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Full text of "Natur und Museum"

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BERICHT 



DEB 

SENCKENBERGISCHEN MTURFORSCHENDEN 
GESELLSCHAFT 

IN 

FRANKFURT AM MAIN 

1908 



Vom Juni 1007 bis Juni 1908 



Mit 3 Tafeln, 2 Porträts und 1 Textfigur 



Die Direktion der Senckenbergisehen Naturforsehenden 
Gesellschaft beehrt sich hiermit, statutengemäß ihren Bericht über 
das verflossene Jahr zu überreichen. 

Frankfurt a. M., im Juni 1908 

Die Direktion: 

Prof. Dr. August Knoblauch, I. Direktor 
Stabsarzt Prof. Dr. Ernst Marx, IL Direktor 
Dr. phil. Pius Sack, I. Sekretär 
Friedrich W. Winter, IL Sekretär. 



I. Teil 



Geschäftliche Mitteilungen 



Jahresfeier 



der 

Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

am 24. Mai 1908. 

Der I. Direktor, Prof. Dr. August Knoblauch begrüßl 
die zahlreich erschienenen Gäste, Mitglieder und Freunde der 
benachbarten Vereine in dem prächtigen Festsaal, in dem zum 
ersten Male die Jahresfeier abgehalten wird. 

Das wichtigste Ereiguis, nicht nur in dem verflossenen 
Jahre, sondern in der ganzen neunzigjährigen Geschichte der 
Gesellschaft, ist der Einzug in das neue Museum, der mit der 
glänzend verlaufenen Einweihungsfeier am 13. Oktober 1907 be- 
endet wurde. Die Festschrift, die Ihnen allen zugestellt worden 
ist, gibt einen näheren Bericht über den Verlauf dieses Festes. 
Wohl bedeutete diese Einweihung die Beendigung des eigent- 
lichen Umzuges, nicht aber die Fertigstellung der Schausammlung, 
deren intimere Ausgestaltung eigentlich erst nach Vollendung 
des Umzuges energisch in Angriff genommen werden konnte. 
Allen Mitarbeitern an diesem schwierigen Werk, den Sektionären 
und Beamten der Gesellschaft wie den freiwilligen Hilfskräften, 
die alle mit unendlicher Ausdauer und Arbeitsfreudigkeit in der 
langen Umzugszeit ausgehalten haben, sei hier nochmals der 
herzlichste Dank ausgesprochen. Der schönste Dank für sie 
Alle ist jedenfalls der über alles Erwarten große Besuch der 
Schausammlungen, die vom 1. Januar bis 30. April 1908 von 
28 736 Personen besichtigt wurden. 

Nicht weniger herzlich ist unser Dank für die überaus 
reichen Spenden und Vermächtnisse, die uns im letzten Jahre 
zugewandt worden sind. Der Bericht des IL Direktors gibt 
hierüber nähere Auskunft. 



— 6* — 
Hierauf hält Prof. Dr. H. Reichen bach den Festvortrag 



über 



„Der Ameisenstaat und die Abstammungs- 
lehre." 

(Siehe Bericht IL Teil, Seite 126.) 

Alsdann erstattet der II. Direktor, Stabsarzt Prof. Dr. 
E. Marx den 

Jahresbericht. 

Hoch an sehnliche Versammlung! 

Das hohe Interesse unserer Mitglieder und Mitbürger an 
dem neuen Museum und die Freude über das Gelingen des Ganzen 
hat sich nicht nur in dem schon erwähnten gewaltigen Besuch 
des Museums, der in vier Monaten die Besuchsziffer früherer 
ganzer Jahre weit überholt hat, bekundet, sondern vor allen 
Dingen auch in hochherzigen Zuweisungen für den Ausbau der 
Schausammluug und für die Vollendung der inneren Einrichtung. 
Zunächst hat unser Aufruf im vorigen Frühjahr die erfreuliche 
Summe von M. 125 905. — ergeben. Die gütigen Spender sind 
auf Seite 27 — 29 namhaft gemacht. 

Herr Adolf von Grunelius und Herr Albert von 
Metzler gehörten im November 1907 ein halbes Jahrhundert 
unserer Gesellschaft als Mitglied an ; sie haben als Admini- 
stratoren der Dr. Senckenbergischen Stiftung erheblichen Anteil 
an dem Ausbau und Aufblühen unserer Gesellschaft genommen. 
Die Eröffnung des neuen Museums war uns ein willkommener 
Anlaß den genannten Herren unsere Dankbarkeit durch Er- 
nennung zu außerordentlichen Ehrenmitgliedern auszudrücken. 
Beide Herren haben uns durch Schenkung bedeutender Kapi- 
talien erfreut. 

Der am 6. Juni 1907 verstorbene Herr Gustav Schiller 
vermachte testamentarisch M. 5000.—. 

Die Kinder unseres am 16. Dezember verstorbenen lang- 
jährigen Mitgliedes Frau Rosette M ertön überreichten 
M. 10 000, der am 16. Januar verschiedene Julius Eduard 
von Araiul bedachte uns mit einem Vermächtnis von M. 20 000.— 



7* 

und der am 4. März 1908 verstorbene Freiherr Georg von 
Holz hausen mit einem Vermächtnis von M. 3000. — . 

Dieser Zuwachs unseres Kapitals ist nicht nur ein Beweis 
für ein treues Gedenken langjähriger Mitglieder, sondern auch 
eine wichtige materielle Unterlage für die Erfüllung der großen 
Aufgaben, die die jetzige Entwicklung der Gesellschaft und 
namentlich die Ausgestaltung der Schausammlung mit sich bringt. 

Wie die Festschrift über den Verlauf der Einweihungs- 
feier Bericht erstattet, so hat sie auch bereits der Vermehrung 
der Schausammlung durch größere Schaustücke Erwähnung 
getan. Mitten im Lichthof prangt der mächtige Diplodocus, das 
Geschenk unseres korrespondierenden Ehrenmitgliedes Morris 
K. Je sup in New York, der mit lebhaftem Interesse die Aus- 
gestaltung des neuen Museums verfolgt hat und zur Übergabe 
des Biplodocus den Direktor des New Yorker Museums Herrn 
Prof. Dr. Herrn on C. Bump us entsandte. Leider bringt derselbe 
Bericht 1908, der den Dank für dieses größte Geschenk, das 
die Gesellschaft jemals erhalten hat, enthält, auch gleichzeitig 
den Nekrolog des hochherzigen Spenders und feinsinnigen 
Förderers der Wissenschaft, der am 22. Januar d. Js. verschied. 

Zu besonderem Danke sind wir wiederum Herrn Bank- 
direktor Arthur G winner in Berlin verpflichtet, der bei 
seinen verschiedenen Besuchen des Museums die großen Lücken 
in der paläontologischen und mineralogischen Schausammlung 
erkannte und sie durch eine Reihe prächtiger Stücke, so noch 
in der letzten Woche durch eine herrliche Gruppe von weißem 
kristallisierten Calcit von Cumberland ausfüllte. Die Berichte 
der einzelnen Sektionen geben über die verschiedenen Geschenke 
nähere Auskunft. Aber auch an dieser Stelle sei allen Spendern 
nochmals der herzlichste Dank der Direktion ausgesprochen! 

Wir gedenken nunmehr der schmerzlichen Verluste, die 
wir durch den Tod zahlreicher Mitglieder erlitten haben. 

Unter den arbeitenden Mitgliedern beklagen wir aufs 
tiefste den Heimgang des hochverdienten Vorsitzenden der Ad- 
ministration der Dr. Senckenbergischen Stiftung, unseres außer- 
ordentlichen Ehrenmitgliedes und ewigen Mitgliedes S. Ex- 
zellenz, des Wirkl. Geheimrates Prof. D. Dr. Moritz 
Schmidt- Metzler. Für die gewaltige Arbeit, die er bei der 
Neugestaltung der Senckenbergischen Institute mit 



— 8* — 

bewunderungswürdiger Energie geleistet hat, für treue Für- 
sorge, mit der er stets für unsere Gesellschaft gearbeitet hat, 
haben wir seiu Porträt, von der Meisterhand Auge lis gemalt, 
als Ausdruck unseres tiefempfundenen Dankes im Sitzungs- 
zimmer der Verwaltung aufgehängt. Wir betrauern weiterhin 
den Tod unserer beitragenden Mitglieder : Julius vonArand, 
Baron von Bernus auf Stift Neuburg, Bankdirektor Karl 
Drehwald in Offenbach, Frau Geheimrat Elisabeth Getz, 
Charles L. Hallgarten, Sanitätsrat Dr. med. Ad. Harbordt, 
Hans Hochstrasse r, Freiherr Georg von Holz hausen. 
Gustav Kotzenberg, Anton Max Kulp, Gustav Ed. May, 
Frau Rosette M er ton, Lincoln M. Oppenheimer, Dr. 
jur. Felix Reinert, Apotheker Julius Rueff, Gustav 
Schiller, Direktor Wilhelm Seefried, Dr. phil. Franz 
Will und K. L. Wüst. 

Aus der Reihe der korrespondierenden Mitglieder haben 
wir viele Gelehrte verloren, die jahrzehntelang treue Anhänger 
und Freunde der Gesellschaft gewesen sind: 

Am 3. November 1907 starb in Lissabon hochbetagt 
Joseph Vinzent Barboza du Bocage. In Ooimbra hatte 
er einst Medizin studiert, später wurde er Professor der Zoologie 
am Polytechnikum in Lissabon uud war dort zugleich Direktor 
des Zoologischen Museums, das er eigentlich erst geschaffen hat. 
Besondere Verdienste hat er sich um die Bearbeitung der ento- 
mologischen Schätze der portugiesischen Kolonien erworben. 
Auch sind wichtige Arbeiten von ihm über Baträehier er- 
schienen. Mit Prof. Dr. von Hey den unterhielt er einen regen 
Tauschverkehr, der ihn im Jahre 1869 zum korrespondierenden 
Mitglied vorgeschlagen hat. 

Am 14. April 1908 starb in seiner Vaterstadt Rothenburg 
an der Tauber im Alter von 87 Jahren der Geh. Med. Rat 
Prof. Dr. Franz von Ley dig. Mit ihm verliert die Gesell- 
schaft einen treuen Mitarbeiter, der seit 187,3 korrespondierendes 
Mitglied war und drei Arbeiten „Über die einheimischen Schlangen", 
„Über das Parietalorgan der Amphibien und Reptilien" sowie 
„Über die Zirbel und Parietalorgane" in unseren Abhandlungen 
veröffentlicht hat. Ley dig begann seine wissenschaftliche 
Laufbahn in Würzburg, wo er bis 1858 außerordentlicher 
Professor war. Alsdann wurde er Ordinarius der Zoologie und 



9* 

vergleichenden Anatomie in Tübingen, von wo er 1875 einem 
Rufe an die Universität Bonn folgte, Ley digs Hauptarbeiten 
liegen auf dem Gebiete der Gewebelehre und man darf ihn 
wohl als den Begründer der vergleichenden Histologie betrachten. 
Glänzend und bahnbrechend waren die meisten Arbeiten dieses 
unermüdlichen, scharfsinnigen Beobachters und es gibt wohl 
kein Gebiet und keine Tiergruppe, an deren Erforschung Ley dig 
nicht mitgearbeitet hat. Sein Hauptwerk ist das Lehrbuch 
der „Histologie des Menschen und der Tiere", das im Jahre 1857 
in Frankfurt a. M. erschienen ist. Aber nicht nur seine histo- 
logisch-anatomischen Arbeiten sind bedeutsam, auch in bio- 
logischen Prägen hat Ley dig mitgearbeitet und manche wichtige 
Beobachtung aus der einheimischen Fauna veröffentlicht. Die 
große Zahl seiner Arbeiten, die oft verschiedenartiges unter 
einem Titel vereinigten, machte es unmöglich, sich über alles 
das, was Ley dig publiziert hat, zu orientieren. Oft genug ist 
es daher vorgekommen, daß irgendeiner eine wichtige Ent- 
deckung gemacht zu haben glaubte, sie publizierte und dann 
bald darauf dasselbe in einer Leydigschen Arbeit schon längst 
veröffentlicht fand oder vom Altmeister in liebenswürdiger Weise 
darauf aufmerksam gemacht wurde. Bis in sein letztes Lebens- 
jahr hat Ley dig publiziert und in Rothenburg in einer herr- 
lichen Natur so manche Arbeit ergänzt und vollendet, deren 
Anfänge weit zurücklagen. Auch hat er dort im Jahre 1902 
noch ein Buch herausgegeben „Horae Zoologicae, zur vater- 
ländischen Naturkunde ergänzende, sachliche und geschichtliche 
Bemerkungen", das alle zerstreuten Arbeiten Ley digs zu einem 
Gesamtbilde zu vereinigen und es den Fachgenossen nunmehr 
erleichtert, sich ein Bild von den reichen Früchten dieses vor- 
bildlichen Forscherlebens zu machen. 

Am 23. Juni 1907 starb in Berlin der Geh. Bergrat Dr. 
Karl Klein, Professor der Mineralogie und Petrographie an der 
duitigen Universität. Karl Klein wurde 1842 zu Hanau 
geboren und studierte in Hohenheim, Berlin, Tübingen und 
Heidelberg. Im Jahre 1868 habilitierte er sich in Heidelberg, 
wo er 1873 zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. 
1878 wurde er als Ordinarius nach Göttingen und 1887 nach 
Berlin berufen. Den Berliner Lehrstuhl für Mineralogie und 
Petrographie sowie die Verwaltung des mineralogisch -petro- 



- 10* — 

graphischen Instituts und Museums hatte er bis zu seinem Tode 
inne. Kleins wissenschaftliche Bedeutung liegt auf dem Gebiete 
der Kristallographie und Kristall-Optik. Hierin hat er auch 
durch die Konstruktion von neuen Apparaten anregend gewirkt, 
z. B. durch die Einrichtung des Mikroskopes zum Studium der 
optischen Eigenschaften der Kristalle im convergenten polari- 
sierten Licht. In den letzten Jahren war Kleins Haupt- 
augenmerk darauf gerichtet, die Meteoritensammlung des Berliner 
Museums zu vervollständigen, die er von 200 auf über 500 
Fundorte brachte. Diese glänzende Meteoritensammlung erfuhr 
eine umfassende Bearbeitung durch ihn in den Abhandlungen 
der Kgl. Akademie der Wissenschaften in Berlin. Klein war 
seit 1875 korrespondierendes Mitglied unserer Gesellschaft. 

Am 1. Februar starb in München der Geh. Med. Rat Dr. 
Karl von Voit, Professor der Physiologie an der Münchener 
Universität. Voit war am 31. Oktober 1831 zu Amberg geboren, 
war in München, Würzburg und Göttingen Schüler von Petten- 
kofer, Rudolf Wagner und Theodor Bischof. Als 
Assistent von Bischof habilitierte er sich 1857 als Privatdozent 
für Physiologie in München. 1860 wurde er zum außerordent- 
lichen, 1863 zum ordentlichen Professor ernannt. Voit gehörte 
zu den großen Führern in der medizinischen Wissenschaft, der 
mit Pettenkofer und Bischof zusammen die Lehre vom Stoff- 
wechsel und der Ernährung experimentell begründet hat. Mit 
Pettenkofer und Buhl begründete er 1865 die „Zeitschrift 
für Biologie", die fast seine sämtlichen wissenschaftlichen Ver- 
öffentlichungen enthält. Von größeren selbständig erschienenen 
Arbeiten ist besonders zu erwähnen, „Über die Theorien der 
Ernährung im tierischen Organismus", „Untersuchung der Kost 
in einigen öffentlichen Anstalten" und „Untersuchungen über 
den Einfluß des Kochsalzes, des Kaffees und der Muskelbewegung 
auf den Stoffwechsel". Besonders bekannt sind die von ihm 
aufgestellten Tabellen über das Kostmaß, das ein bestimmtes 
Verhältnis von Eiweiß, Fett und Kohlehydraten feststellt, um 
den Bedarf des Menschen an Nahrungsstoffen zu decken. 

Am 26. April starb in Berlin im 84. Lebensjahre der Geh. 
Regierungsrat Prof. Dr. Karl Möbius, der unserer Gesellschaft 
seit 1892 als korrespondierendes Mitglied angehörte. Möbius 
war zu Eilenburg in der Provinz Sachsen als Sohn eines Stell- 



— 11* - 

machers geboren, widmete sich dem Lehrerberuf und war im 
Jahre 1844—49 Elementarlehrer in Seesen am Harz mit einem 
Jahresgehalt von 200 Talern. Aber seine Tätigkeit als Elementar- 
lehrer befriedigte ihn nicht und besonders die Schriften von 
Alexander von Humboldt, die er eifrig studierte, ließen 
in ihm den Wunsch zur Vertiefung seiner Kenntnisse entstehen. 
Er ging nach Berlin, machte das Maturitätsexamen und ließ 
sich als Student der Naturwissenschaften an der Berliner Uni- 
versität immatrikulieren, wo er bei Johannes Müller, Ehren- 
berg, Mitscherlich, Beyrich und Lichtenstein hörte. 
Auf Rat von Lieh ten stein ging er als Lehrer nach Hamburg, 
von wo er Gelegenheit zu wissenschaftlichen Reisen in die 
Tropen erhoffte. 1853 wurde er Lehrer an der Realschule des 
Johanneums in Hamburg und konnte hier seine hohe Begabung 
im Unterrichten und im Anleiten der Schüler zur Beobachtung 
in der freien Natur in vollem Maße zur Geltung bringen. Be- 
stimmend für manche seiner späteren Arbeiten wurde die Be- 
kanntschaft mit dem späteren Bonner Philosophen Dr. Jürgen 
Bona Meyer, dessen Schwester seine Lebensgefährtin wurde. 
In Hamburg gewann Möbius Fühlung mit dem Museum, in 
dessen Direktion er eintrat, und mit dem Zoologischen Garten, 
dessen Aquarium er einrichtete. Die Bekanntschaft mit dem 
Inhaber einer großen Stockfabrik, A d o 1 f M e y e r , der Möbius 
zu Untersuchungen der Kieler Bucht auf seine Yacht einlud, 
legte eigentlich den Grund zu den vielen Arbeiten über die 
Tierwelt der Deutschen Meere, die wiederum auch das Interesse 
für praktische Fragen, so z. B. nach der Hebung der Austern- 
und Miesmuschelzucht an den deutschen Küsten, nach sich zogen. 
Im Jahre 1869 bereiste Möbius im Auftrage des landwirt- 
schaftlichen Ministeriums die Küsten von Frankreich und England 
zum Studium der dortigen Austernbänke. Auch nahm Möbius 
au den Untersuchungsfahrten der Pomerania, 1871 durch die 
Ostsee, 1872 durch die Nordsee, teil und begleitete 1874 die 
deutsche Expedition zur Beobachtung des Venusdurchganges 
nach Mauritius als Zoologe. 

