen der Thiersage^ 
reichen kaum über den Anfang des 43. Jahrh. hinauf. 
Keine von ihnen hat dem niederländischen, wahrscheinlich 
flandrischen Dichter zum Vorbild gedient, der um die Mitte 
des 43. Jahrh., nach Willems schon um 4470, selbständig 
den ,Eeinaert de tos^ behandelte. Ihm wahrscheinlich kommt 
der Name Willem zu, nicht dem Unbekannten, der etwa 
400 Jahre später das Gedicht überarbeitete und fortsetzte, 
aus welcher Umarbeitung die Auflosung in Prosa entstand •. 
Dieselbe Umarbeitung ist auch das Original des nieder* 
sächsischen ,Reineke Vos' ^, dessen Verfasser nicht mit vol« 
liger Sicherheit zu ermitteln ist. Man stimmt mehr für den 
Westfalen Nikolaus Baumann, der in Lübeck und Rostock 
lebte und 4526 starb, als für den Holländer Heinrich von 
Alkmaar (Lübeck 4498). 

1 Geryinus, Gesch. d. deut. NationaUit., 3. Ausg., I, 42<2 — ißi. — 
* Von MoNE 4832. — ^ Herausgeg. y. Jak. Grimm in seinem Sendschreiben 
an K. Lachmann über Reinhart Fuchs, 4840. — * Mailath's und Köffin- 
GEs*s koloczacr Codex 4848 und Jak. Gbimm 4834. — ^ Mbon, Le roman 
du Renart 4826 nnd Supplemente von Chabaille 4 835. — ^ Gouda 4479, 
Delft 4485, Lübeck 4783. — ^ Lübeck 4498, Rostock 4547, hochdeut. 
üebersetzung v. Beuther 4644, in latein. Versen v. Schopper 4567. Aus- 
gabe V. Haremann 4744, Gottsched 4752. In hochdeut. Hexametern 
V. Goethe 4794, Bbbdow 4798, Schbllbb 4825, Hoffmann v. Fallers- 
lebbn 4 834. Üebersetzung in kurzen iambischen Reinpaaren v. SoUau 4 803 
und Simrock 4845. Habtmann, Reineke Fuchs, frei dem Originale nach- 
gebildet mit 36 Stahlstichen und Originalzeichnungen y. Leutemann, 4855. 

§- 420. Gegen dieses Erzeugniss treten die niederlän- 
dischen Kunst dichter fast ganz in den Hintergrund, als 
deren Vater man Jak. van Maerlant (1235 — 1300) be- 
trachtet, dessen Reimbibel oder Keimchronik fortsetzten oder 
nachahmten Velthem, Heelu, Clerk, Stoke. Das ,Dietsche 
Doctrinale', 1345. Religiöse Mysterien und weltliche Morali- 
taten. Die ersten Meistersänger oder Rederyker (Rhetoriker) 
in Dixmuiden, 1394, und Antwerpen, 1400. Aus der amster- 
damer Dichterschule, der in Liebe blühenden (in liefde 
bloeijende), 1517, gingen die ersten Musterdichter hervor: 
Coomhert, 1522-90, Mamix, 1538—98, Spiegel, 1549—1612, 
Vissher (f 1625) und seine Tochter Maria und Anna, Hooft 



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252 ' Zweites Buch. EthnodokU)logie. 

(4581 — 4647), der eigentliche Schopfer der holländischen 
Sprache. 

Vollendung der Poesie durch den Lyriker, Satiriker und 
Trauerspieldichter Joost van den Vondel aus Köln, 4587 — 
4679. Lieblingsdichter seines Volks wurde Jak. Cats (4577 
^—4660) durch seine didaktischen und beschreibenden Ge- 
dichte (jVater Cats' Buch'). Brederode (f 1648) ist Schopfer 
der Komödie, Sm. Coster der Tragödie. 

Verfall der holländischen Literatur mit dem Ende des 
4 7. Jahrh. Macht des französischen Einflusses. Gegen die 
franzosische Classik machte Lennep (geb. 480SI) die Ro- 
mantik geltend. 

Hbmsbit, Das holläncL Theater, im Deatscheü Museum, 4855, Nr. 28. 

§. 424. Die Prosa, im 46. und 47. Jahrh. durch Mamix, 
Hooft und Brandt (4626 — 85) ausgebildet, sank und machte 
Rückschritte bis auf Justus van Effen (f 4735). Seine zu 
Utrecht herausgegebenen Wochenschriften ,De misanthrope' 
und ,De spectator'. Seit Ende des 48. Jahrh. ist Stijl Be- 
gründer einer neuen Aera. Kluit, Meermann, Stuart, Schel- 
tema, Kantelaar, van der Palm, Hennert, van dem Bosch, 
Siegenbenk. BUderdijk ist Muster in allen Gattungen des 
Stüs. 

§. 482. In dem Gesammtwirken ihrer wissenschaft- 
lichen Bestrebungen muss den Niederländern ein sehr 
bedeutender Einfluss auf allgemeine literarische Cultur zu- 
gestanden werden, namentlich haben sie grosse Verdienste 
durch ihre Unterrichtsanstalten (Deventer 4370, Löwen 4 426, 
Leyden 4575, Athenäen zu Brüssel, Lüttich, Gent, Brügge), 
um Philologie (Thomas a Kempis, Gansvoort, die Agricola, 
Erasmus, Lipsius, Voss, Scaliger, Spanheim, Heinsius, 
Gronov, Burmann, Drakenborch, Wesseling, Hemsterhuis, 
Valckenaer, Kuhnken, Wyttenbach), um Theologie und Juris- 
prudenz (Hugo Grotius, 4 583 — 4645), vaterländißche Ge- 
schichte (Wagenaer 4709 — 73), Mathematik (Huyghens), 
Philosophie (Spinoza), Naturwissenschaften (Camper), Me- 
dicin (Boerhaave) und besonders um Anatomie (Camper). 
Oben §. 46 und 52, 4. 



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^nunddreissigstes Capttel Deutschland, 253 

Einunddreissigstes Capitel. 
Deutschland, 

§. 423. Hauptmomente in Betreff der Aus- und 
Fortbildung der deutschen Sprache. Innerhalb des 
fränkischen, mit Karl d. Gr. beginnenden Zeitraums 
(768 - 4136) ist zunächst Karl selbst mit seinen Gelehrten 
(£giuhard,^ Alcuin), dann unter den sächsischen Kaisern 
(919 — 1024) Notker's Einfluss von Bedeutung, unter den 
fränkischen Kaisem (1 034 — 11 25) das ,Loblied auf den Erz- 
bischof Hanno von KolnS 1075, Hauptsprachprobe. Den 
schwäbischen Zeitraum (1136 — 1254) erfüllen die Minne- 
sänger. Darauf beginnt die Sprachdepravation hauptsächlich 
durch die Meistersänger. Es folgt Luther's Kirchen- und 
Sprachreformation, seine Bibelübersetzung, 1518—45. Durch 
Ch. Wolf wird die deutsche Sprache auch Wissenschafts- 
sprache. Sprachforderung durch Opitz, Lohenstein, Hagedorn 
und die Gesellschaften seit dem 17. Jahrb.: Palmenorden, 
Fruchtbringende Gesellschaft zu Weimar 1617, Aufrichtige 
TannengeseUschaft zu Strasburg 1617, Deutschgesinnte Gesell- 
schaft zu Hamburg 1646, Blumenorden der Schäfer an der Peg- 
nitz zu Nürnberg 1 644, Schwanenord^n an der Elbe 1 660, Deut- 
sche GeseUschaftzuLeipzig 1697. Franzosischer Einfluss 
seit Ende des 1 7. Jahrh. K Sprachmengerei. Purismus Gott- 
sched's seit 1727. Einfluss Klopstock's, Lessing's, Wieland's, 
Engel's. Leistungen der Gegenwart für die wissenschaftliche 
und besonders historische Erforschung der deutschen Sprache. 
Epoche macht Jak. Grimm's ,Deutsche Grammatik^, 1822. 
Studium der altdeutschen Literatur seit Beginn des 1 9. Jahrh. 
Die romantische Schule. Bopp, ,Vergleichende Grammatik^ 
1833 — 42. Popp, Etymologische Forschungen, 1833 — 36. 
Sprachlehren von Heyse, Gotzinger, Becker, Herling. Leit- 
fäden zum Unterricht im Altdeutschen von Wackemagel, 
Ziemann u. A. Lexikographen: Graflf (,Althochdeutscher 
Sprachschatz', 1834 — 43), Ziemann, Benecke und Müller 
(,Mittelhochdeutsches Handwörterbuch', 1837 und 1854); für 
die neuhochdeutsche Sprache: Adelung, Campe, Heinsius; 
das Wörterbuch der Gebrüder Jak. und W. Grimm seit 1852. 
Grammatische und historische Behandlung lebender Mund- 
arten: ,Bairi8che8 Wörterbuch', 1827 — 37, ,Baiems Mund- 
arten, 1821; Tobler, ,Appenzelli8cher Sprachschatz', 1837. 



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254 ZweU€9 Buch. EihnodMoiogie. 

Der Charakter der deutschen Sprache ist Bildsam- 
keit, Reichthum und Universalität^. 

1 Radlof, Frenkreichfl Sprach- und G^istestyrannei über Europa seit dem 
Rastadter Frieden, 4744. — * Kolbb, Ueber den Wortreichthum der deut- 
sehen nnd firanzosischen Sprache nnd beider Anlagen sar Poesie, 4848 — 20. 

§. 424. Allgemeine Hülfsmittel zur Literatur Ton 
Koch 4790, Nasser 4798 — 4800, Jordens 4806 — 44, Müller 
4807, F. H. T. d. Hagen und Büsching 4842, Hom 482S fg., 
Manso (als Nachtrag zu Sulzer^s ,Theorie der schonen Künste^, 
Bd. 8), Mone 4830, Wachler (2. A.) 4842, Kannegiesser 
4836, K. Rosenkranz 4820 und 4836, Gotzinger 4837 — 44, 
Gervinus (4. A.) 4852, Kehrein 4840, Zimmermann 4846, 
Gumposch 4846, Herzog 4837, Laube 4837— 39, Rinne 4842, 
Bohtz 4832, Vilmar (4. A.) 4850, Geizer (2. A.) 4847, 
Koster 4846, Ettmüller 4847, Biese 4846—48, Frutz 4845, 
4847und 4854, Gutzkow4836, Wienbarg4836, Marggraff4839, 
Kühne 4843, Weber (2. A.) 4849, Heibig (3. A.) 4847, 
Scholl 4850, Rüge, Wackemagel 4854 , Hillebrand 4850 — 54, 
Koberstein (4. A.) 4855, Cholevius 4854, Julian Schmidt 
(2. A.) 4855, Gottschall 4855. Sammelwerke von Erlach, 
Wolff, Soltau, Rochholz, Uhland, Firmenidi, MüUer und For- 
ster, Wackemagel, Künzel, Pischon, Kurz, Schwab, Echter- 
meyer, Frommann und Häusser, Godecke 4 849, Lassberg u. A. 
Hub, Die deutsche komische und humoristische Dichtung und 
die Prosaisten seit Beginn des 46. Jahrb., 4855 fg. Soltau, 
Deutsche historische Volkslieder, herausgegeben von Hilde- 
brand, 4855 fg. Eitner, Synchronistische Tabellen zur deut- 
schen Literaturgeschichte u. s. w., 4856. 

A. Die ältere Zeit, bis auf die Hohenstaufen , 1152. 
§. 425. Die Germanen oder Deutschen ^ hatten nach 
Tacitus (,Germ.^, 2 und 3, und ,Annal.S U, 86) Kampf- 
und Kriegslieder (Barditus), sangen bei Gelagen und Be- 
gräbnissen und liebten überhaupt den Gesang. Den Stoff 
bot die Mythologie und Heroologie dar, die Sagen von 
Tuisco, Mannus, Armin, vom hörnernen Siegfried und vom 
Wolf Isengriixmi und Fuchs Reinhart *. 

1 Jak. Gbihm, Deutsche Gramm., 3. A«, I, 40fg* Haupt, Zeitschrift 
für deutsch. Alterthum, 4 845) S. 544. — * Jak. Grimm, Deutsche Mythologie. 
W. Grimm , Deutsche Heldensage. Schwenk , Mythol. d. Germanen. Mohb, 
Untersuchungen zur Gesch. d. deutsch. Heldensage. Grässb, Erörterung d. 
Sagenkreise des Hittelalters in dessen AUgem. Literargeschichte. Gödecke, 
Deutsche Dichtung im Mittelalter, 4854, zugleich mit Angabe der allgemeinen 
und speciellen Quellen und HalüBmittel. 



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Einunddreissigstes Capitd, Deutschland, 255 

§. 426. Seit dem Beginn der Volkerwanderang (375) 
mischte sich der altnationale Heldengesang der Germanen 
mit griechischen und romischen Sagen, und so entstanden 
neue germanische Sagen und Sagenkreise, die sich grossten* 
theils an die Geschichte anlehnten, ohne jedoch Zeit und 
Raum zu sondern. 

4. Der ostgothische Sagenkreis beschäftigt sich mit 
den Konigen der Ostgothen aus dem Geschlechte der Amaler, 
daher Amelungen genannt, Ermanrich und dessen Neffen 
Theodorich d. Gr., oder, wie er in der Sage heisst, Dietrich 
von Bern (Verona, daher auch Dietrichsage), mit seinen 
Dienstmannen, den Wölfingen, worunter der alte Waffen- 
meister Hildebrand hervorragt. 

2. Der burgundisch-niederrheinische oder frän- 
kische (beide verschmolzen ineinander) Sagenkreis enthält 
die burgundischen Konige Günther, Gemot und Giselher 
mit ihrer Mutter Ute, ihrer Schwester Chriemhield, ihren 
Mannen Hagen, Dankwart und Volker, mit Giinther^s Ge- 
mahlin Brunhild und deren fruherm Verlobten, dem nieder- 
rheinischen Helden Siegfried. 

3. In den hunnischen Sagenkreis gehört der Hunnen- 
konig Attila (Etzel in der Sage) und die Helden Walther 
von Aquitanien, Rüdiger von Pechlaren, Imfried von Thü- 
ringen u. A. 

4- Den friesisch -dänisch -normannischen Sagen- 
kreis bilden der Friesen- oder Hegelingenkonig Hettel mit 
seiner Tochter Gudrun, der Normannen- oder Dänenkonig 
Horand mit seinem ungeheuerlichen Oheim Wate, welchen die 
Normannenkonige Ludwig und Hartmuth gegenüberstehen. 

5. Der nordische Sagenkreis führt uns den Jütenkonig 
Beowulf vor und die skandinavischen Helden Wittich und 
Wieland mit ihrer mythischen Umgebung. 

Verwandtschaft der Sprache und Sage der Ger- 
manen mit den nordischen oder skandinavischen 
Volkern. 

6. In den lombardischen Sagenkreis gehor^i die lom- 
bardischen Könige und Helden Rother, Otnit, Hugdietrich 
und Wolfdietrich. 

§. 427. Zugleich trat durch die Wanderung eine Ver- 
änderung der Sprache ein : Gothisdb , Althochdeutsch 
(Fränkisch- Alemannisch), Altniederdeutsch (Altsächsisch) 



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256 Zweites Bttch. Ethnodoktohgie, 

und Angelsächsisch. In den Gedichten der ältesten Zeit 
und bis ins 9. Jahrh. findet sich der Stabreim oder die 
Alliteration, dann folgt der Endreim. Die älteste Vers- 
strophe besteht aus zwei Langzeilen. Künstliche Masse und 
Liederstrophen kamen erst zur Zeit des Minnegesangs auf ^. 

Schon frühzeitig gab es fahrende Sänger und Spielleute, 
und selbst Eonige und Helden übten Gesang und Saiten- 
spiel, wie der alte Konig Beowulf, Volker in den Nibe- 
lungen und Horand in der ,Gudrun^. 

Gegen diese Volkspoesie eiferte der Fanatismus der 
christlichen Pfaffheit seit Bonifaz, 748 — 815; darum ist 
im Ganzen so wenig aus jener Zeit erhalten, und wir be- 
sitzen von alten Gedichten in alter Fassung (aus dem 8. 
oder 9. Jahrh.) nur noch drei: 

4 ) den in angelsächsischer Sprache gedichteten ,Beowulf ^ 
(oben §. 406), 2) das ,Lied von Hildebrand und seinem 
Sohne Hadubrand' (Hildebrandslied)*, 3) den ,Walther 
von Aquitanien' ^ dessen Gegenstück, ,Ruodlieb' (Anfang 
des 11. Jahrh.), von tegernseer Mönchen, auch nur fragmen- 
tarisch in lateinischen Versen erhalten ist*. 

1 Lachmann , Ueber althochdeutsche Betonung und Verskunst. — 
2 Als Theil der Dietrichsage in althochdeutscher alliterirender Fassung 
nur noch fragmentarisch, bearbeitet von Kaspar von der Roen am Ende 
des 45. Jahrh. Gebrüder Grihm, Die beiden ältesten deutschen Gedichte etc., 
4812; W. Grimm 4830; Lachmanm in den Schriften der berliner Akad. 
d. Wiss., 4833. — ^ Nur noch in latein. Hexametern des St. -galler Mönchs 
EoKEHARD d. Aelt., f 973, oder dessen Zeitgenossen Geraldus, herausgeg. 
von Jak. Grimm u. Sohmbller, neudeutsch von Simrock. — * Bei Jak. Gbimm 
und Schmeller, wo sich auch die latein. abgefassten Gestaltungen der deutsch. 
Thiersage finden: Ecbasis captivi, Isengrimus und Reinardus vulpes. 

§• 428. Mit der Christianisirung Deutschlands und des 
Nordens durch Karl d. Gr. trat an die Stelle des altnatio- 
nalen Heldengesangs die geistlich-christliche Dich- 
tung. Alcuin's Schüler Hrabanus Maurus (776 — 856) 
wurde der eigentliche Begründer mönchischer Gelehrsam- 
keit in Deutschland und die von ihm zu Fulda 804 einge- 
richtete Klosterschule Muster für die übrigen. 

In althochdeutscher (oder oberdeutscher) Mundart: das 
jLudwigslied' des Mönchs Hucbald (f 930) zu St.-Amand 
sur TElnon (oben §. 317); das Lied auf Athelstan's Sieg 
über die Dänen bei Brunanburgh, 937; Evangelienhar- 
monien: Tatian's, Otfried's, eines Mönchs von Weissenburg 
im Elsass, 870, ,Krist' genannt, in gereimten Versen*. 



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Einunddreissigsies CapUel. Deutschland. 257 

In niederdeutscher Mundart die Evangelienharmonie ,He- 

liand^ (Heiland), angeblich yon einem sächsischen Bauer im 

Auftrage Ludwig's des Frommen verfasst*. Das ,Wesso- 

brunner Gebet% ,Muspilli^ oder Gedicht vom Jüngsten 

Gericht. Die Schriften des Königs Alfred. 

^1 Ausgabe von Gbaff \ 830* — ^ Aasgabe und Benennung von Schubllbr 
1830; neudentsch von Kannegiesser 4847 und Rapp i856. 

§. 429. Unter den Frosawerken steht die Bibelüber- 
setzung des Ulfilas oben an, 348 — 88, als ältestes Denk- 
mal deutscher Sprache (oben §. 304). 

Aus den Zeiten der sachsischen Kaiser (919—1024) ist 
das wichtigste Sprachdenkmal die Uebersetzung der Psalmen 
von Notker Labeo (952—1022), Mönch in St. -Gallen. 
Unter den Ottonen wurde durch den Verkehr mit Italien 
die classische Literatur in Deutschland heimisch. Die 
Aebtissin Hroswitha von Gandersheim dichtete in lateini- 
scher Sprache religiöse Dramen *, um den frivolen Terenz 
zu verdrängen, auch fing man an, Volksgesänge (§. 427) 
in lateinische Verse zu kleiden und aus Homer und Virgü 
Zuthaten und Reminiscenzen einzuschalten. So entwickelte 
sich in dem nächsten Zeitraum die christlich-romantische 
Dichtung (oben §. 307, 321). 

Aus den Zeiten der fränkischen Kaiser (1024 — 1125) 
ist die Uebersetzung und Erklärung des Hohen Liedes 
von Williram (f 1085), Abt zu Ebersberg in Baiem. Die 
augsburger Schenkungsurkunde ist die erste in deutscher 
Sprache, 1070. 

Lateinisch schrieben die berühmten Chronisten: Witte- 
kind von Korvey, f 1004, Dietmar von Merseburg, f 1011, 
und Lambert von Aschaflfenburg, f 4077. 

^ Uebersetzt und erläutert von Bendixen. Gesammtabentener. Hundert alt- 
deutsche Erzählungen : Bitter- und Pfaffenmären , Stadt- und Dorfgeschichten, 
Schwanke , Wundersagen und Legenden , meist zum ersten mal gedruckt und 
herausgeg. von F. H. v. d. Hagen, 1865. Kurz, Gesch. d. deutsch. Lit., 1, 1853. 

B. Die Blüte der schwäbischen Mundart unter den 
Hohenstaufen, 1137 — 1300. 

§. 430. Literatur des hohenstaufischen oder schwäbi- 
schen Zeitalters , 1 i 50 — 1 350 , 12. und 1 3. Jahrhundert. Süd- 
deutsche oder mittelhochdeutsche Mimdart Romantische 
Poesie im Gegensatz der classischen. Das Zusammentreffen 

Merlbkxr. 1 7 



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258 Zweiiti Buch. Ethnoäoktologi§. 

yerschiedeiiariiger Elemente bringt eine Bewegung des gei- 
stigen Lebens der abendlandischen Volker hervor, die nach 
allen Seiten in Thai und Wort sich kund^bt: Kampf der 
weltlichen und geistlichen Macht, Ritterthum, Bürgerthum, 
Universitäten, scholastische Philosophie, Monchthum, Kreuz- 
züge. Ausgehende Bewegung von Spanien und Südfrankreich. 
Die Hohenstaufen (4437 — 1254) sind Pfleger der ritterlichen 
Poesie, ebenso Leopold von Oestreich, 1198—4230, Land- 
graf Hermann von Franken und Thüringen, 1490 — 1245. 
Süddeutschland ist der Sitz der hofischen Bildung und Poesie. 
Volks- und Kunstpoesie, letztere wiederum getheilt in 
die romantische Kitterepopöe und in den Minnegesang. 

4. Kpische Poesie. 

§. 434. Die Epopöe behandelt theils einheimische, 
theils ausländische Sagenstoffe. Zu den einheimischen ge- 
hören zunächst alle deutschen Heldensagen, die dem Nibe- 
lungenliede zum Grunde liegen: die fränkisch -burgundische 
Siegfriedsage (Sigurdsage bei den Skandinaviern), welche 
dem ersten Theil, und die gothische Dietrichsage, die der 
zweiten Hälfte jenes Kationalepos zum Grunde liegt; femer 
das Lied von Walther von Aquitani^n und die Thiersage. 
Zu den ausländischen Stoffen gehört die Karls-, Artus- 
und Graalsage, Titurel und Parzival. Auch zerfallt die 
Epopöe in das Volksepos, das Epos der Karche, das ro- 
mantische und historische Epos. 

a) Volksepos. 

§. 432. Das ,Heldenbuch^ bt eine Sammlung von epi- 
schen Gedichten, deren Mittelpunkt Siegfried und Dietrich 
sind, enthaltend den ,Otnit', , Wolfdietrich', den ,GT08sen 
Rosengarten' und den ,Laurin' oder sogenannten ,Kleinen 
llosengarten'. 

Dieselben Gedichte (zwischen 4490 — 4590 mehrmals gedruckt), ausser- 
dem das Bckenlied (£cke*s Ausfahrt, bezüglich auf Dietriches Jugend), die 
Gedichte Tom Riesen Sigenot, von Dietriches Drachenkämpfeo , von EtzeVs 
Hofhaltung, das jüngere Hildebrandslied und ausserdrai zwei nicht zu 
diesem Kreise gehörige Gedichte, das Meerwunder und eine Bearbeitung 
der Sage vom Heraog Ernst, vereinigte in einer geistloBen, sprachlich 
verwilderten Ueberarbeitung Kaspar von Roen (Röhn) aus Münnerstadt in 
Pranken 4472. F. H. v. ». Haobn und Primissbr, Heldenbuch, 4820, und 
F. H. v. D. Haobh 4855. 



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EinunddreisMigsUs CapUeL D0Ut$eKland, 359 

§• 433. Die beiden grossen Volksepen der Deutschen 
sind das Nibelungenlied, gleichsam die deutsche ,IliasS und 
,GxidrunS die deutsche ,Odyssee^ 

Das Nibelungenlied, eigentlich ,Der Nibelunge Not', 
ist das grossartigste und bedeutendste unter den Denkmälern 
der mittelhochdeutschen epischen Yolkspoesie. Seine me- 
trische Form ist die vierzeilige Strophe, die sogenannte 
Nibelungen- oder Heldenstrophe, deren Zeilen paarweise 
stumpf reimen und durch Cäsur in Halbzeilen zerfallen. 
Dem Inhalt nach zerfallt das Gedicht in drei Haupttheile: 

1. Siegfried^s Thaten bis zu seinem Tode. Nachdem 
Siegfried die Nibelungen unterworfen, zieht er nach AVorms 
und wirbt um Chriemhield, die sich bei ihrer Mutter Ute 
und bei ihren Brüdern (Günther, Gernot und Giselher) 
aufhält. Er hilft Günther die Brunhild erwerben. Streit 
der Frauen. Brunhildens Rache durch Hagen; Siegfried's 
Tod. 

2. Chriemhieldens Eache. Sie heirathet Etzel, den 
Hunnenkonig, um Mittel zur Sättigung ihrer Rache zu 
erlangen. Nach sieben Jahren ladet sie die Burgunder an 
ihren Hof (Hagen und Volker, Rüdiger und Dietrich von 
Bern). Chriemhield todtet Hagen und wird selbst von 
Hildebrand getodtet. 

3. Die Klage. Etzel, Dietrich und Hildebrand, die 
einzig übriggebliebenen Helden, stimmen die Klage über 
die Gefallenen an, und das Leben und die Thaten jedes 
Einzelnen werden erzählt. 

Die Frage nach dem Verfasser des Gedichts , für 
den z. B. Schlegel (im ,Deut8chen Museum', Bd. 4) Ofter- 
dingen oder Klinsor annahm, hat Lachmann ^ dahin beant- 
wortet, dass aus der Zusammensetzung von 20 noch er- 
kennbaren epischen Volksliedern, die vorher einzeln ge- 
sungen wurden und deren letzte Fassung gegen das Ende 
des 12. Jahrh. fällt, um das Jahr 1210 das Gedicht durch 
die Hand eines unbekannten Ordners in der Form des 
Textes hervorging, den die münchner (sonst zweite hohen- 
emser) Handschrift darbietet. Noch vor 1225 erfuhr das 
Gedicht zwei neue Ueberarbeitungen, die in der sanct- 
galler und ersten hohenemser Hand$chrift erhalten sind. 
Die lUage ist wahrscheinlich eine schon zu Ende des 12. 
Jahrh. verfasste Umdichtung eines altem Gedichts. 

17* 



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200 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

1 lieber die nrsprungliclie Gestalt des Gedichts von der Nibelunge 
Not, 4846, und: Anmerkungen zu den Nibelungen und zur Klage, 4836. 
Ausgabe von Bodmer 4757, MCllbr 4782, v. d. Hagen seit 4840 mehr- 
mals, Zbunb 4845, Lachmann 4826, 4844, Yollmbb 4843. Neudentsche 
Uebersetznngen von Hagen und Büsching 4845, Simrock 4825 und 4840. 
Mislungene Modemisirungen von Heinsberg (5. A.) 4 840 nnd Rebenstock 4 835. 
Schriften darüber: v. d. Hagen, Die Nibelungen und ihre Bedeutung, 
j|849, und: Anmerk. zu der Nibelunge Not, 4824. Monb, Einleitung in 
das Nibelungenlied, 4848. Göttling, Ueber das Geschichtliche im Nibe- 
lungenlied, 4844, und: Nibelungen und Ghibellinen, 4846. F. Rdckbrt, 
Oberon von Mons und die Pipine von Nivella, 4836. W. Geimm'b Unter- 
suchungen in der deutschen Heldensage, 4829- K. Lacbmann, Kritik der Sage 
von den Nibelungen , im Rhein. Museum , 4 830. Altdeutsche und altnordi- 
sche Heldensagen, übersetzt durch F. H. v. d. Hagen; auch unter dem 
Titel: Wilkina- und Nifliuga-Sage oder Dietrich von Bern und die Nibe- 
lungen (2. A.) 4855. Zabncke, Zur Nibelungenfrage, 4854. Mullbnhofp, 
Zur Gesch. der Nibelunge Not, 4855, und in Allgem. Monatsschrift für 
Wissenschaft und Lit., 4854, S. 877, und Holtzmann , ebendaselbst, S. 943. 
Derselbe, Kampf um der Nibelunge Hort gegen Lachmann's Nachtreter, 4 855. 
LÖBBBN, Glossar zu den Nibelungen, 4854. Nabbrt, Der Nibelungen 
Liet, 4855. 

§. 431. Das aus dem 13. Jahrh. stammende Gedicht 

,Gudrun' (Kütrün) behandelt emen Kreis von Sagen der 

Nord- und Ostseeküste und zerfällt in drei Theile: Hagen, 

Hilde und Giidi*un, aber nur auf den ersten und zweiten 

Theil der Sage finden sich in altnordischen und altdeutschen 

Quellen Anspielungen, die W. Grimm in der ,Deutschen 

Heldensage' gesammelt hat. Auch beruft sich das Gedicht 

auf ein Buch als Quelle. Die Umarbeitung scheint von 

einem ostreichischen Dichter herzurühren, Gudrun, Tochter 

HettePs, wird mit Herbig von Seeland verlobt, aber Hart- 

muth von der Normandie, ein abgewiesener Freier, todtet 

Hettel und fuhrt die Gndrun gefangen' Sieben Jahre muss 

sie bei ihm die niedrigsten Arbeiten verrichten. Endlich 

befreit sie Herbig. Das Ganze endigt in Freude. 

Ettmdlleb machte einen Versuch, die ursprünglichen Lieder zu son- 
dern, 4844. Abdruck in y, d. Hagbn's Heldenbuch, 4820. Ziemann's 
krit. Ausg. 4835. XJebersetzungen von San Marte 4839, Keller 4840, 
die beste von Simrock 4843. Ausgabe und üebersetz. von Plönnies, mit 
einer systemat. Darstellung der mittelhochdeut. Yerskunst von Rii^gbb, 4853. 
NiBNDOBF, Das Gudruhlied (Umdichtung), 4855. 

§. 435. ,K6nig Rother* *, eine lombardische Sage, ent- 
halt die Geschichte dieses Königs, der durch List und Muth 
eine Tochter des Kaisers von Konstantinopel entfuhrt. 

Die Sagen von Otnit, Hug- und Wolfdietrich sind des- 
halb wichtig, weil in ihnen zum ersten mal das Christen- 
thum im Gegensatz zum Nicht- Christenthum auftritt. 

» Theil der Wilkinasage, wird auch zu den gdstlichen Epen gerechnet. 



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Einunddreisaigsle» CapiieL Deutschland. 261 

b) Epos der Kirche. 

§. 436. Dieses Epos geht nicht aus dem Gemüth des 
Volkes, sondern aus der frommen Bestrebung des priester- 
lichen Standes hervor, darzustellen die christliche Lehre 
im siegreichen Kampfe mit andern Religionen. 

Bei dem Vorherrschen dieser religiösen und specifisch- 
christlichen Tendenz bleiben zunächst (wenigstens noch 
bis 1075) vorzugsweise die Geistlichen Pfleger der 
Literatur. So entstehen Bearbeitungen biblischer Ge- 
schichten, Heiligenlitaneien, Legenden. Man findet darin 
willkürliches Durcheinandermengen der Geschichte und 
Mythe, des Einheimischen und Ausländischen, die Wunder- 
geographie des Älterthums mit den orientalischen Mär- 
chen u. s. w. Derselbe Charakter ist jedoch auch dem 
historischen Epos eigen. 

4. ,Barlaam und Josaphat% von dem Schweizer Ru- 
dolf von Ems oder Hohenems , Dienstmann des Grafen von 
Montfort. Der indische Königssohn Josaphat wird von 
Barluam zum Christenthum bekehrt K 

2. In der ,Legende vom heil. Sylvester' von Konrad 
von Würzburg (f 1287 zu Freiburg im Breisgau^ wird 
der Sieg der christlichen Lehre über das Judenthum dar- 
gestellt *. 

3. ,Der heil. Georg* enthält die Märtyrergeschichte des 
Grafen Georg von Palästina, der, vom Kaiser Dacian ein- 
gekerkert, die unsäglichsten Leiden erduldet und die grössten 
Wunder thut. 

1 KöPKE 4818. PjfEiFFBR 4843. — ^ W. Grimm 4841. 

c) Romantisches Epos. 

§. 437. Es ging aus der Verschmelzung des Volks- und 
des kirchlichen Epos hervor und spaltet sich in drei Haupt- 
theile: 1) Darstellung des Gegensatzes des Königs und seiner 
Vasallen und des Gegensatzes der christlichen und moham- 
medanischen Religion; Mittelpunkt desselben ist Karl d, Gr, 

2) Darstellung des weltlichen und geistlichen Ritterthums. 

3) Darstellung der Wirklichkeit in idealer Form, 

§. 438. Die Gesänge von Karl d. Gr. oder die Karls - 
sage: 1) Karl und seine Vasallen: Haimon und seine Söhne; 
Reinhold; der Zauberer Malegis. 2) Das ,RolandsUed^ 



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363 Zweäet Buch. Etkmodoktoiogic, 

oder Roland und die Boncevaller Schlacht, yerfasst von 
dem Pfaffen Konrad, im Dienste Heinrich^s des Löwen, 
nach einer französischen Darstellung (oben §. 329, 2) um 
4 475 ^ 3) Auch gehört der Karlssage an der weitverbreitete, 
in allen Sprachen bearbeitete provenzalische Roman ,Flore 
und Blancheflur^ (Flos, Sohn des Heidenkonigs Feinix von 
Spanien und die geraubte Blankflos) von Konrad Flecke. 

1 Ausgabe Ton W. Gbiw, 4838. Die neae Bearbeitung ans der 
ersten Hälfte des 43. Jahrb. tod Stbickbb in SchiUer'S'Thes&aTua. Veber 
die Verbreitung dieser Sage dorcb den ganzen europäiscben Westen, selbst 
nacb Dänemark und Island, s. Th. Rodd, Eist, of Charles the Greatr 
etc., 484%. 

§. 439. Dem weltlichen Ritterthujn gehört die Artus- 
sage und die von der Tafelrunde an, welche aus der 
bretonischen Poesie nach Deutschland kam (oben §. 330). 
Die bedeutendsten hierhergehorigen Sagen sind: 1 ) ,Iwein* \ 
der Ritter mit dem Löwen, von Hartmann von Aue, einem 
schwäbischen Ritter und Dienstmann der Herren von Aue, 
der sich wahrscheinlich 1197 der Kreuzfahrt anscfaloss. 
2) ,Erec' *, von demselben Verfasser. 3) ,Lancelot ' vom 
See% von Ulrich von Zatzikhoven. 4) ,Wigalois* oder der 
Ritter mit dem Rade^ von dem frankischen Ritter Wimt 
von Gxafenberg, 1212. 5) ,Die Ejrone' Heinrich's von Tür- 
lein. 6) ,Daniel von Blumenthal^ des Stricker ^ 7) ,Grauriel 
von Murtaval^ Meisters Kunhart vom Stoffel. Mit diesen 
Sagen steht die gleichfalls bretonische von Tristan und 
der schonen Isolde*, die an Eilhart von Obergen im 12. 
(um 1170) und an Gottfried von Strasburg und seinen 
Fortsetzen! im 13. Jahrh, Bearbeiter fand, in einem nur 
losen Zusammenhange, während Wolfram von Eschenbach^s 
,Parzival' und ,Titurel' ^, an die dann auch der ,Lohen- 
grin' ® angeknüpft ist, auf der doppelten Grundlage der 
Artus- und der Graalsage ruhen, 

' Ausgabe von Beheckb nnd Lachmank 48t7 n, 4843; Wörterbuch 
von Benbcxb 4833* — ' Ausgabe von Haupt 4839* Von Haetmajoi 
VON ArB besitzen wir Ijieder, Briefe und vier erzählende Gedichte, unter 
denen der Erec am frühesten (schon vor 4497), der Iwein am spätesten 
(doch vor 4205) gedichtet sind. Dem erstem steht dem Alter nach der 
Gregor (von Grbith im Spicilegium Vaticanom, 4838, und ron Laob- 
MANN 4838), der aus der geistlichen Legeode geschöpft ist, dem letztem 
der Arme Heinrich näher (Gebrüder Gbimm 4845, Lachmann 4820, 
Wackernaobl 4835 u. 4839 und für den Gebrauch in Vorlesungen 4855, 
M6li.br und Haupt 4842, neudeutsch von Simrock 4830). — ' Die 
Bearbeitung vermuthlich zu Anfange des 43. Jahrh. Ausgabe von Hahn 
1845. — ^ Ausgabe von Bbkeckb 4849, Schönhcth 4846, Pfbiffbr 4847- 



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EinunddreU9igst0s CapUeL Deutschland. 203 

Eine prosauche AuflosQng dieses Gedichts erschien 4472 von einem Un- 
{genannten; sie wurde als Volksbuch öfter und auch in Fbtsrabbnd*8 Buch 
der Liebe, ^587, aufgenommen. — ^ Der Stricker heisst ein mittelhoch- 
deutscher Dichter aus Oestreicb» der zwischen 4830 — 44 gestorben ist 
und zwei grössere epische Gedichte hinterliess : Daniel von Blumenthal und 
Karl, eine neue Bearbeitung des Rolandsliedes (Schilter's Thes., Bd. 2.). 
Weit Yorzuglioher erscheint der Dichter in seinem Pfaffen Amis (von 
Bbnbokb, 4832, Bd. 2.), dessen Schwanke später zum Theil auf Tyll Eulen- 
spiegel übertragen wurden. Strickbr's kleinere Gedichte von Hahn, 4 839. — 
^ Diese Sage fand ihren Weg in die mittelalterliche Literatur der meisten 
Volker Europas, und so auch in die skandinavische. Von £ilhart*8 Ge- 
dicht sind nur wenige Bruchstück^ im ersten Bande von Hoffmann's Fund- 
gruben gedruckt. Dagegen ist Eilhart's prosaische Bearbeitung schon 4 484, 
dann 4498 und öfter, auch in Fbtbbabend's Buch der Liebe, 4587, aas 
dem sie Buschino und v. d. Haoen in ihre Sammlungen (4 809) aufi[iahlB<eDy 
gedruckt worden, auch bei Simrock in seiner Sammlung deutscher Volksbücher. 
Ein anderes französ. Gedicht (von Thomas von Bbitania, nicht zu ver- 
wechseln mit dem fabelhaften brit. Thomas von Erceldoune, anf den sich 
der von Waltbr Scott herausgeg. altengL Tristan beruft) legte Gottfriei> 
VON Strasburg (um 4207) seinem nicht von ihm beendeten Tristan (er starb 
darüber, nachdem er fast 20,000 Verse fertig hatte) zu Grunde. Erdich- 
tete noch bei Lebzeiten Hartmann*s von Aue, den er als den besten der 
deutschen Erzähler feiert, und nachdem Wolfram von Eschenbach den 
Anfang seines Parzival bekannt gemacht hatte, anf dessen Prolog er an- 
spielt und dessen Manier er verwirft. Gottfribd's Gedicht fand zwei Fort- 
setzer, in dem schwäbischen Ritter Ulrich von TCrreim (um 4240, der 
auch Wolfram's Willehalm umarbeitete, was auch Ulrich von TCrlbin that) 
und in Heinrich von Frbibbro (Anfang des 44. Jahrb.). Unbeendigt blieb 
auch di^ neue Bearbeitung dieser alten Liedersage von Immbrmann. Aus- 
gabe von Gbrotb 4824, v. d. Haoen 4823, Masbmann 4843. Neudeutsch 
(mit Schluss) von H. Kurlz 4844 und K. Simrock 48öö. — ' Wolfram 
von Escbenbach, ein armer Ritter aus Franken, kam 4204 an den Hof 
des Landgrafen Hermann von Thüringen, wo er unter den Dichtem des 
sogenannten Wartburgkrieges glänzte; er starb zwischen 4249—26« Per 
aus 24,840 kurzen ReimzeUen bestehende Parzival, das bedeutendste unter 
den mittelhochdeutschen Kunstepen, ist noch vor 4242 beendet. Der Titurel 
ist nur in zw^ Bruchstücken von 470 vierzeüigen Strophen erhalten und 
darf nicht verwechselt werden mit dem jungem Titurel Albrbcut'b von 
Scharfbnbero, 4270, in welchem noch die Beziehung auf den Priesterkönig 
Johann hinzugekommen ist. Dessen Handschrift von Hahn 4842. Wolf- 
ram's Wilhelm von Orange. Erste krit. Ausgabe aller W^ke Wolfram's 
von Lachmann , 4 833« Uebersetzungen von San Marte (A, Schulz) 4 836 — 44 
und in der Arthursage, 4842, Simrock 4842- Ueber des Dichters Leben 
V. D. Hagen in den Minnesängern, Bd. 4. — ^ Gebildet aus dem Namen 
des Helden eines franz. zum kerlingi^chen Sagenkreis gehörigen Gedichts, 
Garin le Loherain (oben §. 329, 2), in zebnzeiligen Strophen, gegen Ende 
des 43. Jahrh. oder 4356 von, wie es scheint, zwei unbekannten Dichtem ver- 
fasst. Gebrüder Grimm in den Deutsch. Sagen, 4 84 8, Bd. 2, und Görbbs 4 84 3. 
Waonbr'b Oper. 

§. 440. Dem geistlichen Ritterthum gehören die Ge- 
dichte vom heiligen Graal an (oben §. 330). Der Pro- 
Tenzale Guiot, der yermuthlich zwischen 1460 und 4 480 die 
Graalsage mit der von Titurel und Parzival verschmolzen in 
einem nordfranzösischen Gedjichte erzählte, fiihrte als seine 



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264 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Quellen eine wahrseheinlich arabische Schrift eines Mauren 
Flegetanis, die er zu Toledo gefunden, und eine lateinische 
Chronik von Anjou an. Nach ihm verbanden Chretien von 
Troyes u. a. nordfranzosische Trouv^res mit der Graalsage 
theils die Sagen von Artus und seiner Tafelrunde, theUs 
die Legende von dem ritterlichen Celtenapostel Joseph von 
Arimathia. Diese Epen wurden durch die deutschen ritter- 
lichen Dichter des 12. und 13. Jahrh. theils in enger sich 
anschliessenden Nachbildungen nach Deutschland verpflanzt, 
theils boten sie ihnen den Stoff zu freiem selbständigen 
Dichtungen (oben §. 439). 

Zu Ende des 45. Jahrh. nahm Ulrich Fcterer in seine weitläufige 
Dichtung: Bach der Abenteuer, aus welcher Hofstätter in seinen Altdeut- 
sehen Gedichten aus den Zeiten der Tafelrunde, 4844 > Auszüge gegeben hat, 
auch die Geschichten von den Helden der Tafelrunde auf. In derselben 
Zeit entstanden durch prosaische Bearbeitung der Gedichte Wirnt's und 
Eilhart's die Volksbücher von Wigalois und von Tristan und Isolde. 
BcscHiNG, Der heil. Graal und seine Hüter, im Altdeutsch. Museum, 4809. 
BoissEREE, Ueber die Beschreibung des Tempels des heil. Graal, 4834. 
San Martb, Der Mythus vom heil. Graal, in den Mittheilungen des 
thüringisch -sächsischen Vereins, 4837) Bd. 3< 

d) Historisches Epos. 

§. 441. Die Periode des höfischen Kunst- und Minne- 
gesangs beginnt mit der zwischen 1175 — 1190 gedichteten 
^Eneit' Heinrich's von Veldeke \ der Virgil's ^eneis' nur 
in einer franzosischen Bearbeitung kannte. Das ,Alexander- 
lied' des Pfaffen Lamprecht*. Einen , Alexander' lieferte 
auch Rudolf von Ems, 1240 '. Zwischen diesem und der 
,Eneit' steht das ,Liet von Troye' (Trojanischer Krieg) 
des Herbort von Fritzlar, um 1200 — 10, der die im Mittel- 
alter vielgelesenen lateinischen Erzählmigen des Dares und 
Diktys von diesem Kriege gekannt zu haben scheint, wenn 
er gleich nach einem wälschen Vorbilde arbeitete, das ihm 
durch die Vermittelung des Landgrafen Hermann von Thü- 
ringen zukam. Auch Konrad von Würzburg dichtete den 
Trojanischen Krieg *. ,Herzog ErnstS ,OswaldS ,Salomon' 
oder ,Salman', ,Morolf ' und andere Epen gehören gleichfalls 
in diesen Kreis. 

1 Möllbb's Sammlung deutscher Gedichte, 4782 fg., Bd. 4. — * Wbiss- 
MAHN 4860. Choleviüs, Gesch. der deutschen Poesie nach ihren antiken 
Elementen, Bd. 4, 4854. — ^ Ein anderes Epos TOn ihm ist Wilhelm 
von Orlens (Gesch. Wilhelm's des Eroberers). Sein Guter Gerhard (b.ald 
nach 4229) erinnert an Hartmann's Armen Heinrich (Ausgabe von Haupt 
4840). Seine dem Kaiser Konrad IV. gewidmete Weltchronik blieb un- 



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Einunddreisaigaies Capüel. Deutschland. 265 

vollendet; Ausgabe von G. SoHCTze 1779 — 84, Vilmar 4839. — * In 
Müller's Sammlung, Bd. 3> Ferner sind von ihm: Engelhard (yon Haupt 
1844), Otte mit dem Bart (von Hahn 1838), Der Welt Lohn (eine alle- 
gorische Erzählung, deren Held der Dichter Wimt von Grafenberg ist, 
von Roth 1843), Die goldene Schmiede (von W. Grimm 1840), Alexius 
(von Massmann 1843 und Haupt 1843). t 

§. 442. Als erste Anfange der Geschichtschreibung sind 
zu betrachten die aus 16,000 Versen bestehende ^Kaiser- 
chronik' und der damit verwandte ,Lobgesang auf den 
heiligen Hanno' (t 1075), Erzbischof von Köln (Aus- 
gabe von Goldmann). 

2. Lyrische Poesie. 

§. 443. Die ritterliche Lyrik heisst nach ihrem Gnmd- 
ton, der Minne S Minnegesang und die Dichter des- 
selben werden Minnesinger oder Minnesänger genannt. Die 
Manessische Sammlung^ nennt 130 Minnesänger, unter 
denen der älteste sein soll Heinrich von Veldeke ^, als 
die vorzüglichsten aber folgende sechs genannt werden: 
Heinrich von Morungen, Hartmann von Aue, Reinmar der 
Alte, Wolfram von Eschenbach*, Neidhart oder Nit- 
hart* und alle überragend Walther von der Vogelweide 
(1160 — 1230?). Es folgen Graf Otto von Bodenlauben«, 
Ulrich von Singenberg, der Tanhäuser^; um die Mitte des 

13. Jahrb.: Christian von Hameln, Gottfried von Neifen, 
Ulrich ^on Lichtenstein ®, Schenk Ulrich von Winterstetten, 
Beinmar von Zweter, Konrad von Würzburg, der Marner, 
der Meissner; aus dem Ende des 13. und Anfang des 

14. Jahrb.: Konrad Schenk von Landeck, Herzog Hein- 
rich IV. von Breslau, Markgraf Otto mit dem Pfeil von 
Brandenburg, Raumsland, Meister Johann Hadlaub®, Hein- 
rich von Meissen, genannt Prauenlob *<^, der Schmied Regen- 
bogen. 

^ Freude, Lust, Liebe, Andenken. Minnen ist gedenken, meinen, 
matinen, erinnern; wie im Altnordischen minni und minna, daher Minne 
trinken. — ^ So genannt, weil man seit Bodmer annahm, dass der Bürger- 
meister von Zürich, Rüdiger von Manesse, und dessen Sohn sie haben 
schreiben lassen; aber Lachmann hat in der Vorrede zu seiner Ausgabe 
Walther*8 von der Vogelweide darauf aufmerksam gemacht, dass diese 
Annahme in der Stelle in Hadlaub's Gedichten, auf welche sie sich beruft, 
keine Begründung findet, daher nennt er die Handschrift von ihrem Aufent- 
haltsorte die pariser. — > Von dem Gottfried von Strasburg sagt: Er 
inphete daz erste ris in tiutescher zungen. Seine Lieder sind noch vor 4490 
abgefasst; vor ihm noch Dietmar von Eist, neben ihm Friedrich von 
Hausen. — ^ Tage- oder Wächterlieder. — •'' Aus Oestreich, zu Anfange 



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266 ZweUes Buch. Elhnodokiohgie. 

des 43. Jabrh., besang TorzugUch das Leben, die Hoffart, Pninksacht 
und die derbere Lebensweise der Bauern (Dörper, d. i. Dörferer, daher 
Tölpel). So ist er Erfinder der höfischen Dor4>oe8ie, 4220 — 30. Seine 
Lieder gab Benecke. — ^ Bbohstbin 4845. — ^ Die merkwürdige Oper 
▼on Wagnsb seit 4853. — ^4499 oder 4200—75 oder 4276. Frauen- 
dienst von TiECK 4842, Fraaenbach (4257) von Lachmakn , mit histor. Anm. 
von Th. V. Kabajan 4844. — ' Ettmölleb 4840. — ><> Geb. 4260, 
gründete in Mainz 4344 eine Sängerscfanle , starb 4348. Ausgabe von £tt- 
MÖLi^BB als 46. Theil der Bibl. der gesammten deutsch. Nationallit., 4843. 
Vollständigste Sammlung, zugleich mit Lebensbeschreibungen der einzelnen 
Dichter, in v. d. Haobn's Minnesinger, 4838* -Tieck's Minnelieder aus 
dem Schwab. Zeitalter, 4803. 

§. 444. Walther von der Vogelweide, aus der Schweiz, 

oder Franken (Wackemagel), oder Schwaben (W. Grimm), 

oder Oestreich (Lachmann), lernte am Hofe von Wien 

bei Herzog Friedrich singen und sagen, seit 4 498 am 

Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen, geboren 

zwischen 1165 — 70, begann zu singen 1187, seine besten 

Lieder fallen zwischen 1198 — 1227, erhielt durch Kaiser 

Friedrich H. ein Reichslehn 1220. W. Grimm vermuthet, 

dass er an dem Kreuzzuge Friedrich's II. (1228 — 29) Theil 

genommen und in dieser Zeit das Spruchgedicht ,Freidank^ 

verfasst habe *. Er starb in Würzburg ^. 

I Freidank oder Yridank nennt sich der Dichter eines mittelhochdeutsch, 
didaktischen Gedichts, das den Titel Bescheidenheit (yerstandige Einsicht 
und richtige Beurtheilung der Dinge) führt. Ausgabe von W. Ghimm 4S3i. 
Erster Nachtrag 4 8ö0 , zweiter 4 855 von W. Gbimm. Erweiterte Umarbei- 
tung durch Sbb. Brandt 4508. — ' Ausgabe von Lachmann 48917 u. 4843. 
Uebersetzung Ton Simrock mit Erläuterungen von diesem und Wackemagel 
4833* lieber ihn Ublahd, 48912. 

§. 445. Dass die besten Minnesänger der schwäbischen 
Zeit, wie man nach Bodmer^s Vorgang sich ausdruckt, mit 
den spätesten band werksmässigen sogenannten Meistersängem 
gescliichtlich und durch ein inneres Band zusammenhängen, 
hat Jak. Grimm ^ zuerst nachgewiesen und gezeigt, wie Das- 
jenige, was den Meistergesang als solchen cbarakterisirt, 
in einer bestimmten Grundform des Strophenbaus liege, 
die mit dem ersten Entstehen lyrischer Kunstpoesie im deut- 
schen Mittelalter zugleich im 12. Jahrh. sich bildete, sich 
als ihr Gesetz die Zeit ihrer Blüte hindurch erhielt und 
die auch, als diese Blüte nach der Mitte des 13. Jahrh. 
allmälig verwelkte und endlich im 14. Jahrh. schwand, noch 
lange als die Form einer bestimmten Gesangsübung fort- 
dauerte *. 

Die Troubadourpoesie der Provenzalen hat weder auf 
die Entstehung noch die Ausbildung des Minnegesangs 



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Einunädreissigstei CapUel. Deutschland. 267 

wesentlich eingewirkt, und nur Ton einem der vielen Dichter, 
Rudolf von Neuenburg, lässt sich nachweisen, dass er einem 
Troubadour, Folquet von Marseille, nachgeahmt habe. 

> lieber den deutschen Meistergesang, 4844. — * Lachmann, Ueber die 
Leiche der deutsch. Dichter des 42. u. 43. Jahrb., im Rhein. Museum, 4829, 
Heft 3. Fd. Wolf, Ueber die Lais, Squenzen und Leiche, 4844. 

§. 446. Wartburgskrieg oder Sängerkrieg auf Wart- 
burg nennt man den Wettstreit, der um 1207 an dem Hofe 
des Landgrafen Hermann von Thüringen zwischen daselbst 
anwesenden Dichtern: Heinrich von Ofterdingen (wahr- 
scheinlich erdichteter Name) , Walther von der Vogelweide, 
Wolfram von Eschenbach und Klinsor von Ungarland (wahr- 
scheinlich erdichteter Name), stattgefunden haben soll, und 
ebenso nennt man ein aus zwei Theilen bestehendes Ge- 
dicht, das ihn darstellt. Heinrich von Ofterdingen erhebt 
seinen Gönner Leopold von Oestreich, während. Walther 
von der Vogelweide das Lob Heinrich's von Thüringen 
singt. Wolfram holt endlich zur Entscheidung den fabel- 
haften lOinsor herbei. 

Ausgabe von Zeune 4818, Etthclleb 4830. Ueber das Gedicht 
KoBERSTEiN 4823, Lucas 4838, Plötz. Bbchstbiw, Wartburg-Bibliothek, 
4855, auch unter dem Titel: Bas grosse thüringische Mysteriam, oder daf 
geistl. Spiel von den zehn Jungfrauen. 

§. 447. Der didaktischen Poesie dieser Periode 
gehören theils Lehrgedichte, thcils Fabeln an. So der 
,Windsbecke* und die ,Windsbeckin' aus dem 13. jahrh. 
von einem unbekannten Verfasser, der schon erwähnte 
,Freidank' von Walther von der Vogelweide, 1230, und 
der ,Edelstein' des Bonerius. 

§. 448. Die Prosaliteratur bietet den Reichstags- 
abschied von Mainz (1236) von Kaiser Friedrich 11., die 
ergreifenden Buss- und Sittenpredigten des Franciscaners 
( Minoriten ) Berthold in Regensburg ( f \ 272 ) ^ , den 
^Sachsenspiegel' und den ,Schwaben8piegel' von 1230 und 
1280 2. 

' Kling 4824. — ' Den erstem veranstaltete nach der gewohnlichen 
Annahme ein sächsischer Edelmann, Eike von Repkow, als gräflich 
faikensteinischer Gerichtsschoppe, 4245. Das Werk ist in altsächsischer 
Mundart ahgeüasst und zerfallt in das Land- nnd das Lehnrecht, wozu 
im 44. Jahrh. noch der Richtsteig (Anleitang zum Verfahren vor Gericht) 
durch einen märkischen Edeln, Johann von Buch, kam. Ausgabe 4474, 
von Gäbtneb 4732, Weise« 4844» des Landrechts nach einer berliner 
Handsdirift von 4769 von Hometeb 4827 u. 4835. Unten §. 627. Die 
sogenannte Repkow'sche Chronik, oder, nach Wackernagel, die sächsische 
Weltchronik ist das älteste Denkmal, In welchem deutsche Prosa zur Geschichts- 



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268 Zweites Buch, Ethnodoktologie. 

erzählung angewandt ward; von Pfbittbr 4854. Der Schwabenspiegel oder 
Kaiserrecht wurde im 43. Jahrh. jenem nachgebildet. Ausgabe 44829 "^0° 
Mbichsnsb 4506, Lassbebo (nach einer Recension von 4287) 4840 und 
Wackbbhaoel (in der ältesten Gestalt) 4840. Unten §. 627. 

C. Vom Untergänge der Hohenstaufen bis zur Refor- 
mation, 1254 — 1517 (1300 — 1500). 

§. 449. Deutschland wird durch das Interregnum zer 
splittert, der Adel verarmt und sinkt von seiner poetisch- 
ritterlichen Hohe durch das Baubleben und das Faustrecht. 
Dagegen erblüht der Handel und die Reichsstädte werden 
mächtig und reich. Das materielle Interesse wird allgemein 
vorherrschend. In der Poesie tritt an die Stelle der Phan- 
tasie und Begeisterung Berechnung und kaltes Formen- 
wesen. In den Städten bilden sich Gesangschulen, deren 
Mitglieder Meistersänger heissen. Die Wissenschaften 
werden zwar durch Stiftung von Universitäten (Prag 4 348) 
gefordert, aber dadurch zugleich die Gelehrten von dem 
Volke abgezogen. Vorzugsweise Ausbildung der theologisch- 
rhetorischen Prosa. Die Erfindung der Buchdruckerkunst und 
des Lumpenpapiers trägt viel zur Verbreitung literarischer 
Producte bei. 

§. 450. Mit der Achtung vor dem Ritterstande schwindet 
auch die Theilnahme an den Helden- und Rittersagen, und 
Vers und Reim der Ritterdichtung begannen sich vom 
15. Jahrh. an in die Prosa (Romane und Chroniken) auf- 
zulösen. Allegorische Einkleidung wird in dieser phantasie- 
armen Zeit sehr beliebt. Der ,Theuerdank', entworfen von 
Kaiser Maximilian I. (1493 — 1519) und in seinem Auftrage 
weiter ausgeführt von seinem Geheimschreiber und Rath 
Melchior Pfinzing (1181—1535), enthält die Brautfahrt 
Maximilian^s zu Maria von Burgund *. Die Umarbeitungen 
Kaspar^s von der Rohn und Ulrich Füterer's sind schon 
oben erwähnt (§. 432 und 440). 

