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Full text of "Nachrichten von den vereinigten deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinen in Nord-Amerika, absonderlich in Pennsylvanien. Erster band"

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son den vereinigten | 


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ont Lutheriſchen 
Gemeinen 

in Kord-RMmcericag, 


abſonderlich in Penſylvanien. 
Erſter Band, 
Mit einer Vorrede 


D. Johann Sudewig Schule, 


ordentlichen Profefior der Theologie und Philofophie auf der Königlic)- 


Preußiſchen Friedrichs=-Univerfität, wie aud) Dirertor 
des Waifenhaufes und Königlichen Paͤdagogii. 


HALLE, | 
Iu Verlegung des Waiſenhauſes. 
1737 


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enlter VLeſer. 
D Eoangelſch⸗ Lutheriſchen Deutſchen Gemeinen in Ameri⸗ 


ca find, ie bekannt, feir dem Anfange dieſes Jahrhunder⸗ 
tes ſehr ſtark und zahlreich daſelbſt geweſen. Sie fanden zwar wohl 
ihren Unterhalt im Leiblichen, Diejenigen aber, welche mit ihrem Ba- 
terlande nicht auch zugleich ihre Religion vergeſſen Hatten, fanden es 
für ſich und ihre RER ER Kinder fehr nachtheiſo daß ih 
nen an den meiſten Orten entweder ganz an Seelſorgern fehlte, oder 
daß ſie ſich und die Ihrigen ſolchen Eeuten anvertrauen mußten, die 
| ohne rechtmaͤßigen Beruf und Ordination ſich eigenmaͤchtig als Leh⸗ 
u: ——— — und zum Seit nur ihren Unterhalt dadurch 
zu erwerben ſuchten. Dieſes * Gelegenheit, daß mehrere von den 
ausgewanderten Deutſchen ſehnlich baten, man möchte ihnen aus 
Europa Eehrer zuſchicken, denen es ein Ernſt ſey, Seelen zu * 
und ſie auf den Weg des Heils zu führen. | Da dieſes Geſuch ſchon 
im Jahr 1733. hier und an mehrern Orten angebracht worden, fo 


92 2 gehet 






| Borrede | | 
gehet die Geſhichte der aus Deuſchoand nach Arc abgeiihickten 

Prediger wirklich ſchon weiter als ein halbes Jahrhundert zuruͤck. i ? 
Es iſt aber jeßt nicht mein Zweck dieſ Gefehiche von ihrem erſten 
| Anfang an bis auf jeßige Zeit fortzufuͤhren. Sie iſt obllſt ͤndigi in 
dieſem Erſten Bande, der jetzt mit der Sechzehnten Fortſetzung ge⸗ 
ſchloſſen wird, ausgefuͤhret, und faͤngt eigentlich vom Jahr 1742. att, 
in welchem der noch lebende Herr D. Heinrich Melchior Mühlen 
berg, jeßiger trenverdienter Senior des Dentfehen Evangeliſch / Lu⸗ 
theriſchen Miniſterũ in Nord- America, als der Erſte von hier aus ab⸗ 
geſchickte ordentlich herufene und ordinirte Prediger, zu Philadelphia 
gluͤcklich angekommen, und mit vielen Freuden aufgenommen worden, 
Diefem von Anfang an bis zu feinem jeßigen mit Ruhm rn 
Verdienſten geſchmuͤckten Alter ungemein thaͤtigen erften Eehrer find: 
nachher von Zeit zu Zeit, fo wie es die mehrere Ausbreitung und: 
Beduͤrfniſſe Der dortigen Gemeinen erforderten, einige Gehülfen von 
hier aus nachgeſchickt worden, weche alle hier zu nennen sur weirlauf⸗ 
tig ſeyn moͤchte, auch wohl darum nicht noͤthig iſt, weil das vor⸗ 


— nehm⸗ 





Börrede | 
nehmſte von ihrer Abſendung/ Ankunft und Amtsfuhrungi in den ein⸗ 
zelen Stuͤcken dieſes Bandes nach der Zeitfolge hinlaͤnglich iſt gemel⸗ 
u; (order. Einige find ſchon lange in ihre Hufe eingegangen, als 
Here Brunnhotz / Handſchuh / Schaum und Heinzelmann, 

deren Andenken aber noch in Segen it. Die Übrigen aͤteren Dip 
Arbeiter, denen GOtt noch bis jeßt, fü vief ung befant ift, ihr Les | 
ben gefriſtet, und die groͤßtentheils ſchon uͤber zwanzig Jahre ihr Amt 
treu vetwalten, als die Herren Prediger Voigt, Krug, Schulze, 
Chriſt. Immanuel) Helmuth und Schmidt, zu welchen noch 
fir 1770, Here Kunze gekommen, ‚werben öfters mit verdiene 
in tem Ruhm in den einzelen rortſehungen erwaͤhnet. Ihre Namen 
muͤſen auch zum Segen angeſchrieben bleiben, weil ſie dem Beyſpiel 
ihres ‚würdigen Senioris růhmlichſt nachgeeifert, und ihrem Amte 
mit aller Treue vorgeſtanden: welches ſelbſt von denen bezeuget werden 
| kann, die als Männer von bekonnter Gelehrſamkeit ſeit einigen Jah⸗ 
ren noch zu andern aentern ſind gezogen worden, wovon nachher 
einiges anzufuͤhren ſeyn wird. | | 


03 : Die 


8 orrede 

Die Anzahl der oorhenannten Herren Prediger, die unioclani | 

von hier aus ihren Beruf erhalten haben, ſcheinet zʒwor etwas groß 
zu ſeyn, aber fuͤr die Beduͤrfniſſe der dortigen hie und da eerſteut 
wohnenden Gemeinen, die nicht alle einen eigenen Lehrer unterhalten 
koͤnnen, ift fie Doch nicht zureichend geweſen. Es find zu wiederhol⸗ 
tenmolen und zuweilen unter Umſtaͤnden, da man nicht ſogleich hat 
helfen koͤnnen/ mehrere rechtſchaffene Lehrer berlangt worden, nach⸗ 
dem man in America den großen Unterſchied eingeſehen, der ſich ie: 
ſchen ihnen, und denen, die für fich, ohne daß fie Berufen und geprüft 
geioefen ‚, dahin gelaufen, hervorgethan hat. Das gute Penfpon 
nien hat von Anfang des zjetilaufenden Jahrhunderts an, und noch 
jetzt, das Schickſahl, daß ſich viele, die entweder gar nicht ſtubltet 
haben, oder doch i im Chriſtenthum und Wiſenſchaften nichts gen 
fiches vor fich gebracht, auch wohl dir, wer fie ſchon in Deutffand 
ein geiftliches Amt gehabt, fich durch ein ſchlechtes Verhalten deſſel⸗ 
Gen derluſtig gemacht, dahin begeben, bey einzelen Perfonen oder 
Gemeinen fih einfehmeisheln, und fo in das Lehramt einſchleichen. 
Se ie 


— Borrede— 
Wi⸗ ſchlecht den Seelen durch ſolche, die nur das Ihre ſuchen, und 
wenn ſie ſolches anderswo beſſer zu finden glauben, ihre Gemeinen 
ſogleich wieder verlaſſen, gerathen ſey, iſt leicht zu erachten. Es iſt 
aber auch durch fotche Miethlinge in einigen Gemeinen große Zerruͤt⸗ 
tung angerichtet, und zuletzt der Wunſch derſelben erreget worden, 
daß auch ſie mit gepruͤften und zuverlaͤßigen Seelſorgern verſehen wer⸗ 
den moͤchten. Da aber nicht immer ſogleich tuͤchtige Subjecta haben 
gefunden werden koͤnnen, ſo iſt es eine große Erleichterung geweſen, 
daß die dortigen Herren Prediger junge Maͤnner, die ſich bey ihnen 
eingefunden und gute Hoffnung gemacht, in ihren Unterricht genom⸗ 
men ‚ ihnen einige Jahre Anleitung gegeben, und fodann nach vor⸗ 
hergegangener gemeinfchaftlichen Prüfung in einer Synodalconferenz 
fie zur Probe bey ſolchen Gemeinen, die. ihren Dienſt nöthig gehabt, 
auf eine beftimmte Zeit angeftellet, auch nachher, wenn fietüchtig und 
in Verwaltung chres Limtes treu befunden worden, ſie den Gemei⸗ 
nen, welche ſie zu ihren ordentlichen Lehrern berlanget, vorgeſetzt ha⸗ 
ben. Auf dieſe Art iſt die Zahl der aa verordneten Sage 
liſch⸗ 


BU 222277 
liſch⸗ Lutheriſchen Prediger in America nach und nach sei ange: 
wachſen. Da ich eben jetzt in der zu Philedelphia im vorigen Jahre, 
herausgegebenen Kirchen Agende die Nomen der ſaͤmtlichen damahli— 
gen Mitglieder des Evangelifch: £utherifchen vereinigten Miniſterii 
beyſammen finde, fo Halte für dienlich, folche Hier anpufüßren. Es 
ſind ihrer zuſammen 24. Nehmlich Herr Heinrich Melchior Mühe 
ienberg / der Theofogie Doctor and des Minifterii Senior, Herr Nir 
colaus Kurz (der ältere) Herr Wilhelm Kurz (der jüngere), 
Herr Ludervig Voigt, Herr Joh. Andreas Krug, Herr Chri⸗ 


ftian Immanuel Schulze, Herr Georg Bager, Herr Juſt 


Chriſtian Heinrich Helmuth der Theologie Doctor, Herr Joh. 
Friedr. Schmidt, Herr Joh. Chriſtoph Kunze, der Theologie Doc⸗ 
tor, Herr M. Heinrich Muͤhlenberg (der jüngere), Herr Conrad 
Fried, Wildbahn, Herr Jacob V. Bußkirk, Herr Joh Friderici⸗ 
Herr Chriſtian Streit, Herr Joh. Georg Jung, Her Eom 
rad Roͤller, Herr Jar. Göring, Herr Daniel Schröter, Here | 
Daniel Lehmann, Herr Heinrich Möller, Herr Friedrich 
— Ernſt/ 


ar: 


E orrede. 

Ef y He Friedrich Valentin Melßheimer, und Hear Da—⸗ 
niel Kurz. | 
Zau dieſen iſt nun noch im vorigen Jahre Her Johann Frie⸗ 
drich Weinland hinzugekommen, von deſſen Abſendung, Ankunft, 
auch jetzigen Befoͤrderung ich hier Nachricht zu geben habe. Es iſt 
derſelbe aus Roͤmhild gebuͤrtig, und Hat in den Jahren 1769 big ıy72, - 
„bie Theologie auf hiefiger | Königlich Preußiſchen Friedrichs Univerſi⸗ 
taͤt ſtudiret, in welcher Zeit er ſich durch Fleis und einen ſtillen chriſt⸗ 
lichen Wandel empfohlen ‚ auch in den Schulen des hieſigen Waifen: 
hauſes nicht ohne Nutzen an der Jugend gearbeitet hat. Schon da⸗ 
mahls hatte ihn mein nun im HERRN ruhender Vorgaͤnger, Here 
D. Freylinghauſen, auserfehen, ihm den Beruf nach America an⸗ 
zutragen; Eörperliche Schwachheit aber, die von einem kurz vorher 
überftandenen Fieber zuriicfgeblieben war, hatte zu der Zeit Die 
 Uebernehmung einer fo meiten Reife nicht geftatten wollen, & ging 
alſo Herr Weinland nach ‚geendigten academifchen Studis in fein 
Vaterland zuruck, und wartete auf die Wege, die ihm der HENK 

| b Y zeigen 


vBorrede. 
geigen wuͤrde, dar inzwiſchen ols Hauͤslehrer ſich mägfih zu machen 
ſuchte, auch im Predigen fish fleißig übte, AUS nun ein Ehrw. Mi⸗ 
niſterium and Die Mitglieder der vereinigten N -Evangelifh Eur 
theriſchen Gemeinen in Penſylvanien im Jahre 1784. Anfushung ges 
than Hatten, ihnen, wo möglich, zwey neue Prediger von hier zuzuſchi— 
cken, dieſes Verlangen auch im Jahre 2735. nochmals zu erfennen ge⸗ 
geben wurde, ſo faßte ich im Namen des HERAN den Entſchluß, 
diefem Candidaten, der noch in gutem Andenken fand, und von deſſen 
fortdaurender Lauterkeit ich durch einen werthen Freund, der ihn wohl 
Beobachtet, ihm auch zuweilen für fish hatte predigen aaſſen, hinlaͤnglich 
war verſichert worden, den Ruf anzutragen. Ob ich nun gleich der 
naͤhern goͤttlichen Direction uͤberlaſſen mußte, und nicht voraus be—⸗ | 
ſtimmt angeben Eonnte, an welchen Ort ex nach den Umſtaͤnden ber 
Americanifchen Gemeinen werde angeſtellt werden, ſo ließ ex fich doch 
bereitwillig finden, Hinzugehen, wo der HERR ihn gebrauchen wolle, 
Es erfolgte hierauf, nachdem er von dem Hochgraͤflich⸗Stollbergi⸗ 
ſchen Confiftorig in Wernigerode examiniret und ordiniret worden, 
Pi 


Borrede. 

im April vorigen Jahres ſeine Abreiſe uͤber Holland. Er ging mie | 
Ausgang des Monate May in Amfterdam zu Schife, und iſt unter 
göttlichen Geleite ame sgten Auguſt gluͤcklich zu Philadelphia angelan⸗ 
get. Die Gemeine su Germantown hat ihn zu ihrem Prediger ge⸗ 
waͤhlet, welchen Antrag er auch willig angenommen. Der HEHR- 
wolle ihn durch Seinen Geiſt immer mehr zu ſeinem wichtigen Amte 
tuchtig machen, und ihn zum Segen fuͤr Sein dortiges Zion ſetzen! 
Es iſt oben erwaͤhnet worden, daß einige der aͤltern Seren | 
Prediger in verfchiedene gelehrie Verbindungen gekommen find. Ich 
halte daher nicht für undienlich, zu deſſen Erlaͤuterung noch einiges 
beyzufuͤgen, —* Da unter uns vielleicht nur wenige von den neue: 
m Einrichtungen, Die man zur Befoͤrderung der Wiſſenſchaften in 
Philadelphia und Neu⸗Nork gemacht hat, genugſame Nachricht ha⸗ 
ben moͤchten. Es kann auch dadurch manches Misverſtaͤndniß vers 
hindert werden welches Daraus entſtehen möchte, Daß in den Neue: 
von Fortſetzungen einige der Altern Herren Prediger, die ſonſt nur im— 
4* unter dieſem Namen vorkamen, als Doctores und Profeſſores 


b 2 | find 


| 80 | 
ſind angeführet worden. Die Sache verhaͤlt ſich folgendermaßen. 
Bis zum Jahr 1779. war nur ein academiſches Gymnaſium zu Phi⸗ 
ladelohia geweſen, welches aber in gedachtem Jahre zu einer Univer⸗ 
| fität erhoben, und 24 Vorſteher (Truſtees), unter welchen auch die 
erſten Prediger von allen Religionsberwandten eine Stelle haben, er⸗ 
nannt worden. Das Gymnaſium iſt unter dem Namen Academie 
beybehalten worden, wird aber von der neuerrichteten Univerſitaͤt 
unterſchieden, und iſt eigentlich nur ein Inſtitut für die Deutſchen, 
welche darin den erften Grund legen, auch täglich zwey Stunden auf 
die Erlernung der Engliſchen Sprache verwenden muͤſen, damit ſie 
die Engliſchen Vorleſungen, wenn ſie auf die Univerfität Fommen, 
benutzen koͤnnen. Bey der Univerſitaͤt ſelbſt iſt ein Deutſcher Pro⸗ 
feſſor der Philologie angeſtellt worden, der die Anfangswiſſenſchaften 
und Gelehrten Sprachen im Deutſchen vortraͤgt, bey welchem dieje⸗ 
nigen, Die nach vorhergegangener Prüfung aus der Academie, (dem 
Gymnaſio) entlaſſen worden, das Studium der Lateiniſchen Grie⸗ 
chiſchen und SHebräifihen Sprache er welche Ießtere aber, fo mie 
RE | | auch 


| Berrred® 

auch Die Deutfehe, unter den jungen Engelländern noch nicht viele 
Liebhaber gefunden — fortfeßen, bey den Engliſchen Profeſoren 
aber die Philoſophiſchen und uͤbrigen Lehrſtunden beſuchen. Die 
Deutſche Profeſſur der Philologie wurde deiy Herrn Prediger Kunze 
uͤbertragen, der nun von der Zeit an unter dem Namen Profeſſor, 
Canfänglich der Bnteinifehen and Griechifchen, nadhger:ober der Orien⸗ 
talifchen Sprachen) in der Sechzehnten Zortfegung vorkommt. Dies 
ſe neue Einrichtung kann, ſo wie für die Cultur der Wiſſenſchaften uͤber⸗ 
haupt, alſo auch beſonders fuͤr die Deutſchen in America, ſehr nuͤtzlich | 
werden, Sie fat auch ſchnellen Fortgang gehabt, da ſchon im Jahr 
1734, ein oͤffentliches Cramen Bey der Univerſitaͤt angeſtellet, und die 

jungen Mediciner in der Materia medica, Chymie und Anatomie ſind 

gepruͤft worden. Man hat dann auch angefangen, academiſche 
Wuͤrden zu ertheilen. Von den jungen Studirenden, die bey den 
Öffentlichen und Privatpruͤfungen, welche letztere etwas ſtrenger find, 
ſich durch ihre Geſchicklichkeit auszeichneten, find ſchon einige zu Bac⸗ 
colaureis ernannt worden. Man hat auch in den hoͤheren Facultaͤ⸗ 
b3 ten 


Vorrede. u 
ten Promotiones vorgenommen. Die Würde eines Doctoris der 
i Theologie if ſowohl den Herrn Profeſſoren Kunze und Helmuth, 
als auch dem wuͤrdigen Senior, Herrn Mühlenberg, als ein Merk: 
mahl der billigen Achtung für feine viehaͤhrige Verdienſte, zu Theil 
geworden. Herr D. Kunze hat zwar im Jahr 1785. den Beruf nach | 
Neuyork angenommen, wo gleichfalls eine Univerſitaͤt errichtet wor⸗ 
den, bey welcher er als Profeſſor der morgenlaͤndiſchen Sprachen 
angeſetzt iſt; die dadurch erledigte Stelle eines Profeſſoris der Philo⸗ 
logie in Philadelphia aber iſt mit dem Herrn D. Helmuth wiederum 
beſetzt worden. So ſehr nun auch Die Arbeiten der jetzt genannten 
Herren Prediger durch die gelehrte Beſchaͤftigungen, in welche man 
ſie wegen ihres Eifers in Befoͤrderung guter Abſichten, und ihrer am. 
erkannten Geſchicklichkeit gegegen Hat, find vermehret worden, ſo 
haben fie doch ihre Hanptbeſtimmung darüber nicht verabſaͤumet, ſon⸗ 
dern ihr Amt als Prediger mit aller Treue verwaltet, 

- Zum Beweis, wie fehe mar jest in Penfploanien, beſonders 
in Philadelphia, das Beſte der Deutſchen, die oft in den klaͤglichſten 


Umſtaͤn⸗ 


Vorre de. 
Umſtaͤnden in America ankommen, zu Herzen nimmt, und ihr Elend 
moͤglichſt zii mildern ſucht, will ich zum Beſchluß nur noch ein paar 
oͤbliche Einrichtungen mit wenigem erwähnen. Die eine iſt unter 
= dem Namen der Deutfehen Geſellſchaft befannt. Sie Hat nicht ges 
ſehrte Beſchaͤftigungen, wie man aus dem Namen ſchließen möchte, 
zum Gegenſtande, ſondern ihr Zweck iſt, die neuankommenden Deut⸗ 
ſchen zu unterſtuͤten, und fie gegen Uebervortheilung von den Kauf: 
leuten und Schiffscapitainen zu verwahren. Es iſt bekannt, daß die 
| Deutfchen, welche ihre Fracht nicht zu Bezahlen im Stande find, 
ſich auf ** Jahre zur Knechtſchaft verpflichten muͤſſen, welches | 
Harte Schickſahl ehemals für fie defto ſchwehrer wurde, weildie Ma⸗ 
giſtratsperſon, om welche fie ſich zu menden Hatten, Fein Deutſch 
verſtand. Jeht aber hat ſich eine Geſellſchaft von ohngefaͤhr — 
edel denkenden Bürgern z die zu verfchiedenen Religions-Verwandten 
„gehören, zuſammen gethan, welche ſich der ankommenden Deutſchen 
beſtens annimmt, und aus deren Zahl einer, alfo ein gebohrner 
| Deutſcher, die Dienſtbriefe jedesmahl ſelbſt ansfertigt, Aehnliche | 
| Geflk 


Borrede. 
Geſellſchaften find auch zu Neu⸗NYork und Baltimore errichtet wor⸗ 
den. Eine andere loͤbliche Einrichtung iſt durch die fogenannte Ar- 
" menpfleger (Poor Overfeers) zu Stande gebracht worden, welche 
durch ganz Penſylvanien vertheilt ſind, und dafuͤr ſorgen, daß die 
Hanusarmen nothduͤrftig verpfleget, und, wenn ſie ſterben, ehrlich 

zur Erde beſtattet werden. Dieſe Einrichtungen machen den Befoͤr⸗ | 

derern ſowohl als Theilnehmern Ehre, und ſind wohl ein Beweis, 
daß der Geiſt des Evangelii ihre Herzen durchdrungen und ſie zur 

| thaͤtigen Liebe gegen den huͤlfsbeduͤrftigen Naͤchſten willig gemacht Habe, | 

Der HERR ſchenke Gnade, Daß Sein Wort auch in den 
dortigen Gegenden ferner im Segen verfündiget werden, und viele 
gute Frucht bringen möge, Seiner Teeue und Vaterhuld empfehlen 
wir alle dortige Arbeiter, und auch diejenigen, welche fich ihres Almtes 

. bedienen. Seine Gnade ſey und bleibe mit ihnen allen. Geſchrie⸗ 

ben auf der Koͤnigl. Friedrichsuniberſitat zu Halle, den 27. Apr. 1797. 


D. Jo. Ludewig Schule. 


Kurtze Nachricht 
von einigen 


Evangeliſchen Gemeinen 
AM NMmerica, 


abſonderlich in Penſylvanien. 


Andere Auflage. 





HALLE, 
in Verlegung des Waͤyſenhauſes, 
| HIFI — 


« 





u % 1. — 
ie theure Wohlthat GOttes, welche derſelbe durch die rei⸗ 
he Verkuͤndigung feines Wortes, abſonderlich auch zu die · 
fer Zeit, fo vielen Orten erweiſet, wird leider von den wenig⸗ 
ften „ die.derfelben im Ueberfluß genieffen , recht erkannt, 
noch nad) der liebreichen Abficht GOttes zu ihrem Se» 





len» Seil alfo angervandt, daß fie ſich durch den Unterricht aus ſolchem 


Worte GHOttes zu Ehrifto führen lieffen. Hingegen pfleget man öf- 
ters wahrzunehmen , daß andere, denen diefe Wohlthat eine Zeitlang 
entzogen worden, und denen GOtt einen Hunger, nichtnady Brodt, 
fondern nach feinem Worte, gefendet, (Amos 8, ı1.) alsdenn 
eritlich erkennen lernen , wie hoch diefelbe zu ſchaͤtzen ſey, und daher auch, 
wenn ihnen GOTT fein YBort wieder aufs neue fehencfet, und ıhnen 
ſolches im Geift und Kraft verfündigen läffet , daffelbe mit viel mehrer 
zer Begierde aufnehmen. Geſchiehet folches auch gleich nicht von al⸗ 


Ten, denen der HErr fein Wort zu hören wiederum Gelegenheit giebet; 


fo pflegen fid) doch wenigſtens manche zu finden, die, als verſchmach⸗ 
tete Schafe, dis Wort GOttes als die Speife für ihre Seelen mit 
hertzlichem Verlangen zu ihrer Errettung anwenden, und GOtt dafür 
don Hersen dancken. Ein Erempelvon dem-, was ietzo gefaget wor⸗ 
den, koͤnnen diejenigen Teutſchen Evangelifch :Lurherifchen Ger 
meinen in Penfylvanien abgeben , von welchen in diefer Burgen 
Nachricht gehandelt werden foll. (a) , 
2. 


() Diefe kurtze Nachricht ift zwerft im Jahr 1744 heraus gegeben, und nur in 
Heiner Anzahl gedruckt worden , worauf nachhero noch zwo Sortfenungen 
derfelben erfolger find. Weilaber jene cher , als man vermurhet, abgegan⸗ 
gen, und bisher mehrere Nachfrage darnach gefchehen : fo ift man genörhiget 
worden, Die andere Auflage davon zu veranftalten ; bey welcher Gelegenheit 
zugleich ein und anderes , fo in der erſten Auflage wegen Eilſertigkeit zu kurtz an⸗ 
geführer geweſen, nach Nothdurft erweitert worden. 


Rurtze Nachricht von einigen Evangel. Gemeinen inAmerica.3 


$. 2. Es iſt bekannt, daß, da gegen das Ende des vorigen Jahr⸗ 
hunderts in Den Engliſchen Colonien des nördlichen America den 
neuen Einwohnern manche Freyheiten und Vortheile verfprochen wor» 
den , von ſolcher Zeit an viele hundert Familien aus Teutſchland fich 
- dahin gewendet , und fowol in andern Provinsien und Ländern , als 
fonderlic) in Penfylvanien, ſich in groſſer Anzahlniedergelaffen haben, 
Diefes Penfylvanien ift dasjenige Stuͤck Landes auf der den Englaͤn⸗ 
dern gehörigen Küfte von Canada in Nord-⸗America, welches zwi⸗ 
fchen Maryland, Neu-Rerſey, Neu⸗Rorck und dem Lande der 
wilden Iroquoiſen lieget , und von dem Könige Carl dem andern 
im Jahr 1681 dem reichen Quaͤcker, Wilhelm Pen, von weldyem 
es auch feinen Namen bekommen hat , gefchencket worden iſt, um es 
anzubauen und zu bevöldern. Fi BE | 
$. 3. Um die äuffere Befchaffenheit und, die ießige Regierungs⸗ 
Form diefes Landes befümmern wir ung dermalen nicht : und mas 
die Kirchenverfaffungen in demfelben betrifft, fo haben wir hier die Ein⸗ 
richtungen anderer Meligionsvermwandten und Secten , Deren unten 
noch manche dem Namen nad) vorkommen werden , und ihren Got. 
tesdienft fo wenig zu unterfuchen, als von den Lutheriſchen Gemei⸗ 
nen der Schweden, die hin und wieder mit Predigern wohl verſor⸗ 
get find, befonders Erwehnung zu thun; fondern egifthier nur die Rede 
von den Evangeliſch⸗Lutheriſchen Bemeinen, dieaus geborenen 
Teutfchen beitehen. en 
9.4. Diefen, wenigfteng den meiften von ihnen, hatte es nun 
bisher an hinlänglichen Anftalten in Kirchen und Schulen gefehlet, fo 
daß fie bis daher Feine ordentlich berufene Prediger gehabt, von denen 
fie des Unterrichts aus dem Worte GOttes und des ordentlichen Ger 
brauchs der heiligen Sacramente hatten genieffenfonnen. Daher find 


Ihre Kinder meift in ihrer Unmiffenheit ohne Unterricht aufgemachfen, 


wo nicht die Eltern felbft im Stande. geweſen, fie zu einiger Erkaͤntniß 
von GOtt und göttlichen Dingen anzuleiten. Es hat zwar nicht an 
ſolchen Leuten gefehlet, die fi) um ihres eigenen Nutzens willen zu Leh⸗ 
vern aufgeworfen: es hat aber Die Erfahrung gegeiget , daß felbige nicht 
nur wenig für Die Seelen der Zuhörer geforget , fondern daß fie auch 
meiftentheils mit ihrem argerlichen Leben und Erempel nur mehr Scha» 
den angerichtet , Die Zerrüftung der Gemeinen aber Darunter immer 
groͤſſer und betrübter geworden. NE ee 


MR: 5. In 


\ 


2 ELBE IDEE Kurtze Nachricht | 
F. 5. Sn folchen Eläglichen Umftänden haben fich Diefe verlaffene 


Gemeinen befunden , als endlich) einige von ihnen um das Jahr 1733. 


durch dieſe Noth angetrieben worden, fich in Europa um Hülfe umzuſe⸗ 
ben, in England und Zeutfchland durch einige Abgeordnete aus ihrem 
Mittel ihre Seelen-Gefahr befannt zu machen, und fo wolzu Erbauung 
der nöthigen Kirchen und Schulen, als auch vornehmlich zu Beftellung 
tüchtiger Lehrer fehnlich um Beyhülfe zubitten. Es waren eigentlich die 
Gemeinen zu Philadelphia, der Haupt-Stadt dieſes Landes, undin 
den ungefaͤhr neun bis zehn Teutſche Meilen weiter ins Land hinein gele⸗ 
genen Orten, Neuhanover und Providentz, welche ſich mit die 
ſem ihrem Suchen abſonderlich an den wohlverdienten Koͤniglich Groß⸗ 
Britanniſchen Hofprediger in der Teutſchen Lutheriſchen Schloß⸗Ca⸗ 
pelle zu Londen, Herrn Friedrich Michael Ziegenhagen, gewen⸗ 
det, der nicht nur ſelbſt ihre Noth zu Hertzen genommen, ſondern ihnen 
auch durch Fuͤrſchriften an rechtſchaffene Gottesgelehrte und Prediger 
in Teutſchland zu ſtatten gekommen. 

§. 6. Unter andern hat ietztgedachter Herr Hofprediger Ziegen⸗ 
hagen einem von dieſen Abgeordneten, Namens Daniel Weißiger, 
an einen gewiſſen nunmehr ſelig verſtorbenen Prediger in Hanover un« 


term 28ſten Jan. 1734 ein nachdruͤckliches Fuͤrſchreiben mitgegeben, 


und darinnen abfonderlich folgendes geſchrieben: „Daß die Evange⸗ 


„lifchen Gemeinen, die hin und wieder durch America zerſtreuet find, 


„infonderheit in Virginien, Philadelphia, Penfylvanien zc. ſich 
vornehmlich in Abficht auf das Wort GOttes und die heiligen Sa» 


„eramente, und folche nöthige Anftalten , die zum Unterricht und Er⸗ 


‚Fäntniß des Wortes GOttes und rechten Gebrauch der Sacramente 
„erfordert werden, in fehr fehlechten Umftänden befinden, ift leider nur 
„allgumwahr. Ich habe viele Klagbriefe von unterfchiedlichen folchen 
Gemeinen liegen , Darinnen fieum Bibeln, Gebetbücher , Catechifmog, 
„Prediger und andere Beyhülfe beweglich bitten, und felbft bekennen, 
‚daß, megen groffen Mangels an gedachten Önaden-und Heils-Mit- 
„teln , fie und ihre Kinder unvermeidlich wiederum Hepden werden mil» 
„fen. Es kraͤncket mich nicht wenig, daß ich nicht weiß, tie dieſem 
‚Sammer abzuhelfen. Inſonderheit hat die Gemeine in Philadel- 
;,phia , deren Daniel Weißiger ein Glied ift, im Dctober vorigen 
Jahrs ein meitläuftiges und klagvolles Schreiben an mich abgehen laf 
„fen, darinnen fid) unter andern dieſes befindet: Wir leben in ei⸗ 
„nem Lande voller Regerey und Secten, ftehen in ei 

e R „ an⸗ 


\ 


von einigen Evangel. Gemeinen in America. , | 


„Mangel und Armuth unferer Seelen, und find nicht im 
„Stande,mit unfern eigenen Hlitteln uns daraus zu erretten, 
„wo uns GÖtt nicht anderwärtige Huͤlfe und Mlittel zeiget, 
„und ift jammerlich zu beweinen der groffe Haufe der heran⸗ 
„wachfenden Tugend, welche nicht weiß, waslind oderrecht 
„it, und wegen Ermangelung Kirchen und Schulen , wo 
„nicht bald Zuͤlfe gefehiehet, zubefürchten, daß die meiften 
„auf fehwere Irrwege verleitet werden möchten. Der liebe 
Gott, , der Hergen und Nieren prüfet, weifj, wie nöthig 
„wir anderer Mit-Chriften Huͤlfe bsben. Bey Sammlung 
„ver gefuchten Collecte haben wir gewißlich nichts anders ge⸗ 
„fucht, als die Ehre GOttes und fo vieler armen in dieſem 
„Kande serftreueten Mlenfchen Seelen=eil und Wohlfahrt. 
„Es ift uns nicht zu thun um flstliche Gebäude aufzubauen, 
„wenn wie nur fo vielhatten, daß wir an einigen Örten die= 
„fes Landes Haͤuſer, worinnen wir ordentlich Eönnen zuſam⸗ 
„men Eommen, unfern GÖtt ordentlich zu loben und zu prei⸗ 
„fer, und die Jugend zu informiren, erbauen Eönten. = = = 
„Wir hoffen aber noch ‚, daß der barmhergige GOtt uns nicht 
„werde verlaffen, fondern guttbätige Herzen erwecken, die 
„uns in unſerer Noth beyfpringen,, damit es nicht ger aus mit 
„uns werde. Wir Eönnen deswegennicht unterlaffen, EH. 
nochmalen demätbigftzubitten und anzufleben, nach Moͤg⸗ 

lichkeit für uns zu forgen 2c. In groffer Noth ift dieſe, und an⸗ 
“ „dere Evangelifihe Gemeinen in America, das ift unftreitig, und ihre 


Noth ift Dazu an andern Drten nicht bekannt genug, und to fie ber 


„kannt ift, wird fie nicht gebührend erwogen , oder zu Herken genom⸗ 
„men, darüber wird es im Geiftlichen immer efender mit ſolchen armen 
„geuten. Können SE. H. dem Daniel Weißigern befürderlic) feyn 
„in feinem Gefuch ſo willdienfifreundlichft darum gebeten haben. Er⸗ 
„barmen Sie ſich der faft verfehmachteten Sammer und Schafe JEſu 
Chriſti in America, und helfen dazu, daß ihnen bald eine Erquickung 
geſchehe. Ich mill e8 auch im Namen des HErrn wagen, ob ic) 
„gleich noch nicht die Mittel darzu in Händen habe, und an unterſchie⸗ 
„dene Gemeinen in America eine Anzahl Bibeln, neue Teftamenter , 
Gebet⸗und Gefangbücher, Eatechifmos und A B E Bücher fenden. „ 
Mehrerer Fürfchreiben , womit der Herr Hofprediger Ziegenhagen 
die Moth diefer Gemeinen Ehriftlichen Theologis und Gönnern in 
s | 43 Teutſch⸗ 


* 


“.& Recrtʒe Nachricht 
Teutſchland, inſonderheit dem Herrn Doct. und Prof. Francken in 


Halle, vorzuſtellen, und ſie zu deren Behertzigung zu ermuntern ge⸗ 


ſucht, dermalen nicht zu gedencken. 

$. 7. Um aber in Teutſchland dieſe betruͤbte Umſtaͤnde ſolcher ver» 
laffenen Semeinen defto beffer befannt zumachen, hat befagter Daniel 
Weißiger unter feinem Namen eine zu Hildesheim den zten Maͤh 1734 
datirte fo genannte Furge Nachricht aus America drucken lafien, 
auch das angeführte Schreiben des Heren Hofprediger Ziegenhagens, 
imgleichen eine von den mehrbefagten Lutheriſchen Gemeinen ausgeftell 


te und von dem Königl, Englſchen Gouverneur bekräftigte Beglaubir ⸗ 


‚gung derfelben beygefüget , daraus man hier etwas mehreres zu wie ⸗ 
derhofen unnöthig findet, da diefefurge Nachricht nach ihrem völligen 
Inhalt dem 24ften Stück der zu Leipzig herausgefommenen Samm⸗ 
lungen auserlefener Mlaterien zum Bau des Reichs GOttes 
pag. 373 u. f. eingerückt , auch darinnen weiter nichf8 von Umfländen 
Diefer Gemeinen enthalten ift, als hier bereitsangeführet worden, und 
aus dem folgenden mit mehrerm erhellen wird. — 

F. 8. Nachdem nun fo wol durch dieſe gedruckte Nachricht ale 
auch durch andere — mündliche Bekanntmachung des Noth 
diefer Gemeinen viele chriftliche Hergen zum Mitleiden betvogen , und 


durch die Hertzlenckende Kraft GOttes gerühret worden , von ihren - 


leiblichen Mitteln etwas zu Beſtreitung der nöthigen Koften , welche 
zu Anrichtung Kirchen und Schulen , und Annehmung tüchtiger Leh⸗ 
rer erfordert würden, zu widmen, und manche liebreiche Wohlthaten, 


nach der in gedachter Schrift gegebenen Anmeifung , an den nunmehr - 


fel. Heren Doct. Pfeiffern in Leipgig , den Heren Dock. und Prof. 


Francken in Halle, den Heren Senior Urleperger in Augfpurg,und 


den Herren Paft. Majer in Halle einzufenden : fo achtet man fich ver» 
bunden ‚, die aufrichtige Dancbarkeit , mit welcher man ſolche milde 
Wohlthaten angenommen, nicht nur hiedurch nochmals öffentlich zu 
bezeugen, fondern auch den wertheften Wohlthaͤtern Nachricht zu er- 
- theilen‘, wie ihr leiblicher Segen zur Ehre GOttes und zum Beſten mehr- 
befagter Gemeinen angewendet worden. ) | | 

99. Es hat nemlichnichtnur der obgedachte Daniel Weißi⸗ 
ger , vor feiner Zurücreife nad) Penſylvanien, in Teutſchland und Enge 
land nochmals gar angelegentlid) gebeten, vor allen Dingen den Ge⸗ 


meinen einen rechtfehaffenen Lehrer zu fenden,, der ihnen mit Unter - 


sicht aus dem Worte GOttes und Den heiligen Sacramenten dienen X 
i un 


2 


von einigen Evangel. Gemeinen in America, 7 


und unter deffen Aufficht alles wieder in gute Chriftliche Ordnung ges 
‚bracht werden Eönte ; zumalen da der zum Prediger von ihnen angee 
nommene und mit Daniel Weißigern abgefandte Joh. Chriftian | 
Schulge nicht wieder hinein gehen koͤnne: fondern e8 haben auch) die 
Gemeinen felbft nachher diefe Bitte mehrmal in vielen Briefen aufs 
nachdruͤcklichſte wiederholet. Daher man fich auch von der Zeit anbee 
mühet, einen hierzu tüchtigen Mann zu finden. i 
$. 10. Es hat fich zwar damit ziemlich lange verzogen, weil, 
auſſer dem Mangel redlicher und zu einen folchen Wercke tüchtiger Are 
beiter, auch andere wichtige Hinderungen in dem Wege geftanden: 
doc) hat endlich der gnadige GOtt diefe meiftentheild aus dem Wege 
geräumet, und zu den angewandten Bemühungen feinen Segen gege⸗ 
ben, daß man einen Mann gefunden , der-fchon einige Zeit im Pre⸗ 
digtamte geflanden , und Darinnen ‘Proben von feiner Verleugnung 
und Treue abgeleget, auch manche Erfahrung erlanget ; daher-man 
von ihm die Hoffnung faffen Fonnen, er werde unter GOttes Segen 
und Benftand nicht ohne Nutzen unter diefen verlaffenen Gemeinen are 
beiten fönnen. Es ift ſolches Herr Heinrich Melchior Muͤhlen⸗ 
berg, aus der Stadt Eimbeck im Handverifchen gebürtig , welcher 
bisher Diaconus zu Großhennersdorf in der Laufiß , auch Inſpector 
. eines Wänfenhaufes dafelbft, geweſen, und welcher ſchon vor dieſem eie 
ne Neigung verſpuͤren laſſen, GOtt nach ſeinem Willen auch in frem⸗ 
den Laͤndern zu dienen. EI 0 NE 
$. z1. Nachdem nun demfelben von dem Herrn Doct. und Prof. 
Standen zu Halle, im Namen der mehrmals gemeldeten Teutfchen 
Lutheriſchen Gemeinen zu Philadelphis , LTeubanover und Pro= _ 
videng , der Beruf zu ihrem Prediger im Sept. 1741 wircklich ane 
getragen worden 5; GoOtt auch deffen Hers von feinem Willen durch 
manche Spuren feiner Megierung überzeuget,und willig gemacht , den 
gedachten Berufanzunehmen: fo hat er ‚nach erhaltener Dimißion von 
feinem in Großhennersdorf geführten Predigtamte , feine Meife nach 
Penſylvanien über England angetreten, wo er den 17ten April ft. v. 
1742 angelanget ift , und fic) dafelbft bis in den Junium des gedache 
ten Jahrs aufgehalten hat. | A , 
12. Weil man nun, aus manchen guten Urſachen, für diene 
lich erachtet hat, daß er zuvoͤrderſt nad) Ebenezer in Georgien ge⸗ 
1 möchte, um daſelbſt den erfahrnen Prediger bey der Saitzhurgi⸗ 
chen Gemeine, Herrn Paft: Bolgius, Fennen zu lernen, fich Ei 
u Hmm 


8 F Rurtze Nachricht 


ihm wegen ſeines kuͤnftigen Amtes zu beſprechen, und nach den Umſtaͤn⸗ 
den des Landes zu erkundigen; wobey man zugleich die Abſicht gehe⸗ 
get, daß ihn derſelbe, wo moͤglich, nach Penſylvanien begleiten, und 
feinen Eingang bey feinen kuͤnftigen Gemeinen befördern ſolte: fo hat 
fi der Herr Paſtor Muͤhlenberg, nachdem er ſich durch den 
gefegneten Umgang mit dem Heren Hofprediger Ziegenhagen ber 
fonders geftärcket gehabt , auf ein Schiff begeben , welches nach 
Charlestown in Carolina abgegangen, und auf welchem fich 
auch eine nach Ebenezer beſtimmte neue Saltzburgiſche Familie befun⸗ 
den, und hat auf demſelben den 23ſten Jun. 1742 die Reiſe zur See 
angetreten. Auf diefer Seereife ift nicht nurdie gedachte Salßburgifche 
Familie von ihm auf dem Schiffe mit GOttes Wort und dem Sacıa» 
ment des heiligen Abendmahls bedienet worden ; fondern er hat auch 
die übrige Schiff-Sefellfhaft , obgleich feine meiftentheils nur zu Zone 
den erlangte wenige Erkaͤntniß der Englifhen Sprache noch fehr mans ⸗ 
gelhaft geweſen, dennoch auf ihr inftandiges Verlangen mit einem 
Englifchen Vortrag mehrmalen zu erbauen ſich nicht entziehen Fönnen, 
“und derfelben mit feinem Wandel vorzuleuchten , auch fie mit Ehriftlio 
- chem Zufpruch zu erwecken geſucht. GOtt hat auch Durch feinen Um⸗ 
gang manche Ueberzeugung und gufen Vorſatz gewircket. Sr 
$. 13. Im aͤuſſerlichen hater manche Prüfungen aufdiefer See 
veife erfahren müffen : indem das, Schiff aus Mangel des Windes 
aufferordentlich lange, nemlich vierzehn Wochen und drey Tage, auf 
der See aufgehalten worden, daher der Vorrath des Waſſers fchon 
am 27ften Aug. fo gering gervefen , daß Die Portionen eingeſchraͤnckt 
werden muͤſſen, Doch aber zuletzt gaͤntzlich zu Ende gegangenz fo daß, 
wenn nicht GOtt noch zu rechter Zeit einen guten Wind gefchencket 
hätte, die gange Gefellfehaft bey nahe vor Durft umgefommen feyn 
würde. Ob aud) gleich den zoften Aug. ein guͤnſtiger IBinderfolget: 
ſo find doch auch hernach noch. öftere Windſtillen und contraiver 
Wind wieder dazwiſchen gefommen, daß fie enttweder ftilleliegen muͤſ⸗ 
fen, oder noch mehr verſchlagen worden. Ja als fie endlich den ısten 
Sept. bereits das Land von ferne erblicket, nachdem fie fich einige Ta» 
ge mit Dem noch vorräthigen Baumoͤhl, Eßig und dergleichen Durch 
zubringen gefucht 5 fo hat fie Doch aufs neue ein contrairer Wind wie⸗ 
der vom Lande zurück gerieben, daß fie den zıflen Sept. erſt in den 
Hafen vor Charlestoron einlaufen Eonnen, in welchen fechs Tagen fie 
noch) vor Durft hätten verfehmachten muͤſſen, weil ſchon den 10ten eiusd. 
alles 


von einigen Evangel. Gemeinen in Americs. 9 


alles Getraͤncke auf dem Schiffe völlig ausgetvefen, mo fie nicht an bes 
meldtem Tage zwey Engliſche Kriegs⸗Schiffe erreichet, und von den» 
felben einige Tonnen Waſſer befommen hätten. (b) | B. 
$.14. Mon Charlestown hatder Herr Paftor Muͤhlenberg nebſt 
ber Salsburgifchen Familie am a4ften Septemb. feine Reiſe mit einem 
Boote aufdem Savannah. Fluß über Savannah nad) Ebenezer fort⸗ 
geſetzet, wo Derfelbe in Begleitung des Herrn Gronau aus’ Eben⸗ 
ezer, den er zu Savannah angetroffen, den 4ten; die Salßburgifche 
Familie aber den sten Octobr. mohlbehalten angelanget, und fi) da⸗ 
felbit acht Zage aufgehalten; (c) welche Zeit er dazu angewandt, daß 
er. fich, auf feine ausgeftandene mühfelige Reiſe, in dem ilmgang der 
Dafigen redlichen Prediger, Herrn Bolgius und Heren Gronau ‚aus 
GHttes Wort geftärcket und erquicket. Seine Freude über den von 
GHLE diefer Salgburgifchen Eolonie geſchenckten geiftlichen und leibli⸗ 
chen Segen und die gute Einrichtung derſelben, hater.bey feiner Ab⸗ 
reife unter andern mit folgenden Worten in feinem Diario ausgedruckt: 
„Alſo muſte Ebeneger verlaſſen. Der HErrfey Schirm und Schild, 
„und laſſe es unter feinem Segen grünen , blühen und viele Früchte tra⸗ 
„gen. Die werthen Gönner und Wohlthaͤter in. Eurova haben ihre 
„Wohlthaten nicht vergeblich angelegt :. Denn es fiehet Dafelbft wirck⸗ 
" „lich fo aus, wie e8 in Zeutfchland Die gedruckten Nachrichten veferiven, 
„und in manchen Stücken noch beffer, als es befehrieben worden. In 
„teiblichen. Umftänden ift e8 zu verwundern., wie fich Die armen Leute 
„durch GOttes Benftand fo heraus gearbeitet, und im Geiftlichen iſt 
„auch eine gefegnete Ernte zu hoffen.» —— 
$. 15. Nicht weniger haben auch Die gemeldete Lehrer der Saltz⸗ 
burgiſchen Gemeine in mehrern Stellen ihrer Briefe und Tage» Regi⸗ 
fter bezeuget , daß fie durch den Eurgen Aufenthalt des Herrn Muͤh⸗ 
lenbergs an ihrem Orte und durch den an ihm im Vortrage und Um⸗ 
gang erkannten redlichen Sinne fehr erquicket, auch mit ihm: in her&« 
licher Riebe verbunden worden. Nur einer von den neuern mie su ge⸗ 
encken; 


(b) Diefer Waſſer⸗Mangel iſt fo groß geweſen, daß anch ſelbſt die Ratten denſel⸗ 
ben empfunden; wie denn bemercket worden iſt, daß verſchiedene von dieſen Thieren 
die Stoͤpſel von den Eſſig-Bouteillen abgenaget, und den Schwantz hineinge⸗ 
ſencket, welchen fie hernach durch das Maul geſtrichen, und auf ſolche Weiſe ih⸗ 
ven Durſt gelöfchet. Andere find des Nachts auf die. Betten gekommen, und 

haben den Schweiß von dem Angeficht der Schlafinden abgelecket. 
- (ce), Man kann hiebey auch des Herrn Sen. Urlfpergers Nachrichten von den 
ON Emigranten in America, — XI pag. 2061 u.f. nach⸗ 

n. 


ET Zee Nachricht 


dencken; fo fehreiben fie in ihrem Diario unterm asften Febr. 1743 al⸗ 
fo: „Mit dem Heren Paſt. Muͤhlenberg Fam eine Salsburgifche 
„Zamilie, aus Vater, Mutter und drey Kindern beftehend, vor fünf 
„Monaten in — an, und da ſie im Schiffe, wegen der langwie⸗ 
„rigen Seereiſe und aͤuſſerſten Waſſermangels, den Tod gleichſam vor 
Augen geſehen, und doch wunderbar von oben her durch einen auſſer⸗ 
„ordentlich ſchoͤnen Wind, der fie in der aufferfien Noth in eine Ge 
„gend etlicher Englifhen Kriegsfchiffe gebracht, errettet worden : fo 
eben wir auch deshalb Urſach, ung öffentlich nicht nur mit ihnen im 
RXobe GOttes an unferm Gedachtniß- Feſt zu vereinigen, fondern auch 
„über des lieben Herten Muͤhlenbergs gefegnete Führungen, dieung 
„vor wenig Tagen und worden, (wodurch fein gefegneter Eingang bey 
„den Gemeinen in Penfyloanien verftanden wird) den HErrn gemein« 
„fchaftlich zu preifen. Denn der himmliſche Vater hat e8 gefüget,daß 
wir Durch den Geiſt feines Sohnes mit ihm in groſſer Liebe vereiniget 
find, und an allem Guten , fo ihm wiederfaͤhret, von Hergen Theil 
„nehmen, Wir haben öffentlich und in geheim für ihn gebetet : nun 
muͤſſen wir auch mit ihm und über ihn GOtt loben. „ Mehrere Stel 
- fen aug ihren Briefen, darinnen fie ihre Freude uͤber des Herrn Muͤh⸗ 
lenbergs redlichen Sinn und ihre befondere Liebe zu ihm mit noch nach» 
druͤcklichern IBorten befchrieben, dermalennicht zugedenden. 
9.16. Nachdem fich aber Herr MTühlenberg bey feinem kurtzen 
Aufenthalt zu Ebenezer nad) den aufder Reiſe ausgeffandenen Beſchwe⸗ 
tungen wiederum in etwas erholet und geftarcfet : fo iſt er auf die weitere 
Befchleunigung feiner Neife bedacht gewefen. Ob nun gleich der Herr 
Haft. Bolgius viele wichtige Hinderniffe vor fich gefehen , dieihn von 
der Reiſe mit dem Herrn Paſt. Muͤhlenberg nad) Philadelphia ab- 
halten Fönnen; fo hatteer ſich Doch entfchloffen, aus Liebe zu dem Werck 
GoOttes felbige zu überroinden , und denfelben am vorgemeldeten ı2ten 
Octobr. wieder zurück bis nach Charlestown begleitet, in Meinung, 
dafelbft Gelegenheit zu finden, vollends nach Philadelphia zu gehen. 
Als fie aber den zoften Octobr. zu gedachtem Charleston wieder an» 
gelanget, und vernommen , Daß vor dem Fruͤhjahr fein Schiff nad) 
Philadelphia abgehen koͤnne; die Reife zu Lande aber ohnmöglich gefun⸗ 
den : fo hat fich Herr Paſt. Boltzius denz4ften befagten Monats wie⸗ 
der auf die Nückreife nach Ebenezer begeben ; weilen e8 feine Umftände 
nicht gugelaffen haben würden, den gangen Winter über in Eharleg» 
town aufs ungemiffe und mit Verſaͤumung feiner anvertraufen Gemei⸗ 
ne fich aufsuhalten. Nach defien Abreifehat Herr Pal. Maͤhlenberg 
Die 


von einigen Evangel. Gemeinen in Amerie: u 


bie Zeit, welche er in Charlestoron ftilfe liegen müffen ‚ meiſtentheils 
mit Unterrichtung einiger Teutſchen Kinder zugebracht,, aud) des Sonn» 
tags Den herzu gekommenen Teutſchen einigemal gepredigtt. 
917. Den ıflen Nov. war eine Ehaluppe von Philsdelphie 
dafelbft angekommen, die dahin wieder zurück gehen folt. Ob ihm 
nun gleich alle bekannte Freunde und der Here diefes Fahrzeuges felbft 
vorgeftellet, daß daffelbe zu Flein, und es zur Winters Zeit damit zu 
reifen gefährlich feyn möchte , auch) für Meifende Feine Bequemlichkeit 
darauf zu haben wäre: fohaben ihn doc) diefe Schwierigkeiten nicht zu⸗ 
ruͤck halten Eönnen ‚ weil fie Durch das groffe Verlangen, den verlaffe 
nen Penſylvaniſchen Gemeinen ie eher ie lieber zu Hülfe zu kommen, uͤ⸗ 
berwogen worden, und die Gefahr einer noch mehrern Zerrüttung ‚, wel⸗ 
che ihnen die Bemühungen des Herrn Grafen vonZinzendorf, nad) 
den ihm zu Charlestown zu Gefichte gekommenen gedruckten Nach. 
richten, droheten, die moöglichfte Befchleunigung der Reiſe zu erfordern 
gefehienen. Er hat fich demnach den ı2ten Nov. auf dieſe Chaluppe 
begeben, und ift mit derfelben noch an demfelben Zage im Namen GOt⸗ 
tes nad) Philadelphia abgefegelt, hat aber auf diefem Fahrzeuge aber 
mals vierzehn Tage lang manche Beſchwerlichkeit und Lebens + Gefahr 
ausgeftanden;. indem er faft die gantze Zeit über toegen der. ſtarcken Er⸗ 
ſchutterung des Eleinen Schiffs an der See-Kranckheit zu Bette liegen 
müffen, und fo wol durch die Naͤſſe, da die Wellen und der Regen in 
die kleine Cajute des Schiffes hineingefchlagen , ald auch durch den Froſt 
bey dem entftandenen Falten Binde und der beftändig naffen Kleidung 
nicht wenig abgemattet worden. Endlich aber ift er doch am asften 
Nov. des 1742ften Jahrs in Philadelphia gluͤcklich angelanger. 
918. Von der Befchaffenheitund Einrichtung des Landes, und 
infonderheit diefer Hauptftadt deffelben, eine meitläuftige Befchreibung 
. zugeben, ift hier nicht der Ort. ‘Doch wird zu Dem Zweck diefer Furgen 
Nachricht nicht undienlich ‚und den Lefern nicht unangenehm feyn,menn 
aus des Herrn Paſt. Muͤhlenbergs Briefe an einen vechtfchaffenen. 
Theologum auf einer geroiffen Univerfität hier eingerücfet wird, mas 
er darinnen fo wol zum Preiſe des Beyſtandes GOttes auf feiner Rei⸗ 
fe, als von den Umftänden des Bandes angeführet, da er an denfelben 
unterm ı2fen Aug. 1743 alfo fehreibet 2 Ich erinnere mich noch gar. 
„wohl des leßtern angenehmen Briefs, welchen von E. 3. inLonden 
„erhalten. in Wort aus Demfelben war mir vor andern befonders 
„tröftlich und nachdrücklich, nemlich da SE. 3. beliebet zu ſchreiben, der 
„HErr, würde es mit meiner See⸗Reiſe — übrigen Umſtaͤnden wohl 
2 „ma⸗ 


12 vn. Rurge Klachriht 


machen. Gewiß, der verfühnte Vater in Chriſto hat es mit mir un 
wuͤrdigen und unnuͤtzen Wurm nach ſeiner Barmhertzigkeit wohl ge⸗ 
„macht. Wohl in Londen bey dem Herrn Hofprediger Ziegenhagen · 
„Wohl, da ich allein als ein Fremdling zu Schiffe ging. Wohl, 
„da ich auf dem Schiffe unter einer fremden Nation und Sprache feyn 
„muſte. Wohl,daich aufdem Schiffe durch manche Prüfung,fchwer 
„re Krankheit und Zufälle gehen mufte. Wohl, da wir mit einem 
„alten Schiffe durch viele contraive Winde , durch Feinde und gefaͤhr⸗ 
„liche Gegenden ohne menfchliche Convope wandern muften. Wohl, 
„da ich Gelegenheit hatte, den Suͤndern, meinen Brüdern, das groffe 
„Heil in dem Welt-Heilande und das unausbleibliche Gerichte wegen 
KVerachtung der Gnadeinder Englifchen Sprache vorzulegen. Wohl, 
„da wir mit gewaltiger Hise und peinlichem Durft gezuͤchtiget wurden. 
> Wohl, da der HErr das Gebet und Seufjen der Elenden erhörte, 
„und guten Wind befcherte, wenn er im Glauben ausgebeten wurde: 
„Wohl, da er ungaus Gefahr, Mangel und Trübfal errettete, und 
„wohlbehalten vor Charlestoron anfanden lief. Wohl, da er mid) 
„auch auf der Reiſe von Carolina über den Land Fluß nad) der Land» 
„fehaft Georgien aus augenfcheinticher Gefahr errettet. Wohl, da 
„er mich in Georgien zu den lieben Salßburgern , unfern Glaubens 
„Brüdern, nach Ebenezer geführet, und dafelbft viel Gutes hören, fe» - 
„ben und genieffen laffen. Der HErr hat es wohl gemacht „ da er 
„mich über. den Sand» Fluß von Georgien wieder zurü nach Charles- 
town gebracht. Wohl, daß er in Charleston mir, als einem 
„Sremdling,, verlaffenen, angefochtenen Menfchen , Eräftig beygeſtan⸗ 
„ben und mich geftärcket. Wohl, da ich in der Winter» Zeit von 
„Charlestorn mit einer fchlechten Chaluppeüber die See durd) Sturm, 
„Ungemach und. fehmwere Kranckheit nach Penſylvanien reifen muſte. 
„Ach, würdiger Oster, Aa — Doch mit den übrigen Freunden 
„Ehrifti den barmhersigen und langmüthigen GOtt loben und preifen. 
„Don den hiefigen Umſtaͤnden etwas zumelden. In der Hauptfladt 
„Dhilsdelphia, welche ſehr groß, if 1) eine Englifche Epiſcopal⸗Kir⸗ 
„he, welche zween Prediger haf, Die von Der Societate de propagan- . 
„da cognitione Chrifti in Londen falariret werden. Die Englifche 
Presbyterianer haben 2) in diefer Stadt Philadelphia ein Verſamm⸗ 
„lungs-Haus. 3) Haben auch die Duncker, wie auch 4) die Engli» 
„fehen Anabaptiften ihr Verſammlungs⸗Haus in der Stadt. 5) en 
BR, | ' x „die 


* 


von einigen Evangel. Gemeinen in America. 2 


„die Mährifchen Brüder oder Moraviang dazu gekommen, und haben 
„auch ein Berfammlungs: Haus gebauet. 6) Die Eatholifchen haben 
„ihr Berfammlungs + Haus und zween bis drey Prediger. 7) Die 
„Schweden haben eine Kirche. In dem Sande find noch faft unzählige 
„Secten und Secten-Häufer.„ Gegen das Ende diefes Schreibens 
fähret er alfo fort : „Geld hat man hier nicht viel, aber das Land iſt 
„an allerfey Früchten fo reich, daß man auch fagen Fann ‚es flieffet dar» 
„innen Milch und Honig. » » Don einer Seite haben wir die India⸗ 
„ner oder Heyden noch,und von der andern Seitehaben wir das Meer. » - 
Penſylvanien ift nach dem Climate die befle Landfchaft für die Teut⸗ 
„Iehen in gang America. » » Im ande find die Haufer nicht, bey eine 
„ander, wiein Teutſchland die Dörfer, fondern e8 find allemal etliche 
„taufend Aecker an einem Stuͤck, und davon hat ein Mann bisweilen 
„500. 400, 300, 200, T00.50.20, oder found fo viel Aecker. Einefolo - 
„che Gegend ift anfanglich lauter Wald, wenn e8 nun angebauet ift, 
„fo wird eg ein Townfhip oder Flecken genannt, dazu find denn gemiffe 
„Straffen angelegt, welche nach der Stadt Philadelphia gehen. Wenn 
„man auf der Straffen reifet , fo reifet man beftändig im Buſch oder 
„Walde; hier ftehet einmal ein Haus , über etliche Meilen wieder ein 
„Haus an der Straffe. Die meiften Häufer aber ftehen tief hinein von 
„der Straffe. ⸗⸗Im Lande flieffen verfchiedene Flüffe,melche geſchwin⸗ 
„de aufſchwellen und mieder fallen. Man hat Eeine Brücken darüber, 
„fondern muß durchreiten und bisweilen auch überfahren mit dem Kahn. 
„Nenn ich von Philadelphia zu den Land⸗Gemeinen reife ‚fo muß ich ale 

„feseit drey Flüffe paffiren. Im Aßinter find fie öftersgefährlich. , 
'$ 19. Daß die in diefem Schreiben angeführte viele Secten einen 
auch geubten Mann von Annehmung diefes Berufs leicht hatten ab» 
ſchrecken Fönnen, und nebft dem Mangel einer buchftäblichen Erfänte 
niß und der von Jahr zu Jahr hingegen zugenommenen Unmiffenheit in 
göttlichen Dingen , eine groffe Hinderung des wahren Segens vom 
Worte GOttes, bey Antretung des Lehramts in dieſen Gemeinen ‚ ſeyn 
müffen, wird ein ieder ohne meitere Erinnerung leicht erkennen. Es 
fand aber der Herr Paſt. Muͤhlenberg, nebſt diefen allgemeinen ‚bey 
feiner Ankunft noch.verfchiedene befondere Hinderniffe ; morunter diefe 
die vornehmſten waren, Daß die Gemeinen theils an andern Drten abge⸗ 
feßte Prediger, theils fonften zum Lehramt untüchtige Leute , abfonder> 
lid) aber die Gemeine zu Philadelphia einen zu Zweybruͤcken dimittir⸗ 
ten Prediger, Namens Valentin Rraft, bey längerer Ausbleibung 
der erwarteten ordentlich besufenen Prediger ‚gu ihrem Lehrer ange 
| a nom» 


24 et Age Flahriht 


‚nommen. hatten , und hiernachft der Herr Graf von Zinsendorf 
ſich zu befagtem Philadelphia befand , und einen ziemlichen Anhang 
hatte. Es muften aber nicht nur die erften bald ihre Unfauterfeit noch 
deutlicher, als fehon vorher gefchehen mar , felbft verrathen, und die 
Gemeinen waren froh, als ihnen der Herr Paft. Muͤhlenberg feine 
in ihrem Namen und auf ihr Verlangen ihm ertheilte fchriftliche Voca⸗ 

. tion und die bey ſich habende Zeugnifle und Briefe vorzeigte, nahmen da⸗ 
herdenfelben mit Freuden alg ihren Lehrer auf, machten fich auch von den 
angemaßten Predigern los, obgleich der. obberuͤhrte Kraft eine befon» 
dere Eonfiftorial- Einrichtung anmaßlich gemacht, und gleichſam einen 
Superintendenten abgeben wollen : fondern es Fonte aud) der letere, 
ber Here Graf von Zinzendorf , das Wer GOttes nicht hinter» 
treiben. Es hatte fich derfelbe unter einem angenommenen fremden 
Namen eines Herrn von Thurnſtein für einen Lutherifchen Prediger 
und Inſpector in Penfyloanien ausgegeben, und verlangte in einer we⸗ 
gen des an fich genommenen Lutherifcehen Kirchen » Buches gehaltenen 
meitläuftigen Unterredung, daß ihn Herr Paft. Muͤhlenberg dafür 

. erkennen, und ihm, teil er ihn vorbey gegangen ‚-Abbitte thun folte; 
fuchte auch zu verhindern, daß er nicht in der Schwediſchen Kircheden 
Zutheranern predigen dürfte, und mendete alle Mühe an, ihn bey den 
Gemeinen verdachtig zu machen ‚und fie von ihm abzumenden. Nach⸗ 
dem aber der Herr Paſt. MTühlenberg gleihmwol von den Schwedi⸗ 
fehen Kirchen Borftehern-die Erlaubniß erhalten, befagter Kirche , weil 
das alte gemiethete Lutherifche Verſammlungs⸗Haus zu Elein und un» 
brauchbar mar , fich zu dem Gottesdienſte mit feiner Gemeine zu bedie- 
nen; von den Gemeinen aber als ihr ordentlicher Lehrer nicht nur ange» 
nommen, fondern auch ferner dafür erkannt worden; auch) dem Herrn 
Grafen von Zinzendorf von der Obrigkeit ernftlich befohlen worden, 
das Kirchen⸗Buch der Lutherifchen Gemeine zurück zu geben , melcher 
aber Fur darauf den ıflen Jan. 1743 von Philadelphia abgereifet: (d) 
fo mar ſowol feine als hernach feiner zurück gebliebenen Anhanger Ber 
mühung vergeblich ‚des Herrn Paſt. Muͤhlenbergs Eingang beyden 
Gemeinen zu verhindern, deffen vornehmfte Sorge nun Darauf geriche 
tet war, mie er feine Zeit am nüßlichften anwenden, und feinem Amte 
| am 


(4) Wer mehrere Nachricht von den Unternefmungen des Herrn Grafen von Sins 
zendorf und feiner Anhänger in Penfylvanien zu leſen begehret , Fann diefelbe 
finden in des Herrn Senioris, Doct. Johann Philipp Srefenii, bewährten 
— von Herrnhutiſchen Sachen, im dritten Bande, von pag. 87 

2. 


von einigen Boangel. Gemeinen in America. 15 


am beſten ein Genuͤge thun, auch allen drey Gemeinen, zu Phila⸗ 
Deo Neuhanover und Provideng, nach Möglichkeit dienen 
. $ 20. Ob nun glei) Philsdelphis und Neuhanover, mo» 
von Provideng nicht weit entfernet, 36 Englifche oder 9 Teutſche 
Meilen von einander entlegen find , und das öftere Hin-und Herreifen be» 
ſchwerlich, auch wegen der dazwiſchen befindlichen Flüffe zuweilen 
gefährlich :: fo entfchloß er fich Doch, dieſer drey Gemeinen, bis GOtt 
mehr Gehülfen befcheren werde, ſich, fo vieles feine Kräfte zulaffen wuͤr⸗ 
den, anzunehmen, und es alfo einzurichten, daß er in einer ieden dieſer 
drey Gemeinen eine Woche bleiben, die Wocheüber die Jugend, weil 
auch nicht einmal tüchtige Schulmeifter vorhanden , felbft im Chriften- 
thum unterrichten ‚und des Sonntags den Gottesdienft verfehen wolte. 
Und da auch in einem zroifchen Neuhanover und Philadelphia geleger 
nen Städtlein, Germantown genannt, eine Sutherifche Kirche und 
Gemeine befindlich , welche durch einige Glieder ihr Verlangen begeigen 
laffen,des Unterrichtsaus dem Worte GOttes mit zu genieflen: fonahm 
er fich vor ‚auch Diefer Gemeine, die für Philadelphia beftimmte Wo⸗ 
che, fo viel möglich, Damit zu Dienen, und menigftens einmal dafelbft 
zu predigen; in der Hoffnung, wenn GOtt mehrere Gehuͤlfen fchencken 
wolte, daß Bermantown mit Philadelphia vereiniget ‚und die Ge⸗ 
meinen Weuhanover und Provideng von dem andern Prediger bedienet 
werden fünten. | 
G. 21. Er richtete aber feineerfte Sorge an einem ieden Orte auf 
die Unterrichtung der etwas errmachfenen Jugend, Dadenn mehrere‘, die 
zum theil achtzehn, neungehn bis zwanzig Jahr alt waren, fich zumlin« 
terricht angemeldet, und ob fie gleich noc) Feinen Anfang , fo wenig im 
Leſen und Schreiben als in der Erfäntnig GOttes, gehabt, ihn Doc) 
mit ihrer Luft etwas zu faffen erfreuet. Es find aber noch Altere Were 
fonen vorhanden gewefen , denen er.die erfien Grundlehren des Chri⸗ 
ftenthums beybringen müffen. Eine Witwe in Weuhanover hatte ih» 
se Tochter von zwey bis Drey und zwanzig Jahren am roten Fan.1743 
zu ihm gebracht, welche feit ihrem fiebenten Jahre unter die Englifchen 
Duacker gekommen, und nicht nur in der Ehriftlichen Lehre gank un 
wiſſend geweſen, fondern auch die Teutfche Sprache verlernet, Daher ihr 
der Unterricht in der Englifchen Sprache beygebracht werden müffen, 
welchen fie auch fo wohl gefaffet, daß fie den ten Febr. ihr Glaubens⸗ 
Bekaͤntniß in der Englifchen Sprache vor öffentlicher Gemeine ablegen, 
und zum heiligen Abendmahl gelaffen werden Fönnen. Bey — 
RR See⸗ 


Be BUBEN ‚Rurge Nachricht ee 


Gelegenheit die Gemeine fehr beweget worden. Unterm 6ten Junii 743 
berichtet er von dieſer feiner Arbeit folgendes: „Ich habe aus Noih 
„ſelbſt informiren muͤſſen. Eine Woche halte in Philadelphia, die, 
„andere in Provideng , und die dritte Woche in YTeuhanover 
„Schule, um nur die groffen und erwachfenen verfaumten Leute zur Eon». 
_ „firmation und heiligen Abendmahl, auch zum Theil zurheiligen Tau⸗ 
- „fe zu prapariren. In Provideng habe bereits zwanzig praparivek, 
„confirmiret, und zum erften malzum heiligen Abendmahl gelaffen, wor ⸗ 
„unter einige fehon im Eheſtande waren. In Neuhanover habe 
„auch zwanzig Seelen präpariret und confirmiret, zum theil von vier bis 
„fünf und zwanzig jahren. An Philadelphia habe noch ein Häuflein 
„in der Präparation, welche noch am meiften zurück find. » » Den er⸗ 
„iten Pfingſitag hatten wir Predigt in Neuhanover. Es mar fo 
„vier Volcks da, daß fie fich einander drungen. Nach der Predigt hate 
„te eilf Kinder vor der Gemeine zu kaufen, und auch eine Ehefrau, wel⸗ 
„che einige Zeit Dazu prapariret. Die Frau war von Mennoniflifchen, 
„und twiedertäuferifchen Eltern , und hatte inder Zeiteine feine lebendige: 
„Erfäntniß erlanget. Den Pfingfi-Montag hatten wir in Provideng 
„bey einer groffen Berfammlung Predigt und dag heilige Abendmahl. 
Sechs groffe Perſonen, die zum theil verehlichet, wurden confirmirek,. 
Iween Sfunglinge und zwey Kinder getauft... Unterm ıflen Jul. 1743 
meldet er ferner, daß eine Perfon von den Wiedertaͤufern von ihm unter» 
richtet, und nachgehends in öffentlicher Gemeine eraminiret, und zum 
heiligen Abendmahl gelaffen worden. Und unterm 2sften Nov. 1743 
giebet er folgende Nachricht: „Eine Mutter mit fuͤnf erwachſenen Kin⸗ 
„dern habe ich Dafelbft (in der Germantowner= Gemeine) getauft. 
Sie waren fo betvegt , Daß man fiefaft mitihren Thränen hättetaufen 
„tönnen. Noch einen Ehemann habe dafelbft gekauft. Die Getaufte 
„ftehen durch GOttes Gnade in fehönem Wachsthum und Blühte. ,, 

. 22. Aus diefen wenigen berichteten Umftänden Fann denn aud) 
ein ieder leichtlich den Schluß machen, in welchem Verfall und groffer 
Unmoiffenheit der Here Paft. Muͤhlenberg dieſe Gemeinen gefunden, 
da diefelbe bisher ohne allen Unterricht aus dem Worte GOttes gewe⸗ 
fen, und die Jugend ohne Unterweiſung aufgetwachfen , auch fo gar er- 
wachfene und verheyrathete Perfonen ‚die in ihrem Eheftande ſchon meh> 
rere Kinder erzeuget, noch die heilige Zaufe empfangen müffen. Wie 
er denn auch in feinem Diario unterm sten Jan. 1743 von Diefem Zuftane 
de der Gemeinen fehreibet : „Es feheinet, als wenn iego Die Zeit wäre, 
„da GHtt hier in Penſylvanien uns mit befonderer Gnade an 

L * Ö e. 


= 


don einigen Evangel. Gemeinen in America. Iıy 


„wolte. Es iſt gewiß hohe Zeit. Wenn es noch etliche Jahre fo geblie⸗ 
„ben, ſo waͤren unſere arme Lutheraner völlig zerſtreuet geweſen, und ing 
Heydenthum gekommen. Es ſind wol einige, die nicht getauft, haben 
geheyrathet, und Kinder gezeuget, die auch nicht getauft worden, und da⸗ 
„bey giebt es unzehlige Secten, Meinungen und Verfuͤhrungen. Und 
an den obberuͤhrten Theologum faͤhret er, nachdem er der verſchiedenen 
Religionen und Secten, welche in Philadelphia ihre Kirchen und Ver⸗ 
fanmlungs » Haufer haden, inden oben angeführten Worten Erwaͤh⸗ 
nung gethan, alſo fort, den Zuftand des Landes zu befchreiben: „Er feh> 
„let auchnichtan Aheiften, Deiften, Waturaliften und Freymaͤurern. 
„Summa, es ift tool Feine Seite inder Welt, die hier nicht geheget 
„wird. E8 giebet hier Leute faft von allen Nationen in der Welt. Was 
„man in Europa nicht duldet, das findet hier Platz. » + Man höret frey 
„und öffentlich. die aller ſchaͤndlichſten Dinge wider GOtt und fein heiliges 
„Wort reden. ⸗⸗In dem gantzen Lande find viel tauſend, welche der 
Taufe, Erziehung und Confirmation nach folten Lutheraner ſeyn, aber 
„fie haben ſich zum theil zerſtreuet. ⸗⸗Es iſt ein ſolcher erbaͤrmlicher Zu⸗ 
„ſtand und Verfall unter unſern armen Lutheriſchen Leuten, daß es mit 
„Blut Thraͤnen nicht genug kann beweinet werden. Die Jugend iſt here 
„angewachſen, die Eltern haben ihre Kinder zum theil ohne Taufe, ohne 
„Information und Erkaͤntniß aufwachſen, und ins Heydenthum gehen 
„laffen. ⸗⸗So habe es gefunden, als in Philadelphia ankam., Des⸗ 
gleichen ſchreibet er in einem andern Briefe unterm 22ften Sept: „Der 
groͤſte Haufe iſt noch mild, undift leicht zuerachten, daß man die Un» 
„ordnung und Verwirrung , welche innerhalb drenffig Jahren eingefchlie 
„hen, nicht in einem Jahr wieder abthun Fönne.,„ Ein mehreres von 
dem klaͤglichen Zuftande dieſer Gemeinen, in welchem fiefich in Abſicht 
auf die Erfäntnif und Verehrung GOttes bey der Ankunft des Herrn 
Paſt. Muͤhlenbergs befunden, hier anzuführen, würde überflüffig 
ſeyn, weil ſich ein jeder denfelben leicht vorftellen kann. | 19 
8 23. Ob nungleic) Ein Arbeiterzumenigzufenn ſchiene, nicht 
nur Eine fondern mehrere alfo vermüftete Gemeinen einiger maſſen wie⸗ 
der in Drdnung zu bringen, und auch nur etwas Gutesauszurichten : ſo 
ließ ſich doch Herr Paſt Muͤhlenberg nicht abfehrecken, fondern ſuch ⸗ 
te unter göttlichen Beyſtande das Seinenad) Vermoͤgen zu thun, und 
nad) der oben bereits angezeigten Einrichtung fein Amt mit aller Redlich ⸗ 

keit und unermüdeten Fleiß auszurichten, bis es dem HErrn gefallen 
möchte, ihm einige Gehuͤlfen zu ſchencken. GOtt hat auch fein Bemühen 
nicht ohne allen Segen gelaffen : indem — der Zuhörer zu ihm ge ⸗ 
| wendet 


wre ARurge Nachricht 


wendet worden, den Unterricht defto begieriger und aufmerckfamer ans 
zunehmen ; auch manche,die entweder unter andere Secten zerſtreuet more 
den, oder fich bisher von dem Gottesdienft nur um Desmillen getrennet, 
weil ſie mit den unberufenen Predigern fich nicht einlaffen wollen, haben 
fich roieder herzu gefunden ‚die nun Fünftig den Unterricht ausdem Wor⸗ 
te GOttes mit deſto mehrerem Segen genieffenfönnen. Wie denn auch) 
aus dem angefuͤhrten bereits zu erſehen iſt, daß der Unterricht an Erwach⸗ 


ſenen und Kindern nicht ungeſegnet geweſen. Unter andern meldet er 


noch von einer alten Frau von neunzig Jahren in der Gemeine zu Neu⸗ 
hanover, daß ſie ihn bey ihrer Zubereitung zu dem. Genuß des heiligen 

bendmahls mit glaͤubigem und herslichem Gefpräch fehr erfreuer habe, 
and berichtet in mehreren Briefen , fo befümmertes auch in feinern Amte 
hergehe, und fo verderbt die Gemeinen geweſen, fo fhencke doch der HErr 


hier und da auch einigen Segen ‚das Wort fomme nicht gang leer wieder _ 


zurück; nur bedaure er, daß er aus Mangel einiger Mitarbeiter nur foin 
den gangen Haufen hinein arbeiten muffe,und nicht gnugfam auf die Spe⸗ 
cial- Pflegeder Seelen fehen koͤnne. Unterm 25ften Nov. 1743 ſchreibet 
er: In der Bermantowner = Gemeine gebeder HErr einigen Segen ; 
unter andern habedas Evangelium einen alten grauen Mann, der ein Ans 
hänger des Dippels geweſen, gewonnen ‚undzur Erfantniß der vollgül- 

tigen Berföhnung Ehriftigebracht. Er fen hernach felig geftorben ‚und 
habe einerbauliches Ende genommen. Er hoffe, wenn er Mitarbeiter 
bekomme, und mit der Arbeitdurch das Wort GOttes an den Gemeinen 
beftändig fortgefahren und angehalten werde : fo koͤnne mit der Hülfe 
GHttes eine wahre Befferung gefchaffet werden, und der HErr werde 
einen mehreren Segen offenbar werden laffen. : 


$. 24. Weil ſich indeffen die gertrennete und zerſtreuete Sutheraner 


nunmehr wieder zufammen zu finden angefangen, undin Philadelphia 


‘ 


Das gemiethete Berfammlungs» Haug zu Flein und unbrauchbar gewor⸗ 


den,die Schwedifche Gemeine aber ihre Kircheden Teutfchen nicht langer 
zum Gebrauch überlaffen können, als bis zur Ankunft ihresneuen Predi⸗ 
gers, der damals noch erwartet worden; in Provideng aud) der Got⸗ 
tesdienft nicht ohne groffe Hinderung bisher in einer Scheune gehalten 
werden müflen ,. tworinnen bey Vermehrung der Gemeine nicht einmal 
Raum genug vorhanden: fo ſchiene es diehöchfte Nothdurft zu erfordern, 
auf die Erbauung eigener Kirchen an beyden Orten zu dencken. 
6. 25. $nProvideng funden ſich weniger Schwierigkeiten als 
zu Philadelphia: weil die Gemeine an jenem Orte nicht ſo zahlreich iſt, 
daher auch die daſige Kirche nicht fo viele Koſten erforderte, * * 
Ar Au» 


von einigen Evangel. Gemeinen in America. i9 


Erbauung des Herrn Paſt. Muͤhlenbergs eigener Bericht in ſeinem 
Diario unter dem sten Jan. 1743 alſo lautet: ‚Mittwochs, den zten Jan. 
„feyerten wir in Providentz das Feſt der Erſcheinung Chriſti, und ich 
„predigte der Gemeine wieder in der Scheune. Die Leute in dieſer Gemei⸗ 
Zne ſind begierig und attent das Wort zu hoͤren. Die lieben Vorſteher 
„dieſer Gemeine ſind entſchloſſen, im Namen des HErrn einen Kirchen⸗ 
„bau anzufangen. Ich habe es der Gemeine ſchon zweymal publiciret, und 
„ſie zum Gebet und Vertrauen auf GOtt aufgemuntert. Es iſt uns eine 
Kirche hoͤchſt noͤthig. Zu dem Ende habe einen Brief geſchrieben, und 
„mit demſelben die Vorſteher in der Gemeine umher gehen und aufzeich⸗ 
„nen laffen, mas ein iedes Glied aus willigem Hertzen beytragen will, 
„Wir haben hier, GOtt ſey Danck, am Effen und Trincken keinen Mans 
„gel,aber dag Geld iftrar, weildie Land-Leute ihr Korn und Sachen nad) 
„der Stadt führen muͤſſen, und fehr wenig dafür befommen. Bon Holtz 
„iſt hier nicht gutzu bauen, mweiles bald faulmwird, und von Steinen zu 
„bauen ift Eoftbar. Ich habe einen Abriß einer fieinernen Kirche beygelee 
„get. Mac) dem gemachten Anfchlage wird es wol auf 200 Pf. Stere 
„ling kommen. GHDtt hat die Hergen recht gerühret und eifrig gemacht 
„gudem Bau: Denn nachdem wirdiegange Gemeine beſucht, find bey 
„nahe 100 Pfund nad) hiefigem Gelde aufgefchrieben. Ein Pf. Stere 
„ing macht anderthalb Pf. von hiefigem Gelde. Die Gemeine hat fich 
„gewiß Aufferfi angegriffen, wie jedermann bekennet. Was nun bey 
E. S. von den übrigen Collecten » Geldern zu ihrem dritten Theilliegt, 
„hoffen wie mit anzumenden. Aber mo will das übrige herkommen Der 
„barmhergige GOTT wolle doch Hersen in Europa erwecken, die ung zu 
„Hülfe kommen! » Die Gemeind-Blieder find fo einig ‚fie fahren ſchon 
„Steine herzu, daß michs erfreuet. Wir haben auch ſchon ein Schul⸗ 
„Haus aufgerichtet von Holg. In diefem Townfhip oder Flecken iſt 
„wol eine Englifche Kirche und ein Mennoniften: Berfammlungs- Haus, 
„aber eine Lutheriſche Kirche iſt noch nie geweſen, und nun ſolte die erſte 
„gebauet werden. Den iſten May wolten die Maurer anfangen zu mau⸗ 
„ren. Sodann meldet er in einem Schreiben vom Sten Junii 1743 fol⸗ 
gendes; „Den ꝛten Mäy legten wir den Grundſtein zu der erſten Luthe⸗ 


riſchen Kirche in Provideng. Es war eine gewaltige Menge Volcks 


ůʒugegen, ſo wol Engliſche als Teutſche. Wir ſungen erſt das Lied: Be⸗ 
„fiehl du deine Wegerc. Hernach hielt ich eine Teutſche Rede über 
Zach. 14,7. Nach Vollendung derſelben hielt ich auch eine Engliſche 
„rede. Die Maurer haben durch die Hülfe GOttes ſchon in dem An⸗ 
„fang des Junii ein gut Stuͤck in die Hoͤhe — Es gehet as 

| 2 „auch 


020 ’ Rurge Nachricht 


„auch durch manche Schwierigkeiten hindurch. ,, Desgleichen wird in 
einem andern Schreiben vom 22ften Sept. 1743 dieſes berichtet: „Den 
„aıften Aug. haben wir das Dachwerck auf die Providenger neue Kirche 
 „gelhlagen, und den ı12ten Sept. haben wir unfere Scheune verlaffen, 
„und das erftemal Gottesdienft in der neuen Kirche gehalten. Sie iſt 
„noch nicht ausgebauet, wir wollen fie aber nicht eher einweihen, bisfie 
„völlig fertig iſt. Immittelſt hat auch Die Gemeine in Reuhano⸗ 
ver ‚tvo bereits eine hölßerne, aber noch nicht voͤllig ausgebauete Kirche 
vorhanden geweſen, ein Schulhaus erbauet ‚ welches den iſten Sept. un» 
ter dem Beyftand GOttes aufgerichtet worden. » - 2 
9.26. Sn Philadelphia aber haben fich weit mehrere Hindernife 
fe zu überwinden gefunden : indem nichtnur Diesahfreiche Lutheriſche Ger 
meine , welche in diefer meitläuftigen Stadt fich befindet, eine gröffere Kire 
che, mithin deren Erbauung mehrere Koften erforderte; fondern auch Die 
fäße indiefer Stadt fehr rar geworden, und manche Lebelgefinnte es 
ſchwer zu machen geſucht. Doch hat GOtt auch hier allen Widerſtand 
überwinden helfen, wie aus folgendem Bericht des Herrn Paſt. Muͤh⸗ 
lenbergs zu erſehen, da er in feinem Diario unter andern alſo ſchreibet: 
Dienſtag, den ıgten Jan. 1743. Vor dreyſſig oder zwanzig Jahren haͤt⸗ 
„te man in der Stadt noch einen Platz zur Kirche und Kirchhof für ein ge⸗ 
„ringes Geld Friegen koͤnnen. Nunmehro find faft Feine Dläge mehr zu 
„kaufen in der Stadt , oder wenn ja einer, wie ein kleiner Acker groß, zu 


„kaufen wäre, fo Eönnen fie 400, soo bi8 600 Pfund fordern ‚ienachdem 


„esin der Stadt iſt. AufGrundging bekaͤme man wol eher noch einen 
„Platz, aber ſie fordern fürden Fuß jährlich drittehalb, drey, auch vier 
„Schilling Sterl. Auffolche Weiſe wuͤrde man jährlich für einen ſchlech⸗ 
„ten Plas sur Kirche, sehn oder zwoͤlf oder mehrere Pf. Sterl. Grundzins 
„geben müffen. Und dennoch werden fo wol die Kauf» ala Grundzins⸗ 
„Plaͤtze alle Tage theurer, und die Lutheraner vermehren fich jährlich. Je 
„länger man eg alfo mit einem Kirchenbau anftehenlaffet ‚. defto ſchwerer 
„und unmöglicher wird es. Wir befchloffen demnach, dieſe Umftändeder 
„Gemeine vorzuftellen. Ich feste einige Punctedavon auf. Sonntags, 
„ven 23ften San. nad) der Predigt las der Gemeine Die aufgefegten Pun⸗ 
Icte von einem Kirchenbau vor, und fagte , wer zum Kirchenbau etwas ges 
„bentoolte, der foltein der Kircheftehen bleiben, und feinen Namen aufe 
„fehreiben laſſen. Diemeiften blieben ftehen, und lieſſen aufſchreiben, 
was fiegeben wolten, und der liebe GOtt fegneteden Anfang, daß hun» 
dert und zwanzig Pfund nach hiefigem Gelde verfchrieben wurden. Sch 
„nahm mit den Vorftehern Abrede , daß fiein GOttes Namen fich moͤch ⸗ 
DT, hi ar —— 


von einigen Evangel. Gemeinen in America, <a 


„ten nach einem Kirchen ⸗Platz umfehen. «+ Den ıgten Febr. 1743. Unfere 
„DBorfteher haben fich wieder aufferft bemühet um einen Kirchenplag ‚ koͤn⸗ 
„nen aber Eeinen betommen. Ich ſtellte esim Gebet dem allweifen GOtt 
„anheim. Iſt es fein Wille, daß wir hier eine Kirche haben ſollen, fo wird 
„erung auch einen Plas anmeifen. » + Sonnabendg, denrzten Maͤrtz Die 
„Boriteher aus Philadelphia ergehleten mir mitinniger Freude , daß fie ei» 
„nen Kirchen Plag im Kaufe hatten, welcher beynahe auf 200 Pfund ko⸗ 
„fen würde. Einen Pas zu kaufen ift viel befferals auf Grundzing zu 
„nehmen. Wir haben aber Feinde, welcheung gerne Steine in den IBeg 
„werfen. Esftehetnunnoch dahin, ob mir den Plaß Eriegen oder nicht. 
„Unfere Leute find fehr begierig zum Kirchenbau , und haben fich ſchon im 
„&ollecten-Buc) fo viel unterzeichnet, daß wir über 200 Pfund nach hiefi- 
„gen Gelde habenfönnen. Wenn mir nicht zu einem Kirchenbau gelan- 
„gen, fo kommen wir mit der Lutherifchen Gemeine fehmerlich in Ordnung. 
Wo der HErr nicht das Haus bauet, wir fünnenegnicht. „ 
G. 27. So tweitwar eg mit den vorläufigen Anftalten zu Erbauung 
einer neuen Kirche zu Philadelphia damals gekommen: Die weitere 
Nachricht von dem wircklichen Anfang derfelben berichtet er in einem Schreie 
ben vom sten Junii, darinnen er unter andern folgendes meldet: „In der 
„Woche vor Oſtern befcherte ung dergnadige GOtt einen Mas zur Kirche 
„in dem Eentro der Stadt. Der Plas iftvortrefflich , und giebt auch zu> 
„gleich einen Kirchhof. Er koſtet hundert und etliche Pfund Sterling,und 
„mie Bönten gleic) 20 Pfund Sterling mehr befommen, wenn mir den 
„Pla wieder verkaufen wolten. Wir find und werden immer mehr gende 
„thiget, einen Kirchenbau in Vhiladelphia im Dertrauen auf den lebendi⸗ 
„gen GOtt anzufangen. Wenn das nicht geſchicht, fo ift es nach und 
„nach mit dem Lutherifchen Häufleinaus. Wir haben den sten April in 
Gottes Namen den Grundftein zu der erfien Teutſchen Lutherifchen Kire 
„che in Philadelphia gelegt. Der Schwedifche Prediger von einem an» 
„dern Ort, der bey der ietzigen Vacantz in der Schmedifchen Kirche den 
BGottesdienſt zuweilen hier verfichet, ſtund mit bey. Der Englifche Pre» 
„diger toolte auch mit beywohnen, es kam aber ein Nothfall darzr,ifchen, " 
„daß er aufs Land verreifen muſte. Es war gewaltig viel Vol? dabey, ſo 
„wol Feinde als Freunde. Da wir einmal zu bauen genoͤthige⸗ worden, fo 
„muͤſſen wir für unfere Nachkommen auch) mit ſorgen. D?,ir haben ders, 
»wegen die gehörige Groͤſſe genommen,7o Fuß indieLänge, 45 in di Breir 
„te, und 27 in Die Höhe, ohne das Gewoͤlbe, welches auck, nor", Suß bettäe 
„get. Wir laffen auch einen Thurm zuein paar Glock⸗n ie a Der Bau 
„iſt zum wenigſten aufgoo Pfund Sterling angekäh, sen, Sir verlafen 
3 X 


a &; Rurge Nachricht i 


„uns aufdenlebendigen GOTT. Bauen iſt eine ſchwere Buͤrde, zuma 
„wenn man arm iſt, und fo viele Zeindehat. Der gnadige GOtt hat ung 
„aber, ohngeachtet der vielen Sinderniffe, ſchon fo weit geholfen, daß die 
„Maurer bald ein Stockwerck hoch fertig haben in dem Anfang des Sunii. „, 
Ferner ſchreibet er unterm ıflen Zul. : „In Philadelphia hoffen die Mau⸗ 
„rer innerhalb vier Wochen mit der Mauer fertigzufeyn. GOtt hat feine 
„Hand dabey. Wir haben es nicht aus Vorwitz angefangen, fondern aus 
„dringender Noth. Nach den Englifchen und hiefigen Rechten darf Feine 
„Secte oder Religion eine Kirche bauen, als die zur Engliſchen Kirche ge» 
„hören, und nebft derfelben die Zutheraner. Weil wir denn eine Kırche 
„bauendürfen, fo müflen wir auch einen Thurm zu Glocken aufführen, wel» 
„her von Grund ausss Fußindie Hoͤhe kaͤnne. Unfere Mißgönner erwar⸗ 
„ten, daß wir mit nachftem follen ins Gefaͤngniß kommen und zu fehanden 
„merden,twenn wir nicht bezahlen Eönten. „ Sineinem andern Briey fehreibt 
er ferner: ,, Der Anfchlag von den Koften ift zum genaueften gemacht auf 
„fuͤnf tauſend, fünfhundert Rthlr. nad) Teutſchem Gelde. Die En⸗ 
„gliſchen Arbeitsleute thun bey ſolchem Gemeinen⸗Bau nicht cher einen 
„Schlag, bis ſich iemand ſchriftlich oder muͤndlich verbindet, zu bezahlen. 
„Dem zu Folge haben ſich vier von unſern Kirchen⸗ Vorſtehern vereiniget 
„und verbunden,den Bau auffichzunehmen. Die Männer find zwar nicht 
„viel bemittelt, aber fie find treuhergig, und wagen es auf GOttes Credit, 
„Unfere Lutherifche Glaubens +» Genoſſen in einer neuen Stadt Lancaſter 
„genannt, 6o Meilen von Philsdelphis, haben.ung 100 Rthlr. nad) 
Teutſchem Gelde gegeben. ; | 

H. 28. Endlich berichtet Herr Paft Mlühlenberg die Vollendung. 
des Auffern Baues in feinem leßten Schreiben vom 2sflen Nov. 1743 mit fol- 
genden Worten: „Unter diefen Trublen hates der gnadige GOtt mit der 
„Pbiladelphifchen Kirche fo weit gedeyen laffen, Daß fie gedeckt, und der 
Thurm aufgerichtet worden. Dergnädige GOtt hat eseben fo abgemef- 
„ten. Denn weildie Schweden nun ihren eigenen Prediger bekommen ha» 
„ben, fo gebrauchen fie ihre Kirche ſelbſt, und Fönnen ung feinen Platz geben, 
„weildie Tage zu kurs find. Wir haben in unferer Kirche zwar noch Feine 
„Fenſter, und das Gerüfte ftehet noch inwwendig , aber wir haben Die 28 Ten» 
„fter und 3 Thüren derweile mit Brettern zugeftemmet , und haben zu 
„meinem und vieler andern innigem Troſt den 2often Octobr. als am 2sften 
„Sonntage nad) Trinitatis , das erfte mal Gottesdienft darin gehalten. 
„Ach GOtt! was fuͤr eine Wohlthat ift das in einem fo fremden und wüften 


„Rande! Unfere Gegner haben immer noch gehoffet, die vier Männer, welche 


„für Den Bau gut gefprochen und denfelben unternommen, folten noch ter 
| „gen 


von einigen Evangelifchen Gemeinen in America; | J 
„gen der Schulden ins Gefaͤngniß kommen, ehe die Kirche fo weit fertig waͤre. 


Wir fungen das ſchoͤne Lied wieder an diefem Sonntage: Befiehldu dei» 
„neWMegex. An ſtatt der Epiftel las ihnen aus dem 4ten Eapiteldes ıften 


- „Buchs der Maccabaer vom 36ften Vers bis zu Ende vor. Hernach erklaͤ⸗ 


„reteihnen Das Gebet Salomonis aus dem ıflen Buch der Könige im sten 
„Capitel vom ꝛaꝛſten Vers an, und ſo weiter. , Unddiefer doppelte Kirchen» 


bau zuPhiladelphia und Provideng iſt es, wozu dasjenige, was von den 
eingekowmenen Collecten, nach Abzug der Reiſekoſten des Herrn Paſt. 
Muͤhlenbergs und deſſen, was noch zur Hineinſendung einiger neuen Ar⸗ 


beiter erfordert wird, uͤbrig geblieben, mit angewendet wird, und zu dem En⸗ 
de bereits wircklich nach Penſylvanien uͤbermacht worden: ob es zwar zu 
Beſtreitung der Koſten dieſes weitlaͤuftigen Kirchenbaues, tie leicht zu er⸗ 


achten, bey weitem noch nicht hinreichend iſt; zumalen auch noch gar ein er⸗ 


kleckliches zu Thuͤren und Fenſtern, und was ſonſt inwendig in den Kirchen 


noͤthig iſt, erfordert werden wird; darunter man aber das Vertrauen zu dem 
gnaͤdigen GOtt hat, daß er auch die übrige Nothdurft darreichen werde. 


9.29. Wie nun der Herr Paſt. Muͤhlenberg in allen feinen Briefen 


die Nothdurft vorgeſtellet, daß ihm einige Gehuͤlfen in Kirchen und 


“ 


Schulen zugeſchickt würden; auch die Gemeinen durch ihn fehnlich darum 


‚bitten laffen : alfo hat, GOtt auch hierinnen das Gebet feiner Knechte und 


Kinder in Gnaden erhoͤret. Indem er es gefüget, daß hierzu ein tüchtiger 
Candidatus Theologie, Herr Peter Brunholg, aͤus Fuͤbuͤl, einem 
Dorf des Fürftenthums Glüdsburg im Herzogthum Schleswig ‚ge 
bürtig, unter Einftimmung aller derer, welchen die Umſtaͤnde in Penſhlva⸗ 
nien und feine Gaben und Treue befannt geweſen, in Borfchlag gebracht, 
worden: nachdem derfelbenichtnur in Theologifcher Erkaͤntniß einen guten 


‚Grund geleget,auch bisher das Geheimniß des Glaubens in einem reinen Ge⸗ 


wiſſen zu bewahren gefuchetz fondern auch nach zurückgelegten Univerſitaͤts⸗ 
Jahren aufden Gütern eines gemiffen Chriſtlichen Heren von Adel bereits 
Proben von feiner Treue und Gaben im öffentlichen Vortrag des Wortes 
GOttes, und dem Umgange mit Seelen abgeleget. Es hat fichderfelbe auch 


willig finden laffen , den von dem Heren Dock. und Prof. Francken/ im Pa» 
‚men der Penfplvanifchen Gemeine, anihn gebrachten Beruf, nach gepruͤf⸗ 
‚tem Willen EOttes, anzunehmen: worauf er von dem Hochgrafl. Stoi⸗ 
bergiſchen Eonfiftorio zu Wernigerods eraminiret, und am ı2ten April 
‚1744 indafiger Schloß-Eapelle ordiniret worden ; fodann feine Keifeüber 


Aanover nad) Aamburg fortgefegef. Nicht weniger haben fich Auch 


zʒween andere redliche Studiofi Theologie, Herr Schaum und Hear Rurg, 
fo beyde ohnmeit Gieffen iu Haufe find,fich gefunden, welche ald Cantores 


ange 


24 Rurtze Nachricht von einigen Evangel Gemeinen in Ymerica. 


angenommen worden, die demſelben nach Hamburg gefolget ‚und am verwi ⸗ 
ehenen ıften Julii mit ihm die Reife über England nad) Penfyloanien be» 

zeits angetreten haben. AR 
$.30. Danun ſo wol bey Erwehlung und Berufung diefer neuen Gehuͤl⸗ 
fen,als auch bey deren Abreife, abermal die Spuren der göttlichen Fürfehung 
gar mercklich wahrgenommen worden: fohatman Feine Urſach zu zweifeln, 
es ſey diegnadige Abficht GOttes, der da hieß das Licht aus der Finfternif 
hervorleuchten, den Penſylvaniſchen Gemeinen fern Licht immer heller aufge⸗ 
hen zu laſſen, Damit auch unter ihnen, durch die ihnen gefchenckte Lehrer ent» 
ftünde die Erleuchtung von der Erkaͤntniß der Klarheit GOttes indem Ange» 
ſichte JEſu Ehrifti. Wie denn auch, nachdem der Eingang des Heren Paft. 
Mlüblenbergs und dievorfeyende Ahfendung diefer neuen Gehülfen an ei⸗ 
nigen Orten fund worden, GOtt ſchon manche Wohlthaͤter erwecket, welche 
fo viel eingefandt,daß nicht nur der letztern Reife bis England davon befkritten, 
fondern auch noch „oO Pf. Sterling übrig geblieben , und, auffer den von einer 
andern vornehmen Ehriftlichen Goͤnnerin, die fich diefes Wercks mit befon» 
derm Eifer angenommen ‚: zudeffen Behuf bereitsnad) England uͤberſand⸗ 
ten 547 Rthien. gleichfallsdahin ubermacht werden koͤnnen, damit folche, 
wenn die von den vorigen Collecten zu der neuen Gehuͤlfen meitern Reiſe nach 
Penſylvanien zurück behalteneSsumenicht hinreichen folte,folche davon vollig 
befiritten, das uͤbrige aber zudem obgedachten Kirchenbau angewandt wer⸗ 
denmöge. Fürmelche Wohlthaten man hiermit den famtlichen hohen Goͤn⸗ 
nern und wertheften Freunden öffentlich nochmalen herglich dancket, und 
GH um derenzeitliche undervige Vergeltung demüthig anrufet, auch zu 
demfelben das Vertrauen hat, er werde nach feiner Hertzlenckenden Kraft 
mehrere Wohlthaͤter ermecken,diefen neu aufgehenden Segen durch ihreliebe 
veicheund freyroillige Beyhuͤlfe zu befördern. Wen denn aber die Ausbrei⸗ 
tung des Reiches GOttes und Die Errettung der Seelen am Hergen lieget, 
wird fich auch Durch diefe kurtze Nachricht erwecken laflen, GOtt fuͤr feine be» 
reits erzeigte Huͤlfe demuͤthig zu preifen, und ihn ferner um feinen Bepftand fo 
wol zu der Reiſe des iegt berührten andern Predigerd und beyden Eantoren, 
als auch um feinen fernern Segen zu der Amtsführung der fämtlichen Arbei⸗ 
ter inEindlichem Gebet anzurufen. GOtt aber, der da überfchweng- 
li thun kann über alles, was wir bitten oder verftehen, 
eleite diefe neue Gehuͤlfen auf ihrer Reife, und bringe fie unter 
Aa Schutʒ durch alle Gefahr imSegen an ihren Ort. Er laſſe 
auch durch ihren Dienſt viele Seelen aus der Obrigkeit der Fin⸗ 
ſterniß errettet, und in das Reich ſeines lieben Sohnes verſetzet 

werden, zur Verherrlichung ſeines Namens. 
Amen, es geſchehe alſo! 


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Burgen daqhrit. 


von — 


en Senennen 


in America 





ee en, in Verlegung des Wäpfenhaufes, 1745.. 























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De ift im verwichenen Jahre eine kurtze Nachricht von 


— 










Ye. einigen Evangelifchen Gemeine rica 

I den D ruck mitgerheilet worden , aus welcher mit m 
ehen, welchergeftaltdie Teutſche Evangelif- 

e Gemeinen zu Bhiladelphia, Neuhannover 


zur 
. } 


x 
\ 


Prof: Standen in Halle und den Koͤniglich⸗ Großbritanniſchen Hof- 


prediger, Herrn Friederich Michael Ziegenbagen zu Londen, feit meh⸗ 
rern Sahren verjchiedentlich erſuchet, Daß ihnen ein ordentlicher Pre: 


diger zugefandt würde ; und wie, nach Hebung einiger Schwierig⸗ 
 Eeiten, zu. Erfüllung dieſes Berlangens Herr Heinrich, Melchior 


- Mübhlenberg dahin abgefandt, diefer auch ,. nachdem er den asften. 


er: E 


U 


Novembr. 1742. in Bhiladelphia glücklich angelangt, von. den bes 


ſagten drey Gemeinen, Denen.noch die Gemeine zu Germantorn bey⸗ 


gefreten, mit groffer Begierde und Liebe. aufgenommen worden. 
Desgleichen ift.in gedachter Burgen Nachricht angeführt , wie 
derſelbe nebft den befagten Gemeinen, Da die Arbeit, von Einen 
Prediger nicht allein. beftritten werden koͤnnen, aufs neue inftändig 
‚gebeten, ihm noch mehrere Gehülfen in Kirchen und Schulen nach⸗ 


zufenden , und wie Darauf Herr Deter Brunnholtz, als zweyter 


Prediger, nebft zween a Hera Ras 


Gemeinen in America dur 


d Probideng in der Propins Menfploanien den. Herin D. und 


- 


¶ N Sorsfenufig der kurgen rachricht A 


ee Aurs, nach angenommenem Beruf, Den ıften lul 1744. 
ihre Reife von Hamburg nach England und, Penfploanien angeire- 
en... Nicht weniger wird aus Derfelben bekannt feyn, daß die von 
wohlthaͤtigen Hergen für, diefe Gemeinen vormals eingeſandte lieb⸗ 
teiche Wohlthaten fo wol zu. den Reifekoften der ſaͤmtlichen Arbei⸗ 
ter, als auch zu dem aus dringender Noch a 
Provideng worgenommenen doppelten Kirchen Bau: angervendef - 
worden/ ob fie gleich zu deſſen voͤlliger Beſtreitung in⸗ 
reichend geweſen. So wird auch der geneigte Leſer ſich aus beſagter 
kurtzen Nachricht erinnern, was für einen geſegneten Eingang der 
Herr Paſtor Mühlenberg in diefen Gemeinen ‚ nachdem dieſelbe fo 
geraume Zeit ohne ordentliche Lehrer geweſen, ohnerachtet aller Hinz 
derniſſe, gefunden, ſo daß Alte und Junge fich mit groffer Begierde 
aus des Worte GOttes unterrichten laffen, Eltern mit ihren Kin⸗ 
dern, „oder. andere bejahrte Leute Die heilige Taufe empfang N) au | 
nebſt noch andern ermachfenen und zum theil gerhenratheren fest d= 












nen zum exften Genuß des heiligen Abendmahls zubereitet worden, 
und überhaupt Die Aufmerckfankeit , "Begierde und Gehorſam, mit 
welchem ſolche Leute" den Unterricht. aus GOttes Wort angenom⸗ 
‚men, dem Heern Paſtor Mühlenberg eine innige Freude erwecket, 

und ihm feine beſchwerliche Arbeit verfüffet Habe. RE 
"6 2.. Nachdem nun bisher mehrmalige Nachfrage geſche⸗ 
n, ob noch Feine Nachricht von desgedachten Herrn Paſtor Brunn- 
eek und feiner Gefährten Ankunft in Penſylvanien eingelaufen 
fey,, und ob der Segen, den der Herr zur Verkündigung des 
Worts zugeben Angefangen, annoch fortgehe; ſo hat man nicht 
entftehen Eönnen, hiedurch zur Freude aller Gönner, - Freunde und 
MWohlthäter , welche die Ausbreitung des Reihe GOttes, tie 
überhaupt , alfo auch in diefer Gegend, von Hergen wünfchen, 
und zum theil durch ihren milden Beytrag befordert haben, hie- 
durch befannt zu. machen, daß folche Nachricht zwar etwas lange 
“ausgeblieben, nunmehr aber vor kürtzem, nemlich ven 22ften Maüi 
dieſes Jahrs, fo wol von dem Herrn Pastor Mühlenberg, als dem 
Berrn Paſtor Brunnholgen felbft, aus Philadelphia die laͤngſter⸗ 
"wartete. Briefe an den obgedachten Herrn Hofprediger Ziegen- 
„hagen und den Herrn D. und Prof. Francken — 
— eyn. 


+ 


von einigen — Gemeineni in America. 29 


Es find dieſelbe i im Martio dieſes Jahrs geſchrieben, und 
enthalten — luͤcklicher Ankunft der gedachten neuen Arbeiter, 
2) von ma rüfungen ; ‚ die der Herr Paſtor Muͤhlenberg bis 
ausf > ‚müffen , und von dem Darunter ‚erfahrnen Br: ’ 
ſiade Gottes, ſo dann 3) von dem Fortgunge des Segens voͤtt⸗ 
lichen Worts, und 4) von dem Kirchenbau manche merckwuͤrdige 
AUmſtaͤnde, wovon Das noͤthigſte und wichtigſte kurtz zuſammenge⸗ 
dogen und zum Preiſe GOttes hiedurch mitgetheilet werden * 
2.83. Was den erſten Punct, nemlich die glückliche An⸗ 
der neuen Arbeiter, anlangt, fo wird. ein leder, dem aus 
1 vorgedachten Eurgen Tlachricht erinnerlich ft, was der Herr 
Paſtor Mühlenberg für eine weitläuftigeund wegen der. vielen Rei- 
Be viel beſchwerlichere Arbeit in den vorgemeldeten vier Ge⸗ 
en ——— und wie treulich er ſich, ohne auf ſeine Gemaͤch⸗ 
lichkeit zu ſehen, der gantzen Nothdurft angenommen, leicht 5 
—— ſehnlichen Verlangen er der Ankunft mente 
- Biene un Gehuͤlfen werde: entgegen gefehen haben. , Es 
— da man wohl eingeſehen, wie nothwendig es ſey, ihm Hard 
zu: 





am ir 


| | fommen, mo er nicht immittelſt unter der Arbeit 
serliegen.folle, aller Fleiß angewendet worden, die Abſendung Bi 
Mitarbeiter, aufs möglichfte zu befchleunigen ;.und- es, fehlte Di | 
an Berlangen,, bald in Amerlea zu fepn, und. ii 

n 





—— Yartor Nblenerg die Hand bieten zu fönnen. Sie mu 

aber auch dieſen ihren guten Trieb und Berlangen in den Wil 
des allmeifen GOttes übergeben lernen , da fie nicht: nur auf der 
Raien von Hamburg nach England, wegen mehrentheild contraiyen 
Windes, drey Wochen zubringen ‚und in England eine ziemliche Zeit 
auf abgehende Schiffe warten ; fondern auch, nachdem fie fih zu 
* Gravefand am aaften Sept. 1744. auf ein nad) Penſylvanien gehen- 
des Schiff begeben, abermal über neun Wochen in den Engliſchen 
Hafen ſich aufhalten muͤſſen, bis fie endlich den 29ſten Nev. unter 

ee der Flotte des Admirals Davers in See gehen Fönnen. 
Ron ihrer Seereife usd Ankunft in Penſylvanien 
wird un ferner gemeldet, die gedachte Flotte fen Den dritten Tag 
durch einen heftigen Sturm, nur ein einiges Kriegsſchiff ausgenom- 
= Rn von ihnen getrennet worden, Sp Bars ihnen durch Die 8 

3 N 


30 Gorefegung bee kurgen lachricht >. 


niſche See bis an Capo finis-terre zur Begleitung gedienek,, wo 
fie daffelbe am oten Dec. zuruͤckgelaſſen, und, nachdem fie eilf Tage 
gufen, hernach aber in vier Wochen meift contrairen Wind und 
uweilen fo ftarcfen Sturm gehabt, Daß fie das Ruder anbinden 
muͤſſen, den 26ften Ian. 1745. vor Philadelphia gluͤcklich angekom⸗ 
men feyn. Sie hätten auf der gangen Neife Fein feindlihes Schiff 
zu fehen bekommen , und fich bey ihrer Ankunft völlig wohl befun ⸗ 
den. Als fie nun ans Land getreten, und im Begriff geweſen nad) 
der Stadt zu gehen, fen ihnen ein teutfcher Mann aus dem Walde 
entgegen gekommen, und habe , Da er gemercket, daß fie Fremde 
von dem angelangten Schiffe feyn, fie gefragt, ob Eeine Evangeli- 
ſche Prediger auf demfelben mitgefommen ; welcher fie denn, nach» 
dem fie Sich ihm zu erfennen gegeben, mit groffer Freude zu einem 
£eutfhen Kaufmann in der Stadt gebracht ; von Diefem fo wol, 
als auch von den Vorftehern und andern Gliedern der Gemeine, 
die auf die Nachricht von ihrer Ankunft fi) eingefunden, wären fie 
fo dann mit geoffer Freude aufgenommen und bemillfonmet wor⸗ 
den. Alle hätten GHDft über ihre glückliche Ankunft herglich ge- 
lobet, gleichtwie derſelbe vorher ffentlich und befonders um feinen. 

Schuß und Benftand zu ihrer Reife angerufen roorden. Der Herr 
Paſtor Mühlenberg aber, welcher ſich in Den Land = Gemeinen ber 
funden, fey alfofort durch einen Boten mit folcher angenehmen Nach⸗ 
richt erfreuet worden. 0° 20.2.2. PER. ie 
$. 5. Nachdem derfelbe nun fogleih nach Philadelphia zu⸗ 
ruͤckgekommen, habe der Herr Brunnholg den nächften Sonntag 
vor der dafigen Gemeine geprediget, und fey vonderfelben für ihren - 
ordentlichen Lehrer und zweyten Vrediger erkannt und angenommen, 
auch feinein ihrem Namen ausgeftellte Vocation von Den Borfiehern 
und famtlichen Gliedern unterſchrieben und beftättiget worden, wel⸗ 
ches gleichfalls den sten Febr. zu Germantown, den 7ten Deffelben 
Monats, als den folgenden Sonntag, zu Providentz und dengfen 
eiusd. auch zu Neuhannover gefchehen er ſey alfo den famtlichen 
vier Gemeinen vorgeftellet worden, in der Abſicht, daß er mit Dem 
Herrn Paſtor Mühlenberg im Anfang die Arbeit in denſelben gemein⸗ 
fehaftlidh verfehen, und darin ummechfeln wolle, auch, wenn fie 
kuͤnftig nach deutlicher erfanntem Willen GOttes fich in Die Arbeit 
> Me ER | aordent⸗ 


2 


von einigen Evangel. Gemeinen in Amitric.. zu 


Ein beyde in gleichem Zweck in alten Gemeinen mit einander arbeiten 
Önten. M 

jen, nach herglichem Gebet zu GOtt und reifer Weberlegung aller! - 
Tmftände ‚ bereits die Einrichtung getroffen, daß Herr Kurs in dem: 


von ihm dazu gebrauchten Werckzeuge. Paper: Ken hu ah 
86. Sonft meldetinfonderheif der Herr Paſtor Brunnholtz, 


ter aller Noth und Prüfungen, die ihn bishero betroffen, mercklich 
bengeftanden, auch feinen treuen Dienft Dazu gefegnet, daß nicht nur 

| al tlich manches in ziemlich gute Drönung gebracht worden, ſon⸗ 

oder noch zu hoffen ſey; zu deren Gewinnung fein Tiebreicher und der 


auch’ bey vielen Seelen eine innere wahre Befferung erfolget, 
mütbiger Wandel vieles beygetragen. Er, der Herr Paſtor Brunn _ 
Erd ſich nach der Gnade, ſo GOtt darreichen werde, beftveben, 
demſelbigen in eifriger und treuer Amtsfuͤhrung nachzufolgen, und nicht 
nur das Wort GDttes in dern öffentlichen Bortrage reinund lauter: 
zu verfündigen, fondern auch insbefondere an den Seelen zu deren - 
. Errettung mit aller Treue zu arbeiten. Damit er auch die ihm an⸗ 
. vertrauten Schafe defto beffer Ferinen lernen, und wiffen möge, wie 
er feine Zuhörer nach eines ieden Zuftand beftrafen, lehren, unter⸗ 
richten und ermahnen ſolle: fohabe er angefangen , fie in ihren Haus 
fern zu beſuchen. Bey welcher Gelegenheit er ſchon manche nad) 
Dem Worte GOttes begierige Gemuͤther gefunden, deren. er fich 
FITER | — nu 







= Sortfegung der kurtzen Nachricht 


nun nebft dem Heren Paſtor Mühlenberg defto näher anzunehmen, 
und fie auf den rechten Grund zu führen fuchen wolle. — 
“6.7. Don dem andern Stuͤck, nemlich den mancherley 
Prüfungen, die der Herr Paftor Muͤhlenberg bieher in Fuͤh⸗ 
rung feines Amts aussufteben gehabt, wird es genug feyn, nur 
folgendes aus deflen Briefen anjuführen, Da er meldet, er fey zu⸗ 
pörderft Darüber innicht geringe Noth gefommen, daß fo wol Die 
Ankunft nörhiger Gehuͤlfen fich über Bermuthen lange verzogen, als; 
auchdie aus England und Teutfchland an ihn abgelaffene Briefe wer 
gen des Krieges zur See nicht zu rechter Zeit eingelaufen. Auſſer 
Der Berinehrung feines eignen Kummers und Sorge,. hätten nicht 
nur einige Feinde Daher Gelegenheit‘ genommen, ſeiner zu ſpotten, 
wie er nun auch von feinen- Goͤnnern und Freunden in Europa: ver- 
laffen fen; ſondern auch einige gefucht, ihn bey Den Gehreinen auf 
alle Weiſe verdächtig zu machen, und ihn unter andern zu beſchuldi⸗ 
gen, als verwende. er Die Eollecten » Gelder in feinen — Mutzen. 
Welche Laͤſterung aber durch die endlich eingelaufene Briefe und da⸗ 
mit uͤbermachte übrige Colleeten⸗Gelder widerlegt: worden. Der. 
vornehmfte Urheber diefer Berleumdung fey ein in Teutfchland abge⸗ 
fester Prediger geweſen; welcher ihm auch nachhero noch manchen 
Werdruß zu erregen geſucht. Wie aber feine, des Herrn Paſtor 
Muͤhlenbergs, Treue bey den Gemeinen und in dem Gewiſſen ſei⸗ 
ner faͤmtlichen Zuhörer genugfam offenbar geworden: alſo ſey der⸗ 
ſelben zu ihm gefaſſtes Vertrauen nicht geſchwaͤcht, ſondern vielmehr 
durch Offenbarung ſeiner Unſchuld deſto mehr beſtaͤrcket, auch die von 
jenem eingenommene Gemuͤther wieder gewonnen und in gute Ord⸗ 
nung gebracht worden. Es habe zwar hiernaͤchſt nicht an noch groͤbern 
und unverfchäntern Laͤſterungen gefehlet, GOtt habe aber feine Uns 
ſchuld uͤberall offenbar werden laſſen. ‚Anderer Schmach / die ihm um 
EHrifti willen wiederfahren, hier zu gedencken, wuͤrde zu weitlaͤuf⸗ 
tig fallen, als, da ſo wol ſeine Perſon als Amt von dieſen und jenen 
oͤffentlich und beſonders verſpottet, und ihm die von der Welt zu 
WVerachtung des wahren Chriſtenthums erſonnene Namen beygelegt 
worden, wodurch zwar der Feind den Segen feines Amts zu verhin⸗ 
dern gefucht, welches ihm aber GOtt nicht: zugelaſſen, fondern zu 
vieler Seelen Ueberzeugung und Gewinnung defto Eräftiger mit ihm - 
ge⸗ 


\ 


— 


von einigen Evangel Gemeine in Arc 5 33 


en; ja ohne ſein Suchen bey denen, die nicht mit Vorurtheilen 
— ihn deſto mehr geehret, und in deſto groͤſſerm An⸗ 
Zuhoͤrern, nach dem ſchon oben angefuͤhrten Zeug⸗ 
en Daler Brunnholßeng ‚ erhalten, ie mehr ihn die Wi⸗ 
* veraͤchtlich zu machen ſich bemuͤhet 
— Was aber drittens die wircklichen Srüchte ſeines 
ſmt —— ſo hat der HErr ihm nicht nur die nothige Geſund⸗ 
heit und, Kräfte verliehen, in feiner Amts- Arbeit beftändig fortzu⸗ 
fahren, auch es-dem Feinde nicht gelingen laſſen, ihm in öffentlicher 
und befonderer Verkündigung des Worts eine Hinderung inden Weg 
au legen; fondern Er hat auch den in der erften kurtzen Nachricht 
angemereften Segen erhalten und vermehret ; wovon Derfelbe nur 
ende wenige Erempel in feinem obgedachten Schreiben anführer. 
Sn der Germantomner = Gemeine habe er ein Häuflein junger Reute 
untereichfef , und zum erften Genuß des heiligen Abendmahls gelaffen, 
‚ auch dafelbft in einem Haufe drey ertvachfene Kinder und noch einen 
emann bey nahe von 40 Jahren mit feinen zwey erwachfenen Kin- 
dern getauft „ welche legtere ihren Vater in ihrer Einfalt hertzlich ge⸗ 
- beten; er möchte doch die heilige Taufe empfangen; desgleichen habe 
BURN Philadelphia eine Jungfrau von Quakerifchen Eltern, von 
2 Jahren / oͤffentli ich taufen, auch eine Frau confirmiren laſſen. Nicht 
weniger ſey in Neuhannover ein Quaker mit vier Kindern getauft 
worden, deſſen Frau am neuen Jahr 1744. das Sacrament der hei⸗ 
ligen Taufe ſchon empfangen ; beyde Eheleute ſeyn auch nachhero 
nebſt noch zween andern zum Genuß des heiligen Abendmahls gelaſ⸗ 









— worden, ‚und führten mit den Ihrigen nun einen Chriſtlichen 





Wandel. Endlich habe er ohnlängft einen angefehenen teurfchen 
Mann mit fünf Kindern zu Neupropideng getauft, welcher ſchon 
lange durch die Kraft des Works GOttes gerühret geweſen, aber 
er nicht entfchlieffen Eönnen, die heilige Taufe zu empfangen, weit 
er es mit Fleiſch und Blut überlegt, biser endlich durchgebrochen fen, 
und alle Hinderniſſe ͤberwunden habe. Man koͤnne von allen hoffen, 

16 fie eine gute Abſicht gehabt, Da fie weder zeitlichen Genuß und 

theil, noch auch —— Anſehen vor der Welt in dieſem freyen 

e zu gewarten hätten. Auſſer dieſen zur Gemeinſchaft der 
—— Kirche wiedergebrachten ie habefich der —— 


“ 





JEſus an manchen Seelen durch fein heiliges Wort fo Eräftig ee. 
wiefen , daß er davon u a ei Reben zu fehen hoffe, | 
fenen auch fchon feligverftorben. ° Er Eonne zwar noch von mehre 
anfcheinenden beſondern Früchten fhreiben: aber er ſehe erſt u 
‚ob es auch was gegründefes und beftändiges ſey. Indeſſen m 
dieſes wenige hinlänglich feyn, hriftliche Leſer, die an Dem Wercke 
des Herrn ihre Luft haben, zum herglichen Lobe GOttes zu erwecken, 
der fein Wort bereits bey einigen ausrichten laffen,, wozu er e8 ge: 
fendet. Ex wolle ſolches ferner immer mehr dazu fegnen, daß feine _ 
Ehre und das Heil der Menfchen befördert werde. DIA U & 
.$. 9. Endlich und zum vierten ift noch übrig, die wegendes 
Rirchenbaues berichtete Umſtaͤnde mit wenigenranzuführen ; wo⸗ 
zu man fich um fo mehr verbunden erachtet , als zu demfelben das 
nach Beftreitung der Reifefoften der Lehrer von den Collecten uͤbrig⸗ 
gebliebene Geld, wie bereits gedacht, angewendet worden, und de 
vornehmfte Zweck von Diefer Nachricht, nebft der Ehre GOttes, 
dahin gehet, daß den wertheften Gönnern und MWohlthätern bes 
Fannt werde, wie ihre milde Gaben angelegt feyn. Es wird aber 
aus der vorigen kurtzen Nachricht annoch er daß zu 
Philadelphia eine gröffere und zu Provideng eine Eleinere Kirche zu 
bauen der Anfang gemacht, auch felbige fo weit gebracht worden, 
Daß bereits in beyden der Gottesdienſt gehalten werden Eönnen, ob 
fie gehe völlig ausgebauef geweſen; Davon jene, Die Kiche 
zu. Philadelphia , dem gemachten genauern Anſchlage nad auf 
1000 Pfund Sterl. oder 500 Rthlr. diefe aber, die Kirche zu Pros 
videns, auf 200 Pfund Sterl. oder noo Rthlr. an Koften erfordern 
. würden: über welche beyde Kirchen zu Neuhannover, mo bereits. 
eine ohzwar nicht völlig ausgebauete Kirche befindlich gewefen, ein 
ilhaus erbauet worden. Weil aber manchen diefer Kirchenbau 
entweder gar unnöthig , oder Doch wenigftens zu übereilt und frühe 
zeitig, oder auch die Einrichtung deffelben zu Foftbar vorkommen _ 
möchte: fo hat der Herr Paftor Müblenberg gemeldet, daß nicht 
nur der Gottesdienſt in der zu Providentz dazu gebrauchten Scheune _ 
ſchon an fich vieler Ungemächlichkeit unterworfen, fondern felbige auch 
zuflein geweſen, und die immer mehr anwachſende Gemeine nicht 
mehr faſſen Fonnen, fo Daß viele bey Dem Gottesdienſt, — - 
; J — elben 







% 


von einigen Evangel / Gemeinen in America 


ſelben unter freyem Himmel, die Beſchwerung Des Wetters empfin⸗ 
den muͤſſen; daher alſo der daſigen Gemeine der Kirchenbau von 
niemand verdacht werden koͤnne. Eine gleiche Nothwendigkeit habe 
ſich auch zu Philadelphia gefunden, da das alte gemiethete Lutheriſche 
Verſammlungshaus zu klein geweſen, und Die Gemeine uͤberdis 
noch im Proceß mit einigen, ſo ſich deſſen anmaſſen wollen, gelegen; 
und obzwar die teutſche Gemeine anfangs aus beſonderer Ver⸗ 
günftigung der Schwedifchen Gemeine Erlaubniß erhalten, in deren 
Kirche ihren Goftesdienft zu verrichten, welche ihnen auch, ohner⸗ 
achtet der Mißgunft anderer Parteyen, fo lange vergönnet worden, 
bis fie in ihrer eignen Kirche zufammen Fommen Eönnen: fo fey doch), 
wie auch ſchon in der vorigen ETachricht gemeldet, eben um folche 
Zeit, da Die teutfhe Gemeine in ihrer eigenen Kirche den Gottes⸗ 
Dienft angefangen, ver erwartete Schwediſche Vrediger angekom⸗ 
men, mithin jene Kirche von folcher Gemeine felbft gebraucht wor⸗ 
den, und habe Den Teuffchen , weil es zumalen gegen die Euren 
Wintertage gegangen, gar nicht mehr geliehen werden Eönnen. 
Woraus denn zur Gnuͤge zu erſehen/ Daß diefer Bau auch nicht zu 
frühzeitig angefangen worden; vielmehr als eine Borforge GOttes 
zu erkennen fey , Daß folche noch zu rechter Zeit fertig geworden, weilen 
der öffentliche Gottesdienſt fonft auf eine Zeitlang Bey nahe gang 
haͤtte eingeſtellet werden muͤſſen, wenigſtens Fein Raum vorhanden 
geweſen waͤre, wo die ganse Gemeine zu ihrer Berfammlung Platz 
gefunden hätte. 0" R | — 
. 10. Daß übrigens dieſe Gemeine ziemlich zahlreich ſey, iſt 
unter andern auch aus einem neuern Schreiben des Herrn Paſtor 
Brunnholtzens vom 23ften Apr. 1745. zu erſehen, melches eben, da 
dieſes bis hierhin geſchrieben worden / einläuft,, Datinnen derſelbe 
meldet, die neuerbaute Kirche in Philadelphia ſey zwar ziemlich groß, 
Doc werde fie des Sonntags gang voll, und kaͤmen noch immer 
mehr zu dev Gemeine von Denenjenigen herbey , welche ſich vorher 
abgefonderf; wie fich denn vor einigen Tagen ein Mann aus der 
Germantowner⸗Gemeine gemeldet, der wol in 18 Jahren nicht zur 
Kirche gegangen , welcher auch fünf groſſe Kinder taufen Taffen 
wolle. MWorausdennauchzu erfennen, daß der Bau diefer Kirche 
nicht zu groß angefangen worden, . der Herr Paſtor — 
TU ” 2 > erg 


— 


36:. Sortſetzung der kurtzen Nachricht 


erg auch ſonſt angefuͤhret hat, Daß, wegen dieſer erforderten Groͤſſe, 
dieſelbe um fo viel weniger von Holtz erbauet werden koͤnnen. Er 
habe ſolches zwar auch anfangs gerathen, damit zuerſt die Koſten 
geſparet werden moͤchten: Weil aber ſolcher Bau von Holtz doch 
uber 1000 Rthlr. gekoſtet haben würde, und die Vorſteher der Ge⸗ 
meine vorgeſteilet, wie derſelbe nicht von langer, Dauer ſeyn koͤnte, 
zumalen da in dem dortigen Lande das Holtz eher zu faulen pflege, 
als hier zu Lande, aus welchen Urſachen auch die Glieder der Ges 
meine Schwierigkeit gemacht, etwas dazu beyzutragen, weil ſol⸗ 
ches nach einiger Zeit umfonft feyn werde: ſo habe beſchloſſen wer⸗ 
den müflen, den Bau gleich anfangs von Steinen aufzuführen „undı 
auf GOtt zu vertrauen, daß er- dazu die nöthigen Mittel Darreichen: 
werde. Was derſelbe noch weiter hievon gemeldet, würde hier nach 
der Länge anzufuͤhren, zu weitlaͤuftig fallen, da inzwiſchen dieſes 
wenige hinlaͤnglich ſeyn kann, die Nothwendigkeit dieſes Kirchen⸗ 
baues Daraus zu erkennen, und ein ieder ohnedem leicht einſehen wird; 
daß man ſich nicht ohne hoͤchſtdringende Noth in ſolche Weitlaͤuftig⸗ 
keit und Gefahr geſetzt haben werde, als der Herr Paſtor Muͤhlen⸗ 
berg und die Vorſteher dabey zu uͤbernehmen gehabt. —— 

gm Wie dieſe aber allein im Vertrauen auf die Hülfe und 
den gewiſſen Benftand GOttes alles angefangen haben: fo hat-fie 
derfelbe auch bis hieher noch nicht zu Schanden werden ‚- ſondern be⸗ 
reits gar Deutliche Proben feiner. Vorſorge erfahren laſſen, indem 
nicht nur die Kicche zu ‘Provideng nunmehr gans ausgebauet iſt, 
fondern auch die. Kirche zu Philadelphia in ziemlich Eurger Zeit fo weit 
zu Stande gefommen , daß die Gemeine ‚Darin ihren Goftesdienft 
verrichten kann. Hiernaͤchſt hat GOtt auch zu Bezahlung der. Kor - - 
ften von beyden bereig fo viel Dargereichet, Daß von den anfangs ge⸗ 
machten Schulden nur noch etwas über 400 Pfund Sterl. oder über 
2200 Rthlr. von.der Kirche zu Philadelphia, und so Pfund Sterl. 
oder 275 Rthle. von der Kirche zu Providentz, zu bezahlen ſeyn, 
welche auf Intereſſe ſtehen; indem nicht nur die Gemeine ſelbſt, wie 
ſchon in der vorigen Nachricht gemeldet, ſich hiebey aͤuſſerſt ange⸗ 
griffen, und inſonderheit die zu Philadelphia bey 200 Pfund Steck. 
oder noo Athlr. vor dem. Anfang des Baues zuſammen geleget; 
ſondern auch einige henachbarte Gemeinen ein Geſchenck beygetraen 

un 


von einigen Evangel. Gemeinen in America, 37 


und aus Europa son dem vormaligen Collecrten 200 Pfund Setrl. 
nach Penſylvanien uͤbermacht, auch auſſer einer in der teutſchen Lu⸗ 
theriſchen Gemeine zu Londen geſamleten Collecte, 40 Pfund Sterl. 
oder 220 Rthlr., und noch andere 547 Rthle- aus Teutſchland, wie 
gleichfalls ſchon gemeldet iſt, dahin uͤberſendet werden koͤnnen; wozu 
noch 30 Pfund Sterl. oder 165 Rthlr. kommen, die ſeit dem von lieb⸗ 
reichen Wohlthaͤtern zu dieſem Kirchenbau beſtimmet, und im An⸗ 
fang dieſes Jahrs nach Penſylvanien uͤbermacht worden, denen 
naͤchſtens noch 15o Rthlr folgen werdenn. 
$. 12. Man hoffet aber auch, GOtt werde weiter feine Gnade: 
geben/ damit dieſen armen teutſchen Gemeinen und ihren Lehrern mit 
fernerer Huͤlfe beygeſtanden, und der neu aufgehende Segen in dieſem 
fremden Lande nicht nur erhalten, ſondern auch immer weiter ausgebrei⸗ 
tet werden koͤnne, als wozu ſich manche Hoffnung zeiget. Wie man 
denn inſonderheit zu ſeiner Guͤte das Vertrauen hat, er werde zu 
den Ende einige chriſtliche Hertzen erwecken, von dem Segen, den 
GoOtt in ihre Hand geleget/ etwas Ihm, von dem fie alles; haben, 
wiederum zu ſeinem Dienſt in Beförderung des Heils dieſer Gemei⸗ 
nen Aus freywilligem Triebe zu widmen. Denn obzwar GOtt aller⸗ 
dings zu loben iſt, der fo weit geholfen hat, daß ſelbſt diejenigen, 
welche vermeinet, der Herr Paſtor Muͤhlenberg oder die Rorfichen 
würden, noch vor Vollendung des Baues um Der Schulden willen 
ins Gefaͤngniß kommen / oder zu eutweichen genoͤthiget werden, uͤber⸗ 
6 werden koͤnnen, GOtt habe feine beſondere Hand dabey: ſo 
druͤcket doch die Laſt der noch zu bezahlenden Schulden die Gemeinen 
nicht wenig; zumal da in der: Kirche zu Philadelphia, auſſer den 
jährlichen Zinfen von den Schulden ,' auch noch die Fenſter zu ma⸗ 
hen und inwendig die Stühle auszubauen; ſind. Bey welcher: an 
ſchweren Laft es der Gemeine ſchwer fallen will „die Prediger und 
Gehuͤlſen zu unterhalten; indem die meiſten Glieder in den teutfchen 
Gemeinen von geringem Bermögen find, ‚und bereits ſo vieles von 
dern Ihrigen zu dem Kirchenbau angewendet haben. Wobey auch 
noch zu gedencken iſt, daß zwar dem Herrn Paſtor Muͤhlenberg an⸗ 
ſangs frey geſtellet worden/ wenn Die Gemeinen ihm Den, —— 
gen unterhalt in den erſten Jahren nicht reichen konten denſelbe 
von den Colleeten zu nehmen; er auch wie RB 
IR 3 len 


38 ET gortſetzuntz der kurtzen machricht a nor 


lens gemefen, und. von den obgedachten 200 Pfund Sferl: eine jaͤhr⸗ 
liche Befoldung für fi behalten wollen , weil ihm die Gemeinen in 
den eriten Fahren faft nichts ordentliches geben koͤnnen, under das 
Unglück gehabt, zwey zen dem vielen Reifen zu verlieren, fü: 
ihm, nebft dem bey folchen Reifen erforderlichen mehreren Auſwand 

auf nöthige Kleidung, ziemlich ſchwer gefallen ; Daß er aber ſolches 
hernach, weil den Gemeinen der. Kirchen und Schulbau fo hart an⸗ 
gelegen, doch nicht gethan, ſondern die gange Summe zum Kirchen: 
- bau hingegeben, inder Hoffnung, GOtt werde ihn nachfeiner Wa⸗ 

tertreue ſchon verſorrfe.. 

. 13. Zum Beſchluß iſt noch etwas weniges aus dem vorge⸗ 
dachten letzten Schreiben des Herrn Paſtor Brunnholtzens, auſſer 
dem, was oben ſchon erwaͤhnet worden, anzufuͤhren. Er meldet 
darin, er ſey nebſt dem Herrn Paſtor Muͤhlenberg und den beyden 
Mitarbeitern oder Catecheten noch geſund; es gereue ihn nicht, den 
Beruf dahin angenommen zu habenob er gleich Die Amtslaſt und; 
Deren Wichtigkeit fühlen müffe , wobey er fih in Armuth des Geis _ 
ftes Dazu untüchtig und unwuͤrdig erkennet; er ſuche die ihm anver⸗ 
trauten Schafe täglich auf, und verkündigeihnen öffentlich und bes: 
fondersden Rath GOttes vonihrer Seligkeit; Die. Kraft des Worts 
EHttes habe ſich an manchen nicht unbegeuget gelaſſen, welche ihm: 
öfters beſuchten, da er denn Gelegenheit habe zu erfahren, ob fie: 
zunähmen , oder 'zurückgingen jwie es Dennnöthig ſey, auf alle 
ein genaues Auge zu haben, weil ſie vielfältiger Gefahrzur Verführung: 
ar Rechten und Lincken untersvorfen feyn; fonft, wenn er oͤffentlich 
predige, habe er einen fehr vermifhten Haufen wor ſich, indem aller⸗ 
Ten Religions Verwandte erfchienen; er ſuche aber die Wahrheiten, 
wie fie ordentlich aus dem Text flieſſen, der Gemeine vorzulegen, 
Da denn Irrthum und Bügen zugleich‘ von felbft offenbar merdes: um 
Der Unfrigen willen führe er auch bey Gelegenheit gerne Zeugniffeaus 
den Schriften Lutheri an, Damit fie fehen möchten, daß er: bey der 
von demſelben aus GOttes Wort gelehrten Wahrheit bleibe: Herr 
Schaum ſetze ſeine Schule in Philadelphia fort, welche immer ſtaͤr⸗ 
cker werde, GOtt ſtehe ihm bey und helfe ihm fort, auch predige 
derſelbe zuweilen fuͤr ihn "Herr Kurtz habe in Neuhannover eine 
groſſe Schule und viele Arbeit, und die Gemeine ſey auch mit in - 
5 "ur wo 


/ 


— 


— 


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nh won einlgen Evangel Gemeinen in America·39 





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der halfen Eönten, jumal’ da fie arm feyen, wie denn die meiften 
* en 








1... Der treue GOtt wolle ſich 
neinen in Gngden annehmen! 








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3 — * — — > 
FLLLEDET 


men, und von Ders dam verliehenen Segen ð 
hen @efer mittheilen wollen. “Es iftdiefes a 






% 


40 Sortf.der Burgen dracht · von einigen Ev Gem. in America. 


Umſtaͤnden dieſe Gemeinen bisher gewefen , und in welchen Verfa 
fie endlich hätten kommen muͤſſen, wenn SR Iinen nit nneeher 
zei feine Hülfe erſcheinen laflen, der wird folches als eine befondere 

Wohlthat GOttes zu erkennen Urſach finden. Man zweifelt dem- 
nach nicht, es werde Dem hriftlichen Lefer angenehm ſeyn, von den 
Fortgang diefes neu aufgehenden Segens in America, was Die be: 
zührte Penſy lvaniſche Gemeinen betrifft , ‚eine obzwar Furge, Doc) 

binfänglihe Nachricht, wie Diefelbe — — 2 
zer genommen ift, in Diefen wenigen Blaͤttern zu finden,  Eswerde 
fi) aber derſelbe auch Dadurch erwecken laffen, GOtt für. 
Gnade zu loben und ihn um feinen Beyſtand und Segen herslich an⸗ 

zurufen. Ihm aber, dem barmhersigen GOtt, deſſen gnädiger 
Pille nicht it, Daß iemand verloren werde, fondern Daß jedermann zur 
Erkenntniß der Wahrheit kommen, und in ſolcher ung die ewige 

Seligkeitjerlangen moge, ſey demuͤthiger Danck gebracht, daß er ſich 
mit dieſer erbarmenden Gnade auch zu dieſen Gemeinen, als ver⸗ 
ſchmachteten Schafen, die keine Hirten gehabt, gewendet, und be⸗ 
reits mehr gethan, als man vorher verſtehen und hoffenFönnen. , Er 
molle alle, Die fein Wort und daraus feine liebreiche Hirtenftimme 
hören Eönnen, vor Verachtung folder Gnade bewahren, und aus 
Gnaden verleihen , daß fie fih zur wahren Umkehr von dem Wege 
ihres Irrthums erwecken, und als gefundene Schafe zu der einigen 


Heerde JEſu EHrifti famlen laſſen. Er wolle au) zu dem Ende 


fein Wort immer reichlicher in dieſe entfernte Gegenden fenden, und zu 
deſſen verfündigung feine Knechte daſelbſt immer Eräftiger ausrüften, 
zu Qerherrlichung feines groſſen Namens, und infonderheit. 
„feiner erbarmenden Menfchenliebe, um JEſu 
Criſti wilen Amen! 2.08 0 


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J3 — wey Jahr 39 gen Nach⸗ 

Fe richt und deren Erſten Fortſetzung/welche vorn Jahr 
DS) —— worden, —* Pr annoch erinnerlich, 
wie der. bar e GOtt ſeit einigen Jahren einen 
4 ATI GERIRE Kg perfetebendr bie’ Dahlaverlaflinen 
teutfchen Evangelifch - Lutheriſchen Gemeinen in Penfylvanien in⸗ 
fonderheit zu Philadelphia, Germantown, Providenz und. 
| over, anzunehmen, fie mit ordentlichen Lehrern zu verfor- 

gen, und. fein Wort unter denfelben auf Den Leuchter zu ftellen. Im⸗ 

maſſen nicht nur Herr Heinrich Melchior Muͤhlenberg, mel- 
cher als der erfte ordentlich berufene Prediger diejer Gemeinen das 
hin abgefandt worden und den sften Nov. 1742. bey denfelben an- 
gelanget, fondern auch Herr Perer Brunnholtz, welcher alsderen 
weyter Brediger nebft zween Gehülfen, Herrn Schaum und Herrn 
Aurs, nachgefendet worden und den 26ften Ian. 1745. Dafelbft einge- 
troffen , fich hertzlich angelegen feyn laſſen, bey denſelben wiederum eis 

ne gute und chriftliche Ordnung anzurichten, auch unter göttlichen 
Segen e8 fo weit gebracht, Daß bereits viele, Die fich von der Ge: 
meinfchaft der. Kirche getvennet, wiederum zu Derfelben getrefen und 

zum Theilmit Weib und Kinderndie heilige Taufe empfangen. _ 

.$ 2. Odb nun gleich bey der bisherigen Unficherheit der Schiff 
fahrt von dem weitern Fortgange Diefes neu aufgehenden ag in 
| | meri- 





von einigen Evangel Bemeinenin America. 77% 


America nicht fo umftändlihe Nachrichten einkaufen Eönnen, als man 
wol gewünfchet: fo hat man fich Doch durch die gefihehene vielfältige 
Nachfrage guter Freunde bewegenlaffen, ausdenerhaltenen Briefen 
und Berichten eine abermalige Forrfegung fothaner Eurgen Nach⸗ 
richt , zur Berherrlichungdes Namens GOttes und zum Preis feiner 
groſſen Barmbersigkeit, mitzutheilen: in ver Hoffnung, daß auch 
diefes wenige den Gönnern und Wohlthätern zum Vergnuͤgen gerei- 
hen werde. Es ſoll aber hierinnen r) von der Amtsfuͤhrung und Ar⸗ 
beit der beyden Prediger und Gehulfen, 2) von dem Segen des ver- 
Fündigten Worted GOttes, als der wircflihen Frucht des Amtes 
und den davon berichteten Mierefmahlen und Spuren, 3) von dem 
Kirchenbau, und 4) von dem Verlangen mehrer teutfehen Gemei⸗ 
. nenin Penfplvanien und den umliegenden Gegenden nach rechtfchaffes 
nen Lehrern, Nachricht gegeben werden. ra 
3. Was nun erftlich die Amtsführung und Arbeit der 
beyden Prediger und ihrer beyden Behülfen anlanget : fo ift bereits 
in der erften Fortſetzung gemeldet, daß, gleichwie der Herr Paftor 
Müblenberg bis zu Ankunft der neuen Mitarbeiter die oben genann- 
te vier Gemeinen zuſammen beforgef , alfo auch der Herr Paſtor 
Brunnholtz von ihnen ſaͤmtlich zu ihrem ordentlichen Lehrer und 
zweyten Prediger angenommen worden, auch beyde im Anfang mit 
einander umgemwechfelt, um fich mehrere Zeit zu Prüfung der Spu⸗ 
ren goͤttlicher Führung zunehmen, ehe fie fich in Die Arbeit ordentlich 
theilen und fic) vergleichen wollen, welche Gemeinen ein ieder infon= 
derheit zu beforgen übernehmen folle. Nachdem fienun alle Umftände: 
desfalls wohl überleget, haben fie.endlich im Iunio 1745. gemeinfchafte 
ich und mit Genehmhaltungder Gemeinen für gut befunden, daß Herr 
Paſtor Mühlenberg fich den Gemeinen zu Providens und Neuhanno⸗ 
verinfonderheit widmete, undfich zudem Ende andem erften Orte nie: 
derlieſſe. Hingegen ift die eigentliche Beforaung der Gemeinen zu 
Philadelphia und Germantown dem Herin Paſtor Brunnholtz zuge: 
falten ; welcher su Philadelphia wohnet. Bey welcher Einrichtung 
fie gleichwol mit einander abgeredet, daß ein jeder auchdas Befte der 
übrigen Gemeinen ſich am Hertzen liegen laffen , und einer. ohne des an⸗ 
dern Vorwiſſen und Rath nichts von ErheblichFeit vornehmen wolle, 
wie fiedenn auch zumeileneine ——— bruͤderliche Conle⸗ 
a | " 2 renz 


44 Andere Sortfegung der Eurgen Nachricht ) 


renz halten, und darinnen in inniger Riebe und Einigkeit alles nöthis 
ge mit einanderüberlegenundverabreden.. — 
4. Sm Predigen richten fie ſich aufs moͤglichſte nach der Faſ⸗ 
fung der Zuhörer, und laſſen fich zu ihnen herunter , Damit felbige von: 
dem Vortrag einen wahren Nugen haben mögen: wie denn inſonder⸗ 
heit Here Paftor Mühlenberg fehon eine Zeitlang vor Ankunft der 
neuen Mitarbeiter es alfo gehalten, Daß er die Predigten fogleich 
durch Frage und Antwort mit der Gemeine wiederholet, wovon er 
Nusen und Segen verfpüret.. Sie laffen es aber nicht bey der öffent: 
lichen Berfündigung des Worts GOttes alleine bewenden; fondern 
fuchen auch Gelegenheit an den Hertzen der Zuhörer ins befondere zu 
arbeiten. Zu dem Ende nehmen fie nicht nur ihren Befuch gerne an 
und fprechen mit ihnen nach ihrem Zuftande aus GOttes Wort, laſ⸗ 
fen auch Diejenigen, welche dag heilige Abendmahl empfangen wollen, 
ſich in der Woche vorher bey ihnen anmelden, Damit fie dieſelben pruͤ⸗ 
fen und das noͤthige mit ihnen reden koͤnnen; ſondern ſie beſuchen auch 
dieſelben, ſo viel es moͤglich, in ihren eigenen Haͤuſern. Inſonderheit 
bat der Herr Paſtor Brunnholtz nach feiner. Ankunft durch ſolche 
Haus Beſuchungen feine anvertraute — lernen ge⸗ 
ſuchet. Welche Beſuchungen auch ins beſondere bey Krancken ge⸗ 
ſchehen, und, da in Providentz und Neuhannover einige Kranckheiten 
graſſiret, zwar viele Zeit erfordert haben, aber auch nichtohne Segen 
geweſen ſind; ob gleich eine groſſe Beſchwerung der Prediger damit 
verknuͤpfet iſt, weil die Glieder der Gemeinen nicht alle beyſammen, 
ſondern viele hin und her auf den Plantationen oder den von ihnen an⸗ 
gebaueten Feldern zerſtreuet, und zumtheil 12 bis 16 Engliſche oder 2 
bis; teutſche Meilen von der Stadt wohnen; daher auch die Predi⸗ 
ger beſtaͤndig ein Pferd halten muͤſſen, damit ſie iederzeit, wenn es ihr 
Amt erfordert, zu ihren Zuhörern kommen koͤnnen, da ſie meiſtentheils 
uͤber Fluͤſſe, Moraͤſte und durch Waldung zu reiten haben. Um de⸗ 
ver willen die am weiteſten entfernet find und nicht allemal zur Kirche 
kommen, auch ihre Kinder nicht über die Fluͤſſe bringen koͤnnen hal- 
ten fie an einigen ihnen näher gelegenen Drten zumeilen in der Woche 
Goꝛtesdienſt, Damit auch folche Gelegenheit haben, fih aus GOttes 
Wort zuerbauen. Auch) ift 20 Englifche Meilen von Neuhannover 
eine Eleine gemeine , welche. eine Kirche hatund von dem Herrn ae 7— 


eg 
a7 


von einigen Evangel. Gemeinen in America. 45 


Muͤhlenberg und ſeinem Gehuͤlfen, Herrn Kurs, alle vier Wochen be⸗ 
dienet wird, in welcher Gegend auch noch mehr Filiale ſind. Wie 
fie übrigens auch noch fortfahren, anderer Gemeinen, die noch nicht 
mit Predigern verfehen find sich, fo viel ohne Verſaͤumung ihrer eiges 

nen Gemeinen gefchehen kann, anzunehmen, davon wird unten noch 
ein mehrers zu gedencken Gelegenheit fon. 
rd Mas die Arbeit der Gehülfen anlangt; fo ift es bey der 

mit Denfelben anfänglich getroffenen und in der erften Fortfegung 

Bag: 31. bereits ——— Einrichtung geblieben, daß nemlich Herr 
Schaum zu Philadelphia und Herr Kurtz zu Neuhannover woh⸗ 
‚net. Anden erſten Orte harte Herr Paſtor Muͤhlenberg bis zu ih⸗ 

rer Ankunft einen jungen Menfchen zum Schulmeifter gebraucht, mel: 

en Herr Paftor Brunnhols noch einige Wochen bey fich behalten, 
um ihn noch beffer zuzubereiten, und hernach an andere Drfe zum 
Schulmeiſter zu überlaffen: Herr Schaum übernahm fobald nach 
Ihrer Ankunftdiefe Schule, und wohnet nun , nachdem Herr Paftor 
Brunnhols zu Philadelphia geblieben, bey demfelben in dem von ihm 
gemietheren Haufe, Darinnen er. die Kinder unter deſſen Aufficht una 
terrichter, welcher auch von ihm bezeugek, Daß er, nebft der Treue in 
‚folcher Arbeit ander Jugend, auch durch den Ernft, fo erinfeinem eige- 
nen Chriſtenthum beweifet, vielen erbaulich fey. Auſſerdem hat Herr 
Paſtor Brunnholtz auch des Abends diejenige Ermachfene zu, uns 

—— angefangen, welche im Leſen und Schreiben verſaͤu⸗ 
66.3u Neuhannover hatte Herr Vigera, deſſen in den 

Nachrichten von den. Salsburgern zu EbenEser etliche mal gedacht 
iſt, bis Daherin dem neuerbaueten Schulhaufe die Schule zum Der: 
gnügen des Heren Paftor Dühlenbergs verfehen, auch der-Gemeine, 
wenn fie Feine Predigt haben Fönnen, etwas vorgelefen. Nachdem 
nun Here Kurs ihm ſothane Schule abgenommen, hat er zu Anfang 

noch einige Zeit bey demfelben gemohnet, ift aber geneigt, an einem an⸗ 

dern Drfe nieder eine eigene Schule anzufangen, und hat immitteljt 

den Predigern in Unterrichtung derer, ‚welche zum erften Genuß des 
"heiligen Abendmahle zubereitet werden und fünften die Hand geboten, 
 Mebft diefer Arbeit an der Jugend predigen auch beyde Gehülfen alle 

Sonntage in denenjenigen ee ei —8* 

ven — 83 pt 


—* 


45 Andere Fortſetzung der kurtzen Nachricht 


Gottesdienſt halten Eonnen, und wechſeln darinnen mit ihnen um; 
Daher fie auch von den Gemeinen Helfer genennet werden, welche Be⸗ 
nennung fonften im Wuͤrtenbergiſchen und an einigen Drien am Rhein 
nicht unbekannt ift, und fo viel als Subſtitut bedeutet. Uebrigens 
perfichern die Prediger von beyden , daß fie treu, und fleißig in ihrem 
Berufefeyn, und Die Gemeinen für deren Ermehlung und Sendung 
hertzlich dancketen. Auch ift vom Herrn Paftor Mühlenberg als ei- 
- ne Spur der göttlichen Fürforge erkannt worden, daß er einen feinen 
jungen Menfchen gefunden „den er unter feiner Aufficht zu Proviveng 
zu Unterrichtung der Jugend gebrauchen kan. 
6. 7.Gleichwie nun nicht nur die Berforgung mit treuen Pre 
digern, fondern auch dieſes eine nicht geringe ABohlthat fürdie Gemei- 
nen it, Daß ihre Kinder gehörig unterrichtet werden koͤnnen, da fie 
vorher ohne allen Unterricht aufwachſen muͤſſen: alſo erkennen auch 
die Gemeinen gegen GOtt und ihre Gönner und Wohlthaͤter in Eu- 
zopa, Durch welche ihnen die Prediger und Gehülfen zugefandt und die 
Mittel zu deren Reife Dargereichet worden, fothane Doppelte groffe 
Wohlthat mit herglihen Dane, undlernen dieſelbe immer hoͤher ſchaͤ⸗ 
gen, ie mehr fie gewahr werden, daß es dieſelben treulich mit ihnen mei⸗ 
nen und nicht das Ihre, fondern ihr wahres und ewwiges Heil fuchen, 
undfich dabey Feine Müheund Beſchwerlichkeit verdrieffen laffen. Sie 
haben deshalb ihre Danckbarkeit nicht nur durch die Prediger bezeu: 
gen laffen: fondern es haben auch einige Vorfteher felbften ein Danck- 
fagungs:Schreiben überfandr, des Inhalts, wie fieinihrem und der 
Gemeinen Namendem Heren Hof Prediger Ziegenhagen zu&onden, 
dem Heren D. Francken in Halle und allen Gönnern und Freunden 
hertzlichen Danck abftatteten, daß fie ihnen in ihrer gröften Noth und 


Anliegen zu Hülfe gekommen und fo treulich und väterlich für fie gefor- 


get, daß fienicht nur mit freuen und rechtſchaffenen Predigern und Ars 
beitern in Kirchen und Schulen verforget worden, fondern auch eine 
Beyſteuer zu ihrem Kirchen⸗ und Schul-Bau erhalten, welche ihnen 
richtig uͤbermachet worden. Sie preiſeten die Guͤte GOttes fuͤr ſolche 
Wohlithaten hertzlich, und riefen ihn an, daß er, der treue GOtt, der 
keinen Trunck kalten Waſſers unbelohnet laſſe, dieſelbe reichlich ver⸗ 
gelten wolle; und baͤten uͤbrigens, daß man ſich nicht nur ihrer weiter 
annehmen ſondern auch den Predigern und Gehuͤlfen, wo es die *— 
2 6 erforz 


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von einigen Evangel. Bemeinenin America. ” 47 


erfordere, ferner mit Fürbitte, Rath und Benftand zu ſtatten kommen 
möchte, alsdeffen fie um fo vielmehr benöthiget ſeyen, da ſie, wie alle 
‚treue Rehrer , die es rechtfchaffen meinen, viele Anfechtungen uber fich 
‚ ergehenlaffen müften, damit fie Darunter den Muth nicht fincken laf 
fen, fondern geduldig aushalten und ihr Amt ferner treulich ausrichten 
möchten. Unter den Läjterern und Berleumdern fey abfonderlich der 
in der erften Fortſetzung pag. 32. gemeldete in Teutſchland abgejeste 
Prediger einer der unverfchämteften, und höre nicht auf, mit allerley 
Schmaͤhungen ſich zu verfündigen. Der in der erſten kurtzen Nachricht 
‚Pag. 12. gedachte Prediger, welcher auch an einem Orte in Teutſchland 
dimittiret worden und vor Herr Paſtor Muͤhlenbergs Ankunft fich zu 
Philadelphiaeingedrungen, halte zwar mit jenem noch zufammen ‚fiße 
aber fonften in feinen Gemeinen ziemlich ftille. Bon den Herenhutern 
haͤtten ſie nun an ihren Orten ziemlich Ruhe, wie ihnen denn in denen⸗ 
felben niemals viel Raum gelaffen worden, an andern Drten aber 
jenen fienoch gefhäftige 
8 dum andern ift vonden Wirckuttgen und dem Se⸗ 
gen des verfündigten Wortes GOttes, als der wircflichen 
Frucht des Amtes, und den davon berichteten Merckmahlen 
und Spuren, ein mehrerd zu erwähnen, welches auch. die Haupt⸗ Sa⸗ 
che iſt, die chriſtliche Kehrer erfreuen und zum Preife des Namens 
GoOttes erwecken kann, dem dafür allein alles Lob gebühret. Webers 
haupt berichten die Prediger, daß fie ihr Amt zwarin Schwachheit 
führeten, und manche Hinderniffe und.eingeriffene Unordnungen nicht 
ſo bald und auf einmal gehoben werden koͤnten, Daher fie mit Verkuͤn⸗ 






digung des Wortes defto ernftlicher und unermüdeter fortzufahren 


und’anzuhalten fucheten; Doch Eönten fie auch ſchon wircklich eini= 
ge Frucht wahrnehmen: mie Denn auch infonderheit immer einer den 
- Segen, ven Gtt auf des andern Arbeit lege, ruͤhmet. Unter ans 
dern ſchreibet Here Paftor Muͤhlenberg unterm ıften Nov. 1745. 
nachdem er für die Ermählung und Sendung des Heren Brunnholsen 
gedandfet : „Er fehicfer fich vechtindie hiefige Umſtaͤnde, er hat acht 
„auf fich ſelbſt und auch aufdie Lehre und die armen Schafe; die Gna⸗ 
„ve GOttes ift Fraftigin ihm in feiner Schwachheit er kann durch die⸗ 
elbe leiden und ſtreiten, und durch Ehre und Schande, Durch Böfe und 

„gute Gerüchte 2c. gehen. Der HErr ſchencket ihm auch Eingang, 

R T * ar ae 2 „un 


#8 - Andere Sortfegung der Eurgen Nachricht 


„und crönet fein Amt mit Segen, welches mir eine geoffe Freude iſt, 
„undhoffeich, daß, wenn wir ferner mit Verkündigung Des Wortes 
„in Geduld anhalten werden, ſich alles durch GOttes Hülfe mit der 
„zeit in gute Ordnung werde bringen laffen. „.ı Dergieichen verſi⸗ 
chert erauchinmehrern Briefen. Und der Herr Paſtor Srunnholg 
bezeuget ein gleiches vondes Heren Paftor Mühlenbergs Amt, Davon: 
der Segen nicht nur vor feiner Ankunft offenbar worden, fondern auch 
ihm in dem befondern Umgange mit den Seelen immer mehr offenbar 
werde, da manche befenneten, wie fie durch deflen Predigten erwecket 
koorden, und fchreibet derfelbe fonften von dem Segen überhaupt uns 
term gten Dec. 1745. an einen gufen Freund : „Was den Bau des 
„Reiches GOttes alhier betrifft, fo werden Sie bey Gelegenheit aus 
„den überfandten Berichten, welche Fhnen vermuthlich werden coms 
„municiret werden, erſehen, wie es zwar in vieler Schwachheit,, aber 
Doch mit einiger Frucht. fortgehet. Wir mögen nicht fo viel Ruͤh⸗ 
„mens machen von unferer Sache, als andere zu thun gewohnt find, 
die ausdrey oder vier halb bekehrten (doch GOtt Fennet 8 eine ver⸗ 
wunderungs⸗ wuͤrdige Gemeine des Geiſtes machen. Ich habe einen 
„rechten Eckel an ſolcher Prahlerey, weil dabey eine faule Urſach zum 
„Grunde liegt. „ meiner mit überfandten Nachricht, Darinnen er 
feine und feines Herrn Eollegen Amts⸗ Fuͤhrung in der erften Hälftedes 
t745ften Jahres berichtet, gedencket er mancher , Die er entweder in ih: 
ven Häufern befuchet, oder von ihnen befuchet worden ‚bey denen er et 
mas Gutes und ein Heilsbegieriges Gemuͤth angetroffen, mit ihnen 
eine erbauliche Untervedung vom Ehriftenthum anftellen, und zum 
heil mercken Eönnen, daß fie darinnen nicht unerfahren feyn, oder 
auch bereits einen recht guten Grund geleget, fo ihn hertzlich erfreuet 


be. ; 
ic $. 9. Auſſer ſolchen aber, deren nur gleichſam mit einem Wort 
Erwähnung geſchehen, werden auch von andern noch mehrere Um: 
ftände angeführet, Davon wir feine eigenen Worte einrücfen wollen, 
„Den 2ziten Ian. 1745. taufte ich ein Kind in der Kirche, deflen El⸗ 
„tert reformirt und mit mir über See gekommen ce. ‘ Die Mutter 
„ift Durch das auf dem Schiffe den Darauf befindlichen teurfchen Fa⸗ 
„milien aus der Schweiß (zu welchen fie. auch gehöret;) verfün- 
digte Wort Fräftiglich gerühvet , und ſtehet in einem guten Anfang 
% 2 E „der 


von einigen @vangel. Bemeinen in Amatd. -- 


der wahren Bekehrung.: Ich habe auf dem Schiffe mit gedachten 
„Schweigern täglich Betftunde gehalten, und auch bey mehrern uns 
zter ihnen kraͤftige Wirckungen der Gnade bemereket. Den-Zoften 
‚lan. ritte ich nebſt meinem Herrn Collegen des Abends nach einer 
- „Mühle zu einer ſehr krancken Frau. Ich habe mich hertzlich ge⸗ 
„freuet uͤber die Faſſung dieſer krancken Per ſon und ihre bezeugtẽ Mes 
„be zu dem HErrn JEſu. Es iſt wie ein Balſam auf meinem Hau⸗ 
„pte, wenn ich hie und da eine redliche Seele finde,” Den ısten’ 
„Febr: beſuchte eine reformirte Frau, die in wahrer Buſſe ſtehet, 
„und eine Negroin oder ſchwartze Sclavin kam hinein, welche eine 
„Luft zur chriſtlichen Religion und wahren Erkaͤntniß zu haben be⸗ 


elote mi der ich was inEnglifcher Sprache zu ihrer mehrertt 


„Erweckung redete. Den 26ſten Febr. Fam ein Mann zu mir /wel⸗ 
„her klagte, daß er zwar oft durch meines Herrn Eollegen Predig⸗ 
„ten geruͤhret worden, aber Doch noch niemals einen rechten Anfang- 
„u einem wahren Chriſtenthum gemacht habe; er mercke wohl, er 
„muͤſſe von vornen anfangen; er ſey auch nun dazu entfehleffen. Ich 
„redete mit ihm von der wahren Sinnes⸗ Aenderung und Wieder 
„geburt, und ſuchte ihn in ſeinem guten Borfag zu ſtaͤrcken Den: 
„22fteniMart. war eine Frau aus der Gemeine, die bisher mit in die 
„Abend «Stundegekommen, darinnem ich die Erwachſene im Leſen 
„und Schreiben unterrichte, alleine bey mir) und offenbarte mir ih⸗ 
‚re Angft und Seelen Unruhe wegen gewiſſer in Teutſchland began- 
„genen Sünden, Ich ſuchte fie imdie wahre Hertzens⸗Buſſe hin? 
„ein zu leiten. Sie ſagte, fie wolte'gerne zugeben, daß ichs der 
„gantzen Gemeine offenbaren möchte, wenn ſie hur dadurch von ig? 
„rer Angſt befreyet werden Eönte.: Worauf ich ihr aber zeigete/ daß 
„ſolches hier nicht noͤthig ſey, weil niemand in unſerer Gemeine et⸗ 
„was darum wiſſe, daher es nicht rathſam, die Suͤnden erſt durch 
„ſolche oͤffentliche Anzeige bekannt zu machen, welches auch an ſich 
„ihr. Gewiſſen nicht beruhigen werde; ſie muͤſſe aber vornehmlich 
„GOtt hertzlich anrufen und bitfen um rechte Erkaͤntniß der Suͤn 
„den und um rechtes Licht, ven gantzen Greuel des Hertzens einzuſe⸗ 
‚hen, und alsdann als eine Muͤhſelige und Beladenẽ zu Chriſto kom⸗ 
„nen, fo wuͤrde fie Ruhe finden für ihre Seele. Den zten April 
war "ze ich mich, 


te „da 


30 Andere Sortſetʒung der kurtzen Nachricht 


rn HErr, allen Anfehen nach, fie recht in die Buſſe hinein 
»9 vet. „ j 
ur & 10. Sonſten wird noch unterm uten Tunii zweer Eheleute 
gedacht, die zwar in ihrer Zugend getauft worden, aber ſich niemals 
 Zu.einer Kirche gehalten und ohne allen Unterricht von der chriftlie 
en Religion geblieben, bis daß Herr Paſtor Muͤhlenberg ins Land 
gekommen, deflen Predigten fie Heilig befucht, und Durch Diefelbe zu 
einen rechtfchaffenen Ernſt felig zu werden erwecfet worden. Sel⸗ 
bige hat Herr Paftor Brunnhols noch befonders unterrichtet und. 
- zum, Genuß Des heiligen Abendmahls präpariret. Auch offenbaret 
fich der Nutzen von ihrer freuen Amtsführung darinnen, Daß, vie 
Here Paſtor Brunnholß unterm 22ften April. 1746: ſchreibet, „pie. 
„eirchlichen Lutheraner (wie fie alfo von andern Partheyen genannt 
„werden ) ben felbigen ietzo gleichfam wieder ehrlich werden , da fie 
„sonft bey denfelben durch Das von fleifchlichgefinneten ‘Bredigern, 
„die. fich zum ıheil ohne ordentlichen Beruf ins Ant eingedrungen, 
„gegebene Yergerniß gang verächtlich geworden. : Ach daß wir nur, 
„fähret er fort, als Lichter unter unfern Leuten feheinen, und. auch ih: 
zre Finfterniß Richt werden möchte, fo würde auch, wenn unter un- 
„fern Zuhörern immer mehrere als Kinder des Lichts in dem Lichte 
Zu wandeln erwecket würden ! folcher aydern gegebene Anſtoß im⸗ 
Mer mehr. hinweg fallen. We 
$. i. Es Fommen aber auch wiederum verfchiedene Exempel 
Bor von folchen, die, ohne Die heilige Taufe zu —— ‚aufge- - 
wachen ‚und ſich bisher entweder zu andern Partheyen gehalten, - 


oder auch gans ohne gemeinfchaftliche Religions⸗ Uebung gelebet, 


welche nach gegebenem Unterricht Das Sacrament der heiligen Tau⸗ 
fe zum theil mit ihren Kindern empfangen, wovon der Herr Paſtor 
Brunmnholtz in obgedachtem Auffaße folgendes berichtet : „Den asſten 
Febr. 1745. langte mein Herr Collega von Providentz bey mir in 
„Philadelphia an, und erzaͤhlete mir, daß er im Lande einen Bater 
" „mit vier Kindern getauft habe; Der Dann ſey ſchon lange von der 
„Nothwendigfeit der Taufe überzeuget gemefen, habe ſich abernicht 
bald uͤberwinden und zu deren Annehmung wircklich entfchlieffen 
Fonnen, fen indeſſen fleiffig zum Gehör des Wortes GOttes ge⸗ 
Kommen, bis ihm GOtt endlich Gnade gegeben „ durch * Hin⸗ 

0) ee n ru 


von einigen Eoandel Gemeine in America 5 


„derungen durchzubrechen. Den 24ften Mart. hat mein Hert Col- 
„lega in Neuhannover zwo Töchter von Mennoniftifchen * ge⸗ 
tauft, welche auch bald follen zum heiligen Abend mahl gelaffen wer⸗ 
„den. - Den zıflen Mart. vitt ic) früh nach Germantomn , ‚predigte 
„und taufte einige Kinder. Nach der Predigt meldete fich ein Man 
„bey mir , der e Kinder hat, die noch nicht getauft 
= „find, und baf, daß ich felbige taufen und Dazu präpäriven möchte, 
woyern n der erſten Fo egung pag: 35. ſchon etwas, iedoch nur 
Be) ritt mit ihm auf feine Plantage 

En angebauetes Landgut , ‚etwas Englifche oder steutfche Meile 
von der Kirche, tedete mit Den Kindern felbft, und verſprach die⸗ 

"bei in den nöthigen Stücken zu unterrichten. Der Mann ift ſt ſchon 
— Jahr i 3 hat ſonſten ein —* —— vom — 

„thum, auch mit guten Buͤchern ver 

‚welchen Verfall Diefe chriſtliche — noch vi 

„der Zeit — 5 feyn würden , wo fie nicht mit ——— 
cxn waͤren verſehen worden da auch ſelbſt Eltern von guter Er⸗ 
er ohne Die“ ie Taufe aufwachſen laffen, daher man 
den Schluß a unwiſſende deu e machen kann, 

d GOtt um fo mehe zu preifen Irfach hat, Daß er noch zurechter 
fein Licht am mitten in der Finfterniß aufgehen laſſen 
nun befagte fünf erwachſene Kinder anlanget, fe find Die drey 
* „älteften davon, nach empfangenem hinlaͤnglichen Unterricht im Chri⸗ 
„ſtenthum, den gfen Junii 1745. als am Sonntage Trinitatis, die 
wey jüngere, aber einige Wochen hernach vor öffentlicher Ge⸗ 
„meine getauft worden. Nicht weniger hat eine Ehefraunebft ihren, 
„benden Brüdern, nad genoſſenem Unterricht in den Srundwahr- 
„heiten des Ehriftentyums , am ı6ten Tun. zu Providentz nicht ohne. 
„eigene und der gangen Gemeine Bewegung die heilige Taufe em 
„pfangen. Sie wohnen fonft zu Materfcha pier Engliſche Meilen 
„von Providentz und werdenzu felbiger Gemeine gerechnet, TE TE 


$. 12. Meil diefe Nachricht aber nur bie in den Anfang des 
Kali 1745. gehet; fo haf man von dem, was indem andern halben 
Jahr vorgegangen, Feine Hinlängliche Nachricht auffer dem, was 
* — ggg — des Heern — —— — zu erſehen 
gewe⸗ 








ge“ Andere Sortfegung der kurtzen Nachricht 


gervefen , daraus folgender doppelter Auszug nicht unangenehm ſeyn 
- wird. Der erſte iſt aus einem Schreiben an einen guten Freund zu 
SFönningen, darinnen ed unter andern heiffer : Wenn ich Reichen 
ʒu begraben habe , welches allegeit mit einer Predigt gefihieher, ſo 
„habe ich oft Zuhörer von allerley Religionen und Secten, Die inder 
Welt find: Denn da werden alle Nachbarn rund’ herum der Leis 
„chezu folgen gebeten. Da kann ich oft ein Wort zur Erbauung re- 

‚ und manche Secten hören denn, Daß wir auf ein rechtſchaf⸗ 
Fenes Ehriftenthurm dringen , davon fie'das ya zu glauben 
„pflegen, indem fie ſich einbilden, ale wenn die Kirchleute (fo heif 
„fen fie die , welche in die Kirche gehen Yihre Seligkeit im Kirchenge⸗ 
„hen festen. Ich hatte letzthin verfchiedene Kinder in Germantown 
„begraben, die dabey gegebene Leihen-Permahnungen hatten einem 
„Separatiften ſo wohl gefalken , daß er, als ihm eben gleich dar- 
„aufein Kind flarb, von mirverlangte, es auch mit einer Predigt zu 
„begraben. Wie ich hinaus Fam, befand es ſich, daß das Kind nicht 
„getauft geweſen, daher ich mich auch anfangs weigerte, es zu thun; 
„weil ich aber des Mannes Gemuͤth lernete Fermen , fo begrub es, 
„und nachher taufere ihm noch vier Fleine Kinder in Gegenwart‘ al: 
„ierley Leute, Die nicht ohne Bewegung blieben / da ſie fahen , "wie 
„willig vie Kinder hin knieten und fich taufen liefen, nachdem fie auf 
„meine Furge Fragen felbft nach ihrer Faffung und Begriff geant- 
wortet „ Der andere it aus einem Briefe an Die Seinigen ‚dar- 
innen abfonderkich Diefes wenige merckwuͤrdig iſt. Seit dem ich her⸗ 
„ein gekommen bin, haben mir viele groſſe erwachſene Leute getauft 
„hin und her. Ben Sonntag nach Michaelis wurde die Providen 
„ger: Kirche folenniter eingeweihet, wobey nebft ung noch ween an- 
„oere Lutheriſche Brediger und viele hundert Seelen zugegen waren, - 
„Bir tauferen an dem Tage drey ſchwartze Mohren, Die öffentlich 
„eraminiver wurden. Esift aber zu bedauren, daß abfonderlich 
von dieſen letztern noch’ Feine vollſtaͤndigere Nachricht mitgetheilet 
werden kann, da eg einer der merckwuͤrdigſten Umſtaͤnde it, daß 
der barmhersige GOtt auch dieſen, als Heyden gebotnen und auf- 
erzogenen Mohren fein Licht aufgehen laffen und ihnen Gnade jur 
Buſſe gegeben. | | | ARE 


‘2 


von einigen Evangel Gemeinen in ameilca · 


613. Nun iſt drittens auch von dem Rırchen: Bau noch 
eine nn Nachricht zu geben. Der Einweihungder Kirche zu Bros 
—— jetzo angeführten Extract, jedoch nur mit einem 
Wort, gedacht worden. Sonſten hatte Herr Paſtor Brunnholtz 
—— folgen des gemeldet: „Die Providentzer neue Kirche 
aus wohl gerathen. Sie iſt vollig fertig, auſſer daß noch 
Fe: ee Emporkirchen zu machen. Sie iſt von Selöfteinen 
gebauet, und Daher nad) Proportion lange nicht foiheuer zu ſtehen 
gekommen, als die zu Philadelphia, da man nichts-anders als ger 
„backene Steine haben kann, Die un Ka re abſonderlich, 
„weil alte Fahr etliche hundert Haͤuſer in Philadelphia gebauet wer⸗ 
Dden.Weil nun ſonſten gemeldet worden, daß man ſie micht eher 
einweihen wolle, bis alles ausgebauet ſeyn würde : fo iſt zu vermu⸗ 
then, daß dasjenige, was damals in der ſelben noch an den Empor: 
Firchen zu bauen geivefen , vor befagter Einweihung ferti (ir ig re 
obglei les nice befonders berichtet ift. In ver Kirche zu Phe 
ladelphia aber find noch Die Fenfter zu verfertigenund fonft nodtmane 
eherley auszubauen. Daher abſon derlich der durch die Jenſter ein⸗ 
dringende Wind bey Faltem Wetter Hai Befiön * ing beym Got⸗ 
tesdienſte verurſachet. Es hat aber die Gemeine noch nicht in den 
Stand kommen Eonnen , das mangelnde d —2 su laf 
fen, ‚ indem ihnen die et noch zu Kinder if... Und wird 
uͤbrigens in dem neueſten Briefe des Herrn Paſtor ——— 
22ften Aptil 1746. von den, mag ſie noch an den Koſten zur bezah⸗ 
len hat, folgende genaue Nachricht ertheilet: „, In Dhilavdphiahe 
„ben Die Vorſteher der ıgten Mart.bey meinen Herrn Eollegen und 
mir ihre Kirch⸗Rechnungen eingegeben. Nachdern die Kirche von 
¶ Den letztern Geldern 150 Pfund hiefiger Eurrent-Müngeempfangen, 
„f0 befindet fich, daß dieſelbe annoch 694 Pfund gedachter Muͤntze 
thut ohngefähr 2540 Rthlr.) fehufdia bleibet , Davon wir —— 
a Pfund (oderis4 Rıhlr.) Intereffe — muͤſſen. Die Kirchẽ⸗ 
„wie ſie da ſtehet, ohne Fenſter, Boden, Stuͤhle, Eansel 
„und dergleichen, fo noch muß gemachet werden, koſtet 1gro Pfund, 
—— 9% d.Currene- Muͤntze (etwa 4800. Rthle. ) Davor iſt be⸗ 
„öahler worden 616 Pfund 4 Sch. 9d reftiver alfo noch obiges Der 
Autge BO wolle ung — ſo weit en ‚ daß wir die Schulden 
Pi | nn „wenig⸗ 





44 - Andere Sortfegung der kurtzen Nachricht 
enigftehs bis etwa auf 400 Pfund abbezahlen koͤnnen, welche etwa 


„in 
he Die Gemeine fo lange geben muͤſte, bis Die gange Schuld getil⸗ 
„get werden Eönte. Wir haben auch eine mäflige Glocke darinnen 
„uöthig, müffen aber Geduld.haben , bis ung GOtt das Vermoͤ⸗ 
„gen giebet, folche zu bezahlen, damit wir uns nicht weiter hinein was 
gen, als daß mir nieder heraus kommen Fonten. Die Gemeine 
in Philadelphia ift eine der geöffeften, aber auch der aͤrmſten, und 
„verändert fih ofte, mas ihre Glieder anlanget , indem Die wenig- 
„sten davon ordentliche Einwohner und feßhafte Leute find. Denn, 
wenn die Teutſchen von den Schiffen hier anfonımen, jo müffen die⸗ 
„ienigen, welchedie Fracht nicht aus ihren eigenen Mitteln bezahlen 
„eönnen, ſich mit ihren Samilien gleichfam verkaufen, da fie denn 
„fo langedienen müffen, bis fieihre Fracht abverdienet haben: Sol- 
Iche werden Servants oder Knechte genannt. Wenn denn diefelbe 
„ihre Fracht bezahlt, und noc) etwas verdienet haben; fo ziehen fie - 
„nachundnad ins Land hinauf, und Faufen was eigenes. Derrer 
she GOtt wird ung beyunferm Kirchen Bau dennoch nicht verlaf- 
„fen, fondernveichlich helfen. Er gebe nur, daß Zion inwendig ges 
bauet werde; er wolle fich aufmachen, und überdaffelbe erbarmen! 
„ie viel die Kirche en gekoftet hat, und mie viel fienoch 
ſchuldig iſt, kann ich tego nicht eigentlich fagen, damein Herr Col- 
„lege die dafigen Gemeinen zu beforgen hat, welcher mit nachftem felbft 
„eine ordentliche Nachricht davon einfenden wird, Er kann ietzo 
„nicht mit fehreiben , weil er von dem Abgang dieſes Schiffes Feine 
„Nachricht oben im Lande haben Eann. So viel aber weißich ‚daß 
zfie ihren Theil von den gemeinfchaftlichen Collecten⸗ Geldern nun 
„enspfangen hat, . Es hat aber auch die höchfte Nothdurft erfors 






und (oder bey 90 Rthlr.) Interefle jährlich befragen, wer 


dert , Daß die Kicche zu Germantown vergröffert werde, wovon 


Here Paftor Brunnholtz nicht nur vorhero ſchon verfchiedene mal Er- 
mwähnung gethan, und ſolche Nothwendigkeit angezeiget hat, fon= 
dern auch, von dem wircflichen Anfang der Erweiterung in feinen letz⸗ 
ten Briefe folgendes fehreibet : „In Germantown haben wir den 
„ısten April diefes Zahrs den Grundftein zu dem neuen Gebäu bey 
„der Lutheriſchen Kirche daſelbſt im Namen GOttes geleget. Sie 
wird 30 Fuß länger und 6 Fuß breiter, als fie geivefen. er * 
) 8 


% 


vom einigen Evangei Bemeinen in America. 35 


„ſdlag IN gemacht Auf etwarso Pfund hiefiger Münge (568 Rthir) 
„Da u find 6o Pfund von den Gemeins⸗Gliedern und Freunden ver⸗ 
„fchrieben oder beyzutragen verſprochen worden ; das uͤbrige muͤſſen 
wir auf Intereffe nehmen. Es wird ietzo ſchon fleiffig Daran gemau⸗ 
„tet. » Bor fechs Zahren waren kaum noch ſechs Gemeins⸗Glieder 
„da, und die Kirche war damals zu groß; aber nun ſind bey —— 
ig ordentliche —— da. 

— Weil nun die Erbauung der Kine —D 
weſen: fo. haben die Drediger und Vorſteher der Gemeine dieſelbe 
ar mol —— en und — als A Pa nunmehr: 





—— Me Diebe m ertragen nicht nach feyen. Cie 
N ofe Bite hreiber unter andern Herr Naftor Mühlenberg 
„iſten Nov. 1745, die faft vor Menfchen unmöglich fehiene, hat der 
„Herr erfültet, und mir nemlich Mitarbeiter gefandt. Die ande 
„re Laft, welche ung noch fehr Drücfet, find Die Schulden von dem 
Kirchen⸗Bau, die wir zu bezahlen nicht im Stande find, wozu 
„aber die Gonner in Europa ſchon vieles gerhan haben, und noch 
„thün.„ Anderer Stellen aus feinen Briefen zu geſchweigen. Sie: 
un aber bene Vertrauen zu der Güte Mini 5 1 ae 
u einigen Senen zuwend ‚und ihrer Hoffnung 
nicht zu Schanden werden laſſen, oc wie er — her geholfe 
ferner helfen „ daß fein Name darüber gepre ſet ui | 
eangene Segen erhalten und befordert verden toene 
oe Wie man übrigensbillige Urſach hat GOtt ju preifen, 
daß er — nur dieſer verlaſſenen und zerſtreueten Heerde in den vier 
dvereinig en Gemeinen ſich gnaͤdig —— und ihnen — 









ss u ‚Andere Sortſetʒung dei kurtzen Nachricht 


ſchencket, die fie wieder ſamlen, Das Verlorne ſuchen, das Verir⸗ 
rete wiederbringen, des Krancken pflegen und warten, und die 
verſchmachteten Schafe mit dem ſeligmachenden Worte des Evan 
gelii meiden koͤnnen, ſo ſie auch bisher, nach dem Vermögen, fü 
der HErr dargereichet, zu thun ſich angelegen ſeyn laſſen und GOt⸗ 
tes Segen darunter reichlich verſpuͤret: alſo gereichet es auch der 
Evangeliſchen Kirche zum Aufnehmen, daß dadurch die reine Lehre 
in dieſen Gemeinen erhalten wird. Da hingegen zu befuͤrchten ge⸗ 
weſen, daß andernfalls nicht nur immer mehrere ſich lieber gaͤntzlich 
von der Gemeinſchaft der Kirche getrennet, als ſich zu Denen ge: 
halten. haben würden , welche fich feloft zu Predigern aufgeworfen, 
durch ihren unordentlichen Wandel zum theil groffes Aergerniß an⸗ 
gerichtet , und der Evangelifihen Religion bey andern einen groffen 
Worwurf zugezogen ; fondern es möchte.auch , da die Jugend oh: 
ne allen Unterricht , oder gar ohne Die heilige Taufe zuempfangen, _ 
aufgewachfen;, nichts anders Daraus 'erfolget ſeyn, als daß das 
Licht der reinen Lehre bey ihren. Nachkommen gänglich verlofchen 
feyn dürfte. + Ya es erfirecket fich der Segen von Berforgung der 
obgedachten vier Gemeinen nicht auf fie alleine : fondern e8 ſcheinet 
auch GOttes gnaͤdiger Wille zu ſeyn, daß er denſelben noch im⸗ 
mer weiter ausbreiten, und ſein Wort auch in andern Gemeinen und 
Gegenden auf den Leuchter ſtellen, mithin der einreiſſenden Finſter⸗ 
niß auch in ſelbigen vorbeugen wolle; mie unter andern aus dem, 
was ietzo weiter ſoll geſagt werden, zu erſehen ſeyn wird. 

6. Es iſt demnach noch zum vierten angezeigter maſſen etwas 
von dem Verlangen mehrer teutſchen Gemeinen in Penſylva⸗ 
nien und den umliegenden Gegenden nach rechtſchaffenen 
Lehrern hinzuzuthun. Denn nachdem es immer mehr auch bey an⸗ 
dern bekannt geworden, wie treulich ſich der Herr Paſtor Muͤhlen⸗ 
berg und hernach auch der Herr Paſtor Brunnholtz ihres Amts und 
der ihnen anvertraueten Gemeinen bisher anzunehmen gefuche © ſo 
hat folches bey vielen ein Verlangen gewircket, daß fie Doch der Ver⸗ 
Fündigung des Worts GOttes auch alfo mochten genieilen Eönnen. 
Verſchiedene, Die wegen ihrer Armuth meiftentheils nicht inn Stande 
find, einen eigenen Prediger zu unterhalten, haben ihnen mir vielem‘ 
Bitten angelegen, zuweilen zu ihnen zu kommen, und * eine 

| | vedigf 


von einigen Evangel. Bemeinen in America 57 


Predigt zu halten , denen fie auch fokhe Bitte, ob fie gleich in ihren 
eigenen Gemeinen mit Arbeit überhäufet find, dennoch nicht ganglich 
abfehlagen Eönnen , fondern ihnen , fo viel als ohne deren Verſaͤu⸗ 
mung gefihehen mögen, zu dienen gefucht. Unter folchen Gemeine 
‚find unter andern Die zu Ohly, Cohenzi, Chefter und auf dem 
Schwargwalde. Zu Obly hatte Herr Paſtor Mühlenberg 
ſchon vor - Ankunft der neuen Gehülfen vier erwachfenen Kindern 
auf Verlangen ihrer Mutter> die ein Gnaden = hungeriges Gemüth 
bat, die heilige Taufe ertheilet ; woruͤber zwar der Vater anfangs 
ungehalten gewefen , nachher aber fich zufrieden gegeben, und ihnen 
— gelaſſen zur Kirche und Schule zu gehen, auch ſelbſten die 
rediger beſuchet und ſich mit ihnen freundlich unterredet. Daſelbſt 
wie auch zu Cohenzi haben ſie verfchiedene mal geprediget, und wahr⸗ 
genommen, daß die Leute ziemlich beweget worden. Der letzt ge⸗ 
dachte Ort liegt 36 Engliſche oder etwa 6 teutſche Meilen von Phi- 
ladelphia, und ift der Gemeine daſelbſt der oben pag. 45. gedachte 
junge Menſch, der vorher zu Philadelphia Schule gehalten und den 
Here Paſtor Brunnholg no eine Zeitlang weiter zubereitet , zum 
Schulmeifter überlaffen und demſelben eine erbauliche Poſtille in die 
Hände gegeben worden, um Daraus des Sonntags eine Predigt 
vorzulefen, wie auch ſchon in Der erften Fortfegung pag.39. gemeldet 
worden. Von einer zu Chefter gehaltenen Predigt berichter Herr _ 
Paftor Brunnhols in feinem Diario folgendes: „Den ꝛyſten Martüi 
51745. war ein Mann bey mir, undverlangte, ich möchte einmalnach 
„Ehefter kommen und den Teutſchen daſelbſt predigen; der Englifche 
» Prediger habe ihnen die Kieche zuöffnen verfprochen, im Fall fie einen 
„rechtmäffig berufenen Prediger, ihnen eine Predigtzubalten, bekom⸗ 
„men koͤnten. Denzoften Iunii fuhrich nad) geendigtem Gottesdienft 
„mit einem gusen Freund und einigen Aclteften der Gemeine zu Bhila: 
„delphia, dahin; estieget aber dieſes Städtlein 16 Englifche oder unge: 
— teutſche Meilen von Philadelphia. Wir kamen um 2Uhr bey 
gro] 








Melb 


„geoffer Hitze daſelbſt an. Die Teutſche, welche meiſtentheils Ser- 
„vante find, und bey Engliſchen dienen, und daher halb Teutſch und 
„Halb Engliſch veden, hatten fich verſamlet, und der Englifche Pre- 
„oiger erlaubte ihnen in der Engliſchen Kirche Gottesdienft zu halten. 
Bey der Predigt funden fi) auch — Rachher ließ 
AD | 


ich 


58 Andere Sorsfegung der kurtzen Nachricht 


„ich die Teutſche alle in eines teutſchen Mannes Haus ſich verſamm⸗ 
„ten, vermahnete ſie, des Sonntags zuſammen zu kommen, und ſich 
won einem, der am beſten leſen koͤnne, eine Predigt, vorleſen zu laſ⸗ 
„ſen, wozu ich ihnen auch eine Poſtille verſprach. Sie ſtunden um 
mich herum wie Kinder, oder wie die verſchmachteten Schafe, die 
„keinen Hirten haben, und weineten; welches die Leute, ſo mit mir 
„von Philadelphia gekommen, ſehr bewegte, als welche nun nicht 
„mehr folhen Mangel an Verkündigung des Wortes GOttes ha⸗ 
„ben. In Teutſchland achten es die wenigften, wenn fie alle Sonns 
„tage eine, zwey oder drey ‘Predigten hören Eönnen: aber hier freuen 
„ſich manche , wenn fie einmal im Jahr eine Predigt hören.  Diefe 
„in Ehefter haben in fechs Jahren Eeine teutſche Evangelifche Predigt 
„hören Eönnen.,, Die teutſchen Qutheraner im Schwartzwalde, 
einem zwiſchen Tulpehokem und Neuhannover gelegenen Drte, ha- 
ben gemeinfchaftlicy mit den Reformirten eine neue Kirche erbauet, 
und zwar einen, der in Teutſchland ein Schulmeifter gewefen, zu ihr 
rem Prediger angenommen: fie haben fid) aber Doch fehr erfreuek, 
als der Herr Paftor Muͤhlenberg und Brunnholg auf einer nach 
Tulpehokem gethanen Reife im Rückweg dafelbft durchgefommen, 
und der legte auf.ihre Bitte ihnen eine Predigt gehalten. Welches 
menige denn nur zum Erempel angefühtet worden , wie dergleichen 
Gemeinen, die meiftentheils ſelbſt Eeine Prediger haben, deren aber 
noch mehrere ſeyn mögen , der Wohlthat einiger maflen mit genief 
fen, die GOtt andern wiederfahtenlaffen. 2.00. 
9.17. Verſchiedene andere Gemeinen aber, die. entweder 
‚noch nicht mit ordentlichen Predigern verforgt gemefen, oder deren 
bisherige Prediger abgegangen find , haben durch Herrn Paftor 
Muͤhlenberg und Brunnhols inftändig um einige treue Lehrer anhal- 
ten laffen, welchen fie auch den Unterhalt zu geben verfprochen. 
In einer Stadt, Die etwas weiter als eine Tagereifevon Neuhannos 
ver gelegen ift, hat dieRurherifche Gemeine dem Herrn Paſtor Müh- 
lenberg, der verfchiedene mal aufihr Verlangen eine Reife dahin ge= 
than, auch einige junge Leute zu dem erften Genuß desheiligen Abend⸗ 
mahls dafelbft zubereitet, eine förmliche Vollmacht zu einer Vocation 
für einen neuen Prediger zugeftellet , und ihn erfucht, fo lange bis 
derſelbe ankomme, ſich ihrer, fo, viel möglich, anzunehmen; Er: 
ie in meide 


von einigen Evantzel. Bemeinen in America." ' % 


mieldet derfelbe, daß ein treuer Knecht CHriſti daſelbſt ein weites Feld 


zu arbeiten bekommen koͤnne, da um ſelbige Gegend weit und breit 
viele Teutſche wohneten. Eine andere Gemeine in der Provintz 
Neu⸗Nerley hat ſich ausgebeten, daß ihnen der: Gehülfe, Herr 


i Kurk, ‚auf eine Zeitlang überlaffen, und für fie. gleichfalls mittler: 


weile ein ‘Prediger verfchrieben werden möchte: Dem zu folgerauch 


Kan Kurg den ıgfen Martii 1746. aufeinige Zeit ihnen zugefandt wor: 


indeflen Abtwefenheit der p. 46. gedachte junge Menſch, den Here 
—— lenberg ſonſt zum Schulhalten in Providentz brauchet, die 
—— in Neuhannover unter Aufſicht des Herrn Vigera verficher. 


Es hat auch der Herr Paſtor Muͤhlenberg auf gedachter Gemeine 


\ 


Rerlangen. nicht nur im vorigen Jahr etliche mal -Dahin Eommen 
müffen, auch 24 erwachfene Perfonen daſelbſt unterrichtet und zum 
Genuß des. heiligen‘ Abendmahls zubereitet, fondern fie auch in Dies 
ger e wiederum zweymal beſuchet, und der Herr Paftor Brunn 

> naxbfeigenniehten Schreiben, diefen Sommer auch einmal da⸗ 








- hin zu reifen fih vorgenommen. Auch haben Die teutfchen Rutheraner 


an der Maquaifchen Revier in der Provins Neu: Yorck bey ihnen 


x ei Prediger: anhalten ame denen fie aber noch nichts gewiſ⸗ 


tuͤchtige Perfonen zeige 
worunter eine der gröften ift, daß Die Gemeinen die Reife Koften 


ochen, indeſſen aber i n allen Briefen inſtaͤndigſt bitten, aufs 
jivep: tüchtige Männer auf der Gemeinen Derlangen 
und in ihrem Namen auszufuchen, zu ihren Predigern zu — 





— hinzuſenden ¶ Es kommt aber darinnen auf den HE 


und feine gnaͤdige Re — und Beyſtand an, daß er die dazu 
‚und Die Hinderniffe aus dem Mege räume, 






noch nicht aufbringen und überfenden koͤnnen, fondern gebeten, daß 
felbige von den iladelphia, Pronipen, nd zugehörigen Orte 
eingelaufenen haten vorgeſchoſſen werden möchten, welchen fie 
dieſelbe zu Bezahlung ihr ben Kirchen Bau Dorfen wies 









der erftatten wolten. + ich, fe ifdem Die bisherige 
MWohlthaten de | en, 

gelaufen , Daß davon. Kein‘ Borfehuf zu ſot * Reiſe genommen 

werden kann. 

9.28. GOtt aber, der da Überfeptänglic mehr thun Eann 

über a, das mir. ‚Sitten Rd * * dieſe und en 

in⸗ 


_ 60 11. Foreſ der kurgz. Nacht. voneinigen Ev, Bem, in America. 


F ? N 
Hinderniffe leicht gehoben werden laffen, und wird auch, wenn Die 
. von ihm erfehene Zeit it, foldes eben Dadurch zu erkennen geben, 
daß er alle Umſtaͤnde zu Beförderung der Sache vegiere und Mittel 
und Wege dazu zeige, Indeſſen ift unfere Pflicht, fürdas, was er 
“bereitsgethan, feinen Namen demüthig zu loben, und ihm die Noch 
‘Der noch unverforgten Gemeinen in eifrigem und glaubigem Gebet 
vorzufragen, und ihn anzurufen, Daß er auch zu Denfelben fein Reich 
kommen laflen, und ihnen Gelegenheit geben wolle , fein Wort 
zu hören und aus demſelben den Weg zu lernen, wie fie durch CHri⸗ 
ſtum zu ihm kommen und ihre Seelen von dem ewigen Berderben ers 
terten Eönnen; welches er Denn um feiner ewigen Erbarmung willen, 
nach welcher er Eeinen Wohlgefallen um Tode des Gottloſen hat, 
fondern will, daß er ſich befehre und lebe, gnädig erhören wolle, 
Denen Gemeinen aber, die nun Gelegenheit haben, GOttes Wort 
reichlich verkuͤndigen zu hören, gebe er gehorſame Hertzen / daſſelbe anzu: 
nehmen, und ihren Lehrern immer mehrere Kraft und Gnade, ihnen 
den Rath GOttes von ihrer Seligkeit ferner unermuͤdet und in reichem 

Segen zu verkuͤndigen. Endlich aber wolle er auch allen Goͤnnern 
und MWohlthätern, die Diefen Gemeinen bisher mit ihren liebreichen 
Gaben zu Hülfe gekommen , ſolche Wohlthaten aus Gnaden vergel: 
ten / und Diefelbe als einen füffen Geruch und angenehmes Opferihn 

efaͤllig ſeyn laſſen, und hinwiederum alle ihre Nothdurft erfüllen, 

nach feinem Reichthum, inder Herrlichkeit, in CHriſto IEſu. Dem 


I J 


— 


SHE aber und unſerm Vater ſey Ehre von Ewigkeit 





Dritte zortſebung 
— 


Rah 


von einigen 


rang den Gemeine 
a Mmerica, 


H aonentih in Yenfpfoanien, 











9 A L e E 
in Verlegung des Wayſenhauſes, 
—— — 










ISSI“ 
N Sr 
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J.Nachricht von dert bey diefen Gemeinen 


| bisher vorgefallenen Umſtaͤnden überhaupt. 


Ottes Wercke haben vor ber Welt einen geringen Schein. 
ı Sie pflegen vom Kleinen anzufangen, und unter vielem 
Druck und mancherley Prüfungen fortzugehen: GOtt 
brauchet meiftens geringe und in den Augen der Welt 
| verachtete Werckzeuge, Die aber in feinen und: feiner Kine 
der Augen herrlich geachtet werden ; und Diefe machen äufferlich Fein 
groffes Auffehen und Gepranae. Die Welt achtet ohnedem auf nicht8 
weniger, als auf das, was GOtt in feinem Gnadenreiche thut, daß alſo 
das Wort des HErrn IEſu auch in dieſer Abſicht in feine Erfüllung ge 
het: Das Reich GOttes kommt nicht mit aͤuſſerlichen Geber⸗ 
den, Luc. 17, 20. Gleichwol pfleget dos Werck GOttes, und mas ſei⸗ 
ne Knechte im wahren Glauben zu Ausbreitung und Verherrlichung 
ſeines Namens anfangen, ſo lange es ihm gefaͤllt ſeinen Segen da⸗ 
zu zu geben, zu wachſen und zuzunehmen, und darinnen, nach Matth. 
33, 31. 32. einem Senfförnlein gleich zu feyn, welches das klei⸗ 
Eh ift unter allem Samen, daraus aber ein groffer Baum 
erwaͤchſt. Jedoch verdienen,auch in ihrem erften und noch fehlechten An⸗ 
fang, die Wercke des HErrn mehr Aufmerckfamfeit, und find nsichtiger, 
als aller Menfthen Thaten,da ja ine Seele, die von dem ewigen Nero 
derben errettet wird, von piel gröfferem Werth ift, als die gantze — 
= und 





1. Von einigen bisher vorgefall. Umſtaͤnden uͤberhaupt 63 


und alle ihre Schaͤte. So wenig.daher auch die, ker 
liche Sorge für ihr-eigen Seelen-Heil bey ſich auffommen laſſen, fir 
Darum befümmern, was GOTT zu Erreftung anderer Seelen thutz 
fo heeslich freuen jich hingegen Kinder GOttes, die GOTT von der 
Welt erwählet hat, wenn fie hören, daß GOtt auch anderwaͤrts in 
der Ferne, ja fo gar in andern Theilen der Welt, mandyen See» 
len eben Die Barmhergigkeit erzeiget, die fie an fich erfahren haben, 
oder nur einen Anfang macht , fein Neid) an andern Orten auszubreir 
ten und Die verlornen Schafe fuchen zu laffen, und preifen feinen Na⸗ 
men auch über den geringflen Segen von Serben. 
$.2. Was HHrt unter einigen Lutherifchen Bemeinen der 
Teutfchen neuen Einwohner von Penfylvanien bisher gethan, 
ift ein Segen, der noch einem Eleinen Senfkorn gleich ift, und. erff 
vor acht. jahren aufzublühen angefangen ,. da gedachten Gemei— 
nen, auf ihr fehnliches und oft wiederholtes Verlangen, zuerft der. Here 
Paftor Muͤhlenberg von Halle aussugefchicket, auch, nachdem der> 
felbe den 25ften Nov. 1742 zu Philadelphia angelanget, und bey ih 
nen einen gefegnefen Eingang mit dem Norte GOttes gefunden, im 
Jahr 1744 der andere Prediger, ‚Herr Brunnholg, nebft sween 
Gehuͤlfen, Herrn Schaum und Herrn Rurg, felbigem nachgefendee 
worden, » Die zu Anfange Des, Jahrs 1745 in Penſylvanien angefoms 
wen find. Was Diefelben zuerſt für Schwierigkeiten bey Diefen Ge⸗ 
meinen angetroffen, tie ihnen aber GOtt gar kraͤftig beygeſtanden, fel 
bige zu übertwinden, und den Gottesdienſt wiederum in eine gute Hrd+ 
nung zu bringen, auch zu. dem Ende zwo Kirchen zu Philadelphia und 
Neu⸗Providentz mit groſſen Koflen und wenigem Vorrath, und gleich» 
wol in kurtzer Zeit, zu erbauen; und wie der HErr abſonderlich ihren 
Dienſt bereits an maͤnchen Seelen kraͤftig geſegnet: ſolches alles iſt 
aus der ſchon im Jahr 1744 herausgekommenen und in dieſem Jahr 
neu üufgelegten Burgen Nachricht, nebft deren beyden Sortfegun, 
Bee: — die letzte in Jahr 1746 gedruckt worden, mit mehrerm 
zu. erſehen. aha, Trap vegan Bern 
003, Nachden nun bisher, vielfältige Nachfrage gefchehen; 


nn 


wollen; zumal es auch allerdings Be erfordert, teil Ha 
N ie 3 6 


64 Dritte Sortf der Nacht. vonden Ev. Gem. in America, 


he theure Gönner und Wohlthaͤter ihren milden Beytrag zu Befüre 
derung diefes Segens liebreichft eingefandt, daß Denenfelben Durch diee 
fe Nachricht gleichſam Rechenſchaft gegeben werde, mie ihre Wohl» 
thaten angewendet, und was bisher ausgerichtet worden. Daß 
aber folches nicht eher gefchehen Fönnen, hat der Verluſt der vornehm> 
fien und umftändfichften Briefe der Herren Prediger, Die zum Theil auf 
den von den Spaniern und Fransofen eroberten, zum Theil auch auf 
einigen im Sturm untergegangenen Schiffen befindlich geweſen, und 
mit denfelben verloren gegangen, hauptfachlich verurfachet:: indem-die 
übrigen eingelaufenen Briefe Feine hinlängliche Nachricht von den 
dortigen Umitänden enthalten, dadurdy dem Verlangen Ehriftlicher 
Kefer ein Genuͤgen hätte gefchehen koͤnnen. Ob nun gleic) auch dermalen 
noch verfchiedene Briefe zurück find, und infonderheit eine vollſtaͤndi⸗ 
ge Nachricht des Herrn Paſtor Brunnholgen von feiner bisheri⸗ 
gen Amtsführung, die auch mit verloren gegangen, von demfelben, bey 
feinen öftern Kranckheiten, aus Mangel der Zeit und der Krafte, noch 
nicht wiederum aufgefegt und eingefandt werden koͤnnen: fo hat man 
doch nicht länger auffchieben wollen, die vornehmften Umflände aus - 
den eingelaufenen Wachrichten, und mas überhaupt diefer Gemeie - 
nen wegen bisher meiter vorgefallen, befannt zu machen. Es werden 
aber folche Nachrichten für dismal nur Fürslic) zuſammen gefafft, das 
tmeifte Davon aber in den vollffändigern Berichten, welche in den fol⸗ 
genden Fortfesungen mitgetheilet werden follen , weiter erläutert und 
beftättiget werden. Wie denn infonderheit in der nächften Fortſe⸗ 
zung, die noch dieſen Herbft mit GOttes Hülfe heraus gegeben mer 
den wird, der Anfang eines erbaulichen Berichts des Heren Paftor 
Moͤhlenbergs von feiner Amtsführung unter Diefen Gemeinen ang 
Licht geftellet, und folcher nebft andern Briefen und Nachrichten in 
den folgenden Fortfeßungen nad) und nad) vollends zur Erbauung des 
Ehriftlichen Lefers befannt gemacht werden foll. ER 
/ $. 4. In diefen erften Abſchnitt folldenn von den vorges 
fallenen Umftänden uͤberhaupt eine Nachricht ertheilet werden, _ 
Davon der erſte und wichtigſte dieſer iſt, daß abermal ein neuer Predi» 
ger nach) Penſylvanien berufen und abgefandt worden. Es ıfl aus 
der andern Sortfegung pag. 59. bekannt, daß bereitd Damals ge⸗ 
meldet worden, tie die Herren Prediger, da mehrere Gemeinen um 
Lehrer bey ihnen angehalten, in allen ihren Briefen — 
sen, 


1. Von einigen bioher vorgefall, Umfkänden überhaupt. 65 


ten, aufs forderſamſte zween tüchtige Männer zu Predigeen su beru⸗ 
fen und nach Penſylvanien zu fenden. Nachdem nun Diefes Berlane 
gen in den folgenden ‘Briefen noch angelegentlicher wiederholet wor⸗ 
den: fo hat fich der Herr D. und Prof. Srande auch von der Zeit an 
ernſtlich bemuͤhet, daſſelbe zu erfüllen. - | or 
5 Da ihm nun abfonderlih Herr Johann Sriederich 
Handfihuch, aus Halle, der bisher als Collaborator zu Graba im 
Salfeldifchen gearbeitet, als ein folcher Mann ſchon von mehrerer 
Zeit her bekannt getwefen, dem eg fo wenig an gründlichen Studiis und 
der zum Predigtamt erforderlichen Tüchtigkeit, als an wahrer Treue 
fehle, und der auch in feinem bisherigen Amte bereits manche Erfah» 
rung und Uebung erlanget: fo hat er Fein Bedencken getragen, an 
‚denfelben den Beruf im Namen der Prediger und Gemeinen in 
Penſylvanien gelangen zu laſſen, welchen verfelbe auch, nach geprüß 
tem und erfanntem Willen GOttes, bereits im Julio 1746 angenome 
men, nachdem GOtt ſchon vorhero fein Herß zu einer folchen Reſolu ⸗ 
„tion bereitet, und daffelbe von der Anhanglichkeit an das Irdiſche losge⸗ 
macht, fo daß er, wie er fich dabey felbft ausdrücket , feit der groffen 
Beränderung feines Hertzens, ſich feinem um ihn fo hoch verdien» 
ten guten und gnadigen HERMRN ohne alle Ausnahme gänglich da⸗ 
hin gegeben, fi) in feinem Reich gebrauchen und fenden zu laffen, wie 
und wohin er es nur für gut befinden möchte, nichts mehr aber wuͤn⸗ 
ſche, als ihm nur vecht gehorfam und recht bräuchtich zu werden, und 
feine Ehre und fein Neich vecht ausbreiten zu Eönnen, auch gerne Leib 
und Leben, Gut und Blut, alle Vortheile und Ehre diefeg zeitlichen 
Lebens ‚, nach) feinem gnadigen Willen daran feßen wolle, um nur fie 
nen HErrn und GOtt hoch zu ehren ‚ihn redfich vor der Welt zu be⸗ 
Fennen, und auch um Einer Seele willen, zu ihrer Errettung, noch fo vie» 
les zuübernehmen. Es habe ihm, fähret er fort, die Beſchwerlichkeit der 
Seereife bey der Schwachlichkeit feines Cörpers zwar anfangs in ſei⸗ 
nem Semürhe etwas zu fchaffen gemacht; nachdem er ſich aber ing 
Gebet zu GOTT gegeben, habe er feinem Hergen zufprechen koͤnnen: 
Was milt du denn Drein reden, wenn dich nun dein HErr dahin ha» 
ben will? ' Und da eg feine Weiſe ie und ie gewefen, die Elendeften, 
Schmächften und Verachteſten in feinem Neiche am meiften zu ge— 
brauchen, fo halte er ſich verfichert, wenn ihn GOTT nad) America 
enden wolle, und er daſelbſt fein ig bauen helfen folle, r 
LER nJ) 3 werde 


66 Dritte Sortf.der Kracher. von den Ev. Gem, in America. 


werde und müffe, da er ſich feibft ſchwach, untichtig und unwuͤrdig 
erkenne, Kraft und Staͤrcke genug geben. : 3 
$..6. Weil man nun die Abfichthatte, nach dem obgedach⸗ 
ten Verlangen der Penſylvaniſchen Gemeinen und ihrer Prediger, 
zween neue Mitarbeiter abzuſenden; ſo wurde fuͤr gut befunden, daß 
der Herr Paſt. Zandſchuch den folgenden Winter über fi ch zu Halle 
aufhalten moͤchte, binnen welcher Zeit man allen möglichen Fleiß anwen⸗ 


den wolle, noch ein tüchtiges Werckzeug auszufinden, welches in dem 


Eünftigen Frühjahr die Reiſe mit ihmnach Penſylvanien antreten koͤnte. 
Es find zwar auch verfchiedene nicht ungefchickte Candidaten in Vor⸗ 
ſchlag gekommen, und bald diefem, bald jenem der Beruf wircklich an⸗ 
getragen worden: es haben fich aber überall theils von Seiten der An» 
verwandten, theilg von Seiten der in Vorſchlag gebrachten Perſonen 
felbit, fo viele Hinderniffe gefunden, Daß der göttliche Wille darunter 
nicht erkannt werden koͤnnen. Wie nun in dem Wercke GOttes 
nichts erzwungen werden kann, und alle erfahrne Knechte GOttes ale 
fo auf die Spuren der göttlichen Megierung und Vorſehung zu mer⸗ 
cken pflegen, Daß fie Denfelben nachzugehen fuchen, fo weit fie felbige- 
erkennen können; wo fich Diefelben aber verlieren, flille ftehen, und er⸗ 
warten, daß ihnen der HENN feinen Willen weiter durch Len⸗ 


ckung der Umftände offenbare , und fich alſo von feinen Augen und: 


Winck regieren laſſen: alfo hielte man e8 auch für rathfamer, ‚da es 
Gott nicht gefallen, den andern Prediger zu zeigen, in feinem Wil⸗ 
fen zu beruhen, und immittelft den Heren Paſt. Handſchuch alleine ab⸗ 
zufenden. Vielleicht hat die Gemeine, welcher etwa ein folcher ande⸗ 
ver Prediger möchte vorgefeget worden feyn, GOtt noch nicht. ernſt⸗ 
lich genug um einen treuen Lehrer angerufen, oder iſt noch nicht begie⸗ 
rig genug nach dem Worte GOttes geworden. GOit wird aber 
auch zu ſeiner Zeit ſich mehrere treue Gehuͤlfen erſehen und in dieſen 
weitlaͤuftigen Weinberg, darinnen die Ernte groß ,. Der Arbeiter. 
aber nad) wenig find, ausfenden. Wie indeffen doch. Diejenigen Gemei⸗ 
nen, wo es am noͤthigſten geweſen, verſorget worden, wird unten 
mie mehrerm zu erſehen ſeyn. ur 

. Ihzwiſchen war die Zeit: big in den Junium 1747. ver» 
Affen, und durfte alfo die Abreife des Herrn Paſt Handſchuchs nicht 
länger verfchoben werden. ; Er hat demnach diefelbe.den zten befagten 
ch im Namen GoOttes uͤber Hamburg nach England Barren | 


Ü * 


1. Ooneinigen bisher vorgefall. Umſtaͤnden überhaupt. 67 


iſt den Iten Julii zu London glücklich angekommen, hat ſich dafelbft bey 
ſechs Wochen aufgehalten, und den 25ten September zu Gravefand 
an Bord des Schiffes begeben, mit welchem er erft den sten April 
1748. ft. n. zu Philadelphia angelanget. Weil er auf diefer lang» 
soierigen Seereiſe vieles erfahren, und fi) in dem, mag er von Ta⸗ 
ge zu Tage auf derfelben aufgezeichnet, manche merckwuͤrdige Umſtaͤnde 
finden; fo wird Dem geneigten Leſer nicht zuwider ſeyn, wenn wir 
unten im andern Abſchnitt dieſer Fortſetzung einen kurtzen Auszug 
feines Tage⸗Regiſters beyfuͤgen. 

| $. 8. Nach der Ankunft des Heren Paſt. Handſchuchs in Penſyl⸗ 
vanien und gepflogener reifen Heberlegung wurde befchloffen, daß er die 
Beforgung der Lutherifchen Gemeine zu Lancaſter übernehmen folte, 
welche ihn auch den ı6ten May 1748 zu ihrem Prediger angenommen, 
worauf er den 26ften befagten Monats feine Anzugspredigt bey der⸗ 
felben gehalten; mie folches unten aus feinem eigenen Diario mit 
mehrerm zu erfehen feyn wird, woſelbſt zugleich von der Gemeine zu 
Earlstown, die auf gewiſſe Bedingungen als ein Filial mit der Ge⸗ 
meine zu Lancafler vereiniget worden, Nachricht zu finden. Lanca⸗ 
ſter ſelbſt aber betreffend: fo befchreibet ver Herr Paſtor Hansfchuch 
diefe Stadt in folgendem Schreiben vom ten Oct. 1748 fi. n. „Nach 
„oem gnadigen Willen GOttes und dem Gutbefirden meiner lieben 
„Brüder, fchreibet er, fiehe ich nun ſchon über vier Monat in Lancaſter, 
„einer Stadt von ungefähr vierhundert Haufern, Dazu immer mehrere 
„angebauet werden, vier und ſechzig Englifche (fechzehn Teutſche) Meir 
„ten von Philadelphia, meiftens von Teutſchen bewohnt, Der guten 
„Nahrung regen siehen noch immer Leute her,fodaß es in wenig Jahren 
„eine groſſe und volckreiche Stadt vermuthlicdy werden dürfte. Sie 
„hat eine ziemlich groffe Lutherifche, eine noch nicht völlig ausgebauete 
„Englifche, eine Reformirte, eine kleine Eatholifche, und eine Zinzen⸗ 
„oorfiiche Kirche, Die Zingendorfer Haben durd) den Lutherifch gewe⸗ 


ſenen ‘Pfarrer Nyberg nicht nur unter den Lutheranern, ſondern auch 


„unter Den Reformirten viele Trennungen und Aergerniſſe angerich⸗ 
„tet. Herr Spangenberg ift feit meinem Hierſeyn wol viermal 
hier gervefen, und wie ich höre, fo wendet er alle feine Liſt und Fleiß 
„an, Ihre Leute zufanmen gu halten, und unſere Kirche ihnen verdäch« 
Kug a machen ,/,66 ; 


| $- 9: Da 


68 Dritte Sortf.der Nachr. vonden Ev.Gem. in America. 


‚9.9: Darauf fähret Hr. Handſchuch in gedachtem Briefe fort,auch 
von feiner Arbeit folgende Nachricht zu ertheilen: „Arbeit habe ich hier. 
„genug. Eineiede Predigt entwerfe ich vorher,dencke fiedurch,und prüfe, 
‚„fienach dem orte Gttes, ſo viel ich nur Zeithabe. Alsdenn vede ich. 
„im Yamen des HErrn, und Eehre mich an Feinen Menfchen, er mag. 
„von einer Neligion oder Secte ſeyn, wie er will. Denn meine Zus. 
„hörer beftehen oft aus mancherley noch) nie gehörten Serten. Don 
wircklichem Segen Fann ich noch nicht viel ruͤhmen, e8 waredann, daß 
„der Aufferliche Beyfall ein Segen genannt werben koͤnte. Die 
Jugend, fofehr ſtarck ift, macht mir die meifte Freude und Hoffnung. 
„alle Sonntage Nachmittage halteich Wiederholung der Predigt und 
„Kindertehre über den Catechifmum. Da habe ich meifteng fiebenzig bis 
„ahtzig junge Leute, Erwachſene und Kinder, um mich herum ſtehen, 
„pie es im Fleiß einander, ſuchen zuvorzuthun. Die andern, fo nicht 
„gu-unferer Gemeine gehören ‚ bleiben an ihrem Orte fißen, und hören 
„aufmerckfam su. Unfere Schule wird immer ſtaͤrcker, fo daß wir 
„genöthiget worden, unlängft aus Mangeldes Raums ſechzehen Enge 
uͤſche Kinder aus derfelden zu dimittiven. In Wahrheit, haͤtte Ny⸗ 
„berg nicht. die Unruhen und Trennungen hier gemacht , und wären 
„unfere Leute mehr und ernftlicher auf den Bau des Reiches GOttes 
„bedacht, e8 folte die Gemeine gu Lancaſter nad) und nad) Die ſtaͤrck⸗ 
„fie, auch bey reicher und treuer Verkündigung des Wortes GOttes 
„und. mit göttlichen Beyſtande die allergefegnetefte im gangen Lande 
„geworden ſeyn. Aber der durch ihn verurfachte Schade ift foft unerſetz⸗ 
„lich. Ich verſaͤume keine Gelegenheit öffentlich zu predigen. Hochzeiten 
„und Reichen nehme ich auch zu Hülfe, fo viel nur Fan. Zu GOttes 
Barmhertzigkeit will ich hoffen, es werde Doc) nicht fo gang leer und 
„ungefegnet abgehen. Woͤchentlich unterrichte ich zweymal die jungen 
„„Xeute, welche zum heiligen Abendmahl zubereitet werden, Deren drey 
„und dreyffig, und einige Darunter fehr unreiffend find, und verfchier 
„bene mol neun Englifche Meilen nach meiner Wohnung zu gehen 
‚haben. Selten bleibt mireined aus. Für meine lieben Amtsbruͤ⸗ 
„der, Herrn Muͤhlenberg und Herrn Srunnholg, (fest er am En» 
„de hinzu) kann ich GOtt nicht genugfam dancken. Nur bedaure ich 
„fehr, Daß wir fo weit von einander wohnen, und fo felten beyſam⸗ 
„men feyn können, Jedoch erfeget foldyes unfer fleiffiger Briefwech⸗ 
„fel einiger maſſen. Kuͤnftige Woche koͤmmt a; 

„nach 


LVon einigen bisher vorgefall Umftänden überhaupt, 69 


„nach Tulpehoken, wo ich auch hinkomme, mit einander zu conferie 
„ten. Der HERR laffe alles zur Ehre feines Namens und zum 
„gründlichen Bau feines Gnadenreichs in dieſem Lande gereichen, um 
„feiner Güte und Wahrheit willen!„ _ EN, 

..$. 10. on den in dem vorftehenden Briefe gemeldeten Spal- 
tungen und Trennungen ‚ Die durch den Prediger Nyberg zu Lancaſter 
angerichtet worden, find die Umftände aus folgender Erzehlung des 
Herrn Paftor MTühlenbergs, die aus der eingefandten Fortſetzung 

‚feiner. Yachricht vom Fahr 1747 genommen ift, am deutlichften und 
umftändlichiten zu. erfehen: „Den 28ſten Sun. 1747, am Abend, 
„fhreibt er, war ich hier zu Vorck zu Safte gebeten bey dem Frie⸗ 
„Derichter , welcher. reformirt und ein befonderer Freund eines zu 
„der Zeit noch Herenhutifchgefinnten Predigers war. Er hate 

„te auch verfchiedene von feinen Anverwandten mit eingeladen, wel⸗ 
„che Vorſteher alhier find, und fi) von dem Heren Nyberg hate 

„ten einnehmen faffen. Ich vermuthete, daß Das Gefprach auch 
„auf den Heren Nyberg und die ee gerichtet werden würde, 
„und ließ deswegen ein paar Vorſteher von der Gemeine mit zugegen 
„feyn, Damit ich Zeugen hätte, und meine Worte nicht verdrehet were 
„den Fönten. Sie fragten mich Denn, nad) einigen andern Geſpraͤ⸗ 
„hen, wie es Doc) Fäme, daß wir mit dem Hrn. Nyberg nicht harmonie 

„ven Eonten? Als nun die Gegenwaͤrtigen und aud) felbft der Friede⸗ 
„tichter eine aufrichtige Antwort verlangten, fo fagte ich, Daß ich den 

„Hansen Verlauf mit dem Herrn Nyberg fo erzehlen wolte, wie ich 
„denfelben aus den in Händen habenden Documenten vor GOTT, 

„der Obrigkeit und der gangen Kirche berveifen Fönte, » * 


$. ı1. „Meine Erzehlung war daher dieſe: Die gegenwaͤrtig 
„erſpaltene Gemeine in Lancafter war vor etlichen Jahren eine groffe 
„und zahlreiche Gemeine. _ Sie wolte einen reinen Lutheriſchen Pre⸗ 
"„diger haben, und ließ derowegen durch einen Schwediſchen Kaufe 
„mann in Phrladelphia an Se. Hochw. den Ersbifchof in Schweden, 
„fuppliciven, und um einen Pehrer nach der heiligen Schrift , der 
„Augfpurgifchen Eonfeffion, und übrigen ſymboliſchen Büchern, an. 
„halten... Die Gemeine legte das Neifegeld zuſammen, fendete fol 
ches voraus, und erwartete mit Geduld Die Ankunft eines Predi⸗ 
Igers. Herr Nyberg hat nach feiner eigenen Auſſage zuerft Die 
Ingenieur ⸗ Kunft lernen wollen, iſt — hernach auf die Gottes⸗ 
98 


70 Dritte Sortf. der Nachr vonden Ev.Bem.in America, 


„gelahrheif gerathen, auf welche er jedoch wenig Zeit wenden koͤn⸗ 
„nen, weil er fpät Dazu gelanget. _ Mac) der Auffage gewiſſer name 
„‚hafter Leute iſt derfelbe, als er feine academiſchen Jahre abſolviret, 
„bey einem gewiſſen Grafen in Schweden Informator gervefen, und 
„endich von feinem Principal an das Eonfiftorium recommandiret 
„worden, da er in —— , daß ein Beruf von Penſyl⸗ 
vanien bey dem Conſiſtorio laͤge. Herr Nyberg hat demnach Dies 
„fen Beruf ſelber durch Fuͤrſprache feines Principalen geſucht, nach⸗ 
„dern er zuvor Durch einen, Namens Gradin, von der Zinzendorfi⸗ 
„hen Berfaffung Nachricht bekommen, und von ihren ‘Plans ein» 
„genommen werden. Weiler nun gewuſt, daß der Hert Graf yon 
„gingendorf feine Sache in Penſylvanien zu etabliren fuche, fo hat ev 
„gemeinet, Durch Den Beruf dahin ing vechte Element zu kommen. 
„Er hat ſich in dem Eramine als einen achten Lutheraner geftellet, und 
zfich Fein Bedencken gemacht, auf die fombolifchen Bücher zu 
„fchwören, ob er gleich die Zingendorfifchen Plans im Hergen ange 
„nommen. » | Ä Ä 
$. 12. „Diefer Herr Nyberg iſt darauf von Schweden nad) Lon⸗ 
„don gereifet. In London hat er zuerfi den Hrn. Spangenberg und die 
„Mährifchen Brüder aufgefucht, und fic) in ihre Gemeinfchaft auf⸗ 
„nehmen laffen. Herr Spangenberg aber, der eben ım Begriff ges 
weſen auch nach) Penſylvanien zu reifen, hat nicht für gut befunden, 
„mit ihm auf eben demfelben Schiffe dahin abzugehen; fondern fie find, 
„ein .ieder allein, auf verfehiedenen Schiffen abgereifet, und als einer 
„dem andern unbekannt in Frhr angelanget, damit Die Pen» 
‚„fplvanier Feinen Argwohn ſchoͤpfen, fondern ihn als einen orthodoren 
„Sutherifehen Prediger empfangen möchten. Dieſes haben beyde 
„den Herrn Conrad Weiſer in Tulpehoken als eine befondere Kluge 
„heit ergehlet , und fich deffen gerühmet. Der Schwedifche Predi⸗ 
„ger, Here MI. LT. war einige Zeit ehering Land gekommen, und hate 
„te mir und dem Herrn Koch etwas von des Herrn Nybergs Anhang 
„lichkeit an die Herrnhuter erzehlet. Als er darauf ſelbſt ins Land 
„Eam, wurde er vondem Heren Koch und mir gefraget, ober den Herrn 
„Graf von Zinzendorf,, feine Lehre und Plans kennete? Er Ieugnete 
„aber alles gänslich, und wolte niemand gekannt haben, als den 
Herrn Sradin in Schteden. » | $ 


$.13: Die 


Von einigen bisher vorgefall. Umſtaͤnden überhaupt, 7x 


3Die Gemeine in Lancaſter empfing ihn als einen Engel 
„GOttes, ‚und nahm ihn zu ihrem Prediger an, doc) mit dem Ber 
„ding, Daß er ſich als einen fülchen, wie fie verfchrieben , bemeifen, 
„und bey der veinen Lutherifchen Lehre bleiben ſoite. O wäre der 
„Mann unparteyifch in Anfehung.der Mährifchen Secte und ein be> 
„eehrter getreuer Haushalter nach der Lutherifcher Lehre geweſen, und 
„hätte mit Treue und Geduld fein angerviefenes Feld gebauet, er wür» 
„de eine groffe Ernte dem HErrn JESU in feine Scheure geſamm⸗ 
„tet haben! Da er aber fi) einmal mit dem Zingendorfifchen Plan 
„eingelaffen hatte, fo war fein Predigen, Catechifiven und fein Um» 
„gang mit den Gemeinsgliedern nichts anders als ein beftändigeg 
„Niederreiſſen der Evangelifch-Lutherifchen Lehre, und ein Aufbauen 
„feiner angenominenen Zinzendorfifchen Plans. Er fpottete über die 
„Dauptlehren vom Gefer, Buſſe, Glauben, Heiligung, Gebet und 
„Kampf ꝛc. Er verflümmelte die heilige Lehre von CHriſto JESU, 
„feiner Perfon, Naturen, Amt und Ständen 2c. und behalf ſich da» 
„ber mit Seugnen, wenn er wegen feiner Gemeinfchaft mit den Herrn» 
„hutern gefraget wurde. Gleichwol führete er einen geheimen Brief» 
„twechfel mit ihnen, befuchte ıhre Derfammlungen und Conferengen, 
„und fchalt Diejenigen auf der Cangel Lügner, welche fagten, daß ee 
„mit Zingendörfern umgegangen. Er fehmeichelte Denenjenigen über 
„die maſſen, welche geneigt wurden, ihre Köpfe unter feihe lang zu 
„beugen. Dabey fiellete er mich, meine Brüder und Vorgefegte, 
„feiner Gemeine , auch zum Theil unfern eigenen Gemeinsgliedern, 
„bey Gelegenheit , als höchfigefährliche Leute vor. Endlich nahm 
„er eine Herenhutifche Schwefter zum Weibe. Und als er nun gedach> 
„te, fein Netz zusugichen, fo wurde Durch heimliche Correfpondeng eine 
„groſſe Conferentz von den Zingendörfern aus Bethlehem in Sancafter 
„veranfaltet. Diefes gefehahe im Adventr745. Er beftellete den haus“ 
„fig heran Fommenden Brüdern Die Quartiere, verfchaffeteden Schluß 
„tel zum Rathhauſe, wohnete der Confereng mit bey, führete feine 
gewonnene Gemeinsglieder hinein, und verlachte die übrigen Yors 
ſteher, welche ihn warneten, und flehentlich baten, ex folte nicht mie 
„indie Confereng gehen. ,,., ER RR 
HAT nun Die noch übrigen gegen ihn proteftirenden 
Vorſt her und Gemeinsglieder fahen, daß er fich öffentlich zur 
Herrnhutiſchen Partey gewendet; fo verfagten fie ihm den nachften 
RE: „Sonn · 


72 Dritte gortſ. der Nachr. vonden Ev. Gem. in America, 


„Sonntag die Kirche, und bemachten felbige. Er kart aber mit feie 
„nen Anhange, nahm die Kirche mit Gewalt ein, und predigte den 
„Seinigen bey verfehloffenen Thüren. Die Proteftirenden fuppli» 
„eirten Darauf zweymal an den Hertn Gouverneur, welcher die Kirche 
„zuzufehlieffen befahl. Er ging aber mit feinen Anhangern zum Herrn 
„Gouverneur , nahm Necommandationen von einigen angefehenen 
„Engfifchen Männern mit, fagte zum Herrn Gouverneur, er waͤre 
„ein ächter, reiner und vom Er&bifchof gefandter Lutheraner, und Fein 
„Mährifcher Bruder, feine Gegner waͤren unruhigeund rebellifche Leu⸗ 
„te. Nun kann die Englifche Obrigkeit zwar Feine Keligions- Fragen 
„entfeheiden, und hat nur für den politifchen Frieden gu forgen. Der 
„Here Gouverneur gab ihm doch aber den Kath, er folte die Streit» 
„fache von andern Teutſchen und Schtwedifchen Predigern in Diefem 
„Kande unterfuchen laffen. Er antwortete, daß niemand feine Sa» 
„che unterfuchen koͤnte, als der Ersbifchof von Schweden, (teil der 
„an teiteften weg war.) Der Herr Gouverneur fahe die Recom⸗ 
„mandation der Englifchen Dinner an, und befahl, man folte ihm. 
„die Kirche teieder auffchlieffen. Als die Proteſtirenden gleichfalls 
„fragten, wie fie fich zu verhalten hatten, fo verwies fie, der Herr 
„Gouverneur zu einem foͤrmlichen Proceß, der aber hier fehr langwie⸗ 
„rig und koſtbar zu ſeyn pfleget. » | ke 

$. 15. „Sere Nyoberg predigte darauf feinen Anhängern ieden 
„Sonntag Vormittags, und Die Pioteftirenden gingen Nachmittags 
„indie Kirche, und lafen eine Predigt aus einem Buche vor. Und fo blieb 
„08 eine Zeitlang. Endlich begehrten letztere auch einmal an einem 
Feſttage Bormittags Gortesdienft zu halten. Da aber ſolches Herr 
„Nenberg und die Seinigen nicht zugeben wolten, und ıhnen antwor⸗ 
„teten , fie müflen mol zufrieden ſeyn, daß fie Nachmittags Kirche 
„halten dürften; fo wurden fie dadurch fehr aufgebracht, ſchloſſen und 
„nagelten die Kirche noch) einmal zu auf allen Seiten, und hielten 
„gern Nyberg ab, als er hinein wolte. Diefes verdroß Die Zin⸗ 
 „jendörfer fo heftig, daß fie acht Männer von den vornehmften der 
Proteſtirenden als gemeine Friedensſtoͤrer bey Der Obrigkeit verklag⸗ 
„ten, und zu dem nachften groffen Gerichtstage citiren lieffen. Mitt, 
erweile muſte die Kirche verfchloffen bleiben bis zur gerichtlichen 
„Senteng. Der Gerichtstag rückte herbey. Die Nybergifche Par 
„ten dachte gewiß, fie molte getwinnen, und Die Kirche an fich beine 
HEN, 


1. Don einigen bisher vorgefall. Umftänden überhaupt. 73 


„gen, die andern aber würden wieder herbey kommen, fich unter ih⸗ 
„ren Plan beugen, und um Wergebung bitten müffen. Wir befa» 
„men von allem Bericht, und wurden unabläffig gebeten, daß mir 
„an dem Serichtstage mit erfcheinen , und den verlaffenen Protefli» 
„renden nach unferm DBermögen benftehen möchten. ch und mein 
„Herr College Brunnholß reifeten hin, predigten den Vroteftirenden 
„weymal am Sonntage zuvor in einem Privathauſe. Als die Streit 
„fache vorfam, ſo ſchwur Herr Nyberg und noch viele andere von 
„feinem Haufen gegen die acht Männer , und wolten mit Gewalt ei» 
„nen Sriedensbruch nach den hiefigen Geſetzen auf dieſe acht Männer 
„bringen. Ehe der Proceß anging, thaten wir alle mögliche Dow 
„ſchlaͤge zum Frieden und Vereinigung beyder Parteyen. Es war 
„aber bey den Zinzendörfern alles umſonſt. Sie nahmen die zwey 
„‚fehärfeften Advocaten, und gaben ihnen Geld genug. Die andere 
„arten hatte einen nicht fo geübten Advocaten. Die gerichtliche’ 
Sententz aber fiel unvermuthet fo aus, daß die acht Männer für un- 
„ſchuldig erfläret wurden. „ 
616. „Nun mar die ganke Sache noch nach wie vor, weil 
„nicht ausgemacht mar, welche Partey die Kirche haben folte, und 
„blieb deromegen Die Kirche noch verfehloffen. Denn die Zinzendörfer 
„molten behaupten, daß fie Die Lutheraner wären; Die andern hinge⸗ 
„gen fagten, fie waren die Lutheraner, und die Obrigkeit Fann nach den 
„Englifchen Geſetzen folche Sachen nicht mohl entfcheiden. Derowe⸗ 
„gen verfuchte Herr Conrad Weiſer und noch ein anderer Nichter 
„nach dem Gerichtstage aufs neue, ob nicht ein gütlicher Vergleich 
„storfchen beyden Parteyen Eönte getroffen werden. Herr Nyberg und 
„feine Partey aber molten nicht nachgeben, daher auch diefe Bemit- 
„hung fruchtlosabging. Er predigte mittlerweile noch auf dem Rath» 
„hauſe. Als aber auch ein Englifcyer Friederichter, der zuvor fein. 
„groffer Freund gemefen, mit ihm gerfiel, und an den Heren Gouver⸗ 
„neur berichtete, Daß Nyberg ein Mährifcher Bruder wäre, fo durf⸗ 
- „te. er nicht mehr auf dem Rathhauſe Pre () Eine Re 
ar 3 er⸗ 


) Hier fehlet noch. ein Umſtand, den Herr Muͤhlenberg und Herr Brunnholtz 
fonft in verfehiedenen Brigfen-berichtet, den aber Herr Muͤhlenberg in der ge: 
genwaͤrtigen Erzehlung, vielleicht als eine den Anweſenden bekannte Sache, zu 
becuͤhren für unnoͤthig erachtet. Daß nemlich, nachdem Herr Nyberg ſich 
9 en 


- 


4 Deitte Sortf.der Nachr. vonden Ev. Gem. in America. 


ya 
% 


„hernach , nemfich im Anfang des Sommers 1746, übermochte mid) 
„die proteftirende Partey, Daß ıch hinauf kommen, und ihnen predigen 
„folte. Ich reifete hinauf, war aber fehr befümmert, alg ich Des Tages 
„vorher hörete, daß ſolches in der Kirche nicht ohne Unruhe abgehen 
wuͤrde. Denn die Zinzendorfer fagten mir ungefcheut, daß einige 
„von ihren Leuten fic) dagegen fegen würden. Ich befchloß daher, 
„um allen ärgerlichen Tumult zu vermeiden, für Diefeemal auf dem 
„Nathhaufe zu predigen, bat auch zu dem Ende den Stadtrichter 
„um Erlaubniß, im Beyſeyn einiger Zingendörfer. Am Sonntage 
„frühe kamen die proteflirenden Vorſteher und Die Gemeine zuſam⸗ 
„men,und als ich ihnen eröffnete, Daß ich gewillet mare, auf Dem Rath⸗ 
„haufe zu predigen , weil.ich einen fündlichen Tumult befürchtete, fo 
„brachten fie ihre Gründe vor, und zeigten, Daß es beffer mare, ger 
genwaͤrtig Das Recht an der Kirche wieder zu behaupten, und darin⸗ 
„nen zu predigen; welches ich nicht ablehnen Fonte, Doc) aber fagte, 
„daß ıch nothwendig folches an den Englifchen Stadtrichter und die 
„Zingendörfer zuvor berichten muͤſte, meilich amporigen Tage um das 
Ralhhaus, im Beyſeyn der Zinzendörfer, angehalten. Solches 


„gefchabe. Ich ſchrieb einen Englifchen Brief an den Richter, und 


„einen Teutſchen an die Zingendörfer , und fandte beyde Briefe eine 
„halbe Stunde vor Eröffnung der Kirche ab. Wir läuteten die lo» 
„Een ordentlich, und gingen in der Stille zur Kirche. Ich predig- 
„te über Luc. 13,679. von dem Dürren Segenbaum ꝛc. Nunmehro 
inftigiete Herr Nyberg feine Anhänger, daß fie eine neue Kirche, und 
„gar auf Dem Zinzendorfifchen Fuß, bauen, und nad) ihrem Plan 
„nerfehreiben muften.„ F 

$. 17. „Was hat nun der arme Mann mit ſolchen Procedu⸗ 
„ven anders ausgerichtet , als daß er den allerheiligften GOTT mit 
„feiner Verſtellung beleidiget, ein groſſes Aergerniß gegeben, der ar⸗ 


„men Gemeine viele vergebliche Unkoften gemacht, und fi) felbft vor 


„aller 


den Schwediſchen Ertzbiſchof berufen, an denfelben aber der Verlauf der Sas 
che unparteyiſch berichtet worden, von dem Dber-Confillorio zu Upſal und 
vom Ertzbiſchof aus Schweden um diefe Zeit cine Antwort eingelaufen, dars 
innen fie den Herrn Nyberg als untuͤchtig zu fernerer Führung des Lehramts 
erflöret, und deffelben Vorgeben, als wären die Maͤhriſchen Bruͤder in 
Schweden fir Achte Lutheraner erkaunt und aufgenommen worden , widerle⸗ 
get und demſelben widerſprochen. IR 


1. Voneinigen bisher vorgefall. Umſtaͤnden überhaupt. 75 


„alter Welt zum Lügner dargeftelfet , weil er ungehlige mal öffentlich 
„und privatim gefagf, ex twäre in Feiner Gemeinſchaft mit den Zin⸗ 
„jendörfern, Fein Mährifcher Bruder, fondern ein ächter Lutheraner. 
„Das arme unwiffende Volck, welches ohnedem gewohnt ift, von 
„eingeln Fällen auf das Gange zu fehlieffen, fagt mit vollem Halfe: 
„Wenn die Prediger, welche Doch gelehrt und erwecklich predigen, 
„ſolche geroiffenlofe Betrüger find, wem foll man denn in der Welt 
„mehr trauen ? Er felber aber behält eine unverſchaͤmte Stirn, und fagt, 
„es fen ihm lieb, Daß der Heiland die Sache fü herrlich hinaus gefüh> 
„tete So müfte es gehen nach des Heilandes Wort Matth- 10, 34 
35. ı Corinth. ıı, 19. Alle Anweſende nun, die Diefe meine Er> 
„ehlung angehöret, Fonten nicht anders, als des Heren Wybergs Ver⸗ 
„halten mißbilligen. ,, \ | 
$. 18. So weit gehet des Hrn. Muͤhlenbergs Erzehlung. So we» 
nig ſich nun die Rutherifchen Prediger in diefen Streit der Sutherifchen 
Gemeine inLancafter mit dem Pfarrer Nyberg einzulaffen. oder weiter 
etwas dabey zu thun fich bewegen laffen, als was fie,auf vielfältig wie⸗ 
derholtes "Bitten der Lutheraner , Eraft ihres Berufs zu thun fich nicht 
weigern koͤnnen, indem fie tweder ihre, der Rutheraner, auch mit un» 
tergelaufene Uebereilungen gebilliget, und fie vielmehr, wie fie fonft ber 
richtet, von allen ThatlichFeiten mit den nachdrücklichften Vorſtellun⸗ 
gen zuruͤckzuhalten gefucht, noch an ihrem Proceß einen eigentlichen 
Antheil genommen; fondern hauptfächlic) dahin gearbeitet, Daß gröf> 
fern Zerrüttungen vorgebeuget ‚ Diejenigen , die von dem fautern IBor> 
te GOttes und der reinen Lehre unferer Kirche abgemichen , wieder ge» 
wonnen, und die Sache in der Güte beygeleget werden möchte: eben fo 
wenig haben fie ſich auch zu Annehmung diefer Gemeine und Verſchaf⸗ 
fung eine8 andern Predigers für Diefelbe gedrungen, fondern hätten 
‚viel lieber gefehen, daß Diefelbe wiederum mit einem techtfcyaffenen 
Prediger aus Schweden wäre verforget worden, oder andere Schwe⸗ 
diſche Prediger ſich derſelben angenommen haͤtten. Weil aber die 
Gemeine nicht nur gefehen, daß ihr Verlangen nach einem ordentlich 
berufenen Prediger aus Schweden nicht anders als mit einem groffen 
Zeitverluft würde erfüllet werden koͤnnen; zumalen die Feutfchen Can» 
didaten in Schweden felbft rarer find, fie, Die Gemeine aber, die aug 
gebornen Zeutfchen befiehet, Die gebornen Schweden, wenn fie sleich 
Die Zeutfche Sprache erlernet, nicht allemal hinlänglich verfichen Eon» ” 
sion, 


76 Deitte Sortfeder Nachr. vonden Ev. Gem. in America, 


nen, auch den Schwedifchen Predigern felbft die Predigten- in ber 
Teutſchen Sprache zu beſchwerlich geworden: fo hat die Gemeine nicht. 
nachgelaſſen, den Herrn Paſt. Mühlenberg und Heren Paſt. Brunn 
holtz inſtaͤndig zu erfuchen, ihr einen von den aus Teutfchland verfchries 
enen Predigern, Deren fie, wie oben gemeldet iſt, zween erwartet, 
zu überlaffen, und big zu deffen Ankunft fiezumeilen zu befuchen, auch 
durch den Heren Helfer Kurs befuchen zu laffen; und die Schwedi⸗ 
ſchen Prediger, welche mit ihnen in Ehriftlicher Harmonie und Einig- 
keit fiehen, haben felbit die Beforgung diefer Gemeine von fich abge» 
Iehnet, und jene gebeten, fich ihrer. anzunehmen. Da fie fih nun 
deffen nicht entbrechen, noch diefe Gemeine in ihrer offenbaren Noth 
verlaffen Fönnen : fo haben fie nicht nur felbft einige mal diefelbe 
befuchet, und das heilige Abendmahl ausgetheilet, fondern der Herr 
Kurtz, der bis dahin bereits eine Zeitlang den Gottesdienſt in der Ge 
meine zu Tulpehofen verfehen, hat auf Butbefinden der Herren Pre» 
diger, nicht ohne manche Beſchwerde, auch dieſer Gemeine zu Lanca⸗ 
fler damit zudienen übernommen , fo Daß er Wechſelsweiſe vierzehen 
Zage zu Zancafter und Die andern viergehen Tage zu Tulpehoken geblie⸗ 
ben, bis der Herr Pastor Handſchuch obgedachter maffen fein Amt bey 
derfelben angetreten , welches er auch, den neueften Nachrichten zu 
Solge, bey derſelben mit vielem Segen bis Daher führet. 
$. 19. Damit man nun aber, obgleich nur Ein Prediger gefandt 
werden Fönnen, gleichwol der Noth noch mehrerer Gemeinen zu 
Hilfe kommen möchte; fo ift für gut befunden worden, Die bie» 
herigen Helfer, Herin Kurtz und Herrn Schaum, zum Predigfe 
amte zu ordiniren, da diefelben in Den ihnen bey den Gemeinen bis⸗ 
her aufgetragenen Berrihtungen alle Treue bewieſen, und darunter 
nicht.nur immer mehrere Erfahrung und Tuͤchtigkeit zum Predigtamte 
erlanget , fondern auch der Gemeinen Liebe und Vertrauen erworben. 
Zu diefem Ende fo wol als zu noch mehrerer Verbindung der sPredie 
ger und der vereinigten Gemeinen unter einander , wie auch gu gemeine 
ſchaftlicher Berathſchlagung und Verabredung der die famtlichen Ser 
meinen betreffenden Umftände, ift den 2£ Aug. 1748 eine Zufammene 
Eunft der Prediger, Aelteften und Vorſieher der mehrgedachten ſaͤmt⸗ 
lichen Gemeinen zu Philadelphia veranftaltet worden. 
. 20.. Die vereinigten Gemeinen find von Anfang nur die drey 
Gemeinen zu Philadelphia, Neuhanover und ——— ge⸗ 
en, 


1,9on einigenbisher vorgefall, Umftänden überhaupt. 77 


weſen, welche ſich gemeinfchaftlich zuerfi an den Herrn Hofprediger 
Ziegenhagen zu London und den Herrn D. und Prof. $randen zu 
Halle gewendet/ und vondenfelben die Ermählung und Berufung eim⸗ 
ger tüchtigen Prediger für fie begehvet. Als der erſte Prediger, Here 
Mühlenberg, in Penfploanien angelanget , hat fich die vierte Gemeine 
gu Bermantown mit Denfelben vereiniget, und nachher find ferner 
Die Gemeinen zu Tulpehoken und Kancafter, nebſt denen zu Rord⸗ 
kiel und Earlingstown, als Filialen diefer beyden letztern, denübrigen 
Gemeinen beygetreten; gleichwie auch zu Den beyden Gemeinen in Pro⸗ 
videns und Neuhanover fich zwo Kleine Gemeinen gu Uppermilpfore 
und Saccum als Siliale geſchlagen. Won diefen famtlichen Gemeinen 
find die von ihnen abgeordneren Aelteften und Vorſteher, nebſt den Predi⸗ 
gern, auf dieſer Verſamlung erſchienen, denen auch der Schwediſche 
Probſt, Herr Sandin, und ein von E. Ehrw. Miniſterio zu Hamburg 
auf Verlangen einer Gemeine in Jerſy berufener und dahin abgefandter 
Prediger, Herr Hartwich, auf gefchehene gegiemende Anvitation, 
in freundfchaftlihen Vertrauen mit beygewohnet. Es mar dieſe 
genauere Vereinigung ſonſt laͤngſt von den Gemeinen gewuͤnſchet und 
verlanget, auch fünf Fahre vorher ein Verſuch durch eine Zufammene 
Funft angefiellet worden, melche aber durch Den von dem Prediger 
Nyberg erregten Wider ſpruch damals unterbrochen worden und frucht⸗ 
los abgelaufen. Bey diefer Zuſammenkunft aber iſt alles in gutem 
Frieden abgegangen, und die ſaͤmtlichen Gemeinen haben ſich mit ein» 
ander verbunden, als Eine Gemeine zuſammen zu halten, auch zu ſol⸗ 

chem Ende jaͤhrlich einmal auf gleiche Weiſe zuſammen zu kommen. 
| $. 21. Die Evangelifche Gemeine zu Tulpehoken hatte nun am 
ſtaͤrckſten Darauf gedrungen, daß fie mit einem ordentlichen Prediger 
verfehen werden möchte, undden Herrn Kurtz, der obgedachter maffen 
ihr bisher mit Predigen und Catechiſiren gedienet, fich Dazu ausgebeten, 
auf deren wiederholtes Verlangen ietzterwehnter Herr Kurs den 14ten 
(asiten) Aug. 1748, nachdem er von den verfamleten Herren Paftoribug 
eraminiret, und wegen feiner Tuͤchtigkeit su Führung des Evangelifchen 
Lehramts hinlanglic) geprüfet worden, Die Gemeine auch eine förmliche 
Vocation, eraber einen Revers, Daß er bey der reinen Lehre unferer 
Evangeliſch/Lutheriſchen Kirche na dem Worte GOttes und unfern 
Glaubensbekenntniſſen beharren Und nicht Davon abweichen wolle, 
ausgeſtellet, in Gegenwart ber um des naeh DEOHNIHEN Le 
| : < | am⸗ 


78 Dritte Fortſ der Nachr. von den Ev.Bem. in America, 


famleten Vorſteher der Gemeinen, und im Beyſeyn des Schwediſchen 
Probſts und Predigers, von den Predigern der vereinigten Gemeinen 
zum Evangeliſchen Lehramt verordnet und ordiniret worden. Von 
welcher Zeit an er das Predigtamt bey der gedachten Gemeine zu Tul⸗ 
pehoken treulich verſehen. | 
22. Es ift, auffer den obgemeldeten, noch eine Gemeine zu 
Norck an den Grentzen Penſylvaniens über den Fluß Susquehana, 
eo Engliſche oder 5 Teutſche Meilen von Lancaſter, melche auch ſchon 
längft bey dem Herrn Mühlenberg und Herrn Brunnholgen Hülfe ge» 
fucht, und in die Gemeinfchaft und Verbindung der übrigen Gemei⸗ 
nen aufgenommen zu werden verlanget. In dem Frühjahr 1748 wur⸗ 
de derfelben der andere Helfer, Herr Schaum, auf eine Zeitlang über» 
laffen; die Entlegenheit des Drts aber und die Kürge der Zeit hatte 
verhindert, daß derfelbe nebſt den Abgeordneten der Gemeine bey der ob» 
gedachten Berfamlung der übrigen Gemeinen ſich nicht hatte gleichfalls 
- einfindenfönnen. Es war aud) für gut befunden worden, Daß dıe Ge⸗ 
meine den Herrn Schaum cerft noch beffer kennen lernen, tınd einige 
Schwierigkeiten bey ihr gehoben werden möchten, ehe feine Ordination 
geſchaͤhe, daher felbigedamals noch aufgefehoben worden. Indeſſen hatte 
er bey Diefer Gemeine alle Treue in dem öffentlichen und befondern Un» 
terrichte bewiefen, und GOtt hatte feine Arbeit nicht ungefegner gelafe 
fen; daher auch die Gemeine eine hergliche Liebe und gutes Vertrauen 
zu ihm gewonnen, und fein weiteres Bedencken geweſen, ıhn auf ders 
felben Bitte gleichfalls zu ordiniven, welches denn m dem folgenden 
1749ſten fahre, bey der im Junio zu Lancafter gehaltenen ondern 
Zufammenfunft der vereinigten Gemeinen, von den Herren Predir 
‚gern nach) vorhergegangenem Eramine geſchehen, und er zu deren 01» 
dentlichem Prediger beſtellet worden fl. _ 
$. 23. Dis find die vornehmften aufferlichen Veränderungen, 
die unter dieſen Gemeinen bisher vorgefallen find , melchen noch end» 
lich) eine Nachricht von den Kirchenbau und den ferner zu deffen 
Behufeingelaufenen milden Wohlthaten beyzufügen iſt. Mit der 
Kirche zu Philadelphia war es fo weit gekommen, daß fie gleichfalls 
den 2sften Aug. 1748, als an dem Tage vor dem gehaltenen Synodo, 
eingereihet werden koͤnnen. Der Grund, morauf die Kirche gebaues 
worden, nebft dem auffern Pau, hatte eintaufend, dreyhundert 
und sehen Pfund, 17 Schilling, 94 d. Penſylvaniſcher ala = Fre 
Ze ® 39 et, 


1. Von einigen bisher vorgefall. Umftänden überhaupt, 79 


Eoftet, mie fehon in der andern Sortfegung pag. 53 gedacht more 
ben. Der innere Bau an angel, Stühlen, Fenftern, und dergleichen, 
hat nad) der im Jahr 749 abgelegten Rechnung zweyhundert, 
febs und neungig Pfund, 16 Schill 11z.d. Penfyloanifher Münr 
ße an Unkoſten erfordert, Daß alſo die famtlichen Koften von diefer Kirche 
fich auf eintaufend, ſechshundert und fieben Pfund, 14 Schill. 
954. Penfyloanifches Geld belaufen, fo ın Teutſcher Münze beynahe 
fünftaufend, neunhundert Reichsthaler(*) beträger. Davonift 
Die Gemeine im April 1749 noch 770 Pfund oder 2823 Rthlr. 8 Gr. 
fehuldig geweſen, die jahrlich mit 46 Pfund, 4 Schill. welche beyna» 
he 370 Rthlr. ausmachen, bis zur Abtragung verintereffiret werden 
muͤſſen. Cs hat aud), weil die Gemeine und Die Menge der Zuhörer 
bey den Predigten immer flärcker geworden, im Sommer 1749 noch 
. eine mafjige Emporkirche gebauet werden follen. Man hat aber noch 
Feine Nachricht, ob folches wircklich gefchehen, oder wie viel diefelbe 
efoftet. Für die obgedachte Summe der Schulden find gehen ange» 
effene Männer, nebft dem Heren Paſtor Mühlenberg und dem Herrn 
Paſtor -Brunnhols, Bürge geworden, und haben fich dafür mit ih» 
sem Vermögen verfchreiben muͤſſen. Bas aber feit dem April 1749 
theils von diefer Schuld durch die aus Teutfchland übermachten Wohl 
thaten abgetragen worden / theils wiederum an Koſten von der zu erbauen. 
den Emporkirche Dazu gekommen, ſolches wird Eünftig mit mehrerm 
gemeldet werden koͤnnen, indem die Nachrichten Davon noch erwartet 
erden. Was die Kirche zu LTeuprovideng betrifft; fo iſt ſchon 
in der andern Sortfegung pag. 53 gemeldet, daß felbige völlig 
‚ausgebauet, aud) eingeweihet worden, und wird vermuthlich. die» 
‚fe Gemeine nicht viel mehr wegen Derfelben ſchuldig feyn, oder viel 
leicht die Schulden ſchon vollig abgetragen haben, wovon auch nod) 
‚Die genaue Wachr:cht mangelt. Zu Neuhanover ift die vorhande⸗ 
ne, aber nicht ausgebauet geweſene Kirche nicht nur in völligen Stand 
geſetzet, fondern auch ein neues Schulhaus erbauet ‚und etwas Acker⸗ 
land zur Kirche und Schule angekaufet, auch ſolches alles von: den 
aus England und Teutſchland überfandten Wohlthaten, fo viel diefe 
Gemeine zu ihrem Antheil davon erhalten, und mit dem, was fie 
‚felbft aus ihren eigenen Mitteln iniaamıngn gelegt, bezahlet ROLL 
2; IE 

() 14 Pfund Penfplvanifcher Currentmuͤntze auf ı Ffund Sterl. und dieſes in 


5Rthlr. gerechnet, thut ı Pfund Penſylv.; Rthlr. 16 Gr, 


80 Dritte Sortf der Nachr. vonden Ev. Gem in America. 


Die Kirche zu Germantown betreffend, fo hat GOTT das Hoch⸗ 
fürftt, Wuͤrtenbergiſche Confiftorium, auf das durch ein Gemeinde 
glied, fo aus dem Wuͤrtenbergiſchen gebürtig , angebrachte unter» 
thänigfte Anfuchen, erwecket, 300 SI. aus dem aerario eccleſiaſtico 
als einen milden Beytrag zu diefer Kirche hochgeneigt zu bewilligen. 
$. 24. Weil nun aus des Heren Paſtor Brunnholtzens an eis 
nen Dberhofprediger im Wuͤrtenbergiſchen desfalls abgelaffenem 
Dancfagungsfchreiben vom 3% Nov. 7748 nicht nur die Nachricht 
don diefer Kırche zu Germantown am Deutlichften zu erfehen, fondern 
auch manche andere Umſtaͤnde darinnen berühret find, und was da⸗ 
von hier ſchon angeführet worden, beftattiget wird; fo wollen wir Dar» 
aus einen Auszug einrücfen: Ew. Hochw. haben nicht nur mei> 
„ner Gemeine zu Germantotwn, auf derfelben bey Ihnen und dem 
MPoochfuͤrſtl. Wuͤrtenbergiſchen Confiftorio unterthänigft eingegebe> 
me Bittſchrift, die vaterliche Liebe erzeiget, eine Handreichung von 
„300 Fl. aus Dero aerario ecclefiaftico zu thun, und an ung über» 
„machen zu laffen, fondern auch fi) die Mühe genommen, folches 
„durch ein. Schreiben an mic) aus Stuttgard de dato den 13ten Mar. 
„ft. n. zu notificiren. Wienun Ewr. Hochw., dem Hochfürfil. 
„Eonfiftorio und allen hohen Goͤnnern, durch deren Vorwort dieſe 
„Bepfleuer ausgewircket worden , eine demüthige und hersinnigfte 
Danckſagung für diefe Wohlthat, im Namen meiner gangen Ge 
„meine in Germantown, ‚ abzuffatten, und den richtigen Empfang der 
„300 Fl. in hiefigem Gelde, welche von London aus durch Wechfel 
Janhero uͤbermacht worden, gehorfamft zu melden höchftens verbun⸗ 
„den bin, mit der Verficherung, Daß die Gemeine Hochdieſelben 
„als ihre theure Wohlthaͤter in ihre öffentliche Fürbitte einzuſchlieſſen 
„nicht ermangeln werden: alfo habe, ich Unwuͤrdiger insbefondere 
„Urfah, Ewr. Hochw. unterthänigen Danck zu ſagen, für die 
„Sreude und Aufmunterung , fo GOtt mir durch Dero eigenhandi» 
„ges troft> und lehrreiches Schreiben gegeben, indem ich gang ge⸗ 
„horfamft verfichern Fann, daß eg mir mie ein Balfam gewefen, in 
„diefem wuͤſten Sande, in bedrängten Umftänden , und unter einer 
„fehmeren Amtslaft, von Ewr. Hochw. einen fo väterlichen Zuruf 
„jmerhaften. Ich habe zwar unterm roten Mäy b. a. meine Schuldig⸗ 
„teit zu beobachten geſucht, und an Diefelben ein Dandfagunge> 
‚sfchreiben wegen diefer Wohlthat ergehen laſſen. Da aber das SEN 


1. Von einigen bishet vorgefall. Umftänden uͤber haupt. gr 


„womit: ich es gefandf, von den Feinden weggenommen worden, fo iſt 
„felbiges nebft vielen andern Briefen und Nachrichten verloren gegan⸗ 
„gen. » Seit dem bin ich faſt den gansen Sommer kraͤncklich und 
„auch fo gar dem Tode nahe gewefen, dahero ich) den Verzug deſſen guͤ⸗ 
tigſt zu entfchuldigen gehorfamft bitte, und wünfche, daß diefe Zei⸗ 
„ten richtig überfommen, und Ewr. Hochw. noch am Leben und 
„bey guter Gefundheit behandiget werden mögen. - Was übrigens 
die Auffern Umftände meiner Kirche und Gemeine in Germantown be 
„trifft, fo ift es an meinem Theil mir viel lieber geweſen, daß ung, ar 
„ftatt einer Glocke, eine Beyhülfe am Gelde gereichet worden. Denn 
„nachdem unfere Kirche vafelbft fo meit fertig geworden, daß wir dar» 
„in im Trockenen haben Gottesdienft halten Eönnen, fo haben wir jur 
„Bezahlung der Bau⸗ Unkoſten ein Capital von goo Rthlen. nach Teut⸗ 
„Achem Gelde aufnehmen, und jaͤhrlich mit 48. Rthlrn. verintereſſt⸗ 
„ren muͤſſen. Da nun die Gemeine beym Anfang des Baues ſich 
„aufferfi angegriffen, und jährlich zur Beſtreitung der Intereſſe und 
„andern nöthigen Ausgaben, auch zu völliger Ausbauung der Kirche, 
„genug zu zahlen hat, Dabey das Capital unabgezahlt bieibet; fo ift 
„es uns eine groffe Erleichterung geroefen, daß wir mit Dero Bey» 
„teuer den vierten Theil des Kapitals haben abtragen, und mithin die 
Intereſſen verringern Fönnen. GOTT, unfer Dater in Chriſto, 
„hat uns das Gröffere nicht verfagt, er wird denn auch Math zum 
Kleinern fchaffen. Er hat bieher machtig, väterlich und wunderbar⸗ 
„lic durchgeholfen, er wirds Denn ferner thun, nach feiner Zufage, 
„ſo mir ihm vertrauen. Syn der Philadelphier- Gemeine, wo ich or⸗ 
„dentlich wohne, find wir bey dem Kirchenbau noch viel tiefer in Schul 
„ven gerathen, da das Bauen Eoftbarer, und der gröfte Theil der Ge 
„eine arm iſt. Doc wird der HENM auch hier helfen, und unfe> 
„re Slaubensbrüder in Europa erwecken, einige Eollecten für ung zu 
„ſamlen; tie mir. denn bereits durch die unermüdete Bemuͤhung des 
„Herrn Hofpredigers Ziegenhagens und Herrn D. Standens 
Bochw. Hochw. manche Beyfteuren erhalten. Wenn einmal die 
Kirchenſchulden abgetragen ‚und wir von den ſchweren Intereſſen be> 
„freyet feyn werden, fo, hoffe ich, werden unfere Gemeinen ſchon im 
„Stande fern, ihre Lehrer, fo lange fie mit der Nothdurft für lieb 
„nehmen, ausihrer Wahrung zu unterhalten. inter manchen Trübfalen 
xon auſſen und innen hat uns GOtt dis =” erfreuet durch die Ankunft 
— 3 „eines 


8 Dritte Fortſ. der Nachr. vonden Ev. Bem. in America. 


„eines neuen Koflegen, des Herrn Handſchuchs, welcher nun in der 
„Stadt Kancafter mit Segen arbeitet, und die Dafige, Durch den Ueber⸗ 
„tritt des von Schweden gefandt geweſenen Lehrers, Nyberg, zu den 
Herrnhutern, zerruͤttete Gemeine in Ordnung zu bringen ſucht. Auch 
„haben wir das Vergnügen gehabt, daß wir am zehenten Sonntage 
„nach Zrinitatis in dieſem Fahr die Hiefige Bhiladeiphifche Lutherifche 
„Kirche, wozu der Grundfiein 1743 gelegt worden, im Namen GOt ⸗ 
„tes fenerlicy einweihen können, toobey das hiefige Schweifch - Lu⸗ 
„therifche Minifterium und deſſen Here Probſt, nebft verfchiedenen 
„andern ordentlid) berufenen Predigern, zugegen waren. Dagegen find 
„‚twit herglich betrubt worden, da GOtt Furg hernach den Schwedifchen 
„nern Probſt Sandin, der erft im Frühjahr vom Ergbifchof in 
„Upfala war gefandt worden, und nicht lange darnach den aͤlteſten 
„Schmebifchen Prediger, Herrn Tranberg, aus diefer Welt gefor> 
„dert, als mit denen wir in Amtsbrüderlicher Einigkeit geſtanden. 
„zu-gleicher Zeit hatte ein von der Schweiß hereingefandter reformir» 
„ter Prediger, Hochreutiner, das Schickjal, Durch unvorfichtige 
„Ausladung feiner. Flinte auf der Stelle todtgefchoffen zu werden. 
„2Vas die innern Umftände unferer Gemeinen betrifft , fo ift es frey⸗ 
„lich an dem, daß der gröfte Haufe unter Alten und Zungen noch im 
„irdiſchen Sinn und in groffer Unmiffenheit ſtecket, und eine wahre 
„Befehrung nöthighat. Doch mercket man an vielen nicht eine ge 
„ringe Begierde, aus dem Worte GOttes unterrichtet zu werden, 
„und bey den meiſten eine Ehrfurcht und andachtige Stille beym öffente 
„lichen Öottesdienft, und viele begeigen eine zarte Liebe und ein hertzli⸗ 
sches Vertrauen zu ung, als ihren Lehrern. Es giebt zwar wenige, 
„doch einige in meinen beyden Gemeinen, von denen id) gegründefe _ 
„Hoffnung habe, daß fie aus dem geiftlichen Schlafe der Sünden er» 
wecket worden, und unter dem Zug des Waters zum Sohne flehen, 
„die auch einen Ernſt betveifen , ihre Seelen zu erretten, welche weiter 
„gu führen, und auf der gefunden Weide des Worts zu erhalten, viele 
Wachſamkeit, Kampf, Anfechtung und göttliche Weisheit erfor» 
„dert wird. Don den Herenhutern haben wir wenigen Anſtoß mehr. 
„Sie merden auch hier offenbar. Einer nad) Dem andern gehet wie ⸗ 
„der-von ihnen ab. hr Hauprfik und Retirade ift in Bethlehem, 
„etwa fehzig Meilen von Philadelphia. Mein wertheſter Herr &of 
lega, Here Mühlenberg, der der aͤlteſte unter uns iſt, wohnet fünf 8 
F zwantzig 


1. Doneinigen bisher vorgefall. Umftänden überhaupt. 83 


wantzig Meilen von hier in Provideng, und mir Lehrer fiehen durch 
„8 HERMN Gnade in brüderlicher Dereinigung und Liebe Einer 
„für alfe, und alle für Einen. : Desgleichen find unfere Gemeinen, ob 
„fie fehon weit aus einander liegen, als eine eingige Gemeine zufammen 
„verbunden; mit deren Aelteften wir vereinigte Prediger jährlich eine 
„zufammenfunft halter, Wir alle empfehlen ung in die Fürbitte 
- „unferer theuren Väter und Gönner in Teutſchland, und wuͤnſchen 
„von Hersen, daf GOTT Ew. Hochw. ingbefondere noch lan» 
„ge zum Beſten feiner Kirche erhalten und Eräftiglich fhärcken wolke. ,, 
-$. 25. Und fo iff denn die Güte und vaterliche Fürforge des 
freuen GOttes berslich zu loben , der feine Knechte, bey dem gemiß 
wichtigen Unternehmen des Kirchenbaues, da fie auf Feine Landes⸗ 
colleeten oder fonft einige gemiffe Einkünfte Rechnung machen fönnen, 
fondern alles auf den gnadigen Beyſtand GOttes im Glauben wagen 
müffen, in folchem Glauben auch big hierhin nicht zu fehanden twerden 
laffen. Denn obgleich die noch. übrigen Schulden von der Kirche zu 
Philadelphia annoch als eine groffe Laſt Die Hergen der Prediger und 
der Zuhörer drücket: fo ift Doch das ein genugfamer Beweis der Treue 
GOttes, daß er fie Darunter noch nicht verlaffen, ja Daß er auch ſchon 
bereits bis über die Hälfte die Koften aus feiner. milden Hand gnädig 
Dargereichet, und dadurch ihren Glauben geftärcfet, Daß er auch dag 
übrige gewißlich Durch feinen Segen mittheilen, und noch manche Ehrift- 
liche Hergen erwecken werde, einen milden Beytrag zu völliger Bezah⸗ 
lung diefee Schulden zu thun, und dadurch) auch zugleich den geiftlichen 
Segen m diefen Gemeinen zu befördern, ala welcher ohne die aͤuſſerli⸗ 
chen guten Anftalten in Kirchen und Schulen nicht zu erhalten if, 
Sind gleich die Schulden, womit die Gemeine zu Philadelphia me 
gen Des Kirchenbaues annoch verhaftet iſt, groß: fo ıft auch der Herr 
reich, der diefes und noch ein mehrereg, wenn eg fein Wille ift, durch 
feinen Segen zuflieffen laffen, und diefen Mangel reichlich erfeßen und 
erfüllen Fann. | | / | 
$: 26. Zum Preis: feiner väterlichen Fürforge iſt denn hier 
auch noch des leiblichen, Segens zu gedenden, der aus derfelben 
durch die Hände mehrerer wertheften IBohlthäter den vereinigten Ge⸗ 
meinen in Penſylvanien in den legten Sgahren zugemendet, und wovon 
das meifte zu Bezahlung der Kirchenfchulden zu Philadelphia angele- 
get worden. Im Junio 1745 wurden 200 Rihlr. durch er hohe 
un tan» 


34 Dritte Sortfi der Nachr. von den Ev. Gem: in America. 


Standesperfon übermacht, welche weiland Frau Raͤthin Majorin 
zu Bremen in ihrem Teſtament zu Befoͤrderung guter Anſtalten aus⸗ 
geſetzet, wovon die Halfte für die Penſylvaniſchen Gemeinen ange ⸗ 
wandt worden. (*) Eine Hochfuͤrſtl. Standesperſon im Braunſchweigi⸗ 
ſchen uͤbermachte im Anfang des 1746ſten Jahrs zo Rthlr. Eine Hoch» 
freyherrliche Standesperfon verehrete 5 Ducaten, und überfandte bald 
darauf zo Rthlr. fo Dero mohljelige Frau Mutter in Dero letztem 
Pillen der Gemeine zu Philadelphia liebreichſt vermacht. Eine 
werthe Gönnerin im Anhaltifchen hatte dem Herin Paſt. Handſchuch 
20 Rthlr. wozu eine andere ungenannte Wohlthäterin die Halfte beyger 
tragen, und bald hernach nochmals 5 Rthlr. zugefandt z mie denn aud) ein 
ungenannter Freund hierfelbft eben demſelben 100 Rthlr. einhandigen 
faffen. In der Dftermeffe 1748 wurden 100 Rthlr., welche Here 
Johann Friederich Berner, weiland Canonicus und Subfenior des 
Stifts St. Bonifacii in Hameln , mit welchen man von Halle aus 
niemals einige Bekanntfchaft gehabt, in feinem Zeftament zum Kira 
chenbau zu Vhiladelphia liebreich gewidmet, nebft andern Legatis zu 
andern guten Anftalten, gütigft ausgszahlet. Ein Ehriflliher Schub 
mann in Weſtphalen hat im Febr. 1746, im Matt. 1747, im Febr. 
1748, und im Febr, 1749 iedegmal ıı Rthlr. uͤbermacht. Anderer 
fiebreichen IBohlthaten, deren man fich ohne Unterfcheid mit herslichen 
Danckbarkeit erinnert, und ſie nur um der Kürse willen hier nicht 
anführen kann, zu geſchweigen, iſt alhier abfonderlich noch die Hoch⸗ 
fürftliche Gnade Ihro des Heren Landgrafen von Yeffen-Darma 
ſtadt Durchl. mit der dancknehmigſten Erkentlichkeit zu ruͤhmen, 
welche, auf tiederhoftes unterthanigftes Anfuchen der Penſylvaniſchen 
Gemeinen, m Betrachtung, daß manche Dero geborne Landesfinder un» 
ter denfelben befindlich, zu Erbauung der Kirchen in Penfyloanien eine 
Collecte in Dero Fürftenthum und Landen gnaͤdigſt zu verwilligen gerur 
het, welche in allem 579 Gulden, ro Alb.5 Pf. betragen. Der HErr ſey 
fuͤr dieſen milden Segen demuͤthig geprieſen, und vergelte dem Durch⸗ 
jauchtigſten Regenten dieſes Landes Dero gnaͤdigſte Fuͤrſorge, wie 
auch allen, welche ſo wol die Verwilligung dieſer Collecte guͤtig befoͤr⸗ 
dert, als bey derſelben ihre thaͤtige Liebe durch einen Beytrag erwie⸗ 
r il : = en, 
¶) Der andern Hälfte, welche dev Miſſion zugefloſſen, iſt gedacht in der Bey⸗ 
—5 1 x — ee Contis, des Miſſ. Berichts $. AV. 
pP: (99; — 


I. Von einigen bisher vorgefall. Umſtaͤnden überhaupt. 85 


fen, ihre Seneigtheit und Wohlthaten mit überfehwänglihem Se 
gen, und laffe niemals in dieſen Landen einigen Mangel an reicher und 
treuer Verkuͤndigung feines Worts entſtehen, fondern auch um Diefer 
Wohlthat willen feinen geiftlichen und leiblichen Segen über daſſelbe 
groß werden, welchen fo wol dem gangen Lande, als deffen gnaͤdig - 
ftem Landesvater, die Gemeinenin ihren öffentlichen Werfamlungen und 
beſonders zu erbitten nicht ermangeln werden ‚ nachdem ihnen Die 
Summe diefer Collecte bereits richtig uberfandt , und von ihnen wirck ⸗ 
lid) in Empfang genommen worden, in deren Namen dafür hiemit 
unterthanigfter und hertzlichſter Danck abgeftattet wird. Wie man denn 
auch allen uͤbrigen hohen und wertheſten Wohlthaͤtern fuͤr alle ſo wol 
hier angemerckte als nicht beruͤhrte milde Gaben die ergebenſte und 
aufrichtigſte Danckerkenntlichkeit verſichert, und die reiche Gnaden ⸗ 
Vergeltung von dem, der keinen kalten Trunck Waſſers unbelohnet 
zu laſſen verheiſſen hat, hertzlich anwuͤnſchet. Sein, des gnaͤdigen 
GOttes, Name und feine vaͤterliche Fürforge ſey fo wol für allen zu⸗ 
gewandten leiblichen Segen und erzeigten Beyftand, als auch vore 
nehmlich für alten gefchenckten geilichen Segen und gezeigte Frucht 
feines Wortes, demüthig gelobet und gepriefen! — 


1. Auszug aus des Herrn Paftor Hand. 
ſchuchs Tageregifter, fo er auf der Reife von 
England nad) Penſylvanien gefuͤhret. 


een 25flen Lept. 1747 bin ich an Bord des Schiffes Bur ⸗ Sept: 
lington gefahren, welches fogleich von Gravefand unter Se» 
7 gel ging, und in den Dünen bey Deal andferte; almo den 

ıften O2. unfere Convoie und die übrigen Schiffe, an der Zahl fieben, O4. 
gehen, zu ung flieffen; worauf wir den 6ten OA. zu Spitehead anfa- 
men. Den ı4ten O&s wurde unfer Eapitain fehlüffig, nahe an der‘ 
Inſel Whigt Anker zu werfen. Denn unfer Schiff hatte feit vie» 
len Tagen ber fehr ſtarck Waſſer gezogen, und dag eigentliche Loch 
hatte, aller im Hafen angewandten Mühe ungeachtet, nicht Eünnen 
ausfündig gemacht werden. Daher daſſelbe bey der Ebbe aufs neue 
um und un befichtiget, und eg Fleiß zugeftopft * 
J en 


— 


©-a. 


86 Dritte Fortſ. der Nachr. vonden Ev. Gem. in America. 


den ſolten. Diefen Abend haben einige unferer Leute am Ufer Diefer 
fhönen Inſul artige Krebfe gefangen, Die lebendig ans Licht oder die: 
Sonne gehalten, faſt gans durchſichtig find, und fehr wohl ſchme⸗ 
Een, imgleichen.eine befondere Art Schnecken von gutem Geſchmack, 
und einen recht wunderbaren Fiſch, einer Spannen lang, mit einem 
dicken und, fehr breiten Kopf, auch zweyen ftarcken und einen halben Zoll 
langen Hörnernverfehen, von dunckelbrauner Farbe. Den ısten Oct. 
gingen wir um neun Uhr des Morgens wieder unter Segel; allein um 
eilf Uhr muften wir wegen des contraiv gewordenen Windes wieder 
andern. Den ısten OE. ſegelten wir weiter fort, Eonten aber mer: 
gen des ſchwachen Windes nicht. cher als den 22ften OF. den Hafen 
Pileymouth erreichen. Den 24ften OF. fing unfer Eapitain an 
das Schiff ausladen zu laffen, damit es deſto beffer befichtiger. wer⸗ 
den Fönfe, da weder im Hafen zu Portsmouth ‚ noch an der Inſel 
Whigt dag Loch gefunden werden können, dag bishero fo viel Waſſer 
gezogen. — en | — 

Den sten Now, fieß ich mich mit einem vorbeygehenden Boote um. 
Mittagszeit ang Land fegen. Der Bootsmann ließ ſich mit mir in: 
ein Sefpräch ein, und bat mich inftändigft, ihn in feinem Haufe in 


- einem benachbarten Dörflein am Hafen zu befuchen, und wenn es aud) 


nur auf eine halbe Stunde ware. Auf den Abend traff.ich ihn bey 
meiner Zuruͤckkunft aufs Schiff in unferer Cabine an, und hörete, daß 
er ein Schufter fen. Wir redeten vieles zu unferer gemeinfchaftlichen 
Erbauung mit einander, und lieſſen Die Unruhe in der Cabine ung nicht 
hindern, vielweniger fehämeten wir uns, CHriſtum und feine ung ges 
fchenefte Gnade vor allen gegentärtigen Leuten zu bekennen. Beym 
Abfchiede bat er mich wieder fehr hertzlich, ihn doch ja zu befuchen, weil 
noch mehrere in feiner Wachbarfchaft wohneten, die mich zu fprechen 
wuͤnſcheten. Den ten Now, ließ mic) der Capitain eines Stettini⸗ 


ſchen Schiffes an Bord holen. Unterwegs blieb das Boot bey ei⸗ 


nem Holländifchen Schiffe ftehen, deſſen Eapitain mich fehr freundlich 
nöthigte, ein wenig an Bord feines Schiffs zu kommen, welches ich 
nicht abfchlagen durfte. Ueber die Koftbarkeit und ungemeine Reine 
lichkeit dieſes Schiffs konte man fich nicht genug vermundern. Darauf - 
fuhr er mit mir an Bord des Stettiners, mo fich noch) ein anderer 


 Eapitain aus Dangig befand, Weber Zifche fuchte ic) fie nach der 


Snade, Die GOtt ſchenckte, zu erbauen, und war mir gang — 
F nehm, 


II. en. p · Zandſchuchs Diar. von Engl. nach Penſylvan. 87 


nehm, mit Teutſchen einmal Teutſch reden zu koͤnnen. Nachmittags Noc 
fuhren wir zuſammen in die Stadt. Abends gegen acht Uhr ging ich 
mit unſerm Herrn Capitain, der noch Briefe zu ſchreiben gehabt, bey 
einer Laterne wieder zurück. Als mir ung auf einem Boot an unfee 
Schiff fahren laffen wolten, und mitten im Waſſer kaum noch einen 
Buͤchſenſchuß von unferm Schiff waren, gab der eine Bootsknecht vor, 
er gehöre zu einem Kriegsfchiffe, und muͤſſe zuerſt an daffelbe fahren, 
welches aber fehr weit entfernet war. Weil es nun auch fehr ſtarck 
regnete, und twegen des heftigen Windes das Waſſer in ungeröhnlie 
cher Bewegung war; fo wolte folches der Eapitain fchlechterdings nicht 
eingehen, undergriff felbft Das Muder. Unter heftigem Widerſtande 
des Matrofen erreichten wir endlich ein nahe an unferm Schiff gelege⸗ 
nes von den Fransofen eroberfes Schiff, tVelches der Eapitain gemiee 
thet, um unfere Ladung hinein zu bringen, damit Die Ausbefferung Dee 
fto füglicher gefchehen koͤnte; und ich mufte, auf des Capitains öftern. 
Zuruf, durch einen Sprung in das groffe Boot diefes Schiffs mich 
in Sicherheit feßen , obgleich beyde Boote nicht recht zuſammen ftoffen 
Eonten. Weil daffelbe aber, aus Mangel einiges Gebrauchs, gank 
voll Waſſer war; fo fiel ich gleich bis über die Knie hinein, und muſte 
‚fo lange ım Waffer fiehen bleiben, bis mich unfere Leute aus dem 
— 5 ‚und an unſer Schiff trugen. Den gten Nou. kamen 
Bormittags der Stettiner, Dansiger und Hollander an Bord un 
fers Schiffs, mich zubefuchen und abzuholen. Ich erzehleteihnen, womit 
ich mich eben aus GOttes Wort erbauet hätte, zeigte ihnen meine Bo» 
cation, und gab ihnen die noch habende erſte Nachricht von unfern. 
Gemeinen in Penfylvsnien. Siebrachtenmich nach gehaltenem lan⸗ 
‚gen Sefpräch an des Dantzigers Bord, wo mir mit einander zu Mit 
tage fpeifeten. Der Hamburger war in der Schrift und im Ehriften» 
thum nicht unerfahren, Daher fehlete e8 keinen Augenblick unfers Bey⸗ 
ſammenſeyns anerbaulichen Gefprachen, welche vornehmlich die Recht⸗ 
fertigung eines armen Suͤnders vor GOTT, die eigentliche Art gu> 
‚ter Wercke, und dergleichen Materien, betraffen. Als ich gegen 
‚Abend am Bord unfers Schiffs zuruͤck Fam , empfing mich unfer 
Koch, ein fehon befagter Mann, aufferordentlich freundlich, und fing 
ſogleich ein langes Gefprach twegen feines Seelenzuftandes mie mir an. 
Er gab vor, daß er fein geiftliches Elend erkenne und fühle, und einen 
WMißfallen an feiner Cameraden Leben = Sch wuͤnſchte ihm ur 
au 2 Affe» 


‚88 Dritte Sortfder Nachr. vonden Ev. Gem. in America. 


Nou. 


Pe 


fehaffenen Ernft, fich von gantzem Hersen zu befehren. Den: rıten 
‚Now. fpeifete ich wieder inder Stadt, und zwar in Gefellfchaft vieler Fran- 
göfifchen Gefangenen von den ſechs letzten eroberten Kriegsfchiffen, 


mit denen ich nach Gelegenheit vieles redete. Sie waren allefamt un 
gemein höflich. Einer aber fehien ein gank befonderes Vertrauen zu 


mir zu haben, und mochte wol ein heimlicher Proteftante feyn.  Diefen 
Abend mufte ich faftüber zmo Stunden im Paffage-Haufeam Eat water 
warten, weil Das Boot des ſtarcken Windes und IBaffers wegen nicht 
fortkonte. Indeſſen Fam der Birth mit einem andern Mann in ein 
geiftlihes Gefprach. Diefer mir unbekannte Menfch redete von geift- 
lichen Sachen recht fein und beweglich , Der Hauswirth aber wider» 
fprach ihm ſtets, und meinete, von Wiedergeburt, von EHrifto, 
som Glauben 2c: müffe man nur den Juden, Heyden und Tuͤrcken fa 
gen, nicht aber den Ehriften, bey welchen diefes alles ſchon voraus 


geſetzt werden müffe. Ich Eonte ohnmöglich laͤnger ſchweigen, be 
ſtrafte ihn daher kuͤrtzlich, und zeigte ihm aus GOttes Wort den 


Weg zum ervigen Leben, fo gut ic) mich nur immer im Englifchen aus» 
zudrucken fahig war. - Der Fremde bekam eine ungemeine Liebe zu 


mir, und im Boote esgehlete er mir, wie er mare erwecket und befeh> 


vet worden. Wach der:Zeit habe ich ihn in Pleymouth noch einige 


‚mal gefprochen, und unter waͤhrendem Gefprach viele Bewegungen 


feines Herseng verſpuͤret, die er nicht unterdrücken oder verbergen 
Tonte, ob wir wol auf der-Strafle bey vielen ab» und zugehenden Leu» 
ten mit einander redeten. Den ı2ten Nou, war ich des Vormittags 
in einer. der Englifchen Kirchen, und Wachmittags zum erften mal in 
der hiefigen Frangofifch » reformirten Kirche, Der Frantzoͤſiſche 
Prediger, Herr Bordier, erbauete mich ungemein, indem er von 
der Kindſchaft GOttes fo erbaulic) als gründlich predigte, fo daß ich 
voller Berwunderung und Freude dus der Kirche ging. Den ten 
Nou. wolte ich nad) Tiſche ein menig um die Stadt herum gehen. Als 
ich an die Eitadelle Fam, holte mic) iebtgedachter Frantzoͤſi⸗ 


ſcher Prediger ein, begrüffete mich ſehr freundlich, und nöthigte 


mid) in fein Haus zu tommen. Geſtern Nachmittag hatte er mich, 


wie er fagte, in-der Kirche genau beobachtet , und mich für einen Hol» 


ländifchen Prediger eines der hier liegenden Hollaͤndiſchen Kriegsſchiffe 


gehalten. In Hoffnung eines erbaulichen Gefprächs ſchlug ic) es nicht 


ab, mit ihm in fein Haus gu gehen, wo er mir viele Höflichkeit er⸗ 


wies, 


II. Zen. P. Handſchuchs Diar. von Engl nach Penſylvan. 89 


wies, und mich noͤthigte, mit ihm des Mittags zu ſpeiſen, ſo oft ich nur Nou. 
wolte. Unſere dismaligen Geſpraͤche betraffen meine Perſon, Vaterland 
und Beruf, und den Unterſcheid der Lehren unſerer und ihrer Kirche. 
Den ızten Nou. Fam der oben unterm 6ten dieſes gedachte Schuſter, 
und holte mic) mit feinem Boote in fein Haus ab. Die ganse Tiſchge⸗ 
feltfchaft beftund aus acht.redlichen Perfonen. Ich füchte, fo gut ich 
nur im Engliſchen Fonte, fiezu erbauen, fie aber erbaueten mich mit ihr 
rer herglichen Einfalt weit mehr. Unſer Beyſammenſeyn wurde mit 
einigen erbaulichen Engliſchen Liedern und einem beweglichen von dem 
Schuſter verrichteten Gebet befchloffen. Den ısten Now ging ich 
unm Mittagszeit in die Stadt zu dem Fransöfifchen Prediger, weil 
ich ihm ‚verfprechen müffen , bey. ihm zu fpeifen. Er war fehr liebreich, 
und trug mir gar an, ob ich nicht in feiner Kitche predigen molte , ſo 
ich aber ablehnete. Den-ısten Nox. Vormittags war ich in der groß 
fen Englifchen Hochkirche, mo das Andencken der entdeckten groffen 
Conſpiration feyerlich begangen wurde. Die Predigt wurde gang 


auf diefen Umſtand gerichtet, und viele hiftorifche Umftände damali⸗ 


.. ger Zeit Darinnen weitlaͤuftig erzehlet, das Volck zum Lobe GOttes 
„zu ertvechen. Darauf fahe ic) den gangen Magiftvat in feinem Ornat, 
nebſt den Predigern der Hochkirche, mit vorausgehenden. Conftablen 
paar und paar mit der fliegenden Stadtfahne, unter einer ſchoͤnen Mu⸗ 
fie inder Stadt herumziehen. Diefen Mittag wurde ich genöthiget, 
bey einem, Namens Herr Kinsmann, zu fpeifen. Er, feine Frau 
und fein ganges Haus fürchten Gott einfaltig. Nachmittags mu> 
ſte ih mit ihm zu einem gemwefenen ſtarcken Negotianten, Namens 
‚Herr Mignan, gehen, fo mich fehr freundlicy empfing, und mich 
“ nicht wenig erbauete. Denn fein Herb mar fat ſtets voll des zärtlich» 
ſten und beweglichſten Lobes und Danckes GOttes. Unfern Umgang 
muſte ich mit einem Gebet in Srangöfifcher Sprache beſchlieſſen, denn im 
Engliſchen getrauete ic) mir es noch nicht ohne Zerftreuung zu thun. 
Den ı7ten Non. war ich bey dem Heren Mignan nicht ohne meiner, 
und, tie ich hoffe, der gansen Tifchgefellfehaft Erbauung zur Mit 
tagsmahlgeit. Seine Niece, eine Frau von ungemeiner Erfentniß 
“und feltenen Gaben, tar infonderheit über unfere Gefpräche fehr be- 
weget, und mweinete beym Abſchiede. Darauf ging ich ans Poſt⸗ 
haus, und hernach in Die Kirche , wohin mich der Herr Mignan zum 
Gebet und Anhörung einiger Capitel — Bibel — a 


Nou. 


:90 Dritte Fortſ. der Nachr. von den Ev. Gem. in America, 


rad) der Kirche ging ich auf fein Begehren mit ihm ein menigfpaßiren, 
Sein Herk und Mund waren voll Lobes GOttes beydes über das 


Werck dev Schöpfung und Erlöfung des menfchlichen Gefchlechts. 
. Den ıgten Now. fehlen der Wind gut zu werden, Darum wir alle auf 


Ordre des Capitains fertig feyn muften, den folgenden Tag, obwol 
ohne Convoie, unter Segel gehen zu koͤnnen. Ich ging bald in die 
Stadt, von meinen lieben Freunden, Herrn Mignan , Heren Kind 
mann und dem Fransofifchen Prediger, Heren Bordier, Abfchied zu 
nehmen. Ein ieder wolte mich gerne zu Tiſche behalten, aus guten 
Urfachen aber verfprach ich mich bey dem leßtern. Unfere Geſpraͤche uͤber 
Zifche handelten vom Reiche GOttes in Teutfchland, Oft- und Weſt⸗ 
Indien. Nach Tifche mufte ich mit ihm gu einem vier und achtzig jaͤh ⸗ 
rigen See-Dfficier gehen ‚ der ung durch feinen Enckel, ebenfalls ci» 
nen Englifchen See⸗Officier, abholen ließ. Er ersehlete ung feine 
ausgeftandene viefe Diühe und Gefahr in fo manchem Seegefechte, 
gab mir. einen Brief an feine Niece in Philadelphia mit, und bat mid), 
fie felber zu befuchen. Beym Abfchied wünfchete ich diefem alten 
Manne viele göttliche Gnade; feine noch übrige Lebenggeit zur Ewig⸗ 


keit ja vecht auszukaufen > welches er auch zu thun verfprach. Her⸗ 
nach gingen Here Bordier und ich zur Stadt hinaus auf einen Berg, 


den in dem legten Seegefechte zwiſchen einer Englifchen und Fransöfie 


ſchen Flotte bey Capo Finis Terra tödtlich verroundeten, und im Hafen 


bey des Kings Dook auf feinem Schiffe geftorbenen Eapitain, Saw 
mare, von da auf dem Sunde nach der Stadt bringen zu fehen. Er 
wurde von mehr denn fechsehen Booten begleitet, in deren einem der 
Admiral felber war, in den übrigen aber Seecapitaing und andere 
Dfficiers. In der Stadt war der gantze Leichenconduck recht fuͤrſt⸗ 
lich , und fo lange e8 daurete, nemlich von der Minute an, da er vom 
Bord feines Schiffes in ein Boot gehoben worden, bis er in die 
Gruft gefencfet war, eine Zeit bey nahe drey Stunden, wurde jede 


Minute eine Canone von allen daherum liegenden Kriegsfchiffen und 


zulegt von der Eitadelle gelöfet. Wegen feines tapfern Verhaltens 
hatihn der König fo prächtig begraben Iaffen. Der gange Kath in feinem 


Ornate, alle hier liegende See-Dfficiers , Die ganse Priefterfchaft der 


Englifehen Kirche aus der Stadt und Nachbarſchaft, undendlich vers 
ſchiedene Eompagnien Seefoldaten machten Diefen ſchoͤnen und ordentli» 


chen Eondust aus. Mir war eines und Das andere erbaulich. Ich 


gedach⸗ 


I. Zn P. Zandſchuchs Diar. von Engl. nach Penſylvan. sr 


gedachte unter andern: Laͤſſet ein irdifcher König feinen Leuten wegen Now. 
ihres Wohlverhaltens fo ausnehmende Ehre anthun, was wird der 
allerhöchfte König denen nicht aus unendlicher Gnade thun, die ihm 
treulich und redlich, unter Verleugnung ihres eigenen Willens und 
aller Vortheile Diefes Lebens, dienen, und wider alle feine und ihre 
Feinde fo tapfer ſtreiten, als fie Durch feinen göttlichen Beyſtand nur 
vermögen? Den ıgten Now. wurde uns der Wind wieder gank con» 
trair. Vormittags ging ich in eine Englifche und Nachmittags in 
die Frantzoͤſiſche Kirche, anderen Thüre ich den Heren Mignan antraff, 
der fich fehr freuete, mich wieder zu fehen. Im Hineingehen in die, 
Kirche erzehlete er mir mit vergnügten Minen, wie Herr Bordier heu⸗ 
te öffentlich für mich und für den gefegneten Fortgang meines Be 
rufs gebetet habe; welches ich auch dieſen Nachmittag felber, doch mit ' 
folchen Worten hörete, womit er mich und meinen Beruf nur bes 
ſchrieb. Nach der Kirche mufteich mit dem Herten Mignan in fein Haus 
gehen. Den 23ften Nox. mufte ich mich in aller Eil um zwoͤlf Uhr an 
Bord begeben, worauf wir fogleih aus dem Hafen abfegelten. Dies 
fen Abend fing ich an die Seekranckheit zu fühlen. Ehe es noch voͤl⸗ 
fig Abend ward, flieffen wir zur fchonen Oftindianifcher Flotte unter 
dem Admiral Boscomen, in deren Gefellfchaft wir drey bis vierhun⸗ 
dert Meilen fortzufegeln gedenken. Wind und Wetter waren ung: 
bis. zum 26ffen Now. Abends günftig genug, und meine Seekranckheit 
war Diefe gange Zeit über erträglich. Aber noch diefen Abend 
entflund ein entfeglicd) ſtͤrmiſches Wetter und ſtarcker Regen, der Wind 
wurde immer heftiger und uns gantz contrair. Von dieſer Nacht an 
habe ich die Seekranckheit ſehr ſtarck gehabt. Den 27ſten Now. 
fruͤhe war die Oſtindiſche Flotte gantz von einander zerſtreuet, und 
des Abends ſahen wir nicht ein einiges Schiff mehr. Den 2gften 
und 29ſten Nox. muften wir ung dem Binde und Wellen gänglich 
überlaffen. Den zoften Now. Fonten die Leute die heftige Arbeit nicht 
längerausitehen, und wir waren in beftändiger Gefahr, von den Wel⸗ 
len endlich verfehlungen zu werden. : Daher entfchloß ſich der Capitain 
wieder zurück zu Eehren. Abends traffen wir ein groſſes Englifches 
Kriegsſchiff in gleichen Umfländen an. Wir wurden von dem Eapi⸗ 
tain deſſelben eraminivet, und befragten ung bey ihm, wo mir waͤ⸗ 
sen. Er berichtete ung aber, ohne Zweifel aus eigener Unmiffenheit, 
unrecht, und peranlafite uns Dadurch, einen folchen Weg —— 


aß⸗ 


92 Dritte,Sortfider Nachr. vonden Ev. Gem. in America. 


Dec. daß, da es den folgenden Tag, als den ıften Dec. helfe worden, ſich 
unfere Leute kaum eine-halbe Wierthelftunde von einer groffen Menge. 
Seeklippen entfernet fahen. Worüber alle fehr erſchracken. Sie 
fingen daher an die Segel fo ſtarck zu zwingen, als fie nur Fonten, um, 
diefer augenfcheinlichen Gefahr zu entgehen. Nach gefchehener Ent» 
fernung famen einige zu mir ans Bette, und erzehleten mir alles mit 
groſſer Freude; da ich denn fehöne Gelegenheit hatte, ein Wort der 
Ermahnung an fie zu reden. in Br aut 

Den 2ten Dec. liefen wir des Mittags, GOtt fen gedandet! 
in den Hafen vor Pleymouth glücklich) wieder ein. Wegen meiner: 
Schwachheit hielt ich fuͤr rathſam, ie eher ie lieber zu meiner Erho⸗ 
lung ans Sand zu gehen. Ich ging daher indie Stadt zu dem Herrn: 
Mignan. Sie nahmen mich voll Freuden und Verwunderung über: 
unfere NücfEunft auf, und lobeten mit. mir den HEren wegen meiner | 
Errettung aus fo mancher Gefahr. Hernach ging ich zu dem Hrn, Kins⸗ 
mann, deffen ganges Haus mich mit vieler Freude empfing ‚ und bey 
ihnen zu logiren nöthigte. Welches ich denn um deſto williger mit allem 
Danck annahm, da wegen des beftändigen Regens meine Betten fehr 
feuchte geworden waren. Den 6ten Dec. erfuhr ich, als ich mich bald. 
nach Tiſche an Bord unfers Schiffes überfegen laffen, Daß zween 
Prediger, ein Englifcher und ein Teutſcher mit feiner Frau , auf ei» 
nem vor ein paar Sagen aus London hier: angefommenen und naͤchſt 
gelegenen Schiffe, Namens the Snow, mich zu fprechen wuͤnſch⸗ 
ten. Sch ließ mich demnach hinüber fahren, und da merckte ich, daß 
der verhenrathete Eein Teutfcher, fondern ein Schwede war, und er 
nur fehr wenig, feine Frau aber gar Fein Zeutfch verfiund. Weil 
er. nun weder Englifch noch) Frantzoͤſiſch konte; redeten wir Latein mit 
einander, und erfundigten ung ein ieder nad) der Beſchaffenheit un» 
fers Berufs. Der Englifhye Prediger war nicht da. Jener wird 
von Stockholm aus für die Schweden nach Penfylvanien gefandt, (*) 
dieſer aber gehet nah Neu⸗ London. Weil es fpäte worden, nahmen wir 
freundſchaftlich Abſchied, und verſprachen einander, in Penſylvanien 
gute Freundſchaft mit einander zu halten, und ſo es moͤglich waͤ⸗ 
re, uns am Bord eines unſerer Schiffe bald wieder zu ſehen. Den 
sten Dee. muſte ich gegen vier Uhr mit dem Herrn Kinsmann zu ae 

Br, redl⸗ 
(*) Dieſes iſt eben der Herr Probſt Sandin, deſſen oben pag. 77 und 
82 gedacht worden. 


I, Zen. P. Sandſchuchs Diar. von Engl: nach Penſylvan. 3 


redlichen Goldſchmidt, Herrn Freymann, gehen. Wir waren uͤber Des 
einander und über der ung mitgetheilten Gnade gantz vergnuͤgt. 
Den gten Dec. fpeifete ich) Des Abends bey dem Herrn Bordier. Der 
Umgang mar nüglic) und vergnügt, und Eonte ich mich nicht genug 
verwundern,. Daß derfelbe alles in folcher Liebe annahm, was etwa nady 
Bewandniß der Sache zur Ehre GOttes und zur Beförderung feines 
Reichs hier in Pleymouth gefaget wurde. - Denızten Dec. früh wur⸗ 
de ich an Bord des Schiffs gerufen. Ich eilete, was ich nur konte, 
den Eapitain felber zu fprechen. Er gab mir aber nicht mehr denn ei⸗ 
ne Stunde Zeit. Sin aller Eil nahm ich denn von meinen Freunden 
Abfchied, und wurde von Herrn Stephan Mignan mit einer Provifion 
Spanifchen Wein auf die Reife beſchenckt. Den ı4ten Dee. frühe 
wurde ung der Wind wieder gans contrair, und wir waren genöthie 
‚get im Hafen zu bleiben. Einige Paſſagiers gingen twieder ang Land, 
ic) aber an Bord des Schiffs the Snow, den Schwedifchen Predie 
ger zu beſuchen, mit welchem ich faft ven gansen Tag zubrachte, ob 
‚mir wol wenig Auffere Ruhe hatten. Den ısten Dec. ging ich wie⸗ 
der indieStadt , mo mich meine Bekannte wieder ſehr liebreich auf> 
nahmen. Abends um fechs Uhr ging ich in Die Predigt. ; Nach der 
Predigt wurde mir geflaget, tie heute ein Teutſcher Mahrifcher Bru⸗ 
‚der von Ereter hier angefommen, und fehr zu beforgen mare, er wer⸗ 
de fich hier eben einen folchen Anhang und eine gewaltige Srennung 
‚unter den Kindern GOttes wie in Ereter machen, zumal hier ſchon 
drey bis vier Werfonen ihm und feinen Brüdern zugethan waren, ob 
fie es gleich zu verhelen fuchten. Sch folte Doch nach meinem Gewiſ⸗ 
fen alle Hiefige mir Bekannte Davor warnen, indem fie es von mir de⸗ 
ſto eher annehmen würden. Welches ich denn auch bey ieder Gelegenheit, 
fo mir Dazu gegeben worden, gethanhabe. Denırten Dec. gegen zehn 
Uhr bekam ich Yachricht, Daß der Wind recht gut geworden, und 
mir Diefen Nachmittag gewiß abfegeln würden. Ich ging noch ein⸗ 
mal in die Franköfifche Kirche. Nachher redete ich manches mit dem 
Herrn Bordier. Der junge Herr Mignan kam auch dazu, mich in fein 
Haus zu Tiſche zu laden, Damit ich gleich) ander Hand ware, wenn wirja 
“heute noch fortfegeln folten. Abends um vier Uhr wurde ich an Bord 
abgeholet, und um fünf Uhr gingen wir unter Segel. Die Con⸗ 
voie war the Intrepide. Denısten Der. frühe fahen wir uns von 
unſerer Convoie verlaffen, und unfere gantze — nicht ſtaͤrcker ER 


94 Dritte Sörtf. der Nachr. vonden Ev. Gem. in America. | 


Dee. fünf Schiffe. Diefen Morgen ging die Seekranckheit bey mir wieder an. 
Den ıgten Dec. wurde ic) noch harter ſeekranck, und unfer Schiff war 
von der Geſellſchaft getrennet worden. Diefe Yacht fing wieder contrai⸗ 
rer Wind, Regen und Sturm an, wobey wir alle, ich aber infon» 
Derheit wegen meiner Schwächlichkeit, viel Ungemach litten. Wir 
muften das Schiff creugen laffen , und da das ftürmifche Wetter und 
der fo heftig contraire Wind in fo vielen Tagen gar nicht aufhören 
wolte, und wir in befländiger Gefahr eines Unglücfs oder der feind» 
lichen Eorfaires waren , fo waren wir gezwungen, den 26ften Der. 
gegen zehn Uhr wieder umzufehren. Den 27ſten Dec. Abends mein» 
ten noir nicht anders, als nicht weit vom Canal und fehr nahe am Lan⸗ 
de zu ſeyn, und fürchteten uns daher wegen des nod) in gleicher Hef⸗ 
tigkeit anhaltenden ftürmifchen Wetters, uns dem Lande weiter zu 
nähern, zumal es gang finfter worden war. Wir blieben deswegen 
im Canal, wie wir meineten, und lieffen das Schiff in deſſen Mitten 
creutzen. Den 2sften Dec. fonten wir nicht anders als wegen des 
noch anhaltenden gleichen ftürmifchen Wetters in folcher Lage bleiben. 
Den 29ften Dec. fing ich an mic) etwas beffer zu befinden, nachdem 
ic) vieles ausgeftanden. Heute wurde das Meer etwas fliller, und dag 
Retter erträglicher, nachdem es diefe gantze Zeit her recht fürchterlich 
ungeftüm gerefen. Wir wolten mit dem Winde nad) Falmouth, um 
in dem daſigen Hafen ficher zu liegen, und beſſern Wind zu erwarten. 
Wir meineten den Fransöfifchen Küften fehr nahe zu feyn. Darum 
wir mehrere Stunden, obgleich etwas wider Willen des Windes, in 

die Duere fegelten. Wir Fonten aber Fein Land in fo vielen Stunden 
entdecken. Diefes bewog den Eapitain, unfere Lage beffer zu unter» 
fuchen, und nach gefchehener Ausrechnung fanden wir, daß mir den 
Küften Irlands ſehr nahe feyn muͤſten. Weil nun dee Wind ung 
dahin nöthigte, und es in Irland mohlfeiler ift, als in England, {0 - 
entfchloß fich der Capitain nach Kingfale zu fegeln. Den zoften Dec. 
Abends um fuͤnf Uhr aber Famen wir, an ftatt vor Kingfale, im Sun 
de bey Waterfort an. Durch verfehiedene Canonenfchüffe wurde ein 
Pilote begehret, Der endlich noch dieſen Abend fehr fpate an Bord 
kam, und ung berichtete, daß wir in der Bay vor Waterfort ungefähr 
fieben Meilen von diefer Stadt wären. _ Den ziſten Dee. fing der 
Wind an, ung nach Weſt · Indien wieder günflig zu werden. Dar⸗ 
am der Capitain nicht weiter in die Bay fegeln, fondern nur neg * 
acht 


I, Zen.P.Zandfchuche Diar. von Engl. nach Penfylvan. 95 


Nacht hier vor Ancker liegen wolte, bis er das Schiff twieder mit fris Dec, 
ſchem Waſſer verfehen hatte, deffen Mangel mir ſchon ziemlich hat» 

ten empfinden müffen. Weswegen er heute mit einem Paſſagier, der 

aus Waterfort gebürtig ift, und feinen Vater noch da am Leben hat, 

ir Sand ging, niemand aber fonften aus obiger Urfach mitnehmen 
wolte 

Den iſten Ian. 1748 wurde ung der Wind wieder contrait, und 1748, 
unfer Sapitain blieb aucd) aus. Daher ich mich des Mittags nebft Ian, 
noc) vier andern Paſſagiers and Land fegen ließ. Wir traten in ei» 

nem Eleinen Städtchen, fo die Leute die Paſſage hieffen, und von lauter 
Mömifchcatholifchen bermohnet wird, ab, und fpeifeten daſelbſt ſehr 
toohlfeil. Um drey Uhr brachen wir von dar auf, und gingen nach) der 
Stadt Waterfort, fo fünf ſtarcke Meilen von der Paſſage lieget, Moe 

tion zu haben, und meine Briefe felber zu beftellen. _ In meinem Reben 
habe ich nicht fo elendes und fo armes Landvolck gefehen,noch fo ſchlech⸗ 

te Bauerhüften, als auf Diefem Wege. Und fo foll es faft durch 
gang Irland ausfehen. Um fieben Uhr Famen wir in die Stadr. 
Weil nun unfer Herr Eapitain, der ung in der ‘Bay begegnet, mir 
zugerufen, daß ich fogleich in die Stadt zu dem obgedachten Paffagier, 
Namens Hrn. Capitain Roche, gehen möchte, weil er mir ein bequemes 
Logis um ein billiges ausgemacht hätte; fo ſaͤumete ichnicht, mich hin» 
bringen zu laſſen. Ich traf feinen Water, ihn und einige ande 

re Verwandte beyfammen an, und wurde zur Abendmahleit behal⸗ 

ten, auch) darauf von ihm in mein Logig geführet, foin einer Nömifch- 
cathofifchen Witwen Haufe war wo ich auch einen Frangöfifchen Pro» 
eftanten, Namens Heren Berducam, antraff, welcher mir verfchie> 
denen auftichtigen Unterricht in Anfehung meines hiefigen Aufenthalte 

gab. Den gten Ian. des Abends ging ich, auf Bitte diefes Herrn 
Verducams, hinaus vor die Stadt zu einem ehrlichen Frangofen, der 

ein Kaufmann ift, und eine groffe Zuckerfabrique alhier hat. Diefer 
Mann nahm mich mit fo vieler Freundlichkeit auf, als wenn er mich 
ſchon viele Jahre gekannt hatte, begleitete mich aud) nach der Abend» 
mahlzeit nach Haufe. ° Den 13ten Ian. des Mittags ging ich zu des 
Herrn Capitains Roche Vater, mohin unfer Capitain auch) unver 

- “muthet Fam, und mir Nachricht gab, daß ich mich morgen zwiſchen 
groölf und ein Uhr wieder an Bord begeben folte. Darauf nahm ich, 

wo es am nöthigften war, Abſchied; — betagten Dame Er 
Te 6% muſte 


96 Deitte Sortf. der Nachr von den Ev. Gem. in America. 


Yan. mufte ich michnichtohne Erbauung noch uͤber zwo Stunden aufhalten. 
Den ı4ten Ian. nad) neun Uhr ging ich aus Waterfort nach dem 
Hafen. ac) ein Uhr bin ich mit genauer Noth noch am Bord ger 
kommen, und fogleich nach meiner Ankunft find mir unter Segel ge> 
gangen. Den ısten Ian. früh ergehlte mir der Pilote, Daß fie vor⸗ 
geftern gantz von ohngefahr das rechte eigentliche Loch gefunden, fo 
bishero noch fo viel Waſſer ins Schiff gegogen, und ihnen allen fo 
viel Sorge und Arbeit gemacht. "Den z8ften Ian. früh um drey Uhr: 
bekamen wir den. heftigften Sturm, ſo wir ie gehabt haben, mit ent» 
festlichen Donnern und Bligen. Er daurete in gleicher Heftigkeit bis 
gegen acht Uhr. Die Leute ftunden dabey viel aus. Ste hatten kaum 
trockene Kleider angezogen, und etwas weniges gegeſſen; fo entfiund 
auf einmal · noch ein weit heftigerer, der nach aller Geſtaͤndniß nicht 
ſtaͤrcker haste ſeyn koͤnnen. Alles war erſchrecklich anzuſehen und an⸗ 
zuhören. Das Waſſer von den übers Schiff ſchlagenden Wellen 
drang ſtarck in unfere Eabine hinein , und da ichs endlich wagte auf> 
zuſtehen, fo mufte ich über eine Stunderohne Schuhe und Strümpfe 
im Waffen herumgeben, und, meil alles in der Cabine durch die 
flarcke Bewegung durch einander gemorfen war, meine Sachen wie⸗ 
der zufammen fuchen, felbige auch fo naß, mie ich fie fand, anzie⸗ 
‘ben, teil eg ohnmöglic) war, trockene aus meinem Coffre heraus» - 
zunehmen. Um zehn Uhr Fam der Eapitain mit einem heil feiner 
Leute in die Sabine, und fagte zu mir: Sehet ihr denn nicht, was 
für einen erſchrecklichen Sturm und Wetter wir haben? er Fann in dev 
That nicht ftarcker feyn, GOtt rette nur noch unfere Seelen; wir 
haben alles nur mögliche gethan, das Schiff milk ſich aber nun nicht 
länger halten laffen. Ich Eonte nichts weiter antworten, als der 
HEMM Eönne ung wol noch helfen, fie folten nur hingehen, und das 
Ihrige thun. GOTT erhielt denn auch nad) feiner Macht und Guͤ⸗ 
te wider aller Vermuthen das Schiff recht fonderbar. - Um ein Uhr 
fieß die Heftigfeit des Sturms in etwas nach, worauf mir ein wenig 
aſſen, fo aber fehr kuͤmmerlich gefchehen muſte. Unter dem Efien ka⸗ 
men einige gewaltige Wellen Durch unfere Eabinen-Fenfter auf mich, 
der ich denfelben am nachften mar, und übergoffen mich und einige an» 
dere über und über. Die Eabine wurde davon mol eine Eile hoch voll - 
Waſſers. Nirgends Fonten wir uns vor dem Waſſer bergen, auf 
dem Verdeck war alles noch tweit fchlimmer, zumal ſchon Die eine Sei⸗ 
te des Schiffs fehr tief ins Waſſer hing. Die Sabinen-Zenfter wur» 
| den 


° 


I. Zen. P. Handſchuchs Diar. von Engl. nach Penſylvan. 97 


den fo geſchwind, als nur möglich war, mit ſtarcken Laden zugefchla» Ian. 
gen, und das Waſſer mit groffer Mühe aus der Eabine gefchöpft, 
welches aber immer nieht. viel helfen mwolte, weil die Wellen auch zur 
Thür hinein fehlugen, die. nicht flets zubleiben konte. Gegen fieben 
Uhr war das Waſſer meifteng heraus. Als ich aber nach meinen Sa» 
chen ſahe; fo fand ich fo wol das Bette als den Coffre durchaus naß. 
Ich mufte alfo- die gange Nacht in meinen naflen Kleidern aufbleiben, 
Von Torf und Steinfohlen wurde in der Cabine ein Feuer gemacht, 
davon die Cabine und wir wieder trocken werden folten, wir ſtunden 
aber vom Rauche, der nirgends Luft fand, unbefchreiblich viel aus. 
Bey diefem erſchrecklichen Sturm habe ich. als eine befondere Wohl 
that und Barmhergigfeit GOttes mit demüthigem Danck erkannt, daß 
ieh nicht nur dem Leibe nach nicht ſeekranck geweſen, und alfo Feiney 
aufferlichen Hülfe bedurft, fondern daß ich auch meinen Willen dem 
göftlichen Willen völlig unterwerfen, und ihm in Geduld und fliller 
Gelaffenheit anheim ftellen koͤnnen, wie er es nad) feinem weiſen Rath 
mie mir machen werde, wenn er mich fünften nur nicht in Noth und 
Tod mit der Kraft und Troft feines Geiftes verlieffe, welches er auch, 
wegen feiner unendlichen Liebe in CHrifto, meinem HERAN, ge 
gen mich, nicht würde thun koͤnnen. Welches ich um fo viel weni» 
ger meiner eigenen Kraft zugefchrieben,da ich bey den vorigen Stürmen 
noch mit mancherley Sorgen, was wol meine lieben Väter, Brüder, 
Freunde und Alnverwandten, abfonderlich aber die lieben Brüder in 
Penfyloanien, Die der Huͤlfe fo lange entgegen gefehen, dencken würden, 
wenn fie weiter nichts von mir hören ſolten, und mit dergleichen mehr, 
in meinem Gemüthe zu Fampfen gehabt. GOTT fcherckte mir an» 
bey dismal vornehmlich eine befonderg freudige Gewißheit meiner Ser 
ligfeit, falls ich auch mein zeitliches Leben nah GOttes Willen in der 
See verlieren folte. Den aoften Ian. redete mich der Capitain, alg 
er zum Fruͤhſtuͤck fich in der Cabine einfand, fogleich mit groffer Ber 
wegung feines Hertzens alfo anz Der HERR mache ung danckbar 
für die munderbare Errettung aus Diefer Gefahr! Es hatte gemiß nicht 
in unferm Dermögen geflanden, unfer Schiff und Leben zu retten. 
Sch hatte fchon alles verloren gegeben, ich muß von Hersen befennen, 
diefes hat Die Macht GOttes gethan. Ich und wir alle mollen euch 
feht verbunden feyn, wenn ihr uns eine Lob und Danckpredigt, fo 
bald als es angehen will, halten, und uns zum Lobe GOttes auf 
A— | "3 muntern 


Ian. 