1868 erhielt Möbius einen Ruf nach Kiel als Professor 
der Zoologie, wo er bei den Studenten ebenfalls einen dank- 
baren Boden für seine anregende Lehrtätigkeit fand. Dort fiel 
ihm auch die Aufgabe zu, den Bau und die Einrichtung eines 



— 12* — 

neuen zoologischen Museums zu leiten, das in vieler Beziehung 
als mustergültig bezeichnet werden kann. Im Jahre 1887 wurde 
er als Direktor des Kgl. Zoologischen Museums nach Berlin 
berufen, zu spät, um auf die Ausgestaltung der Baupläne noch 
Einfluß ausüben zu können, aber zeitig genug, um die unge- 
heuren Schätze dieses Museums in eine Schausammlung und 
eine wissenschaftliche Sammlung zu scheiden. Hier konnte 
Möbius in noch reicherem Maße als in Kiel die Schausamm- 
luug biologisch ausgestalten, um sie zu einer wirklichen Beleh- 
rungsstätte für das große Publikum zu machen. Bis in sein 
81. Lebensjahr war er hier mit einer seltenen Rüstigkeit tätig. 

Am 14. Januar 1908 verschied in Rovigno der Leiter der 
dortigen Zoologischen Station Prof. Dr. Rudolf Burkhard!, 
der unserer Gesellschaft seit 1898 als korrespondierendes Mit- 
glied angehörte. Seine Hauptzeit verbrachte Burkhardt in Basel 
als Privatdozeut der Zoologie und hier sind auch alle seine 
schönen und anregenden Arbeiten entstanden. Seine Studien 
zur vergleichenden Anatomie des Gehirnes zählen zu den besten, 
was wir auf diesem Gebiete besitzen. Ein außerordentlich 
großes Geschick in technischen Dingen vereinte sich in ihm 
mit scharfer Kritik, dem Streben und dem Denken, das einen 
wirklichen Gelehrten kennzeichnet. Von seinem Hauptwerk, 
einer auf 5 Bände berechneten Darstellung der vergleichenden 
Anatomie des Gehirns, ist nur der erste Band erschienen, der 
die Gehirne der Haifische behandelt. Burkhardt, eine fein- 
fühlige und geradezu poetische Natur, hat sich in hohem Maße 
für die Geschichte der Zoologie interessiert, wobei ihm seine 
reichen Kenntnisse der alten Sprachen sehr zustatten kamen 
Zahlreich sind seine Mitteilungen und Vorträge über die Biologie 
der Griechen, von denen ein in unserer Gesellschaft gehaltener, 
glänzender Vortrag im Bericht 1904 abgedruckt ist. Mehrfach 
haben unsere Mitglieder Gelegenheit gehabt, Vorträge von ihm 
zu hören, und aus diesen regelmäßigen Besuchen entwickelte 
sich mit den Mitgliedern der Verwaltung eine rege Freundschaft. 

Am 18. März 1908 starb in Teschendorf der Pfarrei- 
Fried rieh Wilhelm Konow, den unsere Gesellschaft im 
Jahre 1905 durch Ernennung zum korrespondierenden Mitgliede 
geeint hatte. Er war am 11. Juli 1842 zu Mechow als Sohn 
eines Lehrers geboren und studierte nach Absolvierung des 



— 13* — 

Gymnasiums iu Neustrelitz, in Erlangen und Rostock Theologie. 
Nach Beendigung der Studien war er Hauslehrer, Praktikant, 
Volksschullehrer, bis er 1873 als Lehrer der Mathematik und 
Naturwissenschaften an der Realschule in Schönberg in Mecklen- 
burg angestellt wurde. Einige Jahre darauf wurde er Pfarrer 
in Fürstenberg und im Jahre 1891 Pfarrer in Teschendorf bei 
Stargard. Schon als Student hatte er sich eifrig mit dem 
Studium der Insekten, namentlich mit deren Systematik be- 
schäftigt. Später spezialisierte er sich auf die Blattwespen 
(Tenthrediniden) und in ihnen ist er der beste Kenner der 
Gegenwart geworden. Zahlreiche Schriften über sie sind seiner 
Feder entflossen und seit 8 Jahren gab er im Selbstverlage die 
„Zeitschrift für Systematische Hymenopterologie undDipterologie" 
heraus. Unser Museum verdankt ihm die Revision und Durch- 
bestimmung der Blattwespensammlung. 

Am 7. Januar starb in Wien Ludwig Karl Schmarda, 
der seit dem Jahre 1873 unserer Gesellschaft als korrespon- 
dierendes Mitglied angehört hat. Schmarda wurde im Jahre 
1819 zu Olmütz in Mähren geboren und widmete sich dem 
Studium der Naturwissenschaft. Seine erste akademische Stellung 
hatte er an der Universität Graz als Professor der Naturge- 
schichte, wo er auch das Naturhistorische Museum begründete. 
Seine Beteiligung an den Freiheitsbestrebungen des Jahres 1848 
zwang ihn ins Ausland zu gehen, wodurch er Gelegenheit zu 
seiner großen Weltreise von 1853 bis 1857 fand. Im Jahre 
1861 wurde er Professor der Zoologie an der Universität Wien, 
welche Stellung er bis zu seinem Rücktritt vom Lehramt im 
Jahre 1883 bekleidete. Seit 1869 war ihm die Leitung des 
Zoologischen Museums der Universität übertragen, mit dem er 
auch die auf seinen Reisen zusammengebrachte und vom Staate 
angekaufte Privatsammlung vereinigte. Von den größeren Werken 
Schmardas ist am meisten bekannt das im Jahre 1871 heraus- 
gegebene Lehrbuch der Zoologie, das auch eine zweite Auflage 
erlebte. Weniger bekannt ist seine schon im Jahre 1853 heraus- 
gegebene Tiergeographie, trotzdem Schmarda dadurch eigent- 
lich der Begründer der neueren Tiergeographie wurde. Denn 
er hat bereits viele Gedanken und Anschauungen in diesem 
seinem Werke ausgesprochen, die erst durch das später er- 
schienene Buch von Wallace weiterhin bekannt und berück- 



— 14* — 

sichtigt wurden. Wichtig sind von seinen faunistischen Arbeiten 
die Publikationen über die Naturgeschichte der Adria und über 
die Naturgeschichte Ägyptens. Nach seinem Rücktritt vom 
Lehramt hat sich Schmarda ganz von der Welt zurückgezogen 
und den jüngeren Kollegen war er nur mehr dem Namen nach 
bekannt, da er keinerlei wissenschaftlichen und kollegialen 
Verkehr unterhielt. 

Wir werden allen Dahingeschiedenen ein treues Andenken 
bewahren. 

Aus der Reihe der beitragenden Mitglieder sind ferner 
ausgeschieden durch Wegzug: Konsul A. Bau nach, Dr. jur. 
Sally Ganz, Prof. Dr. Mühring, Alfred Mumm von 
Schwarzenstein, Stabsarzt Prof. Dr. Richard Otto, Max 
Prümm, Carl Regius, Julius Renck, Oberstabsarzt Dr. 
Hermann Spam er und Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Robert 
Thome; durch Austritt: Kgl. Oberförster H. Behlen, Bank- 
direktor Otto Clemm, Heinrich Dietrich, Moritz von 
Frisching, Viktor Haas -Hüttenbach, Willy Hch. 
Hofer, Carl Hopf, Wilhelm Kirch, Karl Klippel, 
Jakob Meusert, Georg Peise, Dr. phil. Alphons Rickoff, 
Ingenieur Franz Ruff, Christian Rumpf; ferner durch 
Übertritt zu außerordentlichen Ehrenmitgliedern und ewigen 
Mitgliedern: Oberbürgermeister Dr. med. Franz Adickes, 
Konrad Binding, Frau Baron von Erlanger in Nieder- 
ingelheim, Adolf von Grunelius, Baukdirektor Karl E. 
Klotz und Carl von Metzler. 

Die Gesamtzahl der im Berichtsjahr ausgeschiedenen bei- 
tragenden Mitglieder beträgt somit 49. 

Neu eingetreten sind dagegen 148 beitragende Mitglieder 
und zwar: 

Herr Jean Abt, 

„ Dr. jur. L. S. Amson, 

„ Gottfried Andreas, 

„ Zahnarzt Georg Antz, 

„ Eduard Apfel, 

„ Moritz T. Bauer, 

„ Oberingenieur Friedrich Bauer- Weber, 

„ Dr. med. Robert Baumstark, 

„ Stabsarzt Di', med. Berghaus, 



— 15* — 

Herr Wilhelm Bern er, 

„ Oberarzt Dr. med. Adolf Bingel, 

„ Ludwig Bleibtreu, 

„ Oberlandesgerichtsrat Geh. Justizrat Wilhelm Böhm . 

„ Hans von Boltog, 

„ Ingenieur Breitenstein, 

„ Prof. Dr. Martin Brendel, 

„ Wilhelm Buecking, 

„ Bergassessor Burchard, 

„ Konsul S. Ca Im, 

„ Heinrich Cassian, 

„ Carl Cayard, 

„ Arthur Dam bit seh, 

„ Prof. Dr. phil. Emil Decke rt, 

„ Adolf Diekmann, 

„ Major Emanuel von Eckartsberg. 

„ Max Eich hoff, 

„ Dr. jur. Rudolf Ellinger, 

„ Rentner Friedrich Heinrich Emmerich, 

„ Jakob Emmerich, 

„ Ingenieur Heinrich Engert, 

„ Dr. phil. Wilhelm Epstein, 

„ Sekundärarzt Dr. med. Walter Ewald, 

„ Militäroberpfarrer Robert Falke, 

„ Stadtrat Dr. jur. Karl F. M. Flesch, 

„ Kgl. Preuß. Kammerherr Freiherr Theodor von 
F 1 o t o w , 

„ Arthur Forchheimer, 

„ Ludwig W. Gans, 

„ Dr. med. P. Geelvink, 
Freiherr Rudolf von Goldschmidt-Rothschild, 
Herr Hauptmann a. D. Rudolf von Gordon, 

„ Prof. Dr. Carl Graebe, 

„ Rentner Gottfried Grosse, 

„ Prof. und Kgl. Musikdirektor August Grüters, 
Frau Lily Guttenplan, 
Herr Dr. med. Rudolf Haus, 

„ Prof. Friedrich Hausmann, 
Frau Emmy Heinz- Jung, 



- 16* - 

Herr Gerichtsassessor Adolf Hertzog, 

von Hessen, Friedrich Karl, Prinz, Hoheit, 
Oberst und Kommandeur des 81. Inf.-Regiments, 
Herr Friedrich W. Hessenberg, 

„ Hauptmann und Kompagniechef Wilhelm Heni- 
m e r i c h , 
Frl. Annemarie Hob recht, 
Herr Leo Hochschild, 

„ Dr. Philipp Hochschild, 

„ Architekt Fritz Hock, 

„ Paul Hoffmann, 
Frau Mathilde Hohe nein ser, 
Frau D. Holland, 
Herr Carl Joseph thai, 
Frau Emilie Jung, 
Herr Amtsrichter Ernst Kaulen, 
Herr Architekt Theodor Kays ser, 
Frau Lisa Könitzer-Jucho, 
Herr Direktor E. W. Kost er, 

„ Julius Kraemer-Wüst, 
Frau Emma Kramer, 
Herr Major Maximilian Krem ski, 

„ Ernst Leitz- Wetzlar, 

„ Adolf Levi, 

„ Dr. med. Alfred Lip stein, 

„ Rudolf Lismann, 

„ Eduard L o e b , 

„ Dr. jur. Adolf Lotich ius, 
Frl. Emma Lucae, 
Herr Eduard Marx, 

„ Dr. Hermann Marx, 

„ Josef Marx, 

„ Justizrat Dr. Martin Mayer, 

„ Wilhelm Meinefeld, 

„ Rechtsanwalt Otto Meyer, 

„ Kunstmaler Heinrich Olsen, 
Frl. Dr. med. Marie Opificius, 
Herr Stud. ehem. Paul Oppenheim, 
Frl. Dr. med. Paula Philipp söhn, 



— 17* — 

Herr Direktor Dr. Curt Priem el, 

„ Dr. med. Moritz Rausohoff, 
Frl. E. Reichard, 

Herr Amtsgerichtsrat Ferdinand Riedel, 
Frl. Charlotte Roessler, 
Frau Marie Rosenbau-Canne, 
Herr Dr. med. Heinrich Rosenbaum, 

„ Lehrer Karl Rühle, 

„ Dr. med. Otto Seh even, 

„ Wilhelm Schleich , 

„ Sanitätsrat Dr. med. Jon. Julius Schmidt, 

„ Architekt Wilhelm Schmidt- Diehl er, 

„ Dr. med. Willy Schmidt- de Neufville, 

„ Willi Schuenemann, 

„ Max Schüler, 

„ Oberlehrer Dr. Erich Schwartze, 
Frau Otto Schwarz. 
Herr M. Sil b ermann, 

„ Oberlandesgerichtsrat Geh. Justizrat Dr. Julius 
Simon Eduard Simonis, 

„ Major und Bezirksoffizier Walter Simons, 
Frau Maria Sondheim, 
Frl. Margare the Stolzen h ay n, 
Frau Emma Strauß -El linger, 
Herr Geh. Kommerzienrat Louis Strupp, 

„ Architekt Otto Sturm, 

„ Assessor Wilhelm Tecklenburg, 
Aktiengesellschaft für Bergbau und Hütten- 
industrie „Tellus", 
Herr Carl W. Textor, 

„ Architekt August T rauner, 

„ Prof. Dr. August Velde, 

„ Baumeister Otto Vollmar. 

„ Rentner Karl Vorster, 

„ Prof. Dr. med. Otto Voss, 

„ Dr. med. Hans Wachsmuth, 

„ Prof. Dr. med. Richard Wachsmuth, 

„ M. Wallen stein, 

„ Baurat Paul Wer necke, 

2 



— 18* — 

Herr Privatier Max Wertheim, 
„ Dr. med. Michael Witebsky, 
„ Karl Wollstätte'r jun., 
„ Landgerichtsrat Paul Wurm bach, 
„ Georg Wüst, 
„ Hermann Wüst, 
„ Fabrikant Eugen Zerban, 
„ Stadtrat J. Willi. Zimmer, 
sämtlich in Frankfurt a. M., sowie: 

Herr Dr. med. Otto Beuder, Heidelberg, 
„ Chemiker Hans Fischer, Offenbach a. M., 
„ Josef Flügel, Limburg a. d. L., 
„ San. -Rat Dr. med. Moritz Hartmann, Hanau, 
Frl. Emilie Köhler, Hofheim a. T., 
Herr Dr. med. Oscar Kohnstamm, Königstein LT., 
„ Dr. phil. Guido Lorentz, Höchst a. M., 

zu Löwenstein-Wertheim, Johannes, Prinz, 
Kleinheubach, 
„ Adolf Müller, Iseuburg, 
„ Apotheker Dr. phil. Julius Neubronner, 

Kronberg i. T., 
„ Dr. Erich Oppermann, Höchst a. M., 
Frl. D. Osterberg, Königsteiu i. T., 
Herr Carl Ruland, Offenbach a. M., 
„ Lehrer H. Schmidt, Kloppenheim, 
„ Dr. Singer, Offenbach a. M. 
„ Tierarzt J. Strauss, Offenbach a. M. 
„ Justizrat Franz Uth, Hanau, 
„ Regier. -Baumeister Eduard Wolfskehl, Darmstadt. 
Die Zahl der beitragenden Mitglieder beträgt somit am 
24. Mai 1908: 1012 gegen 913 im Mai 1907. 

Zu außerordentlichen Ehrenmitgliedern wurden 
ernannt: Oberbürgermeister Dr. med. Franz Adickes, Caro- 
line Freifrau von Erlanger in Nieder-Ingelheim, Wil- 
helm Dr. jur. Freiherr von Erlanger in Nieder-Ingelheim, 
Adolf von Grunelius, Staatsminister und Minister der 
geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten Dr. phil. 
Ludwig Holle in Berlin, Stadtrat Albert von Metzler 
und Jakob H. Schiff in New-York. 



— 19* — 

Zu arbeitenden Mitgliedern wurden ernannt : 
Direktor Prof. Dr. K. Herxheimer und Frau M. Sondheim. 

In die Reihe der ewigen Mitglieder wurden auf- 
genommen: Karl von Metzler, Moritz Ad. Elissen, 
Adolf von Grunelius, Conrad Binding, Lincoln 
M. Oppenheimer, GustavSchiller, Frau Rosette M e r - 
ton, Carl E. Klotz, Julius von Ar and, Georg Frei- 
herr von Holzhausen. 

Die Zahl der ewigen Mitglieder beträgt somit heute 134. 

Viele der ewigen Mitglieder sind bis zu ihrem Tode Jahre 
und Jahrzehnte laug beitragende Mitglieder unserer Gesellschaft 
gewesen und zu ihrem bleibenden Gedächtnis haben die Hinter- 
bliebenen in pietätvoller Gesinnung die Namen der Verstorbenen 
iu die Reihe unserer ewigen Mitglieder eintragen lassen. In 
anderen Fällen sind die Frauen und Söhne verstorbener Mit- 
glieder unserer Gesellschaft beigetreten. Erfreulicher Weise 
haben sich auch mehrere Frankfurter, die schon lange Jahre 
im Auslände leben, als ewige Mitglieder aufnehmen lassen. Es 
zeigt sich hierin deutlich die treue Anhänglichkeit und das 
tiefe Interesse an unserer Gesellschaft, der von ihrer Gründung 
im Jahre 1817 an zahlreiche Frankfurter Familien nunmehr 
durch mehrere Generationen als Mitglied angehören. Auch haben 
sich wiederum mehrere Mitglieder freiwillig bereit erklärt, ihren 
Jahresbeitrag um das mehrfache des ordentlichen Beitrages zu 
erhöhen, was wir dankbar und gerne erwähnen wollen. 

Zu korrespondierenden Mitgliedern wurden er- 
nannt: Prof. Dr. Charles Barrois in Lille: Prof. Dr. Her- 
rn on C. Bum pus, Direktor des American Museum of Natural 
History in New York; Dr. phil. et med. Gustav Fischer, 
Verlagsbuchhändler in Jena; Geh. Hofrat Dr. phil. Paul von 
G r o t h , Prof. der Mineralogie und Direktor des mineralogischen 
Instituts der Universität München; Geh. Med. -Rat Prof. Dr. med. 
Oskar Her twig, Prof. der vergleichenden Anatomie und Direktor 
des anatomischen Instituts der Universität Berliu; Geh. Hof rat 
Prof. Dr. phil. Richard Her twig, Prof. der Zoologie und Direktor 
des Zoologischen Instituts in München : Edwin Ray Lankaster, 
M. A. L. L. D. F. R. S., emer. Direktor des British Museum of 
Natural History in London ; Geh. Rat Dr. phil. Wilhelm Pfeffer, 

2* 



— 20* — 

Prof. der Botanik und Direktor des Botanischen Instituts und 
Gartens der Universität Leipzig; Geh. Bergrat Dr. phil. Gustav 
Steinmann, Prof. der Geologie und Direktor des geologisch- 
palaeontologischen Instituts der Universität Bonn; Prof. Dr. 
phil. Melchior Treub, Direktor des botanischen Landes- 
instituts in Buitenzorg auf Java; Geh. Hofrat Dr. phil. Julius 
Wiesner, Prof. der Botanik und Direktor des pflanzenphysio- 
logischen Instituts der Universität Wien; Geh. Rat Dr. phil. 
Ferdinand Zirkel, Prof. der Mineralogie und Direktor des 
mineralogischen Instituts der Universität Leipzig; Professor 
Dr. J. T. Sterz el, Direktor des Naturhistorischen Museums 
der Stadt Chemnitz und Prof. Dr. E. Stromer- von Reichen- 
bach, Privatdozent der Geologie und Palaeontologie an der 
Universität München. 