1 Umarbeitungen von Bcrkhabd Waldis 4553 und Schcltes 4697, 
Ausgabe von Haltacs 4836. 

§. 451. Der Meistergesang begann mit dem 15. Jahrh., 
als auf die ritterliche Phantastik die bürgerliche Verständig- 
keit folgte, als Pflege und Genuss des geistigen Lebens aus 
den Schlössern der Fürsten und den Burgen des Adels in 
die Ringmauern frisch und fröhlich aufblühender Städte über- 



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Einunddreissigstes Capitel Deutschland. 268 

gegangen war. Die Zünfte der Meistersänger oder, wie sie 
sich aus Bescheidenheit gern nannten, der Liebhaber des 
deutschen Meistergesangs, vorzugsweise in Mainz, Stras- 
burg, Nürnberg, Augsburg und Frankfurt a. M., bestanden 
bis in das 17., nur wenige, wie die nürnberger, erhielten 
sich bis in das 18. Jahrb., in Ulm sogar bis in das 19. Jahrh. 
Daselbst gab es noch 1830 zwölf Meistersänger; 1839, als 
nur noch zwei existirten, übergaben diese ihr sängerisches 
Eigenthum dem Liederkranze zu Ulm. Die Vorschriften 
über die Abfassung und den Vortrag der Gesänge enthielten 
die Tabulaturen (z. B. die strasburger von 1493). Den 
Gesang selbst nannten sie Bar, ihre Versarten Gebäude. 
Durch Erfindung neuer Tone (Strophencompositionen) be- 
währte sich der Meister. Die. besten Meister waren: 
Heinrich von Mügeln, Muscatblut, Peter der Suchenwirt und 
Hans Kosenblut, genannt der Schnepperer (d. i. Schwätzer), 
der zwischen 1431 — 60 dichtete. Der berühmteste unter den 
spätem deutschen Meistersängern und einer der vortre£P- 
lichsten Dichter seiner Zeit ist Hans Sachs aus Nürnberg 
(1495 — 1576), seines Handwerks ein Schuhmacher, der 1514 
zu München sein erstes Meisterlied sang, sodann aber in 
allen damals üblichen Dichtgattungen sich versuchte: Gnomen, 
Fabeln, Beispielen, Kirchenliedern, Allegorien, biblischen Er- 
zählungen (210), Erzählungen aus der Geschichte und My- 
thologie (über 480), Anekdoten, Gesprächen, Sittenpredigt, 
Schwänken (286), Psalmen, Dramen (56 Tragödien, 68 Ko- 
mödien, 62 Fastnachtspiele) und in 52 Jahren (bis 1566) 
6048 Dichtungen zu Stande brachte, darunter auch die 
,Wittenbergisch Nachtigall, die man jetzt höret überall, 
1524 ^ 

> Seine Werke in fünf Foliobänden zu Nürnberg ^674 — 79- Sein 
Leben von Ranisch 4765, Fdschau 4820 und J. L. Hoffmann 4847. 
Ueber den Meistergesang Pcschmamh, ein Schüler von Hans Sachs, 4584, 
Wagenseil hinter seinem Bache: De civitate Noribergensi , 4697, und 
Jak. Grimm 4844. W. Gkimm, Thierfabeln bei den Meistersängem, 4855. 

§. 452. Aach das deutsche Drama hat seinen Anfang 
in den Mysterien ^, einer Art geistlicher Schauspiele, 
deren älteste Spuren in italienischen und britischen Denk- 
mälem bis in das 13. Jahrh. hinaufreichen. Oster- und 
Pfingstspiele. Die Darstellungen der göttlichen Geheim- 
nisse hiessen Misteries, die der Wunder der Heiligen Mi- 
racles und die der moralisch lehrhaften Abschnitte aus der 



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270 ZweiM Buch. Ethnodoktologie, 

Jbiblischen Geschichte Moralities^. Das weltliche Element, 
welches schon mitunter in den Mysterien vorkam, verband 
sich später mit den Mummereien, die in den letzten Tagen 
und Nächten vor Anfang der Feste gebräuchlich waren, 
und gab zu den Fastnachtsspielen Anlass, welche sich 
zu einer selbständigen Dichtung in den süddeutschen Reichs- 
städten erhoben, in Memmingen, Augsburg und namenUich 
in Nürnberg, wo seit 1550 sogar ein eigenes Theater dafür 
bestand. 

Die ersten geschriebenen Fastnachtsspiele verdanken wir 
Hans Rosenblut, 1431 — 60'. Eine vollständigere Gestalt 
erhielten sie durch den Barbier Hans Folz oder Volz aus 
Worms, deren wir noch vier besitzen, gedruckt zu Nürn- 
berg 1519 — Sil. Am höchsten erhob sich das Fastnachtsspiel 
durch Nikiaus Manuel aus Bern, 15^2^, und den frucht- 
baren Hans Sachs (Schulkomödie), neben welchem im 16. 
Jahrh. Jak. Ayrer (ein Band Werke 1618) steht, von 
dem fünf Stücke Tieck in sein ,Deut8ches Theater' (Bd. 1 ) 
aufgenommen hat, zugleich erster Singspieldichter, f 1618. 

Geistliche Dramen verbreitete Paul Rebhun, 1535 Rector 

in Zwickau und Plauen, 1543 Pfarrer in Oelsnitz: ,Su8anna', 

1536, ,Hochzeit zu KanaS 1538, ,Klag' des armen MannesS 

1540. 

1 lieber die heidnischen Mysterien St.-Croix, Recherches histori- 
ques et critiques sur les mysteres du paganisme, 4784, neue Aufl. von 
SiLv. DB Sagt \HMt deutsch von Lenz 4790. Mbiners in den Ver- 
mischten philos. Schriften, 4776- Lobeck im Aglaophamus, 4829. — 
* Die geistlichen Dramen Deutschlands bis zur zweiten Hälfte des 4 5. Jahrh. 
waren sänuntlich latein. abgefasst und wurden von Geistlichen aufgeführt. 
Das Drama Babst Jutta, 4480. — * Gottsched, Nothwendiger Vorrath zur 
Gesch. der deutsch, dramat. Dichtkunst, 4 765. Keller, Fastnachtsspiele a\ts 
dem 46. Jahrb., 424 Stucke, 3 Thle., 4853. — ^ Ueber ihn Gbüneisbn 4837. 
RosEMK&ANZ, Encyklop. und theolog. Wissenschaften, 4845. 

§. 453. Der berühmteste Satiriker des 15. Jahrh. war 
Sebastian Brandt aus Strasburg (1458 — 1521). Sein Haupt- 
werk, das ,Narrenschiflf^, 1494, ist eine Schilderung der 
Laster und Thorheiten der Welt in 113 Capiteln. Unter 
Narrheit versteht Brandt die sittliche Entartung, und seine 
Schilderungen sind weniger satirisch als moralisirend. Die 
Sprache ist der harte Dialekt des Elsasses, der an spotti- 
schen Beziehungen besonders reich ist. Der Versbau leitet 
zu den sogenannten JE^ittelversen des 1 6. Jahrh. über ^. 
Thomas Mumer aus Strasburg (1475—1536?), ein heftiger 



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Einunddreis9igsus CapUeL DeuUchland, 271 

Gegner Luther's, hat in seiner ,Narrenbeschworung^ und 
,SchelmenznnftS ^^^^9 <üe moralisirende Didaktik Brandt's 
in Satire umgewandelt, die aber meistens noch im Allge- 
meinen gegen Stände und Richtungen sich hält und trotz 
aller Vertiefungen in Niedrigkeiten und Derbheiten den sitt- 
lichen Hintergrund niemals verhüllt^. Ulrich von Hutten's 
aus Steckelberg in Kurhessen (1488 — 1523) ,Klag* und 
Vermahnung* '. Der niederdeutsche ,Reineke de Vos* (oben 
§. 44 d), das grosste satirische Epos jener Zeit. Die Pre^ 
digten von Geiler von Kaisersberg (4445 — 4540), seit 4 478 
Domprediger in Strasburg, besonders über Brandt's ,Narren- 
schifft*. Der um 4300 vollendete ,Renner' (weil er durch 
alle Länder rennen sollte) enthält gleichfalls Sittenpredigten 
mit Fabeln des Hugo von Trimberg, einem Dorfe im Würz- 
burgischen, wahrscheinlich seinem Geburtsorte •. Die mysti- 
schen Predigten des Johann Tauler von Strasburg (4294 — 
4364), genannt Doctor sublimis, auch illuminatus ®. Eine 
besondere Gattung satirischer Gedichte aus dieser Zeit sind 
die sogenannten Priameln. 

> Kritische Aasgabe ron Strobbl i839, mit Gbilisr's Predigten in 
Sohbible's Volksprediger, 4845. — * Ueber ihn Waldau 1775- — ' Er 
studirtd in Frankfurt a. d. O., dann in Wittenberg. 4512 ging er nach 
Italien, studirte in Parma und verfasste latein. Gedichte. 4547 wurde er 
von Kaiser Maximilian I. als Dichter gekrönt. Seine satirischen Briefe 
brachten den Papst so auf, dass er seine Auslieferung verlangte. Hütten 
verbarg sich bei Franz von Sickingen, und nach dessen Tode floh er, 
von seinen Freunden verlassen, von der Geistlichkeit verfolgt, nach der 
Sohweiifc und starb auf der Insel Ufenan im Zürichersee. Eine Samm- 
lung seiner Schriften (an Zahl 45 nnd einige ungewisse) besorgte MCnch 
4824-^27, der auch seine Jugenddichtnngen ins Deutsche abersetzte, 4838> 
Ueber ihn Pankbb 4768, Mohnikb 4846, Waoembil 4823. — * Im 
Ganzen darüber 442 Fredigten, latein. 4544, deutsch von Pauli 4520. 
Ueber ihn von Ammon 4826 und WbiOk 4829- — * Herausgegeben ans 
einer 4347 verfertigten Handschrift vom bamberger histor. Verein 4833 — 36, 
mit Willkür bearbeitet von Sb. Bbandt 4549. — ^ Gedruckt 4 498, 
4524, 4826; seine gesammelten Werke von Cassbdbb 4823 fg. Ueber 
ihn K. Schmidt 4842. 

§. 454* Die Volksbücher oder Volksromane sindtheils 
tragischen, theils komischen, theils sentimentalen Inhalts. 

Zu den tragischen gehören: ,Fortunat und seine Sohne 
Ampedo und Andalosio', worin die Grundidee das Unglück 
des rein materiellen Besitzes ist. In dem ,Ewigen Juden^ 
werden die Qualen der Unsterblichkeit geschildert, die vom 
Frieden Gottes entblosst ist. Die Sage von ,Doctor Faust^ 
schildert die Freiheit im Bösen. 

Komischen Inhalts sind die ,Schwänke des Tyll Eulen- 



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272 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Spiegel ^ aus Kneitlingeu im Braunschweigischen (f um ^ 350 
zu Molin bei Lübeck). ,Die Bürger von Schiida'. 

Zu den sentimentalen gebort das ,Buch der Liebe% 
eine Sammlung aller Sagen, herausgegeben vom Buchdrucker 
Feyerabend 4587. Darin sind enthalten: ,Bitter Staufeuberg 
und die Meerfee', ,Kaiser Octavianus', die ,Schone Melu- 
sine' * und ,Magelone' ^, die ,Haimonskinder' *, ,Ajiia- 
dis' * u. A. Die berühmteste Novelle ist das Buch ,Von 
den sieben weisen Meistern', welches sowol in prosaischen 
als poetischen Umarbeitungen ein vielgelesenes Volksbuch 
des Mittelalters war (oben §. 75 und öfter). 

1 Dieses ursprünglich in plattdeutscher Sprache verfosste Volksbuch 
wurde um 4483 durch den Franciscaner Th, Murner ins Hochdeutsche 
übertragen (erste Ausg. 4549) und ging dann in fast alle Sprachen Europas 
über. Rbichabd, Bibl. der Romane, Bd. 2 u. 4. Flöoel, Gesch. der 
Hofharren. Göbbes, Die deutsch. Volksbücher, 4 807, oben §. 439, 5. Deutsche 
Volksbücher, berausgeg. Ton Mabbach 4838* < — ^ Aus den Sagen über sie 
bildete Jean d'Abbas um 4390 ein Gedicht, das später in prosaischer Auf- 
lösung zum Volksbuch wurde; zum deutschen durch Thüring von Rigol- 
tingen aus Bern, der es 4 456 übersetzte (gedruckt 4474, in Fetbbabend's 
Buch der Liebe, 4587)* — ^ Die Maguelonne zeichnete zuerst Bebnabd de 
Tbbtibbs um 4178 auf in einem provenzal. Gedicht, woraus ein franz. 
Prosaroman wurde, 4457, und durch Veit Wabbeck, 4535, ein deutscher. 
In Mabbach's und Simbock's deutsch. Volksbüchern, Tieck in Lebrecht's 
Volksmärchen, Mobgenboth 4 82 9« — * Diese Erzählung des karolingischen 
Sagenkreises wurde um 4200 von HuoN de Villenecye in dem Gedichte 
Regnault de Montauban (so hiess der jüngste der vier Brüder) bearbeitet. 
Eine andere altfranz. Bearbeitung machte Im. Bekkeb 4829 in der Ein- 
leitung zu seiner Ausgabe des provenzal. Fierabras bekannt. In Prosa auf- 
gelöst wurde auch dieses Gedicht Volksbuch und 4 493 gedruckt. Eine deutsche 
Uebersetzung erschien 4535, eine niederländische 4649, eine englische 4554, 
eine spanische 4536. — ^ Amadis ist ein in der Ritterpoesie berühmter Name. 
Es werden im Ganzen ihrer vier gezählt: Amadis von Gallien (nach den 
Forschungen von Clehencin in seinem Commentar zum Don Quizote 4833, 
verfasst in portugies. Sprache von dem Ritter Vasoo de Lobeiba ans Oporto, 
der 4352 oder 4403 starb, zwischen 4342 — 67), sein Urenkel von Griechen- 
land und dessen beide Urenkel vom Gestirn und von Trapezunt; s. oben 
§. 380. In fast alle euiop. Sprachen übersetzt und theils in Komödien, 
theils in epischen Gedichten (von Stewabt Rose 4803 und De Lasseb 4843) 
verarbeitet. Wielakd's Neuer Amadis, 4774. 

§. 455» Die geschichtliche Prosa ist vertreten durch 
die limburgische und elsassische Chronik, letztere von Jak. 
von Konigshofen, durch die ,Burgundischen Kriege^ von Die- 
pold Schilling, durch Reisebeschreibungen ^ und durch den 
,WeisskunigS der in prosaischer Erzählung, aber mit alle- 
gorischer NamenversteUung, die Thaten Kaiser Friedrich^s IQ. 
und MaximUian^s L enthält und nach des Letztem Entwurf 
von dessen Geheimschreiber Marx Treizsaurwein von Ehren* 
treiz 1514 abgefasst ist^ 



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Einunddreissigst9S CapiM. I>eut$chland. 373 

1 Von Maundbyilb, Sohiltbbrgbb, Maboo Polo ital. 4496, bei 
Ramüsio in seinen Navigazioni e viaggi, 4559, von Baldblli Born, 
Visggi di Marco P., 4827, deutsch 4802, französisch 4824; über ihn 
ZuRLA 4848 fg., Mbblbkbb 4839 nnd Löwbnbbbo 4840, Geschichte der 
Geographie. Mbblbkbb, Eosmogeographie, f848, §• 362. — ^ Ausgabe 
mit Holzschnitten Hs. Bübokmaib's zu Wien, 4775. 

D. Von Luther bis Opitz, 1500 — 1620. 

§. 456. Zur Beformationszeit war Deutschland in 
geistiger Beziehung zerfallen. Durch die theologischen 
Streitigkeiten wurde die Poesie in den Hintergrund ge- 
drängt und alle geistige Kraft auf klare Darstellung ver- 
wendet. Die Prosa wurde besonders durch Luther aus- 
gebildet und das neue Hochdeutsch allgemeine Schrift- 
sprache. Einfuhrung des deutschen Kirchengesangs. Den 
grössten und wohlthätigsten Einfluss übte die Reformation 
auf die Schulen aus (oben §. 47). Einfluss der classi- 
schen Studien, für deren Aufiiahme in Deutschland zu- 
nächst der von Gert Groote (f 1384) zu Deventer gestiftete 
Verein der Bruder des gemeinsamen Lebens Sorge trug (oben 
§. 46), dann Agricola, Lange, Celtes, BeuchUn, Erasmus, 
Melanchthon, die Universitäten (Prag 1348, Leipzig 1409, 
Wittenberg 1502), Uebersetzungen classischer Autoren. 

§. 457. Mt. Luther, zu Eisleben geboren 10. Nov. 
1483 und gestorben ebendaselbst 18. Febr. 1546, war klar 
und kräftig in seiner Sprache, welche er zum Werkzeug 
seiner Begeisterung und Herzlichkeit ausbildete. Sein 
Hauptwerk ist die Uebersetzung der Heiligen Schrift, 
zugleich das wichtigste Werk für die ganze Literatur der 
neuhochdeutschen Sprache. Das Neue Testament erschien 
1522, die ganze Bibel 1534 ^ Ausserdem dichtete er zwi- 
schen 1523 — 43: 37 Kirchenlieder, schrieb ,An den Adel 
deutscher Nation^ über Schulen, Elatechismus , Trost- 
schriften und Briefe. 

Neben Luther steht der grosse Schweizerreformator 

ü. Zwingli (1484 — 1531), dessen Sprache zwar rauh, 

aber gedankenvoll und kräftig ist; besonders viel gelesen 

waren seine Predigten und Briefe*. 

1 In alle Sprachen der Welt übersetzt. Empfehlenswerthe Ausgabe 
von 4544. Tbllbb, Vollständige Darstellung und Benrtheilung der deut- 
schen Sprache in Luther's Bibelübersetzung, 4794. Panzbb, Gesch. der 
deutschen Bibelübersetzung Luther's von 4547 — 84, 4783. Götzb, Kritilc 
und Historie der Bibelübersetzung Luther's, 4768. lieber die altern Bio- 
graphien s. SoHRöCKH, Leben Luther*s, 4778, ebenso Pfizbr 4836. Seine 

MnHLICKKIt. 1 8 



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274 Zweites Buch. Eihnodoklologie. 

Scbrifteo ersdüenen gesammelt zu Jena 4556 — 58 (am vollständigsten), 
Altenbnrg 4664 —64, Leipzig 4729—40, von Waloh 4734—53 in 24 Quart- 
bänden, beste Ausgabe. Schon 4343 batte Mthi. von Behaim eine XJeber- 
seteung der Bibel aus der Vulgata geliefert, die aof der Univergitats- 
bibltothek in Leipzig aufbewahrt wird. Derselben Familie g^örte der 
gefeierte Meistersänger Mch. Behaim und der grosse Kosmograph Mi. 
Behaim (4430 — 4507) an; über ihn Mürr 4778 u. 4804 und Alx. ton 
Humboldt in seinen Kritischen Untersuchungen über die Entdeckung der 
Neuen Welt etc. Deutsch von Ideler, Bd. 4 , 4 836. — * Seine Schriften in 
Einem Bande 4545, in 4 Bdn. 4584; einen Auszug besorgten . Usteri und 
YÖQELiN 4 84 9; den gesammten schriftl. Nachlass gaben Schüler und Schult- 
IIES8 4828. Ueber sein Leben BotbRmünd 4848 und Siqwabt 4855. 

§. 458. Ohne das Volkslied hatte das 46. Jahrh. eine 
weläiche Lyrik gar nicht aufzuweisen, überhaupt kaum eine 
Lyrik, da das Kirchenlied sich dem Charakter des Didakti- 
schen mehr nähert, der das ganze Jahrhundert beherrscht. 
Theils historische, theils geistliche, theils weltlich-lyrische 
Gesänge des Volkes sind uns in fliegenden Blättern, gelegent- 
lichen Einschaltungen oder besondem Sammelwerken auf- 
bewahrt worden. In der heidelberger Handschrift 409 vom 
Jahre 4546. Liederbuch 4578. 

BfiscHiNO und Y. D. Haobn^ Sammlung deutscher Volkslieder, 4807. 
£bk und Ibube, Die deutsohen Vc^kdieder mit ihren Singweisen, 4838 — 40. 
Andere Ausgabe von Hoffmann yon FaliiBRSuiben 4844* Uhi^nd (das 
vorzüglichste Werk über diesen Gegenstand) 4844. Abdruck durch den 
Stuttgarter literarischen Verein des (ambraser) Liederbuchs von 4582 im 
März 48.46. Ueber das deutsche Volkaliedr Woiff 48aO> v. Soltau. 4836, 
Körner 4840, XJhland 4844—45» SmaooK 4854, Mrnzbl 4854,. Schb&sb 
4854, Wbllbb 4855, Mittler 4855, Meier 4855. 

§. 459. Das Kirchenlied des 46. Jahrh. ging aus dem 
Volksliede hervor, indem Behandlungs weise, strophischer 
Bau und Melodie von demselben entlehnt wurden. Das 
Kirchenlied ist entweder katholisch oder nichtkatholisch, 
hochdeutsch oder niedersächsisch K 

Unter den Dichtem steht Luther mit seinen 37 Barchen- 
liedem obenan, sodann Hs. Sachs, Erh. Hegenwalt in Wit- 
tenberg, 4524, L. Heilmann, P. Speratua (von Spretten), 
4484 — 4554, Just. Jonas, 4493 — 4 555, Lazarus Spengler, 
4476 — 4534, J. Kohlros, 4530 in Basel, Konigin Maria vaa 
Ungarn, Gemahlin des 4526 bei Mohacz gefallenen Königs 
Ludwig, Schwester KarPs V., 4505 — 58, W%. Dachstein, 
Wfg. Meusslin (Musculus, Mosel, Mosel), 4497— 4563, 
Mch. Veh, 4537 in Halle, J. Gramann (Graumann, Po- 
liander), 4 487 — 4544, N. Decius, f 4544, Sbld. Heyd, 
f 4 564^ Mch. Weisse (Uebersetzer aus der böhmischen 
Sprache, 4534), J. Schneesing, f ^567, Bk. Waldis, 4553% 



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Einuuddreissigsies Capitel. DeutMchland. 275 

N. Hermann, f 1561, Era. Alberus, f 4553, J. Matthesius, 
4504—65, Mt. Schalling, 4532—4608, L. Helmbold, 4532 
— 98, Bm. Eingwaldt, 4530, Ph. Nicolai, 4556—4608. ■ 

Heermann, 4585 — 4647, Lobwasser, f 4585, und H. Al- 
bert, 4604 — 48 (jPoetiflch-musikalisches Lustwäldchen^), 
zu Königsberg, P.Gerhardt, 4606—76 s, Franck^ 4648— 77, 
Neumark, 4624 — 84; das Lied ,Jesus meine Zuversicht*" 
von Luise Henriette, Gemahlin des Grossen Kurf&rsten, 
Friedrieh Wilhelm, Sim. Dach in Königsberg, 4605—59% 
der brandenburgische Rath Eb. Roberthin, 4600 — 48*. 

Volks-, Gesellschafts- und geistliche Lieder von Ph. 

Freiherm von Winnenberg, f 4649, P. Melissus Schede, 

4539 — 4602, Pt. Denaisius , 4560 — 4640, J. Doman, 

G. Rdf. Weckherlin aus Würtemberg, 4584 — 4654 % 

J. Val. Andrea, 4586 — 4654 7, J. Pappus, 4549 — 4640, 

J. Arndt, Com. Becker, 4554 — 4604, Val. Herberger, 

4562—4627, dem Jesuiten F. von Spee, 4592—4635 (bemer- 

kenswerth auch als Bekämpfer der Hexenprocesse), JuL 

W. Zinkgref aus Heidelberg, 4594—4635. Die Sinngedichte 

(Epigramme) des Schlesiers F. von Logau, 4604 — 55**. 

Poetische Bearbeitungen der Psalmen. 

> Wackbrhaobl, Das deutsche Kirchenlied etc., 4844 , hat alle übrigen 
Schriften darüber entbehrlich gemacht. Ders. , Bibliographie zur Geschichte 
des deutschen Kirchenliedes, 4855. Wetzel, Lebensbeschreibungen der 
berühmtesten Liederdichter, i748. HBEftWAOSN, Literaturgeschichte der 
evangel. Kirchenlieder, 4792. K. v. Baümer, Sammlung geistlicher Lieder, 
4830, 4846. Bambach, Anthologie christl. Gesänge, 4846 — 33. Vom deut- 
schen Kirchenlied, \7ie's unsere Väter sangen, und vom musikal. Theil des 
protest. Cultas überhaupt, nebst einem Anhang alter Singweisen, ,4844. 
Strombbkgeb, Geistl. Lieder evangel. Frauen des 46., 47., 48. Jahrb., 4854. 
MÜTZELL, Geistl. Lieder der evangel. Kirche aus dem 46. Jahrb., 4855. 
Erk, Deutscher Liederhort, 4855. Baohmann, Zur Gesch. der berliner Ge- 
sangbücher, ein hymnologischer Beitrag, 4856. Rittblmbyer, Die evangel. 
Kirchenlieder des Elsasses etc., 4855. — ^ \Jeber sein Leben Gödekb 4853, 
und Mittler, Herzog Heinrich's von Braunschweig Klagelied. Mit einem 
Nachworte über das Leben und die Dichtungen des B. W., 4855. — 
3 Diakonus an der Nikolaikirche in Berlin, 4667 abgesetzt und flüchtig, 
dann Frediger in der Lausitz. Von ihm die Lieder : Befiehl du deine Wege, 
und: O Haupt voll Blut und Wunden. Ueber ihn Eoth 4832 und Lang- 
BECKER 4844. — * Professor der Dichtkunst. Seine Anke von Tharaw in 
preuss. Volksdialekt; über ihn Gebauer 4828- — ^ Müller's Bibl. deut- 
scher Dichter des 47. Jahrb., 4823. — ^ Ueber sein Leben und seine Schriften 
CoNz 4803. Sein Trauergedicht auf Gustav Adolf. — ^ Ueber ihn Hoss- 
bach 4830. — ^ Seine Gedichte von Bamler und Lessino 4759 u. 4794. 

§. 460. Fabeln, Schwanke, Sprichwörter: Era. AI- 
berus, 1534^ Bk. WaldisS Agricola, f ^'^66, Sb. Frank, 
t 1545, Eucharius Eyring, 1520 — 97. 

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276 Zweites Buch, Ethnodokiologie. 

Lehrdichter: J. Freiherr von Schwarzenberg, 4 463 — 
1528% Bm. Ringwaldt, 4530—98 oder 1600% Mihi. Holz- 
wart (im ELsass 1560 — 80). 

Dramatische Versuche von Heyneccius, Dedekind, 
Binkhart, Stricker, Ringwaldt, Manricius. 

Streit- und Schmähschriften auf kirchlichem Gebiete; 
Verfall der Sprache in der wissenschaftlichen und redneri- 
schen Prosa, zwischen 1550—1620. 

Der Mystiker Jak. Böhme (Schuhmacher in Görlitz, 
4575—1624); seine , Aurora, oder Morgenrothe im Aufjgaag' 
(1612) sollte ein Licht anzünden für Die, welche erkennen 
wollen*. J. Amd, 1555—1624, der Fenelon der prote- 
stantischen Kirche: ,ParadiesgärtleinS ,Postille', 1616^ Der 
Theolog Andrea, 1 586 — 1 654. 

Das satirisch-didaktische Gemälde der Welt von 
G. Rollenhagen (1542 — 1609) in seinem ,Froschmausler', 
4595*. Satiriker und zugleich der genialste Schriftsteller 
dieser Zeit ist J. Fischart, genannt Mentzer, 1545 oder 
1550 — 89, sein berühmtestes Werk der satirische Roman 
,Grargantua und Pantagruel oder Affenteuerliche und Ver- 
geheuerliche Geschichtklitterung' u. s. w., 1552 (in ver- 
änderter Sprache 1575), welchem das erste Buch desRabe- 
lais^schen Romans zu Grunde liegt (oben §. 342). Im Ganzen 
werden 79 Schriften von ihm angeführt ^ 

1 Kelch, Liefländ. Gesch. Hoffmamm y. Fallbrslbben, Polit. Gedichte 
aus der deutschen Vorzeit, 4843. — ^ Sein Leben von Strobbl 4773. — 
^ Sein Leben Ton Wipfel 4754. Hoffmamn y. Fallerslebbn, Ringwaldt 
und Bj. Schmolke, 4833, nnd Spenden zur deutschen Literaturgesch. , 4845. 
Ringwaldt's didaktisches Gedicht: Die lautere Wahrheit. — * Seine übrigen 
Werke erschienen seit 4649* lieber ihn FouQci 4 834 , Wcllbm 4 836 n. 4 838- 
Seine Lehre bei L. Feüebbach, Gesch. der neuem Philosophie, Bd. 4, 
4833. — ^ Sein Wahres Christenthum ist fast in alle gebildeten Sprachen 
übersetzt worden, 45. Aufl. Yon Fbancke 4830; neueste 4840. Er hat 
Arnold und Spener trefflich Yorgearbeitet und grossen Antheil an der 
Wiedergeburt der evangelischen Kirche, die an die Stelle des todten Buch- 
stabens ein lebendiges Christenthum setzte. — ^ Das Yon ihm Yermuthlich 
schon Yor 4570 Yerfosste, aber erst 4595 zu Magdeburg unter dem Namen 
Marcus Hüpfinsholz von Mäusebach, der jungen Frösche Vorsinger und 
Calmenser Im alten Mäschenwigk herausgegebene allegorisch -satirische 
Thierepos: Der Froschmäuseier oder der Frosch und Mäuse wunderbare 
Hofhaltungen, ist in der Anlage zunächst der Batrachomyomachie , zum 
Theil auch dem Reineke Fuchs nachgebildet und gehört zu den besten 
poetischen Erzeugnissen des 46. Jahrb. Ausgabe des Originals 4596, 4600, 
durch GsT. Schwab 4847. Eine Nachbildung versuchte Stenzbl in dem 
Neuen Froschmäuseier, 4796. Im Auszug bearbeitete es Lappe 4846. — 
7 Sein Glückhaft Schiff ist ein Ehrengedicht auf das Schützenfest, 
welches 4576 in Strasburg gefeiert wurde nnd bei welchem die Züricher 



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Einunddreissigstea CapUeL Deutschland. 277 

Bürger sich rermassen, die viertägige Wasserfahrt nach Strasburg in einem 
Tage zu machen und einen in Zürich gekochten Hirsebrei noch warm zu 
überbringen, zum Beweise, dass sie ihren Freunden in der Noth beistehen 
konnten. Ausgabe von Hallino mit einem Beitrage über die Geschichte 
der Freischiessen von Uhland 4828. Flohhatz und Weibertratz tob 
HuLDRicH Elloposclbrom (zucrst ohne Jahr, dann 4577) ist ein über- 
müthig ausgelassenes Reimgedicht. Aller Praktik Grossmutter, 4574. 
Podagrammisch Trostbüchlein, 4577. Philosophisches Ehznchtbüchlein, 
1578. Bienenkorb des heiligen Römischen Imenschwarms u. s. w. durch 
Jesdwalt Pickhabt, 4579, eine derbe Züchtigung des sittenlosen Le- 
bens der Geistlichkeit. In seinem Gargantua finden sich auch einige 
gereimte und in ihrem Bau sehr willkürliche Hexameter, die früher fälsch- 
lich für die ersten Hexameter in deutscher Sprache gehalten wurden. 
Hub, Die deutsche komische und humoristische Dichtung seit dem Beginn 
des 46. Jahrb., 4854. 

§. 461. Der trefflichste Historiker dieser Zeit ist 
J. Thurmayr Ton Abensberg (Aventinum), daher Aven- 
tiiius genannt, 1466 — 1534: Bairische Chronik *. Elantzow^s 
(f 1542) Chronik von Pommern. Aegidius Tschudi^s 
Chronik der Schweiz. Luc. David's (Hofgerichtsrath in 
Königsberg, aus Alienstein, 1503 — 83) preussische Chro- 
nik*. Sb. Münster's (des Strabo der neuem Zeit, f 1552) 
,KosmographieS 1543. Albr. Dürer's (1471—1528) ,Vier 
Bucher von menschlicher Proportion' '. 

1 Annaies Boiorum, von Gundlino 4740* Chronicon BaTariae, 4522. 
Rudimenta grammaticae Latinae, 4542- — ^ Toppen, Gesch. der preuss. 
Historiographie etc., 4853, S- 226. — ^ Seine Werke von Heller 4834. 
Sein Leben von Kote 4794. Campe, Reliquien von Dürer, 4828> 

E. Von Opitz bis Gottsched, 1620 — 1720. 

§. 462. Der Dreissigjährige Krieg (1618— 48), der 
die deutschen Staaten fremden Einwirkungen preisgab, be- 
griindete auch in der Literatur die Herrschaft des Aus« 
landes. Die deutsche Sprache verlor den kräftigen und 
einfachen Charakter, den ihr Luther verliehen, und wurde 
entstellt durch eine Menge von Fremdwörtern aus den alten 
und den romanischen Sprachen. Dem wissenschaftlichen 
Studium mangelte der Sinn für das Allgemeine. In der ge- 
lehrten Prosa blieb die lateinische Sprache herrschend, und 
die gelehrten Dichter schlössen sich an die lateinischen 
Muster an. Man hat die Zeit von 1620 — 80 die der Er- 
schlaffung genannt. Grossen Einfluss auf die Beinerhal- 
timg der deutschen Sprache übten die Sprachgesell^ 
Schäften jener Zeit (oben §. 423), vor allen die Frucht- 
bringende Gesellschaft oder der Palmenorden, gestiftet 
16i7 vom Fürsten Ludwig von Anhalt auf den Vorschlag 



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278 ZweUe$ Buch. Elhnodoktologie. 

Kp.^s Ton Teutleben, die bis 4680 bestand, und deren 
Mitglieder Namen aus dem Pflanzenreiche trugen, was zu 
Affeetation und lächerlichen Spielereien fahrte. Rempler 
von Lowenthal ist Stifter der Tannengesellschaft zu 
Strasburg 1633. Die Deutschgesinnte Gesellschaft, 
gestift^et 4643 von Ph. von Zesen (der den historischen 
Heldenroman [,Ibrahim^s und Isabella^s Wundergeschichte^] 
in die Literatur einführte) zu Hamburg, liess sich in ihrem 
Eifer für Sprachreinheit zu unsinniger Yerdeutschung der 
Fremdworter verleiten. Durch sie ward Hamburg Haupt- 
sitz der Poesie in Norddeutschland. Die nürnberger 
Dichterschule . oder die Pegnitzschäfer (weil die Mit- 
glieder Hirtennamen führten) wurde gestiftet durch Hars- 
dorffer (4 607—58) und Clajus (Klaie, 4646—56) unter dem 
Namen des Gekrönten Blumenordens ^, oder der Gesellschaft; 
der Hirten an der Pegnitz, 4644. Den Schwanenorden 
an der Elbe stiftete 4656 J. Rist (4607 — 67), Mencke 
die Deutsche Gesellschaft in Leipzig 4727. 

Zu Vorbildern nahmen die Dichter dieses Zeitraums be- 
sonders den schwülstigen Italiener Marini (oben §. 374 ) und 
die glatten französischen Schriftsteller, von denen sie den 
schleppenden Alexandriner und die Regeln der Sprach- und 
Dichtkunst entlehnten. Selbst das Studium der classischen 
Literatur war für dieses Zeitalter unheilvoll, indem man 
nur ihre Formen und Kunstregeln nachahmte, aber für den 
hohen Geist derselben keinen Sinn hatte. ELraft, Freiheit 
und Selbstgefühl gehen den Dichtem dieser Periode ganz ab. 
In der Poesie herrscht dem Inhalte nach das Reli- 
giöse und in der Form die Lyrik vor. Der Hauptsitz 
derselben ist nicht mehr, wie früher, der Süden, sondern 
der protestantische Norden, und zwar Hamburg. 

> Darüber Herdsobn n44. Wblleb, Lieder des Dreissigjähr. E^riegs 
mit einer Einleitung von Wackbrnaoel, 4854* Wbhl, Hamburgs Literatur- 
leben im 48. Jahrb., 4856. 

§. 463. Erste schlesische Dichterschule. Mt. 
Opitz, 1597 zu Bunzlau in Schlesien geboren, studirte in 
Frankfurt und wurde von Elaiser Ferdinand H. als Dichter 
gekrönt und f628 als Mt. Opitz von Boberfeld geadelt; 
1636 ging er als polnischer Historiograph nach Danzig, 
wo er 1639 an der Pest starb. Durch ihn und seine An- 
hänger, welche die erste schlesische Schule bilden, trat eine 



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Einunddreissigstes CapiteL Deutsehland. 279 

Reform der Sprache und Metrik ein (Messung nach dem 
Accent). Opitz verfasste Gelegenheits- und eine Reihe 
lyrischer (weltlicher und geistlicher) Gredichte, Lehr- und 
beschreibende Gedichte, und länger als ein Jahrhundert 
hindurch hat er Vater der Dichtkunst geheissen K 

Der begabteste aller schlesiscben Dichter, zugleich der 
Hauptdramatiker dieser Zeit, ist And. Gryphius, 4 64 6 -^64, 
von dem wir treffliche lyrische Gedichte, namentlich Sonette, 
poetische Satiren und Tragödien besitzen, deren Würde er 
zuerst erkannte; auch ist er der selbständigste Dichter dieser 
Literaturperiode *. 

Sachsen war das Vaterland des grossten Lyrikers dieser 
Zeit, P. Fleming's (Flemming schreiben die Nachdrucker) 
aus Hartenstein, 4609 — 40. Er schrieb 646 Gedichte, von 
denen 164 verloren gegangen sind^ 

> Trostgedicht in ^^derwärtigkeiteii des Krieges, 4624; Zlstna, oder 
von der Rahe des Gemdths, 4 622; Vielgut, oder vom wahren Glück, 4624; 
Büchlein von der deutschen Poeterei ^ VesoT. Ueber sein Leben und seine 
Schriften Lihdner 4740, Stbbhlkb 4855. — ' Karl Stuart, Der sterbende 
Paplnian ü. a.; die Lustspiele: Peter Squenz und Horribilicribrifax. Ueber 
ihn Stosgh 4665, Lbubscher 4702, G. G. Bbbdow 4823- — ^ Ueber ihn 
Varmbaoen TOM £n8b in den Biographischen Denkmalen, 4827» Bd. 4, 
Wah GENHEIM 4842, BoAS , Deutsche Dichter, 4837* 

§. 464. Zweite schlesische Dichterschule, gestiftet 
von Hoffinann von Hoffinannswaldan (Eathsherr in Breslau, 
4648 — 79) und Dn. Kp. von Lohenstein (Syndicus in Bres- 
lau, 4635—83), bezeichnet den tiefsten Verfall der deut- 
schen Literatur; unsittliche Zügellosigkeit, Schwulst, Bilder- 
prunk sind ihr Charakter, doch wurde die äussere Form der 
Opitz'schen Schule beibehalten. Für die nähere Kenntniss 
der Periode sind zwei Sammelschriften von Werth: die von 
Neukirch veranstaltete Sammlung jener Gedichte: ,Der schle- 
sische Helikon^, 1699 fg., und Weichmann^s ,Poesie der 
Niedersachsens 1721—38, 

Hoffinannswaldan hinterliess Sinngedichte, Heldenbriefe 
und Oden , Lohenstein lyrische Gedichte , Trauerspiele 
(,Sophonisbe', ,Agrippina*, ,Kleopatra', ,Ibrahim Bassa^) 
und den Heldenroman ,Arminius und Thusnelda^ zugleich 
das beste unter allen gleichzeitigen historischen Prosawerken. 

Die meisten Anhänger zählte die zweite schlesische Schule 
(von Ziegler); der Opitz'schen Manier näherten sich Weise, 
4642 — 1708, Morhof , 1 639 — 61 (in seinem ,Unterricht von 
der deutschen Sprache und Poesie', 1682). Zwischen beiden 



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280 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Manieren entwickelte sich offene Polemik; am schar&ten 
durch Wemicke (Wameke) aus Preussen, 4660 — 4740 (in 
seinem satirischen Heldengedicht ,Hans SachsS 4703). Sehr 
lebhaft ward das Interesse for die Oper. Nachahmer der 
Franzosen ist L. Freiherr von Canitz, 4654 — 99 ^ Der 
letzte schlesische Dichter ist der talentvoUe, aber durch 
Ausschweifimgen zerrüttete Ch. Günther, 4695 — 4723. 

> Sein Leben von Edmo in der von diesem besorgten Ausgabe, 4727, 
4750, 4765. 

§. 465. Nach dem Muster des Zesen^schen und Lohen- 
stein^schen Romans schrieb Sm. Ghreifenson von Hirsch- 
feld 4669 seinen ^Simplicius Simplicissimus% in welchem 
das Leben und Treiben jener Zeit mit Witz und Laune 
dargestellt ist. Ihm folgte die ^iatische Banise, oder 
blutiges, doch muthiges Pegu^ von Ans. von Ziegler und 
Elipphausen; Romane, die lange berühmt waren, bis sie zu 
Anfange des 48. Jahrfa. durch die Robinsonaden und Aben- 
teuergeschichten nach dem Vorbilde des Engländers Defoe 
verdrängt wurden (oben §. 444). Durch Satiren zeichnete 
sich Mch. Moscherosch (1600—69) aus, dessen Hauptwerk 
„Wunderseltsame Geschichte Philander's von Sitte wald" in 
der Form von Visionen und Träumen die Gebrechen sei- 
ner Zeit darstellt. Geistliche Lyrik von Bj. Schmolke, 
4672—4737, Neumeister, 4671—4756, Graf von Zinzendorf, 
4700— 60 ^ 

1 Herrnhutergemeinde. Sein Leben von Spahoenbero 4772 — 75, 
daraus Auszüge von Rbichel 4790 und Dcybrnois 4793; Schilderungen 
Ton J. G. M8li.br und Yarkhaobn ton Emsb. Seine geisü. Gedichte 
von Knapp 4845. 

§. 466. Der Geschichtswerke in deutscher Sprache 
ist eine grosse Zahl. Birkenes ,Oestreichischer£hrenspiegel^ ', 
1668, Ph.^s von Chemnitz ,Geschichte des schwedischen, 
in Deutschland geführten Kriegs^, 1648. Sagittarius, 1643 
— 94. J. Mascov, 1689 — 1761 (,Geschichte der Deutschen'). 
Graf H. von Bünau, 1697 — 1762. Sammler von Quellen* 
Schriften und Urkunden ist J. Schilter, 1632 — 1705 (,Thesau- 
rus antiquitatum Teutonicarum', von Scherz herausgegeben). 
Am verderbtesten zeigt sich die Geschichtsprosa in den Zeit- 
chroniken, dem ,Theatrum Europaeum', 1635, in Elieven- 
hüUer^s ,Annales Ferdinandei', 1640 fg., u. s. w. Kirchen- 
geschichte von Arnold. Das Studium der Staatswissen- 
schaften hob Sm. Freiherr von Pufendorf (1632 — 94) 



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EinunddreisngHes Capitel. DeuUcMand. 281 

aus dem Bereich der Schule auf einen hohem philosophisch- 
poKtischen Standpunkt. 

> ScHWEiOBBD, Anstria felix. Oestreichs Helden nnd Heerführer von 
Mftx I. bis jetzt, in Biographien etc., 4856. 

§. 467. Als Zeit der Erhebung wird die Periode von 
1680 — 1740 bezeichnet. Begmnder der deutschen Philoso- 
phie und eines neuen wissenschaftlichen Verfahrens über- 
haupt durch Vernichtung des Formelwesens ward Gf. W. 
Freiherr von Leibniz, 1646 — 1716, einer der vielseitig- 
sten Gelehrten und scharfsinnigsten Denker aller Zeiten. 
Sein Hauptwerk ist die ,Theodicee' ^ (Beweis, dass die 
jetzige Welt die beste sei). Ch. Thomasius, 1655 — 1728®, 
aus Leipzig durch Neid und Hass vertrieben, erhielt von 
Friedrich III. von Brandenburg die Erlaubniss, auf der in 
Halle 1694 gestifteten Universität Vorlesungen zu halten. 
Er wagte zuerst den Kampf gegen verjährte Vorurtheilc, 
indem er die Vorlesungen in der Muttersprache hielt und 
die erste deutsche Zeitschrift herausgab. Auf seine Ver- 
anlassung horten auch die schmachvollen Hexenprocesse und 
die Anwendung der Folter auf. Was Luther dem deutschen 
Volke zu verleihen gesucht, Kenntniss und Anwendung seiner 
Sprache, Gebrauch seiner Vernunft und eine Religion des 
Herzens, das suchte Thomasius verbunden mit Spener' und 
Francke* demselben zu sichern. Ch. Freiherr von Wolf, 
1679 — 1754, ein Schüler von Leibniz, Professor der Mathe- 
matik und Philosophie in Halle, wurde von Friedrich Wil- 
helm L 1723 aus Preussen vertrieben, von Friedrich d. Gr. 
aber 1740 zurückgerufen und war der Erste, der deutsche 
Lehrbücher der Philosophie verfasste *. Theologen : Reinbeck, 
4682 — 1741, Lr. vonMosheim, 1694—1755, U.Megerle, 1642 
— 1709, genannt Abraham a Sancta Clara, Augustinermonch 
und Hofprediger zu Wien, hat sich einen bleibenden, aber 
keineswegs beneidenswerthen Ruhm erworben durch seine 
Schriften und Predigten, die mit Schnurren, Anekdoten, Possen 
und andern drolligen Zuthaten ausgestattet sind. Unter seinen 
Werken ist ,Judas der Erzschelm' am bekanntesten. Seine 
Manier ist in Schiller's Kapuzinerpredigt nachgebildet. 

1 üeber sein Leben Fontenellb 4746, Baillt 4769, J. G. v. Ecoard 
4779» Jaucoubt 4757, Kästner 4769» Gühraubb 4842. Sammlung seiner 
Briefe von Kobtholt 4734 — 42, Gbübbb 4745, Michaelis 4765, Vbbsbn- 
METBB 4788, Fedbb 4845, Cousin im Journal des savants, 4844* Seine 
Werke von Dutens 4768* Deutsche Schriften von Guhbaueb 4838 — 40. 
Philosophische Schriften von Erdmann 4 840. Foucusb db Cabbil , Lettres 



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282 Zweites Buch, EihnodolUologie, 

et opuscales in^dits de Leiboiz etc., 4854* — ' Ein Sohn toü Jak. Thoma- 
sius, 4622 — 84, dem Lehrer von Leibniz. Sein Leben von Lüdbr 4805* — 
> Ph. Jak. Spbnbb in Frankfurt a. M., 4635 — 4705; über ihn Hoss- 
bach 4828. — « A. Hm. Francke in Halle, 4663^4727, Stifter des 
Waisenhauses. Seine Stiftungen Ton Schulkb, Knapp und Nibhbtbr, 
4792 — 96. Sein Leben von Gui^bickb 4827. Sein Denkmal von Hb sbkibl 
4830. — * Seine Autobiographie gab Wottkb 4844, eine Historie seiner 
Philosophie Ludoyici 4737- 

F. Vom Wiederauf blähen der Sprache bis zu Lessing's 
Tode und Herder's und Goethe's Auftreten, 1720 — 80. 

§. 468. Die Sprache gewinnt eine immer höhere Rein- 
heit, grossere BUdsamkeit und als die einzige Ursprache 
allmälig den Vorrang vor allen übrigen Sprachen Europas. 
Der Geschmack wird gebildet durch Wiedererweckimg der 
Poesie des Mittelalters, durch Anschliessen an Shakspeare 
und durch Eindringen in den Geist des classischen Alter- 
thums. Die Kritik wird durch Lessing auf den Höhepunkt 
ihrer Blüte geführt. Literaturzeitungen vermitteln die Be- 
kanntschaft der verschiedenen Männer miteinander und des 
Volkes mit ihnen. So entwickelt sich, auch ohne Mittel- 
punkt, ohne den Schutz eines bestimmten Hofes, ein grosses 
geistiges Leben, in welchem das Losreissen der deutschen 
Poesie von dem Fremdländischen endlich erreicht wird. 

§. 469. Die erste Morgenrothe des Bessern zeigte sich 
in den Poesien von Haller und Hagedom. 

Alb. von Haller aus Bern (4708 — 77), Professor der 
Medicin in Gottingen, gestorben als Director der Salz- 
werke in Bex, einer der grossten Gelehrten aller Zeiten 
und berühmt als wissenschaftlicher Schriftsteller, Roman- 
schreiber und Dichter, daher auch eine Fülle ihm zu Theil 
gewordener Auszeichnungen K Kraft und Gewandtheit wohnt 
seiner Sprache bei. Betrachtender Verstand beherrscht seine 
Einbildungskraft. Sein berühmtestes Werk ist das Lehr- 
gedicht ,Die Alpen'. Sein religiöses Gedicht ,Vom Ur- 
sprünge des Uebels' kann als Vorläufer der Messiade be- 
trachtet werden. 

F. von Hagedom, 1708 — 54, in Hamburg, ist Mei- 
ster in der leichtern Poesie der Grazien und schrieb 
Fabeln, poetische Erzählungen und Lieder*. Brockes in 
Hamburg, 1680 — 1747». 

1 Sein Leben von Zihhbbmann 4755. Seine Gedichte wnrden in 
fast aMe lebenden Sprachen übersetzt. ~ > Seine poetischen Werke von 



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Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 283 

KscHEnBVBG 4800. — ' Seine Selbstbiographie von Lappbkbbro in der 
Zeitschrift des Vereins für hambnrg. Geschichte, II, 2, 467 — 229' 

§. 470. Kampf der Leipziger und Schweizer. In 
der ersten Hälfte des 1 8. Jahrh. übte im nordlichen Deutsch- 
land ein Mann von höchst untergeordneten Talenten grosse 
Grewalt über Literatur und Geschmack aus, J. Cp. Grott- 
sched (4700 — 66) aus dem Dorfe Juditten bei Königs- 
berg in Ostpreussen. Er musste den preussischen Werbern 
entfliehen und wurde dann 1730 Professor in Leipzig, von 
wo aus er die halbe literarische Welt beherrschte. Als Ver- 
ehrer von Opitz hatte er dessen Anhänger auf seiner Seite, 
als Lehrer der Poesie seine Schüler, die ihn überall priesen. 
Die Anhänger von Leibniz und Wolf gewann er durch 
seine ,Kritische Dichtkunst', die er nach ihrem System 
entworfen hatte. Durch Uebersetzungen franzosischer 
Dichter, die er mit seiner Gattin, Luise Adelgunde, geb. 
Culmus, herausgab, gewann er die vornehme Welt. Er 
stellte strenge Regeln für die Poesie auf und erlaubte kein 
freies Wachsthum derselben. Den Harlekin verbannte er 
mit Hülfe der Schauspielerin Friederike Karoline Neuber 
feierlich von der leipziger Bühne und stellte selbst eine 
Mustertragödie auf in dem ,Sterbenden Cato', welche zehn 
Auflagen erlebte \ 

Gegen seine Gesetze traten zwei Schweizer auf in der 
Wochenschrift ,Die Discourse der Maler' : J. Bodmer 
aus Zürich, 4698 — 4783, ein gewandter Schriftsteller 
von vielen, wenn auch nicht tiefen Kenntnissen; er suchte 
Gottsched's Einfluss durch Herausgabe der Minnesänger, 
des ,Parcival' von Eschenbach, der Nibelungen und des 
,Paradise lost' von Milton zu bekämpfen. Sein Haupt- 
werk ist das Epos ,Noachide'®. Seine Kampfgenossen 
waren J. Breitinger , 4 704 — 76 , in Zürich , DroUin- 
ger, 4 688 — 4742, Stifter der Deutschen Gesellschaft 
zu Basel, und der Prosasatiriker Liscov, 4704 — 60, in 
Schwerin. Ihr Streben gelang, Gottsched erlitt eine voll- 
ständige Niederlage, überlebte gänzlich seinen Ruhm, und 
sogar seine wirklichen Verdienste um die deutsche Sprache, 
deren Verbreitung und Veredlung er nach Kräften gefordert, 
wurden in Zweifel gestellt. 

' Seine Zeitschriften: Die vernünftigen Tadlerinncn, 1726; Kritische 
Beiträge, ^34 — 44; Beiträge zur krit. Historie der deutschen Sprache, Poesie 



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284 Ztoeiles Buch. Ethnodoktologie. 

nnd Beredtoamkeit, 4732—44; Grandlegimg der deutschen Sprachkunst, 4748; 

Nöthiger Vorrath zur Gcbch. der deutschen Dramatik von 4 450 an, 4 757—65 

' lieber ihn Lbonhabd Meister, 4783* 

§. 471. Die sächsische Dichterschule. Nun wen- 
deten sich Gottsched^s begabteste Schüler von dem Mei- 
ster ab und gründeten eine eigene Zeitschrift: ^Beiträge 
zum Vergnügen des Verstandes und Witzes', die von 
dem Druckorte ,Bremer Beiträge' seit 4744 genannt 
und von K. Ch. Gärtner (1712 — 91)^ geleitet wurden. 
Die bedeutendsten Männer dieses Dichtervereins waren: 
Ch. Fchtg. Geliert aus Hainichen , 4 71 5 — 69 , schon 
auf der Schule zu Meissen mit Rabener bekannt, auf der 
Universität in Leipzig Student und Professor der Philo- 
sophie, als akademischer Lehrer von der grossten Wirk- 
samkeit, gleich hoch verehrt von Fürsten und dem Volke, 
sanften, liebenswürdigen und frommen Charakters. Seine 
Poesien sind Oden, Lieder, Fabeln, unbedeutende drama- 
tische Leistungen (das rührende Lustspiel), seine Prosa 
moralische Vorlesungen und der Roman: ,Leben der schwe- 
dischen Gräfin G.' Seine Briefe, das Orakel ihrer Zeit, 
sind fast nur in stilistischer Hinsicht von Bedeutung^. 
Gli. W. Rabener, 1714 — 74, studirte in Leipzig und 
war später Steuerrevisor in Dresden; hoher zu achten als 
wackerer Mann und redlicher Beamter, denn als Dichter, 
da seine Satiren, ohne Kühnheit und Schärfe, an der lang- 
weiligen Alltäglichkeit des bürgerlichen Lebens haften '. 
Abr. Ghf. Kästner, 1719 — 4800, in Leipzig geboren 
und gebildet, seit 1760 Professor der Mathematik in Got- 
tingen , als Dichter nur durch Sinngedichte berühmt ♦. 
J. F. Freiherr von Cronegk aus Ansbach, 1731—58, 
studirte in Halle und Leipzig, erwarb sich grosses Ver- 
dienst dadurch, dass er einer der Ersten war, welche in 
Deutschland auf die reichen Schätze der spanischen Lite- 
ratur aufmerksam machten. Sein Preistrauerspiel ,Kodrus^, 
1758, Lustspiel ,Der Mistrauische^ Gedicht ,Die Einsam- 
keiten^ ^ Die Gebrüder Schlegel: J. El. Schlegel aus Meissen, 
1718 — 49, studirte in Leipzig, Secretär in Kopenhagen, 
Professor an der Ritterakademie in Soroe, eigentlich der 
erste deutsche dramatische Schriftsteller des 18. Jahrh., 
der genannt zu werden verdient: schrieb schon in Schul- 
pforte nach Euripides ,Die TrojanerinnenS 1736, und ,Die 



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Einunddreissigstes Capüel. Deutschland. 285 

Geschwister in Taurien', 4737, die er später unter dem 
Titel ,Orest und Pylades' umarbeitete; Trauerspiele: 
,Kanut' und ,Hermann'; Lustspiele: ,Triumph der guten 
Frauen' und ,Stumme Schönheit' •. J. Adf. Schlegel aus 
Meissen, 4721 — 93, Consistorialrath in Hannover: lyrische 
Gedichte, Fabeln und Erzählungen. J. H. Schlegel 
gleichfalls aus Meissen, 4724—80, glücklicher Uebersetzer 
aus dem Englischen. J. And. Gramer aus Johstadt 
im sächsischen Erzgebirge, 4723 — 88, berühmter Kanzel- 
redner, zuletzt Kanzler und Curator der Universität Kiel, 
Dichter edler und krafüger Lieder und Oden (,An Luther') ^. 
J. Am. Ebert aus Hamburg, 4723 — 95, Professor am 
Carplinum in Braunschweig, übersetzte aus dem Engli- 
schen und dichtete leichte Lieder in gewandter Sprache *. 
F. W. Zachariä aus Frankenhausen, 4726 — 77, gleichfaUs 
zuletzt Professor am braunschweiger Carolinum, ist Ver- 
fasser mehrer komischer Heldengedichte, die zwar arm an 
Erfindung sind, aber gleichwol eine Menge Nachahmungen 
hervorgerufen haben: ,Der Renommist', ,Phaeton', ,Mumer 
in der Holle' u. a. •. 

' Arbeitete anfangs unter Gottsched*8 Aufsicht an einer Uebersetzang 
des Bayle*schbn Wörterbuchs, 4744 — 44, übersetzte auch einige Bände 
von RoLLiN*s Gesch., 4738 — 48» trennte sich dann von Gottsched und 
verband sich mit Cramer, Schlegel und Rabener, denen später noch Ebert, 
Giseke, 4724—65, Zachariä, Geliert, E. A. Schmid, 4746 — 89, Klop- 
stock u. A. beitraten. Seine Dramen: Geprüfte Treue, 4768, und Schöne 
Rosette, 4782. Ausgabe von Gisbkb's Poetischen Werken 4 767. — ^ Seine 
Werke in 40 Bdn. 4784, 4840—44. Sein Leben von J. And. Cbambr 4774 
und DöBiNG 4833. Sein Bild von Gbaff, lithographirt von Zöllnbb, 4834. — 
3 Kurze Biographie von 0. F. Wbissb 4772 und Ausgabe seiner Schrif- 
ten 4777, neueste A. 4840. — ^ Gesammelte poetische und prosaische 
schönwissenschaftliche Werke 4844. Elogium von Hbtnb 4804. Anfangs- 
gründe der Mathematik, 4758—69 (6. A. 4800); Geschichte der Mathe- 
matik, 4796 — 4800. — ^ Seine hinterlassenen Schriften gab Uz 4760 
(3. A. 4774) heraus. Dem Kodrus zur Seite steht v. Bbavb^s (4738 — 58) 
Brutus und v. Gbbstbnbebo's (4737 — 4823) ügolino, 4768. — * Seine 
Werke gab sein Bruder J. H. Schlboel 4764 — 70 heraus. — ^ Sämmtliche 
Gedichte 4 782 — 83. Hinterlassene Gedichte von seinem Sohne K. F. Gramer 
4794 herausgegeben. Biographie Geliert's, 4774. Uebersetzung von Bo0- 
sde't's Weltgeschichte, 4757 — 63. Poetische Bearbeitung der Psalmen, 
4762 — 64. — ^ Episteln und vermischte Gedichte, 4789, nach seinem Tode 
von Eschbnbübg noch ein Band, 4795* Kxop8toc]£*8 weissagende Ode an 
ihn.' — ^ Vollständige Sammlung seiner poetischen Schriften 4763 — 65» 
4772. Hinterlassene Schriften von Eschbnburg 4784 herausgegeben mit 
Z.'s Lebensbeschreibung. Z. gab die nach seinem Tode von Eschbnbubo 
fortgesetzte Sammlung: Auserlesene Stücke der besten deutschen Dichter 
von Opitz bis auf gegenwärtige Zeiten, 4766 — 74, heraus. 

§. 472. Die Zeit von 1740 — 70 hat man die Periode 



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286 Zweitei Buch. Eihnodoktologie. 

des Aufschwungs genannt, indem, ausser dem genannten 
Dichterverein, auch Friedrich d. Gr., die grossen Zeitereig- 
nisse, die Eritikerfehden und die deutsche Musik als be- 
sondere Fördemisse der Nationalliteratur und besonders der 
Poesie betrachtet werden. 

Alx. Gli. Baumgarten aus Wolmirstädt , 1 7U — 62, 
scharfsinniger und klarer Denker aus Wolfs Schule, seit 
1740 Professor der Philosophie zu Frankfurt a. d. O., ist 
Grunder der Aesthetik als einer systematischen Wissenschaft 
des Schonen ^. Aus seinen Dictaten entstanden Meier^s 
,Anfangsgrunde aller schonen Wissenschaften', 4748 — 50. 
Mit Beiden vereint wirkte Jak. Im. Pyra aus Kottbus, 
4715 — 44, Conrector am kollnischen Gymnasium zu Berlin, 
besonders durch seinen ,Erweis, dass die Gottsched^sche 
Schule den Geschmack verderbe', 4743*. 