Febr. 


98 Deitte Sortf.der Nachr. von den Ev. Gem. in America. 


muntern mollet. Ich verfprach ihm folches, woferne fie mein fehlech» 
tes Englifch-Reden gnugfam verfichen fönten, Auf den Abend wurde. 
Die Zeit mit Erzehlung aller Umjtände dieſes zweymaligen vecht er» 
ſchrecklichen Sturms, des unerivartefen guten Verhaltens aller und 
jeder Matroſen, und einer fo unverhofften gnaͤdigen und mächtigen 
Errettung aus der allergröften Gefahr, zugebracht. Wie nun der 
Eapitain diefes alles auf GOttes Hand führete; fo gab mir folhes 
zu mancher Freude und erbaulichen Gefprächen Gelegenheit. Den 
zoften Ian. gegen Abend waren Wind und Better etwas beſſer, und 
die meiften Leute verfamleten fich auf den Verdeck um mich herum, 
denen ich Gefprächsmeife eine rechte Bußpredigt hielte. N 

Den zten und 4ten Febr. bin ich fehr kranck worden, daher ich 
es mit der verlangten Englifchen Predigt mufte anftehen laffen. Es 
entſtund auch aufs neue ein fehr flürmifches IBetter. Den sten bis 
sıten Febr. haben wir flets contrairen Wind und oft fehr ſtuͤrmiſches 
Wetter gehabt, und find des Nachts verſchiedene mal in groffer Ge» 
fahr geweſen: ich aber habe mich aufferordentlich elend befunden, 
Den ısten Febr. mufte ich auf tiederholtes Bitten des Copitains end» 
lich Doc) noch in Engliſcher Sprache predigen. Der Text war: Ich 
bin bey ihm in der Noth ꝛc. Pf. 91,15. Die Leute, Englifche, 
Presbyterianer, Quaͤcker, Roͤmiſchcatholiſche, waren alle zugegen, 


und fehr aufmerckfam. Den: asften Febr. mufte ic) Wachmittage 


Mart. 


über den andern Theil obigen Textes predigen , und id) glaube,-daß 
es nicht ohne Segen gemefen ift, twie ich einige Spuren Davon merck⸗ 
te. GOTT hatte mir aud) eine gröflere Fertigkeit in der Englifchen 
Sprache gegeben. 

Den 3ten Mart. mufte ich den Nachmittag auf Bitte des Ca» 
pitaing wieder predigen. Der Tert warı Tim. ı,ıs. Den ıoten 
Mart. war fchlechter Wind und Sturm mit Ungemitter, welches ung 
hinderte zufammen zu kommen, eine geftern von mir meditirte Predigt 
zu hören. Den ı7ten Mart. war Meeresftille und gut Wetter. Mit» 
tags über Tiſche wurde ich vom Eapitain gebeten, ihnen doch diefen 
Nachmittag eine Predigt zu Halten, welches ich auch über Nom.8, 32. 
that. Den ıgten Mart. hatten wir von früh um ſechs Uhr bis ge⸗ 
gen Abend gar feinen Wind. Dieſen Abend, nachdem wieder eini» 
ger Wind entftanden, murden etliche unferer Matrofen vonder Hohe 
eines Maſtes eineg Schiffes in der ‘Ferne. gewahr. Unſere Canonen 


wurden, 


- 


II. Zen.P. Sandſchuchs Diar. von Engl. nach Penſylvan. 99 
* 


wurden, aus Beſorgniß eines feindlichen Raubſchiffes, aufs neue ge⸗Mart. 


laden , und gleich darnach machte man ſich zu einem angehenden 
ftarefen Sturmmwinde fertig , folhen auszuhalten, der auch Die 
gange Macht fortdaurete. Den 24ften Marz. durfte dag Schiff 
den gangen Vormittag des heftigen Windes tmegen nicht fegelm. 
Heute war es fo Falt, als e8 auf meiner ganken Reiſe noch nie 
gewefen. Mittags wurden unfere Leute aus einigen bey kurtzen Son 
nenblicken angeftellten Obſervationen gewahr, daß wir zumeit nord» 
waͤrts gefommen. Darum wurde das Schiff , bey erfolgten gelin 
dern Winde ſuͤdwaͤrts gerichtet. Wegen der Unruhe fonten wir heu⸗ 
te zu Haltung meiner meditirten Predigt nicht zufammen Fommen, 
Den 28ften Marz. wurden wir Mittags von einer ziemlich groffen Char 
louppe in einige Furcht gefeget , indem fie mit dem Winde gerades⸗ 
weges und fehr ſchnell auf ung zufegelte. Da aber alles zum Gefech» 
te fertig, und unfere groffe Flagge ausgehanget war , und fie ſolches 
alles fehen Fonte ; fo nahm fie einen andern IBeg. Wir vermutheten 
aus verfehiedenen Umſtaͤnden, fie müffe etwas wider ung im Sinn ge 
‚habt haben. Heute fanden wir zum erfien mal durch einen Bleywurf 
Grund. Den 2gften Mart. Vergangene Nacht bis heute früh um 
zehn Uhr hatten wir Mangel am Winde. Diefen Mittag Fam 
ung mieder eine Chalouppe fehr nahe. Nach einer Stunde ſteckte fie 
ihre Flagge aus, welches mir denn auch thaten, und fie fegelte ihren 
eg weiter fort. Nachmittags fahen wir zum erfien mal, wiewol 
noch fehr dunckel, Land, woruͤber bey allen ei x aroffe Freude ent- 
ftund. Abends Fam eine andere Chalouppe fehr fehnel auf ung zu. 
‚Wir fleckten fogleich unfere Flagge aus; fie desgleichen. Wie wir 
nun fahen, daß es eine Englifche war, lieffen wir fie naher an unfer 
Schiff kommen und befragten und emander durch) Sprachröhrez da wir 
denn erfuhren, daß wir dreyſſig Meilen zu weit nordwaͤrts gefommen, 
und auf den Meu-Sgerfenifchen Kuften waren. Daher wandten wir 
‚bald wieder um. Den zoſten Marz. hatten wir contrairen Wind, 
aber fehr feines Wetter, Um eilf Uhr, kam ung eine Chaloup⸗ 
pe nahe. Sie wurde befraget, wer ſie waͤre, und wohin fie wolte; 
fie gab aber nicht die geringfte Antwort, ohnerachtet die Fragen an 
fie mehrmals ernfilich twiederhofet wurden. Dieſes nöthigte endlich 
den Eapitain, Feuer auf fie gu geben. Darauf antwortete fie auf al⸗ 
les, mas wir zu toiffen begehrten. Sie mar al gelandnr 


wolte nach Philadelphia. en 


Apr. 


"weil eine Flotte von zwantzig Spani 


100 Dritte Sorte der! Nachr. von den Ev. Gem. in America, | 


Den ıften Apr. hatten wir ſchoͤn Wetter, aber confrairen 
Wind. Ein ander ziemlich groſſes Schiff fegelte nicht weit von ung 
eben denfelben Ißeg , e8 Fam ung aber nie allzunahe. Wach Tifche 
ſchickte der Eapitain fünf feiner Leute mit dem groffen Boote bey Ca- 
pe Hinlopen ang Land ‚einen Piloten zu holen, nachdem mir mit dere 
ſchiedenen Canonenſchuͤſſen ein Zeichen gegeben , ſich aber Feiner ein- 
ftellen wolte. Vier unferer Leute kamen des Abends fpäte wieder, 
und hatten den fünften, eines Piloten wegen, gurücklaffen müffen, de 
ten feiner an Bord eines fremden Schiffs gehen Darf, bis einige der» 
felben Leute vom Magiftrat eines nahe gelegenen Städtleing find era+ 
miniret worden. Dieſes geſchahe, wie wir vernahmen,, Darum, 

ſchen groſſen und kleinen Kriegs⸗ 
ſchiffen unter dem bekannten Don Pietro hier an den Kuͤſten herum 
creutzte, und Die Einwohner täglich einen Ueberfall befuͤrchteten. Den 
aten bis sten April, hatten wir faft gar Feinen Wind. Je⸗ 
Doch Eamen wir durch Hülfe Der Ebbe und Fluch nach und nad) fo weit 


im Delauare- Fluß , daß wir den sten April. früh nur acht Meir 


fen von Philadelphia waren, aber nicht weiter fortkommen Fonten. 
Nach Tiſche fehickten ung Kaufleute ein Boot entgegen , Briefe. ab» 
zuholen. Weil nun heute früh alles eingepackt, ich aud) fonften fertig 
mar, and Land zu gehen ; fo ging ich mit unferm Capitain und ſechs 
Paſſagiers auf dieſem Philadelphifhen Boote ang Land und in die 
Stadt Philadelphis,two wir Abends gegen fünf Uhr glücklich und 


wohlbehalten anferen Der HErr, unſer GOtt, fey für alle feine 


Güte, Geduld und Langmuth gelobet! Herten Brunnholg fand ic) 


nicht zu Haufe, meil er einer Leiche und anderer Amtsgeſchaͤffte wegen 
in Germantown feyn müffen, aber wol Heren Schaumen. 


Den ten Apr. ließ der Kirchen ⸗Rath mich in der Kirche bite 


ten, der Gemeine Diefen Nachmittag einen Vortrag zu thun, weil fie 
"es alle gerne hattenund erwarteten. Ob ich nun wol heute fieber noch 


geruhet hätte ; fo durfte ich es ihnen Doc) nicht abfehlagen. _ Sich 


that demnach , nach der son GOtt verliehenen Gnade, einen Bor 


frag über 1 Theff. 5, 9. 10. wo im Anfangs» Gebete GOtt von Herr 
Gen für alleauf der gantzen Reiſe mir erwieſene geiſt / und leibliche Wohl⸗ 
thaten oͤffentlich lobete und danckte, welches Herr Schaum auch Vor⸗ 
mittags in der Predigt gethan hatte. Nach der Kirche traff ich mei⸗ 
nen lieben Bruder, Herrn Brunnholtz, zu Hauſe an, der rd 

vielen 


— 2 


einer groſſen Stube einer ziemlichen Anzahl pon Lutherifchen und Refor⸗ 
‚Misten Leuten über Joh 20, 2454. f-.prebigte. Den vſten 
’ —3 | e) x b a fruͤh 


202 Dritte Sortf.der Nachr. vonden Er. Gem · in America, -ı 


Apr. früh reiſeten wir, meine lieben Brüder, Herr Mühlenberg und Herr 
Brunnholtz, und ich nebft den Herrn Vigera, nad) Lancaſter. Un⸗ 
terweges predigte Herr Mühlenberg im Schwartzwalde den Schwe⸗ 

den in Englifcher Sprache in ihrer eigenen Kirche, und Herr Brunn⸗ 

Holß hielt einen Vortrag an die anweſenden Teutfchen in Teutſcher 
Sprade. Auch wurden verfchiedene Kinder getauft, und ein Paar 
eopulivet, welches alles bis bald um drey Uhr Nachmittags waͤhrete. 
Weil auch) den in Ereter und daherum wohnenden Leuten eine Pre 


dige verſprochen worden war, und fie, um drey Uhr beyſammen 
ſehn folten; fo mufte ich in aller Eil mit dem Heren Vigera dahin rei⸗ 
ten. Herr Mühlenberg und Herr Brunnholtz hingegen blieben no 
bey den Schweden, den Herrn Conrad Weiſern mit den Indianern 
Dafelbft zu ertvarten. Um fünf Uhr kamen wir in ein nicht, weit von 
der Kirche gelegenes Haus, wo ſich zwar noch eine Anzahl Volcks 
fand, ein ungemein groffer Haufe aber von allerhand aus der Fern 

gekommenen Leuten um vier Uhr fehon toieder Fortgereifet war. Da 
nun die noch übrigen eine Erbauung begehrten ; fo ließ ich fie in Die 
Stube hinein kommen, und predigte ihnen über oh. 5, 40. in ziemli⸗ 
eher Müdigkeit und Schwachheit: doch erfuhr nachhero, daß es an 
manchen nicht ungefegnet gewefen. Unterm Schlußgebet Famen Herr 
Mühlenberg und Herr Brunnholß, die noch zwey Kinder tauften. Den 
2oſten Apr. früh brachen mir roieder auf, und Nachmittags kamen wir 
zu Tulpehoken glücklich an, too Herr Weiſer mit feinen Indianern 
ſchon ein paar Stunden vorhero angelanget war. Den 27ften Apr. 
gegen zehn Uhr ritten Here Mühlenberg und Herr Brunnholtz vier 
Meilen toeiter zur Kirche, mit den dahin beflellten Leuten eine Vor⸗ 
bereitung zum heiligen Abendmahl zu halten; mich aber Tieffen fie zu 
Haufe, ein. wenig auszuruhen, und auf meine morgende Predigt 
dencken zu Tonnen, Den ſten Apr. frühe ritten wir zufammen nach 
der Kirche, wo wir ungemein vieles Volck aus der Naͤhe und Ferne 
antraffen. Vor der Predigt hielt Herr Mühlenberg eine Vorberei⸗ 
tung zum heiligen Abendmahl mit noch einer giemlichen Anzahl Leute, 
die geflern nicht Da geweſen waren, und doch zum Abendmahl gehen 
wolten. Darauf taufte Here Brunnhols ein Kind, ‚und dent pre⸗ 
digte ich über Matth. 5,6. Nach der Predigt hielt Herr Mühlen» 
berg noch eing Bermahnung an die Communicanten. ad) berfel- 
ben theilien Herr Brunnholß und ich einer groffen Menge a —* 
GR * —— F heilige 


“ . 


11. 3tn. P.andfehuchs Diar . von Engl.nach Penfplvän. 109 


heifige Abendmahl aus. Bey alten diefen Verrichtungen mar das Apr; 
Volck fehr flille und auſfmerckſam, und wenigſtens Aufferlich andaͤch⸗ 
tig, fieblieben auch alle fo lange, bis alles vorbey war. Um vier. Uhr 
. titten wir zuſammen gu einer andern zwo Meilen davon neu gebaueten 
Kirche, die ſich die Herenhuter hatten mit Lift gueignen wollen ‚_ wo⸗ 
felbft Herr Kurs predigen mufte. er 
Den zten Mai. früh veifeten toir von Zulpeholen nach Kanca- Mai. 
fer ‚two wir gegen Abend glücklich ankamen. . Den sten Mai. ale 
am Sonntage Mifericordiag Domini nach dem alten Calender, Bor; 
mittags predigte ich hier in Lancaſter ber das Evangelium oh. 10, 
12. einer ungemein zahlreichen Verſamlung. Vor der Predigeivurr 
den von Herr Brunnholtzen neun Kinder getauft. Mac) dem Got + 
tesdienit blieben Die fieben Brüder, Herr Mühlenberg und Herr 
Brunnholtz, in ber Kirche, mit der Gemeine zureden, und einen Kite 
chenrath und neue Vorſteher zu wehlen, welches bis zwo Uhr waͤh⸗ 
tete. Nachmittags predigte Here Brunnholtz. Den 6ten Mai. 
Nachmittags that mir Here Mühlenberg im Namen der Gemeine 
den Antrag, obich nicht einen Verſuch auf eine Zeitlang thun twolte,an 
dieſer Gemeine zu arbeiten; welches ich unter den mir fchriftlich vorgeleg ⸗ 
ten vecht weiſen Bedingungen einging , Die ich und der Hanke Kir⸗ 
chenath unterfhrieb , und der Handſchlag von allen Darauf ge 
geben wurde. Den 7ten Mai. predigte ich in Earltown, viersehn Mei» 
fen von Lancafter, über Apoſt. Geſch. 5,31. und half dem Heren Brunn- 
Holsen einer giemlichen Anzahl Communicanten dag heilige Abendmahl 
austheilen, nachdem mit ihnen von dem Herrn Mühlenberg vorhero 
eine Bußvermahnung und Beichte war gehalten worden. Nachmittags 
festen tie unfere Reiſe weiter fort, muften aber wegen des Regenwet⸗ 
ters unterweges bleiben, und Famenerfi den sten Mai. Wachmittags 
durchaus naß zu Providentz wieder an. Den ıoten Mai. reifete ichmit 
Herrn Brunnholgen von Dar wieder ab, und Famen wir gegen Abend 
Gottlob gluͤcklich wieder in Philadelphia an. Den 12ten Mai, früh 
vitte ich nach Germantown, wo ich einer , mie die Leute fagten, auf 
ſerordentlich zahlreichen Derfamlung von Lutheranern , Reformir⸗ 
ten, Mennoniften , auch ſechs Schwargen, predigte. Den ı6ten 
Mai. haben wir, nachdem vorgeftern Abend Herr Mühlenberg hier 
angekommen, manches, was Die Gemeinen und unfere Amtsführung 
betrifft, mit einander gemeinfchaftlich uͤberleget und abgeredet. Dem 
23 HExrn, 


wo. 


104 Dritte Sortfider Nachr. von den Ev. Gem. in America. | 


HErrn unſerm GOtt, kann ichnicht genug fuͤr dieſe lieben Brüder und 


Collegen dancken, die mir. fo wohl zu ſtatten kommen. Noch dieſen 


Vormittag wurden wir vom Schwediſchen Probſt, Herrn Sandin, 
beſucht, und Nachmittags reiſete Herr Muͤhlenberg wieder ab. Den 
ı7ten Mai. Nachmittags beſuchte ung der Presbyterianer Prediger, 
der uns ſehr liebe Here Tennent. Die Gefpräche waren erbaulich, 


. angenehm, und liebreich,.Er blieb bis in den ſpaͤten Abend. nicht oh⸗ 


ne unſer groſſes Vergnuͤgen und Erbauung da. Den ıyten Mai, 
predigte ich Bor und Nachmittags in Philadelphia, und taufte ein 
Kind, Herr Brunnholtz hingegen war zu Germaͤniown. Den 2ſten 
Mai. reiſete ich in Geſellſchaft des Herrn Vigera, der zu meiner Er⸗ 
leichterung im Aeuſſern, aufeine Zeitlang mitziehet, nad) —— 
Den 24ſten Mai. muſte ic) unterwegs in einem Engliſchen Wirths⸗ 
hauſe ein Engliſch Kind taufen. Nach unſerer Ankunft zu Lancaſter ließ 
ich mein erſtes ſeyn, Daß ich auf meiner Stube mit den Gliedern des 
Kirchenraths, den Vorſtehern, und dem Schulmeifler „ die uns bis 
an den leßten Fluß entgegen, gekommen waren, GOTT um alles, 
was ich meinete ung höchfinöthig zu fepn ‚ anrief. . - Die übrige Zeit 
wurde mit mancherley erbaulichen. Geſpraͤchen sugebracht. Ei 
26ſten Mai. blieben,nad) gehaltener Pormittäge-Predigt und. ndi 

gung des Gottesdienſtes, die Gemeinsglieder ſtehen, welchen der 
Schulmeiſter des Herrn Muͤhlenbergs und Herrn Brunnholtzens Brief 
an die Gemeine, mich betreffend, vorlas. Darnach trat ich, vor den 
Altar , that eine Anrede an die gantze Gemeine , ließ Die zwölf Glie⸗ 
der des Kirchenraths um den Altar herum treten, las ihnen alle Ar⸗ 
ticul vor, die fie bey ihrer Wahl eigenhändig unterfchrieben hatten, 


und fragte fie nochmals,ob fie. noch der Meinung waͤren, und dabey blei⸗ 


benmolten? Worauf ſie mir, einer nach dem andern, mit einem Hand» 
fehlag verfprachen, dem allem durch GOttes Benftand nachzukommen, 
Wozu ich ihnen denn viele Gnade von GOtt herslich anwuͤnſchete. Nach» 
hero ließ ich die fechs Vorſteher vor den Altar treten, hielt ihnen ihre 
befondere Worfteher- Pflichten vor , und ermahnete fie, alles beyzutra⸗ 
gen, was ihnen GOtt an die Hand geben wuͤrde, fein Reich in uns 
ferer Gemeine zu befördern. Welches alles fie mir auch mit einem 
KHandfchlag verfprachen , und ich ihnen Gnade Dazu münfchte. End» 
lich fehloß ich mit einem Gebet, worinnen ich. GOTT u ir = 


II. Zen. P. Sandſchuchs Diar. von Engl. nach Penſy lvan. 105 


fländfich vortrug. Es gingen diefe Handlungen nicht ohne Bewe⸗ Mai. 
gung und Thranen ab. Nachmittags um drey Uhr predigte Herr 
Schaum. Verſchiedene Leute von Earltoron ‚von der Beber Creck, 
und Straßburger. Townſchip, kamen mit mir zu reden, obund wenn: 
ich fie auch. mit GOttes IBort bedienen koͤnte, die ich fo guf beriche- 
tete , als ich vor der Hand konte. Den 28ſten Mai. Mittags rit ⸗ 
te ich mit Herrn Schaum und Heren Vigera nad) Worktown, 
einer neu angelegten Stadt, jenfeit der Sufquehana , welches ein’ 
fehr breiter. und der. vielen Felſen wegen gefährlicher Fluß iſt. 
So bald wir des Abends angekommen erkundigte ich mid) nach 
den Umſtaͤnden und der DBefchaffenheit der Gemein. — Den 
2gften Mai. frühe wurden wir zu verfchiedenen der angefehenften Ge⸗ 
meinsglieder geführet, mit welchen id) manches zu berarhfchlagen hat» . 
te. Daraufließ ich bekannt machen, daß die lieder der Lurherifchen 
Gemeine ſich Diefen Nachmittag um drey Uhr inunferer Kirche verfam- 
len möchten. „ wo mit ihnen wegen neuer Vorſteher und Aelteſten ge> 
redet werden ‚folte, weil der vorigen ihre Zeit ſchon lange um mare, 
Nachmittags ſtellete ich der verfamleten Gemeine unfer Vorhaben vor, 
und fehritte, nachdem gefungen und ein Gebet gethan worden, zur 
Wahl zweer neuen Vorfteher und Aelteſten. Sie wurden durd) Die 
mehreſten Stimmen erwehlet, und mie ih GOTT recht herglid) an» 
gerufen, daß er Die Wahl dirigiren wolle, alfo hatten wir auch mol 
nicht beffere befommen Eönnen, als mir befommen haben. Darauf 
wurde noch verſchiedenes Noͤthige mit Der Gemeinegerede. Den 
zoſten Mai. ſprach ic) den gangen Vormittag mit Denen, welche ſich 
bey. mix zum heiligen Abendmahl anmeldeten, und die ich, mit Zusiehung 
verfehiedener von den beſten Gemeinggliedern, zu prüfen, und einem ie» 
den, nach) der von GOtt verliehenen Gnade, die ihm nöthige Ermah⸗ 
nung zu geben fuchte.. Hiereuf gingen wir in die Kirche, wo eine un» 
befchreibliche Menge Voicks von allerhand Secten war, wovon ſich vie⸗ 
fe aus Mangel des Raums um die Kirche gelagert hatten. Vor 
des Herin Schaums Predigt taufte ich swey Kinder. . Nach der 
Predigt ftellte ich die zween neuen Vorſteher und die zween Aelteften der 
gangen Gemeine vor, erinnerte fie ihrer Pflichten, und betete über 
fie. Nachhero las ich der Gemeine das. von meinen lieben Brüdern, 
Herrn Mühlenberg. und Brunnholtzen, — inſtrumentum vo- 
HT —* — BL > De Een catio· 


Mai. 


os Dritte Sort. der Nachr. vonden Ev. Gem. in America. 


cationis des Herrn Schaums nach Dorf vor, führetedenfelben daſelbſt 
ein, gab ihm die meiner Einficht nach allernöthigften Ermahnungen, und. 
befchloß dieſe Handlung mit Gebet. Endlich !ieß ich Die Confirmanden, 
Deren ſechzehn waren, vortreten, eraminirtediefelben,und confttmirte fie. 
Den Catechiſmum Eonten fienod) fo ziemlich auswendig. Bey einem ie⸗ 
den Hauptflücke fuchte ich ihnen Dienöthigften Lehren ang Hers zulegen, 
In ihrer aller Namen erneuerte ich den Taufbund durch ein Gebet auf 


den Knien, toben faft alle Leute in der Kirche mit niederfielen, und 


ſoll auch diefeg nicht ohne Thränen und Bervegung abgegangen feyn. 
Zwifchen einer ieden der gedachten Handlungen ließ ich einen darzu ſich 
ſchickenden Vers aus bekannten Liedern fingen. Gegen Abend meldeten 
fih Drey Vorficher von Cannawaka, zwantzig Meilen weiter an den 
Grentzen Marylands, mich dahinabzuholen. each meiner lieben Bruͤ⸗ 
der Einrichtung folte ich dahin fehen, ob York und Cannawaka Fönten 
verbunden, und Wechſelsweiſe von dem Herrn Schaum der Gottes. 


dienſt an diefen Orten verrichtet werden. Den zıften Mai. früh mel 


Deten ſich noch vielegum heiligen Abendmahl bey miran. Halb zehn Uhr 
gingen wir in die Kirche zu York. Ich hielte Die Vorbereitungs⸗Re⸗ 
de, nachhero fielen wir alle auf die Knie, und nachdem gebeichtet wor⸗ 
den, thatich noch ein Furß Gebet hinzu, und abfofirte fi. Mach» 
dem Herr Schaum geprediget , theilete ich dag heilige Abendmahf 
aus. Des Nachmittags hatten mir bis in den ſpaͤten Abend mit 
einer alten tiefeingemurselten Streitfache viel zu thun, die aber Doch 
noch, nach vielem Gebet und herslichem Zureden, beygeleget und 


völlig aufgehoben worden. DieSache gu erzehlen wäre viel zu weite ‘ 


Iun, 


läuftig. In der gangen Gemeine wird es gewißlich Eindruck und 
Eh un um deſto mehr, Da an den ftreitenden Parteyen viel ge» 
egen if. | BR 

Den ıften Iun. früh titten Here Vigera, wie auch ein Vorſteher 
von der Gemeine zu Dorf, einer von Cannawaka, und ich, andenlegtern 
Ort. Sobald mir in dortige Gegend kamen, lieffen wir die übrigen 
Vorſteher, fo drey bis vier Meilen von einander wohnen, fo bald als 
möglich, zuſammen Eommen. Einer aber unter ihnen, der es bishero 
mitdem alten Heren Kraft gehalten, ließ ſich entſchuldigen. Wie ich eine 
Zrennung in der Gemeine merckte, und vernahm, Daß Herr Kraft mor⸗ 
gen predigen folfes fo weigerte ich mich, ihnenzu predigen. Auf ihr vies 
fes Bitten aber verfprach ich eg unter der Bedingung, wenn eg mit aller 

! Genehne 


11. Sen.P. Sandſchuchs Diar. von Engl. nach Penſylvan. 107 


Genehmhaltung geſchehen koͤnte. Dahero muſten wir uns alle wie⸗ Iun. 
der zu Pferde ſetzen, und ritten noch ziemlich ſpaͤte vier Meilen zu dem 
abweſenden Vorſteher, der in ziemlichem Anſehen ſtehen ſoll. Als 
wir zu ihm kamen, eroͤffnete ich ihm die Beſchaffenheit meines Berufs, 
und daß unſere Abſicht nicht ſey, den Hrn. Kraft zu berdraͤngen. Als ich 
nun eben zugleich eine Fuͤrbitte fuͤr denſelben einlegte, daß ſie ihm, we⸗ 
gen ſeines hohen Alters und uͤbrigen groſſen Unvermoͤgens, jaͤhrlich et⸗ 
was gewiſſes geben moͤchten, da zumal ein ziemlicher Theil ihrer Ge⸗ 
meine ihn auf ein Jahr lang ſchriftlich angenommen haͤtte, kam dieſer 
alte Mann ſelber in die Stube getreten. Ich erzehlte ihm ſogleich den In⸗ 
halt unſers Geſpraͤchs, und die eigentlichen Ueſachen unſers Hierſeyns; 
konte aber Feine zu unſerm Vorhaben gehörige Antwort von ihm er⸗ 
halten, als Diefe, es folte ihm angenehm feyn, wenn ich morgen für 
ihn predigen wolte; von Der Gemeine aber wieder abzuftehen wäre ihm 
ein Schimpf, teil ihn viele auf ein Jahr zum ordentlichen Lehrer ans 
genommen. Sonſt redete ich vieles mit ihm von der Wichtigkeit des 
Lehramts und der ſchweren Verantwortung der Prediger bey ihrer Un⸗ 
treue und fleifchlichen Abſichten; darzu er nicht ein Wort ſagte. Den 
2ten Iun. predigte ich in Cannawaka am Schulhaufe unter freyem 
Himmel, Da der Pfarrer Kraft mir zur Rechten an einem Eleinen Zi» 
ſche faß, und eine groffe Menge Volcks von allerhand Secten um ung 
‚herum verfamlet war, Darunter auch ein Mährifcher Prediger fich be« 
fand. Ich taufte auch zwey Kinder, und alles lief Gottlob ruhig und 
ordentlich ab. Nach geendigtem Gottesdienft bezeigten ſich der alte 
Herr Kraft und der obgedachte Vorſteher ungemein höflich gegen mich, 
ſo daß ic) mich darüber Mwunderte. Nachmittags titten wir unter 
‚dem Öeleite verfchiedener Vorſteher, und unter manchen Sefprächen, 
wieder zurück, und Famen Abends wieder zu Dorf glücklich an. 
Den 3ten Ian. veifete ich) nebſt dem Herrn Vigera wieder nach Lanca⸗ 
fer zurüc, Den 7ten Iuz. waren fieben von den Earltownern bey 
mir,und baten fehr demüthig um eine Predigt auf den andern Pfingfl- 
tag in ihrer Kirche, welches ihnen aber der hiefige Kirchenrath und die 
Vorſteher, ihres anhaltenden Bittens ungeachtet," abfehlugen, 
Den ısten Iun. tourde.der erſte Kirchenrath mit Zusiehung der Vor⸗ 
ſteher in Lancafler gehalten, und unter andern vefigefeßet, daß alle 
vier Wochen an einem Sonnabend Nachmittags alle zwölf Kirchen» 
sathe und die ſechs Vorſteher bey mir zuſammen Fommen, und RR 
| | ohne 


Iu 


= 


< 


108 Dritte Sortf’ der Nachr. vonden Ev Gem. in America. 


ohne dringende Noth ausbleiben ſolte; alle vierzehn Tage hingegen ſol⸗ 


ten nur diejenigen, welche koͤnten und wolten, erſcheinen. Den 16ten 
Inn. vitte ich mit fechs Worftehern und Kirchenräthen aus Lancaſter 
nach Earltown, viergehn Meilen von hier, predigte daſelbſt, hielt 
Wiederholung und Kinderlchre, und redete manches mit der Gemei⸗ 
ne wegenihrer Eünftigen Einrichtung. Auch wurde ihnen Des Lancar 
fterifchen Kirchenraths Entfchlieffung und die Bedingungen , unfer 
welchen auch fie an meinem Beruf Theil nehmen Eönten, durch ein vorher 
im Kirchenrathe geprüftes Schreiben , eröffnet. Den 22ften Tun. hiel 
te ich in Lancaſter die zweyte Seflion des Kirchenrathg und der Vorſte⸗ 
her ‚worin befehloffen wurde ‚Die Gemeine morgen nad) Endigung des 
Gottesdienfteg ftehen bleiben zu Iaffen, Damit ich fie bitten Eönne, doch 
Diefenigen Kinder und jungen Leute anzuzeigen, die von Lutherifchen 
Eltern ſich bey fremden Religions: Verwandten und Secten in Dien» 
ſſen befanden, weil man fi) verbunden halte , fich Diefer armen Kin» 
Der möglichft anzunehmen , und ſie zum Gottesdienſt und Unterricht an» 
zuhalten. Auch ſtellten fich abgeordnete Earltowner im Kirchen» 
rathe ein, und brachten ihrer Gemeine Einmilligung in die beftimme 
ten Bedingungen mit. Den 26ften Tun. frühe ritte ich nach Earl 
town, wo ich in der Kirche mit der gangen Gemeine wegen der Wahl 
neuer Vorſteher redete , und zween recht feine Männer zu aller Zufrie⸗ 
denheit nach, den mehreften Stinnmen Dazu erroehlete. Nach der Pre⸗ 
digt ſtellte ich die zween neuermehlten Vorſteher mit Gebet und Vor⸗ 
haltung der ihnen obliegenden Pflichten der Gemeine vor. Hernach 
ließ ich Die Jugend vortreten, und hielte Wiederholung und Catechi⸗ 
fation. Den 25ften Tan: hielt ich alhier zu Lancaſter die dritte 
Seffion deg Kirchenraths , und wurde darin unter andern einmuͤ⸗ 
thig befchlofien , daß alle Wochen einmal zween Kirchenraͤthe und 
ein Vorſteher unſere taͤglich anwachſende Schule mit mir beſuchen 
folten. Den zoſten Ian. kamen zwiſchen dem Vor» und Nach⸗ 
mittags⸗Gottesdienſt abgeſchickte Leute einer kleinen Lutheriſchen Ge⸗ 
meine. aus dem Townſchip oder Flecken Straßburg, und baten in 
ftändigft, mid) doch auch ihrer Seelen anzunehmen, und ihnen zu pre» 
digen ; melchen ich aber nech Feine gewiſſe Entſchlieſſung, wol aber 
manche nöthige Erinnerungen geben Font. | 


Ial. : . Den zten Iul. zog der Lutherifch gemefene und Mährifch ger 


wordene Schwedifche Prediger, Myberg, der hier fo viele Trennung 
£ und 


II. Srn. P. Handſchuchs Diar. von Engl. nach Penſylvan. 109 


und unerſetzlichen Schaden mit feinem Maͤhriſchen Sectenweſen ange⸗ Tui. 
richtet, von hier nach Bethlehem. Den ten Iul. habe ich mit 
verfchiedenen Leuten aus Straßburg» Townſchip viel zu thun gehabt, 
Die fich gar nicht wolten abweiſen laſſen. Endlich mufte ich auf ihr vieles 
Bitten doc) verfprechen , daß ich über acht Tage fie befuchen und ih⸗ 
‚nen predigen wolte. Den gten Zul. vitte ich aufs Land, einige Leute 
auf ihren Plantagen zu befuchen, wo ich etliche feine Leute fand, und 
unter andern ein am vergangenen Pfingfifefte ermedfter junger Mann 
mir ein Bergnügen:und. gute Hoffnung machte, daß er im angefanr 
genen Guten fortgehen werde. Den ıgten dul. befuchte ich unfere 
Schule, die ungemein ſtarck anwaͤchſet, und aus Englifcehen, Irlaͤn⸗ 
difchen, Zeutfchen, Lutherifchen und auch einem Neformirten beſtehet, 
obgleich eine Engliſche und eine Teutfche reformirte Schule hier find. Die 
Leute plagen den Schulmeifter recht mit ihren Kindern, Die er ohnmoͤg⸗ 
lich alle annehmen noch abwarten fann. Den 24ften Il, wurde ich. 
fruͤh nad) Straßburg» Zoronfehip, vierzehn Meilen von hier, abgeho⸗ 
let, um dafelbft zu predigen, und mich der Dortigen Gemeine anzunehe 
men. Ich bat Die Leute recht nachdrücklich, öffentlich und befonderg, 
mich zu verfchonen , wenn es: ihnen nicht: recht ernfilich um ihre Er⸗ 
bauung zur Seligkeit zu thun wäre, maſſen ich inmeinen zwo andern 
Gemeinen mehr zu thun hatte, als ich wol abwarten Eönte, und der 
Weg zu ihnen zu weit und gar zu beſchwerlich wäre, da man durch ei» 
‚nen ziemlich groffen Fluß, Durch zween andere ziemlich groffe Baͤche, 
und einige.feinichte und moraftige Gegenden durchreiten muß, 


Den aten Aug. wurde nad) der Predigt das heilige Abendmahl Aug. 
“unter hundert und fünf und achtzig Communicanten. ausgetheilet , mit 
denen geftern und. heute Vorbereitung und Beichte gehalten worden. 
Es wuͤrde deren: noch ‚eine weit ftärcfere Anzahl gemefen feyn, wenn 
nicht mandhe unordig wandelnde abgemiefen worden. Nachmittags 
hielt ich Wiederholung und Kinderlehre, Den 6ten Aug. copulirte ich 
ein Paar feine Leute, davon der Mann reformirt ift, nad) einer vor⸗ 
hergegangenen Hochzeitpredigt, wozu fich auch eine von den vornehm» 
ſten Sndianerinnen in ihrer wunderlichen Tracht einfand, und ſich die 
gantze Zeit über gang ſtill und fittfam bezeigte. Es halten fich über 
dreyſſig Indianer feit zwölf Tagen in .. Angelegenheiten un 


no Dritte Sortf. der Nachr. vonden Ev. Gem. in America. 


Aug. auf. Den oten Ang. Weil unſere Schule ſeit zween Monaten faſt 
taͤglich angewachſen, und unſer Schulmeiſter fie unmoͤglich abwar⸗ 


ten und uͤberſehen koͤnnen; ſo waren wir gemuͤſſiget, den Herrn Vigera 


um Huͤlfe anzuſprechen, der ſich auch willig finden ließ, ihm vier und 


zwantzig Kinder abzunehmen, Dieſe Schularbeit fing er den zten Jul. 
an, und hat fie bishero nicht ohne verſpuͤrten Nutzen fortgefeget, ohne 
geachtet es wegen desgar zu engen Raums in der oft fehr groſſen Hitze 


: Ihm manchesmal fehr ſchwer geworden. Den 2ten Aug. Fam Herr 
- Schaum mit einem Jultus of peace, einer obrigfeitlichen Perſon, ſei⸗ 


nem Wirth in Dorf, mich zu befuchen. Wir hatten vieles wegen 


. Dort, Cannawaka und noch einem andernDrte, Permutſchin, mit 
„ einander zureden. Noch diefen Abend kamen abgeordnete Borficher 
> von Cannawaka, diein ihrem Schreiben an ung um Herrn Schaum 


* 


ſehr demuͤthig baten. Den ı7ten Aug. wurde Kirchenrath gehalten, 


und drey Kirchenräthe nebft einem Vorſteher als Abgeordnete erweh⸗ 
let, der Kircheneinweihung, der Ordination des Herrn Kurtzens, und 


dem Synodo in Philadelphia beyzuwohnen. Den andern aber wur⸗ 
de es frengeftellt, nach) Bewandniß ihrer äuffern Umftande zu Tommen, 


„oder nicht. In Earltown wurde auch. ein Vorfteher Dazu beſtimmt. 
. Den zıften Aug. reifete ic) nad) Vhiladelphin ab, und Fam den fol 
‚ genden Tag dafelbft mohlbehalten an. _ Der Herr Paſtor Hartwich 
‚traf auch bald hernach daſelbſt ein. Den 23ſten Aug. wurden dem 


Herrn Kurs die wichtigfien Fragen aus allen Theilen der. Theologie 
fchriftlich zu beantworten vorgeleget. — 2aften Aug. überreichte 
derſelbe, nachdem auch Herr Paſtor Mühlenberg von Providens anger 
Tommen, feine aufgefeßte Beantwortung aller ihm vorgelegten Fra⸗ 
gen, fo wir gemeinfchaftlich Durchlafen und ein wenig prüfeten,, dar» 


„auf. noch ein muͤndliches Examen mit ihm angeftellet wurde. Her⸗ 


nach wurde mit dem fämtlichen Kirchenrath von Tulpehoken des 


Herrn Kurtzens wegen das Möthige geſprochen. Den 2sften 
Aug. früh gegen zehn Uhr gingen wir Prediger, nebſt dem Kir 
chenrathe, Aelteften und Vorſtehern einer jeden mit uns vereinig⸗ 
ten Gemeine, paarweiſe in die Kirche. Die Einweihung der neuer> 
baueten Kirche zu Philadelphia verrichtete Here Mühlenberg , welche 
ein jeder Prediger mit einem Furgen Gebet, um den Altar herum 


- Iniend, beſtaͤttigte. Die Predigt hielte ich über das Evangelium am 


ach 


1. 3rn.P.Zandfchuche Diar. von Englnach Penfylvan: u 


gehnten Sonntage nad) Trinitafis, Nach der Predigt hielt Herr Aug. 
Hartwich und ich Die Communion, wozu wir vereinigte Prediger alle 
mitgingen. Nachmittags predigte Herr Hartwich. Mach deffelben 
vedigt wurde Herr Rurg ordiniret. Herr Mühlenberg hielte ihm 
das Noͤthige beiveglich und nachdrücklich vor ; Darauf wurden ihm Die 
Haͤnde von felbigem , vom Schwedifchen Probſte, Herrn Sandin, 
dem Schredifchen Prediger, Herrn Magifler Naͤßmann, dem Hertn 
Hartwich, Deren Brunnholgen und mir, aufgeleget, und ihm darauf 
von ung allen viel Segen vom Haren angewünfchet. Den 2often 
Aug. predigte Herr Kurg. Nach der Predigt wurde ein Synodus ge» 
halten, wobey alles ordentlich und friedlich ablief, dafür wir Gtt 
nicht genugſam Dancken koͤnnen. Den 27ften Aug. reifete ich von 
Philadelphia mit dem Herrn Mühlenberg nach Provideng, und den 
folgenden Tag von da nach.Lancafter. SE: 


Den ı7ten Sept. ward der Anfang mit der Zubereitung der Ju⸗ Sept. 
gend zum heiligen Abendmahl gemacht, und zwar öffentlich inde 
- Kivche im Beyfeyn des Kirchenraths, der Vorficher, der Elten 
und Meifter, und einiger andern Leute, dabey fic) auch die ſaͤmt⸗ 
lichen Schulkinder einfinden muften. Zuvoͤrderſt that ich einen 
Vortrag über 2 Tim. 3, 15⸗17. legte in der Application fünf ver» 
fehiedene Fragen an der Jugend Hergen, welche fie alle mit einem 
lauten. Ja, und ein jedes mit. einem Handfchlag beanttworteten, 


. Sie 
bewei⸗ 


⸗ 





‚2 Dritte Sortf. der. Nachr. vonden Ev. Gem. in — 


‚Sept. beweiſen auch ziemlichen Fleiß i in Erlernung der ihnen aufgegeber | 
onen. wichtigften Sprüche. On der. Kinderlehre find der jungen 
Leute groffe und kleine meiſtens einige ſiebenzig, welche mir Freu · 
de und Hoffnung machen. 


Der HERN, mein guter und gefreuer GOTT, můſſe 
von mir hier und in alle Ewigkeit geprieſen werden, daß er mich 
Schwachen ſtaͤrcket, und mir von Woche zu Woche, von einer 
Arbeit zur andern, ſo gnaͤdig durchhilft. Er wolle nach ſeiner 
Barmhertzigkeit fo fortfahren, und, worum ich, ihn am meiſten 
anflehe, meine Berufsarbeit weder an meiner eigenen, nod) an . 
* andern mir anvertrauen Seelen, vergeblich feyn, fondern u ei⸗ 
nem mahrhaftigen und ewig ——— sur gereichen laſen 

um ſeines Namens Ehre willen / 


Zohann Friederich Handſchuch. 
— * —8 J re 





Vierte ——— 
Der 


Nachricht— 
von einigen 


Evangeliſthen Gemeinen 
ee, 


— er in Penfplvanien. 
HARRE, 


Sn des Waͤyſenhauſes 
1751 


Inhalt. 
J. Nachricht von den neueſten Umſtaͤnden. 


1. Abſendung zween neuer Gehuͤlfen $. r. bie $. 15. 


2. Was in den neueſten Briefen aus Penſylvanien ſelgſt berlchtet 

worden $.16. bie $. 29. Deme noch 

3. Einige Erinnerungen gegen den Heren Grafen von Zinzendorf 
| als ein Anhang bengefüget find $. 30. bis ans Ende. 


U, Anfang des Berichts des Heren Paft.- Muͤhlenbergs von ſeiner 
Amtsführung , vom Anfang derſelben, nemlich vom Jahr 1742 
an, bis in das Jahr 17465 nebft einem Brief, darinnen noch ei⸗ 
nige Nachricht von eben diefer Zeit FR wird. 


— — 
LELTI TEUER 


NEN 
INNEN 
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JNachricht von den neueſten Umſtaͤnden. 


NIE Nachrichten verſprochen, Daß gegenwaͤrtige vierte 

A sSortfegung berfelben noch in dem damaligen Herbſt 
‚nachfolgen , und darinnen infonderheit die von dem 
HSerrn Paftor Mühlenberg überfandte angenehme 
Berichte von manchen erbaulichen Exempeln verfchiedener durch die 
Berfündigung des Wortes GOttes zu einer Sorge für ihr Seelen» 
heil aufgeweckten, nnd meifteng bereits felig vollendeten Perſonen, dem 


eb man gleich in der vorigen Dritten Fortſetzung dieſer 






Anfang nach, mitgetheilet werden ſolte: (a) fo haben doc) eines theils 


viele dazwiſchen gekommene Verhinderungen die Erfuͤllung dieſes Ver⸗ 


ſprechens verzögert, und am andern Theiliſt dieſer Werzug auch durch 
Die Hoffnung, daß noch vor dem verfloſſenen Winter abermai zween 


neue Mitarbeiter nach Denfulvanien abgehen würden, verurfachet more 
den. Denn da man von denfelben zugleich einige Nachricht zuertheilen 
gedacht, Das Gefchafte aber ſich von einer Zeit zur andern verzogen, fo 
iſt Dadurch auch diefe Fortfegung gleichfam unvermerckt aufgehalten 
toorden. _ —— Da ; 

$ 2. Machdem aber nunmehro, unter vielen Spuren der ber 


a fondern göttlichen Borfehung, zween neue Gehuͤlfen wircklich im 


— 


Begriff ſtehen, ſich zur Abreiſe fertig zu machen; ſo hat auch dieſes 


Stuͤck nicht laͤnger zuruͤck gehalten werden ſollen, darinnen zuvoͤrderſt 
a 2 


) Siehe die dritte Fortſ. p- 64. Bee Ro, 


x 


16 Vierte Sortfegüng der Nachricht aus Penſylvanien. 


in dieſem erſten Abſchnitt von denenſelben einige Umſtaͤnde zu mel⸗ 
den , und darauf von den neueſten Nachrichten, die aus Pen= 
ſy lvanien feibft ſeit dem vorigen Herbſt eingelaufen , das nöthigfte. 
anzuführen feyn wird. — 
$. 3: Was das erſte betrift; fo hatte, als der Herr Paſtor 

Zandſchuch im Jahr 1747 abgefendet worden , e8 dem HERRN 
nicht gefallen , noch einen zweyten Eandidaten anzuzeigen, und zu 
Annehmung des Berufs willig zu machen, Daher , obgleich zween zu 
überfenden verlanget worden, derfelbe doc) allein abgehen mäflen:(b) 
und man Eonte ſchon Damals leicht voraus fehen, daß die Herten Pre 
diger ſowol, als Die Gemeinen durch Diefelbe, ihre Noth ferner vor 
fiellen und mehrere zu ſenden begehren würden. Ob nun gleic) indeſ⸗ 
fen der naͤchſten Beduͤrfniß einiger Gemeinen , durch die Beſtellung 
des Herrn Kurtzens und des Herrn Schaums zu ihren ordentlichen 

Predigern, für dasmalabgeholfen worden; (c) fo mar Doch aus den 
folgenden Briefen Der Herren Prediger zu erfehen,, Daß fich nicht nur 
die Arbeit in denen bereits mit Predigern verforgten Gemeinen vermehe 
re, fondern auc) bey immer mehrern Gemeinen eine Begierde entftehe, 
des Unterrichts ausdem Worte GOttes gleichfals theilhaftig zu werden. 

$. 4. In dem verwichenen Fahre wurde in den einlaufenden _ 

Briefen dieſes noch mit mehrerm beflätiget und berichtet, daß nicht. nur 
die Zerren Prediger , infonderheit der Herr Paflor Brunnholg 
und der Herr Paftor Sandſchuch, da fich ihre Arbeit täglich mehr 

häufe, bey ihrer Schwaͤchlichkeit des Leibes, einer Huͤlfe benöthi= 
get; fondern Daß auch verfehiedene andere verlaffene Bemeinen, dee 
ren unten noch mit mehrerm gedacht werden wird, fich aufs neue-bey 
ihnen gemeldet, und gebeten , daß fie theils mit eigenen Predigern 
verforget,, theils von ihnen zumeilen beſucht, und aus dem Worte 
GOttes unterrichtet, auch das heilige Abendmal bey ihnen gehalten 
werden möchte. Daher fie, die Herren Prediger , inihrem undder Ge⸗ 
meinen Namen gebeten, daß von dem Herrn Doctor und Profeffor 
Sranden zu Halle nachfteng einige neue Gehuͤlfen für fie erwaͤhlet und 
überfandt werden möchten , welche Bitte auch von dem Röniglichen 
Großbrittannifchen Hofprediger , Herrn $riedridy Michael 
Ziegenhagen, zu£onden, der fich Diefer Penſylvaniſchen Gemeinen 
| von 
(6) Siche die dritte Fortfekung $. 6. p. 66. —— 
(c) Siehe daſelbſt $. 19. $-ar. und $.22. pag. 76. und folg. 


De RER * N 


TE Von den neueften Umftänden. 17 - 


son Anfang mit ruͤhmlichem Eifer und beſonderer Sorgfalt angenom⸗ 
men, dahin nachdruͤcklich unterſtuͤtzet worden, daß zuvoͤrderſt zween 
tuͤchtige Arbeiter abgeſchickt werden moͤchten, um zu ſehen, wie weit 


immittelſt dieſelben bey der gegenwärtigen Noth zureichen würden. 


$. 5. Da aber die Gemeinen, theils wegen der noch zu bezahlen 
habenden Kirchen» Schulden, theild auch wegen ihrer eigenen Armuth, 
dermalen nicht im Stande ‚, Die zu der Reife erforderliche Unkoften 
aus ihren eigenen Mitteln aufzubringen: fo verurfachte ſolches Feine ges 
ringe Prüfung. An einem Theile wolte der Herr Doctor Stande 
nicht gerne die bisherige freue Arbeiter in dieſem Weinberge unter ihrer 
Laſt ohne Hülfe, und die noch ohne Hirten dahin gehende Schafe ver» 
ſchmachten laffen ; an dem andern Theile aber hatte er Feine hinläng» 
liche Mittel in Händen, darauf zu Beſtreitung der Koften hätte 
Rechnung gemacht werden koͤnnen. Es mufte alfo auf die guͤtige Vor» 
forge des reichen GOttes, dem e8 ein leichtes ift, was er zu Befoͤr⸗ 
dernng feines Reiches nöthig erkennet, darzureichen, etwas gemaget 
werden, in Hoffnung, daß deffen Hertzlenckende Kraft wohlthätige 
‚Gönner erwecken würde, aus ihrem leiblichen Segen etwas zu diefer 
Nothdurft liebreich beyzutragen, damit nur zuvoͤrderſt die neuen Mite 
arbeiter durch folchen Vorſchub frey hinein gefandt werden möchten. 
$. 6. In diefem Vertrauen auf GOTT , wurde auch der erſte 
Schritt inder Sache gethan und mit Ernft darauf gedacht , daß die 
verlangten zween neuen Mitarbeiter unter göttlicher Führung gefunden 
werden möchten. Es Famen zu diefem Ende mehrere Candidati 
Theologiä in den Vorſchlag, unter welchen Herr Sriderich Schul- 
ge aus Königsberg in Preuffen fich ſchon im Herbft des verwichenen 
ı75often Jahrs bald willig begeiget, dem Willen und Ruf GHtteg 
nach) Penſylvanien zu folgen und ſich daſelbſt, tie e8 die Nothdurft er» 

fordern möchte, brauchen zu laſſen. 6 SR 
$. 7. Mitlerweile nun alle Mühe angewendet wurde, auch den 
zweyten Candidaten zu ſuchen, fing der treue GOtt an feine Hülfe zu 
beweiſen, indem er eine unbefannte Wobhlthäterin in Teutſchland er⸗ 
wecket, in die Hande Des. mohlgedachten Heren Hofprediger Zie- 
‚genhagens einen milden Beptrag von achthundert Reichsthalern, 
gu Beförderung der Anftalten in Penſylvanien, zuübermachen, wodurch 
demnach die Sorge wegen der Reiſekoſten gehoben worden, und ie 
BEE 3 wunder 


18 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


wunderbare und liebreiche Huͤlfe GOttes um ſo mehr mit demuͤthigem 
Danck erkannt wurde, als auſſer dem, obgedachter maſſen, nichts vor⸗ 
handen geweſen, davon die Nothdurft haͤtte genommen werden koͤnnen. 
Sein Name ſey geprieſen, daß er ſeine Knechte auch in dieſem Anlie⸗ 
gen nicht vergebens auf ſeine Huͤlfe hoffen, und ihren Glauben nicht zu 
ſchanden werden laſſen. Er wolle auch, als unſer Vater im Himmel, 
der ins Verborgene ſiehet, dieſer unbekannten Wohlthaͤterin ſolchen 
milden Beytrag öffentlich und mit unendlichem Segen vergelten. 
$. 8. Ob nun gleich. dieſe Vorſorge GOttes zu einer neuen 
Stärkung gereichte, mit-deflo mehrerem Ernſt auf den zweyten Can⸗ 
Didaten zu dencken, und nicht unterlaffen worden, mehreren, zudenen 
das Vertrauen gefaffet werden können, daß fie mit Nutzen gebraucht 
werden möchten, den Beruf in Diefen Weinberg anzutragen: fo wur⸗ 
den Doc) einige von ihren Eltern gehindert, dDenfelben anzunehmen, an» 
‚dere aber Fonten wegen ihrer. eigenen Umſtaͤnde fich nicht Dazu entfchliefs 
fen. Worüber nicht nur der vorige Herbft, fondern auch der Winter 
hingegangen , ohne daß der zweyte Arbeiter gefunden worden. Ja 
da fich fo viele Schwierigkeiten geäuffert,auch im Frühling Diefes Jahrs 
fich deren noch mehrere ereignet; fo mare beynahe Die gange Sachefür 
dieſes Sahr-aufgegeben worden, in Meinung, Daß es wohl noch nicht 
die rechte Zeit ſeyn moͤchte; wo nicht neue triftige Vorſtellungen aus 
England gemacht worden „daß gleichwol Die Nothwendigkeit erfor ⸗ 

daß noch in dieſem Jahre iemand nach Penſylvanien abgeſandt 
9. 9. Inmittelſt liefen wiederum Briefe aus Penſylvanien ein, 
darinnen der Herr Paſtor Brunnholtz berichtete, Daß, weil feine Lei 
bes-Eonftitution ſchwaͤchlich fey, e8 ihm zu ſchwer werde, wenn er oͤf⸗ 
ters in der geöften Kalte odex in dem ungeſtuͤmſten Regen⸗Wetter zu 
Krancken nad) Bermantown verlanget werde, oder Dafelbft eine Leis 
che zur Erden zu beftatten, und andere Amtsverrichtungen habe, und 
daneben zu Haufe in der Philadelphiſchen Gemeine ohne dem feine 
tägliche Arbeit beſtreiten muͤſſe; wie denn auch beyde Gemeinen, und ab» 
ſonderlich die zu Philadelphia, ſchwierig ſey, wenn er nicht alle Sonn⸗ 
tage ſelbſt predige ,_ und Da er ſolches an beyden Orten nicht zugleich 
thun Fönne, an dem einen Dre nur eine Predigt aus einer Poſtille vor⸗ 
leſen faffen muͤſſe. Indeſſen wolle ihn doch auch die Gemeine zu Ger⸗ 
mantown nicht fahren laſſen; wenn aber ein Prediger von Halle ge⸗ 
— = fehickt 


— \ 


4 von den neueſten Umſtaͤnden en 


ſchickt * zu ſeinem Adjuncto angenommen würde, der in German⸗ 
- toron twohnete, Dafelbft ordentlich predigte und die übrige Verrichtun⸗ 
gen eines Predigers in der Gemeine verſaͤhe, zumeilen aber von ihn, 
dem Heren Paſtor Brunnhols ‚in Germantown felbft geprediget, und, 
mit, einem foldyen Adjuncto, der alsdenn zu Philadelphia predigen muͤſ⸗ 
fe, abgemechfelt werde :. ſo ſeyen fie erbötig , für feinen nothdürftigen 
Unterhalt zu forgen, und die Gemeine zu Philadelphia werde Dadurch 
auch zufrieden gefteflet erden, da fie ſich bereits öfters Darüber be⸗ 
ſchweret, Daß ihr Durch Die Gerinantotoner Gemeine vieles abgehe, 
9. 10. Danun aus diefer Nachricht aufs neue Die baldige Abe 
- fendung der. Gehülfen als nöthig erkannt, und zu dem Ende. weiter im 
Gebet angehalten worden 5 fo hat GOtt folches erhöret und auch den 
zweyten Arbeiter in der Perſon Herin Johann Dietrich Mat⸗ 
thias Seintzelmanns, aus Saltzwedel in der Altenmarck gebuͤrtig, 
gnaͤdig angezeiget, welcher vor einigen Wochen mit Einwilligung ſei⸗ 
ner lieben Eltern, den ihm angetragenen Beruf angenommen, und 
run, nebſt dem obgedachten Herrn Schultzen, im Begriff ſtehet, die 
Reiſe nach Penſylvanien anzutreten. (d) Damit fie aber ſogleich nach 
ihrer Ankunft in Penſylvanien ſich zu allen Amtsverrichtungen gebrau⸗ 
chen laſſen koͤnnen; ſo werden ſie zuvoͤrderſt der Ordnung gemaͤs ordi⸗ 
niret werden. 
6Beyde Candidaten haben auf der bie gen Univer- 
first , Herr Schulge aber auch vorher ſchon fünf Jahre zu Roͤnigs⸗ 
erg in Preuſſen, wo er geboren, und in dem beruͤhmten Collegio 
Friedericiano erzogen worden, ſtudiret, und find in den Anftalten 
des Waͤyſenhauſes sum Dienft des HErrn weiter subereitet worden. 
Da auch beyden eine Aufficht über die Waͤyſenkinder hieſelbſt anvertrauet 
geweſen; fo find fie bereits ben folcher Gelegenheit näher mit einander be 
Tannt worden, welches zu ihrer deſto genauern Verbindung in. dem 
HErrn auch aufs kuͤnftige nicht, wenig beytragen wird. 
$. 12. Da nun aus den oben mit mehrerem angeführten Umflän, 
den zu erfehen, daß von dieſen neuen Mitarbeitern zuvoͤrderſt einer als 
des Heren Paftor Brunnholßen Adjunctus werde angenommen tere 
den müflens fodann aber auch Der Herr Daftor Handſchuch einen Mit 
aſheiteri in ſeinen Gehneinen nötig habe, und, wie unten mit meh⸗ 
rerm 


@ be haben ſich auch nun Bereits ben stm Jul. 1751 michi auf die Rei⸗ 


no Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. * 


rerm gemeldet werden wird, drey neue Gemeinen einen Prediger begeh⸗ 
tet, andere aber verlanget, daß fie wenigſtens mehrmalen beſucht wer⸗ 


den möchten : fo ſiehet man leicht vorher, Daß dieſe zween noch zu we⸗ 


nig, alle Nothdurft völlig zu beſtreiten. Da indeffen ietzo meh> 


vere nicht abgefandt twerden Fönnen; fo ift um fo vielmehr inder ſaͤmt⸗ 


lichen Heren Prediger Gutbefinden geftellet worden, tie fie Die befon= 
dere Einrichtung treffen, und tag fie für Anflalten machen rollen, 


daß fomohl fie, Die Herren Prediger ſelbſt Die nöthige Erleichterung 2 


erhalten , als aud) denen neuen Gemeinen, wenigſtens durch öftere 


SKeifen derer Mitarbeiter, fo viel möglich, gebienet erde, bis es der 


HEren gefallen möchte, mehrere freue Arbeiter in dieſe Ernte zu fenden.. 


$. 13. Der Name des HErrn fey gelobet, der, zwar nichtun. 
ter mannigfaltiger Prüfung , aber aud) gewiß eben fo wenig ohne vie 
fe Spuren feiner befondern Regierung und PVorfehung dieſe beyde 
Candidaten willig gemacht, fic) zuförderft dem Herten , und fodann 
feinen Knechten zu ergeben , und ſich nach deren Wunſch hinfenden zu 
laffen , wo fie zu Ausbreitung des Reichs Ehrifti gebrauchet merden 
können. Wie denn dieſes wol nod) infonderheit, zum Beweis der 
fonderbaren göttlichen Sügung angemerckt zu werden verdienet, Daß, 
da man ein halbes jahr lang den zweyten Eandidaten geſuchet, auch 
dabey wohl mehrmalen auf den Herrn Heingelmann gedacht , aber 
richt vermuthet,, daß er ſich fo leicht zu Annehmung dieſes Berufs ent · 
ſchüeſſen, noch feiner lieben Eltern Einwilligung dazu erlangen werde ‚ine 
mittelſt der HErr im Verborgenen ſein Gemuͤth darauf alſo zubereitet, 
daß er zwar nicht eine ſonderliche Neigung bey ſich empfunden, wenn 
der Beruf an ihn gelangen ſolte, dahin zu gehen, ſondern vielmehr, 
zumahl in Der letztern Zeit, mehr Abneigung verfpüret , gleichwol aber 


: ’ 


sm öftern Daran erinnert tworden, Daß Der Beruf. anihngelangenköne ⸗ 


fe; welches ihm zur Erweckung gebienet , GOtt hertzlich anzurufen, 
daß er nichts wider feinen Willen geſchehen laffen wolle, und , weil 


folchergeftalt die Sache ſchon in feinem Hergen öfters durch Kampfund 


Sebet gegangen, nachdem ihm ber ‘Beruf wircklich angefragen wor⸗ 
den, ihm auch als eine gar wichtige Sache aufs. Hertz gefallen, feinen 


- Entfejluß um ein merckliches erleichtert hat. Woraus fo viel zu er⸗ 


Ponnen, baf der HErr auchda, mo es feiner Weisheit gefället, feir 


ne Knechte und Kinder Durch den Verzug Der Erhörung ihres Gebets 
ku prüfen , doch ſchon im Verborgenen gleichfam Anftalten machet, 


ihres Hertzens Wunſch zu erfüllen. 4. 14. Uebri ⸗ 


IE 


. Von den neueften Umſtaͤnden. at 


-$. 14. Uebrigens iſt e8 gewiß als eine Wohlthat GOttes anzu ⸗ 
fehen , und infonderheit von den Penſylvaniſchen Gemeinen mit ſchul⸗ 
digem Danck zu erfennen , daß auch noch zu diefer Zeit, da Welt⸗ 
sefinnte Menfchen mohl nichts verachtlicher anfehen , als fi) um die 
Ehre GOttes fo viele Mühe zugeben, daß man um berfelben willen 
fein Vaterland verlaffen. und.eine fo weite Reiſe übernehmen ſolte, 
(wiewol von fo viel hundert Menſchen, entweder aug bloffer Neuber 
gierde oder. aus einem unerfättlichen Hunger nad) Reichthum, als der 
elendeſten Keidenfchaft eines Menfchen , täglich eben dergleichen geſchie⸗ 
het) doch noch Werdseuge von GOtt zubereitermerden, die, nicht 
aus Mangel’ der in ihrem Vaterland auch gewiß zu erhaltenden Be⸗ 
förderung, fondern aus wahrem Gehorfam gegen den Willen GOt⸗ 
tes und hertzlicher Begierde fein Reich befördern zu helfen , ihr Vater⸗ 
land verleugnen , und die Beſchwerlichkeit der Seereife und aller übris 
gen Umſtaͤnde übernehmen; die denn aber auch in der That nichts ver⸗ 
lieven , fondern nicht nur ihren leiblichen Unterhalt, auffer welchem der 
Menſch ohne dem nichts von allen Gütern dieſer Welt haben Ean, auch 
in einem andern Theil der Welt eben fo gut. aus der treuen Vater» 
Hand GoOttes finden, fondern auch einen Segen auf die Ewigkeit fich. 
bereiten, wenn fie in wahrer Treue die Ehre GOttes unddas Heil der 

Menfchen bis an ihre felige Vollendung zu befördern fuchen. - 
915. Wir erwecken ung dabey billig, den AErrn berglich 
anzurufen , daß er auch Die gegenwärtige von ihm zubereitefe und in 
die Ferne ausgefendefe Boten des Evangelii nicht nur auf der Reiſe für 
aller Gefahr beſchuͤtzen, fondern auch mit den nöthigen Gaben feines 
heiligen Geiftes ausrüften wolle; damit fie in vollem Segen des Evan» 
gelii zu denen Gemeinen kommen, um deren millen fie fich aller Bor» 
‚theile ihres Daterlandes begeben, und daß durch ihren Dienftam Bor» 
te GOttes viele ausdem Schlaf der Sicherheit aufgewecket, überhaupt 
aber in diefen Gemeinen der Segen des Worts GOttes ſich um fo viel 
veichlicher offenbaren möge, da fie vorhero fo lange Zeit an treuen Leh⸗ 
rern Mangel gehabt, und ſolche ihnen bisher noch allegeit nicht ohne 
viele Schwierigkeiten zugefandt werden muͤſſen. Wie es übrigens der 
Treue GOttes gefallen , dermalen Die Nothdurft zur Reiſe der neuen 
Mitarbeiter durch mildthatige Hande gnadig zuflieffen zu laffen : alfo 
wolle er fortfahren , und ſo wol zu Abtragung der noch übrigen Kir⸗ 
henfhulden zu Philadelphia, welche es der dafigen Gemeine fehr 

IV. Penfylv. Sort R ſchwer 


— 


20Vierte Sorkfegung der Nachricht aus Penſylvanien · 


ſchwer machen, den noͤthigen Unterhalt ihrer Lehrer aufzubringen, als 
auͤch zu anderer Nothdurft der ſaͤmtlichen Penſylvaniſchen Gemeinen 
und zu Befoͤrderung guter Anſtalten das Noͤthige darreichen, und zu 
dem Ende ferner liebreiche Wohlthaͤter, zur Verherrlichung feiner 
Ehre,erweden. el nA MED 
“ 8.16. Wie nun oben bereit einiger aus Penſylvanien eingelaus 
fenen neueren Briefe gedacht worden; alfo it in Diefem Abfchnitt 
nur noch übrig, daß aus denfelben von den vornehmften Um⸗ 
fländen der Herren Prediger und der Gemeinen , einige Nach⸗ 
richt ertheifet werde, _ Ueberhaupt if aus denfelben fo viel zu erſe⸗ 
hen getvefen , daß die ſaͤmtlichen Prediger , Herr Muͤhlenberg, Herr 
Brunnbols und Herr Sandſchuch, nebft den beyden Adjunctig, 
Herrn Rurg und Herrn Schaum, in brüdeslicher Liebe aufs innige 
fe mit einander verbunden ſeyn, fo Daß fie ſich, wenn fie zufammen 
kommen ‚an einander erquicken Fönnen, und einer dem andern mit hertz ⸗ 
licher Liebe bey aller Gelegenheit an Die Hand gehe, wodurch ihre Laſt 

und Sorge fehr erleichtert werde, ir AR 
$. ı7. Sodann wird darinnen berichtet, Daß den sten Tun.r750 
abermal eine Zufammenkunft der famtlichen Herten Prediger und 
Worſteher der vereinigten Gemeinen (e) gehalten worden, in welcher 
ſich auch die Gemeinen zn Gofchehopen, Jndienfteld, (f) Bir⸗ 
denfee, Makunſchi und Cohengi durch einige Abgeordnete gemel⸗ 
det und verlanget , daß fie in die Gemeinfchaft der andern aufgenom⸗ 
men werden, und die Herren Prediger für fie forgen mochten, Damit fie 
mit ordentlichen Pfarrern verfehen, Diejenigen aber von ihnen, welche 
sinen eigenen zu unterhalten nicht im Stande, zumeilen von den Hero 
Si ren 


ce) Die vereinigte Gemeinen ſind, wie aus der dritten Fortſetzung pag. 76. und 
fulg. und pag: 78: zu exſehen, bisher die Gemeinen zu Philadelphia, Neu⸗ 
banover, Provideng, Germantown, Lancafter, Tulpehodem und 
Nord , nebft dinen dazu gehörigen Filialen ,_ geweſen; wozu, auffer denen. 
bier gleich folgenden, auch noch die Gemeine zu Resdingstown gelommen, 
deren unten gedacht werden wird. - —F 

(F) Dieſe beyde haben einen gewiſſen in Teutſchland abgeſetzten Prediger, in Gemein, 
ſchaft mit einer andern Gemeine, zu ihrem Pfarzer gehabt : Da er fih aber uns 
fer. andern verleiten laffen, eine Frau, deren ihm nicht unbefannter Mann noch 
am Leben, mit einem andern zu fraucn, uud dariiber von der Obrigfeit in 
Arreſt gezogen worden, fo haben fir bezeuget, daß fie ihn mie gutem Gewiſ⸗ 
fen nicht laͤnger behalten koͤnten. — — 


LVon den neueſten Umftänden: 23 


ren Predigern und ihren Gehuͤlfen beſuchet würden. Die verſamlete 
Herren Prediger und Vorſteher haben ihnen auch verſprochen, daß 
nad) Möglichkeit für fie geſorget werden ſolle. In ſonderheit find die 
beyde erſtern zu Goſchehopen und Indienfield vertröftet worden , daß 
«der Herr Paſtor Muͤhlenberg, fo bald er im Stande feyn würde , zu 
s ihnen kommen, und unterſuchen wolle, wie weit man ſich ihrer anneh ⸗ 
mien koͤnne : zu denſelben ſolte auch die Gemeine zu Birckenſee gezogen 
werden, und dieſe drey, eine Gemeine ausmachen. Der Gemeine zu 
Makunſchi iſt Hoffnung gemacht worden, daß ein inzwiſchen in des 
Herrn Muͤhlenbergs Filialen zu Saccum und Uppermilifort angenom ⸗ 
mener Catechet, Herr Schrenck, ſie denn und wenn beſuchen und ihe 
nen predigen ſolle; da es ietzt noch nicht moͤglich, ihnen einen beſtaͤn⸗ 
digen Seelſorger zu geben. Und was die Gemeine zu Cohentzi betrift, 
fo hat zuvoͤrderſt die Tuͤchtigkeit ihres Schulmeiſters naͤchſtens unter, 
ſuchet werden ſollen. Sonſt aber ſeye bey dieſer Berfamlung in Vor⸗ 
ſchlag gebracht worden, wie es die Nothwendigkeit erforbere, Daß jähr- 
‚ich ein Aufſeher über alle vereinigte Gemeinen , um guter Drdnung 
willen, erwaͤhlet werde; wozu auf Diefes Jahr der Herr Paftor 
Srunnholg ernennet torden , der folches auch, obgleich Die Yors 
ſteher feiner: Gemeine feine kraͤncklichen Umſtaͤnde und viele andere Ge» 
ſchaͤfte Dagegen vorgeftellet,, nicht ablehnen Eönnen. - > | 
2 18: Was nun infonderheitdie Gemeine zu Philadelphia 
und. die Dazu gehörige Gemeine zu Germantown betrift ; fo wird 
‚auffer dem, was fehon gemeldet worden, berichtet, Daß der. Herr Pa⸗ 
fioe Brunnholtz feit dem Zulio 1749 gar fhroächlich getvefen, und ; 
weil er, auffer einigen harteren Kranckheiten, womit er in der letztern 
Zeit faft alle Fahre heimgefuchet worden, oft fonft moleinige Tage das 
« Bette hüten müflen , feine Predigten nicht allemal verfehen Fönnen , 
welches ihm nicht nur felbft fehr wehe gethan ‚da er gerne fein Amt mig 
aller möglichen Treue abwarten wolle, fondern auch bey einigen in der. 
» ‚Gemeineeinige Unzufriedenheit erwecket. Zu Diefe feiner Schwach» 
"lichkeit trage , nebft feiner von Natur nicht gar ſtarcken Feibesbefchaf. 
fenheit, Die er au) in Teutſchland öfters mit vieler Beſchwerung fühs 
len müffen , abfonderlich Die überhaufte Arbeit im Predigtamte niche 
"wenig bey. (8) Der treue GOtt, der Diefen werthen Mann bey den 
a en 0 ME _ Denhle 
) Es hat derſelbe bis anhero in Philadelphia, diefer ziemlich er 
Be ; A 4 ir “fr ; Aupfe 


124 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penfylvanien. 


Penſylvaniſchen Gemeinen zu vielem Segen gefeßet , molle ihm bie in 
feinem Dienft unermuͤdet vergehrte Kräfte gnädig erſetzen, und ihn, 
; nebft denen übrigen , zum theil auch ſchwaͤchlichen Herren Yedigern, 

zum Beften feiner Kieche in Penſylvanien noch lange erhalten, auch 
dieſelbe alſo ſtaͤrcken, daß fie ferner im Stande feyn mögen, zu Ber 
herrlichung feines heiligen Namens ‚und Beförderung des ewigen Heils 

der Glieder ihrer anvertrauten Gemeinen, mit ber gehörigen Munter ⸗ 
keit anihnen zu arbeiten. AU — —— 
$. 19. Bey dieſen kraͤncklichen Umſtaͤnden des Herrn Paſtor 

Brunnholtzen haben gleichwol die Gemeinen ein Verlangen bezeiget, 

alle Sonntage eine ordentliche Predigt an iedem Orte zu haben; 

da es bisher nicht anders eingerichtet werden koͤnnen, als daß der Herr 

Paſtor Brunnholtz einen Sonntag zu Philadelphia, und den andern zu 

Germantown des Vormittags und Nachmittags Kirche gehalten, an 

dem andern Orte aber in der erſten Zeit Herr Schaum, ſo lange er zu 

NPhiladelphia geweſen, den Gottesdienſt verſehen, und nachdem derſel⸗ 
be zu der Gemeine zu Yorck gekommen, von dem dermaligen Schul⸗ 
halter zu Philadelphia, Herrn Vigera, eine Predigt vorgeleſen worden. 
Dis hat ihn bewogen, einen geivifen Candidatum Theologis, der 
vor einiger Zeit nach Penſylvanien gekommen, und den er in feinem 

Haufe liebreich aufgenommen , daer für ſich inder Erkaͤntniß der goͤtt⸗ 

lichen Wahrheiten fich immer befjer zu gründen Gelegenheit gehabt, 

auch dem Herrn Paftor Brunnholg dabey genauer bekannt worden, - 
auf eine Zeitlang als einen Helfer oder Mlitarbeiter zur Probe anzu 
‚nehmen, bis mehrere Gehälfen aus Teutſchland ankommen würden ; 

nad) deren Ankunft denn gedachter Candidat entweder wiederum nach 

Europa zurück kehren, oder auch ferner auf Diefe oder jene Art gleiche 

wol feine weitere Arbeit in Penfploanien finden wird , da obgedachter 
maffen die Ernte groß, aberder Arbeiternur wenig find. 

$. 20. In Philsdelphia wird die Schule von dem obgedach⸗ 
ten Herrn Vigera in des Herrn Paflor Brunnholgens Haufe 
3 i 


Hauptſtadt des gantzen Landes, darinnen die ſtaͤrckſte, obgleich aͤrmſte Teut⸗ 
{de Lutheriſche Gemeine iſt, das Amt gantz alleine verwalten, und zugleich der 

Gemeine zu Germantown vorſtehen muͤſſen, durch welche überhäufte Arbeit 
auch die ſiaͤrckſſe Natur geſchwaͤchet werden koͤnte. Daher die Nothwendig⸗ 
feit, daß durch. neue Gehülfen inſonderheit auch ihm sine Erleichterung ger 
ſchaffet werde, iederman einleuchten wird, 


N 


} 


Pr 


- 


firmiret und zum erfimaligen Genuß * heiligen Abendmals 


Von den neueſten Umſtaͤnden. ꝛ5 
lich verſehen, der auch, wie ſchon gemeldet, im Nothfall den Gottes⸗ 


dienſt mit Vorleſung einer erbaulichen Predigt verrichtet, und der den 
famtlichen Herren Predigern von Anfang feines Aufenthalts in Per» 


ſplvanien vielfältige nuͤtzliche Dienfte erzeiget hat. In Bermantown 


ift zwar gleichfalls eine ordentliche Schule, dabey es aber weit ſchwerer 


halt, weil die Glieder der Gemeine ſehr zerſtreuet und meiſt auffer der 


Gütern wohnen. — A 
$. 21. Alle Sonntage Rachmittage wird andem Orte, wo der 


Stadt. auf den Plantationen, oder auf den von ihnen angebaueten 


Herr Paflor Brunnhols den Gottesdienft verfiehet, öffentliche Rin— 
derlehre angeftellet, Darinnen mit den Kleinern der Eleine Catee 
chiſmus Lutheri Durchgegangen , die Gröfferen aber zugleich mehr 
- in die Heilsordnung und in die Bibel hinein geführet werden , wovon 
„auch beyden verfauften Dienftboten, twelcheinsgemein Servants (h) 
genennet werden, und deren eine fehr groffe Anzahl in Philadelphia iſt, 
ein Nutzen gehoffet und nur gewünfcher wird, daß folche arme Leute 


+ 


Handbibeln haben möchten. In der Woche aber ift vergleichen Kin» 


derlehre anzuftellen nicht wohl möglich , teil die Kinder vom gehenden 


Jahre an zur Arbeit angehalten werden, daher felbige auffer den Sonn» 


e 


und Feſttagen nicht zufammen kommen Eönnen. In beyden Gemeinen 


iſt eine ziemliche Anzahl junger Leute nach hinlaͤnglicher Zubereitung con⸗ 


ge⸗ 


(h) Weil viele von den nach Penſylvanien eilenden Teutſchen ihre Fracht zu be 
zahlen nicht im Stande find, fo werden fie, zu deren Verguͤtung, auf einige 


Jahre an die reichften Einwohner als leibeigene Knechte verauft. Es Fome 1 


men ſolcher zur Verlaffung ihres Baterlandes verführten,und dadurch öfters im 
leibliches und geiftliches Elend geftürgten Teutſchen Leute von Zeit zu Zeit noch 
immer fehr viele in Perfplvanien an. Im Herbfi 1749 find fünf und zwan⸗ 
 Kig Schiffe vol Teutſcher neuen Eoloniften nach und nach vor Philadelphia eins 
gelaufen und Tui denen, die, der Tod unterwegs aufgerieben, haben ſich dars 
auf Sieben tauſend und neun und vierzig Perfonen befunden. Es iſt leicht 

zu erachten, da die Begierde, das Vaterland mit der neuen Welt zu verwech⸗ 
ſeln, ſchon fo viele Jahre her unter denen niemals weniger, als mit den gegen⸗ 


Roaͤrligen umſtaͤnden, vergnigten Teutfchen geherichet, das Land bereits über, 


fluͤſſig mit Leuten befegt fey. Und fo ifis. Es winmele von Leuten, - fo dag 
auch die Lebens⸗Mittel immer theurer werden. Eben diefes aber ift die Lirfach, 


- warum die nun ind. Land Eommende, nicht fo viele Vortheile genieſſen können z 


als die erfieren genoſſen haben. 


6 Vierte Sortfedung der Nachricht aus Penfylvanien. 


gelaſſen worden. Mitwochs Abends wird auch von dem Heren Paſtor 
eine Betſtunde in feiner Wohnung gehalten, wenn die Kräfte es zulaſ⸗ 
fen. Sonft ift der. Herr Paſtor über die Trägheit und Sicherheitdes 
gröften Haufens fehr gebeuget und befümmert ; obgleich eine ziemliche 
Auffere Ruhe und Einigkeit unter den Gemeing-Hliedern an beyden Or⸗ 
ten wahrgenommen wird, auch Diefelbe in Beſuchung bes öffentlichen 
Sottesdienftes fleißig find. _ Doc) iſt auch der Segen , den der HErr. 
zur Verkündigung feines Worts verleihet, nicht zu leugnen , obgleich 
öfters der gröfte Theil deffelben vor den Augen feiner Knechteeine Zeit 
lang verborgen bleibe... EEE A 
6. 22. Was übrigens die Schulden von dem Kirchenbau zu 
Philadelphia betrift; fo if aus dem vorigen Stück (i) bekannt, Daß 


+ felbige im April 12749 nach Teutſchem Gelde noch über sweytaufend 


achthundert und zwanzig Bthlr. betragen , wovon Die Gemeine _ 
jährlich bey einhundert. und frebenzig Krhlr. Zinfen geben müffen. 
Doch find noch im Jahr 1749 acht und vierzig Pfund Penfploanifch oder 
Einhundert fechs und fiebenzig Rthlr. am Capital abgetragen , CK) 
hingegen aber im folgenden r75often Jahr endlich befchloffen worden , - 
die ſchon geraume Zeit für nöthig- gehaltene Emporkicche (1) wirck - 
lich zu bauen. Ob ſolches nunmehr gefchehen, und ob dadurch die 
Schuldenlaſt nicht wieder vermehret nesrden ‚Davon ſtehet weitere Wach» 
richt zu. erwarten. Desgleichen haben zu Germantown die Stühle 
in der Kirche, nebft einer Sacriftey, gebauer werden follen, und find 
bereits für fechs und funfjig Pfund Penfploanifch , oder etwas über 
zweyhundert fünf Rthlr. veraccordiret torden, fo die Semeinelunter 
fic) aufzubringen fuchen wollen; hingegen wird vermuthlich an ihren 
Kirhenfchulden (11) nichts haben abgetragen werben Fonnen, wenige ⸗ 
fteng ift davon nichts berichtet worden le: 


$. 23, Was 


.G) Dritte Fortſetzung $. 23. p. 79.109 in der zıten Zeile ein Druckfehler, und, 


anftatt 370, 170. Rthlr. zu lefen if. — ! Ä 
CH) Hierzu iſt der auf die Gemeine Philadelphia gefommene Antheil von der in den 
Heften: Darmflädtifhen Landen, nad) p. 34 und 85. der dritten Fortfegung, _ 
gefamleten Eollecte angewandt torden- eher 
C) Berfelben it auch ſchon an dein. vorhin angeführten Ort, dritte Fortſetzung 
p. 79, gedacht worden. — 
(1) Die Kirchenſchulden zu Germantown haben im Jahr 1748, nach der dritten 
Fortſetzung p- 81, in 600 Rthalern beflanden, — — 


1: Don den neueſten Umſtaͤnden. mw 


$. 23. Mas den Heren Paſtor Muͤhlenberg und feine Ge⸗ 
‚meinen zu Provideng und Neuhanover betrift; fo ift jener, da die 
erftere neue Briefe von Penſylpanien abgegangen, nemlich im 
Auguſt 1750, aufeiner Reiſe nad) Albanien im Neuyorckiſchen begrife 
fen gemefen : mithin haben von demfelben Damals Feine Briefe mitgege⸗ 
ben werden fünnen, und im Januario 1751, Da der allerneueſte Brief da⸗ 
tiret ift, hat ed wegen des damaligen rauhen Wetters und der böfen 
Wege, an Gelegenheit zwifchen Providens und Philadelphia gefehlet, 
- folglich find auch Feine Briefe von ihm an dem letztern Ort vor Abgang 
der Schiffe zu erwarten geweſen. Daher, auffer dem wenigen, was 
don einem angenommenen neuen Catecheten in einigen Filialen bereits 
oben (m) gemeldet worden , von ihm undfeinen Gemeinen dermalen 
feine befondere Nachricht ertheilet werden kan; welchen Mangel aber 
der unten im andern: Abfchnitt folgende'Anfang feines erbaulichen Be⸗ 
richts von den merckwuͤrdigſten Umſtaͤnden feiner von Anfang unter den 
- Denfploanifchen Gemeinen geführten Amts ‚erfegen wird. — 
$. 24. Von dem Herrn Paſtor Sandfehuch zu Lancaſter 
hingegen weitlaͤuftigere Nachrichten eingelaufen. Weil aber da⸗ 
von kuͤnftig ein ausfuͤhrlicher Auszug mitgetheilet werden moͤchte: ſo 
wird es dermalen genug ſeyn, wenn wir nur ſo viel uͤberhaupt anfuͤh⸗ 
ren, Daß derſelbe ſeit dem Maͤy 1748, in welchem Monat er fein Amt 
daſelbſt angetreten, ſelbiges nicht ohne mercklichen Segen gefuͤhret; 
auch zum Preiſe des HErrn bekennen muͤſſen, daß die Kraft GOttes 
bey der Verkuͤndigung feines Wortes ſich an den Hertzen der Zuhoͤrer 
reichlich offenbaret , fo daß ſowol manche zu einer ernfllichen Sorge 
für ihr Seelenheil aufgetvecket , als auch überhaupt in der aͤuſſern 
Ordnung bey der Hansen Gemeine eine mercliche Werbeflerung er⸗ 
halten worden. BR N 
9. 25. Bon dem Heren Pfarrer Aurg zu Tulpehodem ſo⸗ 
wol, als dem Heren Pfarrer Schaum zu Norck berichten die übrigen 
- Herren Prediger , daß ihre Gemeinen annoch wol mit ihnen zuftiee 
den, und da fie an Erfahrung und Weisheit zunehmen , fie in denſel⸗ 
ben in immer mehrerem Segen arbeiteten. Des letztern Gemeine vere 
mehre ſich, nachdem die Stadt York unlängft eine County (n) ere 
halten. Auch habe eine Gemeinezu Canawaken, zwantzig englifche 
| — Meilen 
(m) Oben pae. 123. 3 


; -(n) Oder das Recht einer Graſſchaft. 


z Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Meilen von Yorck, ſich mit derſelben vereiniget; ſelbige werde alle vier 
Rochen von dem Herrn Schaumjbefucht und mit einer Predigt er» 
bauet. Hingegen fey ein unordentlich wandlender alter Teutſcher Pre» 
diger , der ihm- fonft in dafiger Nachbarſchaft viele Unruhe und Stör 
rung verurfachet, meil er wiſſendlich wider Die Landes» Gefege gehane 
delt, in Arreſt und um feine ‘Plantation, oder Landgut, gefommen. - 
$. 26. Sonften ift (dom vor mehrern Jahren ein Candidatus 
Theologiaͤ, Herr Johann Albert Weygand, ausdem Hanauifhen 
gebüttig, der auf der Univerfität Halle ſtudiret, von einer Gefellfchaft 
Eoloniften , welche aus der Pfalg nach Penſylvanien gegangen, zu 
Franckfurth am Mayn, wo er fich Damals aufgehalten , als ihr Pre '- 
diger mitgenommen worden, und mit ihnen nad) Philadelphia gefome 
men. Wie aber der ſogenannten Neulaͤnder (0) Gewohnheit iſt, 
daß fie denen Leuten, die fie bereden nach Penſylvanien zu gehen, viel 
mehrere Vortheile verfprechen , als fie erhalten Eönnen , und dieſe, 
toenn fie nad America kommen, ſich meift in die betrübteften Umflän- 
de geſetzt befinden : alfo pfleget e8 auch Denen Predigern, welche die 
Yreulander aus der Urſach gerne mitnehmen , damit fie deſto mehrer 
re Coloniften aufbringen mögen, nicht beſſer, als dieſen letztern, zu erge⸗ 
hen. Denn, teil die meiften folcher Coloniften nicht im Stande find, 
ihre Fracht zu bezahlen, fo müffen fie ſich gefallen laſſen, Daß fie zu Ser 
wants oder Dienſtboten (p) verkaufet, mithin auf den Plantationen‘ 
hin und mieder zerflveuet werden ; da denn ein foicher Prediger kei⸗ 
ne Gjemeine behalten Fan. Dis maren denn auch die Umflände, in 
welche fich Herr Weygand nad) feiner Ankunft in Penſylvanien ge» 
fest ſahe. Wie er indeffen aus einer guten Meinung und Abfichk, 
den ihm von folchen Leuten aufgetragenen Beruf angenommen hatte: 
diſo nahmen ſich auch die Herren Prediger feiner in denfelben * fe 
er Bir vielmehr 


(0) Neulaͤnder werden diejenige in Penſylvanien genennet, welche nicht arbeiten, 
und doch bald reich werden wollen, und deswegen heraus in die Pfaltz, oder ins 
Wuͤrtembergiſche und da herum reifen, und die Leute bereden, nach Penſylva⸗ 
nien zu gehen, mit dem Vorgeben, dafeldft fey alles , was fie nur wuͤnſchten, 
ein ieder Eonne fo reich toerden, tie ein Edelmann, ein ſolches Land, mie die, 
wäre nicht in der Welt, n.d. 9. Dabey haben fie den Profit, daß fie mit ih⸗ 
ren Waaren frey hinein kommen, auch noch von einem ieden Kopf, den fie auf 
das Schiff nad) Holland bringen, etwas gewifjes bekommen, i 
Cp) Siehe oben bey pag- 125. die Note Ch) 


 L Von den neueſten Umfländen. ꝛ9 


vielmehr mit hertzlicher Liebe an, behielten ihn einige Zeit bey 
ſich und brauchten ihn in ihrem Amte zur Erleichterung ; da er denn 

bey Unterrichtung der Jugend und im Predigen alle Treue bewieſen. 
927, Danun im Jahr 1748, an flatt der erwarteten zween 
- neuen Prediger, nur einer (q) angekommen, gleichwol ober , auffer 
Denen Gemeinen , welchen Herr Kurs und Herr Schaum zu Predi> 
gern überlafen worden , Auch nod) eine Gemeine in der Provintz 
Meft-new-Rerfy zu Rendingstown (oder ‚wie es insgemein aus» 
geſprochen wird, Raretan) fi) an Das Minifterium der vereinigten 
Penſylvaniſchen Gemeinen gewendet, und gebeten , daß ihnen felbiges 
zu einem ordentlichen Prediger verhelfen möchte : „fo wurde der vorge 
Dachte Herr Weygand im Herbft 1748 dahin gefandt,, um ihnen, 
gleichwie auch fehon vorher von Herrn Kursen und Herrn Schaumen 
zu verfchiedenen Zeiten gefchehen war ‚fo lange mit Predigen und Untere 
richtung der Sfugend zu dienen, bis man fehen würde, ob eine GOtt⸗ 
gefaͤllige Drdnung unter ihnen eingeführet und ihnen ein eigener Prediger 

- gegeben werben koͤnne. 2% 

0.9.28. Nachdem ſich nun der Herr Weygand zwey Jahre lang 
bey diefer Gemeine aufgehalten, und mit gutem Nutzen und Segen an 
- Alten und ungen gearbeitet; fo hat fie ihn zu ihrem ordentlichen _ 
Prediger begehref , und die famtlichen Herrn Prediger des vereinig> 
ten Penſylvaniſchen Minifterii haben fich auf ihr Werlangen den erften 
" Sonntag des Advents 1750 in der von der Gemeine erbaneten ſteiner⸗ 
ner neuen Kirche eingefunden , diefelbe durche Wort GOttes und 
Gebet zum Gottesdienftlichen Gebraud) eingeweihet und zugleich den 
mehrbefagten Herrn Weygand, nad) vorhergegangenem Eramine und 
- auggeftelltem Religions⸗Revers, zumordentlichen Lehrer und Prediger 
dieſer aus einigen verfchiedenen Gemeinen beftehenden Gemeine ordiniret, 
$:29% So viel iſt es, was wir für Diefesmal von den vereinig⸗ 
ten Teutſchen Gemeinen in Penfyloanien zu melden gehabt; deme nur 
noch mit wenigem beyzufügen ift, daß auch aus Schweden in dem 
verwichenen Jahre für die Schwedifchen Gemeinen drey Prediger , 
Namens Herr Acrelius, Herr Unander und Herr Perlin, nach 
Denfyloanien gefandt worden , davon Der erfie an des felig verſtorbe⸗ 
i | : — nen 


c(0) Nemlich Herr Paſtor Handſchuch, welcher zwar {ham im Jahr 1747 abge, 


7; 


reiſet, aber erft im Jahr » 748 in Penſylvanien angekommen: 
WW. Penſylv. gone S 


"30 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


nen Herrn Sandins (r) Stelle Propſt iſt Dieſe haben von Anfang 
viele Freundfchaft gegen die Teutichen Herren Prediger begeiget , und 
ſuchen fich mit ihnen zu gleichen Zweck zu vereinig n, wie ſie denn aud) 
in ihrer Saflruction von dem Ertzbiſchof in Schweden felbft dazu 
angemiefen worden, (s) Welches denn zu Beförderung der allgemei⸗ 
nen Erbauung ferner nicht wenig beytragen wird, gleichwie bereits die. 
Erfahrung gelehret, daß das Vertrauen , welches von Anfang zwi⸗ 
ſchen denen Feutfchen und Schwedifchen Herren Predigern unterhal 
ten worden, zu vielem Vortheil der beyderfeitigen Gemeinen gereichet. 
Uebrigens hat man von dem ehemalen aus Schweden gefandten Prer 
diger zu Lancaſter, Herrn Neyberg, (t) der zu der Herrnhutiſchen 
Secte uͤbergetreten, fo viel vernommen , Daß derſelbe nach Europa, 
Ed zu dem Herrn Grafen von Zingendorf, zu veifen willens 
geweſen. — — — — 
9.30. Hiemit koͤnten wir dieſen erſten Abſchnitt voͤllig ſchlieſ⸗ 
fen, wenn wir nicht noch gegenwaͤrtigen Anhang beyzufuͤgen, und in 
demfelben , mehr um der oftmaligen Anregung einiger guten Freunde 
illen, als daß wir. die Sache felbft für fo nichtig hielten , eine kleine 
tinnerung bey einigen von dem Heren Grafen von Zinzendorf in 
der Schrift: TIEPI EATTOT, oder LYaturelle Reflexio⸗ 
nen zc. (v) eingeftreueten unrichtigen Vorftellungen wegen der 
Gemeinen in Penſylvanien, fo viel die von Halle ausgefandte Predi⸗ 
ger betrifft , zu machen hatten. 2 
$. 31. Zuvoͤrderſt koͤnnen wir ung nicht genug verwundern,, Daß 
der Herr Graf in dem neunten Stüd der gedachten Schrift pag. 143, 
YTum. LXII. unter feine angewandten oflicia oder Bemuͤhungen zu 
einer foliden, oder grändlichen Unterfuchung auch rechnet: 
„Remonftration an den Inſpector des Buchladens in Halle wegen der 
„Mühlbergifchen bey ihm gedruckten Berleumdung ,,, mit dem Bey 
ſatz: Ohne Antwort., Da doch indem von Marienborn den 2often 
May 1745 datirten und unter dem Namen eines Johann Jacob Muͤl⸗ 
kers , an den dermaligen Deren Inſpector des Buchladens des — 
— en⸗ 
(x) Siehe die dritte Fortſetzung p. 82. 
(s) Wie ſolches auch in den Öffentlichen Zeitungen gemeldet worden. 
(1) Siehe die dritte Fortfegung p- 67. und p. 69. und folgende. - 
(v) Mehreres ift ung von diefer Sache in feinen Schriften nicht vorgekommen, 
haben auch Feine Zeitgehabt, anf Deren beſung zu verwenden. } 


I. Von den neueften Umſtaͤnden 1 


fenhaufes zu Halle eingelaufenen Briefe, Cw) der ohne Zweifel Durchdie 
fogenannte Nemonftration verftanden wird, Feine andere Erklärung zu - 
finden, als, „Daß wenn ung zu Halle an der hiftorifchen Wahrheit et ⸗ 
„was gelegen, und man auf den Ausfpruc) der löblichen Societät de 
„propaganda cognitione Chrifti in London compromittiren wolte, 
„er, der Herr Graf, fo bald e8 verlanget werde, in continenti, (das 
- „ist, auf der Stelle) erweifen wolle, daß die von ihm und den Maͤhri⸗ 
„chen Brüdern daſelbſt befindliche Nachricht in allen ihren Umſtaͤnden 
„falſch fe. — ann | ; 
32. Wir mercken hierbey nur mit wenigem an, daß zuvoͤr⸗ 
derft an der hiftorifchen Wahrheit deffen, was in dem erften Stuͤck 
diefer Nachricht angeführet ift, weder bey dem Werfaffer diefer Nach⸗ 
. richt, noch bey dem Herren Inſpector des Buchladens, in welchen 
felbige verleget ift, fo viel weniger Zweifel übrig bleiben koͤnnen, ale 
deren Nichtigkeit , auffer andern glaubtwürdigen Zeugniffen,, auf der 
Unterſuchung und dem Ausfpruch der ordentlichen Stadtobrig- 
keit zu Philadelphia beruhet ; und daß hiernächft eine befannte 
Sache fen , daß die Hochlöbliche Societät de propaganda cognitio- 
ne Chrifti gu Londen mit den Teutſchen Gemeinen in Denfploanien in 
gar Feiner Eonnerion ftehe, mithin diefelbe gar nicht das Forum ſey, 
vor welchem die Richtigkeit oder Unrichtigfeit der Hiftorifchen Wahr⸗ 
heit deſſen, was in unferer Wachricht von den Penfylvanifchen Geo 
meinen, den Heren Grafen von Zingendorf betreffend, gemeldet wor⸗ 
den, unterfuchet und ausgemacht werden Eönne. (x) Da nun diefes 
EN ro — — alles 
lw) Daß diefer Brief abgedruckt und ausgefirenet worden, iſt aus des Herrn Sen. 
Frefenii Nachr von Herinhutifchen Sachen in der erfien Sanıml. p. 49 und 
folg. zu erſehen, wofelbft auch die p. 64 und folg- geinachte gründliche Anmer⸗ 
ckungen über das Verhalten des Herrn Grafen in diefen feinen vorgegebenen 
Bemuͤhungen zu einer Unterfuchung zu vergleichen iſt. i 
- (x). Solte man fih nicht wundern , daß der Herr Grafin einer Sache, die (dom 
vor der ordentlichen Obrigkeit , wo fie hingehoͤret, in Unteriuchung geweſen, 
nun wiederum auf den Ausſpruch einer andern gantz und gar nicht von der Sa; 
che unterrichteten Societät fich berufen wollen, vonder er gewuſt, daß ſe in kei⸗ 
ne Unterfuchung derfelben fich einlaffen wuͤrde. Wäre es ihm nicht cin Leichtes 
geweſen, die in Halle heraus gegebene Nachricht , wenn er nur den geringften 
Schein einiger Unwahrheit darinnen gu zeigen gewuſt hätte, durch feine noch in 
Penſylvanien befindlich gervefene Anhänger, der dafigen Obrigkeit zur ferneren 
Unterfuchung übergeben zulaffen ? Und wenn er das gethan hätte, fo Fönte er 
fügen , daßereine Bemuͤhung angewendet, daß feine Sachen uaterſuchet wurden, 
wofür aber diefer Briefgar nicht erklannt werden Fann. 


132 Vierte Sortfesung der Nachricht aus Penſylvanien. | 


‚alles dem Herrn Grafen felbft nicht unbekannt feyn Fönnen; ſo wirdes 
ung niemand verdencken, daß der gedachte Brief ohne Antwort ger 
faffen worden. Wäre aber der Herr Graf im Stande gemefen, nur 
die geringfte Unmahrheit zu beiveifen 5 fo würde er ed, ohne unfere 
Eompromiffion zu erwarten , gethan haben, und Eönte es auch noch 
thun, wo und mie er molte, wenn es nur geündlich-und auf gehörte 
ge Weife gefchahe. — er 
. 33. Der andere Ort, darinnen manche unrichtige Vorſtel⸗ 
Tungen-diefer Gemeinen wegen vorfommen , ift in dem zehenden 
Staͤck der angezeigten Schrift p. 206 big 2ı5 befindlih. Wir füns 
nen ung in Feine IBeitläuftigfeit einlaffen , wollen uns auch bey eini» 
gen Unrichtigkeiten in Nebenumſtaͤuden gar. nicht aufhalten, fondern 
nur folche, dievon Erheblichkeit find, berühren. (y) — 
| 34. Db der Herr Graf von Zingendorf auch von feinen Ans 
hängen aus den Zeutfchen Lutheranern einigen Beruf, nach Penfoe 
vanien zu kommen und ihr Pfarrer und Inſpector zu fepn ‚nach Zeutfche 
land zugefchickt befommen, (z) iſt unnöthig zu unterfuchen 5 ob es 
‚gleich Feinen Schein des Wahrſcheinlichkeit hat, zumal er felbft vor» ⸗ 
giebt, daß er vor feiner Ankunft in Penſylvanien nicht die geringfte 
Eorrefpondeng mit Penſylvanien unterhalten, (Ca) welches iedoch 
ſchwer Damit zu concilüren , Daß er Fur vorher felber angeführt, (6) 
tie der jährige Aufenthalt des lieben Biſchof Nitſchmanns, der theuren 
Znna (tie er fie zu nennen beliebet,, ) ihres ehrwuͤrdigen Vaters, und 
der Frau Moltherin, gebornen von Seydewitz, vor feiner Ankunft, 
das meifte zu Erreichung feines Zwecks beygetragen habe, und ohne 
diefelbe feine Hinkunft von gar feinem Effect gemefen feyn würde. Sp 
viel iſt gewiß, Daß weder alle Lutheraner, noch aud) die meiften der» 
ſelben fich auch nad) feiner Hinfunft völlig zu feiner Partie gefchlagen, 
‚fondern es nur einige einzelne Lutheraner (c) gemefen, Die er — 


Ay) Da es auch zu tweitläuftig werden wuͤrde, des Here Grafen eigene Worte al 
‚mal anzuführen; fo überlaffen wir unfern Leſern, felbige an dem angezeigten 
Drte ſelbſt nachzaſehen, und mit unfern Erinnerungen zu vergleichen. Zu wel 
chem Ende wir in den Noten anmeifenwollen, wo des Herrn Brafen Worte be; 
findlich, aufdie wir umfere Abſicht haben. 
(2) Welches iedoch nichts beweiſen wuͤrde, wenn es auf Beredung feiner nach Pers 
| fyfoanten un — u ? a waͤre. 
£a) Fu dem beſagten zehenden Stuͤck der Schrift: Hrsa saurou p. 194. Num. 4. 
tb) Daſelbſt Num. 2.) — = 
ee) Don welchen einzelnen Gliedern der Gemeinen auchuns zu verſtehen , was ſelbſi 


L. Von den neueſten Umftänden 333 


lich auf feine Seite gezogen, worunter ein Vorſteher ſich befunden, 
der ihm dag Kirchenbuch der Lutheraner in Die Haͤnde geſpielet, wel⸗ 
ches ihm aber von der Stadtobrigkeit wieder heraus zu geben anbefohr 
fen worden, (d) zu einen offenbaren Zeugniß , daß er.nicht das ger 
ringſte vor fich gehabt „ womit er einiger maffen feinen Beruf als Lu⸗ 
therifcher Pfarrer zu Bhiladelphia „ womit er Doch fo groß thun will, 
nut hatte wahricheinlich machen koͤnnen. (dd) aa 
2.9: 35. Hingegen hat ſich Die gange Teutſche Lutherifche Ger 
mieine zu Philadelphia ſchon um das Jahr 1733 an den Herin Hofpres 
diger Ziegenhagen zu Londen und den Herrn Doctor Sranden zu 
Halle gewendet, und flehentlih um tüchtige Lehrer und Prediger ge 
beten, und da ihr, darinnen nicht fogleich millfahret werden koͤn⸗ 
nen, (e) fo hat fie ihre Bitte mehrmalen und fo lange wiederho= 
let, bis der Herr Paſtor Muͤhlenberg (f) von denfelben ihr zuge⸗ 
fhicket worden , und zu Ende des Fahre 1742 zu Philadelphia ange⸗ 
langt. Mithin hat fic) diefelbe, fo Immaee ihre Bitte um einen Pre 
—— RER EL diger 
der ſelige Herr Doctor Weismann von den Lutheriſchen Gemeinen geſchrieben, 
daß ſie es mit der Maͤhriſchen Kirche gehalten, und ſich ihr gewiſſer maſſen 
nnterwuͤrfig gemacht. Bu — Be 
.- £d) Es ift nicht an deme, daß die Obrigkeit auf feine Antwort von ihrem Ausſpruch 
abgegangen ſey, mie 1. cit: pag. 210. Num. 1 1.) fälichlich vorgegeben wird, 
ſondern diefeibe hat ihren Befehl, unerachtet feines Vorgebens, daß er Feine 
andere Lutheriſche Gemeine, als feine, Feinen andern Rutherifchen Paftor , als 
fi), und Fein Kirchenbuch, als das ihm zuftändig fey , in Philadelphia erken⸗ 
ne, weil fe davon den Ungrund eingefehen , fehlechterdings twiederholet, wor; 
“auf auch der Hexr Graf ſchriftlich veriprschen gehabt , daß er das Kirchenbuch 
einem Borfteher zurticfgeben wolle: - Und die Dbrigkeit hat, da erfich gegen den 
Vorſteher, der es abholen follen ‚ deſſenh ernach doch gewegert, ihn Durch Arreſt 
dazu noͤthigen wollen, Herr Muͤhlenberg aber hat ans Beſcheidenheit weiter zu 
inffiſtiren angeſtanden. | EUR 
' $dd) Daß aber auch die Eutheraner zu Philadelphia nicht einmal die von dem Herrn 
Grafen ihnen vorgefehriebene Bocation unterſchreiben wollen, ift ans dem Schrei⸗ 
ben von C. Sauer in Germantown, in Herrn Dock. Srefenii Nachricht. von 
Aerenhutifchen Sachen. fünften Samml p.3ı7, zuerfehen. - - 
ce) Daher es auch wol ſeyn fan , daß der Herr Hofprediger Ziegenhagen im Jah 
1737 ſich gegen den Herrn Grafen von Zinjendorf vernehmen laffen, doß er kei⸗ 
nen Prediger etwa damals fchaffen Fünnen, wie dieferl. cir, pag. 207.Num 3.) 
vorgibt. ſo aber zur Sache gar nichts beyiraͤgt. | 
(£) Herr Paſtor Müplenberg ift nicht von dent Herrn Hofprediger Ziegenhagen erſt 
ordinixet worden, fondern hat ſchon vyrher als ein ordinirter Prediger im oͤffenſ⸗ 
lichen Amte geſtanden. . 8 | 


- 


4 Vierte Sortfesung der Nachricht aus Denfplvsnien. 


diger von Halle fortgefeget, auch nicht einmal ‚ ‚ohne wider die Ehr · 


fichkeit zu. handeln, mahrender Zeit mit einem Fremden, ber ohne Be 
ruf felbft gefommen , einlaffen koͤnnen. Und da es einige einzelne Glie⸗ 
der gethan, fo ift foldyes mehr der Ueberredung des Herrn Grafen und 
feiner vorher abgefandten Anhänger zusufchreiben , und ihnen megen 
des auffteigenden Zweifeld , ob der von ihnen verlangte Prediger an» 
noch ankommen werde, zwgute zu halten 5; als ein Beweis für den 
Hexen Grafen Daraus zu nehmen , daß derfelbe der Ordinarius loci der 
ordentliche Rehrer des Orts, (g) geweſen, Der folches Amt, auf eine 
thränende Vocation nad) vorgängigem genauen Eramine der Una» 


nimität der $mpetranten angenommen, (h) wovon gernde das Ger 


gentheil aus obigem erhellet, und durch den gerichtlichen Ausfpruc) der 
Stadtobrigkeit beſtaͤtiget worden. Denn, wenn der Here Graf auch) 
nur bemeifen Eönnen, Daß Die meiften Lutheraner zu Philadelphia ihn 


zuihrem Prediger angenommen; fo hätte fie ihm nicht befehlen koͤnnen, 


Daß er das Kirchenbuch zurück geben folle, 


$. 36. Da nun der Herr Gräf von Zingendorf nicht einmal fer · 


nen ordentlichen Beruf, als Prediger der Lutherifchen Gemeine zu Phi⸗ 
fadelphia und Inſpector in Penſylvanien, beweiſen kan: fo ift eg unbe» 
greiflich , wie er und feine Anhanger fich eines Juris prioritatis , oder 
eines Rechts aus dem Vorzug der Zeit, rühmen koͤnne; (i) wel⸗ 
ches ja unftreitig auf der Seite des von Halle viele Jahre vorher 


verlangten, erwarteten und immer aufs neue begehrten Predigers feyn 


müfte,, wenn esdarauf ankaͤme. Vielweniger Fan der Herr Graf die 
Cutheraner in Penfyloanien (unter ihm , als ihrem angeblichen 
Paſtor und Inſpector, und vor der Ankunft des Heren Paſtor Muͤh⸗ 

fenbergs) als eine ftille, ordentliche , in voller Erwedung 

ftehende und kaum mit allen ihren Mitgenoſſen in Liebe und 
Friede zuſammen verftandene Verfaffung vorfiellen , und den 
Heren Paſtor Muͤhlenberg als einen fremden Mann befehreiben, 
der in folche ftille Verfaſſung gekommen, ſich ungemeldet al- 


ĩenthalben Anhänger geſucht, die von ihren ordentlichen 


Lehtern (dem Herrn Grafen und feinen Anhangern) su Di ge= 
* | 1 | aufen 


(2) Daſelbſt pag. 209. Rum. ro. 
(h) Pag. 208. Rum. 7. am Ende. 
(i) Pag. 215. lın. 11. von unten. 


Ing 


. 


I. Don. den neueften Umfländen 135 


laufen feyen. (X Und wie Fan der Herr Grafdie, welche ihn auf 
fo vielfältiges Bitten, aefandt , befchuldigen , daß fie Leute abge= 
ſchickt, die rechtmäffige — (wofuͤr der Herr Graf ſich und 
feine Anhänger ausgibt) zu turbiren, und welche dadurch ein Schifma 
oder Frennung gemacht? (1) und no hat Herr Mübhlenberg bey des 
nen feinem anmaßlichen Confiftorio fubordinirten oder untermorfenen 
Leuten ein Amt geſucht? (m) da er folches niemals gefucht und die 
meiften Vorſteher und Glieder der Gemeine , auf deren Verlangen er 
gefandt worden, und die ihn fogleich für ihren rechtmäffigen und or⸗ 
dentlichen berufenen Prediger angenommen , auffer einigen wenigen; 
den Heren Grafen nicht für ihren Paſtor gehalten , noch fein Confi- 


- forium erkannt. ° - Ri 27 
$. 37. Gleichwie aber die drey Gemeinen zu Philadelphia, 
Neuhanover und Propideng zugleich um einen Prediger von Hal- 
le angefucht, alfo haben fie ihn auch alle drey angenommen , under hat, 
tie aus dem erflen Stück diefer Nachrichten (n) zu erfehen , anfang» 
lich an allen dreyen Orten bey vielen befchtwerlichen Reiſen fein Int 
gefuͤhret. (0) KABEL. IE DEN. 
938. Wie aber mit obiger Befchreibung feiner ſtillen und mit 
allen ihren Mitgenoffen ın Liebe und Friede sufammen verftandenen Ber 
faſſung, die, freylich nicht ohne Gemaltthätigkeiten und Eee 
= EEE : | nffo 


I % Pag. 208. Rum. 7. im Anfang. — J 
c1) Eben daſelbſt am Ende dieſer Nummer, womit zu verglichen pag. 213 und 


214, Ä 
(m) Wie pag. 207. Num.6. vorgegeben wird, i — 
) Siehe kurtze Nachricht pag. 13 und ſolg. nach der erſten Ausgabe, und pag. 15 
uud folg. nachder zweyten Auflage. A! — 
Co) Der Herr Graf ſaget pag. 207. Num 4. „Er (der Herr Muͤhlenberg) hat 
- „auch in Schippach ohne alle Schwierigkeit fein Amt geführet. Was hat aber 
„Schippach nnd Philadelphia für eine Connexivn? Schippach ift eigentlich 
ein Fluß, welcher zwiſchen Philadelphia und den Orten Provideng und Reu⸗ 
hanover flieffet. Der Herr Graf will alfo wohl vermuthlich Hiedurch vorgeben, 
Herr Mühlenberg habe nur in denen Gemeinen Prosideng und Neuhanover fein 
or Yınt geführet, keinesweges aber zu Philadelphia. Wovon aber das Flare Ges 
gegentheil aus dem angeführten erhellet. Sonſt wird Neuhanover auch ind 
gemein der Falckner Schwamm, weil das Erdreich in der Gegend ſchwammigt 
iſt, und der erſte Anfänger dieſes Orts Falck geheiffen, Propideng aber. von der 
gemeinen Leuten die Treppe genannt — 


[2 


— 


Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Anſtoß im Junio r742, (p) mithin kein halbes Jahr vor des Herrn 
Paſtor Mühlenbergs Ankunft, mit dem Herrn Pyrlaͤo, der nicht ein 
Lutheriſcher, fondern Zingendorfifcher, Prediger ift, vorgegangene 
Begebenheit, zu reimen ſey, wird iedes unpartheyifchen Lefers Hrtheil 
überlaffen. Es beſtehet diefelbe darinnen, Daß gedachter Herr Pyr⸗ 
laͤus von den Reformirten , die fi) eines gemietheten Berfamlungs- 
haufes mit den Lutheranern gemeinfchaftlich bedienet , nicht, meil et 
zu gefeglich geprediget , fondern weil er wider der rechtmaͤſſigen Beſi⸗ 
Ser Willen, ohne Schlüffet, aufandere Weife mit Gewalt in diefes Ber» 
famlungshaug eingedrungen , und Darinnen predigen wollen, von der 
— herunter geriſſen, und aus der Kirche heraus geſchleppt wor ⸗ 
en. (q) Fan 
$. 39. Daindeffen der Herr Graf durch ſolche vorgegebene ftille 
Derfaffung den ruhigen Befig, den er als Lutherifcher ordentlicher 
Prediger. in der Gemeine zu Philadelphia gehabt zu haben vorgiebt, ber 
haupten till; fo iſt die gedachte Begebenheit ein Beweis daß ihn die 
PBefiser des gemeinſchaftlichen Verſamlungshauſes nicht Dafür er⸗ 
Fannt, da fie feinem Prediger Pyrlaͤo den Schlüffel dazu verfagt , und 
gegen feine gewaltthätige Eindringung ſich mit Gewalt gefeßet, (7) 
mie denn auch vor der Obrigkeit, des Deren Grafen oder Herrn Pyr⸗ 
läi Partie abgemiefen, und ihr das Mecht zum, Derfamlungse 
hauſe abgefprochen worden, (s) das Vorgeben aber, Daß die 
| \ Refor⸗ 
n welche Zeit der Herr Graf pag. 2 10: Num n 3. dieſe Begebenheit ſel 
(m S f — in den Corrigendis bey pag; 21. * 6 ur — —— 
(q) Und daß dieſem alſo ſey, kan, wenn es die Noth erfordert, gar leicht bewieſen 
werden, da die Sache von der Obrigkeit unterſucht und entſchieden worden. 
( ) Wenn allo der Herr Graf pag.2 10: Rum. az. fraget,, was damit gegen ihn be⸗ 
” wiefen werden folle ? fo dienet darauf zur Antwort: ES; beweifet gegen ihn, daß 
er fein Recht gehabt, in dem gemeinfchaftlichen Lutherifh : und Reformirten Ber; 
famlungshaufe als ordentlicher Eutherifcher Prediger zu predigen, und es zeiget 
an, dag er und feine Anhänger ſich mit Gewalt und Lift eindringen wollen, und 
fie alſo aleine Schuld an der Trennung und Schifmate ſeyen, auch zu allen er 
jolgten anftöffigen Gewaltthaͤtigkeiten die erfle Gelegenheit gegeben, und davon 
Keen ie Slider der Gemeine, Dir ifes Daußgemieet, dem 
5 \ emietet m ⸗ 
Herrn deſſelben ein Verzeichniß ihrer aller Damen eingebändioet — 
derſelbe wiſſen möchte, wem er das Hau vermiethe. Da nun der Proceß wegen 
deſſen, ſo dem Herrn Pyrlaͤs begegnet, im Jahr 1743 vor dem Gerichtstag 
vorgenommen worden : ſo hat gedachter Eigenthümer folches Verzeichniß aufweiſen 
muͤſſen, da ſich denn ergeben, daß Herrn Pyrlaͤi Partie daran Fein Recht habe, 


1. Don den neueften Umftänden. 137 


Reformirten ihm aufs demüthigfte deprecivet (t), eine bloffe Ertichtung 
iſt. Sonſt waͤre auch garnicht zu begreifen , warum fie gleichwol, ob fie 
gleich aufsdemüthigfteabgebeten , Doc) vor der Obrigkeit, die die Sache 
nicht aus eigener Bewegung (v) unterfuchet hat, als Friedensſtoͤrer von 
des Heren Grafen Partie wären verklagt worden. er 
= 9 40. Ob nun gleich an denen nicht ohne Anftoß dabey vorge 
gangenen Thaͤtlichkeiten die Lutheraner fo wenigen Antheil genommen, 
als nur möglich: fo haben fie fi) Doch auch ihres Dres ihres Rechts 
nicht begeben; fondern ſolches vor der Stadtobrigkeit Durch) den erlang» 
ten wiederholten Befehl, daß der Herr Graf ihr Kirchenbuch heraus 
geben folle , genugfam behauptet. Da indeffen der Herr Graf die- 
fe Thaͤtlichkeiten felbft den Reformirten zufchreibet; (x) fo ift unbe 
greiflich , mie er des Herrn Mühlenbergs Kutheraner diejenige Faction, 
die den Herrn Pyrläum von der Cantzel herunter reiffen laffen, (y) 
und Deswegen den Herrn Mühlenberg den Chef, das Haupt, den An» 
führer dieſer Motte nennen Eönnen. (2) 

. 41. Daß aber übrigens auch der Here Graf ihm, dem Herrn 
Mühlenberg , das Zeugniß geben müffen, (a) wie feine Auffüb- 
zung für feine Perfon nicht die fehlimfte geweſen, und er auch 
da, als er in einer Unterredung mit dem Herrn Grafen, in Gegen- 
mart feiner Anhänger, Cb) ihm, dem Herrn Grafen, feine Un= 
wahrbeiten, Betrügereyen, Verführung der Leute, Selbſt⸗ 
laufen und dergleichen, vorzubalten gedrungen worden, mehr 
Moderation und Hefcheidenbeit gebrauchet, als man ſich zu 
ihm verfehen gehabt ; iſt ein Bekentniß, wodurch die — ar 

8 eſchei⸗ 
C)b.ꝛo9. N9. (v) Undalfo, in dieſem Verſtande, nicht ex officio. ()paio. N. 13. 
() An dem vorgedachten Ort pag. 209. Num. 9. | 
c2) Pag. 211. vonoben. Hingegen Fan man gar wohl verſtehen, warum Herr 
Mauͤhlenberg geantwortet ») er wiffe davon nichts, daß nemlich feine Kutheras 
ner Rebellen und eine ſolche Rotte feyen. Und wenn er 2) geſagt, er koͤnne es 
ihm auf feine bloffe Verficherung nicht glauben , weil er gewohnt ſey Unwahr⸗ 
heiten zu fagen, fo mag er darinnen wohl nach feinem beften Wiffen und Gewif: 
fen geredet haben. Bon dem Herrn Grafen aber wirdermwartet, daß er das Er: 
empel, foer, nad) pag. 210. oben, davon allegiret haben will, daß er die Per: 
fonen, aus deren Munde der Herr Muͤhlenberg geredet , nicht das erſtemal auf 

- Unwahrheitenertappt,, in extenfo anfüre, menn er es Fan. 
= (a) Pag. 209 nndfolg: Rum. 10. verglichen mit pag. 208. Num. 4. 

(b) Welches der Herr Graf, in pleno Confiftorio, zu nennen beliebet. 

IV, DPenfplo. Sort T 


8 Viere Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien 


beſcheidene Faſſung deſſelben auch von den Gegnern ſelbſt eingeſtanden 
werden muͤ ſſen. | 
$. 42. Erift aber zu Etalieung folder Beſchuldigungen, und 
Sharacterifirung des Herrn Grafen weder von Halle , noch) von Lone 
den inſtruirt gewvefen;cc) fondern er ift durch die Umſtaͤnde genoͤthiget 
. : wor⸗ 
(e) Wie der Herr Graf an dem angeführten Ort pag. 209 und 2 Lo vermeinen will. 
Woſelbſt er zugleich ſich beklaget, daß die gewöhnliche Aeuſſerung feiner , des 
Herrn Muͤhlenbergs, Partey gegen ihn, den Herrn Grafen, von der Art der 
Injurien feyen, die der Heiland Matth. s. als atrocisſimas, als die häzteften, 
anmerdfer Und in der Rote bejchweret er fich, daß die Ark feiner Gegner mit 
ihm zu converſiren feit 1737 fich in etwas geändert. Sie flöhen alle Gelegen⸗ 


heit nach wie vor, da es sroifchen ihnen und dem Herrn Graien zue Sprache. 


Formen Eönte , Ja fie fenen darinnen noch fehlichterner geworden , als zuvor. 
Allein das mentiri IN FACIEM, Heucheln ins Angefiht, fey nicht mehr fo 
allgemein. Zunge und Feder ſey ihnen gelaufiger worden, feitdem erein Epifco- - 
pus A.C. in der Bruder» Kirche worden , und alſo in ihren ordinem gekom 
men. ' Seit dem hätten fie fi um die Wette bemühet , ihm mit Perfonal-njus 
ien zu überhäufenn.f.t0-_ Des Herrn Muͤhlenbergs Partey (Darunter er die, 
welche ihn abgefandt, verfichen muß, weil ihn diefelbe inftruiret, under aus des 
ren Munde geredet haben fol) find ihm niemals mit Injurien, oder auch nur 
harten Ausdruͤcken befchtwerlich gefallen, und wenn fie gegen ihn zu zeugen gends - 
thiget worden, fo hat fieder Kummer Über den groffen Schaden, den die Kirche 
sand das rehrfchaffene Weſen durch ihn und feine Anhänger leidet, zu reden ge; 
drungen. Aber aller Haß und Feindſchaft, wie vielmehr alte Injurien, find ferne 
von ihnen. Siehe Herrn C.H. v. Bogatzky Declarat. über eine Herrnh. Schrift 
p.zzou.f. Sind von andern feiner Gegner hart fcheinende Ausdruͤcke gebraucht 
worden: fo koͤnnen folche nicht eher Injurien genannt werden, bis der Herr Graf 
dasjenige, was ihm mit fo vieler Glaubwürdigkeit ſchuld gegeben wird, widerle— 
get; daer bisher fich noch nicht einmal auf die Hauptfadhe in feinen Antworten 
eingelaffen , ja expreß verfihert , daß er fich nicht darauf einlaffen koͤnne. Und 
man Fan alle etwas hart Elingende Ausdrücke auch nicht einmal einem fleiſchli⸗ 
s chen Affect zuſchreiben, menu fie aus einem wahren Eifer für die Ehre GOttes 
flieſſen. Von dem Vorgeben aber daß ſeine Gegner alle Gelegenheit, wo es zur 
Sprache kommen koͤnne, floͤhen, iſt in des Herrn Seniors Doet. Freſenius 
Naͤchrichten von Herrnhutiſchen Sachen in der erſten Samlung p.48 u. ſ das Ger 
gentheil gezeiget, und der Brief an den Herrn Inſpector des Buchladens iſt ein 
abermaliger Beweis feines Verhaltens in diefem Stuͤck; da er in einer von der 
Obrigkeit zu Philadelphia fhonunterfuchten und entfchiedenen Sache, nachdemier 
deren weiteren Unterſuchung durch feine eilfertige Abreiſe von Philadelphia entgans 
gen, wiederum aufeine Engliſche Soeigtät compromittiten wollen ‚die vonder gan’ 
gen Sache nicht unterrichtet iſt, ja nicht einmal, meil fie das rechte Forum nicht 
if, Gelegenheit Hat, diefelbe gründlich zu lunterſuchen. Siehe oben pag: 130 
and ſolg. Sichet man darans nicht Flarlich , Daß cs der Herr Graf ſey, der 
das Richt ſcheue? 


IL, Von den neueften Imfkänden:- 139° 


worden, des Heren Grafen Gewiſſen zu rigen , und fein Bekaͤntniß 
abzulegen. Und da er folches fo ungetwöhnlich einfach und moderat 
gethan, daß e8 den Herrn Grafen felbft Wunder genommen und er 
geglaubet, daß fein Zweck zu erfordern gefchienen, meiter Darinnen zu 
gehen: fo fiehet iederman, daß er darinnen nicht aus Affect gehandelt, 
und feine Abficht nicht gemwefen, den Herrn Grafen zu characteriſi⸗ 
ven und zu befchuldigen ; fondern daß er nur die Wahrheit befennen 
müffen. Er hat auch, was erdem Herrn Grafen von feiner Gewohn⸗ 
heit und Fertigkeit in dergleichen Verhalten in diefer Gefellfehaft fa 
gen müffen, nicht nöthig gehabt , von denen, dieihn abgefandt, 
als welche ihn nur wenige Zeit bey fich gehabt, zu vernehmen, und al⸗ 
ſo aus deren Munde zu reden, ob eg denfelben gleich — nicht an viel» 
faͤltigen Exempeln von allen hier angeführten Stuͤcken fehlen duͤrfte: 
fondern er hat feibft aus der eigenen Erfanrung davon zu reden gemuft; 
da er längere Zeit fo gar nahe bey Herenhut, zu Großhennersdorf, 
im Predigtamt geftanden und Gelegenheit gehabt, alles, was in den 
dDafelbft von dem Heren Grafen errichteten Anftalten vorgegangen, in: 
der Waheanzuieben. | 
$. 43. Mas übrigens dem Herrn Mühlenberg wegen feiner: 
Amtsführung vorgeworfen wird, (d) daß er denen Leuten, denen 
ſie, des Heren Grafen Partie, das Abendinal halten follen, welches 
fie aber nicht thun können, gleichtwol Daffelde reiche , und dadurch jene 
gerade von den Leuten, Die fie wuͤrden zu tode geplaget haben, erlöfetz 
wodurch er befchuldiget werden foll , daß er nicht den gehörigen Ernſt 
brauche, Die Unwürdigen vom heiligen Abendmal abzuhalten: Davon 
iſt aus den Nachrichten von feiner Amtsführung (e) das Gegentheil- 
öffenbar, und Deutlich zu erfehen, mie viele Mühe fo wol ev, als feine 
übrige dermalige Collegen, fich gebe, von denen , Die ihnen noch nicht 


hinlaͤnglich bekannt, Nachricht wegen ihres Lebens und Wandels eine 


zuziehen, Die Unwiſſenden zu unterrichten, und ihnen infonderheit bey» 
zubringen, was zur wahren IBürdigkeit bey dem heiligen Abendmal 
erfordert werde, die Nuchlofen und öffentlichen Suͤnder big zur Beſſe⸗ 
rung zurück zu halten, und an ihnen zu ihrer Lebergeugung und Bekeh⸗ 
ung zu atbeiten , auch dahin zu fehen, daß das gegebene öffentliche Aer⸗ 
a5 Sch A gerniß 
(d) Pag, 214 unfen und pag. 215 oben. — 
(e) Woraus auch davon einige Exempel unten vorkommen werden , und in den kuͤnf⸗ 
tigen Fortſetzungen dexen noch mehrere mitgetheilt werden moͤchten. — 


140 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Pen fplvanien. 


gerniß, vor ihrer Hinzulaffung,bey der Gemeine aufeine erbauliche Wei⸗ 
fe abgethan werde. are | Be. 
$. 44. Daß fonften vorgegeben wird, (f) die Philadelphifchen 


VWorſieher hatten gefagt , ihr Inſpector, Cfoll der Herr Graf feyn) 


habe ihnen die Kirche umfonft gebauet, daher fie Feiner Collecte dazu 


mehr bedürften , braucht Feiner Widerlegung. Denn daß der Herr 
Graf für feine Anhänger , und nicht für die Zutheraner , eine Kirche 


umfonft, Das ift, aus der Heilands- Eaffe, erbauet, dafür find ihm 


jene Eeinen Danck fchuldig. Daß aber die gedachten Vorſteher gefagt 
haben folten, fie glaubten, daß, nicht ſowohl aus Liebe zu ihnen, ſon⸗ 


dern aus Neid gegen Den Herrn Grafen und feine Anhänger ‚der Herr. 


Miühlenberg gefandt worden fey; haben fie Durch ihre freudenvolle Aufe 
nahme und durch ihre mehrmalige fehrift-und mündliche Bezeugung ih> 
BROS AAN für die ihnen dadurch ertwiefene Wohlthat, thaͤtig 
toiderleget. | ER, 

| $. 45. Was fonft noch vonden Schweden eingeftreuet wird, (g) 
muß wohl auf das, was mit dem Heren Neyberg zu Lancafler ar 
vere Sahre hernach vorgegangen , und in der Dritten Fortſetzung Ch) 
umftändlich ergehlet ift,, fein Abfehen haben. Aus genauer Verglei⸗ 
bung folcher der Wahrheit gemäffen und nach allen Stücken zu bewei⸗ 


fen ftehenden Erzehlung, "werden in dem, mas der Herr Graf bey 


gebracht, die Unrichtigfeiten leicht gefunden werden. Dabey wir nur - 


folgendes anmercken: 1) daß des Herrn Neybergs gemefene Gemeine 
nicht Schweden, fondern Teutfche find, Davon nur einige wenige, 
nachdem er auf des Heren Grafen Seite übergegangen, bey ihm geblie» 


Ben, die allermeiften aber ihn von der Zeitan, daß er fich öffentlich zudes 


Herrn Grafen Partie befennet , felbit nicht mehr für ihren Prediger 
erkennen wollen; mithin gar nicht noͤthig geweſen, daß Herr Paſtor 


Mühlenberg Synodos ausgefehrieben hätte , fie zum Abtritt von der 


Gemeinſchaft des Herrn Grafen und feiner Partie zu nöthigen, die ſich 
aber guch nicht des Herrn Mühlenbergs Antecefforen nennen koͤnnen. 
2) Was faͤlſchlich uͤberhaupt von denen zu Stockholm ordinirten 
Schwediſchen Predigern geſagt wird, daß fie vorgegeben, fie wären 
son dem Ertzbiſchof unterrichtet worden, daß die Zingendorfilche Bruͤ⸗ 
! — der 


(f) Pag. 207. Num. 5. pag. 2 10. Num. 12. 
() Pag. ze8, Rum. 7. 
6) Driste Fortſetzung diefer Nachr. pag- 69 bis 75. 


I. Von den neueſten Umſtaͤnden · x SR, 


der reinglaͤubig, hingegen die feit dem aus Teutfehland dazwiſchen kom⸗ 
mende Prediger und ihre Eonftituenten , oder die fie geſchickt, irrig in 
der Lehre waͤren, iſt nur des. Herrn Meybergs Worgeben geweſen, wel ⸗ 
chem ſowohl Die übrige Schwediſche Prediger in Penfplvanien , als die 
Theologi in Schweden ſchriftlich und thatlih (i) mwiderfprochen. 
3) Daß diefe letztere von alle dem nicht informiret, und alfo genöthiget 
geweſen, fih Pafguillen aus Teutſchland Fommen zu laffen, um aufdie, 
nicht von dem Herrn Mühlenberg, fondern von Vorſtehern der Schwe⸗ 
den, und zwar auf des Herren Neybergs Provocation ,. gefche- 
hene Anfrage ein Bedencken zu ſtellen, - ift eine Verunglimpfung dieſer 
mohlverdienten Männer , die auch nicht einmal eine Wahrſcheinlich⸗ 
keit hatz gleichwie es gegen die ihnen fchuldige Hochachtung ſtreitet, 
ihr Zeugniß ein pitoyables Zeugniß gu nennen, und vorgugeben , daß 
es fo voller offenbaren Unmahrheiten ſey. 4) Ob folches Zeugniß von 
Herrn Mühlenbergen unterfchrieben worden, und wie deſſen Ausdrüe 
cke (k) gelautet , ift ung eigentlich nicht befannt. 5) In dem mehr 
gedachten Zeugniß ift nicht von Evangelifch) » Lutherifchen Predigern, 
fondern von Herrn Neyberg die Rede, der offenbar ein Anhänger des 
Herrn Srafen von Zinzendorf war; obDerfelbeaber zu dem Mäbrifchen 
oder Lutherifchen Tropo der SBrüdergemeinen gehöre, und ob bey die⸗ 
ſem nicht einmal einem Maͤhriſchen Bruder Das Abendmal gegeben 
twerde, Davon iſt hier Die Frage nicht. 

H. 46 Endlich koͤnnen wie nicht unangemercket loffen , daß es 
eine fehr harte Beſchuldigung der feligen Theologorum zu Halle ſey, 
wenn fich des Herrn Grafen Anhänger derfelben genuine und ächte 
Liachfolger nennen, (1) dafür fie diefelbe in Ewigkeit nicht erken⸗ 
nen würden; da jene mit fo groſſem Ernſt auf rechtfehaffene und ernſt⸗ 
liche Buſſe gedrungen, dieſe aber über folche heilige Ordnung GOttes 
” — anderer augenſcheinlichen groſſen Abweichungen nicht zu 
gedencken. | 


3 i 8.47 - 


Ci) Da fie, mie oben pag.130 angeführet worden, dem neuen Schwedifchen 
Probſt und zween neuen Predigern recommandirt , mit den von Halle nach Ben; 
- x fploanien geſandten Predigern fich zu verbinden und Gemeinfchaft zu machen. 
M Auſſer deffen generalen Inhalt, der in der dritten Fortſetzung pag. 83 und 74, 
in der Note angeführct ift- & 
(1) Pag. 214» 


er 
—* 


142 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 
47. Was in der Antwort des fo genannten Lutheriſchen 
Confitorii zu Philadelphia (Der Herr Graf verftehet darunter feine An⸗ 
hänger) womit er die Penfylvanica fehlieffet, (m) enthalten ift, fallt 
alles aus obigen angeführten Gründen hinweg : Daher wir ung Dabey 
nicht weiter aufhalten, da ohnedem diefe Erinnerung, wider unfern Vor⸗ 
fas und Vermuthen, etwas mweitläuftig gerathen. RE 
$. 48. Wer den gansen Zufammenhang defien, was mit dem 
Seren Grafen von Zingendorf in Penfplvanien vorgegangen ift, mit 
dem wenigen, was hier, die Teutfche Lutheraner betreffend , davon 
angeführet worden, vergleichet; der wird ſich nicht enthalten koͤnnen, 
diefe nach allen Umftänden recht bedaureng wuͤrdige Gemeinen, weil fie 
Durch ihn und feine Anhänger in noch gröffere Noth gebracht toorden, 
mit defto gröfferem MTicleiden zu betrachten. So viele Fahre find 
die armen Lente ohne ordentlichen Unterricht aus dem Worte GOttes 
- Bingegangen , die Kinder find ohne Belehrung von GOtt und goͤttli⸗ 
chen Dingen, ja zum Theil ohne Taufe aufgewachſen, und an Woͤl⸗ 
fen und Miethlingen hat es in diefer geiftlichen Wuͤſte auch nicht gefeh+ 
fet. Denn an dem einen Theil find Die zerftreuete Schafe von den mans 
cherley Secten hingeriſſen, oder wenigftens herumgetrieben morden ? 
und an dem andern Theile haben die in Zeutfchland abgefekte Predi⸗ 
ger. und Schulmeifter , oder andere Leute, die zu Haufe nicht viel ge⸗ 
tauget, und, menn ſie nach Penſylvanien gekommen, ſich zu Predir 
gern aufgemorfen, vielen Schaden unter-ihnen angerichtet, da man 
fich leicht vorfiellen Fan, Daß es folchen Leuten gar wenig um die Zu⸗ 
rechtweiſung und Unterrichtung der Zuhörer zu thun getvefen , und ihr 
unordentlicher Wandel unter denfelben nur zum Aergerniß gereihen 
muͤſſen. Zuletzt iſt noch der Herr Graf von Zingendorf dazu gekom⸗ 
men, der, mo die Verwirrung und Zerrüttung noch nicht groß genug 

gemwefen, vollend altes verwirret und zerruͤttet. j 

$. 49. Iſt es demnach nicht eine Verehrungswuͤrdige Barın- 
hersigteit und Gnade GOttes, daß er ſich Diefer armen Gemeinen 
tuiederum fo vaterlih angenommen, und ihnen folche treue Lehrer ge» 
ſchencket, Die in groſſer Verleugnung, ohne Lohnſucht, und mit uns 
befchreiblicher Mühe und Arbeit, die zerſtreuete Heerden wiederum ges 
ſamiet, fie auf Die reine Weide des Wortes GOttes geführet,, ihre 
Sinder unterrichtet und unterrichten laffen, und mit Wort und ER 
— de 

(m) uUnd welche pag · 211 und folg. angehänget iſt. 


1 Won dei neueſten Umftänden Ag 


def ihre Seelen zu gewinnen und zu erretten gefuchet und noch fuchen, 
auf deren Arbeit der HErr auch bereits manchen wahren Segen gele> 
get, den fie in der Ewigkeit wieder finden werden ? Es ift ja aus dem 
‚alten Deutlich zu erkennen, daß der HErr annoch Gedancken des Fries 
des über diefe Gemeinen habe, und fein Werck unter ihnen aufrichten 
wolle. Ob daffelbe nun gleid) anfänglich nur vom Kleinen und unter 
vielen Prüfungen angefangen werden muͤſſen, und nod) unter man» 
chem Gedränge fortgefeget wird; fo iſt es doch bereits ziemlich getvach- 
fen, und fan, wenn der HErr ferner feinen Segen dazu verleihen will, 
nach und nach ſich nod) immer herrlicher ausbreiten. — 9 
$. so. Dermalen aber iſt es noch die kuͤmmerliche Zeit, in wel⸗ 

„cher an den verfallenen Mauren diefes Ziong mit vielen Schwierig- 
keiten gebauet werden muß. Verſchiedene Gemeinen fehnen fich ei⸗ 
nen eigenen Prediger zu haben , find aber auffer Stande, ihn zu 
unterhalten. Denn, weil keine Kirchengüter oder alte Stiftun. 
gen zu den Predigerbefoldungen vorhanden ; fo Eann der Unterhalt für 
Prediger und Schulmeifter nicht anders aufgebracht_werden, als daß 
Die Glieder der Gemeinen aus ihrem eigenen Vermögen folchen zuſam⸗ 
menlegen, toelches aber, wo die Gemeinen Flein, und - viele arme Leu⸗ 
te darunter find , ihnen zu ſchwer fallt. Ob auch gleich die meiften 
». Einwohner fo vieleg in ihrer Wirthfehafterziehen, daß fie mit den Ih⸗ 
rigen an Effen und Zrincken Feinen Mangel leiden Dürfen 5 fo fünnen 
fie Doc) Die Lebensmittel nicht gut zu Gelde machen , zumal wenn fie 
meit von der Stadt entfernet find , weil das Geld im gangen Lande 
fehr var iſt: mithin Tonnen fie auch) aus ihren Haushaltungen nicht viel 
erübrigen , an Lehrer in Kirchen und Schulen zu menden. Andere 
koͤnten wohl‘, obgleich nicht ohne Schwierigkeit , einen Prediger zur 
Noth erhalten. Allein , meil alle Prediger aus Teutſchland hineinge> 
fandt werden müffen : fo können fie die groffe Roften , die zu einer 
folchen weiten Reife erfordert werden, nicht aufbringen; zu geſchwei⸗ 
gen, daß freue Arbeiter, die nicht Die Wolle, fondern die Schafe fr 
chen, in Teutſchland felbft var find, und es über dig nicht eines ieden 
Unmſtaͤnde zulaffen , einen Beruf in ein folches entferntes Land anzu⸗ 
nehmen. Wenn nun gleich voriego auch eine Gemeine miteinem Pre 
diger verfehen iſt, und es Fönten in Diefen Weinberg nicht fernerneue 

. Arbeiter nachgefendet werden; fü wäre doc) eine folche Gemeine noch 
nicht auf beſtaͤndig verſorget: fondern wenn derfelbe mit Tode Abe 

5 | | ginge, 


= 


144 Vierte Sortfegung der Nachricht ans Penfploanien. 


‚ginge, twäre fie eben fo verlaffen, als fie vorhero gewefen. Es wird 
in: Zeutfehland gar zu wenig erkannt, was das für cine Wohlthat 
Gottes ift, daß ein iedes Dorf, oder wenigſtens einige nahe beyſam⸗ 
men liegende Derter , ihren eigenen Prediger haben , und wenn einer 
ftirbt, einen andern ohne groſſe Koften wieder bekommen fürmen, und 
noch dazu die Befoldungen aus alten Stiftungen hergenommen wer⸗ 
den, daß die iebt Sebende gar wenig dazu beyfragen dürfen. - 
$. 51. Abfonderlich aber ift die Gemeine zu Philadelphia noch 
nicht in folchen Umftänden, daß fie, ohne milder Wohlthaͤter Beytragı 
in den Stand kommen koͤnte, fi) und ihre Nachkommen auf allezeit 
verforgt zu fehen. Es ift zwar diefelbe wol die gahlreichfte Gemeine, 
Allein, da ein fehr groffer Theil derfelben aus foldyen armen verkaufe 
ten Dienftboten beftehet, die noch einige Zeit dienen müffen , um nur 
ihre durch die Fracht gemachte Schuld abzuverdienen ‚ die aber nad)» 
her, wenn fie felbige abverdienet , und fich noch etwas erworben ha» 
ben, dahin fehen müffen, Daß fie ſich weiter ins Land hinein eine Plan⸗ 
tation ankaufen , darauf fie ſich ernähren Fönnen : fo bleibet fie faft 
beftändig die aͤrmſte Gemeine im gangen Lande. Gleichwol ift diefelbe 
noch von ihrer erbaueten Kirche bey nahe dreytauſend Reichsthaler 
ſchuldig, (nm) die fie mit ſchwerem Intereſſe versinfen muß: fo ihr, 
wie leicht zu erachten , bey Erhaltung ihres Predigers , einegroffe Laſt 
if. Es wäre demnach zu münfchen , daß zuvoͤrderſt Diefe arme Ger 
meine, da die Erhaltung und Fortfesung der daſelbſt gemachten Ein» 
richtung , weil Philadelphia die Hauptſtadt iſt, in melcher auch alle 
Fremde zuerſt ankommen, auf alle übrige Gemeinen einen groffen Ein» 
fluß hat, noch ferner mit einigem Beytrag, der zuvoͤrderſt zu Tilgung 
ſolcher Schulden angewendet merden Fünte, aus der milden Hand 
Gottes erfreuet wuͤrde. Mit der Zeit wird fie GOTT aud) in den 
Stand fegen , für Prediger und Schulhalter die erforderlichen X5oh> 
nungen zu erbauen , welche dermalen noch in fremden Häufern zur 
Miethe wohnen müffen. 
$ 52. Auf einen gewiffen Fundum, der zu Fünftiger Erhaltung 
der Kirchen und Schulen, und der Lehrer in denfelben , wie auch zu 
deren Ueberfendung aus Zeutfchland, anzulegen mare, hat man bisher 
noch gar nicht dencken koͤnnen, und iſt zunörderftmitder gütigen Vor» 
Sorge GOttes gar mohl zufrieden geweſen, Die für Die gegenwaͤrtige 
x | Noth⸗ 


Siehe oben pag. 126. 


I. Von den neueften Umſtaͤnden. 148 


Naothdurft in fo fern gnadig geforget. Er,der treue GOtt, der an⸗ 
-gefangen hat zu helfen, wird hoffendlich feine Hülfe weiter ergeigen. 
Weil auch fo mandye arme Leute, fo wol unter der Philadelphifchen,, 
als andern Gemeinen find; foift e8 den HErren Predigern Fein gerin» 
ger Kummer, daß fie nicht einmal im Stande find, die gang armen 
Rinder frey zur Schule zu halten: da die Schulmeifter feinen an» 
dern Unterhalt, als von dem Schulgelde haben, und auch davon kaum 
leben koͤnnen, indem des Sommers Die meiften Kinder in der Feldar⸗ 
beit und fonften von den Eitern gebrauchet, und nur. des Winters zur 
Schule gehalten werden. Zu Erziehung armer und verlaffener Waͤy⸗ 
fen fehit es gleichfals an Mitteln, und überall ift dev Zuftand der Ge» 
. meinen fo befchaffen, tie er bey folchen, die erft in Ordnung gebracht 
werden, befchaffen feyn Fan. | t 
8.33. Ob nun gleich nicht zu leugnen , daß es auch reiche Leute 
unfer den Zeutfchen Einwohnern in Penfyloanien giebt : fü find doch 
die meiften von denen, die diefer Welt Güter haben, zu der Partie der 
- MWiedertäufer , Quaͤcker und anderer Secten getreten ; welches nicht 
gu verwundern, wenn man bedenckt, daß dis arme Volck fo viele Jah⸗ 
ve Feine ordentliche Kehrer gehabt, folhe Partien aber, weil die Quaͤ⸗ 
cker von Anfang die Eigenthums » Herren des Landes gemefen, darin» 
nen die Oberhand haben , und wer groß werden mill, Feine beffere Ge⸗ 
fegenheit findet, ale wenn er fid) auf Deren Seite begiebet. Es find 
zwar bereits ein und andere Teutfche von den Sefinntheiten, wie man 
die Secten daſelbſt zu nennen pfleget, Da fie unter denfelben Feine wah⸗ 
re Ruhe für ihre Seelen gefunden, wieder abgegangen. Allein die 
wahre Sorge für die Seele kommt felten fo bald in Die Hergen derer, 
die in dee Welt alles haben , was fie wünfchen, fondern findet insge⸗ 
mein zuerft bey den Armen Platz. Bey foldhen Umftänden iſt auf die 
. reichen Einwohner des Landes am allerwenigſten Rechnung zumachen, 
Dbgleich einige angefehene und vermögende Glieder Der Gemeinen dag 
Ihrige bereits vedlich bengetragen , gleichwie auch felbft manche Arme 
vu ihrem Bermögen , ja über Vermögen, fich wircklich angegriffen 
ba en. 2 ü RE 
4. 54. Es bleibet demnach alle Hoffnung alleine auf den barm ⸗ 
hersigen GOtt geftellet , der da reich iſt über alle, die ihn anrufen: 
derfelbe terde , da er zu der Verkündigung feines Wortes feinen gnaͤ⸗ 
digen Segen bisher unter diefen Gemeinen im geiftlichen gegeben, auch 
IV. Penfplv. Sortfi u den 


\ 
| ( * 
J * 


146 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


den leiblichen Segen mildiglich darreichen, der zu Fortſetzung deſſen, 
was unter ſeinem Beyſtand angefangen worden, erfordert wird. 
Und da er die Hertzen der Menſchen in feiner Hand hat, und ſie len⸗ 


cken Fan mie die Wafferbäche ; fo iſt es ihm gar mas leichtes, daß er 
‚ einen oder den andern ‚, Der die Umftände Diefer Genteinen in Erwaͤ⸗ 


gung ziehet, zu einem herglihen Mitleiden gegen diefelbe erwecke, und, 
aus feinem leiblichen Segen einen freymwilligen Beytrag, zu Bekfoͤrde ⸗ 
rung der angefangenen guten Anftalten, nach feinem Vermoͤgen darzu⸗ 
reichen, willig mache. — — 

55. Die bisherige Wohlthäter , welche ihre Hertzen und 


Hände gegen ihre armen Glaubensbruͤder in der. neuen Welt aufger 


than, koͤnnen aus diefen Nachrichten erfehen , tie ihre milde Gaben 
nicht unnuͤtzlich angewendet, und viel ein mehreres zum Beſten Diefer 
Gemeinen bereits ausgerichtet tvorden , als man anfänglich hoffen 
und erwarten Fönnen. Es find in einer Zeit von weniger als schen 
Jahren fieben treue Arbeiter von Halle aus in diefe Ernte ausge 
fandt worden; Herr Mlühlenberg , Herr Brunnholtz, nebft ſei⸗ 
nen als Eatecheten hinein gefandten , und hernach zu Predigern verord- 
neten,benden Meifegefehrten , Herten Aurg und Heren Schaum, Herr 
Zandſchuch, und Die iegt auf der Reiſe begriffenen neuen Mitar⸗ 
—beiter, Here Heintzelmann und Here Schulge. Und den achten, 
Herrn Weigand, hat der HErr auf andere Weiſe dahin gefüh- 
set. (0) ES find mehrere Rirchen theilg neu erbauet, theilg repari» 
vet und vergröffert worden , als die Hauptkirche zu Philadelphia, 
die Kirche zu Providentz, Die von neuem erbauet, und ferner Die 
Kirche zu Germantown , bie erweitert, und die Kirche zu Neu— 
hanover, welche vollends ausgebauet und.ein neues Schulhaus ane 
geleget worden. Auffer dem aber hat auch) die Gemeine zu Readings⸗ 
town eine neue fleinerne Kirche aufgerichtet (p) ‚Dazu fie iedoch Feinen 
Beytrag aus den Eollecten empfangen , fich aber in Schulden ge⸗ 
ſteckt. Und an mehr andern Drten haben die Gemeinen, die zum Theil 
nur sumeilen von den Herren Predigern befuchet werden, zu gottes⸗ 
dienftlihen Verſammlungen wenigſtens ein Haus zurichten laflen, 
Aus welchen allen fo viel erhellet, daß diejenige Knechte GOttes, wel⸗ 
ehe fich Diefer Gemeinen bisher angenommen , nicht müflig gewefen, 


fie zu verforgen, und die Herren Prediger fich nicht träge finden —— 
| MY 


(0) Siehe oben pag: man f (p) oben pag-ug. 8.24. 


L Von den neneften Umftänden: 147 


auch was zur aͤuſſern Zuruͤſtung gehoͤret, mit allem Fleiß zu veranſtal⸗ 
ten.(q) Daß aber auch) der innere Bau des Reiches GOttes, der 
allerdings das vornehmſte iſt, nicht nachlaflig gefrieben morden ‚dar 
von ift zwar ein und anderes Erempel in diefen Wachrichten bisher ans - 
geführet. Es wird aber Der indem andern Abfchnitt folgende Bericht 
des Herrn Mühlenbergs, und mas davon in den Fünftigen Fortfesuns -⸗ 
gen weiter mitgetheilet werden wird , mehrere Benfpiele an die Hand 
geben , daraus man fehen Fan, tie Die wahre Errettung der See» 
len das rechte Hauptgefchaffte der Herren Prediger fey, und wie GOtt 
Dazu auch feinen veichen Segen gegeben. 2 
6. 56. Solten nun ferner einige milde Wohlthaten in die Hans 
de des Heren Doct. und Prof. Francken zu Halle und des Herrn Hof 
prediger Ziegenhagens zu Konden geleget werben : fo merden die» 
felbe auch nicht unterlaffen , felbige gleichfalg freulich angumenden, und 
dawit zur Ehre GOttes, und Beſten diefer Gemeinen zu wuchern. 
Zupörderft wuͤrde davon der Gemeine zu Philadelphia ein Beytrag zu 
Abtragung ihrer Kirchenfehulden zu thun ſeyn, und hiernechft auch. 
Darauf gedacht werden muͤſſen, daß, im Fall wieder neue Arbeis - 
ter erfordert mürden , deren Meifekoften davon beſtritten werden 


e 


koͤnten. BR 
57 Oottt aber, der uberfhmänglich mehr thun Fan, alg 

wir bitten und verftehen , laffe fein Wort unter diefen Gemeinen fer» _ 
ner mit noch immer mehrerem Segen laufen und gepriefen werden. 
Und tie er bereits an einem andern von Penſylvanien noch ziemlich 
teit entfernten Theil von America , zu Ebenezer in Georgien , ein 
Haͤuflein aus ihrem Daterlande um der Religion toillen vertriebener 
&algburger als einen Zweig gepflanget hat, der bereits durch feine 
- fiebliche Früchte diejenigen , welche fich uber das Werck GOttes er⸗ 
freuen ‚ in der Naͤhe und Ferne erquicket: alfo wolle er auch unter die» 
fen meiftens zwar nicht aus der lauteriten Abficht nach Penfyloanien 
Ze | | U 2 uͤberge⸗ 
(I) Was die Herren Prediger nicht ſelbſt veranſtaltet, dazu find fie doch durch 
ihren Beyrath und gute Ermunterung beförderlich gewefen. Die Kirche zu 
Readingstown haben fie nicht ſelbſt erbauet; Herr Muͤhlenberg hat aber doch, 
da er einigemal auf der Gemeinen Bitte dahin gereiſet, zu deren Erbauung die 

erſte Anftalt machen helfen, | a | 


148 Vierte Kortfegung der Nachricht ans Penſylvanien. 


übergegangenen Teutſchen Lutheranern , da fie doch nun nad) feinem - 
Worte begierig find (r), und er einmal angefangen hat, in diefer ent⸗ 
fernten Wuͤſte feine Hande zu ihnen auszuſtrecken, fein angefangenes 
Werck alfo fortfesen, daß nicht nur fie und ihre Nachkommen bey | 
der reinen Lehre, nach dem Norte GOttes und unfern fombolfhen 
Buͤchern, erhalten werden; fondern auch Diefelbe unter ihnen dergeftalt | 
ferner ihre Kraft zur Anzündung des lebendigen Glaubens und sur 
gründlichen Veränderung der Hertzen vieler, ja der meiſten, und wo 

es möglich wäre , aller und ieder Glieder. dieſer Gemeinen beweiſen, 

und dadurd) feine Ehre auch in dieſer Gegend von America verherrli⸗ 

chet werden möge; alfo daß auch andere efinntheiten durch ihr Bey⸗ 

fpiel in der That übergeuget werden , tie die Lehre der Lutherifchen 
Kirche gar nicht mit fich bringe , Daß Die Leute dabey in ihrem ruchlo> 

fen Leben verharren Fünten ; fondern allerdings fo befchaffen fey ‚. daß 
- bey derfelben die Menfchen „ wenn fie der Kraft des Wortes nicht 

tiderfireben, von Hersen geändert werden, und Kraft zu einem heir 

figen Leben bekommen 5 ja daß auch felbft denen wilden Indianern und 
Heyden, da fie fich bisher fo gewaltig an dem ruchlofen Leben man» 
cher , die fich Ehriften nennen , geftoflen und geärgert , auch wieder⸗ 
um viele wahre Ehriften unter ihnen fehen , und Durch diefelbe eines 
beffern übergeuget , ja dadurd) eine Geneigtheit negen dag Chriſten⸗ 

thum ihnen beygebracht, und zum Voraus einige Bahn gemacht were - 
den möge, daß, wenn der HErr künftig ihnen das Licht des Evange⸗ 

lii heller aufgehen laffen will, Die Botſchaft des Friedens _bey ihnen 

defto mehreren Eingang finden koͤnne. Sein Name fey gelobet 

— Ewigkeit, und feines Ehre muͤſſen alle Lande voll werden! 
‚Amen. 





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j. 
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II. Rady- 
) Es wird manchen Leſer in dem folgenden Bericht von des Herrn Muͤhlenbergs 
Amtsfuͤhrung erſreuen: wenn daraus zu erſehen, wie nicht nur verſchiedene durch 
feinen Dienſt, zu einer Sorge für ihre Seele, aufgeweckt worden; ſondern daß 
GOCD auch hie und da einige Seelen ‚unter aller vorigen Verirrung, ers 
halten, welche dag, mas fie in der Jugend aus dem Worte GOttes in ihe 
Gedaͤchtniß gefaffet , nach und nach lebendig werden laſſen, und fich daran ge: 
halten, bis ihnen GOtt wiederum ſolche Lehrer zugefandt , die fie wenigfiens 
auch noch auf ihrem Sramfcnbeste mis mehrexm anf Chriſtum führen Können, 


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Beer Hi 5 a EEE 19 
II. Rachricht von des Herrn Paftor Muh: 
eenbergs bisherigen Amtsführung. | 


1, Anfang eines Berichtd von feiner Amts⸗ 
. führung, darinnen das merckwurdigſte von 
1742 bis 1746 mitgetheilet wird, 


Aufferliche Baurüflung vor der Hand ein wenig aufgehoͤ⸗ 

vet; fo will ich in Findlicher Einfalt etwas geringes von 

meiner Amtsführung berichten , und zuerſt einige Umfläne 
de von der Zeit, da ich noch allein im Amte geweſen, nachholen. 

Zu Anfange fand einen Mann in Philadelphia , welcher aus L. 
gebürtig war. Seine Frau ergehlete mir, daß er in Feutfchland dem 
uͤbermaͤſſigen Trinken‘, aud) Karten - und Wuͤrfelſpiel ergeben gewe⸗ 

- fen, wodurch fie fo herunter gefommen, daß fie fich endlich genöthiget - 
gefehen, die neue Welt zu fuchen, Er war in diefen Lande auch un 
ordentlich genug : Doch trieb ihn die Moth an , feinem Handwerck ob» 
zuliegen. Seine aufferliche Erkentnig vom Ehriftenthum war noch 

ziemlich. Er konte gut leſen und fehreiben , und feinen Eatechifmum 
. mit denen Beweisſpruͤchen herfagen , wuſte auch in der Bibel und in 

- der Augsburgifchen Eonfeffion Beſcheid Er mar aber in der Aus⸗ 

übung der Wahrheiten meit zurück. So groß die Fertigkeit zu einer 

Zeit war , die göttliche Wahrheiten herzufagen, fo groß war Diefelbe 

auch zu anderer Zeit zum Fluchen und Schergen. Er bekannte wohl, 
daß er ein groffer Sünder ſey; feine Gerechtigkeit aber beftand dars 


S eil nunmehro in meinen andertrauten Gemeinen im: Sande bie 


innen ‚ daß er feinen Glauben nicht verleugnet , und fich nicht zuden 


Herrnhutiſchen Secte begeben , wie andere Damals gethan. Ja der 
Eifer hatte ihn gegen die Herenhuter fo aufgebracht, Daß er fo gar mit 
Scheltworten — auf ſie los ſtürmete. Wie ich nun uͤber⸗ 
haupt von meinen Hochwuͤrdigen Vaͤtern inſtruiret war, daß ich mich 
in die Streitigkeiten nicht ohne Noth viel einlaffen folte, auch ausden 

Umſtaͤndenſſahe, daß folchesmehr re Mugen, fehaffen — 


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1350 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien | 


de: alſo handelte ich in meinen. ‘Predigten Feine eigentliche Streitfra⸗ 
gen ab, fondern trieb am meiſten Buſſe zu GH, und den Glauben 
an unfern HErrn JEſum, ſagte auch den groben Sundern unge 


fcheuet, daß ſie darum noch Feine Kinder GOttes waren , daß fienicht. 


su den Zingendörfern gefrefen ; ‘die Standhaftigfeit in ihrer Proteſtan⸗ 


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— 


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tiſch + Lutherifchen Glaubens⸗Lehre nach der ungeaͤnderten Augsburgi⸗ 


ſchen Eonfeffion ware loͤblich und nöthig, aber fie muͤſten auch mit dem 
Wandel beweiſen, daß der lebendige Glaube bey ihnen inter terrores 


- Confcientiz, unter den Aengſten des Gewiſſens, zu Stande gekom⸗ 


menfey. Vorerwaͤhnter Mann meinete zwar anfangs, ich möchte 


wol auch ein heimliche Herenhuter-feyn , meil ich nicht auf fie losfchel- 
ten woite: Doch verfäumete er Feine Predigt, und hörete mit groffer 
Aufmerckſamkeit zu. Endlich fiel er in eine langwierige Kranckheit, 
nemlich Die Wafferfucht , und murde geflvafet, womit er gefündiget. 
Auf ſoichem Lager war er anfangs fehr ungeduldig , und hatte groffe 
Furcht vor dem Tode: Nachdem aber der Leib ziemlich lange gezuͤch⸗ 


figet worden ; fo Bam er Doc) endlich auf beſſere Gedancken. Er er» 
innerte fich feinee Sünden von Jugend auf mit Wehmuth. Der bee 


Fannte Doctor Zwiefler, welcher ein Mitbruder von den Zingendöre 
fern iſt, hatte ihn in der Cur, und wolte Dann und wann von feinem 
Plan mit ihm handeln er ließ fich aber nicht mit ihm ein , fagte ie» 
Doch zu mir, es mare ihm leid , daß er gegen Diefe Leute mit Unverftand 
geeifert, Doc) waͤre ihm auch lieb, daß er für ihren Taͤndeleyen ber- 
wahret worden... Dem Anfehen und einigen Kennzeichen nad), kam 
der Mann immer tiefer in das Gefühl feines unergründlichen Werder» 


bens: und da er an einem Tage Elagfe, Daß ihm feine Sunden mie ei⸗ 


ne ſchwere Laſt, zu ſchwer worden; fo wieß ic) ihn auf IJEſum Ehrie 
fum , der der gangen Welt Suͤnde, folglich aud) feine getragen, mit 
verſchiedenen Kerenfprüchen. - So wie es ſchiene (ſchiene, ſage ich, 
weil unſer einer nur die Oberflaͤche, GOtt aber das Hertz ſiehet) fand 
er etliche Tage vor ſeinem Ende eine dauerhafte Ruhe fuͤr ſeine arme 
Seele. Er konte ſich glaͤubig halten an die Worte: Wo die Suͤn⸗ 
de mächtig, worden ift, da iſt doch die Gnade viel mächtiger 
worden. Nom. 5, 20. - Er bedanckte fich demüthigftgegen Hochwur · 
dige Vaͤter und Wohlthaͤter in Europa, daß fie, naͤchſt GOtt, Huͤl⸗ 
fe geſandt. Je mehr die Verſicherung der Gnade GOttes und. des 
Friedens in CHriſto JESU bey ihm wuchſe, deſto freudiger wurde 

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U Nachr. von In. paſt Mohlenbergs Amtsfůhrung. "isr 


er zum Tode, wovon er zuvor nichts hoͤren und wiſſen worte. · Am 
Abend vor ſeinem Tode, als man um ihn her ſtunde, und meinete, es 


waͤre aus, ſo fing er mit heller Stimme an zu ſingen: Breit aus die 


Fluͤgel beyde, o JEſu, meine Freude, und nimm dein Küͤchlein ein ꝛc. 
Am letzten Tage hat er feine Haͤnde ausgereckt, und ohne Aufhoͤren ge⸗ 
rufen: Komm, o Tod, du Schlofes Bruder 2 Ach, daß ich des 
Leibes Kercker heute noch verlaffen müßt ꝛc. bis er endlic) fanft abge 
ſchieden, und fein Alter auf dreyffig und etliche Jahre gebracht. Die 
Engliſche Epiſcopal⸗Vorſteher gaben mir Die Freyheit, ihn auf ihren 
Kirchhof zu begraben, meil der unfere noch nicht fertig war. Hat 
GOTT diefe arme Seele wie einen Brand aus dem Feuer errettet, 
— hoffen; ſo muͤſſe ſein heiliger Name dafuͤr geprieſen 
werden." ’ — | N : 
Sn Fahr 1744 mohnete eine Witwe in Neuhanover, deren 

Mann einer von den Vorſtehern geweſen, die zu erſt um Prediger 
und Hülfe bey unfern theuren Vaͤtern angehalten , aber vor mei» 
ner. Ankunft geſtorben. Dieſe Eheleute hatten viele Kinder gezeuget, 
welchen der Vater aber zu viele Freyheit und Eigenwillen gelaffen,, fo 
daß Die Mutter nicht im Stande mar, diefelben alle in der Furcht des 
HErrn nah Wunſch zu erziehen, meil fie ſchon erwachſen waren, und 
Auf die Landes: Freyheit posten. Sie felbft hielte fich als eine rechte 
Witwe, ſtellete ihre Hoffnung auf GOtt, und blieb am Gebet Tag 
und Nacht, vermahnete ihre Kinder mit vielen Thränen, und süchtig 
te Diefelben nad) Vermoͤgen, fo viel fich moltenzüchtigen laffen. Sie - 


verſaͤumete ohne Noth Feine Predigt, und hörete GOttes Wort ie 


desmal unter Vergieffung vieler Thraͤnen an. Ein und andere von 
ihren Töchtern laffen ſich beugen, und treten in ihre Fußſtapfen, weil 
fie an gottfelige Manner verheyrathet find, die ihren möglichen Fleiß 
mit anwenden. Die meiften Söhne davon gehen ihren Sünden» 
wegen nad), und bringen fich felber in Unglück , fpotten über GOttes 
Wort und gute Anftalten. Die Witwe war etliche malben mir, und 
weinete bitterlich über ſich felbft und ihre Kinder. ch gab ihr gehoͤ⸗ 


rigen Unterricht. Endlich legte fie der HErr auf das Kranckenbette, 


und wirckte durch feinen Geiſt und Wort Eräftig an ihrer Seele; 
Ihre meiften Reden waren von ihrem tiefen Elende und der über» 
ſhwaͤnglichen Gnade und Erbarmung GOttes in CHriſto JESU. 
Nachdem fie auch ein. fehnliches Verlangen nach dem heilgen — 

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52 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


mal bezeiget, und damit erquicket war, reckte ſie ihre Haͤnde aus nach 
ihrem Heilande, und verſchied mit groſſem Muth, unter Singen und 

Beten. Sie wuͤnſchete unſern Hochwuͤrdigen Vätern und allen uͤbri⸗ 

gen werthen Wohlthaͤtern in Europa viel taufendfachen Segen fuͤr ih ⸗ 

re Hülfe, und gab ihnen gute Nacht } Der HErr laffe ihr Gedaͤcht ⸗ 

niß unter unsim Segen bleiben. ee 


Ein Mann in Deuhanover P. B. der in Teutſchland die Kauf⸗ 


mannſchaft erlernet, auf der Seereiſe alle das Seinige verloren, und 
hier im Sande ſich ſauer und kuͤmmerlich ernähren muſte, war mein er» 
fier Neifegefährte , der mid) von “Philadelphia nach Neuhanover be» 
gleitete. Er führete einen Cheiftlichen ftillen Wandel , hörete fleiffig 
Gottes Wort, und erbauetefich zu Haufe aus des feligen Arnds wah- 
rem Ehriftenthum. Er: begeugte oft feine innige Freude Darüber, Daß 
ihn GOtt gewuͤrdiget, noch einige Ordnung in der Gemeine zu erle⸗ 
ben. Sonft laborirete er ſchon einige Fahre her an einem afthmate fic- 
co, trockenen Huſten und Bruſtbeſchwerung, welches ihn ſamt andern 
Zrübfalen immer mehr zu GOtt trieb, In feiner jugend hatte er 
guten Unterricht genoffen , welcher ihm wohl zu fiatten kam, fo Daß er 
Grund zu geben wuſte von der Hoffnung in ihm. Gegen andere Ge 
finntheiten war er behutfam und friedfertig, und fuchte mit iedermann 
nachbarlich , doc) fo zu leben, daß er der Liebe und Wahrheit nichts 
vergeben möchte, Endlich vermehrete fich feine Kranckheit undeg fchien 
fich zum Ausgang mit ihm zu neigen. Ich war etliche Tage vor ſei⸗ 


nem Ende bey ihm, und forfchete genau nach feiner Gerechtigkeit, 
womit er vor Gtt beftehen welte, weil heimlich befürchtete, es möche _ 


te mag von eigener Gerechtigkeit ankleben. Er antwortete aber mit 
ernftlichenGeberden, daß er nichts auf der gangen Welt, vielmeniger 
an fich felbft wuſte, welches ihn vor GOtt und feinem allerheiligten 
Gerichte vertreten haͤtte und noch vertrefen fönte, als dag einige volle 
gültige, theure und unſchaͤtzbare Löfegeld , nemlich das Blut JESU 
Ehrifti , darein hätte er „ und wolte er fich noch immer mehr gläubig 
wickeln, als dev allergröffefte Sünder auf dem Erdboden, und das 
folte und Eönte ihm Fein Tod noch Teufel rauben. Was die Gerech⸗ 
tigkeit des Lebens beträffe, darinnen fände er an feiner Seife unzaͤhli⸗ 
geMängekund Fehler, aber er glaubete ‚fein Fürfprecher bey dem Va⸗ 
ter im Himmel habe alles gefilget und in die Tiefe Des Meeres gewor⸗ 
fen, um feiner Verheiſſung willen. So beſchwerlich es auch zu fenn 


pfleget, 


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| | | II Nachrt. von Zn. Paſt. Muͤhlenbergs Amtsfährung. 13 


pfleget , wenn dag Althma zunimt, und der Othem nicht mehr folgen 
will; fo hat er doch mit groffer Geduld und chriftlicher Gelaſſenheit 
noch etliche Tage und Naͤchte ausgehalten , feinem Erloͤſer entgegen 
gefehen, und mit Gebet und Flehen feinen armen Geift in deffen Han 
de gegeben, nachdem er etwas uͤber funfzig Jahr gelebet. Als er noch 
lebete, befahl er mir, in ſeinem Namen allen hohen Goͤnnern und 
Weohithaͤtern in Europa demuͤthigſten Danck abzuftatten. 
Sieben Meilen von Philadelphia war eine betagte Frau, deren 
Mann G. H. zu Anfang des iegigen Jahrhunderts in Halle geleber, 
da er zwar etwas von der Gnadenwirckung GOttes an feinem Hergen 
‚erfahren, aber ; wegen feiner Untreue, zu Feiner völligen Hertzens⸗ 
Belehrung gelanget, nachhero aber ſich zum Separatifmo begeben hat» 
te. Er iſt ſchon vor vielen Jahren in diefes Land gekommen, 
‘und hat fich mit feines gleichen vereiniget. Die Kinder , welche fie 
noch in Zeutfchland gegeuget, waren getaufet; Dieaber in Diefem Lan» 
‚de geboren , waren meiftens erwachſen und noch nicht gefauft.: Vor⸗ 
‚erwähnte Frau hatte noch einen glimmenden Tocht vom Glauben bey 
ſich, welchen fie in Teutſchland gefafletz durfte aber nichtsfagen, weil 
fie von einem Schlagfluß gerühret , und an Händen und Füffen lahm 
war , der Mann auch ohnedem eine ſtrenge Herrfchaft über fie führe: 
te. Sin folgender Zeit wurde die altefle Tochter an einen goftfeligen 
Hamburger von der Philadelphifchen Gemeine verheirathet. Diefer 
ruhete nicht , bis die übrigen Kinder getauft waren. _ Die Mutter 
‚munterte im Verborgenen die Kinder auf , fie folten Unterricht und 
‚die Taufe ausbitten. _ Endlich erlaubte der Vater, daß fie getauft 
- ‚würden , aber vom Abendmal wolte er nichts wiſſen. Die Kinder 
-tröfteten fich damit, daß fie eg genieffen wolten, wenn ſie nach den eng» 
liſchen Geſetzen majorenn würden, und ihnen der Vater nichts mehr 
zu befehlen hätte. Die arme Mutter durfte fich gar nicht rühren, Fon 
fe auch) nicht zur Kirche Fommen , Doch hörte fie in den leßten Jahren 
- ‚ein paar Leichen» Neben, welche ich in ihrer Nachbarfchaft hielte. Zu 
letzt wurde fie noch mit einer ſchweren Kranckheit überfallen, und als 
ſie merckte, daß e8 zum Abfchiede ginge, brach fie durch, und fagte in 
Gegenwart ihres Mannes und der Kinder , ſie wolte nicht länger mehr 
‚warten mit dem heiligen Abendmal , fie hatte lange genug Hunger 
und Durft nach demfelben gelitten, und ſchon in die achtzehen Jahr 
lang gefgufzet : ch wie hungert mein Bemäthe,, Menſchen⸗ 


X 


IV. Penſylv. Fortſ. x Freund 


| 134 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


J 


Freund/ nach deiner. Guͤte ꝛc. Ich folte zu ihr kommen, tar 
aber zu’ weit entfernet oben im Lande, daß erſt innerhalb 
zween Tagen ihr Haus erreichen konte. Waͤhrend dieſer Zeit 
hat ſie gantz entkraͤftet, wie in den letzten Zuͤgen, gelegen, daß man 
gemeinet, ſie wuͤrde augenblicklich ausgehen. Als ich zu ihr kam, 
wurde ſie gantz lebendig und munter; richtete ſich auf, hub ihre Augen 
auf su GOtt, und klagte ſich mit Wehmuth, als fein verirretes Schaf, 
vor ihm an. Sie wuſte GOtte ſeine Verheiſſungen in Chriſto JEſu 
vorzuhalten, und dahinein zu dringen. Ich kan mit keiner Feder be⸗ 
ſchreiben, wie begierig, bruͤnſtig, andaͤchtig, erweckt und zuverſicht⸗ 
lich dieſe verſchmachtete Seele das heilige Abendmal empfinge. Kon⸗ 
te fie gleich ihre lahme Hände nicht aufheben , fo erhub fie deſto mehr 
ihr Her und ſtammelnde Zunge, und betete mit mir den agften Pfalm, 
als fie e8 genoffen. Machdem vermehrte fich ihr erlangen , bald 
aufgelöfet und bey Ehrifto zu feyn, Daß fie mit David, nach dem ızten 
Mal, fich Fönte recht fatt fehen an deſſen Schönheit , den fie hier in 
Schwachheit und Unvollfommenheit geliebet , und nicht gefehen. Der 
HErr eilete auch bald mit ihr heim, und ließ fie mit Freuden aus die⸗ 
fem Ja mmerthal zu fich in den Himmel kommen, nachdem fie etwa 
funfsig Sahr dis Elend gebauet. Den Mann hat mein werther Herr 
College Brunnholg getvonnen , fo daß er nun ein.eifriges Mitglied der 
une Gemeine ift, und in manchen Stücen hülfliche Hand 
ei ef. : - — % k 2 
In Providens war ein Mann J. N., der fi) über den guten 
Anfang mit Aufrichtung der Kirche innigft erfreuefe, auch bey dem 
Bau unermüdet Hand anlegete, und andere mit fi aufmunter⸗ 
te. Er hattein Teutſchland den Trunck geliebet, führete aber in die⸗ 
fem Sande einen nüchternen und ehrbaren Wandel, bezeigte Luft zu 
GOttes Wort und erbaulichen Büchern, bekam auch daher eine fei⸗ 
ne Fernhafte Erkentniß, ob wohl in einer rauhen Schale. Es ging 
ihm, wie einem ungelehrten Patienten , der feine Krankheit und die 
Wirkung der Artzeney fuͤhlet, aber nicht fagen Fan, mo die Urfach 


de Kranckheit figet, und die Genefung anhebet. Er murde faftin eo - 


ner ieden Predigt. gerühret , fühlete fein Verderben, und hörete von 
dem guten Artzte JEſu Ehrifto : wuſte fich aber nicht recht in die Sa» 
che zu ſchicken. Er fiel endlich in eine ſchwere Kranckheit, und lernete 
fich als einen groffen Sünder erkennen ; Fam mühfelig und en zu 
— Lhrifto, 


It, Lahr. vonän. paſt muͤhlenbergs Amtsführung. 155 


Chriſto, und wurde erquicket. Je weniger Zeit er hatte, defto meh» 
rern Ernſt bewies er in der wahren Buſſe, ohne fid) aufhalten zu laſ⸗ 
fen , und ging mit dem Inhalt des fehönen Spruchs, 1 Tim. 1, 15: 
Das ift ie gewißlich wahr , und ein theuer werthes Wort, 
daß JEſus Chriftus Eommen ift in die Welt, die Sünder 
felig zu machen, zc. in die Ewigkeit. Seine Liebe zu Kirchen und 
Schulen bewies er noch zuletzt darinnen, daß er an unfere Kirche in 
- PBrovideng in feinem Teſtament funfzig Pfund. Penſylvaniſch Geld 
vermachte, welche aber nicht eher ald nach feiner Frauen Tode geho⸗ 
ben werden Eonnen. N 
In Neuhanover war eine befagte Ehefrau , welche ihr Gewiſſen 
wohl nicht wenig mit groben Sünden beladen haben mochte. Esfhie 
ne bey dem Gehör des Wortes GOttes, als ob etwas von Erfent- 
niß dee Sünden, Reue und Keid über Diefelbe , und ein Hunger und 
Durſt nach der. Gerechtigkeit da wäre; weil fie felten ohne Thraͤnen 
dem Vortrage beywohnete· , Sie hatte aber nicht lange Zeit zuhören, 
fo warf fie der Herr auf das Krandenbette. Ob ich nun gleich vorher- 
einigemal mit ihr geſprochen, ſo hatte doch nicht Gelegenheit, bey ih⸗ 
tem Tode zu feyn, weil meine Woche in Philadelphia war. Die bey: 
ihrem „ode gemefen ‚_. verficherten mir hernach, daß fie am Sterbeta⸗ 
ge ohne Unterlaß die Hande aufgehoben und gerufen hatte: Ich laſ⸗ 
ſe dich nicht, du fegneft mich denn; und daß fie mit dieſen Wor⸗ 
ten verfchieden: Ich laffe dich nicht, HErr, du wirft mich auch 
nicht laſſen! u. Tre 
. Eine alte Witwe in Philadelphia freuete ſich hertzlich, da fie 
GoOttes Wort wieder. in ihrer Mutterfprache hören Eonte. Ob fie 
wol mit einem Schlagfluß befallen war, und an allen Gliedern zitter> 
te: fo verſaͤumete fie Doch felten eine Predigt, und ließ fich von einem 
ſtarcken Mann in und aus der Kirche führen.“ Sie fagte, daß ſie mit 
ihrem Mann fchon vor langen Jahren hier ins Land gekommen , und 


nichts von ihrem Gottesdienft gefunden, fondern wie verlaffen gemefen 


waͤren. hr Mann hatte deswegen die Schwedifche Sprache geler» 


net, um dem Gottesdienft der. Schweden mit beygumohnen ; weil di» - 


felbe von Anfang her mit Predigernverfehen geweſen. Siehätte aber 
in Erlernung ſolcher Sprache nicht nachkommen Eönnen , und 
Daher auch des Unterrichts ermangeln müffen. Waẽg ſie in ihrer zar⸗ 
ten Jugend von Gebetern gelernet, hätte IA sufammen gefucht, 

— und 


"156 Vierte $ortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 
und ſich damit unterhalten O tie oft ſagte fie, habe ich zuruͤck nach 


AN 


— 


Feutfchland gedacht, da man die geiſtliche Speiſe im Ueberfluß hat, 


und ſo wenig danckbar iſt. Das kurtze Reim⸗Gebetlein: Chriſti 
Blut und Gerechtigkeit ꝛc. wolte fie nicht fuͤr aller Welt Güter 
geben, weil fie viele Jahre daraus groſſen Troſt gefchöpfet. Sie war 
einfältig und kindlich legte auch ihr Witwen-Scherflein zum Kirchen ⸗ 
Pau mit bey , und fügte: Wenn unfere Vaͤter und Gönner in Euro⸗ 
pa fo viele Liebe und Erbarmung an ung armen verlaffenen Menfchen 
beweiſen; fo will ich mein Scherflein auch mit beylegen ; Gott wird 
es nicht verfehmahen. Endlich hat fie GOtt in Friede heimgeholet, 
nachdem fie zuvor von meinem werthen Heren Collegen Brunnhols 
noch einmal beſuchet worden, der fie auch hernach beerdiget. | 


Unfere alte betende Hanna in Neuhanover , von welcher in der 
erſten Relation etwas gemeldet worden, (q) ift auch) endlich betend ein. 
gefchlafen. Sie war der Welt fehon lange abgeftorben , und wolte 
von nichts mehr wiſſen, als ihren gecreußigten JEſum zu kuͤſſen. Ihr 
Alter war nahe neungig Jahren. — 

Eine junge Ehefrau zu gedachtem Neuhanover von dreyſſig Jah⸗ 

ren, welche einen irrdiſchgeſinnten Mann hatte, in einer Muͤhle wohn⸗ 
te, und unter vielem Getuͤmmel der Welt ſeufzen muſte, wurde er⸗ 
wecket, daß ſie in ſich ging, ihr Verderben erkannte, und nach Chri⸗ 
ſti Gerechtigkeit hungerte und duͤrſtete. Sie meinete, daß ſie mit der 
Suͤnderin, Luc. 7 ihre Sünden auf IJEſum geworfen, und von ihm 


Vergebung erlanget hätte, zuſamt der Verſiegelung des heiligen Gei⸗ ; 


fies. Sie redete gerne vom Sterben , und pflegtezu fagen: Sie waͤ⸗ 
re wie eine Braut, die auf ihren Brautigam wartete wenn ſie 
in der Welt und ihrem Getümmel bliebe, fo möchte fie vielleicht die 
erfte Liebe verlieren, und Falt werden. Sie mohnete fünf (englifche) 
Meilen von der Kirche , und verfäumete Doch nicht leicht Die Verſam⸗ 
kung. Wenn fie von der Kirche nad) Haufe gegangen , ift fie oͤffters 


unterweges in dem Walde allein gegangen , hat ihre Knie gebeüget, 


und inbrünftig gebetet, Wenn man nach der Urfache gefragt, hat fie 
BE Ne © 


¶) FR, altem Bermuthen nad), die inder erſten kurtzen Nachricht pag. 18. ge⸗ 
meldete Scau von neuntzig Jahren, die den Hexen Paftor Mihlenberg bey 


ihrer Zubereitung zum Genug des Heiligen Abendmahls mis glänbigem und hertz⸗ 


lichem Geſpraͤch ſehr erfrenet. 


AI Hrace.vonön.Pofl, Mlühlenbergs Amtsführung. 157 


dur Antwort gegeben: Wenn fie GOttes Wort in der Gemeine 
börete, fo würde ihr Herg voll von Hunger und Durfinah 
TVEfu ; wenn fie alsdenn ihres Herdens Verlangen in der. 
Stille durchs Gebet Eönte ausſchuͤtten, fo bekäme fie Rraft 
von dem HErrn JEfu , wider ihre geiftliche Seinde und des 
ren Derführungen zu beftehen. Mein werther Herr College 
Brunnholtz hat felbft einmal ein erbauliches Gefpräch mit ıhr gehabt, 
und fich fehr gefreuet, daß er eine folche feine Seele in dem rauhen und 
wilden Bufche angetroffen. Sie ftellete fich ihren Sterbetag wie ei⸗ 
nen Hochzeitstag vor, und ermählete zu ihrem Leichen-Tert den 6ten 
Ders aus dem ı6ten Pſalm: Das Loos ift mir gefallen aufs. 
lieblichfte , mir ift ein ſchoͤn Erbtheil worden. Sie erlangefe 
auch endlich ihr gemünfchtes Ziel bald, und flarb in Frieden ‚und kon⸗ 
te fagen : Ich weiß, in. IEſu Blut und Wunden hab ich mir 
recht und wohl gebett zc. aus dem Liedes Wer weiß, wie nahe mir 
mein Ende ꝛc. Weil Engliſche und Teutſche zum Grabe folgeten ; fo 
predigte ich den Englifchen über Hiob 19 , 25 und folg, Ich weiß, daß 
mein Erloͤſer lebet zc. und den Zeutfchen. Über ihren erwehlten 


Tert. 

Eines Kirchen » Aelteften Frau zu Providens hatte viel Sorgeund 
Mühe mit weichen Gefik-.ften ; ließ aber ein halb Jahr vor ihrem 
Zode davon ab, Und befümmerte fi) um das Eine Nothwendige. 
Ihr Gebet wurde brünftiger ; fie erwegete die Predigten in ihrem Her⸗ 
Ben befier,wie zuvor, und hörete mit Thranen zu. Der Mann lasihr 
r Haufe fleißig aus des feligen Arnds wahrem Ehriftenthum vor, und 
befjzeugte aus ihrem Verhalten, daß eine wahre Veränderung bey ihr 

vorgegangen. Sie hatte zu ihrem Leichen» Zerte ermählet die Wor⸗ 
‚te aus den Klagiied. Jerem 5, 16. Die Crone unfers Hauptes ift 
abgefallen, o wehe, daß wir ß gefündiget haben ! und ftarb 
balde.. Der Mann wohnet nahe bey der Mlennoniften Berfamm- 
lungs / Hauſe, und hatte in vorigen Zeiten ihren Kirchhof bauenhelfen, 
auf welchem er feine Familie zum theil liegen hat, deswegen wolte er 
ſeine Frau auch) dahin begraben haben. Es war ein groffer Haufe bey 
der Leiche verſammlet, meilzu den Leichen alle efinntheiten mitgehen, 
wie fie fagen , um der allgemeinen Liebe willen. Nachdem mir Die 
Leiche verfchartet, fo molte ic) die Predigt unter einem Baum halten, 
wegen der grofien Hitze. Die drey u a Wenenna 
— raten 


158 Vierte Fortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien 


traten aber zu mir, und ſagten, ich moͤchte doch die Predigt in ihrem 
raͤumlichen Berfammlungs- Haufe halten. Sch antroortete: Da un» 
ter unfers gnadigen Koͤniges Oberherrſchaft, alle Parteien, Die ein 
Oberweſen bekennen, in Diefem Lande geduldet würden ; fo wolte ich 
fie in ihrer Feepheit nicht ſihren / und Confequentien verurfachen. Sie 
hielten aber unabläffig an ‚-und fagten ich möchte ihr Haus nicht ver» 
fehmähen. Ich gedachte, fie möchten vielleicht deſto williger Das 
Wort faffen , wenn ihren Willen erfüllete. Im Hineingehen fügte _ 
mir der Altefte Prediger ins Ohr, ich möchte doch Feine fremde Cerer _ 
monien gebrauchen‘, welchem ich antwortete, Daß Feiner andern, als 
meiner Evangelifch-Lutherifchen Kirche Gebraͤuchen mich bedienen wuͤr⸗ 
de. Nach vollendeter Predigt entſchuldigte ſich der Alte, und ſagte 
ich moͤchte ihm ſeine Rede verzeihen; er haͤtte nicht gewuſt, was wir 
fire Ceremonien gebrauchten. Sie bedanckten ſich alle mit weinenden 
Augen, daß ich die Bußpofaune, tie fie es nannten, in ihrem Haus 
fe erfchallen laffen. Nach der Zeit habe noch viermal bey entfernten 
Leichen von unferer Gemeine in demfelben Haufe predigen muͤſſen. 
Die Prediger waren allegeit gegenwärtig, und ſagten, daB ihre See, 
fem dadurch erweckt ‚und gefegnet worden, baten fich auch gute Freund» 
und Rachbarſchaft aus. Sch habe in foldyen Predigten die ſtreitige 
Puncte zwiſchen ung und ihnen nicht abgepandelt, fondern die Buſſe, 
Glauben und Gottfeligfeit verfündiget, fo wir alle ohne Unterſcheid 
gorerft am noͤthigſten haben. re SB 
on Meuhanover Fam ein Knabe von sehen Jahren aus unfers 
fieben Mitarbeiters, Heren Bigera, Schule, und wurde ploͤtzlich 
Frank. Kurs vor feinem Ende forderte er dag neue Teflament, fchlug 
den fhönen Spruch) Joh. 3, 16. Alfo hat GOtt die Welt gelie- 
bet 2c. auf, laß denfelben ein paarmal über, und ſprach: Liebe Mut 
ter , mit diefem Sprud) will ic) in den Himmel gehen. Weil - 
mic) GOtt fo geliebet, daß er feinen eingebornen Sohn gegeben ; fo 
Ban ich nicht verloren werden ꝛc. Kurtz Darauf ift er frölich ver ⸗ 


‚fiorben. — 1% — 

ſ Ein anderer Knabe von ſechs Jahren, deſſen Vater von Hertzen 

Gott fuͤrchtet, lag kranck. Ehe er ſtarb, rief er feinen Vater vor 

Has Bette, und ſagte: Mein lieber Vater, Ich gebe aus dieſer 

argen Welt in den Zimmel, wo mein liebfter Erlöfer, JE 

fus Chriftus, und alle heilige Engel wohnen. Dewillich 
— meinen 


—X 


IT, Nachr. von Zn. Pal. Maͤhlenbergs Aıntefährung. 130 


meinen lieben GOtt, der mich erfchaffen, erlöfet und gebei= 
liget hat, ewig loben und preifen. Bleibet ihr fromm, mein lie 
ber Vater, beter fleiffig ,„ und behaftet den Herten JEfum und fein 
Wort lieb; fo, fo wird er-euch auch bald nachholen an den fehönen 
Ort. Nachdem er folches gefagt, bat er, fein Vater möchte noch ei» 
nen ſchoͤnen Berg aus einem Liede mit ihm fingen. Der Bater fang 
mit weinendem Kerken, und das Kind entfchlief. 

Ein graues Haupt in der Neuhanoͤveriſchen Gemeine neigte fich 
zum Sterben. Es hatte diefer Mann viele Sorge wegen der Einrich⸗ 
tung mit feinen Kindern. Ich raͤumete folche erft aus dem Wege, 

und machte feinen legten Ißillen. Nachhero hatten wir viel zu thun - 
> mit der einigen vollgültigen Gerechtigkeit , die vor GOTT gilt, und 
Daß eigene Gerechtigkeit ein befudeltes Kleid ſey. Ich dencke oft an die 
Worte unferer gottfeligen Vater: Wir find Miniftri gratiz , und nicht 
Magiftri, d. i. Diener und nicht Meifter der Enade. Man le 
get Die Ginaden-Mittel vor , feufset zu GOtt um Hülfe und Segen, 
und giebt übrigens Achtung , wie der Geift GOttes durch Diefelben wir⸗ 
cket, und was für Hinderungen im Wege fichen. Diefer alte Greis 
hat nach feinem Bekentniß nicht anders ‚als auf SEfu Blut und Tod, 
als ein armer in fic) ſelbſt Werdammniß wuͤrdiger Sünder, wollen ſter⸗ 
ben. Der Wandel ift in den legten Jahren chrifttich und flille gewe⸗ 
fen, und hat er an dem Worte GOttes groſſe Luft und Dergnügen 
gehabt. In feinem Zeftament vermachte er fünf Pfund hiefiger Lan⸗ 
des. Münge an unfere Kirche, melche Die Erben richtig bezahlet. 
Eine junge Ehefrau lebte Faum anderthalb Fahr mit ihrem Man» 
ne; fo fiel fie in eine ſchwere Kranckheit , welche fienach und nad) aus» 
zehrete. Sie Fam in der Kranckheit zu einer heilfamen Erkentniß und 
. Gefühl ihrer Sünden, befam Neue und Leid über Diefelben inggemein, 
und befonders über eine, welche fie in Zeutfchland begangen, und dem 
Herrn Helfer Kurs, der fiein meiner Abweſenheit befuchet , offenba⸗ 
vet hat. Sie wurde mit ihrem mühfeligen und beladenen Hertzen auf 
den gewieſen, der Die Zöllner und Sünder angenommen; der das huns 
Derfte verlorne Schaf fuchet ; der verfprochen ‚ Feinen hinaus zu ſtoſ⸗ 
fen, mer zu ihm komme; Der dem verlohrnen Sohn in feiner Umfehr 
entgegen läuft: O folteft du fein Hertze fehn zc. aus dem Liede: 
Mein Heiland nimt die Die Sünder an 2c. Einigen Kennzeichen nach, 
moͤchte man ſchlieſſen, Daß Die arme Seele den rechten Grund gefune 
IS den, 


Br > 
PT. 


160 Vierte Sortfegung dee Nachricht aus Penfyloanien, 
ben, mo ihr Glaube und Hoffnung andern koͤnnen. Sie wurde ruhig 
und gab ihren Geiſt auf. are 
Ein junger Menfch von dreiffig fahren dienete ung in der Neu⸗ 

hanoͤveriſchen Gemeine als Vorſaͤnger. Er fuchteund liebte das Einige 
Nothwendige, haffete Deswegen böfe Gefellfchaft , und woltenicht mit» 
machen mit dem rohen Haufen, wurde aud) desfalls verfpottet. Nur 
war er in gemwiffe Umſtaͤnde gerathen , die ihm nachhingen und ſchade⸗ 
ten. Ed hatte nemlich mit ſeinem alten Vater ein Stück Land ge 
pachtet , und nöthiges Vieh angefchaffet, und das alles zu.borge. 
Da er nun mit dem Viehe unglücklich war, fo Eonte er nicht bezahlen. 
Die Schulden druckten ihn ſehr, und find auch nach feinem Tode noch 
nicht alle bezahlet. Wenn ein Landmann allhier , der mit leerer Hand 
anfänger, mit dem Wiehe nicht glücklich ift, und einmal in Schulden 
geräth ; fo hat er bisweilen in feinem gangen Leben damit feine Noth. 
Vorerwehnter junger Menfch hatte ſich als Schreiber auf eine Eiſen⸗ 
Schmelge bey einem vornehmen Quacker und Friede-Nichter verduns 
gen, wo er vielleicht feine Schulden hatte mögen abbezahlen, aber vie⸗ 
ler Berfuchung und Verführung waͤre unterroorfen gemefen. Kaum 
hatte er aber fein Amt dafelbft angetreten, fo fuhr er auf einem Wa⸗ 
gen, Die Pferde wurden ſcheu, flürseten den Wagen um, und ver 
urfachten ihm einen tödtlichen Fall. Sonntags frühe begehrete er, 
daß ich zu ihm in feines Heren Haufe Fommen ſolte. Weil aber die 
Predigt in der Gemeine nicht zurück fegen Eonte, fo Fam erſt gegen 
Abend hinauf, und fand ihn zwar bey völligen Verſtande, aber dem 
Dode fehr nahe. Seine Freunde und Bekannte flunden um ihn her, 
und bemweineten feinen Sal. So bald er mid) fahe, weinete er auch). 
Sich fagte ‚er würde nun augenblicklich offenbar werden müffen vor dem 
Richterſtuhl GOttes, zu empfahen , wie er gehandelt hatte, bey Lei⸗ 
bes eben. Wer ihn vertreten koͤnte, und wie er beftehen molte vor dem⸗ 
felben ? Er antwortete mit weinen : Ich habe mich mit meinem Fürfprecher 
- zuborim Glauben vereiniget, denfelben in Schwachheit geliebet,und weiß 
Teinen andern weder im Himmel noch auf Erden, der mich_vertreten hat 
und kan, alg meinen HErrn JEſum Ehriftum. Er wird nicht mit mir ing 
“Gericht gehen. Nachhero ließ alle Leute von ihm hinausgehen, und ree 
dete noch ein und anders mit ihm von dem, mas ihm nothmendig er» 
achtete, fand auch nad) meiner ſchwachen Einficht, daß er giemlich ge» 
faſſet war im Gemuͤthe. Er hatte ein fehnliches Verlangen ‚das ee 

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LAK, 


m Nachr. von Bn Paſt. Muͤhlenbergs Amtsführung: 16: 


Abendmal zu genieſſen, ehe er ſtuͤrbe, und ſagte, daß ihn der Hunger 
und Durft nad) demfelben fo lange aufgehalten, fonft waͤre er ſchon am 
Vormittage geftorben. Er legte,in Gegenwart vieler Leute von allere 
hand Geſinntheiten, ein Buß-Gebet vor GOtt ab, und warf in dem⸗ 
‚felben fein ganges Anliegen auf den HErrn, genoß das heilige Abend» 
mal, wie ein gefunder Menfch , betete nach Genieffung deffelben mit 
mir, fang auch mit vernehmlicher Stimme den sten Vers aus dem 
Liedes JEſu deine tiefe Wunden 2c. Ja, für alles, was mich Frän- 
‚det, geben deine Wunden Rroftzc. Als wir den Vers gefun- 
gen, legte er fich zurechte, und fagte : nun flerbe ich in dem Herrn. 
Wir fungen den legten Vers aus demfelben Liede: Hab ich dich in 
‚meinem Hertzen, du Brunn aller Gütigkeit,, fo empfind ich 
Beine Schmergen auch im legten Kampf und Sereitzc. under 
entſchlief gantz ſanft und vergnügt mitten im Singen. Wegen feineg ſtil⸗ 
Jen Wandels liebten ihn auch fein Herr und andere Quacfer , und folgten 
zu Srabe, melchen eine Bermahnung in Englifcher Sprache hielte, 
Sm Fahr 1746 Fam meiner Frauen Großvater, der alte Conrad 
Weiſer, in mein Haus , welcher feit Anno r710 in dem Meuyorckifehen, 
und zuletzt an den Grengen von Neu⸗England gewohnet. Die Urfa 
chen, warum er zu uns Fam, waren folgende : 1) war eg fehr.gefähr- 
lich an feinem Dite zu wohnen, weil in Den ietzigen Kriegesteiten Die 
Frantzoͤſiſchen Indianer oder Wilde von Canada umher ſtreifen, und 
die Engliſchen Unterthanen grauſamlich toͤdten. Wenn ein Frantzoͤſi⸗ 
ſcher Indianer einen Engliſchen Unterthanen ermordet, ſo ziehet er dem 
Erſchlagenen die Haut, ſo die Hirnſchale bedecket, mit ſamt den Haa⸗ 
ren ab, (s) bindet daſſelbe an eine lange Stange, ziehet im Triumph 
ein, und bekommt von dev. Frantzoͤſiſchen Obrigkeit für eine ide Haut 
10 Pfund Geld zum Lohn, Da nun in feiner Nachbarſchaft fehon ei⸗ 
nige Zeutfche miaffacrivef , und alfo mit ihnen umgegangen worden: 
fo wolte er fein graues Haupt nicht gerne in der Barbaren Hände ger 
ben. 2) Wolte er feine Kinder und Kindeg- Kinder noch einmal fehen, 
| Ki und. 
(5) Die Engländer nennen ſolches Scalpen , und die Indianer haben diefe Ge 
wo hnheit auch in denen Kriegen’, welche fie unter fih führen, dafie das gu ° 


fealpete Sieged: Zeichen von ihrem erlegten Feind auf ihrem Kopf als eine 
Peruque tragen. > ’ | 


IV, Penſylv. Fortſ. | d 


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162 Vierte Fortſetzung der Nachricht aus Penfyloanien. 


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und fich mit mirvon dem Wege der Seligkeit befprechen. 3) Wolte 
er gerne fein Ruhe Rammerlein bey ung in Penfplvanien haben. Er 
war durch Die lange beſchwerliche Reiſe und fein hohes Alter fo abge» 
mattet, daß er faft todt m mein Haus-gebracht wurde, Nachdem 
er 24 Stunden im Bette gelegen , und einige Erfriſchung zu fi) ge 
nommen ; wurde er fieder munter , und fing mit halb gebrochenen 
Worten an das Lied zu beten : Schwing dich auf zu deinem 
GOtt zc. und wiederholte befonders den sten Vers : Haͤb ich was 
nicht recht getban , ift mirs leid von Hertzen ꝛc. Seine Au⸗ 
gen waren meiſt verdunckelt, und das Gehoͤr vergangen, ſo, daß ich 
nicht viel mit ihm reden konte. Ich konte aber ohne Freuden⸗Thraͤnen 
nicht anhören , wie hertzlich er die allerkraͤftigſten Kern» Sprüche von 
der gnädigen Verſoͤhnung in Ehrifto beftändig herfagte, als: Kür 
wahr er teug unfere Rrandheit ꝛc. Das ift ie gewißlich 
wahr und ein theuer werthes Wort x. GOtt war in Chri⸗ 
ſto und verföhnete die Welt mit ihm ſelber ꝛc. Alſo bat 
GOtt die Welt geliebet ꝛc. Denen er die Sprüche , welche fon» 
derlich auf die Zueianung gehen, beyfügtes ald: Kommet ber zu 
mir alle, die ihr mübfelig und beladen feyd sc. Wer zu mir 
kommt, den will ich nicht hinaus ſtoſſen x. Water, ich ha⸗ 


2 Be hi 
ev Wer 


— 


be gefündiget im Simmel und vor dir. GOtt, ſey mir 


Sünder gnadig! Aus dem Liede : Wer weiß, mie nahe mir mein 
Ende ze. den sten Vers: Ach Vater, ded all meine Sinde x. 
Sch ließ alles umher flille feyn, fo daß er nicht wuſte und merckte, ob 


jemand da wäre, damiter mit dem allgegenmwärtigen GOtt allein und- 


im Geifte umgeben möchte. Ach, tie gut iſt es, wenn man in der 


Jugend einen Schatz aus dem lebendigen Worte GOttes einfammlet! - 


Komme es gleich nicht augenblicklich zur Kraft und Frucht in der Aus» 


übung wegen mancherley Hinderniffen 5 fo bleibet GOtt doch getreu, 
und thut alles fein zu feiner Zeit. Mich deucht, ich habe ein fehönes 
Exempel an diefer Seele gehabt, und gefehen , wie der Geift GOttes 
"mit dem Worte wahrhaftig verbunden iſt. Es iſt eine wahre Freude, 
wenn man fiehet, daß die alten Evangelifchen Lutheriſchen Wahrhei⸗ 
ten in einer Seele lebendig werden. Wie betruͤbt iſts hingegen, wenn 
Menfchen ‚aus einer Neuerungsſucht, gleich mitden Füfferüber die al⸗ 
ten theuren Schäge hinmeg laufen, und neue Secten machen, Die zwar 
der aufferlichen Schale nach etwas polirter feheinen „ ale die alte 


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© U. Nachr. von Zn. Paſt Moͤhlenbergs Amtsfuͤhrung 163 
Weiſe, aber dem Kern nach nicht zu vergleichen find? Nachdem ber 


alte Greiß etwas wieder zu Kräften kommen; hatten wir ein und an» 
dermal Eurge erbauliche Geſpraͤche. Der Inhalt ging iedesmal auf 


- Die zween Puncke, nemlich von unferm unbegreiflich tiefen Berderben,. 


welches uns in dem Moral⸗Geſetze, Das geiftlich ift, vorgehalten, und 
von der unerforfchlich hohen Gnade GOttes in Chriſto JEſu, fo ung 
im Evangelio angeboten , und in einer gemiffen Ordnung frey gefchen- 
cket wird. Er legte von beyden in der erflen und andern Perſon fein 
Belentniß ab, nemlich: Wo ſoll ich fliehen hin, weil ich beſchwe⸗ 
vet bin © O IEſu voller Gnad, auf dein Gebot und Math ꝛc. 
Bey mir ift viele Sünde, aber bey dir ift viele Vergebung. Er be 
zeigte hernach einen fehnlichen Hunger und Durft nach dem heiligen 
Abendmal, und ſagte, daß er Daffelbe in etlichen Jahren, wegen Man 
gel der Prediger an feinem Orte, nicht genoffen. Daes nun eben 
Sonntag, und einige von unfern Gemein» Hliedern vor der Predigt 
bey mir waren, fo legte er ein Bekentniß feiner Sünden ab, kruͤmme⸗ 
te fich vor feinem Heilande , als ein armer Verdammungs ⸗ würdiger 
Wurm, bat um Gnade und Verg bung, und um den heiligen Geift 
zu einem befizen Leben, und war allen Anweſenden fo erbaulich , daß 


ſie mit ihm in Thränen zerſchmoltzen. Nachdem er das heilige Abend; 


mal genoſſen, befete er mit ung den 23ſten Yſalm, und erquickte ſich 


an dem Liede: Wenn meine Sünd mich kraͤncken ꝛc. Die wenigen 


Zage, welche er noch bey ung verhatrete, wandte er auf die Erbauung 


- feiner Seele aus GOttes Wort, und konte ſich nicht ſatt betenan dem 


Liede ; O du dreyeiniger GOtt, den ich mir auserlefen ac. Densten 
und sten Vers aus Demfelben erwählete er zu feinem Leichen» Zert und 
am ıofen Vers erquickte er fich abfonderlih. Mein Schwiegervater 
fehickte ingroifchen einen Wagen mit Betten, ließ. ihn noch funfzig Meio 
fen weiter zu fich hinauf holen, und als er ung gefegnet, mit groſſer 
Befchwerlichkeit den Ort erreichet,, und noch.eine kurtze Zeit bey fei« 
nem Joſeph in Goſen gelebet hatte, entſchlief er endlich unter hertzli⸗ 
chem Gebet und feufzen der umflehenden Kinder und Kindes» Kinder, 
nachdem er zwiſchen achtzig und neungig Jahren in diefer Pilgrimfchaft - 
gewalle. 


Ein Reformirter Mann, fo etliche Meilen von Providentz Schu⸗ 


fe gehalten, ging fleiſſig in unfere Verſammlung, und hoͤrete iedes⸗ 
mal mit Andacht merckte auch mit der zur NEUN 
2 als 


164 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. — 


als die Form oder der Schein der Gottſeligkeit, erfordert werde Das 
Gute, das in feiner Seele durch den Geiſt GOttes, vermittelſt ſei⸗ 
nes Wortes, gewircket worden , hatte auch einen Einfluß in feine 
Haushaltung. Er ging feinen Kindern und Kindes-Kindern, die er 
bey fich hatte, mit gutem Exempel vor , und hielte fie zum Gebet und 
zur Gottesfurcht an. Ein paar von feinen Kindes Rindern flurbenan 
der rothen Muhr, welche mit Fleinen Hergensfeufzerlein und fonderbae 
rer Geduld die Nachbarn nicht wenig erbaueten und erfreueten. Es 
ift dieſes abfonderlic) im Lande zu bemercfen „ daß man an den Kin- 
dern oftmals gang befondere und angenehme Gnadenzuͤge fpliret ‚wenn 
Eltern was Gutes in fich haben und beweiſen, und auch ihre junge 
eingepfropfte Zweige in acht nehmen und fie mit GOttes Abort begief 
fen. Eine aufferliche Hülfe iſt dazu, daß die Leute nicht nahe bey⸗ 
ſammen wohnen, tie in Stadten und Dörfern, und Die Kinder nicht 
fo frühzeitig durch böfe Erempel gereiget werden, wenn fie die Ihrigen 
nicht felbft verwahrlofen. Endlich wurde auch diefer Mann mit ſchwe⸗ 
rer Kranckheit überfallen. Einer von unfern Vorſtehern zu Provi⸗ 
deng, der naheben ihm wohnete, ging fleiffig gu dem Erandfen Mann, 
und befprach ſich mit ihm von ‘dem Einigen Nothwendigen. Und als 
ich eines von feinen Encfelgen zu begraben hatte; fo bat mic) der alte 
Mann, der fehr Franck lag, ich möchte Die 8eichenpredigt drauffen une 
ter feinem Fenſter halten , Damit er inwendig mit zuhören und ſich ere 
bauen Fönte. Ich that ſolches, und erflärete den Spruch) 2 Tim. 4, 
7.8. zur Erweckung berer bie drauſſen und Drinnen waren. Und weil 
noch vorher die Umſtaͤnde zulieſſen, daß ich mit dem krancken Manne 
ing befondere reden konte; fo fragte ich ihn, ob er viel mit Der Kranck⸗ 
heit und Teiblichen Schmertzen zu thun hatte. - Die Leute fagen big» 
wveilen: Die Angft meines Hergeng ift groß , und wenn mang genau 
eraminivet; fo fchläfet Die arme Seele in Sünden und Sicherheit , und 
das natürliche Gefühl kruͤmmet ſich und jammert über den leiblichen 
Echmers. Er antwortete, daß feine Kranckheit ihm nicht den ge⸗ 
ringſten Kummer mache, wenn auch gleich der Leib verweſen folte: Ja 
er koͤnte fagen, daß er nicht einmal an feinen Schmerg gedächte, fone 
dern feine Gedanken auf feine unfterbliche Seele und die bevorſtehen⸗ 
de wichtige Veränderung richte: Ich fagte zu ihm, wie ich aus einie 
gen Zufällen ſchloͤſſe, daß er wohl die groffe Reiſe aus der Zeit in die 
Ewigkeit in kurtzem anzutreten haben möchte, Er antwortete: Ach 
: 39, 


a EL EEE 
. Nachr. von an. Paſt Moͤhlenbergs Amtsführung. 165 


ja, ich habe vor mir eine ſchwere Reis zu die ins himmlifch Paradeig, 
da iſt mein rechtes Daterland , daran du dein Blut haft gewand } 
Sch fprach : Weil denn die Zeit fo Eurß, und die Veränderung fo na 
bes fo prüfet euch von Hertzen, mie ihr mif GOtt und feinem Soh⸗ 
ne,. dem Richter der Lebendigen und Podten ſtehet. Sepyd ihr ein 
Sünder? Er antwortete: Ach ja, ich bin der gröffefte Sünder auf 
Erden, und habe mit Gedanken, Worten, Wercken und Unterlaf 
fung des Guten mehr Sünde begangen , -ald Sand am Meer iſt. 
Ich fragte: Was ift die Urſach? Er antwortete: Mein Unglaube. 
Ich fragte : Beſtrafet euch der Geiſt GOttes deswegen ? Er gab zur 
Antroort ʒ Sa ich bin uͤberzeuget, daß ich nicht geglaubet und von mir 
felber auch noch nicht glauben Fan, Ich fragte weiter: Wo wollet 
ihr denn bleiben mit euren Sünden, wollet ihr Diefelbe mit in die Ewig⸗ 
keit nehmen ? Und, als er antwortete: Ach nein , da ift Fein Opfer 
mehr für Die Sünde ; fo fprach ich zu ihm: So faffet denn eure gantze 
Sündenlaft und Anliegen zufammen , und werfet euch Damit in hertz⸗ 
lichem Gebet mähfelig und beladen zu den Füffen des groffen Welt⸗ 
Heilandes nieder. Durch feine Wunden follet und Fönnet auch) ihr, 
als ein bußfertiger Sünder, gereiniget und geheifet werden. lau . 
bet ihr das? Er antwortete mit Thränen in den Augen: SErr, ich 
glaube; hilf meinem Unglauben. ZErr, ich glaube, hilf 
mir Shwachen, laß mich ja verzagen nicht ꝛc. Wail er 
ſchwach mar und nicht viel reden Ponte , fo fiefen wie Umſtehende auf 
Die Knie, trugen fein. Anliegen im Gebet dem HErrn vor, und frag 
ten ihn, od fein Zuftand fo waͤre? er antwortete; ja, ex wolle als ein 
armer bußfertiger Sünden Wurm ſich an feines FFfu vollguͤltiges 
Rerföhnungs- Blut halten, und , obwol mit ſchwachem Glauben, 
dod) darauf leben und ſterben. Wir fungen : Ah Oster, dec all 
meine Sünden mit dem Verdienfte IEſu zu ꝛc. Er hat nad» 
hero noch ein paar Tage gelebet, und ſich GOttes Verheiffungen wohl 
zu Nutze gemacht, big er endlich, wie wir nach der Liebe hoffen, vom 
Glauben zum Schauen gefommen. | ! 

Ein alter Mann ynd Gemein. Glied von der Neuhanoͤveriſchen Ger 
meine Eonte in langer Zeit nicht glauben, daß er ein oreöds, oder Gott 
loſer ſey, wie alle Menfchen von Natur ohne Die Gerechtigkeit Ehriſti 
find. Er wuſte Dagegen von Teutſchland und hier viele Zeugen anzu. 
führen , Die ihn als einen ehrlichen und friedfamen Mann gekannt, 

Y3 Weil 


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— 


166 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. ws 


Beil er.aber fleiffig auf die Predigten merckte, und einer Erbauung, 
fiunde mit benmohnete, darinnen einige Erempel aus den Salgburgir 
fchen und Matabarifhen Nachrichten , tie auch aus den Sammluns 
gen zum Bau des Reiches GOttes vorgelefen, und alte kraͤftige Luthe⸗ 
‚rifche Lieder erfäret wurden ; fo merckte er nad) und nad) , daß feine 
Erbarkeit und eignes Kleid der Gerechtigfeit nicht zureichend ware, 
Doc meineteer, es möchte unmöglich feyn, zu einer beffern und voll» 
kommenern Gerechtigkeit zu gelangen. Die auserlefenen Erempelvom 

dicodemo, Paulo, Maria Magdalena, dem Zöllner und dem ver 
fornen Sohn, wolte er in Die vergangene Zeiten verweiſen, feiner Pre⸗ 


diger Erfahrung aber ihrem Beruf und Stande zufehreiben. Die 


neuern vorgelefenen Exempel hätte er Tieber felber mit Augen gefehen, 
als aus der Ferne gehöre. Doch, der HENM, dem feine erkaufte 
Seele lieb war, verliehe Gnade, daß er endlich arm wurde, am Geiſt, 
und feine falſche Stuͤtzen nad) und nad) verlor. Er mufte nicht viel 
davon zu fagen, doch bedaurefe er feinen Zuſtand, und fing an zu hun⸗ 


gern und zu dürften nach einer beffern Gerechtigkeit. Er verfielendlich 


in eine toͤdtliche Kranckheit „ und ſchrie zu GOtt und feinem Erlöfer 
um Gnadeund Vergebung , und als ic) ihn in feiner Kranckheit be> 
ſuchte und ihn fragte , ob er die neuen Kleider des Heils bald beyfam- 
men hätte , oder ob er mit feinem befudelten Kleide gedachte vor dem 


allerheiligften GOtt zu befichen? So antwortete er, daß ernunnichts 


mehr wuͤſte, als Chrifli Blut und Gerechtigkeit, das folte ſeyn fein 
Schmud und Ehrenkleid, damit wolte ervor GOtt beſtehn, wenn er 
folte in Himmel eingehn. Ich betete mit den Umftehenden zu GOtt, 
legte feine Umſtaͤnde in Einfak dar, und befahl ihn in die Erbarmung 
feines Erloͤſers. Er fagte, Daß er in feiner Krankheit das Lied immer- 
im Gemäth habe welches wir zulegt in Der Verſammlung gefungen, 
nemlich Warum folt ich mic) denn grämen ze. Diefes Lied thöne 


’ 


Tag und Nacht in feinem Hergen , wenn er auch in den bitterſten 


Schmersen läge. Ermeinefe , Daß er gewiſſe Berfiherung von ſei⸗ 
nem Gnadenſtande hätte, und ihn nichts mehr-fcheiden koͤnte von der 


Siebe SHDttes in Chrifto ZEfr. Er münfchete , ich möchte beyfeinem _ 


Abfchiede fenn, und ſehen, wie frölig und freudig er aus dieſer Welt 
fcheiden wolte. Denn, fagteer, id) muß erfahren, was in meinem 
Kiede ftehet Vers 7: Unverssgt und ohne Grauen folk ein 


Chrift, wo er ift, fters fich Inffen hauen. Warum? Ib 


weiß, 


— 


— 
— 


15 Nachr. von 5m. Paſ 


Mahlenbergs Amteführung. 167 


weiß, daß mein Erlöfer lebt ic. Wenige Tage hernach ift er. mie 
getroftem Muth verſchieden. Ich war eben in einer andern Gemeine, 
Deswegen konte nicht bey feinem Ende feyn. Aus Liebe zu unferer ar⸗ 
men Kirche und Schule, Die noch etwas in Schulden ftehen, hat er in 
feinem Teſtament zwoͤlf Pfund hiefigen Geldes vermacht. | 

Ein paar afte Eheleute in Neuhanover, welche fich zur Gemeine 
gehalten, waren ihrem Temperament nach gange Melancholici, und 
Dem Neichthum diefer Welt und den Sorgen der Wahrung ergeben. 
Die Sache war bey ihnen zu einer folchen Gewohnheit gemorden , daß. 
alle unfere Mühe und Arbeit an ihnen vergeblich gefchienen. Sie was 
ren dabey Aufferlich erbar, in Handel und Wandel ſcharf und-accurat, 
im DBefuch des Gottesdienfles unermuͤdet, und lafen ihren Abend: und 





Morgenſegen unausgefeget. Mich deucht ſolches Temperament fey 


am allergefchiekteiten, den Schein der Gottfeligfeit zu beweifen,, und 
die Kraft zu verleugnen. Ruͤget man die Puncte, woran das Here 
vornemlich Erancklieget, ſo wiffen fie unzehlige Segenantworten theilg 
aus GOttes Wort, theils aus der Vernunft zu geben, und berufen 
ſich im Beſchluß gemeiniglich auf GOtt, der Hergen und Nieren pruͤ⸗ 


fet. Sch und der Helfer, Herr Kurs, haben verfehiedene mal in ie 


be und Ernſt an fie geſetzet, und ihnen die nöthigften Wahrheiten vor» 
gehalten. Site flimmeten in allen wichtigen Glaubens» Articuln mie 
ung überein, und wenn es auf die Prüfung und Zueignung ankam, 
fo hatten fie fehon vieles erfahren, und verfprachen , dag übrige durch 
GOttes Gnade, auch noch alles in Ausübung zu bringen. Siehet 
man aber auf die Kennzeichen, welche auf die Buffeund Glauben noth⸗ 


wendig in Der Erneurung folgen müffen 5 fo fiehet. es. bisweilen ſehr 


mangelhaft aus. Ihrem Bekentniß nach , haben fie nicht andersalg 
arme Bußfertige, aber Durch Chriſtum begnadigte und gerecht geſpro⸗ 
chene Sünder tollen fterben > fröftlicher aber mürde es ung feyn, ' 
wenn man deutlichere und mehrere Kennzeichen einer gründlichen Her 
tzens aͤnderung und Befehrung an ihnen wahrgenommen häfte Doch 
bin ich an meinem Theil eine aume Ereatur , und mangelhaft im Ur⸗ 


‚theilen, und fehle Daher mannichmalauf der einen oder andern Seite. 


Ich finde, daß wenn man in Beurtheilung der Belehrung anderer, 
entweder zu weit uber Die allgemeinen Kennzeichen , welche GOtt der 
Hertzenskuͤndiger in feinem Worte deutlich geoffenbaret hat ‚ wegge⸗ 
het, und andere zu genau nach Der eigenen Erfahrung richten will, 

| 2 odder 


+ 


⁊ ee es. 
“N Bi. 


188 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. — 


oder zu weit davon bleibet, und nach dem Gefuͤhl, noch allgemeinere 
Kennzeichen, als GOtt in feinem Wort gegeben ſetzet: fo fündiger 
man in beyden Fällen , preifet manche felig , welche vor GOtt unfer 
fig, und hält manche unfelig , welche vor GOtt mögen felig gehalten 


feyn. In Peichenpredigten find wir behutfam, und reden nicht gerne - 


mehr von den Derftorbenen , als was wir Den nod) Lebenden nüßlich 
und erbaulich erachten. Ah HErr , verleihe ung deinen Geiſt der 
Weisheit, und laß ung immer beſſer verflchen lernen , was dag heif 


fe ; du habeft Wohlgefallen an Barmhergigfeit und nicht am Opfer! 
Laß deine Gedancken immer. mehr auch unfere Gedancken werden, Dar 


mit wir nicht mit einem irrigen Spflemate unferer eigenen Gedancken 
in die Ewigkeit gehen. Der Mann ftarb, und vermachte ein ſchoͤnes 


Tuch aufden Altar ; die Frau flarb au), und hieß fünf Pfund anaye 


me Leute austheilen. — — Kae 
| Ein betagter Mann, der mit feiner Familie bey zwoͤlf Englifche 
Meilen von der Neuhandverifchen Kirche, unter allerhand Secten, 


wohnete, hielte fih zu unferer Gemeine , und befuchte fleiflig unfere 


Nerfammlung, wenn es feine Schwachheit, Wetter, Wege und 


Waſſer zulieſſen. Wenn er aber nicht Fonte beywohnen, fo erbauete 


er ſich mit den Seihigen zu Haufe aus Arnds wahrem Chriftenthum, 
des feligen Speners Glaubens⸗Lehre, und befonders der helligen Bir 
bel. So viel ich mit Demfelben Umgang gehabt , konte ich an feinem 
Wandel und Geſpraͤch wahrnehmen , daß ihm GOttes Wort und 
die heilige Sacramenta werth geivefen. Er ftarb inder rauhen Wins 
fergseit , Daß nicht wohl bey ihm feyn und fein Ende abwarten konte. 
Die Seinigen ergehlten mir , daß er mohl ein Diertel Fahr zuvor ſei⸗ 


nen Tod vermuthet, und von feinen Freunden Abfchied genommen haͤt⸗ 


fe, als er das letztemal in der Kirche getvefen. Er hätte deswegen be» 
fonderg in der letztern Zeit fleiffig und unabläffig zu feinem verföhnten 
Dater in Chrifto gebetet , daß er ihn möchte in Friede fahren laſſen; 
rodre auch unter Gebet und Seufsen eingefchlafen. Ich wurde zu ſei⸗ 
nem Begraͤbniß gerufen , wobey nicht allein viele von den Gliedern une 


ferer hin und her zerſtreueten Gemeine , fondern aud) allerhand Englie  - 


ſche und TeutfcheLeute von andern Religionen und Secten mit zugegen 
waren, welche alle beseugeten, Daß er unterihnen ein chriſtliches und 
exemplarifches Leben geführet hätte, | 


Fa 


vn 


—*— 


II. Nachr. von Hn Paft. Maͤhlenbergs Amtsfahrung. 154 


In Neuhanover wohnete ein Mann von ein und dreyſſig Jahren, 
welcher ſich mit zur Gemeine hielte, ſonſt aber in weitlaͤuftigen Welt⸗ 
Geſchaͤften ſteckte. Er hatte die Aufficht über einen groſſen Strich 
Landes, welcher gewiſſen Kaufleuten in Philadelphia gehöret , und 
‚an arme Teutſche Leute Stuͤckweiſe verpachtet if. Der Mann hatte 
ein lenckſames aber dabey flüchtiges Gemüthe, und war ſonſt huͤlfreich 
und dienfifertig gegen alle, die ihm ein gutes Wort gaben. Die 
Umftände feines Berufes waren aber fo befchaffen ‚ daß er faft bey ei» 
ner jeden Handlung in einem oder dem andern Wirthshaufe auf Aus 
ctionen oder-auch vor der Obrigkeit ſeyn muſte. Wenn man nun ber 
Dencket, tie geneigt Die fich felbit gelaffene Ratur fey, bey ſolchen Ge⸗ 
legenheiten in allerley Sünden ſich zu verſtricken; fo Fan man leicht 
auf das Ehriftenthum eines foichen Mannes fehlieffen. Er verfäume- 


= teindeffen ohne Noth Feine Verſammlung, ging aber die legte Zeit 


nicht zum ‚heiligen Abendmal, aus Erkentniß feiner Unwuͤrdigkeit, 
weil ev wegen feines Amtes bald in Proceffe verwickelt wurde‘, bald 
auch in diefe und jene Sünde verfiel. So manche Predigt und Lei⸗ 
chen⸗Rede er hörete , fo manchen neuen Vorſatz faffete er , von dem 
breiten Wege auf den fehmalen zu treten, von der Finfterniß zum Sicht, 
. von der Gewalt des Satans zu GOtt ſich zu bekehren. Aber die ers - 
fte Gelegenheit riß den armen Mann allemal wieder hin in die alten 
Sünden. Ich ermahnete ihn dann und wann befonders, daes denn 
niemals an guten Verfprechungen fehlete. Nach einiger Zeit kam er 
zu mit, und fagte mit Bewegung feines Hersens folgendes : Ich fe 
he, dgß alles eitel iſt in der Welt und in meinem Hertzen. Ich habe 
bisher wollen ein groffer Mann ſeyn, und alles mitmachen in Geſell⸗ 
ſchaften: Kurs, id) mandele auf dem breiten Wege, Der zum er, 
derben hinabführet. Ich will alles abfchaffen, meine Sachen gering 
und Elein machen, und mich von Hergen zu meinem gnaͤdigen GOtt 
in Chrifto befehren : meine Mitgefellen mögen mich auch deswegen 
verſpotten, und einen Pfaffen- Marren-heiffen. Ich gab ihm zur 
Antwort : Mein lieber Freund, Das ift abermal ein neuer Vorſatz, 
wenn aber Derfelbe, wie alle vorhergehende, auf eigene Kiäfte, und 
nicht mis Gebet und Ernſt auf GOttes und feines Geiftes mitwircken⸗ 
de allgenugfame Gnade und Kraft angefangen wird : fo verftiebt auch 
Derfelbe von dem erflen Wind der Verführung. Will er ein wahrer 
Juͤnger JEſu und ein Kind der Sefigfeit werden; fo muß in ihm eine 
IV. Penfylv. Sortf. 3 gruͤnd⸗ 


mo Diere Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien 


gruͤndliche Veraͤnderung an Hertz, Sinn , Muth, Gedancken und 
allen Kraͤften vorgehen. Kommt ſolches durch GOttes Gnade zu 
Stande, fo wird es einen Einfluß in feinen aufferlichen Beruf geben, 
er mag groß oder Flein feyn. Seinen Aufferlichen Beruf betreffend ; 
ſo geſtehe gerne, daß er etwas Erleichterung bekommen möchte, wenn 
er Denfelben ablegte, ſich ing Kleine begäbe, und feiner Profeflion 
nachginge. Aber die Belehrung felbft muß deswegen doc) in ihrer 
Drdnung dur) GOttes Geift und die Sinaden » Mittel gewircket wer⸗ 
den; wenn er gleich in einer Kammer oder Einoͤde eingeſchloſſen waͤre. 
Mich deucht, der Vorwand wegen des weitlaͤuftigen Berufs iſt nur 
ein Behelf, die fo noͤthige Sache aufdie lange Banck zu ſchieben. 
Denn er Fan den Beruf nicht eher aufgeben, als big fein Fahr aus ift. 
Wenn er denn die Bekehrung fo lange auffchieben will ; fo Fan noch 
vieles, jader Tod felbft dazwifchen kommen. Iſt feine Ruͤhrung 
rechter Art, fo ifbes ein Zug des Vaters zum Sohne. Ob nun wol 
GoOtt nicht mit abfoluter Macht ziehet; fo-lieget doch in ſolchem Zuge 
fo viele und genugfame Kraft, daß er von ver Macht des Satans und 
der Sünde zu GOtt kommen, und von der Knechtſchaft zur vollkomme⸗ 
nen Freyheit in Chrifto gelangen Ean, wann er nicht muthtillig widerſtre⸗ 
bet, und den HErrn nicht vergeblich feine Hand zu ihm ausrecken laͤſſet. 
Es heiffet deswegen : Heute, fo ihr feine Stimme hoͤret ec. und nicht 
morgen oder übers Jahr. Sch will ihm in Einfalt rathen: Gehe er 
in fein Kammerlein, two er allein feyn Fan , und Elage fich vor dem, 
der ind Derborgene fichet, an, mie er ſich eben erfennet , und über» . 
zeuget findet 5 bitte GOtt im Namen ZEfu Chrifti, daß er ihn von 
dem Unglauben und allen daher entftehenden Greueln der Sünden durch 
feinen Geiſt noch mehr überzeugen wolle, fo daß er die Sünden als 
Sünden in ihrer rechten Geſtait erkennen lerne! GOtt iſt getreu, er 
wird ihm zeigen, mie er in feinem Blute liege, und wie nichts geſun⸗ 
des an ihm ſey vom Haupt bis auf die Fußſohlen. Er wird für ſich 
ſelbſt erſchrecken, und in eire heilfame Traurigkeit gerathen , die da 
wircket eine Reue zur Seligfeit, die niemand gereue. , Seine Sun 
den⸗Wunden werden ſtincken und eitern vor Thorheit. Es wird ein 
Edel und Haß gegen alle Sünden , und ein fehnliches Verlangen , 
von denfelben 108 zu merden, bepihm entfichen. Der Zugdes Vaters 
toird immer Eraftiger werden, urdihn mit feiner gansen Sündenlaft 
möhfelig und beladen zu Ehrifto ziehen. Bey Ehrifto findet er —— 
un 


IE. Nachr. vonsön. Paſt. Mlählenbergs Amtefährung, ri 
und Wergebung , Befreyung von aller Suͤnde, Schuld und Stra⸗ 


fe Er bekommt eine Macht und Vorrecht nicht allein GOttes Kind 


zu heiſſen, fondern auch wircklich zu feyn , und fo zu wandeln-, „daß 
es dem Berufsgemaß fy. . Wenn eine folche twahrhafte Veränder 
rung bey ihm vorgehet, fo wird man die Wirckung davon bald in ſei⸗ 


nem Aufferlichen ‘Berufe fpüren, Iſt er zuvor ein fleifiger Befucher 


der Wirthshäufer geweſen, und hat darinnen die Gefellfhaften mit 
Schere und Warrentheiding luflig gemacht ; fo wird er alsdenn nicht 


. mehr, oder weniger in folche Haufer und Gefellſchaften gehen, als 


es die Nothwendigkeit ſeines Berufes erfordert, und der Haß und 
Eckel gegen die Suͤnde, beſonders aber der heilige Geiſt durch ſein 
Wort wird ihn lehren, das Boͤſe zu rechter Zeit mit Worten oder 
mit Stillſchweigen zu beftrafen. Iſt er zuvor ein Zuchtmeiſter über 
die armen Leute gervefen ; fo wird er alsdannein Water werden , den 


- Unterdrückten helfen, und Witwen und Waͤnhſen Necht fchaffen. Hat 


er zuvor viele Proceffe gehabt ; fo wird er alsdann lieber Unrecht lei» 
den, und fo viel möglich, mit allen Menfchen Friede haben. Sum» 
ma, eine wahre Bekehrung zeiget ihre Frucht in allem Thun und Laf 


ſen. Er antwortete: Ach ja, es märe inder That eine felige Sache, 


wenn folches bey mir zu Stande kaͤme! Wo Fein Anfang iſt, fagte 
ich, da folget auch Fein Mittel und Ende. Der Faule flirbet über ſei⸗ 


nem Wuͤnſchen. Wenn er fich in die — der Buſſe und des 


Glaubens ſchicket, ſo wird er hernach von ſelbſt ſehen, ob er ſeinen 
weitlaͤuftigen Beruf ohne Schaden Fan behalten, oder nicht. Wenn 
ein Schiffer mercket, daß der Sturm ihn verfencfen will, fo wirft er 
lieber das ſchwereſte aus dem Schiffe heraus, damit er fein Leben er» 
rette, wenn er gleich einige Güter verliere. Ob diefes Wort der Er⸗ 
mahnung auf ein gut Land, oder auf einen felfichten Acker gefallen, 
Fan ich nicht mit Gewißheit fagen. Der Mann hattenicht lange Zeit 
mehr, fo fiel er plößlich in ein anfteckendes Fieber. (t) Sch Fam zu 
ihm , er mar aber fehr ſchwach, , fürchtete ſich fehr vor dem Tode, 
und begehrete , ich möchte ihm von GOtt eine Gnaden - Frift zum Leo 
ben ausbitten: wenn er. einmal wieder aufkaͤme, fo molte er gefreuer 
— 32 ſeyn, 

— t) Es wird diefe Kranckheit hier, in Penſylvanien, das gelbe Sieber genannt. 
Es ſoll von den Heiffen Gegenden dieſes Welt: Theils hieher gebracht worden 
feyn , and hat verfchisdene vornehme Kauflente zu Philadelphia weggeraffet. 


172 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


ſeyn, und ſich GOtt von gantzem Hertzen ergeben. Es war freylich 
ein betruͤbter Anblick, weil er nicht bereit war, ein Haͤuflein unmuͤn⸗ 
diger Kinder hatte, und ſeine viele Rechnungen nicht in Ordnung wa⸗ 
ren. Seine Seele jammerte mich, ermahnete ihn deswegen nochmals 
zur Buſſe, kniete vor fein Bette, verrichtete ein Buß Gebet, und hielt 
bey dem langmüthigen und gerechten GOtt an, ob er fich wolle er» 
barmen,. und den Baum noch auch diefes Jahr ftehen laffen. Allein 
den folgenden Zag murde er fprachlos, und lag bey vier und 
zwantzig Stunden im Todes-Kampf. Ich wurde in der Wacht aus - 
meinem Haufe hinauf gerufen, hatte bey Falter und rauher Witterung 
in tiefen Wegen funfzehn Engliſche Meilen zu reiten, daß faft felber- 
Darüber in Krankheit gerathen. Als hinauf kam, konte nichts mehr 
mit ihm fprechen , weil die auffere Sinnen zum Theil ſchon vergangen 
waren. Ich ermahnete alle Anweſende, mit mie zu beten , und. den 


HEren um Önade anzurufen, beveitete die Frau mit GOttes Wort 
zur willigen Annehmung des Witwenſtandes, und fahe ihn nach mo - 


Stunden fterben. Seut lebft du, heut bekehre dich! Eh 
morgen kommt, Eans ändern fich. 

Eine alte Wirwe in Provideng war befreundet mit unferm Bor» 
ſteher F. M. und hielte ſich eine Zeitlang bey demfelben auf, Die 
Frau war alt und ſchwach, und hattein der Welt nichts mehr zu thun, 
als für ihre Seele zu ſorgen. Der Vorſteher, welcher mit feiner 

Frau und Kindern ein eremplarifches Leben führet, und mit ſeinem an⸗ 
vertrauten Pfund gerne muchert , gab fleiffig acht auf die arme Wit⸗ 
we. Er murde gewahr, Daß ſie noch ein und andere Gewohnheits⸗ 
Sünden von der Jugend an fich hatte, und fonft überhaupt von dem 

Leben aus GOtt noch entfernet fehiene. Sie verließ fic) aber fehr auf 

ijhre in der Jugend auswendig gelernefe Gebeter; war Sonntags in der 
Kirche, und in der Woche beym Abend⸗und Morgenſegen andaͤchtig, 
ſo daß man ihr nicht wohl beykommen konte. Als ſie endlich einmal 
mit des Vorſtehers Kindern allein geweſen, und den unſchuldigen 
Laͤmmern, Die noch in der Tauf ⸗Gnade ſtunden, ein Aergerniß gege⸗ 


ben, indem fie mit einem Buß⸗Liede geſchertzet; fo klagten ſolches die 


unfchuldigen Kinder ihrem Vater. Der Bater nahm daher Gele 
genheit, der Witwe in Siebe und Ernſt den faulen Grund ihres Hero 
tzens aufzudecken, und fie zur wahren Buſſe zu ermahnen. Seine und 
feinev Frauen Ermahnungen waren auch nicht ohne allen Siam 
ie⸗ 


m Nacht. von 31. Paſt. Mählenberge Amtefährung. 173 


geblieben, denn man mercfte an ber Frau, daß fie beffer Achtung gab 
auf das Wort GOttes, und im Gebet ernfllicher und brünftiger wur» 
de. Man bat fie, fie möchte fid) von aangem Hergen zu GOtt wen» 


den, daß ihre Sünden in dem Blute JEſu getilget , und in die Tiefe 


des Meeres geworfen würden. Endlich hat fie viersehn Tage an der 
rothen Ruhr gelegen, und noch Zeit und Gelegenheit gehabt, ihre ar⸗ 
me Seele mit bußfertigem Gebet dem zu empfehlen, der fie mit feinem 
Blute erkaufet hatte, Ich war inder Kranckheit ein paarmal bey ihr, 
ermahnete fie, alle ihre Sünden bußfertig zu erkennen, zu bereuen, und 
bey dem freyen und offenen Born für die Sünde und Unreinigkeit, 
Gnade und Heil zu fuchen. Sie konte wegen Alter, Schmwachheit 
und Kranckheit nicht viel reden, verficherte aber , daß fie den Ermah⸗ 
nungen folgen , und der Bearbeitung des Geifles GOttes nicht wider» 
fireben wolte. Es iſt mir Dabey eingefallen, was der felige Herr Pa= 
ftor Raupach in Hamburg gefagt, nemlich es fey ihm fürchterlich, 
“wenn die Leute bisweilen in den legten Stunden fo ficher und ftille Id» 
gen, und Fein Schrecken oder Anaft im Gewiſſen fühlten , noch auch 
ein Verlangen nach der Berficherung von ihrem Gnaden-Stande hat- 
ten. Ei beforae, Daß es bey vielen nach dem Ausfprud) Davids gin⸗ 
ge: Sie fahren ihren Vätern nach, und ſehen das Licht 
nimmermehr. Es iſt freylich teöftlicher und ficherer , wenn man ſchon 
bereit if , ehe das legte Stündlein Fommt.- Wenn aber folches nicht _ 
gefehehen , und man ſpuͤret noch eine Bearbeitung des Geiftes in Der 
festen Zeit s fo iſt eströftlicher ‚als nenn man Feines von beyden, fon» 
dern vielmehr ein ficheres Hinfterben gemahr wird. Beym Abſchiede 
“ einiger Menfchen ift es faft betruͤbt und gefährlich für den Prediger. 
Betruͤbt, wenn die Menfchen nicht zuvor die wahre Buffe und Glau⸗ 
ben im Anfange oder Fortgange erfahren. Der Tod iftder ratur 
der allerbitterfte Schmerß, welchen Die Natur abzumenden, alle uͤbri⸗ 
ge mögliche Krafte nach Leib und Seele anwendet, Wenn man da erſt 
die Buffe und den Glauben anpreifen will, fo gehet.es faſt, mie es 
2 Buch Mofis 6,9. ſtehet. Mofes fagte den Kindern Iſrael die kraͤf⸗ 
tigſte und troͤſtlichſte Verheiſſungen, melche-er eben aus dem liebes⸗ 
vollen Munde der Wahrheit empfangen ‚und die ihnen zur Aufmun⸗ 
terung und Staͤrcke dienen fülten. Aber fie höreten ibn nicht für 
Seufzen und Angft und für harter Arbeit. Gefährlich ift es, 
weil auch unbefehrte Leute von dem en mit füflen , und 9— 

— 3 nicht 


— 


»74 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


nicht zugehörigen Troͤſtungen wollen eingewieget ſeyn, in den ewi⸗ 
gen Todes ⸗Schlaf. Die alte Witwe ſtarb nad) einer vierzehntaͤgi ⸗ 
gen ſchweren Kranckheit, und betete fleiſſig, bis ſie ihren Geiſt aufgab, 
nachdem ſie zwiſchen ſechzig und ſiebentzig Jahr gelebet. 
Eine Reformirte Frau in Neuhanover verſaͤumete keine Predigt 
in unſern Verſammlungen, ließ auch ihre erwachſene Tochter in un⸗ 
ſerer Gemeine unterrichten und confirmiren. Ihr Sohn war in 
Teutſchland zum Guten erweckt, und in dieſem Lande zu den Zinzen⸗ 
doͤrfern getreten, wolte auch die Schweſter gar gerne nach ſich ziehen, 
konte aber nicht. Die Frau war eine beſondere Liebhaberin von er⸗ 
baulichen Büchern und Geſpraͤchen. Ich hatte ihr ein Halliſch Ger 
fangbud) zukommen laflen , woraus fie. verfchiedene fchöne Lieder zu ih ⸗ 
ver Erbauung gefaffet. Sie wurde fonderlich in der legten Zeit fehr 
ſtille, und es fchiene , daß fie den Föftlichen Weiberſchmuck erlanget , 
nemlich den verborgenen Menfchen des Hertzens, unverruͤckt mit fanf 
tem und flillem Geiſte. Wo ſie ging und fiund , pflegte fie innerlich 
su beten. Sie hielte fich an den , ven fie nicht fahe, als fähe fie ihn. 
Da fie auf das Todten- Bette kam, wolte fie Feine Stärkung von 
feiblichen Aertzten haben; meil fie, wie fie fagte, Die tröftlichften Bere 
heiffungen ihres Seelen. Bräutigam lebendig erführe, und von dem 
Troͤſter, dem heiligen Geifte , Darin unterhalten würde, fo, daß fie 
faft Feine Kranckheit noch leiblichen Schmers fuͤhlete, und mit getro⸗ 
ftem Muth aus dieſem Jammerthal zu ihres HErrn Freude einging, 
Sie hatte in der legten Stunde im Gebet meiner gedacht, und hieß mir 
taufendfachen Segen und gute acht wünfchen , und fagen aus dem . 
ısten Palm : Das 8.008 ift mir gefallen aufs lieblichfte, mir 
ift ein ſchoͤn Erbtheil worden. Ueber ſolche Worte hielte denn 
auch mit Vergnügen ihre Leichenpredigt. a 5 
Ein Mann zwifchen vierzig und fünfzig Jahren, der mit feinem 
Bater und Bruder in Zeutfchland eine Zeitlang bey dem bekannten 
Dippel geweſen, und in diefes Land gekommen , fiel hin und her, von 
einer Secte zu der andern, und da er zuletzt mit den Gichtelianern auch 
fertig war, glaubte er nichts mehr, febte gottlos, und ließ auch feine 
Kinder wie Indianer aufwachſen. Endlich kam er von oben aus Dem 
Lande herunter, und wolte feinen Bruder befuchen. Ich war eben in 
des Bruders Haufe, und unterrichtete ein Häuflein junger Leute, wel⸗ 
che sur Confirmation und dem heiligen Abendmal zubereitet ae i 
RN olten, 


u Nachr. von Hn Paſt. Mählenberge Amteführung. 175 


- folten. Der Mann tourde fehr Franck, und legte fich in der Infor⸗ 
mations ⸗Stube ing Bette. Er hörete unfern Unterrichtmit an. Ich 
redete ihm zu, und bat, er möchte nad) Gnade fuchen bey Dem ‚Der 
aller Welt, und folglic) auch feine Sünde gebüffet , und dafür genug 
gethan, der die Zöllner und Sünder angenommen , und verfprochen, 
Feinen hinaus zu floffen , ter zu ihm Fame , der Das hundertfte verlor» 
ne Schaf fuhe x. - Er fagte einmal mie allemal , es wäre zu ſpaͤt 
vor ihn, wenn er wieder auffame , fo wolle er Gnade fuchen, und fein 
Leben beſſern. Ich bat und ermahnete ihn, er möchte Doch das gewiſſe 
für das ungetoiffe nehmen, und nicht dencken, es waͤre zu frühe, oder 
zu fpät. Er blieb aber bey feiner alten Sprache , und molte ſich nicht 
toeiter mit mir einlaffen. Ich fragte, ob er mohl leiden Fönte , Daß 
ich mit den Kindern für ihn zu GOtt um Gnade betete? Er fagte, ich 
koͤnte nach meinem Belieben thun, tie ich wolte. Ich Eniete mit dem 
Haͤuflein junger Leute verfchiedene mal um fein Bette, und flehete um 
HEren , er möchte fich über Das verwirrte und verftockte Schaf um 
IEſu Chrifti willen erbarmen! Ich meinete ich) wolte es erbettein mit 
unverfehamten Geilen; Er aber wolte nicht mit anfaffen, und GOtt 
molte ihn nicht mit abfoluter Macht siehen. Cr blieb dabey, wenn er 
wieder aufkaͤme, fo folte e8 anders werden. Er flarb inwenig Tagen 
hernach, da ich eben im Sande war. a | 
Ein alter betagter Mann ‚ der feiner Abkunft nad) ein Lutheraner 
hieß, wohnete ungefehr vierzehn Englifche Meilen von Neuhanover in 


ben Gebürgen auf einem Stuͤck Landes. Ein reicher Serländer eigne⸗ 


te fi) das Land zu, und trieb den Blut⸗ armen Mann mit feiner Fa⸗ 
“ miliedavon. Der Mann roufte ſich in das Unglück nicht zu ſchicken, 
- hatte GOttes Wort nicht gehöret, noch geleſen, fondern in Finſter⸗ 
niß, wie ſeine Nachbarn, muthwillig gemandelt , und gerieth in Deſpe⸗ 
ration. In dem erbarmlichen Zuflande fiel ihm ein , er folte hinunter 
nac) der Neuhanoͤveriſchen Kirche gehen , und ſich bey derfelben af. 
hengen , fo würde er Ruhe finden, und von feinem Uebel erlöfet were 
den. Er folget den Gedanken, gehet eilend herunter, borget von ei⸗ 
nem Nachbar einen Strict, und henget fic) felbftan einen Baum ge 
‚ gen der Kirche über. Dem Nachbar wird bange , gehet nad) einer 
Beinen Weile aus feinem Haufe, und fiehet den armen Mann ſchon 
am Baume hangen, refolviret ſich aber geſchwinde, und fchneidet in 
Eile den Strick ab, daß der Mann herunter fället, nnd eine Br 

A: ; A 


\ 


Ir 


176 Vierte Sortfegung der Nachricht ans Penfploanien 


als todt ieget , endlich aber wieder erwachet. Der Machbar Hat den 


Menfchen genöthiget , und faft wider Willen gegwungen , mit ihm 

nach dem Schul-Haufe zu dem Herrn Rurg zu gehen, melcher noch 
dagſelbſt wohnete. Herr Kurs hat ihn examiniret, und ihm dag er» 
fchreckliche unendliche Gerichte GOttes vorgefiellet , welches auf den 
Selbfimord unvermeidlich folge. Der Mann hatte die Umftände fo 


erzehlet, wie zuvor beſchrieben, und geſagt, Daß ihm fein Tage kan 


Gang foleicht vorgefommen wäre, als die vierzehn Meilen. Herr Kurs 
hatte mit ihm gebetet und GOtt gedandet, daß er den armen Sünder 
noch einmal vondemgroben Strick des Satans erreftet, und hm Raum 
und Srift zur Buffe gegeben hatte. Der Mann hat bitterlich gewei⸗ 


net, nachdem er fich mohl befonnen , und verfprochen um Gnade und- 


ergebung zu biften. Er gehet nun dann und mann in die Kirche, 
wenn eg feine Armuth , better und Wege leiden wollen. | 


Hierauf will ich in Einfalt berichten, was in den legten Jahren 
bie und de in meinen Gemeinen und auf Reifen etwa merd= 


würdiges vorgefallen. ges 18 
Im Nov. 1746 ward genöthiget, eine Reife nad) Tulpehoden 
su thun; teil Die Gemeine daſelbſt, telche wir bisher dann und wann 


verforget, ſchon längft gebeten, daß das heilige Abendmal mit ihnen 


halten folte. Es ift zwar fehmer , in foldyen Gemeinen dag heilige 
Abendmal auszutheilen, wo man Die Glieder nicht in der Cura fpe- 
ciali, befondern Pflege, haben und eines ieden Zuftand etwas genauer 
Eennen Fan x doch Fan man es nicht wohl abfchlagen. Man eramir 
nivet das Volck fcharf, leget ihnen Gefes und Evangelium vor, er» 
mahnet fie zur Buſſe, Glauben und Gottſeligkeit, und ſtreichet den 
Nutzen der heiligen Sacramenten heraus, mie Lutherus fagt, und fit 


chet das Gewiſſen unbefchmeret zu halten, fo viel GOTT Gnade date 


reicht. Kurs man umgräbet und bedünget die alten Bäume, pflan⸗ 
get und begieffet , und bittet GOTT um fein Gedeyen. In Zulpeo 
hocken hielte den Tag zuvor Beicht⸗Examen, erklaͤrete einen Bußtert, 

nach welchem fich Die anmefenden Glieder zu prüfen hätten. Nachher 


vo fehrieb diejenigen auf , welche communiciren wolfen , las ihre Pa» 


men öffentlich ab ‚ und fragte die Vorſteher und Aelteften , fie folten 


auf ihr Gewiſſen ſagen „ob fie muthwillige und vorfeßliche Sünder uns 


ter. den abgeleſenen wuſten? Sie fingen an zu weinen, und ſagten, die 


Sage 


IL, Nachr. von Zn. Paft. Maͤhlenbergs Amesfühtung. 177 





„2m Donat Derember des gedachten r746flen Jahrs fielein gtöf- 


Gemei⸗ 


378 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien 


emeinen auf Raritan, oder eigentlich Readingstown, daß er da⸗ 
elbſt predigen, und Schule halten ſolte; weil fie gantz entbloͤſſet und 
verlaſſen waren. Ich muſte daher ſeiner Huͤlfe und Beyſtandes in 
meinen weitlaͤuftigen Gemeinen und Filialen'entrathen. Wegen der 
Schul-Arbeit:machte ich folgende Einrichtung. In Provideng 
behielte unfern lieden Freund, Herrn Vigere, in meinem Haufe, 
und hieß ihn Diejenigen Kinder. informiven ‚welche im Stande waren, 
wegen Des harten Winters und der tiefen Wege herzu zu kommen. 
Es ift im Sande mit den Schulen bey folchen ſchlimmen Wegen und 
rauher Witterung fehr befchtverlich , denn die armen Kinder müflen 
oft von zwo, Drey und vier Englifchen Meilen herkommen, Die Ele 
tern find meiftens arm, und können öfters. nicht. einmal ſo viel Schuhe 
and nöthige Kleidung anfchaffen, als die Kinder zerreiffen. Man fole 
te wenigſtens bey einer ieden Kirche eine ſolche Anftalt , Gebäude und 
auch Leute, haben, daß man die Kinder Fönte beherbergen, bekoͤſtigen, 
und in der Aufficht behalten. : Wir fehen:aber noch Feine Möglichkeit 
dazu, weil wir noch nicht einmal das Kirchen» Gebäude völlig bezah · 
Jet haben. In Veuhanover hat Die Gemeine , weil’ Herr Kurs 
weg ift, ‚einen Mann zum Schulmeifter angenommen ," welcher im 
vorigen Jahre in meinem Haufe Schulegehalten. Dieſer junge Mann 
hat. bisher. dem Geiſte GOttes Raum gelaffen, an feiner Seele zu ar⸗ 
beiten, und gehet der Gemeine, mit einem guten Wandel vor, Der 
BE betwahre-feine Seele für des Satans Lift. Er hat eine ſchoͤne 
Babe zu fingen , und.ein feines Gedaͤchtniß. Weil nun die zwo klei⸗ 
ne Gemeinen in Saccum und Uppermilford bisher unfern Dienft 


enoffen, Herr Kurs aber weg war ; fo wuſte ich mir nicht zu helfen. 
& felber Eonte fie unmöglich mit bedienen , weil ich ſchwaͤchlich wer ⸗ 
De, und. fehon einmal auf dem Wege dahin mein Leben bald einge» 
buͤſſet habe; wegen der Moraftlöcher , Die am Tage noch wol zu pafe 
firen, aber in der Macht fehr: gefährlich find: Ich fagte den zwo Ge 
meinen den Dienft auf: fie weineten aber zum Theil, weil noch hung⸗ 
rige Seelen darunter find, und ſagten, wenn wir fie in ihrer Armuth 
verlieſſen, fo wuͤrden die Zingendörfer bey ihnen einfchleichen , und ihr 
Lager. da aufichlagen , teil fie nur fechs bis acht Meilen von: Bethle⸗ 
hem wohnen, nemlich die von der Saccumer Gemeine, » Ich wuſte 
‚mir. dannenhero nicht. anders zu helfen, als Daß den obgedachten Mann 
etwas unterrichtete „-ihn etron.alle vier Wochen einmal eine Catechis⸗ 


> 


IL, Nachr. von Hn. Paſt. Muͤhlenbergs Amtsfuͤhrung 179 


mus» Predigt aus dem Rambach auswendig lernen, und in den Ge 
meinen herfagen und ablegen , und im Nothfall eine Taufe verrichten 
ließ, wel iv, auch in unſerer Evangelifchen Kircheidie Hebammen 
oder andere £hun laſſen, uk gleich nicht. ordiniret ſind. Das 
Vorleſen kan man hier faſt nicht practicabel machen, denn die Leute 
wollen nicht um des Vorleſens willen etliche Meilen mit Beſchwerlich ⸗ 
keit zufammen kommen, und fagen, fie Fönten zu Haufe auch lefen. So 
viel mir Möglichkeit, Krafte und Zeit übrig een ‚, befuche die Ges 
meinen auch , und bediene fie mit den heiligen Sacramenten. Die 
zwo Gemeinen haben ein Vergnügen an dem gedachten Schulmeifter, 
. weil er bis daher feinem Ehriften- Beruf gemäß gewandelt, im Umgan⸗ 
ge erbaulich ift, fich der Kinder annimmt , und fie fleiffig catechifiref. 
Ich hätte Die armen Gemeinen gang verlaffen müffen , wenn ich nicht 
hätte. den Mann zu ihnen ſchicken wollen. "Als Schulmeifter Eönte er 
in Weuhanover vom Schul» Gelde allein feinen Unterhalt nicht haben; 
teil er Fein Handwerk kan, und nur im Winter und Frühjahr Schufe 
gehalten wird, auch verfehiedene arme Leutefind ‚ welche das Schul-Geld 
nicht aufbringen koͤnnen. Die Gemeine dafelbft kommt ihm deswegen in 
etwas zuHülfe, und hat ihm ſechs Pfund jährlid) aus der Almoſen⸗ 
Caſſe verfprochen ; aber fo bleibet Denn die Eaffe unvermögend, die übrigen 
Koften, welche zur Reparirung und Erhaltung der Kirchen» und Schul 
Gebäudeerfordert werden, zugeben. Könnenobgedachte zwo Gemei⸗ 
nen nun aud) was weniges thun für feine Mühe, fo Fan er defto beffer 
ausfommen. Wenn ung der gnadige GOtt nur einmal fo weit helfen: 
wolte, daß der armen Witwen und andere Waͤhſenkinder Eönten freye 
Schule haben; fo folte mir es eine'groffe Freude feyn. Denn es iſt doch 
ſehr ſchwer, wenn die Gemeinen, die dem groͤſten Theil nach Anfaͤnger 
und Arme find alles aus ihrer Wahrung hergeben muͤſſen. O was für 
einen groffen Borzug haben darinnen die meiften Gemeinen in Teutſch⸗ 
land! Wir Prediger find, GOtt fey ewig Dancf, gerne zufrieden mit - 
- der aufferften Nothdurft, und machen e8 gerne den Gemeinen fo leicht, 
als möglich, und alle, denen e8 um Die Wahrheit zu thun ift, find bie» 
her willig geweſen, auch das eine Schärflein aus der Nahrung zur Forte 
ſetzung der Kirchen und Schulen herzugeben, und ſagen, ſie koͤnten es in 
Ewigkeit nicht verdancken, was unſere Hochwuͤrdige Vaͤter und ſo 
viele werthe Goͤnner in Europa an ihnen und ihren Kindern gethan. (u) 
| a ee Rs 2 Ein 
Ca) Die Fortfegung dieſes Berichts wird Fünftig mitgetheilet werden. 





180 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penfplvanien. 


2. Ein Schreiben des Herrn Paft. Muͤh⸗ 
lenbergs an den Herrn Hofprediger Ziegenhagen zu 
London und den Herrn Doct. und Profeſſor 
Francken zu Halle, A zoſten Dt. 

aa“ 4 


Sochwůrdige vater, 


ſere Schwäche und die ſchwere Amtslaſt gefuͤhlet; ſo iſt er 

unſere genugſame Kraft und Staͤrcke geweſen. Henn wir 

in Truͤbſal, Verfolgung und Kranckheit gerathen; fo hat 

der HErr zu ſeiner Zeit uns wieder erquicket und aufgerichtet. Wenn 

wir aus Unerfahrenheit zu wenig oder zu viel gethan; ſo hat der gute 

Geiſt GOttes uns beſtrafet. Kurtz, Jehovah iſt bisher unſer Hirte 
geweſen, und uns hat nichts gemangelt von ſeiner Seite. | 


Meine Amtsführung betreffend; fo erfenne GoOttes Guͤte und 
Langmuth und den Reichthum ſeiner Erbarmung an mir. Er hat 


9% HErr iſt noch bis hieher mit uns geweſen. Wenn wir un. 


mich bisher ſo ſtarck erhalten, daß noch keine Predigt verſaͤumen duͤr ⸗ 


fen: und obſchon einmal im Winter vom Pferde gefallen auf dem 


Glateis, und im Herbſt das Ungluͤck gehabt, daß das Pferd auf 


mich gefallen‘, da in der Wacht eine krancke Frau befuchen müffen; 
fo hat doch der HErr meine Gebeine bewahret, Bub mich nicht j 
den nehmen laffen. 


Unſer Helfer, Herr Aurg, it auch gefund geblieben ‚und hat fein 

Amt fleißig ausrichten Eönnen, Den Winter durch hat er in der 

Schule eine fehöne Anzahl von Kindern informiret in Neuhanover, 

und wenn er etwa abtvefend feyn muͤſſen, ſo hat Herr Vigera die 

Schule für ihn verſehen. In Provideng habe ich durch einen feinen 
jungen. Amar Sale halten laſſen mit gutem Nutzen. * 

enn 


11. Nachr von sn, paſt. Mahlenbergs Amtsfährung. ı8ı 


Wenn ich und Herr Kurs in denen Gemeinen gegentwärtig ges 
weſen; fo hat eine iede Gemeine alle Sonntage ihren ordentlichen 
Gottesdienft gehabt: Herr Kurs hat über die fünf Hauptſtuͤcke 
des Catechiſmi geprediget, und hernach die Jugend catechifiret: Ich 
habe insgemein eine halbe oder. Drey viertel Stunden über das Evan. 

gelium gepredigef, und in der übrigen Zeit von der Cantzel den Vor⸗ 
frag Durch Frag und Antwort wiederholet, Damit Alte und Junge die 
Sachen beffer begreifen , und ihnen nachdencken Eönnen. 


In Provideng habe in diefem Jahre wieder ein feines Haͤuflein 
zum; heiligen Abendmal zubereitet , und, unter vielen Thraͤnen 
der anwefenden Gemeine, confiemiret, worunter auch verheyra⸗ 
thete Leute geweſen, davon man insgemein einen tieferen Eindruck 
und Bewegung bey der Gemeine ſpuͤret. Zuletzt habe einen feinen 
Ehemann confirmiret, und ſeine Frau, welche von Wiedertäufern 
abftammet,nach einem hinlanglichen Unterricht, mit ihren swey Kin⸗ 
derngetauft. In Jeuhanover ift die Gemeine ftärcfer 5 daher 
habe daſelbſt einen gröffern Haufen informiret und conftemiret, unter 
denfelben waren fünf Erwachfene , zum Theil mannbare, Kinder 
eines Lutherifchen Vaters und einer Reformirten Mutter, welche ei» 
nen gottesfürchtigen Wandel führen , auch ihre Kinder dazu anhal⸗ 
ten. Uebrigens habe auch daſelbſt etliche Verheyratbete und Bere - 
füumte confirmiret. 


Henn in den Gemeinen alte Leute, oder auch nur Kinder flere 
ber, fo verlangen.die Leute Leichenpredigten, und wir nehmen fol» 
che Gelegenheiten gerne an, teil man wichtige und erbauliche Mate 
rien abhanden‘, und den Anweſenden in der Zueignung nahe treten. 
Tanz zumal da, aus nachbarlicher Liebe, auch andere Religions» Genofe 
fen und Sefinntheiten, zu Grabe folgen. RE 


Man hat vor diefen felten Zochzeit gehalten, wo man nicht 
einen schrecklichen Lermen mit Vollfaufen, Wettlaufen, Zangen, 
Springen und dergleichen gemacht.- Wenn nun junge Leute in un- 
ferer Gemeine Hochzeit halten, fo begehen fie eine Hochzeit- Predigt, 
und verlangen ung auch mit zur TOM, Wir haben zu Anfang F 
es: i a3 un 


182 Vierte Sortfesung der Nachricht aus Pen ſylvanien. 


und vielmal die Gemeinen ermahnet, ‚fie folten das ungoͤttliche Weſen 

und die weltlichen Luͤſte bey ſo wichtigen Handlungen ablegen. Die 
Gewohnheiten waren aber fo tief eingewurtzelt, daß fie bisweilen ge⸗ 
martet , bis wir weg waren, und alsdenn ihren Muthwillen getrie⸗ 
ben, doch mit Unterfchied. Ich habe Destvegen öffentlich vermeldet, 
daß mir ſolche Leute , die dergleichen Unfug und Lüfte trieben , nicht 
wolten zum Abendmal laffen , fondern als faule Gliedmaffen halten, 
big fie ſich von der Finfterniß zum Licht bekehrten, und ihrem Beruf 
gemäß wandelten. Die Kinder, welche von ung confirmiret wor⸗ 
den, haben fich groͤſtentheils noch abgefondert gehalten, undihre Her 
Gen in der Keufchheit berahret ; ob wol einige bey folchen Gelegenhei⸗ 
ten mit hingeriffen worden, zumal wenn Die Eltern felbft nicht gute 
Zucht gehalten, und Aergerniß gegeben. Wir haben nun fehon ver. 
fehiedenen Hochzeiten mit beygewohnet, alwo man unter der Male 
seit mit erbaulichen Gefprächen, und mit Abfingung geiftlicher Lieder, 
befehäftiget gervefen , zumal wenn Die Eltern der jungen Leute GOtt 
fürchten, und Die N Säfte auch Luft zum Guten haben, 
Wir wiſſen zwar wohl, Daß die wahre Buffe und der Glaube in dem 

innen Grund des Hergens anfangen, und jic) an den Früchten aus 
wendig zeigen muß, und daß einer deswegen doch noch ein Unchriſt 

feyn Ean, wenn er gleich nicht tanget, oder fluchet, und aufferlich er⸗ 
bar lebet x aber man Fan Doch aus ſolchen bofen Srüchten erkennen, 

daß der Baum in der Wurtzel und Stamm noch nichts taugt. Und. 
wo man folche Kafter nicht hemmet , fo werden viele gute Gemuͤther 
dadurch geärgert , und unbefeftigte junge Leute mit dem Strom hine 

geriffen. Wir haben Feine andere Waffen Dagegen, als Gebet, 

Ermahnung und Abfonderung von dem heiligen Abendmal, und er⸗ 

fahren daben , wie weit Die Kraft des Wortes GOttes fich beweiſet. 
Was ſich nicht ergeben will, das ſondert ſich von ſelbſten ab. Ich 

bin zu ein paar Hochzeiten genoͤthiget worden in Den benachbarten Ge⸗ 
meinen, bey welchen der Pfarrer Andrea flehet, wo auch viele von unſern 
confirmirten jungen Leuten mit zugegen geweſen. Da nun, nach mei» 

nee Abweſenheit, Die Ueppigkeit hat ſollen angehen; fo find unfere junge 

Leute geflohen, und nach Haufe gegangen. 5 


In 


au ar. von an. Paſt. Maͤhlenbergs Amtsfuͤhrung. 183 


In dieſem Jahre habe in einer ieden Land» Gemeine zweymal 
mit den Alten das heilige Abendmal gehalten. In der Providen⸗ 
ger Gemeine habe iedesinal etliche über hundert, im der Neuhanoͤveri⸗ 
fchen aber über giwenhundert und funfsig Communicanten gehabt. Mit 
dem Abendmal halten wir e8 folgender maſſen: Die Woche zuvor 
muß ein ieder , der. communiciren will, in die Pfarr Wohnung oder - 
ins Schulhaus Fommen, und fi) bey dem Prediger meiden. Was 
man nun von einem ieden Gemein Gliede im Umgang, oder aus an⸗ 
dern Umftänden erfahren, das hat man fich gemercket, und indem 
man bey Aufzeichnung der Communicanten Gelegenheit hat, ein iedes 
allein zu fprechen , fo redet man von dem innern Grunde des Hergeng, 
und forfchet nach dem Wachsthum, giebt auch nöthige Ermah> 
nungen , Aufmunterung und Troͤſtung, nach Bedürfniß. der Fälle, 
Man Friegt aud) Durch folchen Umgang mit ihnen eine Erkentniß von 
dem innern und Auffern Zuftand , und fiehet die. Connexion zwiſchen 
Nachbarn, Eltern, Kindern und Freunden, — 


Den Sonnabend vor der Communion muͤſſen alle gemeldete in 
der Kirche zur Beichte oder Vorbereitung Fommen. Sin der Vorbe⸗ 
zeitung erwehlet man einen Buß⸗ Teyt, der fich zu den iedesmaligen 
Umftänden ſchicket. In der Application theilet man ohne Perſona⸗ 
fiendas Wort nach dem Anliegen und den Umfländen,, welche man 
in der befondern Unterredung angemercfet. Wenn diefes geſchehen, 
fo treten die gefamten Glieder im halben Mond um den Altar, und 
wenn einige unter dem Haufen find, melche ein öffentlich Aergerniß 

gegeben, fo nrüffen fie eins nach dem andern vortreten. Der Pre 
dicger haͤlt ihnen noch einmal die Sünde öffentlich vor, ermahnet fiezue 
wahren Buſſe, und fraget nach Neue, Leid, Glauben und Beſſe⸗ 
rung des Lebens. Wenn das Bekentniß abgeleget , fo fraget der 
Prediger alle gegenmwartigen Glieder , ob fie das Aergerniß vergeben, 
and GOTT durch EHriftum- für ihn bitten helfen molten? So 
viele Erempelich noch gehabt, fo vielmal haben die Glieder faft ind 
gemein mit hellen Thraͤnen begeuget, fie twoiten gerne vergeben , und 
es mit in ihr Gebet fchlieffen. Darauf giebt der Prediger eine Elei- 
ne Erinnerung an die gefamten Glieder, und fagt, daß Feiner fich 
folte beffer Dünen , als dieſer Suͤnder: denn ein ieder hätte auf fein 
| eigen 





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. er \ — 
richt aus Penſy banien. 
EU 4 YIEmEHS 
N 


eigen Herb su fehen „ und zu mercken, daß da der Same zu einer ie ⸗ 
den Sünde läge, und BARAHANE RU. ange I Chriſto den Menfchen 
beſſerte, und von Sünden befteyete. Wenn denn alles geſchlich⸗ 
tet, ſo beuget der Haufen die Knie. vor GOTT , und. der Prediger 
betet Die Beichte Eniend in Der Mitte. Nach der Beichte werden eir 
nige Fragen gethan vom Prediger, und Darauf verfündiget ev den. 
Bußfertigen die Abfolution und ſagt, daß den Unbußfertigen die 
Sünde behalten feyn , bis fie umkehren. - . Nachdem foldjes gefcher - 
hen, fo.wird noch einmal gefraget , ob einer noch etwas wider den: 
andern im Gemüthe habe ? Die etwa noch mag wider den andern 
haben , gehen ins Pfarr Haus, verföhnen fich mit einander , und 
vergeben einander ihre Zehler. J— a ER 






Des. Sonntags wird eine Predigt vom heiligen Abendmal ge 
halten. Mach ver Predigt wird confecriret und ausgetheilet. Weit 
denn nur ein Prediger ift, und Die Austheilung fehr lange dau- 
vet; fo fingt man zu Anfang nur ein Lied , und hernach muß der 
Schulmeifter Die Leidens und Sterbens - Gefchichte unfers Heilandes 
aus den vier Evangeliften vorlefen , Damit manden Tod des HERD: 
verfündige , und bedencke, tie viel es ihn gekoſtet, daß wir erlöfee 
find. Bisweilen liefet man aud) die Gebete vom Abendmal ausdes 
feligen Arnds Paradies. Gärklein, welche ſehr erwecklich ſind Der _ 
Tag ift fehr befchmwerlich für einen Prediger. Ich habe in Peuba 
nover etliche mal auch wol über Dreyhundert Communicanten gehabt: 
von Teutſchen, und darnach das kleine Lutheriſche Hauflein der Engli⸗ 
fchen ; fo haben ſich auch die, Eonfirmanten gefunden, welche be⸗ 
ſonders erſt eraminiret und confirmiret worden, ferner verfchiedene: 
Tauf ⸗Actus und Copulationen , fo daß ich Des Morgens um acht: 
Uhr angefangen, und des Abends um vier Uhr erft fertig getvor-- 
den bin, Iſt man damit fertig , fo findet Sich bisweilen auf drey, 
— — Engliſche Meilen ein Krancker, den man noch 

eſuchen ſoll. re f 


Bon unfern Land⸗ Gemeinen überhaupt etwas zu fagen, 

- fo find diefelben , nad) unſers Heilandes Beſchreibung wie ein Acker 

mit Weigen und Unkraut, oder wie ein Netz mit Fiſchen, darinnen 
man 


IL Nachr. von Bn. Paſt. Maͤhlenbergs Amteführung. 185 


man böfe und gute findet. Will man das Unkraut mit vorläufigen 
Eifer ausraufen ; fo thut man dem Weisen Schaden. Laßt man 
e8 ungehindert wachfen ; fo till e8 die Oberhand gewinnen und das 
Gute erſticken. Der HERR gebe ung Weisheit, nicht zu viel, 
noch zu wenig zu thun.. Alte eingewurtzelte Gewohnheits » Sünden 
regen fich oft wieder aufs neue, auch an ſolchen, die einen guten Anfang 
der Befehrung gehabt , wenn fienicht genugfam wachen. sch habenicht 
alle befondere Erweckungen und Bewegungen aufgefchrieben. Sondern, 


wenn ettva gute Worte und Ausdrücke von ein und andern bemercke; 
fo wünfche und bitte allemal , daß es möge Wahrheit und rechtfchaf. 
fenes Weſen feyn vor GOTT in EHrifto + und wenn was Lebels 
höre ; fo fehe dabey auf die Wurtzel, woher e8 kommt, und arbeite 
Dagegen. Leibliche Aerste werden Miniftri naturz , Diener der Na⸗ 
tur, genannt , und geiftliche Aertzte follen Miniftri gratie , Diener 
und Mitgehülfen der Gnade feyn , und nachhelfen mit dem Wort und 
Mittelnder Gnade. Der HErr mache uns wu! 


Wenn man prediget , fo verfaumen die Gemein» Glieder nicht 
leicht Die Gelegenheit. Sie kommen von weiten und von der Ferne, 
feheuen im Sommer Feine Hiße , und im Winter Feine rauhe Wege 
und Wetter. Bey dem Gehör des Wortes GOttes iſt e8 unter» 
ſchiedlich; einige hören mit Thraͤnen, andere mit Nachdencken au; 
einige find unachtfam und fladderhaft , andere unwiſſend und verſaͤu⸗ 
met in der Jugend. Man fuchet es fo einfältig und begreiflich vor 
qulegen, wie der HERR Gnade giebt. Das Wort fället noch heu⸗ 
tiges Tages zum Theil unter die Dornen, auf den Weg und das fel- 
figte Land, und zum Theil auf ein gut Sand. Die Witwen und 
Waͤhſen bekennen zum Theil , daß GOttes Wort und die Gnade: in 
CHriſto ihr einiger Troft ſey. Kommt man zu Sterbenden, fo 
zeigt fic) insgemein, was fie vor einen Schatz gefammlet haben. 
. Sc) habe mich. öfters verwundert, wie ſolche Einfältige ſich haben 
das Wort GOttes und die Predigten zu Muse gemacht. Ich den. 
cke, die allernöthiaften und wichtigften Wahrheiten zur Seligkeit fol- 
te ein ieder faft wiſſen; felig merden fie ſeyn, wenn fie es thun und 
ausüben. So viel ich bey meinem vierjährigen Hierfeyn angemer- 
cket, ſo gehet es Stufenweiſe. Die der Wahrheit nicht gehorchen, 

41V. Penfylv. Sortfi — Bo— wer⸗ 





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3 


186 Vierte Sortfesung der Nachricht aus Penſylvanien. — 


werden immer haͤrter und verſtockter, und welche den Wirckungen des 
Geiſtes durch fein Wort und Gnaden ⸗Mittel Raum geben, ſolche wer⸗ 
den immer geſetzter und beſſer. — | rg 


Alle folche Glieder, welche unter uns die Gnade GOttes in 
CHriſto hoch achten, Fönnen fi) wohl der Thränen nicht enthalten, 
menn fie bedencken , wie unfere lieben Water, und fo viel redliche 
Seelen und Kinder GOttes in Europa Anſt alt gemacht, und von 
ihrem Schärflein der Wahrung ihnen Prediger zugefandt ,: und Kir⸗ 
chen und Schulen haben bauen helfen. Sie wuͤnſchen vielen taur 
fendfachen Segen und Vergeltung dafür. Solche haben auch ei» 
ne innige Liebe zu ihren Predigern , und heweiſen diefelbe mit Wohl⸗ 
thaten , welche ich nicht nad) der Quantität, fondern nach der Inten ⸗ 
tion, groß und theuer achte, % | ER | 






Siiehet man nun unfere arme Teutſche Lutheraner an, fo muß 
man bemwundern , daß fie fich noch fo zufanımen halten, und Doch zus 
Noth den Prediger von dem Scyärflein ihrer Wahrung. erhalten. 
Die meiften Gemein» Sheder müffen ſich fäuerlich ernähren , und faft 
härter arbeiten, als in Europa. Wenn nun Die lieben Väter und 
fo viele liebreiche Kinder GOttes in Europa für. die armen verlaffenen 
und verachteten Glieder dieſer Gemeinen in dieſer Wildniß geforget, 
und ihnen mit ihren Wohlthaten beygefprungen 5 fo glauben wir ge- 

wiß, nach GOttes Verheiffungen , daß auch nicht ein Falter Trunck 

Waſſers, geſchweige denn fo viele Liebes Wohlthaten werden unver» 
golten bleiben. Wir bitten deromegen öffentlich und ins befondere 
fire unfere Wohlthaͤter, daß GOTT ihr veicher Vergelter feyn wol⸗ 
le. Wenn Krandfe in den Gemeinen geweſen, fo habe doch bey 
andern Mitleiden gefunden, und gemercket, daß fie einander beyſte⸗ 
hen. Summa, das Wort GOttes und die Gnaden- Mittel bewei⸗ 
fen ihre Kraft entweder im Geruch des Lebens sum Leben, oder im Ge⸗ 
ruch Des Todes zum Zode Ä h 


Nachdem der bisherige Prediger auf Readingstown in der 
Landſchaft Derfey , fein Amt aufgegeben 5: fo find die vier Gemeinen 
dafelbft bisher ohne Prediger gemefen. Sie lagen uns fo hart gi 


II. Nachr. von sn. Paſt. maͤhlenbergs Amtsführung: 187. 


daß wir unfern lieben Bruder Kurtz im vorigen Winter zu ihnen: 
ſandten, und denfelben Schule und Kirche halten lieſſen. Im 
Anfang des Januarii des ı746flen Jahres Fam er wieder zurück, 
da mir denn aus feinem Journal fahen, und von einigen Gliedern 
mündlich höreten, Daß er nicht ohne Mugen und Segen dafelbft an 
ungen und Alten gearbeitet. ; | 


Sm Februario wurde mein tverther Herr Collega Brunnholg 
und ich nad) Kancafter gerufen , um zu verfuchen , ob man den hef> 
tigen Streit in derſelben Gemeine mit ihrem Prediger, dem Herrn 
Nepberg, und feinem Anhang , in der Güte vermitteln Fönte, weil 
e8 zu einem harten Proceß vor Der Obrigkeit gediehen. (x) Wir find 
nicht aus Vorwitz ın Diefe betrübte und harte Streitſache gegangen, 
fondern der Zufammenhang unferer gangen Meligion in diefem Lande, 

‚und befonders unferer Gemeinen und unfers Berufs, hat nothmen» 
Dig erfordert, daß wir unfern Mücken mit darunter halten müffen, 
Ben diefer Gelegenheit beſuchten wir beyde Die Gemeine zu Tulpe= 

ocken, welche Herr Wagner aufgegeben , und uns zur Berforgung 


überlaffen hat. 


As ich wieder nach meinen Gemeinen kam, welche von Herrn 
Kurs unterdeſſen bedienet waren ; fo funden wir nöthig, dengedachten 
Heren Rurg abermal nah) Readingstown zu den offenen Gemeinen 
zu fenden auf drey Monat lang. Wir gaben ihm eine Inſtruction in 
Engliſcher Sprache mit , wenn ja die Obrigkeit etwa folte darnach 
fragen; denn es ift ein Königlich Gouvernement , und nicht fo gar 
frey, wie Penfyloanien. Er hat bey drey Monaten die vier Ge. 
meinen Dafelbft bedienet, und abermal — * Segen an — 


(x) Die Umfände von der betruͤbten Trennung, die durch den Herrn Neyberg 
and feinen Uebergang zu den Zinzendoͤrfern in der Eutherifchen Gemeine zu 
Lancaſter verurfacht worden , find ausführlich in der dritten Fortfegung pag. 
69 bis 75 erzehlet. Woſelbſt auch mit mehrerm zu erſehen, wie diefer Streit 
dor der Obrigkeit endlich abgelaufen , da des Hexrn Neybergs Partie abgewie⸗ 
gen worden. Siehe auch oben „ in dieſer vierten Fortfegung pag. 140 
und 141, —A 14 RETTET, 


5 
4 


I 


188 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penfsloanien. F = ; 


und Alten gearbeitet. Die Gemeinen dafelbft haben eine folche Liebe zu 
Herrn Kurgengemonnen, daß fie die bemeglichften Briefe gefchrieben, 
undgebeten, man möchte e8 doch bey unfern wertheſten Vorgeſetzten da⸗ 
hin zu vermitteln ſuchen, daß Herr Kurtz ihr Prediger wuͤrde. Wir 

wünfchen deswegen fehnlich , von unfern Vätern einige Nachricht zu 
bekommen , ob wir Hoffnung haben , daß bald zween ‘Prediger here 
ein kommen, tie wir in unfernvorigen Briefen gebeten. (y) ; 


Zu Ausgang des Aprilis ward ich genöthiget , die Gemeine in 
Tulpehoden mieder zu beſuchen, und von da in die flreitige Gemei⸗ 
ne nad) Kancafter zu reifen. Es gefchahe mit Einftimmung mei- 
neg Heren Eollegen Brunnholtz und unferer Gemeinen. Die Um» 
fände machten es abermal nothtwendig, ob ich gleich gar wohl voraus 
fahe, daß groffe Schmach und Unruhe davon tragen würde. Denn, 
als die bey nahe achtzig proteftirende Lutheraner von der Obrigkeit 
frey gefprochen waren, und die Mahrifch -Gefinnten mit ihrem Pre 
diger, Herrn Neyberg, umfonft die Klage angehoben ; fo wolten 
die Lutheraner, um des Rechts willen, einen von ung eine Predigt in 
der zuvor verfchloffenen Kirche thun laffen. Die Mährifch-Gefinnten 
aber waren darwider, und molten mid) mit Gemalt abhalten, wor⸗ 
aus leicht ein Tumult hatte entfiehen Fönnen : eine Parthey twolte 
mic) hinein haben, und die andere wolte mich abhalten. Es ging 
doch in der Stille ohne Unruhe ab, und als die Mahrifch » Gefinnten 
meiter nichts machen konten, fo lieffen fie mich in die teutſche Zeitun ⸗ 
gen fegen , und mit Schimpf belegen. Es murde aber: von der an» 
dern Seite vollfiandig darauf geantwortet. Nach diefem hat Herr 
Neyberg mit feiner Parthey den Lutheranern die Kirche allein gelaffen, 
und angefangen eine eigene neue zu bauen. Zu N 

BE = Sache 


| Ay) Aus dem, was oben peu; 177 u. f. gemeldet worden , ift zu erſchen, daß 
Herr Kurg im Decemb. 1746 abermal nad) Readingstown gefendet worden. 


Und oben in dem erften Abfchnitt diefer Fortfegung pag. 129 ift auch bereits er 


angezeigt, daß nachdem endlich nur ein Prediger geſendet werden Fönnen, 
der Here Weygand dieſen Gemeinen erſtlich auf eine Zeitlang zu Verrichtung 
der Predigten und Unterrichtung der Jugend überlaffen, im Herbſt 1748 aber 
zu ihrem ordentlichen Prediger heſtellet und ordiniret worden. 


— 


> « ; 
u 


Bon Lancafter wurde ich zu einer groffen Gemeine über den 
Fluß, Susquehana genannt , gerufen, nad) dem äufferfien Theil von 
Penſylvanien, der an Mary- Land grenget: (a) Dieſe Gemeine ift 
vom Herrn Neyberg dann und wann befucht worden, folange man ihn 


vor einen rechten Rutherifchen Prediger hielte Die Gemeine beſte⸗ 


het faft aus hundert und zehen Familien. Herr Neyberg hatte ihnen 
verfprochen,, mit einem Prediger von feines gleichen fie aus Schwe⸗ 
den zu verſehen: nachdem aber der Streit in Lancaſter angegangen, 
fo molten fie mit ihm nichts mehr zu fchaffen haben. In derſelben 
Gemeine hatte ein Häuflein Kinder zu taufen , und aud) einige zu 
confirmiren, welche der Schulmeifter daſelbſt prapariret. Von die⸗ 
fen Orte reiſete wieder ſechs und vierzig Engliſche Meilen zurück, auf 
Zulpehocken , und predigte Dafelbft noch einmal. Don Zulpehocen 
ging wieder funfiig Meilen zuruͤck nach Provideng , zu meinen 
CruRNan vn — RED 
Als Herr Kurg von Readingstown zurück gekommen , und bey 
unfern Gemeinen wars; fo mard genöthiget im - Junio wider nach 


-Tulpehoden (b) zureifen, allwo ich ein Häuflein junger Leute präpar ⸗ 
rirte und confirmirte. Zwey Eheleute ei im Englifchen eramir 


| b3 niret 
; (2) Siche.die Rote (x) auf der. vorigen Seite. | Daß aͤbrigens die Lutheriſche 
Gemeine zu Laucaſter hierauf den Herrn Handſchuch zu ihrem ordentlichen 
ae und Prediger angenommen, ift bereits aus der dritten Fortſetzung be⸗ 

ann - * * 8* — * 


ee die Gemeine zu Norck, wo nunmehr Herr Schaum als Prediger 


(b) Daß hernach der Herr Kurtz, da er in Readingstown yon dem Herrn 


‚Schaum abgeloͤſet worden, der Lutheriſchen Gemeine zu Tulpehocken erſt auf 
eine Zeitlang mit Predigen und Eatechifiren vorgeſtanden, und endlich als der: 

ſelben ordentlicher Prediger beſtellot worden wird aus der dritten Fortſetzun 8 
pag. 77 u. folg. erinnerlich feyn. 


— 


h ⸗ 
* — 


190 Viere $ortfegung der Nachricht aus Penſylvanien N ’ 


niret und confirmiret. Die Eftern der —5 erzehlten mir zum 


Theil daß fie ihre Kinder während der Praͤparation öfters allein auf 


den Knien betend gefunden. Auch taufete einen jungen Menfihen 
von elf Jahren, melcher in der Kindheit Die Taufe nicht er» 
langet. Bern rn Sr 


3wiſchen Dem Monat Julio und Auguft fegte ung der HCRXR 
in groffe Traurigkeit, indem unfer lieber und. werther Herr Eollega 
Blunnholtz, in der Stadt Die rothe Ruhr bekam. Er war gewiß 
dem Todenahe. Es war ſolches nicht nur mir der allerempfindlich» 
fie Schmers ‚ fordern man fahe auch mit Verwunderung, tie doch 
noch manche Seelen in den Gemeinen, die wir zu herglicher Fürbit ⸗ 
fe ermahneten , winfelten und wehklagten. Die Vorſteher feiner _ 
Gemeine thaten , als wenn ihr Vater Franck ware. Sie holeten 
mic) mitten in dev Nacht aus dem Lande hinunter. Einige gute 
Freunde nahmen ſich feiner herslich an, und zogen den beften Medi⸗ 
cum zu rathe. Als ich zu ihm kam, fo war eben die yon GOTT 
beſtimmte Zeit ,. daß fic) Die Kranckheit brach , und einigeZeichen der 
Geneſung fich zeigeten. Der HERR gab auch) feinen Segen zur 
Artzney, und erhövete das Gebet der Elenden. Wenn ich bemer ⸗ 
cet, daß, obgleich in den Gemeinen noch) ſo vieles Elend regieret, 
dennoch) , da der HERR den Hirten wegzunehmen drohete, ein alle 
gemeines Wehklagen entftund ; ſo habe Daraus Die Liebe der Gemei⸗ 
ne wahrgenommen, und gefchloffen ‚Daß doch noch ein verborgener 
“ guter Same unter den Gemeinen ſey · Wobey mir vielmaleingefallen, 
tag der merthe Herr Paſtor Majer zu Heren Brunnholgen gefagt, 
nemlich , der HENM merde ihn nicht mehr und nicht weniger von. 


dem Segen wahrnehmen laffen , als er entweder zur Demürhigung, 


oder zur Aufrichtung ihm nüßlich erachte. Der HERR hat uns 
den lieben Collegen aufs neue wieder geſchencket. Er waͤre gerne 
geſtorben: doch um der gegenwärtigen Noth und Umftände wulen, 
bat er felber ven HERAN, daß er ihn noch ein paar Fahre moͤch⸗ 
fe leben. laffen. Als man für feine Genefung in den Gemeinen 
De danckte; ſo mar es eine allgemeine Freude bep frommen 
See % Ä . 


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= R II. Nachr. von vyn · paſt. Mlühlenberge Amtsfuͤhrung. 191 


Wenn ich ordentlich bey den Gemeinen im Lande bin; ſo finden 


ſich der Geſchaͤffte fo viel," daß man kaum einen Tag zu Haufe ſeyn, 


e 


und die Correſpondentz nad) der aufferfien Nothdurft befördern fan. 
Zu der Gemeine in Provideng ‚gehören einige Familien , welche 
fünf, ſechs bis acht Engliſche Meilen von der Kirche, und dazu über 


‚einen Fluß, die SeulEiel genannt , welcher mühfam zu pafliten iſt, 


wohnen. Alte, Eranıfe oder ſchwache Leute Fönnen durch den Fluß 


nicht wohl reiten, oder mit dem Kahn überfegen: dahero verlan- 


gen fie, daß man fie dann und wann befuche , bey ihnen Gottesdienſt 
halte, und die Actus facramentales verzichte. Auf der. andern 
Seite der Kirche find wieder zween Fluͤſe, Schippach und Per 


- Ziomes* zwiſchen und hinter denfelben wohnen auch Gemein Slie> 


- 


der aufdrey , fünf bis acht Meilen, 


‚gu der Neuhanoͤveriſchen Gemeine gehören etliche Glieder, 
u. auf fünf big fieben Meilen zwiſchen fleinigten Bergen wohnen. 

olche erfordern auch dann und wann einen Beſuch und Predigt, 
weil fie nicht allegeit in die Haupt Kirche kommen Eönnen. Auf fol 
che Weife hat man :nebft zwo Haupt- Kirchen drey Filiale, Die zu 
Zeiten mühfam genug find. Weber das ift eine Gemeine fünf und 
zwantzig Meilen von ‘Providen in den Gebürgen, Saccum genannt, 
nur fieben Meilen von Bethlehem , allwo die Mährifche Brüder ih⸗ 
sen Haupt-Sis haben. Diefe Gemeine in Saecum hat nicht 
nachgelaflen, ung zu bitten, daß mir alle vier Wochen auf einen 
Wercrcktag bey ihnen Gottesdienft halten, und die Actus minifteria> 
fes verfehen folten. Wir haben fie nun fehon ein Jahr lang ber 


welche auch ein gleiches. verlan⸗ 


dienet, ob es wohl ein mühfamer Weg dahin if. Die Leute 


ten ja reichlich ihren Prediger erhalten: aber es iſt Doch ns 


dauren ung, weil fie meiftens arm find, daſelbſt fo abgeſondert 
wohnen, und gleichfam mie verlaffen find. Von der Seite bey 


Saccum it noch eine ‚mäffige Gemeine zu Uppermilfort , wer. 


ehe gleichfalls bey der. Gelegenheit bebienet wird , um bie vierte 


un möchte man ſagen, fo viele Gemeinen und Filiale koͤn⸗ 


Oenn 


npothwendigen Kirchen » und Schul » Gebäude. 3) Sind die mei 


. 192 Vierte Sortfegung der Nachricht aus Penfplvanien. - in — 


Denn 1) iſt nicht der geringſte Fundus bey einer Kirche. 2) Sind 
die Gemeinen noch neu, und meiſtens in Schulden, wegen der 


ſten Leute arm, ſtecken in Schulden mit ihrem Sande, oder wohnen 


kuͤmmerlich zwiſchen Felſen und Klippen, daß ſie mit genauer Noth 
ihr taͤglich Brodt bauen. 3) So find die Zeiten bey ſieben Jahren 
her fo kuͤmmerlich und nahrloß worden, daß es nicht zu ſagen iſt: 
denn fo lange der Krieg mit Spanien und Franckreich gedauret, find 
Die Ausfuhren gehindert worden , Daß Die Leute für ihre Frucht Feine 
gehörige Bezahlung befommen Fonnen „ abingegen fie Doch. alle noth⸗ 
wendige Waaren theuer begahlen muͤſſen. Dahero iſt das 
ter den Land» Leuten ſehr var , und wir Prediger haben Doch ziemlich 
vieles auf die Pferde und die Kleider, die Durch die Reiſen ſehr ver- 
dorben werden , zumenden. Die lieben Leute geben gerne Frucht und 
Victualien; aber das Geld iſt zu varıc. _ BE | 


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den zoften Deo. 3 
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Heinrich Melchior Muͤhlenberg. 


Geld un⸗ 


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— abſonderlich in Penfplvanien, En 





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I. Fortgeſetzter Bericht des ‚Herrn Paſtor Muͤhlenbergs von feiner 
Amtsfuͤhrung in den Jahren 1747 und i7as pag En 
in, Nachricht von den —* Umfänten Pag. 301. bis zu Ende, 





1 Butter Bere de Herrn Paſtor 
ps von feiner Amts⸗ 
‚Führung. 


— den Winter⸗ Monaten 1747 habe — wenige von 
dem innern Zuſtande ein und anderer Selen angemercket 
In Neuhannover wurde eine Frau von einer Art der Epi⸗ 
—W Tepfie ploͤtzlich uͤberfallen. Als ich zu ihr kam, war eben 
der Paroxyfmus voruͤber. Ich fragte, wie es mit ihrem 
Ban und Gewiſſen vor, GOtt ſtuͤnde, wenn ſie ſolte in die Ewigkeit 
gerufen werden? Sie antwortete: Ich ruͤhme mich einig der blu⸗ 
en Wunden, die JEfus an Zanden und Süffen empfundenz 
sein will ich mich wideln, vecht chriftlich zu leben, daß ein= 
ich Himmel an frölich Ban ſtreben. (a) Ich errviederte: Das 

thun viele taufend ee in der-Chriftenheit , daß fie ſich, bey eis 
nem ungebrochenen und: un bußfertigen Hertzen, mit dem Munde der 
blutigen: Aunden JEſu ruͤhmen; verftehet ihres auch for Siefpradhr 
nein; ich fühle mich als eine Suͤnderin, und weil der liebe Hei⸗ 
Co Die Sünder annimt, und keinen von fich ſtoͤſſet, der zu ihm kommt, 
| ird er mich auch micht verftoffen , nern annehmen. Der HErr 
Sehe put * Wunden nicht fuͤr die Engel und andere Beam 
| agen 

— © Ans * Ach alles, was Simmel und Seren umhlee 2. 


V. Penfylv. Sortf EL 2 









a 

Yenfchen eine ewige Erlöfung erfunden. Auf die Frage: Was heif 
fet denn fich in die Wunden JEſu eintoisfehn? war ihre Antwort: 
Wenn ich meine Sünden insgefamt vor GOtt befenne und bereue; fo 
vergibt mir GOtt diefelbe un des Leidens Ehrifti willen, wirft fie indie 
Tiefe des Meers, und fichet mid) in feinem Sohne an, als ob ich nie- 
mals gefündiget hatte, gibt mis auch Kraft, bt ar 0 
nachwandeln und der Leitung feines Geiftes nachfolgen Fan. Ich 
fragte: Wenn ihr fo als eine bußfertige Suͤnderin eingewickelt ſeyd, 
was muß denn folgen ? Sie antwortete: drein will ich mich wickeln 5 
ift eins: recht chriftfich zu eben; ift Das andere, welches folget. Ich 
that die Frage hinzu: Habt ihr folches alles erfahren? Worauf ſie ſich 
erklärete: Was ich noch nicht erfahren habe, das wird mich der Herr 
aus Gnaden nod) erfahren laffen. Ich fragte ferner + Ihr habraber 


noch eineg vergeflen, faget mir, womit muß man fich einwickeln? Ihre 


Antwort war: Der Glaube iftdie Hand, womit man ergreiffet und ſich 


einwickelt. Auf die weitere Frage: Wer wircket den Glauben? ante 


wortete fies der heilige Geift in einem bußfertigen Hergen. Ich fragte 
endlich: Wie heiffer es in unferm Glaubens=Liede?(c) und fie antwor⸗ 
tete: Der Heilge Geift erneurt das Hertz, beftrsft die Sind”, 
wirdt Reu und Schmerg, gibt helles Kicht von rn 
Sri ; RN. Rath, 
' (5) Aus dem Sieber Allein zu die, Ser em Chriſt ··. 


e £ 


&.ke) Ft ein von einem gottfeligen Lehrer über die drey Artieuldes hrifflihen Slam 


, beng.ngch.der Ordnung des Heils, verfertigtes Lied, welches unter den C 
meinen in Penfoloanien ſehr baiuut if, * — N 


u u 


a + ER u Din 

1 Zeren Paſt Muͤhlenb Ber. von feiner Amtsfuͤhr 47. 195 
Rath, von feinem Sohn und deffen Gnad. Er iſts, der uns 
‚den Glauben fehendt, auch Kieb zu GOtt ins Zeige fendt zc. 
Ich trug ihre mſtaͤnde GOtt im Gebete vor, welcher bald leibliche 
Beſſerung verliehe, und noch an ihrer Sele arbeitete. 
Eine betagte Frau, Die ihr Geſicht verloren, aber der Selen 
nach im Lichte wandelt, iſt zwar aͤuſſerlich unanfehnlich, aber nach dem 
Inwendigen in einem feinen Zuſtande. Dieſe hat mich mit ihren er- 
baulichen Reden ſchon mannichmal erfreuet. Ihre Tochter fürchte 
auch den HErrn, und ift mit einem femen flillen Mann, aus Mähren 
gebuͤrtig, vor meiner Zeit verheyrathet worden. Der Munn hätt fich 
zu der Mährifchen Gemeine, legt aber feiner Frau nichts in den IGeg, 
Die Mutter, Vater und Tochter halten fich zu unferer Gemeine. Als 
die alte Mutter das erfte mal mich befuchen wollen, und vor der Thüre 
gehöret, daß ich die Jungen Leute informirte und über den Spruch 
Mare. 10, 16: Wer da glaubet und getaufet wird zc, fragte: 
Kinder, koͤnnen die Juden und Heyden wol der Seligfeit , die in 
diefem Spruche verheiffen wird, theilhaftig ſeyn, fo lange fie in Un— 
glauben und Blindheit und.ohne Taufe bleiben ? und die Kinder ger 
antwortet: Wer nicht glaubet, der wird verdammet; So fügte fie 
hernach zu mir, ihr Herb hatte geweinet, als fie gehöret, daß ich 
die Juden und Heyden verdammete. Die Juden, fagte fie, find ja 
anfers HErrn JEſu Bluts-Freunde, und die Heyden find ihm zum 
. Erbe und Eigenthum vermachet. Ich bete Tag und Nacht, daß der 
liebe Heiland wolle den Heyden zum Lichte, und dem Volcke Iſrael 
zum Preife werden. Ich antwortete + Liebe Mutter, was ihr gefagt 
habt, iſt zum Theil vecht und mohl gemeine. Die Juden find un- 
fers lieben Heilandes Freunde nach dem Fleifch, denn Chriſtus koͤmmt 
her von ihren Vätern nach dem Sleifh, der da ift GOtt über : 
alles, gelobet in Ewigkeit, Amen. Rom.9,«. Die feibliche 
Freundſchaft ift aber nicht der Grund der Seligkeit: denn das find 
nicht alle Kinder, Die leiblich von Abraham abſtammen, fondern die 
feines Glaubens find, Nom. 9,7. 8. und in Chrifto JEſu gile 
weder Befchneidung, dag find die Juden, noch Vorhaut, das 
Ä u. Heyden, etwas, fondern eine neue Crestur. Sal. 6, ı5. 
Darum fagt auch Paulus 2 Cor 5, 16.17: Von nun an Eennen wir 
niemand nach dem Fleiſch zc. IE iemand in Chriſto; fo ift er 
eine neue Creatur tc. —— redet und bleibet deswegen * 
——— 2 & wiß: 


196 Sänfte Sortfegung der Ffachricht ano Penfplpanierh; 7 


wiß: Wer da gläubet und gekauft wird, der wird feligs wer aber E 


nicht gläubet , der wird verdammt, er: mag Jude, oder Heyde heiffen. 
Diefes wird beftärcket aus: Joh. 3,18. Wer an ihn glaubet, der 
wird nicht gerichtet 5 wer aber nicht gläubet, der iſt ſchon ge⸗ 
zichter 2c. Auſſer Chrifto und ohne Glauben har alfo Fein Jude noch 
| gr die Seligkeit, welche in GOttes Wort verheiffen, fondern die 
Berdamnmiß, welche in: demſelben gedrohet iſt, zu erwarten. Die 
Heyden find unferm HErrn JEſu Chrifto zum: Erbe und Eigenthum 
geſchencket, und er hat auch ſeit feiner Himmelfahrt bisher eine groffe 
Menge davon: geerntet: und: in feine Schenre geſammlet. So viel 
aber die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufgehalten, GOtt nicht geprei= 
ſet, fondern: in ihrem eigenen: Fichten eitel worden ,. fich ſelbſt weiſer ges 
halten, GOttes Wahrheit verwandelt im Lügen ; ſolche hat GOtt hin⸗ 
gegeben und fallen: lafjerr in: das. Verderben, was fie gerollt und: ges 
ſuchet: Aöm.r„2ı=32. GoOtt hat von: Anfang: her fo hausgehalten, 
daß Feine Eventur mit Necht ihn befchuldigen: Fan. Sie fagte: Cs 
find doch: aber fö viel taufend arme Menſchen inallen Theilen der Welt, 
welche fchom etliche hundert Jahre in: der Finfterniß gefeffen und auch 
nicht felbft ohne GOtt zum: Lichte kommen können. Ich antworteter 
Gott hat: dem menfchlichen Gefchlechte immerdar die Mittel und We⸗ 
gezu ihrem wahren Wohlſeyn vorgehalten, und ſein Panier durch alle 
Zeitläufte und Haushaltungen hoch; genug: aufgeworffen, und halt. audy 
noch jedermann:den: Glauben vor. Dencket nur nach, es iſt faſt Fein: 
Winckel in den vier Theilen der Welt, kein verborgener Platz guf dem 
Meer, Feine: Gold⸗ oder: Silber⸗ Grube, Fein: rares Gewaͤchſe, Fein: 
koſtbar Gewuͤrtze, Feine Kunſt und Wiſſenſchaft ſo hoch und verdeckt: 
geweſen, die Nationen und Voͤlcker haben es ausgeforſchet Wenn 
nun: die Urſach nicht: in Demi boͤſen Hertzen der Menſchen ſteckte, ver⸗ 
moͤge deſſen ſie die Finſterniß mehr lieben, denn das Licht; ſo waͤre 
Fein Volck in der Welt, das nicht von: Anbegin bis hieher das aufge⸗ 
ſteckte Licht: hätte ſehen und Dadurch: zum: Licht des Glaubens kommen 
koͤnnen. Sie erwiederte: Das iſt wahr; doch ſolte man: dencken, daß: 
diejenigen Vaͤter, welche bey beſondern Heimſuchungen GOttes das Licht 
mit: Gewalt von ſich geſtoſſen, die meifte Schuld haͤtten, denn: was 
koͤnnen die Kinder: und: Nachkommen davor, welche in: verſchiedenen 
hundert Jahren in der dickeſten Finſterniß geboren find, und nichts an⸗ 
bers wiſſen? ſollen denn ſo viele tauſend Selen verloren gehen, — 


*— 


1. Zerrn Paft. Wlöhlenb.Ber. vonfeiner Amtsfůhr 1747. 197 


er darin euren Glauben, fo were 





S 





198 Sünfte Sortfesungderf enfploanien: 
den die ausſchweiffende Gedancken ſich balde verlieren. Daß ihr fit 


Juden und Heyden mit betet, daran thut ihr wohl, ich thue es auch, 


denn es iſt unſere Pflicht und die allgemeine Liebe erfordert es. Der 


HErr wolle ſich in Gnaden aufmachen, die Fuͤlle der Heyden laſſen 


eingehen, und ſein Iſrael nachholen. Sie ſagte: Ach ja, wir wollen 


die Hand auf den Mund legen, die Guͤte an denen, die ſtehen, 


und den Ernſt an denen, die gefallen find, betrachten. (d) Ein 
ander mal Fam fie zu mir und Flagte über Das tiefe Verderben ihres 
— Ich nahm daher Gelegenheit etwas genauer nach ihren Um⸗ 

Anden zu fingen. Bey Unterfuchung derſelben fand, daß fie in der 
Erkenntniß von Buſſe, Glauben und Gottfeligkeit ziemlich gegründet 


And in der Ausübung erfahren war. Sie iſt nach und nach erleuchtet und 


zum Erkenntniß ihres tiefen Verderbens gekommen, hat aber auch die 
Gnaden⸗Quelle gefunden, mo fie Reinigung und Erquickung für ihre 
arme Sele erlanget, und fähret fort in der Erneuerung. Sie fagte, 
in der Buſſe wären ihr ihre Sünden nicht eingeln, fondern allzumal 
sorgefommen, fo daß fie ihr, mie eine ſchwere Laſt zu ſchwer worden, 
bis fie dieſelbe haͤtte auf Chriſtum, als den Suͤnden-Tilger, werfen koͤn⸗ 
nen, Die erſte Zeit, da ihr der HErr aus Gnaden ihre Uebertretung 
vergeben, die Suͤnde bedecket, und ihre Miſſethat nicht zugerechnet 
um ihres Blut⸗ Freundes willen, mare fie ſehr freudig geweſen, und 
hätte mit freudigem. Gebet zu dem Gnaden- Thron nahen Fönnen, 
Nach der Zeit aber mare ihr faſt eine Sünde nach der andern eingefal⸗ 


fen, welche fie son Jugend auf begangen. Sie häfte Dagegen die ſchoͤ⸗ 


nen Berheiflungen dem fieben Vater im Himmel vorgehalten, als z. E. 
Ich) gedencke Deiner Sünden nicht zc. (e) Er wird alle unfere 
Stnde in die Tiefe des Meers werfen zc, (f) Bey dir ift die 
Vergebung, daß man dich fürchte zc. (8) Odb ſie nun gleich eis 
nen Daß und Eckel gegen alles fündliche Wefen, Die Welt und ihre 
Luͤſte / und ein fehnliches Verlangen nach allem Guten ſpuͤre; fo wolle 
Doch immer wieder mas eiteled ausfproffen und hervor wachſen aus der 
Wurtel der Sünde, wovon der Stamm und die Ziveige in der Buſſe 

abgehauen worden. - Wenn fie des Tages in der Stille Achtung gäbe 
‚auf ihr gu und alle Gedanden, die in Demfelben aufiteigen ; fo muͤſſe 

‚fie fich ſchaͤmen und befrüben , daß fo manche Unlauterkeit hervor kaͤme, 

ald wolte die Eigen Liebe und Selbfigefälligfeit, bald a fübtite 


| (a Roͤm. u, 22. (ce) E- 4425 Cr) Mid. 7, 1 ¶) Pſ. ij0, 4. 


 1.3erenPaft: Muͤhlenb. Ber. von feiner Amtsführ.1747. 199 


‚Neigungen auffleigen imd fie unvermerckt verführen: Sie wuͤrde 
aber dagegen von der andern Seite durch den intwohnenden Beift GOt⸗ 
tes erinnert, Daß fie Damider kaͤmpfen, und beten müffe: Schafe in 
mir GÖtt ein reines Hertz zc. (h) Bald Fomme ein Sturm vor 
auffen in der Haushaltung, und wolle fie unruhig machen. Das von 
auſſen thue ihr aber nicht ſo weh, als mas von innen heraus kaͤme. Was 
fie von untoiffenden Menfehen desfalls leiden mrüffe, das achte fie gar 
nicht, fondern dencke, fie verflünden es nicht beſſer. ch gab ihr ein 
und: andere Erinnerung, und betete mit ihr nach den Beduͤrfniſſen. 
Wenn ich Sonntags.in der Kirche meine Predigt durch Frage und 
Antwort wiederhole; ſo giebt fie ſchoͤne und deutliche Antworten, wel⸗ 
ches andern zum Exempel der Nachfolge dienet. Sie befüchet gerne 
‚Kranke, fo viel ihre Schwachheit zufäffet, und erbauet fie mit GSttes 
Wort. Ihr meiſtes Anliegen iſt, daß fie mit ihrem Mann und ihrer 
Tochter felig. werdenmöge, 2. 2. 0 en 
Eine andere Franens:Perfon in Provideng , twelche noch un⸗ 
verheyrathet iſt, hat nad) und nach ihr Geficht verloren, ift aber 
durch GOttes Önade zueiner feinen Erkenntniß und Glauben an JE⸗ 
ſum Ehriftum gelanget. Als fieins Land Fam, war fie ihre Fracht 
von der See⸗Reiſe fchuldig, und ihre Eltern Fonten ihr wegen Armut 
nicht helfen. Sie arbeitete gleich Anfangs bey den Mennoniften auf 
Schippad) oder Motecha, wo einer von unfern Vorſtehern mohnete, 
Weil die Mennoniften nun fahen, daß fie erbar wandelte und fieiſſig 
arbeitete; fo wolten fie diefelbe gar zu gern zur Wiedertaufe beredem 
Dazumal hatten die Lutheraner zu Provideng noch Feinen Prediger z - 
fie hielte ſich aber zu dem gedachten Vorſteher ımd wohnete mit bey, 
wenn er Sonntags feiner Familie eine Predigt vorlas, Nachdem die 
Gemeine zu Provideng gefamlet und Anftalt zum Gottesdienſt gemacht 
mar; hielte fie fich ernſtlich zu demfelben und bekam Durch fleiffigen Ge⸗ 
brauch der Gnaden-Mittel mehrere Erkenntniß von ihrem inwerdigen 
Berderben, und dem Heitin Chriſto. Ihre Eltern hatten fich zu den 
Herrnhutern gefellet und molten fie auch auf dieſen Weg führen: fie 
fagte aber; von dem hin und: herzichen von einer Parthey zu der an- 
dern Eönne fie keinen Nutzen haben, fie wiffe, an wen fie glaube ꝛc. 
und tolle fich an defien Wort halten und ihren Glauben und Erfige- 
burt nicht für cin Linſen⸗ Gericht verkaufen; fie hätte nicht nöthig, Den 


En HEır 
BP 5 6 2 in 


200 Sünfte Sortfesung dee Nachricht aus Penſylvanien h 


HEern JEſum hie oder da in der Wuͤſten oder Kammer zu ſuchen, 
fondern er waͤre bey feiner Kirche, und bey einem ieden gläubigen Gliede 
Derfelben insbefondere, ‚alle Tage bis-an der Welt: Ende. Sie hat 
fünf engfifche Meilen zur — und iedes mal zwey Waſſer zu paſſi⸗ 
ren, aber nicht die E if, wie andere, zu reiten: Dennoch verſaͤu⸗ 
met fie ohne Noth keine Predigt und Erbauung, und watet lieber ige 
die Woffer, wenn fonft Feine Gelegenheit iſt, — — 
die keine Pferde haben, auch thun muͤſſen. lieber 
hat aber nunmehr geſorget, daß uͤber dag eine Ball ein langer Baum 
zum überklettern geleget and bey dem andern Waſſer ein Kahn zum 
überfahren angefchaffet worden. Die arme nern Dem durch⸗ 
waten Durchs kalte Waſſer mehr Schaden bekommen und ihr Geſichte 
vollends verloren. Weil fie ſich nun ihrer Hände Arbeit nährenmuß, 
und Dutch folchen Zufall daran gehindert wird; ſo nahm ſie ihr Schaͤrf⸗ 
fein und andere Freunde legtenihresdazu, daß fie einen Artzt in der Stadt 
gebrauchen Eonte, welches aber nichts geholfen. Nachhero holeten fie 
ihre Eltern ab und veifeten mit ihr ein paar Hundert englifche Meilen 
nach einem Gefund-Brunnen in Birginien, welcher zwar einen groffen 
Namen. bat, aber wenig Wirkung gethan. Sie Fam auch davon 
ohne Befferung toieder zurück, und mufte eine Zeitlang bey ihren El⸗ 
tern feyn. Sie hat oftmals hören müflen, daß fie ihr: Geſicht bey der 
—— Kirche vollends verloren. Man hat ſich von 
Saite bemühet ihr ihren Glauben verdaͤchtig gu machen, und ſie nach 
es Art zu reden, zum Heilande zuführen: fie iſt aber dabey geblies 
ben, man koͤnne ihr Feinen beffern Heiland zeigen, ‚als: der in den. 
Schriften der Propheten und Apoftel der. Eckſtein wire, an welchen 
fie geglaubt. ; Ein Mährifcher Bruder hat unfer andern gefagt, fie‘ 
koͤnte aus blinder Siebe zu mir nicht unterfeheiden, was ich wahres oder 
falfes predigte. Sie hat aber geantwortet, es bliebe ihr bey demſel⸗ 
die Schrift zum Nachforfchen offen, miefie den Berrhoenſern of⸗ 
i Fi getvefen. hun iſt fie nieder zu ung auf ihren alten Platz 
men, and ſinget: Dein Wort mein Speis laß: ern da=. 
mit mein Sel zu naͤhren, mich zu wehren, wenn Trübfal 
kommt daher, das mid). bald —— abkehren. () In der Zeitz: 
welche ſie bey ihren Eltern geweſen, hat ſie fleiſſig an Geſchwi⸗ 
ſtern gearbeitet, und fie fo weit überseuget , daß fiegern b ar 


richtet 
€) Ans dem Liedes Ich ruf zu die, GE IEſu Chriſt re 


= Tree Baf mihiacd. Ba won feinen Amtpführ, war. aor | 


confirmiret werden möchten, wenn ſie die Erlaubniß von ih⸗ 
ckenden Eltern Dazu erlangen koͤnten “Sie achtet es für eine 
öffeften ° Wohlthaten daß der gnaͤdige GOtt unſere Water und 
viele Goͤnner in: Europa erwecket, daß fie ſich der armen zerſtreueten 
Schafe angenon men, und. ihnen Hirten und Beyhuͤlfe gefandt haben, 
engket auch ‚derfelben i in ihrem Gebet vor dem HErrn 
— Des orer waͤhnten Vorſtehers Frau redete mit mir von ihrem S 
Selen Zuſtande, und fagte, Daß fie von Jugend auf in ihrem Her- 
‚gen einen Abſcheu vor dem. Böfen und. ein Verlangen sum Guten ge- _ 
ſpuͤret, auch es daher niemal⸗ mit den Geſellſchaften der eiteln Jugend 
habe halten koͤnnen Sie meinete, ſolches waͤre aus folgenden Urſa⸗ 
chen entſtanden. ) Hätte ſie von ihren Eitern in der zarten Jugend 
ein gutes Exempel geſehen, und einen tiefen — von ihren Ermah⸗ 
— GOttes Wort gefaſſet. 2) Wäre fie frühzeitig unter 
‚ende. Leute gekommen und mancher. Zrubfal: unterworfen worden, 
"welche Anfechtung fie auf das: Wort mercken gelehret. Nachdem fie 
hier ins Land gekommen, dem Gehoͤr des Wortes Gottes entzo⸗ 
— ielerley, Seeten gefeset morden , habe fie ich faf 
nicht tröften laffen wollen: und koͤnnen. » Denn e8 thue gar gu: wehe, 
wenn man ſo auf einmal den fehönen Gottesdienſt verlieren und ſich, 
wie ein ſchwaches Kind, von Der vernünftigen lautern Milch enttwöh- 
nen laſſen müffe. Man koͤnne nicht erkennen, wie groß die Wohlthat 
fep, wenn GOttes Wort reichlich unter einem Bolcke. wohne, bis 
„der Hunger nach, — einfalle Sie dancke dem HErrn vielmal, 
daß er das Gebet der Elenden erhöret, und fein. Panier hier unter den 
‚ Berfiteueten aufgetvorfen. Ich merckte bey der Erzaͤhlung und andern 
Umfiänden, daß, bey dem Gefühl des Guten und Boͤſen, nur-ein dun- 
| | entlicher Begriff von der evangelifchen. Kraft und Neu⸗ 
ch BGnade ſey/ oder der Geiſt der Kindſchaft noch 
„fehle, dur ‚welchen wir rufen: ‚Abba, lieber Bater! Ich habe des- 
> tvegen. ‚einigemal ihr. den HErrn JEſum als einen Hirten, Erbar- 
mer, "Bräutigam und. dergleichen ‚vorgeftellet, der mit den Muͤ⸗ 
„den zu rechter. Zeit zu reden weiß; der. Das. glimmende Tocht nicht 
& — und das ſchwache Mohr nicht zerbricht; der Die Muͤhſeligen 
* 0 ic die Hungrigen und Durfigen frühe füller, 
ͤncket und fattiget 2c. » Je mehr ihr nun das liebreiche Gnaden⸗ und 
„Erba volle, Bi des HErrn JIEſu Au das Evangeliumauf: 
V. Penſy v. Sort ji gedecket 


















ı I j 6 A ’ 


er ¶ Fanfte Sortfesung der Nachricht ans Penflvanien 


DR 20”. 
ei 





gedecket wird, deflo mehr ſchmeltzet ihr Hertz und wird mil der. Si 


hat mir hernach etlichemal geſagt, daß ihr Hertz immer kraͤncker Ol 


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Fin 
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Ei 


de von dem Gefuͤhl ihres Elendes, aber der HErr JEſus werde ihe 


auch im mer nothmendiger und wichtiger. Cine Zeit fände fich in ihr 


eine tiefe Traurigkeit über- ihre eigene und anderer Menfchen Sünde 


amd DBerderben, daß ihr die Welt faft zu enge wuͤrde. Wenn aber 
"die Tröftungen aus dem Evangelio Famen, fo empfinde fie eine folche 
innere, Freude, als wenn eine Geburt gefehehen. Sie meidet eitie Ge⸗ 
fellfejaften , und ift gerne da, mo was gutes und erbaulicheg geredet 
wird, hat einen gefunden Geſchmack am Worte GOttes und sichert 
mit ihrem Hunger dem Prediger faft die Worte aus Dem Munde. 