Die Zahl der korrespondierenden Mitglieder einschließlich 
des korrespondierenden Ehrenmitgliedes beläuft sich auf 176. 

Aus der Direktion hatten Ende 1907 nach zweijähriger 
Amtszeit satzungsgemäß auszuscheiden der II. Direktor Kommer- 
zienrat R. de Neufville und der II. Sekretär Dr. med. H. von 
Mettenheim er. An ihre Stelle traten für die Jahre 1908 
und 1909 Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx und F. W. Winter. 

Die diesjährige Generalversammlung fand am 22. Februar 
statt. Sie genehmigte entsprechend dem Antrag der Revisions- 
kommission die Rechnungsablage für 1907 und erteilte dem 
ersten Kassierer, Alhard Andreae von Grunelius, Ent- 
lastung. Ferner genehmigte die Generalversammlung den 
Voranschlag für 1908 der in Einnahmen und Ausgaben mit 
M. 85 487. — balanziert. Nach dem Dienstalter schieden aus 
der Revisionskommission aus Robert Oster rieth und Direktor 
von der Velden. An ihre Stelle wurden gewählt Adolf 
von Neufville und Hermann Nestle. Vorsitzender der 
Revisionskommission für 1908 ist August Ladenburg. 

Im Wintersemester 1907/08 wurden 17 wissenschaftliche 
Sitzungen abgehalten, zu denen der Andrang meistens so stark 
war, daß sie im Festsaal stattfinden mußten. 

Es hielten Vorträge: 
19. Oktober 1907 : Prof.Dr. W. Schauf : „Basalt und Granit, 
eine historische Skizze". 



— 21* — 

26. Oktober 1907: Dr. Fritz Sarasin, Basel: „Die nie- 
dersten Menschenformen des südöstlichen 
Asiens." 
9. November 1907: Dr. J. H. Bechhold: „Chemie und 
Biologie". 

16. November 1907: Prof. Dr. A. Möller, Eberswalde: „Der 
moderne Waldbau und seine naturwissen- 
schaftlichen Grundlagen". 

23. November 1907: Dr. H. Hübner: „Das Licht als Heil- 
• mittel". 

30. November 1907: Prof. Dr. Th. Boveri, Würzburg: „Ex- 
perimente an Zellkernen". 

7. Dezember 1907: Dr. F. Drevermann: „Das Zeitalter 

der Saurier". 

14. Dezember 1907: Prof. Dr. A. Seh üb erg, Heidelberg: „Die 

Verbindung der Zellen im tierischen Orga- 
nismus". 

4. Januar 1908: Prof. Dr. L. Edinger: „Tierpsychologie 

und vergleichende Anatomie". 
18. Januar 1908: Prof. Dr. A. König, Bonn: Vogelleben 

und Vogelbilder aus hohem Norden". 
25. Januar 1908: Prof. Dr. H. Lüthje: „Die Eiweißassi- 
milation im tierischen und pflanzlichen Or- 
ganismus". 

1. Februar 1908: Dr. E.Wolf: „Die Wasserblüte". 

8. Februar 1908: Prof. Dr. P. Duden, Höchst: „Chemische 

Elemente in alter und neuer Zeit". 

15. Februar 1908: Prof. Dr. E. Ehrenbaum, Helgoland: 

„Die Fortpflanzungs-Verhältnisse der See- 
fische". 

20. Februar 1908. Prof. Dr. M. V er worn, Göttingen: „Die 
Grenzen der menschlichen Erkenntnis". 
7. März 1908: Prof. Dr. W. Küken thai, Breslau: „Eine 
zoologische Forschungsreise nach Westindien". 

14. März 1908: Prof. Dr. 0. Körner, Rostock: „Können 
die Fische hören?" 
Der Askenasy-Preis für Botanik, der alle zwei Jahre 

am 5. Mai, am Geburtstage des Stifters, zur Verteilung gelangt, 



wurde dieses Jahr zum ersten Male vergeben. Die Verleihung 
erfolgte durch die Direktion, den Vorschlägen der von ihr 
ernannten Preiskommission, der die Herren Prof. Kinkel in, 
Martin Dürer und Direktor August Siebert angehörten, 
entsprechend an Prof. Dr. Martin Möbius. 

Aus der Reinachstiftung wurde Prof. Dr. Schauf 
ein Beitrag zu einer Studienreise nach dem Vesuv und der 
Insel Elba bewilligt. 

Der von-Reinach-Preis, den Dr. Albert von Rei- 
nach im Jahre 1891 gestiftet hat, um zur Erforschung der 
Geologie, Paläontologie und Mineralogie der weiteren Umgebung 
unserer Vaterstadt anzuregen, wurde diesmal zum fünften Male 
vergeben und einer Arbeit von Prof. Dr. F. Kinkel in und 
Prof. Dr. H. Engelhardt in Dresden über: 1) „Oberpliozäne 
Flora und Fauna des Untermaintales, insbesondere des Frank- 
furter Klärbeckens", 2) „Unterdiluviale Flora von Hainstadt 
am Main" zuerkannt. Die Arbeit wird im XXIX. Band unserer 
Abhandlungen demnächst erscheinen. Die früheren Träger des 
von-Reinach -Preises sind folgende Herren: 

1894 Dr. F. Kinkelin; 1895 Prof. Dr. Achilles Andreae; 

1899 Dr. W. S c h a u f und Prof. Dr. C. C h e 1 i u s ; 1904 Cand. 

rer. nat. Rudolf Delkeskamp und Bergassessor Dr. 

Einecke. 

Ende Oktober 1907 trat Dr. Hugo Merton im Auftrage 
der Gesellschaft eine Forschungsreise nach den Aroe-Inseln an, 
die der tiergeographischen Erforschung des Indisch-Malayischen 
und Australischen Archipels gewidmet ist. Die Ausrüstung zu 
dieser Reise, deren Kosten Dr. Merton gütigst übernommen 
hat, ist im Museum zusammengestellt und in über 50 Kisten 
verpackt worden. 

Von unseren Publikationen sind im Berichtsjahr erschienen : 
I. Abhandlungen: 

Band 30, Heft 3, ausgegeben am 15. Oktober 1907: 

K. Schilling, Über das Gehirn von Petromyxon 
fluviatilis. Mit 2 Textfiguren und 1 Tafel. 

A. Kappers, Untersuchungen über das Gehirn der 
Ganoiden Amia calva und Lepidosteus osseus. Mit 6 Text- 
figuren und 1 Doppeltafel. 



— 23* — 

IL Bericht 1907, 191 und 144 Seiten, mit 1 Tafel und 

1 Abbildung im Text. 
III. Festschrift zur Erinnerung an die Eröffnung des neu- 
erbauten Museums der Senckenbergischen Naturforschen- 
den Gesellschaft zu Frankfurt a. M. am 13. Oktober 1907, 
75 Seiten stark mit 12 Tafeln. 

Die Vorlesungen der Dozenten erfreuten sich eines über- 
aus starken Besuchs. Im Winter 1907/08 wurden folgende 
Vorlesungen gehalten : 

Prof. Dr. H. Reichenbach: „Grundzüge der Entwick- 
lungsgeschichte und vergleich endenAnatomie 
der Wirbeltiere und des Menschen mit Be- 
rücksichtigung der Physiologie". 
Dr. F. Drevermann: „Die Geschichte der Erde". 
Prof. Dr. M. Möbius (im Auftrage des Dr. Senckenbergischen 
Medizinischen Instituts: „Kryptogamen, II. Teil 
und Fortpflanzung der Phanerogamen". 
In der Verwaltuugssitzung vom 22. Februar wurde Dr. 
E. Wolf zum Dozenten ernannt und ihm die Veranstaltung 
von Zoologischen Exkursionen verbunden mit praktischen Übungen 
zum Studium des gesammelten Materiales übertragen. 

Prof. Dr. F. Römer wurde mit der Einrichtung eines 
zoologischen Seminars für Fortgeschrittene betraut. 

Das Vorlesungsverzeichnis für das Sommersemester lautet 
daher folgendermaßen : 

Prof. Dr. H. Reichenbach: „Vergleichende Anatomie 
der Wirbeltiere und des Menschen, mit Be- 
rücksichtigung der Physiologie (Nervensystem, 
Sinnesorgane, Verdauungs- und Atmungsorgane u. a.)". 
Prof. Dr. F. Römer: „ZoologischesSeminar fürFort- 

geschrittene". 
Dr. E. Wolf: „Zoologische Exkursionen zur Erfor- 
schung des Süßwassers mit nachfolgender 
Besprechung des Materiales". 
Dr. F. Drevermann: „Erdgeschichte, IL Teil: Die 
Erdoberfläche und ihre Bewohner im Laufe 
der Erdgeschichte". 
Prof. Dr. M. Möbius (im Auftrage des Dr. Senckenbergischen 
Medizinischen Instituts): „Biologie der Pflanzen". 



— 24* — 

Prof. Dr. M. Möbius (im Auftrage des Dr. Senckenbergischen 
Medizinischen Instituts) : „Mikroskopisch -Bota- 
nisches Praktikum". 

Die feierliche Eröffuung des Naturhistorischen Museums 
fand am 13. Oktober 1907 statt. Am 20. Oktober sind die 
Schausammlungen dem Publikum geöffnet worden, die sich eines 
so starken Andranges zu erfreuen haben, wie nie zuvor. Vom 
20. Oktober bis zum 24. Mai wurde das Museum von 53 053 
Personen besucht. 

Besonders rege war der Verkehr mit auswärtigen Gesell- 
schaften und einzelnen Gelehrten. In neuen Tauschverkehr ist 
die Gesellschaft getreten : gegen Abhandlungen und Bericht mit 
7 Gesellschaften; gegen den Bericht mit 9 Gesellschaften. 

Die namentliche Aufzählung der Gesellschaften und Zeit- 
schriften siehe im Bibliotheksbericht Seite 174. 

Am 23. April waren 25 Jahre verflossen, seitdem Herr 
Prof. Dr. F. Kinkel in die erste Vorlesung über Geologie in 
unserer Gesellschaft gehalten hat. Da dieser Tag in die Oster- 
ferien fiel, so wurde die Feier dieses 25 jährigen Dozenten- 
jubiläums auf Montag, den 4. Mai, als der ersten geologischen 
Vorlesung des Sommersemesters verschoben. Eine größere 
akademische Feier entsprach nicht den Wünschen des zu 
Ehrenden und daher versammelten sich die Mitglieder der Ver- 
waltung mit zahlreichen Hörern und Freunden zu einem gemein- 
samen Abendessen, bei dem Prof. Böttger in längerer Rede 
die Verdienste und wissenschaftliche Tätigkeit Kinkel ins 
hervorhob. Besondere Erwähnung fanden dabei Kinkelins 
Arbeiten über den Untergrund von Frankfurt und die Fauna 
und Flora des Mainzerbeckens, von denen zwei im Jahre 1893 
und 1908 mit dem von Reinach -Preis gekrönt worden sind. 
Auch in der Verwaltung hat sich Prof. Kinkel in in den 
langen Jahren große Verdienste erworben, denn das Amt des 
ersten Sekretärs hat er allein 10 Jahre laug hintereinander 
inne gehabt. 

Am 22. Mai 1908 feierte Herr Prof. Dr. Lucas von 
Hey den seinen 70. Geburtstag. Auch dieser Tag wurde von 
der Direktion, Verwaltung, und Freunden festlich begangen 
und zwar durch eine akademische Feier um 12 Uhr mittags 
im Festsaal. Der I. Direktor Professor Dr. Knoblauch 



- 25* — 

überbrachte die herzlichsten Glückwünsche der Verwaltung 
und den herzlichsten Dank für alles das, was Herr Professor 
von He y den seit dem Jahre 1860 als Sektionär für die 
Sammlungen und Wissenschaft, sowie als langjähriges tätiges 
Mitglied der Direktion für die Gesellschaft geleistet hat. Sani- 
tätsrat Dr. E. Roediger sprach die Glückwünsche der Admini- 
stration der Dr. Senckenb ergischen Stiftung aus, Dr. 
P. Sack gratulierte im Namen der Sektionäre und sprach aus- 
führlich über die wissenschaftlichen Arbeiten von Heydens, 
deren Zahl mehrere Hundert beträgt und über die Ehrungen 
und Anerkennungen, die von Hey den für seine Leistungen 
von staatlichen Behörden, Universitäten und wissenschaftlichen 
Gesellschaften empfangen hat; Prof. Dr. F. Römer gratulierte 
für die Museumsbeamten, die täglich Gelegenheit haben seine 
jugendliche Begeisterung für die Wissenschaft und seine Arbeits- 
frische zu bewundern. Auch von den benachbarten Vereinen, 
denen Herr Prof. von Hey den meist seit vielen Jahrzehnten 
als Ehrenmitglied angehört, waren Vertreter zu dieser Feier 
gekommen, um ihrer Verehrung für den Senior der Frankfurter 
Entomologen Ausdruck zu geben. 

Nach der Einweihung des Museums erstreckte sich die 
Tätigkeit der Baukommission auf die weitere Ausgestaltung 
der inneren Einrichtung. Für die Werkstätte und das Atelier 
waren noch verschiedene Instrumente und Maschinen anzu- 
schaffen, darunter eine große Drehbank, und das Mobiliar für 
die beiden Laboratorien. Für die Wirbeltiersammlung konnten 
aus dem noch vorhandenen Rest des Baufonds zwei große 
dreiteilige Schränke, der eine für die Säugetiersammlung, der 
andere für die Vogelsammlung bestellt werden. Alsdann 
wurde Bedacht darauf genommen, für die Hauptsammlung 
der Mollusken, die bereits seit 5 Jahren unter dem Mangel 
an geeigneten Schränken leidet, einen neuen Schranktyp zu 
konstruieren, der allen Anforderungen entspricht. Die Schränke 
sollen nicht nur möglichst staubdicht sein, sondern müssen 
auch auswechselbare Schiebladen von verschiedener Höhe, 
der Dicke der Objekte entsprechend, haben. Nach verschie- 
denen Zeichnungen, Vorschlägen und Besprechungen haben wir 
von der Firma Heinrich Zeiss eine geeignete Vorlage erhalten, 
auf Grund deren eine Bestellung erfolgte. Leider reichten die 



— 26* — 

vorhandenen Mittel des Baufonds nur noch zur Bestellung von 
3 Schränken aus, obwohl für die Molluskensanimlung dies kaum 
den allernotwendigsten Anfang bedeutet. 

In der Sitzung der Baukomnnssion vom 7. November 1907 
lagen die gesamten Rechnungen über den Bau, sowie die Schluß- 
rechnung des Herrn Baurates Neher vor. Die Baukommission 
hat diese Abrechnungen geprüft und unter Anerkennung ihrer 
Präzisität genehmigt und Herrn Baurat Neher in einem beson- 
deren Schreiben namens der Verwaltung für seine mühevolle 
und ersprießliche Tätigkeit, die er seit 8 Jahren für unsere 
Gesellschaft entfaltet hat, den verbindlichsten Dank ausge- 
sprochen. 

Das verflossene Jahr ist für unsere Gesellschaft reich an 
Arbeit und Mühe gewesen, wie kein Jahr zuvor in der ganzen 
90 jährigen Vergangenheit. Eine große schwere Arbeit hat es 
uns gebracht, aber es hat uns auch ein gewaltiges Stück vor- 
wärts geführt, es hat uns nicht nur die herrlichen neuen 
Museumsräume, die von allen Seiten anerkannt werden, ge- 
schenkt, sondern auch eine Steigerung des Interesses der Frank- 
furter Bürgerschaft, auf deren Schultern unsere Gesellschaft 
ruht, und das im Anwachsen der Mitgliederzahl auf über 1000 
einen beredten Ausdruck findet. 

Das erfreulichste Zeichen ist jedenfalls der von Monat zu 
Monat steigende Besuch der Schausammlung und die lebhafte 
Benutzung durch unsere Schulen, wofür wir den Lehrern und 
Lehrerinnen, die die mit solcher Führung verbundene Mühe 
nicht scheuen, ganz besonderen Dank zollen. 



27* — 



Musen msbaufo nds 

(für die innere Einrichtung). 



Drittes Verzeichnis der Schenker.*) 



Heinrich Alten, 
Frau Alharda Andreae, 
Conrad Andreae, Rapallo, 
Heinrich Ludwig Andreae, 
Bankdirektor Hermann Andreae, 
Alhard Andreae von Grunelius, 
Frau Karoline Elise Andreae- 

Lemme, 
Prof. Dr. med. Hugo Apolant, 
Stadtrat Jos. Moritz Baer, 
Generalkonsul Max Baer, 
Buchhändler Simon Leopold Baer, 
Sanitätsrat Dr. med. Franz Baer- 

wiudt, 
Geh. Sanitätsrat Dr. med. Jakob de 

Bary, 
Kommerzienrat J. L. Beer, 
Rechtsanwalt Dr. jur. Fritz Berg, 
Professor Dr. med. Ferdinand Blum, 
Geheim. Sanitätsrat Dr. med. Jakob 

Bockenheimer, 
William B. Bonn, 
Kommerzienrat Wunibald Braun, 
Bankdirektor Otto Clenim, 
Ernst Creizenach, 
Eduard Cohen, 
Dr. phil. D. Cunze, 
G. L. Daube, 



Bankdirektor Carl Drehwald, Offen- 
bach, 

Gustav Eckhardt, Manchester, 

Prof. Dr. med. L. Edinger, 

Geh. Medizinalrat Prof. Dr. med. P. 
Ehrlich, 

Kommerzienrat Leo Ellinger, 

Dr. med. Gustav Embdeu, 

Fabrikant Jakob H. Epstein, 

Freifrau Caroline von Erlauger, 
Nieder-Ingelheim, 

Dr. med. Oswald Feis, 

Robert Flersheim, 

Gustav Flörsheim, 

J. S. Fries Sohn, 

Jakob Fries-Dondorf, 

Karl Hermann Fulda, 

Paul Fulda, 

Adolf Gans, 

Moritz Getz, 

Julius Goldschmidt, 

Freiherr Rudolf von Goldschmidt- 
Rothschild, 

Louis Greb, 

Professor Dr. G. Greini, Darmstadt, 

Bürgermeister Otto Grimm, 

Eugen Grumbach-Mallebrein, 

Adolf von Grunelius, 



*) Erstes Verzeichnis der Schenker siehe „Bericht 1901% II. Teil, Seite 
100—102; zweites Verzeichnis der Schenker siehe „Bericht 1902", I. Teil, 
Seite 31. 