Die vier grossen Componisten: G. F. Händel 

aus Halle a. d. S., 4685—4 759 (sein ,Me8siasS 4744, 

nach Herder eine christliche Epopöe in Tonen) •; der 

grosste deutsche Cantor, J. Sb. Bach aus Eisenacb, 

4685 — 4750 (48 Fugen, Vater von M Söhnen, die fast 

alle kunstgeschichtliche Bedeutung haben) ^; J. Adf. Hasse 

aus Bergedorf bei Hamburg, 4699 — 1783 (il caro Sas- 

sone) ^; EL H. Graun aus Wahrenbriick in Sachsen, 

4704—59 (Ramler's Passionsoratorium ,Der Tod Jesu')% 

Kapellmeister Friedrich's d. Gr. 

1 Sein Leben von Mbibb 4763. — ^ Seine Poesien gab Bodmer 
4745, vermehrt 4749. Sein Freund Pastor Lange in Laublingen ist eben- 
falls Dichter. — * Seine Opern: Almira, Florinde, Nero , Rodrigo , Agrip- 
5ina, Oratorinm La resnrrezione , Serenade Acide e Galatea, Oper Rinaldo, 
'e Deom auf den Frieden von Utrecht, Opern Amadis, 4745, Theseus, 
II pastor fido, Radamisio, Mucius Scävola, Ariadne, 4733, Aiezandersfest, 
4736, Faramond, Alezander Belus, Messias, 4744, Oratorien Samson, Judas 
Makkabäns» Josna, Jephtha. Engl. Ausgabe seiner Werke in 36 Foliobanden. 
Hiller's Verdienst ist es, Handel wieder ins Leben eingeführt zu haben. — 
* Sammlungen seiner Klavier- und Orgeisachen durch Peters in Leipzig, 
HASSLiifaBR in Wien und durch seinen Sohn K. Ph. Im. Bach und 
KiBMBBBOBR uud Bbckbb 4843. Sein Denkmal an der Thomasschule in 
Leipzig auf Mendelssohn -Bartholdy's Veranstaltung 4842. — ^ Hat so 
viel geschrieben, dass er manches seiner Werke nicht wiederzuerkennen 
selbst eingestand. Die vollständigste Sammlung seiner kirchlichen Compo- 
sitionen findet sich im Archiv der konigl. Kapelle in Dresden. — ^ Die 
Zahl seiner Werke ist sehr gross, darunter gegen 30 Opern. Sein Leben 
beschrieb der KapeUmeister Hillbb, starb 4804, zugleich Componist für 
Wbissb's Sinsrspiele und komische Opern. 



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Einunddreissigstes Capüel. Deutschland. 287 

Classische Literatur. 

Der Umfang des Stoffs, die Grossartigkeit des Inter- 
esses und die Macht des Einflusses der Personen und ihrer 
Leistungen erheischen eine vorsichtige Oekonomie in der 
Anordnung des Granzen und in der Auswahl, die allerdings 
mit Schwierigkeiten verknüpft sind, wie jede Einrichtung 
und Wahl, aber andererseits darin ihre Erleichterung finden, 
dass deutsche Literaturgeschichte ein Unterrichtszweig in 
den Schulen desjenigen Publicums ist, für welches ich meine 
Schrift zunächst bestimmt habe. 

§. 473. P. GH. Klopstock aus Quedlinburg (2. Juli 
1724 bis U. März 4803), 1740 in Schulpforte, 1748 auf 
der Universität Jena (Entwurf der ersten Gesänge seines 
,Mes8ias^), 1746 in Leipzig, in Verbindung mit Gramer, 
Schlegel, Rabener, Zachariä u. A., 1749 in Langensalza 
(Liebe zu Fanny Schmidt), 1750 mit Sulzer bei Bodmer 
in Zürich, 1751 in Kopenhagen, 1754 vermählt mit Marga- 
retha (Meta, Cidli) Moller, die schon 1758 starb, 1759 — 63 
abwechselnd in Braunschweig, Quedlinburg und Blankenburg, 
4763 in Kopenhagen, seit 1771 in Hamburg mit dem Titel 
eines dänischen Legationsraths, 1803 mit königlichen Ehren 
begraben zu Ottensen bei Altena. Sein Hauptwerk ist der 
,MessiasS ein Epos in 20 Gesängen, von denen die ersten 
zehn den letzten an Wahrheit, Reinheit und Tiefe überlegen 
sind. Es erschien in grossen Zwischenräumen 1748 — 72: 
Gesang 1—4, 1751; 5—10, 1756; 11—15, 1759; 16—20, 
1768. Seine Hauptmängel sind, dass es in fortwährender 
Erhabenheit gehalten dadurch den Leser in steter Spannung 
und Empfindung hält, ohne ein Ausruhen zu vergönnen, 
femer dass die geschilderten Gegenstände (Gott, Engel, 
Himmel und Hölle) für die menschliche Phantasie zu hoch 
sind, endlich dass es mehr lyrisch als episch ist, darum, 
bei zu geringer Handlung, Eeden und Schilderungen den 
Hauptinhalt bilden. Als begeisterter Freund der Freiheit 
strafte er in seinen herrlichen ,Oden' streng die Schmeichler 
der Regenten und nahm lebhaftes Literesse für die Französi-^ 
sehe Revolution bis 1792, weshalb er auch das französische 
Bürgerrecht empfing. An die Oden reihen sich die Ele- 
gien und geistÜchen Lieder. Seine dramatischen Werke 
(drei biblische Stücke: ,Adam's Tod*, ,Salomo' und ,David', 



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288 Zweites Buch. Ethnodokiologie. 

und die sogenannten Bardiete zur Verherrlichung Hermann's) 
zeugen gleichfalls von tiefer Religiosität und echt deutschem 
Patriotismus, sind aber nicht hoch anzuschlagen. Auch durch 
seine granmiatischen Schriften erwarb er sich ein grosses 
Verdienst. Wie mit Luther eine neue Epoche der 
deutschen Sprache überhaupt beginnt, so beginnt 
mit Klopstock eine neue Epoche der deutschen 
poetischen Sprache. Er befreite Deutschland von der 
Alleinherrschaft des Alexandriners, dem er den Hexameter 
entgegensetzte, wie von einer hohlen, auf blosse Correct- 
heit und leeren Klang abzielenden Reimerei, welcher er in 
seinen Oden durch geschickten Anbau antiker Versmaasse 
und Erfindung neuer ein heilsames Gegengewicht hielt. 

Seine Werke in 42 Octavbänden 4799 — 4847» in 9 Bänden 4839, 
und gleichzeitig eine Prachtausgabe; Ergänzungen dazu Ton Schmidlin 4839. 
Ueber ihn Cbahbb 4782 — 93, Klamsr Schmidt 4840, Döbino 4825, 
Gbubbb (in der Ausgabe der Oden) 4834. Der Messiade setzte Gottsghed's 
pedantische Schule einen beharrlichen, wiewol yergeblichen Widerstand 
und sogar in des Freiherm von Schönaich Heldengedicht, Hermann oder 
das befreite Deutschland, eine traurige Concurrenz entgegen. Erläute- 
rungen zu den deutschen Classikem erscheinen seit 4854 in Jena 
bei Hochhausen: DOntzbb in Köln hat Goethe's und Wieland*s, Egkabdt 
in Bern Schiller's (auch Shakspeare's), Ziumebmann in Worms Klopstock'8, 
HÖLSCHEB in Herford Lessing's Werke übernommen u. s. w. 

§. 474. In einem scharfen Gegensatz zu Klopstock steht 
der zweite Reformator der deutschen Nationalliteratur und 
des geistigen Lebens in Deutschland überhaupt, Ghld. 
Ephr. Lessing aus Kamenz in der Lausitz (2$. Jan. 4 729 bis 
45. Febr. 4784), 4744 auf der Fiirstenschule zu Meissen, 
4746 auf der Universität Leipzig, in Verbindung mit dem 
Neuber'schen Theater (sein , Junger Gelehrter' aufgeführt), 
in Freundschaft mit Ch. Fei. Weisse, Anakreontische Lieder in 
Kamenz, 4750 in Berlin mit Mylius, Nicolai, Mendelssohn, 
Kleist, der erste Band seiner Gedichte (, Kleinigkeiten'), 

4754 in Wittenberg (Kritik und lateinische Uebersetzung 
der Messiade), 4753 abermals in Berlin (,Kleine Schriften'), 

4755 in Potsdam ,Miss Sara Sampson' ^, 4760 in Berlin 
mit Nicolai und Mendelssohn die ,Bibliothek der scho-* 
neu Wissenschaften' und die ,Literaturbriefe', ,Fabeln', 
die erst 4772 als ,Emilie Galotti' vollendete ,Virginia', 
Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften, 
4760 — 65 in Breslau als Secretär des Generals von Tauen- 
zien, ,Minna von Bamhelm'^, 4766 ,Laokoon, oder über 



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Einunddreissigstes Capilel. Deutschland. 289 

die Grenzen der Poesie und Malerei^', 1767 in Hamburg 
Theaterdichter und Kritiker, 1 768 ,Hamburger Dramaturgie' *, 
1769 ,Wie die Alten den Tod gebildet' !*, 4770 Bibliothekar 
in Wolfenbüttel (Schrift des Berengar von Tours), 1774 
und 1 778 ,Wolfenbüttelsche Fragmente eines Ungenannten' % 
4775 in Wien, 4777 in Manheim, 4778 ,Emst und Falk, 
Gespräche über die Freimaurerei', 4780 ,Nathan d^r Weise' ^ 
und die ,Erziehung des Menschengeschlechts' ^. 

Unermüdlicher Forschungstrieb und Ringen nach der 
Wahrheit sind die Grundzüge seines männlichen Charakters. 
Er gehört zu den ersten Grössen deutscher Literatur, deren 
hohe Blüte durch seine anregende Thätigkeit ganz beson- 
ders befördert wurde. Seine Virtuosität in Sprache und Stil 
erscheint am vollendetsten in seinen theologischen und anti- 
quarischen Streitschriften, in seinen philosophischen Abhand- 
lungen und im ,Laokoon'. Reformator in Sachen des Ge- 
schmacks und des ästhetischen Kunsturtheils wurde er im 
Epigramm, in der Fabel und im Drama. Da bei ihm Ver- 
stand und Urtheilskraft über die Phantasie gingen, so be- 
schränkte er sich auf solche Dichtungsgattungen, die weder 
hohen Flug der Begeisterung noch tragisches Feuer erfodern. 
1 Damit führte er nicht nur das bürgerliche Drama in Deutschland ein, 
sondern wies auch dem deutschen, bisher von franz. Mustern ganz abhän- 
gigen Drama eine ganz neue Bahn an. Hier und in Emilie Galotti sind 
besonders sittliche, in Minna von Barnhelm vaterländische, im Nathan 
religiöse Grundgedanken wirksam. Diese vier Dramen beweisen zugleich, 
dass Lessing in dieser Poesie weit über seinen Zeitgenossen stand. — 
> Nach Goethe*s TJrtheil die erste ans dem bedeutenden Leben gegriffene 
Theaterproduction von specifisch temporärem Gehalt, die deswegen auch 
eine nie zu berechnende Wirkung that. — ^ Dieses Werk hat bis auf den 
heutigen Tag den nachhaltigsten Einfluss auf die Kritik sowol der redenden 
als der bildenden Künste, ja auf Geist und Richtung der gesammten Alter- 
thumswissenschaft geübt. — ^ That ausserordentliche Wirkung in dem 
Kampfe gegen die franzos. und für die engl. Schaubühne. — ^ Dieses 
Werk führte etwas später seinen Streit mit dem ebenso eiteln und anmass- 
lichen als lugründlichen Philologen Klotz herbei, der mit des Letztern 
wissenschaftlicher Vernichtung endete. — ^ Als deren Verfasser erst 
später Hm. Sm. Reimarcs (i694 — ^68, Professor in Hamburg) bekannt 
wurde. Dadurch gerieth er auf den Boden theologischer Elämpfe, beson- 
ders mit dem orthodoxen Pastor Job. Melch. Götze, die seinen Antigötze 
veranlassten. — "^ Enthält Lessing^s Glaubensbekenntniss in vollendeter 
poetischer Form. — ^ Enthält den Keim zu Hebder's und allen spätem 
Werken über Philosophie der Geschichte. Kritisch und philosophisch er- 
örtert von GuHBAUBB 4842. Sein Leben und literar. Nachlass von seinem 
Bruder K. Ghf. Lbssing 4793. lieber ihn F. Schlegel 4804 und in den 
Charakteristiken und Kritiken, Bd. 4, 4804, Sohink 4825, Danzel 4850, 
GüHBAüBB 4 853 — 54 , Bohtz 4 854 , K. Sohwabz 4 854. Sämmtliche Schriften 
in 30 Bdn. 4774—94, 22 Bdn. 4825 — 28; von K. Lachmann, 43 Bde., 
4838 — 40; neueste Aufl., 40 Bde. (nicht alle Werke), 4842. 

MlRLKUK. 1 9 



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290 Zweites Buch, Ethnodoktologie, 

§• 475. Cp. Mt. Wi^land, aus dem würtembergi- 
9chen Dorfe Oberholzheim bei Biberach (5. Sept. 4733 bis 
20. Jan. 4843), schon im 42. Jahre Verfertiger deutscher 
und lateinischer Verse, seit dem 44. Ijebensjabre auf der 
Schule zu Klosterbergen bei Magdeburg mit den alten Ciassi- 
kern, mit englischer und franzosischer Literatur beschäftigt, 
4750 durch die Liebe zu Sophie von Guttermann (spater 
Sophie von Laroche) zu dem Lehrgedicht ,Ueber die Natur 
der Dinge, oder die yollkommenste Welt^ yeranlasst, auf 
der Universität Tübingen, 4754 Verfasser ,Zehn moralischer 
Briefe^ an Sophie, 4752 der ,Empfindungen des Christen^ und 
des Entwurfs zu dem Epos ,Arminius% in Zürich bei Bodmer, 
Breitinger, Gessner u. A., Abhandlimg über die Schönheiten 
der ,Noachide', 4753 ,Briefe von Verstorbenen an hinter- 
lassene Freunde^ der ,Geprüfte Abraham^ (Epos in drei Ge- 
sangen), 4757 durch Friedrich's d. Gr« That^i zu dem Epos 
,Cyrus^ begeistert, unglückliche dramatische Versuche (,Lady 
Johanna Gray^ und ,Clementine von. Porretta^)^ die Episode 
,Araspes und Panthea^ aus Xenophon^s ,CyrQpadie^ kündigte 
den Dichter der Liebe an, 4760 Kanzleidiroctor in Bibera^^ 
4762 — 66 Uebersetzung des Shakspeare; seit 4763 beginnt 
er die naturwahre Sinnlichkeit des Griechenthums mit der 
rafifinirten franzosischen Genusssucht zu einer eigenthüm- 
lichen graziösen Lebensphilosophie zu verschmelzen: ,Na- 
dine% 4764 die , Abenteuer des Don Silvio von Rosalva, oder 
Sieg der Natur über die Schwärmerei', 4766 ,Geschichte 
des AgathonS der seinen Ruhm zunächst begründen half, 
4768 ,Idris und Zenide^ ,Mu8arion, oder Philosophie der 
Grazien', 4 769 Professor der Philosophie an der Universität 
zu Erfurt^ 4770 ,Der verklagte Amor', ,Dialoge des Dio- 
genes von Sinope', ,Kombabus', gegen Rousseatfs Paradoxen: 
,Kox Kox und Kikequetzel', ,Beiträge zur geheimen Ge- 
schichte des menschlichen Verstandes und Herzens aus den 
Archiven der Natur', 4 771 der ,Neue Amadis' (Triumph der 
geistigen Schönheit über die körperliche, welches Thema später 
nochmals in ,Krates und Hipparchia'), 4 772 der ,Goldene Spie- 
gel, oder die Könige von Seschian' (summarischer Auszug des 
Nützlichsten, was die Grossen und Edeln einer gesitteten Na- 
tion aus der Geschichte der Menschheit zu lernen haben). 

Seit 1772 in Weimar Prinzenerzieher, im Verkehr mit 
Einsiedel, von Knebel, von Voigt, Bertuch u. A., 4773 das 



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Einunddreissigstes Capitd, Deutschland. 391 

Singspiel ,Die Wfthl de* HerouleeS ddÄ lyrisöhe DraA» 
,AlcesteS der ^Deutsche Mercur^ (g^gen ihn Goethe in der 
Satire ,Gotter, Helden und Wieland'), ,Ge6<5hichte der Abde- 
riten% Erzählungen und Märchen, 1780 das romantische 
Epos ,OberonS 1782 ,Horaz'' Briefe% 1786 ,Hötaz' Sa- 
tiren', 1788 üebersetizting des Ludän, 1791 ,Peregriiius 
Proteus', ,AgathodämonS 1800 ,Ari8tippS 1796 — 1804 , Atti- 
sches Museum', 1805—9 ,Nette8 Attis^s Museum' (mit 
Hottinger und Jacobs), 1798—1805 auf seinem Oute Os- 
mannstädt bei Weimar, Uebersetzung von Cicerö's ,Briefen'. 
Wieland war weder ein reformatorischer Geist, wie Klop- 
stock und Lessing, noch reicht er an Goethe'ö und Schiller's 
Dichtergrosse. Doch gab er der deutschen Dichtkunst die 
ihr noch ganz fehlende Anmuth und den Wohllaut de» Worts 
und des Verses. Ausserdem hat er durch seine XJeber- 
setzungen und seine Nachahmungen viele nachhaltige Rich^ 
tungen zuerst angeregt. 

Eine Gesammtausgabe seiner Schriften bis i802 in 36 Bdn. mit sechs 
Supp^emeBtbäfnden (neue Auflage mit des Dichters Leben, 53 Bde., 48128, 
und 36 Bde., 4839) Teranstaltete der Buchhändler GIVschbm. Seine Bio- 
graphie durch Gbubbs, 4827 f*, Bd. 50 — 53 seiner Werke. Oberon Ton 
DUNTZBB 4854. 

§. 476. Die halleschen und preussischen Dichter. 
Friedrieh's ü. Thaten weckten manches Dichtertalent (oben 
§. 472), und das Studium der Alten und die Lecture fran«* 
zosischer und engÜBeher Schriftsteller bildeten die Dichter ans. 
Das Lied zeugte fon classischem und französischem Ge- 
schmack, die Ode Ton classischer Gelehrsamkeit* Drei dieser 
Dichter sind in Halle beisammen, die übrigen schliessen sich 
ihnen zum Theil an. 

J. W. Gleim, aus Ermsleben bei Halberstadt (2. April 
1719 bis 1». Febr. 4803), studirte 1738—40 die Rechte 
in Halle und bildete daselbst einen Dichterverein mit 
Uz und Götz, treuer Freund von Kleist; spater Kano- 
niker in Halberstadt, war sein Haus der Sammelplatz der 
berühmtesten Schriftsteller, mit. denen er auch briefüehen 
Verkehr unterhielt. Klopstock's Ode, die seinen Namen 
trägt, hat ihn seiner Persönlichkeit nach treu und unver- 
gesslich gezeichnet. Als Menschenfreund im edelsten Sinne 
des Worts sang er ,HaUadat, oder das rothe Buch^ 
4774, ,Kxieg8lieder eines GrenödiersS 4778, Anakreontische 

19* 



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292 Zweites Buch. Elknodoktologie. 

Lieder von geringerm Werthe. Die übrigen Gedichte sind 
fast ganz vergessen \ 

J. Pt. Uz aus Ansbach (3. Oct. 1720 bis 42. Mai 
4796), 4746 mit Götz Uebersetzung des Anakreon, 4749 
,Lyrische Gedichte', 4755 ,TheodiceeS 4760 ,bie Kunst, 
stets fröhlich zu sein' u. A., starb als Geheimer Justizrath 
und Landrichter zu Ansbach^. 

J. N. Götz aus Worms (9. Juli 4724 bis 4. Nov. 
4784), zuletzt baden- durlachscher Superintendent: scherz- 
hafte Lieder, Oden, Elegien, Idyllen, poetische Erzählungen 
und Sinngedichte '. 

1 KöBTB, Gleim's Leben ans seinen Briefen und Schriften, 4844. 
Sanuntllche Werke, 4844 — 43; Ergänzungsband der Zeitgedichte von 
4739 — 4803, 4844. — * Ch. Fbl. Wbissb gab seine poet. Schriften , 4804, 
neue Aufl. 4824* In Ansbach wurde ihm 4825 ein Denkmal errichtet, 
wozu Hbideloff die kolossale Büste verfertigte. — ' Ausgabe Toni 
Bamlbb 4785. Voss, Erit. Briefe über Götz und Ramler, 4809. 

§. 477. Ew. Ch. von Kleist aus Zeblin bei Köslin 
(3. März 4715 bis 24. Aug. 4759 nach einer Verwundung in 
der Schlacht bei Kunersdorf), 4734 auf der Universität 
Königsberg, zuletzt Major bei dem Hausen'schen Regimente, 
befreundet mit Gleim 4746, Geliert und Weisse 4757; 
Dichter des ,FruhliQg% von Elegien, Idyllen und einem 
Epos ,Cisside8 und Faches^ K 

K. W. Ramler aus Kolberg (45. Febr. 4725 bis 44. 
April 4798), studirte in Halle, 4748—90 Professor der 
schonen Wissenschaften bei dem Cadettencorps in Berlin, 
4787 — 96 Mitdirector des Nationaltheaters in Berlin, seit 
4796 Privatmann: Oden nach Horaz, Oratorien (,Tod Jesu% 
componirt von Graun) *. 

Ch. Fei. Weisse aus Annaberg (8. Febr. 4726 bis 
46. Dec. 4804), 4745 auf der Universität Leipzig, befreundet 
mit Lessing, seit 4762 in Leipzig Ejreissteuereinnehmer ; 
4758 ,Scherzhafte Lieder*, 4760 dramatische Arbeiten (Tra- 
gödien: ,Richard HL', ,Romeo und JulieS ,Jean Calas'; 
komische Opern: die ,JagdS der ,Emtekranz', ,Der Teufel 
ist losS der ,Dorfbarbier*), ,Bibliothek der schonen Wissen- 
schaften und freien Künste',. 4764 ,Amazonenlieder', 4775%. 
der ,Kinderfreund' *. 

J. G. Jacobi aus Düsseldorf (2. Dec.^ 4740 bis 
4. Jan. 484 4), 4758 in Gottingen und dann in Helmstedt, 
Professor der Philosophie und Beredtsamkeit in Halle, seit 



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Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 293 

1784 in Freiburg im Breisgau, seit 4766 befreundet mit 
Gleim: Oden, Anakreontische Lieder, Taschenbuch , Iris' *. 

J. Gli. Willamow aus Mehrungen (15. Jan. 1736 bis 
21. Mai 1777), studirte in Königsberg, 1758 Professor in 
Thorn: Dithyramben, Oden und Fabehi*. 

Anna Luise Karsch, 1720 — 91 \ 

1 Ramlbb*s Ausg, i|760, Körte's 1803 (2. A. 1825). — * Göckikgk's 
Ausg. 4800 fg. Hbinsics, Versuch einer biogr. Skizze Bamler's, 4798. — * 
' Selbstbiographie, herausgeg. Yon Ch. E. Weisse und Frisch 4806. — 

* Ausg. 4807 — 43. Neueste Aufl. 4825. Biographie von iTtsR 4825. — 

* Ausg. 4779 und vollständiger in Wien 4793. — * Eine Yollständige 
Ausgabe ihrer Gedichte besorgte ihre Tochter Luise vom Klbkke. Die 
erste brachte 2000 Thlr. 

§. 478. Volkspoesie; populärer Stil im Didaktischen 
und Komischen; Fabeldichter: Lichtwer, 1719 — 83, Pfeffel, 
4736—1809; v. Thümmel, 1738 — 1817: komisches Helden- 
gedieht in Prosa (, Wilhelmine, oder der vermählte Pe- 
dant'). — Schäferwesen in dem Liede ühd der Idylle: 
Salomon Gessner, 1730 — 87, voll Süsslichkeit und matter 
Sentimentalität. — Denis: lyrische Gedichte, Uebersetzung 
des Ossian. Kretschmann (f 1809): lyrische Gedichte« 
Lavater's (1741 — 1801 ) ,Schweizerlieder' und Physiognomik, 
verspottet von Wieland (,Endymion') und Lichtenberg 
(,Timorus'). 

§. 479. Die Romanschreiber dieser Zeit verfolgen 
zwei verschiedene Richtungen : die Einen huldigen der 
Wissenschaft und suchen ihre Werke durch Hinneigung 
zur Sinnlichkeit anziehend zu machen; die Andern bedienen 
sich einer breiten, ruhigen Darstellung und suchen Rührung 
zu erregen. Die Erstem nehmen zu ihrem Vorbilde Wie- 
land, die Letztern den Engländer Richardson, welcher durch 
seine Romane ,Clarissa', ,Grandison' und ,Pamela'. be« 
rühmt geworden war. Durch ihn und seine Nachfolger kam. 
die Sentimentalität in die Literatur. 

Zu den Anhängern Wieland's gehören: W. Heinse 
aus Thüringen, 1746 — 1803: ,Ardinghello, oder die glück- 
lichen Inseln', worin er das Studium der Natur über das 
der Antike stellt, zugleich Ansichten über Kunst, Wissen- 
schaft und Staat; ,Hildegard von Hohenthal' (Ansichten 
über Musik). J. A. Musäus aus Jena (1735 — 87) starb 
als Professor in Weimar: der ,Deutsche Grrandison' (Ver- 
spottung der Empfindsamkeit), ,Physiognomisohe Reisen' 



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294 Zweitei Buch. Ethnodokiologie. 

(Satire auf die Physiognomik), , Volksmärchen der Deut- 
schen% 4786 ,Freund Heines Erscheinungen in Holbein^s 
Manier^ , 1 787 ,Straus8fedem^ (Erzählungen). 

Ein Anhänger Kichardson^s i9t J, Tim, Hermes, 4738 — 
4821, Geistlicher in Breslau: ,Ge9chichte der Miss Fanny 
Wilkes^ und ,Sophiens Reise von Memel nach Sachsen^ 
(über deutsche Sitten und hübsche Lieder); sein Stil ist 
edel und blühend. 

§. 480. Di^ Historiker dieser Zeit zeichnen sich vor 
ihren Vorgängern durch Klarheit aus, doch wird ihr Stil 
oft schleppend und breit. Allen voran geht J. Jo. 
Winckelmann aus Stendal (9. Dec. 4747 bis 8. Juni 4768), 
In ärmlichen Verhältnissen geboren, konnte er nur durch 
fremde Mildthätigkeit unterstützt die lateinische Schule sei- 
ner Vaterstadt besuchen, 4735 in dem kölnischen Gymna- 
sium zu Berlin, 4738 auf der Universität Halle, 4744 in Jena, 
kam bei Beschäuung der dresdener antiken Kunstwerke zum 
Bewusstsein seiner Bestimmung: der Welt die Grosse und 
Bedeutsamkeit der alten Kunst zu erschliessen. Durch sei- 
nen Uebertritt zum Katholicismus verschaflFte er sich die 
Mittel zu einer Reise nach Rom, wo er zuerst Bibliothekar 
des Cardinais Albani war, dann Aufseher aller Alterthümer 
in und um Rom. In Triest wurde er von Fr. Arcangeli 
ermordet. In Schilderung der Kunstwerke und ip Darstel- 
lung der Grundidee ist er Meister, Seine Schreibart ist den 
Alten nachgebildet und durchaus gedankenreich, oft begei- 
stert und dichterisch blühend. Unter seinen Werken ist 
das bedeutendste die ,Geschichte der Kunst des Alter- 
thumsS 4764. 

Die genftueste Auskunft aber Winokelmann's Leben und Schriften gibt 
Gcblitt's Biographische nnd literarische Notiz Ton Winckelmann, 4797, 
nebst zwei Nachtragen, 4820 — 24 , mit Berichtigungen nnd Zusätzen wieder 
abgedruckt in dessen Archäelogi sehen Schriften, herausgeg. von C. M8llbr, 
4834, nnd die treffliche Biographie Winckelipapii's von Pstbrsbn in der 
Allgem. Einleitung in das Studium der Archäologie, aus dem Dänischen 
von Friedrichsen , 4829. Ausserdem schrieben über ihn: Rosetti (mit 
einer Vorrede Yon Böttigbb) 4848, Hbtnb 4778, MoBfiBMSTBRii 4805« 
GoBTHB 4805, Jahn 4844, Sch5mann 4844. Kunstkenner Ch. L. von 
Hagedorn, 4742 — 80; Maler Mengs, 4728 — 79. 

§. 484. Jußt. Moser, 47910 — 94 (Advooat iu Osna- 
brück), zeigte in s^iuQ^ ,Qsn^brückischen Geschichte^, wie 
man nip: durch Erforschung und Würdigung der einhei- 
mischen Lebensverhältnisse, Sitten und Einrichtungen zu 



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Einundäreisiigstes CapiM. Deui$€hland. 395 

einer wahren Volks- und Landesgeschichte gelangen könne. 
J. Jak. Moser, 4704 — 85, und sein Sohn F. K. v. Moser, 
4733 — 98: ,Staatsgrammatik', ,Herr und Diener', ,Patrioti- 
sche Briefe', ,Patriotisches Archiv', ,y om deutschen Natioual- 
geist', geistliche Dichtung (, Daniel in der Lowengrube'). . 
Gatterer, 4727—99. Achenwall, 4749 — 72 (Begründer 
der Statistik). Büsching, 4724 — 93 (Erdbeschreibung). 
Iselin, 4728 — 82 (,Geschichte der Menschheit'). Kirchen- 
geschichte: Walch, f 4784, Michaelis, f 4794, Semler, 
t 4 794. 

§. 482. Popularphilosophen: J. Sulzer, 4749 — 
79, zu Winterthur geboren und zu Berlin als Professor 
gestorben: , Allgemeine Theorie der schonen Wissenschafben 
und Künste'. Moses Mendelssohn, 4729 — 86, Freund Les- 
sing^s, Mitarbeiter an der ,Deutschen Bibliothek': ,Briefe 
iiber 'die Empfindungen', ,Moses Mendelssohn an die Freunde 
Lessing's' (eine Vertheidigung Lessing's gegen seine An- 
klager, die ihn des Spinozismus beschuldigten), ,Jerusalem, 
oder über religiöse Macht und Judenthum', ,Morgenstunden', 
,Phädon, oder über die Unsterblichkeit der Seele' (nach 
Plato). J. G. Hamann aus Königsberg in Preussen, 
4730 — 88, der Magus aus Norden (seine Schriften weniger 
durch innem Werth als durch ihren Einfluss auf Herder 
berühmt, von Roth 4824 — 43). J. Jak. Engel aus Par- 
chim in Mecklenburg (44. Sept. 4744 bis 28. Juni 4802), 
Lehrer Friedrich WiUielm's HI.: ,Philo8oph für die Welt', 
,Fürstenspiegel', ,Ideen zur Mimik', ,Poetik', ,Traum des 
Galilei', Schauspiele, Roman ,Lorenz Stark'. Thomas Abbt 
aus Uhn, 4738—66: ,Vom Tod fürs Vaterland', ,Vom Ver- 
dienst', ,Literaturbriefe'. J. G. Ritter yon Zimmermann 
aus Brugg, 4728—95: ,Ueber die Einsamkeit', Schriften 
über Friedlich d. Gr. (Wichmann, ,Z.'8 Krankengeschichte'). 
F. Ch. Nikolai, 4733 — 4844, Lessing's ältester Ge- 
nosse und bis auf einen gewissen Grad auch Geistes- 
verwandter, eigentlicher Heros der Aufklärung und Ge- 
schmacklosigkeit im letzten Viertel des vorigen Jahrhun- 
derts: ,Sebaldus Nothanker', ,Sempronius Gundibert', ,Ge- 
schichte eines dicken Mannes'; die Grundsatze seiner Alltags- 
weisheit und Geschmacklosigkeit hat er 30 Jahre lang in 
der ,Allgemeinen deutschen Bibliothek' gepredigt. 

Kanzelberedtsamkeit: Sack, 4703 — 86, Jerusalem, 



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296 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

1709 — 89 (Stifter des Carolinums in Braunschweig), Spal- 
ding, 17U — 1804, Gramer, Sturm, 1740— 86, 

G. Die neueste Zeit, seit 1780 (1770). 

§. 483. Der Deutsche hat die Nationalliteratur errungen 
und geniesst endlich selbst die Anerkennung des Auslandes. 
Deutsche Werke werden gesucht und übersetzt. Wetteifer 
der deutschen Staaten, aber Weimar bleibt lange Zeit der 
Mit);elpunkt für die Literatur. Die politischen Bewegungen 
fordern den Gang derselben. Die deutsche Nation hat den 
Keim der Vollkommenheit gefunden, vergöttert kein fremdes 
Wesen mehr, lässt sich durch keine fremde Unterdrückung 
mehr niederbeugen, das Freiheitsgefuhl bricht die Ketten. 
Die Philosophie, welche die Entwickelung des Geistes un- 
mittelbar darstellt, geht mit Biesenschritten vorwärts durch 
Kant, Fichte, Schelling und Hegel. Literaturzeitungen, 
Musenalmanache und Dichtervereine beweisen das gewaltige 
Streben, die aufwachsenden Gedanken in Sprache zu kleiden. 
Der hochdeutsche Dialekt wird durch die geschichtlichen 
Forschungen der alleinherrschende; nur der alemanniscbe 
findet noch in Hebel (1760 — 1828) einen Vertreter. Drei- 
theilung dieser Periode. 

1. Die Friedenszeiten 1770 (1780) — 1790 (1794). 

§. 484. Seit dem Siebenjährigen Kriege Aufschwung der 
jungem Generation, Verweri&mg des franzosischen Wesens, 
Enthusiasmus für Shakspeare, Sturm- und Drang-, Genie- 
periode. Morgenroth vollendeter Poesie mit Herder und 
Goethe, zweien Geistern, die aus philosophischer Tiefe ihre 
blühend poetischen Anschauungen schöpfen. Der Göttinger 
Dichterverein, Schiller, einzelne Nachahmer. Goethe und 
Schüler stehen noch getrennt, doch beginnt zwischen Beiden 
ein Briefwechsel. Die Zeitschrift ,Horen' gibt das beste 
Zeugniss von dem stürmischen Bangen nach Höherm. 
Goethe^s ,Gotz^ und Schüler^s ,Räuber^ sind der anschau- 
lichste Beleg. Goethe selbst charakterisirt diese Zeit in 
folgenden Worten: „Sie ist unruhig, frech, ausgebreitet, 
leichtfertig, redlich^ Achtung verschmähend und versäumend, 
die Form muthwillig zerstörend und besonnen, sie wiederher- 
zustellen.^^ Dieses ist gerade an Goethe am meisten sichtbar. 



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Einunddreissigstes CapiteL DeuUcMand. 297 

§• 485. J. Gf. Herder aus Mohrungen in Ost- 
preussen (25- Aug. 1744 bis 18. Dec. 1803), 1762 in 
Königsberg in Bekanntschaft mit Kant und Hamann, 1764 
in Biga, 1767 in Frankreich, in Strasburg mit Goethe be- 
freundet, ,Fragmente über die neuere deutsche Literatur', 
1 769 , Kritische Wälder', 1771 Consistoriabrath in Bückeburg, 
1775 berufen als Professor der Theologie nach Gottingen 
und fast gleichzeitig als Hofprediger, Generalsuperintendent 
und Oberconsistorialrath nach Weimar, dem deutschen Athen, 
1793 daselbst Vicepräsident, 1801 Präsident des Oberconsi- 
storiums, geadelt Ton dem Kurfürsten von Baiem. Seine 
Schriften zerfallen ihrer Vielseitigkeit wegen in drei Classen: 
zur Religion und Theologie (,Geist der hebräischen Poesie', 
1782), zur Literatur und Kunst (für orientalische in den 
,Palmblättem', griechische in den ,Paramythien' und romi- 
sche Poesie, für Shakspeare, Ossian und die spanischen 
Romanzen vom Cid) und zur Philosophie und Geschichte 
(, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschlieit', 
1784 — 91), Legenden, Parabeln. Der ganze Culturzustand 
Deutschlands hat von ihm einen mächtigen, weithin sich ver- 
breitenden Impuls erhalten, und an warmer, tiefer Begei- 
sterung für alles echt Menschliche, Würdige, Grosse hat 
ihn Keiner überragt. 

Ausgabe seiner Schriften in 45 Bdn. 4806 — 20. Taschenausgabe, 
60 Bde., 4827 — 30. Von seiner Witwe Mar. IUrol., geb. Flachsland 
(4750 — 4845), Erinnerungen aus H'.s Leben, die J. G. M6lleb 4820 heraus- 
gab. Döring, Herder's Leben, 4823. Mönnich, Herder's Cid und die 
spanischen Cidromanzen, 4855; oben §. 380* 

§. 486. J. Wfg. Goethe aus Frankfurt a. M. (28. 
Aug. 1749 bis 22. März 4832), der klarste Spiegel der 
ganzen Zeit, in welcher er lebte, was zugleich für seine 
Empfänglichkeit für alle Eindrücke und von seiner grossen 
Beobachtungsgabe zeugt. Von 1 765 — 68 in Leipzig bei Emesti, 
Geliert und den Verfassern der ,Bremer Beiträge', Bewun- 
derer Klopstock's, Verfasser der ,Laune des Verliebten' und 
der ,Mitschuldigen', durch Oeser und Anschauung der dres- 
dener Kunstschätze für ernsteres Studium der Kunst und 
Kunstgeschichte gewonnen, 1768 — 70 im älterlichen Hause 
mit dem Studium von allerlei mystisch-chemisch-alchemischen 
Werken beschäftigt, 1770 in Strasburg, statt der Jurispru- 
denz obzuliegen, mit Chemie und Anatomie beschäftigt, 
vertraut mit Herder und für Shakspeare, Natur, deutsche 



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398 Zweites Buch, Ethnodoktologie. 

Literatur und Bankun&t gewonnen, 4774 promovirt, in 
Wetzlar. 

Drei Perioden seines äussern und Dichterlebens: 4) Die 
sentimentale Kraftperiode bis zur italienischen Reise, 4766 
— 88: ,G6tz von BerlichingenS 4773; ,Werther% 4774; 
,ClavigoS 4774; , Jahrmarkt zu Plundersweilem% 4774; in 
Weimar 4775 durch Karl August (Herzogin-Mutter Anna 
Amalia, 4739 — 4807), Geheimer Legationsrath, tmd ,Stella% 
4776; Lieder, Balladen, Oden; WirkKcher Geheimratfa 4779; 
,Triumph der Empfindsamkeit^, 4780; Kammerpräsident und 
geadelt 47821; Bekanntschaft mit J. H. Meyer, dem Kunst- 
kritiker, in Bom, 4786 — 88. 2) Die ideale Periode bis zu 
seiner nähern Bekanntschaft mit Schiller, 4794: ,Iphigenia 
auf TaurisS ,Torquato Tasso' und ,EgmontS 4788; Feldzug 
in der Champagne 4792; ,Reineke Fuchs', 4793." 3) Die 
auf das lehrhaft Bedeutsame gerichtete Periode: ,Wilhelni 
Meister's Lehrjahre', 4794 — 96; die , Hören', 1794; ,Xenien% 
4796; ,Hermann und Dorothea', 4797*; die ,Propyläen% 
4798 — 4800; ,Tancred' und ,Mahomet' Voltaire's, ,Natür- 
liehe Tochter', 4804; vermählt (Vulpius) 4806; ,Faust', 4807; 
,Wahlverwandtschaften', 4809; Rücktritt aus dem Staats- 
dienst 4809; ,ldeen zur Farbenlehre', 4840; ,Wahrheit und 
Dichtung', 4844; erster Staatsminister 4845; ,West6stlicher 
Divan', 4849; ,Wilhehn Meister's Wanderjahre', 4824; der 
zweite Theil des ,Faust', 4834. Der dämonische Mann ist 
in seiner Jugend Apollon, in seinem Alter olympischer Zeus. 
Ihn kennt und verehrt die ganze civilisirte Weltl — üner- 
messliche Literatur über ihn und seine Werke. 

Unter den Schriften, welche über sein Innerstes den gründlichsten 
Aufschluss geben, gehören zu den werthvoUsten seine gesammelten Briefe, 
die Schriften von Eckermakn, Falk, Carus, F. v. MClleb, Riemer, 
NicoLOTius, Ffbifteb, Döring, Sohübarth, Gutzkow, Zadfbr, Vark- 
HAGEN Y. Ensb, Duntzer, Geryinus, ROSENKRANZ 4847, Spibss 4855* 
Aasgabe seiner Werke in 40 Bdn. 4840; Nachträge von Boas 4844; 
Duodezausgabe, 55 Bde. — * Mit histor. Treue entlehnt aus: Ausführliche 
Historie der Emigranten oder vertriebenen Lutheraner ans dem Erzbistbiune 
Sal^urg, 4732. 

§. 487, Der Gottinger Dichterverein um Boje 
(1744— 4806) S der Hainbund seit 1772* Der von 
Grotter (1746 — 97) » und Boje gegründete ^Musenalmanach^ 
1770. 

Gf. A. Bürger, 1748 — 94, der Volksdichter im reinsten 
Sinne des Worts: Balladen: ,LenoreS ,Lenardo und Blan- 



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Einunddreissigstet CapM. Deutschland. 399 

dine', ,Des Pfarrers Tochter zu Taubeiihayn^, der ,Wilde 
Jäger*, ,Frau Magdalis^ Scbiller's hartes ürtheil über ihn *. 
L. H. Cp. Holty, 1748 — 76; Lyriker: Elegien, Lieder, Oden, 
Idyllen*. Lp.F.Gth. v.Gockingk, 1748— 1828, Freund und 
Landsmann Bürger^s: poetische Episteln ^ J. Ant Leisewitz, 
1752—1806 (Trauerspiel: , Julius von Tarent*, 1776). Die 
beiden Grafen zu Stolberg: Christian, 1748 — 1821 (lyrische 
Gedichte, ,Schauspiele mit Choren% Uebersetzung des So- 
phokles), und Friedrich Leopold, 1750 — 1819 (Gedichte, 
,Schauspiele mit Choren*, Uebersetzimg der ,Ilia8S Boman 
,Die Insel*, ,Geschicbte der Religion Jesu Christi*) ^. Mthi. 
Claudius, 1740 — 1815, Asmus oder der Wandsbecker Bote, 
mit dem entschiedensten Talent für Volksdichtung ®. J. Miller, 
1 750 — 1814 (Roman : ,Siegwart, eine Klostergeschichte*, 1 776, 
die sprichwörtliche Siegwart'sche Sentimentalität; Gedichte, 
Predigten). K. F. Cramer (Sohn von J. And., §. 471), 
1752 — 1807 •. J. H. Voss aus Sommersdorf bei Waren im 
Mecklenburgischen (20. Febr. 1751 bis 29. März 1826), 
geistreicher Erklärer und Forscher des Alterthums, ge- 
schmackvoller Uebersetzer, Kritiker und Dichter; Heyne's 
Schüler, Rector in Eutin, Professor in Heidelberg; im 
Streite mit Heyne, Lichtenberg, F. zu Stolberg, Creuzer; 
Verfasser von Oden, Liedern, Elegien, Idyllen (, Luise*, ,Der 
70. Geburtstag*); Uebersetzer des Homer, Aratus, Theo- 
krit, Virgil, Horaz, Aristophanes u. s. w., des Shakspeare 
(mit seinen Söhnen Heinrich und Abraham); ,Mythologische 
Briefe', ,Anti8ymbolik*, Begründer des Studiums der alten 
Geographie *^. 

* Begründer des Deutschen Museum, 4778, und des Neuen deutschen 
Museum, 4789. Gedichte 4770. — * Prutb, Der gottinger Dichterbund, 
4844. -^ 5 Gedichte 4787 n. 4802, Sing- und Schauspiele. Medea durch 
Benda's Musik berühmt. — * Biographie von Althofp 4798. Gesammt- 
ausgabe von Bohtz 4835. Seine bedeutendsten Balladen sind in fast alle 
Sprachen der civilisirten Welt übersetzt. Illustrationen von Bjbtzsoh und 
RuHL. — ö Ausgabe von Voss und Stoi^bbbo 4783; von Voss mit einer 
Biographie 4804 u. 4835. Voigts, Hölty , ein Roman, 4844. — ^ An Fritz 
und An meinen Bedienten. Sinngedichte. Lieder zweier Liebenden. Ramler's 
Poetische Werke, 4847. Nicolais Leben und liter. Nachlass, 4820. — 
7 Werke der Brüder Stolberg, 22 Bde., 4824 — 26. Schott, Voss und 
Stolberg, oder der Kampf des Zeitalters etc., 4820. Nicolovius, F. Lp. 
Graf zu Stolberg, 4846. — ^ Asmus omnia sua secum portans, oder 
Sämmtliche Werke des Wandsbecker Boten, 8 Bde., 4774 — 4842; neue 
Aufl. 4838. — ^ Ki^opstoqk's Ode: An Cramer den Franken. Klopstock. 
Er und über ihn, "5 Bde., 4779 — 92. Klopstock in Fragmenten; aus 
Briefen von Tellow an Elisa, 2 Bde., 4777. — " Paulus, Lebens- und 
Todeskunden von J. H. Voss, 4826. Poetische Werke, 4846. 



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300 Zweites Buch, Ethnodoktologie, 

§. 488. Lyriker und Didaktiker: Tiedge, 1752 — 
4841 (,UraiiiaS 1801, und ^Wanderungen durch den Markt 
dies Lebens', 1833, ,Elegien', Lebensbeschreibung der 
,Anna Charlotte Dorothea, Herzogin von Kurland', 4823)^. 
Usteri, 1763 — 1827 (novellenartige Erzählungen in schwei- 
zerischer Mundart, hochdeutsche Dichtungen) *. O verbeck, 
1755 — 1821. F. V. Matthisson, 1761—1831 ». J. Gaudenz, 
Freiherr von Salis - Seewis , 1 762 — 1 834 *. Schubart, 1 739 — 
91 (auf dem Hohenasperg 1777; die ,Für8tengruft' und 
,Hymnu8 auf Friedrich d. Gr.') ^ Kosegarten, 1758 — 4818 
(,Jucunde')«. Neander, 1723 — 1802. Munter, 1735—93 
(geistliche Lieder, 1773 und 1774). 

1 Eberhard, Gesammelte Werke, 4823 — 29) nnd Blicke in Tiedge's 
und in Elisa's (Frau von der Recke) Leben, 4844. Falkenstbin, Tiedge's 
Leben und Nachlass, 4844. — ^ Hess, Dichtungen in Versen und in 
Prosa, 4834. — ^ Schoch, Literarischer Nachlass, nebst einer Aaswahl 
von Briefen seiner Freunde, 4832. — ^ Seine Gedichte 4793 n. 4835. — 
^ Gesammelte Schriften nnd Schicksale, 8 Bde., 4839 fg. — ^ Ausgabe 
der Dichtungen von seinem Sohne, 42 Bde., 4823 — 25. Mohkikb gab die 
Reden und kleinen prosaischen Schriften, 3 Bde., 4834 fg. 

§. 489. Dramatiker: Lenz, 1750 — 92 ^ P. Mx. v. 
Klinger, 1753—1831 (,Der Weltmann und der Dichter% 
,Fau8t's Leben, Thaten und HoUenfahrtS 1 791 ) 2. F. Müller 
(der Maler), 1750—1825 (,NiobeS ^778, ,FaustS 1778, 
,Genoveva'; die Trilogie: ,Adonis, die klagende Venus und 
Venus Urania' u. A.) '. Schröder (Director des hamburger 
Theaters), 1744 — 1816 (Conversationsstücke und Charakter- 
gemälde)*. Iffliand (darstellender Künstler, Theaterdichter 
und Dramaturg), 4759—1814 (, Jäger', ,Dienstpflicht', ,Ad- 
vocaten', ,Mündel', ,Hagestolzen') *. A. v. Kotzebue, 1761 
— 1819 (ermordet von Sand): ,Menschenhass und Reue' und 
die ,Indianer in England', 1789, erwarben ihm den grossten 
Beifall ^ Lustspieldichter Bretzner, 1 748 — 1 807 (der ,Axg- 
wohnische Liebhaber', 1783, das ,Räuschchen', 1786, der 
,Eheprocurator') ^ und Jünger, 1759 — 97®. Dramatische 
Musik: Gluck, 1700—87 (,Iphigenia in Tauris', 1773, ,Echo 
und Narcissus') ^ Mozart, 1756 — 91 (, Figaro', 1785, ,Don 
Juan', 1787, ,Zauberflöte', 1791, u. s. w.) i<>. 

' Gesammelte Schriften mit Einleitung von Tieck 4828. St5beb, 
Der Dichter Lenz and Friederike von Sesenheim (Goethe*s Friederike), 
4842. — * Sammlung seiner Werke, 42 Bde., 4 809 fg. Ausgewählte Werke, 
42 Bde. , 4842. — ^ Gesammelte Werke, 3 Bde., 4844 u. 4825. — * Böi^ow, 
Schröder*8 dramatische Werke mit einer Einleitung von Tieck, 4 Bde., 4834- 
Meyer , F. L. Schröder, ein Beitrag zur Kunde des Menschen und Künst- 



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EinunddfMsigstes Capüel, Deutschland. 301 

lers, 4849. — ^ Dramatische Werke mit einer Selbstbiographie, 46 Bde., 
4 798 — 4 802. Neue dramatische Werke , 2 Bde. , 4 807 — 9. Fünok , Erinne- 
rungen aus dem Leben zweier Schauspieler, A. W. Iffland's und L. Devrient's, 
4838* — ^98 Schauspiele. Sämmtliche dramatische Werke in 28 Bdn., 
4797 — 4823, und in 44 Bdn., 4827 — 29. Sein Leben von Gramer 4849 
und Döring 4829. — ^ Das Singspiel Belmont und Constanze, oder die 
Entführung aus dem Serail, 4788, von Mozabt componirt. Die Schau- 
spiele 4792 — 96 u. 4820, die Singspiele 4796. Sein Roman: Lehen eines 
Liederlichen, ein moralisch -satirisches Gemälde nach Hogarth und Chodo- 
wiecki, 4787 — 88 u. 4790. — ^ Romane, darunter der vielgelesene Fritz, 
4 796 _ 97. Lustspiele, 4785 — 90; Komisches Theater, 4792 — 95; Theatra- 
lischer Nachlass, 4803 — 4. Eck gab die Gedichte, 4824. — ^ Kampf der 
Gluckisten Rousseau, Arnaud und Suard gegen die Piccinisten Marmontel 
nnd Laharpe, gesammelt in den M6moires pour servir a l'histoire de la 
r^volution operie dans la musique par M. Gluck, 4784. — ^^ Niösbn, 
Biographie Mozart's (herausgeg. von dessen Witwe 4828). Alx. Ouli- 
BiSHEW, Vie de Mozart, 4 844. Holmes, Life of Mozart, 4845. Sein 
Denkmal in Salzburg errichtet 4840. 

§. 490. Wieland^s Nachahmer im romantischen 
Epos, im Roman und der Satire: J. Bt. t. Alxinger, 
4755 — 97 (, Gedichtes 1780; ,Doolin von Mainz^ 1787; 
,BliomberisS 1791) i. Pyrker von Pelso-Eor, 1772 — 1847 
(epische Dichtungen: ,Perlen der heiligen Vorzeit', ,Tuni- 
siasS ',Rudolfias'). L. H. Freiherr v. Nicolay, 1737—1820 
(Fabeln, Erzählungen, Elegien, Episteln, Kittergedichte) ^. 
Alo. Blumauer, burlesker Dichter, 1755 t— 98 (travestirte 
Aeneide, 1784)'. Schilderungen üppiger Sinnlichkeit von 
Heinse und von Thümmel (§. 478 und 479), Schummel, 
1748 — 1813, J. Gtwth. Müller von Itzehoe, 1744 — 1828 
(Romane: ,Siegfried von Lindenberg', 1779; ,Komische Ro- 
mane aus den Papieren des braunen Mannes', 8 Bde., 1784 
— 91 ) *. Thdr. Gli. v. Hippel, 1 741 —96 (Humorist: ,Ueber 
die Ehe', 1774; ,Ueber die bürgerliche Verbesserung der 
Weiber', 1792; ,Ueber weibliche Bildung', 1801; ,Lebens- 
läufe nach aufsteigender Linie, nebst Beilage A. B. C, 
1778 — 81; ,Kreuz- und Querzüge des Ritters A. bis Z.', 
1793—94)*. Lichtenberg, 1742 — 99, gelehrter Physiker 
und witziger Schriftsteller, Streit mit Voss über die Aus- 
sprache des Griechischen 1782; ,Ausführliche Erklärung 
der Hogarth'schen Kupferstiche mit Copien derselben von 
Riepenhausen' ®. 

Herstellung einer strengen Form im Epischen und Dra- 
matischen durch Voss und Goethe und die Stolberg. 

J Sämmtliche Schriften in 40 Bdn. 4840. — ^ Vermischte Gedichte 
und prosaische Schriften, 8 Bde., 4792 — 4840, durch Bamler vielfach 
cprrl^rt. Theatralische Werke 4 84 4 . Gebschav , Aus dem Leben Nicolay's, 



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302 ZweUe$ Buch. Ethnodoktoloffie. 

4834. — ' Ausgabe sdner Werke, 8 Bde., 4804 --3; 4832; von Kistbit- 
FBOBS 4827 u. 4830; 4839 — 40; in einetti Bande 4840. — * Schb&dbr, 
Müller nach seinem Leben und seinen Werken, 4843- — ^ Sämmtücbe 
Schriften, 44 Bde., 4828 — 34. — ^ Seine satirischen nnd scherzhaften 
Anfsatze sind gesammelt in den Vermischten Schriften, 9 Bde., 4800 — 5, 
nnd 6 Bde., 4844—45. 

§. 491. J. Cp. F. Schiller aus Marbach am Necluur in 
Würtemberg (II. Nov. 1759 bis 9. Mai 1805), 1773 in dem 
militärischen Institut auf der Solitude zu Ludwigsburg 
(nachherigen Eüxlsschule in Stuttgart), Jurist, 4775 Medi- 
ciner, beschäftigt mit Homer, Virgil, Elopstock, ,Gotz von 
Berlichingen^, Lessing, Shakspeare, ,Ugolino^, , Julius von 
Tarent*, angeregt durch Schubart, 1780 Kegimentsarzt. 

Drei Perioden seines Dichterlebens, wie bei Goethe: 
1) Die erste Periode der mächtig, aber regellos aufstreben- 
den Kraft: 1784 die ,Räuber' (Freiherr von Dalberg Director 
des Theaters in Manheim), 1782 bei Frau von Wolzogen 
in Bauerbach bei Meiningen, 1783 ,Fie8Co^, 1784 ,Cabale 
und LiebeS Theaterdichter in Manheim, ,Thalia' bis 4 793. 
3) Zweite Periode bis zu Goethe^s näherer Bekannt^lt^^, 
1794, Ueberwältigung aller jugendlichen Unklarheit und 
Schwärmerei durch ernste Studien: 4785 in Leipzig, ,Liied 
an die Freude*, 1783—87 ,Don Carlos', 1787 in Weimar 
bei Herder und Wieland, Zusammentreffen in Rudolstadt 
mit seiner nachherigen Gattin Charlotte von Lengefeld, 
1788 erstes Zusammentreffen mit Goethe, ,Geisterseher^, 
,Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande', 4789 
Professor der Geschichte in Jena, 1790 — 93 ,Geschichte 
des Dreissigjährigen Kriegs', 1790 Yerheirathung und mei- 
ningischer Hofrath, 1 792 — 1 80il ,Kleine prosaische Schriften* 
infolge der Bekanntschaft mit der Eant^schen Philosophie, 
franzosischer Bürger, 1793 in seiner Heimat, ,Briefe über 
ästhetische Erziehung', 1794 Beginn der , Hören'. 3) Dritte, 
herrliche Periode seit 4794, gezeitigt durch Goethe's Freund- 
schaft: seit 1795 die schönsten seiner lyrischen Gedichte, 
1796 ,Musenalmanadi', der ,Spaziergang', die ,Glocke', 
,Xenien', 1797 Romanzen und Balladen, 1799 ,Wallaiatein' 
(Trilogie), in Weimar, 1800 ,Maria Stuart', 1801 ,Jungfrau 
von Orleans', 1802 durch Kaiser Franz H. geadelt, 1803 
,Braut von Messina' (Einführung des Chors), 1804 , Wil- 
helm Teil', ,Demetrius' (ausgeführt von v. Maltitz), ,Hul- 
digung der Künste', Bearbeitung fremder Dramen (,Maebeth', 



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Einuuddreisaigstes CapHeL Deutschland. 303 

,TuraiidotS ,PiiädraS ^effe als Onkel^ ,ParasitV ^Iphigenie 

in Aulis' u. A.). 

Er ist der ideale Dichter, der Herold der Freiheit auf 

geistigem, sittlichem, religiösem und politischem Gebiete, 

bewmidert und yerehrt, doch vorzugsweise geliebt. 

Ueber amii Leben Caslylb (engÜBch) 4825, Frau t. WoizogbiT) Hof»- 
MBiSTBR, GsT. ScwwAB, Schiller's D^kwurdigkeiten und Bekenntnisse über 
sein Leben, seinen Charakter und seine Schriften, geschrieben von ihm selbst, 
geordnet von Dibzmakn, 4854. Boas, Sehilier^s Jugendjahre, heransgeg. von 
Maltzahn, 4856. Ausgabe s^ner Werke 4848 — 20; Er^nznngen ron Dö« 
BING, Boas, Hoffmeisteb; englische Uebersetzung des Schotten Thm. Carlyle, 

§• 492- Prosa. — Popularphilosophen und Päda- 
gogen, wissenschaftliche Fortbildung der Theologie: Eber- 
hard, 1739 — 1809 (Philosoph nach Wolf sehen Grundsätzen: 
,Neue Apologie des Sokrates^, ,AllgemdLne Theorie des Den- 
kens und Empfindens^ ,Sittenlehre der Vernunft*, ,Theorie 
der schönen Künste und Wissenschaften'^ ,Allgeiueine Ge- 
schichte der Philosophie', ,Geist des UrchristenthumsS Sy- 
nonymik' und ,Synonymisches Handwörterbuch der deutschen 
Sprache'), Garve, 1742 — 98 (Lebensphilosopk im edlem 
Sinne des Worts, Uebersetzer, ,Ueber die Verbindung der 
Moral mit der Politik', ,Ueber Gesellschaft und Einsamkeit'). 
E. Platner, 1744.-1818 (Arzt und Anthropolog). K. Thdr. 
Keichsfreiherr von Dalberg, 4744 — 1817, Kämmerer von 
Worms, letzter Kurfürst von Mainz und Erzkanzler des 
Deutschen Reichs, später Fürst Primas des Sheinbundes und 
Grossherzog von Frankftirt, Erzbischof zu Regensburg und 
Bischof zu Worms und Konstanz, im Umgänge mit Herder, 
Goethe, Wieland,. SchiUer u. A.; seine Schriften betreffen 
meist Gegenstände der angewandten Moral und Aesthetik, 
empfehlen sich durch Gründlichkeit der Forschung und 
durch eine gewinnende Beredtsamkeit K Der um die vater- 
ländische Literatur und Sprache hochverdiente Adelung, 
4734 — 1806 (,Wört^buch', ,Mithridates' U.A.)- Basedow, 
4723 — 90 (Mu&ters€hule und Lehrerseminar in Dessau, 
Philanthropinismus) ^. Campe^ 174& — 1818, durch Kinder- 
und Jugendschriften und durch lexikographische Arb^ten 
ausgezeichnet (,Robinson der Jüngere', ,Theophron, oder 
der erfahrene Rathgeber für die unerfahrene Jugend', beide 
wol in alle europäische Sprachen übersetzt). Die Theo- 
logen: Schrockh, 1733 — 1808 (, Christliche Kirchenge- 
schichte' in 35 Bänden) 3. J. Gf. Eichhorn, 1752-1827 



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304 Zweiies Buch. Ethnodoktologh, 

(Einleitmigen in die Bibel, ^Allgemeine Geschichte der 
Cultur und Literatur des neuem Europa', ,Ge8chichte der 
Ldteratur von ihrem Anfange bis auf die neuesten Zeiten' 
u. V. A.)« Doderlein, i745 — 92 (Dogmatiker mit Abwei- 
chung von dem altem Lehrsystem). Griesbach , 4 745 — 4812 
(Ezeget und biblischer Eiritiker)^. H. Ph. Kr. Henke, 
4752 — ^809 CKirchengeschichte'). Gli. Jak. Planck, 1751 
— 1833 (, Geschichte der Entstehung, Veränderungen und 
Bildung des protestantischen Lehrbegriffs^ u. s. w., 6 Bde., 
4 7 84 _ 4 800 ). Zollikofer ,1730 — 88 (besonders Predigten) «. 