‚Sie hat ſechs Söhne, und eine unermüdete Sorgefür deren Seligfeit. 


"Sie biftet und ermahnet Tag und Nacht an den Kindern, ja vielmal 


mit Thränen, und meinet, fie muͤſſe in Furger Zeit den Kindern ihren 
ſo lieben Heiland vor die Augen mahlen, und- in Die Hergen pflangen, 

Daß er eine Geftalt in De gersinnen möchte. ihr Mann ift gleich: 
falls ein treuer Iſrgelit, in dem Fein Falſch iſt. Erhat nun in die fünf 

Jahre als Worfieher mit Gebet, und Rath, und That, und mit gutem 
Wandel der Gemeine und ung Predigern insgefamt gedienet, und ift 
noch unermüdet bey Tag oder Macht zu dienen. Ja wenn es zur 
Ehre GOttes und Dienſt der Gemeine und befonders Der guten Se» 
len in derfelben gehet; fo ift ihm nichts ans Herg gewachſen, nichts zu 
fieb, das er nicht her gabe von feinem Scherflein der Wahrung. Sie⸗ 





— aber ſolche gute Selen von der Seite an, da man Menſch 


eiſſet, noch in der Unvollkommenheit und ſuͤndlichen Hütte wohnet, 


‚den Leib des Todes an fich trägef und mit Sünden umgeben ift, die - 
noch anfleben und immerdar trage machen mollen; fo Fönte man _ 
auch viele Fehler bemercken und ein ungütiges Urtheil fällen. Es iſt 

aber genug, Daß Feine Verdamniß ift an denen, Die in Chriſto JEſu 


find und nicht nach dem Fleiſch, fondern nad) dem Geiſte leben. So 
viel ihnen der gute GOtt von ihren Fehlern durch fein Wort und Geift 
entdecket, fo viel fuchen fie in der täglichen Erneuerung abzulegen. 


Sin Neuhannover hatte ich Gelegenheit miteiner Franken Ehe⸗ : 


Frau von ihres Hergens Zuflande zu reden, Die rau hat Faum das 
dreiffigfte Jahr erreicht, aber ſchon viele Trübfal und Creutz ausge- 
‘fanden -. Die Truͤbſal beftehet in vielerley Kranckheit und Schwach⸗ 


beit, daß ſie ſaſt Feinen gefunden Tag in etlichen Jahren gehabt, Das _ 


Creutz 





. L3eren Pofk,. Moͤhlenb · Ber. von feiner Amtsführ. 1747, 203 
Creutz pfieget fie felber mit dem Ders zu befehreiben + Dis iſt mein. 
merg, d is kraͤncket mich, daß ich nicht gnug kan lieben 

| — (mein JEſu,) lieben folte! (k) Das iſt von 

ein Narr heiffe eiffen, weil ich JEſum befenne, und alles für Schaden 
achte gegen feiner tıberfehmmenglichen Erfentnif.- Dem Anfehen nach 
hat Die Frau eine wahre Hergeng-Aenderung erfahren , ift von der Fin⸗ 









het an feiner kung und fagt, 
M Aus dem Liedes © IEſu, If, GOttes Sohn ec. — 


204 Funfte Sörtfegung der Nachricht aus Penfploamten" " 
er habe ihren Zuftand zuvor nicht verffänden. Er erfennet und bekene 
net, Daß er ein armer. Sünder fey, der vor GOtt nicht beftehen Fan ,- 

traͤget Leide über. feine. Sünder, und fänget an zu hungern-und zu 


dürften nach der Gerechtigkeit JEſu Chrifti. Das ift ein Grofer 


Troſt fuͤr das arme Weib, daß ſie nun zugleich mit ihrem Manne die 
Knie beugen und ihr Hertz ausſchuͤtten kan Gott helfe weiter und 
führe Das angefangene Werck hinaus zum Siege. Be } 
Ein junger Menſch, zwiſchen zwantzig und dreiffig fahren’ alt, 
ift.öfters zu mir gefonimen, hat fich mit mir erbauet und gebetet. Er 
fagt , daß er durch die Erdftige evangeliſche Lieder mare aufgeweckt wor⸗ 
den, feiner, Selen: He, in Chriſto zu füchen. "Sch, pflege bismeilen 
nach der Predigt ein A und erbaulich Lied, welches fich auf die’ 
Predigt ſchicket, vorzulefen und einige Ausdrücke aus Demfelben kuͤrtz⸗ 
lich zu erklaͤren und ſolche Lieder den Zuhörern zu recommandiren 
Solches iſt nicht ohne Segen; denn die Leute faſſen dergleichen leichter, 
und wundern ſich zum Theil, daß ſo kraͤftige Ausdruͤcke in den Liedern 
zu finden, meiche fie ſchon viel hundertmal geſungen und nicht bedacht, 
oder verflanden.. - RE re 
Eine betagte Witte, welche neun engliſche Meilen von Neu⸗ 
bannover in dem Gebürge wohnet, und mit einem Laͤhmfluß behaf- 
tet iſt, ließ mich zu ſich rufen und Elagte mit Thränen, daß fie etliche 
Monate in;groffer Gewiſſens Angſt und Kummer, gemefen. Sie hatte 
faft Feine Jeacht für den empfindlichen Gedanken fehlafen Fönnen, als 
ſeye fie verloren und verdammt, . Shre Kinder hätte ihr allerhand 
fchöne Bücher, unter. andern auch des feligen Arndts wahres Chri⸗ 
ſtenthum gereichet. . Je mehr fie aber in Demfelben geleſen, deſto gröf- 
ſer waͤre die Angfi geworden. ‚ In der Unterredung führteich fie darauf, 
ob fie etwa eine groſſe Suͤndenthat begangen, und, unterfuchte ob fie 
nicht an ihrer. Geſundheit zu ihrem Sahmfluß noch mehrete Zufälle be- 
Eommen dadurch fie auf die Aengftlichkeif gerathen ſey; konte aber kei⸗ 
ne andere Urfach finden, als daß GOttes Gerft durch fein Wort in 
ihr mircfe. Sie ſagte, daß fie in der Angft alle Sprüche gebetet;, 
welche von dem Blüte, Chriftt handelten. Solche Sprüche und felige 
Verheiſſungen haften ihre Gewiſſens⸗ Angſt in etwas geftillet, fie bes 
fürchtete aber, Daß die Angſt wieder kommen möchte. —Tsch ftelleteihr 
die ſchoͤnen und auserleſenen Erempel aus dem neuen Teſtament vor, 
sis von dem: perlornen und. wieder gefundenen Sohn, a2 * 
| | Zöff 


— 


24 


et ieeaem marum Vanea fh fie 17ä 208. 


Zöllner, der ar fie Br uſt heſchlagen ‚und ‚von. det Sänderin Luc.7. 
und fogte, fie můſſe fich Darnach prüfen. je mächtige die Sünde, der 





= 


Erkentniß und dem Gefühl nach in ihr würde, deſto maͤchtiger wuͤrde 


auch die Gnade werden Zu mehrerer Staͤrckung ihres aufgehenden 
— machen Glaubens und näherer Gemeinſchaft mit dem HErrn re 
fi gelang gen, wolte fie gerne das heilige Abendmal gemieffen, wel⸗ 


ches ihr von mir gereichet, und von ihr mit inniger Beugung ihres 
Hertzens genommen wurde. Sie ſtehet noch big ietzo unter der Be⸗ 
— guten Geiſtes, bleibet am Gebet Tag und Wacht, und 


fäft fich auf die felige Ewigkeit zubereiten. Man hat fonft in dieſem | 


Sande ‚viele betrübte Erempel von ungehorfamen Kindern, beſonders 


nenn. eine Witwe ein H in ergiehen foll; weil die Jugend leicht ver⸗ 
rohe t wird/ und gegen Die —— auf ihre Freyheit pochet. Dieſe 

Witwe hat auch ein Haͤuflein Kinder, und muß noch Dazu meiſten⸗ 
theils von ihren Kindern leben, weil fie ‚gang lahm worden, Sie hat? 
aber Die Kinder mit Liebe und Ernft gezogen, und fich mit ernftlicheng 
Gebet von dem verföhnten Water in ‚Ehrifto fo viel: erbeten; daß mar 
ie Sortes-Surheund‘d das uͤnſtrafüche Leben ihrer Kinder 


Eine bußfertige Ehe⸗ Frau war im Gemuͤthe ——— 


und begehrete Unterricht und Troſt. Sie klagte erſtlich über Klein⸗ 


muͤthigkeit und Verjogtheit und beſorgte, ob fie auch dem HErrn 


Eſu wuͤrde getreu bleiben, und nicht wieder zurück weichen. Zum 


3 nee —. — ug 10, 23.28. Sie gr aber 


andern war fie bekummert über ihren Mann, weil er fich nicht gang= 
lich der le und dem Glauben ergeben worte.‘ ‚Sie ſagte, der Mann 


5 mare öfters gerüret, und thäte zu gewiſſen Zeiten, als ob er fich gaͤntz⸗ 


lich wolle bekehren laſſen, zu einer andern Zeit aber waͤre er gantz un⸗ 
ordentlich, ‚ und lieffe feinen Zorn herrſchen / begeigete ſich auch hart ge⸗ 
gen fie, und feine Freunde. Wegen des erften Puncts, führte ich fie 


Darauf, daß das Gnaden⸗ Werck der Bekehrung und die Beſtaͤndig⸗ 


keit im Guten nicht auf ihre Natur⸗ Kraͤfte anfomme, fondern auf die 
Kraft GOttes. Der das Wollen gegeben, der werde auch das 
ein verleihen, wenn fie ihn darum anviefe. Phil. 2, 13. 


das gute Werd in ihr angefür 


der N, werde es auch voll⸗ 
foͤhren bis an den Tag 


i. Phil, r 6. und unſer Heiz 
aͤtte werfichert, daß —— ſeine ⸗ ſolte aus ſeiner 








indeſſen 


* J m 


206 Fuͤnfte Sortfesung Dee Pfochrichtane Penfptoonien. 


⸗ 


indeſſen nicht ſicher werden, weil ſie den Leib des Todes noch war 
und. müffe gegen Teufel, Welt, Suͤnde und ihr eigen Fleiſch u und. 
ut recht Fampfen,tvennfiegeerönet werdenwolte, Darum müfle - 

fie wachen und beten uud immerdar, mit den Waffen GHOftesge = 
* Dun; Bey —* Verhalten koͤnne ſie ſich freuen, und doch ih⸗ 
keit ſchaffen mit Surcht und Zittern. Phil. Das 


pe ſo folle fie der Ermahnung. Petri in pi erften 


Epiſtel Cap. 3, 1. folgen und in chriftlicher Unterrhänigkeit gegen den 


Mann bleiben, zu rechter Zeit in Liebe und ae ‚ein Wort re⸗ 
den, am meiſten aber mit einem keuſchen Wandel in der Furch Dt 
tes ohne viele Worte den Mann fuchen zu. gewinnen, und | 
GoOtt immer mehr den koͤſtlichen Weiber-Schmuck ausbitten,,. der. in 





einem unvergänglichen Wohlſtande des fanftmüthigen und flillen Gei⸗ 


ſtes beftünde, insgeheim aber fleiffig zu GOtt befen, daß er die Hin⸗ 
Derniffe bey ihrem Manne immer mehr aus dem Wege raumenund: 

ihm zum —— Durchbruch in der Bekehrung verhelfen moͤchte. 

Endlich ſolle ſie auch mit ihrem Manne Geduld haben —— beden⸗ 


cken, wie lange der gnaͤdige SH fie felbften mit 


Geduld und Ders 
fehonen getragen und noch trage. Sie verfprach , folchem Nath durch. 
‚die Gnade und Hülfe GOttes nachzukommen, und bat, daß ich auch 


ihren Mann in Liebe erinnern möchte, 


: Eine Witwe in Neuhannover bekam —— an der Hand 


und Arm von einer Entzündung, daß man den Falten Brand befürd)- 


- tete. Sie weinete bitterlich, meil fie noch ein paar unergogene Kin⸗ 


der um fich hatte. Sie fahe folchen: Zufall als eine befondere Strafe 
GOttes an, weil fie mit der Hand an einem Sonntage ihrer Kin⸗ 
der Kleider ausgebeflert. Ich fagte ihr, daß die. Hand nur ein In⸗ 
ſtrument mare, welches nad) den Schlüffen des Verftandes und Wil⸗ 
leng wirckte. Sie folte deswegen auf den Urſprung ihrer Fandlun, 
gen fehen, und betrachten, mie ihr Herg gegen Gott flünde, 
führete vielesan nach dem erſten Arkiculunfers Glaubens. von: ber Er: 
haltung und Befchirmung GOttes in ihrem gansen Leben, auf 
ihrer Reife, in Gefährlichkeit zu Waſſer und zu Auaber, aa beſon⸗ 
ſonders in ihrem, Witwen - Stande, und machte Daraus Den Schluß, 


daß fie einen gnädigen GOtt hätte, ausgenommen den -vorermahnten 


Fehler, da fie am Sonntage gearbeitet, und nun die. Strafe dafür 
— Man zeigte ihr aber, daß die gnaͤdige Erhaltung, Ro 


1. Seren Paft. Ti len ‚Ber.vonfeiner Amtofuͤhr. ry. BR 


und Schiem um JEſu Chriſti willen geſchaͤhe und fie zur Buſſe und 
Glauben leiten ſolte. Sie meinete, daß Buſſe und Glauben von der 
Taufe an vorausgeſetzt werden muͤſſe und wuſte dazu ſchoͤne Sprüche an⸗ 
zufuͤhren. Da man aber forſchete, ob ſie den Bund des guten Ge⸗ 
wiſſens und das Kleid der Gerechtigkeit rein bewahret; ſo wolte ſie an 
ihrer Seite ein erbares Leben in Die Rechnung bringen, deswegen mu⸗ 
ſte man ihr zeigen, daß das Geſetz GOttes geiſtlich ſey und vielmehr 
fordere, als den aufferlichen Gehorfam: folches brachte fie zum Still- 
ſchweigen und Armuth vor GH. Der alte Raum wurde. mit dem 
Geſetz GOttes umgraben, und wird noch mit-dem Evangelio bedün- 
get, ob der HErr vielleicht noch einige gute Früchte ernten möchte, 
Mach der Kranckheit Fam ein Mann und wolte fie heyrathen. Als fie 
den Mann fragte, von welcher Religion er ware; fo antwortete er in 
kurtzen Reimlein: Er hielte ihre Pfarren für Narrenzc. Sie antwor⸗ 
tete , erfolte denn gehen und feines gleichen fuchen, und wenn er die 
‚gange Welt voll von vergaͤnglichem Neichthum beſaͤſſe, fo hätte fie ei⸗ 
nen unvergänglichen Schaß gefunden, welchen ihr Fein Dieb nehmen 








und Feine Motte freffen Fönte, I ET 
2 Sn Propideng wurde ich zu einem Knaben von zwölf Fahren, 
der Franck war, gerufen. Es iſt ein feines Kind, worin fich Die Tauf⸗ 
‚Gnade mercklich fpüren läffet. - Sein Gedaͤchtniß iſt mit fehönen 
Kern-Sprüchen und erbaulichen Liedern, wie auch den Haupt= Stü- 
cken des Catechiſmi Lutheriangefüllet, und er Fan die Wahrheiten bey 
verſchiedenen Gelegenheiten fein applieiven. Als, zum Exempel, feine 
Mutter vor feiner Krankheit mit ihm ins Feld, wo die Winter: Saat 
- "gefüet mar, gegangen und geklaget, daß Die Frucht ſo duͤnne flünde, 
“und leicht ein Mißwachs erfolgen möchte, hat der Sohn geantwortet: 
Mutter, betrübet euch nicht, fehet die Vögel unter dem Simmel 
an, fie fen nicht, fie ernten nicht zc. - Bedencket doch, mie viel 
Brod der Herr nr. hatte, da er die vier= und fünftaufend Mann 
‚fpeifeteu. few. So ift er im Umgange, daß er Die göttlichen Wahr⸗ 
heiten zur Erbauung anwendet. GOtt bewahre Das arme zarte Meise. 
lein für den vielen Berführungen und dem Wind der Lehre und Aer—⸗ 
gerniffen in diefem Lande! Ich fragte den Water, ob er mir den 
Sohn anvertrauen wolte, fo wolte ihn zum ſt udiren anhalten, daß er 
einmal nach GOttes Willen unferer Kirche oder Schule dienen Fönte, 
Der Vater antwortete, Die Prediger hier im Lande wären fo verachtet 
— & von 






* 


-. 


* 
er 5 
bon 1 ‚Beiring piel leiden, hätten 
affen, dabey er GOtt und feinem Naͤchſten auch dienen Füntext. 
0 





£7 
- 





“folchen Leuten etwas nachg 


diefe Wifach anzugeben, Die Land-Leute wohnen eingeln und 


“auf einem Haufen ins offene Feld geſchlagen · Wenn ſolche Haug- 


1.3eren haſt mahlenb · 3er. von ſeiner Amtefär. 1747. 209 


ſchen beleidigen; ſo geſchiehet ihnen des Nachts leicht Schaden an ih⸗ 
rem Vieh oder Fruͤchten, weil alles offen ſtehet, und der Rache und 
Wuth ſolcher verſtockten Menſchen ausgeſetzt iſ. Denn ehe einer 
des Nachts aus dem Hauſe ſiehet, Fan feine Scheune und alles Gut 
ſchon weggebrant feynz und ehe man die nächften Nachbarn oder den 
rede Dichter zu Hülfe tufet , Fan ein Menfch fehon den gröften 
gethan, und fich au etliche Meilen in den Wald retiriret ha= 
* Ich will bey dieſer Gelegenheit anführen was meinem nunmehrigen 
- Schmieger-Dater, dem Herrn Conrad Weiſer, zu meiner Zeit be— 
gegnef. Er hatte als Friede Nichter in feinem Diſtrict einer gewiß 
fen Familie, wegen begangener Bosheit, eine Strafe zuerfant. Ei— 
ne Zeitlang darnad) wurde ihn in der Nacht das Haus von aufen zu: 
gebunden, und ein Haufen Stroh auf das Vorhaus, unter das Tach 
von truckenen Scyindeln, gebracht und angegundet. Der Nauch und 
das Krachen hat einige ven den Kindern aufgeweckt, welche die übri- 
gen munter gemacht weil aber die Thuͤr verriegelt, haben fie aus den 
Senftern fpringen und das Feuer Töfchen müffen. Haͤtte der fiebe 
Gott nicht über das Haus gemacht, fo wären in einer Furgen Frift 
* Menſchen, nemlich ſeine gantze Familie bis auf zwey Kinder, 
welche abweſend, verbrant. Er hatte wol Muthmaſſung auf den 
Thaͤter, konte aber keinen Beweiß nach den engliſchen Geſetzen auf⸗ 
bringen. Ob nun wol ein Glaubiger ſich vor Menſchen nicht fuͤrch⸗ 
tet, —— den Leib tödten, und weiß, daß ohne GOtties Willen kein 
Haar von feinem Haupte fallen Fan, und daß der HErr und GOtt 
els nicht fehläft noch fchlummert, fondern das Haus bewachet; fo 
find doch —— Menſchen furchtſam, und iſt ihnen wegen ihres 
Lebens und Nahrung bange weil fie GOtt nicht recht vertrauen. 
Eine junge welche auf der vorgedachten Hochzeit 
mit getan, ve vermiede hernad) unfern Gottesdienſt, bis ich fie endlich 
auffuchte und fragte, warum fie ſich abfonderte? Sie antwortete, 
daß fie fich vor GHft ſchaͤmete/ teil fie nieht beffer gewachet und ge⸗ 
gen die Verſuchungen gekaͤmpfet hätte. Ich ftellete ihr vor, mie 
untreu fie gegen die vielfältigen Gnaden- Wircfungen des Geiſtes 
GoOttes und ihre eigene Sele bisher gehandelt x. Sie Elagte über 
ihres Gewiſſens, feitdem fie den Wirckungen des guten: 
) bi. es wu iderſtrebet; wolte aber Gott in Ehrifto um Vergebung und 
ein neues Hertz — und ſich dieſen —— zur a 
un ia Sort Dienen 






N 


210 Sänfte Sortfegung der Nachticht aus Penfplosnieni " 


dienen laſſen. Einen andern jungen Menſchen ſtellete ich zur Rede und 
fragteihn, warum er aufder Hochzeit fo gehandelt? Er bekante mit Weh⸗ 
muth, daß fie ihn mit vielem Zureden uͤbermocht und endlich dahin ge- 
bracht, den Spielmann zu.bolen, Da er aber denfelben gebracht und 
das eitele Leben angefehen, waͤre ihm fo angſt und bange geworden, daß 
er davon gelaufen und nach Kaufe gegangen. Er verficherte es waͤre 
ihm herglich leid, molte ‚aber Fünftighin den innern Bearbeitungen 
des Geiſtes GOttes beffer folgen , und vorfichtiger wandeln. 
In Neuhannover wohnet ein Ehemann von mittleen Jah⸗ 
ren, der. ſamt feiner Frau noch nie zum heiligen Abendmal ge: 
wegen. Er hatte fich theils auf feine irdiſche Güter verlaffen und da- 
bey ein ausfchmeifendes Leben geführet 5 theils ivar er auch fo verftri- 
cket in den Rath der Gottloſen, wandelte auf dent breiten Wege, und 
faß da, 100 die Spoͤtter fisen, Daß man mol die wenigſte Hoffnung von 
feiner Umkehr hatte. Da er nun voreiniger Zeit aufeinesandern Man⸗ 
nes Fraufolche Dingein der Trunckenheit ausgeftoffen, die ernicht vor - 
dem Gerichte beweiſen konte, und leicht. darüber feinen ehrlichen Namen 
hätte verlieren mögen ; ſo trat ich, um feines mohloerdienten Waters 
toillen, in die Mitte und machte die Sache unter beyden Partheyen in 
der Güte aus, daß e8 nicht unter die Advocaten und vor das Gerichte 
kam. Der Mann gervann Dadurd) eine Liebe zu mir, und ging fleiffig 
in die Kirche, ob er mol fein böfeg Leben noch fortſetzte. Nach und 
nach ift Doch ein Wort bangen blieben, bis er endlich gemerckt, daf 
er auf dem breiten Wege müffe zur Verdammniß hinab gehen. Ei 
fagte feine unehrliche Handthierung auf, da er vorher ein Ausrufer und - 
Pickelhering auf alten Auctionen geweſen, machte fic) auch loß von 
feinen böfen Geſellſchaften, nahm GOttes Wort zur Hand , vereinigte 
fich mit feiner Frau, mit welcher er zuvor fehr uneinig gelebet, und wel⸗ 
ehe nun nicht wenig Dadurch aufgemuntert wurde. Sie nahmen beyde 
Unterricht von mir an, bezeugten Neue und Leid uͤber ihre Sünden, und 
einen Hunger und Durſt nach der Gerechtigkeit JEſu Chrifti, und 
ob die Frau gleich von reformirten Eltern geboren und erzogen war, ſo 
wolte fie doch gern in unferer Gemeine eonfirmiret werden. Nachdem 
ich auch Die Knie im Derborgenen mit ihnen gebeugef; fo wurden fie 
beyde nach ihrem Verlangen vor der Gemeine öffentlich confirmiret und: 
zu dem heifigen Abendmal gelaffen. - Die alten Sefellfchaften meynen/ 
es fen) unmöglich, Daß fie einen ſo lieben Mitbruder entbehren ei» 
ß ! Ä ER, SER 


1. Zeven Paſt· Maͤhlenb · Ber. vonfeiner Amtsfuͤhr 147. ar 


verſuchen dahero noch täglich, ob fie ihn bewegen koͤnten, wieder zu. 
freſſen/ was er gefpien.. Der gnaͤdige GOtt har es aber bis daher nicht 
fehlen laſſen an feines Geiſtes Züchtigungen und Ermahnungen, ob er 
wol noch ſehr zart und ſchwach iſt und noch nicht vieltragen Fan. Wenn 
ſie ſeiner ſpotten, daß Fan er noch wol vertragen, es thut ihm aber, 
weher, wenn fie Über feine Pfarrer ind Kirchen und Religion ſpͤtteln 
Es iſt faſt unglaublich nie harte und hertznagende Ausdruͤcke ei⸗ 
nige freche und ungebundene Menſchen in dieſem freyen und zůgelloſen 
Sande ausſtoſſen. Ein Kirchen⸗ Mann von ung Fam zu. einem reichen 
Spötter und wolte Geld bargen, der Neiche fragte den Armen: weiſt 
du, wo mein GOtt iſt⸗ Er antwortete Nein. Der Neiche wies auf. 
feinen Miſthaufen vor der Thür, und fagte : Das iſt mein GOtt, der... 
giebt mir Weisen und alles was ich bedarf; der Arne erſchrack und 
beftrafete ihn über ſolche Gotteslafterung. Der Meiche fagte: Du 
muft von deinem GOtt Geld borgen, zu welchem Du beteſt und in Die 
Kirche geheſt, wenn die meiner nicht gefällt. Der Arme ging weg 
und wolte nichts haben. Ein anderer Spötter wurde von einem Kit- 
chen⸗Mann ermahnet, er folte fein Ende und das bevsrftehende Ge. 
richt bedencken und nicht fo übel thun. Er antivortete, daß er fein 
Ende ſchon längft bedacht und beſchloſſen hätte, der Selen nad) in die 
Säure zu fahren, weil er gern Schwein: Fleifeh effe. Solcher Menfch 
hat fich hernach felder aufgehangen in feinem Haufe. Vorerwaͤhnter 
Miſthaufen⸗Wurm aber hat ein Foftbar Nferd gehabt, und von demfel- 
ben auch Sottesläfterliche Neden geführet. Das Gewitter. hat den 
Gaul im Stalle tod gefchlagen, da der Mann nur etliche Schritte da⸗ 
von geweſen. Ich ſage zu meinen Zuhörern „ wenn fie über derglei— 
chen klagen, fie folten fich das nicht befremden, fondern zu mehrern 
Ernſt antreiben laſſen, weil das des Satans, des alten Lügners, Spra- 
che vom Anfange gewefen fen, der von feinem eigenen rede. Die Obrig⸗ 
keit hat nicht Zeit und Willen, folche Dinge zu’unterfüchen, und wenn 
man’ die armen Würmer zu überzeugen fuchen will; fo nehmen fie 
feinen bündigen Beweiß an, fondern fallen mit ihren unbefonnenen 
Reden nur fo plump hinein. Ich hatte desfalls ein Geſpraͤch mit ei- 
nem Manne in Philadelphia, der etwas zu feyn vorgab. Als er. nun 
ein Ober⸗Weſen zugeſtund, fo füchte ihm zu zeigen, Daß Die fich ſelbſt 
gelaſſene Dernunft in ihren Lehrfägen Fein zureichendes Mittel zur 
Vereinigung mit dem Ober - Abefen ati auch Feine ae 
J RS UL ) u = 


= 


ara Sünfte, Sortfegung der Nachricht aus Penfplonnien.- 


Glückfeligkeit und innere Zufriedenheit darreichen Eönte, daß einend- 

here Offenbarung zu wünfchen, und nicht nur möglich, ſondern auch, 
felbft der Vernunft nach, wircklich da ſeyn muͤſſe. Er fiel aber gleich 
mit der Thür ins Haus, führte allerley —3 Reden von der 
heiligen Schrift u fügte, die. Naffen Be nut. * anne daher mas 
chen, daß fie ni vom Brodt — kein Argument 
annehmen wolte, immer groͤber laͤſterte, und — Er Schriften des 
Spinoza, Collins, Spenzers, Bayles, The independent Wigh, und 
dergleichen recommandirte, ſo ſagte, daß ich ſolche Schriften zum Theil 
geleſen und gefunden, daß die Auctores wenn ſie noch etwas 


wahres 
heſchrieben, Daffelbe aus einer nähern Offenbarung geftohlen , —— 
anderen Eindruck von ſich gegeben hätten, ge nach der Befhrei ung 
die im Pf. 14, 1. von ihnen ſchon lange zuvor gegeben wäre. Er: bi | 





x Ah 
tan? AL 


ven eigenen und verkehrten Sägen aber bey Verſi 


Be 





aber möchte bedencken was ef. 1,3. ſtunde. 

Ein alter Nachbar in Providentʒ der Kinder und Kindes-Kirt 
der hat, und noch nie das heilige Abendmal empfangen; ift durch eine 
zehenjahrige —— aufmerckſam auf fein Hertz und GOttes Wort: 
gervorden. Er bezeugte, daß er zwar in Europa getaufet und im 


Ehriftenthum unterrichtet , aber noch nie (0 aufmerckfam worden —* 


als in ſeiner langwierigen Kranckheit. Wie es ſcheinet, ſo komt SO 
tes Wort in ihm immer mehr zur Zueignung und Kraft: Sch — 


ihn dann und wann beſuchet und mit ihm Unterredungen aus —— 


Wort gehalten. So oft mein werther Herr College Brunnholtz mich 
beſuchet, ſo oft hat er auch mit dieſem Manne erbauliche — — 


pflogen, und ſich mit ihm erquicket. Er befante, daß er. den Unter: 


sicht von feiner Jugend her meiſt vergeffen, und in feiner Kranckheit wie 


- ein Schüler gang von neuem in Die heilige Schrift gegangen. : Er fin⸗ 
de in derfelben einenjDeutlichen, ebenen, obwoi ſchmalen Be, wenn 


er ſeine ewige Wohlfart befoͤrdern wolte. Er wiſſe keinen 


Weg, mit GOtt wieder vereiniget zu werden, als daf er mit Erfent- 
niß, Bekentniß, Neue und Leid über feine Sünden umfehren,und Ver⸗ 


gebung derfelben und Friede durch FEfum Ehriftum, * den ee 


Freund, Durch Beten, Suchen und Anklopfen fuchen muͤſſe. Er hoffe: 
GOtt werde ihn nicht zurück ſtoſſen, fondern gnädigannehmen. Weil: 


er. aber aus eigenen Kräften nichts —— ſo wuͤrde GOtt ihm mit 
ſeinem heiligen Geiſte und — Worte immer mehr zu Huͤlfe kom⸗ 
men. 


1.3eren Paft: Wlählenb, Ber. von feiner Amtefähr. 1747. 213 
men. In ſolcher Faffung ſtehe er gegenwärtig, und dencke, dag 
heilige Abendmal fölle ihm ein gutes Huͤlfs - Mittel zur Stärkung 
feines ſchwachen Glaubens ſeyn, und zur nähern Vereinigung mit dem 
alterfeligtten GOtt verhelfen. In folchen Umitänden habe gefehen, 
was ein ſonſt verftändiger Menfch, der durch aͤuſſere und innere Truͤb⸗ 
ſal in das heilige Wort GOttes getrieben, und um fein Heil bekuͤm⸗ 
mert wird, für einen Leitfaden findet, wenn er das Wort ohne Falfch- 
heit lieſet und betrachtet. Als ihn zu einer andern Zeit befuchte, fagte 
er, der Herr JEſus wire ihm im Traum erfchienen und hätte be— 
fohlen, er folte das heilige Abendmal nehmen. Ich antwortete ihm, 
ex müfte mit den Träumen fehr behutfam RR KON. „Denn 
obwol GOtt in vorigen Zeiten ein und anderes aufferordentlich durch 
Träume geoffenbaret· fo hätte ev ung Doch in diefen Zeiten nicht dat 
auf warten heiffen, fondern ein veftes prophetiſches Wort gege- 
ben, worauf wir achten follen. 2 Per. ı, 9. Sein Fraum mare 
nicht zu verachten, weil er mit GOttes Wort uͤbereinſtimmete und 
ein Zeugniß gäbe, Daß er am Tage mit folchen erbaulichen Materien 
in feinem Gemüthe befchäftiget getvefen. * GHOtt hätte nicht nöthig,, 
ihm befondersim Traum zu offenbaren, daß er zum Abendmal gehen 
muͤſte, weil er es ſchon deutlich zuvor in feinem Worte befohlen. Es 
koͤnte ihn vielleicht ein andermal mas fraumen , Das wider GOttes 
Wort liefe und feiner Sele ſchaͤdlich waͤre. Darum folte er GOttes 
ort beftändig den Grund und einige Nichtfehnur feines Glaubens 
und Lebens feyn laffen , fo bliebe er auf dem richtigſten Wege. Nach: 
hero nahm feine Kranckheit zu, fo daß er meinete dag Ende wäre da. 
Weil er denn ein Verlangen nad) dem heiligen Abendmal bezeigte, 
fo habe es ihm gereichet. Er lebet aber noch, und ſuchet immer wei⸗ 
ter in der Schrift, weil es ihm Geift und Leben bringet. 

Ein Mann aus den Gebürgen über Neuhannover, melcher fich 
zwar zur Evangelifc) - Lutherifchen Religion bekennet, aber noch) we⸗ 
nig lebendige Erkentniß von der Kraft des Evangelii befisen mag, kam 
zu mir und klagte, daß feine Frau melancholiſch und. tieffinnig waͤre. 






Die Frau ginge bisweilen allein in die Kammer oder in den Wald, 


und betete auf den Knien. Die Nachbarn hatten zum Theil üble 

Meinungen von feiner Frau, als ob fie-in Teutſchland eine arobe 

Schandthat oder Bosheit muͤſſe begangen haben. Als ich die Frau. 

elbſt befragte, bekante fie, fie nn Hauflein unerzogene Kinder 
€ 






um - 


24 Sünfte Sortfegung der Nachricht aus Penfylvanieni 1 


um ſich herum, faffe da in dem io Bye allein / weil ihr Mann 
austwärtig herum feinem Handwercke nachgehen und fein Brod ver⸗ 
dienen müfte: fie wuͤſte aber, von keiner andern Melancholie, als daß 
GOttes Wort, welches fie dann und wann in der Kirche hoͤrete und 
zu Haufe laͤſe, in ihrer Sele lebendig würde: Sie hätte zwar kein, 
grobes Verbrechen nach dem Buchftaben- der schen Gebote begangen, 
wie die Nachbarn meineten, wüfte aber, Daß das Geſetz geiftlich, und fie: 
nach demfelben eine geoffe und Verdammungswuͤrdige Sünderin fe.) 
In folchem Zuftande wuͤſte fie Beinen beffern Rath und Zufiucht, als, 
das volgäftige Berföhn-Opfer JEſu Chrifti. Sie fuchte deswegen 
in der Stille mit, Gebet und Flehen Gnade und Friede von GOtt dem 
Vater, durch unfern HE | 
un ihre arme Kinder. Ich gab-ihr fernern Unterricht und betete mit 
ihr , ſagte auch dem Manne, Daß er vorfichtig mit feiner Frauen um⸗ 
gehen folle 5. denn es waͤre Feine Melancholie, fondern eine göttliche 
Traurigkeit, Die eine Reue zur Seligkeit wirde, die niemand 
gereue, tvelche er auch erfahren muͤſte wenn er felig werden wolte· 
Ein Mann, welcher hier, im Lande von Niederteutſchen Eltern: 
‚geboren ift, drey Meilen von mir wohner, und vor zwey Jahren mit 






fünf meift erwachſenen Kindern von mir unterrichtet und getauft wor⸗ 


den, begehite ſehnlich, daß er auch mit den ‚Seinigen zum heiligen‘ 
Abendmal gehen möchte. Seine Frau iſt eines Predigers Tochter 
aus Zeutfchland, und iſt nebft ihrer Mutter , nachdem wiefelbe Witz 
we geworden, und einer Schweſter in diefes Land gekommen. Dieſe 
Witwe und ihre Töchter haben in Teutſchland, wie fie, fagen, viele‘ 
gute Ermahnungen zum rechtfchaffenen Chriſtenthum gehanet , bier im 
Sande aber find fie in der Irre herum gegangen, wie Die Schafe ohne! 
Hirten, hatten auch dag heilige Abendmal nicht genoffen, Mutter, 
Tochter und Tochtermann lieſſen ſich demnach unter "Bewegung und 

Thraͤnen mit Ermahnungen und Gebet zubereiten, ‚legten ein Bekent⸗ 
niß ihrer Sünden und des Ölaubens an IEſum —— abshand 
empfingen Das heilige Abendmal zu ihrer und meiner befondern Er— 
bauung. Sie, und befonders der Mann, bedaureten ihre vergangene. 
Zeit, welche fie in Unmiffenheit zugebracht. Der Mann befante, daß 
er in feinen vorigen Jahren nach heidnifcher Weiſe gelebet,, und der’ 


, . 


Trunckenheit und.den Lüften waͤre ergeben geweſen. Neun aberführee 


er einen chriſtlichen Wandel, und läft den Geiſt GOttes Dur 
—* 1. —— 


Re) Sri 
re a 


5 Veh: a 4 . 
n nr: Chriſtum, waͤre auch beſorget 


J. Zerrn paſt Maͤhlenb Ber. von ſeiner Amteführ. 1747. 215 


Wort und Gnaden-Mittet in fich wircken. Er ift zwar noch ſchwach, 
wie ein neugebo nes Kind, und thut ihm wehe, wenn er von einigen 
Unwiſſenden wegen feiner Veränderung verhönet und verſpottet wirds 
ift aber Doch bisher noch gefreu und begierig gewefen nach. der. ver= 
nünfrigen lautern Milch des Evangelii. Solche Leute, die fich in 
GOttes Ordnung ſchicken, zur Kirche halten, GOttes Wort und die 
heiligen Sacramenta als nothwendige Mittel zur Bekehrung und Se— 
ligkeit erkennen und annehmen, werden von andern, Die nichts darauf | 
halten und doc) in Teiblichen Gütern wol leben, verachtet. Es giebt 
gar viele, in dieſem Land, welche fich nach der Quaͤcker Form richten, 
und Kirchen, Prediger, Sucramenta und dergleichen verachten, mit 
dem Vorgeben, ſolche Sachen waren Erfindungen, Dadurch die Pre⸗ 
Diger ihr Brodt erwürben. "Die arme Menfchen achten und verftehen 
Gottes Wort nicht, und merden durch Die verkehrten Meligiong- 


Streitigkeiten, und Spötterepen in ihren Sünden geftärcker. MR 
Im Monat Martio that ich eine Reife nach den Nordweſtli⸗ 
chen Gebärgen funftig englifche Meilen von Providentz. Daſelbſt 
wohnen viele teutſche Leute aͤrmlich und Fümmerlich, und haben Manz - 
gel an geiftzund leiblicher Nahrung. Weil verfchiedene von unfern 
“armen Gemeing- Gliedern aus Neuhannover dahin, gegögen, und an 
ihren Gottesdienft zurück gedacht; fo haben fie mic) genöthiget, ei- 
nen Beſuch bey ihnen abzuftatten. Diele wachfen ins Wilde, und 
halten nichts mehr auf Kirchen und Schulen. _ Andere bedienen ſich 
ſolcher Männer, die fich felbft zu Predigern aufgerorfen. Noch ans 
dere ſuchen etwas erbauliches und mollen mit felbfigelauffenen Predi⸗ 
gern nichts zu fehaffen haben, fallen aber auf die andere Seite und han- 
gen fich an Die Herrnhuter von Bethlehem. Meine ehemalige Zuho- 
ver fchickten zuvor verfchiedenemal Manner zu mir und lieſſen um Huͤl⸗ 
fe bitten, Weil denn zu der Zeit den Herten Helfer Kurs bey mir hat⸗ 
te; fo ſchickte denfelben ein paarmal hinauf, ließ auch durch meinen 
Schrieger-Dater ein wenig Kand bey dem Eigenthums- Heren zu ei= 
ner Kirche ausmachen. Auf folches Land folten fie ein Schul- Haus 
oder Kirche von Holg bauen. Wenn fie denn mit der Zeit fo mächtig 
den, daß. fie einen Schulmeifter halten Fönten, fo würde zuerft 
den Kindern in etwas geholfen. Der Schulmeifter folte des Sonn- 
tags vorleſen, und ich wolte fie jaͤhrlich ein oder ein paarmal befuchen. 
Es fhiene ‚als ob fie meifteng einig werden, und den Borflag bit 
* igen 





ligen wolten. Sie fingen auchaneine höfßerne Kirche zu 


u 
zwiſchen hatten die Herrnhuter von Bethlehem den Ort D 


ig 
De an fich gegogen, welche noch am meiften in der. leiblichen . ’ 
Nahrung vermochten, und fie beredet, daß fie Die rechten — 


waͤren, auch das heilige Abendmal nach der Luthe — Weiſe mit 
ihnen gehalten, und einen Bruder mit feiner Familie zu den gewon⸗ 
nenen Haushaltungen geſandt, der Schule halten mufte. Solches fa- 
he die andere Parthey , wurde Darüber erbiftert, und warf mit Schelt⸗ 
worten um ſich; und die driffe Parthey zoge fich Deswegen auch zuruͤck. 
Ob fie nun gleich angefangen, die Kirche zu bauen, fo molte es doc) 
feinen Fortgang gewinnen, und fichet der angefangene Bau ohne 
Tach big, auf den heufigen Tag da. Die Herenhutifch- BER wol⸗ 


ten und koͤnten dem Bau wol vollenden, mit dem Beding, daß es eine 


Brůuͤder⸗Kirche ſeyn ſolte; welches ich aber ihnen nicht ſtatte, weil 
der Grund noch in meiner Hand iſt, und ich Hoffnung habe, den ar⸗ 
men Lutheranern mit der Zeit zu ihrem Bau —— zu ſeyn. er 
genwaͤrtig fehe noch Feine Möglichkeit, wie is Le dorbenen und 
— Haufen zu Huͤlfe kommen, und ſchaffen koͤn⸗ 
te, bis der HErr mir gegenwaͤrtig noch — Mittel und 





Wege. 
an die ‚Hand giebt. Bey meinem iegigen * Bi ee 35 


ins⸗Glie⸗ 


taufte etliche Kinder, und ermahnete meine chem 
der zur fleiffigen Leſung der heiligen Schrift und Sehen, veichte wey 


alfen Leuten, auf ihr flehentliches Witten und Anhalten, das heilige 


Abendmal, deren Kinder ſich mit zu den Hertnhutern gefellet, wor⸗ 
über fte heimfich meineten, und dag heilige Abendmal in tieffter Beu= 


gung ihres Hertzens empfingen, auch verfprachen, ihrem alleinigen Se⸗ 
len- Hirten, JEſu Ehrifto, im Leben, Leiden und Sterben getreu zu 


bleiben. 


Die Urfachen warum mir hie und da in bie Ferne zu Fommen, 
genöthiget merden, find folgende: Unſere teutfche evangelifche Einwoh⸗ 


ner-in Penſylvanien find gröftentheils am fpäteften in diefe Lar 

gekommen. Die Engfifche und Teutſche Quackers, Inſpirirte , Men- 
noniſten, Separatiſten und andere dergleichen kleine Geſintheiten find 
in den erſten Zeiten herein gekommen, da das Land noch ſehr wohlfeil 
war. Solche haben ſich die beſten und fetteſten Gegenden ausgeleſen, 


und nunmehr bereichert. Vachdem aber in den ſpaͤtern Jahren Die ar⸗ 
me Evongeliſche auch die TR gefunden, und häufig in Diefes Land. 


gezo⸗ 


ais Sünfte gortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien. | 


1. ZeremPaft: Muͤhlenb· Ber. vonfeiner Amtsfuͤhr. 1747. ar 


gen; fo haben wol einige noch. hie und da etwas von dem fetten Grun- 
de gefunden. Die meiſten aber müffen für ihre Frachtieinige FJahre 
als Knechte und Maͤgde dienen, und fich nachher. mit dem fchfechten 
Land .behelfen, und im haͤufigen Schweiß des Angefichte ihr Brodt 
effen. Letztlich tar auch nicht einmal mehr ſchlecht Land zu bekommen/ 
darum haben die Armen von den erſtern ihr überflüfiges Land gepach 
tet. Die Reichen aber treiben Die Pacht⸗ Gelder fo hoch, daß die Ar- 
men es nicht gushalten koͤnnen. Dahero gehen fie immer weiter fort 
in das wilde Gebuͤſche. Die noch etwas eigenes gehabt, bekommen 
groſſe Familien, welche auch zum Theil genoͤthiget ſind, ihren Fuß 
weiter fortzuſetzen. Solche, die unter unſern Gemeinen eine Zeitlang. 
geftanden „und aus Noth weiter fortgehen muͤſſen in Die noch: unge⸗ 
baueten Einoͤden, ſchreiben bisweilen die beweglichſten Briefe und be⸗ 
klagen ihren Hunger nah GOttes Wort: ſie erzehlen auch mol ihren 
Nachbarn, wie gut fie es gehabt, und wuͤnſchen noch einmal Worte 
des Lebens in der Wuͤſte, da Fein Waſſer iſt, zu hoͤten. Ich habe 
angemercket, daß innerhalb fünf Jahren meines: Hierfeyns. kaum die 
Halfte mehr von. den erfien Gemeing-Gliedern in den Land⸗Gemeinen 
find... "Die übrige Halfte ift zum Theil in der Ewigkeit ‚-meiftentheils 
aber in Die Ferne gezogen, auf vierkig bis hundert englifche Meilen, an 
Die Grentzen von Penſylvanien, nach Maty-Landund Birginien. In 
zwiſchen find Die Gemeinen nicht geringer. worden, ſondern vielmehr ange- 
wachſen 5 weil jahrlich noch immer mehrere Teutſche herein kommen, 
und die übrigen.ihre Kinder um ſich herum ſetzen, fo:viel ſie noch Raum 
and Nahrung finden Eönnen. Es pflegen aber auch mol einige von uns 
fern: Gegenden wegzuziehen, welche einen Eckel und Verdruß an Kir- 
hen und. Schulen haben, und lieber im Finfiern mohnen wollen, mo 
ihre Wercke nicht vom Lichte beftvafet werden. Auf foiche Weiſe müf- 
fen wir Prediger in der Nahe und Ferne durch Ehre und Schande, 
durch boͤſe und gute Gerüchte gehen 5 freuen ung aber dabey, wenn 
das Evangelium ausgebreitet , und der Name des HErrn befant wird, 
and wünfchen: O Daß doch der Abend Fame,da es ſoll fo lichte feyn, 
und des Geiſtes heller Schein, ung Dir machte recht bequaͤme a, 
was mehr, daß ich im Sinn. hören möcht; Die Macht ift hin!,, (1) 
0 monat April und Maͤy hatteich, auffer meinen gewöhnfi- 
hen Amts· Gefihaften, mit denen in Neuhannover und Provideng zu 
thun, die zu dem heiligen Abendmal zubereitet werden follen, Un- 

(1) Aus dem Liede: Unerſchaffne Lebens-Sonne zc. ter 

V. Penfylv. Sortfi Sf 


218 Sünfte Sortfesung der YYachticht aus Penfploanien. 


ter denſelben waren in beyden Gemeinen vor andern folgende Vale 


nen mercfwirdig. 
r) Eine Frau, deren Bater ein ——— Frantzoſe von 4 


fogenanten Hugonotten geweſen. Es iſt bedencklich, daß folche Leue 


te , Die wegen der rennen —— worden und viel 
Ungemach gelitten, in dieſem Lande ſo leicht kalt werden, und ihre Kin⸗ 
der und Kindes⸗Kinder ungetaufet in der Finfternig aufwachfen laſſen. 





Jetzterwehntes armes Weib war zwar in Der Zugend getauft, aber ohne. 


een und Erfentniß aufgewachfen. Nachdem fiean einen Lutheri⸗ 
ſchen Mann verheyrathet worden, hörete fie fleiffig GOttes Wort, und 
bekam endlich ein fehnliches Verlangen nach n 
heiligen Abendmal. So viel ſie vorihren Kindern und d Ha 

Geſchaͤften mit Bewilligung ihres Mannes abbrechen, und als eine 
ſchwangere Frau fortkommen konte, kam ſie fleiſſig zum Unterricht, 


vem Unterricht zum 
ushaltungs⸗ 


erlangte eine feine Erfenntniß von ihrem verderbfen Zuftande und der 


Gnade GOttes in Chriſto 5 bezeigte Reue und Leid uͤber ihre 
Sünden, und einen Hunger und Durft nach der Gerechtigkeit und 
dem Frieden in Ehrifto JEſu, verfprach auch mit Thränen, daß fie 
den Leitungen des guten Geiſtes nad) dem Worte GOttes folgen,/und 
Durch deffen Beyftand getreu bleiben wolle bis in den Tod. 
2) War unter den Eonfirmandis ein junger Menſch von acht⸗ 
zehen Jahren, der auch in. der Jugend verſaͤumet worden, weil feine 
Eltern arm geweſen, und jenſeit dem Fluß Skulkil gewohnet, wo ſie 
keine Gelegenheit zur Schule gehabt. Der Mangel guter Schulen iſt 
eine von. den betrübteften Sachen und den gröften KHinderniffen bey dem 
Bau des Neiches GOttes. Quacker, Wiedertäufer und dergleichen 
Gefintheiten find meiftentheils reich, und Fönnen auf ihre Koften auch 
Schulmeifter halten; aber fie feiden in ihren Schule nicht, daß. der 
Catechiſmus, oder fonften eine Ordnung des Heils, der Tugend benge- 
bracht werde; fondern ihre Kinder muͤſſen nur zur Noth Leſen, Schrei- 
ben und Nechnen lernen; damit fie bey Zeiten Handel und Wandel 
in der Welt treiben koͤnnen. Was unfere Religions⸗Verwante be 
trift, fo fehlet es ihnen meiftentheils fo mol an guten& 
an den Koſten, felbige zu unterhalten, wie auch- an: eigener Tuͤchtig⸗ 
Feit und Willigkeit, an ihren Kindern felbft zu arbeiten. Kommen folk 
ehe. herein, die in Teutſchland Halbe Schufmeifter geweſen; ſo machen fie 
ſch gern Bo Sand) und wollen Pfarrer Er Andere ra 





chulhaltern,ale 


1 Seren Paft. Mühlenb. Dee. von feiner Umteführ.rr47. 219 


fich für Schufmeifte aus, und mollen mit Schulhalten ihre Fracht 
verdienen, hätten aber mol nöfhig, daß fie ſelbſt erſt in die Schule 
gingen. Was unfere Haupt Orte betrift, Da haben wir bisher noch 
me ıle im Winter gehabt. Aber es ift auch höchft beſchwer⸗ 
/wenn Kinder i in der rauhen Winters=Zeit von ein bis fünf engli⸗ 
Bei Meilen i in die Schule wallen follen, zumal einige Eltern ſo arm 
daß fie ihren Kindern nicht einmal nothdäürftige Kleidung dazu 
aba fönnen, geſchweige denn, daß ſie das Schul-Geld, und 
aͤzu des Predigers Unterhalt aufbringen folten. Der Eigen⸗ 
Ph Herr vom Lande, und andere reiche Einwohner ziehen die Ren⸗ 
ten und den Mugen, aber um den Schaden Joſephs find fie nicht. be= 
kuͤmmert. Wenn uns der liebe GOtt einmal ſo weit hülfe, daß wir 
bey ieder Haupt: «Kirche eine Frey-Schule halten Fünten ; fo folte ung in 
vielen Stücken eine Erleichterung zuwachſen. Im Son mer iſt es 
auch ſchwer Schule zu halten, weil eines ‚heile Die übermäffige Hitze 
und die peinliche Plage von unzehligen Muͤcken die Kinder traͤge und 
verdroſſen machet, anderntheils die Eltern ihre sum arbeiten tuͤchtige 
Kinder nicht miffen , und Die Schulmeifter son wenigen Kindern nicht 
leben koͤnnen. Doch wieder auf vorerwaͤhnten FJuͤngling zu Fommen, 
ſo war derſelbe zwar verſaͤumet, hatte aber ein beugſames und lehrbe⸗ 
gieriges Gemuͤthe. Er hoͤrete jedesmal den Unterricht nit Aufmerck⸗ 
famfeit an, und fog Die, vernünftige fautere Milch des Evangeli in 
fih, wie ein nengebonen Kindlein, erneuerte auch feinen Zaufbund 
vor Gott mit vielen Thraͤnen. 
3) War unter der Zahl derer, die confirmiret wurden, eine Ehe⸗ 
au welche ſich vor zwey Jahren oͤffentlich von mir taufen laſſen. 
weinete bitterlich, daß fie den HErrn JEſum ſeit der Taufe nicht 
lieben koͤnnen, wie er ſie geliebet, und bat ſich mehrere Kraft 
und ‚Treue aus, daß fie ihrem Selen - Bräutigam unverrücht und un⸗ 
befleckt in Liebe und Neid nachtwandeln, und als eine kluge Jungfrau 
"feine Zukunft wachend erwarten möchte. So viel ich fie ** fuͤh⸗ 
& fi — ſtillen und gottſeligen Wandel ‚und ſchicket ſich auf die 
igkeit 
—2 Fand ſich unter denſelben einer Witwen Dochter von ſechze⸗ 
pi Johren welche ein Veriangen hatte, mit uns zum heiligen Abend⸗ 
mal zugehen, der teutfejen Sprache aber nicht mächtig war, und. 
ben; ae Sprache von —— Ich brachte ee — 








30 Känfte Fortſetzung der Nachricht aus Penfploänien. ' 


durch GOttes Gnade fo weit, daß fie ihr Glaubens⸗Bekentniß able 
gen, und mit andern vor der Gemeine ihten Taufbund erneuern Fonfe. 
So viel an ihr merckte faffete fie nicht allein eine theovetifche Erkent⸗ 
niß, fondern ihr Here empfunde auch was von der Kraft des Tebendi- 
gen Glaubens am den’ groffen Buͤrgen und Verſoͤhner JEſum Chri⸗ 
fu , ließ auch den Vbrſatz in fich wircken fich ſelbſt zu verleugnen, 
fein Creutz auf ſich je nehmen , und ihn nachzufolgen. y 
‚Desgleichen Br 5) ein junger Menſch von fünf und zwantzig 
Sahren, der hier FEunde wohnend hat, von Perf) heruber, und ver= 
fangte Unterricht zum heiligen Abendmal. "Er mar aber der 2 
teutfehen und Englifchen Sprache nicht machtig, deswegen muſte ich 
ihn in Hollaͤndiſcher Sprache unterrichten und confirmiren. Er nahm 
in kurtzer Zeit ſehr zu, hatte ein beugfames und hungriges Hertz, und, 
wie ich nase von feinen Nachbarn vernommen; föLL ex ein unſtraͤf⸗ 
fich Leben führen, und feinem Beruf würdig wandeln, E 
Auch meldete fich 5) eine ledige Frauens⸗Perſon von ein und’ 
zwantzig Fahren , und begehrere Unterricht zur Confirmation und 
Genuß des heilige Abendmals. Mit diefer Perfon iſt der gnädige 
GOtt beſondere Wege gegängen. Sie hatte von Jugend auf fich an 
einem Orte aufgehalten, wo faſt dem groͤſſeſten Theil nach lauter 
Spoͤtter wohnen. Der Vater von dieſer Perſon tar ſehr bekuͤmmert, 
daß ſein Kind unter ſolche Leute gerathen, konte ſie aber da nicht weg 
kriegen, weil die Eltern den Toͤchtern, nach den Engliſchen Geſetzen, 
alhie nichts: zu. befehlen haben, wenn fie uber achtzehen Jahr alt find. 
Sie war auch fehön an einen Penſhlvaniſchen ungetauften Menſchen 
yerfprochen , und worte da bleiben. Als fie nun meinete am ficherften 
zu feyn , fo überfiet fie plößlich ein Schrecken, als von einen Gefpen- 
fie, wie fie fagte; worüber fie, und noch eine Frauens⸗ Perfon ‚die bey‘ 
ihr war, beydedie Epifepfie bekamen, und erbaͤrmlich hart angegriffen 
wurden um durfte der Vater zu ihr Fommen. Er bat mich um 
Artzeney für Die ſchwere Kranckheit: weil ich nun noch etwas, aber fehr 
weniges, von einem gewiſſen Gicht = Pulver übrig hatte, melches mir 
son einer vornehmen Gönnerin für arme Leute zugefandf morden; ſo 
gab ſolches mif, und ließ es gebrauchen: Das gefegnete Pulver half 
der, armen Perfon, daß fie auf ein halb: Kahr Friſt bekam. Ob fie‘ 
wol gegen mich und die Kirche fehr eingenommen war, fo trieb ſie doch 
die Yorh, daß fie zu ihren Vater herunter kommen, und mif 8 * | 
— | Kirche 







—*— \ 


I. Se af Map Ber. — — 1747. 2 


hen muſte. Sie hoͤrete GOttes Wort mit Aufmerckſam⸗ 
keit, doch ſtund ih) Gert und Verlangen noch immer wieder zurück 
an ihren vorigen Ort. Nach einem halben Jahr Fam die Epilepfie 
wieder, und waͤhret noch bis auf diefen Tag. Die: Truͤbſal Ichrete 
* —— Wort mercken, und GOttes Wort und fein damit ver⸗ 
| ii Geiſt wirckete auch Die Buſſe und Glauben an den HErrn 
| iftum. Sie hat eine feine Erkentniß erlanget, weiß auch 
| So uote, ‚daß er fie gedemüthiget, und durch Ernft und Truͤb⸗ 
fal zur Buffe geleitet hat. Ihr Here ift gebrochen, der Glaube inter 
terrores confeientie, d.i.unter den Aengſten des Gewiſſens, geboren. 
De Mund ift vol Lobes und Preiſes gegen GOtt und ihren Heiland 
icht weniger meldete 7) eine Engůſche Ehe-Frau, ihr Derlangen 
jur Confirmation und heiligen Abendmal. Beil fie aber bey ſechs 
‚englifche Meilen von der Kirche mohnet, ‚und erliche junge Kinder um 
fich, wie auch fonft ihre Haus⸗ Geſchaͤfte zu verſehen hat; ſo konte ſie 
nicht ſo oft zur Information kommen, wie fie gewuͤnſchet. Sie ſtam⸗ 
‚met. von quaͤckeriſchen Eltern ab, war in ihrer Jugend zum Leſen an⸗ 
gehalten worden, wuſte aber wenig oder nichts von GOtt und dem 
Wege zur Seligkeit. "Als fie nun in ihrem gehörigen Alter am einen teut⸗ 
fehen Mann verheyrathet worden, deffen Elternin Halle und im Voigt: 
fand gelebet, und noch einiges Gefühl von Gottesfurcht behalten; fo 
füchte Derfelbe feine heydnifche Frau mit Liebe zu gewinnen, und kaufte ihr 
glifch neun Teftament., Die Frau lafe es fleiffig und murde im⸗ 
eriger darnach. Sie hat wenige Anweiſung gehabt, und doch 
Ban — Forfehen, gefunden, was der erbarmliche Suͤnden⸗ 
Ya richtet, und wie nothwendig ihr ein Derfö hner, Er- 
elign ae ey; wie GOtt aus unendlicher Siebe feinen 
t Menfchen verordnet, und durch deffen 
— 08 eine ale Erföfung erfunden; und tie und in welcher 
Srdnung der Sohn GHttes die gefallenen Menſchen zum Genufund 
Beſitz der erworbenen Seligfeit uhren tolle. Als fie die Haupt: 
Son von der Schöpfung, Erhaltung, Süunden-Fall, Eriöfung und 
ng in Einfalt begriffen; Vi fie. — durch Glauben und 
eilige Taufe in das Recht und Gen durch Chriſtum erwor⸗ 
Heils⸗Guͤter verſetzet/ und zu —— nenen eben und Wandel 
ehe zu werden. Nachdem fie folches vor etlichen Fahren 
ni eng, fo wolte⸗ fe nun auch das erfahren , was * Heiland, aus 
—F3 — unend⸗ 














292 Fuͤnfte Sortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien· 


unendlich zarter Siebe, ihr und. anderen Mit-Chriften in feinem letzten 
Willen vermacht. Im alten Teſtamenr hat fie fehr wenig gelefen, 
Eonte :aher Doch aus dem neuen Teſtament Grund geben von ihrem 


Glauben und Hoffnung. Bey dem Unterricht betete einigemal mit 


ihr, und fand fie ſehr bewegt, und mit, Thränen vor GOtt ſeufzen. 
Unter andern war mir erwecflich, daß fie fagtes fie wiſſe zwar noch 
nicht, wie empfindlich der HErr JEſus ſich ihr im heiligen Abendmal 
0 baren und mittheilen wurde, weil fie es noch nie empfangen, und 
fe zwar i Ä 
tolle aber nicht viele Speculationes machen, fondern einfältig gehen 
und nehmen, teil es der HErr JEſus befohlen hätte. Wenn ihr 


Meifter befohlen, fie folte ihm zu Fiebe durchs Feuer gehen, fo müfte 
und wolte fie es ja gerne thun auf fein Wort und Kraft. Warum 


fie denn nicht kommen folte, da er fie zu einem fo feligen Mal zu ſei⸗ 
nem Gedaͤchtniß und ihrer Stärkung eingeladen. Sie wurde confite 
miret, und genoß das heilige Abendmal mit unferm Englifchen Haͤuf⸗ 


fein in Neuhannover mit Ehrfurcht und Andach. 
8) War unter den confirmirten Perfonen merckwuͤrdig eines 


Vorſtehers Sohn von fechjeben fahren, ein befonderer Juͤngling, 


‘von welchem man faft vermuthen folte, daß er noch in feiner Tauf⸗ 
Gnade fiehe. So viel waͤhrendem Unterricht von feinen Eltern und 
Nachbarn vernommen, fo hat ex feine Luft an GOttes Wort gehabt, 
und in demfelben nach feiner Fähigkeit fehr fleiffig. meditiret.- r 


einen bequemen Platz im Haufe gefunden, da hat er einen Erafigen 
Spruch aus der Bibel mit leferlichen Buchſtaben, die er felber ohne 





Anmeifung gelernet, abgemahlet. Er ift fehr flille in feinem Betra⸗ 


gen, folget den Leitungen des heiligen Geiftes, haffet Das Boͤſe, fies 


bet das Gute, . Gegen feine Eltern bezeiget er fich ehrerbiethig und 
Gehorfam, gegen feine Geſchwiſter liebreich, und ermahnet fie zum. 
Bsuten. Gegen feinen Weben-Menfehen ift er befcheiden und demüthig. 
In feiner Berufs-Arbeit:ifter treu und fleiffig, und im befondern Ge⸗ 
bet unermüdet, Wenn ander junges Volck ihn will zeigen und in ih⸗ 
re eitele Geſellſchaft ziehen, fo beſtrafet ex. fie aus GOttes Work, 
Denn ihm fein Vater Dann und wann eine Recreations⸗ Stunde ers 
laubet, fo. übet er fich in Mechanics, und machet aus eigener Inven⸗ 
tion afferhand Modelle und Abriffe. - GOtt bemahre Diefe feine Sele 
für des Satans Tiefen, und erhalte ihn in feiner Gnade! 


hre groſſe Unwuͤrdigkeit und Bloͤſſe vor ihrem Heiland; 


9Ein 


* PR EEE TEEN — 


— ZSerrn poſ muhlend Ber. von ſeiner Amtsfuͤhr. *8. 223 


9) Ein Matin aus der Neuhannöverifchen Gemeine ließ drey er⸗ 
he Kinder, nemlich Töchter, mit confirmiren. Sie waren ſehr 
verfätimet in den jüngern Jahren; theils weil der Vater nicht viel auf 
GO Bort gehalten, theils weil er Die Kinder wegen Armuth bey 
andern geuten kat muͤſſen dienen lafſen, welche noch weniger auf der 
Kinder Selen-Heil bedacht geweſen. Der Mann mwareines vornehmen 
Gaſtwirths Sohn in Teutfchland geweſen, und hatte hier im Lande eines 
alten Predigers Tochter geheyratet: Sie ſind beyde in Armuth und 
Schulden gerathen, weil fie nicht „febr witzig waren auf die hiefige 
ſchwere Arbeit und Haushaltung. In ſolchen Umftänden, da fie GOtt 
nicht lebendig erFanten ‚und im geiblichen nicht vecht fortkommen kon⸗ 
ten, haben fie fehr uneinig und fündlich im Eheftande gelebet, auch da⸗ 
mit ihren Kindern boͤſe Erempel gegeben. Sie find aber Zeit meines 
Hierſeyns fleiſſig zum Gehoͤr des Wortes GOttes gekommen, haben 
auch eine Bibel ins Haus gekauft. Der Mann ift durch fleiſſige Le— 
fung in derfelben zu einer heilfamen Erkentniß und auf beffere Wege ge- 
bracht, und fänget nun an ein Haus-Prediger zu werden. Sie haben 
mir beyde vor GOtt verfichert, Daß fie Neue und Leid über ihre vor⸗ 
herbegangene Sünden und Unwiſſenheit trügen, und GOtt den Va⸗ 
ter baten, er tolle ihnen um JEſu Chriſti willen alle ihre Sünden 
vergeben, und feinen heiligen Geift zu einem beffern Leben verleihent 
. Die Frau fagte mir insbefondere, fie danckete ihrem lieben himmliſchen 
Vater viel taufendmal, daß er unfere Hochwuͤrdige Väter und Goͤn⸗ 
ner in Europa erweckt, für der armen Selen Heil zu ſorgen, und daß 
er ihnen auch eine Bibel ins Haus befcheret. Denn feir dem fie das 
Wort GHOttes fleiffig gehöret und geleſen, und dabey gebetet; wären 
ſie wie aus der Finfternig zum Licht, aus dem Tode zum Leben gekom⸗ 
men. Der Mann fagte auch, er Föntedie Barmbergigfeit und Geduld: 
GHttes nicht genug bemundern, die ihm ſo fange mit groffer Lang⸗ 
muth in der Blindheit und Sclaverey des Satans nachgefehen, und 
ihn mit Derfchonen getragen. Er vergaffe nun aller feiner Armuth 
and Trübfal, meil er alle Tage in JEſu Chriſto seicher würde. Ei- 
nige Spötter hatten ihm zwar ſchon verfchiedenemaf Hohn gefprochen, 
und geſogt; er würde nun auf einmal alle Schulden’ bezahlen und reich 
werden weil er fich an Die — Kirchen und Pfaffen hinge: wel⸗ 
chen heantwortei, daß er ſeine Prediger darum liebte, weil ſie ihn 
Lu Chriſtus ſtatt baͤten, er 9 ſich mit So verſoͤhnen laſſen. —9* 











224 Fuͤnfte Fortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien. | 
feine feibfiche Armuth beträfe; fo.hätte er „feit dem er ſich mit den Sei- 


nigen zu GOtt gewendet, in feinem leiblichen Beruf ſchon viele Et⸗ 


leichterung, auch mehr Segen verſpuͤret, und ſchon manche alte Schul⸗ 


den abgetragen. GOtt, der ihm ſeinen Sohn geſchencket, windeihn 


auch im leiblichen nicht verlaſſen noch. verfäumen. ; Je mehr er nach 
dem Reiche GOttes und nach feiner Gerechtigkeit bisher; getrachtet, 
defto geſegneter waͤre ihm das andere nach Nothdurft zugefallen. Er 
arbeitet fleiſſig an feinen verfäumten Kindern, welche durch GOttes 
Gnade anfangen, wie verwelckte Pflantzen nad) einem ſanften Regen 
fich wieder aufzurichten. Ach HErr, gib dein Gedeye mh 
Im Monat Junius ward ich genoͤthiget, eine Reiſe durch Pen⸗ 
foloanien nach Mary⸗ Land vorzunehmen, nachdem ich zuvor das 
heilige Pfingſtfeſt in guter Geſundheit und haͤufigen Amts⸗Geſchaͤften 
in beyden Gemeinen unter zahlreichen Verſamlungen, durch GOttes 
Beyſiand zurück geleget. — — 

Am soten Sum, reiſete mit dem Schulmeiſter J. L von Neuhan⸗ 
nover ab, und kehrete, acht Meilen von dem Ort, bey einem alten ſo⸗ 
genanten Neugebornen ein, welcher vor zwantzig und etlichen Jahren 
eine Witwe geheyrathet, und mit derſelben fuͤnf Kinder gezeuget, wel⸗ 


che mir die Mutter in den erſten Jahren, erwachſen, zum Unterricht 


und heiligen Taufe, wider des Vaters Willen, uͤbergab, und deswe⸗ 

gen von ihrem Manne vieles leiden muſte. Der alte Mann gibt vor, 

daß er in der Pfaltz neu geboren ſey. Die Kennzeichen ſolcher Geburt 

erftrecken ſich aber. nicht weiter, nach ſeiner oft wiederholten: Auſſage, 

als Daß er ſich von der Reformirten Kirche und den, Sacramenten ſe⸗ 

pariret, und dem damals zur Regierung gekommenen Churfuͤrſten nicht 

‚den Eid der Treue ablegen wollen, woruͤber er nebſt andern vor das 
Eonfiftorium gefordert, auch mit Sefängniß beleget „und, feiner Mey- 

“nung nad), um. Chriſti und Der Wahrheit willen verfolget worden. 
Er nimt weder vernünftigen Beweiß, noch die höhere Offenbarung nach 

‚allen Theilen und ihrem gantzen inhalt an z laffet ſich auch nicht be⸗ 
„Ichren, weil er von ſchwachem Verſtand, halsitavrigem Eigenwillen, 
und ſſuͤrmenden Affecten if , „und die Penſylvaniſche Freyheit zum 

‚Schaden mißbrauchet. Nachdem er hier ins Land gekommen, hat 
er fich mit einigen vereiniget , welche Secte den Iramen der Neuge⸗ 
‚bornen getragen. Dieſelbe giebt eine neue Geburt vor, welche fie 
‚durch unmittelbare Einfprache,, Erfcheinungen vom Himmel, Traͤume 
und 


\ 


T. Zeren-Pafl, lüblenb. Ber. von feiner Amtsfähr. 1747. 225 


eo erlangen. Wenn ſie die neue Geburt auffolche 

Weifebefommen ; fo find fie, ihrer Einbildung nach, GOtt und Ehriftus 

ſelber, koͤnnen auch nicht mehr fündigen noch irren. Daher gebrauchen 

ſie von dem heiligen Worte GOttes nichts mehr, als eben dasjenige, mas 

ihren falfi Sagen zu favoriſiren ſcheinet. Die heiligen Sacramente 
De ir rlich, und ihre Ausdruͤcke von denfelben höchft aͤrgerlich 
Die Frau hat 





| diefen vorerwaͤhnten Mann, tie fie fagt, unvorfichtig 
Ehe genommen, und fi) damit felbft eine Ruthe gebunden. Als die 
unf Kinder meiftens erwachfen, und die Mutter durch fleiffige Anhö- 
rung des Wortes GOttes zur Buſſe und Glauben wieder erwecket wor⸗ 
den; hatfie ihre Kinder insgeheim fleiffig unterrichtet, undeinsnach dem 
andern zu unferer Schule gehalten, bis fie endlich vor der Gemeine in 
Neuhannover getauft worden. Was ſie dariiber ausfichen müffen, 
iſſt alles zu ihrem Beſten ausgefehlagen. Vie ältefle Tochter davon 
war erwachſen, hielte fich ſtille und eingezogen. Solches vernam ein 
Junger Witwer, A. E melcher etliche Jahre her ein Lehrer unter den 
Herrnhutern geweſen, wie denn auch feiner mit in den fieben gedruck⸗ 
ten Conferentzien des Herrn Grafen von Zingendorfs gedacht iff. Der 
Herr, Graf von Zinzendorf hatte eines alten feparivten Freundes eingige 
Tochter, ihm zugeheyrathet, und zwar mit folgenden Furgen Tractaten, 
wie mir. der. Vater erzehlet, nemlich; Benedict! deine Tochter ge⸗ 
be ich dem E. dich und deine Frau nehme ich mit nach Teutfh= 
and, „und-dein Land⸗ Gut gehöret dem’eilande! Die Tod 
ter Eonte er nicht zurück halten, weil er fich aus guter Meinung ſchon 
zu weit eingelaflen. Daß aber der Herr Graf fo gar das Landoůtgen 
daqu haben molte , welches dem Manne feinen Schweiß und Blut ge: 
koſtet, war eine harte Forderung und machte bey dem Manne einen ſo 
tiefen Eindruck, daß er mit feiner Frau nach und nach wieder zurück 
ging, und Dachte, es wäre genug, feine Tochter zu hinterlaffen. Nun— 
miehro muſte der richtige Bruder E. bald Prediger im Lande, bald in 
Philedelphia und feine junge Fraueine Aelteftinfeyn. Ihre Umftände 
erforderten groffe Koften, und die Einnahme war fehlecht ; Deswegen Fam | 
die Tochter ein und.andermal zu ihren Eltern, und lief ihre Säcke wie- 
der füllen. Die Eltern wurden des endlich müde, und fagten zu ihrem Toch⸗ 
termann, er ſolte das Predigen und Aelteften= Amt einftellen und fein 
Schumacher-Handwerck treiben, damit er fein Weib und Kinder ge- 
‚ bührend ernähren Fönte. Die Noth trieb ihn auch dazu, und die Ef- 
V. Penfylv, Sortfi Gg tern 


— 













236° onfte genfung der Pt Bene ! 


tern waren abermals behilflich, daß die jungen Leute ein Stück Land | 
in den Gebürgen, ſechs Meifen von Neuhannoser, kauften Di CR I 
ten freueten fich, daß ihr Schw eger⸗ Sohn aus: Noth gezwungen a 
fi) auf. eine Zeitlang von en Bruͤdern zu trennen. Sie ve 
kauften ihr Land in Neuhannover und baueten ach ein Haus auf de 
Kinder Platz ‚in Hoffnung, daſelbſt ein eigenes Gemeinlein unter f 
ſelbſt aufzurichten. Kaum hatten ſie angefangen zu bauen ſo farb 
‚Die eingige Tochter, und Furg darauf auch die Mutter. Nun war ſo 
wol der alte, als junge Witwer genoͤthiget an 
* en —* —— je wie on — tet 










tiren —— Weil ‚abe —— —5* | 
ichs thun fotte, in in der. Abficht, daß er Basen 
Herrnhutiſchen Parthey abgesogen werden ſolte: ne ; 
ic) dahin, daß die jungen Leute ‚ordentlich in unferer Kirche prochamis _ 
vet, und heute; als den — ig 
So viel nachbero bemereket/ lebet er noch in ſeiner Einſamkeit, * 
aber ſeine —— —— die Kirche kommen Der dr 
Schiieger- Vater wohnete noch eine kurtze Zeit-be ihm auf dem 9* 
de, doch in feinem eigenen Haufe" Endlich nahm er auch eine betagte 
Witwe zur andern Ehe, und ließ zuletzt fein Haus im Stiche, kaufte 
fich nieder einen Platz in Neuhannover und kommet nunmehro dann 
und wann in unſere Kirche weil‘ er mol merdfet daß das ſepari⸗ 
ren von GOttes Wort und dem heiligen Saeramenten Feinen do 
ſchaffet. Er war fonft von den Abgeſonderten, welche fich die Si 
im Lande nennen, Aber — Aline — ſie gar dar⸗ 
* — Ah RT u 









ı ıU, 





Am vorbeſagten * Fr, Nadhenittage w 
the Meilen weiter zu einer alten Gottesfuͤre 


wit den Ihrigen und — Nachbarn auf uns An ma, * 
le 










fich geprüft und verlangte 


‚ Tebten wieder auf, durch” 
8 auslo⸗ 
u gebrau⸗ 





| durch Gebet und geiftliche Gefprache. GOtt hat 
Diefen Mann noch in feinen alter Tagen erwecket, daß er das Eine 
Nothwendige füchet , und fich ſehr erfreuet, wenn er Gelegenheit finder, 
fi mit uns von dem Fortgang in dem Chriſtenthum zu befprechen. 
Wenn es feine Krafte leiden wollen, ſo iſt ihm der Weg zur Berfam:' 
kıng, funſgehn bis vier und zwantzig englifche Meilen, nach Menhanno- 
ver oder Providentz, nicht zu beſchwerlich, weil’ das Vergnuͤgen am Got⸗ 
tesdienſt bey ihm alle Schwierigkeiten uͤberwieget. Er dancket GStt 
demuͤthig, der ſo viele werthe Kinder. GOttes und Gönner in Europa. 
erwecket, die Veranſtaltung zu machen und zu befördern, daß den ar⸗ 
mien gerſtreueten Süindern im Diefem Lande Das Heil angetragen wer⸗ 
BAR TR ae — 
Den nten Jun reiſeten wir acht Meilen weiter zu einem Orte, 
wo die Lutheraner und Reformirte eine Kirche miteinader gemeinfchaft: 
ich) gebauet, und ſchon fehr mit einander ſich gezancket Hatten. Beyde 
NVNeligions· Verwandte find in dieſem Lande durch einander verheprathet 
Run haben beyde Partheyen ſchon bie und da einen Verſuch gemacht, 
und eine gemeinfchaftliche Kirche gebauet. Weil nun diefer Ort weit 
. abgelegen, daß unfere Slaubensgenoffen an demfelben von ung nicht 
wohl koͤnnen beforget werden, fie auch nicht das Vermögen haben, or⸗ 
dentliche Prediger zu unterhalten; fo haben fie, wie an andern Orten, 
fo wol, als die Neformirten, von denen felbft aelaufen Eommenden 
Schulmeiftern zu Predigern erwaͤhlet; und fügen, fie wolten lieber et⸗ 
sag nichts, haben, ‚weil fich die Lentesfonft: unter Fremde. 
— Eu: ER R. - ESecten 






Von, B Je 
un { 


228 Faoͤnfte Sortfegung dee Nachricht aus Penſylvanien 
Secten zerſtreueten. Solche Prediger ſind denn insgemein unbekehrt 





und ungelehtt. Die Grund- Wahrheiten der Religion wiſſen ſie nicht⸗/ 
fondern zancken nur über aͤuſſerliche Dinge und Ceremonien mit Unvere ⸗ 
fand. Dadurch entſtehen unter Ehe⸗ Leuten, Nachbaren, Freunden 


und Verwanten Zanck und Feindſeligkeiten. Die andere Secten ma⸗ 
chen ſich ſolches zu Nutz, und ſchlieſſen von ſolchen eintzeln Faͤllen auf 
das Gantze. Diefes Kirchlein war mit Streit angefangen und geen= 
det, und noch Feine Verſchreibung weder vom Kirchen-Grunde, noch 
vom Gebäude felbft, gemacht. Weil nun beyde Partheyen mich ba= 
ten eine Berfchreibung Des Kirchen-Grundes und Gebaudes zu Stans 


de zu bringen, ‚ich aud) auf dag Zukünftige Dachte, wenn etwa mit der 
Zeit — Lehrer koͤnten dahin gebracht werden; ſo richtete die 


Sachen na 


dern, und den Lutheranern die Kirche allein zu laſſen, welche hernach 


einen gewiſſen Prediger angenommen, der nahe dabey wohnete. 


Nachmittags titten wir noch ſechſehen Meilen weiter hinauf, / und kae 
men Abends bey meinem Schrwieger- Vater, Herin Conrad Weifer, 


zu Tulpehofem an. SAND ; 
Den taten Sun. erbauete mich mit meiner zahlreichen Freund⸗ 
+ 2 — — rt} Rh \ ER 


den hiefigen Larıdes-Gefegen ein, und ermahnete fie bey- 
derfeits zur wahren Buffe, Glauben und Goftfeligfeit. Ihre Predi- . 
ger haben aber den Zanck fortgefeger, und. find befonders die Reſor⸗ 
mieten angefliftet worden, ihre ausgelegte Bau⸗ Koften wieder zu for⸗ 


Den 1zten Jun veifete ſechs Meilen weiter hinauf zur Kirche, 


hielte eine Buß- Predigt und Beicht- Eramen mit den Gemeing - Glie⸗ 


dern , welche den nachften Tag das heilige Abendmal empfangen 


wolten. 


Den 1aten Zum. Am Sonntage Trinitatis predigte vor einen 


aroffen Berfamfuny über das ordentliche Evangelium, taufte etliche: 


Kinder, und reichte über zwey hundert Perfonen das heilige Abend; 
mal. Was überhaupt Diefe Gemeine betrift : fo finde in derſel⸗ 


N 


ben viele erweckte Selen, melche folten weiter geführet, und in beſſere 


Ordnung gebracht werden. Einige feheinen recht begierig zu ſeyn nach 
der lautern Milch des Evangelii. Es fehlet auch zwar nicht an ſol⸗ 
chen , die ſich auf das bloffe opus; operatum, oder die Verrichtung des: 
Aufferlichen Wercks, verlaſſen und fich darinnen gegen die nähere Ueber⸗ 


zugung des heiligen Geiſtes verfehangen. Doch Fünnen fie überhaupt‘ 


' 


' 


4 


1 Zeren Paft: Möblenb. Ber von feiner Amtefdhei 1749. 29 


won dem Vortrage des Wortes GOttes urtheilen, weil fie in einer 


Reihe von mehrern fahren viele Prediger. von allerley Art gehöret und 


an denfelben tot viele Zuchtmeifter aber wenig Vaͤter gehabt. „Hilf 
deinem Volck Herr JEſu Chrift, und fegne was dein Erbtheil ift!;s 
Nachmittags ritte ich acht oder neun Meilen aufdie Seite zu einerrandern 
Gemeine), welche fehr aufmerckſam war, als ich ihr. das Wort GOttes 
predigtes alda mufte verfündigen , das über drey Wochen das Abend» 
mal folte gehalten, und einige junge Leute confirmiret werden.. Sie 
wurden zu dem Ende herglich zur ‘Buffe und Berföhnung mit. GOtt 
ermahnef. Nach der, Predigt fagten mir ein und andere Selen, daß 
fie Durch Heren Kurtzens Vortrag von ihrem —— zur Reue 
und Leid über die Sünde, und zu einem Hunger und Durſt nach der 


Fr 


Gerechtigkeit erwecket worden, auch gervillet waren, nicht. ftille zu fies 
hen, bis fie den freyen offenen Born für die Sünden und Unreinigkeit. 
gefunden hätten, , Die fernere äufferliche Umftände betreffend; fo war 
die Haupt-Gemeine Dafelbft eben im Bau begriffen. Zuerſt hatten fie 
or wenig Jahren aus ihren Mitteln eine feine fteinerng Kirche meift 
aha, we noch etwas darauf ſchuldig, haften auch nad) Feine 
Stühle Darinne, morzu.aber Herr Weiſer das Geld vorihoß. Her⸗ 
nach haben fie-auch bey nahe zwantzig Acker Land bey die Kirche ge— 
Fauft, Daß ein Prediger mit.der Zeit ein Pferd und eine Kuh erhalten. 
möchte. Als ſie nun Hoffnung: befommen haben , den‘ Herrn Kur, 
der einen andern Prediger aus unferm Collegio zu befommen, und: 

ge behalten ; ſo reſolvirten fie, cin Pfarr - Haus von. Steinen 


008 
; — wircklich ſchon angefangen iſt, und den guthertzigen 


Leuten viele Arbeit und Schaͤrfleins aus der Wahrung koſtet. Zudem. 


fen Namens toillen ! 


* G 
NS 83 
SE 


ſorgen ſie auch ſo gut fuͤr des Predigers Unterhalt, wie eine Gemeine 
im Lande, und thun alles mit Freuden, wie ſie ſagen, wenn ſie nur 
einen rechtſchaffenen Selſorger unter ſich wohnend haben koͤnten. Der 
Ertz⸗Hirte JEſus Chriſtus, wolle ſich ihrer vaͤterlich annehmen, und 
einen Mann nach ſeinem Hertzen dahin verordnen, (m) um ſeines grof: 


Den ısten bis ı8fen. Fun. unterrichtete ich etliche junge Leute, 

Iche fich wolten confirmiren laffen x. weil Herr Helfer Kurs in mei⸗ 

— = RR x ar ner. 

(m) Ans der dritten Fortfeßung pag. 77. iftzu erfehen, daß nachher im Jahrızag, 

> der Biöherige Helfer, Herr Kurtz, bey diefer Gemeine zum ordentlichen ech: 
BER angenommen worden. | FR EIER EN # 









230. Sönft Sonfesung ben Pfabriät aus Penfploanien: ı 


—— meine Gemeinen in Neuhannover und Providentz 
ver ade. J MOSEL . RUE HE — — 3, 
3. Am ıgten Jun reiſeten wir von Tulpehockem nach der Stadt: 
Zancafter und Famen Abends alda an." Unterweges erzehlte ung ein 
Gaſtwirth, daß etliche Tage zuvor, diejenige Leute welche der Herr 
Neyberg in der Stadt und deren Nachbarſchaft fuͤr die Herrnhuter ge⸗ 
worben/ nach Bethlehem gereiſet waͤren, um einer Solennitaͤt mit 
beyzuwohnen. SE) 
Am eoſten Sun. beſuchte ich einige Vorſteher und Aelteſte von 
der Gemeine, und erkundigte tmich nach ihren Selen und Der Gemei⸗ 
ne Umſtaͤnden Es ſahe leider ſehr betrubt und verderbt Aus, im Ganz‘ 
tzen und feinen. Theilen. Dieifonft zahlreiche Evangeliſch Lutheri⸗ 
ſche Gemeine war nun voͤllig geſpaltet Der groͤſſeſte Haufe hat die 
Kirche und Rechte behauptet, und iſt aus Moth mit unſerer Bewilli⸗ 
gung durch Herrn Helfer Kurtz, von Tulpehokem aus, beſorget wor⸗ 
Den ‚Heil der Schwediſche Prediger aus Philedelphia fie nicht Er 
Bedienen malte und nit, ohne Schaden und: Verſaͤumung unſerer i⸗ 
genen Geineinen, auch nicht oft Hinauf kommen können, "Ben acht oder 
schen Familien/ worunter die Reicheſten mit begriffen, waren von Herr 
Neyberg zu der Herrnhutiſchen Secte gebracht, welche ſich von der 
Kirche abgeſondert; weil ſie derſelben mit Gewalt und Liſt ſich nicht 
bemeiſtern koͤnnen Dieſe hatten, in kurtzer Zeit und groſſer Hitze eine 
neue Maͤhriſche Kirche von Steinen aufgebauef, worin nad) ihren Ge⸗ 
ſetzen Herr Neyberg und andere unpartheyiſche d. 1. Herrnhutiſche/ Leh⸗ 
er, aber feine von ung, zu lehren Freyheit haben ſollen. In derſel⸗ 
bigen Kirche predigte denn Herr Neyberg die Herrnhutiſchen Saͤtze be⸗ 
hertzter wie zuvor, und praͤtentirte doch dabey ein reiner Lutheriſcher 
Prediger zu heiſſen Mit demſelben predigte Damals ein Reformirter 
Arediger / Jacob Liſchy/ md wechſelsweiſe eben Diefelbe Lehren. " End⸗ 
uͤch iſt auch der Biſchof Kammerhof, und. andere feines gleichen Da ge⸗ 
weſen ; die neuen Bruͤder mehr einzurichten Der Lutherifchen Gemei⸗ 
ne wird von Herrn Kurs zween Sonntage geprediget, und zween 
Sonntage muß derſelbe widerum in Tulpehokem ſeyn, da denn Die Ge⸗ 
meine zu Lancaſter keine Predigt haben Fan. Wenn nun in den zween 
st ——— | Sonnta- 
Cu), Derfelbe ift nachher vonder Herrhutiſchen Seete abgegangen: hat auch ge⸗ 
4 ne es hit nd manblich A ee“ ! : * ei. ” 


win 


1 gerät mahlenb. Ber von feiner Amtefähr As 


5 Ki da if, fo alhen Änige do unferen Haufen; An der 
Maͤhriſchen K teil fie alle Sonntage was hören. ‚nollen ,. und 
1 auf, alle e efinnliche Weiſe gereiget werden. Die Lutheriſche Ge⸗ 
‚meine hält in Schulmeiſter welcher Aber untuͤchtig HE; An ng 
En er hat. Die Herrnhuter halten DAfIpit-ein atıch wol zioeen on 
\ after v — und Ey viele Kinder, an. fich. Ach GH IB 
bie viel Steeit, Sand, ‚heblofes Richten NR, si er unfer 
Heyden Barthepen int Skhrrange eipefen, daj vw ct Buße, Slons 
be und Gottſeligkeit gang ren N wird, | Reder von ſolchen 
wichtigen höcft nothtvendigen Articufn fo fpotten, Die Hetsnhuter und 
faaen, ‚vs iſt Hallenfifeh; z und ben’ verwilderten uhd ungebfo: 
Lutheränietn wird gleich‘ Bange', daß. Hu Hetenhutißh-hierden, Ara 
wenn man Pr Bekehtung zu GOtt fücher und for etz -fie mů 
werden nach langem er und Streite. ng A Jolck 
wird gantz verwildert und halsſtarrig; weil kein ordentlicher und beftänz 
diger Lehrer bey ihnen ftehet, und. keine Zucht und Srbrnung, Fan ‚ger 
' Halten werden. Kutk es iſt, als ob alles zu Truͤt mern gehen falle, 
u je diefen 5 bee in und S Rn BE I, wir an er⸗ 


den 





ten’,.b 45 ere a bel pa hit Dip: he 6 

FE, Hu RER 2, Bekomme Nachmittags mufte 

noch zwey und zwantzig engliſche Ne, dan, Be Ba 

hen, den Sale Fr ai I — 

son Sancäifter Fapren wir zu de en 
auf) dein — welcher — an ein 





den 





I ha vu — — — en ‚m (baffen Mu 
FSK wie er. Mitlerweil le hat er die emeinen 4— 
chf, und auch ein und. andere Selen durch Kari E: 
ie, Hate — 





ie erwecket. Als er. nun gemeinet,. daß feine 
enug fen, hat er zween Brüder von. Bethlehem nich me uch in 
dary⸗Land zu htem ein fůhren wollen. Die Gegen⸗ Parthey wa Een 
er ee widerſetzten fich und fagten, fiehätten Futheri 
chweden, und nicht Herrnhutifche aus Bethlel em. * 
Fa —— iſt eine groffe Spaltung gefehehen. Die na feiner Mi 
£hode ermeckten Leute hingen fehr frarck an ihm, wolten mit ihme 
ben und ſterben, und ſagten, nach ‚feiner Beredung, wir waͤren fal⸗ 
ſche Lehrer. Die ftärckfte Parthey hatte Iyr aber nichts Belangen | 
ihre Kirchen Serfehloffen und gefagt; fie wolten fich zu Colle⸗ 
gio halten. Die Neybergiſche Parthey wurde mitlerweile von obge⸗ 
dachtem reformirten Prediger, Jacob $ Liſchy, und andern von Bethie⸗ 
hem aus unterhalten und geſtaͤrcket. Jener hatte ſchon eine Zeitlang 
“ Die ha ji 8 Sc m Ar ben Kine | 
ber befant worden, Daß er Herrnhuti nnet fey, ne 
| Semenen —* Abſt auch Y geſpaltet. Bey Fe Hr Ss der. üm⸗ 
ftände Fam ich vor die —5* in groſſes G - Die beyderſeits er⸗ 
weckte Selen ſchienen hungrig zu Ping, febfen RI, meinen Vortrag, 
ausgenommen die Worte: Gefeb ,. Buſſe, Gebet, —— 
gleichen konten die Herenhutifch. gefinnete nicht leiden, ob ich eg ihı 
gleich aus der heiligen ‚Sorit und. unfern Glaubens-Büchern Deut 
das —— und wenn ich aus * Ney⸗ 
erg und andere Herrnhuter jeugetes fo hielten es faft für 
Suͤnde in den heiligen Geiſt. An der gr Ste Marche and mi 
un, daß fie Durch die nee wacker in * 
den Catechiſmum waren getrieben worden, denn die Anfechtung lehret 
auf das Wort mercken. Ihr Eifer für Die Orthodoxie war auch zu 
foben, wenn es nur allemal in den. gehörigen Schranken der Mode- 
ration ——— und Pie seine Lehre mit einem, heiligen Leben — | 
wor 










1.3exen Paft. Mlühlenb. Ber. vonfeiner-Amteführ. 1747. 233 
worden wäre: ¶ Inzwiſchen Fan ich doch verfichern, daß einige von unfern 
Leuten in den gefahrlichiten Streitigkeiten mit den verfapten Herrnhu⸗ 


Fr 
* 

tareıy) 
L 









‚tern ſich fo ffandhaft, chriftlich, moderat und weislich verhalten ha- 
ben, daß man es der befondern Gnade GOttes, die Die einfältigen 
ee, DEM 





2, Am a2ften Sun. reiſeten wir ein und zwantzig Meilen weiter zu 
dem aͤuſſerſten Orte von Penfploanien, mo auch eine Gemeine in glei⸗ 
— ae hg antraf.: Einige Borfteher und Acltefte 
ingen an Heren Neyberg, und andere waren mider ihn. Ich ſuchte 
‚fie in Liebe zu vereinigen und verſpach, daß fie dann und wann folten 
befucht werden, wenn einer von ung nad) Yorck Fame, und wo es mir 
‚möglich, fo wolte ich ihnen, nach ihrem Verlangen, einenSchufmeifter u: 
weiſen / der fich ihrer armen Jugend annehmen,und den Alten eine Predigt 
vorleſen Fonte. Einige von Neybergs Anhangern Elagten, daß Die an- 
dern fich eine Zeitlang mit einem gewiffen Betrieger, Carl Nudolph , 
eingelaſſen, und zu ihren Prediger gehabt hatten. _ Die andern fagten, 
daß er ſich anfangs fromm geſtellet und ihnen groſſe Siegel und Brie⸗ 
fe, als Ordinations-Zeugniffe, vorgezeiget · Da fie aber fein gottloſes Le⸗ 
en.in Erfahrung gebracht, hätten fie ihn gleich wieder meggejagef. - 
„Am asften Fun, predigte ich Dafelbft in einer groffen Scheune, 
weil viele Leute von weit und breit verſamlet waren. Etliche hieltenum - 
Das heilige Abendmal an; ich fagte ihnen aber, daß fie zuvor noch beſſer 
müften zur Buſſe geleitet, und zu. dem Ende durch GOttes Wort bear- 
beitet werden. Die Kindlein, melche jie herzu gebracht, wurden ger 
tauft, und die Eltern und Gevattern herglichzu ihren. Pflichten ermah⸗ 
“net. Ich fand da verfehiedene Bekante, welche in den erften Jahren 
drunten meine Gemeing= Glieder geweſen. Sie weineten mit lauter 
Stimme, daß ſie GOttes Wort wieder gehöret, und Elagten, daß fie 
. son. den Bnaden- Mitteln gan verlaffen wären. Alhier funden fich 
auch zween Männer ein, welche aus Mary⸗Land gekommen waren, 
‚am mich abzuholen, mir den Weg zu zeigen, und zur Geſellſchaft zu 
ſeyn. Nachmittags um zwey Uhr ritte ich mit denfelben von hier ab, 
und wir folten ſechs und dreiſſig Meilen zurücklegen. Es fing gleich 
mwaltig 
(0) Diefe Gemeine zu Yorck ift nun bes Herrn Schaums Gemeine, nachdem 
— ee Jahr 1749. ordiniret und bey derfelbigen als ihr: ordentlicher 
Weediger eingeführet worden. Siehe die ir ya pag. 78. 


x 


S- 


234 Sänfte Sortfegung der Nachricht aus Penfploanien. 


gewaltig an zu regnen. Wir Famen bey Tage tvegen Des gewaltigen 
Regens und der tiefen Wege nicht weiter , denn achtzehn. Meilen, fun- 
den auch Fein Haug, mo man hätte einkehren Tonnen. Die Macht 
überfiel uns in der Wildniß, der Regen wurde immer flärcfer, die 
Wege tiefer, daß unfere arme Pferde bis über die Knie im Waſſer 

und Moraft waten muften. Die Yacht um zwey Uhr Famen wir end: 
lich halb erftorben und gantz ermuͤdet in unſerm Quartier an, und hat⸗ 
ten unter befiändigen Regen⸗Guͤſſen ohne Aufhoren die fechs und dreif 
fig Meilen durch Suͤmpfe und Flüffe, unter der Erbarmung GOttes, 
unbefchädigt zurückgelegt. Nun warich in der Gegend Manaqueſy, 
wovon die Herrnhuter in ihren Relationen fo viel ruͤhmens gemacht. 
Alhier fand. ich eine höfgerne Kirche und zwo Partheyen in der Ge- 
meine. Einige hatten fich zu den Herenhutern gefellet, und fich bis⸗ 
her von einem ihrer Lehrer, Herrn Nicky, bedienen laſſen, welcher, als 
ich Fam, eben nach Bethlehem zurück gereifet war. Die andere Par- 
they hatte den vorgedachten Betrieger, Carl Nudolph, zum Prediger 
gehabt, aber fehon eine Zeitlang vorher wieder abgedandket, Letztere 
Parthey hatte eben die Begebenheiten mit dem. Herin Neyberg er- 


febt , wie Die in Yorck und Canamaque, und ihm endlich auch Die Kir⸗ 


che verſchloſſen, da er bey ihnen einen Herenhutifchen Bruder, als Lu⸗ 
therifchen Prediger einführen wollen. Sie hatten nun fchon bey nahe 


ein Jahr lang angftlich bey ung angehalten , daß einer aus unferm Mi⸗ 
nifterio hintommen, und ihnen das heilige Abendmal mittheilen moͤchte. 


Wir Eonten ihnen den Zufpruch nicht abfehlagen, weil fie fich bisher, 
nachdem fievon Herrn Meyberg und Earl Rudolph abgegangen, zu 
ung gehalten, auch aus Liebe ein Scherflein zu dem Kirchen = Bau in 
Germantown mit bengelegt hatten. Meine Ankunft war ihnen wol 
fehr fieb und erfreulich, mir aber war von Hertzen betrübt zu Muthe, 
weil ich die fehädliche Spaltung'fahe, und fand, daß fie von beyden 
Seiten hart und lieblos gegen einander gehandelt. IS 


€ 


Den ꝛaſten Sun, waͤhrete der gewaltige Megen noch. ir 


gingen zur Kirche, woſelbſt fich die meiſten von unfern Lutheranern ein⸗ 
fanden, Drey oder vier Perfonen von den Herrnhutiſch⸗ Geſinten 


waren mit zugegen. Ehe wir den Gottesdienſt anfingen, ließ ich mir 
das Kirchen⸗ Buch geben, und ſchrieb in Engliſcher Sprache einige 
Säge und Articul in daſſelbe, unter andern folgenden Inhalts: daß 
unſere teutſche Lutheraner ſich zu dem heiligen Worte Fern as 

TELTT gpegphe 


ee 


L Seren Paſt. NTählenb. Ber. von feiner Amtefähr, 1747. 235 


Prophetiſch und Apoftolifchen Schriften, ferner zu Der ungeaͤnderten 
Augspurgiſchen Eonfeffion und den übrigen ſymboliſchen Büchern be 
Fenneten, auch too fie es haben koͤnten, ſich nad) denfelben von ordent⸗ 
lich berufenen und ordinirten Predigern die Sacramenta adminiſtri⸗ 
ren lieſſen, und nach ihren Megeln nicht Duldeten, daß offenbare, gro= 
be und muthwillige Suͤnder wider Die heiligen Zchn Gebot GHOttesund 
die Ehrift- Obrigfeitlichen Geſetze unter ihnen als Glieder geachtet wůr⸗ 
en, und dergleichen. mehr. Solches lafe ich der Gemeine öffentlich 
vor, und erflärefe es ihnen in teutfcher Sprache, mit dem Beyfügen ; 
wer ein ſolcher Lutheraner ſeyn und-bleiben wolte, der folte feinen Pa: 
men unterfchreiben. Die von Den £utheranern gugegen waren, unter: 
fehrieben fich gerne: als es aber an die Herrnhutiſch⸗Geſinte Fam, fo 
wolten diefelbe nicht unterfchreiben, fondern brachten folgende Klagen 
vor. Ueberhaupt hätten fie alles Das zuvor beobachtet, was ich in De 
nen ins Kirchen Buch gefchriebenen Articum-erforderk. Denn 1) waͤren 
fie von ordentlichen Lehrern etliche Fahre her entblöffet gemwefen : und 
wenn ja dann und wann ein Schmedifch oder Teutſcher Prediger aus 
Penſylvanien fie beſucht, ſo hatte er nicht Geld genug Eriegen und fie 
auch, wegen ihrer Armuth, nicht genug aufbringen Eönnen ; ware alfo 
der Beſuch zulegt gar unterblieben, und fie 2) dahero genöthiget wor⸗ 
den, einen Zufherifchen ‘Prediger aus Bethlehem zu berufen. Yun 
hielten fie 3) den Bruder Micky, welchen fie bisher gehabt, für einen 
reinen Lehrer nach GOttes Wort und den ſymboliſchen Büchern: da 
ſie aber denſelben vor einiger Zeit in ihre Lutheriſche Kirche einfuͤhren 
wollen; fo hätte 4) die groͤſte Parthey widerſtanden, und die Kirche 
verſchloſſen, und gleichwol, 5) dem allen ungeachtet, den obgedachten 
Betrieger, Namens Carl Rudolph, in der Kirche als Prediger han- 
dein laffen, der nicht ordiniret, falſch in der Lehre, und Gottlos im 
Leben wäre. Solche Umftände haften fie daher genöthiget, fich von 
einer folchen Kirche und Gemeine abzufondern, und. ein eigenes Stück 
Land zu Faufen, toorauf fie Kirche und Schule bauen woiten. Die 
andern brachten ıhre Verantwortung dagegen ein, und fagten unter an- 
dern fie wuͤſten von Feinen Penſylvaniſchen Predigern, die fich beklagt, 
Daß fie nicht Geld genug befommen. Ich fragte fie insgeſamt, ob fie 
mich meineten? Ob fie mir mag gegeben ? Oder ob ich etwas von ih- 
nen begehret ? Sie antroorteten von bepden Seiten: Nein, Die übri- 
„gen Puncte betreffend, fo fagfe ihnen, fie hätten ‘von beyden Seiten 


236 Sünfte Sortfegung der Nachricht aus Penfplvanien, 


gefehlet, und Urſach zu vielen Lafterungen und Aergerniß ‚gegeben... ä 
Der felige Lutherus haͤtte vor einem weiffen und ſchwartzen Teufel ge | 
tarnet, beyder Abgefandten thäten groffen Schaden. . Wir fungen 
hernach ein Buß=Lied, und ich-predigte ber, Luc. ıs. vom verlornen 
Sohn: Nach der Predigt fragte ich Die Herrnhutiſch⸗ Geſinnete, ob 
fie fich mit. den übrigen nieder vereinigen, Die Articul im Kirchen- Buch 
unterfehreiben und fic) beffeen wolten? ? Sie antworteten; ja, wenn 
ich da bfeiben und Prediger feyn wolte. Ich antwortete, daß ſolches 
mein "Beruf nicht. wäre, wie ſie felber wohl wuͤſten. Wenn fie aber 
mit einander-einig waͤren, und ein rechtes Verlangen nach einem, recht: 
Hläubigen und gottſeligen Lehrer von unfgrer Kirche haͤtten; fo. wuͤrde 
GoOtt helfen und- einen folchen anmeifen, wie fie nöthig haͤtten. Sit 
antworteten, ihr Bruder Nicky von Bethlehem mare ein ſolcher Mann, 
er predigte eben Diefelben Wahrheiten, wie ich. Die gröffere Parthey 
fund. auf, bat fich Frenheit aus, "ein. Wort zu reden, und fagte mit 
ziemlicher Beſcheidenheit: fie hatten. mich heute zum erſtenmal predigen 
gehoͤret, ich hatte ihnen von Buſſe, Glauben und Gottſeligkeit ge- 
prediget ; die Brüder hingegen hätten in ihren Predigten faſt iedeg- 
‚mal über die Buſſe, Geſetz, Gebet, Kampf und dergleichen wichtige 
Wahrheiten gefpottetac., » ch abftrahirte von aller Weitlaͤuftigkeit, 
und fraͤgte noch einmal, ob fie von der Herenhutifchen Parthey abfte- 
ſtehen und ſich unterfchreiben wolten? Sie gaben zur Antwort: Nicht 
anders, als wie zuvor gefagk.,'. Nach einer kleinen beweglichen Antede 
und Vorſtellung der ſchaͤdlichen Folgen, fragte ich beyde Partheyen, 
ob fie perſoͤnlichen Haß und Feindſchaft wider einander haͤtten und be 
‚halten wolten Sie hielten einander. noch etliche harte Ausdrücke vor, 
toelche fie zunor im Streit gegen einander ausgeſtoſſen, und-vergaben 
ſolche einander, wenigftens mit Worten. Von dem Hertzen konte ic) 
nicht urtheilen. Die Unterfchriebene traten gufammen, erivahlefen un- 
ter fich Vorſteher und Aeltefte, verſprachen nach Den gedachten Arti⸗ 
euln die Kivche und Gemeine nach. beitem Wiſſen und Gewiſſen zu un- 
terhalten. Sie hielten hernad) noch einmal beweglich um das heilige 
Abendmal bey mir an, und fagten, daß fie faft verlaffen, von Predi⸗ 
gern zuweit entfernet, und da fie das heilige -Abendmal lange nicht ge 
noffen , nach Demfelben hungrig und —7— waͤren. An. meiner Sei⸗ 
te konte nach vieler Ueberlegung nicht Gruͤnde genug finden, warum 
es den Leuten gaͤntzlich abſchlagen ſolte. Damit ich aber mein 
m 


Eagle 


Sin ve 1 möchte, ß bielte ihnen öffentlich, als die Herenhuter 

ugegen waren, eine abermalige Bermahnung zur wahren Buſſe 
Slauben, rügete ihre Gewiſſen, ſo viel mir der HErr Gnade ver⸗ 
ſiehe und ie e Ai als mühfelige und beladene zu JEſu Chrifto und 
und feiner Boch und eg in der ne Bit war⸗ 




















einen N, Ye Bi — 
— — *— 
er Obrigkei anſchwaͤrtzen und ſo ſtin 
en — Rebellen Gott und die 
Zudem Eee, Die a unter N ch einige | 








den. armen ken 
En imen Fan. 
| fen a) Hlanbe 


gem 


Kon 


233 Künfte Sortfegung der Nachricht sus Penſylvanien J — 


rem Theil ohne ſundigen nicht ab. Sie haben inzwiſchen den Mugen 
dabey, daß ſie in die Bibel und den Catechiſmum getrieben werden; 
wobey man die Hoffnung hat, daß das Wort mit der Zeit zur ſeligen 
Kraft kommen moͤchte, wenn ſie von tuͤchtigen Lehrern unſerer Kirche 
bedienet wuͤrden. Die andere Parthey, welche ſich mit den Herrn⸗ 
hutern vereiniget, und ſich weit beſſer und hoͤher achtet, iſt leider eben 
ſowol ſchlecht und verderbt genug. Obgleich die Sünden nicht bey al⸗ 
len auf eine grobe Weiſe herrſchen; fo haben ſie dieſelben Doch lieb, und 
laſſen fie unter den Schein der Gottſeligkeit herrſchen. Die Worte 
und Sachen vom Geſetze, Buſſe, Glauben, Heiligung, Gebet, und 
Kampf find bey Anfängern fo wol, als Fortgangern, verachtlich, Ihr 
Glaube beruhet meiltens auf fpielenden Phantafien und ſinnlichem Ge⸗ 
fühl, und. nicht auf dem allein feligmachenden Worte der Propheten 
und Apoftel, worinnen Chriſtus JEſus der Eckſtein iſt. Ihre Liebe 
iſt ſehr partheyiſch. Kurtz, ich habe auf det Reiſe gefunden, daß fie 
die wahre Buſſe und Beſſerung eben ſo hoch noͤthig haben, als die 
achtzehen, auf welche der Thurm zu Siloah fiel, Zur. i3,4. 
Den 2sften Sun. ritten wir schen, Meilen weiter hinauf zu einer 
neu angelegten. Stadt, wo verfchiedene Lutheraner wohneten, welche 
“mit zu der Gemeine gehören, und am vorigen Tage wegen des flarcfen 
Regens nicht herbey kommen Fönnen. Diemeiften von Denfelben unter 
fehrieben die Articul im Kirchen⸗Buch, und ermahleten einige aus ih⸗ 
rem Mittel zu Vorſtehern und Aclteften. Drey oder vier Perfonen hat- 
‚ten fich mit einem andern Menfchen eingelaffen, welcher ehemalsin a 
hannover. einen Prediger abgegeben, von dar nad) Virginien, und nui 
wieder zurück nah Mary- Land gezogen war. Es mar dafelbft eine 
groffe Berfamlung von Englichen und Teutfchen Leuten. Auf vieks 
Berlangen und nach gehaltener Vorbereitung und verrichtetern Gebet, 
reichete etlichen Zutheranern das heilige Abendmal, taufte auch Kin⸗ 
der und copulirte zwey Paar. Beyde Haäufleing, in der Stadt und 
auf. dem Lande, baten, ich möchte ihre Zerſtreuung, Armuth und 
Rothwendigkeit eines Lehrers behersigen, und unfern Hochmwürdigen 
Vaͤtern vorlegen. Sie wolten ſich fo Tange zufammen halten, als es 
möglich waͤre · Am Abend ritten wir Die sehen Meilen wieder zurück 
in unfer. voriges Quartier, alwo fich einige: verfamfet, mit welchen 
mich Durch Gebet und Gefang erbauere. Sie wünfchten alle fehr, daß 
Gott einen rechtſchaffenen Lehrer verleihen möchte. 


Den 


1 Zeren Paſt. Mohlend · Ber: von feiner Amtefähe. 177. 239 


Dreen .26ten un. begaben wir ung auf die Mücfreife. Wach 
dem wir etliche Meilen zurück geleget,, Fam ein Englifcher Gentleman 
zu ung, der ein Patron und Rathgeber des Herenhutifchen Haͤuf⸗ 
leins genant wurde. Er nöthigte mich in fein. Haus, begehrete fich 
mit mie gu unterreden, weil ihm manches von mir mochte erzehlet wor⸗ 
den jeyn. Cr gab ung einige Erfriſchungen, und fragte mich, tie 
ich Die Umſtaͤnde der teutfehen Kivchen= Leute in Mary - Land gefunden 
atte? Ich antwortete; fie hätten insgefamt Die wahre Buſſe, leben 
en Glauben und Gottfeligkeit mehr zu erfahren und auszuüben nö- 
thig. Er fagtes Die groffe Parthey ift noch fehr Gottlos, und muß- 
das erfahren, die kleine Parthey liebet den Heiland. Ich erwiedertes 
wir Menfchen fehen und urtheilen gerne nach der Oberflaͤche. GOtt 
fiehet und urtheilet nach dem in und auswendigen zugleich. Erfprach: 
Ich liebe den — und alle diejenigen, welche ihn lieben. Ich 
antwortete: Wenn ihr den wahren Heiland liebet; ſo muͤſſet ihr ſein 
Wort halten, nach demſelben glauben und leben, erſt eine allgemeine 
Liebe zu Freunden und Feinden, und denn eine beſondere Liebe zu wah⸗ 
ren Nachfolgern JEſu Chriſti haben. Er vermeinete; die Maͤhriſche 
Brüder ſeyen Nachfolger Des Heilandes. Ich gab zur Antwort: hr 
muͤſſet zuoor noch mehr Erleuchtung bekommen, daß ihr 1) die reine 
Lehre des Heilandes, nad) dem Gangen, und einem jeden Theile ver- 
ſtehen; 2) das Lehr-Gebaude der Mährifchen genau — ———— 
ihren Glauben und Wandel nach Chriſti Lehre — und dar⸗ 
nach als ein Menſch, der irren Fan, vorſichtig urtheilen koͤnnet. Der 
Engländer fagte Die Mährifeje Brüder find die eingigen Leute, 
jelche nach den Articuln unferer Englifchen Hoch-Kirche glauben und 
Ieben.. Ich antwortete: Wenn das Haupt der Mährifchen Brüder, 
nemlich der Graf von Zingendorf, und die Seinigen in Rußland find; 
fo glauben und leben fie juft tie Die Griechifche Kirche. Wenn fie in 
Catholiſchen Landern find; fo glauben und lehren fie, was der Pabſt 
und die Concilia zuihrem Vortheil gelehret. Wenn fieinder Schweiß 
find; fo leben und glauben * nach dem Berner Synodo. Wenn fie 
in Schweden find; fo verffecken fie ſich hinter die Augsburgiſche Con⸗ 
ion, und wenn fie mit Engliſchen zu thun haben; fo paſſen fie juſt 
nad) den Englifchen Articuln. Wie Fan man von folchen Heuchlern 
Heß fie Chriſti wahre Nachfolger feyn. Der Engländer fuhr 









ER RN. heraus: 


5 


— 


— 


40Sonſte Fotiſcdung dee biachriht ana Penſzleamen. 


heraus · ¶ Ihr ſeyd ein Feind der guten Leute 3 antwortete; Sb — 


bin Fein Feind von ihren Perfonen , aber ihre krumme Wege 


theils aus eigener Erfahrung ‚ theils aus bewährter Manner Schrif⸗ 


ten beweiſen· Der Engländer erwiederte: Ich habe noch Feine Leute 


in meinem gantzen eben gefunden, welche dem Heilande fo aͤhnlich ge: 
weſen in der Liebe, Demuth, Sanftmuth, Freundlichkeit und heiffer 
Begierde Selen zu werben. In unferer Engliſchen Kieche zu Haufe: 
(das ift in alt Engfand,) find Prediger und Zuhörer tod. Der Cart 
Rudolph, welchendie Teutſchen hier hatten, war ein Hurer, Schla 

ger und Säufer. Ich verſetzte: Von einer gansen Kirche fo leicht zu 
urtheilen , ift fehr gefährlich, von eingeln Fallen auf das Gange zu 


fehlieffen ift nicht erlaubt, und den Carl Rudolph; betreffend, fo iſt er 


kein ordentlicher Prediger, fondern ein Landftreicher und Betrieger. 


* Und wenn ihr denfelben und andere als offenbare Sünder gefant;fo 
muͤſſet ihr Doch bey den übrigen vorfichtig feyn. ; Denn es giebt dreyer ⸗ 


ley Gefandte. Diejenigen Prediger, welche in ihrem Amte in offen⸗ 
baren Sünden und Laftern leben, find des Satans grobe Suͤnden⸗ 
Diener und Gefandtes dafür Fan fich ein ehrbarer natürlicher, ges 
ſchweige denn ein erfeuchteter Menfch hüten, daß er ihrem böfen 


. Wandel nicht nachfolge. Der Satan Ean fich aber auch in einen En- 


Methoden haffe ich mit Recht. UBas ich zuvor geſagt, Das kan: ich 3 


gel des Lichts verſtellen, und Gefandte haben, die in Deinuth und 


Geiſtlichkeit der Engel, in Gleißnerey und Lügen einhergehen, und mit - 


prächtigen und füflen. Worten die Menfchen gefangen nehmen, tie 
ihr in den Apoftolifchen Briefen fehet; und folche find fir: aufgeivecfte 
ſchwache und noch unbeveſtigte Kinder im Ehriftenthum am gefährlich 
ſten. Die dritte Art find mittelbare Gefandte JEſu Ehrifti, melche 


ſich genau an das geoffenbarte Wort GOttes halten, nach demſelben 
glauben, rein Ichren, und ihrem ‘Beruf gemas wandeln, auch gerne 


darüber leiden. - Solche find aber nicht fo häufig zu finden, teil fie 
nicht laufen, wo fie nicht gefandt werden, und das ift wol die 


warum ihr noch fo wenige gefehen habt. :; Der Engellaͤnder ſprach: 


Sch kalte die Mährifche Brüder ſo lange für die rechten Gefandten 
und Diener Chrifti, bis ich Das Gegentheil fehe. Ich antroortetds 
Ihr habt Freyheit / fo zu thun von meineftwegen. Nur verlange ich fo 
viel, daß ihr nach GOttes untrieglichem Worte den Kran Kae: 


durch Bulle, Glauben und Gottfeligkeit zum Himmel fuchen 


euc 
mM 


1.5even Paſt. Mahlend Ber. vonfeiner Amtofähr. 1747.224 


ja nicht auf Abwege verführen laffen moͤget. Der gute Geiſt GOttes 
hat uns — den Apoſtoliſchen Schriften treulich warnen laſ⸗ 
fen, daß wir aus der damaligen verführten Chriften ihrem Schaden 
klug werden ſollen. Wenn mir ung zuviel zutrauen und ung auf 
‚alle Abwege verleiten laſſen; fo verſaͤumen mir darüber die edfe 
Gnaden⸗Zeit, bleiben wol gar in den Lehr jahren ſtecken, lernen im: 


‚merdar, und kommen nie zur vechten Erfentniß. Der Engelländer ver- 
feste: Das iſt wahr. Mein einsig Gefuch und Verlangen gehet da- 
hin, daß ich den nachften und ficherften Weg zu meiner und der Meinigen 
‚seitlichen und ewigen Wohlfahrt finden, und auf demfelben zu wandein 
nicht nur anfangen, fondern auch fortfahren und ausharrenmöge, Ich fie- 
be alle Menfchen, und befonders Diejenigen, welche mit mir den HErrn 
JEſum, als den Weg, die Wahrheit und das Leben fuchen. Habe 
auch eine innige Hochachtung für folche Prediger, welche in ihrem 
Amte treu find, und die Selen auf den rechten Fels. und Grund 
‚zu führen ſuchen. Ich ertwiederte: Solchen Weg Fönnet ie 
-ficherften finden, wenn ihr euch von GOttes Geift durch fein Wort 
einfältig führen laffet, und alle, menfchliche euch vorfommende Lehr- 
Gebäude und Meinungen nach diefer heiligen Richtſchnur prüfet. Der 
Engellander fragte: Meinet ihr aber, daß die Mährifche Brüder ein 
‚Schr = Gebaude mider GOttes Wort haben ? ch antwortete: Sie 
find noch nie fo ungeheuchelt und vedlich mit einem vollftandigen Glau⸗ 
bens=Befentniß hervorgetreten, mie unfere Väter in der Augsburgi⸗ 
fehen Eonfeffion, und eure Vorfahren in ihren Articuln gethan haben ; 
‚fondern haben hie und da, nach iedesmaligem Wind den Mantel ge- 


hänget, und ein Stück von ihren vorgegebenen Kehren publiciret: und 
wenn man alle publicivte Stücke zufammen nimt, fo Eomt ein fich felbft 
toiderfprechendes Geben und Nehmen, enden und Drehen wider 
GOttes Wort heraus. Das lestere Stück aber, nemlich der zwoͤlfte 
Anhang von ihrer Lieder» Samlung ift am aller gottlofeften gevathen. 
Der Engelander fragte: Koͤnnet und wollet ihr mir folches Buch sei- 
gen? Ich antwortete: Es ift in teutſcher Sprache gefchrieben, und 
wuß erſt von einem unpartheyiſchen Manne überfegt werden: menn 
ſolches gefchehen; fo will ich e8 euch cummuniciren. Der Engelländer 
h on Noch) eines wolte bitten. Wenn ihr Gelegenheit habt, einen 

‚Prediger hieher zu recommandiren ; fo fuchet und verordnet einen Mann, 
der unpartheyiſch iſt, und Die Haupt⸗ Lehren von Buſſe und Glauben 

V. Penſylv. Sortfi 2 5 Mi gerade 


242. Sönfte Sortfesung der Nachricht aus Pähfploanien. 
‚gerade lehret, und auch felber darnach wandelt: fo ſoll es mit undan- 
dern zum groſſen Vergnügen gereichen, und wird zur Ehre GOttes aus- 


- fehlagen. ° Sch antwortete: Ich willes GOtt und meinen Vorgeſetzt 

“anheim fiellen ; der HErr wirds mol machen : Gehabt euch wohl! 

Wir ritten hierauf von da weg und Famen gegen Abend wieder in 
Canawaque an, wo ich am ezſten Jun. gepvediget. ur 


+ Am 2rften Sun. feßten wir unfere Meife fort, und kamen um 


zwölf Uhr in der Stadt Nord an, wo fich Die Gemeing-Sheder ver⸗ 
ſamlet hatten und zum Abendmal wolten auffehreiben laffen. Ich ging in 


„eines Vorftehers Haus, nahm diejenigen Männer und Acltefte zu mir, 
welche bisher geforget und befliffen geweſen, daß die Kirche und Ge⸗ 
meine nicht möchte in der Herrnhuter Hände gerathen, bat, daß fie 
alle Zerftveuung und flveitende Gedanken folten fahren laffen, und fich 
von Hergen zu GOtt menden, bey ihm Durch IEſum Ehrifium Gna- 
deund Vergebung der Sünden fuchen, mir auch nach beftem Wiſſen 
‚and Gewiſſen unparthenifih fagen, mie fich ein ieder bisher verhalten, 
‚der fich nun! melden und zum heiligen Abendmal gehen wolte. Ihr 
alter Schulmeifter, welcher bisher guten Fleiß auf Die Kinder gewandt, 


auch an den Sonntagen eine Predigt vorgelefen und dadurd) Die Ge⸗ 


‚meine zufammen gehalten hatte, war mit zugegen, und wurde wegen 
einiger Klagen gegen ihn, befraget. Wegen ſeiner Treue und Stand⸗ 
haftigkeit war er ein Dorn in den Augen der andern Parthey⸗ welche 
ihn vieler groben Sünden und Laſter befchuldigten.. In der Unterfü- 


hung fand man aber, daß ihm in den meiften Stücken zuviel: X 
CE 


hen, und aus Haß nachgeredet mar, ob er mol ſelbſt gefland, daße 

fich ein oder ein paarmal vergangen hätte. Er verfprach, den lieben 
Gott um ein gang neues Hertz und ſeinen heiligen Geiſt zu bitten, und 
vorſichtiger zu wandeln. Ein oder anderer Vorſteher war auch indem 
Herrnhutiſchen Streit zu higig und laut geweſen; welches ihnen in Sie- 


be und Sanftmuth verwieſen, und fie auf den Grund des Hertzens 
gewieſen wurden. Da nun die Anweſende einer nach dem andern ihre 


Namen angaben; fo fanden fich Dreyerley Sorten. Don einigen wur⸗ 
de bezeuget, daß fie bisher GOttes Wort fleiffig gehöret, und ſich 
‚ordentlich und ftille vehalten hätten. : Von andern wurde gemeldet, 
daß fie bisher im Streit mit ihren Nachbarn gelebet, und GOttes 
Wort nicht fleiffig gehoͤret. Von folchen verlangte man, daß fie 
mit ihrer Gegen⸗ Parthey Fommen und fich verföhnen folten. ee 

\ FFr .,,herföhn- 


1. Zerrn Paſt· Můͤhlenb · Ber. von ſeiner Uimteführ.iigr. 243 


verſoͤhnten ſich, und verſprachen, dem Geiſte GOttes und ſeinem 
Worte an ihrem Hertzen Raum zu geben, und nicht länger zu wider 
ſtreben. Der Friede⸗ Nichter ſtellete ſich ſelbſt mit ein, und klagte 
uͤber einen zanckſuͤchtigen Nachbar: dieſer aber war grob und wild, 
und wolte ſich nicht weiſen laſſen, deswegen wurde er abgewieſen, bis 
auf Beſſerung. Die dritte Art waren einige, welche durch Herrn 
Veybergs und feiner Anhaͤnger Predigten in etwas erwecket woͤrden 
Die Vorſteher klagten, daß ſolche Sonntags nicht fleiſſig in die Kir- 
che zum Vorleſen gekommen, ſondern vielmehr dem Meyberg und an= 
dern nachgelaufen wären. Sie antworteten, daß vorerwaͤhnte Pre 
diger ihre Hertzen geruͤhret: ſie waͤren durch ihren Vortrag vom Suͤn⸗ 
den⸗Schlaf aufgewecket, erkenneten ſich als arme Sünder vor GOtt, 
und begehrten nichts mehr, als daß ſie von ihren Suͤnden moͤchten 
— — einem neuen Leben begnadiget werden. Sie 
ezeugeten ferner, Daß fie ein Verlangen zum heiligen Abendmal haͤt 
ten und nicht von der Evangelifchen Neligion abgemwichen , ſondern 
darin mehr bevefliget waren, weil ihnen GOttes Wort und Lutheri 
Eatechiſmus nun erft vecht ſchmackhaft würde. Die Vorſteher wol⸗ 
ten haben, fie ſolten verfprachen , daß fie kuͤnftighin beſſer zu ihrer Kir- 
che halten, und dem Vorleſen beywohnen, und nicht mehr dem Herrn 
Meyberg nachlaufen wolten. Sie antworteten, daß man fie nicht fo 
genau: binden und ihnen ihre Freyheit benehmen folte. ; Das mwolten 
fie aber verſprechen wenn ein rechtſchaffener Lehrer aus unſerm Colle⸗ 
gio dahin kaͤme und predigte, ſo ſolte es ihnen eine Freude ſeyn, ſelbi⸗ 
gen zu hoͤren, und in ſo weit zu folgen, ſo weit er Chriſti Nachfolger 
waͤre. In dem Vorleſen faͤnden fie Feine Kraft und Erbauung. Un⸗— 
ter Diefen wenigen waren zwo Töchter einer Witwe, deren Mutter 
mie zugegen war, und gefragt wurde, tie fich ihre Toͤchter verhiel⸗ 
ten? Sie fagte, daß fie feit der Aufweckung fleiffig in der Bibel 
und dem Catechiſmo laͤſen, auch in der Stille beteten, und fich chrift- 
‚lich verhielten. Ich fahe wol, wie Die Sache von beyden Seiten 
fund , begehrete deswegen mit den Vorſtehern allein, hernach auch mit 
- folchen Leuten befonders zu reden. “Die Vorſteher fagten, fie freueten 
fh, wenn Selen erwecket, und auf beffere Gedancken gebracht wirr- 
den. Sie müften aber etwas ſcharf feyn, fonft möchte. die Gemeine 
von einer Seite zerſtreuet/ unter die Herenhuter gebracht, und von der 
andern Seite den goftlofen Predigern / als ———— und 
— | 1 r- ſeines 






244 Sünfte Sortfegungder Nachricht aus Penfplvanien. ' 


ſeines gleichen ,. welche in der Mühe waͤren, zugejagt werden· ind: 
wenn folches gefehehe , ſo koͤnte die kleine Ernte verhindert werden, die 


man fonft zu hoffen hätte, wenn mit der Zeit ein Lehrer aus unfem 


Eoflegio zu ihnen gefandt würde, Sie häften Feine Feindfchaft wider 
Herrn Neybergs und andere Perfonen, liebtenauchihre Habe, Weil fie 
aber. der Herenhutifchen Secte zugethan; fo blieben die aufgeweckten Se⸗ 
fen nicht in ihrer erſten Einfalt, fondern würden nach und nach mit 
verfuͤhret. Ich billigte folches und-fagte, fie müflen dennoch etwas 
vorfichtig feyn, und auf Feiner Seite tag verderben; weil man insge⸗ 
mein bey der erfien Erweckung eine anhangliche Liebe zwiſchen Lehrer 
und ſolchen Zuhörern: fande, welches ‚nach und nach in dem fernern 
Wachsthum verbeffert würde: Ihre Meinung und Verhalten ware‘ 






DEY 1 


imwiſchen gut; weil fie nicht aus perſoͤnlichem Haß oder Feindſchaft 


handelten, ſondern das wahre Beſte ihrer Gemeine zum Zweck haͤtten. 
Hernach ſprach auch mit den vorerwaͤhnten Leuten, ermahnete ſie, in 


dem angefangenen guten Wercke fortzufahren, ja alles fleiſſig nach 


GOttes Wort und dem Catechiſmo zu prüfen, und ihr Haus nicht: 
auf Sand, und Menfchen-Meinungen , fondern auf den wahren Fels, 
Eſum Chriftum, zu bauen. Dep bis vier Perfonen von folchen 
gingen mit zum heiligen Abendmal, und ein paar blieben zurück, Nach⸗ 
mittags um vier Uhr gingen mir in die Kirche, haften eine gefegnete 
Vorbereitung aus Matth. 11, 28. und folg. Die Leute waren alle fehr 
aufmerckfam und hungrig, und truncken oder fogen das Wort hinein, 
wie ein duͤrres Erdreich. einen warmen Degen. Nach der Vorberei⸗ 
tung und Beichte nahm ich das Hauflein junger Leute vor, melche der 
Schulmeifter bisher mit ziemlichem Fleiß zur Confiemation unterric)- 
tet, examinirte fienach der Ordnung des Heils, und ermahnete fie 
zur wahren Buſſe und lebendigen Glauben, und zur Erneuerung ihres 
Taufbundes, welche ietzo öffentlich gefchehen folte. Nach dem Goftes- 
dienft redete mit einigen Selen befonders, welche fagten, mas ihnen 
beym Vortrage vornemlich erwecklich geweſen, und weiter nachfragten, 


waͤs fie nicht verfianden. Am Abend erbanete und erquickte ich mich 


noch mit den Vorſtehern und Aclteften im Haufe. 
| Den 28ſten Sun. am Sonntage frühe meldeten fich noch einige 
zum heiligen Abendmal, welche weit entfernet wohnen, und am vori⸗ 
gen Tage nicht kommen koͤnnen Ein paar von Herrn Neybergs An⸗ 
hängern meldeten ſich auch noch; als man ihnen aber eine Vermah⸗ 
| nung, 


1. Zerrn Paft. Mlählenb. Ber. von feine Amteführ.1747. 245 


nung, wie andern, geben wolte, bezeigten fie fich unbaͤndig, und blieben 
felber zurück. Die Kirche murde ung vor diefesmal zu Elein, und mu- 
fte faft die Hälfte der Zuhörer drauffen ſtehen; weil ein groffes Volck 
von gehen bis zwantzig englifchen Meilen herzu gekommen war. Zuerfl 
| hielte ich noch eine Rorbereitung und Beichte mit den Serionen, 
melche fich zulegt noch gemeldet, predigte über das Evangelium vom 
groſſen Abendmal, taufte nach der Predigt eine ziemliche Anzal Kin- 
der, eraminirte und confirmirte bey funfzehen junge Leute unter häufi- 
gen Thränen,, teichete zweyypundert Communicanten dag heilige Abend- 
mal und beſchloß damit die öffentliche Sonntags-Arbeit, nachdem die 
gange Gemeine ihre Knie gebeuget und dem Vater in JEſu Ehrifto 
für alle unverdiente Gnade gedancket hatte. Am Abend war ich zu 
Gaſte gebeten bey Dem Friederichter. (P) | N | 
Am asften Sun. frühe hielte mit Den anmefenden Stadt- Leuten 
noch eine Betſtunde in der Kirche, und nahm bemeglichen Abfchied 
von ihnen. Wer da ftehet, mag mol zufehen, daß er nicht falle, in 
fo verwirreten und bedencklichen zeiten. Wir paflirten die Sufque= 
hana wieder glücklich, tourden zehen Meilen vor Lancaſter von eini⸗ 
gen dafigen Vorſtehern empfangen und bis dahin begleitet. 
Anm often Sun. hatte ich die fämtliche Vorſteher und Aeltefte 
in Sancafter noch einmal vor, und füchte ihrer anfcheinenden gefährli- 
chen Spaltung: mit vieler Mühe vorzubeugen und zu remediren. 
JEſu tritt den Satan unter. deine Fuͤſſe! Mittags um zwölf Uhr 
ritten wir. aus Lancafter, abfolvirten noch dreiffig englifche Meilen, und 
Famen Abends mwolbehalten wieder in Tulpehodeman. 
Dreen ften bis zten Jul. mandfe auf die fernere Unterweiſung et⸗ 
licher jungen Leute, welche den nächfien Sonntag confirmiret, und 
zum heiligen Abendmal gelaffen werden folten. Sie waren fo weit ge- 
kommen, Daß fie von den nöthigften Slaubens-Articuln Grund geben 
konten, und nicht ohne einige Kraft waren. 
Arnm aten Jul. reiſete nach der einen zu Tulpehockem gehörigen 
Gemeine an der Nordkiel genant, hielte Vorbereitung und Beichte. 
MIR =” Bag Die 
) Was hier weiter in der Handfchrift des Herrn Paftor Muͤhlenbergs, von der 
Unterredung mit der Tifch-Befellfchaft wegen des Herrn Neybergs, folget, iſt 
: bereits in der dritten Fortfegung pag. 69. bis 75. und folg. eingeruͤcket wor: 
Den, daher es bier nicht wiederholet werden darf, 


* 


en 


Die Anweſende waren ziemlich attent und bewegt. Abends: vitte wie⸗ 
ver zuruͤcke SE ST N BR EEE As 
Am sten Zuf, predigte Vormittags an der Nordkiel ‚über das 
Vom verlornen und wieder gefundenen Schafe, 
‚ gaminirteund confirmirte Die jungen Leute une) 





Evangelium Lur. 15. 
taufete etliche Kind 
ter befonderer Aufw der Ge theilete Das he 
aus, und eilete hernach acht Meilen weiter zu der gröffern ‚Gemeine ,, 
welche Nachmittags um drey Uhr beftellet war, predigt dafelbft, und: 
nahm von der fieben Gemeine Abſchied, weil nun wieder zu meinen, 
ordentlichen Gemeinen reifen mufte. Als ich nach dem Gottesdienſt 
mit meinem Schwieger⸗ Pater wieder zu Haufe reifete, fo trafen wir 
einen Fleinen König oder Hauptmann von einer wilden Nation an. Er 
hatte einen groffen Sohn und Schtwieger- Sohn bey fich zu Pferde , 
nd wolte wegen einiger ‚Kandes=und Kriegs= Affairen mit dem Herrn 
eifer conferiren. Ein Gefolge von Frauen und Kindern mar ſchon 

zu Fuſſe voraus gegangen. Wenn man die arınen Leute anfichet, ſo 
muß man ihre Blindheit und Finſterniß in geiftlihen Dingen bejam⸗ 
mern; und wenn fie ung fehen, fo meinen fie, wir täten zu bejam⸗ 








—— 
un 


mern; melches in ſo weit wahr ift, meil wir Das Licht haben, und, 


Bi 


246. Sänfte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien Y En 


ung der Gemeine, theilete das heilige Abendmal 


doch groͤſtentheils die Finfternig mehr lieben, als das Licht. Die Fran- _ 


söfifche Papiften haben vor vielen Jahren fehon einen Verſuch zur Bes 
Eehrung unter Den Mördlichen Wilden von Canada gemacht, a 


nichts ausgerichtet, weil ſich ein und anderer von ihren Miſſionariis wi⸗ 


des das ſechſte Gebot vergangen, wovon fie noch die Hiſtorien zu ers 
zehlen wiſſen, und auf ihre Nachkommen fortpflangen. ach Sem 
Weiſers Beſchreibung, find unfere Wilden in natürlichen Dingen {eh 

Elug und feharffinnig: und ob fie wol Feine Schreibart unter ſich ha= 
ben, fo Eönnen fie Doch viele Geſchichte von langen Zeiten her wiſſen und 
behalten ; weil fie mit Fleiß durch mündliche Tradition fortgepflan- 
get und erhalten werden. Gegen Die weiſſen Leute haben fie überhaupt 


eingemurgelte Borurtheile und ein Mißtrauen und fagen; die Weiſſen 


waͤren jenfeit Dem groffen Meer, fie aber diffeit dem groffen Meer aus 
der Erde entfprungen. Die weiffen Leute battenfollenaufihrem Srun- 


de bleiben, wovon fie genommen, fich Dafelbft nähren, und fie Haben 
diſſeit dem Meer unbefucht gelafien. Sie maren aus Feiner andern 
Abficht zu ihnen herüber gekommen, als daß fie ihr Sand weggenom⸗ 
men, ihre Jagd, Fiſch- und Vogelfang geſchmaͤhlert, und ihren . 

| | terhalt 


— 


I. eren paſt mhlend Ber von ſeiner Amtsführ, 1747. 247 


terhalt ſchwerer gemacht. Sie klagen auch, daß ihre Nationen fehr 
er E morden, durch allerhand Arten von Sterben, feitdem fie 
von den weiſſen Leuten die ſtarcken Getränke befommen. Wenn man 
ihnen was aus unferm geoffenbarten Worte GOttes vorlegen will; fo 
fehlen erfklich in ihrer Sprache eigentliche Nedensarten, womit man 
geift-und himmlische Wahrheiten ausdrücken und begreiflich machen 
Fönte. Zur Noth möchte man mit ihren Redensarten eine Theologi- 
am naturalem, und die hiftorifchen YBahrheiten aus dem Worte GSt⸗ 
tes zu wege bringen. Herr Weiſer hat fich ein und andermal bemü- 
het, ihnen was aus den Büchern Mofis zu ersehlen. Sie haben ges 
antmortet: Das mag alles wahr feyn, was das Ober⸗ Weſen auf jen- 
feit dem Meer euch weiffen Leuten geoffenbaret; aber Das gehet ung 
nichtsan. Unſer Gott hat ung diffeits andere Dinge geoffenbarer, 
bleibet ihr bey euren, und wir wollen bey unſern Sachen. bfeiben, 
Wenn die Englische und Franzofiiche Nationen mit einander Krieg 
führen; fo fehlagen fie fich nicht gerne auf eine-Seite, fie müften denn 
mit allzugroſſen Geſchencken von der einen Seite bewogen twerden, 
‚Sie halten fich Fieber neutral, nehmen von beyden Partheyen Geſchen⸗ 
cke, und fagen, Die weiſſen Nationen wären nimmer zu fättigen auf 
dem fremden ‘Boden diſſeit Des Meers, fie möchten einander nur auf: 
reiben, damit fie nicht gar einmal unter ſich felber einig werden, und 
fie, die Wilden, vollends au reiben möchten. Doch fehen fie am 
liebſten, wenn Die Englifche ration fieget und die Oberhand behält; 
weil fie ihre Waaren wohlfeiler von ihnen, als von den Frantzoſen 
kriegen. Ihre Geſchichte von Kriegessund Friedeng-Zeiten, von Bind- 
niffen und Zractaten mit den weiſſen Nationen, werden von einigen 
alten Elugen Leuten , welche ihren Unterhalt nicht. mehr. erwerben Eön- 
nen, fortgepflansef. Die jungen Leute Fommen dann und mann zu⸗ 
fammen, und laſſen fi) von einem folchen alten Profeffor Hiftoria- 
‚rum die Gefchichte vorfingen; Dagegen bringen fie ihm was mit von 
der Jagd zu feinem Unterhalt. Sie haben gemiffe Toͤne oder Arten 





von Melodeyen. Nachdem die Materien fröfich, oder traurig, oder 


mittelmaͤſſig find, nach dem ift auch der Ton, und die Stellung des 
Leibes, daß man alfo vecht naturelle Redner unter ihnen findet. Here 
Weiſer meinet, wenn man einen Verſuch zu ihrer Bekehrung machen 
wolte, fo müfte man unter vielen andern Regeln folgende. mit beobach _ 
. ten HD Muͤſten ein oder ein paar Miffionarien unter ihnen Ren 5 
os ihrer 


zZ 


248 Sünfte,Sortfegung der Nachricht aus Penfylosnien. | 


ihrer Sprache mächtig zu werden ſuchen, fo. viel von ihren Sitten, 
Kleidung und Lcbeng-Ark annehmen, als ohne Suͤnde gefchehen Fön 4 
und übrigens mit einem heiligen Wandel ihre Nationab Laſter beftin 
fen. .2) Müften fie Die geoffendarete Wahrheiten in ihre ———— | 
‘Ben, und die Sachen ſo begreiflich machen, als möglich. 3) Müfle 
fie die Indianiſche Töne und Melodeyen lernen, und Das Geſetz und 
Evangelium mit folchen Tönen ihnen vortragen, daß. e8 einen Ein- 
Druck machte, und denn mit Geduld unter GOttes Segen und Bey⸗ 
fand die Frucht erwarten. ee N 
Den sten und zten Zul. veifefe ich mit meinen Gefährten wieder 
nach Providens zu.meiner Heimath und fand. meinen werthen Herrn 
Collegen Brunnhols und Herrn Paſtor Hartwich zum Beſuch in mei- 
nem Haufe, Mein Herr College Brunnholtz Flagte nach ein paar 
Tagen über Wallung im Geblüte, worauf fich nad) einigen Tagen 
die Mafern zeigten. Wir unterlieffen auch nicht, öffentlich und be= 
fonders für feine Geneſung zu bitfen, und brauchten, was mir von Me- 
Dicamenten bey der Hand haften, . Der gnädige GOtt gab. fein Ge- 
deihen, daß er bald, wieder auffam, ob er mol fehr hart darnieder lag. 
Es find fonft um folche Zeit nicht wenig junge und ſtarcke Leute an die⸗ 
fer Krankheit geftorben; GOtt hat ung aber, den lieben Bruder noch 
inmal wieder geſchencket, weil wir ihn noch fo nöthig gebrauchen. Sein 
hetiger Name ſey dafuͤr gepriefen! Herr Helfer Schaum verfahe in⸗ 
effen feine Amts Verrichtungen in Philadelphia und Germantown, 
und Herr Paftor Hartwich war auch behuͤlflich. Indeſſen verlangten 
die Gemeinen ihren ordentlichen Hirten felber bald wieder zu fehen, und 
u hören, — a ra 
a Unfer Here Helfer Kurk hatte feit dem December 1746. bis hie- 
her die Gemeine in Tulpehockem als Catechet bedienef, und in meines 
Schtwieger- Waters Haufe feinen Aufenthalt und Pflegegenoffen. Die 
serriffene Gemeine in Lancaſter hatte der Schwediſche Prediger aus 
Philadelphia, alle Monat einmal befuchet. Indeſſen war ein langes 
Reſcript von dem Herten Erb = Bifchof und dem Ober - Conſiſtorio aus 
Schweden eingelaufen , als eine Antwort auf.den Bericht, welchen 
Herr Peter, Kock wegen des Heren Neybergs Verhalten nach Schwe⸗ 
den hatte abgehen laſſen. In demfelben murde Die Herrnhutiſche Lehr 
für irrig erfläret, und Herrn Neybergs Handlungen fehr gemißbilfi 
get. Unfer lieber Herr Paſtor Brunnhols und der Schwediſche Pre— 
| Be diger 





\ 


1.Hetrn Paſt. MTäblenb. 3er. von feiner Amtefähr. 1747. 249 


edachtes Reſeript ins teutſche, und der letztere las es der 
Lancaſter oͤffentlich vor. Weil aber dem Schwediſchen Pre⸗ 
teutſche Sprache zu beſchwerlich fiel, fo danckte er nad) eini- 
gen Monaten tvieder ab. Nun war die arme Gemeine wieder ohne. 
red — muß gu gewiſſen Zeiten nach Lancaſter reifen, 
und mit anekm Magitrtg erfoen Dafi Geiht halten. Beil 
er nun um den befrübten Zuftand der Lutherifchen Gemeine alda wu⸗ 
ftes fo fragte er ung, ob er den Herrn Kurs einmal mit dahin nehmen, 
und predigen laſſen dürfte. Wir waren folches zufrieden und ernahm 
ihm im Monat Februario 1747 mit dahin. Als Herr Kurs einmal 
da geprediget; fo lieſſen ung Die Vorſteher und — feine Ruhe, 
bis wir endlich einwilligen muſten, daß er dann und mann da predi⸗ 
gen ſolte. Als ſolches geſchahe, ſamlete ſich die Gemeine wieder, 
und die HerenhutifchGefinnee gingen fleiffig mit in die Putherifche 
Kirche, Die Vorſteher und Aeltefte ſchloſſen aus dem Eingang des 
Herrn Kursen, daß ihre Gemeine wieder in guten Stand kommen 
möchte, wenn fie Denfelben gantz allein zu ihrem Prediger hätten. 
— — ſolches wegen vieler Umſtaͤnde nicht erlauben, ob wir 
* weit ” 






nachgeben muſten, daß Herr Kurs zween Sonntagein Tul- 
pehockem, und zween Sonntage in Lancafter predigen folte. Dieſes 
war für Herrn Kurs fehr befehmverlich, meil beyde Orte auf dreifig 
Meilen von einander entfernet find: Doch feßfe er es ungefähr von dem 
Ebbe Bea fort. fen * Ric Sucher nee 
In Tulpehockem hatten vor vielen Fahren einige Lutheraner, 
worunter auch Herr Weiſer war, ein Stücken Land aufgenommen, 
und daraufeine Kirche von Hols, und daneben ein Schul-Haus gebauet 
‚der Kirche pflegten fie an den Sonntagen vorleſen zu laffen, lieſſen 
dann und wann einen veifenden Prediger darinnen predigen, 
Mach einiger Zeit Fam ein Mann, mit Namen Eafpar Leutbecker, fe 
ner Profeffion nad) ein Schneider, nach Tulpehockem, feste das Vor⸗ 
fefen in der Kirche fort, hielte Schule und catechiſirte auch, : Die ver: - 
einigten Gemeins⸗Glieder verfertigten einen Beruf für einen Prediger, 
und begehrten, daß Herr Leutbecker denfelben an den Herrn Hofpre: 
diger Ziegenhagen in Londen, und durch benfelben weiter nach Halle 
befördern folte. In demfelben hielten fie um einen gelehrten und gott 
ar an, welchen fie unterhalten twolten. Herr Leutbecker 
fagte,, folcher Beruf ſeye befteller worden. Da ingwiſchen einige Zeit 
V Penſylv. Fortſ. | BE verfloflen, 


250 Sönfte Sortfesung der Plabeiär sus Penfstoanien. 


seflofen; „fo fing Leutbecker felber, ‚an zu predigen, und gab vor daß 

amburg und Sonden ein Prediger, mit Ramen Bagenkopf, ab⸗ 

— worden, aber auf der geſtorben ſey Solches g ab . 

— or Der * einige ** ven in 
utbeckers 






) —— side Hedge, ‚ weite 
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chen, wurde ich 1743 das erſtemal nad). Zulpehockem ge nn 5 
fand dafelbit drey Partheyen. -- Zehn bis zwölf hatten di 
te Kirche ‚und — en — der 
Haͤuflein h t ho ) zu Die dri y hielt ſi 
* eo hi Bam EHRE, Bee — 


— 9 


= 





 1.3even Daft: Wläblenb.Ber. von feiner Amtofähe.rräy: ayı 


| gebeten Huͤlſe von meinen Vorgefesten und mir. Ich konte ihnen 


aber noch nichts. verſprechen; weil ich gantz allein war, und Tulpeho⸗ 
ckem von meinen Gemeinen zumeit enffernet lag. Worauf die Par 
they der neuen Kirche einen andern unlangft ing Land gekommenen 


Prediger, Herrn W. mit meiner Einwilligung , doch nur ad interim, 


Derſelbe war nicht im Stande die andern beyde Partheyen 


wieder herbey su ziehen, folglich mar feine dritte Parthey zu ſchwach, 


ihn mit feiner ſtarcken Samilie zu unterhalten. Indeſſen lagen fie 
mie immer any ich folte helfen, daß fie einen aus unfern neu ange- 


: - Zommenen Predigern, der Feine Familie häfte, bekommen möchten, 


Als des letztgedachten Predigers, Heren W. accordirtes Fahr zum an⸗ 
bernmal verfloffen war / fo ſagte er der Gemeine feine Dienfte auf, und 
zog weiter hinunter zuandern Öemeinen. Dadurch wurden wir genoͤthi⸗ 
ef, den Herrn Kurs hinauf zu fegen, weil er zuvor ſchon einigemalzum 
Beſuch Deoben gemefen und von allen verlanget wurde, daß er dahin 
siehen möchte, wie oben gemeldet, fo daß wir ihn im December 1746 
mie gehoͤriger Inſtruction den zween Gemeinen als Helfer zukommen 





‚liefen, daß er predigen und catechifiven folte. Er wurde mit groffer 


Liebe aufgenommen, und von allen drey Partheyen werth gehalten, 
Die Gemeine mehrete ſich täglich und wurde von Herrn Weiſer auf: 
gemunter£, die Kirche vollends aus, und noch ein neues Pfarı-Haus 
Dabep zu bauen. . In dem erften Winter 1747 farb ein Mann von 
dem Herrnhutiſchen Haͤuflein plößlich., nemlich er hatte eine eigene 
Mühle, Famunverfehens unter das Rammrad, und ward zerquetſchet. 
Seine groffen Söhne waren noch nicht gang Herrnhutiſch gefinnet, 
fondern hielten fich meift zu Herrn Kurs, und wolten ihnaufden Herrn⸗ 
utifchen Kirch= Hof begraben laffen. Der Herenhutifche Lehrer mol: 
egraben, obgleich der Todte in feinem Leben vieles 


mit zu dem neuen Kirchen⸗Bau bepgeftagen hatte. Da fich nun dieſer 


wegerte; fo baten die Soͤhne den Heren Kurß, er möchte ihren Da- 
ter auf den Herenhutifchen Kirch⸗ Hof begraben und in derfelben Kirche 


‚eine Leichen⸗ Rede halten. Herr Kurg war willig darzu, und ging hin. 


in des Verſtorbenen Haus, der Leiche zu folgen. Die Söhne ſchick 






kzue Kirche fordern. Er fies anfworten, Herr Kurs folte erſt zu 
tins Haus kommen. Herr Kurs ließ wieder fagen, er koͤnte zu 


ihm ins Todten- Haus Eoinmen, wenn ex was fu fagen hätte, wel⸗ 


s 
—2* IAn 
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nicht geſchahe. Sie gingen mit der Leiche sum Grabe und 
gk2 ſand⸗ 


Pr 





und bie eine ee —— "ei ie Kath und Be * * er 
ſuchte; ſo rieth derfelbe, daß der Kirchen: Rath von Heren Kur 
Gemeine, das Schul-Haus wieder in Beſitz nehmen, und ein Hei 
vor die neue Zinzendorfifche Kirche legen folte; weil das Land an ange 
für-eine Lutherifche Kirche und Schul⸗ Haus aufgenommen, und bisher 
untechtmäffig von den Herrnhutern befeffen worden. Solches ge 
fihahe, wie eg gerathen war, und -unfere Gemeine nahm Poffeffion 
Ueber Diefe Sache find viele Briefe und Geſandſchaften zwiſchen den 






Haͤuptern von Bethlehem und Herrn Weiſer vorgefallen, bis jene 


endlich dem Herren Weiſer alle Freundſchaft aufgefundiget. In dem 
darauf folgenden Herbft 2. 1747ften Ja * hat —*——— Herr 
College Brunnholtz, nachdem er Die Dur jeit verlorne Kräfte 
wieder geſammlet, eine gemeine Bifitation nah gancafter ; ° 
amd. Tulpehockem vorgenommen, und da En ‚geroefene ‚Heine 
hutifche Kirche geöffnet , diefelbe wieder eingemeihet, "und zu einer Ev: 
angefifch- Lutherifehen Kirche, nach dem Grund dev Propheten und 
Apoftel und unfern ſymboliſchen Büchern ‚geroidmet. ‚Seit der Zeit 
prediget Here Kurs dan und warn Nachmittags darin, weil 
dene von den Gemeins⸗Gliedern daherum wohnen * Was es noch für 
— a Be 
amilien halten un zu rtzens ‚und 
die übrigen fünf bis ſechs Familien hängen noch an den —— 
weil ſie theils ihre Kinder noch in Bethlehem n vohnend, theils an 
Brüder verheyrathet haben. ' pe And 
KT m Monat Auguft reifeteich hinauf und Bft, die Berge Ge 
meinen in n —— und Saccum / erwehlete in beyden Gemär 
nen einige verſtaͤndige Maͤnner zu Kivchen- Rraͤthen, um beſſerer Ord⸗ 
nung und Handhabung willen, weil ich die Gemeinen nur felten beſu⸗ 
chen * Nachhetoeraminirte ich die Leute wegen ihrer aͤuſſern und 
“ innern 















ihre — PER En often — 





DON 








— innern Beſche q Jaffenhei / ‚f viel mir möglich war und legte einige klei⸗ 


ne Mishelligkeiten ni, hielte hierauf mit ihnen Beicht und das heilige 
"Abend Hmal. Alte und unge laſſen fich von mir gerne wie Kinder era- 


iven, fie fireiten aber auch gerne wie Kinder, und heben alles auf 
bis der Pfarrer komt, damit er was zu fchlichten hat. . Ich habe des- 
‚inet n Der Kirchen Kath geſetzet, damit fie unter andern „Ihre Kleinig= 
iten felber eben machen, und beffere Ordnung halten koͤnnen. Es 
oe Eleine coetus miferabilium , die einander gar feicht anrühren, mo 
— ndet man auc Aner ihnen einige feine aufgemeckte 
aan tige Se a Er en es um ihre Seligkeit ein Ernſt zu feyn 
em ES daß man fie nicht näher zur Hand ha⸗ 

im a — Doch find GOttes Hände nicht ver ⸗ 


Kar 






in Geiſt kan auch folche Selen bearbeiten. in Mann in 
rGe mein ne Io ‚eben i in den letzten Zügen, begehrte dns heilige Abend⸗ 
mal, welches ihm nicht weigern konte, weil er ‚zuvor. ein fchönes Be 

kepthi der Zuffeund d des Glaubens an feinen Erlöfer ablegte, daf ob 
“alle Ä h verwunderten und zum Weinen bewegt wur⸗ 
den — a Darauf den A In 34 Eee A a Reife 









6: 
AR 


yen — a 1er Kin deine — von I 
A ser beiui en — Feten En Kun elphia und b 


von dem iebe 
- fega — kam auch zu mir. an, und mir mit ot und 
” na I und fitte bey mir viel Ungemach.. Der HErr vergelte ihm 
— “feine Freue! Die, — Umſtaͤnde und die Meinigen waren mir wol 
"eine Fleine — och and A folche dem HEren. Meine _ 
Sele unbe betreffend, fo an einer Seite nichts als Suͤn⸗ 
de, Mai [und Gebrechen N Amt und. Stande; aufder andern 
elte ich, mich aber in Die Gnade und Erbarmung meings lie⸗ 
und Erloͤſers JEſu ME —* und lebte der gewiſſen Hoff⸗ 














nung, — — 
ſondern anneh nadeı 
“unter. den Kleinſten und Öeringfien i 
„nes Amtes wa B Tb 

daß GOtt — es thun, fein Werck ausfůhren und andere an die 
Arbeit fiellen fan, ( die weit gefreuer, ernftlicher, und beffer, und meifer 
find, denn ich. Ich will inzmwifchen, wenn ich noch leben foll, den 
naͤdigen Gtt um Vermehrung des Glaubens, der Liebe, Geduld 
"und Freue bitten, und ihn. — Bau anfleh aß er r 
meiner Amts⸗ und Standes ag hericht gehen 
"auch meine liebe Amts» Brüder beym Leben — und m mehr freue. 
Arbeiter in die Ernte fenden wolle , wenn er. mich in Die Ewigkeit ru- 
fet. Als ich etwan vierzehn Tage mit dem, hitzigen Fieber zugebracht, 
und wegen nothwendiger Amts-Gefchäfte ausgehen mufte; ſo b 

















ich darauf das Dieptägige kalte Sieber, und — an — och 


vierzehen Tag a 
Sn Diefei verflofenen Jahre habe ſch bier on tage ft | 
net Sranckheit ausfegen muͤſſen Sonſt habe durch Gttes Gnat 
hach der Ordnung, fa zu. Haufe gervefen, alle Sonntage Bormit 
tags in der Haupt- Kirche geprediget, ynd alte und junge catechiſiret, 
"Nachmittags aber in beyden Gemeinen nach Gelegenheit Engliſch ge 
prediget in den Wochen = Tagen die zerſtreueten Filiale, auf Ship 
pach, über der Skulkiel, in den. Olyer Bergen und hie — da mit 
EHtfes Wort bearbeitet, in einer ieden Gemeine zweymal das heilige: 


Abendmal gehalten, etwa hundert. und neunzehn Kinder, getaufet und — 


ſechs und dreyſſig junge Leute confirmiret Der barmhergige < 
in Chriſto molle Doch fein Wort — Verheiſſung nicht gantz le 
zurůcke kommen, ſondern zu dem Zweck gedeyen laffen, wozu er es 9 


fandt hat! ¶ Wenn ich den Zircul meiner —— und Filiale be⸗ | 


trachte, fo hat derfelbe in dem Umfange über brenfig Meilen, worin- 
nen die Gemeins⸗Glieder zerſtreuet mohnen. Was mic) am meiften 
drücfet, ift Diefes, Daß gar zu wenig Zeit, Kräfte und Geleger 





be cura fpecialiübrig behalte. In den Winter-Monaten if made ER 


v8 froh, wenn man nur Die allgemeinen Amts-Gefchäi 
en und Filialen beftreiten Fan... In den Sommer- Monaten ift De 
Haus-Stand zu fehr mit Arbeit uͤberladen, daß man in den Haufei 
nicht leicht iemand anders, ald kleine Kinder eingeſperret ie Die 
rigen 


gſten it en Om en 2 
hg weil ich gemiß glaube und. weiß, 


* BEE 2 
— * Br * —8 





L.Zerin Paſt. Muͤhlenb. Ber. von feiner Amtefähr. 1948. 255 


übrigen müffen arbeiten, fonft haben fie Fein Brod. Ich finde faſt 
Feine andere Zeit und Gelegenheit, als wenn Sonntags in der Pre- 
digt die alten, und nach der Predigt Die jungen catechiſire. Ferner 
wenn ſich die Commumicanten eine Woche zuvor zum Abendmal ans 
melden, und bey Kranckheiten , Todes⸗ Faͤllen, Kindtaufen und dergleis. 
ehen.. Des Sonnabends und Sonntags ift beftändige Arbeit und Rei⸗ 
fen ohne Ausnahme, In der Woche Fan felten etliche Tage nach eine 
ander zu Haufe feyn. In den Wochen⸗Tagen findet fich heute eine 
Nothtaufe, morgen ein Krancker, übermorgen ein Begraͤbniß und fo 
toeiter in einer Reihe, und ein ieder Actus nimt faft einen Tag weg, 
wegen der weit entlegenen Wohnungen. Wo ſoll man Zeit herneh- 
men zum Studiren Iſt noch ein Tag übrig, ſo fuchet man ger⸗ 
ne folche Selen, melche unter des Geiſtes Bearbeitung flehen‘, auf. 
Wo bleibet aber Zeit zu der fehuldigen Eorrefpondens mit den Hoch⸗ 


wuͤrdigen Vätern und Gönnern in Europa? 
vu Seel Vom lfabe19g8. Acer 
In dieſem Jahr füchet GOtt unſer Land mit einer ſchweren Brufe ⸗ 
Kranckheit heim, welche zu gewiſſen Zeiten viele Leute gantz ges 
ſchwind wegreiffee. GOTT hat unſere Sand - Gemeinen' bisher 
noch fehr gnadig verſchonet, da rund um ung’ herum viele weggeraffet 
worden. Auf der andern Seife der Skulkil find in einem Strich von 
fechzehen Meilen herunter bey funfsig Witwen worden. Etliche Haus 
fer und Familien find gantz ausgeftörben, vornemlich unter den Eng⸗ 
liſchen. Dieſe Züchtigung machet unter vielen ein Schrecken, und 
lehret fie. aufs Wort mercken ; da fie fonft ficher dahin leben, und an 
nichts, "als ihren Bauch, gedencken, In unfern Gemeinen regen fich 
bey ein und andern die Frucht des Wortes GOttes zur Buſſe und 
Glauben ; da fie fonft träge find, mwenn fie Feine Anfechtung und Truͤbſal 
haben. . Dieſes hat miv wieder Muth gemacht / daß ich dencke, man ſoll 
nur immergetroft auf Hoffnung faen, und dem HErrn den Segen befeh⸗ 
ben. : Er hat allerhand Zucht- Mittel, und hoͤret nichfauf, ung Menſchen 
Durch Ernſt und Site zur Buffegurufen. - "Der Wohlſelige in GOtt ru⸗ 
hende Herr Profeffor Stand hat bisweilen bey feinen Predigten gebetet, 
Gott wolle doch in dem Hersen der Zuhoͤrer ein Woͤrtlein verſchlieſſen 
und aufbehalten ; daß es zu feiner Zeit zur Frucht Fonimen möchte: 
Im Wonat Januario ſtarb ein Glied unſerer Gemeine über der 
Skulkil. Er war ſchon ziemlich bey Jahren, aus dem Elſas gebuͤr⸗ 
6 * EP 3 SR tig/ 


a7 
ar ErH 


256 Sünfte Sortfegung, der. Nachricht ans Penfplocnien.- ; 


tig,uhörete fleiſſig GOttes Wort, und bedienete ſich des heiligen Abend=; 
mals. Er ſagte mir zuvor, daß er in ſeinem Leben viele Armuth und 
Zrübfal ausgeſtanden, welches ihm aber nicht ſo wehe gethan, als wenn‘ 
er. hier im Lande wegen feiner. Neligion von allerhand Secten hätte 
Spott und, Hon leiden müffen, ehe GOtt und unſere werthe Vorge⸗ 
ſetzte Die, Prediger. herein geſandt. Er danckete dem himmlifchen Va⸗ 
ter, daß er ihm Gelegenheit, gegeben, ſein Wort und heilige Sacra⸗ 
mente zu feiner: Selen Erbauung und Leben zu genieſſen. Er wuſte 
und glaubte nach ſeinem Catechismo und der heiligen Bibel in Einfalt, 
was zu feiner Seligkeit nöthig war, bewieß e8 auch, befonders in den 
fegten Fahren, mit, dein Wandel, dag der gnadige GOtt im feiner 
See ,„ Durch feinen heiligen Geiſt, vermittelſt feines Worte, dem Anz: 
fang kur — und des Glaubens gewircket, und ſtarb mit gefros: 
em zuth. eg s 1% er 
ı Ein anderer junger Mann an eben demſelben Orte war etliche: 
Wochen kranck. Ich beſuchte und examinirte ihn wegen feines Se 
ien⸗ Zuſtandes. Er hatte eine feine. buchftäbliche Erkentniß von der 
Oroͤnung des Heils, wuſte auch von practiſchen Wahrheiten Red und 
Antwort; zu geben, war ein getreues Mitglied an der Gemeine, und: 
verfäumte ohne Noth Feine Verſamlung zur Erbauung, Ins und befete: 
fieiffig zu Haufe, und führete einen ftillen Wandel, wie die Wachbarn 
bezeugten. Er Fam von der Kranckheit wieder auf, hatte Faum ein 
paar Tage fich erholet, fo erfolgere ein Recidiv und nahm ihn inner⸗ 
halb zwoͤlf Stunden aus der Zeit in die Ewigkeit von feinem armen 
Weibe und unmündigen Kindern. F N 
Ein Neformirter Mann in derfelben Gegend über der Skulkil 
ging fleiffig in unfere Predigten , und fand Vergnuͤgen an dem: - 
Worte GOttes. Er mar einige Tage noch zuvor in unferer Ver⸗ 
ſamlung, hörete mit ‘Bewegung zu und gab auch mit Antwort, wenn 
ic) Den Vortrag dur) Frag und Antwort wiederholete. Die Brufl- 
Krankheit überfiel ihn ſo, daß er geſchwinde ftarb. Er hatte mich zu 
fprechen verlanget: da es aber bey fechzehen Meilen von meinem Haufe: 
entfernet, ich auch nicht zu Haufe war; fo konte ihn nicht erreichen. 
Bor feinem Ende hat er befohlen mich zu grüffen und zu bitten, daß 
ich.ihn begraben ſolte. ‘Bey dem Begrabniß waren viele Teutſche, 
Engelländer, und Irrlaͤnder von allerley Gefintheiten, und bezeigten 
ich begierig etwas zu hören, weil fie von der graſſirenden Kranckheit in 


Furcht 


Herrn haſt. Mühlen, Ber. von feiner Amtofähe. us. ap 


Furcht und Schreien gefeat, maſſen an dem Tage noch fechs bis ſie⸗ 

ben Seichen in der Nachbarſchaft über Der Erde ftunden, Die Engel- 
länder und Serlander baten, ich möchteihnen Unterricht in ihrer Spra= 
che geben, weil fie es in dev betrübten und gefährlichen Zeit nöthig hae- 

ten.) Sich predigte ihnen eine halbe Stunde bey dem Grabe aus Hiob 
anısten 







Cap. mie man Buſſe thun, glauben und leben müfte, wenn 
man des Todes Bitterfeit vertreiben, und felig werden wolle. Her⸗ 
nach prediate ich den Teutſchen über ı Lim. 6, Die Keufe waren 
alle fehr aufmerckfam und. bewegt. Der HErr wolle fid) der armen 
gerftreneten und verivreten Schafeannehmen! =... — 
Einer unſerer Vorſteher wurde mit Truͤbſal heimgeſucht, indem 
feine gantze Familie, beſtehend in ſechs Soͤhnen, zugleich an den Ma⸗ 
fern darnieder lag. Er bewieſe ſich recht chriſtlich in dieſen Umſtaͤn⸗ 

den, ging oft ins rer ‚ beugte feine Knie, Fämpfete im Ge— 
bet mit feinem Heilande, befal fi) und feine Kinder zum Leben und 

Sterben, und fchöpfete, in der Gelaſſenheit und Beugung unter GOt⸗ 

tes Willen ,; vielen Troſt und Freudigkeit im Glauben, Die Kinder 

— fein Gebet und Glauben ohne Artzeneh erhalten und ge- 

nafen alle, ER, — 
AIm Monat Lebruario graſſirte die Bruſt⸗ Kranckheit noch hef⸗ 

tiger, und riß viele alte und junge Leute in die Emigfeit. Ein Ser: 
länder, der auch Teutſch verſtehet, Teformivter Religion iſt, und 

Fleiffig mit in unfere Verſamlungen gehet, begehrte mich zu fprechen, 

Als zu ihm veifete, ſo war er eben wieder genefen. Er erzehlete mir, 

- was der gnadige GOtt in der Kranckheit an feiner Sele gethan. Es 

waͤren ihm alle feine Sünden, dieer von Jugend auf begangen, vor- 

geftellet roorden. Je mehr er. denfelben nachgedacht, defto'gröffer und 
unßaͤhlbarer waren fie worden. Bey Diefer Vorſtellung hätte ex einen 
tiefen Eindruck von der Heiligkeit und Gerechtigkeit GOttes, vom 

Tode, jüngften Gerichte und ewigen Verdamniß empfunden, und 

ſich des alles werth geachtet. In ſolchem Zuftande hatte er zween Ta- 

ge und Mächte ohne den geringft Schlaf gugebracht, und Falten To⸗ 

des: Schweiß gefchroißef, und. nicht den gerinften Troſt finden Eönnen, 
bis ihm endlich Die allerwichtigfien Sprüche von dem Leiden und Ster⸗ 
ben JEſu Chrifti, und von feiner vollguftigen Gerechtigkeit und Ber- 
föhnung beygefallen, und ihn zum Beten und Flehen angetrieben. Aus 
den Sprüchen, Br eine groſſe Kraft zugefloffen. Da feine Frau 

V. Penſylv. Sortf, & und 





— 


258 gaͤnfte Fortſetzung der Nachricht aus Penfylbanien ⸗ 
und Kinder ſolches gemercket, haͤtten ſie ihn beygeſtanden mit Gebet 


und Vorleſen aus dem Neuen Teſtament So fündig, ja überaus a 


on und Verdammungs⸗ würdig er ſich zuvor in feinem Blute gefe- 
nz fo herrlich waͤre ihm die freye Gnade in Chriſto IEſu, feinem Bluts⸗ 


Freunde, im Gebet und Kampfe eroͤfnet worden. Durch den leben⸗ 


digen Troſt und Verſicherung der Gnade hätte ſich Leibes und Selen⸗ 


Kranckheit verloren ſo, daß er keine Angſt der Selen, noch Schmer⸗ 


gen am Leibe mehr gefuͤhlet, und von der Stunde an aufgeftanden 
ware. So viel ich mir vorftellen Fonte, fo mochte Die Kranckheit et- 
wa auf der höchften Gefahr geftanden haben. Wenn nun fo eine ar⸗ 
me Sele mercket, daß Das —— und dem Leibe zerriſſen 
werden ſoll; ſo mag fie wol die gehoͤrten Wahrheiten, die lange ver⸗ 
graben gelegen, hervor ſuchen, und durch die Wirckung des mit dem 
Worte GOttes verbundenen Geiſtes einen ſolchen Proceß erfahren. 
Doch ſagte ich ihm, daß dieſes vielleicht nur ein Abriß von dem Ge⸗ 
baͤude ſelbſt geweſen ſeyn moͤchte. Weil ihm GOtt das Leben gefri⸗ 


ſtet; ſo ſolte er dasjenige nun in der gehoͤrigen — beſſer zu 


erfahren ſuchen, wovon er zuvor einen Eindruck gehabt. Das 
GOttes, wenn ers recht behertzigte, wuͤrde ihm fein tiefes Verderben, 
nemlich die Neigung zum Boͤſen und Abneigung von dem wahren Gu⸗ 


ten, an ſeiner Seite, und an GOttes Seiten die weſentliche, den Suͤn⸗ 
dern erſchreckliche, Heiligkeit und Gerechtigkeit offenbaren. Ja, wenn 


er die Heiligkeit und Gerechtigkeit des Alterhöchkten, und ſan eigenes 
tiefes und unerforſchliches Verderben und Verſchuldigung noch etwas 
naͤher, als m einem Spiegel, ſehen wolte; fo ſolte er dem Sohn des 
Allerhöchften, als feinem Buͤrgen, in den Evangeliſten ernſtlich nachge⸗ 
hen, und betrachten, wie denfelben die Heiligkeit und Gerechtigkeit von. 
Sethfemane bis Golgatha wegen unferer Sünden gedruͤcket/ und son’ 
Dem grünen Holge auf das Dürte ſchlieſſen Wenn er zu einer‘ 
hen gruͤndlichen Erkentniß feines tiefen Verderbens, zu einem mal 
haften Haß, Eckel und Abſcheu gegen daffelbe gelangte, und die Suͤn⸗ 
den als Sünden vor der heiligften Majefaͤt erkennete; ſo wuͤrde ihm 
das Evangelium eine recht fröliche Botſchaft, ja eine Kraft GOttes 
zur Seligfeit und zu einem gang neuen Leben werden. Alsdenn wuͤr⸗ 
de JEſus Ehriftus feine: Gerechtigkeit, fein Friede , feine Freude und 
fein Ein und Alles feyn, wie er in dem andern Eapitel des andern Bu⸗ 
ches in dep ſeligen Arnds Wahrem Chriſtenthum meiter — 
—J I, E FE ee 3) 














nun. nicht. ten waͤre, und iin Haus 4 den rechten 
moͤchte der Satan, die Welt und ſein eigen Fleiſch 
eder Die. aan, bekommen, ‚und. feine, Sele aufs neue 
ehmen, und ihm endlich eingeben, er haͤtte nur,eine Einbil- 
‚ „oder. einen melancholifchen Zufall, in der. Kranckheit ei 
um hieffe sr :-. Du bift kranck — Hi, wi worden 3 fie 
An daß — Ah —5 wieder Fr es waͤre 


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Neuh von A 
3 heilige. jun malim Glaube m | 
ich am Abend hin kam, J daſelbſt 
Dei endmal.empfing,, fragte ich fie, was 
ng ware, worauf ſie leben und ſterben wolte? 
Ran nung, Die in ihr war, und redete fo deutlich 


| a eineg armen. Suͤnders vor GOtt, „Die fie, als eine arme - 
> erin, durch den Glauben an JEſum Chriftum erfahren, daß ich 
meinete, ich hoͤre den ſeligen Doctor Aber a z worüber ich mich 
anni erfreuete, und die Umſte mftehende alle ne ränen bewegt; murden. 
Sie beichtete, Darauf fit ‚rechter Aemuth des Geiftes, und empfing das 
heilige Abendmal, ‚als eine. ‚begnadigte Maria. Magdalena unter dem 
Ereuße ihres Meiſters. Sie lebet noch und wuchert mit ihrer Gabe 
unter ihren Bekanten, dienet mir auch zu mancher Aufmnunferung. Un: 
ter andern war auch ein Engliſcher Mann mit zugegen, der in Phila⸗ 
delphia an der Engliſchen Kirche Aelteſter geweſen, und nun ins Land 
oezogen iſt, welchem das Bekentniß dieſer einen groſſen Eindruck 
gegeben. Er ſprach mit mir, und wuͤnſchte e daße er eine ſolche Er— 
fahrung von lebendiger Buſſe Glauben und Rechtfertigung haben 
möchte, tie die Frau. > j 
- Einige. Tage hernach bat mich dieſelbige Frau, ich möchte mit 
ihr Au eine vornehmen und. reichen Quackers Haufe reifen, wo eine 
— Perſon kranck läge,und meines Zuſpruchs begehrte, Als ich 
mit ihr dahin Fam, fo fand einen jungen Mann von fünf und zwanbig 
Jahren, der erft neulich von Meuengelland hieher gekommen war, an 
ki Bruſt⸗ Kranckheit darnieder liegen. * Die Frau * ſchon A 


endigen Glauben, und, befonders vonder 


260 ganfte Kortfegung der Nachricht aus Penfploanien. 


mal zuvor mit ihm von feinem Selen-Zuftande geredet, und gefunden, 
Daß der HErr fin Gnaden⸗ Werck in ihm angefangen.  - Sch fragte 
ihn, tie es mit feinem Kerken ſtunde? Er fagte, daß er in der Eng- 
hifchen Kirche getauft, in deren Schooß auferzogen, und zum Leſen 
und Schreiben arigehalten worden ware. Er haͤtte abet in feinem gan: 
gen Leben, nicht ſo erfahren, was das thatige Ehriftenthum bedeutete, 
als in diefer Kranckheit. Denn er fühlete fich als den gröffeften Suͤn⸗ 
der zwiſchen Himmel und Erden, der vom Haupt bis auf die Fußſoh⸗ 
len nichts gefundeg‘, fondern lauter Geſchwuͤre und Eiterbeulen an I 
fände, ja, der GOttes Zorn und Die Verdamniß verdienet hätte, un 
nicht werth wäre, feine Augen gen Himmel aufguheben. Er fuͤhlete 
und empfaͤnde mehr von dem tiefen Verderben im feiner Sele, als er 
mit Worten auszudrücken vermöchte, Er Eönte fich aber felber nicht 
Helfen, auch die verlorne Zeit nicht wieder zurück rufen, vielweniger 
Kine Sünden und Webertretungen tilgen nd GOtt verföhnen. AIch 
Aantwortete ihm, wenn er das vorher geſagte von Hertzen einpfaͤnde und 
she Heucheley glaubte; fo muůͤſte er fich. nunmehro nach einer vollgůl⸗ 
tigen Gerechtigkeit umfehen, Die: feine Sünden Schulden bedecken, 
ihn vor dem allerheiligften Gerichte GOttes vertreten, von allen Suͤn⸗ 
‘den reinigen und in einen feligen Stand fegen koͤnte. Er antwortete, 


das waͤre eben feine gegenwaͤrtige Betrachtung, Damit ginge er um. 
Ieh fragte, ob er einen Begriff von dem groffen ımd einigen Welt⸗ 
Heilande und dem Wercke der Verföhrtung hatte? Er/anfmortete, 
daß er in feinem’ Sehen vieles von ihm gehöret in Predigten und Un- 
terricht 3: es wäre ihm aber niemals fo nahe zu Herken gegangen, als 
in dieſer Kranckheit. Er fühlete einen Hunger und Durſt nach feiner 
‚Gerechtigkeit, und wuͤrfe ſich zu feinen Fuffen, in Hoffnung, er wuͤrde 
Ah nicht hinaus ftoffen, fondern Gnade für echt ergehen Taflen. 

Reit ich denn ein bußfertiges Hertz und einen Anfang des Glaubens bey 
ihm merckte, (fo wert Menfchen nach den auflern Kennzeichen urthei- 
ken koͤnnen,) fo fragte ihn, mie er fich verhalten wolle, wenn ihm G tt 
Das Leben friften folte? Er antwortete, daß er fih durch GOttes 
Gnade und Beyſtand an feinen gecreußigten HErrn JEſum und fein 
Wort halten, den Wirckungen des guten Geiftes folgen, wider den 
Zeufel, die Welt und fein verderbteg Fleifch mit den IBaffen GOt⸗ 
tes ftreiten und feinem Erloͤſer mit Leib und Sele eigen feyn und blei⸗ 
ben mwohte, Sch fragte, ob er denn feinen HErrn JEſum fo lieb haͤt⸗ 

* — te 











grimm | ſtarckem Schwaiß tat ; fo 
gesucht zu hen, (mer fe im ran es HErem mine 
„u Nacht 


gehalten worden. Da er nun etliche Jahre unter den Reformirten im 


4 
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Sande herum geprediget, und Durch Das Wort und den Umgang El Ar 


| 1. Zerin Paſt mahlenb Ber. von feiner Amteführ. 1748. 263 


. Selen erwecket, auch den Brüder- Conferentzen mit beygewohnet; fo 
babe ein Theil feiner Zuhörer darauf gedrungen, daß er aufrichtig be⸗ 
Fennen folte, ob er ein Bruder von den Herenhutern ware? Diefe 

yaben hingegen einige mal gefordert, er folte fagen, ob er in ihren gan⸗ 
ben Plan arbeiten tolle? Auf folche Weiſe habe er eine Zeitlang zwi⸗ 
ſchen beyden gehangen, bis ihm zuleßt von Bethlehem aus drey Fragen. 
- fohriftlich zur Beantwortung vorgelegt worden; als 1) ob er ein na= 

tureller Bruder der Gemeine, oder 2) ein Freund, oder-3) ein Feind 
der Gemeine ins Fünftige fenn wolte ?_ Solches habe ihn bewogen ei= 
ne Zeit auszufegen und nach Bethlehem zu reifen, damit er ihre Sa= 
ehen-einmal recht im Zufammenhang mit unpartheyifchem Gemüthebe- 
ttachten und einen Entfchluß faffen koͤnte. Als ex nun etliche Wochen 
dafelbft geweſen, GOtt insgeheim um erleuchtefe Augen gebeten, und 
. ihre Sachen unpartheyiſch überlege, von dem Biſchof Cammerhof 
aber recht gottesläfterliche Ausdrücke in öffentlichen Predigten gehöret, 
und in befondern Unterredungen lauter anflöffige Sachen erfahren: ſo 
habe er Abfchied genommen, und die zuvor gehabte Gemeinfchaft mit 


* 


ihnen aufgekuͤndiget. Die vornehmſten Haͤupter, beſonders Herr 
Spangenberg, hätten ihr aͤuſſerſtes verſuchet, ihn beysubehalten , aber 
et koͤnte nichts anders, als eine allgemeine erbarmende Liebe gegen 
fie behalten, und waͤre zuerſt gedrungen, eine Decfaration in gelinden 
Ausdrücken Drucken zu laffen, und zu zeigen, warum ex fich ihrer &e- 
meinfche entſchlagen müfte. Solten fie dagegen nad) ihrer gewoͤhn⸗ 
lichen Weiſe mit Schmähen und Lügen antworten: fo hätte ev noch vie- 
les im Vorrath, daß er ihre Schande und Bloͤſſe aufdecken koͤnte. 
Ich führete ihm in Liebe zu Gemuͤthe, wie ſehr er fich verfündiget, daß 





et heimlich mit den Leuten Gemeinfhaft gehalten, und etlichemal in 
edigten feinen armen reformirten Zuhörern betheutet, daß er Fein 





erinhufer, oder Mährifcher Bruder ware. Er leugnete nicht, daß 
er viele Sünden und Schaden damit verurfachet, wolte aber GOtt 
um Gnade und Wergebung und ein reines Hertz und einen neuen ge= 
wiſſen Geift bitten xc, Er fagte ferner, nun ſtuͤnde er allein, und waͤ⸗ 
re leicht zu erachten, Daß die Herrnhuter allerhand Urfachen und Mo: 
tiven von feiner Scheidung erfichten und ausſtreuen wuͤrden; bate 
dahero/ daß wir ihn in unſer Gebet mit einſchlieſſen moͤchten, damit 
der HErr den Ueberſchwang feiner Gnade und Erbarmung an ihm be= 
weif h ihn für emem Fall bewahren, und ihm Kraft zum Kampfge 
Di ” gen 


— 


254 Sanfte Foriſenung der Yracheicht ans Penfploanien ı 


genden Teufel und feine liſtigen Anlaͤufe verleihen wolle· Denn, wenn. 
er nun den geringften Fehltritt begehen folte; fo wuͤrden die Herrnhu⸗ 
ter vor aller Welt auspofaunen und ſagen: Da fehet ihr die Urfachen, 
warum der Jacob Lyſchi nicht hat bey uns bleiben Fönnen! Nachhero 
hat er feine Declarafion drucken laffen, und fic) mit den reformierten, 
von der Claſſis von Holland gefandten, Herrn Predigern vereiniget. 
Er wohnet an den Grentzen von. Penſylvanien über der Suſquehana, 
wo er fich ein Stück Land gefauft und verfchiedene Gemeinen bedienet. 

. Sn eben dieſen Monat mufte Herr Kurtz noch einmal die Ge⸗ 
meinen auf Raritan befüchen, nach unferm Berfprechen. Die Urfae 
hen, warum wit benfelben dahin geſandt, waren folgende: 1). Im 
vergangenen Monat November war der berüchtigte Earl Ruddiph 
nad) Raritan gekommen, nachdem er Georgien, Karolina, Birgie 
nien, Mary-Land und zulegt auch Penfplvanien, durchzogen, und 
vielen Verdruß gemacht, und von einem geroiffen Prediger mit einem. 
Recommandations⸗Schreiben dahin abgefertiget worden. Daſſelbe hat⸗ 
te er nun einigen in Raritan, welche etwa Vorurtheile wider uns haben 
mochten, vorgezeiget, denen uͤbrigen aber er einen freundlichen Gruß von 
uns gebracht, und geforſchet, wie ſie geſinnet waͤren. Ehe die letztere von 
uns Nachricht eingiehen konten, hatte er ſich ſchon einen Haufen leicht⸗ 
glaͤubiger Menfchen anhängig gemacht, und mit ihnen einen ſchriftli⸗ 
chen Accord: wegen des Predige + Amts aufgerichtef. Die Klügeren- 
hatten bey ung megen feiner Umftande nachgefraget. Er hatte dage⸗ 
gen den armen Leuten mit Lift und "Betrug vorgebildet, wie gefährlich 
ihre Gemeinfchaft mit ung ware. Verſtaͤndige Leute, die unfere Ar— 
beit durch GOttes Wort an ihren Selen Eraftig erfahren, fahen gleich, 
daß es groͤblich verfehlet war, widerſtunden Der andern Parthey, und , 
ſchloſſen ihre zwey Kirchlein vor. ihm zu, überliefenung mit Briefen und 
Geſandſchaften, baten, wir, möchten Doch wegen dieſer Uebereilung, 
daran die Unverſtaͤndigen meiſt ſchuld geweſen, unſere Hand nicht von 
ihnen abziehen. Sie koͤnten nicht leugnen, daß ſie anfangs ſelber ge⸗ 
meinet, der Menſch waͤre von uns geſandt, weil er von uns Gruͤſſe ge⸗ 
bracht, und eine chriſtliche Sprache gefuͤhret hatte, Wir gaben ihe 
nen einen nöfhigen Verweiß, liefen ung ihre Umftände jammern, und 
verfprachen den Herrn Kurs noch einmal auf vier Wochen zu. ſen⸗ 
den. Vielleicht würden wir bald Nachricht aus Europa befom-- 
men, und weiter fehen, wie e8 gehen ſolte. Der Carl Rudolph 

| 0 meinte 


Serrn paſt. Widhlenb: Ber.von feiner Amteführ.1739.25 


= meinte inzwiſchen doch feſt zu figen > teil die Engliſchen da: herum 
ſich mit ſeiner teutſchen Parthey vereiniget und. ihm ein maͤſſiges 
Salarium verſprochen hatten: als fie aber unſere Nachricht gele— 
ſen, und auch geſehen, Daß der Menſch oͤffentlich anfing gu huren und 
zu ſtehlen; fo ſchaffeten ſie ihn bald weg. Er trug einen ſchwartzen 
Prediger: Habit, welchen er dem alten Valentin Kraft geſtohlen hatte, 
Bon Raritan verfügte er ſich nach dem andern Theil von Yerſy, wo 
auch Zeutfche wohnen , blieb aber nicht lange daſelbſt, fondern Fam 
wieder nach Philadelphia, ließ fich als ein Soldat nach Neuengland 
‚werben, und wo er nun iſt, das weiß man nicht. _ So grob der Sa⸗ 
tan diefesmal auf Raritan mit feinem Lafteren wider ung wuͤtete; fo 
hat er Doc) wenig Vortheil erhalten, und die rechtfchaffnen Selen find 
nur mehr Dadurch ‚offenbar worden. Bey folchen Umfianden fanden 
wir noͤthig, den Heren Kurs noch einmal dahin zu ſenden, weil we⸗ 
$ 3 — —— Herr Collega Brunnholtz, Zeit und Kraͤfte hatten, 
Zu Ausgang dieſes Monats kam ein junger Schwediſcher Mann 
zu mir, Elagte mit weinenden Augen, daß bey ihnen die Bruſt-Kranck⸗ 
heit graſſirete, und ſie keinen Prediger haͤtten, der ſie troͤſten koͤnte. 
Die arme Jugend wuͤchſe in Unwiſſenheit und Eitelkeit auf. Ich 
ſolte doch einmal zu ihnen: kommen und Buſſe predigen. Vierzehn 
Tage darnach farb derſelbe Mann, und ich wurde geholet, ihn zu be⸗ 
graben. Der Ort liegt zwiſchen zween Fluͤſſen, die Skulkil und 
Mahanatawny genant, ſechzehen Meilen von meiner Wohnung. 
Weil in demſelben Strich fett Land iſt; fo haben ſich anfangs die‘ 
Schweden , hernach Englifche und andere daſelbſt gefegef. Die 
- Schweden wurden etliche Jahre von ihren National: Predigern aus 
Philadelphia dann und wann befucht, ‚und: mit den heiligen Sacra- 
menten verfehen. Die Englifche Nachbarn, welche fich zur Kirche be= 
Eennen, lieffen fich bey folcher Gelegenheit zugleich vonden Schwediſchen 
Heren Predigern in Englifcher Sprache predigen und die Sacramen- 
te veichen , weil fie fich der gedachten Sprache aud) befleiffigen.. End» 
lich feste fich ein fehmedifcher Prediger, der in Philadelphia abgedanckt, 
an dieſen Ort, und brachte es fo weit, Daß fie eine Fleine Kirche baue= 
ten, wo Gottesdienſt in Schwediſch⸗ und Englifher Sprache gehalten 
wurde.  Derfelbe war zwar von gufer Meinung, konte aber mit den 
Leuten nicht recht harmoniren. Weil nun die Herrnhuter in voller 
V. Penſylv. Fortſ. Mm er: 





356 + Sünfte Sortfegung der Prachricht aus Penſylvanten. 


Werbung waren; fo wurde von ihnen auch ein Schwediſcher Stu: 
Diofus, Prizelius, dahin gefandt. Dieſer Studioſus und andere fei- 


nes gleichen hatten ſchon von Schwediſch⸗ Englifch= Irrlaͤndiſch und 


Teutſchen Leuten einige Hertzen geſtohlen, und er fing an mit denſelben 
die Kirche einzunehmen. Als er nun auf einen gewiſſen Tag die Kir⸗ 
he beſteilet, der alte Schwediſche Prediger aber davon hoͤrete; fo ver⸗ 
fuͤgte ſich letzterer etwas fruͤher in die Kirche, und erwartete den neuen 
Werber, welcher ſich auch einſand, nachdem die Leute verſamlet wa⸗ 
zen. Der Alte ging ihm aus feinem Pult entgegen, und ſagte zu dem 
ungen: Du komſt als ein Dieb und Morder in den Schaaf-Stall, 
und ſchlug ihn mit groffer Gravitaͤt derbe auf Das Maul. Ehe es aber 
zum weitern Gefechte Fam, liefen Die Gemeins-Glieder zu, und brach- 
wen fie aus einander. Der Schwediſche blieb nicht beſtaͤndig an dem 
Orte, und konte auch den Leuten Die Hergen nicht. fo fehlen, wieder _ 
Abſolom, folglich faffeten die Herrnhuter Dafelbft Fuß. Bald Fam 
von denfelben ein Schwede, bald ein Schottländer, bald ein Teutſcher 
amd predigte in ihrer Kirche. - In dem andern Jahre meines Hierfeyng 
baten mich etliche Schweden, die der Herrnhuter uͤberdruͤſſig worden, 
ich folte einmaf hinauf Eommen und in Engliſcher Sprache predigen 
Ich that ſolches, und ſie baten mich, Daß ich doch dann und wann in der 
Woche hinauf kommen und Gottesdienſt halten moͤchte, weil fie den 
Vortrag von Buſſe, Glauben und Gottſeligkeit gerne höreten. Als 
ein neuer Schwediſcher Prediger zu Philadelphia ankam; ſo reiſete er 
hinauf, und erbot ſich, ſelber dann und wann hinzukommen, und ihnen 
mie GOttes Wort und den Sacramenten gu dienen, wie feine Vorfah⸗ 
ren gethan hätten.  Diefes war mir lieb, weil ohne dem Laſt und Ar- 
‘beit genug hatte. Er blieb aber aus, und der obgedachte alte Schwe⸗ 
diſche Prediger reiſete gar weg nach Europa, folglich Fund die Thür 
Yang offen für Die Herrnhuter, welche einen Prediger nach dem andern 
dahin fanden und auch mir dem Herrn Neyberg aus Lancafter verab- 
redet hatten, daß er die Gemeine nach Gelegenheit befuchen , und das 
Netz folte ziehen helfen. "Den Schweden und Engelländern gefiel 8 - 
‚gar wol, daß die Herenhutifche Prediger Eeinen Unterhalt forderten, 
ſondern auf. Hoffnung arbeiteten.  "Selbige gedachten aber das Capi⸗ 
‘taf mit’ dem Intereſſe zugleich zu heben, und in ihre Heilands-Eaffe zu 
hringen welches aber wider Vermuthen zu ſchwer hielte. Die Herrn⸗ 
huter pfiffen den Schweden und andern doch gar zu ſuͤſſe * 
—2 a IL Bethle⸗ 


L Herrn Paft: Muͤhlenb. Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 1748. 257 


Bethlehem nor, und ſagten immer: Komm und ſiehe! Aber die Leute 
mochten nicht. Einen reichen Irrlaͤnder in derſelben Gegend hatten ſie ſo 
weit bekehret, daß er zwey von ſeinen aͤlteſten Kindern in ihre Schui⸗ 
Anſtalten nach Neuhannover gab, Er wolte aber zu viel uͤber feine 
Kinder, und beſonders uͤber ſeine Guͤter, Herr bleiben, und alsfeineandere 
Kinder zu Hauſe eine gelinde Art von Maſern bekamen und leicht uͤber⸗ 
ſtunden; ſo wolte er gerne Jauch Die Kinder von den Herrnhutern zu 
Haufe haben, Damit ſie auch diefelbe Art von Mafern Eriegen und ges 
nefen möchten.  Diefe, Die Herrnhuter, mercketen aber gar wol, daß fie ing 
kuͤnftige über-feine Güter nicht Meiſter werden koͤnten; darum gaben fie 
Die Kinder heraus, und wurden: böfe, verlieffen ihn, und bekuͤmmerten 
ich ſo wenig um feine Sele, wie fie zuvor gethan hatten. : So weif 
atten die Herenhuter das Feld gebauet, als fie es verlieffen, und da: 
von gingen. Als nun die Kranckheit und Anfechtung die Keute wol: 
te auf das Wort merefen lehren; fo mar Fein Wort vom den Herrn⸗ 
hutern ausgefüet, das in. der: Anfechtung Stich halt, fondern Unwiſ—⸗ 
fenheit,, Finſterniß und troſtloſer Zuftand fand ſich bey ihnen. : Ich 
ward genoͤthiget/ den oben erwaͤhnten jungen Schweden, und zugleich. 
auch einen Engliſchen Mann zu begraben. Nach der Leichen= Predigt 
traten einige alte Schweden, der obberuͤhrte Irrlaͤnder und ein erweck 
ter Engliſcher Mann, der aus Philadelphia herauf gezogen, zufam: 
men, baten mit Thraͤnen, ich folte ihren Zuftand behetsigen und mich 
entfehlieffen, dann und wann am Sonntage hinauf zu kommen und ih: 
nen zu predigen. So gerne ich mich von fo ſchwerer Arbeit losgemacht 
hätte, fo viel ich die ohne dem zu ſchwere Laſt meines weitlaͤuftigen Am: 
tes vorſchuͤtzte; ſo unablaͤſſig hielten ſie an, bis ſie mich uͤbermochten, 
ihnen. auf eine Weile nur etwas zu verfprechen. Sch fing bald darauf 
an, und predigte alle vierzehn Tage einmal an einem MWercktage, und 
alle vierzehen Page einmal am Sonntage Machmittage dafelbfl. Die: 
fer Ort ift von Meuhannover durch einen guten Weg vierzehen Mei: 
len, und Durch einen rauhen Steinberg nur zehen Meilen und einen 
Fluß: Wenn ich am Sonntage in Meuhannover den Goftesdienft 
verrichtet hatfe, und etwa um zwölf oder kin Uhr Nachmittags fertig 
war; ſo ſprung ich zu Pferde, und ritte bey der groffen Sonnen Hitze in 
Eil nach dem Ort, daß um zwey oder drey Uhr da ſeyn fonte. Zu: 
erſt hielte eine Englische Predigk, hernach eine teutfche Vermahnung, 
weil verfchiedene Teutſche arme Dienfiboten und andere von der Luthe 
— Mmme riſchen 


268 Fanfte Fortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien 


riſchen und reformirten Religion da herum wohnen / und auch begierig 
find, was zu hoͤren. Das Engliſche koͤnnen die Schweden und Jrr⸗ 
jaͤnder fo gut verſtehen, wie ihre Mutter: Sprache, weil fie hier im 
Lande unter den Engliſchen geboren und erzogen ſind. In den erſten Pre⸗ 
digten erklaͤrete ich ihnen die deutlichſten Spruͤche aus dem neuen Te⸗ 
flament von Buſſe und Glauben. Hernach erklaͤrete ihnen die Exem⸗ 
pel von der heiligen Taufe aus der Apoſtel Geſchicht In den Wo⸗ 
chen⸗Tagen / da mehr Zeit hatte/ fing ich mit alten und jungen zu ca> 
techifiren.an. Es ift kaum zu glauben, wie geoffe Unwiſſenheit unter 
den Alten und Jungen zu finden, Doch find fie aufmerckſam und in 
Furcht, weit verſchiedene ſchleunige Zodes: Falle unter ihnen vorgefallen: 
3. Den often Merg ließ mir GOtt Die befondere Freude erleben, 
daß ichden neu angefommenen Herrn Paſtor Handſchuh, mit meinem 
werthen Heren Collegen Brunnholß , ſehen und in meinem Haufe bez 
wirthen Eonte. Allen Umftänden nach, fo wir genau aus unferer Vaͤ⸗ 
ter werthen Briefen bemercket, glauben wir, daß es des HErrn gnaͤ⸗ 
diger und vollkommener Wille geweſen ſey, den Mann, als einen Zeu⸗ 
gen der Wahrheit unter den Penſylvaniſchen unſchlachtigen Geſchlech⸗ 
tern aufzuſtellen. GOtt fen ewig gelobet, durch unſern HErrn FE- 
ſum Chriſtum, und vergelte unſern Hochwuͤrdigen Vaͤtern und geſam⸗ 
ten Wohlthaͤtern in Zeit und Ewigkeit ‚ihre faſt unzählige Bemuͤhun⸗ 
gen und Wohlthaten ; welche fie vom Anfang bis hieher, aus lauter... 
Erbarmung und: Mitleiden, den armen zerſtreueten und vermilderten - 
teutſchen Riligions⸗ Verwandten erwieſen haben.“ Wie wix vernom- 
men, ſo hat der liebe Herr Paſtor Handſchuh eine ſchwere und truͤb⸗ 
ſelige Reiſe gehabt, welche ihn ſehr abgemattet. Da der gnaͤdige GOtt 
nun bis hieher von hinten nach, Durch die Umſtaͤnde, uns ſeinen gnaͤdi⸗ 
gen Willen kund gethan; fo wollen wir in ſeinem Namen einen neuen 
Zeitlauf anfangen, ihn fleiffig anrufeir, die Wolcken⸗ Säule voraus 
gehen faffen , und allgemach von hinten‘ nachfahren, und fehen, wo 
ung der Weg eröffnet und hinzugehen erlaubet oder befohlen toird!! "Zu 
* a find wir gewillet, unfere gefamten Gemeinen mit naͤchſtem 
zu beſuchen. | | 1% 
In Philadelphia und Germantovon hat Herr Paſtor Hand⸗ 
ſchuh zu erſt angefangen, den Saamen des goͤttlichen Worts auszu⸗ 
ſtreuen Ich war gewillet, auf Das bevorſtehende Oſter⸗ Feſt das heili⸗ 
ge Abendmal in meinen Gemeinen zu halten. Bey — und 
Sn he xami⸗ 


4 — RUF vonfeiner Amtsfuͤhr. y48. 269 


ri der er) welche hinzu gehen wolten, fand “ein und andere 
| hu iR ne an Oma SOttesin ihnen, welches 
Den ie * je ET, Semeta, ve inne Are 
jaftor Sandſch Sy La Gen. | 











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barſcha M ide. 

En | en pril erba — nr A mit einer ae: 
Ge — Prov ent Br * ſf nachhero das heilige 

Abend mal anstheilen ¶ Hetr Kurtz war am sten April von Raritan’ 
in Philadelphia — — hatte den Hand chuh u erſte⸗ 
- mal gefehen, Fam zů mir herauf und reiſete vollends nach Tulpehockem, 
daß er am ſtillen Freytage weh aldahalten, und unfere Ankunft, 
da wir uns vorgenommen, auf den Sonntag Duafimodogeniti daſelbſt 
an Sardfiuß eben 

e ril reiſete ich mit Herrn Paſtor Han ie en’ 

Meilen nad) meinem dilial auf Schippach und heß ihn predigen, reifere. 
mit ihm am Abend toieder nach Haufe, alwo wir unſern lieben Kern 
* — A n St Mir ermudet von Der. ne 













und na Hmmeh Ak 5 San 8 N 
— im du eh en ga Vormittags 
wir bey ‚der ch⸗ ah ren ih — ich, eine Engelli= 
ſche Pr Herr College Brunnhols eine If che ak, , und. 
| ing Say Aus senior, wori winb ver⸗ 
hoffen. "Zehen Meilen weite var v — Ian Fre 
lein zu predie gen“ \ Yaft ſtor Handſchuh 





war 





war mit dem Herrn Vigera voraus, war aber gu fpät. gekommen, da) 

die Leute meiſt wieder. — den ‚übrigen Anweſenden hat— 

ex indeſſen eine Erbauungs-Stunde im Haufe gehalten. e 
‚Am ı4ten April reiſeten wir fruͤhe aus, paffirten- glücklich die 

Skulfil und Famen Nachmittags wolbehalten in. Herrn Weiſers 


—— kem an, alwo wir wit vielen. Freuden empfan⸗ 





gen, wuhi ! a N ‘ — A 
Den ten April lagen wir 


Den aten April lagen wir ſtille, erinnerten uns vor GOtt der, 
gnaͤdigen Führungen und. unſerer Hochwuͤrdigen Väter, ſamt allen: 
werthen Goͤnnern in Chriſto, Die wir in Europa verlaſſen 

Den zaten April gingen wir fünf LEN au BÄREN e 


hielten Borbereitung und Beichte mit.den Communicanten, „nicht 





oh⸗ 
ne. merckliche Bewegung, beſuchten Herrn Kurtz in ſeiner Wohnung, 
und reiſeten Abends wieder zuruͤcke nach unſerm Quartie. 
Aum ·ten April gingen mir alle zuſammen in die Kirche, und ei 
ieder von uns hatte ſeine Verrichtung. Einer: dienete vor dem Als; 
tar, der andere taufete, der dritte hielte noch eine kleine Vorbereitung 
und Beichte, der Herr Paſtor Handſchuh verrichtete die Predigt, und, 
reichete hernach mit dem, Herrn Paſtor Brunnholtz uͤber zwey hundert 
Communicanten dag heilige Abendmal. Es ging alles ordentlich. und 
erbaulich zu. Nachmittags um. vier, Uhr verfügten wir ung nach, Der, 
im Streit liegenden Maͤhriſchen, oder nunmehro fogenanten alten Lu⸗ 
tberifchen Kirche, und höveten den Herrn Kurk predigen. Von der; 
Stadt Sancafter waren auch einige. Vorſteher mit zugegen... Abends: 
gingen wir wieder in unfer Quartier und; erbaueten ung, mit einander 
in chriſtlichem Geſpraͤch. Wir faffen;bisin die Nacht um zwölf Uhr. 
Kaum hatten wir ung zu Bette gelegt ; fo verfiel Herr Weiſer in eino ſo 
heftige Colic, daß es fehiene es folte augenblicklich, zu. Ende gehen. 
Diefer Zufall war mir unter andern auch um desmillen gar ſehr em⸗ 
pfindlich , weil. die Herrnhuter kurtz vorher unverſchaͤmter Weiſe ihn 
nicht undeutlich zu verſtehen gegeben, ala wolten fie. ihn tod. befen.. 
Sie hätten feinen Tod gewiß gemißbraucht, und geſagt, es Fame von 
ihrer, Macht her, tweil er ihnen widerſtanden. Wegen feiner. Selig, 
keit war in guter Hoffnung, weil er, fo viel man. von den Früchten ur⸗ 
theilen an, im Glauben ftehet , der durch Die Liebe, thätig ift, und ſei⸗ 
ne Schwachheiten und. Fehler in Der täglichen. Buffe abzulegen ſuchet 
sn, hatten upR von Athenen bey und Und war auch Bin Bioktam 
e 


* 








Derrn paſt Mahlenb Ber. von ſeiner Amtsfůͤhr 1748. ayı 


Bey der Hand.” ch bat meine Herrn Collegen, fie möchten um fein 
Leben —6 — Chriſto eins werden. Wel⸗ 
“ches fie hertzi "gerne thaten; und da beym anbrechenden Tage ein 
Medieus von einem entlegenen Drte herbey gerufen worden, und der- 
felbe eitiige Artzneyen verordnet, thaten Diefelben gute Wirckung. Das 
Gebet aber that wol das bi. * 
Anm Tage, als den ıgten April, kam auch Herr Kurtz, und wir de⸗ 


muͤthigten ung ſaͤmtlich in unſerm Kaͤmmerlein vor GOtt in Chriſto, 


* 


baten um Gnade und Erbarmung. Nach dem Gebet gingen wir zum 
Patienten, und ich fragte ihn unter andern, in Gegenwart meiner Col⸗ 
legen, als Zeugen, worauf er leben und ſterben wolte? lg er darauf 
‚mit wenigen, doch Eraftigen Worten, zu. unfer aller Wergrügen, ger 
antwortet; fo fragte noch einmal, ob ihn fein Gewiſſen beftrafte, daß 
er in Abficht auf Die Herenhuter ſo, und nicht anders verfahren? Er 
antwortete/ Daß er in der Sache nach beftem Wiſſen und Gewiſſen vor 
„On ehanbet te, und ic Deal Feiner Belnfung bersultimät 
Weil er das heilige Abendmal am vorigen Tage nicht genoffen: ſo bat 


er, wir möchten ihm daſſelbe reichen , und auch zugleich mit ihm-geniee 


‚fen. Wir machten Anſtalt dazu, beichteten mit einander vor GOtt 
"and befanten unfere Sünden mit wahrer Hergens-Beugung. Er ließ 


ſich helfen, daß er die Knie im Staube vor GOtt beugen Fonte, that 


ein bußfertig und gläubiges Gebet mit Thränen, und genoß mit ung 
"das heilige Abendmal. nn 
Am roten April lagen wir ftille, und erbaueten ung unter einan- 


“der zu Haufe, und meil unfer lieber Bruder Brunnholg und Herr Kurs 


“auch etwas Unpaßlichkeit Elagten, fo lieſſen dieſelben zur Ader. 


Den ꝛoſten April wurde ich genoͤthiget eines Vorſtehers Frau 
aus Neuhannover zu begraben. Die Frau war vor acht Tagen nach 
Dulpehockem gereifet, um ihre alda wohnende Kinder zu befuchen und 
geſtorben. Sie hatte zu ihrem Leichen: Tert den zöften Walm, und 
“zum Todten⸗ Lied: Ach GOtt und HErr, mie groß und ſchwer find 
" „meine begangne Sünden 2C.,, erwaͤhlet, um damit zu eigen, was 


ihre Meditation im Leben und Sterben gemefen. Sie lebte mit einem 


“alten Mann in der Ehe, mit dem fie neun Kinder gezeuget, wovon 
"noch acht amt Zehen, und alle von guter Hoffnung find, weil die Mut⸗ 
“ter allen möglichen Fleiß an fie gewendet hat ¶ Aeuſſerlich war fie mit 


Schwachheit ehr geplagt, hatte auch ſonſt nicht wenig Leiden. Es: 
Ba | "Seal Das Lie Ar ' \ ! € 






b 


antwortete gber mit freudigem aufthun ihres Mundes: Wenn ich auf 
mich felber (che, fo bin ich eine verlorne Tochter, eine Maria Magda⸗ 
lena; aber der HErr hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils, 


und mit dem Rock der Gerechtigkeit, daß ich ihm zum Preiſe fingen 


muß: „Nun Hertzens geliebter, ich bin nicht mehr; mein ; Denn was 
. „ich bin um und um, alles if dein! Mein Lieben und Haſſen, hab 
„ich Dir. gelaffen ze. (q) Vierzehn Tage zuvor, mar fie noch bey mir 
in Providentz und bezeigte unter. andern ein Verlangen, bald abzufchei- 
den und bey Chrifto zu ſeyn, welches der HErr denn erhöret und fie 
‚Beim gebracht hat, 21330 sus Kae 
2... Den zaften April nahmen wir Abfehied von den Unftigen, reife: 
ten nach Lancafter , und-nahmen auch den Heren Helfer Kurs mit. 


Als wir noch neun Meilen von Lancaſter waren, kamen ung die gefam= 
ten Vorfteher der Gemeine entgegen, meil fie von unferer Ankunftbes 


nachrichtiget worden, mit denen wir gegen Abend in die Stadt Famen. 
Am 2zften April hatten wir vieles abzuhandeln mit. den Vorſte⸗ 


hern. und Xelteften, und fagten ihnen, daß der Zweck unfers Befu- 
ches nicht ware, um ihnen den Heren Handſchuh oder einen andern 
Prediger aufgudringen, fondern nut zu fehen, ob fie fich in. Liebe wie⸗ 
Der vereinigen und einmal in ſolche Ordnung treten wolten, daß man 
ihr Beſtes vathen und befördern koͤnte. Wir Fonten ihnen nichts ge 
wiſſes verfprechen, meil unfere Hochwuͤrdige Vater nur einen Predi- 
ger gefandt hatten ‚und die Gemeinen auf Tulpehockem und Raritan 
offen ftünden, Mein Herr Collega Brunnholtz und id) a be- 
| —— emmet 


(9) Ans dem Liede: © IEſu, mein Braͤucgam, wie iſt mir ſo wohl! zc.. 


— 


I, PERNERET mMüůhlenb⸗ Ber. von feiner Amtsfůhr. 1748. 273 


klemmet und verlegen, wie wir den Willen GOttes zum Beſten der 
‚armen Gemeinen treffen ſolten. Weil wir dennnun einmal aus Ne 
gezwungen waren, der Gemeine die Hand zu bieten, und die. Verlaf 
—— en gänslichen Untergang wuͤrde verur ſochet haben: 
fo Eonten wir nicht anders urtheilen, als daß der Kerr Paſtor Hand- 

ıh diefelbe zum Derfuch auf eine seitlang bearbeiten müfte, bis man 
den Willen GOttes deutlicher erkennen möchte. 

Den ꝛaſten April hielte der Herr Paſtor Zandſchuh eine erbau⸗ 
liche Predigt uͤber das Evangelium vom guten Hirten, vor einer ſehr 
zahlreichen Verſamlung. Nach der Predigt blieben der Herr Collega 
| kit ge ich, mitden gefamten Gemeins⸗Gliedern, in der Kirche, 

ob fie ung molten freye Macht geben, ihnen nach unferm 
HEN Sein und Gewiſſen einen rediger zu fesen, der fich am be- 
ften für ihre | Umftände und gu ihrer Erbauung fehickte ? Sie antwor—⸗ 
teten alte: Ja! Wir fragten fie ferner, ob fie, nach Art unferer an- 
deren anverfrauefen Getneinen, ein Eoflegium von zwölf Perfonen waͤh⸗ 
fen, und diefelbe nach ewiſſen Articuln als Worgefegte erfennen wolten? 
antworteten: Ja, es folte fo fenn. Wir festen die bisherigen 
fechs Worfteher, weil fie e die angefehenften und verftändigften waren, 
mit auf die Wahl, und nahmen noch fechs andere dazu, fo gut wir fie 
finden Eonten. Hierauf hieß ich fechs und ſechs Gemeins⸗ Glieder in 
die Sacriſtey gehen, welchen mein Herr Collega Brunnholtz die Na⸗ 
men der auf die Wahl geſtelten Maͤnner vorhielte, und ſie ihre Stim⸗ 
men geben fie. Nachdem die zwoͤlf Männer aus den ſechs alten Vor⸗ 
ſtehern und ſechs neuen erwaͤhlet waren, wurden ſie von der Gemeine 
‚mie einem: Handſchlag admittiret, und muſten ihre Inſtruction unter⸗ 
ſchreiben. Solchergeſtalt ward Freude bey allen gutmeinenden Se⸗ 
len, und Furcht bey den Herrnhutern, weil ſie beſorgten, es moͤchte 
einige Ordnung zu Stande kommen. 

Am asflen ? April brachte mein Herr Collega Brunnholtz und ich 

die Zeit mit aͤngſtlichem Gebet und Bekuͤmmerniß zu, daß ung der 
‚fiebe Vater im Himmel feinen gnadigen Willen deuclicher zu erkennen 
geben wolte, und der liebe Herr Paftor Handfehuh hatte auch für fich 
der Stille Beliimmerniß, weil er merckte, daß man ihm des Ta⸗ 
Laſt und Hise in dem verwuſteten Weinberge aufubürden ge- 
dachte, Endlich fieffen wir den vorhin ermählten Kirchen- Rath ich, 
— "und ſagten ihnen sum voraus et nach vieler Ueber⸗ 
V. Penſylv. Hortſ. legung 











274 Fuͤnfte — Nachricht aus Pe Ivanie 
ver und Gebet, keinen beſſern Kath wuͤſten ‚als RER Pa⸗ 





for Handſchuh zu ihrem Selſorger zu verordnen. Wir uͤberlieſſen ſol⸗ 
es ihrer Ueberlegung, und forderten eine kurtze Antwort, ſagten ihnen 
aber dabey, wenn nur ein eintziger unter ihnen unruhig und mit un⸗ 
ſerm Rath und Einrichtung nicht zufrieden waͤre; fo würden wir ung 
zu Den andern noch offenen Gemeinen menden, und Eönten ihnen auf an⸗ 
dere Weiſe dermalen nicht helfen. Sie wurden, nach geſchehener Ueber- 
legung, alle einig, und baten um den Herrn Paſtor Handſchuh. Wir 
dachten aber bey uns felber nach, und beſchloſſen, en nur zuerft zum 
Verſuch auf ein halb Jahr dahin zu beftellen ;. weil ex. den Beruf an 
feiner Seite gar nicht auf. Lebetage, fondern nur erft zum Verſuch, an- 
nehmen wolte, wir auch freye Hand behalten wolten, damit wir den 
Willen GOttes von hinten her noch immer deutlicher. erkennen möch- 
ten. Dem zu Folge festen wir eine Schrift mit Confens. des. Herrn 
Paſtor Handfihuhs auf, und verfprashen, ihn zum Verſuch auf ein 
halb oder zum höchften auf ein gang Sahr, der Gemeine zu Lancaſter 
als. ihren Prediger zu geben, mit dem Vorbehalt, wenn einer von ung 
in der Zeit ſterben ſolte, Daß .alsdenn unfere erſten vereinigten Gemei⸗ 
wen das naͤchſte Recht an ihm haben folten. 
Den 25ften April reifeten. wir von. Sancafter wieder ab * lieſſen 
den Herrn Kurtz zuruͤck nach Tulpehockem reifen, und hielten in Earl⸗ 
town; fo zwölf engliſche Meilen von Lancaſter liegt, Gottesdienſt. 
Die Leute hatten angehalten, daß ſie an dem neuen Pfarrer mit Theil 
haben moͤchten, welches ihnen mit dem Beding eingeraͤumet worden, 
wenn ſie ſich beſſer vereinigten und dem Geiſte GOttes, 5 ſeines 
Wortes, an ihren Hertzen Raum geben wolten. Ob aber ſolches geſche⸗ 
hen, und der Herr Paſtor Handſchuh die muͤhſamen Reiſen wird ausſtehen 
koͤnnen, weiß man noch nicht. Nach dem Gottesdienſt reiſeten wir noch 
ſieben Meilen weiter herunter, und erreichten bey Falter und naſſer Wit⸗ 
vemas eines Medici Haus, welcher ung aufnahm und gütig bewirthete. 
Den zoften Aprilreifeten die lieben Brüder, Herr Br holtz und 
Herr Handfehuh, mit einander wieder hinunter nach Philadelph hia, al⸗ 
wo letzterer noch ein paar Wochen bliebe, ſeine Sachen von der Reiſe in 
Ordnung bringen, und denn ſeinen Beruf in Lancaſter antreten wolte. 
Den ꝛten Mai reifefe ich. auch nach —— und blieb 
ein paar Tage da. Die Gemeine in Borcktown über der Su— 
hehann hatte ang Li angelegen, daß wir ihr ‚möchten i in * J | 


’ . IF 


1.3even Paft. Mahlenb Ber. von feiner Amtsfähr.ıyäg. dry 


laſſenen Umftänben beyſtehen. Wir tefolirten daher, den Herrn 
—— welcher bisher in des Herrn Paſtor Brunnholtzen Haus 
Schule gehalten, und zuweilen vor ihn geprediget hatte, als Helfer 
dahın zu fehicken, und zwar zum Verfü). Der werthe Here Paftor 
Brunnholtz mar willig, Die Laſt der beyden Gemeinen zu Philadelphia 
und Germantown allein auf feine Erändkliche Schultern zu nehmen, 
Als ich am sten Maii wieder zu Haufe Fam, fo fand ich meine 
Frau und zwey —— an den Maſern darnieder liegen. Die 
Frau war in meiner Abtvefenheit nicht gehörig verforget und mit un- 
rechter Argeney verfehen worden, davon Die Maſern zurück getreten: 
folches wolte den nachfien Tag einen Stickfluß verurſachen Es kam 
fo weit, daß fie die Sprache verlor und braun wurde, Sch brauchte 
in Eil, was bey der Hand hatte. Sie winckte, daß für fie beten folte, 
Als folches geſchehen, zwang fie ſich felber zum Gebet, befahl fich, ag 
eine arme Suͤnderin, Dem verföhnten Vater in Chriſto, ermahnete 
nich, Daß ich in meinem Amte und Stande getreu feyn, Denguten Kampf 
Fampfen und den Lauf vollenden, auch Die Kinder in Acht nehmen 
möchte ac. Durch Das heftige Beten und Reden verlor fichder Stick: 
fluß , die Sprache wurde immer lauter, und che man ſichs verfahe, Ea- 
men die Mafern wieder hervor, wurden auch mit der Zeit völlig curiret, 
daß fie und die Kinder Durch GOttes Hulfe gefund murden. In 
ſolchen Umſtaͤnden wurde ihr ernftlich und heftig Geber mit Seibes-und 
Eieen. Setimdhei geerönt BAUR NR Ir N 
In dieſem Monat praͤparirte ich auch einige junge Leute zum hei 
figen Abendmal. Unter folcyen waren Zwillinge, eines Mannes Sohn 
und Tochter von is Fahren, dieſe zwey Junge Leute zeigten verfchiede- 
ne Merckmale, woraus man fehlieffen Fonte, daß der heilige Geiſt 
durch Das Wort in ihnen wircke und gefchäftig fey, ein neues Hertz zu 
fehaffen. Eines Vorftchers Sohn, der von feinen Eltern in der Zucht 
und Bermahnung zum HErrn erzogen worden, begeigte fich fehr beug- 
fam in der Bearbeitung des Geiſtes und machte mir und ſeinen Eltern 
zute Hoffnung und Freude, Eines reformirten Mannes Tochter ging 
Aeifio in unfere Kirche, und als ihre Mutter, nach des Vaters ode, 
ihr frey ſtellete, ob fie bey ung, oder nach ihres Waters Verfaſſung Un- 
terricht annehmen und das Abendmal genieffen wolte; fo ermählete fie 
das erftere, und ließ wwährender Information ein und andere Gnaden- 
Züge des heiligen Geiſtes fpuren. Die übrigen wurden als Y langen 
mit bearbeitet und begoffen, und u ihrem und der. Eltern Berlan- 
BR n2 gen, 


276 — —— — 






nach, 
a der Er , der fi 
nehmen Hy wenn 2° 59 aa 


in eine ee — * ann Hand 
fen wir auch nicht nach Raritan rathen ; weil die Uimfände dafelbft 
noch, verwirreter und muͤhſamer waren, als in Lan 

Ein Teutſcher junger Mann hatte eines fBennonifien ae ge⸗ 
heyrathet die nicht getaufet war, und als er mit derſelben ein paar Jahr in 
der Ehe gelebet, fo fiel der Mann in eine Art der Verrůckung dabey 


ex jedoch umher gehen und fi 2 She verrichten konte. In 


1. Herrn Paſt: Muͤhlenb · Ber. von feiner Amtsführ. 1748. 277 
Zuftande haben fie dennoch fehon fechs Kinder mit einander gezeuget. 
Die arme Frau leidet dabey viele Truͤbſal und Ungemach, mochte auch 
wol Unruhe im Gewiſſen haben, teil fie noch nicht Dusch die heilige 

Taufe mit GOtt den Bund des guten Gewiſſens gemacht. . Sshre 
Mutter und Geſchwiſter lebten noch, und mochten etwa gerne ſehen, 

aß fie ſich unter den Mennoniſten, und nicht bey uns, taufen lieſſe. 
Sie ſelbſ gedachte i immer noch zu warten 1, bie ihr Mann einmal wie⸗ 
der beſſer wäre; denn fie meinete, fie Fönte in Den vertworrenen Um= 
fländen, da fie faft ihres Lebens nicht ficher fey, Feine wahre Nachfol⸗ 

in Chriſti werden. Man fagte ihr aber, daß es in folchen. Umſtaͤn⸗ 
adefto nothwendiger wäre, einen rechten dauerhaften Grund und Troſt 
zu haben, woran fie fich int Leben, Leiden und Sterben halten koͤnte ec. 
Als nun in den vergangenen Monaten durch die Bruſt⸗Kranckheit fo. 
viele —— auch einige von ihren Geſchwiſtern geſtorben wa⸗ 
ren, fie ſelber wanger ging, und fich des Lebens erwog: fo bat fie 
ihre Mutter * ga ah fie 2 dürfte bey ung taufen laſſen 
Die Mutter. gab ihr freye Wahl. Sie ſchickte ſich mit Gebet und 
Betrachtung des Wortes GOttes zur heiligen Taufe, und 
ob fie zwar unfern Catechiſmum den Worten nach nicht austwendig ſa⸗ 
gen konte, fo hatte fie Dennoch eine feine kernhafte Erkentniß von al⸗ 
noͤthigen Glaubens - Articuln aus dem neuen Teſtament gefaffet 9— 
michs wunderte und innigſt erfreuete, als ich fie exkaminirte. Sie 
nach dem Examine unter vieler Bewegung des Hertzens tau⸗ 
Pe verſprach mit Thränen, ihrem lieben verföhnten Water in Chri⸗ 
ffo gefreu zu ſeyn, der fernen Bearbeitung des guten Geiſtes ſtille zu 
halten, und feinen Leitungen zw folgen. Der barmhersige Deine 
wolle die arme Sele nicht laffen aus feinen Händen geriffen werden, ihr» 
Gras und Trhfl sum Saft wenden, und ſie erhalten, Daß ſie — 
—e Ende, der Selen Seligkeit, davon tragen möge. - ; 

3 Den zıften Maii predigte ich in der nei angenommenen Schtwe- 

bifh-Engelli en Gemeine von der Bekehrung und Taufe des Haupt 
manns Cornelii Act. 10. Nach der Predigt trat eine Engelliſche Jung⸗ 
—— und begehrete die heilige Taufe. Ihre Eltern waren —3 
zeitig geſtorben/ und hatten fie nicht zur Taufe befördert, ob fie wol 
= der Engellifchen Kirche geweſen. Sie war neunzehen Jahr alt, 
onte Engelliſch leſen, und hatte fich Aeiffig im neuen Teſtament umge 
(en, Den me maus em Enge Common Prayer- 7* 
en 3 geler⸗ 











gelernet, und fonft erbauliche Bücher gelefen, auch Die vorher hier ger 
haltene Predigten, befonders die legte, mol behetsiget. Sie beklagte, 
mit Thränen, daß fie Die vergangene Jahre, tie ein verivret Schaf, 
in der Wuͤſten, ohne Erkentniß und Gemeinſchaft des HErrn JEſu, 
herum gelaufen wäre; begeugfe aber, Daß fie ein hertzlich Verlangen 
habe, nach des HErrn JEſu Befehl, fichtbar mit Waſſer getaufet, 
und unfichtbar am Hertzen und Gewiſſen durch fein Eoftbares Blut 
son erb>und wuͤrcklichen Sünden gereiniget, und in feine Gemein- 
fehaft auf Zeit und Ewigkeit ‚aufgenommen zu werden. Weil ich nun 
sorhero ein und andermal mit ihr gefprochen, und mich nach ihren Um⸗ 
ftänden erfundiget, auch gufe Zeugniffe von ihrem chriftlichen Verhal⸗ 
ten bekommen hatte; ſo konte ihr Die heilige Taufe nicht weigern. Ich 
examinirte fie öffentlich vor der Gemeine, und als fie alle Fragen deuf- 
fich und gegiemend beantwortet hatte; fo ließ ich fie Die Glaubeng-Ar= 
ticul beten, dem Teufel entfagen, munterte Die Gemeine auf sur Vor⸗ 
bitte, und befahl fie im Gebet dein Dreyeinigen GOtt. Sie Fniete 
mit Ehrerbiefigkeit nieder, und empfing die heilige Taufe. Alle Anz 
weſende auch fonft wol unbewegliche Hergen, meineten faſt überlaut, 
und beteten mit. Ein paar alte in Diefem Lande geborne Schweden 
fagten , fie hätten nun eine lebhafte Idee bekommen, wie es in der er= 
ften Ehriftenheit ergangen rät. " Be. 
Im Monat Junio meldete fich eine Ehefrau und fagte, daß fie 
ſchon fange nad) der heiligen Taufe Verlangen gehabt. Ihre Eltern 
und Boreltern find Nieder - Teutſche Leute, die faft mit den erften in 
dieſes Land gekommen, _ Sie war vier und zwantzig Jahr alt, konte 
fefen, und hatte eine feine Erfentniß aus dem neuen Teſtamente ge 
ſamlet. Ich examinirte fie nach einiger zeit, und fand, daß fie aus 
GoOttes Wort Grund von den Slaubens-Articuln geben konte, hoͤre⸗ 
te auch anbey, daß fie ein flilles, ordentliches Leben führe. Dem zu 
Folge Eonte ihr. Die Taufe nicht vorenthalten, fondern begrub fie da⸗ 
Durch in den Tod JEſu Ehrifli, und ermahnete fie, daß fie mit ihm 
durch die Kraft feines Todes und Auferftehung folte in einem neuen; 
Leben wandeln, welches fie Durch den Beyſtand Des heiligen Geiftes zu 
thun verfprach. Ihr Kind, welches fie in der Che gezeuget, wurde 


ualeich mit getaufet. Mer. a * 
”s demfelben Monat Junio hielte abermals Gottesdienſt in der 


Schwediſch⸗Engelliſchen Gemeine. Nach der Predigt wurden — 2 
\ Ri. wachſe⸗ 





Pit Zeren Paſt. Miäblenb; Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 1748. 279 


wachſene Töchter eines Engellifchen Quackers hervor gerufen, welche 
dieheilige Taufe begehrten. Der Bater hatte erſt eine Schweifche 
Frau gehabt, und mit ihr die zwo Töchter gezeuget. Die Kinder 
hatten die heilige Taufe verlanget, aber mit des Vaters Bewilligung 
nicht dazu gelangen Fonnen, und deswegen gewartet, big fie nad) den 
hiefigen Nechten majorenn waren. Wenn die Söhne ein und zwan⸗ 
‚Big Jahre und die Tochter achtzehn Jahre erveichet haben; fo duͤrfen 
fie die Eltern verlaffen und Fönnen ihr Eigenes anfangen. Unter fol- 
hen Jahren aber find fie den Eltern faſt als Leibeigen unterworfen. 
Nachdem nun die zwo Töchter ihr Alter erreichet, Fonte fie der Va⸗ 
ter nichtmehr abhalten, ic) ihnen auch das Waſſer nicht wehren, weil 
ſie fich felber Darauf zubereitet. Sie legten öffentlich vor der Gemeine 
ihr Slaubens-Bekentniß beweglich ab, und ergaben fich dem zum Eigen- 
thum der fie nicht mit Gold oder Silber, fondern mit feinem heili- 
gen theuren Blut, und mit feinem unfchuldigen bittern Leiden und 
Sterben, erlöfet, erworben, und gewonnen, daß fie fein eigen feyn 
Ba Me EEE —— —* ns wurden ar er⸗ 
mahnet, daß ſie muͤhſelig und beladen zu Chriſto kommen, Erquickung 
erlangen, von ihm die Sanft⸗ und Demuth lernen, ſich ſelbſt a 
nen, dag Creutz willig auf fich nehmen, und als getreue Juͤngerin⸗ 
nen ihm nachfolgen folten 5 meil man wol voraus fahe, daß es ihnen 
- an Spott und Verachtung nicht mangeln , und fie manche empfindli⸗ 
che Laͤſterung wegen der heiligen Taufe würden hören muͤſſen. Vor 
ein paar Jahren hatte ich einen alten Engellifchen Mann in Neuhan⸗ 
nover getaufet, welcher vor Alter ein graues Haupt und oben auf dem 
Haupte eine Klage hatte, dergleichen viele alte Leute befommen. Als 
er nun einige Tage nach empfangener Taufe wegen feines Berufs zu 
‚einem alten reichen Quacker gefommen; fo hat ihn derfelbe aufs em: 
pfindlichſte Damit aufgegogen, daß er fich von dem Prediger auf fein 
altes Fahles Haupt Waſſer gieffenlaffen. Wobey er ſich folcher Reden 
bedienet, die man anzuführen Bedencken tragen müß, weil fie gat zu an⸗ 
ſtoͤſſig find. Bey deriegigen Taufhandlung waren wenigein der Kirche, 
‚welche nicht bewegt und zum Mitbeten ‚für die Getaufte aufgemun- 
tert wurden. Der HErr wolle ihr Hirte ſeyn; fo wird ihnen nichts 
mangeln. BR IR Gr Rd J 1 —— NY RS 
Noch in eben diefem Monat: Junio wurde ich genoͤthiget, einund 


andere zerſtreuete Schafe an den ſogenanten blauen Bergen zu —2* 
— en, 








— ae 


jerhi bis meinem 
a ed Dneor ment Bi 98 


ranern und Meformirten. Ich predigte ihnen von dem verlornen bu 4 


wieder gefündenen Schaf und Groſchen Luc, 15. _ Sie waren fehr 
merckſam. Mach der. Predigt folgte mir ein Haͤuflein i in mein Quarz 
tier nach, und verlangten ni etwas zu hören. ih mich m 
ihnen in eim erbaulich Gefpräch ein. Unter ben vernahm | 
einige Lutheraner und Reformirte unter ihnen vor fünf Jahren in‘ 
videntz als Beyfiger gerohnet. Sie Fonten mir: Kuga Haupt In⸗ 
det von meinen Predigten in Provideng ſagen, und verficherten, daß 
K folche en ——— —* — — 
tten. Es iſt mir o encklich, wa ng.an 
cket. Wenn Leute das Wort GOttes reichlid im Ueber⸗ 
uß haben; fo werden fie leicht ſatt und überifig: or fie ei⸗ 
ne Weile darben und hungern muͤſſen; fo thun fie fo heißhungrig, 
als od fie den Prediger zufamt dem Wort Mufeffn wolten. Inzwi⸗ 
ſchen freuet es mich, wenn vernehme, daß bey ein und andern ein 
Woͤrtlein hängen bleibt, weil es doch ein Er rer 
daraus: Die Widergeburt entſtehen ſoll. RT RER: 
Zu Anfang des Julii befuchteich die Berg eg-⸗Gemeine pper⸗ 
milfort und Saccum, eraminivte in. denfelben ein en junger 
Beute, welche der Schulmeifter mit beſonderm Fleiffe und: Freue un= 
teveichtet und zur Confirmation nach unferer Vorſchrift subereitet hatte, 
Nachdem ichdie jungen Leute auch noch einpaar Tagefelbftunteteichtet; 
fo confiemivte Diefelben und hielte mit Alten und Jungen das. heilige 
Abendmal, wobey ein und andern Segen vermerckte, welches mich auf- 
munterte, Die Gemeinen noch ferner beyzubehalten, wenn GoOtt Le⸗ 
ben und Kraͤfte verleihen wolie. 
Die Gemeinen auf Raritan in Keep hatten n fdon {ange 
angehalten, daß fie.einer von ung noch einmal befuchen, und * 
tes Wort und den heiligen Sacramenten bi möchte, ee 
denn verfprochen war: fo fiel Das Looß auf: mich, ob ich wol einige 
Furcht hatte, dahin zu * ‚weil unſere Hochroi Vaͤter Feinen 
Selforger für fie finden koͤnnen. Ich uͤberlegte daher mit meinem 
werthen Herrn Collegen — ‚ob, und wie ferne man fich der: 












GemeinenFünftighin annehmen koͤnte, oder ob man ſich von denfelben 


los machen ſolte? Wir hatten noch nicht Gründe genug, fie gaͤntzlich 
zu 


— 


u Se 


x 
2 u Zune = Ze 


1,3eren Pafi:HTählenb.Ber: von feiner Amteführ.tris, agı 


zu verlaffen ; weil man nod) etliche gutmeinende Selen unter ihnen fand, 
die Herenhuter auf der Grenze faureten, andere Widriggefinnete aber: 
ausder Berlaffung Materie zum Spott und Lafterung nehmen möchten, 
Hingegen fahe man auf der andern Seite auch Feine Möglichkeit, mie 
man ihnen hinlänglich helfen Fonte, Weil aber Herr Schaum einige‘ 
Verdrießlichkeit zu Yorcktown gehabt; fo Fam .man auf die Gedan- 
n, ob man ihn von da wegnehmen und nach Raritan wieder aufeine | 
Zeitlang ſetzen ſolte. So ftunden die Sachen, als ich den asften Julii 
von Providens abreiſete. Ich nahm den Schulmeifter J. L. zur Ges 
ſellſchaft mit, legte an dem erften Lage fünf und dreyffig engellifche Mei: 
Ten zurück, und Fam Abends bey dem. groffen Fluß Delaware an, 
welcher Penſylvanien und. Derfy feheidek. Bey dem Fluffe traf ich 
den Herrn Paftor Hartwich aus dem Neuyorckiſchen und zween Vor⸗ 
fieher von Raritan an. Die lestere molten mich einholen. Der erfie- 
ve veifete weiter nach Philadelphia, um auch mit dem Heren Paftor 
Brunnholg zu conferiven.. ea it | 
Am e 2öften ul. veifete ich-mit den zween Vorftehern weiter nach 
Raritan, Einer von denfelben hat: in feiner Sugend zur See gedie- 
net, ift jung aus feinem Vaterland gereifet, und hat nicht viel Erfent- 
niß von der Evangeliſchen Meligion mitgenommen, Endlich hat er 
das See⸗ Leben aufgegeben, und iſt in Raritan anfaffig worden, hat ſich 
auch nachher um feine Religion «mehr gu befümmern angefangen, und 
zu dem Ende die heilige Bibel fleifig gelefen, auch den Eatechifmum : 
in Holländifcher Sprache wieder gelernet, und ift zu einer gründlichen 
Erkentniß und Ausübung des Glaubens und Lebens in Ehrifto gelan 
. get. Er hat, einen Sohn von zwantzig jahren gehabt, welchen ib 
famt andern jungen Leuten einige Ssahre zuvor confirmiret.  Diefer 
war ihm geftorben und hatte nach feiner Anmercfung ein erbaufiches und 
feliges Ende genommen. » Er hat vor feinem Ende dem Vater ver- 
fehiedene erweckliche Glaubeng= Lebens und Auferfiehungs- Sprüche 
und Sieder vorgehalten und gefagt ‚er wolle darauf getroft fterben, weil 
er wüfte, daß Ehriftus durch fein Wort in ihm, und.er in Ehrifto 
fey ꝛc. Solches alles und ein mehreres erzehlete er mir auf dem We⸗ 
ge mit Thraͤnen. Diefer Mann wird auch von dem Heren Paftor 
Brunnholtz, wegen feiner ungeheuchelten und Fernhaften Gottſeligkeit, 
fehr werth gehalten. EYE ee) gnRr., 


u 


292 Sünfte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Als wir zu Raritan angelanget ; fo Fehreten wir bey dem vor⸗ 
nehmfien Mann und Vorſteher in der Gemeine ein, welcher i in der 
Bibel ſehr bewandert, und geſpraͤchlich iſt. 

Den ſten Huf, brachte ich meift mit erbaulichen Geſpraͤchen mit 
etlichen, gutmeinenden Gemeins-Gliedern zu. 

Den 28ſten ul. reifete ich zu der Gemeine auf Leslysland 
hielte mit verſchiedenen Gemeins⸗Gliedern eine catechetiſche Vorberei 
tung, Beichte und das heilige Abendmal. Diejenigen, welche auf 
Earl Rudolphs Seite, und fonften anftöffig im Wandel geweſen, blie- 
ben von felber vom heiligen Abendmal zurück, weilman ihnen gefagt, Daß 
fie zuvor noch beffer bearbeitet , und zur Buſſe geleitet werden müften. 

Den ꝛoſten Zul, hielte ich mich in der Berg⸗ Gemeine auf, 
und wurde genoͤthiget, ein und andere Streitigkeiten unter Nachbarn, 
Eheleuten und andern beyzulegen. Eine Familie, die wegen des legten 
Willens ihres verſtorbenen Vaters in einen bittern Streit gerathen war, 
wolte fich faft nicht fehicken, und machte ung fo viel Mühe, daß wir big 
die Wacht um zwoͤlf Uhr an ihnen arbeiten muften, ehe fie fich 5* 
nen und einander von Hertzen vergeben wolten. Den zoſten Jul. 
hielte ich daſelbſt Vorbereitung und Beichte. Und den ziſten Sul. pres 
Digte ich, taufte einige Kinder, theilete Das heilige Abendmal aus, ver: 
richtete eine Copulation, predigte auch hernach Denen daherum woh⸗ 
nenden Engellifchen Leuten in ihrer Sprache ‚ und Bear” einen alten 
Mann von der Gemeine. 

Den ıften und ten Auguſt beſichte ich Krancke und bee mit 
ihnen nach ihren Umftänden. | 
Den zten Auguft hielte. ich Vorbereitung; Beichte, Abendmal, 

Taufe und Kinder⸗ Lehre in dem dritten Gemeinlein auf dem 'goffeb erge. 

Den sten und ten Auguft hatte ic) Borbereitung, Predigt, 
Abend mal und Tauf-Actusin dem vierten Gemeinlein, auf Racheway 
genant. Mach dem Teutſchen Gottesdienſt hielte ich eine Engelliſche 
Predigt, weil die daherum wohnende Engellaͤnder und Hollaͤnder ſehr 
darum gebeten. Die Leute bezeigten ſich ſehr erweckt und vergnůgt, 
und ſagten, fie wolten alle mit zu der Gemeine treten, wenn jemand 
aus unferm Eollegio dahin Fame und auch engellifch predigte, 

An den Zwifchentagen befuchteich Krancke, und hatte fonft man 
che — Unterredung von der Verbeſſerung des inneren und aͤuf 
9— Zuſtandes der re ER. — 

ie rer, ng n 






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4 x 


 1.8eren Paſt Maͤhlenb Ber. von ſeiner Amtsfähr.1749. 28; , 


An dem festen Tage ließ ich alle Gemeinfein noch einmal zufam- 
mien kommen, twiederholte vor ihnen, Durch welche Umftände wir in - 
ihre Eonnerion gegögen worden, wie wir vom Anfange big hieher mit 
‚ihnen gehandelt , was für Mittel wir gebraucht, ihren in- und auswen⸗ 
digen Zuftand zu verbefern, was für Schtierigkeiten fich gefunden, da 
‚Fein Prediger: für fie gefandt werden koͤnnen, was an ihrer und unfe: 
‚ferer Seite ferner zu thun fey. Verſchiedene unter ihnen weineten, 
ſtelleten ihren verlaffenen Zufland, Witwen, Waͤiſen und die erweck 
ten Selen vor, gebrauchten die empfindlichften Ausdrücke, und meine= 
ten, wir hatten nicht Gruͤnde genug, fiegänglich zu verlaffen. Sch Eon- 
te ihnen aber: weiter nichts verfprechen, als was die Umftände gegen- 
waͤrtig zu erlauben ſchienen. Dem zu Folge verfprach ich ihnen, nach 
‚der Abrede mit meinem Herrn Collegen Brunnhols, daß wit ihnen den 
Hein Schaum zum Verſuch auf ein Jahr fang überlaffen wolten. 
Mitlerweile hätten wir Zeit, die Umftände aufs neue nach Europa 
zu berichten. Sie maren alle zufrieden, und twolten den Herrn 
Schaum auf ein Jahr mit Danck annehmen. Ferner war die 
‚Trage, wie ſie es mit ihrem fo nöthigen Kirchen- Bau machen folten, 
ob fie einige Hülfe von unfern Wohlthätern zu gewarten hätten ? 
‚Meine Antwort war , fie möchten den Bau felbft nach ihrem eige- 
nen Vermögen einrichten, und dürften von Europa Feine Hülfe er- 
‚warten, weil die Philadelphifche Gemeine weit dürftiger wäre, wie 
fie. Etliche von den Aelteften erboten fich, zu ihrem Theil fine 
sig Pfund hiefigen Geldes zu geben, wenn eine fleinerne Kirche in die 
Mitte von allen vier Gemeinen gebauet würde, daß fie alle Sonn: 
tage Gottesdienſt haben Fonten. Drey Gemeinen waren mit folchem 
Bau wol zufrieden: Die vierte Gemeine aus dem Gebuͤrge aber wol 
te nicht zuftimmen, mit dem Vorgeben, daß fie zu meit abwohnten, 
welches aber von andern auch hatte Eönnen eingewandt werden, die 
‚auf zehen bis zwoͤlf Meilen davon wohnen. Die drey Gemeinen ver- 
einigten ſich zufammen zu ſtehen, und gaben denen von der vierten Be⸗ 
denck⸗ Zeit... Dem zu Folge ließ ich eine iede Gemeine aus ihrem Mit- 
tel drey Manner wahlen, melche zuſammen einen Kirchen-Rath oder 
Kollegium ausmachen und für auffere Ordnung und Einrichtung for- 
gen folten. Ueber das mufte eine ide Gemeine aud) zween Vorſteher 
wählen, welchen die Aufficht bey dem Goftesdienft anbefohlen wurde, 


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* 


284 Sanfte SortfesungderYYachricht aus Penſylvanien. 
"Den gten und sten Auguſt reiſete ich wieder nach Haufe, und 


; bekam unterweges von der alzu groſſen Hitze und Angreifung einen ſtar⸗ 
cken Anfall vom Fieber, welches ohne dem gemein war, Weil ich 


aber gleich dagegen etwas gebrauchte, ſo hatte es keine weitere Folgen. 
Als ich nach Hauſe kam, fand meinen werthen Herrn Collegen Brunn⸗ 
holtz und den Herrn Paſtor Hartwich daſelbſt, mit welchen wegen der 


Einweyhung der Philadelphiſchen Kirche und Herrn Kurtzens Ordina⸗ 


tion conferirte, und den ı ten Auguſt mit ihnen hinunter nach Phila⸗ 
delphia reifete. | ET 
bolg, Danoiehub, Hartwich und ich, eraminieten den Herrn Kurk, 
und lieffen am Abend die anweſende Vorſteher und Aeltefte von Tul- 
pebockem die Voeation für denfelben unterfhreiben, quch den Herrn 
Kurtz einen Neliginos+ Revers ausſtellen. Kr RE | 


0. Den agten Auguft, als am zehenden Sonntage nach Trini⸗ 
tatis verſamleten ſich Die eingeladenen Prediger und deputirte Nel- 
teften vor unfern vereinigten Gemeinen in und vor des Herrin Paſtor 
Brunnholsens Wohnung und gingen in Proceſſion nach der Kirche, 
Den Anfang mahtender Schwediſche Probſt, Herr -Sandin, und 
‚Herr Paſtor Hartwich; denen folgeten Herr Paſtor Brunnbolg 
and ich mit: den Kirchen⸗Raͤthen von Philadelphis und German⸗ 
town , und den Deputirten von den Gemeinen aus Propideng, 
Lreubannover, Uppermilfort und Saccum. Darnach Herr Pas 
for Handſchuh mit den Deputirten aus der Stadt Kancafter und 
Kerltown. Endlich folgere Herr Kurtz mit den Deputirten von 
Tulpehodem und der Nordkiel. ] 
Deputirten nicht gar füglich beywohnen, weil Rorcktown am weite⸗ 
fien abliegt, und die Einladung wegen Kürge der Zeit nicht fruͤh ge 





7 


Den (zten Auguft waren beyfammen die Herrn Paftores, Brunn- 






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Herr Schaum konte mit feinen 


nug eingetroffen mar, Zu Anfange des Gottesdienfkes wurde das. 


Sid: Komm, heiliger Geift, HErr Gott, erfuͤll mit etc. Chor- 
weit und harmoniſch gefungen. Alle anweſende Prediger ftunden um 


den Altar, und Die gefamte Deputirte von allen Gemeinen machten um 
diefelbe auf dem Ehor einen halben Circkel. Nach dem Liede las einer 


Hon ung eine Gluͤckwuͤnſchung, fo der aͤlteſte Schwediſche Prediger in 


Enaelifsber Sprache gefandt, da er felber nicht gegenwaͤrtig ſeyn koͤnnen. 


Darauf that einer von uns eine‘ Furge Anrede, erinnerte‘, daß die 
Grundſteine dieſer Kirche in der Abſicht geleget, daß darinnen Die Ev: 
—E | 0% - ange: 


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1 Zerrn paſt Mahlenb Ber. von ſeiner Amtaführ. 748. 285 | 


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Brunnbols; Hartwich, — ich, nebſt dem Canditaten, 
o 3 Herrn 


* — — 


36.Fanfte Fortſegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Herrn Kurs, welcher ordinirt werden ſolte, um den Altar, und \ 


drey reformirfe Prediger waren Zufchauer, Die Deputivte von allen 
Gemeinen formirten nieder einen halben Mond. Einer von ung lag 


das Drdinationg= Formular, betete zum Beſchluß, legte nebſt den 


übrigen Predigern dem Eanditaten die Hande auf, und widmete den- 
felben Damit zum heiligen Predige- anmnmn. 
Den ısten Auguft Famen wir Prediger und die Depufirten zu⸗ 
ſammen in-die Kirche, und hielten die erfte gemeine Confereng oder 
Synodum, wie mans nennen will, deren Inhalt aber noch meiſt 
nur die Auffere Nüftung betraf * Een 
dem Monat September ward ich genöthiget, inder Schwe⸗ 
diſch⸗Engelliſchen Gemeine etliche ertwachfene Perfonen zur heiligen Tau⸗ 
fe zugubereiten. Eine Engelliſche Frau, Die einen ſchwediſchen Mann 
bat, bejeigte ein Verlangen nach der heiligen Taufe... Sie hat fleiffig 
auf GSttes Wort gemercket, Fonte auch fehr wohl antworten, wenn 
ich fie enterhifirte. . Ihre Mutter ifteine noch lebende Quackerin. Sie 
führet einen. chriftlichen. Wandel, fo viel ich von verfländigen Nach: 
bar vernommen. Die andere, Perfon war ihre Schweſter, einee= 
wachſene Sungfrau, melche gleichfals Die heilige Taufe verlangte, und. 
mit ihr den Unterricht genoffen. _ Der Dritte mar ein lediger Menfh _ - 
von acht und zwantzig Fahren, defien Eltern zwar zur Engelliſchen Kir⸗ 
che gehöret, aber frühzeitig geftorben waren, Er mohnet unter den 
Quacern, und muß manche freche Rede von ihnen hoͤren. Weil er 
aber leſen Fan, und die ‘Bibel fleiffig gebraucht, und fehr aufmerckfam 
in den Predigten ift: fo ſetzet folches fein Gemuͤth immer fefter in Der 
Wahrheit. Er bat, ich möchte ihm erbauliche Bücher zu leſen geben: 
ich hatte aber Feine, als ein Büchlein, welches zum Unterricht-für die 
Indianer gemacht worden, ferner des Thomas von Rempis ins En- 
Zelliſche überfegte Bücher von der —— Chriſti und ein Büchlein 
vom heiligen Abendmal. Solche habe ihm geliehen und auch die 
Sprüche von unferm Glaubens » Liede aufnotiret. Die vierte Perſon 
tar eine Engellifche Frau, deren Mannein diffolutes Leben führe. Sie 
fagte, weil fie Doc) in der Welt verlaffen und ohne rechten Troſt waͤ⸗ 
ve; ſo wolte fie einen dauerhaften Troſt bey ihrem HErrn JEſu für 
chen, fich in feine heilige Ordnung ſchicken, und durch den Glauben 
und Die heilige Taufe ein Glied an feinem Leibe werden. Ich habe 
die Täuflinge, wie ic) fonft allezeit zu thun pflege, unter andern vor 
der 





-L Zerrn baſt. mahlenb Ber. von ſeiner Amts führe. 48. 287 


der Gemeine gefragef, ob fie efroa ebenabfichten und weltliche Be: 

megungs = Gründe hatten, warum fie fich taufen lieffen ? Sie antwor- 

teten aber, daß fie Feine andere -Bervegungs-Sründe zur heiligen Tau⸗ 

fe hatten, als den ‘Befehl und die Berheiſſung ihres Meiſters und 

Erloͤſers. Sie wuͤſten kein zeitliches Intereſſe dabey zu gewinnen; ſon⸗ 

dern muͤſten vielmehr Spott und Verachtung darüber leiden, welches 
man nach den hiefigen Umftänden gar wohl glauben Fan. 

In dieſem Monat nahm ich den neulich herein gekommenen Stu⸗ 
dioſum Theologiaͤ, Herrn Weygand, in mein Haus. Als die Gemei⸗ 
ne in Yorcktown vernommen, daß wir geſinnet waͤren, den Herrn 
Schaum wieder wegzunehmen, und nach Raritan zu ſchicken; ſo ver⸗ 
einigten fie ſich wieder, und beugten bey Zeiten vor. Darum kamen 
wir nach und.nach auf Die Gedancken, ob nicht Herr Weygand die 
Gemeine auf Raritan befreiten Eönte, wie fehon berichtet worden iſt 


Im Monat Getober wurde ich nach Philadelphia hinunter ge- 
rufen, weil mein lieber Herr Eollega Brunnholtz an dem higigen Fie= 
ber fehr hart darnieder lag. Er hatte ſchon im vorigen Monat an der 
Krankheit zu laboriren gehabt, nun aber mar fie recht ausgebrochen, 
und fchiene vor menfchlichen Augen zum Ende zu gehen. Sch fürchte 
mich fehr für feinem Abſchiede; weil er noch ſo nothwendig im Gangen 
ift, und ich ſtumpf und unbrauchbar, ja faft unvermögend worden 
bin, meinen Land⸗ Gemeinen vorzuftehen, geſchweige denn, daf ich 
die Stadt⸗ Gemeine auch nur auf eine Zeitlang mit verforgen folte, 
Ehe Herr Paftor Handſchuh ſechzig Meilen von Lancafter in feiner - 
Schmwächlichkeit, Herr Schaum und Herr Kurs achtzig Meilen von 
Por und Tulpehockem einmalnach Philadelphia reifen und vicariiren 
Fönten, möchte mol alles zu Trümmern gehen. Folglich kaͤme mir 
die Laft am nächften, und es ift mir platterdings unmöglich. Der 
HErr wolle ſich unferer in Gnaden erbarmen, mehr thun, als wir ' 
bitten und verftehen,, und den lieben Herrn Paſtor Brunnholg noch 
länge erhalten, um feines Namens tillen Es iſt nicht zu leugnen, 
daß die Station für ihn allein zu ſchwer ſey, denn es gibt mehr inner- 

liche und Aufferliche Noth, Saft und Arbeit, als mar befehreiben Fan. 
Sein Geiſt, Slaube und Liebe ift groß genug für Die Station, aber 

die ſchwaͤchliche Hütte des Leibes till nicht mit. - "Die engetlifchen Me- 
dich haben abermal-Feinen’ Fleiß und. Kunſt an ihm geſparet, * 
an ner ; ei⸗ 


* 


288. gaͤnfte Sortfegung der Nachricht ans Penſylvanien. 
ſcheinet, daf ung. GOtt denfelben noch einmal wieder ſchencken wolle J 


Sein heiliger Name ſoll dafuͤr geprieſen werden. ra 
In dem gedachten Monat Detober wurde ich zu einem Gemeins⸗ 


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Gliede über der Skulkil gerufen, dasıfich Erandf befand. Der Mann: 
Elagte über einen heftigen Streit in feiner Sele. Ich fragte, ob ihm 
denn fo bange vor dem Tode wäre, und er gerne noch leben möchte?; 
Er ſagte: Nein, fondern der Streit wäre twegen der Sünde: Wenn; 
er an feinen HErrn JEſum dencken, fic) feines Leidens und Sterbens 
getröften, und durch ihn Friede und Ruhe haben wolte, fo fielen ihm . 
allerhand böfe Gedanken bey, melche ihn in dem guten Vornehmen 
flören wolten. Ich fagte ihm, daß er in guter Arbeit ware. Das 
Voͤſe, welches ihm beyfiele, mare ein Beweiß von feinem intvendigen 
Suͤnden⸗Greuel. Wo die Gedancken her kaͤmen, da folte er nur fie= 
fer nachforfchen ; fo würde er bald Die faule Quelle felbft entdecken, aus _ 
melcher arge Gedancken, Mord, Ehebruchze. hervor kaͤmen. Matth 
15,19. Er folte aber auch nicht nachlaffen, den freyen und offenen 
Born für die Sünde und Unveinigkeit mit Ernft zu fuchen; ‚fo würde - 
er zur Ruhe der Selen fommen. Er verfprach fein gantzes böfes Hertz 
dem HErrn FEfu im Gebet vorzulegen, und- von ihm Gnade, Frie⸗ 
de und Vergebung zu erbitten; begehrefe auch, Daß ich mit: ihm bes - 
ten, und ihr ringen helfen möchte, welches ich that und ihn darauf 
fragte, ob er mehrere Kraft ſpuͤrete? Er ſagte: Sa, Das Gebet waͤ⸗ 
ve ihm eine merckliche Huͤlfe, und ſtaͤrckte feinen Glauben an den HErrn 
JEſum Ehriftum. Er ließ einen von feinen Freunden zu fich holen, 
der feines Handwercks ein Schneider mar, und hielt ihm in meiner 
Gegenwart vor, Daß: er ihn einftmal im Zufchneiden etwas hätte ent⸗ 
wenden ſehen. Er moͤchte doch ja von ſolchen und allen übrigen Suͤn⸗ 
den ablaſſen und von Hertzen Buſſe thun; denn die letzten Stunden 
waͤren gar bedencklich, wenn einem das Gewiſſen aufwachte. Es 
waͤren ihm die Zeit her viele Dinge beygefallen, welche er ſonſt nicht 
ir Sünde gehalten. Er hätte fehr kaͤmpfen muͤſſen, ehe er bey 
—* HErrn JEſu Gnade, Friede und Vergebung erlanget. Er 
machte fich übrigens ein und andere kraͤftige Sprücheund Verheiſſun⸗ 
gen wol zu Nutze/ ift auch am Gebet und Flehen geblieben, bis er 
vierzehen Tage Darauf verfchieden. — RER 
Eine Witwe in Weuhannover lag etliche Wochen Franck‘, und 
begehrete das heilige Abendmal, Ich hatte ein und andere Fehler Hi ’ 


eg Zerrn paſt. Muhlenb· Ber. von feiner Amteführ. 1748. 299 


ihr wahrgenommen, welche ich ihr in Liebe und in Ernſt vorhielte, 
und fie Dadurch auf Die Prüfung ihres Hertzens führe, Sie befante 
mit Thraͤnen, Daß fie etliche Fahre her duch GOttes Wort und fei: 
nen Geift oft zur Buſſe und Glauben erwecket worden ſey. Habe aber 
dem Himmelreich nicht recht Gewalt angethan, ſondern ſich durch viele 
vorgefallene Hinderniſie abhalten laſſen. Sie bereue nun, daß ſie nicht 
Bei Ernſt bewieſen. Sie fey eine groffe Süunderin, die, wegen 
ihrer wiffentlichen und unmiffentlichen Sünden, den ewigen. Tod und 
Verdamniß verdienet: wiſſe aber doch auch, daß der HErr JEſus 
keinen wolte hinaus ſtoſſen, der bußfertig zu ihm Fomme. Sie habe 
den Himmel nicht verdienet, koͤnne ihn auch in Ervigfeit nicht verdie⸗ 
nen; fondern molle mit dem Cananaͤiſchen Weibe nur um die Brofa- 
men unter Dem Tiſche anhalten, und aus Gnaden felig werden. ch 
 fagte ihr, es ſey freplich zu bedauven, daß man die unmiederbringliche _ 
. önaden = Zeit fo verſchwendete, und nicht zum Anfange und Fortgan: 
ge der wahren Bufle und des Glaubens ausfaufte; Da doch der gnd- 
dige Vater in Ehrifto ung, feinem gefauften Bundes: Volke, nicht. 
Hundes · fondern Kindes-Theil und Brods die Fülle in feinem heiligen 
Wort und Saeramenten vermacht und aufgetragen. Wenn mar 
‚aber mit dem verlornen Sohne das Kindes- Theil verſchwendet: fo 
muͤſſe man wol die Krümlein unter dem Tiſche fuchen, wenn man nicht 
‚gar verderben und umkommen wolle. Sie .beichtete, und ergab fich 
der groffen Gnade und Erbarmung des verföhnten Baters in Chrifto, 
und genoß dag heilige Abendmal, mit inniger Beugung ihres Hertzens, 
iſt auch in etlichen Tagen darauf unter dem Gebet verfchieden. 
In den Monaten Detober und November unterrichtete ich wech⸗ 
ſelsweiſe mit dem Herrn Weygand in Neuhannover zwantzig junge 
Leute, welche gewillet waren, das erſtemal zu communiciren. Unter 
denſelben war ein junger Ehemann, deſſen Vater etwa vor achtzehen Jah⸗ 
ren hier im Lande von der Evangeliſchen Religion zu der Wiedertaͤu⸗ 
fer Geſintheit getreten, nun aber geſtorben war. Der Vater hatte 
den Sohn leſen und ſchreiben lernen laſſen, aber den Catechiſmum hat⸗ 
te er nicht lernen duͤrfen, weil der Vater und ſeines gleichen ſagten, 
das wäre ein Teufels⸗Buch, womit die Lutheriſchen Pfaffen die Kin⸗ 
der bezauberten. Der Vater hätte den Sohn gerne mit zu feiner Ge- 
ſintheit gegogen;. Fonte aber nicht, weil er heimlich fich unferer Gefang- 
bücher und des Catechiſmi bedienet, guch fleiffig in unfere Kirche ge- 
V. Penſylv. Sortf, Pp gangen 


250 «Sänfte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien · 


gangen iſt. Er war getaufet in-der Kindheit, che fein Water abge 
mwichen, und mit dem. heiligen Abendmal wolte er warten, bis | 
. mmajorenn würde. Sein Water ftarb aber zu gleicher Zeit als er mar 
jorenn rourde, folglich hatte er ſeine vollkommene Freyheit. Er hate 


te fich eine feine-Erfentnif des Heils gefamtet , und dabey ein beugf- 


mes, auftichtiges Hertz; fo viel ich aus feinem Umgang und Verhal⸗ 
ten fehlieffen Eonte. Eine anderejunge Perfon, deren Bater veformirt 
heißt, aber ein unordentliches Leben führer, Fam mit zum Unterricht, 
and teinete verſchiedenemal. "Als ich nach der Urfach fragte; fo ſag⸗ 
te fie, daß ihr Vater faſt iedesmal greuliche Fluͤche über ſie und den 
Pfarrer auslieſſe twenn fie zu meiner In formation gehen wolte - Sch 
fagte, daß fie in der Stille zu Haufe für fich und ihren Vater ein 
bußfertig Herg von GOtt erbitten, und ſich fonft in allen Dingen ge 
gen ihren Water kindlich und ebrerbietig beseigen möchte, welches:denn 
von ihr beobachtet: worden, und nicht ohne allen Nutzen geblieben iſ. 
Denn der Vater war ſelber mit bey der Confirmation, und iſt nicht we⸗ 
nig bewegt worden." Ein junger Menſch von achtzehen Fahren und 
ein Maͤgdlein von fünfehen Fahren, zwey Kinder einer reformirten 
Mutter ,.twelche gehen Meiten von Neuhaunover wohnen, baten von 
ihrer Mutter Exlaubriß , Daß fie zu unferer Verfaſſung und Gerneine 
treten, und fich auf unfere Lehre confiemiten laffen dürften.“ Die 
Mutter erlaubte, folches, und Die Kinder bezeigten‘fich ſeht aufmerck⸗ 
fan und: erweckt bey dem Unterricht. "Ein junger Menſch von funfze- 
hen Jahren, der bis in fein Alter bey einem Maͤhriſchen Bruder Die- 
nen muß, deſſen Meifterin aber veſt zu unferer Gemeine hält, ging 
mit in’ den Unterricht und bezeigete ein beugfames Gemuͤthe, daß man 
Hoffnung von einer. bleibenden Frucht heget, Die uͤbrigen waren alle 
Kinder von unferer Verfaſſung und wurden Durch Pflangen und Be⸗ 
gieffen, nach‘ der Gnade, die GOtt darreichete, bearbeitet; Der 
HErr kan allein das Gedeyen gblden. 
© Am sten November in der Nacht wurde ich gu einem Haus- 
Vater bey Neuhannover geholet. Der Mann hatterfünf Kinder, meh 
eheich zum Theil vorher getaufet. "Sein, des Mannes, Bater aber ifbein 
vermoͤgender Mann geweſen hat als ein Separatiſt hier gelebet, und 
von feinen eigenen verworrenen Meinungen gezehret Er leß ſich auch 
einmal in einer langen Schrift gegen mich und Herrn Kurtz herauss weil 
Herr Kurtz in meiner Abweſenheit einen von ſeinen Nachbarn begraben, 


in 





IL. Herrn Paft. Muͤhlenb. Ber, von feiner Ymtefähr. 1748. agı 


und denfelben in der Leichen- Predigt mochte felig genant haben. Sol⸗ 
ches. mar. dem. alten Mann zuwider, meil er feinen Nachbar nicht in 
den Himmel haben molte. Der Sohn hat inzwifchen feines Vaters 
Zußliapfen nicht betreten wollen: fondern ift fleiffig zu unferem Gof- 
tesdienſt gekommen, hat auch zu Haufe die Bibel und Arnds wahres 
Chriſtenthum geleſen, welches ihn auf beſſere Gedancken und auf den 
einfaͤltigen Weg gefuͤhret, worauf diejenigen auch nicht irren, welche 
vorher Thoren geweſen. Als ich bey ihm eintraf, lag er auf dem Bet⸗ 
te kranck, und hatte, dem Anſehen nach, einen Anfang vom hectiſchen 
Fieber. Ich fragte: Wie ſteht es mit euch? Patient: es ſtehet mit 
‚mir ſo ſchlecht, wie es mit einem Menſchen in der Welt ſiehen Fan. 
Ich: Was wolte euch fehlen? Ihr ſeyd ein Mann der zu leben, und 
ein gutes Zeugniß von allen Nachbarn hat. Patient: Ich ſpuͤre wol, 
Er will mich prüfen, ob ich in Menfchen Zeugniß traue und eine pha- 
riſaiſche Gerechtigkeit hege. Wenn die Menfchen mir das beſſe Zeug⸗ 
niß von einer. aufferlichen Ehrbarkeit geben; fo kan mich folches vor 
dem allerheiligſten GOtt im geringften nicht rechtfertigen: denn ich bin 
der gröffefte und abfeheulichite Sünder auf dem Erdboden. Ich: 
Habt ihr denn grobe Sunden und.Lafter wider. die heiligen Zehn Ge: 
bote begangen ? Patient :- Sich habe den Samen zu allen Sünden, - 
wider ‚Die heiligen zehen Gebote in meinem Hertzen: Die äuffere Um- 
fände find mir aber im Wege gemefen, Daß folche innere böfe Neigun- 
gen nicht allemal in öffentliche Sünden ausgebrochen. Ich: Rechnet 
- Ahr Die innern böfen Neigungen, wenn fie gleich nicht vollbracht worden, 
‚auch unter die Sünden? Patient: Sa, das Tichten und Trachten 
des menfehlichen Hertzens iſt boͤſe von Jugend auf, und fänget fich 
bey der Empfaͤngniß an: Siehe ich bin aus ſuͤndlichem Samen 
gezeuget ꝛc. Ih: Habt ihr nur allein Neigungen zum Boͤſen? 
Patient: Ach, ich finde auch im Grunde einen Widerwillen gegen 
‚Das wahre Gute. Denn das Sleifch gelüfter wider den Geiftzc. 
Ih: Nun fo faget mir. aufrichtig, wie ihr euch gegenwärtig vor GOtt 
erkennet und fuͤhlet? Patient: Ich erkenne und fühlemich durchaus 
fündig, voller Wunden und Kiterbeulenz meine Wunden ftin- 
den und eitern für meiner Thorheit; Meine Suͤnden find mir, 
‚wie eine fehwere Laſt, zu febwer worden. Ich; Dencket ihr 
nicht, daß euch GOtt fo böfe und zur Verdammß erfchaffen habe ? 
Patient: Ach nein! GOtt iſt und Fein Boͤſes an ihm; ex iſt 





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‚292 Sänfte Sortfesung der Nachricht aus Penfyloanien, — 


gerecht und from: ich aber bin aus ſundlichem Samen gegeuget, und 
dieſerwegen hat die Suͤnden Luſt in mir empfangen, und die Sünden 
. ausgeboren, und nachdem Diefelbe vollendet ift, hat fie mir den Tod zu 
wege gebracht. Ich: Ihr feyd aber in eurer Kindheit Durch Die heili- 
ge Taufe aus Waſſer und Geift wiedergeboren zu einem neuen Leben. 
Patient: Ja, ich glaube das von Herhen, aber ich habe den Bund 
des guten Gewiſſens an meiner Seife nicht bemahret ; fondern mit dem 
verfornen Sohn mein Erbtheil verſchwendet. Ich Iſt euch folches 
denn von Hersen leid? Patient? a, ich empfinde darüber hergli- 
che Meue und Fraurigkeit in meiner Sele. Ich: Wie wollet ihr euch 
denn helfen? Patient: Da liege ich zmifchen Himmel und Erde, 
Fan nichts anders erwarten, als den Tod und Verdamniß; ich habe 
GoOttes gerechten Zorn und Strafe in Ewigkeit wohl verdienet: Doch 
wolte ich nicht gerne verloren werden. Ich: Habet ihr einige Erfent- 
niß von dem Mittler und Verſoͤhner zwifchen GOtt und den Men- 
fhen? Patient: Sa, ich erfenne und glaube aus GOttes Wort, 
Gott habe die Welt alfo gelieber, Daß er feinen eingebornen Sohn 
gegeben, auf daß alle, die an ihn glauben , nicht verloren werden, ſon⸗ 
Dern das ewige Leben haben mögen. Ich weiß, daß diefer Sohn iſt 
ein wahrhaftiger GOtt, vom Vater in Emigfeit geboren und in Der 
Fülle der Zeit ein Menfeh worden, daß er als GOtt und Menſch mit 
feinem vollfommenen Gehorſam, und birtern Leiden und Sterben alle 
Menſchen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle erloͤſet, und die Ord⸗ 
nung der Buſſe und des Glaubens gelegt hat, worinnen man feiner 
Erlöfung und der Seligkeit theilhaftig werden foll: aber ich Fan mir ſol⸗ 
ches noch nicht recht gläubig und gewiß zueignen, meil ich gar zu fün- 
digbin. Was mid am meiſten feheu und bköde machet, iſt dieſes. 
Bor einiger Zeit bin ich fehon einmal Fräftig gerühret und erwecket ge- 
weſen: ich fühlete meine Sünden=Laft, und betete im Berborgenen 
machte mich mühfelig und beladen zu dem HErrn JEſu, Fand au 
einige Erquicfung und Ruhe in meiner Selen, Als ich aber hernach 
“anfing meine Mühle zu bauen; fo bin ic) nach und nach in die Sorge 
der Nahrung und die daraus folgende Unruhe verwickelt und von der er= 
ſten Siebe abgesogen worden: ob ich mol immer einen Zugund Beftra- 
fung behalten; ſo hat doch an meiner Seite der rechte Ernſt und Kampf 
‚gefehlet, wie es in den Mühlen und an andern öffentlichen Drten zu ges 
her pfleger, da viele eitele Gefprache gefuhret werden. Ich habe 
— RER iwar 


I 


5 rg, Zerrn Paſt. Maͤhlenb. Ber. von ſeiner Amtsfuͤhr. 1748. 293 


gmar nicht mitmachen wollen ; habe aber auch nicht ernſtich dawider ge⸗ 
zeuget, fondern lieber aus Menfchen- Furcht flille geſchwiegen. Solte 
Der gnadige GOtt um Ehrifti willen mir meine gefamten Sünden und 
Schulden aus lauter Gnade noch einmal vergeben, feinen Frieden 
ſchencken, und denfelben durch feinen guten Geift in mir verfiegeln, 
mir auch Das Leben noch friſten: fo wolte durch feine Kraft ein gang 
ander Keben führen, mich felbft verleugnen, meines HErrn JEſu 
Joch auf mich nehmen, und ihm gefreulich nachfolgen. Ich: Wenn 
euve Buffe wahrhaftig ift, mie ihr mir befant, fo feyd ihr mit dem 
verlornen Sohne auf Der Befehrung zum Vater. Sonehmet indem- 
felben Erempel zu Hergen, tvas euch Muth machen Fan. DerSohn 
ging und der Vater Tief ihm entgegen. Wie ſich ein Veter über 
Kinder erbarmetzc. Bey ihm ift viel Vergebung. Wenn eure Sün- 
‚be gleich blutroth ift, foll fie doch fehneeweiß merden. Muͤhſeli⸗ 
ge und Beladene ſollen erquicket werden. Wo die Suͤnde maͤch⸗ 
tig iſt; da iſt die Gnade noch viel maͤchtiger. Wagts und komt: 
ihr ſolt nicht hinaus geſtoſſen werden. Könnet ihr das glauben ? 
Patient: HErr ich glaube, hilf meinem Unglauben! Ich: Wollet 
ihr mit mir beten? Patient: Ach ja! Er molte ſich im Bette auf 
die Knie zwingen, Fonte aber nicht für Mattigkeit. Ich fagte ihm, er 
folte die Knie feines Hergens beugen und mir nachbeten oder feufzen, 
Nach dem Gebet fragte ihn, ob das feines Hertzens Zufland geme- 
fen, tie ich gebetet? Er antwortete mit freudigen Geberden: ich em⸗ 
Binde mehr Slauben, und Fan mich an GOttes Verheiffungen hal- 
ten und ſpuͤre Gnade und Vergebung. Er richtete fich auf im Bette 
und mar an Sel und Leib geftärcket. Nun fehlet mir noch eins, fagre 
er, nemlich dag heilige Abendmal, Weil er num daffelbe noch niemals 
genoffen, und feinen Voreltern nach von der veformirten Berfaffung 
war; ſo fragte ich ihn, ob er and) den rechten Verſtand davon hätte? 
Er gab in der Antwort mir völlige Satisfäction aus GOttes Wort, 
And verficherte, daß er es einfältig nach dem deutlichen Befehlund Ver: 
ale unfers HErrn JEſu empfangen wolte. Und da ich nochmals 
‚fragte, ob er einigen Scrupel hätte, Daflelbe nach Ehrifti Befehl und 
Verheiſſung in unferer Evangeliſch⸗ Lutheriſchen Verfaſſung zu nehmen? 
ſo ſagte er, er haͤtte Zeit genug gehabt, verſchiedene Verfaſſungen in 
jeſem Sande nach färter Schwachheit zu prüfen, und fände bey der 
Evangeliſch Lutheriſchen Verfaſſung die größe Beruhigung, weil wir 
einfaͤltig bey dom Worte und N blieben; er wolte auch) Durch GOt⸗ 
| s Pp 3 tes 


294 Sönfte Sortfegung der Nachricht aus-Penfploanien ı 
te3 Gnade darauf leben undflerben. Nach der Beichte legte ich ARE | 


Hand auf, reichete ihm das heilige Abendmal und preifete wit ihm der 


EnnEr fagte zum Belhluß, wo er leben folte; fo möchte ich u 
ihm Fommen, und mich noch immer mehr mit ihm erbauen: er iſt aber 
vierzehen Tage hernach in dem HErrn getroft entfehlafen und vom _ 


ẽ 


Glauben zum Schauen.gekommen., — 3 7. 
In dem gedachten Monat November wurde ich in der Nacht 


von LTeubannover funfzehen Meilen weit zu. einem Engellifhen 
Mann gerufen. - Derfelbe lag fehr kranck. Er KEN ob ich 


gedächte, daß er noch einmal wieder aufkommen möchte? Ich ſagte 
bey GOtt ware Fein Ding unmöglich, aber den gegermoästigen Zul 
fen nach möchte ex vielleicht balde farben. Er antwortete, es ftünde 
ſchlecht mit feinen Selen-Umfländen,, weil ex nicht mit GOtt verſoh⸗ 


net mare. » Sch fragte, in was fir. einer Gefintheit er auferzogen wor= 


den? Er antwortete: In der Engellifchen Kirche; er hatte lange 
Jahre her dem Gottesdienſt mit beygewohnet, auch fleiffig Die Com- 
mon Prayers mitgebetet. Ich: Habt ihr. auch erfahren, was Die 
tahre Buffe und ein lebendiger, Durch die Liebe thaͤtiger, Glaube ift? 
Patient: Ich bin noch nie zum heiligen Abendmal geweſen, habe auch 
die Buffe und Glauben nicht erfahren. Ich: Spuͤret ihr denn gegen- 
waͤrtig etwas von Reue und Leid wegen eurer Sünde? Patient: Ich 


empfinde eine ſchwere Laft der Sünden und den gerechten Zorn und 


Unmillen GOttes wegen meiner Sünden: ich Ean mir GOtt nicht an- 


ders vorftellen, als einen firengen Dichter. Ich: Ihr habt Recht. 


Wenn ihr noch in eurer Tauf⸗ Gnade ſtuͤndet, und den Bund des gu⸗ 
ten Gewiſſens behalten, oder fo ihr euch Durch Buſſe und Glauben wie⸗ 
der zu GOtt gewendet, durch. Chriftum IEſum mit ihm verföhnet 
morden , und nach feinem Wort im Geifte gewandelt haͤttet; fo koͤnte 
ihr. euch GOtt als einen lieben verföhnten- Vater vorftellen, und eu 
auf den Abfchied freuen. Patient: Was fall ich thun, daß i 
verloren werde? Ich: Es ift hohe Zeit, daß ihr, mit dem Schaͤ— 
cher am Creutze, nach dem groffen Welt-Heilande, feinem Verſoh⸗ 
nungs Blute und feiner Gerechtigkeit euch umfehet, Es ift Zeit, Daß 
ihr mit dem armen Zöllner an eure Bruſt ſchlaget, und bittet, Daß 






euh GOtt um JEſu Chrifti willen alle Suͤnden verzeihen wolle, 


Die ihn anfehen und anlaufen, deren Angeficht ſoll „nicht 


ſchamroth werden, . Patient: Ich kan mir felber nicht helfen, mei⸗ 
’ ner N 


— Laim ee j — 
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5 


— 


I. Zeren Paſt. Miöhlenb.3er. von feiner Amts fuͤhr r748. 295 


ner Suͤnden find zu viel, und die Angſt iſt zu groß. Ich: ſoll ich mit 
euchhbeten? Patient: fa bittet für mich, ich will nachſeufzen. Nach⸗ 
dem ich ein Buß - Seber mit ihm gethan; fo fragte ich, mie er fich bee 
fände? Patient: Mir ift etwas leichter und Fan auch etwas glau⸗ 
ben, und hoffe, der HErr JEſus wird mich nicht hinaus ftoffen. 
IH: Wie ſtehet ihr mir eurem rebenmenfchen ? Patient: So viel 
mir bewuſt, habe'ich zwar. mit meinen Mrebenmenfchen in bürgerlichen 
‚Sieden gelebet; Fan mich aber nicht rechtfertigen. Ich hoffe meine 
Naͤchſten, die ich beleidiget , werden mir um GOttes willen vergeben? 
fo aber iemand mich beleidiger hatte, den will ich e8 auch gern verzeihen. 
Ich: Ihr muͤſſet unaufhörfich mit euren Gedancken und Berkungen 
euch zu dem: Belt» Heilande hinwenden, und feuffen : Vater, ich 
habe gefündiget in den Simmel und vor dir, und bin nichf 
mehr werth / daß ich dein Sohn heiffe! HErr gebe nicbt ins 
Gericht mit mir! Ach HErr gedencke meiner in deinem Reiz 
che! Ach HErr, laß Gnade für Recht, und Barmhertzigkeit für Ge⸗ 
richt ergehen! "Ah HErr, laß die Verſoͤhnung für mich, den groß 
fen Sünder, gültig feyn ! Patient: Ach, daß ich das Sacrament 
des Leibes und Blutes meines HErrn JEſu, zur: Stärefung meines 
fehrwachen und bebenden Glaubens, empfangen koͤnte! Ich: Ihr has 
bet Zeit genug gehabt in euren gefunden Lagen, warum ift ſolches ver⸗ 
fäumet ? "Patient: Es iſt in unferer Kirche nicht recht eingefchärfet 
worden: Doch muß ich an meiner Seite aeftehen, daß ich mir oft vor: 
geſetzet gehabt, Daffelbe zu empfangen, weil eg Chriftusbefohlen. Wenn 
ich mir aber den Vorſatz gefaffet; fo überfiel mich eine heimliche Furcht 
und Schauer, (mit den! Gedancken, ich möchte meinen HErrn FE: 
ſum nach dem Genuß wieder mit Sünden: beleidigen, und dadurch 
meine Verdamniß vermehren. Ich: Dieſe Kranckheit finde ich bey 
vielen, Einige haben feinen rechten Berftand von der Natur und dem 
Zweck des heiligen Satraments, und wollen die Arkeney nicht eher 
gebrauchen ‚als‘ bis fie gefund find, "und: bedencken nicht, daß Chri⸗ 
ſtus ſagt: Die Statetenibedürfen des Artztes nicht ſondern die 
Krancken. Andere wolten es ah n, wenn ſie nur die Her- 
tzens Buſſe und Glauben nicht erfahren, ſondern in ihrem gewohnten 
Sünden-Lauffe fortfahren duͤrften. Ihr habt euch vor GOtt ernſtlich 
zu prüfen, ob ein wahrer Anfang der Buſſe und des Glaubens ſich bey 
euch finde, und ein ernfilicher Vorſatz da ſey, Durch Kraft des heili⸗ 
| — gen 


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296 Fuͤnfte Sortfegung der Nachricht aus Peifpfvanien. 1 | 


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gen Geiſtes son Stinden abzulaffen und dem HErrn JEſu nachzuwan ⸗ Y 
dein? Patient: Meine Sunden find mir leid. Ich glaube an mei⸗ 


nen Erlöfer, JEſum Chriſtum, fo gut er. mir die Kraft zu glauben: 


ſchencket, und bin auch willens, durch Huͤlfe des heiligen Geiftes mein 
geben zu beflern? Weil er denn fo fehr Darum anhielte,und die Kranck⸗ 


heit fich vermehrete; fo hielte ich Ihm die Worte des feligen Lutheri vor? 
Der ift recht würdig und wohl geſchickt, der den Glauben hat 
an dieſe Worte: Für Euch gegeben und vergoffen zue Vergebung 
der Sünden zc. und veichete ihm daſſelbe. Er fagte, daß er getrö- 
ſtet und geſtaͤrcket mare? Vier Stunden hernach ifber geftorben. > 
| Alsich zu Ausgange diefes Monats Novembers die Schwediſch⸗ 
Engellifehe Gemeine noch einmal befuchte und Abfehied nehmen wolte, 
weil die tiefen ABege und hohen Waſſer im Winter den Befuch nicht 
verſtatten wollen, ich auch in den Winter⸗ Monaten meift kraͤncklich 
Bin: fo hatte ein erbaufich Geſpraͤch mit ‚einer. honetten Engellifchen 
Witwe. Ihr Mann ift natürlich fiebreich, gaftfrey und gufthätigge- 
‘gen Arme geweſen, und vor drey viertel Syahren geflorben. Die Herrn⸗ 
huter hatten viel an ihm gemorben. ° Um feine Taufe find fie aber nicht 
fehr befümmert geweſen, fondern haben ihn ohne Diefelbe fterben laſſen. 
Die Witte war auch noch nicht getaufet, weil ihre Eltern und befon- 
ders die Mutter-esmit den Engellifchen ABiedertäufern gehalten. Sie 


ſagte, fie waͤre iedesmal mit in unferer Engellifchen Verſamlung ge 


weſen und vondem HErrn in Gnaden heimgefucht worden: der HErr 


haͤtte ihr, wie der Lydia, das Hertz aufgethan, daß fie auf fein Wort ) 


acht gehabt: fie wäre auch überzeugef, daß fie nach Chriſti Befehl 
glauben und getauft werden müfte, wenn fie eine Freundin und Nach⸗ 
folgerin von ihm ſeyn wolte. Seitdem fie in den Witmen-Stand ge: 
rathen, hätte fie der getreue Heiland durch lauter Güte zur Buſſe ges 
leitet. Was fie vor Sünden und Verderben an ſich erkant, hatte fie 

mit Gebet dem verfühnten Water in Ehrifto vorgetragen und durch 


GoOttes Wort die Berficherung erhalten, daß fie Leben und Seligkeit 
haben und getvoft ſeyn folte, weil fie glaubte, Sie Fönte gegenwärtig 


an nichts in der Welt Freude und Troſt haben, fondern der getreue 
Heiland wäre ihr Alles. So fehr fie fich auch gefürchtet, da fie GOtt 
inden IBitwen-Stand gefeget, und fie nicht allein ein Haͤuflein Kine 
der , fondern auch eine groffe weitläuftige Haushaltung allein zu befor- 
gen uͤberkommen: fo. fande fie Doch auch darin groffe Erleichterung, er 

ie 


RT. — 


Muͤhlenb. Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 548. 297 
ie Die befondere gnaͤdige Vorſehung auch fo gar in den kleineſten Um⸗ 
| puͤh F und afı 
J verſaͤumer wolte. 
rung und Speiſe: ‚doch muͤſte fie geſtehen, wenn fie in der Bibel laͤſe, 
und an die Orte Fame, mo. efmas von der heiligen Taufe flünde; fo 
er Unruhe bey fich, weil fie den Befehl des lieben Seilandes von 
r Taufe noch nicht beobachtet, und ev doch ausdrücklich geſagt: 
Ihr feyd meine Freunde, wenn ihr thut, was id) euch gebiete, _ 
Sie hörete meine Abfchiedg- Predigt aus Matth. 25. von den sehn 
Jungfrauen mit groffer Aufmerckfamkeit an, und nöthigte mich naͤch 
der Predigt, mit nach) ihrem Haufe fieben Meilen von der Kirche zu 
zeifen. Ich nahm ein paar-Zeugen mit, und fprach mit ihr verfchie- 
denes von dem Befehl, Einfesung, Wothrendigkeit und Verheiffung 
der heiligen Taufe, Am Abend bat fie, ich möchte ihrem Hausge⸗ 
finde von Negers und weiſſen Leuten eine Englifche Bermahnung haf- 
ten. Nachdem folches geſchehen, betete ich noch mit ihr und den ge- 
genwaͤrtigen zweyen Zeugen befonders, und ging zur Ruhe. Am fol- 
genden Tage fagte fie, fie hatte Die gange Nacht meditiret und gebe⸗ 
tet, und waͤre von dee Nothwendigkeit der Taufe noch völliger über- 
zeugef worden: nur hatte fie noch. einige Zweifel gegen unfere Art der 
Befprengung, da fie in den Gefchichten der Apoftel fände, daß die - 
meiften Taufhandlungen mit Untertauchen geſchehen, auch verfchier 
dene apoftolifche Redens⸗ Arten als: Mit Chrifto begraben wer- 
den Durd) ‚die Taufe in dem Too, und dergieichen ‚ auf das Un- 
tertauchen zieleten. Ich verſicherte ihr, daß ich mich keinesweges ie⸗ 
manden aufbringen wolte, auch Feinen Anhang zu machen, fondern 
das Reich IEſu Chriſti zu befördern fuchte. Nenn fie-aber von 
GoOtt erleuchtete Sinnen befommen; fo muͤſte fie das Weſen und 
die zufällige Dinge bey der Taufe wohl unterfcheiden. Die Hnuptfache 
in der Taufe ware der Bundeineg guten Gewiſſens mit GOtt in Kraft 
der Auferſtehung IEſu Chrifli. Dazu gehörete an Seiten GOttes 
die ganze vollgultige Verföhnung durch das Blut IEſu Ehrifti, fein 
heiliger Geiſt und Das mit feinem Befehl und Berheiffung verbundene 
Waſſer: anunferer Seite aber der Glaube, welcher in Den Kindern 
durch die Taufhandlung, in den Ermachfenen aber durch GOttes Wort 
und feinen Geiſt gewircket, und Durch die heilige Taufe confirmiret 
würde Wenn nun die wefentlichen oder nothteendigen Stücke da 
V. Penfylo, Sortf, 24 waren; 





— 





298 Sänfte Sortfesung der Nachricht aus Penſylv anien. 


waͤren; ſo koͤnte die Vielheit oder Wenigkeit des Waſſers nie 4 
zu thuns fondern das Waſſer wäre und bliebe nur ein fü — — 
‚tel, dadurch das Buͤndniß ——— ‚dem dreyeinigen GOtt und dem 
Taͤuflinge vollzogen wuͤrde Da Gott nach der Suͤndfluth einen 
Bund mit acht Selen gemacht, fo hatte er den aus — —— * 
ſachen entſtehenden — zum ‚Zeichen. es vollzo ndeg 
verordnet. Nun möchte der Regenbogen ge 
ten Theil erfeheinen; ſo koͤnte er von dem oait r 
nehmen, noch was dazu thun, und bliebe doch ein 3 * — | 
Einige von unfern vornehmen Gottesgelehrten Bien —— 
ſchet⸗ daß man das Untertauchen beybehalten; weil die Daufe ihren 
Grund in dem Tode und Auferſtehung JEſu Chriſti habe, und in 
dem Untertauchen das Abſterben von Suͤnden und das Auferſtehen zu 

einem neuen Leben den Sinnen beffer vorgebildet wuͤrde: wir duͤrften 
uns aber, nach der Chriſtlichen Freyheit, wegen ſolcher zufaͤlligen und 
nicht abſolut nothwendigen Umſtaͤnde, Fein Gewiſſen machen; ſondern 
koͤnten und beruhigen, wenn die Hauchtſache nur richtig ſey Denn 
es ſey nicht das Abthun des Unflaths aim Fleiſch ꝛc. Simon der 
Zauberer waͤre untergetaucht worden: weil aber an feiner Seite ein 
Hauptſtuͤck, nemlich der wahre Glaube, gefehlet; fo haͤtte ihn das viele 
Es nichts geholfen. Petrus hätte bey dem Fußwaſchen gan über. 
und über gemafchen fen wollen, fein Meifter aber hätte ihn zurecht ge⸗ 
wieſen, es märe-für dasmal hinreichend wenn er an den Füffen gewa⸗ 
ſchen würde. Ob der Kerckermeiſter untergetauchet worden, waͤre nicht 
gewiß; doch waͤren die weſentlichen Stuͤcke bey ſeiner Taufe gervefen. 
Ob Cornelius und feine Freunde untergetauchet worden, fey nicht deut⸗ 
lich gemeldet. Mancher Gläubiger möchte wol zu der Apofiel Zeiten - 
und in den drey erften Sahrhunderten auf dem Kranden- und ed } 
Bette ohne gänsliche Untertauchung; getaufet worden ſeyn. 
man gar Fein Waſſer gebrauchen wie Die Quacker affectirten; fo 0 
man zuwenig: molte man bey der Untertauchung Hatsftanig: ſten 
und Daneben falſche Lehren hegen wie die: Tauchgeſinneten; fo verloͤh⸗ 
re man das Weſen und bliebe bey dem Schatten ——— die 
ſinnlichen Vorſtellungen bey der Untertauchung, ——— Art 
der Ausgieſſung betraͤfe: ſo hielten beyde Arten einander die © J 
weil Das griechiſche Wort BrrriZew fo mol Das Ausgieſſen, als 
Untertauchen — * man bey dem —— ſo viel herrliche 


ESbrůche 


































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[80-3 


lenb Ber. von feiner Amtefähr.tras. 299 
Sprüche von der Ausgieffung des heilgen Geiftes zur Erbauung fich 
vo önte, als bey der Untertauchung andere appliciret werden 
‚Sie fagte endlich, daß fie in unferer Lehre -Geift und Leben 
gefunden, und nun auch feinen Zweifel wegen der stuegieflung mehr 
srig hätte, und begehrete getaufet zu werden, ¶ Wir beteten mit ein- 
nder inbrünftig und fie befante den chrifilichen Glauben, entfägte 
den geiftlichen Feinden, und empfing die heilige Taufe unter häufigen 
Thraͤnen und Bewegung ihres Hertzens. Es wird ihr auch an Spott 
- ab Bäfteruing: richt Fehlen la EEE NT 
Am Abend ritte nach Menhannover zu mit einem neuen Pferde, 
Die Wege waren fehr tief, und als ich kaum in die rauhen Stein- 
berge kam; fo überfiel mich die finftere Nacht. Mein Pferd verlor 
den Weg und gerieth mit mir zwiſchen Morafte und Felfen. Ich 
ſtieg ab , und wolte den Weg felber ſuchen, fiel aber bisweilen in die 
Suͤmpfe bis an den’ Leib. "Durch das viele Arbeiten wurde ich fo heiß, 
daß mir der Schweiß durch meine doppelte Winter Kleider drang. 
= Stille fiehen Eonte ich nicht, weil bey der Kalte von dem Schweiß 
Schaden befürchtete: ich vermochte auch Fein Feuer anzumachen, ſonſt 
waͤre im Walde geblieben bis an den Tag. Nach zweyſtuͤndigem hin- 
und her wandern gerieth ich endlich an einen Zaun, und fandein Haus, 

wo ich mich ein wenig erholete, und ——— dem Neuhan⸗ 
noperifehen Schulhaufe gelangete. "Etliche Tage darauf wurde Evanck, 

wie ich bereits fonftgemieldet habe, 

In Neuhannover war eine alte Witwe kranck. Sie hatte nad) 
mir geſandt, weil ich aber wegen Amtsgeſchaͤfte nicht bey Der Hand 
mar und erft den. dritten Tag zu ihr gelangen Fonte: fo weinete fie, 
und mennete ich hätte fie nicht beſuchen wollen, weil fie eine arme 
Perfon und vor der Welt verachtete Witwe twäre. Ich befchiede fie 
am Siebe, doß ch n fo meitläuftigen Umftänden „ al8 ein Menfch, nicht 
* allgegenwaͤrtig ſeyn koͤnte, ſondern mit groſſer Muͤhe in den ſchlimmen 
‚Wegen von einem zu dem andern mich plagen muͤſte. So viel im 
- Befprach mit ihr vernahm, mar fie fehon lange < — Witwe 
| efen, hatte in Teutfchland unter Catholifchen gewohnet, und viele 
Drangſal erlitten , weil fie ihre’ Kinder nicht hat wollen Cathotifch wer 
den laſſen, fondern diefelben in der Proteftantifchen Lehre unterrichtet. 
In dieſem Lande hat fie fich fleiffig bey dem Gehör des Wortes GOt⸗ 

tes eingefunden, ihre Kinder * erzogen und goͤttlich regieret, un 

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iM allem Beten nach, eine vechte tee genen, in bi inf ei Br 


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Semeinen in —— Abrvefe — von meinen. lichen 
Amte-:Brüdern beforgt worden. Die Zahlder Kinder, welche ich ge- 


taufet, kommt etwa auf hundert und achtzehn, acht und drehſſig jun⸗ 


ge Leute habe ich confirmivet, und neun und zwantzig Perſonen begra= 
ben. Der gnädige Vater in Chrifto fey innigſt geprieſen, daß er ung 

mit ſo groffer Geduld und Verſchonen getragen, meine liebe Amts⸗ 

Bruͤder beym Leben erhalten ‚ und unfere Gliedmaſſen auf den Reiſen 


bewahret, derfelbe grundgütige GOtt und. Vater wolle mir armen 


Suͤnder um JEſu Ehrifti willen gnaͤdig und barmhertzig ſeyn, wegen 
meiner vielfältigen Amtes und Standes⸗ Sünden, Sehler und Ge⸗ 


brechen nicht mit mir ing Gericht gehen, ſondern diefelbe tilgen wie eir 


ne Wolcke, fie in die Tiefe des Meeres merfen, mir feinen heiligen 
Geiſt zu einem fo fehmeren Amte verleihen und mic) balde aus Gnaden 


von dieſem Jammerthal zu fich nehmen und Arbeiter in feinen verwi 


fieten Weinberg fenden, Die mehr. Treue, Kraft, Muth, ‚Weisheit, 


Erfahrung und Amtsgaben befisen, wie ich. Kornemlich wolle der . 


HErr nur den lieben Herrn Brunnholtz und Handſchuh noch lange 
leben laſſen und ihre Leibes⸗Kraͤfte vermehren und ſtaͤrcken. 


Heinrich Melchior Můͤhlenberg. 


I. Rad) 


2 einer DT Dre ———— — 
IL Rachricht von den neueſten Um— 
ſſaͤuden. 


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14 
9 


NUSERE MENT: 


—8 leichwie aus dem vorgehenden Stück zum Preiſe des HEern 
| %) mit mehrerm gu efehen , tie der HErr feinen Segen zu der 
7 Arbeit feiner Knechte unter den Penfyloanifchen Gemeinen ges. 

geben, worinnen dasjenige, tag der Herr Paſtor Muͤhlenberg dar⸗ 

von ausführlicher angemercket, foanzufehen ift, daß man von demſel⸗ 
ben auch auf die Arbeit Der übrigen Herren Prediger fehlieffen kann: 
alfo ſoll in diefem andern Abſchnitt eine Nachricht ertheilet werden, 
was feit der Herausgabe der vorigen vierten Fortfeßung wegen Der 

Denfploanifchen Gemeinen vorgefallen, und was fich in ven Umſtaͤn⸗ 

den, nach den bisher eingelaufenen neueren Briefen, geändert habe. 

92, Wie bereits in der gedachten vorigen Fortfegung gemel⸗ 

det worden, fü find abermal zween neue Mlitarbeiter, Herr Hein⸗ 

gelmann und Herr Schulge,, abgefendet worden, welche im Julio 

1751. ihre Reife von Halle über Londen nach Penſylvanien angetreten. 
- Weil nun für nöthig erachtet worden, daß diefelbe in Europa ordi⸗ 
niret würden, damit ſie fogleich nach ihrer Ankunft, nach befinden der 

Umftände und Nothdurft, zu Amtsverrichtungen gebraucht werden koͤn⸗ 

tenz fo haben fie ihren Weg über Wernigeroda genommen, und find 
daſelbſt, auf vorhergegangene gehörige Unterfüchung ihrer Tuͤchtigkeit, 

den uten ul. von dem Hochgräflichen Eonfiftorio ordiniret worden, 
haben auch übrigens von der dortigen Hochgräflichen Herrſchaft viele 

Gnade und Wohlthaten genoffen und find durch andere gute Freunde 

reichlich erqguicket wordhen. oe 

$. 3. Sie haben darauf ihre Reiſe über Magdeburg, Stendal 

und Saltzwedel forfgefeßet, an welchen beyden legten Orten fie fich bey 
- den Anverwandten des Herrn Heingelmanns einige Tage nicht ohne be= 
fondern Segen aufgehalten und durch diefelbe in dem HEren geſtaͤrckt 
und ermunfert worden, find den aten Auguft zu Hamburgangelangt, den 
zıen wieder zu Schiffe gegangen und den 2ten Sept. zu Londen einge 
troffen. Nach einem kurtzen Aufenthalt dafelbft, den fie unter dev 
Anweiſung des Koͤnigl. Großbrittannifchen Hofpredigers Herrn Zie⸗ 
243 genha⸗ 






302 Fuͤnfte Sortfegungder Nachricht aus Penfplvanien. 
genhagen zu ihrer ferneren Zubereitung und Stärkung auf ihrefüne 
SSL be enman ah, hab fe ch bnıen Dre. 
Graveſand wiederum zu Schiffe begeben, und nad) kurtzen See 
Reiſe von acht Wochen den ı.ten December das Zielderfelben, Phila- 
deiphia, glücklich und mwohlbehaiten erreichet, mo fie zunörderft von dem 
Herrn Paftor Brunnholtz, und hernach auch von den übrigen Herr 
Nredigern mit groſſer Freude und unter vielem Lobe GOttes empfan⸗ 
gen worden. nr Sal oe REN —— — 
$. 4. Unter den vielfältigen Proben der Vorſorge GOttes auf 
der. Reiſe, haben fie-infonderheit als eine groffe Wohlthat erkannt, 
daß von Hamburg nach Engelland ein Kaufmann aus Londen:in ihrer 
Geſellſchaft gereifet, der fie bey ihrer Ankunft daſelbſt zuvechte gefüh: 
yet und fich ihrer liebreich angenommen, da fie fonft, wegen Mangel der 
Engellifchen Sprache, fich in Diefer unbefanten und weitlauftigen Stadt 
nicht fo feicht hätten zu recht finden Fönnen, Und weil ſie auch inder 
kurtzen Zeit, Die fie Dafelbft zugebracht, nicht: viel von der gedachten 
Sprache faſſen können ;, ſo ift ihnen auf der weitern See-Meife big 
America gleichfalls fehr wohl zu flatten gefommen, Daß ein Sohn ei⸗ 
nes fehr liebreichen Freundes der Penfplvanifchen Herren Prediger aus 
Yhladelphia ſich mit auf bem Schiffe befunden, der ihnen viele Liebe 
erzeiget , und ihnen unter Der übrigen. Geſellſchaft von blofien Engel- 
(ändern ſehr nüglich gewefen, teil er ſo wol Die Engellifche als teutſche 
Sprache geredet, TREE 8 SIEGTE NE BORN 
-$.5. Nachdem nun die famtlichen Herren Prediger gemeinfchaft- 
lich zuiammen gefrefen und alle Umftande teiflich überleget „fo haben 
ſie furs befte gehalten, Daß Diefe beyde neue Mitarbeiter zuvoͤr derſt, mes 
nigfiens einige, Zeit, bey denen beyden altefien Herrn Predigern ‚denn 
Harn Baftor Mühlenberg und Deren VPaſtor Brunnholg, verblieben, 
da diefelbe in ihren Gemeinen bey den sum Theil im Dienft des HErrn 
durch Die uͤberhaͤufte Arbeit bereits ziemlich) verzehrten Kräften ‚ einer 
Hilfe benöthiget, Es iſt demnach der Herr Heintzelmann des Herrn 
Paſtor Brunnholtzen Mitarbeiter zu Philadelphia geworden, wohnet 
in deſſelben Haufe, und genieſſet von demſelben, weil ihm die Gemei⸗ 
ne dermalen noch kein beſonderes Salarium auszumachen im Stande 
ift, Die freye Wohnung und den Tiſch, verſiehet, bis ſich ein anderer 
tüchtiger Schulhalter findet, des Tages Drey Stunden die Schule, 
topon er Die übrige Nothdurft erhalt, und flehet dem Herrn Naila 
Ä runn= 








[6% 








SIE Nachricht von den neueſten Umfkänden. 303 


digen, Catechiſiren und andern öffentlichen und be 
Verrichtungen feines Amtes bey. Wie nun dem Herrn Pa- 
runnholtz diefe Einrichtung zu mercklicher Erleichterung und fein 
‚er Sinn und treuer Beyſtand zum groffen Troft gereichet: alfo 
ift dadurch auch Die Schule , darinnen der Organift die übrige Arbeit 
verſiehet, nicht nur in völlige Ordnung und gute Aufnahme gefom- 
men; ſondern es iſt Davon auch der allergeroiffefte Segen zu hoffen, 
wenn Die Kinder von ihrer zarten Jugend an einen gründlichen Unter- 
vricht von dem Ehriftenthum genieffen und zu Chriſto geführet werden, 
da an den Alten öfters die Arbeit umfonft zu feyn pfleget. Was den 
Herrn Schulgen betrift, fo hat denfelben der Herr Paſtor Nrühlen- 
berg als Mitarbeiter an der Kirche und Schule zu fich genommen, und 
von feinem felbft nur maffigem Salario ihm die Hälfte zu feinem Un⸗ 
terhalt auf eine Zeitlang zugeflanden. Nachher hat die Gemeine zu 
Neugoſchehopen gebeten, Daß er alle vierzehn Tage bey ihnen predi- 
gen möge, welches auch von dem Herrn Paftor Mühlenberg mit Ge- 
nehmhaltung feiner Herren Eoklegen erlaubt, und von Heren Schul⸗ 
- Ken angenommen worden, der dagegen eine Benhülfe von dieſer Ge⸗ 
meine bekömitmet.. 10 an 2 © BE — 
9.. Was nun die übrige Gemeinen und ihre Umftaͤnde betrift; 
fo ift zuoöderfi wegen der Gemeine zu Kancafter eine Veränderung 
vorgefallen. Es hatte bey derfelben der Herr Paftor Handſchuh 
das Predigt: Amt im May 1748. nur auf eine Zeitlang zum Verſuch 
angenommen, (a) und daſſelbe drey Jahr mit unverdroffenem Fleiß 
und Treue dafelbft geführet. Da aber eines Theils die Gemeinden 
zu Philadelphia und Germantown viel zu weitläuftig geworden, ad 
daß fievon Einem Prediger genugfam beforgt werden Eönnen, der Can- 
ditatus Theologia aber, welchen Herr Paftor Brunnholtz in der Ab _ - 
ſicht auf eine Zeitlang zu fich genommen, damit mwenigftens iede Ge= 
meine —— eine ordentliche Predigt haben moͤchte, (b) in⸗ 
- mittelft zu einigen andern Gemeinen geſchickt worden; am andern 
Theil: auch verfehiedene Umftande angerathen und erfordert, daß mit 
dem Heren Paftor Handfehuh eine Veränderung vorgenommen tver- 
de; fo haben die fämtliche Herrn Prediger nach gemeinfchaftlicher 
Neberlegung vor gut gefunden, Daß derfelbe von der Gemeine zu Lan⸗ 
(a) Wie aus der dritten Fortfegung pag. 193. unternr ten Maͤy zu erſehen. 
Cb) Wie in der vierten Fortſetzung pag 1:4. gemeldet ift. © 





Brunnhols im P 
ſondern Verrch 


ſtor 
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304 SänfteSortfegung der Nachricht aus Penfploenien 


caſter feinen Abſchied nehmen und den Beruf als Prediger bey der Ge 
meine zu Germantown annehmen möchte, folchergeftalt daß er mit 9 
dem Herrn Paſtor Brunnholtz in den beyden Gemeinen zu Philadel⸗ 
phia und Germantown gemeinſchaftlich arbeiten, und fo wie es die 
Yeothdurft derfelben erfordern werde, einer Dem andern in feinen Amtd- 


verrichtungen zu Hülfe kommen ſollee. 
. 7. Nachdem nun diefer Entſchluß Durch ein Schreiben der 
famtlichen Herren Prediger, welches der Schulmeifter der Gemeine 
nach geendigtem Gottesdienft vorlefen müffen, bekant gemacht wor⸗ 
den: fo haben zwar darauf manche gutgefinnte Gemüther in Der Ge⸗ 
meine, Die zum Theil Durch den Dienft des Herrn Paſtor Handſchuhs 
gu einer mehrern Sorge für ihre Selen erweckt worden , ihre Betruͤb⸗ 
niß über deſſen bevorftehenden Abzug mit Thraͤnen zu erfennen gege⸗ 
ben, und denfelben gebeten, daß er laͤnger bey ihnen bleiben ‚möchte, 
Diefe ‘Bitte auch Durch einige Vorſteher wiederholen laffen; welcher er 
aber um fo vielmeniger Platz geben koͤnnen, als in der legten Zeit die 
Erfahrung gelehret, daß ihm von Den mehreflen in. der Gemeine fein 
Ant ſchwer gemacht worden. Er hat Darauf am Sonntage Eantafe 
1751. feine Abfchieds-Predigt zu Lancaſter unter vieler Bewegung 
der Zuhörer gehalten, und ift bald nach Pfingſten zu Germantown 
angezogen, mo er fein Amt bisher im Segen verfehen. AN 
S. 8. In der Kirche zu Philadelphia haben nicht nur, zu Ge⸗ 
winnung mehrern Raums, noch einige Empor⸗ Kirchen, fondern auch 
fonft verfchiedeneg zu mehrer Beveſtigung des Gebaudes gebauet wer⸗ 
‚den müflen, daher von denen Schulden, welche ſich über. zweytaus 
fend achthundert Reichethaler belaufen (<), nichts abgetragen _ 
werden Fönnen, felbige iedoch auch, weil der treue GOtt das meiſte 
zu Beftreitung Diefer neuen Bau⸗-Koſten durch feinen milden Segen 
Dargereicher, nicht vermehret werden Dürfen.  Munmehro aber hat 
man die Hoffnung, daß Feine Koflen weiter werden erfordert werden. - 
Der durch Die mehrere Empor» Kirchen erhaltene Raum aber iſt nicht 
überflüffig,, indem die gange Kirche meiftentheils fo voll wird, daß 
Feine Stellen ledig bleiben, woraus der zahlreiche Anwachs Diefer Ge⸗ 
meine, Die aber meift aus armen Gliedern beſtehet, zu erkennen, und: 
gar wol begreiflich iſt, daß da fuͤr ietzo der Herr Heintzelmann als 
Mitarbeiter des Herrn Paſtor Brunnholtzen zu Philadelphia — 
ba, 





co) Dritte Fortfegung pag. 79. und vierte Fortfegung pag. 126, 


vomk Machricht von den neueften Umftänden. 305 


ben, —* die game: su Germantown einen befondern Prediger hat, 
Ne a noch tesiveges mh — ar alle Dre je 





auf achthalbhi Weiherhet er * Der treue Sr wolle 
das 8 let Ban annoch weiter ausfiieffen Iaffen, damit 
— die ——— Gemeinen zu Bezahlung der gedachten Schur 
den eine zo — dargereicht werden koͤnne 
J Was die Frucht des Wortes GOttes unter der Ge— 
meine iu Pbiedelpbis anbelangt: fo berichtet der Herr Paſtor Brunn⸗ 
holtz unterm ı6ten Mertz 1752. davon nur mit wenigem folgendes: 
nee hiefige — Gemeine betrift · fo kann ich von 
—* meiſten und dem aͤuſſern groſſen Haufen eben nicht viel Ruͤhmens 
machen, als darunter ſich noch gar vicles Verderben findet, ine 
| „Heine Machlefe aber hat mir der Her gefchenefet, an ſolchen, die 
durchs Wort erwecket worden, Die Friedensiteige zu fuchen, und ſich 
ur Ruhe ——— Ernft in der Stille bereiten zu Taffen. Unter 
„jungen Eheleuten, erwachſenen ledigen Perſonen, Dienſtboten und 
„Kindern habe noch immer die meifte Hoffnung etwas ausgerichtet zu 
„fehen. Und ich finde ie mehr und mehr, daß meine Kinderlehre, (die 
„ich. von Anfang her in der Kirche. gehalten, und in diefen letztern Jahe 
„ren mit wieler ol u: roſſem Ernſt fortgeſetzt auch ſeit dem 
—— Jahrs 1750. des Freytags in meinem Haufe noch eine 
ondere Kinderlehre angefangen habe, ) eine ſolche Anreigung nicht 
wa ‚unter der Jugend ,,- fondern auch bey andern verurfachet, Die ich 
„wolnicht durch bloſſes Predigen erhalten haͤtte, weil die Leute den 
Vortrag in Frag und Antwort vielbeffer Faffen und verſtehen, als ei⸗ 
„ne Predigt im Zufammenhang y die bisweilen nur: —— da⸗ 
„her fich-auch des Sonntage Nachmittags, da ich die Kinderlehrein 
° „der Kirche hatte, bey derfelben faft fo viele Leute einfinden, als des 
„Vormittags bey der Predigt, Manche junge Männer ſchaffen fich 
"baren an, nehmen ‚ebige mit indie Predigt und Kinderlchre, 
ſchlagen die Sprüche nach, und antworten aud) wol, wenn es noͤthig 
a wi ‚allermeiften hatten ehedem gar Feine Handbibeln, ietzo aber 
rden fie begierig, da fie von der Fugend beſchaͤmet werden, ihnen 
chzufolgen Seht viele ‚haben i in der Predigt und Kinderlchr: ihre 
— bein vor fichund fehle a a ich ſelbſt oft auf 
hie. Sarf, geunnn · 









3606 Sänfte Soetfesung dee Nachricht aus denf 


gemuntert erde, weil ich ſehe daß ſie dadurch in mehrerer 
wmerckſamkeit erhalten werden, dabey ſie auch den Bort ei 1 4 
„daß fie die Predigt zu Haufe — und ſich bey den aufge a 
„genen Sprüchen der vorgetragenen —— beſſer wieder erin 
„nern Fönnen, — .. — mliche ni in 
„ein gefand te en. . Sa Jie | 8,1 ver * 
„Dienftboten, —— wol von dem — uweilen 
„bekommen, etwas zuſammen, bis fie ſich eine ibel dafuͤr 
koͤnnen. Sind ſie gar zu arm; fü fc fe ich ihnen m ( Burn 
Theil am Preife, — 15 au erreichen. Die Jugend be: 
en " hd bie Anfmosten Daraus} —— 
„na n, | zu n erzu⸗ 
„leiten. Se iſt zwar nicht ein reeller es. aber doch iſt es ein 
Der eine Re und der andere —5* oh. 4 
—— n, daß ſe 

















Age e D0= 
Durch gewircfet werden, ni damit in Zeit und Ervigfeit eine 
reiche und überfi iwenglic  Grucht daraus erwachſen möge, zum. Preis 
ſe ſeines herrlichen Namens. RAN; 
— le Treue, welche die Herren Prediger i in ihren 
&emeinen in Penſyloamen anwenden, und bey dem Segen, den der 
HErr auf ihre Arbeit leget, iſt es nicht zu verwundern, daß auch im · 
mer mehrere andere Gemeinen ein Verlangen bezeigen, auch fo gluͤck⸗ 
lich zu werden, daß fie gleichfalls ſolcher treuen Selenforge genieffen 
fönten. Wenigſtens finden fich-in fokhen andern Gemeinen — — 
einige nach dem Worte GOttes hungerige und begierige Selen, wel⸗ 
che nicht nur ſelbſt aus dem ſelben Durch treue Lehrer geweidet zu wer- 
den wünfchen,, fondern auch, wenn fie ſehen mit welcher unbefchreib- 
| Er Iren und 3 um —— nn Pre⸗ 





Gr Das 


_ 


5 


“Bi: riachticht von den neneften finden. "304 


4 m Dasiftes auch, was die sum Theil aus Wiederfändern, we⸗ 
18 der Piederkändifchen Sprache Eundigen, befichende Lutherifche 

meine $ ju KTeuyord (d) bewogen, den Herrn Paſtor Miählenberg, 
da derfelbe aber in felbige Gegend gethanen Reiſe auch dahin ge⸗ 
kommen 1, und auf Verlangen der Vorſteher in ihrer Kirche gepredigef, 
ihn nachher zu ihrem ordentlichen Prediger zu berufen, und gar in⸗ 


— 










a Indig a ibm anzuhalten, daß, da fie Dermalen Feinen ordentli⸗ 





chen Prediger habe und eine ſchaͤdliche Trennung unter ihnen entftan= 
den, er folchen Beruf anzunehmen ſich nicht wegern wolle, weil fie 
hoffeten, daß durch feinen Fleiß und Treue der Riß geheilet, und alles 
- wiederum in völlige gute Ordnung gebracht werden würde, Ob er 
ſich nun gleich noch nicht entfchlieffen mögen, vor feiner Gemeinen 
in Penſylvanien abzugeben: fo hat er fich doch auch nicht überwinden 
Fönnen, das fehnliche. Pitten dieſer Neuyorckiſchen Gememe gang 
fruchtlos bey fich feyn zu laſſen, ohne fich derſelben wenigſtens au eini⸗ 
— anzunehmen. 
‚in. Er hat ſich in dieſer Abſicht bewegen laſſen, nicht nur im 

gahr 1751. vom ıgten Mäy bis den 26flen Auguſt ſich in Neuyorck auf⸗ 

— —*—* den Gottesdienſt zu verſehen, und Alte und Junge 
mit dem Worte GOttes zu weiden; ſondern er iſt auch willens gewe⸗ 
ſen, in dem gegentodrtigen i752ften Jahr ih wiederum auf einige Mo⸗ 
.nate dahin zu begeben, da inmittelft auch der Herr er ygand nach der 
Adreife des. Herrn Vaſtor Mühtenbergs eine Zeitlang in Neuyorck 
verbleiben und Diefe Gemeine beſorgen muͤſſen. Zu Neuprovidentz und 
Neuhannover aber find in des Herrn Paftor Mühlenbergs Abweſen⸗ 
heit die Predigten und übrige: Amtsverrichtungen von feinen Herren. 