— 28* 



Frau Geheimrat von Guaita, 
Direktor Adolf Haeffner, 
Exzellenz Wirkl. Geh. Ober-Justizrat 

und Oberlandesgerichts - Präsident 

Dr. K. Ilasrens, 
H. Charles L. Hallgarten, 
Geh. Justizrat Dr. E. von Harnier, 
Alexander und Otto Hauck, 
Kommerzienrat K. F. Henrich, 
Frau Sanitätsrat Fanny Herxheimer, 
Direktor Prof. Dr. med. K. Herxheimer, 
Professor Dr. phil. L. von Heyden, 
Georg von Hey der, 
Kommerzienrat Zachary Hochschild, 
Otto Höchberg, 

Zur Erinnerung an Dr. Fritz Hoerle, 
Otto Hofmann, 

Dr. jur. Hermann Hohenemser, 
Frau Dora Holland, 
Freiherr Georg von Holzhausen, 
Oberstaatsanwalt Dr. jur. Eduard 

Hupertz, 
Apotheker Dr. phil. August Jassoy, 
Frau L. M. Jordan -de Rouville, 
Bernhard Kahn, 
Hermann Kahn, 
Dr. med. Wilhelm Kallmorgen, 
Frau Louise Keyl, 
Prof. Dr. med. August Knoblauch, 
Frau Koch geb. von St. George, 
Louis Koch, 
Hermann Köhler, 
Bankdirektor Alfred Koßmann, 
Frau J. Kohnspeyer, 
Sanitätsrat Dr. med. Bernhard Lach- 

mann, 
J. Langeloth, New-York, 
Frau E. Livingston, 
Fräulein Hose Livingston, 
Direktor Hermann Heinr. Maier, 
Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx, 
Frau Mathilde von Marx, 
Herbert von Meister, Sindlingen, 
Walter Melber, 
Frau Rosette Merton, 
Dr. phil. Hugo Merton, 
Dr. phil. W. Merton, 



Dr. med. H. von Mettenheiiner, 

Karl von Metzler, 

Frau Müller-Kolligs, 

Kgl. Baurat L. Neher, 

Professor Dr. Max Neisser, 

Kommerzienrat Robert de Neufville, 

Geh. Kommerzienrat Eduard Oehler, 

Moritz N. Oppenheim, 

Lincoln Menny Oppenheimer, 

Justizrat Dr. 11. Oswalt, 

Kommerzienrat R. von Passavant- 
Goutard, 

Direktor Theodor Plieninger, 

Professor Dr. phil. L. Pohle, 

Hütteningenieur Paul Prior, 

Frau Baron von Reinach, 

Julius Reiß, London, 

Eduard Rieser, 

Sanitätsrat Dr. med. Ernst Roediger, 

Wilhelm Rohmer, 

Bernhard Röliler, Berlin, 

Franz Rößler, New-York, 

Direktor Dr. phil. Friedrich Rößler, 

Dr. phil. Heinrich Rößler, 

Hektor Rößler, 

Alfred und Paul Rosenthal, 

Freifrau Mathilde von Rothschild, 

Freifrau von Rothschild, Paris, 

Frau Kommerzienrat Lina Roth- 
schild, 

Dr. phil. Gustav Andreas Rumpf, 

Prof. Dr. med. Hans Sachs, 

Dr. phil. Pius Sack, 

Wilhelm Sandhagen, 

Dr. dent. surg. Fritz Schäffer- 
Stuckert, 

Hugo Scherer, Mexiko, 

Gustav Schiller, 

Exzellenz Wirkl. Geh. Rat Prof. D. 
Dr. med. Moritz Schmidt-Metzler, 

Justizrat Dr. jur. K. Schmidt-Polex, 

L. Scriba, Höchst a. M., 

Henry Seligmann, 

Frau Maria Sondheim, 

Leopold Sonnemanii, 

Frau Franziska Speyer, 

Professor Dr. med. Gustav Spiess, 



29* -~ 



Baron Louis von Steiger, 

Adolf Stern, 

Frau Theodor Stern, 

Dr. med. L. Steffan, Marburg i. H., 

Emil Sulzbach, 

Dr. jur. Karl Sulzbach, 

Ungenannt, 

Ungenannt, 

Ungenannt, 

Ungenannt, 

Ungenannt, 



Bankdirektor Wilhelm von der 

Velden, 
Dr. med. Karl Vohsen, 
Dr. phil. Arthur von Weinberg, 
Alfred Weinscheuk, 
A. H. Wendt, St. Goar., 
Felix Werner, 

E. und L. Wertheimber - de Barr, 
Dr. med. Rudolf von Wild, 
Friedrich W. Winter. 



- 30* — 



Morris Kethcum Jesup f- 

(Mit Porträt.) 
Von 

Prof. Hermon C. Bumpus in New York. 



Ein verehrtes Mitglied unserer Gesellschaft, einer, dessen 
Name genannt wurde und genannt werden wird, wo es sich um 
die höchsten und schönsten Ziele handelt, ist von uns gegangen ! 
Mit dem tiefen Empfinden des Verlustes, den die ganze Mensch- 
heit und besonders unsere Gesellschaft erlitten hat, wünschen 
die Mitglieder der Senckenbergischen Naturforschenden Gesell- 
schaft ihren Tribut dem Andenken an 

Morris Kethcum Jesup 
zu zollen, an einen Mann von solchem Zielbewußtsein, von so un- 
begrenztem Glauben an seine Mitmenschen, von so warmem 
Fühlen, daß selbst eine kurze Schilderung seines Lebensganges 
veredelnd auf alle wirken muß, die sie lesen. 

Mr. Jesup wurde am 21. Juni 1830 in einer kleinen Stadt 
New Englands (Westport, Conn.) geboren ; seine Vorfahren waren 
von Sheffield in England im Jahre 1650 nach Amerika gekommen. 

Durch den Tod seines Vaters war er gezwungen, die Schule 
zu verlassen und im frühen Alter von dreizehn Jahren in ein kauf- 
männisches Geschäft einzutreten. Von Anfang an sicherte ihm 
die treue Erfüllung der ihm übertragenen Pflichten und warmes 
Iuteresse, das er den Angelegenheiten seiner Auftraggeber ent- 
gegenbrachte, Erfolg, und nach neunjähriger Tätigkeit etablierte 
er sich selbständig in New York City und wurde bald als Mann 
von lauterer Gesinnung und gesundem Urteil anerkannt. Durch 
seine Klugheit und seinen weiten Blick identifizierte er sich 
mit manchem Unternehmen, das seine geschäftliche Fähigkeit 
glänzend bewiesen hat. 




Morris K- Jesup 

21. Juni 1830 — 22. Januar 1908 



— 31* - 

Während seiner ganzen Laufbahn als Kaufmann und Ban- 
kier war sein Name unbefleckt, und die wohlverdiente Aus- 
zeichnung eines Präsidenten der New Yorker Handelskammer 
wurde ihm im Mai 1899 verliehen ; er bekleidete dieses Amt 
bis Mai 1907. 

Mr. Jesup war also in erster Linie Geschäftsmann; um 
so bemerkenswerter war seine Begeisterung für Angelegenheiten 
der Erziehung, sein Interesse für die Wissenschaft. Weit über 
die Grenzen seines Vaterlandes wurde die Wirkung dieser Be- 
geisterung dankbar empfunden. 

Die Lage der orientalischen Völker erregte seine wärmste 
Sympathie und bestimmte ihn zur Errichtung des Syrian College 
in Beirut, dessen humanisierender Einfluß zu wohl bekannt ist, 
um weiterer Erläuterung zu bedürfen. Als erster und einziger 
Präsident des Peary Arctic Club lieh er den heldenmütigen 
Versuchen des Commander Peary zur Erforschung des Nordens 
großmütige und unbeschränkte Unterstützung. 

Seiner tief-religiös angelegten Natur war es ein stetes 
Bedürfnis, für die christlichen Ideen einzutreten, und sein Wille, 
„zu dienen", ergibt sich aus der Aufzählung der verschiedenen 
religiösen und philanthropischen Organisationen, in denen er sein 
lebhaftes Interesse betätigte. Er war Begründer und Schatz- 
meister der Christlichen Kommission während des Bürgerkriegs ; 
er war Präsident der Young Men's Christian Association of New 
York City; er baute ein Heim für heimatlose Knaben; er war 
Präsident der New Y T ork Mission and Tract Society, the Five 
Points House of Industry, the American Sunday School Union 
und the Sailors 1 Snug Harbor; er war Vizepräsident der Taub- 
stummenanstalt, der Society for the Suppression of Vice und des 
Tierschutzvereins; er war in der Verwaltung der Gesellschaft 
zur Verhütung von Grausamkeiten gegen Kinder, des Halb- 
waisenasyls und des General Education Board, und er war 
Schatzmeister des John F. Slater Fund für Erziehung der Frei- 
gelassenen der Südstaaten. 

Er war auch in der Verwaltung des Union Theological 
Seminary, und von der Überzeugung durchdrungen, daß eine 
größere Zahl wohl vorgebildeter Verkünder des Evangeliums 
ein dringendes Bedürfnis sei, baute er die schöne Halle, die 
seinen Namen trägt, und gründete die Jesup Graduate Professor- 



- 32* - 

ship of Practical Theology. Auch die großen Unterrichtsan- 
stalten seines Vaterlandes erfreuten sich seiner Unterstützung. 
Williams College schenkte er ein prächtiges Gebäude; Princeton 
University erhielt ein reiches Geldgeschenk und Yale University 
die Landberg Collection of Arabic manuscripts. 

Man sollte denken, daß die mannigfachen humanitären 
und erziehlichen Interessen das Leben dieses Mannes ausgefüllt 
hätten; aber so groß war sein Charakter, daß sein Drang, sich 
zu betätigen, scheinbar unbegrenzt war ; und es bleibt uns noch 
das monumentalste seiner Werke zu erwähnen: die Errichtung 
des AmericanMuseumof Natural History. Ein kurzer 
Überblick über das Wachstum dieses Instituts ist für die 
Freunde und Gönner der Senckenbergischen Naturforschenden 
Gesellschaft von Interesse; denn er gibt ein Bild von den Er- 
folgen eines Mannes, dessen Endziel nicht Selbstverherrlichung 
war, sondern Förderung der Forschung und Verbrei- 
tung des Wissens. 

Im Jahre 1869 petitionierte eine Anzahl gemeinsinniger 
Bürger bei der Behörde des Staates New York um Gründung 
des „ American Museum of Natural History" in der City New York, 
mit dem Zweck der Errichtung eines Museums und einer Bibliothek 
für Naturwissenschaften, „zur Förderung und Entwickelung natur- 
wissenschaftlicher Studien, zur Verbreitung des Wissens ver- 
wandter Gegenstände und diesen Zwecken dienender populärer 
Belehrung und Unterhaltung". 

Die großherzige Unterstützung hochsinniger Bürger im 
Verein mit den Behörden der City of New York wirkten gemein- 
sam unter der Leitung eines klugen und fähigen Führers. 
Mr. Jesup übertrug seine Begeisterung auf andere; in allen 
Komitees war er tätig; er war bestimmend für die Auswahl der 
idealen Lage des Gebäudes; er war eifrig und erfolgreich in 
seinen Bemühungen, günstige Privilegien zu erwirken; er trat 
energisch für Gewährung eines dauernden Unterstützungfonds 
ein, zu dem er selbst in reichem Maße beisteuerte, und vor allem 
widmete er dem Unternehmen seine ganze Zeit, seine Tatkraft. 

Er übernahm die Präsidentschaft des Museums 1881, und 
während der ganzen Dauer seiner Verwaltung führte er die 
Geschäfte mit seltener Hingebung und Geschicklichkeit, bis er 
es in der ersten Reihe unter den führenden Museen der Welt sah. 



— 33* — 

Die Sammlung der Bäume Nordamerikas, basiert auf ihrem 
naturwisseuschaftlich-ökonomischen Wert, war eines der ersten 
Ergebnisse seiner Schöpfung ; und diese Sammlung ist heute nicht 
nur eine der anziehendsten und lehrreichsten Ausstellungen des 
Museums, sondern auch die vollkommenste Sammlung dieser Art. 

Alsdann beschäftigte ihn zunächst der Zug der mensch- 
lichen Rassen zwischen der neuen und alten Welt; 1897 rüstete 
er auf eigene Kosten eine Expedition nach British Columbia, 
Alaska und Sibirien aus. Das Ergebnis dieser Forschungsreise 
wird zwölf Quartbände füllen und wird eben veröffentlicht. Er 
sandte eine Expedition nach Mexiko zum Studium der Be- 
ziehungen zwischen nordamerikanischen und mexikanischen 
Indianern; andere nach den Südweststaaten der Union, um alle 
erhältliche Nachrichten über die aussterbenden Stämme zu 
sammeln. 

In neuerer Zeit veranlaßte er die Entsendung einer Expe- 
dition nach Fay um in Ägypten, um die Urformen einiger rezenter 
Säugetiere zu erforschen. Er trug bei zu dem Ankauf der 
Cope -Sammlung von fossilen nordamerikanischen Säugetieren 
und schenkte dem American Museum die C o p e - Sammlung 
fossiler Reptilien, Amphibien und Fische. 

Aus seinen Geschenken neuerer Zeit erwähnen wir die 
bemerkenswerte Sammluug der Maori von Neu-Seeland; die 
ethnologischen und zoologischen Sammlungen des oberen Ama- 
zonenstroms und eine Reihe Marmorbüsten der Pioniere ameri- 
kanischer Wissenschaft, die jetzt die große Halle des Museums 
schmücken. In der Tat, keine Abteilung des Instituts ist ohne 
Zeichen seines liebevollen Interesses und seiner großherzigen 
Unterstützung. 

Wenn er so eifrig wissenschaftliche Forschung begünstigte, 
war doch sein Hauptziel, die Ergebnisse der Forschung dem 
allgemeinen Verständnis zugängig zu machen, und das Erreichen 
dieses Ziels durfte er aussprechen mit den Worten: „Ich glaube, 
daß es (das American Museum of Natural History) eine der 
wirksamsten Anstalten der Stadt New York ist, die dem Volke 
Erziehung, unschuldiges Vergnügen und Belehrung gewähren". 

In Anerkennung der außerordentlichen Unterstützung, die 
Mr. Jesup den Gebieten der Wissenschaft und Erziehung zu- 
teil werden ließ, ernannte ihn der Kaiser von Rußland zum 

3 



— 34* — 

Mitglied des St. Stanislaus- Ordens. Yale University und Williams 
College verliehen ihm die Würde eines Master of Arts und 
Princeton University die eines Doctor of Laws. 

Obgleich bestimmt und kraftvoll — ein Führer der Menschen 
— war er heiter, gütig, von unbesiegbarer Zuversicht, großherzig 
und wohlwollend. Er war geliebt und geachtet von allen, die 
ihm nahegetreten sind. Die Sen ckenb ergische Natur- 
forschende Gesellschaft als Empfängerin eines 
seiner kostbarsten Geschenke, zu dem ihn die 
Freundschaft für einen Sohn Frankfurts veran- 
laßt hat, wird sein Andenken immer hochhalten. 
Denn er war ein wahrhaft edler Charakter und 
wirkte klug und gut für seine Mitmenschen. 




Moritz Schmidt 

15. März 1838 — 9. Dezember 1907 



— 35* — 



Erinnerungen an Moritz Schmidt 

(Mit Porträt.) 
Von 

Dr. 0. Körner, 

Professor an der Universität Rostock. 



Am 9. Dezember 1907 erlag Moritz Schmidt in seiner 
Vaterstadt Frankfurt a. M. einem Schlaganfalle. Geschwächt, 
aber nicht gebrochen durch kaum überwundene Erkrankungen 
und durch das Alter, hatte er noch im September die zweite 
Versammlung der Deutschen laryngologischen Gesellschaft in 
Dresden geleitet und am 13. Oktober im Namen der Dr. Sencken- 
bergischen Stiftungsadministration unserer Naturforschenden 
Gesellschaft bei der denkwürdigen Eröffnungsfeier ihres neuen 
Museums Grüße und Glückwünsche überbracht. Die Regierung, 
die städtischen Behörden, die Nachbaruniversitäten, seine früheren 
Assistenten und Kollegen wetteiferten gerade mit den Sencken- 
bergischen Anstalten in den Vorbereitungen zur Feier seines 
70sten Geburtstages am 15. März — da endete ein sanfter 
Tod sein arbeits- und segensreiches Leben. 

Leben und Wirken dieses seltenen Mannes in den Berichten 
der Gesellschaft, die ihn als den zweiten Begründer der Dr. 
Senckenbergischen Stiftung verehrt, darzustellen, ist mir als 
einem seiner älteren Schüler und Freunde übertragen worden. 
Möge es mir gelingen, dieser Aufgabe gerecht zu werden. 

Nicht von ungefähr ist Moritz Schmidt Arzt geworden. 
Das Beispiel seines Vaters Adolf Schmidt hat ihn dazu er- 
zogen. Der Vater war ein aufopferungsfähiger Arzt, der keine 
andere Erholung kannte, als unter dem Mikroskope die Wunder- 
werke der Natur zu studieren, nicht um den Ruhm wissen- 
schaftlicher Entdeckungen einzuernten, sondern um sich an der 

3* 



— 36* — 

Herrlichkeit der Schöpfung auch im Kleinsten zu erfreuen. 
Und doch ist ihm die Wissenschaft für eine wichtige Entdeckung 
großen Dank schuldig. Er hat zuerst gefunden, daß die Finne 
einer der im menschlichen Darme vorkommenden Bandwurmarten, 
der Taenia mediocanellata (saginata), nicht, wie man geglaubt 
hatte, im Schweine, sondern im Rinde lebt. Auch war er einst 
in Frankfurt die höchste Autorität in der pathologischen Histologie 
gewesen. Wie sein klarer Blick und seine Energie einem der 
größten Fortschritte der Heilkunde den Weg zum Siege bahnen 
halfen, werden wir später kennen lernen. 

Die Anregungen, die von einem solchen Vater ausgingen, 
mußten bei dem Sohne frühzeitig die werktätige Menschenliebe 
in der Heilkunde, die Freude an der Natur und das Interesse 
an den Ergebnissen der Naturforschung erwecken. 

Seine Studentenzeit verbrachte Moritz Schmidt aus- 
schließlich in Göttingen. Er hat davon selten und nur weniges 
erzählt, und es scheint, daß keiner von den dortigen Professoren 
bestimmend auf ihn eingewirkt hat. Der Wandertrieb, der den 
deutschen Studenten so oft von einer Hochschule zur andern 
führt, brach bei ihm erst nach abgelegtem Doktorexamen durch. 
1860—62 finden wir ihn in den Krankenhäusern von Wien, 
Berlin, Utrecht, London, Edinburgh und Paris. In Utrecht 
widmete er sich bei dem berühmten D o n d e r s ganz der Augen- 
heilkunde, und nur ein Zufall lenkte sein Interesse von diesem 
Fache zu den Kehlkopfkrankheiten über : als er sich in London 
in Moor fields Augenhospital beschäftigte, traf er zufällig mit 
dem Physiologen Czermak zusammen, der damals die wissen- 
schaftlichen Zentren Europas bereiste, um die Anwendung des 
eben erfundenen Kehlkopfspiegels zu demonstrieren. Czermak 
zeigte das neue Instrument dem lernbegierigen jungen Kollegen 
und lehrte ihn, es an sich selbst und bei andern anzuwenden. 