1 Krambb, K. Thdr. ▼. Baiberg, 4824. — ^ Meter, Leben, Charakter 
und Schriften Basedow's, 4794 — 92. — ' Tzschirneb gab eine ansfabr- 
liehe Beschreibung seines Lebens und Charakters in der Eirchengeschichte 
seit der Reformation, Bd. 40. — ^ Sein Leben beschrieben Koethe 4842, 
AvovsTi 4842, Eiohstäot 4845. — ^ Gabvb, Ueber den Charakter Zolli- 
kofer's, 4788. 

§. 493. Historische Forschung und Kunst: Mch. 
Ign, Schmidt (1736 — 94) zog in seiner ,Geschichte der 
Deutschen^ zuerst das Culturleben der Nation in die Dar- 
stellung (Fortsetzung von Dresch). A. L. v. Schlozer, 1735 
— 1805 (, Allgemeine nordische Geschichte', Uebersetzung 
des russischen Chronisten Nestor, Verdienste um die Sta- 
tistik, geadelt 1804 von Kaiser Alexander von Russland). 
J. v.MüUer, 1 752 —1 809 (,Vierundzwanzig Bücher allgemeiner 
Geschichte', ,Schweizergeschichte') \ L. Tim. Freiherr v. 
Spittler, 1752—1810, Geschichtschreiber und Publicist*. 
J. W. Baron v. Archenholz, 1745 — 1812 (, Geschichte des 
Siebenjährigen Kriegs' u. s. w.), politischer Journalist in 
der ,Minerva' seit 1792. — Länder- und Reisebe- 
schreibungen: Sturz, 1736—79, Begleiter Konig Chri- 
stian^s YII. auf einer Reise nach England, daher die ,Briefe 
eines Reisenden', 1777. J. G. Forster, 1754 — 94 (,Reise 
um die Welt', 1772—75)». Sm, Gli. Gmelin, 1744 — 74 
( ,Reisen durch Russland', 1770). Pallas ,1741—1811, russi- 
scher Reisender, 1793 — 94, und Naturforscher. Karsten Nie- 
buhr, 4733 — 1815 (Forschungen über Arabien u. s.w.), u. A. 

1 Fortsetzung seiner Schweizergeschichte Ton Glütz-Blotzhbim 4846, 
HoTTiNOER 4825—29. Sämmtliche Werke, 40 Bde., 4834—35. Ueber 
sein Leben Heeren 4809> Wachler 4809, Woltmann 4840, Roth 4844. — 
3 Gesammtausgabe von seinem Schwiegersohn E. Wächter, 45 Bde., 
4827 — 37. Sein Leben Ton Heeren 4842. — ^ Seine gewesene Gattin 
Tberbsb Huber gab seinen Briefwechsel nebst Nachrichten von seinem 
Leben, 4828 — 29, nnd seine Tochter seine Sämmtlichon Schriften mit 
einer Charakteristik des Verfassers von Gervinus, 4843 fg. 



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Einunddreissig^stes Capitel. Deutschland, 1305 

§. 494. Begründer der kritischen Philosophie ist 
Im. Kant aus Königsberg in Preussen (22. April 1724 bis 
42. Febr. 4804), auf dem Friedrichscollegium und seit 1740 
auf der konigsberger Universität gebildet, 1755 auf letzterer 
Docent für Logik , Metaphysik , Physik und Mathematik, 
4770 ordentlicher Professor der Logik und Metaphysik, 
Abhandlungen und Schriften naturwissenschaftlichen und 
philosophischen Inhalts; 1770 ,De mundi sensibilis et in- 
telligibilis forma et principiis*, gleichsam das Programm 
der ,Kritik der reinen Vernunft', 1781; ,Prolegomena zu 
einer jeden künftigen Metaphysik', 1783; ,Grundlegung 
der Metaphysik der Sitten', 1785; ,Metaphysische Anfangs- 
gründe der Naturwissenschaft', 1786; ,Kxitik der prakti- 
schen Vernunft', 1788; ,Kritik der Urtheilskraft', 1 790 ; 
,Ileligion innerhalb der Grenzen der blossen Veriiünft', 
4 793; ,Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre', 1797; 
,Kechtslehre', ,Anthropologie in pragmatischer HinsichV, 1798. 

Vollständige Sammlungen seiner. Werke von Härtens tbin, 40 Bde., 
A 838 — 39 ; Rosenkranz . und ScHOSERr , i 2 Bde. , 4 838 — 44 (Bd. 4 4 : 
Biographie von Schubert); sonst über sein Leben: Borowbki 4804, 
Wasianski 4804, Jachmann 4804. Die Physische Geographie gaben 
RiNK 4802 und YoIlmbr 4804—5 heraus. 

§. 495. Allgemeine Herrschaft der Kant'schen Philoso- 
phie seit 1 790 , wozu noch besonders die Polemik F. H. Ja- 
cobi's (1743 — 1849)1 und die ,Briefe über die Kant'sche Phi- 
losophie' K. Lhd. Reinhold's (1758 — 1823)« im ,Deutschen 
Mercur' beitrugen. Die grosste Bedeutung dieser Philosophie 
besteht in der Anregung der geistigen Thätigkeit, in der 
wissenschaftlichen Gründlichkeit und in dem sittlichen Ernste. 

1 ScHLiCHTBOROLL , WsiLLER uud Tbibrsch, F. H. Jacobi uach seinem 
Leben, Lehren und Wirken, 4849. Kuhn, Jacobi und die Philosophie 
seiner Zeit, 4834. — ^ Sein Leben und literar. Wirken von seinem Sohne 
£. Reinhold geschildert, 4823. 

2. Die Revolution 1790 (1794) — 1811 (1813). 

§. 496. Beginn schöner Hoffiiungen, Steigerung der 
Theilnahme der Gelehrten an dem öffentlichen Leben. Druck 
der Fremdherrschaft. Die Masse der literarischen Erzeug- 
nisse wird unübersehbar. Steigerung der Lese- und Schreib- 
lust. Die Leihbibliotheken. Unzahl der Tagesblätter. Goethe's 
und Schiller's (vereinigter) Einfluss seit 1794 ^ Hohestand 
des Dramas. Die Romantiker oder die Schlegel -Tieck'sche 
Schule (darüber Rosenkranz in den Studien, 1, 1839). 
Stiftung der Universität rvL Berlin^ 1810. 

Merlexer. 90 



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908 Zw9Ue$ Buch. Ethnodoktologie. 

1 WUheliD Mcbter'8 Lthijahre, 4794—96. Die Hören, 4794; Xenien, 
4796. Hennaxm und Dorothea, 4797. Die Propyläen, 4798 — 4800. 
SoHiiXBB*8 Romanzen und Balladen, WaUenstein (Trilogie), 4799, Maria 
Staart, 4 800, Jongfrsn von Orleaa», 4804 » Braut ron Mes$ina, 4 803, Teil, 4 804. 
GoBTHs's Natürliche Tochter, 4804, Fanst, 4807, Wahlverwandtschaften, 
4809, Ideen zur Farbenlehre, 4840, Wahrheit und Dichtung, 4844. 

§.497. Philosophie: Kantianer. Eechtsphilosophie: 
Ans. von Feuerbach (berühmter Criminalist), 1775 — 1833 K 
Fries, 1773—1843 (, Philosophische Rechtslehre, oder Kritik 
aller positiven Gesetzgebung', 1803). Hugo, 1764 — 4844 
(die historische Rechtsschule durch ihn, Haubold, Schlosser 
und V. Savigny begründet). F. K. v. Savigny (geb. 1779): 
,Recht des Besitzes' und ,Geschichte des romischen Rechts 
im Mittelalter'. — Fichte (1762 — 1814): ,Versuch einer 
Kritik aller Offenbarung', 1792; ,Wissenschaftslehre', 1791. 
F. W. Jos. V. Schelling (1775 bis 20. Aug. 1854): Identitats- 
system^ Naturphilosophie *. Reinhard, 1 753 — 1 81 2. Schleier- 
macher, 1768—1834'. Hegel, 1770 — 1831*, und seine 
Schüler: Marheineke, Daub, Gabler, Hinrichs, Michelet, 
Gans, Hotho, Rosenkranz, Goschel, Br. Bauer, Watke u. A. 
Herbart, 1776 — 1841 •, und seine Schüler: Drobisch, Roer, 
Hartenstein, Taute, Strümpell u. A. — Naturphilosophen: 
Oken ( 1779 — 1851 ) : ,Lehrbuch der Naturphilosophie', 
,Allgemeine Naturgeschichte', Begründer der ,Isis', 1816. 
H. V. Schubert (geb. 1780). Steffens, 1773—45. Alx. v. 
Humboldt (geb. 1769: ,Kosmos' seit 1845). Werner, 1750 — 
1817. Treviranus, 1776 — 1837. Olbers, 1758 — 1840. Gauss, 
1777 — 1853. Brandes, 1777 — 1834. 

1 Er hinterlieas fünf Söhne; Anselm, Karl Wilhelm, Eduard August, 
Ludwig Andreas, Friedrich Heinrich, die rühmlich in des Vaters Fuss- 
tapfen traten und jeder in besonderer Richtung durch Studium und schrift- 
stellerische Thätigkeit sich hervorthaten; Ludwig Andreas ist Philosoph« — 
* Seine Anhanger: Steffens, Oken, Fr. v. Baader, Windischmann, H. v. 
Schubert, Schelvers, Nasse, Eieser u. v. A. Ueber ihn und seine Philo- 
sophie Fbaubn8tIdt 4842« Paclus 4843, Alxi. Schmidt 4843» Rosbn- 
K&AKZ 4843, MictiBLET 4843, Salat 4837. Seine Schriften gibt Cotta 
heraus, 4856 fg. — ' Sämmtliche Werke seit 4835: zur Theologie, Pre- 
digten und zur Philosophie. Zabbl, Literarischer Nachlass Schlelermacher's, 
4835. — ^ Sein Leben yon K. Robbkkbahz 4844; Werke 4839 — 44. 
H. Leo gegen die Junghegelianer, Hegelinge, ebenso Schbllinq, Weisse, 
der jüngere Ficbtb, Tbbndblbnbvbo, Exneb, Ott, Hegel et la Philoso- 
phie allemande, 4844* — ^ Ueber sein Leben Habtbnstbin und Yoiodt. 
StbGmpell, Die Pädagogik der Philosophen Kant, Fichte, Herbart» 4843. 

§. 498. Pädagogen; Pestalozad, 1746—1827 (zu Yver- 
dun)i. Niemeyer, 1754 — 1828 ^ Schwarz, 1766 — 1836. 
Dinter, 1760—1831 K K. y. Baumer; »Qcschichte der Päda- 



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EifiUnddreiS9ig9te8 CapiuL DeuuMand, 9§7 

gogikS — Kauzelberedtsamkeit: Reinhard, 47S3 — 48fd, 
V. Ammon, 1766 — 4851, Schleiermacher, Draseke, 1774 — 
4 849. — Mythologie des Alterthums: Wagner, Gorres, 
Creuzer, Voss, Lobeck. — Aesthetik und Kritik, Lite- 
ratur- und Kunststudium; W. V.Humboldt, 4767 — 4835* 
A. W. V. Schlegel, 1767 — 4845, F. v. Schlegel, 4772—4829, 

F. A. Wolf, 4757 — 1824^ Solger, 1780-^4849, Tieck, 4773 

— 4853, Gries, 1775 — 1842, Achim v. Arnim, 1781-^4834, 

Brentano, 4777—1842, Görres,F.H.v.d.Hagen, 1780—4856. 

Forster (Uebersetzung der ,Sakuntala', 1791). Ad. Muller, 

i779_i|829. Bottiger, 1760—1835. Hirt, 1759— 1837. Stieg- 

litz, 1756— 1836. Wackenroder, 1772—98. Literaturgeschichte 

von Eichhorn, Wachler, Bouterwek (1766 — 1828). — Die 

neuere Musik Weber's, f 1826, und Beethoven's, f 1827. 

1 Ueber ihn Bibbb 4827, Blochmann 4846, ChbistopfbIi 4846. — 
^ Ueber ihn Jacobs und 6bubb& 4834. -^ ^ Sein Leben von ihm selbst^ 
4 829; 3. A., 4830. — * Sein Leben von £wai.d nnd Hatm, 4856. 

§. 499. Romanliteratur. Philosophischer und humo* 
ristischer Koman: von Klinger uud Jacobi. Deutschlands 
grosster Humorist ist J. P. F. ßichter (gewöhnlich Jean 
Paul) aus Wunsiedel (21. März 1763 bis 14. Nov. 1825): 
,HesperusS 1795; ,Titan% 1800 — 3; ,Levana, oder Erzie- 
hungslehreS 1 807, u. A. K Wagner, 1 768 — 1 81 2. v. Bentzel- 
Sternau, 1767 1849. P. de la Motte Fouque, 1777—1843* 
Seume's (1763 — 1810) ,Spaziergang nach Syrakus*. 

1 SämmtUche Werke, 60 Bde., 4826 — 28. Biographie von Spazibb, 
4833, 5 Bde. 

§. 500. L. Tieck (über ihn J. L. Hoffmann 1856 und 
Kopke 1855) und die Romantiker ^ Tieck's ,Peter 
Lebrecht's Volksmärchen*, 1797 (,BlaubartS ,Der gestie- 
felte Kater* u. s. w.), Uebersetzung des ,Don Quixote', 
Dramen (,Genoveva*, ,Octavian', ,Fortunatu6S 1819), No- 
vellen seit 1821. Novalis (F.V.Hardenberg), 1772 — 1801. 
Schelling , die beiden Schlegel. Trinius , 1 773 — 1 849. 

G. Ph. Schmidt, 1766—1849. Jos. v. Eichendorff, 1788. 
liuise Brachmann, 1777—1822. Helmine von Gh^zy, 1783. 
Im Anschluss an Schiller: Mahlmann, 1771—^1826, und 
Jens Baggesen, 1764 — 1826 (Däne). Für die antike Ode: 
Hölderlin, 1770—1843. — Didaktiker: Neubeck, 176.5— 
1847 (, Die Gesundbrunnen', 1794), Krummacher, 1768—1845 
(,Parj^belnS ^^05; ,ParamythienS 1809). Epigrammatiker: 
Hang, 1761 — 1829. — Idyllisches Epos von Amalie v. Hell- 

20 '^ 



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306 ZweUes Buch. EUinodoktologie. 

vig, 1776 — 1831 (, Schwestern von Lesbos*), undBaggesen 
(,Parthenais, oder, die Alpenreise'). — Drama: Z. Werner 
aus Königsberg in Preussen (4768—1823): ,Sohne des 
ThalsS t8Ö3; ,Martin Luther, oder die Weihe der KraftS 
4807 (über ihn Schutz iSM). Apel, 1771—1816. v. GoUin, 
4772— 181 1. H. V. Kleist, 1776—1811 (,Kathchen von Heil- 
bronn, oder die FeuerprobeS 1810). Oehlenschläger, 1779 — 
1850 (Däne). 

i Julian Schmidt , Gesch. d. deutsch. Nationallit. im 4 9. Jahrb., 2 Bde., 
4853. Gottschall, Gesch. d. deutsch. Nationallit. in der ersten Hälfte 
des 49. Jahrh., 4865. 

§. 5Ö1. Historische Forschung, Politik des Tages, vater- 
ländischer Sinn in den Jahren der Fremdherrschaft 1803 — -13. 
Moser. F. v. Gentz, 1764 — 1832. Rehberg, 1757 — 1836. 
Fichte (,Reden an die deutsche Nation^ 1 808). Arndt's ( 1 769 ) 
,Geist der ZeitS 1806 — 18. Jahn's ,Deutsches Volk8thum% 
1809 (über ihn Prohle 1856). Sammlungen zur Zeitge- 
schichte von V. Archenholz, Pösselt, 1763 — 1804 (Redacteur 
von Cotta's , Allgemeiner Zeitung^, 1 799 fg.). Allgemeine Ge- 
schichte von Heeren, 1760 — 184?. Bredow, 1773—1814. 
Eichhornes (1781) ,Deutsche Staats- und iRechtsgeschichte', 
1 808. Niebuhr's (1 777 — 1 831 ) ,R6mische Geschichte'. Kruse, 
^753_i 827 (Tabellen). Politz. Becker. Weltmann, 1770 — 
1817. Wilken's (1777—1841), ,Geschichte der KreuzzügeS 
1807 — 32. Manso's ,Sparta% 1800. — Geographen: 
K. Ritter, 1779 (, Erdkunde im Verhältniss zur Natur und 
Geschichte des Menschen', 1817; neue Bearbeitung 1822%.), 
Stein, Guts Muths. Wissenschaftliche Reisen Alx. v. Hum- 
boldt^s in Amerika 1799 — 1804; Lichtenstein^s im südlichen 
Afrika 1803 — 6, u. s. w. ' 

3. Die Freiheitszeiten seit 1813. 

Die Romantik im Kampfe mit der Kritik. Universalismus in 
Poesie und Wissenschaft. 

§. 502. Der Befreiungskrieg und die patriotische 
Erhebung. Stiftung der Universität zu Bonn 1818. Die 
Sänger; Thdr. Kömer, 1791—1813 (f im Gefechte bei 
Gadebusch) :' ,Leier und Schwert', 1814; JDas Volk steht auf, 
der Sturm bricht los' u. s. w. Arndt (,Was ist des Deut- 
schen Vaterland?'). Wetzel, 1779—1819. F. Ruckert, 1789 
(,Gehanuschte Sonettes Spottlieder und Hymnen). Fouquö's 



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EinunddrHssigstes CapUeL Deutschland, 309 

.Kriegslieder. Max v. SchenkenJorf, 4784 — -1817. P. A^ 
V. Stagemann, 1763 — 4840. Die Bruder Stolberg. Flug- 
Schriften, Reden an die Nation (politische und politisch- 
religiöse Beredtsamkeit) : Dräseke, Schuderoff, Hanstein, 
JB. Zimmermann. 

§. 503. Die Lyrik (episch-lyrisch). Orientalismus 
und Didaktik. Eberhard, 4769 — 1845 (,Hannchen und die 
Küchlein' U.A.). E. Schulze, 1789 — 1817 (,CacilieS 1814; 
,Die bezauberte Rose% 1816; seine Biographie von Bouterwek 
1819 und Hm. Marggraff 1855). Simrock, 1802 (Bearbei- 
tung altdeutscher Epen; eigene: , Wieland der Schmied% 1835, 
,Amelungenlied' , 1843). — Romanzen und Balladen: die 
Dichter Schwabens: ühland, 1787, Schwab, 1792 — 1850, 
Kemer, 1786, Mayer, 1786, M6rike,.1804, Zimmermann, 1807. 
Aus dem Elsass die Bruder Stober (August 1808, Adolf 
1810). — Volksmässige Lyrik: W. Müller, 1794 — 1827 
(,GTiechenlieder', 1822 — 25; seine Biographie tou Schwab 
1830), Hoffinann v. Pallersleben, 1798, Wackemagel, 1806, 
Reinidc aus Danzig, 1805 — 52, Kopisch, 1799—1853. — 
Sentimentale Lyrik: Heine, 1799 — 1856, Zedlitz, 1790^ 
N. Lenau (N. Niembsch, Edler von Strehlenau, 1802 

— 50, seit 1844 im Wahnsinn), Anast. Grün (Ant. 
Alx. Graf v. Auersperg), 1806. — Orientalische Lyrik 
seit 1819: Rückert (auch Dramatiker), Graf v. Platen- 
Hallermünde, 1796 — 1835 (Oden, Festgesänge, die ,Abba- 
siden^ in neun Gesängen, 1835), Adlb. y. Chamisso, 
1781 — 1838, FreiUgrath, 1810, Geibel, .1815, Kinkel, Ro- 
quette, Bottger, Bodenstedt, Redwitz. Herwegh. Hartmann 
(,Kelch und Schwert'). — Didaktik: Schefer, 1784 (,Laien- 
brevier*), Fröhlich, 1796, Hey, 1799, Pfizer, 1807. — Geist- 
liches Lied: Arndt, Garve, 1763 — 1841, v. Albertini, 4769 

— 1831, Knapp, 1796, Theremin (,Abend8tundenS 1833), 
Spitta, 1801 U.A. 

§. 504. Dramatische Poesie (im Verfall): Uhland 
(, Ernst von Schwaben*, 1817; ,Ludwig der Baier% 1819), 
Oehlenschläger's ,Correggio', 1816, t. Houwald's ,Bild', 
1821. Schicksalstragodien Müllner's (1774—1829: ,Der 29. 
Februars J)ie Schuld*, 1815), Grillparzer's, 1790 (,AhnfrauS 
1817). Grabbe, 1801—26, v. Zedlitz, v. Eichendorflf. Immer- 
mann, 1796 — 1840. Platen (J>ie verhängnissvoUe Gabel*, 
1826, gegen die Schicksalstragodien^. J. v. Auffenberg, 1798, 



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310 Zweites Buch. Ethnodokiologie. 

McluBeer, 4800—33. Baüpach, 4784—1852 (Hohenstanfen- 
cyklus). Lustspiel: Raupach, v. Elsholtz, Bauemfeld, Bene- 
dix ( JDoctor Wespe', ,Vetter' u. v. a.), Prinzessin Amalie von 
Sachsen. Mosen, 4 803, Gutzkow, 4844, Hebbel, 4 84 3, Prutz, 
4846, Gottschall. 

§.505. Romane und Kovellen: fioffimann, 4776— 482£, 
Scott in üebersetzungen seit 4846, van der Veldc, 4779 — 
4824, Spindler, geb. 4795, f 45. Juli 4855 (,JudeS ,Je8uit*), 
Haring (pseudonym Wilibald Alexis), v. Rehfoes, f 4842, 
Immermann (,Epigonen', 4836 und 4854, ,Münchhausen% 
1838). — Novellen von Tieck, Hauff, 4802—27, Jacobs, 
Zschokke, Steffens, Schefer, Stifter, Aueibach, 4842. — 
Bearbeitungen von Tolkssagen xmd Märchen durch die 
Bruder Gbrimm, Arndt u. A. 

Paldaxvs, Deaisohe Dichter und ProBaisten von der Mitte des 45. Jahrb. 
bis auf unsere Zeit, 4856. 

§. 506. Historische Wissenschaften: Menzel, v. Ga- 
gern, Luden, 4780—4847, F. v. ßaumer, 4781, Stenzel, 4792 

— 1854, Voigt. Fr. Jacobs, Bockh, Otfr. Müller, Wachs- 
muth, Schlosser, Drumann. H. Leo, Schäfer, Lappenberg, 
Dahlmann, v. Hanuner, Ranke. Yamhagen v. Ense, Droy- 
sen. Forster, Preuss, Pertz. Kunstgeschichte: Otfr. Müller, 
Kugler, Passavant, Waagen. Weisse (,Sy8tem der Aesthetik'). 
Vischer (,Ae8thetik, oder Wissenschaft des Schonen^). Bear- 
beiter fremder Literaturerzeugnisse: des classischen Alterthums 
Donner und Droysen; des Orients v. Hammer, Bopp, Schack 
und Bückert; der modernen Literatur des europäischen Sü- 
dens und Westens Gries, v. Malsburg, 4786 — 48^4, Streck- 
fnss, 4779 — 4844, Kannegiesser, Konig Johann von Sachsen, 
Kopisch, Gervinus seit 4848. Studium des Altdeutschen 
durch Jiܣ. Grimm, Lachmann, Simrock, Gervinus, 4 805, u. v. A- 
Die Ausgaben der deutschen Classiker in Gotha, Hildburg- 
hausen und Neuyork und daselbst die Encyklopädie der 
neuem deutschen Classiker seit 48i7. Geschichte der Phi- 
losophie von H. Kitter, £. Reinhold, A. Brandis u. A. 
Kircheng^schichte von Neander,M 789 — 4850, Gieseler, 4792 

— 4854, Hase, 4800. 

§,507. Theologie: Bretschneider, 4776 — 4 848, De Wette, 
i 780 — 1 849, Marheineke, 4 780 — 4 846, Tholuck, 4 799, u. A. — 
Rechtswissenschaft: Jak. Grimmas ,Deutsohe Rechts- 
alterthümer^ (Weisthümer), 4828. Gans, 1798 — 4839. — 



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ZweiunddreU$ig»ies CapiUL Skandinavien. 311 

K. L. T. Haller^B ^Restacuiotian der StaateTmftensc^aftexi^,^^^ 0$ 
Dahlmann, W* Schubert. 

Die parlamentarischen Koryphäen der Jahre \ 848 und \ 849, 
besonders in der Paulskirche zu Frankfurt a. M. Laube, 
Biedermann: ,Erinnerangen aus der PaulskircheS 1849. 
Bucher, ,Der Parlamentarismus^, 48&5« 

Erzählungen aus dem Volke und für das Volk Ton Höfer, 
185^ — 54, Hartmann, 1853 — 54, Künstler, 1855, Trautmann, 
1855, Caspari, 1855, ,Allgemeine deutsche Volksbibliothek^ 
seit 1847; »Volkslieder' Ton Erk, 1865, 



Zweiunddreissigstes Oapitel. 
Skandinavien« 

§, 508. Zweitheilung dieses Sprachgebiets seit dem 14. 
Jahrb., in das altnordische oder norränische, auch islan- 
dische, und in das neunordische, woraus sich die dänische 
und schwedische Sprache entwickelt haben (oben §.310). 

Verdienste um das Studium des skandinavischen Sprach- 
schatzes haben sich erworben Legis, Suhm, Thorlacius, 
Finn Magnusen, Rask, Kafh, Nyerup, Werlauff, Molbech, 
Bahbeck, Liljengren, Schröder, Geijer, Afzelius, Gräter, 

JAK. Grimm, Deutsche Grammatik, 1822, und Geschichte der deut- 
sehen Sprache, 4848. 

1. Isländische Literatur. 

§. 509. Island (norwegische Colonie seit 875 und Frei- 
staat bis 4261) ist die eigentliche Pflanzstätte für skandina- 
vische Sprache und Literatur*. Runenschrift bis 1057, als 
Bischof Isleif von Skalholt die lateinische Schrift einführte. 
Erhaltung des Volksthiimlichen auch nach der ünterwerftmg 
unter Norwegen (1261) bis auf die Gegenwart. 

1 P. E. Mdlleb, Sagabibliothek, 4846 — >! 8. Köppbn'ö literarische 
Binleitong in die nordische Mythologie. Etthullbb^s Bericht Aber die 
altnordische Literatur in seiner deutschen Literaturgeschichte, S. 46 — 449. 
Boas* Nordlichter geben eine Skizze der neuem und neuesten skandinavi- 
schen Literatur. Dibtrich, Altnordisches Lesebuch mit einer skandina- 
yisehen Literaturgeschichte und Grammatik, 4843. 

§. 510. Die altnordische Dichtung ist vorwiegend episch 

und nimmt ihren Stoff aus der Mythologie und dem Helden- 

thum. Der Hauptversarten sind zwei. Die ältere ist der 

Pornyrdhalag (Fornyrdhi ist Altrede, Lag ist Gesetz) und 

Liodahattr. Die jüngere, von den Skalden erAmdene ist 



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312 Zweües Buch, EthnodQkiologie. 

Drottquädi oder Drottmal (Alliteration). Doch zahlt man 
der Versarten, deren sich die Skalden (d. i. Sänger) be- 
dienten, 136. Den Endreim fahrte der Skalde Einar Sku- 
lason 1150 ein. 

Ra8K, Die Verslehre der Isländer; deutsch Ton Mohnike, 1830- 

§. 511. Zwei Hauptgattungen der Poesie: Volkspoesie 
(priesterliche Gesänge und Heldensagen) und Kunstdichtung 
(Skaldenlieder). 

Die Lieder der Gotter- und Heldensage bis zum 9. Jahrh. 
enthält ein Sammelwerk, die ältere ,Edda' (Aeltermutter, 
ratio, scientia, sapientia) des Saemund Sigfusson Frode 
(t 1133)1. 

Die mythologischen Gesänge dieser Edda behandeln 
entweder die ganze Asenlehre, wie die ,Voluspa', d. h. Weis- 
sagung der Wala oder Seherin ^, oder einzelne Gottermythen, 
wie das tragische Geschick Baldur's, die Thaten Thor's. 

Die Heldenlieder dieser Edda beschäftigen sich theils 
mit der Helgisage , theils mit dem Sagenkreis der Nibelungen 
von Sigurd oder Siegfried ^, theils mit dem kunstreichen 
Schmied Völimd (Wieland) *. 

r Die jüngere ,Edda' des Snorri Sturluson (erschlagen 
4241), verfasst zur Unterweisung angehender Skalden, zer- 
fällt in drei Hauptabschnitte, deren erster zwei Sammlungen 
von Mythen, der zweite eine Skaldenpoetik, der dritte Regeln 
der Schreib- und Bedekunst enthält *. 

Die kunstmässige Skaldenpoesie begann mit dem 
9. Jahrb., hatte im 10. Jahrh. ihre Blüte, verfiel mit dem 
Ende des 11. Jahrh., mit Einführung des Christenthums, 
und erstarb im 1 31 Jahrh. Der älteste Skalde soll Bragi 
der Alte gewesen sein ^. 

Christlich-geistliche Poesie von Eystein Asgrimsson 
in der Mitte des 14. Jahrh. 

Vom 14.— 16. Jahrh. ergeht sich die skandinavische 
Poesie in Volksliedern, deren älteste die sogenannten 
Kämpeviser (itämpferweisen) sind^. 

1 Ausgahe mit Commentar und lateinischer Uebersetzang 4787 — 4828- 
Gebrüder Grimm, Lieder der altem Edda, 4843. Uebersetzang und Amnerk. 
von' Stüdach 4829. Simrock, Die ältiere und jüngere Edda nebst den 
mythischen Erzählungen der Skalda übersetzt- und erläutert, 4854. — 
2 Von Ettmuller 4830. — ' Deutsch von v, d, Hagen 4844 und EttmiiUer 
4837. — * Simrock, Heldenbuch, IV, 4 — 204. — * Von Röhs 4842, Rask 
4848. — * Ueber ihre Leistungen Ettmuller'» Handbuch der deutschen 
Literaturgeschichte, S. 84 --92. — ^ Ueber diese Poesie Abbahamson, 



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ZweiunddreisBigatea Capitel. Skandinavien. - 3l3 

Ntbbuf qnd Rahbbok 4842, Gbijbb iind Afzblius 4844 — 46, Astidsoh 
4834* W. Gbimm, Altdänische Heldenlieder etc., 4844. Mohnikb, Volks- 
lieder der Schweden, 4830, und Altschwedische Balladen etc., 4836. Talyj 
(Frau Robinson, geb. von Jakob), Charakteristik der germanischen Volks- 
lieder, 4840, S. 454 — 340. 

§. 5!S. Die Prosa beginnt in Island zu Anfang de9 
12. Jahrb. und beschäftigt sich mit der Geschichte Skandi- 
naviens, Islands, der Faroer- und Orkneyinseln und Grön- 
lands. Snorri Sturluson schrieb eine Geschichte der Konige 
von Norwegen, bis 1176 reichend, die nach den Anfangs- 
worten gewohnlich ,Heimskringla' (Weltkreis) genannt wird K 
Die Sagas: von den Weisungen*, von Konig Lodbrok 
und seinen Söhnen, die ,Frithiofssaga^ '. Lateinische Prosa 
des dänischen Priesters Saxo Grammaticus (f 1204) in seiner 
,Historiae Danicae üb. XVI'*. 

1 Das Original inder Historia regum Norvegicoram etc., 4777 — 4820. 
Uebersetzung mit Anmerk. von Wachtee 483ö fg. — ' Deutsch von 
V. d, Hagen in seinen Nordischen Heldenromanen, 4825. — ^ Bearheitet 
von Tbgmbr. — ^ Ueber die isländische Historiographie Dahlhann und 
P. E. Muller. 

2. Dänische Literatur. 
§. 513. Die jetzige dänische Sprache hat sich durch 
Verschwisterung mit den germanischen und besonders der 
angelsächsischen Mundart selbständig ausgebildet und ist 
gegenwärtig die cultivirte Schrift- und Staatssprache der 
gesammten Bewohner der beiden Reiche Dänemark und 
Norwegen, während sich die schwedische Sprache etwas 
abweichend entwickelte, jedoch so, dass die Bewohner 
Skandinaviens ohne bedeutende Schwierigkeit sich gegen- 
seitig verstehen und verständigen können. Dänische Literar- 
historiker sind Nyerup und Rahbeck K Bibelübersetzungen 
1550 und 1647. Die erste dänische Sprachlehre von Erich 
Pontoppidan 1668, von Bloch 1818. Wörterbuch von 
Molbech 1833. 

1 Fürst, Briefe über die dänische Literatur, 4846. Einzelnes bei 
Steffbks (Was ich erlebte) und Öhlenschläoer (Meine Lebenserinne- 
mngen). 6f. y. Ghbmen ist Schöpfer der dänischen Presse, 4546. 

§. 514. Grossere dichterische Thätigkeit regte sich erst 
im 17. Jahrh. Begründer der Nationalliteratur wurde der 
als Lustspieldichter und Satiriker gleich ausgezeichnete 
Holberg, 1684 — 1754 1. Ewald (1743—81) ist Meister in 
der Lyrik und im Drama. Heiberg (1758) und Thaarup 
(1749 — 1821) sind Dramatiker. Baggesen (1764 — 1826) 
bildete die Prosa und schrieb Lieder, Episteln und komi- 



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314 ZweUei Buch, EthnodMolo^. 

sehe Erzählungen. Oehlenschläger (4779 — 4849)^ wie Bag- 

gesen auch deutscher Dichter, war Haupt der romantischen 

Schule in Dänemark und sehr verdient um Geschmacksbil- 

dung, trefflicher Lyriker und Dramatiker *. Ingemann, 4789. 

Grundtvig, 4783, Hauch, 4794. Andersen, 4805. Blicher. Boye. 

1 Werke yoii Rahbbok, 4804 — 44, m 24 Bdn. -^ ^ Cbarakt^istik 
von Wolfsohn im Deutschen Mnseum, 48ö4, Heft 4- 

§,545. In der Wissenschaft ausgezeichnet, als Medi- 
ciner und Physiologen: Bartholin, Borrich, Callisen; als 
Astronomen: Tycho de Brahe und Longomontan; als Mathe- 
matiker und Physiker: Olaf Römer; als Alterthumsforscher: 
Zoega, 4755 — 4809. Oersted's Theorie vom elektro- chemi- 
schen Magnetismus. Historische Quellensammler: Thorke- 
lin, Thorlacius, WerlauflF, Müller, Magnussen, Bask, B.a&i. 
Theologen: Grrundtvig, Mynster, Munter, Hertz, Lindberg. 
Rechtsgelehrte: Oersted, Ussing. Naturforscher: Home- 
mann, Oersted, Schouw. Astronom Schumacher. Philo- 
sophen: Treschow, Sibbem, Heilberg. Philologen: Rask, 
Magnussen, Petersen, Madvig, Brondsted. Historiker: Baden. 
Geograph: Schouw. 

3. Schwedische Literatur. 

§, 54 6. Die schwedische Sprache zeichnet sich durch 
Kraft und Wohlklang vor der dänischen aus, von der sie 
sonst meist nur durch die Aussprache verschieden ist K 
Die schwedische Schriftsprache beginnt mit der durch An- 
drea und die Bruder Petri besorgten Bibelübersetzung 4526 
und 4544. Hohes Interesse der Regenten aus dem Hause 
Wasa und Oxenstierna's für Schwedens Cultur. Der ältere 
Olaf Rudbeck (f 4 704) ist Vater der schwedischen Dichtkunst. 

1 Für schwedische Literaturgeschichte Hammabsköld (in der 2. Aufl. 
von Sonden), Stiebnhelm i849, Marianne t. Ehrenstböm 4826, Wiesel- 
OBEN, Lenstböm, Attebbom 4843, Stubzbnbecheb 4850' Clabcs tber 
dramatische Poesie Schwedens in seinem Buch: Schweden sonst und jetzt, 
I, 252 — 344* Palmblad's Biographisches Lexikon denkwürdiger schwe- 
discher Männer. Bömbb's Geschichte der echwedischen Poesie, 4853. 

§. 517. Als eig^itlicher Reformator der schonen Lite- 
ratur Schwedens ist Dalin,(<708 — 63) zu betrachten, zu- 
gleich Historiker, wie Lagerbring, 1707 — 87. Lyriker und 
Satiriker Kellgren, 4751—95, Lyriker Belhnan, 4745—95. 
Grosser in der Poesie Tegner, 4782 — 4846^, in der Ge- 
schichte Hallenberg und Geijer. Der berühmte Botaniker 
Linne (1707—78) und der Chemiker Berzelius (4779— 4848) 



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. ZweiunddrMßSigstes Capitel. Skandinavien. 315 

sindLehi^er Buropas. Mathematiker Celsius, f 174 4. Geologen 
und Botaniker: Wahlenberg, Fries, Agardh. Zoologe Nilsson. 
Physiker Kudberg. 

Der Aurorabund zu Upsala 1809 im Kampfe gegen die 
alte Schule. Der Gothenbund. Atterbom. Afzelius. Franzi. 
Beskow. Fahlcrantz. Sjoberg. Nicander. Stagnelius. Crusen- 
stolpe. Frederike Bremer. Flygare- Carlen. 

1 Seine Bicbtangen deutsch von Mohnike. Ueber ihn L5bch im Albam 
des literarischen Vereins in Nürnberg, 4850, S. 24 — 76* 



Dritter Kreis. 
Slanrische Literaturen. 

§. 518. Auch ihrer sind, wie der romanischen und ger- 
manischen, vorzugsweise vier, die böhmische, serbische, 
polnische und russische, obgleich zu den slawischen Stam- 
men noch gehören: die Mähren, Kassuben, Donischen und 
sibirischen Kosacken, Russinen oder Ruthenen, Sorben, Wen- 
den, Slawonen, Slowenzen, Slowaken, Kroaten, Dalmaten, 
Bosniaken, Montenegriner, Bulgaren, die zwar alle eine Volks- 
poesie, aber keine Literatur besitzen. Ihr Name stammt von 
slowo, das Wort, oder slawa, der Ruhm; ihr Ländergebiet 
reicht von der Elbe und dem Bohmerwalde bis zur Wolga 
und zum Ural, vom Baltischen und Eismeer bis zum Mittel-, 
Schwarzen und Kaspischen Meere. 

DoBBowsKi, Institutiones lingnae Slay., 4822 {% A. 4852). Schafaxik, 
XJeber die Abkunft der Slawen, 4828, Slawische Alterthumer (deutsch 
von Wuttke), 4842, und Geschichte der slawischen Sprache und Literatur, 
4826. Talvj, Hist. view of the slavic. languages (deutsch von Olberg), 4834; 
neue Ausg. 4850 (deutsch von Brühl, 4852). Mickibwicz, Vorlesungen 
über slawische Literatur und Zustände (deutsch von Siegfried), 4843 — 45. 
Fb. Ladislaw Czblaskowsky, 4797 — 4852, Professor der slawischen Spra- 
chen in Breslau, dann in Pragi mehre böhmische und slawische Lehrbücher; 
Vergleichende Grammatik der slawischen Sprachen ; Slawische SprichwÖrte? 
und Volkslieder, 4822 — 27. Wbnzig, Slawische Volkslieder, 4830- Kappbb, 
Slawische Melodien, 4844 (oben §. 343). Miklosich, Vergleichende Gram^ 
matik der slawischen Sprachen, Bd. 4: Lautlehre, 4852. Bahn, Blüteji 
slawischer Poesie in Uebersetzungen , seit 4855. 

§. 519. Die Yerderbniss der Kirchensprache durch die 

Volksdialekte begann mit dem 43. Jahrh. Die Ostslawen 

haben Jahrhunderte lang keine Stammesliteratur, während 

die dem romischen Ritus ergebenen Westslawen schon im 

43. imd 44. Jahrh. (Czechen) und im 4 6. Jahrh. (Polen) 

glänzende Literaturen aufzuweisen haben. Die Südslawen 

wurden durch kirchlichen Zwist getrennt; es entwickelte 



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316 Zw^es Buch. Eihtiodoktohgie, 

sich eine separate serbische Sprache und Literatur. -Da- 
gegen war für die katholischen Südwestslawen durch ein 
Jahrhundert hin (1350 — 4450) Ragusa. der Centnüpunkt 
aller literarischen Leistungen und das wahre slawische Athen. 
Hier zählte der Dominicaner P. Serafino Cerva (f 4 759) in seinen 
hinterlassenen Biographien berühmter Ragasaner 437 Namen 
auf. Darauf folgte Austilgung aller Spuren der Civilisation 
durch drei Jahrhunderte bis gegen Ende des 4 8. Jahrh. Doch 
jetzt ist Dalmatien reich an Gelehrten, Dichtem und Schrift- 
stellern. Magazin der Literatur des Auslandes, 4855, Nr. 84. 
L. Gajt 4835. Engel ^ Geschichte Ton Ragusa, 4807. 



Dreiunddreissigstes OapiteL 

Böhmen. 

§. 520. Die böhmische (czechische) Sprache wird auch 
in Mähren und mit unbedeutender Abweichung unter den 
Slowaken in Ungarn gesprochen. Sie wird jetzt mit latei- 
nischen, früher gewohnlich mit deutschen Buchstaben ge- 
schrieben, deren Anzahl, wenn man die accentuirten Yocale 
tmd punktirten Laute besonders auffuhrt, auf 42 heraus- 
kommt. Mit den classischen Sprachen hat sie das Vorwalten 
des Zeitmasses gegen das Tonmass gemein. Dagegen fehlt 
ihr eine eigene Form für das passive Zeitwort. Sie hat, 
wie die griechische Sprache, auch den Dual imd, wie die 
polnische, auch den Localis und Listrumentalis oder Sociativ 
unter den Casus. Complioirte Grammatik. Orthographie von 
J. Huss zu Anfang des 15. Jahrb. 

Grammatiken von Nbobdlt, Hamka, Jos. Dobbowski. Bubian, Aus- 
führliches Lehrbuch der bohm. Sprache for Deutsche, 4840. Eonecznt*8 
Anleitung zur Erlernung der czechisch- slawischen Sprache, 4842. Wörter- 
bucher von Tbanta-Schumowski 4843» Hanka, Junomann 4834 — 39, 
Cblaskowskt. Hnewkowskt, lieber die böhmische Prosodie. Zu Nach- 
ahmungen antiker Yersmasse eignet sich unter den europäischen Sprachen 
die böhmische am besten nächst der ungarischen. Schaf abik, Anfangs- 
gründe der böhmischen Dichtkunst, 4848. Wenzio, Blicke über das böh- 
mische Volk, seine Geschichte und Literatur mit einer reichen Auswahl 
von Literaturproben, 4855* 

§. 524. Die böhmische ist die älteste slawische Literatur 
und reicht bis ins 43. Jahrh. hinauf.. In ihrer Beinheit er- 
hielt sie sich bis zu den Einwanderungen Deutscher nach 
Böhmen im 43. Jahrh., wo sich viele lateinische und deutsche 
Worter einschlichen. Fünf Perioden der Literatur. 



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Dreiunddreissigstes Capitel. Böhmen, 317 

DoBBOWSKi, Geschiebte der böhmischen Sprache und Bltern Literatar, 
4792 u. 4848. Derselbe, Slowanka 4844 fg. Junomakn, Geschichte der 
böhmischen LitA*atur, 4825. Ders., Böhmische Chrestomathie, 4830. 
Graf Thdn, lieber den gegenwärtigen Zustand der böhmischen Literatar 
und ihre Bedeutung, 4842. Wocel, Böhmische Alterthumskunde , 4845. 
ScHAFARiK und Palackt, Die ältesten Denkmäler der böhmischea Sprache, 
4840. Biographien böhmischer Gelehrten von Pelzel. 

§. 522. Für das älteste Denkmal slawischer Volkspoesie 
und, mit Ausnahme der liturgischen Bücher, auch für das 
älteste Schriftdenkmal der Slawen gilt das Bruchstück eines 
czechischen Gedichts, das unter* dem Namen ,Libussa^s 
Gericht'* bekannt ist, aus dem 9. oder 41. Jahrh. Die 
böhmische Poesie der frühern Zeit lernen wir durch die 
Koniginhofer Handschrift kennen, eine Sammlung lyrischer 
und epischer Gedichte, die wahrscheinlich zwischen 1290 
und 1340 gemacht wurde, deren Inhalt aber wol noch älter 
ist. Hanka entdeckte sie 1817 in dem Kirchthurme der 
böhmischen Stadt Koniginhof und gab sie 1819 im Original 
heraus: ,Rukopis kralodworsky' ^^ worin sich unter andern 
ein Gedicht findet, das den Kampf der Czechen gegen 
Ludwig (den Deutschen?) schildert. Eine Chronik in 
Versen von Dalimil, 1314. Schtitny, ,Lehrbuch für seine 
KinderS 1376. Smil von Pardubitz (1384): ,Der Rath 
der ThiereS eine Dichtung, in welcher nebst dem Löwen 
44 Thiere redend auftreten (deutsch von Jos. Wenzig 1855, 
der überhaupt thätig ist für Uebertragung böhmischer Poe- 
sien). Duba, 1402. Flaschka, 1403. Uebersetzungen. 

1 Deutsch von Hanka. — * Deutsch von Swoboda 4829. Ida von 
DöBiNGSVELD, Bohmischc Rosen (czechische Volkslieder), 4854. 

§. 523. Die Zeit zwischen 1409—1526; Einfluss Huss', 
Hynek Podiebrad's (Sohnes von Konig Georg Podiebrad) 
und der prager Universität. Ziska. Reiseberichte von 
Postupic 1464, Roszmital 1465, Kabatnik 1491, Lobkowicz 
1493. . Politische Schriften von Ctibor v. Cimbury und 
Tobitschau (f 1494) und Corn. v. Wschehrd (f 1520) ^ 
Verlegung der Residenz aus Böhmen 1490. 

^ In der neuhöhmischen Bibel 4842. Palackt, Scriptores remm 
Bohemicaram , 4829» and Geschichte von Böhmen, Würdigang der alt- 
böhmischen Geschichtsschrift , 4830* 

§. 524. Goldene Zeit der böhmischen Literatur, 
1 526 — 1 620. Gunst Kaiser Rudolfs 11. ( 1 576 — 1 6 1 2 ). Blü- 
hendes Schulwesen. Prager Sternwarte (Tycho de Brahe, 
Kepler). Dichter: Streyc und Lomnicki t. Budecz; der 
polnische Dichter Kochanowski. Beredtsamkeit. Briefstil : 



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318 ZwtUe$ Buch. EthnodoJUologie. 

K.v.Zerotin, 4694— 4644. Historiker: Bartosch, 4544, Sixt 
V. Ottersdorf, fA6S3, Blahoslaw, f 4571 , Ad. v. Weleslawin, 
f 4599, Brzezan (Anfang des 47. Jahrb.), Dacicky, 4540 — 
4639, Hagek, f 4553. Die acht gelehrten Uebersetzer der 
Kxalicer Bibel bei J. v. Zerotin, 4579 — 93. Hodiskow, 
t 4546. J. Augusta, f ^572. Baworowski, .4560. Koldin, 
t 4589. Beneschowski, 1587. Ginterrod, f 1609. Budowec 
V. Budowa, t 1621. Zamrski, f 1592. Zalanski, 1620. 

§. 525. Mit dem Dreissigjährigen Kriege tiefes Herab- 
sinken in Barbarei, moralische Vernichtung der Nationalitat. 
Verbrennung der zwischen 1414 — 1635 verfassten Bücher. 
Slawata (f 1652): Geschichte seiner Zeit. P. Skala v. Zhor: 
Kirchengeschichte. Commenius (1592 — 1671), letzter Bi- 
schof der böhmischen Brüderunität, letzter glänzender Stern 
der böhmischen Literatur, die zu den protestantischen Slo- 
waken Ungarns übersiedelt. Rosa's Versuche in böhmischen 
Hexametern. Die kaiserlichen Decrete vom 6. Dec. 4 774 
und 4784 unterdrücken die böhmische Sprache und Literatur 
gänzlich. 

§. 526. Böhmens Regeneratoren: Pelzel, 4775, Einski, 
4774, Prochazka, 1777—1804, Kramerius, seit 1783 (f 1808), 
Parizek, f 1823, Dobrowski (1754—1829) der grösste Sprach- 
forscher der Slawen. Lehrstuhl für böhmische Sprache auf 
der wiener Universität 1776. Seit 1818 wird die böhmische 
Sprache auch in den böhmischen Gymnasien erlernt und die 
in Böhmen anzustellenden Civilbeamten müssen der böhmi- 
schen Sprache mächtig sein. Wissenschaftliche Pflege der 
böhmischen Sprache und Literatur in dem 4822 zu Prag 
durch den Oberstburggrafen Kolowrat gegründeten böhmi- 
schen Nationalmuseum, mit vermehrten Fonds seit 4834. 

Dichter: Celaskowsky, 4799, KoUar (Sonette), 4793, 
Hanka, 4791, Stepnicka, 1785—1832, Kamaryt, 1797, Puch- 
mayer, seit 1795 (f 1820), der als Vater der neuern böh- 
mischen Dichtkunst gilt, Agnell Schneider, 1766 — 1835 
(Balladen), Rautenberg, f 1818, Jungmann (geb. 1773), seit 
4808, Ziegler, 1783, Palacky, 1798, Klicpera, 1792, Langer, 
1806, Machaczek, 1799 (die ,Freier'), Stiepanek (1783), 
Schöpfer der neuen böhmischen Bühne, Tylc, 1808 (Novel- 
len), Zahradnik, 1790 — 1836 (Fabeln), Schafarik, 1795. 

Philosophie und Mathematik: Marek) 1785, Palacky, 
Schafarik. Naturwissenschafben: Presl. Geschichte, Astro- 



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Vierunddreissigstes CapiteL Serbien, 319 

nomie, Physik: Smetana, 48421. Geographie und Physik: 
Schadek, Sedlacek. Reisebeschreibungen: Tomicek, Piehl, 
Stur. Geschichte: Hybl, Pelzel, Palacky. Uebersetzungen: 
Jungmann, Negedly, Schafarik, Hanka, Chmela, Krame- 
rius, t ^808, Marek, Wlcek (Homer's ^as'). Zeitschriften 
(1843, in Prag 12). 

WsNzio, Blüten der neabohmischen Poesie, 4833. Schbbr in seinem 
Bildersaal der Weltliteratur (S. 4423 — 30) hat Proben aus Wocbl's Laby- 
rinth des Ruhms und aus Jablonski's Salomo nach Wenzig*s handschrift- 
licher Uebersetznng mitgetheilt. 



Vierunddreissigstes CapiteL 
Serbien. 

§. 527. Die serbische Sprache bildet mit der kroatischen 
und windischen eine Hauptmundart des slawischen Sprachen- 
kreises, die illyrische, und ist mit der russischen näher 
verwandt als mit den andern slawischen Sprachen. Einfluss 
des Italienischen, Griechischen und Türkischen auf dieses 
Sprachidiom. Wuk Stephane witsch KAradschitsch (geb. 1 787) 
nimmt drei Unterarten der serbischen Sprache an: das Herze- 
gowische in Bosnien und der Herzegowina, das Kazawische 
und das Syrmische in Syrmien und Slawonien. Die Serben 
haben das Cyrillische Alphabet, die Kroaten und Winden 
das lateinische. 

Grammatiken von Wüjanowski 4 773 9 Stbphanowitsch 4844 (deutsch 
von Jak. Grimm 4824), von Dems. Wörterbuch, 4848- Lexicon Serbico- 
Germanicum, 485^* Schafarik, Serbische Lesekörner, oder historisch- 
kritische Beleuchtung der serbischen Mundart, 4833* 

§. 528. Die Serben, seit 650 in den Ländern zwischen 
Illyrien und dem Schwarzen Meere ausgebreitet, 1389 von 
den Türken unterjocht, haben in ihrer reinen, milden und 
volltonenden Sprache viele lyrische Lieder und epische 
Heldenballaden, von welchen die ältesten dem 13. Jahrh. 
angehören K Aelteste serbische Schriftsteller sind Konig 
Stephan, f 1228, und sein Bruder Erzbischof Sava, f 1237. 
Die Geschlechtsregister des Erzbischofs Daniel (Kodoslaw), 
1272 — 1336, das menschenfreundliche Gesetzbuch des Für- 
sten Duschan d. Gr. (1336 — 56) von 1359. G. Brankowitsch 
(1645 — 1711): ,Geschichte Serbiens vom Ursprünge des 
Volks bis auf Kaiser Leopold L' (1657—1705). 

1 EvjiGA, Serbische Volkslieder, 48113. Sdbbotic, Einige Grundzage 
aus der serbischen Ziiteratar, 4860> Wük Stephanowitsch Kabadschitsoh, 



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330 Zweites Buch, Eiknodoktologie, 

Sammlung serbischer Lieder (Narodne srpske pjesme), 4823 fg. Ders., 
Volksmärchen der Serben, 4855. Milütinowitsch, Volkslieder der montene- 
griner und herzegowiner Serben, 4837. Talyj, Volkslieder der Serben 
(2. A.) 4835; neue Aufl. 4853. Gerhard, Wila, Serbische Volkslieder, 
4828. Bankb, Geschichte der serbischen Revolution, darin eine Charakte- 
ristik der serbischen Volkspoesie, S. 34 — 44. Kapfeb, Die Gesänge der 
Serben, 4852. Goethb^s treffliche Charakteristik der serbischen Lieder, 
Werke, XLVI, 306—323. 

§. 529. Eine neue Periode der serbischen Literatur be- 
ginnt mit dem Streben, das Kirchenslawische und die ser- 
bische Volkssprache zu scheiden. Raitsch, 1726 — 4801 
(^Geschichte der Slawen', 4792—95). Obradowitsch ( 4 793 

— 4841) erhob die serbische Volkssprache zur Schrift- 
sprache und war Erzieher der Kinder G. Czemy's. Ihm 
folgten Dawido witsch in seiner ^Geschichte Serbiens', 4814 

— 22, Stephano witsch. Dichter und Literator Milütinowitsch 
(geb. 4791): ,Serbianka', 4826. Erzbischof Muschicki von 
Karlowitz. 

Pesth nnd Neasatz sind Hauptsitze der ungarisch -serbischen Literatur, 
Belgrad Sitz des politischen und geistigen Lebens der Serben. 

§• 530. Die junge illyrische Literatur begann im 
49. Jahrh. Dramatiker Demeter und Saktschinski (,Jurom 
und Sophia'), Lyriker Wukatino witsch, 4838, Romandichter 
Casotti (,]yGlänko und Dobilla'). Vraz und Korytko sind 
Sammler von Volksliedern. Catallinich, ,Geschichte von 
Dalmatien^ Swear, , Allgemeine Geschichte von Dlyxien'. 
Ljudewit Gaj, ,Illyrische Nationalzeitung^ 

Grrammatiken von Babukic 4839, auch Ilirska slovnica, 4854, und 
Bbrlio 4864. 

§. 531. Ob die albanische Sprache eine indogerma- 
nische sei, beantwortet G. Stier mit Ja in der ,Monats- 
schrift' von Harms u. s.w., 1854, Novemberheft. Dasselbe 
behauptet Fr. Bopp auf Grund des Materials, welches v. Hahn 
in seinen ,Albanesischen Studien' veröffentlichte. 



Fünfunddreissigstes Oapitel. 
Polen. 

§. 532. Die polnische Sprache hat den Instrumentalis 
und Localis mit der böhmischen gemein, und über die 
Wahl der Formen entscheidet hier, wie im Russischen, die 
Dauer der Handlung. Ausserdem sind ihr eigenthümlich 
das gestrichene 1, das accentuirte n, der Gebrauch von y 
und i, das c in gewissen Stellungen und das gehakte e und o. 



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Fünfunddreissigstes Capitel. Polen, 321 

Wortaccent. Vermischung mit deutschen Wörtern schon 
seit dem 14. Jahrh., Büchersprache seit dem 16. Jahrh., 
Zutritt franzosischer Worter im 18. Jahrh. Dialekte sind: 
der grosspolnische in Posen, der masurische in Maspvien, 
der kleinpolnische und wohlklingendste in Gaüzien, der 
lithauische (von Mickiewicz auch als Schriftsprache benutzt), 
der durch Germanismen entstellte preussische und schlesische. 
Kaulfuss, Ueber den Geist der polnischen Sprache, 4804. Kboli- 
K0W8KI, Prozodya polska, \%t\. Sprachlehren: von Kopcztmski, t^847, 
Mronooyius, Yatbb, Bandtke, Mrozinski, Poplinski, Lindb, Mucz- 
KOW8KI 4843. SzRENiAWA, Wortstellungslehre der polnischen Sprache 
(deutsch 4842). Wörterbücher: von Cmap, Trotz (polnisch-französisch- 
deutsch), Schwarz, Kondratowitsch (polnisch-russisch), Linde, Bamdtkb, 
Mronooyius (neueste Aufl. von Wtsohierski), Trojanski 4 835*- 46, 
Liebkind (deutsch -polnisch) 48&5. 

§• 533. Der Grundcharakter der polnischen Literatur 
wird als ein religiös christkatholischer und demokratischer 
bezeichnet. Die polnisch -lithauische Yolkslyrik hält man' 
für die zarteste der slawischen Stämme. Sechs Perioden 
der Literatur. 