Collegen beforget werden; von welchem allen in den Fünftigen Stücken 
der Nachricht von des Herrn Mühlenbergs Amtsfuͤhrung ein mehres 
reg zu.erfehen feyn mird. Es iſt nicht zu feugnen, daß der werthe 
| * FOR Mühlenbag auch bey Reifen nach Neuyorck “> 

| r | | 


e & iſt diele Stadt, welche auch vor dieſem den — a 
geſuͤhret, und den Hollndern zuftändig geweſen, mit der andern Stadt 
u Kor oder Yorcktown nicht zu verwechfeln, welche usch an den Grentzen 
Cat a VYenſylvanien lieget, und in welcher der Herr Schaum bey der 
vangeliſchen Gemeine das Lehramt führer. Neuyorck aber, wovon hier 
die Rede iſt, F lieget in der Provintz gleiches Namens deren Haubißad ſie iſt, 

auf einer Inſul, welche der in die See fallende Fluß ſormiret, und hat 

tinen guten Hafen und weite Eitadeke, 


308 Sünfte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 
dem Aufenthalt daſelbſt manche Beſchwerlichkeit und Verleugnung 
übernehmen muͤſſen, da er feine Familie in Neuprovidentz zuruͤck gelaf 
fen, und auf den Reifen manche Sefabrlichkeit ausgeſtanden. Es hat 
ihn aber Die Begierde verfchiedener daſelbſt gefundenen hungerigen Stlen 
und die Noth der Gemeinen fo nachdrücklich gerührer, daß er fih 
durch nichts abhalten laffen, ihnen gu dienen. Dieſes wenige mag 
dermalen zu einer vorläufigen Nachricht von den neueften Umftänden 
genug ſeyn, da in den Eünftigen Fortfegungen die eigenen Berichte 
und Briefe der Herren Prediger mitgetheilet werden follen, Daraus 
dieſe und alle übrige Umſtaͤnde und Veränderungen mit mehrerm zu ers 
fehen fen werden. un. seat anna en Ne 
I ELCH) kann indeffen nicht anders-feyn, als Daß einem freuen 
Knechte GOttes, dem cs um die Beförderung feines Reichs wahr⸗ 
haftig zu thun ift, Das Hertz gleichſam biuten muß, menn erden 
Hunger nach der. reinen DBerfündigung des Wortes GOttes bey ſo 
vielen verlaffenen Selen ſiehet, und Doch nicht die Mittel in Händen 
hat, ſich derfelben mit Nachdruck anzunehmen, und Daher fo manche Ge⸗ 
legenheit aus den Händen gehen laffen muß, da GOttes Werck befoͤr⸗ 
dert werden koͤnte. Der groͤſte Mangel beſtehet zwar allerdings dar⸗ 
innen, daß ſo wenige unter der groſſen Anzahl derer, die ſich aͤuſſer⸗ 
lich dem geiſtlichen Stand gewidmet, wahrhaftig die Ehre GOttes 
zu ihrem Zweck haben, noch einen Hunger nach Gewinnung der Se⸗ 
Ten bey ſich wircken laſſen, und daß unter denen wenigen, Die einiges 
wahre Verlangen das Werck GOttes mit Ernſt zu treiben in ihrem 
Herten haben, noch weniger find, Die ſich willig finden laffen, ihr Va⸗ 
terland und Freundfchaft zu verleugnen, und dem Beruf GOttes in 
die Ferne zu folgenz zu geſchweigen, Daß auch manche ſeyn, Denen 
wirckliche Hinderniffe wegen ihrer Gefimdheit oder wegen ihrer ‚Eltern 
und anderer Werbindlichkeiten im Wege ſtehen und fie zuriick halten: 
Penn freylich diefer zu unferer Zeit fo garfehr zu beflagende Mangel 
antüchtigen und freuen Arbeitern nicht vorwaltete; fo Eönte folchen 
nach dem. Worte GOttes begierigen Gemeinen cher-geholfen werden, - 
und GOtt wuͤrde auch die erforderliche äuffere Mittel und Nothdurft 
aus feinem milden Segen gnadig zuflieſſen laſen. 
14. Gleichwol ift auch nicht zu leugnen, da der HErr no 
überall , und unter andern auch unter den Candidaten des Predigt: 
amts, feine wahre Juͤnger und Nachfolger hat, daß ſich wol noch on 
| — = | Naoͤthi⸗ 


% 


S 


nanaR! Nachricht von den BER Umftänden. ;* 309 


nöthigen Arbeiter auch fuͤr den Penfi hlvanifchen Beben unter goͤtt⸗ 
m Se nach und nach finden möchten, daß aber, aus Mangel 
day erfordert derlichen Unkoſten, füricgo ein mehreres zu Befoͤrderung 
Jeils dieſer fer Selen —— unternommen werden koͤnne: weil die 
Bemeinen nicht im Stande find, ſothane Unkoſten aufzubringen, auch 
di = Jen opfthaten nicht fo viel eingefommen, daß auch 
en ‚eines oder des andern abzufendenden neuen Mit- 
arbeiter beſtritten, oder den Gemeinen zu Philadelohia und German- 
an zu Abtragung ihrer Schulden einige meitere Beyhuͤlfe gefchehen 
"Man überläffet alfo billig dem treuen GOtt, dem die Selen 
das Blut feines Sohnes. gekoſtet haben, Die Sorge für deren Erret⸗ 
Küng und —* die Ausbreitung feines Reiches ſelbſten, der auch su rech⸗ 
che Bitte feiner Knechte und $ inder erhoͤren, und ſelbſt 
—— in feine Ernte fenden, mithin auch, was erzu Befoͤrde⸗ 
an ‚feines Werckes von — Segen ER ai ‚gnadig 
fe | 








ichen wird. 31 
—— Dis iſt infonderheit 
—* — 







nei ir — Hehe an, 

'Zieger —— Herrn Doctor Fran⸗ 

Bu ne e von längerer Zeit ber gewohnet find, bey allen ju be- 
förderung | der En go und: wöbreitung feines Meichs abziefen: 
nur auf GOtt # und den Spuren. feiner 


gnädigen —— und Führung nachzugehen: daher fie auch, um 
uf dieſem aflerficherfien Wege —— fortzugehen, andere an 
| En — Mittel zu ergreifen. an ‚Ihrem Lheillen 
| igke er 
en — Ai zwar von einem gewiſſen um die Ehre GOttes und 
\ ‚Heil der Penſylvaniſchen Gemeinen ernfklich 
— den Penſylsaniſchen Predigern vor einiger 
Zeit an die Hand ge worden⸗ eing allgemeine Collecte bey den 
Eva ur fü en Staaten des ee he ſuchen, auch su de⸗ 
+ Ein ——— ‚einen aus ihrem Mittel nach Europa zu ſenden 
in, obgleich an der Sache — Ma iſt; * haben 
zn Gottes um des 












en 


— Zoelu gouttwang der Nachricht aus Peine. E i 


den Kraft GOttes, wie Die be ferner die Hertzen zu einem freywilli⸗ 
gen Beytrage erwecken, und wie viele Mittel er in ihre Haͤnde $ 
wolle, an deren treuen. Anwendung ſie an daten — nichts man. > 
geln faffen werden. RER ee R 
9.7. Einigen Vorurtheilen aber bey di gen: 
Heit —— En De ——— Wohlthaͤter ah un — 
ten werden koͤnnen, dieſe angefangene gute Anſtalten zu. Bern A 
Einige mögen in den Gedancken Nein P6 es Pe nit — 
ſich anzunchmen, da ſich die meiſten derſelben rder 
chen Trieb, * Noth und Beruf, in — — Bel See 
geben, weil e8 ihnen nicht mehr — ſich in ihrem Vater ⸗ 
fand. in gute Ordnung su bequemen und ſich ihrer „aande e Arbeit, zu 
mehren. .. Yun iſt Das Beginnen ſolcher Leute Fei zu billigen, 
die auch noch bis auf Diefe Stunde bey — A er 
ven ordentlichen Beruf, in welchem fie in ae | m bereits fen 





















I Kane un dm Dem prediger Si — RX 
Doctor Francken, dab * einigen —* an ihren 
— ‚ oder dieſelbe ng und — — 
?, was Die nun ein — 
wohnende — e bettift: fo hat es Damit eine gantz andere Bewand⸗ 
ni. Eine groſſe Anzahl derſelben iſt nunmehro bereits darinnen 
geboren und erzogen, und wenn ihre Eltern gleich unrecht und wider 
den Beruf Gttes gehandelt, da fie hineingezogen; ſo koͤnnen doch 
nun ihre Kinder deſſen nicht entgelten. Was aber diejenigen anlan⸗ 
get, welche noch von den alten hineingezogenen Teutſchen am am Leben 
find, oder. in det letztern Zeit erſt hineingekommen, po fie, — 













mal darinnen und koͤnnen nicht wieder zuruͤck, haben au 
Beruf, noch weniger aber, was Die meiften bettift, ‚die! La 
Ruͤckreiſe. Wenn diefelben nun ihren Fehler erkennen und bereuen, und 
eine Begierde nach dem Worte GOttes — ſoll man fie um: 
deswillen in folder unger, nicht nach Brodt, fondern nach — 
orte GOttes-v mſchmachten laſſen, weil fie fich ſelbſt in ſolchen 


* Di ierte t 7} 
a o Berka me 1537 ua me 





iachricht don den neueften Umfländen. ara 


b — PEN. N PR N be RE ERRER, — w 
icht vielmehr nun ihre Selen zu erretten und die 
unter ihnen und ihren Kindern 5a erhalten fuchen? 
) GHFE die geiſt⸗ oder leibliche Noth derer. niemals jammern 
‚laffen, die ſich felbft hineingeſtuͤrtzet; jo twaren wir alle verloren. 
919. Andere meinen, es würden die guten Anftelten, die 
für diefe Gemeinen gemacht find, von feinem Beftand ſeyn. Sol- 
—* ‚belieben einestheils zu bedencken, was GOtt ſchon bisher ge- 
than und mie er feinen Segen gegeben. Sole er etwas anfangen und 
nicht hinausführen? oder hat ex nicht bisher gezeiget, daß er Das, was 
in feinem Mamen angefangen wird, auch erhalten und vollenden 
koͤnne? Anderntheils find Knechte GOttes bisher nicht weiter 
gegangen, und werden auch in Zukunft nicht weiter gehen, als die 
ußflapfen der goͤttlichen Führung voran gehen und die Spuren feiner 
Borforge fich zeigen. Da fie nun GOtt nicht vorlaufen oder aus cie 
‚genem Triebe etwas unterfangen; fo. verlaffen fie fich auch, und zwar 
mit allem Necht, auf feinen gnädigen Beyſtand und verttauen ihm in 
veſtem Ölauben, er werde feinen Segen ferner gnadig ergeigen. 

8.20. Noch andere fliehen wol in den Gedancken, als wenn 
die Anftalten bereits fo weit gekommen, daß Feine weitere Beyhuͤl⸗ 
fe für Diefelbe erfordert werde, und fie folten wol in folchen Gedan⸗ 
cken geftärcket werden, wenn. Da as ben in des Heren Senios 

ris Doctor $refenii Paftorel-Sammlung 

deren zwoͤlften Theil lefen : wie der Herr Nfarrer Schlatter ihn ver- 
„fichert, daß die Evangelifch-Lutherifchen Herren Prediger ihre Gemei⸗ 
„nen fehon in einen weit befferen Stand gebracht hätten; als es bey 
- „den Reformirten Gemeinen hätte geſchehen koͤnnen: welches daher 
„komme, weil fie cher angefangen und von unfern Slaubens-Genoffen 
„in Teutſchland tapfer unterftüget würden... _E8 Fann diefes Zeug. 
niß des um die Ehre GOttes unter den Neformirten Gemeinen in 
Penſylvanien eifrig bemüheten Mannes, des Herrn Paftor Schlat⸗ 
ters, zu einem Beweiß Desjenigen dienen, was in diefen Nachrichten 
als ſchon wircklich erreichet angeführet worden. Es hat aber der Hoch: 
gefchägte Herr Senior Srefenius diefes nicht dahin verſtanden, daß 
die Anftalten für die Penfyloanifchen Gemeinen feine fernere Beyhuͤlfe 
bedürften; indem er felbft feine Meinung desfals in derjenigen Zugabe 
gantz anders erklaͤret, twelche er der indem gedachten zwoͤlften Theilfeiner _ 
Daftoral- Sammlungen mitgetheilten wahrhaften Erzehlung von 
‘den Hirtenloſen (Reformirten) Gemeinen in Penfyloanien bey- 
V. Penſylv. Frotſ. Ss gefuͤ⸗ 













Sammlungen in der Vorrede Bi - 


ziz. Sünfte,Sortfegung der, Nachricht sus Penſylvanien. 


gefuͤget; indem er daſelbſt, nach vorhergegangener Anfuͤhrung, was be⸗ 
reits unter goͤttlichem Segen zum Beften auch der Sutherifchen Gemei-, 
‚nen gefchehen , hinzu ſetzt: Doch muß-ich hier melden, ‚daß emo 
„mehrere rechtſchaffene Lehrer, als auch noch weitere, anſehnliche Geld⸗ 
„mittel nöthig ſind, wenn der groffen Noth aus dem, Grunde abgehol- 
„fen, und der Americanifehe Weinberg alfo gepflanket und angebauet 
„erden fol, daß feine Früchte eine beftändige Dauer haben Formen.» 
..$.2n. Es if übrigens nicht ohne Bewegung zu leſen, was der 
gedachte Meformirte Prediger zu Philadelphia, Herr Schletter, in. 
feiner edirten Schrift von den Hirtenlofen Gemeinen in Penſylvanien, 
welche wie gedacht-in dem mehrgemeldten zwoͤlften Theil Der Yaftorak, 
Sammlungen des Herin Doctor Freſeni eingerücket iſt, von dem Zu⸗ 
ftand fothaner Reformirten Gemeinen berichtet, und e8 erfreuet ung, bes 
ſchaͤmet uns aber auch zugleich billig, wenn wir Daraus fehen, mit: 
welchem Eifer der - Hochanfehnliche Hollaͤndiſche Synodus die 
Noth folcher Hirtenlofen Gemeinen zu Hertzen genommen und ihren 
übrigen Glaubens- Brüdern ans Hertz geleget, welches GOtt auch 
alfo gefegnet feyn laſſen, daß der Herr Doctor-Frefenius in der Vor⸗ 
rede fehreiben Fan, „es fey Fein Zweifel, Daß Here Schlatter und ſei⸗ 
„ne Gehuͤlfen nun auch feinen Entzweck beſſer würden erreichen koͤnnen, 
„nachdem fich in Holland eine fo anfehnliche Huͤlfe hervor thue. 
$. 22. Das alles, was der Herr Schlatter von dem bejammerng- 
würdigen Zuftand der Reformirten Gemeinen nach der Wahrheit er- 
zehlet, Fan gleichfals auf die Lutherifche Gemeinen appliciret werden, 
Er rechnet die Anzahl der Meformirten Zeutfchen in Penſylvanien auf 
Oreyffigtaufend, welche in ſechs und viergig Gemeinen zerftveuet ſey⸗ 
en, daraus fechjehen Kirchfpiele formiret, und folche von fo viel Predi- 
gern verfehen werden Fönten. Er berichtet, Daß Die Gemeinen fich 
zuſammen vereiniget, und. meldet, was eine iede zu Erhaltung ihres. 
Predigers aufzubringen im Stande fey, vermeinet aber gleichtvol, daß zu 
deren Unterhalt und zur Erhaltung eines Schulmeiſters an einem ieden 
Orte, auſſer dem, was die Gemeinen gäben, noch ein jaͤhrlicher Bey⸗ 
trag von zweytauſend hollaͤndiſchen Gulden erfordert werde, und 
der Synodus hat ſich mit vielem Eifer angelegen ſeyn laſſen, ein ſolches 
Capital aufzubringen, von deſſen Zinſen ſothane Unkoſten beſtritten wer⸗ 
den Eönnen. (f) —* $.23. Wenn 
(F) Es ift ein fehr rühmlicher Eifer für die Ehre GOttes und das Heil der ars 
men Menfchen „ wenn der Herr Schlatter ſehr nachdruͤcklich — Wie 
H ig 





Wen — In nun, wie gar faglich ſhelen tan die Anzahl 
itſchen Lutheraner noch einmal fo-groß annimmt: (g) fo. 
yan-leicht erachten, ‚daß, auch noch einmal fo viel Prediger und: 
zulmeiſte nithin guch nöd) einmal fo viel zu Deren Unterhalt er⸗ 
Drdert werden wurde, wenn alle. Gemeinen hinlaͤnglich verſorget wer⸗ 
den folten. Da wir aber in unſerer Kirche in Teutſchland keine fol- 

9 — oder Verſammlung von Theologis haben, die ſich 







= 


einer folchen. Nothdurft mit dem Nachdruck annehmen koͤnte, als 


A: ‚dem. Synode in Holland gefchiehet :: fo Ean man fich 
mol; ſchwerlich, ohne, eine. en: Hilfe von dem HErrn 
Klbft,. jemals ‚verfprechen, „daß der Zufland unferer Zeutfchen Glau⸗ 
bensgenoffen_ in gantz Penſylvanien in eine vollkommene. Ordnung 
und gute —* Kuna sera werde. Indeſſen iſt doch gleich- 
mol fehnlich- zu wůt daß zum menigften dag angefangene Merck 
‚bey den bereits unter —J Aufficht: der von ‚Halle nach Penſylvanien 
gefandten Prediger ftehenden. Gemeinen möchte völlig zu flande ge- 

. bracht und in guter Ordnung erhalten werden Fönnen: und man trau⸗ 
et billig der treuen Fürforge GOttes im Glauben zu, er werde Dazu 
hab feinen Segen geben. . Wobey nur noch einmal zu erinnern, daß. 
dieſes, was bisher angeführet worden, keinesweges in der Abficht ges 
meld et merde, ‚ temanden zu beſchweren, der. nicht felbft zu einem mil- 
von | erwecket wird, als welches der Meinung ges 
di Ace G0ttes völliggumider feyn würde; fondern man hatnur. 
) die — „bie: fich bey manchen finden, aus dem Wege 


Sich —* 24. Bey dieſer Gelegenheit aber iſt auch um mancher Glieder 
exer Gemeinen willen ‚ eine Semerung beyzufügen. Es ift vorhin 
erwaͤhnet —* daß Herr Schlatter für. nöthig erachtet, daß des 

| nen Arebigern, aufer dei, was die — zu ihrem — zu⸗ 
⸗ am⸗ 

billig es (ey daß man —* die —— u arınen annoch beydnis 
fchen wilden Indianer forget —* = anfuͤhret, was fo wol vor uuſe⸗ 
ver Zeit von Johann Mlior, — 55— in den letztern Jahren von 
Herrn Brainert, ein cn na Tank Und der Syns 









- uni 





odus achtet diefe Vorſtellung für Allein wer kann ſich 
Soffnung machen, Daß auch. von * Rinde ir die Bekehrung diefer 
— en einige Anſtalt gemacht werde. Doch bey BO ift Fein Ding um 


(g) Der Herr Schlatter olaubet, daß die Reformirten nur den — Theil 
a Teutſcheni in Denfoloanien. qusachen. 


! TIER 


314 Sönfe Sertfesungder Nachricht si Penfeinten. 


A N 





—* 
A 
Ex. 
8 


ſammen legen, fo aber dazu nicht hinveichend ſey , annodh eine er — gr 
licye SBeybülfe gereichet erde, Damit fie ihe nur ndfiges — —— 


kommen haben moͤchten. Und es waͤre auch gar nicht unbillig, 
de auch nicht gegen die —5 — der — ee ſeyn, w 
ſolches, wenigſtens bey verſchiedenen von denen Lutheriſchen Prediger 
aus den eingelaufenen milden Wohlthaten, wo es noͤthig, hätte ges 
ſchehen koͤnnen. Daher auch manche von den Gliedern der Gemeinen 
in den Gedancken ſtehen mögen, daß ihre Herren Prediger dergleichen 
Beytrag bisher genoſſen, weit fie nicht ‚gefehen , Daß fie auch ſelbſt das, 
was ihnen verfprochen worden, mit einiger Strenge eingefordert, fonz 
dern fie fich vielmehr mit demjenigen begnügen laſſen, was ihnen ein 
Jeder aus eigenem Triebe und freyem Willen gereichet. Allein es ift 
ſolches bis dato noch gang unmöglich geweſen, indem Die eingelaufene 
milde Wohlthaten kaum hingereichet , die erforderliche Reiſckoſten 
der hineingefandten Prediger zu beftreiten und einen Ay Anfang zu 


Bezahlung der Kirchenfchulden, zu machen, Es haben auch die Herren 


Prediger alle Fahre eine voltftändige - echnung über dasjenige, was 
Ihnen von den Wohlthaten übermacht worden, an den Heren Hof 
prediger Ziegenhag gen n und Herrn Doctor Stande ya auch in 
diefem Jahr eine iederholung ſolcher Rechnung vom Anfang bis 
hierhin uͤberſchickt, woraus zu erſehen, daß alles, was ſie von den 
Colleeten⸗ Geldern empfangen, zu der Nothdurft der Kirchen treulich 
angewendet worden. 
$.25.. Der HErr ſey demüthig gelobet, daß er der weitlaͤuftig 
zerſtreueten und verſchmachteten Schafe ſich gnaͤdig anzunehmen und ſie 
durch fein Wort und feine Knechte zu fuchen angefangen. Er wolle 
ferner nicht ablaffen, ihnen treue Hirten zu fenden, und durch di 


fie zu weiden und felig zu machen, und Darinnen noch viel ein er = 


thun, als wir bitten und verſtehen koͤnnen, um —— 


Erbarmung willen, Amen! | 





———— 
— 
— 


Sececchhſte Fortſetzung 







SRE‘ ie 84 


TE ern 


iM \ “, : a = * 
sit zn “ uUdaıt: 989 - — 
_ aoeih in Venfotvanien. 











2) Pi ® 2 € 
e Verlegung des Waͤoſenhauſes. 
©, 7 — | 









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\8 enfhr t die ———— ch ——— derr Tab 
richt von den ; penfylvanifchen &emeinen;, melche hie» 
o. Ken dem geneigten an Beier übetreichet: wird, Die eigenen Be⸗ 
richte der drey alteften Herren Prediger von den beyden 
[( % ren 1749 und 1730. Was der Herr Paſtor Muͤh⸗ 
3 g von feiner Amtsführung in befagten: fahren auf: 
it, y ifiam ausüben ‚ obgleich bey weiten nicht fo umftändlich, 
als die in der vorigen Fortfegung mitgetheilte Nachrichten von den bey- 
* vorhergehen Se hen . Die Urfach davon ift in feiner Reiſe nach 
Albanien, und in feinen nachherigen Reiſen nach Neuyorck, wo er fich 
ſo wol im Jahr 1751al8 1752 einige Monate aufgehalten (a) leicht zu fin⸗ 
„den: Denn da er gewohnt iſt, aus demjenigen, mag er von feiner Amts⸗ 
führung zu feiner eigenen Nachricht aufsuzeichnen pfleget, einen Auszug 
zu wachen, und Die vornemften Umſtaͤnde, abfonderlich von den bemerf- 
‚ten Wirkungen der Gnade GOttes an den Seelen, etwas meitläuftiger 
— amergäblen: ® ift leicht zu RN .. dieſe Reiſen 
u? s ie 


— Sir Di fünfte Sortetun pag. 307. 





A, 


£ - # e » 55. sa, 
# E> f 5 — A vr "7 SE 
— vorbericht ch. is: 
—J — * x; N * 
’ 


die längere Abnefenke von fein ordentlichen Be lsdie 

hernach bey dieſen vorgefun ae Arbeit nicht zugelaffen, fo viele 
Zeit auf Die Abfaffung dieſes Berichts zu verwenden, als erin | den vor 
herigen Jahren von I dazu erübrigen en — — 
—* — oe — en, when dm de 108 13 u 
o ihn zum Lobe er den Segen 4 wu eine fi. 
Arbeit verliehen, ‚ wird erwecken fönnen. x 


— — hatten zwar auch der Herr Paflor Brun —* oltz di ) de 
Paſtor Handfehuh ſich vorgenommen, die Nachrid ver Amts⸗ 
führung auf gleiche Weiſe einzurichten. Weil aber * bey dem 
beftändigen Anlauf und aneinander hangenden Amtsverrichtungen in ih: ⸗ 
ren Stadtgemeinen , bisher nicht fo viele Zeit übrig behalten, als dazu 
erfordert worden ; 6 haben fie fich entfehuldigen muͤſſen, Daß fie ihren 
Vorſatz noch nicht ind Werk richten koͤnnen Es ſind daher von dem 
erſtern nur einige Briefe, oder vielmehr ein Auszug des merkwuͤrdig⸗ 
fien aus denfelben, beygefügt, "Datalıs doch fo mol der redliche Sinn 
deffelben, nebft feinem Eifer für die Ehre GOttes und das Heil der anvere 
traueten Seelen, als die Umftände feiner eigenen nicht nur, fi een auch 
der übrigen vereinigten Gemeinen in der Kuͤrze zu esfeben find. 
zumal diefer treue Knecht Chrifti Damalen fich öfters fehr ſchwaͤchlich be 
funden; fo wird er um fo viel mehr entfchulbiget werden, daß er kei 
fo umftändliche —— von ſeiner Amtsfuͤhrung eingeſen {als ma 
wol wuͤnſchen mögen, da nicht zu zweifeln iſt, daß Diefelbe ſeh ange 
nehm und erbaulich zu lefen geweſen ſeyn würde: wie er fich Denn auch 
‚nicht entfchlieffen fönnen, das zu feiner Nachricht geführte Diarium , 
ohne einige mehrere Ausarbeitung einzufenden 2 3 er * kan on 
felbiges teitläuftig genug feyn wuͤrde. 1) 


Weil hingegen der Iegtere, Herr Vaſtor Zandfhub; ein‘ Die | 
rium, fo mie er darinnen das, was von Tage zu Tage vorgefallen, 
kuͤrzlich niedergefchrieben , abfchriftlich überfandt:. ſo hat manaus dem: 
felben einen Auszug in dem dritten Stücke mitgetheilet; ob er es gleich 
nicht in dieſer Abficht ,-fondern nur zu einiger Nachricht des Herrn Do» 
tor — uͤberſchickt. Es wuͤrde — nn tvenner von 


ihm 
6) Eiche Pag: 389. ee; BE *, 












— 






— Vorbericht. 





funden, und die Gemeine in eine feine Ordnung gebracht, ob es gleich 

> nachher nicht von allen (6 e.ant worden, nie bil, hätte gefpehen 

 follen. Es hänget übrigens Diefer Auszug mit Dem in der Dritten Forte 

fegung (°) gedruckten Auszug feines auf der Reiſe und in der erſten Zeit 
feines Aufenthalts in Penfplvanien geführten Diarii zufammen, (4) und 
fängt demnach im September 1748 an, gehet aber nur bis in. den Maͤy 

£750, weil daß folgende Stück auf der See verloren gegangen. 


Keine as 
a sr auH: > j ! dur urndhmn a x — 
S F pn pag 85 bis 12, Erf — a * ; ——— fe . * * | 
(a) Es iſt hiebey zu erinnern, daß in jenem der neue, in dieſem aber der — 
— — En = : ; N 


0 - 





eh Ä S 








‚fegungen vorkommen, davon die nächfte mit Be SA in ber hu, 


1751 und 1752 





genugſame und tuͤchtige Schulmeiſter zu beſtellen, Diebe Qu mt 


bie, 
als 


noch im denfengtifchen Provinzien gewöhnliche alte Calender gebraucht worden 
Daher es kein Verſehen iſt, daß jenes ſich mit dem 1zten Sept. kt. n.endiget und 


diefes mit dem zien Sep 
der ıgte iſt. 


t. five anfängt, welches nach dem neuen Caleuder 


I. Nonüherichenr 


REPPEERENIRER and wo der Hafen fey, in welchem 


fee et asp ne ein räumliches Schulhaus su bauen, 
end erfordere, Daß wenigſtens zween b bisdrey 





— un En als taufend | ja tool einige taufend Teutſche aus Europa an» 


m x en a — — zu arbeiten beſtellet wuͤrden, das — 





rende S chulgeld aber fey nicht hinlaͤnglich nur einen zu erhalten, und 

" Häbe bisher n dazu a8 Ä 

manns, auffer dem’ Tiſch, den ihm der Herr Paſtor Brunnholtz ge⸗ 
geben, zu beſtreiten, zum Schulbau aber koͤnne die Gemeine das Noͤti⸗ 


ge nicht aufbringen da ſie noch in groſſen Schulden von dem Kirchen⸗ 


bau ſtecke. Die Herren Prediger haben indeſſen die Hofnung, ber 


HErr werde ſich die Noth der Gemeinen ferner jammern laſſen, und in⸗ 
onderei yuocdef u einer Schulanfialt in Philadelphia die Mittel 


da denn nachher auch in den übrigen —— 
Aa ge — a —— — wuͤrde. | 


aben, ein or Gönner und li Farmer be Boheheter — eh 
land erwecket worden, ein anfehnliches Kapital für dieſe Gemeinen zu 
beflimmen und wirklich auszahlen gu laffen, davon er fich die Zinfen big 
an feinen Tod vorbehalten, nad) feinem. erfolgten Ableben aber Diefelbe 
> zum Beften diefer Gemeinen, wie e8 die Wotdurft erfordere, infonder: 
heit aud) unter andern zu Errichtung guter Schulanftalten anzumenden 
‚verordnet, und dem iedesmaligen Directori des Waͤyſenhauſes zu Halle 


ienet die übrige: Notdurft des Herrn SHeinjele 


Bi rege Difpofition und Verwaltung. nach feiner beften Einficht 


berl Der Name des HErrn ſey herzlich gelobef, der Sp theu> 
sen Gönner willig gemacht, fich die Beförderung des Werks GOttes 
unter dieſen Gemeinen durch eine folche milde und erkleckliche Stiftung 
angelegen ſeyn zu laſſen. Er vergelte ihm dieſe feine groſſe Wohlthat 
mit uͤberſchwaͤnglichem Segen in Zeit und Ewigkeit, und lege auf die 
kuͤnftige Anwendung der Zinfen dieſes Capitals, welches nach. dem 
Willen des wertheſien Wohlthäters als ein befländiger Fundus für 
die penfolvanifche Gemeinen angeleget werben foll, feinen reichen * 

Bo vertrauet auch. — milden oitrichen Dorfrge, d8 * 
efe 


— 





d at zwar mit — Dant —— 

An ia erfant wird, gleichwol aber ———— 

nicht — iſt, he davon zu —— jemeinen 
auch erſt nach dem erfolgten Ab . bes milden 








au neue ermunfert ——— te — nicht —* zu ee — 4 
dern nach der Gnade, fo der HErr darreichen wird, dieſeibe ferner. . 

aufs möglichfte zu befoͤrdern und zu — Sie ſehen aber dem 
HErrn in die Haͤnde, und verlaſſen ſich allein auf feinen gnädigen Bey: 
ftand und Segen ‚ welchen er sualler Bemühung für Diefe Gemeine fer- 
ner.geben wolle. Er gedenke auch feiner Boten, die er zu Diefen ver⸗ 
faffenen Gemeinen — und nehme ſich ihrer in ihrer mannigfal⸗ 
tigen Sorge, Noth und Leiden gnaͤdig an, färke fi fie unter aller Ar⸗ 

beit, und begleite diefelbe ken Segen, damit fein Name dar» 
über gepriefen und noch viele Seelen auf ewig errettet erben mögen, % 
207 ‚um kiner Erbarmung millen. ee — BE. 
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L rtgeſetzter Ber edes Herrn Pafto 
— von it 1 Fi — io r 
Yen ‚M den m Jahren 1749, und ae, — 


a, a un Vom Zah 1749. in 


os Si in erh — ging, zu Anfang, des fin 
‚ fer An BDGURIBFEHNELÄNE cbulen in unſern Ges 

(BY meinen vor... Denn da eben Se tot. Handſchuh und 
} feine: Gemeine su Loncafker ſehr bekuͤmmert waren, daß fie 





2 reihe Wend hatten, und ich, mich einmal verlaufen laſſen, d 6 ſich un⸗ 
At Schulmeiſter und Catechet aus yaunoser vielleicht ſchi⸗ 
ent a —— die erh der Sancäfterifchen Gemeine das 
nd lieſſen nicht‘ nal ne Ser felbe den Dienſt angenominen. . 
Bi 9— nicht allein die — entbläft, fondern 
auch die Gemeine in Uppermilfort und Saccum. ts, » welche un- 
x willig twurden, daß man ihreh Kinderiehrer weggenommen. 
| Ich befegte feine Stelle, fo viel die Schule zu Neuhannover 
| ‘anfanget, "mit einem andern Jungen Mann), der auf der Wachbarfchaft 
ein paar Sabre Schule gehalten. Er mar jung ins Land gekommen, 
‚an einen vornehmen Quacker auf viele Fahre verfauft worden. 
Das Wenig e, fo er in Teutſchland von der evangelifchen Religion ee 
; ff, 5* ihn abgehalten, daß er — * die Verfaſſung der Quacker 
VI. Vl. Penſyl Fortſ nicht 





Po 


36. Sechfte Sortfegung der fachricht ne Penfsloanien. 


nicht vertsiefefn laſen, ob er wol viele Fahre unter ihnen gebienet,-in 


ihre Berſamlungen mit gegangen, und viele Berfuchungen, zu ihnen 


üiberzugehen, gehabt hatte, zumal es ihm ohneden an Gelegenheit zu ; 
einem evangelifchen Gottesdienſt gefehlet. Als er feine Fahre ausge 
dient hatte und alfo frey war; fo legte er fich auf das Schulhalten, mar 
aber inden vorigen Jahren in Finſterniß und Untsiffenheit auſgewach⸗ 
fen, auffer. daß er engliſch leſen und fehreiben gelernet, und hatte ein 


freyes Leben geführet. Er Fam ein und andermal in unfere Berfam: 


funa nad) Neuhannover, wurde durch GOttes Wort übergeuget, ger 
sieth in eine göttliche Traurigkeit über feine Sünden, und fänget nun 

an in ſolchem Lichte den einigen wahren GOtt, und den er gefandt hat, - 
©: &fum Chriftum, zu feinem Heil zu erkennen, Derfelbe verfichet nun 


mehro tie obgedacht die Schule zu Neuhannover, giebet auch gute Hof ⸗ 


nung, daß er in der wahren Buſſe, Glauben und Gottfeligkeit fich im: 
mer beffer gründen werde — TUCH Ä 
Was aber Die Gemeinen in Uppermilfort und Saccum be- 
trift, fo Fan ich diefelben in den rauhen Winter · Monaten felbft nicht 
tool beſuchen, meil Zeit und Kräfte ſolches nicht erlauben wollen, noch 
auch durch den iegigen Schulmeifter fie ſo befuchen laffen, wie durch 
den vorigen, Indeſſen muß ich zu meinem Leidivefen vernehmen, daß 
in Saccum fic) bereits ein fo genannter Pfarrer wieder ar ga 
megen feines ausnehmend Argerlichen Lebens vorher abgefeget worden, 
md daß on ein oder ein paar Yrüer von den Zinzendörfern hie und 
da in die Haufer geſchlichen, auch einige Kinder follen getaufet haben. 
So bald man nur die geringfle “Pflanze gefeget hat, und den Rücken 
kehret, fo hänget ſich Das Ungegiefer Daran, und verzehret alles. 
| — haben die Nachbarn um die Kirche herum auch 
einen Schulhalter angenommen, welcher aus Teutſchland gekommen 
iſt. Er hat zwiſchen dreyſſig und vierzig Kinder zu unterrichten, wozu 
2 das —— 4 — * ee — und der Schule 
mieifter eine Familie ir werden dahero genöthiget werden; ı 
ein Gebäude daneben aufzufuͤhren. — — 


¶ Unſern alten Freund, Herrn Vigera, hat der Herr Paſtor Brunn⸗ 
holtz ins Haus genommen, und läffet-ihn zu Philadelphia Schule 
halten. Mit den Schulen folte es noch immer befler gehen, als es ge⸗ 
het. Die alten Bäume fterben aus, und wenn man Feine junge zupflans 
jet, fo Bam man Beine Fruchte erwarten. 
| ” Den 


* 


15en.Poft. Mäblenberge Ber.vonfeiner Amtaführ. 149, 317 


Denıften Januarii 1749. Den Anfang von dieſem Jahre habe 
ich in Neuhannover mit einer Leiche gemacht, welche an dem heufigen 
Neujahrstage zur Erde beflattet wurde. Ein Maͤgdlein von fünf 
Jahren, welches fromme Eltern hatte, farb in dem Herrn, Das 
Kind war den Eltern und mir eine Freude, weil der heilige Geiſt in dem⸗ 
ſelben feinen Tempel und Wohnung hatte, Es Eonte ein.und andere 
erbauliche Sprüche und Lieder herfagen, und fehr füß und angenehm 
von feinem Heilande lallen, daß man es ohne Bewegung nichtanhören. - 
mochte. Seine meiften Gefpräche, nach dem Verhaͤltniß des Alters 
und der Begriffe, waren von dem HErrn JEſu, den heiligen Engeln 
und einer baldigen Auflöfung, um bey dem HErrn JEſu zu ſeyn, un⸗ 
ber welchem Gefprache und Gebete Das Kınd verfchieden, 

In ebendemfelben Monate ſtarb auch des vorgedachten Rins 
des Vater von ſechs und dreyſſig Jahren. Der Dann hatteinfeinen 
jüngern Jahren, aus Begierde reich zu werden, ſich mit harter Arbeit 
übernommen. Der gnadige GOtt zog ihn.aber feit verfchiedenen Jah⸗ 
ven durd) ſchwere Krankheiten zu ſich, und lehrete ihn auf das Wort 
merken. Nicht weniger mar auch feine gottfelige Frau mit ihrem file 
len Wandel und erbaulichen Reden zur rechten Zeit eine Beförderung zu 
feiner Belehrung. Sie hörete ihn einſtens mit Thränen beten: Ach! 
lieber GOtt, id) babe ſo viele Liebe und Neigung zu den irdi= 
feben Gütern gehabt. Botte folkhe Liebe und Anhaͤnglichkeit 
aus meinem Herzen aus, und. gib mir einen Junger und Durft 
nach dem HErren JEfu und nach feiner Gerechtigkeit! ꝛc. ꝛtc. 
Ein andermal war er auf feinem Acker in feiner Berufs-Arbeit. Als 
feine Frau zu ihm Fam, ließ er den Pflug ſtehen, und ſagte: Meine liebe 
Frau, ich babe mein Tage nicht glauben Fönnen, daß ich ein 
Stinder vor GOtt fey, weil ich ein ehrbares Leben geführet, und 
mir Feiner groben Laſter bewuſt gemwefen. Nun aber ift mir die Welt 
zu enge, und fo zu Mluthe, als ob ich untergehen folte, teil 
Gottes Wort in meinem Gewiſſen, und Himmel und Erde von auf 
fen wider mich geugen und fagen, daß ic) unter allen Menſchen auf 
Erden der groͤſſeſte Sünder fey. Ach, wo finde ich Rath und 
Sölfe für meinen Seelen-Schaden? Die Frau antwortete: Nun 
iſt die rechte Zeit, daß mir unfere Knie beugen, und muͤhſelig und be= 
Inden zu dem HErrn IEſu Bommen. . Sie hat ihn mit verfchiede- 
nen Sprüchen und Verſen aus den Bußliedern zu überzeugen geſucht, 

daß er dem HErrn JEſu —— Kr, wenn er mit wehcha 
De: RAT} Hp» 


Zn 3 


18. | Sechſte Sortfegungder Nachricht aus Penſylvanien. — 
bußfertigem Herzen mit ſehnlichem Hunger und Durſt nach feiner 


Gnade und mit ernſtlichem Vorſatz, ſein Leben durch ſeine Kraft zu 


beſſern ‚zu ihm naͤhete. Mit dergleichen Ermunterungen hat fieihm - 
denn- auch fonft, — dem Mas ihrer eigenen Erkentniß und Erfah⸗ 


rung, zu erwecken 66 und iſt ſeine Hauspredigerin geblieben bis 


in den Tod. Aus id ) den Mann begrub und Achtung gab, wiefih 
die ne bey dev Leiche verhalten würde; ſo fand ich fie wol raus 


rig, Doch aber nicht. mie die Heiden, fondeen fie, ‚tröftete ſich mit GOt⸗ 
tes Wort, und mar fehr ſtille Rerfehiebene von unverfländigen Leu⸗ 


—D 
—— Sr 5 Ä 
a 


fen, die bey der Leiche waren, polten ihre Gelaſſenheit als einen Man · | 


gel der Liebe gegen ihren gerefenen Ehemann a a, darinnen fie - 
aber irreten, und mir Gelegenheit gaben, den Unterfcheid. zwiſchen bez 
kehrten und” unbefehrten Witwen zu zeigen und auf eine ihnen tape 


Woſ zu erläutern. 


Ber 


Am isten Jan. eefreicpmit meinem Schwiege-< Vater Henn # 





fe, nach Philadelphia.” Weil nun um diefe ci vor vier ns 
der Ba Druniich Aa Gem 3 dH — 

wohlbehalten angekommen 
rung GOttes und ı 






; fd erinnerten ir uns der gndDigen Führe | 
uns, GOtt dafuͤr zu loben, für unfere 


 Hochrohrdige Väter, Gönner und Wohlthäter in Europa, und un: 


fere Gemeinen alhier su beten, und babey der ganzen Rreitenden Kirche 


eingedenk zu ſeyn. 


Am ꝛꝛten Jan taufete ich ein —— Kind eines engli 


ſchen Nachbars zu Provideng, ‘welchem ich vorher ſchon drey erwach · 


fene Kinder getauft habe. Die Frau iſt eine Niederteutſche, gehet fleißf 


ſig in unſere erſamlung laͤſſet auch ihre Kinder in unfere Schule ge⸗ 


hen. Gott gebe ſein Gedeien, daß fie als Neben an dem Weinftoche * 


bleiben ſich —— iaſſen und gute Früchte tragen mögen! '- 


— Er ir sie ahre her miteiner E eit und Huſten 
geplagt, und elend am Leibe, " Wenn ich nach ſeinen Seelen⸗ Umſtaͤn⸗ 





den fragte‘; fo bekam ich zur Antwort‘, et mare ein armer nichte und 


doch verdammungswuͤrdiger Suͤnden⸗ Wurm vor GOtt, und tröftete 
ſich feine HErrn JEſu Ehrifti. Er ging gerne in Die Kirche, wenn 


io ftarb ‚ein Mann vonder — —— A; 


es fein Fränklicher Zuftand leiden wolte, las auch Meiffig in des-Arnds 


wahrem Chriſtenthum. "Er ſagte in feiner Kre zu einem unſerer 

Vorſteher wie er GOtt nicht genug danken Fünfte; daß 

Hochwin dige Bacer erwecket /Lehrer herein-gu ſenden, die ſich der ar⸗ 
2 wen 


1.3en.PafE.NTählenberge 3er. von feiner Amtefähr.u49. 319 


men zerſtreueten Seelen angenommen. Kurz vor feinem Ende ließ er 
mich noch einmal rufen‘, beichtete und empfing das heilige Abendmahl, 
-bat: mich auch beym Abfchiede, ich mochte ihn begraben, aber doch fei= 
ner Perſon nicht gedenken, weil er gar nichts, als Werderben und E- 
lend/ an ſich gehabt; welches ohne dem auch unfer Gebrauch nicht if, 
daß man von: den Berfiorbenenpredigef, fondern mir pflegen den Be⸗ 
gleitern nur! mit wenigen zu fagen, menn fie etwas Gutes an den Wer: 
ftorbenen gefehen ‚fo folten fie e8 als eine Gnaden⸗ Gabe von GOtt 
- halten , und fich daffelbe in der Ordnung der Buſſe und des Glaubens 
zum Erempel dienen laſſen; wo fie aber was Boͤſes geſehen, fo folten fie 
ihr eigen verderbtes Herz daran fpiegeln , und fich folches zur War⸗ 
nung und Befferung dienen laſſen Er wurde aufden Mennoniften: Kirch⸗ 
hof begraben, meil en nahe Dabey gewohnet. Und weil ein groffes Ge⸗ 
folge von allerhand Sefintheiten, oder Secten, Dabey war, fo predigte ic) 
ihnen die Buffe zu GOtt, wobey fie alle fehr aufmerffam waren. _ lach 
der Predigt fagte der eine Mennoniften: Prediger zu mir, mit einem 
. tiefen. Seufser, don Versang s.B. Mof. 5,29. Ach dag fie ein ſolch 
Herz hätten mich zu fürchten, und zu halten alle meine Gebo⸗ 
te ihr Kebenlang , diefes gab mir Gelegenheit ein erbauliches Ge⸗ 
fprach mit ihm zu halten. » Wir hatten bey dem Begraͤbniß einen fie: 
fen: Schnee von unten , und" einen. halben Regen von oben’, und ich 
mufte etliche Meilen zu Faffe dahin gehen, wodurd) ich in einen ſtarken 
- Schweiß Fam und von der Naͤſſe mich erfältete, Solches machte mich 
vier Wochen Frank und bettlaͤgerig. Ich mufte aber doch meine or⸗ 
dinaire Amts Geſchaͤfte dabey verrichten, und wurde zweymal auf der 
Canzel öhnmachtig. Ich ließ mir ſelber zur Ader, hatte aber, weil 
im Winter wegen des boͤſen Wetters wenig Communication mit der 
Stadt iſt, ſonſt keine Arzney, "womit der Natur zu Huͤlfe kommen 
koͤnnen, als Haus⸗ und indianiſche Mittel, welche der HErr endlich 

ju meiner Geneſung ſegnete. — SdD3 * 
Im Monat Maͤrtz ſtarb einer von den Aelteſten in Neu⸗ 
hannover, welchen ich als Aelteſten gefunden und aus guten Urſachen 
beybehalten hatte. Er war in der evangeliſchen Religion erzogen, hat⸗ 
te ſich in Teutſchland und hier fleiſſig zur Kirche gehalten, aber bey al - 

le dem nicht das beſte Leben gefuͤhret ꝛ? c. Der gnaͤdige und langmuͤ⸗ 

thige GOtt hatte dennoch ſeine arme Seele lieb, und wolte ihn gerne 
vom Verderben erretten Dem zu folge ließ er ihn vor ſieben Jah⸗ 
ren in eine Krankheit et y die zwar eine naluͤrliche Folge ſei⸗ 
u: Tt 3 nes 


320. Sech ſte Sortfesung der Nachricht aus Penfyloanien, 


nes fündlichen Lebens feyn mochte, aber Doch mit der zuͤchtigenden Gna · 
de zu feiner Seelen Heil begleitet war. Er konte dabey nichts mehr von 
ſtarkein Getraͤnke zu ſich nehmen, ohne die peinlichſten Zufaͤlle zu erre⸗ 


en. Nan hatte er ſieben Fahre Zeit, feine vorige Lebens Art zu bedene 


n, zu erkennen und zu bereuen, und Die gegenwaͤrtige Gnaden + Zeit 
zum Heil angumenden.. Ehe er. aber die rechte Urfache feiner Krankheit 
merkte und zum rechten Arzt fliehen wolte, gebrauchte er alle ihm vor» 
kommende Arzney⸗ Mittel für den Leib, aber es wolte nichts anfchlagen, 
Endlich wurde er ſtille, ſchlug in fich mit dem verlornen Sohne, und 
bezeugte verfhiedene mal, Daß er feine Krankheit als eine befondere Wohl- 
that von GOtt anfähe, weil er dadurch mit Gewalt von feinem fündli- 
chen Leben abgezogen, und durch die heilende Gnade GOttes nach und 
nad), als ein :Brand aus dem Feuer, errettet morden, Er vermachte- 
in feinem legten Willen drey Pfund an unfere Weuhannöverifche Kirche.. 

In demſelben Monate Fam ein Mann von eben der Ge⸗ 
meine ju mir, und begehrete von feines Herzens Zuftande mit 
mir zu reden. Erhatte fchon einpaat Sfahrein einer gefeslichen Buß⸗ 
Arbeit zugebracht,, wolte fich felber ohne Chriſto von feinen Sünden los⸗ 
machen, und fiel denn immer fiefer Drein. Ich redete verfchiedene mal 
mit ihm und wies ihn auf den Suͤnden⸗Tilger FEfum Ehriftum, mel 
ches aber nie recht gehen wolte. Er fagte, fo oft er in Der Kirche waͤre, 
und GOttes Wort hörete, fo würde ihm fein Herz und Gewiſſen ru⸗ 
big und froͤlich: wenn er aber nad) Haufe kaͤme, fo ginge Die Angftund 
Bangigkeit wieder an. Es ging ihm faſt mie dem alten Myconio zur 
Zeit der Reformation, der in feiner Gewiſſens Angſt einen füffen Traum 
Yon der Rechtfertigung hatte, und dennoch in derfelben Angſt blieb, ala 
er vom Traum erwachte, bis er den Proceß der Nechtfertigung, durch 
Behersigung des Evangeliften Johannis und der Epiſtel an die Römer, 
inder Wahrheit erfuhr. Ale vorermähnter Mann diefes mal mit mir 
rue fo verficherte er, Daß der himlifche Water um Chriſti millen 
ihm, als einem Mühfeligen und. ‘Beladenen, alle feine Sünden ver 
geben, und die vollgultige Gerechtigkeit FEfu Chriſti zugerechnet hätte; 
und da er nun befliffen ware, im Glauben ein neues Leben zu führen, 
fo müfte ev fehon bey verfchiedenen Gelegenheiten Spott · Namen und 
Verachtung leiden, welches ihm aber mehr Freude als Traurigkeit 
machte. Er bezeugte, Daß er bey Der Leichen: Predigt des zuvor befchries 
benen Aelteften aufs neue waͤre ermuntert und mit feinem verwundeten 
Herzen zu JEſu getrieben worden, Da ex Denn nicht nachgelaffen zu bit · 

et en - 


1, Hen.Paft. Muͤhlenbergs Ber.von feiner Amtsfähr.ız49. 32 


ten, zu fuchen und anzuklopfen, bis ihm Das verföhnte Vaterherz in 
Ehrifto eröfnet, und er Daraus Die Gerechtigkeit, Friede und einen freyen 
Zugang zu der unausfprechlichen Gnade erlanget habe, Wir beteten 
mit einander im verborgenen, welches ihn noch freudiger und getrofter 
machte, Beym Abfchiede fagte er, ich folte fehen, daß der HErr ihn 
in Eurger Zeit würde aus der argen Welt nehmen, ob er gleich erſt zwi⸗ 
fehen dreyſſig und vierzig Jahre erlebet, und ein ſchwangeres Weib mit 
unergogenen Kindern hinterlaffen muͤſte. Vierzehn Tage hernach ſtarb 
er an der Pleurefie, und ließ mic) durch feinen Jeachbar erfuchen, daß 
ic) über. den Text aus Jeſ. z8, 17. welchen er im Leben und Sterben er- 
fahren hätte, feine Leihen- Predigt halten möchte: Siehe! um Troſt 
war mir ſehr bange! Du aber haft dich meiner Seelen berzlich 
angenommen, daß fienicht verdärbe, denn du wirfeft alle mei⸗ 
. se Sünde hinter dich zurad, S 
Kurz darauf ſtarb ein anderer Mann in Neuhannover, wel 
cher in den erfien fahren meines Hierfeyns ein bitterer Feind von mie 
gervefen, und fic) von feines gleichen wider mich hatte aufftiften laſſen. 
Er führete ein ruchloſes Leben und prätendirte dabey ein Lutheraner zu 
feyn. Weil ich ihn nunaus GOttes Wort beftrafte, fo faffete er einen 
grimmigen Haß gegen mich, gab aud) feines Bruders Tochter ein, fie 
folte vor. der Obrigkeit einen Eid ſchwoͤren, daß ich ihr ‚böfe Dinge zu: 
gemuthet. hätte, und ich hatte das Menſch meines Wiſſens im Leben 
noch nicht gefehen. : Che fie aber Die Bosheit volliehen konte, Fam «8 
aus, und der Mann ſtellete fich offentlic, vor die Gemeine und befante 
feine Borheit, fagte auch, Daß es ihm leid ware, und gab mirs vor Ge⸗ 
zeugen fehriftlich , daß er folches aus vorfeglichen Haß gethan hätte, 
Nachhero hat.er fich von ferne geftellet, und dem Gottesdienſt wieder bey« 
germohnet , auch verfchiedene mal gegen mich bezeuget , daß er ſich von 
Herzen zu GOtt bekehren molte, wozu er fleiffig ermahnet worden, u. 
von mir geift- und leibliche Wohlthaten in feiner Armuth empfangen, ſo 
viel in meinem ſchwachen Vermoͤgen war, damit er nicht denken folte, 
‘daß ich den geringfien Schein der Rache gegen feine Perfon und feine 
Samilie hegete. Er hat fich zuletzt immer naher herbey gemacht und 
GOttes Wort mit groffer Aufmerkfamfeit gehöre. Man hat auch 
aͤuſſerlich in feinem Wandel eine Veränderung teahrgenommen:; ob aber 
in feiner Seele eine wahre Buſſe zu Stande gekommen, das fan ich 
nicht gewiß fügen. So viel bezeugte ein Mann aus feiner Freundfchaft, 
der etwas Erleuchtung hat, Daß er in ſeiner legten Sranfheit ungemein 
F gerun⸗ 


al 


f - z - 2 
322 Sechſte hortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien. 


gerungen und gekaͤmpfet, auch gu feinen Kindern und den Umſtehenden 
Zeſogt: O Kinder helft mir beten, denn ich habe ‘Berge von Sünden 
Zuf mir fiegen! Ich muß fonft untergehen, wenn Das Gebet nicht durch ⸗ 
Dringet! Der vorermähnte Freund fagte, er hatte nach feinem wenigen 
Vermoͤgen mit Gebet'bengeftanden, und meinete, Daß der Patient noch 
Gnade erlanget habe, ehe er verſchieden. Ich war weit ab, und wur⸗ 
de auch nicht geholet, ſonſt waͤre gerne bey feinem Ende geweſen. Er 
fieß mie gute Nacht wuͤnſchen und ſagen, ich ſolte ihn begraben mit dem 
Leichen Text aus Hohen. 2,16. Mlein Sreund ift mein x. Ich that 
De ‚ erklärete den Spruch, wie auch den 21. 22. und 23ſten Bersaus _ 
em sten Capitel des Propheten Ezechilees. 
In dem Monat April entſchlief eine jun e Ehefrau von der 
Neuhanndveriſchen Gemeine. Sie war durch GOttes Wort er⸗ 
leuchtet, und wuſte Grund zu geben von dem Glauben und der Liebe zu 
unſerm HErrn JEſu, denn ſie hatte ihn im Glauben aufgenommen, 
und er ihr Macht gegeben, GOttes Kind zu heiſſen. Ich wurde ver> 
fchiedene mal im Umgange durch ihre gottfelige Gefprache erbauet, weil 
fie aus Erfahrung mwufte, mie einem mühfeligen und beladenen, zu Chri⸗ 
-fto gefommenen’und begnadigfen Sünder zu Muthe ift, und fich auch 
befliffe in feiner Nachfolge die Sanftmuth und herzliche Demuth zu ler⸗ 
nen. Sie vermufhete gleich bey Dem Anfange ihrer Krankheit ‚ daß fie 
zu der noch vorhandenen Ruhe gelangen würde, dahero ſchickte fie fich 
fein zum Abfchiede an. ' Ich wurde genöthiget von Providentz hinauf 
zu reifen, und ihr das heilige Abendmahl zu reichen, Eonte aber wegen 
anderer nöthigen Amtsyefchäften erfi den andern Tag zu ihr kommen. 
Als ich zu ihr Fam, fo fahe ich, daß ſchon einige Zeichen des herannahen: 
den Todes sorhanden waren. "Sie fagtes mich hat herzlich verlanget, 
noch einmal mit dem Leibe und Blute meines HErrn JEſu in diefer 
“ Sterblichkeit geftärfet und erquicket zu werden, ehe ich ſterbe, fonft möchte 
tool fehon abgefchieden ſeyn. Da ich fie fragte, ob fie zum feligen Ab: 
fehiede bereit-wäre? fo antwortete ſie: „Ich habe Luft abzufcbeiden 
„und bey Ehrifto zu feyn! HErr, nun laͤſſeſt du deine Magd in 
„Strieden fahren, denn meine Blaubens-Augen haben dein Heil 
„gefehen ꝛc. Was meinen Abfchied aber ſchwer machet, dag find mei- 
„ne unmündige Kinder, Die ich unerzogen in dieſem wilden und verfühs 
„rerifchen Lande zuruͤcklaſſen muß. Dochhabe id) fiemeinem himlifchen 
Bater im Gebet empfohlen, und hoffe, er werde fie auf ebener Bahn 
„zum Himmel führen und Feines von Denfelben verloren Bee. 
| — ie 


a 


BJ, Zrn. Paſt. miahlenbergs Ber von ſeiner Amteführ. 1749. 323 


Sie beichtefe-und betete mit mir inbrünftig, und genoß mit Hunger und‘ 
Drunrſt das heilige Abendmahl, und entfchhief fünf Stunden hernach zum 
Leidweſen aller Bekanten in dem Hrn. Ihr Leichentext war ge 
: N 47. Siehe ein rechter Iſraelit, in dem kein 
Serra nt ie RE — 
| =. Sn demfelben Monat begrub ich einen Mann, ber ſich mit zu der 
Providenger Gemeine gehalten, ob er wol etwas meit entfernt gemöhe 
net. Er mar ein fleiffiger Zuhörer des Wortes GOttes undein Wohl⸗ 
thater ſeiner Seelforger , worüber er oftmals Spott und Nachrede 
von den Secten: Leuten hören mufte, unter welchen er wohnete. An⸗ 
- fangs hielte ex mit zu dem Haufen, wobey der Pfarrer Andreä ſte⸗ 
het, weil er nahe dabey wohnete, kam aber hernach zu ung, und ſag⸗ 
te, er wolte ſich dahin halten, wo er am meiſten Erbauung fuͤr ſeine 
Secle 
In demſelben Monat ſtarb ein Vorſteher von der Gemeine zu 
Neuhannover Er war vor vielen Jahren ein Officier in ſaͤchſiſchen 
‚ Kriegsdienften getvefen, fürhrete einen ehrbaren und friedfamen Wan⸗ 
del, mochte aber ol gar wenig von der wahren Veränderung des Her: 
zens erfahren haben, weil er in feinen meiften Gefprachen Die vorigen 
- Kriegsgefchichte zum Vorwurf hatte, und Damit zeigete, wovon fein _ 
Herz voll war. Er laborirte etliche Fahre an einem trockenen Huften, 
lag aber befonders in dem legtern Fahre in einerharten Schmelze. Sch 
befuchte ihn einige mal, und ſagte, er folte fi) von ganzem Herzen zu 
GOtt wenden, mit David fleiflig beten, daß der HErr nicht gedenfen 
- wolle der Sünden feines ganzen vergangenen Lebens, Er fagte mei- 
nend: Ich habe nie gedacht, daß die leßten Tage fo bitter ſeyn Eönten, 
wenn Krankheit und Zrübfal herein brechen und noch dazu das Ge: 
wiſſen aufwacht. Ich fragte, ob ihm nicht ein und andere Sprüche aus 
Den Predigten beyfielen, die er in fovielen Fahren gehöret? Er antwor⸗ 
tete mit Sa, und befante, daß GOtt durch fein Wort und Geift an 
feiner Seele arbeite und ihn zur Buſſe auffordere ac. Er wurde ermah⸗ 
net, daß er mit dem heiligen David nad) dem sıften Pſalm auf den Ur: 
- fprung feines Verderbens zurückgehen, die Erbsund wirklichen Sün- 
den von der Geburt bis auf Die gegenwärtige Zeit nach dem Geſetze GOt⸗ 


tes wohl beherzigen,, und die Schuld und Strafe der Sünden enfiih 


‚erwegen folte, Damit er zu einer göttlichen Zraurigkeit, Neue und Leid - 
beweget, und damit zu dem Erlöfer, der unfere Gerechtigkeit iſt, ge 

+: trieben würde ꝛc. Er hatte Zeit genug dazu, und, wie ich hoffe, wird Der 
V1,Penfyl.Sortf. Wu er 


\ 


24 Scchftegortfegungder Nachricht von Penſylvanien. * 


N 


nes. Seele sarfucht haben, is 2. m, 0 NEE 
"Sm mehtbefagtem April entfehlief eines Zirchenälteften 
Stau in Neuhannover. Sie war in ihrer Jugend wohl unterrichtet, 
Fonte leſen, f&hreiben und ſchoͤne Kernſpruche aus GOttes Wort. herr 


" fagen. Durch ſehr fleiffiges Gehör des Wortes: GOttes in der Kirche 


I 


Br 


gnaͤdige GOtt an feiner Seite alle mögliche Mittel zur. Exrettung ſei⸗ 


und fleiffiges Nachforſchen zu Haufe, iſt fie nach und nach erleuchtet und. | 


zu Chriſto gegogen worden. Sie hatte Erkentniß und Gefühl von ih⸗ 
rem fündfichen Zuftande, hungerte und dürftete nach der Gerechtigkeit, 
tourde auch geſattiget mit den reichen Gnaden⸗ Guͤtern in Chriſto. Nach 
ihrem Bekentniß mochte das Buß Lied: Ich will von meiner Mif 
ſethat x. unter andern ein Mittel zu ihrer nähern Aufroecfung und Be⸗ 
Echrung mit geweſen ſeyn. Nachdem fie nun in den» HEren erquicket 


torden, fand fie reihe Nahrung inden Berheiffungen GOttes aus dem 
alten und neuen Teftamente, machte. fich unter andern aud) die fehönen - 


Lieder wohl zu Nutze. AlszE. Ach.alles, was Himmel und Er= 
de umſchlieſſet ze. © Ef, mein Braͤutgam, wie iſt mir ſo 
wohlx. Warum ſolt ich mich denn graͤmen ꝛc. O du dreyein⸗ 
ger GOtt x. Sie muſte vieles gusſtehen in ihrer letzten Krankheit, 
doch bat fie ihren Erloͤſer, er möchte ihr Geduld und Dreue verleihen 
bis an ihr Ende, und nur alles abſchmelzen, mas noch von Schlacken 
und Unreinigfeiten verborgen geweſen. Wenn andere Unverfiändigedie 
Prediger als eine Laſt, und ihte Lehren als Jochſeile anfahen ‚- fo 
dankte fie hingegen dem HErrn wol mit: Freudenthranen, daß er un: 
fere hochwuͤrdige Väter, Gönner und Wohlthaͤter in Europa zur Hülfe 
erwecket hatte. Ein leiblicher, Bruder ‚von ihr, hatte fi ſamt feinem 
Weibe, mit Haab und Gut, nach Bethlehem zu Den Zingendörfern ver- 
führen laffen, welches fie herzlich bedaurete, und demfelben manche Vor⸗ 
ſtellung in Briefen und mündlichen Geſpraͤchen that, abet ohne. erwuͤnſch⸗ 


ten Nutzen: Denn er gedachte fie, und fie ihn auf den rechten Weg gu 


bringen. In ihrer legten Krankheit ermahnete fie mich, Daß ich getreu 
am Amte und Worte GOttes bleiben und nicht müde merden folte, Da» 
mit fie mich mit Freuden vor dem Throne GOttes wieder fehen Eönte, 


Sie hatte zu ihrem Leichenterte Pf. 94, 10. ermahlet, nemlih: ch | 


hatte viel Bekümmerniffe in meinem Herzen, ober deine Trö= 
tungen ergögten meine Seele! Ä dee 


In demfelben Monat ftarb auch eine junge Ehefrau in Keu⸗ 


hannover im Wochenbette. Sie mar. von reformirten Eltern, und 
$ 2 2... Bor 


LHrn Paſt Maͤhlenbergs Ber. von feiner Amteführ. Apr. 325 - 


vor etlichen Fahren mit ihrem Manne von mir ronfirmiret und zum hei⸗ 


ligen Abendmahl! zubereitet worden.» Bey ihrem geſchwinden Abıchiede 


konte ich nicht gegenwaͤrtig ſeyn, hörete aber doch, daß fie fich dem HErrn 
in Öelaffenheit ergeben , hatte auch vorher etwas von dem lebendigen 
Saamen der Wiedergeburt an ihr bemerket. Ihre Leichenpredigt 


wurde gehalten uͤber 1B. San, 4, a5. 


Den sgten April wurde von dem Herrn Paſtor Brunnholtz in 
meinem Hauſe eine Perſon mit ihrem Braͤutigam getrauet, wel⸗ 
de einer engliſchen Witwen Tochter von ungefehr acht und dreyſ⸗ 
fig Sahren war. - Die Mutter mar eine Quackerin, und hatte auch" 


dieſe Tochter zu Diefer Secte gewidinef, mithin Diefelbe “auch nicht zur 


heiligen Taufe befürdat, Als aber im Jahr 1740 ein gemwiffer enge 
liſcher Prediger VPenſylvanien mit dem Schall des Evangelüi erfülles 
te; fo war dieſe Perfon durch GOttes Wort erwecket und zur Buſſe 
und Glauben geleitet worden. Nachher wurde ſie auf verſchiede⸗ 
ne Art: und insbeſondere von den Zinzendoͤrfern unaufhoͤrlich gelocket, 
den tichtigen Weg zu verlaffen: fie merkte aber fleiffig auf Die Bibel und 
des Arnds wahres Ehriftenthum, war Flug wie eine Schlange, aber‘ 
ohne falſch mie eine Zaube, und ließ ſich auf Feine Nebenwege verleiten. 
Weil fie denn alleine fund und mitmir bekant wurde, fo ging fie fleife 

fig in unfere Kirche, befliſſe fich der teutfcehen Spradye, zeigte einen’ . 
Wachsthum in Der Gnade, fieß fich endlich von mir in ihrer Sprache‘ 


‚ in der Berfamlung graminiren und im Namen des HEren taufen, 


Sie mufte vieles Darüber von beyden Partheyen leiden, und die Qua⸗ 
cker hatten ihr zuvor aud) ſchon einen fhriftlichen Bann oder Abfchied zu= 
gefandt „ weil fie fich nach ihrer Medensart zur Welt geſellet hätte, 


' Mein Herr College; Brunnholtz, hat ſie hernach confirmiret und zum 


— 


heiligen Abendmahl befördert. Sie wandelte ihrem Berufe wuͤr⸗ 
Dig, und bemiefe fich als eine Phöbe. Ihre Mutter war bey acht big: 
neun Jahren mit ſchwerer Krankheit beladen, ſo daß fie Die meifte Zeit 
zu Bette lag, und Tag und Wacht. Aufwartung gebrauchte. Diefe 

Tochter hat der Mutter treulich gedienet, und um deswillen allerhand 

vortheilhaft feheinende Gelegenheiten zum Heira hen abgeſchlagen, weil 
fie ihre Franke Mutter nicht verlaſſen wolte ; Fönte alſo allen Kindern zum 


Mufter dienen, wie man befonders Die Pflichten nach dem vierten Ges 


bot gegen arme und kranke Eltern beweiſen, und ſich der gnaͤdigen Ver⸗ 
fung GOttes ton feiner Fürforge dabey getröften folle. Der getreue 


* 


heiſſung ©: 
Gott verleihe, daß beyde Perſonen in neu angefangenen Er 
ei J—— | 2 | de 





( 


- 325 Sechſte Sortfegungder Nachricht von Penfplvanien. . 
de nichts verlieren, fondetr in der Gnade täglich wachſen, und des Glau- 


bens Ende, der Seelen Seligkeit, erreichen moͤgen. 
Zu eben derfelben Zeit 309 ein Studiofus Philsfophia und Ju 
bey mir ind Haus, welcher im Monat Märs aufeinem | 


= 
— 





Schiffe von 
London in Philadelphia angekommen war. Sein Name iſt Ludolph 


HSeinrich Schrend , gebürtig aus Luͤneburg. Erx hat auf der Uni⸗ 
verſitaͤt Erlangen die Anfangsgründe der neuen isheit und 
einige juriſtiſche Collegia gehoͤret. Als er a 1 
Univerfitäten gervefen , iſt fein Vermoͤgen zu Ende gegangen, fo daß 
er. nicht viel laͤnger fubfiftiren Fönnen. Da ihm nun eine Nachricht 









von Georgien zu Gefichte gekommen, welche aus dem Englifchen ins 
Seutſche —— und zu Göttingen gedruckt worden: fo ift er durch 
diefefbe beroogen worden, nach America und befonders nach Georgien - 
zu veifen. Er hat fich zu dem Ende nach London begeben und vers 


ucht , ober mit Vorſchub der Herren Truftees nach Geörgien kom⸗ 
—— ſeiner Abſicht ke Ach Dafibf etabfien koͤnte; hat aber Fein 


Gehör gefunden, und in etlichen Wochen alda fein übriges Geld fo weit. 


verzehret, Daß er noch Faum auf ein penſylvaniſches Kaufman 


fonmmen , die Fracht besahlen und vor Phiizdelphia anlanden Fönnen. 
Als er in Philadelphia abgetreten, ift er wild fremd gemefen, und hat 
weder aus noch ein gewuſt, bis man ihn zudem Heren Paflor Brunn- 


holg geiviefen, welchem er feinen gegenwaͤrtigen Zuftand init Thraͤnen 
geklagt, um guten Rath gebeten, und Die gedruckte Nachricht von Ge⸗ 


Als ev aber ein paar Jahre auf 


orgien gegeiget , wornach er die Masregeln feines bisherigen Ver⸗ 


haltens genommenze. Nach der allgemeinen Liebe Eonte Herr Paſtor 
Brunnholtz nicht anders, als fich feiner nach ſchwachem Vermoͤgen an⸗ 


nehmen. ° Aber nach den Umſtaͤnden diefes Landes iſt es ungemein 
ſchwer, einem teutſchen Juriſten fo weit zu helfen‘, daß er fatt Brod 


erfangen möchte, Denn zum Beyſpiel: Advocat oder Notarius Eonte - 


er nicht werden, weil felbige die engliſche Sprache und Geſetze aus 


dem Grunde gefernet haben muͤſſen. Zu dem fo find Engelländer ge- 
nug vorhanden, welche bey den Advocaten alhier die Kunſt fernen, 
wie in Teutſchland die Handwerker, Mein Schwiegervater gedachte 


ihre zu. dem General Land⸗Meſſer zu bringen , aber er hafte nur die 


Theorie von der Meßkunſt in etwas gehöret, und befaß die engliſche 


Sprache nicht, welche ein Teutſcher ohne dem nicht ſo leicht zur Ri 


hel 


tigkeit bringet. Ein Engellaͤnder verſprach ihm zum Brod ju v 
fen; wenn er die engliſche Sprache fertig koͤnte; aber wer ſolte ihm 
— bey 


— 


4 


verſtehen gab, daß es einen Einfluß auf fein Herz haͤtte. 


— 1.3:n Paſt mahienbergs Ber von feiner Amtsfaͤhr. 1749. 327 | 
bey der langwierigen Erlernung derfelben Brod geben. Buchhalter 
giebt es überflüffig von der englifchen Yation. Kaufmann oder Kra- 
mer Eonte er nicht werden, teil Feine Anlage vorhanden. Zu Hand- 
werkern oder grober Baurenarbeit find Studirte verwachſen, und 


Kriegsdienfte giebt es gar nicht in Penfylvanien. Hofmeiſter und 


+ Sinformatores Fönnen teutfche Gelehrte nicht werden, weil aus Schott: 
und Sserland genug. herein Fommen-, die zu folchen Gelegenheiten ge> 
brauchet werden. Die teutſchen Schulen find fo befchaffen , daß 

ein Mann Faum dabey leben Fan , wenn er nicht ein Handwerk , oder 


Zagelöhnerarbeit darneben treibet. Auf folche Weife war der ar: 


me Herr Schten übel dran, mie er in den Stand kommen folte , 
Goit und feinem Naͤchſten zu dienen und ſich ehrlich zu ernähren ‚"Fon- 
- te auch weder ruͤck· noch vorwärts föommen. Der Herr 5 2 er 


holtz theilete ihm nach Vermögen mit, was zur Aufferiten Nothdurft 


gehoͤrete, ermahnete ihn fleiffig zur wahren Buffe und Glauben, und 
ichtete es alfo ein, Daß er feine Wahrung und Unterhalt auf eine Zeit: 


lang in meinem Haufe haben fölte. “Dem zufolge zog er am ıgten April . 


— bey mir ein, und applicirte ſich auf dag Studium Biblico-Catecheticum, 


worinnen er in kurzer Zeit ziemlich zunahm, auch ein und andermal zu 


Weil nun, wie oben gemeldet, die Gemeinen in Uppermilfort und 


Saccum ganz verlaſſen, und von groben laſterhaften ſelbſt gelaufenen 


Predigern ſo wol als den Zinzendoͤrfern verſuchet waren; ſo gedach⸗ 


ten wir, den Herrn Schrenck nach vorhergegangenem Unterricht 
zum Verſuch als Catecheten dahin zu ſetzen, lieffen ihn dann und 


wann einen catechetifchen Vortrag ausarbeiten, und, nachdem wir den= 


ſelben durchgeſehen haften , in der Gemeine ablegen. Wir-fagten es 


en Vorſtehern der Gemeinen aufrichtig, wie und auf was Weiſe 


wir den Mann aufgenommen, und mas unfere Abſicht dabey mare. 


Die Vorſteher muften ung jedes mal ein fchriftlich Zeugniß von feinem 


Vortrage und Verhalten verfiegelt zurückfenden. Sie ſchienen über 


feinen Vortrag und Aufführung vergnügt zu feyn. In der Zeit hiel- 
ten noch zwey kleine Bemeinleins an, um inunfere Pflege aufgenom- 
men gu werden, twelche beyde funfzehen Meilen von Saccum liegen. 
Wann demnach Herr Schrenck etwa alle drey Wochen eine Broyof- 
tion oder Vortrag ausgearbeitet, und felbigen von uns durchfehen taffen,. 
beſuchte er die viet Gemeinen nad) einander , und erbauete fie mi 





dem einen Vortrag, und Fam wieder zuruͤck. Die Geneinen find 


AN3 5 2 Me 


323 Sechſte Sortfegungder Nachricht von.Penfplvanien.- R 


arm, wohnen weit ab in fteinigeen Gebuͤrgen, Fönnen einen ordentli- 


\ se | 


chen Prediger nicht füglich unterhalten , mollen aber — 


— 

PR’ 

* N 
— 


tes Wort. hören, und nicht der Zimendoͤrfer Knechte werden, bey der 


nen fie giemlic) nahe wohnen; dannenhero ift man faft gezwungen, er 


was zu thun, das auf ihr Beſtes abzielen moͤchte. 
Sm Monat Apeil und Nay habe in Der Providenter Gemeine - 
vierzehen junge Leute unterrichtet, confirmiret und zum heiligen 
bendmabl gelaffern. Unter. denfelben war eine Perfon von acht⸗ 
zehn Jahren, deren Eltern fih anfangs von der Providenger Gemei⸗ 
ne abgefondert, meil der Mann flolz, grob und unverjländig war, und 
alles nach feinem Kopfe allein regieren wolte. Die Sache verhielte fih, 
fo: Es war mir von London aus ein Eleiner Kaften mit Bibeln und Be: _ 
fangbüchern 2. an die drey Gemeinen nachgefchicket worden, melde in 
Die Borſieher von Providens fagten, man folteiihren Theil Bücher in 
der Gemeine verkaufen, und das Geld mit zum Kirchenbau anwenden, 
fo käme es der ganzen Gemeine zu gute, teil nicht ſo viele ‘Bücher waͤ⸗ 
ren, daß eine iede Familie, ja nicht einmal der zehente eins befommen 
Ente, und folglich allemal neun murren würden, wenn der zehnte eined 
vor ihnen empfangen 20. Diefer Mann aber wolte mit Gewalt haben, 
man folte die Bücher in der Gemeine verfchenken, und als ſolches nicht 
gefchahe, fonderteer ſich ab, rief die Kirche für Babel 2c. aus, und hielte 
fich zu feines gleichen wider und. Seine arme Kinder haben fich den. 
ungeachtet zur Gemeine gehalten, und über ihres Vaters Härtigkeit 
gemeinef , auch fich von ihrem Vater wegen ihres Kirchengehens oft 
müffen ſchmaͤhen und ſchelten laſſen. Dieſe Perfon war auf das Work 
Gottes bey dern Unterricht fehr aufmerkfam, und verſpuͤrete heilfame 
Krührungen vom Geifte GOttes Durch das Wort. ine andere Per- 
fon auch von achtzeben Jahren war zwar in den jüngern Jahren 
verfäumer, weil ihre Eltern von Kirchen und Schulen weit entfernet,. 
nemlich in Ohly, gewohnet. . Sie mar aber fehr beugfam und lehrbegie⸗ 
rig, deswegen ich fie aud) eine Zeitlang bey mir wohnen laſſen, damit. 
fie deſto beffern Grund legen koͤnte, welches fie auch zu meiner Freude. 
thut. Noch eine andere war eine Wapfe, Die bey Spöttern gedienet, 
und ſehr vereitelt worden, wurde aber durch ihren Vormund von den 
Keuten losgemacht und zum Unterricht gebracht, Damit fie etwa noch auf 
beifere Gedanken Fommen und errettet werden möchte. Der Meifter 
hatte der armen Magd, fo viele Lügen und Laflerungen von mir in den 
A SR 


— J.Hrn Paſt Muͤhlenbergs Ber. von ſeiner Amtsfuͤhr. 1749. 329 


Kopf geſetzet/ und unter andern ihr weisgemacht, der Pfaff würde ihr 
die Haut abziehen und Salz ins rohe Fleiſch fireuen, daß. fie der Vor- 
mund faft mit Gewalt ın mein Haus bringen mufte. Ich behielte fie 
bey fünf Monaten im Haufe, ließ fie in Die Schule gehen, gab ihr Ef 

ſen und — — der theuren Zeit, da ich ſelbſt den Scheffel Waitzen 
fuͤr Shi 










illing und s Pence bezahlen muſte, und. brachte ſie ſo weit, 
daß fie ihr Glaubensbekentniß ziemlich gut ablegen und mit den andern 
confiemiret werden konte. Sie Fam zu einer feinen Erkentniß des Heils, 
bezeigte ſich auch beugfam und gerühret, und zog hernach zu ihrem Vor⸗ 
mund. Die übrigen beseigten ſich wie gewöhnlich, und waren junge 


Pflangen von der Gemeine ac. = 0 nn. 
‚Zu Ausgang des Monats May befuchte ich die Gemeinen in 
Uppermilfort und Saccum vermähnete. fie zur Einigkeit, und ſtellete 
vor, was mir ihrenfwegen mit Herrn Schrend im Sinne hätten. : Sie 
wurden fehr vergnügt über Den Vorſchlag, und fagten, wo wir nicht 
jemanden auf-die Wache ſtelleten; fo wurden die Gemsinen von den 
Umlaͤufern nach und nach jerſtreuet werdhe 
Die Gemeine von Borckt own in Venſylvanien wo Herr Schaum 
bisher geftanden, hielte bey uns ernſtlich an Daß wir ihren Lehrer ordi⸗ 
niren moͤchten. Weil wir nun von unfern hochwuͤrdigen Vätern ſchon 
vorlaͤufige Erlaubniß hatten, fo ſetzten wir den 4ten Junii zur Ordina⸗ 
tion und den sten zur gemeinen Conferenz in der Stadt Lancaſter an. 
Im Monat May ward ich auch genöthiget,die fehwedifih-eng: 
lifche Hemeine zum erſtenmal wieder zu befuchen, fo unmoͤglich mir es 
auch ſchiene. "Denn Die Quacker und andere Geſintheiten daherum hatten 
ſchon allerley Laͤſterungen ausgebracht, und geſagt, der Prediger haͤtte 
inm vorigen Jahre nicht Geld genug bekommen, deswegen bliche er zu⸗ 
rück. Die englifchen Glieder aber molten den. Schweden, und Diefe 
den englifchen Schuld geben, daß ich nicht wieder zu ihnen kaͤme ic. 
Als ich nun dag erfte mal Dafelbft wieder predigte, fe raumete ich die 
Worurtheile aus dem Wege, und zeigte ihnen, warum ich etwas zu: 
ruckhalten müffen , und dag mein Vorhaben mit GOtt wäre, noch 
einen Sommer die Bürde auf mic) zu nehmen und für die Errettung ib- 
rer Seelen zu forgen. Sie wurden darüber ſehr froh, hoͤreten die erſte 
- Predigt mit Thraͤnen, und baten, id) ſolte ſie nicht verlaffen. So wird 
man uber Vermögen hinein gesogen.. Wenn ich einen Helfer hatte, der - 
mic) in meinen ordentlichen Gemeinen unterſtͤtzete, fo koͤnte ich Die arnien 





verlaſſenen Nebenhaͤufleins mit beforgen, aber ſo iſt mirs umunoglich. 
* Ken 


— 


330 Sechſte Sortfegung der Nachricht von Penfyloanien. | 


Denzsften May kam der Here Paftor Brunnholg aus Phi 
ladelphia zu uns nach Provideng. Am zoften und ziſten May ritteer 
nebft Herrn Schrenck und mir funfzig Meilen weiter nach Culpehocken. 
Den ıften Jun. lagen wir ſtille in Herrn Weiſers Haufe, er ⸗ 
baueten ung mit GOttes Wort, und ſuchten ung zu erholen. 
Den :ten Jun reiſeten wir in Geſellſchaft des Herrn Weiſers und 
Herrn Kurtzens weiter ſeitwaͤrts dreyſſig Meilen nach Lancaſter und 
fiunden unferm Mitbruder, Seren Paftor Handfehuh, wohl vor. 
Am zten Jun. examinirten wir den Heren Schaum, machfen 
die Vocations⸗ Inſtrumenta fertig, und lieſſen felbige von den anweſen⸗ 
den Dorftehern und Aelteften aus Rorcktown unterſchreiben. 
Am gten Jun. als am ꝛten nach Zrinit."verfamleten fi die 
gefamten Prediger und Abgeordnete von den vereinigten Gemeinen 
vor und in des Herrn Paſtor Handſchuhs Wohnung, und gingen in: 
Proceffion unter dem Gelaͤute der Glocken in folgender Drönung zur 
Kirche: 1) Here Paſtor Handſchuh und fein Rircyen-Tollegium. 
2) Herr Paſtor Breunnholg, Herr Weifer und die Abgeordnete. 
von Philadelpbie und Germantown. 3) Ich und die Abgeordnete 
von Neuhannover und Provideng. 4) Herr Diaconus Rurgunddie 
Abgeordnete von Tulpehuden und Rordkiel. 5) Herr Schaum. 
und fein Rirchen=Tollegium aus Rordtown. Meine Herren Colle⸗ 
gen nöthigten mich über das Evangelium vom groffen Abendmahlzu pres 
digen. Nach der Predigt fchloffen bie gefamten Anmefenden einen hal= 
ben Ereisum den Altar, und waren unfere Zeugen und Mitbeter, als 
wir den Herrn Schaum ordinirten. Nachhero empfingen wir Predi⸗ 
ger zuſamt einigen Gemeinsgliedern das heilige Abendmahl, und bee 
ſchloſſen damit den Vormittags⸗Gottesdienſt. In dem Nachmittags⸗ 
Gottesdienſte predigte Herr Kurs. Am Abend um 6 Uhr muſte ich den 
Engliſchen eine Predigt halten in unſerer Kirche, weil fie keinen Pre 
diger haben und folches fehnlich verlangten. — 0. 
Am sten Jun. gingen gefamte Prediger und Abgesrönete aber- 
mals zur Kirche; lieffen den Heren Schaum predigen,, und hielten her- 
nach Conferenz wegen ber Berbefferung unferer evangelifchen Gemei- 
nen. Die Gemeinen von Raritan, Uppermilfort und Saccum 
hatten Feine Deputirte gefandt, meil fie zu weit abgelegen, fhicktenaber 
an deffen flatt Briefe, melche in der Eonferenz vorgelefen wurden. 
Den sten Jun. ritten der Herr Paſtor Brunnhols, Herr Schrenck, 
und Die Abgeorönete von Neuhannover und Providentz mit en 2 
R | ar: Haufe 


4 


L⸗rn Paſt Muͤhlenbergs Ber. von ſeiner Amtsführ. ——— 


Hauſe, und hatten einen beſchwerlichen Tag wegen det durchdringenden 


Sonnenhitze auch in der Nacht den breiten Fluß Skulkil durchzurei⸗ 


— ten, kamen aber dem ohnerachtet durch GOttes Huͤlfe Nachts um 12 Uhr 


on Provideng an, nachdem mir beynahe fünfzig Meilen zurückgele— 


get harten. © — 6—— HR, 
In dieſem Monat Junio befüchte ung der Herr Pfarrer Alug, 
welcher ſchon etliche Fahre her in der Landſchaft Virginien bey einge 


teutfchen evangeliſchen Gemeine im Amte ſtehet. Aus Diefem Lande. 
Virginien, welches ſonſt auch Spotfylvanien heiſt, find vor etlichen 


Jahren einige teutfche Männer, worunter befönders einer mit Pamen 


Stoͤver geweſen, in ganz Teutſchland collectiren gegangen, haben eine 
Summa von beynahe 3000 Pfund Geld zuſammengebracht, den drit- 
gen Theil fürihre Meifekoften und Mühmaltung empfangen, und für 
das übrige eine hölzerne Kirche gebauet, ein Stuͤck Land und eine Zahl 
von ſchwarzen Sclaven gekauft, von welchem Sande und Sclaven der 
Herr Pfarrer feine Befoldung reichlich empfänget, und der Gemeine nicht 
im geringffen —* feines Unterhalts beſchwerlich ſeyn darf. Er klagte, 
daß er ſo ganz alleine in dem groſſen weitlaͤuftigen Lande ſtuͤnde, weil die 
meiſten Einwohner Engellaͤnder ſeyen, und er Feine Gelegenheit habe, 
ſich mit teutſchen Amtsbruͤdern aufgumuntern und zu erbauen. Er ſagte 
auch, daß ein oder anderer von den Zinzendoͤrfiſchen ſeine Gemeine durch⸗ 


ſtrichen, "aber keinen veften Fuß gefaffet häften. Sie Fönten auch nicht 


feicht in dem Lande ankommen, weil Die Kandesgefege gar ſcharf wider 


ſolche Herumlaͤufer waͤren/ die Feinen rechtmaͤſſigen Berufund gültige: 


Teſtimonia aufzuweiſen vermöchten. Er verfprach ung mehr zu beſu⸗ 


a 


chen, wenn er leben folte, weil ev Aufmunterung davon verfpärefe, ob 


er wohdrephundert Meilen von ung entfernet wohner. ar 
Im Monat Julio ward zwey verfchiedene mal zu einer engli= 
feben Ehefrau achtjehn Meilen von meiner Wohnung gerufen. ' Die 


- Stan war eine fleiffige Zuhörerin, wenn ich in der fchmedifc) = englifchen 


Kirche predigte, und lag fehr hart nieder an epilestifchen Zufällen, telche 


- überhand genommen. Ich konte fie aber beydemal nicht fprechen, weil 


ſie etliche Stunden in dem VParorismo lag und ohne Verftand war, 


Als ich das dritte mal zu ihr Fam, fo blieb fie eine halbe Stunde bey 
Berftande, rung ihre Hande, Elagte ſich vor GOtt an im Gebet als 
eine arme Sünderin,' bat den HErrn JEſum / er möchte fich ihrer er⸗ 
barmen, ihre Suͤnden um feines Blutes und Todes willen vergeben 


und ſie aufloͤſen, und begehrte, ich ſolte das Gebet fortſeken, weil fie zu 
& | ſchwach 


ML Penſylv. gortſ. 


SELABTE 


Aare 
23354 FEN 8 


REBEL 
ie Gemeinleins;in 


halten muß. een 


Im Monat Yuguft hielte id) das heilige Abendmahl: in den 
gedachten Gemeinen zu Uppermilfort und Saccum , befüchte auch 
Die zwey neu angenommene Gemeinleins an dem groffen Fluß Dela⸗ 
ware und. in, Birckenſee. In Uppermilfort examinir | 


1%r 
2 





mirte ich fieben meift erwachſene Perfonen von guter Hofnung und ließ - 


fie mit zum heiligen Abendmahl gehen. In Saccum confirmirte zwey 
englische Eheweiber, nachdem fieim Eramine vor der Gemeine ihr Glau⸗ 
bensbefentniß abgelegt, und Demfelben gemaͤs zu wandeln verſprochen hat⸗ 
ten. Die eine von denfelben war im vorigen Jahre getaufet worden. Der 
gnaͤdige GOtt fieß fich nicht unbezeuget an foldyen Seelen, Die feiner Gna⸗ 


denbearbeitung Raum gaben. - Sch hatte mich an einem’ Sage fehr.ab? 


gemattet, mufte aber gegen Abend noch fortreifem und auf viergehn Mei⸗ 
fen reiten, weit am folgenden Tage in der Dritten Gemeine feyn folte. 
Sie gaben mir zween Maͤnner als Gefährten mit, weil ich Den Weg in 
dem ungebahnten Walde nicht wuſte. Als uns nun die Nacht überfiel,; 
verloren wir den Weg, und geriethen an einem langen Berge in dicke 
Gebuͤſche und Hecken, muſten die Pferde führen, und mit groſſer Mühe 
noch ein paar Stunden jaͤmmerlich herumkriechen. Ich zerriß mein: 
Gefichte und, Kleider in den Hecken, blieb auch einmal zwiſchen wilden: 

einranken veſt hangen, bis mich meine Gefährten wieder losſchnit ⸗ 


ten. — GoOtt fuͤr Schlangen und anderm Unge⸗ 


siefer,, und ließ uns endlich ein Haus finden, toi wir einkehren konten 
Einige hatten mir im Vertrauen gefagt, daß —— 
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1en Paſt Mahlenbergs Ber. von feiner Amtefaͤhr. 1749.33 


x w {her mir unbelant , erbaulich su reden, aber nicht allemalden Wor⸗ 
ten gemaͤs zu wandeln pfl 
daß er erbauliche Schr 


egte. Unterwegs merkte ich auch im Geſpraͤche, 
ba iften gelefen, welches mich erfreuete. Da wir 
aber indas Gebüfthefamen; undımeder aus noch ein wuſten, auch im 


Durchkriechen von den Hecken gerriffen wurden, fo ward er ungeduldig, 


und vermünfchte ſich und fein Pferd, welches ich ihm in Liebe und Ernſi 


verwies, und ſagte, ein guter Baum gäbe gute Früchte, und ein faufer 


Baum, faule, aus einem Brunnen Fame nicht zugleich füß und bitter 


Waſſer. Der liebe GOtt half mir dieſe Reiſe ohne merklichen Scha⸗ 


den meiner Geſundheit vollenden. RL 

In demfelben Monat Auguſt muſte noch einmal die ſchwere Reife 
nach Baritan in Jerſey antreten, weil es verſprochen und nothwendig 
war. Ich fand daſelbſt ven Herrn Weygand noch munter und wohl auf; 
ließ Die zwoͤlf Kirchenaͤlteſten zuſammen kommen, und fragte: Wie ſich 
Herr Weygand in Dem verfloſſenen Jahre nach Lehre und Leben ver⸗ 


halten? Sie antworteten alle, daß er eine geſunde Lehre gefuͤhret, ſich 


Der Jugend fleiſſig angenommen, auch die Alten nach Zeit und Ver: 


. mögen: befuchet und ohne Anfioß gemandelkhätte. "2) Ob fie gedäch- 


ten, den Herrn Weygand als ordentlichen Lehrer anzunehmen und zu bes 
halten? Antwort: Ja, fie wuͤnſchten ſich Feinen andern und beffern, 
wenn er fo bliebe. 3) Ob fie ung wolten frey und los geben, und den 
Herrn Weygand von den Predigern im Neuyorckiſchen ordiniren laffen, 


weil meine Herren Amtsbruͤder von ſchwaͤchlicher Leibes-Beſchaffen⸗ 


beit und ic) gu unvermoͤgend waͤre, ſolche weite Reiſe allein zu thun? 
Antwort: Mein, fie wolten mit den Neuyorckiſchen Predigern nichts 


su ſchaffen haben, fondern bäten, wir möchten in ihrem Namen unfe 


re hochwuͤrdige Väter in Europa demüthigft um Erlaubniß zu feiner. 
Didination erfuchen, undden Heren Weygand unter unferer Aufficht be⸗ 


halten. 4) Ob fiedem Herrn Weygand molten einen ordentlichen Be⸗ 
ruf geben, Damit ich die Abfchrift von Demfelben mit hinaus fchicken koͤn⸗ 


te? Antwort: Sie fürchteten ſich, weil fie.bereits mit dem Mag. Rolf 


E unglücklich getvefen, und beſorgten, es möchte auch mit diefem mislingen, 


weil er nicht ordentlich Durch ung berufen, auch nicht fo gefandt waͤre. 
Ich moͤchte doch einen Mittelweg treffen, und fie für Unglück bewahren. 
em zu folge feste ich eine Vocation in englifcher Sprache auf, darin: 
nen er berufen wurde nach der reinen Lehre der Apoſtel und Propheten 
er gefamten pmbolifchen Bücher, mit dem Veding, fo lange 


if 


ihr Prediger zu feyn, fodange er base lehren und leben würde. Su “ 


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334 Sechſte Sortfegungder Nachricht don Penſylvanien 


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— 


Fall ſich aber das Gegentheil zeigen möchte, ſo ſolte er betbunden ſeyn / 


ſich unſerer und unſerer hochwuͤrdigen Vaͤter Unterſuchung und Urtheil 


u unterwerfen. Weil nun aber die Ordination noch: nicht geſchehen 


waͤre, und man den Herrn Weygand noch weiter prüfen muͤſte, ſo 


ſolte dieſer Beruf, welcher von den meiſten Gemeinsgliedern unter⸗ 
ſchrieben, von den Kirchenaͤlteſten in der Kirchenkiſte verwahret und ihm 
nur eine Abfchrift Davon gegeben werden, damit er das Original nicht 


etwa einmal vor der Obrigkeit zum Schwert, tie Herr Wolf, mis: 
brauchen koͤnte. Diefes wurde vom Heren Weygand und ber Gemei⸗ 
ne für gut erkant. An dem folgenden Tage wurde mit der Gemeine 


Borbereitung und Beichte gehalten, und die jungen Leute, theils ver⸗ 


heyrathete, theils noch fedige, bey dreyſſig an der Zahl, von mir über 


Die Drdnung des Heils eraminiret. Ich fand, daß Herr Weygandan 


diefen jungen Leuten ziemlichen Fleiß und Treue‘bey Dem Unterricht er⸗ 
wieſen hatte, und merkte auch an ihnen viele Nührungen und Bewe⸗ 
gungen. Kurz, die Erneurung des Zaufbundes und Eonfirmation 
geſchahe unter vielen Thränen der Alten und Jungen und des Predi⸗ 
gers. Mac) dem Gottesdienfte conferirte Herr Weygand mit: mir 
befonders, und ich übergab demfelben das Zeugniß, welches wir auf fein 


und der Gemeine Verlangen, wegen einer Eoflecte zu ihrer Kirche an 


den Herrn Gouverneur von Jerſey ausgeftellet hatten. “Sodann re: 
dete er mit mir wegen einer niederfeutfchen Ehefrau, Die bey Drey Mo: 
naten fehon in ſchwerer Bußarbeit ſtuͤnde, und noch Feinen Frieden füh: 
lete fondern mit ſchrecklichen böfen Gedanken wider ihren Willen ge- 
plagt würde. Ich hatte Gelegenheit mit der Frau felbft zu fprechen, 


und fand, daß einige Kraͤnklichkeit des Leibes vieles zu ihrer Aengftlich= 


keit bengetragen, wobey der Geift GOttes vermittelft feines Wortes, 


fich tool nicht unbezeuget gelaffen, nur it Natur und Gnade nach ihren - 


Wirkungen bey folchen Perfonen fehmer zu unterfcheiden. 
Am Sonntage predigte Herr Weygand vor einer zahlreichen. 
Verſamlung, welche aber fo bedrängt in einem alten hölgernen Kirch» 
gebäude auf einander faflen, daß ſich manche, in der ausnehmenden 
heiffen Witterung, kaum der Ohnmachten ertwehren Eonten. Mach 
der Predigt hielte ich eine Anrede und trug kuͤrzlich folgendes vor, 
1) Zeigete ich), in welchen Umſtaͤnden wir mit ihnen bekant und genoͤthiget 
torden, ung der Gemeinen neben unfern anzunehmen. 2) Wie wir 


für ihrer Seelen Beftes bisher geforget. 3) Auf mas Weiſe Herr Mey 


gand zu ihnengefommen 4) Daß felbiger erſt ein Biertel Jahr > 
an 


! 
— 


; 1,2. Paft, Muͤhlenbergs Ber. vonfeiner Amtsführ. 1749. 335 


uns in Penſylvanien, und nun drey Dierteljahre von ihnen nach Lehre 
und Leben geprüfet worden. 5) Daß dem zu folge am Lage zuvor Die 


Kirchenaͤlteſten und anweſende Gemeinsglieder einen ordentlichen Be⸗ 


ruf ausgeftellet hätten, mit dem Begehren, von unfern hochwuͤrdigen 
Vaͤtern aus Europa eine Confirmation derfelben und Exlaubniß sur 


"Ordination auszubitten. 6) Wir hätten nun das unfrige nach der 


Schwachheit gethan, auf GOttes Fußftapfen gemerket und gehöret, 


was GoOtt durch Die Umflände mit ung geredern 7) Sie Enten zwar 


mit andern die Freyheit misbrauchenden Haufen denken, es fey Feine 
Drdination nöthig, weil die Sache felbit fo weit gediehen. Wolten 


" fie. aber ein Theil von unferer penfyloanifchen evangelifehen Kirche und 


mir insgefamt ein Theil von der. evangelifchen Mutterfirche in Europa 
ſeyn und bleiben; fo gebührte ung alle gute Ordnung zu beobachten. 
Ich zweifelte nicht, hochwuͤrdige Water würden, nach Einficht der Sa- 
che im Zufammenhange, ihre Einwilligung gütigft ertheifen, damit die 
Ordination auf der nachften Conferenz koͤnte vollzogen werden. Ich 
‚Eönte nicht verfprechen, noch einmal nieder zu kommen, hätte auch Fei= 


nen gewiſſen Befehl von meinen Amtsbrüdern, folches zu verfprechen. 


‚Hierauf wandte mich 8) zu dem Heren Weygand befonders, bezeugte 


mit wenigem, was für Sorge und Angſt wir, bey unferer übrigen Amts: 


laſt, für diefe vermilderten und verlaffenen Gemeinen gehabt; wie leicht 


=. 


junge Leute bisweilen einen Beruf und Amtsbürde anfangs auf fich 


naͤhmen, wenn fie das eigene-Unvermögen, die Wichtigkeit des ſchweren 


‚> Ylmtes und die ſchwere Verantwortung nicht genugfam erfenneten und 


erwoͤgen ꝛc. Ich fragte ihn, ob er ſich getrauete, Durch GoOttes Gnade 
und Beyſtand Die reine Lehre nach dem Grunde der Apoftel und Prophe- 
‚ten und unfern fombolifchen Büchern fortzupflanzen, und mit gottfeligem 
Wandel als ein Borbild der Heerde zu zieren? Er antwortete meinend 
mit ja, und gab mir Darauf die Hand, und id) fagfe, wo er durch 
falſche Lehre und unotdentlichen Wandel was verwarloſen folte; fo wuͤr⸗ 
de der HErr das Blut von ſeinen Haͤnden fordern. Wo er aber ge⸗ 


ß 


treu ſeyn und von ganzem Herzen das Amt in goͤttlicher Kraft führen 


‘würde; fo mürde auch Gnade, Barmherzigkeit und Friede von GOtt 
durch JEſum Ehriftum über und in ihm vermehret werden ıc. . 

„ne und befonders an die Communicanten, und hielt Das heilige Abend- 
wmahl. Nach geendigtem Gottesdienfte , famlefe mich wieder ein we⸗ 
ig, und predigte darauf den N englifchen Kirchenleuten or | 
— a > | “FE 3 or⸗ 


* 


Nach dieſem hielte ich eine-Bleine Dermahnung an die Gemei⸗ 


336 Seöfegortesung derbiacheiht von —— 
Bee ke in enger Sprache, uͤber Luc. 15. vom verlornen 


und 
wieder ‚gefundenen Sohne, Ob ich wol RR Er nd 


gleitete Der, heiige Sal dennoch das Wort, wie es ſchiene, udn 


| en der Zuhoͤrer GOtt molle eg laffenin Früchte und’ Segen aus - 


f&hlagen. zu. feines, Namens Ehre}. Die Raritaner haben ihre Kirche 


; He bis. len das Dach gebauet, und iſt ein ſchoͤn maſſives Mauer⸗ 


lan jten „ich. ſolte Die vierte Gemeine in denen Sebirgen 
u Hann en und.fehen, ob ſie nicht wieder herzukommen und 


zu der neuen —— wolten? Sch that ſolches, konte abernihts 


ausrichten. Sie ſagten, daß fie zum Theil zwoͤlf bis vierzehn Meilen weit 
zu der neuen Kirche haͤtten, und ihre alte Leute und junge Kinder nicht 
fo weit herbringen koͤnten ohne Schaden an det Geſundheit 2c. und de⸗ 


— 


2 


gehrten, r Weygand folte allemal den Dritten Sontag bey ihnen _ 


predigen. „Die drey ‚vereinigten Gemeinen ſagten, ſie haͤtten deswe⸗ 
‚gen die neue Kirche „-fo.viel als möglich, in Die Mitte von allen vier 
Gemeinen gebauet, und muͤſten auch sum Theil zehn bis zwoͤlf Meilen rei⸗ 


fen, ſie koͤnten ihnen ihren Prediger nicht auf den dritten Sontag erlauben, 
ſonſten wuͤrden die drey Gemeinen verkuͤrzet und zerfivenet, und denn 


ſtuͤnde die neue Kirche wieder leer und ohne Nusen da: Wenn ſie or⸗ 
dentlich mit zu der neuen Kirche hielten, ſagten fie, fo Fönte Herr Wey⸗ 


gand dann und wann in. der Woche bey: denen im Gebirge Predigt und 
Kinderlehrehalten, Solches verlangten fie aber nicht, und mwoltenhaben, 
‚ich folte ihnen einen eigenen Pr ediger zumeifen ze. Sch nahm Abfchied 


und veifete am: folgenden Tage meiner Heimath zu. Am Abend tpät 
‚Des. andern Tages erreichten wir. den geoffen Fluß Delaware, ‚welcher 
Jer ſey und Pen ſylvanien ſcheidet, und ritten ‚bey einem Wirths hauſe vor⸗ 


bey, wo ein Getuͤmmel und Geſchrey war, mie in Sodom und Gomorra. 


Wir muſten deswegen unfer Nachtquartier Bat babe von, einer hol⸗ 
laͤndiſchen Witwe ung ausbitten. 
Im Monat September. wurde ich zu cinemenglifeben Gue 


der 
fünf Meilen über Reuhannover geholet. Dev Mannift von siemlich 


reichen Eltern „ hatte auch eine Frau "vielleicht um des: Reichthums 


‚willen, gehenrathet,. welche won englifchen Kirchenleuten geboren, gee 


tauft und erzogen war, Die Frau Fam vor einigen Jahren etliche 
mal nach Neuhannover in die Kirche, ‚wenn ich engůſch predigte. Sie 
muſte ſich aber desfals von ihres Mannes Freunden verſpotten laſſen. 


Weil fie nun ein ſtilles ehrbares Leben; fuͤhrete und doch dann und wann 


noch ein Verlangen bezeigte, Br Wort in unſerer Kirche zu hoͤ⸗ 
ven; 


m: Zen. Daft. MTühlenbergs Ber.von feiner Amteführ.ı749. 337 


sen; ſo gebrauchten die Freunde Schmeichelworte und ſagten, fie hätte 
nicht noͤthig in die Kirche zu gehen, weil ſie ja ohne dem ein Muſter 
der Tugend wäre, und deswegen ewig gluͤckſelig ſeyn müfle, Sie hat: 
te fidy endlich einiehlafern laſſen, bis fie auf das Todtenbette Fam, 
da fie. denn geſagt, fie muͤſte nothwendig noch einmal mit ihrem Pre⸗ 
diger fprechen. - Die Freunde wolten einen Quacfer: Prediger hofen laſ⸗ 
fen, momit fie aber nicht zufrieden war ‚"fondern darauf beflund, ich 
folte gu ihr kommen. Ob fie es num mol fat fürfhimpflich hielten, 
fo durften fie ihr Doch die Bitte nichtrabfehlagen. Als ich in die Stu- 
betrat, fo fand eine ziemliche Anzahl von der Quacfer-Freundfchaft 
verfamlet, zum: Theil auch Predigerintien, - Die Frau ſelbſt war zwar 
noch bey völligen Verſtande, aber man merkte doch ſchon einige Zeis 
chendes herannahenden Todes. Ich fragte, was if euer Fundament, 
worauf wollet ihr leben und flerben? Antwort: Die Kirche Stage: 
Das Wort Kirche hat vielerley Bedeutung, meinet ihr etwa die Gna⸗ 
denmittel, die GOtt ſeiner Kirche anvertrauet hat, nemlich GOttes 
Wort, d. i Geſetz und Evangelium und die heiligen Sacramenta, oder 
verſtehet ihr das Haupt der Kirche welches iſt Chriſtus JEſus der 
Welt Heiland? Antwort: Ich gründe meine Seligkeit auf IEſum 
Chriſtum. Frage: Habt ihr auch Buffe zu GOtt und den’ Glauben 
an den HErrn JEſum erfahren? Antwort: ch bin Feine grobe . 
Sünderin. : Stage: Habt ihr nicht gefündiget wider die heiligen zehn 
Gebote GOttes? Antwort: Nein, ich habe Feine grobe Sünden wi⸗ 
der die gehn Gebote veruͤbet. Srages Habt ihr nicht mit Gedanken, 
Begierden und Neigungen‘, gegen die Gebote GOttes gefündiget 2 
. Antwort: O ich bin fehr flille und fromm geweſen von Jugend anf: 
Die Anmefenden befraftigten folches und fagten, fie wäre eine ausneh⸗ 
mend fromme Perfon gervefen „ wenn nur alle Menfehen fo ſeyn moͤch⸗ 
ten, twiefie, fo koͤnte ihnen Die ewige Seligkeit nicht fehlen, Ich antwor⸗ 
tete: Ihr ſeyd dem Tode ſehr nahe, und dabey in einem gefaͤhr lichen Zu⸗ 
ſtande eurer Seelen, und wo ihr nicht eine andere und beſſere Gerechtigkeit 
- habet, als die Pharifaer , fü werdet ihr nicht ins Himmelreich Fommerr. 
Die Pharifäer verliefen fich auf: ihre Aufferfiche Ehrbarkeit und Froͤm⸗ 
migkeit, und maren Doch nad) dem innern Verderben ein Greuel vor 
GOtt ſo daß der. Heiland der Belt, welcher Herzen und Nieren 
prürfet,in dem 2ſten Capitel Matthaͤi ein achtmal wiederholtes Wehe uͤber 
ſie ausruft! Eure eigene Gerechtigkeit, welche ihr vor GOtt bringen 
wollet, iſt nur ein beſudeltes Kleid. Es mag ſeyn, daß ıhr für * 
Op" groͤb⸗ 


x * * * J 
LA 


338. Sechfte Fortſetzung der Nachricht von. Penſylvanien 
groͤbſten Laſtern wider die zehn Gebote bewahret ſeyd aber wo iſt eine 
wahre lebendige Furcht vor GOtt, eine voll ommene reine Liebe und kind⸗ 
liches Vertrauen zu GOtt geweſen? Wie unvermoͤgend, faul und 
traͤge ſeyd ihr wol nicht geweſen, den allerheiligſten Namen GOttes 
zu bekennen, zu verehren, zu loben und zu preifen ?, Wie wenig Hoch⸗ 
achtung habt ihr gegen Die Predigt , das Wort GOttes und die her 
ligen Satramenta bewieſen ? Und ſo pruͤfet euch fernier nach allen Ge 


* 


boten, welche geiſtlich ſind, und mit Recht von ung dasjenige for- 
dern , mas unfern eriten Eltern von GOtt anvertrauet war. Wir 
find fleifchlich, und mie wollen wir mit. unferev serlumpten Moralität 
und Ehrbarkeit vor dem Allerheiligften GOtt beſtehen koͤnnen ? Wenn 
ihr folches erwogen, fo! denket weiter nach, warum ber allerheiligſte 
Sohn GoOttes als Woatheiland fo vieles gelitten, wie ihr in den Evan⸗ 
gelitten werdet geleſen haben. Er war ja hoͤchſt unfehuldig. Nun 
müffen. ja Gründe vorhanden. feyn , warum er ſo viel gelitten und ges 
fiorben ? Ex ſagt felber : Mir haft du Arbeit; gemacht mit dei= 
nen Sünden, und Muͤhe mitdeinen Miſſethaten Ich, ib til- 
ge deine Ubertretung um meinet willen zc. Sie gab endlich zu, 
daß ſie viel Gutes unterlaſſen, und in Gedanken und Begierden viel 
Boͤſes veruͤbet, weinete und ſagte, ob ich denn meinete, daß ſie der 
HErr JEſus verſtoſſen und verdammen wolte? Ic) erwiederte; Er. 
wuͤrde fie gewiß um ihrer eigenen Gerechtigkeit willen nicht annehmen, 
aber auch um ihrer Sünden willen nicht verfloffen, wenn fie fich als ei⸗ 
ne verdammungswuͤrdige Suͤnderin erfennete , Neue und Leid dar⸗ 
‚über, bezeugte und ihre Zuflucht zu Der vollkommenen Gerech⸗ 
tigkeit. JEſu Chrifti naͤhme. ‘Denn, gleichwie Mofes in der Wuͤ⸗ 
ſie eine Schlange erhöhet , alfo häfte des Menfchen Sohn müffen 
erhöhet werden am Creutze, auf daß alle die an ihn glauben nicht 
verlohren würden zc, Alfo hatte GOtt Die Welt geliebetzc. Wenn fie 
daran Theil haben wolte, ſo folte fie ja augenblicklich ihre eigene Ge⸗ 
rechtigkeit und Unglauben mit zu den ſchwereſten Sünden. rechnen , 
mit der armen Sünderin Luc. 7. bußferfig und meinend zu dem ih⸗ 
vom Herzen nahe feyenden Erlöfer fehreien , mit dem Zöllner an ihre 
Brut fehlagen Luc. 18. und um Gnade und Verföhnung bitten. Sa 
der Drdnung, würde fie der HErr JEſus nicht hinausfloffen, fondern 
zu Gnaden annehmen , ihr ihre Sünden wergeben , die Kleider des 
Hals und den Rock der Gerechtigkeit anziehen, und ale eine Braut 
dem himlifchen Vater zuführen. Sie fing bußfertig an zu HE er 
rr 





j | LSrn Paſt mahlenbergs Ber von feiner Amteführ. 1749 339 


HErr JEſus moͤchte ſie doch nicht um ihrer Sünden willen verſtoſſen, 
ſondern Gnade und Erbarmung vorwalten laſſen: ſagte auch, daß 
ſie ihr Leben anders anſtellen und durch feine Gnade ernſtlicher vor ihm 
wandeln wolte, wenn fie noch was länger leben folte. Nachhero beugete 
Ich auch 'meine Knie, und.betete mit ihr. ein Bußgebet. Die Anwe- 
ſende blieben ftehen , meil fie nicht gewohnt find, ihre Knie zu beus 
gen, auch nichts vom Gebet mit lauter Stimme halten. Wach. dem 
Gebebet fragte ich, wie fie fich befände? Antwort: Siebegehrte nur die 
einige Önade, daß fieder Herr KEfus nicht verftoffen möchte! Sch 
nahm Abfchied, und ermahnete die Anmwefenden, fie folten fie mit Kobz 
fprüchen verfchonen, und ihr aus der Bibel was von Buſſe und Glau-⸗ 
ben vorleſen. Im Weggehen bot mieder Mann ein Stück Geld an; 
ich nahm es aber nicht, und verließ ihn mit einem Worte der Ermah— 
nung. Die nächfte Macht ift.fie geftorben. Sie hatte fich vernehmen 
laſſen, daß fie gerne möchte auf unfern Kirchhof begraben merden. 
Eine obrigfeitliche Perfon aus dev, Freundfchaft, welche Billigkeit lie= 
bet, hatte ernfilich gerathen, man ſolte fie zu ihres Glaubensgenoſſen 
begraben und ruhen laſſen: aber e8 gefchahe nicht, fondern die Quacker 
muften ihren Stat damit treiben, und fie auf ihr Begräbniß begraben, _ 
weil fie fo ein Mufter der Moralität folte gervefen feyn. Mirmares 
gleich viel um den Cörper, wenn nut die arme Seele ihre rechte Heie 


math gefunden haben mhbte 
AIn den Monaten September und October habe nebft der or⸗ 
. bentlichen Arbeit ein Haͤuflein junger Keute in Neuhannover zum 
heiligen Abendmahl unterrichten muͤſſen. EB 6 = 
Weil ein und andere Glieder von der Yrdienftelder Gemeine, 
welche der Pfarrer Andrea bisher bedienet, fich zu uns nach Provideng - 
. gehalten, und fehr verlangten, ich möchte fie on ihrem Orte dann und | 
mann befuchen, und mit Predigt und Eatechifation erbauen; fo mar 
genöthiget,ihrer Bitte flatt zugeben: Ich befürchtete aber Unruhe von 
des Andrei Parthey, welche die Kirche inne hatten und fehr dräucten, 
hielte Deswegen mit unferm Hauflein ein paar mal Verſamlung in einem 
Privathaufe. Da folches aber zu Elein wurde, fo öfneten-ung die Re⸗ 
formirten ihre Kirche, mo wir vor dem Winter noch etliche mal in den 
Wochentagen zufammenfamen.: Ich beſtimmete einmal, an einem 
- Sonntage Nachmittage dafelbft zu predigen, da fich fo viel Volk ver⸗ 
ſamlete, daß auch die reformirte Kirche viel zu Plein war, und ich une - 
fer dem freyen Himmel predigen muſte. RAT | 
MI. Penfylv. Fortſ. Da \ in 


x Fs 


946° Sechfle Sortfegungder Nachticht von Pen 





In dem Monat November habe die jungen Leute, welche ich 
in YTeubannover unterrichtet hatte, confirmiret und zum heiligen 
Abendmahl gelaffen. An der Zahl waren ihrer ſechs und zwanzig‘ 
meiſt Erwachſene, morunter auch ein Ehemann fich mit befand, Sie: - 
hatten die Ordnung des Heils ziemlich ins Gedaͤchtniß gefaſſet, wure 
den auch nach derfelben fleiffig auf den Verſtand und die Erfentniß ges; 
führet, und ohne Unterlaß ermahnet, alles ins Gebet und in die Ausu- 
bungzu bringen, und Eönnen fie alfo vor GOtt Feine Entfehuldigung har _ 
ben,.daf fie nicht genug gerühret und beimeget worden. . Sie haben 
auch meift alle bey befondern Unterredungen mir verfichert, Daß ſie oft 
im Derdorgenen zu Haufe auf ihren Knien gebetet, und die wirkende 
Kraft des Geiſtes GOttes vermittelt feines Wortes: an ihren Seelen 
erfahren haften Bey der Eonfirmation haben fie ihren Taufbund vor: 
Gott und der Gemeine auf ihren Knien mit häufigen Thraͤnen erneuret. 
Wir Eönnen nur pflanzen und begieffen, GOtt iſt willig und bereit, 
Das ‚Hedenen zu geben, ‚wenn fich die Menfchen nur nicht felber feiner 


e - 


Gnade verluſtig machen und fie in den Wind fhlagen. ul. 
Am ı8ten Top, reifete ich von meinem Haufe fechsehn Meilen. 
nach der ſchwediſch⸗engliſchen Gemeine, hielte Dafelbft Gottesdienſt, 
und ging geben Meilen wieder zurück nach Neuhannoder , und predigte 
den folgenden Tag wie gewoͤhnlich. 2.0. > 
Am zoften Nov. Fam Herr Schrend von meinem Haufenad) 
Neuhannover, und war bereit, meiter mit zu gehen. Die aufferfie 
Nothwendigkeit den Berggemeinen zu helfen, Die gute Hofnung von 
des Herrn Schrenckens Wachsthum in der Gnade, die Einſtimmung 
meiner Herren Amtsbrüder, und das flehentliche Bitten der Gemeinen 
bewogen mich, denfelben. als Eatechet zum Verſuch auf ein Fahr daſelbſt 
einzuführen. Dem zu folge reifeten mir am befagten zoften LTov. von. 
Neuhannover noch fünfzehn Meilen meiter nach Uppermilfort, alwo  - 
ich den zıften Nov. der Gemeine nach vorhergegangener !Beichte und » - 
Borbereitung das heilige Abendmahl bielte. Ein paar neugefommene 
Wuͤrtenberger, welche der Gemeine Aergerniß mit Spielen und an: 
zen gegeben, wurden abgemiefen, und zur Buſſe ermahnet, und ein anz 
derer wieder aufgenommen, der vorher ausgefchloflen gemwefen. 
Nachdem die Sachen in diefer Gemeine in mögliche Ordnung ger 
bracht, fo reifeten wir vier Meilen weiter nach) Saccum, mo ichamz2aften 
100, Beihte und Abendmahlmit Vergnügen hielte, weil die Commu⸗ 
nicanten ſich ordentlich, beugſam und gnadenhungrig begeigten, und — gi 


\ 


.1.3en.Poft. Möhlenberg6 Ber. von feiner Amtefähe.wgs. Zar 


Gemeinsgiet 





BR ER 
’ Den asften Nov. hielte Bottesdienft in Birdenfee, und ver» 





chen muß ein Pferd fich allemal vorne aufbäumen, und mie den vordern 
2 * —— Fuͤſſen 


\ 


342 Scchfte Sortfegung der Nachricht von Penſylvanien. 


Sürffen zugleich ein Loch ſchlagen, das Stücke Eis mit den Füffen-auf y 
dem Grunde halten, bis e8 mit den hinfern nachgefprungen, und denn: . 


ſo immer weiter fortgehen. Ich Fam glücklich hinüber, hatte aber we⸗ “ 


gen der finſtern Nacht den Ausgang auf der andern Seite verfehlet, . 
und kam mit meinem Hefährten gegen ein Ufer, das ziemlich hoch 


und fat gerade war. Zurück wolte mich nicht toieder wagen, denn 


die gebrochenen Köcher waren im Finſtern nicht wohl wieder zu fin: 
den. Wir legten die Sättel ab, und Fletterten Durch Hilfe einiger 


Buͤſche hinauf an das Land, und wurden fehlüffig, auch einen Ver⸗ 


ſuch mit den Werden zu machen. „ Wir banden die Sattelriemen an 
des Eleinen Pferdes Zaum, und nöthigten daſſelbe, auf die Hinterfhffe 


zu fichen, fo daß es mit Den vordern auf das Ufer reichen Eonte Wir 


zogen, und das Pferd half fich mit den hintern Füffen tapfer nad), und 

erreichte glücklich Das Ufer, weil e8 jung und behende war Als wir 
es aber mit meinem Pferde. auch fo machen wolten, welches alt undfleif - 

war; fo brach der Zaum, und das arme Thier fiel ruͤckwaͤrts mit gan- 
zem Gewichte in das Eis, daß es mit dem Nücken auf dem Grunde im 
Waſſer, und mit den Beinen in der Höhe lag, und von dem Eiſe ein⸗ 
gefchloffen war, und alfo hätte erfaufen müffen. _ Ich gab dag arme 


Thier auf, meil ich Feine Möglichkeit zu helfen fahe. Mein Geführte 


- wolte aber nicht ruhen, ſondern ſchnitte in groſſer Angft, mit einein ge- 
ringen Meffer, einen Hebebaum ab, fprang Damit hinunter, und machte _ 
in den Eife eine gröffere Oefnung, balf dem Pferde, daß e8 auf eine 


Seite zu liegen kam, und. endlich fich wieder auf die Fuffe orbeitete, - 


Das Pferd brach Darauf von neuem wieder Durch, und molte zurück auf 
die andere Seite, blieb aber wegen Ohnmacht in der Mitte Des Fluſſes 
im Eife ſtecken, fo Daß wir in Feine Wege mehr helfen konten. Wir 
legten unfere Sättel und Bagage auf das eine Pferd, und molten zu 
Fuſſe den noch) übrigen Weg nach Haufe zurücklegen/ verirreten ung 


aber. in den finftern Gebüfchen, und walleten bey einer halben Stundeim 


Zirkel herum, bis endlid) das Geflirn an dem Himmel einmal hervor 
blickte und ung die Gegend zeigte, wo wir waren, da wir Denn um drey Uhr 
nad) Haufe kamen. Des Morgens frühe fchickte einige RT barn zum. 
Fluſſe, welche das Pferd noch in der Mitte des Fluſſes im Eifeantraf- | 
fen, mit Mühe losmachten, und halb erſtorben nach Hauſe brachten, ch 
war munter, Daß am felbigen Tage den Goftesdienft verfehen Fontez 
mufte aber hernach. eine Krankheit erfahren, movon der ananige GOtt 
mich auch) wieder genefen ließ ich habe dieſes fo Fran Be 





J 


sa 1.3en. Paſt Muͤhlenbergs Ber. von ſeiner Amtsfuͤhr. 1749. 343 


a führet ‚nicht damit die Geduld meiner hochwuͤrdigen Vaͤter und Goͤn⸗ 
ner zu misbrauchen, ſondern nur zu zeigen, wie man manchmal in Noth 


— 


von achtzehn Jahren, welche ic) einige Jahre zuvor getaufet und 


und Gefah 


id Gefahr geraͤth, aber auch gnaͤdiglich beſchuͤtzet wird, wenn man in 
feinen Berufswegen bleibet. Bi: | sh 
- Km Monat December entfchlief eine junge Scauensperfon 





. eonfirmiret hatte. Weil fie nun einen Water hatte, der über Die hei= 


tigen Sacramenta unmiffend läfterte; fo behielt ich fie eine Zeitlang 


bey mir im Haufe, und ſpuͤrete mol ein ſchwaches Leben im Glauben 


des Sohnes HHrtes an ihr, Eonte aber Feinen fonderlihen Wachs⸗ 


thum vermerken, bis fie bey ihren Eltern auf das Krankenbette Fan. 
So bald die Krankheit anfing, bat fie ihre Mutter, fie mochte mit ihr. 
die Knie beugen, und ihr ringen und kaͤmpfen helfen. Die Mutter 


that folches, und munderte ſich über des Kindes Bußgebet. Sie Flagte 


ſich vor GOtt an, wie die gröffefte Süunderin, bereuete ihre bisheri= 


ge Traͤgheit und Untreue gegen die vielen Gnadenzuͤge, und wolte ih: 


- ron HEren JEſum nicht Taffen, er fegne fie denn mit einer vollgültigen 
Gerechtigkeit in feinem Blute, und ewig Daurendem Frieden. Sie hat 


ſich die übrigen Tage beftändig mit dem Liede befchäftiget, welches ich 
ihr aufgegeben, als fie mich das letztemal befuchte, nemlih: Ringe 


vr 


ir TE et 
344 Sechſte Sortfegungder Nachricht aus Penfloanien. — 


Be > ————— ne FR — = IE — = de — SUR, H 
md dergleichen Läfteeungen: ‚Bas hifft dit nun deine Taufe und Wacht- 


°  mahl? du muſt ja mehr, leiden, al8 andere, Die nicht getaufer find.2c 
Nachdem ich fie dem HEren im Gebete empfohlen, nahım ich Abfchied, 
und hövete hernach, Daß fie am folgenden Tage ihren Geiſt indie treuen _ 
Hände ihres Erloͤſers übergeben, und. ihren Bräutigam, ale eine .be- 
gnadigte, Kluge Sunafrau gefunden hätte, - Das arme Kind hatte viele 
Derfuchungen. Auf einer Site wolte man fie gerne in das Zinjen- 
dorfiſche Nitz, auf der andern Seite aber zur groben Welt ziehen, und 
von ihrem eigenen Dater hafte fie mehr Aergerniß als Erbauung, Der - 
getreue GOtt hat fie aus allen errettet, und mit ihr zur Sicherheit geei⸗ 


⸗ 


et. Sch habe mich auch nicht wenig erbauet an der Mutter ihrer chriſt⸗ 


lichen Faſſung und gefroftem Muthe, dem HErrn ihre Tochter zu ber⸗ 
geben, Als ich Die Mutter fragte, ob fie ihre Tochter gerne noch be: 
hiefte , ich wolte das Gebet darnach einrichten; _fb anttoottete fie: 
Mein, weil fie bald-vollends überwunden hat, fo will ich lieber fehen, 
wenn fie der HErr heimholet, doch will ich nichts vorſchreiben, fondern 
fagen? Dein Witte ift der beſſfte. 
Im felbigen Monat ſtatb ein Kausvater von der Gemeine zu 
Neuhannover. Er war in feiner Jugend ziemlich mohl in den Gruͤn⸗ 
den der evangeliſchen Religion unterrichtet, hatte auch dag Kirchen⸗ 
vorſteheramt in Teutſchland etliche Fahre bekleidet , wie auch nicht 
weniger in. Penſylvanien fleif und veſt an dem Bekentniß der Schre 
gehalten. Er verfäumefe Feine Gelegenheit‘, "wo er. GOttes Wort 
in feiner Kirche hören Eonte , bezeugte ihr mal, daß er GOtt nicht 
genug verdanken koͤnte, der ünfere Hochwuͤrdige Vaͤter und fü viele 
Goͤner geneigt und bewogen, ſich der armen zerſtreueten und verachte⸗ 
ten Lutheraner in Penfyloanien anzunehinen und Hirten id Pnbeh, 
Er Fam in den erfiern Jahren einmal zu mir, war ganz beſtuͤrzt, und 
fäste : Er hätte von einigen gehöret, al8 06 id) zulegt mic) auch noch 
wuͤrde verführen , und zu einem Zinzendörfer machen laſſen; wenn ich 
das thaͤte, fo wolte er wohin ziehen, daß ihn fein Menfch folte zu fer 
hen befommen, und wolte fein Lebtage einem Geiſtlichen mehr glauben 
noch trauen. Ich antwortete: Er folte nur getroft und getreu feyn, 
den lieben GOtt bitten, daß er fein Herz möchte.fo enangelifch machen, 
im lebendigen Glauben , wie fein Bekentniß lautete, damit er nicht 
allein. Lutheri Sprache, fondern auch feinen Glauben und deſſen Fruͤch⸗ 
fe beiveifen und felig werden möchte, Was mich beträffe, fo folte er 
der Menfchen Urtheile nicht achten, für mich beten, und nach det Bi 
| * ihr 


% 
J 


A en Paſt Můhlenbergs Ber. von ſeiner Amtsfuͤhr 1749. 345. 


be glauben „Daß mich der liebe GOtt nicht wuͤrde fo weit verfallen laſ⸗ 
ſen, ſondern treu erhalten bis in den Tod zc. er ging getroſt und freu» 
dig wieder nach Hauſe. Wenn ihm andere Geſintheiten zum diſputi⸗ 
ren reitzten, und ſeine Religion anfochten, ſo war er faſt zu hitzig, 
doch dienete es darzu, daß ſie ihn hernach unangetaſtet lieſſen. Men⸗ 
ſchen, die nichts von der evangeliſchen Religion und Verfaſſung halten, 
ſind oͤfters unermuͤdet im Disputiren, und wenn ſie merken, daß ei⸗ 
ner in der Lehre nicht gegruͤndet iſt, fo laſſen fie nicht nach, bis fie ei⸗ 
nen foldyen verwirret und von der Kirche abgeführet haben. Ein an⸗ 
dermal fragte ich ihn, ob GOttes Wort, Das er fo fleiſſig hoͤrete, 
auch in feiner. Seele. auf die Buſſe und den lebendigen Glauben wirkete? 
Erxr antwortete, was er Des Sonntags in der Predigt hoͤrete, Das koͤnte 
er gleich nad) dee Predigt nicht wieder ſagen, aber die Woche uͤber in 
ſeinem Berufe, auf dem Acker oder wo er arbeite, da fiele ihm alles 
Stück für Stuͤck wieder bey und fo lebhaft, als wenn ev es noch einmal 
hoͤrete. Er hatte ſich Durch einen Falten Trunk Waſſer in der groffen 
- Sommerhige Schaden gethan, und mar Durch heftige Arzeneyen noch 
mehr an der Gefundheit verdorben, Daher er nach und nach entkraͤftet 
und zum ode reif, wurde. Ich beſuchte ihn etliche malund merkte, 
doß Der, getreue Seelenarzt, JEſus —0 durch fein Wort, an 
feinem Herzen arbeitete. Er fuͤrchtete ſich fuͤr dem Tode, weil er noch 
Eleine N BONN: und eine ſchwaͤchliche Ehegenoffin hatte. Als 
ich das letztemal zu ihm Fam, und etwas ſcharf nad) feinem innern Zu⸗ 
ſtande fragte, fo fagte er. weinend, daß ihm allerley Suͤnden einfielen, 
die gr. in Der Jugend begangen, und forjt fehon fange vergeffen. Er 
häzte folche Gedanken wollen aus dem Sinne ſchlagen, Eönte aber nicht 
Davon los werden Ich fragte ihn, wenn eine ſchwangere Frau zur 
zeit Der Geburt Fame, und Geburtswehen fühlete, ob es rathſam und 
gut waͤre, wenn fie Die Wehen verbiffe, oder aus dem Sinne ſchluͤge? 
Er-antwortete: rein. Ich fuhr alfo fort: Nun, fo folte er fich be= 
ſcheiden und rathen laffen!. Er hätte viel Gutes in feinem Kleben gehörek, 
und die Bearbeitung des Geiſtes gemerfet, dag alles wäre zu dem En= 
de. geſchehen, Daß in feinem Herzen folte Neue und Leid über fein gan⸗ 
zes Sündenelend , ein Hunger, und Durſt nach der vollgültigen Ge- 
rechtigkeit JEſu Chriſti, Bergebung der Sünden, und der Friede 


hi T 









HH und ein neues Leben erwecket und gewirket merdenzc. Er ſol⸗ 
chim Verborgnen auf feine Knie legen, mit dem verlornen Sahne 
busfertig um Gnade und DBergebung bitten, mit dem anf 1 
4 ER ee — 8 * ſeine 


346 Sechſte Sortfesung der Nachricht aus Penſylvanien. — 
ſeine Bruſt ſchlagen und zu den blutigen Wunden FCfu Flichen, f ide 
er Ruhe finden für feine arme Seele, und getroften Muth jum Sterben 
bekommen. Wir beteten mit einander, und nach Dem Gebet 


* 


— 






fragte ich 
ihn, wie ihm zu Muthe waͤre? Er verficherte, daß er ſchon — 
feichterung ſpuͤrete, und verſprach, weiter anschalten, welches er auchh 
gethan, und ein paar Tage hernach mit Freudigem und gefrojien Muth 
| Ns. iſt, wie mir Diejenigen, <rsäbler ‚ die bey feinem Tode gewe⸗ 

en. I EN DIR TENSE ne — 

In dem vergerigenen Jahre habe in allen meinen Gemeine, 
und in einer jeden deſonders, zweymal dag heilige Abendmahl öffentlich 
gehalten, und einem jeden, ſo viel mir in Der Schmwachheit moͤglich gewe⸗ 
fen, beſonders zugeſprochen; und fie zur Buſſe und Glauben ermahnet, 
wie es etwa ihr Zuſtand erfordert hat Ferner habe hundert und et 
liche Kinder getauft, funfzehn Perſonen begraben, und drey und zwan ⸗ßùò 
sig Paar getrauet. In den Catechiſationen bin ic) die fünf Haupt⸗ 
kun des Gatechismi Lutheri Durchgegangen und Damit zum Ende ge⸗ 
Der HErr molle wegen meiner unzähligen Amts-und Standes -· 
Sünden nicht mit mir ing Gerichte gehen, fondern Gnade für Recht, 
und Barmherzigkeit fir Gericht ergehen laffen, um feines Blutes und 
Zodeg willen! * RN —— 

Hab ich was nicht recht gethan, iſt mirs leid von Herzens 

Dahingegen nehm ich an Chriſti Blur und Schmerzen, 

Denn das ijt die Ranzlon meiner Mifferhaten: 


Bring ich das vor GOttes Thron, iſt mir wohl gerachent 
2. Vom Jahr 1750. REN 
Im Januario 1750. habe einer englifehen Scauensperfon von 
ein und wanzig Sahren, nad) gegebenem Unterricht, die heilige Taufe _ 
ertheifet. Ihr Vater hieß ein Glied der engliſchen Kirche, mohnete 
aber dem Ghottesdienfte ge“ felten bey, ja that nicht einmal fo viel, daß 
er feine Kinder zur heiligen Taufe. beförderte, ift aud) endlich jaͤmmer⸗ 
lich ertrunfen, da er Durch einen ſehr aufgelaufenen Fluß reiten wollen, ' 
Seine Tochter mufte als eine arme Wänfe unter andern Leuten dienen, 
und hielte fich bey englifchen Quackern auf, welche die Taufe verachten. : 
Weil die Perfon aber leſen Eonte, und fich zur Kirche hielte, fo befam 
fie ein Verlangen nach derſelben. Sie lernete die Hauptſtuͤcke des 
—— — 


4 


{ ? S 


 1,SemPaft Mahlenbergs Ber von ſeiner Amteführ.riso. 347 
nen Catechismi, umdbegehrete je cher je lieber Den Bund des guten Ge⸗ 


wiſſens mit dem Seelenbraͤutigam zu vollziehen. Ich hielte demnach 


eine Berfamlung in ihres Vaters Haufe, wo Quadker und allerhand 
Sefintheiten" zugegen waren. Sc) predigte englifh von der Notwen⸗ 


Geſintheulen zugegen DT Ä 
digkeit und Nutzen der heiligen Taufe, fragte fie wegen der vornehm= - 


fen Stuͤcke des Glaubens, lies fie ihr Bekentniß ablegen, betete 


: mit ide und taufete ſie zu ihrem Troſt und Freude in dem HErrn, ſchaͤrf⸗ 


an ih 


te ihr ihre Pflichten noch einmal ein, und beſchloß mit einem engliſchen 
Geſang. RE RR N — 
In eben demſelben Monat wurde ich des Nachts vierzehn Meilen 


weggeholet zu einem alten Mann, der ſich viele Jahre her zur Gemei- 
ne in Meuhannover gehalten, und iego todkrank lag. Er begehrete das 
heifige Abendmahl, welches ich ihm nicht weigern Eonte, weil er ein ſtilles 
Leben gefuͤhret, in der Krankheit auf das Wort merken gelernet, und 
mit Thraͤnen bezeugte, daß er ein groffer Sünder mare, aud) keinen 
andern Troſt ud Kath wuͤſte, als ın der vollguͤltigen Gerechtigkeit, die 
Jeſus Ehriftus erworben. Er bedauerte unter andern, daß er in 
Zeutfchland zwar viele Jahre in die Kirche und zum heiligen Abendmahl 


gegangen, aber Dabeyin Blindheit gemandelt und feinen Heiland nicht 


recht erkant hätte ꝛc. Er bezeigte ſich bußfertig, und genoß das heilige 
Abendmahl, wie es ſchien, mit vechtem Hunger und Durft, bat feinen 
Ertöfer, daß er feine Pein verfürzen, ihn bald auflöfen aus der argen. 

Belt heimholen, und in Sicherheit bringen möchte: welches Denn auch 


— geſchehen da er den zweyten Tag hernach ſeinen ermuͤdeten Geiſt in die 
treuen Haͤnde JEſu empfohlen, und des Glaubens Ende erlanget hat. 
Er weinete bey meinem Abſchiede, und klagte, daß ich ihn fo ſelten be- 


füchet, und meinete, Daß ich vielleicht einen Eckel an feiner. armen und 
Franken Perfonund Umftanden gehabthätte. Ich ſtellete ihm aber vor, 


wie glucklich Die meiften Prediger in Teutſchland wären, die ihre an- 


vertraueten Schafe in den Stadten oder Dörfern beyfanımen wohnend 
hätten, melche fie des Jahres ohne Ausnahme ein oder. etliche mal nach 


der Reihe befuchen Eönten, Ich aber hätte meine Zuhörer, wie er ſel⸗ 
ber wuͤſte, auf dreyſſig Meilen in die Lange, und bey zwanzig Meilen 


in die Breite zerſtreuet, in den Thälern und auf den Bergen wohnend, 
ware felten zu Haufe, und Eönte kaum die allernötigften Amtsgefchäfte 
beſtteiten, wenn ich auch manche Macht zu Hülfe nahme 2c. Er gab 
mir recht und fagte, ich hätte freylich bey fo geſtalten Umftänden nichts 

mi verſaͤumet. Er ließ übrigens unfern lieben Vaͤtern und Wohl: 
VL Penfylv. Sortf. a) thaͤ⸗ 


_ 






248 Sechſte Fortſetzung der Nachricht von Penſylvanien. —— 


thaͤtern gute Macht ſagen, und ſich für ihre unverdiente Liebe und Hülfe 
bedanken, mit dem Zuſatz, Daß er fie alle vor dem Throne des Lammes 
von Angeficht zu Angeficht zu feben hoffen 20.0 00... 00m | 
m Monat $ebruario praparirte einen feinen jungen Alena ⸗⸗ 
- feben von zwey und zwanzig Jahren zur heiligen Taufe, melcher hie 
im Sande von niederteutfihen Eltern geboren iſt, Die ihn engliſch leſen 
und fehreiben haben fernen laffen. Ich fragte den Vater, warum er; 
feinen Sohn nicht hätte in Der Kindheit taufen laſſen? Er antwortete: 
Weil in diefem Rande fo gar viele Secten waͤren, häfte er nicht gewuſt, 
welches die rechte und befte ſeye denn wenn er Die £ehrer von allen Ge= 
fineheiten nach einander frage, fo fase ein ieder, hier ift Chriftus, da 
ift er! Ein iedergebe vor, Diebefte Arzney für Die Seele und dennachften 
Weg zum Himmel zu haben ꝛc Er märe felbft in der Kindheit bey den " 
Reformirten getaufet, aber hernach nicht unterrichtet worden, mithin 
wüfte er nicht, ons ıhm die Taufe geholfenze. Er habe aud) deswegen 
‚gewartet, bis fein Sohn zum Verſtande gekommen, Damit er hernach fel-, 
ber wählen und fich die befte Religion ausfuchen möchte. Weil ich nun 
wuſte, Daß der Vater fleiffiger nach dem Wert des Geldes, als nach 
„dem nächlten Wege zum Himmel geforfchets fo fuchte ihn nach feiner 
Faffung zu überzeugen, und fragte ihn: Kennet ihr wohl old? Ant⸗ 
wort: Ja. Srage: Was für.eine Farbe hat das Gold? Antw, 
Es ift gelb. Fr. Iſt das Gold alles von einerley Güte und gleichem 
i Wert? Antw, em i Sr. ‚St das alles So, was eine geibe Far: 
behat? Antw. Mein. - Se. Wie und wobey Fan man gemiß;merden, 
was wahres oder falfches, mas gut, beſſer oder das beſte ſey? Unrw; 
Ber die Runft verftehet, der Fan es auf dem Probirfieine und Sapelle 
erfahren. Ich machte die Anwendung Davon auf ihn und fagte: hr 
habt ein eingedrucktes Verlangen, glücfelig und ruhig zu ſeyn; ihr 
findet folcheg nicht in euch, vielweniger in Den vergänglichen Dingen 
diefer Welt, fondern vielmehr Unruhe, anliagende und entfchuldigende - 
Gedanken, und Zucht vorm Tode ꝛc. Die Erfahrunggiebt euhund 
allen übrigen Menfchen fattfam zu erkennen, daß wir ganz abhängliche 
Gefchöpfe von dem allerhöchften Weſen feyn. - Hierauf bemieg ich ihm 
mit mehrerm, daß Die allgemeine Offenbarung GOttes in Der Wernunft 
und aus den Werfen der Schöpfung nicht hinreichend, den Weg zur _ 
Seligfeit Daraus zu erkennen, fondern eine naͤhere Offenbarung dazu 
vonnoͤten ſey, felbige aber nirgend anders als in der heiligen Schriff 
zu finden, und führte ihn auf feine Pflicht, dis hochwuͤrdigſie und. * — 
3 ae DE 


"Iren Poft:Miöhlenberge Ber, von feiner Amtsfähr.naso. 349 


heiligſte Buch mit Ernſt und Begierde, unter Anrufung GOttes, oft 
und fleiſſig zu leſen, und feinen Zuſtand und Beſchaffenheit nach diefem 
Probirſtein zu pruͤfen, in weicher Ordnung er bald inne werden wuͤr⸗ 


de, was die wahre Religion fey. Hierauf hielt ich ihm die Haupt- 


war mahrheiten, Die zur Drdnung des Heils gehören, aus der heiligen Schrift 


kuͤrzlich vor, und. fügte hinzu, er. müffe folches alleg nicht fo obenhin le⸗ 
fen und betrachten, oder es bey. dem bloffen Wiffen bewenden laſſen, 
fondern fein ganzes Herz Durch Dasıgesffenbarte Wort und den damit 


* verbundenen Geiſt GOttes, von Grunde aus verändern und zum leben= 


digen Ölauben an den Blutbürgen und Erlöfer FEfum:Ehrifium berei- 
- ten und bearbeiten laffen. Denn ohne Slauben feye es unmöglich GOtt 
‚au gefallen, Ebt. ni, 6. und ohne Heiligung Eönne man ihn nicht ſchauen, 
Ebr.a2,14. Wem er nun folche prackifche Wahrheiten an feiner Seele. 
erfahren, fo habe er an GOttes Wort einen untrieglichen Brobirfein, 
wornach er alle Secten und deren Verfaffung prüfen Fönne. Was 
niun mit GOttes Wort übereinfomme, Das fey das rechte Gold. Hin⸗ 
gegen fey nicht alles Gold, was gelb oder roth (heine. Er wurde dadurch 
 beivegt, und verfprach der Sache weiter nachzudenken. , Der junge 
Menſch mar mohl belefen in dem neuen Teſtament, nahm zu in der 
Erkentniß, bezeugte Neue und Leid über feinen vorigen Wandel in der 
Unwiſſenheit, und ein Derlangen mit dem Heilande der Melt durch 


den Glauben und die heilige Taufe vereinigt und ein lebendiger Rebe an - 


dem Weinſtocke JEfu zu werden. Ich examinirte ihn demnach über 
. Die. notibendigften Stücke der Heilsordnung, ließ ihm fein Glaubens 

befentnif ablegen, betete.mit ihm, und-ertheilte ihm die heilige Laufe, 
Er empfing Diefelbe unter häufigen Thraͤnen, und verfprach, durch) Rey: 


fand des heiligen Geiſtes feinem Beruf gemäs zu wandeln. Der HEir 
tolle ihm Eraftig_benfiehen , Daß er nicht Durch Satans Lift und fo viele 


Verfuchungengefället,, fondern erhalten werde - 


Perſonen in dem Unterricht zu Neuhannover gehabt, damır fie koͤn⸗ 


ten confiemiret und zum heiligen Abendmahl befördert erden. Un- 
ter dieſem Häuflein waren zween Ehemaͤnner, welche in der erſten 

Jugend verfäumet morden. Einer davon war ſchwach etwas zu begrei 
en und zu behalten, aber doc) begierig, ein neues Herz zu bekommen, 

Ich führete ihm einfaͤltig zu Gemuͤthe, wie er mit GOit im Gebet han- 

dein, und was er von ihm bitten muͤſte. Als ihn einſtens fragte, ob er 

‚meinem Rath gefolget; fo erzählete er * wie und was er zu dem ver⸗ 
12. Men f a 





en 


ver 


* 


30 Schfte, eSetungder ihren Dftenen 


dem Felde bey feiner Berufsarb it gebetet, und mie ihm dabey zu Muihe 


N 






_ föhnten Vater in Chriſto, zu Hauſe im Werborgenen und“ rauſſen 


vi 





geweſen. Es war fehr vergnügt zuhören, und zeugefe von einee Einfäl R:: 
tigkeit des Herzens. — habe alle und iede junge Leute bey dem 
ß fie eines ieden Tages Lection ju Haufe, * 


Unterrichte oͤfters ermahnet, d 
ins Gebet fuͤhren, und auf ſich appliciren ſolten: und wenn ich dara 
einen ieden insgeheim agte, ob er meinem Kath) ge efolget; ‚fo bekanter 


ſie meiſtens aus Herzenseinfalt, daß fie ihre Knie ‚gebeuget, und im Der: 


börgenen GOtt um ein neues Herz gebeten hätten, der eine in der Scheu- : 


ne, der andere im Felde, der dritte im Stalle, u. f. tv. mo fie ein Kam 


merlein finden und ungeftörtfeyn Fönnen. Obich gleich nen 


derniffe und Verſuchungen fehe, die der armen Fugend nachftell 
welche ich nicht aus dam Wege räumen, ſondern nur * 





dauren kan; ſo erfreuet michs doch, wenn die jungen Leute bey dem Un⸗ 


terricht und Confirmation einen lebendigen Eindruck von der Heilsord⸗ 
‚nung bekommen, und überlaffe eg dem himmliſchen Vater und getreuen 


Erzhirten JEſu Chriſto, der alles mögliche verſuchen wird, um dasje⸗ 
nige zu erretten, was fich noch will veften laffen. Es find ungefehe 


ſiebenzehn Perſonen ver dieſem Häuflein von fernen Orten herzu ge 
Fommen, und die übrigen aus der Örmeine, 
| Zur Ende des Aprils that ich eine Reife nach Büncigkeh; und 


(4 


alsich den aten May auf Der Ruͤckreiſe unterwegs ein Kind taufen mufte, 
fo fagte ein englifchyer Friederichter, welcher bey der Taufe mit zugegen mar, 


daß in derfelben Gegend viele arme DienflEnechte und Maͤgde 


teutfcher Nation bey den Englifchen fünden, ‚ weiche begehreten, daß x | 


einmal dahin kommen und predigen möchte, weil die armen Leute dag 
Englifche nicht verflünden, 1 und fange feinen Sortesdienft in ihrer Mut 
terſprache gehabt. Der Nichter fagte, er und feine englifche Nachbarn 


molten mir Die englifche Kirche für Die Teutfehen eröfnen, mit dem Be - 


Ding, wenn ich ihnen auch eine engliſche Predigt halten molte. Weil 
fie nun an der Kirche einen ordentlichen 
ich, daß ich mic) nicht eher Der Kirche für unfere Peutfche bedienen wolte, 
bis fie den Lehrer ſelbſt gefraget, und feine —— erlan⸗ 
get, damit nicht etwa ein Streit daher zwiſchen dem Prediger und ſei⸗ 
+ ner Gemeine entfliehen möchte, zumal ich mit dem Prediger bisher i 


\rediger haben; fo antwortete - 


\ 


gutem Verſtaͤndniß gelebet. Der Richter fagte, fie hatten ihn ſchon 


zuvor gefragt, und feinen völligen Conſens dazu erhalten, ſolglich ver⸗ | 


fprach ich uͤber * Wochen dahin zu kommen. 


In 


k 


I, pen boſt mihienbergo Ver von feiner Antefchr. 1730.357 


En dem Monat miäy befuchte ich Die vier Bemeinleins, worin⸗ | 


ne — Schrenck bisher als Subſtitut geſtanden. Ich hatte in den⸗ 
ſelben es eilige Abendmahl zu halten, und auch junge Leure zu 
en, welche Herr Schrenef mit ziemlichem Fleiß und Freue 
unterrichtet: hatte, Sin der Gemeinean der Delaware confirmirte nach 
einem Examine in der eugliſchen Sprache eine Frau, welche von reför: 
mirten Eltern an einen Vorſteher der Gemeine verheyrathet, und zu ei⸗ 
ner feinen Erkentniß und Glauben an den HErrn JEſum gelanget war. 
VUebrigens ward erfreuet über den Fleiß und Treue, welche Herr Schrenck 
an den Gemeinen bisher erwieſen hatte. Der getreue Erzhirte, JEſus 
Chriſtus wolle ihn immer tüchtiger und geſchickter zu dem Amte mochen, 





und immer mehrern Segen verleihen! Ich mar bey der vorigen Reiſe 


nach Sancafter und auch bey Diefer Durch Das Neiten in der groffen Hige 
fo angegriffen, und folche Zufälte bey mir erregt worden, daß ich groffe 
Schmerzen empfand, und bey nahe hätte liegen bleiben muͤſſen, che ich 
Die Arbeit in den Gemeinen vollendet. Ich wuſte mir nicht zu rathen, 
und bat den himmlifchen Vater, er möchte nur die Plage fo lange ab⸗ 
nehmen, bis ich nieder zu Haufe wäre, und mich daheim in Gnaden 
zuͤchtigen, fo viel er nad) feiner Vatertreue und Weisheit zu meinem 
Seelenbeften nötig fände,» Der HErr hörete mein Seufjen in der 
Not, und nahm mirs zar Stunde ab, Daß ic) die Arbeit munter voll- 
enden und wohl nad) Haufe kommen Fonte. Des HErrn Vorfehbung 
erſtrecket fich In auf Kleinigkeiten, und er erhöret das Gebet ber Elen⸗ 
den ‚, das habe ich erfahren. 

In demfelben Monat Maͤy farb ein altes Mitglied von der 
Neuhannoveraner Gemeine. - Der Mann hatteeineziemliche Erfent- 
niß von der Ordnung des Heils, ließ ſich auch angelegen feyn, die Buſſe 
und den lebendigen Glauben an feiner Seele zu erfahren. Ermar aber 
son Natur ſehr hitzig, und wenn er einen guten Vorſatz gefaſſt und 
einen Anfang in der Bekehrung gemacht, fo ward er zumeilen von 
feinem Affect übereilet,, und alles über einen Haufen geworfen, welches 


ihm hetnach groffe Not und Angft verurfachete,daß er wieder von neuen 


anfangen muſte. ac) der Liebe hoffe, daß der HErr IEſus, der ihm 
fo ofte ‚vor Die Augen gemahlet worden, Doc) noch eine Geſtalt in ihm 
vonmen h habe. Denn er bat GOtt, daß er feiner ſuͤndlichen Patue 
ewalt ent weybrechen, und ihn in ſeinem Sohne recht frey machen moͤch⸗ 


— auch in einer langwierigen ſchweren Krankheit hr 


— maſſen er m einem Hufen yes Engbruͤſtigkeit viel Beſchwe⸗ 
53 sung 


F 


J 


352 Sechſte Sortfesung der Nachricht von Ponfsfoäniens . 


rung ausſtand. Je mehr: der Leib verzehret wurde, deſto meht be 
die Seele Raum, daß der Geift GHOftes, vermittelft feines Wortes, 





) & 
liche a Providens mar zu den Verſammlungsplatz 


zu erholen. REN, — 


Den 


13en. Paft. Muͤhlenbergs Ber von feiner Amtefühn. 1750. 353 


J Den ızten Jun als den erſten —— nach Trinitatis ver⸗ 


ſamleten ſich in, und vor meinem Haufe die Herren Brunnholg F 
Sandſchuh, Kurtz, Schaum, Weygend, Schrenck, Reuf, 
wie auch Die: Abgeordnete an der Zahl von Philadelphia acht, von 
Germantown fechs , von Provideng jwölfe, von Reuhannover 
fechs „ von der. fehwedifchzenglifben Gemeine einer , von Tulpe= 
boden und Heidelberg, Herr Weiſer und vier andere von Nord 
town über der Susquehana zween, von Lancaſter einer,deraber vonfelbft — 
gekommen, und nicht von der Gemeine abgefandt war, von Uppermil⸗ 
fort, Saccum, Sort und Saccung vier, von Jndienfield zween, von 
Bofchehoppe zween, vonder Toheda zween, von Macunſchy zween, 
von Raritan ſechs und von Cohenʒy zween. Diefealle gingen in Pro⸗ 
ceſſion von meinem Haufe in Die Kirche, und. hielten Gottesdienft mit 
Ruhe und Andacht vor GOtt. Wir hatten Die Fenfter ausgenommen, 
und um die Kirche her Schirme von grünen Büfchen gemacht, weil die 
Kirche die Menge Volks nicht faflen Eonte. Herr Paftor Handfehuh 
hiefte die Hauptpredigt. Mach der Predigt hielte ich noch eine Eurge 
Anrede an das Volk von den Fußſtapfen GOttes, wie diefelbe nuning 
achte Jahr unter untern zerfiveueten LZutheranern vom Fett getriefet. 
Nachher hielte noch eine kurze lateiniſche Rede an meine Herren Amts: 
bruͤder. Mac) dem Gottesdienſte nahmen die Gemeinsglieder von Pro» 
pideng, welche am nächften mohneten, ihre fremden Mitbrüder mit nach 
Haufe, und theileten ihnen aus Liebe zur Erquicfung mit, was der HErr 
‚befcheret hatte, und ich bemirtete die Herren Prediger und andere gute 
Freunde, fo viele das Haug faſſen konte. — Pe 
Den ı8ten Jun. gingen wir zuſammen wieder in Die Kirche , fie 
fen Herrn Weygand predigen, und hielten hernach eine lange Confe⸗ 
renz, von Aufferliher Einrichtung und Verbeſſerung der Gemeinen, 
Don der Notwendigkeit, Abficht und Nutzen einer. folchen jährlichen 
Zufammentunft und Conferenz der Prediger und abgeordneten Aelteſte 
der Gemeinen Eonte man vieles ſchreiben, wenn es nicht einem ieden ſelb 
einleuchtete, wie und warum ſolche nötig. Nach der Conferenz wur: 
den bey achtzig Perfonen nach Notdurft gefpeifet, und die Prediger 
darzwiſchen vertheilet, welche unter dem Effen Die Abgeordneten und an⸗ 
dere Glieder. der. Gemeinen mit guten Gefprächen zu erbauen ſuchten. 
Nach geendigter Mahlzeit wurde einer ieden Gemeine der Schluß von  : 
der &onferen —— mit gegeben, und die Abgeord⸗ 
nete machten ſich auf Die Reiſe nach ihrer Heimat. Es iſt —— 
Se ee | jefer 


* N. 
+ > 


— 354 Sechſte Sortfegungder Nachricht von Penſylvanien. — 
ch zu· 





dieſer Verſamlung und Conferenz alles fehr ordentlich und ehriftlich zus 
7. ER en 10 SE ER 
Nachher trat ich eine Reiſe an von ficbenzehn Meilen indie Gegend, 
wo siele von unſern teutſchen Dienftbothen bey englifhen Leuten 


dienen. (*) Die engliſche Kirche wurde mir geoͤfnet, aiwo ich verfpros ⸗ 
chener maffen erft eine englifehe Predigt und hernach eine teutfche hielt. 


Die englifche Zuhörer waren fehr aufmerkſam und bewegt, und ver» 
lansten, ich folte öfters Eonimen. - Eines Vorſtehers Frau verlangte 
mit mir allein zu fprechen, und befante, daß fie vor dieſem märe er⸗ 


weckt gewefen, aber wieder eingeſchlafen. Nunmehro wolte fie von 


neuem wieder anfangen, den HErrn zu ſuchen, der ſie aus unendlicher 


Liebe und Erbarmung mit feinem Bluteerkauftze. Sie bat, ich moͤch⸗ 
fe fie einmal befuchen , aber der. Weg iſt zu weit und die Zeit zu kurj. 
Die Teutſchen weineten auch durch einander, tie es bey ſolchen Gele⸗ 
genheiten zu gehen pfleget, wenn fie lange nichts aus dem Worte GOt⸗ 
kes gehoͤret haben. Die Engliſchen wunderten ſich uͤber unſern Geſang, 


und wolten fat entzücket werden ‚weil einige Leute ſchoͤne muſicaliſch J 


Von verfioſſenem Fruͤhjahre an, habe die engliſche und 
ſchwediſche Gemeine wieder beſuchen müffen, wie in den vorherge⸗ 
henden Jahren, nemlich am Sontage Nachmitt age von Neuhannover 
aus. Ich verfpüre aber, Daß eg meiner Bruſt ſchaͤdlich 
In dem Monat Julio eraminirete und taufete einen englifchen 
Ehemann in fothaner ſchwediſch⸗ engliſchen Gemeise. Der Mann 
hatte eine feine Erkentniß, und konte öffentlich Grund geben von der 
. Hofnung in ihm , fühtet auch einen erbaulichen Wandel, wie diejeni- 
gen bejeugen, die um ihn mohnen und mit ihm umgehen. Der HErr 
tolle diefen eingepflanzten Reben bewahren und fäglıdy reinigen , daß 
ev mehr Frucht bringe, und in ihm dem Wenſtock bleibe! Foh.rz. 
2 Mein Schwiegervater, Herr Lonrsd Weifer, war von dem 
Tönigfichen Gounernement aus Virginien beordert, daß er eine Ge⸗ 
Sandfchaft bey den wilden Kationen, die nach den Grenzen von Ca= 
nada wohnen, ablegen folte. Dahin hatte er durch die Landfchaften 
Terfey und Neuyorck über drey hundert Meilen zu reiſen, und erbot 
fich, emenvon uns bis an den Ort, mo der Herr Paſtor Hartwich woh⸗ 
net, weil er nahe bey demſelben vorbey reiſen muſte, mitzunehmen, und 
in Koften frey zu halten. Nun hatte der Herr Paſtor Hartwich mit 
Ä u "ung 


(9) ©. oben Seitesso.. er 


Stimmen hatten, und harinonifch fungen. - 


— 55 7 


* 


* 


L, Zen. Paft. můhlenbergs Ber. von ſeiner Amtofuͤhr. 1750, 355 


ung gute Sreundfchaft gehalten, ung etliche mal auf feine Koften befucht 
a A Dart ex. von Uebelgefinten und Feinden mancherley Bferungen sum 
Rachtheil feines Amtes erduldet, Er hatte feine Gemeine immer ver- 
troͤſtet, daß von ung ein Gegenbeſuch wuͤrde abgeflattet werden. Weil 
nun folches noch nicht gefehehen, fo fuchten einige auch den Gufgefinten 
von feiner Gemeine beyzubringen, als ob er nicht ung, fondern Die Zin⸗ 








 gendörfer in Penfplvanien vieleicht müfte beſucht habenzc. Es mardem- 
nad) faßt notwendig, daß einer von ung Dahin veifete. Ich conferirte 
‚desfals mit meinen Herren Amtebrübern, und haͤtte gern gefehen, 
daß einer von ihnen Die Reiſe übernommen, weil fichs aber für. Feinen 
‚von ihnen ſchicken wolte ; fo. fiel fie aufmich. Ich hatte bis zu dem 
Herrn Paſtor Hartwich ungefehr zweyhundert und zehn englifche Meis 
fen zu reiten, und hatte noch mein altes fleifes Pferd, welches im vorie 
gen Fahre in dem Eife flecken gebliebhenn.. 

. Den ıöten Aug. trat ic) im Namen GOttes die Reiſe an, und 
ritte dreiffig Meilen bis zu dem Heren Schrenck in Saccum , welchen 
ich wohl und munter auf feinem Poſten ante —. 7 

Den ı7ten Aug. verfete mit Herrn Schrend fechs Meilen wei- 
ter bis nach Bethlehem, wo Herr Weiſer mit feinen Gefährten 
auch eingetroffen, und von dem Zinzendorfifcehen Biſchof Rammter- 
bof zum Kaffe eingeladen war. Wir wurden von Demfelben höflich 
tractivet , und mit einem politifchen Discours unterhalten , teil die 
Zeit zu kurz mar, über die Plans zu difputiren. Sie haben verfchies 
‚dene groffe maffive Gebäude, als Kirchen und Gemeinhäufer aufge - 
führet,, und eine ziemliche Anzahl fo wol von ermachfenen Leuten, 
als befonders von Kindern daſelbſt; und die Gegend ift für das Auge 

ſehr angenehm , weil auf der einen Seite ein breites Waſſer, Die Ses 
“hau genant , flieffet , und auf der andern Seite eine Länderey fiegt, 
die gftuffenmeife auffteiger bis gu hohen Bergen. Yrachmittags 
ging Herr Schrenck wieder nach Hau, und wir festen unfere Neiße . 
Text paſſirten einen ſchoͤnen gleidy gemachten Weg, zehn Meilen wei 
ter, bis nad) Nazareth, den andern berühmten Mohnplas der 
Herrnhuter, der aber nur wie ein Meyerhof gegen Bethlehem an- 
zufehen iſt, und von ſolchen Leuten bewohnet wird, Die den Acker 
bauen. Herr Rammerhof erzählete dem Herrn Weiſer, daß er etliche 
Wochen zuvor unter eben den wilden Nationen geweſen wäre, mo er. 
hin wolte,, welches ihm bedenklich vorfam. Von Wazarerh reifeten 
VI, Penfylv. Fortſ. Ya - Rips 


356 Sechſte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. i 
wir am Abend noch fünf Meilen meiter zu einem Gafthaufe, wo wir 
Die Mache: Tositetem.. > m any. 3 
Den ıgten Yug. festen wir in der Frühe unfere Reiſe fort , er⸗ 
fliegen das erfle blaue Gebirge, muften unfere Pferde zwifchen Felfen 
und Steinen etliche Meilen führen, legten etwa fechs und dreyffig Mei- 
fen zuruͤck, und Echrten Abends bey einem vornehmen Yrieverteuti hen 

. ein, trelcher den Herrn Weiſer Tante, und ihn nöfigte, famt feiner Ger 
feiifchaft bey ihm zu bleiben. Da. Mann wohnete an der Grenze von 


Penſhloanien, und mar. etliche Jahre ein Friederichter geweſen, hatte 


fich aber in die Stille begeben „ und mar bereits fehr alt. Ich konte 
wegen ſtarken Fluffes auf der Bruſt und. geoffen Heiſerkeit nichts mit 
ihn reden: Mein Schwiegervater aber ließ fich mit ihm in ein erbau⸗ 
fiches Gefpräch ein. Er redete fehr hriftlich und erbaulich, betete auch 
vor und nach dem Effen wie auch beym Schlafengehn fo andachtig und 
nachdrücklich, daß es ung ermunterte und von Dergenerfreuete. 
Den ısten Yug. verlieflen wir Penſylvanien, ſetzten uͤber den 
groſſen Fluß Delawaͤre, kamen in die Provinz Neujerſey, und rei⸗ 
feten an dem Tage etwa zwey und dreyſſig Meilen, beſuchten am 
Abend einen reformirten niederteutſchen Prediger, und redeten von 
ein und andern erbaulichen Sachen, fo weit ſich Gelegenheit dazu 
fand. Meine Heiferkeit aber nahm noch immer zu. Ä — 


Den 2oſten Aug. legten wir bey vierzig Meilen zuruͤcke kamen aus 
der Provinz Neujerſey in das Neuyorckiſche, durch müfte und un- 
gebänte Waͤlder. Wir hielten unfer Mittagsmahl ben einem vorneh- 
men niederteutfehen Sriederichter und Major von Der Landmilitz. Er 
war ein alter Bekanter von Herrn Weiſern, und wuſte vieles zu erzaͤhlen. 
Am Abend waren wir noch im Walde, fahen einen Bären, der für 
ung die Flacht nahın, funden auch ein Häuflein Wilde, wit melden 
Herr Weifer ſprach. Wir titten Darauf noch etwas weiter, und 
muften bey einem Manne übernachten, welchen man den Spanier 
heiſſet, weil fein Vater als ein gefangener Spanier in Diefes Land ge- 
kommen mar, Seine Mutter aber ift eine niederteutfche Perfon ges 
weſen. Wir bekamen nichts zum Abendbrod, fondern nur Stroh ung 
. Darauf zulegen RE ARE N N lo SSCHRERN 
Anm ꝛ ſten Aug. teifeten wir frühe aus, und: ritten dem ganzen 
Tag in heiffem Wetter, wurden in einer Herberge mit. Racoons, oder 
amertcanifchen Dachfen, und Kürbiffen gefpeifet, und Famen des Abendg 
nachdem mir ein und vierzig Meilen geritten, in der Stadt Ringes 
— * town, 


x 


Ba } Zen.Paft.Mlählenberge Ber.von feiner Amtsfühe.ıy50; 355 
- town an dem Sudfonsfluffe an... Yun hatten mir zweyhundert 


engliſche Meilen infünf Sagen von unferer Heimath zuruͤckgeleget und 


waren zwar můde von der Neife, lobeten aber GOtt der uns durch fei- 
nen Beyſtand vor allem Schaden gnaͤdig bewahret. — 
Am ⸗ꝛſten Aug. lagen wir flille, weil ein ſtarkes Regenwetter 
einfiel. Here Weiſer hatte nun diſſeit des Hudſonsfluſſes feine Reiſe 
weiter fortſetzen koͤnnen. Er wolte aber auch gerne den Heren Paſtor 
Hartwich mit beſuchen, und ſeinen ehemaligen Wohnplatz und gute 
Freunde noch einmal ſehen, wo er mit ſeinen Eltern, bey der Ankunft 
ins Sand, zuerſt gewohnet hatte. ER, ; 
Den 2aften Aug. ritten wir ein paar Meilen von der Stadt 
Kingstorsn nad) dem Sudfonsfluffe, lieſſen ung mit unſern Pferden 
in einem Kahn überfahren, und ritten von da nad) Bheinbeck zu, wo 
Her Hartwich wohne 
— Unſere Ankunft erweckte bey allen denen, die den Herrn Weiſer noch 
kanten, und gute Meinung von den penſylvaniſchen Predigern hegten, 
Freude. Neun kamen viele in des Heren Paftor Hartwihs Wohnung 
zuſammen, melche den folang ertoarfefen penfploanifchen Prediger fehen 
und vieles mit ihm fprechenwolten. Die Sprache fiel mir aber wegen mei⸗ 
nes nod) anhaltenden Fluſſes auf der Bruft fehr ſchwer, weiches eine 
groſſe Plage für mich war, meildie Leute nicht nachlaffen, fondern Doch 
gerne Died und Antwort von mir haben mwolten. ch fand Herrn 
Paftor Hartwich zwar dem Leibe nach geſund und wohl, die Umſtaͤn— 
de der Gemeine aber waren in ziemlicher Verwirrung. Denn der 
Herr Paftor Hartwich hatte ſich theils durch feine mit ung gehaltene 
Freundſchaft theils Durch Den aus guter Meinung im Amte beiiefenen 
Ernft, ven Reid und Widerfpruch einiger benachbarten Prediger zu⸗ 
gezogen, welche ihn, blos aus dem Grunde, weiler mit uns Beiant- 
ſchaft gefucht und unterhalten , befchuldiget, daß er ein heimlicher An⸗ 
haͤnger der Herrnhuter ſey. Solche Beſchuldigungen waren in oͤf⸗ 
fentlich gedruckten Schriften bekant gemacht worden, wodurch man- 
che von feiner Gemeine ſich wider ihn einnehmen laſſen, und von Uebel⸗ 
geſinten immer mehr wider ihn aufgebracht worden Cs warden Wi— 
driggeſinten leicht allerley Klagpuncte wider ihn aufzubringen, die zum 
Theil aus Erzaͤhlungen unzuverlaͤſſiger Leute zuſammen gelefen , zum | 
Theil aus übel ausgelegten und verdreheten Handlungen, zum Theil - 
auch ausvergröfferten Schwachheitsfehlern befianden, die aber nur Ne⸗ 
bendinge, und keine Hauptſachen betrafen. Dieſe Klagen waren von 
u Ha ar einem 


. 3 . c E d ; AR z | 
358 Bechfte Fortſetzung der Nachricht von Penſylvanien. 
einem gewiſſen Prediger an den Herrn Doctor Kraͤuter Prediger 
einer teutſchen Gemeine zu London, durch deſſen Vermittelung der Herr 


Paſtor Hartwich anfänglich berufen worden, eingeſchickt: welcher aber. 
viel zu vernuͤnftig geweſen, als daß er auf ſolche einſeitige Klagen ein 


Urtheil hätte fällen ſollen, ſondern dem Herrn Paſtor Hartwich die 


wider ihn eingelaufene Beſchwerden zu ſeiner Verantwortung zugeſandt. 
Damit war aber jener nicht zufrieden geweſen, ſondern hatte fortge⸗ 
fahren, feine Schmähungen durch den Druck befant zu machen, und 


tar fo weit gegangen, daß er miteinigen andern Predigern, dieevauf 


feine Seite gezogen, indes Herrn Partor Hartwichs Gemeine gekom⸗ 
men, alle mwidriggefinte Gemeinsglieder zufammengebracht , und 
Durch eine fehriftliche weitläuffige Declaration den Herrn Pfarrer Hart⸗ 
wich abzufögen fih angemaffer. Die Urſach feiner Abfegung hat der 
-  Crypto.Herrnhuthianifmus, oder Die heimliche Hegung der Herrnhu⸗ 
tiſchen Irthuͤmer, feyn follen. Weil fie aber foldye Beichuldigung un: 
möglich bemeifen Fönnen , Herr Hartwich auch noch einige Gemeins⸗ 
glieder auf feiner Seite gehabt, welche durch fein Amt unter GOttes 
- Segen fo weit gebracht worden, daß fie die Wahrheit in Chriſto lieb ⸗ 
ten; fo Eonten fie ihren Zweck nicht erreichen, noch ihn von feinen Ge⸗ 
‚meinen völlig verdrangen. Kurz vor meiner Ankunft war auch der 
berüchtigte Betrüger Carl Rudolph , der fid) Prinz von Würten- 
. berg nenne, und ſchon überall Unruhe anzurichten getrachtet, in Herrn 
Hartwichs Gemeinen gekommen, und hatte die Verwirrung noch gröf 
-fer gemacht. In einer. von feinen Gemeinen, genant im Camp, 100 
Herr Hartwich die meiften Gegner hat, haften fie ihn inder Kirche: 
predigen laffen, deswegen denn Herr Hartwich bey fothaner Gemeine 
fein Amt aufgefündiget, und nichts mehr mit derfelben zu thun haben 
toollen, Dis war Fürzlic) die Befchaffenheit der Sachen, wir fie bey 


unferer Ankunft zu Rheinbeck geftänden. 


Am ſten Aug, veifete Herr Weifer von Rheinbeck ab, und? 


wir zween Prediger begleiteten ihn zwanzig Meilen bis über den Camp 
zu einem vornehmen englifchen Heren, welchem die Länderey zum 
Theil eigenthümlich gehöret, worauf unfere Teutfche wohnen: Wir 
wurden mohl empfangen , und von demfelben benachrichtiget, Daß die. 
Fransofen aus Canada Die wilden Nationen, zu denen Herr Weifer 
hinveifen mwolte, und welche fonft mit England im Buͤndniß ge 
ftanden, meift auf ihre Seite gebracht hätten, welche Nachricht den- 
Herrn Weiſer in Sorgen feste. Am Abend nahmen wir — von 
J 6 Merrn 


# 5 1.3en. Paft. Mählenbetge Ber. von feiner Amtsfuͤhr 1750. 339 


Herrn Weiſer, lieſſen ihn bey dem englifchen Herrn, und ritten fünf 
Meilen wieder zuruck nach Dem Camp. ee 
Den 25ften ug: Famen etliche Männer von der Gemeine zu 
ung, undbegehrten, ich folte am folgenden Tage, als demeilften Son 
tage nah Trinitatis im Camp predigen. Herr Hartwich meinete, 
ich folte es nicht abſchlagen, ob er gleich die Gemeine wegen ihrer Un ⸗ 
ordnung aufgegeben ; daher ich. mich zu Uebernehmung diefer Predigt _ 
verftehen muſte, in Hofnung , daß vielleicht noch eine neue Vereini⸗ 
gung koͤnte getroffen werden. Er FERN 

52m aöften Aug. gingen wir in die Kirche. Ich fahe wohl, 
Daß zwo Partheyen waren: einige gingen in die Kirche, und andere- 
blieben draufien ftehen, und. höreten von fernen zu. Meine Stimme 
war noch etwas heiſer, Daher ich mich Aufferft angreifen muſte, um 
nur etwas verſtaͤndlich zu ſeyn. Weil nun Earl Rudolph zuletzt in 
der. Kirchergeprediget , fo bat den lieben GOtt zuvoͤrderſt, er möchte 
das Haus wieder reinigen, Die armen zerfiveueten Schafe ſamlen, und 
denenjenigen vergeben , ‚welche einen ſolchen Schandfleck, als der Bes 
trüger Carl Rudolph ft „ hineingefuͤhret, und darinnen predigen laß 
fen, ftellete auch den Zuhörern vor, was derfelbe für ein Menfch fey, 
und predigte hernach ſo gut ic) Eonte, Nach der Bredigt Famen ein 
-und andere alte Vorſteher, und verfprachen, daß fie aufs neue wieder 
anfangen, und für den Fortgang des Gottesdienſtes mit ſorgen hel⸗ 
fen molten , obgleich ſo viele Widriggefinte in der Gemeine waͤren, 
die fi) von andern Predigern und Durch die gedruckte Schmähfchrife 

ten auffliften liefen. Hierauf befuchten wir in derfelben Woche noch 
ein ander Filial im Thaͤrbuſche genant, etwa ſechs oder fieben - 

Meilen vom Camp. Dieſe Gegend heiſſet darum der Thaͤrbuſch, 
weil Die Teutſchen, welche Die Königin. Anna in den Jahren 1709 
‚und 1710. ind Neuyorckiſche gefandt , dafelbft einige Zeit Thär oder 
Pech brennen müflen. Camp ift Die Gegend an dem Hudfonsfluffe, 
too diefelben Teutſchen zuerft ihr Lager aufgefchlagen, und es im Camp 
oder Lager genanthaften. Im Thaͤrbuſche kamen bey meiner Predigt nur 
wenige zuſammen, weil faft Die meiften an den Widriggefinten hingen, 
und Das ganze Hauflein auch nicht wenig durch den Carl Rudolph 
verſtoͤret worden. Nachdem wir wieder zurück in den Camp gekom⸗ 

‚men, ‚gebrauchte ich einige Argney, welche in wenig Tagen gute Wir- 
kung that, daß meine Stimme wieder hergeftellet wurde. Die leb: 
ten Zage in bes Woche reiſeten wir funfjehn Meilen wieder zurücke 

F TE ae Aaa 3 = Be nad 


\ 


a ‚ Sig befucht wurden, auch felber ein und andere befuchten. —— 


— X 


360 Sechſte Sortfegungder Nachricht aus Penſylvanien. — 
nach Rheinbeck, alwo wir von den gutgeſinten Gemeinsgliedernf | 







Am ꝛeꝛten Sept. muſte ich in. Rheinbeck vor einer gahlteichen 
Verſamlung predigen. Es waren verfchiedene Niederteutſche mit: 
in der Verſamlung, welche verſicherten, daß ſie alles zum Vergnuͤ⸗ 
gen verſtanden. So viel ich vernommen, ſo war eine allgemeine 
Freude und Aufmunterung unter allem Volke an dem Tage entftan- 
den, und es fihien, als ob alles wieder einig werden folte. Nachmit⸗ 
tags hiefte Herr Hartwich eine ſchoͤne Catechismuspredigt, und hernach 
Kinderlehre mit der gahlreichen Zugmd. 0 m 
Am zten Sept. wurde in Rheinbeck eine generale Conferenz 
gehalten, wozu Herr Hartwich von allen vier Gemeinen die Aelteften 
und Borfteher , wie auch alle Gemeinsglieder einladen Jaffen, wel⸗ 
he fich freywillig einfinden wolten, und mich erfuchet, derfelben bey: 
zumohnen. In derfelben wurden unter andern vornehmlich zwey Stü: 
cke abgehandelt. Erſtlich nahm Here Paſtor Hartwich die Klage 
puncten vor, welche bey dem Herrn Doctor Kraͤuter in London fchrifte 
lich eingebracht , von diefem aber an Deren Hartwich wieder zurück: 
gefandt, und demfelben zur Verantwortung vorgeleget worden. Wir 
fragten die anweſenden Freunde und Feinde über-Die Klagepuneten und 
legten einen nach dem andern zur Beantwortung vor , da ich denn, _ 
Aunpartheyifeh von der Sache nad) meiner ſchwachen Einficht zu reden, 
‚nicht anders erkennen Eonte, als daß Herr Paftor Hartwich zwar fich 
in ein und andern geringen Umfländen aus guter Meinung in dem mo- 
do procedendi, oder der Art und Weiſe, etwas übereilet, daß er nicht vor- 
fichtig genug gehandelt haben mochte, Daß aber auffer dem die Klagen 
falſch , und aus offenbarer Feindfchaft verkehrt , unbillig und wider 
die Wahrheit angebracht und vergröffert worden. Wie denn ein ie⸗ 
der unpartheyifcher Liebhaber der Wahrheit leicht einfehen konte, daß, 
wenn Feine Feinde und Aufrviegler da gemefen wären, man dasjeni⸗ 
ge, was zu den Klagen Gelegenheit gegeben, entweder gar nicht ge⸗ 
fehen und bemerket, oder vielmehr zu dem rechtmaäffigen Eifer eines 
freuen Seelforgers gerechnet haben würde. Das andereStüd war, 
ob fie es für gut hielten, dab Herr Hartwich feinen Beuf aufgabe, 
und mit nach Penſylvanien ginge, oder ob er dahin auf ein halb Jahr 
ſich begeben folte? Das erflere wolten viele Gutgeſinte nicht zugeben, 
das lehtere aber willigten alle Anmefende ein, mit dem Beding, men 
wir aus Penfploanien jemanden fo lange an feine Stelle fenden * 


; ö Fi 
1.3en.Paft. Muͤhlenbergs Ber. von feiner Amtefähr.1750: 361 
der fein Amt immittelſt verfehenEönte. Dabey blieb es. Das Wiche 
tigfte von dem, mas in diefer Conferenz abgehandelt mar, wurde nie⸗ 
dergefehrieben, und von allen anmwefenden Aelteſten unferfchrieben. 
Die übrige Sage in der Woche wandte ich zum Beſuch eini- 
ger misvergnügten Gemeinsglieder an, und verfuchte, ob fie nicht zu 
befänftigen feyn möchten: allein die Widrigkeit gegen den Heren Paſtor 
Hartwich fehien ſchon zu tief eingewurzelt zu ſeyn, und durch) Das An- 
fehen derer , die ihm entgegen, tie auch Durch manche Leidenſchaften 
und Privataffecten unterhalten zu werden. Es ift fehr betrübt, wenn 
ſolche Streitigkeiten und Unruhen in den Gemeinen entftehen. Denn 
die Glieder der Gemeinen find faſt durchgängig Durch Heyrathen, 
Freundſchaften und dergleichen mit einander verbunden, die Misver: 
gnügten aber ruhen nicht, big fie einen inimer gröffern Anhang befom= 
men , und ihren Zweck erreichen, und die Prediger haben nirgends 
Feine Zuflucht noch Huͤlfe und Beyſtanddddd. 
Den gten Sept. predigte ic) in einem andern Filial, Ancrum 
genant , welches in den Gebürgen ohngefähr achtzehn Meilen von 
‚Rheinbeck liegt. Der Gottesdienft wurde in einer Scheune gehalten, 
Vormittags teutſch und Nachmittags engliſch. Ich fand in dieſem 
Gemeinlein verſchiedene Seelen, welche bezeugten, daß ſie durch des 
Herrn Paſtor Hartwichs Predigten aufgeweckt worden, und ihm ein 
gutes Zeugniß gaben.  . "nn... Be 
Den ıoten Sept. reiſete ich mit einem Wegweiſer funfzehn 
Meilen weiter, und kam wieder in den Camp, beſuchte ein und andere 
misvergnuͤgte Glieder, predigte daſelbſt auf vieles Anhalten noch ein⸗ 
‚mal am ızten Sept. wobey ſich alle beyde Partheyhen, wie auch der 
englifche Landeshert einfanden, und ſich fehr vergnügt bezeigten. 
Den zten Sept. nahnz ich Abfchied im Camp, und reifete wieder 
nach Rbeinbeil. 5... 3 5; =. a er &0 
Den ı6ten Sept. hielte ich Vormittags, und Herr Hartwich 
Nachmittags Predigt in Rheinbeck, undich nahm auch da Abfihied. Die 
Seelen fhienen überhaupf über meinem Beſuch ſehr vergnügt und durch 
denfelben. ermuntert zu ſeyn, wuͤnſchten auch, mit unſerm Minifterio 
und Gemeinen in Penſylvanien in nähere Freund:und Gemeinfchaft 


Den rten Sept. beſuchten wir das vierte Gemeinfein auf 
Staatsbury ‚genant: , hielten daſelbſt Gottesdienſt, und ic) En 


\ 


. ET 


362 Sechſte gortſetung der Nachricht von Penfpfonnien. | 
Abſchied von allen , Die daſelbſt haufenweiſe noch einmal von den an- 





1 
dern Gemeinen verfamlet waren. — _ a 
. Den ıgten Sept, lieffen wir ung und unfere Sachen nad) dem 
Hudfonsfluffe in eines nicht en Gemeinsgliedes 
Haus bringen, um dafelbfi auf ein Schiff zu warten, mit welchem 
wir nach Neuyhorck reiſen Fönten. Die ganze Zeit, welche ich in des 
Herrn Paſtor Hartwichs feinen Gemeinen zugebracht, habe ich, fo viel < 
nach) meiner Schwachheit und der Gnade GOttes möglich) war, zum 
algemeinen Frieden und Erbauung das Meinige beyzutragen gefucht, 
und mich uͤbrigens um die Perfonalien der Streitigkeiten nicht bekuͤm⸗ 
miert, oder mich in deren Unterfuchung eingelaſſſaeen. ° 
Mein altes Pferd, das mic num ing fiebende Jahr durch Berg 
und Thal, durch Dorn und Hecken bis hieher getragen , Fonte-über 
Waffer nicht wieder mitnehmen, mithin fand ich mich genötiget, 
Sattel und Zaum zu Bezahlung der Neifefoften zu verkaufen, und das 
Pferd einem arınen Manne zu fepenten. «1 a 2er | 
Vom ıgbis 22ften Sept. muften wir an dem Fluſſe file liegen, 
- weil wir etwas zu ſpaͤt gefommen, und die albanifhen Schiffe ſchon 
vorbey waren. Wir hatten in der Zeit noch manchen Beſuch von al- 
fen und jungen Leuten aus der Rheinbecker Gemeine, befuchten auch 
eines gewiſſen Herrn feine Gemalin, welche uns mit erbaulichem Ge⸗ 
foräche auf ihren? Landgute_erquichte. Br PRO 
Den 22ften Sept. fuhren wir mi 
ſerm Aufenthalt weg, und Famen wieder nac) Kingstown. Wir be⸗ 
- fuchten dafelbft den hollaͤndiſchen reformirten Prediger, melcher ung fehr 
freundlich aufnahm. Er klagte mir, daß er auch verfhiedenemal in 
- der. Gemeine Streit gehabt , und nod) ein und andere Misvergnügte 
in derfelben wären. Abends um acht Uhr fuhren wir mit einem Schi 
fein weiter , und danften GOtt, daß cr ung eine ehrbare Schifsge⸗ 
fellfehaft verliehen, dergleichen man gar felten atrift 
PDen ꝛzſten Sept. als am Sontage, ſungen wir einen engliſchen 
Pſalm, und Herr Haͤrtwich hielt eine engliſche Rede, weil die meiſten 
uͤnſerer Geſellſchaft auf dem Schiffe Hollaͤnder waren, Die auch eng⸗ 
liſch verftunden, wir aber des Hollaͤndiſchen nicht genug mächtig wa⸗ 
ten. Nachmittags um vier Uhr toaren roir fehon unter der Veſtung von 
der alten berühmten Stadt, Die vor diefem Neu Amflerdam genant 
worden, nun aber. den Namen Neuyorck führel, und hafteninnerhalb - 
| swanzig 


t einem Kleinen Kahn von un 


i — 
ht; . 


Zen Paſt Mahlenbergs Ber von feiner Amteführ.175o.363 


zwanzig Stunden bey neunzig englifche Meilen zurück gelegt. , Der 
HErr fey auch dafür gelobt. \ 
Ich märe gern die Stadt vorben gefahren, teil ich wohl wuſte, 
Daß alte und neue verdriesliche Streitigkeiten unter den wenigen Luthe⸗ 
ranern Dafelbft herfcheten, mufle aber Dennoch einfchren, und eine an- 
dere Gelegenheit gu unferer fernern Reife erwarten. Ich bemühete 
mich, da wir flille liegen muften, eine richtige Nachricht von den Um⸗ 
ſtaͤnden der Iutherifchen Gemeine zu befommen, mit welcher es fi) 
im Zufammenhang folgender maſſen verhält. Die Eleine evangelifch: 
$utherifche Gemeine in diefer Stadt Neuyorck, hat faft mit der erſten 
Bevölkerung des Landes zugleich) ihren Anfang genommen. Als das 
Land noch den Staten von Holland gehörete; fo muſten Die wenige 
niederteutfche Lutheraner ihren Gottesdient in der Stille halten. 
Nachdem aber die Stadt und Land unter den Scepter von Großbrittan⸗ 
nien gekommen 3 fo haben fie von allen nacheinander folgenden Herrn 
Bouberneurs Freyheit erlangt, einen Öffentlichen Gottesdienſt ungehin- 
dert zu halten. Wie aus einem gewiſſen Protocol zu erfehen, fo ha- 
ben in Den neuern Zeiten von 1702 big auf gegenwaͤrtiges Jahr drey 
Prediger bey derfelben Gemeine gefianden, namentlich Herr Juftus 
Lalckner, Herr Chriftoph Wilhelm. Berdienmeyer und Herr 
Chriſtian Anoll. In den Zeiten des Heren Paftor ‘Bercfenmeyers 
ift Die alte hölgerne Kirche abgebrochen, und an Deren Stelle eine neue 
maflin von Steinen erbauet worden. Die Damalige Gemeinsglieder 
aber, unter welchen auch) unfer werther Freund Herr Schleydorn mit 
geweſen, haben fich nicht im Stande befunden, die Kirche allein aus ih⸗ 
ren Mitteln zu bauen, fondern haben durch Worbittedes Herrn Paſtor 
Berckenmeyers, Tiebreiche Gaben von andern Gefintheiten. aus dem 
Neuyorkiſchen, und von unfern Slaubensgenoffen aus Europa, vor- 
nemlich aus London, Amfterdam, Hamburg, Dännemarcf und an- 
dern Drten empfangen. In den Zeiten Des Herrn Falckners und des 
Herrn Berckenmeyers foll die Gemeine no) ziemlich zahlreich und in 
guter Aufferlichen Ordnung geweſen feyn: aber in’ der Teßteren Zeit, 
iſt ſie nach und nach verfallen. Die alten Niederteutſchen haben ſich 
zum Theil’ von der Kirche abgefondert, und die Jugend ift auch groͤſten⸗ 
theils zerſtreuet worden, und zu: andern Sefintheiten übergegangen. 
Was die Auffere Ordnung, Gebrauche und Ceremonien bey dem Got⸗ 
tesdienftbetrift,, fo haben die vorbenamte Herrn Prediger eine Kirchen- 
ordnung, welche fie nach dem — * Kirchenordnung bey der 


VI. Penſylv. Sortſ. evan- 


364 Sechſte Sortfegungder Nachricht vom Penſylvanien. 


evangeliſch lutheriſchen Kirche in Amſterdam verfertiget, eingeführet und - 
ſamt den. Aelteſten und Diaconen unferfchrieben , und biehieher die = 
gende von Amſterdam gebraucht, welche nach ven americanifchen Um: 
fanden fehr bequem und erbaulich eingerichtet worden. Weil nun in 
den fpätern Jahren eine ziemliche Anzahl von hochteutſchen Leuten fich 
in und um Neuyorck niedergelaffen , welche ſich zwar zum heil der nie⸗ 
derteutfchen Sprache befliffen, zum Theil aber beftändig geflaget, daß fie 
das Niederteutſche nicht fernen noch.verfiehen koͤnten; fo ift vieler Streit: 
entftanden, ob nicht der Herr Paſtor Knoll für die legtern dann und 
wann hochteutſchen Sottesdienft halten folte. Die Aelteften und Vorſte⸗ 
her haben öfters darüber Rath gehalten, aud) desfals ein Gutachten 
von unſerm penſylvaniſchen Minifterio vorzeiten eingeholet, und bisweilen 
den dritten, bisweilen den andern Sontag, eine Bor: oder Nachmittags⸗ 
oder Zwiſchenpredigt in hochteutfcher Sprache zugeilanden. Ein Theil 
von den Hochteutfchen iſt Damit zufrieden geweſen, und ift bis diefen Tag 
bey der Kirche, Gemeine und ihrer Ordnung geblieben. Der andere Theil 
von den Hochteutfchen aber, twelcyer aus Leuten befteht,, die von einigen 
zankfüchtigen Hauptern geleitet werden, iſt niemals ruhig und vergnugt 
geweſen, hat zu einer Zeit fich zu der Kirchegehalten, und zu anderer Zeit fich 
ohne rechtmaffige Urfachen mieder abgefondert, mie das Kirchenprotocol 
ausweiſet. Dieſer unordentliche Haufe hat fich vor wenig Jahren an 
einen Vagabund gehangen, Der ſich hier Hofgut genant, aber unter 
feinem rechten Namen in dem Wuͤrtenbergiſchen wegen grober Verbre⸗ 
‚ chen wider das ſechſte Gebot abgefegt worden, und mit einer jungen 
Weibsperfon nad) America gekommen war. Sie haben mit demfelben 
eine Zeitlang Gottesdienſt in einer Privatwohnung gehalten, bis das 
Reich mit fich felber uneins geworden, und der Prediger fic) von Dannen . 
teiter in das Land hinein zu feines gleichen begeben, nachdem ihm die 
hohe Obrigkeit das Predigen unterfaget, big ev Beweis von feiner Or⸗ 
dination beybringen würde. Darauf haben fie wieder angefangen, mit 
dem Heren Paftor Knoll und. feiner nieder- und hochteutſchen Gemeine‘ 
wegen eines hochteutſchen Gottes dienſts zutractiren. Nach Inhalt des 
Protocols iſt ihnen ein und andermal ihr Begehren zugeſtanden worden, 
es hat aber keinen Beſtand gehabt, denn ſo bald ſie hoͤreten, daß in Pen⸗ 
ſylvanien ein junger Prediger, Namens Herr Johann Friedrich Rieß, 
angekommen, ſo holeten ſie denſelben ab, nahmen ihn als ihren Predi⸗ 
ger an, kauften endlich ein zu einem Brauhaus gewidmetes Gebaͤude in 
einem abgelegenen Orte der Stadt, und verbunden ſich, 250 Pfund ni 
| ER — 


1,3en Paſten uͤhlenbergs Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 1750. 365. 


‚der Zeit dafuͤr zu zahlen. Nachhero borgten fie noch so Pfund, umdas - 
Haus ein wenig bequemer zum Gottesdienſt einzurichten, erlangten auch 
von dem Herrn Gouverneur Erlaubniß, in dem Neuyorckiſchen Almo⸗ 
‚fen zu famlen, mit dem Vorwand, daf fie das Niederteutſche in der 
alten Kirche nicht verflünden, und die Niederteutſchen Feinen hochteut⸗ 
ſchen Gottesdienft erlauben molten ꝛc. Nunmehro war die Trennung 
unter den Lutheranern völlig gefehehen. Der zu dem Herin Rieß über- 
gegangene Theil der Hochteutfchen hatte die Halfte der Gerechtigkeit an 
der alten lutheriſchen Kirche an ſich zu bringen gefucht, damit fie Gefe: 
rs einen ieden Landflveicher zum Prediger aufwerfen, und 
die Hälfte von den Almofen und Kirchengütern nach eigenem Willen 
und Gefallen gebrauchen Fönten. Der Kirchenrarh aber. hat ihnen ge- 
antwortet: fiedurften weder. Die Halfte noch einen Theil auf folche Weiſe 
vonder Kirche und ihren Gütern verauffern, fondern die Kirche fey aus 
. Ihren Scherflein und milder Beyſteuer aus Europa für eine enangelifch- 
Autherifche Gemeine, nad) der ungeanderten augfpurgifchen Eonfeffion 
erbauet und gewidmet, habe ihre eingeführte Drdnung und Agende, und 
nach derfelben flünde fie allen Slaubensgenoffen zu Dienfte, von was für 
Nation fie auch ſeyn möchten ze. Allein damit haben die Anführer der 
Segenparthey nicht zufrieden feyn, fondern da fie jenen Zweck nicht er- 
reichen Fönnen, eine eigene Kirche haben wollen, und darzu hier und in 
Europa unter allerley gutem Schein viele Collecten zu fanılen gedacht. 
Ein Peuländer hatte auch) bereits zu dem Ende, wie er mir felber er 
zählete, an einem Sekten Ort in Teutfchland einem angefehenen Lehrer die 
errtichtete Noth der Hochteutfchen fo beweglich vorgeftellet, wie es ihm 
muoͤglich geweſenn. | | 
EGs iſt betrübt, daß in diefem Lande fich fo leicht ein und andere von 
unſerer hochteutfcehen ration finden, die ihrem Leben und Wandel nach 
nichteinmal verdienen, Lutheraner zu heiffen , fich aber gleichwol aufwer⸗ 
fen, von erbaueten und wohl eingerichteten Kirchen und guten Ordnun⸗ 
gen abfondern, und ihre eigene Kirchen bauen wollen, nicht zwar auf 
ihre eigene Koften, fondern in der Hofnung, aus Europa Vorſchub zu 
bekommen, Durch folche unordentlicye Köpfe und die felbft gelaufene 
Prediger: leidet unfere enangelifche Verfaſſung den gröften Schaden. 
ie lutheriſche Kirche in Neuyorck iſt gegenwaͤrtig noch groß genug für 
beyde Partheyen, und ware auch Gelegenheit genug zu nieder- und hoch⸗ 
teutſchem Gottesdienft, wenn die Menſchen nur das allgemeine Beſte 
unferer Religion, und nicht ihren — De Hochmuth, rn | 
ER 2 om 





-. 


366 Sechſte Sortfegung dee Nachricht vonPenylvanien - 


und Intereſſe zum Augenmerk hätten! Mun aber hat fich. die unordent- 
fiche Portheh ohne Noth in Schulden geſteckt, und muß auch ihren felbft 
er wählten Prediger erhalten. Re 
Was das Häuflein von der nieder- und hochteutfchen Yationbe 
trift; melches fih noch zur Kirche haͤlt; fo hatten diefelbe ſchon verſchie⸗ 
dene Jahre her, mit dem Herrn Paſtor Knoll im Misverſtaͤndniß ger 
Ichet, und diefer hatte Eurg vor meiner Ankunft in Neuyorck mit dem Kir: 
chenrath ſich verglichen, gegen eine gewiſſe Summe Geldes fein Amt 
niedergelegt, und ſich fehriftlicy aller Anforderung an der Kirche und 
Gemeine begeben , worauf ihm das zugeflandene Geld ausder Kirchen⸗ 
caffe begahlet worden. Ich fand in der englifchen Zeitung ein Avertiſſe ⸗ 
ment, welches Herr Knoll felber einrücken laffen, und darinnen gemel: 
det hatte, daß er feinen Dienft aufgegeben und entfchloffen wäre, Schule 
zu halten. Daxraus denn Deutlich erhellete, daß die lutherifche Kiche 
und Gemeine gegenwärtig ohne Prediger war. 0000 
* Den ꝛaſten Sept. ging ic) mit Herrn Hartwich aus, und beſuchte 
den Herrn Rieß, Prediger von der getrenneten Parthey. Er war ſehr 
froh, uns zu ſehen, ließ auch einige von ſeinen Vorſtehern herbeyrufen, 
in det Hofnung, daß wir ihrer Parthey beyſtehen, und ich naͤchſten 
Sontag in dem geweſenen Brauhauſe predigen folte Ich ſuchte es 
aber von mir abzulehnen, und führete ihm zu Gemuͤthe, daß ich ihm in 
Philadelphia geratben, er folte fich mit den Misvergnügten in Neuyorck 
nicht einlaffen, weil der. Herr Paſtor Knoll noch daſelbſt als rechtmaͤſſi⸗ 
ger Prediger flünde, damit er nicht Gelegenheitzu der Trennung gäbe, wie 
esnun am Tage ſey. Herr Rieß bekante gegen mic), Daß nur zwey Hau: 
pter von feiner Parthey Die ganze Sache führeten, Daß die Männer ſich ſel⸗ 
ber zu Häuptern aufgeworfen, und fonft einen fehr uͤblen Namen, we— 
en ihres groben fündlichen Lebens, in der Stadt hätten. Nichts defto 
veniger hatten fie alle guten Muth, daß ihre hochteutfche Kircheinkur: 
zem folte die Oberhand gewinnen, weil ihnen der Herr Gouverneur Frey: 
heit gegeben, in dem Wruyorcfifhen Collecten zu famlen, die Maͤnner zu 
dem. Ende auch bereit ausgegangen wären, und ſchon etwas befsmmen 
hätten von folchen, welche ihre Umſtaͤnde nicht gewuſt. Andereaber hät. 
ten die Collectanten abgewieſen mit der Antwort, es wäre fehon eine 
lutheriſche Kirche da, und nicht nöthig noch eine andere aufzubauen. 
Wie man fagte, fo-folten auch mit nächftem ein oder ein paar Männer 
nach Zeutfchland gehen, und daſelbſt collectiven. | 


Den 


— 


1. BenDa Mühtnbeneder von fine imtfähe, 1750. 367 


Den asften Sept. befuchten wir ein ‚paar Aelteſte von der Kire 
de und Gemeine, welche mir. dem Namen nach bekant waren, weil fie 
ein und ‚andermalein Gutachten von ung, wegen ihrer Streitfache, ges 
ſucht. Dieſe Beachten, ich folte den nächflen Sontag eine Predigt i in 
ihren. Kirche th un, weil fie gegenwärtig Teinen Prediger haften, indem 
Herr Knoll u Amt niedergeleget. Weil ich nun aus dem obgedach» 
- ten Avertiffement erſehen, Daß fich Die — ſo verhielt: a — ich es 
ihnen nicht wohl abſchlagen. | Ä 


Den >6ften Sept. thaten mir eine Reiſe nad einem lecken, 
Slufbing genant, um alda einen bekanten Heren von unferer Religion zu 
 befuchen, namentlich Here Melchior Joachim Magens. Sin Herr 
Vater ift daͤniſcher Prediger i in Sanct Thomas geweſen, und hat die= 
fem Sohn, welcher Jura ſtudiret, viele Guͤter hinterlaſſen. Weil er 
nun dag nenyorkiſche Clima und übrigen Umftände für feine und feiner 
Familie Gefundheit bequemer erachtet; ſo hat er ſich an gedachtem Ort 
ein Landgut gekauft. Er verftchet Die lateinifche, griechifche, tie auch 
fonft nody viele europdifche Sprachen, ift befondere wohl verfirt in der 
Gottesgelahrtheit, und halt veſt an der evangelifch-Iutherifchen Lehre 
und Verfaſſung, ift auch befümmert, feine Kinder wohl zu erziehen. 
Er hatte gehoͤret, daß Herr Paſtor Hartwich wegen des Eifers fuͤr 
die aa ber, Sottfeligkeit verfolget würde, und mar daher veran⸗ 

Lafe) worden, zweymal an ihn zu ſchreiben, und ihn zu feinem Hauspres 
diger zu berufen, ſo aber der Herr Hartwich nicht annehmen und ſeine 
Gemeine nicht ohne dringende Noth verlaſſen wollen. Er nahm uns 
ſehr freundlich auf, erbauete ſich mit uns in Geſpraͤchen, und ließ den 
Den Hartwich etliche Abende eine engliſche Erbauungsſtunde halten. 


Den 2ſten Sept. Famen wir wieder zurůck nach Neuyorck Ge⸗ a 
gen Abend vernahmen roir, Daß der Herr Paſtor Berdenmeyer in Neu⸗ 
yorck angekommen ware. Die Aelteſten und Vorſteher hatten vor ef- 
lichen Wochen an ihn geſchrieben und ihn gebeten, er moͤchte her⸗ 
unter kommen und Math geben, wie der verfallenen Gemeine am beſten 
koͤnte geholfen werden. Ich wolte deswegen die mir aufgetragene Pre⸗ 
digt wieder von mir ablehnen, um demſelben nicht vorzugreifen. Weil 
mich aber Die Vorſteher noch einmaldarum baten: : fo aingid) am Abend 
zu ihm, ergählete ihm die Umſtaͤnde, und fragte, ob ıch mit feiner Ge: 
nehmhaltung predigen Fünte; andernfalls wolte esnicht hun. Eremä 
pfing mich höflich, und gab feinen Conſens in Gegenwart zweyer Acugen, 

Bbb 3 bedung 


. 


368 Sehfeortfegungder tiachicht are Denfploalen: 


w 





bedung fid) aber aus, daß er aus gewiſſen Urſachen dem Sottesbienf | 


nicht mit beywohnen Fönte. 3 
Den zoſten Sept. predigte ich Vormittags in der Kirche hoch⸗ 
teutfeh und Nachmittags englifd) , weil der hollaͤndiſchen Sprache nicht 
genug mächtig war. - Nachmittags waren Drey erweckte Englander 
von der presbyferianifchen Gemeine mit in.unferer Kirche. Einer von 
ihnen, toelcher ein Kaufmann war, nöthigte ung mit in feine Wohnung, 
führete nebft den übrigen ein erbauliches Gefpräch, und nahm ung 
am Abend mit in ihre Kirche, an welcher der berühmte. Here Pember> 
ton als Lehrer ſtehet. Es predigte aber Dismal ein neuer Prediger, wel 
chen die Gemeine erſt als Helfer oder Diaconum angenommen. , 
Den ıflen Oct. nahmen wir in Neuyorck Abfchied, gingen zu 
Waſſer, und kamen am ten October gegen Abend in Bronfwigan. 
ir Eonten dafelbft in der Herberge Feinen Platz und Nachtlager fine 
den, weil eben in derfelben eine Zufammenkunft von Freymaͤurern ge⸗ 
halten wurde s nahmen derohalben unfere Einkehr bey dem englifch- 
presbyterianifchen Prediger, Herrn Arthur genant, welcher ung fehr 
freundlic) empfing und liebreich beherbergete. Erunterhielt ung mit er« 
baulichen Geſpraͤchen von dem Reiche GOttes, ließ feine Hausfamilie 
beyſammen, und that ein herrlich, geiſtreich und erbauliches Gebet für alle 
Stände in der ganzen Chriſtenheit. Diefer gute Mann ift kurz darauf 
in der beften Blüte feiner Jahre geftorben, zum groffen Leidweſen feiner 
- Gemeine und aller übrigen, die um den Schaden Joſephs bekuͤmmert find. 

Den zten Get. feste Herr Aartwich feine Reiſe nach Phila— 
delphia weiter fort; ich aber nahm meinen Weg ſeitwaͤrts über Rari⸗ 


ten, um den Herrn Weygand zu befuchen, melchen ib amgten Oct. 


gefund antraf, und bey ihm eine Nacht vertveilete. Wir ermunterten 
ung mit nöthigen Gefprächen und Gebet. ——— 


Am folgenden Tage ſetzte ich meine Reiſe weiter fort, logirete bey 


einer hollaͤndiſchen erweckten Witwe, und Fam endlich am Sten October 
mohlbehalten zu Haufe an. Unſere erfte Beſchaͤftigung nad) vollendefer 
Reiſe beftund darin, daß mir den jungen Sandidatum, Hertn Rauß, mit 
Inſtruction abfertigten, und nach Rheinbeck und Camp aufein halb 
Fahr zur Probe als Catechet in des Herrn Hartwichs Gemeinen fand= 
ten. Weil nun Herr Rauß die Arbeit in des Herrn Hartwichs Ge—⸗ 
meinen verfehen folte: fo verfprach Herr Hartwich dagegen, deffelben 


Stelle bey ung zu vertreten, dem Herrn Paſtor Brunnholg einige Ar⸗ 
beit zuweilen abzunehmen, und die Landgemeinen in Altgoſchehoppe 


und 


* 
zu 


w- 


. Zen: Paſt Muͤhlenbergs Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 150. 369 


und Indienfield zugleich mit zu verſehen, welche den Pfarrer Andrei 
abgedankt, weil er einem Weibe zween zugleich lebende Maͤnner nach 
einander gegeben, daruͤber in der Obrigkeit Hände und zweymal ins Ger 
fängniß gerathen war. Nun ſtehet der Andres noch bey der Gemeine 
zu Jreugofchehoppe und ein paar Mebengemeinen, fähret auch noch im: 
mer fort, bitterlich aufung zulaftern. — 
In dem übrigen Theil des Monats Octobris und Novembris 
bearbeitete ich meine ordentlichen Gemeinen theilete das heilige Abendmahl 
aus, und fand zu meinem Troſt bey der befondern Prüfung der Com: 
municanten ein und andere feine Spuren von Der Kraft der Gottſeligkeit; 
befuchte auch die fehmedifch-englifche Gemeine, meine Freundfchaft und 
den Herrn Adjunctus Kurk in Tulpehosfen noch einmal, und Fam wohl 
‚behalten wider nah Hau. | | 
Zu Ausgange des Novembris Famen in meinem Haufe die Her⸗ 
sen Amtsbrüder, Herr Brunnholtz, Her Hartwich, Herr Sands 
fbub, Herr Schaum und Har Rurg zufammen, um von hieraus 
Die Reife nach Raritan in Jerſey anzutreten, und auf Verlangen ber 
° Gemeine die neuerbaute Ricche einzuweihen, und den Heren Wey⸗ 
gand zu ordiniren. Meineliebe Herren Amtsbrüder wolten mich dis⸗ 
mal verfchonen, meil ich von den vorhergehenden Meifen noch müde 
- war, und ich meine Gemeine nicht gerne fchon wieder verlaffen wolte. 
So viel id) vernommen, fo find Die obgedachte Handlungen auf Ra⸗ 
ritan fehr ordentlich, erbaufich und zum gefegneten Andenken für die 
zahlreiche Jugend, welche ihr Lebtage fo was nicht gefehen, und über 
haupt vor einer fehr groſſen Menge Volks, zum Vergnügen vollzogen 
worden, GOttes groffer und heiliger Name werde auch hier in den 
americanifchen Wuͤſten geheiliget, gelobet und gepriefen, von nun an big 
in Emwigleit Bent nn es 
Sonftfindin diefem vergangenen Herbſt wieder viele Schiffe mit 
teutfchen Leuten angetommen, welche haufenweiſe im Lande ausgetheifet 
und zerſtreuet wrden. ER I 
AIm Monat December erhielt ich unvermuthet von den Aelteften 
der Gemeine zu Neuyorck ein im November datirtes Schreiben in hol- 
ländifcher Sprache, darinnen fie mich zu ihrem Prediger beriefen, 
und mit mehrerm vorſtelleten, toie fie in Gefahr ftünden, daß ihre Ge⸗ 
meine, Da fie ſchon gefvennet und zerrüttet ſey, gänzlich verfallen und 
viele Seelen nicht nur in ihrer eigenen Perfon, fondern auch mit ihren 
Kindern von der yeinen Lehre des Evangelii entfremdet werden möchten, 
— wenn 


370 Sechſte Fortſetzung der Nachricht von Penſylvanien. | 


wenn fie nicht bald einen rechtſchaffenen Mann, ja vielmehr einen Bar 
ter. zum Lehrer bekaͤmen, der die zerſtreueten Seelen wiederum unter Die 
Fluͤgel der reinen Lehre unfers Evangelii, tie ihr Ausdruck lautete, ver- 
mien Eönte, daher fie mic) gar infiändig erfuchten, daß ich mich ih⸗ 
ver in dieſer Noth annehmen und diefen Beruf nicht abfehlagen möchte.- 
Solte ich aber denfelben nicht auf befländig annehmen koͤnnen und wol⸗ 
fen; fo baten fie, Daß ich nur wenigſtens auf ein, zwey oder drey Jahre, 
oder fo lange ich es felbft fuͤr gut finden wurde, das Lehramt bey ihnen 
übernehmen möchte, damit in folcher Zeit, wenn es möglic), die ab: 
getrenneten Glieder wieder herbengebracht werden, und fie hernach, 
Durch meine Vermittelung und Fürforge, einen. andern vechtfchaffenen 
und eifrigen Mann zu ihrem Lehrer-befommen Fonten, Der mic) wieder 
ablöfete. Ich möchte mich hierauf baldigſt erklären, und fodann fuchen, 
ie eher ie lieber zu ihnen zu Fommen. 400 
Ich vernahm zugleich aus verſchiedenen befondern Briefen, die ich 
daher erhielte, daß die Aelteſten und Borfteher nach meiner Abreife eine 
lange Unterrebung und Berathſchlagung gehalten ‚mie Dem dafigen ver: 
fallenen Kirchenweſen wieder aufgeholfen werden mochte, melcher auch 
der Herr Paſtor Berdienmeyer beygewohnet. Ob ihnen nun gleich 
unter andern gerathen worden, daß fie wiederum einen Prediger aus 
Europa berufen möchten: fo haben doch die meiften und verftändigften 
aus dem Kirchencollegio, Dagegen eingewandt, daß, da ihre Gemeine 
dermalen in fo bedenklichen Umſtaͤnden fi) befände, es gar zu miß: 
lich ſey, einen unbefanten Lehrer aus Europa zu erwarten, von Dem fie 
nicht wiſſen Fönten, tie er einfehlagen mürde. Denn wenn fie es mit, 
demſelben abermal nicht mohl treffen ſolten; fo wuͤrde der völlige Unter⸗ 
gang und Zerruͤttung unausbleiblich ſeyn. Nachdem nun die Aclteften 
und Vorfteher nachher unter ſich ſelbſt noch viele Berathfehlagungenan: ⸗ 
geftellet ; fo ſey endlich, ob fie gleich für den penfploanifchen Predigern, 
als gefährlichen Keuten, gervarnet worden, dennoch der Schluß dahin 
ausgefallen, daß fie einen Verſuch machen wolten, ob fie den Mühlen: 
berg zu ihrem Prediger befommen Enten. Zuvoͤrderſt aber hätten fie 
‚nöthig gefunden, den Heren Rieß und feine von der Gemeine abgeſon⸗ 
derte Partey zu einer Conferenz einzuladen, und ihnen anzutragen, ob 
fie fich wieder mit ihnen vereinigen, und in Gemeinfchaft mit ihnen den 
Muͤhlenberg berufen wolten. Selbige aber hätten ſich zu Feiner Vers 
einigung verſtehen wollen, wo nicht der Herr Rieß von beyden Parteyen 
zum Prediger angenommen wuͤrde: dagegen aber dieſe erwiedert, daß 
— eines 


I. Srn Paſt Möhlenbergs Ber. vonfeiner Amtsfähr.175o. 371 - 


-eines Theils derſelbe nicht die Tüchtinfeit wegen der erforderlichen eng- 
liſchen und niederteutſchen Sprachen befise, und am andern Theil Der- 
felbe audy Dadurch ein Aergerniß gegeben habe, daß er die Trennung in 
der Gemeine mit verurfachet und bisher unterhalten hätte, —— 
Diieſer wider alles mein Vermuthen an mic) gelangte Antrag und 
zu feste mich in nicht geringe Verlegenheit; indem ic) an dem einen 

eil nicht. gerne voreilig feyn wolte, an Dem andern Theil aber Eonte 
ich einen ſolchen Beruf, Dev ohne mein Geſuch an mid) gekommen, nicht 
ganz von ungefehr anfehen, und wuſte nicht, ob nicht GOtt Darunter 
feine weiſen Abfichten habe, Die ic) nicht gerne hindern wolte. Abſon⸗ 
Derlich jammerte mich dev Verfall und Zerräftung diefer Gemeine, und 
weil der ordentliche Theil Derfelben unter Diefem Beruf an mich um ſo 
mehr eine gute Abficht gehabt haben mufle, als fie von ſolchen, die bey 
ihnen im Anfehen geftanden, aus Vorurtheilen und Affecten vor mir 
gewarnet worden; fo hielte ich mich im Gewiſſen verbunden, mich ihrer, 
fo viel, es möglich, anzunehmen, Sch) richtete meine Antwort dar⸗ 
nach ein, und bejengfe, wie ich mich ganz und gar unwuͤrdig erachtete, 
auch) die nötige Fertigkeit in der niederteutfchen Sprache nicht befäffe, 
mic) indeſſen freuete, Daß der HErr zu diefer Zeit, da Glaube, Liebe 
und Hofnung faft verſchwunden, noch einigen Eifer in ihren Herzen 
erhalten, für ihr ee Nachkommen Seelenheil und Erhaltung bey 
der reinen Lehre. der Propheten und Apoftel beforgt zu ſeyn: Die Umſtaͤn⸗ i 
de ihrer Gemeine und Kirche feyen Elaglicy genug, und fo befchaffen, 
daß es ſchwer, obgleich) durch GOttes Kraft im Glauben nicht ganz 
unmöglich , biefelbe zu beffern, mir aber falle es gar ſchwer, meine an⸗ 
vertrauete Gemeine, und meine merthen Collegen und Amtsbrüder, wie 
auch meine Anverwandten zu verlaflen. Weil es aber fcheine, daß fie 
diefe Schtwierigfeiten alte voraus gefehen, und daher nur verlangten, 
daß ich auf ein, zwey oder drey Fahre einen Verſuch machen folte; fo 
fen meine Antwort auf ihren Antrag folgendes Ich erfennete, dag 
Ihre Gemeine einer fchleunigen Hülfe bedürfe. 2) Sch wäre bereit, alle 
Bequemlichkeiten um der Sache GOttes willen gu verleugnen. _ 3) Ich 
hinge nur von der Gnade und dem Beyſtande des HErrn ab, der mich 
zu dem heiligen Amte alleine füchtig 1 koͤnne. 4) Ich müfte dafür 

- forgen, daß meine Gemeine immiftelft mit einem treuen Lehrer und Ara - 
beiter verforget wurde, Damit ich nicht an einer Seite in dem Schafftall 

ein Loch zuftopfte, und an der andern Seite den Wölfen die Thür offen 

ſtoehen laſſen möchte. 5) Sch ſtuͤnde unter der Aufficht des Heren Doctor 
' VL Penſylv. Sortf. Ccc Fran⸗ 


| 372 Sechfte gortſ. sung der Nachricht von pahibamen 2 


Franckens und Herrn Hofprediger Ziegenhagens, denen ich hievon 
Nachricht geben muͤſte. 6) Ich müfte Freyheitbchalten, unferm verei⸗ 
nigten Minifterio in Penſylvanien in der jäprlichen Zufammenkunft und 
andern Gelegenheiten beyzuwohnen, und hier und da eine verlaffene 
Gemeine zu befuchen, wo durch meine geringe Bermittelungeinige Ber 
befferung befördert werden Fünte. 7) Ich koͤnte anfaͤnglich nur teutſch 
und engliſch predigen, und hätte zween oder Drey Monate nötig, in der 
niederteutſchen Sprache eine Fertigkeit zu erlangen. 8) Meine Auffere 
Sachen müfte ich zuvor in Ordnung bringen. Da nun alle diefe Um⸗ 
Hände einige Zeit zur Zubereitung und-ferneren Erforfehung des gnädi- 
gen Willens des HErrn erforderten; fo molte ic) immittelft noch eine 
Antwort von ihnen erwarten, und ihnen frey ftellen, ob fie entweder _ 
nach ihrer beften und unpastheyifchen Einficht von mir abgehen und ſich 
nach einem beffern Mann umfehen, oder mir eine ordentliche Vocation 
auf einen Verſuch auf zwey fahre zuſenden wolten. In dem letztern 
Fall wolte ich dem Willen und Wohlgefallen GOttes nachforſchen, 
- amd deſſelben durch Beobachtung der Umſtaͤnde, unter herzlichem Gebete, 
gewiß zu werden fuchen, und, wenn ich Davon verfichert werden Fönte, fo _ 
bald ed nah GOttes Willen und den Umftändenmöglich, überfommen. 
Ach wie bange wird mir oft, wenn ich die ſchwere Verantwor⸗ 
tung bey dem Predigfamfe und meine groſſe hey: zu demſelben 
bedenke. - Ach, fen du mir nur nicht fehrecklich, fondern gnaͤdig und 
barmherzig, und wirf Amts- und Standesfünden, um JEſu Ehrifti 
und feines Berdienftes willen, hinter dic),o HErr! und laß Gnade für 
echt und Barmherʒigkeit fir Gesicht ergehen. Amen! Kyrie eleifon! 





a 
F 


l.Hrn Paſt mahlenbergs B er. von feiner Ymtsführ. 1749. 373 


Anhang zudes Herrn Paſtor Mühlenbergs 


Nachricht von feiner Amtsfuͤhrung, beſtehend in einem 
Auszug eines Schreibens von demſelben an den 


Herru Hofprediger ZiegenhagenzuXondenumd - 


den Heren Doctor Francken zu Halle, 
vom ꝛꝛ/ſten Decembr. 1749. 


SH ie Erbarmung GOttes in Chriſto laffet mich hoffen, daß mein 
sy dermüthiges Schreiben, unfere Hoch wuͤrdige Däter noch ler 
79 bendig, muthig und getroſt auf Ihrem wichtigen Poften in der 

fireitenden Kirche und dem Creutzreiche IEiu Chrifti vorfin- 

Den werde. Wer mit erleuchketen Augen einfehen und unpartheyifch be⸗ 
urtheilen fan, in was für einer Situation Die evangelifche Kirche ge» 
genwaͤrtig auf dem ungeftüumen Weltmeer ſchwebet und Dagegen ver- 





gleichet, tie wenige am Steuerruder figen, die Erfahrung, Bam 


} 


gen und Willen genug haben, zwiſchen den Wellen und Klippen her- 


Durch zu fleuven, der wird mit ung um Derofernere Erhaltung den Herrn 
herzlich anrufen. So ernſtlich wirnun verlangen und bitten, daß Hoch= 
wirdige Vater von dem Jehovah, unferm gnädigen Vater in Chriffo, 
mögen befehligef werden, noch viele Jahre in der flveitenden Kirche zu bleie 
ben und ins Ganze zu arbeiten: ſo begierig werden Diefelben auch feyn, 
von unferm Eleinen und geringen Theil zu vernehmen, ob hie und Daun- 
ter dem Schutt ein Eleiner Stein gefunden, bearbeitet und bequem ge- 

machet ſey, eine Lücke in dem ganzen Bau des Reiches JEſu Chrifti 
damit auszufüllen? Hochwuͤrdige Däter fo wol, als alle übrige wer= 
‚the Gönner und Wohlthaͤter haben hierzu ein Mecht, weil Jhro 
große Bemühungen und Liebesgaben zu Dem Zweck ertwiefen, daß ver- 


laſſene und zerſtreuete Seelen gefuchet, von.der Finſterniß zum Licht, und 


von der Gewalt des Satans zu GOtt befehrer werden, 
Hier muß ich aber gleich mit der Vorklage kommen, und eine 
Wahrheit bekennen, welche mir Die ügliche Erfahrung in meinem Amte 
an die Hand giebet: nemlich, es gebet fehwer und einzeln ber mit 
der wahren Buffe und Sekehrung nach GOttes Worte. Ich kan 
die Schuld Davon keinesweges dem allerheiligften GOtt und feinem kraͤf⸗ 
tigen Worte und heiligen Sacramenten, vieltveniger Der unaufhörlichen 
Vorbitte unfers HErrn JEſu nn an feiner fieben Kinder ini 
Be eg sa - ben: 


' 


y * 


vu Sch Sorfung erFihrihtonpeftinen 


benz ſondern finde fie unwiderſprechlich in der Menfehen böfen Kerzen, 


das im Grunde, nach feinem angebornen Verderben, die Finfterniß mehr 


fiebet denn das Licht und Die Wahrheit; mie auch in den taufendfachen 
Sinderniffen, dieder Satan und die Welt in den Weg werfen; nicht 


weniger auch in meiner Unerfahrenheit zu einem fo wichtigen Amte. Die 


Erfahrung lehret mir aber auch diefen Saß, daß eg leichter ſey, die Men: 
fehen zu eier Secte und Verfaſſung zu befehsen, darin man gewiſſe 
Ziele feßet, wohin die natürlichen Temperamente mit eigenen Kraften 


unangenehme Wege der Bufle und des Glaubens zufamt der Gottſeligkeit, 


welche die Richtſchnur des göttlichen Wortes erfordert, vermeiden koͤnnen. 
Wie leicht Fan man unbefehrte Menfchen zu der Quackerverfaſſung 


befehren: Denn zu derfelben befennen fich hier fo viele anfehnliche Magi⸗ 


' firatsperfonen, die Das Land regieren, Ehre, Anfehen, Macht und 
Meichthum befigen; in welcher Verfaſſung die Leute fich nicht mit GOt⸗ 


tes gefchriebenem Worte und Saeramenten bemühen, Feine Prediger 


ſalariren, die alfereinföltigften Kleidermoden tragen, und allefelber leh⸗ 
ren und meiffagen dürfen, wenn fie gute Einfälle haben; ſich unter⸗ 


einander lieben, wenn fie nieder geliebet werden, den Armen helfen 
von ihrer Berfaffung und ein natürlich ehrbares Leben zum Grunde der 
ewigen Gluͤckſeligkei? fegen, und dennoch gute befehrte Glieder bleiben, 
wenn fie auch nur zweymal des Jahres in der groffen Verſamlung er- 


ſcheinen. Iſt folche Bekehrung nach zu befehiwerlic) für das Fleiſch, ſo 


findet man einen leichtern TBeg. Denn wir haben hier viele, die ſich 
von allen fichtbaren Dingen abfondern, GOtt im Geiſt und in der Wahr: 
heit anzubeten vorgeben, und ſich die Stillen im Lande nennen. Sol⸗ 
che fliehen unter gar Feiner Verfaſſung, dürfen fich von niemand beſtra⸗ 


fen lafien , haben Fein Mitleiden noch Gefühl von andern Gliedern, weil 
fie abgefondert find, erklaͤren die Bibel nad) ihrem Wohlgefallen, ver 


dunkeln die allerdeutlichften Wahrheiten mit ihrer fremden Sprache, 
und finden darinnen groffe Geheimniffe, Die Der gemeine Mann mol muß. 
unaufgelöfet laffen. Ste ſchreiben Bücher, beflagen und bedauren, Daß 
nicht alle Menſchen das Licht und den Heiland in fich felberfinden. So 
ftille fie aber und die Ihrigen find, wenn fie der gemeinen und befon- 


- dern Noth und Dürftigkeit ſich annehmen follen: fo findet man fie doch 


lauf, wirkſam und gefchäftig genug auf den Märkten, wo e8 was zu 
handeln giebt. Finden fidy melandyoliihe Naturen, Die gerneganz aus 
der Welt mären, fo ifi Dazu eine bequeme Berfaffung von verichiedenen 
* | | ver- 


gelangen, eine Wahrung und falfche Ruhe finden, und die dem Fleiſche 


| 1.5_npaft mohlenbergo Ber. von ſeiner Amtsführ. 1749. 375. 


verſchmitzten Männern bereitet, welche man Die Berfafung ber ſieben⸗ 
täger Tauchgefinneten nermet. Da iſt ein ſchoͤner ferter Boden ge- —* 
kauft, groſſe Gemeinhaͤuſer für ledige Manns⸗ und Weibsperſonen und 
dergleichen, auch Muͤhlen, Brau:und Backhaͤuſer, durch der in der 
Verleugnung ftehenden Glieder Schweis und Blut erbaut. Omas für er 
| flaunenstwürdige Anftalten und Bekehrte ſind da Dan Darf, ven Vor⸗ 
geben nach, Chriſtum da nicht meiteranfehen alscin Borbitd, fondern nur 
auf die Männer Achtung geben,weldye Ehriſto in der Heiligleit gleich wor⸗ 
den, und da durch das Wiede rgebaͤhrungsgeſchaͤfte erlanget, daß ſie Jung⸗ 
frauen zeugen koͤnnen. Man hoͤret da nichts von einer Gerechtigkeit durch 
den Glauben ergriffen, wenn man nur eine Gerechtigkeit des Lebens durch 
Faſten, Caſteyen, harte Arbeit und eine laͤcherliche Kleidertracht affe⸗ 
ctiret, ſein Haab und Gut in die Gemeincaſſe giebt, ſich in ihrer Ge⸗ 
meinſchaft tauchen, und von dem ——— auf Lebenslang nach 
Leib und Seele beherfchen laͤſſet; fo ift man ein ſolcher Bekehrter, und 
bedauret alle übrige, die es nicht auch fo gut haben wollen. Solche 
Verfaſſung ift aber noch zu ſehr eingeſchraͤnket und paffet nur für eine 
oder zwey Arten von Temperamenten: deswegen hat. der Graf Zinzen⸗ 
dorff noch eine bequemere Verfaſſung erfunden, mo alle Arten von Tem⸗ 
peramenten Nahrung finden. Hier im Lande hat ſchon mancher leichtfer-⸗ 
tiger Hurer und Ehebrecher ſein Haus und Hof drum gegeben, wenn er 
von ſolchen neuen Lehrern ohne Buſſe und Glauben von ſeinen groben 
Laſtern abſolviret und verſichert worden, daß ſein Naturell fi) gut zu den 
uͤbrigen Creutzlluft⸗ Vogeln und Thieren ſchicke, wenn er Haab und Hut 
bringe, und fi) Freunde mache mit dem ungerechten Mammon. Letz⸗ 
tere Bekehrung müde noch) weit univerfaler feyn, wenn fie nicht alzu⸗ 
hart auf die Güter mirkte, und mehr Nahrung für das Naturell lieſe 
Will man gern fein Haab und Gut felber beherſchen, und doch mas 
aufferordentliches werden, das mehrern Schein‘ hat wie das gemeine 
Kirchenweſen; ſo Fan man fich zu der fo genanten Sontagstauchge⸗ 
ſinneten Verfaſſung bek hren Mit ſich ſelber iſt man bald fertig, 
wenn man ein paar Spruͤche aus der Offenbarung Johannis von Ba⸗ 
bel und dem Thier und der Hure auswendig Fan, dabey eine aͤuſſerli⸗ 
che Figur machet, und fich öffentlich von ihnen untertauchen aͤſſet Ih⸗ 
re Lecionen find der Natur ſehr leicht und bequem zu lernen. Wenn 
man nur über die Kindertaufe ſpotten, alle uͤbrige, die es nicht wit ih⸗ 
nen halten, beſonders die Pfarrer und Kirchenleute richten und unter an⸗ 
ie — Fan, dab. die Teufel * die Verdamten aus der Hoͤlle | 
er wie⸗ 


— 





56 Sechſte Sortfesungder Nachricht von Pen ie ie 


wieder erföfet werden follen. Die Belehrung zu — i * — 
Verfaſſung iſt auch ſehr leicht, bequem und vortheilhaft, und ie R 


mit von den ruhigſten. 


Ich muß aber auch über unfereeigene Beligiensverwandten | 
klagen und bekennen, daß fie gröftentheils in dem Wahn fichen, fie 


toäcen fchon belehtt, wenn fie das Opus operatum bes Auffern Gotteg · 


dienſtes geleiftet, undgefungen: Nun GOtt Lob es ift vollbracht; wenn 
fie gleich bey andern Gelegenheiten unter Dem Deckel menfehlicher 
Schwachheit fluchen, daß ſich der Himmel davor entfesen möchte, ſich 


voll trinken, und andere weltliche Eitelleiten mitmachen. Solche arme 


Menfchen werden von neun bis sehn fo genanten lutherifchen Predigern, 
die fich hier zum Theil felber zu Lehrern aufgemworfen, theils in Teutſch⸗ 
fand megen grober Laſter abgeſetzt und hier hevein gerathen, in ihrem 
Wahn geftärfet, und von der Gewißheit ihrer Seligkeit, um einer Hand 
soll Seren willen, faͤlſchlich verfichert und eingefehläfert, ja wol gar 


fleiſſig beredet, daß andere Prediger , Die fo ernfilich auf die Buſſe drin ⸗ 


ee 


‚gen, von det lutheriſchen Lehre abgewichen waren, Man darf nicht den- 
Ten, Daß Die Leute erſt hier im Lande auf den falfchen Wahn gerathen: 


ſeyn, fondern fiehaben es mitgebracht aus verfehiedenen Dertern Teutſch⸗· 


landes. Kung! in Diefem Lande hat der Satanas, der die ganze Welt 
gerführet, feinen recht completen Jahrmarkt und faſt alte mögliche Arz 


ten von fectirifchen Formen; Doch kommen fie darinnen alle überein, daß 


fie den Schein der Gottſeligkeit führen, aber Die vechte Kraft verleugnen. 


So weit Far die ungebundene fo genante Gewiſſensfreyheit dem flerb- 
fichen und fündlichen Befchlechte dienen... aa 
Nun möchten Hochwürdige Väter, und anbere werthefte 
Gönner und Wohlthäter billig fragen, mas wir Denn bisher gebauet? 
um Bauen gehöret fo wol die Wegraͤumung der Hinderniffe, die Zur 


ereitung der Materialien, die Grabung des Grundes und Die Aufrich- 


tung der Ruͤſtung; als die wirkliche Zufammenfesung der Theile nach 
der Symmetrie. Wie viele Hinderniffe machen ung. Der Satan, Die 
grobe und fubtile Welt , die ungebundene Freyheit, und befonders Die 
Beſchaffenheit der gefamten menfchlichen Herzen, Die Das urfprüngliche 
Ebenbild GOttes verloren, und an deffen flatt wie ein verwirreter und 


verroickefter Klumpen Webergarn worden find. Wir haben etliche Fahz 


ve zubringen müffen, ehe man ung nut hat für ehrliche Leute gelten laf- 
fen wollen, weil Das Predigtamt von folchen fo genanfen Seiftlichen, die 
ein ärgerlicheg Leben führen, und unter Dem ſchwarzen leide grobe — 


* 


J. Zen. Paſt. Mahlenbergs Ber von ſeiner Amtsfůhr. 1750. 377 


ſubtile Betruͤgereyen ausüben, in hieſigen Landen gar zu viel proſtitui⸗ 
ret und verdaͤchtig gemacht worden. Wie ſchwer faͤlt es nicht, einen tie⸗ 
fen dauerhaften Grund in den Herzen zu graben, die unfer Heiſter mit 
dem Wege / mit Felfen und dornichtem Grunde vergleichet! Man gie 
bee mit dem heiligen Geſetze GOttes tapfer hinein, und rüger alle moͤg⸗ 
liche Arten von Sünder, aber es giebf gar vielen Widerſtand. Wie 
viele Zeit verſchwendet ung nieht Die Auffere Ruͤſtung, das ift, Kirchen- 
und Schufgebäude. Unſere werthe Kern Amtsbrüder in Europa has 
‚ben groffen Vorzug für ung, weil Die Auffere Ruͤſtung ſchon ſtehet, fie 
ihren notdurftigen Unterhalt ohne Sorgen bekommen, einen duffer- 
lichen Zaun um ihre Semeinen haben, und- von hriftlichen Dbrigkeis 
ten, Doc) an einem Ort mehr oder weniger wie am andern, geſchuͤtzet 
werben, ſo, daß fie getroſt und ungehindert mit Dem Geſetze auf die Her⸗ 
zen der Anvertraueten losgraben, und mit dem Evangelio, als einer 
Kraft zur Seligkeit, aufbaͤuen mögen! Es ſolte an manchen proteſtan⸗ 
tiſchen Orten eben fo ſchwer und hatt halten wie bey ung, wenn fie ge⸗ 
gentwärtig erſt die Kirchen md Schulgebaude,ohne einen gewiſſen Fun⸗ 
dum von den freywilligen Gaben bauen müften. Denn die Reichen dien 
. fer 2Belt. haben nichts übrig für Kirchen und Schulen, für Erhaltung 
der Prediger und Schuldiener, fondern manche wünfchen wol vielmehr, 
daß dergleichen Sachen möchten aus dem Lande verbannet ſeyn. ie 
Armen gäben bistveilen gerne und koͤnnen nicht. Ob wir nun gleich den 
Unterfeheid erfermen zwiſchen den partieulairen Kirchen, die äuffere Ruͤ⸗ 
fung und keine, Die einen: Zaun und Beinen haben, die Obrigkeiten zu 
Saͤugammen, und die Feine genieſſen; fo befinden wit ung Doch fehr 
wohl unter vom Schatten und Schirm des Höchften, und haben auch 
Zaun und Mauer genug, wenn wir der Verheiſſung unfers Meiflers 
glauben: Siehe, ich bin bey euch alle Tage x. Wir wollen auch - 
nicht murren, Daß wir Feine Hülfe von beim Brachio feculari haben, ſon⸗ 
dern unferm Jehovah demüthigft danken, baß er unfers Angefichts Hülfe 
und unter GOtt iſt! Es hat auch nicht die Meinung, als ob wir ung 
einbildeten, die hiefige auffere Ruͤſtung allein gemacht zu haben und noch 
zumachen, fondern e8 bleibet en ewises Denkmal, daß der grundgü- 
tige GOtt in dieſern Jahrhunderte fo viele vechtfchaffene Seelen, aller- 
key Standes, Würden und Ehren, in der proteflantifeyen Kirche er- 
weder, und mit ſo ausnehmendem Glauben begabet, die fich baldin Die 
Wette geubet, durch Die Liebe thätig zu feyn, und befonders die Aus 
breitung des Reiches JEſu Ehrifti unter Heiden, Juden und oft 
J unter 


398. Sechfte Sortfegung der Nachricht ans Penſylvanien. 
„unter dem lauen Namchriſtenthum, zum Zweck gehabt und noch haben, 
Dieſem allergnädigiien GOtt und feinen werthen Kindern. in Europa 
haben es die zerſtreuete, verirrete und verlaffene Lutheraner in Philadel= 
phia, Germänteren Providentz, Yeuhannover, Uppermilfort, Sac⸗ 
cum, York, Birckenſee, Tulpehocken, Heidelberg, Lancaſter und. 
Porktoron demüthigft zu verdanken, daß ſie ihnen mitten in der ‚ges 
faͤhrlichſten Kriegszeit, mit vieler Bemuͤhung und ſchweren Koften, fünf 
Prediger frank und frey zugefandt, und Da der erflen vereinigten Ge⸗ 
meinen ihre zuſammengelegte Scherfleins bey weitem nicht: gureichend 
waren, Die allernöthigften Sebaude zum Softesdienft und den Schulen 
anzuſchaffen; fo haben Hochwuͤrdige Väter, Wohlihäter und 
Görmer nach und nach fo vieles überfandt,-daß in Vereinigung mit 
hiefigen Scherfleins in Neuhannover von den Gaben eine Kirche ausge⸗ 
beffert, ein neu Schulhaus gebauet, und etliche Acker Land gekauft, in. 
Providentz eine dauerhafte fleinerne Kircheund Schulhaus vom Grund 
aus vollendet, in Germantern die andere Hälfte von einen Kirche auf⸗ 
gerichtet, und in Philadelphia auch ein Grundſtuͤck gekauft, und eine Kir- 
- he darauf gebauet worden ift, welche Iestere aber allein nach in den 
meiften Schulden fleckt , meil das Bauen in der Stadt uberausfofibar 
ift, die Gemeingglieder meiftens arm und noch junge Anfänger find, 
das Haus am gröften bauen müffen, und man nach einergenauen Ver⸗ 
gleihung in der Stadt mit einem Pfunde nicht weiter im Bauen rei- 
chen Fan, wie in Teutſchland mit einem Thaler. Denn fo viele Gro: 
fehen man in Teutſchland einem Arbeitsinann am Tage giebt, fo viele 
Schillings muß man hier den englifchen Handwerfsleuten an einem 
Tage geben. Die Rechnungen und Quitances, welche der Herr Pa⸗ 
fior Brunnholg an Hochwuͤrdige Väter bereits eingefandt und. noch 
“einfenden wird, werden alles vorerwaͤhnte beſcheinigen. Es ſey denn 
nun, daß einige Seelen, durch die vielen Bemühungen, Liebesgaben 
und Anftalten gewonnen und erreftet werden, oder, daß wir, da GOtt 
für fen, unter ihnen nur zum Zeugniß unſere Krafte verſchwenden mü= 
fien; fo wird dody nach GOttes untrieglichen Verheiſſungen unſerer 
Zochwuͤrdigen Väter und aller werthen Wohlthaͤter groffe Be⸗ 
‚mühung und Liebesgabe, ja der geringſte kalte Trunk Waſſer nicht. 
unbelohnet und unvergolten bleiben. Unſer aller Bemuͤhung und Sor⸗ 
ge, obwol in groſſer Schwachheit, gehet demnach dahin, daß wir dem 
ſeligen Zwecke, unſerer Hochwuͤrdigen Väter, Gonner und Wohl⸗ 
thäter und unſeres Amtes gemaͤß, fo glauben, lehren, leben, beten, 
rin: 


| 1,3en.Paft.:Wlählenberge Ber. von feiner Amtsfuͤhr 1749. 399 
singen und Fämpfen möchten, daß unfere anvertrauete Gemeinen und 


ein iedes Glied derſelben insbeſondere, wo möglich, durch unfern Dienſt 


gewonnen und errettet werden. 


In der Ordnung arbeitet unſer werther Amtsbruder, der Herr Paſtor 


Brunnholtz, nunmehro in das fünfte Jahr mit aller Treue und Geduld in 


den Bemeinen zu Philadelphia und Germantown. Er prediget öffentlich, 
nicht mit Worten menfchlicher Weisheit, fondern in Bereifung des Gei⸗ 


ſtes und der Kraft. Erhältbefondere Betſtunden infeinem Haufe. Er 


ifterbaulich im Umgangemit den Seinigen undallerley Gefintheiten, und 
eoncentriretalle feine Reden auf die Verbefferung des Verſtandes und 
Willens, Er befüchet die Kranken bey Zage und Wacht, tvenn es nötig iſt, 
wenn er aud) manchmal felver ſchwach und matt iſt. Er meditiret, betef, 


kaͤmpfet und ringet in feinem Kaͤmmerlein für alle Gemeinen, und feine 


Arnvertraueten insbefondere, für die Väter und alle Glieder IEſu Chriſti 


in Europa. Er iſt ſehr beſchaͤftigt mit Kinderlehren. Er hat die groͤſ⸗ 


ſenſte Laſt mit der Eorrefpondeng, weil alle unſere Briefe zur Beſtellung 
an ihn übergeben werden. Er nimt fich der auffern Kirchenlaft und 


Schulden getreulich mit an, und forget, daß die Intereſſe zuſammen 
Hebracht werde. Er ift zufrieden mit dem, was ihm feine Gemeins⸗ 
glieder aus gutem Willen zum Unterhalt reichen, und fehonet der Ar- 
men, mahnet aud) niemand , behilft fi) aus der Hand in den Mund, 
und fo er was übrig hat, laft ers den Armen mit genieflen. Er bewei⸗ 
ſet fich in allen als in Diener GOttes und getreuer Haushalter über 
Gottes Geheimniffe. Seine Arbeit ift auch nicht ohne Segen. Denn 
Die Predigt Des Evangelii wird einigen ein Geruch des Lebens zum Le⸗ 
ben. Gott laͤſſet ihm aber den Segen im Ganzen nicht fo Fund wer— 


. den, damit er in der Armuth des Geiftes und Demuth bleibe. Er hat 


fehon viele Hinderniffe aus dem Wege geräumet, bey verfchiedenen fie: 
fen Grund gegraben, und das Fundament durch GOttes Gnade geleget. 
Das Fever der Frübfal wird es bewahren und offenbar machen. Nun 
muß ich aber mit Bekuͤmmerniß melden, daß er fich fehon bey nahe verzeh⸗ 
vet habe,da ev andernalsein Licht gefchienen. Denn er hatfaft den gan- 
zen verwichenen Sommer gefränfelt, daß mir feinettwegen bange war. 
Sch nahm ihn ein paar Wochen zu mir ind Land, wodurch er fich in 
was wieder erholete. Endlich aber. brach im Herbft bey ihm der weiſſe 
Sriefel mit einem fo gefährlichen Fieber aus, daß wir zweymal fehon fein 
Ende erwarteten. Er gebrauchte zwar engliſche Doctores, aber Die 
Eſſentig dulcis half ihm naͤchſt GOtt rs, Se die Fuͤſſe nad) einem 


VI. Penſylv. gortſ. | lan⸗ 


390° Gechfle Sortfegung der Nachricht von Penſylvanien ı 
laangen und ſchweren Lager , wodurch er aber fehr entkraͤſtet worden 


Bey ſolchen Umſtaͤnden iſt ihm eine Erleichterung in der Arbeit unum⸗ 
gaͤnglich noͤtig. Unſer keiner aber iſt im Stande, ihn zu ſubleviren, 
denn wie koͤnnen ung kaum ſelber helfen in den weitlaͤuftigen Umſtaͤnden. 


hund Herr Paſtor Brunnholg haben beyde in unſerm Berufe dieere | 


fen vereinigten Gemeinen. Ich und er find beyde Faum noch ſtark ges 
nug für einen Mann, darum brauchten wir beyde einen Adjunctum. 


Wenn nun Hochwuͤrdige Väter koͤnten ein tüchtig Subjectum, nad) - 


Dero väterlichen Liebe geger ung und unfere atmen Gemeinen auser» 
fehen und herein fendens fo Fönte der Herr Paſtor Brunnholg ſich we⸗ 
nigftens eine Zeitlang, big er ſich erholete, im Lande bey mir aufhalten 
und fo viel arbeiten, wie feine Kräfte leiden wolten, und waͤre mir und 
ihm und allen vier Gemeinen beffer gehoffen. Ev. Eönte auch zuc Mo⸗ 


tion dann und wann die andern Amtsbrüder einmal befuchen, und ihnen 
Math und Troſt geben. Obgleich meine Einkünfte ziemlich ſchmal finds: 


ſo wird ung GOtt Doch) nicht verlaffen noch verfaumen. “Denn mir ha⸗ 
ben einen veichen Vater über alles. Ich weiß, er nimt vorlieb, wie es 
GoOtt füge. Er ſoll fo viel Recht in meinem Haufe und Hofe haben, 
wie ich felber. Was die Reiſekoſten betrift, da wird der himliſche Va⸗ 
ter auch fehon Rath ſchafen. nn 
So furchtſam N der Herr Paſtor Handfchuh war, nach. 
Zancafter zu gehen, fo findet er.doch guten Eingang, und arbeitet ſchon 
‚ im Segen. Er hat in diefem Nachfommer eine ſchwere Krankheit aus⸗ 
ftehen müffen, daß man faft feinen Tod befürchtet, GOtt hat es aber 
in Gnaden abgervendet, und ung Denfelben wieder gefchenket. 


Herr Schaum, der in diefem Jahr zu der Gemeine in Yorcktown 


ordiniret worden, hat auch hart am Fieber laboriret, und ſonſt ein und 
andere Pruͤfung gehabt, doch hat uns noch keine, denn menſchliche 
Verſuchung, betroffen, GOtt aber iſt getreu ꝛc. Herr Kurtz wird ſei⸗ 
ne Umſtaͤnde ſelber berichtet haben. Er hat ſein Amt bisher treulich ver⸗ 
ſehen und ziemliche Gefundheit genoſſſhee. 

Im vergangenen Sommer muſte noch einmal nad) Raritan reis 


fen. Herr Weygand findet dafelbft guten Eingang, und hat fich bisher 


noch wohl verhalten.. “Die drey dafigen Gemeinen gaben ihm in meiner 


Gegenmart einen foͤrmlichen Beruf, und erfuchen durch mich unſere 


Hochwuͤrdige Vater, ob Diefelben geruhen und uns die Vollmacht 
guͤtigſt ertheilen wollen, den gedachten Heren Weygand auf unferm 


nachiten Synodo zu ordiniren. Die Darmſtaͤdtiſche Eollecte haben 
I REN 


— —4 BEN. 


— 


1. zen. paſt. mohlenderge Ser von ‚feiner Amtefuhe 1749. 381 


wir gehoben, und eine Hälfte an Provideng, die andere an Philadel- 
phia verorbnek, > 
Uebrigens empfehle mich, meine Familie, beſonders meine lieben 
Anmtsbruͤder, Gemeinen und alle übrige Angelegenheiten, ‚der fernern 
Liebe und Gemogenheit, und sornemlich der ernftlichen Fürbitteunferer 
Kg —— und aller Bekanten in dem HErrn 


Deimiich Melchior Muͤhlenberg. 
meer: on ent: ee 222030 2277 


II. Einige Schreiben des Herrn Paſtor 
Brunnholten zu Philadelphia aus den Jahren 
0.7.1749 und 1750, — 


L Auszug eined Schreibens anden Herrn 
Ä \. Hofpeediger Ziegenhagen zu London und den 
Herrn Doctor Francken zu Halle | 
vom uten April 1749 


engine Ietere Zuſchritt an Diefelben war datirt im Nobenber vo⸗ 
rigen Jahrs, wobey verſchiedene Beylagen waren. Ich hoffe, 
alles wird richtig eingelaufen ſeyn, ob ic) gleich noch Feine Nach⸗ 
il von dem Schiff, womit es gefandt mard, habe. Seit der Zeit 
iſt feine Gelegenheit vonhier aus vorgefallen, da der Fluß Delaware fange 
zugefroren getvefen, bis ietzo wieder ein Schiff von hier abgehet. Wie 
wir nun ſaͤmtlich hoffen und wuͤnſchen, daß unſere Väter und ande- ' 
re Gönner und Freunde in Europa noch leben und- bey erträglichem 
Mohlfeyn fich befinden werden: So koͤnnen wir auch melden, daß es 
der Güte GOttes gefallen, ung fämtlich noch i im Leben und bey einane ⸗ 
dei in Einigkeit zu erhalten. - 

Unſer merther Bruder Handſchuh hat nun bepnahe ı ein Jahr in 

| dem Lancafterifchen Weinberg mit aller Treue, aber auch unter mand)er: 
ley Bedrängniffen gearbeitet, welche, wie überhaupt in dem Creutzrei⸗ 
he des HErrn JEſu Ehrifti,alfo auch ingbefondere i in Diefem Lande und 
* dicſem Volke nicht ag re Wir fehreiben To. er 
Poſt⸗ 


* 


382 Sechfte Sortfegung der Nachricht ans Penſylvanien. 
Poſttage zu, und troͤſten und ermuntern einander, wie es uns GOtt 
giebet. Man hat hier nicht viel Knechte und Kinder GOttes, wenig: 
ſiens nicht nahe beyſammen, mit und unter Denen man einen vergnüg: 
ten Umgang und ſtete Aufmunterung haben koͤnte. Doch) iſt des HErrn 
Hand nicht zu kurz, und ſein Geiſt nicht ferne von uns, und kan reich⸗ 
licher und lauterer den Mangel alles deſſen erſetzen. Wie wir immer zu 
lernen haben, ſo lange wir leben; ſo hat man hier auch ſchoͤne Gelegen⸗ 
heit, das zu lernen, was man noch wol nie gewuſt, und auch vielleicht 
drauſſen nimmer gelernet haͤtte. Und ob wol Hinderniſſe hier angetrof⸗ 
fen werden, die drauſſen nicht ſind, ſo ſind auch wiederum Vortheile 
hier, die drauſſen gewuͤnſchet, aber nicht erhalten werden. Chriſtus, 
das Haupt feiner Kirchen, der Glaube und das Vertrauen an und zu 
ihm wird uns fo durchheffen, daß am Ende feine Weisheit und Güte: 
wird gepriefen werden. Er gebe ung den Geiſt der Liebe, der Kraftund 
der Zucht, und mache ung meife, muthig und geduldig, den und vor⸗ 
gelegten Kampf und Lauf fiegreich zu vollenden. : 

- Der gedachte Bruder Handfehuh hat des Heren Paftor Muͤhlen⸗ 
bergs Schulmeifter aus Hannover Jacob Löfer nach Lancafter befom- 
men, berfelbe ift zwar letzlich toͤdtlich Frank geweſen, aber GOtt hat- 

ihnm wieder aufgeholfen. Er ift ein feiner Menfch, führet Dafelbft die. 
Schule fort, und ift zugleich Cantor oder Küfter in Der Gemeine, 
Herr Schaum ſteht noch an feinem Ort in York, und wie Herr 
Handſchuh gefchrieben, fo fcheints, daß dortige Gemeine ihn zu ihrem 
ordentlichen Lehrer berufen und ordiniren laſſen wolle. Herr Paftor 
Handſchuh geht in Diefen Tagen dort hinüber, dag Abendmahl zuhalten, 
und zu fehen, tie eg fichet. Here Kurs, fo viel mir wiſſend, ift noch 
wohl, hat Schule den Winter über in feinem Haufe gehalten, und ver: 
ſiehet, wie beruft, Tulpehocken ordentlich mit feinem Amte. 

- Sn Raritan flieht der junge Candidat Weygand, wovon wir in un: 
ferm legten gemeldet, und feinethalben bey SE. 5. Anfrage gethan, und 
Die Antwort nod) erwarten. Erfchreibt dann und wann. Bergangene 
Woche war er eine Nacht bey mir nebfteinem Aelteften von da, und berich ⸗ 
tete den dortigen Zuſtand. Er feheinet redlich zu feyn, er dürfte aber 
noch durch manche Prüfungen gehen müffen, damit das vechtfchaffene 
Weſen bey ihm um fo viel mehr bevefliget werden möge, Die Gemei⸗ 
ne ift wohi mit ihm zufrieden. Er hat einen fanften Geift im Bortrage, 
und hat diefen Winter Die Kinder fleifig in den Wochentagen u 

| ich 


P. - 


ll Zeh Pop Brunnholgens Briefe t749undır50: 383 
richtet. Diefes Frühjahr bauet die dortige Gemeine eine allgemeine fleis 


nerne Kirche, und Herr Paſtor Mühlenberg wird wol noch diefen Som- 
‚mer hinuͤber müffen, die Gemeine zu beſuchen. 
Herr Paſtor Mühlenberg und feine Frau waren den ısten Yan, - 


dieſes Fahre, ‚als ich eben mein fuͤnftes Jahr in dieſem Sande antrat, 


einige Tage bey mir, da wir. ung mit Gebet und Flehen zu GOtt erwe⸗ 


cket und ermuntert haben. Er ifkdann und wann unpaßlich und auch 


diefen Winter. Frank getvefen. Er kan nicht mehr die Arbeit fo ausſte⸗ 
hen, toie vorhin, indem feine Natur ſchwaͤcher wird. Weilen wir nicht 
oft zufammen kommen koͤnnen; fo.erfegen wir den Mangel durch Briefe, 
und verabreden das benötigfle : e. — 
Seit meinem letztern habe ich, Gottlob! keine Predigt wegen 


Schtwachheit ausſetzen dürfen, ausgenommen am Neujahrstage, daich 


‚bey dem Hinaugreiten nach Germantown von der damaligen grimmigen 


Kälte fo Durchfroren war, 2 nur. eine Viertelſtunde predigen konte. 
Gott hat mich aus grofler Barmherzigkeit fo in der Schwachheit ger 
ſtaͤrket, Daß ich bey meinen Predigten Den Beyſtand des heiligen Geiſtes 
habe verfpüren Fönnen. Und da ich nun ein wenig mehr zur Ruhe ges 


kommen, indem die meifte Unruhe von dem duffern Kirchenbau vorbeyift, _ 


fo kan auch) mehr auf das innere arbeiten. Wenn ich mich vor dem 
HErrn prüfe, fo muß ich. zum alleinigen Preife Der unverdienten Gna⸗ 
de befennen, daß es mir, fo viel ich mich, kenne, lediglich um Das ewige 
‚Heil meiner und anderer Seelen zu thun fey, und- da hoffeich, Fan der 
‚Segen fo wenig ausbleiben, als das heilige Creutz und Die Anlaͤufe des 
Ersböfewichts. Ich hin nach meinem Gefühl der allerſchwaͤchſte und 
elendefte von auffen und innen, und auch dig zu erkennen ift Gnade: doch 
‚wird dis das Merk GOttes nicht hindern, denn ich feße mein Vertrauen 
‚nicht auf mich felbfi noch auf einige andere Dinge in der Melt; fondern 
auf den, der da iſt alles in allen, wirket alles inalfen, und wird ewig — 


© 


alles in allen. ; Wegen meiner Schwächlichfeit Fan zwar im du 


nicht fo viel wirken auffer dem Notfall noch herumreiten, die Gemeins⸗ 
glieber zu befuchen, wie ich gerne twolte, und auch wol mehr Nutzen 


‚Schaffen Fönte; doch hoffe ich, der HErr ſelbſt wird den Mangel erfegen, 


entweder daß er mic) ſtaͤrker macht, Daß, was ietzo nicht gefchichet, fünf: 


‚tig gefhehen Fan, oder daß er felbft durch dem gnaͤdigen Einfluß feines 


Heiftes , der Doch alles thun muß, den Seelen aufhilft. In den öffent 
‚lichen Predigten iſt eins von den Hauptſtuͤcken, fo ich treibe, die Zuhoͤ⸗ 
ser in die Bibel zu weiſen, Daheim — darin zu 
— Ddd 3 und 





384 Sechſte Sortfegungder Nachricht von Penſylvanien. 
und das Geleſene mit Gehet ins Leben zu verwandeln. Ich merke auch 
einigen Nutzen bey manchen und ſonderlich jungen Fawilien. Die Hin⸗ 
derniſſe der wahren Bekehrung und des Fortgangs des Werks des HErrn 
in der Seele zeige ich ihnen nach Vermoͤgen an, und weiſe, wie man ſelbi⸗ 
ge überwinden koͤnne - Die gerührt und beweget werden, bitte oͤffent⸗ 
fi), zu mir gu kommen, um näheye Anleitung ihnen zu geben. Es 
kommen auch wirklich einige. Bey dem Nachmittagsgottesdienzie zu Phi⸗ 
ladelphia, ſo alle vierzehn Tage iſt, bemuͤhe ich mich, die Kinder undar- 
me Servants, d. i. Die wegen ihrer Fracht auf einige Jahre verkaufte 
Knechte und Maͤgde, fo fleiffig herbeykommen, und Deren eine groffe 
Menge in der Stadt iſt, zu Chriſto und zur wahren Sottesfürcht m. 
weiſen, ftelle ihnen ihre geoffe Gefahr, worinnen fie befonders wegen ih⸗ 
ger Sugend und der: Umſtaͤnde des Landes flehen, vor ꝛc. Sch habe 
diefe Ditern, wie in Halle geſchicht, Spruͤche Drucken und den Kleinern 
austheilen laffen, um fie zuermuntern. In den Abendbetfiunden, ſo ich 
des Mitwochs halte, wiederhole ich ordentlicher Weiſe die Predigt, fo 
Sontags vorher-gehalten worden, in meinem Haufein der Schulftube. 
Sm Sommer werde es vielleicht in der Kirche thun, weilen nicht Kaum 
genug im Haufe iſt. Verſchiedene Engliſche haben mol von mir verlan- 
get, engliſch zu predigen, und fragen laffen, wenn ſolches gefchehen Fön 
ne? Es komt mir aber vor, Daß es noch nicht Zeit ſey, geſetzt ich koͤnte. 
- Mein Hauptamt ift doch bey den Teutſchen, da ich mehr zu thun habe, 
as weirichten Panzı@, Hr tn 66 
Meilen num auch hier. in der Stadt eine ordentliche Buchdrucke⸗ 
rey ift, fo der hieſige engliſche Buchdrucker und Poſtmeiſter Herr Fraͤnck⸗ 
fin gefauft, und derſelben einen teutſchen Buchdrucker vorgeſetzt, fo har 
ben wir Gelegenheit, wenns nuͤtzlich und nötig iſt, etwas drucken zu laf- 
fen, und da der Buchdrucker ſo lutheriſcher Religion iſt, den kleinen Ca⸗ 
“techismum Lutheri zum Verkauf wolte drucken vor Kinder, und er mich 
gebeten, denfelben einzurichten, ſo habe 8 gethan, und Fan Derfelbe nun 
mn der Kinderlehre gebrauchet werden. Die erfte Auflage ift meiſtens 
verkauft. Vielleicht werden mir einen neuen Anhang zum Marpurgi⸗ 
ſchen Geſangbuch naͤchſtens drucken laſſen, weilen viele geiftreiche Lieder 
. fehlen, und wir nicht leicht ein anderes vollſtaͤndiges koͤnnen einführen, 
Der Buchdrucker gedenket auch, Johann Arnds wahres Chriftenthum 
u dructen , wo er Pränumetanten genug Eriegen Fan. Die Leute find 
begierig darnach. Ich recommanbire es ſehr ofte oͤffentlich, und weiſe 
‚fie dah inein bey dieſer und jener Materie. Wie die Gnade GOttes zur 
| wah⸗ 


» 


Pr '° Sen. Pafl. Brunnholſens Briefe 1749 und 1750, 385 


wahren Bekehrung am verfehiedenen in meinen Gemeinen arbeitet; foge- 


fehicht ſolches auch befonders an dem Herrn N., bey dem nun in einem 
Jahre her eine gar merkliche Veränderung fpüre, und hoffe ich Beſtaͤn⸗ 
digkeit. Die Augen gehen ihm immer mehr auf, und er ift fehr begie- 
sig nach Unterricht, hat auch bereits einige wahre Gnade genoffen , ar- 
‚beitet nun auch mit allem Ernſt an feiner eigenen Familie, Er bewei⸗ 
net den Betrug, worin er bis in fein Alter gelebet, und fich für einen 
ernſtlichen und wahren Lutheraner gehalten. GOtt helfe ihm nebft an» 
dern durch. Sein Erempel ift von guter Wirkung bey andern, . Ein 
anderer Herr N. der unfer Freund iſt, und viele Liebe für ung hat, ift 
und wird mol oft unruhig, verfäumet auch Feine Predigt, aber er hat zu 
hohe Bernunft, Man mag lieber von Streitigkeiten Difputiven, und 
diefelben entfeheiden, als Den Keger invendig angreifen. Esift manchem 
leichter eine Predigt zu loben, oder zu beurtheilen ‚ob fie ordentlich ein⸗ 
gerichtet, als fein Herz darnach zu prüfen. Es ift mas ſchweres, den al- 
ten Adam in den Tod zu geben; den Weltgeiſt zu verleugnen, und al 
eigene Klugheit und eingebildete Weisheit als Thorheit und Unwiſſenheit 
anzufehen. Doc) Fan uns GOtt demüthigen, wenn feine Zeit fomt, 
Mehrere Particularia von dieſem und jenem Fan noch zur Zeit nicht ges 
ben aus vielen Urfachen, Meine Hochwuͤrdige Vater wiſſen ſchon 
aus längerer Erfahrung, wie es in Den heutigen Gemeinen befchaffen fen, 
da manoft mit der Machlefe zufrieden feyn, und überhaupt nur auf die 
Sußftapfen der göttlichen Wirkungen fehen und warten muß, wo? mann? 
und bey wem? und ob Der Geiſt eine reiche Ernte geben fan? _ 
Herr Wigera hat eine fehöne Schule diefen inter gehabt und 
hat die Kinder fo unterrichtet, daß es den Eltern ein Vergnügen gewe⸗ 
fen. GHtt hat es endlich fo gefüget, daß er nunmehro hier bleiben und 
in der Stadt die Schule fortfegen wird, > — 
Sch habe hiebey gelegt einen Extract aus den philadelphiſchen Kir⸗ 
chenrechnungen 2c. damit meine Väter auch daraus Das benoͤtigſte 
fehen koͤnnen. Weilen der Zulauf von Zuhörern ſich vermehret, befon- 
ders da viele Reformirte in unfere Kirche geben, indem fie an dem Son: 
tage, wenn ich in Philadelphia bin, Feine Predigt Vormittags haben, 
und bey Vermehrung. unferer eigenen Gemeine die Notwendigkeit es 
erfordert; fo werden die Kirchenälteften wol dieſen Sommer einemäflige 
Poorkirche bauen müffen, da mir denn hoffentlich mit dem Bau völlig 
zu Ende kommen werden. Wenn wir ferner einige Collecten erhalten 
folten, hatten wirs am noͤtigſten alhie. Ich bin der Gemeine ur 


586 Sechfte Hortſetzung der Nachricht don Penfplvanien. 
beſchwerlich indem von niemanden was fordere, als wer freywillig 
von ſeinem eigenen Gewiſſen getrieben, mir etwas giebt. Ich bin nur 
froh, wenn die Einkünfte der Kirche nicht Noth leiden: Iſt Die Kirche 
erftlich aus Schulden, fo Ean der, fo nad) mir komt, es mol beſſer ha« 
ben. GoOtt vegiere nur alles nach feinem Aohlgefallen 

En SON 2 apple SBrunnDDI, 


2, Auszug eined andern Schreibens von 
denmſelben, vom zten Sul. 1749. 


NRachdem mit ben Catechumenis in Germantown fertig und Pfing⸗ 
(% ſien vorbey war, bin ich nach Eohensi, ſechs und dreyffig Mei: 
SO en von hier, in Der Jerſey über dem Fluß Delamare gelegen, 
geweſen, und habe Dafelbft eine Gemeine in einige Ordnung gebracht, 
- auch verfprochen, fie jährlich zweymal zu befuchen. 

BGleich darauf haben mir unfern jahrlichen Synodum oder allge: 

meine Kirchenverfamlung aller vereinigten Prediger und Vorſteher der 
vereinigten Gemeinen zu Lancafter gehalten. Auf Anfuchen der Gemei⸗ 
ne zu Yorck an ben Cathores, wo Herr Schaum bisher geftanden, und 
nach befundener Moftvendigkeit haben wir den gedachten Herrn Schaum 
Dom. Il. poft Trinit, öffentlich und im Beyfeyn der deputirten Aelteften 
aus den vereinigten Gemeinen, nad) vorhergegangenem Examine, ordi⸗ 
niret, und ihn als unfern Adjunctum vociret und dafelbfteingefest. Den 
Montag darauf war Der Synodus, und alles, Gottlob! gingzum Der: - 
gnuͤgen unferer aller ab. Dis melde ich nur vorläufig. 
Es wird ung immer Elärer, daß GOtt in feiner Allweis- und All 
wiffenheit den lieben Bruder Handſchuh vorhero zum Dienft der Gemei⸗ 
ne in Sancafter beftimt, che wir davan Denken koͤnnen. Doc) greift ihn 
feine Schwaͤchlichkeit oft fehr an. Da wir von Lancafter zurück gekom⸗ 
men waren, haften mir einen Befuch von dem Heren Paſtor Kluge aus 
Birginien Dreyhundert und dreyffig Meilen von hier, der vor zehn ah: 
ven dahin gegangen. Er wolte unfere Einrichtung fehen und ung Fennen 
fernen. Wir haben ihn freundlich aufgenommen. Erging ziemlich fi 
und vergnuͤgt weg. GOtt wolle die reife ihm zum Segen ſeyn laffen. 

Die Hitze iſt ietzo aufferordentlich, und mie ſchwer es mir fält, Son- 
tags bey einer geoffen Verſamlung zu predigen, Fan ich nicht Teicht aus⸗ 
drucken. Doch hilft GOtt noch immer Durch, daß ich mit feinem Wort 

Agd ein? 


er * Zrn paſt · Brunnholtzens Briefe 1749 undrrso. 387 


‚einiger maffen inmancher Gewiſſen eindringen kan. Sch habe, Gottlob! 
nun bisauf den Herbſt Feine weiten Reifen zu thun. Herr Paſtor Muͤh⸗ 
lenberg aber muß wol auf den Auguſt diefes Jahrs nach Raritan gehen, 
So viel habe vor dismal in Schwaͤchlichkeit und Eil, da das Schiff dieſen 
Nachmittag abgehen wird, gehorſamſt melden Fönnen. 
Fr GERT * INN are Peter Brunnholtz. 


3. Auszug eines fernern Schreibens 
von demſelben vom zıften Mäy 1750, 


Diie Büte des SErenifts, daß wir nicht gar aus feyn, und 
‚feine Barmherzigkeit hat noch Fein‘ Ende, denn fie iſt 
Nnicht nur alle Morgen neu, ſondern ewig, Hallelujah! 

Was insbeſondere fo wol meine als auch meiner übrigen Brüder. 
und Collegen Umſtaͤnde alhie betrift, fo melde vorläufig, daß wir drey 
Prediger und zween Adjuncti, Herr Kurtz und Her Schaum, in einer 
bruͤderlichen Liebe zuſammenflieſſen, und daß Reid, Argwohn, Mis⸗ 
frauen und. dergleichen ferne weichen/ fo bey gelegenheitlicher und jaͤhr⸗ 
licher Zufammenkunft eine groſſe Aufmunterung verurſachet. Dis iſt 
eine ſeltene und groſſe Gnade. Betreffend den 
-D) Meine Umſtaͤnde und zwar a) meine Perſon, fo bin ich ſeit 
dem Julio 1749 bis dato gar ſchwaͤchlich geweſen. eben den von Ju⸗ 
gend auf gehabten kraͤnklichen Zufaͤllen contribuiret das hieſige veraͤnder⸗ 
liche Clima und die hieſige confuſe Umſtaͤnde des Landes und des Amts 
ein vieles zur Verſchlimmerung meiner Leibes-Eonftitution. Auſſer den: 
jährlich gehabten Krankheiten bin ich, oft einige Tage bettlaͤgerig gewe⸗ 
fen, wodurch im dieſem Jahr bey fünf Sontage vorbeygegangen, an 
welchen nicht habe predigen koͤnnen, fo bey Leuten, dienicht wiſſen, was 
Erankeln iſt, einiges Murren verurfachet. © ‚Syn fölcher Zeit ift denn auch 
die allgemeine Eorrefpondenz nach Europa, Georgia und hier im San- 
de ziemlich unterbrochen worden, maffen man in-folchen Umftänden zu 
„nichts geſchickt und luſtig if. Dazu Denn eine Art von: Schwermuih 
komt, wenn man fo viele Arbeit-vor fich findet, und Doch dazu Untüchs 
tig iſt. b) Meine. Hemeinen nad) dem auffern Zuſtande betrachtet, fo 
hat die philadelphifche eine ordentliche Schule in meinem Haufe bisher 
gehabt, welche Herr Vigera verfichet ‚den ich auch gebrauche im Not 
fall zur Borlefüng einer Predigt, vor Öffentlicher Verſamlung bier und 
VI.Penſyl. Fortſ. Eee —— 


* ie 5 wer 





| 388 Sechſte Sortfegung deu Nachricht von Penfplvanien. 2 


in Germantown , alwo ebenfals eine Schule iſt, aber mehr Schwierig  - 
keiten damit verbunden find, ‚weil Die Leute ſo weit zerſtreuet, und die 
wenigſten von der Gemeine in Germantown wohnen. Der junge Stu⸗ 
dioſus Rauß, deſſen im letztern gedacht, iſt bey mir. Nachdem ihn lan⸗ 
ge Zeit in meinem Hauſe umſonſt gehalten, und er nichts zu thun ge⸗ 
habt, als vor ſich ſelber zu ſtudiren; Die Gemeinen aber ein Verlangen 
blicken lieſſen, alle Sontage Sottesdienft zu haben, und wünfchten, daß 
ich einen Helfer annehmen möchte: fo-habe nebft dem Bruder Mühlen- 
berg Diefen jungen. Menfehen auf ein und ein halb: Fahr angenommen, 
in welcher Zeit er mir im Predigen und andern dergleichen Berrichtungen 
afſiſtiren muß, dafür ich verbunden morden,feine Fracht don etwa ı6 Pfund 
Geld zu bezahlen , ihn in anfländiger Kleidung, und im Eſſen, Trinken 
und allem zu unterhalten. Da er nun angenommen:war, fo wolten die 
Vorſteher wol alle Sontage Kirche haben, aber-einigen Bentrag mir 
zu thun, zur Abzahlung feiner Fracht und übrigen Unkoſten, (da Efien, 
Trinken und Kleidung jahrlich in der Stadt viel koſtet, zumalen Herr 
Kauf mit Kleidern fehlecht verfehen war.) haben fieweder Vermögen noch: - 
Willen gehabt. Die Philadelphier-fagten: Site hättengenug an einem 
zen den molten fie allein haben; die Germantowner wären nur: - 
angeflicft worden zu. ihrem Schaden 2c. weswegen fie auch eine Bitt⸗ 
ſchrift auf dem Synodo eingaben ze... Nun helfe: ich mich mit: Heren 
Rauß durch, fo gut ic) Fan, ob es mir gleich ſchwer faͤlt, in Abficht auf 
mancherley Dinge. Er hat.eine gute Gabe im Predigen, wozu er aus: 
meiner Bibfiotheck hinlängliche Huͤlfsmittel hat, Da er in der Theologie. 
noch nicht genug bewandert, ob er gleich in humanioribus, Philoſo⸗ 
phie u. d. g. wohl verfiret iſt Er. prediger alle Sontage in meinen Ge⸗ 
meinen, und dann und wann fende ich ihnnach dem Herrn Paſtor Muͤh⸗ 
lenberg zufeiner Benhülfe. Wäre Germantown aus den Schuldenund: 
im Stande, einen eigenen Prediger zu unterhalten , fo wolte gleich, mit: 
Erlaubniß meiner Väter, den Platz einem andern uͤberlaſſen/ und bey 
Philadelphia alleine bleiben, aber es ift dermalen noch zu früh. ri 
beyden Gemeinen ift noch ziemlich uffesliche Ruhe und Einigkeit. Sie 
kommen fleiffig zur Kirche. Die philadelphifche Kirchenrechnuung vom: . 
Jahr 1749 liegt hiebey. Sie haben nun endlich. reſolviret Die Poorkir⸗ 
ehe zu bauen, wozu albereits Materialien aufgekauft worden. In Ger⸗ 
mantown haben fie die Stühle zu machen veraccordiret fürse Pfund pen: 
ſylvaniſch Current, und eine Heine Sacriſtey fur mich neben angebauet. 
Diefes Geld aber aufzutseiben, muſte wol bey acht Tage im Herumrei⸗ 
RATTE A VEN 


} . herz, JI; Sen. Paſt. Brunnholtzens Briefe173, a 389 
ten bey den Gemeinsgliedern, um ſie dazu willig zu machen zubringen. 


Dieſe Gemeine has mir in Abſicht auf den Bau mehr Mühe geinacht, 
als die philadeph ſche Gemeine, wegen der Uneinigkeit der Glieder des 
Kirchenraths. Die darmſtaͤdtiſche Eollecte fo in hieſigem Gelde 107 
Pfund ausmachte wurde den aten Nov a p. in einer Verſamlung 
einiger Aelteſten aus Philadelphia und Providentz vertheilet. c) Was 
meine Gemeine nach dem innern Zuſtande betrift, ſo gehet es ſo, daß 
es wol moͤchte beſſer gehen. Wenn ich mein Journal ſolte einfenden, 


wuͤrde es meitläuftiagenug ſeyn. Ueberhaupt ſcheinet Die gegenwaͤrtige 


Zeit in Penſylvanien eine Zeit der Schlafſucht, Frechheit und Sicher- 
heit in.allen Partheyen zu ſeyn. Geitz, Trinken und allerhand Laſter 
nehmen uͤberhand. GOttes Berichte mögen nicht ferne feyn, womit 
wir bishero in Diefer Provinz find verfchonet worden. Das Gute bey 
einigen in den Gemeinen ſtehet in Gefahr, erflicket zu werden. Dis beu⸗ 
get einen ſehr, wenn man daran denket, und auf ſeine eigene Ohnmacht 
und des Teufels groſſe Gewalt ſiehet Doch hoffe ich noch auf den HErrn, 
deſſen rechte Hand alles aͤndern kan. Ich habe in beyden Gemeinen 
auf Oſtern und Pfingſten dis Jahr eine ziemliche Anzahl Kinder von 
zwoͤlf bis achtzehn Jahren unterrichtet und confirmiret. Man muß ſie 
manchmal jung und auf Hofnung annehmen, damit ſie nicht hernach, 
wenn man ſie zu alt werden laͤſſet, bevor fie confirmiret werden / unter 
dem penfploanifhen Haufen gar verwildern. Alle Sontage Wachmit: 
tags: hafte ich in Germantown ſowol als in Philadelphia öffentliche Kin- 
derlehre. Mit den kleinern nehme Lutheri kleinen Catechismum, mit den 
groͤſſern aber gehe die Heilsordnung durch, und führe fie in die Bibel 
Far In Philadelphia iſt eine groffe Anzahl Servants, d. i ver- 
Faufte Dienftboten, und hoffe ich auch bey denfelben einigen Nutzen von den 
Kinderlehren. Wenn ſie nur alle Handbibeln hätten! ABie gerne molte 
ich, wenn ich gefund bin, inder Woche zweymal Kinderlehre halten; allein 
die Kinder übersehen Jahr müffen arbeiten, daher man fie in der IBo- 
he nicht zuſammen Friegen Fan; Die Servants nod) viel weniger. Die 
Berftunde wird alle Mitwoche Abend, wenn geſund bin, fortgefeget, 
Ah HErr HErr! verlaß uns nicht um deines groffen Namens willen. 
Des Satans Zorn und gros Gewalt zerbrich, vor ihm dein Kirch er⸗ 
halt. Wenn fchien alles zu serrinnen, ward Doc) deiner Hülf ich innen. 
II) Betreffend Herrn Paſtor Mühlenberg, der gegenwaͤrtig mit 

feinem Schwiegervater, Heren Conrad Weiſer, nad) Albanien ins Neu⸗ 
porfifche, mo Herr Hartwich — iſt z fo iſt derſelbe — 

Eee 2 wo 


> 


390 Sechſte Sortfeuungder Nachricht von Penfylvanien. 
wohl, doch hat er dann und wann allerhand kraͤnkliche Zufaͤlee In 
feinen Gemeinen ſtehts erträglich wohl. · Er hat neben bey verſchiedene 
Filiale und einen weitlaͤuftigen Umkreis. Zu Saccum, Uppermilfort ec. 
wo er ehedem in den Wochentagen geprediget, hat et einen Catecheten 
mit Pomen Ludelf Schrenck. Dieſer Fam ins Febr. 1749 ing Land, 
ſt ein Lüneburger, und hat in Erlangen Jura ſtudirt. Er war Willens 
nach Georgien zu gehen, kam aber von London auf Philadelphia, und 
addreffirte fich an mich, Im Anfang nahm mich feiner nicht an: da er 
aber bey zehn Wochen in Philadelphia fich aufgehalten, fill aufgeführt, 
und nichts mehr zu feben hatte, fo nahm Herr Mühlenberg ihn aufmei: 
ne und des Hein Vigera Recommandation zu ſich. Ben ihmmaner 
ein halbes Fahr, und las fleiffig die Bibel und theologiſche Buͤcher bis 
er unter des Herrn Muͤhlenbergs Anführung Catechet in’obgedachten 
Gemeinen werden Eonte, wo er nun. meiftens ein Fahr geftanden. ° Wir 
find wohl mit ihm zufrieden.  Erführet einen guten Wandel, und war⸗ 
et feines Amts trenlich." Von mir ifter mit den nöfigfien Büchern 
Serfehere worden: RER SHE RR TR TH 
111) Unſer lieber Here Paſtor Handſchuh, deſſen Diarium auch 
hiebey ſolget, iſt mar ſchwaͤchlich, arbeitet aber treulich und geduldig un⸗ 
ter dem wilden Volk in Lancaſter. Aus feinem Journal werden unſere 
theureſte Vaͤter ein mehreres erſhenn. 
IV) Herr Kurtz iſt wohl. Er komt in Tulpehocken gut zurechte, 
iſt ernſtlich eifrig und folgſam. Ich höffe, da er geſunder Conſtitu⸗ 
tion iſt, and immer mehr Erfahrung kriegt, daß er nach unſerm Able⸗ 
ben das angefangene Werk weiter fortſetzen wrnd. 
V) Here Schaum iſt auch noch wohl. Seine Gemeine bezeuget 
ihre Zufriedenheit mit ihm, Er waͤchſt in der Erkentniß und Erfahrung. 
- Die Stadt Yorck, fd nun eine County, oder den Namen einer Graf⸗ 
fehaft erhalten, vermehret ſich. Viele Leute von hier jlehen dort hinüber, 
In Canawaken, zwanzig Meilen davon, fol er nun auch alle vier Io 
en predigen. Und fo hat er genug zu arbeiter, — — 
VI) Herr Weygand iſt noch wohl. Es war alles zu ſeiner Or⸗ 
dination auf den Tag vor dem Synodo eingerichtet. Es wurde aber 
dieſelbe aus guten Urſachen aufgeſchoben, bis ihre Kirche eingeweihet 
würde, Sonſt gehet der Pau ihrer gedachten Kirche gut fort. So ha⸗ 
herr fie auch cine Plantagenahe bey der Kirche für 20 Pfund gekauft, 
mo Herr Weygand wohnen Fan, dadurch fie ſich aber fehr in Schulden 
geſteckt. Wie es weiter gehen wird, wird Die Zeik-Ichren, | 


H. Zen. Pafk. Brunnholgens Briefe 1750: "397 


...... VO) Der Ersbifhof von Schweden hat drey Prediger neulich 
„herumgefandt, davon der eine Probſt iſt. Sie feinen alfe drey vecht- 
fchaffene Männer zu ſeyn, und bezeigen Liebe gegen ung, "Sie find Wil⸗ 
lens Freundſchaft und Gemeinſchaft mit uns zu halten, weilen er, wie 
der neue Herr Probſt Acrelius mir fagte, dazu in feiner Inſtruction Or— 
dre hatte. Jetzt gedachter Herr Probſt Acrelius iſt in Herrn Tranbergs 
Stelle zu Willmington, der andere, Herr Unander, wo der ſel. Probſt 
Sandin ſtund, und der dritte Herr Perlin hier in der Stadt in Herrn Naͤß⸗ 
manns Platz gefommen. Aus den mitgebrachten ſchwediſchen Tractaͤt⸗ 
chens wider die Herenhuter, wovon fie mir einige gefchenkt haben, weilen 
ich die ſchwediſche Sprache verſtehe, fehe, daß Here Weifers Brief an mich 
in die ſchwediſche Sprache überfest und gedruckt ifl. Der vorige lan⸗ 
cafterifche Pfarrer. Herr Nyberg gehetnach Europa, vermuthlich zum 
J a A Hr 
Vl Vergangenen Herbft kamen bey fünf und zwanzig Schiffe 
alhie mit Teutfehen an. Die Zahl derer,dielebendig angekommen, war 
ein taufend und nein und’ vierzig/ morunter auch über zwoͤlf Schulmei⸗ 
fter fich befanden, die theils Drauffen:ordentlihe Schulmcifter geweſen, 
aber wegen geringer Beſoldung und in Hofnung einer. beffern hereingego- 
gen, theils eine andere Lebensart getrieben. Sie thaten beffer, fie blies 
ben, 108 fie wären. . Es Fommen verfchiedene, die theils öffenfliche Atte⸗ 
ſtata, theils Briefe von ihrem Pfarrer an mich haben. Ich Fan ihnen 
. aber wenig helfen. In diefem Monat kommen abermal Schiffe mit 
Teutſchen häufig an, ſo dag deren albereits bey schen angelanget find, 
Die Prosin; krimmelt und wimmelt voll Leute, und es wird immertheu: 
ver. Die frey herein gekommen, und drauffen etwas gehabt, aber auf _ 
ber koſtbaren Reife Das Ihrige verzehret haben, und ſehen, Daß es an» 
ders ift, als ihnen vorgefiellet worden, heulen und ſchreyen Ach und - 
Weh über die Meuländer, Die fie dazu verführet haben: wie denn einer 
von folchen fich letztens in Germantown aus Defperation hat erfchieffen 
mollen. Die Peuländer, wie man fie hier nennet, find folche, die 
nicht arbeiten, und doch batd reich werden wollen, und deswegen hin: 
aus ins Wuͤrtembergiſche und da herum gehen und die Leute bereden, her: 
einzukommen, mit dem Vorgeben, hier waͤre alles, was ſie nur wůnſch⸗ 
ten, ein ſolches Land wie dis, ware nicht in Der Welt ein ieder koͤnte 
fo reich werden wie ein Edelmann uhr. Dieſe Perführer heben den 
Profit dabey, daß ſie dafuͤr mit ihren Waaren frachtfrey hereinkkommen, 
auch noch vor einen ieden Kopf, fo er nach Amſterdgm oder Yotter- 
ii ; ee 3 dam 


| ackt fie ins Schiff hinein, 0 wenns Heringe wären, und. wan ſie 
Berta. fo find ſo viele K ranke und Sterbende darunter, af eu J 
Elend iſt anzufehen. Die aber nichts haben, und Die Fracht auch ſchu· 


Ansehen sat rwicr nern 


nreer oeer. 
— a 


- Sept. 
1748. 


ordnungen und Anftalten gemacht, ob Dadurch Der Not tere. 


J——— 


302 Sehſt⸗ Sortfesung der Nachricht ven Peso 
‚dam bringen, von den Kaufleuten ein gewiſes haben... 









besten diefer Schiffe siehen ein groffes Geld an Fracht sCigen je De 


dig find, werden in Eleine Hüttchen gebracht, wo fieauf Str ob lies 
und tie das. Vieh verderben, aud) zum Theil halb vom Verſtand 

men, fo daß fie er nichts von des Pfarrers Zuſpruch pernehmen 
nen. Die Obrigfei it und Aſſembly hat indeffen nun deswegen einige 





holfen werden, wird die Zeit Ihren, Cs märe billig und recht, daße 


ordentliche Relation von folchen Dingen in teut en eitungen in s 
und da in Europa eingefeget wurde. Doc) was en — helfen „die 


B kriegen die Zeitungen nicht zu lefen, u Dice mir 
giauben, Daft ohnden n Ka hi a en — 
Me . ‚Peter Brunnholg, 





I. Auszugaus Herrn Paſtor Handſch 
 Tageregiier vom zten Sept: 1748 bis Er 
2 . ı6ten Mäy 1750. — 
n ten Se t. f. v. mit zween 
> Sept a8 1. angibt mem en 
feines: Knechts, dieſer Mutter Sohn, zu reden , ob erfelbigem 
nicht erlauben wolle, die Woche zweymal von ein bis vier Uhr 


in eine Vorbereitung zum heiligen Abendmahl zu kommen, woju er ſich 


unter gewiſſen Bedingungen ganz willig befand. 

DenıgtenSept. ritte nad) Earftoren, prebigte dafelbfl, und hielt 
Kinderlehre. Nach dem Gottesdienſt redete mich eines fo ger 
eugebornen Frau an, deffen drey ſchon erwachſene Kinder in der Kin- 


derlehre Höchft unwiſſend befunden. Sie entſchuldigte die Kinder, 


und klagte, wie fie noch nicht einmal getauft wären und ihr Vater 
auch nicht, fie trüge aber ein groffed Verlangen , fie unterrichten und 
taufen zu iaſſen, ihr Mann wuͤrde nichts dagegen haben.  Diefer 
ihr Mann der. von ferne alles mit angehöret, Fam Dazu, ih hielte ihm 
feine groſſe — für 5—* und der Ben Seelen vor. Er 


( 


I Sem: Paſt ZandfhuheTageregifker 1748.” 303 


entſchuldigte ſich Damit, fein Vater habe ihn auch zu nichts angehal- Se 
ten, und fo aufwachſen laffen er fühe aber nun wohl ein, wie ſchaͤd⸗ Se 
lic) es waͤre und wie man viel beffer thäte, fich zu der Kirche zu halten. 
Zu Hauferthate man doch. nichts Gutes, Von nun an wolle er ſei⸗ 
ne Kinder allegeit zur Kirche fehicfen. Et 
. Den 23ften. Sept. befand mich: gar- nicht-recht wohl, Doch 
hatte eine Leichenpredigf zu halten. Die verftörbene Frau hat mir. 
bey ihrem fleiſſigen Beſuch einige Hofnung einer. wahren Busfertig- 
keit und eines einfaͤltigen Verlangens nach Gnade gemacht. 7 
Den zten Det. wurde die gewoͤnliche Zuſammenkunft der Acl- Heck. 
teften und Vorſteher, oder, wie fie es.hier nennen, Kirchenrath, gehal⸗ 
ten, welcher von zwey Uhr bis an den fräten Abend -daurere, indem 
eine Streitfache zwiſchen einen Bater und deſſen Söhne gütlid) bey: 
geleget „von einem zu mietenden Schulhaufe, einem anzunehmenden 
Schufmeifter, und deffen Berrichtung und Befolvung, vieles durch 
geredet, und endlich das Vorleſen in der Kirche auf Fünftigen Son: 
tag in meiner und des Schulmeifters Abmwefenheit einem Vorſteher 
aufgetragen worden. _. — en 
Densten Oct. frühe bin auf Herrn Kurtzens inftändigfte Bitte 
nach Zulpehocken geritten. Abends um ſechs Uhr kam in Heren Conrad 
Weiſers Hauſe gluͤcklich an. | 
„Den gten Bet. als am achtzehenten Sontag nach Prinitatis taufte 
ich drey Kinder und hieltdie Predigt. Nach der Predigt eraminixteder 
Herr Kurtz ein und dreyſſig junge Leute, Die ziemlich wohlbeftunden. Sch 
fegte ihnen noch einige Fragen an ihr. Gewiſſen, und confirmirte fie, 
nad) vorher auf den Knien gefchehenen Erneurung ihres Taufbundes, 
im Namen des dreyeinigen GOttes. Darauf theilten wir hundert 
und dreyffig Communicanten Das heilige Abendmahlaus. Es fehie- 
nen durch Diefe heilige Handlungen die vielen Anweſenden, junge und 
alte, ziemlich bervegt-zu werden. Um vier Uhr wurden wir erſt mit 
allem fertig. Den folgenden Tag reiſete wieber uruͤckf. | 
Den 22ften Oct. befichtigte in Geſellſchaft einiger Vorſteher 
und Kirchenraͤthe unſere Kirche , deren Schwellen ganz weggefaulet 
find, wie auch einige Hdufer, die zum Schulhauſe im den Vorſchlag 
ge men waren. Bald darnach Fam Jacob Löfer, bisheriger Schul: 
neiſter zu Reuhannover, der zum hieſigen Schulmeiſter in Vorſchlag 
mmen, hie’ an, und brachte Briefe som Herrn Paftor Muhlenberg 
mit. Dem bey mir zufammengefommenen Kivchenrache wurde er noch 
heute 


=: 


bel heute vorgeſtelt 
| laſſen 


eines neuen Schulmeiſters, 2) wegen — 


Nov. 


F 


394 Sah ganamera rancs opponltteden — 










und endlich — 


Am zoften son " —— früh * — 
predigte, bi — B bey an 
Jungen wohlb bemmerten Eonfe, Daß meine bisherige Arbeitniht 











2 yes kein a neaſter — —* 

en 2sften Oct. predigte in La ‚brad * en eu 
. Das noͤtigſte von — — der 5 und — N 

eines guten Schulmeiſters ben. —— 

lies die Gemeine ſtehen bleiben, und ——— 


Schulhauſes wegen ».r baldigen Ausbefesungde der Kirche, a 

zu finken anfängt. Es Fonte aber nichts veſte gefeßt Ka Bei 4 
viele Gemeinsglieder und. die Vornehmſten aus dem Kirchenrathe ab⸗ 
weſend waren ; Doch. haben einige gegenwaͤrtige, etwas — nn 
beyzutragen, auf mein Bitten ochen. 

Am ꝛꝛiſten Sontag nach Trinit. nach dem Sottsbiene fte wu 
ee 
deften jährlichen Befoldung und Wohnhaufes nochmals. eredet, undi 
allen endlich ein veſter Schluß gefaſſet. Nachmittags Munde tier 
— gehalten, die Vocation an Jacob Loͤſern zum hieſigen 
Schuldienſte aufgeſetzt, und von den girchenrathen und Vorſtehern 
unterſchrieben. 

Den oten Nov. Nachmittags beſuchte einen geweſenen Herrn⸗ 
huter. Dieſer Mann ift einer von den. groͤſten en en fir 
che. in dem hiefigen Kirchenftreit — ‚. der gleich mit feiner Art al- 
es. einbauen wollen, darum hat er, — von unſern Leuten ſo siele. 

wider fich. Anietzt befennet er, zwar ‚er. fen. ‚von den en Derynbutern, | 
betrogen worden, will aber Doch. nicht recht zu unfe ver ( Gemeine treten, 
eo mie: er en f hin todte are — Im Grunde. eines 

erzens mag wol eigne Gerechtigkeit tjache ſeyn 
— er keine Predigt, Mile in in der $ Ki in. TR 
nach, und miederhofet Die Predigt mit. einer Frau und Kındei 

Den sten Nov. habe in Earltown mit den Leuten, die 
mir zum heiligen ———— he — und 2 52 R 
















dacht SEN 


2° IE Zen.Paft:Zandfe zandſchuhs Tageregifker 1748. 395 
Anm eaſten So⸗ ag nach Trinit. wurde vor der Predigt noch mit Yon, 
| igen Beichte gehalten, und hernach ein und viergig Communicanten 


das heiligeAbendmahl ausgetheifet, fodann der Gemeine angezeiget, Daß 
ich wegen des weiten Weges der heftigen Winterkaͤlte, des tiefen Scnees 
und des zu paſſirenden Fluſſes, auch meiner Schwaͤchlichkeit halber ge⸗ 
noͤtiget waͤre, Die folgenden drey haͤrteſten Wintermonate auszu⸗ 
ſetzen, auch ein Vorleſer beſtelt, und die ganze Gemeine zum Frieden 








und zur Einigkeit ermahnet. RE AR 
Am ꝛten Adventsſontage wurde nach der Predigt,die Jugend an Dec. 
der Zahl vier und dreyſſig eraminiret und confirmirek, weiches bis gegen 
wiey Uhr mährefe und nicht ganz ohne Segen, wie ich hoffe, mag ge- 
weſen ſeyn. _ Die übrige Zeit haben ſich viele in der Ferne wohnende 
zum heiligen Abendmahl bey mir angentelet, i | 
Den sten Dec, meldeten Bin die Leute den ganzen Tag bis in _ 
den Abend hinein zum heiligen Abendmahl an, desgleichenauh 
Den oten Dec. daß nicht eine Viertelſtunde zum Effen übrig be 
hiefte, indem ich mit allen ausfürlich nach ihren Seelenumſtaͤnden zu 
a Bade 
Den zten Dec, lies ich zwey Weiber auf meine Stube fordern, 
ihren sieljahrigen hartnäcfigen Groll zu unterfuchen, und endlich ein- 
‚mal aufzuheben, Obſchon dieſe Weiber ſich einander alles vormur- 
fen; fo führeten fie fich Doch noch fo ziemlich verfländig auf, und ver- 
‚gaben eine Der andern, woruͤber mich freuete, und im Gebet GOtt 
fobefe. Die übrige Zeit haben fich noch mancherley Leute zum heiligen 
Abendmahl angemeldet. ud mandenceut ium venue 
_ Den gten Dec. Nachmittags hielte son zwey Uhr an bis Abends 
Kirchenrath, worinn fich einer von den Kirchenräthen fehr erweckt be: 
fand, und alle Anmwefende mit beweglichen Worten um Vergebung 





ſeiner bisher gegebenen Aergerniffe bat. Auch wurde ein neuerlichſt 


entfiandenes Misverfiändniß zwiſchen einem Kirchenrath und einem 
Vorſteher beygelegt, und alles mit Gebet und von allen mit lauter gu- 
ten Vorſaͤtzen befehloffen. : 


. ’ 
> 


= Den gten Dec, meldeten ſich wieder viele zum heiligen Abend: 
mahl an. { | | H 
VI. Penſylv. Fortſ. Sff Den: 


Dee. , 


596 Sechſte 





„Den voten n Dec. — font-bis, ich un ein uhr hach der Ki A 
he ging, Zubereitungspredigt, Bus- und Beichtandacht zu ‚halten: - 
Zwiſchen der Predigt und. Beichtandacht wurde ein junger Menfch, 


der letztens Frank worden, noch confirmiret, und mit einem Man⸗ 


Tan. 
4749. 


ne, der nicht vorm Kirchenrathe erſcheinen a Alien: ge 
redet. Nachhero habe noch manchen Zuſpruch gehabt. 


+ Am sten Adventsfontage hatte noch vor dem Softesbienfsieen 


Zufpruch Nach der Predigt theiltean ein der vier "und nit 
Communicanten das heilige Abendmahl. aus 


Den asften Dec. wurde Kirchenrath ge alten , R PAS der 
mehrials gedachte geweſene Herrnhuter, ſo fi im vorigen Kirchen⸗ "SE 
fiveit feindfelig genug gegen die Unferigen bewiefen, fich erklärte, wie. & 
von nun an fich ald ein vedlicher Staubensbruder verhalten, und der 
Gemeine Beftes, fo viel als möglich, befördern helfen wolte. Nach | 
hinzugethaner herzlichen ——— wurde e — in 
die Gemeine aufgenommen. 


Den —— 1749. taufte bey Kinder, a —— Nach⸗ 
mittags hielte Wiederholung und Kinderlehre. Der Wachsthum 
und Sleis der groffen und Eleinen machte mir eine ziemliche Freude. 


Anm Leſt ſt Epiphanias als den oten en: taufteein. Kind, deſſen | 
Vater fich fonft gegen mich ſchr übel —— ae Ihe: Abbitte Er 


und Befferung verfprad). 


Den ten Jan. Nachmittags kam 4 ni Sulmek 
fer, Jacob Löfer, mit den Seinigen alhier g ücklich an,tınd brachte mir 
Briefe vom Herrn Paftor Miühlenberg mit. Es ift Faum zu glau- 
ben, was dieſe Schulmeifterfache mir und dem lieben Herrn Mühlen: 
berg I Muͤhe, Not und Serge ara A ehe je iu — 
men koͤnnen. Kar 


Am ſten —— Spiph. Nachmittags bnachtemit Kran 


fen befuchen zu. Als wieder nach Haufefam, traf vier Männer an, die 


meiner ertoarteten , Deren einer in der heutigen Predigt mar gerühret 
worden, deſſen Frau und noch zwey Kinder, das eine von vier, DaB 
andere von einem fahr, noch nicht getauft find ‚und mich bat, feine 
Kinder auf Fünftigen Sontag zu taufen. Dieſer Abend mar mir 
und den andern Anmefenden erwecklich: denn der — erfüllete — 

Ta en +2; abi erz 


IR I Paſt Zandſcha hs Tagetegiſter 1745: ° 397 


He mit Droft, — meinen Mund i im Zufpruch und Gebet davon Ian: 
‚reichlich überflieffen. 

Den uten “ En ont son obgedachtem. gerůͤhrten Manne be⸗ 
ſucht der mit-feiner Stau einer engliſchen Wiedertäuferin und ihren 
Kindern zu unſerer Kirche überzugehen begehrte. 

Arnm ꝛten Sontag nach Epiph. Beym ðottesdienſt taufte dreh 
Kinder, darunter zwey dem am erften Sontag nach Epiphanias und 
uten an. gedachten Manme zugehöreten,und eins davon über vier $ahr, 

das andere aber ein Fahr alt war, Ohne Bervegung Eonte dieſe Tauf⸗ 
handlung nicht verrichten, weil die Mutter, eine englifche Wiedertaͤu⸗ 
nr: das eine auf ihren Armen: hergutrug, und der ganzen Handlung 
vor dem Taufſteine fehr andachtig mit beywohnete; ob fie gleich mes 
nig oder nichts vom Teutſchen verſtand. Darauf. predigte ich eis. 
ei groffen Verſamlung Menſchen von "allerhand Art und Secten‘ 

An den: Tagen vom ı7ten bis ꝛiſten Jan. habe verfchiedenes 
Een der Kraft des bisher gepredigfen Wortes in Erfahrung gebracht, 
woruͤber mich gefteuet. Hingegen habe von einigen geuten manchen 

| Verdruß gehabt = — 

Den 2gften Jan. Bommitiage: wurde von dem Heirn Span⸗ 
Bonn dem fi u fo hennenden Baron von Watteville, fonft Langgut 
genant,- und einem andern Hertnhuter, Namens Schnell, ganz un: 
vermuthet befucht. Nachdem ein jeder gefaget, wer er wäre, bezeug- 
ten fieein Verlangen gehabt zu haben, mich Eennerizu lernen. - Spans 
genberg mar über Die Verfaſſung der lutheriſchen Kirche fehr her, und 
meinete, es Eönte Fein rechtfchaffener Knecht JEſu Chriſti darinnen 
frey Iehren, "noch mit gutem Gewiſſen Darinnen verbleiben. Inſon⸗ 

; Det —— ſehr auf unſere Univerſitaͤten, die er Scholas dia- 
boli, Theologorum Methoden, die er Waffen des Teufels 
wider den Heiland nennete, auf die Confiftoria und Deren ganz un: 
bekehrten membra, auf Die Prediger zu Berlin ꝛc. Ich widerſprach 
ihm mit wenigen aber meiner beften Einfi ht nach wahren Gruͤnden, 
worinnen mir Watteville felber Beyfall gab, und jener nichts weiter 
ſagte. Hernach fragte ihn auf fein Gewiſſen, ober mit mwahrerlleber- - 
jeugung und Freudigkeit —— Herzens dieſen ſeinen erwaͤhlten Weg 
gehen und treiben Fönte. Dazu ſchwieg er eine Weile ſtille, nahm 
aber endlich Doc) eine fies — in Worten und Geberden an, 
mit welcher er verſicherte, er koͤnne nicht anders. Watteville ruͤh⸗ 

—— vieles von gepflaniten ar u in Nordamerica und 

zu 


"358. Gechfle Sortfegungder-Flachricht vonPenfploanien. 


on. zu St. Thomas. Er konte alles recht lieblich und bezaubernd vorfie 
3 Ä Kan, 10 doß, wenn ich Diefe Art Leute und ihre Bekehrung nicht- 
gekant, ich vieles geglaubt hätte Schnell war ganz flille: Beym 
bfehiede bat fie um GOttes willen, in Bekehrung der Leute nicht 
fo leichtfinnig zu ſeyn, die eigentliche göttliche Drdnung des Heils beffer 
und ernftlicher zu, treiben , und die Lehre von dem dreyeinigen 6) tt 
und feinen Merken und Wohlthaten deutlicher und fchriftmäffiger ' 
vorzutragen. Welches fie zu thun mit dem Munde verfprachen. - 

Den zoften jan. haben die Leute angefangen, ibre Kinder bey 

mir zur Zubereitung zum heiligen Abendmahl anzumelden. 
Sebr. Am Sontage Eftomihi. Nachmittags kamen zwey Engländer 
mit Bitte, ein in Schwachheit liegendes Kind einer englifchen Witwe 
zu taufen, welches auch zu thun, unverzüglich hinging. Bald nad) 
meiner Heimkunft kamen zwey Öemeinsglieder, mir die ſchweren Anz 
fechtungen der Frau des einen zu erzählen. Sie baten mich fehr, fie 
morgen fo bald es nur möglich zu beſuche. 
Den sten $ebr. Sobald mit einigen zu mir gekommenen das 
notmwendigfte geredet hatte, ging zu der geflern gedachten angefochte- 
‚nen Frau hinaus, mit welcher eine fehr erbaulicherund vergnügte Un⸗ 
terredung hatte. Sie fchien mir eine im eigentlichen Berftande ge 
nommene Efende zu feyn. Ob fie ſchon nicht leſen kan; fo weiß fie_ 
Doch a geiftlichen Sachen: aus ihrer eigenen Erfahrung recht. fein 
zu reden. er a N ge 
Den iaten Sebr. Nachdem faft denganzen Vormittag mancher: 
ley Zufpruch gehabt, hielt ich die erfte Zubereitungsftunde mit der Syu: 
gend in der Kirche. Mach derfelben Endigung Eonte mit einem Ge—⸗ 
meinsgliede viel erbauliches bis in den Abend hinein reden. 

Den ıöten Sebr. fing ich die Zubereitungsftunden auch auf meiner 
aut unferer Zugend an, deren Anzahl diefesmal nur. vier: . 
zehn find. j — RR RE Er TERN 
Den ızten Sebr, habevieles mit ein Paar Mennoniften geredet, 
die zu mir Famen, und meiner Erbauung begehrten, weil fie in meinen 
Predigten waren , tie fie fagten, gefroffen worden. 

Den 28ſten $ebr. wohnete der Zubereitungsfiunde ein Dater 
zweyer In Diefelbe Fommenden Madgen ganz mit bey, und blieb nach: 
hero noch eine gute Weile bey mir, da er mir denn viel Gutes von ſei⸗ 
ner Frau erzählete, und mich verficherte, daß ihr groſſer Ernſt im 
Ehriftenthum ihm und feinen Kindern gefegnet fl. - ER 

| | | im 


* 


.rn Paſt. Sandſchuhs Tageregifter, 1749. 399 

Am Sontage Laͤtare Nachmittags muſte einen Mennoniſten Mart. 
mit einer reformirten copuliren, deren Geſelſchaft mir durch Fragen 
fehöne Gelegenheit gab, an ihrer aller. Herzen zu reden. Die ganze 
Mennsniften Gefelfchaft ſchien vergnügt wieder wegzugehen. Dar⸗ 
auf hatte manchen andern Beſuch, und noch fehr fpate wurde zu einem. 
plöglich Eranf gewordenen Mann D. K. abgeholet, den in einer feinen , 
und erwechten Gemütsfaffung antraf. 