Es ist heutzutage schwer, sich eine Vorstellung davon zu 
machen, welche gewaltige Revolution in der Medizin die Er- 
findung dieses Instrumentes herbeigeführt hat. Wenn jemand 
an Heiserkeit litt, wußte man vordem nicht, ob sie durch einen 
einfachen Katarrh, durch Geschwüre, durch Geschwülste oder 
durch Lähmungen des Kehlkopfs verursacht war, mit anderen 
Worten, man konnte nicht sagen, ob das Leiden harmloser 
Natur sei oder zu schwerem Siechtum oder gar zum Tode 



— 37* — 

führen werde. Da die Kenntnis des Leidens fehlte, beschränkte 
sich die Behandlung- auf die Bekämpfung einzelner Symptome 
und erschien fast überall machtlos, wo die Krankheit nicht von 
seihst heilte. 

. In dieses dunkle Gebiet warf nun mit einem Male der 
Kehlkopfspiegel strahlendes Licht. Man erblickte das vorher 
mehr geahnte als gekaunte Spiel der Stimmbänder beim Atmen 
und Intonieren, man sah die krankhaften Veränderungen im 
Kehlkopfe und lernte die harmlosen von den bösartigen unter- 
scheiden, ja man erkannte die wichtige Tatsache, daß Lähm- 
ungen der Stimmbänder die ersten Zeichen noch gänzlich ver- 
borgener Krankheiten in der Schädelhöhle und in der Brust 
sein können. Und nun war auch die Bahn vorgezeichnet, auf 
der man unter Leitung des Auges Instrumente in den Kehlkopf 
einführen und damit manche tückische Krankheit direkt an- 
greifen und beseitigen konnte. Unzählige, die durch den Verlust 
der Stimme Amt und Brot verloren hatten, konnten sich bald 
wieder des klaren Wortes und des reinen Tones erfreuen, Un- 
zählige, denen Erstickung gedroht hatte, erquickte wieder die 
ungehindert eingesogene Atemluft. 

Aber dieser fast beispiellose Fortschritt der Heilkunde 
konnte sich nicht mit einem Schlage vollziehen. Es bedurfte 
jahrzehntelanger, hingebender Arbeit tüchtiger und zielbewußter 
Männer, um die Untersuchungsmethode zu verbessern, die be- 
leuchteten Krankheitsbilder zu verstehen und die notwendigen 
neuen Behandlungsmethoden auszubilden, wie auch die nötigen 
Instrumente zu erfinden. Und jeder, der sich diesem Gebiete 
zuwandte, mußte Auge und Hand für die schwierige, nur im 
Spiegelbilde kontrollierbare Arbeit in der Tiefe des Halses 
ausbilden. 

Diesen großen Aufgaben widmeten sich in der ganzen 
gebildeten Welt vornehmlich die Schüler Czermaks und unter 
ihnen Moritz Schmidt. 

1862 kehrte er in seine Vaterstadt zurück und wurde 
Assistenzarzt am Bürgerspitale unter dem als Chirurg weit und 
breit geschätzten Gustav Passavant. Auch dieser hatte, 
wie einige noch heute bedeutungsvolle unter seinen wissenschaft- 
lichen Arbeiten zeigen, lebhaftes Interesse und volles Verständ- 
nis für das der ärztlichen Tätigkeit ueu erschlossene Gebiet. 



— 38* — 

So durfte sein junger Assistent, der nun als erster und lange 
Zeit als einziger der Frankfurter Ärzte den Kehlkopfspiegel 
anwenden konnte, auf kräftige Unterstützung seines Chefs 
rechnen. 

Und die hilfesuchenden Kehlkopfkranken blieben nicht aus ; 
sie waren ja in Menge aufgestapelt, da man vordem ihr Leiden 
nicht sicher erkennen und nicht behandeln konnte. Moritz 
Schmidt war bald gezwungen, noch als Assistent eine Privat- 
sprechstunde für Halskranke in dem alten Bürgerspitale abzu- 
halten und mußte schon nach Jahresfrist die Assistentenstelle 
aufgeben, um sich ganz der eigenen spezialistischeu und haus- 
ärztlichen Praxis widmen zu können. So wirkte er auf dem 
neu erschlossenen Gebiet eifrig, aber still, als rüstiger Pionier, 
neues entdeckend und erfindend und alles, was andere fanden, 
sorgsam prüfend, verbessernd und seinen Kranken zum Heile 
verwertend. Der Ruhm seines Könnens verbreitete sich nur 
durch die geheilten Kranken und durch die Kollegen, die sich 
seines Beistandes erfreuten ; selbst tat er nichts dazu. Wenn 
andere etwas als neu veröffentlichten, das er längst gefunden 
und in seiner Praxis verwertet hatte, schwieg er bescheiden 
still; ihn erfreute der Fortschritt des Wissens und Könnens, 
aber er legte keinen Wert darauf, öffentlich seinen Namen 
daran zu knüpfen. So hat er in den ersten achtzehn Jahren 
seiner Tätigkeit nichts veröffentlicht. 

Doch es kam, wenn auch spät, die Stunde, da er hervor- 
trat. Wie das geschehen ist, weiß ich besser als andere zu er- 
zählen; denn die erste wissenschaftliche Leistung, die er der 
ärztlichen Welt vorlegte und die seinen Namen in die Geschichte 
der Heilkunde für alle Zeiten eingetragen hat, knüpft sich eng 
an Krankheitsfälle in meiner eigenen Familie an. 

Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts 
war ein Arzt in dem entlegenen schlesischen Gebirgsdorfe Gör- 
bersdorf, Hermann Brehmer, mit der Behauptung aufgetre- 
ten, die Luugenschwindsucht, einer der schlimmsten Würgengel, 
die je das Menschengeschlecht heimgesucht haben, sei heilbar. 
Diese frohe Botschaft wurde in der ärztlichen Welt mit un- 
gläubigem Kopfschütteln entgegengenommen, ja ihr Verkünder 
für einen Charlatan erklärt, und die Regierung versagte ihm 
die erbetene Konzession zur Errichtung einer Heilanstalt. Nur 



— 39* — 

zwei Ärzte gewannen Zutrauen zu dem kühnen Neuerer, Flügge 
in Hanuover, der Vater des berühmten Hygienikers, und Moritz 
Schmidts Vater Adolf. In Adolf Schmidts Klientel er- 
krankten in den Jahren 1858 bis 1862 meine Mutter und ihre 
drei Geschwister, sowie zwei Brüder meines Vaters an Lungen- 
tuberkulose, und drei der sechs Erkrankten starben in kurzer 
Frist. Die übrigen drei, zuerst meine Mutter, wagte Adolf 
Schmidt nach Görbersdorf zu schicken. Die Reise von Frank- 
furt dorthin erforderte damals noch drei Tage, und alle Welt 
riet von dem scheinbar unsinnigen Vorhaben ab, einer Sterbenden 
eine so beschwerliche Fahrt zuzumuten, aber Adolf Schmidt 
bestand darauf. Das Wagnis gelang, die Kranke erholte sich 
in Görbersdorf überraschend schnell und ist erst 25 Jahre 
später dem heimtückischen Übel erlegen. Die Kunde von diesem 
wunderbaren Erfolge verbreitete sich schnell in Frankfurt und 
von da aus weithin. Brehmer selbst hat später bekannt, daß 
das Aufsehen, das gerade dieser Fall erregt hatte, die erste 
Etappe auf der siegreichen Bahn seiner Methode gewesen ist. 
Brehmer kam bald öfter nach Fraukfurt und wurde durch 
A d ol f Sc h m i d t mit dem Sohue Moritz bekannt, der nun als 
Apostel der Brehmer sehen Methode mit seinem Vater wett- 
eiferte. 

Und die Saat, die Brehmer gesät, ging in Moritz 
Schmidt in Fülle auf. Er war es, der im Anfange der 70er 
Jahre die Gründung der damals mustergültigen Heilanstalt zu 
Falkenstein im Taunus anregte und zu ihrer Leitung Brehmers 
früheren Assistenten Peter Dettweiler berief, nachdem der 
erste ärztliche Leiter, Dürssen, kurz nach der Eröffnung der 
Anstalt einem Blutsturze erlegen war. Und später hat Schmidt 
die erste Volksheilstätte für Lungenkranke zu Ruppertshain 
gegründet. 

Aber damit nicht genug. Wenn die Lungentuberkulose 
heilbar ist, dachte Moritz Schmidt, muß auch die Kehl- 
kopftuberkulose heilbar sein. Diese Vermutung fand er in 
zwei Fällen bestätigt, bei denen er tuberkulöse Geschwüre im 
Kehlkopfe ohne jede lokale Behandlung hatte heilen sehen. 
Einer dieser Fälle betraf meine Mutter, und ich muß sagen, 
daß man nach der ganzen Lage dieses Falles und nach der 
Beschreibung des Kehlkopf befundes, den mir Schmidt später, 



- 40* - 

als ich sein Assistent war, gegeben hat, auch heute nicht an 
der Richtigkeit der Diagnose zweifeln darf. Damals freilich 
entgegnete man Schmidt allgemein: das Geschwür ist geheilt, 
also war es nicht tuberkulös! 

Aber Schmidt ließ sich durch solche absprechende Urteile 
nicht irre machen, sondern trachtete von nun an danach, diese 
Krankheit, vor welcher die Ärzte bisher hilflos die Waffen 
gestreckt hatten, zu bekämpfen. Sein Ringen krönte der Sieg, 
ein Sieg, der vom Standpunkte des einzelnen Kranken be- 
trachtet, noch herrlicher ist, als der Brehmers. Denn 
der Tod an Lungentuberkulose ist ein leichter im Vergleiche 
mit dem qualvollen Verhungern und Ersticken durch Kehlkopf- 
tuberkulöse. 

Als Schmidt seine überraschend reichen Erfahrungen 
über die Heilung der Kehlkopftuberkulose 1880 in dem Deutschen 
Archiv für klinische Medizin veröffentlichen wollte, erklärte 
ihm der Herausgeber, Professor von Ziemßen in München, 
er könne die Arbeit nur annehmen, wenn in dem Titel das 
Wort „Heilung" durch „Behandlung" ersetzt würde ; er glaubte 
also noch nicht an die von Schmidt erkannte Heilbarkeit 
der Kehlkopftuberkulose. Kurz darauf demonstrierte Schmidt 
in seinem Sprechzimmer einem anderen Professor der inneren 
Medizin eine Reihe von Leuten, die er von der Kehlkopftuber- 
kulose befreit hatte. Ich war damals noch Student, aber Schmidt 
erzog mich während der akademischen Ferien bereits zu seinem 
späteren Assistenten. So war ich bei der Demonstration zugegen 
und werde nie die abstoßende Art vergessen, in welcher der 
Professor seine Zweifel an der Richtigkeit der Schmidt scheu 
Diagnosen und an der Heilbarkeit der Kehlkopftuberkulose, 
nicht durch Worte, aber durch Mienen zu erkennen gab. Diese 
Vorkommnisse zeigen am besten, wie schwer Schmidts Kampf 
gegen eingewurzelte Vorurteile gewesen ist. 

Es ist hier nicht der Ort, Schmidts damalige und spätere 
Behandlungsmethoden der Kehlkopftuberkulose eingehend dar- 
zulegen und seine Erfolge zahlenmäßig anzuführen. Die Methoden 
waren teils medikamentös, teils chirurgisch, und er legte den 
größten Wert darauf, daß nicht allein das kranke Organ, son- 
dern der ganze kranke Mensch behandelt würde. Alles, was er 
damals lehrte, ist noch heute brauchbar und nur nach der 



— 41* — 

operativen Seite hin von ihm selbst und von andern weiter 
ausgebaut worden. 

So hatte Schmidt endlich sein Können auch den weiteren 
Fachgenossen dargelegt, aber noch wurde seine ganze Bedeutung 
in wissenschaftlichen Kreiseu nicht gewürdigt; seine Heran- 
ziehung zur Beurteilung der Krankheit des Kronprinzen Friedrich 
Wilhelm, nachmaligen Kaisers Friedrich, erfolgte nicht 
auf Vorschlag ärztlicher Autoritäten. 

Der Kronprinz war seit Januar 1887 von dauernder Heiser- 
keit befallen worden, die langsam zunahm. Trotz der nach da- 
maligen Anschauungen zweckmäßigen Behandlung durch den 
Berliner Kliniker Gerhardt trat keine Besserung ein. Mitte 
April wurde eine Kur in Ems begonnen. Gerhardt hatte zu- 
gestimmt, in der Erwartung, daß dieser Kurversuch zeigen 
werde, ob das Leiden harmloser Art, oder, wie er befürchtete, 
der Krebs war. In Ems wurde angeregt, einen Kehlkopf - 
Spezialisten zuzuziehen. Der 1891 in Frankfurt verstorbene 
Fürst Georg von Solms-Braunfels hat mir erzählt, daß 
er diese Anregung gegeben und schon damals Schmidt in 
Vorschlag gebracht habe. Als der Kranke Mitte Mai ver- 
schlimmert nach Potsdam zurückgekehrt war, wurde die Diag- 
nose auf Krebs von Gerhardt, von Bergmann und T o b o 1 d 
mit Bestimmtheit gestellt. Man kam dann wieder auf die an- 
geregte Zuziehung eines besonders erfahrenen Spezialisten zurück. 
Es wurden aber von ärztlicher Seite nur Ausländer vorge- 
schlagen, und Mackenzie aus London bekam den hohen Kranken 
in die Hand, leugnete die Krebsdiagnose, verhinderte die ge- 
plante und damals noch aussichtsreiche Operation, entfernte 
den Kranken aus der Heimat und wußte die deutschen Ärzte 
bald fernzuhalten, bald kaltzustellen und den wahren Sach- 
verhalt durch beständige Verläumdung der deutschen Ärzte und 
lügenhafte Zeitungsberichte in Dunkel zu hüllen. 

Da wurde sechs Monate später die ganze gebildete Welt 
durch die Nachricht schmerzlich überrascht, daß Mackenzie 
die Krankheit nun doch als bösartig erkannt und die Hinzu- 
ziehung noch anderer Ärzte verlangt habe. Professor Schrotte r 
aus Wien wurde berufen und der alte Kaiser Wilhelm beschloß, 
seinen Enkel, den jetzigen Kaiser, mit einem Vertrauensarzte, 
der ihm dann persönlich Bericht erstatten sollte, nach San 



- 42* — 

Remo zu schicken. Der Kaiser wünschte zu seinem Vertrauens- 
ärzte eine „völlige freie und unbeeinflußte Persönlichkeit". Als 
solche hatten ihm seine Ärzte, dem wiederholten Rate des 
Fürsten Sohns jetzt folgend, Moritz Schmidt bezeichnet, 
der sofort mit dem Prinzen Wilhelm nach San Remo fuhr. 

Ich bin auf die Vorgeschichte der Berufung Schmidts 
an dieses Krankenlager eingegangen, weil nur die Erinnerung 
an jene bewegte Zeit uns die Bedeutung dieser Sendung wieder 
vor die Seele rückt. Auch den Abschluß der Episode darf ich 
nicht verschweigen, wenn ich der eigenartigen Persönlichkeit 
Schmidts gerecht werden soll. 

Kaum nach Frankfurt zurückgekehrt, hat Schmidt dem 
Ärztlichen Vereine über seine Mission und über die dabei ge- 
wonnenen Eindrücke und Anschauungen ausführlich Mitteilung 
gemacht. Das war gewiß zulässig, denn die Tatsache, daß der 
Kronprinz am Kehlkopfkrebse litt, sollte nicht mehr geheim 
gehalten werden. Wohl aber konnte es Mißverständnisse er- 
regen, wenn Einzelheiten aus den Besprechungen der Ärzte an 
die Öffentlichkeit gelangten. Deshalb leitete Schmidt seinen 
Bericht vor den Kollegen mit der Bitte ein, keiner möge das 
Gehörte aus den vier Wänden des Sitzungssaales herausgelangen 
lassen. Aber schon am nächsten Tage stand der ganze Vortrag 
in den Zeitungen ; ein Kollege, den ich nicht nennen will, hatte 
ihn stenographiert. Man hat Schmidt getadelt, daß er das 
nicht vorausgesehen habe : wer ihn aber kannte, mußte die 
Sache in ganz anderem Lichte sehen : seine übergroße Vertrauens- 
seligkeit entsprang nur seiner vornehmen Gesinnung; was er 
nie getan hätte, dessen hielt er auch die Kollegen für unfähig. 
Mackenzie hat natürlich Schmidts „Indiskretion" für sich 
ausgenutzt und, wie er wenigstens behauptet, waren sogar der 
Kranke und seine Umgebung gegen Schmidt gestimmt worden. 
Wenn eine solche Verstimmung wirklich bestanden hat, so ist 
sie später durch bessere Erkenntnis ausgetilgt worden, denn 
als Kaiser Wilhelm II. 1903 an einem Kehlkopf polypen er- 
krankte, setzte er nicht nur in Schmidts Geschicklichkeit, 
sondern auch in seine Verschwiegenheit das allergrößte Ver- 
trauen. Er ließ sich von ihm ganz geheim im Manöver unter- 
suchen. Die als nötig erkannte Operation mußte aus politischen 
Gründen zwei Monate aufgeschoben werden; dann kam Schmidt 



— 43* — 

im tiefsten Geheimnisse nach Potsdam, und eines Tages erfuhr 
die erstaunte Welt, daß der Kaiser durch ihn von einem Kehl- 
kopfpolypen befreit worden war. 

Kehren wir zum November 1887 zurück. Schmidt hatte 
seinen Wert wohl schon längst vor der Beruf img nach San Remo 
erkannt; nun war er plötzlich der ganzen Welt gegenüber als 
oberster Schiedsrichter in laryngologischen Fragen hingestellt. 
Aber kein Stolz kam in ihm auf; nur reine Freude beseelte ihn, 
der er Freunden gegenüber einen fast kindlich naiven Ausdruck 
verlieh. Und doch war sein ganzes Wesen wie mit einem Schlage 
verändert, er fühlte, und mau merkte, wie er es fühlte, daß 
bescheidenes Zurückhalten nunmehr ein Unrecht wäre, daß er 
jetzt vielmehr die Pflicht habe, sein Wissen und Können mehr 
als bisher der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und daß er 
das ihm vom Geschick zuerteilte hervorragende Ansehen zum 
Nutzen der Wissenschaft und der Kranken verwerten müsse. 

Darum begann er jetzt, seine gesamten, durch vieljährige 
Tätigkeit gefestigten und abgeklärten Ansichten und Erfah- 
rungen über die Krankheiten der oberen Luftwege in einem 
groß angelegten Werke niederzuschreiben. Das Buch erschien 
1894 und fand solchen Beifall, daß es in kurzen Fristen (1897 
und 1903) neu aufgelegt werden mußte. Ein sachverständiger 
Beurteiler sagt von ihm, daß es „Zeugnis ablegt von der kräf- 
tigen Eigenart seines Verfassers, von der Sicherheit, mit der 
er bei neidloser Anerkennung der Leistungen anderer seine 
durch reichste eigene Erfahrungen gewonnenen Überzeugungen 
vorträgt, von der Bereitwilligkeit, mit der er neuere Anschau- 
ungen aufnahm, von dem unermüdlichen Fleiße, mit dem er 
dem Fortschritte der Wissenschaft folgte, von der beneidens- 
werten Hoffnungsfreudigkeit, die sein therapeutisches Wirken 
durchzog, von der warmen Menschenliebe, die seine ganze ärzt- 
liche Tätigkeit beseelte". 