Bentkowski, Historya literatury polskiej, 4844. Ossolinski, Wia- 
domosci historyczno-krit, do dziejow literatury polskiej, 4849 — 24. ' Mönnich, 
Geschichte der polnischen Literatur, 4823. Iüsztnski, Dykczonarz poetow 
polskich. Chodznicki, Dykczonarz uczonych polaköw, 4833* Wisznibwski 
(Professor in Krakau), Historya literatury polskiej , 4840 — 46, ebenso 4 855, 
auch SiBMiNSKi und Ltszkovski. Die Gazeta Warszawska bringt jährlich 
Nachrichten über die polnische Literatur. 

§. 534. . Die Anfänge der Literatur in Sprichwortern, 
Volksliedern und Yolkssagen reichen bis in die vorchrist- 
liche Zeit hinauf. Sammlungen derselben erst seit 1833 von 
Waclaw, Poll, Wojcieki. Der £j*akowiak. Die religiöse 
Biiegshymne (,Boga rodzica') von dem heiligen Woitjech- 
(Adalbert) gehört wol erst dem 14. oder 15. Jahrh. an. 

§. 535. Seit dem 10. Jahrh. Christenthum und latei- 
nische Cultur, daher bis zum 16. Jahrh. nur lateinisch 
geschriebene Chroniken: Mt. Gallus (Kurek, 1110 — 35), 
Kadlubek, Boguphal, f 1253, Strz^bski oder Polonus, f 1279 
(,Chronicon summorum pontificum et imperator. Rom.^), 
Jan Dlugosz (genannt Longinus), 1415 — 80 (,Hist. Polon.', 
lib. Xni), in Mizlew's Sammlung, 1761. Kasimir's III. 
Gesetzbuch von Wislica, 1347, und Universität zu Krakau. 
Jan Laski's Sammlung von Gesetzen. Studium der Mathe- 
matik: J. Glogoviensis, f 1507, Brudzewski (Lehrer des 
Kopernious), f 1497. Psalterium der Königin Margarethe 
(von Borkowski 1834). 

Merleker. 21 



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322 Zweite» Buch, Ethnodoktologie. 

§. 536. Das 46. Jahrhundert, die glorreiche Zeit der 
beiden ersten Sigismunde aus Jagello^s Stamm, 4506 — 46^2, 
wird das goldene Zeitalter der polnischen Literatur ge- 
nannt. Sigismund^s I. Begünstigung der Lehrer der krakauer 
Akademie 4535, Stephan B&th<m's Akademie in Wilna 4580, 
Jan Zamojski^s Akademie in Zamosc 4594. Aufnahme der 
Reformation. Lateinische Lyrik Sarbiewski's (4595 — 4640), 
des polnischen Horaz, und des Szymonowicz (Simonides, 
f 4629), des polnischen Pindar. N. Rej (4545 — 68) wird 
der Vater polnischer Dichtkunst. Die beiden Kochanowski 
(besonders Jan, ^530 — 84). Die Nachahmer und Neben- 
buhler: JanBybinski, 4589, Skarzynski, f 4584^Mia8kowski, 
4610, Grochowski, f 1612, Klonowicz (genannt Acemus), 
4554 — 4608. Kirchliche Gesänge und Bibdlubersetzungeu 
seit 4 554 : Jan Leopolita, 4 561 , Jak. Wujek, 4 540—97, Skarga, 
f 4642. Chroniken von Marcin (f 1576) und Jo. Bielski, 
Stryikowski (genannt Osostowicz), 4547 — 82, G6micki, 4535 
— 94, Paprocki, 1 1614. Naturforscher Syrenius, 1590, Arzt 
Petrycy. 

§. 537. Jesuitenherrschaft und Verfall der Literatur 
zwischen 4624 — 4750. Wiedereinführung des Latein: Hosius 
in Braunsberg, 4566, Cromer, Erzbischof von Ermeland, 
f 4589, und Orzecho wski (,Anttale8 Poloniae^). Zamojski^s 
Waekeiheit Kochowski, 4683, Twardo wski, f 4660, Opa- 
linski, f 4685. Viele Uebersetsungen« Hiatosiker: Piasecki 
(Pasek: Denkschriften aus den Zeiten Johann Kasimir^ff, Mch. 
Korybut's und Johannas lEL, herausgegeben 1 836). WijukKo- 
jatowicz (f 4 677) ist einer der besten Historiker jener Periode. 

§. 538. Bis in das 49. Jahrh. hinein französischer 
Einfluss (4750 — 4806). Bei fortdauernder und nur mit 
dem Untergange des Staats (4795) endender innerer, leiden- 
schaftlich gehässiger Zwietracht erwachte unter Stamdaus 
August (4764) Liebe zur Literatur und Kunst Mehre kennt- 
nissreiche Grosse (Zaluski, 1704—74, Bzewuski, 4705 — 79, 
Ad. Czartoryski, 4733 — 4823, die Potocki vl, A.) liessen sich 
Piege und Ermunterung derselben angelegen sein. Vervoll- 
kommnung der Piamtensdiulen durch Konarski (4700 — 73) 
aas Opposition gegen die Jesuiten, wobei ihn dar erste pol- 
nische Grammatiker Kopczynski und die Historiker Pxcamo- 
wioz und der polnische Tacitus Ad. Naruszewicz (47*3 — 96) 
unterstutzten. Eroffiiung der warschauer Bäbtiotiiek 4745 



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FünfunddreisHigstes CapUel. Polen. 823 

mit 200,000 (darunter 20,000 polnischen) Werken, die 1795 
nach Petersburg abgef&hrt wurden. Der Held der polni- 
schen Literatur jener Zelt ist Krasicki (1735 — 1801), Erz- 
bischof von Warschau. Dichtern Ohrosienski, f 1737, Kar- 
pinski, 1745—1825, Trembecki, t ^812^ Molski, 1751—1822, 
Gurski, der classische Volkssänger und Kampfgefährte 
Kosciuszko's, Julian Niemcewicz (geb. 1757 — 1841). 

§• 539. Polens. Wiederherstellung und Knech- 
tung. Die Gesellschaft der Freunde der Wissenschi^n in 
Warschau, 1801 — 32, gestiftet durch Czacki, Dmöchowski 
und Albertrandy. Seit 1815 Kampf zwischen Bomanticismus 
und Classicismus. Die Bomantiker in Wilna imter der Fahne 
des Ad. Mickiewicz (1798 — 1855), des grossten slawischen 
Dichters * : Brodzinski , 1 79 1 — 1835, Koznian , Krajewski, 
Tomaszewski, Zablocki, Odjni^c, Goszczynski, Korsaku. A« 
An der Spitze der Classiker stand Osinski, f 1838. lieber- 
Setzungen von Krasicki, Karpinski, Dmöchowski^ f 1808, 
Przybylski, Libicki, Korytynski u. A. Geschichtgchreiber: 
Niemcewicz, 1819, Kwiatowski, 4823, Ign. Potocki, 1750 — 
4840, Kolontay, 4752—1812, Dmöchowski, Stn. Potocki, 
4759 — 4824, Stascyk, f 4826, Ossolinski, 4746 — 4826, 
Oginski, Maciejowski, Bandtke, Baczynski, Plater, Jo. 
Lelewel, 4786 — 4850, Mochnacki. Historische Bomane von 
Bronikowski. Philolog und I/iterarhistoriker Grodeck. 

1 Seine Balladen , Romaäzen und Sonett» deatioh von K. i>« Blank$nsee 
4836. In dramatischer Form: Dziady, oder die Todtenfeier. Drei Epen: 
Kr. V. Wallenrod^( deutsch von Kannegiesser), Grazyna (deutsch von 
Nabielak und Werner), Pan Tadeusz (deutsch von Spanier 4834). 

§. 540. Das auswärtige Polen in Lithauen, Podolien, 
in der Ukraine (Zaleski, Malczewski, Goszezynski, Padura, 
Grabowski, Czajkowski), in Krakau (Wiszniewskd, Tro« 
janski, Muczkowski)^ in Posen (Baczynski), in Frankreich 
(seit 1835 polnische Druckerei und Buchhandlung durch 
Abc. Jelowicki und Eust. Januszkiewicz) , in England (lite* 
rarischer Verein der Freunde Polens in London). Samm* 
limg altnationaler Poesien durch Maciejowski, Woycicki, 
Bandtke, jfucharski. 

In dem eigentlichen Polen Hemmung jedet Regung für 
Literatur und Wisdenschaft, die Schulen seit 1838 ili russi- 
scher Einriditung,. die Kenistoiss der russischen Sprache 
seit 4837 Bedingung zum Eintritt in den Staatsdienst. 
Fernhaltung der Sehrüten der Emigranten. 

21* 



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324 Zweiiei Buch, Bknodoktologie. 

üebersicht der Literaturzweige, 

§. 541. Poesie. 

4. Epos und epische Gedichte: Tomaszewski , Krasicki, 
Woronicz, Mickiewicz, Malczewski. 

2. Poetische Erzählung: Slowacki, Malczewski, Fredro. 

3. Romane: Niemcewicz, Mar. Czartoryska, Skarbek, 
Gaschynski, Bematowicz, Slowacki, Kraszewski, Massalski, 
Grabe wski, Czajkowski, Bennato wski. — Novellen von Sie- 
mianski und Kraszewski (über ihn J. N. Fritz). — Sagen 
gesammelt von Grabowski und Woycicki. 

4. Lyriker: Rej, Kochanowski, Rybinski, Szarzynski, 
\ 1 584 , Miaskowski , Grochowski , . f 1642, Szymonowicz 
(genannt Simonides), f 4629, geistliche Lieder von Arto- 
mius im 46. Jahrh. gesammelt. Trembecki (f 1812) ist 
Schopfer einer neuen poetischen Sprache. Karpinski , Gurski, 
Niemcewicz, Mickiewicz, Kniaznin, W^gierski, Godebski, 
Starzynski, Morawski, Tymowski, Slowacki, Chodzko, 
Brodzinski, Odyniec, Korsak, Zaleski, Malczewski, Gosz- 
czynski, Padura (in rusniakischer Sprache der ukrainischen 
Kosaken), Grabowski, Pol und Kondratowicz (pseudonym 
Wladislaw Syrokomla). 

5. Romanzen und Balladen: Niemcewicz, Farys, Mickie- 
wicz. — Idyllen: Szymonowicz, Gurski, Brodzynski. 

6. Didaktik: Krasicki, Niemcewicz, Morawski, Gorecki, 
Kochanowski, Klonowicz (Acemus), Tomaszewski, Trem- 
becki, Wezyk. 

7« Drama: Darstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu 
im 4 5. Jahrh. Wiszniewski's ,Wunderbare Hochzeit'. Latei- 
nische Dramen, Fastnachtsspiele. Kochanowski. Seit 4661 
französische Dramen und italienische Opern. Konarski wird 
Vater des polnischen (nationalen) Dramas genannt. Ursula 
Radziwill wählte die Engländer als Muster. Bohomelec, 
Rzewuski, Czartoryski, Zablocki, Krasicki, Wybicki, Bogus- 
lawski, Osinski, Jasinski, Felinski, Wezyk, Mickiewicz, 
Slowacki, Krasinski, Fredro, Tomaszewski, Godebski u. A. 

§. 542. Prosa. 

1. Unter aUen Fächern der Wissenschaften haben sich 
die Polen am meisten mit den historischen beschäftigt, 
und zwar vorzüglich mit der Geschichte ihres Volkes und 
der stammverwandten Volker. Die lateinischen Chronisten 



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Sechsunddreissigstes Capitel. Bussland. 325 

(Gallus, Longinus, Boguphalus u. A.) sind abgedruckt in 
Mizlew's ^Sammlung^, 1761. In polnischer Sprache schrieben 
J. Bielski, Gomicki, Stryikowski, Naruscewicz, Niemcewicz, 
Wiszniewski, Grabowski, Bandtke, Lelewel, Maciejowski, 
Zagota Pauli, Kucharski, Raczynski, Lukaszewicz, Lubie- 
niecki, W^gierski, Mochnacki, Gnorowski. Biographien 
von Zaluski, f 1774, Balinski, Jelowicki. Kolontaj, f 1812, 
kritische Untersuchungen über die Grundsätze der Geschichte 
des Menschengeschlechts. Literargeschichte von Starowolski, 
Kojalowicz, Wiszniewski, Muczkowski. 

2. Philologen: Wannowski, Groddek, Mecherzynski, 
Kopczynski, Trojanski, Poplinski, Muczkowski. 

3. Bedner: Potocki, Skarga, Siaczynski, Blachowicz, 
Woronicz. 

4. In der Philosophie Unselbständigkeit: Szaniewski ist 
Kantianer, Gulochowski Schellingianer , Cieszkowski und 
Trentowski sind Hegelianer. Jankowski's Logik, 1822. 

Sammelwerke, Conversationslexikon, Taschenbücher, Zeit- 
schriften u. s. w. 

§. 543. ^aclaw, ,Galizische Volkslieder', 1833. Grün, 
,Volkslieder aus Krain', 1850. 



Sechsunddreissigstes Capitel. 

Bussland. 

§. 544. Das russische Alphabet besteht aus 36 Zeichen. 
Darunter sind 13 Vocale, 2 Halbvocale (eigentlich diakri- 
tische Zeichen) und 21 Consonanten. Alle Buchstaben werden 
in harte und weiche eingetheilt. Diphthonge werden aus allen 
Vocalen durch Ansetzung von i gebildet. Die Lehre vom 
Accent ist sehr schwierig. Die Consonanten werden stark 
und bestimmt, die Vocale scharf und kurz gesprochen. 
Reinster Dialekt um Moskau, abweichend der susdalsche 
im Gouvernement Wladimir und der olonezkische mit finni- 
scher Beimischung. Einfachheit und Natürlichkeit dieser 
Sprache, obwol Zumischung mongolischer, polnischer, 
deutscher, französischer und holländischer Sprachelemente. 
Mangel aller Hülfsverba. Etymologischer ßeichthum.. Ob- 
gleich sie erst seit Peter d. Gr. Schriftsprache wurde, er- 
reichte sie doch schon früh einen hohen Grrad der Aus- 
bildung, daher auch der überraschende Formen-* und Wort- 



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326 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

reichthum und die habe Bedeutang, welcjbe das Volkslied 
hier gewonnen hat Drei Literaturperioden. 

SpraohUlirene iltette von Lüoolf 4$9<»} Lomonossow 475$» Bopdb 
47739 Haqen 4790, der petersburger Akademie 4804, Hetm 4804, Vatbb 
4808 n. 4844, Tappe 4840 u. 4827, Puchmaybr 4820, Gbbtsch 4823 b. 
4834, Oldbkop 4843. Kikolitbch, Rnssisehe Syntax mit der deutschen 
verglichen, 4853. Wörterbücher: tcmj Woltscskow 4756 — 7^, Höltbb- 
HOF 4778, das Qach dem Worterbach der franzos. Akademie gearbeitete 
47gO — 86, Nobdstbdl 4780 — 84, Boddb 4784, der Petersburgs Aka^ 
demie 4789—93, neue Ani). von ScHrscHKow 4806'— 22, danach das 
rmsisch-lranzdsiscb-deatsche 4799 — 4802, Oldbkop 4824, Rbiff (maeisch- 
etymologisch) 4835. 

§. 545, Erst um die Mitte des 9. Jahrh. wurde durch 
Einfiihrung des Cyrill'schen Alphabets die Schrift bekannt, 
die ähnlich den griechischen Uncialbuchstaben ist. Das 
Altslawische des CyrilPschen Sprachzweiges (oben 
§. 313) ist in biblischen Schriften erhalten: im ostromir- 
schen ^ und rheimser® Evangelium, in der Inschrift; von 
Tmutorokan vom Jahre 1068, in den ältesten Sbomiks ', 
in dem Mstislaw'schen Evangelium von 1125 (in Moskau), 
in der Dotationsurkunde des nowgoroder Juriklosters von 
1130, in dem Evangelium der Synodalbibliothek in Moskau 
von 1143, in mehren alten Inschriften und Tjwactaten*, in 
Volksliedern * und in drei vollständigen Bibelhandschriften \ 
Doch blieben alle diese Schriften dem Volke durchaus fremd. 
Nach Cyrill's Tode sind Barchenscribenten : die Bischöfe 
Jan Clemens imd Konstantin, der Geistliche Gregor und 
der Mönch Doksow oder Duksow zwischen 892 — 927. 
Vater der russischen Gesctrchte ist Nestor, 1056 — 1111 ^ 
Befreiung von der Mongolenherrschaft durch Iwan L, 1477; 
durch Iwan 11. (1533 — 84) Schulen, erste Druckerei in 
Moskau 1564; durch Alexei Michailowitsch und seinen 
Minister Matwiejew 1644 Sammlung russischer Gesetze, 
Akademie zu Moskau. Makarius, f ^^6** Zizania's ,Sla- 
wische Grrammatik', 1596. 

1 Dieses Efrangelium ist von einem Diakon Grboor far den nowgoroder 
Posa4nik Ostromir 4 056 auf Pergament geschrieben und in der peterf bnrger 
Bibliothek aufbewahrt. — ^ Das Evangelium zu Rheims in Frankreich 
besteht aus zwei Theilen, einem glagolitischen (Kopitab, Glagolita- 
Clozianus etc., 4836; Dobrowski, Glagolitica, 4807 u. 4845) von 4395 
und einem Cyriirschen, vom heil, Pbokof (f 4053) mit eigener Hand 
geschrieben (Sylvbstre. Stbojew. Jastrebski). — ' Sbomik ist eine 
Sammlung kirchlicher Schriften, in Moskau von 4073, in Petersburg von 
4076. — 4 Der rigaer und nowgoroder Vertrag von 4229. Die Tractate 
der Fürsten Oleg und Igor mit den Griechen, 942 u. 945? Aus Jaros- 
law's JZeit (um 4020), der in Nowgorod eine Lehranstalt gründete, stammt 
die Pr'awda ruskaja (oder von 4280?), herausgegeben von Scblözer 4767 



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SechsunddreissigsUs CapM. Bastland. 337 

und Rakowijscxi 4820* — ^ Fünt Wkdimir, der Stifter des rntsUebea 
Reichs, steht ähnlich dem fränkischen Karl und englischen Arthur. Er 
und seine Tafelrunde von Bomjamkow 4849. Igor's Zag gegen di«P6low- 
xer (4200), 4795 diureh des Grafen Moasm-PusoHKiM entdeckt und 4800 
veröffentlicht, deutsch von 5tfd«MoZm, HankaA%%\i Wolf söhn, BoU%\%^^y 
neu-russisch von A. Weltmann. Sammlungen in OsTOLoooir*« Wörterbuch 
der alten und neuen Diehtininst, 4844. Avch die Märchen sind Sagen mit 
histor. Hintergrunde. Sammlnngen derselben in Petersburg 4 832 u. 4 833 durch 
den Pseudonymen Kosacken Wlad. Luoanskj (Dahl). — ^ Die Genadini- 
sehe von 4499, eine zweite tob 4688, eine dritte ohne Jahreszahl. — 
7 Seine Ghrcütiik rei<iht von 863-*- 4440; deutsch von Schlözer 4 SOji. Sim ov*8 
des Heiligen (f 4226) Jahrbüober. Ctprian's (f 4406) Stufeabuch. Sophien- 
Chronik von 862 — 4 534. Ealadjowitsch Panjatnickt , Denkmäler der russi- 
schen Literatur, 4824. Stosoh und Adblumo, Syatcmatische Uebersicht 
der liiterator in Russland, 4804 — ^ Grbtsob, Handbuch der russischen 
Literatur, 4824. Otto, Lehrbuch der russischen Literatur, 4837. König, 
Literarische Bilder aus Russland, 4838 (von dem Russen Mbloünow ent- 
worfen). JoBDAN, Geschichte der russischen Literatur nach russischen 
Quellen, 4846. Uebersicht der Entwickelung der russischen Literatur in 
den Blättern zur Kunde der Literatur des Auslandes, 4839, von Schewibsw, 
ebenso in der Deutschen Monatsschrift, 4854, Januar bis Mai, von Alz. 
Hbbzbn (?). Vom dbb Bobo, Poetische Erzeugnisse der Russen, 4820 — 23. 
Von Götze, Stimmen des russischen Volks in Liedern, 4828. Wolfsohn 
(Maibn), Die schon wissenschaftl. Literatur der Russen, eine Anthologie etc., 
4843%. TscHULKOw, Russische Liedersammlung, 4788. Maiimo witsch. Klein* 
russische Volkslieder. Sachabow, Russische Volkslieder, 4838. Bodesstedt, 
Die poetische Ukraine, kleinrussische Volkslieder, 4845. Wjabemski, Das 
Leben Wisin*s (Schilderung der Literatnrp^iode unter Katharina IL). Exobhii, 
Lexikon der russischen Schriftsteller weltlichen Standes, herausgegeben und 
vervollständigt von Sdjagieew. Polbwoi , Skizzen über russische Literatur. 

§. 546. Nach den Reformbestrebungeu des Patriarchen 
Nikon seit 1 654 * erhob Peter d, Gr. die russische Sprache 
mit Anfang des 48. Jahrh. zur allgemeinen Geschäfts- und 
Schriftsprache und liess Uebersetzungen anfertigen. Die 
russische Druckschrift seit 1704. Eroffnimg der Akademie 
der Wissenschaften zu Petersburg 4725; Gymnasium da- 
selbst, seit 1762 Universität genannt. Vollendung der Bibel- 
revision 1751. Arbeiten von Dobrowski, Kopitar, Wosto- 
kow und Schischkow. 

1 Daher die Sekte Raskolniki. 

§. 547. Die wahre Entwickelung russischer Cultur 
begann erst unter Elisabeth und Katharina U. Jene stiftete 
1755 die Universität zu Moskau und 1758 die Akademie 
der Künste. Unter Katharina erhob sich 1783 die Aka- 
demie der Wissenschaften durch Mitglieder wie Pallas, 
Gmelin, Güldenstedt, RumowskL Die Akademie der Künste 
wurde erweitert, 1772 das Bergwerksinstitut und 1783 die 
Akademie für Sprache und Geschichte gestiftet. Eindringen 
des Auslandes. Katharina's Vorliebe für das Drama. Alexan- 



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3S8 Zweites Buch, Ethnodokiologie. 

der^s Enthusiasmus für die Aufklarung seines Volkes: 7 Uni- 
versitäten, 4 theologische Akademien, 36 Seminarien, Gou- 
vernements- und Kreisschulen, gelehrte Vereine. Die Mini- 
ster Rumj'anzow und Tolstoi sind Gehülfen des Kaisers in 
Forderung der Aufklärung. Zwischen 4553 — 4823 sind 
43,249 Werke in slawischer und russischer Sprache in Riiss- 
land gedruckt. Seit 4825 Selbständigkeit der russischen 
Literatur. Unterricht in der russischen Sprache auf Schulen 
und Universitäten auf Befehl des Kaisers Nikolaus, aber 
geringe Fortbildung der wissenschaftlichen Sprache. Arbeiten 
von Puschkin, Lermontow, Baratynski, f 4844, Benediktow, 
Ustrialow, Mersljakow, Gretsch, Schawirew, Maximowitsch, 
Fürst Wjasemski u. A. Alexander^s IE. Humanität und Sorge 
für geistige Hebung seines Volks. 

Uebersicht der Literaturfiieher. 

§• 548. Die neuere russische poetische Literatur 
beginnt mit dem Naturdichter imd Kosacken Klimowski, 4 725. 
Der franzosirend Conventionellen Dichtkunst bahnte der aus 
der Moldau stammende Fürst Kantemir (4708 — 44) durch 
seine Satiren den Weg nach Russland. Seine Prosodie war 
gebildet nach Smotriski, 4619, und Trediakowskij, 4703 — 69. 
Spätere Metriker sind Rizski, 4844, und Wostokow, 4842 
und 484 7. Gnäditsch führte durch seine Uebersetzimg des 
Homer den Hexameter ein. 

4. Epos: Cheraskow (,Rossiade^), Russlands Homer, 
Lomonossow, 4744 — 65, Derschawin, 4743 — 4846, Petrow, 
Poleschejew. Satirisches Epos (,Die gesäuberten Pelze') 
vom Fürsten Schachowskoi. Nationalepos von Puschkin, 
Baron Rosen, 4830, Sokolowski, 4832. 

2. Lyriker: Lomonossow, Cheraskow, Bobrow, Petrow 
(auf Katharina's Siege), Sumarakow, Derschawin, "Kap- 
nist, f 4843, Dmitriew, Glinka, Maledinski-Meletzki, Bat- 
juschkow (Gründer der neuen Kunstschule), Karamsin, 
Shukowskij, Koslow, Puschkin, Delwig, f 4834, Polescha- 
jew, Jasykow, Wjasemski, Baratynski, Podolinski, Bene- 
diktow, Climosejew, Jakubowitsch. Naturdichter sind die 
Bauern Siepuschkin, Suchanow, Alipanow, Kolzow. Gedicht- 
sammlungen heissen Stichotworenja. 

3. Elegie: Sumarakow, Batjuschkow, Baläjuschkow, 
Baratynski, Shukowskij. 



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Sechsundärmiigstes Capüel. Russland, 329 

4. Satire: Kantemir, Wizin, Wjasemski, Marin, Ifila- 
now, 1792—4821. 

5. Episteln: Kantemir, Sumarakow,Cheraskow,DoIgoniki, 
1 764 — 1 823. Lehrgedicht : Lomonossow, Cheraskow, Wojaj- 
kow. Fabel: Lomonossow, Sumarakow, Dmitriew, Krylow. 

6. Romantische Poesie: Balladen von Shukowskij und 
Murawiew, ,Du8chenka' von Bogdano witsch, 1743 — 1803. 
Romanzen von Maledinski-Meletzki. Idyllen von Gnäditsch, 
f 1833. Poetische Erzählung: Puschkin, Bösen, Radiwa- 
nowski, Bathurin, Podolinski. Roman: Bulgarin, Bestu- 
schew, Karamsin, Shukowskij, Benizki, Glinka, Gretsch, 
Puschkin, Koslow, Orlow, Schischkow, A. Weltmann, Mar- 
kow. Skizzen: Sagoskin, Wlad. Woit, 1844. 

7. Das Drama war noch im 17. Jahrh. auf geistliche 
Stoffe beschränkt, deren Polozki (f 1680) mehre für den 
Hof in Moskau und Tuptalo (f 1709) für das Studententheater 
in Kiew bearbeiteten. Ein italienisches Hoftheater entstand 
1730, ein deutsches 1738. Die russische Nationalbühne be- 
gründete Wolkow (t 1763) in Jaroslaw 1746. Sie wurde 
4752 nach Petersburg verpflanzt. Nachdem die Kaiserin 
Elisabeth 30. Aug. 1756 die Einrichtung russischer Theater 
verfugt hatte, wurde das zu Moskau von Wolkow 1759 er- 
oJBaet. Dramatiker: Lomonossow, Sumarakow, 1718 — 77, 
Dmitrewski, 1736—1821, Maikow, 1728—78, Jelagin, Che- 
raskow, Bogdanowitsch, Kraylow (Krylow), Wizin, 1 745 — 9i, 
Kniaznin, 1742—91, Oserow, 1770 — 1816, Schachowskoi 
(mehr als 50 Stücke aller Art). Die Oper kam 1764 durch 
Sumarakow auf das russische Theater. 

BowRiNO, Specimens of the Russian poets, 4824. Dcpre de St.-Maurb, 
Anthologie rasse, 4823. Erster Almanach (Polarstern) von Bbstuscbew 
und RÖLÄJEW, 4823. 'Delwing, Nordische Blumen, 4825. Seit 4832 er- 
scheinen mehre Musenalmanache in Moskau, Petersburg, Charkow, von 
RosBN, ÖBTBL Und Glebow etc. 

§. 549. Die Prosa erhielt ihre Kunstgestalt von Lomo- 
nossow, Jelagin, Bogdanowitsch^ Wizin, durch die Redner 
Lewanda, 1736—1814, und Plat. Lewschm, 1737 — 1812, 
und wurde vollendet durch Karamsin, 1765 — 1826. Grosser 
Reichthum an historischen und didaktischen Werken: 
Murawiew, 1 757 — 1 807, Bentschkij, 1 780 — 1 809, Schischkow, 
Uwarow, Bestuschew, Apostol, Bulgarin. Reisebeschrei- 
bungen von Krusenstem, Golownin, O.v.Kotzebue, Lasarew, 
Bellingshausen und Wasiljew, Wrangel, Rosen. Ustrialow, 



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330 Zweites Buch. Ethnodoktologie. . 

^GeBchichte RufiBlands^ (deutsch 4840). Uebersetzungeu seit 
Peter^s d. Gr. Forderung. Knorring, ^Russiscbe Bibliothek 
für Deutsche' (Reval 1834). 

§. 550. Ueber lettische Sprache: Zimmermaim, ,Ge- 
schichte der Literatur der Letten', 4842. KircUiche Schriften 
seit 4 586, Volkslieder gesammelt ron Bergmann und Wahr 4 809, 
Zeitung seit 4823. Stender, Lieder und Yolksschriften 4766, 
Grammatik und Lexikon 4 767, yollstandiges Worterbach 4 789. 
Lieder der Letten imdEsthen inDaumer's ,Ha&iS S.229 — 286. 
Kohl, Die deutsch-russischen Ostseeprovinzen, 4844. 

Lithauische Grammatik und Lexika von Mielke, Rhesa, 
Nesselmann 4850, Schleicher 4856. Czeczot, ,Litham8che 
Lieder', 4838. Bhesa, ,Dainos, oder lithauische Volkslieder' 
(Originale und Uebersetzungeu), 4825, 2. Aufl. von Jordan, 
4845, vollständiger von Nesselmann 4853. Die ,Jahre8zeiten' 
(ein episches Gedicht in Hexametern) von Donaleitis oder 
Donalitius (deutsch in Hexametern von Bhesa). 

Die Wenden (Obotriten, Wilzen, Ukern, Heveller, 
Bhetarier, Lusitzer, Sorben) in der Ober- und Nieder- 
lausitz haben ihre Sprache seit dem 46. Jahrh. als Schriftr- 
spräche angewendet, die sich durch Kraft und Melodie 
empfiehlt. Haupt und Schmaler, , Volkslieder der Wenden' 
(Originale und Uebersetzungeu), 4844. Schneider, ,Grammatik 
der wendischen Sprache', 4853. Bopp, ,Ueber die Sprache 
der alten Preussen' u. s. w., 4853, ebenso Vater 4824. 



Siebenunddreissigstes Oapitel. 

Ungarn oder Magyarenland. 

§. 554. Die Sprache dieses Volks steht in Europa iso- 
lirt und ist unter den occidentalisch- christlichen Sprachen 
diejenige, welche die Spuren ihrer asiatischen Abkunft noch 
am treuesten bewahrt hat. Ihre Beziehung zu der finni- 
schen auf der einen, der türkischen auf der andern Seite 
hat zuerst Gyarmaihi überzeugend dargethan , während 
Beregszasz^s Vergleichung mit dem semitischen Sprach- 
stamm weniger glücklich unternommen zu sein scheint (oben 
§. 345). Ihr Lautsystem ist einfach und regelmässig. Sie 
zählt sieben Vocale, die entweder imbetont und kurz, oder 
betont und lang sein können. Dadurch wird sie besonders 
geschickt zur Nachahmung antiker Versmasse. Der Con- 



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SiehenunddreissigsUs Capüel. Ungarn oder Magyarenland. 331 

sonanten sind H, Einfache Declination, das Genus wird 
nicht bezeichnet, der Dual fehlt. Der Nominativ wird durch 
keine besondere Endung, alle mdem Verhältnisse durch 
Fostpositionen bezeichnet Besonderer Reichthum in den 
Verbalformen, z. B. doppelte Conjugation des Activs, je 
nachdem das Object der Handlung ein bestimmtes oder 
ein unbestimmtes ist. Die Verbalcopulft wird ausgelassen, 
während sie mit dem Dativ das Zeitwort ,haben^ ausdrückt 
u. 8. w. Diese reiche und wohlklingende Sprache hat keine 
Mundart, sondern wird gleichmassig von dem geläutertsten 
Schriftsteller und vollendetsten Redner wie von dem ge* 
meinen Manne geschrieben und gesprochen. 

Sprachlehren von Pamnomius U65, zu Debreczin 4795, von Gyab- 
MATHi 4795, N. Rbvai 4809, Bloch 4846. Wörterbücher von Vbban- 

TI€B, FaBRICIUS, MoLKAB, PaPAI , RiCHTEB, PaiIKOWSKI , FOQABAAST, 

Bloch. 

§. 552. Zwei Hauptelemente beherrschen die ganze gei- 
stige Entwickelung Ungarns, das Christenthum und die 
römische Civilisation, Sprache und Gelehrsamkeit. Das 
Latein war Schrift- und Gelehrtensprache (Flacius, Bosco- 
Tich u. V. A.) seit Mthi. Corvinus (4458 — 90) bis in das 
46. Jahrh. und abermals zwischen 4708 — 80, wobei die 
Nationalliteratur wesentlich litt. An Sorge fBr j^itute 
und Anstalten zu wissenschaftlicher Bildung hat es seit 
dem 44. Jahrh. nicht gefehlt. Erstes Studium generale zu 
Yeszprim zu Anfange des 43. Jahrh., erneuert 4gl87, zu 
Fünfkirchen 4367, Ofen 4388, Istropolitanische Akademie 
zu Fresburg 4 467, die Donaugesellschaft von Kr. Celtes 
4497, Vermehrung gelehrter Stiftungen im 46. und t7. Jahrh., 
gelehrte Gesellschaft 4830, verbunden mit einer Akademie 
der Künste seit 484^. Zwei Literaturperioden* 

Beiträge znr Geschichte der ungarischen Literatur gaben 
in ungarischer Sprache Spanoab 4738, Bod 4766, Saivpob, Tot; in latei- 
nischer RoTAYiDES 4745, ScHMEiTZ£L, Bblnai, Tibold *, in deutscher 
Windisch, Seivebt, Fessleb, Millbb, Sobbdios u. A. 6. Stettmbb 
und Fb. Schedel , Handbuch der ungarischen Poesie oder Auswahl chrono- 
logisch geordneter Stücke aus ungarischen Dichtem von Tinodi (4540) an. 
Ueber Sprache und Literatur das Ausland, 4846, Bd. 4 u. % Steinaokbb, 
Fannonia, 4840. Graf Mailath, Magyarische Gedichte, übersetzt und mit 
einer Uebersicht der Geschichte der magyarischen Poesie eingeleitet, 4826. 
ToLDT, Blumenlese aus ungarischen Dichtem mit einer einleitenden Ge- 
schichte der ungarischen Poesie, 4828. Ders., Geschichte der ungari- 
schen Literatur , Bd. 4 ~- 3 , 4 850 — 53. Zur ungarischen Volkspoesie : 
Ebdbly, Sammlung ungarischer Volkslieder (Originale), 4846. Verdeut- 
schungen: Gbeovsk, Ungarische Volkslieder, 4846, und Kebtbent, Aus- 
gewählte ungarische Volkslieder, 4854. 



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332 Zweites ßueh, Ethnodoktohgie. 

§. 553. Der Gesang ward schon zu Attila^s und später 
zu der Arpaden Zeiten durch die sogenannten Joculatoren 
oder Truffatoren geübt, doch ist aus jenen Zeiten nichts auf- 
gezeichnet. Es waren vorzugsweise Helden-, und Kriegs- 
Ueder aus den Turkenkriegen, Liebeslieder horte man selten. 
Der höhere Schwung begann mit der Regierung des Hauses 
Anjou zu Anfange des i 4. Jahrh. Die ältesten Urkunden der 
Literatur sind die ungarische Eidesformel, Uebersetzungen 
der Bibel von Bathori 1450 und Bartalan 1508, der 
,Hymnus an Konig Ladislaus^ und das ,Lied an die Jung- 
frau Maria' aus dem 15. Jahrh. Eine günstigere Periode 
begann mit dem 16. Jahrh., als man sich beeiferte, das Volk 
in seiner eigenen Sprache zu belehren. Es erschienen Chro- 
niken, Uebersetzungen der Bibel, geistvolle Reden, geist- 
liche Lieder (Fabricius, Molnar),- Volkslieder (Tinodi 1540, 
Valkai 1572, Szollosi 1580), epische Gedichte (die ,Zrinyiade' 
von N. Zrinyi, 1652, Pasko 1663, Kohary 1699, Gyongyosi 
1664 — 1734), lyrische Gedichte (Rimai, Balassa, Benitzki), 
Dramen (KaraÄ's ,Balassa Meyhart' und Bornemisza's ,KIy- 
tämnestra^). Das lateinische Gesetzbuch des St. Verboczy 
übersetzten Veres, Heltai, Okolitsanyi in die Nationalsprache. 
J. Tsere (Apatzai) gab 1653 eine Encyklopädie der Wissen- 
schaften, 1656 eine Logik heraus. Historiker: Szekely 1559, 
Temesvari 1 569, Heltai 1 572, Zrinyi 1 660, Bartha 1 664. Philo- 
logen: Pesti (,Nomenclatura'), Fabricius, Molnar, Verantius, 
Parizpapai (,Dictionarium', 1 708, nach Tsetsi's Orthographie). 

§. 554. Die Unterdrückung der Nationalliteratur 
begann faiit dem 18. Jahrh. Joseph's H. Sorge für den 
öffentlichen Unterricht, aber Nichtachtung der ungarischen 
Constitution und Absicht, das Land zu germanisiren, wecken 
die magyarische Nationalität. So beginnt 1780 die neue 
Periode der ungarischen Literatur. Mthi. Rath begründet 
1781 die erste ungarische Zeitung in Presburg. Die Be- 
schlüsse der Reichstage und Comitatscongregationen. Unga- 
rische Theater in Ofen und Pesth; 1790 entstand die erste 
ungarische, 1*792 die erste siebenbürgische wohlorgani- 
sirte Schauspielergesellschaft. Zeitschriften (Molnar's 1783, 
Szacsvay's 1787, Kazincy's, Baroti's imd Bacsanyi's 1788, 
Peczeli's 1789, Sandor's 1791, Karmen's und Pajor's 1794, 
Horvath's 1816 u. A.). Preisaufgaben. Grammatik, Prosa 
und Poesie fanden ihre Bearbeiter in einer Menge geist- 



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SiehenuHddreissigstes Capitel. Ungarn oder Magyarenland. 333 

reicher Männer. Mit K. Kisfaludy (geb. 1790) beginnt die 

Aera des jetzigen ungarischen Theaters. Der volksthümliche 

Lyriker Alx. Petofi (geb. 1. Jan. 4823) ^ Epiker Aräny 

(geb. 1817). Historische Romane von Josika, Novellen von 

Eötvos. Die Geschichtschreiber Graf Mailath und Fejer*. 

Der grösste ungarische Dichter, Mch. Vörosmarty, geboren 

1. Dec. 1800, starb am 19. Nov. 1855. 

Der Aufstand seit 1849 und die Niederwerfung Ungarns 

haben dort auch die Musen vielleicht auf lange Zeit zum 

Schweigen gebracht. 

1 Seine Gedichte aas dem Ungarischen durch Dcx 4846 und Kert- 
BBNY 4849. — * Sammlungen ungarischer Geschichtswerke von Bongar- 
S1US 4600, ZwiTTiNQER 4744, Bbl 4735 — 46, Schwandtneb 4766 — 68, 
KoTACHiCH 4798 — 99. Ueber ungarische Geschichte: Deseeicus 4748 
— 60, Pray 4763 — 97, Hobani 4775 — 77, Sbverini 4778, Gebhardi 
4778—82, Katona 4778 u. 4779—4847, De Sagt 4780, Kbza 4782, 
Windisch 4784, Palma 4785, Horvath 4786, Novotby 4798 — 4800, 
V. Engel 4804, Fesslbb 4840 — 25, v. Mailath 4828 — 30. Historische 
Magazine von Windisch, 4784 — 87, neues 4792 — 94, Dankowsky 4840. 
Öttingbb, Historisches Archiv, 4844. Ungarische Poesie von Diix 4854; 
Dichtungen von Gabay übersetzt von Kerlbeny 4854; Lieder aus Ungarn 
von ScHBÖTEB 4854. Auch ist für Uebertragung ungarischer (danubischer) 
Poesien ins Deutsche Kolbenheyer thätig. Der pesther Lloyd liefert Bückblicke 
auf die ungarische Literatur, so unter andern über die Jahre 4854 u. 4855- 
Zur magyarischen Philologie die Zeitschrift Magyar Nyelv^szet. 



§. 555. Pinnland' s Volkspoesie beschäftigt sich mit 

Mythen und Zauberweisen ^ (Zauberepos ,Kalewala^) und mit 

Personificirung der Naturkräfte. Der Dichter Runeberg*. 

1 Kleukeb, Magicon, 4784. Tiedbmann, De artium magicarum ori- 
gine, 4787. Hobst, Zauberbibiiothek , 6 Bde., 4820 — 26, und Von der 
alten und neuen Magie Ursprung, Idee, Umfang und Geschichte, 4820. 
Gbässe, Bibliographie der wichtigsten, in das Gebiet des Zauber-, Wunder-, 
Geister- und sonstigen Aberglaubens einschlagenden Werke, 4843. Soldan, 
Geschieht^ der Hexenprocesse, 4843. Waohsmcth, Ueber die Zauberkunst 
der Griechen und Römer in dessen und Gunthbb*s Athenaeum, Bd. 2 (Ma- 
gicae quaestiones, 4850). — * Lönnboth gab Kanteletar (alte lyrische Ge- 
sänge des finnischen Volks) in 3 Bdn., 4835, Tanostböm eine Anthologie der 
finnischen Volkspoesie, Kellgben, Tanostböm und Tiqebstbdt ein vater- 
ländisches Album für finnische Literatur. Schböteb, Finnische Runen (finnisch 
und deutsch), 4849. Altmann, Runen finnischer Volkspoesie, 4856. Jak. 
Gbimm über das finnische Epos in HOfeb's Zeitschrift für die Wissenschaft 
der Sprache, 4846, I, 43 — 55. Eine Skizze der neuern finnischen Literatur 
findet sich im 9. Bande der Wiener Jahrbücher. Bolleb, Die finnischen 
Sprachen, 4853. Die Samesprache in Lappland ist ein schwesterliches Idiom 
der Suomisprache in Finnland. Ebman , Archiv für wissenschaftliche Kunde 
Rasslands, Bd. 7, S. 433 fg., 488 fg., über Eskimo - und Unalaschkasprache. 
FiGüBiN (f 4854), Jakutisch -russisches Wöterbuch; Lukjanow ist Kenner 
des Jakutischen. Der Ungar Hdnsalvt gab 4854 eine Vergleichung des 
Türkischen, Magyarischen und Finnischen. 



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Drittes Buch. 

Angewandter Theil. 



Die Gtelehroamkeit. 
Chresimodoktologie. 

§. 556. Den Gegenstand bildet der Mensch in drei- 
facher Beziehung: 

zu dem Ueber- zur Sinnenwelt, zn sich selbst, 

sinnlichen, ^ »-^ ^^ ■ — »^ ^ 

der Vergangen- der Gegen- nachdem 



rheologie. heit, wart: Erkenntnis»-, Besferebnngs- n. Gefühls 

^^— «-A<«— ^ Exacte l yermögen. \ 

Historik. Wissen- ^<— *-A«i.^ ^—a^.^ ^ ■ ^— ^ 

Schäften Philosophie Rhetorik. Poetik, 
u. Mathe- 



zur Natur, zu den Geschöpfen matik. Schone Wissenschaften 
seiner Gattung im Verein der schönen 

»»A« ■■ ^ Künste : 

sebaften. Staats-, Kriegs- Ealotechnologie. 

u. Rechtswissen- 
schaften. 



V 

Epistematologie. 



Linguistik u. Kritik. 

Erste Abtbeilung. 
Bpistematoltgie. 

§. 567. Aus dem Streben nach einem allen Wissen- 
schaften zu Grunde Hegenden Princip, worauf eine Classi- 
fication derselben sich begr&nden Üesse, sind diejenigen 
Wissenschaft^! hervorgegangen, welche man unter den 
Namen der Hodegetik, Methodik und Methodologie, 
der Systematik und allgemeinen Encyklopädie ^ be- 



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Achtunddreissigstes CapUel. System der Wissenschaft. 335 

greift^. Als die Gymnaaiallehrer im Erzstift Köln (Mitte 
des 46« Jabrh.) encyelopaediam quandam omnium discipli- 
narum in den Unterricht aufnahmen, beschloss eine nnter 
Adolf III. gehaltene Provinzialsynode ein Verbot dagegen, 
1549, als gegen eine Einrichtung, welche die Oberflächlich- 
keit befördere ^; — aber jeder Gebildete, namentlich 
jeder Studirende, sollte sich eine allgemeine üeber- 
sicht des menschlichen Wissens zu verschaffen 
suchen, um sich auf dem orbis doctrinae richtig zu 
Orientiren*, 

* 'Eyx\JxXtoc itai8e(a, in zusammengezogener Form ^yxvxXöicatSeCa, 
vie&«icbt zuerst bei Galen (f 204 n. Chr.). Fault, Bealencyklopädie des 
elaii^scheD Altefthnms; Art. Edueatio , S. a9. — * Sbmlbb, Versuch über 
die combinatorische Methode, ein Beitrag zur angewandten Logik, 4822. 
ScBiEiLiNe, Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums, 
(3. A.) 4832. Benbkb, Einleitung in das akademische Studium, 4826. 
Fbibdbhann , Paränesen , 4 837 -* 44 . Schbidlbb , Grundriss der Hodegetik, 
4 832. EiBCHNEB, Akademische Propädeutik, 4847. Denselben Zweck ver- 
folgen die Werke von Hbydbnbeich 4804, Müssmann 4832, Tittmann 4833, 
Fbitz 4833, Lbütbbchfb 4834. — ^ Statuta provincialium synodorum 
sanctae ecdesiae Coloniensis, p. 427. — ^ Kruo, lieber den Znsammen- 
hang der Wissenschaften unter sich und mit den höchsten Zwecken der 
Vernunft , 4 795. Eonopak , Ueber den Begriff und Zweck einer Encyklopadie 
im Aligemeinen etc., (2. A.) 4 806. Schallbb , Encyklopadie und Methodologie 
der Wissenschaften, 4842. Die Wissenschaften im 49. Jahrb., ihr Stand- 
punkt und die Resultate ihrer Forschung, 4856, redigirt von Rombbro. 



Achtunddreissigstes Capitel. 
System der Wissenschaft. 

§• 558. Die Frage nach einem gemeinsamen Piincip für 
alle Wissenschaften ist bis jetzt noch nicht genügend beant« 
wortet und hat namentlich zur Trennmig der philosophischen 
Systeme, welche ganz eigentlich die Aufgabe haben, alle 
Principien&agen zu entscheiden, wesentlich beigetragen. 

§. 559. Die Wissenschaften als ein geschlossenes Ganzes 
darzustellen begannen erst Ernesti ^ und Sulzer. Doch blieb 
man schwankend zwischen theoretischen und praktischen, 
nominalen und realen, empirischen und rationalen, freien 
oder natürlichen, gebundenen oder positiven und gemischten 
Wissenschaften. £jrug * rechnet \y zu den freien Wissen- 
schaften als empirische: die Philologie und Geschichte; 
als rationale: die Mathematik und Philosophie; als empirisch- 
rationale: die Anthropologie und Physik; 3) zu den gebun- 



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336 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

denen Wissenschaften: die Theologie und Jurisprudenz; 
3) zu den gemischten, d. h. theoretisch-freien, aber praktisch- 
gebundenen Wissenschaften: die Cameralia und die Medicin \ 
Die neuesten Systeme des Wissens stellten Mager*, K. Rosen- 
kranz * und Helfferich * auf. 

1 Initia doctrinae solidioris, 4736; 7. Aufl. 4783. — ^ In seinem 4805 asu 
Zallichau erschienenen Versuch einer neuen Eintheilung der Wissenschaften, i — 
3 EscHENBURO, Lchrbuch der Wissenschaftskunde, (3. A.) 4809. Burdach, 
Organismus menschlicher Wissenschaft und Kunst, 4809. Simon, Tabella^ 
rische IJebersicht der Wissenschaften, 4840. Frische, Einleitung zu einer 
Architektonik der Wissenschaften, 4846. v. Baer, Blicke auf die Entwicke- 
lung der Wissenschaften, 4835. Metern, Hinterlassene kleine Schriften, 
herausgeg. von Fbuchtebsleben , 4 842 ; Bd. 4 u. 2 : Stufenfolge der Wissen- 
schaften. • — * System des Wissens, 4847. — ^ System der Wissenschalten, 
ein philosophisches Encheiridion, 4850. — ^ Der Organismus der Wissen- 
schaft und die Philosophie der Geschichte, 4856. 

§. 560. Eine ziemlich alte Ansicht hält Apollo für den Con- 
centrationspunkt aller Kunst und Wissenschaft; darum weist 
ihm auch Ausonius (Idylle 20) seinen Platz unter den Musen an: 

In medio residens complectitur omnia Phoebus. 
Substituiren wir statt jenes mythischen Gottes den Men- 
schen, so ergibt sich aus der dreifachen Beziehung des- 
selben das Princip meiner Wissenschaftslehre und des 
angewandten Theils meiner Musologie. „Denn von dem 
fernen Lichtnebel bis zum ausgebildeten Sonnensystem, 
von der einfachen organischen Zelle bis zum Menschen 
aufwärts ist nur eine Entwickelungsreihe, gibt es nur ein 
Gesetz, und Beides spiegelt sich in der Himthätigkeit des 
Menschen." Daher auch die Unmogjichkeit völliger 
Abgrenzung. Jene Beziehungen sind: 1) zu dem üeber- 
sinnlichen. Metaphysischen, Gottlichen, woraus die Theo- 
logie ihren Ursprung nimmt; 2) zu der Sinnenwelt, und 
zwar a) der Vergangenheit, womit sich die Historik (Ge- 
schichte) beschäftigt; b) der Gegenwart, woraus die exacten 
Wissenschaften^ hervorgehen, und zwar wiederum: a) zur 
Natur: Naturwissenschaften mit Biologie und Astro- 
nomie; ß) zu den Menschen oder den Wesen seiner Gat- 
tung*: Staats-, Kriegs- und Rechtswissenschaft; 
3) zu sich selbst (icpoc sauTov, wie Antonin der Philosoph 
dies nannte), und zwar wiederum: a) nach dem Erkenntniss- 
vermögen: Philosophie imd Mathematik; b) nach dem . 
Gefühls vermögen: Poetik (Poesie); c) nach dem Bestre- 
bungsvermogen: Rhetorik (Redekunst), zugleich im Ueber- 
gange von der Poesie (Drama) zur Geschichte, sowie den 



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Neununddreissigsies CapiM. Tkeologie. ^7 

Uebergang von der Geschichte zu den Naturwissenschaften 
die (vergleichende) Geographie bildet. Mit den schonen 
Wissenschaften hängen die schonen Künste eng zusammen. 
Die Linguistik (Philologie) gehört dem Begrijff des Menschen 
par excellence zu; an sie schliesst sich die Kritik als Reprä- 
sentantin des Ausdrucks aller menschlichen Seelenvermögen. 

1 PoooBNDOBFF, Lebensüiüen zur Geschichte der exacten Wusenscbafteiiy 
seit Wiederherstellung derselben, 4853* — •' Millab, The distinction of 
ranks in the society, 4774; deutsch 4772. J. J. Rousseau, Discours sur 
l'in^galite parmi les hommes, 4753, und für Europa: Mbihbbs, Ueber 
Ungleichheit der Stände, 4792* 



Neununddreissigstes Capitel. 
Theologie.^ 

§.561. Die R e 1 i gi o n ist natürliche oder Vemunftreligion, 
übernatürliche oder geoffenbarte, positive oder Autoritäts- 
religion; Deismus oder Theismus (nach Kantus Unterschei- 
dung) und Pantheismus; ersterer: Polytheismus, Dualismus, 
Monotheismus *. 

Der Pantheismus des Orients, des Parmenides, der 
Stoiker und Neuplatoniker (Plotin, Proklos, Jamblichos), 
der Gnostiker, des Erigena und Jak. Böhme, Giordano Bruno, 
Spinoza, der neuern Idealisten*. 

Die D eisten des 17. und 18. Jahrh., Vorläufer des 

Rationalismus, waren meist Engländer: Herbert von Cher- 

bury (geb. 1581), Blount (geb. 1654), Toland (geb. 1670) », 

Graf von Shaftesbury, Woolston, TindaH, Bolingbroke u. A. \ 

1 LiNDEUANN, Geschichte der Meinungen älterer und neuerer Völker, \y 
im Stande der Roheit und Cultur, von Gott, Religion und Priesterthum, 
4784 — 95. Meinebs, Allgemeine krit. Geschichte der Religionen, 4806 — 7. 
J. K. F. Schlegel, Ueher den Geist der Religiosität aller Zeiten und 
Volker, 4849« Haupt, Ahriss der vorzüglichsten Religionen der jetzigen 
Erdbewohner, 4824. Mone, Geschichte des Heidenthums. Tzschibnbb, 
Fall des Heidenthums, 4829. Beugmot, Hist. de la destruotion du paga^ 
nisme en occident, 4835. < — ' Jaschb, Der Pantheismus nach seinen ^ 
Hauptformen, 4827. Rittbb, Die Halbkantianer und der Pantheismus, 
4827. — * Christianity not mysterious, 4702. — * Christianity as old 
as the creation: or the gospel a republication of the reiigion of natore, 
4730. — ' ^ Leghleb, Geschichte des englischen Deismus, 4844. 

§. 562. Das Wort Theologie ging aus dem heidni- 
schen Sprachgebrauch auf den christlichen über. Theologen 
hiessen bei den Alten Die, welche über das Wesen und 
die Geschichte der Götter Auskunft zu geben wussten. 

HiiaKUR. 22 



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J 



Drittes Buch. Chte^modokt<dog%e, 

KierekTde» ans Syrot und E^mM&ide« von Kret& (der die 
Kyionitche BhiUchuld in Athen s&biite) ku Anfiuig des 
7. Jahrh. v. Chr. heissen Theologen \ In» 3« und 4. Jahrb. 
n» Chr. wurde der Ausdruck Theologie zuerst von Denen 
gebraucht, welche die €Fottheit des Logos und das im 
4. Jahrh. ausgeprägte Dogma von der Dreieinigkeit ver- 
theidigten. Auf die Religionswissenschf^ überhaupt w^en- 
dete das Wort zuerst im 41. Jahrh. Abälard in seiner 
^Theologia chrisüaua^ an. 

1 Cicerjo, De nat. deor., HI, 24 , und die Ltxika. 

§. 563. Schon bei Johannes und Paulus und dem Ver- 
fasser des ,Brief an die Hebräer^ finden sich die Anfange 
einer Theologie, doch nicht als Lehrvorschrift, sondern als 
ihr subjectives Bekenntnias, und die Kirchenväter Tertullian, 
Irenäus und Origenes unterscheiden durchaus den Glauben 
(jdoxt4) von der Speculation (yvöcjk;) und erklären beide 
zwar fSir etwas Nothwendiges, aber nur den erstem für 
etwas allgemein Verbindliches, letztere aber (auch iizvsx^ui 
genannt) für etwas Freies und daher der individuellen Ueber- 
zeugung Unterworfenes *, Durch die Erhebung des Chri- 
stenthums zur Staatsreligion entstand auf dem Nicänischen 
Concil (325) die positive oder Kirchentheologie, welche 
insofern eine Wissenschaft zu sein aufhorte, als sie, zu- 
nächst für die katholische, spater, durch die Symbolischen 
Bftcher (vollendet 15^0), auch für die evangelische Kirche, 
die Natur einer positiven Gesetzgebung annahm *. 

1 WAtCH, Historie der Ketzereien, 1762. Nbanber, Gnostische Sv- 
BteoM, 4S4S. LawAU»,, Doctr. Glaoet, \%\%. MAtirat,^ Hist. crit. du 
ffiu)6tici8me, 4S3ia* Fd. Cb. Baur, Christliche Goosis, 483S. Beaqsobre, 
Hist. de Manichee etc.» 4734. RsiGHLiii-MBLDBoa, Theologie der Mani- 
chäer, 4823. Bacb, Manichaisehes Religbnflsystem , 4834. — * Pottnbk, 
Remme de Thist. da christiaBisme depuis Jesus jusqu'a nos jours, 4855- 

§. 564. Die vom heidnischen Boden herübergepflanzte 
Phibsophie (des Plato und Aristoteles) übte von jeher Ein- 
luss auf die Gestaltung der christlichen Dogmen, und das 
Streben, Theologie und Philosophie, Glauben und Wissen, 
Positives und Selbstgedachte», Offenbarung und Vernunft 
ins Gleichgewicht zu setzen, gab sich vornehmlich in. der 
Scholastik 2u erkennen ^ Die> Philosophie trat gana in 
^n Dienst der Tlte<^}ogie ^, die ifiederum in den Fesseln 
einer von aussen ihr au%edrungenen Dialektik lag. Aristo- 
tele» beherrschte die BibeL Exegetische und Ge84^ichis- 



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NeuHunädfeiMi9^i€s CapUeL ThtoiOgie. QSg 

Studien traten gegen die systemattgirende Thattgkeit ztirnek 
(von Peter dem Lombarden bis anf Thomas von Aquino) 
im 12. und i3. Jahrh. Gegen diesen dialektischen Skepti-^ 
cismns traten die Mystiker' im 44. Jahrh. auf. Der 
Humanismus stellte im 15* Jahrh. wiederum die Philo- 
logie, Eoitik und Geschichte in den Vordergrund. 

So entstand die Beligionsphilosophie^ oder kriti- 
sche Theologie, und in Betreff des Gebrauchs and der 
Erklärung der Heiligön Schrift erzeugten sich im Laufe der 
Zeit die verschiedenen Schattirungen der neuern Theo- 
logie, welche in die supranaturalistische ^, rationalistische* 
und philosophisch-allegorisirende Theologie^ zerfallt. 

Die supranaturalistisehe Theologie theUt sich in die 
Schattirungen deö absoluten ®, relativen • und kritischen '** 
Suptanaturalismus , die nacheinander ins Leben traten. Gegen 
diese Orthodoxie oder Paläologie traten gleic^hsam als He- 
ferodoxie oder Neölagie auf: der Pietismus (Spener's, 
Francke's u. A.) einerseits und der Rationalismus oder, 
wie er in Prankreich heisst, Naturalismus. (Semler's, Loff-« 
ler's, Henkels, Eckermann's, Rohr's, Wegscheider's) atiderer- 
seits. Die Leibniz-Woirsche Philosophie« wurde Veran- 
lassung der philosophisch-allegörisirenden oder sjm- 
bolisir enden Theologie (Baumgarten's, Carpzov^s und 
Reinbeck^s), während Kant^^ Urheber der neuern pkilo- 
sophisch-symboliskenden Theologie wurde, welche durch 
Schelling, Hegel und Schleiermacher zu besonderer Geltung 
gelangte. Staudlin, J. E. Oh. Schmidt, Tieftrunk, Ammon 
u. A. brachten die Kant^sche Philosophie, Daub das Schel- 
ling^sche, Marheineke das HegePsche System auf die christ- 
liche Theologie in Anwendung; Jacobi machte den Gefuhls- 
glauben geltend. 