Denrzten Mart. bin ich früh auf eine Plantage über ſechs Mei⸗ 
len von bier abgehofet worden, eine Trauung mit einer Hochzeitpre⸗ 
digt zu verrichten. Don meit und breit her waren Leute von allerhand 
Secten dabey, die fich auf mein Vermahnen recht artig und andäch- 
tig bewiefen, infonderheit einige alte angefehene Quacker und Menno⸗ 
niften, Die wider ihre Gewonheit, fo langeieh da war, ihre Hüte vom 
Kopfe hielten, und fonften unter der fehr ſtarken Hochzeitsgeſelſchaft 

Fein lautes Wort gehoͤret wurde. 08 “ 
Den ıoten Mart. früh ging mitdreyen unferer Kirchenräthe zu 
einer alten Franken Frau, welche fchon geftern befucht, und reichte ihr 
nach vorhergegangener Bus: und Prüfungsvermahnung das heilige - 
- Abendmahl. Beil fie Broben ihrer herzlichen Busfertigkeit bey ihrer 
groffen Schwachheit ablegte; fo war mir und den andern Anweſenden 
dieſe ganze Handlung ſehr erwecklih. 

Den ꝛaſten Mart. als am Charfreitage früh kamen vier Kir- 
chenraͤthe auf meine Stube, und bald darguf zwey geweſene Herrn⸗ 
huter, die, nach erkanter Verſuͤndigung an unſerer Kirche und heiligen 
Glaubenslehren, um Vergebung ihres gegebenen Aergerniſſes baten, 
und mit Hand und Mund verfprachen, inskuͤnftige treuere Glaubens 
‚genoffen ſamt den Ihrigen zu feyn, und der Gemeine Befteg zu fuchen. 
Sie wurden alfo zur Gemeine ordentlich aufgenommen, und ihnen 
erlaubet, heute mit ung zur Beichte zu gehen. Nach dem Gottesdienft 
habe faft beftändigen Beſuch gehabt, bis wieder zur Kirchen ging, und 
noch eine Zubereitungspredigt, und mit hundert und eilf Eonfitenten 
Bus: und Beichtandacht hielt. Den ganzen Abend hatte vielenle 


berfauf von Leuten, Daß es mir an Kraften fehlen wolte. — 

Am iſten Ofterfeyertäge habe einer ungemein zahlreichen Ver⸗ 
ſamlung gepredigf, und darnach obigen hundert und eilf Communicanten 
das heilige Abendmahl ausgerheilee. Worauf vielen Ueberlauf von Frem⸗ 
den gehabt, bis zur Kirche ging, daſebſt drey Kinder zu taufen, und die 
Predigt zu wiederholen. Abends * ſtarken Beſuch gehabt. — ns 

* Be. ee 


400 Schfte —— Nachricht vonPenſylvonien. 
Am sten Oſtertage. Nach dem Gottesdienſt ging mit dem 


* 
— ———— 
> u m enge 


*—— su dem kranken D. K. Der. miv je länger j je mehr. Hofnung - 


zu feiner Herzensänderung macht. Seine groſſe Veraͤnderung leuchtet 
ſchon allen Leuten in die Augen. Er redet und ma fich ganz Re 
als noch vor einem halben Jahre. 

Den asften Mart. Vormittags habe einen ganz undermuthes 
ten Beſuch eines alten geweſenen Siebentägers, nunmehrigen Menno⸗ 
niften, gehabt, der mic) till zu verfchtedenen malen predigen gehört, und 
ein Gefühl des Geiftes gehabt haben, aus welchem ich zum Wolke vede, 
Daher er nicht laffen Eönnen, mich einmal felber zu befuchen. Dieſer alte 
Mann erzählete, wie er vor drey und zwanzig Jahren in Der Schweitz 
ſey kraͤftig erweckt worden, darauf er hier bald ins Land gekommen, unter 
die Siebentaͤger gerathen, deren ganze Sache er viel zu leichte und ſeichte 
‚gefunden, daher er ſich aus ihrer Rräderfchaft hinweg zu den Menno⸗ 


niſten gemacht, bey Denen ex auch nicht die rechte Sache, ſondern uͤber⸗ 


April. 


all nur Verfall und Verderben unter ihnen antraͤfe. Doch wolle er 
noch bey ihnen bleiben, um nur zu einer gewiſſen Verfaſſung zu gehoͤren, 
er. halte mich hoch ꝛc. und vermahne feine Kinder, zu meiner Predigt herz. 


v7 


ein zu reiten wenn es für ihn alten Mann * ſo ſehr weit ein Wr 


wolle felber öfters kommen, 

Denısten April Dormittags ——— Leiche — * einer 
zahlreichen Verſamlung eine Leichenpredigt gehalten. So bald ein we⸗ 
nig gegefien hatte, ritte nach Yorck, meil ich. dafelbit morgen die Beichte: 
und übermorgen das heilige Abendmahl zu: ‚halten verſprochen. Jenſeit 
der Susquehana kamen mir Herr Schaum undein Vorſteher von Yorck 
entgegen. ., Noch vor Nachts traf dafelbft mit meiner Geſelſchaft gluͤck⸗ 
lich ob wol ſehr entkraͤftet ein, und hatte noch einige Stunden die noͤ⸗ 
mei Unterredungen mit den Vorſiehern — Aelteſten und Schul⸗ 
meiſter. 


Menfehen Zubereitungspredigt und Bus: und Beichtandacht gehalten. 
Den ganzen Nachmittag aber mit den Vorſtehern und Alteſten zuge⸗ 
bracht um mit ihnen Der Gemeine Umſtaͤnde su überlegen. 


Am Sontage Jubilste habe noch mit einigen woͤlf aus der 


Ferne gekommenen Bus und Beichtandacht gehalten, und Herrn 
Schaum predigen laſſen. Nach der Predigt theilte zweh hundert und- 
ſechs Commtunicanten Das. heilige Abendmahl aus, unter welchen ein fei- 
ner Mohr, wie auch ein folcher war, der vor verſchiedenen Jahren zu 

Se en: 


Den sten‘ April. habe einer Anzahl von mehr als zwey hundert | 


/ 


oil Zen, Dafe Benb ne Tage ki er 


den Mennoniſten uͤbergegangen geweſen, vor unſerm Kirchgang aber im April, 
1 Berfenn der. Aelteſten und Vorſteher ſeine Reue Nu ‚begeugef, und ° 
mit einem Handſchlag verſprochen, aus gewiſſer Ueberze ung, be ey 
Anſern heiligen — zu halten, und darauf. zu eben und zu 
ben... Welches denn auch der Gemeine öffentlich. vorgefielt oe 
„gebeten er rde, ihn als einen Glaubensbruder in Liebe wieder aufzunehe 
men. Die übrige Zeit des Tages wurde auf Berathfehlagungen anges 
“mendet,” tie. der Gemeine Beſtes und dauerhaſtige Pflanzung koͤnne 
- befördert werden. Dem zu Folge flelten mir die Aelteften und andere 
die Notwendigkeit der baldigen Ordination des Herrn Schaums mit 
‚vielen Gründen vor, und baten mich, felbige aufs ſtaͤrkſte zu treiben, mu⸗ 
- fie auch dazu eine Bitfehrift an ung vereinigte Prediger in ihrem MR 
‚men und Beyſeyn auffegen,. welche fie alle unterfchrieben. 


Den ı7ten. April ritte in Begleitung Herrn Schaums und ver⸗ 
ſchiedener anderer wieder fort. An der Susquehana mufte mich über 
zwey Stunden aufhalten, wozu ein cathofifcher Pater Fam, in deffen 
Geſelſchaft ich mich über den zwey Meilen breiten und fehr gefährlichen 
Fluß fegen fie. Sein Umgang tar befcheiden und.offenherzig. Eini⸗ 
g Meilen vom Flůſſe kamen mir einige unſerer Kirchenraͤthe entgegen. 


Am Sontage Cantate N ach dem Gottes dienſt wurde Kir⸗ 

— gehalten, Davinnen von der höchfinötigen Reparatur der Kir⸗ 
che und der Orgel, wie auch von der — Wahl einiger neuen 
— geredet wurde. 


Den 24ften April if endlich — bie Sepakatır ber Kirchen 
Tibekinden morden. O pie — es ‚ die geute zu etwasi in Kir⸗ 
— zu bervegen. : 


- ja Den Anke April abe ein — — —— Er war — 
vor drey Monaten auf feines Bruders Hochzeit geweſen, darauf einfehr 

ͤrgerliches Weſen ganzer. drey Tage und Naͤchte fortgewaͤhret. Die 
damalige Braut farb fünf Meilen von hier eines plößlichen. Todes, und 

folte begraben werden, eben an dem Tage che ich nach York ritte, und eine 
-atidere Leiche hier in der Stadt hatte, Diefe zwey Todesfälle find mir 
‚und andern darum merkwürdig, weil alle mein damaliges Bitten und . 

Vermahnen auf der Stube und öffentlic) in der Kirche ſo gar nichts 
‚feuchten. wollen, — ia der rnit Auffage nach eine — 
gott: 









nd 


* 


ao0ꝛ röte Sortesungder riechieven Pesfsfoanien, : 


Ari Se boden, b ang Baar efanden, *** 


Bio 15 RE 


. — Sonta e ——— gn * Rormittagspredigt Do 
Confirmation der Jugend auf heute uͤber acht Tage, das Ku 

mahl aber auf den erfien Pingitta ag, und die Wahl der neuen Vorſteh 
auf dieſen Nachmittag verkuͤndiget. Zu der letztern wurde des Nachmit · 
tags nach der Wiederholung geſchritten, und mit der Gemeine zween alte 
und zween neue Vorſteher erthlet ‚ welches noch ſo Ra 
und ſtille ablief. a 


äy.- Den: ſten Maͤy haben die Leute angefangen, fich bey wie um be 
tigen Abendmahl anzumelden , auch habe diefen Jrachmittag mit der Ju⸗ 


u 
sh Fa ae 


gend die letztern Zuberertungsflunden, nicht ohne — 12 Dergen ni 


und ihren haufigen- Thraͤnen, gehalten. _ 


Den zten Maͤy. Geſtern und heute ſind die Leute J früh an 
bis in den ſpaͤten Abend zum Anmelden bey mir. gewefen , mit denen al 

den ich, fo ausführlich. nur fonte, —— ein von weitem a 
tes Kind auf meiner Stube getauft habe. 


. Am $eft der Zimmelfahrt Cbriffi. "Sn Rormittag habe 


einer ‚sahlveichen, auch aus vielen Fremden beftehenden Berfamlung ges - 


prediget. Das gepredigte Wort hat, mie von verfchiedenen und unfer 
andern von einem Mennoniften gehöret , feine Kraft bemwiefen. Den 
‚ganzen übrigen Tag habe vielen Beſuch von allerhand Leuten gehabt. 


Am Sontage Exaudi. Vormittags wurden nad) der Predigt 


vierzehn junge Leute confirmiret und eingefegnet. Zmifchen dem Bor: 


und Nachmittags⸗Gottesdienſt habe vor vielem Beſuch Faum ein wenig 
effen Eönnen, und Nachmittags den Schulmzifter Kinderlehre muͤſſen hal⸗ 


ten laſſen. Nach — habe ein Paar copuliret, und einige Kran: 


ke beſuchet. 


Den sten Maͤy hatte einen ſtarken a vom Blutheyen und 
muſte deswegen zur Ader laſſen. 


Den z3ten Maͤy Vormittags habe, mie in den bisherigen Ta⸗ 
gen, noch vielen Beſuch gehabt, und habe, ie in die Vorbereitungs⸗ 
— * der Bus: und Beichtandacht gehalten, 


m 


/ . “ 
SEE Irn Paſt. Handſchuhs Tageregifter 17. 400 
An iſten Pfingſttage. Vor der Predigt wurden ſieben Kin⸗ Maͤy 
der getauft, deren eines drey Jahr alt war, nach derſelben aber einhun- ⸗ 
dert und neun und ſiebenzig Communicanten dag heilige Abendmahl 
ausgetheilet. Des Volks von allerley Art war eine aufferordentliche 
Menge in der Kirche und vor den Thuͤren derfelben. Nachmittags pre: 
digte wieder einer groſſen Anzahßſ. 
An ꝛten Pfingſttage nad) der Vormittagspredigt wurden die 
zween alte und zween neue Vorſteher der Gemeine vorgeftellet, ihnen ihre 
Pflichten vorgehalten, und deren Beobachtung mit Hand und Mund 
von ihnen ver/prödjen. Nachmittags lies ich wegen meiner Entkraͤf⸗ 
6 halten, und nach derſelben copulirete 





— 
— 


in 


—— Den often Maͤy. Nachmittags lies ich Kirchenrath ſitzen, wo 
viele nötige Dinge, und unter andern manche Die bevorſtehende Kirchenver⸗ 

ſamlung betreffende äuffere Umflände find verabredet, und Darauf die 

Kirchenrechnung abgeleget worden 


Den 24ften Maͤy wurde von verfehiedenen verehlichten Perſonen 
befucht, die noch nicht zum heiligen Abendmahl geweſen, und fich zum Un- 
tereicht und Zubereitung zu demfelben anmelbefen. Bey Unterfuchung- 
ihres Zuftandes fand infonderheit bey einer Frau eine feine Erweckung 
ie ia ee re re N ae 


— — 
er ‚Aa F ! 


m erften Sontage nach Trinitatis. Der Frank gemwefene 
 D. 8. mar heute nach feiner harten Niederlage zum erfienmal wieder inder 
Kirche und bey mit, gleichwie ich ihn auch nachher noch beſuchet. Wie 
einige Zeit vor, fo auch unter twährender feiner Krankheit hat der HErr 
kraͤftig an feiner Seele gearbeitet, und er fängef an, aus eigener Erfah⸗ 
sung von geiftlichen Sachen fo fein zu veden, daß mich herzlich freuen 
muß, und Hofnung haben Fan, er werde, bey befliffener Treue und Bes 
ſtaͤndigkeit, ein Werkzeug der Barmherzigkeit GOttes in unferer Gemei- 
U RMBPRBDEDERR > 3 0.7, 1RIUH RL: a 2 A 
Den zoſten Maͤy. Vormittags befahe die Tages vorher anbe- 
iohlene Arbeit in der Kirche, woſelbſt voneinigen Kirchenräthen benach» 
richtiget wurde, tie ein reformirter Mann bey ihnen getvefen, der fie 
= hei ec Pag doch zu fagen, daß Ara kranke ebenfals veformirte 
oh 98 


„ 
ı 





Penfylv. Sortf ‚Frau. 


mer: 


jun. 


- Miählenberg und Herr Brunnholg, nebft ihrem Gefährten, Herrn: 


N. 
\ 


x ” “ > F - F ROTER - N ® * 3 
404 Sechſte datlexenaocxce oeicht nenent ivanien. 
Grau in ungemeinee Derlangen na minemBubruchae, ih 


te doch ungefäumt zu ihr kommen. Wie nun unfere naher wo 





Franke Vorfteher befucht hatte, ging mit einem Kirchenrathe auh in 
diefer reformirten Leut An nung, wohin bald mehrere zufammen fr 


‘ “ 
— 
— De 


men. Dieſe kranke Perſon konte ihre Liebe gegen mich und ihr ſtarkes 


Verlangen nad) meinem Zufpru nicht an Dgrten genug ausdrucken, 
und führete an,, wie weder fie noch) ihr Mann fo leichte. Feine v 

nen Predigten verfäumet, und fie groſſen Segen für ihre Seelen dar: 
aus gefehöpft hätten, fie wünfchte, der HErr woile mir alles Gute, fo 
fie daraus an ihren Seelen empfunden, teihlich vergl * 

tige in ihrer Liebe und Ausdrücken ſuchte niederzuſch Men I, ebete mit 
ihr von dem eigentlichen Grunde ihres Herzens ꝛc. Sie klagte, wie 
Mann und fie ſich von den Herrnhutern hätten einnehmen laffen, 
eine Zeitlang in Bethlehem unter ihnen gemefen, in der wirklichen Ueber: 
redung, daß diefe Leute ein befonderes Volk GOttes waͤren; fie haͤt⸗ 






+ 





Ü 


ten ſich aber betrogen gefunden. Seit dem ich in Lancaſter tware,.habe 


Worte GOttes und meinen Predigen erbauen a femandes 
lete deſſen 
ich mich ſelber nicht einmal mehr recht erinnerte. Von ihrem nn 


überall nadhgingen. Det Frauen Seelenzuftand fuchte möglichft aus» 
—— fand einen ziemlichen Grad einer. ſanifin af | 


¶ Den aten Jun. Beil auf Fünftigen Sontag die Ordination 
des Herrn Schaums, als Prediger zu Yorck, und. auf den folgenden 


a 


Montag die allgemeine Spnodalverfamlung alhier zu Lancaſter angeſetzt 


iſt: fo Famen diefen Nachmittag meine lieben Heren Eollegen, Herr 


Schrenck, einem feinen Candidato Furis an. Sean 


I nf | ‚Abend traf auch 
Herr Schaum aus Norck ein. Der ganze Abend, fo 


‚bald wir äuffere 


Ruhe vor den Leuten haften, wurde bis in bie fpate Macht mit nötigen 


36 
vi 
\ 


Unterrebungen zugebracht, 


Den 


rn fo leichte Feine von mer 


ei, Zen. Paſt Handſchuhs Tageregifter 1749 4 


Den zten Jun. Nachmittags gingen wir zur Vorbereitung. Tun. 
Herr Brunnholtz hielt Die Predigt, ich Die Bus: und Beichtandacht. 
- Unter. denen zwanzig Eonfitenten war ein Mann, auf deffen Bitte und 
in deffen Namen ich Die Gemeine um Vergebung feines bisherigen aͤr⸗ 
gerlichen Lebens bitten muſte. Er lies cs quch nicht dabey, Daß ſolches 
von mir gefchahe; ſondern that e8 auch felbft mit feinen eigenen Worten 
unter vielen Thranen. Worauf er nochmals herzlich von mir ermahnet 
und von ihm ernftlich verfprochen wurde, daß er fein Reben durch GOt⸗ 
tes Gnade gründlich beſſern wolte. Gegen fünf Uhr nahmen wir Pre: 
diger unfern bisherigen Helfer, Herrn Schaum, zum Eramine vor, 
welches unfer vielen nüglichen Erinnerungen von ung wechſelsweiſe ges. 
halten worden. Nach Endigung deflelben lieffen wir Die Aelteften, Bor: 
fteher und übrige anmefende Ölieder der Gemeine zu Yorck an der Eato- 
ves vor uns kommen, und redeten wegen Heren Schaums Vocation 
und Ordination mitihnen. Herr Paftor Mühlenberg, als der ältefte; 
führete vornemlich das Wort. DieYorcer fielten denn ihre Vocation 
an den Heren Schaum aus. — 


Am ꝛten Sontage nach Trinit. taufte ich ein Kind; Herr Muͤh⸗ 
lenberg aber predigte. Nach der Predigt hielt er auch die Anrede an den 
Ordinandum, ſtelte ihm feine Amtspflichten zc. vor. "Herr Brunnholtz 

‚ befete, und nad) dem Gebet ſegneten wir ihn mit Auflegung der Hände 
ein. Unter mährender Ordinationshandlung funden alle und iede be= 
vollmaͤchtigte Kirchenraͤthe und Vorfteher der mit ung vereinigten Ge: 
meinen, als Zeugen, um den Altarherum. Nachmittags begrub ich noch 
Bor dem Gottesdienſt ein Kind eines hiefigen Kirchenraths, Das Leichen⸗ 
gefolge war, Der vielen Fremden wegen, aufferordentlich ſtark Nachhe⸗ 
co predigte Herr Kurtz ordentlich und erbaulich. Um fünf hr Abends 

hielte Herr Mübhlenberg den Englandern noch eine Predigt. in ihrer 
Sprache, | R EIER 
Den sten Jun. halb neun Uhr verfamleten fich alle Kirchenräthe 
und Vorſteher der vereinigten Gemeine vor unferer Wohnung, mit 
welchen wir paarweiſe, ein jeder Prediger mit Den Seinigen, in die Kire 
he gingen. Her Schaum hielte die Synodalpredigt. Wach geendig: 
tem Gottesdienſt wurde unfere Kirchenverfamlung, Gottlob! in guter 

Krönung, Liebe und Einigfeit gehalten. Um drey Uhr Nachmittags 

- wurde die dismalige —— geſchloſſen, und wir gingen ein 

98 2. ieg⸗ 


406 SechfteSortfegungder Nachricht aus Penfploanien. 


Fan. jeglicher Prediger mit ben Seinigen Drep und drep aus der girche Durch 
* einen Theil der Stadt, in einesunfeer Kirchenraͤthe — “ 





jeit zugerichtet war, und über ſechtig Perſonen gefpeifet wurden. "Unter 
* Eſſen wurden in einer jeden Stube mei eisen rbaufiche Lieder 


. angeftimt, und alles in feiner Stille, Liebe und Zufriedenheit geendige, 
. Herr Cockſon, eine der vornehmften obrigkeitlichen Perfonen im Lande, 
und Herr Conrad Weiſer gingen unter der Mahlzeitaug einer Stubein 


die andere, und begeigten ihre Zufriedenheit über Die gute Ordnung. 


Den eten Jun. fehr früh kamen viele Menfchen, um von meinen 
wertheſten Herren Eollegen Abfchied zunehmen. Um fieben Uhr reife 
ten fie in Begleitung fremder und hiefiger Kirchenraͤthe wieder ab, und 
ich war betrübt , daß ich fie wegen der vielen Arbeit, Unruhe und Ueber⸗ 
- "aufs von Leuten gar nicht recht genieffen Eönnen, Mittags find-unfere 

Schulkinder mit dem übriggebliebenen in eben demfelben Haufe ges 


fpeifet. worden. Die Aufficht hatten Die Schulmeifter und einige unfer 


ger Kicchenräthe. 5... 
Den oten Jun. brachten einig 
Klugen, Pfarrer in Virginien, zu mir, welcher denn aud) lange gu 
meinem Vergnügen bey mir blieb, und von mir wieder hinunter in Die 
Stadt begleitet wurde f # 


Am zten Sontage nad) Trinit. taufte ich ein Kind, prebigte 


und nach der Predigt verlag der Gemeine die Concluſa unſers legten | 


Synodi, dabey das Notwenigſte gehörig einfchärfete. I ei⸗ 
fete Herr Pfarrer Kluge, welcher auch geſtern faſt den ganzen Tag bey 
mir geweſen, wieder bey mir, und ich lies ihn des Nachmittags für 
mid) ve . Den andern Tag nahm derſelbe von mir. Abfchied, und 
feste feine Reiſe nach Philadelphia fofrt. ° 


Den ızten bis ı7ten Jun. Unfern kranken Vorſieher habe taͤg⸗ 


lich beſucht. Er hat ſich auf feinem drey wöchentlichen Krankenlager fein 
angelaffen, fo daß ich hoffe, das an fein Herz gelegte Wort GOttes folle 
nicht an ihm vergeblich gervefen feyn. Heute vor neun Uhr lies er mich 


. noch einmal zu fich rufen. Das allernotwendigfte fehärfte ihm noch ein, 


- betete und dankte GOtt für Die in den legten Wochen feines Lebens ihm 
noch erwieſene Barmherzigkeit, welches er alles mit völligem Gebrauch 
keines Verſtandes, wie in feiner ganzen Krankheit, anhoͤrete, und Br 
| | er - bey 


e Hirchenraͤthe den Herrn Samuel 


⸗ 


J "UL Sen. Paſt Sandſchuhs Tageregirſter 1749. 407 
bey mit dem Tode rang, den aber, meiner übrigen Amtsgeſchaͤfte we⸗ Jun. 
Be nicht abmarten Fonte. Um zwölf Uhrerfuhr, daß er fanfte einge: 

Den ſten Jun. Seflern Fam Here Pfarrer Kluge auf feiner. 
Ruͤckreiſe von Philadelphia wieder zu mir, und nahm heute von mir 
Abſchied. * uz If * | ae Rz i 
Den ten ul befuchten mich vier abgefehickte Männer einer Jul. 
“ Heinen Gemeine an der Beber⸗Creek, zwoͤlf Meilen von hier, mich zu 

bitten, für ihre Seelen zu forgen, und mich ihrer Gerheine anzunehmen, 
Nachdem das Notmendigfte, Diefer Sache wegen, mit ihnen geredet, 
befchied fie zur Nefolution auf eine andere Zeit mieder zu mir. 
Den igten Jul. ritte fünf Meilen von hier zu Leuten, bey welchen 

ein Eranker junger Menfch Tieget, dee fehr nach mir verlanget hatte. 
Kaum war wieder nach Haufe gekommen, fo erfuhr, daß vor einer kleinen 
Weile das angefehenfie Haupt der Herrnhuter fich erfchoffen habe, 

- Den zoften ul. erzählete mie einer, wie er mit zur Leiche des 
erſchoſſenen Herrnhuters geweſen, und gehörek, wie ihn feine Brüder 

felig gepriefen und gefagt, der Heiland habe es fo haben wollen, fie 
wünfchten zu feyn, wo er waͤre ꝛc. - Auch bin von andern verfichert wor- 

den, wie er einige Tage zubor von feiner ebenfals herrnhutiſchen Frau 
begehret, fie folte mic) Doch rufen laffen, er molte mit mir, feiner Seea 
len wegen, reden: bie Frau aber habe es auf alle Art und Weiſe geweh⸗ 

ret und immer gefagt: Was werden denn die Brüder dazu fagen? ac, 


Den 26ften Jul. murde zu der obgedachfen Eleinen Gemeine an 
der Beber-Ereek, zwoͤlf Meilen von hier, abgeholet, wo ich nad) einigenund 
andern Erkundigungen nad) der Gemeine Umftänden und Lebensbefchaf: 
ferheit der Perfonen , die Kinder aus der Taufe heben folte, den Got: 
tegdienftihielte, und nach) der Predigt, was fonften zur wahren Beſſerung 
und hrifllichen Einrichtung ihrer Gemeine vor noͤtig hielte, mit meh 
rerm erinnerte, — | 
Den zıften Jul. wurde unter andern von einem Siebentäger, ſ 
eines lutherifchen Predigers Sohn aus dem Cleviſchen iſt, und fieben Sr 
mit den Herrnhutern herumgelaufen, ingleichen von einem Sontagstun. 
ker beſucht. Beyde gaben es guf er; der legtere aber ſuchte fich mit feie 
| * 993 


ner 


408: Sechftegortfegungder Pracpeidt von Penßzivanien 


Aug. pe Ute; wbehelfen, daich ihm vorhielte, 


Kirchen abgetreten. “ Deyde baten mic) 9 (6 Me um, 
A ar fehr, fie un 
ihre m) sehn ur —— un beſuchen, — ——— 





viele gnadenhungrige S die ein ach mir bier 
un, und bey bene ich nicht wi ren ing f I 





Am ten Sontage Ba Teinit.. Nach dem ee 
Gottesdienſt ließ ich alle Männer und junge Purſche ſtehen bleiben, wel ⸗ 
he zur Gemeine ‚ai treulich halten wolten, und — — acht 
uncte unter Anführung der. 1 RD, vor, wel Schluß, 
des Kirchenraths von u ‚gefod nee. e ——— feyny. 
und der Gemeine Rechte genie n il ich i) ein jeder. Ir ſei⸗ 
nen Namen vom Schulmeiſter —— aufſchreiben laſſen Die 
Kirchenraͤthe und Vorſteher ſolten als ſolche von einem ieden in 8ie eund 

Gehorſam erkant werden. Pe Ein ieder folle auf unfere gute und chriſtliche 
Kirchenzucht ſteif und veſt halten, fo ah za auf den andern Achtung. 
gebe, und, was von. Erxheblichkeit;dem Pfarrer gehörig anzeige. 4) Die 
jungen Leute — Geſchlechts ſollen —— Kirchefom: 

men, und die Kinderiehren fleifliger befuchen. 5) De n Leichen folle, 
De eingeftellet bleiben, alles til und 0: Ber! a und, 
und dr der Reiche folgen, erſt die Manns: darna Frauens ⸗ 

erfonen. 6) Die Kirchenrechnung ſolle [E alt —— von der J 
Kr werben. 7) Das Pfarrbefoldu NE ein dargu ernanter, 
Kirchenrath einnehmen, und EAN bi) Bone nichts naht zu thun haben.. 
8) Ein ieder behalte feine völlige Freyheit, zur Gemeine zu treten oder von. 
ihr wieder abzugehen, nur müffe es jedesmal dem Pfarrer angezeiget wer⸗ 
den... Wer dieſe ——— eingefen wolle koͤnne nicht als ein Ge⸗ 





‚gehen... Das ch 
trat ein unsre Herrnhuter öffentlich zur Gemeine, welcher dr damit‘ 
zuentfhufbigen fuchte, daß er, wie viele andere, aus Unwiſſenheit verfuͤh⸗ 
ret weiden Alles wurde mit Gebet angefangen und ſo beſchloſſen. 


Den idten Aug. Eine Frau, welche ich mit einem Serlinder 
—— und welche von lutheriſchen Elterngeboren, von ihrem 
tiefonter aber, der ein Tunker ift, verfäumet und nicht zur Kirche ge- 
halten tworden, bat mich mit Thränen, daß * e rn aaa und sum 
heiligen Abendmahl — —— RR: | 


F al 


Al. Zen, Poft: Handſchuhs Tageregiſter 1749. .- 409 
1 YmıztenSöntage nad) Trinif. Nachdem Gottesdienftelies Aug 
ic) die Gemeine abermal ftehen bleiben, hielt ihr die vor vierzehn Tagen  — — 
veſtgeſetzte Puncte abermal vor, und that die aufdie Befferung der ganzen 
Gemeine gerichtetenötige Erinnerungen hinzu. Darauf vondem Schule 
meifter die Namen der noch übrigen Männer und unverheyratheten 
- Mannsperfönen , und ſodann audy die Namen der Weiber aufgefchrier 
ben wurden. Dieſes alles währete bis nach ein Uhr. nn no 
Den 2often Aug. ‚Nachmittags fing im Namen des Herrn die 
. Zubereitungsflunden mit der jugend und drey verhepratheten Weibern 
an. Es kam ein gewiſſer Mann, von feparatiftifcher Herkunft, welcher 
| fort ehr unbefcheiden und untuhiggemwefen, mit dazu, und hörete einen 
Theil davon mit ziemlicher Aufmerkſamkeit an, bezeigte ſich auch nach: 
hero ganz fein und beſcheiden gegen mich, da er mir ſonſt, ſeit meinem 
Hierfeyn, groffe Not gemacht hatte. Diefer war noch da, fo Fam eines 
heute begrabenen Mannes Witwe, die nur vierzehn Tage. Frau gewe⸗ 
fen, mit ihrem bey einem Mennoniften verkauften Stieffohne, und bat 
mich- aufs inſtaͤndigſte, mich doch ihrer und. ihres armen Kindes ane 
Anm ısten Sontage nach Trinit. Als ich Faum gegen acht Uhr 
des Abends von den befuchten Kranken wieder nach) Haufe gekommen; 
fo wurde auf eine Plantage zu einer armen fremden englifchen Witwe 
abgeholet, ihre drey heute geborne Kinder zu taufen, davon das eine 
und zwar das flarkfte ſchon todt fand, den andern beyden aber die hei- 
fige Taufe ertheilte, _ en 
Am ı6ten Sontage nach Trinit. befand mich, mie fchon feit ei- Sept. 
nigen Tagen, ungemein ſchwach, iedoch wagte es auf GOttes allesver- 
mögende Kraft, den Wormittagsgottesdienft felbft zu halten. Nach 
dem öffentlichen Gottesdienft fuhr ich fort, mit der ganzen Gemeine ihrer 
Verbeſſerung regen zu reden, und die noch übrigen Namen vom Schule : 
meifter aufichreiben zu laſſen, ſchaͤrfte auch nachfolgende Ermahnungen 
Annochein. Nemlich: ı) fie folten durch die Gnade GOttes eine herzliche 
Bruderlicbe unter. und gegen einander ie eher ie lieber einführen, und nicht 
länger Boͤcke bleiben, ALT AR, sing ie Na nn fie 
es bisher gemacht. 2) Sie Ben di em andern rathen und helfen 
nach dem Vermögen und der Belege heit, ſo ein. ieder habe, in as 





er 


öt Er 2 


ars Sechſte Sortfegungder achricht voii Penſylvanien 
Einfalt und aus aufeichtiger Bruderliebe, und fich von andern Secten 









ablegen. 4) ZLenn einer Den ande zu Beftrafen, oder au) bep dem re 


emu 


erbarmen, und — ihm 








Den — ER feihe Fam — a ehe NE 
ſter nochmals zu mir, und nahm Abfchied, weil er mit Dem High Con: 
table bey dem Gouverneur in Philadel Du den Eid der Treue able- 


gen, und fich gu feinem Amte be fen muß. Ich gab ihm die 
nöfigften Erinnerungen mit. nn hat. biäher der Gnade - 
in feinem Herzen Raum gelaſſen, — eine merkliche Veraͤnderung 
an ihm verfpüret wird. BOft.gebe be «Dal er fi ich von —— durchs 
Woꝛt fernerhin ziehen laſfe 





Den ten Oct. taufte eines Enofänders Kind in fire Haufe wet. 


im Benfeyn vieler Engländer und fünf —— welche ſich dabe 

ganz ordentlich und dem Aeuſſern nach andachtig betviefen, ‚ fo daß i 
ſie tool vor Feine Yüdinnen gehalten hätte, wenn es mir nicht wäre 
nachhero gefagt worden. Vor und Bu der Taufhandlung hatte 
Gelegenheit eine lange Unterredung nn Cokſon zu. halten, wel: _ 
cher eine der vornemften ObrigEeitlichen Perfonen im Sande, und un: 
ferer Kirche gemogen ift, auch unferer Gemeine hilft, fo viel er Fan, 
Ich dankte ihm — ſeine bisher bezeigte gute Neigung, und bat 
ihn um feinen fernern Beyſtand, ‚ welchen er verſprach, und fich gegen 
MR unfere Gemeine "aufs geneigtefte erklaͤrete. 


Am zoften Sonts nach Trinit, Bey dem Schluß der Ye 
“ wurde von einem heftigen Reiſſen i in der linken Schulter, und ei- 
J. ———— ortſ Hhh nem 


Er 


Oct: nem ſlatken Froſ überfallen, ſo daß kaum fo viel X 


— * F — 


ga Sechſte Sorfesung derriacheine as Pefanen, a 






mit ‚Gebet und Segen zu fehlieffen. Auf meiner Stube ta f R in 


 Aufferfter Kraftloſigkeit ein Kind, deffen Taufzeugen en * * 


5 ſich — * — in hie BSR, su — 


gen bey mir zum heiligen Abendmahl ſich an on 












—— Bottesdi sche gen, 
—* 9 — fr FI ulfe-und Seirfung, E r H 2 
ie mehr u h HErrn, 
meines GOttes, wagen, und Die vier erſten Tage in der Wo ae. 


iaffen , 
Eu A uk Inn ie fü * von als. es Gemits- u 
sſchwachheit zulaffen w und woferne es nur einigermaſſen 
Sonnabends Buspred edigt und Beichtandacht, und Sontags 
— heilige — haͤlten. Von dieſem Nachmittag an 
big den zıften Oct. find mehr als hundert und funfzig Menſchen, 


worunter wol die Hälfte erft neuangefommene waren, bey mir ge 


weſen, mit welchen allen nach Notdurft zu reden ich mich bey meinen 
anhaltenden Gliederſchmerzen und groffer Mattigkeit recht zwingen 
mufte. Meine Hofnung aber und herzliches Wuͤnſchen wurde von 


Gott dem HErrn vor — aus heiligen Urſachen nicht erfuͤllet. 


Denn ich Sonnabends 
mein ſeliges Ende. alle Stunden erwartete. Muſte alſo den 22ſten 


Sontags ſo elend und ſo krank war, daß 
Sontag nach Trinit. den Schulmeiſter wieder Gottesdienſt hal⸗ 


a Mi mich bey der Gemeine entfehuldigen laſſen. 


Am 23ften Sontag nach Trinit. hat der Schulmeifter wieder 
in der Kirche vorgelefen, und zu Anfang Diefer Woche ver Erg ſich 
meine Krankheit nicht wenig. 


Den sten Nov. Fam Herr Kur. alhier an, mich den aſten 


Sontag nad) Trinit. Vor⸗ und Nachmittags zu vertreten, und fol _ 


auch, wie von manchen Leuten vernommen, eine feine, ordentliche und 


SDR Predigt vun haben, | * 
a re 


IE Zen. Pofk, Zandſchuhs Tageregifker 1750: 41: 
' K 4 ‚abe 00 m 

ſchwach befunden. Montags aber befand mich etwas leidlicher. Zn 

Seuenfömacheit Krankheit, und bey meiner groffen Leibes und 








cherley Spuren von Der Kraft Des geptedigten Wortes an den Herzen 
meiner Zuhörer in Erfahrung gebracht. Nun folches alles hat der 


er | | 


Nov. 


414 Sechſte Sortfegungder Nachricht von Penſylvanien. 


Den ſten Sontag nach Trinit. hat der Schulmeiſter da ich 
mich nach meinem erſten Ausgange die ganze vorige Woche viel ſchlim⸗ 
mer befunden, wieder Gottesdienſt halten muͤſſen. Lab 


Den 2sften Novp. Vormittags wagte es wieder einmal, und 


‚ging ein wenig aus, unfere Schule und Schulkinder zu befüchen. 
Dec. 


Am ıften Adventsſontage: Ob war verwichene Nacht nicht 
viel ſchlafen koͤnnen; fo habe es doch gewaget, mit dem neuen Kirchen- 
jahre, (das GOtt an mir und an allen meinen Zuhörern wolle ‚gefeg- 
net ſeyn -laffen, ) mein: Amt felber. wieder öffentlich anzufangen. | 

Den oten Dec. Fam ein alter Vater mit feinem fchon erwachſe⸗ 
nen Söhne einige zwanzig Meilen her, mit Bitte, mid) des Soh— 
nes anzunehmen, und ihn. zu unferer Kirche zu confirmiren, Damit er 


naͤchſtens zum heiligen Abendmahl gehen koͤnne. "Denn er wide von 


allerhand Secten, infonvderheit aber von den Zingendörffern ftarf ver: 
fucht, und zu ihrer Parthey hinuͤber gelocket. Nachdem ihn nun era- 


miniret, und. das nötigfte an fein Gewiſſen gelegt, er ſich auch darauf 


recht fein und nicht ohne Bewegung feines Herzens erklavet, verfprach 
ich, wenn er ſich noch. mehr in der .buchftablichen Erkentniß geübt, 
auffünftigen Chrifttags heiligen Abend zwiſchen der Borbereitungspre- 


digt und. der Beichtandacht ihn zu confirmiren, und den erften Feſttag 


darauf zum heiligen Abendmahl hinzugehen zu faffen. Der alte Ba- 
ter wolte zu gleicher Zeit ſeine zwey und zwanzig jährige Zochter au) 
mit eramıniret und confirmiret haben, wenn fie wieder gefund würde, 
and auch felber mit zum Abendmahl gehen, da er es in vierzehn 
Jahren nicht empfangen hätte, und anietzt ein groffes Verlangen dar: 
nach verfpüre, AR \ | en 


Anm zten Aöventsfontage befand mich, zumal vorige Nacht 
nicht wohl fchlafen Eönnen, ſehr matt. Dennoch hielte-ich.die Vor: 
mitfagspredigt und Fündigte das nötigfte an, hielte auch), nach dem 
Gottesdienſte mit der fiehengebliebenen Gemeine. eine Unterredung, 
a) wegen des von einem aus Europa zuruͤckgekommenen Kirchenrath, 
aus Dankbarkeit gegen GOtt, gefchenkten filbernen Kelchs und Obla⸗ 
tenfehhffelgens, dabey die Leute bat, folches ietzo anzuſehen, und ſich 
Tünftigen Sontag bey dem erfien Gebrauch. deffelben nicht in der An- 
dacht foren zu laffen: 2) megen der Aufnahme der neuen Sanur 

, glie⸗ 


> 


glieder, da ie teu 
N und 3) we 3) we er zu offen 
"zum Beten armer Kinder, die das Schulgeld nicht 


I. Zen beſt Zendſchaho deeregiſter 1749. as 






den Einrichtung der Schulmeifter 

bezahlen koͤnnen, 
e in der. Gemeine find, Die groſſe Kälte aber. binderte, daß 
| even Angelegenheit nicht zu Stande kam. Gleich nach mei- 
unft hatte einen Zuſpruch über den andern, fo daß nicht ein⸗ 






he vi 


ner ge 


. mal ein twenig effen Eönnen. Darauf copulirete ich ein Paar, taufte 


zwey Kinder reformirter Eltern, und — ſonſtei heußmanden du | 


2 —— dieſen Abend ab. 


De ten Dec. N abe ef ‚denen ib — 
engten — hie Ihm — is 





nen, Base nungen, Ionen auf dem gan ⸗· 
‚ai “ We. a A a SR. 


Den Dee ungepredi Bus: ut Ih) 
na a De, pet aitupgpeoi Aus re 









en unterm gten — achten y non vier und iwamig Jah⸗ 
—— eckun BL - ee ee 


sn 
Am gten Somage des ON predigte einer fe — 
der amlung, und reichte vier und achtzig Perſonen das BR Abend⸗ 
nter waͤhrender —— wandelte mir oft eine groſſe 


— Der HErr aber ſtaͤrkte —— daß ich dieſelbe 







zu Ende bringen konte. So bald der letztere Communicant empfangen 
———— 
‚gu, und nachdem mic) ein wenig erholet, ging wieder N 
eh und fegnefe das Volk in geofler Maktigkeit. ne 





Den soflen Dec. An ber vertmidhenen: Tagen habe EI 


| Erankes Glied —— Gemeine were befucht, und feinen S | 
zuſtand von Tage zus eh Meta u felbe heutenac) dem 
e 


iligen Abendmahl. ein ezeigte, und ich d 
mer men aufn i 10 ‚mehr au ng a J En 


tſche Lutheraner aufs neue ins Sand; ommen: Dec 
ei 


26. Sechſte Sertesung der Niachricht von Benftonnien — 
Bes, führete; 6 en er IE Bervegung feines He en mit 





ehe mahren Bus y zeit zu 





"de Bo Erklaͤri ug; des Se und bie — ein x 


m Eind 


in me Ta 
Vom sten bis sten Tan. habe faft fiets —* von un 
anmeldeten. Ein 


habt, die fich zum heiligen Abendmahl Einig 
olte mir e8 zu ſchwer werden, da zumal die Leufe meiftens "gang 


| Blind und todt find, und es genug su reden geht, diefelben auf in 


tiiefes Verderben und auf Die Notwendigkeit einer wahren Herzens⸗ 
aͤnderung zu Jen, Die neu angefommenen inſonderheit ſind fehr 
unwiſſend. ie ſeufze ich nicht oft Darunter! 


| und Beichtanda 


2 Am andern Sonta 1 nad) Spipbeniea wurde acht und Rei 
2 sg ‚Eommunicanten das heilige Abendmahl gereichet. 


Den ısten a habe einen. fehon fehr lange Frank — 
Mann aus der Gemeine abermal befucht, welcher bey feiner Rt 
Schwachheit des Leibes unter andern Reben, bie fein Verlangen 
nach der Gnade anzeigten, 0 Sao Flagfe, daß er gar nichts Ye 

Glauben verfpüre, da er doch 9 und Nacht BO Ren 
darum anriefe x. 


Den ı6ten an. hörete aus gaubwirdiger Zeugen Munde, wie 
der geftern gedachte Mann, welcher diefen Vormittag geflorben, 
einige — vor ſeinem Ende mit froͤlichem Munde geſaget uw‘ 











‚Den ızten e Geha Nachmittags ine Auer Bis⸗ 


Fa 


\ 


. und darauf in — * ) 


IM. L.3en. Paſt. Zandſchuhs Togegifier 17506... .417 


daß ihm nun re t ſehr wohl fey, und. daf er das neue Serufalem Fa R 
J —9— bald werde aufgelöfet — ſ I n 


Kan. befuchte mich der ———— — 
— — reformirte Prediger, ein ſchon betagter Mann. 
Wir —— von der redlichen und lautern Abficht, fo ein 
ifcher. beſonders bier im Lande haben müfle, fenn 
etwas folte Albaner und gefruchtef werden. Es freuete mich nicht we⸗ 
Pr ” daß m Reformirten nun I AU ah —* — bekoimmen 
aben. 


Den sten sehr. habe einen feinen jungen enofihen Quaker von * 
ein und zwanzig — auf m inftan pen ‚Begehren — 






— Ti — vier ae ee Kurt 
— einer anfangt, ‚ zur Erfentniß feines vorigen ‚gottlofen Lebens 
E — Er: sahen: —— 
e damals ganz ich zu ſeyn: mehr Au 
— Fam eine vorm * zu ‚Sale een 


| a sten — en 
Bauten Mann gehalt, ar 





5 Bier zu — ra —— und eel⸗ aͤrettung ‚gereichen 
winden, mit bem — ſo bald nur —* wieder zu kom· 
men, 


— 


Sebr. 


Wort. . 


418° Sechfte Sortfegung der Nachricht von Penfplvanien. 


men, und auf fein mehrmaliges Begehren ihm das heilige Abendmahl | 
zureichen, erfolle fich nur unterdeſſen noch mehr prüfen. Seine Krank⸗ 


heit ſchiene mit nicht zum Tode, fondern zu feiner gründlichen Be⸗ 


kehrung zu fen. = — —J— 
Den zten Mart. habe vielen Zuſpruch von Leuten gehabt, und. 
Nachmittags Zubereitungspredigt, Bus⸗ und Beichtandacht gehal- 
ten, darzu ſechzig Eonfitenten erfehienen. 

Am Sontage Jnoocavit nachdem ich drey Kinder getauft, und ei⸗ 
ner —— Menge Volks gepredigt, wurde obigen ſechzig 
Perſonen das heilige Abendmahl ausgetheilet, worunter einige ſehr 
zerſchlagen und bewegt zu ſeyn ſchienen. —— — 


Den sten Mart fing ich an mit einigen unferer Kirchenräthe 
unfere Gemeinsglieder von Haufe zu Haufe zu beſuchen, wobey ich 


- son der Notwendigkeit eines dftern Hausbefuchs bey einem jedweden 


befonders überzeugt worden. Wenn nur Gemüts: und Leibeskraͤfte 
alles fragen Fönfen. a beſchloß, im Namen GOttes es alle Wo⸗ 
chen an einen gewiſſen Tage, den ganzen Sommer hindurch, zu thun. 
Im Winter will es wegen der ſehr ſchlimmen Wege, Wetters Win⸗ 


des und Schnees nicht wohl angehen. Der HErr, mein GOtt verlei⸗ 


he mir viele Zeit, Kraͤfte und eine erbarmende Liebe. Mittags nach 
zwölf Uhr ging mit eben denſelben vier Meilen von hier, einige Kran⸗ 
ke zu befuchen, und dem unterm afen Diefes gedachten Manne das 


heilige Abendmahl zu reichen. Er mar Aufferft ſchwach, ſo daß er 
wenig reden Fonnen, doch bejeigte er ein groſſes Verlangen darnach, 


und erzaͤhlete mir mit ſchwacher Stimme, wie ihm drey Engel erſchie⸗ 
nen, und uͤber ſeinem Bette hinuͤber geflogen, von welchem Augen⸗ 
blick an er eine beſondere Glaubensfreudigkeit und Gewißheit der 
Vergebung feiner Sünden bey ſich verſpuͤrete. Ich wies ihn von ſol⸗ 
en. auſſerordentlichen Dingen vielmehr aufs geoffenbarte Wort 
zOttes, und zeigte. ihm einige Gründe aus demfelben, wodurch er 
fich der Dergebung der Sünden verfichern Ponte, welche auch ewig 
fiehen bleiben müften. Nachdem ich ihm den ordentlichen Weg zur 
Gnade und Seligkeit zu gelangen vorgehalten, betete, abſolvirete ihn, 
und reichte ihm dag heihge Abendmahl, | — 


Do 


zu "secure 1750.-" 


on Ay beſuchte einen ſchon lange krank ne — 
en in aͤuſſerſter Schwachheit antraf, fo daß er nicht 
| Army wide fo. gerne er auch wolte. Doch brachte et nach und 






nach mit Thraͤnen fo, ——— * er Bar 
vielen Jahren wegen Der Trennungen in der Gemeine nicht genoffen, - 
u — ein. groffes Verlangen darnach habe. Worzu denn Anſtalt | 


{ Ein machen ‚. fo. fort nad) Haufe ging, und % der Wiederfunft ihn 

er fi gend und bitterlich we weinend. fand. Alles, was mit ihm 

desense —— und ‚feine demuͤthige und > busfertige — sing 
wegung A 

—— an der ee — Leute Her 


2 


Am Am Palma sm eranrinise —— en ich aut der a 
| vier. und, ‚swansig Berfonen , darunter: 
Be — von — Sean und die ubtigen meilens — 
MERAN waren. ii +% Bauh * jr 25 Ih 


Den ten Apr. habe ——— finiten Ubelnf, von gen: 
ken als allerhand Gtgenden’gehabt, die ſich noch zum heifigen Abend⸗ 
mahl anmeldeten, darunter —— bitterlich weineten. Nachmit⸗ 
tags hielt Vorbereitungspredigt ehren iwey 
hundert und drey und vierzig C — tenten. ee 


¶Am iſten Oſtertage Habeieinet ünbefeeißfichen Menge Bots 
geptebigt, und nach der Predigt obigen zwey hundert und are, und 
vierzig Perſonen das beifige Abendmahl ausgetheilet. 

Wh Penſylv. Fortſ. — Den 


e f kon u — N 
R — — 
* 
\ \ — er: 
* 
) 


- 


{ } \ ; | R, 3 2 
420 Sechſte Sortfegungder Nachricht von Penfylonnien.. 


seit. Den 2eften Apr. kam der liebe Brudery Here Paflor Brunn 
April Kol ee mer einem unferer Borfteherneun Meilenentgegen 
geritten, zu meiner Freude und Trofte glücklich hieran... < 


Am Sontage Miſericord. taufte Vormittags ein Kind; 
Herr Brunnholg aber: 





runnholg aber predigte für mic) nicht ohne Erbauung, fo "a 
ſchwach er aud) war. Nachmittags predigte ic), und liesden Schu: ⸗ 
meiſter Jacob Loͤſern Kinderlehre halten, damit ihn der Herr Brunn 
holtz auch einmal hören Fönne. "Na dem Nachmittagsgottesdienft 
hatten wir verfchiedenen Zufpruch, und mein lieber Bruder Brunn 
holtz machte ſich Die Freude, und theifte den Kindern Sprüche aus. 
Den zoften Apr, nahm Herrn Brunnholg mit ins Gefängniß, 
wo ich zwey Weibsperſonen zu befuchen hatte, Die wegen Kinder 
mords bisher gefangen gefeffen , und über welche heute das Blutge⸗ 
‚richte folte gehalten werden. ‚Die. eine, fo ıch ſchon einmal befucht, 
war in vielen Thraͤnen, die andere aber fchiene fehr hart und —* 
zu ſeyn Nachmittags gingen nie in die Schule: = Unterdeffen mar 
Herr Mühlenberg hier angefommen. Herr Schaum hatte fich auch 
noch Abends von York aus hier eingeftellt. — 
® a, L 3: 3 er ERrK, u } BEST, — 
maͤy · ¶ Den ıften Maͤy früh wurden wir bald vom Herrn Conrad Wei- 
a fer, Heren Kurs und Herin Schaum beſucht. "Nach genommenen 
iruͤderlichen Abfchied ‚zitten, Herr Muͤhlenberg und Brunnholtz von 
hier nieder tveg, weil erfterer verfprochen hatte, vierzig Meilen von 
‚hier auf dem le eine Verſamlung zu haften, und 
einige Kinder zu taufen, Darauf ſich die Leute verliefen. Herr Kurg 
und Herr Schaum begfeiteten fie einige Meilen. Fuͤr meine merthen 
Herrn Eollegen fan GOtt nicht ‚genug danken. "Denn eg ift kaum 
\ auszufprehen, was für eine Wohlthat und Troſt es ift, in dieſem 
‚Lande unter und mit einander in-bruderlicher Liebe und Einigkeit zu ſte⸗ 
ben, fich einmal beyfammen zu fehen, oder nur ein. Briefgen von 
einander zu leſen. VRR 
Den sten Maͤy Mittags hatte eine Leiche und Feichenpredigt. 
Das verfiorbene Magdgen hatte als Dienftmagd fehon drey Fahr 
bey. Separatiften und Neligionsfpöttern gedienet, hatte aber Doch in 
ihrer Krankheit. GOtte Die Ehre gegeben, und mic) zu..verfchiedenen 
malen zu ihr hinaus rufen laſſen. Sie genoß auch in groſſer —— 
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m. Zrn.Paſt. Zandſchuhs Tageregiſter 1750. 401 


tigkeit und Glaubenseinfalt im Beyſeyn ihrer Herrſchaft das heilige May. 
Abendmahl. Diefe Leute mit allen ihren Nachbarn, lauter Men: — — 

noniſten und andern Secten zugethane Leute, brachten die Leiche her⸗ 

ein, und wohneten der Leichenpredigt ordentlich und andaͤchtig bey. 


Den ısten Maͤy Vormittags trauete ein Paar Gemeinsglieder, 
davon die Braut vorm Jahre in einer feinen Busfertigkeit geſtanden, 
und dieſes Fuͤnkgen, wie ich hoffen will, noch nicht völlig mag ause 
gelöfchet feyn. RZ nr” —— — 

Den ıöten Maͤy habe einen mehrmals ſchon beſuchten und in 
- einem feinen Seelenzuftande angetroffenen Eranken Mann zweymal bes 
ſucht. Sschhabeihn in groffer Leibesſchwachheit, aber auch feine Seee 
le auf den rechten Slaubensgrund erbauet, angefroffen. Es fcheinet 
als gehe es feinem Ende immer näher: der HErr mache ihn noch täge 
lich treuer und einfältiger bis an fein Ende. Meine Seele müffe den 

. HEren meinen GHOft für alle Önade, Geduld, Heil und Hälfe los 

ben, die er mich bisher erfahren laſſen. Ich flehe um nicht3 mehr, 
‚als daß mein Beruf an den Seelen gefegnet feyn, und ich felber famb _ 
vielen vondenen, diemich hören, feligmerden möge. Sochwuͤrdige 

Väter wollen mic) und meine ganze Gemeine in Dero glaubige Fuͤr⸗ 


bitte fleißig einſchlieſſen. | | 
—— —— Johann Friedrich Handſchuh. 


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abſonderlich in Penſylvanien. 








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In Verlegung des Wäyfenhaufes, 
1756 


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X find wey ung A u — Fortfehung der 
/ ‚gegenwärtigen: Vrechrichten. ‘von den Evange iſchen 
Semeinen in Penfplvanien,ans Licht getreten , weiche 
gleich den vorigen mit vielem Beyfall ‚Aufgenommen und. 
€ ‚bisher vielfaͤltige Nachfrage nach. der weitern Fortfegung 
durch dieſelbe veranlaſſet worden. Man hat. ‚demnach 
nicht länger Anftand nehmen wollen, dem ſchon faft zu. lange in der Ge⸗ 
duld geuͤbten Verlangen Ehriftlicher Gönner und Freunde endlich durch 
die Ausgabe dieſer ſiebenten Sortfegung ſothaner Nachrichten ein 
Genuͤgen zu thun, und dieſes mit fo viel mehrer Freudigkeit, ie gewiſ⸗ 
ſer man hoffen kann, den geneigten Leſer durch deren angenehmen mp 
——* — zu pergnugen und ko erbauen, . | 


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- 3 — 1 14 


Te Pa a } 
— enthält Diefelbe Dein fortgefeßten. FR 2 zu after 
Muͤhlenbergs von feiner Amtsführung von zweh Jahren, undden 
Auszug Aus des Herrn Paſtor a Sa — von 
er ritte⸗ 






... 


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NUN | 








bauliche ne na 3 a bereits ger yorden (*) daß 
ſich derſelbe in denen beyden Sahren , Wovon * Bericht hier zu finden. 
ift, jedesmal einige Monate in der Stadt Neuyork aufgehalten: fo ift 
die Nachricht von dem gefegneten Eingang feines Amts an dieſem Drte 
be ne eingefhaltet und ©. 435, bis 465. —— S. 42. bis 506. 
zu leſen. | 





WVon dem andern sn egifter des henn Poſtor 
Handſchuchs, daraus hier ug mitgetheilet wird, iſt die An⸗ 
merkung zu toiederhofen , daß Daffelbe gar nicht zu dem Zweck ‚in öffent: 


Hr Babe Druf ee on em, de zu eigene: RE. taufgeſ 
ang —— aber‘, was derſelbe oft nur m her 
orte berühret hat, ift leicht zu fehlieffen , ‚daß noch viel merkwuͤrdiges 

. hätte angeführet werden koͤnnen , wenn Diefer Auffag von den Geben 
Verfaſſer felbft weiter ausgeführet und mit denen Umfländen zur Er- 
bauung des Lefers ergänget roorden wäre , "die er ‚als ihm 6 — 
ala, —— DR nicht für En erachtet. Rh ei i 

— ni: 


8 Ri Wer mr 

gm bier zugleich mit wenigem gu berichten, daß mit 

—* gedachten Herrn Paſtor Handſchuch nachher eine abermalige Ver⸗ 
aͤnderung vorgegangen. Zuvoͤrderſt iſt es auch in Germantown er⸗ 
gangen, tie es dort von Iconien heiſſet: Die Menge der Stadt 
fpaltete fich.. en nn nachdem eine groffe Anzahl neuer. — Ein⸗ 
wohner ſich dei ft — Die Pi — ur 
5! faflen, 


i }; z ya ir 
} KA ıSE 237 sn Basar 


* ehe die ———— * * 







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* SER HIRAEMOFIN find, beforgt zu Fame für fie zu beten. : Es 


se rr 2 ” 


5 | laſſen, und in in Yenfpfvanien um ER weniger als um 
—8 ur File Be: Seefenheil zu thun geweſen; ſo iſt es verfchie- 
denen u 

fen, von Denfelben fich einen. groffen Anhang zu machen, und fic von 





dem Trunk ergebenen Leuten ein leichtes geive- 


der Gemeine zu frennen , ja weil fie den gröffen Haufen der fogenann- 
ten teutfehen Lutheraner ausgemacht, Die Kirche an fich zu sieben , 
und den wegen feines Argerlichen Lebens berüchtigten Pfarrer Andreaͤ 





‘anzunehmen; Denen denn auch der Herr Paſtor Handſchuch mit dem 


kleineſten Theil der ordentlichſten und chriſtlichſten Glieder der Ge— 
meine gewichen, und dieſen heilsbegierigen Seelen das Wort GOt⸗ 
tes in einem Dazu gemieteten Haufe zu SEO OR und. — ihre 
hy zu —— for — 


Reif es aber deſer kleinen Gemeine endlich ku ner 


dem Heren Paſtor Handſchuch den nothdürftigften Unterhaft zu reis 
5 «hen: fo iſt diefelbe wiederum alfo mit der Gemeine zu Nhiladelphia 


als ein’ Filigl vereinigt worden, Daß der Gottesdieuſt von Da aug, 

wie vorher, bey derfelben verfehen wird. Herr Paftor Handfchuchaber 
hat ſich in Philadelphia niedergelaffen, und hilft denen Dafigen Predi: 
gern in ihrem Amte ſowol in Philadelphia als Germantown, wo es 
die Noth erfordert, dabey er einige Arbeit in der Dafelbft vor nicht gar 
langer Zeit neu errichteten Academierübernominen, und Davon einen 
Zuſchuß zu feinem ‚Unterhalt. empfängt. Welche Eintichtung denn 


auch um fo viel nüßlicher iſt, als Die letzte Nachrichten von dem Herrn 
Heinzelmann Aweyten Prediger in Philadelphia, gemeldet, daß er 


ſchwaͤchlich werde und eine ausgehrende Krankheit zu befürchten ſey, 
mithin dem Herrn Paſtor Brunnhol; bey feiner eigenen Schwaͤchlich⸗ 
Feit die Arbeit zu viel geworden ſeyn würde. ‚Und diefes iftdenn auch, 
was von den neueften Umſtaͤnden zu berichten geweſen, da keine wei⸗ 
tere Veraͤnderungen bekannt worden ſind. | 


§. VIE 
Ein DRIN Umftand iſt es im übri gen, daß dieſe Fortſe⸗ 


| tzung eben zu der Zeit erſcheinet, da ganz Europa auf Die Kriegsun⸗ 


ruhen. inNordamerica aufmerkfam ift, und man Urſach bat, auch in- 
fonderbeit für die Prediger in Denfplsanien, wegen der Sefahr, der 


an 


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„. — 
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en die oͤffentliche Nachrichten von dem Einfall der-frangsfirchge- 
Pr in Venfplvanien und ihren verübten Öraufamkeiten 
vieles Mitleiden erwecket; und da Diefelbe fich bis an Die. Gegenden, 
wo die vereinigte" meinen find y er und nur wenig Meilen 
davon entfernt geweſen; fo iſt die Beyſorge garnicht ungegründef, 
daß die Herren Prediger auch: gar leicht etwas von der Gefahr und 7 
Noͤth des Krieges erfahren oder ihre Gemeinen und Die 'zu deren Be 

fen sömachfeätiithen und Schulanftalten etwas dabey leiden moͤchten. 
— ——— TR, ‚VIE | AUS C * 
Es iſt daher gar nicht unſchicklich, daß Chriſtliche Leſer, deren 
viele bereits aus den bisherigen Nachrichten die treuen Knechte des 
HErrn in Penfploanien werthgewonnen, tie aus manchen eingelau⸗ 
fenen Briefen warzunehmen geweſen, bey Diefer befondern Gefahr, 
in welcher felbige ſchweben, Durch das gegenwärtige Stück aufs neue 
erinnert werden, ihrer Noth in Liebe eingedenE zu feyn, und Diefelbe 
in ihrem Gebet mit ins Heiligthum zu bringen. Wie nun ohnedem 
kein Zweifel ifi, der HErr werde feine Hand über feine Knechte und 
Kinder halten, und nichts zulaffen, was feinem Reich und Werk 
nachtheilig feyn Eönte: alfo wird auch die Fürbitte treuer Knechte und 
Kinder GOttes ihnen um fo vielmehr zu ſtatten kommen. v. 


Es kann aber auch diefe abermalige Nachricht von der unermüde- 
ten Amtstreue der Prediger in Penſylvanien den Gemeinen und allen 
in Penſylvanien zerftreneten teutſchen Lutheranern , die alle wenig: 
ftens Gelegenheit haben koͤnnen, das Wort GOttes zur Erbauung 
und Errettung ihrer Seelen zu hören, bey diefen — | 

dig 


7 


richten GOttes zu einem Zeugniß dienen, daß ihre Lehrer unſchu 
ſeyen an ihrem Blute, wenn fie ſich dieſer Gelegenheit zu ihrem See: 
lenheilnicht treulich folten gebraucht oder Diefelbe wol gar verachtet und 
mit Undank von fich geftoffen haben. Als Paulus zwey Jahr lang fich zu 
Ephefus aufbielt und in der Schule eines mit Ramen Tyrannus tig: 
Lich redete und Ichrete, macht Lucas Apoftelgefch, 19, 10. die Anmer- 
kung dabey, daß alle, Die in Aſia gemohnet, beyde Juden und Grid: 
chen, das Wort des HErrn JEſu gehoͤret. Ob nun gleich nicht zu 
vermuthen, daß wirklich alle und iede Einwohner des ganzen Stück 
Landes, welches Kleinafien im engften Verſtande genennet worden, 
; feinen 





+ VörbericheiN — 
ommen / das Wort des Lebens, das von Pau⸗ 


lo i Schi Tyranni verkuͤndiget worden, zu hoͤren nach E— 
pheſus gekommen, noch weniger aber, daß es alie im Glauben und: 

rſam angenommen, wie denn kurz vorher derer gedacht wird, 
die verſtockt geblieben und nicht geglaubet, ſondern von dem. Wege 
ůbel geredet· fo will Doch Lucas ſo viel anzeigen/ daß wenigſtens ih: 
nen allen die Mittel des Heils ſo nahe gebracht worden, daß ſie, wenn 
fie ſolche verachtet, ohne Entſchuldigung fyen +... 





© 5 meinigen ausg 
lb in der Schule 


— 





Der treue GOtt und Liebhaber des Lebens, der nicht will, daß 
iemand verloren werde, hat nun ſchon vor vierzehen Jahren den bis 
dahin faſt ganz verlaſſen geweſenen teutſchen Lutheranern treue Leh⸗ 
ver gefandt, welche ſich keine Mühe und Arbeit verdrieſſen laſſen, ih— 
nen das Wort des HErrn JEſu zu verkuͤndigen, und ſich eines ieden, 
der nur einiges Verlangen nach ſeinem Seelenheil bezeiget, treulich 
anzunehmen, ja fie Tag und Nacht mit Thraͤnen zu vermahnen. Sie 
haben Feine Mühe und Unbequemlichkeit gefcheuet, auch andere von 
- ihren eigentlichen Gemeinen entfernte Haͤuflein auf ihr Verlangen. 
oft bey dem übelften Wetter und fchlimften Wegen und zumeilen mit 
Lebensgefahr zu befuchen, und ihnen den Rath GOttes zu verkuͤndi⸗ 
gen. Sie haben allen, die zu ihnen gefommen, mit dem nöthigen 
Unterricht aus GOttes Wort zu dienen ſich unermuͤdet angelegen 
feyn laffen. Wenn man liefet, mie fie mannigmal an den Sonn: 
‚und Sefttagen, auffer der öffentlichen Arbeit, die ganze Zeit des La: - 
es mit denen, Die aus der Ferne gekommen, zugebracht und kaum 

o viel Zeit gehabt, u Biſſen Brods zu effen: fo muß man fich ver: 


- toundern, Daß ihte Ktäfte nicht ganz untergelegen. 
| — xi. 


Man kann alſo mit voͤlligem Grunde ſagen, daß alle die in Pen⸗ 
ſylvanien wohnen, das Wort von dem HErrn JEſu zur Errettung 
ihrer Seelen zu hören, hinlaͤngliche Gelegenheit gehabt: deſſen fie bey 
dieſen gefährlichen Zeiten der heveinbrechenden Gerichte GOttes bil: 
fig auch hierdurch öffentlich erinnert, und alle die bisher folche 
Gelegenheit nicht recht gebrauchet, treulich ermahnet werden, fich 
noch Durch Die allgemeine Strafgerichte zu einer ernfllichen Sorge 


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GOttes mit groſſer Begierdefnufgenommen, und Demfelben von. a ! 
‚gen gehorfam geworden, wie Diefes gegenmärtige 
abermaliges Zeugniß ift. Viele davon find bereitsin die felige An | 
Eeit übergegangen und erfahren, ——— hier geglaubt: wie denn der 
Herr Paſtor Mühlenberg inſonderheit die Erempel derer / welche be⸗ 
yeits vaſſorben, wenigſtens was feine ordentliche Gemeinen betrifft; 
mit allem Fleiß ausgeſucht zu haben ſcheinet. Diejenige aber, die 
noch im Leben find, wolle der HErr in dem angefangenen Guten treu 
und beftändig machen , fie vor der; ie geoffen Gefahr der Verfuͤh⸗ 
rung unter Der groſſen Menge, der ihrer. , Freyheit misbrau⸗ 
chenden Einwohner von Yenfoloanien bewahren, und immer mehre: 

re hinzugethan merden saflen, die Da glauben und f tg werden, 

— ſein Name an ihnen geprieſen werde, Amen! 
Sal, den — 1739. — 





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geſetzet durch den Michael Walther, der auch felber noch 
im Guten zunimt und dem heiligen Geiſte Raum laffet,i in 
„feiner Seele zu wirken. 

RIn dem Silial über dem Fluſſe Schulkiel genant, 
tes mit GOttes Huͤlfe fo weit gebracht, daß die Luhe⸗ 
Yäner und Reformirte mit einander gemeinfchaftlich‘ das erfte Schul: 
haus gebauet, und, einen’ tüchtigen Schulmeifter bekommen haben. 

ende Parteien haben es zur Worth ausführen koͤnnen, aber. eine Par⸗ 
tei hätte es nicht allein gekont. Ich habe dabey viele Mühe und Ver⸗ 
druß zum Lohn’gehabt, Die Schule iſt, GOtt fen Dank, im gefegne= - 
ten Fortgange , und dag Schulhaus dienet ung und den Neformirten 
zugleich Verfamlung und Gottesdienft darin zu halten, 

Im Monat Junuazio wurde zu einer reformirten Frau gerufen 
welchen in den leßten Zügen lag. Sie war von honetten vermoͤgenden 
Eitern i in der Pfalz geboren und erzogen, und konte lefen und fchreiben, 

eil nun von hier aus ein reformirter Mann nad) Teutſchland gerei⸗ 
ſet, in der Pfalz ſich mit ihren Eltern bekant und eine vornehme Figur 

Fa Penſylv. Sort: Kkk— gemacht, 





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46 ‚Siebente Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 
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digem Glauben und Nechtfertigung eines armen Suͤnders vor GOtt 


Deutliche Antwort , verlangte auch bald. aufgelöfet und bey Ehrifto zu 


feyn , melchen ſie als ihr alleiniges Heil.erfant ı ihr.beftes Theit 
—ã— j ‚Sie begehtt nad) Eee ve ak naeh ang von 
den vorhergemelbeten Stücken, daß ich mit ihr beten und einige erbau- 


liche Verfe fingen möchte. As folches gefchehen , nahm fie Abſchied 


und fagte, fietwolte zu.ihrer rechten Heimat ꝛc. Das ſey ihr rechtes 
Daterland, woran Chriſtus fein Blut gewandt 2c. Sie hätte fonft ein 
—— Dierlangen, gehabt ihre alten Eltern in Teutſchland noch ein. 
mal zu ſehen, nun aber ſey ſolches Heimweh vergangen, teil fie w 


beffers gefunden. Beym Abſchiede bat ſie, ich möchte fie auf unſern 


‚Kirchhof begraben, ihre Leichenpredigt halten und bey dem Begraͤbniß 


Die Lieder fingen: Ich hab mein’ Sach EOtt heimgeſtellt ꝛc. 


Zer zlich thut mic) verlangen zc. und: Freu dich ſehr o meine 
Seele ꝛc an ihre Eltern aber und Freundſchaft möchte ich. in einem 
Briefe ihren feligen Abſchied berichten, und fie gleichfals zu einem feli 
gen Ende ermahnen, welches alles aud) fo gefchehen iſt. Die Leichen⸗ 
xede wurde über Syerem. 50, 19. unter vielen Thränen der Reformir⸗ 
ten Nachfolger und ihrer übrigen Nachbaren, welche fie gekant und fich 
an ihrem Wandel erbauet hatten, gehalten. . : 


In demfelben Monat ftarb ein Hausvater und Gemeinsglied 


von Propideng. Er war in feiner $ugend verſaͤumet, und Eonte tver 


der lefen noch fehreiben, merkte aber fleiffig auf GOttes Wort undver- 
fäumete Feine Gelegenheit , wo er mas Gutes hören fontee Der HErr 


309 ihn kraͤftig in einer langwierigen und ſchweren Krankheit. - Als I 
| * | en ihn 


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L zrn . Paſt. Muͤhlenbergs Ber. vonfeiner Amtsfähr.ngge, 42 
ihn das erftemal in der Krankheit befuchte, klagte er fehr , daß er in ſei⸗ 
nen gefunden Sagen viel zu tumm, trage und nachlaflig in ‚geiftlichen 
Sachen gewefen, und bezeugte, wie er nun erkenne , ‘daß ein groffer 
Unterfchied zwiſchen einem todten und lebendigen Glauben fey. Er ver⸗ 
ficherte, daß er nunmehro erſt eine rechte Erkaͤntniß und fehmerzliche 
Empfindung von feinem tiefen Verderben und Berfhuldung vor GOtt 
erlanget. Seine Sünden hätten ihn weit von dem allerfeligfien GOtt 
‚und feiner fo feligen Gemeinfchaft geſchieden. Er wuͤſte aber weder im 
Himmel noch auf Erden ein befferes Mittel für feinen Schaden und 

Schande zu finden, als die blutigen Wunden des HErrn FEſu, da 
wolte er ſich hinein wuͤnſchen, bitten und verbergen, und:hoffen , der 
HErr JEſus werde ihn nicht hinaus floffen. Er wolte nach GHrteg 
Willen gerne ſterben, ob er: gleich eine arme Witte und viele unmün« 
dige Kindet zurück laffen müfle , tenn er nur erft Gnade und Berge: 

. bung aller Sünden und Berficherung davon erlanget hätte. ¶Ich gab 
ihm ferneen Unterricht und. betete mit ihm, ſchrieb auch hernach auf 
erlangen feinen legten Willen auf, worinnen er 3 Pfund an unfes 
re Kirche vermachte. Er molte fein Scherflein gerne mit beylegen, weil 


fo viele Kinder GOttes in Europa ihre Gaben zufammengeleget. Die: - 


fer Mann ift in Penfyloanien erzogen , wo nur wenig Seelenweide ges _ 
weſen. Er machte fich aber die Gnadenmittel beſſer zu Nutze, als man 
he thun, welche aus Teutfehland kommen / und von Jugend auf Schu⸗ 
fen und Kirchen gehabt, und hier ohne Zucht, mie unbandige Thiere 
leben. Als ein andermal zu ihm kam, fand ihn in ſehr groſſen Schmer⸗ 
gen. Er beseugte aber, Daß ihm der in Chriſto verſoͤhnte Vater, um 
feines Erföfers willen, alle Sünden vergeben hätte. Er war geduldig 
und. gelaffen, und farb in dem HEren, nachdem er von innen und auf- 
fen wohl gefchmolgen, und durch Leiden bewaͤhret worden. 
In dem Monat Lebruario bat mich ein teutſcher Evangeliſcher 
Mann aus der Provinz Jerfey, der mit feiner Familie ſich eine Zeitlang 
in Neuhannover aufhielte, ich folte feine Frau dann und wann befuchen- 
und zur heiligen Taufe prapariten. Die Frau mar eines alten Englis 
ſchen Quackerpredigers Tochter aus Jerſey. Die Tochter war eben 
‚Melt geboren, als der Vater mit. feinen Freunden Verſamlung 
allen, Weil nun die Berfamlung durch die Geburfunterbros 


hen und verhindert worden , fo hat der Water das Kind deswegen 


Sindrance d. 1. Verhinderung genant. Sie hat denn freylich Hins 
derungen genug gefunden, mit dem allerfeligfien GOtt durch dieheilige 
f | Kkkia Taufe 


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428 Sicbehte gortfegurig der-Frächricht ai Ponfslöh | — 9— 


TDaufe in den Bund des guten Gewiſſens zu kommen, und iftwie. ein. 
verirretes Schaf hingegangen, bis fie eine Mutter von vier. Kindern ge⸗ 


worden. Sie war nach GOttes Wort überzeiiget, Daß der Welthei⸗ 


land Die heilige Taufe verordnet und eingefegt ‚hatte auch ein Verlan⸗ 


gen nach derfelben , ‚aber Die. Furcht für ihrem Vaꝛer und Geſchwiſter 





machte ſie verzagt und bedenklich. Man erwiederte aber, daß ſie ſoiche 


Bedenklichkeiten von dem, was ſie einmal als nothwendig erkant, ſich 


nicht abhalten laſſen, ſondern dabey erſt fuͤr ihre eigene lerne > 1 


—9 nach Chriſti geſetzter Ordnung zur Ruhe und Friede 
er auch En Seen und Diefelbe nach Gelegenheit 
mit Bit Sort und Wandel Überzeugen‘, "ind in der Kraft &NMttes berveis 


| fen folte ‚daß fie eine wahre Na — JEſu waͤre, ihn liebte und 


fein Wort hielte 2c.  Uebrigens ii fie eine feine fittfame Seele, die 


Gottes Wort liebet, ſich mit der Welt und ihren Werken nicht gemein 


machet, das Gebet über und auch ihre Kinder chriftlich und in der Ber: 
mahnung gu dem HErrn ersiehet. Weil es in der rauhen Winterszeit 
war, und ſie ihre vier Kinder auch gerne wolte mit getaufet haben, ſo 
wurde die each in ihrem: Haufe in Gegenwart Chriſilicher Sreun: 
de und Zeugen verrichtet. Ich eraminirte fie erft, und ließ fie Grund 


geben von Pr Glauben und der Hoffnung in ihr , ließ auch die zum 


theil erwachſene Kinder die Articul des Chriftlichen Glaubens und dahin 


gehoͤrige Gebete und Sprüche recitiren, den geiſtlichen Feinden entſa⸗ 
en, und taufete die Mutter ſamt ihren vier Kindern nach Chriſti Bes. 
hf, ‚und nahm nad) gegebener Ermahnung und Gebet Abfchied. . Sie . 

ſind gewillet wieder nach Jerſey zu ihrer Heimat und Freundfchaft zu 


ziehen. Gott gebe , daß fie ihrem Berufe würdig wandeln, und 


SEfum Ehriftum: ohne Scheu bekennen v damit: er ſie wieder belenne 


vor ſeinem himmliſchen Bater ii 7 

In dieſem Monat: farb eine alte Mutter und Mitglied von der 
Pater Gemeine. Sie hatte eine feine buchftäbliche —— 
aus GOttes Wort, und ſchoͤne Gebete ins Gedaͤchtniß gefaſſet,k on⸗ 
te denen Verſamlungen in der Kirche zwar nicht beywohnen, weil fie 


iin war, doch. ging fie in Einfalt mit GOtt auf ihren Krankenlager 


und ließ die Wiſſenſchaft zur Kraft kommen, weil Anfechtung 


9 je Wort merken lehrete, Sie ließ fich dann und wann das heili⸗ 


ge Abendmahl reichen, um das Gedaͤchtniß von ihrer gecreutzigten Lie⸗ 


be zu erneuren, und ſeinen Leib und Blut zur Nahrung des innern neuen 
Menſchen zu gebrauchen, * hatte viele Jahre unter allerhand Volke 


von 


= — 


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| nt Zen Paſt. Maͤhlenbergs Ber. von feiner Amtsfuͤhr 1751. 49 


von Penſylvaniſchen Sefinntheiten gewohnet, auch manche Anfech- 
tung wegen ihres Ölaubens gehabt, blieb aber beftändigundeinfältig 
an GOttes Work, und wolte nichts annehmen, was nicht mitdems 

felben einftimmigtwar. Der HErr bewahret die Einfältigen, und die 
treu find in der Liebe, Diefelben laͤſſet er ihmnicht nehmen. Sie feh: 
nete fic) lange nach einem feligen Ende, und wurde endlich in Friede 
heimgeholet, nachdem fie über achtzig Jahr dieſes Jammerthal ges 
baue. Der Herr Paſt. Hartwich ( bielte ihr die Leichenrede über 








einen Text, welchen fie felber. in ihrem Leben erwaͤhlet. 


Im Monat Martio befchloffen wir. eine Confereng in Tulpe= 

boden zu halten , weil der Ort für den Heren Paſt. Handfchuh am 

naͤchſten war, und er dahin am erften gelangen Font. +. 
Am ıgten Martii Famen Herr Paſt. Brunnholtz und Herr 


Daft. Aartwich nad) Providens, und den folgenden Tag reifeten 


wir mit einander weiter, und legten dreiffig englische Meilen zurück, 


biäs zu der neu angelegten Stadt, Reading-genant, hielten ein Geſpraͤch 


mit dem Herrn M. Wagner, welcher nahe dabey wohnet, und mit 


den neuen Einwohnern Gottesdienſt haͤlt. * 


Anm ꝛꝛiſten Mart.kamen wir wohl behalten bey Herrn Weiſer in 
Tulpehocken an. SEEN tes Pay 
0. © Ym 22ften wolten wir etwas frifche und gefunde Luft fchöpfen, 
fliegen Deromegen mit unſern Freunden drey Meilen hoch auf den 
hoͤchſten Gipfel des groſſen Berges, mo wir bey dreißig Meilen um: 
her ſehen konten. Die Sonne fchien fehr angenehm, heiter und Elar, 
and die groſſe gefpaltene Selfen befehügten ung für den rauhen Mertz⸗ 
winden. Drey Adler, welche ihre Neſter auf Bäumen an einer 


ESpitze von einer fürchterlichen Höhe haben mochten, flogen über un: 


ferm Haupfe, und ſchwungen fich im Zirkel ftufenmweife hinauf zu dem 
guͤldenen Meer der lieblichen Fruͤhlingsſtrahlen, bis fie unfern Augen 
faft verſchwunden. Unſer aller Herzen und Gemüther murden durch 


dis ſinnliche Bild erwecket. In Halle hatten wir oben an den Ge- 
baͤuden der geſegneten Anſtalten des Waͤyſenhauſes die Abſchattung 


und bier ein lebendiges Bild geſehen. Solches gab uns einen deſto 
— ebhaf⸗ 
u RR HEHE HRENSE J 
6s hatte derſelbe, wie aus der Sechſten Fortſetzung dieſer Nachrichten ©. 
360. u. f. zu erſehen, den Herrn Paſtor Muͤhlenberg nad, Penſylvanien zu: 
ruͤckbegleitet, um ſich daſelbſt eine Zeitlang aufzuhalten, und durch den Um— 
gang mit den daſigen Herten Predigern zu erbauen und zu ſtaͤrken 


ER * — — 
= — ” dr o — ’ 


430 Giebente Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien | . | 


febhaftern Eindruck von den himmlifchen Dingen, welche unterdiefen 
Bildern in der heil. Schrift vorgeftellet find. "Wir erinnerten’ ung | 
vieler herrlichen Sprüche und DVerheiffungen, welche dahin gehören, 
fuͤhreten alles: in ein andachtiges Geber und Lobopfer, und fungen? 
Wunderbarer Rönig zc. Sey Lob und Ehr dem höchften 
Gut ic. und meineten, da waͤre es gut, Hütten zu bauen; muſten 
‚Aber mit vieler Mühe und Sorgfalt nieder hinab Elettern, weil wit 
noch in der Belt und ivrdifchen Hütte waren. Gegen Abend traf 
der Herr Paſtor HZandſchuh von Lancafter auch bey ungein. - 
Am 24ften Martii predigte Herr Hartwich Vormittags in der 
groffen Kirche, und Herr Handſchuh Nachmittags in der Eleinen.. 

Am 2sften Mart. reifete Hr. Paſt. Handſchuh wieder nach Lan⸗ 





eafter ab. eilnun die dafige Gemeine feine Treue und Fleiß nicht 


erkennen will, und ſich bisher fehr fehwürig gegen ihn bewieſen, auch 
das zu feinem Unterhalt ihm verfprochene ihm nicht gereichet, fondern 
ihn Noth leiden laſſen: fo gaben wir ihm-einen Brief mit, der in der 
Gemeine foltevörgelefen werden, meldeten darin unfere Abficht , mars 
um wir unfern Mitbruder zum Verſuch auf eine Zeitlang nad) Lan⸗ 
eafter geliehen, und wie fie fich gegen uns und ihn verhalten, berich- 
teten auch , daß er nach etlichen Wochen feine Abfchiedspredigt, hal- 
ten und zu. ung kommen folte, meil wir ihn nöthiger hätten, und bey 
meiner vorhabenden Reife nach) Neuyorck in unſern Gemeinen nuͤtzli⸗ 
cher gebrauchen Enten 2c. Der Brief ift öffentlich in der Kirche vor⸗ 
gelefen, und auch viel Murrens und Redens hin und wieder gemefen. 
Aber die Gemeine hat niemanden abgefandt, aud) nicht anhalten laß 
fen, daß mir unfern Schluß ändern und ihn noch) länger da laffen 
möchten. Daraus mir denn zur Öenüge erfehen, daß. es den Bor 
nehmften Fein Ernft ſey, Die getreuen Knechte zu behalten. Wir 
machten ung in den folgenden Tagen auch wieder auf den Ißeg, und 
zogen unferer Heimat zu. Der Herr Handſchuh und Hr. Kurs hats 
ten den Heren Schaum einmal befucht, und in. der Gemeine ‚geprediz 
get, und berichteten, daß ſichs mitihm zur Befferung anlieffe. GOtt 
fey herzlich gepriefen für Diefe Gnade. So viel ſichs aber menſchli⸗ 
cher Weiſe davon urtheilen laͤſt: fo dürfte er ven Schaden am Fuſſe 
nicht gänzlich verwinden, fondern endlich mit ins Grab nehmen.  _ 
Sin dem befagten Monat Mers entfchliefdasaltefte Gemeinsglied 
in Neuhannover AT.3. Er war einer mit von den erſten Einwohnern 
Des befagten Amtes, welche ſich anfangs in dem Damals ol ag 


— 


— 


— 











e leiden und kuͤmn erlich heraus Arbeiten muͤſſen, ehe fie ihre leibliche 
Nothdurft beſtreiten und unter GOttes Segen die Früchte ihrer Ar- 
beit genieffen Fönnen. Er hatte verfchiedene Veraͤnderungen erlebet 
und bemertt, 





wie es nemlich su Anfange, in den mitlern Zeiten und 





silept ergangen. Anfangs ſeyn Die Leute einzeln und arm, Dabey 
aber auc) wortveſt, hülfteicy, nüchtern, demüthig und fleißig in ih⸗ 
vom Beruf gervefen. Je nachdem fie in ihrem Daterlande in den 


"Gründen der Ehrifilichen Religion mehr oder weniger unterrichtet 


morden, haben fie e8 hier anzuwenden, und dag Eleine Licht und Les 
ben mit den in der jugend gelernten Gebetern und noch übrigen mitge⸗ 
brachten Büchern zu unterhalten gefucht. Wenn fiein ihrer Einſamkeit 
dann und wann von einem Schmedifchen Prediger oder dem Hrn. Pfar⸗ 
rer Henckel befucht, mit GOttes Wort und den heiligen Sacramen- 
ten bedienet worden : fo haben fie folches für eine groffe Wohlthat ge⸗ 
achtet. Die eingeborne Wilden haben anfangs noch zum Theil uns 
ter ihnen gewohnet und herum geſtreifet, ihre Arbeit und Gefang be: 
wundert, und von ihrem Drodt und Milch, und mas fie ihnen fonft 
aus Furcht oder Liebe mitgetheilet, profitivt. In den mitlern Zeiten 
haben ſich die Einwohner von allen Seiten her vermehret, die Vieh— 
zucht fen heran gekommen, und die gereinigten und gebaueten Felder 
haben ihre Früchte immer reichlicher gegeben. Aber an ſtatt der ſchul⸗ 
digen Dankbarkeit feyen die’ Lafter der Augenluſt, Fleiſchesluſt und, 
des hoffaͤrtigen Lebens in den Schwang gekommen, Die Lafter der 
Trunfenheitund Ueppigkeit haben unter andern fo grob zuregieren anz 
gefangen, daß der Ort wegen folcher faulen Früchte im ganzen Lande 
berüchtiget und eine Sauf-und Mordgrube genannt worden. Eini⸗ 


90 wohlgeſinnete Alte ſeyen von dem uͤberhand nehmenden loſen 


daufen wie Loth in Sodom und Gomorra gepiagt worden. Andere 
haben auch nach und nach zu ihrem Schrecken erfahren muͤſſen, wie 
die Jugend Dutch ſolche boͤſe Erempel mit ſchnellen Schritten in dag 
ruchlofe Leben gerathen, und die Eltern in der Bosheit übertroffen. 
An gute Schulen und Chriſtliche Zucht ſey leider, wenig gedacht wor⸗ 
den; und ob der Haufe dem allen ungeachtet wol noch immer eine 


Art vom fo genanten Gottesdienſte unterhalten, "und fich mit felbft 


gelaufenen, Predigern von ihres gleichen auf das opus operatum 
oder bloß Aufferliche Werk, viel eingebildet: ſo fen doch nichts gefun: 
des vom Haupte bis auf die Sußfohlen geblieben, und würde alles 
ganz erſtorben feyn, wenn Der HErr nicht ein Elein Ueberbleibſel vom 
BIRNEN, RT BURN DEE RS guten - 


432 Siebente Sortfegung der Nachricht aus 
guten Samen erhalten hätte. , Ein und.andere von den 







- mancherley Weiſe gehindert worden, ihren guten Zweck zu erveid er 


bis der gütigfte GOtt feine Zeit erfehen, und ihnen mis feinem Woe⸗ 
. te und übrigen Önadenmitteln zu Huͤlfe gefommen. Vorbeſagter 
Alt vater hatte die in meinen vorigen Anmerkungen fo genante beten ⸗ù 
de Hanna (*) zur Ehegenoſſin und einen einigen Sohn, welcher lei⸗ 
der mit in die gottlofe Gefellfchaft verwickelt, werdorben, den Eltern, 
ungehorfam worden, und fie in ihrem Alter verlaffen hat. Diefe und, 
andere Zrübfale entwöhneten fein Herz nach und nach von der Anz, 
-bänglichfeit an hälftofe und vergangliche Ereaturen, und das Wort, 
das von Jugend auf in ihn gepflanzet, durch Zrübfal, Gebet, fleif: 
fige Anhörung, ernſtliche Betrachtung und treue Anwendung, er- 
neuert und bemähret ward, brachte ihn immer näber zu einer feligen 
Erkäntniß feiner gänzlichen Abhangung von dem hoͤchſten HEren , 
feiner Berfchuldung vor GOtt, feines gänzlichen Unvermögens zum 
Guten, des groffen erworbenen Heils in Chriſto und der Wirkungen 
- des guten Geiftes und zur Application der erworbenen Gnade. Er 
wurde dem Geifte GOttes vermittelft des Wortes immer gehorſamer, 
verfäumete weder in Hitze noch Kälte die geringfte Gelegenheit, wo - 
er was Gutes zur Erbauung hören Fonte, liebte die Stile und Eins 
ſamkeit zu Haufe, und fuchte in feinem Kaͤmmerlein fein Herzoftvor 
dem auszufehütten, der ing Verborgene fiehet 2c., freuete ſich auch, 
wenn erein Scherflein aus feiner Nahrung zur Fortpflanzung des Evan ⸗ 
gelü mit beglegen Eonte. Er machte wenig Worte im gemeinen Um⸗ 
gange, konte aber Doch, wenn e8 nöfhig war, Grund ‚geben. von der 
Hoffnung, die in ihm war. Die wahre Armuth des Geiſtes ift wahre 
lic) eine Zierde-an Kindern GOttes, und fehr nöthig zum Wachs⸗ 
thum und Beharren in der Gnade. Hochfliegende Worte, ges 
Fünftelte Redensarten , auswendige Formen und ‚heilig feheinende 
Geberden, mit Menfchen und mit Engelgungen gu reden, machet Die 
Sache nicht aus, wenn nicht mit dem Worte GOttes vom Grunde 
des Herzens herausgebauet und die Armuth des Geiſtes zumege ges 
bracht wird. Es glänget der Chriften inwendiges Leben, obgleich fie 
von auffen die Sonne verbrant ꝛc. So ging es mit. unferm Altva⸗ 
ter. Die Welt und ihre Kinder Fanten den Geiſt nicht, der in ihm 


nz 






©) Siehe die vierte Fortſetzung S. 1564 








Throne. des Lammes finden, und ihnen fuͤr die erwieſene Wohlthaten 
auch von derſelben werde gedamket werden. | 


Am zıften Alert. hielt-ich das heilige Abendmahl mit der Se: 


meine in Neuhannover nicht. ohne Segen und Troft, SR 

Den ten Apr. auf das Ofterfeft theilete ich das heilige Abends: 
mahl in Providentʒ aus, und confirmirte ein und zwantzig junge 
Derfonen, welche zuvor unterrichtet. hatte. Es waren meiftensseute, 


‚welche hin und her tie, gerfireuete Schafe ſich aufgehalten und von 


Herne gekommen; um desheiligen Abendmahls inder Ordnung theif- 
haftig zu werden. Man kann indem Reiche der Natur nicht erwar- 


‚ten, daß alle Körnlein aufgehen: und alle junge Bäume wachſen, wel⸗ 


che gepflanzet werden. So iſt es au) mit den Pflanzen indem Rei: 


che der Gnaden. An einigen habe deutliche Merkmale der Gnaden 


wirkungen geſpuͤret, an andern wol nicht ſo deutlich, ſondern nur 
HErr, HErr, ja, ja, ſagen. Sie haben alle ihr Glaubensbekent⸗ 


niß vorder Gemeine abgelegt, und mit haͤufigen Thraͤnen ihren Tauf⸗ 
bund erneuret. Herr Paſt Hartwich war mit gegenwaͤrtig, und 


wunderte ſich uͤber die verſtaͤndige Antworten der jungen Leute, wel⸗ 
che ſie von der Ordnung des Heils gaben. Wir koͤnnen durch die 
Gnade GOttes an unſerer Seite in groſſer Schwachheit nur pflan⸗ 
zen und begieſſen, und muͤſſen GOtt in Chriſto demuͤthig bitten , daß 
er fein Gedeien dazu geben wolle: VRR Ho | 





NIE Penfelo. Sof © Pr Nach⸗ 


/ 


u 


434 Siebente Fortſetzung dee Nachricht aus Penfpidänten 1 
¶ Nac dem Oſterfeſte watdgendthiget / dis Geme inen in Indien⸗ 
field zu beſuchen. Die arme Jugend war daſelbſt a 4 
rige Unordnung verfaumet und verwildert worden. Ich hatte Die 
Eltern gebeten, Daß et er ee er ng „ 

ten unterrichten laffen, welches and‘ von dem daſigen Schutmeiftet 
nach Vermögen gefchehen war) Weil ich nun hinkam, fofundenfich 
zwey und dreiffig meiſt erroachfene Leute bey mir ein, und lieſſen fi) 
weiter unterrichten, daß ſie hernach oͤffentlich vor der Gemeine Fonz 
ten examiniret und confirmiret werden: Der gnaͤdige GOtt wolle auch 
auf dieſe unvollkommene Arbeit einen Segen legen, um ſeines Namens 
willen!) Don Indienfield reiſete weiter nach dem Gemeinlein in Bir⸗ 
ckenſee, woſelhſt die Seelen durch GOttes Wort zu ermuntern ſuch⸗ 
te, uͤnd an einigen getroͤſtet wurdee. 
Won Bircken ſee reiſete weiter zu einer Gemeine, an welcher Hr. 
Schrenck arbeitet. Dieſer hatte mich im Namen der Gemei⸗ 
ne gebeten, dahin zu kommen, und das heilige Abendmahl zu halten. 
Von dieſem Orte reiſete mit Herrn Schrenck weiter an den Fluß Dela⸗ 
ware und beſuchte die Gemeine in der Forck genant/ theilete auch 
daſelbſt nach vorhergegangener Vorbereitung das heilige Abendmahl 
aus, und predigte zuletzt Engliſch, weil eine ziemliche Anzahl von 
engliſchen Leuten gegenwaͤrtig war. Sie hielten ernſtlich an, ob ich 
nicht dann und wann auf die andere Seite von dem Fluſſe, indie Pro⸗ 
sin; Jerſey kommen, und ihnen engliſch predigen koͤnte? Sie wolten 
ſich in eine Gemeine formiren/ und beſtuͤnden etwa aus dreiſſig Fami⸗ 
lien, Die tie zerſtreuete Schafe ohne Hirten wären. Ich konte ihnen 
‚aber nichts verfprechen. Won da’reifete mit Herrn Schrenck tie: 
der ſeitwaͤrts nach Saccum, und von dannen nad) Altgoſchehop⸗ 
pen, und fuchte: die Gemeine daſelbſt etwas in Ordnung zw brin: 


gen. — DE TE ERS —— 2 I 4 ——— 
Weil Herr Paſtor Hartwich nunmehro im Begriff war, wie⸗ 
der nach ſeinen Gemeinen zuruͤckzureiſen, und Herr Rauß, welcher 
daſelbſt waͤhrend ſeiner Abweſenheit den Gottesdienſt verſehen, wieder 
zu uns: kommen ſolte, Die Gemeinen in Indienfield, Altgoſche⸗ 
hoppen und Birckenſee aber nicht wohl ganz von uns konten ver⸗ 
laſſen und aufs neue den unordentlichen Leuten preiß gegeben werden, 
dieſe Gemeinen indeſſen noch nicht alſo eingerichtet ſind, daß ein ordent⸗ 
licher Prediger für fie ans Teutſchland verſchrieben werden koͤnte fü 
— I SPUR 

ht ? 13507 % ie 11% 


"> 


1. 30n.PafE Mihlenberge et von feiner Amksführ, iii, 25 


— 


TER 


dachten tote, Herr Rauß koͤnte bey denſelden gebraucht werben." Ith 


that deswegen den Gemeinen kund/ daß wir noch keinen Prediger für 


ſie wuͤſten. Herrn Kurtz koͤnten fie nicht kriegen, und Heren Schreuck 
auch nicht· Es waͤre noch ein Studioſus als Catechet da, nemli 


ne Abreiſe aus Penſhlvanien koͤnne tie cher. geſchehen, als den ızten 
— Bu BEE ER SL EN 1 Var er a 


Herr Rauß, welchen fie etlirhemalgehöret / der aufdieund die Weife 

ing Land und zu uns gekommen /, ſolcher flünde ihnen etwa auf ein 
Jahr zum! Verſuch gu Dienſte. Sie antworteten: menn ſie Herrn 
Kurtz nicht kriegen koͤnten, ſo wolten ſie Herrn Rauß zum Verſuch 
nehmen. Ich ſagte, Daß ich ſolches nicht fur mich allein thun koͤnte, 
ſie muͤſten auf der naͤchſten Zuſammenkunft ſchriftlich darum erſuchen, 


welches denn auch geſchahe, indem ſie ſowol um unſere Aufſicht und 


Verpflegung ihrer Gemeine uͤberhaupt, als um Herrn Rauß zum 
——— wir beſſer ————— EEE TEE 
In dem Monat Sebruatio war vonder Gemeine zu Neuyorck, 
auf meine an dieſelbe zu Ende des vorigen Jahrs gethane Erklaͤ⸗ 
tung (*), eine Antwort eingelaufen, in welcher mir ein ordentlicher 
Beruf ʒum Verſuch auf zwey Jahre uͤberſandt, und einhinlänglicher 
Unterhalt verſprochen wurde. Als ich nun von meiner obgedachten 
Reife endlich einmal wieder nach Haufe kam, ifo. hoͤrete, daß in unſern 
erſten Gemeinen ein groſſer Widerwille und empfindlicher Verdruß 
wegen meiner Reiſe nach Neuyorck entſtanden waͤre. Um nun ſol⸗ 
ches zu ſtillen, muſte verſprechen, mein Weib und Kinder: gleichſam 
zum Pfande zuruͤckzulaſſen, und auf eine kuͤrzere Zeit alleine nach 
Neuyorck zu reiſen. Dieſem nach antwortete unterm eten Apr. auf 
Das vorgedachte Schreiben und Beruf der daſigen Gemeine dergeftalt, 
daß ich 1.) für ihr Vertrauen, ſo ſie in meine unwuͤrdige Perſon ges 
ſetzt, dankte), 2.) die Schwierigkeiten, welche von Seitenmeiner Ges 
meinen in Penſylvanien gegen meine zweyjaͤhrige Abweſenheit gemacht 
würden, da fie mich, nachdem ich neun Jahre bey ihnen geweſen, 
nicht laſſen wolten, und andere ſich zeigende wichtige Hinderniffe an⸗ 
zeigte, und mich ſolchen zu folge 3.) erklaͤrte, tie alle dieſe Umſtaͤnde 
nicht zulaſſen wolten ihren Beruf auf laͤnger als zuvoͤrderſt nur auf 
einen Theil der darinnen geſetzten Zeit anzunehmen / in welchem Zeit: 


raum man inmittelſt ſehen würde, wie ſich Die Umſtaͤnde ſowol in Neu⸗ 


yorck als in Penſylvanien an ie 30:4.) fügteic) hinzu, daß 
ich die Meinigen zurücklaffen mufte undalleine fommen würde, 5.) Mei- 


CV Sehfie Fortſetung Sara. nun KR 


436 Siebente Fortſetzung der Naͤchricht aus Peuſylvanien. 


May, und wenn ich Neuyorek in zwey Tagen erreichen koͤnte ſo wolte 
ich meine erſte Predigt auf den isten My, als am Feſte der Hin 
melfahrt Chriſti halten i 
Ach hatte mit Herrn Paſtor Brunnholtz abgeredet, daß wir un⸗ 
ſere Zuſammenkunft und Conferenz aufſchieben wolten/ bis ich von 
Neuyorck wieder zurück kaͤme. Aber einige Aelteſte von unſern Ge⸗ 
meinen: drungen darauf, daß ſie gehalten werden folte, ehe ich weg⸗ 
ginge, und wie es bey der vorigen Verſamlung waͤre beſtimmt wor⸗ 
den, nemlich im Monat Maͤyh. Folglich waren wir genoͤthiget, die 
Anſtalt darzu zu machen. Es wurde darzu der 12te und izte Maͤh be⸗ 
ſtimmet, und an alle vereinigte Gemeinen und ihre Lehrer Nachricht 
gegeben. Ich ſchickte mich inzwiſchen zu der Reifean, und nahm den 
28ſten April in Neuhannover, und den zten Maͤy in Providentz 
vor zahlreichen Verſamlungen mit Wehmuth Abſchied, reiſete am 
sten May von Providentz mit Herrn Kurs ab, und kam den gten 
in Philadelphia an: BET) Lu 
Am aaoten May beſuchte uns der Schwediſche Herr Probſt, mit 
welchem ich ein Geſpraͤch von Penſylvaniſchen Kirchenſachen hielt. ‚Er 
entſchuldigte ſich, und bedaurete, daß er naͤchſten Sonn⸗ und Mon⸗ 
tag unſerm Convent nicht mit beywohnen koͤnte, weil er zu ſpaͤt davon 
benachrichtiget worden, und unvermeidliche Gefchäftesin feinen Ge: 
meinen hatte. Sein Herr-Amtsbruder aber , der Schwediſche Predi- 
ger von Philadelphia Here Berlin/ wuͤrde mit beywohnen. 
Am uiten Maͤy hatten! wir viele Unruhe, die Abgeordhe: 
ten von allen vereinigten Gemeinen zu bewillkommen, und nach 
den Umſtaͤnden ihrer Gemeinen zu befragen." FT 
| Am ı2ten Maͤy waren nebft dem Schwediſchen Herrn Paſtor 
Berlin, von Lehrern: gegenwärtig Die Herren Brunnholtz, Hand⸗ 
ſchuh, Hartwich, Kurs, Weygand, Schrenck und ich. Hr. Schaum 
konte wegen ſeiner Krankheit nicht mit beywohnen. Herr Hartwich 
weihete Die neue Orgel ein, und ich predigte Vormittags, Herr Wey⸗ 
gand Nachmittags, und Herr Kurtz am Abend. Es ging an ſich al⸗ 
les ordentlich und erbaulich zu, und geſchahe kein Ungluͤck oder Scha⸗ 
de, obgleich viel Gedraͤnge vom Volke in der Kirche war. 0° . 
Am sten Maͤny wurde Die Eonfereng über Kirchenfachen mitden 
Aeltefien gehalten. m wu ni ERST TIER 
Am. ıgten Maͤy ging mit dem Herrn Paſt Hartwich, in Be 
gleitung derübrigen Herren Amtsbrüder und einiger Aelteften zu Waf- 
fer, nachdem wir am Ufer mis Wehmuth Abſchied — Wir 
amen 


te 
1 Zen Paſt· Mohlenbergs Ber von feiner Amtsfähr. iii. as 


amen aber an den Tage nicht weiter als zwantzig Meilen zu einer. 

Stadt in Zerfey Burlingtown genant. nr 
Am ısten Maͤy fanden wir einen Zeutfchen Mann von 
inferer Religion in der Stadt, "welchen wir mit Gottes Wort auf: 
‚dumunten ſuchten. Er fagte, Daß er fich zu ber Engliſchen 
Heochkirche hielte,, weil er Feine nähere: Gelegenheit haͤtte. Wir - 
beſuchten den Prediger von der Englifehen Kirche, "welcher ung 
freundlich aufnahm, und von erbaulichen: practifchen Wahr⸗ 
heiten mit ung redete. Gegen Abend fanden wir Gelegenheit, mit 
einem Schifflein gehen Meilen weiter nad) einem Städtlein, Burden- 
town genant, zu kommen. Wir fanden auf dem Schiff einige Paf- 
fagirer, unter andern einen Engländer von Jamaica aus Weſtindien, 
welcher Neuyorck wegen der gefunden Luft befuchen wolte, uns aber 
durch ſeine gotteslaͤſterliche Reden vielen Verdruß machte, und, de 
wir dazu nicht flille ſchweigen Eonten, nicht aufhörete gu fehimpfen und 
zu laͤſtern, bis ich. ihn in einem Gaſthof beyfeite rief, und ihm mit Be 
ſcheidenheit und Ernft fein ungebürliches Bezeigen vorhielt, da er 
denn meine Vorftellung freundlich aufnahm, und fich entfhuldigte, 
von mir aber gebeten wurde, fich unter. GOtt zu demüthigen und zu 
andern. Des Abends langten wir bey Burdentown an, wo wir in 
einem Wirtshauſe übernachten folten. Wir’ gingen in das Städt: 
lein, und traffen Leute an, welche eben in einem Hauſe Verſamlung 
halten wolten, weil ein wiedertaͤuferiſch geſinneter Prediger aus 
Neuengland gekommen war. Wir hörefenden Mann predigen, Fon 
ten aber daraus eben nicht biel Erbauung ſchoͤpfen, weil er gar zu ſehr 
affectivte und zu fremde Geberden machte, wie dergleichen unfludirte 
Leute zu thun pflegen, welche fich zu Iehren unterfiehen und eine un: 
mittelbare Eingebung vorfhüßen. at PH EZ FE RIETÄRTN 
Am oten Maͤpy wurde Anftalt gemacht, daß die Paffagiver mit 
——— ſieben und dreiſſig Meilen weiter uͤber Land gehen 

u — ——— I ED 

Den ızten May wurden wir über einen breiten Fluß gebracht, 
muften bis Nachmittags auf ein ander Schiff warten, melches ung 
aufnahm und mit einem guten Winde durch gefährliche Derter und 
Sandbaͤnke am Abend um neun Uhr vor Neuyorck brachte. Wir keh⸗ 
reten bey einem Vorſteher von der Gemeine ein, welcher. iiber unfere 

Ankunft fehr froh war. = a . 
Am eze8ten May zog mit meinen wenigen Sachen in Das Pfarr⸗ 
hang, welches Ieey war, Die — hatten gedacht, ich — 

Ges: 3 Ä 






amilie 


438 Siebente Sortfegung der Nachricht aus Penfploaniem, 


Familie mitbringen, und waren verlegen, als ic) allein Fam, weil das F 
Haus nicht mit noͤthigem Geraͤth verſehen, und faſt keine Gelegenheit 


F 


war, mich allein darin zw behelfen. 


Den igten Hay predigte Vor-und Nachmittags Hochteutſch 


vor einer einen Verſamlung. Sch merkte, daß das Nieder- und 
Hochteutſche Haͤuflein, welches ſich zur Kirche haͤlt, einen unorden 
fichen Geſang fuͤhreten, und in hoch und niederteutſcher Sprache 
Durch einander ſchrien. Am Abend hatte ſich cin Aelteſter gegen Hrn. 
Hartwich beſchweret, daß ich Nachmittags in der Epiſtelpredigt uͤber 


NPetr. a, 8. einige Stuͤcke zum wahren Chriſtenthum erfordert, welche 


doch feines Erachtens nicht nothwendig wären Die armen Seelen 
find fo viele Jahre her mit Dem opere operato, oder Vertrauen auf 


Das äufferliche Werk, geſchweiget und getröftet worden, daß fie einen 


* 


zweyſtuůndigen ſonntaͤglichen Gottesdienſt in der Kirche für gang hin⸗ 


laͤnglich zur Rechtfertigung und Seligkeit, ihre ſuͤndliche Werke aber 


und den Glauben an den HErrn JEſum dringet, ſo kommt ihr 
ſolches ungewöhnlich vor. Man muß Geduld haben, weil ſie noch 
nicht wiſſen, was zu: ihrem Frieden dienet. Zwo Perfonen von den 
Niederteutſchen bezeugten , daß fie nicht allein die hochteutfche Spra⸗ 
che, ſondern auch die Sache von der. vorlaufenden Gnade inder Pre 
digt verftanden „welches: ihnen Defto exwecklicher geweſen, weil fie zu⸗ 
vor imeinev Krankheit Die. Sache: an ihren Herzen erfahren und. nun 
erſt verftanden häften. Die übrigen Niederteutfchen ſagten, Daß fie 
mehr von meiner hochteutfchen Sprache und Predigt verftanden, als 
von ihres vorigen Predigers Niederteutſchen, weil ich laut und lang- 


für Schwachheiten halten.  Wenn’man nun auf Die —— 


ſam geredet; «Die Hochteutſchen waren auch vergnügt,überihte Mut⸗ 


terſprache. Die Engliſchen hatten ſich beklagt, daß meine Stimme 
zu ſehr in ihre Kirche erſchollen, weil beyde Kirchen nahe beyſammen 
ſtehen, und dev Gottesdienſt zugleich gehalten wird. Aus dieſem al 
fen konte ich abnehmen, Daß das Wort der Predigt bey den allermei⸗ 
ſten nicht ins Herz gedrungen, fondern als ein tönend Erz inden Oh⸗ 
ren verfehtwunden war, weil ich nur Lobreden- wegen der Stimme und 
nur wenig Zeugniffe von der, Kraft des ‚Wortes ‚wernahm.-- 
An zoften —7 ich. eine Art von Beruf und Inſtruction an 
Hrn Rauß auf, weil in unſerm legten Convent beſchloſſen war, denſel⸗ 
ben zum Verſuch auf eine gewiſſe Zeit, als Helfer oder Catechet nach 
Altgoſchehoppe, Indienfield und Birckenſee guf Verlangen der Ge: 
DE DATE a ol Eee 


ALSru Paſt. Muͤhlenbergs Ber, von ſeiner Amtsfuͤhr i75i. 439 
mieinen gu uͤberlaſſen Ich ſchrieb desfalls einen Brief an ihm, daß er 


nach der Ankunft des Herrn Paſt. Hartwichs, deſſen Gemeinen er in 


feiner Abweſenheit beſorget, foieder zurück fommen, und fich wegen 
der‘ ihm vorgelegten Umftande bedenken moͤchte. Die-übrigen Ta⸗ 
ge in der Woche hatte ich vielen: Beſuch von allerhand Leuten ausder 
Stadt und dem Lande, und fo viel ich über das von der Zeit zur Mes 
ditation abmuffigen Eonte, "wandte auf den Befuch einiger Gemeins⸗ 


3 glieder. Das Mittagseffen und Nachklager mufte bey ein und ändern 


Aelteſten nehmen ‚weil dazu in dem Pfarrhaufekeine Einrichtung fand, 


welches mir auch Die zeit verkuͤrzte, die ich fonft ſo noͤthig gebrauchte, 
Am ꝛiſten Maͤy ging Herr Paſtor Hartwich wieder ‚zu 
Waſſer, um die Reiſe nach feinen Gemeinen zu vollenden. 
en ꝛoſten Maͤy als am heil. Pfingſtfeſte predigte ich Bormittags 
Engliſch und Nachmittags zum erſtenmal Hollaͤndiſch. Sch muß mich 
hier in der Stadt mehr auf das Englifche befleiffigen, als im Lande, 
“ Denndie Ohren find delicater. Ich habe in.den neun’ Jahren meines 
Hierſeyns in America noch nicht Gelegenheit gehabt, Engliſche Com⸗ 
mentarios über Die Bibel zu bekommen; "daher fält mir die Zuberei⸗ 
tung auf die Engliſchen Predigten ſchwerer, als man denkt. In der 
Hollaͤndiſchen Sprache bin auch noch ſchlecht bewandert, und muß 
mich mit Der Bibel und einem Lorico muͤhſam durchhelfen. In der 
Engliſchen Predigt waren etwas mehrere Zuhörer z als am vorigen 
Sonntage, desgleichen auch in der Hollaͤndiſchen. Die Frucht; von 
der Arbeit war leider nicht zu ſehen, denn die meiften hielten.fich bey 
. ‚dem Ruhm über meine geringe Fertigkeit in der Englifchen ‚ undüber 
Die gute Ausfprache der Holländifchen Sprache auf 2c. , Das waren 
Denn ninlena: Motte. isdn ing Eau en 
Den agſten Maͤy.· Am Pfingſtmontage predigte Hochteutſch 
und wie es ſchien, nicht ohne merklichen Eindruck und Segen dev: gu: 
hörer. Ich befliſſe mich aufs moͤglichſte der Deutlichkeit und Einfalt, 
und ſuchte Den Seelen durch einen catechetiſchen Vortrag nahe zu kom⸗ 
men.» Damit aber nicht eine gefaͤhrliche Meuerung die Gemuͤther 
füschtfammachen möchte, catechiſirte mit mir ſelber in Fragen und Ant⸗ 
mwörten, "denn ich merke eine. groſſe Unmiffenheit in den nöthigfien 
Grund wahrheiten unter den. Zuhörern. Nach der Predigt murde zu 
einem Englifchen Eapitain gerufen, um fein Kind zu taufen. Der 
Mann iſt von der Presbyterianifchen Gemeine, feine Frau aber von Nie⸗ 
derteutfehen angefehenen Eltern, von welchen der Water Bann ſich 
fleiſſig 


4 


40 Siebente Kortſegung der Nachricht aus Penſylvanien. 
fleiſſig zu unſerer Kirche gehalten, aber durch ben Streit mit dem Herrn 


aſi? Knoll ſich faſt abgeſondert und feiner Religion geſchaͤmet hatı 
Di Frau des Capitains ift noch nicht confirmiret, bezeugte aber 






EM Bm 
fangen, fich su unferer. Gemeine zu halten, wenn Die — ni 
ı 


mürde. Siehatte auch zu dem Ende ihren Deren gebeten, ¶ daß ſie 


Sind duͤrfte bey ihrer Eltern Gemeine: von dem neuen Prediger taufen 5 


kaffen. Nachmittags nahm mich ein anderer Capitain ein rechtſchaf⸗ 
fener Bekenner unferer Kirche, zu Erholung meiner Gefündheit mit auf 
ein Landgut, wo fein Schtwager deſſen Frau ein Mitglied von unferer 
Gemeine iſt wohnet. 1 De — 


* 





A N) Ha IEHHTI IHR 35 KUNR IE lag 
Den2sften NTäy: hielte mit den Aelteſten und Diaconen das er- 


fung ihrer Kiechenorbnung meine Teſtimonia, welche fie befahen, und 
nach) ihrem Vermoͤgen beurtheileten. Sie ſchloſſen hernach ihren Kir⸗ 
chenkaſten auf, und legten ihre Rechnungen 0.0... 

Die Zochteutfehe Gemeinsglieder „welche noch nicht lange in 
Neuyorck geweſen, hatten ſich zum Theil beſchweret/ daß fiebasEng- 
ſche und driederteutſche nicht verſtehen Eönten, und ſehr verlanget / daß 
man, an ſtatt des Engliſchen, Hochteutſchen Gottesdienſt halten moͤch⸗ 
beſtehet, uͤberlegte ſolches, ‚und beſchloß nach den meiſten Stimmen, 
daß an einem ieden Somtage eine Nieder⸗ und eine Hochteutſche Pre⸗ 
digt ſolte gehalten werben, teil fie meineten, Daß ich der Niederteut⸗ 
—— ſchon mächtig genug we 


Den ag9ften May ging ich zu dem oberfien Kichter der Stadt, | 
welcher im Sommer auf feinem Landgute auffer Der Stadt mohnet,und 


eigte ihm an , wie ich von der Teukfeh-Lutherifchen Gemeine zim Ver⸗ 


uch als Prediger auf einige Zeit berufen, und es demnach, dem Ge⸗ 
De ei folge, meiner Schuldigkeit erachtet, dem Herrn Oberrichter 
meinen Beruf und Zeugniſſe vorzulegen, und mich Ders Schus naͤchſt 
Gott zu empfehlen. Er erwiederte, Die Teutſchen haben ja einen 
rediger und Erlaubniß zum Collectiven erhalten. Ich antwortete: 
Fein unfeine Yartei , die ſich ohne hinreichende Gründe von der 


Gemeine abgeſondert, und nicht Luft hat, ſich in Die Ordnung zu be⸗ 


auemen. Der Dichter verfeste: Die Vornehmſten von folcher Par» 


tet haben mir geſagt/ Daß fie die Niederteutſche Sprache nicht verflün- _ 


den, und von den Niederteutſchen Leuten Feine Freyheit hätten erlan⸗ 
gen Fönnen, den Gottesdienftin hochteutſcher Sprache in ihrer Kirche 


— 


. 1.22. Paſt. Muͤhlenbergs Ber. vonfeiner Armtefühesızst. 441 
» zu halten, . Ich antwortete : So weit das Kirchenprotocoll Nachricht 
giebet, iſt ihnen verſchiedenemal hochteutfcher Gottesdienft erlaubet, 
.. aber e8 gefällt ihnen nicht ‚unter der Ordnung und den Kegeln der Kirche 
zu flehen; ‚ein oder ein paar Häupter von der Partei wollen Freyheit ha⸗ 
ben, nach.eigenem Gefallen einen ieden Vagabunden ein und auszufüh- 
ven. Der Richter fagte weiter: ch befinne mich, daß die Partei vor 
wenig Fahren einen folden zum Prediger angenommen, der ſich Hof: 
gut genannt, welchem aber Das Predigen verboten worden, weil er kei⸗ 
ne Teflimonia aufweiſen Fönnen: Ich gab zur Antwort: nicht ’allein 
den Hofgut, fondern fie haben auch nachhero den Carl Rudolph ‚der 
fih Pring von Wuͤrtenberg genennet, unter fich gehabt. Der Rich⸗ 
ter fragte 2 Wie gehet Das zu, daß die Leute fo unordentlich handeln? 
Ich antwortete Es find arme unmiffende Leute, fliehen unter keinen 
Auffehern , misbrauchen ihre Freyheit, und faſſen einen ieden Baga- 
bunden auf, der mit einem ſchwartzen Rocke ins Land kommt, undfich 
für einen Prediger ausgiebet, und wenn denn daraus Unordnung und 
Schande entfichet ; ſo wird folches unferer Lutherifchen Kirche zur Laſt 
geleget. Der Richter ſprach: Das Fan nicht beflehen. Keine 
Societät Fan ohne Geſetze und Regeln erhalten werden. - Er erfundig- 
te fich hierauf, was ic) vor ein Landsmann fey , 100 ich fludiret hätte 
und ordinivet worden fey , und mie ich zu den Gemeinen nad) Penſyl⸗ 
vanien berufen worden; worauf ich gehörigen Befcheid gab, und.meine 
Teſtimonia und Vocation vorgeigte. - Hebrigens wünfchteer mir Gluͤck 
und Segen‘, verfprad) feinen Schuß in gerechten und billigen Sachen, 
und befahl feinem Kutfcher , mich wieder nach Haufe in die Stadt zu 
Ba ED SH IE — 2208 A 
sabı Am ziſten Maͤy beſuchte den Heren Barclay, den vornehmften 
Prediger von der Englifchen Kirche, welchen der Exsbifchof zum Com: 
miſſario in der Provintz Neuyorck ernennet hat. Er Fante mich dem 
. Namen nach, und'bebaurete, daß unfer ohnedem Eleines Häuflein noch 
in zwey Theile gertheilet ware. Er fagte, daß Monf. Rieß und die 
Vorſteher feiner ‘Partei auch bey ihm gemefen, und geklaget hätten, fie 
“wären gedrungen toorden, die Kirche zu verlaſſen, weil man ihnen Fei- 
nen hochteutfchen Gottesdienſt Darinnen erlauben wollen, - Ich erwie⸗ 
derte aber, daß ſolches falſch wͤrre. * 
Die Reformirte Hollaͤndiſche Gemeine iſt hier ſonſt zur Zeit, da die 
Stadt noch unter Hollaͤndiſcher Botmaͤſſigkeit geſtanden, die ſtaͤrkſte ge⸗ 
weſen. Die Gemeine von der Engliſchen Kirche hat aber in nicht gar lan⸗ 
ViIIl.Penſylv. Sortf, Mmm ger 


4 ee — | 
ger Zeit einen Anwachs von vielen Taufenden befommen, fo daß ein ſehr 


groſſes Gebaͤude die Glieder nicht mehr faſſen kann, und ſchon die zweyte 


groſſe Kirche im Bau ſtehet, welche —* fertig werden wird. Die 


ea folches: Anwachſes iſt weil die Kinder der Riederteuſchen ihre 
Mutterfprache vergeſſen und Engliſch lernen: An der alten Engliſchen 
Kirche ſtehen gegenwaͤrtig zween Prediger, und wenn die neue fertig iſt; 
ſo werden noch einer oder zween dazu kommen. Jene die Niederteutſche 
Reformirten haben gegenwaͤrtig noch zwo groſſe Kirchen und vier Predi⸗ 
ger, welche gemeinſchaſtlich an derſelben arbeiten, und ſich mit Predi⸗ 
gen und Catechiſiren viele Muͤhe geben. Ich beſuchte den Aelteſten von 
denſelben, Herrn du Bois, welcher mich freundlich empfing, und er» 

sählete, daß er zu Neuyorck bereits zwey und funfjig Fahre im Amte 
—* Er kan bey ſeinem Alter annoch munter predigen, auch ohne 
Brille die kleinſte Schrift leſen, und hat uͤbrigens groſſe Hochachtung 
in der Stadt und im Lande, Er zeigte mir feine Bibliothee und Mas 
nuſcripta, morunter ſich alle feine — von ſeinen ——— 
die er concipiret, befanden. 

Nach dieſem beſuchte ich auch den —— Herrn Prediger von 
dem reſormirten Hollaͤndiſchen Miniſterio, Herrn de Ronda, welcher 
ohngefehr ein Jahr hieſelbſt im Amte ſtehet, und groſſen Eingang hat. 
Er iſt zuvor in Suriname, einer Hollaͤndiſchen Provintz in Weſtin⸗ 
dien, Prediger gervefen, und iſt ein feiner gelehrter Mann von einem 
angenehmen: Umgang, und guten Gaben. Seine Frau iſt aus.dinem - 
vornehmen Geſchlechte, und als ic) fie Daher fragte, warum fie ſich 
denn in das arme, vor der Welt verachtete Predigergeſchlecht herab⸗ 
gelaſſen? fo antwortete fie, der rechte Adel beſtehe nicht in der natürli= 
chen Abkunft und: Seblüte, fondern in der Geburt von oben ‚Durch den 
heiligen Geift aus unvergaͤnglichem Samen J und — (ehr N. 
‚von Diefen wichtigen Wahrheiten. | 

‚Den dritten. Hertn Diefes Sollegii beſuchte ich ‚gfeichfal 


führete nebft feiner Frau ſchoͤne und erbauliche Discourfe, Daß. > 


recht erfreuete, und ergehlete mir feinen Lebenslauf mit guten Anmer⸗ 
Tungen , hatte auch einige hiftorifche Nachricht von unfern mohlfeligen 
—— in Halle. Er bedaurete die Trennung unſers kleinen Haͤuf⸗ 
eins 

Den ꝛten un. predigte Vormittags Nieder: und‘ Nachmit⸗ 
tags Hochteutfeh. Die Zuhörer laffen die. unnöthige Sorgfalt für die 
aufferlichen Ceremonien und ‚Die te über bie . 

un 





1. Hen Paſt mahlenbergs Ber. vönfeiner Amtsführ.rst. 443 


und Sprachen etwas fahren , und geben auf die vorgefragene Sachen 


3 befier Achtung, welches mir mehrere Hoffnung zu ihrer Gewinnung mas 
” Se: REN —— ee ' 


— Am sten Jun reiſete ic auf Begehren mit zween Aelteſten 
übers Waſſer an die Seite von der Provintz Jerſey, um einige Gemeing- 
glieder und befonders den Herrn van B., der an der Waſſerſucht Frank 
liegt, zu befuchen, Derfelbe iftein fünf und ſechzig jähriger Mann, 
unferer Religion zugethan. Er hat die Kirche in Neuyork bauen hel⸗ 


iſt verſchiedene Jahre Vorſteher von derſelben auch in dem Lande 


don der Aſſemblee bekleidet Ein wenig seitlich Gluͤck, der Umgang 
mit nichts gläubenden Leuten, Das gemeine Aergerniß an dem Vredi- 
er und feiner Aufführung, und Die Unerfahrenheit in geiftlihen Sa- 
hen, hatten zufammen das eingepflangte Fünklein der Neligion in ihm 
faft verlöfchet. Er mar verſchiedene Fahre nicht beym Gottesdienſi 
geiefen, und fehr erkaltet. “Der getreue GOtt ließ ihn in die Krant- 





E a i 4 ie Bei a \ 

— Ih war hey ſechs Stunden mit ihm in einem Gefpräch, 

fo weit es feine Schwachheit leiden wolte · Er ergehlete mir feinen Fe= 

henslauf, und ich zeigte ihm, wie der Tangmüthige GOtt groffe 

—— ihm beiiefen, und auf feine Bekehrung gewartet, und wie 
er mit David wehmüthi 


an alle Sünden, und befonders an die Süun- 


. . flum bitten müfte c. Als er Flagte wie er oftmals in Compagnien 
unter den Vornehmen der Welt fo viele gefährliche und gotzesläfterfi- 
‚he Reden gehöret, ergehlte ich ihm dagegen zinige Erempel, welche 
ch von Dem erſchreclichen Ende einiger Alheiſten gelefen und gehörer. 
. Unter arlern ertehnte er, toie bot, wenigen Sahten ein Geuberneur 
Furt vor feinem Sode mit Eroigkeit, Gericht, "Steafe und Belohnung 
Gefpöttet c. da er in feiner legten Stunde einem andern feines gleichen 
fagen laffen , er wäre juft im Begriff , in die Ewigkeit zu reifen, wenn 


. er "Briefe mif zugeben und zu beftellen hätte 5 fo folte ex fie fertig ma⸗ 
Ye x. Er der Herr van B. wunderte fich, ie es zuginge, daß ges 


Ben in anlgenb geben ‚Und um Derfelben Vergebung durch Chtie 


Tehete Leute von ſo groſſen Vernunftsgaben auf folche Einfälle kommen _ 


Eönten, Die doch Die heilige Schrift und. Lehren der Vernunft am bes 


fien verfichen folten ꝛc. Sch antwortete, er folle fich über die gelehrte 


Werkehrte nicht tundern. Je höhere Gaben ein Menſch empfangen, 
defto tiefer fey fein Fall, wenn er diefelben misbrauche, und die 


angefehen geivefen, Daß er etliche Fahre die Würde eines Gliedes - 


m ihn: auf beffere Sedan! en und jur Sorge für feine Sie: \ 


» 


mm 2 Wahr: 


444 Siebente Sortfegung der Nachricht ausPen Filpanien © 7 


Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalte. Es ſey fchon vor Alters.foge: 
weſen / Daß die Narren in ihrem Herzen geſprochen, es ſey Fein 
Gott a. Wenn der beſte Wein in die andere Fermentation gera- 
- the, fo gebe er einen fchärfern Eſſig als ein anderer von geringern Er 
genſchaften. Der Atheismus liege in unfer aller Herzen von Natur 
verborgen und Auffere ſich mehr oder weniger ie nachdem Zeit und 
Gelegenheit und andere Umſtaͤnde von innen und auſſen ſich ereignen, ie 
nachdem der Menfch fein natürliches Gewiſſen nach und nady einſchlaͤ⸗ 
fere,und der Bearbeitung des Geiſtes GOttes vermittelft feines Wor⸗ 

tes big zur Verſtockung widerſtrebe und dergleichen. EDEN 
Zeit feiner Unwiſſenheit mit Langwuth und. Geduld überfehen, nun 
aber fey es hohe Zeit, daß er. für feine unfterbliche Seele ſorge ws 

er ſich ſchaͤme und beuge über feine Sünden, und bedenke, wie hoͤchſt— 
ſchaͤdlich ihm die Sünden ſeyn, teil fie ihn nicht allein von dem aller, 
feligften GOtt und feiner unausfprechlichen Seligkeit hier in der Zeit, 
fondern auch in der Ewigkeit abfchieden und hoͤchſt unglücklich mad) 
ten. Wenn er die Sünden ald Sünden mit Schaam und Beugun 
fühle und erfenne, fo folle er sum -Snadenthron nahen mit mahrha 

tigem Herzen, und in dem Blute JEſu Gnade und Vergebung für 
chen, damit fein Gewiſſen gereiniget werde von allen Sünden und 
todten Werken zu dienen. dem lebendigen GSBOtt. 
Nachmittags reifeten wir etliche Meilen weiter auf dem Waſ⸗ 

fer, und befuchten noch niet zerſtreuete Gemeinsglieder, und, Famen 

am Abend wieder zuriche zu dem Patienren. 

U fm sten Jun. verfamleten ſich die Niederteutſche Gemeinsglie⸗ 
der und einige Nachbarn in unferm Quartier, und hoͤreten mich über 

die erfteren Verſe aus Matth. 5. predigen. Nach bollendetem Got⸗ 
‚tesdienft weinete der Patient bitterlid,, und ſagte: er ſey ganz aufs 
neue ertwecket und aufden Weg des Lebens getviefen worden. Aber 

der Baum fält nicht von einem Hiebe. Wir nahmen Abſchied und 
geifeten mit gutem Winde mieder nach der Stadt. In meinem 
Haufe fand Hrn. Rauß mit Briefen und Zeugniffen von Hin. Hart⸗ 
wich, daß er fich wohlverhalten. u N 


Den öten Jun. fertigte den Hrn. Rauß ab, daß er. mit Gele: 
genheit feine Reife nach) Penfylvanien weiter fortfegen, und feinen Be- 
ruf zum Verſuch auf ein Jahr antreten möchte. Kurz Darauf Fam 
Herr Weygand von Raritan über Hackinſack in Neuyorek an. 


Den 





1 Sen. Paft: Maͤhlenbergs Ber. von ſeiner Amtsfuͤhr 1757. 445 


Den gten Jun predigte ic) Vormittags Hochteutſch und Nach⸗ 
mittags Niederteutſch. Nach der letzten Predigt hielt zum erſtenmal 
Kinderlehre mit den niederteutſchen jungen Leuten, verFündigte auch, 
Daß fie Die Fugend zu mir ins Haus zum Unterricht ſchicken folten. 
In der Woche kamen etwa sehen bis zwölf. Kinder zum Unterricht, 
Mit den Niederteutfchen Eonte wohl zurecht kommen, aber die Kins 
der von hochteutfchen Eftern haben eine verwirrete Sprache, welche 
aus dem Englifchen, Hoch - und Niederteutfchen etivas ‚und im Gan⸗ 
zen nichts hat. Sie bringen wol AB € Bücher mit , aber mein 
Zweck iſt nur. zu cafechifiven, weil zum Schulhalten zu wenig Zeit 
‚habe ſintemal ich allein auf Die Niederteutfche Predigt drey Tage zur 
Meditation gebrauche, und alles übrige in. der Nachtzeit concipiren 


Vom uten bis ısten "fun. befand mich nicht wohl. Unſere 
Vorſteher hatten mit meinem Vorwiſſen den untern Theil vom Haufe 
‚an einen Englifchen Clark von Der Secretary’s Office vermiethet, mit 
dem Bebing, daß ich meine Pflege -bey ihnen fuͤr ein beftimtes Geld 
im Haufe haben, und die zwey obern Zimmer zu meiner Wohnung 


Es behalten folte. Dieſe Leute waren am sıten Diefeseingegogen, und ka⸗ 


men mir in der Krankheit wohl zu ſtatten. Unfere Leute befuchten 
mic) auch fleiffig, und unter andern kam ein alter angefehener Nieder 
teutfcher, Here M., welcher bey zwantzig Meilen von der Stadt im 
‚Lande wohnet, und fid) anfangs fleißig mit zur Gemeine gehaften hat⸗ 
te, zumir. Er Elagte, daß der vorige hiefige Prediger Fein Herz und 
Gaben gehabt, die Lutherifihe Gemeine zu ſamlen und zu erbauen ꝛc. 
Seine Kinder, welche zum Theil in der Stadt, zum Theil auch im 
Lande wohneten, wären zur Englifchen und Reformirten Kirche ge⸗ 
gangen,. weil fie fich der Berfaffung der Sutherifchen Gemeine ge: 
fehamet. Er erzehlete ferner, daß an ſeinem Orte, wo er twohne, 
eine Engliſche Kirche und Prediger wäre. Er hätte den Prediger ge 
‚fragt, ob er mich wolte einmal in der. Kirche predigen laffen, weil 
‚noch ein und anderer Lutheraner daherum wohnete; worauf berfelbe 
geantwortet, daß er folches gerne erlauben wolte, wenn ich ein paar 
Zeilen von dem Commiſſario aus Neuyorck mitbraͤchte. Er meincte, 
Daß er mir leicht eine folche Erlaubniß bey dem Hrn. Commiſſario 
Barclay verſchaffen wolte, weil er mit bemfelben verwandt. Er bat 
ſehr, ich möchte nach der Krankheit einmal hinkommen, ihn beſu— 
Ken, und an feinem Drte predigen, damit er in feinem Alter noch 
um - Mm einmal 


— 


446 Siebente Sortfegung der Nachricht ans Penſylvanien · 


einmal erbauet, und ſeine Nachbarn uͤberzeuget würden, daßunfere 
Lehre heilſam und gut, ohnerachtet fie durch aͤrgerliches eben viele 
Fahre her gekraͤnket worden waͤre ꝛc. Als nun die Krankheit ſich 
gebrochen , id) aber noch ſehr matt war, ſo wolten meine Freunde zwar 
nieht haben, daß ich ausgehen und predigen folte, Ich bedachte aber 
die Kürze der Zeit, Die Zerftreuung des Volks, und den Nachtheil, 
‚welchen fie noch weiter aus meiner Schwachheit nehmen koͤnten, 
machte mid) auf, und predigte den ıöten unit durch GOttes Bey: 
fand Vormittags Nieder-und Nachmittags Hochteutſch, und feste 
Die Kinderfehre aus. Die Niederteutfchen finden ſich nad) und nac 
wieder herbey, bezeigen einigen Hunger nad GOttes Wort, un 
hören mie Aufmerkfamkäit zu. nn 
2 Am ꝛeſten Jun. predigte Bormittags Hoch: und Nachmittags 
Niederteutſch, und befchloß mit der Kinderlehre. Es waren einige 
Aelteſte von der Gemeine aus Hackinſack mit in der Kirche. 
Am ꝛaſten Jun. conferirten Diefe Leute aus Hackinſack mit mit, 
‘und baten mich / daß ich einmal ihre zerſtreuete Gemeine ben en, Nie: 
derteutſch predigen unddas Abendmahl halten möchte. "Sch antwor- 
‘tete, Daß ich wol einmal zu ihnen kommen und predigen toolte, ‘aber 
das Abendmahl nicht fogleich unter fie austheilen Fönte, meil ih fie 
erſt beffer kennen lernen muͤſte. Sie hatten auch zugleich unfere Aelte⸗ 
ſien erſucht, daß fie mir Feine Hinderniß machen möchten, wenn ih 
fie befuchen wolte. Wir beftimmeten mit einander den ten Sonn- 
‘tag nad) Zrinitatis. Sie baten, ich ſolte doch um GOttes willen 
bey ihnen wie ein Vater thun, weil ſie wie verlaſſene Wänfen und zer: 
ſtreuete Schafe ohne Hirten waͤren. | En, 
Am 2asften um. befuchte zum erftenmal Heren Pemberton, 
Prediger von der Engliſch Presbyterianifchen Gemeine. Er war fehr 
vergnuůgt über meinen Zufprud) und fagte, Daß er von dem Presbyte⸗ 
rianiſchen Prediger Hrn. Tenent aus Philadelphia einen Brief ber . 
kommen, worinnen mein Name gemeldet und ihm gerafhen worden, 
mit mir Umgang zu pflegen. Cr kam gleich auf den wohlfel. Herrn 
Profeſſor Francken zu fprechen, und fagte, Daß er von deſſen Lateini⸗— 
ſchen Schriften verſchiedene gelefen , auch den feligen Heren Hof: 
prediger Böhm in London aus einer Vorrede über des fel. Arndts 
wahres Chriftenthum und andern ürberfegten Tractaͤtlein kennen ge⸗ 
lernet haͤtte ꝛc. Er bezeugte, Daß er bey oftmaliger Leſung eines lateini- 
fchen Tractats, worin der Lebenslauf Des Wohlſel. Herrn Prof. 
ER eher ch Franckens 





13m. paſt Mohlenbergs Ber.vonfeiner Amtsführ.irsi: ur 


Franckens und deſſen Bekehrung befchrieben , vieles Licht und Erz 
bauung gefchöpfet. Denn der Erfolg hätte e8 fattfans gezeiget, daß 
er ein begnadigfer Mann, ausnehmender Knecht GOttes und Vers 

mehrer des Reichs Chriſti geweſen, von deſſen Leibe Stroͤme des le 

bendigen Waſſers in alle Theile der Welt gefloſſen. Wir hatten uͤ⸗ 
brigens noch ein und andere erbauliche Geſpraͤche. Beym Abſchiede 
verlangte er, daß ich ihn oͤfter beſuchen moͤchte. Der Mann hat in 

Neuengland ſtudiret, iſt ohngefaͤhr ſechs und viertzig Jahr alt, und 
ſtehet unter den Seinigen hier und auswaͤrtig wegen ſeiner Gaben und 

Gottſeligkeit in groſſer Hochachtung. Vor mehrern Jahren iſt die 

Presbyterianiſche Gemeine hier ſehr klein, und in zwo Parteien zer⸗ 

theilt gewefen. ‚Nachdem aber Hr. Pemberton dazu berufen worden, 
- hat fidy die Gemeine nach und nad) vermehret. : Ueber diefes ift auch 
eine Sransöfifche Kirche alhier, zu welcher vor Zeiten eine grofle zahle 
reiche Gemeine gehöret,, weil die vornehmſten Hanpter fich zu derſel⸗ 
ben gehalten. Sie haben aber in den letztern Jahren zween Prediger 
‚gehabt , welche mit einander wegen des ungleichen Beyfalls in Streit 
gerathen, worüber einer weggezogen und der andere geſtorben, Die 

Gemeine aber faft gänzlich verfallen, und: theils zu der Engliſchen 
Hochkirche, theils zu der Vresbpterianifchen Gemeine getreten iff. 
Doch haben die Bornehmften wieder von neuem eine Summe zuſam⸗ 
men gelegt undeinen neuen Prediger verfchrieben, welchen fie alle Ta⸗ 
amade. ee IHRER II DB 

Am zoſten ur. predigte Vormittags Nieder: und Nachmit⸗ 
tags Hochteutſch, und befchloß mit der Kinderlehre. Ein und ande 
re Niederteutfche waren unter dem Gehör des Wortes GOttes ber 
wegt, und andere freueten fich über die Kinderfehre. Die Borur: 


theile, welche den Aelteflen und andern Gemeinsgliederm gegen die 


Penſhlvaniſchen Prediger beygebracht worden, fallen nady und nach 
eg, und die Augen gehen einigen ein wenig uf. - 
Den ıften Julii mar der Kiechenrath verſamlet, die gefchehenen 
Vorſchlaͤge zur Bereinigung beyder Parteien zu unterfuchen. Ich 
hatte vor einigen Tagen einige der Bornehmften von der Hochteut⸗ 
- chen Partei, Die fich von der Kirche getrennet und den Herrn Rieß 
"zu ihrem Prediger angenommen , beſucht, welche ihre Beſchwerden 
- gegen die zur Kirche fich haltende Nieverteutfche Gemeine, die mi) 
zum Verſuch als ihren Prediger berufen hat, vorbrachten, wodurch 
fie ihre gefehehene Trennung entſchuldigen wolten, und fi) —— | 
A 


ans Siebente Sortfesung der Nachricht ans enſylvanien ı 
daß fie wieder zu ung treten wolten, wenn wir das von ihnen erkaufte | 


and zweinem DBerfamlungshaufe beftimmteauch bereits zum Theil da ⸗ 
gu eingerichtete Gebäude ihnen abfaufen und alle darauf gemachte 
- Schulden besahlen wolten. Ich hatte ihre Klagen nad) den in em 
Kirchenprotocoll gefundenen Nachrichten beantwortet, den gethanen 
Borfchlag aber unferm Kirchenrath vorzutragen und mein: Beſtes zur 
Beförderung der WWiedervereinigung beyzutragen verfprochen, ob ich 
gleich voraus ſaͤhe, daß die Annehmungdes Haufes Diegröfte Schwie⸗ 
gigkeit bey der Sache machen würde. Ich trug demnach diefelbedem 
Kirchenrath vor. Sie meinten aber, daß man mit gutem Gewiſſen 
das Haus und die Schulden von der andern Partei nicht annehmen - 
koͤnne, weil man Dafür alleine 300 Pfund bezahlen, wenigſtens 100 
Pfund darinnen, ehe es als cin ſchlechtes Schul- oder Wohnhausge: 
braucht merden fonne, noch verbauen und den nächfigelegenen Platz 
noch dazu Faufen muͤſte, indem man fonft nicht recht zum Haufe kom: 
men koͤnte, welcher unter so, Pfund nicht zu bekommen feyn würde, 
Durch folhe Ausgaben würde das Vermögen unferer Kirche, juſt er⸗ 
fchöpfet werden. Man koͤnne ſich aber unmöglich gangentblöffen , ſon⸗ 
dern müfle Das Vermoͤgen beybehalten, um Damit einen heil des Un⸗ 
terhalts für den Prediger zu beftreiten. Es murde Dagegen erinnert, 
daß, wenn die andere Partei wieder herbeykaͤme, doch auch ein ieder 
etwas zum Gehalt des Predigers beytragen muͤſſe, und;mehr Almofen 
in dem Klingebeutel einfommen würden. Andere erwiederten darauf, 
es fey aus den alten Nachrichten zu erfehen,, wie ſchlecht ihr Beytrag 
jederzeit geweſen, und. ob fie gleich ietzo fo reichlich) an Herrn Rieß bes 
zahiten fo geſchaͤhe doch ſolches aus andern Bewegungsgruͤnden, jaman 
muͤſſe befürchten, daß ‚wenn fie erft von dem Haufe undden Schul: 
‘den loß wären, fie ung Doch bald wieder verlaffen ‚ein Hausoder Stube - 
mieten und darinnen mit Herrn Rieß oder einem andern den Gottes⸗ 
dienft haften würden ; tie fi) ein und anderer von ihnen bereifs un- 
ter der Hand verlaufen laffen. Auf folchen Sch wuͤrden mir ganz ent: 
bloͤſſet ſeyn, nichts mehr in der Kirchencaffe haben, und gleichwol das 
Haus ' das mir von ihnen sefauft hatten . nicht einmal brauchen kön: 
nen. Dieſemnach funde niemand rathfam, ſich zu Annehmung des 
Hauſes und der Schulden zu verfichen: doch wurde befchloffen, die 
der andern Partei vorzulegende Articuls fo einzurichten , daß fie zum 


Srieden und Bereinigung beförderlich ſeyn koͤnten. 








Hrn Paſt. Můͤhlenbergs Bervon feiner Amtsfuͤhr 175. 449 
rm ten Jul. predigte ich Vormittags Hoch: und Nachmit⸗ 
tags Niederteutſch, und beſchloß mit der Kinderlehre Der Herr 

Paſt. Knoll und feine Vorſteher hatten aus dem Lande an mich und 
Die Aelteſten der Gemeine geſchrieben, und um eine Collecte zu ihrem 
‚neuen Kirchenbau gebeten... Ich hatte folches acht Tage zuvor verfün: 
Diget ; und heute tourde die Collette in der Kirche gefamlet. So ge: 
ring unfere Gemeine noch ift, haben fie doch mit frölichem Herzen bey 
acht Pfund zufammen gelegt, welches mich erfreuete, weil fie es ſo ein⸗ 
fältig gaben, und die linke Hand nicht wiffen lieſſen, was die rechte 

that zur Ehre GOttes undzun Aufbau der verfallenen Kiche. 
Unſer Mitbruder der Hert M. deffen oben unterm izten Junii 

gedacht worden, () hatte: mich fchon verfchiedene mal eingeladen , 
daß ich ihn beſuchen und an feinem Orte einmal Englifch predigen ſol⸗ 
te, welches letztere aber erſt von dem Hrn. Commiffario Barclay be- 
williget werden ſolte. Weil ich nun ohne dem gerne, wegen der bis⸗ 
her zwiſchen den hieſigen beyden Parteien unter den Lutheranern ge⸗ 
ſchehenen Vorſchlaͤge zur Bereinigung, mit ihm mid) unterreden wol: 
te, fo veifete am ıoten Jul, früh. von Neuyorck auf dem Waſſer ab, 
und kam am felben Tage wohlbehalten in Sufbing an, fand auch 
den Hin. M. und ſeine Familie wohl vor. Sch würde bey ihm durch 
erbaulichen Umgang und Unterredung am Geiſt und Leibe geſtaͤrket. 
Anm ten Jul. fuhr wieder mit einem Schifflein ab. Wir hat⸗ 
ten gang contrairen Wind und zuletzt Sturm, "und muſten durch ei⸗ 
nen gefährlichen Ort, welchen wie Engliſchen Hellgate oder Hoͤilen⸗ 
ſchlund nennen. Weil ich nun die Gefahr und den Schiffer ohne 
genugſame Huͤlfe ſahe, ſo wolte ihm beyſpringen, war aber hurtiger 
mit den Haͤnden als Fuͤſſen, glitſchte auf die niedrige Seite des Schiff⸗ 
leins welches im Waſſer fuhr und waͤre beynahe übern Bord gefal⸗ 
len, wenn nicht ein veſt gemachtes Seil ergriffen und die Fuͤſſe aus 
dem Waſſer gezogen hätte. Der Sturm legte ſich aber endlich, und 

wir kamen mohlbehaltennah Neaysd., na 
Am iugten Jul. predigte Vormittags Nieder : und Nachmittags 

Hochteutfch,, und beſchloß mit einer Kinderlehre. Der HErr ſtund 
mir dieſes mal kraͤftig bey, daß mit freudigem Aufthun des Mundes 
‚fein Wort verkuͤndigen konte. Die Gemeine hoͤrete mit Bewegung 

zu, und einige wuͤnſchten, daß fie beyde Predigten zum: Andenken im 

Druck wor fih haben möchten. © Mare 

(CH) Siehe oben S. 445. BEER 2 ;: . 
VAL Penfylo. Sortf. Ann. Am 


J 


459. Giebenite Sortfegung der Fächricht aus Pöhfsfoanien. 


Am ısten ul. war der Kitchenrath inmeinem Haufe verfamlet, 
and Herr M. aus Fluſching wohnete mit bey , wie auch ein paar.anz ⸗ 
dere angefehene Mitglieder der Gemeine. Wir wurden ſchluͤſſig die 
Artieuls und Vorſchlaͤge, aufmelche Weiſe die Vereinigung mitder 
anderen hochteutfchen Partei zu ftande gebracht werden möchte, fertig 
zu machen, in das Kirchenprotocoll zum Andenken zufehreiben, und 
ine Abfehrift und Ueberfegung davon an jene Partei zuübergeben. Was 
das von derfelben erfaufte Haus betrifft fo hatten wir darinnen ih: 
nen frey geſtellet, Daffelbe wiederum fo gut als möglid) zu verfaufen ; 
wenn fie aber nicht fo viel wiederum davor befommen koͤnten, als zur 
voͤlligen Bezahlung der Schulden erfordert werde; ſo ſolle das uͤbrige 
durch den freywilligen Beytrag der ganzen Gemeine, wie auch durch 
eine Collecte bey andern Gemeinen und aus der Almoſencaſſe voͤllig ge⸗ 
-tilget werden, Damit die Gemeine von beyden Seiten ohne Schaden 
‚bliebe.. Ich übergab fothane Articul und Vorſchlaͤge an Hrn. Rieß, 
und bat/ en möchte fein Beſtes thun/ und die Leute bemegen,, daß ſie 
auch ihr Beſtes bedenken, und ſich wieder mit der Kirche und Gemei⸗ 
‚ne vereinigen ſolten, damit die Schmach und Aergerniß von unſerer 
«Religion gehoben würde, lad "mm. 
Am ten Jul. Abends kam Herr Rieß zu mir, brachte eine 
Antwort und ſagte, daß er ſelbige aufgeſetzt und ſie von ſeinen Leuten 
unterſchreiben laſſen. Der neunte Punct in derſelben ging dahin, daß 
das von ihnen erkaufte mit Privilegien und öffentlicher Auctoritaͤt ver⸗ 
ſehene Gotteshaus und Kirche nicht nur mit allen Laſten und Schul⸗ 
den von einer ganzen Gemeine angenommen, ſondern auch zu dem 
heiligen Gebrauch eines Schulhauſes beybehalten, gebauet und vor⸗ 
geſchlagener maſſen bezahlt auch alle vier Wochen eine Hochteutſche 
‚Predigt darinnen gehalten werden ſolte. Ich war eben im Begriff, 
mich zur Reife nach Hackinſack fertig zu machen. Er ſagte ich moͤch⸗ 
te feine Antwort mitnehmen und in Hackinſack weiter uͤberlegen. 
Den ıgten Jul. fuhr id) mit einem Vorſteher von Hackinſack 
drey Meilen über den Hudfons Fluß, und ritte von damit meinem 
‘Gefährten und einem Mann vonder Regierung in Geſellſchaft vier- 
‚sehen Meilen weiter nach Hackinſack. Der Herr von der Regierung 
klagte unterwegens, daß die Prediger in diefen Ländern viel Unheil 
anftiftefen, und die Menfchen gegen einander verhetzeten. Ich Elag- ° 
te dagegen, daß unbekehrte Obrigfeiten und Advocaten ein gleiches‘ 
thaͤten, und zeigte ihm, Daß in allen drey Ständen der — — 
| ſtenheit, 








———— 


1 Zen Paſt. Mauhlenbergs Ber vonſeiner Amtsfuͤhr vs. za 


ſtſenheit, leider, mehr Boͤſe als Gute waͤren. Er meinete unter den 
Predigern wäre gar Feine Einigkeit, und ſie ſolten Doch andern 
gute Exempel geben.: Ich fagte, er praͤtendire mehr ala möglich waͤ⸗ 
re, Chriſtus und Belial, Licht und Finſterniß koͤnten nicht Geinein⸗ 
ſchaft und Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit kein Genieß mit einan⸗ 
der haben. Von Anbeginn der Welt bis hieher waͤre noch kein Zu⸗ 
ſammenhang und Gemeinſchaft zwiſchen den wahren und falſchen Pro⸗ 
pheten, Apoſteln, Hirten und Lehrern geweſen. Er ſagte, daß er 
ſolches auch wuͤſte, aber die Prediger von einerley Verfaſſung ſtrit⸗ 
ten nur zu viel ͤber Nebendinge, und ſetzten Die Gemeinen unter einan⸗ 
der in bittern Streit und Feindſchaft. Ich fragte, ob er nie gelefen, 
was Paulus gefagt: Es müffen Nötten unter euch: ſeyn, auf daß die 
— werden. Er brach ab und Fam auf andere Ge⸗ 


ER IRRE 197 ; BEN EN Best ER ERKTEIT Eid 
Am Abend, Fam ich wohlbehalten in. Hacfinfack an, und wurde 
bey einem verfiandigen Mann und Liebhaber der: Wahrheit einquar⸗ 


f OR RR 
—J— 


tiret. NEID FREENET STR 8 
Am i isten Jul. hafteden ganzen Tag Beſuch von Gliedern der 
Gemeine und ſchoͤne Gelegenheit, ein Samkörnlein auszuftreuen.:; 
Anm ꝛoſten Jul als am Sonnabend , hatte wieder vielen Beſuch, 
doch auch Zeit zur Meditation, weil am folgenden Tage einmal Nie ⸗ 
derteutfch und einmal Englifch predigen folte Die Vorſteher und Ael⸗ 
teſten hatten es weit und breit bekannt gemacht, daß ein Lutherifeher 
. Brediger aus Penſylvanien predigen würde: Einige hatten geantwor⸗ 
tet, fie verlangten Feinen Lutherifchen mehr zu hören, weil es Zaͤnker 
und Streiter und meiftens nur Vagabunden waren. Andere hatten: 
gehöret, daß es ein Hochteutfcher ſeyn ſolte, und geſagt, fiewoltennicht 
kommen , weil ſie die hochteutſche Sprache Doch nicht verſtͤnden. 
Den ꝛiſten Jul: Sonntags hatten wir ſtarken Regen. Ich pre⸗ 
digte Vormittags Niederteutſch. Die Kirche warnicht gantz voll von 
Zubhoͤrern. Die Leute hoͤreten aber mit aller Aufmerkſamkeit zu, und, 
verſchiedene vergoſſen häufige Thraͤnen. Unſere arme Lutheraner find: 
an dieſem Orte ſehr verſtreuet und durch die vieljaͤhrige Zaͤnkereyen und 
das boͤſe Erempel der Prediger ſcheu gemacht worden. Sie haben eis. 
ne feine von Steinen gebauete Kirche und ein maͤſſiges Pfarrhaus. 
Ein und. andere halten ſich noch zuſanmen, gehen des Sonntage in die 
Kirche und leſen eine Predigt vor „ aber Der Geſang iſt gang verfallen, 
daß ſie nicht einmal die allerbefanteflen Lieder mehr fingen koͤnnen. 
TEE NER. Pnnz = Nach⸗ 


452 Siebeiite Sortfegung der Nachricht aus Penfplöhnien. ı. 


Machmittags war die Kirche zu Hein , und eimgtoffer Haufe 
muſte drauffen vor der Thür und an den Senftern ſtehen. Ich predig- 
te Enalifch über Luc. 15. vom verfornem Söhne ‚ und fung aus einem - 
ins Engliſche überfegten Lutherifchen Sefangbucher JEſu deine tiefe 
Wunden ꝛc. Lied und Melodie war unbekant, darum las ich allemal 
eine Meihe laut her, und fung fie. vor. Etliche Weiber mit guten 
Stimmen fungen mit, und machten eine Harmonie, welches die Zuhoͤ⸗ 
vor faft auffer fich bringen wolte. Ich habe in meinem Leben nicht fo 
aufmerkfame Zuhörer gefehen. GOtt gebe, daß nicht alles umfonft 
feyn;, ſondern etwas von feinem Worte in den Hergenfahen und Frucht 
bringen möge 3° Die Vorſteher baten, ich moͤchte noch eine Nieder⸗ 
teutſche Predigt auf den naͤchſten Dienftag thun, weil die zwo refor⸗ 
mitte Gemeinen ihren eigenen Gottesdienſt am Sonntage gehabt , und 
viele von ihnen begierig wären , den Lutherifchen Prediger zu ‚hören, 
welches Denn verfündigte, -Machder Predigt Eamen zween Männer von 
der Remmersbachiſchen hochteutfchen Gemeine zu mir ins Quartier, 
und unfere Aelteften von Hackinſack waren auch gegenwärtig. Weil 
fie nun zu wiſſen verlangten; wie es mit unſern zwo Parteien in Neu⸗ 
york ſtuͤnde, fo las ich ihnen unſere Vorſchlaͤge und Herrn Rießens Ant: 
wort vor: · Hernach fragte ich Die hochteutſchen Leute, wie fie es mit 
dem GOttesdienſt an ihrem Orte hielten, weil Herr Rieß nur viermal 
im Jahre zu ihnen gefommen ? Sie fagten: daß ſie alle Sonntage zu⸗ 
ſammen Famen und eine Predigt vorläfen. Ich fragte), was ſie nor 
ein Predigtbuch hätten. Sie antworteten: Das Buch wäre von dem 
Herrn Aug. Herm! Franken gemacht, und zu der Königin Anna Zeit 
von dent’ feligen Herrn Hofprediger Böhm ins Land geſandt. Sie 
glaubten, es ware Fein befler Predigtbuch unter der Sonnen ‚ weil es 
fo ſcharf auf Das Hertz umddeffen Befehrung drünge, Ich frenete mich, 
. und ermahnete ſie, die Sachen in dem Buche wohl zu Hergen zu neh» 
men, im Hertzen zu bewahren und Fruͤchte dasnach zu bringen. - Die 
Hackinſacker hielten ſehr wehmüthig an , ich möchte doch um GOttes 
willen mid) ihrer als ein Water annehmen ‚ weil fie fo viele Jahre her 
mit Predigern unglücklich gemefen, und nun mit ihren armen Kindern 
zerfireuet gingen wie Schafe ohne Hirten. Sie wuͤſten ſich ja felber 
nicht zu rathen noch zu helfen. Ich antwortete „daß mich gegenwaͤr⸗ 
tig noch nicht mit ihnen einlaffen Eönte, ſondern erſt mit dem Kirchen: 
rath zu Neuyork die Sache überlegen muͤſte. Nach der Hand Fam 
unfer ganses Haug voll von Intherifchen und reformirten Leuten , — 

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ar 
er 


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13m. Paft. Muͤhlenbergs 3er: von feiner Amtsfähr.ırst. 453 
2 $ ; je 

reformirter Mann darunter, welcher in der erften Erweckung fiehen 
mochte. - Er 





DR 


meifen und für Abwegen zu warnen. Denn er war etwas higig, 


und wolte gerne alle Leute vor ſich her, und faft mit den Haaren inden 


‚Himmel ziehen. Er ging nad) dem Sefpräche mit Vergnügen nach 


® Haufe. Einige von der gegenwärtigen Gefellfehaft meineten, ich hätte 


ihn follen härter anlaffen,, teil er, nach ihrer Art zu reden, ein Pharis 
ſaͤer mare, und fich beffer Dünkte als andere ꝛc. Andere waren fehr ver- 
gnuͤgt über Das Geſpraͤch, und ſahen ein, Daß folcyes die befte Methode 


ſey, wenn man die Seelen mit fanftmüthigem Geiſte zurecht wieſe. 


Wie ich vernahm, fo ift hier unter den Neformirten ein Hauflein aufs 
geweckter Seelen, die nady der Gerechtigkeit hungern und durſten. 


Der juͤngſte von den beyden reformirten Prediger, welcher vor wenig 


Jahren hieher berufen worden, ſoll die Mittelsperſon ſeyn, wodurch 


die Erweckung befoͤrdert worden. Der Mann ſtehet in einen beſon⸗ 
dern Eifer, die Kraft der Gottſeligkeit zu befördern. Meine Haus⸗ 
mirthin gehöret auch zur reformirten Gemeine. : Sie ift vor etlichen 


Jahren mit: der Meinung vom unbedingten Rathſchluß GOttes er- 


ſchreckt und überfrieben worden, daß fie darüber im eine hifterifche 


Krankheit gerathen, melche ihr noch nachhaͤnget. Sie weinete bitter- 


lich, und klagte, daß ſie nicht zur Verſicherung des Gnadenſtandes ge⸗ 
langen koͤnte, weil fie in ſich nichts fühlete als Finſterniß, Zorn und 
od: Dann und wann zeigte ihr der verföhnte Water in Ehrifto einen 


Gunadenblick, aber es Daurete'nicht lange, und dann muͤſte ſie wieder im 


finſtern Thal wandern. Ich prüfte fie nach den Kennzeichen des Gna⸗ 
denflandes. Sie gab verftändige und aufrichtige Antwort, welches mir 
Hoffnung machte, daß fie in der Gnade ſtuͤnde, und nur durch ihre 


kraͤnkliche Umftände in ihrem Gemüthe niedergedrückt würde. Man 


mæuß nach der Liebe das Beſte hoffen, und in Beurtheilung ſolcher Sa- 


che behutſam ſeyn. Mein Hauswirth begehrete, ich ſolte mit ihm 


und feiner ſchwachen Gehuͤlfin ins Kaͤmmerlein gehen, und im Ver⸗ 
borgenen beten, welches geſchahe. Der HErr, der ins Verbor⸗ 
gene hehet, wolle es aus Gnaden vergelten an ihren Seelen oͤf— 


fentlich. | 
a r — Nun3 Den 


454 Siebehte Fortſetzung der Nachricht aus Penfplvanien.‘ 


— 


— 


Den ꝛꝛꝛſten Jul. fuhr ich mit meinem Wirth drey Meilen u 
dem älteften reformirten Prediger, Der ung freundlich aufnahm. Wie 
ich von verftändigen Leuten hövete , fo ſoll dieſer alte Prediger au) ein 
Berlangen haben , die Kraft der Goͤttſeligkeit zu befördern. 

Nachmittags befuchten wir einen Aelteften von unferer Gemeine; 
alwo fich noch mehrere von unfern Leuten verfamlet hatten. Nahden 
wir ein wenig zur Exfeifchung genommen, fragte ich Die Anweſenden, 
05 fie fehon alle bekehrt wären? Des Aelteflen Frau fing an zu weinen, 
und fagte,, daß fie ſich ſchon viele Jahre her mitzweifelhaften Bedanken 
geplagt, und noch Feine Berficherung von der Gnade —— 
ihrer Sünden hätte. Solches gab ung Gelegenheit zu einem erbauli· 

chen Gefpräh. Die Frau hatte fich lange unter einem gefeglichen Zu: 
ſtande geplagt , und einftens einem geroiffen Prediger ihre Moth ges 


SUN 


klagt, daß fie fich durchaus fündig fühlte, aber nicht glauben und ſich 


an den halten koͤnte, der die Sünde getragen. Der Lehrer hatte ge⸗ 
antwortet, fie müfte nicht zweifeln, fonft wäre ſie verloren. Weil fie 
nun nad) der Hand noch nicht aus eigener Vernunft und Kraft an den 
HErrn $Efum hat glauben oder zu ihm kommen koͤnnen, fondern wider. 
ihren Willen mit Angft und Schrecken gezweifelt, fo gedachte fie, das 
waͤre die Sünde wider den heiligen Geiſt. Ich legte ihr verſchiedene 
Evangeliſche Verheiſſungen und Sprüche vor, und bat, ſie moͤchte mit 
denſelben zuverſichtlich in Die erbarmende, zarte und unausſprechliche 
Liebe ihres Seelenbraͤutigams eindringen, er wuͤrde ſie nicht hinausſtoſ⸗ 
fen. Hätte eine bedraͤngte Witwe einen atheiſtiſchen frechen Richter 
mit anhaltendem Geilen müde machen und bezwingen Eönnen, fo Fönte 
das Schreyen eines in der äufferften. Gefahr feyenden Kindes noch viel 
eher das zarte Mutterherg des wahren Liebhabers der Menſchen bre= 
chen ic. Ich gab ihr Unterricht nach der Gnade, die GOtt darreich ⸗ 
te. Es follen mehrere von ſolchen Seelen hier wohnen, welche um ihr 
Heil befümmert find, tie die Leute fagten, REG 5 
Am Abend befuchte mic) der jüngere veformirte Prediger. 
Mein lieber Hauswirth begehrte abermal beym Beſchluß des Tages, 
daß mit ihm und feiner Frau ind Kaͤmmerlein gehen und beten folte, : 
weil fie das vorigemal Kraft und Erleichterung Davon vermerkt. -— 
Am 2zften Jul, predigte noch einmal Niederteutſch über den An- 
fang des sten Cap. Matthäi. Die zween reformirte Prediger waren mit: 
gegenmwärtig und ein groffer Haufe Volks. Sie höreten alle mit uns‘ 
gemeiner Aufmerkſamkeit zu. Einige einfältige Reformirte hatten ge⸗ 
: “ | meinef, 


— 
— 


LSen . paſt. mahlenbergs Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 1751, 455 


weinet , ich waͤre Fein Lutheriſcher Prediger, weil ich in der Predigt nicht 
gezanket und auf andere Secten und Religionen nicht geſcholten haͤtte, 
ſondern die Ordnung des Heils einfaͤltig verkundiget. Ein aufgeweck⸗ 


ter alter Mann, war drey Meilen zur Kirche geritten, und nach geen- 
digtem Gottesdienſt in tiefen und vergnügenden Gedanken. zu Fuffe 
nad) Haufe gegangen , bis ihm endlich beygefallen, daß fein Pferd noch 
bey der Kirche ſuͤnde. Unfere arme zerſtreuete Schafe waren nicht we⸗ 


nig getroͤſtet, und meineten, fie dürften fich-ihrer Religion nun nicht 


7 


mehr fchämen „mie fie fonft thun müffen. Summa, e8 war alles in 
Bewegung. Wenn man ſolches fiehet und lieſet, fo möchte man mit 
Petro ſagen: Hier ift gut feyn, und Hütten zu bauenzc. Wer 
aber eine Idee von dem Ereugesreiche JEſu Ehrifti und deſſen Befchaf: 


fenheit hat, der denket, es gehet von Thabor nach Gethſemane, und 


aus dem Hofianna wird gar leicht ein Ereusige ihn ! 


Nachmittags mufle einer fünf und achtzig jährigen Witwe dag 


heilige Abendmahl reichen „ weil fie ſchwach mar, wo fich abermal ein 
Haͤuflein von unfern Gemeinggliedern verfamlete, und der Handlung 
jepwohnefe. Von da ging ic) weiter, um noch ein paar Hauspäter 
zu befuchen. Der ganze Haufe folgete nach. Unterwegens Eehreten wir 
bey einem fiebenzig jährigen reformirten Manne ein, der viele Jahre 
ein Mitglied von der Affemblee oder Landesregierung gerefen , und 
nach feiner Erkaͤntniß wol ein vechter Iſraelit ohne Falfch feyn mag. Er 
bemillfomte mic mit Thraͤnen, und bejeugte, daß er aus dem gehörten 


Worte GOttes Del in feine Lampe empfangen, und fich aufs neue 


recht ermuntert hätte, feinem Bräutigam, JEſu Ehriflo, entgegen zu 
gehen, Als wir am Abend mieder nad) Haufe kamen, war abermaf 
ein Häuflein verfamlet, und unter demfelben ein Englifcher Mann, wel⸗ 
cher verfchiedene Zweifel vorlegte , die ich beantworten folte , welches 
auch zu feinem Qergmügen , mie er bezeugte, gefchahe. Die Vorſte⸗ 
her und Nelteften baten infländig, ich möchte Doch balde einmal wieder 
fommen, und ihnen das heilige Abendmahl reichen, auch dafür 
forgen , Daß fie mit unferer Neuyorkiſchen Gemeine wieder vereiniget 
wuͤrden. | — N 
Deen 24ften ul. reifete ich in Begleitung eines Aelteften der Ge⸗ 
meine ‚der zugleich ein obrigkeitliches Amt bedienet, nach Neuyork zu: 
ruͤck, und Fam dafelbft wohlbehalten an. 
In Neuyork hielten die Aelteften und Vorſteher nicht für rath⸗ 
ſam, ſich weiter mit der Partei des Herrn Rieß einzulaffen , und fag- 
| | ten, 


* 


456 ¶Siebente Fortſetzung der Nachricht aus Penfploini 








ten , fie wolten in GOttes Namen mit ihrem kleinen Hauflein f 
ten, und Gott bitten, daß er ihnen einen treuen Lehrer ſchenken moͤch 
te; die Zinfen welche fie jaͤhrlich von dem Pleinen Capital der Kiche 
erhüben, wolten fie zur Beyhuͤlfe des Salarii für den Predigermidmen 
und ihre geringe Scherfleing mit beplegen: meil aber ſolches noch nicht 
hinreichend wäre , fo ſolte ihr Prediger Freyheit haben, allemal den 
vierten Sonntag in Hackinſack / gegen einen Beytrag zu feinem Unter“ · 
haft, Sottesdienft zu halten, damit Die arme verlaffene Serneineauh 
wieder gefamlet und mit Neuyork vereiniget würde, biß Die Meuporfer 

Gemeine beffer anwuͤchſe. Weil verfchiedene junge Leute kam — 






vr 
9 E 
{4 


- teutfcher lutheriſcher Abkunft ihre Murterfprache vergefien daß fie‘ 


nichts anders mehr als Engliſch verſtehen; fo beſchloß ich, Des Sonntage 
Abends eine kurze Englifche Predigt oder Kinderlehre zu halten, obe8 
mir wol etwas ſchwer fällt , in der Woche, neben der Hauscatechiſa - 
tion und vielen andern Gefchäften,, drey Predigten in verfchiedenen 
Sprachen gu medifiven und zu concipiven. nn R 
7 %Ym oſten Jul. predigte Vormittags Niederteutſch über dag 
Evangelium, Nachmittags Hochteutſch über die Epiftel, und beſchloß 
ai einer Kinberkääte , . cu a 
2. Am Abend um fieben Uhr wurde die Glocke geläufet , die Lich⸗ 
ter angezündet und auf den Stühlen beveſtiget: weil e8 uns an Eror 
nenleuchtern fehlet, welche man hier nicht befommen Fan, fondern aug 
Europa erwarten muß. Unſer hoch- und niederteutſches Haͤuflein, 
wie auch einige von der Partei des Herrn Rießens und viele Engliſche 
Kirchenleute, verſamleten ſich, und machten ein groß Gedraͤnge, daß 
die Kirche viel zu klein wurde, und eine ziemliche Anzahl drauſſen blei⸗ 
ben mufte. Weil ich Denn nur ein einzig Engliſch Geſanghuch von un- 
feen Lutherifchen.Liedern hatte, fo mufte allemal eine Reihe vorfagen 
und aud) vorfingen. Ich merkte wohl, daß den Engliſchen unfere Mer 
fodien unbefannt waren. Hernach verfuchte e8, und nahm befante 
Englifhe Melodien, welche sum Theil auf-unfere Lieder paffen, Dafung 
der ganze Haufe fehr angenehm und erwecklich mit, Ich predigte über 
Kuc. 7. von Simon und. der Sünderin. Bee 
Weil ich nächft folgenden Sonntag das heilige Abendmahl halten 
folte, fo wandte die Woche an , theils zum Beſuch einiger Gemeins— 
glieder , theils zur Hauscatechifation , Meditation und andern nöthis 
gen Amtsgeſchaͤften. Ein teutſcher Doctor Medicinae ſchrieb einen 
Brief 


— 


1. Hen Moſt. Mahlandergs Ber. von feiner Amtsführ.nnst._ Ast 


Brief/ und begehrte ich moͤchte ihn in feinem Haufe befuchen, weil 
er nicht ausgehen Fönte. Ich that ſolches, und fand ihn in aufferlich 
bedrangten,“und innerlich, wie es ſchien, bußfertigen Umftänven, 
Er iſt von angeſehenen Eitern ausdem Brandenburgifchen Lande, von 
welchen er weggegangen, und ſaſt ganz America durchgewandert hat. 
Er war ein vollkommenes Muſter von dem verlornen Sohn Luc. 15, 
viel mal zu Waſſer und» zu Lande an. Dodesgefahr gemwelen ,. "und 


wunderbarlich durch die groffe Geduld und Langmuth GOttes erhal⸗ 


ten worden. Er wolte aber nicht eher in ſich gehen; bis Leibes⸗ und 
Seelenguͤter verſchwendet waren. Er erzehlete mir mit Wehmuth 
feinen, ganzem Suͤndenlauf, und die beſondern Wege und Gnadenzie 
ge, wodurch GOtt ihn wieder herbey gebracht, daß er nunmehro mit 
Zittern und Beben ſich der unendlichen Gnade und Erbarmung GOt⸗ 
tes: in Chriſto getroͤſten koͤnte, mar dabey ſehr furchtſam, daß fein un: 
ergruͤndlich tief verderbtes Herz noch heucheln und ihn betriegen moͤch⸗ 
te Wie es ſchien/ ſo hatte er Gnade und Vergebung bey dem freyen 
und Renen Born fur die Sünde undainreinig keit gefunden. : Ich 
gab ihm Unterricht und Aufmunterung/ ſo viel mir in der Schwach⸗ 
heit moͤglich war, und hat, er moͤchte nur getreu ſeyn/ und auf FEſum 
ſehen, der das ganze Werk der Erloͤſung nicht allein angefangen, ſon 
dern auch mit der allerhoͤchſten Treue vollendet ꝛc. Er verlangte nach⸗ 
ſten Sonntag mit zum heiligen Abhendmahl zu gehen‘, welches ihm nicht 
abſchlagen konte. Bekehre du mich Herr, fo werde ich bekehret 
In den Hauscatechiſationen hatte ich dieſe Woche manche geſegnete 
und vergnugte Stundhe. mal — 
Am zten Aug. des Sonnabends hielte Nachmittags erſt eine 
Nieder⸗hernach eine, Hochteutſche Buß⸗ und Beichtpredigt, erami: 
nirte einen Ehemann und zween wackere erwachſene junge Seute, wel⸗ 
che zuvor im Unterricht gehabt. Sie konten guten Grund geben, und 
wurden nach Erneuerung des Taufbundes vor der Gemeine unter bie: 
ler Bewegung und Thraͤnen der Anweſenden confirmiret. J 
Am sten Ang. frühe hielt ich noch mit: etlichen Privatbeich⸗ 
te im Haufe, weil ſie von Serne gekommen. Hernach predigte Nie 
derteutſch uͤber die Worte der Einſetzung vom heiligen Abendmahl, und 
reichte etwa funfzig Perſonen in guter Ordnung das heilige Abend- 
mahl. Nachmittags predigte Hochteutſch und beſchloß mit der Kinder⸗ 
fehre. Am Abend um fieben Uhr predigte Englifch von dem verlornen 
Sohne Luc.ıs. als dem vollfommenften Mufter der Bekehrung. Die 
VII. Penfylv. Sortf, D90. Eng: 


48 Siebente Hortſetzung der Nachricht aus Ponſyldanten 


Engliſche Verſamlung war dieſes mal noch ſtaͤrker Die Zuhörer 


waren fehr aufmerkfan und andächtig. ” Aber die groſſe Nike, der 


Drang von Menfchen‘, das Borfagen und Borfingen der Lieder, der 
Dampf von den Lichtern und. das Predigen machten mich ſo heiß, 
matt und naß, daß mir faft Hoͤren und Sehen vergehen wolte 

In dieſer Woche hatte den Kirchenrathwieder beyſammen, und 


benachrichtigte ſie, daß ich von Penfylvanien verſchiedene Briefe empfan ⸗ 


gen: ich muͤſte zu Ausgang des Auguſts nach Haufe reifen, meinen 


Gemeinen das heilige Abendmahl rächen und mein Haus verfehen: 


Sie waren fehr verlegen, und fagtem, wenn wir unſere Haͤnde wol⸗ 
ten abziehen, ſo wären fie ganz verläffen und. dem Wolfe Preis ger 
geben. Ein Aelteſter weinete und ſagte, der liebe GOtt ——— 
nicht, erleben. laſſen daß er die Kirche und das arme Haͤuflein no 

muͤſte untergehen ſehen. Wir ſprachen vieles von einem Berufe und 
dergleichen. Ich fagte, daß fie: fich müften mit demüthiger Bitt⸗ 
ſchrift an dns Hochehrwuͤrdige Minifterium: in Holland: oder Ham: 
burg wenden / denn unſere Goͤnner in England und Zeutfehland hät: 
ten, Muͤhe genug mit Penſhlvanien  undwürden: ſchwerlich auch die 
Vorſorge fin Neuyorck uͤber ſich nehmen. Sch Hätte ſie nur aus nach⸗ 
barlicher Liebe auf ihr vieles und bewegliches Bitten beſucht ꝛc. Sie 
ſagten, wenn auch die Hochehrw. Conſiſtoria aus Europa den gelehr⸗ 
teſten und. beſten Mann ſchickten, ſo waͤre er doch nicht der nöthigen 
Sprachen, vielmeniger der Americaniſch eritiſchen Umſtaͤnde kundig 
Ein ſolcher Mann muͤſte hier allein ſtehen, haͤtte keinen Rathgeber in 
der Naͤhe, waͤre mit vielen Feinden, ihm verborgenen Klippen, Sand⸗ 
baͤnken und Schlingen umgeben, und wenn ein oder anderer Fehltrit 
begangen würde, fo würde die in den letzten Zügen liegende Kirche und 
Gemeine in Neuyorck und. Hackinſack vollends zerftöret und zerſtreuet 
werden. Auf unferm legtern Eonvent war mir erlaubt worden, ein 
halb Jahr mwegzubleiben , ſolches hatte gerne erfuͤllet, wenn nicht die 
Umſtaͤnde meiner Gemeine und meines Hauſes die Zuruͤckkunft eher 
erfordert haͤtten. Von meinen Herren Amtsbruͤdern aus Penſylva⸗ 
nien konte niemanden an meine Stelle nach Neuyorck nehmen, weil 
keiner von ihnen der Niederteutſchen Sprache kundig wolte aber auch 
Die Gemeine bey den critiſchen Umſtaͤnden nicht gern ganz allein faffen: 
Zu dem Ende ſchrieb ich an Hrn. Weygand und ſeine Gemeinen in 
Raritan, und forderte, Daß er, imo möglich ‚auf ſechs Wochen nach 
Neuyorck Eommen möchte, bis ich wieder zurück Fame, weil er etwas 


nr yon > 


T. Zen. Paſt Muͤhlenbergs Bervon feiner Amtsfuͤhr· reyr. 459 


von der Engliſchen und Niederteutſchen Sprache, verſtehet. In die: 
fer ee befuchte mich Der Senior. von der Holländifchen Kirche, 
hernach der Dr. de Zonda/ wie auch der Hr. Pemperton von ber 
Presbterianifchen Gemeine. Mit dem letztern hatte eine erbauliche 
Unterredung „Unter andern kamen wir auf Die Buſſe und den Glauy: 
ben zu ſprechen. Er erinnerte, „Daß unter unſern Theologen, deren 
lateiniſche Schriften er geleſen, manche in der. Buffe zu wenig ſtatuir⸗ 
sen, denn fie festen und gaben zu verfichen, daß die hinlangliche Erfäng: 
niß der Sünden, Neue und Leid uͤber Diefelben allein aus dem Sefeße 
Fang 2. Er glaubte aber, daß man aus. dem. Geſetze nur-die Gröffe 
und Mannichfaltigkeit.der Sügden erkennen Ente. Dig rechte Be: 
Schaffenheit aber. der. Sünden, mie fie in dem Gerichte Gottes nach 
ihrem Maaß und Gewichte beurtheilet würden, Fönte man am deu 
lichſten aus dem und Sterben JEſu Chriſti erkennen. : Ich 


> 


machte verfchiedene Einwendungen „um zu vernehmen, ob er nicht in 


biefem VYunet die Meinung. der Zingendörfer. behaupten wolte, aber 
er erklärte. fich deutlich, und orthodeg,. wie Diefer gefeßliche Gebrauch 
des Leidens und Sterbens Chriſti auch in unſerer Kirche gelehret wird; 
Wegen des Glaubens beſchwerte erfich, und Flagte, daß unfere &heos 
logen noch keine rechte Diniinaliche Definition von dem felig ‚machen: 
den Ölauben geſetzet haͤtten. Er wuůͤſte wohl „Daß fie Erfäntnig, Bey⸗ 

1 und Zuverſicht geſetzt/ aber er haͤtte vieles dabey zu erinnern, bes 

nders wegen der beyden Testen Stuͤcke, und ſagte, er wolte etliche 
hundert Karcher, und Matrofen bringenwelche fich in ihrem falfchen 

Beyfall und Zuverficht fodtfchlagen liefen, und doch feinen felig ma⸗ 
enden Glauben hätten 2c. ch erinnerte, daß von unfern Theolg- 
gen auch; Die, rechte Beſchaffenheit Diefer zum Glauben gehörigen Sti- 
fe geseiget würde, Wir gingen faſt alle Arten der Befchreibungdeg 
Glaubens durch und examinirten fie, wie weit fie hinlaͤnglich, ‚oder 
was darinnen fehle, ſuchten auch in Det Schrift die Belchreibungen und 
Erempel des Glaubens auf, und fuchten aus. denfelben die dazu. gehö- 
rige Stücke heraus. Und folchergeflalt hatten wir unfer unſchuldiges 
Vergnügen an Unterfüchungen-ein und.anderer Stücke aus der Theo: 
logie; Er hielte übrigens des feligen. Lutheri Ba vwelche er ge: 
Iefen, ſehr hoch, befondetg feine Erklärung der Epiltel.an die Salater, 
Am ten Zug. predigte Pormittags Hoch: und Nachmittags 
Niederteutfch, beſchloß mit ver Kinderlehre, u 


| bre, und, hielt am Abend eine 
Engliſche Rede Aber. den BR IEH Vers des zöflen, Pſalms 
INNERE IST LINN OTTO e TAN DEM iR Ina, 


4 # 


46 Siebente gortſetung deryradgeicht aus Peipplohhien T 


von dem Ende der Gofflofen und Frommen. Die dahl der Zuhörer 
war wie zuvor mieder Fehr groß, und fie höteten mit Andacht zu. 
Die Engliſchen bezeigten befonderes"Dergnügen, und wünfcheten, 


daß Gallerien De würden, damit ſie mehr _ 


Pag bekamen. "Einigevon der Parkei des Hrn Riefen kamen zu mir, 
und ſagten / ich fofte helfen‘, daß ſie vereiniget wurden⸗ Ich fragte, 
auf was Weiſe⸗ Sie meineten/ unfere Kirche ſolte ihr Haus und Schul: 
den nur vor der Hand auf fich nehmen, hernach koͤnten unſere Aelte⸗ 


ſten das Haus verfaufen, damit ſie nicht den Schimpf häften und hoͤ⸗ 


Fer muͤſten, daß fie ein Gotteshaus verkauft " Sch konte aber nichts 


anders dargus abnehmen, als daß die Haͤupter gerne von ihrer ſeibſt 


gemachten daſt und Schufd frey ſeyn und ins felbige aufbůrden woß⸗ 
tem. Denn ihrer ſieben oder acht Männer haben fich für die drey hun: 
dert Pfund verbunden. Wenn fie es nun Fönten aufdie ganze Ge: 
meine legen, fo Fame es von ihren Schultern und fiele endlich auf die 
arme Cafe. Unſer Kirchenrath wolte ſich auch nicht weiter einlaſſen, 
and ſagte, fie waͤren willkommen zu unſerer Kirche und Gottesdienſt, 
wenn fie die billigen Vorſchlaͤge annehmen wolten, die an ihnen 
aus Ehriftlicher Liebe und treuem Herzen gefhan. Die Männer anf: 
worteten darauf, fie waren denn genöthiger, ihre Sache fortzufuͤh⸗ 
ren und immer-beffer zu gründen, und begehrten ‚ wir ſolten in unſe 
ver Kirche Fein Hochteutfch fondern nur Engliſch und Niederteu 
predigen laſſen, Damit diejenige Hochteutſche, welche fich noch immer 
zur Kirche gehalten, genoͤthiget würden, ſich zu ihrer Partei zu hal: 
ten Wir antworteten aber, daß folhes Verfahren unverantwort⸗ 
fich ſeyn würde. SE a 
Am ıaten Aug. wurde ich abermal von einem wackern Marne 
nach Hackinſack abgehofet.. Es iſt derſelbe von reformirten Eltern 
und einer zahlreichen Freundſchaft. Als er vor verſchiedenen Fahren 
von feinen Eltern angehalten worden, zu feinem Seelſorger zur In⸗ 
formation zu gehen, und zum heiligen Abendmahl bereitet zu werden , 
hat er an der Lehre, daß Chriſtus nicht für. alle geftorben fey zc, 
einen Anftoß bekommen, und: iſt Dadurch bewogen worden, ſich m 
unſerer Kirche unterrichten und confitmiren zu laſſen, welches ihm wies 
ten Widerwillen bet feiner Sreundfchaft verurfachet hat. So viel ich 
vernehmen Eonte, ift.er ein heilsbegieriger Mann, der fleiffig in den 
wichtigften Wahrheiten „; Die zum ewigen Heil nöthig find, forfchet. 
Als ich das erfte mal mit ihm m Hackinſack ſprach, und ihn fragte, 
4 o 


Pin 
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Fi 

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* 


. gen Paſt Mahlenbergs 2er! von feiner Amtefähr.inse, 461 


ob er von hochteutſchen Voreltern abſtammete, weil fein Namefaft fo 
lautete? gab er eine Erklärung Darüber, worauf ich antwortete: wenn 
euer Name nur im Himmel angeſchrieben iſt. Er bat mich unterwe⸗ 
gend, Gr ihm Diefe Worte erklären‘, weit fie ihm fo viel zu 
(hf macht, daß er ſeit der Zeit faſt Feine Nacht dafuͤr ſchlafen 
nen. Nachdem ich ſie nun erklaͤret, und unter andern gezeigt, 
daß die Anſchreibung des Namens nicht nach einem unbedingten Rath⸗ 
ſchluß geſchaͤhe 2c. fo ward er getroſt und freudig, und bezeugte, daß 
ihn folches unter andern mit bewogen , mich abzuholen, damit er Ge⸗ 
fegenheit haben ro y von feiner Seelen Zuftande mit mir zureden, 
Er fragte mich noch über Mehrere Schriftitellen ‚ welche ihm ſchwer 
zu —5 geivefen, Daß alſo auf der ganzen Reife einen angenehmen 
Gefährten und erbaufiches Gefpräch hatte. Vor Hackinfack ſtieſſen 
zween reformirte Maͤnner zu mir, welche noch zwo Meilen mit ung 
reifeten. Der eine wiederholte meine erſte Predigt und fagte, wie vie: 
fe Gnade und Starke ihn der HErr daraus verliehen. Sch fragte 
ihn, ob er Buſſe und Glauben in’feiner Seele erfahren, und von der 
Vergebung aller Sünden verfichert ware? Er antwortete: Ga, ich 
bin gewiß und verſichert, daß mir GOtt um JEſu Chriſti willen alle 
meine Sünden vergeben, und mich in den Stand’ der-Kindfchaft auf 
genommen hat. Ich fragte: Habt ihr ſolche Gewißheit und Ver⸗ 
icherung durch eine Stimme dom Himmel, oder durch ein Befichte, 
oder im Sraum, oder durch ein finnliches Gefühl "oder durch gute 
enge von andern Kindern GOttes bekommen? "Er antwortete: 
Nein, von dem alten auf Feine Weiſe, fondern es ging damit folgen: 
der maffen zu: Ich wurdevon Angft und Bangigkeit angegriffen ‚ob: 
ne daß ich wuſte, woher und warum. Die Angft vermehrte fich son 
Zeit zu Zeit. Keiner, und ich felber nicht, ronfte meinen Zuſtand zu 
beurtheifen,, bis ich in der Noth endlich die Bibel zur Hand nahm 
Sch fuchte in derfelben einfäktig und ernfilich, und fand zum Erempel, 
daß dem David, Manaffe, der Sünderin Luc. 7, dem Zöllner Luc. 18, 
dem verfornen Sohne Luc. 15, dem ‚gefallenen Petro und andern we 
gen ihrer Sünden und Beleidigungen vor GOtt auch Angſt gemefer. 
Sich prüfete meinen Zuftand nach diefen Erenpeln, undfand eine Aen; 
lichkeit. Daraus lernete erkennen; mas die Urfach meiner Traurig: 
keit ſey, und wurde immer mehrin die Erkaͤntniß meiner Sünden 
hineingeführet. Die Noth trieb mich in men Kammerlein und an 
einfame Dexter, und lehrete mich, aus der Tiefe meines Herzens zu 
2003 GOtt 


— 


462 


GoOtt fehreien. Wenn ich 
muͤhſelige und beladene Our 
fie, fo wurde verfichert, | ai 
den rn — boͤſen Gewi 
Gnade un 
mein Herz nach — — ‚feiner. Ser 
te aber dabey fleiffig. in der 3 der 
mir, da denn immer Berficherung u 
Elr ZEfus feinen von ſich gefloffen. > 
u und — EM, — and, ar 
























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909 ; — 


d ah REISE 1757, 463 


N ——— ich muß taͤglich den alten Menfehen ablegen, 
und den neuen amiehen; ich muß mein Fleiſch creugigen, ſamt den 





® Lüften und Begierden; ich muß in der Kraft GOttes wider den Teu⸗ 


3 fr bie ie Welt und: mein eigen Fleiſch ftreiten ꝛc. Ich nahm endlich 
Abſchied ii den ABortefie. Zaltewasdu haft, daß — 
a ne Erons : nehme! Sey getreu bis inden Tod! 

Fe m Aten Aug. Famen wieder etliche Gemeinsglieder in mein 
“= EN mit welchen ich gute Geſpraͤche En Nachhero befuchte 
Bi Doctor Medicine, mif — Manne als Geʒeugen, 
— — Relig on. Der Doctor. —— mit mir von der 






und deren zuhen, wie auch von Gnadenwaht zu ſpre⸗ 
a es nun ſchien⸗/ daß der Mann Erweckung hätte, fo ließ 
Bien ein. Das Gefpräch‘ daurete anderthalb Stunden. 
ven ern fttich an einander, doch ohne. fteifchlichen Eifer, als 
| ar em Mann von kn en en at, auch mit m 

ig und fo vergnügt, daß er merken wie er geneigt 
= unferer Gemeinfthaft zu treten. n ! 


Am ısten: Ang. copulirte zwey Paar j Sehne Ehelente, und ward 
— u des einen Hochzeit zu gehen, wo mit Lutheranern und 
Reformirten viele erbauliche —— — — — * 
Diese — 1% 4 


y er vergab. 
— * — eine De umd Beichte Inder in 
‚Kirche war voll von Lutheranern und Reformirten, wobey 

16 an der junge Prediger einfand. 

Am ıgten Aug. predigte ich über bie. Worte der Einfesung som 
Abendmahl, und betrachtete daraus: r) den Stifter; 2) Die Zeit und 
Umftände, worin es:gefliftets 3) die. Sache, meldye in demfelben aus: 
getheilet und empfangen wird, und 4) den Zweck und Nugen deſſel⸗ 
‚benz bey welchem alien ich einfaͤlti ig und ungeheuchelt bey den klaren 
Teſtamentsworten unſers HErrn JEſu Chriſti blieb. Nach der Pre— 

digt theilete das heilige Abendmahl an etliche und dreiſſig Perſonen 
aus: | ante predigte über das ordentliche Sonntageeuange, 
um, 





tum, und: —* eine groſſe TE 1; € Br | 


-  Zufpruch und Gelegenheit, ein, Lost det ARNO —— 
und ſchloß den Tag vergnügt in Inte —— — 

 Dengten Aug, taren einpanr Lelteſte umher geritten, und 
hatten.die Gemeinsglieder gefragt, ob — it — —7* i 
Neuyorck wolten vereinigt, und von en. Sonn. 
tag bedienet,, auch willig feyn, onen — Be nung bey⸗ 











zutragen? Die Männer kamen mit Freuden zutäck, und ſagten zu 
den andern verſamieten Aekteften in der Stille, Si alle © ieder. der 
Gemeine fehr willig und bereit wären, iht Eh er fig be Bi: TE 
wenn 9 ie en ren — Mi f iR 





mefen, 
= 60 


find. Was fie an Srlichten — bringen * mit Heinen en Sa 
gen auf dem Fluſſe nach Neuyorck zu Markte. 
Am zoften Aug. brachte mid) ein Adtefter mit — Magen 
< zwantzig Meilen an der Seite in Jerſey hinunter bis zudem Kranken 
Harn „ welcher mic) noch einmal vor meinem Abſchiede zu ſe⸗ 
en verlangte. 
Am aften Aug. verfamleten ſich die in der Gegend wohnende 
Glieder der Gemeine und einige reformirte — hernach 
kamen | 


— 


Ta 


; 1 Zrn Paſt. Muͤhlenbergs Ber. von feiner Amteführ, ms 465 


F IN 


kamen auch etliche Freunde von Neuyorck und höreten meine Abs 


fehiedsreden daſelbſt. Der Patient war etwas beffer. Sch ermah⸗ 
nete ihn noch einmal, daß er feine legten Stunden wohl auskaufen,. 


und zur Errettung feiner Seele anwenden möchte. Nachmittags ließ 


ung der Hr. van B. mit feinem Schifflein wieder nach der Stadt 

bringen. Dieübrigen Tage in der Woche wandte ich auf den Befuch 

einiger Freunde zum Abfchiede, und auf die Meditation. 
Am 24ften ug. Fam Herr Weygand von Raritan wohl behal- 


— ten hier an, um mich, auf ſechs Wochen abzuloͤſen. Ich gab ihm 


Unterricht, und bat, daß er ein Diarium von feiner Amtsführung 
daſelbſt halten möchte. — RER RER 
Am 2sften Aug. predigte ich Vormittags Niederteutſch, und 
Herr Weygand Nachmittags Hochteutſch, und ich befchloß mit der 
Kinderlehre. Am Abend predigte noch zum Abſchiede Englifch. von 
Des. Jacobs Himmelsleiter, : Mof.28, 12. Joh 5. wobey ein groſſes 
Gedraͤnge in und um die Kirche war. Die Hoffnung zur Wiederkunft 


machte den armen Schafen den Abfchied erträglicher, und was mich am 


meiften erfreuete, war Diefeg , daß fie nicht fo wol um meine elende Per 
fon, als um die Beide des Wortes GOttes verlegen und bekuͤmmert 
waeeee | ER T 
Am 2öften Zug. Fam Here Rieß und nahm Abfchied, hernach 
kamen auch einige von feinen Leuten, und wolten noch. einmalvon der 
Bereinigung fprechen, meineten, wir koͤnten wol aus Liebe ihr Ver⸗ 
famlungshaus und Schulden auf die Gemeine nehmen , und dag 
Haus nad) einiger Zeit verkaufen ꝛc. Ich fagte, Daß gegenwärtig 
nicht Zeit hatte, Davon. zu reden, weil eben im Begriff war, vollends 
ein upacken und tvegsureifen. Um zwoͤlf Uhr wurde von dem Hrn. Wey⸗ 
gand und einigen Freunden bis ang Waſſer begleitet, und fuhr um 
zweyh Uhr von Neuyorck ab. Die Luft iſt in Neuyorck fehr gefund,, 
es fehlet aber an gutem Waſſer, weil Die Stadt fo nahe an. der. See 
fieget, Daher alle Brunnen in der Stadt falziges Waſſer haben. Nas _ 


he bey der Stadt aber find einige Brunnen, deren Waſſer mittelmäf: 
fig ift, und. in der ganzen Stadt zum Kochen, und Trinken gebraucht 


wird. 


2... Den erften Aug. Fam ich bey der Stadt Amboy in Jerſey an. 


D =‘ - 


Un neun Uhr fuhr mit einem Landwagen weiter, Tegeefieben und dreifs 
fig. Meilen zurück‘, und Fam Abends in Burdentown an. 
MH Penfplo, Sof Ppp OR 


⸗ 
* 


466 GSiebente Sortfegung der Nachricht aus Pe nfötoanien, 2% 


4 Den sgften Aug. ging ich wieder zu Waſſer, ſegelte dreiſſig 
Meilen mit gutem Winde, und kam Nachmittags um zwey Uhr in 


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Philadelphia an, woſelbſt ih den Herrn Paſt. Brunnholtz wohl an⸗ 


traͤff, am Abend in der Kirche noch eine Betſtunde hielte, und darauf 


am often Aug. vollends nach Haufe reiſete. Gottlob ein Schritt zur 5 


Ewigkeit, ift abermal vollendet‘! 


Meine Herren Amtsbrüder haften meine Gemeinen feit meiner 


Abwefenheit nach Möglichkeit verfehen. Meine erfte Arbeit war, die 

Gemeinen zum heiligen Abendmahl zu prapariven, welches auch nach⸗ 
bero in beyden Gemeinen und deren Siliafen gehalten wurde. Die 
Arbeit hatte ſich fo gehaͤufet, Daß die fechs Wochen gar zu geſchwind 
verftrichen, und meine Rückkehr nach Neuyorck unmöglich gemachet 
worden, zumal da ich Durch "Briefe aus Europa vernahm, daß zween 
neue Prediger für Penſylvanien auf der Neife anhero begriffen toären. 
Die Neuyorcker waren fehr beftürzt.und betrübt, als fie vernahmen, 
daß ich vor Winters nicht wieder Fommen fünfte Sie berichteren 

fonft, daß Eurg nach meiner Abreife von Neuyorck der alte Herr Paſt. 
Berckenmeyer aus der Zeit in Die Ewigkeit gegangen, nachdem er eis 
nie ſchwere higige Krankheit ausgeflanden. Ach wie nichtig, ach tie 
flüchtig ift der Menfchen Leben! Alles, alles was wir ſehen, das muß 


fallen und vergehen, wer GOtt fuͤrcht, und durch den Tod feines. 


Sohnes in wahrer Buffe, Glauben und Heiligkeit bleibt, der wird 


ewig fehen. Die Neuyorcker berichteten ferner , daß Hr: Rieß von 


feiner Partei Abfchied genommen, und feinen Dienft aufgefündiget, und 


- Daß diefe Partei den befanten Pfr. Andres zu ihrem Prediger berufen. 


Herr Andrei hat einen andern von hier recommandiret, der ſich Rapp 


nennet, und vor einem Jahre mit andern Peutfchen ins Land gefommen 


if. Endlich haben die Hochteutfchen zu Neuyorck den Rapp abge: 


holet und als ihren Prediger introduciref. 


Im Monat Getober 1751. fiel ein Niederteutſcher Hann u 


Yteuprovideng (A. v.S.) in eine ſchwere Krankheit. Er war in Dies 
fem Fande geboren, aber nicht getauft, hatte eines Niederteutfchen 


3 Landmeffers Tochter zur Ehegenoffin und fünf erwachfene Kinder, _ 


‚welche auch nicht getauft und zum Chriftenthum nicht unterrichtet wa⸗ 
en. Befagter Mann wurde nach meiner Ankunft ins Land durch 
Gottes Wort gerühret und erwecket, bewies vielen Fleiß bey dem 
Kirchen: und Schulhausbau, und legteauch ungenöthigt feine Liebes: 
gaben sum nothduͤrftigen Unterhalt des Predigers mit bey. — 


. 1 3en.Poft. Muͤhlenbergs Ber. vonfeiner Amtsfuͤhr. rs. 461 


das Wort GOttes als den lebendigen Samen mit Sreuden auf, aber 
88 faffete nicht tiefe Wurzel; darum fiel er zur Zeit der Anfechtung 

wieder ab. Seine weıtläuftige und vor der Welt etwas geltende 
Freundfchaft, welche gröftentheils einen Eckel an dem ganzen Rathe 
Gottes von der Seligkeit und an den Sacramenten hat, beneidete 
fein Verhalten, und meinefe, daß er zu weit gienge. Sein Schwies 
gervater, der ein Trunkenbold und. Lafterer über unfere Kirche und 


Berfaffung war, unterließ nicht, feinem Tochtermann den Dienftdes 


Lehramtes und die heiligen Sacramente verhaßt und lächerlich zu ma⸗ 
chen, und fo'viele hin und wieder unordentlich wandelnde fo genante 
Lutheraner muften auch zur Vergröfferung des Anftoffes dienen. An 


ftatt, daß er hätte follen den erften Gnadenzügen und übrigen Wir: 


kungen des Geiſtes GOttes Durch Die Gnadenmittel Raum geben und 
fich weiter führen laffen: fo gab er den ſcheinbaren Neigungen und Lo⸗ 


ckungen der Welt Platz, betrübteden guten Geift GOttes, und wur ⸗ 
de nad) und nad) in den Rath der Gottloſen, auf den Weg der Suͤn- 


der und unter die Spötter gezogen. Das arme Schaf wurde fo vers 
ſtricket, daß er das Gehör des Wortes GOttes zuletzt gar vermiede, 


und nicht.allein meiner geringften Verfon in-den betrübten GOttes 


vergeſſenen Saufcompagnien ohne Urſach feindfelig gedachte, fondern 


auch über GOttes Wort und Ordnung fpottefe. Seine erwachſene 
Kinder folgten lieber auf dem breiten als ſchmalen Wege, ob fie gleich 
ein und ander mal gute Bewegungen und Borfage gehabt. Dieblins 


de und gottlofe Weltwürmer frohlockten, und meinefen wunder, was 


für Heldenthaten fie gethan, ‚daß fie den Mann aufihre Seite ges 


bracht, und von der: gottesdienftlichen Phantafie, tie fie meinen, 


erlöfet. Nachdem ich etliche Wochen von Neuyorck wieder zu Haufe 


geweſen, ſo hörete, daß befagter Mann fchleunig Frank geworden und 
ſehr beaͤngſtiget mare. Ich ging aus Liebe zu feiner. armen Seele un- 
genöthiget in fein Haus. - Er erfchrack fehr über meiner Anfunft,und 
fagte, Daß ihn mein Beſuch fehr wunderte, weil er mich fo fehr belei⸗ 


8. 


diget hätte. Ich fragte, ob ich feit meiner Anmefenheit im Sandeihn 


oder die Seinigen im geringften beleidiget oder beſchaͤdiget? ob er im 


Grunde was an meiner Lehre oder Leben auszufegen hätfe? Er anf 


wortete: achnein, ich muß es vor GOtt befennen, daß an Eurer Leh⸗ 
re und Wandel nichts fträfliches gefunden, und daß ich anfangs auf 
dem rechten Wege gemefen bin. Hierauf wandte er ſich im Bette 
herum, ſchlug feine Hände zuſammen, und fing bitterlich an gu ſchreien? 

| Best Ya 


a * 


O ich verdammungswuͤrdiger Sünder! o Hoͤllenkind 9 wehe mir! 
meine Suͤnden gehen uͤber mein Haupt! meine Wunden ſtinken und 
eitern vor meiner Thorheit! O gerechter und heiliger GOtt! wo ſoll 
ich hin vor deinem Angeſicht? O gecreutzigter Heiland, ich habe dein 
Bluͤt unrein geachtet! O gerechtes Gericht ohne Barmherzigkeit! 
O guter Geiſt, ich habe dich wider beſſer Wiſſen und Gewiſſen be— 
truͤbet! DO mein falſches, gottloſes und tuͤckiſches Hay! DO verruchte 
Compagnie, ihr habt mich in den Jammer geſtuͤrzet! O ſtinkende 
Weltluſt, wie haft du mich betrogen! . Nachdem er ſich muͤde ge⸗ 
rufen, und fein Herz ausgeſchuͤttet hatte; fo fragte ich, ob mit und 
fuͤr ihn beten ſolte? Er antwortete: ja von Herzensgrund, ob ichs 
gleich nicht werth bin. Weil ich nun merkte, daß die Mutterſprache 
in Angſt und Noth die naͤchſte und beſte war: ſo kniete mit feiner. bes 
aͤngſtigten Frau vor ſeinem Bette nieder, und legte in hollaͤndiſcher 
Sprache den armen Suͤndenwurm und verlornen Sohn vor den Gna⸗ 
denthron des mitleidigen Hohenprieſters, bat um Gnade und Erbar⸗ 

mung, und hielt dem groſſen Hirten der Schafe fein Wort, Ber: 


heiffung und Erempel vor. Der Kranke zwang ſich im Bette auf ſei⸗ 


ne matten Knien, . und meinete noch) fo guf er konte, und verficherte 
nach dem Gebet mit Furcht und Zittern, daß er fi) an die Worte 
halten mwolte, die Chriſtus der Heiland aller Welt vom Creutze ges 


468 Siebente Sortfegungder Nachricht aus Penfploanien 


ſprochen ꝛc. Er bat hernach flehentlich um die heilige Taufe, welche: 


ih ihm nicht verfagen Bonte, weil er Erkaͤntniß von den noͤthigſten 


Grundwahrheiten hakte, und in aͤnlichen Umftänden mit dem Kerker⸗ 
meifter war, Apofig.26,29:33. Auf die Frage vom Ölauben antwor⸗ 
tete er mit innigfter Bewegung: HErr JEſu/ ich will gern glauben; 


ich glaube, hilf meinem Unglauben! Nachdem er fein Bekaͤntniß abe 


gelegt, den geiftfichen Feinden entſaget, und ich ihn noch einmaf im 
Gebet dem dreyeinigen GOtt zur Erbarmung übergeben hatte, ſo 
flrecfteer fein Haupt aus dem Bette, und anpfing das gnaͤdige Bun⸗ 
desmittel und Siegel, nemlich Die Taufe. Als ich ihn des andern Tas 
ges wieder befuchte, fo fand ihn näher bey Chriſto, in deſſen Wunden 
er voͤllige Genefung fuchte. "Er Elagte, daß er ſeine koſtbare Gnaden⸗ 
zeit ſo clend und ſuͤndlich zugebracht, und fo viel auf das Fleiſch ges 
ſfaͤet hätte; wuͤnſchte, daß er die Zeit wieder zurück nehmen, und zur 
Ehre feines Heilandes anwenden koͤnte. Er ließ feinedrey erwachſene 
Toͤchter und juͤngſten Sohn vor ſein Bette kommen, und redete ſie 


mit folgenden Worten an: Liebe Kinder, ich habe euch verſaͤumet 


und 


er U ; 
HR r. 


a; 2: Zen. Pafl. muͤhlenbergs Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 173. | 468 


und weder von dem Wege der Seligkeit unterrichten.noch faufen Taf 
far, ich habe mich an GOtt und euch gröblich verſuͤndiget. GOtt, 
der reichift von Gnade und Erbarmung in Ehrifto, hat mir meine 
Sünden vergeben, alfo follet ihe mir auch verzeihen und hier ‚vor 
GoOttes Angefichte eurem flerbenden Vater verfprechen , daß ihr nach 
meinem Tode euch wollet in der Ehrififichen Lehre unterrichten, von 
dem Geiſte GOttes bearbeiten , und durch die heilige Zaufein GOt⸗ 
tes Gnadenbund bringen laſſen. Wollet ihr folches von Herjens- 
grund verfprechen, und mit GOttes Hülfe erfüllen? Die Kinder ant: 
worteten mit vielen Thranen: Ja. Der Vater bat noch einmal, fie 
möchten doch ihrem DBerfprechen mit GOttes Beyftand nachfommen, 
fonft Eönte er nicht ruhig fterben. Nachdem ich noch ein und das an⸗ 
dere Nöthige mit ihm gefprochen, und gebetet, fo begehrete er, daß 
ihn ferner befuchen und zum heiligen Abendmahl präpariren möchte, 
welches er aber nicht einpfing, weil ich am nachfien Tage nad) Neus 


annover reifen und mein Amt dafelbft verfehen muſte, am zweyten 


age aber Durch einen Expreſſen -benachrichtiget wurde, Daß er ver- 
fchjieden wäre. Ich ward genöthiget, nach Haufe zukommen unddie 
Leichenceremonien zu beobachten. Weil nun vermöge der groffen 
Steundfehaft ein groffes Gefolge von Englifchen und Zeutfepen vermu- 
thete und auch fand, fo hielte in der Kirche erſt eine teutfche Rede 
‚über Zachat.3, 2. Iſt diefer nicht ein Brand, der aus dem Seuer 
errettet ft? und hernach eine Englifche über Pſalm 73, 17. bis daß 
236 ging in das Seiligehum @Ottes, und merktenufihr Ende. 
Weil es juft an einem Sonntage und der ordentliche Gottesdienſt in 
Neuhannover war, fo mufte Vormittags in Neuhannover das Amt 
pflegen, und von da.in aller Eile nach Providentz veiten, und Nach⸗ 
mittags die Leiche beſtelen. Der gnädigfte GOtt vertiche mir aber 
fo viel Gnade, Daß beydes verrichten Eonfe. Die Application in den 
Leichenreden wurde mit Ernſt auf die verfchiedenen Zuhörer gemacht , 
and der ganze Verlauf der Sache nicht verfchreiegen. Einigen ging 
es durchs Herz und machte tiefen Eindruck, andere, nemlich folge 
Penfyloanier aͤrgerten ſich, und meineten, fie wären durch ihren ver⸗ 
 florbenen Freundes letztere Aufführung fehr befehimpfet ‚und die alten: 
Sauf-und Läftercameraden hatten zum Theil ihren Scherz und Spott: 
mit dem Text vom Feuerbrande ꝛc. und Dräueten, daß fiemich bey den 
Obrigkeit verklagen wolten 2c. und der alte obbefagte Schwieger vater 
wandte alle Mühe an,umdie Kinder und übrige Freunde gu verwahren; 
— ee a. 


— 


' 470 Siebente Kortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien. F 


daß fie nicht etwa, feiner Meinung nach , auf gfeiche Phantafie getan 
“then und fi) in Ehriftliche Ordnung ſchicken möchten. Des Berflor- 


© 7 


benen ältefter Sohn und aͤlteſte Tochter blieben zurück, und (hämeten — 
ſich, den Unterricht und die Taufe zu empfangen. Die uͤbrigen drey 
ermachfenen Kinder lieffen fi) von mir eine Zeitlang in ihrem Haufe un⸗ 





RN 


terrichten, legten hernach vor einer Ehriftlichen Verſamlung ihr lau: 


bensbetäntniß unter vieler Bewegung ab, und empfingen die heilige 


Tauſe nah Ehrifti Befehl und Verheiſſung, und nad) ihres verflorbes | 


nen Vaters Wunſch und Verlangen. Solches verdroß den alten 


Landmeſſer als Großvater über die Maffe aufs neue, und fuchte , wie | 


ich vernahm , die jungen Leute zu verſpotten, auch geyen die heilige Tau⸗ 


fe und das Predigtamt aͤrgerliche Reden auszuftoffen. Der getreue 8 


Erzhirte, der mächtiger iſt, wolle ſich der armen Kinder erbarmen, und 
fie nicht. laffen aus feinen Händen geriffen werben, Der alte Mann ift 


nunmehro durch einen fehnellen Tod in die Emigkeit verfeget worden. 


Pie gar nichts find alle Menfchen, die doch fo ficher feben! Dieſes 


Erempel gab befonders einigen Freunden und Anverwandten guten 


Eindruck, welcher aber.nicyt lange daurete, 


In dem Monat November 1751. entfchlief eines Aelteften Ehe: FE 
frau in Neuhannover, melche mit einem gläubigen und getroflen 


Muthe dem Tode entgegen fahe, und Sterben für ihren Gewinn ach⸗ 


tete Sie mar durch lange anhaltende fehmerzliche Krankheiten und 


Truͤbſal von der Welt und ihrem irdifchen Vergnügen entwöhnet und 
‚Durch Die zuvorkommende Gnade zu einem guten Lande bereitet, ſo daß 
fie den unvergänglichen Samen , das lebendige Wort GOttes, zum: 
Leben hörete, und Früchte des Geiſtes brachte. In der Erfäntniß und 
dem Gefühl ihres tiefen Verderbens und der ganzlichen Ohnmacht ſich 
felber zu Helfen, mar fie wohl zu Haufe, und forgfältig bemühet, den 
Heiland der Welt, als ihre Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und 


Erlöfung zu erfahren. Dahero ließ fie alle meitläuftige Speculatio⸗ 


nen gerne fahren, und fuchte mie eine Biene, aus den naͤchſten und deut⸗ 
lichften Verheiſſungen des Evangelii von € 

nen Heil den lautern Wahrungsfaft zu ziehen, und in Geiſt und Leben. 
su verwandeln. Sie faß mie Maria , fo oft fie Fonte, dem HErrn 
JEſu zu Füffen, und vergaß ihr Elend, wenn fie feine holdfelige Re⸗ 


den im Evangelio und in erbaufichen Evangelifchen Liedern hören kon⸗ 


te. Unter andern Sprüchen und Liedern waren ihr Diejenigen am lieb⸗ 
ſten und troͤſtlichſten, welche zunaͤchſt von Dem Leiden und Sterben I 


\ 


hrifto und feinem ermorbe -· 


a Br 


— 


— 


1. 3en. Paft. Muͤhlenbergs Ber. von ſeiner Amtsfuͤhr. ryzr. 471 


ſu Chriſti und der glaͤubigen Zueignung und Genieſſung deſſelben han⸗ 


delten, als zum Exempel: Wie Mofes in der Wuͤſten eine Schlange 
erhoͤhet hat x. Alſo hat GOtt die Welt geliebet ꝛc Das iſt ie ge- 


wißlich mahr und ein aller annehmungswuͤrdiges Wort x. Erift um 
unferer Miffethat willen verwundet ıc. Wolan alle, die ihr durſtig 


ſeyd ec. Die Efenden follen effen:e. Wen da dürftet, der komme 


zu mir ꝛc. Wer zu mir fommt, den will ich nicht hinaus floffen ac. 


| | Der Geift und die Braut fprechen : komm ꝛc. Ein Laͤmlein geht und 


trägt Die Schuld ꝛzc. Ach alles, was Himmel und Erde umfchlieffet ze. 


R rEfu hilffiegen ec. O JEſu, du mein Bräutigam zc.ıc. Da fie end- 


lic) merfte, daß der HErr fie von allem Uebel erloͤſen und zu fich neh⸗ 


. men wolte, begehrte fie noch einmal mitdem heiligen Abendmahl geflär. 


ket, undgegenden lesten Feind gerüftet zu werden, welches ich ihr denn 


‚mit Vergnügen reichte, und ihr eine felige Heimfahrt zu des Waters 


Wohnungen münfchete, die fie aud) aus Gnaden wird erreichet haben. - 


Ä ee ‚Häuflein erwachſener Kinder, welche manche gute 


tmahnungen und Eindrücke von ihr empfangen und bishero noch em⸗ 
lich verwahret haben. Solche Erempel, da man Spuren der hoͤttli⸗ 
chen Gnade und dankbare und gehorfame Herzen gegen das Evanges 
fium findet, verfürfen Die ſchwere Amtslaft, zumal da ſolche vor GOtt 
erkennen, tie hoc) die Wohlthaten zu ſchaͤtzen, die fo viel Gönner und 
Wohlthaͤter in Europa den verirreten Schafen hier um Chriſti willen 


erzeigen 


In demſelbigen Monat November ſtarb ein Mann zu Neuhan⸗ 
nover G. ©. in der Haͤlfte feiner Tage, durch einen Zufall, weichen 


er fich muthwilliger Weiſe zugegogen. Sein Bater mar einer son de- 


nen, welche bey unfern Vorgefetzten in Europa um Hülfe gebeten, und 
zudem Ende mit nach London gereiſet. Er mar inder Jugend zu früh- 
zeitig feinem eigenen Willen und dem Mißbrauch der Freyheit über- 


laſſen worden ; und da fein Water geftorben, molte er feiner frommen 


Mutter noch viel weniger folgen , fordern verfehwendete fein Erbe und 
die koſtbare Gnadenzeit in eitier Gefellfchaft „ wie der verforne Sohn. 
Seine redlihe Mutter unterließ nicht, ihn oft mit Thränen zu ermah⸗ 
nen und zu bitten, Daß er feine arme Seele, und Weib und Kinderbe= - 


‚denken, und was zufeinem Frieden dienete erwegen möchte. Es feh- 


lete ihm zwar nicht an oftmaligen Yührungen und guten Vorſaͤtzen, 
aber Die Fertigkeit und Gewohnheit zu fündigen entkraͤftete und erfli- 
te Die guten Bewegungen bey Des erften Gelegenheit „ und machte. ihn 

———— immer 


9— 
— 8 


——— 


472 Siebente Sortfesung der Nachricht aus Penſylvanien —— 


immer untüchtiger zu ſeinem leiblichen und geiſtlichen Beruf. Nahe ⸗ 
- dem nun feine Mutter aus der Welt Abſchied genommen, hatte er fein 
Erbtheil vollends einpfangen „ und ein Wirthshaus angeleget, damit 
ei feine felbft erwaͤhlte Lebensart fortfegen , auch die Gefellfcyaft und 
das Trinken beffer abwarten Eönte. Wirthshaͤufer find aud) in diefem 
Lande nöthig und nüglic), wenn fie ordentlich gehalten werden, aber 
. defto gefährlicher und ſchaͤdlicher, nenn Die Wirthe gottlos und Suͤn⸗ 
denfclaven find. Die Englifchen Gefege verbieten Saufen, Tanzen, 
Spielen x. an den Sonntagen , daher findet man die Heppigkeiten - 
an den Senntagen hier im Lande nicht fo , wie in vielen Chriſtlichen 
Städten und Dörfern in Teutſchland. Inzwiſchen wollen doc, die 
eiteln unbefehrte fo genante Chriften Zeitvertreib haben, und treibendie 
fündtiche Eitelkeiten deſtorrehr in den Feſt· und Wochentagen ‚und wenn 
es noch am ehrbareften heiffet,, fo müffen Prediger, Kirchen und got-⸗ 
tesdienftliche Sachen ein hoͤniſch Beyſpiel und der Vorwurf zum Zeitz 
vertreib in den. loſen Geſellſchaften ſeyn. Je mehr nun vorbefagter 
Mann in die Suͤnden verwickelt wurde, deſto weiter entfernte er ſich 
von dem Gehoͤr des goͤttlichen Wortes, und ſuchte ſeine Compagnie 
zum Schaden unſerer Gemeine zu vergroͤſſern. Er pflegte mich — 
ſcher Weiſe den ſchwarſen Mann oder Beelzebub zu nennen, und konte 
meine geringe Perſon nicht leiden. Der langmuͤthige und barmherzi⸗ 
ge Gtt, der nicht gerne will, daß iemand verloren werde, warf ihn. 
aufs Krankenbette in eine ſchwere Krankheit, in welchen betrübten Um- 
ftänden feiner feligen Mutter ehemalige Ermahnungen und Thraͤnen 
und die fisvchterliche bevorſtehende Ewigkeit fein Geroiffen beunruhigten 
und erfinveckten. Er begehrte meinen Zufpruch, welchen ich nicht ver=. _ 
fagte. Als zu ihm Fam, fo entdeckte er mir feines Herzens Beſchaffen⸗ 
heit und den Sündengrauel, darin er von Jugend auf geſtecket, win⸗ 
felte wie ein Kranich, kruͤmmete ſich wie ein Wurm, meinete aber doch, 
der HErr würde nicht vorüber gehen, noch ihn in feinem Blute liegen 
faffen. Ihh ſchaͤrfte ihm das Gefeg und ſchwere Leiden des Welthei⸗ 
fandes am Delberge und Ereuge ein, bat fehr , daß er bey dem freyen. 
und offenen Born für die Sünde und Unreinigkeit Die Abwaſchung al- 
fer feiner Sünden ſuchen, als ein von Schlangen vermundeter und vers" 
gifteter Iſraelit nach Dem erhöheten Chrifto fehen, und Heilung erwar⸗ 
ten, nicht mit Werken umgehen, fondern an den, der die Gottlofen 
gerecht. mache, glauben, und aus ber allgenugfamen Gnadenquelle al⸗ 
ferley göttliche Kraft, mas sum nenen Leben und göttlichen Wandel die⸗ 
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4 L Zen Paſt Mahlenbergs Ber. von feiner Antefäbr. iy5. 478 


vernahm ‚daß er nad) feiner Genefung nicht freu geblieben , und ſich 


nad) und nach — des Satans und danke feiner Gefeiſchaft 
wieder einflechten laſſen, welches mich ſehr jammerte. Kurz nach mei⸗ 


nier Zuruůckkunft von Neuyork vernahm mit Schrecken, daß er an einem 


Tage fein Maſtvieh geſchlachtet, und indem er einen geoffen Keſſel mit 
fiedender Fettbruͤhe am Feuer gehabt , und mit einem feiner luſtigen Ca⸗ 


meraden fich muthwillig herum gebalget, ruͤckwaͤrts mit dem Ereutz in 


% 


den Keffel gefallen, und von dem Ereug Bis auf die Fußfohlen gefotten’ 
worden. Nunmehro verging ihm die Kurzweile, und er lag bey neun’ 


Tagen der Seelenangfl und den Leibesfchmerzen nad) in dem Nor: 


ſchmack der Höllen: "Er ward von allen-fonft redlichen und GOttes 
Wort liebenden Menfchen und Nachbarn wegen feines muthwilligen 
Falles und erſchrecklichen Anblickes verabfcheuet, und feine Weltbruͤder 
ſtunden auch von ferne, und ſcheueten feine Angft und Magen. Seine 
naͤchſten Anverwandten Eonten ihm wegen feines Heulens undder Pu- 
trefaction Des Brandes Faum nahe kommen und Handreichung thun. 
Er hatte mol ein Verlangen nad) meinem Befuh , molte esaber nicht 
tagen, mic) darum anfprechen zu laſſen. Ich ging aber zu ihm ‚und‘ 
fand, daß eine totale Inflammation bald ein Ende machen würde: Er. 

VII. Penſylv. Sortſ. gg konte 


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* 


chricht aus Penſylvanien. 
konte vor Zittern und Schmerz nur wenig Worte machen, und redete 9 
deſto eindruͤcklicher durch ſeine Augen und Angeſicht, welches vermoͤgend 


war das haͤrteſte Herz zu brechen, zum Mitleiden zu bewegen und“ F: 
ihm die Buſſe Manaſſis, den bittern Thranenfluß Petri und Die, ich - 


474 Giebente Sortfegung dee Na 





te des Schächers anzumünfchen und auszubitten. Ich erinnerte nue 


mit ein paar Worten, feinen groffen Misbrauch und Verachtung der. 
Güte, Geduld und Langmüthigkeit GOttes und feine Untreue, fand. 
aber nicht noͤthig, mehrcres zu ſagen, weil ich nicht allein eine leibliche 
Entzündung ım Coͤrper fondern auch eine geiftliche im Gewiſſen merfte 
Er ſprach fich das gerechte verdiente Urtheil felber , und hatte keine eige⸗ 
ne Gerechtigkeit, noch die geringfte Entfehuldigung gegen, Die Vollne⸗ 
hung deffelben anzubringen, fondern lag als. ein verurtheilter Miſſethaͤ⸗ 
ter. da zmifchen Furcht und entfernter Hoffnung, ob nicht etwa ein un⸗ 
verdienter Önadenbrief durch Fuͤrſprach von dem oberfien Richter kom⸗ 
men möchte 2 Er fragte mich, ob auch noch mol ein. Brofamlein von: 
des HErrn Tifche fallen, und einem folchen Hunde zugute kommen 
möchte. ch. erinnerte ihn an einige Dahin ‚gehörige Erempekaus dem. 


ten und neuen Zefliamente , betete des Schächers Beichte etwas 
ar öften und goften al „machte aber Beine befondere Applica⸗ 


ligſten Hohenpriefter, als dem Erlöfer aller armen Sünder , demüt 


tion auf feine Perfon, fondern ftellete e8 dem mitleidigften und 5* | 
anheim / und ermahneteden Patienten , die lebte Stunde noch wohlans. 


— v 


zumenden , und bey Chriſto felbft die Abfolution zu ſuchen. Die an ⸗ 
weſende Freunde erzähleten mir am folgenden Zage , daß er nach mei⸗ 
‚nem Abfchiede noch fleißig gebetet , und in der Nacht geflorben. wäre, 
Ein und andere wolien meine Meinung willen, ob der Mann verdam- 
met oder ervettet waͤre. Ich antwortete, wie es ihrer Beſchaffenheit 
nüglich zu ſeyn erachtete,, und begrub den entſeelten Eoͤrper bey einet 
groſſen Verſamlung mit den. Worten Chriſti Luc. 13, 727. Haue ihn 
ab, was hindert er das Land, welches Die Anvermandten zum: 
Theil fehr verdroß, und der alten Geſellſchaft gar nicht gefiel, ob es 
gleich zur Warnung und Beſſerung abgegielet war. Das Lafler 
der Trunkenheit hat in diefen Ländern ſchon manche anfangs bra- 
ve und begabte Leute von allerley Ständen in Leibes-und Seelenver- 
derben geflürzet, und reiffet noch immer weiter ein, weil ein flarfer Han⸗ 
dei mit allerhand. ſtarken Getränke getrieben , und das Land immer 
pöller von ſoichen Wirthen und Haufern wird. ‚Der Menfchenfeind: 
hat durch diefe Erfindung ein unbefchreibliches Capital fuͤr fein Reich zu: 


2 +20 Paſt. Muͤhlenbergs Ber: vonfeiner Amtsfuͤhr. 1758) 475 
wæege gebracht, weil baburch. viele Laufende fich dem Satan aufopfern , 
und ohne Mühe und Koften feinem Reiche anheim fallen. Ach, dag 
wir alle was zu unferm Frieden dienet, bedenken, und die Zeitder Gna⸗ 
denheim * ng heilſamlich anwenden moͤchteu 5% 
J 
n dem Monat December begrub ich eine alte fromme Witwe 
welche von reformirten Eltern abſtammete. Sie hatte einen Englifchen 
. Ehemann gehabt, und mit demfelben ein Hauflein Kinder gezeugef, - 
wæelche meiftentheils einigen Eindruck vom Guten haben. Sie war vor 
.. meiner Ankunft ins Land erwecket und zu Chriſto gewieſen worden; und 
ob fie wol dann und: wann Fränkelte inihrem Ehriftenlauf, fo ging doch 
Das glimmende Docht nicht gang aus , meil e8 zumeilen mit neuem Del 
begöffen und unterhalten wurde. Ach) hatte etliche mal Gelegenheit, 
mit ihr zu fprechen , und fand , daß fie gerne von der Kiebe des Welt 
heilandes zu Den armen Sündern , von feiner feligen Gemeinfchaft und _ 
Nachfolge hören und reden mochte; Daher waͤre ich auch gerne bey ih ⸗ 
rem Abfchiede aus der Welt geweſen/ weil ſie es ſo ſehnlich verlangere, 
welches aber nicht moͤglich war, inmaſſen es meine Amtsverrichtungen 
in Neuhannover verhinderten. Sie hatte ihren Leichentert aus dem 
22ften Palm v. 7: Ich bin ein Wurm und Fein Menſch, erwaͤh⸗ 
let , und beftellt „ daß ich bey ihrem Begräbniß über den Palm Eng: 
liſch und Teutſch predigen ſolte, weil fie die in demſelben befchriebene 
Derfon in-ihrem Leben geliebet , welches denn auch vor einer zahlreichen 
Berfamlung von. allerhand Parteien englifcher und teutfcher Nationen 
gelhahe. Die Menfchen haben in diefem Lande Feine gerechte Ent» 
fehuldigungen , wenn fie nicht zu Ehrifto kommen. “Denn fie genieffen 
vollfommene Freyheit, Die Bibel zu lefen , und haben öfters Gelegen⸗ 
heit , manche Zeugniffe von Ehrifto, als dem Wege, der Wahrheit 
und dem Leben, zu hoͤren. Der gefreue Heiland muß aber auch hier 
mit Recht Hagen: Wie oft babe ich deine Rinder verfamlen 
wollen , wie eine Senne verfamlet ihre Rüchlein unter ihre 
Siögel, und ihr habt nicht gewolt ! Darum ſchaue die Güte 
und den Ernſt Bötten nn | 





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476 Siebente Sörtfesungder achricht aus Peiifylönitien.” 


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Grm Monat Sebruario beerdigte einen, tie ich hoffe,felig: ver⸗ 4 
fiorbenen alten Mann, welcher fich zu der Gemeine in Neu⸗ 
@Y) provideng gehalten. Er hatte anfangs in einer benachbat- · 
en Provintz gewohnet:, und ſich naͤher 'herguigemacht., um 
GoOttes Wort zu hoͤren, und fein Leben in der Stille zu: beſchlieſſen 
Die evangeliſche Wahrheiten, welche er durch getreuen Unterricht in 
feiner Jugend erlernet, kamen ihm beſonders in feinem Alter wohl zu 
flatten.  Gottfelige Schulanftalten Fönnen nicht genug befördert und _ 
gefehäßet. werden. · Wo die goͤttliche Wahrheiten mit Fleiß und Wache 
druck in die Fugend-eingepflanget , und mit guten Exempeln erläutert 
werden, da bleibet:ein Same ‚ welcher / obwol felten gleich‘, doch zu 
feiner Zeit , aufgehet und Früchte bringet. Es iſt dahero nicht zu ver- 
wundern, daß gottfelige Schulanftalten von dem’ Satan und feinem 
Anhange am meiftenbeneidet, verläftert‘, beſtritten und verfolget wer⸗ 
zen weil durch dieſelben dem Meiche Chriſti Vorſchub, dem Reiche 
es Satans und der Finſterniß aber Abbruch geſchiehet. Man ka 
den Unterſchied des Unterrichts an ſo vielerley Menſchen, die hier ins Land 
kommen, bald merken, und ſehen, wo gute oder ſchlechte oder gar kei⸗ 
ne Schulanſtalten geweſen ; und man prediget ſich an den Leuten faſt 
zu todte; welche in der Jugend verſaͤumet find, und im Alter keine Zeit, 
Luſt noch Fähigkeit haben, die erſten Buchſtaben der wahren Religion 
zu faſſen. Eine blos auswendig gelernete und eingeblaͤuete Wiſſen⸗ 
ſchaft von einigen Articuln der Religion ohne Application aufs Hertz, 
und eine in vielen Jahren Durch öftere Wiederholung erlangte Fertigkeit 
in den Aufferlichen Uebungen des Ehriftenthums , welche viele Menfchen 
mitbringen, machet es audy nicht aus. Denn folche Menfchen find in 
ihrem unbefehrten und todten Zuftande von der Nothwendigkeit der 
Sinnesänderung und des febendigen Glaubens ſchwer gu überzeugen), 
und fehlagen gern mit Faͤuſten drein, wenn man ihnen auch nur den 
Heinen Catechis mum Lutheri in Geiſt und Leben verwandeln, undihren 
alten Sclendrian nicht, für hinreichend zur Seligkeit paßiren laffen - 
will. Dahero hat man an dergleichen Leuten ſchon mehrere Vortheile 
voraus, welche von ſolchen Gegenden herkommen, wo reine Lehre ge- 
fehret , und zugleidy auf die daraus flieffende Goftfeligfeit gedrungen 
wird. Obbeſogter Altvater hatte in feiner Jugend guten Unterricht 
von der Nothwendigkeit und Ordnung der Buffe, des Glaubens und 
2 | der 


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L. Srn Paſt maͤhlen 3er e.von aha: 1752. 497. 
de ottſeligkeit empfangen , und nahm deswegen auch hier das Wort = 
mit — das in ihn gepflanzet war, und ließ auf den ein: 
mal gelegten Grund bauen. : Er befuchte ein und andermat unfere öf- : 
fentliche Verſamlungen, ſo viel es fin ſchwaͤchliches Alterund die Ent⸗ 
ig des Weges leiden wolte Da er aber aus Unvermoͤgen nicht 
inehr beywohnen konte, fo muſte ich ihn dann und wann beſuchen, und das 
Seben des Biaubens durch das Wort SHOES, Gebet und heitige Abend» 








mahl flärken. Er wuſte wohl, wie denen zu Muthe iſt, die der ordent⸗ 


lichen Gnadenmittel eine Zeitlang entbehren, und in der Wuͤſte, wo 
kein Waſſ. fer iſt, wandern muͤſſen, und war deswegen dankbar und er⸗ 
kentlich ge ak feinen Heiland , der ihn im Alter auf die grünen Auen, 
um frift » Waſſer zur Erg lickung und auf rechter Straſſe um ſeines 
amens willen fuͤhrete Da’er endlich alt und Lebens ſatt zu feinen 
| Baͤtern geſamlet ward, muſte ich feinen Leichnam auf Chriſtliche Wei⸗ 
ſe zur Erden beſtatten und su feinem Gedächtniß dem verfamleten Bol 
ei; die Leichenrede über Pf. 50, 5. halten. Es waren einige fo genante 
Mennoniften mit'zugegen , Die fi) in dem Leichenhaufe mit mirt in ein 
erbauliches Sefprähe einlieſſen, welches bey allen Leihen wuͤnſchen 
möchte, teil die Menfchen nicht gerne ſtillſchweigen , und die meiſten 
wol gar in irdifche ja fündfiche Geſpraͤche gerathen,, wenn fie bey bemit · 
telten Leichen nachfolgen, und mit allerley Getraͤnke nach Penſylvani⸗ 
ſcher Art beehret werden , und ſich ſelbſt vergeflen. Ben den Leichen⸗ 
begräbniffen im Sande gehetes oft gar unordentlich her, meil die Men! 
{chen von allerley Parteien und Nationen von etlichen Meilen her zufam- 
men fommen , und fich faft allemal etliche einfinden , welche nicht ſo⸗ 
wol aus Liebe zu den Leidtragenden als um des Getraͤnkes willen kom⸗ 
men , und hernach Unordnung verurfachen. Die Abſicht, warum 
redliche Leute ben Den Leichenbegängniffen etwas vom: Getraͤnke reichen 
laſſen/ gehet wol dahin, daß die von etlichen Meilen enttveder in Hitze 
oder Kälte zufammen gefommene Freunde eine nothbätftige Erquickung 
‚nehmen folten. Der Misbrauch kann aber felten gänslich vermieden 
werden. Der Schade ift, daß ſolche wohlgemeinte Erquickun gen nicht 
- in den Schranken bleiben, und immer etliche untüchtig zum Gehördes 
‚göttlichen Wortes machen, und redlichen Leuten Aergerniß verurſa⸗ 
chen. Einige gutgefinte geben zur Erfriſchung klein Bier ımd Brodt, 
und haben alfo den Vortheil, daß unordentliche Leute zuriick oder nuch⸗ 
tern Bode. ob fie gleich destegen von ea für geitzig gehal- 
sen werden. 


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In beſagtem Monat Februario ſtarb ein Haussater, welcher 
zwoͤlf Meilen von der Neuhannoveraner Kirche wohnete, und ſich mit 
gu derfelben Gemeine hielt. Er war in Teutſchland an einem Chriſt·⸗ 
Eichen Orte erzogen, aber dem Geiſte GOttes nicht gehorfam fondern 
ſich felbft gelaffen geweſen. Da er aber vor etlichen Fahren hiering 
Land Fam, fo finger eine ordentliche und ehrbare Lebensart an, Tam 
fleiffig zum Gehör. des göttlichen Wortes, hoͤrete aufmerkſam zu, hiel- 
tefeine Kinder auch fleifig dazu an, bewies ſich als ein ordentliches Glied 
der Gemeine, wurde von GOtt in feinem leiblichen Berufe geſegnet, 
und endlich aus der Zeit in Die Ewigkeit verſetzet. Wie weit er von 
GHtt durch Die. ordentlichen Gnadenmittel an feiner Seele bearbeitet 
worden, kann ich nicht fagen, weil ben feinem Abſchiede nicht gegen: 
waͤrtig war, und feine letztere Reden und Zeugniffe nieht hoͤrete. Eis 
nie buͤrgerliche Beranderung iſt freylich nicht hinreichend zur Seligkeit, 
weil es unmoͤglich iſt, ohne Glauben GOtt zu gefallen, und ohne 


s Siebente Sortfegung dert 





HSeiligung niemand den HErrn ſchauen wird. Ich hoffe nach der Lie⸗ 


be und einigen Kennzeichen Das Beſte, und hüte mich fuͤr vorwitzigem 
Nichten, weil der HErr Wohlgefallen hat ‚an Barmherzigkeit ꝛc. 
Wo fich der Gottloſe befehret von feinen Sünden, Die er gethan hat, 
und hält ale meine Rechte, und thut recht und wohl, fo fol er leben 
und nicht ſterben. N — — 
Im Monat Merz deſſelben Jahrs beerdigte ich einen verſtorbenen 
Juͤngling engliſcher Nation. Er war von einer wohlgeſinneten eng⸗ 
fifchen Familie in Neuhannover zum Kinde angenommen, zur wahren 
Gottesfurcht und zur Chymie gewidmet, und gab von beyden gute. 
Hoffnung. GoOtt aber, der nad) feiner Alltwiffenheit Das Kuͤnftige 
‚gegenwärtig fiehet, und nad) feiner Güte und Weisheit die naͤchſten 
und beften Mittel zu der Seinigen wahren Wohlfarth ermählet und 
anmendet, eiletemit ihm zum groffen Leidweſen feiner Pflegeltern aus 
der Welt. Der junge Menfch hatte ſchon in feiner Kindheit eine 
Sertigkeit zu groben Sünden erlangt, wurde aber von feiner Chriſtli⸗ 
chen Pflegemutter durch GOttes Wort und Huge Erziehung unter 
GOttes Segen fo weit gebracht, Daß der Geiſt GOttes in ihm fei- - 
‚ne Werkſtaͤtte aufichlagen, den Grund zu einer neuen Geburt Regen, 
und feine Seele zu einem beffern Leben tüchtig machen konte. Ich 
wurde durch Diefeg Exempel betvogen, der Ehriftlichen und -Elugen 
Frau meine altefte Tochter zur Chriſtlichen Erziehung aufzubringen, - 
und hätte ihr gerne noch ein Paar Dazu gegeben, weil ich felten zu. Hau⸗ 
. ſe 








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1.32. Po. Muͤhlenbergs Ber:vonfeiner Amtsführ. si, 479 






fe feyn, und meineeigene Kinder wegen Des weitläuftigen Amtes nicht 
k au aber wegen der muͤhſamen Haus: und Land⸗ 


erziehen kann, meine F 
geſchaͤfte, die wegen der aͤuſſerſten Nothdurft auf ihr haften, auch nicht 
im Stande ff, die Kinder allein zu erziehen. Da ſie aber verficherte, 
Daß fte ein Kind zum allerwenigſten nicht unter sehen Pfund des Jah⸗ 
res in Effen „Kleidung, Wache, Büchern, Schulgelö und dergleicherr. - 
erhalten und erziehen Fönte, fo mufle es bey dem einen bewenden und 
nur auf ein Jahr verſuchen laſſen, weites meiner leiblichen Nothdurft 
ſchwer faͤlt, die zehen Pfund fuͤr ein Kind aufzubringen; muß es alſo 
der Erbarmung GOttes im Glauben und Gebet empfehlen, und auf 
ſeine Huͤlfe warten. RT RN | 
Nachdem mir auf dem Convent, weldherrzst. den ı3fen Mäy zu 
Philadelphia gehalten tworden „ von allen anwefenden Lehrern und ab⸗ 
geordneten Aelteſten ein halb Jahr zum Verſuch auf die verlaffenen 
Gemeinen in Neuyorck und Hackinſack zu menden erfqubet und be 
flimmet war, und ich darauf hinuͤber reifete, und drey Monate und 
acht Tage daſelbſt geweſen, fü muſte abbrechen und wieder nad) Hau⸗ 
 fefommen. Ich gedashte. die übrigen drey Monate im nächftfolgen- 
den Winter in Neuyorck zu vollenden, vernahm aber, Daß zween neue 
Prediger auf der Reife waren, welches. meinen Schluß veränderte, 
und mich bewog, aufder Neuyorker fiehentliches Bitten zu verſprechen, 
Daß im Monat Merz 1752. noch einmal kommen und fie befuchen wol⸗ 
te. Witterung, nothivendige Amtsgeſchaͤfte und andere Umftände 
aber machten es ganz unmöglich, Die Reife im Merz anzutreten. Fır 
deſſen liefen verſchiedene Briefe von dem Kirchenrath und guten Freun⸗ 
den aus Neuyorck ein, Die voller Klagen über den en Zuftand 
der Gemeine und voller Wehleid über-mein langes Auffenbleiben wa⸗ 
ren. Ich beantwortete dieſelbe, und zeigte Die Urfachen nochmals arı, 
die mich wider meinen Willen abgehalten, daß ich nicht eher wieder 
nach Neuyorck kommen Fönnen. In der Antwort beseugte der Kir: 
chenrath, Daß fie mich entſchuldiget hielten, ob fie gleich ihre Betruͤb⸗ 
niß, daß fie fo lange verlaffen feyn müjfen „nicht Hätten bergen Für 
nen, und bat nochmais, meine Ueberkunft fo viel möglich zu beſchleu⸗ 
nigen, morauf ich im Merz 1752. wiederum dahin fchrieb „und fo bald 





als moͤglich zu uͤberkommen verfprach. 

Nachdem ich nun die Jugend zu Neuhannover confirmiref, und _ 

an beyden Orten das heilige Abendmahl gehalten hattes fo ruͤſtete 

mich auf die Reife. H — 
— e 


et 8 


480 Siebente Sortfegungder Nachricht ans Penfploanien.. 


und brachte meine Sachen in Ordnung, weil man nicht weiß, ob es 
Gott zum Leben oder Tod beftimmet auf vorhabenden Reifen. ° 
‘ Den sten Maͤy am Sonntage Nogate nahm daſelbſt voneinee 


ſehr zahlreichen Verſamlung Abfchied, empfahl meine liebe Gemeine 
Gott und dem Worte feiner Gnade unter bemeglichen Thraͤnen und 


7, 25 
—— 
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Den ꝛten MIäy teifete von Providentz nad) Yreubannöver,), 






Hr 
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* 


Wehmuth derer, Die GOtt und ſein Wort lieben. Nach vollendetem 


Gottesdienſt ritte Nachmittags zwoͤlf Meilen weiter, und hielt eine 
Engliſche Abſchiedspredigt bey der Schwediſch-Engliſchen Gemeine 


auf Molotton. Am Abend ritte ſechzehen Meilen wieder zurück, und 


Fam um ein Uhr des Nachts nad) Haufe. 


Den sten Yläy als des Montags nahm von meiner-atmen bee 


truͤbten Srau und unmündigen Kindern und Gefinde, wie auch von 
meinen gefreuen Freunden Abſchied, rifteneunzehen Meilen, und Fam 
ends mit betrubtem Herzen bey dem Heren Paſt. Handſchuh an, 
“welcher mir.alle erfinnliche Liebe erzeigte. 
Den sten Maͤy begleitete mich Derfelbe nach Philadelphia. Den 
Heren Paft. Brunnbols fand ich munter und wacker, und nebft Herrn 
Heingelmann fehr. befehaftiget bey der neu angelegten Schulanftalt. 
.. Sich habe in den verfioffenen neun Jahren nod) Feine fo reelle Freude 
in Philadelphia gehabt, als mir die Betrachtung der neuen Schule 
verurſachte, meil ein ſolches Werk der erfte Grund ift, woraus man 
Hoffnung fchöpfet, daß der Staat und die Kirche verbeſſert werde 


Ach, wenn e8 dem HErrn gefallen möchte, genugfame Mittel und 


Subjecta gu verleihen, daß aus folchem Senfkorn ein groffer Baum 
werden inte. 0.00 a re al ger 

Den sten Maͤy empfing auf Anfuchen eine Necommendation 
und Pagport zur Reife von Sr. Ereell. unferm Deren Gouverneur 
und dem Staatsfecretair Herren Peters, befuchte den äfteften Predi⸗ 
ger und Tommiffarius von der Englifchen Kirche in Begleitung des 
Herrn Paſt. Handfchuh, wurde darauf von meinen gegenmättigen 


Herren Amtsbrüdern und andern guten Freunden bis zum Waſſer be⸗ 
‚gleitet, und fuhr Nachmittags mit dem Poftfchiffe von Philadelphia 
ab. Wir hatten contraiven Wind und eine gottlofe Gefenfchaft. Sn 
der Nacht muften wir Anker werfen und flille liegen, weil das af » 


fer abgelaufen, und wir erft funfzehen Meilen zurück geleget harten. 
Die Geſellſchaft fing an, aͤrgerliche Lieder zu fingen und allerhand gott: 
loſe Reden und Fluͤche auszuſchuͤtten ꝛc. Ich mwiderfprach und war 

| nete 


L Sen paſt Můhlenberge 2er. vonfeiner Amtofähe.ua: gr 
ı nefs ein wenig, aber es wurde darüber geſpottet. Dannenhero bat 


en den Schiffer, er möchte mic) mit einem Englifchen Manne, welchen 


unter der Geſellſchaft file fand, ans Ufer fegen. So bald wir an 
dem Ufer waren, und. in ein Haus traten, folgte ung die ganze Ge- 
- fellfchaft nach, und trieb es aufs argfte.: Ich retirirte mich mit dem 
ſtillen Manne in den Bald, und fragte ihn, warum er nicht mit den 
andern mitmachte?.Er ſagte, daß er vor etlichen Fahren in Maryland 
. Durch eines gewiſſen frommen Predigers Vortrag ware erweckt und zu 
Gott gezogen worden x. Er fehmweige in ſolchen gottlofen Gefell- 
ſchaften ftille, weil er fein Gewiſſen nicht beflecken und auch die Perle 
nicht für die Sue werfen wolte ꝛc. Wir hatten ein fehön erbauliches 
Herzensgefpräch mit einander. Er erzählete, daß in feiner Gegend 
noch verfchiedene aufgeweckte Seelen wären, welche famt ihm nöthig 
hätten, in dem angefangenen Werke der Befehrung meiter geführet zu 
tverden. Wir liefen ung Darauf wieder in der Stille aufdas Schiff 
bringen, und gedachten Ruhezu haben; aber die Compagnie kam auch 
wieder zurüc. z “ — — 
| ‚Den zten Mlay um zwoͤlf Uhr Mittags Famen wir bey eis 
nem Flecken dreiſſig Meilen von Philadelphia, Bourdentomngenant, 
an. Der Schiffer verlangte, ich folte da eine Englifche Predigt hal- 
ten, teil ‚heute Himmelfahrtstag war. Weil aber der Poſtwagen 
nicht warten wolte, fo mufte es laffen, und um ein Uhr mit abfahren, 
- Wir fuhren von ein Uhr Nachmittags bis indie Nacht um zwey hr, 
und legten dreiſſig Meilen zurück unter continuirlichem Gefchrey und 
Singen der Gefellfchaft. Ich habe aber gefunden, daßman auch mit⸗ 
ten unter den Zeufeln Tann ftille und ruhig feyn in GOtt durch feines 
Geiſtes Zröftungen. Des Nachts inder Herberge entfchuldigten fich 
einige gegen mich wegen ihres Geraſes. Sich fagte, fie Eönten. nicht 
anders, fo lange fie Knechte des Satans und auffer GOttes Gemein 
ſchaft wären, melches fie verdroß. a Ed | FE 
.... Den sten Wlay fuhren wir fieben Meilen meiter bisan den groſ⸗ 
ſen Fluß bey der Stadt Amboy, und gingen wieder zu Schiffe. Die 
Geſellſchaft war etwas ſtiller und gelaſſener, und ſprach von ehrbaren 
Dingen. Wir hatten guten Wind, und kamen noch vor Abend 
glücklich bey Neuyorck an. Als wir noch ſieben Meilen von Neuporck 
taren, höreten wir die Kanonen fpielen, zur Ehre eines verftorbenen 
vornehmen niederteutfchen Mannes. Das Gedaͤchtniß des Gerech⸗ 
gen bleibet im Segen, und Das Gedaͤchtniß der Weltlinge wird ver- 
VII.Penſylv. Sortf. | TREE: gras 


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= — 


482 Siebente Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien 


J 
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a. 


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* 


graben, und verſchwindet in dieſer Atmo ſohere, wie der Schall von den 
Kanonen. Sch trat zuerſt bey dem Vorleſer von unſerer Kirche ab, 


und wurde Dafelbft von eittem Aelteſten freundlid) empfangen, Am 
Abend zog noch ins Pfarrhaus in mein voriges Logiment. 


Den gten HTäy am Sonnabend murdemeine Ankunft zur Freu: 
de unfers Eleinen Häufleing Fund. Zuerſt befuchte mich ein Vorſte⸗ 


her von der Hackinſacker Gemeine, und bewillfomte mich mit Thras 


nen, fagende, daß die Gemeinsglieder in Hackinſack nach mir verfan: 
get und gefchrien, tie ein fäugendes Kind nach der Mutter. Ich fag: 
te, daß ich ja nur ein armer Knecht meines HErrn JEſu ware, 0b 
fie denn nicht nad) dem HErrn JEſu felbft verlanget und ihn von 
ganzem Herzen geſuchet hatten? Er antwortete, e8 ware zu wünfchen, 


daß nach dem HErrn felbft ein folcher Hunger und Durft feyn moͤch⸗ 


te xc. Hernach kam eines Englifchen Doctors Frau mit ihrer Toch⸗ 


ter zum Befuch. Die Frau erzählte mit häufigen Thränen ‚wie herr 
lich und felig der getreue Heiland fie in meiner. Abweſenheit in der 
- Stille und Einfamkeit geführet. _ Sie hatte ſich im vorigen Jahr vor 
meiner Ankunft von der Kirche abgefondert, weil Herr Paſt. Knoll 
den Dienft aufgegeben, Fam aber mieder herbey,.und wurde durch 
Gottes Wort erwecket, welches der HErr in ihrem Herzen lebendig 
erhalten, meil ſie es in der Stille fleiffig gelefen, und den Wir— 
Zungen des guten Geiſtes Platz gelaffen hatte Noch andere Famen 
auch herzu, und bezeugten groffe Freude. — 
Den ioten Maͤy am Sonntage predigte Vormittags nieder⸗ 
teutſch über den sten Vers des soften Pſalms: Samlet mir meine 
Zeiligen zc. Ach, wie hungrig find Die armen Seelen, wenn fie lan- 
‚ge nichts gehöret und genoffen haben! Ein einziges Wort aber hatte 
ihre Freude, sie fie fagten, fehr gemäffiget, indem ich mit angefüh: 
ret, Daß ich meine Gemeine auf eine Zeitlang verlaffen und fie aber: 
mal zu befuchen vorgenommen hätte. Nachmittags predigte hoch- 
teutfch über den 23ften Pſalm. Gegen Abend wurde meggehofet über 
den Nord: oder Hudfons- Fluß zu dem Eranfen Herrn van B., der 
noch an der Wafferfucht lag, tie im vorigen Fahre gemeldet. Sie 
fagten, er hätte ſchon bey zween Monaten nach mir verlanget, und ſich 
von GOtt ausgebeten, er möchte nur noch einmal mit mir fprechen, 


ebe er ftürbe. Drey Männer von unferer Gemeine und eine erweckte 


reformirte Frau fuhren mit mir über das Waſſer. Der arme Man 
Ing in fehr groffer Pein und Schmerzen, und weinefe bitterlich, als 
oe 


- 


\ | 1, Zen. Paſt. Maͤhlenbergs Ber. von feiner Amtsfůͤhr. 32 ab 


er mich fahe. Wir hatten einen gefegneten Abend mit fehönen ers 
baulichen Sefprächen, wozu die reformirte Frau nicht wenig beytrug; 
Den ten Maͤy frühe wurden unfere da herum wohnende nies 
derteutfche Gemeinsglieder und reformirte Nachbarn eingeladen, ung 
einer Erbauungsftunde mit beyzumohnen. Nachdem fich ein Haͤuf⸗ 
dein verfamlet, fungen wir ein Lied, und ich predigte über einen 
Spruch. Nachmittags brachte ung der junge van D., der ein ein- 
siger Sohn feines Vaters ift, wieder nach Neuyorck. Ich ermah⸗ 
nete Denfelben unterwegens, er möchte ſich in den Gründen unferer 
Lehre unterrichten und zum heiligen Abendmahl bereiten laffen, weil 
er fchon über dreiffig Jahr erlebet und verfchiedene Seereifen gethan, 
und noch nicht confirmiret war. Er verſprach, daß er folgen und Un: 
terricht annehmen wolte. Wir hatten ftarken Wind und Wellen, 
Famen aber Doch mohlbehalten nah Haufe = | 
Den ıten Maͤy beſuchte ich ein und. andere Gemeinsglieder, 
. und hatte am Abend Beſuch von einem Aelteſten unferer Gemeine, 
Ich fragte ihn, ob er tüchtig und bereit- wäre, in die felige Ruhe zw 
gehen? Er antwortete mit Seufen, e8 gehöre viel dazu, und er waͤ⸗ 
re noch nicht in einem fo feligen Zuſtande. Er wäre zwar immer we⸗ 
gen feiner Standhaftigkeit an der Kirche und mündlichen Bekäntniß 
von feinen vorigen Seelſorgern gelobet worden, merkte aber wohl, 
Daß noch viel mehr zu der Sache gehöre 20. Dieſes gab Gelegenheit 
zu einem erbaulichen Gefpräche. - “ 
Den ısten Maͤy befuchte mich eine hochfeutfche Frauensperfon 
‚aus dem Würtembergifchen gebürtig, die vor etlichen Jahren in dis 
* Sand gefommen. Sie fagte, fiehätteim vorigen Sfahre und nun wie⸗ 
Der aufs neue aus meinem Vortrage verftanden, Daß inder Seele eis 
ne wahre Veränderung und Bekehrung vorgehen müfte, wenn man 
felig werden wolte. Sie wäre in ihrem Vaterlande dureh) einen ges 
freuen und rechtſchaffenen Lehrer erwecket worden „ hätte aber hier im 
Lande Eeine weitere Ermunterung gehabt, und ware ganz wieder ein⸗ 
geſchlafen. Ich gab ihr eine kurze Ermahnung, fagteauch , daß mich 
nad) ihren Umftänden beffer erkundigen und fie weiter fprechen wolte, 
Am Abend copulirte ein paar junge Leute, welche dazu nach den hies 
ſigen Sandesrechten fchriftliche Erlaubniß von dem Heren Gouvers 
neur hatten. ch fand eine honette und Chriftliche Verfamlung in 
dem Hochzeitshauſe. | 
De Rıra Am 


— RP 


— 


f 


und freuete fich uber meine Ankunft. Hernach beſuchte ich Den alter 
fien Prediger und Commiſſarius von der Englifchen Kirche, und zeig⸗ 
te ihm meine Recommendation von dem Herrn Gouverneur aus Pens 
ſylvanien. Er war fehr freundlich, und erbot ſich in allen mögli- 
chen Fällen behülflich zu ſeyn, leihete mir des Doct. Witby Commen- 
tarium , und ſchenkte mir eine Predigt und Sfournal, fo aus London 
von der Hochlöbl. Societät von der Fortpflanzung des Evangelii an 


ihn. gefandt war. Am Abend hatte Befuch von einigen Gemeind- 


gliedern. 


IK. 
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N 
Y 


484 Siebente Sortfegung dee Nachricht aus Penfplvanien. 
Den ıgten MIdy frühe befuchte mich Hr. M. aus Pangisland, 


1 


Den ı6ten Maͤy Sonnabends befüchte mich eine arme alte | 


hochteutfche Witte. Sie war bey hundert Meilen aus dem Lande 
herunter gekommen, in Hoffnung, noch einmal GOttes Wort zu 


‚hören und das heilige Abendmahl zu genieffen,, weil ich fie in Penfpl- - 


vanien ehemals. gefant, und fie von meiner Ankunft in Neuyorck ger 
‚höret hatte. Sie weinete bitterlich, und Elagte, daß GOttes Wort 
und befonders Die Erweckung zum wahren Chriftenthum in ihrer Ge⸗ 
gend rar mare. Hernach meldeten ſich zween neu angefommene Zu⸗ 
ckerſieder, einer aus Hamburg, der andere aus Danzig. Ich fragte 
nad) ihrem Glauben und Wandel, und ermahnete fie zum thätigen 
Chriſtenthum nach der reinen Evangelifchen Lehre. Wie fie fagten , 
fo waren fie Zutherifc) geboren, und wolten auch auf ihren Glauben 
veft und getreu bleiben. GOtt verleihe es! Denn ohne Glauben iſts 
unmöglich, GOtt zu gefallen, und ohne Heiligung wird niemand den 


HErrn fhauen. Nachhero befuchten mich zween Männer von der - 


Hackinſackſchen Gemeine. Des einen Frau mar vor meiner Ankunft 
geſtorben, hatte ein erbaufiches Ende genommen, und gemünfchef, 
mich noch einmal zu ſprechen. Nachmittags hielte hoch » und nieder- 
seutfche Bußpredigt und Beichte. * 

Den ızten Maͤy am erſten Pfingſttage predigte Vormittags 
Niederteutſch über den Evangeliſchen Text, hielt eine beſondere Anre⸗ 
de an die Communicanten, und reichte etlich und dreiſſigen das heilige 
Abendmahl. Nachmittags predigte Hochteutſch, und am Abend 
Engliſch vor einer zahlreichen Verſamlung uͤber Jeſ. 44, 3. Dieſer 
Tag war nicht ohne Segen. 


Den 18ten Maͤy am Pfingſtmontage predigte ich Hochteutſch, 


nachhero beſuchte mich ein Vorſteher mit feiner Frau aus German— 
town, und einige andere, mit welchen etwas Gutes ſprechen gu 
| en 


* 


\ —* 7 


— 1. Zen paſt mo hlenbergs Ber. von feiner Amtsfuͤhr 1752. 485. 


Den aoften Maͤy murde genöthiget, dem Kirchenrathe beyzu⸗ 
wohnen, teil fie jaͤhrlich auf dieſen Tag die Kirchrechnung abzules 
gen Bieet Ich Fonte bey ıhnen aber wegen Unpaßlichkeit nicht _ 
aushalten... SE Ne 
Den ꝛiſten Maͤy wurde vondem Hrn. I. van B.nad) Hackinfack 
geholet. Nachdem wir glücklich angekommen , befuchte den jährlichen 
Landvoigt, G. H., der unfer Gemeinältefter if. Er lag krank ander. 
laufenden Gicht, und fühlete aud) die Krankheit feiner Seele. Ron 
da ging ich zu einem andern Aelteſten, 3. van H. 

Den 22ften Maͤy nahm mein Quartier bey einem Kaufmann 
von unferer Gemeine, nemlich dem Heren Laurens van. Nach- 
mittags befuchte zuerft einen Vorſteher. Er hatte ein alt niederteut- 
fches Exemplar vom Arndts wahren Ehriftenthum im Haufe, und 


fragte mich, was ich von dem Buche hielte? Sch fagte, er folte, als 


ein Vorſteher, der Gemeine und befonderg den Schwachen Fein Aer⸗ 


| ‚gerniß geben, und als ein Hausvater feinem Haufe wohl vorſtehen, 


und zu dem Ende die heilige Bibel und das wahre Chriftenthum täg- 
fi), fo viel e8 fein leiblicher Beruf litte, zur Hand nehmen , fich und 
feiner Familie mas Daraus vorlefen, und GOtt einfältig bitten, daß 
er folches an ihren Seelen fegnen möchte. Das würde eine nügliche 
Hebung der Goftfeligkeit und feinem Beruf gemäß feyn. Er verfprach 
meinem Rath zu. folgen, wenn ich wolte bey ihnen bleiben, und fie 


nicht mieder verlaffen, mie im vorigen fahre. Ich fragte feine Fran, 


ob fie ein Kind GOttes wäre? Sie antwortete mit Thränen: Big: 
weilen bin ich was, bismeilen nichts. Ich fagte, fie folte mir dieſe 
zween kurze Ausdrücke erflaren. Sie antwortete: Sch habe eine Er: 
Fantniß und wehmüthiges Gefühl von dem Werderben, darin ich mich 
nad) Seel und Leib befinde; ich weiß, daß auffer JEſu Ehriftonichts, 


- und inihm alles alles iſt für meinen unergründlichen Schaden; ich 


ſeufze, bitte, flehe und hungere nach Gnade und Vergebung bey 


JEſu Ehrifto; bisweilen iſt mir vecht wohl, und habe Eeinen Zweifel 


‚ander Gnade, Vergebung, Friede und Kindfchaft: wenn fich aber 
‚die Sünde wieder regt , fo verlieret ſich auch Die angenehme Empfin⸗ 


dung, und dann bin ich nichts 2c. Ich fragte nach den gemeinen 


Kennzeichen der Gnade und Kindfchaft GOttes, und als fie folche 


zu haben bezeugte, fo bat, fie möchte ſich an die Verheiffungen des 
Evangehi halten, ohne Fühlen trauen, undihren Gnadenſtand dureh 
tagliche Ablegung Des alten und Anziehung des neuen Menfchen im: 
| Nırz mer 


486 Siebente Lortſetzung der Nachricht ausPenfyloanien, 
ener veſter machen ꝛc. Hierauf befuchte einen andern Aelteften, wer 
cher mir erzählete, daß feine verheirathete Tochter ein erbaulichesEn: 
de genommen. Er fagte, daß fie fic) in dem legtern Sabre ihres Les 
bens von der Welt und den irdifchen Dingen ganz entzogen, und mit 
dem HEren JEſu als ihrem Seelenbrautigam in der Stille umge. 
‚gangen wäre, auch oft gefaget hätte, fie finde einen Eckel an allem, 
was verganglich wäre, und fpürete ein Heimweh aus der Welt, bey 
ihrem JEſu zu feyn. Der Vater hätte wol gefagt: Kind, wir müf 
fen auch unfern leiblichen Beruf abwarten undnichts verfäumen. Sie 
habe aber geantwortet: Ja Vater, als Fremdlinge und Gaͤſte wollen 
wir mit unfern Händen thun mas nöthig iff, aber das Herz muß da 
ſeyn, wo unfer allerbefter und ewig bleibender Schag if. Wenn fie 
in Gefellfehaft von andern jungen Leuten geweſen, fo habe fie nie ge= 
lachet, fondern gefeufzet und bezeuget, daß fie Fein Bergnügenan it 
gend einem Gefprache fände, das nicht von JEſu handle. Sie haͤt⸗ 
te gerwünfchet, nur nod) einmal mit mir zu fprechen x. Der Vater 
fogte ferner, daß unfere Gemeinsglieder und er. felber. mit Schmer- 
zen auf meine Wiederkunft gewartet hatten. Ich verwies ihm ſol⸗ 
ches, und fagte, fie müften nicht an Menfchenhangen, und nicht bey 
dem Handmeifer ftehen bleiben, fondern gerade zum Ziel gehen, meil 
Chriſtus der Weg, die Wahrheit und dag Leben ſey. Er antworte⸗ 
te aus Rom. 10: Wie follen wir glauben von dem wir nichts 
hoͤren? Wie follen wir hören ohne Prediger? Sind nicht die 
Süffe dererjenigen lieblich, die den Srieden und das Gute ver- 
Eündigen? Ich fragte, ob fie denn nichts behalten von der Verkuͤn⸗ 
digung im vorigen Jahre? Er wuſte noch vieles zu fagen und zu wie⸗ 
derholen, mas ihn und andern erwecklich und nahrhaft gemefen. 
Sch ging darauf weiter, und befuchte einen andern Aeiteften, Na= 
- mens. van D.,melcher fehon eine geraume Zeit Eranfgelegen. Er 
Eontenicht im Bette bleiben, fondern ließ fi) bey das Feuer tragen, 
umfing mic) mit beyden Armen und mweinete für Freuden. Er hat 
ſonſt veft an der Lutherifchen Lehre gehalten und ſich darauf etwas 
eingebildet, dabey auch zwar aus Gnaden felig twerden, aber ohne Hei- 
tigung GOtt ſchauen wollen. Hätte ihm iemand die Kindfchaft GOt⸗ 
tes und feine Seligkeit ftreitig machen wollen, er folte ihm im Eifer mit 
der Fauſt und Scheltworten von dem vermeinten Unfug überzeuget ha⸗ 
ben, denner hatte von Kindesbeinen an feinen Catechismum gelernet, 
and die Kirche in Bay und Beſſerung erhalten helfen ı, Er ine 
"rich 





r J. en. Paft. Moaͤhlenbergs Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 1752. 487 


ſich in ſeiner Frauen Umſtaͤnde nicht finden, und gedachte, ſie wuͤrde 
naͤrriſch werden, weil ſie unter den Gnadenwirkungen des Geiſtes GOt⸗ 
tes vermittelſt ſeines Worts ſtund, und die gewohnten Mitteldinge 
nicht mitmachen wolte ꝛc. Ich freuete mic) inniglich, ale ich den 
Mann ſprechen hoͤrete. Vorhero hielt er veſt an der Schale, und nun 
wuſte er ſchon etwas von dem Kern, Mark und Saft der Evangeliſch⸗ 
Lutheriſchen Lehre zu ſagen, weil er bereits etwas davon an ſeiner See⸗ 
le erfahren. Das iſt ein wirkliches Vergnuͤgen, wenn wir ſolche Lu⸗ 
theraner werden, die nach Lutheri Lehre Buſſe, Glauben und Gottſe⸗ 
ligkeit erfahren! Nachdem wir uns in dem HErrn geſtaͤrket und erbauet, 
ging ich weiter zu einer Franken Frau. Sie war von reformirten El⸗ 
tern in Hackinſack geboren, an einen lutherifchen Mann in Neuyork ver⸗ 
heirathet, und noch nicht confirmiret und zum Machtmahl gemefen. 
Der Mann war auf feiner Seite auch noch nicht confirmiret, hatteaber 
den Vorſatz, daß er mit feiner Frau in Neuyork zu mir zum Unterricht 
kommen, und fich confirmiren laffen wolte. Er murdelaber hieran vers 
hindert , weil feine Frau in eine langwierige hectifehe Krankheit fiel, und 
bey ihren Eltern in Hacinfack lag. Der Mann bat, ich möchte feine 
Frau befuchen. Als zuihr Fam, fo fragte, wie es mit ihrer Seele 
fiinde?2 Sie antwortete: fehr fehlecht , weil fie nichts ald Sünde füh- 
kete, mit dem HErrn JEſu nicht vereiniget, und in groffer Furcht für 
dem Tode wäre. Sie hatte Hoffnung, von der Krankheit zu genefen, 
und ihre Freunde ſtaͤrkten fie in der Meinung ze. Ich fahe wohl, daß 
die Krankheit möchte unuͤberwindlich feyn nach dem ordinairen Lauf der 
‚Natur, und merkte, daß ihr die Schmeicheley zur Genefung ſchaͤdlich 
und die Bekehrung nöthig war. Dannenhero fagte ihr aufrichtig, es 
waͤre am ficherfien, menn fie fich diefesmal den Tod als unausbleiblich 
vorftellete, und fich zu der wichtigen Veränderung zubereiten ließ, Ih⸗ 
re Eltern und umftehende Freunde nahmen es übel, und die Frau ges 
rieth in einen fehweren Kampf... der fich natürlicher Weiſe bey den Men» 
fehen und aud) mol bey den beften Kindern GOttes mehr oder weniger 
befindet, wenn das natürliche Band zwiſchen Seel und Leib fol gerriß 
fen werden. Ich fagte ihnen , die Frau wuͤrde Deswegen Feine Minute 
eher oder fpäter fterben, fondern leben oder flerben, wenn und wie der 
HErr das Ziel gefeßet., £ 
Den 2ſten Maͤy meditirte auf meine Predigt ‚und hörefe Wach» 
mittags, daß Die Francke Frau ihren Todeskampf geendet , die Furcht 
verloren und ſich dem HErrn gantz überlaflen haͤtte zum RM ie, 
eben, 





_ Siebente Sortfegung der Nachricht aus Penfylvanien. E 


Leben nisder Witte, daß er fie felber aus Gnaden befehren und zu ſei⸗ 
ner Gemeinfehaft auf ewig tüchtig-machen wolle. 

Den 2.ften Mläy als am Sonntage Trinitatis predigte Vor-⸗ 
"mittags von der Wiedergeburt, und Nachmittags von Der Bekehrüng 
des Hauptmanng Eornelii. Es mar fo viel Volks beyfammen, daß 


nicht die Hälfte davon in der Kirche bleiben Fonte. Die übrigen hut= 


ten ihre Wagens unter die Kirchenfenfter. gezogen , und flunden hau» 
fenmeife darauf, das Wort zu hören. Es fen denn Neugierigkeit oder 
mas eg wolle , fo hatten Die armen Seelen doch Selegenheit , GHttes 
ort zu hören, und der HErr, der die Menfchen liebet, wird nicht 
alles ungefegnet ſeyn laſſen. ach der legten Predigt befuchte den fran- 
Een Landvoigt Heren H. , alwo fich abermal ein Hauftein verfamlete, 
und ein erbauliches Gefpräch hielt. Heute verfündigte ich , daß am 
morgenden Tage die erite Catechismuslehre in meinem Logiment halten 
wolte. Sch that es Anfangs mit Vorſatz in meiner Wohnung, weil 
die Bi Leute fehr unwiſſend, blöde und fucchtfam find , Sffentlich 
vorzuſtehen. — BT I. | 
a asften Maͤy Vormittags kamen junge und nicht weniger 
alte Leute von fechsig, ficbenzig und mehrern Jahren in Die Kinderlehre. 
Nachmittags befuchte die vornehmſte Obrigkeit in Hackinſack, welche 
der reformirten Religion zugethan iſt. ng 7 u 
Den 26ften Maͤy predigte Vormittags noch einmal Pieder- 
teutfch über Joh. 7, 38 f: und Die Zuhörer empfingen das Wort mit 
groffer Begierde unter häufigen Thranen, und bejeugten von allen Sei- 
ten, daß fie nie dergleichen gehoͤret und fo Fraftig empfunden. Nach 
der Predigt flellete Die neu ermählte Vorſteher und Aelteften vor mit 
Gebet und Ermahnung. Nachmittags predigte Engliſch, teil ver- 
ſchiedene Engliſche hier herum wohnen und Feinen Prediger haben. Sie 
fagten, daß fie fich zu unferer Lehre und Kirche gefellen wolten, wenn 
ich da bliebe und den Gottesdienft fortfegte. Am Abend hatte vielen 
Beſuch von Gemeinsgliedern- Dane. 23 N 
Den ſten Mläy befuchte den Älteften Herrn von der Regie⸗ 
tung, Heren du M., von welchem in meiner vorigen Nachricht Er- 
wehnung gethan. Er begeugte, Daß er in Den vier Predigten aufs neue 
ermuntert und durch Die Kraft des göttlichen Wortes innigft geſtaͤrket 
waͤre Es mürde ihm zwar von einigen feiner Religionsverwandten 
übel genommen, daß er in unfere Kirche ginge, und auch fein Scherf> 
fein mit zum Salario legte, aber er Ente nicht helfen, und muͤſte Nah⸗ 
sung 


1. Ben Poft:Miählenberge Ber.von ſeiner Amtsfähr. LT 


. ung fur ſeine Seele haben Ev zeigte mir eine Frangöfifche Märtyrer- 
chronick, die er nebft der Bibel zu feiner täglichen Erbauung gebrauch: 
te. Wir hatten ein erbauliches Herzensgefptäch , und erquickten ung 
innigft miteinander. Nachhero befuchte einen neuen Vorſteher wel⸗ 
cher auch von neuem erwecket und geſinnet war, ſein ganzes Herz dem 
HErrn zu ergeben. Zuletzt beſuchte die kranke Frau, von welcher oben 
gemeldet. "Die Eltern waren freundlich, "und die Patientin fägte, fie 
dankte mirherzlich, Daß ich ihr den Tod vorgeftellet. Sie hätte alle 
Dodesfurcht überrounden , und nach Ueberwindung derfelben die befte 
Gefegenheit'gehabt, zum Erkäntniß und Gefühl ihres Verderbens und 
gur göttlichen Traurigkeit und Neue zu gelangen. "Sie erkennete und 
fuͤhlete ſich als die allergeöfte Shriderin,, und ohne die geringfte Kraft, 
ihr felber zu helfen. Es mare aber dabey in ihrem. Herzen noch alles 
zerbrochen und zerfchlagen , und fie Fönte fich Des Verdienſtes ZEfu 
Chriſti noch nicht gettöften ?c. Ich betete'auf ihr Vegehren , trug ih⸗ 
re Noth dem HErrn vor, und gab ihr Unterricht aug GOttes Wort, 
Am Abend hatten wir ein ſtarkes Gewitter und gewaltigen Sturmmind, 
der viele Bäume aus der IBürgeltig und umwar 3 7 
Den 2öften Maͤy wurde frühe zu einem Eranfen Füngling geru⸗ 
fen. ‚Er begehrte, ich folte für fein Leben und Genefung bitten, damit 
er fichFönteunterrichten und gu GOtt bekehren laſſen. Er hatte ſo großes 
Vertrauen auf die Erhoͤrung des Gebets, Daß er bald wieder geneſete 
Hernach teifete ich mit einem Manne und Wagen: nach Neuyork zu. 
Wir hatten auf det ganzen Reiſe ſtarken Regen, und wurden mit Millide 
nen Schnacken oder einer groffen Art don giftig flechenden Mücken umge⸗ 
ben, welche ung dag Leben fehr fauer machten,Famen aber dennoch glücklich 
bis ans ABafler- Die fünf legten Meilen über den Nordfluß hatten 
wir Sturm und Schlägregen und einen öffenen Kahn. - GOTT der 
HERN bewahrete uns ‚ Daß mir, obwol Durch und durch naß, doch 
wöhlbehälten in Neumark anlandeten. — 
Den aoften Maͤy ſtudirte und hatte am Abend Beſuch 
Den zoſten Maͤy meditirte auf die Predigten. Nachmittags 
kam die erweckte Wuͤrtembergiſche Frauensperſon wieder, und brachte 
noch eine andere'mit / welche auch uͤber groſſe Angſt und Traurigkeit 
wegen ihrer Suͤnden klagte. Ich gab ihnen Anweiſung und Rath aus 
GoOttes Wort, und betete mit ihnen zu unſer aller Aufmunterung und 
Erquickung Am Abend wurde wieder von einigen Gemeinsgliedern 
befucht, und durch ihr Geſpraͤch erfreuet. | 
WII.Penſylv. Sorsf. Sss Den 


“ 


490 Siebente Fortſetzung der Nachticht one Panfplonnienns 1 


Den ziſten Maͤy predigte Vormittags Hochteut ſch uͤber den 
Evangeliſchen Text nicht ohne Segen. Ich hatte ſonſt des Nachmit⸗ 
tags nad) Gewohnheit die Epiſtoliſchen Texte erllaͤret, habe mir aber: 
vorgenommen, kuͤnſtig die Kernſpruche, welche zunaͤchſt von der Bufsi 
fe, Glauben und Gottſeligkeit handeln, su erklären, und catechetiſch 
mit Alten und Jungen a machte zu dem Ende den. 
Anfang mit dem Spruche aus Matth.18, 33.8 fey denn, daß ihr 
umkehret ꝛtc. und zeigte, wie auch die Alten umkehren und wie die Kin⸗ 
der werden, auch die erſten Grundwahrheiten lernen und davon in der 
kuͤnfligen Zeit Red und, Antwort geben ſolten. Ich beſtimte zu mei⸗ 
nem Zweck die Kernſpruͤche, pe der felige Herr Pafl.. Starke aus 
des feligen Doct. Speners Schriften in ein bequemes Tractaͤtchen ge⸗ 
bracht, und fagte „. daß uͤber acht Tage den Anfang machen, eine hal⸗ 
be Stunde zur Erklärung und die andere halbe Stunde sur Wiederho⸗ 
fung -anmenden wolte. Am Abend hielt eine Englifhe Rede uͤber Hebr: 
10,19: 22... &8 tar heute Abend ſtuͤrmiſch Wetter, doch dem ohner⸗ 
achtet eine groſſe Verſamlu Ban Englifchen Leuten. 1a 30. 
Den ıften Jun. beſuchte mich: ein alter nieberteutfcher Herr; 
welcher zwanzig Meilen von. der. Stadt im Sande mohnet , und einer 
yon den älteften Mitgliedern unferer Gemeine ifl.-; Er erzaͤhlte, mie 


piele Anfechtungen er von andern Gefinntheiten oder Religionsparteien 


erlitten, und wie oft fie mit ihm wegen feiner Religion geſtritten ſprach 
erbaulich von dem thaͤtigen Chriſtenthum, ‚und bat inſtaͤndig ich moͤch⸗ 
te meine Familie auch laſſen uͤherkommen, und in Neuyork bleiben, 
damit die armen zerſtreueten Schafe wieder geſamlet und die Evange⸗ 
üſche Lehre fortgepflanzet wuͤrde. Ich ſagte ihm aber, daß ſolches nicht 
ohne meiner Gönner, und Wohlthaͤter Conſens thun koͤnte noch wolte, 


Hernach kam der Aelteſte von Der ganzen Gemeine, ein Niederteutſcher 
von bey nahe achtzig Jahren, und ſagte, er waͤre verlegen , weil ich 


geſtern verkuͤndiget, Daß naͤchſten Sonntag mit den alten Leuten eine 


Kinderlehre anfangen wolte. Er koͤnte Die Hauptſtuͤcke des Catechis 
mi nicht mehr auswendig herfagen, und fuͤrchtete ſich, das junge Volk 


moͤchte ihn auslachen, wenn ich vor ſeinen Stuhl kaͤme, etwas fragte, 


und er nicht vecht antworten Eönte 2. Ich antwortete Dock, Luther 
ware ein. grofler gelehrter Mann gemefen, und hätte doch immer feinen 
Tatechismum im Sacke getragen , und noc) im Alter Darinnen gelers 
net. Er folte fich aber nicht fürchten und nur fleißig auf das norgetras 
gene Wort achtung geben , daß er dadurch erleuchtet und bekehret BR 


— 


Brn Paſt. Maͤhlenbergs Ber. von feiner ıhtsfähe.g3; a9 
‚Den möchte, fo wurde er hernach aus der Erſahrung antworten 


 Bönnen EN IH 
Den ꝛten Jun. wurde von einem Gemeinsgliede zu Gafte gebe 
ten: Der Mann ift aus Sachfen gebürtig. Er erzählete mir feinen 
Lebenslauf, und daß er unter andern in Holland von einem Schwedi⸗ 
ſchen gottfeligen Manne durch Wort und Wandel wäre erwecket und 
auf den Weg des Lebens geführet worden Er hätte aber alles wieder 
verloren bis auf diefe Zeit, da ihn der HErr aufs neue ergriffen , und 
feine:worige Untreue unter Augen geftelletze. Seine Frau mar aus dem 
Eotinifchen:gebürtig von einem Lutheriſchen Vater und Eatholifchen 
Mutter. Sie hatte ſich in Holland in unferer Lehre unterrichten und 
confirmiren laffen. Aus ihrer Erzählung merkte, daß fie den rechten 
Kern der Evangelifchen Lehre an ihrem Herzen‘ zu erfahren füchetz Da» 
her ich fie beyde ermahnete „ Die Zeit der Gnadenheimfuchung wohl in 
acht zu m „und die Mittel zum ewigen Heil ihrer Seelen treulich 
Den zten Jün Mittwochs mebitirte, und befuchte darauf et⸗ 
liche age und hatte Gelegenheit, von erbaulichen Sachen 
Den aten Jun. Donnerflags wurde gu einem Gemeinggliede , 
deſſen Frau reformirt iſt zu Gafte gebeten. - Die Frau erzählte mir 
bey der Gelegenheit ‚ auf mein Erſuchen, ihren Lebenslauf und den Pro⸗ 
ceß ihrer. Bekehrung. Es war merkwürdig und vergnuͤgt zu hören, 
‚ausgenommen: da fie u den Kennzeichen vonder Verficherung der Gna⸗ 
de und Kindfchaft einen 'aufferordentlichen Lichtesglang angab.  E8 
find in dieſen Gegenden -verfchiedene vom Hausftande , melche von 
der vorlaufenden Gnade, von der Buffe und Glauben ziemlich ordent: 
liche Red und Antwort geben, wenn man fie.aber wegen der Verſiche⸗ 
zung von der Vergebung der Sünden fraget , felbige darin fegen, daß 
fie durch ein auſſerordentliches Licht Davon verfichert wordenac. Mid) 
deucht »daß man die Befchaffenheit eines Menfchen ziemlich errathen 
koͤnne, wenn man ihn höret , feinen Lebenslauf und Führung erzählen, 
wenn man zumal vorausfeßet, daß auch die Medlichften nicht leicht we⸗ 
gen Kürze der Zeit das fchlimfte angeben , und wegen der zarten Liebe, 
die wir zu ung felber tragen‘, nicht gerne das Beſte unbemerket laffen. 
Nachher befuchte einen reformirten Mann’, deſſen Frau von Evangelis 
ſchen Eltern abftammet, abet noch) nicht confirmiret iſt. Der Mann 
ſagte, ex molte feiner Frau völlige map ae laſſen, fie I 
| I 2 | way 


492 Giebente Sortfesung PO RE REE WERE RER 
wählen was ihr am beiten anſtuͤnde ec. Am Abend beſuchte mich ein 


vornehmer Niederteutſcher aus dem Lande ‚ der fich ein Gemeingglied i 


nennet. Er erzaͤhlte mie „ daß ſeine Freunde und Nachbarn oft mit 
ihm geſtritten und hart auf den unbedi ingten Rathſchluß gedrungen 
Er haͤtte ſie aber iedesmal mit klaren Spruͤchen und einfältigen Gleich⸗ 
niſſen uͤberwunden. Ich bat ihn „,eri moͤchte die klaren Spruͤche, wel⸗ 
che zu ſeiner Seelen Seligkeit geoffenbaret worden, immer boſſer an ſei⸗ 
ner Seele zu erfahren, und ſein Haus auf den rechten Fels zu bauen ſu⸗ 
chen, ſo würde: es von Winden und. Schlagregen nicht umge⸗ 
toorfen, werden Er bezeugte ‚dab ſolches —— 
waͤre ꝛc. 

Den zten Jun ‚fahr wit da Heltefien: auf ein Landgut auffer 
der Stadt, welches einem veformirten Kaufmann gehoͤret der hier im 
Lande geboren, und eine Frau von unſerer Gemeine hat. Ich hatte ei⸗ 
ne Engliſche Maͤrtyrerhiſtorie mitgenommen;, woraus wir einige Er 
empeL ju unferer Erbauung lafen. 

vak ‚sten Jun; ;meditirte, wurde von Ween Männern aus Hack 
n face befucht „ ‚und durch den Umgang zweyer erweckten Perfonen aus 
ji Br fehr erquicket. 

Den ten Jun. predigte Wormittags Niederteutſch und Nad- 
mittags Hochteutfch.i each, der x legten, Predigt hielt ich die erſte Cate: 
chiſation , und fragte Alte und unge überhaupt „. damit fie ihre Bloͤ⸗ 
bike verlieren, ‚und zum Antwortembeherzt werden möchten. 1. Die 

ieberteutfchen haben noch alte Editionen: von Pſalm⸗ und Lieder⸗ 
büchern., worin viele geiſtreiche Lieder fehlen, und die Hochteutſchen 
gebrauchen das Marpurgiſche Geſangbuch. Nun fällt es iederzeit 
fehwer,, daß man juſi ein Lied. finde‘, welches in beyden zugleich ſtehet 
und der Melodie nach bekant iſt, weil allemal Hoch⸗ und Niederteutſch 
zuſammen geſungen wird· Ich hatte zu dem Ende das Lied, JEſu 
deine tiefe Wunden ꝛtc. ins Niederteutſche uͤberſetzet, und fie, es heute 

zum erfienmal’in beyden Sprachen zu vieler Aufmunterung und Freude 
fingen. Die Hochteutfchen Fonten e8 aus ihren Büchern fingen ‚und - 
den Niederteutſchen mufte ich allemal eine Reihe vorfprechen welches 
vielen ein groſſes Vergnuͤgen machte, teil, wie ſie ſagten, in vielen 
Jahren nichts fo harmoniſch in der Kirche war gehoͤret worden. Am 
Abend predigte Engliſch über 1Tim. 3, 125. Nachhero copulirte noch 
ein paar junge Leute, (*) vw. Den “ 

0 Hiebey ift zu bemerken, daß die Copulationen und Begraͤbniſſe nach Gewohn⸗ 

heit des Landes mehrentheils am Abend geſchehen. 


1,30 Paſt Mahlendergs Ber von ſeiner Amesfähe.ine 4 


Den sten Jun reiſete mit ein paar Freunden nach dem kranken 
Herrn van B. und ſuchte ihn durch GOttes Wort aufzumuntern. 
Ei war zwar ſehr krank und voller Schmerzen / doch fand ich ihn auf: 

geklaͤrter in feinem Gemuͤthe. Er ermahnete feine Kinder und Angehö- 
tige, daß ſie ſich in GOttes Wort unterrichten und confiemiren laffen 
ſolten weil ſie in ihrer Jugend verſaͤumet waren. Weil ſie ſich nun 
willig dazu erzeigten, ſo machte gleich einen kleinen Anfang zum Unter⸗ 
richt, taufte hernach ein kleines Kind, und reiſete Nachmittags wieder 
nach Neuyork. Gegen Abend wurde zu einem berühmten reformirten 
Mann gerufen, deffen Frau von lutherifchen Eltern, aber noch nicht 
eönfiemivet iſt. Er begehrte, ich moͤchte ſein krankes Kind taufen, wel? 
ches in Gegenwart zweener Englifehen Capitains geſchahe MR 
Den gten Jun. befüchte einen Norwegiſchen Seecapitain, wel⸗ 
cher hier wohnet und fich zu unferer Gemeine hält.’ ¶ Er iſt ein Patriot 
von unſerer Kirche, wuͤnſchet, daß felbige wieder qus dein Staube er⸗ 
hoben ‚und Auf einem bleibenden Fundamente etabliret werden moͤch⸗ 
te. Da er mir feine Schickſale und Gefaͤhrlichkeiten zur See und ſei⸗ 
nen ganzen Lebenslauf ersahlete , ermahnete ich ihn, daß er die evan⸗ 
gelifchen Wahrheiten recht an feiner Seelen erfahren möchte; damit 
auch fein Herz eine rechte heilige Wohnung und Tempel GOttes zum 
zus und Schrecken des Teufels‘, Dev Belt und Sünde werden 
REIF. I IE ROT TRERAGTT TR] FORITT IEAIR Tl 

Den ıoten Jun. hielt zum erfien mal wieder in meinem Hauſe 

Catechismusexamen mit alten und jungen Leuten. | 

- . ‚Denuten Jun. hielt id) mit den Aelteften und Diacönen Kir⸗ 

chenrath in meinem Hauſe. Sie baten alle in ſtaͤndig ‚daß wir ſie nicht 
Fa —— Gottesdienſt fortſetzen möchten.‘ Gefeßt, ich koͤn⸗ 
fe nicht bleiben bis Die'geneigte' Am wort don unfern Wöhlthätern aus 
Europa Fame, en doc um GOttes willen forgen, daß ein Mitz 
bruder aus Penſylvanien mich ablöfete, Damit das kleine Haͤuflein nicht 
wieder allein gelaffen und der Gefahr ausgefeger würde, Sie hoffeten 
ewiß, man werde fie nicht verlaſſen 4. Ich verfprach , deshalb an 
ine Herren Amtsbruͤder in Penſyloanen zu ſchreiben/ und su bitten, 
daß fie , wo es möglich‘, den Haren Schrenk anhers fenden molten‘, 
weil Derfelbe mol am erfien die Hollandiſche Sprache’ erlernen und ſich 
in Diefe Umflände fehicken möchte. Dem zufolge ſchrieb an meine ältes 
fien Herren Amtsbrüder , und bat, fie möchten verfüchen ob der Herr 
Schrenk oder Herr Rauß mich abloͤſen Sie haiten auch gleich 
— A| | >88 3 zu 







| den En in n Hear  Sufanmetunf dert su itet und be⸗ 
3 — * den Vorſchlag abgelehnet — 
{ In ROM bes Sen en lt | 







a 


gen zum groffe 
bet, * e 


nach "Den an du | 

Den ızten Jun. —* den kranken Se —— 
bar wurde in meiner Ang von ver! Gemeinsglied 
befucht, und mandte die übrige Zeit auf Die —— jungen 
verheiratheten Leute , pl ſich zur Confirmation, und eigen — * 
mahl unterrichten aſſen wolten. ar 

‚Den ıgten Jun, Donnerfiags unterrichtete die ungen & it et 
und wondie Die übrige Zeit zum Hausbeſuch in der Gemeine an. ° 
ich nur in ein Haus Fam, Da gaben fie allemal ‚Gelegenheit , von dem, 
Zuſtande ihrer Seelen zu ſprechen. Es iſt ein groſſes Vergnügen, 
wenn ein Prediger nad) feinem Berufe mit. den Bohlen von dem We⸗ 
ge und den Mitteln zur Seligfeit reden kann; hingegen ift es auch ſehr 
betrubt, wenn fo gar. Fein Leben und, Verlangen in den Menfchen nah 
geiſtlichen RM ſich Auflert. Man beſucht fie Destvegen , um rd 








1.00 paſt miehlenbergo Der von ſemnet Amtsführ. v5 205 


nůutzlich zu ſet Die Menſchen achten es zum Theil für eine Ehre, 
wenn der Pfarrer komt, wenn fie eben wohl nit Eſſen und Trinken 
verſehen find, und ſie ihm eine Ehte anthun koͤnnen. An ſtatt daß man 
- nun ſolte ein erbauliches Geſpraͤch halfen, fo haben fie nicht Zeit mes 
gen er Zuruflung, oder fie halten fo lange Stand, als vom Wind 
nd Better, vom Wohlbefinden der Famılien und einigen Neuigs 
keiten gefprochen wird. Will man gleich mit GOttes Wort anfanz 
gen, fo Denken fie, der Prediger ſey gekommen, eine Predigt abzule: 
gen, Die fie nach Aufferftem Zwang anhören müffen, wobey ſie aber in 
urcht ſtehen, daß mitlerweile das Effen anbrennen möchtexc. So 
habe es bey den’ KR Hackinſack nicht gefunden, fon: 
dern fie laſſen alles ſtehen und liegen/ find gleich bereit und roillig, ein 
Gefprach von guten erbaulichen Sachen anzufangen, und wenn fol 
Ken geſchehen / ſo ſetzen fie in Einfalt vor, mas fie eben bey der Hand 
— 


Bin "Den ioREn an. Seeptags katech ſirte die jungen Leute, und ſetzte 
hernach — sbefuch fort. Unterwegens ſahe ich von ferne gween 
aͤlte reformirke Männer auf der Straſſe bey einander ſtehen Ich 
merkte, daß fie ernſtlich mit einander redeten und rief ihnen das Wort 
zu: Laß nicht Zank ſeyn zwiſchen mir und dir. Als naͤher herzu kam, 
ſahe/ Daß es zween Greiſe und leibliche Stiefbruͤder waren Sie klag⸗ 
fen mit bepde, "daß zwiſchen ihnen Streit wegen einer Gerechtigkeit 
‚auf ein Stück Landes ware x. Da ic) fie nun beyde zum Frieden er⸗ 
. mahnete, ward der eine gleich befanftiget und wolte nachgeben , ver 
andere aber blieb hitzig, und meinte, zu fehr beleidiget zufeyn. Doch 
höthigte er mich in fein Haus zu treten, um mir die Sache recht zu 
erklären. Ich fagte ihm aber, daß mich fürchtete, in fein Haus zu 
gehen, weil gr-feine Geberden noch verftellet hätte. Er fehämete fich, 
wurde darnach freundlich, und verfprach, Friede zumachen, kam auch 
auf ein Gefpräch von dem tiefen Verderben des menfchlichen Herzens. 
Ben dem heufigen Befuche hatte abermal gute Gelegenheit, ein Sam: 
koͤrnlein auszuſaͤen. Gegen Abend befuchte die Franke junge Frau, 
welche, wie oben ertvehnet worden , bey ihren veformirten Eltern 
lag.*). Sie mar unter der Bearbeitung des guten Geiſtes, und. res 
dete fehr erbaulich Zuleßt befuchte noch den Franken Heren H., und 
fand gute Gelegenheit, mit ihm pon der Bekehrung und Zubereitung 


sum Tode zu fprechen, 
— —* — Den 


Siehe Seite 487 





* 
N vr 


06 Biebeite ortfegungder ocheicht aus Penſyt 


¶ Den ⸗oſten Jan. taufte ein Rind, ‚eraminirte einen; be 
Mann, welcher zum erfien mal zum heiligen Abendmahl gehen n 


Sch fanduhn fo gefegt in der Ordnung des; Heils, und ſo erfahren in 
proctifchen Wahrheiten, Daß es mich innigfherfreuete, und michi : 


— —— gr kungen 
noch fernern Unterricht und Prüfung nöthig,.. Darum ließ ich ſie noch 
bis aufibeflere Gelegenheit warten. Machmittags: hielt ı ir —— 
digt und Beichte mit der Gemeine, — wieder Beſuch. 
© Den ſten Jun. Sonntags predigte Vormittags vor einer ſahl⸗ 
rei chen Verſamlung uͤber die Hiſtorie, wie ſich Joſeph ſeinen Bruͤdern 
in Egypten geoffenbaret, theilte unter vierzig Communicanten das 
heilige Abendmahl aus und taufte ec Nasbunitage pveDigke 
- über das Evangelium som groſſen Abendmahl. Nach Der legten Pre⸗ 
digt befuchte Die.ältefte Witwe Re Krankheit, 
und reichte derfelben Das heilige Abendmahl. Zu Haufe Fam mitmeis 
nem Zieh, Dem Raufenann, ko-ein pegices Dede ab ich 






mir feine Führung erzählen. » Wenn dem fo ift, wieder Mann 
in Einfalt ergähletes fo hat der HErr Groſſes an ihm gethan, dafık 
ihm eriger Preis, Lob und Danf gebühreeeee 
Den 2aften Jun. Montags predigte Vormittags Engliſch, und 
hielt hernach die erſte Catechiſation oͤffentlich vor der Gemeine zum 
geoffen Vergnügen der anweſenden Zuhoͤret. Nachmittags hatte 
Beſuch von den Aelteſten und verſchiedenen Gemeinsglieder . 
‚Den 23ften Jun. kam bey ausnehmend heiſſer Witterung un⸗ 
paͤßlich nach Neuyorck zurück. nun 0 ed msn urn 
Den 2aften Jun. Mittwochs gebrauchte Arzeney und wurdevon 
dem Heren Paſt. Hartwich befucht. Haan ER a 
.  Denasiten Jun. war Frank, und Eonte nichts thun, fondern 
muſte das Bette hüten. - 175.2 77 in am Bpmnd arr 
Den zöften Jun, Freytags, da ich mir eben eine. Ader öfnete, 
wurde von einem Sandmann überlaufen, der vieles zu fragen und an 
mich zu beftellen hatte, Ueber dieſem ungeitigen Befuch vergaß ich mich 
felber , und ließ su viel Blut laufen, welches mir uͤbel bekam und mich 
ſehr ſchwaͤchte ꝛc. BR REN 
+ ‚Den 27ften Jun. Sonnabends hatte doch fo viel Kräfte, daß 
auf eine niederteutfche, Predigt meditiren konte; wurde au duch 
den Befuch einiger aufgeweckten Seelen erquickt. de 








gs Ber. von feiner Kmtaführ.1753, Agy 


Den ꝛsſten Jun. Sonntags predigte Vormittags Niederteurfd 
üuͤbers Evangeli ee Reel wolten aber. nicht zureichen, Ah 
ter etwas zu thun, Darum fragte die Aelteften, ob fie mas damiber 
—* wenn ich den. Herrn Paſt Hartwich Nachmittag Hochteutſch 
und am Abend Engliſch predigen lieſſe. Sie waren wohl damit zu= 
friden. 0.0: | ua BD, 
se Den zoften Jun. Dienftags mebitirte. Am Abend lieh mich 
der Englifche Commiffarius von der Hochfirche durch Herrn Paſt 
Hartwich grüffen und zu der morgenden Proceffion und Einweihung 
ihrer neuen. Kirche einladen... Ich fand aber Hinderniffe und einige 
Gruͤnde, warum es abfchlagen muſte. ER 
Den ıften Jul. wurde fothane folenne Proceſſion und zum er- 
fen mal Sottesdienft in Der. neuen Englifchen Kirche gehalten. Am 
Abend hielt ich Eatechifinuseramen in meinem Haufe * 
Den ꝛten Jul. Donnerſtags meditirte auf die Predigten, und 
hatte am Abend Beſuch von Gemeinsgliedern, welche einen erbau⸗ 
Lieben Diſcours begehreeeee a nn 
Den zten Jul. wandte ganz auf den Hausbefüch gukmeinender 
Seelen in und auffer unferer Semein, nn — 
Den aten Jul, flüdirte, und hatte Nachmittags Beſuch von 
zwo erweckten Perſonen und einer Frau, welche über groſſe Gewiß⸗ 
ſensangſt klagte. Letztere erzaͤhlte, daß ſie jung mit ihren Eltern in 
dieſes Land gekommen, und derſelben frühe: beraubet worden waͤre 
Sie konte Engliſch und Teutſch leſen, war unter allerhand fremdem 
Bolk hier im Lande aufgewachſen, und hatte ſich von Der Kirche ger 
trennet, und einige Jahre bey Raritan in Jerſey aufgehalten. Sie 
erzählete, da ich das erſte mal auf dem Gebürge in Raritan. gepredi- 
get, habe ſie ein Nachbar mit guten und harten Worten genöthiget, 
mit ihm in Die Kirche zu kommen, und nicht nachgelaſſen big fie aus 
Verdruß mitgegangen. In der Kirche fey fie durch GOttes Wort 
gerühret und zum ABeinen über ihr verderbtes Herz beweget worden. 
Die Ruͤhrung und der gute Vorſatz zur Bekehrung habe aber nicht 
lange gedauret , und fie fey hernach mit einem Irlaͤnder zur Ehe ver: 
bunden worden, mit welchem fie zwar zwey Kinder gezeuget, aber fo 
unglücklich und. gottlos gelebet, Daß ſie ſich oft felber ums Leben zu 
bringen vorgenommen, bis der Mann endlich von ihr gelaufen und 
‚in Kriegsdienſte auf Die See gegangen, ‚da fie ſich denn mit ihren 
Kindern unter andern Leuten Fammerlich ernaͤhret habe. Nachbero 
.. VL Penfylv. Sortfi Ttt ſey 





498 Siebente goctfesung der Machricht aus BRETT 


ſey ihr Gewiſſen durch ein ſchreckliches Gewitter aufs eue erwacht, 
als ſie ſich bey ihrem Bruder im Lande aufgehalten: Sie ſey oft Tag 

und Nacht voller Schrecken in den Waͤldern herum gewandert, und 
Dee immer „wenn ſie zu einem Waſſer gefoinmen , Verſuchung ge 

abt, fie ſolte ſich erſaͤufemn. Sie fagte mir dieſes mal nicht, war⸗ 
um ihr Gewiſſen von neuem — ich erfuhr-es aber 
hernach, Daß ſie nad) ihres Mannes Abweſenheit in das Laſter wider 
das ſechſte Gebot gefallen, und darauf wie in Verzweifelung gera⸗ 


| 
| 


I 
b 


’ 
3 


Ben. glpf, und ie her | 


su fich ſelbſt gekommen, habe ſie ſich hier Inder ‚bey Leuten auf 
gehalten und endlich wieder in unferer Kirche eingefunden, wo ſie nun 


aufs neue angegriffen und in groſſe Angſt geſetzet ſey ec. Ich ſchaͤrfte 


ihr das Geſetz ein, und zeigte, wie unſere Suͤnden an dem grünen 
Holze geſtrafet worden, und wie es mit dein důrren werden würde, 
Luc. 23 und ermahnete ſie zur wahren Herzensbuſſſe 


* 


DSDen ʒzten Jul. Sonntags predigte Wormittags Hochteutſch und 


Nachmittags Niederteutſch von der neuen Creatur "Die Nahmie 


tagsſtunde befinde vutzlich und geſegnet / weil darinnen die allernoͤthig⸗ 
ſten Wahrheiten catechetiſch abgehandelt werden. Am Abend hatte 


wieder eine groſſe Verſamlung von Engliſchen, und predigte uͤber 


Matth.ig, 3. Heute empfing‘ auch ſcharfe Briefe aus Penfplonnien 
von meinen aͤlteſten Herren Amtsbruͤdern und von meiner Frau, mek 


che mir andeuteten, daßich wieder in meine Gemeinen nach Hannover 


und Providentz zur uͤck kommen und Neuyorck verlaſſen folte, und daß 
weder der Herr Rauß noch der Herr Schrenck mich abloͤſen wolte 
und koͤnte. Die Briefe machten mich ſehr unruhig und niedergeſchla⸗ 
gen, daß Neuyorck fo verlaſſen werden ſolte; c. 
Den sten Jul. Montags befand mic) unpaͤßlich und konte 
weiter: nichts thun, als daß ich auf die Briefe von meinen Herten Col⸗ 
fegein. antwärtetelhnu.g a0 u.) shril RER N 
Den ten Jul: Dienflags konte ausgehen und Gemeinsglieder 
befuchen. An Abend hatte Befich in’ meinem Haufe von folchen , 
die etwas erbauliches reden. wölten. 1 11 
Den gten Jul befüchte mic, ein junger Mann von Lutherifcher. 
Abkunft mit ſeiner Frau von Hollaͤndiſch Reformitten Eltern. " Sie 
verlangten beyde unterrichtet und mit der Zeit confirmiret zu werden, 
Die Frau fagte, dag man fie zwar vor der Luthetifchen Religion ge- 
warnet, weil fie.aber vergangenen Sonntag Nachmittags in Sn 
rg Frrul, 1ER ir € 


1. Zen. Paſt HTühlenbergs 2er. von feiner Amtsfühnnsan 499: 


Kirche gemefen„ und von der neuen Erentur hätte catechiſiren gehöter; 
ſo waͤren ihr die Augen ſchon etwas aufgegangen, und fie verlangte 
auch eine neue Cregtur in Chriſto zu werden. Am Abend hielt ich die 
erſte catechetiſche Wochenſtunde in der Kirche, weil im Hauſe nicht: 
Mas, genug; Seite: Es iſt gegenmartig eine: betrübte Zeit, weil Die: 
Pocken oder Blattern fchon bey zween Monaten inder Stadt graffis 
ven, und immer weiter. um ſich greifen "Dasfie hier im Lande nur fel⸗ 
| ie kommen; ſo find. viele alte Leute, melche fie noch. nicht gehabt, 
Run ſierben daran. viele von ſolchen erwachfenen und alten Leuten, 
zum verurſachen ſie deſto mehr Schrecken. Handel und, Wandel 
ſeht flille; denn die Landleute wollen ohne die aͤuſſerſte Noth nicht in 
die Stadt kommen. In Neuengland ſind ſie auch ſehr ſtarf 
vo. Den gten Jul. Donnerſtags wurde beh einem Engliſchen Do- 
dore Medicinæ zu Gaſte genoͤthiget · Ich war mit Vergnügen bey 
dem Manne, weil er, tie man aus feinen Reden und Umgangmerk: 
te, von der, Ehriftlichen Religion und demsthätigen Chriftenthum ges 
funde Meinungen: zw habemfehien. Von da befuchte noch ein paar 
Gemeinsglieder und einen; Acltefien: welchem letztern von meiner 
Rückkehr nach Penfyloanien vorlaͤufig etwas zu verftehen gab. ' Er 
ward traurig und faft verdrießlih c. | | 
Den uten Jul: meditirte und wurde durch den Beſuch einiger 
Aufgeweckten erfreuet Diefe erzaͤhlten mir, daß die oben ermehnte 
Suͤnderin, welche über Gewiſſensangſt klagte, in vergangener Io: 
che 4 fehmeren Sundenmegen faſt mit'der Verzweifelung gerun⸗ 
en haͤtte ꝛꝛ·. ale | 
ni Den ı12ten Jul. predigte Vormittags. Niederteutfch über den 
evangelifchen Text und Nachmittags in der Ordnung von der Creu⸗ 
tzigung des Fleiſches Hochteutſch Am Abend ’erklärte in der Engli- 
fehen Verſamlung den 2sften Pfalm nicht ohne Segen. 

Den ızten Jul: Montags wurde von der bußfertigen Sünderin 
befucht.. Sie erzählte mir mit Wehmuth ihren vorigen Wandel auf 
dem breiten Wege unddiegegenmärtige Bearbeitung des Geiftes GOt 
tes an ihrer Seele , ‚bat ſich fernern Unterricht aus, und begehrte, daß 
ich mit. ihr um Gnade und Vergebung zu dem’ verföhnten Vater: in 
Chriſto flehen moͤchte, welches auch su ihrer: Erleichterung und Huͤlfe 
geſchahe Ein alter niederteutfcher Greis, welcher fechzig Meilen 
hinauf am Fluſſe wohnet, war geſtern ohngefaͤhr in unſere Kirche ge⸗ 
kommen und durch GOttes Wort — Er — | 

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7 
% 


d einen andern: —— 06 er Gotresien — te. 
— * — ſolte? Er hoffete gewiß, daß, wenn Tell, 3 
unſere verachtete Religion ganz von neuem wieder blühen, nd r Bi 
fehaffene Früchte der Buſſe fchaffen würde. Er koͤnte ohne viele Chrä- 
nen hie — wie ihm fein 9a durch SOites Bart wäre 
. gerühret worden 
Er Den ısten Jul. hielt ich Kinderlehre * der Kirche 7 
Den ꝛten Jul. meditirte und fuhr am Abend über den RordAuf, 
And ritte von da in der Nacht nad) Namen teil die Higeam Tas 
ge viek zu g groß war, indem wir lange nicht folchen heiffen Sommer 
2% * als dieſes mal. In der Nacht um ge lhr kamen wie 
in Hadinfafan. : 
Den ıgten Jul. beſuchte den kranken Herrn H., * ging Esch, 2 
da in mein Quartier. Nachmittags hatte theils Beſuch/ theils Ce 
legenheit zur Meditation. ; 
Den ıgten Jul. predigte Vormittags übers Evangefium: von 
den falſchen ioßheen Nachmittags von der Samariterin Joh 4 
und meldete vorläufig , Daß ich wieder zurück nach Penſylvanien muͤ⸗ 
ſte, welches bittere Thraͤnen und Traurigkeit verurſachte. Nach der 
Predigt hatte vielen 2 2 
Den 2often ul, nahm vor der. ganzen Gemeine in der Kirdye 
Abfchied , und predigte-über Yoh.s. von dem Teich Bethesda. Nach⸗ 
hero hielte: noch zum Befchluß den Anweſenden Englifchen' eine Er: 
mahnung. Ich kann wohl fagen, daß mir der Abfhiep ſehr ſchwer 
und wehmuͤthig ‚ aber unfern armen verlaſſenen Schafen noch vielbe⸗ 
truͤbter und ſchwerer geweſen. Wenn Eltern und Kinder von einan- 
der fterben, kann egnicht empfindlicher ſeyn. Nach dem Gottesdienſt 
beſuchte zuerſt den kranken Herrn Hund feine Frau, welche beydeim 
Fieber lagen. Der Mann weinete bitterlich, und als ich ihn fragte, 
warum? antwortete er, ermeinete über ſeine Suͤnden, Die er 
‚gend auf begangen; und weil ihm num Die Augen aufgingen, daß er 
fich felber als den gröften Sünder erfennete, und Feinen andern als 
SEefum Ehriftum, den groffen Freund der bußfertigen Sünder, wir 
fe, fo thate es ihm fo herzlich wehe, —* er feinen guten HErrn und 
‚Heiland nicht eher gefant, und daß er num erſt in feinem Alter durch 
eine ſo ſcharfe Ruthe zu ihm getrieben: werden müfte 2c Ich konte 
nicht viel mit ihnen reden, ſondern befahl fie beyderſeits mit Gebet 
der ſernern Erbarmung SO und Bearbeitung ſeines heiligen er 
e 











, 1.300. Pafl. Mlühlenbergs Ber. von feinee Amtsführ. 1752; soı 
ſtes. Mein Hauswirth fpannete feinen Wagen an, damit ich deſto 
eher herum komnnen und von den übrigen Freunden Abfchied nehmen 
konte. Nachmittags nahm ic) von dem jüngern reformirten Predi- 
- ger Abfchied, hernach von einer Familie von franzöfifcher Abkunft, 
„welche gewillet waren, zu unferer Gemeine zu treten, und vondemal: 
‚ten Herrn von der Regierung Herrn D. duM. Selbiger weinete wie 
ein Kind, und Elagte über fein Elend. Ich fagte, er folte mir einen 
väterlichen Segen mitgeben, denn ic) würde ihn hier in der Weit 
wol nicht wieder fehen. Er Eonte fir Betruͤbniß nur wenig fprechen, 
doch weinete er mir Die Worte nach: Sey getreu bis in den Tod, fo 
‚will ich dir Die Erone des Lebens geben x. Von da zog weiter, und 
nahm noch von zween Aelteften Abfchied. Als gegen Abend nach Hau: 
fe Fam, fand wieder eine Verſamlung guter Freunde, welche Abſchied 
nehmen wolten. | RR 
Den aıften Jul. Dienftags befuchte noch zwo Familien, und 
nahm von ihnen wehmüthigen Abfehied. Mein Hausmwirth hatteeben 
ein Schifflein bereit ‚ welches auf dem Sluffe, Hackinſack genant, nach 
Neuvyorck abfegeln wolte. Weil ich nun auch gerne meinen Abfchied 
mit den niederteutſchen Gemeinsgliedern, welche in Jerſey gegen Neu: 
vorck über wohnen, machen wolte, und ic) füglicy mit dem Schiffe 
dahin kommen Eonte: ‚fo fuhr heute Nachmittag um ein Uhr mitdem- 
felben ab, nachdem ich empfindlichen Abſchied von meinem Hauswir- 
‚the-genommen hatte. Wir hatten aber contrairen Wind, und weil 
Ebbe und Fluth gehet, fo muften mir in der Nacht Anker werfen und 
auf dem Waſſer bleiben. ar — 
Den ꝛeſten Jul. Mittwochs kamen wir mit unſerm Schiffe bey 
der Gegend, wo ich einkehren wolte, an. Ich trat erſt bey einem 
Gliede der Gemeine, Andreas van B genant, ab. Derſelbe ſpannete 
‚feinen Wagen an, und fuhr mit mir und feiner Familie zu feinem Bru- 
‚der Jacobus van B., alwo fich noch mehrere verfamlet, mit welchen 
ich eine Kinderlehre hielt. — % 
| ‚Den 23ften Jul. Donnerflags fuhren wir weiter zu dem Herrn 
rentz van B. einem Herrn von der Regierung, hielt mit den vers 
eten alten und jungen Freunden eine Kinderlehre, undermahnete 
) au zum heiligen Abendmahlauf naͤchſte Woche zubereiten 
Nachmittags fegelte wieder nach Neuyorck, und war kaum 
ufe, fo hatte Befuch, wurde auch hernach zu der jungen Frau 
olländifchen Eltern abgehofet, ae eine neue Creatur in * 
3 .. #0 









f 






a ne — — 
bei „von feiner Amteführ. 1752. 563 
iffe aus Holland glücklich angefommen, und 





F —J——— 3 Holland glücklich angekommen 
hatte fechs neue ordinirte Prediger für Venfylvanien mitgebracht, 
AR — der Hochehrwuͤrdigen a herein geſandt find, 


von derfeißen (latiet erden 


Sfätter, ob ihn nunmehro Sgnfpector fituliven müfle? Er antwortete: 


Fein ich babe nicht meine fondern GOttes Ehre und der verlaffenen 
Gemeinen Beſtes gefucht. Hernach befüchte mich ein frommer Eng: 
liſcher Kaufmann aus der Stadt, und redete viele erbauliche Sachen 


mit mir, gab mir einen Verweis, daß fo lange in Neuyorck gemefen, . 
und ihn dieſes mat noch nicht befuchet. Er fragte imter andern auch, 
ob es nicht möglich wäre, daß mit meiner Familie in Neuyorck ſeyn 
und bleiben koͤnte? Er fügte, daß er fich zwar fonften mit feiner Fa⸗ 
milie zu der neuen Presbyterianifchen Kirche gehalten, und dafelbft 


Seelennahrung geſuchet hätte, aber ihre Herren Prediger wären nach 


te, da waͤre Nahrung für Die Auffern Sinne, aber nicht für einen in⸗ 
rerfichen Hunger und Durft nach der Gerechtigkeit JEſu Ehrifti ac. 
Am.Abend wurde zu den angefommenen fechs Keformirten Predigern - 





gerufen. Ich ging zu ihnen, und bewillkommete fie mit den Worten: 


Siehe, 


Be, 
2 
N, 


304 Siebente Sortfegung der Nachricht aus Penfploanien + 





Siehe, ich fende euch wie die Schafe mitten unter die Woͤlſe 
Baum fe? Elug wie die Schlangen und ohne Falſch wie di 
uben. | 


Een confirmiret und zum heiligen Abendmahl gelaffen zu werden. Es 
waren zween Ehemanner und zwey Eheweiber, welche mir mit ihren 
Elugen Antworten und Kennzeichen von der Bearbeitung des guten 


Geiftes zum wahren Chriftenthum Herzensfreude machten. 