Dieses, Wort für Wort zutreffende Lob läßt nur den Hin- 
weis auf diejenigen Eigentümlichkeiten des Buches vermissen, 
die ihm seinen Hauptwert verleihen: das Buch wirkt durch 
das Beispiel seines Verfassers erzieherisch auf den ärztlichen 
und besonders auf den spezial-ärztlichen Leser und setzt 
die hohe Befähigung Schmidts als Lehrer seines Faches in 
helles Licht. 



— 44* — 

Seite für Seite erkennen wir in dem Verfasser einen Arzt, 
der den ganzen kranken Menschen behandelt, nicht aber einen 
Spezialisten, der seine Aufmerksamkeit und Tätigkeit allein 
auf das kranke Organ richtet. Er hat in seinem Fache als 
Spezialist das Höchste erreicht, weil er immer Arzt geblieben ist. 
Sechsundzwanzig Jahre lang hat er neben seiner enormen spezia- 
listischen Tätigkeit eine große hausärztliche Praxis bewältigt 
und erst, als sich beides gar nicht mehr vereinigen ließ, schweren 
Herzens die hausärztliche Tätigkeit aufgegeben. Mit vollem Rechte 
hat er gefordert, daß jeder Spezialist, zum mindesten in den 
ersten Jahren seiner Tätigkeit, sich mit der hausärztlichen Praxis 
vertraut machen muß, wenn er nicht in G-efahr geraten soll, 
über dem kranken Organe den kranken Menschen zu vergessen. 

Die Befähigung Schmidts als Lehrer erhellt aus der 
klaren Darstellung namentlich der Untersuchuugs- und Behand- 
lungsmethoden. Nicht wenige Ärzte hat das Buch augeregt und 
ermutigt, sich au der Hand der gegebenen trefflichen Ratschläge 
praktisch zu üben auf Gebieten, die sie vorher als allzu schwierig 
vernachlässigt hatten. Sonst ist Schmidts große Lehrgabe 
nur seineu Assistenten zugute gekommen; leider hat er das 
ihm von zwei Universitäten angebotene akademische Lehramt 
ausgeschlagen. 

Mit seinem Buche hat Schmidt erreicht, daß die Laryngo- 
logen der ganzen Welt ihn als einen der berufensten wissen- 
schaftlichen Führer bereitwillig anerkannten. An die Führer- 
schaft in wissenschaftlichen Fragen knüpft sich aber naturgemäß 
auch die Aufgabe der Leitung wissenschaftlicher Vereine und 
Gesellschaften, die neben der reinen Wissenschaft auch ärztlich- 
soziale und besondere fachpolitische Interessen pflegen. Auch 
in solchen, der reinen Wissenschaft mehr oder weniger fern- 
liegenden Fragen eine leitende Rolle erfolgreich durchzuführen, 
ist eine Aufgabe, zu deren Erfüllung hervorragendes fachliches 
Wissen und Können und ehrliches Ringen nach hohen Zielen 
nicht immer allein ausreichen. Da gilt es, gleichgerichtete 
Strömungen den als richtig erkannten eigenen Zwecken dienst- 
bar zu machen und gegnerische zur eigenen Überzeugung zu 
bekehren. Wer das erreichen will, muß Ansichten und Absichten, 
wie auch Wert und Begabung der Mitstrebenden und der Gegner 
klar erkennen. Zu solcher Fähigkeit erzieht aber den Menschen 



- 45* — 

allein der harte Kampf um Dasein und Geltung; man durfte 
sie nicht in hervorragendem Maße erwarten bei einem fast bei- 
spiellos vom Glücke begünstigsten Manne, der ohne Kampf zur 
Höhe emporgestiegen war und dem sich äußerlich alles gefügt 
hatte, als ob es für ihn zurecht gerückt wäre. Darum blieben 
ihm, da er auf der Höhe stand, Enttäuschungen und Fehlschläge 
hier nicht erspart: er erkannte es nicht immer, wenn andere 
sein Ansehen zur Förderung ihrer Sonderzwecke ausnutzten, 
und hohe Pläne, von ihm selbst zum Nutzen der Kollegen aus- 
ersonnen, stießen gerade bei diesen auf unüberwindlichen Wider- 
stand. Aber er hat es verstanden, aus getäuschten Hoffnungen 
und vereitelten Bestrebungen seinen beneidenswerten Optimismus 
herauszuretten und hat gern der siegenden Gegnerschaft wieder 
die Hand gereicht, wie auch die Gegner seine lauteren Absichten 
nicht verkannt haben. 

Auf dem ihm vertrauten Boden der vaterstädtischen Ver- 
hältnisse leuchtete seinen vielseitigen gemeinnützigen Bestre- 
bungen ein glücklicher Stern. Nachdem er die ärztliche Tätig- 
keit mit der Operation Kaiser Wilhelms IL abgeschlossen 
hatte, konnte er seine ganze Kraft den genannten Aufgaben 
widmen. Hier haben ihn hingebender Fleiß und zielbewußte 
Beharrlichkeit zu einem Organisator gemacht, dessen Erfolge 
ihresgleichen suchen. Sein großes Ansehen und sein ernstes und 
doch gewinnendes, stets würdevolles, ja fast feierliches Auftreten 
fielen dabei schwer in die Wagschale. Und weil er fortwährend 
hohe Stellen in Stadt und Land für die Förderung, und begüterte 
Mitbürger für die finanzielle Sicherung seiner Pläne gewinnen 
mußte, trug er den ihm von seinem dankbaren Kaiser verliehenen 
Titel als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikate Exzellenz, 
der ihn den Staatministern gleichstellte, mit allen Äußerlichkeiten 
zur Schau. 

Die gemeinnützigen Unternehmungen, deren Förderung 
er übernommen hatte, waren sehr verschiedener Art; sie be- 
trafen einerseits den inneren und äußeren Ausbau der medi- 
zinischen und naturwissenschaftlichen Anstalten seiner Vaterstadt, 
andererseits die synodale Organisation der protestantischen Kirche, 
wofür ihn die Marburger theologische Fakultät zum Ehrendoktor 
der Theologie ernannt hat. Die Religion war ihm eine rein 
persönliche Angelegenheit; er hat niemandem seine religiöse 



— 46* — 

Anschauung aufgedrängt und hat sich bei der Beurteilung und 
Behandlung anderer niemals von konfessionellen Rücksichten 
leiten lassen. Ein Widerspruch, wie man ihn bisweilen in seiner 
gleich eifrigen Betätigung für theologische und für moderne 
naturwissenschaftliche Interessen finden wollte, kann nicht be- 
standen haben. Zwar ist uns verborgen geblieben, wie er 
hierüber fühlte und dachte, aber niemand hat die Fähigkeit, 
darüber zu urteilen. Nicht umsonst sagt der kanadische Weise 
T höre au: „Wenn jemand mit seinen Gefährten nicht Schritt 
hält, so tut er es vielleicht deshalb nicht, weil er einen andern 
Trommler hört ; laßt ihn zu der Musik marschieren, die er hört, 
wie auch ihr Takt und wie fern sie auch uns selber sei." 

Unter deu wissenschaftlichen und humanitären Anstalten 
widmete er zuerst der Frankfurter Augenheilanstalt seine Kraft. 
Das aus seiner Wanderzeit stammende Interesse an der Augen- 
heilkunde betätigte er hier im Anfange seiner ärztlichen Wirk- 
samkeit als Augenarzt für die Armen, während er die Behand- 
lung begüterter Augenkranken ablehnte. Ende der 60er Jahre 
gab er diese Tätigkeit auf und trat in den Vorstand der Anstalt 
ein. Durch vier Dezennien hat er die Verwaltung geleitet, und 
ihm ist es zu verdanken, daß die Augenheilanstalt an das 
städtische Krankenhaus angegliedert wurde und dadurch jetzt 
eine viel umfangreichere Wirksamkeit unter Wahrung ihrer 
bewährten Eigenart entfalten kann. 

Ein großer Teil seiues Wirkens kam der Senckenbergischen 
Stiftung zugute. Jahrzehntelang hat er sie als Mitglied und 
als Vorsitzender der Administration geleitet, und 45 Jahre nach 
seinem Eintritt als Assistenzarzt am Spitale der Stiftung war 
es ihm vergönnt, den stolzen Neubau seiner eigenen Bildungs- 
stätte einer jüngeren Generation übergeben zu dürfen. Als 
1884 durch Gustav Lucaes Tod die Senckenbergische Lehr- 
kanzel für normale Anatomie verwaist war, gestaltete er sie, 
die Forderungen der Zeit erkennend, für die Pflege der patho- 
logischen Anatomie um und berief Karl Weigert, dem sicli 
die akademische Laufbahn wegen seines Glaubens verschlossen 
hatte. Zum ersten Male war damit eine Prosektur an nicht- 
akademischen Krankenhäusern geschaffen, und dazu einem Manne 
übertragen, um dessen Besitz Frankfurt allerorts beneidet 
wurde. 



— 47* — 

Mitglied der Senckenbergischen Naturforschendeii Gesell- 
schaft ist Schmidt 1870 geworden und 1899 hat er sich zum 
Nutzen der Gesellschaft in die Reihe der ewigen Mitglieder 
eingekauft. Interesse für Zoologie hatte er schon in jungen 
Jahren als Kenner und eifriger Sammler auf dem Gebiete der 
heimatlichen Coleopteren-Fauna gezeigt. Später gab er diese 
Beschäftigung auf, weil sie viele freie Zeit erfordert, wenn sie 
gründlich und nicht nur als Spielerei betrieben werden soll, 
denn die Kranken verlangen von dem Arzte, daß er sich ganz 
in ihrem Dienste aufzehre. Darum konnte Schmidt auch seiner 
Liebe zur Natur später nur fast heimlich nachgehen; vor oder 
nach der Tagesarbeit setzte er sich wohl an, um den Rehbock 
zu erlegen oder grub den Dachs, und nur wenn der erste leise 
Amselschlag den Frühling verkündete, entzog er sich auf wenige 
Tage der Praxis, um in den Schwarzwald zu eilen und in kalter 
Frühe den Auerhahn anzuspringen. Seine Jagdtrophäen werden 
nach seiner letztwilligen Bestimmung später unser Museum zieren. 

Schmidts Verdienste um die Senckenbergische Natur- 
forschende Gesellschaft liegen also nicht auf dem Gebiete der 
Forschung; seine Tätigkeit galt vielmehr der weitschauendeu 
Organisation und dem inneren und äußeren Ausbau der Gesell- 
schaft, also Einrichtungen, die eine sichere Grundlage für die 
wissenschaftliche Arbeit zahlreicher Fachmänner abgeben und 
ein mächtiges Mittel bieten, um das Interesse weiter Kreise für 
die Naturforschung zu wecken und wach zu erhalten. Nachdem 
er erkannt hatte, daß in den engen Verhältnissen des alten 
Museums eine segensreiche Entfaltung nicht mehr möglich war, 
wußte er langsam aber sicher allen Beteiligten seine feste Zu- 
versicht einzuflößen, daß die Verlegung des Museums aus der 
Innenstadt in die für einen Neubau allein in Betracht kommende 
Peripherie nur Nutzen bringen werde. Als Vorsitzender der 
Senckenbergischen Stiftungsadministration und in engster 
Fühlung mit der Naturforschenden Gesellschaft gelang es ihm, 
durch jahrelange Verhandlungen mit den städtischen Behörden 
die großen Transaktionen durchzusetzen, mittels derer im Aus- 
tausche gegen das alte Gelände für das Museum nicht nur der 
herrliche Platz an der Victoria-Allee inmitten anderer wissen- 
schaftlicher Anstalten, sondern auch die großen Mittel für den 
vorbildlichen Neubau beschafft wurden. 



— 48* — 

Einem solchen Manne ist die Senckenbergische Natur- 
forschende Gesellschaft ewigen Dank schuldig. Einen kleinen 
Teil dieser Dankesschuld hat sie abgetragen, indem sie ihm im 
Jahre 1904 die höchste Ehre, die sie zu vergeben hat, die 
außerordentliche Ehrenmitgliedschaft verlieh, und bei 
der Eröffnung des neuen Museums hat sie zum dauernden An- 
denken an seine Wirksamkeit sein Porträt, von der Meister- 
hand Angelis gemalt, als Schmuck des Sitzungszimmers ihrer 
Verwaltung gestiftet. Aber es bedarf nicht seines Bildnisses, 
um die Erinnerung an den trefflichen Mann in unserer Gesell- 
schaft wach zu halten: si monument um req iuris circum- 
spice: wer sein Denkmal sucht, der schaue sich um in den 
Räumen unseres Museums, seines großen Denkmals, für das er 
selbst die schwerste Arbeit vollbracht hat. 



— 49* — 

Verteilung der Ämter im Jahre 1908 



Direktion: 

Prof. Dr. med. A. Knoblauch, I. Dir. ; A. Andreae-von Grunelius, Kassier 

Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx, II. Dir. Generalkonsul Stadtrat A. you 

Dr. phil. P. Sack, I. Sekretär Metzler, Kassier 

F. W. Winter, IL Sekretär Dr. jur. F. Berg, Konsulent 

Revisions-Kommission : 

A. Ladenburg, Vorsitzender A. von Neufville 

A. Andreae E. Roques-Mettenheimer 

H. Nestle | W. Stock 

Abgeordn. für die Kommission der vereinigten Bibliotheken : 
Prof. Dr. H. Reicheubach 

Bücher-Kommission : 

Prof. Dr. F. Richters, Vorsitzender I Prof. Dr. F. Römer 
Prof. Dr. M. Möbius ' Prof. Dr. W. Schauf 

Prof. Dr. H. Reichenbach | Dr. G. Wahl 

Redaktion der Abhandlungen: 



W. Melber, Vorsitzender 
Prof. Dr. 0. Boettger 
Prof. Dr. L. von Heyden 



Prof. Dr. M. Möbius 
Prof. Dr. H. Reichenbach 
Prof. Dr. F. Römer 



Redaktion des Berichts: 

Prof. Dr. med. A. Knoblauch, Vorsitzender 
Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx 
Dr. phil. P. Sack 
F. W. Winter 

Bau-Kommission : 

Prof. Dr. med. A. Knoblauch, Vors. I Kommerzienrat R. de Neufville 
A. Andreae-von Grunelius 
Prof. Dr. L. von Heyden 
Dr. phil. A. Jassoy 
Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx 



Prof. Dr. H. Reichenbach 
San. -Rat Dr. E. Roediger 
Dr. med. 0. Schnaudigel 
Prof. Dr. phil. F. Römer 



Finanz-Kommission : 

Direktor H. Andreae, Vorsitzender 
A. Andreae-von Grunelius 
Kommerzienrat L. Ellinger 
0. Höchberg 



Dr. phil. A. Jassoy 
Prof. Dr. med. A. Knoblauch 
Kommerzienrat E. Ladenburg 
Kommerzienrat R. de Neufville 

4 



50* — 



Dozenten : 

I Prof. Dr. H. Reichenbach, 
Prof. Dr. F. Römer und 
Dr. E. Wolf 

Botanik Prof. Dr. M. Möbius 

Mineralogie Prof. Dr. W. Schanf 

„ . ■. ... t, ... , . ( Prof. Dr. F. Kinkelin und 

Geologie und Paläontologie i 



Dr. F. Drevermann 



Museums-Kommission : 

Die Sektionäre und der II. Direktor 



Sektionäre : 

Vergleichende Anatomie und Skelette . . . . 

Säugetiere 

Vögel 

Reptilien und Batrachier 

Fische 

Arthropoden mit Ausschluß der Krustaceen 

Krustaceen ... 

Mollusken 

Wirbellose Tiere mit Ausschluß der Arthro- 
poden und Mollusken 



Botanik 

Mineralogie 

Geologie und Paläontologie 



Prof. Dr. H. Reichenbacb 

Frau M. Sondheini 

Prof. Dr. W. Kobelt 

Komm. -Rat R. de Neufville 

Prof. Dr. 0. Boettger 

A. H. Wendt 

Prof. Dr. L. toh Heyden, 

A. Weis, Dr. J. Guide und 

Dr. P. Sack 

Prof. Dr. F. Richters 

Prof. Dr. W. Kobelt 

Prof. Dr. H. Reichenbach 
Prof. Dr. M, Möbius und 
M. Dürer 

Prof. Dr. W. Schauf 
Prof. Dr. F. Kinkelin und 
Prof. Dr. 0. Boettger 



Direktor des Museums: 

Prof. Dr. phil F. Römer 



Zoologischer Assistent: 
Dr. phil. E. Wolf 

Bibliothekar: 

Dr. phil. G. Wahl 



Geologisch-paläont. Assistent : 

Dr. phil. Fr. Drevermann 

Bibliotheksekretär : 
Th. Hassler 



Konservatoren : 
Adam Koch 
August Koch 



Techniker : 

Rudolf Moll 

Handwerker : 

Christian Fahlberg 



Bureauvorsteherin : 
Frl. M. Pixis 



Lehrlinge : 
Margarete Ender 
Christian Kopp 
Gustav Metzger 
Joseph Lengle 

Hausmeister : 



B. Diegel 



— öl" 



Verzeichnis der Stifter 

der 

Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 



Becker, Johannes, Stiftsgärtner am Dr. Senckenbergischen med. Institut 1817. 

f 24. November 1833 
*v. Bethniann, Simon Moritz, Staatsrat 1818. f 28. Dezember 1826 
Bögner, Joh. Willi. Jos., Dr. med., Mineralog (1817 zweiter Sekretär) 1817. 

t 16. Juni 1868 
Bloss, Joh. Georg, Glasermeister, Entomolog 1817. f 29. Februar 1820 
Bach, Joh. Jak. Kasimir, Dr. med. und phil., Mineralog 1817. f 13. März 1851 
Cretzschmar, Phil. Jak., Dr. med., Lehrer der Anatomie am Dr. Sencken- 
bergischen med. Institut, Lehrer der Zoologie von 1826 bis Ende 1844, 
Physikus und Administrator der Dr. Senckenbergischen Stiftung (1817 
zweiter Direktor) 1817. f 4. Mai 1845 
*Ehrmann, Joh. Christian, Dr. med., Medizinalrat 1818. f 13. August 1827 
Fritz, Joh. Christoph, Schneidermeister, Entomolog 1817. f 21. August 1835 
*Freyreiss, Georg Willi., Prof. der Zoologie inRioJaneiro 1818. f 1. April 1825 
*v. Gerning, Joh. Isaak, Geheimrat, Entomolog 1818. f 21. Februar 1837 
*Grunelius, Joachim Andreas, Bankier 1818. f 7. Dezember 1852 
von Heyden, Karl Heinr. Georg, Dr. phil., Oberleutnant, nachmals Schöff und 
Bürgermeister, Entomolog (1817 erster Sekretär) 1817. f 7. Jan. 1866 
Helm, Joh. Friedr. Aut., Verwalter der adeligen uralten Gesellschaft des 

Hauses Frauenstein, Konchyliolog 1817. f 5. März 1829 
*Jassoy, Ludw. Daniel, Dr. jur. 1818. f 5. Oktober 1831 
Kloss, Joh. Georg Burkhard Franz, Dr. med., Medizinalrat, Prof. 1818. 

f 10. Februar 1854 
*Löhrl, Johann Konrad Kaspar, Dr. med., Geheimrat, Stabsarzt 1818 

t 2. September 1828 
*Metzler, Friedr., Bankier, Geheimer Kommerzienrat 1818. f 11. März 1825 
Meyer, Bernhard, Dr. med., Hofrat, Ornitholog 1817. f 1. Januar 1836 
Miltenberg, Willi. Adolf, Dr. phil., Prof., Mineralog 1817. f 31. Mai 1824 
*Melber, Joh. Georg David, Dr. med. 1818. f H. August 1824 



Anmerkung: Die 1818 eingetretenen Mitglieder, die nachträglich 
unter die Reihe der Stifter aufgenommen wurden, sind mit * bezeichnet. 