1 Scotus Erigena im 9. «Tahrh. erklärte wahre Philosophie und wahre 
R^igiOD füf Bias; ebenso Abäkird und Anselm im 44. Jahrb. Reutsat, 
Tableau de la vie etc. de Saift€ Anselme de Canterbury, 4854. — * lieber 
das Verhältniss der Theologie zur Philosophie: F. £. Schulz, Fischbb, 
Gbitgleb, Gablbe, H. SoHHn>T (in der OppositionsBchrift, Bd. 4 , Hft. 4), 
In. Hm. Fichtb. — ^ lieber Mysticismus , Pietismus etc.: Spaldino, Yaveb, 
Ewald, Boboeb, v. Cölln, Matthäi, Fbitzscbe, ICad^DB StaSl, Libbnbb, 
y. Wessenbebg, Bbetschiteideb,. Bindeb, Mebbxin. — ^ Kant,, Fichte, 
ScHBLLiNo, Jacobi, SciiLBiBBHACäBB, Clodiits, Eschcsthateb, EdrPBir, 
Kbdg, Hinbichs, Boutebwek, Ecst, Bj. Constavip, DB Wette, Sitabb- 
dissen, Fbibs, Göbchbl, CiMtBADi, Ohlebt, H. Ritter, Hegel, Stbffbns, 
FiscHBB. Zur Morälphiloäophie: KANt, ScttMiD, TifiptBimK, Fichte, 

ESOmmMATER, KBCG, GbRLA€H<, Sa! AT, SCBLElBBttACHSB, ElYBNICB. — 

22* 



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Dritte« Buch. Chr$»imöddiU^gie, 

A Zu Gunsten dei Sapranataralismiu: Tittmakn, Habma, Zöllicb, ExsuKn, 
Stbffsks, Sabtobivs, Hbbmo, Hahn, Voiotlandbb, Stbiobb. — ^ Zu 
Gunsten des Rstionalismas: Röhb, Scbulthbss, Böhmb, Clembn, Pavi^s, 
GuBLiTT, SoHBÖTBB. — ? Vermittelnde Versuche, und zwar vom Stand- 
punkt des Rationalismus: Schcdbboff, Tzsohibbbb, Böhmb, Bbbtsohnbidbb, 
Thbilb, t. Cöllm und Schulz; vom supranaturalistischen Standpunkt: 
Schott, K. L. Nitzsch, H6ffbl, Rcthbnus; vom speculativen-^ Stand- 
punkt: B0CK8HAMMBB, Db Wbttb, Kahlbb, Ullmabb, Schweizbb, Wio- 
0BB8, Gbbbbb. StIudlib, Geschichte des Rationalismus und Supranatnra- 
lismus, vornehmlich in Beziehung auf das Ghristenthnm , 4826. — ^ Der 
Reformatoren Inspirationslehre oder Theopneustie. — ^ Accommodation, 
ouYXQCTöißaatc» condescensio , demissio Rbibhabd*8 in seinen Geständnissen, 
4840, Stobb*8, Dödbblbib's , Mobus'. — i® Die Offenharnng als gottliche 
und wundersame Promulgation der religiösen Ideen: K.L. Nitzsch, Bbbt- 
8OHBBIDBB in seiner Religiösen Glaubenslehre , Ammon in seiner Fortbildung 
des Christenthums zur Weltreligion. — ^^ Durch seine Schrift: Die Religion 
innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft, 4793} und durch seine mora- 
lische Auslegung der Bibel. Bbbtschbbidbb , Systematische Entwickelnng 
aller in der Dogmatik vorkommenden Begriffe, 4844. 

§. 565. Eintheilung der positiven Theologie in 
die theoretische (Lehre vom Logos, Dogmatik) und prak- 
tische (Moral). Gewohnlicher ist die Dreitheilung in 
historische (mit der exegetischen), systematische (Glaubens- 
und Sittenlehre) und praktische Theologie. Doch lassen 
sich, nach Absonderung der exegetischen, am zweckmässig- 
sten vier Hauptgebiete construiren. 

§. 566. Exegetische oder biblische (nach Pelt u. A.) 
Theologie: Philologia sacra (oben Cap. 14 und 15, beson- 
ders §. 124; Cap. 23 und 24, besonders §. 297). — Kritik: 
Semler, Griesbach, Heringa (aus dem Holländischen von 
Beckhaus), Hitzig, Schleiermacher, Drechsler, Hauff. — 
Hermeneutik: Emesti, Morus, Bretschneider, keil, Grries- 
bach, Lücke, Gemer, Olshausen, Stier, Hopfher, Matthäi, 
Schleiermacher, Klausen, Wilcke, Rosenmüller, G.W.Meyer, 
Seyffarth. — Isagogik oder Kanonik(obenCap.14u.23). — 
Archäologie^: Bellermann, Jahn, Kosenmüller, Winer, 
Lohn, Haupt, Ackermann, Saalschütz. — Alterthümer der 
Hebräer: Wamekros, Bauer, De Wette, Pernau, Scholz, 
Lohnis. Heilige (kirchlich-religiöse) Alterthümer ins- 
besondere: Bauer, Bahr, George, v. Lengerke. Biblische 
Geographie: Rosenmüller, Klöden, Röhr, Lowisohn, Ges- 
sert. Moller, Melos, Behrends, Bräm, K. t. Raumer, Ro- 
binson, K. Ritter. Topographisches: Olshausen, Meier, 
Keil. Karten*: Berghaus , Kloden , Grimm , Kiepert. 
Biblische Naturgeschichte: Scheuchzer, Harris, Bo- 
chart, Celsius, Mead, Rosenmüller. Staatsverfassung: 



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Neununddreissigstes CapiieL Theologie, 341 

Michaelis und Saalschutz (Mosaisches Recht), Hüllmann. 
Häusliches Leben: Winer', Hartmann ^. Poesie und 
Musik: Lowth, Herder, Pfeiffer, Saalschütz, Schneider. 

Eine anschauliche Darstellung der neutestamentlichen Zeit 
gewährt die fingirte Reise: ,Helon's Wallfahrt nach Jerusa- 
lem 409 Jahre vor der Geburt des Herrn', vom Verfasser 
der ,Glockentone' (Ghd. F. Abr. Strauss), 4820 fg., eine 
Nachahmung von ,Voyage du jeune Anacharsis en Grece'. 

' Hand- und Lehrbücher von Auqvbti, Schöhb, Rhein wald, Lochebeb, 
B5HMEB, Pblligia, BiNTBBiM, Staudbhaieb, Siboel. — * Handatlas von 
Ackermann, ^Tbiland. — ' Handbuch der theolog. Literatur etc., 1, 444fg* — 
^ Die Hebräerin am Putztische und als Braut, 4809—40. Ein Gegenstudc tu 
B5ttioeb*8 Sabina. 

§. 567. Historische Theologie: Geschichte der 
Bibel: Niemeyer ^; des Volks Israel: Hess, Kühnol, Bauer, 
De Wette, Leo, Jost, Bertheau, Ewald, v. Lengerke (JtLe* 
naan^), Engelstoff, Tiele, Feldhoff, Planck, Köster, Knobel, 
Schneidler; des Lebens Jesu und der Apostel, zugleich 
mit der Geschichte der Gründung der Kirche (oben §. 298 u. 299). 

Kirchengeschichte: ihr Werth und ihre Bedeutung: 
Jortin, J.G. Müller, A. Hm. Niemeyer, Ulimann, Tittmann, 
Grieseler, Schleiermacher. — Die Geschichte selbst: Hege- 
sippos, 450, Eusebios, 324, Sokrates, Sozomenos, Theo- 
doretos und die Arianer . Philostorgios (5. Jahrh.), Theo- 
doros und Evagrios (6. Jahrh.) ^; in der lateinischen I^rche: 
Kufin^s Debersetzung des Eusebius, Sulpicius Severus (Anfang 
des 6. Jahrh.), Cassiodor und Epiphanius (,Historia tripartita') 
in der Mitte, Gregor von Tours gegen Ende des G. Jahrh. 
Im Mittelalter heben sich neben den Byzantinern Synkellos, 
Theophanes, Nikephoros Kallistos (im 14. Jahrh.) die 
abendländischen Chronisten heraus: Beda der Ehrwürdige, 
f 735, Paul Wamefried, f 799, Haymo von Halberstadt, 
f 853, Anastasius, f 886, Hm. Contractus, f 4054, Lam- 
bert von Aschaffenburg, f 4077, Sigebert von Gemblours 
(Gemblacensis), f 4442, Adam von Bremen (f um 4076) 
u. A.; dazu die zahlreichen Martyrologen und Legenden- 
schreiber. Nach dem Augsburger Beligionsfrieden (4555) 
unternahm eine Anzahl lutherischer Theologen zu Magde- 
burg, unter Leitung von Mthi. Flacius *, eine weitläufige 
und zugleich nach Rubriken geordnete Bearbeitung der 
Kirchengeschichte mach Jahrhunderten, die sogenannten 
^Magdeburger Conturien', 4559 — 74. Ihnen gegenüber er*- 



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342 Drittet Buch. Chresimodoktologie, 

•ehienen vom römischen Standpunkt aus die ,Annalen^ des 
Cäsar Baronius, 4588-^4607. 

Lutheraner: Kortholt, Ittig, Cyprian, Buddeus, Pfaff. 
Reformirte: Hospinian, Turretin, Jak. Hottinger, Jablonski. 
Katholiken: Natalis (Noel), Alexander, Henry, Bossuet, 
Tillemont. Mystiker: Arnold, Mosheim, G. Walch und Fr. 
Wdch, Semler. Pragmatische Geschichtschreibung: 
Planck, SpitÜer, SchrSckh, Henke, Schmidt, Danz, Gieseler 
(fortgesetzt von Redepenning 4855), Neander, Hase, Schleier- 
macher, Katerkamp, lütter, Locherer, Dollinger, Annegarn, 
Alzog u. y. A. 

Dogmengeschichte; ihr Werth: Emesti, Wachler, 
De Wette, Hgen, Augusti, Ziegler, Kliefoth. Sie ist erst 
seit Ernesti und Semler (4759) als besondere Wissenschaft 
behandelt: Münscher, Augusti, Bertholdt, Ruperti, Lentz, 
Baumgarten -Crusius, Engelhardt, K. Meier, Hagenbach, der 
Katholik Klee. Patristik (oben Cap. 24). — Symbolik: 
Augustin, ,De fide et symbolo', 393; doch erst die Refor- 
mation erzeugte ein klares Bewusstsein kirchlicher Gegen- 
sätze. Einleitungen in die symbolischen Bücher seit Carpzov, 
f 4657, Walch, Semler, Peuerlin, Planck. Ausgaben der 
SymboUschen Bücher: der lutherischen Kirche: Tittmann, 
Hase; der reformirten: Augusti, Mess, Niemeyer; der 
romisch -katholischen: Danz, Streitwolf und Kiener, Smets; 
der griechischen Kirche: Eommel. Comparative und kriti- 
sche Darstellungen kirchlicher Systeme: Planck, Marhei- 
neke, Marsch, Winer, Mohler, Baur, Nitzsch, Kollner, 
Guericke, Gobel, Rudelbach. — Statistik: Staudlin, 
Wiggers. Verfassungsgeschichte: Planck, Rothe. Sitten- 
geschichte: Tyge, Rothe, Marheineke, Wachsmuth. 
Kirchliche Reisen: Niemeyer, Fleck, Fliedner, Kniewel. 
Zeitschriften und Zeitungen. 

« Charakteristik der Pibel, 4775 — 95; neue A. 4 §30- — * Sie alle 
in der RBADiN0.VAi«B8i8CHi!f Ausgabe, 4720. — ' Illtrious; &ber ihp 
TwBQTBM, 4844. 

§. 568. Die Dogmatik ist das geistige Band zur Ver« 
knüpfiing des exegetischen, historischen und dogmatischen 
Studiums. Ihre Literatur: Doderlein, Monis, Tieftrunk, 
Eckermann, Henke, Storr, Schmidt, Staudlin, Reinhard, 
AmmoB, Daub, Aygusti, Schott, Wegscheider, Klein, Bret 
Schneider, De Wette, Marheineke, Schleiermacher, Twesten, 



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NeunuHddrei9tig9le4 CapU^ Theologie, 343 

Hase, Koapp, Halm 9 TsBchimer, BaamgAiiea-Craaius, 
Gelbke, Steudel, Lange, Mynster, StrauBs^ Cheneviere, 
Böhmer, Schmidt, Schweizer. Katholische Lehrb&cher yoa 
Brenner, Thanner, Hermes, Baader ^ Klee, Staudemnaier. 
Biblische Dogmatik: Ammon, G.Lr« Bauer, Bretschneider, 
Cludius, Kaiser, De Wette, Baumgarten-Crusius, Colin, 
Watke, Br. Bauer. Christliche Dogmatik: Einleitungen 
in dieses Studium yon Baumgarten-Crusius, Fischer, Mynster, 
Rust, Kling, Alihn« Schleiermacber, der die Dogmatik in der 
historischen Theologie unterbringt, hat gleichwol ein eigenes 
Grebiet der philosophischen Theologie aufgestellt, das 
ihm in der Apologetik und Polemik aufgeht. Zur Apologetik: 
Heubner in Ersoh und Grubcr^s ,Allgemeiner £ncyklopädie% 
Schmid, Lechler, Hirzel, Nösselt, Lesi, Jerusalem, Haller, 
Kleuker, Paley, Hensler, Franke, Planck, Stein, Erskine, 
Sack, Steudel, Stirn, Drey. Ihre Geschichte von Tzschimer. 
Zur Polemik und Irenik: Planck, Marheineke, Sack. 

Lehrbegriff einzelner biblischer Personen und 
Schriftsteller: Hengstenberg^s ,ChristologieS Böhmens 
,Beligion Jesu% Kleuker^s , Johannes, Petrus und PaidusS 
Schmid, ,De theologia Johannis^ Köstlin, ,Lehrbegriff und 
Briefe Johannis^ Frommann, ,JohanneiBcher Lehrbegriff % 
Usteri und Dehne, ,Paulini8cher Lehrbegriff*, Weiss, ,Petri- 
nischer Lehrbegriff^ 

Mayer, ,Historia diaboli% 1780. Flügge, ,Greschichte des 
Glaubens an Unsterblichkeit', 1794. Simon, ,Geschichte 
des Glaubens nichtchristlioher Volker an eine Fortdauer', 
1803. Wiessner, ,Lehre der vorchristlichen Welt von der 
Seelenfortdauer', 1821. Simon, ,Das Gebet alter und neuer 
Volker*, 1799. Stäudlin^ ,Geschicbte der Vorstellungen und 
Lehren von dem Gebet', 1824. Andrea, ,Die Todtengebräuche 
der verschiedenen Volker', 1845. 

§. 569. Die Sittenlehre ist viel weniger Veränderungen 
unterworfen gewesen als die Glaubenslehre, denn die Pflichten- 
lehre im Einzelnen blieb fiäst immer dieselbe und nur die An- 
sicfateli über die sittlichen Anlagen das Menschen, die Heili- 
gung imd die Mittel da^u, sowie der allgemeine Satz, aus 
welchem man philosophisch die einzelnen Pflichten abzuleiten 
suchte, gestalteten sich zu verschiedenen Zeiten anders; jene 
hauptsächlich nach dem Princip der herrschenden Dogmatik, 
diese nach der Philosophie *. 



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344 DriUes Buch, Chre$modokiologie. 

Die Scholastiker seit dem 4 2. Jahrh. bearbeiteten die Moral 
zuerst wissenschaftlich: Petrus Lombardus, Alx. ▼. Halee, 
Th. T. Aquino, Bonaventura; aber erst Lb. Donäus xuaäi 
G. Calixtus erhoben sie seit 4634 zu einer Wissenschaft; 
seitdem Reinhard, Schmid, Ammon, Staudlin, De Wette, 
Schwarz, Flatt, Baumgarten -Crusius, Bruch,- Sartorius, 
Kahler, Harless, Merz, Schleiermacher. Populäre Werke von 
De Wette und Geizer. Katholiken: Sailer, Schreiber, Hirscher. 
Ueber christliche Erziehung: Schwarz, Heinroth. 

Die Ascetik der Stoiker, Essener, Therapeuten und 
einiger gnostischen Sekten, des Apostels Paulus, der ersten 
Christen, des Monchswesens , der Protestanten (Tugend- 
fibung). Melanchthon^s Ethik, 4550. Die Theorie von der 
Erbsünde und der Gnade (Augustin und Pelagius). Die 
disciplinarischen Gesetze, die Ponitenzen und der Ablass. 

Ausbildung der Casuistik (nach Kant: Dialektik des 
Gewissens) im Interesse des Klerus durch Raym. de Penna- 
forte (,Summa Raymundiana^) , den Franciscaner Astesanus 
(,Summa Astesana^), den Dominicaner Bm. de St-Con- 
cordia in Pisa (, Summa Bartholina^), die Jesuiten Escobar, 
Sanchez und Busembaum (Probabilismus) und die Mystiker. 

I Vatbh, Dm Verhaltnitf der philofophischen zur christlicben SitlCT- 
lehre, 4830* Sohrbibsb, Dm Princip der Moral in philosophischer, theo- 
logischer I ohriitlioher und kirchlicher Bedentnng, 4827. Delitzsch, System 
der biblischen Psychologie, 48ÖÖ. 

§. 570« »Ueber das Verhältniss der praktischen Theo- 
logie zur wissenschaftlichen und ihre Eintheilung: Baur, 
K. Im. Nitzsch, Schweizer: A) Theorie des Kirchenregiments; 
B) Theorie des Eirchendienstes: 1) Theorie des Cultus: 
Liturgik und Homiletik; 2) Pastoraltheologie (Seelsorge), 
und zwar pfarramtUche und freie; 3) Halieutik (Theorie 
der gewinnenden Thatigkeit): Katechetik und Theorie des 
Missionswesens. 

Bbistb , Die bedeutendsten Kanzelredner der altem lutherischen Kirche 
in Biographien etc., 4. n. 2. Lief., 4856. 

Anweisungen zur Führung des geistlichen Amtes 
finden sich schon in -den Pastoralbriefen des Neuen Testa- 
ments und bei den apostolischen Vätern; femer bei Nie- 
meyer, Ghräffe, Schlegel, Schwarz, Kaiser, Hüffell, Danz, 
Koster, Harms, Haas, Marheineke, Kromm, Graf. Liturgik: 
Ehrenfeuchter, Scheibler, Kahler, Gass, Horst, Fritsoh, 
Funk, Fessler, Kapp, Vogelin, Höfling, Vetter, Klöpper, 



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Newmnddreiasigsiea CapUel Theologie, 345 

Seisen, Ebrard. Homiletik: Dittenberger, Schott, Ammon, 
Tittmaun, Marheineke, DaU, Theremin, Kaiser, Grotefend, 
Cheneviere, A. G. Schmidt, Sickel, Stier, Brand, Zerbl, 
Ale, Palmer. Katechetik: Rütenick, Gräffe, Dinter, Daub, 
Schwarz, Thierbacfa, Stern, Hirscher. Pastoraltheologie ^: 
Schweizer, Karsten, Hüffell, Hupfeld, Dittenberger, Eothe, 
Wyss, Zyro, Nitzsch, Kjrünitz, Kindervater, Mirow, Jacobi, 
Strauss (,Glockentone'), Tobler, Sailer, Planck, Schröter^ 
Haglsperger, Hoffinann, Küeff, Burk. Pädagogik: Nie- 
meyer, Schwarz, Krummacher, Deuzel, Thilo, Heinroth, 
T^^Umsen, Harnisch, Diesterweg. Pastoralmedicin: Krause^ 
Mezler, Yering, Schreger, Bluff, de Yalenti, Macher, Posner. 
Armenwesen: Degerando, Villeneuve-Bargemont, Duchatel 
undNavüle, Wohlfahrt. Landokonomie der Geistlichen: 
Oemler, Schwabe, Krunitz. Theologisches Kirchenrecht: 
Pfaff, Florke, Böhmer, Mosheim, Wiese, Schuderoff, Schmalz, 
Walter, Stephani, Eschenmayer, Krug, Pahl, Eichhorn, Bickell, 
Kettig 7 Grolman, Klee, Stahl, Puchta, Richter, Bluntschli, 
Mejer; fardiepreussischeKu*che: Bork; fiir die schweizerisch- 
reformirte Eärche: Meyer, Zyro, Bluntschli, Hundeshagen. 

1 HuLLiUNK, Jus pontiScium Rom., 4837* 

§. 571. Den Namen der Encyklopädie führte Mur- 
sinna (f 1795) in die Theologie ein, während ihn Juristen 
(Pütter) und Mediciner (Boerhaave) bereits für ihre Wissen- 
schaften zu brauchen angefangen hatten. Chrysostomos, ,n6pt 
£spoöTJv7](;% Augustin, ,De doctrina christiana', Ambrosius, 
,De officiis ministrorumS Cassiodor, ,De institutione divi- 
narum literarum', Rhabanus Maurus, ,De clericorum institu- 
tione', Gerson, ,De reformatione theologiae', N. von Cle- 
mange, ,De studio theologico', Erasmus, ,Ratio s. methodus 
compendio perveniendi ad veram theologiam' (vor der 2. Aufl. 
des Neuen Testaments, 1519), Melanchthon, ,Brevis ratio 
discendae theologiae^ A. Hm. Francke, 1708 — 23 (über ihn 
Guericke, 1827), Mosheim, Semler, Herder, Nosselt, Planck, 
Kleuker, Daub, Schleiermacher, Berthold, G. S. Pranke, 
Staudlin, Danz, Rosenkranz, Harless, Lange, Pelt, Ciarisse, 
Kienlen, Bickersthal, Schaden, Hagenbach. Katholiken: 
Denina, Gerbert, Braun, Brandmeyer, Rautenstrauch, Ober- 
thür, Drey, Klee, Staudenmaier. 

Schwarz , Zur Geschichte der neuesten Theologie , \ 856 ; dazu 
K. Rosenkranz im Deutschen Museum, 4856, Nr. 35. 



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346 DtiUeM Buch. ChresimodokMogie. 

Vierzigstes CapiteL 

Historik. 

§. 572. Diesem Gebiete gehören eigentlich sämmtliche 
Wissenschaften an, da es ansser Gott nur Geschichte gibt. 
Das Wort Geschichte braucht man zunächst yon Allem, 
was geschehen ist, also yon allen Begebenheiten, die sich 
im Räume und in der Z^eit zugetragen. Ihr Gegenstand ist 
die Natur und innerhalb derselben vorzugsweise der Mensch. 
Die Greschichte des Menschen, worauf dieser Begriff zunächst 
beschränkt zu werden pflegt, zerfallt in Biographie, Special- 
öder Particular- und in allgemeine Geschichte, und letztere 
wiederum, nach einem äussern Eintheilungsgrunde, in die 
der Vergangenheit (Geschichte im engern Wortsinn) und 
der Gegenwart (Staatenkunde, auch wol Statistik genannt); 
oder, nach einem innem £intheilimgsgrunde, in die Ge- 
schichte der verschiedenen Arten , wie die menschliche Thä- 
tigkeit sich äussert, oder worauf sie sich richtet: mechanisch 
oder Geschichte der Erfindungen (Beckmann, Busch, Poppe), 
politisch oder Staats-, Kriegs- und Rechtsgeschichte, cultur- 
historisch oder ästhetisch, scientifisch (Meusel), religiös und 
moralisch. 

B6hs, £nt¥mrf einer Propädeutik des historischen Studiums, 4844. 
Beck, Anleitung zur genauen Kenntniss der allgemeinen Welt- und Völker- 
geschichte, Torzüglich für Studirende, 4788 — 4843. Waghleb, Geschichte 
der historischen Forschung und Kunst seit Wiederherstellung der literari- 
schen Cultur in Europa, 4842. Ders., Von der sittlichen Wirksamkeit 
des Studiums der Geschichte, vor der vierten Ausgabe des Lehrbuchs der 
Geschichte, 4828. Tittmann ^ Ueber Erkenntniss und Kunst in der Ge- 
schichte, 4847. Wachsmüth, Entwurf einer Theorie der Geschichte , 4820. 
W. V. Humboldt, Ueber die Aufgabe des Geschichtsforschers, 4822. 
Gbrvinus, Grundzüge der Historik, 4837. Vibtz, Das Studium der all- 
gemeinen Geschichte, 4844. Mbrleker, Die historischen Schuldisciplinen 
etc., 4834—35. Ders., Leitfaden zu Vorträgen über die allgememe Welt- 
geschichte» 4835 u. 4840. Ders., Klio, 4848. 

§. 573. Historische Hülfswissenschaften: Sprach- 
kunde (Adelung, Vater, de Sacy). Philosophie (Kant). 
Staatswissenschaften (allgemeine Statistik, PoKtik: allge- 
meines Staatsrecht, Justiz und Polizei, Diplomatie, Kriegs- 
wesen). 

Historische Grund- oder Elementärwissen'^ 
Schäften: Chronologie (mathematische und historische), 
Geographie (reine und historisch -politische), Ethnologie, 



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Viemgste9 Capilel. mtorik. 347 

Genealogie, Heraldik und NunuBmatik , Epigmphik und 
Diplomatik, Scb^stell^rkunde (was versteht man unter 
Quellen der Geschidite, und in welche Rangclassen werden 
sie getheüt?). 

Historische Kunst (Lukianos: ^U&q StCbro^ov miy^pdc- 
9etvS Ghd. J. Voss, G. P. Creuzer). Historische Wahrheit; 
eine Geschichte ohne sie vergleicht Polybios (I, 44) mit 
einem Thier ohne Augen. ,Prima est historiae lex, ne quid 
falsi dicere audeat, deinde, ne quid veri non audeatS und 
nach Tacitus: ,Fraecipuum aanalium munus reor, ne virtu- 
tes sileantur, utque pravis dictisque factisque ex posteritate 
et infamia metus sit.^ Methoden historischer Darstellung: 
ethnographisch , geographisch , synchronistisch , chronolo- 
gisch, die pragmatische des Polybios (TcpttYptaTix*^«; Ccrcopta^ 

OTCoSst^l^)* 

§. 574^ Die Geschichte geht aus der Tradition hervor 
und hängt als Geschicbtschreibung vorzugsweise von 
der Staatsverfassung ab, darum gedeiht sie in despotischen 
Staaten nicht. Bei den Griechen wurde sie schon in der 
Periode der Freiheit durch Herodot (allgemeine Geschichte), 
Thukydides (Geschichte seiner Zeit) und Xenophon (Ge- 
schichte eigener Thaten und Biographie) nach allen Haupt- 
formen ausgebildet und hat deshalb keine weitern Fortschritte 
machen können K Die Leistungen der einzelnen Volker in 
der Historiographie sind im zweiten Buch nachgewiesen. 

i C]tEUZER, Historische Kunst der Griechen,^ 4803 u. ISiS. UtBici, 
Charaktensftik der antiken Historiographie. Vossius, De hist. Graecis, 4654 ; 
none Aufl. von Westbrmann 4838. 

§. 575. Eine Culturgeschiehte kannte das Alterthum 
nicht, wenn auch jnehre Aristoteliker, namentlich Theophrast, 
Dikäarch, das sittliche Leben der Volker zum Augenmerk 
nabnen. J. Vico wurde i 725 der Bahnbrecher fiir die cultur- 
historische Auffassung der Geschichte K Seitdem arbeiteten 
für dieses und auf diesem Gebiet: Voltaire, 4753 und 1756 
(ein mystisches Gegenstück dazu von Molitor, 4827), Goguet, 
4758, Vierthaler, 4787, Majer, 4798, Gmber, 4806, Guizot, 
4828, Adelung, 4802, Gotsch, 4803, Wachsmuth, 4834,. 
4850—52, Drumann, 4847, Klemm, 4847. Als Geschichte 
der Menschheit bearbeitet von Deutschen, theilweise auch 
Ton Engländern und Franzosen: Iselin, 4764, Herder, 4785, 
Meiners, 4786, Eggers, 4786, Jenisch, 4804, Carus, 4809, 



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348 Dritits Buch, Chresimodoktoiogie. 

Kolb, 4843, Apelt, 1845; Fergason, 4766, Home, 4774, 
Dunbar, 4780, Walckenaer^ 4798. Verwandter Tendenz: 
Weishaupt, 4788, Condorcet, 4795. Als Philosophie der 
Geschichte besonders von Deutschen: Koster, 4775, Les- 
sing, 4785, Kant, 4784 (und die Frage: ob das Menschen- 
geschlecht in beständigem Fortschreiten zum Bessern be- 
griffen sei? 4798), Pölitz, 4795, Ancillon, 4796, Buchhok 
(,Dar8tellung eines neuen Ghrayitationsgesetzes für die mora- 
lische WeltS 4802), Fichte, 4806 (dazu als Caricatnr Stutz- 
mann, 4808), Windischmann, 4827, F. t. Schlegel, 4829, 
Hegel, 4837, t. Cieszkowski, 4838, K. Hermann, 4849, 
Eisenhart (,Philo8ophie des Staats^), 4843. 

> In teinen Principj di una scienza nuova intorno alla natura delle 
nazioni; deutsch von Weber 4822* Zur franzosischen Cultargeschichte 
Mabce und Majton 4855. 

§. 576. Die historische Chronologie führte Ephoros 
in die Geschichte ein. Scaliger, ,De emendatione tempo- 
rum% 4583, nennt die Chronologie die Seele der Geschichte. 
Petavius, 4583—4652. Larcher, 4726—4843. Gatterer, 4727 
— 99. Volney's ,Chronologie des Herodot', 4 808. Lalande, 
4759—4806. Hegewisch, 4740—4842. Ideler, 4825—26. 

Die Chronologen sind speciell nachgewiesen von Mbrlbker: Die histo- 
rischen Schuldisciplinen , Cap. 2; Lehrbuch der Ustorisch • comparativen 
Geographie, Cap. 5; Kosmogeographie, Cap. 3. 

§. 577. Die Genealogie wurde in Frankreich durch 
Duchesne, in England durch Dugdale, in Deutschland 
durch Rittershusius (f 4670) in Altorf und Spener (f 4730) 
in Wittenberg bearbeitet, zur Wissenschaft durch Gatterer 
4788 erhoben. Es folgten Pütter, Koch, Voigtel, Dou- 
glas, Betham, Gordon. Der ,Gothaische genealogische Hof- 
kalender^ seit 4787, Gottschalk^s ,Genealogisches Taschen- 
buch' seit 4832. 

§. 578. Die Heraldik (Heroldskunst) wurde in Frank- 
reich seit der Mitte des 47. Jahrh. von GeUiot, Pelliot und 
Menestrier, 4662, zuerst wissenschaftlich behandelt; in 
Deutschland erschien 4527 Eüxner^s ,Tumierbuch% 4690 
Spener^s ,Insignium theoria^ lieber Münz-, Siegel- und 
Wappenkunde: Schmeizel, 4723, Gatterer, 4773 und 4792, 
Siebmacher, 4605 und 4772— 4806, Dorst, 4843—47, Bernd, 
4830—44, Kohne, 4«44— 42. 

§. 579. Zur Sphragistik: Heineccius, ,De siglis ve- 
terumS 4709, und Manni, ,Sopra i sigilli antichi', 4739. 



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Vi^rsigMes Capüel Bhtorik. 349 

Das Werk von Kohne: ,Müqz-, Siegel- und Wappen- 
kundeS ^841. 

§. 580. Die erste Anleitung zur Numismatik oder 
vielmehr zum Münzsammeln gab 4577 der Spanier Ant. 
Agostino in seinen fast in aUe Sprachen übersetzten ^Dialogen^ 
Jacobo Strada und Octavio Strada regten in Italien für das 
Sammeln an. Wfg. Lazius (Leibarzt bei Kaiser Ferdinand I. 
um 4560) machte zuerst Anwendung von den römischen 
Münzen zur Erläuterung der Geschichte. Hb. Goltz beach- 
tete zuerst auch die griechischen Münzen. Forschungen von 
Yaillant, Spanheim, Pellerin, Eckhel, Sestini, Mionnet, 
Frähn, Mader, Lelewel. 

SoHLiOHTBOROLL, Gesohichte des Studiums der alten Münzkunde, 4844« 
Gbahabd^s Archäologische Zeitung. Wubm, 0e ponderum, nummorum et 
mensurarum rationibus apud Rom. etGraec, 4824> Böckh, Metrologische 
Untersuchungen über Gewichte, Münzfüsse und Masse des Alterthums, 4838* 
Ueber byzantinische Münzen Saulcy und FriedlXndeb; über asiatische 
(mohammedanische) Dobn und Sawbljew in Petersburg. Zur Geschichte 
der Metallurgie W. Jones, Inquiry into the grecions metalls, 4834. 

§. 581. Sammlungen fiir die Epigraphik begannen 

schon im 17. Jahrh. : Ferreti, Falconer, Smet, Gruter, 

Reinesius, Fleetwood, Gori, Gudius, Mnratori, ChishuU, 

Pococke, Mazocchi, Chandler, Paciaudi, Biagi, Marini, 

Torremuzza. Inschriften des Alterthums von Osann, 4822, 

Bockh und Franz, 1828 fg., Welcker, Orelli, Franke, 

Ribhter. 

Kopp, Palaeographia critica, 4847 — 29. Fbanz, Elementa epigra- 
phices Graec, 4840. 

§. 582. Für Diplomatik (verschieden von Diplomatie): 
Leuber, Conring, Papebroek in Antwerpen, 1675, Mabil- 
lon, 1681,'Maflfei, 1727, Heumann von Teutschenbrunn, 
1745—53, Toustain und Tassin, 1750 — 65 (deutsch von 
Adelung *und Rudolph, 1759—69), Gatterer, 1798, Schone- 
mann, 1800 fg. Die Grundsätze über die zweckmässigste 
Anordnung der Archive sind erst in neuerer Zeit, nament- 
lich von Oegg, 1804, und Oesterreicher, 1806, als Archiv- 
wissensqhaft besonders behandelt worden. 

Zeitschrift für Archivkunde, Diplomatik und Geschichte von Höfer, 
Ebhabd und Mbdem seit 4833. GnaLANT, Diplomatisches Handbuch etc., 
1856. 



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350 Drittes Buch. Chresimodoktolagie. 

Einundvierzigstes CapiteL 

Geographie. 

§. 583. Geographie und G-eschichte sind so eng ver- 
schwistert, dass man jene die Fackel der Geschichte, diese 
das Auge der Geographie genannt hat. Die Entdeckungen 
der einen erweitem die Grenzen der andern. Zugleich leitet 
die Geographie, nach der Aujffassung K. Ritter's, von der 
Geschichte zu den Naturwissenschaften über. Eintheilung 
in die allgemeine oder reine (mathematisch-astronomische 
und physische) und in die historisch -pölitisdte Geographie. 
Meine ,Kosmogeographie*' (1 848) enthalt folgende XJnterabihei- 
lungen: 4) Kosmologie (Kosmogonie und Kosmographie 
oder Astronomie); 2) Geologie: a) Atmospharologie (Kli- 
matographie, Fhytogeographie, Therogeographie, Meteoro- 
logie); b) Hydrologie (Hydro- und Oceanograpbie, Potamo- 
graphie, Limnographie); c) Geistik (Tbetik, Magnetologie, 
Oro- und Planologie, Nesogeographie); 3) Topik oder 
Chorographie; 4) Ethnologie und Ethnographie ^; 5) hi- 
storisch-politische Geographie (Uebergang zur Stati- 
stik und Staatenkimde). Die Geschichte der Geogra- 
phie ist zugleich eine Geschichte der geographischen Ent- 
deckungen, der Schiffahrt, des Handels und der Colonien*. 

1 T. ZiMMBBMANN, Geographische Geschichte der Menschen , 4778» and: 
Die Erde und ihre Bewohner, 4840* Bbbohaus, Allgemeine Länder- und 
Völkerknnde,. 4846fg., und: Die Völker des ErdbaUs, 4846 — 47. — * Bbck- 
tCANMf Liteiufear der Reisebeschreibungeii, 4807 — 4 0. Bbbohaus, Geschichte 
der Schiffahrt, 4792* Geschichte des Handels Yon Anderson 4763 
(deutsch 4773), von Hoffmann 4844, H6llhann (der Griechen, 4839). 
Ambilvoit, Hist. du commerce etc. sous le regne des Ptolem., 4766^ 
SpBENfittL,. G^sdiiehte der wichtigsten geographischen Entdeckungen (bis 
4542), 2. Aufl., 4792, Maltb-Brun 4842, Zbunb 1844. Mbrlbkbr, Lehr- 
buch der historisch- comparativen Geographie, 4 839 — 43 ; Buch I: Geschichte 
der Geographie, 4839. Löwbnbbr«^, Geschichte der Geographie, 4840. 

§. 584. Obgleich die Geographie in ihren drei Haupt- 
theilen durchaus von andern Wissenschafken abhängig ist, 
in dem mathematischen Theile von der Astronomie, in 
dem physikalischen von den Naturwissenschaften, endlich 
in dem historisch -politischen Theile von der 6eschi<^te 
und Staatskunde, so hat dennoch K. Ritter in der compa- 
rativen oder vergleichenden Geographie eine eigene 
Wissenschaft hervorgerufen, welche die grossen Gebiete 



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Einmkhierxi^ttes CäpiteL Geographie. 351 

der Historie^ Staatsknnde und tellurischen Physik umfasst. 
Seine Nachfolger sind Reichard, Kärcher, Schirlitz, BiUer- 
beck und Sickler, Berghans, Selten, Hochstetter, Zeune, 
Vogel, Reuscher, Voigt, Schach, Eougemont, Denaix, 
Volger, Merleker. Unter seinen Vorgängern wax Ptolemäos 
durch 4 4 Jahrhunderte der Lehrmeister der Araber und Ger 
manen; Vadianus begründete 4518 die geschichtliche Bear- 
beitung der Geographie; Seb. Münster erwarb Bich durch 
seine ,Cosinographia^ 4514 den Beinamen des neuem Strabo. 
Kopernicus' Werk ,De revolutionibus corporum coelestinm^ 
erschien 454ä, Kepler^s ,Astronomia^ 4609, seine ,Harmo- 
niees mundi lib. V^ 4649. Cp. CeQarius wurde 46M mit 
seiner ,Geographia antiqua^ der eigentliche Bahnbrecher in 
der Bearbeitung der Geographie des Alterthums; ihm folg- 
ten d'Anville, 4782, Dureau de Malle, DeliUe, Voss, 4780 
(jOrtjgia'), Mannert, 4788, Gosselin, 4790, Heeren, Ukert 
u. A. Junker's ,Anleitung zur Geographie der mittlem 
Z^ten% 4742. Büscbing ist 4754 Begründer der wi8S.en- 
schaftlichen neuem Geographie. Auch die vergleichende 
Geographie fand schon 4784 in Mentelle einen Bearbeiter- 
Gatterer strebte 4793 nach naturgemässer Bearbeitung der 
Geographie. Kant's ,Physische Geographie', 4802. Zeune's 
,GäaS 4808. Seitdem Linne (4 707—78) und Buffon (4707 
— 88) das Studium der Natur mit philosophischem Geiste 
erfesst, Werner (4750—4847) und Lp. v. Buch das Stu- 
dium der Geologie, Blumenbach (4752 — 48S8) die Verbrei- 
tung des Menschen nach localen Bedingungen, Zimmermann 
(4743 — 4845) die geographische Verbreitung der Thiere, 
Abc V. Humboldt und Schouw die geographische Verbrei- 
tung der Pflanzen in das Gebiet der Geographie einzufuhren 
wussten, ist die Literatur der physikalischen Geographie, 
deren Begründer der Franzose Bmaehe, 4745, und der 
Schwede Bergmann, 4773, sind, zu einer überraschenden 
Fülle angewachsen: Hoffinann, Kämptz, Ber^ieius, K. v. 
Raumer u. A. Für mathematische Geographie : Bode, 
Schmidt, Littrow, Mä^liar. Das aus 23 Banden bestehende, 
bei keiner Nation in Reichem Umfange anzutreffende geo- 
graphische Werk von Hassel, Guths Muihs, Cimnabicb, 
Ukeri, Gaspari u. A. Geographische Gesellschaften z» Paris 
4849, Berlin 4828, London (Royal geogr. Society) 4830. 
Pbtermann, Mittheilungen aas der geogr. AnstaH von J^vrtmbb, 



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353 DriHis Buch. Chresimodoklologie. 

§• 585* Die Kartographie weist Landkarten nach seit 
Auaximander (600 v. Chr.). Der x^^^^^^ icivo^ des Aii- 
stsgoras soll eine Arbeit des Hekatäos von Afilet gewesen 
sein. Globen hat man seit Archimedes (220 v. Chr.) nnd 
Poseidonios. Die Benennung Atlas ist durch d^i Erfinder 
einer verbesserten Projectipnsmethode Gh. Kaufmann (Mer- 
cator), 1680, eingeführt. Seekarten des Spaniers Nonez 
(f i 577) und Wright^s. Karten von Giovanni Domenico Cassini 
und J. Bapt. Homann, 4 731 — 60 ^ Die brauchbarsten Atlanten 
der neuesten Zeit sind: für die Kosmologie der Himmels- 
atlas von Bode (nebst denen von Littrow, Madler und 
Rieding), für die Geologie der physikalische von Ber^iaus 
und der ohorographische von v. Lichtenstem, für die 
historisch-politische Geographie die von v. Spruner, Lowen- 
berg, Stieler, Kiepert, Beichard, Kruse, Arrow-Smith, 
K&hle V. Lilienstem, Worl, Reymann, Grimm, Sohr u. A.*. 
Die Reliefkarten. 

^ Santabvm, Essai sur Thist. de la cosmogr. et de la cartographie etc., 
4849* LvLVWBL, Geogr. du monde a 4854. — ' Borbstädt, Allgemeine 
geogr. und Statist. Verhältmsse in graphischer Darstellung, 4846. 



Zweiundvierzigstes Oapitel. 
Naturwissenschaften. 

§. 586. Je nach der Art der Stoffe ^ ihrer Yerbindnngen 
und Wirkungsweisen, die als Object der Untersuchung dienen, 
hat man das Studium der Natur in einzelne Doctrinen ge- 
sondert, die aber allseitig ineinander greifen und in Wahr- 
heit nur ein Ganzes bilden. Alx. y. Humboldt^s ,Kosmos^ 
strebt danach, diese Disciplinen im allgemeinen Zusammen- 
hange zu zeigen, die Astronomie, Geognosie und Geologie, 
Mineralogie, Physik, Chemie, Phytologie, Zoologie, Anthro- 
pologie, Biologie. 

CoTTA und ScHALLBB, Briefe Über den Kosmos» 4848 — 52. Elbhckb, 
Naturbilder aas dem Leben der Menschheit, in Briefen an Alx. v. Humboldt. 
Brown, Geschichte der Natur. Bükmeisteb, Geschichte der Schöpfung. 
ÖBSTED, Geist in der Natur. Volgbb, Schule der Naturgeschichte, 4854. 
Lacbp^db, Vue generale des progr^s des sciences nat., 4822. Cüyibb, 
Hist. des sciences nat. depuis leur origine , 4 844 , neue Ausg. von St.-Aoy, 
4845. Zur Geschichte der Erfindungen: Beckmann, Busch und Dobndobf. 
Engblmann, Bibl. mechanico-technologica, medico-chirurgica, pharmacento- 
chemica, 4834 fg. L. Boss, Bibl. physico-medica for die Zeit von 4824 an. 
Fbauen STADT, Die Naturwissenschah in ihrem Einfluss ^nf Poesie, Religion, 
Moral und Philosophie, 4855. 



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Zweiundmermgstes CapUelr NfUurwisienschaften, . 353 

§. 587. Die Astronomie zerfiUlt in die sphärische, 
physische, theoretische oder praktische (Uranoskopie), in 
die geographische und nautische. Ihrem Gebiet gehören 
auch die astronomische oder mathematische Chronologie, 
die Geodäsie imd Grnomonik an. Sie beruht auf der Mathe- 
matik, Mechanik, Optik und Physik und würde nicht im- 
passend Physik des Himmels heissen dürfen, wie Laplace 
sie Mechanik des Himmels genannt hat K £ine wissen- 
schaftliche Bearbeitung der Astronomie ging erst aus der 
alexandrinischen Schule hervor*. Der eigentliche Vater 
der Astronomie und grosste Astronom des Alterthums ist 
Hipparchos aus Nikäa (f 125 v. Chr.), zugleich Urheber 
der stereographischen Projection. Sammler und Bearbeiter 
der gesammten Astronomie des Alterthums ist Ptolemäos 
(460 n. Chr.), nach welchem auch das System der Planeten- 
bewegungen benannt ist, dessen Verworrenheit Konig Al- 
fons X. (der Weise) von Castilien (1252 — 82) so charak- 
terisirt: si a principio creationis dei altissimi consilio inter- 
fdisset, nonnulla melius ordinatiusque condita fuisse. Die 
Reformen dieses Systems erfolgten durch Kopernicus (1472 
— 1543), Kepler (1571—1630), Galüei (1564 — 1642) und 
Newton (1642 — 1727) in seinen ,Principia mathematica phi- 
losophiae naturalis'. Damit war die Gesetzgebung des Him- 
mels beendigt, und die spatem Astronomen haben nur die 
Beweise liefern dürfen: Herschel, Bessel, Laplace (,Meca- 
nique Celeste'), Gauss (, Theoria motus corporum coele- 
stium') u. A. 

> Ihre Geschichte you Wbidlbr n41 , Baixlt 4775, Delambbb 4817, 
liAPLACB. Lehr- und Handbücher von Biot, Lalandb, Schcbbrt, Dk- 
tAMBBB, WooDHOüSB, Bbandbs , LiTTRow, PiAzzi (deutsch von Weslphal)^ 
Madleb. — * Schaijbach, Geschichte der griechischen Astronomie bis 
Eratosthenes, 4802. 

§. 588. Die engverschwisterten Wissenschaften der 
Geognosie und Geologie verdanken erst der zweiten 
Hälfte des 18. Jahrh. ihren Ursprung*. Werner (1750 — 
4817) ist Schopfer der Geognosie. Seine Ansicht des 
Neptunismus vertraten Saussure (1740 — 99)*, Charpentier, 
Kühn, Voigt. Dagegen wurde durch Hutton, Breislak, 
Elie de Beaumont, Lp. v. Buch u. A. der sogenannte 
Plutonismus geltend gemacht \ Die Oryktologie oder 
Petrographie , einen Theil der Geognosie, forderten Oeyn- 
hausen, V. Dechen, Naumann, Bronn ^, Alx. Brongniart, 

Merlskkr. S3 



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354 Drilles Buch. Chretimodoktologie. 

Beudant, Dufrenoy, Murchison, Buckland*, Conybeare, 

M'Culloch, Sedgwick, Scrope. Die Gletschertheorie von 

Agassiz, Hugi und Petzholdt. Für die Flora der Urwelt: 

Stemberg, Brongniart, Göppert und Cotta. Für Knochen 

höherer Thiere: Cuvier, Kaup und Jäger, Koch®. Für 

Fische: Agassiz. Für Conchylien u. s. w.: Sowerby, Brocchi, 

Deshayes, Goldfiiss, Bronn, v. Buch, Graf Münster (dessen 

reiche Sammlung in München). Für besondere Gegenden 

und Gebirge: Saussure für die Alpen (auf dem Montblanc, 

1787); Pusch für Polen; v. Zieten für Würtemberg; Römer 

für Norddeutschland; v. Buch für die Canarischen Inseln; 

derselbe und Hausnutnn für Norwegen und Schweden; 

Wahlenberg für die Karpaten u. s. w. 

> Lehrbücher von Lbovhard, Lyell (deutsch Ton Hartmann)^ Bhd. 
Cotta, Mantell. Cdtieb, Disc. snr las revol. de la sorface da globe, 
6. A., ^830 (deutsch von Nöggerath 4830). v. Hopp, Geschichte der 
durch Ueberlieferung nachgewiesenen Veränderungen der Erdoberfläche, 4 82?. 
Link, Urwelt und Alterthum, 4824 u. 4834. Waqneb, Geschichte der 
Urwelt, 4844. F. Hoppmann, Geschichte der Geognosie, 4 838. ■ — ^ geine 
Voyages dans les Alpes, 4Bde., 4779 — 96- — ^ Systeme von Keperstbin, Boij^, 
Alx. V. Humboldt u. A. — * Geschichte der Natur und Lethaea geögno- 
stica, 4834 — 38. — ^ ßgiiquij^g diluvianae , 4 823. Bopp, Diluvium, 4 S29. 
Geinitz, Versteinerungslehre, 4846. — ^ Die Riesenthiere der Urwelt, 4845. 

§. 589. Die ersten Versuche wissenschaftlicher Behand- 
lung der Mineralogie machte G. Agricola im 16. Jahrh. 
Systeme der Schweden Wallerius, 1772, und Cronsted, 1758. 
Wemer's empirische Methode der Mineralbeschreibung. 
Hauy's Untersuchungen über die Kry stallformen. Die natur- 
historische Methode von Mohs, Jameson, Allan, Heidinger, 
Breithaupt. Die chemische Classification von Berzelius, 
y. Kobell und Blum. Der Isomorphismus von Leonhard, 
Beudant, Weiss, Naumann. Für Krystallographie: 
Weiss, Rose, Naumann. 

HoFFUAJiN, Handbuch der Mineralogie, 484 4^48. 

§. 590. Die Physik oder NatuFlehre wird eingetheilt 
in die mechaiGdsche, in die Lehre von den Imponderabilien, 
in die Meteorologie, Experimental- und mathematische 
Physik* Ihre Geschichte von Murhard, 1798, Fischer, 1801. 
Gehler's ,Phy8ikalisches Wörterbuch'. Das ,Handwöii,erbuch 
der Chemie und Physik' von August, Barentin, Dove u. A, 
Poggendorf s (früher Gilbert's) ,Annalen', Fechner's ,Reper- 
torium' und das durch Dove und andere berliner Physiker 
seit 1837 besorgte. 



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Zweiundviersig9tes CapiteL Natur Wissenschaften. 355 

Lehrbdeher Yon Baum«artnbk, Biot (bearbeitet von Fschmeb), 
Brandes, Pouillet (bearbeitet von Müller), Mcller, Götz, Bufp, 
Scholz, Fischer (bearbeitet von August). Annales de chimie et de 
pbysique. 

§• 594. Die physischen Philosophen der Griechen, des 
Pythagoras Monaden, die atomistischen Ansichten des Leu* 
kippos und Demokritos, die naturhistorischen Schriften des 
Aristoteles und Theophrast, Lucrez' Gedicht ,De rcrum 
natura^ Seneca's ,Quaestiones naturales', Plinius' ,Historia 
naturalis^ Die Araber als Pfleger der Naturwissenschaften. 
Roger Baco, f 4294. Baco von Verulam, f 4626. Galilei 
(Gesetze des Falls und des Pendels). Torricelli (Baro- 
meter). Kepler (elliptische Planetenbahnen). Otto von 
Guericke (Luftpumpe). Descartes stürzt die scholastisch- 
Aristotelische Physik. 

§. 592. Für Experimentalphysik in England Boyle 
und Hook, in Italien Borelli und Grimaldi, in Frankreich 
Pascal, Mariotte und Picard. Die londoner Societät, 4650 
(Wallis, Wren, Huyghens), pariser Akademie, florentiner 
Accademia del cimento. Newton's Gravitationslehre. Ther- 
mometer. Entdeckung der Gasarten, Lehre von der Elektri- 
cität, Erfindung der Blitzableiter und des Galvanismus, Pola- 
risation des Lichts , Verwandtschaft der Elektricität und des 
Magnetismus u. s.w. Franklin, f 4790, Priestley, f 1804, 
Black, t 4799, Galvani, f 4788, Lichtenberg, f 4 799, 
Richter, f 4808, Ritter, f 4840, Cavendish, f 4842, Malus, 
f 4842, Volta, f 4827, Davy, f 4829, Ampere, f 4836, 
Oersted, f 4854, Biot, Faraday, Brewster, Gay-Lussac, 
Wöhler, Deville, Fechner, Pfaff, Dove, Seebeck, deLarive, 
Arago, Schweigger, Regnault, Gauss, Weber, Poggendorf, 
Neumann. Der mineralische^, thierische^ und tellurische 
Magnetismus. Die magnetischen Vereine durch Alx. v. 
Humboldt, Dove, Gauss, Weber, und ihre Berichte. Den 
Diamagnetismus fand •Faraday 4846, den Elektromagne- 
tismus Oersted 4820, den Thermomagnetismus Seebeck. 
Die Elektricität des Bernsteins (Thaies, Theophrast). 
Gilbert's Verzeichniss der durch Reiben elektrisch werdenden 
Korper, 4600. Guericke's Schwefelkugel als erste Elektrisir- 
maschine. Hausen's Maschine, 4750. Kleist's Leydener 
Flasche, 4745. Franklin's unitarische Theorie, 4750, Sym- 
mer's dualistische, 4759. Volta, Galvani (Darstellung des 
Galvanismus und Magnetismus als tellurische Grundkrafte). 

23* 



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356 DriU€9 Buch, Chresimodoktologie. 

Oersted, Söebeck, Davy, Fechner, Ohm, Faraday, deLarive, 
Becquerel, Daniell, Poggendorf, Jacobi, Pfaff u. A. Zur 
Akustik: Baco, Galilei, Newton, Lagrange, Euler, La- 
place, Chladni, Savart, Cagniard de Latour, Trevelyan, 
Leslie, Paraday, Marx, Wheatstone, WiUis, W. Weber, 
Pellisow, Ampere, Strehlke, Müttrich. Zur Meteoro- 
logie: Kämptz^ Ah:, v. Humboldt, Lp. t. Buch, Franklin, 
Saussure, Deluc. Torricelli^s Barometer, 4643. DrebbeFs 
Thermometer, 4638. Meteorologische Societat in Manheim 
durch den Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz und ihre 
,Ephemeriden^ Zur Atmosphärologie: Deluc' und Doye's 
Gesetz der Stürme. 

> Bbcksb 4829. — * Klüob 4844, Stibqlitz und Hüfbland 4846. — 
' Recherches sur les modifications de Tatmosphere, 4772; deutsch von 
Gehler 4776—78. 

§. 593. Die ersten Spuren einer wissenschaftlichen Me- 
chanik finden sich in den Werken des Aristoteles, doch 
ist Gründer der theoretischen Mechanik erst Archimedes. 
Unter den Alexandrinern Ktesibios, Anthemios, die beiden 
Heron. Seit 4577 Guido Ubaldi, der Marchese del Monte, 
Benadette, Tartalea. Sim. Stevinus stellte ein System der 
Statik und Hydrostatik auf und Välerius bildete die Lehre vom 
Schwerpunkt aus. Galilei, Torricelli, Huyghens, Borelli, Ro- 
berval,^ Descartes, Mersenne, Wallis, Wren, Newton, J. Ber- 
nouUi imd Dn. Bemoulli, Mariotte, L'Hopital, Euler, d'Alem- 
bert, Lambert, d'Arcy, Lagrange (,Mecanique analytique'). 
Schriften von Poisson, Bezout, Francoeur, Prony, Robinson, 
Gregory, Playfair, Whewell, Karsten, Kästner, Eytelwein, 
V. Baader, Langsdorflf. Die Statik zerfallt in Geostatik, 
Hydrostatik, Aerostatik; Statik der Gewölbe, des Land- 
baus: V. Wulffen, 4830, Hlubek, 4844. Ihr Gegensatz ist 
die Dynamik, worauf für die Musik Nägeli eine eigene 
Lehre gründete. 

Poppe, Mechanik des 48. und 49. Jahrb., 4807, und Geschichte der 
Technologie, 4807 fg., und die reiche Literatur über die Technologie 
unten §. 644. 

§. 594. Das unter dem Namen des Euklid auf uns ge- 
kommene Werk über Optik behandelt nur die scheinbare 
Grosse. Im Mittelalter schrieben über Optik: Peckham, 
Roger Baco, Maurolycus, Aquilonius, Porta, in neuester 
Zeit Herschel und Brewster. Ueber Dioptrik und Kat- 
optrik: Alhazen, iiöO, Peckham^ Baco, Maurolycus, 4500, 



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Zweiundvierzigstes CapiteL Naturwissenschaften, 357 

Porta, 1 600 , Baco von Verulam, \ 620. Erfindung der Brillen 
zu Anfange des i4. Jahrh., des Femrohrs 1590 (i6i0?), 
des Mikroskops zu Anfange des 17. Jahrh. Kepler, Richer, 
Scheiner, Snellius, Descartes (,Dioptrique', löSOj), Newton 
(,Optic8', 1704), Bayle, Hüyghens, Gregori, Barrow, 
Lahire, Mariotte, Grimaldi und Hooke, Dollond, Etiler 
(,Dioptrica*, 1769 — 71), Clairaut, d'Alembert,*Bouguer und 
Lambert*. Die Photometrie hat Bouguer zuerst wissen- 
schaftlich behandelt^ vollständiger Lambert, 1760. Die 
mathematische oder Linearperspective durch Albr. Dürer 
und Leonardo , da Vinci ausgebildet. Gründer der Farben- 
oder Luftperspective ist Jan van Eyck; in Italien gilt 
dafür Paolo Uccello in Florenz zu Anfange des 15. 
Jahrh. *. 

1 Klögbl, Analytische Dioptrik, 1778. Litteow, Dioptrik, oder 
Anleitang zur Verfertigung von Fernrohren, 1830. Pbeohtl, Praktische 
Dioptrik, 1828. — ^ Yalbnoibnmes Praktische Anleitung zur Linear- 
und -Luftperspective (deutsch 1803). Jakobi, Praktische Anleitung zur 
Perspective, 1821. 

§. 595. Die Chemie wird eingetheilt in die theoretische 
und praktische und letztere in die analytische und technische, 
die gerichtliche und polizeiliche. Ihre Geschichte von Wieg- 
leb, 1796, Grmelin, 1797, Dumas (deutsch von Kammeisberg), 
Tromsdorff, 1800, Thomson, 1830, Hofer, 18421, Kopp, 1843. 
Das phlogistische System von Stahl und Becher zu Ende 
des 17. Jahrh. Das antiphlogistische durch Black, Marg- 
graf, Scheele, Priestley, Cavendish und Lavoisier, 1764 — 94. 
Klaproth, Tennant, Wollaston, Davy, Fourcroy, Vauquelin, 
Wenzel, Richter, Bergmann, Berthollet, Dalton, Proust, 
Berzelius, Rose, Mitscherlich, Gmelin, Stromeyer, Dobe- 
reiner. Brunner, Karsten, Gay-Lussac, Thenard, Persoz, 
Regnault, Peligot, Turner, Graham, Chevreuil, Pelletier? 
Liebig, Zeise, Bunsen, Erdmann, Kane, Mulder u. s. w. 

Lehr- und Handbücher von Bebzblius, Gmelin, Liebig, Gbaham, 
Mitscherlich, Dumas (deutsch von Engelhardt). Das Wörterbuch von 
LiEBio, WöHLER und PoGGBNDORP. Die Jahresberichte von Bebzblius 
(deutsch von Wöhler,)* Bischof, Lehrbuch der Stöchiometrie , 4849. 
Rammelsbebo, Stöchiometrie, 4842. Karsten, Philosophie der Chemie; 
ebenso Dumas (deutsch von Rammelsberg 4839). Rose über analytische 
Chemie. Schubarth für technische Chemie. Zeitschriften: Poggendorf's 
Annalen, Liebig's und Wöhleb's Annalen der Chemie und Pharmacie, 
Erdmann's und Marchand's Journal fnf praktische Chemie, Annales de 
chimie et de physique und Journal de chimie et de pharmacie. Fbchnbb, 
Pharmaceutisches Centralblatt, 4830 — 34, von Weinlig 4835 — 43; s. unten 
§. 608. Die Geschichte der Alchemie (Alchymie) von Schneider 4832. 