Den zoften Jul. Donnerflags reifete mit etlichen Gemeinsglie⸗ 
dern frühe über den Nordfluß nach dem Franken Heren Laurentz van 
B. Alda waren — Gemeinsglieder verſamlet, und verſchiedene 
zwanzig Meilen von | 
GOttes Wort zu hören. Ich hielt erſt eine Furge Predigt über die 
Einſetzungsworte vom heiligen Abendmahl, hernach eraminirte vier 
Perſonen, welche noch nie zum Abendmahlgemwefen. Nach dem Era: 
men confirmirte ich fie, und theilete ihnen und dem Franken Heren 
van DB. das heilige Abendmahl mit. Von diefen vier confirmirten 
Perſonen mar einer ein Großvater mit einem grauen Haupfe, Die 
zwenfe eine Großmutter, nembich Jacobus von H. und feine Frau, 
die übrigen zwey waren befagte Mütter, welche erwachfene Kinder 
- haben. Dieſe drey Srauensperfonen waren deg Franken van B. Toͤch⸗ 


ter, und der Mann ein Schwiegerfohn. Der alte Kranke van B. 


vergaß alle Schmerzen, und freuete fich, Daß er.diefe Zeit noch erleber. 
Endlich nahm auch da einen Abfchied mit Betrübniß, und Eehrete wie⸗ 
der um nach der Stadt. „Die Leute hatten fich gern in der Kirche zu 
Neuyorck confirmiren laſſen, meil aber Feiner von ihnen die Pocken 
gehabt, und fie in der heiffen Zeit viel tödtlicher find, als fonft; ſo 
wolten fie fich nicht gern ohne groffe Noth der Gefahr ausfegen. Am 
Abend hatte abermal Eonfirmanden zum Unterricht. Hernach wur⸗ 
de ich hingeholet zu dem frommen Englifchen Kaufmann, weil er ei- 
nige aufgeweckte Seelen bey ſich hatte. Sie fungen einen Pſalm, 
lafen ein Capitel aus einem erbaulichen Buche, und nöthigten mich, 
daß zum Befchluffe beten folte. Die lieben Seelen gingen hernach 
wieder nad) Haufe, und ich blieb bey ihm bis eilf Uhr, und hatte eis 
nen vecht vergnügten und erbanlichen Diſcours mit Ihm und feiner 
gottfeligen Tram. RN 1 4 a x 
| en 


ackinſack herunter gefommen, um noch einmal 


Den zoften Jul. Mittwochs, am Abend Famen einige verheitae ⸗/ 
thete Leute zum Unterricht gu mir, weil fie nachften Sonntag geben | 





ıberge.Ber. von feiner Amteführ.rse, sos- 





Sen ʒuſten Jul: Sreptags mebitirte: Am Abend hatte die Con⸗ 
firmanden wieder bey mir... Ein Mann von denſelben hatte eine vor⸗ 


trefliche Erkaͤntniß von der Ordnung des Heils, und wuſte fehr or- 
dentlich und deutlich aus der Erfahrung zu bezeugen, wie e8 mit der 


Buſſe Ölauben und Gottfeligkeit befchaffen fey.: Ich habe noch kei⸗ 


= 


nen Niederteutfchen fo vortveflich Davon reden gehöret. ' Die andern 
- hatten auch einen’ feinen'Anfang in der Befehrung » fo weit man in 


der Unvollkommenheit von folchen Sach 





n.urtheilen kann. Einige von 


unſern Hochteutſchen Gemeinsgliedern liefen hin und her, und ſcho⸗ 


ten auf die Aelteſten, daß ſie mich weglieſſen. Sie wolten ihr Lebta⸗ 


‚ge nichts mehr mit der Kirche zu thun haben ꝛc. Dieſer rechtſchaffe⸗ 


ne Niederteutſche ſagte: Das iſt nicht der rechte Weg, daß wir zur? 


nen, ſchelten und poitern ꝛc Wir muͤſſen die Sache im Gebet dem 


lieben himmliſchen Water fleiſſig und ernſtlich vorlegen, und bitten, 


Daß er ung gebe was ung am beiten fey? Heute Abend- empfing wieder 


[A 


Briefe aus Benfplvanien. 


Den ıften Aug. Sonnabends hielt: Nieder -und Hochteutfche 
Bußpredigt, eraminirte auch und confirmirte die Perſonen, welche 
bisher unterrichtet hatte. Sie Fonten Grund geben von dem Glau⸗ 
ben undder Hoffnung in ihnen. Es iſt viel Rumor unter den Hoch: 
—— unſerer Gemeine. Sie ſind wegen meiner Ruͤckreiſe faſt er⸗ 
I a ir — —53 
Den eꝛten Aug. Sonntags predigte Hoch⸗ und Niederteutſch 


‚von dem heiligen Abendmahl; reichte hernach ‚bey vierzig Commum 


canten das Sacrament des Leibes und Blutes Chriſti, wobey eschr: 
erbietig als vor GOttes Angeſicht herging Nachmittags hielt ůber 
die Worte: Nimm bin das Kind und ſaͤuge mirs, ich will die 
lohnen, 2Mof. 2, 9. meine Abfchiedsrede im Niederteutſchen, und 
applieirte was mir nach den Umſtaͤnden nöthig zu feyn fehiene. ch 
nahm dieſen Spruch deswegen zum Abfchiede, meil die Aelteſten off 


pflegen zu fagen;, fie hätten dasunmündige und verlaffene Waͤhſenkind 


(meinende ihre Eleine verlaffene Gemeine) in meiner Gönner und mei: 


ne Arme übergeben, und lieffen e8 unferm Gewiffen und Verantwor⸗ 
tung anheim geſtellet ſeyn ꝛc Die Kirche war Diefes mal fehr voll, 


und der Abfchied fchien den’ erweckten und gutmeinenden Seelen fehr 
empfindlich und betrübt zu ſeyn Ich Fonte es aber nicht ändern. 
Am Abend hielte vor einer ſchoͤnen Verſamlung über Eph: 6, u: 19, 


‚auch eine Englifche Abfchiedspredigt. 


i VII. Penfylv, Sortf. Yun Den 





das. Pot» oder SStachtichiff begleitet. ı. Man darf ſich nicht einbilden, 
als ob die Poſtſchiffe und. Wagens in Diefen "Gegenden fo ordentlic) 
und ſicher mären als in Europa. Nein, fie. werden von Privatperfo 
nen, und oftmalsliederlichen Zeuten gehalten ‚ welche nur aufdas Geld _ 
ſehen 20... Wir, hatten eine gefährliche Geſellſchaft, und fuhren um 
vier Uhr von Neuyorck ab. Nun: ſind zwey Wege nach Amboy zu 
kommen einer uͤber breite Inlaͤndiſche Fluͤſſe, und der andere über 
eine Ecke won der offenen See, von welchen unfer Schiffer den letzten 
erwaͤhlte. Er hatte ein kleines Boot oder Chaluppe in Reuyorck ges 
 miethet, welhes ganz leer war, und immer im UmEreiß um unfer 
ende einer Diftang herum fegelte:: Wenn sunfer Schiffer ſei⸗ 
ne, Sahne; ausſteckte, fo Fam bie kleine Jagd herbey·  Unfer Schiff 
sing ſo langſam und ſchlecht, daß mir erſt in.der Nacht auf die: See 
gelangten: Endlich kamen wwir hinter. das Geheimniß.: Unſer Schiff 
war unten gefährlich beſchaͤdiget. Der Schiffer hatte es wohl ge⸗ 
wuſt / und deswegen die kleine Chaluppe gemiethet, und dem Knecht 
ein Zeichen gegeben, daß er, wenn es noͤthig waͤre herbey kommen 
und die Paſſagiers einnehmen ſolte. In der Nacht waren wir auf der 
See, hatten ſtarken Regen und gar keinen Wind. Die See war er⸗ 
recklich geſchwollen, und die welzenden Wogen warfen uns mit der 
groͤſten Gewalt auf und nieder, daß mir faſt alle ſeekrank wurden: 
An Tage, ehe wir noch auf die See kamen und vonder Gefahr nichts 
wuſten, ‚ging der; ſuͤndliche Lerm unter den Paſſagierern an. Sie 
wochten ein, Geſchrey mit Singen und Fluchen und, Poffen: wie in. 
Sodom und Gomorra. Eine Witwe, die auf dem Schiff: war; bat 
und enmahnete,. fie möchten fich wicht fo-verfündigen, aber e8 half 
nichts. Ein etwas verwegener Pafagier trat recht auf bie Höhe des 
Schiffes, und ſchůttete Die erfchreektichfien und noch ‚nie erhörten Slüz 
ehe und Läfterungen aus ec. and die andern lachten darüber ¶ Ich kon⸗ 
te nicht länger fehtveigen;, und redete dieſen verwegenen Menfchen mit 
Sanftmuth alſo ans... Könt.iht in diefer Gefellfchaft nicht leben und 
yeden ohne den alerheiligfien GOtt und HErin Himmels — 
N — 1e2, alter Eden 









or 


un De 


führet euch nur honnet auf in der bürgerlichen Gefellfchaft, weil ihe 
doch prätendiret , ein Öentlemann zu heiffen x. Er antwortete: Sch 
. habe nichts wider euch. Hierauf war er fHlleund die Gefelfchaft auch, 


.- ‚Sie fungenhernad) zumZeitverfreib Englifche Heldenlieder, und der 


‚felber feinen Cameraden, wenn er flüchte.. RES 
Den aten Aug. hörefe es auf zu regnen, und wir hatten etwas 
Seitwind. Nachmittags um vier Uhr wolte unſer Schiff nicht mehr 
fort, und wir ſahen einen Sturm ankommen, gaben deswegen ein 
‚Zeichen, Daß das kleine Boot herbey Fam. So bald wir Drinnen 
‚waren, Fam der Windſturm/ und trieb uns mit folcher Wuth nach 

‚dem Ziel, daß wir unfers Lebens nicht ſicher waren. "Ehe wir aber 
zum Ende oder Ziel kamen, geriefhen wir mit unferm Boot auf eine 
Sandbank, nicht: gar weit vom Ufer: Nun dachten wir gewiß, dag 


vorgedachte Paffagier ließ nicht einen Sluc) mehr hören, befttafte auch 


Schifflein wurde in Stücken brechen, weil es mit dem Nücken im 


Sande fteckte, und von Wind und Wellen mit Gervaltgerüttelt wur⸗ 
De: "Unfere Eihifer hingen in Eifein Pr thzeichen aus, und als Die 
Lute auf dem Sande folches fahen, fo Famen fie unsmit Eleinen 00: 

tteen zu Huͤlfe, und brachtenung — 

ae —— Unna | en 


\ 


98 Siebente Sorfegung der Nachricht aus Penſylo 





2om often Aug. kamen wir bie auf ſieben Die on une 2 


vhia zu liegen, sh hätten noch. ‚eine Nacht auf dem Waſſer bleiben 
‚müffen, Sc) konte es aber nicht ‚länger aushalten. in Des gotlofen 
& euere, ließ mich ——— ringen, und lief ſo weit 
zu Fuſſe Bis. einen; guten F | 

am. Abend mit einem Kir nach Philadelphia-br 

In ie — — Jh gefährlich. — —— Bee ale 

ig, geduldig und Langmutmıg ,ı SA 
a Monat October 1752. Nnrbanes Bonfehersge Frau in Neu⸗ 

ſiebenzig Sahren. Sie war in ihren jüngern 


— 









prövibeng von von bey 


Jahren im Kriege und zwar mit bey der. Hochfiädter Schlacht und 


5 Karim geweſen; hatte ein martialifches Temperament, eine 
rauhe Lebensart, und allerhand grobe fündlicye Gewohnheiten an fich, 
die in fol en. ‚Umfländen, leider ,. faft gemein finds «Der wahre und 
hoͤchſte Menſchenfreund fiebte aber auch dieſe Seele und wolte fienicht 
gerne verloren werden laſſen, ſuchte ſie daher durch lange anhaltende 
Krankheiten. und Trübfale mürbe, und durch feine Gnadenmittel zu 
feiner feligen Gemeinfehaft rein und tuͤchtig zu machen, Bon ihren 
Laſtern waren unter andern der jaͤhe Zorn, Sluchen und Trunkenheit 








oft vorne an, und machten die. Bearbeitung des guten Geiſtes ver- 
mittelft. feines Wortes mehrmals zunichte, bis der getreue GOtt haͤr⸗ 


tere Mittel gebrauchte, und ſie ganz bettlaͤgerig werden ließ, Damit die 
Gewalt und Fertigkeit der verdorbenen und verwoͤhnten a beffer 
gebrochen und den Gnadenwirkungen mehr Platz gegeben wuͤrde. 
Si: war, mie viele andere, in den damaligen Kriegesläuften in der 
Jugend verſaͤumet worden, Eontenicht leſen und haftefeinen Vorrath 
von göttlichen Wahrheiten eingefamnlet, Es iſt groß Elend und Ge: 
fahr, mo Peſtilenz regieret, aber viel gröffer, wo Krieg gefuͤhret wird. 
Da wird veracht und nicht bedacht mas recht und loͤblich ware. Da 
fragt man nicht nach. Ehrbarkeit, nad) Zucht und nach Gericht. 


Dein Wort liegt auch zu 1 folcher Zeit, und geht im Schmange nicht. - 


Wenn ich ſie Die erfiern Fahre, ehe fie bettlägerig ward, beſuchte, 


wolte ſie immer viel von dieſen uͤberlebten Kriegeslaͤuften erzaͤhlen, 


aber die Ordnung des Heils war ihr nicht ſo gelaͤufig und bekant. 
Die treue Dienſte, die ſie ihrem Landesherrn erwieſen, und das 


opus operatum war der damalige Grund ihrer Rechtfertigung vor 
GoOtt und Menſchen. Sie hielt ſonſt gar viel von den herein: ge 


ſendten evangeliſchen Predigern,. und IM felbige wieder Bi 
ind 


;e — der mich 
—— 








| — Sen. Pat. mo lenbei gs Ber. von feiner Amtsfuͤhr. 1752. soo 


feindſelige Läfterungen aus eigenem Triebe, ob mol mit unverftändigem 
Eifer, zu vertheidigen, und wolte wol gar mit dem Schwerdt drein 
ſchlagen, womit uns aber nicht gedienet war. - Sie wurde von mir 
und meinen Amtsbrüdern auf iht Verlangen dann und wann befucht, 
mit GOttes Wort bearbeitet, und mit den erbaufichen Malabariſchen 


Ei und Ebengzerifchen Nachrichten und andern auf die Bekehrung abzies. 


Ienden Büchern verfehen, welche ihr Mann vorlefen und in Einfalt 


erklaͤren muſte. Es hielt ungemein hart, ehefie nur etwas vonihrem 


unergründlich tiefen Verderben, von der unumgängfichen Nothwen 
digkeit der wahren Bekehrung und befonders der Rechtfertigung eineg 

armen Suͤnders vor GOtt durch. den Glauben an. JEſum Chriftum, 
uüͤberzeuget und auf den Weg des Friedens gebracht werden konte, weil 
. der. Pallaft fo fehr beveftiget und von dem liftigen Feinde bewahret war. 
Als die vermöhnte Natur auf dem langwierigen Krankenlager nach 

. gerade gebrochen, und ihr des fel. Doct. Nambachs Berrachtungen 


© über das Leiden JEſu Chrifti fleiffig vorgelefen und eingefchärfer wur: 


den, ſo fing das arme Herz und Gewiſſen an, ein wenig aufzuwachen, 


und nachzudenken, wie viele Arbeit und Mühe fie dem allertreueften 


Erlöfer mit ihren Sünden und Miffethaten verutfachet, und wieder 


gute Herr und Heiland nichts anders im Sinne habe als ihre Heber- 
tretungen und Sünden, nicht um ihrer Kriegesdienſte, oder der: duf- 
ferlichen Gerechtigkeit, fondern um feiner willen zu filgen, und Der 
ſelben nicht mehr zu gedenken. ‘Sie wurde zuletzt fliller, und wolte 
von nichts lieber mehr hören als von der groffen Liebe JEſu, von fei: 
nem innern und Auffern fchmeren Leiden, und der Mühe,die fie ihm ges 
macht hätte. Sie fagte mir einſtens nicht lange vor ihrem Tode, daß 


der HErr JEſus ihr Tag und Nachtin feiner ganzen Feidensgeftalt vor 


Augen.und im Gemüthe ſchwebte, und fragte, ob folchesnicht vielleicht — 


ein Betrug des Satans ſeyn moͤchte? Ich ſagte, fie muͤſte auf die Wir: 
kung acht geben, und unterſuchen, ob ihr durch ſolche Vorſtellung 
ihre begangene Sünden und Miſſethaten, der Erkaͤntniß und dem Ges 
fühl nad), immer mächtiger, abſcheulicher und verdamlicher wuͤrden; 

db ihre eigene Gerechtigkeit in ihren Augen immer befudelter , graͤuli⸗ 
her und vermerflicher würde, und in ihrem Herzen der Hunger und 
Durft nad) der durch das Leiden und Sterben erworbenen Gerechtig⸗ 
keit JEſu Ehrifti immer gröffer und fehnlicher wurde. Sie meinete: 


Ja, in etwas. Dannenhero gab ihr folgenden Unterricht: der Sa: 


chriſten, 


tan thaͤte mit Wiſſen nichts wider I eigenes Intereſſe; viele Nam: - 


43 


02 






50 Siebente Sortfegimg der Nachricht aus Penſyl 


ftengeit und wenn fie sum Abendmahl gingen, gu lefen und zuhören, 

uͤdungskraft formiren, und ſich ihres lieben Heilandes getröften , 
und doch dabey in der Sünde und Sclavereydes Satans verbleiben, 
folche Einbildung ohne wahre Buſſe und Slauben wäre ſchaͤdlich und 
ein Betrug des Satans. Der HErr JEſus hätte ausdruͤcklich ges 


e Fönten fich auch ein Bild von der Leidensgeftaft Chrifti in ihrer Ein» 


tuarnet, daß mir auffer GOttes Wort Feinen fichtbaren Heiland ſu⸗ 


chen und annehmen folten, wenn es heiffen würde: ‚Siebe, hier. if 
Ehriſtus, oder da; ihr folts nicht glauben. Es werden falfche Chriſti 
aufftehen und groſſe Zeichen und Wunder thun, Daß verführet wer- 
den in den Irrthum 2c. der Effect muͤſte von der Urfach zeugen. ‚Selig 


find, die nicht fehen, und doch glaͤuben. Lutherus verlangte feinen 


Heiland, den er. mit natürlichen Augen fehen und mit Händen grei⸗ 
fen fönte ‚ fondern wolte an den Heiland glauben, von dem Mofes 


und die Propheten in ihren Schriften zeugeten, und fich an dag ve⸗ 
ftere prophetifche Wort halten ꝛc. Inzwiſchen bliebe die Wahrheit 


auch veft: Halte im Gedächtnig IEſum Chriftum, der auferflanden 


ift von den Todten. Ich glaubte, daß dergute Eindruck Des gecreu- 


tzigten JEſu, den fie bey ſich verfpürefe, aus der fleiffigen Anhörung 
und Erwegung der Leidensgefchichte aus des fel. Rambachs Betrach⸗ 
tungen entſtanden, Durch den Geift GOttes lebendig gemacht und 
fein Betrug des Satans wäre. Ich hielte für das Befte, alle Em⸗ 
pfindungen nach GOttes Wort zu prüfen, was demfelben gemäß fe, 


nehm ‚und. zu feiner allerfeligften Gemeinſchaft tuͤchtig zu machen, 
und in einem neuen Leben zu erhalten. „Die arme Seele wurde be- 
fonders in den legten Tagen immer näher zu Chrifto'gebracht, und 
ſtarb, wie ich hoffe, unter feinem Creuze, entblöffet von eigener Ge- 
rechtigkeit, und aus lauter Öngde im Glauben, angekleidet mit den 


Kleidern des Heils und dem Rocke der Gerechtigkeit. Denn ihre 
Seufzer und Stoßgebeter gingen gerade zu dem Herzen desmitleidige 
ften Hohenpriefters, der zur Rechten GOttes figet und ung vertrit, 
und von dem wir indem Liede: Weg mein Herz mit den Gedans 


En ze. im sten Ders fingen: Er ift ja Fein Bar noch Löwe, Der ſich 
“ : ale Ale 


chtiſten, die in Der Sünde lebten und Sclaven des. Satans wären, 
pfiegten von dem Leiden und Sterben Ehrifti, befonders in der Jar 


A 
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eis a EA ee 


u behalten, und was Demfelben zumider, zu verlaffen. Chriſtus und 
fein ganzes Verſoͤhnopfer bliebe das allgemeine Mittel, unfere Suͤn⸗ 
denſchulden im göftlichen, Gerichte zu tilgen , ung vor, GOtt ange 





5 





HEN EEE ES Ks a a nen 
Auszug Schreibend Herrn Pat. Muͤh⸗ 


Ienbergs an den Heren Hofprediger Ziegenhagen 
zu London und den Herrn Dostor Franken - 
ee 
nn Vom sten Febr. 1752. — 
* CE hatte meine geringe Anmerkungen in dem vergangenen Mo: 
AL nat Wovember von den Kahren 1750 und 1751. zum theil fertig, 
@JP und gedachte felbige mit einem Schreiben zu begleiten. Die 
0 Belegenbeit verlor ſich aber, weil Die Schiffe früher, als ge: 
wöhnlich, abgingen, aus Furcht, daß der Winter früher einbrechen 
möchte. Ehe wir es ung verſahen, erfreuete uns der gnaͤdigſte GOtt mit 
zween neuen Mitarbeitern, Namens Herr Schulz und Herr Heinzel- 
- mann, zum Beweis feiner noch über unferm Volke mwaltenden Gnade, 
Langmuth und Erbarmung, mofür fein herrlicher Name in Ewigkeit 
müffe ge jeiefen werden. ar: i Rt : * 
Nach gemeinſchaftlicher Berathſchlagung unſers vereinigten Mi⸗ 
nifteri der Hear Pfr, Schulz zum Mitarbeiter in die Gemeinen von 


Neuhan⸗ 










— 


— — N 
—— 






Sie Siebente Sortfegungder Nachricht aus Penſylvanien. 


Neuhannover und Providentz ku Verſuch beftellt , und Her 
zelmann in Philadelphia zum 9 itarbeiter an der Kirche und € er 
‚big auf weitere Einſicht geſetzt. —— 
Wieilleicht möchte aber mol eine Veraͤnderung gemacht werden, 
weil die Neugofchehopper ihren Andrei abgedankt‘,. und bey meinem 
Herrn Eollegen Brunnholg fehriftlich angehalten,, daß fie den Herın 
Pfr. Schulz haben möchten. Crhatihnen geanstortet, undnebfiden 
übrigen Herren Amtsbrüdern erlaubt, daß Herr Schulz die Neugo⸗ 
fchehopper fo viel möglich von Hannover aus; mit bedienen möchte, big 
auf toeitere Ueberlegung. bey dem nächfien Convent. Was aber von 
unfeen Yenfplvanifchen Umfländen gegentwärtig überhaupt noch moͤch⸗ 
te angemerket werden, beftehet in folgenden Stüdtene 
- 3) $n Penſylvania und den naͤchſt angrenzenden Provingien find 
verſchiedene taufend Menfchen von hochteutſcher Nation, und der Ab» 
Zunft und dem Namen nad) Lutherifcher Religion, welche fich jährlich 
vermehren und von den neu anfommenden von Jahr zu Fahr vermeh- 
vet werden. Sie haben alle unfterbliche aber auch. fündliche Seelen. 
Sie find durch JEſu Blut und Tod theuer erfauft, und haben voral- 
fen andern hoͤchſt nöthig, Daß fie gefamlet, unterrichtet, vonder Obrig- 
keit der Finfterniß errettet und in das Reich JEſu Chriſti verfegef wer⸗ 
den. Es folten mol zwanzig rechtſchaffene Lehrer und noch eine gröffe- 
ve Zahl Schulhalter nöthig feyn, / wenn fie die Alten und Jungen vecht 
bearbeiten und dem HErrn JEſu zuführen wolten. Wenn dem ſo iſt, 
tie in einem neulich gedruckten Holländifchen Journal des Herrn Pfar⸗ 
rer Slatters gelefen , daß nemlich in Penſylvanien und den naͤchſt an⸗ 
grenzenden Laͤndern dreißig tauſend Reformirte zerſtreuet wohneten: ſo 
Tan unfere Anzahl nicht geringer, ſondern muß noch wol ſtaͤrker ſeyn. 
Die Herren Holländer haben e8 der Mühe werth geachtet, für Die 
 Denfplvanifche Reformirte Hochteutfehe eine Summa von zwölf tau ·⸗ 
fend Pfund Sterlingen zu collectiven ,: und verordnet, daß folch Capie 





+ 


tal auf Intereſſe geleget , und von der Intereſſe eine Anzahl Prediger 
- und Schuldiener unterhalten, und Kirchen und Schulgebäude aufge: 
führet werden follen, wie man aus Briefen an Die hiefige Obrigkeit ver- 
nommen. GoOtt hat die Hinausreifedes Heren Slatters und ſein Be⸗ 
mühen gefegnet. Er verleihe auch, Daß das wahre Reich IEſu Ehri- 
ſii dadurch erbauet werde! Der gnädige und barmhersige GOtt hat 
durch unfere Sochwuͤrdige Väter und fo vieler Gönner ni: * 
| — | | aben - 


I. Brn. Paſt Muͤhlenbergs Ber. von feiner Amtsfähr.1752. s13 

Goaben eine Bahn und. offene Thür gemacht, daß acht: Prediger und 
zween Eatecheten gegenwaͤrtig an Den zerſtreueten und verirreten Scha⸗ 
fen der Evangeliſch -Tutherifchen Heerde gemeinſchaftlich arbeiten, und 
zwar an den Plaͤtzen Philadelphia, Cohenzy, Germantown, Provi— 
dentz, Meuhannover, Piketown, Shippach, Oly, Molotton, Hei⸗ 
delberg, Nordkiel Tulpehocken, Yorktown, Neugoſchehoppe, Alt⸗ 
goſchehoppe Indienfield, Tohecka, Fork, Saccum, Uppermilfort, 
Racheway, Leslysland und. Gebirgte, genant. Die Gemeinen und 
Gemeinleins an vorbenanten Oertern haben bis hieher zuſammen ge⸗ 


halten. Ar 6% —S— NS 


ge wird die Sache zwar —— Aber mit Kummer und nicht ohne 
—— Die Hind 
de 


* 


De: 





er 


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— — 


514 Siebente Sortfegung der Nachricht aus benſylvanien · 


Was Zohwärdige Vaͤter von hiebreichen Collecten můhſa m 


zuſammengebracht und herein geſandt, das iſt hoͤchſtnoͤthig zun Anfans 4 


ge geweſen und zur Ruͤſtung angewandt, daß wir den Seelenbau an 


fo vielen jungen und alten zerſtreueten Schafen haben anfangen Bönnen, 


und wird auch feine proportionirte Frucht in der Ewigkeit zeigen: ‚denn. 


die Errettung und Zurechtweiſung einer einigen Seele iſt mehr wert, 


als alle vergängliche Schaͤtze. Was hülfe es dem Menfchen „ wenn 





— 
a er ee 


er Die gange Welt gerönne ꝛc. Die Welt vergehet mit ihren Schi 


tzen ꝛc. 


2 Heine Meichior Muhlenbeng 


II. Yuszugaus Herrn Paftor Handſchucht 
De anne racr $ RABEN 7: 16: uni am ua 
vom T7ten May 1750 | bis zu Ende des Jahrs 1752. ac 
| Si en iA 1750. Bfüchte ich einen Kranfen, welchen fon 
Ns 









7 einmal beſucht hatte, Und dem Leibe nach weit ſchaͤcher, fein 
De Gemuͤth ‚aber auf dem. vechten Grunde des Glaubens und der 
Seligkeit yuhig und ſtile antraffe 2.000 un, 
Den ıgten Magy befüchte ihn wieder zweymal, und fand ihn in 
Bekaͤntniß feiner vorigen Untreue fehr offenherzig, welches mir feine Ge⸗ 
fegenheit gab, feinem Herzen das Nothwendigſte vorzuhalten. +, 
7 Den 22ften MTäy_ befuchte abermals unfern Kranken „. den im- 
mer ſchwaͤcher und feinem Ende näher antraff. Noch fehr fpäte lieſſen 
mich Englifche Leute hinunter in die Stadt rufen , ein ſehr ſchwaches 
Kind su.taufen. ‘ Als ich hinkam fand ein paar Zwillinge von eben 
denjenigen Leuten, denen vor eilf Monaten auch einen Zwilling getau⸗ 
fet, da Das andere einige Minuten vorher, ehe ich hinunter kommen 
Eöutien, neflorben WAR, "0... 20 N an Saat rguns 

Den 24ften.MIAy als,am Feſt der Himmelfahrt Chrifi, Weil 


mich feit geftern fo unpäßlich befand, Daß nicht in Die Kirche gehen Eon- 


te, den Gottesdienft zu halten; muſte den Schulmeifter eine Predigt 


= >. 


vorle⸗ 


SerPaſt Sandſchuchs Tageregifker.tnso > o5 


; \ vorleſen laſſen · es Famen aber doch viele Leute zu mir die ſich zum hei⸗ 
û—“ 


ligen Abendmahl anmeldeten. 


Den ften und 2sften Maͤy befand mic) noch nicht beſſer, 


muſte aber Doch um zehen Uhr obigen lange krank ‚gelegenen. und nun 


verſtorbenen Mannes Leiche begraben laſſen und Die Leichenpredigt hal⸗ 
‚ten, ‚obgleich vor Mattigkeit nicht viel drauf denfen Tönnen ° Den 
Schulmeiſter konte die Leiche nicht fuͤglich beftellen laſſen, weil die ganze 
Stadt und Nachbarſchaft zur Leiche gebeten war. In dieſen Umſtaͤnden 
ſchrie ic) zum HErrn, und wagete es in feinem Namen, die Leiche zu ho⸗ 
len, wo eine auſſerordentlich groſſe Menge Volks von allerhand Arten 
und Secten aus der Naͤhe und Ferne beyfammen antraff, die ein ſehr an. 
fehnlicheg Leichengefolge ausmachten, dergleichen noch nicht hier gewe⸗ 
fen. Bey der Beerdigung fo wol, als auch in der Kirche unter der 
. Predigt, waren alle Leute fehr ſtille, ordentlich und aufmerkſam. Auch 
ſchenkte mir der HERNR auferordentlihe Freudigkeit und Stärke zum 
Vortrag. Nachmittags bey dem Anmelden der Leute zum heiligen 
Abendmahl bemerkte an ein und anderer Perfon, daß es nicht ganz oh⸗ 
ne Frucht abgelaufen. a FEsm * 
Den 27ſten Maͤy war noch von der angewandelten Krankheit 
und gehabten ſchlafloſen Wacht ganz matt, und wegen der vielen Leute, 
Die mit zugefprochen , auffer Stand gefegt, auf meineheute zu haltende 
Predigten recht zu denken. Sch ging aber. in die Kirche ‚taufte ein Kind 
eines vorher in Dev Irre gegangenen Lutheraners , und predigte einer 
groſſen Menge Volks, Nach dem Gortesdienft hatte Zuſpruch, bis 
. die Nachmittagspredigt wieder anging, wo ic) predigte, den Schul - 
- meifler aber Kinderlehre halten ließ. Nach Endigung derfelben mels 


- beten ſich wieder verfchiedene sum heiligen Abendmahl an, 


Den ꝛten Jun. hielte Borbereitungspredigt, Buß-und Beicht- 

andacht, und hatte hundert und vierzig Eonfitenten. | 1 
Den zten Jun. Nach gehabtem verfchiedenen Zufpruch predigte 
Vormittags unter mancher Bewegung meines Herzens, und theilte 
obigen hundert und vierzig Communicanten das heilige Abendmahl aus. 
Nachmittags hatte eine Leiche, predigte wieder , und taufte gleich dar⸗ 
auf ein Kind. Vor ⸗ und Nachmittags waren viele Menfchen bey ein- 
ander. Gegen ſechs Uhr wurde bis in den ſpaͤten Abend ein Kirchenrath 
gehalten, und Männer aus der Gemeine zu neuen Vorſtehern vorge- 
hlagen. Dieſer Tag, fo hart ex auch war, wird nicht ganz ohne Se · 






gen feyn hingebracht worden. 
N Bit | Ka Den 


516 Siebente gerfegung ter Bien Penfplochien. 
Den 4ten Jun. habe feüh ein Paar copulirt fobann: 


und nachhero von der Gemeine fünf neue Vorſteher Be 


‚welche der HErr mir zum Troft und der Gemeine zum Beſten mit Gna · 


de und Verſtand ausruͤſten wolle BA" - ; 
2... Den sten Jun. wurde benachrichtiget, daß die Ehefrau eines der 
beſten Glieder unſerer Gemeine ſieben Meilen von hier feht Frank und 


dem Tode nahe ſey, und um meine Zürbitte inftändigft anhalten ließ, 


Ich ging hinaus, und fand fie in etwas wieder —— daber guch in 


einem ziemlich feinen Seelenzuſtande. 


Den ı4ten Jun ritte wegen der zwiſchen uns Vredigern BR | 


deten Zuſammenkunft fruͤh, mit drey Maͤnnern von York, von hier 
aus, da wir einen ſehr beſchwerlichen Weg hatten, vom Durſt und 


Hitze vieles ausſtunden, und Abends ſpaͤte bey einem lutheriſchen Manne 


einkehreten. 
Den ısten Jun. wurden wir von diefem Manne durch Die Schul 





2 
2 


kill begleitet und kamen um zehen Uhr bey dem Herrn Paſtor Muͤh⸗ | 


enberg glücklich an, wo mit demfelben und Heren Paſtor Brunnhole 


zen wegen meiner Gemeine zu Sancafter viele Unterredungen gehabf. 
! Den ı7ten Jun, wurde vom Herrn Paſtor Brunnhoken die 
Beichtrede gehalten, worauf wir Prediger confitirten. Sodann hiel- 
te ich die Predigt in groſſer Schmachheit , und. wir communicirten. 
Nach der Communion trat Herr Paſtor Muͤhlenberg auf die Canʒel/ 
und hielt eine erbauliche und nuͤtzliche Rede, welche auf Die gegenwaͤr⸗ 
tige Umfiände und Befchaffenheit unferer Gemeine gerichtet war. Dar⸗ 
auf that er eine lateinifche Dede an ung verfamlete Prediger infonder- 
heit. Solches alles geſchahe bey einer grofien Menge Volks ziemlich 
ſtille und ordentlich. 

Den ısten jun. wurde vom Herrn Weygand die Predigt ver⸗ 


richtet. Darauf ging die Kirchenverſamlung an, welche, ob fie OO: 


fange Daurete, und mancherley Klagen von Seiten der Pfarrer und der 
Gemeinen einfamen, wie auch neue Gemeinen in unfere Gemeinſchaft 
aufgenommen zu werden baten, die es auch erlangten, dennoch ziem⸗ 
lich ſtille und artig geendiget wurde, ſowol als Die in des Herrn Paſtor 


Muͤhlenbergs und benachbartem Hauſe den Abgeordneten einer ieden 


Gemeine gegebene Mahlzeit, wobey wir Prediger alle die Aufſicht hat⸗ 


ten. Die Direction aber muß dem lieben Bruder — de. Ns 


‚Mühe und Sorge genug — haben. 


— 7 n 


RT 
9 ii. 

115 — Den 

\ 


Ei Zen. Paft: Zandfehuche Tageregiſter. 1750: 7 


Den ꝛoſten Jun. tifte ein ieder nach feinem Poſten wieder zu: 
ri. Herr Schaum und ich Famen des Nachts um eilf Uhr mieder 
in Sancafterran, nachdem wir auf diefem Wege, welches der beſchwer⸗ 
lichſte im Lande iſt, den Tag über vieles von Hiße , Durft, Staub 
‚und andern Ungemächligfeiten ausgeflanden hatten. — SRH 
Den ꝛſten Jun. taufte Vormittags zwey Kinder , predigfe, 
und flellete nach) der Predigt Die neu ermählten Vorſteher Der Gemeine 
‚vor, und las die abgefaften Schlüffe unſerer Kirchenverfamlung ab. 
Nachmittags hielte wieder eine Predigt und Kinderlehre aufs eingefal> 
. ‚Iene Söhannisfeft gericht mn 
Den gten. Jul, predigte Borzund Nachmittags, und hielt nach 
der legten Predigt Kinderlehre , und hatte fo wol vor als nach dem Got⸗ 
tesdienfte Zufpruch. Ich münfche oft, nur des Sonntags vor und 
nach der Arbeit von nicht nothmendigem Zufpruch befreyet zu ſeyn, meil 
infonderheit des Sonntags Abends zu ſchwach bin, vieles zu reden, zu 
hören und mit Bedacht zu uͤberlegeen. ei 
Den gten Jul befand mich, etwas unpaß. J 
Den sten Jul. aber wurde, obwol in: meinem Gemuͤthe den 
ganzen Vormittag ſehr zufrieden war, recht krank, ſo daß ich, wie mir 
meine Frau nachher berichtet; bey drey Stunden gelegen, ohne etwas 
von mic ſelber zu wiſſen. Wie ſie voller Schrecken und Beſtuͤrzung 
Leute zufammen rufen laſſen, und fie mich beftrichen und mir eftwadein- - 
‚gegeben. kam ich nach und nach wieder zu mir ſelbſt, wunderte mich 
über Die Gegenwart fo vieler Leute, die ji ob fie mir ſchon ſonſten die be⸗ 
Fanteften waren, nicht fogleich erkennen konte, mit ihnen auch nichts 
anders als von der künftigen groſſen Herrlichkeit der Kinder GOttes rer 
dete. Denn das mar die Sache geweſen, womit ſich mein Gemuͤth 
diefe Tage her ſtets beſchaͤftiget hätte‘, und worüber diefen Vormittag 
fo vergnügt worden, Daß von dieſem "harten Anfall der Krankheit nur _ 
Mattigkeit empfunden. Diefe ganze Woche hindurch mar ich denn 
fehr matt und fieberhaftig , fo dag nieht aufdauren , noch vielmeni- 
ger ausgehen Eonfe. | 
Den 2aften ul. Ehe ich zur Kirche gehen Fonte , hatte noch 
vielen Zufpruch, unter andernaber aud) von einer Frau mitihren drey 
ſchon ertvachfenen Kindern; fo vorige Woche mit einander zwey hun⸗ 
dert Meilen weit aus Birginien in hiefige Wachbarfchaft gekommen. 
ſind, damit die Kinder im Ehriftenthum unterrichtet und das jüngfte 
« Davon getaufet werben möchte, Auch rn ein fehr gottlos und ne: 
ne FF 3 u 





nen und noch) mehr zu prüfen. 


bußfertig zufenn fehien. 





/ 


5 


Denasften Jul, taufte Vormittags ein zwehjaͤhriges Kind und 





und gar vor unſers veformivten Nachbars Thuͤre ‚und ſchrie erbaͤrm⸗ 
lich Wie ich. hinunter an) au ſehen, was es gäbe, fand ich meine 

Frau bey ihr, an welche fie ſich veſte angehalten hatı 

laſſen. Sie klagte ſehr jaͤmmerlich uͤber heftige Leibesſchmerzen und - 

uͤber ihr wallendes Gebluͤt, und begehrte einen Doctor zum Aderlaſſen 


| —** —— Todes. Welches mir Gelegenheit gab, mit den 


Den 7ten Aug. hatte von früh an Zuſpruch, und Nachmittags 

die Reiche dieſer ſo ſchneli verſtorbenen Stau, woſu ſich eine groffe —* 

er — einfand, und Die Leichenpredigt mit Aufmerkſamteit an=' 
EEE | | 

ar 2 N | Den 


20 ¶Siebente hortſesumgder Nachricht aunspenfsloänien. 


Den aten Aug: früh kam eine Frauensperſon, die neulich ihr) 

Hurkind auf dem Wagen durch den Fluß Canniſtogoe fahrend bekom⸗ 
men, und es in den Fluß fallen laſſen, ohne wiſſen zu wollen, wie es damit 
zugegangen ſey. Sie begehrte, zum heiligen Abendmahl gelaſſen zu 
werden. Als das Noͤthigſte zu ihrer Prüfung: mit: ihr geredet hatte, 
und fie noch bey der erſten Ausfage blieb’; beſtellete ſie wieder zu mir, 
weiter mit ihr Davon gu reden, und Achtung zu geben, ob einige Buß⸗ 
fertigkeit bey ihr angetroffen werde. Im Gefängniß zwar hattefie fehr 
geweinet, es fehien aber damals mehr.aus Furcht für Dem Blufgericht 
und der Strafe herzuruͤhren, als aus vechter Zerknirſchung des Herzens‘ 





uͤber ihre Sünden, 


Nachmittags hielte Die Borbereitungspredigt, Buß-und Beicht⸗ 
andacht. Derer Eonfitenten waren drey und neunzig, worunter be⸗ 
meldete Hure öffentlich Neue über ihr voriges Suͤndenleben bezeigte,, 

und mit Hand und Mund vor allen Leuten verfprach , hinfüro ein’ 
keuſches und gottfeliges Leben gu führenz welches mir Gelegenheitgab,: _ 
fo Be an fie, als auch an alle junge Leute eine ernſtliche Ermahnung 
au thun. Z DB HEN SER NETTER — 
Den ısten Aug. predigte Vormittags, kuͤndigte obige Hure 
von der Eanzel oͤffentlich ab, und theilete Das heilige Abendmahl aus. 
Nachmittags predigte wieder., und ließ nach der Predigt den Schul⸗ 
meifter die Hiflorie von der Zerflörung Jeruſalems verlefen. So wol 
Bor: ale Nachmittags war die Kirche voller Menfchen. =: . 
Den gten Sept. taufte Vormittags ein Kind , und predigte, 
Die Menge der Zuhörer mar fo groß , daß fie nicht alle in Die Kirche 
gingen. Nachmittags predigte wieder, taufteein Kind und hielt Kin 
derlehre. Nachher hatte verfchiedenen Beſuh. 
Den nten Sept: Mittags um ein Uhr. hielt: Die erſte Zuberei⸗ 
tungsftunden mitder Jugend. Abends Fam Herr Schaum hier an, bey 
ung zu logiren. EA ar RER NA BER AN 
Den nten Aug. reifete Herr Schaum weiter nad) Philadelphia, 
um bon da nad) Naritan zu gehen. Nachmittags befuchte eine kranke 
Frau, ein paar Meilen von hier, mit welcher, ‚bey einiger Linderung 
ihrer Schmergen , weit mehr und ausführlicher zw. ihrer Seelen Heil) 
reden konte, als ſonſt iimall. wer mn 
Den izten Sept. Nachmittags von ein bis vier Uhr hielt Zu⸗ 
bereitung mit der Jugend. 


DE a ee 
— 


Den 


PERS, # ; Sp Aa Kt Fahr R ' 

> er a - —* 5 A, j a * ———— — — FR * z ug { ir Re — — 

Be. FE Zen. Paſt Zandſchuchs Tageregiſter 
Am Feſte Michaelis predigte Vormittags, und redete ſo gleich 


nad) dem Gottesdienſt noch mit vielen Leuten , die ſich zum heiligen 
| ee gi ee hielt die Vorbereitungspre⸗ 
digt, Buß-und Beichtandacht, a 
RL — Sept. Vormittags ließ Herrn Schaum, der zum 
Beſuch hergefommen, predigen, und bey Austheilung des heil. Abend⸗ 
mahls helfen. Der Communicanten waren hundert und vier und zwan⸗ 
zig. So mol geſtern Para ‚ als auch heute unter der Com- 
‚munion fehienen einige Perfonen bemegt zu ſeyn. Nachmittags pre= 
Digte felber, und nahm aud) die Kinder noch ein wenig vor. Eu 
Den ꝛten Oct. Abends hatte Befuch von ein paar Verlobten 
Die Schwefker der Braut, fo mitdabey war, batfehr , fie noch mit . 
in Unterricht zur Confirmation zu nehmen , weil fie in Germantown 
bey ihres Vaters Bruder einem Quacker gedienet, und Feine Erlaub- 
niß gehabt, ſich unterrichten zu laffen- ern Säle 
u. Den 24ften Cfov. Den ganzen vorigen und diefen Monat habe mich 
Bisierhinfaftbaländigunpäßich befunden, Dapauch mehsere Sonnta 
‚ge den Gottesdienft nicht verfehen , fondern von dem Schulmeifler ei- 
ne Predigt, vorlefen laflen müffen s Doch habe aud) einige Sonntage, 
wenn es mit nur möglich geweſen, ſelbſt geprediget, auch den häufigen 
Beſuch, infonderheit derjenigen , Die fich sum heiligen Abendmahl an- 
jemeldet, desgleichen Den Unterricht der Jugend, die confirmiret wer⸗ 
den fol ‚ abgerartef „ nicht weniger wenn im Stande gemefen ausju- 
gehen ‚die Kranken in der Gemeine befucht und Eopulatiönen und Taͤu⸗ 


fen verrichtet. Heute mufte vor der Vorbereitung faſt den ganzen 


Vormittag noch mit fehr vielen Leuten reden, die fich zum heiligen 
Abendmahl anmeldeten. Nachmittags hielt die Vorbereitungspredigt 
und examinirete nach der Predigt Die neun meiſtens erwachſene junge - 
Leute, die bisher find zubereitet morden, und fegnete fie ein. ‚Darauf 
hielt Buß-und. Beichtandacht, wobey eine Frauensperfon öffentlich 
Kirchenbuſſe that. Nach Endigung der Andacht hatte noch mancher- - 
fey Ueberlauf von Leuten, die ich und andere vor unwuͤrdig erfannten, 
zum heiligen Abendmaͤhlzughen 2.5‘ 
=. Den 2sften Nov. Che zur Kirche gehen Fonte, hatte noch mit 
verſchiedenen Leuten zu reden, die zum heiligen Abendmahl nicht gelaf- 
fen werden Eonten. Nachher taufte ein Kind, Herr Schaum, welcher 
am 2zſten Diefes von York hier angefommen, predigte, und mir theil⸗ 
ten hundert und fünf und zwanzig Communicanten das heilige Abend- 
VIL Penfylv. Sortf. Yyy mahl 


> Siebente gortfegung der Nechricht ans Penfyloamien. 
andere 


mahl aus, nahdem Herr Schaum obige Perſon und noch eine E 
geweſene Hure mit Verſchweigung ihres Namens von der Cangelab- ⸗ 
‚gefündiget hatte. Nachmittags copulirte.er ein Paar und wir hattenbis 
in den fpäten Abend Zufprud) und genug zu t unun. 
Den a6ften Top. frühe —5 mancherley Zuſpruch und 
zwey Kinder zu taufen. Um acht Uhr traten Herr Schaum, ich und 
ein freywillig ſich angebotenes Gemeinsglied unſere weite Reiſe nach 
Raritan an. Herr Muͤhlenberg aber wurde dermalen mit dieſer Rei⸗ 
ſe verſchonet, weil er die Reiſe nach Neuyork thun muͤſſen. Gegen 
Abend ritten wir bey drey Stunden irre, und waren in einiger Be⸗ 
Fümmerniß, mo mir dieſe Wacht, da ung niemand beherbergen molte, 
unterfommen würden. Endlich da mir megen der fpaten Abendzeit _ 
und vor Müdigkeit nicht weiter Fommen Fonten , nahm ung auf unfe- 
ve Bitte eines anfehnlichen Quackers Frau eine Anabaptiftin auf, und 
gab uns die nöthigfte Pflege für unfere müde Cörper und Pferde. 
Den 27ſten Nov. frühe nad) dem Fruͤhſtuͤck wurde ung ein 
Englifches Kind zu taufen- gebracht , bey weicher Handlung die Ana⸗ 
baptiftin gerühret zu feyn fchien. Darauf teifeten mir vergnügt und 
geftärket weiter fort, und Famen unter mancherley Ungemächlichkeit 
und Mangel Abends um ſechs Uhr bey dem lieben Bruder Herin Muͤh⸗ 
lenberg an Nach einigen Stunden waren wir Prediger alle daſelbſt 
eingetroffen. rs | 
Den 2uften Nov. ruheten wir daſelbſt aus, und hielten Con« 
fereng. Herr Kurz aber, der geflern am erfien da gemefen, wurde ge- 
beten , ſechs Meilen von da eine Zeichenpredigt für den Heren Paſt. 
Mühlenberg zu halein. 4* — 
Den zyften Nov. früh reiſeten wir, Herr Paſtor Brunnholz, 
Schaum, Hartwich, unſer Reiſegefaͤhrte von Lancaſter, ein Orga⸗ 
niſte und ich weiter, und kamen Abends um ſieben Uhr an den Fluß 
Delaware an. Wir lieffen ung ſogleich uͤberſetzen, umunfer Nachtlager 
im Haufe einer Chriſtlichen Hollandifhen Witwe zu haben. 
Den goften Nov. Famen mir des Abends um vier Uhr in Ra⸗ 
sitan an. | — — 
Den iſten Dec. lieſſen wir nach gehaltenen kleinen Conferenzen 
die Kirchenraͤthe zuſammen kommen, und redeten mit ihnen wegen Ein⸗ 
weihung ihrer neugebauten Kirche und Herrn Weygands Ordination. 
Herr Paſtor Brunnholz fuͤhrete in allen das Wort und die Direction. 


Den 





Ä 


* Bl: 


Doen 2ten. Dec. frühe titten wir Prediger , ausgenommen Herr 


n Zirn paſt. Zandſchuchs Tageregiſter 1750: 423 


Schaum wegen feines lahm gewordenen Beines, bey die Kirche , fie 
zu beſehen, hernach zu Herrn Weygands Haufe, wo ſich alle Kicchen- 


. rathe, Vorſteher und Gemeinsglieder männlichen Geſchlechts verfam- 


let hatten. Sie wurden vom Herrn Paſt. Brunnholz gefraget, ob fie 
alle zufammen den Herrn Weygand ordiniret haben twolten welches 
meiftens alle mit Ja beanfworteten. Darauf gingen wir alle, ein ies 


der in feiner Ordnung , paarweiſe in die Kirche. Der arme Herr. 


Schaum aber mufte hinfend gehen. Herr Paſtor Brunnhok machte 


den Anfang zur Einweihung , Darauf ein jeder in feiner Ordnung fol⸗ 


gete, und Das ihm beflimte einweihete. Nach der Einweihung that ich 
die Hauptpredigt, nach deren Endigung Heren Weygands Ordination 
vorgenommen wurde, und zulegt Herr Hartwich mit einer feinen Engli⸗ 


| ſchen Predigt befchloß. Zwiſchen allen diefen Handlungen wurden 
darzu Dienliche Verſe gefungen. Abends um fünf Uhr ward alles be: 


fchloffen, und eine gemeine Zufriedenheit der befonders ſtarken Amahl 
- Zuhörer von allerhand Arten wahrgenommen. Here Brunnholz und 


ich gingen in groſſer Müdigkeit nach Herrn Weygands Haufe, und 
titten von dar fechs Meilen weiter, zu einem alten ehrlichen NManne, 
Dafelbft zu nbernachten , der ung fehr freundlich aufnahm. 

‚Den sten Dec. titten wir nad) zu ung genommenen Fruͤhſtuͤck 


wieder zurück. _ Des Nachmittags ließ Herr Brnunholz alle Kirchen- 


räthe in.einer Stube zuſammen Fommen, da denn big in Die Nacht 
um zwey Uhr von den Angelegenheiten der Gemeinen mit ihnen gere- 


det wurde, mobey der Herr Brunnholz, teil alles auf ihm lag, unge= 


mein viel zu reden und zu thun hatte, . Nach drey Uhr des Morgens 


konten wir ung erft sur Nuhe begeben. 


Schaums lahmen Beines und.meiner groffen Schwachheit aber mu= 
‚fen wir hier bleiben. Nach einer halben Stunde wurde recht ſehr krank 
Deen sten Dec. des Morgens befand mich wieder etwas beffer, 


Den sten Dec. befehloffen wir, noch heute wieder abzureiſen. 
Solches geſchahe auch um den Mittag herum. Abends um ſieben 


Uhr kamen wir bey unferer vorigen Wirthin an dem Fluß Delaware 


wieder an. Herr Paftor Brunnholz molte noch weiter, wegen Herrn 


daß mir unfere Neife im Namen des Herrn weiter fortfegen konien. 
Herr Schaum aber Fonte wegen feiner Schmerzen am Iahmen Beine 
kaum mit fortfommen. . Mittags futterten wir bey einer Anabapti: 
ſtenwirthin, mit welcher manches nach gegebener Gelegenheit von der 

Yyy 2 Kin⸗ 





xa Siebente Sortfegung ber YochrichtausPenfsloanien 


Sinbertaufe geredet wurde. Abends nach fieben Uhr kamen wir in 


wohl an. Br REN SR EN 
Den sten und 7ten Dec. ruheten wir in Philadelphia.aus, ſo 


viel wir äuffere Ruhe haben J Me 
Den gten Dec. predigte Bormittags.in Philadelphia, und 
Nachmittags hörete Heren Paſt. Brunnholzens Kinderlehremit an. 


in a 






Den ıoten Dec. trat ich meine Rückreife nach Lancafter mieder - 


an. Wie aber. Herr Schaum wegen feines lahmen Beines fich nicht . 


auf den Weg getratien durfte, fo nahm einen jungen Menfehen zur 


Geſellſchaft und Aufficht über die Pferde mit, undritte Nachmittags 


um drey Uhr fort. Nachdem mir einige Stunden in der dickeften Fin 
fterniß mit nicht weniger Gefahr bey fo übeln Wege reiten müffen, 


Famen wir Abends nach acht Uhr in ein Englifches Wirchshaus an. _ | 


Das. Nachtlager waͤre mol gut genug geweſen, wenn nur die alu: 
groffe Unruhe fo vieler Menfchen im Haufe mich hatte fchlafen laffen. 
Den nten Dec. früh mit des Tages Anbruch machten wir ung 


wieder auf den Weg. GDLE brachte ung Durch die fehr ſtark aufger 


ſchwollenen Waſſer, wovor man ung bange machen wolte, glücklich 


‚durch. Abends um fechs Uhr traffen wir ineinem Englifehen WBirthe= 
haufe einen Haufen Lutheraner, jung und alt an, Die fich mit einem 
Spielmann luſtig machten, ohngeachtet fie die Sage zuvor, wegen der 
aufgefehwollenen Gewaͤſſer mit ihren Wagen und Pferden in groffer 
Gefahr gemefen. Sie erfchracken, fo bald fiemicherfanten, und als 
dent Spielmann und feiner ganzen Geſellſchaft einen ernfilichen Ber: 


weis gegeben, höreten fie auf, und entfehuldigten ſich nad) ihrer Art. 
Hernach titten wir im Sinftern bis Des Nachts um-sehen Uhr nicht oh⸗ 

0: Gefahr fort, und kamen GOtt Lob! noch ziemlich wohl in Lanca- 

ſter an. 


Den arten und ızten Dec. ruhete von meiner langen Reifeaus, 
und brachte die ruͤckſtaͤndigen Gemeinsfachen in den Kirchenbuchern 


in Ordnung. | | 
Den 2sften Dec. als am erften heiligen Ehrifttage predigte ich 
einer ungemein groffen Berfamlung, und theilete Nachmittags den 
Kindern Sprüche aus, hatte aud) nachher — Beſuch. 
Den 26ften Dec, taufte Vormittags zwey Kinder und predig⸗ 
te. GoOtt zum Preife kann ich nicht verſchweigen, Daß er. nich bey 
meinen zum Theil ganz fehlaflofen Nächten zu und unter meiner Amts⸗ 


arbeit 


Sn ERS, 


3, 
” 


00 I Zen: Paft:Zandfehuchs Tageregifker zo. ss 


: ‚arbeit ziemli geſtaͤrket, und was mir an der Auffern Ruhe gefehlet, 


an meinem Gemüthe sur Önüge erfeget hat. 





‚Den zoften Dec. als am Sonntage nach) Weihnachten predigte 

ic) bey einer aufferördentlich heftigen Kälte. Sr 
Den zıften Dec. Abends taufte. ein Kind Englifcher Leute im 
Beyſeyn vieler der vornehmſten hiefigen Engländer. A 
Der Herr mein GoOtt ſey gelobet für alle in dieſem verfloffenen 


Jahre mir ertoiefene Gnade ac. x. 


ei, Sm Jahr 1751 


i oe sten Jan. hatte ich eine ſehr anfehntiche Englifche veiche | 


Der Berflorbene war in ein paar, Tagen gefund und todf ges 


weſen und fonften von einen guten Gerüchte. 


. Den sten an, taufte ein Kind und predigte einer abermals 


| groſſen Menge Volks. 


Denzten Jan. war ein ungemein ſtarker Schnee gefallen. Doch 
wurde von einem fonft widerwaͤrtigen Mann abgeholef, fein neuge: 
bornes und in den legten Zügen liegendes Kind fogleich zu kaufen. 
Wir muften durch den tiefſten Schnee wol eine Biertelflunde taten. 
Seine Schwiegermutter und Frau, fo von der Secte der hier fo. gez. 
nanten Neugebornen find, bewieſen fich bey meinem Gefpräch, Ge⸗ 
bet und der Taufhandlung ganz ehrerbietig, und ſchien meine Ermab- 


nung nicht ganz ohne Frucht zu ſeyn, ohngeachtet dieſe Leute fonft 


Spötter aller Religionen find, und ohne allen öffentlichen und befon- 


dern. Sottesdienft in den Tag hinein leben. Kaum mar ich wieder 


nach Haufe gefommen, fo hatte ein Baar zu copuliren. Meine Ge: 


ſpraͤche und Gebete fruchteten dem aͤuſſern Anfehen nach bey den An⸗ 


x . 


weſenden Doc) etwas. Ä F 
Den 27ften Jan. taufte zwey Kinder und predigte einer aber⸗ 


mals groffen Verſamlung. 


Den 2often Yan. hielt zwey Meilen von hier auf einer Planta⸗ 


ge eine Hochzeitspredigt und copulirte ein Paar aus der Gemeine. 


Ich hoffe einigen Segen des Worts G 


Ottes an den Anweſenden aus 


verfihiedenen Spuren. | 
Den sten bis ten Sebr. hatte einen langen Befuch von der ges 
weſenen Juͤdin, fo verfchiedene Monate von hier abmwefend geweſen, 
und aufs neue vorgiebet, Daß fie zu unferer Kirche treten wolle; ihre 
ie Yyy 3 ältefte 


— 


526 Siebente Sortfegung der Nachricht aus Penfylohnien. Kin 


ältefte Tochter aber waͤre durch Verführung ihres cathalifehen Manz 





nes in ihrer Abtwefenheit eatholifch gerworden. Nuntvoltefie,daßdie 


> 


ätden andere Kinder mit ihr Lutherifch rurden. Diefe Frau feheinet 
mir noch ein jüDifcheß Herz und mdifepe Abfichten zu haben, amd) fehe 
wankend zu fenn. Sch gab ihr noch vierzehen Tage Bederf: und Prüs . 


fungszeit, alsdenn möchte fie den Unterricht mit den andern, fo zur 
Eonfirmation und heiligen Abendmahl zubereitet werden würden, or⸗ 
dentlich und fleiffig mit geniefjen. N IRRE OEL, 


Ga RE 
Den ıoten Sebr. als am Sonnfage Seragefima predigte ich ei⸗ 
ner ungemein groffen Menge Volks von allerhand Arten, und fün= 


digte Darauf das Anmelden der Leute zum heiligen Abendmahl und der 
erwachfenen jugend zum wieder u a auf ihre Con⸗ 


firmation ab. So ſchwach ich auch war, fo herrlich fund mir Doch - 


der HErr, mein guter SHOF, bey. Cr laffe auch nur den ausge 
ſtreueten Samen feines Worts gefegnet feyn. Nachmittags fingen 
die Leute an, fich sum-heiligen Abendmahl anzumeiden. 


Nun der HErr fey gelobet, der mir bishieher unter fo mancher 


ley Arten der Bedrängniffe fo gnädig durch geholfen und mich vor dern 
Argen mächtig geſchuͤtzet hat. Den kleinen Segen ſeines Worts laſ⸗ 
fe er Doch ja nicht wieder erſticket werden, ſondern ſich vermehren. 


Will er mich aus Gnaden von diefer Gemeine wegrufen, und mich zu 


IM 


einer andern im Sande fenden, wo id) in mehrern Segen arbeiten füns - 


te, fo werde ihm dafür herzlich und Eindlich danken. Doch in allen, 
wie Er, und nicht wie ich will. — JJ 
Den ıten bis ısten Febr. meldeten ſich die Leute zum heiligen 
Abendmahl an, RS & a 
Den ısten $ebr. aber begrub ich eine Engliſche geftern in Dem 
Fluß Canniſtogoe ertrunfene hochſchwangere Srau_und that wegen 
der groffen Menge des anmefenden auch teutſchen Volks ein auf die 


Umiftände gerichtetes Gebet in teutfcher Sprache hinzu. Mit Diefer 


Frau war. auch ihr Schtwager ertrunfen , der jener helfen und ſie noch 
retten wolte, in Diefer Bemuͤhung aber felber im Waſſer, dasfonfien 
gar nicht tief und fehr Teichte durchzureiten ift, mit umkam, und noch 
nicht nieder gefunden worden. Nachmittags hielte Borbereitungs: 

predigt, Buß und Beichtandach. 
Den ızten Febr. am Sonntage Eſto mihi taufte em Kind, pre: 
digte und theilte das heilige Abendmahl neun und vierzig Communi—⸗ 
canten aus, Diefe Woche hindurch wurden die jungen Leite, 5 zur 
— on⸗ 


— — 
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5-77 — 
Konfirmation 
ne Perſon von fü 


1 Zen Pafk, Sandſchuchs Tageregifker 175... 927 





Eonfirmation und. heiligen: Abendmahl zubereitet: werden ſollen, yon 
ihren Eltern und Meiftern zu mir. gebracht und geprüft, worunter ei⸗ 
n fünf und zwantzig Fahren und: noch eine andere von 

zweyh und dreiſſig fi) befanden.  - * 
Den ꝛoſten $ebr. wurde von einem catholiſchen Engländer ges 
beten, fo gleich in fein Haus zu Fommen, und fein ſchwaches Kind 
zu taufen.. Noch unter wahrendem Anziehen Famen zween reformirte 


Männer, mit Bitte, einen geſtern krank gewordenen Mann zutau 
fen, der fchon feit geraumer Zeit Diefe verwichene Tage aber infonder- _ 


heit ein fehr groſſes Verlangen nad) der heiligen Taufe und mich zu 
fprechen begeuget habe. Wie aus diefer Männer Erzählung wohl mer: 
fen Eonte, Daß es dieſes Mannes rechter Ernſt feyn müffe, von mie 
Unterricht zu. haben und ſich taufen zu laſſen; foverfprach , gleich nach 
verrichtefer Taufe des Englifchen Kindes hin zu Eommen. ‚Den Eran- 
Een Mann fand in groffem Verlangen nach mir. Auf vorgelegte al- 


lernoͤthigſte Fragen gab er ſtets zur Antwort: ‚wenn er wolle ein Kind 


der Seligkeit werden, muͤſſe er getauft fenn „ohne Zaufe Eönne er nicht 
hoffen felig zu werden. Sein Vater waͤre ein-wunderliher Mann, 
ohne Glauben, Geiſt und Sinn JEſu Chriſti, und habe ihn und fei- 


ne Gefchtwifter zu nichts angehalten. Er baͤte um die heifige Taufe 


blos um feiner Seelen Heil willen, und weil ihm auch unfere Lehre, 


- wie er fie bishero von uns predigengehöret,, fo wohl gefiele, und feine 


Frau von Lutherifchen Eltern wäre ; fo tolle er. fich mit feiner Stau 


‚and Kindern zur Lutherifchen Kirche von ganzem Herzen befennen, 
und fich von mir unferrichten laſſen, damit er auch das heilige Abend: 
mahl empfangen koͤnne. Nach gegebenem nothwendigſten Unterricht 


und Gebet verfprach, bie Sache weiter zu überlegen und morgen wie⸗ 


der zu Eommen, 


Den aıften Sebr., fruͤh mit Anbruch des Tages kam ein refor⸗ 
mirter anderer Mann, mich zu fragen, wenn ich wol heute zum Kran⸗ 


ken kommen koͤnte, er begehre die heilige Taufe gar ernſtlich, und ha— 


be die ganze Nacht davon geredet, er wolle auch fein juͤngſtes Kind 
mit taufen laffen. Ich ging denn bald hin, und nahm zween unfe . 
ver Vorſteher mit. Als ich hinkam, wurde die Stube in Eurzer Zeit 


voll Menfcyen. Zuerſt betete ich, prüfte nochmals feinen Sinn und 


den Grund feines Herzens, feharfte ihm die Lehre von der heiligen _ 
Taufe ein, ließ ihn ſelbſt fich Darüber erklaͤren, und vor allen Anwe 
fenden zu unfrer Kirche und Derfelben -heiligen Glaubenslehren befen- 


528 Giebente Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 
nen, deren Hauptinhalt mit wenigen wiederholet anführte, "und 
aus unferer Gemeine drey Männer, als Taufzeugen zu Auffehe 
fo gut ich fiehaben Eonte, feste, ſowol dem zu taufenden Mann, als auch 
feinen drey Auffehern hielt ic) Die nöthigften Pflichten gegeneinander 
vor, und ließ fie, folche treulich in acht zu nehmen, einandermif Hand 
und Mund verſprechen. Darauf verrichtefe die ga —— 
aͤnter vielen Thraͤnen der Anweſenden von allerhand Art Leuten, und 
befchloß alles mit einem Gebet nach den Umſtaͤnden. Bor und bey 
meinem Weggehen fand bequeme Gelegenheit, am feine nod) unge 
taufte Schweiter und andere unordentliche Lutheraner ein ernfllihes 
Wort der Ermahnung gu reden." N 
Den 2aften Gebe. Bormittags ging wieder hin, und fand ihn 
in einer ziemlichen Gemuͤthsruhe. Unter dem Gebet kam feine alte _ 
Mutter, niit toelcher hernach lange zu reden veranlaffet wurde, und 
äulest ſchien fie fehr wohl damit zufrieden zu feyn, daß fich ihe Sohn 
von mir taufen — ſich zu unferer Lehre bekenne. Sie mein⸗ 
te aber, daß ſich ihr Mann ſehr daruͤber aͤrgern werde, und man es 
ihm Doch ja nicht ſagen follte. Ich —J—— bat den Kranken, GOt⸗ 
tes Gnade zu ruͤhmen und des HErrn Werk an ſeiner Seele ja nicht 
aus ungeitiger Furcht zu verſchweigen. | RT 
Den 24ften Sebr. am Sonntäge Invocavit taufte fünf Kinder, 
und predigte einer ungemein flarfen Verſamlung. Nachmittags ging 
ein paar Meilen weit, einige Gemeinsglieder zu befuchen.. 
Den asften Sebr. Vormittags ging zu obigen Kranken wieder 
hin, fand ihn dem Leibe nach fehlechter und in einer groffen Beforg- 
ni, er merde feine groſſen Schmerzen nicht langer mit Geduld aus: 
fiehen Fönnen. Daher half ic) ihm zurechte, und blieb fo lange da, 
big der Doctor, ein alter Schweitzer, feine Sachen appliciret hatte, 
und kam mit dieſem Manne in ein feines Gepräh. 
= Den 2öften Sebr. war Vormittags wieder bey dem gefauffen 
Kranken, und fand fein Gemuͤth in ziemlich artiger Faffung. Nach⸗ 
mittags von ein Bis vier Uhr hieltedie dismaligen erſtern Zubereitungs- 
ſtunden mit der Tugend. 5 BEBUSETTEN Be 
Den ıften Mart. gegen Abend befuchte den von mir gefauften 
Franken Mann, ben welchem feine noch ungetaufte Schweſter antraff, 
fo einige Neigung gu unferer Kirche zu erkennengab. 
Den sten Mart. am Sonntage Reminifcere taufte ich Bors 
mittags zwey Kinder und predigfe, darzu ſich abermals aufferordent- 
fich viel Menfchen eingefunden. Nachmittags hatte eine Leiche und 
vielerley Beſuch. Den. 





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l qrn. Paſt Handſchuchs Cogeregifkerusn. sa: 





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ſern befucht, und hatte gegen Mittag eine Leiche und Leichenpredigt. 
Nach — — Leichenpredigt beſuchte zween unſerer Kranken, 


und Drang hoch näher an ihre Seelen, weil mir ihr Seelenzuſiandb 


efaͤhrlich zu ſeyn ſchien. 


ſehr ge Sn 666 
5 "Den sten Mart. wurde von nem Vorſteher aus Yorck beſucht, 


und erfuhr von demſelben, daß es mit Herrn Schaums Beine ie laͤn⸗ 


ger ie gefaͤhrlicher ausſaͤhe, weswegen ich denn auch ein Troſtbrieflein 
AND RI. it a 
Den ıoten Mlart. che ich in die Kirche ging hoͤrete von einem 
getvefenen Herenhuterz daß feine Frau geſtern felig.geftorben fey.: She 
geſchwinder Tod betruͤbte mich ſehr, zumal. ich nicht einmal fie beſu⸗ 
hen Eönnen. Sie war eine vor Allen andern ſtille Frau, und hatte 
meinem Beduͤnken nad) Gnade. Wegen des ftarfen Negenmetters 
Eonte den heut angeſetzten Nachmittagsgottesdienft nicht halten.) Auf 
den Abend erfuhr, daß eine Frau: aus der Gemeine, diegleichfals fehr 
plöslich Frank. geworden; und "Die ich ſchon Drey bis vier mal befucht 
‚hatte, in größer Verwirrung geftorben ſey · Ihr Mann, ein gewe⸗ 
fener ſehr wilder kaͤhſerlicher Huſare/ ſchaͤmete fich felber, mir alles zu 
erzaͤhlen, ee dabey verhalten.  Diefe Frau war bey Menno⸗ 
niften aufersogen, feht grob, tumm, und in geiftlirhen Sachen fehr 
unwiſſend, ob fie gleich alle viergehen Tage einmal in Die Kirche Fam 
und mich predigen hörete: "Mein mehrmaliger- Befuch ſchien am ihr 
ebenfals nichts gu frudyten. hr Mann hingegen , der über den er⸗ 
baͤrmlichen Seelenzuftand feiner Frau ungemein erfehrocken war, komt 


dem Anfehen nad) zu einem heilfamen Nachdenken, und iſt ofte bey mit, 


Yon 


> 


= Den ten Mlart. gegen Mittag ging ich mit dem Schulmeiſter, 
feinen Schulkindern und vielen andern’ Leuten auf Des gemefenen 
Herrnhuters Plag hinaus, feine Frau begraben zu laſſen. Die Men- 
ge des anweſenden Volks von allerhand Arten und Secten wargroß, 
und ſchien bey der Kirche fo wol, als auch unter währender Predigt 
beweget zu ſeyn. GOit laſſe doch einmal fein Wort recht an den Der: 
zen der Menſchen durchſchlagen um JEſu willen! Nach Endigung 
der Leichenbeſtattung bat mich ein Mann, noch eine Meile weiter 
mit ihm zu gehen, einen alten kranken Mann, der nad) mir verlange, 
-zu befucen. Diefen alten, ſonſt offenbaren Sünder fand noch in 
ſtarker eigenen Gerechtigkeit. Doch nahm er meine Vermahnungen 
zulegt noch an, und ſchien recht herzlich mit zu beten. Auf dem Heim⸗ 
WVII. Penfylv. Fortſ. 333 wege 


Vormittags wurde vom Herrn Conrad Weir 


— — 3— 3 7 rd 1 
- 


J- 3 





0Siebente Cortſerung der Nechricht ausPenfslvanien. 
wege ſprach auf zween Plaͤten mit ein; mic) nach der Auffuͤhrung der 
daſelbſt dienenden Glaubensgenoſſen zu erkundigen, und mit ihnen zu 
- ihrer Ermunterung zu reden. Sobald wieder zu Hauſe war, wurde 
mir ein Englifhes Kind gu taufen gebracht, wo noch manches zu re⸗ 1 
Den 1sten Mlart. copulirte ein Paar aus der Gemeine. Gleich 


den fand. 

darauf mar die Leiche der oben gedachten in Verwirrung verftorbenen: 
Srau, und ich hielt den Antvefenden eine Predigt, diefie aufmerffam, 
und nicht ohne Bewegung anhoreten, denn derfelben betrübte letzte 
Stunden waren fehon überall befant worden. Gleich darnach hielte 
Zubereitungsftunden mit der Jugend. Gelobet ſey der HErr fürdie 
mir verlichenen Kräfte. Abends ließ mich der erſchrockene Witwer. 
rufen ‚mit ihm und fuͤr ihn zu beten, denn er mare auch Frank worden. 

Ich ging alfo zu ihm hin, befprach mich nach Den Umſtaͤnden mit ihm, 
und befuchte darnach noch fpate eine’ Franke Frau aus der Gemeine. 
Den ızten Mart. taufte Vormittags in groffer Schwachheit 
vier Kinderundpredigte. Nachmittags hielt die erfie Catechismuspre⸗ 
digt,dven Schulmeifteraber ließ ich eine FleineKinderlehre darüber haften. 
Den ıgten Mart. reichte ich dem Franken Manne, deffen Frau 
vorige Woche in fo jämmerlichen Seelenumftänden geflorben war, 
nad) vorhergegangener mehrern Prüfung das heilige Abendmahl... 
Den zoften Mlart. hatte vom Morgen an bis auf den Mittag 
Leute bey mir. Nachmittags beſuchte unfere Kranken, und hatteher- 
nach viele Unruhe von Leuten, die mit aller Gewalt von mir copuliret 
ſeyn wolten, ohne fie proclamirt zu haben, oder fonft zu fennen, wel: 
ches denn weder thun wolte nach fonte. 1... un nn. an 
Den ꝛꝛſten Mart. früh ritte ich mit einem Mann aus der Ge⸗ 
meine von hier nach Tulpehocken zu. Heren Conrad Weiſers Wohnung, 
mofelbft Abends anfam, und meine lieben: Amtsbrüder die Herren 
Paſtores Muͤhlenberg, Brunnholz und Hartwich gefund undauf mid 
wartend ankraff, teil fie mich zu einer Konferenz eingeladen hatten: 
Den ꝛaſten Mart. als am Sonntage Judica titten wir zuſam⸗ 
men zu Herrn Kurzens Hauſe, der unterdeſſen in Philadelphia war. 

In der Kirche diaconirte Herr Muͤhlenberg und Herr Hartwich predigte. 
Nachmittags ritten wir zur andern Kirche, worinnen ich predigte, 
and Herr Paſtor Brunnholz die Kinderlehre hielt. — RITRRTT 

Den ⸗ʒſten Mart. früh fchrieben meine Herren Eollegen einen- 

Brief an Die Gemeine zu Lancaſter, und. meldeten bie Urſachen, war⸗ 


l 


* 


— 





—— in IR Zen Paſt 8 indſchud giſte sz1 
um fie mich von ihr wieder weg in Die unfere vereinigte Gemeinen vie. 
fen. Datauf nahm von allen Abfchied und ritte wieder zurück nach 


Lancaſtferty End ennannmad ae a Srlanıd 
Den esſten bis often Mart. hatte aufferordentlich ſtarken Zu: 
pruch von Leuten, Die ſich zum heiligen Abendmahl meldeten. >. 
Den zıften Mart. predigte ich Vormittags ‚ und ließ nach. der 
Predigt meiner lieben Herren Eollegen Brief an Die hiefige Gemeine 
vom Schulmeifter Jacob Löfern öffentlich vorlefen, über welchem bey - 
vielen eine Beftürzung und einige Thränen entſtanden. Nach geendig- 
tem Sottesdienfte trat ein Vorſteher auf und fing mitder Gemeinean 
zu reden, fie ſolte mich Doch bemegen, langer: bey ihr zubleiben. Mehrere 
fingen auch an zu reden, und gab immer einer dem andern Die Schul, 
Als e8 ſchien ein Getuͤmmel unterm Wolfe zu werden, batich fie fehr, 
flille zu feyn und in Seieden von einander zu gehen. So bald nach 
Haufe Fanı, hatte ſtets waͤhrenden Befuch won Leuten, die fich zum 
heiligen Abendmahl anmeldeten, worunter einige fehr tweineten, daß 
fie mich verlieren folten... Auch Eamen drey Vorſteher auf Anregen 
berfchiedener Leute, mid) zu bitten, noch länger bey der Gemeine su 
—— Nachmittags predigte wieder, und hatte hernach mancherley 
uſpruch. — J J— 
Den sten Apr am Charfreytage muſte ich, ehe noch zur Kirche 
kam / mit vielen aus der Ferne reden, die ſich noch zum heiligen Abend⸗ 
mahl anmeldeten. Darauf taufte in der Kirche ein Kind, predigte 
und hielt mit zwey hundert und zwantzig Eonfitenten Buß⸗ und Beicht⸗ 
andacht. Dieſe ganze Woche Durch muſte viele Klagen und Thraͤnen 
uͤber meinen bevorſtehenden Abzug erfahren; dagegen ich aber auch 
vorſtellete, was fuͤr Betruͤbniß und Kummer mir dieſe Gemeine bisher 
verurſacht habe. Indeſſen obgleich einzele Glieder der Gemeine wuͤn⸗ 
ſchen /daß ic) bleiben moͤchte: ſo zeigen Doc) die Haͤupter und der groͤ⸗ 
ſte Haufen der Gemeine, Daß fie meiner muͤde ſind und keine Anjtalt 
machen wollen, daß die Hinderniſſe gehoben wuͤrden, und ich ferner 
bey ihnen zu bleiben bewogen werden koͤnte. Unterdeſſen will ich, wie 
bishero geſchehen iſt, auch dieſe kurze Zeit uͤber durch GOttes Gnade 
noch alles thun und leiden, was in meinen wenigen Kraͤften iſt, an 
ihrer Aufweckung zu arbeiten. Vielleicht komt einer und der andere 
noch zum Nachdenken. Das kleine Haͤuflein der erweckten Seelen 
wird ſich der HErr, der gnaͤdige und ſtarke GOtt, ohne mich ſchwaches 
und ohnmaͤchtiges Werkzeug zů ———— fuͤhren Ne / 
| N #52 en 


532 SiebenteSortfesüng der Nachricht aus Penſylvanien. 
Den ten Apr. Am erfien Oftertage prebigte ich einen geoffen 
Berfamlung, obgleich noch fehr ſtarker Regen war, und theilete zwey 
hundert und zwantzig Communicanten das heilige Abendmahl aus. 
Welches alles von halh zehen bis zwey Uhr daurete. Nach drey Uhr 
hatte eine kleine Leiche und nach derſelben zwey Kinder in der Kirche 
zu taufen, wohin ich das ganze Leichengefolg befchied, und auf die 
Umſtaͤnde Lied, Gebet und Vermahnung richtete. Darauf hatte 
verſchiedenen Zuſpruuu. oa 
Den ten Apr. früh ritte ich nach Yorck. Bey dem Ueberſe⸗ 
gen über den groſſen Fluß Susquehana haften wir bald ungluͤcklich 
feyn koͤnnenFenſeit des Fluſſes traffen wir zween Vorſtehet von 
York an, die uns bis in Herrn Schaums Haus begleiteten. Denfek J 
ben fanden wir in ziemlicher Gemuͤthsfaſſung, ohngeachtet es mit fer 
nem Beine noch gefährlich ausfahe. RR a 
Den iaten Apr. früh predigte, und hielt eine Kinderlehre. Herr 
Schaum war an Krücden mit in die Kirche gegangen. Die Männer 
infonderheit waren fehr aufmerkſam, und einige darunterin etwas be= 
weget. Nachmittags gingen wir in die Stadt herunter, einen kran⸗ 
Zen Mann zu befuchen, ver fchon lange gelegen hatte, — 
Den ssten Apr. ritten wir wieder von Yorck weg, nachdem Herr 
Schaum durch unfern Befuch war erfreuet, und feine Gemeine, wie 
fie faget, erbauet worden. Denn fie hatten die ganze Zeit der Krank⸗ 
- heit Heren Schaums Feine andere, als nur vorgelefene Predigten ge⸗ 
höret, da Feiner von ung wegen des fchlimmen Wetters und der fehr 
gefährlichen Sufquehana hatte hinüber kommen koͤnnen. Abends ka⸗ 








men wir gottlob glücklich twieder zu Haufe an. _. — 
Denñ ꝛbſten Apr. hatte ich tie die ganze Woche, ſo auch heute, 
vielen Zuſpruch von Leuten, die ſich zum heiligen Abendmahl anmelde⸗ 
ten, fo auch am folgenden Tage den ganzen Vormittag geſchahe, bis 
ich in: die Kirche ging, wo DBorbereitungspredigt, das Examen der 
Sugend, und derfelben Confirmation, auch Buß und Beichtandache 
mit hundert und ſiebenzig Eonfitenten hielt, die fünf und zwantzig 
confirmirte junge Leute miteingefchloffen, welches alles nicht ganz oh⸗ 
ne Bewegung. und Ehranen abging. u un ann 
Den 2gften pe: taufte ich Vormittags ein Kind, predigte einer 
groſſen Berfamlung und reichte obigen hundert und fiebenzigPerfo- 
nen. das heilige Abendmahl, car. 
TER TRSERENTER, J—— — ——— Den 


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Zyhraſen und. 
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And kamen Abends un acht Uhr in Philadelphia glücklich an, und 
wurden vom Heren Paftor Brunnholg, bey dem wir auh Hrn. P 


von wannen er Abends bey ſiarkem R 12 
‚und Heren Paſtor Muͤhlenberg und Herrn Kurzen mitbrachte ,. wel⸗ 


kommen, und Hr. Weygand tra 
ar "Den 12ten AT 


wir in Heren Brunnholzens Haufe, darzu fih der Schwedift 
ger in Philadelphia. und. des serfiorbenen a 


Sandſchuchs Tageregifter 171. 533 





May nahın ic) yon der Gemeine zu Sancafler in der 


x 


Den sten.Y ahm ich vo 
Abzugopredigt öffentlichen Abfchied. Die Gemeine ward dabey in 


Bewegung gefest, und hätten mir mein Herz bald auch 
s ſcheinet faſt, 
an ihren Seelen geſegneter geweſen ſeyn als alle die vorige, wenn ſie 


es nur nicht muthwillig wieder erſticken Darnach hatte ſteten Beſuch. 


Den ten Maͤy brachte den ganzen Tag mit Einpacken zu. 
Den zten Maͤy reiſeten wir um acht Uhr im Namen des HErrn 
von Lancaſter ab, nachdem noch ein paar Vorſteher bey mir geweſen, 
mit Bitte, es nicht zu hindern, ſondern zu helfen „daß Lancaſter wie⸗ 
der einen andern Pfarrer von uns bekaͤme, wenn ſich Die Gemeine ver: 
einigen folte, ein paar Männer zur Kirchenverfamlung: nach Philadel: 


phia abſchickte und darum anhalten ließ, 


>, iDen sten Wläy, nachdem wir in einem Engliſchen Wirths⸗ 
haufe ein gutes. Nachtquartier gehabt, ritten wir fruh weiter fort., 


: Brunn | aſt. 

Hartwich antraffen, aufs freundlichſte empfangen. 
Den roten — 
degenwetter wieder zurück kam, 


che alle In einen a Nelken Schrenk mar heute auch ans 

raff den folgenden Tag ein. 
| Tay Vormittags gingen wir Prediger und die ab- 
geordnete Aelteſte unferer —— Gemeinen paarweiſe zur Kirche, 
wo zuerſt die neue Orgel vom Herrn Paſtor Hartwich eingeweihet 
wurde, und Hr. Paſtor Muͤhlenberg predigte Mittags ſpeiſeten 
eNredi- 
del d des ve Biſchofs 
Herrn Benzelii Sohn auch mit einſtelleten. Nach genoſſener Mahl⸗ 


zeit gingen wir alle wie Vormittags nach der Kirche, da denn Herr 


Wehgand predigte. Abends aber predigte Herr Kurs ziemlich lang, 


doch erbaulich. Bey allen Diefen drey verſchiedenen malen war eine 
auſſerordentlich groſſe Menge Volks, auch nicht wenig Engliſche zu⸗ 
gegen, doch ging Dem ohngeachtet alles ziemlich ſtille und ordentlich 
zu. Die Leute ſchienen auch uͤber den ſchoͤnen Orgelklang vol Ber 
wunderung und Vergnuͤgen zu enn. 

TEN I Den 


\ 





554. Siebente Sockfegung der Nachricht aus Pehfyl 


7 


Da re oe Ben Ma — * er R 
Den ızten MTäy hielte Hr. Hartwich — R 
e die Kirchenverſamlung Finervonden - 


Herr Paſtor Brunnholg eröfnet 
Widrigften aus Lancaftet, der ſeinen Anhang 2 
Den auc) gegetiinärtig, doc) ohn&von Der@emeinenbger 
tzufeyn. Als nun dieDrdnung an Lancaſter kam, wurde der ſelbe 
vorgefordert, und von dem Herrn Paſtor Muͤhlenberg ernſtlich ge⸗ 
fraget: ob er abgeſchickt ware, Und was er und die ganze Gemeine 
rider meine Lehre, Leben und Amtsführung wahrgenommen hätten. 
Darauf er voller Schaan, wie es fchien ‚gut Antwort gab, daß we⸗ 
der er noch iemand in der Gemeine das geringfie wider meine Lehre 
und Leben auftveifen Fönte: Alles übrige’ in der Kirchenverſamlung 
lief gleichfals ziemlich ftile und ordentlich ab, und was nicht ausges 
macht murde, blieb bis nach genoffener Mittagsmahlzeit aufgefchoben, 
- welche drauffen vor der Stadt in eines Kirchenraths Haufe gehalten 
und nach derfelben das übrige zwiſchen ben Parteien bengeleget wurde: 
Ben 1gten Maͤy vitte Herr Weygand vergnügt wieder zurück 
nad) Raritan. Der Herr Paſt. Muͤhlenberg und der Hr. Paft. Hart: 






fan 





‚immer heimlich gegen mid 


wich aber wurden von ung allen bis an den Fluß Delaware begleitet, 


mofelbft fie ſich unter vielen herzlichen Segenswuͤnſchen zu Schiffe bes 
gaben, um nach Neuyork zu reifen: Heute Nachmittags reifeten die 
Hbrigen alle vollends ab, ein jeder anfeinen Ort. 8 
Den ı6ten Maͤy als am Seft Der Himmelfahrt Chriſti ritten 
fir, Hr. Paſt. Brunnholz und ich, nach Germantown, wo ich predig- 
te. Nachmittags um vier Uhr ritten wir funfzehen Meilen weiter, 
Hr. Brunnholz aber wieder zurück nad) Philadelphia. = 
Den ızten Mläy Famen wir Vormittags in Herrn Mühlen: 
biras. Haufe aclichh 
Den ıgten Maͤy predigte ich in Neuprovidenzzz 
Den zöften Maͤy als am erſten Pfingſttage ritte ich früh nah 


> 


Neuhannover, predigtedafelbft einer groffen Verſamlung, undtauffle 


in der Kirche ſechs Kinder. _ Gegen Abend unterwegeng hattedag fie- 
bente Kind zu taufen. MI IER CM RT HR EHEN. 
Den 27ften Maͤp taufte ich in Neuprovidentz zwey Kinder und 
predigte, nach der Predigt aber verlag ich den von meinem Herrn 
Collegen Mühlenberg aufgefesten Beruf und Inſtruction, famt dem 
Mevers des neuen Schulmeifters, und erinnerte das Noͤthigſte dabey 
Nach dem Goftesdienfte brachte mit Den ftehen a 
| Bo gliedern 


— 
F 


u 
7 


aa en paſt · Sandſchuchs Togeregifker 1751, 1035 


gliedern des Schulmeiſters Beruf vollends zu ſtande ¶ überreichte dem 
euen Schulmeifter Die Bocation, mit beygefügtem Wunſch und Er⸗ 
2,2: NR ES in an in | an 

00. Denasften Maͤy ritte früh mit einem Manne nach der Schulkill, 
am eine Meile jenſeit dieſes Fluſſes einer Fleinen Gemeine des Herrn 


Naſt. Mühlenbergs zu predigen. » Allein wir fanden diefen Fluß von 


dem ſtarken Regen fo hoch angewachſen, daß es unmöglich war , ohne 
augenfcheinliche Lebensgefahr Durchzureiten. - Daher riften wir lange 


nach einem Kahne herum , Tonten aber Feinen antreffen,, mithin war ges 


nöthigef, unverrichteter Sache zurück gu Eehren, nachdem wir bey vier 
Stunden im Selbe herum geritten waren... 

Den ꝛ⸗oſten Maͤy rite ich früh von Meuprosideng wieder weg, 
kam gegen Abend in Germantown glüsflich an, und. zog den folgenden 
Tag in meine daſelbſt gemietete Wohnung. Indem ich der hiefigen 
Gemeine, Die bisher von dem Heren Paſt. Brunnholz von Philadelphia 


gus als ein Filial beſorget worden, als ihr. Prediger infonderheit vor- 
| in doch in folcher Verbindung mit Philadelphia daß Herr 


aft. Brunnhoig zuweilen an einem Sonntage mit mir umwechfein und 
hier in Ger mantown, ich aber denfelben Sonntag in Philadelphia den 
‚Sottesdienft verfehen werde. (*) 7, 
Den ꝛten Jun. taufte ich in Germantown Vormittags zwey Kin 
Ir ee predigte Machmittags hielt Catechismuspredigt und Kin⸗ 
a 3 RR RR wu er 64 
Den gten Jun. Am ıften Sonnfage nady Trinit tittefrühnach 
Philadelphia, too Vormittags predigt, und deachmittags mit einer 
zahlreichen fehon ziemlich wohl unterrichteten Jugend Kinderlehre hielt, 


„weil Herr Paſtor Brunnholg heute den Bottesdienft hier in German- 
town verſiehet. Abends nach fieben Uhr war twieder zu Haufe: 


Den 12ten un. befuchte die Schulen, deren zwey hier gehal- 
‚ten werden, Die aber. nicht von Der Gemeine Dependiren ı fondern dag 


Schulhalten für ſich felbft angefangen haben. | 


Den ı6ten Jun. am andern Sonntage nach Trinit tauffe Bor: 


mittags drey Kinder in Germantown, predigte und hielt Na mittags 
wieder eine Catechismuspredigt und Kinderlehre. | 


Den ıgten Jun. frhh mufle vier Meilen von hier eine Leiche ab- 
‚holen, deren Leichengefolge aus lauter Englifchen von allerhand Secten 
beſtand· Ich hielt eine teutſche Leichenpredigt und den Engiifchen zur 


ER Bias !alliın: Erbau⸗ 
Siehe bie fünfte Fortſetzung S. zoz unſ. 






536 Siebente gortſetgung der Nachricht aus Penſylvanien. 
Erbauung eine kutze Vermahnung 
konte. ——⏑ RIO AR N 


aug, einige Leute aus bei Gemeine zu 


ependiren. DA 


feine Beute tanügen an, 
hatte auch mit allerhand Sectenleuten , Die Lutheriſche Servants oder 


ir De 
— — 





eit meines Hierſeyns als inſonderheit die vier letzten Tage mancher ⸗ 
Klee und Dienfifertigkeis erwieſen; welches GOtt aus — 


2 0 lb en. Paſt. Handſchuchs Tageregifter sn: 4: 
teeichlich vergelten, mir aber viele Treue und Kraft ſchenken tolle , da- 
> für defto eiftiger und unparteiifcher an ihren Seelen zu arbeiten. 
Den zten ul. predigte ich Vormittags in Germantomn;, und - 
copulirte nach den; Gottesdienſt in der Kirche ein Paar in Englifcher 
Sprache." Nachmittags war Kinderlehre , dazu fich viele Alte und 
Junge von allerhand Arten Leuten einfande.. 
Den ızten Jul. ritte ih nach Provideng zu Heren Pal. Muͤh⸗ 
Ienbergs Haufe, um in defien Abtvefenheit, da er in Neuyork iſt, den 
morgenden Gottesdienſt daſelbſt zwverfehen. - © 
Den ızten Jul. Am 6ften Sonntage nad) Trinit. predigte da⸗ 
felbft und hielt Kinderlehre. So bald ein wenig gegeffen hatte, mache 
te — meinen Ruͤckweg, und kam Abends gluͤcklich wieder nach 
> Den ısten Jul. war der Helfer Herr Rauß lange bey mir, mit 
welchem wegen der Umſtaͤnde der ihm zum Verſuch anverfrauten Ge⸗ 
meinen redete, und ihn weiter zu dem Herrn Paſt. Brunnholz nach 
- Philadelphia beſchied weil mir eines und das andere noch unbekannt 
war. j Dina ner AR RENLSTTRREN ! — 


Den isten Jul. kam er wieder zurück: Der Herr Paſt Brunn 
holz hatte ihn auch in feinem Anſuchen befriediget, und was er von ihm 
zur weitern Inſtruction erhalten, las ich durch, und ſetzte auf Begeh⸗ 
ren des Herrn Pal, Brunnholzens das meinige auch hinzu. Der 
a an redlich. Ich mache mir gute Hoffnung 
N PD LEE — 
0 Den arften Jul. Nachdem ich am verwichenen Sonntage hier 
. in Germantomn den Gottesdienft verſehen, und die Woche zum Bez - 
ſuch der Eranfen und gefunden Glieder der Gemeine angemendet , ritte 
ic) heute roiederum nach Provideng, wo Abends nach Sonnenunter- 
sang anfam. u TE CH SE SER REN EHE 
Den agften Jul taufte ich daſelbſt in der Kirche drey Kinder, 
‚beren zwey ganz Catholiſche Eltern hatten. Darauf predigteeiner grof- 
fen Berfamlung. Mach der Predigt hielt mit der Jugend eine Kin 
derlehre. | AH, 
a 5 Den 20ften Jul. ritte nad) dem Frühflück über die Schulkill 
bey nahe ſechs Meilen von Herrn Mübhlenbergs Haufe, mo in einem 
neugebauten Schulhauſe predigte. Die Leute bezaigten ein Verlangen, 
wenigſtens alle vier Wochen einmal an einem Sonntage eine Predigt 
zu haben, weil die Woche über die wenigſten zur Anhörung der Predigt 
VII. Penfyiv. Sortf. 8 Aa aa und 


de im Schulhaufe an. 


ss: Siebente Sortfegungder Nachricht aus Penfylosien. J 
und zum Gottesdienſt kommen xoͤnten, mit. der Bitte es dey dem 


und e | 
Heren Part. Mühlenberg dahin zu bringen, daß ihr Verlangen erfül- 


et werden möchte. Auf dem Ruͤckwege hatte ſtarken Megen , welcher 
mich nöthigte, in einige auf dem Wege gelegene mir unbefante Häufer 
einzutreten , in Deren letztern ich gute Gelegenheit fand , mit ein paar 
Jutherifchen Weibern ein erbauliches Gefprach zu führen. > 

* Den zoften Jul. früh vitte ih mit Sonnenaufgang von Pro-- 
videntz wieder nach Haufe. RE IH ua RR NATURE ee { 

- Den ıften Uug. Abends befuchten mich zwey erwachſene Maͤd⸗ 
gens, deren eine bisheroeine Quackerin geweſen; Die andere aber zuden 
Tunkern fich gehalten hat , beyde aber eine Neigung zu unferer Lehre 
und Kirche bejeigten, und von: mir unterwieſen ſeyn wolten. Siebliee - 
ben beyde zur Abendbetfiunde da. AR BEN; 


Den aten Aug. Mittags kam Herr Paſtor Brunnhohz hier an, - 


und ritte gegen vier Uhr weiter nach Provideng , um daſelbſt für den 
abmwefenden Heren Paſtor Mühlenberg den Gottesdienft Fünftigen 
Sonntag zu verſehe... Sa ond al ans 
Den sten Aug. am neunten Sonntage nach Trinit. Nach ges 
habten verfchiedenen Zuſpruch ging ich zur Kirche , : taufte Drey Kinder, 
predigte einer groſſen Derfamlung , und mufte nach der Predigt noch 
zwey zu fpäte gebrachte Rinder taufen. ° Nachmittags hielt Kinderich- 
re, wozu fich ie länger ie mehr Alte und Zunge einfinden , und fich ſo 
fein anlaflen, daß mich darüber freuen muß. : Des Abends fanden ſich 
ey der Betſtunde nicht nur Die obgedachte Quackerin und Tunkerin, 
fondern auch noch zwo andere Perfonen von dergleichen Art mit ein, 
Wie fich denn die Anzahl derer , die zu diefer Abendbetfiunde fich eins 
finden, auch täglich vermehret. - MT: 
Den uten Aug. Am zehenten Sonntage nad) Zrinit. Vormit⸗ 
tags predigte einer aufferordentlich groffen Menge Volks. Nach dem 


Gottesdienſt copulirte ein Paar und taufte ein zu fPätegebrachtes Kind, * 


Nachmittags hielte Kinderlehre, und Abends um fünf Uhr Bet · und 
— in meiner Wohnung, worzu ſich allerhand Leu⸗ 
te einfanden. — | 
Den ı7ten Aug. ritte ich nach Neuhannoser zu. Unterwegens 
hatte bey ſieben Meilen eines angeſehenen Mennoniſten und ſeiner Kindee 
Geſellſchaft, an deren Seelen ich zu arbeiten ſuchte. Abends Fam mů⸗ 


Ar * 





— 


el Den ıgten Aug. Am eilften Sonntage nad) Trinit. predigte in 
Neuhannover mlung und 

"ne Kind (ehr Nach dem Gortesdienfte wurde von des gefauften 
Sins Ci gebeten, mit ihnen zu effen. Welches denn auch that, 
und mit den Anweſenden ein erbauliches Geſpraͤch zu führen Gelegenheit 


fand. Abends um fehs Uhr Fam in der Frau Mühlenbergin Haufe 
gu Provideng glücklich an ‚ befuchte aber noch eine alte, ſchwaͤchliche 


und Chriſtliche Frau. Eine halbe Meile davon redete ich die noch 
übrige Zeit meifteng mit dem neuen Schulmeifter. 


Den ısten Aug. vitte früh von Provideng wieder weg, beſuchte 


untertvegeng an der Steaffe eine fehr Eranke Perfon, und Fam Nachmit» 
tags glücklich wieder nah Hufe. 

Den ꝛzſten Aug. Vormittags Fam der Herr Pafl. Brunnhoß, 
mit welchem conferivte,, und Darauf gingen wir mit einigen Vorſtehern 
« und Aelteften in die Kirche, den neuen Altar fegen zu laſſen, und andere 


Auffere Dinge Anguordnen, damit alles übrige, was noch in der Kirche 


fehlet , in völligen Stand gefegt werde. 


Den zoften Aug. Mittags erhiete,Die Nachricht, daß der Herr. 


Daft. Muͤhlenberg von Neuyork in Philadelphia wieder angekommen, 
und ſchon geſtern in aller Eil nach Providentz geritten ſey. GOtt lob! 
Daß er wieder da iſt Denn weder Herr Brunnholz noch ich hätten 
Win der Länge, am mwenigiten im Herbfte und Winter, ausftehen Finnen, 
‚ feine Gemeinen mitzu verfehen. Auch iſt bey feinen Gemeinen ein unge⸗ 
‚mein ſtarkes Nerlangen , ihn wieder zu ſehen und zuhören, gemefen, 
Den ıften Sept. Am ızten Sonntage nad) Trinit. Vormittags 
taufte ein Kind und predigte. Nachmittags holete eine Leiche andert= 
halb’ Meilen von bier ab, und hielt eine Leichenpredigt vor vielen An- 
weſenden, fing auch an , die Kinder paarmeife mit zur Leiche gehen zu 
laſſen. Abends um fünflihr hielte Bet-und Wiederholungsſtunde, 
‚wozu fich noch weit mehrere als zuvor einfanden. Der HErr laffe doch 
alle Arbeit an den Seelen geſegnet ſeyn. Dieſe ganze Woche melde- 
ten fich die Leute bey mir. zum heiligen Abendmahl an. = 
“Den sten Sept. Nachmittags hielt in meiner Wohnung dieges 
woͤhnliche Bet⸗ und Frbauungsftunde, worzu ſich des Regens unge⸗ 
achtet allerhand Leute eingeſteliet hatteen. 
Den ten Sept. meldeten ſich den ganzen Vormittag bis um ein 
‚be noch) Leute zum heiligen Abendmahlan. Darauf hielt Die Vor⸗ 
bereitungspredigt, Buß> und Beichtandacht. —— 
TEN Aaag⸗ - Des 


X 


TE Zen Paſt. Zandſchuchs Tageregiſter 171 ” 546 


offen Verſamlung, taufte einKind, und hieltei= _ 


f 


w Shane Sri agder bie 


Den gten-Sept. — iu * — diegeflein 
urn kommen Eonten , daher ich noch mit. etlichen zwanzig Buß und 
Beichtandacht in der Kirche hielt, Darauf ein Kind taufte, einer unge- 
mein groffen Menge Volks, die alle ſehr und auſmerkſom waren 
predigte, und hernach neunzig Communicanten das heilige Abendmahl 
austheilete. Wegen der ſchon verfloffenen Zeit fahe mich ‚genöthigeb, 








‚die Kinderlehre heute auszufegen, und an deren flatt die Bet-und Wie⸗ 


ran as in meiner Wohnung um vier Uhr — wor⸗ 
zu ſich meht als iemals einfanden, und nicht unbewegt ſch ienen 
Den iꝛten Sept. Vormittags befand mich ſchwach und: b Fran, 


_ mufle aber Dem ohngeachtet, wo Feichen zur Erde beflatter hen un in 


predigen, welches ich aber vor Mattigkeit Faum-verrichten onte 
wieder nach Haufe kam, ward ploͤtzlich noch kraͤnker, und lag eine Stun: 


— — — 


de lang ganz our — felber, fo daß meine Frau vor — 


Vorſteher vufen: lief. N 
Den aAaten Sept. befa nd, ‚mich beffer 8* wurde von einigen aus 
Philladelhi⸗ a befucht, und befamdie Ba » daß fich.der 


Herr Paſt. Brunnholz auch, tieber beffer befinde. In den Mittags: 


ftunden ging ich einige Meilen von hier aus, einen Kranken zu befuchen, 


den ſchon etliche mal befucht hatte: Unterwegens i in ‚Sermantown. be⸗ 


ſuchte auch einen Kranken ehedem geweſenen Zinzendoͤrfer ‚dem mein 
Beſuch fehr lieb zu feyn Auf dem Lande fand ich unfer krankes 
Gemeinsglied ein wenig beſſer, und wie bey der Unterredung mit ihm 
einige Faͤhigkeit des Herzens zur Gnade verſpuͤrete, ſiellete eine noch 


weitere Prüfung an, abſolvirte ihn und reichte ihm Das heilige Abend: 


mahl, worauf er in feinem Herzen recht ruhig und zufrieden wurde Auf 
dem Ruͤckwege durch Germantomm wurde mir Selegenheit: gegeben, 
einen Tumpler, (*) der fehon lange Eranf gelegen, zu befuchen,, "mel: 
chen auf die ernfiliche Prüfung feiner felbft und auf die freye Gnade 
Gottes in Chriſto, dem allgemteinen Heilande der Welt, führete — und 

mit Gebet beſchloß. 
Den ısten Sept predigte Vormittag i in noch sienlicher Mat- 


tigkeit, fegte Die Kinderlehre diefen Nachmittag meiner Schwachlich- 


keit wegen aus, und hielt Dagegen die ‘Bet und —— 
in meiner Wohnung ne —* | 


€) So nennet ſich eine gewiſſe Secte der Wiedertaͤufer hieſclbſt. 


Den 


 mimlszen Paſt · Sandſchuche Tageregifker ızsn. > 54 
Den aten Sept. befuchte obige-Rranke, fo wol den Mann aus 
unſerer Gemeine als auch den Tumpler und geweſenen Zingendörfer, 
die alle ſehr vergnůgt über meinen Zufpruch waren. % 
wegens-befuchte-unfer krankes Gemeinsglied , ſo der Seelennad) 

ein,'dem Leibe nach aber fehr elend antraff. Den Herrn Paſt. 

Den zten Oct. Bis hierhin ift in meiner Gemeine auffer den 
‚ordentlichen Amtsverrichtungen nichts merkwuͤrdiges vorgefallen. - Am 





ar ‚ Den.isten Sept. ritte bey ſchoͤnem Wetter n 6. Philadelphia. 
nnholz fand-auch noch ſchwach und Eränklich. 


a 
Bru | 


.2sflen Sept. aber: bin ich nach Provideng zu Dem Herrn Paſtor Müh- 


lenberg geritten, wo auch. Herr Kurz aus Tulpeholen angefommen, 
Herr Paſtor Brunnholz aber, wegen zugeſtoſſener Krankheit, nicht 
eintreffen koͤnnen. Dieſe Tage über brachte ich mit. dem Herrn Paſtor 
Muͤhlenberg in nöthiger Berathfehlagung über die Umſtaͤnde unferer 


Gemeinen die;Zeit mit Vergnuͤgen zu. Heute frühe ritte ich teieder 


zuruck. Unterwegens bekam ich Nachricht von: Philadelphia, daß in 
einem aus Europa eingelaufenen Briefe gemeldet worden, wie zween 
neue Mitarbeiter anhero auf der Reiſe begriffen waͤren. Daher von 
mir verlangt wurde, wieder zuruͤck nach Providentz zu reiten, um mit 
dem Herrn Paſt Muͤhlenberg deswegen zu conferiren. Es war mir 
‚aber ſolches unmoͤglich, weil ich verſprochen hatte, einigen Leuten un⸗ 
terwegens an einem Orte drey Meilen im ARalde yon megen ihrer allzu⸗ 
groſſen Entfernung von: Germantown und. der Frauen Schwaͤchlichkeit 
"das heilige Abendmahl zu reichen‘, und ihr ſchwaches Kind zu taufen. 
Der Mann ift ein Zeutfcher und nennet fid) einen Doctor. Ich tauf⸗ 
«te denn ihr Kind’, hielt mit diefem Paar Eheleuten eine Prüfung, 
Beichtandacht/ und nach verrichtetem ‚Gebet gab ihnen das heilige 
‚Abendmahl , welches nicht ohne Erbauungabging. “Abends kam gluͤck⸗ 
lich mwieder nad) Haufe, * 
Den ıoten Oct hielten wir in Gegenwart des Herrn Paſtor 
Brunnholz, der geſtern hier angekommen, Kirchenrath, wozu aber, 
des ſtarken Regens wegen, die allerwenigſten kamen. Doch wurd 
die Kirchenrechnung abgeleget, und verſchiedenes verabredet. 
Den z2ften Get. mufte anderthalb Meilen von hier eine neuan⸗ 
gekommene Franke Frau befuchen, die in Zeutfehland eine Aufferliche 
ehrbare Frau geweſen zu feyn ſcheinet Auf dem Ruͤckwege wurde von 
einem Manne geſucht, in deſſen Hauſe geſtern eine ebenfals neuange⸗ 
kommene Frau geſtorben war, deren Leiche ich beywohnen und eine 
2Aaaqa3 Leichen⸗ 





pie Siebente Fortſexung det Miechricht aus Panfploanien 


Leichenbredigt haften ſolte "Sen deichenhauſe wat ein ſehr leichtſinni· 
ger Mann, der immer anfing, ſich frech gegen mich zu bew en. 3o > 
ei— 


that aber, als wenn ich nichts merkte, und redete inzwiſchen mit 
nigen andern deuten nach Nothdurft, Nach den Gebet noch vor dem 


Haufe wurde diefer freche Mann ganz ſtille ind wie vor den Kopf ge 


ſchlagen. Auch war er in der Keichenpredigt ſowol als das übrige 
Volk ganz flille und aufmerffam. Nach diefer Arbeit hielte Hr. Pa⸗ 
ge Brunnholg und ich, mit den gegenwärtigen Kirchenälteften und 
Vorſtehern Kirchenrath. Sie wünfchten insgefamt, daß ein eigenes 


Pfarrhaus gebauet werden möchte, damit die arme Gemeine bey ih: 


rer groffen Armuth nicht alle Jahre ſo viel Hauszinſe geben dürfte. 
Auch wurde immittelſt ein anderes unſerer Kirche viel 'naheres und 
weit vortheilhafteres Haus mit Garten und einer Eleinen Wieſe für 
viersehen Pfund hiefigen Geldes auf ein Jahr für den Pfarrer gemietet, 
Den 27ften Oẽt. amein und zwantzigſten Sonntage nach Trinit. 
Geſtern wandelte mich bey einer Leichenpredigt, weil ich ſehr weit in 
ſtarkem Winde gehen muͤſſen, eine Unpaͤßlichkeit an, und dieſe ganze 


Nacht hindurch hatte ich Ohnmachten, daher nicht meinte aufſte⸗ 





—— 


ben vieiweniger mein Amt heute verrichten zu koͤnnen. Es kamen 


aber verſchiedene Leute und ſagten mir, daß ſo eine unbeſchreibliche 
Menge Volks von allerhand Arten nach der Kirche zuginge und ritte, 
und es vermuthlich groffe Unruhe fegen würde, wenn’ Fein Pfarrerfä- 
me und predigte. " Deswegen machte mich auf, ging in meiner groſ⸗ 
fen Kraftlofigkeit nach der Kirche, und fand eine aufferordentlich groffe 
- Menge Volks daſelbſt. Ich verrichtete denn mein Amt, und predig- 
te, fo gut ich nur Eönte. " GOtt der HErr muß das groffe Volk in 
Gnaden angefehen und mir deswegen Die allernothduͤrftigſten Kräfte 
gegeben haben. Was auch gefchehen und geredet worden, habe mir 
im geringften nicht, fondern allein der befondern Gnade und: Bey: 
fand GOttes zuzufchreiben. Mach der Predigt taufte zwey Kinder 
und im Haufe das dritte, Ss Vie WR ee 
Den ıflen Nov. wurde gu einem Kranken gerufen , ihm das 
heilige Abendmahlzu geben. Ich fand denfelben am Leibe fehr ſchwach, 


“in Anfehung feiner Seelen aber Eonte nicht ohne Grund einige Her- 


zensbußfertigkeit vermuthen, tie er. denn auch dag heilige Abendmahl 
nicht ohne Gemuͤthbewegung empfing, Darauf befuchte alle übrige 
Kranke SE & 
| — ‚Den 


EN ei Ben. Paſt Handſchuchs Tageregiſter 17:1; Ze. 


Den sten Nov.predigte Vormittags. Gleich nach Tiſche reich⸗ 
te einem jungen kranken Menſchen Das heilige Abendmahl. Es ging 
weder bey dem Kranken, noch bey ung andern ohne herzliche Erbau⸗ 
- ungab. So bald ich twieder nach Haufe kam, hielte mit den Anz 
weſenden Bet⸗ und Wiederholungsftunde.: Te 
Den ioten MNov. am drey und zwantzigſten Sonntagenad) Tri⸗ 
nit. predigte Vormittags, und hielt Nachmittags Betzund Wieder: 
bölungsftunden nicht ohne eigene und der Zuhörer Bewegung. An 
den Neuankommenden aus Teutſchland fand fehr viel zu firafen. Zur 
Betſtunde Fam auch eine gewefene Siebentägerin, Die mit ihren Kin: 
dern eine geoffe Neigung zu uns und unfrer Lehre hezeigte. Sie blieb 
nach der Stunde noch einige Zeit bey mir, und eroͤfnete mir, mie fie 
und ihr Mann, ein Mennonifte, es gerne ſaͤhen, wenn ich ihre ſchon 
erwachſene Kinder in Unterricht nahme. — 
Sen nten MNov befuchfe unter andern einen Separatiſten, ber 
ehedem reformirt geweſen, und ſich nachhero zu den Tumplern gehal⸗ 
ten. hat. Dieſer Mann bezeuget mit vieler Dankbarkeit, wie ange: 
nehm und tröftlich ihm mein Beſuch fey, und wie er ſchon einigemaf 
mit ſeiner Frau davon geredet habe, Daß ſie ſich und ihre Kindervon 
mir taufen laſſen moͤchte. Bon dem Herrn Paſt. Muͤhlenberg wur: 
de durch einen Brief erſuchet, fuͤr ihn in dieſer Woche in einer Re— 
bengemeine zu predigen und das heilige Abendmahl gu halten. 
Den ızten Nov. copulirte Bormittags ein Paar, und: bald 
darauf ritte nach Providentz, wo ich den Herrn Mühlenberg und fei 

ne Familie ziemlich wohl antrafl., nn 
0. Denszten Nov ritte früh in Geſellſchaft eines Wegweiſers 
nach Indienfield, wo Mittags bey dem Heren Rauß ankam. Nach 
gehabter nöthigfter Unterredurg mit ihm und einigen feiner Kirchenal⸗ 
. teften vitten wir beyde nach Tohecka einen fehr fchlimmen eg, und 
kamen Abends um acht Uhr auf dem Plage an, wo Gottesdienftund 
Amt folte gehalten werden. Abends conferirfen: wir noch mit den 
ziveen Kirchenälteften Diefer Fleinen Gemeine, die fich von dem Pfarrer 
Andres loßgemacht, und zu ung hält. Weil ſie eine Meile von die: 
fen Plage ein neues Schulhaus zu bauen angefangen, fo wolten fie 
den Gottesdienft und Das heilige Abendmaht gerne darinnen gehalten 
haben. Weil es aber die ganze Nacht Durch geregnet und noch immer 
fort regnete, das Schulhaus aber erſt halb gedeckt war, fo muſte man 
m dem Daufe des sinen Aelteſten Kirche halten, Zuerft conferirtemit 
— den 





9V 


— 


nen ‚und darauf fingen wir den Gottesdienſt an. Ich hielte die Vor⸗ 


bereitung, Buß: und Beichtandacht, und Herrn Rauß ließ eine kur⸗ 


ze Predigt thun, weil ihn zu hoͤren noch keine Gelegenheit gehabt 


4 Aleg 
darauf conſecrirte und theilte das heilige Abendmahl vier und dreiſſig | 


Eommunicanten aus. Nach gefprochenem Segen und gefungenen: 
Versgen ftellete ich zuerſt zween neuerwaͤhlte Vorſteher mit Vorhal⸗ 
tung der ihnen obliegenden Pflichten der Gemeine vor, und hernach 
drey neuerwaͤhlte Kirchenaͤlteſte, ſegnete ſie ein, und gab einem ieden 


— 
* 


bishero in einiger Uneinigkeit gelebet, ließ fie ſich mit einander verſoͤh⸗ 





J rs * * 
Es a ee ee ee 


feine Section.» Wie der Tag unter aller diefer Arbeit meiftens verflofe | 


fen war, fo muften mir noch diefe Nacht daibleiben. Jedoch gingen: 
wir noch mit den Aclteften hin, das neue Schulhaus zu beſehen. Es 


fieget freylich an einem milden Plage, doch hoffen die Leute, esmerde 


in einigen Jahren bald beffer da herum ausſehen, wenn fie nur von 
ihren gottlofen Nachbarn Ruhe und Friede haͤten. 
Den ısten Nov. haͤtte e8 Herr Nauß gar zu gerne gefehen, 
wenn dem angefesten Kirchenvath der Indienfielder und Goſchehop⸗ 
per hätte beymohnen Fünnen. Allein weil es ſchon Sreytag war, und 


ich meine eigene Gemeine nicht verfäumen durfte, ſo riß mich mit Ge⸗ 


malt Davon los, und verfprach ‚an deflen flatt an die Gemeinen ſowol 


als auch an den Herrn Paftor Mühlenberg das nöthige zu ſchreiben. 


Ein Aeltefter begleitete ung, bis Herr Kauf feinen Rückweg nad) 
Haufe fand, und ich aufdie gerade Straffe, dienach Germantown fuͤh⸗ 
vet, fam. Abends fam GOtt Lob! glücklich) nach Haufe, nachdem, 


2 von acht Uhr an vier und dreiffig Meilen geritten.hatte. — 


Den ı7ten Nov. am vier und zwantzigſten Sonntage nad) Tri⸗ | 


nit. predigte Vormittags: einer ungemein groffen Menge Volkes 


Mad) dem Gottesdienfte meldeten fich viel Leute,die weit abmohnen, 
zum beiligen Abendmahl an. Um drey Uhr Nachmittags hielte Betz 
and Wiederhelungsftunde in meiner Wohnung.. 
Den ısten Nov. früh wurde bald von verfchiedenen Leuten be- 

fucht, unter melchen ich den Segen des gepredigten Wortes an einis 
gen, auch ſo gar aus den Secten, in Erfahrung brachte. Der. 
HErr mache mich Doch immer treuer, unfadelhafter.und freudigerin 
meinem Amte und ganzen Wandel, Amen!‘ Die folgenden. Tage 
meldeten fich verfchiedene Leute zum heiligen Abendmahl an. 


— 
— 


Den ſten Nov kamen zween Aelteſte von Indienfield/ mie 





Den Iſten Nop kam nach vielem Woenen und bey gehabtem 


he: Ueberläufe von Peufen der Hrn. Paſt Brunnholz aus Philadelphia hier 
an, welcher mit mir und den Kae Kirchenalteften und Vorſtehern 


ſſere 


mit anordnete 


Dinge in der der Kirche wegen 


3— BE ee re e or 
Den 24ften LIov, Sonntags weil ic) mich, erkälfet und davon 


15 ſchwach geworden, daß ich nicht Hach Philadelphia reiten und den 
Dafigen Gottesdienſt, tie abgeredet mar, verfehen Eonte; fo muften . 
wir einen Boten dahin ſchicken und beftellen, Daß eine Predigt vorge: 
leſen würde, Herr Bruunholz aber predigfe hier, und taufte drey Kin: 
er und nach geendigtem Gottesdienſt redete er mit der, Öemeine, we 
mete, Daß es ganz ordentlich und flille zugegangen fen. 
Den >sften LTov, fing ich. an, meine Bücher einzupacken, um 
Morgen aus unferet Wohnung in Das andereunlängfk gemietete.Daus 
au sieben ‚ kaufteauch,ein Kind neuangefommener Leufe, und befnchte 
inen Eranfen jungen. Menſchen ganz unten in Sermiantewn.. 


gen der geftern im Kirchentath Serabredeten Püncte, wobep er růh⸗ 


„Den 26ften Nop.begog die gemietete neue Wohnung, die um 
die Haͤlfte naͤher zur Kirche lieget, und ein bequemes Haus mit einem 
EDſeeee DR DR 


ter, die einen befanten Siebentäger zum Manne hat, fich bepde zum 
Abendmaht anzumelden. Nach vorhergegangener Prüfung ihres 
Sinnes und gegebenem Unterricht nahm fie darzu an, weil fie bereifg 


in Zeutfchland gegangen waren, und fich ein Eleines Fuͤnkgen einee 


Gottesfurcht bey ihnen befand. Bey Diefer Gelegenheit hoͤrete zur 


Beſchaͤmung meines noch ungläubigen Herzens abermals einigen Se: 


‚gen Des Worts und Amts, fo ich an den Seelen führe: Der HErr 
aunfer GOtt laffe nur etwas Daraus werden zur Ehre feines Namens, 


zur Ausbreitung feines Reichs, und zur Zerflörung des vermirten 


Sertenmefens in diefer Gegend, Gegen Abend Famen noch einige 
Zeute, Die fich zum heiligen Abendmahl anmeldeten, darunter eine Per⸗ 
NIL Penfylo. Sorte Bbbb ſon 


546 Siebente Lortſegung der Nachricht aus Penfylvanien. 
on war, die ſich ſehr fein bezeigte, und etwas gutes vorgab. GOtt 
aſſe alles Wahrheit geweſen en. 
Den zoſten Nov. meldeten ſich noch viele Leute zum heiligen 
Abendmahl an, und nach zwoͤlf Uhr hielte die Vorbereitungspredigt. 
Noch vor der Buß⸗ und Beichtandacht erwehnete ich zweyer Perſonen 
mit verſchwiegenen Namen, einer weger —— 
der andern wegen des herumgehenden oͤffentlichen Geruͤchts. Es 
ſchien nicht ohne Segen und Eindruck zu enn. 
Den ıften Dec. kamen noch viele zum Anmelden, und ich muſie 
noch einmal Yuß-und Beichtandacht halten. ‚Darauf N e, 
und theilete nach der Predigt hundert und zwantzig Perfonen Das hei⸗ 


a. 
vi, 









fige Abendmahl aus; welches alles von zehen Uhr.bie bald drey ü * 
daurete. Der Herr fege Doch einen Segen auf dieſe Arbeit, — 


Den ten Dec. gegen neun Uhr ging ich bey drey Meilen, einige 
Kranke zu befuchen , deren einer ein Zumpler gewefen, und durch 
meinen fleiffigen Befuch eine Neigung zu uns bekommen, und feine 
noch ungetaufte Stau und fchon ertwachfene Kinder vieleicht noch bes 
wegen möchte, fich von mir unterrichten und taufen zu faflen. 

Den sten Dec. bekam einen Brief von dem Hrn. Paſt. Brunn⸗ 
holz, worinnen mir von ihm die Ankunft zweyer neuen Mitarbeiter -. 
berichtet ward, mit der Bitte, 100 es Amtsgefchäfte und Gefundheit 
zulieffen, diefen Nachmittag noch nad) 5 zu kommen, die 
nenangefommenen lieben Brüder zu fehen und die mitgeſchickten Brie 
fe zu leſen. Ich ritte demnach um drey Uhr fort nach Philadelphia, 
und fand dafelbft Heren Paſt. Brunnhoßz ‚unddie neuangefommenen 

Sieben Brüder in der Kirche bey einer Eleinen Feiche, und freuete mich 
fie zu fehen, noch mehr aber aus dem Unigang einen lautern Sinn 
“an ihnen zu bemerken. Im Haufe twaren wir befehäftiget, unſere 
Briefe durchzuleſen, auch, fo viel ſichs thun ließ, mitieinander über 
die fünftige Einrichtung zum voraus einwenig zu conferiten und ang 
über göttliche Vorſorge für unfere Americanifche Kirche forwol, als 
auch über Die Weisheit und Liebe unferer theurefien Sönner in Europa 
herzlich zu. erfreuen. : | male ee 
Den sten Dec. gegen drey Uhr ritte wieder fort in: Begleitung 
eines neuangekommenen jungen Apotheckers der ſich hier niederges - 
laſſen hat und Lutheriſch ift, mit welchem auf dem Heimwege vieles 
zu feiner Seelen Heil redete. | * ' 
| son - 





. — 
"ar 


= ANGER Paſt Handſchuchs Tageregiſter a 


Den zten Dec Mittags brachte mir Herr Vigera den neuan⸗ 
© gekommenen Mitarbeiter Heren Heinzelmann anhero, mit welchem 
von den’ hiefigen Umfländen redet. RR IEH 

Den sten Dec, predigte Herr Heinzelmann und ich Diaconirte 
und faufte ein Kind. Das Volk war fehr aufmerkfam. Nachmit⸗ 
tags wurde Bet: und MWiederhölungsftunde in meiner Wohnung ge 
halten. Herr Heinzelmann twiederhofete feine Predigt und ich be: 
ſchloß mit Gebe. Ohngeachtet es fehr ſchlimmer Weg war, hatten 
ſich Doch nicht allein die ordentlich kommenden fondern auch noch eini⸗ 
ge andere, als Schmwenkfelder, junge Mennoniften und dergleichen: 
darbep eingefünden. Herrn Heinzelmanns Predigt und Wiederho⸗ 
lung aber fehien guten Beyfall und Eindruck zu finden. — 

Den gten Dec. gingen Herr Heinzelmann und ich drey bis vier 
Meilen von hier, einige Kranke zu befuchen. Der eine war der ſchon 

mehr, gemeldete geweſene Tumpler, der ſich zu feinem feligen Ende fein 
zubereitet. Den folgenden Tag begleitete ich den Herrn Heinzelmann 
wieder nach Philadelphiea. TE ROL.N 
Den ızten Dec. wurde abgehofef, vier Meilen von hier ein 
ſchwaches Kind gu taufen. Als weiter gehen wolte, die benachbarten 
Semeinsglieder zu befuchen, indem ich noch nicht in Diefe Gegend ges 
kommen war, kam ein Bote mit einem Pferde, und zeigte mir an, 
daß ich eilend nach Haufe Fommen folte, meil der Herr Paſt. Müh: 
lenberg angekommen fey. Ich eilete denn, fo ſtark ich fortfommen 
konte, und fand denfelben zu meinem gröften Vergnügen in meiner 
Weohnung das erftemal in Germantown. Nach gehabter nöthigfter 
Unterredung ritte er nach Philadelphia, beyde neuangefommene liebe 
Drbier su fehlen" 9 rn 300 17 Me 
Den sten Dec. nach) ein Uhr kam Herr Schufe alhier an, mit 
welchem noch dieſen Nachmittag unfern Franken Zumpfer befuchte. 
* Den ısten Dec. predigte Herr Schulze, und ic) taufte ein Kind 
eines geweſenen Preuſſiſchen Cüraffirers aus Wansleben gebürtig. 
Vachmittags wiederholete Herr Schulze feine Predigt und ich betete 
Die Anzahl der Anmefenden war Diefen Nachmittag etwas ftärker 
maBvenfich. 7 * ER 

Den ı6ten Dec. früh ritfe mit Herrn Schulzen nach Philadel: 

phia. Mittags Famen wir halb etfroven dafelbft an. EN 
Den ızten Dec, weil nothwendige und beftelte Amtsverrichtun- 
- gen in Germantown hafte, fo ritte nach gehen Uhr wieder nach Haufe, 
IRRE Se Bbbb 2 nad): 


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24 re —— 





habten vergnuͤgten bruͤderlichen Unterredungen, nahmen wir von eine ⸗ 
ander herzlichen Abſchied, und beyde liebe Bruͤder ritten bey ſehr bee 
tiger Kälte nach Provideng. —— Seren 


Den 22ften Dec. Vormittags predigte und taufte ein Kind, 


Heinzelmann. Nach der Predigt confecrirte ich und wir gingen bey: 
de felber zur Communion: Darauf gaben wir es ohngefaͤhr 


AAl rn Paſt. andſchuchs Tageregiſter 175. . sg 


Perſonen. Nachmittags wurde Bet-und Wiederholungsſtunde in 
meiner Wohnung gehalten, darzu ſich viele Leute von allerley Art ein⸗ 
gefunden: Nach derſelben ritte Herr Heinzelmann wieder nach Phi⸗ 
Indelphia dem Herrn Paſt. Brunnholz gun Huͤfe... 
den aöften Dec. Obſchon ſehr tiefer Schnee lag, der zu thauen 
angefangen, ſo kamen doch abermals ziemlich viel Leute zutr Kirche, 
denen ich Vormittags predigte und Nachmittags in meiner Wohnung 
die Bet:und Wiederholungsſtunde hielt. Die folgenden Tage befand 
mich in allen Gliedern ſehr ſchwach. Vermuthlich hats das bisheri⸗ 

ge feuchte Nebelwetter verurſachet. Den Abend und die Nacht vor 

dem neuen Jahre brach es zu einer wirklichen Krankheit aus, und 
muſte ich alſo das alte Jahr nach goͤttlichem Willen krank befchlieffen. 


en ıften Tan. muſte ich ebenfals krank und ohnmaͤchtig hin: 


FH bringen, Ich wurde auch von vielen Leuten befucht, mit wel⸗ 


fe? 


NE hen aber nichts reden Ponte. 


e Den 2ten Jan. befuchte mich ein ehemaliger Schwenkfelder, der 
aber feit geraumer Zeit unferer Kirche und Lehre siemlich geneigt wor: 
den, und fich mol noch mit Frau und Kindern völlig zu ung menden‘ 
möchte. Derſelbe brachte mir einen Gruß von dem mehr gemeldeten 
kranken Tumpler, den ich in feiner Krankheit fleiffig befucht und an 
‚feiner Seele nach der Weisheit, fo mir GOtt gegeben, gearbeitet 
hatte, mit-der inftändigen Bitte, ihn Doch noch einmal zu befuchen , 
er habe ein groſſes DBerlangen nad) mir, fey nun feinem Ende fehr 
nahe, und fehe Demfelben mit Vergnügen entgegen. Falls ich aber 
wegen eigener Krankheit heute nicht Fommen koͤnte, foließ er fich hier: 
durch für meinen fleiffigen Beſuch und Arbeit an feiner Seele herzlich 
bedanken, es waͤre ihm fehr gedeilich geweſen. Anbey ließ er mic) 
bitten, ich möchte ihm Doch auch noch dieſe Liebe thun, und feiner 
Leiche beywohnen und um der Lebenden willen eine Seichenpredigt hal: 
ten. Weil denn das erfiere heute wegen meiner Krankheit unmoͤg⸗ 
. Sich. war, fo verfprach nach gegebenem Testen Unterricht für dieſen 
 ferbenden Mann das letztere gerne noch zu thun, wenn es meine ei- 
gene Schwachheit und die heftige Kälte zulaffen wuͤrde. 
Den sten an, bekam bald die Nachricht, daß diefer Mann 
um Mitternacht fröfich und fanft eingefehlafen ſeh. GHDtt Fob! 
N Bbbb 3 manche 





x. Ph 
33 


go Siebente Fortſegung der Nachricht aus penifjlönnien. 





manche Spuren habe von Zeit zu Zeit bemerkt, wie ſeine Seel nach 9 
und nach durch De ift bußfertig, gläubig und 
einfältig worden, ſo Daß zuverlaͤſſig hoffe, ihn einmal mit zur Rech⸗ 


gekoftet, che er von feinen eigenen Dingen recht herunter gefommen ° 

if, und habe ich befonders vorfühtig mit ihm umgehen müflen. Zu 

ipeilen habe bey ihm mehr in der Stille gefeufset, als wielgeredet, 

ganzen Wahrheit gerade herans brach. Solches befchloß denn gleich 

mit einem Gebet und ’ging mieder fort, ohne mid) weiter für Diefes 

mal —5 RN einzulaffen, Dem HErrn das Gebeiennök _ 

lig überlaffend;, a ah 212 RA a ER A 
9 Den sten Jan, war von den bisherigen fchlaflofen Nähten 

noch ganz Eraftlos geblieben. Jedoch fo viel der Beſuch der Leute zur 

fieß, gedachte ein wenig an Die zu halfende Leichenpredigt. Nach ‘Sie 

ſche ging mit verſchiedenen zum Leichenhauſe, wo eine groſſe Meng 

Witwe und Anverwandten redete Das Noͤthigſte zu ihrer Erbauung 

und Unterricht. Nach Derfücffung einer Stunde, unter welcher 

noch einige kranke Neformirtein Der Nachbarfchaft befüchte, wurdedie 

Leiche mit einem ungemein groſſen Gefolge nach dem Kirchhofe getragen, 

Wir füngen, ich betete und hielt eine auf die Umſtaͤnde fich fchickende 

Feichenrede, und forderte alle Anweſende zur Buſſe und zum Glauben 

auf, Shngeachtet folches alles unter freyem Himmel gefehahe, und 

es fehr Ealt war, auch Die Leute meiftens im tiefen Schnee ftehen mu: 

fien, fo waren fie doch flille, aufmerkfam und ſo ehrerbietig , Daß auch 

verfchiedene alte Männer von den Secten,, ‚die fonft nicht leicht ihre 

runden Hüte abnehmen, mit entblöffeten Haͤuptern bis ganz zu Ende 

da ſtunden; worüber mich fehr vermundern mufle. 

Den sten Jan. am Sonntage nad) dem neuen Jahr predigre 
Vormittags, bielte Bet: und Wiederholungsflunde, und beſuchte 
hernach einen Eranfen Schulmeifter, ob ich ſchon felber noch fehr matt 
war. Abends Fam Herr Heinzelmann mir zur Huͤlfe. 

. Den 6ten Jan. diaconirte ic und Herr, Heinjelmann ptedigte, 
Nachmittags hielten wir Bet -und Wiederholungsſtunde, hoffendlich 
nicht ohne Segen an. den Seelen der Anmefenden von verſchiedenen 
Seen. Nach der Betflunde gingen wir beyde einen guten Weg 
su dem fehr Franken Schulmeifler , mit welchem ic) von Ken 
| | ; - Seelen: 


* 


\ 


ließ. 


hinaus 


4 


| shit, 13H. Paeſt· Handſchuchs Tageregiſter 175. > Ag 
Skelenzufiande weiter redete, ſo viel feine Hitze und Krankheit zu⸗ 
Den ten Jan. gingen wir gleich zum kranken Schulmeiſter 
‚ befuchten auch noch im Vorbeygehen einige Familien, deren 
eng ch gehalten, ſeit dem ich. aber hier 
bin/ ihte Kinder fleiſſig zur Kirche und Kinderlehre geſchicket hat. 
gehen Uhe kam der Herr Paſt Brunnholz mit Drey Aeteften 


aus Philadelphia alhier an, und wurdeein Kirchenrath in Gegenwart 


/ 


weiſter und Machmittags fi 


verſchiedener anderer Gemeinsglieder gehalten. Wir hatten Urſache, 
uns über einiger auch fonft armer Leute Willigkeit zu freuen ‚die zur 
Bezahlung unferer Kirchenſchulden etwas beytrugen. Abends-um 
fehs Uhr: Echrten Die. Philadelphier mit Herrn Brunnholz und -Hen, 
Heinelmann vieder aruc.. Da oe 720 
Den sten en. war ic) faft den. ganzen Sag aus, Kranke und 
andere Gemeinsglieder zu befuchen , und mic, nach ihrem Leben und 
J—— erkundigen. Abends noch ſehr ſpaͤte kam Herr Rauß 
REAL ae gt aan Ta u) Bar Mad: 
Den ʒten Jan. Vormit ass befuchte mitihemben Eranken Schuß 
DM ß ihn Die Kinderlehre mithalten ‚ feine 
Gabe im Eatechifiren ein menig kennen zu lernen. Ich hatte auch dies 
fesmat wieder ſchoͤne Gelegenheit, umftändlich mit Ihm zu reden. 
Den ten Jan. Abends Fam Herr Heinzelmann ‚mir ‚morgen 


> 


ger, . 


zu helfen, welches mir ſehr angenehm mar. - 


Den 1zten Jon, predigte Herr Heinzelmann, und ich diaconitz 
te und taufte.ein Kind. Nachmittags wurde Ber: und Erbauungs- 


- flunde gehalten. Nachhero gingen wir. zum Eranken Schulmeifter, 


10 wir mehrere Leute antraffen. Wir redeten beyde mit einander 
von feinem Seelenzuſtande, und thaten verſchiedene Fragen an ihn, 
deren Antwort wir mit dem Worte GOttes erläuterten..: Chriftoph 


Sauer ſchickte auch heute eine groſſe Bibel an mich, für-unfere Kir: 


the, welche. ein Hofrath in Frankfurt. am Maͤyn ihm bereits vor zmölf 


Jahren hereifigefandf hatte, ſie nebſt noch einer andern an zwo Kirchen 


imn Penſylvanien zu ſchenken. 


— 


Den ezzten Jan. Vormittags gingen wir beyde aus, einige krank 


gewordene und andere Gemeinsglieder zu beſuchen. Nachmittags von 


ein bis vier Uhr hielten wir Kinderlehre. Der HErr ſey gelobet auch 


fuͤr Herrn Heinzelmanns feine Gabe, mit Kindern umzugehen. Nach 
der Kinderlehre beſuchten wir noch den kranken Schulmeifter, 8 






ze auf einem gemietefen C 
zelmann und’ mich, zu einer Confer 


"Dessen Tan. een it 
ferirt, gebetet und geſungen In diefer Conferen 
Herrn Schulzen als Herrn Paſtor Muͤhlenbergs Diaebnus na 
hannover zu ſetzen; Herrn Heinzelmann aber in Philadelphia: 





Heren Paftor Brunnholz zu laſſen, ibm in’ feiner fehtweren Amtslaſt 
bey ſeiner Schwaͤchlichkeit zu helfen „und die Schule, was den halben - 


Züg betrift, anzunehnen 3 Neuyork aber und des 


‚de Neuy und des Herrn Park 
lenbergs Beruf dahm anbelangend "eg auf den Ausſpruch unſerer 
ei⸗ 


Gönner in Europa ankommen zu laſſen, und unterdeſſen der Gem 


neu Neuyorck den Vorſchlag zu thun, entweder Herrn Weygand 


pder Heren Hartwich, als welche der holländifehen Sprache fchon ek 
was Fundig find, bis auf weitere Verordnung anzunehmen. x 

Den ıöten Jen. fuhren wir beyzeiten wieder weg. Here Paſtor 
Muͤhlenberg und Herr Heinemann begleiteten uns wieder zurück, 


genoſſener Mahlzeit nahmen wir zärtlich von einander Abſchied, und 
Herr Heinzelmann ging mit Herrn Muͤhlenberg wieder zurück ‚um 
noch einige Tage bey ihm zu bleiben, "Dagegen Herr Schulze mit 


dem Heren Paſtor Bruntiköß und mir wieder nach Germantown 


und erftere beyde nach Philadelphia zuruͤck fuhren. 
Den ııten Jan. beſuchte ich Kranke, unter welchen der Schul⸗ 

meifter anfängt, fich als einen Sünder anzuklagen. 

Den ıgten Jan. gegen Mittag begrub ich ein Kind einer Engli⸗ 


ſchen armen Witte, welches aus Verwahrloſung feine Schweſtern 


halb verbrant worden war, und unter erflaunlichen Schmerzeninoch 
sehen Tagegelebet hatte. Weil lauter Teutſche und auch viele Serten 
zugegen waren, fü betee ic) teutf) im Haufe, und verrichtete auf 
dem Kirchhofe ebenfals: alles in teutfcher Sprache. Die Leichener: 
mahnung fehien nicht ganz fruchtlos abzugehen. Nachmittags Fam 
Herr Schulze auf Morgen mir zur Hülfe hier an. 






Den soten Jon. Am zweyten Sonntage nach Epiphanias that 


Herr Schulze eine erweckliche Predigt. Nachhersftellte ich zween neu- 


ahle Kirchenaͤlteſte und zween neue Vorſteher dee Gemeine vor, 


hielt ihnen ihre Pflichten vor, nahm fie im Namen GOttes und der 


ganzen - 
- i * 
J 


3 


. Zen.Poft. Zandſchuchs Tageregifter 173% > 333 





huth zu den Zingendörfern gerathener Maͤhre, Namens George Watſch⸗ 
ke, beymir, der mich heute auf dem Kirchwege bitten ließ, der Ges: 
= Meine zu vermeiden, daß feine alte ſiebenzig jährige Mutter nach einer 
dreytaͤgigen Krankheit Diefen Morgen ploͤtzlich geftorben fey , und.ihe: 
morgen. die Leichenpredigt zu halten.  Diefer Mann war fehr demuͤ⸗ 
thig, vergoß Thränen, und erzählete mir, wie er nach einem achtzehn; 
wöchentlichen Aufenthalt in Herrnhuth vom Grafen von Zingendorf 
rebſt noch zwölf andern wäre nad) Savannah in Georgien gefandt wor ⸗ 
den. Wach einiger Zeit habe ex auch feine Frau und.alte Murter nach: 
kommen laſſen. Dafelbft aber waren ihm Die Augen erſt aufgegangen, 
und habe er. da die Unlauterkeiten Diefer Leute eingefehen , und daher 
nicht länger unter. ihnen bleiben koͤnnen, fonbern fich aus Georgien 
weggemacht, und wäre mit den Seinigen, two ich nicht irre , ſchon 
‚ viergehen Jahr hier in Wenfylvanien , und in allen achtzehen Fahr in 
Pordamerica. Dutch den Herrn Abt Steinmetz wäre er in Pefchen 
zuerſt ertvecket worden. Ich verſprach ihm denn , die Leiche feiner. 
verſtorbenen Mutter morgen zu halten, und eine Leichenermahnung nach 
den Umſtaͤnden zu thun. ——— 
© Den ꝛoſten Tan. fruͤh Fam dieſer Maͤhre wieder, mit welchem 
noch manches zu feiner neuen Erweckung geredet wurde. Bald nach. 
Tiſche ging hin, Die Leiche abzuholen, und fie zum Kirchhofe zu beglei- 
ten. Weilnunmeder diefe Frau ,nochihre Kinder Glieder der Gemeine 
geweſen, fo wurde ihe Sarg nicht indie Kirche, fondern über ihr Grab 
geſetzt, und ich hielt Dafelbit unter freyem Himmel die Leichenpredigeden 
Anweſenden von allerley Art. Der Mähre mit feiner Frau fehienen 
- abfonderlich Durchs Wort geruͤhret gu werden , und bey den übrigen 
bemerkte eine befondere Auſmerkſamkeit, ohngeachtet, Diemeiften im tie⸗ 
fen Schnee ſtunden und es ſehr kalt waer. 
Den 2ſten Jan. Vormittags hatte Beſuch. Nachmittags. 
ba eben mit einem Kirchenaͤlteſten ausgehen wolte, Kranke zu befuchen, 
Famen Here Weiſer und Herr Deinzelmann von Propidenz ar 


VI. Penfplv. Sort, Ec cc 


* 





| 
a 





verfchiedenen Orten. Krantı 9 i 


Den often Jan. gingen wir einige Meilen weit von Haufe, und 


ladelphia Herr Schulze aber nach Providentzʒ. 
nr Den ıften $ 





Pleinen Fluſſe. Ihre Abficht foll gemefen feyn , eine Klofteranftalt 
gleich der zu Ephrata anzulegen. Weil fie ab “dariiber in groſſe 


wird von drey Familien im untern Stock bemohnet. Mit ei armen 
fhüchternen Frau redete nad) ihren Umſtaͤnden, fie in ihrem ſchwachen 
Glauben aus GOttes Wort zu färken. Ihr noch ungetauftes Kind: 
liegt ihr ſehr auf Dem Herzen. Man wird fehen, wie dieſer Art Leuten - 
beyzufommen. Der HErr verleihe nur zu allem Freudigkeit und Weis⸗ 
heit. Denn folche Leute wollen immer mehr als GOttes Wort und: 
ale ediger mie er 

Ä en zten $ebr. ging mit einem ftillen Kirchenälteften wieder zur 

Franken Frau des Siebentägers hinaus , bey welcher ich auch ihres 

° Mannes Schweſter, ‚eine Siebentägerin , antraff ‚die ſich aber nach) 
einem viertelftündigen Gefpräche davon ſchlich, und nicht wieder ſehen 
ließ tie ſich denn auch der Mann noch nicht hat ſehen laffen. _ Mit 
der Franken Frau aber und ihrer Mutter redete ich recht ausführlich, und. 

beſchloß mit einem Gebet. | 5 N Mrd 






u FE 2 


⸗ 


. Vrn Paſt. Sandſchuchs Tageregiſter 1752: > 556 
Den sten Febr ging nach Philadelphia, den mir geſtern Frank 


jr beſchriebenen Heren Paftor Brunnholz zu befuchen , fand ihn aber in 


einem beſſern Stande, als vermuthet hatte. Er war über. Herrn Hein- 


eimanns Hůſft ſehr wohl zufrieden. "Nachdem wir verfchiedenes mit 





riret, und ich ein wenig ausgeruhet hatte , ging ich wieder 


zuruͤc u u x 5 15% } | R 035 
9 Den nten Sebr. Von fruͤh an bis Mittag beſuchte alle unfere 
Kranke bis nad) Germantown hinauf und herunter. Einer von dieſen 
Kanten bejeugte feine “Berivunberung , daß man ſich der Gemeinen 
und der Kranken infonderheit fo forgfältig annähme , da fie nichts als 
Müheund oft fehlechten Dank davon hätten welches in Teuffehland 
nicht geſchaͤhe · Mittags um ein Uhr fing ich Die erſtere Zubereitung 
mit der Jugend, die confirmiret twerden foll, an.“ Es find meifteng 


ganz erwachſene Leute. Der HErr laſſe doch dieſe Arbeit nicht gang 


unfruchtbar ſeyn. Manche Eltern und Kinder Elagen über die alu 
groſſe Entfernung und das ſchlimme Wetter wodurch ihnen Die Bes 
ſuchung der Zubereitungsfiunden fehr beſchwerlich gemacht wird. Ä 
Den i6ten Sebr. predigte Herr Heinzelmaniri , der geſtern hier 
angekommen war. Nach dem Gottesdienſte befuchten wir eines Wors 
fichers Frau, die Frank geworden , und auf mein Befragen unter anz 
dern ſagte: in ihren gefunden Tagen hätte fie fich immer vor GOR 
und Menfchen rechtfertigen wollen, nun aber gingen ihr die Augen auf, 
Daß ſie erfennete , was vor eine groffe Sünderin fie ſey. Nachmittags 


hielten wir Bet «und Wiederholungsſtunde. 


Den ꝛiſten gebr. beſuchte abermals einige Kranke „bey deren 
einigen es ſcheinet, daß die leibliche Krankheit zu ihrer Seelengeneſung 
ausfdhlagemwolte: iv sun min ı Bo ui un, RER 
Den 23ften Sebr. predigte Vormittags, worzu ſich einige: am 
geſehene Sectenmaͤnner eingefunden ‚deren Daſeyn einige in Berwun⸗ 
derung ſetzte. Der eine iſt von den ehemaligen vertriebenen Schleſiern 
Er moͤchte mol wieder herbey kommen, wenn er ſich nicht noch vor 
Menſchen ſcheuete. Nachmittags hielt ich: in der Kirche die erſte Paſ⸗ 
‚fionspredigt , und ließ die Sprüche vonder Jugend laut heriefen. Nah 


der Kirche ging fogleich zu einigem Kranken. Auch erfuhr von einem 


gewiſſen Gemeinsgliede, Daß Die heutige: Predigt einigen Eindruck bey 
den Zuhörern gehabt... GOtt gebe es aus: Snaden! 1" u. 0m 

- Den aiften Febr. Nachmittags Hielt ich Zubereitungsfkunden); 
darzu fich noch drey erwachſene Purfche EM ‚ deren zween durch 
ae Be #62 mei> 


556 Siebente Sortfegungdet !YachrichtänsPenfplonnien. 
meinten gefleigen Hausbeſuch dazu veranlaſſet worden, denn ſie hatten 
fich vorher ihres Alters wegen zů kommen geſchaͤnete. 
Den aten WTort. vitte ich früh mit einem. Vorſteher aufs Land, 
unſere gerfiveuete Gemeinsglieder im Lande zu befuchen ‚baich dent auch 
vieles zu hören und zu reden hatte. Ich wuͤrde aber nicht ſertig wer ⸗ 
den, wenn ich ein iedes auch nur ein wenig berühren folte. 
Den ten Mart. hielt Zubereitungsftunden mit der Jugend, wor ⸗ 
zu noch ein erwachſener Purſche von neungehen Jahren Fam, fo wieder» 
um als eine Frucht von dem geftrigen Befuch angufehen war. 

Den ıoten Mart. hielt Zubereitungsftunden mit der ermachfenen 
Jugend, und mufte mic) über ihren Eifer wundern. Ich hatte heute 
wegen des ungemein fehlimmen Wetters und Weges nicht ein einiges 
vermuthet, ſie waren aber doch alle, bis auf zween da, deren einer 
Trank geworden. Es find ihrer ein und zwanzig. Ich thue fo viel mir 
der HErr Gnade giebt , ihre Seelen zu erwecken. Fleißig find fie bis 
——— mit dem rechten Ernſte aber gehet es langfam. 

8 Beſte hoſfe nechh Roh mir Nana 
2 Denizten Mart. Gegen Abend meldete mir ein Kirchenälte- 
fier / daß fie um vieler guter Urſachen willen den an unferer Kirche als 
fernächft gelegenen Plag und Haus zu einer Pfarrwohnung fürı87. 
und, 10. Schillingerfaufet hätten, worüber unfere Leute fich freuen, 
Daß fie um einen fo mohlfeilen Preis einen fo fehonen und mohlgelegenen 

Platz bekommen. et NIIT - } Hr RR 26 AT TE 

Den a5ften Mart. meldeten ſich früh bis ich in die Kircheging, 

allerhand Leute aus der Ferne zum heiligen Abendmahl an, die Feine 

Erlaubniß bekommen , ſich eher einzuftellen. In der Kirche Famen 

auch noch zwölf Perſonen, fo ſich öffentlich anmeldeten. Ich hielt da⸗ 

her noch eine Bußermahnung und die gemöhnliche Beichtendacht her⸗ 

nach predigte , und reichete das heilige Abendmahl hundert undeinund: 

zwanzig Communicanten:.; Solches alles daurete von gehen Uhr am. 
bis um zwey Uhr. Die Kirche mar bey meinem Sierfeyn noch nie ſo 

voll von Leuten ollerhand Arten und Secten gemefen, ‘und es war bey 
alten diefen Handlungen ungemein ſtille. _ Am vergangenen Freytag 

früh hatte ich mir durch Erfaltung und ungefunde Luft einen rauhen’ 

Hals, Huften und Schnupfen zugezogen, und:heufe frühe trauete mir 

nicht zu, nur ein menig laut reden zu-Fönnen. Der HErr unfer GOtt 

aber ſchenkte mir unverhoft Die nothdürftige Kräfte, —— 





— 
— 


Den 


IR en Paſt wondſchuchs Tageregifker.imge "gr * 


Den often Mart. um nein Uhr kam Herr Heinzelmann mir 
zur Hülfe anhero, worüber mich regen meines fehe rauhen Halfes und 
der MattigPeit in allen Gliedern nicht wenig freuete, obſchon auf mei ⸗ 
ne zur haltende heutige Predigt ſchon ein wenig gedachthatte. Ich dia⸗ 
conrte und er predigte. Und teil bey den erfien Verrichtungen meine 
Stimme und Kräfte fehr matt und ſchwach waren , ich auch beforgte, 
die Leute „; deren twieder eine grofle Menge da waren, möchten mich 
"nicht verftehen koͤnnen, fo ließ ic) Heren Heinzelmann die zwey zu tau⸗ 
fende Kinder taufen undden Segen fprehen Machmittags hielt er 
eine kurze Wiederholung feiner Predigt , und theilte die mitgebrachte 
en unter den Kindern aus, Gegen Abend vitte cr wieder 
N Kaufe, — 2 | | y SCHI 
Den sten pr. Am Sonntage Quaſimodogeniti Fam die er⸗ 
wachſene Yugend , ein und zwanzig an der Zahl, mit welchen noch im 
| Dr manches zu ihrem-Unterricht vedete. Einige Kirchenaͤlteſte und 
WVorſteher mit ihren Weibern kamen auch Dazu. Als e8 Zeit war, in 
die Kirche zu gehen, ließ ich ein iedes Geſchlecht paarweiſe ordentitch indie 
Kirche gehen. Die Aelteften führeten die jungen Purſche, die Wei⸗ 
ber aber die Maͤdgens. - Die Kirche wurde von Menfchen und aller- 
hand Secten aufferordentlich voll. Nach gehaltener Predigt ließ diefe 
ein und zwanzig jünge Leute, nemlich ſieben Turfee und viersehen 
Mädgens, um den Altar herumtreten. Mach dein Gebet eraminitte 
fie aus allen fünf Hauptflücken, lieg mirdie Wahrheitenausder Schrift 
bemeifen , und legte fie ihnen und Den-übrigen Anweſenden noch näher 
an ihre Herzen, ließ fie auf den Knien ihren Taufbund erneuten, 
fegnete fie Darauf famt und fonders ein. Diefe ganze Handlung ers 
eckte bey der Jugend fo wol als auch bey vielen Antvefenden häufige 
Thraͤnen, und es foll manches in feinem Gewiſſen gerühret worden 
feyn, mie mir hernach einige Leute befant haben. Es daurete von sehen’ 
big zwey Uhr. Mach drey Uhr gingen wir wieder nach der Kirche und 
ich predigte von der Nachfolge JEſu. RIP — 
Den sten Apr. früh ritte in Gefellfchaft- eines Aelteſten aufs 
- Sand, verſchiedener Gemeinsglieder ſchwache Kinder zu taufen. Un: 
terwegens beſuchten mir Die Leute , fo fich zur Lutherifchen Kirche beken⸗ 
nen, und.ale ſolche tollen angefehen fepn. Wir fanden in einer Ge⸗ 
gend fünf bis ſechs Meilen von Germantotonein ganz Faltfinniges es 
fen gegen GOttes Wort, Saerament und Predigtamt. Ro nur 
hinkam that die noͤthigſte Bermahnung. Ein anderer Kirchendftefter 
— = ER Z Fam 





« 


f 











kam mir fieben Meilen entgeg 
gend an. Wir gingen alle d ten, diein , 
dnun, u 
erflävet haben. Verſchiedene Derfelben haben ſchon ganz ermachfene 
Kinder , die noch nicht getauft ſind Ihre Muͤtter ſind Engliſche e 
weder Pregbyter ianer oder von. der Hochkirche und ſit 
Männern und Kindern in Religions-und Seelenſachen ganz 
ie ich fie Deswegen beftrafte, fagte einer. von Diefen Männern, fie 
mürften ſich allein auf GOttes Barmherzigkeit verlaſſen, das andere, 
alles könne ihnen Doc) PR ERROR Ban AS a Ä 
der Gnade und Barmherzigkeit GOttes theilhaftig werden woll,muf 
fe. auch die Mittel nicht verachten. , Einige Meilen weiter fprach mit eir 
ner Kutherifchen Frau, die einen Quacker zum Manne hat. Mit bey - - 
den redete das Noͤthigſte. Sie verficherten, daß fie wohl Und fried= 
lich mit einander lebten, und. darinnen ſchienen fie alles zu ſetzen. Ich 
zeigte ihnen aber , daß noch mehrere zum wahren Chriftenthum: gehöre. 
Einige Meilen weiter Famen mir in ein Haus ;, wo viele Leute verfar 
jet waren, fünf Kinder taufen zu laffen.. nd ne r 
elbſi 





allzugroſſen Entfernung von der Kirche und aus Mangel eigener Pfer⸗ 
de nur felten in die Kirche kommen koͤnnen, fo hielt mich daſelbſt bey 
zwo Stunden auf, und ſuchte ſie aus GOttes Wort zu erbauen. ‚Date 
zu gab mir GOtt durch einen erweckten Mann ſchoͤne Gelegenheit, den 
ich wie einen Knaben catechiſirte „und welcher ſich fehr ſchoͤn ausdrud- 
te, und. von eigentlichen geiftlichen, Sachen recht fein und gefund zu re⸗ 
den wuſte, welches hier. im Lande etwas feltenes iſt. Wie die Kinder 
getauft und einem ieden Das feinige gefagt worden, ritten wir vier Mei⸗ 
fen meiter, wo wieder zwey Kinder gu taufen fand. Unter Diefen ge» _ 
tauften Kindern mar eines Drey und ein anderes vier Jaht alt. Abends 


in der. Pacht kam ſehr muͤde nach Hauſſee. 
Den ı12ten Apr. früh kamen bald noch viele Menſchen ‚diene 
noch zum Abendmahl anmeldeten. Solches daurete bis ich in Die Kir⸗ 
che ging. Mit allen-redete-fo viel die Kürze der Zeit erlaubete. Eini- 
ge kamen dem Anfehen nad) ziemlich gedemuͤthiget. Here Heinzelmann “ 
Fam auch. dazu, mir zu helfen. Ich hielt in der Kirche die, Bußer⸗ 
mahnung und Beichtandacht. Die Kirche mar ſo voll, daß die Con⸗ 
fitenten zum Niederknien keinen genugſamen Raum hatten. Nach die 
ſer Andacht taufte ein Kind. Hernach predigte Herr a) F 
a 


2 Fat ——* © 2) 





Beach, ch / und wir —7 uns das Abendmahl zuerſt 
En 


Darnach gaben wir es ohfigefähr hundert und dreißig Com · 
anten Sccches alles daurete bis zwey Uhr, weshalb ich Dem 
Achim u Gottesdienſt aueſette umg wir beyde gang entkraͤſtet 


OF Ben eʒten Apr. fruh ging mit ‚einem Dorfleher aus, die Ge 
89! * und Lutheriſchen Servants i in einer gewiſſen Gegend auf 
e zu befuchen. it find bey a rd n- Meilen im Buſche 







un getvefen ,- -und haben alle Leute, die den Wamen der Lutheraner 


n einander In enden Haufen allerhand Arten Leute geſprochem 
Den einfaͤltigen Zufp ui ind Vorſtellungen nahmen auch einige , die 
von F lütheriſchen Kirche abgegangen 9 ganz kaltſi — 


ſich wieder 
i =: Meer | "den 


babe ——— bey welcher Gelegenheit wir in funfzehen ziem lich 











war ih — Si muß —— 
‚mens r Brunnholzens DauE san ange: 
Sch 9— ars at die is — ii Oebnüng erſelben 
’ Rur iſt zu bedauren Kinder wegen des allzuengen 
gar zu nahe bey — figen müffen. Herr Heimelmann 
nifte h halten. Shui Es iſt einem eine Herzensluſt 
en rn Bun ya —9 Se Ja 
13 s ſchon ſehr ſpaͤte am der r Pa or 
nbe — Reiſe nach Neuyork hieran.) 
D n sten MI nad gepflogener brüderlicher Unterredung über | 
verfchiedene nöthige Binge : in Ken vereinigten Gemeinen veifeteerum . 
gehen Uhr wieder ab, undich beale eitete ihn nach Philadelphia. Wir 








beſuchten Daferbft die Schule, An aniegt in Der Kirche gehalten wird 


Gegen Abend kamen zween Sı 


rediger Herr Berlin und 
Betr Anänder, . mit melden weiruns ep nahe mdo Stunden langun- 


Den sten maͤß DBormitta; befüchtentir, der Herr Yafl. Muͤh⸗ 
— und ich, zuerſt den aͤlteſſen Engliſchen Prediger, welcher ung 
freundlich aufnahm, und hernach noch einige alte Fleunde ‚ von 

welchen 





_ 





tete mif einigen. 
ftögigen Berhale, 


Den 


ul e J ‘m . Fr [3 a ar ” * 
0 Den ı7ten Mläy gingen von früh an, bis ich in Die Kirche kam, 


— 


m ſchuchs Tageregiſter 72.0.3 





u viele Leute ab und zu, Die fich noch zum Abendmahl anmeldeten.- a. 
der Kirche traff eine groffe Menge Volkes an. Mit denen, die ſich 


heute noch angemeldet hatten, hielte die Bußermahnung und die 
Beichte, und —— Darauf habe hundert und drey Communi⸗ 
anten das heilige Abendmahl gereichet. Zu Haufe traff allerhand 
Menfchen an, die noch mit mir reden wolten. Um drey Uhr ging 










n wieder in die Kirche, die Nachmittagspredigt zu halten, darzu fich 


weit mehr Leute als fonften iemals eingefunden, daß alfo dem Anfehen - 
nach meine heutige Ermahnung zu fleiſſigerem Befuch des Nachmit⸗ 
tags Gottesdienftes etwas gefruchtet hat. 
Den ıgten Maͤy früh. kamen verfchiedene Leute in ihren Ange - 

fegenheiten zu mir. Da e8 Zeit war, in die Kirche zu geben, wurde 
gewahr, daß. mol viele Leute auf den Jahrmarkt nach Philadelphia 
ritten, welches ſchon mit Anbruch des Tages angegangen mar, aber 


R ungemein wenige zur Kirchen gingen. Da die Zeit, den Gottesdienft 


— 


anzufangen, da war, fing mit den wenigen Anweſenden an. Es ka— 
men aber in kurzer Zeit unterm Singen noch ſo viele, inſonderheit 
auch Sectenleute zuſammen, daß mich wundern muſte. Ich predigte 


denn mit Bewegung meines Herzens. Nach der Predigt erinnerte 
noch das Nothwendigſte, und taufte zwey Kinder. Vor meiner 


Wohnung und in derſelben fand viele Leute, die mich ſprechen wol⸗ 


n, konte aber nicht mit allen reden, weil ihrer zuvielwaren. - 
Den ıgten May Fam ein erweckt getwefener Mann, der bey Tr 


bingen her war, zu mir, fo aber deswegen nicht in die Kirche komt, 


weil die Menfchen, wie er fagte, bey ihrem Kirchengehen nicht den 


rechten Zweck hätten, und er nicht die Ceremenien, fondern die Sa— 


VVlilI. Penſylv. Sortfi 


che ſelber haben wolle ꝛc. Mit dieſem in den Buchſtaben des goͤttli⸗ 
chen Worts nicht ungeſchickten Manne ausfuͤhrlich zu reden, und ihn 
auf die Prüfung feiner ſelbſt recht zu führen, behielt ihn über vier - 
Stunden bey mir, fuchte ihm alle feine Abwege zu entdecken und ihn 
auf die Demuth des Herzens und wahre Einfalt zu führen. Er fehien 


es anzunehmen, und verfprach, wieder zu fommen, 


Den 23ften Maͤy Vormittags befam mit genauer Noth, ein | 


obfehon fehr Eleines Pferd, um nach Provideng zu reiten, und da— 


felbft in Abwefenheit Des Herrn Mübhlenbergs Goftesdienft zu halten. 
Das Gewaͤſſer war in.den Flüffen und Bächen von dem bisherigen 
vielen Regen überall hoch aufgeſchwollen; ich Fam aber aller Orten, 

DD uch 


* NE NT Se 
f N » 


9— 


sie Gisbente Sortfesung der biachtichtaus Penfsloanien. 


r 


— 


in der Frau Muͤhlenbergin Haufe an. 


fen zu mie genommen, vitte weiter zu einer Eleinen Nebengemeine, 
über Die Schulfill. Das Waſſer war zu hoch für.mich, Durchzunei 
ten, daher man mich in einem fchlechten Kahn hinüber fuhr. Naß 


vom Regen Fam insg Schulhaus an, taufte ein Kind, und predigte | 


iner ziemlichen Anzahl Leuten. Abends nach Sonnenuntergang 
am in Heren Mühlenbergs Haus zurüc. 1 00.0: 
Den 2sften MTäy früb. vitte wieder fort, An der 





auch wo es fonft am gefahrlichften iſt, glücklich, durch und Abends — 

| ee 
.. . Den 2aften May Vormittags predigte ich in Provideng, Die 
Leute waren noch fo ziemlich ſtill und artig. Nachdem ein wenig.Eh: ; 






dz: 
re We ' 


fuchte eine fehr betagte Franke Mutter, Die fich nad) ihrer himmlifchen | 


Heimat ungemein ſtark fehnet. - RER = 
Den zıflen MTay regnete es aufferordentlicy ſtark, und niemand 


kam zur Kirche big um Mittagszeit, da ohngefähr noch einige je, 4 


zig Menfchen nad) und nach zufammen Famen , denen ich Gottesdienſt 
und Predigt hielte. Weil es bis Nachmittags nach zwey Uhr waͤh— 
rete, und es noch immer fo fort regnete, durfte, Feine Nachmittags: 
predigt verfündigen. ' 


— — 


Den aten Jun. früh um ſechs Uhr ging ich zu Fuſſe nad Phila⸗ 


delphia, eine höchfinöthige Eonferenz mit dem Herrn Paſt. Brunnholz 


anzuſtellen, darzu ung Herr Paſt, Muͤhlenberg durch ein weitlaͤufti⸗ 


ges Schreiben von. Neuyork die allernaͤchſte Veranlaſſung ‚gegeben; 
Er gab darinnen deutlich genug zu erkennen, wie wir es nicht verant⸗ 
worten koͤnten, das arme hirtenlofe Haͤuflein in Neuyork fo gänzlich 
zu verlaffen. Deswegen begehrte er, wir ſolten um GOttes willen 
eine befondre Verſamlung in denenjenigen Gemeinen halten, welche 
Herr Schrenk und Herr Rauß bishero verfehen haben, um zu ver= 
fuchen,, welcher von beyden von feinen. Gemeinen am erfien loskom⸗ 
men und nad) Neuyork zu dem Herrn Paſt. Muͤhlenberg gehen Fönne, 
damit ein folcyer von ihm Dafelbit, ſowol in dortigen Umftänden, als 
auch in der holländifchen Sprache fich anmeifen laften, Herr Mühlen: 


berg hingegen fo bald als möglich mieder nach Penfyloanien zurück ⸗ 


Fommen, und feine eigenen Gemeinen beſorgen koͤnne Wirbefchlof: 
fen demnach zu dieſem Ende aufs Feſt Johannis des Taͤufers in Alt: 
gofchehoppen zufammen zu Eommen. Nachdem nun mit dem Herrn 
Paftor Brunnholz das Nothmwendigfie geredet, und überlegef, auch 
einmal die Schule befucht hatte: ging Nachmittags um vier Uhr wie⸗ 

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Zer. Paſt Sandſchuchs Tageregiſter ing. 6 


der zuruͤck nach Germantown. Zu Fuſſe hat man von meiner Woh⸗ 
nung bis zu des Herrn Paſt. Brunnholzens feiner drey ſtarke Stun⸗ 
den zu gehen, zu reiten aber bey nahe zwo Stunden. 

Den ten Jun. gegen Mittag kam Herr Paſtor Brunnholz hier 
an. Nach gehabter Unterredung ritte er weiter nach Providentz, 
‚morgen des Herrn Muͤhlenbergs Stelle daſelbſt zu vertreten. 
Den 14ten Jun. Vormittags predigte einer ziemlich groſſen An⸗ 
zahl Menfchen , worzu fich vielerley Fremde eingefunden hatten. Mein 
Gemuͤth wurde unterm Predigen berveget, und ich verfpürete auch der 
Seute Aufmerkfamfeit. Nachmittags predigte ich nieder , und übete 
die Jugend in Auffchlagung der angegogenen Sprüche. 

; Den ı6ten Tun. Abends Fam Herr Schaum von Raritan zu⸗ 
ruͤck. Sowol über feine glückliche Ruͤckkunft, als auch über feine 
ziemlich wiedererholten Krafte freuete mich vongangem Herzen. 

Den aoften Yun. früh um acht Uhr ritte nach Provideng zu des 

Heren Paſt. Mühlenbergs Haufe Nachmittags um drey Uhr Fam 
ich Dafelbft an, wo die Frau Paſt. Mühlenbergin mit den Shrigen. 

ziemlic) wohl antraff. Abends fehon fpate Fam Herr Schuke von 

Neuhannover auch an. S 

» Den aıften un. früh ritteich nach Neuhannover, Herr Schul- 

je aber blieb in Providens, um Wormittags dafelbfi und Nachmit: 

tags über der Schulkill zu predigen. Sin Neuhannover taufteein Kind, 

predigte, und nach der Predigt hielt mit einer ziemlich groffen Anzahl 

—— die Kinderlehre. Um fünf Uhr ritten wir zurück nach 

rovidentz. 
Den 22ften Jun. Abends Fam Here Paſtor Brunnholz von 
Philadelphia auch glücklich an. ; 3 
Den 23ſten Tun. früh Fam ein Abgeordneter von Altgofches 
hoppen, uns dahin abzuholen. Wir ritten denn hin, und Famen 
Durch verfehiedene beſchwerliche Wege um zwoͤlf Uhr in Heren Rauf 
ſens Quartier an, wo wir die Mittagsmahlgeit zu ung nahmen. Dar: 
‚auf ritten wir drittehalb Meilen weiter zur Kirche, to mir die ver: 
famlete zu confirmirende Jugend an der Zahl fechzehen mit ihren EI: 
tern antraffen. Wir redeten mit derfelben, und einer nach dem an: 
dern eraminirte fie. Man muß allen das Zeugniß geben, daßfievor 
vielen andern auf dem Sande vieles auswendig gelernet hatten, und 
daß es Herr Rauß in Unterrichtung derfelben an keinem Fleiß fehlen 
Rn DoDdDd 2 laffen: 


* 


564 Siebente Softfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 
laſſen. Der Herr Paſt. Brunnholz und ich waren Darüber ungemein 

- Den ꝛaſten Jun. um sehen Uhr gingen mir alle nacht de, 
und fingen den. Sortesdienft an. Der Herr Paft: Brunnholgdiaco- 
nirte und ich predigte. Nach der Predigt hielt Herr Brunnholz eime 
kurze Rede, und catechifirte die Jugend, ander 3a ſechzehen, week 
che ich hernach confirmirte und einſegnete. Darauf conferrirte Harr 
Brunnboß;, und Herr Schulz half ihm das Abendmahlaustheilem - 
Nach gefchlöffenen Gottesdienſte hielten toir unſere Eonferenz. Wir. 
erkundigten ung, wie e8 zwiſchen Lehrern und den Gemeinen flehe, 
ob eines mit dem andern zufrieden fen, oder ob etwas zu erinnern. 
- Niemand als Indienfield führte einige Klagen. : Unſre Haupfabfiht 
aber bey diefer Zufammenfunft mar, des Heren Paſt. Mühlenbrge 
Bitte: zufolge dahin zu fehen, ob man Heren Schrenk oder Hein 
Rauß von feinen Gemeinen wieder [08 bekommen Eönne, umfelbigen 
nach Neuyork zu ſchicken. Allein alle unfere Bemühungen waren ver · 
geblich, und keine Gemeine wolte ihren Lehrer fahren laſſen, und die 
Behrer wolten ‘auch nicht: ohne: ihrer Gemeinen Einwilligung: 
nommen feyn. Wir lieffen e8 dieſemnach dabey, und ſchloſſen unſre 
Zufammenfunft in der Kirche, mit Gebet und Gefang. Welches al⸗ 

les bis: gegen vier Uhr daurete. Um fieben Uhr ritten Herr Brunn: 
“holz, Herr Schrenk und ich wieder fort, und Famen auf einen ganz 
unbekanten Weg in dunkelſter Wacht um zehen Uhr in des Herrn Paſt 
— an. — Diet see 

| Den 2sften Jun. hielt ung ein fehr ſtarker und anhaltender Re: 

gen bis Mittag auf. Abends Famen wir noch zu rechter Zeit nach 
Germantorn, fo, daß Herr Brunnholz, obwol inder Dammerung, ° 
noch nach Philadelphia,reiten Eonte. ER | 
Den sten Jul. fam unter andern früh, ehe noch zur Kircheging, 
ein Neger oder Mohrenfelave, ingroffer Furchtſamkeit, und bat mich, 
ihn zu faufen, weil er gern ein guter Chriſt werden wolle. Seitdem 
ich hier bin, ift er fleiffig. zur Kirche gefommen, und redet noch fo 
ziemlich teutſch, fcheinet es auch redlid) zu meinen. Nach dem Got: 
tesdienfte Fam er, nebſt ‚verfehiedenen andern Leuten, wieder. Ich 
verſprach ihm, diefe Woche zu feiner Herrfchaft zu gehen, und für 
ihn zu bitten, daß fie ihm einige Wochen erlauben möge, zu mir zum 
nöthigften Unterricht zu keowmmen. re Eu 3 

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Er 5 — 3% 2 FR BR x r ? 8 =, 5; * Br 
nr Den ꝛoſten Jul Nachmittags ging ohngefaͤhr eine Meile von 





hier zu des Negers Herrſchaft, die ich ſchon einmal vergeblich geſucht 


Sie klagte nicht wenig über ihn, und vermuthete, daß er nurdie Abs 
ficht feiner Freyheit Darunter haben moͤchte. Doch wolte fieihm nicht 
daran hinderlich feyn, fondern ihm alle Wochen einen ganzen Tag 
erlauben, bey mir zum Unterricht zu feyn. Nachdem mit ihr alleg 


durchgeredet, was nöthig tar, begleitete fie mich bis an den-Hrf, 


wo er arbeitete; ‚twofelbft in Gegenwart derfelben nochmals fehr ernft- 
lich mit ihm redete, er blieb aber dabey, daß es ihm einig und allein 
um feiner Seelen Heil zu thun wäre, und daß ‘er ein guter Chriſt 
werden wolte. Darauf gaben wir ihm die nöthigften Ermahnungen. 
Den 23ften‘ Jul. brachte den ganzen Vormittag mit Durchle⸗ 
fung aller Manuferipten zu, fo den Kirchbau, die Rechnungen und 
andere Umftände der Gemeinen zu Germantomn: betreffen und Herrn 
Paſt. Brunnholzens Anredenan diefelbe dieſer Sachen wegen. Ach, 
was für Arbeit, Mühe, Angft und Noth hat es den lieben Bruder 
nicht gekoſtet, che e8 mit hiefiger Kirche fo weit gefommen ift! Mit 
tags kam derſelbe hier an. Nach Tiſche verfamleten ſich die Aelteſten 
und Vorſteher bey mir, und wir hielten einen Kirchenrath bis auf 


den Abend, einiges unter ihnen entſtandene Misverſtaͤndniß beyzule 


gen, und eines und Das andere uffere anzuordnen. Nach deffelben 
Endigung ritte der Herr Paſt. Brunnholz wieder nach Philadelphia. 
©." Den 2gften ul. des Morgens fing der fchon erwehnte ziemlich 
befagte Neger den Unterricht in der Chriftlichen Lehre an, und blieb 


mit Erlaubniß feiner Herrſchaft zu Diefem Zweck den ganzen Tag bey 
- mir. Sein Herz feheint gnadenhungerig zu feyn.. Auch hater heute 


ſchon vieles gelernet und zu Herzen genommen,. ohngeachtet er nicht 
einmaldie Buchftaben im A BE Eennet. Ich hoffe unter göttlichen 
Segen Freude an ihm zu erleben. ° | F 
. ‚Den 2ten Yug. verfahe den Gottesdienſt in Abweſenheit des 
Herrn Paftor Mühlenbergs zu Providenz. — 
Den aten Aug kam obiger Neger wieder zum Unterricht, und 


blieb den ganzen Tag bey mir. Mit vielem Vergnuͤgen zu meiner ei⸗ 
genen Erbauung — ich dieſen ehrlichen Schwarzen, weil 
an ihm einige Heilsbegier et 2 


everfpüre. ©... ten 
Den gten Yug.gegen Abend nad) verrichtetem Gottesdienſte rei⸗ 


| ſete nach Philadelphia. Denn Herr Paſt. Brunnholz hatte mir durch, 


ein Brieflein geſtern berichtet, daß der Herr Paſt. Muͤhlenberg von 
— | DDDdD 3 Neuyork 


’ 


Neuyork glücklich) angekommen wäre, und ich dieſen 
Hern Shrent ‚ der heute hier war und predigte, hinkommen 


\ 


als möglich zu feben, welchen auch ganz vergnügt anfraff. 4%. 


Den nten Yug. gegen Abend ritten wir alle, Her Mühlen erg, 
Herr Brunnholz, Herr Schrenk, Herr Heinzelmann und ich nach 


Germantown. 63 
Den ı2ten Aug. hielten wir mit den anweſenden Aelteſten und 


366 Biebente Sortfegung der Nachricht ns Penfyloanien 
Abend mit 
te, mitihnen zu conferiren. Scheilteum Herrn Muͤhlenberg fo.bald - 






? 





Vorſtehern einen Kırchenrath. - Abends um ſechs Uhr ritten meine 


fiebe Gäfte ein ieder wieder an feinen Ort... 


Den 25ften Aug. Bormittags predigte ich einer ungemein groſ⸗ — 


ſen Verſamlung, dazu fich ſehr vornehme Engliſche aus Philadelphia 
mit eingefunden hatten. Nach dem Gottesdienſte meldeten ſich vers 


fehiedene aus der Ferne zum heiligen Abendmahl an. Nachmittags 


hatte eine Leiche eines reformirten Kindesmit einer-Leichenrede, Nach 


Derfelben ging mit einem Manne, der mid) abholete, drey Meilen ins 


Fand zu einem Kranken. Derfelbe Elagte und murrete fehr-über fein 
hartes Krankenlager, über den groffen Mangel an nöthiger Leibeser⸗ 
quicfung und Pflege, und dag ihn niemand befuche, da ihm doch Tag 
und Nacht fo fehr lang würden. ch gab ihm den nöthigften Befcheid, 
. führte ihn auf fein fündliches Leben , und auf Die damit wohlverdiente 


noch ärgere Strafe, twiesihn in die Ordnung der Buffe und des Glau⸗ 


bens hinein, und befchloß alles mit einem herzlichen Gebet, wodurch 
er ertveichet zu werden fehien. Die Sonne ging bereits unter, daher 
wir zurücfeileten. Der HErr fey für die Kräfte gelobet, fo er mir 
zu meiner heutigen Arbeit: gefchenfet hat, da ich mich einige Tage 
nicht wohl befunden hatte. Ä —— 


Den zoften Aug. früh meldeten ſich viel Leute zum heiligen | 


Abendmahl an, bis zur Kivche ging. Nach der Predigt zeigte Der 
Gemeine die auf den bevorftehenden ızten Sonntag nad) Zrinit. vor: 


zunehmende Einweihung unfrer Kirche, und die den Montag darauf 


anzuſtellende Kirchenverfamlung an. Nach dem Gottesdienfte kam 
noch eine ziemliche Menge Leute, nad) und nad) ſich zum Abendmahl 
anzumelden, worunter ein verirrt geweſenes Schaf mit war, fo in 


der andern Gegenwart bittere Thraͤnen bey meinem wenigen Zureden 


vergaß. 


Den sten Sept. alten Calenders. Geftern und heute hatte viele 
Briefe zu ſchreiben; heute war der Neger faſt den ganzen Tag zum 
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Zen Pofkzandfäpuche Tageregiſter 17: 567 
; Unterricht bey mir, und legte einige Proben feines redlichen Zwecks 
00 Den ı4ten Sept. nad) dem heute angegangenen neuen Ealender 


. 


fehrieb noch verfchiedene Briefe,und wartete das Anmeldender Leute ab. 


Den ısten Sept. hatte eine Leiche mitten in Germantown ab» 


zuhofen und eine Leichenrede zu halten, darzu ſich meiftens lauter Se⸗ 
eten eingefunden hatten. Nachmittags waren verfchiedene Leute bey 
-mir, unter andern auc) eine groffe offenbar geweſene Sünderin, fo 
fich zum Abendmahl anmeldete.” Diefelbe bat um Verzeihung ihres 
gegebenen Aergerniffes, und verfprach ihr Leben zu beffern. Ich 
ſchickte fie denn aud) zu einem Kirchenälteften und zu einem Vorſte⸗ 
her, welche um ihre Aufführung umftändlich rouften , und mireshin- 
terbracht hatten, bey dieſen Männern ein gleiches zu thun. Sie hat 
e8 auch, wie mir dieſe Männer den Tag darauf begeugten, mit Bes 
reuung ihrer vorigen Leichtfinnigkeit, gethban.. n. ET 
Den ı6ten Sept. meldeten ſich noch einige zum Abendmahl an, - 
‚obgleich das flarke Regenwetter die Wege ſehr beſchwerlich machte. 
Nachmittags hielte Borbereitungspredigt, Buß-und Beichtandadht. 
Den ı7ten Sept. twar ungemein ſtarkes Regenwetter / daher die 
Leute fehr langſam zur Kirche Famen. "Gegen eilf Uhr fing den Got- 
tesdienft an, hieltenochmals eine Bußermahnung und Beichtandacht: 
mie denen, fo geftern nicht zugegen gemefen. Darauf predigteih, 


- und reichte funfzig Communicanten das heilige Abendmahl, Biele: 


waren des fchlimmen Wetters und Weges wegen weggeblieben. Mei: 


nem Bedünfen nach ift es heute viel andächtiger und ehrerbietiger zu⸗ 


gegangen, als fonft iemals. Segen Abend Fam der bisher unter: 
richtete Neger, wohnete unferer Hauskirche mit bey, und ließ ſich exa⸗ 
miniven. — BU NE TE # 
. Den ıoten Sept. hielte den ganzen Nachmittag mit einigen: 
Aelteſten und Borftehern Kirchenrath, um einige Dinge bey der bez 
vorſtehenden Einweihung unferer Kirche anzuordnen. 
Den 2aften Sept. predigte Bormittags. Wegen des ſtarken 
Regens waren nicht fo viel Leute in der Kirche als fonften, ich hoffe 


2 


ober, Daß die Predigt und gegebene ernfiliche Ermahnung an den 


Anmefenden nicht werde fruchtlos geivefen feyn, Davon einige Spuz 
ven dieſen Nachmittag angemerket, als die zugegen gerefene Aeltefte 
und Vorſteher zu mir Famen, und mit mir verfchiedener Dinge we— 
gen sedeten, | | \ 

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Den 26ften Sept. Fam des Morgens der Neger zum Untere 


richt. Nachmittags um drey Uhr ging ich nach Germantown, unfere . 
Kranke zu befuchen., deren einen todtkrank undin einer feinen Saffung 





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568; Siebente Sortfegung der lachricht aus Penfykoanien. 


antraff.. Ich hielte mich bey anno Stunden bey ihm auf, um ihm 


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noch. das Nothwendigſte auf feine Reife in die Ewigkeit eingufchärfen. 
Den azften Sept. ging ich fruͤhe bey drey Meilen hinunter, al⸗ 
fe unfere Kranken zu befuchen. Den einen fand fterbend, Daher mie 


geftern lange bey ihm blieb, fein vermuthlich feliges Ende aber Doch 
nicht abwarten Eonte, weil fehon über fünf Stunden von Haufe weg 


war. R 


Den aaften Sept, JB auf dn Benerfehnben Sonntag Die 


hiefige meift neugebauete Kirche eingemeihet und darauf unfere jaͤhrli⸗ 


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che Kirchenverfamlunggehalten werden foll; foFam heute gegen Abend 


zuͤerſt Herr Rauß und nicht lange darnach Herr Schulge an, mit wel⸗ 


chen von ihren und ihrer Gemeinen Umfländen vorläufig conferirte. 
Den 29ften Sept. früh kamen der Herr Paſt. Mühlenberg und 

Herr Kurz an. Wir conferivten fogleich mit einander, und. laſen 
Herrn Mühlenbergs auf die Einweihung unferer Kirche gemachtes feis 
nes Carmen. Gegen Mittag Fam Herr Paftor Brunnhoß auch hier 
an, mit welchem Herr Kurz und ich zum Buchdrucker Sauer gingen, 
das Carmen drucken zu laſſen. Auch befuchten mir den fierbenden: 


Mann. Gegen Abend Fam Herr Heinzelmann nebſt einem andern 


werthen Freunde an. Br 
Den zoften Sept. früh Fam Herr Weygand auch albier an..- 


Den ıften Oct. wurde früh noch verfchiedenes mit den Aelteſten 


und Vorftehern aus Germantown conferiret, infonderheit wegen Erz, 
haltung einer Auffern guten Ordnung. Unterdeſſen fam der Schwe⸗ 
difche Herr Probft Acrelius auch) an, und bald darnad) Herr Schaum, 
Der von mir bishero unterrichtete Neger wurde gleichfals geholet, und 
mit ihm noch verfchiedeneg gefprochen. Wie gegenzehen Uhr alle Pre⸗ 
diger bis auf Heren Schrenf beyfammen und alle abgeordnete Aelteſte 
und Vorſteher der vereinigten Ghemeinen vor meiner Wohnung ver- 


ſamlet waren; fo gingen wir in Proceffion in die Kirche. Die Gerz 


mantowner Aclteften und Vorfteher gingen voran ‚darauf folgeten wir 
Prediger, von welchen Die jüngern Die vaſa facrafrugen, hernach die 
fremde Abgeordnete, endlich aber alles übrige Volk von allerhand 
Art, welches, ob es ſchon geſtern und Die ganze Nacht Durch gereg— 
net und fehr ſtuͤrmiſch Wetter und uͤbler Weg war, ſich dennoch 

— in 


- 


2: Zen. paſt Sendſcheche Toneregifker, 156g 


: ihgtofiee Menge: eingefunden hatte » Nachdemin der Kirche alles ftil- 
- de und in Ordnung war, wurde Der: Gottesdienſi i) mit dem Liede: 
Komm ZSeiliger Geiſt ꝛc. chorweiſe geſungen, angefangen, die bey⸗ 
den ef Die fungen: wir Prediger beym Harfenfpiel eines Schul- 
‚alleine, den Dritten Die: ganze Gemeine. Unterm Singen 
| kam Herr Schrenk ‚auch noch darzu. 2) Herr Brunnho fing die 
- Einweihung mit einer. ſchoͤnen aufalle Umftande fich ſchickenden Stand: 
rede vor dem Altar an, Darauf 3) der Schwediſche Herr Probft Acre: 
lius die Kirche felber einweihete. Nach derfelben Einweihung 4) fies 
len wir Prediger ale um den Altar herum aufunfere Knien, und. bes 
teten ein jeder fuͤr gegenwaͤrtige Umfkände in folgender Drönung : die 
Herren Mühlenberg, Kurz, Schaum, Weygand, Heinzelmann, 
- Schule, Schrenk, Kauf und ich Handſchuch machte den Beſchluß. 
5) Aus dem gedruckten Einmweihungscarmine wurden von ung Predi- 
‚gern der ‚aafte und. aalle Bus * — gelangen, die 


Jautene | 
Sof, gehora Diegefallen | 
Was Dir: Herz und —— 
. Die, wie Dein Volk mit Lallen 
Die die — * — beige; 
Zum Gebr — ee — —66 
* "Die — Deines Geſies Kraft ES GHR 
It In uns neue Herzen ſchaft. FAR 


— HEır, Dein Bild und Tugend . 
r Bra. Dein ewig bleibend Wort 
s Das Alterthum und Jugend, 
Und auf Kindeskind er fort, * 
Halte Dazu treue Knechte, | 
a Dein Zeugniß, Bund und Rechte 
Sn - Rein bewahren in der Roth, - 
* —— ‚Und getreu ſeyn bis in Tod 


6) nr auf (a8 vor dem Altar den ısten Pſalm het. 7) Die gan 
zẽ Gemeine fang hierauf aus: dem Liedes Sey Lob und Ehr dem 
en But ıc, den zten bis gten Vers. 8) Herr Mühlenberg 

hielt eine ſchoͤne durchdringende Einweihungspredigt über Joh 5, 109. 

. wovon er feine auf die Umſtaͤnde fich — Deutungen machte. 
V. Penſylv. Hortſ. Nach 


— } j u Ya; S 4 z —— 9 " e) 
370 GSiebente Sortfegung der Nachricht aus Pehfplvanien. 


9) Wach der Predigt ward das Febr Wachet auf! ruft uns die 


Stimme ıc. chorweiſe gefüngen. 10) Ward der Neger, feines Ak 


ters dreiffig fahr, von dem. Heren Paſtor Brunnholz und Hertn 


Schleydorn , feinen von felbft erwählten Taufzeugen, vor den Altar 
geführet, von mir aber egaminiret und getauft." Nach. der Taufe gab 
er allen annefenden Predigern den Handſchlag der Treue und Beflart 
‚digkeit; bey welcher Gelegenheit ihm noch heit 
nöthige Gnade von GOtt anwünfchte, welches ich vorhero in einem 


Geber gethan. 11) Darauf wurde weiter das Lied geſungen: d 


Komm GÖttes unſchuldig xc. 12) Wir Prediger fielen alle auf 
die Knie, Hr. Mühlenberg that das Buß: und Beichtgebet, Herr 
Brunnholz aber fprac) die Worte: HZErr GOtt Vaterimzin- 
mel ꝛc. 13) Sch confecrivte und theilte zuerft meinen Herrn Amts: 
‚Brüdern, darunter det Schwedifche Herr Probft mit war, das heilige 
‘Abendmahl aus, und zulegt reichte e8 der. Herr Paſt. Mühlenberg 
auch mir. 14) Darauf wurde geſungen: Wie bin ich doch fo herz⸗ 





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lich froh ꝛc. und endlich der Segen geſprochen, nebft Abfingung der 


Worte: Unfern Ausgang fegne GOtt ꝛc. So etwas liebliches, 
anmuthiges und erweckliches, alsdiefe ganze Handlungwat, habe ich 
hier im Lande noch nicht erlebet, auch mol nicht einmal in Zeutfch- 
land. Denn wir Prediger waren alle wie ein Herz und’ wie eine See: 
le. Ich hoffe daher, daß es in aller anmefenden Herzen einen gu: 
ten Eindruc auch aufß kuͤnftige hinterlaſſen werde Es daurete Die 
ganze Handlung von sehen bis zwey Uhr; aber diefe:Zeit hat uns allen 
gedaucht nur eins ie RN zu ſeyn. Die — Wei⸗ 
ber und die Sch fie. jeifeten bey ung mit groffen Vergnuͤgen, 
und darzwifchen ſtimmeten wir verfchiedene Lob - und Danklieder an. 
Gegen vier Uhr gingen mir wieder in die Kirche, wo Herr-Kurz.eine 
wohl ausgearbeitete und erbaufiche Predigt über Die heutige Epiſtel 
Ephef.s, 1:6. hielt. „Den Abend’ brachten wir big in die pate Nacht 
mit Singen, Beten und angenehmen Gefprächen zu, fo gut es in 
diefem Jammer⸗ und Thränenthal nur gefchehen Eonte. Auch behal- 
‚fen wir ung alle in unferer Eleinen Wohnung, und’ habe ich Feinen 
ber einige Unbequemlichkeiten murren gehoͤrt ER To 
os. Den aten Det Um acht Uhr kam der Schwediſche Predigerin 
‚Philadelphia, Herr Berlin, auch noch hier an Um neun Uhr gin⸗ 
gen wir alle mit Den abgeoröneten Aelteſten und Vorſtehern in, die. 
Kan lt haften, / Zuvoͤrderſt wurden die Namen 


ie, ins Fer 


in len: Paſt. Bandſchuchs Tageregiſter ups, - sm 
der anweſenden zwoͤlf Prediger und der abgeordneten Aelteften und 


Vorſteher unſerer Gemeinen an der Zahl acht und ſechzig aufgeſchrie⸗ 
ben; fodann geſungen: Bomm HSeiliger Geiſt, ZErre GOtt 
der iſte Vers Hierauf hielt Der Schwediſche Herr —— dem 
Altar eine geſchickte lateinifche Rede an das ganze vereinigte Miniſie⸗ 
rium worinnen er feine Freude über ung begeugte und uns gratuur⸗ 
gen and Herr Paſtor Müblenberg dankte ihm kuͤrzlich in eben Derfel- 
ben Sprache: "Nachdem endlicy der zweyte Vers aus dem Fiedes 
. Komm Heiliger Geiſt 2c. gefungen und von mir ein Gebet gethan wor= 
den; zeigte Herr Mühlenberg, welcher meiftens Das Wort führete, 
zuerfidie Ankunft der zween neuen Mitarbeiter Herrn Heingelmanng: 
und Herrn Schulzens an, fodann wurden Die Gemeinen aufgemuns 
tert; und beſchloſſen/ Daß überall, wo es nöthig und möglich wäre, 
nach dem guten Erempel der Philadelphier, Schulen angerichtet und 
aufs möglichfte befördert werden folten. Desgleichen wurde befchlof- 
fen; Daß in den Gemeinen hie und da , wo es Die Nothwendigkeit er⸗ 
fordert, zu gelegener Zeit und nach bequemen Umſtaͤnden Kinderlehe 
ren von. den Pfarrern gehalten werden folten, Mit ben Gemeinen zu 
Altgoſchehoppen, Neugoſchehoppen, Indienfield und Tohecka wurde 
geredet, und, nachdem mir hernach noch beſonders mit ihnen alles No= 
thige überlegt, beſchloſſen, Daß Altgofchehoppen , Sindienfield und To— 
hecka noch wie bishero beyfammen :bleiben und vom Deren Rauß, 
Neugofchehoppen aber vom Herrn Schulz bismeiter beforget werden: 
folten , und dieſe Iegte Gemeine demſelben ein Logis ausmachen müfte, 
Hiernächft wurde das von der Gemeine in Friedrichstoron eingefands 
te Bittfchreiben vorgelegt und: befchloffen, ihnen sur Antwort zu fchreis 
ben, daß Herr Schaum, fo ofte es ſeiner Schwaͤchlichkeit wegen an⸗ 
gehe, fie befuchen werde, bis fie alle einig wären, und wir ihnen wei⸗ 
ter helfen koͤnten. Ferner wurde ein Sehreiben von der Gemeine in 
Reading ; einer neu angelegten Stadt, ohngefähr acht und vierzig: 
big funfzig Meilen von hier, vorgelefen und befchloffen, Daß der. Herr 
Paft. Mühlenberg auf den soten Sonntag nad) Trinit. in ihrer neu 
erbaueten Kirche die erſte Predigt halten und: ihre Umftände prüfen: 
folte, ob es nöthig, daß eine Eollerte für fie in den Kirchen Der ver- 
einigten Gemeinen geſamlet werde. Die Gebuͤrgten, wie ſich die 
Leute in einer Gegend bey Raritan nennen, zu befriedigen, wurde 
mit zugezogenem Rath des Schwediſchen Herrn Probſts beſchloſſen, 
die Gemeine in Raritan durch ein —— zu fragen, ob ſie nicht 
Er | eee 2 aus 


— 


aus bruͤderlicher Liebe und nach Det Sache Billigkeit den öten od 





sten Sonntage erlauben wolten, daß der Herr Weygand ihr ent J 4 
felbft predige und Sottesdienft halte. "Nicht weniger wurde befehlofe 


fen, daß die Aeltefte und Vorſteher ſamt den Pfarrern in allen Gemeinen 


dahin fehen folten, Daß vor und nach dem ottesdienftedie Leute bey 
der Kieche fich flille und ordentlich aufführeten, Damit alle Zerftveuun: 


gen und Aergerniffe möchten verhütet werden, als worüber häufigge- 
Flaget worden. Auch wurde abgeredet, daß die nachfle Kirchenver⸗ 
famlung in Zulpehofen bey Herrn Kurz gehalten werden folte. Nicht 
weniger wurde befehfoffen und hernach noch veſter gefeßt, daß unſere 
bisherige Helfer, Herr Schrenk und Herr Nauf, um ung Die Arbeit 


defto befier erleichtern zu Finnen, und aus Nothwendi eitider Um: 


fände, auf den aaften Sonntag nach Trinit. als den zten Nov. zu dem 
heiligen Predigtamte von ung in der Providenger Kirche öffentlich or⸗ 
diniret werden, und zu Dem Ende alle vereinigte Prediger dahin fehen 
folten , wo e8 irgends moͤglich, den Donnerftag vorhero als den aten: 
Mod. bey dem Herrn Paſt. Mühlenberg zu ſeyn. Der kleinen Ges 


meine'ander Neſchamini ſoll durch ein Schreiben Fund gethan wer: . 


den, auf weiche Zeit ihnen Herr Miühlenberg eine Predigt halten koͤn⸗ 
ne. Diefe Leute verſtehen Fein Teutſch mehr, Darum muß ihnen in 
englifcher oder niederteutfcher Sprache geprediget werden, worinnen 
niemand beffere Mebung hat, als eben der Herr Paftor Muͤhlenberg 
Auf Anhalten der Gemeine zu Cohenzy wurde befchloffen, daß ſie ei⸗ 
nige mal mehr im Jahre vom Herten Pal: Brunnhotz beſucht wer⸗ 
den ſolte. Auf wiederhoftes Fragen hatte weiter niemand nichts zu 
erinnern ;' daher der Herr Paftor Mühlenberg zum Beſchluß den’ 


Schwedifchen Harn Amtsbrüdern für ihren Beyſtand, Liebe und - 
Sreundfehaft dankte, und feine übrigen Amtsbrüder zur Treue und 


Ernſt inihrem Amte ermahnete. Endlich wurde ein Kindvom Herrn 
Heinzelmann getauft, und det Vers gefungen: Der HErr ift nun 
and nimmer nicht c. GOtt Lob! daß alles fo ruhig, flille und 
bruͤderlich hergegangen. Hierauf ging die ganze Berfamlung paar: 
weiſe aus der Kirche in eines hiefigen Kirehenalteften Haus, einige 
tauſend Schritt. von der Kirche, die gewöhnliche Mahlzeit zu genieffen. 
Bey der Mahlzeit wurde darzwiſchen gefungen, und) wir Prediger 
gingen immer ab und zu, um die Aufficht zu haben und gute Ordnung 
zu erhalten. Es lief auch alles fehr artig und ordentlich ab. Nach 
fünf: Uhr gingen fie wieder ans einander. | Der De * 

— Acrelius, 


b) 


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Siebente Sörtfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 





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Den· Paſt. Sandſchuchs Tageregifter 1732: Du 
A Aerelius, Herr Berrlin, Her Brunnholz, Herr Kurz, Herr Seins | 
7 d 2 





zelmann und Her Schulze titten noch diefen Abend um Ns äufferen 
Umftände willen nach Philadelphia, die andern aber blieben noch 
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en zten Oct. Vormittags reiſeten auch gar Schaum, und 
err Weygand mie den Seinigen, nah Haufe. Nachmittags rikten 
Herr Mühlenberg, Herr Schrenk und der Schulmeifter zu Neuhan- 
nover ihren Weg nad) Daufe zu, und gegen Abend hatte ich noch 
serfehiedenen Zufpruc) von Leuten aus Germantoron. —— 

Den gten Oct. kamen Die Leute wegen des ſtarken Regens ſehr 
langſam zur Kirche, die auch deswegen etwas ſpaͤter anging. Nach 
der Predigt that ich der Gemeine die Schluͤſſe der jüngft gehaltenen 
Eonferen; mit beygefuͤgten noͤthigſten Erinnerungen fund, und hernach 
taufte drey Kinde.. ya, 
Den ı6ten Oct. früh wurde fünf Meilen von hier zu einem fehr 
kranken Maͤdgen abgeholet, twelches gar zu gerne ſterben mwolte , ver 
muthlich Darum ‚teil ſie von ihren 'böfen Eltern nichts Gutes ſiehet 
und höre. Hierauf mufte ich in dieſer Gegend ein ſchwaches Kind 
‚neu angekommener Leute taufen. © Und teil verfchiedene Nachbarn 
ſich Dafelbft fo nool als bey der Kranken eingefunden, fo richtete mein) 
Gebet und Ermahnungen nach ihren mir befanten Umftänden ein. 
- Ron da ritte mit einem Gemeinsgliede noch vier Meilen meiter, ein; 
paar ſehr alte arme Leute zu befuchen, die Alters halber nicht mehr in 
- Die Kirche. noch fonften fortkommen koͤnnen. Dieſer alten Leute äufe: 
fere Umstände: find aͤuſſerſt elend und in ihrem Gemuͤthe mag eg wol 
eben fo fehlecht ausfehen. Abends Fam ſehr fpäte nach Haufe, weil 

mich überall ein wenig mit meinem Ermahnen aufhalten müflen. 
Den 2ten FTov. Mittags Fam Herr Paſt. Brunnhof; aihier an, 
mit welchem ich nach Providens ritte. Unterwegens fand er hin 
und wieder zu reden. Die Nacht überfiel ung, ehe twir es ung verfa= 
hen, und Abends nach acht Uhr fahen wir ung genöthiget, der Sin: 
fternig und. übeln Wege halber fünf Meilen von des Heren Paftor 

Mühlenbergs Haufe bey einem redlichen Kirchenäfteften zu bleiben. 
Den zten Zoo. früh um zehen Uhr traffen wir beym Herrn 
Daft. Mühlenberg ein, mo wir niemanden als den Herrn Schuljund 

yeren Rauß fanden. Nachmittags kam Herr Kurg auch darzy, 

Den sten Nov. fruͤh kam Herr Schrenk gleichfals an. Dem: 
ſelben und dem Herrn Rauß wurden Diegu ihrem Eramine nieverge- 
H | Se feste 


J A 





4 


- allein in der 


‚Penfplesnien. 
r Heinselmannnochan, . 
erg; mit Durchlefung 


sr Siebente Sortfesung der Nachticht 


gte Fragen gur ſchriſtkchen Beantwortung 
——— Stille uffester ac kam xde 
Abends nach Tiſche ergoͤtzte uns Herr M 








ſeines ſchoͤnen Neupprkifchen Diarii. Er erzaͤhlet darinnen ſo viel 


angenehmes, daß wir GOtt herzlich dafür lobte. 

= Den sten Nov. als am ꝛeſten Sonntage nach Trinit. Nach⸗ 
dem die beyden Herren Ordinandi/ ein ieder heſonders einen Nez. 
vers vor. Zeugen unterfchrieben zgingen wir zur Kirche. Vormittags 





predigte Herr Schrenk , und. nach der Predigt und einem Geſang hielt 


der Herr Paftor Mühlenberg die Ordinationsrede, worauf Herr 
Schrenk und Here Rauß ordinirt wurden. Alsdenn that Here Muͤh⸗ 
ſenberg eine fehr Fräftige und nöthige Ermahnung an uns alle, nach 
— unſerer Gemeinen, hinzu ꝛc. Nachmittags predigte 

er Rauß. ER —— 
= ‚Den 6ten Nov. ritten Here Brunnholz, Here-Heinzelmann 
und ich wieder. zurück, Abends kamen wir GOtt Lob} glücklich im 
Germantown an, — elmann muſte wegen feiner Schulqr⸗ 
beit noch nach Philadelphia reiten, |. um mn ai se. 

Den ızten Yfov; ging ich früh mit meiner Frau vier Meilen von 
hier zu einer fehr Erank gewordenen Frau, Die fich ſeit mehrern Jah⸗ 
ven von unferer Kirche und Gemeine allerhand Zanfereyen wegen ab» 
gefondert, und auf einige Aelteſte immer-heftig geſcholten hatte, Sie 
wunderte fich. ungemein über meinen: Beſuch teil fie es ja um mich; 
nicht verdienet habe. Sie klagte fich ohne mein Zuthun als eine groſ⸗ 
fe Sünderin freymillig an, welche vieles begangen habe, fo ſie nicht 
hätte thun follen, bezeugte auch, fie molle von nun an ein ganz ande⸗ 
rer Menſch merden, und wenn fie wieder gefund würde, wolle fie al⸗ 
fer vorigen Dinge ungeachfet wieder zur Kirche kommen. Ich legte 
ihr denn den ganzen Rath GOttes von ihrer Seligfeit in eu Chri⸗ 
ſio vor, brachte das ganze Geſpraͤch und ihren bemerkten Seelenzu⸗ 
- ftand ing Gebet, und verſprach/ bald wieder zu kommen. Br 
Den ıöten YYov. hatte, ich in eines ſehr angefehenen 
Mennoniften Haufe ein Paar zu copufiren, da deſſen Zochter 
‚einen feinen jungen Menfchen won Lufherifchen "Eltern heivather. 
Auf des Vaters fehr freundliche Bitte muften wir zur Mahlzeit bleis 

ben. Die Zeit unterm Effen wurde mit erbaulichen Gefprächen, mit. 

Herlefung einiger Sprüche aus dem Schatzkaͤſtlein und mit Gebet 

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Eageregifter sah) 978 





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dtigebrächt; und ding tes h sul, A 4 SAMEN su, daß 


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ei das ige ‚und enir Bun vor, — zu 0 Ann n 
* ging, denn mit) Diefer re och) eine Meile re 
den Mann in fehr ftänden an... Ich redete und betete mif 


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——— feine Noth: ‚erforderte, und; gab dan ——— 


noͤthigſten ‚Ein nahnungen — DD— J 







Den iſten Dec; gegen zwey Uhr wu J 7 6 
Frau —— von bi Y oben A den. . — a ac) und 
noch fast taub antraff· Ich hätt able — 
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aͤhrende von. üten;, die ſich zum, heilige 
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Bene sndmahl an 


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76 Siebente gortſetgung der Nachricht aus Penſylvanien· 


digte Herr Hartwich/ ich aber conſeerirte, und nachdem ich das heilige 


nach hiladelphia. 4 “3 Naftatıat 
_ „Den steniec. Um jehen Uhr ging 1) aus, bie Seide ber og 


i gel fehr ſiark war, und meiſtens aus 
er erolge, fo ſehr ar, u a 
fauter Sectenleufen befiand. a , 


wobey 


trug ic) Fein Bedenken ‚ihm nach vörhergegangener Prüfung, Beich⸗ 
fe und Abſolution das heilige Abendmahl zu geben. «Seine Frau . 
und reformirte Wirthin waren dabey auch fehr andaͤchtig.. 
- Den 2aften Dec. als am aten Sonntag des Advents ſtund ich 
frůh vor drey uhr auf, um ang Meditiren und Concipiven zugehen, 
Um neun Uhr wurde von einem alten Manne gerufen, eilends zu ſei⸗ 
ner ſterbenden Tochter ganz unten in Germantown zu fommen, weil 
fie ein fehr groffes Verlangen nach dem heiligen ————— 

| | | - Wegen 


SS 


55 mini Zen. Poſt andſchuchs Tageregifker 15a. - sry 


Wbecegen meiner bevorfiehenden vielen Arbeit, der herangenaheten Zeit 
B "des Sfenstichen Gottesdienfies und. des weiter Weges hinunter, da 
es zwey Meilen weit von meiner Wohnung ift, erſchrack ich über fol- 
ches Zumuthen nicht wenig; entſchloß mich aber dennoch, hinunter zu 
. gehen. Unterwegens redeten mich siele Leute an, Die nach unferer 
- Kieche hinauf eileten , welcheich alle bat, in Geduld und in der Stille 
zu warten, bis ich die fterbende Frau befriediget. - Als ing Hausfam, 
traff fie in aͤuſſerſter Leibes ſchwachheit aber wol in einem ſtarken Der: 
fangen nad) dem heiligen Abendmahl an. Wie fie mir beym vorigen 
Beſuch nicht ganz ohne Ueberzeugung vorgekommen; fo richtete alle 
Fragen und Gebet zum Zweck aufs Fürzefte ein,. und fo viel ihre 
Schwachheit zuließ, bekräftigte fie alles mic ihrem Munde. Ich 
reichte ihr demnach das heilige Abendmahl, wobey ihr. fonft fehr har: 
‚ter und rauher Mann fehr weinete, weiches mich veranlaffete, ihm 
das Nothwendigſte zu feiner Beftrafung zu fagen. Es war mir uns 
terdefjen ein Pferd. gefattelt worden, auf. welchem fo geſchwinde ich 
Eonte, wieder zurück vitte. Vor meiner Wohnung und vor der Kir⸗ 
che fand eine aufierordentlicy groſſe Menge Volks auf mich warten, 
deren viele fich noch zum Abendmahl anmelden und fonft mie mir fores 
chen wolter Ich hieß Denn ins Haus kommen, fo viel ihrer hinein- 
gehen konten, und redete mit einem ieden nach Nothdurft, fo viel die 
Kürze der Zeit zuließ. Zu gleicher Zeit wurde auch eine Leiche gebracht, 
die ich aber vor: vieler anderer ‚Arbeit nicht bedienen konte, fordern. 
fihes:ie nach dem Gottesdienſt auffchieben mufte, Ich predigte 
enn dieſer groſſen Menge, und es waren dabey alle fehr aufmerkfam. 
Nach einigen gefungenen Verſen eraminizete und cenfirmirte ich ein 
bisher untereichtetes Maͤdgen, und- ließ nad) deren Einfegnyzr, und 
geſungenem Bers die Confitenten ihre Buß und Beichtandacyt. hal⸗ 
ten; wobey viele andere auch von fremden Parteien mit auf ihre Knie. _ 
fielen. Diefe ganze Handlung Daurete bis nach drey Uhr. - 
Den asften Dec. als am erſien Chriſttage kamen ſchon fehrfrühevier 
- Leute, theils fich noch zum heiligen Abendmahl anzumelden, theils fic) 
ausföhnen zulafen ‚theils auch anderer Dingemegen mit mirzureden, 
infonderheit auch ein veformirter-angefehener Mann mit feiner Futherie 
ſchen Frau,welche eine Frau mit ihren Kinde bey fich hatten, fo beyde von 
mir getauft feyn wolten. Dieſe Frau if von Fumpferifchen Eltern 
und acht und zwantzig Jahr alt, ihr Kind aber ohngefähr ein Mier- 
VII, Penfylo, Sortf: öfff teljahr. 





578 Siobenteigobesang Dei Yagbeiche Andpnfjteänten ke 
tehahe ¶ Der seformitte Mahn Hatte felbige chon Anterften Mopent 
ero 


gur Taufe angemeldet, id) wolte aber, "daß er in der Woche vorhero 
fee zu mir beachte, bamif ich fie einige Stunden von der. Kraft, Rus 
Gen und Nothwendigkeit der heiligen Taufe unterrichten önte. "Allein 
ihre viele haͤusliche Umſtaͤnde und ihr etwa 

nicht erlauben wollen. Ich examinirete ſie denn in Gegenwart der in 


der Stube ſich befindenden Leute, und fand bey ihr eine kraͤftige Ue⸗ 


berzeugung von der Nothwendigkeit der heiligen Taufe zur Seligkeit, 
und ein ftarkes Derlangen darnach; verfprach ihr deshalb, ihr und: 
ihrem Kinde Diefelbige zu ertheilen > Ein anderer reformirter Mann 


brachte feine zween Lutheriſche Servants, fie zum heiligen Abendmahl‘ 


anzumelden , und ein Zeugniß ihres Berhaltens zu geben. Und fo 
waren noch allerhand andere Leute da, ein iedes in feinen beſondern 
Angelegenheiten. In der Kirche nach gefüngenem Weihnachtsliede 
hielte mit den noch übrigen Eonfitenten die Buß⸗ und Beichtandacht, 
und obfchon Die Kirche überall’ wie voll geflopfet war:, fo fielen doch 
ihrer viele mitiauf die Knien. "Nach Abfingung einiger Verſe, die 


fich auf Die Umftände ſchickten, ließ ich die zu taufende Frau mit ih ⸗ 


rem Kinde und deren Taufzeugen vortreten, und eraminirete fie oͤffent⸗ 
fih. Sie war fo freudig, daß, ob fie'gleich eine angefehene Frau 


iſt, fie fich nicht ſchaͤmete auf alle ihr vorgelegte Fragen eine deutlis: 
ehe Antwort zu geben, Eheich fie noch felber taufte, verfpradh fie. 


mit einem Handfehlag Treue und NedlichFeit. Hierauf taufte ich fie: 
und ihr Kind ‚welches bey dem Volk Thranen und Bewegung 
verurſachte. Nach einigen abermals gefungenen Verſen trat ich auf 
die Canzel, und predigte nach Der Kraft, ſo mir der HErr verliehe. 
Nach der Predigt und einigen geſungenen Verſen auch verrichteter 


Confecration theilete ich Das heilige Abendmahl hundert und ſieben | 


und zwantzig Communicanten aus, welche Handlungen wieder bis“ 

nach drey Uhr Daurefen, U ERIBAESE ARTEN rist 

— Dohann Friedrich Handſchuch. 
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— — 








kranker Mann hatten es 


Er Bortfegung er 
| Dre | 


Nachricht 


von einigen 


Same Gemeinen 
in Mmerica, 


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In Verlegung des. Ränfenhaufes. 
1764 | 


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orbericht. 






1% RE IBEHGH N 9 
7. urd) die wielfältige Nachfrage mandjer Freunde des 
Werks GOttes, ob nicht: bald teiederum eine neue 
Ve Dlahricht von den Penfploanifchen Gemeinen im 
Druck erfcheinen werde, würde man viel eher veranlaſ⸗ 

örden.fenn, Diefe achte Fortſetzung derfelben zu ediren, wenn 
man nicht, aufler andern Verhinderungen und der.überhäuften Arbeit, 
für rathfamer erachtet, Die Endigung des bisherigen betrübten Krieges 
zu erwarten. Denn nicht gu gedendfen, daß viele Briefe und Nach⸗ 
richten auf den von den; Srangofen tweggenommenen Englifchen Schif- 
fen verloren gegangen ‚und. daher der Zuftand der fämtlichen Gemeinen 
im Zufammenhange nicht vecht bekannt geweſen: fo: hat auch infonders 
- heit der Krieg verhindert, Daß man den von hieraus nach Penfyloanien 
gefandten Predigern nicht mit dem gehörigen Nachdruck, abfonderlich 
‚wegen Unficherheitder. Schiffahrt, durch Zufendung neuer Mitarbeiter zu 
Hilfe kommen können; daher man denn aud) die Bekanntmachung der 
Nachrichten bis dahin verſparet, Daß man ſich derfelben wieder mit 
mehrerm Nachdruck annehmen koͤnte Nachdem uns nun der HErr die 
unausſprechliche Wohlthat des Auffern Friedens wiederfahren Mies 


Ze 


Dörberihki 1 u du 
fo iſt man quch mit neuem Ernſt darauf bedacht, daB Beſte der Pen⸗ 
ſylvaniſchen Gemeinen auf alle mögliche Weiſe zu befördern, und hat zus 

gleich nicht ermangeln wollen, wiederum in der Ausgabe der Nachrich⸗ 

ten fortzufahren, und zuvoͤrderſt in Diefer achten Sortfegung das ältere 
nachzuholen, in der Hoffnung, daß der HErr Leben und Geſundheit 
verleihen werde, die folgende Fortfegung in der-Fünftigen Michaelis 

Meſſe zu liefern, und darinnen das Merckwuͤrdige meiſt bis auf die 

neuere Zeiten mitzutheilen. en N 


5. II. 


Bey dem Inhalt des gegenwaͤrtigen Stuͤcks finden wir nicht noͤ⸗ 
thig vieles zu erinnern, als daß zwiſchen den Briefen, wovon hier die 
Auszüge abgedruckt ſind, verſchiedene auf det See verlorne Briefe und 
Nachrichten fehlen : wohin auchinfonderheif DieKeichenpredigt aufden _ 
fel. Heren Paſtor Heinzelmann gehöret, deren Verluſt zu bedauren iſt, 
weil folche vermuthlich viel erbauliches in fic) gehalten. Da übrigen 
feit der Ausgabe der vorigen fiebenten Sortfegung acht Jahre verfloſ⸗ 
fen, und manche Sefer der vorigen Umftände ſich nicht mehrerinne 3 
werden; fo wird es folchen vermuthlich nicht unangenehm ſeyn, daß ii 
dem Schreiben der fämtlichen älteften Herren Prediger vom sten Zul. 
1754, welches hier unter Num. IX: befindlich iff, eine Wiederholung det 
vornehmften Umflände und Begebenheitensenthalten, ou Da hp 
riſche Zuſammenhang wieder einiger maffen ergaͤntzet wird. be⸗ 
truͤbteſte aber unter den Nachrichten, die in dieſem Stuͤck enthalten 
find, iſt das Abſterben eines ſehr nuͤtzlichen und geſegneten Arbeiters, 
des fel. Herrn Heinzelmanns, zweyten Predigers an der Philadelphi⸗ 
ſchen Gemeine, deſſen Arbeit in der kurtzen Zeit, welche er bey derſelben 
geſtanden, vornehmlich bey der zahlreichen Schuljugend beſonders ge⸗ 
ſegnet geweſen, daher auch fein fruͤhzeitiges Abſterben von allen Redlich⸗ 
gefinnten um ſo viel mehr bedauret worden . un 
„Mit dieſer Nachricht iſt noch eine andere su Ban Da nem⸗ 
lich des Herrn —— t Geſundheit in ver⸗ 
ſchiedenen hier befi Mon tiefen gedacht Toird Tömüffen miräus den 
neuen Briefen anfuͤhren, daß detfelbe-am ‚sten. Julii 1757 nach einer 
ausgeftandenen langwierigen Krankheit entſchlafen. "Mit . 


Vorbericht 


* — — u * 4 ’ Ri N Dar r 
Segen diefee Mann? ſo lange er im Stande gemefen‘, die Pflichten feis 
nes Amts mit Munterkeit zu erfüllen, in den vereinigten Gemeinen, 
fonderlich in Philadelphia, gearbeitet, ift aus den vorigen Stuͤcken Die: 
fer Nachrichten genugfam befannf, und die nachherige Aufnahme der 
Gemeine in, Philadelphia-ift dem von, ihm und bem fel. Herrn Heine 
jelmann. abfonderfich.an der Jugend bewieſenen Fleiß hauptfächlid) zus 
zufchreiben. , Am aıflen Nov 1757, ithierauf.der Herr Paſtor Hands 
ſchuh zum ‚ordentlichen Prediger det. Gemeine zu Philadelphia berufen 
und angenommen worden, nachdem er (dom waͤhrender Kranckheit 
des. Herrn Brunnholgeng und Herrn Deinzelmanns Die Arbeit mei: 
ſtentheils verſehen muͤſſen. din a 2 
Kae be 2 Se | | 
=. Die nachher eingelaufene Berichte Melden, daß bey dem ſehr 
mercklichen Anwachs und Zunehmen der Gemeine zu Philadelphia 
Die daſige Kirche, viel zu enge geworden, und durch Berlängerung Der 
Empotfirchen auch andere Veränderungen mit der Cantzel und den 
Stühlen den Zuhörern mehrerer Raum berichaffet werden müffen, der 
iedoch noch nicht hinlänglich ift, ſie alle zu faffen. Worauf ein raumlis 
liches Stück Landes zu einem neuen Kirchhof erfauft, und derfelbe 
fo mol als der alte Kirchhof hit einer Mauer umgeben, hiernaͤchſt 
auch ein wöhlgelegenes Pfarrhaus erkauft, und an flatt Der. niederges 
siffenen untauglichen Hintergebäude: auch ein, raumlihes Schulhaus 
erbauet worden; woduͤrch aber die Gemeine über zweytauſend Pfund 
Denfplvanifch ſchuldig geworden. Auf vielfältiges Verlangen und An- 
halten: der Gemeine iſt auch der Herr Paſtor HTühlenberg genöthiget 
worden, feine Gemeinen:in Nein: Probidens und Neuhannover , nad) 
einer gemachten Interims Einrichtung, bis der HErr für. diefelbe einen 
andern treuen Prediger'fchencken würde, immittelſt zu verlaffen, und im 
Dctober 1761 mit feiner Familie nach Philadelphia zu sieben, um daſelbſt 
mit dem Deren Paftor Handfehuh das Predigtamt gemeinfchaftlicd) zu 
verſehen, dutch welche Veraͤnderung aber feine. befagte vorige Gemeis 
nen vacant geworden. Und weil die Schule fich ſehr vermehret, fo ha⸗ 
ben die Prediger nebſt dem Kirchenrath von Philadelphia in einem be⸗ 
ſondern Schreiben ſehnlichſt gebeten, ihnen einen tuͤchtigen Mann zuzu⸗ 
ſchicken, der nicht nur, nebſt dem Schulmeifter , der Schule — 
NG 3 on⸗ 





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beit zum Theil abnehmen koͤnt 











lich fünf neu 
s) ein dritter 
Prediger für Neuprovi 
4) einer 


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Da hun 





find ſolche D-Herr Johann Ludwig Voigt, aus dem Mansfeld \ 
gebüttig, welcher in Den "Sehulanhatten nes biefigen ne 


tet, und 2) Herr Johann Andreas Arug, aus Sachfen, welcher, nach⸗ 
i De 


Vorbericht 


dem er gleichfaus in den Schulen des Waͤyſenhauſes und in der letzten 
it auf den ann ‚als Wäyfen » Präceptor, Proben feines 
Er: und ‚Zreueabgeleget, eine Zeitlang zu Waſſerleben in der Sraf- 






Wernigerode als Catechet geftanden, und auch Dafelbft das Zeuge 
eu ————— und — Treue so —— 


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25* — + geb. 
erg in —S— 
examiniret un 
nigerode aus die — —* Hol angetssen, wofelbf fie 
den ı4ten Novembr ‚763angelanget find, und während ihresdafigen Auf: 
enthalts von dem Zeren Hofprediger genhagen nicht nur mit vieler 
Liebe bemwirthet worden, fondern auch von’ Defien gründlichem Unterricht 
—* liebreichem Umgang vielen. Segen für ihre Seele und viele Ermun⸗ 
gm d Anmoeifung zu fünftiger treuen und ‚gefegneten Ausrichtung 

Ahr Berufs genoffen. haben. ı: uf ſie am ⸗aſten Sanyarii 35 nach 
— unter Seh Sa; er 2 ben. 
an e unfe gel gegangen, und ha n den sten 

> ton ke — Mitte deffelben Monats haben fie 
yafı —— Reiſe nach America bey gutem Wind 
Wetter fı t 8 nun in den erſten Darauf folgenden Wo⸗ 
eher en Nord oft Wind ge ewehet, ſo hoffet "man, daß fie 
eine —— gehabt haben, und zu rechter Zeit unter der Bewah⸗ 
J deſſen, dem ind nd Meer gehorfam find, zu Philadelphia an⸗ 
ſeyn werden; wovon man den Nachrichten taͤglich entgegen 
et, da man denn auch zugleich — wird, wo und in welchen 
nf Jen fie — lag erhalten haben, al— — em Gutfinden 
de —** in und Gemeinen überlaffen worden, da von hier⸗ 
Aus wegen der — werden koͤl N na 
ſfe am ng Im wir Es 


—* 54 dp E +3 
$ Ye * — vin N nn 


a) — 
Es eirh nit unan 6 ehm ſeyn, unter andern auf der Keife sn son 
ihnen geſchriebenen Briefen, aus foigenden beyden, die aus London 


En A Herrn Dort, Francken unterm zoſten Des. 1763 ln 


— 


































D⏑ Ha Te 


— 
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Vorbericht. 





ae, 


| Vorbericht. 
„Auch nun hier in London iſt GOtt bey und mit mir. Amaten 


„Adventsſonntage habe ich unter feinem Beyſtand in der Savon: Kirche 


* 


Nachmittags über sMof. 32, 4 geprediget. Am sten Adventsſonn⸗ 
„tage habe in der Capelle Vormittags über das ordentliche Evangelium 
J edigt gehalten. Am gten Adventsſonntage ließ mich mein 
IEſus bey dem Genuß des Heiligen Abendmahls ſchmecken und ſehen, 
„vie freundlich er if. Am aten Weihnachtefeyertage predigte ich wie: 
„ver Vormittags in der Capelle über das ordentliche Evangelium. (*) 
„O HErr, deine Güse über mic) iſt fo groß, Daß ich mic) wundern 
„muß! GOtt mache fernerhin mit mir, was ihm wohlgefält. 


. „Johann Ludewig Voigt, 
Der Brief des. Herrn Krugs iſt Diefer: „E 3. melde, hiemit 
„einige Umftände, woraus id) auf der Reife bis London die väterliche 

„Prodideng GOttes bemercket habe. 


Zuvboͤrderſt rechne dahin, daß und GOtt auf unferer Reiſe gute 


„Geſundheit, Wetter und Wind gegeben. Denn dadurd) bin ich öf 


„ters -überzeugef roorden , Daß Das Kıed, welches GOtt zu meiner Erz 
„munterung gebraucht, den Ruf nach Penfplvanien anzunehmen, fein: 
„göttlicher Winck geweſen. Denn als ich zuden Meinigen nach Haufe 
„reifete, um durch fie mit von dem Willen GOttes überzeugt zu mer: 
„oenz fo Fam ich auch zu meinem Wetter in MT. == durch den mir 

GOtt viele Wohlthaten erzeiget hat, und fagte ihm von dem Ruf 


dm 


„nach Wenfplvanien. Er mar: aber nicht nur damit wohl zufrieden; 
„fondern ermunterte mich auch Dazu. Als wir darauf Abends mit eins 
„ander den sozten Pſalm gelefen und gebetet , fo molten wir auch fins 
„gen. Ich fchlug Deswegen das Lied: In allen meinen Thaten zc, 
„im Naumburgifchen Gefangbuche auf, da fand ich die mir fonft uns: 
„bekannt gemefene Verſe: (**) | 

ah, b „Ich 


Ko) Herr Krug hat ebenfalls mehrmalen in London mit Verfall geprediget, ob er 
gleich in. feinem hier folgenden Briefe davon keine Erwähnung thut. 

9) Ss find dieſelben nicht nur in mehrern Gefangbüchern befindlich; fondern fie 

rühren auch von dem Verfaſſer dieſes Liedes, D. Paul Flemming, felbft her, : 

| —— deſſen Poematibus ©. 288 zu erſehen, woſelbſt es aus i5 Verſen bes 


N a 


Vorbericht. 


Ich zieh in ferne Lande, Raut OR 
| * nüßen einem Stande, De. TE SR SPAN. 
„An den er mich Beten: x *e Parse ı 190 ER 
„Sein Segen wird mir laſſen, a on 


„Bas gut und recht ift, fallen, 
Bl dienen feiner Chrifenwelt, \ 


GEr wird ʒu dieſen Reifen TR niatk 


„Gewuͤnſchten Sortgang weifen, a de © 


„Mobil belfen bin und ber, mm nn em, 
„Gefundheit, Yeil und Leben, 

| „Zeit, Wind und Wetter geben, \ 

A „Und alles fügen nach Begehr. u n 


„Das hat GOtt aus Gnaden ohne mein Denken nd. erlangen 
„bi hierhin nicht nur erfüllet, fondern uͤberſchwaͤnglich mehr gethan 
„Ja ich glaube, daß unter andern Urſachen, warum unſere Reiſe aufge⸗ 
„halten worden, auch dieſe mit zu rechnen, daß wir dem heftigen un 
„am ıften Dec. der groffen Schaden gethan, mit entgangen ſeyn. 

„habe ich bey.dem guten Wind, Wetter und andern Wohlthaten — 
„tes öfters an den Herrn Paſtor 3. gedacht, der mehrmals mich. damit 
„aufrichtete, wenn ich furchtfam war: Da GOtt Willigkeit geſchen⸗ 
„et, den Ruf anzunehmen, fo werde er alles recht wohl machen. 
„Ja zulegt fagte er, da fich iemand bey ihm wegen des anhaltenden Res 
„genmwetters beklagte: Wenn wir beydenoch nach America. reiſeten, 
„fo wuͤrde GOtt gewiß: gut Wetter geben. Soli-Deo —— — 


Hiernaͤchſt halte es fuͤr eine beſondere Wohlthat GHttes, daß 
„wir einen Brief an den Herrn Senior ML. in M. hatten: denn bey 
„demſelben hat mir GOtt viel Gutes erzeiget. be \ 


„I) E8 war bey ihm ein Mrediger mit feiner Grau bey drey en 
„ſchon, welche dem graufamen Vorhaben und Nachitellungen der Papis 
„ten entfloben waren. Di” ergeniten ung viele Proben der göttlichen 
„Aufſicht und Fuͤrſorge, fo fie auf ihrer Flucht und Reiſe erfahren, da⸗ 
„durch mein dazumel beſonders unruhiges Hertz unter Souss Segen 
„fehr ie — und freudig mude, jnstfn kr 


; Dr | 


Vorbericht. 


0,8) Der Herr Senior teifete mit uns zu dem vor zween Tagen. 
„abgebrannten frommen Predigerin® da uns GOtt fo viel Zeit ſchenck⸗ 
„te, da DER fange ſich aufbielt,, Daß wir in feiner Spnterimsmoh: 
„nung bey einem Bauer nicht nur von ihm leiblich gefpeifet und erquis 
„cket, fondern auch durch feine freudige Erzehlung der wunderbaren Güte 
„GOttes, fo er vor und bey dem Brand bemercfet, an unſerer Seele er: 
‚„quicket und. geftärcket POUKDER,, „40h Ze. 
„Weiil mir Diefes Erempel befonders eindrücklich war; fo will et⸗ 
„was ausfeiner Erzehlung hier anführen. (1) Des Sonntags vor dem 
„Brande, als am zıften nach Zrinitatis, hat er in der Predigt die Worte 
„Hiob ı, 21: Der HErr hats gegeben ꝛc. im Eingangeerkläret.. In 
„ver Kinderlehre des Nachmittags hat er von den väterlichen Züchtigungen 
„der Kinder GOttes gehandelt, und gezeiget, wie GOtt eines feiner Kin: 
„der vor andern mehrzüchtige. (2) Des Montags, an welchem fein Haus 
„abgebrannt, iſt er auf das naͤchſte Dorf gereifet, da er um zwoͤlf Uhr das 
Feuer gefehen, aber mit andern gefagt, Daß es in einem andern Orte fen. 
„Er hat aber gleich beyfich geugeht: Wenn es dein Haus wäre! Und als⸗ 
„bald iſt der Bote da gemefen, der ihn zurück gerufen. (3) Bey dem 
„euer ift merckwuͤrdig geweſen, daß feine Frau an eben dem Tage noch 
„rein Feuer in der Küche gemacht, und es Daher auch nicht glauben Füns 
„nen,daßihr Haus brenne, als es ihr andere geſagt; daß alfo dag Feuer 
„ſich in einem alten entzundeten Stück Holtz in der Mouer muß aufge- 
„halten haben, und alfo ausgebrochen feyn (4) Daß das Feuer die 
Mfarrwohnung allein berroffen,, dabey aber doch etwas, und befonderg 
„alle Sachen, die einer fremden Perfon gehöret, gerettet worden, 


FKerner habe ich bemerckt, daß, wenn wir mit andern gemeinfchafts 
„lich gegeffen, und ich vor Tifche Die ordentlichen Zifchgebete laut gebe: 
„tet, ſolches nicht ohne Eindruck gemwefen. Denn ob es mol den meh: 
„reften im Anfange lächerlich war, ja einer einsmalg öffentlich fpottete; 
„haben fie Doc) ſolches nachher als Sünde erkannt, und es ihrem wuͤſten 
„geben unter den Soldaten und anderwaͤrts zugefchrieben. Und fo wa⸗ 
„ten fie auch, wenn ic) ein Lied fung, anfänglich entweder ftille, oder fins 
„gen laut an zu reden. Zuletzt aber fungen fie mit, und wir wehlten ges 
„meinfchaftlich ein folches Lied, Das allen befannt war, aber nur des 


„abends und Nachts. 
RR m ? — b 2 „Richt 


FR 


Vorbericht. 


* 


Micht weniger halte es für eine beſondere Wohlthat GOttes, daß 


„unſere Reiſe in London aufgehalten worden, damit ich den theuren Herrn 
„Hofprediger in feinem väterlichen Betragen recht kennen geternet, und 
„Durch fein Erempel, Unterricht und erbauliche Reden faft täglich er: 
„wecket worden, ER > TE 


y 


„Ueberdis iſt mir auch und meinem lieben Collegen das Lied $f- 


„ters fehr tröftlih: Von GOtt will ich nicht laſſen, denn er läßt 
„nicht von mir ꝛc. und infonderheit die Wortes Den Abend als den 
„Morgen thut er mich wohl verforgen, fey, wo ich woll, 
„im Land. ex 


Endlich fpüre ich auch einen befondern Segen an meiner Seele, 

„da ich eben dieſes aufichreibe, und GOtt mich zugleich an viele andere 

„andere Wohlthaten, fo ich aus feiner Hand genoffen, aber auch an mei⸗ 

„nen fchlechten Danck und Segentreue erinnert, mie auch, daß ich in 

„meiner Unmiffenheit die gröften Wohlthaten wohl anzuführen vergef- 
„fen habe. Der HErr gebe mir Weisheit, beſſer Darauf zu mercken! 


| % Johann Andreas Krug: 
Der HErr ſetze dieſe ſeine beyden nach America berufene und ge⸗ 


ſandte Knechte zur Errettung vieler Seelen und Ausbreitung ſeines 


Reichs unter den Teutſchen Lutheranern daſelbſt zum Segen, ver⸗ 
binde die Hertzen der geſamten vereinigten Prediger in unverbrüchlicher 
bruͤderlichen Liebe und Einigkeit, vereinige die daſigen Gemeinen 


zu dem Hauptzweck der allgemeinen Erbauung und Fortpflantzung der 


wahren Religion unter ihren Nachkommen, laͤſſe auch, nach wiederher⸗ 

geſtelltem Frieden, die Früchte der wahren Goͤttſeligkeit unter denſel⸗ 
ben reichlich hervorgrünen und wachſen, daß darüber fein Name gelo⸗ 
bet, und alle Freunde feines Wercks, infonderheit alle liebreiche Wohl⸗ 
thaͤter, die Daffelbe auch durch einen Theil des ihnen von GOtt zuges 


wandten leiblichen Segens befördern wollen, dadurch erfreuer ' 


merden koͤnnen. Halle, den zaten Maͤh 1764. 


Inhalt: 





Der; 


Inhalt: 


J. Fortgeſetzter Bericht des Paſtor Mmuhlenbergs von 
ſeiner Amtsfuͤhrung vom Jahr 1753, und — des Jahrs 


are, hr en. 8.579611 
I. Deſſelben Nachricht von einer Ai noch Raritan vomıateit 
bis 23ſten Jul. 1753. | ©, 611:623 


III. Auszug eines Schreibens des en Daft. Brunnholtʒens 
zu Philadelphia an den Herrn D. Francken in Halle vom 
IGten Mart. 1752. .©.623:626 


IV. Auszug eines Schreibens eben deln am eben — 
vom ı6ten Apr. 1753. S. 626⸗628 


V. Auszug eines Schreibens des Herrn Paſtor ———— 
zu Philadelphia an eben denſelben vom 18h Auguft 1753. 
S. 629» 6318 

VI. — eines Schreibens des — Paſtor Můhlenbergs 
zu Philadelphia an den Herrn Hofprediger Ziegenhagen zu 
London und den Herrn D. Francken zu Halle vom ıften 
Sept. 1753- ©. 631: 640 

VIE Auszug eines Schreibens des Heren Paft. Handſchuhs zu 
amewn an eben dieſelben, vom 28ſten Dip 1754. 

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2 — —* — Be: j 32 
vm. Schreiben des Herrn Paſtor m 
dentz an eben. — 18ter 





sen Ju J 54 n oO 4 647 
— 029 


IX. Semeinfhaftlihes Shhtelben der — ättefien Herren Predi: $; 
ger, im Namen des gefamten vereinigten Minifterii, an 


Herrn Hofprediger Zregenhagen und Herrn D. und Profeß 


for Francken, vom gu Julii 1754 ..©.662:689 


X. Auszug eines Schreibens des Herrn Paſtor Müblenbergs 


an Herrn D. Bramten aus Brnoidens, vom aten Decembr, 


1955, a RER REN 689: 691 
XI. Auszug eines Säreibens bo von eben demſelben an eben denſel⸗ 
ben, vom t6ten Febr. 1758. ©. 691. 692 


XII. Auszug eines Schreibens des Herrn Poſtor Aandfehubs 1% 


an den Herrn Mofprediger Ziegenhagen und den Herrn 
2 — ais RN vom ce Novembr. 1756. 


S. 693:698 
Nebſt einer Vdchent aus Pfaden den — De⸗ 
cembr. 1756 Tin, 699.700 
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I. Fortgeſetzter Bericht des Herrn Paſtor 
Muͤhlenbergs von: feiner Amtsführung in den 
Jahr 1753 und Anfang des Jahrs 1754. 






en Monat Januario 1753 entfchlief eine betagte Jungfrau 
AN su Kreuprovidence, welche ein treues Glied unferer Ge⸗ 
A\ meine und etliche Jahre, wegen ihrer Teiblichen Gebrech⸗ 
u) lichkeit, in meinem Haufe und Pflege geweſen. Sie war 
eine arme Waͤyſe, und mufte. fi) ‚mit leichter Handarbeit 
| ernehren. Wem wenig anvertrauet ift, von dem wird mes 
nig gefordert werden. Ihre natürlichen Seelenkraͤfte erſtreckten ſich 
nicht weit, Doch hatte fie ein gutes Gedaͤchtniß· Sonſt aber war fie 
von Natur flüchtig, und bald zur Zraurigkeit bald zur Freude geneigt. 
Vermoͤge ihres Gedächtniffes und des guten Unterrichts in der us 
gend hatte fie einen fchönen Vorrath von göttlichen Wahrheiten und 
einen Schak von Sprüchen’ aus dem: alten: und: neuen Zeflament wie 
auch; von erbaulichen evangeliſchen Liedern gefaſſet, war auch unet> 
müdet, denfelben Durch fleiffiges Leſen, Hören und Lernen zu vermeh⸗ 
ren. Sie dienete gleichſam zu einer RealBibel und Lieder: Concordang, - 
und pflegte oft den gantzen Tag zu ſingen und ſchoͤne Spruͤche herzu⸗ 
fagen.: Und da ſie, vermoͤge ihres aͤuſſerlichen Berufs, in der Nach⸗ 
barſchaft bey Leuten von allerley Geſinnungen arbeitete, ſo dienete ſie 
nach ihrem: Maß und Gaben verſchiedenen mit GOttes Wort zum 
MER, Penfylo, gortſ. Gggg Zeug⸗ 


sg0. Achte Sortfezungder Nachricht aus Penſylvanien. 


Zeugniß. Das Wort GOttes, welches eine Kraft zur Seligkeit, ja 
Geift und Leben iſt, und denen, die es hoͤren und wiſſen, entweder 
. ein Geruch des Lebens zum Leben oder des Todes zum Tode wird, hatte 
auch feine gute Wirckung auf ihre Seele nach dem Maß ihrer Erfänt- 
niß und Gemuͤthskraͤfte. Es ging ihr zwar mie folchen leiblichen Pas 
tienten, welche viele Speifen zu fich nehmen, aber wenig verdauen, und 
folglich auch nur wenig in Saft und Leben verwandeln. Ihr Gedächt 
niß wär unerfärtlich, und famlete einen reichen Vorrath von den zur 
Seligkeit nörhigen Wahrheiten; aber die übrigen Seelenfräfte waren 
nicht fo ffaref und munter, um alles recht anzuwenden, fonit hätte fie 
ein ausnehmendes Mufter in dem Reiche GOttes auf Erden abgeben 
fünnen. Ich fuchte, fo lange fie bey mir geweſen, diefen Fehler Durch 
ordentliche Mittel zu heben, wies fie auf die gründliche Armuth des Bei: 
fies , pries ihr die. Stille, Einkehr, —— Hertzensgebet und 
Kampf ac: an, fo würden die göttlichen Wahrheiten beſſer zur Kraft 
und: Anwendung bey ihr Eommen. Ich gab ihr auch zu dem Ende, 
nebft andern dahin gehörigen Sprüchen, das Lied auf: JEſu, es 
hova, ich fuch und verlangezc. alwo e8 v. 2 heiffet: Starde die 
Kräfte der Seelen von innen, daß ich die Wirdung des Geiftes 
empfind’,: nimm dir gefangen mein Reden und Sinnen , leite 
Vo; IEſu/ dein ftrauchlendes Rindzc. DB. 3: O daß mein 
Leben mit 'gangem Ernſt hielte deine Gebote von Zergen all> 
zeit:c D:4: Höre doch, IEſu, mein Seufen und Girren, 
ſuch doch, mein Zirte, dein irrendes Schaf. Lab mich. im 
Trauren ; verfüfle die Mlerrben, wede die Seele von fündlichem 
Schlaf. Wandle das Wiſſen ins wahre Arsftwefen, daß nicht 
von auffen ich cbriftlich nur ſchein. Reinge mein Hertze, und 
loß mich genefen, daß ich in Wahrheit mich nennen mag dein 2c. 2c. 
Der getreue Erghirte unterließ auch nicht, nach feiner unendlichen Liebe, 
Geduld und Langmuth dis arme Schaflein zu bearbeiten und die Seele 
zu erretten, und eilete endlicdy mit ihr aus der. Welt. Die gnaͤdige 
Borfehung GOttes, welche das allerkleinfte, nemlich die. Haare auf 
dem Haupte der Gläubigen, zehlet, fuͤgte es ſo, daß fie eben in eines 
frommen Reformirten Mannes Haufe Eranck ward von demſelben und 
feiner redlichen evangelischen Frau chriftlich verpfleget; und ohne vielen 
Schmers und Kranckheit aufgelöfet wurde. Sie beſtellete die Rieder, 
welche ben der Beerdigung folten gefungen werden,’ und bat; daß ich 
Die Leichenipredigt überiden:zten: his uten Vers aus dem Liebeihalten 
u7e 17302 | ‚ möchte: 


1 Zen. Paſt. Muͤhlenbergs Bericht von 1793. 81 


möchte: SErr JEſu Chriſt, meins Lebens Licht ꝛc., welche ſich 
yo ——— heiligen fuͤnf Wunden dein laß mie rechte 
Felslocher ſeyn ꝛtc. ꝛc. Welches auch-gefchahe. Sp arm fie auch im 
en war, fü Unterließ fiedoch nicht, ihr Scherflein ausder Nahrung 
zu Kirchen und Gottesdienfte' mit beygulegen ,„ und befehämte damit 
en, welche aus ihrem Ueberfluß nichts für GOttes Sache zu mif: 
ſen haben. Der Name des HErrn ie * Bi alles — was er 
— Seele erwieſen bett a nid 


IR Sn eben demfelben Monat — —— betagte 
Hausmutter aus einer Familie, welche in Neuprovidence mit unter 
die Anfaͤnger unſerer Gemeine gehoͤrete. Ich hatte ihnen anfangs zwo 
erwachſene Toͤchter unterrichtet und getauft, und felbige, ſamt den uͤbri⸗ 
‚gen zwey erwachſenen Kindern, in Der evangelifchen Lehre confirmiret, 
wovon drey im Eheſtande leben, und ihrem Ehriftenberufe nach würdig 
zu wandeln ſich befleiffigen. Der Witwer und Die Kinder find wegen 
«ihres ſtillen und —— Wandels unſerer Gemeine bisher eine Zier- 
de und mir ein Zroft gemwefen.- GOtt wolle fie erhalten und immer 
mehr wachfen und zunehmen laffen in dem angefangenen guten Wercke! 
Beſagte Frau nun war anfänglich in fich.felbft fehr gerecht, und hielt 
ſich fo genau und ſtriete zu dem Gehör. des Wortes GOttes, dem Ges 
brauch der heiligen Sacramente und dem Privatgottesdienft zu Haufe, 
daß dergleichen nicht gar viel zu finden find. : Aber fie machte eine Ge: 
wechtigkeit und Verdienſt daraus.  Syhr Zuſtand war faſt mit einem 
Garten im Winter zu vergleichen, deſſen Oberflaͤche vom Schnee weiß 
und von allem Unkraut rein zu ſeyn ſcheinet. Wenn aber die Sonne 
-im Fruͤhjahre den Froſt und Schnee wegnimt, und den Boden auf: 
thut, fo find die Wurgeln des Unkrauts nicht mehr verborgen, fondern 
in.ihrer vollen Kraft da, und fchlagen ungebauet aus. Es halt uns 
gemein hart, ehe äufferlich ehrbare, felbfigerechte, und. auf Das opus 
operatum ſich verlaffende Menfchen zu einer feligen Erfäntniß von 
Gott und feinem herrlichen Namen, von dem groffen Wercke der Er⸗ 
dſung durch IJEſum Chriſtum, von dem. innern Berderben des Hers 
tzens, von der Nothrvendigkeit der Bekehrung und des Glauben, 
"und zur aufrichtigen Entfehlieffung, in die Ordnung des Heils zu tres 
ten, kommen. "Man giebet ſich in vielen Dingen gern fehuldig, wenn 
nur das rechte Wünctlein nicht berühret , "und die verborgene San: 
* getroffen wird. David wolte es felber gern verſchweigen, 
Gggg 2 ia 





"382 ¶ Achte gortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 
ſprach im geoffen Affect dem Manne das Urtheil, der dem Armen fein 


einiges Schaf weggenommen Nathan haͤtte lange predigen ſollen, 
wenn nicht die Hand des HErrn im Verborgenen Tag und Nacht 
ſchwer in dem’ Gewiſſen vorher geweſen wäre ac. Wir koͤnnen die 
Uebertretungen bey andern gar bald finden, und ein Urtheil ſprechen, 
pflegen aber uns ſelbſt leicht zu vergeſſen. GOtt aber, der unendlich 
guͤtig und getreu iſt, bewies auch ſeine vaͤterliche Treue an dieſer Perſon. 
Da alles Predigen und Zureden nicht zum rechten Ziel kommen, und, 
fo zu reden, den Seidenwurm aus feiner felbfigefponnenen Seide und 
Schale nicht herauswinden konte; forgriff fie der barmhergige GOtt 
nach feiner Weisheit ſelbſt am rechten: Orte an, warf fie aufein lang: 
wieriges und beſchwerliches Kranckenlager , worauf fie zu ihrem Beſten 
ein Jahr lang zubringen muſte, auf daß fie erkennete, daß, womit 
jemand 'findiget , damit wird er auch gezüchtiget, B Weish. 
11, 17. Die Ihrigen lieſſen nichts an Argeney urd Mitteln fehlen, 
aber der HErr bleibet der rechte Arst. : Es mangelte ıhr nicht an Wiß 
fenfchaft der 'göttlichen Wahrheiten und Erfäntniß von der Ordnung 
des Heils; daher konte ich als minifter gratis nicht viel ſagen, was fie 
nicht ſchon vorher gehoͤret und gewuſt, und muſte den Eigenthums⸗ 
herrn und Meiſter ſelbher wircken und den Proceß ausfuͤhren laſſen. 
Er verwundet und heilet zu rechter Zeit. Die leibliche Kranckheit ſtieg 
ſtufenweiſe Die Seelen: Umſtaͤnde und des guten Geiſtes Bearbei⸗ 
tung aber kamen Damit überein „was in dem Liede ſtehet: Mein 
Freund zerſchmeltzt aus Lieb in feinem Blute zc. vom sten Vers 
an bis zum Ende; da es v. 6 heiſſet: In Chrifti Tod wird nun mein 
Tod.vertriebenze V7: Nun wird mein Geld im Leiden rein 
geteget: der Öfen iſt das Creutz; der Ceſt das Hertz; die Schla⸗ 
de iſt was ſich in Gliedern reget; der Schmeltzer iſt mein 
Freund 3 die Glut der Schmergzc. DB: rn? Mein GOtt! ent= 
zund in mie des Creutzes Flamme laß deſſen Glut des Geiſtes 
Gold durchgehn, und ſtaͤrcke mich in dem erwuͤraten Lamme, 
daß ich verklaͤrt im Tiegel bleibe ſtehn. Wenn gleich das Fleiſch 
ſich klaͤglich ſtellt; gnug/ daß der neue Menſch im Creutz den 
Sieg erhaͤlt. Der gnaͤdige GOtt, der nicht Luſt hat am Tode des 
Gottloſen, und ſich aller ſeiner Wercke erbarmet, wird auch an dieſer 
Seele den Zweck der Erloͤſung und Heiligung erreichet haben. Sie be⸗ 
ſtellete zu ihrem Leichentext den 23ften Pſalm gantz/ weil fie: mit demſel⸗ 
ben beſonders in ihren letzten Stunden beſchafftiget geweſen, ließ an 
FTP EHE RTG Be Na 


* 


er L Sen. Paſt. Maͤhlenbergs Bericht von 1753. RE 583 


Goͤnnern und Wohlthaͤtern Segen und Vergeltung anwuͤnſchen, und 
‚befahl ihre- Kinder GOtt und dem Worte ſeiner Gnade, - - 2 
In demſelben Monat Januario ward ich auch genöthiget, eine in 
dem HEren entſchlafene fromme Witwe von go Jahren, welche acht Meis 
len von Neuprovidence gewohnet, auf der fo. genannten Mennonis - 
fen Kirchhof zu begraben. Sie mar eine geraume Zeit in Diefem Lande 









abber nicht an dergleichen Unweſen ſondern blieb veftan GOttes Wort und 


Gebet; big fie zu ihrem Sohne ziehen, und ihr Leben in mehrerer. Stille 


8999 3 Im 


} 34 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


gm Monat Maaͤrtʒ verſchied die Ehefrau eines Mitgliedes von 
der Neuhannoveraner= Bemeine. Sie war fürglic) erft ing Land ge: 
. ‘Fommen, und in Zeutfchland bereits durch GOttes Wort und treue 
Diener ZEfu erweckt worden. O daß viele ſolche Seelen herein kom⸗ 
men, und unter den unſchlachtigen Öefchlechtern ein Saltz und Licht 
in dem HErrn feyn und bleiben möchten! Sie freuete ſich, daß fie in 
diefem Lande Gelegenheit und Mittel fand, ihre Seele auf dem Grund 
der Apoftel und Propheten , in welchen Chriftus JEſus der Eckſtein ift, 
ferrier zu erbauen, und verfäumte Feine Gelegenheit , mo fie Nahrung 
für den innern Menſchen finden Fonte, weil fie begierig mar nach der 
vernünftigen lautern Milch als die iegtgeborne Kindlein. Siererfreuete 
mich ein und andermal im Privatgefpräche, und gab zu erkennen, daß. 
ſie den rechten Schag und die koſtbare Perle in IEſu gefunden. ' Aber 
ach wie unbekannt und verachtet find folche einfältige Seelen in den Au 
gen der folgen Weltmenſchen! Sch hatte wegen Abwefenheit nicht Ge 
legeniheit , Die obbefagte Perfon bey ihrem Abfchiede aus der Zeit noch 
- einmal zu fprechen, weiß aber, daß GOtt getven iſt und Die Seinigen, 
es fey im Leben oder Sterben, nicht über Vermoͤgen verfucher wer⸗ 
den läffet, fondern machet, daß die Verſuchung fo ein Ende gewinner, 
daß fie es ertragen Eönnen. wen ons 


Su eben biefem Monat Mär beerdigte ich eine betagte Chefrau, 
welche vom Anfange her ein Glied unferer Gemeine in Neuprovidence 
gemefen , und fi) der Gnadenmittel bedienet hatte. Sie befaß ein 
feines Gedachtniß, konte das Vornehmſte won einem ieden Vortrage 
behalten und zu Hauſe wiederholen. : hr Ehemann mwohnete anfangs 

auch dem öffentlichen Gottesdienft mit bey, molte aber dem Worte und 
Geiſte GOttes nicht gehorfam werden, fondern fiel in ein und andere 
Laſter, ſchlug alle Ermahnungen aus der Acht, und berief fich auf die 
Sandesfrepheit. Die Frau mar Fräneklich, und teil fie eine auftichtige 
‚Liebe zu feiner Seelen Wohlfahrt gu haben begeugte, und Eein beſſeres 
Huͤlfsmittel als GOttes Wort hatte, auch gedachte, es muͤſte bey ihm 
denſelbigen Einfluß wie bey ihr haben; ſo lag ſie ihm Tag und Nacht 
mit Ermahnungen und Beſtrafungen an, es mochte zu rechter Zeit oder 
zur Unzeit ſeyn, indem ihr das rechte Maß der Chriſtlichen Klugheit, 
Sanftmuth und Langmuͤthigkeit fehlete. Er konte fie weder nad) ihren 
leiblichen, noch Seelen: Umſtaͤnden leiden, und noch vielweniger ihre 
gutgemeinten Vermahnungen vertragen, und tractirete ſie daher ie 

| —J vielen 





1: Sen, Poft. Müblenbergs Bericht von 1733. 585. 


vielen Schlägen und groben Beleidigungen ꝛc. Ich ging ein und an⸗ 
dermal zu ihnen ins Haus, ermahnete den Mann ernſtlich und lieb⸗ 
reich, daße von Hertzen zu GOtt wenden, und durch Chriſti erwor⸗ 
bene Kra n der Sünde logreiffen, und durch Chriſtum zum Vater 
führen la fen möchte; fagte auch ihr, mie fie in Anfehung ihres Manz 
nes weislich wandeln , ihn mehr mit ftilem Wandel als Worten zu ge 
winnen fuchen, und Geduld haben müftere. Bey ihm mar nichts aus⸗ 
zurichten, weil das Lafter der Trunckenheit der er ergeben war, dem 
Worte der Ermahnung nicht leicht einigen Raum laͤſſet, und die Thuͤr 
zu allerley Arten von groben Sünden aufthut. Sie nahm die Ermah⸗ 
nung wohl auf, meinete aber, daß fie. verbunden wäre , gegen ihres 
Mannes lafterhafte Aufführung zu zeugen, und darüber u leiden, Das 
mit fie ſich nicht fremder Sünden theilhaftig machte. Ich hatte dar: 
wider an ſich felbft nichts einzumenden , vieth ihr aber, * ſie ſich von 
GOtt mehrere Weisheit und Geduld ausbitten möchte, um Die rechte 
Art und Werfe ihres Verhaltens gegen ihn: zu treffen. Zulegt ging 
der Mann von ihr weg, und ließ fie in ihrem Neibhen. Elende figen, 
damit er ohne Beſtrafung fich ſelbſt gelaffen feyn Eönte. Der barmber- 
gige GOtt gab der armen geplagten Frau noch einige Zeit und Geles 
genheit, fich in der Stille auf ein ewiges Leben zuzubereiten, und machte 
durch den Tod bald ein Ende ihres Jammers, und ich begrub fie. mit 
einer Leichenrede uͤber die Worte Lucen, 4: Exlöfe uns von dem 


Hebel, - 

ER AU ——— des Monats Miärs und im Anfange des Aprils 
wurde ein Englifcher Nachbar von 72 Jahren aus Neuprovidence 
im Frieden heimgeholet, nachdem er durch GOttes Wort und Geift 
jum ewigen Leben bereitet, und durch Ereus und Truͤbſal bemähret 
worden Ermarin England su Watford der Sraffchaft Hertfordfhire 
im Jahr 1681: von Ehriftlichen Eltern geboren, und daſelbſt durch die 
Heil. Taufe zum Recht, Befig und Genuß der erworbenen Heilsgüter 
gebracht. Er hatte feinen leiblichen Vater frühzeitig verloren, und 
far zu feinen Anverwandten nach London gefommen, welche ihn leſen, 
ſchreiben und eine ehrliche Handthierung lernen laſſen. In den erſtern 
Jahren des ietztlaufenden Jahrhunderts war er in Penſylvania ange⸗ 
kommen, woſelbſt er ı709 in den Eheſtand getreten, und in demſelben 
eilf Kinder, nemlich ſieben Söhne und vier Toͤchter, gezeuget, wovon 
noch ſieben am Leben find, und hin und her in den Americamſchen Pros 
—B————————— Seiner Religion nach hieß er ein — 







6. Achte Kortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien. 


der Engliſchen Epiſcopal⸗ Kirche, und hielt ſich zu der Engliſchen Su 
meine hier in Lreuprovidence, welche viele Jahre her mit Prediger 
von der Hochlöbl. Klee von der Fortpflan sung des Evangeli gie 
tigft verfehen worden. Es iſt aber zu bedauren , da | J 
Gemeine die groſſe ohlthat nicht alle’ —— genug enfennen, 
und im Gebrauch der Gnadenmittel zum Theil ſehr nachläffi | 
So war es auch mit unſerm ſeligverſtorbenen Nachbar anfaͤnglich 
gangen. "Er hatte in feinem Leben weder in England noch hier das 
Heil. Abendmahl empfangen, und hieß doch immer ein Glied vonder 
Englifchen Kirche, dergleichen e8 hier noch viel mehrere ‚giebt, Er war 
anfangs ein munterer, angefehener und beliebter Mann in Diefem Lande, 
wuͤrde aber feine Seele ſchwerlich errettet haben, wenn der gnädige und 
barmhergige GOtt ihm nicht durch harte Zrübfale und. Zuͤchtigungen 
zur Annehmung und rechten Gebrauch der Ginadenmittel vorbereitet und“ 
bewaͤhret hätte... Funfzehn Jahr vor ſeinem Ende bekam er einen Zufall, 
welcher ihn untüchtig' zu feinem Teiblichen Beruf machte ‚und unerachtet 
aller angewandten Foftbaren Mittel nicht zu heben war. Ich befuchte 
ihn dann und wann in feiner Zrübfal, da er bereits von vielen Aersten 
viel erlitten, und fein Gut giemlich darüber verzehret hatte, und befand 
bey ihm, daß Anfechtung auf das Wort mercken lehret. Er ſuchte 
unmehrb einen beſſern Artzt fuͤr ſeine Seelenkranckheit in dem Worte 
GOttes, und befand ſich faſt in den Umſtaͤnden, wie Gal 5, ı7 ſtehet: 
Das Sleifeh gelüftet wider den Geift, und den Geift wider One 
Sleifch , diefelbige find wider einander, daß ihre nicht thut, was 
ihr wolle. Der alte Menfch wolte immer etwas Neues aus den 
- Zeitungen und den Reichen diefer Welt, und der. neue Menfch Nahrung 
aus dem Worte und Reihe GOttes haben. Da aber’ die Kranckheit 
anhielt, und die Leibeskräfte von Jahren zu Jahren ausmergelte, und 
er fortfuhr in GOttes Wort zu forſchen, und im Verborgenen zu bes 
ten: fo bekam der gute Geift GOttes die Oberhand, und leitete ihn zu 
Chriſto. Er liebte, nächft der heiligen Bibel‘, erbauliche Engliſche 
Bücher, wurde von meinen aͤlteſten Amtsbrüdern auch verfchiedene mal 
befischet, und mit Englifchen Büchern und Unterricht verfehen. "Nachs 
dem ihm der Rath GOttes von der Seligkeit beſſer befannt, und die 
herrlichen Morrechte des neuen Zeftaments mehr offenbar worden, be: 
kam er ein Verlangen, das erſte mal in feinem Leben das von Ehrifto 
verordnete heilige Abendinahl zu empfangen ‚und mit dem Leibe und 
Blute der gecreutzigten Liebe am: dem inmwendigen Menſchen geffärchet, | 
und * 








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"13er. Paft. Mahlenbergs Bericht von 1733: 


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587 





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# 


38 Achte Sortfegung der Nachricht ans Ponfploanien. 


welches bisweilen mit dem rechten Glauben vermechfelt wird, verſchwun⸗ 
den, und an deffen ſtatt ein glaubiges Anhalten da fen, welches nach dem 
73ſten Pſalm mitten: in der Angſt fage: Dennoch bleib ich ftets an 
die, denn du hälteft mich bey meiner rechten Sand. Du leiteſt 
mid) nach deinem Rath, und nimmeft mich endlich mit Ehren 
an. Wenn ic) nur dic) babe, fo frage ich nichts nach Kimmel 
und Brdenzc. Nachdem der letzte Proceß geendet, fo wurde die Sees 

le gefchieden und zur Rude gebracht „ wo fie, tie ich hoffe» fagen mag: 
Ich ehre deine Crägelmacl , o Lamm, mit taufend Aüffen, die 
mich der Schuld und Hoͤllenquaal, GOtt Lob! nun gang ent- 
riffen: Rein $led noch Rungel wird verſpuͤrt, weilmich fo koͤſt⸗ 
li) ausgesiert mein Goel, Hirt und Bruder. Er bat: in feinem 
geben, daß mir ihn auf unfern Kirchhof begraben, und ich feine Leis 
chenrede uber die Worte Chriſti Matth. 6, 333 Trachtet am erften 





nach dem Reiche GÖttes und nach feiner Gerechtigkeit zc. in 


Englifher Sprache halten möchte; welches auch vor einer groflen Ders 
famlung von allerhand Nationen gefehahe 0 nn 
In dem Monat MIäy ftarb ein -befagter Hausvater von einer 
zahlreichen Familie , welcher zehn Meilen von der, Neuhannoverifhen _ 
Kırche wohnete. Er freuete fich anfangs über meine und meiner Amts⸗ 
brüder Ankunft ins Land , und über die Gelegenheit, GOttes Wort 
zu hören, wohnete dem Gottesdienſt fleiffig bey, ließ feine Kinder meis 
ftentheils unterrichten und confirmiren, und las zu Haufe fleiffig in der . 
Bibel, in Arndts wahren Chriſtenthum und andern erbaulichen Büs _ 
chern. Er führete einen ehrbaren Wandel, und Eonte in Befellfehaften 
von göttlichen Wahrheiten erbaulich veden. In den letztern Jahren 
wurde er wegen Alter und Schwachheit unvermögend, die beſchwerli⸗ 
chen Reifen nad) der Neuhannoverifchen Kirche zu thun. Er mohnete 
in einer Gegend, wo fich Leute von allerhand wunderlichen Meinungen 
finden, melche die Prediger, Kirchen und Sacramente ohne Unterfcheid 
verachten ‚und auf ihre eigene Öerechtigkeit flols find. Weil num böfe 
Geſchwaͤtze gute Sitten verderben , und diefer Mann in der letztern Zeit 


zuviel Umgang mit dergleichen Leuten haben mochte, fo fließ er fih 


an allerhand.indifferenten Kleinigkeiten unferer Religion, und fog al: 
lerley Vorurtheile gegen die Prediger. ein. Ich befuchte ihn ein und 
ander mal, wenn ich Gelegenheit hatte, in feiner Gegend zu predigen, 


und ermahnete ihn zu einer ernftlichen Sorge,für feine Seelerc. as 


AM 


1 Zen. Paſt Mlühlenberge Bericht von 1733. 589 


lich hat ihn der Herr auf das Kranckenbette gelegt, nnd ihn durch feis 

nen Geift der erſten vielfältig gehörten und gelefenen Wahrheiten erins 
\ nert, wodurch er Raum zum beſſern Befinnen gegeben. Weil er denn 
bey verfehiedenen Gelegenheiten ein und andere harte und liebloſe Aus: 
Drücke wider mich mochte ausgeftoffen haben, fo hatte er Scheu getra- 
gen, mich in feiner Krancfheit rufen zu laffen, ob ich gleich, wenn ich 
es gewuſt hätte, folches gar nicht geachtet, und ihn von Hergen gern 
— Nichts deſto weniger hatte er verlanget, mir nach ſeinem 


‚zu ſagen, daß er in JEſu Blut und Tode als ein armer Wurm 
Gnade gefucht und gefunden, und die Hoffnung hätte, ich würde ihm 
feine begangene Fehler wider mich um Ehrifli willen verzeihen, ihn be: 
graben, und die Leichenbegleiter mit GOttes Wort erbauen; welches 
ich denn auch gerne that, und mich freuete, daß der getreue Ertzhirte auch 
dieſes Schaf in den legten Stunden auf feinen Achfeln heimgetragen 
hatte. Ich hielte eine Teutſche und Englifche Leichenpredigt in einem 

räumlichen Verfamlungshaufe, weil ein groffer Haufe von Zeutfchen- 

. und Englifchen Leuten zugegen war, murdeaber etwas beunruhiget, in⸗ 

. dem ein altet eigenfinniger Mann, der fich neugeboren nennet, drauffen 
vor der Thür ſtund, und mit ungeſtuͤmem Geſchrey etlichen Leuten nad) 
feiner Art predigte , und mich zu ftören fuchte. Er Argerte fich aber, 
teil nur wenige feine Nede hören und ftehen bleiben wolten, und er 
im Zorn nach) Haufe, nachdem er feinen Kram ausgeleeret hatte: 5 
würde gern ftil gefehtwiegen, und ihm zugehöret haben, wenn von feinem - 
Beruf und gefunder Lehre überzeugt gemefen wäre. Sein Grund. be: - - 
fiehet aber darin : Er hat vor vielen Fahren einmal des Nachts ein 
Licht in feiner Kammer gefehen, und vorgegeben , das Licht habe ihm. 
geoffenbaret, daß er ein Kind GOttes, und daß das obrigkeitliche Amt, - 
Das Lehramt, die Bibel, Sacramente, Kirchen, Schulen ac. vom Teu⸗ 
fel feyen, und daß alle Menfchen fo werden müffen wie erzc. Welches 
aber gewiß nicht zum Beſten dienen möchte, weil er fich dann und wann 
volltrincket, und fein armes Eheweib mit Schlägen tractiret. Die 
. hinterbliebene Witwe und etliche verftändige Freunde, welche bey dem 
Ende des Verſtorbenen geweſen, erzehlten, daß er einen harten Kampf 
vorher gehabt, und ſich darin gläubig verhalten harte. 


Im Monat Auguft farb ein treues Glied von der Neuprovidencer⸗ 
Gemeine. Der Mann war durch Truͤbſal und Noth in feiner Familie 
und durch den fleiffigen Gebrauch der zur Seligfeit verordneten Gnaden⸗ 

Hhhh a mittel 








r 


99 Achte Sontfeging‘der- Nachricht aus Penſylvanten. 


wittel erweckt und zur Erkaͤntniß ſeines Verderbens ren Fri 
hatte aber viele Berſuchungen und An tungen von ſolchen, die ſe 
kleinen Anfang des Guten oft auf die Probe ſtelleten, und über feine 
anklebende Schwachheiten und eberellungem einge ehe ma! 





ten. Die Weltmenfchen können die Wirckungen des guten Geiſtes in 


den Seelen nicht erkennen noch recht beurtheilen. Bey dieſem Manne 
war · durch GOttes Gnade, ſo weit ſichs in — — eini⸗ 
gen Kennzeichen urtheilen jaͤſſet, etwas gruͤndliches angefangen. Ein 
Menſch foll und wird nichts mehr taugen, als er gilt in GOttes Augen, 


- Er war übrigens fleiffig. in feinem: Beruf, und une 1 und die Seini» | 


gen im Schweiß des Angefichtszunäbren. "Er gabund ieden 





das Seinige, theilte feine übrigen Scherflein der ——— wol — 


Beduͤrfniſſen der. Kirchen und Schulen, als armer Leute willig mit. 

verfäumte Feine Gelegenheit, ſich in der Kirche und zu Haufe ufe mit 8 
tes Wort zu erbauen, verleugnete ſich ſelbſt, fo viel ihm 
Gnade dazu verliehe, und trug feinem IJEſu das Creutz in Schwache 
nad). Seine Fehler, Schwachheiten und Uebereilungen dieneten ihm 
zur Demüthigung , und machten ihn fliehen: zu der lebendigen Krafts 
und Troftquelle und zu dem freyen offenen Born: für alle Sünden und 
Unreinigkeiten. Und ob er gleich nur wenig über viersig Jahre erreichet, 
fo eifere Doch fein guter Hirte mit ihm aus der 'argen Welt zur ewigen 






Ruhe. Ich mar bey ihm am Tage vor feinem Abfchiede, und fand ihn 


——— klein und entbloͤſſet von eigener Gerechtigkeit, aber voll Ver⸗ 
langen nach der vollguͤltigen Gerechtigkeit, die JEſus erworben, nicht 
für ſich ſelbſt, nicht für die guten oder boͤſen Engel, ſondern für arme 
- Sünder, die fich ſo erkennen und fuͤhlen. Er fuͤhlte ſich durchaus fün: 
dig und verdammungswürdigs; aber die Gnade war mächtiger, und 
machte ihn getroſt abzufcheiden und bey Ehrifto zu feyn. Seinearmen, 
annoch unerzogenen Kinder, welche er zurück laſſen folte, machten ihm 
noch etwas Kummer. Er rief fie in meiner Gegenwart bor ſein Bette, 
ermahnete ſie hertzlich zur Furcht GOttes, und empfahl fie mit Gebet 
und Flehen ‚der. gnaͤdigen Vorſehung, Pflege und Bearbeitung des 
dreyeinigen GOttes und verſchied in der folgenden Nacht ſanft und 
flilte. Wir haben an ihm ein treues Glied der Gemeine verloren, weil 
er vom Anfange her bis ‚zum Ende fich treulich zur Gemeine gehalten, 
und Freude und Leid mit empfunden. Er erkannte die Wohlthat, 





welche. unfere Freunde und Gönner aus Europa an: ihren armen zer⸗ 


ſtreueten Slauderacrrwanden mit GOttes Wort erwieſen, und hoffete 


4 2 . — a 
re er — 


ne 


der HE 


1 Zen. Paſt. Muͤhlenbergs Bericht von 1753. 7 91 


fie vor dem Throne GOttes zu ſehen Da wird man Freudengar⸗ 
1 bri „wenn unfte Thränenfaat iſt aus: O welch ein Ju⸗ 


ben bringen, wer - | 
erklingen und füfler Ton ins Vaters Zeus! Schmerg, 
Leid, Tod, und dergleichen, wird müflen fliehn und 








Bi Ds alte, ER ————— 
In eben demſelben Monat Auguſt ſtarb ein junger Mann, der vor 
etlichen Jahren von mir unterrichter und confirmiret worden, und ein 








fentl chen Auction, um etwas Hausgeräthezu feiner Wirthſchaft ein 
ukaufen. Wie e8 nun bey ſolchen Öelegenheiten hier Leider! zu gehen 
pfleget, daß ſich oftmals alte ar Sünder von * 
chi; % 3 and 





"592 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penſylo nien. 


hand Parteyen und Nationen mit ſtarcken Getraͤncken übernehmen, und 3 


hatte ſich auch hier nach) vollendeter Auction eine Anzahl von Englifehen 


und Teutſchen muthwilligen Männern vereiniget / mir. ihren Pferden auf ’ 


der öffentlichen Straffe einen Wettlauf anzuftellen, und die armen Erea- 
£uren zu ihrem Uebermuth zu mißbrauchen. Borbefagter Mann ftund 
nebft noch andern Zufchauern neben der Straffe, wo er vermeinte ſicher 
gu feyn. Da aber die Wettjaͤger mit ihren in Aut: getriebenen»Pfer- 
den ankamen, fo lief eines Englifchen Marınes Werd: auf ihn (08, ohne 
Daß es der Reuter zwingen konte, brachte ihn unter die Fuͤſſe, und rich» 
tete fein Gehien dermaflen zu, daß er drey Lage und Nächte ſprachlos, 


ohne den geringften Verſtand lag , elendiglich ſtarb, und fein armes 


Weib und Kinder in dem Witwen: und Waͤyſenſtande zurück ließ. 


Die Mutter des Verſtorbenen N am wie 08 et: 
wa mit der Seele ihres Sohnes in der Ewigkeit befchaffen feyn möchte? 


Ich fagte, daß bekannter maffen nah GOttes Wort zween Wege in’ 


die Ewigkeit gingen, nemlich ein breiter und ſchmaler; daß auf dem 
breiten viele, und auf dem fehmalen menige wandelten; daß es unmög; 


fich fey, ohne Slauben GOtt zu gefallen, und ohne Heiligung niemand 


den HErrn fehauen würde. Die Mutter meinete, er möchte vielleicht 
durch die Vorſtellung im Traum in ſich gegangen feyn , und fich zu 
GHtt gewendet haben; der barmhersige GOtt habe nicht Luſt am Tode 
des Suͤnders, und fuche der Menfchenkinder ihr Beſtes x. und er hätte 
ihn vielleicht Durch diefen Fan, nad) feiner Weisheit, einer aröffern Ge: 
fahr und mehreren zukünftigen Berfuchungen entriffen ꝛc. Ich antwors 
tete: Diefes wäre eine mögliche Muthmaſſung, welche aus ihrer. muͤt⸗ 


terlichen Liebe floͤſſe, und ihr in der Abficht zu gute gehalten werden 


muͤſte. Inzwiſchen folte keiner auf Gnade hin fündigen , fondern mit 
allem Ernft darnach ringen, Daß man durch die enge Pforte einginge, 
und das Heute nicht vergäffe.- “Der verblichene Eorper wurde auf der 
fo genannten Mennoniften Kirchhof begraben , weil er zunaͤchſt Dabey 
gewohnet. Und da es ein’aufferordentlicher Zufall, und weit und breit 
bekannt mar, fo verfamlete fich eine groffe Menge Volks von allerhand 
Nationen und Parteyen, um unter andern aud) zu hören, was Der Pre⸗ 
Diger etwa ben Diefer Gelegenheit fagen möchte. So viel mir der HErr 
Gnade in der Schwachheit verliehe, hielt ich eine Bußpredigt in Teut⸗ 
ſcher und Englifcher Sprache über die Worte 1Moſ. 4, 9 10% Da 


— 


ſprach der DErr zu Cain: Wo iſt dein Sruder abel? — 


[23 


1. Zen. Paſt. Muͤhlenbergs Bericht von 1753. 593 


icht; foll ich) meines Bruders Hüter feyn? Er aber 
ashaft du gethan? die Stimmedeines Bruders Blu⸗ 
et zu mir von der Erde. Ferner über den iſten Pſalm: 
bl dem, der nicht wandelt im Rath der Gottlofen:c, GOtt 
ſich wol nicht unbezeuget an denen, die feinem Worte nicht muth⸗ 
ig. widerfireben. Unſer Amtsbruder, der Herr Handſchuh, war 







eben, im Lande, und mohnete dem Leichenbegängniß mis bey. 


Zu Ausgang des Monats Septembris fuchte ung der allerheis 

ligfte GOtt empfindlich heim, indem er unſern Älteften Mitbruder von 
der Neuprovidencer: Gemeine auf das Siechbette legte, ihn vollends 
zubereitete, und in der Nacht vom ıgten. biß ısten October auflöfete, 
Er war in dem HochfürftlichsHeflen: Darmflädtifchen Lande von Chriſt⸗ 
lichen Eltern geboren , nach daſigen guten Anftalten in Kirchen und 
Schulen in den Gründen der Evangelifchen Religion wohl unterrichtet 
und erzogen, kam im Jahr 1729 mit feiner Familie in diefes Sand, feste 
ſich in dem Amte Neuprovidence genannt, fuchte fich und die Seinigen 
ehrlich und im Schweiß des Angefichts zu nehren, wurde von GOtt mit 
Kindern und leiblicher Nahrung geſegnet, und. nach und nach als ein 
brauchbares Inſtrument zum. Beſten feiner Slaubensgenoffen zubereitet: 
In den erftern Jahren feines Hierfeyns, da es an ordentlich berufenen 
Zeutfchen Evangelifchen Lehrern fehlete, hielt er fich nach feiner Erfänts 
niß an GOttes Wort und die daraus gezogene mitgebrachte erbauliche 
Bücher, und theilete auch etlichen in. feiner Nachbarfchaft zerfireueten- 
Slaubensverwandten feine Gaben „nach dem werliehenen Maß, mit. 
Er hatte manche. Berfuchungen von andern Parteyen, welche gern Mei⸗ 
nungsgenofien machen, ließ fich aber nicht ein , weil er wohl wuſte, daß 
die Meinungen nicht felig machen, ſondern der wahre Glaube, der Das 
Hertz reiniget, und Durch die Liebe thätig ift, und daß die Mittel, zu 
ſolchem zu gelangen, in der Evangelifhen Kirche hinreichend feyn, wenn 
fie nur in rechter Ordnung, mit gehörigem Ernſt und anhaltender Treue 
‚gebraucht, und in Saft und Leben verwandelt werden. Nachdem der 
Aelteſte von dem damaligen kleinen Evangelifchen Häuflein in Neupro⸗ 
vidence, nemlich Monf. Schrack, (melcher nebft andern bey unfern 
Sönnern und Vätern in Europa um Hülfe gebeten ) geftorben war, fo 





erwehlten ihn die übrigen zum. Vorſteher, und genofien von ihm mans 
chen ub, guten Rath, Fuͤrbitte und Aufmunterung. "Und da 


die Gemeine endlich mit Lehrern verforge und gefamlet wurde, ſo nahm 


’ 
* 
—— 


304 Achte gortfesüng der Nachricht Se fen. ji 


er fich der Sache fo treulich an, als ob ie fein oe genen wär 
Der Kirchen: und Schulbau in Providence wurde Durch-feine Liebesga⸗ 
ben, unermüdete Sorge und: Arbeit nicht — Es wat 
ihm keine Hitze zu groß, Feine Kälte zu Scharf, Fein Waſſer zu hoch, 
Fein Weg zu tief, und kein Scherflein zu lieb, wenn er zur. 5 re GL 

fes und Beförderung feiner Kirche etwas Gutes erweifen ſolte 
Eonte. Ordentliche Prediger waren bey ihm wie Brüder zu Hau 
Segen ‚feine redliche Ehegenoflin\erzeigte er fich als ein Chriftlicher 
Mann, gegen feine Kinder und Hausgefinde als’ ein rechter Vater und 
Hausprediger, gegen die Gemeine eremplarifch , gegen. feine Radybarn 
dienſtwillig, gegen Arme ‚liebreich, gegen andere Parteyen ftandhaft und 
— ‚ gegen feine Widerſacher geduldig und ———— gegen 
Fremdlinge gaſtfrey, ‚ gegen Witwen und Waͤy en mitleidig gegen 
Krancke barmhertzig, gegen Nothleidende hülfreich, und gegen die Obrig: 
keit gehotfam. Bey der Anhörung des Wortes GDites beivies er. ſich 
aufmerckſam, andaͤchtig und ehrerbietig, und pflegte gar oft den Inhalt 
der Predigten aufzuzeichnen , damit er ſolche zu Haufe. mit feiner. Fa⸗ 

milie wiederholen, und gleichſam wiederkaͤuen koͤnte. ernennt 
diger bigmeilen in andermeitigen Amts und. Ganein:Ge aͤfften — 
ſend ſeyn mufte, fo erſetzte er den Gottesdienft mit Vorie ——— 

und Gebet, und beſuchte Die Krancken mit Zufpruch aus Gttes Wor 
In den Kirchenrechnungen war er ſehr accurat, und legte lieber etliche 
Schillinge zu, als daß er ben geringſien Heller hätte entwenden ſollen, 
wie die Rechnungen in dem Kirchenprotocoll vor iedermann bezeugen 
koͤnnen. Die nothduͤrftige Verſorgung der armen Prediger und 
Schuldiener Tag ihn nahe am Hertzen, ſo daß er oft wuͤnſchte, er 
möchte im Stande ſeyn, naͤchſt GOtt ihren Mangel allein zu erfegen. 
Senn etwas im Aeuſſerlichem zu bauen und — beſſern vorfiel, fo ging 
er voran, und zeigte den andern mit guten xempeln, wie man thun 
folte Wenn er Streitigkeiten zwiſchen ein und andern Gemeinglie: 
bern erfuhr , fo gab er ſich Mühe, Frieden zu Bart und. Pe ara 

ferung su ermahnen. Er hatteein und andermal anfcheinende Gelegen⸗ 
“heit , feine leiblichen Umſtaͤnde zu verbeffern , Su Eee 14 den. 
reicher zu werden, fagte aber, er molte lieber alles Zeitliche verlieren, 
als GOites Wort und den Sottesdienft mit vergänglichen Gütern ver: 
taufchen. : Da ex num folchergeftalt nach den Gründen der Ehriftlichen 
Religion wandelte, und begierig war, das Reich JEſu Ehrifti bey ſich 
und andern zu PREMIER ſo * es ihm nicht an manchen a 
i welche 
















= 








— 


A HIrn Paſt. Muͤhlenbergs Bericht von sh. 9 


welche ſeinen Chriſtlichen Namen und Character zu verlaͤſtern ſuchten, 
und er war in Anſehung ſo vieler Widerſacher und Verleumder ein 
geplagter Mann, und wolte bisweilen kleinmuͤthig werden, Eonte ſich 
aber gleich wieder aus GOttes Wort ermuntern: Johannes Bam, af 
und trand nicht wie andere, fo fogten fie: Er bat den Teufel, 
Des Mienfchen Eu die höchfte Weisheit, kam felber, aß und 
trand wie andere, ſo fagten fie: Siehe, wie ift der Menſch ein 
Sreffer und ein Weinſaͤufer, der Zöllner und der Sünder Be- 
- felle! Hat es nun der Hausherr und Vater felber nicht allen recht ma- 
hen koͤnnen, was follen denn feine Hausgenoffen erwarten? So viel 
man in der Schwachheif nad den duffern Kennzeichen von feiner in= 
‚nern Befchaffenheit urtheilen Fonte, fo war ohne Zweifel der Glaube 
und das Leben aus GOtt in feiner Seele angefangen und gegründet, 
welches ſich Durch den anhaltenden freuen Gebrauch der Gnadenmittel und 
Vebung des Guten von Zeit zu zeit immer beffer geoffenbaret hat, wie ich 
und meine übrigen Amtsbrüder, welche ihn gekannt, bemercfet.. "Denn 
er verlangte und bemühete ſich immer mehr und gründlicher, die wahre 
Buſſe und Bekehrung zu GOtt, und den lebendigen Glauben an den 
Verſoͤhner der Welt zu erfahren, und durch denfelben ſowol die Kind» 
ſchaft bey GOtt zu genieffen, als auch Die wahre Sottfeligkeit oder den 
Eindlichen Gehorfam gegen feinen himmlifchen Vater und deffen. volls 
kommenen Willen zu beweiſen. Er fuchte Durch) GOttes Beyftand fein 
Hers immer mehr von der unaͤchten Liebe und Begierde zu irdifchen 
"Dingen zu reinigen, und mit der leiblichen Nothdurft vergnügt zu ſeyn. 
Er war arm im Geiſt, und verlangte immer noch ärmer zu merden. 
Er hielt an in der täglichen Wachſamkeit, und befete um genugfame 
Kraft zum beftändigen Slaubenstampf gegen alle böfe Berfuchungen, 
und um die Beveftigung in der Geduld und Hoffnung bis ans Ende. 
Der grobe oder ſchwartze Feufel, mie Lutherus ſagt, Forite ihm mit 
Schelten, Poltern , Läftern und Verleumden nichts abgetwinnen; 
dannenhero verfuchte ihn der weiſſe defto mehr mit feiner Lift, und wolte 
ihn zu Dem gefährlichen Egoismo oder Eigenfiebe verleiten, daß er ſich 
‚in den guten Wercken fpiegeln, ſich felbft gefälig werden , und Gtt 
Die Ehre rauben möchte. Sein guter Hirte und getreuer Heiland fieß. 
ihm aber Dutch feinen Geift, vermittelft des Workes, feine vielfältigen 
Fehler und Schwachheiten defto mehr Fund und offenbar werden, Das 
mit er immer aͤrmer am Geifte werden und vor gefährlichen Höhen. bes 
wahret bleiben möchte. Die groffe Undanckbarfeit und Ehriflen unge: 
VIII Penfylo, Sort —— Zie⸗ 





* 


| ie Fräftig ermuntert wurde, ſo verſchloß er fich nach der 
Zuruͤckkunft zu Haufe in fein Cammerlein , und betete herglich. - Er 
wurde meiner nicht gewahrt, ob ich gleich den Inhalt defielben Gebete 
En verftehen Gelegenheit hatte. In dem Gebet breitete er fich fehr aus, 

lagte fih vor GOtt als den allerelendeften Wurm an, und verlangte 
anhaltend, in JEſu Ehrifto eine gang. neue Creatur zu werden und zu 
bleiben. Nach diefem nahm ihn der himmliſche Arst in feine legte Eur. 


Was feine leibliche Kranckheit betraff, fo beftund dieſelbe in einem anhals | 


tenden hisigen Fieber, dabey die Doctoreg zwar confuliret wurden, und der 
Natur zu Hülfe zu kommen fuchten, aber ohne den erwünfchten Effect, 
Nach den erften fieben Tagen ftellete fich ein Schlucken ein, wogegen alle 


angewandte Mittel nicht anfchlagen wolten. Wir vereinigten ung zum: 


gemeinfchaftlichen Gebet öffentlich und befonders vor GOtt, und fiel 
feten die Sache. dem gnädigen und befien Willen GOttes anheim. 
Nach dem vierzehenten Tage merchte man, Daß es zum Ende gehen wuͤr⸗ 
de, und der Patient bat flehentlich, Daß man ihn mit Arkeney ferner 

verfchonen, und feinen legten Willen in Ordnung bringen möchte, da: 

mit. feine Seele gang von vergänglichen Dingen entladen würde, und 
das Himmlifche.,genieffen Fönte. Er hatte ſich zwar in den vergangenen 


vierzehn Tagen Chriſtlich und erbaulich befragen; teil aber die Seele in 


Kranckheit andere Einſichten und Begriffe von der — 


N» 


mr, in der ſiebenten Fortſetzung, int Vorbericht/ d. V. etwas erwehnet 


a 


Pe‘ — 


„1. Sen. Paſt. Wlühlenberge Bericht von 1; 597 


buffe, dem Iebendigen Glauben und der Gottſeligkeit bekonmen, 
als er in GOttes Wort gelefen, und in unferer Evangeliſchen 
eche geböret? Er antwortete: Nein! Meine Erfahrung ſtimmet 
gelefenen und gehörten Grundwahrheiten noch überein, nur mit 
der Ausnahme, daß fie weiter in den Grund des Hergens gedrungen, 
nd lebendiger als in gefunden Zagen worden feyn. Ich kann nun ges 
iffer- und zuerfichklicher aus der Erfahrung reden , als in gefunden 
Lagen, 2) Ob er noch was von eigener Gerechtigkeit aufzuwei⸗ 
en und nit in die Ewigkeit zu nehmen hätte?‘ Er antwortete 
Gleichnißweiſe: Ich Eönte mir Leib und Seele in einer Nußfchale woh⸗ 
nen, fo gering und. Elein bin ic) in meinen Augen; aber JEſu, meines 
theureften Erföfers,: Wunden fchicken ſich beffer für mich, den groffen 
- Sündenwurm, Das. ift ie gewißlich wahr, und ein theuer werthes 
Wort 2.3) Ob er mich in.der Ewigkeit vor GOttes Gerichte 
. verklagen würde, daß ich wegen meines Amtes was an ihm ver= 
jaumet? Er antwortete: Wein! Ich werde vielmehr den HErrn JE⸗ 
ſum bitten, daß er Sie ſtaͤrcken, und nody mehrern Segen verleihen 
‚wolle, Damit GOttes Name bey allen geheiliget, fein Reich befördert _ 
und fein Wille vollbracht werde. 4) Ob er fich nicht vor dem Tode 
‚und. Berichte fürchte Er antwortete: Ehriftus ift mein Leben, und 
Sterben:mein Gewinn. Wer will verdammen? Chriſtus ift bie, der 
‚gefiorben , auferwecket, zur Rechten GOttes ift, und mich vertrif. 
5). Ob er nicht für. feine fromme Frau und liebe Rinder beforgt 
waͤre? Er antwortete: Meine ſchwaͤchliche Frau und zum Theil noch 
unerzogene Kinder jammern mich; aber der HErr ift ihr Hirte, darum 
| ichts mangeln, ſo lange fie feine Schafe.bleiben ꝛc. Ich 






habe ſie dem maͤchtigen Schutz und Verſorgung des himmliſchen Va⸗ 
ters, der zarten Liebe und Veroflegung des Ertzhirten JEſu Chriſti und 
den Bearbeitungen des heiligen Geiftes im Geber empfohlen, und wer— 
de es voch immer mehr thun, fo lange die Seele in.mir if. 6) Ob 
er noch etwas an unſere hochwuͤrdige Väter und Gönner in Eu= 
ropa zu —— Er antwortete: Einen viel tauſendfachen 
‚Gruß und Kuß im Geiſt bitte zu bezeugen. Der HErr, der allgenug⸗ 
ſame GOtt und verſohnte Vater in Ehriſto, ſey ihr Schild und ſehr 
groſſer Lohn! Die unergründliche Segensquelle vergelte ihnen in der 
luferſtehung der, Gerechten, was ſie an den armen verlaſſenen Gemei⸗ 
nen überhaupt, an meiner Familie und an meiner geringſten Perſon ins 
fonderheit, durch die hereingefandte Prediger des Evangelii ermiefen! 
Jiii 2 Wenn 










598 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien F 


Wenn ich. nur der geringſte Thuͤrhuͤter aus Gnaden in den Reiche der 
Herrlichkeit werde, fo foll ich fie vor dem Throne ——— 
klaͤret ſehen, und ihnen Freude verurfachen. Ach daß fie nicht" 
werden möchten Gutes zu thun! Die Undanckbarkeit des groffen Haus 
fen müffe fie nicht abfchrecfen, denn e8 find immer noch einige, welche 
fich ziehen und retten laffenxe. 7) Ob er noch etwas in feinem Her⸗ 
gen gegen ein- oder andern feiner Nebenmenſchen hätte? Er 
antwortete: Ich habe alles aus Hergensgrunde vergeben und vergeffen, 


mas. mir von jemanden zu Leide gefagt —— iſt, und hoffe, de 
alle diejenigen, welche ich etwa aus Uebereilung beleidiget haben moͤchte, 
mir auch um JEſu Chriſti willen verzeihen werden. Nachdem dieſes 
und mehreres mit ihm geſprochen, ſo beugten wir unſere Knie, uͤberga⸗ 
ben ihn im Gebet dem groſſen Hirten der Schafe und mitleidigſten Ho⸗ 
hendprieſter, und ich nahm Abſchied von ihm, weil meine Amtsgeſchaͤffte 
‚mich weiter zu geben nöthigten. Er hatte am folgenden Tage feine 
gottfelige Frau und liebe Kinder vor das Bette gerufen, die Hand auf 
Die Kinder gelegt, und fie mit GOttes Wort und gläubigem Gebet ge: 
feanet, und dem Herrn empfohlen, und war in der Nacht vom ı4ten 
bis ısten October fanft und felig unter Gebet verfchieden. Der Ber: 
luft eines leiblichen Vaters oder nachften Freundes kann nicht fo eis. 
pfindlich feyn , mie mir dieſer Abfchied war. Die alten und beiten 
Steunde gehen einer nach dem andern fort, und ich muß in Diefer 
SSammermwülte , mie ein Fremdling unter Mefech, zurückbleiben. Am 
ı7ten October wurde der verblichene Eörper nach Ehriftlicher Weiſe bes 
graben. Vermoͤge der alten Freundfchaft und Liebe waren fünf Predi⸗ 
ger und verfchiedene Aelteſten aus den vereinigten Gemeinen, und fonft 
ein fehr groffer Haufe von Freunden und Nachbarn Zeutfcher und 
Enalıfcher Nationen zugegen, welche alle in guter Ordnung zum Grabe 
und zur Kirche folgten, und ihr Mitleiden begeugten. Einer mei- - 
ner älteften Amtsbrüder hielt eine Teutſche Predigt über die Worte 
Jeſ 35,10: Die Erlöfeten des HErrn werden wiederfommenzc, 
und ic) redete über ef. 26, 20. 2ı in Englifcher Sprache, weil drey 
Sriederichter und fonft viele Englifche Freunde gegenwärtig waren. 
Nach vellenderer Rede machte, anftatt der Werfonalien, ven Schluß 
mit nachfolgenden geringen Reimen, welche ic) um meiner damals 


u 


empfindlichen Gemuthsbeſchaffenheit willen mis herſetze: 
| Nun 


Zen. Paft Muͤhlenbergs Bericht von 1753. ' 


| ‚Run gute Nacht’, mein treuer 
Freund! 





Mein Hertze hat genug geweint, 
— ae tt nach Dem verborg» 
se Sr RR Rath 
Dich uns fo früh entzogen hat. 


Die Witwe miffet Mann und 


Haupt ; 
Mir ift ein onathan geraubt; 


- Die ‚Kinder fühlen Leid und 


Schmertz; 
Den Sreunden meinet Aug und 
Herb. se 


Wer PR Erblaſſten recht — * 


Und ihm nach Blut und Muth ver⸗ 
wandt, 
Auch mit ihm umgegangen if, 
Der ſagt: Er war ein Achter 
Wr 1) 1 AN: 


Es fehlt zwar auch an Feinden nicht, 
Weil GOttes Bold, wie Ehriftus 


fpricht, 
Gehaßſet wird von dieſer Welt, 
VUnd ihren Kindern nicht gefällt. 


Doch nur getroſt! es muß fo ſeyn. 


Iſt nur das Hertz im Glauben rein, 
So dient der i u Haß und 


Zu deſto mehtern Herrlichkeit. 
Die Welt vergeht mit ihrem Zand, 


5 


Wo iſt dieNacht, die unfer Freund 
In feinem Leben hat beweint? 
Wo iſt die lange Trauernacht, 
Die er mit Seufzen zugebracht? 


Die Nacht iſt hin, Das Leid vorbey: 
Der Feib wird endlıch wieder neu. 
Die Seele ift durchs Ereug be 


mährt 
Und ante vr Sons Thron 


Sein Lauf mar ‚ein a ie 
Sahr 


Bon Mutterleib sur Zodtenbahr. 
Sieht manauf ſolche Zeit zurück, 
So ſcheint fie tie ein Augenblick. 


In ſi ebzehnhundert zweyter Zahl 


Kam er in dieſes Jammerthal. 
Sein Vater u ihn zur 


Stu | 
Nach Chriſti sum One: 
denbund.. 


Da ward das holde Gotteslamm 

Sein Hirt und Seelenbräutigam. 
Da kriegte er das Ehrenkleid, 
Die blutige Gerechtigkeit. 


O ſelig! wer von ſolcher Stund 

Verbleibet in dem Gnadenbund, 
Und ſeine Kleider helle macht 
Ins Lammes at und aläubig | 


Wer ihr vertraut, baut auf den 


and; 
ingegen wer JEſu ſteht, 
Der bläbet, gi die. Welt ver» 
geht. 


Doc kei man folche Seligkeit. 

In unfrer kalten Chriſtenheit 
Nur leider! gar zu wenig an. 
Wie viele gehn die breite Bahn! 


Si ia Der 


600 Achte Sortfegungder Nachricht aus Penfsloanien. 





Der Satan weiß, nach feiner Lift, 
Manch Sweiglemn das gepfropfet 


So oft zu Reh und zu on, 
Bis es ums Leben iſt geſchehn. 


* wird der gute Geiſt betrübt, Er 


Die 5 yendfünde ‚dusg eübt. 
— ji gu ‚bald vet: 


Eh man die akt bebergt. - 


Wie sunfer Breanb: ee Chriſten⸗ 


In ſeinem erſten Vaterland 
- Zu Pungftade Damals, ge 
J 


Davon hat er nicht viel gedacht. | 


Nur fo viel ſprach er ohne Scheu, 
Daß alles, alles eitel ſey, 
Was ſonſt die arg und fü chre 


In ihrer Blindheis herrlich hält. 


Hier liebte er des Höchften Recht, 
Und war im en romm und in 


Er * den Sbern ihre Er, 
Und blieb, getreu an reiner Lehr. 


Es find nun fünfund zwantzig Jahr, 
Da er im Herrn verehlicht —4 


Und eine treue Seele fand 
On feinem erfien Baterland. 


In folchem Stande half ihn GOtt 
Dft wunderbar aus vieler North, 


Verlieh ihm * a Kinders 
Davon noch us am Reben kom 


Sm Debfl ‚vom nenn Orb 


Kam sotermäbntes — 
Durch GoOttes Führung hier 


on Ing Land, 


Wo ſich ein groferMangel fand: | 
Kar Be N ee id un 
er nein, Er Seelen | 


Die: er verlorch that ihm leid. 


Doch ließ er nicht von Mitteln ab, 
Und nahm ‚was GOtt aus Gna⸗ 
, den gab, 
Er hielte nemlich fie ang Wort, 
‚Und wandelte in Einfalt fort. 


Er ſtellte ſich mit vor den Riß, 


Da er nebſt andern ſich befliß, 
Daß Kirche, nn Zucht * 


Geoflantet wuͤrde soer Aut 
ad at E Ehr. id 


Er trieb auch Bots Bart zu 


Haus 

und uͤbte es in Soma aus, 
Erweckte hie und da ein Schaf, 
Nach ſeinem Maaß vom Sun: 
h ltr 1 d nſchlaf. BE 
Er war der erſte, den ich fand - 
Ben meiner Ankunft in die Fand, - 

Der a ER 


| "Und Seien fpüren i fi. 
Er 


v1. Zen. Paſt. Muͤhlenbergs Bericht von 1753; 


Er ging nebft andern mit voran, 
Und litt und firitte wie ein Dann, 
"Er fcheute Beine Lafl noch Müh, 
Und war befliffen ſpat und früh, 
| Daß S ische, Schule und Gemein 
Auf Chriftum möcht erbauet feyn, 
Ja, daß das groffe Heil der Welt 





- Den Sündernwürdevorgeftellt. 
Wdem die Ruͤſtur Ne Bey ſolchem argen Weltge- 


Nachdem die Ruͤſtung fertig war, 
So fpürte man vom Jahr zu Jahr 
In feiner Seele Lebensfaft 
Und Wachsthum in der Glau⸗ 
it Grbenatkafl 


Was fih von Selbfigerechtigkeit 
Mit untermengt in diefer Zeit, 

Sa, was fonftvon fubtiler Welt 

Sich unvermercft verborgen hält, 


Das ſchmoltz die Gnade weiter ab, 
So, daß er GOtt die Ehre gab, 
Und als das ärmfte Wuͤrmelein 
- Aus Önaden mwolte felig feyn. 
Was mich in diefemSinn geflärckt, 
Iſt, daß ich an ihm hab vermerckt 


Die wahre Armuth in dem Geiſt, 


Die grade hin zu JEſu weiſt. 
Daß er im Glauben Heil und Gnad 
Durch JEſu Blut gefunden hat, 

Das zeigte und bewieſe ſich 
Daurch it un aͤuſſer⸗ 
Die Welt verſteht die Sachenicht, 
Und haͤlt das nur fuͤr leer Gedicht, 
Was man von Glaubensſachen 


ae van Beh 
Sie bleibet finfter und verkehrt 





Und 


601 


Und wenn fie ſolche Menfchen findt, 
Die GOttes Geift gehorfam find, 
So laͤſtert und verleumdet fig, 
“ Und meint, es ſey nicht möglich 
hie, 


Daß GoOtt durch fein Wort, Geiſt 
BI und Kraft 
In ung einneues Herge fchafft. 


1 ſchlecht 
Hieß unſer Freund ein Pfaffen⸗ 
—7 


Geduld, es iſt ein Richter da! 
Das Ende und Gericht iſt nah. 
Bor jenem groffen Weltgericht 
Wird este * kommt ans 
Licht. 


* 


Als ich den letzten Vortrag that 


Auf Schippach * der freyen 


En ...Onay Er 
Und von der neuen Creatur, 


Da folgte Friedrich diefer Spur, 
Verſchloß ſich in fein Caͤmmerlein, 
Und betete vor GOtt allein. 

Er wurde meiner nicht gewahr, 
Dooch hoͤrte ich die Worte klar: 
Er gab ſich gantz zum Opfer hin, 

Und bat um einen neuen Sinn, 

Unm eine gantze Seelencur, 
d um Die neue Creatur. 
Der Heiland hörte fein Geſchrey, 
Und machte ihn von allem frey. 
Er eilte fort mit feiner Braut, 
Die ihm aufs neue mar vertraut. 
| Der 


—J 


602 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penfploanien. 
De Schluß mar einmal vefiges Die Seele ruht in Gottes Hand, 
ſtellt, terland. 


In ihrem rechten V 
Er ſolte fort aus dieſer Welt: Da iſt f e frey om Laſt und 
Da half kein Weinen, Fein Ge⸗ Mg; m On 
ſchrey Vom Sunf * Streit, von 
Kein Medicus 10%) Argeney. Pi Ei 1 


ir Fonten Be ig beffers 


Als in des — —— * teiner —* * 
Er eilte ſelber zu der Ruh it ſagen taufend g gute Rach 


Und feiner rechten Heimath zu. HH (af feinen Geif- is —* | 
Er hatte Feinen Mangel nicht Auf feiner Hinterlaffenfchaft, , 
An Lampen, en Glaubens⸗ Der Witte a ‚Pen Kindern, 


Sein Has = wacker und und gebe, daß 9 ganges Thun 
Und ſchickte 5 jur Ebigkeit Rach ſeinem — und Willen 


Er ſegnete fein gantzes Haus, Im Glauben ohne Heucheley, 
Und preffte damit Thränen aus Daß fie mit * Gottes 
Von ſeiner lieben Kinder Zahl 
Und ſeinem treuen Ehgemahl. Enmpfangen do Gnaden⸗ 


Zur Mitternacht ward ein Ge⸗ 
rey: Wir folgen bie im kurtzen nach 
Auf! auf! der Bräutgem Aus Hinnoms Thal und Unge⸗ 
kommt herbey! ma 
Da wurde — ſein Se Mein SH! bereite uns zum 


End, 
| Und er fuhr fanft HB Frieden hin. Kim unſre Seel in Haͤnd. 