4* 



— 52* — 

Neeff, Christian Ernst, Dr. med., Prof., Lehrer der Botanik, Stifts- und Hospi- 
talarzt am Dr. Senckenbergischen Bürgerhospital 1817. f 15. Juli 1849 

Neuburg, Jon . Georg, Dr. med. , Administrator der Dr.Senckenbergischen Stiftung, 
Mineralog und Ornitholog (1817 erster Direktor) 1817. f 25. Mai 1830 

de Neufville, Mathias Wilh., Dr. med. 1817. f 31. Juli 1842 

Reuss, Joh. Wilh., Hospitalmeister am Dr. Senckenbergischen Bürgerhospital 
1817. f 21. Oktober 1848 

♦Rüppell, Wilh. Peter Eduard Simon, Dr. med., Zoolog und Mineralog 1818. 
f 10. Dezember 1884 

*v. Soemmerring, Samuel Thomas, Dr. med., Geheimrat, Professor 1818. 
f 2. März 1830 

Stein, Joh. Kaspar, Apotheker, Botaniker 1817. f 16. April 1834 

Stiebel, Salomo Friedrich, Dr. med., Geheimer Hofrat, Zoolog 1817. 
f 20. Mai 1868 

*Varrentrapp, Joh. Konr., Dr. med., Prof., Physikus und Administrator der 
Dr. Senckenbergischen Stiftung 1818. f 11. März 1860 

Völcker, Georg Adolf, Handelsmann, Entomolog 1817. f 19. Juli 1826 

♦Wenzel, Heinr. Karl, Dr. med., Geheimrat, Prof., Direktor der Primatischen 
medizinisch-chirurgischen Spezialschule 1818. f 18. Oktober 1827 

*v. Wiesenhütten, Heinrich Karl, Freiherr, Königl. bayr. Oberstleutnant, 
Mineralog 1818. f 8 - November 1826 



- b3* 



Verzeichnis der Mitglieder 

I. Ewige Mitglieder*) 

An Stelle der Entrichtung eines Jahresbeitrages haben 
manche Mitglieder vorgezogen, der Gesellschaft ein Kapital 
zu schenken, dessen Zinsen dem Jahresbeitrag min- 
destens gleichkommen, mit der Bestimmung, daß dieses 
Kapital verzinslich angelegt werden müsse und nur die Zinsen 
für die Zwecke der Gesellschaft zur Verwendung kommen dürfen. 

Solche Mitglieder entrichten demnach auch über den Tod 
hinaus einen Jahresbeitrag und werden nach einem alten Sprach- 
gebrauch als „Ewige Mitglieder" der Gesellschaft bezeichnet. 

Vielfach wird diese altehrwürdige Einrichtung, die der 
Gesellschaft einen dauernden Mitglieder stamm sichert 
und daher für sie von hohem Werte ist, von den Angehörigen 
verstorbener Mitglieder benützt, um das Andenken an ihre Toten 
bleibend in dem Senckenbergischen Museum wach zu 
halten, zumal die Namen sämtlicher „ewigen Mitglieder" nicht 
nur den jedesmaligen Jahresbericht zieren, sondern auch auf 
Marmor tafeln in dem Treppenhause des Museums mit goldenen 
Buchstaben eingegraben sind. 



Simon Moritz v. Bethmaun 1827 
Georg Heiiir. Schwendel 1828 
Jon. Friedr. Aut. Helm 1829 
Georg Ludwig Gontard 1830 
Frau Susanna Elisabeth Bethinann- 

Holweg 1831 
Heinrich Mylius sen. 1844 
Georg Melchior Mylius 1844 
Baron Amschel Mayer v. Roth- 
schild 1845 
Joh. Georg Schmidborn 1845 
Johann Daniel Souchay 1845 
Alexander v. Bethmaun 1846 
Heinrich v. Bethmaun 1846 
Dr. jur. Bat Fr. Schlosser 1847 
Stephan v. Guaita 1847 
H. L. Döbel in Batavia 1847 



G. H. Hauck-Steeg 1848 

Dr. J. J. K. Buch 1851 

G. v. St. George 1853 

J. A. Grunelius 1853 

P. F. Chr. Kroger 1854 

Alexander Gontard 1854 

M. Frhr. y. Bethmann 1854 

Dr. Eduard Rüppell 1857 

Dr. Th. Ad. Jak. Em. Müller 1858 

Julius Nestle 1860 

Eduard Finger 1860 

Dr. jur. Eduard Souchay 1862 

J. TS. Gräffendeich 1864 

E. F. K. Büttner 1865 

K. F. Krepp 1866 

Jonas Mylius 1866 

Konstantin Fellner 1867 



*) I — V nach dem Mitgliederbestand am 1. Juni 1908. 
Anmerkung: Die arbeitenden Mitglieder sind mit * bezeichnet. 



— 54* - 



Dr. Hermann t. Meyer 1869 
W. D. Soemnierring 1871 
J. G. H. Petsch 1871 
Bernhard Dondorf 1872 
Friedrich Karl Rücker 1874 
Dr. Friedrich Hessenberg 1875 
Ferdinand Lanriu 1876 
Jakob Bernhard Rikoff 1878 
Joh. Heinr. Roth 1878 
J. Ph. Nikol. Manskopf 1878 
Jean Noe du Fay 1878 
Gg. Friedr. Metzler 1878 
Frau Louise Wilhelmine Emilie 
Gräfin Böse, geb. Gräfin von 
Reichenbach-Lessonitz 1880 
Karl August Graf Böse 1880 
Gust. Ad. de Neufville 1881 
Adolf Metzler 1883 
Joh. Friedr. Koch 1883 
Joh. Wilh. Roose 1884 
Adolf Soemmerring 1886 
Jacques Reiss 1887 
Dr. Albert yon Reinach 1889 
Wilhelm Metzler 1890 
*Albert von Metzler 1891 
L. S. Moritz Frhr. v. Bethmann 1891 
Victor Moessinger 1891 
Dr. Ph. Jak. Cretzschmar 1891 
Theodor Erckel 1891 
Georg Albert Keyl 1891 
Michael Hey 1892 
Dr. Otto Ponflck 1892 
Prof. Dr. Gg. H. v. Meyer 1892 
Fritz Neumüller 1893 
Th. K. Soemmerring 1894 
Dr. med. P. H. Pfefferkorn 1896 
Baron L. A. v. Löwenstein 1896 
Louis Bernus 1896 
Frau Ad. von Brüning 1896 
Friedr. Jaennicke 1896 
Dr. phil. Wilh. Jaennicke 1896 
P. A. Kesselmeyer 1897 
Chr. G. Ludw. Vogt 1897 
Anton L. A. Hahn 1897 
Moritz L. A. Hahn 1897 
Julius Lejeune 1897 
Frl. Elisabeth Schultz 1898 



Karl Ebenau 1898 

Max von Guaita 1899 

Walther vom Rath 1899 

*Prof. D. Dr. Moritz Schmidt 1899 

Karl von Grunelius 1900 

Dr. jur. Friedrich Hoerle 1900 

Alfred von Neufville 1900 

Wilh. K. Frhr. v. Rothschild 1901 

Marcus M. Goldschmidt 1902 

Paul Siegm. Hertzog 1902 

Prof. Dr. Julius Ziegler 1902 

Moritz von Metzler 1903 

Georg Speyer 1903 

Arthur Gwinner 1903 

Isaak Blum 1903 

Eugen Grumbach-Mallebrein 1903 

♦Robert de Neufville 1903 

Dr. phil. Eugen Lucius 1904 

Carlo v. Erlanger 1904 

Oskar Dyckerhoff 1904 

Rudolph Sulzbach 1904 

Johann Karl Majer 1904 

Prof. Dr. Eugen Askenasy 1904 

D. F. Heynemann 1904 

Frau Amalie Kobelt 1904 

*Prof. Dr. Wilhelm Kobelt 1904 

P. Hermann v. Mumm 1904 

Philipp Holzmann 1904 

Prof. Dr. Achill Andreae 1905 

Frau Luise Volkert 1905 

Karl Hoff 1905 

Julius Wernher 1905 

Edgar Speyer 1905 

J. A. Weiller 1905 

Karl Schaub 1905 

W. de Neufville 1905 

Arthur Sondheiiner 1905 

Dr. med. E. Kir berger 1906 

Dr. W. Schöller 1906 

Bened. M. Goldschmidt 1906 

A. Wittekind 1906 

Alexander Hauck 1906 

Dr. med. J. Guttenplan 1906 

Gustav Stell wag 1907 

Christian Knauer 1907 

Jean Job. Val. Andreae 1907 

Hans Bode 1907 



— 55* - 



Karl ion Metzler 1907 
Moritz Ad. Ellissen 1907 
Adolf toh Grunelius 1907 
Conrad Binding 1908 
Line. M. Oppenheimer 1908 



Gustav Schiller 1908 

Rosette Merton 1908 

Carl E. Klotz 1908 

Julius von Arand 1908 

Georg Frhr. v. Holzhausen 1908 



II. Beitragende Mitglieder 

a) ansässige beitragende Mitglieder: 



Abraham, Siegmund, Dr., med. 1904 

Abt, Jean 1908 

Ackenhausen, H. E. 1905 

Adler, Arthur, Dr. jur. 1905 

Adler, Franz, Dr. phil. 1904 

Albert, August 1905 

*Albrecht, Eugen, Dr. med., Professor, 
Direktor des Dr. Sencken- 
bergischen pathologisch -anato- 
mischen Instituts 1904 

Albrecht, Julius, Dr., Zahnarzt 1904 

Alexander, Franz, Dr. med. 1904 

Alexander, Theodor 1904 

Alt, Friedrich, Buchhändler 1894 

Almeroth, Hans, stud. rer. nat. 1905 

*Alten, Heinrich 1891 

Frl. Amschel, Emy 1905 

Amson, L. S., Dr. jur. 1907 

Andre, C. A. 1904 

Andreae, Albert 1891 

Frau Andreae, Alharda 1905 

Andreae, Arthur 1882 

Andreae, Heinrich Ludwig 1904 

♦Andreae, Hermann, Bankdir. 1873 

Andreae, J. M. 1891 

Andreae, Richard 1891 

Andreae, Rudolf 1878 

Andreae, Viktor 1899 

*Andreae-v. Grunelius, Alhard 1899 

Frau Andreae-Lemme, Karoline Elise 
1891 

Andreas, Gottfried 1908 

Andresen, Joh. Karl, Bergwerkdirek- 
tor, Kgl. noi weg. Konsul 1906 

Antz, Georg, Zahnarzt 1908 



Apfel, Eduard 1908 
Apolant, Hugo, Prof. Dr. med. 1903 
Armbrüster, Gebr. 1905 
Askenasy, Alex., Ingenieur 1891 
Auerbach, L., Dr. San. -Rat 1886 
Auerbach, M., Dr., Amtsgerichtsrat 

1905 
♦Auerbach, S., Dr. San.-Rat 1895 
Auffarthsche Buchhandlung 1874 
Aurnhammer, Julius 1903 
Avellis, Georg, Dr. med., 1904 
Bacher, Karl 1904 
Baer, Jos. Moritz, Stadtrat 1873 
Baer, Max, Generalkonsul 1897 
Baer, M. H., Dr. Justizrat 1891 
Baer , Simon Leop., Buchhändler 1860 
Baer, Theodor, Dr. med. 1902 
Baerwald, A., Dr. med. 1901 
Baerwindt, Franz, Dr. San.-Rat 1901 
Bangel, Rudolf 1904 
Bansa, Julius 1860 
v. Bardeleben, Fr., Generalmajor z. D. 

1900 
*Bardorff, Karl, Dr. med. 1864 
Barndt, W., Generalagent 1902 
de Bary, Aug., Dr. med. 1903 
de Bary, Jakob, Dr. med., Geh. San.- 
Rat 1866 
de Bary, Karl Friedr. 1891 
de Bary-Jeanrenaud, H. 1891 
*Bastier, Friedrich 1892 
v. Baumgarten, A. , Kaiserl. Russ. 
Kammerherr u. Generalkonsul, 
Wirkl. Staatsrat, Exzell. 1904 
Bauer, Moritz Tob. 1908 



Anmerkung: Die arbeitenden Mitglieder sind mit * bezeichnet. 



— 56* — 



Bauer- Weber, Friedrich,Oberingenieur 
1907 

Bauer, Max 1906 

Baumstark, Robert, Dr. med. 1907 

Baunach, Robert 1900 

Baur, Karl, Dr. med. 1904 

Bechhold, J. H., Dr. phil. 1885 

Beck, Carl, Dr. med. 1905 

Becker, H., Dr. phil., Prof. 1903 

Becker, F. Ph., Dr. med. 1905 

Beer, J. L., Kommerzienrat 1891 

Behrends, Robert, Ingenieur 1896 

Behrends-Schmidt, Karl, Konsul 1896 

Behringer, Gustav 1905 

Beit, Eduard, Kommerzienrat 1897 

Benario, Jacques, Dr. med. 1897 

Bender, August 1897 

Frau Berend, Paula, Dr. 1905 

Berg, Alexander, Dr. jur., Rechts- 
anwalt 1900 

♦Berg, Fritz, Dr. jur., Rechtsanwalt 
und Notar 1897 

Berghaus, Dr. med., Stabsarzt 1907 

Berlizheimer, Sigmund, Dr. med. 1904 

Bermann, Ferdinand, Dr. med. 1904 

Berner, Wilhelm 1907 

Frl. Berthold, Bertha 1903 

Bertina, Karl 1904 

v. Bethmann, S. Moritz, Frhr. 1905 

Beyfuß, Leo 1907 

Binding, Gustav 1904 

Binding, Karl 1897 

Bing, Albert 1905 

Bingel, Adolf, Dr. med., Oberarzt 
1907 

Bischheim, Bernhard 1907 

Bittel-Böhm, Theodor 1905 

Bittelmann, Karl 1887 

Bleibtreu, Ludwig 1908 

Bleicher, H., Stadtrat Prof. Dr. 1903 

*Blum, Ferd., Dr. med., Prof. 1893 

Frau Blum, Lea 1903 

Blumenthal, Adolf 1883 

*Blumenthal, E., Dr. med., San. -Rat 
1870 

*Bockenheimer, Jakob, Dr. med., Geh. 
San.-Rat 1864 



Bode, Paul, Dr. phil., Direktor der 
Klingeroberrealschule 1895 

Boeckh, August, Generaloberarzt, Dr. 
med. 1906 

Boettger, Bruno 1891 

*Boettger, Oskar, Dr. phil., Prof. 1874 

Böhm, Henry, Dr. med. 1904 

Böhm, Wilhelm, Oberlandesgerichts- 
rat, Geh. Justizrat 1908 

Böhme, John, Zahnarzt 1904 

Boller, Wilhelm, Dr. phil., Oberlehrer 
1903 

Bolongaro, Karl 1860 

von Boltog, Hans 1908 

Bonn, Sally 1891 

Bonn, William B. 1886 

Borchardt, Heinrich, Zahnarzt 1904 

Borgnis, Alfred Franz 1891 

Borgnis, Karl 1900 

Frau Brach, Natalie 1906 

Braun, Franz, Dr. phil. 1904 

Braun, Leonhard, Dr. phil. 1904 

Braun , Wunibald , Kommerzienrat 
1903 

Braunfels, Ludwig 1906 

Braunfels, Otto, Geh. Kommerzienrat, 
Konsul 1877 

Brechenmacher, Franz 1906 

Breitenstein, Ingenieur 1908 

Brendel Martin, Prof. Dr. 1908 

Brendel, Wilhelm 1906 

Brentano-Brentano, Josef 1906 

Briel, Heinrich 1906 

Brodnitz, Siegfried, Dr. med. 1897 

Brofft, Franz 1866 

Brück, Richard, Rechtsanwalt 1904 

Brückmann, Karl 1903 

Budge, Siegfried 1905 

Bücheier, Anton, Dr. med. 1897 

Bucher, Franz, Dentist 1906 

Buecking, Wilhelm 1908 

v. Büsing-Orville, Adolf, Frhr. 1903 

Bütschly, Wilhelm 1891 

Büttel, Wilhelm 1878 

Bullnheimer, Fritz, Dr. phil. 1904 

Burchard, Kurt, Dr. jur., Prof. 1904 

Burchard, Bergassessor 1908 



- 57* — 



Burgheim, Gustav, Justizrat Dr. 1905 

Cahen-Brach, Eugen, Dr. med. 1897 

Cahn, Albert 1905 

Cahn, Heinrich 1878 

Cahn, Paul 1903 

Cahn, S., Konsul 1908 

Frau Canne, Anna 1905 

Canne, Ernst, Dr. med. 1897 

Cante, Cornelius 1906 

♦Carl, August, Dr. med., San. -Rat 
1880 

Cassel, B. B. 1905 

Cassian, Heinrich 1908 

Cayard, Carl 1907 

v. Chappuis , Hermann , General - 
leutnant z. D., Exzellenz 1904 

Christ, Fritz 1905 

Cnyrim, Ernst 1904 

Creizenach, Ernst 1906 

Creizenach, Ignaz 1905 

Cohen, Eduard 1900 

Cudell, Carl, Dipl.-Ingenieur 1906 

Cullmann, Rudolf 1905 

Cunze, D., Dr. phil. 1891 

Curti, Theodor 1905 

Curtis, F., Dr. phil., Prof. 1903 

Dambitsch, Arthur 1907 

Daube, Curt, Dr., Sanitätsrat 1906 

Daube, G. L. 1891 

Deckert, Emil, Dr. phil., Prof. 1907 

Degener-Böning, Emil 1906 

Delkeskamp, Rudolf, Dr. phil., Privat- 
dozent 1904 

Delliehausen, Oskar 1904 

Delosea, S. R., Dr. med. 1878 

Demmer, Theodor, Dr. med. 1897 

Deutsch, Adolf, Dr. med. 1904 

Diekmann, Adolf 1908 

Diener, Richard 1905 

Diesterweg, Moritz 1883 

Dietze, Hermann 1891 

Dietze, Karl 1870 

Ditmar, Karl Theodor 1891 

Ditter, Karl 1903 

Doctor, Ferdinand 1892 

Dondorf, Karl 1878 

Dondorf, Otto 1905 



Donner, Karl Philipp 1873 

Dreves, Erich, Dr., Justizrat 1903 

Dreyfus, Is. 1891 

Drory, William, Direktor 1897 

Drory, William, Dr. phil. 1904 

Du Bois, Georg, Dr. phil. 1906 

♦Dürer, Martin 1904 

Ebeling, Hugo, Dr. med. 1897 

Ebenau, Fr., Dr. med. 1899 

Eberstadt, Albert 1906 

v. Eckartsberg, Emanuel, Major 1908 

Frau Eckert, Marie 1906 

Eckhardt, Karl, Bankdirektor 1904 

♦Edinger, L., Dr. med., Prof. 1884 

Egan, William 1891 

♦Ehrlich, P., Dr. med., Prof., Geh. 