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358 Drittes Buch. ChresimodoJUologie. 

§. 596. Phytologie: Botanik, Phytonomie, Phytotomie, 
Morphologie, Organologie, Phytophysiologie, Phytochemie, 
Terminologie oder Horismologie, Toxonomie, Phytographie 
und Phytogeographie, Phytopathologie, Phytotherapie, Phyto- 
geologie. Theophrast, Dioskarides. Die ersten Spuren eines 
botanischen Gartens 1309 zu Salemo. O. Brunfels, f 1534. 
Hrs. Bock, 1498 — 1554. Kr. Gesner. Jo. Camerarius. 
Mthi. de KObel, 1538—1616. Kp. Bauhin, 1560—1624. 
Morison, 1620 — 83. Ray, 1628 — 1705. Linne, 1760, Jus- 
sieu (natürliches System, 1789), Brown, DecandoUe, Mar- 
tins, Endlicher, Link, Meyer, Schieiden. 

Sprengel, Geschichte der Botanik, ^SM fg. E. Mbybr, Geschichte 
der Botanik, 485i fg* Bisgboff, Lehrbuch der Botanik, 4834 — 44. 
Mb YEN, System der Pflanzenphysiologie, 4837 fg. Schleiden, Gnmdriss 
einer wissenschaftlichen Botanik, 4844 — 43. Ders., Die Pflanze, 4848- 
Endlicher und Ungbb, Handbuch der Botanik, 4843. Alx. y. Humboldt, 
Ideen zu einer Geographie der Pflanzen, 4805. 

§. 597. Für Zoologie: Aristoteles, Plinius, Aelian. 

Beloni'us, Rondelet und Gesner. G. Marggraf, Hemandez. 

Linne, 4 735; sein Gegner Buffon. Cuvier. Oken. Rei- 

chenbach. 

Van Hoeven, De aucta et cmendata zoologia postLinnaei tempora, 4843- 
WiEOMANN, Handbuch der Zoologie, 4843. Cüvieb (deutsch von Voigt 
4 834 — 43 ). Oken , Allgemeine Naturgeschichte , 4 833 — 38. Reichenbach, 
Vollständigste Naturgeschichte , 4845. Schinz, Systematisches Verzeichniss 
ftUer bis jetzt bekannten Säugethiere, 4844. Für Ornithologie: Vaillant, 
ViBiLLOT, Temmink, Audubon , GoüLD, Lesson u. A. Gray, The genera 
of birds etc., 4 844 (etwa 350 Tafeln). Meyer und Wolf, Taschenbuch 
der deutschen Vögelkunde, 4834. Naumann, Naturgeschichte der Vögel 
Deutschlands, 4822 — 47. Zur Herpetologie: Dümebil und Bibbon, 
4834 — 42. Zur Ichthyologie: Cuvier, Valencibnnes , Agassiz, 
J. Müller , Henle , Yarrell. u. A. Aeltere Ichthyologen sind Lacepede 
und Bloch (Oekonomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands, 4782). 
Tscheiner, Der wohlerfahrene Fischmeister, 4824. Niemann, Abriss des 
Fischwesens, 4804, und Vollständiges Fischbuch, 4825- Bürmeister's 
Handbuch der Entomologie, 4832. Kirby und Spbnce, Entomologie 
(deutsch von Oken 4823)- Martini und Chemnitz, Neues systematisches 
Conchyliencabinet, 4 769 -r 95. Rbewes, Kiener, Ferussac und Boss- 
massler, Ikonographie der europäischen Land- und Süsswassermollusken, 
4836. lieber Anneliden: Savigny, Milne Edwards, Audouin, Leükakdt. 
Üeber Zoophyten: ScHWEiaoER, Blainvillb, Ehrenberg, Milne Edwabds, 
Johnston, van Beneden. lieber Entozoen: Zeder, Götze, Rüdolphi, 
Bremser, Nitzsch, Creplin, Tschudi, Leuckardt, Diesing, J. Müller, 
Siebold, Blainvillb, Owen, Dblongchamps , Cloqubt. Rapp, üeber 
Polypen im Allgemeinen und die Aktinien insbesondere, 4829. 

§. 598. Theile der Anthropologie: Somatologie , Ana- 
tomie , Physiologie , Psychologie , Dynamik. Hartmann, 
Steflfens, Heinroth, Berger, Hillebrand, Schulze, v. Baer, 



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Dreiundvierzigstes Capitel. Heilkunde. 359 

Burdach, Reichlin-Meldegg. Kant's ,Antliropologie'. Carus, 
, Symbolik dei: menschlichen Gestalt', 1853. 



Dreiundvierzigstes Gapitel. 

Heilkunde. 

§. 599. Biologie gleichfalls eine Disciplin der Natur- 
wissenschaften, daher wol eigentlich Heilkunst richtiger 
als Heilkunde; sie steht, wie Pädagogik und Kriegskunst, 
entre deijix und erregt Zweifel in Betreff der Classification. * 

TfiBYiHiLNüS, Biologie, oder Philosophie der lebenden Natur, 4802—22, 
und Gesetze und Erscheinungen des organischen Lebens, ig34 fg- Hdfb- 
liAND's Makrobiotik. Moser, Die Gesetze der Lebensdauer, 4839. Krause, 
Tractatus longam hominum antediluvianorum vitam a dubiis vindicans, 4797. 
Spbbnoisl, Geschichte der Medicin, 4792 u. 4824; neue Aufl. von Rosen- 
baum 4844. Choülant, Tafeln zur Geschichte der Medicin, 4822. Pbosoh 
und Ploss, Medicinisch- chirurgische Encyklopädie für praktische Aerzte, 
4 8Ö3 — 66. 

§. 600. Die alten Therapeuten und Chirurgen: 
Asklepios, Podaleirios imd Machaon; Philoxenos, Gorgias, 
Sostratos, Heron, ApoUonios, Ammonios, Tryphon, Megas, 
Philogrios ; Celsus, Galenos, Antius, Paul von Aegina, Oriba- 
sius, Archagathos. — Die Araber Abulkasis, Rhazes, Ali- 
ben- Abbas, Avicenna, Ibn Sohar. — Baderzunft in Frank- 
reich, als 1096 Erzbischof Wilhelm zu ßouen das Tragen 
der Barte verbot. Collegium der Chirurgen zu Paris, 1271, 
Eintritt Lanfranc's, 1295. Seitdem in Frankreich: Gay v. 
Chauliac, 1363, Ambroise Pare , 1509—90, Guillemeau, 1550 
— 1612, Garengeot, 1688—1759, de la Motte, 1655—1703, 
Morand, 1697—1773, Quesnay, 1694—1774, A. Louis, 
1723—92, Petit, Ledran u. A. Fr. de la Peyonie ist Stifter 
der Acad^mie de Chirurgie, 1731, Desault, 1744, Schöpfer 
der chirurgischen Anatomie. Sabatier, Percy, Boy er, Del- 
pech, Larrey, Dupuytren. — In Italien: W. v. Saliceto, 
1470, Pt. de la Cerlata, 1480; im 16. Jahrb.: J. de Vigo, 
Beniveni, Maggi, J. de Romani, Ferri, Vido Vidius, Della 
Croce, Tagliacozzi, Fabricius ab Aquapendente; im 17. Jahrb.: 
Severinus; im 18. Jahrb.: Molinelli, 1702 — 64, die beiden 
Nannoni in Florenz, Palluci, Bertrandi, 1723 — 65, Flajani 
in Rom, 1786, Paletta in Mailand, 1790, Assalini, 1792, 
Vacca Berlinghieri, Sqarpa, 1750 — 1814. — In England: 
Wiseman, das College of surgeons; im 18. Jahrb.: Cheselden, 



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360 Drittes Buch, Chrestmodoklologie, 

1688 — 1752, Shaq>, Monro, Percival, Pott, William Hunter 
und John Hunter, Bj. Bell, Alanson, Keate, Pearson, Earle, 
John Abemethy,Lattou. s.w.; im49. Jahrh.: Home, Lawrence, 
Hey, Ch. Bell, Hodgson, Travers, Howship, Sm. Cooper 
und Astley Cooper. — In Schweden und Dänemark: 
Acrel und Callisen. — In Holland im 17. Jahrh.: Bar- 
bette, Palfyx, Blancard, C van Solingen, van Home, Nuck; 
im 18. Jahrh.: Gesscher, Camper, Sandifort, Bonn, van Wy, 
Balthazar u. A. — In Deutschland: Hrs. Brunswig, Para- 
celsus, Gersdorf, Fabr. Hildanus, funnann; der erste Uni- 
versitätslehrer der Chirurgie war Lr. Heister (1683 — 1758) 
in Helmstedt, darauf Platner und Günz in Leipzig, Mau- 
chert in Tübingen, Kaltschmidt in Jena, Siebold in Würz- 
burg u. A. G. Richter in Gottingen. 

Zur Chirurgie: Pobtal, Hist. de Tanafoinie et de ia Chirurgie, 
4760 — 73. Albr. y. Hallbr, Bibiiotheca chirurgica, 4774. Dujabdin, Hist 
de ia Chirurgie, 4774. Sprbnoel, St. Hrs. de Yigiliis a Kreuzenfeld Bibiio- 
theca chirurgica, 4784; Geschichte der Chirurgie, 4805 — 49. Bebnstbih, 
Geschichte der Chirurgie, 4822, und Bibiiotheca chirurgica, 4829. Richter, 
Anfangsgründe der Wundarzneikunst, 4825. Boter, Traite des maJadies 
chirurgicales, 4844 — 22 (deutsch von Textor 4836 — 44). Lamgebbeck, 
Nosologie und Therapie der chirurgischen Krankheiten, 4822 — 34. Cooper, 
Lectures on the principles and practice of surgery, 4824- — 34 (deutsch 
4825 — 28 und von Schütte 4836 — 38). Rost, Handbuch der Chirurgie. 
Zur Akiurgie: Schrboer, Grundriss der chirurgischen Operationen, (3- A.) 
4825 fg. Zang, Darstellung blutiger heilkünstlerischer Operationen, (3. A.) 
4832. Grossheim, Lehrbuch der operativen Chirurgie, 4830 — 35. Blasiüs, 
Handbuch der Akiurgie, (2. A.) 4839 — 42, und Akiurgisohe Abbildongen, 
(2. A.) 4844. Valpbaü, Nouveaux Clements de m^dicine operatoire, 4832. 
CoLOMBAT DE l'Isbbe, Dictionuftire historique et iconographique de toutes 
les Operations et des Instruments, bandages et appareils de Ia Chirurgie 
ancienne et moderne, 4836. 

§. 604. Die Medicin besteht in der Kenntniss des 
regelmässigen und unregelmässigen Zustandes des mensch- 
lichen Körpers und Geistes, sowie in der Kenntniss und 
Kunst, den unregelmässigen Zustand durch die Yon der 
Natur gebotenen Mittel zur Regelmässigkeit zurückzuführen. 
Letzteres geschah hauptsächlich auf drei Wegen, durch den 
Empirismus, Dogmatismus und den vermittelnden Rationa- 
lismus. Hippokrates, Galenos, Paracelsus. Das iatroche- 
mische System Helmont's und Sylvius'. Die latromathe- 
matiker seit Harvey's Entdeckung des Blutumlaufs. Systeme 
von F. Hoffmann, Stahl, Brown, Hahnemann (Homöopathie), 
Broussais und Rasori, Kieser (abhängig von Schelling's 
naturphilosophischem System). K. Reh, Hoffmann's , Ver- 
gleichende Idealpathologie', 1834. 



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Dreiundvierxigstes Capitel. Heilkunde. 361 

Sprengel, Versuch einer pragmatiscbeii Geschichte der Arzneikande, 
(3. A.) i82i — 28. Hbckbr, Geschichte der HeUknnde, 4823 — 29. 
Friedlander , Vorlesungen über Geschichte der Heilkunde , 4 838 fg. 
Chovi<amt, Tafeln zur Geschichte der Medicin, 4822. 

§. 602. Theile der Anatomie: Osteologie und Chon- 
drologie, Syndesmologie, Myologie, Angiologie und Ade- 
nologie, Neurologie, Splanchnologie. 

Ueber Anatomie für die bildenden Künste: Evrard, 
Genga, 4691, Salvage, 1812, Mascagni, 1815. 

Ueber chirurgische Anatomie*: Rosenthal, 1817, Blan- 
din, 1826, Valpeau, 1826 — 37. — Herophilos aus Chal- 
kedon und Erasistratos aus Keos um 300 v. Chr. Mondini 
da Luzzi in Bologna schrieb 1315 das erste Lehrbuch der 
Anatomie. Sturz der Autorität Galen's im 16. Jahrh. durch 
Vesal, Falopio, Eustachi, Colomb, Varoli u. A.; im 17. 
Jahrh. Harvey und das Mikroskop. Die Milch- und Lymph- 
gefasse entdeckten Aselli, Facquet, Bartholin und Olaus 
Rudbeck. Wharton über die drüsigen Organe. Malpighi, 
Swammerdam, Ruysch (Einspritzungen der Gefasse); im 
18. Jahrh. besonders italienische Anatomen: Pacchioni, 
Valsalva, Morgagni, Mascagni, Cotunni; in Frankreich: 
Winslow, Lieutaud, Vicq d'Azyr und Bichat; in England: 
Cowper, Cheselden, Hunter, Cruikshank, Monro und Bell; 
in den Niederlanden*: Ruysch, Boerhaave, Albin, Camper, 
Sandifort, Bonn; in Deutschland: Haller und die beiden 
altern Meckel, Sommerring, Loder, Blumenbach, Hildebrand, 
Reil, Tiedemann, Seiler. 

Begründer der pathologischen Anatomie ist Morgagni; 
Lieutaud, Hunter ^ Baillie; ihre wissenschaftliche Form er- 
hielt sie von dem Jüngern Meckel. Bearbeitung dieser 
Wissenschaft für Aerzte durch Bichat und die Schüler 
Broussais^ in Frankreich: Lennec, Cruveilhier, Gendrie, 
Bayle, Louis, Andral, Lobstein; in England: Farre, How- 
ship, Bright, Abercromby, Armstrong, Carswell, Mayo, 
Hope, Craigie; in Italien: Palletta, Folchi, Scarpa, 'Fan- 
zago; in den Niederlanden: Sandifort, Bleuland, Schröter, 
van der Kolk und Sebastian; in Deutschland: Albers, 
Cerutti, I)roriep, Hasse, Rokitansky und Jul. Vogel. 

Für vergleichende Anatomie: Cuvier, Meckel, Blumen- 
bach, Tiedemann, Home, BlainviUe, Geoffiroy St.-Hilaire, 
Carus und Oken. 

1 Hbcker, Ueber die Bedeutung der chirurgischen Anatomie, 1840. 



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362 Drittes Buch. Chreiimodoktologie. 

§. 603. Zur Technik der Anatomie schon bei Grälen 
Winke; Schriften von N. Habicot, Lyser, Bartholin, Fa- 
bricius, Cassebohm, Pole-Fischer, Ch. Bell, Hesselbach, 
Maygrier, Bock, Shaw, Weber und South. 

Anatomische Museen von ßuysch, Rau, Loder, Walter, 
Hunter, Meckel, Sömmerring und Dupuytren K 

Anatomische Kupferwerke von Vesal, Eustachi, Bidloo, 

Haller, Vicq d'Azyr, Loder, Caldani, Mascagni, Langen- 

beck, Arnold; zum gewohnlichen Gebrauch: Cloquet, Oester- 

reicher, Weber; für pathologische Anatomie: Meckel, Cru- 

veilhier, Froriep und Albers; für vergleichende Anatomie: 

Carus und Wagner. 

^ WiCHELHACSEN , Ideen über die beste Anwendung der Waohsbildnerei, 
nebst Nachrichten von den anatomischen Wachspräparaten in Florenz, 4798- 
Auzoü, Notice sur les preparations artificielles, 4825. 

§. 604. Für Physiologie: Hippokrates, Galenos, Para- 
celsus, Helmont, Sylvius, Harvey, Stahl, Heller (Lrita- 
bilität), F. H. Jacobi. In neuester Zeit: in Frankreich: 
Bichat, L. Dumas, Richerand, Fodere, Chaussier, Coutier, 
Broussais, Dupuytren, Fourcroy, Vauquelin, Magen^e, 
Prevost u. A.; in England: Abemethy, Lawrence, Home, 
Brewster, Bell, Nicolls, Brodie, Cooper, Westrumb, Shaw 
u. A.; der Amerikaner Marshall; in Deutschland: Blu- 
menbach, Hildebrand, die Gebrüder Treviranus, Rudolphi, 
Sommerring, Weisberg, Alx.v. Humboldt, v. Walther, Dol- 
linger, die Gebrüder Weber, Carus,- Ehrenberg, v. Baer, 
Wagner, Burdach, Kathke, Tiedemann, Gmelin, Purkinje, 
J. Müller, Valentin, Helmholtz u. A. Pathologie, Therapie. 
Das kalte Wasser als Heilmittel seit Anfang des 48. Jahrb.; 
Uebertreibungen von Oertel und Priessnitz. Steinbacher's 
Hydriatik im Dianenbade zu München. 

PiEBEE, Anatomisch -physiologisches Realwörterbuch, 48i6 — 29- Bür- 
dach, Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft, 4826 — 40. J. Mülleb, 
Handbuch der Physiologie des Menschen, (3- A.) i837 — 40. Stark, 
Allgemeine Pathologie, oder Naturlehre der Krankheit, (2. A.) 4844 fg- 
Die Zahl der Lehrbücher über Therapie ist sehr gross. Sinogowitz, Die 
Wirkungen des kalten Wassers auf den menschl. Körper , 4840. Hirschel, 
Begründung der Wasserheilkunde, 4840. Für magnetische Heilkunde: 
Mesmeb im 48. Jahrb., Villbbs, Gmelin, Lavatbb, Ennbmoseb, Tbbvi- 
RANus, Nasse, Kieser, Kebher, Eschenhater. 

§. 605. Die Psychiatrie beginnt erst mit Pinel und 
dem Ende des 18. Jahrh. Chiarugi in Italien; Arnold und 
Crichton in England; Weickard, Hoffbauer und Reil in 



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Dreiundvierxigsles Capitel. Heilkunde. 363 

Deutschland. Forderer dieser Wissenschaft: Cox, Haslam, 
Wright und Combe in England; Esquirol, Pariset und 
Georget in Frankreich ; Hörn , Langermann , Heinroth, 
Nasse, Jacobi, Amelung, Bird und Friedreich in Deutsch- 
land; Grualandi in Italien. 

Keil und Hoffbaueb , Beiträge zu einer Carmethode auf psychischem 
Wege, >I808 — iO. Vebing, Psychische Heilkunde, iSM — 24. Werke 
von Heinroth, Platnbr, Friedreich. Leupoldt, Ueber den Entwicke- 
langsgang der Psychiatrie, 4833. Schubert, Die Krankheiten und Stö- 
rungen der menschlichen Seele, 4845. Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie 
Ton Damerow, Flemmino und Roller, 4855.. 

§. 606. Schriften über Geburtshülfe von Hippokrates, 
Celsus, Galenos, Moschion (im 3. Jahrb.), der sich nach 
Soranos richtete und das erste uns bekannte Hebammenbuch 
verfasste. Das erste gedruckte geburtshülfliche Lehrbuch 
erschien 1513 von Euchar. Rosslin, dann von Ruff in Zü- 
rich, 1553, und Reiff in Strasburg, 1561. H. v. Deventer 
legte durch sein Buch ,Das neue Hebammenlicht' (1 701), 1 775, 
den ersten Grund zur wissenschaftlichen Fortbildung der 
Geburtshülfe. Die Zange im Gebrauch Chamberlen's und 
neu construirt von Palfyn in Gent, 1723. 

OsiANDER, Geschichte der Entbindungskunst, 4799. Siebold, Versuch 
einer Geschichte der Geburtshülfe, 1839. 

§. 607. Die Staatsarzneikunde (medicina publica 
oder politico-forensis) theilt sich in gerichtliche Medicin 
(med. forensis) und medicinische Polizei (politia medica). 
Ambr. Pare (Ende des 16. Jahrh.) ist erster eigentlicher 
gerichtsärztlicher Schriftsteller. Für gerichtliche Me- 
dicin: Henke,, Metzger, Wildberg, Klose, Bernt, Masius, 
Mende u. A. Für medicinische Polizei: J. Pt. Frank. 

Siebenhaar, Encyklopädisches Handbuch der gerichtlichen Arzneikunde, 
4838 — 40- Most, Ausführliche Encyklopädie der gesammten Staatsarznei- 
kunde, 4838 — 40. Henke's Zeitschrift der Staatsarzneikunde. 

§. 608. Pharmakologie, Pharmacie. Mantias, ein 
Schüler des Herophilos in Alexandrien, soll die erste 
Pharmakopoe geschrieben haben. Heras aus Kappadokien 
schrieb 50 v. Chr. in Rom das erste pharmaceutische Werk. 
Andromachos, Leibarzt des Nero, ist Erfinder des Theriak. 
Almansor's erste Apotheke in Bagdad. Das erste Dispen- 
satorium soll Sabor Sahel (Mitte des 9. Jahrh.) geliefert 
haben; im 1$. Jahrh. von Abul Hassan ein solches. Das 
im 12. Jahrh. bekannte ,Antidotarium' von N. Präpositus 
aus Salemo. 



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364 DtiUei Buch. Chresimodoktologie. « 

Das beste Handbnch der Pharmacie Ton Gbiobk (Bd. 4 Ton Libbio, 
Bd. 2 TOn EsBKBBCK, DnBBBACH und Mabqdabt). Ddflos, Handbuch 
der pharmaceutisch- chemischen Praxis, 4838- Soubeiban, Pharmacie 
(deutsch von Schödler). Archiv der Pharmacie von Bbakdbs seit \Si% 
for Pharmakologie von Mitschbblich, Sobbbnhbim n. A. 



Vierundvierzigstes Capitel. 

StaatBwissenscliaften. 

§. 609. Divergirende Ansichten über die Entstehung 

des Staats K Staatstheorien von Hobbes, Fihner, Algemon 

Sidney, John Locke, der Independenten, von Rousseau, 

V. Haller. 

1 Cicero (De rep., I, 32) meint: Civitas juris jsocietas. Vico, Principi 
di nuove scienze etc., 4725. < Montbbqüibu, Esprit etc., 4749. Fbbocson, 
Essaj on the history of civil society, 4767. Pagano, Saggi de' principi 
della societa, 4800. Hdllmakn, Urgeschichte des Staats, 4847- 

§. 6i0. Die Staatswissenschaften finden ihre Ver- 
einigung in dem Grundbegriflf, dass sie sich auf die Er- 
reichung der Zwecke des Staats beziehen. Biilau classi- 
ficirt sie in zwei Gruppen. 

i) Für das innere Staatsleben: allgemeine Staatslehre, 
Geschichte des europäischen Staats, Verfassung und 
Verwaltung der europäischen Staaten, Statistik, Politik. 
2) Für das äussere Staatsleben: philosophisches Staaten- 
recht, Geschichte des europäischen Staatensystems, prak- 
tisches europäisches Volkerrecht, positives Staatenrecht, 
Staatenpolitik. Staatspraxis. Dahlmann's ,Politik% S. 482. 

Weitzel, Geschichte der Staatswissenschaften, 4834 — 33. Mohl, 
Literarisch - historische Uehersicht über die Encyklopädie der Staatswissen- 
schaften in der Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft, 4845. 
Ders., Geschichte und Literatur der Staats Wissenschaften, in Monographien 
dargestellt, seit 4853. Jacob, Einleitung in die Staats Wissenschaft, 4849. 
Encyklopädien : Pölitz, y. Lampreciit, Bclau, 2. A. 4855; für Kameräl- 
Wissenschaften: Walther^ Schmalz , Fulda, Rau. ' Haoen, Von der Staats- 
lehre und Yon der Vorbereitung zum Dienste in der Staatsverwaltung , 4 839. 

§. 6i1. Das Gesammtgebiet der Staats Wissenschaften 
benannten die Griechen mit dem Ausdruck Politia oder 
Politik, als die Lehre von den Mitteln zur Lösung der 
Aufgaben des Staats. Dessen Aufgaben bestehen in dem 
Schutz der Rechte und Freiheit jedes Einzelnen, in der Be- 
gründung der Starke und Sicherheit des Staats, in der 
Beförderung des allgemeinen Wohlstandes. 



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Vierundvierxigstes CapileL Siaatswiesenschaflen. 365 

Ein Yerzeichniss der zahlreichen griechischen Schriftsteller über Politik, 
unter denen Plato und Aristoteles die wichtigsten und auch diejenigen sind, 
Yon welchen ganze Werke oder doch bedeutende Bruchstücke erhalten sind, 
gibt Wachsmüth, Hellenische Alterthumskunde, n, 4, 438. Neuere: 
BoDiNus, De rep., i584; Macghiayblli, Buch vom Fürsten (über ihn Figbtb 
in den nachgelassenen Schriften, II, 407). Friedrich 's d. Gr. Antimacchiavell 
gehört nicht zu den leitenden Gedanken, die der König späterhin befolgte. 
Wolf , Vernünftige Gedanken von dem geselligen Leben der Menschen etc., 
(5. A.) 4740. MoHTKSQüiBü ist durch sein Werk: Esprit des lois, 4748, 
Vater der neuem Politik geworden. Filamoibri, La scienza della legis- 
lazione, 4 783 — 86. Ludbn, Handbuch der Staatsweisheit oder Politik, 4844. 
KöPPBN, Politik nach piaton. Grundsätzen, 4848. ▼. Hallbb, Bestauration 
der Staatswissenschaft ,4846 — 24. Pölit z , Die Staatswissenschaft im Lichte 
unserer Zeit betrachtet, 4823 fg. Schlözbr, Systema politices, 4774. 
Spitti.br, Vorlesungen über die Politik, 4828.^ Dahlmann, Die Politik 
auf den Grund und das Mass der gegebenen Zustände zurückgeführt, 4835. 
Zaohariä, Vierzig Bücher vom Staate, 4820 fg. Hbbebn's Ideen etc. 
V. RoTTBCK und Wblckbb, Staatslexikon, oder Encyklopädie sämmtlicher 
Staatswissenschaften, 4845—48; 3. A. 4856 fg. — Verfassungspolitik: 
Jbffbbsgk, Handbuch des Parlamentsrechts etc. (deutsch mit Anmerkungen von 
L, V. Henning 4849). Kbuo, Das Repräsentativsystem, 4846. Bbbndbl, Ge- 
schichte, Wesen und Werth der Nationalrepräsentation, 4847. Pölitz, Das 
constitutionelle Leben, 4834. Bj. Constant, Cours de politique constitutio- 
nelle , 4 84 8 fg. Aristoteles' Politien und Parekbasen 

r ^- — ^ ' ^ 

Monarchie. Aristokratie. Demokratie. Despotie. Oligarchie. Ochlokratie. 

(Timokratie, 
Plutokratie.) 

Zur Geschichte der europäischen Staatsformen: Eort6m, Zur 
Geschichte hellen. Staatsverfassung, 4824- Tittmann, Griechische Staats- 
verfassung, 4822. Robertson, Mablt, Moser, v. Gagern, HSllmann, 
Vollgrafp u.a. — Staatsverfassungen: Pölitz, Die Staatensysteme 
Europas und Amerikas seit 4783, 4826. Schubert, Die Verfassungen etc., 
4 848 fg. Hbbrbn, Handbuch der Geschichte des europäischen Staaten- 
systems und seiner Kolonien, 4809 (5. A., 4830), mit reicher Literatur. — 
Verwaltungspolitik: Malchus 4823 fg. Bölau, Die Behörden in 
Staat und Gemeinde, 4836. v. Vinckb, Verwaltung Grossbritanniens. — 
Rechtspolitik: Bbccaria, Filangieri, Bbntham, Zachabiä, Mittermaibr, 
Krug, Dikäopolitik, 4824. Richter, Das philosophische Strafrecht, 4829. — 
Militärpolitik (über stehende Heere, Nationalmiliz, Landwehr, Volks- 
bewaffnung oder Landsturm): Rotteck, Liebenbtein, Cancrin, Krcg, 
Gbrsdorf, Sporsohil. Schulz -Bodmer, Militärpolitik, 4853. Liechten- 
STERN, TJeber den Begriff der Diplomatie, 4844, und: Was hat die 
Diplomatie als Wissenschaft zu umfassen? 4820. Köllb, Betrachtungen 
über Diplomatie, 4838. Aehnliche Arbeiten von Wicqübfort 4764, 
Garden 4833, Winter 4830, K. v. Martens 4822 (2. A., 4832). Samm- 
lungen von G. F. undK. v. Martens, Koch, Scholl, KlGber, v. Meter. 
Flassan, Hist. de la diplomatie fran^., 4844. Diplomatische Werke von 
CussY, Martens, Mensch, Whbaton 4855. Necmann, Oestreichs Staats- 
vertrage, 4 856. 

§.' 6i2. In neuerer Zeit sind durch J. Jo. Becher und 
durch das Rescript Konig Friedrich Wilhelm's L Ton Preussen 
vom 24. Jan. 1727 (wegen Einfuhrung von Professuren der 
Oekonomie und Kameralwissenschaften zu Halle und zu 



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366 Drittes Buch. ChreHmodoktologie. 

Frankfurt a. d. O.) zwei Capitel der Politik in dem Masse 
erweitert worden, dass sie sich zu selbständigen Wissen- 
schaften erhoben haben, die Polizeiwissenschaften und 
die Staatswirthschaft oder politische Oekonomie. 

Polizei Wissenschaft (Rechts-, Sicherheits-, Wohlfahrts-, Press- und 
geheime Polizei): Heubach und Binder, De politia Rom., 4794; Jüsti, 
• SoNNBNFELs, LoTZ, Emmermanh, Graf V. S ODEN, Habl, T.Jacob, Grund- 
sätze der Polizeigesetzgehung und der Polizeianstalten, 4809; Rb. y. Mohl, 
Polizeiwissenschaft nach den Grundsätzen des Staatsrechts, (2. A.) 4844; 
ZiMHBBMANN, Die deutsche Polizei im 49* Jahrh., 4845. — Den theore- 
tischen Theil der politischen Oekonomio bildet die Lehre vom 
Nationalreichthnm oder von der Nationalökonomie oder von der VoJks- 
wirthschaft, den praktischen dagegen eine Theorie der staatswirth- 
schaft liehen Gesetzgebung (Grundsätze der Volkswirthschaftspflege) 
und die Lehre' von der Regier ungswirthschaft (Finanzwissenschaft, d. i. 
finatio, finesse; financia = Abgabe, oder finances = Staatsschatz; darüber 
V.Jacob, v. Malchüs, Weber 4849 und Rau 4823 u. 4825). Dreitheilung 
in reine, in angewandte Nationalökonomie und in Finanzwissenschaft. 
Oberkdöbfer, System der Nationalökonomie, 4832. Harl, Vollständiges 
theoretisch -praktisches Handbuch der gesammten Steucrregulimng, oder die 
allgemeine und besondere Steuerwissenschaft, 4827- — Das Vermögen 
behandeln die alten Schriftsteller entweder als Gegenstand der Privat- 
ökonomie, oder auch als ein für die Erhaltung des Gleichgewichts in der 
Verfassung wichtiges Moment. Hagen, Observationes oeconomico-politicae 
in Aeschinis dialogum Eryxias, 4822. Xenophon und Aristoteles Qals 
staatswirthschaftllche Schriftsteller) in Rau 's Ansichten der Volkswirthschaft. 
HiLDEBRAMDT, Xcnophontis et Aristotelis de oeconomia publica doctrina 
illustrata, 4847. Böckh, Staatshaushalt der Athener. Ueber römische 
Finanzen: Heoewisch, Bosse, Bcrmann, De vectigalibus, 4694; Kraut, 
De argentariis, 4826; v. Savigny, Die römische Steuerverfassung unter 
den Kaisern, 4822* Ueber staatsökonomische Grundsätze des Alterthums: 
Blanqui, Hist. de l'economie politique en Europe depuis les anciens jnsqu a 
nos jours, 4837 fg. (deutsch von Buss 4840); Reynier, De Teconomie 
publ. et rurale des Grecs, 4825; Roügier de la Bergerie, Hist. de Tagri- 
culture anc. des Grecs, 4830; Papst, De agricultura ap. Germanoa, 4794; 
Jacob, De reb. rusticis vet. Germ., 4833- Anton, Geschichte der deut- 
schen Landwirthschaft, 4799. — Das Mercantilsystem Colbert*s und das 
physiokratische Quesnay's. Ad. Smlith (Inquiry into the nature and causes 
of the wealth of nations, 4794 u. 4845, deutsch von Garve, 3- A., 4840) 
begründete 4776 das wahre, auf Erkenntniss der Naturgesetze und de,s 
Güterlebens wurzelnde System der Nationalökonomie. Unter seinen An- 
hängern sind: in England: Ricardo (Die Grundsätze der politischen 
Oekonomie, oder die Staatswirthschaft und die Besteuerung, deutsch von 
Schmidt 4824 und Baumstark, mit Anmerkungen, 4837 fg.). Will, 
M'CuLLOCH und Malthus, Chalmers (Historical view of the domestic 
economy etc., 4842); in Frankreich: Say (Traite d'economie politique, 
O.A., 4828), Ganilh, Droz, Blanqui und Dünoyer; in Deutschland: 
V. Jacob (Grundsätze der Nationalökonomie, oder Theorie des National- 
reichthums, 3. A., 4 825), Sartorius, Kraus, Lotz, Graf v. Soden, 
V. Storch, Rau (Lehrbuch der politischen Oekonomie, die beste Schrift 
in diesem Fache), v. Malchus (Handbuch der Finanzwissenschaft und 
Finanzverwaltung, 4830), Zachariä, Bulau (Handbnch der Staatswirth- 
schaftslehre , 4835), Hagen, Hermann, Kudler , Eiselbn , Schutz, 
v. Lavergnb-Pegüilhen (Grundzüge der Gesellschaftswirthschaft , 4838 
— 44), List (Das nationale System der politischen Oekonomie seit 4844), 



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Vierundvierzigstes Capitel. Staatswissenschaften. 3ffJ 

HiLDEBBAND (Die Nationalökonomie der Gegenwart und Zukunft, 4848). 
CusTODi gab die italienische iNationalökonomie in öO Bdn., 4807 fg. 
Pbcchio, Storia della economia publica in Italia, (2. A.) 4832. CibrabioJ 
Dell' economia publica del medio evo, (2- A.) 4844. Der Socialismus 
und Communismus eines Owen, Saint -Simon und Fourieb. Wbitling 
Garantien der Harmonie und Freiheit, 4842. Becker, Die Volksphilosophie 
unserer Tage, 4843. Zur volkswirthschaftlichen Literatur: Rosoheb 4854, 
Reichenbach 4854, Royeb de Bbhb 4864, Hibsch 4854, Böhmbbt 4854,' 
Weiss 4855. Glaseb, Anfänge der ökonomisch -politischen Wissenschaften 
in Deutschland, in der Zeitschrift für die gesammten Staats Wissenschaften, 
4 854, Heft 3 u. 4. Diese Zeitschrift enthält zugleich eine staatswissenschaft- 
liohe Bücherschau. 

§. 613. Die Statistik oder Staatskunde basirt auf 
Geschichte und Naturwissenschaften (auch Geographie) und 
handelt von der Grundmacht, Gultur, Verfassung und Ver- 
waltung der Staaten. Schnitzler definirt sie als die wissen- 
schaftliche Erläuterung der verschiedenen Interessen jeder 
in dem politischen Leben wohlorganisirten Volksmasse. 
Napoleon errichtete als Consul das erste allgemeine stati- 
stische Bureau in Europa und nannte Statistik die Wissen- 
schaft, welche unter dem Gesichtspunkte der Wahrheit eine 
angemessene Beurtheilung, richtige Entscheidung und ein 
entsprechendes Budget für alle Staats Verhältnisse fassen 
lässt. 

Statistische Nachrichten liefern fast alle Historiker und 

Geographen von Herodot an, besonders Xenophon und 

Aristoteles, die ,Notitia dignitatum.utriusque imperii' ^, die 

venetianischen Gesandtschaftsberichte seit Ende des 13. 

Jahrh. ^. Als erster statistischer Schriftsteller wird der 

Venetianer Marino Sänudo (1485) genannt. Durch San- 

sovino, 1567, und ßotero, 1592, wurde die Statistik zu 

einer besondern Wissenschaft erhoben. Es folgten d'Avity, 

Conring, Oldenburger, Böse, Gastel, Zech (von Franken- 

berg), die Holländer (de Luca und Everh. Otto), Acheri- 

wall, 1749, Walch, Reinhard, Toze, Cromo, Büsching, 

' Schlözer, 1737^1809, Mensel, Mannert, Hassel, Schubert 

seit 1835, Franzi u. A. Angriffe auf die Statistik von Lühder 

und Wachsmuth, Vertheidigung von Engelstoffl. 

1 Darüber BöcKn^fo 4834. — ^ Ranke, Fürsten und Volker von 
Sudeuropa, i827 fg. Wörl, Erlänternng zur Theorie der Statistik in 
näherer Rücksicht für Staatszwecke, 4841. Müller, Statistisches Jahr- 
buch seit i845. Zeitschriften von Berghatjs, Lodde, Mahlmann, Ballois 
Dbperrierb, de Ferüssao, Grabbrg de Hbmsö. Statistische Bureaus 
und Vereine: der älteste war die schwedische Tabellencommission 4 750; 
m Berlin besonders thätig Hoffmann und Dieterici. Brächelli, Deutsche 
Staafcenkunde, i8ß6. 



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368 Drittes Buch. Chresifnodoktologie. 

§. 614. Der ausgebreiteten. Literatur auf dem Gebiete 
der Technologie entspricht die Vermehrung gewerblicher 
Vereine und Lehranstalten aller Art, sodass es an Mitteln, 
sich technische Kenntnisse zu erwerben, nicht fehlt. Cp. 
Bemoulli (geb. 1782) gehört zu den fleissigsten Schrift- 
stellern in Bearbeitung der rationellen Technologie und 
seine Schriften bilden den üebergang von der altem Behand- 
lungsweise dieser Wissenschaft zu der neuern rationellen 
Methode. Earmarsch (geb\ 1803) führte die allgemeine 
Technologie in die Lehranstalten ein. 

y. GuLiCH, Geschichtliche Darstellung des Handels, der Gewerbe und 
des Ackerbaus, 4830. Bbbnoclli's Handbuch, 4833 — 34 n. 4840; 
Poppb'8 (geb. 4776) 4806 — 40; Geschichte der Technologie, 4807 — 44; 
Technologisches Lexikon, 4845 — 20; Lehrbuch, 4849; Technologie in 
ihrem ganzen Umfange, 4 829 ; XJniversalhandbuch, 4 837 fg. ; Lehrbuch der spe- 
ciellen Technologie, 4 838. Enoelmann, Bibliotheca technologica, (2. A.) 4 844. 
Pbbchtl, Technologische Encyklopädie, 44 Bde., 4830 — 46. Kabmabsch, 
Grundriss der mechanischen Technologie, 4837 — 44. Rbes, Encyclopaedia. 
Dictionnaire technologique. Hbbebt, Engineers and mechanics encyclop., 
4 835. Ubb , Technisches Handwörterbuch. Ueberfluss an technischen Zeit- 
schriften, y. Pbbchtl, Technologische Encyklopädie, 20 Bde., 4830 — 55. 
WoLFF, Handbuch der hohem Kunstindustrie, 4856. IHe Ebükitzsghe 
Encyklopädie, ein ökonomisch -technologisches Handbuch, seit 4773, besteht 
jetzt aus 234 Bänden und reicht bis zum Artikel Wassersucht. Bbbnohlli, 
Handbuch der Dampfmaschinenlehre. Hbbfobt , Allgemeines Waaren- 
lexikon, 4856. 



Fiinf und vierzigstes Capitel. 

Eriegswissenschaften. 

§. 645. Zu diesen gehören vorzugsweise die WaflFenlehre, 
mit Einschluss der Taktik, die Befestigungskunst, Terrain- 
lehre und die Kriegsgeschichte, welche zugleich die viel- 
fachen Veränderungen der Strategie umfasst. 

RuHPF, Allgemeine Literatur der Eriegswissenschaften, 4824. Kauslbb, 
Kriegsgeschichte aller Völker, 4 825. Baumoabtneb, Sammlung aller Eriegs- 
schriftsteller der Griechen, 4779. R6stow, Geschichte des griechischen 
Kriegswesens, 4854. Ders., Heerwesen und Kriegführung Cäsar's, 4855. 
Ders. , Der Krieg und seine Mittel u. s. w. , 4 856. Cabion Nisas , Hist. de 
l'art de gnerre, 4824, und: Essai sur l'hist. g^n. de Tart militaire etc., 4824- 
J. Gf. y. Hoyeb, Geschichte der Kriegskunst, 4797 — 4800. Die Literatur 
zur Kriegsgeschichte seit der Revolution findet sich in der Geschichte der 
Kriege etc., Leipzig, 4827 fg. 

§. 616. Das Hauptwerk über das Geschichtliche der 
Waffen ist Meyrick's ,Critical inquiry into ancient armour 
and weapons of war', 1824. üeber Taktik oder die Lehre 



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Fünfundvierxigstes Capitel. Kriegswissenschaften. 369 

von dem Verhalten der Truppen auf dem Marsche, im Lager 
und beim Gefecht: Brandt, ,Grundzüge der Taktik', in der 
,Handbibliothek für Offiziere', VI, 1, 4833. Decker, ,Die 
Taktik der drei Waffen (Infanterie, Cavalerie und Artillerie) 
einzeln und verbunden', (2. A.) 1833. Xylander, ,Lehrbuch 
der Taktik', (2. A.) 1834. Clerk, ,Es8ai on naval tactics', 
1781 und 1804., üeber Festungsbau schrieben Blondel, 
Sturm, Herlyn, Glaser, Belidor, Dufay, Jombert, Fellois, 
Filey, La Chiche, de Bodt, Naumann, Pirscher, Trincano, 
St&lswerd, Flevigny, Reveroni, Böhm, Struensee, Bous- 
mard , Hacquet , Virgin , Blesson , Choumara , Zastrow, 
Fürst Ernst von Aremberg und Dufour. Sir John May, 
,Betrachtungen über die beschleunigten Festungsangriffe' 
(deutsch von Bormann 1822). Di^ Strategie oder die 
militärische Verwendung des Heeres ist ein Theil der 
Feldhermkxmst, welche ausserdem noch auf diplomatischen, 
politischen und finanziellen Kenntnissen basirt. Die Stra- 
tegie ist ebenso wenig zu erlernen wie die Poesie, daher: 
Imperator et poeta non fiunt, sed nascuntur. Der Frieden 
erzeugt keinen Feldherm. Erzherzog Karl , ,Grundzüge der 
Strategie, erläutert durch den Feldzug von 1796 in Deutsch- 
land', 1814. Valentini, ,Die Lehre vom Kriege', 1821 — 23. 
C. V. W. (Müffling), ,Zur Kriegsgeschichte der Jahre 1813 
und 1814'; ,Die Feldzüge der schlesischen Armee unter dem 
Feldmarschall Blücher', 1824. Clausewitz, ,Hinterlassene 
Werke über Krieg und Kriegführung', 1832 — 37; sein Fort- 
setzer in gewisser Art: Ponitz, ,Briefe eines Verstorbenen'. 
§. 617. Die Kriegsgeschichte ist ein Theil der all- 
gemeinen Geschichte und in Verbindung mit der Staaten- 
geschichte diejenige Wissenschaft, welche man gewöhnlich 
mit dem Ausdruck Geschichte zu bezeichnen pflegt, die 
sogenannte politische Geschichte, zum Unterschiede von 
den übrigen Zweigen der historischen Wissenschaften. 

KöPKE, Kriegswissenschaft der Griechen im heroischen Zeitalter, 4807. 
Nast, Einleitung in die griechischen Kriegsalter thümer, 4780. Güischard, 
Mem. milit. sur les Grecs et les Rom., 4758. Lipsius, De militia Rom., 4596. 
Salmasics, De milit. Rom., 4657. Nast und Rösch, Römische Kriegs- 
alterthümer, 4782. Habicht,, De re milit. Rom., 4829. Kapp, De re 
navali Atbeniensium. Möllbb, Seewissensehaft , 4794. Schriftsteller des 
classischen Alterthums: Aeneas der Taktiker , Onosandros, Kaiser Hadrian, 
Arbian, Pol YANOff, Knst. Porphyrooennbtos, Nikephoros Phokas, 963—969. 
Die Kriegskunst nach den Erfahrungen des classischen Alterthums ist von 
Macohiayelli , 4524 , bearbeitet; die Artillerie von dem Mathematiker 
Tartaolia, 4537; der Festungsbau von Francesco de Marchi, 4699; das 



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370 Drittes Buch. Chtesimodoktalogie. 

gMambite Kriegswesen »einer Zeit «oschaiüich geschildert vofk Lhd. FapHS- 
PttBGiSB, 4505. Im 47. Jahrb. standen die Lehrbücher der Spaaier in 
grossem Ansehen. Dnrch die Niederländer Sneli und Sterin wnrde der 
Festangsban tervollkommnet. Wesentliche Veränderangen in der Kriegs- 
kunst durch König Gnstav Adolf, dessen System die meisten grossen Feld- 
herren befolgten. Schriftsteller : Momtbcuguli, Mobitz, Marschall von Sachsen, 
4^96 — 4750, RiMPLBB, t 4663, VAtBAN, 4688, Bilfiugbb, 47B3, Bblidob, 
4729) Robins, Eulbb, 4745, J. db Beaubain, f 4774 , FbiBdBich d. Gr., 
Lloyd, 4767, Güibbbt, 4770, Tiblkb, 4775, v. Tbmpblhoit, 4783, Saldbbn, 
4784, ▼. Bbbbnhobst, 4798, P. Gb. b'Abct, Jban lb Blo)id, Montai^embebt, 
4776; im 49. Jahrb. :• Cabitot , Sohabnhobbt, H. t. Bölow, Johini, 
Valbntint, Napoleon, Erzherzog Kabl, Glacsewitz n. A. Chambbat, 
Veränderangen der Kriegskunst von 4700 — 4845 (deutsch 4830). Cbbast, 
The ifteen decisive batdes of the World , 4 854 , und danach gearbeitet 
T. Bbb&bok, Das Buch der Schlachten, 4856. ▼. Wickbdb, Vergleichend« 
Charakteristik der östreichischen , preussischen , englischen und französischen 
Landarmee , 4 866. Sormabda und Möbabbleb , Vollständige Anleitung zur 
Feldbefestignngsknnst, 4856. Jordan, G^chiohte der brandeoburi^sch. 
^renssischen Kriegsmarine, J 856. 



Sechsundvierzigstes CapiteL 

Bechtswissenschaft. 

§« 618. Was i«t von der Behauptung v. Kirchmann^s 

(4847) tn halten 9 dass die Jurisprudenz keine Wissenschaft 

sei? Enoyklopadien (seit Pütter, 4767) und Methodologien 

von Hufeland, Mühlenbruch, Thibaut, Falck, Weh^ker, 

Wamkönig (4853), Ahrens (seit 1855) u. A. 

^^ TiTTMANN , Handbuch für angehende Juristen ( neue Aufl. Ton Pfotbk- 
HAUEB)^ 4846. STiLHL, Pbüosophie des Rechts nach geschichtlicher Ansicht, 
4830—37 n. 1845 — 46. Ersch, Literatur der Jurisprudenz und Politik, 
<S. A.) 48S3. Die Literatur A&c Gesetze gibt MiTTBRMAUsa in seinem 
Privatrecht, (7. A*) 4847. — Quellen der Rechtswissenschaft: 
Dabblow , Geschichte sammtlicher Quellen des gemeinen deutschen positiven 
Rechts, 4797. — 2ur Rechts geschieht e: Filakgosbi, Scienza della 
leglslazione, 4780 fg. Gogubt, De Torigine des lois, des arts et des 
-^^cieaces, 1758* Pastorbt, Hist. de la legislation, 4847 — 37. Mbtbr, 
E6prit, origine et progrbs des institutioDS judiciaires des principaux peuples 
de TEurope, 4849—33. Ga«6, Das Erbrecht in weltgeschichtlicher Bnt-^ 
Wickelung, 4824 — 35.. Esmaboh, Römische Rechtsgesohichte, 4855. — ^ 
Zur Specialrechtsgeschichte: für griechisches (attisches) Recht: 
Pbtitüa, Wbssbuno, Salmasiüb, Hbbaidtjs, BuNffBK, Pastobbt, ScBd- 
MAMN (Antiquitates jnr. public. Graec, 4838), Mbieb, Platnbb (Notiones 
juris etc., 4849), Hbfftbb, db Boob, Zachabi a y. Lingbnthal (Geschichte 
des griechisch - römischen Rechts ); für französisches: Silbbbbad 
und Fleubt, Bbbbaboi (De l'origine et des progr^ de la l^giaUtion 
fran^., 4846), Wabnkökig, Schaffnbb; für englisches: Halb (Historj 
of the common law of England, 4660 u. 4794), Rbnvbs (Hist. of the 
English law, 4844—29), Cbabb, Stephbb; Phiupp (Gesduchte des angel- 
sachsischen Rechts, 4825), Sghmid (Die Gesetze der Angelsachsen, 4832). 
Amhbb, Dänische Rechtsgeschichte (in seinen gesammelten Sefariften), 4807» 
KoLDBBup. Rosen viMeB, Grundriss der dänischen Rechtsgeschichte (deotsch 
von tiomeyer 4825). Ewebs, Das älteste Recht der Russen in «dner 



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Sechsundvierzig9te$ Capitet. Rechtswissenschaft. 371 

geschichtlichen Entwickelnng, 4826. -^ Zur Rechtsdogmatik: Mbrlin, 
Repertoire universel. Vuibb, General abridgement, 4 744 . Möller, Promtoa- 
ri am juris, 4799 — 97» nnd Bateb*s dazu gehöriges Snpplementum , 4800 fg* 
Daxi^os gab seit 4825 ein Bepertorinm der Reobtfwissentchaft heraus und rer- 
anstaltet jetzt eine neue Auflage: Jurispmdence generale, ou r^pertoire m^tho- 
diqne et alphabötique de doctrine, de jorisprndence et de I^gislation etc., 4855. 

§. 619. •Rcohtstheile: 1) OeffeuÜiches Recht». 

a) Staatsrecht®, b) Eegierungsrecht. c) Kameral- und 
Finanzrecht', d) Volkerrecht. 2) Privatrecht*, a) Civil- 
recht • (Personen-, Sachen-* und Obligationenrecht). 

b) Blirchenrecht. c) Polizeirecht ^ d) Criminalrecht. 
e) Processrecht. 

Dem sogenannten speciellen Privatrechte gehören an: 
das Privatfiirstenrecht, Kriegs- oder Söldatenrecht , Lehn- 
recht, Handels-, Wechsel-', Assecuranz- und Seerecht •, 
Deichrecht. 

1 Maubbubrcchbb, Die deutschen regierenden Fürsten und die Sou- 
veräiietat, 4839, mit Stasl*s Recension in Richter's Kriti^hen Jahr- 
büchern, IX, 97 fg. — ^ Bearbeitet seit Arumaus, f 4637, Cocobji 4695, 
Moses, f 4785, PCttbr, f 4807, Aretin, f 4824. Rottbck, Staatsrecht 
der constitutioneUen Monarchie, 4824. Heffter, Beitrage zum deutschen 
Staats- und Fürstenrechte, 4829* Hopfbhsaok, Staatsrecht der TJnterthanen 
der Romer, 4829. Römnb, Staatsrecht der preussischen Monarchie, 4856. 
ZöPFL« Grundsätze des Staatsrechts (4. A.). — * Das Wort camera kommt 
schon im 9* Jahrb. in der Bedeutung von Schatzkammer oder fürstliches Ver- 
mögen vor. — ^ Untbbholznbr, Üeber die Classification der Privatrechte, 
in dessen Abhandlungen, 4840. Gerber, Das wissenschaftliche Princip des 
gemeinen deutschen Privatrechts, 4846. Eraijt, Grnndri^s der Yorleisungen 
über das deutsche Privatrecht, 4830. — ^ Heise, Grundriss eines Systems 
des gemeinen Civilrechts, 4849. — ^ ▼. Satight, Das Recht des Besitzes, 
(6. A.) 4837. — ^ LoTz, Ueber den Begriff der Polizei, 4807, und 
Kurze Geschichte der Polizeigesetzgebung in Deutschland. Jacob, Grund- 
sätze der Polizeigeset^gebung, 4809. Henbici, Theorie der Polizei Wissen- 
schaft, 4808 u. 4840. Rosshibt, üeber Begriff und eigentliche Bestimmung 
der Staatspolizei, 4847. Mohl, Die Polizei Wissenschaft nach den Grund- 
sätzen des Rechtsstaates, (2. A.) 4844. Ueber das Untersuchungs- und 
Bestrafungsrecht der Polizeibehörden, im Neuen Archiv des Criminalrechts, 
S. 273—289. — 8 PüTTMAWN,herausgeg. von Martebs 4805, Trbitschke 
4830, Mbissneb 4836, Einbbt 4839. Abenz, Ueber Ursprung und Ent- 
Wickelung des Wechsels und des Wechselrechts, 4855. — ^ Lex Rhodia 
de jactu im Cod. lY, Tit. 60. Barcelona^« Consolato del mare. Wisby's 
Waterrecht im 43. Jahrb. Pabdessus, Coli, des lois maritimes ant^rieures 
au 48"'® si^cle, 4828. Wissenschaftliehe Bearbeitungen: in England von Ro- 
BinsoN, Wabd, Howabd, Whbatou ; in Frankreich von Audouin, Ratnetal, 
BoDOHBR und Boulat-Patt, Conrs de droit eommercial maritime, 4824; 
in Italien von Galianj, Azumi, Systema univers. dsi principj del diritto 
marit., 4759; Plaktanida, Della giurisprudenza maritima, 4806; in Deutsch- 
land von V. Martens, Gildumbistbr , BvseH, Jacobsoi?, EngUsehes See- 
recht, 4805; Seereeht des Friedens und Krieges, 4845. Sammlung von 
Handelsgesetzen von Maiseau, Repertoire universel du commerce et de la 
navigation, 4 824 — 27. Lehrbücher von v. Martens 4 820, Bebdeb 4 824 — 28> 
P5HLS 4828—34, v. Kaltbnbobn 4852 — 53. Habdeb, Das Sehiffs- und 
Seerecht, 4855. 

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372 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

§. 620. Das Naturrecht erscheint in den Schriften 
des Alterthums noch nicht von der Moral abgesondert^. 
Als Grunder des Naturrechts kann Hg. Grrotius angesehen 
werden, dessen Werk ,De jure belli et pacis', 1625*, zu- 
nächst nur volkerrechtliche Verhältnisse zum. Gegenstande 
hat, aber durch seinen grossen Einfluss auf Philosophen 
und Rechtsgelehrte ' die darauf folgende Bearbeitung der 
Wissenschaft entschied. Der erste Lehrstuhl des Natur- 
und Volkerrechts wurde 1661 in Heidelberg für Sm. Pufen- 
dorf errichtet, dessen ,Naturrecht' 1672' erschien*. Die 
Geschichte der Wissenschaft^ und der verschiedenen natur- 
rechtlichen Systeme geben: Oersted, 1798, Henrici, 1810 
und 1822, Hinrichs, 1829, Lintz, 1846. Kritische Unter- 
suchungen enthalten: Feuerbach, 1796, Schleiermacher, 4803, 
Hoffbauer, 1816, Stahl ^ Hegel«, Gärtner % F. v. Raumer», 
Hufeland, Schmid, Fichte, Koppen, Gros, Hoffbauer, Bauer, 
Droste- Hülshoff, Reinhold, Fries ^ Ueber positives gott- 
liches Recht: Hg. Grotius ^^. Ueber Mosaisches Recht: 
Michaelis, 1770—75, und Saalschütz, 1846 ^^ 

1 Stephan, Ueber das Verhältniss des Natnrrechts zur Ethik und 
zum positiven Rechte, 4845. — * Beste Ausgabe von S. v. Cocceji, 
franzosisch von Barbeyrac, 4724 u. 4786. — * Hbrbabt, Analytische 
Beleuchtung des Naturrechts und der Moral , 4 836 , S. 55 fg- — * Fran- 
zosisch von Barbeyrac, 4742. — * Philosophie des Rechts, wie vor ihm 
LuDOvioi, Glafby und Meister. — * Werke, I, 323. — ''De summo 
juris naturalis problemate, 4838. — ^ Ueber die geschichtliche Kntwicke- 
lung der Begriffe von Recht, Politik und Staat, (2. A.) 4830. — ^ Politik 
oder philosophische Staatslehre, herausgeg. von Apel, 4848. — ^^ Jus 
belli et pacis, I, 4, §. 45. Schömann, Handbuch des Civilrechts, 4806, 
II, 32 — 42. Hammsen, De nonexistentia legum divinarum positivarum 
universalium, in Opuscul., 4755, p. 57 — 200. — *^ Zur Kenntniss der 
bürgerlichen Verfassung der Juden in den neuem Staaten dienen die 
Schriften von Dohm, 4784 , Fischeb, 4763, unl v. Löwenberg (oder Tben- 
PELENBCBG), 4768. LiPS, Ueber die künftige Stellung der Juden in den deut- 
schen Bundesstaaten, 4849. Ueber die juristische Literatur der Juden: Homhel 
in seiner Bibliotheca, 4762. Tobnavw, Das moslemische Recht , 4855. 

§. 621. Das romische jus civile^ in drei Perioden: 
1) die leges regiae unter den Königen 2; 2) zur Zeit der 
Republik die senatusconsulta, leges conturiatae und curiatae, 
plebiscita , edicta praetorum , responsa prudentum , leges 
-decemvirales s. XII tabularum '; 3) unter den Kaisern die 
constitutiones und rescripta imperatorum s. principuna und 
die Opera Ictorum*. Jus Flavianum und Aelianum. Juri- 
stische Schriftsteller: Q. Fab. Pictor, Serv. Sulp. Rufus *, 
ein Zeitgenosse Cicero's, Gajus, Papinian, Ulpian, Paulus, 
Modestinus \ Die Sabinianer und Proculejaner ^. 