In dem Monat November muſte ich ein Gemein: Glied i in 
Neuhannover begraben. Ich konte, wegen Geſchaͤffte in andern Ge⸗ 
meinen, nicht bey deſſelben Abfchiede feyn. Der Mann war kuͤrtzlich 
erft ing Sand gekommen, und, wie es fchien, in Teutſchland unter gufer 
Aufficht und Seelenpflege gemwefen. Er hatte feinen Lebenslauf, befon- 
ders von den letztern Jahren, felber aufgeſchrieben, und dor feinem Abs 
fehiede befohlen, daß fie mir denfelben nach ſeinem n Zode — J 

ſolten 








9%". Papk Mhlenbergs Bericht von 179. og 


ſolten. Aus diefem Lebenslauf habe erfehen, daß der gnädige GOtt von 
verfchiedenen Jahren her an feiner Seele gearbeitet, und ihn Durdy den 
Dienſt t euer Lehre "sur Sorge für feine Seele erweckt habe. Wenn 
sjenige in der Wahrheit erfahren, was er in dem Aufſatze aufge: 
hnet fo wird ihm wohl feyn in der Ewigkeit. Seine Freunde und 
zekannten, welche mit ihm auf der Seereife gemefen, gaben ihm Zeug- 
niß nach ihren verfehiedenen Einfichten. Ich freuete mich, einen fol- 
chen Lebenslauf von einem unſtudirten Manne zu lefen, mafjen in dem⸗ 
— N ran der befondern gnädigen Vorſehung 
und Erhaltung des himmlifchen Vaters, von dem groſſen Werck der 
Verſoͤhnung und Erföfung duch IJEſum Chriſtum, und von den 
Wirkungen des heiligen Geiftes an feiner Seele, fand. Wer von 
Europa etwas Gutes mit in dieſes Land bringek, der muß hier Durch 
manche Schulen und Proben gehen, Davon er in Zeutfchland nichts ges 
wuſt, und kann gar leicht auf eine oder andere Seite gezogen werden, 
da er fein Gutes entweder verbeſſert oder gar verliere. Wenn der 
- Same noch nicht rechte und tiefe Wurheel gefaffet und die Oberhand 
gewonnen hat, fo fiehet er in Gefahr, ausgeroffet, oder mit Unkraut 
von irrigen Meinungen und verführifchen Lüften unterdrücket zu wer⸗ 
den. Ein nunmehro verftorbener Aeltefter pflegte gu fagen, es ginge 
auch hier, wie 8 B. Nicht. ı7, 6 hieffe: Zu der Zeit war kein Rö= 
















gem 

Die alte und neue Welt liegt im Ars 
tr Zebaoth nicht ein Weniges hätte über: 
wie Sodom und gleichwie Gomorrha. _ 






g e 


bleiben laſſen, fo waren wir 


AIm Monat December ſtarb ein treues Gemein⸗Glied in Neu⸗ 
hannover ploͤtzlich doc), wie man nach der Liebe hoffet, ſelig. Er 
war ein Liebhaber von GOttes Wort und guter Ordnung, führete einen 
Fllen ABandel, und hielt die Seinigen auch dazu an. Der HErr bes 
et die Einfältigen. Man findet hier bisteilen Beute, welche ſich eins 
en mie Menfchen- und Engel- Zungen zu teden, ja zu weiſſagen, und 
alle Seheimniffe und ale Erkaͤntniß zu wiſſen, und den Wunderglaus 
ben zu haben, und wenn man nach Dem Glauben, der fich Durch die Liebe - 

VII, Penſylv. Sortf. Kkkk tthaͤtig 








604 Achte Sortfegung der Nachricht ausPenfsloanien. 


—— 7 — genauer nen, ſo as es ins gemein gar en nd 
truͤ ingegen trifft man auch bisweilen einige an, eh 4A 
Einfalt an Gottes die heili acramente halten, 
eruf ordentlich — de er Beit, ohne Rühmen, 
Aebe bemweifen, und nur wenig Wor te n Diefer legtern Art 
fehien der verfiorbene Mann zu fey ſuchte id die SR 
ehrlich). zu nehren/ und auch Sl est une — hi 


F In Zn demfelbig ige Sons Beer mber wurd Pain ı 
ri Ken in mei ar aft mit einer | heit heimge: 
ſucht. Er Age in Gemeinglied von der nalfehen Ei war 
aber bisweilen nachlaͤſſig im Gebrauch der Giadenmittel , und. forgte 
nicht fo ernſtlich für feiner, und feiner Kinder Seelen Wohlfahrt, mie 
er haͤtte thun jenen. Er —— — den letztern Jahren dann und wann 
unfere Verſamlungen, wenn Engliſch geprediget wurde, und beka 
befonders bey der — ers redlichen Vorſtehers/ deſſen o ben 
gedacht worden, (*) einen Eindruck von der Nichtigkeit und Kürge Die 

fes Lebens, und von. der Wichtigkeit der theuren und unmiede bringli 
chen Gnadenzeit, von der bevorſtehenden Ewigkeit, und von der noͤthi⸗ 


— zu einem — Bi —5 3 nk —— 
chen A 






























an —— Sn 


m: ©. pag. N 1. ” 





* 


7.708 Zum. Pafe Mählenbergs Bericht vonı733. 60 


2 Gnadenmikte und Ordnung, welche der barmhertzige GoOtt den armen 
Sündern i in Dee m” nun lieffe, heilig und gut wären; aber.der 
Heiland aller Welt hätte ihm in diefer ſchweren und nun: 
vorüber feye * Kranckheit lebendig gezeiget, daß in ihm weder 
noch Beſchneidung etwas gelte, ſondern der Glaube, der dur) 
Si Eiche hä fey, und die neue Ereatur. Er waͤre von allem verlaſſen 
und entbtöffet, und glaubte, daß fein Heiland gang allein fein Bürge, 
Sürfprecher und Ver ſoͤhner bey dem himmliſchen Vater ſeyn, und ihn 
ni verlaffen noch) verfäumen würde. Er bedaurete,, daß er fo nach⸗ 
geweſen, und die koſtbare Gnadenzeit ſo ſchlecht angewendet haͤtte, 
) meinete, daß nach feiner Geneſung eine gantze Reformation in feis 
nem Amte, Stande und Familie vorgehen folte. Ich münfchte ihm 
Segen und Kraft dazu, und fragfe, ob wir ung im Gebet vereinigen, 
und das Vorhergeſagte unferm mitleidigften Hohenpriefter und Fürs 
bitter zur Rechten des Vaters demüthigft empfehlen, und um die Ers 
fuͤllung anhalten folten? Er antwortete: Ja, von Hersensgrunde, 
nur will ich erfuchen, daß alle meine Kinder herein gerufen und zum 
Mitbeten admittiret werden mögen. Hierauf rief die Mutter Die gange 
—* —** —* — knieten mit einander um das Kranckenbette. 
Der Patient verdeckte fein Angeſicht, damit er GOtt deſto ungeſtoͤr⸗ 
im Geiſt uw Mahrheit anrufen koͤnte. Der HErr verliche mit 
——— daß ich im Gebet des Patienten vergangene, gegenwaͤrtige und 
zukünftige Umftände vor dem Gnadenthrone berühren, und der gantzen 
Familie Angelegenheiten und Seelenbedürfniffe dem HEren empfehlen 
konte Nach vollendetem Gebet fragte ich ihn, mie ihm waͤre? Er 
anftvortete mit ausgebreiteten und aufgehabenen Händen: O unver: 
diente Gnade und Erquicfung! Mein JEſus, mein Alles! O Kinder, 
nehmet die edle Gnadenzeit wohl wahr! Er bedanckte fich herglich für 
"den Befuch, fiel mir um den Hals, und nahm Abfchied. Da ich nun 
gedachte, er folte beffer werden, und von der leiblichen Kranckheit völ- 
fig geneſen; ſo bekam ich acht Tage hernach die Nachricht, daß er ent: 
ſchlafen waͤre. Der Engliſche Prediger hielt vor dem Leichenhauſe eine 
gelehrte Predigt, und begrub ihn mit den gewoͤhnlichen Ceremonien un⸗ 
= — groſſen und en Geleite von — und Engliſchen 
u 









a atıt Im 


6% zit kom der iachriht mebenlpanen 


J——— Im Jahr a BC FPLAOR 
"00, MORE: — 


Rem Monat Sanusrio farb. ein  Semeiäfie . der Prenprovis 


dencer= Gemeine. Er war noch ein jünger ‚Anfänger, gieme 

fich mit Kindern ‚gefegnet, und ſehr ng, in feinem leiblichen 
Beruf, um fich und die Seinigen unter GOttes Segen ehrlich zu neh; 
ren. Seinen Seelenberuf betreffend, fo kann weitern chts b 
anfuͤhren, als daß er ſich ſehr fleiſſig bey dem Gehör Des Wo— 






tes und zum Gebraud) der heiligen Sacramente —— un 


Derzeit eine Ehrfurcht gegen GOtt und bie Önadenmittel , und eine 
hergliche Liebe gegen freue Diener am Evangelio bewiefen. Es iſt fol 
ches zwar an und für fich felbft noch fein binlänglicher Beweis von dem: 
Gnadenſtande eines’ Menichenz es hat aber hier im Lande fchon etwas 
mehr zu bedeuten als in Teutſchland, wenn Leute, bey der hiefigen groſ⸗ 
fen Frehheit, fich ordentlich zur Kirche, GOttes Wort, den Sacras 


menten und ihren Lehrern halten , ihre Scherflein zum gottesdienſtli-⸗ 


chen Behuf « gerne und freymillig beytragen , und deswegen oftmals 
Hohn und Spott erdulden. Die Leute Fönnen hier nicht durch Ehre, 
Anſehen und leibliche Vortheile zut fleiffigen Abwartung der goftegdienft: 
fichen Uebungen gereiset werden, fondern haben vielmehr auf der einen 





Seite manchmal Verachtung und Schmach auf fich zu nehmen, auf der - 
andern Seiteaber manche Reigungen von andern Parteyen zu überwinden, 


welche fie gar leicht von der ben ihnen verachtefen Lutherifchen Kirche _ 


abziehen können , wenn fie keinen mehrern Grund in ihrer Religion 
haben, als daß fie von Jugend auf darinnen erzogen find. Dorbes 


fagter Mann ließ mich in feiner. Kranckheit zu fich rufen, begehrte Uns 


terricht aus GOttes Wort und das halige Abendmahl , welches ich. 
ibm auch reichte und mir Gebet befchloß. Er flarb darauf. sum groffen 
Lerdivefen ferner armen Stau und unmündigen Kinder, und wurde un: 
ter einer zahlreichen Begleitung mit einer Keichenrede aus Matth 25 13 


beerdiget. Sein Abſchied ging nicht allein unſern, ſondern auch rede 


lichen Leuten von andern Geſinntheiten nahe, weil er ſich als ein 
Chriſt und guter Nachbar unter uns und ihnen bewieſen hatte. Es 
gingen viele Engliſche Leute mit zu Grabe, welche auch eine Engtifche 
Vermahnung erzarteten ; ich hatte aber nt Zeit und Kräfte ge 
nug, ihren Wunſch su erfüllen. 


ns on 


I. Zen. Poft. Muͤhlenbergs Bericht von ms 2 607. 





D ge⸗ 
Da er nun 

‚gerecht worden, fo hatte er Friede 
| ) ren JEſum Chriſt, und behielt durch den⸗ 
ſelben auch einen Zugang im 4]; au der Önade , zur u 
wa z +3 et= 






608 Achte koriſetung 1 der Nachricht en Benfpeinien 


Reinigung und Erneurung / Römis, 15. Dabey bewies er fich nach. 
itheri Lehre als ein Evangeliſcher Chriſt hielt vet an 
der Hoffnung, nahm feiner. felbft wahr mit Reigen zur $ 
ten Wercken, und verließ die Verſamlung wi ep 
die Faum die erften Buchftaben verftehen 2. Hebr.1o, ‚23:25. So oft 
ich Gelegenheit hatte, mit ihm umzugehen, tourd AN, | ne 
muth des Geiftes und den herrlichen Reichth In 
Ehrifto an ihm erfreuet und getröftet. Er hatte ee 2 S ’ 
Vorſieher der Gemeine verheyrathet, welche bis dato noch ihm in ſei⸗ 
nem Glauben und Leben nachfolget, und die Kraft deffen yerfündiget, 
der fie berufen hat von der Finfterniß zu feinem munderbaren Licht. 
Wenn ic) ihn fragte, wie es mit den Umftänden feiner Seele und dem 
Gnadenwerck in derfelben a ee fo pflegte er gu ahtmorten? | 
Ehriftus muß wachſen, und ic) muß a bnehmen. Ich lebe; aber doch 
nun nicht id), fondern Ehriftus lebet in mir: denn mas ich ietzt lebe im 
Fleiſch, das lebe ic) im Glauben des Sohnes GOttes, der mich ger 
liebet hat, und fich felbft für mich dargegeben. Ich habe "aber noch taͤg⸗ 
lich und ſtuͤndlich im Glauben zu kaͤmpfen wider den Satan, die Welt, 
und die noch übrige anklebende Sünde. Er Elagte verfchiedene mal 
über fein verderbtes Her, und fagte, wenn er nur eine Stunde ablieffe, 
und nicht immer auf JEſum, den Anfänger und Vollender des Glaus 
beng, fähe, fo kaͤmen ihm allerhand wunderliche Gedancken, ſundliche 
Bilder und Phantaſien vor, woran er vor ſeiner be un . 
Jugend auf fein die Vergnügen gehabt. Solches erſchreckte 
betrübte ihn fehr. So bald er aber, mie die verwundeten Sfraeiten 
in der Wüften, nach dem am Creutz erhöheten Heiland fähe, und ihn 
um Hülfe anflehete, fo: flöhen die ſuͤndlichen Schwermereyen von ihm. 
Ich erinnerte ihn dabey, was ein gottfeliger Lehrer, ver ſchon in der 
triumphirenden Kirche ift , angemercet : Nemlich, „evenn der alte 
„Menſch gleich an das Ereug genagelt oder ‚gebunden mare, fo fiürbe er 
„nicht ploͤtzlich auf einmal, ſondern nach und nach, und behielte eine 
Begierde, machte auch continuinfiche Bewegungen um nr 
„und (osgukommen, fo lange er Othem hätte x. Die aber Ehrifto 
„angeböreten, die creugigten, durch feine Kraft, ihr Fleiſch famt den Luͤ⸗ 
„ſten und Begierden, fo lange bis der fündliche Leib endlich aufhörete., 
Es wäre genug ‚ daß der alte Menſch in ver vergangenen Zeit fo lange 
geherrfchet. Er folte ihn nun nicht felber wieder los, fondern vollends: 
durch Ehrifti Tod vermefen und ſterben Iaffen, damit der — 
eſto 























Sren Paſt. Mohlenbergs Bericht von rr3. 69 


deſto mehr auferſtehen, tachfen und in Gerechtigkeit und Heiligkeit 
eh iglich leben möchte. Ein glaͤubiges Wachen und Beten, 
Sam in, Steaiten und. Ueberwinden durch die ‚aligenn fame Kraft 
Shrilli, Su ein tägliches Gefchäffte feyn. Sein JEſus wäre der 
Durchbrecher , der Löwe aus dem Stamm: Juda, der. Ueberwinder und 
Siegesfür — Suͤnde, Tod, Teufel und Hoͤlle. An denſelbigen 
ſolte er ſich im Glauben unverrüdft halten, durch ihn den guten Kampf 
kaͤwpfen, den Lauf vollenden. und Treue halten, fo würde die Eros 
ne gewiß folgen ze. In dem. legtern Jahre feines Lebens hatte er 
viele "Betrachtungen vom emigen Leben, und molte unter andern 
einmal ‚von mir wiſſen, wie es eigentlich in der ſeligen Ewigkeit be⸗ 
ſchaffen waͤre Ich ſagte daß Paulo-einmal im Geiſt einen Blick 
in. den dritten Himmel, zu. thun -erlaubet worden; er hätte aber nicht 
einmal Worte ‚gehabt, um Die in.dem Himmel gehörten Sachen augs 
zuſprechen, es koͤnte alſo kein Sterblicher die eigentliche Beſchaf— 
fenheit der Seligkeſten in dem Himmel in der ‚cörperlichen Sprache 
beſchreiben und ausdruͤcken. Die Redensarten welche die heilige 
Schrift ven dem Himmel ’ ewigen. Leben und Seligkeit gebrauchte, 
muͤſten nothivendig , vermoͤge ihres Urhebers, die naͤchſten, beſten, 
vollkommenſten und eigentlichſten, nach unferm ‚möglichen Begriff in 
‚diefer Sterblichkeit, feyn, wären aber doch nur figürlich und finnbildlich, 
und von. dem Sichtbaren. gleichnißweiſe auf das Unfichtbare gedeutet. 
Die eigentliche Beſchaffenheit der Seligkeiten jenes Lebens koͤnte nur 
hier im Glauben und Vorſchmack ſtuͤckweiſe, Dort aber im Schauen 
und Genuß völlig erfahren. werden. Er folte feinen Beruf und Er- 
waͤhlung 9 der taͤglichen Erneurung immer veſter wachen, und - 
‚feinen‘ Glauben in den, Seligfeiten meiden und üben laffen , welche 
Kindern GoOttes im Reich der Gnaden noͤthig, heilſam und tröftlich 
‚wären, bis er zum Schauen Fäme. - Er: möchte unter andern die 
Hrdnung und Die Seligfeiten fleiffig ‚behergigen und zu ‚erfahren 
fuchen, welche Matth. 5, 3212. Cap. n, 28:30. Nöm.4,3:9. Cap. s, 
1:5. Cap. 8 gank. Hebr. 6, 45 uf w. vorgeſchrieben und verheiſſen 
Da er feinem Elioſer nun lange entgegen geſehen, und bey 
im Reiche der Herrlichkeit zu ſeyn verlanget hatte; ſo kam die 
erwuͤnſchte Zeit endlich herbey. Er lag wenig Tage kranck, ließ mich 
r en, und legte , in-meiner. und der. Angebörigen Gegenwart , ein 
— herrliches Glaubensbekaͤntniß ab, beugte ſich vor der 
Majeſtaͤt GOttes, bezeugte ein wehmuͤthiges Gefühl ‚von allen na 
iema 8 












Gıo Achte gortfegung der‘ bt aus Penfploanien: 


iemals begangenen, erkannten und unerkannten Sünden und ungehli- 
gen Fehlern, legte fich ald ein nacktes verdammungsmürdiges Wuͤrm⸗ 
dein unter das Ereug Chriſti, begehrte von feinem Erloͤſer abſolviret, 
und mic feiner. höchfloollfommenen und allein gültigen Gerechtigkeit 
* Gnaden bekleidet, auch mit dem heiligen Abendmahl erquicket 
Und verfiegelt zu feyn. Wir flunden ihm mit hertzlichem Gebet bey, 
und Elopften bey unferm Fürfprecher JEſu Ehrifto an, daß er Die: 
fes bußfertige und gläubige Schaf bey. feinem himmliſchen Vater 
vertreten, deſſen fehnliches Begehren gnädig erfüllen , 










dig «8 von allen 
Sünden und noch anflebenden: Fehlern losſprechen, mit feiner Ge⸗ 
rechtigkeit bekleiden , mit feinem Leib und Blute fpeifen und fräns 
cken, in fein Neich der Herrlichkeit aufnehmen, und es auf Feiner: 
ley MWeife aus feinen Händen geriffen werden , fondern zur ewigen 
Ruhe und Seligkeit kommen laffen möchte. Nachdem er das hei: 
lige Abendmahl in gehöriger Ordnung mit Hergensandacht genoſſen, 
‚und mit und: den 23ften Pfalm gebetet, audy das Lid: O Lamm 
GOttes unſchuldig zc. gefungen , und dem guten Ershirten für 
‚feine unausfprechliche Liebe und Erbarmung demüthigft gedancket hatte; 
ſo vermehrte fich fein Verlangen, nun bald nad) feines HEren Willen 
‚abzufcheiden , bey Ehrifto zu ſeyn, vor feinem Throne ein ewiges 
Hallelujah anzuflimmen, und vom Glauben zum Schauen, vom Streit: 
und Kampf zum völligen Siege, und von dem Vorſchmack zum ewigen 
Behſitz und völligen Genuß der Seligfeit zu gelangen. So fehr auch feine 
Kranckheit zunahm, und der leibliche Schmers fich vermehrte; fo ſpuͤrte 
man doch nicht die geringfie Bangigfeit und Todesfurcht bey ihm, 
daß er auch mit gläubigem und gefroften Muth fagen Eonter Tod, 
wo ift dein Stachel? Hölle, wo ift dein Sieg? GOtt aber fey 
— ‚der uns den Sieg gegeben bet, duch IESſum Chri— 
tum; welchen ſey Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Er lag 
noch anderthalb Tage hernach, und wurde endlic) ‚aufgelöfet, und 
feines fehnlichen Verlangens gewaͤhret, nachdem er 63 Fahre und ef» 
liche Wochen in diefem Jammerthal gelebt, und. des Giaubens Ende, 
der Seelen Seligkeit, als eine Beufe davon gefragen. Er wünfchete 
unfern theuren Bönnern und Freunden in Europa reiche Vergeltung 
von GOtt in Ehriffo, und bat auch, daß ich bey feiner Beerdigung 
den 143ſten Pſalm erklären, und die Begleiter Damit erbauen möchte, 
weil er denfelben in feinem Leben viel gebraucht, und dadurch in den letz⸗ 
‚tern Jahren befonders bis ans Ende geflärcfet worden. Wir — 
ihn 


Lem Pafk Maͤhlenbergs Bericht von 1754, m 
* 


ihn in Chriftlichee Ordnung, und erbaueten ung aus dem aufgegebenen 
Pſalm, fo viel der HErr Gnade verliche. RS a 2 A 
Diefes iſt das Wenige, was für dismal habe anmercfen und 

mittheilen" können. Ich wünfchte von Herkensgrunde, daß ung der 
gnadige GOtt mehrern und reichern Segen an fo vielen Menfchen 
verleihen möchte, und unſere Wertheſten Gönner und Freunde in dem 
HErrn beſſer damit erfreuet werden Eönten. An GOttes Seite fehlt 
es wahrlih nicht, wenn mir an unferer Seite insgefamt nur die 
Zeit der Heimſuchung beffer wahrnehmen, und was zu unferm Sries 
ven dienet, erkennen wolten. In Anfehung eines fo groffen und weit⸗ 
fäuftigen Weinberges, als hier ift, folten freylich mehrere und reifere 
Früchte erwartet und eingefamlet werden; wir müffen aber leider noch 
Flagen, und mit Dem Propheten Micha Eap.7, ı fagen: Ach es gehet 
inie wie einem, der im Weinberge nachliefet, da men Eeine 
Trauben findet zu effen, und wolte doch gerne der beften 
Seüchte haben, - J ak 
Weiitzenkoͤrner, Unkrautsdörne 

Muͤſſen hier beyfammen ſtehn. 

=... Dort doird ſcheiden GOtt die. beyden, Vase 

Wenn die Ernte wird angehn. Eye 

| Heinrich Melchior Mühlenberg: 


ML Hexen Paſtor NRole nberaz Nachricht 


von feiner Reiſe nach Raritan vom 2ten biß 
gſten Julii 783. 


T achdem der Herr Pfarrer Weygand den Beruf von den va: 
5; canten Gemeinleins in Neuyorck und Hackinſack angenoms 
men, und die Gemeinen auf Raritan verlaſſen hatte, ward ich 
genoͤthiget, eine Reiſe nach Raritan zu thun, und die verworrenen 
Umſtaͤnde daſelbſt zu betrachten. MR | ’ 
Den ı2ten Jul. 1753 Abends Fam ein Worfteher von Raritan, 
Johann Leonhard Streit genannt, um mich abzuholen. Er Flagte 
VIII. Penfplo. Sortf. gr über 





% 


612 Achte Sortfegung der Nachricht ans Penſylvanien. 
te ð 


über die gegenwaͤrtigen zerruͤtteten Umſtaͤnde in den Gemeinen, und 
gab mir eine Beſchreibung von denſelben nach ſeiner Einſicht Ich 
hatte ohne gnugſame Ueberlegung eine unbequeme Zeit zum Beſuch be⸗ 
fimmet, weil Die Leute eben in der Ernte beſchaͤfftiget und bedraͤngt 
toaren. JJ RAND 

Den ızten Jul. reifete ich mit dem Vorſteher von meinem Haufe 

nach einem Aelteſten in Indienfield. Da es fonft nur zwölf Meilen 
„beträgt, fo. hatten wir geirret, und muften fünfzehn Meilen reiten. Der 
Aeltefte in Indienfield erquisfte uns mit: nothdürftiger Speife und 

Tranck, und redete mit mir von den Umftänden der Gemeine, Seine 

Stau ſprach mit mir allein wegen ihres Seelenzuſtandes, und meinete 


 _ Bergebung der Sünden und Verſicherung vom Leben und Seligkeit 


u haben , wünfchte auch, daß ſie bald aus der argen ABelt möchte er: 
löfet und zur-rechten Heimat ‚geholet werden. Um zwey Uhr Nach: 
‚mittages ritten wir Drey Meilen weiter, und Eehreten bey einem andern 
Aelteften von der Sindienfielder-Gemeine ein, tmelcher ein groffes Ders 
gnügen über den Beſuch bezeigete. Sich befchäfftiate mich ein wenig 
mit der Frau und Kindern, und fragte nach dem Zuſtande ihrer Seelen. 
Bon da ritten wir fünf Meilen weiter zu einer Genend, wo Englifche 
und Seländifche Leute von allerlen Sefinntheiten wohnen. Mein Reifes 
gefährte fagte , daß er auch ein paar Zeutfche Familien da gefunden, 
Die Leute waren aber im Felde, auffer einer lahmen Frau, melche ich 
wegen ihres Seelenzuftandes ein wenig eraminirte. Sie meinete und 
klagte, daß fie in Zeutfchland ſo reichliche Seelenmeide gehabt, und 
bier nun darben müfte, gab den Neuländern Schuld, daß fie Die Leute 
aus Feutfchland verführten, und hier in eine Wuͤſte brachtenac. Ich 
"gab ihr gehörigen Befcheid, Unterricht und Ermahnungzc. Die ar: 
men Leute gedencfen mol ihre leiblichen Umftände zu verbefjern, teil fie 
an verfchiedenen Orten in der alten Welt fo hart gehalten werden. Aber _ 
die neue Welt will nicht allegeit mit ihren Vorſtellungen übereinflim: 
men, welche fie fi) Davon in der alten machen. Won da titten wir 
noch dreyzehn Meilen "weiter zu einem: Fährhaufe an den Fluß De: 
lamare, mo.man mit einem Fahrzeuge übergebracht wird. Diefer Ort 
"wird Rofes-Sähre genannt, liegt etwa fieben oder acht Meilen weiter 
nach Nordweſt, und iſt näher nad) Readingtomn bey Raritan als 
Welcis Fähre. Diefe Fähre hat Johannes Rofe die letztern Jahre 
eigenthuͤmlich gehabt, ein Dochteurfcher Mann von der Evangelifchen 
Religion und ein Vetter von meiner Frau. Nachdem ber ne ge⸗ 
— ſtorben, 


I. Zen. Paft. Muͤhlenbergs Reife nach) Raritan 1753. 615° 


ſtorben, fo hat es feine Witwe und ältefter Sohn: im Beſitz. Die 
Witwe nahm ung freundlich auf, und Elagte mir mit Thraͤnen, daß 
fie unter allerhand Bold und feltfamen Sefinntheiten mohneten, wenig 
Gelegenheit. hätten, GOttes Wort zu hören und die heiligen Sacra— 
mente zu genieffen, und daß ihr einiger Sohn zur zweyten Ehe eine 

Perſon von Englifchen Eltern genommen, die nicht getauft wäre. Sie 

meinte, der Vater würde fich) im Grabe ummenden , wenn er folches 

wuͤſte oder wiſſen Eönte; zumal da fie fchon verfehiedene Erempel gefes 

ben, daß heydnifche oder ungetaufte Weiber ihre Männer verleitet und 

mit famt den Kindern ins Heydenthum verführet hätten. Ich fprach 

mit dem Sohn allein, und fragte nad) den Umfländen. Er fagte, daß 

feine Frau ihm vor dem Eheverbindniß verfprochen, fie wolte ſich taufen 

laſſen, hätte auch zu dem Ende den Catechismus gelernet, und fleiffig 

- in. der Bibel gelefen, und bishero einen flillen und unfträflihen Wan⸗ 

del geführet.: Ich folte fie eraminiren und taufen auf meiner Nüc- 

veife x. Wir hatten an diefem Abend ein erbaufiches Geſpraͤch, und er⸗ 
munterten ung mit Gebet und Geſang, welches mir eine Erquicfung 
nach der mühfamen Zagesreife in der fehmeren Sonnenhige gab. 


Den ıgten Jul. früh wurden wir über den Fluß Delaware ges 
bracht, und ritten an demfelben Tage in einer faft unerträglichen Sons 
nenhiße fieben und zwantzig Meilen bis zu einem rechtfchaffenen Aelteften 
von der Gemeine bey Naritan. Unterweges Fehrten wir bey einem 
grauen Haupte und Gemein⸗Gliede ein, mit welchem ich ein Geſpraͤch 
von der Zubereitung zu einem ſeligen Abfchied hielte. Er fagte, daß . 
ihn der Geift GOttes in feinem befehmerlichen Alter fleiffig und ge⸗ 
treulich deffen erinnerte, mas er in feinen jurgen Sfahren aus GOttes 

- Wort gelefen und gehöret hätte 2c. und betrübte fich , daß der Herr 

Pfarrer Weygand von ihm genommen waͤre. Am Abend erbaueten 
mir ung in unferm Quartier mif gottfeligem Gefprach, Gebet und Ges 
fang, und fprachen auch verfchiedenes von der Unruhe und Zwiefpalt in 
der Gemeine. Die Sachen werden inggemein einfeitig und parteyifch 

erzehlet, fo daß es am ficherfien ift, wenn man von allen Seiten ſchnell 
hoͤret, langfam redet, und am allerlangfamften zornig wird. | 

Deſn ısten ul. als am vierten Sonntage nad) Trinitatis, ritte 
ic von des Aelteſten Haufe fünf Meilen nad) der Kirche, und fand 
viele Leute bey der Kirche verfamlet. Nachdem ich mit den anweſenden 

Aelteften und Vorſtehern und: CET Bekannten gefprochen A 

il 2 ang 


Ss 


614 ¶ Achte Sortfegung der Nachricht aus Penfplonnien. 


fing ich den Gottesdienft an, und predigfe über Luc. 15,1 u. f. vom ver: 
lornen Schafe und Groſchen. So viel ich fehen Fonte , waren alle 
Gemein: Gfieder , wie auch andere Reformirte Nachbarn zugegen , und 
‚gedachten vielleicht etwas Neues zu hören. Ehe ich den Fert anfing zu 
‚erElören , bat ich die Gemeine, fie möchten die bishero gehabte üble Ges 
wohnheit ablegen, da fiegedacht, das Geſetz und deffen Gewiſſens Ruͤge 
gehörte nur für etliche Männer, welche wider uns agirten, und das 
- Evangelium für Diejenigen, welche e8 mit ung hielten ꝛc. Sie folten 
auch nicht gedencken, daß ich gekommen wäre, Perfonalien abzuhanz. 
dein, fondern das Wort recht zu theilen, und einem ieden feine gehös 
rige Portion zu geben. Denn wo Zwiefpalt wäre, da würde insge— 
mein eine unrichtige Application von den Zuhörern gemacht, und von 
den Predigern oftmals felbft gefehlet. Nachdem ic) diefen Stein des 
Anitoffes gehoben, waren alle Zuhörer deſto geneigter und begieriger, 
das Geſetz und Evangelium zu hören, und wie ich hoffe, war der. Bots 
trag durch GOttes Gnade und feines‘ Geiftes Mitwirckung an allen 
Seelen gefegnet. Nach dem Gottesdienfte reichten mir Diejenigen ziwey 
Helteften, welche vorher am meiften aufgebracht geweſen, die Hand, 
und der eine bezeugete mit Thränen, daß er gerühret und entſchloſſen 
wäre, nach folcher Evangelifchen Lehre zu glauben, zu leben und zu fter- 
ben x. Nachmittags wurde ich genöthiget, eine Englifche Predigt zu 
halten, meil viele Engliſche und Niederteutfche Leute verſamlet waren. 
Ich trieb durch GOttes Gnade auf die wahre Buffe, lebendigen Glau⸗ 
ben und Gottfeligkeit, und fagte zum Befchluß, daß ſolche drey Stücke, 
zuſamt den zwey Sacramenten, Der DR von der Evangelifchs 
Lutherifchen Lehre waͤren. Ich erinnerte ſolches darum, weil unter 
den Engliſchen bishero eine falfche Sage gegangen , als ob die Luthes 
raner heimliche Papiften waren. Die Engliſchen waren auch fehr auf⸗ 
merckſam, und wünfchten folche Evangelifche Ehriften zu fepn, wie es 
die Lehre erforderte. Am Abend hatte ich noch ein erbauliches Ges 
fpräch mit einigen verfamleten Gemeinglieden. 


Den sten Jul, wurde ich bey einem angefehenen Niederteutſchen 
Manne, welcher ſich zu der Engliſchen Hochkirche bekennet, zu Gaſte 
genoͤthiget. Ich ging dahin, und nahm meinen redlichen Hauswirth, 
den Aelteſten, mit. Der Niederteutſche Mann erzehlte mir, ſo viel er 
wuſte, von den Streitigkeiten in unferer Gemeine, und fagte, daß beyde 
Parteyen gefehlet hätten und zu hitzig geweſen wären. Er — 

J | N A 


Un&en Paſt. Muͤhlenbergs Reife nach Raritan 152. 615 


auf meine Englifche Predigt zu fprechen, und fagte, Daß er und ans 
„dere mehr ſich gerne mit zu unferer Kirche halten wolten, wenn ein 
Prediger dahin käme, der Englifc) predigen Fönte, wuſte auch den gans 
gen Inhalt meiner Predigt zu wiederholen. " ua moi? 
<a Den ızten Jul, beſuchte ich eine junge gottſelige Niederteutſche 
Frau, welche ich im vorigen Jahre zu Neuyorck unterrichtet, confirmiz 
‚ref, und auch mit einem Kaufmann getrauet hatte. Sie hatten ſich 
hier. bey Raritan gefeßet, und fie war eben von Neuyorck zuruͤckgekom— 
men. Nachmittags befuchte ich den Englifchen Sriederichter in Ge⸗ 
fenfchaft meines Hauswirthg, weil er verlangete mit, mir zu fprechen. 
Von da ritte ich mit meinem Hauswirth noch fieben Meilen weiter in 
die Gebirge, und Fehrte bey dem J. ©. ein, weil ich verfprochen, an. 
dem morgenden Tage daſelbſt zu predigen. Die Hausmutter ift von 
Reformirten Eltern, zuerft Durch Herrn Kurtzens und anderer erbauliche 
Predigten erwecket, und mit ihrem Manne im vorigen Jahre confir⸗ 
miret worden. Sie ſcheinet eine. recht gründlichgebeugte, gnaden= 
hungrige und im Glauben lebende Seele und von der Art zu feyn, mie 
Maria war. befliffen auf des Einigen Genie, da fie fich zu JEſu Füffen 
voller Andacht niederließie. Ich fand noch eine andere Englifche Witz 
we in diefem Haufe, welche ſich wie Martha befchäfftigte, aber doch 
auch begierig auf erbauliche Geſpraͤche merckete. Diefe Frau hatte ei: 
nen erwachfenen Sohn an einen Hochteutfchen Krämer, bis auf feine 
Maisrennität, verbunden, und klagte mit Thraͤnen, daß der ertwachfene 
Menſch noch nicht getauft wäre. - Sie hätte ihn, fo viel möglich, in 
dem Englifchen Eatechigmo unterrichtet, aber der Meifler forgete nicht 

für feiner Seelen Wohlfahrt. Sage — 2 
Den ıgten Jul. Fam ein alter arıner Bergmann von achtzig ah: 
ren, aus dem Clausthal gebürtig, zu mir, und begehrte mir etwas zu 
offenbaren. Er fagte, daß er bereits etliche Fahre auf einem Berge 
in. Diefer Gegend gegraben, und die Hoffnung hätte, Silberertz zu fin- 
ben. Sch folte ihm helfen, daß er nad) England und vor unfern Gind- 
digften König Fame, fo molte er vieles zu des Landes Beſten und feiner 
eigenen Wohlfahrt entdecfenze. Sch antwortete: Er ſtuͤnde fihon an 
dem Ufer der Emigkeit, die naͤchſte Fluth würde ihn mitnehmen, und. 
nit dem Strom in ein unbekanntes unermeßliches Meer der Ewigkei- 
ten treiben, und ihm finden laffen, wie er gehandelt hätte bey Leibes 
Leben ꝛc. Er folteablafien die N Erden zu ſuchen, Mn dem 
Ss 3 enl⸗ 


616 Achte Sortfesung der Nachricht aus Penfyloanien. ; 


Wenigen für lieb nehmen, was ihm an Almoſen zum: nothdürftigen 
Unterhalt gereichet würde, und anfangen in der Schrift gu forſchen, 
die von JEſu zeugete, ſich mit feinem beladenen Hergen und © ſen 


efend , jaͤmmerlich, arm, blind und bloß an der Seele fühle 
auch dag rechte Gold finden, Das mit Feuer durchläutert iſt, 





. I: en. Paft.Wlählenbeigs Reife nach Raritan 175. 67° 


Gemeinglieder bey der Kirche zufammen kommen, und wegen der noth- 
wendig nftande conferiven folten. Nachdem wir in der Kirche 
mmen waren, fo fragte ich Die gefanıte Gemeine: ) Ob fie 
pider meine und meiner Amtsbrüder Lehre und Leben 
wenden hätten? Sie antworteten alle mit einhelliger Stimme: 
‚fein. 2) Ob fie einander ihre bisherige erwiefene Seindfelig- 
keit und Liebloſigkeit verzeihen, alles alte vergeben und ver- 
geſſen wolten? Ihre Antwort war: Ja, von Sergen. Wir beug: 
‚ten hierauf unſere Knie, und ich betete vor dem Altar, mie e8 die Ums 
ftände erforderten, und mir von dem HErrn verliehen wurde. Und 
‘da ein und. der andere ſchon vorhero, ehe ich gekommen, bey der Kirche 
einen harten Wortwechſel gehabt, fo fchienen ihre Hergen Durch Gebet 
und Flehen twieder erweicht zu: werden und zufammenzuflieffen. Ich 
‚finde inggemein, Daß bey ſolchen generalen Berfamlungen, wo Friede 
‘und etwas Gutes foll geftiftet werden, der Satan am gefchäfftigften ift. 
Was kann man aber thun? Arma ecclefiae ſunt preces et lacrimae. 
( Gebet und Thränen find die Waffen der Kirche. ) 


Mun hatten wir einige Puncte zu entfcheiden , woruͤber ſchon ver: 
ſchiedene Jahre her war geſtritten worden, nemlich : 1) Ob das Gemein⸗ 
lein in den Gebirgen mit Antheil an dem Prediger bey Reading⸗ 
town, und etwa den dritten oder vierten Sonntag öffentlichen 
©ottesdienft unter fih haben folte? Die Gemeine ın den Ge- 
birgen iſt faſt Die erfte und von Anfang her mit der Gemeine auf Ra» 
cheway oder Readingtown vereiniget geweſen, hat auch ihre Kirche 
‚und Pfarrwohnung unter fid) gehabt. - Da nun Die andern drey Ge⸗ 
meinen zu meiner Zeit einig wurden, eine, recht dauerhafte Kirche, fo 
viel als moͤglich, in Die Mitte zu bauen; fo molten die Aelteften von 
der vierten Gemeine in den Gebirgen nicht beytreten, und zwar aus fol: 
‚gendem Vorgeben: a) Sie wären die ältefte Gemeine, hätten bereits 
‚hundert Acker Land zur Kirchen und Pfarrmohnung als ein Gefchencfe 
‚im Beſitz gehabt, in Den Wolfiichen Streitigkeiten aber faft gang ver: 
loren, weil Engliſche und Irlaͤnder dag Land an fich zu ziehen gefucht. 
- Wenn fie nun an den Sonntagen-gar feinen Gottesdienft mehr in ih: 
‚rem alten Kirchlein hielten, fo ginge Das Land, das fo genannte Pfarr⸗ 
haus. vollends gang und gar verloren‘, und bliebe-Feine Hoffnung 
übrig, ſolches einmal mieder in Beſitz zu befommen. b) Sie wären 
am tweiteften von der nenen Kirche entfernet, und Fönten weder ihre * 
eute 





J 


— 


-618 Achte Sortfesung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Leute fo weit zur Kirche gehen, noch fie ihre jungen Kinder dahin brin⸗ 
"gen. €) Sie verlangten nichts mehr als den Dritten’ oder vierten 
Sonntag unter fich von dem Prediger bedienet zu werden, und molten 
zu dem Ende auch den Dritten oder vierten Theil vom Salario an den 
Prediger bezahlen, und ihre eigene Kirche auf ihrem Kirchenplag bauen. 
d) Könten fie folches nicht erlangen, fo müften fie fuchen mit der Zeit 
einen eigenen, Prediger zu befommen , und fich von den ‚übrigen drey 
Gemeinen ſcheiden. Wir Prediger haben iederzeit gerathen, fie folten 
das vierte Gemeinfein in den Gebirgen nicht von der Hand laffen, ſon⸗ 
dern fieber den vierten Sonntag erlauben, weil wir nad) gereiffen Gruͤn⸗ 
den es für beffer erfannten. Die drey Gemeinen wolten es aber nicht 
gern verflaften, und lieber ale Sonn: und Feſttage Gottesdienſt in 
Der groſſen Kirche haben, wandten aud) ihre Gründe vor, welche nicht 
zu vererfen waren.  Sfngwifchen wolten wir Doch um vieler Confes 
quensien toillen lieber fehen, wenn die Gemeine in den Gebirgen den 
vierten Sonntag von dem Prediger bedienet würde. Die Sache Fonte 
aber auf Feine ZBeife gefchlichtet werden.» - rn nn 
Darum fragte ih 2) Ob fie eswolten auf eine gemeine VOahl - 
nach den meiften Stimmen ankommen laſſen? Sie antworteten: 
%a. Dem zu Folge ließ ich die anmefenden Aelteften, Vorſteher und 
Gemeinglieder votiren, und fand bey viergig Stimmen, welche der Ge⸗ 
meine in: den Gebirgen den vierten Sonntag erlaubten , wenn fie den 
dierten Theil von des Predigers Salario und an den Pfarrplatz bezahlen 
wolte. Drey Stimmen waren dagegen, und wölten es nicht erlauben. 
Nachdem diefe Sache mit vieler Mühe gefchlichtet war, fo fragte 
ih 3) Wie fie es mit der Wahl eines neuen Predigers halten 
wolten, ob fie einen von unferm vereinigten Mlinifterio oder aus 
Teutſchland berufen, oder einen von den Kandläufern nehmen, 
und von uns los feyn wolten? Sie antworteten alle, Daß fie mit 
‚ung in Vereinigung bleiben, und einen gefreuen Prediger aus unferm 
Minifterio haben wolten. Ich fragte, wie fie wol ohngefähe wählen ' 
möchten, wenn fie die Freyheit hatten, einen von unſern jüngern Amts: 
brüdern zu berufen? Einige fagten,den Herren Rurg, andere den Herrn 
Zeingelmann, noch) andere den Herrn Schrend. sch fagte, fie muͤ⸗ 
fien a) von mir, Herrn Brunnholg , Herrn Handſchuh, Deren 
Rurg und Heren Heingelmann abitrahiren, und fo blieben noch die 
Herren Schaum) Schulg, Schrend: und Rauß/ und diefelben Fönfe 
‚ich b) nicht anders, als conditionaliter, ohne ihre eigene Erlaubniß rd 
| ohne 





antworteten ‚alle hierauf ‚einmüthig ohne Die geringfte Ausnahme , fie 





Prediger auch nicht; und die Obrigkeit nach Den hiefigen Geſetzen nichts 
‚mit folchen Dingen zu thun hätte: fo mare Deswegen unfere jährliche 
Spnodalverfamlung dazu bequem und abgesielet geweſen, um folche 
Sachen zu, entfcheiden. Ich hatte nach ihrem Verlangen ein Schema 
von einem, unmaßgeblichen Berufsformular aufgefegt, und fagte, fie 
möchten davon nehmen, was ihnen am beiten fehiene, und felber mit 
— Herrn Pfarrer Schrenck ſprechen, ich wolte desfalls auch an ihn 
ſchreiben und von der Sache conferiren. 

Nachdem ich der Gemeine Die Berufeformel vorgelefen , fo legte 
—— Liſie vor, und ließ iedes Glied der Gemeine, das gegen⸗ 
Er 3 ‚ unterfehreiben und bezeichnen , was es jahrlid) zum Un⸗ 
VAL Denfylo, Sortf: -Mmmm ter⸗ 







620 Achte Sortfegung der Nachricht aus Pen vloaniien. 


terhalt an. den Herrn Pfarrer Schrenck geben wolte. Nach diefem 
wurde auch ein Zettel zur Unterfchrift vorgelegt, was eimieder jährlich 
amden Organiften besahlen wolte. Ich kann verfichern, Daß 
mal gewuͤnſcht, ich möchte des Apoftels Pauli Gaben hab 





gleich fein Handwerck treiben koͤnnen, damit man nicht nöthig hatte, 
. von der armen Leute fauren Schweiß und Blut zu leben. 2 
faft durch gang Nord-America mit den Landleuten dem gröften Theil 
nach fo beſchaffen, daß fie Jahr aus Fahr ein fichs fehr fauer werden. 
faffen müffen, wenn fie ſich und ihre Familien ehrlich durchbringen mı 
fen. Und was Kirchen und Schulen, Prediger und Schulhalter u 











u“ 
i 


halten, und die Hand immer im Sack haben, wenn fie was fortpfla: 
ben mollen. Es ift dahero Fein Wunder, daß andere Parteyen und 





Mfr. 3. P. Abfchied, der mir etliche Schillinge zur Reife aufdrang. 
Nachmittags Famen wir nieder glücklich bey Roſes Faͤhre an, und ver⸗ 
nahmen , daß verfchiedene Leute verfamlet gemwefen, melche ein Abort 
der Ermahnung von mir zu hören begehret, aber wieder auseinander‘ 
gegangen, da fich meine Ankunft verzogen. 230 ‚feaate Den jungen. 
Mfr. Rofe, ob feine Englifche Frau noch gemillet und bereit wäre, ar 
examiniren und taufen zu laſſen? Er war betrübt,und fagte, daßihrnod 
lebender Vater unfer Borhaben Are gewahr worden, und Daher harte: 
Worte gebraucht und gefagt hatte, er wolle fie in Ewigkeit nicht * 
53 Bi * ‚Te 







U. Sen, Poft. Mauͤhlenbergs Reife nah Raritan 1753. 6aı 


für fein Kind erkennen, wenn fie ſich taufen fieffe. "Der Tochtermann 
und die Tochter aber häften geantwortet, es mare Eläglicy genug, daß 
der Vater als ein Heyde dahin lebte ze. Er, der Tochtermann, wäre 
verbunden, für feiner Frauen ewige Wohlfahrt zu forgen. Und ob der 

Batergleich feine Tochter wegen dieſer guten und nöthigen Sache nicht 
fürfein Kind erkennen wolte, ſo folte es Doc) vollzogen werden, und fie 
würden dadurch einen weit beffern Baker im Himmel erlangen. Wir 
brachten den Abend mit gutem Gefpräch, Gebet und Abfingung geifl- 
reicher Lieder zu. Eh 

Den eiſten ul. frühe eraminirte ich des Chriſtoph Roſens Frau. 
Sie hatte die Hauptflücke des Catechismi gelernet, auch fleiffig in 
GOttes Wort gelefen, und Eonte siemlichen Grund des Glaubens ges 
ben, bezeugete auch, daß fie ein Verlangen haͤtte, in das allerfeligfte 
Buͤndniß mit dem Dreyeinigen GOtt aufgenommen zu werden. Ich 
hielt den’ Verſamleten eine Bleine Anrede und Vermahnung über 
Apoftelgefch. 10 von dem Proceß der Belehrung des Hauptmanns Cor⸗ 
nelii, und verrichtete Den Saufactum nach vorhergethanem Gebet. Die 
gange Familie, und befonders die alte Mutter, wurden darüber fehr 
erfreuet, und umarmeten Die neue Ehriftin mit Thraͤnen. 

Unm eilf Uhr ritte ich von hier weg in Begleitung des Mfr. Rofe, 
und nahm meinen Weg auf Neſchammeny, weil ich verfprochen, an 
dem morgenden Sage daſelbſt Niederteutfch und Englifch gu predigen. 
Mfr. Roſe ergehlte mir , Daß unterweges ein paar Hochteutfche Eheleute 
bey einem Niederteutfchen Neformirten Manne in Dienften waren. 
Selbige Leute hätten ein Kind zu taufen. ‘Sie wären vor etlichen Wo⸗ 
chen gehen: Meilen zu Fufle gegangen, um ihr Kind in Neſchammeny 
taufen zu laffen, weil es geheiffen , ich wuͤrde dafelbft predigen. Am 
geſtrigen Tage waͤren ſie abermal fünf Meilen mit dem Kinde nad) 
feinem Haufe gefommen , aber unverrichteter Sache mit betruͤbtem 
Hergen wieder umgekehret, weil ich zu fpat angelanget. Wir veifes 
ten nad) dem Haufe zu, und fanden die Eltern gegenwaͤrtig, und als fie 
um einen Baufpathen verlegen waren, fo vertrat Mfr. Rofe die Stelle, 
und ich taufte das Kind zum Vergnügen und Troſt der armen Eltern, 
und ermiahnete fie aus GOttes Wort zur rechten Sorge für ihre uns 
ſterbliche Seelen und zur Treue in ihrem leiblichen Dienfle. Neun 
Meilen diſſeits Neſchammeny befuchten mir einen alten Niederteutfchen 
Lutheraner, Iſaac van 5., welcher fehr vergnägt über meine Ankunft 
war, und mit uns reiſete. Gegen Abend Famen wir glücklid) in 

30 Mmmm a Neſcham⸗ 


622 Achte-Sortfegung.der Nachricht aus Penfploanien. 


Neſchammeny bey dem alten Barnt van. an. Sie muften nichts 
pon meiner Ankunft, weil es von Philadelphia aus nicht berichtet, oder. 
der, Brief nicht beſtellt war. Am Abend wurden noch verfchiedene Boz 
ten: ausgefandt,, um die zunaͤchſt wohnende Gemeinglieder aufıden _ 
morgenden Tag einzuladen. Ey | — * 
Den 22ſten Jul. als am fünften Sonntage nach Trinitatis, vera 
ſamleten ſich einige Ueberbleibſel von den Niederteutſchen Lutheranern 
und Engliſchen Kirchenleuten. An dieſem Orte iſt vorzeiten ein feines 
Haͤuflein Lutheraner geweſen, welche dann und wann von Predigern 
und zuletzt durch den Herrn van Doeren bedienet worden. Nachdem 
letzterer auch geſtorben, ſo hat ſich ein und anderer von den Alten dann 
und wann nach Philadelphia zu unſerer Kirche gewandt, aber nicht viel 
von der Hochteutſchen Sprache verſtehen koͤnnen. In den letztern 
Jahren hat der alte Barnt van 5. unfere jährliche Synodalverſamlung 
mit befucht , ‚und iedesmal flehentlich ‚angehalten, daß fie einer von) 
uns befuchen und bedienen möchte; welches aber noch nie gefchehen, 
weil wir der Sprache nicht Fundig waren. Das Häuflein iſt inzivis 
ſchen von sielen Jahren her fehr vermindert worden, die Alten find 
theils geſtorben, theils weggezogen, :und die jungen Leute find. ſowol 
durch den Mangel des Unterrichts, als auch durch Verheyrathung zu 
andern Parteyen und Gefinntheiten übergetreten. . Die Reformirten 
Niederteutfchen, die Englifchen Presbyterianer und die Quacker haben: 
in der Gegend Kirchen, Berfamlungshäufer und Prediger, aber Die una 
frigen keines von beyden, und find wie eine Nachthütte in den Kürbis 
garten. Ich predigte Vormittags Niederteutſch in der Scheune vor: 
ohngefaͤhr dreyſſig Perfonen:,-und Nachmittags Engliſch vor etwas. 
mehreren Zuhörern , und-taufte zwey Kinder: Die Leutlein hielten bes 
weglich an, ich folte bald einmal wiederfommen; welches ich Denn vers; 
ſprach, über vier Wochen zu thun, wenn e8 GOtt gefiel, und meis 
ne Herren Amtsbrüder meinen Dienft zu Haufe verfehen Fönten. Sie 
ſagten mir, daß fie einen Kirchhof yon einem: Acker: Land groß daſelbſt 
hätten, worauf fie mit der Zeit ein Schulhaus und eine Kirche: bauen 
koͤnten, wenn etwa die Gemeine wieder anwachſen und: ſich vermehren 
ſolte, welches vielleicht mol geſchehen möchte, wenn man. zeit zu fols 
chem Befuch wuͤſte. Nach dem Gottesdienfte hielte ich mit ‚etlichen 
Anmefenden ein gutes Gefpräch, und am Äbend catechiſirte ich: die 
Kinder und den. Negerfclaven des Herrn van = nme! 


Der", —⸗ 
Den 


IL Zen: Paſt Muͤhlenbergs Reife nach Raritan 17533. 623 


Den ꝛrzſten Jul⸗ feste ich meine Reife fort nach Haufe, und weil 

der. Weg ſchwer zu ſinden iſt, fo begleitete mic) der alte Herr Abraham 
van . bis: auf funfzehen Meilen, und die übrigen funfgehen Meilen 
ritte ich allein. Es war faft unerträglich heiß; doc) Fam ich glücklic) 
fort bis auf zwo Meilen von meinem Haufe , alwo mein Pferd mit 
mir niederfiel, und bey des Nachbars Haufe lag, bis wir etwas ges 
brauchten, und e8 wieder zum Aufftehen brachten. Neſchammeny liegt 
ohngefaͤhr zwey und zwantzig Meilen von: Philadelphia , und dreyſſig 
Meilen von:meinem Haufe. GOtt fey demüthigft geprieſen, Daß er 
meine elenden Gebeine bewahret und feinen gnaͤdigen Beyſtand auf 
der Reife, um Ehrifli meines. Mittlers willen, verliehen hat! Das 
Reifen wird mir gegentwärtig deſto ſchwerer und mühfamer , teil ic) 
feit der letzten Sour vor drey Sahren nach Rheinbeck und Camp in der 
- Broving Neuyor mein Pferd zuruͤck laſſen, und mich feit‘der Zeit 
mit fchlechtem und sum Reiten untüchtigem: Vieh behelfen müffen. 
Der getreue HErr und Heiland unferer Seelen erlöfe uns endlich aus 
allem Uebel, und helfe uns aus zu feinem ewigen himmlifchen Reich, 
welchem fen Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! | 


einrich Melchior Mühlenberg. 





SR meine hiefige Philadelphifche Gemeine betrifft, fo find die 

3 >) meiften:noch.todt in Sünden, und man muß die Klage Hof. 

ie 4,1. 2.anftimmen; denn wie es da ſtehet, ſo fichets unter vie⸗ 
lem Alten hier auss eine kleine Nachlefe ausgenommen, welche durchs 
Wort ermecket worden, die Sriedensfteige zu fuchen, und fich zur Ruhe _ 
GOites mit Ernſt in der Stille bereiten: gu laffen. Unter jungen Ehes 
leuten, Erwachſenen, Ledigen und Eleinen Kindern und Dienfiboten habe 
noch immer mehr Hoffnung, etwas ausgerichtet zu fehen. Denn id) 
finde ie mehr und mehr, daß meine Kinderlehre im Hauſe und in der 
J— Mm mm 3 Kirche, 


624 chte Sortfesung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Kirche, die ich vom Anfange an hier getrieben, und in dieſen letztern Jah⸗ 
ren mit vieler Luſt und groͤſſerm Ernſt fortgefetzet habe, eine ſolche Anrei⸗ 
gung auch bey andern verurſachet, fo ich wol nicht Durch bloſſes Predi⸗ 
gen erhalten hatte, weil die Leute den Vortrag in Frage und Antwort viel 
beffer verfichen koͤnnen, als eine Predigt im Zufammenhange, die biswei⸗ 
fen nur vorbey raufchet, Daherdenn auch) Nachmittags fehier fo viel Leute, 
als Vormittags, in die Kirche Fommen. Manche junge Männer ſchaf⸗ 
fen ſich Handbibeln an, nehmen felbige nebft unferm Eatechismo mit in: 
die Predigten und Kinderlehre, fehlagen die Sprüche nad), und antworte 
ten auch wol, wenn es.nöthig ift. “Die allermeiften hatten ehedem gar 
keine Handbibeln, iego aber werden fie begierig, da fie von den Jungen 
beſchaͤmet werden, ihnen nachzufolgen. Sehr viele haben inden Haupt⸗ 
predigten und Kinderlehren ihre Bibeln vor fich, wie die Kleinen, und 
ſchlagen fleiſſig nach, fo daß ic) oft dadurch aufgemuntert werde, weil 
fie in mehrerer Attention dabey bleiben, auch’die Predigten zu Haufe: 
wiederholen Binnen. · Dahero ſchon eine ziemliche Anzahl von Hallifchen: 
Bibeln verkauft, und Fommen die zu dem Zweck herein gefandte wohl zu 
ftatten,ja Servants, oder verkaufte Dienftboten, famlen ſich etwas Trinck⸗ 
geld, und Eaufen fich eine Bibel... Sind fie gar zu arm, fo laffe ic) ihnen 
mol den Dritten Theil’am Preife ab, um nur den Zweck zu erreichen. 
Wenn das Waͤyſenhaus noch eine gute Anzahl hereinfchicken folte, an 
fihere Haͤnde; fo zweifle nicht, man werde fie unterbringen Fönnen, da 
man die Halliſche für den wohlfeilſten Preis haben kann, zur Beförde- 
rung des Reichs Ehrifli. Die Jugend ſelbſt kriegt immer mehr Fähig- 
keit und Luft zu antworten, die Sprüche nachzufchlagen und die Antwor⸗ 
ten Daraus zu machen. Die iſt zwar noch nicht ein reeller Segen; aber doch 
ift es ein Anfang Dagu. . Der eine fchneidet, der andere fäet, Joh 4, 360f. 
Was aberdie eigentliche Schule felbft hier in Philadelphia anlanget, 
fo hat folche, nachdem ſelbige aus meinem Haufe'gefommen, abgenommen: . 
Da ic) nun auch uͤberdem merkte, daß die Kinderlehre Sonntags inder - 
Kirche, wegen der groſſen Menge von Kindern, wobey iedoch mein Augen» 
merch vornehmlich) auch auf die armen Dienfiboten gerichtet halten mu⸗ 
ſte, zum nöthigen Unterricht der Kinder nicht hinreichend wars fo fing ich! 
zu Ausgange des Jahrs 1750 eine allgemeine Kinderlehre ale Freytage im 
Haufe, neben der mittwöchlichen Betflunde, an, in welcher id) die Kine 
der den gangen Nachmittag theils catechiſirte, theils fie verhörte, und ih⸗ 
nen ein neues Penfum aufgab: Die Zahl der: Kinder vermehrte fich von 
Zeit zu Zeit, fo auch die Kinderfehre in der Kirche. Der Anfang er 
| , gemacht, 


I. Zen. Paſt · Brunnholsens Briefe 70 6% 


man; und es war Hoffnung da, einige Schritte weiter zu kommen. 
Als aber die Eitern merckten, daß bey fechsig, fiebenzig bis achtzig Rinder 
zu mir famen,, und. in der Schule felbft nur wenige waren, auch meine 
—* Mühe wohl ſahen, deren ich überhoben ſeyn koͤnte, wenn eine rechte 
märe; wozu Denn endlich kam, daß Die Gemeine bey Ablegung 
neh: 175rmit Ernft darauf drang, dag ich mit Herrn Muͤh⸗ 
lenberg auf eine rechte Schule bedacht feyn möchte, da ich fonft alles in 
eine gute Drdnung gebracht hätte: fo wurde genöthiget, eine Aenderung 
zu vera nflglten. Ich Dachte hin und her, mag zu machen fey, und fiel end» 
lich auf einen Borfchlag, welcher auch) in der Predigerconfereng approbiret 
wurde, nemlichs Herr Heinzelmann Eönte mein Collaborator fenn, wozu 
er ſich am beften.fchicfte, er Eönte die Schule alle Tage drey Stunden 
verfehen, wobey er Zeit genug zum Studiren behielte; er Fünte in öffents 
lichen Kinderlehren und aud) fonften im Amte aſſiſtiren; in meinem Haufe 
folte er alles frey haben, und von dem Schulgelde das übrige fich anfchafs 
fen; die Schute Eönte in meinem: Haufe feyn wie ehedem, und der 
— übrigen | * Stunden des T Zages Era Und io in 





en nitmt bie Semneineii im Mn Xeufer ern en * ER da die 
halbe Kirche unten nur voll war, wie ich hereinkam, ſo iſt ſie nun geſtopft 
voll, oben und unten, und kann man die Anzahl wol auf fünf bis fechshun: 
dert Seelen ohne Kinderrechnen. ¶ Iedoch iſi dieſelbe ver aͤnderlich und der 
groͤſte zn. beftehet aus blutarmen Leuten, fo daß ich mich verwundern 
muß, wie ich durchkommen kann. Im vorigen Jahre taufte ich hundert 
and fünf er und die Jahr faſt alle Monat zwoͤlf, vierzehn bis ſech⸗ 


—— cheten Herrn Schrenk betreffend, fo führer: derſelbe fein: 


— amd Aufferlich kuͤmmerlichen Umftänden, getreulich 
hs 











\ 
‚ISMJLBE IE Vor 
= * 


2 a un GE laboratores angekommen 
— 5 er den Heren Heinzelmann zue Die bene 
free Kirche halten: hörte, weinete er vor Freuden und * a,ai 


* mit vieler Erweckung heim. 












wen! F son sell 7 Mr 


Den ıften Der, —* am —— des Advents 1751, An | 


gegen jehen Uhr, Da ich von der Aubeitiin üptiger, —* an demſel⸗ 

ben Tage, an welchem ich Das heilige Abendmahl: rals 
hundert Perſonen ausgetheilet, — — u? 

lieben Mitarbeiter, Here Heinzelmann und Det Schu 8, gang ur 

muthet in meinem Haufe an, zu meiner gröften Berwunderung 

weiße Vorfehung GOttes und Fleiß der Vaͤter. — a —* 

Briefe geleſen, ſiund ich mit Freuden von meinem Bette auf, bewill⸗ 


kommete und bewirthete fie, fo gut als ich Eonte, Ob gleich eine uners. 
wartete Veränderung mitdem Heren Handſchuh in Germantown unter⸗ 
deſſen vorgegangen, ſo werden ſie uns doch nicht Brache liegen, ſondern 
genug zu thun finden, wenn ſie, wie ich gaͤntzlich hoffe, mit dem zu frie⸗ 


den ſind, wozu ſie fuͤrerſt angewieſen werden. Herr Heinemann iſt 
mit femme Loos bis was febt wohl zu frieden 36, 


— Deber Beunnofg, 
nn nn ne nn an anna | 


N. Auszug eined Schreibens von eben 
demſelben auch an Herrn Doctor Francken, 
| vom ı6fen ‚April Ey K 


2 | 






5. ———— Zuſchriften haben wir lange Zeit, unter fehr bes 
drengten Umſtaͤnden, entgegen gefeben, Endlich erhielten 
| wir diefelben vor einigen Zagen, zur Freude unfers Herkend, 
u wo habe denn nach Providense gefandf, und meilen es in 
Martermoche ift, und viele Amtsarbeit ung allen oblieget, fo werden wir 
erſtlich nach Oftern Confereng halten Fönnen; wannenhero ich mit diefem 
ießo abgehenden Schiffe nur ein paar Zeilenan die Hochwuͤrdigen Vaͤ⸗ 
ter voraus ſenden will und * Ich, der Elendeſte und Geringſte uns 
ter meinen hieſigen Bruͤdern, bin auch ein Mitgenoß des Seideng gewe⸗ 
ſen, beſonders ſeit dem Advent 1752, binnen welcher Zeit ich faſt beſtaͤn⸗ 
dig kranck geweſen, und nur dann und wann habe predigen 





* 





* 


naituv an, Paſt Brunnholtzens Briefe gʒ . 687 


welche Kranckheit und Schmwächlichkeit Durch vielen Kummer und allers 
ndeumein mercklicyes vermehret worden, ſo daß ich elend dar⸗ 

n ware, wenn: ich nicht den Heren Heinzelmann zum Eollaboras 
yabrhätte. "WBorigen Sommer durch aber war ich ziemlich munter, 

und konte die Hauptyredigten halten, wie auch des Herrn Mühlenbergs 
jemeinen, in deſſen Abtvefenheit, mit. verfehen helfen. En: " 
Woas in meinem vorigen Schreiben vom ı6ten Matt, 1752. wegen der 
anzufangenden Schule alhie gemeldet, iſt durch göttliche Gnade zu Stans 
de gefommen, und hat einen feinen Forfgangunter göftlichem Segen ges 
habt. Doch iſts ohne manche Schwierigkeiten, die ich dabey habe empfins 
den muͤſſen, nicht abgegangen. Bald iſt dieſer und jener nicht zu frieden 
geweſen; bald hat es am Schulraum gefehlet, bald am Schulhoitz, an 
Defen und andern Nothmwendigkeiten. Wir fingen den 6ten April 1752- 
die Schule in meinem Haufe in der untern Stube an, und Die. Zahl der 
Schüler wuchs bald bis achtzig, hundert, hundert: und zehn und 
hundert und zwanzig, fo daß der Raum zu Elein wurde, daher wir, da 
es warn mard, die Schule nach der Kirche verlegten, mo fie den Soms 
mer Durch gehalten worden. Wie der Herbit Fam, und es kalt ward, 
wuſte ich nicht, mo ich mit einer ſolchen Anzahl Kinder hin folte. Ein 
Haus zu miethen war zu Foftbar, daherich Denn meine beyden beften und 
gröften Stuben oben, durch Niederreiffung der Zwiſchenwand, dazu ap⸗ 
tiren, und zween Defen darein feßen ließ, wo den Winter über und bis ietzo 
noch Schule gehalten wird. Ein ieder von ung behilft fich mit einem 
Beinen Rämmerlein. Ein Schulhaus zu bauen leidet unfere Kirchen 
caſſa noch nicht, und die Schule iſt doch eins der nothwendigſten Stücke, 
Bey den meiften Alten ift alles umfonft. Die Schule giebt ung eine 
Hoffnung befferer Zeiten. Unfere lieben Kinder, deren Anzahl nie uns 
‚ter achtzig herunter gefommen, iego aber über hundert und fünfe big 
hundert und zeben iſt, lernen überaus fein, und ich weiß, unfere theus 
ren Väter würden vor Freuden weinen, und einige Gnadenbelohnung ih» 
rer vielfältigen Mühe fehen, wenn fie unfere Americanifchen Kinder ſin⸗ 
gen, beten und lefen hoͤren ſolten. Unfer neuaufgelegter und verbefferter 
. Heiner Catechismus und die zum Verkauf gehabte Bibeln und: Teſta⸗ 
Menter find ung mohl zu flatten gefommen. Wir haben die Schule 

gach der Methode des Wänfenhaufes in dortigen Zeutfchen Schulen ein: 
ri Die Kinder find in ſechs Claſſen getheilet, muͤſſen aber in eis 
nem Raum fißen. Alle Quartal halten wir ein Eramen mit ihnen öfs 
An nder Kirche, wozu Die gange Gemeine eingeladen wird, und 
VIII.Penſylv. Sortf. | Nunn viele 









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viele von denſelben kommen auch. Sie werden durch alle Lectiones nach 
den Elaffen examiniret, und die groͤſſern halten Geſpraͤche, von Hetrũ 
Heinemann aufgefegt. Nachhero wird ihnen Kuchen ausgerhei 
nebſt gedruckten Gedenckſpruͤchen. Der liebe Herr Heinzelmann: hat 
bishero groffe Treue und unermüdete Arbeitfamkeit Dabey bewieſen, hat 
auch bey der groffen Anzahl fünf bis fech8 Stunden mit dem Organiften _ 
informiren müffen. Wir gehen bisweilen bey fhönem Wetter mit den 
Kindern aufs Feld, da fie panrmeife gehen. Bald beten fie mie aus 
Einem Munde ihre Gedenckſpruͤche; bald fingen fie, welches mir, eine 
rechte Aufmunterung ift, auch bey meiner tiefſten Traurigkeit. Jeder⸗ 
mann verwundert fich Darüber. Sonntags verfamlen fie ſich vor mein 
Haus, und werden paarmweifein die Kirche geführet, und vom Herrn 
Heinzelmann eraminiret. GOtt erhalte die Schule im Gang, dem eins 
de zu Trotz! Sich helfe, wenn und mie viel ich kann; ordentlich aber habe 
ich die Schreib: und bisweilen die Rechenftunde, weil die Herren Praͤce⸗ 
ptores nicht wohl damit fortkommen koͤnnen. Diefen Winter über aber 
habe ich wenig mehrthun, als nurdie Schule befuchen koͤnnen. Iſts nun 
gleich eine unglaubliche Unruhe, im Haufe Die Schule zu haben, wobey 
man feinen Raum für Bücher und Sachen hat, fondern mie in einem 
Winckel eingepackt ſitzet; fo ift doch DIE wienichts gegen den Nugen der 
Schule zu rechnen. | ® — —— 
In meiner Gemeine hier kann ich eben von keinen ſonderlichen Unru⸗ 
- ben und Zertrennungen Elagen und fchreiben. Mein Kirchenrath ifl-eis 
nig, und flehet wie Ein Mann vor dem Riß. Herr Heinzelmann hat 
eine befondere Hochachtung von allen und ieden, theild wegen feiner.guten 
Gaben, theils weil er noch wie neu, jung und ſtarck if. GOtt wird 
auch das brauchen: Wenn ich nicht mehr fort kann, werde ich mic) zu 
dem Herrn Muͤhlenberg retiriren,denn Geld habe ich nicht famlen Fön- 
nen noch wollen, wovon ich leben folte, und da leben als ein Emeritug, 
So lange ich aber kann, werde ich das mögliche thunz wie denn einige 
vom Kirchenrathe gefagt haben, wenn ic) auch nur alle vier Wochen ſel⸗ 
ber predigte, und dabey das Directorium in der Schule und im Amte fuͤh⸗ 
rete, ſo waͤren ſie zu friedee ade 1314 








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Peter Brunnholg; 


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V Auszug eines Schreibens de Herrn 
Heinjelinanns zu Philadelphia an eben denfelben, 
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KR ffe und wůnſche von GOtt dem Bater unfers HEren FEfs 
SI) Ehrifti, daß er, der da Gebet erhöret, SE. %. heute Perfom 
BZ bisher gnädiglic) erhalten, und Diefelben, unter den häufigen 
nenfelben und bey uns, geiläcchet und gefegnet haben möge; welches ung 
sur wahren Freude und-gum Lobe des. HExrn erwecken fell. 
Denenſelben habeeinen-Eurgen und ſummariſchen Bericht von meis 
ner bisherigen Anitsarbeit an den vereinigten Evangelifc) -Lutherifchen: 
Gemeinen in Penſylvanien, nemlich vom April 1752:bis ietzo, gu ertheilen 
nicht ecmangeln wollen. "Nachdem ich in Der Zaflengeit deifelbigen Jahre 
hier in Philadelphia zwangig Catechumenos wöchentlich dtey Tage im Ca⸗ 
techismoRutheri und der Starcfifehen Ordnung des Hells nothdürftiguns 
terrichtet: fo wurden Diefelben am Sonntage Quafimodogeniti, den sten; 
April, nach einer von mit gehaltenen Predigt über das ordentlihe Sonn⸗ 
2098 Evangelium von Der Friedengpredigt des auferftandenen FEfu, und. 
einem geroöhnlichen Eramine, auch Erneurung des Taufbundes, von Dem 
Herrn Paftor Brunnholg confirmivet.  Diefe Eatechumeni waren Durch 
manche Eemahnungen siemlich deweget. Sonderlic) hatte «8 das Ans 
fehen, als wenn der HErr fein Were in einer Ehefrau anfangen wollen,’ 
deren Mann fich feit etlichen Fahren aus Eigendünckel von der Kirchens: 
gemeinfchaft getrennet, nun aber in offenbaren Laflern lebet, und feiner‘ 
Frau viel Hergeleid anthut, . AWeilan eben diefem Sonntage gugleich Die. 
aufs neue aufzurichtende Schule der Gemeine bekannt gemacht ward? 
ſo machten wir, (Herr Naumann, der Organiſte, und ich) den Anfang das, 
mit, nemlich den öten April. Wir bekamen gleich in der erſten Woche 
mehr als fechzig Kinder, und die Anzahl belief ſich im erfien Quartal auf: 
hundert und dreyſſig. Nachmals iſt ſie etwas weniger geweſen, und 
‚ie6o beſtehet fie aus hundert und zehn. „Sich habe in Dem erſten ganten 
Sahre vier und eine halbe Stunde, nemlich drey des Vormittags und 
andethalbe des Nachmittags, informiret, und fo Dery Naumann drev 
x —— ne — — —— 
Anfangs fehr ſchwer gefchienen wegen der Verſchiedenheit Der 
Sugend, der Erkenntniß, ve A und der Erziehung nach; Sm 
Not EN 5 n nn 3 iu ———— 









650 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penfploanien. 


aber. Gnade, daß, da wir die.gange Schule in fechs Claſſen und in vier 
Schreib⸗ und Rechenclaffen theilen, und die Jugend, fo viel möglich, nach 
der erlernten Methode in den gefegneten Anftalten des Waͤyſenhauſes zu 
Halle unterrichten Eonten, die Arbeit etwas leichter fiel. Auſſer dem ge- 
meld eten pflegen die Kinder wöchentlich einen biblifchen Spruch. und ein 
Stuck aus Lutheri Catechismo zu lernen, und wir fuchen ihnen nicht nur 

die biblische Geſchichte, ſondern auch andere Nebenſachen, als die Geo⸗ 
graphie, die Sitten ze. beygubringen. Wie die Schule von unfern Ges 
meinsgliedern und andern auch Englifchen ( fonderlich des Singens wer _ 
gen) fleiffig befuchet wird: alſo ift fonderlich das Eramen, fo wir nun 
fünfmal öffentlich in. der Kirche gehalten, von vielen, auch von den 
Schwedischen Herren Predigern, befuchet worden. Zum befondern Un⸗ 
tereicht im Ehriftenthum habe id) den Donnerftag Nachmittage woͤchent⸗ 
lich ausgefeget, und den drey. erften Elaffen, wie den drey untern, eine 
aparte Kinderlehre gehalten, fo auch von fremden Kindern befuchet wor⸗ 
den. Iſt diefes Werck dem HErrn angenehm: fo wolle er einen ges 
ſegneten Fortgang verleihen, und nicht nur die dazu tüchtige Subjecta 
zeigen , (meil ich feit drey Diertheljahren einen mercflichen Abgang meis 
ner Leibeskräfte bemercfet) und die Mittel zum Bau einer Schule verlei⸗ 
hen; denn im Winter haben wir ung mit einem Eleinen Raum im Haufe 
beholfen, und Daggange Wohnhaus zur Schule gewidmet; im Sommen 
aber hat fie müffen in der Kirche gehalten werden. 

Neben diefer täglichen Schularbeit habe ih dem Herrn Paftor Brunn⸗ 
holg im Amte alle mögliche Aſſiſtentz geleiftet, und nicht nur des Sonntags 
wenigſtens einmal, auchin der JRoche öffentlich Gottesdienſt gehalten, ſon⸗ 
dern auch Die Befuchung der Krancken, Die meiften Zaufen, Copulationen, 
Begraͤbniſſe ꝛc. ihm abgenommen. Und da er feıt dem Anfang des De: 
cembers 1752 meiftentheilg ſchwach und zu feinem Amteuntüchtiggemefen: 
fohabe alle öffentliche und befondern Gefchäfte zu verfehen gehabt, wozu 
mich mein DBater in Chriſto gnaͤdiglich über: mein Hoffen geſtaͤrcket. 
Oft hat es mir unerträglich gefehienen, wenn die Pflichten der Schule 
und Gemeine in Eolifion gekommen, und neben der Arbeit ein groffer 
Ueberlauf von Gemeinsgliedern, um ſich Raths zu erholen ‚.gemefen. 
Doch ich wünfche nur, daß alles nach. dem Sinn GOttes geſchehen feyn. 
möge. Wenn ich, wie gewöhnlich, Nachmittags Gottesdienft gehalten : 
ſo habe im erften Jahre den Catechismum Lutheri und in dieſem die Apo⸗ 
ftelgefehichte catecherifch erläutert; in der Faftenzeit aber die Paſſions⸗ 
Hiflorie 116 BR et? Eu: 4 

on 


_ 


Pe Zen eingelmanns Brief. >> 6 
¶Von einem durch GOttes Gnade geſtiſteten Segen gefraue 


mir nichts zu ſchreiben. Ob ich gleich einige — ſolchen anfuͤh⸗ 
ren koͤnte, die entweder durch Predigten oder beſondere Unterredungen 
etwas mehr als zuvor um ihr Seelenheil bekuͤmmert geworden: fo find 
fie doc) entweder nur fchlechte Anfänger, oder auch gar zum Theil ſchon 


0 


i4 








BM ei u ' 
eg An in Penfyloanien und den benachbarten Gegenden be 
i Ri N ſchaffen 


632 Achte Feritccaen der Nachricht aus REN | 


ſchaffen fen. Das Bewuſtſer ehn eines ordentlichen Beruifs/vermoge deſ⸗ 
fen man auf der Gemeinen Verlangen von GOtt willig gemacht, bes 
tufen, gefandt und von den Gemeinen angenommen tworden, um das ers 
worbene Heil des groffen Weltheilandes nach der verliehenen Gnade 
kundzumachen und anzüpreiſen, iſt troͤſtlichi in allen vorfallenden Hinder⸗ 
niſſen, Widerſtand, Schmach, Verfolgun en er —* und bleibet 
ein dauerhafter Bewegungeorund⸗ auch in der bei anjuhalten, 
wo nicht viel, Doch etwas zur Ehre — zur * des Neben: 
menfchen auszurichten. Zochwuͤrdige Väter und Gönner hätten Im 
Dero teichtigem Amt und Stande viel geruhiger, fliller und © 
feben und den Lauf vollenden Eönnen, wenn Sie niemals etwas von den 
Morgen: und Abendländifchen Wüflen,undvon den darin herumirrenden 
permilderten Nebenmenfchen, gehöret, oder von denfelben nicht wären um 
Huͤlfe angelaufen, und um GoOttes willen zum Beyſtand bewogen wor⸗ 
den. Wir haͤtten gleichfalls in unſerm Vaterlande, nach unſerm aller: 
geringften Maaf der Gnade und Babe, dem Herten in der Stille dienen 
mögen, | wo ung nicht der mittelbare Beruf von GOtt durch Hochwuͤr⸗ 
dige Väter uͤbermocht, den verlornen und im’ Grunde verdorbenen 
in der Nordamericanifchen Wuͤſte aufzufuchen, und nach feines Vaters 
get zu rufen. Wir find ung aber nicht allein eines ordentlichen 
Berufs, fondern auch eines allergnädigften und verföhnten Vaters in 
Ehriſto bewuſt, der nach feiner Almacht uns ſchuͤtzen, nach feiner Als 
toiffenheit unfre Beduͤrfniß, Mangel und Noth fehen, nad) feiner All⸗ 
gegenwart unfer Bitten und Flehen erhören und’ helfen, nad) der un⸗ 
erforfchlichen Tiefe feiner Weisheit Mittel und Rath erfinden, nach 
dem Reichthum feiner Güte Leben und volle Gnuͤge geben , nach ſeiner 
Geduld heben und tragen, nach feiner Langmuth verfchonen, nad) ſei⸗ 
ner Heiligkeit reinigen und bilden , nach feiner Gerechtigkeit zum Beſten 
unfrer Seelen vaͤterlich züchtigen, nach feiner Gnade ung. erhalten 
nad) feiner Barmhertzigkeit Mitleiden haben, und nach feiner und 
meßlichen etvigen Menfhentiebe in Chrifto JEſu ung Alles. und, in Sm 
ſeyn kann und will. Wohl dem, des Zülfe der GOtt Jacobi in 
Soffnung auf den SEren, feinen GOtt, ſtehet! Pf. 146,5 
In dem Namen dieſes groffen Jehovah und verfühnten 5 aters in 
Ehrifto, haben Hochwuͤrdige Vaͤter und, ‚Gönner die Noth und den 
jaͤmmerlichen Zuſtand derzerſtreueten Schafe in der Americanıfchen‘ 
fie zu Hergen genommen, und fich auf Derfelben Bitten und Flehen 
wegen laffen, von vielen und beſonders feit zwoͤlf ‚Sahren her, end 
i 





Vl zeit. Pafk můhlenbergs Brief von 1753: &3 


liche und erfinnlihe Sorge, Mühe und reelle Hälfe, sur Nettung der 
- Seelen, zu beweiſen. In demſelben Namen haben wir den Beruf von 
Zochwuͤrdigen Vaͤtern willig angenommen, unſer geliebtes Vaterland 
und Freundſchaft verlaſſen, Die beſchwerliche Reiſe zu Lande und Waſ⸗ 
fer überwunden, unſer Amt angetreten, und den Rath GOttes von der 
Seligkeit, ob wol in groffer Schwachheit und unter unzählbaren Feh⸗ 
lern, welche ung täglid) beugen und unter dem Ereuge Ehrifti halten, 
verfündiget, unfere Leibes- und Seelenkräfte, bey einem nothdürftigen 
Gehalt von freyen Liebesgaben der Gemeinsglieder, verzehret, unfern 
. Rüden zur Verachtung und Muthmillen der fichern, undanckbaren und 
fpöttifchen Welt dargehalten, den Feinden der Wahrheit und des Creu⸗ 
es Ehrifti mir Ernft und Liebe begegnet, die Böfen mit Sanftmuth 
getragen, die Widerfpenftigen mit GOttes Wort beflvafet, Die Sichern 
Dann und wann erfhrecft, die Heuchler gewarnet, die Werckheiligen 
- wit ihrer eigenen Gerechtigkeit befchämet, den Armen am Geifte das Him⸗ 
melreich verfündiget, Die Leidfragenden aus dem Evangelio getröftet, die 
Sanftmüthigen auf das Erbtheil der Heiligen im Licht vertoiefen, und 
den Hungrigen und Durftigen Die unerfchöpfliche Gnadenquelle in Chri⸗ 
‚flo gezeiget, und was fonft zu dem Amte, das die Verſoͤhnung prediget, 
‚gehöret, und Durch GOttes unausfprechliche Gnade und Barmhersigkeit, 
unfere Zage nicht gans ohne allen Segen und Frucht zugebradht. 
Weir achten GOttes Geduld- für unfere Seligkeit, und find vers 
gnügt, wenn fein Geiſt unferm Geiſte Zeugniß giebet, Daß wir ihm in 
Chriſto gefallen. An der Menſchen Zeugniß ift ung wenig gelegen, 
denn bey denfelben gehen wir Durch Ehre und Schande, durch böfe Ges 
rüchte und gute Geruͤchte. Wir heiffen Berführer, GOtt erhalte ung 
mahrhaftig. Den hohen und ſich felbft gelaffenen Beiftern find wir uns 
bekannt, und den Einfältigen indem HErrn Bekannte ꝛc. als die Gezuͤch⸗ 


7 \ 


figte, aber noch nicht ertödtet. | | 
Der eingige Lobebrief, welchen wir vor GOtt und unfern Soch⸗ 
würdigen Vätern aufjumeifen haben, möchten mol einige wenige See⸗ 
len feyn, melche wir Durch unfer Amt zubereitet, nicht mit Zinten, fon: 
dern mit dem Geiſte des lebendigen GOttes, in die Tafeln des Hergeng 
geſchrieben. Und auch Diefer Brief ift noch viel zu Elein und unleferlich, 
mu der groffen, innigen, zarten Liebe und des Berlangeng, 
welche 
rten Schafe träget, und der. vielen Bemühungen, welche Hochwuͤr⸗ 

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A/UILET 
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Gönner in Europa bieher aufgewandt. Wolte Sea 
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der Erghirte JEſus Chriſtus nach der Mettung des verlornenhuns ® 


Es 


64 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


hovah nach feiner Gerechtigkeit wegen unſerer Amtes: und Berufsfehler 
mit ung rechten, wir Fönten ihm auf taufend nicht eins antworten, und 
muͤſſen dahero uns hinter dem mitleidigfien hoͤchſten Priefter und Fuͤr⸗ 
fprecher gläubig verbergen, welcher deswegen zur rechten Hand des Vaters 
figet, und ung verftit. | | —A 
GOtt hat uns nach dem Reichthum feiner Güte, Geduld und Lang: 
muͤthigkeit bis hieher beym Leben erhalten und geſtaͤrcket, daß mir feine 
zur Seligkeit verordneten Gnadenmittel den Haufen und Häuflein in 
Philadelphia, Eohenzy, Germantown, Neuprovidence, Pikestown, Neus 
hannover, Neugofchehoppen, Altgofcheboppen, Indienfield, Tulpehoken, 
Nordkiel, Yorktoron über der Susquehana, Uppermilfort, Saccum, 
Sort, Tohecka, Nefhammeny, Readingtown in Serfey, inden Raritaner⸗ 
Gebirgen, Neuyork und Hackinſack, in der Schwachheit und unter vielen 
Prüfungen, haben vorlegen und anpreifen innen. Wir haben in deu 
benamten Gemeinen und Silials, nad) Zeit und Gelegenheit, die Kinder 
in den allerfeligften Gnadenbund mit GOtt gebracht, junge Leute unters 
richtet und confirmiret, Das heilige Abendmahl gehalten, gepflanget und 
begoffen, und dem HErrn des IBeinberges das Gedeyen mit demuͤthi⸗ 
gem Gebet empfohlen. Das Gemeinlein in Cohenzy hat von Philadel- 
pbia aus nur etliche mal können bedienet werden; die übrige Zeit müflen 
fie mit Vorleſen fürlieb nehmen. In Philadelphia ift die Schule mit 
Befchtwerlichkeit und Fleiß im Segen fortgefeget tworden. In der Ger; 
mantoroner = Gemeine bedienet der Herr Paftor Handſchuh (nachdem 
ihn ein unordentlicher Haufe von der Kirche verdrenget, und den berüchs 
tigten um Miffethat willen zweymal im Gefängniß gefeffenen Pfarrer 
Andres zu ihrem Prediger angenommen,) nunmehro das mit ihm vers 
drengte Häuflein, welches gegenmärtig aus zwantzig Familien von Ein: 
wohnern in und um Germantown beftehet, in einem gemietheten Haufe, 
an den Sonn: und Sefltagen mit den Gnadenmitteln, und hält in den 
Mochentagen Schule mit der zarten Sfugend. So Enapp und kuͤmmer⸗ 
(ich fich auch derfelbe mit feiner Familie im Aeufferlichen behilfts fo find 
doch feine Gemeinsglieder, fo viel fie aud) then, nicht im Stande, feinen 
nothdürftigften Unterhalt aufzubringen. Diefe zwantzig Familien hat: 
ten dag meifte an der Kirche gethan. Wir hatten von den erften und 
älteften Gemeinsgliedern einen ordentlich unterfchriebenen Beruf, und 
die Gemeine in Die geben Fahre mit Angft und Mühe bearbeitet. Da 
nun der neue aufgewiegelte Schwarm mit ihren gottesvergeffenen Häu- 
ptern ankam, und einmal nach dem andern Aufruhr machte, ja bereit 
war 


IL Zen Po Muͤhlenbergs Brifvonun - 63 


war ein — one ſo hatten wie mit Fug und Mecht einen 
Proceß vor der Obrigkeit anfangen koͤnnen ' Allein wir fahen lieber auf 
GOtt und auf ſeine Zulaſſung, wihen Schritt vor Schritt zuruͤck, und 
ba Lift und Gewalt für Recht erging, ſo folgten uns die armen, vor der 
Belt verlaͤſterten und verachteten Schafe nach: In der gansen Unru⸗ 
betonte uͤbrigens dem Herrn Handſchuh auch von Den bitterften Feiu⸗ 
Dan kein Fehler in der Lehre und Leben bewieſen werden. 04 
on Ich⸗ Muͤhlenberg hatte/ neben meinen weitlaͤufigen Gemeinen in 
Providence und Neuhannover , ein. Gemeinlein, Aus Engliſch Schwe⸗ 
diſch⸗ und Teut ſchen Gliedern beſtehende, zu Molotton ein paar Jahre 
mit groſſer Beſchwerlichkeit und Ruin meiner Leibebkraͤfte bedienet; konte 
eb aber nicht laͤnger aushalten / und wurde, uf Worbitte bey Sr. Hoch⸗ 
ehrwuͤrden dem Schwediſchen Herrn Probſt Acrelius, durch den Wohl⸗ 
ehrwuͤrdigen Herrn Leidentus,/ baſtl extraord. abgeloͤſet, welcher ders 
ſelben bishero ſeine treuen Dienſte geleiſtet hat. Die Gemeine auf Tul⸗ 
peholen und Deren Filiale find bis Dato von dem Herrn Pfarrer Kürtz 
nach verliehener Gnade und moͤglicher Treue verſehen/ und die Kinder ind 
Winter von ihm unterrichtet worden. Die Gemeine in Vorktown uͤber 
dev Susquehana wurde von den Raͤdelsfuͤhrern der Germantowner Un⸗ 
ruhe und von einem neu angekommenen Kr a N und ein 
Cheil derſelben wolte nicht haͤnger Geduld mit des Herrn Schaums ſei⸗ 
ner kraͤncklichen Leibesconſtitution tragen. Der groͤſte Theil aber war 
mit Herrn Schaum noch zufrieden, und baten, daß er bey ihnen bleiben 
möchte Die Gemeine zu Friedrichsſtadt in Maryland hatte verſchie⸗ 
dene mal bey uns uüm einen Prediger angehalten, und ſich dann und wann 
vom Herrn Schaum bedienen laffen. Weil wir aber keinen Prediger für 
ſie wuſten, fo haben ſie den Herrn Pfarrer Zaufil, welcher in Rotterdam 
Bon dem Hochehrwuͤrdigen Lutheriſchen Miniſterio ordiniret worden; 
zum Verſuch und mit dem Beding angenommen, daß er mit uns in Ver⸗ 
Einigung ſtehen ſolte. Die Gemeine in Lancaſter hatte ſich, eines Theils 
durch Fürfprache des Herrn MWagners, an das Hochwuͤrdige Con⸗ 
ſiſtorium in dem Herzogthum Wuͤrtemberg gewandt, und um einen Pre⸗ 
diger angehalten, und inzwiſchen ſich vom Herrn Wagner, hernach von 
einem nach Penſylvania verirreten Wuͤrtembergiſchen Studenten, Na⸗ 
mens Engeland, auf eine kurtze Zeit, und nach dieſem von einem an⸗ 
dern neu angekommenen, nicht weit von Hamburg geſtandenen Predi⸗ 
ger, Namens Wortmann, bedienen: laſſen, bis endlich der von dem 
er Eonfiftorio gefandte Herr M Gerock an⸗ 
MIN, Penfplo. Fortſ. Oo 00 Fam, 


636 Achte Sortfegungrder Nachricht aus Penſylvanien. 


Bun, und das Amt in Lancaſter ordentlich antrat. Die Gemeine war 
zwar anfangs zerſpaltet, und ein groſſer Theil hielt mit dem Herrn 
Wortmann Gottesdienſt auf dem Rathhauſe, bis derſelbe nach einer bey 
dem Fluß Schulkiel neu angelegten Stadt, Reading genannt, berufen 
wurde. Wir ſind froh, daß Die Lancafterifhe Gemeine durch GOttes 
Vorſehung mit einem ordentlich geſandten Lehrer wiederum verſehen wor⸗ 
den iſt. Die Gemeine in der ietztgedachten neuen Stadt Reading ward 
anfangs von dem Herrn M. Wagner verſehen; nachdem ſelbige aber 
zahlreicher geworden, ſo entſtund ein Zwieſpalt zwiſchen der Gemeine und 
Herrn Wagner wegen verſchiedener Dinge. Die Aelteſten der Gemeine 
plagten uns muͤnd⸗ und ſchriftlich um einen Prediger von unſerm Mini⸗ 
ſterio. Ich, Muͤhlenberg. wurde von meinen Amtsbrudern auf der 
letztern Synodalverfamlung befehliget, nach Reading vermoͤge einet Eins 
ladungsſchrift, ſo von zwey und achtzig Gemeinsgliedern unterſchrieben 
war, zu reifen, und.dafelbft in der neuerbaueten Kirche zum erſten mal zu 
predigen; welches auch geſchahe. Ich bat die Gemeine daſelhſt verſchie⸗ 
dene mal vor Zeugen ſchriftlich und mundlich, fie moͤchten den Herrn 
M. Wagner wieder aufs neue zu ihrem Prediger annehmen, oder da 

Hochwuͤrdige Conſiſtorium in Wuͤrtemberg um einen Lehrern demuthig 

erſuchen, weil wir gegenwaͤrtig von unſerm Miniſterio keinen entbehten 
koͤnten. Sie wolten aber nicht, und wandten ſich zuerſt zu dem aus dem 
Herʒogthum Wuͤrtemberg neuangekommenen Herrn M. Schärtlin, deg 
gegenwaͤrtig an einem Orte; Magunſhy genannt, wohnet.Dieſer ſchien 
anfangs geneigt zu ſeyn Die: Gemeine: in ſeine Pflege zu nehmen und Die 
vornehmſten der Gemeine waren auch ſehr vergnuͤgt daruͤber. Weil ſie 
aber nicht recht einig werden konten, ſo beriefen ſie hernach, wie oben ge⸗ 
meldet, den Herrn Wortmann aus Lancafter: Die Gemeinen in Ra 
goſchehoppen und Indienfield ſind von dem Herrn Pfarrer Schultz, die 
Gemeinen in Altgoſchehoppen und an der Toheka durch den Herrn Pfar⸗ 
rer Rauß bearbeitet, und die Gemeinlein in Uppermilfort, Saccum, Fork 
und weit und breit uͤber den blauen Bergen hinaus, von dem Herrn Pfar⸗ 
rer Schrenck mit groſſer Mühe, Beſchwerlichkeit und möglicher Treue 
gemeidet worden, Die verlaffenen Gemeinen in Neuyorck und Hackin⸗ 
ſack hatten angehalten, Muͤhlenberg zu ihrem Prediger zu bekommen ; 
weil aber folche Beränderung, nach hinreichenden Gründen, nicht genehm 
gehalten wurde, fo beriefen jeßtgemeldete Gemeinen den Herrn: Pfarrer 
Weygand von Raritan ad interimizu ihrem Prediger. Nachhero noͤ⸗ 
thigten Die Gemeinen auf Raritan den Mühlenberg, hinuͤber rien 


1 


M. Brn Pat, Mlöhlenbergs Brief von ryz33 637. 


und ihre Sachen wieder zu ſchlichten; welches denn gefchahe, und laut ſei⸗ 
nes Diarii () dahin gediehe, daß Die Gemeinen wieder einig, die abgeſon⸗ 
derten Haͤupter nach Erkentniß ihrer Uebereilung aufgenommen, und der 
Herr Platrer Schrenck einmuͤthig au ihrem Lehrer begehret wurde. 

Mit den Schulen und der Schularbeit ſiehet es in unſern Land: 
gemeinen noch ſchlecht aus, weil tuͤchtige und rechtſchaffene Schulhalter 
rar, und die Salaria gantz unzulaͤnglich ſind, die Gemeinsglieder ger— 
ſtreuet und weit von einander wohnen „aud) die meiſten arm, die Wege 
im Winter zu uͤbel, und Die Kinder im Sommer —— zu noͤthig find. 
ochwuͤrdige Vaͤter und theureſte Goͤnner wollen geneigt ges 
ruhen / daß wir desfalls unſer Anliegen naͤchſt GOtt in: Dero Schooß 
ſchuͤtten und flehentlich um Huͤlfe bitten 0: u? ana 
oa Wir fehen aus täglicher Erfahrung, daß das Predigen allein 
bey weitem nicht hinlaͤnglich ſey, eine verborbene Republick {u verbeſſern, 
und das Reich JEſu Ehrifti gu erweitern. : Derallergröffefte Haufe von 
unſerm fo genannten Chriſtenvolcke in America iſt in der Jugend elendig⸗ 
lich verfäumer. : Sie haben Feine rechte Principia von den Hauptwahr⸗ 
heiten der Chriſtlichen Lehre, und an ſtatt deſſen das Haupt und Hertz 
poll von irrigen, verkehrten, widerfprechenden Sägen, Meinungen, Bor: 
urtheilen, Aberglauben, Widermillen und WBiderfpenftigkeit gegen das 
Gute von Eltern und Voreltern ein: und fortgepflanget. ‚Sie können 
nur wenig oder nichts leſen, und diejenigen, welche etwas lefen koͤnnen, 
find der Gefahr unterworfen, daß fie allerhand feltfame, ſchaͤdliche und 
verführifche Bücher, wovon das Land vol iſt/ in die Hande bekommen. 
Nun moͤgen die Prediger fo oft und viel, fo erbaulich und bewegend pre: 
digen; wie fiewollen und koͤnnen, die Oberfläche wird mol bey vielen 
etwas berühter, abet der Same fälltiauf den Weg, auf den Fels und 
unter die Dornen/ und der Grund wird felten oder gar nicht gebrochen. 
Die zahlreiche Jugend mächfet häufig heran, tritin das Geleis der Abs 
ten, undebririget Diefelben Fruͤchte hervor. Man flicket, beffert, übertüns 
chet, mahlet und weiſſet vergeblich an alten Haͤuſern, wenn das Funda⸗ 
ment faul und untauglich iſt. Man ſchneidet, putzet, reiniget, graͤbet 
und duͤnget umſonſt an alten Baͤumen, wenn die Wurtzel erſtorben iſt. 
) Die Eltern haben groͤſtentheils nach der natürlichen Liebe ihre 
Hertzen noch an den Kindern hangend. Wo dieſe hingehen, da folgen 
jene nach· Was die Kinder. ſagen und thun, das nehmen viele Eltern 
am erſten an. Die Kinder find in ihrer garten Jugend am bequemften;- 


AUG ©" N Te 7 AN gute 
Sebe oben S.6u uf. 8 


63 Achte Fortſetzung der Nachricht aus Penfplvanlien: 


ute Prinecipia zu faſſen, und-den Eltern zu predigen. Die prätendirten 
Oisbeiften haben, näch ihrer Bosheit, am meiften über die erften in ihrer! 
zarten Jugend eingedruchten Principia der Religion geklagt, und geflans 
den, daß fie ſolche am allerfchtwereften ausrotten koͤnten. Wer unpate 
teyiſch ift, der wird geſtehen müſſen, daß ınan Die Verbeſſerung in der 
Kirche und in allen Ständen bey der Jugend anfangen müffe: Es waͤ⸗ 
se höchft ungereimt, wenn man wegen des vorfallenden Mißbrauchs den 
guten Bebrauch verwerfen wolte. mn Dir 
2.3) Philsdelphis if die. Hauptfladt von Penſhlvanig, ein Behaͤlt⸗ 
niß von allen erfinnlichen Partehen, eine fruchtbare Gebaͤrerin von etli- 
chen tauſend Kindern, ein Hafen, wo alle Fahr etliche taufend von AB 
ten und ungen ankommen, eine Pflantz ſchule/ woraus jaͤhrlich das Land 
und die umliegenden Provintzien weiter beſetzet und bepflantzet werden. 
Daſelbſt find Schulen von allerley Geſinntheiten, die meiſten fuͤr ſchuldi⸗ 
ge Bezahlung, und die wenigſten frey. Man lernet der Jugend diejeni⸗ 
gen Wiſſenſchaften, welche zur Noth ihre zeitliche Wohlfahrt befördern 
möchten. An die Seelenwohlfahrt wird wenig vder gar nicht gedacht/ 
welche doch das Sundaurient fepn bobheeeeee 
Unſere armen Teutſchen ſind am weiteſten zurück. Sie haben die 
meiſten Kinder, und ſind am wenigften vermoͤgend, die Lebensmittel und 
das Schulgeld zu bezahlen. dan mr Donau sind 
Bir haben nun ins zweyte Jahr einen Verſuch mit einer Deutſchen 
Schule in Philadelphia gemacht. Unſer per no ca 
Adjunstus Seinzelmann, hat die Laft auf ſich und den Drganiften zu 
Huͤlfe genommen. Sie haben über hundert Kinder gehabt und ſelbige 
des Sommers in der Kirche, und des Winters mit groſſer Beſchwerung 
in der gemietheten Pfarrwohnung halten, unterrichten, und beyderſeits 
ihren nothdurftigen Unterhalt davon ſuchen, und noch dazu dem Paſtori 
und der Kirche beſchwerlich ſeyn müffen „ womit aber auf allen Seitẽn 
Schwierigkeiten und Hinderniſſe verknuͤpfet bleiben" Ach wenn der 
unendlich liebreiche vnd barmhertzige GOtt, der der rechte Vater iſt über 
alles, was Kinder heiſſet, ſo weit helfen wolte, daß hier in Philadel⸗ 
phig ein. bequemer Platz gekauft, und eine raͤumliche Schulanſtalt dar⸗ 
xuf gebauet, ſodann der Gemeine Adjunctus zuerſt ſalariret und ein 
uͤchtiger rechtſchaffener Schulmeiſter frey gehalten werden koͤnte, damit, 
wenn auch die Mittlern das halbe, und die Reichern Das gantze Schul 
geld bezahlen möchten, ‚doch die aͤrmſten und verlaſſenen Waͤhſen in der 
Chriſtlichen Lehre und andern wohlanftändigen Wiſſenſchaften nn * 
1.18, mer RN rich 


- VE Zen Pre Mohlenbergs een ed 


Organiſt als Collega lertlas von berh 
Schulgelde Im und von dem uͤbrigen dieindihigen Bäder und Ge 


und begoffen, und von dem HErrn das Gedeyen — ZB 
Orts und 





rovidentz und — 5 


rd nicht leicht ein rachter Iſedelit unter 
loͤbliche Schulanſtalt gedencfen folte.: tion smacmdnd u 


u 
K und fein Heer Yüften ſich, um den Pallaſt zu bewahren. 
Soll nun durch GOttes Kraft, Gnade und Beyſtand das Reich der Sin: 
fterniß angegriffen werden; fo wird der ſtaͤrckere alles-vermögende Jehovah 
Mittel, Wege, Inſtrumente und alles Nöthige verleihen, daß bey der 
Jugend vornehmlich und zuerft mit allem Ernft und Treue angefangen; 
and ein gutes Fundament auf das Zukünftige geleget werde. 

Gleichwie Abels Blut von der Erden zu Gtt ſchrie, und das aller- 
theurefle Blut des einigen Mittlers JEſu Chriſti vor GOtt noch, und 
beſſere Dinge yeders fo fehreyen auch taufende son —9 Zer⸗ 
EEE SEEN 0003 | reues 


— "ac 


4 Achte ortſeßnng der Laachricht ns Penfploanien. 


„ Witwen ; Waͤhſen- und andern Kindern, 

— — tragen —* um Huͤlfe und CKrrettung id 

a 

eufze 

vu zeitliches 6 Deus umögen auf — Intereſſe Eher sch 

chwuͤrdige Väter und f6' ui re Bönner und 

pi RS En —— Muth 3 Ne und fi) durch Veit 

ma Bi Ipiderpen igen Und muthwilligen Sünder nich 

mude machen en haben. ein ZBerck der Ficbe hr 
em Di 












| eh in nd veritretet en afeni 
an np den Landern gerh an, weldyes,di "grobe und — 
et „oder wenn fie es ſiehet, nerbr Beuktheitee und verachtet 
vor, — hochgeachtet ur au er isen, Beloͤhnung in der Ne 
frebäng g der. —— angeſchrieben bleibet ah wird nicht al⸗ 
ein Das Boͤſe, ſondern auch das Ben reannte Gute a 


Licht bringen und klar BUBEN en “werden. n 
Freuden Kr und wer — en gene 1, De wird 1 u 
das Gröffere anvertraue Wade: * 2 


Wir empfehlen ung, unfere: Gemeinen und das —— ante 
naͤchſt GOtt, dem ernſtlichen Gebet, Fürbitte und treuen 
E. 5, und aller bekannten und: unbefannten Gönner und Woblth 
ter in dem HEren, und nehmen hertzlichen Antheil an Dero. Leiden un 
Freuden, verharrende mit Der ſchuldigſten —— bang horn 
ſte und verbundene Knechte, BER 


Aphiladelbhin ? h GERT ARM OR —* ze a dert 2 


den iſten Sept. 1754 he Mi aM 0 
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VIE Ze Paſt. Zandſchuhs Brief von i75. 641 
Ei Ausg HR Schreibens von Herrn 


uh zu Germantown an den Herrn 
— an Ball, Dem 





a ofprediger. iegenhaget 
> —— Doctote 
sn 3000 an. OEL on: —— 


* 5. abe ich hiermit einen kurten, "Aber geöffenhaften Be 
$ vn von dem kleinen ſeit der Mitte des Marti ii ‚von 
Demi: Kirchengebäude: verdrengten Gemeinlein in Gere 

— vorlegen wollanDaſſelbe beſtehet aus —— —8* 
gewiſſen Familien meiſtens angeſeſſenen Leuten, deren ſechs in einem 
ziemlichen aͤuſſerlichen Wohlſtande und gutem Credit bey andern ſtehen. 
Die Maͤnner daron ſind zum Theil die eigentlichen Aelteften und Vor⸗ 
fiehen derigangen Gemeine geweſen, die: an dent Kirchenbau und der 
Geweine viele Zeit, Muͤhe und Unkoſten, wie gleich vom Anfange ſo 
bis dahin qugewendet haben. Es ſind deren auch manche, die dann und 
wann · fſich in unſerer Verſamlung einfinden, wie nicht weniger derer, die 
ſeit vier Monaten von jener Partey abgegangen ſind und ſich ordentlich 
Kaum uruns gehalten / aber von uns noch nicht als befländige Gemeinsglieder 
en angeſehen werden; weil man — —* nicht. recht trauen darf. 
Wenn ich ein nach meinem eingerichtetes Urtheil uͤber 
bein Gemeinlein fällen ſolte; fo: Be % genmüffen‘, daß ein Theil 
derſelben in einer. aͤuſſern Zucht Chrbatkeit: und: Frieden leben, und 
nyijicht ohne Ueberzeugung und oftmalige Ruͤhrung der Predigt‘ des 
göttlihen Worts beywohnen; einige andere aber bereits feine. Leute 
find, die, wie ich hoffe, wol noch etwas mehrers haben! Es giebt 
aber auch noch Leute darunter, denen man nicht viel trauen darf, und 
die noch von dieſer und jener Suͤnde ſich oͤfters hinreiſſen laſſen; in⸗ 
deſſen doch den Gottesdienſt fleiſſig beſuchen, und bey, vor und nach 
demſelben ſich ‚ordentlich und ſtille auffuͤhren der: Wahrheit nicht wi⸗ 
derſprechen, das Gute vielmehr. loben und billigen. An dieſen Leutlein 
und an denen/ ſo von Zeit zu Zeit von andern Parteyen ſich mit einge - 
ſunden habe, nach der von GOtt verliehenen Gnade, alle. Sonn⸗ 
and: hohe Feſttage gearbeitet, und bey Verkündigung bes goͤttlichen 
Worts wich der moͤglichſten Einfalt und Deutlichkeit befliſſen. Die 
* acht Wochen nach unſerer Verdrengung ging Feine Predigt or 


In | 





64a Achte Sortfegungber FTichricht don Penſylvanien 


Ruͤhrung und viele Thraͤnen bey den meiften ab, fo daß rt * 
wolte es ihnen ein rechter Ernſt werden, ihre Seligkeit mit ur 
und Zittern in goͤttlicher Ordnung zu ſchaffen In ſonderheit wurde 
ich am Ehayfswtaggaunbsefn Sppage uzsa ine fl olaeming Eis 
weckung unter ung gewahr Die tiefen Seufker , Die häufigen Thraͤ⸗ 
nen und eine auſſerordentliche A —— ntefendensfegten mein 
nach ihrer aller Seelen Heil begieriges Gemuthe in eine gang befondere 
Faſſung, dergleichen hier im Lande gehabt zu haben , mich nicht erin⸗ 
nein kann. Der Communicanten waren fiebenzig welche meiſtens in 
hertzlicher Beugung von GOtt eommunicirten/ und faſt keiner ohm 
Throͤnen tan; Mein⸗Hertz waͤre beynahe ſelber in’ Freudenthraͤnen io 
—— Unter andern muſte ich mich uͤber dren Männer innigſt 
reuen, welche am Charfreytage, nach vochergegangener noͤthigſter 
Unterredung, Der eine don der Catholiſchen Kirche der andere von der 
Engliſchen Hochkirche und der dritte von vielerley Bedencklichleiten / ſich 
oͤffentlich zu uns bekannten, und in unſere Gemeinſchaft aufgenommen 
wurden au Darauf Das: heilige Abendmahl mit beſonderer Andacht 
empfingen. Wie wohl uns allen dabey roar in was für hertzlicher Liebe 
Die. Hertzen der meiſten zuſammenfloſſen, und in was fuͤr bewegli 
Worte manche unter uns ausbrachen, Das: alles laͤſſet ſich nicht: ſchrei⸗ 
ben. Wolte GOtt / es waͤre ſo forsgegangen Vielleicht waͤren wit 
anietzt ein; feines Gemeinlein IEſu. Alein es nahm dieſer Eifer nach 
und nad) wieder ab» ſo daß ich nicht ſo oft mehr dergleichen Bewe⸗ 
gungen verſpuͤrete Am Pfingſten 1753 hielt ich das heilige Abends 
mahl mit ſechzehen, am ⸗eſten Sonntage nach Trinitatis mit fünf 
und gwantzig, und am erſten Weihnachtsfeſte mit vier und viertzig 
Perſonen; die vorige Inbrunſt aber war nicht ſo da, ob ſchon ſonſten 
Die Leute, mie meiſtens alle Sonntage; ſehr aufmerckſam waren: Hat 
die Schuld an mir gelegen; ſo gebe mir es mein Erbarmer zu erken⸗ 
en ‚daß: ich meines Hertzens Laulichkeit noch mehr beweinen moͤge. 
Uebrigens darf ich mich nicht daruͤber verwundern, wenn es nicht ſo 
in gleichem Grad ſortgehet. Denn die Leute ſind ihres aͤuſſern Berufs 
wegen vieler Zerſtreuung unterworfen, und muͤſſen mit allerhand ſpoͤt⸗ 
tiſchen und frechen Leuten faſt taͤglich umgehen. Acht Wochen vor 
Oſtern dieſes siegtlanfenden ı7saften Jahrs fing ich den Zubereitungs⸗ 
Unterricht mit acht jungen Leuten an, deren bald darauf zwoͤlfe wur⸗ 
den. Sie kamen alle Sonntage und Mittwoch von ein bis vier hf, 
Einige darunter find von guter Hoffnung, und haben meiſtens — 
RG ziemli⸗ 





- 


“. 


Hertzen zu 


VII. Zen Paſt. Zandſchuhs Briefvonmse 643 


ziemliche buchſtaͤbliche Erkenntniß aus dem Catechismo und der heiligen 
Schrift erlangt. Ein junger Menſch von 21 Jahren, deffen Eltern 
Reformirt find, fehien unter mahrendem Unterricht etwas an feinem 
‚erfahren , und an den vorgettagenen und eingefchärften 
ahrheiten einen Geſchmack zu haben, ob fchon aus Mangel einer 
genugfamen Fertigkeit in der verlernten Zeutfchen Sprache er nicht fo 
viel, wie die andern, auswendig lernen koͤnnen. Alle zwoͤlfe aber wa⸗ 






ren bey dem am legten Charfreytage angeſtellten Examine und Confir⸗ 


mation fehr bewegt, und war wieder einmal das ſaͤmtliche Voͤlcklein 
mit diefer Jugend in häufigen Thränen und guten Bewegungen. Sol 


ches aͤuſſerte fich noch weiter, da ic) Darauf: mit der Gemeine Die Bußs 


und Beichtandacht vornahm, wobey ein Mann eine ſolche hertzbeweg⸗ 
liche Beichte that, Daß ich mic) ſelber der Thraͤnen nicht enthalten koͤn⸗ 
nen. Wenn fein Hers fo gewefen, wie feine Worte gelautetz fo hat 


gewiß GOttes Geift viel an ihm gethan. Am erſten Oftertage ging es 
- mit der Bor und Nachmittagspredigt und mit der Communion nichf 
"ohne Segen ab. Der Eommunicanten waren fechjig, und die Anzahl 
der andern Menfchen gröffer, al der. enge Raum des Haufes faffen 


konte, daher ſich die Leute, mie fonften mehrmals, kuͤmmerlich genug 


‚behelfen müffen. » Am andern Oſterfeſte ging es gleichfalls an unfern 


Seelen nicht ungefegnet ab. Nach dem Gottesdienfie Famen einige 
der confirmirten jungen Leute, zum Theil mit ihren Eltern, und danck⸗ 
ten unfer Thraͤnen mit beweglichen Worten für. den genoffenen Unter 
richt. Die Thraͤnen flofien noch häufiger, als ich ihnen nod) einige 


= nöthige Bermahnungen ‚mit auf den Weg gab. Diefe jungen Leute 


machen mir ‚gute Hoffnung. GOtt bringe ſie durch feinen Geift zu 
Erkenntniß des groffen Heils in Ehrifto, und bewahre 


fie vor aller Verführung: 2 Er 

Was die Schule anbetrifft, fo ich feit dem Martio 1753 möchents 
lich. Er Dienftags, Donnerfiags und Freytags täglich fechs 
Stunden -bis auf dieſen Tag ordentlich gehalten; fo fing felbige mit 
neun oder zehen Kindern an, welche nad) und nad) fo anwuchfen, daß 
ch den vergangenen Winter hindurd) bis zu Ende des Martii faſt taͤg⸗ 






d derſelben ſechs und zwantzig hatte. | 
Sie waren ı Tumplers , 3 Mennoniften, 4 Reformicter Leute, 
und die uͤbrigen Lutherifcher Gemeinsglieder Kinder. Diefe find im 
Leſen etwas Rechnen, im Catechismo und aus Spruͤchen 
LPenſylv. Pr pp 


«Vu Sortf. der 





644 Achte Sortfegung der Krachricht aus Penfyloanien. 


der heiligen Schrift, mie auch im Singen und Beten unterrichtet wor⸗ 
den. Alle haben ohne Unterfchied die Sprüche, den Catechismum und 
die, Gebete mit gelernet , und fich catechiſiren laffen , ohne von ihren 
Eltern daran geflöret zu werden. inige haben mir es zwar 

mancher Unarten ſchwer gemacht; andere haben mich auch binties 





derum erfreuet. Seit ſechs Wochen, da Die Arbeit der Leute wieder an: 


gegangen iR beſtehet die Schule, wenn ſie alle da ſind/ nur noch aus 
achtzehen Rindern. 1135: SR win Ma. 
Was meines Gemeinleins äuffere Umftände anbelan; po hat 
es Feine Schulden, und die zwoͤlf Pfund , fo es jährlicy für die Ha 
zinſe des Verſamlungs. und Wohnhauſes ‚geben muß, fommen durd) 
die fonntäglichen Almofen ein. Das erfie Jahr fiel der Almofencaffe 
am fehmerften, teil ein gemachter Catheder an ftatt der Cantzei, eine 
neue Kifte und neue Bände daraus muften bezahlt werden. Zaufbes 
en, Abendmahlsgefäffe und das darzu gehörige iſt noch go nicht 
ir haben ung in aller Einfalt mit ordentlichen Tifeh: und Küchen 
gefchire dazu beholfen. Ihrer zehen Familien find vermögend, meis 
nes Lebens nothdürftigem Unterhalt etwas benzutragen ‚und tbun 8 
auch , fo viel ich mercke, gern und willig. Die une seen he, 
weil fie mit den Ihrigen durchzukommen genug zu thun haben, oder 
* fie ſonſt für Urfachen haben mögen. Der Schulinder Eltern ges 
ben auch nicht alle Schulgeld , gröftentheils Armurh halber. Aceci⸗ 
dentien giebt es hier nicht, als nur dann und warın für das Einſchrei⸗ 
ben eines getauften Kindes ı Schilling, und etwas fuͤr eine Copulation, 
deren ich Diefe dreyzehn Monate etwan sehen gehabt. Daraus ſich 
leichtlich fchlieffen läffet , wie e8 um meine aͤuſſern Haushaltungsums 
ftände ohngefähr- fiehen muͤſſe. Jedennoch muß ich, dem HErrn zum’ 
Preife, rühmen, daß er ung, obſchon oft Fümmerlich genug, doch fo: 
Diefe dreyzehen Monate durchgeholfen habe, daß wir ihm demuͤthigſt 








zu danden , Urſache genug finden. Gleichwie es. n — — 





wuſt, mo Holtz, Mehl und andere Not — des 
Geldes herzunehmen: alſo hat er uns nie ohne Huͤlfe gelaſſen, Een zu. 
einer folyen Zeit und Stunde, da wir es am nöthigften brauchten, und. 
ordentlicher Weiſe nichts erwarten Fonten. Wie denn 5. E. vor ohne 


Prüfungen” in. der aͤuſſern Haushaltung gefeblet, u 1 ange 
nal 





gefähr fünf Wochen einige ungenannte Freunde in. Eharlestomn in _ 


Nordearolina mir ein Gefchenc von vier Barrells Reiß geſchickt Ich 
vermuthe, es ſey dieſes Ne vom Herrn ag y den arg 


— a ae 


. 


a ViR.Zen, Paſt. Sandſchuhs Briefvonr © 2645 
ten, Prediger in felbiger Gegend, veranflaltet worden, indem mich ſonſt 
hiemand, anders 










ers dortherum, fo viel ic) weiß, kennet. Anderer Eleinen 
gietzo zu geſchweigen. Wir haben denn gern zu frieden ſeyn 
llen, wenn wir von Zeit zu Zeit nur juſt ſo viel gehabt, 
r Leben zum Dienft GOttes und unſers Rebenmenſchen 
hdürftig erhalten koͤnnen. Meine liebe Frau laͤſſet fich auch 
eichtlic) begnügen, und wuͤnſchet mit mir, e8 Lebenslang nicht beffer 
der. fchlimmer zu. haben. Für Kleidung , die ich nun nothmwendig 
e, und für das übrige wird der liebe himmlifche Vater auch 


€. 


-forgen. - 


Meine Seelenumftände betreffend; fo kann ich mit Wahrheit fagen, 
daß innerhalb dieſer dreyzehen Monate nicht wenige Eräftige- Gnaden— 
wirckungen des heiligen Geiſtes vermittelft des meditirten und gepres 
digten Worts verfpüret habe, bald zu mehrerer Erkentniß meiner ſelbſt 
und Demüthigung vor GOtt, bald zur Erweckung eines ſtaͤrckern Huns 
gers und Durftes nach der Gnade und Liebe meines Heilandes, bald 


- wiederum zur Stärkung meines ſchwachen Glaubens und Bertraueng, 


bald zu einem: mehrern Fleiß, der Heiligung nachzujagen , und infons 


die Kraft des Geilles JEſu Chriſti ungefäumt zu tödten, bald zu einer 


derheit das mir — 5— Verderben meines Hertzens durch 
ſtes — 
heiligen Begierde, alle meine Zuhoͤrer von der Finſterniß zum Licht und 


von der Gewalt des Satans zu GOtt bekehrt und in der ſeligen Ges 


meinfchaft: meines Heilandes zu fehen. Der Satan hat freylich auch 
nicht gefeyret , fondern auf mancherley Weiſe durch innere und-Auffere 
Umftände meinem Hergen jugefeget und mich zu verflöten gefucht. Es 
ift ihm aber Gottlob nicht gelungen. Die Gnade des Allmaͤchtigen 


und des Stärdern bat bis anhero über mich gewaltet. Die heilige 


Schrift und die Auszüge aus Lutheri Schriften haben mich oftinalg 
nicht wenig wieder erquicket , und iſt mir manchesmal fo vorgekommen, 
als wenn es eben für mich und meine innere und äuffere Umſtaͤnde wäre 
gefhrieben worden. Der HErr fep gelobt! | 
00»: Da übrigens das, Gemeinlein weder Kirche noch Kirchhof oder 
nſt ein eigenthuͤmliches Haus hat, und wir in Gefahr flehen , aus 
dem gemietheten Haufe im nächften Martio vertrieben und mieder * 
ui werden, weil der Eigenthuͤmer, ein Mennoniſte, es ver⸗ 
will; in der. gangen Gegend, aber ‚Fein zu Diefem Zweck fo: bes‘ 


Hous iſt: fo kommen wir in nicht. geringe Verlegenheit, 
una Pppp a M 









it 


646 Adhte Sortfesung der Nachricht aus Penfyloanien, | 
Mit einem: gemietheten Sur, ſich zu behelfen, will bey 5 = 
Anwachs der Gemeine in Die Länge nicht füglich angehen , da H 


“welche dazu bequem waͤren, nicht wohl zu haben ſind, man alle 
ziehen muß, und es die Gemeine doch auch jährlich an a —* 


Pfund oder wol mehr koſtet, dabey fie nicht einmal ein Plägchen bat, 


wo fie ihre Todten hinbegräben koͤnne. Etwas Eigenes aber zu Faufen 
oder anzulegen ift gleichfalls bedenklich, weil unfer Gemeinlein noch zu 
ſchwach und zu unvermögend darzu iſt. Der HErr wolle n ſebſt 
in dieſem Anliegen helfen und rathen! - — 


Zum Beſchluß von andern vereinigten Gemeinen nur era we⸗ 
niges beyzufügen ; fo hat der Feind feinen Zweck, auch in Denfelben Zer⸗ 
ruͤttung anzufangen, noch lange nicht fo , wie er gemwolt, bishierhin 

erreichet. Denn , wie ic) aus fiherer Hand vernehme , ſo hat Herr 
Schaum in Yoretoron feine Kirche noch immer geftopft voll Zuhörer 
und ‚feinen hinlaͤnglichen Unterhalt, ob ſchon ein Theil ſeiner Gemeine 
ſich getrennet, und einen auf niedern Schulen geweſenen jungen Mens 
fhen zu ihrem Pfarrer angenommen haben, In Zulpehofen hat Herr 
Kurtz, fo viel mir wiſſend, auffer einiger Unruhe in einer Eleinen Ne⸗ 
bengemeine, ziemliche Ruhe und Frieden gehabt. In den andern mit 
ung vereinigten Gemeinen , und abſonderlich in Philadelphia, Neu⸗ 


hannover und Providence, haben die Widerfacher gar nicht antom 


men, noch einiges rechtes Gehör finden koͤnnen. Herr Brunnholtz 
iſt zu ſeiner Cur und Erholung von dem Herrn Mühlenberg auf eis 
nige Zeit nad) Providence in fein Haus genommen worden , too fie 
einander helfen und Die nothmendigfie Correſpondentz beforgen. Herr 
Heinzelmann verfi ehet füriego die Philadelphifche Gemeine allein mit 
aller möglichen Treue, und hilft an der Schule , fo viel er anderer ‚Ges 
fhäffte wegen nur immer kann, ift auch bey allen , wie man höref, 
beliebt. Der HErr ſtaͤrcke ihn fernerhin, und. helfe ihm an biefem ge⸗ 
faͤhrlichen Orte wachen, beten, kaͤmpfen ſiegen! FR 


In Herrn Mühlenbergs Haufe folte , ben einer gewiſſen An 
Veranlaſſung, von uns vereinigten Pledigern eine noͤthige Co nfereng 
ab die jüngft erhaltene wichtige Briefe unferer Hochwuͤrdigen Vaͤ⸗ 

ehalten werden. Es konten aber nur unſerer fuͤnfe gegenwaͤrtig 
Pe, Dahero nicht alles vorgenommen werden konte. Auf unferm 
am erflen Sonntage nach ‚Trinitatis und den ızten Junii Darauf in 
Neuhannover zu haltenden em fehen wir ung pielleicht alle mit 
einanz 


va. "gen paſt. Zandſchuhs Brief von i73. 647 


einander wieder Zu demfelben find auch eingeladen worden die 
mit ung verbundene vier Schmwedifchen Herren Prediger , desgleichen 
Hert Berod in Sancafter, und auf ihr Anfuchen Herr Schertlin und 
nod) ein anderer , Namens Hauſit bl in Sriedrichstomn in Maryland 
einige fiebenzig bis achtzig Meilen über Yorktown, wo Hr Schaum 
wohnet, weiter hinauf. Der Herr HErr laffe-alles im Segen und 
zur Ausbreitung feines Bud in biefem ſehr ſen und dabey verwir⸗ 
reten Sande geſchehen. Amen! , 
Hiermit empfehle ung alle, und das gange Werck des HErrn 
in dieſen ya ’ Derofelben fernern väterlichen Sürforge und wei⸗ 


en UNE 
BE Srieeih Bondſhuh 





VI. Schreiben * Hank Sat * 


Ienberge an den Heren Hofprediger Siegenhagen und 


‚den Herrn D. und Prof. Francken, aus Providence 
„vom. ı8fen Junii 17544 suis! 


8 ir ſind im vergangenen Monat April durch Dero vaterliche 
—B und derſelben wichtigen Inhalt reichlich getroͤ⸗ 


ſiet, und zum Lobe GOttes aufgemuntert worden. Das 
war mehr denn ein Falter Trunck Waſſer! Ein Balſam für unfer ſchwa⸗ 
ches Haupt und eine Staͤrckung für unfer mattes Herg. Wer unſere bes 
trübten Umſtaͤnde, worin wir fliehen, weiß, mit uns im Geiſte vers 
bunden ift, und ſolche Ermunterungen fo wol als den Beyſtand des 
HErrn betrachtet, der muß auch mit ung den 146ften Pfalm vom sten 
Vers bis zum Ende aus Herkensgrunde anftimmen. Halleluja! Sa 
lohe den HeErrn meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes 
gethan. Ich will denn gleich zur Sache ſchreſten um unſere gegen⸗ 
waͤrtigen Umftände, ſo viel mir moͤglich J in Einfalt und Redlichkeit 

vorzulegen. Ei: 
-ı) Die Gemeine’ in philad elphia wird jährfich vermehret mit ars _ 
men ‚verfchuldeten Gliedern, * die emigrirenden Teutſchen daſelbſt 
ihren erſten Abtritt nehmen, und ſich anfangs theils mit allerley Hand⸗ 
werckern und Arbeit, theils auch mit Betteln zu nehren ſuchen, bis fie 
\ Pr pp 3 fich 


648 Achte Fortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien. 


ſich nach und nach weiter ins Land verfuͤgen, ihren —— 
und mit der Zeit ihre Fracht bezahlen koͤnnen. Die Kirche ſtecket noch 
in groffen Schulden, von welchen fie jaͤhrlich Die ehnterefien tik | 
zahlen muß, wenn fie nicht will um Das ———— werden. 
Herr Brunnholtz iſt wegen ſeiner abnehmenden Geſundheit zu ſchwach, 
die Gemeine zu verſehen, deswegen ihm der Herr Heinzelmann als 
zweyter Prediger und Catechet an die Seite geſetzet worden. Letzterer 
verſiehet die Gemeine im Nothfall, und hält mit dem Organiften bit 
Dato eine zahlreiche Schule ,„ des Sommers in der Kirche und des 
Winters in dem gemietheten Pfarrhaufe. Herr Brunnholtz ſoll feis 
ne Nothdurft beftreiten mit einigen freymilligen Gaben, welche etliche 
Gemeingglieder nach Vermögen und Belieben jährlich mittheilen koͤn⸗ 
nen und wollen. Herr Heinzelmann und der Organift fuchen ihren 
nothdürftigen Unterhalt von dem Schulgelde der Kind vermoͤge nder 
Eltern zu nehmen. Weil aber beyde nicht davon leben Eönnen, ſo 
wird an iedem Quartal für den-Organiften eine Collecte in der Kirche 
gefamlet, und Herr Heinzelmann genieffet bey dem Herrn Brunns 
bols freyen Tiſch, wozu fie Die Accidentien , fo etwa in: Amtsv trich⸗ 
tungen vorfallen, mit anwenden. Aus dieſem iſt ohnſchwer zu urtheis 
fen , wie e8 mit der äuffern Oeconomie beſchaffen ſey. Wer zu diefer 
Kirche und Gemeine ſich halten will , der muß für feinen Sig in d 
Kirche, für.den-Drganiften, für Begräbniß, für Kindtaufen, für Pre 
diger., für Jatereſſe der Schulden , für Schulgeld , für die Hälfte 
der Miethe zum Pfarr > und Schulhaufe2c. mit bezahlen. Wenn nun 
die meiften Confeffionsverwandten arm und verfchuldet find, und. lies. 
ber. wolten geholfen. feyn, als. helfen; fo folgt von felber, daß der in 
nere Bau Noth leiden muͤſſe, wenn die Arbeiter. nicht einmal fo viele 
Gerätbfchaft bey, der Hand haben, daß fie-eine aͤuſſere Ruͤſtung mas 
chen und unterhalten Fönnen. Und wenn man von Gewiſſens wegen, 
die lautere Wahrheit des gantzen Evangelüi, treibet, welche nur von 
den wenigſten geliebet wird; fo heiſſt e8 leider bey manchen: Wir wol⸗ 
len. es lieber mit Feiner. Gemeine. oder uns zu ‚den naͤchſten Verfaſſun⸗ 
gen halten, wo man es leichter. haben Fann. Nichts deſto wenige 
die Kirche Doch dann und wann zu klein für den groffen Haufen, wenn , 
mit. Kraft. geprediget und das heilige Abendmahl ausgerbeilet wird, 
toeit ‚Die Lehrer daſelbſt, fo viel möglich, um des HErrn millen mit. der... 
Aufferften Nothdurft fürlieb nehmen., und die ſchwere Sache fo leicht , 
machen, tie fie können, damit das Werck des Errn, Be 


J 















VII. Zen, paſt mahlenbergs Schreiben von 649 


ek iſt, nicht Schaden nehme. Jetzt ift der Periodus, worin 
08 mit dem Tempelbau langfam und ſchwer von -flatten gehet. In 
anckfurt wird Schule gehalten , und foldye von den Predigern aus 
Philadelphia bisweilen befucht.. BEE > 


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EIS Ir nn 
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) Mit der Gemeine in Germantown haben wir bey schen Jah⸗ 
re her viele Mühe-gehabt. Wir arbeiteten an dem innern und Auf 
| An Bau der Kirche, weil ein kleiner Gottgeheiligter Same in derſel⸗ 
ben verfpüret murde.. Wir festen zulegt unfern getreuen und redlichen 
Amtsbruder, Heren Handſchuh, dahin, Damit er Das Feld recht bear⸗ 
beiten möchte. Er arbeitere dafelbft über ein Fahr an Alten und Jun⸗ 
gen nicht ohne mercklichen Segen , und nahm ‚mit der alleräufferiten 
Nothdurft fürlieb, bis endlich die fehon berichteten Unruhen und Tren⸗ 
nungen der Gemeine erfolgeten. Nachdem nun der groſſe Haufe die Kirche 
und das Pfarrhaus — hatten; ſo mietheten wir mit den 
wohlgeſinnten Aelteſten, Vorſtehern und Gemeinsgliedern ein raͤumli⸗ 
ches Haus zur Schule und Gottesdienſt, und hielten in demſelben am 
ıgten Mart1753 die erſte Predigt. Unſer Haͤuflein har ſich feit der 
Zeit von dem Herrn Handſchuh mit GOttes Wort und den heiligen 
Sacramenten an den Sonn: und Feſttagen bedienen, und ihre Kinder. 
in den Wochentagen von demſelben unterrichten laffen. Der groffe 
Haufe an der Germantowner⸗Kirche aber ift ſchon wieder in Parteyen zers 
theilt. _ Unfer Haͤuflein erbauet ſich in dem HErrn, und iſt bis Dato 
ſtille, ruhig und getroſt, bis etwa neue Verſuchungen kommen. Uns 
hat der HErr dieſe Pruͤfung zu mehrerm Ernſt, Wachſamkeit und 
Kampf DE — Der getreue Knecht GOttes, Herr Hands, 
ſchuh / iſt bisher in’ feiner leiblichen Armuth durch GOttes beſondere 
Vorſehung oftmals unvermuthet geſtaͤrcket, und durch ein und andere 
Liebesgaben aus Carolina unterflüget und nicht verſaͤumet worden, und 
der. barmhergige, GOtt wird auch Fünftighin Wohlthaͤter erwecken, 
die ſich ſeiner Nothdurft ‚annehmen, weil er zuerfi mit allem Ernſt 
nad) dem. Reiche GOttes und nach feiner Gerechtigkeit trachtet. Ser 


M 
J 





lig/ ja ſelig iſt der zu nennen, des Huͤlfe der, GOtt Jacob iſt ec. 
3) 3wantzig Meilen von Philadelphia nad) Norden zu in einer 
Gegend Neſchameny genannt, iſt ein Ueberbleibfel von Hollaͤndiſchen 
en, welche etliche mal einen Mann auf unfere jährliche Kir⸗ 
ung fandten, und um Hülfe baten. : Sch habe den Ort, wel⸗ 
einer Wohnung dreyſſig Meilen entfernet liegt, im Som: 
| i mer 







650. Achte Sortfegung der Nachricht aus Penfyl: anien. 


mer alle ſechs Wochen an einem Sonntage mit GOttes Wort bed 
nen muͤſſen. Die meiſten daherum wohnende Leute ſind Niederteutſch 
und Engliſch, der Reformirten Religion zugethan, haben: räumliche 
Kirchen und ordentliche Prediger von ihrer Berfaſſung. Unfer Hau 
lein hat zwar einen Acker Land, aber Feine Kirche oder Schulhaus dar⸗ 
auf, und müffen dahero ihre Verſamlung in der Scheune oder in eis 
nem räumlichen Wohnhaufe halten. Es kommt iedesmal ein ziemlicher 
Haufe von Nieder: und Hochteutſchen, wie auch Englifhen Leu N, 
von den benachbarten Gegenden zufammen , und zeiget ſich begierig, 
das Wort des Lebens zu hören. Nur habe Die Befchwerde, daß iedess 
mal drey Predigten in Holländifcher, Hochteurfcher und Englifcher 
Sprache halten muß , melches in der Sonnenhige viele Kräfte weg⸗ 
nimt; ich thue e8 aber mit Luft, meil das Wort anzufchlagen ſcheinet s 

4) Zwölf Meilen auf der Seite —7 von Neſchameny in ei⸗ 
ner Gegend, Upperdoublin genannt, en viele Teutſche Luthe⸗ 
raner, welche, ob fie wol neue Anfänger und arm find, doc) ein raͤum⸗ 
liches Schul» und Verſamlungshaus aufgerichtet , und ung um Hülfe 
erfucht haben. Here Handſchuh hat fie befucht , und mit GOttes 
Wort bedienet , und ich reifete von Nefchameny auf ihr. Verlangen 
dahin , hielte in den Wochentagen Predigt, und taufte einige Kinder 
por einer groffen Verſamlung von Hochteutfchen und Englifchen Leu⸗ 
ten, welche von North: Wales und andern benachbarten Gegenden ges 
Fommen waren. Weil nun noch Fein Dach auf dem Gebäude und 
ſehr ſchwer darin zu predigen war, fo bat ich Die armen Leute inftäns 
. Dig, fie möchten mir nachfolgen, und ihre Scherflein_ zu den meinigen 
legen, damit nur erſt eine Hälfte von dem Gebäude Fönte bedecfet werz: 
den; melches auch gefchahe. — 

5) Siehenzehen Meilen von Neſchameny weiter nach Norden su, 
bey Rofes-Sähre an dem groffen Fluß Delaware, und in den Gegens 
den daherum, find auch Lutheraner, welche unter allerhand Englifchen 
Parteyen wohnen, weder GOttes Wort noch die heiligen Sacramente 
haben , und wie gerfireuete Schafe in der Wuͤſten herumirren. Die 
armen Leute werden gan& vermwildert ‚und ihre Kinder wachſen ohne. 
Zaufe und Unterticht auf. Ich bin ein paar mal‘ da gemefen , habe. 
Kinder getauft, eines’angefehenen Zeutfhen Mannes Engliſche Ehe: 
frau unterrichtet und mit Freuden getaufet,(*) meil fie durch fleiſſige 

| BE Betrach⸗ 







* 
(£ 





(*) Man fehe oben ©; 620f. 


find ſehr befrübt , daß wir ihnen nicht nach Verlangen b 


4 


VII. Srn. — Schreiben von.” Est. 


tung des: Wortes GOttes lebendigen Glauben zu haben ſchien. 
Ihr alter Vater hatte von übten Vorhaben gehoͤret und. ihr ſagen 
1, daß er ſie An Swigkeit, ‚nicht mehr für fein Kind ar wolte, 
ſie ſich taufen lieffe 2c., Sie antwortete aber, daß fie durch den 
Bund des guten Gewiſſens einen. weit beſſern Vater auf. Zeit und 
igfeit tin Ehrifo erlangen, und für ihren leiblichen. Bater und feine 
kehrung auch beten würde, O wie noͤthig und nüslich folten ein 
od Hein paar rechtſchaffene Neifeprediger feyn,. welche. in: folchen Ges, 
genden'herumteifen , und die armen verirreten Schafe auffuchen, und. 
Durch die. Gnadenmittel dem Ertzhirten und Bifhofe JEſu Chriſto aus 
führen Bönteniun 
6): Bey einem S uf, ohngefähr. weh und wantzig Meilen von 
Nrovidenee, Tohicon genannt, ift ein giemliches Gemeinlein von Hochs 
yen Lutheranern ſchon ben sehe Jahren her von unferm Miniftes 
ſo viel möglich, befucht , und: zu Test von den Herren Rauß und- 
Schulg bedienet worden. Weil. ‚aber die Gemeine etwas aus dem We⸗ 
ge liegt , \ auch, zu arm ift, einen Prediger. allein zu ‚halten, ja nicht 
einmal eine Hälfte oder — Theil eines. hinreichenden Unterhalts 
in Vereinigung mit andern Gemeinen aufbringen, und ein Prediger, 
der Feinen Zufhuß bat, unmöglich ‚von. der £ Luft. feben., ‚Pferde zum, 
Reiten und nöthige Kleider aus eigenen. Mitteln. anfchaffen kann; und 
die Gemeine den zweyten oder wenigſtens dritten Sonntag Gottes⸗ 
Dienft haben will und folte: fo find wir damit fehr verlegen. - Die Ges 
meine hat fich, äufferft angegriffen, und mit Roften eine Schul: und 
vor 

























farrwohnung von Holtz gebauet; wir wiſſen aber nicht, wie sa 
'n ung Fönte geholfen erden, weil der leibliche nterhalt hlet. 
n ee 
und.meinen, man verlaffe fie aus andern Abfichten. Das GHtt er: 
barme! Hilft: der Herr nicht , woher ſollen wir helſen Von den, 
Tennen, oder von der Kelter? aKön. 6 ,26.27.. 
57): Die Gemeinen an der, Sord of Delaware, Hi Sıccona; 
Saccumı) Uppermilfort: ‚und etliche Eleinere über den blauen Ber⸗ 


gen, waren von Dem Herrn Ludolph Schrenck mit moͤglichſtem Fleiß 


unter —5 ‚Satigues , Kummer und Lebensgefahr etiiche Jahre nicht 





| Ohne, mercklichen Segen. bearbeitet. worden. Weil ich aber den Beruf, 


ach Reuyorck nicht ‚annehmen Fonte , und wir Daher genöthiget wur⸗ 
Me, — en 9 a0 du nad) — — Hunden ; 
renck nach) Raritan gu uͤberlaſſen; fo ſtunden 

IyYm Ua Sortf, Da \ 


652 Achte orfösung der Fachricht u aus Pohibedlen 


die obigen Gemeinen leer. In die emeine ‚an der Foick of Delamare 
ift ein Vagabund eingefehlihen , und hat Zerruͤttung ge 
fiebe GOtt ließ einen Samvarım Theologiaͤ aus dem Hannoͤveri 
ſchen gebuͤrtig, in den mmen, wegen wir nad) gehoͤriger 
Prüfung als Catecheten Ir Derfuc in die obigen Gemeinen verord⸗ 
net, bis auf weitere Einſicht. 2 
8)In einer groſſen toeitfäuftigen Gegend, weiter noch Nordweſt 
gegen den blauen Bergen zu, ſind vier Gemeinen an den Oertern, 
welche kei Weiſſenburg, Jorden und Macunſchy ge 
nannt werden iefe Gemeinen leben auch in leiblicher Armuth, und - 
wolten gerne bedienet ſeyn; dahero dungen fie einige von den vagiren⸗ 
den Predigern fuͤr den geringſten Preis, und men. ſich mit denfel- 
ben etliche Jahre, bis fie endlich im Herbſt 1752 den Hein M 
Schertlin bekamen, der von feinen mitgebrachten Mitteln ein Stü 
. Land unter ihnen Faufte, ein Haus bauete, und das. Amt verſahe 
Lauf der mitgebrachten Zeugniffe haben wir vernommen, daß der Hart 
Schertlin in dem Herzogthum Wuͤrtemberg im Amte geftanden. € 
war neulich mit auf unferer jährlichen SynodalBerfamlung in Ne 
hannover, ſtellete die Noth feiner vier Gemeinen vor, und erklaͤrete 
ſich alſo, 9 wir gute Hoffnung von ihm ſchoͤpften. 
9) Die Gemeine in Neugoſchehopben harte den Pfarrer An⸗ 
dreaͤ wegen ſeiner allzugroſſen Exceſſe abgedanckt. Er aber wolte nicht 
weg, ſondern blieb daſelbſt, und behielt einen Theil der Gemeine von 
ſeines gleichen. Der andere Theil wandte ſich zu uns, bat um uns 
fern Mitbruder, den Heren Schultz, welcher * Dheil in die Pflege 
pe f unggeine benachbarte zahlreiche Gemeine in Indienfield Dane 
Fam. 


10) In Altgoſchehoppen, wo die Lutheraner und Reformirten 
eine feine Kirche und Schulhaus gemeinſchaftlich gebauet, ſtehet Herr 
Rauß im Amte. Er verſiehet fein Amt nach Möglichkeit und verlichee 
ner Gabe, lebet exemplariſch, kann aber Faum feine: Bloͤſſe bedecken 
weil die Gemeine leiblich arm iſt und wenig aufbringet · Er m 
Hoffnung auf beffere Zeiten ein Sandpläglein gekauft , um mit feiner 
Familie einen Wohnplatz zu haben, und defto fuͤglicher eine Kuh zur 
Haushaltung und ein Pferd zum nöthigen Reiten zu halten. Weil 
ich ihn nun freu fand. in feinem Dienfte, und ohne einen Collaborator 
war / fo uͤberließ ich ihm mein Filial in Pickestown uͤber der Schul⸗ 
fi, welches — 4 von ms Wehnung heat, und. * 


+ 

















Wil. Hrn Paſt· můhlenbergs Schreiben vonrisa. :633 


den v ierten Sonntag bedien et werden muß. Nebft dieſem übergab ich 
ihnm mein zweyte von der Neuhannoveraner⸗ Gemeine in Cole⸗ 
broofbale ¶ welhes auch ſechehn Meilen von feiner Wohnung lieger. 
star Arbeit und Reiſens genug, aber fein Unterhalt ift nicht 


m) Sieben Meilen von meiner Wohnung in einer. Gegend auf 
Schippach iſt noch ein. Filial, melches ic) dann und wann, ſo viel 
die Zeit leiden will, bediene. Es kommt dafelbft iedesmal ein ziemlicher 

‚Haufe von Zeutfchen Leuten zufammen, worunter ſich einige befinden, 
‚welche den Önadenbearbeitungen des Geiftes GOttes durch fein Wort 
Raum geben, und wuͤnſchen, daß fie öftere Gelegenheit zur Erbauung 










Gübein holen KehD — 

12) In Propidence predige ich den zweyten Sonntag im Som⸗ 
mer Vormittags Teutſch und Nachmittags Engliſch, meil faft mehr 
‚Englifche als Dochteutfche in Diefen Gegenden wohnen. Unſere Ges 
meinsglieder wohnen alhier-zerftreuet und meitläuftig aus einander, und 








«über verfchiedenen Waffern, find auch meiftens arm; dahero es denn 


‚Tommt, daß mir noch nie im Stande gemefen, eine rechte Schule und 
Schulmeifter zuiunterhalten. Die Englifchen Nachbarn halten einen 
Engliſchen Schulmeifter, (welcher über viergig Kinder hat. Wir, die 
nächften bey der Kirche, müffen einen Teutſchen aus unfern geringen 
Mitteln unterhalten, Eönnen aber nicht recht fortfommen , weil die 
Waſſer im Winter, die fehlechten Wege und die weite Entfernung die 
‚Hinderniffe unüberfteiglich machen. Wenn wir nicht mit der Zeit un⸗ 
teritüget werden, eine Freyſchule aufzurichten, fo möchtedie Gemeine wol 
nach und nach ausgehen, weil die Englifchen und Reformirten Teutfchen 
«vorhanden find, und in Diefen Gegenden Kirchen und Schulen haben. 
3). Sechʒehen Meilen von meiner Wohnung nad) Südoften zu, 
"in einer Gegend bey Great Valley, in der. Graffchaft Chefter , wurde 
vor wenig Fahren ein Zeutfcher Flecken angelegt, teil es nur vier und 
zwantzig Stunden von Philadelphia ift. Weil nun ziemlich viele arme 
Teutſche Dienftboten daherum find, und andere auf gemietheten Plaͤ⸗ 
‚gen wohnen; fo wurden wir gebeten, dann und mann dahin zu fommen. 
Sch reifete zuerft-hin, und mir wurde von den Vorftehern der Engliſchen 
Be aufgetragen, die Zeutfchen in ihrer räumlichen Kirche zu bedies 
nen, mit dem Beding, daß ich nachhero auch den Englifchen eine Rede 
“halten folte, welches geſchahe. Es war ein groffer Haufe armer Dienfts 
‚boten beyfammen, welche zum — —— und klagten, | 
ns -Dgg2 3 ie 





654 Achte Kortfegung der Nachricht aus Penfyloanien. 


fie fo wenig Gelegenheit hätten, bey ihren Dienftjahren GOttes Wort 
in ihrer Sprache zu hören. Unter den Englifchen fand ich ein paar Er⸗ 
‚weckte, welche mit mir von dem Fortgange in der Bekehrung zu fpredyen 
“verlangten. O tvas für eine innerliche Freude ift das, wenn man hie 
und da ein Feimendes Samkoͤrnlein in der Wuͤſte findet! Die Engliſchen 
fagten zum Theil, unfere Zeutfchen Dienftboten Fönten himmliſch fingen, 
aber der Wandel wäre nicht allemal himmliſch. Ich fagte, fie als Mei: 
fer folten mit gutem Wandel vorgehen und reigende Benfpiele geben ꝛc. 
Nachhero hat Herr Schul den Haufen einige Zeit in einem raumlichen 
Kaufe bedienet. Nun aber find fie wieder vacant, weil er zu weit da⸗ 
"yon wohnet: A S ETe, 

14) In der Gegend, Molotton oder Bley genannt, ſechzehn bis 
achtzehn Meilen von meiner Wohnung, über dem Fluß Manatany ges 
‚gen Nordweſten gelegen, tvar ein Haufe von Schweden, Engliſchen und 
Teutfchen, welche ich ein paar Jahr mit vieler Beſchwerde als ein Filial 
bediente. Da nun ein Prediger von dem Wohlehrwuͤrdigen Schwedi⸗ 
ſchen Minifterio ſich daſelbſt wohnhaft niederließ; fo find die Schtwedis 
fehen und Englifchen Leute bis: hieher mohl verfehen, aber die Zeutfchen 
verlaffen geweſen. Unfere Zeutfchen Lutheraner haben mit den Refor- 
mirten drey Meilen vonder Schmwedifchen Kirche ein gemeinfchaftliches 
Schul: und Berfamlungshaus gebauet, und werden alle zwey oder drey 
Wochen von einem Reformirten Autodidacto bedienet. Ich haberunfer 
Haͤufiein daſelbſt dann und wann auch einmal beſucht, und ein und an⸗ 
dere erweckte Seclen gefunden. Es iſt zu bedauren, daß man nicht oͤf⸗ 

ter dahin kommen kann. 

| 15) Sieben Meilen weiter hinauf im Schwargwalde ift ein 
Syäuftein Lutheraner, welche mit den Neformirten eine Kirche gemein 
ſchaftlich gebauet, die ich in denerftern Jahren meines Amts einmeihen 
mufte. Beyde Parteyen aber find etliche Jahre her durch vagirende ſelbſt 
gelaufene argerliche Prediger ſehr zerruͤttet, die unfrigen zulest vom Herrn 
SM. Wagner bedienet, auch jahrlich ein oder ein paarmal von ung befus . 
chef, bis fie zulest gang vacant, ‚und nun aufs neue von einem Gandis 
dato Theologid, der neulich aus Neuſchottland gekommen, unddurd) ung 

adinterim nach) der neuen Stadt Reading gewieſen ift, bearbeitet worden, 
16) Fünf Meilen von da meiter nach Norden ift eine Gegend, 
Elſas genannt, wo die Lutheraner und Reformirte zu meiner Zeit eine 
gemeinſchaftliche Kirche gebauet. Weil aber beyde Parteyen, wegen Ar⸗ 
muth und Mangel ordentlicher Prediger, ſich mit vagirenden Zaͤnckern 
| mp eins 


VIII. | Zen Paſt/ Muͤhlenbergs Schreiben von 1754. 655 


einlieſſen, fo Tagen ſie einander immer in den Haaren, bis Die Reformir⸗ 
ten ihren Abtritt won der Kirche nahmen, und ihre angewandte Baus 
Toften auf Begehren wieder befamen Herr M. Wagner hat unfere Par- 
tey in den legtern Fahren verfehen, bis fie mit ihm zerfielen. Gegen⸗ 
waͤrtig bedienet der Studiofus Theologiä, Namens Herr Schumacher, 
aus Redingtown diefe Gemeine im Elfaß. | 

17) Zwey oder drey Meilen von Elfas nach Suͤdweſt liegt Die neue 
Stadt Resding an dem Fluß Schulkiel. Vor und bey dem Anbau 
diefer Stadt haben die Teutſchen Lutheraner in einem Haufe Berfamlung 
zum Gottesdienfte gehalten. Als fich aber diefelben mehreten, fo baues 
ten fie, auf ein von Mſr. Weifer dazu beflimmtes Loos, eine Kirche von 
Holtz. Die Aelteften und Vorſteher der Gemeine fehisften daraufim 
October 1752 einen aus ihrem Mittel auf unfere jährliche Synodalvers 
famlung mit einer Bitefchrift und Bollmacht von zwey und achtzig Ges 
meinggliedern unterfchrieben, und begehrten von dem Minifterio, daß fie 
einen Prediger hinauf fenden, die erfte Predigt in der neuen Kirche hal- 
ten und gute Ordnung machen, imgleichen auch, daß die vereinigten Ge⸗ 
meinen eine Collecte unter fich famlen, und diefer ärmern Gemeine zu 
Hülfe kommen möchten. Das legtere wurde aus hinreichenden Grüns 
den bis auf beffere Zeiten verwieſen, weil faft eine iede von den vereinigs 
ten Gemeinen ihre eigene Noth und Armuth fühlet, und felber zu bauen 
hat. Den erfien Punct betreffend, fo legte mir das Minifterium auf, 
daß ich nach Reading reifen, in der Kirche predigen und die Umſtaͤnde da⸗ 
felbft unter ſuchen ſolte; welches auch geſchahe. Hernach nahmen die Ael⸗ 
teſten und Gemeinsglieder den neuangekommenen M. Schertlinan. Weil 
ſolcher aber nur alle drey Wochen dahin kommen konte, ſo geriethen ſie an 
einen andern, nach deſſen ſchleunigem Abſchiede fie eine Zeitlang vacant blie⸗ 
ben,bisendlich ein Studioſus Theol. von Neufchottland uͤber Neuyorck bier 
ankam, und vermoͤge einer Necommandation vom Herrn Weygand unter 
unſerer Nachficht nach Reading getviefen und zum Verſuch auf eine Zeite 
lang von den Leuten angenommen wurde, mie bereits vorhin gemeldet. 

8) In einer Gegend, Zeidelberg genannt, etwa drey Meilen von 
Herten Weifers Wohnung, ift eine Gemeine, welche eine neue dauerhafte 
Kirche gebauet, und unfern Mitbruder, den Herten Rurg; zum Seelforger 
hat. - Etliche Meilen davon ift eine Gemeine und Kirche an der Nord— 
Fiel, welche Herr Kurg aud) verfiehet. Und etwa acht bis neun Meilen 
höher hinauf bey. dem Fluß, Tulpehoken genannt, iſt die Hauptkirche, Ge⸗ 
meine und das Pfarrhaus, wo Herr Kurg wohnet. Zwiſchen der Tul⸗ 
249493 pehoker 










pehoker und Heidelberger Kirche iſt diejenige Ki 
| wieder abgetreten, haben Herr Kurs und feine Aelteſten Die Auf 
‚ber gehabt. Im vorigen Jahre wurden« ber. die vormal geweſe 
dorfiſchgeſinnete Vorſteher der beſagten wieder auftü 
19) Sn Lancaſter iſt es bisher auch trübfelig und verwirrt 
ergangen, wovon bes werthen Deren M Gerocks Klagebriefe und ande: 
re unpartepifche Nachrichten zeugen Eonnen. Der H 1 . Geroif 





eine Zeitlang aus Lancaſter bedienet, bis Herr Wagner dazu Fam. Nun⸗ 


mehro find etliche Parteyen und verfchiedene vagirende Prediger da. 


— 


22). Die Gemeine in Rorcktown hatte etliche Jahre Friede, vers 
mehrte fich der Anzahl nach, hatte auch Geduld mit des Hrn. Schaum ſei⸗ 


ner Leibesfchwachheit und Lähmung, wolte auch ihren Prediger nit 


miffen, da mir ihn an einen andern Ort, nemlich nad) Raritan, zu vers 
feßen gedachten. Seitdem aber die Unruhe in Germantown vorgefals 
fen, und die vornehmften von den Aelteflen und einigen Öliedern von 
daher aufgewiegelt worden; fo haben fie fich in zwo Parteyen getbeilt. 


Die eine hat einen jungen Menfchen aus Maryland geholer, welcher vor 


giebt, er fey ein Student in Erlangen gemwefen. Die aͤrmere Partey 
= ie * zu Herrn Schaum, und bat bisher die Kirche in Poſſeſ⸗ 
fion gehabt. — | ET 
22) Die Gemeine in Neuhannover ift noch eine von den aröffe» 
fen unter den andgemeinen. Ich habe fie bisher ieden zweyten Sonn- 
tag mit den Gnadenmitteln bedienet, wie aud) manche Prüfung gehatt. 


- Die Schule wird dafelbfi, fo gut als moͤglich, fortgefeßt. 


23): Die Gemeine zu $riedrichstorwn in Maryland iſt zum erſten 


von mir, hernach auch von ein und andern meiner Amtsbruͤder beſucht 
worden. Weil wir ihnen aber nicht weiter helfen Fonten, fo haben fie 
fich etliche Jahr her mit Vagabundis geplagt, bis fie zulegt einen or⸗ 


dentlichen Prediger bekommen, Namens Herr Hauſil, der von dem Hoch⸗ 


wohlehrmwürdigen Lutherifchen Minifterio in Rotterdam auf eine Eolome 
nach Neufchottland ordiniret, und in diefen Gegenden angefommen war. 

24) Die Gemeine in Spotſylvanien in Birginien, für welche der 
verfiorbene Herr Stöver und andere Eollectanten ehemals in Europa et⸗ 
liche taufend Pfunde ‚gefamlet , und einen Prediger, Namens ‚Herr 
Klug, mitgebracht, wird noch vom Deren Klug verfehen. —2 
| | £ ern 


VUN. Irn. Paſt Muͤhlenbergs Schreiben von 1754 67 


- tern Collectanten follen, wie mir ift verfichert worden, einen Theil der Col: 
kecten für ihre Müheund Reifekoften empfangen, für das uͤbrige aber eine,. 
- hölßerne Kirche gebauet und einen Pfarrplas und Mohrenfelaven gekauft. 
haben. Wirhaben aber neulid) betrübte Nachrichten vondort befommen. 

25) Die Gemeine in Cohenzy, vierzig Meilen von Philadelphia, 
und ihr Silial zu Pilesgrove in Neu: Sserfep iftbisher dann und wann von 
unfern Mitbrüdern aus Philadelphia befucht, mit den Gnadenmitteln; 
bearbeitet, und mit einem Schulmeijter verſehen worden. 

26) Die drey Eleinetn Gemeinen bey. dem Fluffe Raritan in Neu⸗ 
Sserfey , nemlich auf Leslys⸗-Kand, auf Racheway, oder in Reading 
und Suchfenberg, find vereiniget, und werden durch den Herren Pfarrer 
Schrend in der neugebaueten groffen Kirche mit GOttes Wort und der: 
- heiligen Sacramenten gepfleget. Zwey Filiale liegen noch auf der Seite, 
welche aber wenig oder garnicht an den Sonntagen fönnen befucht wer⸗ 
den. In dem Winter 1753 entftund eine:groffe Unruhe in diefer Gemei⸗ 
ne, da Herr Weygand noch da. war. Herr Weygand wurde gleichdars 
auf nad) Neuyorck berufen, und die Gemeine blieb vacant. Ich wurde; 
theild von der Gemeine, theils von meinen Herren Amtsbrüdern genoͤ⸗ 
thiget, eine Reife im Sommer dahin zu. thun, und brachte durch GOttes 
Erbarmung die verrencften Glieder wieder fo weit in einander, daß fie. 
einmüthig.den Herrn Schrenck berieffen: : Are HER fe 
| 27) Die Bemeine ın Neuyorck mwachfet etwas an, mie wir vers, 
nehmen, und die Gemeine in Hackinſack fol in fchöner Blätefeyn. Herr. 
Weyggand iſt fehr beliebt in beyden, hat aber auch-viel zu-leiden. Er. bat 
fhon eine neue Gemeine , etiwa fechzehn Meilen von Hackinſack, und: 
eine andere:auf dem Lande in der Proving Neuyorck bekommen, welche: 
er bey Gelegenheit bedienen muß: tms: * 

Dieſes iſts, was den Hochwuͤrdigen Vaͤtern fuͤr dieſes mal von 
den Evangeliſchen Gemeinen und Arbeitern, ſo viel es Zeit und Umſtaͤn⸗ 
de erlauben wollen, habe vorlegen ſollen. 

Wie nun uäfern armen, zerſtreueten, zerriſſenen und in der Irre 
‚gehenden Confeſſionsverwandten und Glaubensgenoſſen überhaupt. durch 
Gottes Beyſtand möchte geholfen, und die groͤſten Hinderniſſe aus dem 
Wege geraͤumet werden, das will ferner in einigen Anmerckungen Dero 
reiferm Judicio und vaͤterlichen Treue vorzulegen trachten. 
Nord⸗America, und beſonders Penſylvania, iſt ein uͤberaus 
groſſes Feld, welches nach Chriſti Befehl nicht ſolte ungebauet und un⸗ 
beſaͤet liegen blejibccecccccecee Bare Sir 
UN 2 ne⸗ 


658 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien· 


2) Diejenigen, welche fi) um die Fortpflankung der Religion 
und Ausbreitung des Reichs GOttes bekümmern, haben dis Nord⸗Ame⸗ 
rica, und befonders Penſylvanien, nicht aus der Acht gelaffen, fondern mit: 
zum Vorwurf ihrer Aufficht und Pflege genommen. Denn den Glie⸗ 
dern der Englifchen Hochkirche find viele fahre ber Lehrer und Eateches 
ten frey zugefandt und unterhalten tworden. Den Presbyterianern iſt 
eine gleiche Sublevation gefchehen. Die DOberauffeher der’ Schwedi⸗ 
ſchen Mutterficche haben e8 ihren zerftreueten und hier in der Fremde 
wohnenden Slaubensgenoffen nicht an den Önadenmitteln ermangeln 
laffen. Die Vorſteher der Reformi:ten Murterfirche in Holland haben 
eine preiswürdige Anftalt gemacht, daß ıhren Hochteutfchen Religiongs 
verwandten auf eine folenne Weiſe möchte geholfen werden. Und-unfes 
re Väter und Pfleger in London und Halle haben uͤberſchwaͤngliche 
- Sorge und Mühe getragen , daß den fo häufig zerſtreueten und hier in 

der Wuͤſte verirreten, verlaffenen und von ihrer Mutterkirche entfernten‘ 
Söhnen der Hochteutfchen Nation folte geholfen werden, und durd) Bey⸗ 
hülfe liebreicher Gaben und Eollecten es fo weit gebracht, Daß in den er⸗ 
ſtern Gemeinen ein Anfang zum Bau der Kirchen gemacht, und eine An⸗ 
zahl von Predigern frey herein gefandt, und dem Volcke zu gute aufge⸗ 
ftellet worden. era BR 
3) Wir gefandte und vereinigte Prediger der Evangelifchen Kirche: 
Hochteutſcher Nation haben feit unferm Hierfeyn nun beynahe alle Ges 
genden in Penfylvania, und einige angtengende Derter in den benach⸗ 
barten Provintzen befucht, und finden, theils daß verfchiedene Tauſende 
unferer Eonfeflionsverwandten, fo wol Alte als unge, in der Finſterniß, 
Unmiffenheit , Blindheit , fchädlichen Vorurtheilen, herrſchenden Suͤn⸗ 
den, äufferftem Unsermögen und Armutb, fich felber zu helfen, liegen und 
verderben; theils daß übermäffige Arbeit für eine groffe Anzahl rechtfchafs 
fener. und getreuer Prediger und Schullehrer, melche Das wahre Heil der‘ 
Seelen zum einzigen Augenmercf haben, übrig fen. na 3 
» AH). Db unfer Volck nun gleich die allerwichtigften Urfachen hat, 
dem barmhersigen Vater in Ehrifto im Staub und Afche zu danken, 
daß er einen Fleinen Anfang zu ihrer Errettung machen wollen; wir auch,’ 
als die geringften und ſchwaͤchſten Werckzeuge, Die bereits viele Schmach, 
Zrübfal und Fatigueg erlitten, von Hertzen wünfchen, daß das Evange⸗ 
liſche Zion bier in Penſylvanien auf den rechten Eckſtein IEſum Ehriftum 
möchte erbauet und weiter bearbeitet werden: ſo finden mir doch noch 
ſchwere und faft unüberfteigliche Berge von Dinderniffen, welche er 
Ball 


"VIIL Zen. Paftı Mahlenbergs Schreiben von 15h; 65 


Glaubensverwandte bereits überftiegen haben: Erſtlich, fo lange wir. 
arm e Prediger und Sremdlinge von etlichen wenigen vermögen= 
nögliedern unfern leiblich nothdürftigen Unterhalt Fümmerlih 

muͤſſen; fo lange werden wir gehindert an der freudigen ungeheus 
chelten Ausrichtung unfers Amtes. Geſetzt, daß in einer jeden Gemei⸗ 
ne etliche wenige vermögende Glieder find, die etwas zum Schul- und - 
henbau, zur Nothdurft der Prediger und Schuldiener beyragen 
koͤnten; fo find fie doch nicht alle von der Einficht ‘und Treue, daß fie 
Das wahre Weſen der Evangelifchen Religion zum Augenmerck haben: 
So bald nun ein Prediger um des Gewiſſens willen Die Wahrheit fagek, 
ſo entſteht Unruhe und Feindſchaft. Wenn aber ein Fundus vorhanden 
waͤre, daraus die Nothdurft getreuer Lehrer und Schulhalter beftritten 
würde; fo koͤnte die gange Evangelifche Wahrheit beſſern, freyern und 
allgemeinern Lauf haben. Zweytens fehlet es in unfern Gemeinen aba 
fonderlih noch an tüchtigen Schulanftalten. Bon daher muß das Reich 
Ehrifti vermehret und verbeffert werden. Es ift aber unmöglich, für 
ung folche Anftalten aufzurichten, two ung nicht aus unferer Mutterkir⸗ 
che in Europa nod) ferner und Eraftiger, naͤchſt GOtt, die Hand gebos 
fen wird. - Drittensmangelt es an genugfamen und freugn Arbeitern. 
- Daher wir von allen Seiten mit Glaubensinbrunft und Hertzensde⸗ 
muth, mit zufammengefegten Kräften ernfilich zu bitten haben, daß der 
HErr der Ernte treue Arbeiter in feine Ernte fenden wolle. Denn e8 
gehören in diefen weitläuftigen verwüfteten und vermwilderten Weinberg 
erfahrene, flarcke, meife, ftandhafteundbisin den Tod gefreue Arbeiter und 
Streiter. Ich fühle und erfahre an meinem geringen Theile gar zu 
wohl, daß id) nicht derjenige bin, der ich feyn folte,unddaß der barmher⸗ 
Bige GOtt mid) nur als einen Nothnagel gebraucht, bis er beffere und 
dem Wercke bequemere zubereitet. - Sc viel ich aus Erfahrung von mei« 
nen übrigen Amtsbrüdern bezeugen Fann, fo muß vor GOtt und der 
Ehriftenheit bekennen, ‚daß uns eine Kraft von oben bis hieher, unter 
unausfprechlichen Anfechtungen, Verfuchungen und Bellürmungen des 
groben und fubtilen teuflifchen Heers, der Welt und Wurtzel unfers 
Verderbens, von innen und auffen mit groffer Geduld, Langmuth und 
tbarmung gehoben, getragen, und in einem Bande der Liebe und Eis 
nigkeit erhalten hat. HI. ——— 
Solte durch GOttes Erbarmung mit der Zeit ein ſolcher Fun⸗ 
dus zu Stande kommen, daraus wenigſtens diejenigen Lehrer, deren Ges 
meinen nit im Stande find, ihnen den hinlänglichen Unterhalt zu reis 
VIII. Penfylo. Sortf Rrre chen, 














‚660 Achte Sortfegundder Nachricht aus 


eben, nothdürftig erhalten, und i 
ten Gioe gebracht ‚werden fönten; 





hithaten zurüc® gegogen, und. auf nöthigere und. 


6) Könten wir das angefangene Werck in unfern erflern vereinigs 
ten Gemeinen, welches bereits viele Mühe und Sorge gefoftet, in der 
Drdnung fortfegen, und durch unferer Hochwuͤrdigen Väter Vor⸗ 
fhrift und fernere Unterfiügung und Beyhuͤlfe immer mehr verbeflern, 
und allen übrigen jüngern Gemeinen in America zum Mufter und Pa» 
nier aufjiellens fo würde ſolches einen Einfluß in die gange Sache has 
ben, zumal, da die erften und älteften Ölieder in den befagten Gemeinen 
manche Proben der Standhaftigkeit und Treue gegen ung und Das ans 
gefangene Werck bewieſen und vieles erlitten haben. ar 


7) Ueb.igeng hätte man gar nicht nöthig, einigen Widerſpenſti⸗ 
gen die Wählthaten aufzudringen. Wenn Prediger und Schuldiener 





die nöthigfte Bephülfe von Hochwuͤrdigen Vätern genöffen, fo koͤnten 
fie ungehindert lehren. Wäre e8 nicht in Kirchen, fo moͤchte es fo lange 
in Scheunen, in räumlichen Häufern oder unter einigem Obdach gefche: 
hen. Wenn ich ein und andere ausnehme, fo beſtehen die übrigen und faft 
allermeiften aus lenckfamen und danckbaren Einwohnern, armen Bits 
men, Wänfen, übrigen Kindern und Dienftboten, welche GOtt im 
Himmel für gute Anftalten dancken, und die Zeit ihrer Gnadenheimſu⸗ 
Kung erfennen wuͤrden. | - — 
Auſſer dem iſt noch zu berichten, daß vor etlichen Jahren Sr, 
Hochedl. unferm Eigenthumsheren, Mfe. Pen, ein Project vorgelegt 
worden, wie nöthig es fen, Daß unter den Zeurfchen in Penſylvanien Eng» 
lifche Frey: oder Charitätfchulen aufgerichtet würden. Die Sache ift 
aber liegen geblieben, weil e8 viel Folter, bis auf beffere Zeit. Da nun 
der Reformirte Prediger, Herr Slatter, ing Sand Fam,. und von feis 
nen Dberauffehern wichtige Necommendationen an unfere Obrigkeit 
mitbrachte; fo Fam er. bey den Obern in aroffes Anſehen hatte auch als 
len möglichen Beyftand in den betrübten Revolutionen und Aufruhr feis 
ner Leute, und wurde mie den herrlichiten Necommendationen nad) e- 
” * ⸗ va; and 


oft. Muͤh begehen —* 661 






Mori Autge Si 
r Prediger in Holland, M 
diefe Nachrichten ins‘ Engliſche überfeget, und Plbige in England u und 
‚Schottland publiciret. Herr Slatter Fam nad) verrichteter Sache wie⸗ 
‚der herein, und brachte fechs junge Prediger frey mit. Die ins Englis. 
liſche überfegte Nachricht ift inzrifchen dem Eigenthumsbheren, Mfr. 
‚Pen Efq. recommandirer, welcher nun gelegene Zeit fand, das ehemali- 
‚ge Project auszuführen. Er, Mfe. ‘Pen, hat, wie ic) hier benachrichti- 
get worden, ein Memorial bey Sr. Koͤnigl Majeſtaͤt eingegeben, worauf 
Se. Majeftät gleich taufend Pfund Sterling, Se. Königl. Hoheit die 
Pringeffin von Wallis achthundert Pfund Sterling, und übrige hohe 
Perſonen fo’ viel beygelegt, daß in Furger Zeit ein guter Fundus zufams 
‚mengefloffen. Da nun Herr Slatter zum andern mal durch Die hieſi⸗ 
gen betruͤbten Umſtaͤnde hinaus zu reifen genoͤthiget, und mit abermali⸗ 
gen Recommendationen von unſerer Obrigkeit verſehen ward; ſo iſt er 
in London bey dem Herrn Proprieteur fehr liebreich aufgenommen, und. 
ihm ein jähitiches Salariumfirum mit dem Rectorat über die deuiſchen 
ertheilet worden. Und da Herr Slatter die Plaͤtze angegeben, wo die 
Engliſchen und Teutſchen Freyſchulen zuerſt am noͤthigſten waͤren; ſo iſt 
ein Schreiben von den Obern aus London alhier angekommen, worin⸗ 
nen unfer Kerr Gouverneur, der oberfte Richter Efquire Allen, der 
. Randesfecretair Mfr. Peters, ur Turner, Mft. Srandlin und Mi. 
Conrad Weifer, zu Truſtees und Menagers ermehlet und befebliget 
‚worden, Die Freyſchulen in Yorktown, Lancafler, Readingtoron, Neus 
hannover, Schippach und Sofehehoppen anzulegen, und.dem Herrn 
Slatter allen möglichen Vorſchub und Benftand zu leiften. In dem 
iegtgedachten Schreiben ift unter andern veftgefeget, Daß jedesmal vier 
bis fechs junge Leute von guten Ingeniis aus den Freyſchulen ſolten das 
Privilegium haben, nach Der Univerfität Orfort zu kommen, um daſelbſt 
zu fiudiren, und bernad) ihrem Vaterlande zu dienen. Man kann dar: 
‚abnehmen, daß die hohen Gönner mit Ernſt befliſſen ſeyn, unſere 
eutſchen zu getreuen Unterthanen, wie es hoͤchſtbillig iſt, und zu guten 
raliedern zu machen. 
Wir haben am vergangenen ı6ten und 17ten Junii unſere jährliche 
Synodalverſamlung in Neuhannover gehalten, wo der Herr Probfl 
— und Herr Paſtor BIER. von der Schwedifchen * 










nebſt verfehidenen deutſchen —— beyſammen 
waren, und unter andern noͤthigen Dingen beſchloſſen wurde, daß auf 
kuͤnftigen ısten Septembr. diefes Jahrs in sin alleitunfern gereinigten Cafe \ 
gelifchen Gemeinen Schwedifcher rohen en und Holändifcher Nation 
ein Buß: Bet: und Dancffeft folte gefeyert, und befonders der Bert 
Sam. 7, 12 zum Eingange, und Joel 2,12: 17 zur Abhandlunggenommen 
werden. Der — wolle es mit Segen verſiegeln, um ſeines Na⸗ 
mens miilln! ER. 
Diefes ifis, ’ aan vaͤter, was für dieſes mal tube 

ten und Dero gütigiten Betrachtung vorzulegen nöthig erachtet: 
folget auch zugleich ein gemeinſchaftliches Schreiben hiebey, welches = 
den fämtlichen auf dem Synodo verfamleten Predigern und Aelteften der 






vereinigten Öemeinen den drey älteflen Predigern auszufertigen aufge: 


tragen worden. » Den Zuwachs unferer Semeinen und: etwanigen Se⸗ 
gen, und des Satans Widerſtand gegen denſelben, werde in einem be⸗ 
ſondern Briefe g. ©: berichten. Uebrigens empfehle mich, meine arme 
Familie, die geſamten Umſtaͤnde und Noth unſers Minifterii und der ans 
vertraueten Gemeinen E. %. väterlichen ne. —— Forbitte⸗ ; 
Rath und That, und — —— 
Proridence Ihe 
den ısten Juni 1754 R 


| — No⸗⸗ wahlenberh. 
HER EUER NED CENT ENT ET ENTER 


IX. Gemeinfchaftliches Schreiben der drey 
aͤlteſten Herren Prediger, im Namen des geſamten ver» 

einigten Miniſterii, an Herrn Hofprediger ge | 
genund Herrn D. und Prof. Franken, 

Ä Pad vom gten Juli N. ee — * Br 

a die mit einander verbundene bisherige Prediger: ber Evange⸗ 

liſch⸗ Lutherifchen Gemeinen Teutſcher Nation in hiefigen Ames 

ricanifchen Provingen, abfonderlicy in Penſyolvania, in ihrer 
disjährigen Synodalverfamlung, welche den ı6ten, ızten und ıxten Sun. 

zu Neuhannover: in der Graffchaft Philadelphia gehalten worden, und 

welcher dev Schwediſche Herr zu. und ein Schwediſcher .. 


RK Gemeinſchaftliches Schreiben von drey Predigern 1754. 663 
naebſt vierzehn Hochte 








teutſchen Lehrern beygewohnet, mit einander, als vor 





Gbottesh Angeſicht, den innern und aͤuſſern Zuſtand der Gemei⸗ 
nen in Er gezogen; die mächtigen Hinderniſſe, die ein ieder bey 
Fuͤhru Imts bishero wahrgenommen, unter und gegen einander 

an et, beklaget und befeufset, und Deswegen Raths gepflogen haben, 
wieund auf welche Weiſe dasjenige, ſo bishero zum Nachtheil des Reis 


ches unfers Herren im Wege geftanden, gehoben werden möchte; auch 
auf Mittel und Wege bedacht gemefen, wodurch uns, den Gemeinen und 
der unwiſſenden zahlreichen Jugend in denfelben unter GOttes vaͤterli⸗ 
cher Regierung in ſolchen bedraͤngten Umſtaͤnden aufgeholfen werden koͤn⸗ 
te: ſo haben ſelbige ſich zuerſt unter einander ernſtlich ermahnet und er⸗ 
muntert „und wie aufs neue ſich wie Ein Mann dahin verbunden, den 
himmliſchen Vater um Erbarmung, Huͤlfe und Errettung etnſtlich und 
beſtaͤndig anzuflehen, ein ieglicher an ſeinem Theil und in ſeinen Umſtaͤn⸗ 
den das Amt, nach den von GOtt verliehenen Gnadengaben, mit ernſt⸗ 
licher Treue fernerhin zu führen, durch rechtſchaffene reine Lehre und gott: 
ſeliges Leben dem Reiche des Satans Abbruch zu thun, und das Reid) 
unſers Ehrenköniges zu befördern; dann aber auch für höchfinöthig ers 
achtet, die Befchaffenheit der Umflände, worinnen wir ung befinden, nad) 
‚aller Wahrheit, und fo mie fie am age liegen, den Sochwürdigen 
Vaͤtern und unfern Bönnern in Europa vor Augen zu legen, und zu 
dem Ende ſich an EB: &, fehriftlich zu wenden. Wenn demnacd) wir 
Endesunterfchriebene drey ältefte Prediger in gedachter Synodalverfams 
- Jung einmüthig erfuchet und ung aufgetragen worden, SE. im Nas 
‚men unfer aller eine fehriftliche Borftellung vor Augen zu legen: fo ers 
fuchen wir Diefelben Eindfich, unferer gegenwärtigen Schrift ein geneig⸗ 
tes Gehör finden zu laffen. E. 5. haben fchon bereits fo viele Sorge . 
‚gehabt, und folche ſchwere Mühmaltungen unferer Gemeinen wegen: auf 
fich genommen und: betoiefen, Daß wir GOtt für den Fleiß, den er in 
Dero Hergen geleget,in Ewigkeit nicht genug dancken koͤnnen. Wir has 
ben audy dag zuverfichtliche Vertrauen, Diefelben werden noch nicht müs 
de werden, fernerhin für das arme und bedrangte Americanifche Evanges 
liſche Zion Sorge zu tragen, und ung armen, bedrängten und verlaffenen 
Knechten und Handlangern am Bau Zions mir Rath und That beyzu⸗ 
ſtehen, und ung erlauben, die Noth, fo uns insgefamt drücket, und die 
Furcht, fo wir wegen des Zufünftigen nicht ohne Örund hegen, inDero 
Schooß zu ſchuͤtten und vorzulegen. — re. 
nd. ( > 


—* e Be Ta 








Evangeliſchen Kirche in entlegenen Theilen der Welt befliffenen Lehrern 
und Vorſtehern unferer Mutterfirche in Europa Diefe unfere Furge und 
wahrhaftige Befchreibung unferer Umftände und Bedrängniffe befannt 
machen und vorftellen zu laffen, väterlich bemühet feyn wolten, ein ſol⸗ 
ches den Eindruck machen, und das zärtliche Mitleiden, wo nicht bev als 
len, doch ben manchen erwecken würde, daß auch diefelben ihre Hertzen 
für ung zu GOtt erheben und ihre Hände mildiglicd) zum Beyſtand ung 
darreichen würden: fo haben wir für dienlich erachtet, hiedurch in der 
Kürge anzuzeigen, tie es ung big daher ergangen; mie es gegenwärtig 
unter ung flehe, und wie ung durd) Gottes milde Hand und Deroviel 
geltende Vermittelung und Vorſtellungen Hülfe gefchaffet werden koͤnte. 
Ad), der HErr, der ewige GOtt, der Die Enden der Erden .erfchaffen, und 

der Welt Ende feinem Sohne zum Eigenthum verheiffen, wolle doch auch 
bier fein Zion bauen, und in feiner Ehre erfcheinen! Er wende fic) zum 
Gebet der Berlaffenen, und verfchmähe ihr Gebet. nicht! Er molle dag 
Seufzen des Gefangenen erhören, undlosmachen die Kinder des Todes! 
daß auch mir ſchwache und untüchtige, unwuͤrdige und. zum Theil abges 


mattete Knechte mit Freudigkeit und Treue des Herrn Namen albier in f 


feinem Zion predigen Eönnen! Herr, unfer GOtt und Heiland, der du 
bift eine Zuverficht aller auf Erden und ferne am Teer, Eehre did) doch 
wieder zu ung, fey deinen Knechten in Europa gnadig , zeige ihnen deine 
Wercke und deine Ehre, und fey ung freundlich, und fördere das Were? 
unferer Hände aud) bey ung. Amen! | N ——— 
Was nun den Anfang, bisherigen Sortgang und gegenwärtigen 
Zuſtand der Evangelifhhen Gemeinen nad) der ungeänderten Augfpurs 
giſchen Eonfefjion in diefen Provingen, abfonderlich in Penfplvanıa, uns 
ter dem Großbritannifchen Scepter betriffts fo finden mir ung gemuͤſ⸗ 
figet, folgendes zur günftigen Erinnerung und hinlaͤnglichen . 
richtie 


, . 


liches Schreiben von drey Prebigern 1754. 665 


tichtigung vor Dero Augen, Her und Händen in Demuth und nach 
- aller Wahrheit zulegen und auszubreiten. 
Kurtz vor und zu Anfang diefes Sceuli machten einige Teutſche 
Anfang, das groſſe Weltmeer zu überfegeln, und in Diefes Abend: 
d zu kommen. Sie lieffen ſich hier wohnhaft nieder, und bediens 
ſich der Freyheit, fo man hier in Anfehung der Religionsübung, 
.. nach den Grundgefegen des erften Eigenthumsherrn der Proving Pen: 
ſylvanien, William Pen Esqu. ungeftört genieſſen Fann. | 

In dem erſten Periodo, nemlich von 1680 bis 1708, Famen einige 
sufälliger Weiſe herein, worunter einer gemwefen, mit Namen Henrich 
Frey, deffen Frau noch am Leben feyn foll, der ungefähr U. 1680 ans 
gelanget. Wie denn auch verfchiedene Mlattteutfche aus dem Elevifchen 
um die Zeit herübergefchiffet, deren Nachkömmlinge ‚alhier noch anzu⸗ 
treffen find, wovon einige son ung getaufet worden, andere aber noch 

) fo hinleben nad) der Quaker Weile. — — e 
Or dem zweyten Periodo, in den Jahren 1708, 1709, 1710 biß 
"1720 , da der groffe Zug aus der Pfalg nad) England gefchehen , und 
eine ftarcke Anzahl davon unter der Königin Anna nad) der Proving 
Neuyorck gefandt torden, find auch nicht wenige davon nach Penſyl⸗ 
So gefommen. Diefe haben ſich mit einigen erbaulichen Büchern, 
Poſtillen, Arndts Wahrem Ehriftenthum und Gefangbüchern beholfen, 
womit fie zum heil durch unermüdete Fürforge des Herrn Anton 
Wilhelm Boͤhmens, weiland Hofpredigers zu St. James, verfehen 
oder ihnen nachgefchicket worden. Es haben fich aber auch ſchon da⸗ 
mals neben folchen verfchiedene hier eingefunden , welche, ohnerachtet 
fie zum Theil e8 gut gemeinet haben mögen , fi) in Europa von Der 
aͤcſſern Gemeinſchaft unferer Kirche, aus nicht unbekannt ſeyn koͤnnen⸗ 
den Urfachen , getrennet hatten, oder hier fic) getrennet, und fo.dann 
für ſich gelebet haben. Diefe haben fich nicht um die Beybehaltung 
der reinen Lehre und um die Auferbauung nöthiger Kirchen und Errich⸗ 
tung guter Schulanftalten befümmert; vielmeniger ſichs angelegen feyn 
laſſen, einige. Ländereyen oder Pläse für folhe Gebäude zum Beften 
der Nachkoͤmmlinge zu kaufen, ob fie wol hundert Aecker für den Preis 
hätten erhalten Fönnen , den man ietzo für einen halben Acker erlegen, 
muß. Sie haben ihre eigene Kinder und Kindegkinder ohne den noͤthi⸗ 
gen Unterricht, mit Unterlaſſung des Gebrauchs der Heild: und Gna⸗ 
denmittel, des Worts Und der. heiligen Sacramente, aufwachfen und 
verwildern laſſen, wovon mir nod) viele traurige Merckmaale 5 * 
indes⸗ 














man fie hier nennet) Mennoniften, Schwenckfelder und überhaupt von 
allerley dergleichen Gattungen geweſen, deren Benennungen hier anzu⸗ 


führen zu meitläuftig feyn wuͤrde. Dieſe haben ſich nur hauptſaͤchlich 
darum befümmert, wie fie fich in ihren Meinungen vefter fegen, und 
andere, die nach und nad) herein gefommen, und den Begriff von uns 





ferer Evangelifchen Lehre noch beybehalten hatten, zu fich in ihre Ge _ 


meinfchaft durch allerhand Scheingründe bewegen und ziehen möchten; 
melches auch defto leichter gefchehen können, da zu Der Zeit gar Feine Leh⸗ 
rer hier geweſen, und ein ieglicher von Diefen allen fein Augenmerd nur 


dahin vornehmlich gehen laffen, wie man Ländereyen ankaufen, Haus 


fer bauen, pflangen und fäen, und folchergeftalt feine Familie ernehren 
koͤnte. An die Fortpflangung unferer allerheiligfien Lehre ift im gering» 
fen nicht gedacht worden. Plaͤtze für Kirchen und Schulen find von 


dem Eigenthumsheren, ung zum Beſten, nicht angemiefen oder vorbes 


halten , noch) von andern befprochen und aufgenommen worden. 


I 


- Kür die Glieder der Epifcopal- Rirche von England ift ei ' " | 


dero Bifhöfe und die Hochloͤbliche Socierät in England for propaga- 
ting the gospel in foreighn parts hinlaͤnglich geforget, und ihnen Kits 


chen gebauet, Lehrer gefandt, und diefelben mit einem jährlichen Ger 


halt von go bis 70 Pfund Sterling verfehen worden. J 

Die Schwediſchen Glaubensgenoſſen, deren Vorfahren im er⸗ 
ſten Theil des vorigen Saͤculi zu allererſt hereingekommen waren, haben 
Se. Königl. Majeſtaͤt von Schweden und das Ober: Eonfiftorium zu 
Upfal allergnädigft und väterlich in Dero Vorſorge aufgenommen, 
gleichwie Allerhöchftdiefelben noch thbun. Sie find dadurch in den 


Stand gefeget worden, Kitchen zu bauen, und Schul. und EN J 


IX. Gemeinfhaftches Schreiben vonder Predigenmpt 667 
fer in in ne ‚von Zeit gu Zeit, auf Koften des Reichs, 
Lehler icher hereingeſandt belommen. Sie find auch als eifrige 
nicht ſaͤumig senken nöthige: Laͤndereyen zur Unterhaltung 
r anzr — ‚und folchergeftalt die Evangelifche Religion in 
ihrer Sprache fortzupflangen. Wenn Die Lehrer abgemattet, werden 
——— Könige zuruͤckberufen, und in ihrem Baterlande verſorget, und 
tellen werden mit andern: neuen Subjectis verfehen und erfeget: 
$: eren gegenwaͤrtige theure und treue Lehrer find Herr Probft Acre= 
lius „Paſt. Parlin und Paſt. Unander, nebft dero Vicario Herrn 
- Kidenius, welchen GOtt in Gnaden fernerhin beyſtehen, und ſie zum 
Syn fegen wolle! > 
Die Presbyterianer. fi nd von. ihren Confeſſionsverwandten in 
England, —— * Neu⸗ England hinlaͤnglich in dieſem Stuͤck 
bedacht worden. 
Die Ansbaptiften, Mennoniſten ec. haben von ihten bemittels 
ten Geſinntheits rider in England und Deutſchland guten Bey⸗ 
ſtand erhalten. 
ee Die Römifbeatholifhen haben Zufluß genug von ihrem Ober⸗ 
‚been und den reichen Cloͤſtern gehabt; anderer nicht zu gedencfen. - 
Der Unfrigen hat ſich Damals niemand angeneumen- noch fürihe 
und ihrer Nachkommen Heil Sorge getragen. 
Im folgenden dritten Veriodo, von ohngefähr 24. 1720 big 1730; 
har id) Die Anzahl der Hochteutſchen Evangeliſchen aus der Pfaltz, qus 
dem Reich, aus dem Wuͤrtembergiſchen, Darmſtaͤdtiſchen und andern 
Drtenver mehret. Auch find viele Familien aus dem Neuyorckiſchen hie⸗ 
—* gelommen;dieunterDes Königin Anna fich dorthin begeben. Diefeha- 
ben fich in allen heilen der Proving ausgebreitet und wohnhaft niederges 
laffen: Diefelben haben ihre allerheiligften Glaubenslehren unferer Con⸗ 
feflion bey fichy und ihren Kindern nicht verdunckelt werden laffen, fondern 
fortpflangen mollen: allein theils haben fie Beinen Weg vor fich gefehen, 
wie fie Hirten und Lehrer aus Europa bekommen koͤnten; theils find fie 
arm geweſen, und haben genug zu thun gehabt, um fich in den Stand zu 
2: en, fich und ihre Familien zu ernehren; daher fie vergeffen oder nicht im 
tande gemwefen, für Sand zu Kirchen und Schulen fich nur umzuſehen, 
vielweniger zu deren Erbauung Peranftaltungen auf die zukünftige Zeit. 
zu machen. Einige von denen, welche in der Mitte diefes Periodi herein 
gekommen waren, hatten zwar Prediger mitgenommen, oder zufaͤlliger 
ABeife befommen, als Herrn — * Sboer 26, die aber 
VIII. Penſylv. Fortſ zum 













668 Achte gerkaumg? der * aus penhldenen. 





— Sehrer, — a Rech jeivende 
Berdenmeyer, Anoll, —— und. em “erhalten, davon eis 


nige ſchon längft geftorben, andere, wegen der zwiſchen ihnen ſelbſt ob⸗ 


waltenden unnoͤthigen Streitigkeiten, ſich nicht ii Stand eg 


Zion zu Hülfe zu tommen. Sie haben auch aus « | 





Bephülfe zu Kirchen und Schulen erhalten. nn a 


Beym Befchluß dieſes und zu Anfange des folgenden Yerii it 
noch eine häufigere Anzahl von Zeutfchen ins Land gefommen. Diefe: 


haben einige Schulmeifter mitgebracht, oder diejenigen auf und angenoms 


men, fo nach ihnen gefommen, welche denn zuerft ihnen eine Predigt vor» 
gelefen, bald nachher aber fich im Stande zu feyn vermeinet, das Pre⸗ 


digtamt ordentlich zu verwalten‘, und die Sacramente zu adminiftriten; | 


dabey fie fich aber der Jugend gar fhlecht angenommen. Die Proving 


wurde nun ie mehr und mehr bevölckert, tie von Engländern, Schott: 


ändern und Srländern, fo auch von Hochteutſchen Lutherifchen und 
Reformirten. Die von GOttes gangem Wort und unfern Glaubens: 
büchern Abgewichene wuchſen und vermehreten fich Der Anzahl nach von 


Jahr zu Jahr haufig. Eine Menge von Sefinntheiten oder Secten von 


allerley Gattung fanden fi) aus Zeutfchland ein. ' Abentheuerliche 


Männer ftunden hier auf, die neue Parteyen aufrichteten, und Chefs 


davon wurden. Alle folche fuchten, fo viel an ihnen war, unfere arme 
verlaſſene Slaubensbrüder, die noch treu und ftandhaft blieben, gu drücken, 
zu quälen, und über unfere Religion zu fpotten, darinnen fie noch viele‘ 
Nachfolger haben, und Davon viele Erempel angeführet werden koͤnten, 
wenn der Zweck waͤre, eine Kirchen : und Kegerhiftorie von Penfplvanis 
en zu entwerfen. So flund es bis dahin. Keine Gebäude zu gottes⸗ 
dienftlichen Berfamlungen und Schulen waren da, einige wenige hoͤl⸗ 
gerne Hütten hie und da, die nachhero eingingen-oder niederfielen, aus⸗ 
genommen. Das Wort GOltes war damals theuer im Lande, wie 
"die alten Vaͤter ung oft mit Thränen erzehlet haben, und noch erzehlen. 

Im folgenden vierten Periodo, von etwa 1730 biß 1742, ging ed 
bepnahe mie im vorhergehenden. Diejenigen ordentlichen Lutheriſchen, 


die hier waren, und noch dazu Famen, molten mit den herumvagiren- 
haben, wandten fich dahero zu dem 


den Schulmeiftern nichts zu thun 
* Schwediſchen Miniſterio, und — eng A fo 97 





—— — 


N: 


IX. Gemeinſchaftliches Schreiben von drey Predigern 34. 669 


Unterricht als bie Miteheilung der heiligen Sacramente, wozu fel- 
biges fich denn auch willig finden ließ. Allein meil derofelben Amt und 
Sprache ihnen die nöthige Zeit dazu benahm, Die Entfernung der Teut⸗ 
fehen von ihnen zu weit tar, Die Teutfchen ſich auch mehr vermehreten; 
fo wolte auch Diefe ZuftuchF und Huͤlfe nicht hinreichend feyn. Es fin 
gen dahero verfchiedene, befonders aus Philadelphia,. Provideng und 
Neu: Hannover, an, mit mehreem Ernft ſich Diefe Sache angelegen 
feyn gu faffen. Sie wandten fidy zuvoͤrderſt an E. H. den Herrn Hof⸗ 
prediger Ziegenhagen in London und den Herrn D. Francken in Halle, 
- und baten Selbige um der Wunden Ehrifti willen, fich ihrer anzuneh: 
men, und fie mit ordentlichen Predigern zu verfeben. Sie fehrieben 
auch nad) Darmftadt, und baten den Herrn D. Freſenius flehentlich 
um Hülfe und Hirten. Sie ſuchten ein gleiches bey andern an andern 
Drten. : Mittlerweile brachte ein Neulaͤnder einen jungen Studenten, 
mit Namen Schulge, den einige Prediger ordiniret haben follen, mit her: 
ein. Derfelbe bediente Die Gemeine eine kurtze Zeit, und da und wie er 
e8 vorbenannten drey Gemeinen vorgeftellet hatte, fo fandten fie ihn mit 
noch einigen Eollectanten nad) Europa auf ihre eigene Unkoſten, um ih: 
ren Mangel an Predigern und Kirchen unfern Glaubensbruͤdern vorgu- 
legen und etwas zu famlen. Allein wie ſchlecht es ihnen damit ergans 
gen, und wie fie beynahe um alles gefommen wären, wann der theure 
Herr Hofprediger Ziegenhagen, und auch Herr Paſt. Mayer und ans 
dere nicht gemachet hatten, kann manchen nicht unbekannt feyn. Die 
Männer aus obgedachten drey Gemeinen wiederholten ihre vormalige 
Bittſchriften, und baten wie vorhin und um GOttes willen, fie mit 
Lehrern zu verſehen. Sie fehrieben einen Briefnach demiandern.. Die 
Hochwuͤrdigen Väter waren auch mit Ernft darauf bedacht, mie ib» 
rer Bittemöchte gerähret werden. Es ereignete fich aber eine Schwie⸗ 
tigkeit nach der andern, die die Sache ſchwer und den Verzug der Huͤl⸗ 
fe defto langwieriger machte. Keine dazu tüchtige Subjecta wolten fich 
zur Annehmung eines Berufs hieher willig finden laſſen. Keine, oder 
doch gar wenige Eollecten waren in Handen, die Koften zu der fo lan: 
gen Neife eines Predigers zu beftreiten, vielmeniger war etwas vorraͤ⸗ 
thig da zur Unterhaltung deffelben in feinem Amte; und hier konte Fein 
nothdürftiges Salarium aufgebracht werden. Indeſſen fuhren die aus 
Schulmeiftern fich felbR gu Predigern aufgeworfene Herumläufer in ih⸗ 
vom Unweſen fort, trieben Das Predigen und die Austheilung der heil, 
Sacramente als ein Handwerk, zerftreueten Die Gemeinen mehr, als 
sin ©8882 daß 


670 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penſy lvanien. 


daß fie dieſelben hätten ſamlen ſollen, und waren Feine Zierde ſondern 
eine Schande unferm hiefigen Evangelifchen Zion, fo daß die fremden 
Parteyen nur defto mehr geärgert wurden, und ihr Hohngelächter dat: 
über hatten. Wozu denn endlic) auch der Herr Graf von Zinzen⸗ 
dorf Fam, der mit feinem Anhange im Lande ein’groffes Aufſehen mach» 
te, unter dem Namen eines Herrin von Thurnftein Synodos hielt, 
Gemeinen nach feinem Plan formirte, ſich und feine Leute für-ächte Lu: 
theraner ausgab, und felbft als ein Inſpector über alle Evangelifche Ge⸗ 
meinen in Penfylvanien und als Paftor der Gemeine zu Philadelphiaans 

gefehen feyn wolte, mie das alles bereits in Europa befannt genug ift. 
So Fam eine Belle nach der andern über das Schifflein unferer 
Kirche albier, das ohne Ruder, Segel und Schiffgleute dahin getrie= 
ben wurde, und drohete den völligen Untergang deffelben. | 

In dem fünften Periodo, von Anno 1742 bis aufdiefe Zeit 1754, hat 
e8 das Anſehen gewinnen wollen, als wenn GOtt fich der armen gers 
fireueten Schafe aus lauter Gnade annehmen,und die Thraͤnen und Seuf⸗ 
zer der alhier fich befindenden rechtfchaffenen Evangelifchen anſehen und 
erhören wolte. Er fing an, verfchiedene Prediger von Fahr zu Jahr 
hereinzufenden. - Er erweckte unfere theureften Vorgeſetzten in London 
und in Halle, mit Ernft für die Evangelifche Kirche in America , befon: 
ders in Penſylvanien, zu forgen, und rührete und bewegte die Hertzen ei⸗ 
niger milden Wohlthaͤter, aus dem Ihrigen einen Beytrag zu den Reis 
fefoften derfelben zu thun. 

Inm Jahr 1742 im Monat November Fam der aͤlteſte von ung, 
Muͤhlenberg, in Venfylvanien an, nachdem: derſelbe A. 1747: von 
2.5. im Namen der drey Älteften Gemeinen berufen worden war, und 
eine gar befchwerliche und langtvierige Reife zuruͤckgeleget. Ben feiner An⸗ 
Funft zu Philadelphia fand er die Gemeine in Aufferfter Verwirrung, 
fo daß faft Eeine Evangelifche Gemeine mehr da war : wozu der vorge⸗ 
“ Dachte Graf ein grofjes beygefragen. Fünf Wochen vor feiner Landung 
war ein alter Prediger , Valentin Kraft, der im Zweybruͤckiſchen dis 
mittiret worden, hereingekommen. Er gab vor, er wäre vom Hoc) 
fürftl. Confiſtorio zu Darmſtadt hereingeſandt, die. Gemeinen in Ord⸗ 
nung zu bringen. Er wurde von einigen Anfangs mit Freudenthraͤnen 
empfangen. Er fuchte fich mit den fchon hier feyenden herumvagiren- 
den Predigern zu vereinigen , und machte allerhand Einrichtungen, mel: 
che. aber bald wieder zerfielen, da deffen Betrug durch Die Ankunft des 
Mühlenbergs und die mitgebrachten Briefe entdecket worden — In 

eu⸗ 


iches Schreiben vondrey Predigern1y34. 671 


Neuha ——— bie Bein fi) mit einem Herumläufer behol⸗ 
fen. Sb de ovider 1 hatte die Gemeine ein paatmal im Jahr ſich von 
Schwebifhen Minifterio mit GOttes Wort und Sacramenten bes 
ffen, inde "fie mit anderm Gefindel nichts wolte zu fchaffen 
han, "Wk lenberg wurde nun von allen dreyen Gemeinen als ihr or⸗ 
n antlich be ‚ufener und gefandter Lehrer angenommen, nachdem feine mit⸗ 
gebrachte geugniffe und Briefe von dem aͤlteſten Schmedifchen Prediger 
in der Schmwedifchen Kirche zu Philadelphia vor öffentlicher Berfamlung 
unterfuchet "worden waren. Der alte Kraft wich, und fuchte andere 
Gemeinen. Die Zinzendorfiſchen aber ſuchten durch allerhand liſtige 
Erfindungen ‚seinen Eingang ſchwer zu machen; welches alles zu weit⸗ 
läuftig anzuführen ift, und es ohnedem befannt — hier aber um des 
Zufammenhangs willen hat beruͤhret werden müffen. 
1) Sn Philsdelphic pa weder Kirche noch Schule noch Land 
noch Geld zum Kaufen und- Bauen. Die Herren Schweden liefen 
Muͤhlenberg eine Zeitlang waͤhrender Dacang i in ihrer Kirche predigen. 
Endlich wurden die Aelteſten genoͤthiget, auf die Erbauung einer eiges 
nen Kirche zu denken. Sie hatten in der Caſſe etwa 40 Rthlr. nad) 
Teutſchem Gelde Sie wagten es auf GOtt / kauften ein Stůckchen Land 
in der —— — 640 Rthle. und fingen an su bauen. Der Grunds 
ſtein dazu wurde, in Frühjahr 1743 gelegt, und im Monat Auguft 1748 
die Kirche eingeweihet. Die von Hochwuͤrdigen Vätern gefamlete 
Liebesgaben wurden ihnen-zur Beyhuͤlfe gefandt. Die Glieder der Ge= 
meine gaben aus ihrer Armuth Dazu, was fie Eonten. Wir waren mif 
den Aelteſten genötbiget, verfchiedene Eapitalien auf Intereſſe zu I ng 
ren, um die Bauleute zu bezahlen. ; Die Kirche, ob fie gleich nur Hein, 
ſchlecht und recht iſt, hat doch auf 8000. Rthlr gekoftet, und da in den 
verfloſſenen Jahren nur ein tweniges Davon hat abgetragen werden koͤn⸗ 
nen, fo haben wir die jährlichen Sjntereffen nebft andern Bau-Unkoften 
mit etwa 300 Rehlen. durch den Beytrag aus der Gemeine beftreiten 
wuͤſſen, dabey das Capital noch auf ung zween ältefien Nedigern und 
re als eine: ſchwere Laſt liegen bleibet. 
An ein Schulgebaͤude hat weder zu Anfang noch ießo, der Armuth 
und Schulden wegen, gedacht werden koͤnnen, obſchon die Jugend in 
dieſer Gemeine ſich ſo vermehret hat, daß man bey hundert Kinder una 
ter: gehn Jahren i in.der Schule zu informiren hat, welche in der Kirche 
und im gemierheten —— mit uͤberaus groſſ er Beſchwann ge⸗ 
ig "werden muß. 


——— 2) In 
















672 Achte Sortfegung der Krachricht aus Penſylvanien. 


2) In Provideng fand Mühlenberg weder Kirche noch Schule, 
prebigte Dahero und hielt den öffentlichen Gottesdienſt imeiner Scheune. 
Hier fingen fie auch an eine Kirche auf einem gekauften Plägchen zu 
bauen, mozu der Grundflein A. 1743 geleget twurde, und deren Einwei⸗ 
hung im Herbſt ı745°gefhahe. Die von den Hochwuͤrdigen Vorges 
fegten eingefandte Liebesgaben, fo viel Davon zu ihrem Theil Bam, wur⸗ 
den dazu angewandt. Die Gemeine trug aud) das Shrige nach Vers 
mögen bey, und dag übrige wurde verintereffiret. Ein Pfarrhaus su 
bauen war fie nicht im Stande. / A J 

3) In Neuhannover war eine hoͤltzerne Kirche, fo noch ſtehet, 
nun aber ſehr baufaͤllig wird. Die ihnen zukommende Wohlthaten aus 
Europa wurden zur Erbauung eines Schulhauſes angewandt. 
Dieſe drey aͤlteſten Gemeinen wurden iede um den Dritten Sonn⸗ 
tag von Muͤhlenberg allein mit GOttes Wort und Sacramenten be⸗ 
dienet bis in den Januar. 1745, dabey die langen Reifen zwiſchen dieſen 
drey Dertern in Hige und Froſt die Führung feines Amts überaus 
ſchwer machten; anderer Schwierigkeiten nicht zu gebencfen. Dahero 
wurden die Zochwürdigen Vorgefegten von ihm demüthigft und ofe 

ebeten, noch einen Prediger und mehrere Gehülfen herein zu fenden. 
anun andere Gemeinen, die wie Schafe ohne Hirten bishero gewe⸗ 
fen, den guten Anfang, die Ehriftlichen Einrichtungen und Eifer der Zus 
hörer in dieſen drey Gemeinen fahen, kamen fie bald von Norden, bald 
von Welten, bald von Süden, und baten Mühlenberg um GOttes 
willen, doch auch zu ihnen zu Eommen, und fie mit GOttes Wort zu 
meiden. So viel an ihm mar, reiſete er in den Werckeltagen unter vies 
(ev Laft und Hige zu ihnen hin und her, und erfüllete ihr erlangen, 
wodurch ihre Begierde noch mehr wuchs, felbften eigene Prediger zu 


aben. 
i Mittlerweile und ehe der neue Prediger und die Gehülfen kamen, 
arrivirte einer, M. Tobias Wagner, zu Philadelphia, der, nachdem er 
im Würtembersifchen fein Amt niedergeleget, und die Eolonie, mit 
welcher. er nach Neu: England gereifet war, verlaffen, 'hier Gemeinen 
fuchte. Mühlenberg reeommandirte ihn, wo er konte, und einige von 
der Gemeine zu Tulpehoten nahmen ihn auf eine Zeitlang an. Ferner 
langte gu felbiger Zeit ein im Zweybruͤckiſchen abgefegter Prediger, Con⸗ 
rad Andres, in Penfploanien an.  Diefer-fuchte hie und da einen 
Dienft, weil Mühlenberg ſich nicht mit ihm einlaffen Eonte. Er überres 
dete die Gemeine zu Alt⸗ und Neu⸗Goſchehopen und Indienfteld, * 
| au 


/ 


E epenſheldichea She von drey Prodigern 1754. 673 


anzunehmen, fo auch sum groffen Seelenfchaden derfel- 
ion.er mit feinem ärgerlichen Wandel die Gemeine ger: 
| —** Jahr ſeiner gantz los geworden, und er 
Elende aus der Zeit in die Ewigkeit gehen muͤſſen. 
fuhr indeſſen fort, ſeine drey Gemeinen und andere ver⸗ 
t dem Worte GOttes zu bearbeiten. In einer ieglichen oͤf⸗ 
n Verſamlung ſpuͤrete man die Kraft des Wortes GOites an. 
srern.. Freuden⸗: und Trauerthraͤnen wurden vergoſſen. 
Bir Eltern (amt ihren gantzen Häufern liefen fich taufen. Manche: 
- Alte wurden unterrichtet, und zum heiligen Abendmahl gelaffen, und es 
war eine nicht geringe Bewegung unter den Evangelifchen hier im Lan⸗ 
De; welches aus den gedruckten Nachrichten bereits bekannt ift, hier aber 
um der. Eonnerion willen nur mit zwey Worten —— Be re 
Die Gemeine zu Germantown Fam auch herbey, nachdem fie: 
den angenommenen Kraft mieder abgeſchaffet hatte, und bat, ſie 
in die Gemeinſchaft aufzunehmen. Sie wurde auch an einem Wer⸗ 











ckeltage bedienet, bis A. 1745 im Monat Januar. da der Prediger: 


Brunnbolg und die Eatecheten Rurg und Schaum aus Europa von: 
den Zochwärdigen Vor —— herein geſandt, anlangten. Dem 
angekommenen Vrediger urde Philadelphia und Germantown zu ſei⸗ 
nem Weinberge angewieſen, Providentz und Neuhannover aber verſahe 
Muͤhlenberg, doch alles in der genaueſten Verbindung und mit oftma⸗ 
- iger Abwechfelung. Schaum hielt die Schule su Philadelphia, und 
Kurtz die zu Neuhannover; beyde aſſiſtirten auch im Predigen. 
Zu dieſer Zeit meldeten fich Die Gemeinen auf Raritan, nemlich 
zu Ra hawan an Gebirge, auf Leslie⸗ Sand und. am Suchfenberg, in; 
der Proving Yerſey, und baten flehentlich um Hülfe. Und nachdem 
fie von ihrem bisherigen untüchtig gewordenen Prediger, M. Wolf, 
nad) einem zwoͤlfjaͤhrigen betrübten Streit losgefprochen worden, und 
derfelbe feine Bocation für eine gewiſſe Summe Geldes aufgegeben hats 
te, nahm man fie in Die Pflege, fo viel es fich zu der Zeit thun laſſen 
molte. Die zahlreiche Gemeine in der neuen Stadt Kancafter, da 
ihr neulich von Schweden erhaltener Lehrer, Nyberg, feinen Herrn⸗ 
hyutiſchen Sinn deutlich offenbarete, rief ung zu Hülfe, und bat 
ung unabläffig, fich ihrer anzunehmen, damit fie nicht um ihre Kirche: 
Fame Wir thaten folches, und da gedachter Nyberg völlig zu diefer 
Secte uͤbertrat, und deswegen von dem Hochwuͤrdigen Oberconfiftorio 
iu an im Schweden untüchtig zum Evangelifchen Predigtamt * 


⸗ 






674 Achte Sörtfegung der Nachricht aus Penfploanien 
ward: ſo baten fie ung inſtaͤndigſt, dann und wann ihnen zu predige 
welches/ "des gar weiten Weges ungeachtet, auch gefhahe, bis fie 


Monat April 1746 nebft der Gemeine zusE einen —— 


ruf an unfere Zochwürdige Väter für einen Predi ev ung zuftellet 
da ſie denn in unfere nähere Pflege aufgenommen wurden. Um dieſe 
Zeit that Mühlenberg, nad) vorhergegangener fchriftlichen: oftmaligen: 











und mündlichen Bitte, eine Reife über den Fluß Sufquehana ‚7 
te bey der Gemeine zu Nord an der Cathores, zwantzig Englifche 


fen von Lancaſter, und bey der Gemeine zu Canawakes, viele 


/ und bey der Geme ‚ viele Meilen: 
weiter hinauf. Zu gleicher Zeit verfügte er fich nach MTaryland, und. 


brachte die Gemeine daſelbſt in und bey der Stadt Sriedrichstown in 

einige Ordnung, als woſelbſt die Zingendörfer auch Eingang gefun⸗ 
den, und Zwieſpalt angerichtet hatten. Unterdeſſen wurden feine Gemei-⸗ 
nie und andere Nebengemeinen hier im Lande von Brunnhols und den. 
Entecheten hinlaͤnglich abgewaretee. 

Die Gemeinen zu Tulpehoken und in der Gegend da herum wa⸗ 

ren ehedem durch einen langwierigen unchriſtlichen Streit eines Mans 

nes, mit Namen Leibeker, der das Predigtamt eigenmächtig auf ſich 
genommen, mit einem damals jungen Lehrer, defien Namen wir hier 
nicht melden wollen, jammerlich verwirret und zerzweyet worden. Eis, 
nige alte Gemeinsglieder, die aus dem Neuyorckiſchen herüber gezogen: 


waren, und durch Lefung der Predigten des fel. Profeffor Srandens 


zu Halle in Sachſen gerühret worden, darunter Here Conrad Weiſer 
Esqu. einer wit war, hatten längftens nad) einem Prediger von Halle. 
gefeufzet und verlanget, wie felbige ung mehr als einmal mit Wehmuth 
erzehlet haben. Der Graf Zinzendorf Fam nun aud) dazu, und vers 


fprach ihnen heiliglich, einen Prediger aus Halle zu verfchaffen, feste 


aber feine Ereaturen dahin, und vermehrete dadurch die Confufion in 
Zulpehofen, und nahm ihnen eine von ihren Kirchen meg. Des obbes 


nannten M. Wagners Partey Eonte mit dieſem wegen des Salariinicht 


einig werden, und. ließ ihn gehen," da fie. ihn auch nur quafiiad inte 
rim angenommen. Dieſe Parteyen bezeugten ihren gefaßten Entſchluß, 
ſich mit ung zu vereinigen, mo fie miteinem ordentlichen Prediger von den 
Hochwuͤrdigen Vorgefegten verfehen werden Eönten. Wir nahmen 
fie dabero in unfere Vorſorge bis auf weiter. Wir thaten nun, fo 
viel wir nach der aufen. Hand GOttes über ung thun fonten. Wir 


reifeten faft befländig inden Wochentagen von einem Orte zumandern, 


wobey iedoch unſere eigentliche Gemeinen nicht perfänmermorden. Eine 


Gemei⸗ 


IX. Gemeinfehaftliches Schreiben vondrey Predigernıy54. 675. 


Gemeine zu Saccum;, ohngefähr so Meilen. von Philadelphia, wozu 
hernad) die von Tohicon, die an der Forcks von Delaware, Uppermile 
fort und Saccona Famen, begaben fich in unfere Gemeinfchaft, und 
wurden zu der Zeit von dem Eatecheten Heren Kurs und von Mühlens 
berg alle feche Wochen bedienet. Die Gemeine zu Cohenzi in der Yer⸗ 
fen verlangten ebenfalls Hülfe und die Austheilung des Abendmahlg; 
Weil fie aber ihre fündliche Lufifpiele und Unordnungen durchaus nicht 
abſchaffen wolten, ließ man fie vor einer Zeitlang gehen , da andere Leh⸗ 
rer fich ihrer angunehmen Fein Bedenden trugen. Wir hatten nun 
mehr Arbeit, als wir beftreiten Eonten, waren aber doch willig, alleszu 
thun, mas ung nur irgends mögli war. Der Herr Helfer und- 
Catechet Rurg wurde von Haltung der Schule in Neubannover ge: 
nommen, und feine Stelle mit einem geſchickten jungen Schulmeifter 
Loͤſer beſetzt. Er bediente die Gemeine zu Raritan, zu Lancafter und 
zu Sulpehofen, und mo es am nöthigften war , wechſelsweiſe, mit Ernff 
und Zreue, und nach) der Gnade und Gabe, die GOtt ihm zu der Zeit 
darreichte. Er reifete von einem Orte zum andern Durch gar weite und 
ſchlimme Wege in Hige und Froft, und verfahe nicht ohne Segen die 
ihm angewieſene Plaͤtze. Dieſe Gemeinen wurden von ung zween aͤlte⸗ 
ften Predigern zu Zeiten mit dem Sacrament des Abendmahls verfeben, 
Sie ſamleten fich) zu Haufe, das Wort GOttes zu hören, mit groſſem 
Berlangen und Aufmerckfamkeit, zu unferer nicht geringen Verwun⸗ 
derung und Anbetung deffen, der die Berjagten aus Iſrael zuſammen 
zu beingenwmäiß. ; —— | ; 
‚Mittlerweile fchrieben wir demuͤthigſt an unfere theure Vorges 
ſetzte, fteliten ihnen den Mangel an mehrern Arbeitern vor, gaben Nach: 
richt von dem, was wir bishero gethan hatten, und baten gehorſamſt 
um noch) zween Prediger und um deren-Sendung, fo bald ale möglidy. - 
Unfere Väter und Vorgeferste wandten allen nur möglichen Fleiß an, 
ſolche aufzufuchen. Einige milde Wohlthaten floffen zu, und fie fand: 
ten den Paſtorem Sandſchuh, der nach einer gar langtoierigen, gefährs 
lichen und höchfibefchwerlichen Reife im Frühjahr 1748 zu Philadelphia 
anlangete; wodurch wir fehr erfreuet wurden, und GOtt oͤffentlich 
hochpreifeten. Nun mar unfer Eleines Minifterium ein wenig vermeh⸗ 
ret. Wir funden nöthig, zur Einigkeit in den Ceremonien beym oͤf⸗ 
fentlichen Gottesdienft eine Eurggefaffte Agenda oder Rirchenords 
nung bis auf weiter aufzuſetzen. Wir richteten ung nach den Umſtaͤn⸗ 
den unferer Gemeinen, die aus manchen Gegenden Teutſchlandes ges 
| t 


VIII.Penſylv. Sorte Tttt kom⸗ 


676 Achte Sorfsong der wacheicht aus Penfsloanien. 


=. lommen waren. Wir legten bie gedruckte Kirchen: Agenda der Evans 
| Bi liſch⸗ Zeutfchen Gemeine zu Savoy in London zum Grunde/ weilen 
* t feine andere zur Hand hatten. 3 

| Auf fehnliches Verlangen der Gemeine zu ———— wurde 

Zandfbub mit feiner Bewilligung dahin überlaffen. Er trat im Mo⸗ 

nat Maͤy 1748 feinen Dienft dafelbft an, und bearbeiteie fie mit dem 
Worte GOttes. Herr Eatechet Schaum wurde nach VYorck an der 
Eathores zur PBerfündigung des Wortes GOttes von Philadelphia ge 
fande. Er beforgte Diefe und die herumliegende Gegenden mit er 
Amte, und die Austheilung der heiligen Sacramente verwaltete Hands 
ſchuh dann und mann. Am Auguft diefes Jahrs wurde Her Rurg 
bey der Einweihung der Kirche zu Philadelphia von dem fel. Schwedi⸗ 
fehen Probſt Herren Sandin und vier Predigern ordiniret, und für die 
Gemeinen auf Tulpehoken beſtimmt. Wir richteten in unfern vereis 
nigten Gemeinen ein Aelteflen- Amt von zwölf angefeffenen Männern, 
und ein Borfteber: Amt von vier Männern auf, welche das Aeuffere 
beym Kirchenbau beobachten, und auf die Anrichtung und Erhaltung 
guter Zucht und Ordnung im Aeuſſern fehen folten. Wir befchloffen, 
jährlich einen General: Synodum an den Hauptplägen zu halten, um 


das Beſte der gefamten Gemeinen mit den Deputirten Aelteften zu übers 


legen und zu befördern. Dieſe General Berfamlung wurde zum erften 
mal 1738 zu Philadelphia, 1749 zu Lancafter, 1750 zu Provideng, 1751 zu 
Philadelphia ‚ı752 zu Germantomn, 1753 zu Tulpehofen und in diefem 
175aſten Jahre zu Neuhannover gehalten. Die Gemeinen auf Rari⸗ 
- tan multen, weil wir an Handſchuh nur Einen Prediger bekommen, 
bis auf weiter mit vieler Mühfeligkeit von ung alternative bedienet wer: 
den Da nachhero ein Candidatus Theologid, Weygand, aus dem 
Hanauifchen gebürtig, mit einem Transport Zeutfcher Leute herein zu 
Fommen beredet worden war, und ein Derlangen bezeugte, fich von 
uns am Werk des HErrn gebrauchen zu laffen; fo wurde Derfelbe, nach 
geſchehener hinlaͤnglichen Prüfung, nach Raritan zur Probe geſandt. 
Der Bau an der Germantoroner: Kirche murde dermeilen unter 
mancher fauren Laſt und Sorge und unter der Aufficht des Paſt Brunn: 


ho!sens fortgefeßer, und die Gemeine wurde mit einer Beyhülfe von 


300 St von dem Hochfürftl. Confiftorio zu Stuttgard fehr erfreuet. Im 
Jahr ı749 erlangte Herr Catechet Scheum auf dem Lancaſtriſchen 


Synodo die Ordination und feinen ordentlichen Beruf ins Predigtamt 


nach) Rorck, wo er vorhero als Eatechet ———— Ein geſchicter jun⸗ 
ger 





IX. Gemeinſchaftliches Schreiben von drey Predigern ry54. 677. . 


wurde von ung aufgenommen, in Muͤhlenbergs Behauſung zum Vor⸗ 
trag des Worts weiter unterrichtet und praͤpariret, und ſodann als Ca⸗ 
techet nach Saccum und uͤbrigen dortigen Gemeinlein zur Probe beſtel⸗ 
let. Im Herbſt dieſes 1749ſten Jahres kam ein Studioſus Theolo⸗ 
giaͤ aus Jena, von Geburt ein Siebenbirger, mit Namen Rauß, auch 
nach GOttes Vorſehung herein, und verblieb eine Zeitlang bey Brunn⸗ 
holtzen, wo er weiter gepruͤfet werden und ſich mehr in Studiis umſe⸗ 
hen konte. Ao⸗1750 im December wurde die neue Kirche auf Raritan 
eingemweihet, und Herr Weygand zu ihrem Prediger von fünf Predis 
gern ordiniret. Da wir aber noch mehrere Beyhülfe in den heranwach⸗ 
fenden und fich vermehrenden Gemeinen nöthig haften, baten wir unfere 
Hochwuͤrdige Vorgeſetzte um noch einige Collaboratores. Mit vie: 
ler Muͤhe muͤſten ſie geſucht, und mit vielen Unkoſten herein geſandt 
werden. Wir wurden durch die Ankunft derſelben, nemlich des Herrn 
Heinzelmanns und Herrn Schultze, den iſten Dec. 1751 hoch erfreuet. 
Erſterer wurde in Philadelphia und letzterer in den Landgemeinen zu ar⸗ 
beiten angewieſen, der nun in Neu⸗Goſchehoppen und Indienfield 
Prediger ift, gleichwie Herr Heinzelmann zur zweyten Predigerftelle in 
der Stadtgemeine zu Philadelphia vociret worden. Und da die Gemei- 
ne zu Sancafter, befonders und eigentlich aber einige Widerfpenflige, 
dem Handſchuh die Führungdes Amtes unerträglich und fruchtlos mach⸗ 
ten, er auch nur die Gemeine zur Probe angenommen, wurde er 1751 
im Sommer von da nad) Germantown vom Minifterio und der Gemeis 
- ne berufen, als welche von Philadelphia aus nicht füglich mehr bedienet 
werden konte. Diefe Lancafteifche Gemeine, welche ung viele Sorge 
und Mühe viele Jahre her verurfachet hatte, wandte fih nun nad) Stutts 
gard. Das Hochfürftliche Confiftorium gemährte ihnen ihre Bitte, 
und fandte einen Lehrer, mit Namen M. GeroE, der aber erft im Win⸗ 
ter ızssanlangfe. Siebehalfen ſich indeffen mit allerhand herumlaufenden 
Predigern, und machen ihrem iegigen ordentlichen Prediger, Hrn. Gerok, 
das Leben ſauer genug. Im Herbft 1752 wurden Herr Schrend für Sac⸗ 
cum und Herr Bauß für Alt-Sofchehoppen und Tohicon, nach vorher: 
gegangenem Eramine, in der Providenger Kirche von dem Miniſterio 
prdiniret. Im Jahr 1750 wandte fich Die. alte Evangelifche Gemeine zu 
Neupyorck in der Proving felbigen Namens, nachdem fie ihres Predi- 
gers verfchiedener Urfachen wegen losgeworden, zu Mihlenberg, und 
oeirten ihn zu ihrem ordentlichen Rue vo auch bey. den. Hoch⸗ 
SR ' | Tttt2 wuͤr⸗ 





u 


— 


ns Schrenck, der aus Lüneburg hereingekommen, 


68 Achte Sortfegung der Nechricht aus Penſylvanien. Al 


würdigen Vorgefesten um ihn an. Er reifete 1751'und 1752 iedesmal 
gegen den Sommer dahin, und predigte ihnen in Hocdy:und Nieders 
teutfcher auch Englifcher Sprache eine geraume Zeit, welches auch auf 
Hackinſack im Derfeyifchen gefchahe, und feine Gemeine verfahen der⸗ 
weilen feine Amtsbrüder. Als Mübhlenberg aber von Penfylvanien vies 
ler Urfachen wegen nicht Eommen, nod) ihnen überlaffen werden konte, fo 
erhielt Herr Weygand den Beruf nad) Neuyore und Hackinſack, wel⸗ 
ches Amt er denn auch) 1753 angetreten. Ihm fuccedirte Herr Schrend 
auf Raritan, und in des Heren Schrenckens Pla zu Saccum iſt ein 
Candidatus aus dem Hannöverfchen, Namens Sriedrichs, von uns 
zur Probe gefeget worden. Nach Kriedrichstown an der Mana: 
Tis in Maryland ift ein ordentlicher Prediger, Namens Hauſihl, ans 
gefommen und angenommen worden, der mit einer Colonie Teutſchen 
nad) Schottland hat gehen wollen, und in Holand ordiniret worden. 
Er flehet mit ung in brüderliher Einigkeit. In der neuen Stadt Rea⸗ 
Ding (nicht auf Raritan) in der Graffchaft Berks, 56 Meilen von 
Philadelphia, melche uns oft um Hülfe angefprochen, von ung aber 
nicht hat bedienet werden Fönnen, teil wir ung in Die Streitigkeiten 
mit dem M. Wagner nicht einlaffen wollen, (den die Gemeine dafelbfl, 
ob er gleich bey ihnen wohnet, nicht zu ihrem Prediger hat haben wol 
len,) fiehet dermalen ein Candidatus Theologiaͤ, mit Namen Schuma⸗ 
er, und prediget das Wort GOttes, und verlanget in unferer Vers 
'einigüng zu fliehen. Er war von Neufchottland Diefes Frühjahr heruͤ⸗ 
ber gekommen. Ein alter Magifter aus dem Würtembergifchen, der 
aus gewiſſen Urfachen mit feiner Familie vor anderthalb Fahren hereins 
'gegogen, bedienet die Gemeinen zu Heidelberg an ben blauen Bergen, 
zu IBeiffenburg, am Jordan und Macunsky, und flehet mit ung in 
einiger Verbindung. Die Gemeine zu Tohensi in der Yerfey und ein 
Silial zu Piles Grove daſelbſt ift von ung von Philadelphia aus feit 1748 
jaͤhrlich bedienet worden, und hat einen Schulmeiſter zum Vorleſen 
beym oͤffentlichen Gottesdienſt. Ein Gemeinlein aus alten Niederteut· 
ſchen an der Neſchameny wird des Sommers alle ſechs Wochen in Hol⸗ 
laͤndiſcher und Engliſcher Sprache von Muͤhlenberg bedienet; andere 
Gemeinlein und Filiale, die nur dann und wann beſucht werden koͤn⸗ 
nen, geben wir mit Stillfchmweigen vorby. 7. 
Die Gemeinen allenthalben in der Provintz haben fich von Jahe gu 
Jahr Durch die jährliche Herüberkunft fo vieler taufend Teutſchen gar fehr 
sermehret, und die heranwachſende Jugend wird ie länger, —— 
Be 





genmere? iſt vornehmlich ‚mit. auf die Unterrichtung der jugend durch 
öffentliche Eatechifationen gegangen. Wir haben mit Wiſſen und WBil: 


iſt, erhellet,, ‚mie es ung big hieher ergangen, 

| Man folte nun wol meinen, 08 ftünde die Evangelifche Kirche in 
dieſem Welttheile in einem blühenden Zuflande, und die rechte und ächte 
Fruͤchte einer ungeheuchelten Hottesfurcht würden bad zum Vorſchein 
‚kommen‘, und zur Ehre des Weltheilandes reif werden... Wir verach- 
ten auch nicht den geringen Anfang. Wir befennen GOtt zum Preike, 
"Daß er aus unverdienter Huld und durch die Zochwärdigen Väter 
und Vorgefegte in Europa ein Groffes an ung gethan , daß er ung 
ſchwache Knechte im Bande der Amtsbrüderlichen Einigkeit zum Troſt 
und Aufmunterung unter einander bishieher erhalten, da uns. fonft der 
Seelenfeind Teicht hätte zerreiffen oder fchleudern Eönnen, und fo die 
Schafe zerfiveuen. Es hat ihm aber nicht gelingen wollen. Dem 
allen ohnerachtet müffen wir aufrichtig bekennen ; mir flehen noch wie 
unten am Berge , wir find noch wie unfruchtbare Bäume ; Die une 
‚sehligen Hinderniffe von innen und auffen, Kleinmuͤthigkeit, Verzagt⸗ 
"heit, Zucht wegen des Zufünftigen und allerhand Gemüthsumftände 
‘wollen ung ‚ oder einige von ung, ie zuweilen übermältigen. ‚Satan 
inner anf anerhand Raͤncke, wie er uͤns ſichte, verſtoͤre und Eräncke, 

| | Stttg uUnſere 


- 


Achte Sertfeiung der Nachricht ans Penfploanien. · 


Unfere Bekuͤmmerniſſe gehen zuzeiten ung durch S ) r 
nige von uns werden alt, matt und flumpf; 
Fräncflicher und unbrauchbarer. Die vielen ausgeſ 











und Reifen zu Pferde unter den weitvon Pen Bien ‚meinen, a 


bey Tage und Nacht, im Schnee und Froſt des Winters, ı und in unets 
täglicher Hitze im Sommer, Fönnen einen genug auemergeln und fleif 


machen, wenn man auch der Staͤrckſte wäre. Der Mangel an einem 


nothdürftigen Austommen und Unterhaltung druͤcket auch das Gemuͤthe 


fehr nieder. Viele in unfern Gemeinen fpeifen und mit ftolgen Worten - 


ab, und fehen es als eine groffe Gnade an, wenn fie aus: ihrem Ueber⸗ 
fluß ung ein weniges mittheilen. Unter gehen Familien findet ſich in 


manchen Gemeinen Faum eine oder zwo, die Das, tag fie jährlich zum Uns 


terhalt Mey eg —— —* —* —* * Ka * 


BEN 


bleiben. mit ihren Familien von Bude Inh el weg damit ſie, wie 


fie van kon, dem. He nie, geben ae R * —* 





nähe, und fiche gerne * — — 

Dieſes Hochwuͤrdige Väter, als ww. die. alles m ie be 
kaͤnnt iſt, führen wir nicht eigentlich aus Ungeduld und Murren an, 
fondern nur in der Abficht, den Elaren und wahren Zuſtand, worein 
wir uns hier im Aeuſſern gefegt fehen müffen, vor den Augen und Hers 
gen aller Kinder und Knechte GOttes in unferer Mutterkirche in Euro: 


pa zur Ueberlegung und Nachdenken auszubreiten und vorzuftelen, 


ob etwa einige fich sum Mitleiden bringen laſſen, und auf Mittel und 
Wege 


IX. Gemeinfehaftliches Schreiben von drey Predigern ryza. 681 


Wege bedacht ſeyn möchten , wie unferer Noth abgeholfen werden 
Was uns vereinigten Predigern ferner die Führung unfers Am⸗ 
gar fauer und ſeufzend machet, ift dieſes: — en 
1) ER befinden fich durchgehende. in einer ieglichen Gemeine ein 
er ein paar Mann, die begütert find ‚und zur Erbauung und Er⸗ 
"haltung der Kirchen, wo melche find, und etwas zum Unterhalt des 
Predigers geben fönnen. Diefe vermeinen insgemein das Jus Patros 
natus bey der Kirche, wozu fie gehören, in vollkommener und allein® 
ger Macht zu haben. Sie prätendiren, Daß fich der Prediger gang: 
lich nad) ihnen richten müffe. Er foll diejenigen fehr hart beftrafen, 
oder mit dem Bann belegen , welchen folche nicht gut find. Mit des 
nen aber, die in ihrer Gunft ftehen , fol er gar fauberlich verfahren. 
‚Kann und till nun ein Prediger ſolches nicht thun, meil er den faus 
len Grund. ihrer angemafften Herrſchaft fiehet ; fo muß er gemärtig 
ſeyn, daß durch ſolche Männer die gange Gemeine, die dem gröften 











Sheil nach aus Armen beftehet und folchen Reichen nicht widerfprechen 


dürfen, aufgetiegelt und zerfpaltet werde, und zuletzt wird er gar mit 
Gewalt und Lift ausgeftoffen. Und da heifft es: Wir haben Macht 
und Recht allein, was wir fegen, das gilt gemein, wer ift, der 
uns will meiftern, bier in Penfyloanien, da wir freye Leute find? Da 
fuchen und laden fie fich Lehrer auf, nach dem ihnen die Ohren jücken, 
und rechtfchaffene Lehrer müffen mit unausfprechlichem Kummer feben, 
‚daß eine gange Gemeine durch dergleichen Aufmiegler in Die Hande und 
Vorſorge foldyer Bagabunden geliefert werde, die das Heil der armen 
Seelen verwahrlofen, und aus den Boͤſen zwiefache Kinder. der Hölle 
machen ; wodurch denn alle das vorige Gute und gehabte mühfame 
Arbeit verloren gebet.- Se — 
2) Es kommen nun in dieſen Jahren unter den viel taufenden 


Eoloniften viele freche, verkehrte und unruhige Köpfe mit herein, Leute, 


die in Europa weder GOtt noch den weltlichen und geiftlichen Obrig⸗ 
keiten haben Gehorfam leiften wollen, Männer, die mit einem Nach» 
bar haben friedlich wohnen koͤnnen, Leute, die den Müffiggang und 
ein unmäfliges Leben geliebet und geführet, und nur auf Liſt und Rän- 

- Ge dendfen , wie fie hier ohne Arbeit reich) und hochangefehen werden 
- Zönnen. ‘Diefe Art Menfchen , wenn fie kaum mit einem Fuß das 
Land betreten, wollen fid) in Feine Ordnung bringen laffen , lernen 
flugs Die edle Freyheit alhier zum Deofmantel der Bosheit und. 31 
FRE. ei 


632 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penfploanie 1 2 
heit des Steifches gebrauchen, mengen fich unter diejenigen hiefelbft: 


die dem Guten und aller guten Ordnung ſchon vorhin fı ind tarer y j — 
ſtern und ſchimpfen auf ordentliche Lehrer, Gottesdienft und gute Ein⸗ 







richtungen, nennen e8 ein Pabſtthum, ein ſchweres och und unerträge 
liche Bürde, fuchen aus dem lofen Gefindel Rotten gegen ung zu mas 


chen , und dergleichen Sammer mehr zu erregen; wovon nicht wenige 
Erempel angeführet werden koͤnten, da durd) ſolche gottlofe Näadelsfüh: 
ver die Auffere Ruhe und Ordnung , fo man gehabt und aufgerichtet, 
gänglich zerſtoͤret und in ein verwirretes Bubel verwandelt worden. 
3) Hiegu komme noch das Unglück: Wenn die Neuländer, oder 
wie man fie auch zu nennen pfleget, Seelenverfäufer im Herbft viele 
taufend Teutſche jahrfich hereinbringen, fo finden ſich auch verfchiedene 
fo genannte Prediger bey ihnen, die fie mit aufgepact haben. Diefe 
find in Zeutfchland entweder abgefeget worden , oder haben allerhan 
Bubenſtreiche hin und her gefpielet „ oder find niemals im Amte gewe⸗ 
fen, fondern haben als gottlofe Studenten gelebet. Wenn diefe nun. 
hereinfommen , fo werden fie durch liederliche Lutheraner vom Schi: 
losgefauft, und ihre Fracht wird bezahlet. Dafür müffen fie eine 
Zeitlang den Leuten predigen und die Sacramente verwalten, fie moͤ⸗ 
gen nun die Ordines empfangen haben oder nicht. Machhero Friegen 
fie ihren Abfchied , und man Fauft wieder neue. Diefe Landftreicher 
ziehen denn das gange Sand hindurch) , fuchen Brodt , und damit fie 
defto leichter ihren Zweck erreichen, fo gefellen fie fich zu obig benann⸗ 
ten unrubigen Köpfen , fehleichen in den Gemeinen ordentlicher Lehrer 
herum., toiegeln die Zuhörer gegen ihre Kehrer auf, läftern mit einan- 
der, da fie wircklich nichts von wiſſen, fich felbft aber nennen fie reine 
Evangelifche Prediger, und ihre Anhänger follen allein die rechtgläus 
bige Kutberifche feyn. Da mag man wol mit groffer Betrübniß ſa⸗ 
gen: Es ftehet greulich und febeußlich im Lande. Die Prophes 
ten lehren falſch, und die Priefter herrfchen in ihrem Amte, und 
mein Dold hats gerne alfo , wie will es euch zulegt drob ge= 
ben ? Mich jammert hertzlich, daß mein Vold fo verderbet if, 
ich gräme mich , und gehabe mich übel, Iſt denn Eeine Salbe - 
in Gilead? Oder ift kein Arge nicht da? Sfer, 5,30. 31. Cap. 8, 21.22. 


Diefe ietzt angefuͤhrte Stuͤcke, welche den Lauf des Evangelü 
über Die maffen hemmen, Eonten ‚unter GOttes Erbarmung und Ses 
gen am erften ans den Wege geräumer werden, wenn unfere en... 

| | : irche 


IX. Gemeinfebaftlichee Schreibenvon drey Prebigernizgg. iz, 


kirche aus Erbarmen ein Einſehen darein haben, und es dahin veran - 
ſialten wolte und koͤnte, daß denenjenigen Predigern, Die unter. und: 


nad) der Direction und Inſtruction der Hochwuͤrdigen Oberaufſeher 


und Väter. in Europa in Vereinigung ſtehen, etwas jaͤhrlich zu ihrem 


Unterhalt dargereichet werden koͤnte. Man überläffet ſolches lediglich 


| —J—— vaͤterlichen Vorſorge. Indeſſen wuͤrden die Prediger 


ch in den Stand geſetzt werden, dem armen, verſchuldeten und 


unwiſſenden Haufen das. Evangelium umſonſt zu predigen, und ihre 
Jugend in der Zucht und Bermahnung zum HEren zu erziehen. Sie 


koͤnten dadurch den herumlaufenden Landftreichenden fo genannten Pre⸗ 


digern, als welchen es nur bloß um die Wolle der Schafe zu thun iſt, 


— 


die Gelegenheiten abſchneiden, Trennungen zu machen. Und wer una 
ter den Gemeinen fi) nicht gefalken laſſen wolte, unter guter Zucht 


und Ordnung zu ſtehen, möchte zu feines Gleichen laufen, bis er zus 
rück Eehrete. Der unfruchtbare Feigenbaum würde das Land nicht hins 


‚dern , und es würden fich andere finden, die fich im Gehorfam der 
Wahrheit der Wohlthaten würdig mashtem | 


Was und: nocy ferner bis hieher in unferm Amte zum Theil wie 


“ eine gar ſchwere Laft und Bürde niedergedrücket hat , beftehet im 


Folgenden: - er 
1) Wir haben in verfchiedenen Gemeinen Plage gefauft, und 


| Kitchen darauf zu bauen angefangen oder wircklich gebauet. Das 


Bauen hier gu Lande befonders ift eine überaus ſchwere und Foftbare 
Sache. In den Gemeinen find die meiften arm, verfchuldet und 
kaum im Stande, ihr eigen Brodt zu verdienen. In einer Gemeine 
mögen mol dreyhundert Seelen feyn , Darunter etwa funfzehn Mann 
zum Bauen etwas geben Eönnen. Won den Dienfiboten kann mar 
nichts erwarten. Will man Geld dazu haben , ſo muß man Eapitas 
lien aufnehmen, fie jährlich. verintereffiren „und Leib und Gut dafür, 
zum Pfande ſetzen. Eine Gemeine fann der andern nicht mit Collecten 
helfen, weil fie alle in Kirchenfchulden ſtecken. Werden die geliehene 


Caopitalien aufaefündiget , und die Bezahlung kann nicht aufgebracht 


werden ; fo müffen die unterfchtiebene Debitores ins Schuldgefäng: 
niß wandern. Da muß der. Prediger, auf dem die Laft am meiften lie⸗ 


get gewißlich Das Klagelied in diefer Abficht anſtimmen, was ſonſt in 


einer andern Abſicht in. dem Lieder Meinem lieben GOtt ergeb ich, - 
mich 2c. 9.6. flehet: O wie iſt das: fo [hwere Pein, nichts ha⸗ 
VI. Penſylv. Sortf. Uuun ben 


684 Achte Hortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien. 


ben und viel ſchuldig ſeyn und da auch gar kein Hoffnung iſt, 
daß man mög zahlen eine Friſt! Wenn ung auch darinnen von uns 
fern werthen Blaubensgenoffen in Europa nicht beygeftanden wird ; fo 


müffen wir unter der Laſt niederfincken und untergehen , und. das ans . 


gefangene Werck wird zulegt zu nichts. Wir erlangen feine ftattliche 
Gebaͤude, wir molten zu frieden ſeyn, wenn wir auch in Scheunen 
Gottesdienft halten müften , wie bishero an vielen Plägen geſchehen 
und voch geſchiehet, wenn wir nur erſt aus den Schulden , worinnen 
wir bereits ſtecken, in etwas heraus waͤren, und wenn uns nur in der 
Haurtace geholfen werden moͤchte. 


2) Un ſehr vielen Orten fehlet es nicht nur an Haͤuſern, wo man 


das Wort in aͤuſſerlicher Ruhe vor dem Bloͤcken der Schafe, Geſchrey 


der Schweine, Lermen der Kuͤhe und Pferde, und dergleichen unver⸗ 


* 


nuͤnftigen Creaturen, in den an den Scheunen angebaueten Staͤllen pre⸗ 


digen, und die Sacramente austheilen kann; ſondern es fehlet uns noch 
mehr an einigen Gebaͤuden, worin man mit der armen Jugend die Schule 
halten koͤnne. Die Kinder geben herum mie zerſtreuete Laͤmmer, die 
überaus zahlreiche Jugend an manchen Orten wird zu der ‚Zeit. vera 


mahrlofet , wenn fie von den Jahren find, da fie noch nicht. beſtändig 


arbeiten dürfen, fondern zur Schule gehalten werden Eönten , bloß 
aus. Mangel tüchtiger , gefebickter und treuer Schulbedienten, für wel⸗ 
che man feinen Unterhalt und Wohnung haben und aufbauen Fann. 
Und die meiften Prediger Eönnen ſelbſt die Schulen nicht verſehen, 
weil fie mit Reifen nach. ihren meit von einander mohnenden Gemeins⸗ 
‚gliedern in Amtsgefchäfften die meiſte Zeit zubringen müffen. : An Or⸗ 


* 


ten aber, wo es geſchehen kann, geſchichts auch wircklich, wie u Phi⸗ | 


Iadelpbia, Germantown, Zulpebofen, und anderswo. 


3) Da die armen Hochteutfchen fich nunmehro ie länger ie miehe: 
vermehren, und fich faſt in allen Provingen von Nerd- America auebreiten, 
und viele hundert Meilen zurück ins Land und in die Wildniffe ihrer‘ 
Nahrung wegen ziehen muͤſſen, da nicht nur in Pentplvanien, fondern 
auch in Nord Carolina, Voimen; Marpland, Neſey, Neuvorck ꝛc. 
die Seekuͤſten und angre tzenden Gegenden mit Einwohnern angefuͤllet 
find: fo müffen viele taufend ohne Prediger und Bücher dae Elend bauen. 
often nun gern die ditern Prediger, als die des Landes und der Leute 
am beften Fundig find, Diefe arme Verlaſſene befuchen , und zu ihnen 
reifen; fo find fie "enrblöflet pon den noͤthigen Reiſeloſten für 2 


— 


IX. Gemeinfibefliches Schreiben von drey Predigern 154. 685 | 


and Nferde, „Zudem Mai fie Feine: hinlͤngliche Huͤlfe bey ihren Sei 
meinen in ihrer Abm nheit.. Es Eommen.oft Leute von hundert bie - 
zweyhundert Englifche Meilen weit, eine Predigt zu hören und die Sa 
cra nente zu empfangen, und meinen bitterlic, über. den geiftlichen Mans 
gel „den. man doch, obberührter Urfachen halber, nicht zu erſetzen weiß. 


"Sind gleich) manche die in den Gemeinen hie und da Die groffe 
amd unfehägbare Wohlthaf, fo PB. 3. und Die theureften Wohlthäter 
in Europa Durch die hereingeſandte Lehrer und durch die reine Berfüns 
Digung des Wortes GOttes ihnen erwieſen, nicht mit gebührendern 
Danck erkennen, noch fich derfelbigen vecht gebrauchen: fo finden ſich 
Doch auch viele, die Hergen und Hände empor heben, und für die milden 
| Wohlt haͤter zu GOtt beten, und das Wort an ſich kraͤſtig werden laſ⸗ 
fen. Ja mie viele zerſtreuete Schafe auf den Bergen Iſraelis koͤnten 
noch zu dem Hirten und Bifchofe der Schafe gefamlet werden, wenn 
Die dazu erforderliche Anſtalten gemachet wuͤrden! Wie viele Errettete 
würden an jenem Tage eine Freude und Crone ihrer geiſtlichen und leib⸗ 
lichen Wohlthäter werden, zum ewigen Nuhm des groffen Weltheilan⸗ 
des, wenn unfere Mutterkirche in Europa ſich ihrer erbarmen, und zu 
ihret, Errefiung etwas beyzuftagen willig finden laffen ſolte! Und wer 
weiß, was GOtt in den fünftigen Zeiten in diefem legten Theil Der Welt 
bey den Nachkoͤmmlingen diefer iegigen gepflangten und noch zu pflantzen⸗ 
den Kirchen und Gemeinen. vorhaben mag? Kann er nicht hier an der 
Welt Ende nod) recht und verklärt die Sonne der Gnaden durch den 
lieblichen Glantz des Evangelii, zur Freude vieler taufend, aufgehen lafs 
- fen, und ſich in feiner unausfprechlichen herglichen Barmhertzigkeit ver⸗ 
.. Haren und offenbaren? worüber alle Engel und die Seifter der vollfoms 
menen Gerechten mit Schale jauchzen werden. Es wird Freude feyn 
eu Simmel bey den Engeln über Einen re der Buffe thuf, 
u. 15, 7.10. 


Ihr hohe Wohlthaͤter, Oh mitleidige Slaubensgeroffen, Eure 
Mohithaten find nicht, vergebeng, wie wir gunerfichtlich hoffen. _ Kommt 
ung ferner zu Hülfe mit brünftiger Fürbitte und mit milden Händen, eg 
wird Euch im Himmel wohl belohnet werden. Der HErr wirds uf | 
ae Denckzertel fehreiben, für die, fo feinen Namen fürchten. She 

abt gantze Schaaren der Enangeliften nahe um und bey Euch. Euer 
Tiſch wird Euch reichlich und mildiglich Tag für Tag mit den koͤſtlichen 
Speifen des ‚göttlichen orte und 3 Manna des — — 


Int 


686. Achte Gortfegungder LYacheicht aus Penfso * 


es ſeligen GOttes in Euren Kirchen und in Euren Haͤuſern angefuͤllet 
ergeffet nicht, wir bitten demüthigft, vergeflet nicht, was der HErr . 
Gutes an Eud) thut und gethan hat. “Bergeffet aber auch nicht Eurer = 
verlaffenen Brüder und Schweſtern in Ehrifto, der. Schafe und der 
Lämmer, Mangel und Nothdurft,die wir Euch hier nach der Wahrheit 
in-einem kurtzen Abriß vorgeftellet haben. Verachtet uns und unfere 
Alnvertrauete nicht ,.die wir hier unter Berächtern und Secten ohnedem 
fehr vol DBerachtung find. Siebe, wir find Eures Gebeines und 
Eures Sleifches, 2 Sam.s,ı.. Unfere Borfahren haben um die Evans 
geliſche Wahrheit Gut und Muth, Leib und Leben gewaget, folten uns 
fere theureite Glaubensgenoſſen nicht aud) etwas wagen, um diefe tbeure 
Beylage unverfälfcht zu bewahren, und bey andern Ehriften in entleges _ 
nen Welttheilen fortpflangen zu helfen? Wir erftatten hiemit den allets 
verbindlichiten Danck gegen unfere hohe und milde Gönner ab, für 
Das, was Selbige albereits nun in fo vielen Jahren unfern Gemeinen 
alhier in’America ermiefen, da Sie durch Dero milde Benfteuren es fo 
weit gebracht, daß einiger Anfang zur. Fortpflangung des Evan: 
gelin in dieſem Abendlande gemacht werden koͤnnen. Ach der Her - 
fende ung ferner Huͤlſe vom Heiligthum, und flärdfe ung aus Zion! 
2. 6. unfere theurefte Ober Aufſeher, tmollen ung aus väter _ 
licher Liebe nicht verdencken, wenn wir folchergeftalt unfere Bedrängniffe 
vor den Augen und Hergen feiner Knechte und Kinder in Europa vorle⸗ 
gen. Wir merden-dazu von Noth wegen gedrungen.” Wir: vergröß 
fern nicht die Hinderniffe , fondern wir befchreiben unfere Noth fo, mie 
wir fie empfinden und fühlen.  YBir glauben, Daß, wenn Durch unſere 
Hochwuͤrdige Väter unfere Umftande andern Vätern in Ehrifto 
recht bekannt gemacht würden, uns unter dje Arme gegriffen werben. 
- Eönte, und von hohen und liebreichen Wohlthaͤtern eine Huͤlfe zuflieffen _ 
- folte. Haben doch ja die Väter und Vorſteher der Reformirten Kirche 
in Holland, Zeutfchland und in der Schweig ſich unlängft ihre Kirche 
unter den Reformirten alhie mit groffem Ernſt angenommen. Sie has 
ben ſich Durch Die bewegliche Vorftellung, fo Herr Slatter, erfier Res 
formirter Prediger alhie, in Perſon und ſchriftlich gethan, dahin erwe⸗ 
cken taffen, daß unter den Reformirten in Europa eine Eollecte verans- ⸗ 
flaltet, und ein anfehnliches gefamlet worden, welches fie zu einem Eas \ 
pitol geſchlagen, auf Intereſſe in. Europa geleget haben, womit. ihre 
Prediger und Scyulmeifter alhie nach eines ieden Bedürfnig falariret 
werden. Ja da die. in Hollaͤndiſcher Sprache — 7 
elung- 


IX. Bemeinfbaftliches Schreiben von dreyPredigern 1754. 67 


Rellung des Heren Slatters aud) in die Englifche Sprache Durch einen 
Englifchen Prediger in Holland überfeßet worden, hat e8 einen folchen 
Eindruck bey der Englifhen Nation gemacht, daß auch felbften Ihro 
. Königliche Großbritannifche Majeftat und das Hohe Königliche Haus 
eine gröffe Summa zu geben in allerhöchften Gnaden geruhet haben, 
morinnen denn vornehme Herren und Lords mit reichen Beyfteuren nach» 
gefolget find, Welche Gaben denn, die ſich auf zwantzig taufend Pfund 
- Sterling belaufen ſollen, auf Königlichen allerhöchften Befehlin die Hän- - 
de gemiffer hohen Herren und Truftees, die eine Society for propa- 
gating the Knowledge of God among the germans ausmachen , ge⸗ 
- Jeget worden, von deren Intereſſen alhie Sreyfchulen angeleget und gehal- 
ten werden follen unter der Synfpection des. Herrn Pfarrer Slatters. 
Man freuet fich billig darüber, und es wäre höchftunchriftlich, wenn mans 
darum mit feheelen Augen anfehen folte, weil man eigentlidy keinen Genuß 
für unfere Lucherifche Glieder davon erwarten kann. Wir haben ung 
zwar auch ie zumeilen von hier aus an Höchfle und Hohe Häupter, 
‚als Pflege- Ammen der gefamten Evangelifchen Kirche, und. an einige 
freye Reihsftädte in Teutſchland fhriftlich gewandt, und durch Memo- 
riale unfere Nothdürftigkeit allerflehentlichſt vorgeftellet; wir ſind auch 
von Sr. Hochfuͤrſtlichen Durchlaucht zu Darmſtadt mit einer Collecte 
von 63 Pfund Sterling in Gnaden erfreuet worden, fo zum Bau. der 
Philadelphier und Providenger Kirche mit angewandt: allem es fchei- 
net. noch nicht die Zeit gemefen zu ſeyn, da ung hinlaͤnglich geholfen wer⸗ 
den folte. Diele Bitrfehriften find auf der See verloren gegangen, und 
einige , Die vorgefommen feyn mögen , find unbeantwortet geblieben. 
Wir haben dem ohnerachtet Den Muth nicht ſincken laſſen, fondern in 
der Stille forfgearbeitet , und auf die Hülfe des HErrn, der die Herz 
- ken der Hohen lencken Fann mie die Waſſerbaͤche, gewartet. Wir 
wollen auch noch nicht Durch die erbarmende Gnade des Höchften Fleiſch 
für. unfeen Arm halten, und mit unferm-Herken vom HErrn weichen, 
davor ung der Liebe himmlifche Vater in allen Gnaden bewahren wolle. 
Wir haben aber doc) auch) dafür gehalten , daß es ung nicht verdacht 
werden fönne, wenn wir unfere Noth gehörig vorftellen, und E. 2. 
- Plebentlichft bitten, diefelbe nach ihrer wahren Befchaffenheit unferer lie 
ben Murterfirche in Europa befannt zu machen, und ung in unferm Vor⸗ 
haben kraͤftigſt zu affiftiren. 2 “ 

Adh wie gut. habens die mehreften öffentlichen Lehrer in Kirchen 
und Schulen in unferer Mutterkirche in Europa! Sie haben ihre zu⸗ 
— Unun3 laͤng⸗ 


Sn 





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x _ FRSEEN a \e- 
in reiten 
3 J I 2 






nd Nacht, 


Nähe. Da wir im Gegentheil, denen das Loos auf den mericanifhen 


- Nun, ZErr, das iſt meine Freude, daß ich an dir ſtets 


kleb, und niemals von dir ſcheide, fo lang ich leb und ſchweb. 
Amen, das werde wahr, bey uns allen! Der HErr fegne unfere, 


Zohgefhägten Väter immer und emiglich! 


Doh de gnan von obiges (hrifichen Worietung in einer &pnodak, 


> Rerfamlung, öffentlich gehalten den ı6ten, ızten und ıgfen Junü 
1754 in der Evangeliſchen Kirche zu Nenhannover der Grafſchaft Phi 


\ 


— 


„IR, Gemeinfönfihe Schreiben: von Bien Prebigeeniägt, E 


* von und in Geoenwart vierzehn Prediger und deputirten Aelte⸗ 
ſten der vereinigten Evangeliſchen Geweinen vor GOtt fo verabredet, 
| befchloffen und « ——— Sochwuͤrdige Votgeſetzte und durch Dieſel⸗ 
ben der gantzen utterkirche geſandt und vorgelegt zu werden/ von dem 

an n co Peru einhellig, ung auferlegt und committivet worden; ein ſol⸗ 
ches bezeugen unfere eigenhändige Unterfehriften und das gemein ſchaft⸗ 
liche —— der erſten und aͤlteſten Exangeliſchen INN 

NEM le den gen Sul, 1754. ——— 






— 


Seinrich Melchior Daten 


Senior Mi 
„us S 2 Peter Brunnholtz Si 
— Shan Sr — 





| x.  Yubzug ehtes Schreibens: v8 Herrn 
—— — an Herrn Doctor d * een 

aus Provideng, 000°. 

EN vom aten. Derembr. 1755. — 


P Mitbrüder betreffend, ſo verſiehet mein Herr Collega 
t. RS N Paftor Brunnholg noch-fein Amt in hiladelphia, fo weit 
7 26 Sefundheit und Kräfte zulaffen. 2) Herr Paſtor Zeinzel- 
mann liegt ſchon über fünf Wochen hart darnieder, und wie ein gefehiee 
5 tee Englifcher Doctor zu feinem Schtwiegervater, Herrn Weifer, gefagt 
laboriret er an einer toͤdtlichen Kranckheit, weil feine Leber —— F 
ſeyn ſoll. Der Doctor meinet, daß er mol noch eine Zeitlan kraͤnckeln Mn 
aber nicht genefen würde, welches fehr probable if. 3) Herr Paſtor 
Handſchuh konte in Germantown nicht. mehr fubfiftiren, denn der 
- Gehalt wolte kaum zu dein dritten Theil feiner Nothdurft hinreichen. 
Im vergangenen Monat Junio baten mich einige von den Herren Zru⸗ 
fees der neuen Societaͤt, und infonderheit der Provincialfecretair Herr. 
Peters ‚ic möchte mit einem von meinen Herten Amtsbrüdern in Phi⸗ 
adelphia umwecheln und in die Stadt sieben, weil die Truftees von der’ 
Societät Ordre bekommen, eine Teutſche Buͤchdruckeren anzulegen, eine 
eitung, Kalender und andere nußlıche Pen in — Ei En 
a neben 





ur 










l 


690 Achte Sortfegung der Nachricht ans Penſylvanien. 


neben meinem Amte die Sinfpection und Correctur und Salarlım dafür, 
"haben. Ich gab Gründe an, warum id) foldyes nicht annehmen koͤnte, 
‚und ſchlug meinen Amtsbruder, Herrn Handſchuh vor, und proponitte, 
nad) eingezogenem Rath von meinen Brüdern, dem Herrn Secretair, _ 
daß er dem Herrn Handſchuh eine Öelegenheit in der Phitadelphifhen. 
Academie als Profesfor. extraord.-linguag gallicae verſchaffen, und uns 
ter folchem Titul auf zwey Jahr nach Philadelphia berufen möchte; wel⸗ 
ches denn geſchahe. Er nahm es an, und wohnet feit Der Zeit in der 
Stadt, bedienet von dar aus wechſelsweiſe das Häuflein in German: 
town, ſubleviret in Philadelphiain Nothfällen,, wenn die Brüder feine 
Stellein Germantomn vertreten oder kranck find, kommt mir. auch dann 
und wann im Lande zu Hülfe, verfiehet die Correctur, giebt Proviſion in 
die Druckerey, informiret wöchentlich drey Tage in der Academie, und - 
“ bekommt etwa des Jahrs 7o Pfund, bis man fichet, wie es weiter gehen 
wird. 4) Here Rurg hilft ſich durch, ſo gut er kann. Er hat Arbeit . 
‚ und Noth genug achtet aber beydes nicht ſehr, fondern mwünfchete nur 
einen Helfer zu bekommen, weil er viele Nebengemeinen hat... Er weiß 
aber nicht, wie ed nun gehen werde, weil die Sranzöfifchgefinnete Bars 
baren am ısten Nov. dieſes Jahrs ungefähr ſechs oder fieben Englifhe 
Meilen von feiner Wohnung in: Tulpehofen eingefallen, einige Plaͤtze 
weggebrannt, bey funfzehn Perſonen jämmerlich ermordet, die Einwoh⸗ 
ner der gangen Gegend in Die Flucht gejagt, und-alles in Verwirrung 
und Unordnung gebracht haben» 5) Here Weygand ſtehet annoch im, 
guter Harmonie mit: den Niederteutfehen Gemeihen in Neuyorek und 
Hackinſack, und wird mol neben feinem Amte ein Profeflorat an der 
neuen Königlichen Academie, die. neulich in Neuyorck errichtet worden, 
bekommen , toie er berichtet. Er hat.etliche mal im Namen der Gemei⸗ 
nen.an mich. gefehrieben, und begehret, daß ich fie beſuchen ſolte. Weil 
ich aber in Diefem SSahre mit den Nebengemeinen auf Molotton und Nes: 
ſchameny, und fonft mit vieler ungeröhnlichen Arbeit uͤberhaͤufet gewe⸗ 
fen; fo. habe ich die Reife unterlafien, und. bis auf beffere Zeit aufſchieben 
müffen. Wenn ic) einen Helfer und Unterhalt für ihn hätte, ſo wolte 
ich herlich gerne excurfiones machen, und fo viele arme -verlaffene Zus 
theraner 2c. welche bey. taufenden in den Americaniſchen Wuͤſten ohne 
die ordentlichen Gnadenmittel zerſtreuet wohnen, heſuchen; welches oh⸗ 
nedem hoͤchſinoͤthig und billig waͤre, weil die Gerichte GOttes herein bree 
chen, ‚und in dieſem Jahre zum Theil ſchon angefangen, als Mißwachs 
und ein fuͤrchterlicher Krieg mit den unmenſchlichen Barbaren, Ei De 
Ä nfech⸗ 


; x. Xlörn. Paſt. Muͤhlenbergs Schreibe von 1755 unday56., 691 


Anfechtung aufs, Wort mercen lehret. Wenn mic) GOtt bis aufs 
naͤchſte Frühjahr leben und gefund lieſſe, und ic) iemanden fo lange in 

- meinen Gemeinen beftellen Föntes fo wolte ich mit der Hülfe GOttes gern 
unſere Glaubensverwandte in Maryland, Virginia, Nordcarolina, 
Neuyorck und Derfey befuchen, und etliche hundert Meilen herum reifen, 
ob gleich zu Haufe ein Weib und nunmehro ſechs unmündige Kinder zu 
werförgen habe, Es iſt gewiß nicht zu verantworten, wenn man zu die 

> ferZeit. nicht faen folte, da GOtt die fonft müfte gelegenen Aecker durch 
feine sorbereitende Gnade pflügen und zur Saat bereiten laͤſſet. # 


Heinrich Melchior Mühlenberg. 


HA FR Fe AHA AR Are Arch 


XI Auszug eined Schreibens von eben 
demſelben an eben. denfelben, 
ae vom 16ten Febr. 1756. inch 


b ich gleich erſt vor kurtzem, nemlih im Monat December ızsa, 
A mis die Freyheit genommen, ein Schreiben an E. 5. abzulaf: 
KIE) fen; fo erfordert. doc) unfere Pflicht, dieſe Zeilen nachzufenden, 
und mit Wehmuth zu berichten, daß GOtt der HErr, nach feinem allers 

teifeften Rath und Willen, einen nöthigen, nüglicher, gefegneten, und 
unter vielen beliebten Arbeiter, zu feinem Beften und zu unferer Zuͤchtigung 
oder wohlverdienten Strafe, aus unferer Mitte genommen, ich meine 
den Herten Matthias Heinzelmann, welcher ſchon ein paar Jahre her 
verſchiedene Anfale gehabt, bis etwa vor vier Monaten eine Inflamma⸗ 
tion und Geſchwuͤr in feiner Leber verfpürt, für fein Leben Öffentlich 

und im Verborgenen gebetef, die berühmteften Aertzte und Mittel ges 
braucht, er aber dem allen ohngeachtet nach einem viermonatlichen 
ſchweren Lager, am aten Febr. der Seelen nad) in die ewige Ruhe verſe⸗ 
tzet, und dem Leibe nach am ı2ten dieſes Monats, unter einem groſſen 
Gefolge, und mit vielen Thraͤnen der Kinder und Erwachſenen, die feinen 

. Unterricht genoffen, in die St. Micyaelis-Kirche vor dem Altar begras 
ben worden. Vier und zwangig Stunden nach feinem Abſchiede mur- 

de feine betrübte Witwe, mit welcher er vierzehn Monate und etliche 
MAN, Penfylo. Lortſ. Se 787° Wochen 







693 ‚Achte Sortfesung der Nachricht aus Penfyloänien: 


Wochen in der Che gelebt, und von ihe viele Treue und Pflege'gendf- 
Y hat, mir einem jungen Sohn entbunden. Herr Pallor Zandfeht | 
hielt eine Rede in Teutſcher, und’ der Schwedifche Probſt Herr Zfrad 
Acrelius die Leichenpredigt in Englifcher Sprache, und letzterer warfd 
geneigt, daß er nebft Herrn Heinrich Keppel die Pathenftelle bey den Waͤh⸗ 
felein vertrat, und es Iſrael Matthias nannte. Die Particularia, 
melche von feiner Kranckheit, Zubereitung, Abſchiede und Begraͤbniß 
merckwuͤrdig find, und zu etwaniger Erbauung dienen möchten, erde 
insfünftige, wo GOtt Leben und Gefundheit verleihet, ſchuldigſt berich⸗ 
ten. Wer weiß, wie es in etlichen Monaten mit ung gehen wird⸗ 
Eben da ich dieſes ſchreibe, kommt Nachricht, daß die Wilden aber⸗ 
mal dreyzehn Perſonen von unſern Teutſchen Einwohnern nach ihr 
grauſamen Weiſe ermordet. Wo der HErr nicht ein übriges und mel 
thut, als mir bitten und verfiehen, fo kann das gangeLand in kurtzer Zeit 
verwuͤſtet und verflöret werden. “Denn wir haben es mit — i⸗ 
chen Feinden zu thun, welche ſengen und brennen, wo ſie einfallen, un 
nichts verſchonen, wie es auch heiffen mag. Sochwuͤrdige Väter, 
Gönner und Sreunde wollen aus Ehriftlicher Liebe und herglicher Ges 
wogenheit ung in Dero Gebet einfchlieffen, und um ein feliges Seh 


fein Bitten heifen.  E8 komme denn, wie es GOtt in feinem gnädigften 
Rath beſtimmet; fo hoffen wit Doch aletheure Gönner und Freund 
vor dem Throne des Lammes in der Hertlichkeit zu finden. Es iſt 
noch eine Ruh’ vorhanden. " Einige gut gefinnte Aelteſten molten in 
der Michaeliskirche ein Gewoͤlbe in den Grund mauren faffen, um etwa 
noch mehrere von ihren Alteften Predigern dabinein zu ſetzen. Ich wie⸗ 
derrieth es ihnen aber, teil wir ja noch nicht wiſſen, wo unfere Coͤrper 
und Gebeine herum kommen werden, zumal da in dieſer Zeit die Gerichte 
wolckenweiſe aufſteigen, und nach gerade herein brechen. Vielleicht hat 
- Der allwiffende GOtt unfern fonft noch nöthigen und nüglıchen Bruder 
Seinzelmann nor vielem Unfall weggerafft und in Sicherheit gebracht) - 
und ung zu härter ng Truͤbſalen aufbehalten. GOtt iſt ge⸗ 
treu, er wird ung nicht laſſen uͤber Vermoͤgen verſucht werden ꝛc. Sein 


ee Heinrich Melchior Mühlenberg. 


% ı6ten Novembr iſt von 5 bi Hein — Ay — 
a } 8) ein höchgefchägter Brief an Sims auch Dero ——— 
— ‚an Heren Mi lenberg eir ngelaufen, fi [ > mir Derfelbe communi⸗ 

| — Was ich in denfelben zu Br das Vergr jngen gehabt, hat Bid 
| Mer erinangeln Eönnen, mic) im Glauben und Eindlichen Vertrauen 
® Fr: ie zu flarcken. Denn ich deutlich genug — tmad, tie toeber 
BGsott der HErr, noch unfere Vaͤter unferer gaͤntzlich vergeſſen eden 






















als liebe Vaͤter gegen ung arme Kinder zu befveifen fortfahren.‘ 
für ich denn GOtt, unferm lieben himmlifchen Water, und Denen= 
rſeits Bi Seit aufs neue era 


it8 Eindfich dancke, und mich k gleicher. 
n Zweck ie länger ie gemaͤſſer su cben um weich es willen ich 
and geſendet w worden. 5 


ieſigen Gemeine habe ib, wie — oh Hei nze — 
mise auch ‚nach deſſen ſeligem Abſchiede, ie inget 
| "bekommen, und auch von Zeit zu Zeit nothwendig a 
] mid chmen mg, wolte 38 aden und der Gemeine Zerſtreuun 
= ite Denn Herr Brunnholtz iſt bisher oft auſſer Stande ah: x 
‚eine öffentliche Amtsarbeit zu verrichten, welche ich denn’ nad) Herrn 
Heinzelmanns Tode mitten unter meinen andern Geſchaͤfften zu uͤber⸗ 
nehmen, mic) aus Liebe zu G GOtt und zu den armen Schafen gedrungen 
and. Nach vom HErrn mir RAN vieler fehr em⸗ 
findfichen Dinge, die einen ieden, und mein zuweilen fehüchternes Ge⸗ 
mürb. infonderheit‘ „ja mol muthlos. machen koͤnten, ich alſo alle 
und lede Arbeit an der Gemeine, und der HErr hat mir aud) aus uns 
: enblicher Erbarmung in allen Fällen augenfcheinlich bengeftanden. ; 


Hiebey kann ich nicht umhin, ‚sum Preife Gottes etwas weniges 
—— zu beruͤhren, was ſeit meinem Aufenthalt in Phi iladelphia in 
| meinem Amte vorgefallen if. "= 

09) Auf einige meiner Predigten, die ich nicht felten ohne genugfan 

me voresgegangene —— a br halten — werde wer 


Bin IE 











694 Achte Sortfegung der Nachricht ausPenfpkönnien 
HErr wider alle mein Bermuthen einigen Segen legen wollen/ und fo 
duch auf einige Nachmittags: Kinderlehten, wie man mich verſichert. 


2 Nach Pfingſten wat ich in Cohenzy, confirmirte daſelbſt funf bis 
ſechs junge Leute, predigte zweymal in einer groſſen Verſamlung, und 
theilete nicht wenigen das heilige Abendmahl aus. Unter den zwoͤlf bis 
dreyzehn Seelen, die ich daſelbſt zu taufen vorfand, mar auch eine ſchon 
etwas betagte Engliſche Mutter mit ihrem Kinde. Ob ſchon dieſe gute, 
Frau vom Quaker- und Anabaptiften: Gefchlechte abflammte, und eben, 
damals vielerley Leute mit in der Kirche waren; fo fheuete -fie fich den 
noch nicht, ihres Glaubens Grund. öffentlich. vor allen Menſchen zu be⸗ 
kennen. Weil fie kein Zeutfch verſtund; fo mufte ich es in Engliſcher 
Sprache verrichten. Und was dieſes allem Anſehen nach von Hertzen 
glaͤubige Weib mit ſo groſſer Freudigkeit und Einſicht in der Schrift 
ſagte, konte nicht anders als mein Hertz innigſt bewegen und erquicken. 


3) Vor ohngefaͤhr acht Wochen brachte mir ein Mann, der zwey 
Meilen uͤber Germantown hinaus in einigen guten Umſtaͤnden lebet, feis. 
ne Srau und Kind hier ins Haus, mit inftändigfter Bitte, fie beyde zu 
taufen. Seine Frau wäre von Mennoniftifhen Eltern, hätte mich in _ 
‚ihrem ledigen Stande zu Germantown fehr oft predigen gehöret , waͤre 
seruhret, ‚und ſchon damals ganslich fchlüffig: geworden, ſich von mir 

nterrichten-und-taufen zu laſſen. Ich waͤre aber darüber-von Germans: 
town weggegogen. Bey diefer Srau, die vorher. in ihrem ledigen Stan⸗ 
de dem Staat fehr ergeben geweſen, fand ich ein gebeugtes und heilsbes 
Hieriges Gemüthe und: die nöthigfte Erkenntniß zur Seligkeit. Daher. 
trug ich Fein Bedencken, fie. und ihr Kind vor Zeugen zu taufen.  - 


4) Bor fünf Wochen ftarb eine ehrbare Stau hier aus der Ge⸗ 
meine, wie ic) verhoffe,, eines feligen Zodes. Sie hatte feit Fahr und, 
Tag an der Auszehrung, am Krebs an der Bruft, und die legten ſechs 
Wochen. an,der Waſſerſucht fehr. hart darnieder gelegen, und in dieſer 
Kranckheit einen ſtarcken Wachsthum am innern Menfchen aus GOttes 
Wort erlangetz wie ich denn alle Wochen wenigſtens zwey oder drey⸗ 
mal zu. ihr kommen, und mich. mit ihr aus GOttes Wort befprechen und 
beten mufte. Faſt nie ohne Erbauung bin ich von ihr wieder weggegan⸗ 
gen. Ihr ſchoͤnes Exempel hat vielen Nachbaren von Quakern und 
andern Geſinntheiten in die Augen geleuchtet, gleichwie es denn mir jr 

5 er 


RE Zen Paſt Sandſchuhs Schreiben von 1756. 695 


ber feinen geringen Eindruck gegeben. Der von ihr felber erwehlte Leis 
hentert , uͤber welchen ich nad) ihrem Tode predigen folte, war: Tod, 
wo ift dein Stachel? Hölle, wo ift.dein Sieg? ꝛc. Mic) deucht, 
fie hat diefen Text mir Recht erwehlen Fönnen. An ihr haberecht merck⸗ 
lich wahrgenommen, was Gnade und Glaube aud) bey den allerſchwaͤch⸗ 
fien Weibern vermag. Wolte ich alle ihre fehr nachdencfliche Reden, 
alle ihr gefchenckten Gnaden· und Freudenbliche, und alle bemerckte uns 
Teugbare Früchte des Glaubens und des Seiftes anführen; fo würde ſol⸗ 
ches fehr meitläuftig. werden. "Sie hat die feltene Ehre gehabt, daß alle 
- und iede Gefinntheiten „auch die vornehmſten darunter, ihrem Zeichens 
begaͤngniß beymohneten, und unfere Kirche fo fülleten, daß fonft kein - 
Menſch mehr hinein kommen Eonte. Durch GOttes Gnade ward mir 
auch gegeben, mit groſſer Freudigkeit über Diefen ſchoͤnen Text zu predigen. 


9 Am Sonntage por acht Tagen hielt ich einem Manne eine Leis 
chenpredigt, der ehedem ein Aeltefter Der hiefigen Gemeine und einer von 
den’ vier erften Anfängern am hiefigen Kirchenbau geweſen, und fid) es 
dabey fehr fauer hatte werden laſſen; der aber Durch Verführungund 
durch feine Reifen nach) Teutfchland for meit herunter gefommen war, 
daßier feit verfchiedenen Fahren nicht mieder in der Kirche geweſen. In 

ſeiner fünfwöchentlichen Kranckheit ließ ihm der HErr fein Gewiſſen 
aufmachen, under fing an Tag und Nacht zu GOtt zu ſchreyen. Die 
Mittemochsnacht hatte er ein Verlangen nad) mir. bekommen; weil es 
aber. fehr. regnete , und ich.einen Bleinen Fluß am rechten Fuß hatte, mir 
auch der Mann gang unbekannt war: fo getraute ich mich nicht, dieſelbe 
Nacht hinzugeben. Mit des folgenden Tages Anbruch ward ich wieder 
zu ihm. gerufen. . Ich fand. ihn denn, nach den Auffern Kennzeichen zu 
urtbeilen, bußfertig, und nad). dem heiligen Abendmahl hertzlich begierig. 
Um mich. aber. nicht zu übereilen,. und ihm noch mehrere Zeit zu laffen, 
ſich nad) dem, was ich ihm aus GOttes Wort vorhielte, noch ernftlicher 
zu prüfen, bat ich ihn, mit dem Abendmahl bis gegen Abend zu warten. 
» Des Abends ging ich mit einem der anfehnlichften Aelteften dahin, und 
‚fand noch mehrere Leute um fein Bette herumftehen. Auf mein Befra⸗ 
gen nach feinem eigentlichen Seelenzuftande, freuete fich mein Hertz, ihn, 
in einer folchen Bußfertigkeit und einfältigen Glaubensgemißheit anzu: 
treffen. . Daher ich mich in meinem Gewiſſen verpflichtet fand, ihm das 
x heilige Abendmahl ohne weiteres Bedencken zu.reichen. Solches alles. 
— Xxxx3— gereichte 


* 


irre —— — Die a un 


| henden jungen Menſchen, der bey einem geweſenen Anabaptiſ enpre 
demſelben kranck lieget, habe ich auf fein Erſuchen gleichfalls f Su 24 





gereicht allen — — Erbauung. Am Frey⸗ 
tage verſicherte er mich, ſeine Seele habe Ruhe und Frieden bey feinemb 
Fun a fürchte er fich vor feinem Tode mehr. Am 
Sonnabend früh, da ihm ſchon Die Augen gebrochen waren, ließ er mich 
noch einmal rufen: wie ich aber hinkam; ſo war er ſchon fanft und ſtille 
eingeſchlafen. Ben der Leichenpredigt uͤber die Worte, Jeſ.42,32 Dası 
zerſtoſſene Rohr wird er nicht zerbrechen , und das glimmende 
Tocht wird er nicht auslefchen, er wird dns Recht wahrhaftig⸗ 
lidy halten lehren, war wiederum eine ungemein groſſe Menge Bois: 
von allerhand Parteyen aus der Stadt verſamlet. J— — 


6) Einen unter aufgewachtem Gewiſſen und Geſetz Angff 










—— 


— 
NS 


das Schuhmacherhandwerck lernet, und nun feit einigen Monaten bi 








befuchen müffen. Nun er ſich wieder zu erholen ſcheinet: ſo ſtehet er 
zu or an, wäßfür einen Weg er a ces Sam, N) 


** —* sur J 34 
Auch hat ſich ſeit dem 96 dor acht —— atıt 
Menſch im Hofpital meiner bedienet. Derfelbe ha e vor en Mona⸗ 
ten des Nachts auf der Flucht vor den graufamen ZA | ‚fein Bein, 
zerbrochen,, und nach übel abgelaufener Sellung DA en, war er. ge 
fhiget worden, vor drey Wochen. das Bein gar abnehmen zu Taffen.. 


Nun fichet. er Tag. und Nacht. unaus ſprechlich viel Schmetrtzen qus. 


Wie ich aus meinem geſteigen Zufpruch fcylieffen Bann; fo wircfet die 
Gnade in Diefes armen unmiffenden Menfchen Hertzen ein wenig, viel 
keicht mol gar weit mehr, als ich ſelber noch verſpůren fönnen. Geſtern 
brachte ich eine vergnügte Stunde bey ihm zu, ob gleich vor übelm Ge⸗ 
ruch in. der Stube, morin noch drey andere Krane lagen, / ha yatte ii 
werden mögen Ä 
8) Was des fel. Herrn Seinzelmanns lettte Stunden betrifft, fi - 
Eönfe ich viel Erbauliches aus ſeinem ir, mit ihm hin feinee 7 
| vier⸗ 








XxV . "Zen. Paſt. Sandſchuhs Schreiben von ryzsn607 


viermonatlichen Kranckheit aufſetzen; da ich ihn ſehr oft beſucht, und 
mit Vergnügen wahrnehmen koͤnnen, wie der HErr fein Werd in ihm 
> ‘treufich vollendet. Meine kleine bey einer ungemein gtoflen Leichenvers 
ſamlung ihm gehaltene Keichenrede, die in unferm lehten Paquet übers 
ſandt habe, () iſt ein Eurger Sfnbegriff davon... Sonften find mir feine 
befondete Reben, feine vielfältig geführte Klagen, feine Armuth des Geis 
ſtes, worin er in den letzten Wochen befonders zugenommen, fein einfaͤl⸗ 
tiges Abhangen von der durch Chriſtum geſchehenen Verſoͤhnung ıc, 
ſein beſonderer Kampf bis faſt in ſeine Todesſtunde hinein, noch im fri⸗ 
ſchen Andencken. Genug, er iſt in feines HErrn Freude eingegangen. 


— Sonſten iſt von einigen andern Gemeinen noch folgendes zu berich⸗ 


ten. Herr Kurtz in Tulpehoken iſt, der Gefahr vor den Indianern ohn ⸗ 


erachtet, noch munter und ſtarck im Glauben, und hat bey und unter den 
Gefluͤchteten haͤufige Arbeit gefunden, und wird vermuthlich wol derglei⸗ 
chen noch mehrere finden, weil der jaͤmmerliche Krieg der Franzoſen und 
Indianer noch lange nicht vorüber zu feyn fcheinet, und: mol noch die 
Noth erſt recht angehen dürfte, Ein kleiner Theil Indianer, ſo bloß für 
ſich ohne alles Anſtiften der Franzoſen einen unbarmhertzigen Krieg wi⸗ 
Der, Penſylvanien gefuͤhret, und der Zinzendoͤrfer ihre Snadenhütten, und 
9 daherum liegende Plaͤtze bis faſt an Eaſton, das iſt, ohngefaͤhr ſechiig 
Meilen von Philadelphia, verwuͤſtet, und in Neuyerſey grauſame Eins 
faͤlle und Berheerungen unfernömmen, hat zwar vor vierzehn Tagen eis 
‚nen.borläufigen Sieden mit Penſylvanien gefchloffen , und find von uns 


ſerm Gouyernement reichlichſt befchencket worden. Wie man aber hoͤ⸗ 
ret; fo. find. hundert Mann von Denfelben zurügkgeblieben, und, diefe fols 


- fen aufs neue groffe Sraufamkeiten an unfern Einwohnern ausgeubet, 
und der ſelben wieder über Hundertiermordet haben / davon man noch mehs 
rere Gewißheit ale Stunden erwarten: Solte aber auch ihr Friede von 
einiger Dauer ſeyn; ſo iſt etwa nur diejenige Comity oder Grafſchaft 
ſich er, hinter welcher fie ſich auſhalten, da hingegen die andern an den 
Grentzen liegende Gegenden dem Sranzöfifchen Indianern deſto mehr aus⸗ 

geſetzt bleiben dürften; ob ſchon laͤngſt den Grentzen hin Forts angeleget 
ſind, deren ein iedes viertzig Mann, und einige noch mehrere zur Be⸗ 
s DAB | 

Herr 


MI 


I: + | % 
Erg Dieſe ift nicht angelonmen. 


PA 


698 Achte Hortſetzung der Nachricht aus Penfsloanten. 


Herr Schaum in’ Zohecka ift feit geraumer Zeit ziemlich wieder zu 


‚Kräften gekommen.“ Dem ohngeachtet aber. kann er nicht anders, als 
—* in aͤuſſerlichen kuͤmmerlichen Umſtaͤnden leben. Denn ſein kleines 
Gemeinlein iſt ſehr arm. 2 J 


Herr Weygand findet ſich in Neuyorck ziemlich wohl. Ob ſchon 

die andere Partey bald dieſe bald jene neue Bewegung macht; fo arbei⸗ 

tet. er doch nicht ohne allen Segen. Herr Muͤhlenberg hat vor ein paar 
Monat die Neuyorcker Gemeine befucht, gleichwie er Denn auch einund 
andermal in Philadelphia und Germantown nicht ohne Beyfall gepres 
diget hat. Diefer wackere Bruder läffet fich e8 mit Arbeit und Predi⸗ 
gen, mit Vorſchlaͤgen und Einrichtungen herglich fauer werden. Zu 
GGermantown hat er vor ohngefähr viergehn Tagen, auf Verlangen uns 
ferer Eleinen Gemeine dafelbft und der Reformirten, eine folche Einrich⸗ 
fung getroffen, daß Müblenberg, Brunnholg und Handſchuh alle vier⸗ 
sehn Zage einer um den andern in der Neformirten Kirche predigen, und 
ihre Ordnung genau in Acht nehmen follen, um einen neuen Verſuch an 
die Seelen zu Germantown zu machen, da ohnedem es nicht rathſam iſt, 

in diefen unferm elenden Kriegsumftänden eine neue Kirche zu bauen.. : 


In VYorktown, wo Herr Schaum ehemals geflanden, iſt Verwir⸗ 
tung und Uneinigkeit. Diejenigen welche ſich noch zu ung halten und 
es gern anders fehen möchten, haben fich bishero in Abficht des öffentlis 
chen Gottesdienſtes kuͤmmerlich beholfen, und ſich neulich vom Herrn 
Kurtz predigen und Das Abendmahl reichen laſſen. Wie ic) vernehme, 
fo haben fie deffen Bruder, den Kandidaten Aurg, der bisanherd Als 


Freyſchulmeiſter daſelbſt geſtanden, erſuchet, ihnen hinfuͤro zu piebigen.. 


| Was die vielen andern Lutheriſchen Gemeinen betrifft, die ſich 
entweder von ung Tosgeriffen, oder nie zu uns gehalten haben; fo find fie 
mit Pfarren häufigigenug verfehen. Pfarrer und Gemeinen haben’fich 
feit vier: oder. fünf Fahren hier im Lande fo vermehret, daß man fie faſt 
nicht einmal mehr gehlen Tann. Wolte GOtt, alle, die ſich zu Pfar⸗ 
rern aufgeworfen, oder dafür annehmen laſſen, waren tüchtige und ber 
gnadigte Leute! F ve 


Johann Friedtich Handſchu 
| Nach⸗ 


I XIl Brn Paſt. Zandſchuhs Schreiben von 1756. 699 
IE a MR 5 ARE ER 


NE ———— 
philadelphia, den 20ſten Der, 1756. 






x 


RI eftern vor acht Tagen, als am dritten Sonntage des Advents, 

Sp ritte ich früh nad) Germantown, um in meiner Ordnung das 

” felbft zu predigen, und fand in der Keformirten Kirche eine 

f 3x Verſamlung von Lutherifchen, Neformirten und andern 

„Leuten, ob ſchon das Wetter ſchlecht genug war... hr ſtilles und auf⸗ 

mwierckſames Weſen unter waͤhrendem Gottesdienſt und der mir beym 

lusgang aus der Kirchen ertheilte befondere Segensmunfeh eines fehr 
jefehenen Re 











0 Neformirten Mannes, der nicht ohne alle Erkentniß und 
Ruͤhrung ift, machten mir einiges Vergnügen. Die Germankowner 
haben ie und ie das Neue und die abtwechfelnde Veränderungen geliebet. 
Vielleicht kann Durch; dieſe neue Einrichtung noch etwas Gutes gefchafz 
fet werden. Wenioſtens behält man eine offene Thhre zur Derkündis 
gung des göttlichen Worts. GOtt gebe, daß nur ein ieder von ung in 
feiner Ordnung da feyn, und in der Kraft und in Bemeifung des Geis 





ffes den gangen Rath GOttes von ihrer Seligkeit in Ehrilio freudig 


verfündigen könne, 


| Noch) etwas meniges von dem letzterwehnten armen Menfchen zu 
gedencken, dem Das Bein abgenommen worden, ſo iſt er Doch noch ges 
ftorben. Sein wehmüthiges Befäntniß feiner Jugendſuͤnden, und das 
zartliche Verlangen feines Hertzens nach der Gnade unfers Herrn 
SEfu Chriffi, wie auch die bewegliche Anführung der allerkraͤftigſten 
Troſtſpruͤche, die ich b 






ey einem dem Anfehen nach ſo einfaͤltigen Menfchen 
nimmermehr gefucht hatte, und welches ſich bey meinem allerletzten Be— 
ſuch am meiſten geaͤuſſert, machen mic) getroſt hoffen, daß er noch fey 

gerettet wordhen. 2 


Dreer auch zuletzt gedachte Süngling- beym geweſenen Anabaptiften- 
prediger war geſtern Abend noch ſpaͤte über eine Stunde bey mir. Nach 
noͤthiger Unterredung befete ich mit ihm, und bar ıhn auch, ſich von uns 

‚ fern heiligen Glaubenslehren durch nichts abmendig machen zu laſſen 2c. 

" Vilk: Penſylv. Sortf. Dyyy Er 


700 Achte Sortfegung der Nachricht aus Penfyloanien 1756. 
Er ift zwar dem Anfehen nach, noch ungemein blöde; iedoch hat er vers 


ſprochen, meinem Rath in allem zu folgen, und ai fteiffig subefuhen. 


‚Hier haben Diefelben nun unfern nn Zufland übete 
haupt vorgeftellet. Hier finden Diefelben viele, viele Urfachen zur Fuͤr⸗ 
bitte, zum gläubigen Ringen und Kaͤmpfen für ung alle. Hier gilt e8 
GoOtt kindlich und männlich zuzutrauen, daß es mit uns und ſei em. 
Wbercke bier in Penſylvanien noch nicht gar aus fey, twie e8 denn wird: 





ficy noch nicht aus iſt, Davon ic Spuren und Beweisthümer genug an. | 
führen koͤnte. Der HErr Seins ſey Base immer und ala 


Hallelujah! 


WVor zehn Zn find. die Yndianer in Herrn. — Sm 
— und. haben wieder zween junge Sunben ermordet. 


Zohamn Seide Su 


ende 





ir7* 


> 
a ru 


— 


ji Reunte Bortfenung. 
| Bo 


Nachkicht 


von einigen — 


— Gemeinen 
Bus ——— 
irre | 


In Verlegung des Wäyfenhanfes, 








N 


JB 8 ift feit der Ausgabe der vorigen achten Sortfegung; 
Nm. cehe dieſe neunte folgen Eönnen, etwas mehr als ein 
SIT, Sahr verfloffen. Da bey dem Inhalt Diefer letztern 
V nicht Biel mehr zu erinnern ift, als daß felbige die 
Nachrichten von den vier jahren 1757. 1758. 1759 Und 1760. enthalten, 
wie aus dem bengefügten Verzeichniß mit mehrerm zu erfehen iſt: fo 
wollen mit hier nur Die wichtigſte Veränderungen, die in Diefem legten 






Jahr berichtet worden, vorläufig angeigen. 


.">IE A 

Zuvoͤrderſt iſt ansuführen, daf die beyden neuen Prediger, Herr 
Voigt und Hear Arug, welche zu Anfang des vorigen Jahres ihre 
Reiſe aus England nad) Penfylvanien fortgefeget, (*) indem fie den 
ıgten Sebr. 1764. aus den Dünen (Downs ) abgefegelt, bereits den ıften 


April befagten Jahrs, nach einer fechswöchentlichen fehr glücklichen 
eisen — 


| Seerei⸗ 
(*) Siche Vorbericht zur achten Fortſetzung. $. VII 






hat alles wohlgemacht: Wir find feine vaͤterliche Vorſorge auf 
„mancherley Weiſe gemahr worden. Seine Vorſorge ift ed, daß mie 
„zu einem guten Capitain gekommen. Kapitain Watt, der unfer Schiff 
-„führete, verdienet gelobet zu werden. Er war ein reblicher und gewif 
„ienhafter Mann. Freundlich und liebreich iff.er mit ung umgegangen. 
„Manchmal hat er ſich mit uns aus GOttes Wort unterredet. Mors 
„gende und Abends (wenn der Wind nicht zu heftig war) hat er mit 
„uns aus dem Englifchen Gebetbuch einige Gebete und Eapitel aus der 
„Bibel gelefen. Niemals legte er ſich fchlafen, ohne ung zu erinnern, 
„daß wir Doch ja dem lieben GOtt vor den guten Wind dancken und 
„um Erhaltung deffelben bitten möchten. Er war auf unfern Unterhalt 
Fſehr bedacht und forgfältig. Zäglich erquicfte er ung mit frifchem 
Fleiſch und andern guten Speifen, und feine gange Freude mar e8, wenn 
388 ung nur wohl ſchmeckte. GOttes Vorſorge ift ed, daß der Wind 
„immer gut geweſen, und wir Eeinen Sturm gehabt haben. Wenn fich 
„auch ein Sturmmind erregte, der die Wellen erhubs fo Killete Der 
„HFre das Ungemitter, daß die Wellen fich legten. Des Mlorgens 
„wer die Güte GOttes neu, und des Abends feine Treue groß: 
„und fo mar alles gut. Ach, lobe den HErrn meine Seele, und 
vergiß nicht, was er die Gutes gethan! GOttes Borforge iſt «8, 
„daß ıch in feiner Furcht erhalten, und an feine Vatertreue und Liebe 
„auf manche Weiſe erinnert morden bin: Dig gefchahe unter andern 
„auch auf folgende Art. Fünf Wochen waren mir ohngefehr auf der 
„See gewefen, da wir ein Schiff bemersften. Bey Annäherung defiels 
„ben fahen wir, daß es alle drey Maften im Sturm verlohren. ‘Der 
„Sapitain auf Demfelben eröfnete fogleich mas fein Verlangen ſey: er - 
„bat um Lebensmittel, wo diefe ihm nicht Eönten gereichet werden; fo 
„miffe er mit allen denen , die auf dem Schrff waren, efendiglich vers 
„derben. Unſer Eapitain forderte Darauf drey Leute, Die zu ung —* 

» d en; 


» Vorbericht. 


„folten, fo auch geſchahe: allein, fie waren fo matt und entkraͤftet, daß 
„fie nicht auf unfer Schiff fleigen Eonten, fondern unfere Leute mulien 
„ihnen helfen. O meld) ein trauriger Anblick! fie fahen aus ald Mens 
„fehen, die aus den Gräbern Fämen und waren gang ſprachlos. Unfer 
„Sapitain erquickte fie mit Speis und Tranck, da wurden fie munter. 
„Ste erzehleten , daß fie nun ſchon vierzehn Wochen auf der See waͤ⸗ 
„ren, einige Stürme ausgeflanden häften und alle ihre Lebensmittel 
„verzehret wären. Vor zwey Tagen bätten fie zulegt den Hund ges 
„fchlachtet und gegeffen, den fie auf dem Schiff gehabt, und fich darauf 
„zum Tode zubereitetz iegt aber fähen fie nun, GOtt wolle fie Doch 
„noch erhalten. Bey diefem traurigen Zufall Eonte mid) der Thraͤnen 
„nicht enthalten. Ich fiel auf meine Knie, danckte GOtt für die Gna⸗ 
„de, Die er mir Armen und Unwürdigen auf der See erwieſen hat. Ach, 
Bochwuͤrdiger Vater! In meinem gangen Leben habe ich noch nie 
„die Worte: Err, ich bin viel zu gering aller Barmbergigfeitzc. 
„mit folcher Rührung und Bewegung des Hertzens gebetet, ald ietzt. 
„Gottlob dafür! daß er mich auch in folcher Faffung des Gemuͤths auf 
„der gangen Reife erhalten. Kapitain Watt bewies auch hier viel _ 
„Menfchenliebe, er verfahe diefe armen Leute mit Brodt, Fleiſch und 
„andern nöthigen Lebensmitteln, ohne einige Vergeltung. GOttes 
Worſorge ift eg, Daß mir eine fo gute Reiſe gehabt und zugleich fo bald 
America erreichet haben. Den ıgten Sebruar. fuhren wir aus den 
Downs nicht weit von Domer ab, verlieffen Europa unter vielen heils 
„famen Betrachtungen, und den ıften April kamen wir fchon zu Phila⸗ 
„oelphia gefund und wohlbehalten an. Ah GOtt mas habe ich da em⸗ 
„pfunden! Wir haben in Gemeinfchaft mit dem Herin Paftor Muͤh⸗ 
Aenberg GOtt ein Danckopfer gebrasht. Bisher bin etwas kraͤnck⸗ 
Hlich geweſen; es wird aber Gottlob beſſer. GOtt hebe, frage und 
„pflege E. 5. auf feinen Armen. Mit aller gebuͤhrenden Hochachtung 


„und Ergebenheit, bin ac, | Ä 
| | „Johann Ludewig Voigt.» 
$. W. 

Des Heren Arugs Schreiben aus Reading unterm sten Julii 
1764. lautet alſo: „Durc) die göttliche und väterliche Erbarmung un- 
„ſers Heilandes ift e8 ung gelungen, daß wir den erſten April dieſes 
„Jahrs, am Sonntage Lätare gefünd und wohl behalten ın Phile= 


„delphia angekommen. Der. Herr Poftor Mlühlenberg und Herr 
| 43 „Paſtor 


vorbericht. 


Paſtor Handſchuch freueten ſich ſehr über unfere glückliche Ankunft 
nn hlenberg gab ſich gleich vom Anfang recht viele Mühe, 


„für unfer Beftes nach) Seel und Leib zu forgen. Der Herr Probft 


Wrangel fuchte ung aud) bey Zeiten einen guten Muth einzufprechen, 
- „in diefem neu angelegten Weinberge getroft zu arbeiten. Was unfere 
Seereiſe berifft,, fo melde nur mitiwenigem, daß, fo gut als wir es 
„auf derfelben gehabt, e8 Feinen von-denen, die ich hier wegen ihrer 
„See: Reife gefprochen, wiederfahren if. Denn es hat ung an keinem 
„Guten gefehlet, tweder im Leiblichen noch Geiſtlichen, und wir haben auch 


„feine aufferordentliche Noth erfahren, dergleichen an einem Schiff,das 


„nach Virginien ging, zu fehen war. Diefes Schiff war vor ſechzehn 
„Wochen zum erfienmal von Barbados ausgelaufen, und nachdem es 
„acht Wochen in der See geweſen, wird es vom Sturm und contrairen 
„Binden gang befchädigt wieder dahin zurück getrieben. Dieſes zweite 
„mal mar es wieder acht Wochen in der See, und hatte einen folchen 
„Mangel an Lebensmitteln, daß der Capitain feinen Hund gefchlachtek, 
„und Die Leute, gang verhungert, unfern Eapitain um Sicht, Brodt, 


Waſſer und mag er fonft übrig hätte, anfprachen; welches er ihnen - 


„auch, und mehr als fie verlangten, gab , darüber Diefe Leutchen unges 
„mein froh ausfahen. Diefe Noth fahen wir den Sonntag Deuli, acht 
Tage vor unferer Ankunft. GOtt zeigte uns an dieſem Exempel, mie 
„groß feine Güte über ung gemwefen, daß er ung nicht nur vor dieſer und 
„anderer Noth bemahret; fondern ung aud) fo viel Gutes reichlid) und 
„überflüffig zuflieffen faffen. Abſonderlich hat mir GOtt, bey Betrach⸗ 
„tung des Meers, feine unveränderliche Macht, Weisheit und Güte 
„einfeuchten laffen, und mie dabey manchen Spruch, 5. E. 2Mof. 14, 
„21:24. Pf. 119, 90. 91. Jeſ. 48, ı7. 18. deſto eindruͤcklicher gemacht, 
„Der SErr bat alles wohl gemacht, und alles, alles recht bes 
dacht, gebt unferm GOtt die Ehre. Was meinen kurtzen Aufs 


„enthalt hier betrifft, fo mar mir, fo lange ich bey dem Herrn Paſtor 


Maͤhlenberg wohnete, recht wohl, teil ich täglich Durch feine erbaus 
„liche Gefpräche und Erzehlungen ermuntert wurde. Da ich aber als 
„ein ungeübter Streiter allein auf einen Poften nad) Reading folte; fo 
„überfiel mic) Furcht und Bangigkeit, und damit habe ich noch beſtaͤn⸗ 
„dig zu fireiten. Wie aber GOtt bisher geholfen, fo wird er auch fer- 
„ner helfen. Der gnadige und barmbergige Vater im Himmel, der 
„SE. 3. bisher, gewis auch um meiner willen, ben Dero Schtwachheit 
„wird geſtaͤrcket und im Leben erhalten haben, ber fahre ferner — mit 

„ſeiner 





Vorbericht 


„feiner Gnade Diefelben zu crönen, und laffe Dero Kräfte durch fein 
„Wort und Geiſt verneuert werden,damit ich auch befonders Derofelben 
„Unterricht und Fuͤrbitte noch viele Fahre genieffen Fönne, der ich bin 
„und verbleibee. Berk... 

Er hl) | „Johann Andreas Krug., 
E iR u * es : v 13 ER 


BE 154 EEE IENTERT I j j $. ee — 
Machdem num verſchiedene Ueberlegungen gepflogen worden, wel⸗ 
che Gemeinen mit dieſen zween neuen Predigern am erſten zu verſorgen 
ſeyn, und für welche ſie ſich nach ihren Gaben und Umſtaͤnden am bes 
ſten ſchicken möchten: fo iſts endlich dahin gekommen, Daß zuvoͤrderſt 
Herr Krug von der Gemeine zu Reading, Herr Voigt aber von der 
Gemeine zu Germantown, als ihre ordentliche Lehrer angenommen 
worden, indem Herr Paſtor Kurtz bey dieſer letztern nicht länger blei⸗ 
ben koͤnnen, ſondern ſich wieder zu ſeiner Gemeine in Tulpehokem 
begeben muͤſſen. Bey dem Abgang der letzten Briefe, die im Maͤrtz 
dieſes Jahres geſchrieben ſind, haben jene noch bey ihren Gemeinen im 
Segen geſtanden. Birke Shi 





rn J— 
Wiie aber der HErr zu preifen, daß durch dieſelbe abermal zwo 
Gemeinen mit redlichen und treuen Lehrern verſorget worden; alſo iſt 
hingegen die betruͤbte Nachricht eingelaufen, daß der eifrige und treue 
err Paſtor Handſchuch am gten Octobr. 1765. in Philadelphia ſe⸗ 
lig verſtorben und in ſeine Ruhe eingegangen, deſſen Fleiß in ſeinem 
Amte aus den bisherigen Nachrichten zur Gnuͤge bekannt, und daher 
fein fruͤhzeitiger Abgang, da man wohl mit Wahrheit von ihm ſagen 
Tan, daß er fi) in dem Dienft des HErrn zu Tode gearbeitet, um 
fo vielmehr zu bedauren ift, als die Philadelphifche Gemeine bey 
ihrem immer mehreren Anwachs und fehr zahlreichen Vermehrung eis 
nen folchen treufleiffigen Seelforger noch fehr nöthig gehabt hätte. Es 


hat aber darauf fogleich der fogenannte Kırchenrath, oder die Aelteſten 


und Vorſteher der Gemeine, mie deren Einwilligung befchloffen, den 
San ‚Hofprediger Ziegenbagen und den Herrn D. und Profeflor 
Francken zu erfucyen, daß Diefelben einen anderm geſchickten und treuen 

Mann, an die Stelle ihres verftorbenen Herrn Paſtor Sandſchuchs, 
zum zweyten Prediger der Philsdelphifchen Gemeine ermählen, und, 
fo bald möglich, aberfenden möchten, auch zu Dem Ende eine fürmliche 


Vorbericht: 


Vollmacht, ſolchem zweyten Prediger in des Kirchenraths und der Ge⸗ 
meine Namen die Vocation auszufertigen, überfende. ne 
en a, 3: 1 Bla Mae 
So dringend die Umftände der meitläuftigen Gemeine bey der 
überhäuften Arbeit ihres erſten Predigers, des Heren Paftor Muͤhlen⸗ 
bergs (*), Der einen Theil feiner Kröfte durch Die bisherige viele Reifen - 
und manche angreifende Umftände bereits zugefest, Die baldige Befegun 
diefer Stelle erforderten: fo eifrig haben ſichs Die obgedachte Hochnih 
dige Väter angelegen feyn laſſen, fo bald als möglich, einen tüchtigen 
Mann für fie ausfindig zu machen. Der HErr hat auch hr Gebet _ 
in Gnaden erhöret, und das Herg des Eandidaten, Heren Chrifloph 
Immanuel Schulgen, aus Probftzell bey Saalfeld, willig gemacht, 
Diefen Beruf anzunehmen. Da derfelbe in Den fünf Jahren feines 
Aufenthalts auf der hiefigen Friederichs Univerſitaͤt nicht nur allen Fleiß 
angemendet, fich zum Dienft des HErrn in feiner Kirche würdig zuzu⸗ 
bereiten , mithin eine gründliche Gelehrfamkeit und Wiſſenſchaft der 
göttlichen Wahrheiten zu erlangen, und mit ſolchem Fleiß in ‚Studis 
eine wahre Furcht GOttes zu verbinden; fondern auch bey feiner Arbeit 
- in. den Anftalten des Wänfenhaufes, Darinnen er fowol in den Schu: 
fen mit Nugen informiret, als auch mehrere Fahre theils bey den Waͤh⸗ 
fenfindern, theild auf der Kranckenpflege die Aufficht geführet,, feine 
Gefchicklichkeit und unermüdete Treue hinlänglich bekannt worden: fo 
lebet man der Hoffnung, der HErr werde Ihn auch bey feiner Fünftis 
gen Gemeine und für Das gange der Teutſchen Evangelifch-Zutherifchen 
Kirchen in Penſylvanien zum Segen ſetzen. Er if vorgeflern Nachs 
mittag. von Halle nach Wernigerode abgereifet, woſelbſt er, auf gnaͤ⸗ 
digfte Erlaubniß Seiner Jochgraflichen Excellentz des regierenden 
Zerrn Brofen zu Stollberg von Dero Hochloͤblichen Confiftorio, 
auf Requifition des Hertn D. und Profeffor Francken, nad) gemöhns 
fichem Eramine ordiniret und zum Dienft der Gemeine verordnet wer- 
den fol. Won Wernigerode wird er, fo bald möglich), feine Reife un- 
ter dem Seleite GOttes über Hamburg und England fortfesen, und 
auf derfelben zu Waſſer und Land von dem Gebet aller Freunde, denen 
S — ſie 
( O In dem Vorbericht zur achten Fortſetzung $. IV. iſt bereits gemeldet, daß der: 
felbe im October 1761. wiederum nach Philadelphia fih begeben müffen, um 
en ra feligen Herrn Paſtor Handſchuch das Predigt Amt gemeinfchaftlich 
su führen, 


\ 


. Vorbericht, vB 
fie befannt ift, und die man auch hiedurch dazu ermuntern wollen, bes 
gleitet werden. 7. 2 er A Re 


Ya 


” ih — $. V IM. 2 m We | 
‚2 Dafchon oben der Briefe gedacht worden, welche im Märs die: 
ſes Jahrs gefchrieben , und vor wenig Tagen hier eingelaufen find: fo 
ift aus denfelben auch noch einigessanzuführen. Diefelbe find nur von 
Des Heren Paſtor Muͤhlenbergs Hand, indem die von Philadelphia 
entfernt wohnende Herren Prediger nicht fo fügliche Gelegenheit zu has 
ben pflegen, der abgehenden Schiffe fidy zu bedienen. Er berichtet 
darinnen, daß er in Philsdelphia ſo lange er alleine dafelbft fey, mit 
allzuvieler Arbeit und Zerftreuung überladen fey, und fic) Daher nad) der. 
baldigen Ankunft eines treuen Collegen gar fehr fehne. Er müffe ieden 
Sonn» und Feſttag Vormittags predigen, und Nachmittags Kinder 
lehre halten und noch einmal predigen. Der Schwedifche Herr Probft 
D. Wrangel, der nach allen Berichten ein fehr theurer und ſowol ge- 
lehrter , als eifriger Knecht GOttes iſt, und mit dem Herren Paſtor 
Mouͤhlenberg und bbrigen Teutſchen Predigern der vereinigten Gemei⸗ 
nen in einer brüderlichen Darmonie lebet, halte des Sonntag Abends 
auch noch eine Predigt in der Zeutfchen Kirche und zwar im Winter 
bey Licht, wozu auch manche von andern Partheyen zu kommen pfleg⸗ 
ten und ihre) Erbauung: fänden. : Herr Paftor Muͤhlenberg habe 
achtzig Perfonen im Unterricht, worunter zwantzig Verehlichte ſeyn, die 
- auf Oftern confirmiret werden folten. Die Nothdurft der Gemeine er 
fordere, daß die Kirche vergroͤſſert, oder eine gantz neue räumliche ges 
bauet werden und «3 feye auch der Kirchenrath und die Gemeine willens 
geweſen, Dazu Anftalt zu machen, indem die alte Kirche für das Volck 
wohl um die Halfte zu Plein ſey, und ein groffer Theil der Gemeine 
darinnen feinen Pag finde. Allein, weil ſich bey legter öffentlicher Abs 
legung der Kirchrechnung gefunden, daß die Kirche und Gemeine nahe - 
bey funfsehn hundert Pfund , penfplvanifchen Geldes , welches unges 
fehr ſechs taufend Thaler ausmachen, annoch ſchuldig fey, und eine 
hinreichende neue Kirche nicht unter vier big fünf taufend Pfund, oder 
ſechs zehen bis zwantzig faufend Thaler zu Stande gebracht merden Fönne: 
fo dürften fie es um fo weniger noch wagen, einen fo Eoftbaren Bau 
zu unternehmen, da nad) einem gehabten ſehr harten Winter, und 
da Handel und Wandel fehr darnieder liege , groſſe Noth und Klage üs 
ber Nahrungslofe Zeiten in der Gemeine heniie, und fie mit einer fo 
1LX. Penſylv. Sortf. groſſen 


groſſen Menge von armen neuangekomn 
feyen, daß fie faft mit einander verſincken 











ein neuer rechtfchaffener zweyter Prediger anfommen würde; fo koͤnte 


dadurch der Sache einiger maflen gerathen werden, daß wiederum alle 
Sonn: und Fefttage auch zugleich in dem groflen Schulhaus-Saal, 
welcher füglidy vier: bis fünfhundert Zuhörer faffen Eönne, geprediget, 
und alfo Dadurch einem Theil von denen, die in der Kirche Feinen Platz 
haben, gehalfen 

Auffer dem aber habe Herr Paftor Muͤhlenberg ſich auch einer 


andern Schuldenlaft, um des gemeinen Belten willen, unterziehen 


müffen, und der Schwedifche Heir Probft, D. Wrangel, habe fich. 


aus Liebe fürs Gange willig finden lafen, nebft Herin Reppele, einen 


Mitglied der Landes: Affembiee wie auch des Teutſchen Lutheriſchen 


Kirchenraths, ihre Schultern mit Darunter zu biegen, Es haben nems 
lich einige mohlgefinnte Männer aus guter Meinung in einer Gegend, 
Namens Barrenhill, eilf bis zwölf Englifcye Meilen von Philadel- 
phia und funfjehen von Provideng, für die Daherum häufig mohnende 


Zeutfche Futheraner eine Kirche und Schulhaus zu bauen angefangen, _ 


wozu die Gemeing:Gfieder, die daran Theil nehmen wollen, zwar das 
Ihrige nach Vermögen mit bengetragen ; dem unerachtet aber noch 
fünfhundert und funfsig Pfund, oder ungefehr zweytauſend und 
sıweyhundert Reichsthaler Schulden gemacht worden, für welche 
Schulden vier Männer als fogenannte Truſtees ſich verbuͤrget. Nach⸗ 


er en Zeutfchen über ch " semmet 


dem aber diefe der Schufdenlaft nicht gewachfen ui. daher entfchloffen ® 


geweſen, zwey aus ihrem Mittel als Eollectanten nad) Europa zu fchis 
cken , auch dazu bereits ein Recommendations: Schreiben von dem 
Herrn Gouverneur erhalten, Herr Paftor Muͤhlenberg aber folche Aus⸗ 
fendung der Collectanten, wegen des öftern Mißbrauchs, und vieler das 
mit verbundenen Koften und anderer Inconvenientien, nicht he 
erachtet: fo habe er fich entfehloffen, um diefelbe zu hintertreiben, nebft 
dem Heren Probft Wrangel und Herrn Reppele felbft die Buͤrgſchaft 
ſolcher Schulden auf ſich zu nehmen, im Vertrauen auf den Herten, er 
werde feine väterliche Fürforge ſowol in Abficht auf die Bedürfniffe der 
Philadelphiſchen Gemeine, als auf diefe Barrenhillifche Kirchenfchul: 
den gnädig offenbaren, und nad) feiner hertzlenckenden Kraft einige mil: 






de Wohlthärer ferner erwecken, einigen freywilligen Beytrag Dazu = 
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‚reich zu widmen. Die Abfıcht mit Diefer Kirche auf Barrenhill fep- 
zugleich) dahin veflgefeget, daß felbige mit Philadelphia als * er 
verbunden ‚ und etwan alle bierzehen Zage von dem Dafigen zweyten 
Prediger in demſelben Gottesdienſt gehalten werden ſolle, bis GOit ſo 
weit helfen würde, daß ein eigener Prediger für dieſe Kirche beflimmer 
werden Fönne, ' 2 ae 
Da übrigens der treue GOtt auch ſchon bisher darinnen feine 
gnadige Fürforge für die Penſylvaniſchen Gemeinen gegeiget, daß er ver» 
ſchiedene Wohlthaten für diefelbe in die Hande des Hertn D, und 
Profefior Francken zufammenflieffen laffen: fo wird für allen ſolchen 
liebreichen milden Beytrag der ſchuldigſte Dank, im Namen der Herren 
Prediger-und der ſaͤmtlichen Gemeinen, hiedurch abgeftattet, mit dem 
hertzlichen Wunſch, daß der HErr, als der Geber und Vergelter alles 
Guten, allen und ieden theureften und mwerthefien Wohlthaͤtern ihre 
Liebe mit reichem Segen in Zeit und Ewigkeit vergelten wolle, Und 
wird zugleich verfichert, Daß alle folche milde Liebes- Gaben treulich bes 


rechnet und nicht anders als zum Beſten Diefer Teutſchen Luther ſchen 


f! 





—— ne. Aubale: 





eat: 


I. Ausg 2. einem Schreiben: des. Heren Paſtot gudhad zu 
Philadelphia vom zoſten Jul. I 


er Dergfeichen ‚von Herrn Dale Aurg. zu Zulpehotem som aten 
— 


III. Dergleichen von — Yaflot Zendſchuch zu phindehhi 
vom zoſten Sept. 1757. 


IV. Dergleihen von Herrn Vaſtor Wühlenberg zu Provideng 
v vom ıflen Febr. 1758. 


v: Nachricht von der Kirche zu Philadelphia vom goflen May 1758. | 


VI. Auszug aus einem Schreiben des Herrn Paſtor Bandſchuch 
zu Philadelphia vom ziſten Octobr. 1758. 


vu Dergleichen von Herrn Paſtor moblenberg u Providcig 
vom azflen Febr. 1759. | 


. VII. Dergleidhen von. ‚Heren Paſtor Sandſchuch zu Philadelphia | 
vom ısten Maͤttz 1759. 


Mr "Dergleichen von Herrn Paſtor andſchuch zu Vhiededhia 
vom ten Detobr. 1759. 


X. Dergleichen von eben. demfelben v vom zoften Sat. bo: | 


= ‚Herrn Paſtor mMaͤhlenbergs Nachricht von feiner Reiſe i die 
Vrovpintz a vom ten Jun. ↄä bis Li. AN —* 


— 


| J.Aus⸗ 





. \ tg ann 82 
a u I ai li I n — iu 






A zzug aus einem Schreiben des Herrn 

Paftor Handſchuchs zu Philadelphia an Heren Hofpre- 

diger Ziegenhagen und Herrn Doctor Francke, 
„unterm zoſten Julii 1757: | 


% eine Bindtiche liche, ; und hie. ietzt in Händen befoms 
mene gute Gelegenheit, treiben mich an, mieder ein 
mal an Diefelben zu fehreiben, und fehuldigft zu bes 
N richten, was feit meinem legten, hier in Philsdelphia, 

vorgefallen. 


—— Bey meiner mannigfaltigen äuffern Berufsarbeit, wovon mich 
* meine Familie nach Nothdurft zu erhalten genoͤthiget bin, hat mir 
der HErr, nebft der mir nicht gang ungefegneten Wirckung derfelben, 
ſo viele Leibes⸗ und Seelen:Kräfte aus unverdienter Gnade verliehen, 
aß nicht nur vor, fondern auch unter. waͤhrender Bettlaͤgerigkeit des 
Herrn Brunnholgens, alleund.iede öffentliche Amtsgeſchaͤfte munter, 
nd manches mal) 59— ohne ‚verfpürten. ‚befondern Segen, habe ver: 
sichten koͤnnen. ‚Auch hat mir der HErr, in mancheriep betrübten Bes - 
—— Geduld und Öelaffenheit gefchencket, dafur, wie für als 
les andere, ich ihn zu ruͤhmen und zu preiſen, die hoͤchſte Urſache Be: 
IX. Penfylo, Sortf 3333 nur 





En Neunte hortſesung er Na bricht aus »Ponanen 
| Se 


"nur muß bebauten, daß es von Be richt. t, tie es do 
billig gefchehen folte. Der HErr vergebe mie um feines Verſoͤh Ense 
Todes willen alle meine Untriafunge und Be gehungs Sünden! 


} 2. Bon Sem Er * gene Ch ee zwar einige 
Hoffnung gemacht, Sochwůr igen stern viel Zuverlafliges mi 
größtem Vergnügen zu berichten, als de rauf Herr Muͤt — 
ich mit ſehnlichſtem Verlangen gersarte ya ui ma bet mu B r 
felben nicht verborgen halten, da en erſten 
kaum die Bormittagspredigt balen Eonte, au y Br de an in u 
ſerſt elenden Umftänden gemefen. — Emo 
am 2 Uhr zu ihm gerufen. Er molte denn“ gerne ettvag reden; er 
aber nichts vernehmliches vorbringen. Die Wemuth warf mich auf 
meine Knie, und machte, daß ich fo heftig betete, als nur konte, auch 
damit eine gute Zeit anhielte. Als wieder aufftund; fo fragte a ſo⸗ 
gleich, ob er denn alles noch völlig verſtanden hätte? welches er mit ei⸗ 
nem Kopfnicken deutlich — Wenige Minuten darauf ſchien es, 












— 
— 
pc 
23 
3 








als wolte er erſticken. chelte/ und ſanck auch unter meinem aber⸗ 
maligen hertzlichen — us le a — ® ſt o den 
sten Julii 1757 des Morge furg vor 4 HIELTEN 


- 3. die Gemeine hat auch in ſeinet langwier igen Kran it viele 
Liebe an ihm bewieſen: denn es fanden fi) immer £ Leute aus iderfels 
ben, die zu zwey bis drey Mann des Nachts bey Dur wac aöten in 
bey viele Ungemaͤchlichkeiten auöfiunden. NR VAR 


4. Diefen betrübten Zodesfall,, berichtete fogleich Bi 5 
Mlählenberg durch einen Expreſſen. "im 6 Uhr Eamen die vornehm⸗ 
ſten Aelteſten zu mir und baten mich, in Herrn Brunnholgens Haug 
mit zu gehen, und alles, was bey der Hand feyn. —— aufu nufcoreiben 
und verfchlieffen zu helfen, fo denn auch gefehahe. ach en alle 
übrige Aelteſten und Vorſteher — uffere 
zum nothdürftigften Leichenbegängniß, vorläufig su veranftaften. Don 
nerstags frühe, Fam Herr Muͤhlenberg bey mir in Philadelphia. an, 
und brachte den jungen Herrn Aurg mit. Weil nun weder er, noch 
ich, vor ABemuth des Hergens, kaum ein recht lautes Wort reden 
konte: fo mufte der junge Herr Rurg vor den * treten, und eine 
vorher meditirte Leichenrede nt 





5. * 







— 


Arsen un, sm Pal Bankbuhe Brief von mtr) :708 


'amen.alle Ae ſte und⸗ in mein Haus; 
| run mes ——— e hal he andern 
gefunden wurdes „daß feine Bibliothec ‚der Kirche folle vermacht 
ſeyn; jedoch ner der Bedingung, Daß allegeit ein rechtmaͤſſig von Halle 

aus gefende Prediger, ihr ordentlicher Kehrer, und derfelbe, mit noch 
einem küchtigen Mann ausder Gemeine, der Auffeher Darüber feyn folle. 

an n dem, nach bezahlten Schulden und Bermächtniffen , übrig blei⸗ 
- benden Gelde, folte auch eine Stube an ber Kirche zur Bibliochec er⸗ 
bauet, und dieſelbe da hinein gebracht werden. 


I Hear Muͤhlenberg hat heute verſprochener —— wieder hier 
ſeyn und morgen predigen wollen. An ſeiner Statt aber kam der junge 
Herr * der morgen hier predigen ſoll; daher ich fo viel Zeit unver 
muthet befommen , gegenwaͤrtiges in aller Eil, und bey Abwartung der 
Serein Seſchatte aufzuſetzen. — waͤre es wol mit dießr ſchoͤnen 
169 ra auch noch nicht gefhehen. 


1. Derfelbe hat denn bereits feit einigen — — jun⸗ 
gen n San Burg, zum Helfer in ‚feinen Gemeinen angenommen. 


8. Mit den übrigen Apr ſtehet es noch —* ſo, als wir neulich 
berichtet haben. 


0..Wie es er Kına, dem älter , — werden Zochwuͤr⸗ | 
dige Däter, aus feinem hiebey —— Briefe an — Můhlen. | 
berg, einiger —— belieben. 


| 1er und Seeretaite,i mit noch. fehe vielen andern, 
find vergangenen Montag ı vor acht Tagen wieder zu einem neuen Ver⸗ 
trag mit den feindlichen Indianern, aſton gegangen, und haben 
srofe Geſchencke zu ihrer Befriedigu ng. mie nommen: ob aber folche 
| Buth und Graufamkeie fillen ee ehet zu erwarten. Bei 
M üblenberg ‚bald zu ſchreiben gedencket; ſo ſchlieſſe hiemit. 
Die lieben Väter wollen fuͤr uns arme Penfoloanier, beten. 
Sch ia 
Ne 7 . — 


— 


age nal ee — — der 


















9 a Bm Seien Sandräug. 


— 


704 Neunte Sottfesung der biachricht aus Prim. 


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ren aſtor ehokem am. ‚Hrrr 

ar ‚ARBOR, Müuhlenberg zu Brooiden, men x ; 
| vom aten — ale = a 









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doch tool die Urſach fepn an — 
Gegenden fen, welche die empfindliche Strafgerechtigt tes fü 
len müffen?. Sc) habe in Erwägung und: * vohl be⸗ 
wuſten groſſen Untauglichkeit, — Ye Une ne | eget 
mit einer Antwort a wolte, | 
m biefe:. B die Lat ohner, Die vielen und ( 
St Ihnen im lichen und geif | 


eng Be —* RR dem enger GR Als 
zen, Ich weiß, erkenne, und fühle meine, groſſe Untreue und Mängel, 
ich Fann nicht leugnen, daß noch fehr vieles bisher ift verſaͤumet wor⸗ 
den: dennoch aber muß ich zum Preife meines GOttes bekennen, daß 
er mir oftermalen Gnade und Barmhersigkeit gegeben, fein heiliges 
Wort, und den Rath-GHDttes von dee Menfchen ne 
druck zu verfündigen, und meinen Zuhörern vorzulegen. ı Daß: 
ches von fo vielen noch nicht erfant.und angenommen worden lei⸗ 
der am Tage und aller Knechte GOttes betrübte kan —* gröffe, nun 
die Wohlthaten und Gnadenheimfuhungen GoOttes find, ie gröffer, 
härter. und empfindlicher find hernach Die Zornfluthen Be 3, wenn 
jene nicht erkannt und angenommen morden find. D och wie gar unbes 
greiflich find feine Gerichte, und unerforfhfie) feine Bogen Der Her, 
handle mit ung nicht nad) feiner Gerechtigkeit und unfern Werden; 
fondern nad) feiner Güte und groffen Menſchenliebe, D bie er in n Jeht, 
ſeinem Sohne, zu uns hat! 

Dieſen Morgen, wurden ſieben ermordete und — nem 
lich drey Männer und vier Kinder, zur Beerdigung auf unfern Bis 


















(*) Scalpen, nennen die Engländer die granfame Weiſe ver Indianer, da ſie den ge⸗ 
toͤdteten Feinden die Haut mit den Haren vom Kopf abziehen. Man vergleiche 
die vierte Fortſetzung ©. 161. (5) 


Er — Brief von 17570) 





ie. nd han ‚in — in — und —— | 
Es iſt nun. hinter uns abermal gantz leer, und da die 
rder bie hinterſten Bee: laffeı 1% und, bey ihnen pe reiten und eins 
fe, fo ift man faft nicht mehr ſicher bey Tag oder bey Nacht. Weil 
id if gangen Dieip en mich ſehr befehaftigen müffen, ſo habe n 
inuten erü an di ‚ diefe paar Zeilen fertig zu MahER, 









unt nd mit iefemn ( Erpreffen fortzufchigfen.. AWerther Herr Gevarter wol⸗ 
Ten es Demnach: —— igen, daß alles, fo Durch einander gefallen; 1 und 
veil es mir vor.dis 20 — hlevon, an —* 
dſchuch/ zu ſchicken, welches 
eliebt err Gevatser,Diefe wenige En 
ihn ſchick — ‚Hiermit verbleibe ac: 


apstil sen Ba Amt RN — mn f Sohann Nirolaus Kurt. | 

J— Kane“ Ru are — Pr 

’ R © ie Mordth if efehehen, Kr iſten gali gegen be; in 
ethek in ber Graffchaft Lancafker , anderthalb Meilen von der 

© Zutpehoter Grentze. Der Kna e ) em noch entfprungen, hat vier 

— nn dav on find i ſind i hmnadpgelaufen, u und * 

















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os In diſen —— wenl engem Dem — deren umge 
fehr vier auf eine Tentfche gehen. 

* Ein Settlement iſt ſo viel, als im Frarzöfiſchen ein Etobliſſement und Bedeutet 
die Anpflangungen, wo fich die Einwohner niedergelaffen, und um ihre Wohnun: 
gen die Ländereyen angebaust haben. 


06 Neunte Lortſetzung ber Nachricht aus Penfplonnien 


IH. Auszug aus einem Schreiben ded Herrn 


Paſtor Handſchuchs zu Philadelphia an den Herrn Hof 


prediger Ziegenhagen und Herrn Doctor Francke, 
vom often Septeinber 1757... 


ero gütigen Inſtructionen gemäß, ſtatte einen abermaligen ſchul⸗ 

"digen Bericht, von unfern Gemeinen und einigen andern Um⸗ 
ftänden, gehorfamft abs nachdem der guten Zuperficht lebe, daß 
alle meine fegtere, theils längere theils Fürgere Briefe, durch GOttes 
gufe Hand, an Ort und Stelle glücklich werden angekommen feyn. 
ı. Heren Brunnholtzens am sten Julii a. c. erfolgtes Abfterben, 

und die vor und nach feinem Tode mit vorgefommenen befondern Sale, 
babe. in meinem legteren , fo viel Damals Zeit hatte , nad) Nothdurft 
umftändlich berichtet. Seine, der Kirche vermachte fchöne Bibliothec, 
wird nun mit nachftem, in eine fhon fertig gemordene Stube, über dem 
‚einen Kirchen Portal, gebracht werden. 2 | Ä 
2, Unfere Gemeine in Philadelphia in etwas nahern Umſtaͤnden 
betrachtet; fo hat fie fich feit vergangene Oſtern, merdlich vermehret, 
Denn es find manche wieder herbeygefommen, und Fommen auch noch, 
die borher von der Kirche und Gemeine waren abgehalten, ja zum 
Theil zu andern Partheyen gezogen worden. Der iedesmalige öffent- 
liche Gottesdienft, wird von ungemein viel Leuten befucht, und in gezie⸗ 
mender Zucht und’ Ordnung, wie auch mercklicher Aufmerckſamkeit, zu 
meiner nicht geringen Freude, gehalten. Daß das in Einfalt gepredigte 
Mort,einige Frucht fehaffe, mercke ich nicht nur an denen, Die am heiligen 
yfingſitage, und dreyjehnten Sonntage nach Zrinitatis, zum heil. Abends 
mahlgegangen, fondern auch feit drey Monaten an vielen Kranken. Die 
bisher fehr ſtarck herumgehende, gang aufferordentliche Fieber, Davon Die 
Aertzte felbft nicht teiffen, mas fie dencken follen, helfen nicht wenig; 
weil fie, nebft dem graufamen Indianer Kriege, aufferordentliche Ge⸗ 
richte GOttes find: da denn Die Zuhörer deffen wieder eingedenck wer⸗ 
den, was fie feit einiger Zeit, aus GOttes Wort predigen gehoͤret. 
Hätte es jedesmal die Zeit leiden mollen, von manchen vorgefommenen 
befonbern. Fällen, nur. das vornehmfte aufzufchreiben; ſo Fönte Soch⸗ 


würdigen Vätern, mit manchem feinen Exempel, ein hergliches Der 


gnügen machen. Aber bey fo groſſem Mangel der Zeit, Darf es hiermit 
Ey | — nur 


—— — — 


207. Zen: Pape Fandſchuchs Brief von rss ¶ 707 


inter, einen and den andern Tag, daß ich mich wieder auf alles beſin⸗ 
nen, es auffehreiben, und Denenfelben gehorfamft uͤberſchicken Tann. 

in mir arfig gefehienenes Erempel, will ich doch nur kuͤrtzlich berichten. 
holete mich vor vier Wochen ein junger Menfch, zu einer ehrbaren 
Wittwe aus unſerer Gemeine, zehn Meilen von hier, um derſelben 
das Abendmahl zu reichen, und mit ihr zu beten; teil fie ein fehr ſtar⸗ 


ckes Verlangen darnach bezeigere. Wie in das Haus der krancken 
Wittwe kam; fo verfammilete fich bey ihr, in weniger als drey Minuten, 
‚eine nicht geringe Anzahl Nachbarn, deren die meiften englifche Quacker, 
Presbyterianer, von der Hochkirche, und einige andere reformirte 
Teutſche, waren, Bey dem Gebet, und der Unterredung mif der kran⸗ 
cken Wittwe, auch bey Austheilung des heiligen Abendmahls, bezeigte 
fich die gange Gefellfehaft ungemein ehrerbietig; da inmittelft ein Paar 
betagte Eltern, mit ihren drey erwachfenen Kindern, deren Vater ein 
englifcher Anabaptifte, und die Mutter von der Hochlirche war, auch 
mit herzu Famen. "Nachdem ich mit der krancken Wittwe in allem fers 
tig. war, baten mich Diefe englifche Leirte, ihre Kinder zu taufen. Eltern 
und Kinder fragte um die wichtigften Sfaubenspuncte, und fand, daß man 
ihnen ihre Bitte nicht wohl abfehlagen konte. Wie zur Zaufhandlung 
ſelbſt Anſtalt machen wolte; fo waren die Quacker eben’ fo mol, ale die 
andern, Dazu behuͤlflich. Eine gewiſſe Quackerin, der Wittwen Toch- 
ter, fo drey bis vier von ihren Kindern, mit bey fich hatte, weinete unter 
der Taufhandlung immer fort, hoͤrete auch hernach fobald nicht wieder 

auf. - Alles tegtere mufte in englifcher Sprache verrichten, und ging fo 
ab, als wäre die gantze Geſellſchaft nur von-einer einigen Geſinnung 
gervefen. Beym Abfchiede, wolte gern ein iedes feine Dienftfertigkeit be 
mweifen. Ein anderer englifcher Nachbar ritte mit mir gu einem krancken 
Maͤdgen, eine Meile ſeitwaͤrts, und begleitete mich ſodenn auch wieder 
nach Haufe. Sich kann mit Wahrheit fagen, daß mir lange etwas nicht 
ſo wohl gefallen, als dieſes; da ſonſten in dieſem Lande, alles noch gar 
au ſectiriſch und partheyiſch iſt. u TRIER ILS. 






3.23, Welunfere'Schule;eine giemlich ſtarcke Anzahl Kinder hat, 


und im Sommer in der Kirche gehalten worden, ‘des Winters aber in 
Herrn Beunnholgens Kaufe, und welches’ nicht mehr ſo angehen kann, 
weil Die Kinder fo viel Unrath mit in die Kirche tragen, daß ber Staub 
die Orgel nicht wenig befchädiget, und bey denen ng J 
Tree oh \ : oche 


4 


708 Lleunte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Woche, es oftmals einen Uebelſtand verurſachet; auch die, Schule in 
meinem Haufe fehlechterdings: nicht kann gehalten werden: fo, haben bie 
Bornehmften im Kirchenrath, es-für nothwendig befunden, einen Theil 
eines Dazu bequem gelegenen Haufes, auf ein-halb Jahr, mit meiner Be⸗ 
willigung zu miethen, find auch mit GOttes Hülfe entſchloſſen, ein be- 
fonderes Pläsgen, an einem bequemen Ort in der Stadt, mit nächften 
zu kaufen / und ihr eigenes Schulhaus darauf ‚guibauen. Die Kirche iſt 
stone: noch mit ſchweren Schulden behaftet „und Die Gemeine , fo Zahl- 
reich fie auch ſeyn mag, iſt ſehr arm. Unterdeß haben ſich doch einige 
Verſtaͤndige gefunden, die ſich bey mir verlauten laſſen, wenn zu einer 
ſo hoͤchſt noͤthigen Sache, Anſtalt gemacht werden ſolte; ſo wolten ſie das 
Ihrige redlich mit beytragen · Wie es denn die Stadtgemeine gewiſſer 
maſſen auch wohl werth iſt, daß ihr, von drauſſen herein, eine beliebige 
Beyſteuer verwilliget werde. | — ar 

4. Es haben mich Herr Mlühlenberg , Here, Reppel und Herr 
Shleydorn, unfere wichtigfte und vornehmſte im Kirchenrath, in Bey⸗ 
ſeyn, und mit Genehmhaltung von mehr denn fuͤnf und zwanzig der bes 
ften Aelteſten, Borfteher und Gemein Männer , ohngefehr vier Wo⸗ 
chen vor Heren Srunnholgens Abfterben, in geziemender Drdnung 
herglich gebeten, mich der Gemeine in allen Fallen, beftens anzunehmen. 
Seit der Zeit gehet auch alles in der Gemeine, in fo feiner Stille und 
Drdnung fort, daß es nicht anders ausfiehet, als waͤre ich ſchon viele 
Ssahre ihr ordentlicher, Pfarrer geweſen. Gegenwärtig, ſcheinet es, als 
wäre mir, durch GOttes hoͤchſtwunderbare Regierung, dieſes Loos in Des 
HErrn Weinberg zugefallen, wobey ich mich leidentlich verhalte. 

5. Bergangenen Sonntag, predigte Herr Muͤhlenberg hier, und 
befprach fich mit einigen der-Bornehmften im Kirchenrath. 
| 6. Gedachter Herr Muͤhlenberg, befindet ſich dermalen in Bari⸗ 
tan, und wird, allem vermuthen nach, dieſe Zeit über feine mannigfal⸗ 
tige Muͤhe und Arbeit gehabt haben. Wie aus einemgeftern erhaltenen 
Briefe erſehe; ſo wird er nachften Sonntag noch da bleiben. 

7. Herr Muͤhlenberg wird, wenn er von Raritan wieder zurück 
kommt, Heren Schaum, als einen nahern Bruder, in feinen Gemei⸗ 
nen zum: Helfer annehmen. Der jüngere Herr Kurs, kann vieleicht 
an jenes Stelle, nach Toheka geſetzt werdhen. 

8: Der ältere Herr. Aurg, hat in dieſen gefaͤhrlichen Kriegszeiten, 
mancherley Hebung und Prüfung gehabt, | 


9. Mit 


Al. Srn Paſt. Handſchuchs Brief von 1757...” 909 og 
9. Mitdenen üb on. in unfere Gemeinſchaft aufgenommenen, hat 






t, fo viel * wichtiges zugetragen. Was aber die 
übe, (0 elb An fenen, oder fid) zu Pfarrern aufgeworfenen, 


elen ar — ordinirten, und oft ſeht ſchlechten und. lieder⸗ 
ne chulmeifier , als Handwercksleute und dergleichen. betrifft; fo 
— ung darum nicht, weil wir nicht im Stande find der— 


jean eingeriſſenen Unordnungen, in einem fo freyen Lande und unter 
vlelerley 9— ein: abzubelfen. Was. ich von Zeit gu Zeit 
gufälliger wei, deshalb hören muß, iſt, wie leicht zu theils 
ae Dein aber auch. betrübt genug. 


. Sohann BR: Handſchuch 









IV.A Aueh! g eine Schreibens des Haiti 
' ars Muͤhlenbergs zu Providenz, an Herrn Hofpre- 
— iger — und Herrn Doctor Stande, 

29 Klee SORTE ıften Februar: 1758: 


* aß wir im November und December. 1756 mit Zroſtbollen 
I Dt en, auch einigen a en vol Bücher erfreuet worden, iſt 
F 8 ſchon in verſchiedenen Briefen von hieraus gemeldet worden. 
Der allmachtige Ma gnaͤdige GOtt fen Dero Schirm, Schild und 
ſehr grofler Lohn! Hochwuͤrdige Väter und Gönner! Wenn fie 
‚noch nicht zu. den Geiſtern der vollendeten Gerechten, zur ewigen Ruhe 








und. Sicherheit heimgeholet, fondern nod) in der feidenden und flreiten- 


d che auf diſſeit der Ewigkeit wallen; ſo kann ich mie aus Erfah⸗ 
fe FR Borftellung son Dero Zuftand und Gedränge ma⸗ 
chen. Ein finſterer, ein dunckeler, ein woͤickigter, ein nebelichter Tag. 
Joel 2. Die vornehmſten und getreueſten Knechte GoOttes haben lange 
genug mie Jeremia Cap. 6, 10. lagen muͤſſen: Ach! mit wem ſoil 

doch reden, und zeugen ? daß doch iemand hören wolte! 
ber. ihre Ohren find. ‚unbefebnitten, ie mögens nicht hören. 
‚Siehe , fie halten des ZErrn Wort für einen Spott, und 
‚wollen fein nicht. Cap. 5,4 Jh dachte: wolen, der arme Zaufe 

AR, — Aaa aa iſt 






210: meunte gorsfsung der Nachricht — 


iſt unverſtaͤndig, weiß nichts um de Sven Meg und um: 
 BOttes Recht. Ich will zu den Gewaltigen geben, 
ihnen reden; diefibigen werden —9* Errn Wei 
GOttes Recht wiffen: —— alleſamt 
zerbrochen und die Seile ze Die Zeit iſt 
Fichte an dem Haufe GSttes anfahe, was” oil es er ür ein n Ende 
nehmen mit denen, bie dem Eoangelio GSttes nicht Ki In fo 
cher Zeit und an vem uͤbeln Tage, ift ja wol allen Kindern | 
zuͤglich Ephef. 6. nöthig, die ganze göttliche Y J—— 
greifen und anzulegen. O HEer hilf, daß | * — wa 
und beten, daß wir würdig werden mögen, zu entfliehen dieſem 
allen, das geſchehen fol, und zu ſtehen vor des Menſchen — 
Rechtglaͤubige bleiben ruhigi in der Unruhe, wenn ſie beyd ber groſſen B 
wegungen cauffam primariam, die hoͤchſte Urſach, mit einfältigen Aug 
betrachten, und bloß denen Politicis cauflas fecundarias , die Mittel Urs 
Kae überlaffen. Wenn die Vene aus Erfahru behauptet: 
ella etiam inferuire regno Di ,'d ie Arisge uch dem Bi 
SOttes dienen möften;, fo Ai: ihrer sinn ig und, befe mit 
allen übrigen, daß durch ſo arafı Din a aa ‚räfige Borbereit 
gen gemacht, und infonderheit en im Oster uns 
fer erfüllet werden möchten: Das. — 1 > uns auf GOttes 
Direetion und Zulaffun befallen Tann, in Die Trennung dee Seele 
und des Leibes, und damit kann gläubigen Seelen —9 Ku offer To 
gefchehen. Leben wie dem’ Ben ſo ſterben ou v6 
SEren. Chriftus ift unfer Leben, und Sterben unfee Gewinn. 
Ich dachte vor ein paar Fahren, daß die 5 Leiden und Zucht⸗ 
zuthen allein über uns, in dieſem Winckel der Welt ergehen ſolten, 
aber es ift faft allgemein ** und wenn ich die Bewegungen und 
betrubten Umſtaͤnde, ſo in meinem Vaterlande feit dem vor fallen ; 
aus den öffentlichen Nachrichten erwaͤge; fo deucht mir unfere Noth in 
Bergleichung, wenig oder nichts zu ſeyn. Der allerheiligfte, aber auch 
geduldige und langmuͤthige GOtt gehet mit ung flufenmweife, Kr 
ein und andermal zu haͤlt wieder ein wenig ein, zeigt, daß er nicht 
gerne und von Herken die Menfchen betrübe, giebt Zwifchenraum Dr 
Buffet Bebehrung, und ſchlaͤgt einmal wieder zu. Wenn wirs 
aber im Gantzen überlegen; ſo heiſſ es feider! im unſerm ‚Theil der 
Welt: Din fehlägeft fie, aber fie fuͤhlens nicht, du ſchlaͤgeſt 
fie, aber fie beſſern ſich nicht: Jerem.s, 3 - Da Feuer ift - 
vn 
















* 








- 


IV. Zen: Pafis MTühlenbergs Brief von 175% zur 


ſerm Theile zuerſt ausgebrothen, und wird, wenn es herum ift, vermuth⸗ 
lich aud) hier zum Ausgange brennen und rauchen, weil hier. das meifle 
duͤrre Hol von Demäbrigen Theilen der Belt zuſammen gehaufer iſt. 


Wenn Sochwuͤrdige Däter nicht in gar zu groſſem Gedränge 
und Zrübfal waͤren, und noch etwas von unfern Umſtaͤnden zu verneh⸗ 
men geruhen möchten; ſo wolte fürslich das nöthigfte berichten: 

Herr Brunnholtʒ war die,legte Zeit drey Monath bettlägerig, 
nahm ab an Seelen: und Leibegkräften. Herr Paſtor Handſchuch war 
gebrungen, das letztere Fahr nach Heren Seinzelmanns Tode, faft alle 
Amtslaft, nebft feiner fchweren Befchäftigung bey der Buchdruckerey 
der Academie zu tragen. Diefes war ihm fehr muͤhſam, weil er übers 
diß mit feinem Gehalt von der Aufficht über Die Druckerey nicht aus⸗ 
Tommen Fonte. Ich wufte in der Sache keinen Rath, bat ihn alfo, ex 
möchte Doch in Geduld das Were des HErrn an der Gemeine forte 
ſetzen. Solchergeſtalt verfahe Herr Paſtor Zandfcyuch den öffentlichen 
Gottesdienſt nunmehro faft gang, und ich veifete auch mit vielen Bes 
ſchwerden und Unkoſten ab und zu, und fuchte die Gemeinen aufjus 
muntern ꝛc. Wie ich denn von Herrn Heinzelmanns Krancfheit an, 
bis auf Herrn Brunnholgens Tod, und nachher ſechzehn mal in 
Philadelphia geweſen, dergleichen Keifen zu Pferde aber Eoftbar fals - 
ten. Bier Wochen vor Herrn Brunnholgens Tode, wurde Herr 
Paſtor Handſchuch in meiner Gegenwart, vor deffen Kranckendette 
von den Aclteften und Vorſtehern der Gemeine als ihr ordentlicher Pre⸗ 
diger befprochen und gebeten, alle Amtsverrichtungen auf ſich zu neh⸗ 
men. Am sten Julii 1757 war ich fiebenzehn Meilen von meinem Haufe 
höher hinauf ind Land gereifet, um den zerſtreuet wohnenden Teutſchen 
und Englifhen Leuten GOttes Wort zu verfünbigen, und die altus 
minifteriales gu verrichten. Am sten Julii veifete zehen Meilen weiter 
und befuchte Krande. Am sten Julii Abends kam unter ſtarcken Nes 
‚gen fieberhaft und matt zu Haufe, und fand einen Erpreffen von Phi⸗ 
ladelphia, welcher berichtete, daß Herr Brunnholg am Morgen früh 
um 4 Uhr, in Deren Paſtor Handſchuchs Gegenmart und unter.feinem 
Gebet. verfehieden, und ich hinunter zur Leiche Fommen folte. .. ich ant- 
wortete mit ein paar Zeilen und gab meine Meinung wegen des Begraͤb⸗ 
niſſes, aud) daß ich am Sten Julü hinunter kommen und: am 7ten der 
Leiche folgen wolte. Den sten Julü veifete ab mit Herrn Wilhelm 
Aurg Studiofo Theologie, welchen auf eine Zeitlang als amanuenfern 
Aa * | YAaanaz zu 


2 Neumte Sortfegung der Nachricht aus Denfplosnien. 


zu mir genommen; konte aber, wegen übler Wege und groffer Hige, Phi⸗ 
ladelphia nicht erreichen. Den ten Julii kam an, und machte mit 
Anſtalt zum Begräbniß. Um 2 Uhr wurde der Leichnam in die Kirche 
begraben, unter Begleitung etlicher Profeſſorum von der Academie, und 
der Prediger von allen Kirchen und Partheyen aus der Stadt, ohnge 
fehr funfzehn an der Zahl, nebſt einer grofien Menge Bürger und Lands 
leute. Wir hatten den Schwedifchen Probft, Herrn Parlin um die 
Leichenpredigt erfucht: er entfchuldigte fich aber mit Kranckheit. : Ich 
und Here Paltor Zandſchuch waren bende zu wemuͤthig; folglich war 
niemand uͤbrig, als der gedachte jüngere Herr Kurtz, den ich am Abend: 
vorber erfuchet auf eine Parentation zu meditiren, und die er auch über 
Phil. 2,12. 13. hielte, nachdem ich mich entfchuldiget und verfprochen 
zu einer gelegenern Zeit noch ein Wort zu reden. Nach gehaltener' 
Parentation, fagte denen Englifchen Anmefenden in ihrer Sprache ſchul⸗ 
digen Danck für die erwieſene Liebe in Begleitung der Leiche, und führete 
die Herren Profeffores und gefamten Prediger,nach Gebrauch, ing Frauers 
haus zuruck. Nachher conferirte noch etwas mit den Aelteften und Vor⸗ 
ſtehern in Herrn Paſtor Handſchuchs Behauſung, und reiſete in der 
Nacht meiner Heimath zu, weil von dem Herrn Gouverneur ein allge⸗ 
meiner Buß: Bet: und Faſttag auf den sten Julii verordnet war, und 
ich verfprochen hatte, an dem Tage in Providence Teutſch und Eng» 
liſch Sottesdienft zu halten, auch Nachmittags fieben Meilen über der 
Schulkiel zu predigen, fo denn- unter GOttes Benftand in Providence 
vor zahlreichen. Berfamlungen zwar nicht ohne Segen gefchahe, mir 
aber eine folche Entkraͤftung verurfachte , die mir den Tod zu drohen 
fhien. Don der Zeit an war Herr Paflor Zandſchuch denn genöthis 
get Philadelphia gans allein zu verfeben, weiches er auch treulich ges 
than, ohnerachtet feiner übrigen Gefchäfte, bis auf den aıflen Novem⸗ 
ber. vorigen Jahrs; da Die: Xelteften und Vorſteher in einer Verſam⸗ 
lung und meinem Beyſeyn, ihm einen fehriftlichen Beruf in forma auf 
die Gemeine in und um Philsdelphis übergaben. 


2. Bermantoron habe ich am meinem geringen Theil, big auf 
Herrn Brunnbolgens Tod, dann und warn befucht. Weil aber nun⸗ 
mehr Herr Paſtor Zandſchuch genng mit Philadelphia zu thun hat; 
fo kand ich allein nicht helfen, fondern muß e8 liegen laſſen bis auf wei⸗ 
tere Verfuͤgung. Die Aslteften hatten zwar in der Damaligen Dige 
| ; und 


IV; Zen. Paſt. Wlöhlenberge Brief von m") yı3 


‚and Bebrängniß hundert Pfund (”) geliehen, und fih zum Theil dafür: 
 verbürget, und davon einen fehönen und bequemen Plag zum Schul⸗ 
und Rerfamlungshaufe —* Weil es aber nicht rathſam iſt in 
ietziger Kriegeszeit und bey dem Mangel rechtſchaffener — in 
— Bann! wir und in der Sache nicht zu helfen. | f 
3. Die Gemeinen auf den Raritan in erfey verfielen immer 
— in Uneinigkeit. Endlich nahm Herr Schrenck zu Ausgang des 
1756ſten Jahres Abſchied, und ließ die Gemeinen im Stich. Ver ſchie⸗ | 
dene gutgefinnte und wackere Ölieder von daher Famen mitten im Wins 
ter des ı757ften Jahres zu mir, und baten mit Thraͤnen, ich ſolte doch 
um GOt es willen noch einmal helfen, und fo zahlreiche Gemeinen und 
ihre Kirche nicht in der Rappuſe laffen. Ich hatte. Mitleiden mit den 
redlichgefinneten Seelen, und. befürchtete auch alle Tage, daß Her 
RKurtz von den wilden Feinden würde aus Tulpehodem. verjagt wer⸗ 
a: — — verſprach den guten Leuten, daß mich ihrer noch ein⸗ 
| ınd fie im Frühjahr 1757 befuchen wolte. Als folches 
Eund tourde, verurfachte es bey vielen Bergrügen, 
ebirgen traten Die-älteften Gemeinglieber ohne mein QBif- 
fen —— „vereinigten ſich eine neue Kirche zu bauen, und 
in kurtzer Zeit 300 Pfund zuſammen. Da Die Englifchen 
Kirchenleute folc es vernahmen; ſo machten fie auch 200 Pfund zuſam⸗ 
men, mit Dem Beding es bepzufteuren, tvenn der Cvangelifcy Teutſche 
eo dann und wann eine Englifche e Predigt in der ‚neuen ee 
volte, welches unfere Seute in Hoffnung zufagten. Im Frühia 
* mich auf Die Reife nach Jerſey, litte zwar zweymal etwas Scha⸗ 
den in den aufgeſchwollenen Waſſern an der Geſundheit, kam aber doch 
lebendig nach dem Raritan in Begleitung unſers Schulmeiſters, und 
verblieb —— vier Wochen, weil der jüngere Herr Zurtz indeſſen meis 
ne Penſi lvaniſchen Semeinen mit Predigen verfahe. Der Gries. Unru⸗ 
hen mit den Wilden an den Grentzen unerachtet, verliehe ung der 
barmherkige GOtt doch Gnade, Segen und Erbarmung, fo daß beyde 
geofie Gemeinen wieder geſamlet, verfühnet und lieblich vereiniget wur⸗ 
Die Englifchen kamen aud) hauffenweife herzu/ und lieffen ſich in 
a Kirche erbauen. Ich mahnete zwar die eine Gemeine von ihrem 
vorhabenden ſchweren Kirchenbau ab, weil wir in ſchweren Kriegeslaͤuf 
er DET ten 
* In dieſen Nachrichten if überall die Penſilvaniſche Eursent Wuͤntze zu verſtehen, 
wovon 12 Pfund ı Pfund Sterling ausmachen. 














4 REINER ae Penfhenien 


ra Sie antnonten be: es min bfe,babeihe &ihaf, 








Gotteshaus verwendeten, als den Feinden —* 
—— Engliſche gebrauchten Ben PR 38: Gt 
und: baten inftändig., ich. folte, wo möglich, doch nur auf m 
mit meiner Samilie zu ihnen sieben‘, und ſie mit den Snaen 
bedienen, | die 2. lvanier hätten ja viele Prediger und fie gar keinen ꝛc. 
ditte Gege n waren nicht hinlänglich für fie, und ei ich 
zuletzt einwar — — und untüchti 
ne Samilie he, en fie innerhalb vier Monathen ſchon ee 
lich Haus von Steinen neben das alte — — mit vieler Muͤhe und 
ſchweren Koften. In Betrachtung aller Umſtaͤnde und deren Zuſam⸗ 
menhang obgleich mit.meinem Schaden im Leiblichen) Ponte nicht an⸗ 
ders, als ihnen verfprechen, daß mit GOttes Hülfe zu gelegener. Zeit 
* eine Krane gu * ziehen un die Gemeinen ee „. 
erbauen wolte 


ns Herbſt 1757. beſuchte ich die beſagte Se eine nen 
——— zum zweyten mal, und d blieb be a: fünf Wochen und et 
viel Vergnügen in. GOtt, weil das Wort unter —— 
Engliſchen zu fahen ſchien. 


5. Die Veuyorker, nachdem fe von Zochroärdigen aan 
keine Erlaubniß meinetwegen erhalten koͤnnen, haben endlich. — 
Weygand/ſchriftlich nach der Form, zu ihrem Prediger ae 
find big Daher einig und —— —J R 3 alles da herum Ki 
meine Mühe verfehen wird... — 


6. Die Gemeine in Cohenzy bietgig Meilen von Jhldehhin 
in Jerſey nach der See zu, wird des Jahrs ein paar Bl von PER 
Paſtor Sandſchuch beſucht und mit — bedienet. 









7. Herr Schaum hat bis daher ein und — Hiuftin, y ah A | 


| Fiuß Tshiden in Penſylvanien, bedienet, und im Winter etwas 
Schule gehalten, dabey im Leiblichen ſich kuͤmmerlich beholfen, weil es 


meiftens arme Leute find unter welchen er wohnet. Wenn 8 GOtt 


fo. füget und die Umſtaͤnde darnach dirigiret; fo wolte ihn gern aufs 
naͤchſte Frühjahr an flatt des jüngern Herrn Rurg, zum Helfer in meis 
ne Gemeinen zu —— und FE aufnehmen. 


Hear 







j urtz der dee won uch ED tes Gnade noch in feis 

m Semenen w duehet " my und arg, —* der — 
tt darreichet, Fleiffig. vorigen 

etliche nal 1, Seil im er anfaͤnglich rer * 


kei Sierheit dr zu bringen und zu mie zu ziehen· Weil er aber 
Gert, YA m: es —5 —— jr Sucht gereitzet werden ‚fo 
fieb er. Nachher hat das G ee 2. — 
na \ tt ; wie lang es 
n md hte, — — and fie doch nicht ſicher * 
1 der übrigen an: wilden Nationen. "Wohl dem 


es Zuůlfe der Ban 
* kr "Beil der obgedachte jüngere Herr Kurtz ER 
Glaucha er Dem — zugethan und willig war zu hel⸗ 
ſo nahm ic) i ch in mein Haus und Pflege‘, um 
einigen kleinen ar 9 Verlangen mit GOttes Wort zu 
dienen. Zu dem Ende beſtimmte eine Gemeine in den Olyer Bergen, 
eine inüpper-Doublin, und die Dritte über der Schuffiel in NewLondon, 
und den vierten Sonntag folte er in meinen Gemeinen predigen, Darnle 
bie unddai im Nothfall andern Gemeinen dienen koͤnte. 

"10: Seit dem Anfange des Krieges, ſind die hintern bewohnt: ge- 
mefenen Gegenden son Penſylvanien, obngefehr einhundert Meilen in 
die Länge, verwüſtet, und etliche taufend Seelen von den graufamen 

Wilden theils jaͤmmerlich ermordet, theils in die heydniſchen Wild⸗ 
niffe gengen weggefchfeppet, auch theils weiter gu una herunter arm 
und bloß vertrieben worden ' Die Armen Leute gehen hauffenweiſe bet» 
ten, and wiſſen nicht wohin, Sie zerfireuen ſich zwar zum Theil und 
reifen nach Maryland, Virginia und Norde Caroline Mind‘ aber 
—— 9— ſicher Be on 5 | 310 She au: 

F en December le n ve i 

diger Here u ih Vicaco bey Philade hin an de r Plevreſi u Er 
fuccedirte dem Hertn Acrelius als Probſt/ und: war ein frommer, ge⸗ 
lehrter und Me er Zheologus, der während feines Hierſeyns mit 
‚ung achte Freundfchaft gepflogen. Wir bedauren feinen Verluſt ſehr 
weil er ein junger Mann war, der der Kirche € Nah noch gute Diens 
fe hätte feiften önnen. 

12 Die Europaͤiſche Kriegsanfkaften der in dieſem Den der 
Belt fehr langſam und beſchwerlich auf unferer Seite, weil wir den 


Du Bebaoth mit altzuvielen Uebertretungen zur Ungnade wider — 
ge 






2 Ta. 


116. Yhennte Sortfegungder Nachricht aus Penfrlonnien: 


gereiset haben, und das Maaß der Sünden täglich och mehr uͤlle 
und haͤufen. Es wird wenig oder nichts mit GOtt und in feinem 





theuren Vätern und vielen werthen ‚bekannten. und. unbekannten 
Sreunden zu Halle, und an andern Orten ergangen feyn? Wie viel 
- taufend Hergens: Seufser, Gebeter und heiffe Thränen mögen vor 
dem Gnadenthron ausgefchüttet feyn? Und folte GOtt nicht erret= 
zen feing Auserwaͤhlten, Die Tag und Nacht zu. ihm fehreyen? 

einrich Melchior Mühlenberg. 


V. Kurs 


N NEE ST 











Siröepub one bi —— 
hrem erſt 2 a 


Ei 





bin Pd See — abe en ſich einige 


ottesdienſt in ei⸗ 
ehriethet 2 en Haüfe — et 
Kuba — in ab Pi d re rch die von fell 
De ungen a — te He ei —— 


‚Don ing feet, 

D N ee au, * 3 —— S⸗ 
inen im: Bande, N — jr — chen, ein rechtmaͤſſig 
——— rer, ihnen an errn Paſtor —— von Halle 
aus zugefendet worden, und RER * 25ften November 1742 zu Phi⸗ 
iepcpbi angefommen ma. ſo fegnete Der HErr aus Barmbersigfeit 
feine neue Amtsarbeit an den Seelen dergeftalt , daß ſich die bisher ger 

— ſonſt abgeſondert geweſene nad) und nach wieder her 

Or TEH IR STUR SG 

ig Siena das gemiehete AR Verſammlungs Häus’ füe die füge 
tie) anwachſende Gemeine zu klein und überhaupt zum öffentlichen 
Gottesdienſt gar nicht bequem war: ſo kam Diefelbe eine jeitlang in der 
a — er Als aber die Lage gegen den Winter zu 
Iweyerieh werfchiedenen Goftesdienft nad) einander Daritts 
—— und die Schweden ſelber einen neuen Prediger taͤglich er⸗ 
warteten: ſo konte ſie ſich auch derſelben zu ihrem Gottesdienſt nicht lange 
bedienen, ſondern es ſahe ſich dieſe kleine Lu ufhetifche Gemeine gedrungen, 
an einen eigenen Kirchenbau zu gedencken Nebft ihrer äufferften Ar» 
muth ſtunden auch ſonſt viele empfindliche Hinderniffeund Schwierig⸗ 
Knall Berk Doch, Faufte ſie endlich im Vertrauen auf GOi⸗ 
Vor ſorge, im Martio des ı743flen Jahres einen: Fiat: u 

In neuen Kirche für hundert und etliche Pfund Sterling. ©. 


EX) Penfylo. Sortſ. Bbbbb Den 


| * Neunte — aus Penſylvanien. 


"Den drauf folgenden wurde der Grundflein zu de 
Rh: sin ent A 1 ut lands 4 br Fi * hoch i 
dað Gewoibe Sie hat überdiß 


* Si grofk — Bahr —* — Gene einem Eeinen ar 
Kirchhof. 

Den 2often- to r Serbien res me dur ef een mal 
Gottesdienſt in diefe ober —* Sahıet fie gleich innerlich noch) 
nicht ausgebauet m * ———— ne 3 
mit einer mittelmäfligen. Orgel, mit Männer: und We ji 
| eines langen und. noch einer. etwas kuͤrtern Emvertihe veriehen 
‚wurde, — 
N, Die eiftern Stieder diefer Gemeine, ud anfäns er des of Ms 
ren reee ſind arme und vo Er 1 ie 

wercksleute und, Tagel an geweſen Ba fie zum heil auch no) 
- find, Mit lauter Schulden haben fie. diefen "Bau — RR fort 

“fegen müffen. Diefe äber nach und nach zu tilgen, und. den angefan- 
genen Bau, nach Nothdurft auch, N ‚Dazu haben ‚fie. theils das 
Ihrige aus ihrer. A muth Pan ygetragen; theils er auch ein 
und, andere Benfleuer- von wo gefnneen Sch liebreichen 9 
Teutſchland erhalten. 

Weil dieſe Leute, wie gedacht, ſehr arm auch eines folchen Baues 
unkundig waren; fo iſt an Dem Gebäude manches verſehen worden, wel⸗ 
ches hernach nicht wenig Sorge und. neue Unkoſten verurſachet hat. 
Wie denn unter andern ein Thurm ‚auf die Kirche gebauet worden, ber 
ein paar Glocken haben foltes welcher aber nebſt dem gantzen Kirchens 
dache fo ſchwer und ungefchickt gerathen war, daß die Kirche von der 
Laſt des Thurms und Daches einen gefährlichen Riß bekam, und dieſe 
arme Anfänger ſich genoͤthiget ſahen, den Thurm wieder abtragen, und 
‚zur Unterſtüzung des. ſchweren Daches an zwey  Kirhthüren. ſtarcke 
Portaͤle bis unter das ‚Dach aufführen. zu laſſen. Jedes —— — 
unten zwantzig bis dreyſſig ſtehen de Zuhörer eannehmen. Nuf dem einen 
if in vorigem Jahre auch eine Stube gebauet worden, im welcher bie 
‚Heine vom feligen Herrn Brunnholtz der Kirche zum gemeinfehaft 
Khan Gebrauch geſchenckte Bibliothec ‚gefeget worden. us.) ar 

Die Gemeine ift in Anfehung ihres gebabten Kirchenbäties, / all 
noch 70 Pfund Penſhlvaniſch ſchuldig Die jahrlichen Zinfen wer⸗ 
den mit den — von SM Pennigen, melde a alle 

jr i { onn⸗ 






» i 4 


no Norzen Paft BanbfhuchesBericht von ımsgrı 9 


Sonntage: von; Denen. Gemeins · Gliedetn in Dit: Atrumgeteggenth 
Klingebeutel: freywillig geleget werden. 

Was die Lehrer dieſer Gemeinen betrifft, fo A erfier. ordenfs 
lich, berufener: Prediger obengenannter Herr Paft: Muͤhlenberg, dee 
aber zugleich Die Semeinen in Hannover und Providence auch hernach 
in Germantown abwechſelnd verſahe 
Zu Anſang des aoſten —— langte der gleichfalls rechtmaſſig 
berufene und hereingefandte Herr Pafl. Srunnholg, mit noch zween Hels 
.. fern,albier an. Dieſer blieb, auf Herrn Muͤhlenbergs und aud) ande 

ser Gutbefinden , in.der Gemeine zu Philsdelpbia und behielt einen 
Helfer i bey ſich, damit Die Gemeine zu Germantown, als a. Siliel 
vom ” iladelphia, gehörig mit bedienet werden Fönte. 
Nachdem nun: verſchiedene von feinen Helfern, : Deren er mehrere 
gehabt, andern Gemeinen im Lande aus dringender Noth uͤberlaſſen 
werden muſten; ſo bekam er zuletzt im Jahr 1752 an dem Herrn Zein⸗ 
zelmann einen neuen ‚Helfer von Halle heraus gefandts welcher aber 
im: Jahr 1756 i im Februario und alfo frühgeitig ‚mit Tode wieder abging. 
Als nun hierauf zu Anfang des Sulii1757 des Herrn Brunnhol⸗ 
gens t erfolgete; fo iſt gegenwaͤrtig der Philadelphiſchen Gemei⸗ 
ne ordentlicher und rechtmaͤſſiger Lehrer, der Pfarrer Johann Stie= 
drich Handſchuch, aus Zalle im Magdeburgiſchen gebuͤrtig. Es 
war derſelbige nach zuruͤckgelegten fieben jährigen Halliſchen un Leip⸗ 
sigern ‚Univerfitäts» Jahren, ſieben Jahr Pagen⸗Hofmeiſter und in 
Der letzten Zeit zugleich auch Prediger am Hofe des gottſeli— 
gen Sercogsc riſtian Ernſts zu: Sachſen Salfeld, Erneſtini⸗ 
ſcher Linie; nachdem er im Jahr 1744 vom Conſiſtorio zu Altenburg 
mar ordiniret worden. 
31. Nach dem ſcůgen Abſterben ſeines gnädigen Sersoge; bekam er 
vom HerinD, und Prof. Senden in Halle einen Beruf nach Pens 
Kern: welchen er in einfältigem Gehorſam mit t Verleugnung aller 
Vortheile dieſes Lebens auch angenommen. Sm Jahr 1748 den sten: 
April Fam er in diefem Lande an, da er denn der Lutherifchen: Ges, 
meine zu Lancaſter vorgeſetzt wurde, bey welcher er auch drey gantzer 
Jahre geſtanden, bis er durch Veranlaſſung einiger Widriggeſinnten 
genoͤthiget wurde, von dieſer wieder weg, und zu der Gemeine in Ger⸗ 
mantown zu ziehen. Zwey Jahr hat er daſelbſt der gansen Gemei⸗ 
ne, Die zwey andern drauf folgenden Fahre aber nur dem kleineſten 
a. derfelben, da fir) der —J— er — abgeſondert A ale 


220 Neunte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. | 


Prediger vorgeſtanden. Nachdem er aber bey dieſer Fleinen: Gemeine 
feinen ohnehin kuͤmmerlichen Lebens: Unterhalt nicht laͤnger haben 
koͤnnen: ſo hat er auf Zuntden anderer Freunde einen Beruf zur teut⸗ 
ſchen Drucerey in Philadelphia angenommen und mit Schreiben, 
Heberfegen und Corrigiren fidy und feine Eleine Familie gleichfals kuͤm⸗ 
merlich ernähret, doch fo, daß er das Predigamt mit verfehen ‚ wenn 
e es rg. Philadelphia, oder anderswo die Noth erfor 
erk halt: 9 Brio de IF RE TOR ⏑ SR IST, 

Im Auguſt 1755 409 er nach Philadelphia. Bald nach feinem 
Daſeyn wurde Herr Heintzelmann an einem alten Schaden gefaͤhrlich 
Erand, und: weil Here Brunnholtz auch immer ſchwach und Daher 
nicht felten auſſer Stande war, die öffentliche Amtsarbeit abzuwarten; 
fo hat Handſchuch die Arbeit an diefer Gemeine nach Nothdurft, und 
aus Liebe zu denen armen Schafen un GOttes willen verfehen, nebſt 
feinen vorhin gemeldeten aͤuſſern Beruf in der teutfchen Druckerey. 
Dieſe Arbeit ſetzte er bis in den Martium des iestlaufenden 1758ſten 
Jahres ungehindert und moͤglichſt fort Wie aber bey immer meh⸗ 
rerm und recht mercklichem Anwachs der Gemeine, feine mannigfaltige 
Amts arbeit ſich taͤglich id mehr und mehr haͤufete und ihm die Gemeine, 
durch goͤttliche beſondete Regierung, ohne ſein Zuthun; im NRovem⸗ 
ber 1757 zu ihrem ordentlichen Prediger berufen hatte; ſo muſte er jenen 
aͤuſſern Beruf wieder aufgeben, im Vertrauen, GOtt werde: ihn bey! 
feiner, obſchon armen Gemeine, dennoch zu erhalten wiſſee 

A Sonn: und Feſttage wird die Kirche, beſonders ſeit einem 
Jahr her, fo voller Menſchen, daß wol hundert und mehrere entweder 
vor der Kirche auf dem Kirchhofe ſtehen, oder bey ſchlechtem Wetter 
wieder nach Haufe gehen müffen. \  EETGIR IEBAUCTR 77° 

Die Aufmerckſamkeit und äuffere Sittfamkeit der mehreſten unter 
waͤhrendem Gottesdienft macht einem Feine'geringe Hoffnung, dab dag 
gepredigte Wort nicht gank ohne Segen bleiben werde, Nur iſt zu bes 
dauren, daß die Kirche nicht noch um die Hälfte gröffer iſt, damit alle 
—* — nach Verlangen mit ordentlichen Stuͤhlen befriediget wer⸗ 

n koͤnten. 

Alle ſechs, hoͤchſtens acht Wochen, iſt zeither das heilige Abend⸗ 
mahl gehalten worden. Nichts deſto weniger "hat ſich die Anzahl 
der Communicanten, am letztvergangenen Pfingſtfeſte, auf dreyhundert 
and acht und ſiebentzig Seelen erſtrecket. | 


| Bor 


9 VoZen. Pat Zandfhüche Bericht von 1778: 7a 


Vor Oſtern wurde ein fünf möchentfieher Unterricht mi folchen 
— ee bendanaht mit ae —— 





—9* Kunden. KR, Be ne 1 J—— 9 
— Wolte man diejenige alle — dk ſich — zu der — 
halten, und als Glieder derfelben anzufehen find; fo koͤnte derfelben An⸗ 
zahl, mit jungen und alten , ar — — fechch ER bis ſiebe as 
hun hert Seelen geſchaͤtzet wer den, ohne bie en [che nur dann und 
t —9— ‚sur Kirche kommen die aus verſchiedenen Or⸗ 
und © it aus Feutfchland nady. 
Kb hier zuſammen — IE kn zwar zufammen und 


Su. ne Pipnung m Einigkeit erhalten, doch nicht 
rs * | 


efege , au nicht durch Kunft “ind 
2 | ug ER, EI % finds ine r alle Einwohner in 
re * !ande ve Leute, ſo daß ein ieder in: Religions⸗ 
—— — „thun, — in eisen kann, was ihm nur immer 
ben — tedigfich ifte6 die mächtige Hand des HErin, die dis 
Volck ung Verkuͤndigun —— GOttes regieren und in 
—— — mehr, da Das gange Kirchen: Regiment 
dieſer fo zahlreichen "Gerneine nur aus zwoͤlf alten Gemeinsgliedern, 
fo man en nerinet, nebſt vier Vorſtehern beftebet , die aber gröftene. 
theils arn — ſind, und el ve eh, RU 
heit noch G Bene noch, 


Diefe ae Aelteſten kommen etwa alle he ie acht os 
chen, oder wenn es fonft die Umftände der Gemeine erfordern, bey ihrem 
Prediger in der Stille zufammen, und berathfchlagen fi vor GOtt 
mit einander , was etwa zum Beſten der Gemeine zu befchlieffen ſeyn 
RUHR #7 folche FEN BD oder — beit ein 
| chens 






egenden der Welt. und Ib 








yar Veunte Sortfegung der Nachricht aus Penfyloanien. 


x j — de A > 
Kirchenrath und tag in ſelbigem befchloffen, und von der Gemeine nach⸗ 

her gebilliget wird, das wird zur Wircklichkeit gebracht. 
Alle Jahre wird von den vier Vorſtehern / in Beyſeyn ihres Pre⸗ 
digers und Der Aelteften , öffentlich Kirchen Rechnüng abgelegt, da denn 
alle und iebe. Semeingkeber. manntchen GHEKIADES iuäegen,feun Fün 

nen. Den diefer bequemen Gelegenheit werden auch gemeiniglich zwey 
neue Borlicher. gemählek "= n,.3 nina m hinnie, 77777 
Erweget man nun mit einiger Aufmerckfamkeit, wie alles noch fo 
ziemlich ordentlich und friedlich ablauft, auch der Gottesdienſt ale Sonns 
tage von fo vielen hundert und oft fehr wunderlichen Köpfen freyer Leu⸗ 
te mit fo. gegiemender Andacht befuchet wird; fo hat man fich Darüber 
höchftens zu vermundern, und Fann hoffen, daß fich die Gemeine mit 
der Zeit noch anfehnlich vermehren werde, Um desmwillen fo wol, als 
auch wegen der. groflen Armuth der meiften, herslich zu wuͤnſchen iſt, 
Daß dieſer Gemeine „ sur Ermeiterung ihrer nunmehr zu Elein geworde⸗ 
nen Kirche , einiger liebreicher Beytrag geſchaͤhe; zumal, wenn. auch 
gleich Durch GSues gnädigen und Segensvollen Benfland, DIE in An 

i 





febung einer räumlichen Kirche folte erhalten feyn, fe ige fi au ' 1) 
4 einem eigenen Pfarr: und Schulhaufe N: umgufehen * 
da die Schule, welche Jahr aus Jahr ein aus mehr. Denn hundert 
Kindern beftehet, annoch in einem gemiethefen Haufe gehalten , und. 

von demfelben 14 Pfund Penfploanifch. jährliche Mieth 
den müffen, wovon eine Hälfte der, Schufmeilter und Die andere die 


Gemeine traͤget. nagelneuer ED sg 
Das Haus aber in welchem der Pfarrer wohnet, auch Kirchen⸗ 
Kaſten und andere Geraͤthſchaften ſtehen, muß jaͤhrlich 16 Pfund Haus⸗ 
Anß zahlen; welche aber der Prediger von den einzelnen ſreywiligen 
Liebesgaben bezahlet, ‚die ihm von Zeit zu Zeit, von Denen Genieinsglie⸗ 
dern, Die es ehun koͤnnen und wollen, zugeworfen werdenn. 
Der HErr HErr helfe dieſer armen Gemeine weiter aus Gna⸗ 
den, wie ex bisher gethan, um feines Namens Ehre willen. 


ns IE, 


Vi Aus 


— ——— 


e gegeben wer⸗ 


** vi. ‚zen. Paſt. Zandſchuchs uchs Schreiben von 76 723 ; 


VL Auszug eined Schreibens von Herrn 
Poaſtor Handſchuch aus Philadelphia 
nterm ziſten Detober 1758. 


DE egenmärtig bin im Namen des HEren entfehloffen, wie von 
1 ‚meiner geringen Perfon , alfo auch) von meiner Gemeine. eis 
* nen kurtzen und aufrichtigen Bericht ſchuldigſt abzuſtatten. 
Dem barmhertzigen GOtt, als alleinigen Regenten feines Gna⸗ 
denreichs hier auf Erden, hat es gefallen, mich unwuͤrdigen Knecht in 
den Philadelphifchen Weinberg als ordentlichen Lehrer zu berufen. 
Es gefchahe ſolches am aiſten November 1757, da mir hiefige Gemeine 
durch ihren verfamleten Kirchen Rath, einen fehriftlichen , von befage 
tem Kitchen: Rath und Herrn MTühlenbergen unterfehriebenen ‘Beruf 
“Zuftellete. "Die Gemeine nahm von diefer Zeit an mercklich zu, fo: daß 
‚mit Verwunderung und zum Preife GOttes ale Sonntage zu_fehen 
. war, wie häufig die Leute aus allen Ecken und Gegenden der Stadt 
Bor: und Nachmittag zu unferet Kirche Tiefen. ' Bey diefem mercklis 
chen Anwachs der Gemeine vermehreten fich auch meine Amtegefchäffte 
‚dergeflalt, daß es nicht länger mehr möglich war, die ohnehin ſehr muͤh⸗ 
Fame Arbeit in der teutfchen Buchdruckerey mit gleichen. Sleiffe forte 
zuſetzen. Ich feufsete nicht felten unter fo groffer Laſt mannigfaltiger 
Arbeit und Zerfireuungen. Nichts defto weniger Eonte und Durfte dies 
«felbe nicht fo gefehtwind abbrechen, weil nicht fogleich jemand vorhans 
‘den war, dem man dieſe Arbeit ficher hätte anvertrauen Fönnen. Ich 
ging alſo bis gegen den Merg des ietzt laufenden Jahrs in Einfalt Dat 
unter hin, und erfuhr zu nicht geringer Glaubensſtaͤtckung den maͤch⸗ 
tigen Beyſtand GOttes gar herrlich, bis endlich GOttes meifefle Bots 
ficht mir einen bequemen Weg zeigete, mich von folcher fremden Arbeit 
völlig loszumachen; wofuͤr ich GOtt lobe und mich freue, Daß nunmehr 
meinem eigentlichen Berufe gänglich überlaffen worden. 
Was nun gegenwärtig meiner lieben Gemeine nähere Beſchaffen⸗ 
‚heit betrift; fo hat fie der Anzahl ihrer ordentlichen Glieder nad), wie 
‚gedacht, feit achtzehen Monathen ungemein zugenommen, und wird uns 
‚ter. allen Gemeinen in der Stadt vor eine der zahlreichſten gehalten. 
Ihre Staͤrcke läffet fich unter andern auch daraus abnehmen, weil faſt 
alle Sonntage vier bis fünf: und oͤfters noch mehrere Kinder zu taufen 
befommes und ob gleich alle acht Wochen das heilige Abendmahl A 


| r 





ent! ich EN } n — 
een. Ar fo: reckt Rense 4 
ds & Den Bag Beue nr d gen 
dert und achtzig n. IE eute find mir alle 
zeit noch einige bisher gang a Fanf ı newefi iu Je Kommen, die® 
meiſtens in der Stadt und naͤchſten Nachbarſchaft wohnen. ‚Der mi 
in dieſem ietzt lauſenden Jahre gehabten Latehumenorum die ho 
fentlich zu unferer Lehre und Kirche frenmäthig bekantı, iſt aud-Eei 
‚geringe Anzahl geweſen. Denn am Sonntage ‚Deuli-wurden fünf bee 
jahrte Perfonen, nad) von: mir empfangenen vier wöchentlichen Unter⸗ 
richt, zum erſtenmal zum heiligen Abendmahl gelaſſen. Unter dieſen 
befanden ſich eines Engliſchen Qua ers Frau,-eine ehemals ge Her: 
huterin und noch zwo — Perſonen. Am Sonntage Rogat 
‚als am zoſten April 1758. gingen, n ad) vorhergegangenem fieben woͤchent⸗ 
lichen Unterricht und geſchehener öffentlichen —— vier und 
dreyſſig meiſtens junge Leute. von funfzehn bie vier und wantzig Jahren, 
zum erftenmal sum. heiligen Abendmahl worunter fidy eine u 
von drey und zwangig Jahren befand, deren Eltern MTennoni 
mwefen, An ten Sonntage nach Zrinitatis gingen wieder neun Vers 
fonen , geöftentheils Eheleute, zum erfienmal mit uns zum heiligen 
Abendmahl, nachdem fie von mir fünf Wochen lang unterrichtet, und 
den Sonnabend nad) gehaltener Borbereitungs- Predigt confirmiret 
worden. Unter diefen befand ſich ein Schottlander , der erſt hier im 
Lande etwas Teutſch gelernet, wie auch eine Frau von reformirten El⸗ 
tern, Die aber einen römifch catholifhen Mann hat, welcher mich felbft 
durch einen höflihen Brief um Deren Unterricht und Confirmation ers 
fuchet hatte , nebft noch eines reformirten Mannes Ehefrau. Weil 
bald darauf fich wieder verfchiedene zum Unterricht in unfern heiligen 
Glaubens Lehren anmeldeten; fo nahm fünf. Perfonen auf fünf bis 
ſechs Wochen lang zu unterrichten aufsneue an. Unger Diefen waren 
eine Frau ſamt ihrer Schweſter, die ehemalen Zerenbuterinnen gewe⸗ 
fen. Ihre noch übrige Geſchwiſter, ſo alle ſchon bey Jahren ſind, 
wollen ſich auch das naͤchſtemal unterrichten laſſen. Jene fünf Perſonen 
aber gingen den 2aſten Sonntag nad) Trinitatis mit einer ungemeinen 
ſtarcken Anzahl von Eommunicanten, zumserfienmal und mitung zum 
heiligen Abendmahl » nachdem: fie. Sonnabends vorher unser ha nach 
— von mir waren confirmiret worden: ar 19 


— 












— 


Von 





VE Zen. haſt. Zondſchuchs Schreiben ontsg. | Ya5 


WVon allen dieſen Leuten, wenigſtens einem giem lichen Pheile ders 
ſelben, habe eine wicht geringe Hoffnung ihrestedlichen Sinnes. Meine 
mit ihnen gehabte Arbeit, iſt mir Daher füß und an meiner eigenen Seele 
geſegnet geweſen. Der ehemaligen Herenhuterinnen recht feiner und 
wohlgefinnter Vater beſuchte mich auch vor einigen Wochen, und ſchei⸗ 
net für die alte Apoſtoliſche Lehre eine zärtliche Neigung fü haben, 
und vielleicht bekennet er ſich auch einmal zu unferer Lehre wieder. 
Da die Gemeine fo zahlreich ift, und die Leute alle Sonntage ſo 
unermübet und haufig zur Kirche kommen; fo ift Diefelbe nunmehr viel 
zu Elein worden. Viele müflen, wegen Mangel des Raums, vor den 
Kirchthuͤren fiehen bleiben, und mehrere lagern fich auf dem Kirchhofe 
ſo weit hin, als fie mich noch hören Fönden. Kamen alle Sonntage alle 
und iede Gemeinsglieder, auch nur Die, ſo in der Stadt und naͤchſten 
Nachbarfchaft herum wohnen , in die Kirche; fo müfte fie wenigſtens 
noch einmal fo groß ſeyn, wenn ſie die Leute alle fo faffen folte, daß fie 
zumalen alle figen Fönten. Ueberdiß kommen faft alle Sonnfage 
Fremde und andere Religionsvertwandte, als: Reformirte, Vapiften, 
zu Zeiten auch Derenhuter und alleriey Engliſche xc. mit in die Kirche, 
die gleichfals gerne figen möchten, und es ung wol übel auslegen, dag 
man ihnen keinen Platz verſchaffe. Unſere fehr zahlreiche und 'nocy im 
mer ftarchherantvachfende Zugend, nimt einen nicht geringen Theil der 
Kirche ein, für welche aber auch Fein hinlaͤnglicher Platz zum figen da iſt 
Bedencket man hiernaͤchſt, daß fich dieſe nach und nach verheurathen, 
und neue Familien ausmachen, die ſodenn und von Rechts wegen einen 
ordentlichen Sig in der Kirche begehren; ſo iſt aus dieſem allen leicht⸗ 
lich abzunehmen, wie noͤthig es ſey, daß unſer Kirchenrath an eine’ 
beſtmoͤglichſte Erweiterung unſerer Kirche, ohne fernern Anſtand, ernſt⸗ 
lich dencke. Schon vor einem Jahr wolte man auch Anftaͤlt dag mas 
chem; weil niehreve / wegen Mangel des Raums in der Kirche, id, hefa, 
tig zu beſchwehren anfingen.: "illein, da der Baugeiſt in der Stadt 
noch nie ſo ſtarck, als dieſes Jahr regieret hat daß daher ſowol die 
Bau Materialien, als auch die Handwercksleute und Taheloͤhner ſehe 
rar und koſtbar geworden find; fo hat es der Kiechen Rath bis auf 
noͤchſtes Seihjahty mäffenanfichen laſſen; um ſo mehr, da die Kirche 
570. Pfund Penſyloaniſch an Schulden „nöd zu bezahlen hat, Daher“ 
dieſer Aufſchub auch mir ſehr lieb war en 
Anſere Schule befindet ſich gleichfals imgurem Zuſtande fo dag 
mit Verwunderung zu ſehen und zu hoͤren iſt wie die Jugend im Renz 
yaX. Penſylv. Sortſ. Eceec nen 


726 ¶ Pleunte Sortfegung der Nachricht alis Penſylvanien . 


nem, wenigſtens im der. buchfläblichen Erkentniß, waͤchſet und zunimt 
Die Kinderkehren werden von Jungen und Alten (6 fleiffig befucht,, daß 
zum öftern bie Kirche gang voll wird. In der Erklärung des Cathe⸗ 
chismi, und der dahin gehörigen Hauptſpruͤche, bebiene mich einer eins 
fältig afestifchen Lehrart, Damit unge und Alte erbauet werben koͤnnen. 
Richt nur die jungen Leute: beyderley Gefchlechts, ſondern aud). ältere 
nehmen ihre Bibeln mit in die Kirche, fhlagen mit nach, leſen Die an« 
geführte Stellen munter her, und laffen fich daraus catechiſiren; der» 
gleichen denn: mir. und andern, die es fehen und hören, Feine geringe 


rende verwfahee, u 0,0. IRA Bi. 
Bon einem befonders in die Augen fallenden Amtsfegen in mei⸗ 
ner Gemeine kan wol noch nicht viel Rühmens machen. Doch muß 
ic) meinen Zuhörern dieſes Recht wiederfahren laſſen, daß fie fich bey 
iedesmaliger Zufammenkunft in dee Kirche, ordentlich, flille, ungemein 
aufmerckſam und andachtig beweifen. Aufgeweckte und befehrte Sees 
fen find, wirckfich unter uns, ‚ob fehon deren Anzahl noch fange nicht fo; 
flarc£ ſeyn mag, als jedes Kind und Anecht Gites es wol rwünfchen, 
möchte, ¶ Durchgehends aber feheinet Die Gemeine, wiewol einige mehr, 
andere ‚weniger übergeuget zu feyn. Auch wird von manchen das im 
der Kirche gehörte Wort zu Haufe wiederholet. Die Vermahnun⸗ 
gen, die ich ihnen, nach Befchaffenheit der Umftände und der Lebens⸗ 
art, bey, aller Gelegenheit, als beym Kranckenbeſuch, im Leichenpredig⸗ 
ten, beym Anmelden zum: heiligen Abendmahl, bey Eopulationen u deg. 
in Liebe und Einfalt gebe, nehmen fie Durchgehends mit Sanftmuth an. 
Ich habe denn auch eine innige Liebe zu dieſer meiner lieben Gemeine, 
gleichwie fie auch mich hertzlich lieb hat, welches ich oftmals deutlich 
merde. Nun diefes hat allein die alles vermögende Gnade unfers groß 
fen Heilandes gethan; dem gebühree daher allein die Ehre 0: ©. 
» Deren Brunnholtʒens Bibliothec flehet nunmehr feit geraumer; 
Zeit in der Kirche, und wird von mir, mit Beyhuͤlfe eines Aelteſten, alle 
Donnerſtage Vormittags, ſo viel nur moͤglich, in Ordnung gebracht 
and ein Catalogus darüber verfertiget un ul, ern ee 
Dieſen vergangenen Sommer hat mid) einer von unſern aͤlteſten 
Gemeinsgliedern in feiner Chalfe, aus Liebe, nach Cohancy viertzig 
Meilen von hier fahren laſſen, mofelbft einer ſehr zahlreichen Gemeine 
mit Wort und Sacramenten gedienet. Unterdenen Eonfiemanden, Die‘ 
zum. erſtenmal zum heiligen Abendmahl gegangen, war audy eine 
ſchon betagte engliſche Frau. Kurtz nor meiner) Abreife, Fam a | 
re 3329 IR IUBT dere 


02 — ua au ni " 
ONE Zen. Pafk Handſchuchs Schreibenvon te. * 727 


dere englifche Frau 'und klagte mit heiſſen Thraͤnen, wie ſie immer 
von einer Parthey zur andern wäre hin und her gegogen worden. Sie 
finde aber, dag wir Autheraner die Glaubenslehre einfältig und recht 
lehreten; ic) folte mich alfo Doc) ihrer annehmen, und ihr einen lutheri⸗ 
ſchen Cathechismum in Engliſcher Sprache verſchaffen, den ſie ſich im⸗ 
mittelſt bekant machen wolte, bis ich einmal wieder nach Cohancy kaͤ⸗ 
me, daß fie ſich fodenn öffentlich zu unſerer Lehre und Kirche bekennen, 
und mit ung zum haligen Abendmahl gehen Fönte. 
Was zuletzt die andere Gemeinen im Sande noch betrifft; fo ift 
feit vier Wochen für eine Lutheriſche Kirche, ohnweit Kaſton, bey 
ſiebentzig Meilen von hier, wie auch für ein Schul: und Verſamlungs⸗ 
Hauß in Weite Narſch funfzehn Meilen von hier, in hieſiger Ge⸗ 
meine Geld geſamlet worden. Ob wir gleich ſelbſt arm genug ſind und 
2 in Schulden ſtecken, auf) unfere Kirche erweitern müffen, und we⸗ 
der Pfares noch Schulhauß haben; fo theilen dennoch unfere lieben 
Vemeinsglieder, aus Mitleiden, andern gerne mit, fo viel ein iedes 
2 ‚feinen Umftänden vermag. Diefe neue Gemeinen ftehen mit ung 

Berbindung,, daß alfo der Lutheriſchen Gemeinen im Lande ie laͤn⸗ 
ger ie mehr werden. 

‚Herr Muͤhlenberg iſt u Jahr bey acht Wochen und drüber 
in Raritan geweſen. Her Schaum ift nad) Neu⸗Sanmnover als 
Nelfer von dem Herrn Mouͤhlenberg gefeget torden. Her: Rurg 
hält bey den Tulpehockern maͤnnlich aus, und fein jüngerer Bruder 
iſt Eee sum we in Toheka. 

....Sohann: Friederich Handſchuch. 


RE 


VII Ausʒug aus einem Schreiben des 

Herrn Paſtor Nuͤhlenbergs zu Providence an Herrn 

ER Ziegenhagen und Heren Dort, Francke 
vom arten Febr. 1759, 0° 


ed Ausgang des Januarii 1759. find wir gemeinfchaftlic), ‚und 

| S B ich unmürdigfier infonderheit, Durch Ders väterliche Zuſchrif⸗ 
AZ tem erfreuet und aufgemuntert worden, ‚und dag um fo viel 
Cecce⸗ mehr, 





723. Neunte — Nachricht re 


mehr, weil wir nicht wuſten, was Zochwuͤrdigen Vätern in den ge⸗ 
faͤhrlichen und betruͤbten Zeiten, nach GOttes a. Rath ‚be: 
egnet. fenn möchte... GDttesiherrlicher Name, fen unendlic geptieſen, 
daß Dieſelben bis, daher noch im Reiche der Gnaden, auf ihrem wich: 
tigen Poſten wu bleiben gnaͤdigſt befehliget und maͤchtigſt beſchuͤtzet wor⸗ 
den... Wohl dem, deß Zuͤlfe der GOtt Zoch iſt; Do Hoffnung 
auf den HErrn, feinen GOtt, ſtehet! aut di 
Es gehe denn nun ferner nach. des Hexen Snäbiefkems ilfen und 
KeligftenNegierung , im Gantzen und deſſen heilen. Er bat feine 
Woꝛfſe aufel in ſeiner Hand: Er feget feine Tenne, und wird, aller 
ung wunderlich fcheinenden Stürme ohngeachtet, den Weitzen in ſei⸗ 
ne Scheune fammien, und die Spreu mit, ewigen en — 
nen. Es. wird durchs Feuer offenbar werden, und ), welche 
eines jeglichen Werd füy, wird das Sener bewähren; Treu nie 
GGtt, und Fein böfes an ‚gerecht und fromm iſt Br. 
böfe und verkehrte Art fallet von Ihm ab: Die aber Ihm — 
trauen, die erfahren, daß er treulich haͤltz und die Ihm treu find 
in der Kiebe, Die läffet Er i ‚hm nicht, nehmen, : GGit laͤſſet die 
REN nicht. verjuchen ü über ihr Vermögen, fondern machet, 
daß die Verſuchung fo ein Ende gewinne, daß fie es ertragen 
Können, . Dis proteltantifche. Häuflen im Schiff ift freylich in groß 
ſem Ungeflüm, im Windmwirbel und mit Wellen bedeckt, ‚Doch nicht 
ohne GOttes Veranſtaltung und Zulaſſung. Die Juͤnger "des. Hera 
möüflen ja auch ein examen rigorofum (eine harte Prüfung) ‚erfahren, 
und. zu ihrem eigenen Beſten uͤberzeuget werden davon, mag fie in fo 
vielen Jahren in feiner Schufe gelernet und behalten haben; fonft moͤch⸗ 
ten wir ung übers Ziel meffen, und Doc) nur immer Zärtlinge bleiben. 
Wir haben nun ſchon über ein halbes Jahrhundert einen gantz beſon⸗ 
dern Zeitpunet in der Evangelifchen Kirche, und in derfelben durch reiche 
Verkündigung und Ausbreitung des Evangelii viele Erweckungen und 
Gradenheimfuchungengenoffen; ntın muß ja auch das fo nöthige dritte 
Stüd folgen, nemlich die Schmeltzung, Laͤnterung und Prüfung durch 
Ereusß und Leiden. Der HErr der Heerſcharen wird ſchon zu feiner 
Zeit dem Wind und Meer gebieten , und endlich Die lang verheiffene 
| Ruhe kommen laffen, wie es heißt Jeſaia ı4: YYan ruhet doch alle 
Melt und ift ſtille, und jauchget frölich: denn es AR ned eine 
Zube — dem Volcke —— ⸗ 





ER if Gi hi 


In 


vu. Sen. Daft: Maͤhlenbergs Schreiben von _ 729. 


In unſerm Americanifchen Windwirbel hat der ZErr IEſus 
wohl Urfache zu fragen: Wie? dag ihr Feinen Slauben habt? Sreylich 
haben wir Glauben. , Wo ift denn euer Glaube? Ach! es fehlt ung 
-am Glauben, und Erfahrung im Glauben gu wircken und aufrecht zu 
bleiben. Des HErrn Augen fehen nach dem Glauben, ‚fein Mund 
fraget nach dem Glauben, und. fein Gebot fordert den Glauben, 
‚nicht nur in vergnüglichen Umftänden , fondern auch in der gröften 
Noth. Wir glauben: Herr, hilf unferm Unglauden! 

Unſere Gemein: Umftande betreffend, fo nehme die FSreyheit in 
Einfalt überhaupt zu berichten, wie es im vorigen Sjahr, unter GOt⸗ 
‚tes Erbarmung und Verſchonen, ergangen: 

01. Philadelphia habe in dem gangen Fahre nicht befucht. Denn 
‚nachdem ich den mertheften Herrn Paſt. Handſchuch ſchon verſchiedene 
Jahre her in die Philadelphifche Gemeine gemünfchet, und mit. vieler 
Mühe, bey Lebzeiten des Haren Heintzelmanns, als einen füpernume- 
‚rarium dahin in fremde Arbeit aus redlichen Abfichten recommandiret 
(woruber ich auf verfchiedene Weiſe beurtheilet morden ) und endlich 
nad) dem Abfterben beyder Prediger feinen Beruf auf Philadelphia 
unterſchrieben hatte; fo reifete wieder nach Haufe zu meiner Gemeine. 
Hoffe aber ‚daß der durch Leiden und Anfechtung bewährte Knecht 
Gottes, Herr Handſchuch, nach feinem unintereffirten und unparthegis 
fhen Gemüthe, die Jochwärdigen Väter mit gefegneten Nachrich⸗ 
‚ten, eifreuen, und den Zuſtand der Bhiladelphifihen Gemeine von Zeit zu 
Zeit aufrichtig vorlegen werdeee. £ 

2, Das Heine Häuflein, welches fonft Herr Paſtor Sandſchuch 
. in und um Germantown verfehen, war nun gang verlaffen, und bewog 

mich mit Sieben, Daß es dann und wann befuchen und mit den Gna⸗ 
Denmitteln in der Reformirten Kirche bedienen muſte. Ein paar von 
anfern Germantorner Alteften wurden. fehlüffig, ein Schuf und Ver⸗ 
ſamlungshaus vier Meilen auf diſſeit Germantown, nemlich funfzehen 
Meilen won Providence und zwoͤlfe von Philadelphia, in einer Gegend, 
mo viel Peutiche wohnen, und auch die Germantowner gemaͤchlich 
hinkommen können, zu bauen. Sie haben felber ihr Beſtes gethan, 
und auch Benfteuer in unfern Gemeinen gefamlet, und ein nettes 
fleinernes Gebäude aufgeführet, wo eine zahlreiche Schule gehalten 
wird, und wo au ich bereits: zween Sonntage unter vielem Zulauf 
Spttesdienft halten müffen. Es Fönte daſelbſt eine groffe Gemeine ges 
ſamlet werden, wenn nur ein: — Lehrer da waͤre und un⸗ 
et 3 ter⸗ 


30 Neunte Hortſetzung der Nachricht aus Penfploänien. 


terſtuͤtzte. Es haben ſich zwar ſchon ein paar von den ſelbſt laufenden 
en einſchmeicheln wollen; aber bey den Aelteſten kein Gehör 

efunden. AT RR DEAN 
Y 3. In Providence und Zannover habe das vergangene Früh: 
jahr zum. Unterricht und Confirmation der zahlreichen Jugend ange: 
wandt, und nachher den Herin Schaum nebft feiner Familie von 
Tohickon nad) Dannover holen laſſen. Er verfichet etwa den vierten 
Sonntag meine zwo ordinaire Gemeinen, Damit ich denfelben-auffer: 
halb, wo es nöthig ift, anwenden Eann. Nebſt dem hat er drey Filiale, 
als feine eigene Gemeinen‘, zu bedienen; als nemlid) a) in den Olyer⸗ 
Bergen acht Meilen, b) über der Schulkiel in Peikstown genannt, 
‘zwölf Meilen, und e) in Upperdoublin, fieben und zwantzig Meilen 
von feiner Wohnung gelegen. Er hat viel zu reiten, und Enap zu 
eben. Das wenige, fo ic) ihm für den vierten Sonntag geben kann, 
und was die drey Filiale noch aufbringen, das iſt fein Unterhalt. 

4. Die arme Gemeine bey Tohickon beſchwerte ſich fehr über den 

Verluſt des Heren Schaums, und bat, mir folten fie nicht verlaffen, 
weil fie von Anfang her fich zu ung gehalten, und zu den vereinigten 
gezaͤhlet worden. Sie hielten Daher um den jungen Deren Kurtz als 
Helfer anz den id) denn auch) bis auf weitern Auffchluß dahin gehen 
faffen. Die Gemeine wolte ihn nun gerne ordiniret haben, welches ich 
zu weiterer Ueberlegung angenommen. ABER 

ter- Feinen Anftoß und Gefahr 


| 5. Der ältere Herr Kurtz hat mei 
von den Wilden gehabt, und fein Amt in Tulpehockem und den übtis 
gen Gegenden ungehindert verfehen Eönnen. um... 

s. Sm Menat May reiſete ich mit Einwilligung meiner ordinais 
ren Gemeinen, und auf Anhalten der Terfeyer, nad) Raritan, blieb 
zween Monate daſelbſt, brachte die zwo Gemeinen ferner in äufferliche 
Ordnung und gufe Harmonie, "arbeitete duch GOttes Beyſtand mit 
den Ginadenmitteln an ihren unfterblichen Seelen nicht ohne Erbauung 
und Segen, unterrichtete erwachfene und zum Theil verheyrathete Eng 
liſche und Niederteutfche Perſonen, taufte vor der öffentlichen Gemeine 
nach gehörigem Eramine zwey Eheweiber und drey ermachfene ledige 
Nerfonen, und confirmirte fieben an der Zahl unter viel erbaulichen Eins 
drücken, predigte das erftemal Zeutfch und Engliſch in der neuerbaueten 
Evangelifchen Kirche zu Bedmünfter Town zur Freude unferer Glau⸗ 
bensgenoffen , welche nebft andern Gefinntheiten und Nationen in gtofs 
fer Anzahl verfammelt waren, und wurde hernach von vielen hin ” 

er 


- 


* 


VI Sen. Paſt. Mlählenbergs Schreibenvonizig. 738 


her zerſtreuet wohnenden Teutſchen und Englifehen gebeten, daß meine 


Nückreife über die Gebirge nad) den Penſylvaniſchen Grentzen nehmen, 
und Die armen Leute, welche lange Fein Wort GOttes gehöret, und 
wegen der feindlichen Indianer in Gefahr geſchwebet, mit dem Evans 
gelis und den heiligen Sacramenten erwecken, , tröften und flärden 


e 


moͤchte. 


Ist Nachdem ich meinen Abfchied von Raritan genommen, und. 


auf vieles Andringen verfprochen, geliebt es GOtt im nachften Frühjahr‘ 
mit meiner Familie noch auf einige Zeit wiederzufommen; fo reifete ad, 
und wurde unter zurückgelegten funfzehn Meilen auf einer Eiſenſchmel⸗ 
Gerey von einem Englifchen Gentleman, der Obriſt von der Milig und 


Director von dem Werk ift, einzukehren genoͤthiget. Er bemwirthete 


mich und meine Gefährten fehr freundlich und bat, ich möchte Ihm 
Doch zu einem Evangelifchen Prediger behüfflich feyn, ver Gnade und 
Gaben befäfle, und zugleich Enalifch und Teutſch predigen Fönte Er 
verſicherte, daß er jährlich freye TBohnung und go Pfund Salartum ges 
nieffen folte. ch verſprach feinen Antrag zw überlegen , und ihm mit 
der Zeit Antwort zu geben. Von da ritte ich meiter, und fam zu Den 
Einwohnern zwiſchen und auf den Bergen. - Am folgenden Tage ver- 
fammelte fich ein Haufen Teutſcher und Engliſcher, welche fehr hungrig 
nah GOttes Wort und den heiligen Sacramentenwaren. Sch kaufte 
Kinder, hielte Bußvermahnung, predigfe Teutſch und Engliſch, und 
reichte einigen das heilige Abendmahl unter vielen Bervegungen und 


tröftlichen Erweckungen. Ich komme felten in eine Gegend, wenn es 


auch noch fo weit und abgelegen ift, wo nicht einige ‘Befandte finde, 
die in unfern alten vereinigten Semeinen geweſen. Wenn mich die ats 
men Wuͤrmer fehen, fo laufen fie ſchnel hergu , fallen mir um den Hals, 
und weinen laut vor Freuden, und führen dabey etliche Sprüche oder 


Redensarten an, die fie ehemals gehörer und behalten, welches mich in 


ſoweit tröfter, daß ic) dencke, es fey Doch nicht allee Same verloren, 
der in fo viel Jahren mit Mühe und Thraͤnen geſaͤet ift. Anfechtung 
Ichret aufs Wort mercfen. Wir höreten,daß die Leute in groffer Furcht 
vor den graufamen Indianern gewefen. Ich veifete weiter und hatte 
Gelegenheit das Evangelium drey Tage hinter einander an verfchiedenen 
Orten zu verfündigen, wozu fidy groffe Haufen vom weit und breit her 
einfanden. Auf den naͤchſtfolgenden Sonntag mufte ich noch einmal 
Teutſch und Englifch predigen , worauf dann vollends nach Haufe * 

J e. 


⁊ 


732 Neunte Sortfesung der Nachricht aus Penfyloanien. 
ſete. Herr Schaum hatte indeffen meine Gemeine und feine Filiale 
nach Nothdurft verſehen, und Die Leute'waren zufrieden. 
7. Raum war ein paar Wochen zu Haufe geweſen, ſo preſſeten 
mich die Gemeinen auf Molotton und in Readingtown, daß Herr 
Rurg son Tulpehockem, nebſt Heren Schaum und ich. fie mechfelds 
weiſe mit bedienen folten. Wir Eonten ihrerniche log werden, und has - 
ben fie bishieher mit vieler Mühe und Koften bedienen müffen. Herr 
Burg hat zwangig englifche Meilen" von feinee Wohnung, Her 
Schaum auch zwantzig, und ich dreyſſig. Die Leute haben fich ent⸗ 
ſchloſſen, auf Anrathen des Heren Conrad Weiſers, einen Beruf an 
unfere Zochwuͤrdige Vater zu fenden, und um einen Prediger nebſt 
einiger Beyfleuer zu feinem Salario zu bitten. Als mich aber hier= 
auf eben. die Ordnung getroffen, daß ich dem Gottesdienſt daſelbſt zu 
verfehen hatte; fo wurde vorgeftellet, Daß unfer Vice» oder Wechſeldienſt 
nicht hinreichend-fey, da fie nur alle viergehen Tage einmal Gottesdienſt 
haben, auch in folcher Ztoifchenzeit der Abweſenheit der Prediger oft 
Krancken- Zodesfäle u, d. m. vorfallen Eönten. Aus-diefen Gründen: 
wurde von der Gemeine für rathfam gehalten, Daß der Evangelifche Pre⸗ 
Diger aus Sriederichstorwon in Maryland, Here Haͤuſile, ein gelehrter 
und GOtt liebender Mann, der in Straßburg fludiret, in Rotterdant 
ordiniret, mit ordentlichen Berufs Inſtrumenten nad) America gefens 
det worden; auch auf unſerm jährlichen Synodo mit zugegen geweſen 
und unſer guter Freund wäre, inmittelſt nach Readingtown berufen‘, 
würde ꝛc. Ich hatte bey fo geflalten Sachen nichts darwider, und 
Monf. Weiſer fagte auch, es fey ihm nicht zumider, wenn der Pre 
diger aus Maryland kaͤme, eine Probepredigt hielte, und mit der Con⸗ 
dition angenommen wuͤrde, den Dienſt auf ein paar Jahre oder fo lange 
zu verfehen , bis der erbefene aus. Europa käme. Darauf fiellefen die 
DBorfteher einen Brief aus an befagten Prediger, under war juſt ein⸗ 
getroffen , als die Reihe mich abermal daſelbſt hin genoͤthiget. Ich 
hörete ihn zweymal predigen, recht ordentlich, erbaulih und eindrin⸗ 
gend, nach des ſeligen Speners Art , mit allgemeinem Beyfall der 
Gemeine. Tages darauf wurde er Denn: von Der gangen Gemeine auf 
drey Jahr fang berufen. Er verſprach bey Monf. Weiſer, daß er gern 
Pas machen wolte, wenn. der. erbefene Prediger aus Europa Fame, ) 
weil er eine fehuldige Ehrerbietung gegen die Hochwuͤrdigen Theo⸗ 
logos und Beförderer des Reichs Chriſti hegte, und deßwegen eben - 
Bekantſchaft, Freundſchaft und Umgang mit den pereinigten Predigern 
in 






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in Penſylvanien geſucht, aud die gute Sache genen Feinde und -- 
Laͤſterer in Maryland; Virginia ec. immer mit vertheidiget habe. Mir 
wurde dabey von den Vorſtehern und Aelteſten aufgettagen, daß ich 
den Verlauf der Sache be Geiegenheit an Hochwůrdige Yäter be⸗ 
- richten möchte, welches denn hiermit gefchichet. | 
8. Im Monat October Fam Sr. Wohlehrw. der Herr Pfarrer 
Slatter zu mir ins Haus, nachdem er als Feldprediger von der Bela⸗ 
gerung und Einnehmung Louisburg, und zuletzt von Hallifax in Neu⸗ 
Schottland gluͤcklich zuruͤckgekommen, und trug mir, vermoͤge einer 
ſchriftlichen Vollmacht von dem Herrn Gouverneur in Hallifax, einen 
Beruf sum Evangelifchen Predigamt in Teutſch· und Englifeher Spras 
che für die Gemeinen in Lüneburg und Hallifar an, mit dem Bey⸗ 
fügen, daß ich jährlich fiebenfig Pfund Sterlinge ſtehenden Gehalt, 
und swangig Pfund über das zu genieffen haben ſolte, wenn täglich ein 
paar Stunden zur information der Jugend mit anwenden wolte. ch 
wäre wol meiner natürlichen Empfindung nad) nicht abgeneigt geweſen, 
wenn ich meine legte Stunden in einem Winckel befchlieffen koͤnte, wo 
in Kir) und Schule dienen, meine fieben Kinder zum Guten erziehen, , 
und des continuirlichen Reiteng, welches Leibes und Seelenkräfte angrei⸗ 
fet, überhoben feyn möchte. ı Weil mich aber in fo wichtigen Sachen nicht 
gleich entſchlieſſen konte, fo bat Bedendzeit aus, um es’ dem HErrn 
im Gebet vorzulegen , die Umftande reiflich zu erwegen, und denn zu ſe⸗ 
hen, wie GOtt feinen gnaͤdigen Willen durch Umftände zu erfennen ges 
ben würde. Ich habe aber nachher fchon einigermaſſen bemerckt, dag 
es GOttes gnaͤdiger Wille nicht feyn moͤchteꝛ c. 
9. Noch einmal von der Gemeine auf Raritan etwas zu geden⸗ 
cken; ſo waͤre hochnoͤthig, um GOttes und der armen Seelen willen 
auf ein tuͤchtig Subjectum zu dencken, der als ordentlicher Prediger den 
Gemeinen auf Raritan in Teutſch· und Englifcher Sprache vorſtehen 
Eönte.i In derigangen Provintz Jerſey find nur zwo wohlgebauete 
Hochteutſche Kirchen und ordentliche Gemeinen, ſo daß ein begnadigter 
und begabter Prediger daſelbſt im Segen arbeiten, und auch feinen noth⸗ 
Dürftigen Unterhalt finden koͤnte: denn diefe Gemeinen haben ein beque⸗ 
mes Pfarrguth von funfgig Acker Land, benebft einem neuen Haufe von 
Steinen ꝛc. find auch) nicht viel über zwey hundert Pfund für Kirchen: 
und Pfarrplatz mehr ſchuldig. Diefe Gemeinen wären defien gar wohl 
wehrt ‚da fie von Anfang ber mit uns zufammen gehalten haben. 
Wunder if esinicht, daß fo vielerley Unruben und Veränderungen in 


1%, Penſylv. Sortf Ddd dd felbi⸗ 


794 Heute Sortfkzungdee liachticht ans Penfploäien. 


ſelbigen vorgefallen , weil fie. noch niemals einen ordentlichen, wohlgeſetz 
ten, Eugen! und erfahrnen Prediger‘ gehabt; fondern ſich mit unferr 
jüngern Brüdern nur behelfen muͤſſen, Die wir ihnen aus Noth überlaf- 
fen haben, Ich bin deswegen iin groffem Gedränge, weil verſprochen 
auf naͤchſtes Frühjahr, geliebt e8 GOtt, mit meiner Familie dahin zu zie⸗ 
hen, und wenigſtens ein Jahr da: zu bleiben 5 welches aber meine Gemei⸗ 
nen zu Providence und Dannover-fehr unruhig machen dürfte, weil 
Her Schaum auch ſchwach iſt. Könten Zochwuͤrdige Väter 
unter GOttes Beyſtand einen, Mann finden, der nach Gnade und 
- Gaben für Raritan, oder für Propidence und Hannover ſich ſchickte: 
fo gefchähe dem angefangnen Werck ein groffer Borfehub und Beyſtand. 
Es iſt aber Feine Zeit zu. verfäumen, Ich Darf mol weiter nicht ſchrei⸗ 
ben , was. für einen Mann wir eigentlich nöthig haben; denn: fonfl 
möchten die theuerflen Oster mit dem feligen Luthero antworten: 
wir ſolten uns einen folhen von dem Mahler mahlen laffen. Wir wol⸗ 
len alſo lieber in Demuth und Berbörgenem bitten, daß der gnädigfte 
Ertzhirte einen Mann nad) feinem Hertzen anzeigen , und unfern 
HBochwirdigen Vätern in der fehweren Sache mit Rath und That zu 
26 kommen wolle. Es gehen Kriegs Proviant⸗ Transport und 
dauffarttheyſchiffe genug auf Boſton, Neuyorck, Philadelphia ac. mit 
denen ein ſolcher aus England heruͤber kommen koͤnte. Wegen der 
Fracht moͤchte es wol einige Schwierigkeiten haben: denn unſere Land⸗ 
feute in Jerſey und Penſylvanien werden durch die ſchweren Kriegs⸗ 
jaͤufte ſehr miigenommen, aber GOtt wird ſorgen. Koͤnte ein ſol⸗ 
eher Prediger, wie es unſere Umſtaͤnde erfordern, zur rechten Zeit aus⸗ 
gefunden und mir zur Huͤlfe geſandt werden; ſo mare unferer Bebirfs - 
niß vorerſt maͤchtig geholfen. mn 208 
so, Sm Monat November fandten einige Vorſteher der Evans 
gelifchen. Gemeine aus Sriederichstown in Maryland einen Erpref 
fen Mann an mich, mit dringender Bitte, daß mit Dem Boten zu ihnen 
Tommen und in einer wichtigen Sache, die den Schaden oder Nußen 
der Religion zum Borwurf. hätte, rathen folte- Ich fehlug die Reife 
ab, weil e8 in der rauhen Winterszeit bey übeln Wegen und. hohen _ 
Waſſern gefährlich zu reifen, und die Entfernung hundert und vierbig 
Engiliſche Meilen ift, ich auch vor Eurger Zeit erfi von Jerſey zuruckge⸗ 
kommen; gab-ihnen aber. meine Meinung in einem Briefe zu verſtehen. 
Ein paar Tage, hernach befam ic) eine Entzundung aufder rechten Seite 
in der Bruſt, ‚mit vielem Stechen und trockenen Huſten, Bee — 





bergs Schreiben von 1759." 735 


Blutſpeyen ausgeſchlagen ſeyn würde, wenn ein Ehirurgu 8 nicht gleich 
mit Aderlaffen zu Hülfe gekommen mare. Ich hatte Denfelben Zufall et⸗ 
liche Monateguvor in Raritan, wo ich unter GOttes Segen Durch den 

Gebrauch einiger Argency tvieder hergeftelt tnurde. Im Monat Des 

cember ſchickten fie abermal einen Erpreffen aus Friederichstown im 

Maryland, mit der Bitte, ich moͤchte doch kommen. Sch Fonteden Mann 

nicht los werden, bie mic) reſolvirte mit zu reifen. Weil aber mit 

wohl trauete wegen der Lungen Schwachheit, fo nahm den Ehirurgum 

Monf. Martins mit „ritte drey Tage im Regen und Schnee, hatte aber 

den vierten Tag gut Wetter, und den fünften Fam ich in Friedrichs⸗ 

town an. Des Monf. Martins ‘Pferd fiel unterweges und verurfachte 
die Beſchwerde, daß mir einander die Pferde borgen muften, ung felbft 
aber begegnete Fein: Unfall. Nun fragte ich nach dem Hauptbegehren 
dest, Die mid gerufen und Hergepteft hatten, walhee Denn in folge 

unbtftund art tt Bern BLIRIOSN 


+73 re —— 


Vaſt. Mäühle 





r Teutſchen Einwohner son Maryland wuͤſſen Kraft der 
Desgefege jaͤhrlich einen Tax geben für den Engliſchen Prediger von 
„der Hochkirche in der Provintz: Wir haben keinen Nusgen davon, 
weil wir nicht Engliſch verſtehen muͤſſen, wenn wir bey unſerer Sprache 
„und Religion bleiben wollen, Kirchen und Schulen aus unſern Mit 
„teln bauen, und Prediger und Schulmeifter aus unfern Scherflein der 
„Nahrung erhalten. Es iſt auch ſchwer, gute Prediger und treue Haus: 
"haltet zu ‚finden ‚und.eine Öemeine, die aus lauter Freywilligen beftes 
„het, zu regieren, weil wir alle einander gleich find. Wenn nun uͤber⸗ 
o»dieß Streitigkeiten einreiſſen, fo läuft der eine da, Der andere dort hin⸗ 
„aus, verfältsin Unglauben, Aberglauben, oder Nichtglauben; unfere 
„Rinder fhamen ſich ihrer Eltern Religion, und vereinigen ſich (menng 
„noch gülden gut iſt) mit der Hochkircheꝛc. Er 
02 15 Der Englifche Prediger von der Provintz if neulich geftorben; 
„waͤre es nun nicht möglich, bey der hohen Obrigkeit zu fuppficiren, daß 
„entwweher a) und Teutſchen £utheranern Die Tare erlaſſen, oder b) für 
„unſern Theil Tore ein teutfcher Prediger, oder e) ein Prediger, der 
un agieren Engliſchen und Teutſchen zugleich Dienete,, geſetzet 
Wwüuße.nihilt u: niet, ara NT 
3 Wir haben Ihn wollen fragen, ob Er geneigt wäre, einen fol- 
„hen Berufs als Countyprediger, anzunehmen, und den Englifchen und 
Teutſchen zugleich zu dienen? oder, ob Er uns einen guten Rath geben 
und Fuͤtſprache bey den Obern einlegen molte?,, Ä 
>, Ba Ddddd 2 Ich 





r 


” 236 Era Sf de itaheibe au Ponte. 





Mas. den — —— —* fo Bitte — 
gänglich. abzuſtehen, —— Berufs genug in und auſſerhalb 
Venfolvanien; ;. wenn aber. mit Rath und Fürfprache etwas vermag, fo 
will Taler, ‚gerne —— she. dtiauiy tat dad —— 
Am Sam ends kamen ein paar Ati von ber Engli ern rom 

Kirche und baten, daß amfolgenden Page in ihrer. Kirche predigen 
Die Teutfch-Reformirten lieffen gleichfals vermelden, daß * —— 
und der Kirchenrath mir ihre Kirche zu unſerm Gottesdienſt —— 

lieſſen, weil die Lutheriſchen noch keine Rircpehätten, Ich beſuchte hi 
auf unſern Prediger und fragte, ob mit —S— — 
ſolte 2 Er verſicherte, daß es ihm beſonders lieb waͤre, und bedauerte, 
daß er ſelbſt nicht gegenwaͤrtig ſeyn koͤnte, weil er eben in einer Lands 
— Gottesdienſt halten muͤſe. | 
Am folgenden Sonntage predigte: Vormittags i in’ der Enstifden, 

aa Nachmittags in der Reformirten Kirche vor groſſen — 


Montags Abends Eamen verſchiedene ——————— und — Bes 
diente in. mein Logis, bedanckten ſich fuͤr Die Englifche Bredigt und frage 
ten mic), ob.ich mol geneigt ‚wäre, ihr Counthprediger zu werden und 
in beyden Sprachen zu predigen? "ch ermwiebderte, daß mir bereits mehr 
befohlen als ich ausrichten Fönte ze. ¶ Sie brachten bey, daß der County⸗ 
Dienft jaͤhrlich 6oo: Pfund curr. eintrüge, Daß die obere er 
Ichäftiget wäre , aus der einen Pfarre zwo zu machen; und fom 
ſichs vielleicht: icken daß ein Engliſcher und ein Teutſcher Prediger 
‚eingefegt würde, um gemeinfchaftlich zu arbeiten, und eine liebliche Har⸗ 
monie zwiſchen Engliſchen und Teutſchen Einwohnern zu ſtiften. Wenn 
ich einer von beyden ſeyn wolte, ſo wolten fie gleich eine Bittſchrift 
machen, und —“ Tages durch einen Expreſſen an den Herrn 
Gouverneur. fenden. : Ich bat nochmals meiner Perſon nicht zu gedens 
cken ‚und erſuchte fie, nur ein gut Wort für meine Teutſche Glaubens⸗ 

ver⸗ 


Vm. Zen. Pop: Mlählenbergs Schreiben von 97 


verwandten bey dem n Gouverneur einzulegen welches ſie aufrich ⸗ 
tig verfprachen,und Tages darauf durch eine Bittſchrift an ven an 
Gouverneur — — Ich verhieß, durch ein und andern 
guten Gönner von Phitadelphia aus eine Fuͤrſprache mit einzulegen, 

und wie ich nach der Zeit vernommen, fo iſts wircklich im Vorſchlage, 
daß ordentlichen Lutherifchen und line Predigern: jährlich "eine 
| von der Englifchen' Pre are gegeben werden foll. Nenn 
dis gefchiehet, auch zur Ehre FEfu Chriſti und Ervettung der ar» 
a. Seelen sucht angewendet wirds‘ ‚p fon mich die faure Reiſe nicht 

ren. N 

2 Nachdem drey Tage: in Seiedeichetown zur Ermahnutg und 
— —* angewendet; ſo eilete mit meinem Gefehrten der Hei⸗ 


—* math zu, und erreichte innerhalb ſechs Tagen unter viel kalten Regen 


und über hohe Waſſer das Ziel, durch GoOttes Erbarmung und 

ee Schutz wohlbehalten. Dem fey Preis und‘ Ehre in 

—* keit, Amen! Auf dieſer —— Reife kam zweymal duch 
ancafter, und befuchte den Herrn M. Berod. 

Nun der mächtigfte HErr Zebaoth —— —— in 

atten heilen der Welt wie feinen Augapfel und Siegelting bewahren, 

und infonderbeit unfere Vater, Gönner und Brüder in Europa, und 

. fein liebes Wänfenhaus in Glaucha aufs kraͤftigſte fchüsen, und dem 

inde befehlen aus'Pf. 105, 15! Taftet meine Befälbten nicht on, 

und thut meinen Propheten bein Heid, In Zuverſicht deſſen be⸗ 


—5 n zu ſeyn a 
2 | il, medien N 





v Ill. — 3 Schreibens v von: 2 
Herrn Paſtor Handſchuch in Philadelphia an Herrn 
Hofprediger Ziegenhagen und Herrn Dort. Francke, 

„vom ıstein, Martii 9. 


bh unterm aiſten October. lest. sertoichenen gehres 
&, Er etwas umſtaͤt — Bericht von der hieſigen Ge⸗ 

+ meine gehorfamft abgefkattet, welcher zu Anfang des darauf 
folgenden Novembers fe einem — eg beſtimmten eo = 


28 Erste gorifosung et 220 
fortgeſchicket worden. Meine — 












gen — * — 2* * a ae an —** 

r a *) von der ci ch 5 hr Ay | 

kirche und, Gemeine zu Philadelphia , und. BE 

ren, mit. den. Be: Umſta iben fuldigf ange Hier 

fie: De: Ehrlich. nachholen. x Eh N Be TEs urn ER, 8 Pr : 
Bor or.ohngefehr-anderthalb 1 Bam eim ehemaliger-£ Sr * 


des Bringen von Wales mit feiner Frau und ſeinem eintzigen Soh 
auf bittliches Anfuchen feines hiefigen Schwagers , seines: ſehr reichen 
und anfehnlichen Mannes, von London alhier an. Als derfelbe ben vier 
Monate lang unfern öffentlichen Gottesdienft in der Kirche andaͤchtig 
and unnusgefegt beſuchet ‚hatte; ſo Aufferte,er gegen ein gewiſſes Ges 
meingglied feine.befondere Berwunderung, über die ungemein groſſe 
Anzahl und gute Drdnung der Zuhörer in unferer Gemeine und Kirches 
legte auch zu gleicher Zeit ein ſtarckes Verlangen an den: Tag, eine Eurge 
Nachricht; Davon zu haben, damit er folche nach, en mean Tan 
de, und infonderheitian der, Prinzeſſin von Wales Dof: fd chicken koͤnte. 
Dieſes wurde denn mir angezeiget, und von mir verlanget eine ſolche 
Nachricht aufzuſetzen, auch dabey gebeten, der Prediger, nad den 
Hauptumfiänden, mit zu gedencken. Auf folche Weiſe ift denn diefe 
einfältige,, Doc) zuverläffige Nachricht von ber hiefigen St. Micyaeli 
— entſtanden En von befagtem Freunde nach London geſchickt 
worden. sn nd Org 


GENE 


Als noch immer mie hertzlchen Wanſchen umging gr doch ‚bald 
einige erfreuliche Nachrichten von Sochwuͤrdigen Vätern aus Eu⸗ 
topa zu fehen; fo wurde am ıgten Januarii diefes Fahre, Abends fpate 
mit Bw. Zochw. Seren Hofprediger Ziegenhagens: vom ‘agflen 
Auguft, und Seren Doctor Franckens vom zıflen Martii eben de el: 
ben Jahres „nebft beygefchloffenen Einlagen hoͤchſtens erfreuet, und 
ſtillen Lobe GOttes darüber nicht wenig ertwecket. Unter andetn freuete 
mich befonders darüber, daß in meinem letztern Berichte eben dag ge⸗ 
horſamſt gemeldet hatte, woran. Denenfelben am meiften gelegen zu 
ſeyn gefhienen, fo daß Ew Zochw, hochgeſchaͤtztes Schreiben , und 
mein aufrichtiger Bericht mit einander giemlich genau übereinflimmen. 


Was meine liebe Gemeine su Philadelphia betrifft; fo hat der 
HErr Sens feither groſſes an ihr gethan. Denn Er hat einige Sonns 


„tage 





’. 
6 Di ih das oben von e a7 bie TR cingerlcte fünfte Sid. 


-. 


Van) Zen / Poſt Gandſchuchs Scheelben don wee 39 


tage vor dem vergangenen Weihnachtsfeſte, auch unter waͤhrendem 
Feſte und am Neuenjahrs. Tage, wie auch nachher vermittelſt des gepre⸗ 
diglen Tores; ein und andere nicht geringe Br und Er⸗ 
weckungen aus unendlicher Gute geſchencket Umſtaͤndlich aber alles zu 
erzehlen, halte vor dismal noch nicht fuͤr rathſam. Ich will lieber noch 
auf einige mehrere und reifere Früchte in Geduld warten. Fuͤr ietzo 
will ich indeffen dasjenige einruͤcken, was am letztern Neujahrs- Tage 
1759 —— der Cantzel abgeleſen worden, weil daraus der ſtarcke 
Anwachs der Gemeine zum Theil zu erſehen ittt 
„Eurer Liebe iſt mit wenigen zu vermelden, Daß im verfloffenen 175gften 
„Jahre bis auf geflern, in unferer Kirche und Gemeine von mir zwey hun⸗ 
„dert fieben und neunsig Rinder getauft worden, alſo ſieben und 
„funfzig mehr, denn im vorigen Sahte, Der verftorbenen Gemeine⸗ 
„Glieder, Die im verfloffenen Fahre auf unſerm St. Michaelis-Kirchhofe 
„ordentlich begraben worden, find fechs und neunzig, darunter die al 
„iermeiften junge Kinder geweſen; und alfo fechs und zwanzig mehr, 
„denn im: vorigen Jahre, ohne Die zu rechnen, welche auf den allges 
„meinen Kirchhof gebracht worden. Die Anzahl der im vorigen Jahre 
„Eonfiemirten, und die groffe Menge der mit uns zum heiligen Abend= 
„mahl gegangenen hatte aus den Kirchenbüchern auch Teicht zuſammen⸗ 
„stehen Fönnen; aber ic) habe mic) derjenigen Sünde gefürchtet „ die 
3David Damit, begangen, daß er aus Hochmuth fein Volck zehlen ließ. 
Daher will dieſes lieber unterlaſſen und nur ſo viel melden, daß unſere 
Gemeine im vergangenen Jahre nicht ab, ſondern vielmehr mercklich 
Zugenommen hat. Nicht ung, HErr! nicht uns, fondern deinem 
„allerheiligfien Namen, deiner heilfamen Lehre und mitwirckenden Gna⸗ 
„de: gebuͤhret auch dafür alle Ehre. Und weil der HErr fo groſſe 
Barmhertzigkeit an ung gantz unverdienter Weiſe thut, und wir, wenn 
wir nicht aber ung ſelbſt und eine ſo zahlreich gewordene Gemeine ge⸗ 
„hörig wachen, gar leichtlich wieder ein roher, unbaͤndiger und wilder 
„Haufe werden können; ſo hat man ſich in letzterm Kirchenrathe, dee 
„am ıgten vergangenen Decembris gehalten worden, aus neuem Eifer 
„einmüthig entfchloffen, an dieſem Neujahrs⸗Dage die gange Chriflliche 
„Gemeine famt und fonders, Alte und Zunge männlichen und weibli⸗ 
„hen Geſchlechts, zu einem neuen rechtſchaffenen Wefen in Chris 
„fto JEfn befonders aufzumunteenae. gan 7 Da nun a 
0 Sn der, vergangenen Nenjahrs- Predigt hafte mich ſelbſt noch 
mehr ermuntert, auch bie: Aelteſten, Vorſteher und alle er iede 


ni 


— 





— — erben JEſu Chriſti hertzlich und 
eweglich aufſgefordert .. u... ur ns ST 
« — man ſich wegen dev Menge derer, bie in der Kirche Stühle: 
begehren, kaum mehr gu retten weiß; fo war ich genöthiget, am Sonn» 
fage nach dem neuen Jahr nach Der Predigt unter andern folgendes: bes 
Fannt zu machen: BERSHZET DIRT — TOT SR 
„Man wird. gefliffentlich möglichft zu fehen, ob und in mie fern: 
„allen denen ; welche Stühle in der Kirche fo dringend begehrten, könne 
„gewilfaret werden. Wertheſte Seelen! da der SErr , Höre Die 
„Gemeine durch feine unendliche Güte fo sahlreich merden laffen , daß 
„unfere vorher viel zu groß ausgefchriene Kirche nunmehr- zu Elein iſt, 
„und die Ermeiterung derfelben fo geſchwinde noch nicht gefehehen kann; 
„fo folte billig ein iedes ordentliches Gemein⸗ Glied möglichft zuſammen⸗ 
„rücken, und froh ſeyn, wenn viele das Wort der Predigt gemein⸗ 
ſchaftlich hören koͤnnen, weil ja Feiner weiß, wenn und Durch mas 
„für ein Wort diefer oder jener Zuhörer möchte ergriffen, und auf den 
„Weg der Buffe und des lebendigen Glaubens gebracht. merden 2c. 
„Ach! laſſet und nur von Hergen Demüthige Schaflein SEfu werden; 
ſo wird es uns gleich viel gelten, mir mögen in der Kirche figen oder. 
„ftehen , wo es auch if, wenn wir nur hören und das Wort der Pre⸗ 
„vigt Deutlich vernehmen Fonnen., u —— is, 
Wir hatten zwar vor anderthalb Fahren gedacht, daß ein eiges 
nes und ordentliches Schulhaus der Gemeine wol das nothwendigſte 
feyn möchte: Allein, die Erfahrung hat ung bald darnach und taͤglich ie 
mehr und mehr gelehret , Daß die Erweiterung unferer Kirche: noch viel 
nothwendiger fey.; Dahero man vorm Jahre im Kirchenrath,aus North 
gedrungen ‚ fchlüffig ward, Diefelbe diefes Frühjahr an der Morgenfeite, 
bis an des Eleinen Kirchenplages Grentzen weiter heraus zu bauen, ob 
fchon der Raum dargwifchen Faum fechzehen Schuhe lang iſt, und alſo 
zur Erweiterung nicht fonderlid) viel würde bepgetragen haben. Dreh 
im Kirchenrathe dazu beftelte Aelteſte aber «befragten deswegen ‘einen 
bauverfländigen Mann in der Stadt , der ein anſehnliches Mitglied 
der Affemblee diefer Stadt und Proving iſt, ob ſolches nicht angehe? 
melcher aber mit Gründen verficherte, Daß folches wegen der Beſchaf⸗ 
fenheit des gantzen Gebäudes nicht angehen würde, man muͤſte ihr da⸗ 
ber inmwendig durch Verlängerung der kurtzen Emporkirche und Vers 
fegung der angel helfen. Daher ward befchlofien , die kleine Empors 
kirche weiterhin bis an Die morgenfeitige Mauer zu führen, die Cantzel 
Ä über 


VIIL: Zen. Paſt. Handſchuchs Schreiben von rg. 741 


über ben Altar zu fegen, und fonflen unter den Stühlen zu verändern, 
was die Nothwendigkeit erfordern moͤchte. Weil denn auch Die Bretter, 
womit der gantze Kirchenplatz ſtatt einer Mauer umgeben iſt, theils 
verfaulet, theils auch ſonſt baufaͤllig und durch Die Länge der Zeit zerrif: 
fen find, auch um der Kirche herum alles voller Koth iſt, dag man bey 
Regenwetter oft kaum durchzukommen weiß; da denn manche ‚ infons: 
derheit zärtliche Frauensleute, bey dergleichen IBetter und Wegen vom 
Kirchengehen abgehalten werden :. fo wurde dieſes alles Dem bauverſtaͤn⸗ 
digen Manne übergeben, und ein vorläufiger Accord überhaupt mit ihm 
gemacht. Wie er dent, fo möchten fich.diefe Bau. Unkoſten ohnges 
fehr auf 150 Pfund belaufen. Das Bauholg wird gegenwärtig dazu 
wircklich behauen, und das gantze Werck foll ohngefehr in fünf oder ſechs 
Wochen fertig ſeyn. Da auch unfer kleiner Kirchhof bereits faft gang 
vol iſt, und wir ein gegenüber liegendes Stuͤckgen Landes noch darzu 
 anzukaufen in kurtzem werden genöthiget werden, wofern man es noch 
bekommen Fann, und Die Gemeine ein Pfarr- und Schulhaus gleich» 
fald nothivendig brauchet; ‚ob fie gleich von alten Kirchenfchulden gegen⸗ 
u noch 450 Pfund jährlich zu verintereſſiren und nach und nach abs 
zuzahlen 





hat: ſo wollen wir unſer Vertrauen auf GOtt ſetzen, der uns 
feine vaͤterliche Borforge erfahren laſſen wird. Die Gemeine wird in⸗ 
deſſen auch noch manche freiwillige Beyſteuer aus ihren eigenen Mitteln 
zuſammen legen und einſamlen, welches aber nur ein bloſſer freyer Wille 
ſeyn, und unter GOttes hertzenslenckender Regierung verbleiben muß. 
Denn wenn GOtt ſeine Hand mit darinnen hat und auch behaͤlt, 
ſo wird alles. ungezwungen und gut von ſtatten gehen, ſintemal 
manche gut geſinnete Leute zur Kirchenſteuer froͤhlich und willig find, 
und wie ich. hoffe, noch deſto williger werden ſollen, ie mehr fie die 


gemachten. Anſtalten zur Erweiterung der Kirche als nothwendig ein 
6 rden | x 


on denen bisher: in die Ewigkeit gegangenen, eigenen und ent⸗ 
fernten. Gemeine: Öfiedern , will. ein und andere mir vorzüglic) merck— 
wuͤrdig geſchienene Exempel hier auch anführen. » 
Das erſte iſt auf der einen Seite etwas erfchrecflich. Es hatte 
vorm Jahre eine mit ihrem Manne von Teutſchland hereingekommene 
Sa zwey Meilen von der Stadt, mic) zu ihr hinaus rufen laſſen 






ſs ich zu ihr kam, fo hoͤrete daß ſie ſchon ein gantzes Jahr fang 
in aͤuſſerſt elenden Umſtaͤnden zugebracht, und ein Saltzfluß im Ger 
ſichte ‚fie ſehr übel zugerichtet habe. Es wolte mich Anfangs für... 

IX. Penſylv. Fortſ. Eeeee fie 


„42 Yreuinte Sortfegungder Nachricht aus Penſylvanien. 
fie edein; doch erfundigte mich nach dem nothtendigften, gab ihr 
aus GOttes Wort den nöthigfen Unterricht, und befete mit ihr. 
Bon der Zeit anı befuchte ich fie meiftens alle Woche wenigſtens einmal, - 
muſte ihr aber auch faft immer eine Eleine Gabe mitbringen, teil fie are 
mer als arm war, undihr Mann ſich ihrer nicht fonderlich annehmen 
konte oder wolte, welches GOtt am beften weiß, auch alle Nachbarn 
ſich vor der vermeinten ſchaͤndlichen Kranckheit fehr fcheueten ; und da⸗ 
her nicht anders, als auf vielfältiges Bitten anderer mitleidigen Seelen, 
ihr je gumeilen ein wenig gu Hälfe kamen. Ich reichte Ihr einfimas 
fen im Beyſeyn ihres Mannes das heilige Abendmahl, welchen ich 
fönften kaum das zehnte mal bey ihr zu Haufe antraff, und fie 
alfo ohne alle Hülfe da liegen mufle. Sie felber aber war in Dies 
fem Dfen des Elendes gewißlich eine theure Seele geworden. Bibel 
und Gefangbuch kamen wenig von ihrem Bette, ob fie gleich nur 
mit dem einen Auge noch fehen Eonte, da das andere ſchon gantz ver» 
loren gegangen. So oft ich in Die Stube trat, tief fie mir die bee 
weglichften Sprüche und Verſe entgegen, welche ſich vortr ich ſchoͤn 
auf ihre Leibes und Seelenumftände ſchickten. Einige Lieder fcheis 
net fie in ihrem Elende felber gemacht zu haben. Ohngefehr vierzehen 
Tage vor ihrem gemaltfamen Zode mar ich Das letzte mal bey ihr, 
da fie denn ihr Aufferft ſehnliches Verlangen, nad) einer baldigen feligen 
Auftöfung, mit vielen hergbeweglichen Wortenausdrückte. Ihr Mann, 
der wieder einmal zugegen war, legte unter häufigen Thraͤnen feine 

groffe Ungeduld über das fo lange anhaltende Ereuß und Elend an 
den ag, und verficyerte, ev Bönne es faſt nicht länger ausflehen. 
Einem ieden begegnete demnach mit gehörigen Zrofigeünden aus der 
Schrift, und betete mit ihnen, welches denn ohne häufige Thraͤnen 
nicht abging. Meine eben damals gehabte viele Arbeit erlaubte mir 
nicht fo viel Zeit, in Diefen vierzehen Tagen wieder einmal hinaus zu ges 
ben. Es war am Sonnabend Nachmittags, als erfuhr, Daß der Mann 
betrunken fen, und aus Defperation mit mörderifhen Gedancken um» 
gehe; ich konte aber vor Arbeit unmöglich von Haufe abfommen. 
Montags Vormittags darauf, als ich mich zum Dinausgehen fertig 
machen twolte, wurde mir von verfchiedenen die entfeßliche Nachricht ges 
bracht, daß der Mann diefe feine elende Frau vollends jämmerfich im 
Bette erfchlagen, und man ihn felber, nach) vielem Umherſuchen, oben 
auf feinem Boden, wo er fich ſelbſt erhenckt, gefunden habe. Das 
gewöhnliche Gericht wurde uber beyde gehalten, und fie Darauf 4 der 

| ER Stille 


„VII. Irn Paſt. Zandſchuchs Schreiben vonızsa! 74 


J— —, ſo noch nichts zu der allgemeinen Ar⸗ 
geben koͤnnen, und in onderheit unſere Teutſche ſind am 





rete ihn immer mehr 
wandel, er 





At hie 
er. in meinem Gemuͤth etwas betteten, und wolte es gern 
age auf no anmefende Aelteſte aber und nody 
meinggli 










fih die 2 elteſten weiter mit ihm, und tie ich ben meiner 
ruͤfung feiner ſelbſt, und die heilige Handlungen der Abs 
iligen Abendmahl mit ihm anfangen molte;, fo murde, 
sefenden. Verwunderung, einer bey diefem Manne 
art, } Ab Dkice aͤnderung gew hr. Da kam alles aus ei⸗ 
ang andern Ton... Ol wie gab er GOtte Rol daß er ein Suͤn⸗ 
ein gottloſer und der aͤrgſie Miſethaͤter ſey. Wie gebeugt ward er 
Bas ie Ereee a — nicht 





„rr% 


nicht darüber, und mit welchet Begde empfing er das Kerr 
mahl. — te Bi alten Sander Dep de ut — eek 


"Dis net arm des —— Mans nasse 
— wurde er von einem erweckten Gemei u erh beſuchet, 
und wie derſelbe, nach denen angehörten beweglichen rmahnungen, 

dem Sterbenden die Hand gab, und von ihm 2 Ba nehmen. wolte; 

fo uͤberfaͤlt ein alter Schauer feinen < gangen Lei Er Font N wieder 
nach Haufe, und wird wircklich Franck. den dritten Tag laft er mich 
gu ſich rufen. Ich gehe mit einem Aelteften zu ihm hinaus, und auf 
Befragen, ob er Gnade, Vergebung der Sünden und einen in Chriſto 
feinem Heilande verföhnten GOtt und Vater habe, und fich noch an 
das theure Verdienſt feines Heilandes zuverſichtlich halten koͤnne? 
er mit Freudigkeit und laͤchelnder Mine zur Antwort: Sa freyn 
Ferner, auf die Frage, ob die noch uͤbrige Suͤnden und die Anklao e 
feines Gewiſſens ihm ſolches nicht ſtreitig machten, und ihn in mans 
cherley Zweifel flürsten? antworteteer: Er laffe ſich folches nicht ſtreitig 
‚machen, er halte ſich an feinem Heilande ꝛc. Ich fragte weiter, ob er 
ſich denn nicht vor dem ode fürchte? Er ertwiederte mit laͤchelndem 
froͤlichem Angeſicht und freudigen Worten: Ach nein! warum ſote ich 
mich vor dem Tode fuͤrchten? Mein Heiland * ja durch ſeinen Na 
dem Tode die Macht genommenze. Wenn ich fterbe, ſo gehöret das 
ja mit zum Gangen. Ich till gerne und frölic) erben. Mn Enge 
darnach iſt er auch Ki und freudig gefiorben, —5 


Das —* Exempel. Es war ein altes Semeintgfie, en Man 
von ein und ſiebenzig und einem halben Jahre mit zugegen, als ich oben 
erwehntem Manne das heilige Abendmahl reichete, —— laͤſſet 
mich, acht Tage darnach, in feiner Krankheit: auch ru en, und begeigte 
ein aufferordentliches Verlangen nad dem heiligen Abendmahl und eis 
nem feligen Ende. Ich redete das allernothtvendigfte mit ihm, betete 
hertzlich und verfprach , ihm daflelbe nachfifofgenden Vormittag ju reis 
en. aus ich mit einem Aelteſten hinkam, verſpuͤhrete bey m wie 

ages 


vim Zen. Paſt Sandſchuchs Schreibenvon insg. "945 


Tages subor, ein fehnliches Verlangen nach einem feligen Ende und dem 
"heiligen Abendmahl. Auch redete er viel erbaufiches, davon ich aber 
nicht alleg, u don ſchwer gewordenen Zunge, völlig vers 
fiehen Fonte. Noch dieſen Abend ftarb diefer Alte, vermuthlich felig in 
dem Hein. 0° N re Aa 
Das zte WExempel. Vergangenen Sonntag vor acht Tagen 
molte eine Witwe: mit der Gemeine zum heiligen Abendmahl gehen; 
wurde aber durch eine plögliche Kranckheit daran gehindert. Einige Ta⸗ 
‚ge darnad) läffet fie mich. rufen, und begehrte daffelbe noch. von: meiner 
‚Hand. Ich ſtellete eine Prüfung ihres Seelenzuftandes an, fragte ſie 
fo gründlich aus als ich nur immer Fonte und fand, zu meiner Zufties 
Denheit, ein gebeugtes und gläubiges Herg bey dieſer Witwe. Ihre 
Stimme mar nad) ſtarck, und ihre Geberden freudig und lebhaft. - Sie 
ernpfing denn dag heilige Abendmahl. Nach demfelben lobete fie GOtt, 
‚und verficherte, ‚daß ihre Seele nun völlige Ruhe habe. ‘Eine halbe 
‚Stunde darnach verſchied ſie denn auch fanfte und felig, mie ich hoffe. 


DER RBIINIERE NIT NR BWIN 
Ueberhaupt muß auch hier mit anmercken, daß, feit vier bis fünf 
‚Monaten, bey mehrern Sterbenden einige Gnadenwirckungen des heilt 





‚gen Geiſtes bemersfet habe: Rn 
Einen noch lebenden gefährlich krancken Mann datf hier mot 
nicht gang mit Stillſchweigen übergehen. Derfelbe hatte es von hier 
aus mit dem er n in Bermantown gehalten, ſicher ge: 
lebet, nachher im Neuyorkifchen bey Der Armee einen Handel getrieben, 
und fich vermuthlich in vielen Sünden herumgemelget. Diefer wurde 
denn vor Ohngefehr acht oder neun Wochen kranck anher gebracht. 
Einige Wochen darnach laͤſſet er mich fehr bitten, Doch zur ihm zu kom⸗ 
men. Als ich zu ihm kam, bat er um GOttes willen, mich feiner ar⸗ 
'men Seele anzunehmen, er möchte gern noch felig werden, er wäre frey⸗ 
fich ein greulicher Sünder 2c. Weil diefer Mann noch lebet, fo will 
meiter nichts ſagen, als daß er in einem ernſtlichen Ringen nach der 
Seligkeit zu ſtehen feheine. Auch hat er im Benfeyn einiger Aelteſten 
nicht ohne Segen das heilige Abendmahl genoſſen. So oft es geſche⸗ 
hen kann, wird er von mir und den Aelteften befucher, woruͤber er ſich 
innigſt freuet, undimmer bezeuget, tie er Dadurch in feinem Kampfe an 
feiner Seele befonders erquicfet werde. Bey ihm mechfelt noch Troſt 
und Angſt, Ruhe und Unruhe en ee wird immer tiefer F 
eeee 3 


746 Yleunte Sortfesung der Nachricht aus Penfylonnien, 


den Grund des Hertzens geführet. Ich hoffe daher, er ſoln 38 
ges — Redliche Seelen freuen fi) von ——— dieſe 
JJ a a 
die Woche vor der letztern a heiligen Abendmahls, 
Sonntags Reminifcere , habe zwölf Perfonen unterrichtet, und den 
Sonnabend vorher nad) der Borbereitungspredigt oͤffentlich confirmi⸗ 
ret, nemlic) fünf Männer und eine Frau, und ſechs zu ihrem maͤnnli⸗ 
chen Alter gekommene Junggeſellen. Unter den Männern war ein Rö-= 
mifch>Catholifcher, zwey und viergig Jahr alt, der fic) länger als ein 
Jahr ſchon zu unferer- Kirche und Gemeine gehalten hat, und ein Mann 
von acht und dreyffig Fahren, der in äufferlichem Wohlfande ſtehet, 
und von Der Gnade GoOttes in ſeiner letzten Kranckheit noch weiter be⸗ 
arbeitet und demuͤthig gemachet worden. Die übrigen Maͤnner und 
Ssunggefellen waren fluffentweife jünger; iedoch alle, wie mic) deucht, von 
ziemlich guter Hoffnung und Aufrichtigkeit des Hargend. 
Seit neun Tagen haben fich Die jungen Leute zum Unterricht gleichs 
fals angemeldet. Gegenwärtig find Derfelben ſchon neun und zwangig 
an der Zahl. Künftige Woche wird denn mit Diefen Der Unterricht auc) 
angefangen werdens” H°-mm in an en Se ef RR. 
Unfere Schule betreffend, fo ift fie insgemein zwiſchen neunzig 
und hundert Kindern ſtarck. Unter denfelben find von Zeit zu Zeit 
acht. bis swölf arme Kinder, die freye Schule und Bücher genieffen, - 
Der Schuimeifter it Jacob "Hafner, fo ehedem bey dem Herr a Rurg, 
dem ältern, in Tulpehodem geflanden, und, vor ohngefehr fünf Jahren 
von „Deren Zrunnbols und hiefigem Kischenzathe zum ordentlichen 
Schulmeiſter und Otganiften herunter berufen worden. Er befiget nad) 
hiefigen Landes Umſtaͤnden Fähigkeit genug, der Jugend die Anfangs 
gründe des Chriſtenthums nach dem Catechismo, nebft Dem Leſen * 


* 


Schreiben beyzubringen. Denen acht oder zwoͤlf armen Kindern erfäf 
er das halbe Schulgeld. Die andere Haͤlfte aber nebſt — hen 
 marben aus einer Schul-Armenbüchfe bezablet, die in meiner gröffern 
Stube ſtehet, in welcher ich die Leute copulire; da denn nad) gefchehes 
ner. Copulation, wenn es irgends angehen will, ermahnend. zu bitte 
pflege etwas weniges zu Dielem Zweck hinein zu legen. . Oftmals gehet 
es fparfa genug het, fo daß mir zu Zeifen bange tverden till, wie alles 
beftreiten fol; Both der HErr, EErr hat noch bis. hieher, immer. ges 
hoffen. Eine arme, aber Dazu geſchickte Frau aus der Gemeine halt . 
überdis auch noch Schule, Die denn nebſt den Leſen und Catechismo, 
— BETT, 1% 9 denen. 


Vni Zen. Paſt Zandfpuche Schreiben vonnzsg: 747 


R denen Schulmädgens das Nehen und andere weibliche Geſchicklichkeiten 
beybringet. Ihre Schule fol insgemein vier und zwantzig bis ſechs und 
zwantzig Kinder ſtarck feyn. Wir im Kirchenrathe aber haben über die⸗ 
felbe keine fo genaue Auffiht, als über jene, weil es meiſtens weibliche 
Sachen betreffen. 
ochwuͤrdige vaͤter werden uns gütigft mit einer Hinfänglichen 
Anzahl Halliſcher Bibeln von verſchiedenem Sormat , infonderheit in 
mo, auch mit neuen Teſtamenten, Gefangbüchern mit Noten in 
groben Druck und vornemlich Auszügen, nebfi Arndts wahrem Ehriftens 
thum verfehen. Diefe find dermaien die allernothmendigfien Bücher, 
" Mangel wir fchon in der Gemeine und im Lande mercflich gefühs 
let haben. 
sen Arrähle 8 meine aufrichtige Hertzens-Wuͤnſche mit des 
De tl in deſſen beygehendem Schreiben. () 
— N habe —39 — dachug unferm Kirchenrathe vorgeleſen. 
Und zu mehrerer Beſtaͤttigung, daß alles, was hierin gemeldet worden, 
die lautere Wahrheit ſey, nehmen fie ſich die Frepheit, ‚ Ihre Namen, mit 
gehorſamſten Nefpect gegen aehmistige Väter, eigenhändig zu uns 
terfchreiben. Der HErr, HErr fegne Zochwärdige Väter, und un- 
fere Gönner, Moblehäter, Freunde und Bekandte nach allen Dero 
Beduͤrfniſſen. PIE » Womit in kindlichem Gehorſam Lebendlang 


verharre 
Sohann Friederich Handſchuch. 


— gacob Graͤff der ältere. Lorentz Baß. Heinrich Boͤckle 
——— Adam Weber. Adam Krebs. Andreas Boßhart 


— : — Bayer. 


Der General. —— en fo wegen —— N 
feinen Feldzug i in der Sanfte gethan, und mit langfamen ı und zaudernden 
Anrücfen an das Sort du Guesne an der Ohio die Frantzoſen gends 
thiget hat, diefe Veſtung zu fprengen und zu verlaffen, iſt Sonntags 
vor acht — allhier geſtorben, und Mitwochs Darauf i im der hiefigen 
——— praͤchtig zur Erde beſtattet worden. ch muſte auch als 

rediger, auf beſondere Einladung ‚dem —— mit bey⸗ 
wohnen. 
De 


(9) Siehe das vorhergehende Stüg, 


9 


748. Yreunte Sortfegung der Nachricht ans Penſyloanien. 





Lauf feliglich vollendet. Seit anigen Saden in zu verſchiedenen maleı 
bey ihm gemefen, und habe ihn in 





m Schwedifchen Probft, Herrn von Wrangel, bald nad) 
feiner Ankunft richtig erhalten. -Derofelben vom 7ten Julii ietztlau⸗ 
fenden Kahres aber und SE, 5. Des Herrn Doctor Srandens vom 
alten und agften Januar eben deſſelben Jahres, kamen mit, nebfl denen 
eingelegten Eopien und Rechnungen, den soften legtverwichenen Aus 
- gufts gefehwinde genug und auch richtig zu Danden.. Ueber die höchfks 
betrübten Umftände mancher Gegenden Tentfihlandes, und infonder: 
heit der Proteſtantiſchen Kirchen in felbigen; nicht weniger über Die wie- 
derholten Prüfungen, fo unfer fiebes Kalle und die Rnechte des Herrn 
mit andern Kindern GOttes daſelbſt erfahren muͤſſen, kann nicht anders, 
als mich innigft betrüben, 9 ER 
Ach! Daß doch diefe Zeilen fo glücklich wären, und Kochwiir- 
dige Väter bey allem nur möglichen Wohlergehen Leibes und der 
Seelen, in Ruhe, Friede und überfchtwänglichen Segen anträfen, Nun, 
dem allmachtigen‘, allweiſen und barmhergigen Hohenprieſter iſt es ein 
leichtes, dieſes zu geben. Dr — 29 
Hier⸗ 


IX. Zen. Daft: Zandſchuchs Schreiben von 1zjo: 749 


BHiernaͤchſt fol einen weitern Bericht von meiner Amtsführung, 
und von dem gegenwärtigen Zuftande meiner lieben Gemeine und ihrer 
St. Michaelisfirdhe, in Aufcichtigkeit gehorfamft abflatten. Mic uns 
würdigen J—— betreffend; fo hat der AErr, mein Erbars 
mer, mir feit meinem letztern Bericht fo viel Kraft und Staͤrcke inner 
lich und aͤuſſerlich snädigft verliehen, Daß alle meine verfchiedene Amts⸗ 
verrihtungen munter und. frölich habe verrichten koͤnnen, ohne irgend 
einige nothtwendige Arbeiten auffegen zu Dürfen. -Am Sonntage os 
gate, als am zofien Test verwichenen Monats Mäy confirmirte, nad) 
vorhergegangenen fieben bis.acht wöchentlichen Unterricht, funfsig junge 
Leute, von vier zehen big. drey und zwantzig Fahren, unten welchen fich auch 
zwey Weiber befanden. Gleich Darauf theilete dieſen Das heilige Abend⸗ 
mahl aus. Die Gemeine war an befagtem Sonntage aufferordentlich 
zahlreich, flille und aufgeweckt. Mehrere, auch einige: Sremde hielten 
mit Vergnügen fo lange aus, bis. alle Handlungen völlig geendi- 
get waren, Einige unter ihnen bezeugten, Dergleichen noch nie gefehen 
zu haben. Die Gemeine nimt denn auch) ie mehr und mehr in Aufferer 
Stille zu, und manches bisher verirt geweſene Schäflein findet fi), obs 
Thon. im Anfang etwas ſchuͤchtern, auch wieder ein. Daher ift denn. 
unſere Kirche bis hierhin. dergefalt angefuͤllet geweſen, daß es mich 
und den Kirchenrath hat jammern. müffen, ‚wenn, wir gefehen, wie fü 
viele unter waͤhrendem Gottesdienſt, aus Mangel des Raums und der. 
Sie, in und. vor der Kirche zu ſtehen genöthiget-feyn. Das Gute in 
der Gemeine fcheinet doch auch mehr. zu, als abzunehmen, und bie 
aufgemweckten ‚Seelen. Fommen nach und nach zu’ einer immer meh: 
rern Erkentniß und Erfahrung des wahren und thätigen. Ehriften» 
thums. Weil es aber hier in der Stadt verfäiedene Handthierungen 
giebe£, die vor andern mit mancherlen Seelen Gefahr und Verführuns 
gen verbunden ſeyn; fo find denn Die , welche dergleichen Handthies 
rungen: treiben, auch gemeiniglich in der Gemeine noch Die allerto= 
heſten. Unterdeß fangen doc) einige dergleichen an, ſich ein wenig zu 
ſchaͤmen und eines beſſern zu befinnen, fo daß bald dieſes, bald jenes 
Erampel offenbar wird. Unter der disjahrigen ſchon groffen Anzahl der 
‚getauften Kinder find nicht nur ſechs von drey bis vier Jahren, fons 
dern auch ein zwoͤlf jähtiges Mägdgen, deren Eltern Tumpler (*) find, 
son mir getauft worden Das Erwachſene muſte zufoͤderſt vor einer 
ungemein. zahlreichen Gemeine Red und Antwort, von dem Grunde der 
1 Be 2, 


1X. Denfplo. Fortſ. 
LI Dis ift eine gewiſſe Partie der Mennoniſten. 


750 Yrennte Sortfegung der Nachricht aus Penfyloanien. 


Erkentniß und des Glaubens, ablegen. . Weil an eben dem Sonntage 
mit dieſer zugleich) sehen Kinder getauft wurden, daß alfo die herumfichens 
de Gevattern mit ihren Täuflingen kaum Platz genug hatten ; fo mat fol 
ches mir und der Gemeine befonders erwecklich anzufehen, Daher es auch 
bey manchen nicht ohne Liebes: und Sreudenthränen abging. 


Unter denen bisher in die Ewigkeit gegangenen ift mir wiederum 
ein und ander Hoffnung volles Exempel vorgefommen, deren nur mit 
wenigem gedenden ml URS. 
02 Rechne zu diefen einen gewiſſen Mann, deran einer Auszehrung 
ſchon eine zeitlang Franck gemefen, und’ dadurd) in mehrere Stille gezogen 
toorden, daß er die heilige Schrift fleiffiger gelefen, auch fich darnach ger 
prüfet und ernfllicher, als wol fonften geſchehen, gebetet hat. Diefer 
fieß mich rufen und begehrete das heilige Abendmahl. Weil ich ihm 


Anfangs nicht recht trauen konte; fo prüfete guföderft feinen Seelens 
zuftand deſto genauer, und forfchete beft möglichft,, ob auch etwas goͤtt⸗ 


liches in ihm vorgegangen ſeyn möchte; da es fich denn allerdings be- 
fand, dag GOttes Geiſt fein Werck in ihm habe. Nahm daher Diefe 
heilige Handlung, ohne weitern Anftand, mit ihm vor, und zwar in Bey 


fenn mehrerer feiner Nachbären. Ob nun gleich denfelben an diefem ° 


Zage fehon zwenmal befucht hattes fo nahm mir doc) vor, wo möglich, 
ihn auf den Abend noch einmal zu befuchen. Als nun mieder-im Beſu— 
chen der Krancken begriffen, und von diefes Mannes Haufe nicht weit 
entfernet war; fo Fam einer feiner Ban Tre See a 
daß er ietzo eben, Doch bey völligem Verſtande, fanfte verfchieden f 9, und 
ſehnlich gewuͤnſchet habe, mic) noch einmal zu fehen und zu fprechen. 
2. Bor etwa neun Wochen ließ mich ein Mann vor der Stadt zu 
feiner krancken Srau rufen. Ich Fam hin, und fand ſie ſehr kranck, ‚das 
bey unwiffend-und hartnäckig. Der Mann klagte uͤber fie, und fie über 


ihn.  Diefe Frau. hat. mir meinen mehrmaligen Beſuch in der Woche, 





und die mit ihr gehabte Arbeit oft ſo ſchwer gemacht, daß es ohne . 


manche Befümmerniß nicht abgegangen. In der vergangenen Woche 
ſchickte ihe Mann einen Römifch-Eatholifchen Nachbar zu mir, daß ich 
zu feiner, Frau kommen, und ihr auf Begehren das heilige Abendmahl 
reichen ſolte. Dieſes verurſachte mir neuen Kummer, weil ich wuſte, 
daß ihr. Seelen. Zuſtand noch nicht der befte war. Unterdeß ging zu ihr 
hin , ohne mit Reihung, des heiligen Abendmahlg zu .eilen. Ich flellete 
daher ihren annoch fehr gefährlichen Seelen-Zuftand nachdrücklich vor, 


5 geiges 


eſu⸗ 


"IX. Zen, Paſt Zandfehuchs Schreiben von 177. 75e 


zeigete ihr Den Weg zur Seligfeit einfältig und Deutlich, und ſchloß mie 
hertzlichen Vermahnungen und G bet. hr anmwefender Römiich:Ca- 
tholifher Bruder, der aber ein Separatifte gemorden , und fieben 
Meilen von hier wohnet, vermahnete fie gleichfals nad) dem Maas fei- 
ner Erkentnis. Folgenden Tages Nachmittags um zwey Uhr. holefe 
mich ein Shemeingglied ab, um mit mir zu dieſer Frau zu gehen. Alg 
wir hin kamen, war Die gange Stube voller Leute, von Lutherifchen, 
Reformirten, RoͤmiſchCatholiſchen und dergleichen unter einander. 
Nach verrichtetem Gebet, ſprach ihr ernftlich und betoeglich zu. Diefeg 
fegnete denn der HErr ſolcher geftalf, daß fie gan anders murde. Sie 
legte ſolche unverwerfliche Wroben einer herglichen Buffe und zuverſicht⸗ 
lichen Glaubens an Ehrifli Verdienft ab, Daß alle Anmefende darüber 
gu tweinen bemeget wurden. Hierauf Fündigte ich ihr im Namen des 
dreyeinigen GOttes die gnadige Vergebung aller ihrer Sünden an, 
und reichte ihr das heilige Abendmahl, nicht ohne reiche Erbauung 
und Segen au) unter denen übrigen. Tages darauf ift fie denn auch 
ep a a ‚ und tie wir daher hoffen , felig. vers 
DYDEN.'” 867 UN — RR * 
3, Herr Zenrich Schleydorn, einer von unfern Aelteſten, iſt 
ſchon bey acht Wochen lang an einem gefährlichen Zufall ſchwach und 
oft ſchmertzlich kranck. Weil er ſich aber bisher mit einer Chaife, bald 
in der Stadt herum, bald auch nad) Germantomn noc) fahren laffen 
konte; fo vermuthete niemand fein fo baldiges Ende. Vor Drey Wo⸗ 
den bei ihn, und auf Befragen, wie es ihm in feinen Erändlichen 
ibes: Umftänden der Seelen nad) ginge? Antwortete er mit etwas 
Eläglicher Stimme: Es ift mir um Troft ſehr bange. Diefes 
gab mir denn Gelegenheit, ein erbauliches Geſpraͤch mit ihm zu führen. 
Es murde aber ſolches durch unvermeidlichen Beſuch vor ietzo unters 
brochen. Den dritten Tag ließ er mich rufen, und weil er über gewiſſe 
Nachrichten fehr betrübt war; fo fuchre ihn auf feiner Seelen Heil als 
das allernöthigfte zuriick zu führen, welches denn auch Eindruck hatte und 
Eingang bey ihm fand. Naͤchſtfolgenden Tages früh ſchickte die Frau 
Schlerdornin, und ließ mic) bitten, Doc) balde zu Formen, wenn ich 
ihn noch einmal fprechen wolte. Ich traff ihn etwas munterer an, und 
richtete meinen mit Gebet abwechfelnden Zufprud) nad) feinem Zuſtande 
ein." Die viele anweſende Englifche tourden endlich von mir. gebes 
ten, ihr Seufgen für ihn mit dem meinigen zu vereinigen. - Diefes 
gefehahe , und darauf ich ihn zu einem felgen Abfcheiden einfegnete. . 
| öffff > Als 


„252 Yfeunte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien 


Als dis geſchehen, rief erx uͤberlaut: ‚Nun: ift mir ein ſchwerer Stein 
“vom Hersen hinweggewaͤltzet worden. Hiernaͤchſt ermahnete er fein 
Familie, und prieß derfelbigen Die unendlichen Derdienfte feines Hei⸗ 
Tandes beweglich an; mich aber fragte er: Was ich denn mol nad) feis 
nem Tode von ihm Denen Leuten zu fagen gedachte? Ich antwortete: 
dag Senrich Schleydorn, als ein Fi armer Süuder, auf die 


noch munter war, und er Daher gerne noch ae a aa ; fo 


Kindern, auf Dem Kirchhofe der Englifchen Hochkirche, begraben werden 
ſolte, welches Sonntags meiner Gemeine Öffentlich au le fie 
5 sk a bitte 


IX. Hrn Paſt. Handſchuchs Schreiben von17s7ı 733 


bitten. lieſſe. Dieſes geſchahe denn! nad) der Vormittagspredigt fol⸗ 
‚gender geſtaggfäf ttttt wo 
6s iſt unſerer Chriſtlichen Gemeine bekant zu machen, daß einer 


— 


—18 


Morgenſeite gefuͤhret, die Cantzel über den Altar geſetzet, und auf bey⸗ 
nt Drgel find. Chöre. mit, Stühlen gebauet: worden, auf. 





Weſen Feine Stöhrungen verurſachen. Diefes alles: iſt denn ſchon fü 
‚weit gediehen, Daß. gegenmwärtig.gepflaftert und getweiffet wird. Wegen 
der. noch zu bezahlenden Kirchenfchulden ‚hatte der Kirchenrath die Or⸗ 
el mit ihren Seulen bisher noch gang roh, ſtehen laſſen; ießo aber wird 
1 au ee, una nothwendige daran verfertiget. Eine ſchoͤne 
Ziegelſteinernee Mauer, die unfern Kirchhof umgiebet, iſt auch bald fer⸗ 
tig. Dieſe Mauer wird nicht nur bey denen Leichen⸗Begaͤngniſſen allen 
unordentlichen Auflauf,von leichtfinnigen Leuten und Kindern, abhalten; 
I ARTEN ee Kirchhofe ein-feines Anfehen geben... Die, 
zau Unkoſten find. bisher; mit den Klingebeutels Leichen und Grund⸗ 
geldern, befteitten. worden. Die dem Kirchenbautvefen vorgefegte drey 
Aelteſten aug Dem Kirchenrath, nemlich die Herrn, Henrich Aeppele, 
- Sffff 3 David 


| 


454 ¶ Neunte Hortſegung der Nachricht aus Penſylvanlen. 


David Seckel und Adam Weber haben dabey nicht nur alle moͤg⸗ 
liche Treue Fleiß und Vorſicht gebraucht, ſondern zweh von dieſen 
haben auch; zu Entrichtung der nothwendigſten Bauunkoſten, einen und 
andern Vorſchuß gethan. Das Bauen hier zu Lande, und abſonderlich 
in Philadelphis / iſt ungemein koſtbar, und erfordert viel mehrere Uns 


koſſen, als. in Zeutfchland. Daher denn dasjenige, ſo auch bereite 


ausgegahlet worden, noch lange nicht hinreichet, audy nur den vierten 
Theil der ietzigen Baukoſten zu beſtreiten. Dieſes beroog denn. oben’ers 
mehnte Aelteſten, mich zu bitten, daß der Gemeine dieſer Sache wegen 
eine hergliche Vorſtellung thun möchte, um ſo mehr, da ſich ſchon eis 
nige erboten hätten, das ihrige nach Vermoͤgen mit beyguttagen. Ders 
gieichen Vorſtellung geſchahe denn auch) von mir am vergangenen igten 
Sonntage nad) Trinitatis, zu Ende der Predigt) mit folgenden Morten ; 
„Es haben fich bisher in unferer Gemeine nicht wenige gefunden, 
„die bey unferm gegenwärtigen Kirchenbaumefen fich freywillig angebos 
„ten haben, zu denen Unkoſten, der fo nothwendigen als Löblichen Er⸗ 
„tveiterung und Berbefferung unferer Kirche und Kirchhofes, das ihrige - 
„gerne und soiig mit bepjuftagen, tvern fie mut tohflen , toohin ie «8 
„sringen folten. Da nun eben Bauu foften’abzutragen find, und mir 
„ohne dringende Noth nicht gerne neue Schulden machen wolten, auch 
„von ber Obrigkeit und andern Gefinntheiten nicht die geringfte Hülfe 
„zu erwarten haben; fo achten mir ung unter einander billig — ei; 
„unferm Kirchen: und Gemeinweſen mit einer moͤglichſt milden Bes 
„steuer, in Einfalt des Hertzens, Die Hand zu bieten, damit GHOtted 
„Name von uns und andern darüber gepriefen werden koͤnne. Wer 
„nun durch die Bnade des HErrn ein mwilliges, die Ehre GOttes und 
„das Beſte der Gemeine JEſu beförderndes Herg zu haben vermeiner, 
„der beweiſe e8 auch mit einer freywilligen Kirchenſteuer / und bringe fie 
„in diefer Woche zu mir ins Pfarrhaus daß fie daſelbſt niedergefchrie- 
„ben werden koͤnne. Aber , liebe Gemeine! es muß ja alles gerne, 
„willig, einfältig, im Glauben und in Lauterkeit des Sinties, ohne 
„andere Mebenabfichten, des Ehrgeiges , Der Ruhmfucht und Pralerey, 
„blo8 zur Ehre des dreyeinigen GOttes und Bellen ſowol der ge= 
„genwärtigen Gemeine, als auch unferer —— —3 
ſchehen. Die lincke Hand muß auch eben nicht wiffen, was die rechte, 
„thut. Und fo bald du etwas zu geben bift gewuͤrdiget worden , fo 
„dance GOtt für ſolche Gnade, und fege in dergleichen Feine Berdienfte 
„lichkeits fonderm gedencke, wie du Dich felber nebſt allem, was Du ſonſt 


„Pl 


‚IX. Hrn · Paſt. Sandſchuchs Schreiben von 175g: 755 


shift und haft, deinem GOtt und feinem Reiche fchuldig ſeyſt. Wenn 
„du es auch vergefien folteft, mas du bengetragen haft, fo wird es Doch 
„GOtt nicht vergeſſen; ſondern es dir zeitlich und ewig vergelten, 
„mit allerley geiftlihem: Segen in himmliſchen Gütern durch 
„JEſum Chriſtum, und die fpätefien Nachkommen ‚werden es Dir in 
„der Emigkeit noch Danck wiſſen. Du mirft auch fodann andern Ges 
meinen ein gut: Erempel geben und machen, Daß fie Dir in guten Wer⸗ 
„Ken nacheifern. Sich werde dieſe Woche, ſo viel nur möglich, zu Haufe 
„bleiben, und eure ungezwungene Kirchengaben mit Vergnügen und hertz⸗ 
lichem Danck erwarten, Heute über acht oder vierzehn Tage fol es 
„öffentlich gemeldet werden, mas vor ein reicher Segen, in der zum 
Tdeil noch fehr armen Gemeine, zufammen gefloffen iſt; hernach aber, 
„bey der nachflen Kirchenrechnung/ ſoll alles ‘auf einem Pens rihtig 
„und vedlich berechnet werden. Nun GÖtt kann machen, daß al> 
„lerley Gnade und Segen unter euch reihlih fey., & 
Dieſe einfältige Erinnerung fand Denn auch bey. der Gemeine fo - 
viel Eingang, daß in dieſer erſten Woche fiebengig Pfund Penſylvaniſch 
von armen und mitlern Gemeinggliedern willig zufammen gebracht wur⸗ 
den. Noch an eben demfelben iaten Sonntage nad). Trinitatis wurden 
die Aelteften im Kirchenrath;, in brüderlicher Liebe und Einmüthigkeit, 
ſchluͤſſig, den unferm Eleinen Kirchhofe über liegenden Mas der Gemeine, 
zur Erweiterung des Kirchhofes, aud) noch) zu Faufen. Die Nothwen⸗ 
digkeit der Sache felbfi, Die ungemeine Bequemlichkeit des Platzes, und 
die Beſorgniß er möchte ung gar aus den Händen gehen, nöthigte bie 
lieben Aelteften zu -einer fo wichtigen Entfehlieffung. Viele Mühe, Vor⸗ 
ſichtigkeit und Ueberlegung hat es infonderheit denen drey Auffehern über 
Das Kirchenbauweſen verurſachet, ehe e8 zum völligen Entfchluß gefom- 
‚mens denn ein iedes fürchtete ſich fuͤr den forfehr hohen Preiß der neun 
Hundert funfzehen Pfund Penſylvaniſch, Davon der Eigenthuͤmer auch⸗ 
nicht einen Schilling nachlaſſen wolte. Hiernaͤchſt durfte man ſich auch 
nichts mercken laſſen, daß er zu einem Kirchhofe beſtimmet waͤre, ſon⸗ 
ſten man ihn gar nicht wuͤrde bekommen haben, wenn man gleich 
viermal mehr haͤtte geben wollen, weil in dieſer Gegend von anſehnlichen 
und ſehr reichen Einwohnern ſchoͤne Haͤuſer bereits gebauet worden, 
auch ferner gebauet werden duͤrften, daß alſo unſere Kirche nebſt denen 
Kirchhoͤfen ziemlich weit in die Stadt zu liegen kommen. Dieſes 
unſer neues Stuͤcklein Landes hält hundert und viertzig Fuß in Die Länge, 
und wol achtzig in die Breite. Das Daran ſtoſſende und darzu a 
PINS 1) 


36. Yleunte Sortfeding der Nachricht aus Penſylvanien 


Stuͤck aber ift zweyhundert und zwey und achtzig Fuß fang, und nur 
fiebengehen breit. Roc) in’ eben Derfelben Wide wurde der Kauf zür 
völligen Nichtigkeit gebracht, aud) an einem tüchtigen und unverwerfli⸗ 
chen Kaufbriefe von einer Nechtsverfländigen und fonft im Anfehen ftes 
henden Perſon gearbeitet. - Weil aber die neunhundert und funfzehen 
Hund Penſhlvaniſch für dieſes Stücklein Landes gleich bezahlet werden 
folten; fo hat GOttes weife Regierung es gefuͤget Daß zwey redliche 
Gemeinsglieder, denen die Ehre GOttes/ und Das Beſſe der’ Luthe⸗ 
riſchen Rirche und Gemeine am Hergen lieget, ſich freywillig anerbo⸗ 
ten, fiebenhundert Pfund auf landübliche Intereſſe der Kirche vorzu⸗ 
ſchieſſen, fo, daß einer dreyhundert, und der ändere vierhundert Pfund 
ausgeleget hat. Die übrigen zweyhundert und" funfsehen Pfund wird 
einer von unfern — Der uffeher Aberrunfer pet, en⸗Weſen mit 
ie, vorſchieſſen. NY ee nei — 
* 2 DI ara SP PITF, 
Den ısten Sonntag nach Trinitatis, etwa eine Stundevor dem 
Mittags⸗Gottesdienſte, Fam der ältere Herr Rurg gang unverhoft in 
meine Stube. Aus brüderlicher Liebe ſo wol, als auch in Hoffn 
meiner Gemeine einmaleine Veraͤnderung machen zu koͤnnen, trug ih 
ein und andermal zu predigen auf, welches er auch annahm. Seine 
Nachmittagspredigt infonderheit war gründlich, erbaulic) und alfo auch 
nicht ohne Segen, welches mich herglich erfreuefe. Nach feiner Vor⸗ 
mittagspredigt zeigefe der Gemeine vor dem Altar gehörig an, dag das 
gegen über liegende Stücklein Landes zur Kirche angefaufet worden, und- 
fie alfo ihre Kirchenfleuer um fo viel milder und williger beyzutragen 
hätten. Ob nun gleich in dieſer Woche nicht wenige das ihrige, nad) 
ihrem Dermögen, bereits beygefragen hatten; fo fand dennoch vor noͤ⸗ 
thig, am vergangenen ı6ten Sonntage nach Zrinitatis der Gemeine 
nach der Predigt folgendes anzuzeigen: Im Namen des Kirchen Raths 
und der Chriſtlichen Gemeine, habe allen Gemeinsgliedern‘, die eine 
SKirchenfteuer gebracht, den allerverbindlichften Danck abzuftatten, wel⸗ 
ches ich denn um fo viel lieber und freudiger thue, ie mehr ich aus Des 
nen Geſichtern Der mehreflen e8 gleichfam gelefen , daß fie mit ihren 
Kirchengaben auch ein fröliches und toilliges Ders verfnüpfet haften. 
Da aber noch mehr denn die Helfte unferer Gemeine hierinnen zuruͤck 
geblieben; fo kann von GOttes wegen nieht anders, als nod) einmal 
brüderlich erinnern , Daß fich Doch niemand ohne Noth, von dieſer zur 
Ehre GOttes lediglich abzielenden Kirchenftener, ausſchlieſſen, * ein 
| Armer 


IR Zen Paſt Handſchuchs Schreiben vor 19." ng‘ 


Armer ſich feines Scherfleins nicht ſchaͤmen wolle , folte es auch gleich 
nn dans ng befragen: denn der SErr 6 das Ber pi 
und einen feölichen Geber hat Er lieb, es fey ü tigeng die Gabe 
groß oder Bein.” Dieſe abermalige Erinnerung hatte denn gleichfalg ihre 
gefegnete Wirckung, und Famen vorgeftern und geftern, als am often 
September und erſten October noch) manche, und brachten ihre Kirchen: 
gabe, fo daß heute, da diefeg fchreibe, hundert und fiebengig und etliche 
Pfund Penſylvaniſch baren Geldes beyfammen find. Es hatte Herr 
Brunnholtz in: feinem’ Teſtamente mir fü f Pfund Penſhlvaniſch an 
Hausrath vernacht , deſſen aber nur fechsehen Schilling Werth empfans 
gen habe. Die alfo noch ruͤckſtaͤndigen vier Pfund und vier Schilling 
fihenekte , um Der gegenwärtigen Nothdurft willen, der Kirche, und 
hielt den Crecutorem Teflamenti an, diefe vier Pfund und vier Schil⸗ 
ling aus zuzahlen, welches denn auch geflern Abend gefchehen ift. Mie 
dieſem Oelde, und was etwa in Diefer und der Fünftigen Woche durch 
ER n Segen noch kommen duͤrfte, follen die ſaͤmtlichen Baus: 
Infoften abgetragen werden, die ſich in allem zum wenigſten auf vier 
hundert Pfund —— —— —* Ari —— Sache u 9 
ift es, das hiemit hauptſaͤchlich geſuchet wird, der wolle denn’ alleg 
—* foͤrdern hei) ng eh toi — ER En 
“Der Schwedifche Probſt, Serr Doctor Wrangel, fo ein 
feiner. junger Mann und in. feinem Amte treu und.eifrig-iff, hat su 
mehren malen unferm Nachmittags- Gottesdienfie beygewohnet, und 
ſtehet überhaupt mit mir im bruͤderlichen Bernehmen, FE: 
Zerr Muͤhlenberg iſt auf ein Jahr lang von feinen eigentli- 
den Bemeinen hinweg nad Raritan gesogen; da imzwiſchen Reu— 
Hannover , Providenz, und Die dazu gehörige Gemeinlein von dem. 
herrn Schaum, und einigen andern beforget werden.  — 


52 "NefE einen’hetgfichen Gruß an aue Knechte und Kinder GOttes / 


* 






Gönner und Freunde, die mich Eennen, und unter gehorſamfter Ans 
wuͤnſchung alles ſo geiftlich, als leiblichen Wohlergehens verharre:c. 
J ER i War Fi a 1) i 4 a X* — en rin 4 is ’ 3) i 
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IX. Denfplo, Sortf, SasH Aus 


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m. Neunte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Aus ergebenſter Liebe und Treue gegen Hochwuͤrdige Väter, 
und zu mehrerer Bekraͤftigung der Mahrheit der in dieſem Schreis 
ben. enthaltenen Nachrichten , haben meine im Kirhenrath geflern ver⸗ 
ſamlete Aelteſten, nach vorhergegangener Durchleſung —— In 
unterfchreiben, und damit ihren gehorſamſten Nefpect und Einbliche Siebe 
Bas Hochwuͤrdige au bezeugen wolen — aten 

ge CT ea 


gZohann David Seil. J Sohann Sennich Reypee 
Jacob Gräff, der ältere. Boten Baſt. ‚Sei Voͤckle. 
Johann Soffrens. Adam Weber. 2 Adam⸗ Krebs. 
David Schäffer. Andreas Dofhardt. Su 


Beer eier 


zw er 


X. Auszug aus Herrn Paſtor Hanhuo 
Schreiben an Herrn Hofprediger Ziegenhagen und 
— Dort. und Prof, Francke, de dato Philadelphia 
den zoten September 1760, 


| 3 5. des Seren Zofprediger Ziegen ens Sohgefärite 
54 tes vom 25ften April 1750. nebſt denen Einlagen, auch in⸗ 
ſonderheit des Seren Doctor. Franckens Zochwuͤrde 
wertheſte Schreiben vom zoſten November 1759. habe am ıcten Septem⸗ 
ber diefes Jahres zu meinem nicht geringen Troſt richtig erhalten. 
Das. Hochgefhäste gemeinfchaftliche aber von Ew. Hochwuͤrden 
des Herrn Hofpredigers unterm ıgten unit 1760. ift mir. am ısten 
— ietzigen Jahres zu. vielen Bergnügen eingehändiget wor⸗ 
en 

Die vielen erſchrecklichen Gerichte, ſo GOtt der HErr aus hei⸗ 

ligen und gerechten Urſachen uͤber das arme Teutſchland, und abſon⸗ 
derlich die Neumarek und * Pommern * kommen ee 





— 


X. gen. Paſt. Sandſchu chs Schreiben von im80, Er 


nebf denen harten Prüfungen , welche meiner. lieben Vaters Stadt 
Halle. benebft denen fo geſegneten Anſtalten des Waͤyſenhauſes, und 
daſigen Rnechten und Kindern GOttes, doch hoffentlich zu vielem Gu⸗ 
ten an ihren Seelen, zu überflehen gewefen, haben mein Her& in We⸗ 
muth und Mitleiden gefeget. Ach! daß es doh dem HEren unferm 
Goit gefallen möchte, des vielen Blutvergieſſens und Verwüftungen 
ſo vieler Länder, um aller feiner Barmbergigkeit willen, ein baldiges 
- Ende zumachen, und aus bisher verhängter Noth un Trübfal Biel 
Heil und Segen überall ertachfen zu faffen. Daß aber E. 3. der 
Here Doctor Srande fid) darunter in noch fo ziemlich) feidlichen Um: 
ftänden befunden, aud) des HErren Augen über Die lieben Anſtalten 
Des ————— beſonders vaͤterlich —— daß denen ſelben von 
den wiederholten feindlichen. Einfällen nicht nor roͤſſerer Schade ha 
‚sugefüget toerden Enns folches hat mic) innigh — und zu ei⸗ 
nem ſtillen Lobe der Güte des HEren erwecket. Wie mid) denn auch 
En: —3* Zuverſicht geſtaͤrcket finde, GOtt wolle, werde und 
nichts. über unfer Vermögen gefchehen lagen londern vielmehr 
— — um Sen CEhriſti ll, 
usgang verlei 


F Mit Beziehung auf mein voriges vom afen Detober 1759. fol 
weiter ſchuldigſt —— daß im Monat Oetober 1759. um unfern 

neuen. Kirchhof, an der Abend⸗Seite, eine tüchtige Mauer aufgeführet 

# ‚und. in derſelben 5* eine —2 Oeffnung zu einem gehor⸗ 
gen Thorwege gelaſſen worden. 





Die Gemeine hat unter göttlichen Sami in löbticher Stille und 
‚fonfiiger guten — mehr und mehr zugenommen. Beym Beſchluß 
des igʒoſten Jahres fand im Kirchenbuch, der von mir in dieſem Fahre in 
der Gemeine getauften Kinder, dreyhundert ſechs und zwantzig an der 
Zahl ‚und der Verſtorbenen, die auf unſerm St. Michaelis Kirchhofe 
Tninkrithenptebigtin; ‚oder Turgen Reden begraben worden, hündert 
fieben und ſechtzig, deren ‚aber über drey Viertheil Rinder gervefen, 
unter welchen fih auch mein Hoffnungvolles Soͤhnlein, Johann 
Senrich mit befindet —— * Alter auf ſieben Monat und drey 
Wochen ‘gebracht hat. Ant arflen December wurde er über feinem 
ee efterlein , unter He —9 Kirchenportal geziemend begraben. 
Day deſſen ſiebentaͤgiger me an den Poren, hatte eben ze 
Ö9999 2 un 


760 xeunte Sortfegung der Flacbeicht aus henſy lvont m 


und beſonders das Weyhnachtsfeſt erfordernde Amtaverrichtungen 
daher mich uͤber den goͤttlichen Gnadenbeyſtand, den der HErr mir 
hier beſonders gantz unverdient — in, Po * —— 
genug wundern koͤnnen. ——— rad ns 
In dem ge entpärfigen ix n Zahre am sten Ja Fan if unfee | 
groſſe — Be aa vergnügt, ei hertzlichem Lode ab im 
feget, und darauf sur Wahl sweger neuen. Vorficher „an de 
— abgehenden alten elle, wie gewoͤhnlich geſchritten worden DE a 
hin gehörige, u 









| einem ieden Gemeinsgliede zu wiffen nöthige, Hg 
der Gemeine an Dem darau folgenden fen —535 nach Epiy ha: 
lu ‚gebührend an. Aha diemibg Brdan)ed 8 Re ar 


Nachdem auch ſchon feit mehrern Wochen die "Emport irche 
u Chöre auf be ir Seiten der Orgel völlig fertig waren , 1 hit 
Gemeinglieder eigene Sitze in der Kirche Hk begehteten ; a 
man denn im Kirchenratheauf eine neue lie ronung bedacht. 
langweilig und mühfam Diefe Sache audy immer zu feyn fchiene, 
- man ſich fehon lange dafür gefürchtet, fo muſten wir ums de 4 diefe 
Sache nur getroſt unterziehen; ſchritten alſo im Kirchenrath, am 28 
Sanuar Nachmittags su Diefer neuen — und den cf & * 
ſes kamen wir damit zu ſtande. | —3 


An denen hierauf zunaͤchſt fofgenben Di — Bike bie 
Aelteſten und Vorſteher, vor und bey dem Anfange des —— 
ſtes, moͤglichſte Aufficht, und tiefen denen Leuten ihre Nummern und 
Stellen an. Ben Diefer fo geoffen Beränderung in der Kirche‘, 
und einiger Beforgniß nicht unmoͤglicher Unruhe , wurde‘ felbft 
ein wenig: zerfiveuet. "Mein Seufsen aber zu JEſu, als deffen theuer 

erkaufte Schäflein wir Menfchen ja find, und dur) eine nähere Zus 
eignung feiner Verdienſte es eigentlich werden follen, war mein einkis 
ger Troſt, fo, daß mein gnaͤdigſter HErr und Heiland mir eu — 
nähe Kraft und Sreubigkeit nach Beduͤrfnis darreichte. Gay race 


‘Zu Ausgang des Februaru ſchien eine beſondere Noth ung 
——— Die Erben des Haufes, in welchem ich ſeit Fr | 
Sahren: befländig gewohnet, ſahen ſich Schulden halber genöthiger, 
* Haus, nebſt dem daran — Hinterhaͤusgen und gem 





I 


X.rn Paſt. Zandſchuchs Schreiben vonizso. 761 


erg a zu laſſen. Nun war kein bequemers 
. für ein Lutheriſches Pfarrhaus, als eben dieſes: denn die andern 
Haͤuſer, fo noch einigermafjen bequennfiegen ‚find entiveder gar nicht 
zu haben, oder fiehen in — Zins. Meine Wohnung und das 
daran e Häuslein, nebjt Denen drey Plaͤtzen auf welchen fie ſte⸗ 
hen, wurden von denen Leuten insgemein auf fieben hundert Pfund im 
ABerth geſchaͤtzet ; aber eine ſolche neue Schuld gu machen, getrauete 
ſich noch Feiner im Kirchenrath. Unterdes wurden alledarinnen-einig, 
wenn nemlich das Haus und Eleine Gaͤrtlein, das ich eigentlich inne 
hätte, allein und von jenem getvennet verfauft werden koͤnte; ſo folte 
ſolches um Pfarchaufe erfauffet werden. Das daran floffende fchlechte 
und unbequem eingerichtete Haͤuslein aber wäre weder sum Sthulbaufe, 
noch fonft für uns etwas nüger denn man Eönte , fo bald es möglich, 
“auf unferm neuen Kirchhofe fchon ein bequemes und beffer eingerichtes 
tes Schulhaus bauen. Solchergeſtalt befchloffen die lieben Aelteften, 
im Fall der Noth, ſich nach einer andern bequem Tiegenden Pfarr 
Wohnung mit Fleiß umzufehen, und folche für mich zu miethen. Der 
eine Erbe aber und fein Vormund kamen faſt wöchentlich zu mie, oder 
zu einigen derer Aelteſten, und ſuchten uns zu uͤberreden, den gantzen 
Platz, der aus drey Loten, oder Bau: Pläsen beſtehet, mit Denen dar⸗ 
auf ſtehenden Häufern zu kaufen; weil, tie fie ſagten, auch der wuͤrck⸗ 
liche Erfolg es gezeiget hat, fie es ung und unferer Gemeine am liebſten 
‚gönneten. ‚Wir ‚verfegten immer Darauf, DAB wir ung noch wol ent⸗ 
ſchlieſſen möchten‘, doch nur zu demjenigen Theil , den ich dieſe Fahre 
hinduͤrch inne gehabt haͤtte, das übrige aber ung nichts: nuͤtze wäre. 
Weil ſie aber: Dabey- blieben, es Eönte nicht gettennet, fondern alles 
müffe beyfammen bleiben und verkauft werben; fo ließ man es geruhig 
‚zur öffentlichen Auction damit kommen. Allerley Leute, Englifhe, 
Teutſche zc.. kamen Denn auch einige Tage vorher, und: befahen: die 
Häufer und den’ gangen Platz. Man erfuhr unterdes zuverläffig, daß 
viele darnach flrebten , und unter andern muſte ich auch hören, wie ei⸗ 
nige fich verlauten laffen,Daß, wenn fie es bekommen folten, fie den Lutheri⸗ 
ſchen Pfarrherr eben nicht heraus treiben wolten; aber dreyſſig Pfund jaͤhr⸗ 
‚lichen Hauszinfes gegeben werden ſolten. Bey dem allen blieb ich ftille, 
und ließ GOtt ſorgen. Waͤhrender Auction kam der Erbe, deſſen Vor⸗ 
‚mund nebſt verſchiedenen andern zu mir ‚und ſagten, daß ſo und ſo 
viel darquf geboten ſey, fragten auch, warum denn keiner von unſern 
— BE | ©9999 3 Aeltes 


262. Neunta Soetfegung ber Pochricht ano Penfonien. 


Aelteſten kaͤme ‚und mit darauf böte? Ich ſolte doch geſchwind hinſchi⸗ 
ee fie Fommen und.darauf bieten möchten. Ich wandte aller 
obige wieder ein, entſchuldigte mich und bat, fie möchten folches ſelbſt 
thun, weil ich in Der gangen Sache ſtille und gelaffen feyn wolte. Ad 


es auf vier hundert ſechs und viergig Pfund gefliegen war, wurde Herr 


Keppele in der Stille herbey geholet, und ale er hörete, daß es ſchon 
auf vier hundert ſechs und viersig Pfund getrieben worden, woite er 
wieder fortgehens der Erbe aber, Vormund und andere nöthigten ihn, 
doch nur noch ein Pfund darauf zu bieten, und welches er denn in 
Gttes Namen auch that. Auf dieſe Weiſe wurde denn alles dem 
Zeren Reppele, im Namen der EvangelifchLutherifche i 


zuerfandt. Diele gratulivten ihm auch zu einem fo glücklichen Kauff 


recht herglich und mit vielem Vergnuͤgen. Kerr Aeppele, der anfaͤng⸗ 
lich vor Beſtuͤrtzung nicht mufte, ob für die vier hundert fieben und viers 
sig Pfund nur der heil, den ich bisher inne gehabt, oder alles zufams 
men erflanden fen, melches letztere ihm nicht glaublich ſchien, erhielt 
zur Antwort, daß ihm alles zufammen für Diefen Preiß zugefchlagen 
worden. Ich, unwiſſend, was vorgegangen, aud) ‚nicht glaubend, 
daß einer von unfern Aelteften fi) in folden Kauf für Die Gemeine 
einfaffen würde, war in einer gelaffenen Gleichguͤltigkeit, als ein Res 
formirter Mann mir die erfie Nachricht von dem gefchehenen Kauf 
brachte. Nicht lange darnach Fam der Erbe, fein Vormund und 
drey bis ‘vier anfehnliche Männer und gratulirten auch mir, und, wie 


‚ich glaube, aus redlichem Hergen über diefen fo glücklichen Kauf für meine 


Gemeine, mit der Berficherung, Daß fie ung dieſes von Hergen göns 
neten , dergeftalt, daß fie es keinem andern, auch für einen viel hoͤ⸗ 
hen Preiß würden gelaffen haben, und dem fie noch umſtaͤndlich bey» 
fügten ,.twie e8 überhaupt Damit zugegangen. Hierauf kam Herr 
Reppele , und befräftigte alles iegt ersehnte felbfien. Wer hatte es 
rſach, ſich uͤber eine fo fonderbare göttliche Regierung und Fügung 
mehr zu freuen, als ich? Zochwuͤrdige Vater werden es guͤtigſt ent⸗ 
ſchuldigen, daß in Erzehlung dieſer Sache fo weitlaͤuftig geworben. 
Weil mir ein und anderer Umſtand beſonders merckwuͤrdig vorgekom⸗ 
men; fo hoffe, daß ſolche Weitlaͤuftigkeit nicht gang unangenehm ſeyn 
werde: Noch eind:aber muß micht vergefen gehorfarnft gu berichten. 
Das Haus, in welchem ich wohne muß für fich jährlich gwey Pfund 
Penſylvaniſch, und der hintere Plag fieben Pfund geben. Jenes kann 
{ "RO nicht 


X. Zen. Paſt. Sandfhuchs Schreiben von 17605 263 | 


“nicht abgefauft, dieſes leßtere aber, wenn: man will, ohngefehr mit 
hundert und funfzig Pfund ganglich getilget werden ; darauf man 
auch bedacht ſeyn wird, fo bald Durch göttlichen unverdienten Segen 
nur die allergeöften Schulden werden abgetragen feyn. iR 


Am eſten April wurde Kirchentath gehalten, und unter andern 
beſchloſſen, daß man fich in der Stile mit aller Vorfichtigkeit erkun⸗ 
digen fole, ob man fo viel Geld auf Intereſſe befommen Fönte, dem ers 
Fauften Plag zu bezahlen. Nachdem derfelbe vom Kirchenrath war bes 
fihfiget worden, wurde man ſchluͤſſig, Den hintern Haugleuten fo gleich. 
aufsufündigen, und nöthige Anflalt zu einem ordentlichen Schulhauſe 





Hierauf wurde vom denen Aufſehern des Kirchenbaues mit bau⸗ 
serftändigen Männern, infonderheit einem anfehnlichen Mitgliede der 
Affembly von Penfylvanien, dem Herrn Joſeph Soc in Ueberlegung 
gezogen , wie ein Dauerhaftes und zu einer groffen teutſchen Schule‘ 
tüchtiges Haus am fuͤglichſten Fönte eingerichtet werden. Es wurde 
denn eines Theils die nicht nur gegenwärtig ſchon ſtarcke, fondern auch 
ie länger ie mehr ſich häufende Schul⸗Jugend behersiget 5 ' andern’ 
Theils auch auf die Bequemlichfeit und Geſundheit, beyde des Schub‘ 
meifters und der Schulkinder, forgfaltigft gefehen, und nad) vielfälti- 
ger Ueberlegung endlich befchloffen, das alte unbequeme und faft gang 
untaugliche Hintergebäude, welches bey drey Ruthen von der Straſſe 
entfernet lag, und hinter meinen kleinen Gaͤrtlein ſtund, gaͤntzlich eins 
zuveiffen, und ein bequemes Schulhaus von Grund auf Dauerhaft auf 
zubauen. Dis gefhahe denn hernach dergeftalt, Daß es gegenwärtig 
bald unter das Dach) gebracht ift. Im Keller ift Küche, und Behaͤltniſſe 
zu Hols und andern Nothmendigkeiten. Im Stock über den Keller bes 
finder fich eine einem Saale ähntiche groffe Schulftube. Im andern 
Stock find vier räumliche Stuben, zur Wohnung für den Schulmeis 
fier und anderweitigem Gebrauch. So bald alles fertig und ordentlich 
eingerichtet iſt, werde nicht ermangeln, fo ich anders in dieſer Pilgrim⸗ 
ſchaft noch lebe, eine ausführliche und richtige Befehreibung von allem 

“zugeben. Mercke nur noch kuͤrtzlich dieſes an, daß der Bau und An⸗ 

Wachs unferer Gemeine durdy manches Gedrange gehet. Man gehet 
aber aud) in der Stille durch GOttes Gnade darunter fort, und kehret 
fich an nichts, nimt auch mit Dem verfehiedenen Richten und eg 

“RR ie 


764. Prunte Sortfegung ber Nachricht aus Penſylbanien. 


die kluͤger ſeyn wollen, vorlieb, weil man weiß, daß es GOttes Werck 
iſt, wir auch eben fo viel Freyheit, als irgend andere Religions: Parzı 
thenen, oder Nationen haben. Doch ift es, fo viel ich weiß, ſchon ziem⸗ 
lich ſtile wieder gemodenansuala ost Biber 
Hierauf gehe denn meiter, und berichte ſchuldigſt, dag fich meine. 
Arbeit bey der Gemeine, von Zeit zu Zeit, ie länger ie mehr gehauffet 


hat: Denn, auffer den ordentlichen Sonntags:Gefchäften, fehle auch 


wöchentlich nicht an Arbeit, an predigen, taufen, Krande zu beſuchen, 
geichenpredigten zu halten, Perſonalien aufsufegen 2c. Ueberdis ift alle 
ſechs oder acht Wochen das heilige Abendmahl zu halten, zu weichem 
derheit aber in Der legten Woche, Dienflags, Mittwochs und Dons' 
nerſtags, von-früh Morgens bis indie fpate Nacht anmelden, und 

mit. einem ieden zu feiner Prüfung, nach Gelegenheit, geredet: wirds: 
da denn oft verfchiedene ſchwere Falle vorkommen. Was ich ſelbſt aus⸗ 
richten kann, Das thue gerne, um meiner lieben Aelteſten und Vorſteher 
zu ſchonen; wozu aber Zeugen, oder etwas mehr in Die Augen fallendes 
nothwendig erfordert wird, Darüber laͤſſtt man Kirchenrath: balten,: 
welches mehrentheils alle ‚vier oder ſechs Wochen geſchiehet. Manche: 


ſich die Gemeinsglieder insgemein viergehn Tage nach — none 


Sachen werden von uns ausgemacht, und in Güte chriftlich beygeleget, 


Die nur vor der weltlichen Obrigkeit viele WWeitläuftigkeit und Unkoſten 
verurſachen wuͤrden. Man fcheuet fich zwar iederzeit nicht wenig für: 
vergleichen; aus Liebe aber, und unfere Leute bey den Englifchen in dem: 
bisherigen ‚guten: Ruf zu erhalten, aud) allen ohnehin fchon aufı den: 
Zeutfehen liegenden Verdacht der Unruhe und Zanckfucht, von ihnen, 
fo viel an uns iſt, ‚abzulehnen, nimt man denn folche verdriegliche Ges 
ſchaͤfte ſo auf ſich. GOtt, der Herr hat auch manchen unerwarteten: 


Segen darzu gegeben, Darüber man ihn: demuͤthigſt hat loben muͤſſen. 


Auſſer Diefen Öefchäften habe das Leichen-Grundgeld- und Die freywillige 


Kirchenfteuer einzunehmen und zu berechnen ; weil Die Gemeinsglieder 


es niemand:lieber, als. mir bringen wollen. Habe zwar babey fchöne 


* 
- 


Gelegenheit „Die. Leute ie länger ie mehr Eennen zu lernen, und nad) vers : 


fehiedenen Umfländen ein. gutes Wörtlein mit ihnen zu reden; nur er⸗ 


fordert. dergleichen viele Zeit: und Kräfte des Leibess weil es aber nicht 
anders feyn kann, fo muß es auch geſchehen. Es bleibt aber dabey noch 


nicht, ſondern es kommen auch allerley fremde Bettler, Collectanten, 
und Leute, Die ſich allerley Raths bey mir erholen, Bücher kauffen, oder 
ſonſten etwas beſtellen wollen. 

Am 


¶X. Zenm Paſt Zandſchuchs Schreibenvones 46, 


Am ꝛten Sonntage nad) Trinitatis, als am ısten Jumi, habe 
diejenigen Leute öffentlich confirmiret, und ihnen dag heilige Abendmahl 
gereichet, welche vom ısten April an wöchentlich , Dienftags und Don: _ 
nerſtags von wey bis fünf Uhr, von mir in meiner Wohnung ordent- 
lid) find unterrichtet worden. Die Anzahl derfelben erfireckte fich in des 
nen vier bis fünf erſten Wochen faft jedesmal auf vier und funfjig 
Perſonen, deren über zwey Theile achtzehen bis vier und zwansgig Jahr 


alt waren. Nachher aber ließ fich ein Junger Menfch, der ein Schneis - 


Der mar, durch anderer Verführung unter die Proving- Pruppen ana 
werben. Ein’ anderer murde von feinen Eltern , ihrer vielen Arbeit und 
feines jugendlichen Seichtfinnes wegen, zurück behalten. Ein zu ihren 
Jahren gekommenes Mädgen zog mit ihrer Mutter , vor noch nicht 
gang geendigtem Unterricht, nad Neu⸗VYorck. Diefelbe fehien gut ges 
ſinnt zu-feyn, und den bisherigen Unterricht mit einigem Nugen für ihre 
Seele genoffen zu. haben. Noch ein ander Mädgen, welches ein Ser: 
vant iſt, befam , wegen der vielen Haushaltungsgefchäfte ihres ſonſt 
vedlich gefinnten Meiflers, eine Hinderniß nach der andern, daß fie uns 
moͤglich kommen Eonte. Desgleichen, ein zu feinem völligen Alter ges 
kommener Funggefelle , der verfchiedene Jahre unter denen Provintz⸗ 
Truppen gedienet, und vier Meilen von hier in angetretener Landar⸗ 
beit fund, Fonte die Zeit des Unterrichts nicht vollig abwarten. Das 
her wurde derſelbe mit noch einem andern dreyſſig Meilen weit herun⸗ 
ter. gefommenen feinen Menfchen von gleichem Alter, und der bereits 
eine siemliche Erfentniß hatte, den Tag vor dem Pfingſtfeſte, nach, der 
Börbereitungspredigt und abgelegtem Bekentniß des Glaubensgrunz 
des, und Erneuerung ihres Paufbundes, von mir öffentlich eingeſegnet 
Auf diefe Art wurde die dDismalige Anzahl bis auf neun und viergig 
Seelen’ wieder verringert, welche die Einfegnung und das Abendmahl 
zugleich genoffen haben.  E8 befanden ſich audy unter dieſen funf Ehe⸗ 
leute, unter welchen ihrer zwey keinen Buchſtaben, weder Engliſch noch 
Teutſch, leſen konten "Sn Anſehung ihres Verhaltens aber, muß ihnen‘ 
das uverlaͤſſige Zeugniß geben, daß fie groͤſtentheils ſehr fleiſſig und 
eifrig geweſen, und nicht wenige unter ihnen den Unterricht auch mit 
groſſer Heils begierde angenommen, Davon unter den Eheleuten ſowol, 
als auch unter den Ledigen, verſchiedene erbauliche Exempel anfuͤhren 
koͤnte Solches aͤuſſerte ſich nicht nur in der letztern Woche ihres 
Unterrichts, ſondern auch am Sonntage ihrer Confirmation, da ſie 
"IX. Penſylv. Fortſ. Hhhhh vor 


256 Neunte Sortfegungder Nachricht aus Penfploanien 


vor einer Ehriftlichen Gemeine mit vieler Bewegung des Hertzens, 
unter haͤuffigen Thraͤnen und guten Vorſatz, ihr Glaubens⸗Bekentniß 
abgeleget ihren. Taufbund erneuert, und alſo zum erſtenmal zum 
heiligen Abendmahl gegangen, ſind. Um der Rohen willen in der Ge⸗ 
meine, mag mich bey ſolchen Gelegenheiten fo. hart ſtellen, als ich 
immer will; fo wird doch mein Hertz, ehe mich e8 verfehe , von 
ſolchen gebeugten und gerührten. Seelen ſo beweget, daß Thraͤnen 
und hergliche Rührungen an und; im mir zu. hindern, nicht im Stan: 
de bin. Ein und anders von Dem gefegneten Eindruck, den ihre Seelen 
gehabt, hat fich gezeiget , da ihrer nicht wenige, ſowol der Confir⸗ 
mirten felbft, als auch ihrer Eltern und Angehörigen, in einigen Wo⸗ 
eben nachher zu mie kamen, und nicht nur unter hauffigen Thraͤnen 
für den gegebenen Unterricht den allerverbindlichften Danck abſtatte⸗ 
ten, fondern mit vielen Bitten mich auch nöthigten, ein: kleines Liebes⸗ 
Geſchenck von ihrer Hand anzunehmen. F 

Nach dieſer glůcklich zurückgelegten und etwas fauern Arbeit, traf 
am Dienffage als den 2aſten Junii früh mit drey meiner lieben Aelteften, 
nemlich David Sedeln, Adam Webern, David Schaͤffern und dem 
Borfieher Jacob Dietrich, fo mic aus Liebe begleiteten, die fo. nöthee 
‚ge Reife nach. Cohanzy an. Am. Mittmochen- Darauf. verfamfete ſich 
Dafelbft ein groffes Volck, unter welchen einige ſechs und dreyſſig Meis 
fen weit und drüber hingefommen waren. Des Morgens gegen neun 
Uhr war ſchon alles beyfammen ; ‚auch hatten fich bereit. diejenigen 
zum heiligen Abendmahl angemeldet , die e8 genieſſen wolten. Ich hielt 
Buß und Beicht Bermahnung , predigte , taufte zwoͤlf Kinder von 
verfchiedenem Alter, die, mährender Taufhandlung, wie die Lämmer 
unter einander fchrien, und reichte etwa einhundert und zwantzig Pers 
fonen das. heilige Abendmahl. Weil alles unerwartet ſtille und ors 
dentlich zugings fo hatte die Hauptarbeit gegen drey Uhr verrichtet. 
Nach dem Mittagseffen ging anderthalb. Meilen weit zu einem elens 
den Krancken, dem auf fein "Begehren ein. Wort der Vermahnung 
fagte, und ihm das heilige Abendmahl reichte. Dieſe Gemeine hatte 
für mich etwas zuſammen gelegetz ‚ließ aber Den dritten Theil davon 
durdy meine Weltefien dem armen Schulmeifter Kuhleman geben, 
und das wenige, fo wir im Haufe verzehret hatten, vom zweyten 
Theil bezahlen „ alles Übrige aber der Cohanzyer Rirche ſchencken, 
welche megen der verſaulten Grundſchwellen Dem: Einfallen ſehr * 


ER Senpeſt Danſchacho Ste von — 
ai ah if, ‚man bey Schne 
| — en fen, iM Su na 





tli in ta 
ut — 


— mar. Denn 
figen Zauffe gebracht , ſon⸗ 










dern auch neungehen bi onen begehrten das heilige Abend» 
mahl fehntichft, “mit der En huldigung , daß fie gar zu weit nach 
Cohanzy haͤtten, auch zu einer ſolchen Keife zu alt waren. Konte 

nes nicht, 3 als HE — predigen, die ſieben Kin⸗ 
w. fan den € itenten das ‚heilige Ibendmahl zu zu geben. 
| a: — en DBi: 













E er rat 
ae ge r, mich 2 jr verſchor a Ar Keiner, das — 
terdings wieder zurück” ne * — wolte; fo bat ich, der baufällis 
irche in Eohansy. e8 zu geben, welches. denn auch gefchehen iſt 
= wir gleich, wegen diefer unerwarteten Arbeit etwas. beforgt waren, 
wir nicht zu gehöriger Zeit nach Philadelphia zuruͤck kommen 
mögten; fo kamen ce ei eh In * —* ei ku 
r ieffen Delaware Fluß, und um zehn Uhr in Phi⸗ 
BR —D und wohlbehalten an. Als kaum in meine Stuͤbe 
— war, ſo muſte noch ein bereits verlobtes, und zu dreyen ma⸗ 
len am Sonntage abgekuͤndigtes Engliſches Ehepaar copuliren. 


innern Bau des Reichs GOttes in meiner Gemeine zu 

u jabet i ft, fogehetderfelbein der Stille noch immerfofort,d 

n kein Abne An vermercken kann. , Es find mir vielmehr nody ve 
ſchiedene um ihr Heil befümmerte Seelen, feit meinem lettern Schreiben, 
von Zeit zu Zeit bekant geworden. Geſtern Nachmittag, als am ısten 
Sonntage nad rimisakie, Eonte alſo, ben Ion it zweyer Leis 
chen, die Worte an Die — zu Philadelp ia 7 3,11 
gerichtet: Siehe, ich Eomme bald. Halt, was Po haft, 008 nies 
mand deine Erone nehme, mit Beſtand der Wahrheit, au) an 
meine -biefige Philadelphier Gemeine richten und erklären. Unter 
denen in bie| ein, Jahre Verftorbenen, find nicht minder ein und andere 
Hhhehh 2 merchs 












orfalenden Amtsgeft 
id tee Erempel umf int 
DR ‚zu erehlen iM ** —— age pe do. 
tan Klee a En Be et 
5 — = — „une 
Dfien Leidt weſen a ofi 1 bemerefen — * ß ag 108, 

fein Reich, v2 Finſterniß gleichfals — und ligen, « 
er denn un arzu. alle er vley | iner —— ur 
iche enh rauche. Er hat aber, aller feiner angewand: 
Sen, Yügen a, c ohnetachtet, dem Seiche € Ei ed ‚in. A a 

— nt fonderlich ſchaden, am wenigſten aber es 

nen. Wofür der DR DER, ae auch Ei in Onai 
a wolle. AV, 460 —R Nah — 2 — 


Siemt mie), ie Ant ind Senn Bas | 
— SF — BR ed Kae —* 


Be un, — Friederich vandſhon 


Aus ſchuldiger Hochachtun unterſchreiben di ichr 
folgende Mut Ken, Namen aller re .. © 1 
— Philadelphia den are Bee, 1760, HI III ci 


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AT Res sun KR KEER NR sy 269 
x1 Herrn Paftor Muͤhlenbergs Tageregi- 


ſter von feinem Aufenthalt bey einigen Gemeinen in der 
Provintz Yerſey vom sten Junii 1759,08 


EESen sten Junii 1759 0m ıften Pfingſttage Vormittags, nad) 
j vielem Ueberlauf don Fremden, predigte zum Abſchiede in 
—— ‚dor ‚einer groſſen Menge, taufte ſieben Kinder, 
und überlegte nach der Predigt mit der Gemeine das noͤtige. Nach— 


Uhr nahmen wir. Abfchied von.den Kindern. und Hausgenoffen „fuhren 
mit zwey Srachfwagen ab, und fünf. Meilen von Haufe kehrten mir 
ein bey der. Witwe M. nahmen von Sshr und. ihren Kindern erbaulich 
und beweglich Abſchied. Von da fuhren wir noch) vierzehn, Meilen bis 
zu Upper-Dublin, wo Herr Paflor Schaum, nebft den Borftehern 
und Aelteften der dafigen Gemeine ung entgegen kamen und uns recht 
fiebreich aufnahmen. Ein eltefler-nabm uns ins Haus, gab am 
‚Abend, ung und allen verfammelten Gliedern eine Abendmahlzeit. Nach 
dem Abendeſſen fungen wir: Efu,-meine Sreude 2c. und ich hielt 
eine Erbauungs Stunde über DOffenb.3, 1. Siehe! Ich komme 
bald. Salt, was Du haft, daß niemand deine Erone nehme. 
‚Den ı2ten Junii machten wir ung frühe auf, wurden von Herrn 
Faller Schaum, Deren Graf und zwey Aelteften ſechs Meilen weiter 
a ge a >77 N 3 
(*) Der Herr Bartor miübtenberghatbny berfenbuing Diefeg Stůcks ſih entfchuls 
piget, daß er, wegen Mangel der Zeit, Hi im Stande fen, diefe Nachricht ing 
rxeine zu bringen), dabey er die Umſtaͤnde, fo er in feinem Tageregifter nur Für: 
‚ nlichsangemereftz zu mehrerem Vergnuͤgen der Leſer umftändlicher ausgeführt haben 
awuͤrde · Weil er an wit Arbeit zu ſehr überhäuft ſey, habe er ſein kurtzes Tage⸗ 
ecſter mr ſo abſchreiben laſſen muſſen, wie er €8 medergeſchtieben 


6 Naeunte Sortfegung der Nachricht aus Penfyloanien. 


begleitet‘, bis in Die groſſe Neupörker Strafe. Ein Aelteſter ritte von 
ung. weg in eine Gegend ſeitwaͤrts, wo ſich etliche gottfelige Reformirte 
Freunde verfammelt hatten, ung aus Liebe zu begleiten; aber nicht mus 
ften , daß wir einen andern Weg genommen haften. Er fagfe ihnen, 
dag wir ſchon vorbey waͤren, und beſtellete unfere beyderfeitige Gruͤſſe 
zum Abſchiede. Nachdem wir von Herrn Paſtor Schaum, Herrn 
Sraf und den Aelteſten beweglichen Abſchied genommen, fuhren wir fort, 
und kamen mit Mühe und Sorge, Nachmittags nach zwey Ubr, bep 
dem Fluß Delaware mohlbehalten an. Hier hielten wir uns bis fünf 
Uhr auf, lieffen uns, unfere Pferde und Güter in einem Boot überfah- - 
ten, nachdem unfere. lieben Fuhrleute und Begleiter wehmuͤthigen Ab» 
fchied genommen. — np en 
As wir auf der andern Seite glücklich anfandeten, ftunden ſchon 
ſechs Wagens von der Jerſeyer Gemeine bereit , welche eben einges 
froffen waren. Fünfe Davon nahmen unfere Güter aus dem Boot auf, 
und blieben damit in der Herberge über Nacht. Ich feste mich mit 
Weib und Kindern auf den ſechſten Wagen, und fuhr noch ſechs Mei 
fen weiter bis zu einem Englifchen Wirthshauſe, zunebſt einem Andern 
Wagen, der unfere noͤthigſten Sachen mitnahm. u. 
Den ızten Juni frühe verſammleten fich die übrigen Wagens 
und wir fuhren in Sefelfhaft, legten fünf und zwantzig Meilen gurüc, 
und kamen Nachmittags um zwey Uhr unbefchädigt auf Dem Pfatt- 
Nas an. Etliche Aeiteften und ihre Weiber waren im, Pfarrhauſe bes 
ſchaͤftiget, um vollends aufzuräumen und eine Mohlzeit für ung und die 
Fuͤhtleute zu bereiten. Es fehlte nicht an vielem Wilkommen und 
Wuͤnſchen, wie es bey ſolchen Gelegenheiten zu gehen pflegef. pie 
Den ısten Junii brachten wir unſer Hausgeraͤth einiger ji 
en in Ordnung, und ‚hatten Beſuch von ein und andern, Oemeing 
E62 Bi RE re RN 
"Den ısten Junii hatte Befuch von verſchiedenen Freunden, wel⸗ 
che leibliche Wohlthaten zur Hansbaltung ‚braditen ‚ und mit fich fpres 
chen lieſſen von SeelensUmftänden. "Gegen Abend’ bekam ich Briefe 
von Heren Paſtor Weygand. 
1.2, Den.isten Junii ‚befuchte ung ein Mann aus, der, Dalley ‚mit 
welchem ich mich don der Nothwendigkeit der wahren Bekehrung unter⸗ 
redete und ihn zum Beſchluß fragte, ob er innerhalb der zwantzig Jahre 
ſeines Hieſeyns die Bekehrung erfahren habe? Er antwortete: In et: 
was / und erzehlte noch, tie er Arndts wahres Chriſtent hum von 
— wien 1:3 un ATI a ER einem 





9— es —8 min ‚wolle 
—5—— sum de uche. —— Chri⸗ 
* chum. sum. t —* — Pr denn auch * Lichte wan. 
N A NE wer 
"Ben iyten Zunii: am erſten ‚Sonntage nach Teinitatis. pre 
Digte. in Neu⸗ Germantown über Joel 3,1. 2. taufte drey Kinder und 
wurde ‚von vielen zum Beſuch genoͤthiget, und befonders von einem 
Manne, den ehemals confirmirt, nach der Pawlinge-Ziel; viergig 
Meilen weit ‚zu kommen, gebeten. Nachmittags befuchte mich «ein 
| aus. dem Würtenbergifchen gebürtig, und bat ſich Freyheit aus, 
dann und wann zu mir zu Fommen F und von dem naͤchſten Wese zum 
Himmel mit mir zu reden.“ 
Den igten unit: beſuchte mich der ‚Englifehe Schulmeifter. aus 
Llet-Bermentown, deffen Voreltern die erfien Einwohnet in Neu⸗ 
England mit geweſen. Auf mein Befragen wolte er vomder wahren 
Belehrung etwas erfahren haben; und kam auf die Frage: ob fid) Die 
Bekehrung im Verſtande oder, im Willen anhoͤbe? Die Sache wurde 
mit Erempeln aus der Apoftelgefchicht erläutert 2: Nachmittags kam 
ein Niederteutſcher Nachbar zu mir, der am DBormittage im der Kirche 
m. und ſeines Seelen Zuflandes megen fi fi Hit‘ mir zu unterreden 


Auf mein Begehren erzehlte er mir die ‚göttliche Führung feiner 
Seele Seine Eltern waͤren von der Finſterniß zum Licht bekehret wor⸗ 
den, und das Werckzeug waͤre Herr Freylinghauſen, ein begnadigter 
Niederteutfcher Lehrer geweſen, der in dieſen Gegenden zuerſt auf wahre 
Buſſe, lebendigem Glauben und Heiligung gedrungen und viel Segen 
gehabt habe. Nicht weniger haͤtten auch andere redfiche Seelen ihm 
gute Lehren gegeben und ihm mit gottfeligem Wandel vorgeleuchtet. 
Er fey aber dabey in verfehrtem Sinn geblieben, bis er einsmals einen 
Weltmenſchen habe fterben geſehen; da denn folches fein Gewiſſen ge⸗ 
ruͤhret und aufgewecket, und ihn fange Zeit unter gefeglicher Arbeit und: 
Angſt gehalten habe, Hierauf waͤren zwey von ſeinen Schweſtern auch 
ergriffen, und in Angſt und goͤttliche Traurigkeit geſetzet worden, bis ſie 
ſich zu JEſu Chriſto gewendet, Gnade und Freudigkeit in demfelben 
geht und: gefunden hätten.) — habe ihn aufs neue erwecket, 
re, vorige vermehret; bis er ſich auch: weinend und betend 
land der Welt, a8 cin mühfehger und beladener — 





| 72 Yleunte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


da er denn in Ihm Erquicfung gefunden und fein Joch getroft * 

genommen habe, Nachher habe er aber noch oft in: dürren Neger 
wandeln und ohne Fühlen trauen müffen: ' Audy.habe er ſich geſcheuet, 

mit andern erweckten und begnadigten Seelen umzügehen; weil er ft 

felber zu arm und elend gefühlet, und an andern folche hohe Gaben im 
Gebet und herrlichen Worten von groffer Erfahrung bemercket. Da 
er hierauf in eine andere Gegend gezogen ‚wo eriunter ganz eiteln’und 
erfiorbenen Weltmenſchen gewohnet, und nichts als Arges'von innen 
und auffen geſehen und gehöret; fo fey er ganz matt und fchläfrig wor⸗ 
den, habe Eeine Luft, weder zum Guten, noch aud) zur Welt gehabk: 
Darauf babe ihn GOtt ein und ander mal aufs Kranckenbette gewor⸗ 
fen, und an die Pforten der Ewigkeit geftellet, und ihm in feinem Lichte 
gezeiget, was und wo es ihm fehle ꝛc. Da er nun in dieſer Gegend 
wieder gewohnet, auch fchon vorher durch den Abfchied eines rechtſchaf⸗ 
fenen Niederteutſchen Predigers aufs neue erweckt und in unferer Kivche 
durch GOttes Wort ermuntert worden; fo findeer fich geftärcket in ſei⸗ 
nem. Chriftenlauf 2c. Ich erinnerte bey allen obigen Puneten, fo viel 
mir der HErr Gnade gab, das nöthigfte, beugte mit ihm vor GOtt die 
Sie im Kämmerlein, und erließ ihn bis’ auf weiter voller Vergnuͤgen 
und Freude 180 Kan N IR ET 
Den ısten Junii befuchte mich ein anderer. Mann ‚der ‚auch ein 
befehrter Chriſt feyn molte; meil er eine buchftäbliche Erkenntniß aus der 
Bibel befiget , auch) feinen Lutheriſchen Glauben mit Sprüchen gegen 
andere Parteyen vertheidigen , und fich eines ehrbaren Wandels ruhe 
men Fan; und’ feinen andern Fehler als die teibliche Armuth hat, tie er 
fagt. Ich Eonte ihm nicht ſogleich beykommen, weil ihn noch nicht ges 
nau Fante und er fich in die buchſtaͤbliche Wiſſenſchaft und eigene Ges 
verhtigkeit wie ein Seidenwurm’eingefponnen hatte. —J 
Den’ zoften Junii beſuchte mich ein Hochteutſch Reformirter 
Nachbar mit ſeiner Evangeliſchen Ehefrau: Er klagte uͤber den verwor⸗ 
renen Zuſtand ihrer Gemeinen, und ruͤhmte Herrn Weygands vorma⸗ 
lige hieſige Amtsfuͤhrung und unpartheyiſche Liebe, die er gegen Evange⸗ 
lifche und Reformirte bewieſen. Die Frau ſcheinet begierig nach den 
Gnadenmitteln und um ihrer Seelenheil bekuͤmmert zu ſeyn. Sie bat 
inſonderheit, daß mich der armen verwilderten Jugend annehmen moͤgte, 
welches mein Verlangen aud) if.» Nachher 'befuchte uns eine Niederz: 
teutfche Frau ‚und ergehlte auf) meine Fragen vielesi, was der HErr 
an ihrem Seele von verfchiedenen Sahren her ‚gethan. Sie redete * 
er 


XI. Zen. Paſt můͤhlenbergs Tageregifter von 1959: 97 


der Glaubens⸗Aehnlichkeit gang ordentlich von Buffe, Glauben, Hecht: 
fertigung und Heiligung ; wolteaber Daneben behaupten, daß fiedurdyeine 
Stimme inwendig von der Vergebung der Sünden und des Gnadenſtan⸗ 
des wäre verfichert worden. eil ih darüber etwas flußete, ſo fagte fie, 
es mare Feine äuferlihe Stimme, auffer GOttes Wort, fondern zwey 
Sprüche aus GOttes Wort geweſen, Die ihr vor andern recht lebendig 
and deutlich eingedruckt worden , da fie faft mit Verzweiſelung geruns 
gen, nemlich: Hebr. 13, 5. Ich will dich nicht verlaffen noch 
verfäumen , und ı Eor. ı5, 58. Wiſſet, daß eure Arbeit niche 
vergebens ift in: dem HErrn. Ich erinnerte; daß man Die 
Heucheley ſehr weit treiben und Die gute Sprache ‚lernen Fön 
te ꝛc. und fie vieleicht auch fo eine kuͤnſtliche Ereatur wäre. . Sie 
antwortete, Daß man fie nicht fo: gottlos und verderbt halten und bes 
fehreiben koͤnte, als fie vor GOttes alifehenden Augen und in der Wur⸗ 
sel. der Natur wuͤrcklich waͤre: Sie hätte lange genug unter dem Gefeg 
gewircket, ihre eigene Krafte verzehret, und. nichts zu wege gebracht, alg 
sin befudeltes Kleid ꝛc. Da fie. aber nackend und bloß von Gerechtig⸗ 
keit, und. mit Schulden ‚beladen zu JEſu Ehrifto gekommen; fo habe 
fie eine volfommene Gerechtigkeit frey und umfonft aus Gnaden erlans 
get, worin fie fich ausnehmend wohl und ruhig befände, und auch eis 
nen freyen Zugang behielte, Gnade um Gnade und hinlängliche Kraft 
zur. täglichen Erneuerung und Deiligung zu nehmen. Wer fiealfo aufs 
fer, Chriſto betrachtete, der thaͤte ihr nicht unrecht, wenn er fie für Die 
gröfte Suͤnderin hielte; aber ‚in Chriſto hätte fie Gerechtigkeit und 
Stärke ec 2c..und vonder Liebe, die in Ehrifto JEſu iſt, folte fie nichts ſchei⸗ 
den. Nom.8, 37:39. Wir. hatten hierauf eine Unterredung 1) vom 
Rückfall, 2) von Beharrung im Glauben und in der Gnade, 3) vom Glau⸗ 
bensfampf, 4) vonden Mitteln zur Deiligung,, 5) vom Leiden, 6) vom 
Umgang mit erweckten und beguabigten Seelen. | 


Den z4ften Junii vitfe morgens um fechs Uhr aus und Fam erſt 
um schn Uhr bey Bedmuͤnſtertown an, meilneun Meilen irre gerits 
ten war. Um eilf Uhr fingen wir Teutſchen Gottesdienft an, fungen 
zum Hauptliede: Wacht auf ihr Chriften alle'zc, prebigte über 
Ezech 37, ı bis 15. vor groffer Anzahl Ho: und Niedertentfcher Zuhoͤ⸗ 
rer, taufte hernach Drey Kinder, und wurde von einem Englifchen Kauf: 
mann zum Mittagseffen genöthiget. Um zwey Uhr nachmittags fing den 
IN. Penfplo, Sorsf ' Ki | Eng» 


\ 


774 Neunte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien 


Engliſchen Gottesdienſt an und predigte über Soh.5, 39. Nach der 
vredigi conferirten einige angeſehene Freunde, in Gegenwart etlicher 
ARelteſten, mit mir und baten, daß ich an jedem Sonntage in beyden 
Gemeinen , nemlich in, Bermantown und Bedminſter Nachmittags 
‚Englifchen Sottesdienft zu halten fortfahren möchte, welches ihnen un⸗ 
ter zewiſſen Bedingungen verfprochen wurde. Nachher ritte noch drey 
Meilen weiter ‚zu einem Teutſchen Mann, woſelbſt der Organiſt J. K. 
und, feine Familie war, mit welchen nebſt dem Hauswirth ein Haus⸗ 
geſpraͤch, aufs wahre Chriſtenthum zielend, hielte und. uͤbernachtete. 


Den asften Junii Montags reiſete von da ab und ſprach bey eis 
nem andern ein, der vor dieſem Vorleſer in der Gemeine gemefen. Er 
Plagte unter andern, daß eine groffe Anzahl erwachfener und verheiras 
theter jünger Leute ware, die noch feinen Unterricht und Eonfirmation 
empfangen ‚ und als in der Irre herum liefen. Eine Hinderniß ſchei⸗ 
net diefes unter andern zu feyn, daß an dem Orte mehr Niederteurfche 
und Englifhe, als Hochteutfehe Schulen gehalten worden; da denn die 
Jugend einen Vorwand gehabt, zurück zu bleiben, weil man fie nicht - 
an ihrer befanteflen Sprache unterrichtes anderer und gröffern Hinders 
niffen zu gefchmeigen. Mach geendigten vorläufigen Klagen , fragte, 
wie es mit feiner eigenen Seele befchaffen ware? Die Antwort erfolgte 
aus dem erften Articul von der Schöpfung, Erhaltung, Befchirmung ic. 
weitlaͤuftig, aus dem zweyten Articul von der Erlöfung, und derfelben 
Zweck x. etwas fürger, und aus dem dritten Articul von der Heiligung 
amfürgeften. Da ich ihm hierauf bezeugte, daß die Wahrheiten in allen 
drey Articuln ungertrennlidy mit einander verbunden waren, und im Zus 
fammenhang müften erfahren werden, fo wies er mir ein Gebet aus des 
Zabermans Gebetbuch, auf alte Leute gemacht: folches ging mit ihm 
durch und gab gehörige Anmerkungen , die er mit Thränen anhörtz, 
und zulegt beseugte, Daß er manche Rührungen und Crweckungen aus des 
Wohlſeligen Zeren Prof. Franckens Hauspoflille gehabt, meiche ich 

ihm im Sahr 1745 zum Borlefen geſchenckt hatte. | 


Bon da befuchte einen andern Vorſteher und feine kraͤncklich 
Stau, mit welchen ſchon etwas näher son den Wirkungen des guten 
Beiftes GOttes in. den Seelen, Die Demfelben Raum geben, reden Eonte. 
Ob man wol bis daher noch gnaͤdigſt mit äuferlichem Ereug und Ders 
folgung verfchonet worden ; fo fehlt es Doch Denen Seelen, die Ebrifto in‘ 
der Wahrheit nashfolgen wollen, niemals an innerlichem aa 

Leiden, 


XT. Zen. Paft Wlählenbergs Togeregifter von1759: 4% 


je nachdem es der allerweiſeſte GOtt nöthig und nüglich finder , den 
Seinigen zum Beten aufgulegen. As ei | 
Bon hier reifete wieder nach Haufe, und hatte gegen Abend Be⸗ 
fuch von einem alten Gemeingliede, der in meiner Frauen Freundſchaft 
gehört. "Er unterhielt mich mit Sefprächen von den Umftänden der Ges 
meinen , von verſchiedenen Predigern, von ber verfchiedenen Art ihrer 
Gaben und des Morirages, von der Standhaftigkeit in der Evangeli⸗ 
ſchen Religion , von den fehadlichen Parteyen, von den Pflichten gegen 
Gott, den Naͤchſten und ung felbit xc. Ich fammelte mir beym Zuhö« 
ten verſchiedene hömiletifche Regeln, Die ich nicht auf hohen Schulen 
gehörek, und warf hie und da ein Wörtlein hinein, wenn er in feiner 
Rede ein Semicolon, Eolon oder Punctum machte, anders war mirg 
vor dismal nicht möglich. Der Mann fcheinet eine ziemliche Erkentniß 
vom Reiche GOttes im Wiffen zu haben; die Zueignung und Erfahs 
sung merden verhoffentlih Durch GOttes Erbarmung auch folgen. 
Wenn man einen Menſchen nur mit Geduld anhören, und fein Syſtem 
vortragen laffen kan, fo erlanget man verſchiedene Vortheife. 
= m Abend befuchte uns noch ein Nachbar und Gemeinglied, aus 
dem Würtenbergifchen gebürtig. So viel ic aus des Mannes Reden 
abnehmen Fonte, hat er einige Selbfterfentniß; denn er ſeufzete mie 
David: ZBErr, gedende nicht der Sünden meiner Jugend, noch 
meiner Uebertretung ec. ‘ob er wol in feinen Reden noch ein und ans 
dere Gewohnheitsfluche mit unterlaufen läßt. Er ersehlte weiter, wie 
ſchwer es ihm anfangs hier im Lande gefallen, da er feinen gewöhnlichen 
Sonntäglichen Gottesdienft nicht gefunden; meinete aber, er wäre zu 
befieree Erkentniß und Einſicht in göttlichen Dingen gelanget, obgleich 
das Wort hier fparfamer gemwefen, weil man an zu vielen Orten in 
Teutſchland eine Gewohnheit aus dem Gottesdienſt gemacht, und den 
Sabbath des HErrn leider oft mit Ueppigkeit zc. befchloffen. 
. Den 2yften Junii fuhr mit meiner Frau zu Deren B. fieben 
Meilen son Haufe, ſprach vieles mit ihm aus GOttes Wort, eramis 
nirte feines Sohns Frau, Elifaberh genant, und taufte diefelbe, nach⸗ 
dem fie ihr Glaubensbekentniß abgelegt. Ihre Eltern, infonderheit ihr 
Vater war in Teutſchland in der Evangelifhen Religion erzogen, und 
hat fich hier vor vielen Jahren zu der Wiedertaͤufer Gefintheit gefellet, 
und folglich feine Kinder ohne Taufe aufmachfen laffen. Ich fand die 
ganze Familie, und befonders den alten Mann ſehr aufgeräumt, um 
von göttlichen Dingen zu hören und Ar reden. Nachdem wir mis —* 
ii ii a er 


276 Neunte Sortfesung der Nachricht aus Penſylvanien. 


der gefpeifet und Abfchied genommen, fuhren wie zurück; und kehrten uns 
terweges In Potterstown bey feinem ‚Bruder ein. Rachher befuchten 
wir noch einige Patienten, die am Fieber kranck lagen; und kamen mit 
dem Abend wieder zu Haufe. | | ga * 
Den 28ſten Junii hatte Beſuch von des Herrn N. und J. S. 
Frauen, mit welchen erbauliche Unterredungen hafte big gegen hend. 
Wir ſprachen ‚befonders von den Kennzeichen vr mahren Belehrung, 
und von der Berficherung des Gnadenflandes, 3 =... 00° us 


Den iſten Julii Sonntags fiel ſtarcker Regen. Ich predigte in 
Neugermantown über Das. Evangelium am dritten Sonntage nach 
Trinitatis, vom verlohrnen Schaaf und, Groſchen, und hielt nach der 
Predigt. die erfte Catechiſation. Am Abend hatte noch einigen Befuch. 

„Den. sten Julii Donnerflags nachmittags beſuchte ung eine 
Engliſche Nachbarin, welche fich in ein gut Sefprach vom Glauben und 
Liebe ꝛc einließ. Am Abend befuchten uns noch einige, mit welchen vera 
fehiedenies von göttlichen Dingen reden konte 

Den sten Julii, Sonntags führ mit meiner Frau nad) Bedmine 
fiertomn , predigte Vormittags Teutſch übers Evangelium: von einiz 
gen. Eigenfehaften. wahrer Kinder GOttes sc. und taufte ein Kind, 
Nachmittags predigte Englifh über Syoh. 1,17. und taufte zwey Engs 
liſche Kinder von der Landung. Nach dem Gottesdienſt fuhren wir ei⸗ 
ne Meile weiter zu einem Borfleher,. wo auch andere Freunde mit-suz 
gegen waren. Von da fuhr, ic) zwey Meilen. weiter zu J. A. wofelbft 
übernachtete. Am Abend verfammelte fid) ein. Häuflein guter Freunde, 
mit melchen ein Lied fung, eine genaue Prüfung über die heutige Pres 
digten hielte, und mit Gebet befchloß, worauf wir | er 

Den.gten Julii Montags auf dem Heimwege noch verfchiedene. 
befuchten. Wen ein auſſerordentlich heiffer Tag mar; ſo befand ich 
mich den folgenden Tag unpaͤßlich und zu aller Arbeit untuͤchtig 

Den uten Julü Mittwochs brachte des Herrn R Frau ihren junge 
ſten Sohn,den fiemit anhaltenden Gebet unverfehrt ausder unglücklichen 
Erpedition 1758 von. Ticonderoga wieder bekommen. 

... Den ızten bis ıgten Juli hafte Zeit zum meditiren und Gebet; 

da am saten Juli das. Gewitter auf dem Pfarrplage einſchlug. 
„Den ısten Julit Sonntags früh fuhr ‚mit meiner rau neun 
Meilen zu einem Filial in der Valley, woſelbſt vier Sonntage im 
im Jahre öffentlicher Gottesdienſt beſtimmet und gehalten wird, * 
ET rg Q | 


Kl. Zen Paftı MühlenbergsTageregifter von 1759: 777 


daſelbſt wohnende Religions verwandte fich mit zur Neugermantowner 
Kirche halten. Vormittags hielt Teutſche Predigt über Luc.ız, 6 bis 
9. vor einer groſſen Verſamlung in und um Herrn H. feiner Scheune, 
und faufte drey Kinder. Nachmittane sredigte Englifd) über Cor. 2,2. 
Nachher von drey bis fünf Uhr beſuchte Herrn R. R. und hatte in feinem 
Hauſe Gelegenheit, mit verfchiedenen Gemein» Gliedern und Nieder 
teutfch: Deformirten etwas naher zu reden. Es war ein ausnchmend 
heiſſer Tag. Am Abend fuhren wir wieder nach Haufe. | 
Den ısten Julii Montags war unpäßlih. Wir hatten graus 
fame Donnermetter und Schlagregen, | 
2 Den ızten Julii medieinirte mit meiner Familie. | 
Den ıgten Julii befüchte mich ein Reformirter Mann J. St. 
dreyzehn Meilen weit her. Auf mein Befragen, ob er in Teutſchland 
ſchon erweckt worden? fagte er nein! In diefem Lande hätte ihn Der 
HErr in Gnaden heimgefucht, und Durch fein Wort und Geiſt den An: 
fang: in feiner Seele gemagt. Dee 
Den 22ften Zulii am fechften Sonntage nach Trinitatig, predigte 
in Neugermantocon Vormittags über den Epangelifhen Text: Ron 
einer nicht zureichenden, und zureichenden Gerechtigkeit , und 
vor vn Hai ein Englifch Kind. Nachmittags hielt Englifchen Got 
ienft. | | | . 
Sen ꝛʒſten Julii Montags befuchte mich ein Niederteutſcher 
Mann Har Rund erzehlte mir die göttliche Führung und ‘Bearbeitung 
ei De und feiner Frauen Seele, welche mit GOttes Wort überein⸗ 
immete. Dir, RE 7 
' Den 2sften Julii Donnerftags kam Dr. U. van B. erpreg von 
der Hackinſacker Gemeine, gab Nachricht von den Umſtaͤnden der Ges 
meine ;. begehrte zu: wiſſen, wenn ich hinuͤber kommen Fönte it. brachte 
auch Briefe von Heren Paſtor Zartwich, der vergangenen Sonntag in 
Zackinſack geprediget ic. Am Abend befuchte mich auch) ein Strumpfs 
weber aus Philsdelphis, aus dem Gieffifchen gebürtig. | 
Den 2>ften Julii Freytags reifete Herr B. wieder ab, mit einem 
Brief an die Gemeine, worin befiimmete, daß ich g ©. am zoflen 
Auguft diefes Jahrs von hier die Reife nach Hackinſack antreten wolte. 
 Denagften Julii am fiebenten Sonntage nad) Trinitatis ritte 
nadyBedininftertown, predigte Vormittags übers Evangelium Marc, 
8,1%. Nach dein Eingange Matth.6, 33. zeigete, daß diejenigen am 
Leib und Seele wohl verſorget werden, die am erſten nach dem Reiche 
Jiiii 3 GOites 


PN: Neunte Sortfegung der Nachricht aus Penfplonnien, 


GoOttes trachten. Hernach taufte ein Kind. Nachmittags hielt Eng: 
tifchen Gottesdienſt und predigte über =Korinth.3, ı bis 3,17. 9 

Den zıften Julii Dienflags hatten wir ſtarcke Gewitter und 
Schlagregen. Ein Englifher Dann bey Eliſabethtown her, ſprach 
bey mir ein; und da der Regen von allen Seiten her ins Haus ſchlug, 
fo kamen wir auf die Materie, wie man fein Haus nicht aufden Sand, 
fondern auf den Fels bauen muͤſte. Er war gefchickt und geneigt vom 
practifchen Chriftenthum zu ſprechen, welches auch zu unſerer beyderſei⸗ 
tigen Ermunterung gediehe. Ar. 


Den sten Auguſt am achten Sonntage nach Zrinitatis frühe 
eopulirte ein Paar, hernach predigte in der Neugermantowner Kirche 
DBormittags über das Evangelium Marth. 7: Von der Beſchaffen⸗ 
heit der wahren und falfchen Propheten, vor zahlreicher Verſam⸗ 
lung, weil die Witterung guf war. Wir fungen: Mache dich mein 
Geift bereit ꝛc. Nach der Predigt faufte zwey Kinder. Nachmittags 
predigte Engliſch über = Tim 3, 1.5. Nachher empfingen.eilf Perſonen 
das heilige Abendmahl. Gegen Abend harte verfchiedenen Beſuch. 

Den sten Yuguft Montags mar unpaßlic. Nachmittags hatte 
Beſuch von einer Schottländifchen Frau aus der Nachbarfchaft. Wir 
fungen einen Englifchen Palm, lafen einige Erempel aus der Englifchen 
MartprersHiftorie und hatten Gelegenheit ‚ viele erbauliche Materien 
zu handeln. Ich hielt ihr das, Schagfäftlein vor und fragte, ob fie 
- ein Lotteriegettel haben wolte? als fie aber Schwürigkeit über Die Lotte⸗ 
rie machte, und hernach gewahr wurde, was Diefe Zettel zu bedeuten; 
fo nahm fie e8 mit-Begierde auf, und merckte fich die ſchoͤnen Ketnfprüi- 
che in der Englifchen Bibel. Es war ein fehr heiffer Tag. 

‚Den zten Yuguft Dienftags wurde Durch einen Expreffen neun 
Meilen weit nach der Valley zu einem Kranden geholet: Der Mann 
hatte fchon acht Tage her die Mafern gehabt und war in Gefahr feines 
Lebens. Er erjehlte mir, mas GOtt von verfchiedenen und beſonders 
den zwey letzten Jahren her an feiner Seele gethan , und gab Grund 
nah GOttes Abort von einer wahren Hergens Aenderung, vom lebens 
digen Glauben und Rechtfertigung infonderheit, Die er erfahren, und 
klagte ſich an wegen Untreue und Fehler in der Heiligung. Er begehrte 
ich folte feinen Nachbar ruffen laſſen/ der aus Sachſen gebürtig und im 
Brandenburgifchen erweckt worden, und fagte, der Mann wäre fein bes 
fier Freund, weil er mit ihn anf Dem ſchmalen Wege ginge. Nachdem 

nun 


hlen ergs Tageregiſter von 175g 779 


n geruf — uͤbrigen naͤchſten Blutsfreunde auch 
ſo demuͤthigten wir: uns insgeſamt vor dem Gnaden⸗ 
lieſſen dem Patienten fein Buß: und Blaubene-2 kentniß able⸗ 
gen, ker rachher wurde ihm dag heilige. Abendmahl zur Stärkung ges 
reicht. = Ber nur herzu kam dem gab er fehr eindrückliche Ermahnuns 
en und wies auf J — Nachmittags bat. er fehr, ich 
. «möchte feinen legten = weill er ſoiches in feinen gefunden 
Tagen verfäumet, und —* elber nicht Föntexe. Ich that ſolches, und 
nachdem aud) diefe můhſame Arbeit vollendet war; ſo wandten wir uns 
— Gebet. 

Den sten Auguſt Mittwochs muſte nach. Bedminſtertown 
— D. feinen juͤngſten Sohn von neunzehen Jahren und acht 
Monathen zu begraben, welcher ploͤtzlich geſtorben war. Ich predigte 
über den * Vers des 27ften Pſalms. Es war wieder ein season 
heiſſer Tag, und wie man höret, fo graſſiret Die vothe Ruhr fehr ſtarck. 
Ich beſuchte untertveges eine Samilie, —— — laborirte und 
kam ‚Abends ſpaͤt zu Haufe. 

‚Dengten uguft & onnerfiags: fpürete einige Borboten von der 
Doffentenie, hörte aud) meine Frau daruͤber klagen. Hatte Beſuch vom 
Vater des obgedachten Patienten in der Valley und Aufmunterung 
Durch EM Geſpraͤche. Er erzehlte, daß ſein 1 Sohn auf der Beſſe⸗ 
rung waͤr 
de Sn Anguft Freytags habe Artzeney eingenommen, und 
‚auch Weib: und Kindern eingegeben, um der graffirenden Seuche i in der 

‚Ordnung zu begegnen. 
I Den uten. Yuguft Sonnabends meditirte, und fuhr gegen Abend 
wit Weib, und Kindern nach Bedminftertown. 

Den ı2ten Auguſt am neunten Sonntage nad; Trinitatis pres 
"bigte Vormittags ‚übers, Evangelium Er 16. von ber —— Rech⸗ 
mung. Das Hauptlied war: Bedencke Menſch das Ende 

SiGluf wurde geſungen: Ich will von meiner Miſſeth = x. un 
a Seh nim mid) zu dir einzc. Nachmittags predigte En 

gemeinen Beruf. Am Abend fuhr mit Weib und Tochter na 

ng. — ——— und erbauliche Geſoraͤche von 


Den ————— let ein Naar, hernach fuhr nach Haufe: 
Den ıgten Auguſt am zehnten. Sonntage nach Trinitatis hatte 


fi: ich von zwey Maͤnnern von ame Townſchi, Rein: wii 
ange⸗ 




























730 Neunte Sartfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


langeten, daß hinkommen und am zten Sept. in ihrer Gegend Gottes⸗ 
dienft halten möchte, welches verfprach. Hierauf hielt Gottesdienſt vor 
zahlreicher Berfammlung über das Evangelium, Yon der Beträbniß 
des HErrn Ef über die Verſtockung des Juͤdiſchen Volcks. 
Das Hauptlied wars Weh mir, daß ich fo oft und vielꝛc. Hernach 


taufte drey Kinder, Nachmittags: predigte Engliſch über Tim 6, 12. 


5*— * guten Kampf des Glaubens:zc. und ritte im Regen 
nach Haufe > al JE 17, 
- + Den zoften Auguſt Montags ſchickte mich an auf Die Reife nach 
Zackinſack. Wir hatten viel und ſtarcken Regen, auch Beſuch. 

Den aıften Auguſt Dienftags Nachmittags nahm Abfchied und 


reifete zwoͤlf Meilen bis zu IJ. A. meldyer mich nad) Sadinfack beglei⸗ 


ten wolte. Sandte auch zw 2. St. der entfehloffen, wegen feiner Ge⸗ 
ſchaͤfte mitzureifen. | — 


Den 22ften Auguſt Mittwochs reiſete fruͤh aus mit Herrn J. A. 


und nachdem wir drey Meilen zurück gelegt, warteten wir auf Herrn St. 
der ung dafelbft antreffen folte. Weil er aber zu lange ausblieb, fo 
fegten wir beyde nach neun Uhr unfere Reife fort über Longhill nach 
Yfewsrd zu. Um zwoͤlf Uhr Mittags kam Herr St. zu ung. Um 
zwey Uhr Nachmittags hatten wir Newarck erreicht und alfo dreyſſig 

teilen von unferm Nachtlager zurück gelegt. Halb fünf Ührritten wir 
von Newarck ab, und kamen über Second-Riper Abends um fieben 
Uhr bey dem Court⸗Houſe in Hackinſack an. Von da haftentoir noch 
drey Meilen in der Nacht bis zum Juſtice 2. von B. zuireiten. "Um 
acht Uhr kamen wir an bey Herrn van S. wo mit ung eine Stunde auß 
hieften , teil Die Zugbrüde aus der Ordnung mar. Dieſes Deren van 


©. feine Groseltern find Evangelifay:Lutherifch getvefen, und, wegen 


der Religion aus Wohlen verfolgt, in Diefe Lande gefommen, Die zahls 


reichen Zweige von diefem Stamme find Glieder der Reformirten Kita 


che, weil die Lutheriſche Gemeine dafelbft viel Streit und Ziviefpalt, bies 
teilen gar Feine Lehrer, oder folche gehabt, die mehr bie Streitfragen 
als die Lehre felbft getrieben und bisweilen auch nicht fo gelebt, als ſie ge⸗ 
ehret, wie gefagt wird, wiewol unter den Reformirten alhier auch zwey 
Partheyen find, wobey es an ein und andern Ausfhmweifungen nicht fehlt, 
mmeif fie zwey Lehrer haben, und eine Parthey die andere mir Beſchuldi⸗ 
gungen belegt. | ) 2 kE ae Mal 
Denzften Auguſt Donnerftage. Heute kehrte Herr St. wie: 
der um nah Hauſe. Sch befuchte Herrn J. van B. Der nahe * * 
irche 


‚I. 3en. Pot: Mahlenbergs Togeregifter von 1759: 78: 


Kirche wohnet. Er wuͤnſchte aud), daß doch Die Gemeine mit einem ge⸗ 
treuen Hirten möchteverfehen und nicht zum Raube der wilden Thiere 
preiß gelaffen werden, morauf aus Matth.g. geantwortet wurde: Bits 
tet den SErrn der Erndterc. AmAbend hatte Befuch von einigen 
Gemeinggliedern, mit welchen erbaulich reden konte. Sch war gefinnet, 
nur einen Sonntag in Jadinfad, und an einem Wercktage in Rems 
ſpach zu predigen, wurde aber gebeten, Daß zwey Sonntage bleiben und 
gm legfern das heilige Abendmahl in Hackinſack austheilen möchte, 


Dem zufolge entfchloß fich mein Reifegefehrte Herr A. allein wieder nach 


Haufe zu reiten, weil feine häußlichen Geſchaͤfte ein fo langes Ausbieis 
ben nicht verffatten wolten. ae 
Den 24ften Auguſt Freytags hatte Öelegenheit,in der Stille auf 
die vorhabende Sonntags Arbeit zu meditiren, welches mir fehr nötbig 
war / weil die Niederteutfche Sprache aus Mangel der Uebung mie 
nicht. fo geläufig war, wie fonft. J 
Den 26ſten Auguſt Sonntags ging um zehn Uhr mie meinem 
Wirth und andern Freunden nach der Kirche , welche von innen voll 
und von auflen umringet war; mie mir gefagt wurde, beftund die Vers 
famlung aus unfern Religionsverwandten , und verfchiedenen Gliedern 
der beyden Reformirten Partheyen. Wir hatten zum Hauptliedes 
Wacht auf ihr Chriften olle2c; zum Gebet aus dem go Pfalm v. 9 
bis 16. verglichen mit Pfalm 85, v. 8 bis zu Ende, nebſt gehöriger Ap⸗ 
plication nach Befchaffenheit der Umflände. Die Predigt hielt über 
den Tert Matth.7, 13%. Gehet ein durch die enge Pforte zc. 
Die Zuhörer begeigten fich fehr aufmerckſam vom Anfange bis zu Ende, 
und wie hernach von einigen Freunden befonders vernahm; fo waren die 
Zuhörer von beyden Neformirten Partheyen mit der unparthepifchen 
Wahrheit erbauet, und unfere Leute aufs neue erwecket worden. Einige 
Aelteften von der Remfpacher Gemeine Famen vor der Predigt und 
verlangten‘, den nächften Sonntag in ihrer Kirche Gottesdienft zu ha— 
ben, welches von benderfeitigen Aelteſten überlegt und zugeftanden wurde 
Dem zufolge verfündigte ich , daß mir nachflen Donnerflag in Hackin⸗ 
ſack Buß und Beicht: Vermahnung und das heilige Abendmahl hal⸗ 
ten wuͤrden. | ! u“ | 
.. Heute, Nachmittags um zwey Uhr ‚ hatten mir wieder Gottes— 
dienft und Predigt über das derordnete Evangelium am eilften Sons 
tage nach Trinitatis, vom Phariſaͤer und Zöllner. Der Reformirte 
Predigervon der einen Parthey war mit zugegen, der andere wäre auch 
EX. Penſylv. Sortf. Kkkekk gekom⸗ 


782 Lreunte gortſetʒung der Nachricht aus Penſylvanien 


gekommen, wie ſeine Freunde ſagten, war aber eben nach Albanien ver⸗ 
reiſet. Mit jenem unterredete mich ein wenig und ging nach meinem 
Logis, und hatte noch ein vergnuͤgtes Stuͤndlein mit meinem Wirth und 
ſeiner Familie. ade rs 
| Den arften Auguſt Montags wurde gebeten, zu einem alten Re⸗ 
formirten Mann zu kommen, weil er kranck wäre, und mich noch einmal 
gu ſehen verlangte Seine Voreltern find aus Franckreich hieher ges 


flüchtet. Er ſelbſt iſt ein verſtaͤndiger und beleſener Mann von fünf und 


achtzig Jahren, hat als AſſemblyMann dem gemeinen Weſen gedienet, 
ſcheinet in Religionsſachen unpartheyiſch und ein beſonderer Liebhaber 
des göttlichen Worts zu ſeyn. Ich fragte nach feinen Seelenzuſtand? 
Er antwortete mit mweinenden Augen 1) GOtt haͤtte ihn vor groben 
Laſtern und offenbaren Sünden: in feinem Leben gnaͤdig bewahret. 
2) Wenn er aber im Kichte GOttes vermitselft des göttlichen Worts 
feinen Kebenslauf, fein in der Wurtzel verderbtes Hertz, deſſen Zichten 
und Trachten von Jugend auf, fein Thun und Laffen ze. betrachtete; (0 
muͤſte er ſich als den gröften Sünder und Zöllner vor GOtt fchuldig ges 
ben. 3) Nun müfte er dagegen fein Huͤlfsmittel im Himmel und auf 
Erden, oder unter der Erden, auffer den Heiland der Welt, der mit 
feinem vollfommenen Gehorfam das Geſetz GOttes erfüllet, und mit 


feinem eigenen Blut und Tode eine ewige Erlöfungerfunden. 4) Waͤre 


auch aus GOttes untrieglichem Worte verfichert, daß der HErr JEſus 
alle bußfertige Zöllner und Sünder an» und aufnahme, und keinen, der 
zu Ihm käme, hinaus flieffe. 5) Er hätte fhon lange vor. der alleinigen 
und rechten Thür gebeten, gefucht und angeklopft. 6) Er lebe aud) 
der Hoffnung, daß er, vermöge der gnaͤdigſten Zuſage und Berheiffung 
"GHftes, nicht folte verftoffen, fondern aus Gnaden, um des Bürgen 
und Verſoͤhners willen, angenommen und felig werden.» 7) Möüfle 
aber doc mit Wehmuth Elagen, daß er noch) nicht eine folche finnliche 
oder fühlbare Verficherung von der Gnade GOttes und Vergebung der 


Sünden hätte, als viele ruhmten und fagten‘, daß fie alle Augenblick 


darauf leben und fierben Fönten. Ich antwortete ihm in Einfalt ‚daß 
die göttlich geoffenbahrten Grundwahrheiten mehr mit den obern, als un⸗ 
tern Kräften der Seele zu thun hätten, und daß das finnliche Gefuͤhl be⸗ 


trügtich ſeyn Fönteze. Wir hätten ein prophetifch Wort, veſterer, als 
finnliche Erfcheinungen ze. führte ihn in den ıflen Theil des zten Capitels 


Matthäi , prieß ihm das gange ste Eapitel ‘an die Römer; den zeſten 
Malnae. an, welches ihm ſehr wohl befant und eindrücklich war. En 
| IR 200, erzehb⸗ 


Xu Zen. Paſt mahlenbergs Tageregiſter von 1739. 788 


erzehlte ihm Daneben ein und ander erbaulid) Erempel aus des Wohl⸗ 
feligen Seren Graf Henckels legten Stunden, und verficherte ihn, 
wenn feine Erfahrung mit GOttes Wort nur übereinfämes fo würde Der 
gnadigfte GOtt ſchon nöthige und hinlängliche Verſicherung verleihen. 
Und ob dein Hertz fprady lauter nein, ſoll doch fein Wort ges 
wiffer feyn. Er wiederholte verſchiedene Trofl: und Kernſpruͤche aus 
GOttes Wort, führte auch ein und ander Exempel aus der Mütter: 
Hiftorie an, die ihm erwecklich geweſen, und wuͤnſchte, daß er naͤchſten 
Donnerſtag nur noch einmal in unfere Kirche kommen koͤnte. Er wuͤ⸗ 
ſte noch den Hauptinhalt von allen Predigten , die ich vor fieben und 
acht Sahren in Andinfac gehalten, und vergnügte ſich unter andern 
befonders: über den Ausdruck, da erinnert worden, daß der fich darſtel⸗ 
kende aufgeblafene-felbft gerechte und fich felbft vermeffende Pharifaer auf 
anderer Leute Bruft gefchlagen; dahingegen der bußfertige Zöllner 
an feine eigene Bruft gefchlagen, und den Ort gewieſen, wo dag uner: 
gründliche Verderben beyfammen anzutreffen, und mo die Berföhnung 
nothmwendig zu erfahren wäre, Pf. su. Matth. 15,19, ıSjoh.2,2. Wir 
nahmen mwehmüthigen Abfchied , bis auf ein, GOtt gebe! fröliches 
Wiederſehen in einem beffern Keben. 
+ Am Abend meldeten fich fieben verheirathete junge Leute , welche 
Unterricht und auf nächften Donnerflag die Konfirmation, und zum 
erſtenmal zum Tiſch Des HErrn zu gehen begehrten. Diefe fieben Pers 
fonen , unter melden fich auch eine Englifhe Frau befand ‚ hatten 
meiſtens ſchon etwas Unterricht von einem vorigen Prediger empfans 
gen. Die Englifhe Frau hatte ein Englifh Buch von Herrn 
Paſtor Weygand befommen , woraus fie nebft dem neuen Teſta— 
ment eine ziemliche Erkentniß gefaffet hatte; übrigens aber Eonten fie 
alle nicht viel auswendig gelerntes herſagen. ch fand aber doch MW. 
meiner geoffen Freude eine gefunde und lebhafte Erkentniß von den - 
nächiten und nöthigfien Hauptwarheiten unferer Ehriftlichen Religion, 
aud) ein Verlangen bey ihnen, diefelben gründlich) zu erfahren und aus 
suuben , welches meine Arbeit fo erleichterte und verfüffete,, als ob in 
dem Vorhofe des Himmels waͤre. RBB Ze 
u... Denasften Auguſt Dienflags hatte vielerley Beſuch und Ge⸗ 
legenheit, ein gutes Saomkoͤrnlein auszuſtreuen. Gegen Abend kamen 
die Confirmanden zum Unterricht. Die uͤbrige Zeit wandte aufs Gebet 
und Meditation für haͤchſten Donnerflag. 
— Kkkkk2 Den 


784 Yreunte Sortfegung der Nachricht aus Penfylsanien. 


Den 29ſten Auguſt Mittwochs Nachmittags befuchte den Refor⸗ 
mirten Prediger Herr Goͤtſchius und. hatte einen vergnügten Umgang 


mit ihm, wen er mir von verſchiedenen Sachen, die dns Reich GHDttes 


mit betreffen, Erlaͤuterung zu geben beliebte, 


Gegen Abend hatte Beſach von verſchiedenen Geweinsglledern, 
worunter ein fiebengig jähriger Mann war, welchen zuerſt fragte , wie 


/ 


weit er gekommen wäre? Er antwortete: eine wenig mehr, als eine 


Diertelmeile. Weil ihn aber -bedeutete , daß ich gemeint ‚auf dem 
ſchmalen Wege, der zum Leben führt; fo gab folches Anlaß zu einer gus 


ten Unterredung von Sachen, Die zum Seelenheil gehören. Am Abend 


hatte die Confirmanden zum Ießten mal vor, und übergab fie im Gebet 
dem allein guten Hirten, JEſu Ehrifto und feiner treuen Pflege auf 
Zeit und. Ewigkeit. le 

Den ;often Yuguft Donnerſtags. Der heutige Tag fcheinet ges 
neigt zum Regen. Fruͤhe verfammelten fich die Vorſteher und einige 
andere Freunde in meiner Wohnung. Ein gemwiffer Patient ließ ver⸗ 
melden, daß feine Kranckheit zugenommen, und e8 zum Ende zu geben 
fchiene und bitten, daß mir ihn bey unferer Verſamlung ins Gebet 
mit einfchlieffen möchten. Es wurde erzehlt, daß er feine bey der Hand 
feyende Kinder und Kindeskinder-( deren insgefamt, die Abweſenden mit 
gerechnet, über viergig an der Zahl find) vor fein Bette gerufen, und 
einem jeden recht erweckliche Lehren gegeben hatte: woraus ich muth⸗ 

maffete, daß er munter am Geiſte feyn muͤſte. 

: Dir gingen um zehn Uhr zur Kirche, nahmen zum Hauptliedes 
Ab GOtt und ZErr, wie groß und fhwerzc. Ich hielt die Pre⸗ 
digt über Luc. 7, 44 bis zu Ende: Bon dem ungleichen Verhalten der 
Sünder, fo wol der Unbefehrten als der Bußfertigen und Gläubigen 
gegen den Heiland der Welt, und denen Folgen. Das Wort GOt⸗ 
tes fchien guten Eindruck bey allen Antvefenden zu haben, und ſeine ge⸗ 
hörige Wirckung zu thun.. Nach der. Predigt taufte ein Kind und die 
Verſamlung ging aus einander. Nach einer Heinen Friſt verfammelten 
ſich unfere Gemeingglieder wieder in der Kirche. Ich hielt nach eine naͤ⸗ 


here Bußvermahnung, nahm hernad) die Confirmanden vor, ließ fie ihs - 


sen Zaufbund erneuern, ihr Glaubensbekentniß ablegen, und confir⸗ 
mirte fie mit Gebet und Auftegung der Hande, uhter einer beſondern 
Bewegung der Anweſenden; hielt darauf Beichte nach dem gemöhns 
Jichen Formular und theilte über fechsig Perfonen Das heilige Abendmahl 


aus. Nach vollendetem Gottesdienſt ließ das weibliche — * 
— 


‚XL Zen Paſt. MlühlenbergeTogeregifker von sd: YB6 


gehen, die Mansperfonen von der gantzen Gemeine aber behielt 
men, und überlegte-folgendes mit —* Hub — —* 
ta 3 * — —— a ner han und werde 
mich na emſpach und von da nach Haufe begeben. Habt ihr 
 mochretwas zu befiellen? ⸗ Nase — 
Gemeine: Wir wollen gern einen treuen Seelſorger haben und un⸗ 
ſere Evangelifche Religion fortpflangen, und begehrten deswegen 
guten Rath von Eud). ii a 
2) Ihr habt eure vollkommene Freyheit, einen getreuen Hirten von 
von Gott zu erbitten, zu ſuchen, zu beruffen und zu halten, ohne 
mich zu fragen. | | er 
Gemeine: Herr, Ihr wiſſet unfere Umflände, daß wir ung felber 
‚nicht helfen , und auch nicht zum Beften rathen Fönnen! wir 
tollen es Euch übergeben: forget für uns um GOttes willen, 
daß wir mit einem treuen Seelforger verſehen werben. Br 
5) Sch will die Sache mit meinen Herrn Amtsbrüdetn überlegen, und, 
.. f0 bald als möglich, Die Antwort fchreiben, und auch forgen, fo viel 
in meinem ſchwachen Vermoͤgen ift. ie. 
Gemeine: Amen! es. fen fo. Beliebet bald einmal zu fchreiben, 
"und ung, too möglich, noch einmal zu befuchen, damif-die Ge- 
meine indeflen nichf zerfireuet, fondern in guter Harmonie, wie 
fie gegenmärtig ift, erhalten werde. Wir wünfchen euch langes 
Leben und taufendfachen Segen in Eurem Amte! 
Segen Abend Fam ein Aelteſter von der Remfpachifehben Gemeine, 
um mich am folgenden Tage zu begleiten. Am Abend verfammelten 
ſich verfchiedene Freunde in meiner Wohnung zum Befuh. — 
Das erſte Gefprach war won. der gegenwärtig graffirenden Dyſſen⸗ 
terie und dem higigen Sieber. Ich erzehlete ihnen, daß ein anftecfendeg 
Fieber von einer gefährlichen Art in gang America graffirte und immer 
weiter einriſſe. Sie waren neugierig, eine Berchreibung von dem Fie⸗ 
ber zu hören. Ich gab ihnen eine Befchreibung aus Offenb. 3, 15 big 
zu Ende. Ich weisdeine Wercke, daß du weder kalt noch warm ıc. 
fondern lau biſt. Es wurde von allen Seiten befräftiget, daß ein folch 
Fieber graflirte, und: auch zugeftanden, daß das allerheilfamfte Mittel 
vondem himmlifchen Arge, JEſu Chrifto, vorgefchrieben, das einige 
und gemwiffefte Senefungs: Mittel wäre, v. ı8. Ich rathe dir, daß du 


Gold von mir kaufeſt zc., Da wir ung eine Weile bey den’ allgemeis 
A Kkkkk3 nen 


736 Yrennte Sortfegung der Nachricht Aus Penſylvanien. 


nen Wahrheiten aufgehalten und näher zur Zueignung Famen, namen 
ein oder zween Abfchied, meil es bereits Bettzeit war. Die andern blie⸗ 
ben noch ſitzen, um mehr zu hoͤren. Weil nun bereits von Buſſe, Glau⸗ 
ben und Rechtfertigung gehandelt war, und ich wuͤnſchte, daß auch von 
der täglichen Heiligung und Erneurung ein wenig hinzukommen möchte, 
fo fegte mich zwiſchen ein paar Ehrifitiche Freunde und fragte, ob ich 
nicht zwiſchen zwey groffen Herren fühle? Sie fragten nad) der Beſchrei⸗ 
bung groffer Herren? welche ihnen gab aus, DOffenb 1, 5.6: JIEſus, 
der Sürft der Rönige auf Erden, hat uns geliebet und gewaſchen 
von den Suͤnden mit feinem Blut, und zu Adnigen und Prieftern 
gemacht vor GOtt und feinem Vater zc. Sie geflunden gern zu, 
daß das recht groffe Herren wären, die in Chrifti Gemeinſchaft Sünde, 
Belt und Teufel beherrſchen, und infonderheit ihr Fleiſch famt den Lüs 
ſten und Begierden creugigen koͤnten, und wuͤnſchten mit Recht folche 
dyerren im Slauben und Knechte in ‚der Liebe zu feyn und zu bleiben. 
Diefe und andere Damit verbundene Wahrheiten leıteten ung in ein folch 
Hertzens Gefprach, welches noch bey zwo Stunden dauerte, daß wir faft 
meinten, wir wären mit Petro, Jacobo und Johanne aufdemBers - 
ge, wo JEſus verkläret ward. Matth. 17. 

‚ Denziften Yuguft Freytags des Morgens wurde noch ein Kinds 
lein in mein Logis gebracht, Das in Derfelben Nacht geboren war, und 
zur heiligen Taufe befördert werden folte. Es regnete ſtarck am Lage; 
und da der Seleitsmann von Remfpach befücchtete,der Negen möchte 
zu lange anhalten, fo riethen wir ihm, er folte wieder nach Haufe reiten. 
Nachmittags Flarte fich Das Wetter ein wenig auf, darum ritte in Ge⸗ 
ſellſchaft zweyer Freunde nad) Parem zu, und Eehreten bey dem Suffice 
A. von Bd. cin, welcher uns nebft feiner Familie mit aller erfinnlichen 
Liebe und’ Freundſchaft aufnahm, und mit erbaulichen Gefpräch unters 
hielte. Wir Tafen mit einander dag achte Eapitel an die Roͤmer, und 
fungen das Lied: Komt her zu mir, fpricht GOttes Sohnzc. und 
gingen zur Ruhe. ur z 


0 Denliften September Sonnabends regnete e8 flarck) | Der 
Juſtice und feine Frau machten ſich fertig, 'mit ung a, Remſpach 
zu reiten. Wir gingen ein wenig voraus, kehrten bey dem lan B. 
einem Bruder von dieſem Juſtice ein, welcher ſich auch Ferti — * 
und zu begleiten. Dieſer erzehlte mir unterweges/ daß er por’ einen 
Jahre und etlichen Monathen, um Mitternacht, im raum aufgewadh 

— ä und 


XI. Zen. Paſt. Muͤhlenbergs Tageregiſter von 5 787 


und an den aten, ısten und 16ten Vers aus bem aten Capitel Lucaͤ erin⸗ 
nert worden: Da er foldes feiner Frau erzehlt und aufgeftanden, habe 
er eine folche Freude empfunden , Die unausfptechlidy ware. Er hätte 
eine erbarmende Liebe gegen alle Menfchen bekommen, und'befliffe fich, 
foihen Anfang zu erhalten. Um ein Uhr Nachmittags kamen wir obs 
mol naß, doc wohlbehalten bey dem Aelteſten von der Gemeine, nem: 
lic) dem P. IB. an. Meine Neifegefehrten festen ihre Reiſe weiter 
fort zu ihren Kindern, Die da herum wohnen, und lieffen mir ven erweck⸗ 
ten Lvan B. zur Gefellfchaft, welcher Nachmittags mit mir ausritte, 
um die nachfien Gemeinsglieder zu beſuchen Weil aber das Wetter 
fich ein wenig aufgeklärt, fo funden wir die Hausvaͤter auf dem Felde 
zur Saar befchäftigt „ und fprachen niemand, als die alte Wittwe IB. 
welche mir die Bußpfalmen Davids und fehöne Kernfprücye vorbetete: 
‚Ferner funden wir auch den alten N M. zu Haufe. Ich fragte ihn, 
ob er feinen legten Willen fchon gemacht? Er antwortete, daß er das 
Seine fehon an die Kinder übergeben, und nichts mehr zu vermachen 
hätte, Ich fragte weiter: Ob er nicht noch einen Leib und eine unfterbs 
liche Seele hatte? Er antwortete, Ja. Da er aber nicht wuſte wie ers 
damit am beften anftellen foltes fo. ließ ihm aus dem Marpurger Ges 
fangbuche das Lied auffchlagen: O du Droyeinger GOtt ꝛc und prieß 
ihm an, nach Inhalt diefes Liedes feinen legten Willen bey Zeiten zu 
machen, meil er ſagte, daß er fchon bey fieben und fiebengig Jahr alt 
wäre. Nachher ritte wieder zuruͤck zu dem Aelteſten P. AB. too’ über: 
‚nachten folte, und mein Gefehrte verfügte fich wieder gu feiner Familie 
bis auf Morgen. Mein Wirth erzehlte mir bis in die Nacht die ver: 
wirrten und betrübten Umfiande dev Gemeine, und zulegt auch ſeiner 
Seelen Zuftand. Am Abend Famen noch ein paar Aelteften herbey, und 
befräftigten, was der alte Water von der Gemeine Umſtaͤnden erzehlet 
. hatte, baten, daß ic) am folgenden Tage Vormittags Hochteutfch, 
und Nachmittags Niederteutfch. predigen möchte. Sie. hieffen den 
Schluß der Audinfadifchen Gemeine gut, und baten, daß man, um 
GoOttes und der armen Seelen willen, für beyder Gemeinen Befles for 
gen, und fie mit einem: guten Hirten, der fammeln und nicht zerfireuen 
wolte, verfehen moͤchte. 0% 1 
Den eꝛten September Sonntags frühe verſammelten ſich fremde 
Zuhörer von Hackinſack, Paͤrem ꝛc. in meiner Wohnung, und waren 
geneigt, erbaulich zu fprechen. "Um zehn Uhr gingen wir zur Kirche, 
und funden- viel Volcks verfammelt. Wir hatten zum €. 


738 Neunte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


Sey mir tauſendmal gegruͤſſet, der mich je und je geliebtzc. und 
die Hochteutfche Predigt wurde über den roten Vers des ısten Capitels 
Luca gehalten: Alfo auch fage ich euch, wird Sceude feyn vor den 
Engeln GÖttes ꝛc. Die Leute waren flille und aufmerckfam in und. 
um Der Kirche. Nach der Predigt kaufte ein Kind, betete mit einer 
Frau, die ihren Kirchgang hatte, und ging mieder zu meiner Wohnung: 
Nach dem Efien packte meine Sadyen ein und ritte nach Der Kirche, weil 
die folgende Nacht bey einem andern Aelteſten logiren folte. Die Vers 
ſamlung war Nachmittags , twegen des Niederteutſchen, noch etwas 
ftärdker. Wir fungen: JEſu, deine tiefe Wundenzc, und ich hielt 
mit befonderer Freudigkeit Die Predigt über Joh. 7. 9.37. 382 Aber am 
legten Tage des Seftes, der am berrlichftenzc. Es ſchien, als obs 
mehrern Eindruck hätte, wie Vormittags. ' er 


Nach der Predigt baten die Aelteften und Vorſteher ſaͤmtlich, ich 
möchte doch fein für fie forgen,, und fie bald noch einmal befuchen, und 
die Sreunde von Parem und Sackinſack nahmen bemeglichen Abfchied. 
Ach) Daß Doch der HERR der Erndte treue Arbeiter, die Ehrifti Sinn 
und Kraft zu flreiten und leiden haben , fenden, und mich Elenden von 
den mühfamen Reifen befreyen mwolte! 


Ich befam meine Nachtherberge bey Heren E. Fr. welcher beſtim⸗ 
met war , mich am folgenden Tage auf der Heimreife zu: begleiten: 
Nachdem mir ein wenig Thee zur Erfriſchung genomgen, befuchte mit 
dem Altvater feinen Sohn auf der Nachbarſchaft, und fand verfchiedene 
Junge Er beyfammen, mit welchen noch ein Stündlein erbaulich re 
den Fonte. / | 


Den sten September Montags hatten wir wieder Regen. Ich 
konte mic) aber nicht länger aufhalten, weil fon vor drey Wochen 
verſprochen, Daß naͤchſten Mittwoch, achtzehen Meilen auf der andern 
Seite von meiner Wohnung zwiſchen den Bergen, Gottesdienſt halten 
wolte. Wir ritten um acht Uhr des Morgens aus, und befuchten erft 
meines Wirths Dochter Mann. Dieſer heiffet George Stiermann, 
deffen Bater zu Kirchberg, zum Hohenloiſchen gehörig, fol gewohnet, 
und von einer Zeutfchen Eotonie im Neuyorkifchen, Reinbeck und Camp 
genant, einen Beruf empfangen und fich vor zwantzig Fahren auf die 
Reife gemacht haben. Er iſt aber nebſt dem gröften Theil feiner Kinder 
auf'der See geſtorben. Die Wittwe ift hier wieder verheyrathet, und 

! toohnet 


u 


XI, Zen. Poft. Mählenberge Tageregiſter von 1759, Ys9 


wohnet in Neuyorck, und der Sohn hier auf Remſpach. Wir riks 
ten um neun Uhr, von Herrn St. ab, famen um zwey Uhr gu dem juns 
gen Herrn Sr. aufder Eulekiel, und hatten bey fehlechtem Wege nun. 
mehr gnoangig Meilen zurück gelegt. Bon da gingen wir zweh Meilen 
weiter zu des J. M. Platz; er war aber nicht zu Haufe. Die Frau 
klagte mit ihre Leibes und Seelen: Roth, und ließ ihren Sohn mic) eine 
- Meile weiter begleiten, bis in die groffe Straffe. ‚Bon da rifte allein 
noch zwoͤlf Meilen weiter, und Fam Abends bis zu Mlorristown 
Court⸗ Houſe/ blieb in einem Wirths hauſe mo e8 ehrbar und flille zus 
ging. Der Wirth hatte zwey indem Fort Niagara gefangene Frangos 
fen im Dienft, melche beyderfeits übel Daran waren, meil fie einander 
nicht verftehen Eonten. Ich ſprach ein wenig mit dem einen, welcher fih 
ſehr freuete ,-da er etwas in feiner Mutterfprache hörete. 1 


Den aten September Dienftags machtemich früh auf den Weg, 
ſprach unterweges bey einem Teutfch Neformirten Manne ein, der im 
Jahr 1709 ing Land gekommen, und redete mit ihm von feinem Seelens 
Zuftand. Um zehn Uhr Fam bey Herrn &. St. an, und hatte zwoͤlf 


Meilen zuruͤck gelegt. Von da ritte wieder zwoͤlf Meilen bis zu meiner 






Wohnung, to ich nach ein Uhr ankam. 

Den sten Sept. Mittwochs rifte um fieben Uhr aus nad) den 
Bergen gegen Suͤd⸗Weſten zu, wo eine Verſamlung beftimmet hatte. 
Um eilf Uhr Vormittags hatte achtzehen Meilen zurück gelegt, und fand 
eine groffe Berfamlung von unfern armen Hochteutfchen, Die als zer 
ſtreuete Schafe da herum ohne Hirten wohnen, und zu arm find, einen 
Prediger zu unterhalten. Ich hielt erft eine Predigt zur allgemeinen 
Erbauung über den iſten Palm, hernad) eraminirte fieben und zwantzig 
alte Perſonen hielt Buß- und BeicytVBermahnung ; und theilte ihnen, 
auf fehnliche Bitte, dag heilige Abendmahl aus, und taufte hernach fünf 
Kinder. Es war auch ein Häuflein Englifche von der Hochkirche mit 
jugegen, welche eben fo wenig, mie unfere Teutfche, mit Hirten verfes 
hen find, fie baten mit Thraͤnen in den Augen, ich folte ihnen doc) auch 
eine Englifche Predigt um GOttes millen halten. Und da unfere Teut⸗ 
ſche mit baten, ic) folte es thun, weil fie ſich gegen fie freundlich und 
nachbarlich bewieſen; fo gewaͤhrete ihre Bitte, und hielt Nachmittags 
eine Engliſche Predigt über Luc. 19, 10: Des Menſchen Sohn iſt 
Eommen, zu füchen und felig zu machen , was verloren ift. ln 
fere Teutſchen blieben auch mir in der Verſamlung und bezeugten, daß 
IX, Penſylv. Sortf : LI H Me 





799 Ereunte Sortfosung der achricht aus Penſyloanien. 
fie alles verſtanden haͤtten· Hernach taufte noch ei 





Den ezten September Sonntags reiſete nach Bedminſtertown; 

weil aber die Waſſer hoch waren, muſte etliche Meilen umreiten. Un⸗ 
terweges hoͤrete, daß eines Niederteutſchen Friederichters Familie an 
der Dyſenterie kranck, eine Leiche im Haufe, und die Hausmutter ſelbſt 
Dem ‘Tode nahe Sn ift Reformirt, aber. Doch ziemlich 






unparthepifeh. Sch ging hinein und fragte Die mit Dem Tode ringende 
Mutter: 1) Ob fie Erkenntniß aus GOttes Wort hätte? Sie anf 
mortete mit, ſchwacher Stimme, ja, fie hätte ſolches erlanget, che fie 
aufs Krancken bette gekommen. ., >). Db fie bekehrt und getoiß perfichert 
fey , daß fie ein Kind der Seligfeit wäre? Sie antwortete, GOtt hätte - 
durch fein Wort und Geiſt an ihrer Seele gearbeitet, aber an ſtatt der 
geroiffen Verſicherung, waͤre nur erſt eine. Hoffnung da, daß fie würde 
felig werden.» 3) Ob fie auf ihre eigene Gerechtigkeit, Frömmigkeit und 


— 


Liebeswercke ſelig zu werden hoffte? Sie antwortete: Nein, nein!-Sie 


hielte fichiin Glauben an den Bürgen, Mittler und Berföhner JEſum 
Ehriftum ; und: darauf wolte ſie leben und ſterben. Ich fragte, ob fie: 
mit mir feufsen und vor dem Gnadenthron ſich vemüthigen molte? Sie: 
drückte: mir.die Hand,.und winckte mit Dem Haupt, daß beten folter 
Darauf Famen alle Anwefende, Geſunde und Krancke herbey und vers 
einigten: ſich mit.mir-im Gebet, und der HErr verliche mir Kraft, Daß 
fie in ihrer Mutterfprache dem getreuen Erghirten empfehlen Eonte; 
 EBOBH Äh ENREE EB STPER — 
ssten Sonntage nach Zrinitatis Luc 10: Vom alter und. neuen We⸗ 
ge sum Simmel. : 1) Von dem alten vor dem Sündenfall nach 
dem Geſetz. 2) Don dem neuen durch IEſum Chriſtum. Das 
Hauptlied wars & IEſu, JEfu! GOttesSohn, mein Bruder zc. 
und taufte hernach ein Kınd. ‚Nachmittags hielt Engliſche Predigt ür _ 
ber Joh 7. 0:37 und 58. Gegen Abend befuchte eine Tran, — 


— 





"ih Sen. ps t. Muͤhlend erg Tageregifie von 1799 5 
der Dofenterie ———— Ich redete mit ihr von der Zuberei⸗ 
tung zu einem feligen Ende und betete zum Beſchluß. Von da befuchte 
eine andere Familie, die ſchon bey fünf Wochen lang ander Dyſenterie 
kranck gelegen: Sie waren alle gang niedergefchlagen, wurden aber er⸗ 
muntert durch Zureden. Am Abend ritte noch ern weiter 2 

OR erbauete mi mit. ihnen und übernacitete dafel bſt. 

„Den tn & 7 - er. Montags rine mit Harn 8. ©. wey 

i er zu dem alten J. M. welcher ehe lang an am 

—— Er ſorach ſehr vernünftig und beweglich: a) Ir 

der Groͤſſe und Mannigfaltigkeit der Suͤnden. bD) Von derſelben * 
kenthiß und Gefuͤhl. E) Von der Berſoͤhnung durd) den Buͤrgen und 
— JEſum Chriſtum. A) Bon der glaͤubigen Zueignung 
tigkeit, die JEſus erworben ꝛc. e) Vom feligen und unſe⸗ 
een aus der Welt, und begehrte, daß mit ihm beten folte, 
welches zu feiner befondern Aufmunterung auch gefchahe. Von da ritte 
‚am zwölf Uhr mit 8: St. fünf Meilen weiter zu feiner Stieftochter, wel⸗ 
che das higige Fieber und am Vormittage abortirt hatte. “Sie Elagte, 
daß fie nicht recht beten koͤnte weil das Fieber das Gedaͤchtniß ſchwaͤ⸗ 
chete. Ich zeigte ihr, wie fie kleine Stößgebeter aus dem Hergen thun 
folte, und. vereinigte mich mit den anweſenden Freunden im Geber zu 

- ihrem Beten. Von da ritte meiter und verirrefe mich ein wenig im 

Buſch, kam ohngefe r zu einem Pag, wo ein Niederteutfch Reformir⸗ 
- ter Mann wohnet. Die Srau tag aud) am Fieber kranck und begehrte, 
ich ſolte mit ihr been, teil fiemich in Penfylvaniagefant. Sc) fragte, 
ob fie auch Die Urfach und Abficht ihrer Kranckheit mwüfte?. Sie antwor⸗ 
tete verſtaͤndig und c vu 8 Anlaß gab zu einem Eurgen und 
. baulichen Geſpraͤch Ar Gebet, das mit-ihr-that. -- Der Diann wies 
mich wieder auf den rechten Weg und begehrte, daß ihn und aud) feine 
- alte Eltern mehr befuchen möchte , die fehr verlangten „ mich zu ſpre⸗ 
chen. Als zu Haufe kam, fand ein Paquet mit Briefen, welche Herr 
Zu er Bun einen n Aelteſten von rer — hier 


—— — — 

















* — Fr Kur $) As 3 27 Men 
€ — meta ags be ———— ie Nachmittags einen 
alten von der Gemeine, welcher ein paar gefangene Frantzoſen in 
feinen Dienft genommen, und verlangte, daß. ich mit ihnen forechen 
—J Ich fragte — — — ſie Den mären, von Alt⸗Franckr eich 
oder 








92 Neunte Sortfegung der Nachricht sus Penſelbanien. 


oder Canada? Sie antworteten, von Quebeck aus Canada. Ob ſie 
zu Fuß oder zu Pferde gedient? Zu Fuß. Wie es ihnen gefiele unter 
den Englifchen Einwohnern ?. Sehr wohl, fie hätten hier beffere Lebends 

mittel, als in Canada. Ob fie in Canada auch fo liebreich mit unfern 
Sefangenen handelten ‚ wie wir mit ihnen? Sie zuckten die Achfeln. 
Don was für Religion fie waren? Won der Eatholifchen. Ob fie die 
zwey vornehmften und gröften Gebote der Prophetifch» und Apoftolifcy- 
Gatholifchen Religion wohl wuͤſten? Nein. Ich betete ihnen vor, Du 
folt lieben GOtt deinen HErrn von gangem Hertzen, von ganger-Seelexc, 
und das andere ift dem gleich: Du folt deinen Naͤchſten lieben als 
dich ſelbſt. Sie antworteten‘, daß ihnen die Gebote wohl befant waͤ⸗ 


ren, weil fie folche audy in Canada gehört; ch fragte, ob ſie and 


wuͤſten, daß der Heiland der Welt mit feinem Gehorſam, Leiden und 
Sterben das Gefeg GOttes erfület, und unfere Seligkeit erworben? 
Sie antworteten: Sa, fie. wuͤſten, daß der Herr JEſus für fie gelitten 
und geftorbenzc. Ich ermahnete fie darauf., fie folten fidy zu Dem 
HErrn JEſu wenden, um Önade und Vergebung bittens fo würde er 
fie annehmen und ihnen Kraft geben, daß fie vor feinem Angeficht wan⸗ 
deln und from feyn Fönten. Sie bedanften ſich und waren vergnügt, - 
daß fie etwas in ihrer Sprache hörten. Kir.» 

Den sten September Sonnabends hielt Vorbereitung zur Buß 


und Beichte in der K’Teugermantowner Kirche, taufte zwey Kinder, - 


hielt hernach Eonfereng mit dem Kirchenrath, und deutete ihnen an, Daß 
nächitens einige Gemeinen an der Delaware, und hernach aud) mei⸗ 
ne Gemeinen in Providence und Sannover befuchen muͤſte. | 
Den ı6ten Sept. Sonntags hielt Gottesdienft in LTeugers 
mantown, fungen zum Dauptliede: O Saupt voll Blut und Wun⸗ 
denze. und predigte über den ızten Vers des zten Eapiteld aus dem 
Hohenliede Salomonis: Gebet heraus ꝛc. Nach der Predigt taufte 
zwey Kinder. Darauf reichte über fechgig Perſonen das heilige Abend- 
mahl. Nachmittags um drey Uhr hielt eine Englifche Predigt, Am 
Abend hatte verschiedenen Befuch. | 
Den ıgten Sept. Mittwochs ging meine Frau mit dem kleinſten 
Kinde nebft einigen Begleitern mit einem Jagdwagen auf die Reife nad) 
Penſylvania zu. Sch begleitete fie eiff Meilen, nahm Abfchied, und 
ritte von Da zu einem alten Lutheraner, Der zu Der Rönigin Anna Zeit 
in Dis Land gekommen, und nun in den legten Zügen lag. Der Mann 
begehrte Das heilige Abendmahl, melches er mol feit zwantzig jahren * 
ni 





Lageregiſter von17s5 793 





nicht mehr ge l faſt beftändig. Streitigkeiten in der, Gemeine. 
geherrſchet, und erunferandern au) fin Gchst — —— hatte. Sein 
Son —* ieſer Kranckheit etwas wieder gefun Ich hatte 
heit drey Stunden allein mit ihm zu re en ‚oben er 
 fchor "angegeigten Gründe anführte, die ihn betoogen, von dem 
dir Lee bleiben; Arge er aber N ‚daß Diefelbe, nicht hinrei⸗ 
fen. a 


{ d ih. fehr bemühte, 
Verheiſſung 18 6 Bor fh zurüeie znen. J 

ige Here Hofprediger Boͤhm in England und übrige Gönner 
haben Die armen Zeutfihen ‚ welche zu der Aönigin Anne Zeit in 
Diefe Lande gefommen, ‚unvergeßliche WBohlthaten ermwiefen; indem fie 
felbige mit Bibeln, Arndts wahren Ehriftenthum und des feligen Herrn 
Profeffor Scandens erbaulichen Schriften. reichlich ‚befchendfet und 
ver ſorget. Sie werden den Gnadenlohn und Die ie fahen, Früchte Davon 
in den frohen Ewigkeit ohn Aufhören geniefen.. Ob mol der vorbenante 
achtzig jährige Mann dem öffentlichen Sottesdienft fange nicht mehr 
beygewohnt; fo hatte ihn. doch Die Bibel, ſamt den übrigen erbaulichen 
Büchern, beym Leben aus GOtt erhalten, fo daß eine gefunde Erkentniß 
von der Ordnung des Heils bey ihm fand, und uͤber eine Stunde lang die 






—5— 











allerkraͤftigſten Gebete von ihm hoͤrete, die er mit ſolchem Nachdruck betete, - 


daß Beine Bermuthung der Heuchelen, befonders bey einem Sterbenden, 
übrig blieb. Nachdem er alfo Neue und Leid über feine Sünden,undden 
Glauben an JEſum Ehriftum bezeugte; fo Fonte ihm das heilige Abends 
mahl nicht vorenthalten, fondern gab es ihm mit innigfter Beruhigung. 
Denn wo das Wort ift, da müffen auch) die Sacramenta feyn, was 
Gott zufammen fügt, "das. fol der Menfch nicht ſcheiden. Er beftels 
lete feine Lieder und Leichentert bey Der Fünftigen Beerdigung und vers 
ſprach, s Pfund an unfere Kirche in DRAN! zu geben. 
Gegen Abend kam wieder zu Hauſe. 


| Den 23ften September Sonntags. Heute, am iin Sonntage 
nad) Trinitatis predigte Vormittags in der Bedminftertsownifchen. 
Rirche Teutſch übers Evangelium, hernach auch Englifdy über Zur. 
19, 10, ‚Hi rauf ritte in Geſellſchaft nad) Frengermantown ‚ fam 
um halb drey Uhr dafelbft an und predigte über Gal.6, 15. Am Abend 
Fam der R. SR. aus der Valley zu mir ’ blieb die Nacht w mir und 
| hatte recht erbauliche Mntersedung. 


EIlIT3 Den 


% 


"denn nur weni \ A Ind. der 
waren, Ben: re ae ie 











gen: fo — ia, Predis 
Miederte utſch * + Offe * —— Pr . B nd! Pi; - ‚der ie 
—— und ſungen nie Bi r im Hochteutſch ig — 


blichene in ſeinem Rena tie 


“Den ſten Sept, TE eich auf die Nee nach 
Ivanien. Um zwölf Uhr Mittag®hatten wir fechzehn oder ſieben⸗ 
Den — bis zu — SBirhahnue url nei. 


titten wir zehn Meilen bis zu Zomwels-Serry , lief 1 ung über Die 


Delaware fegen,, und ritten noch funf; n Meilen bis zu Bottlers 
Mühle. Hier Inden ſich einige Hochteutiche bey ung ein, welche in 
der Gegend unter Den Engliſchen zerftreuet wohnen. Sie baten fehr, ic) 


möchte doch auf der Mückreife bey ihnen predigen und Kinder taufen. 


Sie wolten zu dem Ende ein paar Männer nad) Providence ‚abfenden, 
gewiſſe Nachricht einzuholen, um welche —— ich —* in se 


fommen und predigen Fönte. 


Den arfen Sept.. Doneeſage ritte frah⸗ vo ottlets Mühle 
weg / en kam Nachmittags u ein Ike: in n,Providen ei Mei 
nigen mwohlbehalten an, 4 


Den z ften Sept. — hiete BA nach ——— 


ind predigte unter groffem Zulauf und allgemeiner Freude Des Volcks, 


mit mehrern Eindruck und Erweckung wie fonft, wenn ne es nad) der 
Reihe und Gewohnheit haben. Hernach Beer " — ——— ‚und 
am Abend ritte wieder nad) Haufe. ade 


Den oẽten October Sonnabends i — — — — — über die 
Schulkiel und reichte einer Franken Frau dag heilige. — 
Rachmittags hielt in Providence Vorbereitung und Beicht. 


Den ten October Sonntags war fehöne Witterung und eine 
groſſe Verſamlung von weit und breit, aus der Naͤhe und Ferne. Zu 


u 





: Zuhörer Sisten fh Bisma befonders als — Säfte, merci * 







ber ı Petr. 2, 2. aufjufaffen , und wohl zu behertzigen. 


Ich taufte® ie einder und befchloß damit. * Nachher hielt wieder Vor⸗ 


bereitung, reichte hundert GemeinsSlicdern das heilige Abendmahl, und. 


verabredete darauf mit den Aelteften ; wie es Fünftig, während meiner 
Abweſenheit, mit „Dem. Sottesdienfk folte gehalten. werden. Gegen 
Saniıis te eines Aelteſten Franc: cke Stau und taufte ihr Kind. 

„Den At October Donnerſtags muſte früh vier M eilen Ads 
reifen, ‚ ein Kind zu begraben. ‚Bon. da ritte mit dem Friederichter drey 
Meilen zu einem Leichenhauſe, wo eine Reformirte Frau begraben eg 





Die Frau wurde auf unfern Kirchhof in Providence begraben, und 3* 


muſte dem groſſen Gefolge eine Predigt in Der Kirche halten we 
nicht ohne Segen bfieb. 


er 





* zuvor war naß worden und mich 
Den ızten Öctober Sonnabends ritte sa ma Yreuhanmover, 


Dig ‚anbächtig vig das Wort: Dom Wachsthum der Rin= 


» 


“ Den 1ten October Freytags 38 bat — som Sieber, weil Tu — 


nahm die Communicanten an, hielt hernach Vorbereitungs Predigt und 


Beichte, und examinirte die jungen Leute beſonders. Gegen Abend be⸗ 
ſuchte einige Freunde. N 


© Den ıjten October Sonntags verſammelte fi ein: fehr groffer 


Haufe aus der Nähe und Ferne. Ich taufte ein Häuflein Kinder, pres. 


digte über Joh t6, 21. 22. Und beſchloß den oͤffentlichen Gottesdienſt um 


ein Uhr, damit wir zur Communion Raum und Piatz bekommen moͤch⸗ 


ten. Nachher hielt wieder Vorbereitung, und theilte dreyhundert Ges 


mein-Öliedern das heilige Abendmahl aus. Gegen Abend wurde zu eis 


ner. achtsig jährigen frommen Wittwe gerufen, ihr das heilige Abend» 
mahl zu teichen , weil fie geflern in der Beichte getwefen , aber von Der 


rauhen Luft krank gewor den. Von da beſuchte noch eine andere lahme 


Wittwe, und wurde von da in der Nacht zu einem Teutſchen | 
Griederichter geholet, fein kranckes Kind zu tauffen. Es ging bey dem 


Richter faſt wie bey dem Hauptmann Eornelio Apoft. Geſch. io. Er 
* ‚feine naͤchſten Freunde und Nachbarn eingeladen. | 

‚Den ısten Öctober Montags ritte von da vier Meiter und bes 
ſuchte eine Engliſche krancke Freundin. Von da mit meiner Frau drey 






eiftes ftehet, too wir ung im HErrn ſtaͤrckten. Von da zu einer 
Semilie, die GOtt — und in der Nacht zu OR A 
Den 


** weiter zu einer Familie, die unter der Gnadenbearbeitung Def 





Wittwe ift, die vom Schlagfluß gelähmet, und auf ihresfi 
fung wartet. : Am Abend ſchickten wir ung zur Reife, und erbaueten 
ung mit Herrn Paſtor Schaum und übrigen anmwefenden Freunden, 
die bey ung übernachfeten, in dem HErrn. Kt 
Den ızten October Mittwochs frühe kamen noch verfchicbene, 
Abfchied zunehmen. Hernach fraff Here Paſtor Aurg von Tulpe- 
bodem ein. Um 9 Uhr fuhren wir mit zwey Kindern ab, und waren 
um zwölf Uhr fieben Meilen weit an dem ‘Plage, mo wir Gottesdienſt 
bey einem Aelteſten beftimmet hatten. Wir hielten Gottesdienft in der 
Scheune. Ich predigte über Zerem.s, 1:5. und Herr Paſtor Aurg 
machte hernach noch eine genauere Anmwendung. Hierauf Teufen. DIE 
vier Kinder, und befchloffen Dafelbft zu übernachten. Am Abend befuch: 
ten wir noch einen gottfeligen Doctor Medicinaͤ und hatten befondere 
Erbauung über practifche Wahrheiten. N A RER 


Den igten October Donnerfiags nahmen wir Abfchied von uns 
fern Sreunden und fuhren allein fort. Nachmittags um haib zwey Uhr 
Tamen wir bey Bottlers Mühle an, und erfuhren, daß Englifche und 
Zeutfche Leute ſchon feit zwoͤlf Uhr bey der Babtiften Meeting auf mic) - 
gewartet hätten. Es ift in der Gegend, wo unfere Teutſche Proteſtan⸗ 
ken wohnen, Feine Kirche, fondern nur ein Englifch Baptiftene Berfams 
lungshaus. Weil nun der Friederichter dafelbft auch zur Baptiſten⸗ 
Gemeine gehöret und das Haupt ift, fo hatten ihn unfere Zeutfche ges. 
fragt , ob er erlauben wolte, daß ich darinne predigen möchte? worauf 
der Richter geantwortet: Es folte mit dem Beding erlaubt feyn, wenn 
ich zuerſt eine Englifche Predigt halten wolte. Zu dem Ende hatten eg 
ihre Prediger am vergangenen Sonntage verkündiget, Daß ich heute um 
zwölf Uhr Engliſch und Teutſch predigen würde. Die Englifche Vers 
famlung börete mit befonderer Aufmerckfamfeit und Andacht zu und 
bezeigte fich ‚febr vergnügt über unfere Lehre, und der Richter fagte in» 
fonderheit, er münfchte, daß, ihre Prediger mit mir Corvefpondenz und: 
Sreundfchaft pflegen möchten ze. Unfere Teutſchen waren auch fehr ver⸗ 
gnügt und wünfchten, daß fie öftern Befuch und Aufmunterung. haben 
Fönten. Gegen Abend ritte noch vier Meilen weiter zu einem Engliſchen 
Wirthskauſe, um wieder zu meiner Familie zu fommen. Unterweges 
nötbigte mich eine honette Englifhe Familie von —— 

welche 





ageregi —E — 


welche mit beym Gottesdienſt Hewefen;; ich ſolte doch bey ihnen bleiben, 
um ein erbauliches Geſpraͤch zu pflegen ; weil ic) aber meine Familie nicht 
“allein —* durfte, ſo ——— bis zu einer andern Gelegen⸗ 
—* —— erm Engliſchen Nacht⸗Logis fanden wir einen privat Brief, 

chtet war, daß der tapfere General Wolf am ızten Septembr. 
in ind Nacht die Hauptftadt in Canada, Quebeck, beftürmet und 
‚erobert, aber fein Leben dabey aufgeopfert hätte; Dagegen aber auch die 
‚Branson‘ ihren groͤſten —— einen Schottlaͤnder, Moncalm 






bverlohren. 


"Den igten © Betobet: Freptags. tifsten wir fruͤhe aus, fuhren an 
dem Dage viertzig Meilen, und erreichten Abends um neun Uhr unfere 
Wohnung bey Yleugermantown. in Jerfey. 

Den ꝛiſten October Sonntags predigte in Yleugermantövoh, 
und hatte. aufmerckſame Zuhoͤrer und ein und andere Erweckung Wir 
“fungen : Wer GÖtt vertraut, hat wohl gebaut etc. ‚Gegen Abend 
„hatte Beſuch von etlichen erweckten Seelen, welche mehrere ‚Erbauung 
verlangten ‚und annahmen. 

Den ꝛꝛſten ®ctobr. Montags mufle- ſechs Meilen reiten, einen 
ſiebent jaͤhrigen krancken Mann zu befuchen und ihm dag heilige Abenbe 
wmahl zu geben, bey welcher Gelegenheit noch zwey andere Familien, die 
GHtrtes Wort let habn ‚befuchte, und mir ‚Ihnen von der ‚geftigen 
Pre dig £ redete. RATE ar 
ch Den 24ften Betobr. Mittwochs reiſete neun Neilen weit zu ei⸗ 
nem Sifiof in der Valley, und predigte daſelbſt in einer Scheune, be⸗ 
ſprach mich infonderheit mit drey GOtt ſuchenden Familien, und kam 

am Abend wieder zu Hau iſe. 
Den 25ften Octo —— brachten berſchiebene Eltern 
Ahte etsachfeng Kinder ing oe us zur Eatechifation, weil es abges 
‚Fündiget war. Einige reden: Hochteutfch ‚andere Niederteutfch und 
Engliſch, je nachdem fie Schulen und Unterricht gehabt, welches aber | 
| bie Catechiſation beſchwerlich macht. 
Den 28ften Octobre, mtags reiſete mit meiner Frau nach 
Bedminftertomm, hielt Vormittags Zeutfchen Sottesdienft und pre⸗ 
digte übers Evangelium am 2oflen Sonntage nach Trinifatig: von 
—— —* Himmelreich. Das Hauptlied war: 

















leuchtet der’ nſtern zc. und taufte zwey Kinder, 
—— predigte Ben * den — —— & ‚ie gar nichts 
ie , f 





"cp enilo. Sort, Rn | an mm Den 










Den soften October Dienflags hatten mir in Neugermantown 
ein folennes Danckfeſt, über Die herrliche Thaten GHOtteg, Die. der aller= 
gnadigfte und allgewaltige HErr Zebaoth Eur hinter einander, zum 
unausfprechlihen Troſt feiner in der Aſche fisenden proteftantifchen 
‚Kirche erwieſen. Nemlich: 1) Den Sieg St. Hoheit des Pringen 
Serdinsnds. 2) Den Siegdes Admiral Boscawen über Die Sran: 
zöfifche Flotte von Toulon bey Algarva; und 3) den wunderbaren 
‚Sieg des Heren General Wolf über die Franzoſen ben Eroberung der 
Hauptftadt in Canada, Quebeck genannt. Der Gottesdienft wurde 
‚eröffnet 1) mit dem 78ſten Pfalm, 2) mit dem Liede: Sep Kob und 
Ehr dem höchften Gut zc. vom aten bis zum sten Vers; 3) mit 
demüthigem Gebet. 4). Wurde unter groffer Aufmerckfamkeit und Ans 
dacht erkläret und auf Die Umſtaͤnde gerichtet, a) das zofle Kapitel im 
2 Buch der Ehronica. b) Das ste Cap. des Buchs Eſther. c) Das 
‚te Cap. aus dem ı Buch der Maccab. von iſten big 2sften Vers, und 
d) aus den gten Cap. des Pred. Salomonis vom izten Vers bis zu Ende. 
5) Darauf wurde gefungen: Nun dandet alle GOtt. 6) Hernah 
demüthigte fich Die Gemeine und verrichtete kniend ein Danckgebet nach 
den Umftänden.. 7) Wurde der 126 Pfalm gelefen, und gefchloffen 
mit dem 7. 8. 9. 10. ıı und ı2ten Vers aus dem Liedes Nun laßt uns 
gehn und treten, mit fingen und mit betenzc. | u, 
Den sten November Sonntags predigte in CTeugermantown 
über das Evangelium Joh. 4: Wonder rechten Art des feligmachen- 
den Glaubens, an dem Exempel des Rönigifchen. Das Haupts 
fied war: © GOttes Sohn, Akrr JEſu Chrift, daß man recht 
koͤnne gläaubenze er; er Be 
| Den sten Novembr. Dienftags reifete nach Bedminftertown, 
ein Dancffeft zu halten, predigte daſelbſt über das ate Cap. des Prophe= 
ten Danielis. Am Abend hielt bey J. U. eine Erbauungs:Stunde, 
* viel junge und alte Leute zuſammen kamen, und beſondere Erweckung 
atten. Fk RI . - ARE 
Den ten Novembr. Mittwochs hielt in derfelben Gegend eine 
‚Privat: Berfommlung bey Herrn &.D. wo aud) viel unge und etliche 
Alte fich verfammelt, und eine Unterredung vom practifchen Ehriftene 
tbun hatten HE ee ra a 
Ben sten November Donnerflags ritte wieder nad) Haufe. - 
Den ioten Novembr. Sonnabends reifete mit meiner Frau Nach⸗ 
mittags mit einem Wagen nach der Valley, und wurden naß — 
mar HE EIER 





2: Den ten November Sonntags hatten ir einen liblichen dag 
eine zahlreiche Verſammlung. Sch predigte von der Rechnung, 
übers Evangelium am zaften Sonntage nad) Trinitatis zur algemeinen 
Erierfung. » Nachher taufte fieben Kinder, hielt Vorbereitung und 
Beichte, und theilte ſechtzig bis fiebensig Yerfonen das heilige Abends 
mahl aus. Am Abend hielt im Haufe privat Erbauung, too ein ziemlich 
| Haͤuflein verſammelt und durch bibliſche ehr erbauet —* 


Den iꝛten Novembr Montags fuhren wir ı nach Haufe 
Abend kam Herr Graf und feine grau, nebſt meinem Sohn von vn 
foloanien beygunsan. N 
Den 14.15 und ı6ten yrobkinbt Yu — und 

Freytags uͤbte ich mich im Niederteut t en 
bende eiſe nach Hackinſack. vn 
Den sten Novembr. am agfien — PEN 

ih. u ind meine Stau, Herr er. Graf und feine Frau nach Bedminftertown. 
\ Erf hielt Teutſche Predigt über, 9 enb.3. d. 14 biß zu Ende, und füns 
gen zum Hauptliede; IEſu, der du meine Seele 2. Hernach pres 
Digte Englifch über. Idel 2, 13: ‚Zerreiffet * Herzen und nicht eure 
—5 und taufte drey Kinder, _ Gegen Abend fuhren wir zu Herrn 

A. und ſungen unterweges am | Abend aufm © agen: O Urfprung 
des Lebens:c.. welches. von einigen in der Ferne mit Vergnügen gehoͤ⸗ 
ret worden, und Gelegenheit gab, daß ſich ein Häuflein. Seelen in uns 
ſerm Quartier serfammelte, mie welchen Unterredungen von practiſchen 
Wahrheiten hielte 

Den often. Ciovembr.. Dienſtags hatten wir ſtarcken Degen, 
—* uns verhinderte, unſere Deutſche Religionsoertwandie daſelbſt zu 

en. 

Den sıften Novembr. Mittwochs reiſeten wir wieder nach Hauſe, 
und kamen die Nacht bey uͤbeln Wegen wohlbewahrt zu Hauſe. 
Den 2aften Novembr. Donnerſtags feierten wir ein fofennes 

Danekfeft, wegen des Sieges, den GOtt verliehen über die Feinde in 
Canada zc. Herr Graf reiſete nach Bedminfter, alda zu prebigen, 
und ich hielt Gottesdienſt in der, Neugermantowner Kirche. : Wir 
fungen zum Hauptliede: Ach GOtt, dein arme Chriftenheit jegt als 
lenthalben Verfolgung leidt ac. ung erinnernde, Daß mir und nur mit 
Zittern freuen duͤrften, weil unfere arme Mitchriften noch unter harter 
Zrůblal ſeuftzeten ꝛc. Unſer er Gouverneur hatte das Kaas it 
mmmm 2 












* machen 2* befehlen laſſen. De Yeti wurde über ben en 


‚Den 2sften Krovember. "Sonntags ı pr edigte "in —— 
übers Evangelium Matth.g. amzaflen Sonntage nad) Trinitatis, und 
hatten gut Wetter und viele Zuhörer. Auf Begehren einiger Aelteſten, 
aan nachher einige Halliſche Lieder mit der Orgel muſicaliſch abge: 
ungen. 

Den aoſten Novembr. Montags ficktent wir uns zur Reiſe an, 
und hatten flarcfen Regen. 

Den 2Yften Ylovembr. Dienflags ritte ich und Herr Graf u 
Herrn 2. St. und übernachteten daſelbſt. 

Den 2gften Novembr. Mittwochs begleitete uns Herr St. zehn 
Meilen. Wir ritten noch zwantzig Meilen weiter, und Famen Abende 

ſpaͤt nach Newarck. 

Den 29ften LIovembr. Donnerflags hatten wir gut Retter, 
hielten ung ein wenig bey der Second-Revier auf, lieffen ung über: 
fegen und kamen um zwey Uhr Nachmittags beym Court⸗ houſe in Ha⸗ 

ckinſack an. Hierauf befuchten wir den Reformirten Prediger Herrn 
Schuyter, welcher ung fehr liebreich aufnahm und ung mit Speife, 
Tranck und gutem-Gefpräch verpflegte. Don da ritten wir noch drey 
Meilen weiter zu des Juſtice v. B. Haufe; er war aber nach Neuyork 
verreiſet. Wir gedachten, am folgenden Tage noch) ſechzehn Meilen weis 
ter zu der Remſpachiſchen Gemeine zu reiten, und Sonntags dafelbft 
das heilige Abendmahl zu halten. Weil aber unfere Ankunft nicht vor⸗ 
ber beflimmet und Fund war; fo beforgten wir, es möchte an beyden Or⸗ 
ten verſtummelt werden, befchloffen destwegen in Hackinſac zu bleiben / 
und den naͤchſten Sonntag Gotkesdienſt zu halten. 


Den aten December Sonntags entflund ein fehr Falter und für» 
mmifcer Nord: Welt Wind, welcher den Sottesdienft unbequem machte. 
Wir drungen aber doch Durch zur Kirche, und ich predigte, als am ıflen 
Advent, vor einer mittelmäffigen Berfammlung im Niederteutfchen über 
Hofen 2, 19. 20. Hierauf taufte zwey Kinder und verfündigte, daß 
Herr Graf Nachmittags auch predigen wuͤrde. Es waren auch etliche 
Aelteften von der Remſpachiſchen Gemeine mit zugegen, welche vers 
langten, daß wir den folgenden Sonntag bey ihnen Gottesdienſt halten 
und das heilige Abendmahl adminiftriren folten. Weil wir aber bes 
fuͤrchteten ‚Daß die Waſſer PIERRE möchten, und der Winter mit er 





XI Sen. Paft. Muͤhlenbergs Tageregifter von 159. gor 
ſich einftelen und unfere Nückreife hindern Fönte, aud) meine Frau und 
etliche Kinder, ſamt Deren Graf mit feiner Frau noch nad) Penfyloanien 
muſten; fo fehlugen wir die Bitte ab, und verfprachen, gel. GOtt am 
fegten Sonntage im nachften Jenner in Remfpach zu feyn. | 

> Nachmittags predigte Herr Graf Niederteutfeh über die Epiſtel 
am erſten Advent zum ziemlichen Vergnügen der Gemeine. Nach der 
Predigt gingen wir noch eine halbe Meile weiter, ein ſchwaches Kind zu 
taufen. Die Aelteften und anweſende Gemein⸗Glieder blieben aber noch 
in der Kirche und überlegten gemeinſchaftlich, was fie in Anfehung des 
—— beſchlieſſen wolten. Ihre Entſchlieſſung ging denn dahin, 

iß ich beſagten Herrn Graf noch ferner zu dem Amte zubereiten, und 
auf naͤchſtes Frühjahr zum Verſuch auf drey Jahre überfenden ſolte. 
Dem zufolge wolten fie für ſich allein einen Beruf auf den jedesmaligen 
Bere ma, Kane und die Gemeine in Remſpach muͤſte ein glei: 
un. = L j h TREE I, RR. 
Den zten December Montags.. Der Wind hatte die ganse 
Nacht graufam geftürmet, und continuirte auch noch, welches denn die 
Kälte zum hohen Grad brachte, und fo gar die groſſen Flüffe völlig mit 
Eiß zu bedecken drohete. Der Eapitain J. von B. conferirte mit mir 
wegen feines Sohnes von zwey und zmangig Jahren, welcher der Theo» 
logie gewidmet, und zu dem Ende bereits verſchiedene Jahre bey Herrn 
Paſtor Weygand, hernach auf dem Englifchen presbyterianifchen Colle⸗ 
gio und zulest bey Herrn S. im Unterricht gewefen war. Weil in dem 
jungen Menſchen ein fittfames Temperament und. eine Neigung zum 
wahren Ehriftenthum zu fpüren ift; fo verfprach, felbigen anzunehmen, 
und wo möglich, unter GOttes Gnade und Segen meiter zu bearbeis 
ten. . Die guten Freunde molten ung, wegen des anhaltenden flürmenden 
Falten Windes, nicht mweglaffen. Wir muflen aber wegen des völligen 
Zufrierens der Flüffe durchbrechen, obwol gegen den Wind; reiſeten 
deromegen um eilf Uhr Vormittags ab, lieffen zum Theil zu Fuß, und 
Famen Nachmittags um drey Uhr bey dem geehrten Eolonel Sc). bey der 
Second- Revicze an. Der Herr Obriſt, weicher fich zu der Engli⸗ 
ſchen Kirche hält, nahm ung fehr liebreich auf, und verpflegte ung auf 
die befte Weiſe, unterhielt uns auch, nebft feinem Engliſchen Informa⸗ 
tor, mit angenehmen Unterredungen von den Articuln der Hochkirche. 
Wir durften:aber auch da nicht fange vermeilen , weil Die Seconds 
Reviere ſchon groffe Eisſchollen hatte, und bey nahe zufrieren wolte. 
Hier gefchahe ein Fehler, denn das Boot, das uns übers Waſſer 
a: Mmmmm 3 fahren 






802 Neunte Sortfegung der Nachricht ans Penſylvanien 


fahren folte, war nur mit einem Neger-Rnaben verfehen, Er brachte 
ung zwar glücklich durch die groffen Eisfchollen , welche die Halfte vom 
Revier einnahmen. Da er ung aber die andere, durch zum Ufer 
bringen ſolte, fo uͤbermannete ihn die Kälte und machte ihn ſteif; folge 
lich ließ er das Boot gehen, welches denn mit dem Fluß fort ſchwammec. 
Wir wuſten gar nicht Befcheid mit dem Dinge und floffen immer wei⸗ 
ter, riefen zwar um Hülfe, fahen aber Niemand, Wir refolvirten un 
daher kurtz, flieffen Die Pferde aus dem Boot ins Waſſer, fprungen 
drauf und Eamen glücklich ans Ufer; hatten aber nicht lange Zeit dem 
Knaben mit dem Boot nach zu fehen , weil der Abend nahe, und | 


Kälte unleidlich war. Won da ritten wir nod) Drey Meilen weiter bis 
zu YTeward und logirten wieder bey dem Capitain J. Ich beſuchte 
hier den Miffionarium von der Englifchen Kirche, Zeren Iſaac Braun, 
welcher fehr vergnügt über den Beſuch war, und verſchiedene Fragen 
that von dem Unterfchied der Lutherifchen und ihrer Kirche. = 


Den aten December Dienflags. Heute reifeten wir früh aus, 
hatten zwar ſtrenge Kaͤlte, aber nicht ſo heftigen Wind, wurden gnaͤ⸗ 
diglich bewahret und erreichten nad) vieler Mühe am Abend um acht Uhr 
unfere Wohnung bey Neu⸗-Germantown, nachdem wir zwey uni 
viergig Meilen zurück gelegt hatten. Wir find zu gering aller Barm⸗ 
hertzigkeit und Zreue, die der HErr aus Gnaden an und erwieſen. 

Zaufend, taufendmal ſey dir, groſſer König, Danck dafür. De: 


Den sten Dechr. Mittwochs fehickten wir uns an auf bie Neife 
nad) Penſylvanien. | ’ — 

Den sten Decbr. Donnerſtags fuhr meine Frau mit zwey Kin⸗ 
dern, nebft Heren Graf und feiner Grau von hier aus nad) Providence 
- in Penfploanien zu, und ließ mich mit drey Kindern zuruͤck. Ä 

Den sten Dechr. am zweyten Advent: Sonntage prebigte in 
Neu⸗Germantown über das Evangelium Luc. ar. nicht ohne Erwe⸗ 
Kung und Eindruck: Von den vorhergehenden Zeichen, vor der 
Zukunft des ZEren IEſu zum Strafgerichte über das Antichris 
ftenthum. Das Hauptlied war: Nun jeuchger all ihr From⸗ 
men ic *9 * 

Den roten Dechr. Montags hatte Beſuch von einigen Freunden, 

mit welchen ein erbaulich Geſpraͤch unterhielt, bis ſpaͤt in Die Nacht. 


| DEN . 


XL Zen. Paſt Muͤhlenbergs Tageregifter von 803 


Den ı6ten December Sonntags ritte nach Bedminſter, hatte 
rauh gefrorne und gefährliche Wege, und predigte in des Herin G.R. 
Haufe Engliſch über das Evangelium Matth. un. am dritten Advent⸗ 
Sonntage. "Gegen Abendiritte wieder nach Haufe, hatte mühfam und 
‚gefährlich zu. veitens kam aber durch GOttes gnadigen Schug unbe: 
fchadigt zu Hauſhe.. VERe BORN "7. PERERRBENE 
Denizten Decbr. Montags wurde genöthigek, die verftorbene 
Frau , des Furg vorher geftorbenen U. van H. welche beyde an einer 
‚giftigen. Art von Pocken verfchieden, zu begraben. - Der jüngfle Sohn, 
deſſen Frau und andere mehr liegen auch noch an den Pocken kranck. 
Ich predigte im Haufe Engliſch über Den ı2ten Vers des goftn Palme, - 
und las beym Grabe die gewöhnlichen Gebete in Englifchen, betete auch 
mit denen Krancken im Leichen» Haufe. IE TEN. 
Den ꝛzſten Decbr. predigreihers Evangelium am aten Advent 
op. 1. taufte ein Kind, und ſtellte Herrn A. M. als neu ermählten. 
wafichen Don Ka. EEE A ar 
Den 2;ften Decbr. Dienflage am erften Chriſttage predigte 
übers Evangelium; teil es aber fehr Falt war, fo machte nur etliche Ans 
Mapreitgen Mn JJJ DR an alla 
Den 26ften Decbr. Mittwochs am zweyten Chrifltage wurde 
ich mit einem Schlitten nach der Valley gebracht, woſelbſt bey J. H. 
"eine zahlreiche Berfamlung fand und in feiner Scheune über das Evans 
gelium am zweyten Ehrifttage predigte, nachher ein Kind taufte, auch 
ein Paar copulirte. Gegen Abend fuhr ich wieder nach Haufe. 
X Den zoften Decbr. Sonntags predigte in Neugermantown 
über den Spruch Hoh.ı, 14. Das Wort ward Sleifhzc 
0 Den zıften Decbr. Montags meditirte, und ritte gegen Abenb 
"mit meinem Sohn noch nad) Bedminſtertown, mo bey G. R. einen 
groffen Hauffen junger Leute verfammelt fand, welche in meiner Gegen⸗ 
wart eine Probe machen wolten, wie weit fie es bisher im Singen der 
Engliſchen Palmen gebracht hätten. Ich verfuchte nachher eine Ca⸗ 
techetifche Hebung anzuftellen, befam aber nur menig Antwort ꝛc. Am 
felbigen Abend Fam Herr J. v. B. zu mir, welcher am felbigen Tage 
von ackinſack eingetroffen war, um zu mir gu ziehen. Zulegt bes 
ſchloß das Jahr mis demuͤthigem Geber und Abbitte vor dem Gnaden⸗ 


Thron man 
J 


TE 


| Vom Jahr 1760, 2a 


| ig Were — — 
Se ıften Januar Dienflags predigte in der Bedminſter Kirche 
I, zum neuen Jahr erſtlich Hochteutſch, hernach Engliſch. Hiers 
auf ſpeiſete bey einem Vorſteher und wurde mit guten Unterredungen 
unterhalten bis gegen Abend. Nachher ritte mit Herrn Buſchkerk zu 
IJ. A mo aud) noch ein anderer Mann mit feiner Stau war, und er⸗ 
baulich rebeten. TESTNOTE ENT. 
Den aten Jan. Mittwochs blieb bis gegen Abend bey J. 4. 
Gegen Abend brachte ung unfer Wirth zu feinem Schtoieger:Bater uns 
ter ſtarckem Negen. Von da fuhren wir mit zwey Schlitten zu 
Herrn Chr. F. wo wir eine Erbauungsftunde über den ten Articul des 
Apoftolifhen Glaubensbekentniffes: hatten. Der HERN war mit 
"ung, und fegnete die einfaͤltige Uaierredung. Von da fuhren wir wies 
‚der zu unferm wg | E } ur? —— 
Den zten Jan. Donnerſtags ritten wir wieder zu unſerer ta 
‚cgBohnung. Es regnete unddauete anf —— # * u 
Den sten Jan. Sonntags war Glatteis wie ein Spiegel. Je 
ritte, nicht ohne Gefahr , zu des Herrn J. N. des ältern Haufe, pres 
digte dafelbft, und Fam Abends mohlbehalten wieder zu Haufe  .. 
Vom sten bis iꝛten Jan. hatten wir Haus Webungen unfereins 
‚ander auch Beſuch, und ich rüftete mich auf die Reife nad) Penfyls 
vanien. ui Tee 
Den ızten Jan. Sonntags war eine durchdringende Kälte Ich 
wuͤnſchte in der Reugermantowner Kirche das Neue-Jahr, und 
predigte gang kurtz uͤber das te Buch der Koͤnige Cap. 2. v. ı9 big 22. 
Und die Männer der Stadt ꝛc. Hernach verfündigte meine vorha⸗ 
bende Reife. | | a fern 
Den ısten Jan. Dienflags frat nach 9 Uhr, in Begleitung ac. 
van B. und meines Sohns, meine Reife nad) Penſylvanien an. Ron 
Heren ©. hatte einen Officier von der Landmilig zur Begleitung mit, 
und Fam Abends bis an Die Delaware, melche meift zugefroren. war. 
Ba —— eine betrübte Nacht, wegen des gottloſen Getuͤmmels im 
irtshauſe ass A —— 
en ısten Jan. Mittwochs begleiteten mic) der ish und 
fein Bruder zu Fuffe über den gefrornen Fluß; hernach ritte ſechs und 
dreyſſig Meilen allein auf Spiegel glatten Wegen, fiel einmal uipben 
WE Pferde, 






XI. Brn Paſt. maͤhlenbergs Tageregiſter von 1760. 865 


Pferde, kam aber doch durch GOttes Erbarmung am Abend um acht 
Uhr unbeſchaͤdigt zur Freude meiner armen Familie an, und blieb bis 
den a6ften Märk zu Haufe bey meinen ordentlichen Gemeinen. 
| Den 25ften Maͤrtz Mittwochs veifete wiederum mit Heren Graf 
‚von Propidence nad) erfey, und kamen am arften Mark Abends 
wohl bewahret dafelbi nd... EEE EEE NT; 

Den often Maͤrtz Sonntags ritte nad) Bedminſter, und pres 
digte über einen Theil des Leidens Chriſti Luc. 23: Weinet nicht über 

mich ıc. hernach faufte ein Kind. ER ee 
- | + en ziſten Maͤrtz Montags hielt Eatechifation mit ertwachfenen 

Den ıflen April Dienftags hielt wieder Catechifation. 
Den aten April Mittwochs informirte Bor: und Nachmittags 
junge Leute. rk Bo Br ee 


Den zten April am Grünendonnerfiage machte fich vB. be 
reit, nad) Hackinſack zu reifen, und, nebft feinem eigenen Gefchäfte Dar 
feibft, zu beftellen, daß die Wagens am agften April von Hackinſack ab⸗ 
‚ gehen und Heren Graf und feine Familie hier abholen foten 
Den sten April am Stillenfreytage predigte in Neugerman⸗ 
town über die fieben Worte Ehrifti am Ereug, mit gutem Eindruck 
wie es fchien. Nach der Predigt hielt Conferentz mit den Aelteſten und 
Vorſtehern, ſprach auch mit einer Engliſchen Frau, die um ihre Sen 
figkeit befümmert war, mit Vergnͤge. 
Den sten April Sonnabends hatten wir einen fürchterfichen Zus - 
fall, indem ſich in unferm Felde ein Feuer ausbreitetes es wurde aber 
durch GOttes Beyſtand gelöfchet. Uebrigens meditirte aufs Feſt. 
Den sten April am erſten Oſtertage predigte in Neugerman⸗ 
town vor einer zahlreichen Verſammlung/ und zeigete: Daß JEſus 
von Nazareth wahrhaftig auferflandenzc, Nach der Predigt vers 
Tündigte etwas von meiner vorhabenden Veränderung 2c. und taufte 
vier Kinder. Nachher würde von Männern angefprochen , die zer⸗ 
ſtreueten Lutheraner in Anweil und in Greenwich⸗Townſchip an der 
Delaware zu befuchen und mit GOttes Wort zu erbauen. "Nachtike 
tags predigte Englifch über 1 Eon. 15, 55: Tod, wo iſt dein Sta⸗ 


chel Cd ver i z 33 — all nat 
Den ten April am zweyten Oſtertage veifete Morgens nad) 


Bedminftertown, predigte erſt inder Kirche Teutſch, uͤber das mer⸗ 
L. Penſylv. gortſ. RNun nn wuͤr⸗ 


806 Yreunte Sortfegung der Nachricht aus Penſylvanien. 


wuͤrdigſte bey den Erſcheinungen JEſu Chriſti, nach ſeiner Auf⸗ 
erftehung., Nachher predigte Engliſch uͤber ĩCor.u5, 57. Nach dem 
Gottesdienſt ritte zu Herrn J. M. dem aͤltern, 2 Sdorgen Abend ku 
ehifirte Dafelbft die jungen Leute, 
Den sten April am dritten Oſtertage hatte ein cin mich Hufen 
zu catechifiren, womit Vor: und Nachmittags anhielte. 
Den sten April Mittwochs trieb den Unterricht noch weiter mit 
denen, die im Haufe waren. 
Den ıoten April Donnerflags um Ditog reifete von des Herrn 
J. M. Haufe bey fehr ſchlechtem Wege zu 3: um deſſen Soͤ hnlein 
zu taufen; hernad) hielt mit einigen guten Freunden Ba Freundinn 
Per Verst und Prüfungs: Stunde, und logirte d die Nacht 


Den nten April Freytags ritte von da zu Herrn B u 
mit feiner krancken Stau, und informirte Nachmittags feines Sch 
Frau und zwey Mägde in der Ordnung des Heils, und fam am. Abend 
bey meinen Kindern und Freunden im Pfarrhaufe an. Herr Graf 
hatte am Dienftage nemlich den sten April junge Leute catechiſiret, ‚big 
auf meine Heimkunft. 

‚Den ızten April Sonntags fehrieb erſt die Communicanten auf, 
bernac) predigte über das Evangelium Joh. 20. vom Thomas. Nah 
der Predigt taufte neun Kinder , hielt Beichte, und theilte fiebengig und - 
etlichen Perſonen das heilige Abendmahl aus. Es mar eine fehr zahl: 
reiche Verfammlung. Gegen Abend ritte wieder zu Haufe, und frac) 
unterweges bey einem Ehriftlichen Freunde vor; hörete auch daß Die 
Sreunde in der Valley einen Wagen beftelt hätten, meine Haushals 
tungs-Sachen bis an die Delaware zu fahren. 

Den ısten, ı6ten und ızten April informirte die Confirmanden. 
Den ıgten April Sreytags kam ein Wagen aus der Valley, und 
fuhr meine Bücher und Hausgeräthe nach der Delaware zu. Die uͤ⸗ 
brige Zeit wandte auf den Unterricht der Eonfirmanden. 
Den ısten April Sonnabends hatte Vormittags die Confirman⸗ 
den und andern Befuch. Um ein Uhr ging nach der Kirche, hielt Vor⸗ 
bereitung über ı Cor. 6: Vom Ausfegen des alten Sauerteigs. 
Hernach eraminirte funfzehn junge Leute, morunter zwey —— 
waren, und he fie ne a erneuern x. eg‘ 


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5X, Sen. Paſt. Wlöhlenberge Tageregiſter von 170. 807. 


Den 2zoften April Sonntags predigte über Luc. 14, 12214. taufte 
hernad) drey —— die bisher unterrichtete funfzehn Perſo⸗ 
nen über die Ordnung des Heil und confirmirte fie. Nachher confen 
erirte und theilte ein hundert und funfjehn Perfonen das heilige Abend» 
mahl aus. Gegen Abend taufte noch ein kranckes Kind zu Haufe. 

u Den a2ften April Dienftags reifete mit J. v. B. nach Bedmin⸗ 

ſtertown, catechiſirte junge Leute bis gegen Abend mit Vergnuͤgen. 


über Offenb. 22,14 : Selig find, die feine Gebote halten zc. Zulegt 
— Engliſchen Gottesdienſt, ſungen den 23ſten Pſalm und predigte uͤber 
öm.s, 10. Hierauf taufte ein Kind, copulirie ein Paar, nahm Abs 
ſchied von verfchiedenen Gemeingliedern und ritte nad) Haufe 
Den 28flen April Montags ritte in Gefellfchaft des J v. 3, 
‚nach der Valley, wo eine groſſe Verfamlung war, welcher zum Abfchiede 
und mit Eindruck über Offenb. 3, 11. Teutſch predigte, hernach ein Kind 
taufte, und über Jeſaig 58, ı 2. Engliſch predigte. Nach dem Gottes⸗ 
a —— MNnanna. dienſt 


god | Neunte Fortſetzung der Nachricht aus Penſylvanien 1960; 


* 


dienſt und Abſchiede beſuchte noch einige a ritte gegen Abend, unter 
u RER 


Gewitter und ſtarckem Negen, na | 0 4 
Denzgten April Dienftags kamen gegen Abend zwey Wagen 


von Zadinfsd und Remfpach, Deren Graf und feine Familie —* 


len, mit weichem verſchiedenes abzureden hatte; hatte auch ein und an⸗ 
dern Beſuch von der Gemeine, und ſonſt viel Unruhe. Vormittags 
meditirte auf die Abſchieds-Predigt; nahm auch Abſchied von einer Fa⸗ 
milie, welche von hier auf ihrem Platz bey Baunbrook zogen. 

Den zcten April Mittwochs hatten wi 


Schnee und Faltem Regen. Ich ritte zur Kicche, wir fungen:, Meine 


Seel ift ſtille zc. predigte zum Abfchiede über Luc.14, 22: Und der 
Anecht fprachzc. fungen nad) der Predigt: Ach bleib mit deiner 
Snade: nahm wehmüthigen Abfchied , und verfündigte, daß Herr 


Rurg der ältere am Sosrtage Trinitatis in Neugermantown 
geliebt e8 GOTT, predigen würde. Als zu. Haufe kam, mar da; 
Haus "vol von guten Freunden, die Abfchied nehmen. wolten. 
Die zwey Wagens nach Hackinſack wurden geladen, und-fuhren 
mit Heren Graf Abends gegen fünf Uhr ab. Hernach brachten wir 
unfere Sachen aud) in Ordnung und fuhren den iſten Maͤy Donners 


ftags früh um fechs Uhr ab. Unterwegs Eehrete bey Herrn B. P. ein, 


- betete mit feiner Erancfen Frau, und nahm Abſchied von ihm und andern. 
Unfere erfie Station war funfgehn Meilen von Neugermantown; 
von da fuhren wir fort und Famen funfjehn Meilen weiter bis an den 
Fluß Delaware, brachten erft ven Wagen mit den Kindern hinüber, 
und hernach unfere zwey Neitpferde. Don der Fähre fuhren wir noch 
zehn Meilen weiter , wo mir alsdenn übernachteten. 


Den 2ten MTäy Sreytags frühe fuhren wir acht Meiten, nahmen 


darauf Morgenbrodt, fuhren noch dreyzehn Meilen, und Famen Nach⸗ 
mittags um ein Uhr mohlbehalten zu Haufe. | — 


GOTT Lob! ein Schritt zur Ewigkeit 
= iſt abermal vollenden 


ERDE 


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ſtarcken Sturm mit 








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