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Sechsundvierzigstes Capitel. RecfUswissensehafi. 373 

1 SiQOivius, De antiquo jure Rom., 4560 u. 1745. Nibbchr, Römische 
Geschichte, Bd. i u, 2, 4844 u. 4842 (3. A., 4828 u. 4830), Bd. 3, 4832. 
Dessen Vorträge über römische Geschichte heransgeg. von Isleb, 4846 — 48. 
Waghsmuth, Die ältere Geschichte des römischen Staats, 4849- Baoh, 
Hist. jurisprudentiae Rom., (6. A.) 4807. Gibbon, Historische Uebersicbt 
des romischen Rechts mit Anmerk.; deutsch von Hugo, 4789- Huoo, 
Lehrbnch der Geschichte des römischen Rechts, (44. A.) 4832} womit zu 
verbinden sind die Arbeiten von Schilling, Zacharia, Schwbppb, Zimmbbm, 
BuROHARDi, Walter, Christiansen, Thibaut, Klimbath. Hufbland, 
Uebcr den eigenthümlichen Geist des römischen Rechts, 4845. Nägele, 
Ueber altitalisches und römisches Staats- und Rechtsleben, 4849. Rcbino, 
Untersuchungen über römische VerTassung und Geschichte , 4 839. Göttling, 
Geschichte der römischen Staatsverfassung, 4840. Petbr, Epochen der 
yerfassungs|;eschichte der Stadt Rom, 4844. — * Gesammelt von Mbrüla 
und Hoffmann. Gravina, De ortu et progressu juris civilis, cum notis 
Mascovii, 4747. Heineccii Antiquitates Rom., 4748 u. 4840. Haubold, ' 
Institutiones juris Rom. privat! historico - dogmaticae , 4844. Dirksbn, 
Uebersicht der Versuche zur Kritik und Herstellung von den XJeberbleibseln 
der Gesetze der römischen Könige, in dessen Versuchen zur Kritik und 
Atislegnng der Quellen des römischen Rechts, 4823. — ' Die Literatur gibt 
'^^ HAüBOLP y Institutiones )uris Rom, literariae « 4808. Haübold-Spanobnbbbg, 
Antiquitatis Rom. monumenta, 4830. Dibksbn, Uebersicht der bisherigen 
Versuche zur Kritik und Herstellung des Textes der Zwölftafelgesetze, 4824. 
Frangkb, De edicto praetoris urbani, praesertim edicto perpetuo, 4830. 
Rosshirt, Ueber die Tendenz des prätorischen Edicts und das Verhältniss 
desselben zum Civllrecht, 4842. ▼. Wethb, Libri tres edicti, s. de origine 
fatisque jurisprudentiae, praesertim edictorum praetoris ac de forma edicti 
perpetui, 4824. Krbyssig, De auctorum et commentatorum verbis in 
Digestorum interpretatione distinguendis observationes , 4847. Conradi, 
De praetore peregrino, in Parerga, 4740. Einige Abhandlungen von 
Dirksen, in den Vermischten Schriften. — * Abbog, De jurisprudentia 
apud Romanos snb primis imperatoribus , 4827. Garzetti, Della condizione 
d'Italia sotto 11 governo degli Imperator! fomani, 4836. — ^ Ueber ihn 
Schneider, 4834* — * Dirksen, Ueber die Spuren historischer Kritik 
und antiquarischer Forschung in den Schriften der römischen Juristen, in 
dessen Versuchen zur Kritik und Auslegung der Quellen des römischen 
Rechts. — "^ Dirksen , Ueb6r die Schulen der römischen Juristen , in 
dessen Beiträgen zur Kunde des römischen Rechts, 4825. .v. LÖhr, Ueber- 
sicht der das Privatrecht betreffenden Constitutionen der römischen Kaiser von 
Konstantin bis Theodosius II., 4844, und von Theodosius bis Justinian, 4842. 
Rhoer, De effectu relig. christ. in jurisprudentiam Rom., 4776. Troplong, 
De rinfluence du christianisme sur le droit civil des Rom., 4843. 

§. 622. Justinian liess 528 durch seinen Magister oflGi- 
ciorum Tribonian eine Sammlung früherer Gesetze veran- 
stalten, welche 529 als Codex primus oder vetus zu Stande 
kam. Hierauf erhielt Tribonian mit 16 Gehülfen den Auf- 
trag, die Schriften der alten Rechtsgelehrten zu excerpiren 
und zu ordnen. Es waren 2000 Schriften mit tricies centena 
millia versus. Daraus entstanden die ,Pandekten' oder 
,Digesten', deren Widersprüche Justinian durch 50 deci- 
siones entschied ^ Darauf liess Justinian für Schulen durch 
Tribonian, Dorotheus und Theophilus ein Elementarbuch 
entwerfen, welches ,In8titutiones' genannt und am 21. Nov., 



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374 Drittes Buch. ChreHmodoktologie. 

sowie die Pandekten am \ 6. Dec. 533 publicirt wurden *. Die 
neue Bearbeitung des Codex durcli Tribonian, 534, erhielt 
den Titel ,Codex repetitae praelectionis'. Spätere Verord- 
nungen Justinian^s kamen in die Sammlung der ,Novellae 
leges^ oder ,Neapat SiaTa§ei<;S deren griechisches Original 
erst 4531 durch Haloander bekannt wurde. Ein Auszug aus 
den ,Novellen' erfolgte durch Julian 570. Die Noyellen 
heissen auch Authentiken nach einer Benennung der Glos- 
satoren, die ihre Auszüge mit dem Zusatz ,ex authentica^ 
bezeichneten. Die ,Authenticae Fridericianae^ sind 43 Ver- 
ordnungen der deutschen Kaiser Friedrich's I. und EVied- 
rich^s II. mit Gesetzeskraft. 

1 Commentar von Edm. Mbbillus. Ueber Pandekten: GlGck, MOhlbh- 
BBUCB, Thibaut, Göschbn, Pcohta, Wabgbbow. — s Lehrbücher über 
Institationeii von Westbbbebo» Höpfitbb, Zaohabia, Hofackbb, Hüqo, 
Konopak, Marbldbt, Rosshibt, Wabbkönio, Pdohta, JLang, Marbzoll. 
Ttdbmabb, De juris civilis apnd Romanos docendi discendiqne Tia, 4837. 
Schmidt, Methode der Auslegung der Justinianischen Rechtsbücher und 
Prüfung der bisher befolgten Methoden, 4855. 

§. 623. Anhänge zum Corpus juris Romani: 1 ) dreizehn 
Edicte Justinian^s in griechischer Sprache (lateinisch von 
Agylaus); 2) einige Verordnungen Justinian^s, Justin's II., 
Tiberius' IL; 3) Verordnungen Kaiser Leo's des Philosophen, 
886 — 894; 4) die Constitutionen des Heraklius, Nicephorus, 
Constantinus Porphyrogennetus U.A.; 5) das longobardische 
Lehn- oder Feudalrecht, gesammelt zwischen 4158 — 68 aus 
Gerardus Niger und Obertus ab Orto, und dem Corpus 
juris angehängt durch Hugolinus a Presbyteris unter Fried- 
rich n. als Libri feudorum. Dazu fugte Jacobus de Ardizone 
im 13. Jahrh. noch Capitula extraordinaria. 

§. 624. Die Kaiser Basilius Macedo und sein Sohn Leo 

veranstalteten in griechischer Sprache ein neues Gesetzbuch, 

dessen neue Ausgabe 912 Constantinus Porphyrogennetus 

besorgen liess und unter dem Titel ,Basilica' oder ,Libri 

Basilicorum' (Uebersetzungen der Institutionen, Pandekten, 

des Codex und der Novellen Justinian's) herausgab \ 

> Ausgabe Ton Fabrot, 1 647, und Meermann. Hbrrmann, Hist. corp. 
juris Just., 4734. Möntrbuil, Hist. du droit byz., 4843* Bibnbb, Ge- 
schichte der Novellen, 4824. 

§. 6S5. Im 19. Jahrh. wurde das Corpus juris zu einem 
geschlossenen Ganzen vereinigt: die Institutionen, Pandekten, 
der Codex ^ die Novellen und die Lehnrechtssammlungen. In 
demselben Jahrhundert begannen auch die Glossatoren ihre 



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Sechsundvierxigstes Capifel. RfchtiwiMsenschaft, 375 

Arbeit. Imerius (Werner) zu Bologna war der erste Lehrer 
des römischen Rechts im Mittelalter und erster Glossator; 
ihm folgten seine Schüler Bulgarus, Martinus, Placentius, 
Pileus und Azso. Alle diese Glossen sammelte im Anfange 
des 13. Jahrh. Accursius und gab das ,Corpus juris glos« 
satum^ heraus K Spätere Rechtslehrer: Haloander (Hoff* 
mann), f 1531, Augustinus, f 1585, Cujacius (Cujas), f 1590, 
Gothofredus (Godefroi), f 1652, Schulting, f 1734, Hei- 
neccius (Heinecke), f 1741, Haubold, f 1834, Göschen, 
t 1887, u. A. Die historische (Sayigny, Puchta, Dirksen) 
und die nichthistorische (Thibaut', Gans) Schule. Bach, 
Mühlenbruch, Hugo, Schilling, Schweppe, Gründler, Zim«- 
mei'n, Klenze, Walter, Rein, Danz, Pemice, Burchardi u. A. 

Sammler des voijustinianischen Rechts: Haubold, Spsa- 
genberg, Schulting und Ayrer, Schilling, Hugo, Böcking; der 
lastitutionen: Haloander, Cujacius, Biener, Schrader, Klenze, 
Böcking; der Digesten: Haloander, Taurell; des Gonstitu^ 
tionen-Codex: Haloander, Contius; der Novellen: Haloander. 

G(«saiiinitaa8gaben von MibIüs, Nitblius, Rüssakdüs, C!onviu6, Pa- 
CIV6, GoTHOFSBDDS, 4598 fg., Bahdoea, 4593 fg., die amstndmii^r 4664* 
Beck, 4825 — 36, den Gebrüdern Eriegei. und nach deren Tode HsRitMANir 
und pSBNBBÜGGBN, 4 8S8 — 44 , Sohradbr, seit 4 8311. Deutsche Uebersetzungen 
von Otto, Schilling mid Sintenis, 4830 — 33; 2, Auü.^ 4839* 

§. 626. Das kanonische Recht floss theils aus den 
Kirchenordnungen (xav6ve<;), theils aus den kaiserlichen 
Gesetzen (v6(jloi), welchen, insoweit sie die erstem auf- 
hoben^ im 6. Jahrh. der Vorzug zugestanden wurde. Unter 
den kirchlichen Beschlüssen galten vornehmlich die auch 
von Justinian als Quellen des kirchlichen Bechts ausdruck- 
lich anerkannten der vier grossen Kircbenversammlungen 
zu Nicäa, Konstantinopel, Ephesus I. und Chalcedon. Von 
den zahlreichen kirchlichen Sammlungen gilt die des J. Scho- 
lasticus (565 — 575) in 87 Abschnitten (,No(jLtxa xe^dtXata'), 
aus den Justinianischen Novellen gezogen, als die älteste. 
Der ,Nomokanon^ des Fhotios ist in den östlichen Ländern 
am stärksten benutzt und, seitdem (45. Jahrh.) er sich auch 
in den westlichen verbreitete, zur Vervollständigung des 
Justinianischen Codex (zuerst von Contius) angewendet 
worden. Thdr. Balsamen, 1466^77, Mth. Blastares, 1330. 

Das abendländische Kircheijirecht erwuchs nach den 
nach oströmischen Mustern angelegten Sammlungen, kaiser- 
lichen Verordnungen und kirchlichen* Synodalbeschlussen. 



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376 Drittes Bueh. Chresimodoktologie. 

Die älipste Sammlung ist ^risoa^. Eine vollständigere machte 
DionysittS Exiguus in Rom, 527, worin die Constitutionen 
und Ausschreiben der romischen Bischöfe chronologisch 
geordnet sind. Eine Sammlung veranstaltete auch Isidorus 
von Hispalis, 630- Die ,P8eudoisidorischen Decretalen' wer- 
den zuerst von Papst Nikolaus I. angeführt Vorlesungen 
über kanonisches Recht wurden schon 4152 zu Bologna 
gehalten, nach Gratianus (f 4 458) ,Concordantia discor- 
dantium canonum^ oder ,Corpus decretorum', spater ,Decre- 
tum Gratiani^ genannt. Dazu kam im 4 3. Jahrh. die Samm- 
lung späterer päpstlicher Entscheidungen oder Decretalen 
in fünf Büchern, welche auf Befehl Gregorys IX. durch 
Raimund von Pennaforte 4234 zusammengestellt und vom 
Papste den Universitäten zu Bologna und Paris geschenkt, 
aber schon • für etwas Aeusseres , Hinzugekommenes und 
daher mit dem Ausdruck Extra bezeichnet und citirt wurden. 
Dann liess Bonifaz YIll. dieser Sammlung ein sechstes Buch 
4298 hinzufugen. Durch Clemens V. kamen 4 34 3 die Schlüsse 
der Kirchenversammlung von Vienne von 434 4 als siebentes 
Buch der Decretalen oder Clementinen hinzu, und hiermit 
war das Corpus juris canonici geschlossen. Einen Anhang er- 
hielt es in der Folge durch die ,Extravaganten^ Johannas XXII., 
Eugen's IV., Paul's 11. und SiKtus' IV. Unter den Glossa- 
toren zeichnen sich aus: Hugucio, f 4242, J. Teutonicus 
(Azzo's Schüler), f 4243, Bartholomäus de Brescia, f 4258, 
W. Durantis, f 4 296, J. Andrea, f 4 348, And. Barbatius, f 4 460, 
Ant. de Rosellis in Padua, f 4467, der Spanier J. de Turre- 
cremata, f 4 468. Seit dem 4 6. Jahrh. waren für das kano- 
nische Recht thätig: die Gebruder Pithou, f 4596 und 4607, 
Canisius, f 4669, Paolo Sarpi, Ric'her, f 4634, die Spanier 
Augustinus und Macarez, 4 744, Hontheim, f 4794, Jeger, 
Baron von Espen, +4728, Sauter, 4805, Brendal, 4823 K 

Das protestantische Kirchenrecht ist in Ermange- 
lung einer kirchlichen Verfassungsurkunde und fester Grund- 
sätze über das Verhältniss des Staats zur Kirche ^, über 
welches seit Hg. Grotius, 4647, gestritten wird, zur wissen- 
schaftlichen Bearbeitung wenig geeignet. Sammler sind: 
J. H. und G. B. Böhmer, Pf äff, 4753, Schmalz, Walter, 
Eichhorn, Richter, 4842, U.A. 

^ Glück, Praecognita uberiora jurispradentiae ecclesiasticae , 4786. 
Wbbbb, lieber das Corpus juris canonici, im ersten Anhange zu Höpfnbb's 



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Sechsundvieraigstes CapUel. ReMswissenschaft. 377 

Commentar. Die neueste Ausgabe von Richter, 4833-^39; deutsclie 
Uebersetzungen von Br. Schilling und Sintenis , 4835 — 39. Weiss, 
Corpus juris ecclesiastici Catholicorum hodierni, 4833- — * Genglbr in 
der tublnger theologischen Quartalschrift, 4832, Heft 3; Hanbl, 4835, 
Gjladstone, 4842. 

§. 627. Dais deutsche Recht blieb bis zur Volkerwan- 
derung ein traditionelles K Seitdem entstand jedoch ein Be- 
dürfniss nach Aufzeichnung, hervorgerufen im Allgemeinen 
durch die infolge der Eroberung auf römischem Gebiete 
und der Annahme des Christenthums veränderten Lebens- 
verhältnisse der Germanen^. In der Regel werden die 
Rechtsdenkmäler vom 5. — 9. Jahrh. als Leges barbarorum 
s. populorum bezeichnet; in Deutschland ist auch der Aus- 
druck Volksrecht für dieselben gebräuchlich. Die erste 
Sammlung von Rechtsformeln von Marculf in der Mitte des 
7. Jahrh., der karolingischen Capitularien 827 von Anse- 
gisus und 845 von Benedictus (Levita). 

Vom Anfange des 9. bis zum Anfange des 15. Jahrh. 
entwickelte sich ziemlich ungestört das deutsche Recht und 
sprach sich in mannichfachen Organen aus: in Urtheilen, 
autonomischen Satzungen von Corporationen (Statuten), 
in Weisthümem ^ u. s. w. Das Dienst- und Hofrecht, als ein 
ritterliches und bäuerliches , und ersteres wiederum als Lehn- 
recht (jus feudale) für die Vasallen und als Dienstmannenrecht 
für die Ministerialen. Die Stadt- oder Weichbildrechte*. 
An die Stelle der Capitularien traten die Constitutionen der 
deutschen Konige ^, 

Eine eigentliche Rechtsliteratur entstand in Deutschland 
nicht vor dem 1 3. Jahrh. Sie beginnt mit einem trefilichen, 
in deutscher Sprache geschriebenen Werke, das sich selbst 
,Sachsenspiegel% sächsisches Landrecht, auch Landrecht 
schlechthin nennt und das Recht der freien Bewohner Sach- 
sens darstellt, dessen wesentliche Grundlage aber eine dem 
ganzen deutschen Volke gemeinschaftliche war. Weiske und 
Reyscher nahmen 4 1 70 als Jahr der Abfassung des ,Sachsen- 
spiegel' an, Luden ein Jahrhundert später, nach der ge- 
wohnlichen Annahme zwischen 4245 — 35, nach Sachse 1226. 
Als Verfasser wird ein anhalter Ritter und Schöffe (Eicke) 
Eckhardt von Repgow erwähnt «. Bald folgte das Kaiser- 
recht, oder Spiegel kaiserlichen und gemeinen Landjrechts, 
oder, wie es seit dem 17. Jahrh. genannt zu werden pflegt, 
der ,Schwabenspiegel% mit der Tendenz, das in ganz 



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378 J)rUt$$ Bueh. Chrfi$imodolUolo^$. 

Deutschland geltende Recht darzusteUen. Die Zeit seiner 
Abfassung ist zwischen 4276 — 87^. 

In das 14. und 45. Jahrh. gehören die Glossen des 
,Sachsenspiegel^ (die älteste yon v. Buch, 4340, die magde- 
burger Schoffenglosse) , das sächsische Weichbild, das Land- 
recht des F&rstenthums Breslau. An den ,SchwabenspiegeP 
lehnt sich das Bechtsbuch Ruprechtes von Freisingen aus 
der ersten Hälfte des 44. Jahrh.; das sogenannte kleine 
(lüttele) Kaiserrecht. Im 45. Jahrh. wurden die in Sachsen 
entstandenen Rechtsbücher in alphabetischer Ordnung unter 
der Benennung A.B.C., Diarien, Register, Remissorien, Slotel 
oder Schlüssel mehrfach bearbeitet. Rechtsbuch Kaiser Lud- 
wig^s Yon Baiem. D^s sogenannte östreichische Landrecht. 
Die Rechtsbücher der sieben friesischen Seelande (darunter 
das ,Asegabuch^). Einfuhrung des romischen Rechts, das im 
Reichskammergericht (seit 4495) bald das entschiedenste 
Uebergewicht erlangte. Zugleich Einfuhrung der longobar- 
dischen Lehnrechtssammlung (Feudorum liber). Fonnular- 
bücher. 

Wissenschaftlicher behandelt wurde das deutsche Recht 

zuerst gegen Anfang des 46. Jahrh. in dem ,Ritterlichen 

Klagspiegel' (unbekannter Verfasser) und in dem ,Laien- 

spiegel' (von U. Templer; beide von Seb. Brandt). Die 

Land- und Stadtrechte sind vollständig zusammengestellt 

von Mittermaier und Maurenbrecher ®. Das deutsche Recht 

wurde durch das romische immer mehr zurückgedrängt, bis 

sich in der zweiten Hälfte des 47. Jahrh., angeregt durch 

Conring, Schilter, Thomasius U.A., eine gelehrte Opposition 

gegen das romische Recht entwickelte. Ch. Beyer hielt 4 707 

zu Wittenberg die erste Vorlesung über deutsches Recht in 

Deutschland und schrieb das älteste Lehrbuch darüber 4748. 

Jedoch ist das deutsche Privatrecht erst seit Ende des vorigen 

Jahrhunderts, seit den literarischen Bestrebungen von Just 

Moser, Just. F. Runde und C. L. Runde und K. F. Eichhorn, 

wissenschaftlicher begründet und dem romischen Recht ein 

ebenbürtiger und gefährlicher Nebenbuhler geworden •. Die 

bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete des deutschen Rechts 

in unserm Jahrhundert sind Mittermaier, Maurenbrecher, 

Wilda, Reyscher, Albrecht, Weiske, Beseler u. s. w. 

1 Die Geschichte desselben von Heinbooius, Eichhobm, t. Lindbloff, 
T. Low, ZöPFL, Pbiupp, Waitz. — s RooQB, Ueber dai Gerioht«wef«i 



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Sechsundvienigstes CapUel. RechUwissenschaft. 379 

der Germanen. — * Sammlung von Jak. Gbimu. — * Gaufp, 4824. — 
^ Ueber deutsches Privatrecht Mittb&maibb , Obtloff ■, Ebaut. — 
^ Spanoenbbbg, Beiträge zur Kunde deutscher Rechtsalterthümer, 4824. 
Hombybb, Ausgabe des Sachsenspiegels. — ^ Ausgabe von Lassbbbo und 
Wackebkaoel, 4840. Oben §. 448. — ^ Gbündlbb, Uebersicht der in 
den deutschen Bundesstaaten geltenden Land- und Lehnrechte, 4832. —* 
^ Hillebband, Lehrbuch des heutigen gemeinen deutschen Priyatrechts mit 
Einschluss des Handels- und Lehnrechts , 4849. Wilda und Rbtscheb sind 
die Begründer der Zeitschrift für deutsche Bechtswissenschaft, 4839 — 42« 
Ebebtt, Zeitschrift für volksthümliches Becht und nationale Gesetzgebung, 
4844- Beselbb, System des gemeinen deutschen Priyatrechts, 4866. 

§. 628. Die gesetzlichen Herkommlichkeiten über Lehns* 
Verhältnisse wurden zuerst in Italien zusammengestellt. Das 
,Longobardisclie Lehnrecht% Buch I (gültig nach 1160), 
wurde von dem mailändischen Consul Gerhard (vor 1136) 
gesammelt. Von den vier Anhängen gehört ihm nur der 
letzte. Titel 1 — 11 des zweiten Buches sind von dem mai- 
ländischen Consul Obert, 1158 — 78, die übrigen Anhänge 
von verschiedenen Verfassern, 1160 — 76, mit mehren zum 
Theil spätem Einschaltungen. Diese beiden Bücher bildeten 
1175 ein Ganzes. Die letzten 31 Titel sind Collectaneen: 
Titel 52 — 58 wurde von Doctoren in Bologna mit dem 
Liber feudorum vereint und dieses in das Volumen parvum 
aufgenommen und glossirt. Der erste Glossator war Pileus. 
Die glossa ordinaria sammelte Accursius. Hugolinus (1255) 
veranstaltete eine neue, viel veränderte Recension des Lehn- 
rechts. Von den zwei Extravagantensammlungen (,Capitula 
extraordinaria') ist die erste von mailänder Schöffen (vor 1 220), 
die zweite von Jacobus de Ardizone, 1 220 — 33. Friedrich's EL. 
Gesetzgebung (1231) für Neapel und Sicilien. Das rein 
geschichtliche Lehnrecht konnte jedoch selbst durch viele 
Ordner und Sammler (Schilter, 1695) wissenschaftlich nur 
wenig gewinnen. 

DiECK, Literaturgeschichte des lömbardischen Lehnrechts bis zmn 44* 
Jahrh., 4828. Das Corpus feudorum ist herausgegeben von Losig 4727, 

SCHILTBB 4728, V. ^EMKENBEBO 4772* 

§. 629. Sammlungen der Eeichsgesetze: 

Durch BöHMEB von 900- — 4400, 4832. Pebtz, Monumenta Genua« 
niae historica, 4837, enthalten die Reichsgesetze von 946 — 4343. Das letste 
Beichsgesetz wurde 4654 erlassen. Sbnkenbbbg, Sammlung der Beiehs- 
abschiede sammt den wichtigsten Reichsschlüssen, 4747. Einen Auszug 
daraus gibt Emminohads : Corpus juris Germanici tarn publlci quam privat! 
academicum, 4824, zugleich mit den neuern, Deutschland betreffenden 
Friedensschlüssen, Staatsverträgen und Beschlüssen der Bundesversammlung. 

§. 630. Die wissenschaftliche Bearbeitung des deutschen 
Staatsrechts beginnt in det Mitte des 44..Jahrh.9 namentlich 



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380 I>riUes Buch. Chresimodoklologie. 

mit den durch die Streitigkeiten zwischen Papst und Kaiser 

hervorgerufenen Schriften des. Marsilius von Padua und 

Leupold von Bebenburg. Arumäus machte es in Jena bald 

nach 1600 zum Gegenstand eines eigenen Vortrags, und 

Dn. Otto lieferte 1616 das erste Compendium. 

PCttbb, Literatur des deutschen Staatsrechts, t. Lahcisoixb, Ueb«r- 
sicht der deutschen Reichsstandschafts- und TerritorialYerhältnisse eic^ 1830. 
Uaberlin, Handbuch des deutschen Staatsrechts, 4799. Lehrbii<dier Ton 
List, Elübbr, GÖnmeb. Mosbb, Grosses deutsches Staatsrecht in 50 Qnart- 
banden, 4766 — S2. Winkopf , Die rheinische Conföderation , 4808. 
^lübeb, Staatsrecht des Rheinbundes, 4808. Frankfurter Abdra<^ der 
Bundesacte, 4846. KlSbeb, Uebersicht der diplomatischen Verhandlungen 
des Wiener Congresses etc., 4846. Elwebs, Die HanptqneUen des deut- 
schen Bundesstaatsrechts, 4824. Lehrbücher von Kl6bbb, Dbbsch, Run- 
HABT, Zachabia. Gäbtnbb, Ueber die Behandlung des deutschen Staats- 
rechts, 4839- HoLLMANB, Staatsrecht des Alterthums. 

§. 631. In dem wenig bearbeiteten Criminalrecht ^ 
macht das kirchlich angeordnete peinliche Verfahren gegen 
Hexerei und Zauberei Epoche. Des Dominicaners Henri- 
cus Institor in Salzburg und Jak. Sprenger in Köln (f nach 
1494) ,Malleus maleficarum' (Lyon 1484, Köln 1582). 
Die bambergische Halsgerichtsordnung von 1 507 ^ , zu- 
gleich Quelle der ,Constitutio criminalis Carolina' Kaiser 
Karl's V. von 1532 ^ Ihr blieben altere Praktiker, wie 
Carpzov, 1635 (f 1666), treu; spätere, wie Meister, .4755, 
suchten mildere Theorien geltend zu machen, welche bald in 
die Praxis übergingen. Feuerbach's strenge Theorie, 4799. 
In Gerichten behauptete sich die mildernde Praxis und 
wirkte auf die Schule zurück: Stübel, 1795, Grolman, 
1775 — 1829, Littmann, 1806, Henke, 1809, Martin, 4820, 
Abegg, Oersted, Rosshirt. Das erste systematische Lehr- 
buch stammt von Kemmerich, 1731. Für Gesetzverbesserung 
schon Hommel, 1770, Beccaria, 1780. üeber Criminal- 
process: Mittermaier, Stübel, Martin, Abegg, Bauer und 
Morstedt, Klenze, Müller*. 

1 WÄCHTBB, Abbog, Fbübrbaoh, Elbinschbod. Ueber die soge- 
nannten Theorien des Strafrechts: Baübb, Hbbb, Abbog. — * Auflgabe 
von ZöPFL. — 3 Die Geschichte derselben Ton Malblahk, 4783* Aus- 
gabe Ton Iyo Sohöffbb, 4533, wieder abgednickt von Koch, 4824, und 
als Anhang za Meistbb's Principia juris criminalis mit der Bambergensis 
und Brandenbnrgica, 4826' Die lateinischen Uebersetznngen von Cföbler, 4543, 
und Remus, 4594 (beide in der neuen Ausgabe von Abbog 4837), und 
von Zieritz, 4622. Commentatoren: Ebess, 4724, und Böhmbb, 4770. — 
* Habeblin , Grundsätze des Criminalrechts nach den neuen deutschen Straf- 
gesetzbüchern , 4844 — 49. Ueber römisches Criminalrecht: Rbin, 4844- 
Abbog, Untersuchungen auf dem Gebiet der Strafrechtswissenschaft, 4830. 



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Sechsundvierxigstes Capitel Rechtswissenschaft. 381 

DiBGK, Historischer Versach über das Criminalrecht der Romer, 4S22> 
Besserer, De indole juris crim. Rom., 4827. Platnbr, De crim. jar. 
antiqui Rom., 4836. ScHMiSDicnKB , Eist, process. crim., 4827. Gbick, 
Geschichte des romischen Criminalprocesses. lieber censorisches Straf- 
recht der Romer: Jarckb, 4824, Nayebs, 4824, Kbseberg, 4829» Gbrlaoh, 
4834. Kamek, De patria potest., 4834. 

§. 632- Die Literatur des gemeinen deutschen Pro- 

cesses gaben: 

J. Andrea (f 4348)) Processus juris. Martin, Specimen bist, studio- 
rum et meritorum in theoria ordinis judiclorum privatorum etc., 4823. 
Bergmann, Corpus juris judiciarii Germ, academicum , 4849. Wunderlich, 
Anecdota, quae processum cirilem spectant, 4844) und: J. Andreae sum- 
muia de processu judicii, 4840. Böhmer, De fatis processus civilis, oder 
die Vorrede zu seiner Doctrina de actionibus, 4734. Lehrbücher von 
Schmidt, und Martin, Püchta, Bethmann-Hollweg. Schmid, Handbuch, 
4843 — 45. Für römischen Process: Brisson, De formulis etc., 4583. 

§. 633. Das Volkerrecht (jus gentium, internationale, 
droit des gens, law of nations, international law) ehemals 
ein äusseres und inneres (letzteres mit Rucksicht auf die im 
Reichsverbande stehenden deutschen Staaten), ein europäi- 
sches, ein theoretisches und praktisches. Die Theorie des- 
selben begründete Hg. Grotius in seinem berühmten Werke 
,De jure belli et pacis', 1617. 

ScHMAUSS, Corp. jur. gent. acad., 4730- Vattel, Droit des gens, 4758. 
Rb. Ward, Inquiry into the foundation änd history of the law of nations, 
479Ö. Moser, Marxens, Klüber, Koch, Mably; Tittmann, Amphiktyonen> 
bund, 4842« Roth, De re municipali Rom. , 4804. Wachsmcth, Jus gent. 
etc., 4 822. Heffter, De antiquo jure gent., 4824. Yollgraf, System 
der praktischen Politik im Abendlande, 4828. Madyio, De jure et con- 
ditione coloiyamm pop. Rom., 4832, in dessen Opusc, 4834. OsenbrOggen, 
De jure belli et pacis, 4836. Pctter, Beiträge zur Völkerrechtsgeschichte 
und Wissenschaft, 4843. Gagern, Kritik des Völkerrechts. Wheaton, 
Hist. des progrbs du droit des gens, (2- A.) 4846. Römer, Völkerrecht 
der Deutschen, 4789. v. Martbns, Versuch über die Existenz eines posi- 
tiven europäischen Völkerrechts und den Nutzen dieser Wissenschaft, 4787. 
Schmalz, Europäisches Völkerrecht, 4847* Die Literatur bei Ompteda, 4785, 
und Eesch, Nr. 4307 — 9, über die Dauer der Völkerverträge. Die wichtig- 
sten Verträge bei Schmauss, de Martens und Ccssy zwischen 4760 — 
4846. Völkerseerecht: Ersch, Literatur der Jurisprudenz (2» A.), 
Nr. 4348 — 35, und Manuel diplomatique etc., 4844. Neueste Handbücher 
von Heffter, 4844, Oppenheim, 4845. Kaltenborn y. Stachau, Kritik 
des Völkerrechts, 4847. Mirus, Europäisches Gesandtschaftsrecht, Bd. 2: 
Bücherkunde. 

§. 634. Die neuern Xjresetzbücher bieten aus Mangel 
an speciellen geschichtlichen Quellen keine wissenschaftliche 
Seite dar. Landrechte, Landesverordnungen und Polizei- 
ordnungen hat Wachsmuth in der ,Cidturge8chichte'5 III, 193, 
verzeichnet. 

Juristische Lexikographie: Dirksen, 4 834, und sein Manuale, 4 837. 
Brissonius, 4557, Heineccius, 4743; darüber Dirksbm's iTegierkungen im 



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382 Drittes Buch. Oire»imodoktologie. 

Rheinisohen Mnsenm, 11, 42. — Rechts alterthiim er: HBonBOGivii, Anti- 
qaitates Rom., 4774 (mit Kaiiiieqib«sbe'8 Anmerk., 1777, Hacboia, 4828, 
MOhlbnbbüch, 4844 ) und Antiqnitates German., 4772 ig- Gbimm, Deutsche 
Rechtsalterthümer, 4828. Rbtschbb, Symbolik des germanischen Reehis, 4833. 
FOBT0, Die Ministerialen, 4836. Thibaüt, Ueber das Stadium der römi- 
schen Rechtsgeschichte, in den Heidelberger Jahrbüehem der Literator for 
Jnrispmdens and Staatswissenschaften, 4808. — Ueber juristische Her- 
meneutik: GuYBT, Hufeland, Falck, Eckhabdt (neue Aufl. von Walch), 
Thibaut, Clossics. Ueber Kritik: besonders Hotomait, Lahob, Versach 
einer Begründungslebre des Rechts , 4824. — Juristische Bücherkande: 
ZiLBTTi , LiPBMius (dazu die Supplemente von Schott, Sbnkbhbbbg, 
Madibbn), Stbdyb (8. A. von Bodbb), Ebsch (2. A. von Koppb), 
Zachabla, Hugo, Schunk, Richtbb, Hämbl; für Naturrecht Mbistbb; 
für Kirchenrecht Ribqleb; für Criminalrecht Böhmbb, Kapplbb; für deut- 
sches Staatsrecht P&tteb mit Fortsetzung von Klubeb; für Völkerrecht 
Omptbda mit Fortsetzung von v. EIamptz; für römisches Recht y. Sa- 
-^viONT. Mabtin, Juristische Literaturgeschichte im Grundriss, wissenschaft- 
^lich geordnet und mit Nachweisungen versehen, 4824. — Juristische 
Praxis: Kimd, Ueber die Bildung juristischer Staatsdiener, 4848. Püttbb, 
Gbnslbb, Biscboff (JLtehrboch des deutschen Kanzleistils und der Kanzlei- 
geschafte, 4795 u. 4798), Puchta, Kuppebmann (Vollständige Notariats- 
kunst, 4806). Zachabia, Anleitung zur gerichtlichen Beredtsamkeit, 4840- 
MiTTEBMAiEB, Anleitung zur Vertheidigungsknnst im dentsehen Criminal- 
process, (3. A.) 4828. Baues, Anleitung znr Criminalprazis , 4837. 
Fbedbb«dobf, V. Massow, Bbbgmann, Mabtin, Anleitung zum Referiren 
in Rechtssachen, (2. A.) 4848. Reubch, Rbuteb, 4863 — 64. Zachabia, 
Die Wissenschaft der Gesetzgebung, als Einleitung za einem allgemeinen 
Gesetzbuch, 4806. Mag zugleich als Antwort dienen auf die zu Anfange 
des §. 648 gestellte Frage. Kuktzb, Der Wendepunkt der Rechtswissen- 
schaft, 4866. 



Sieben und vierzigstes Capitel. 
Philosophie. 

§. 635. Zur Geschichte der Philosophie: 

Bbucbjgb, Hist. critica philos., 4742 — 44 u. 4766 — 67. Tibdemanm, 
Geist der speculativen Philosophie, 4794—97. Buhle, Lehrbuch der Ge- 
schichte der Philosophie, 4796 — 4804, und Geschichte der neuern Philoso- 
•, phie seit der Epoche der Wiederherstellung der Wissenschaften, 4800 — 5- 
Tbnnbmaniv, Geschichte der Philosophie, 4798 — 4849, und Grundriss der 
Geschichte der Philosophie, 4842 (5. A. von Wendt, 4829). Ritteb, 
Geschichte der Philosophie, 4829 — 34. Rbinhold, Handbuch der allge- 
meinen Geschichte der Philosophie, 4828 — 30. Cousin, Cours de Thist. 
de la Philosophie, 4829. Mussmann, Grundriss .der allgemeinen Geschichte 
der christlichen Philosophie mit besonderer Rücksicht auf die christliche 
Theologie^ 48^0. Prbllbb (und Ritteb), Hist. phü. Giaeco-Rom. ez fon- 
tium locis contexta, 4838. Siegwart, Geschichte der Philosophie vom allge- 
meinen wissenschaftlichen und geschichtliehen Standpunkt, 4844; neue AvA. 
4855. Bbgebando, Hist. comparee des sjstemes de la philosophie (deutsch 
von Tennemann), 4806. Fubtmaib und Uschold, Philosophisches Real- 
lexikon, 4856. Wbigelt, Zur Geschichte der neuem Philosophie, 4865. 
K. FisoHEB, gesehichte der -neuern Philosophie (W. Leibnis und seine 
Schule), 4866, und der deutschen Philosophie, 4866. 



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Siebenunüvier»igste$ Capital. Philosophie. 383 

§• 636. Die Philosopheme der Inder, Chinesen, Perser 
und Aegypter zeigen zum Theil ein entschiedenes üeber- 
gewioht phantastischer Anschauungen über das reflectirende 
Denken und haben auf den Entwickelungsgang der Philo- 
sophie bei den Culturyölkern des Occidents keinen wesent- 
lichen Binfluss gehabt ^. 

Griechische Philosophie in drei Perioden: 4) Von 
Thaies bis zu den Sophisten, 600 — 400 v. Chr. Die ionische 
Schule oder die altem Physiologen: Thaies, Anaximander, 
Anaximenes, Herakleitos. Die eleatische Schule des Xeno- 
phanes. Die sogenannten Jüngern Physiologen: Empedokles, 
Anaxagoras, Diogenes von ApoUonia. Die Atomisten: Leu- 
kippos und Demokritos. Die Pythagoräische oder italische 
Schule. Die Sophisten: Gorgias, EQppias, Polos, Prota- 
goras u. A. *. 2) Von 400 — 200: Sokrates und seine Schüler. 
3) Zeit des Verfalls seit 300 v. Chr. Die epikuräische und 
stoische Schule und die jüngere Akademie (Arkesilaos und 
Kameades). Der alexandnnisch- romische Eclekticismus. 
Cicero, Lucrez, Seneca, Kaiser Marc Aurel. Die neu- 
pythagoräische und neuplatonische ( Plotinos ) Schule in 
Reaction gegen das Christenthum. Aenesidemos imd Sext. 
Empiricus ^ 

Das Christenthum mit seinem Dogmatismus*. Ter- 
tullian und Gregor d. Gr. Feinde aller Wissenschaft und 
Kunst (scientia secularis). Alcuin im 8., J. Scotus Erigena 
im 9. Jahrh. Die Schulen KarPs und Alfred's d. Gr. Seit 
dem 10. und \\. Jahrh. beginnt die Philosophie des Mittel- 
alters oder die Dialektik, und seit dein 43. Jahrh. die 
Scholastik (ein Gemisch von heidnischer Philosophie und 
christlicher Dogmatik), herrschend bis in das 46. Jahrh. 
über die nach und nach entstehenden Universitäten und 
beherrscht von der Kirche (philosophüa theologiae ancilla): 
dialektische Verarbeitung der Dogmen. Berengar von Tours, 
t 1088, -Laaifranc, Erzbischof von Canterbury, f 4 089, 
Anselm von Canterbury, f 4 409. Einfluss der Araber, die 
vom 9. bis 43. Jahrh. die reichsten Depositare der Gelehr- 
samkeit waren *. J. Roscellinus (Rousselin aus der Bretagne), 
in der Matte des 42. Jahrh., Begründer des Nominalismus, 
dagegen W. von Champeaux (de Campellis^ f 4 420), Be- 
dründer des Realismus,' der im 42. und 43. Jahrh. herr- 
schenden Denkart. Pt. Abälard im 42. Jahrh. Gilbert de 



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381 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

la Porree (f 4154 als erster Rector der piuiser Universität), 
Alanus (doctor uniyersalis) ab Insulis, f 1203, Rb. Fo- 
lioth, f 1173, Pts. Lombardus ^magister sententianun), 
Alx. von Haies (doctor irrefragabilis), f 1245. Die He- 
roen der Scholastik: Albert d. Gr., Thm. von Aquino 
(doctor angelicus), Dons Scotus (doctor subtilissimus), 
W. Durand, aus St,-Pourpain (doctor resolutissimus), Fr. 
von Mayronis im 14. Jahrb. und sein ,Actus Sorbonnicus^ 
(doctor illuminatus) ®. 

Die Mystik des apostolischen Vaters Dionysius Areo- 
pagita (^De theologia mystica% etwa im 5. Jahrb.); im 12. 
Jahrb. das Kloster zu St.-Victor in Paris (Hugo, f 1140, 
Richard, f 1173) und der heilige 'Bernhard von Clairvaux; 
im 13. Jahrb. Bonaventura, f 1274; im 14. Jahrb» J. Tauler 
und Thm. von Kempen ^; im 15. Jahrb. Gerson. W. Occam, 
t 1347, J. Buridan, Pt. d'Ailly (Petrus de Alliaco, f 1425), 
Biel, f 1495. Gegner der Scholastik: Valla, Erasmus, 
Agricola, Ramus, die restauratio literarum und die Folgen 
derselben (Buchdruckerkunst, Galilei, Torricelli, Kopemicus, 
Kepler, Coliunbus, Luther). Platonische Philosophie unter 
dem Schutze der Mediceer. Wiederhersteller der peripateti- 
schen Lehre waren Papst Nikolaus V., Georg von Trapezunt, 
Pb. Melanchthon. 

Die neuere Philosophie beginnt mit dem 16. Jahrb. 
und ist bedingt durch die Emancipation von hergebrachten 
Autoritäten. Bacon von Verulam. Descartes (Cartesius). 
Spinoza. Newton. Hg. Grotius. Hobbes. Pufendorf. Tho- 
masius. Gassendi. Gale. Moore. Cudworth. Bayle. John 
Locke.' Hartley. Voltaire. Helvetius. Holbacb. Bonnet 
Hume. Leibniz ». Wolf. Kant. Pichte. Schelling. Jacobi. 
Herbart. Hegel: Rosenkranz. Krug. Pries. Steflfens- Oken. 
V.Schubert. Fr. v. Baader. Eschenmayer. Koppen. E. Schulze. 
Ed. Schmidt. Beneke. Schleiermacher. Wagner. Krause. 
Weisse. Der jüngere Fichte. Braniss. Reinhold. Trendelen- 
burg. H. Ritter. Günther u. A. 

1 Wiia>i8CHMANii , Die Philosophie im Fortgange der Weltgeschichte, 
<827 — 32. — * Zellbb, Die Philosophie der Griechen, ^1844, u. s. w.; 
oben §.187 — 499. — * Brahdis, Handbuch der Geschichte der griechisch- 
römischen Philosophie, 4835 — 44; oben §. 213, 234, 254, 4; 278. — 
* Weisse, Philosophische Dogmatik oder Philosophie des Christenthnms, 
4855. — ^ ScHMÖLDEB, Essai snr les ecoles philosophiques chez.les 
Arabes, 4843. Ritter, Üober unsere Kenntniss der arabischen Philoso- 
phie, 4844J oben §. 444. — « S. oben §. 564. — ^ Moorek, üeber 



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Siebenundvierzigstes Capitel. Philosophie. 385 

Thomas a Kempis, 4855. — ^ Waohsmuth, Leibniz im Verhältniss zum 
deutschen Reich und Volk seiner Zeit, in den Schriften der konigL sächs. 
Gesellschaft der Wissenschaft, 4847. 

§. 637. Gliederung in eine Mehrheit philosophi- 
scher Wiissenschaften: Logik, Metaphysik, Psychologie, 
Natur- und Religionsphilosophie, Aesthetik, Ethik, Natur- 
recht, Politik, Pädagogik u. s. w. Die principiellen Gegen- 
sätze des Empirismus, Rationalismus, Idealismus, Realismus, 
Materialismus, Sensualismus, Spiritualismus, Dogmatismus, 
Kriticismus, Skepticismns, Pantheismus, Theismus u. s. w. 

Logik der Eleaten, Sophisten, Megariker. PIaton*s Dialektik. Ihr 
Begründer ist Aristoteles (Analysis). Seitdem hat sie, nach Kant's 
Aeusserung, keinen Schritt vorwärts, aber auch keinen rückwärts thnn 
können. Schriften darüber im 48* Jahrh. von Tschibmhaüsbn, Lambbbt, 
Lbibniz, Plouoqubt, Rbimabus, Wolf; im 49. Jahrh. yonKBuo, Fbibs, 
Bbaniss, Baohuann, Hbbbabt, Twbsten, Dbobisoh, Tbbndelbnbübg, 
LiOTZB. Pbantl, Geschichte der Logik im Abendlande. Eine Yer- 
bindong der Metaphysik mit der Religions- nnd Naturphilosophie, 
mit der Psychologie und Mathematik. Für Psychologie Abistotbles, 
die Stoiker, Desoabtes ( Occasionalismus , Determinismus), Malebbakohe, 
LoCKB, CoNDiLLAO, Lbibnie (Mouadologic) , Ebbbhabd (Theorie des 
menschlichen Empfindens und Denkens, 4776), Wolf, Kant (Fbibs), 
Fichte, Hbbbabt, Benekb (Die neue Psychologie, 4845). Sammel- 
schriften über Seelenkunde von Mobitz nnd Fbibobich. Auf der Grund- 
lage der Seelenyermogenslehre ruhen Tibdemakk, Sohbidleb, Reichlin- 
Meldego; der Richtung der Schelling'schen Naturphilosophie folgen Schu- 
bebt nnd Cabus ; die Psychologie der Hegel'schen Schule geben Rosenkbanz, 
Michblbt und Exkbb; an Herbart schliessen sich an Stiedenboth, Dbo- 
BI8CH, Waitz. In Frankreich herrscht die Neigung, die Psychologie von 
der Philosophie unabhängig zu machen und das geistige Leben als Function 
gewohnlicher Theile des leiblichen Organismus zu betrachten. Die Eng- 
länder behandeln die Psychologie meist im Sinne Locke's mit mehr oder 
weniger Annäherung an Kant: Reid, Stbwabt, Bbown, Toubq, Abbb- 
obombie, Mill.' Fbaüenstadt, Der Materialismus. Ueber Materialismus 
und Sensualismus: Büchnbb, Stein, Neahdeb, Lotzb. Der Amerikaner 
Upham, Elements of mental philosophy, 4834. Czolbb, Neue Darstel- 
lung des Sensualismus, 4865. Jessen, Versuch einer wissenschaftlichen 
Begründung der Psychologie, 4855. Schultz -Schültzenstein, Neues 
System der Psychologie etc., 4855'. Schalleb, Geschichte der Natur- 
philosophie Ton Baco von Yerulam bis auf unsere Zeit, 4844 — 46. 
Schleiebmacheb , Versuch einer Kritik aller bisherigen Sittenlehre. 
Staüdlin, Geschichte der Moralphilosophie, 4823. ▼. Henning, Die 
Principien der Ethik in historischer Entwickelung , 4824. Hbbbabt, 
Analytische Betrachtungen über das Naturrecht und die Moral, 4834. 
Unterscheidung der religiösen oder theologischen Ethik von der philo- 
sophischen. Ueber Pädagogik und ihre Geschichte: E. y. Raümeb, 

NiBMBTBB, RlOHTEB, HeBBABT , GbASBB, ScHWABZ, MiLDB , BSNEKB, 

EöBNEB, 4856. NiBTHAMMEB, Streit des Philanthropinismus und Huma 
nismus, 4808. Hbbgang, Handbuch der pädagogischen Literatur, 4840; 
oben Cap. 6. Tiouibb, L'alchimie et les alchimistes. Essai historique 
et critique sur la philosophie herm^tique, 4856. 



MlllIKIft. 25 



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386 DritUs Buch. Chresimodoktolosis, 

Achtundvierzigstes Capitel. 

§. 638. Ihre drei Haupttheile sind: die reine (Arith- 
metik und Geometrie), aie angewandte (Feldmessen, 
Nivelliren und Markscheiden) und die physisch ange- 
wandte (Mechanik, Dynamik, Statik, Hydraulik, Hydro- 
statik, Aerometrie, Aerostatik^, Optik, Dioptrik, Katoptrik, 
Perspective, Astronomie, Chronologie, Gnomonik) Mathe- 
matik. Ihre Geschichte von Montuda, 1758, Bosauet, t802, 
Kästner, 4796, Poppe, 4838, Libri, 4838 fg. 

1 Zaohabia, Elemente der Lnftsch^wimmkunst, 4823. Rogg, Handbach 
der mathematiscben Literatur, und sich anschliessend l&omvcKE,. Bibliotheca 
matbematica, i&6kr 

§. ,639. Die wissenschaftliche Begründung der Mathe- 
matik dürfte bei. den Indem und Aegyptem zu suchea sein. 
Die evstei Ausbildung finden wir bei den Griechen: Thaies, 
Pythagoras^ Plato, Eudoxos. Doch scheint die Geometrie 
damda sor^ltiger ausgebaut zu sein, als die Arithmetik. 
Eukleides, ArchimedtBs und ApoUonios von Peiga brachten 
die Geometrie der A^ten auf ihren Höhepunkt; ausaerdem 
Eraiosthenes, Konoa, Nikomedes, Hi|^arch^ Nikomachos, 
Ptolemäos, Diophantos, Theon, Proklos, Blutokios, Pappos 
u. A. Den Werken jener vier Männer, EuWeddes, Archi- 
medes, ApoUomos und Diophantos (Arithmetik), verdiuikt 
die neuere ^eit ihre Kenutniss in der Mathematik. Geiröger 
Sinn bei djen fiomem für Mathematik. Dagegen Eifec der 
Araber dafür. Durch diese gelangte sie nach Spanien,, von 
da nach Itajien, u^d Deutschland. Verdienste J.^s von Gmün- 
den, Peurbaoh's^ BegiomontanV (^Müiler^s aus Königsberg 
in Pranken), Pacciolo's, Tartaglia's (Tartalea's), Cardianus!, 
Maurolycus', Vieta's, liudolf's vanCeule«, NuÄez', Just. 
Byxgius' u. A. Logarithmen- von dem schottischen Lord 
Neper (Jobp Napier), Baron von Merchiston, 4 6i4, Jobst 
Bjrg (arithmetifloheund geomeiorisohe Progresatabulen, 4^20), 
Briggius, 4648, Ursinus., Kepler, Sharp, Gardiner, Prony 
(Vega's Tafeln in. Deutschland). Pie Infioit^es.imalr^cb- 
Bung von Newton und^ L^bniz. Galilei, Torricelli, Pascal, 
Descartes, L'Hopital, Cassini, Huyghens, Harriot, Wallis, 
Barrow, Halley, Jak. Bemoulli und J. BemouUi (combina- 



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Achtundvierziyste» Capitel. Mathematik. 387 

torutöbc Analysis), Lugraiige, Laplace, Legendre, Gauss, 

Jacobi ti. A. 

M0N7UCLA, Hist. des math., (3. A.) 4798 — 4802. KztüVLj Mstli«k 
matisches Wörterbuch; fortgesetzt tod Mollwbidb, 4803 — 23. 'FsiBa, Die 
mathematische Naturphilosophie, 4822. ' 

§. 640. Eintheilung der Geometrie in Longimetrie, 
Planimetrie, Stereometrie, logistische Geometrie, Trigono- 
metrie, analytiscbe , beschreibende (g. descriptive)^ imd 
praktische Geometrie. Das Bediirfiiiss des Feldmessens soll 
die Aegypter auf die Erfindimg der Geometrie geleitet haben. 
Unter den frühesten Geometern der Griechen werden Thaies, 
Pythagoras, Hippokrates, Piaton, Eudoxos, Menächmos, 
Deinostratos, Aristaos genannt. Die Lehrer der Neuem sind 
Eukleides, Archimedes, ApoUonios von Perga, Pappos. Der 
Araber Alhazen. Peurbäch, Regiomontaüus, Bhaticus; Mau- 
rolycus, Vieta, Kepler, torricelli, Descartes, Pascal, 
Huyghens, Wallis, Newton, Leibniz, die Bemoulli, Euler, 
Monge, Liagrange, Lacroix, Camot, Plucker u. A. 

Chasles , Geschichte der Geometrie mit Beaug auf die nenem Methoden, 
deutsch von Sohncke, 4839. 

§. 644. Die Trigonometrie verdankt ihren Ursprung 
wahrscheinlich der Astronomie, und zwar ist die sphärische 
zuerst entstanden. Hipparcbos aus Nicäa, 150 v. Chr. Eine 
neue Gestalt gewann sie durch die Araber, welche statt der 
Sehnen die Sinus einführten. Umgestaltung der trigono- 
metrischen Rechnung durch die Logarithmen ,~ f614. Zur 
sphärischen Trigonometrie legte erst Eider, 2ur Polygono- 
metne Lexell den Grund. ' 

LbhmaNN, Vom topographischen Zeichnen nnd Anfhebmen) 4820. 

§. 64ä. Die Erfindung der geometrischen Analysis 
schreiben Diogenes von Laerte und Proklos dem Piaton zu, 
von dem wir jedoch keine mathematische Sdirift besitzen. 
Bis auf einige Schriften von Eukleides, ApoUonios von Perga, 
zum Theil in arabischen Uebersetzungen, und Archimedes 
sind . alle Schriften der Alten über geometri^he Analysis 
verloren gegangen. Im 17. Jahrb., vor Erfindung der Ana- 
ly&is des Unendlichen, wurde ^ g^ometi^rsK^he Analysis 
fleissig cultivirt, jetzt beschäftigen sieh fast' nur noeh die 
Engländer damit. Für den Erfinder der u^nbesiimknten 
Analytik gilt der Alexandriner Diophanto«; von Neuem 
haben sie gefBrdert Vieta, Fennstt, Lagrange, Legendre, 
Gauss u. s. w. 

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388 DriUes Buch. Chresmodoktologie, 

§. 643. Die Arithmetik der alten Griechen und Römer 
war von der neuem ganz verschieden wegen der unbequemen 
Bezeichnungsart vor Einfuhrung' der zehn indischen Zahl- 
zeichen. Die Werke von Nikomachos und Diophantos über 
praktische Arithmetik sind verloren gegangen ^. Bei den 
Arabern Algebra, bei den Italienern früher Arte maggiore, 
noch häufiger Regola de la Cosa, daher Regel Coss oder 
die Coss genannt, wurde sie zunächst von dem gelehrten 
Gerbert, dem nachherigen Papste Sylvester ü., iim 990, 
und bald darauf von italienischen Eaufleuten in Europa 
weiter verbreitet. Auch auf diesem Gebiete sind grossten- 
theils die schon oben wiederholt genannten Namen aus- 
gezeichnet. 

1 lieber griechische Arithmetik Hoffmahn, 4847, Dbibbebo, 4849. 
Nbssblmabh, Geschichte der Algebra, 4842. 



Neunundvierzigstes Capitel. 
Linguistik und Kritik. 

§. 644. Eintheilung der Philologie nach F. A. Wolf* 
in Quellen, Organen und Doctrinen. 1) Quellen sind 
schriftliche Denkmäler, Kunstdenkmäler und Denkmäler ge- 
mischter Art. 2) Zum. Organen gehören: Grammatik oder 
Philosophie imd Geschichte der Sprache, Hermeneutik, 
Kritik und Kunst der Composition. 3) Die Doctrinen 
zerfallen in solche, die vorzugsweise aus schriftlichen Denk- 
mälern geschöpft werden, in mimetische Künste, in solche, 
die aus kiinstlerischen Werken gezogen werden, und in 
solche, die sich auf die Ueberreste gemischter Art beziehen, 
a) Aus vorzugsweise schriftlichen Denkmälern werden ge- 
schöpft: die Geographie, Geschichte, Chronologie, die Anti- 
quitäten und die Mythologie, b) Aus künstlerischen Werken 
wird die Archäologie oder die Geschichte der Kunst ge- 
zogen, c) Auf die ueberreste gemischter Art beziehen sich 
die Numismatik und Epigraphik. 4) Endlich gibt Wolf noch 
zum Schluss eine Gescluchte der Philologie. 

Bockh macht einen formalen und einen materialen Theil; 

1) zum formalen rechnet er die Hermeneutik und Ejritik; 

2) zum materialen die Geschichte, Chronologie, Geographie, 



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Neunundvierzigstes Capitel. Linguistik und Kritik. 389 

das Staatsleben, das Privatleben, den Cultus, die Kunst, 

das Wissen der Alten und die Geschichte der Literatur und 

Sprache *. 

' Vorlesungen über die Encyklopadie der Alterthumswissenschaft, 
herausgegeben von GSrtlbr, 4834; Encyklopadie der Philologie, heraus- 
gegeben Ton Stockmann, 4834 ; Alterthumswissenschaft, herausgegeben von 
Hoffmann, 4833. — * Ast, Grundriss der Philologie, 4808. Bernhardt, 
Grundlinien zur Encyklopadie der Philologie, 4832. Matthia, Encyklo- 
padie und Methodologie der Philologie, 4835. Reinhardt, Gliederung 
der Philologie, 4846. M6tzbll, Andeutungen über das Wesen und die 
Berechtigung der Philologie als Wissenschaft, 4835. Rauchenstein, Bemer- 
kungen über den Werth der Alterthumsstudien, 482ß. Roth, Bemerkungen 
über die fortdauernde Abhängigkeit unserer Bildung von der classischen 
Gelehrsamkeit, 4826. Zell, Betrachtungen über die Wichtigkeit und Be- 
deutung des Studiums der clässischen Literatur und Alterthumskunde für die 
Bildung unserer Zeit, in dessen Ferienschriften, 4833, Bd. 3. Hoffmann, 
AlterthumswissenschaCt , 4834. Haüft, Allgemeine wissenschaftliche Alter- 
thumskunde, 4839. Realencyklopädie der clässischen Alterthumswissenschaft 
in alphabetischer Ordnung, herausgegeben von PÄuly, fortgesetzt von Walz 
und Teüffel , 6 Bde. , 4 839 — 54 . Krebs , Handbuch der philologischen 
Bücherknnde, 4822 fg. Engelmann, Bibliotheca philologica, 4840. Die 
Literatur in Pauly's Realencyklopädie. 

§. 645. Die Geschichte der Studien liefert das 
sechste Capitel, und insbesondere der Sprachstudien jedes 
Capitel des zweiten Buchs in seinen ersten Paragraphen. 

In der Geschichte der clässischen Philologie 
unterscheidet man drei Zeiträume: 1) Bis in das 4. Jahrb. 
n. Chr. Sammlungen griechischer. Grammatiker von Im. 
Bekker, Gf. Hermaim, Göttling, W. Dindorf, Osann u. A.; 
lateinischer von El. Putsch, 1 605^ und Lindemann, 1831 — 32 '. 
2) Bis zum 16. Jahrb. lateinische Studien des Klerus 
(Mönchslatein) und der Scholastiker; dagegen war die 
Kenntniss der griechischen Sprache und Literatur viele 
Jahrhunderte hindurch beschränkt und unfruchtbar. Beginn 
der Philologie des modernen christlichen Europa im 14. 
Jahrb. mit Petrarca und Boccaccio (oben §. 46) ®. 3) Die 
letzten viertehalbhundert Jahre: im 16. Jahrb. grammatische 
und lexikalische Zusammenstellung des SpracbstofFs ; im 
17. Jahrb. Realismus; im 18. Jahrb. Hinneigung zu kriti- 
scher Prüfung; im 19. Jahrb. Gestaltung der philologischen 
Wissenschaften und Erhebung derselben zu einem selb- 
ständigen und grossartigen Gebäude. Die verdienstvollen 
Philologen , seit dem 16. Jahrb. s. oben §. 52, für orien- 
talische Literatur oben §. 53. In den nordamerikanischen 
Freistaaten Verehrung imd Vertheidigung der alten Literatur, 
dagegen in Europa üeberhebung des Materialismus und Rea- 



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300 DriUea Buch. Chre$imodoklologie. 

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