Ober-Med.-Rat 1887 
Eichhoff, Max 1907 
v. Eichhorn, Hermann, Generalleutnant 
und Kommandierender General 
d. XVIII. Armeekorps, Exzellenz 
1905 
Eichmeyer, Hermann, Direktor 1907 
Eiermann, Arnold, Dr. med. 1897 
♦Ellinger, Leo, Kommerzienrat 1891 
Ellinger, Philipp, stut. rer. nat. 1907 
Ellinger, Rudolf Dr. jur. 1907 
Embden, Gustav, Dr. med. 1907 
Emmerich, Friedrich H., Rentner 1907 
Emmerich, Jakob 1907 
Emmerich, Otto 1905 
Enders, M. Otto 1891 
Engelhard, Karl Phil. 1873 
Engert, Heinrich, Ingenieur 1907 
Epstein, Jak. Herrn., Fabrikant 1906 
Epstein, J., Dr. phil., Prof. 1890 
Epstein, Wilhelm, Dr. phil. 1907 
Eschelbach, Jean 1904 
Ettlinger, Albert, Dr. med. 1904 
Euler, Rudolf, Direktor 1904 
Ewald, Walter, Dr. med., Sekundär- 
arzt 1907 
Eyssen, Remigius Alex. 1882 
v.Fabricius, Ph., Dr. med. San.-Rat 1907 
Fade, Louis, Direktor 1906 
Falke, Robert, Militäroberpfarrer 1908 
Fay, C F. 1904 



58* — 



Feis, Oswald, Dr. med. 1903 

Feist, Jakob, Dr. jur. 1905 

Feist, Louis 1906 

Fellner, Johann Christian 1905 

Fellner, Otto, Dr. jur. 1903 

Fester, August, Bankdirektor 1897 

Fischer, Karl 1902 

Fischer, Ludwig 1902 

Fleck, Otto, Oberförster 1903 

Fleisch, Karl 1891 

Flersheim, Albert 1891 

Flersheim, Martin 1898 

Flersheim, Robert 1872 

Flesch, Karl Ferd. Moritz, Dr. jur., 

Stadtrat 1907 
*Flesch, Max, Dr. med., Prof. 1889 
Flinsch, Bernhard 1905 
Flinsch, Heinrich, Stadtrat 1866 
Flinsch, W., Kommerzienrat 1869 
Flörsheim, Gustav 1904 
von Flotow, Theodor, Kgl. Preuß. 

Kammerherr, Freiherr 1907 
de la Fontaine, Ernst, Regierungsrat 

1907 
Forchheimer, Arthur 1908 
Forchheimer, Hugo 1903 
Forst, Carl, Dr. phil. 1905 
*Franck, E., Direktor 1899 
Frank, Franz, Dr. phil. 1906 
Frank, Hch., Apotheker 1891 
Fresenius, Eduard, Dr. phil. 1906 
Fresenius, Phil., Dr. phil., Apotheker 

1873 
*Freund, Mart., Dr. phil., Prof. 1896 
Freyeisen, Willy 1900 
*Fridberg,R., Dr. med., San. -Rat 1873 
Fries, Heinrich 1905 
Fries Sohn, J. S. 1889 
Fries, Wilhelm, stud. rer. nat. 1907 
Fries-Dondorf, Jakob 1906 
Fritzmann, Ernst, Dr. phil. 1905 
Frohmann, Herbert 1905 
Fromberg, Leopold 1904 
Fuld. Adolf, Dr.jur., Rechtsanwalt 1907 
Fulda, Heinrich, Dr. med. 1907 
Fulda, Karl Herrn. 1877 
Fulda, Paul 1897 



*Gäbler, Bruno, Landgerichtsrat 1900 
Gans, Adolf 1897 
Gans, Fritz 1891 

Gans, L., Dr. phil., Geh. Kommerzien- 
rat 1891 
Gans, Ludwig, W. 1908 
Gaurn, Fritz 1905 
Geelvink, P., Dr. med. 1908 
Geiger, B., Dr. jur., Justizrat 1878 
Geisow, Hans, Dr. phil. 1904 
Geist, George, Dr. med. dent. 1905 
Frau Gräfin v. Geldern, Friederica, 

Dr. med. 1904 
*Gerlach, Karl, Dr. med. 1869 
Gerlach, K., Oberlehrer 1903 
Gerth, H., stud. rer. nat. 1905 
Getz, Moritz 1904 
Gillhausen, Karl 1905 
Gins, Karl 1906 
Gloeckler, Alexander, Dr. med., San.- 

Rat 1905 
Glogau, Emil August, Zahnarzt 1904 
Goering, Viktor, Direktor des Zoolog. 

Gartens 1898 
v. Goldammer, F. 1903 
Goldschmid, J. E. 1901 
Goldschmidt, Julius 1905 
Goldschmidt, M. S. 1905 
v. Goldschmidt - Rothschild , Max , 

Frhr., Generalkonsul 1891 
v. Goldschmidt - Rothschild, Rudolf, 

Freiherr 1907 
Goll, Richard 1905 
Goltermann, Ludwig 1904 
Gombel, Wilhelm 1904 
v. Gordon, R., Hauptmann a. D. 1908 
Gottschalk, Joseph, Dr. med. 1903 
Graebe, Carl, Dr. Prof. 1907 
Grandhomme, Fr., Dr. med. 1903 
Gräntz, Fritz, Dr. phil., Oberlehrer 

1904 
Graubner, Karl 1905 
Greef, Ernst 1905 
Greb, Louis 1903 
Greiff, Jakob, Rektor 1880 
Grieser, Ernst 1904 
Grimm, Otto, Bürgermeister 1907 



— 59* — 



Grosse, Gottfried, Rentner 1907 
Großmann, Emil, Dr. med. 1906 
Grüder, Paul, Referendar 1906 
Grünewald, August, Dr. med. 1897 
v. Grunelius, Max 1903 
v. Grunelius, M. Ed. 1869 
Grüters, August, Prof., Kgl. Musik- 
direktor 1907 
v. Günderrode, Waldemar, Frhr. 1905 
Günther, Oskar 1907 
Günzburg, Alfred, Dr. med. 1897 
*Gulde, Johann, Dr. phil. 1898 
Frau Guttenplan, Lily 1907 
Haack, Karl Phiüpp 1905 
Haag, Ferdinand 1891 
Haas, F., stud. rer. nat. 1906 
Haas, Ludwig, Dr. 1906 
Häberlin, E. J., Dr.jur., Justizrat 1871 
Haeckel, Georg, Militär-Intendantur- 
rat 1907 
Haeffner, Adolf, Direktor 1904 
*Hagen, B., Dr. med., Hofrat 1895 
Hagens, K., Dr., Wirkl. Geh. Ober- 
Justizrat u. Oberlandesgerichts- 
Präsident, Exzellenz 1900 
Hahn, Julius 1906 
Hallgarten, Fritz, Dr. phil. 1893 
Hamburger, K., Dr. jur., Geh. Justiz- 
rat 1891 
Happel, Fritz 1906 
Harbers, Adolf, Direktor 1903 
v.Harnier, E., Dr., Geh. Justizr. 1866 
Hartmann, Eugen, Professor 1891 
Hartmann, Johann Georg 1905 
Hartmann, Karl 1905 
Hartmann-Bender, Georg 1906 
Hartmann-Kempf, Rob , Dr. phil. 1906 
Haßlacher, Franz, Patentanwalt 1905 
Hauck, Fritz 1905 
Hauck, Georg 1898 
Hauck, Max 1905 
Hauck, Otto 1896 
Haurand, A., Geh. Kommerzienrat 1891 
Haus, Rudolf, Dr. med. 1907 
Hausmann, Franz, Dr. med. 1904 
Hausmann, Friedrich, Prof. 1907 
Hausmann, Julius, Dr. phil. 1906 



Heerdt, Rudolf, Direktor 1906 

Heichelheim, Sigmund, Dr. med. 1904 

Heicke, Karl, Stadtgartendirektor 1903 

Heilbrunn, Ludwig, Dr. jur., Rechts- 
anwalt 1906 

Heilmann, Heinrich 1906 

Heimpel-Manskopf, W. E. Aug. 1899 

Heinz, Philipp 1907 

Frau Heinz-Jung, Emmy 1907 

Heister, Ch. L. 1898 

Hemmerich, Wilhelm. Hauptmann und 
Kompagniechef 1907 

Henrich, K. F., Kommerzienrat 1873 

Henrich, Ludwig 1900 

Henrich, Rudolf 1905 

*Hergenhahn, Eugen, Dr. med. 1897 

Hertzog, Adolf, Gerichtsassessor 1907 

Hertzog, Georg 1905 

Frau Herxheimer, Fanny 1900 

*Herxheimer, Karl, Prof., Dr. med., 
Direktor am städt. Kranken- 
hause 1898 

Herz, Alphonse J. 1906 

Herz-Mills, Ph. Jac, Direktor 1903 

Herzberg, Karl, Konsul, Bankdirektor 
1897 

Hesdörffer, Julius, Dr. med. 1903 

Hesse, Hermann 1900 

v. Hessen, Prinz Friedrich Carl, 
Hoheit, Oberst 1907 

Hessenberg, Fried. W. 1908 

Heuer & Schoen 1891 

Heußenstamm, Karl, Dr. jur., Bürger- 
meister a. D. 1891 

*v. Heyden, Lukas, Dr. phil., Prof., 
Major a. D. I860 

v. Heyder, Georg 1891 

Hinkel, August 1906 

Hirsch, Ferdinand 1897 

Hirsch, Raphael, Dr. med. 1907 

Frau Hirsch, Lina, Dr. 1907 

Hirschberg, Max, Dr. Sam-Rat 1892 

Hirschfeld, Otto H. 1897 

Hirschhorn, Fritz 1905 

Hirschler, Leopold 1903 

Fräulein Hobrecht, Annemarie 1907 

Hochschild, Leo 1908 



— 60* — 



Hochschild, Philipp, Dr. 1907 

Hochschild, Salomon 1906 

Hochschild, Zachary, Direktor 1897 

Höchberg, Otto 1877 

Hock, Fritz, Architekt 1907 

Fräulein Hoerle, Cecile 1907 

Hoerle, Eugene 1907 

Hoerle, Julius 1907 

Hoff, Alfred, Konsul 1903 

Hoffmann, Paul 1908 

Hofmann, Otto 1905 

Frau Hohenemser, Mathilde 1908 

Hohenemser, Moritz W. 1905 

Hohenemser, Otto, Dr. med. 1904 

Hohenemser, Robert, Dr. jur. 1905 

Holl, Joseph, & Co. 1905 

Frau Holland, Dora 1908 

Holz, Wilhelm 1907 

Holzmann, Eduard, Ingenieur 1905 

Hornberger, Ernst, Dr. med. 1904 

Homburger, Michael 1897 

Homm, Nikolaus 1906 

Horkheimer, Anton, Stadtrat a. D. 1906 

Horkheimer, Fritz 1892 

Horn, Hans, Lehrer 1906 

Frau Horstmann, Elise 1903 

Horstmann, Georg 1897 

Huck, August 1900 

v. Hoven, Franz, Baurat 1897 

*Hübner, Emil, Dr. med. 1895 

Hübner, Hans, Dr., Oberarzt 1906 

Hüttenbach, Adolf 1903 

Hupertz, Eduard, Dr. jur., Oberstaats- 
anwalt 1905 

Jacquet, Hermann 1891 

Jaffe, Gustav, Rechtsanwalt 1905 

Jaffe, Theophil, Dr. med , San.-Rat 1905 

Jäger, Alfred, Dr., Veterinärarzt 1903 

Jaeger-Manskopf, Fritz 1897 

*Jassoy, August, Dr. phil., Apotheker 
1891 

Jassoy, Julius 1905 

Jassoy, Ludwig Wilhelm 1905 

Frau Jay, Louis 1903 

Jelkmann, Fr., Dr. phil. 1893 

Illig, Hans, Direktor 1906 

Job, Wolfgang 1907 



Frau Jordan - de Rouville, L. M. 1903 

Josephthal, Carl 1908 

Frau Jung, Emilie 1907 

Junge, Bernhard 1907 

Jungmann, Eduard 1897 

Junior, Karl 1903 

Jureit, J. C. 1892 

Kahn, Bernhard 1897 

Kahn, Ernst, Dr. med. 1897 

Kahn, Hermann 1880 

Kahn, Julius 1906 

Kalb, Moritz 1891 

Kalberlab, Fritz, Dr. med. 1907 

*Kallmorgen, Wilh., Dr. med. 1897 

Katzenellenbogen, Albert, Dr. jur. 1905 

Katzenstein, Edgar 1906 

Kaulen, Ernst, Amtsrichter 1908 

Kayser, Heinr., Dr. med. 1903 

Kayser, Carl 1906 

Kayßer, Fritz, Architekt 1899 

Kayßer, Theodor, Architekt 1907 

Keller, Adolf 1878 

Keller, Ernst, Direktor der Elisa- 
bethenschule 1907 

Keller, Otto 1885 

Kessler, Hugo 1906 

Kindervatter, Gottfried 1906 

*Kinkelin, Friedrich, Dr. phil., Prof. 
1873 

Kirchheim, S., Dr. med. 1873 

Kissner, Heinrich 1904 

Klein, Walter, Amtsgerichtsrat 1906 

Kleyer, Heinr., Kommerzienrat 1903 

Kliewer, Johannes, kgl. Gewerberat 
1907 

Klimsch, Eugen 1906 

Klitscher, F. Aug. 1878 

Knauer, Jean Paul 1906 

Knickenberg, Ernst, Dr. med. 1897 

*Knoblauch, Aug., Prof., Dr. med., Di- 
rektor des städtischen Siechen- 
hauses 1892 

Knoblauch, Paul, Dr. med. 1905 

Frau Koch, geb. von St. George 1891 

Koch, Karl 1902 

Koch, Louis 1903 

Köhler, Hermann 1891 



— 61* — 



Kölle, Karl, Stadtrat 1905 
Kömpel, Eduard, Dr. med. 1897 
König, Albert, Sanitätsrat, Dr. med., 

Stadtarzt 1905 
König, Karl, Dr. med. 1904 
v. Königswarter, H., Baron 1891 
Königswerther, Heinrich 1906 
Könitzers Buchhandlung 1893 
Frau Könitzer-Jucho, Lisa 1907 
Könitzer, Oskar 1906 
Kohn, Julius, Dr. med. 1904 
Körner, Erich, Prof. 1907 
Koßmann, Alfred, Bankdirektor 1897 
Köster, E. W., Direktor 1908 
Kotzenberg, Gustav 1873 
Kowarzik, Jos., Bildhauer 1898 
Kraemer-Wüst, Julius 1908 
Frau Kramer, Emma 1908 
Kramer, Kobert, Dr. med. 1897 
Kremski, Maximilian, Major 1908 
Kreuscher, Jakob 1880 
Kreuzberg, August 1905 
Küchler, Ed. 1886. 
Küchler, Fr. Karl 1900 
Künkele, H. 1903 
Kugler, Adolf 1882 
Kuhlmann, Ludwig 1905 
Kulimann, Karl 1904 
Kutz, Arthur, Dr. med. 1904 
Labes, Philipp, Dr. jur., Direktor 1905 
*Lachmann, Bernh., Dr., San. -Rat 1885 
Ladenburg, August 1897 
Ladenburg, Ernst, Kommerzienrat 1897 
Lambert, Richard, Prof. 1903 
Lampe, Ed., Dr., San. -Rat 1897 
Lampe, J. D. W. 1900 
Landauer, Fredy 1905 
Landauer, Max 1907 
Lapp, Wilhelm, Dr. med. 1904 
*Laquer, Leopold, Dr. med., San. -Rat 

1897 
Lauterbach, Ludwig 1903 
Lehmann, Leo 1903 
Leisewitz, Gilbert. 1903. 
Leitz -Wetzlar, Ernst 1908 
Lehranstalt für Zoll- und Steuerbeamte 
der Provinz Hessen-Nassau 1907 



Lejeune, A., Dr. med. 1900 

Lejeune, Alfred 1903 

Lejeune, Ernst 1905 

Leser, Wilhelm, Dr. jur., Oberlandes- 
gerichtsrat 1907 

Leuchs-Mack, Ferdinand 1905 

Levi, Adolf 1907 

♦Levy, Max, Dr. phil, Oberlehrer 1893 

*Libbertz, A., Dr., Geh.San.-Rat 1897 

Liebmann, Jakob, Dr. jur., Justizrat 
1897 

Liebmann, Louis, Dr. phil. 1888 

Liermann, Otto, Dr. phil., Direktor des 
Wöhler-Realgymnasiums 1907 

Lilienfeld, Sidney, Dr. med. 1907 

Lindbeimer. Dr. Justizrat 1905 

Lindley, William, Baurat 1904 

Lipstein, Alfred, Dr. med. 1908 

Lismann, Karl, Dr. phil., Zahnarzt 1902 

Lismann, Rudolf 1908 

Frau Livingston, Emma 1897 

Loeb, Eduard 1908 

Frl. Livingston, Rose 1903 

*Loretz,Wilh.,Dr.med., San.-Rat 1877 

Lotichius, Alfred, Dr. jur. 1908 

Lotichius, W. Heinr. 1903. 

Löwenstein, Simon 1907 

Frl. Lucae, Emma 1908 

Lüscher, Karl 1905 

Lußmann, Konrad 1907 

Lust, Heinrich Frdr. 1905 

Lüthje, Hugo, Dr. med., Prof., Direk- 
tor am städt. Krankenhause 1906 

Maier, Herrn. Heinr., Direktor 1900 

Majer, Alexander 1889 

Manskopf, Nicolas 1903 

Mappes, Heinrich, Generalkonsul 1905 

Marx, Eduard 1907 

*Marx, Ernst, Dr. med., Prof., Stabs- 
arzt 1900 

Marx, Hermann, Dr., Chemiker 1908 

Marx, Josef 1907 

Marx, Karl, Dr. med. 1897 

Frau von Marx, Mathilde 1897 

Matthes, Alexander 1904 

Matti, Alex., Dr. jur., Stadtrat 1878 

May, Franz L., Dr. phil. 1891 



— 62* — 



May, Martin 1866 

May, Robert 1891 

v. Mayer, Adolf, Freiherr 1903 

v. Mayer, Eduard, Buchhändler 1891 

v. Mayer, Hugo, Freiherr 1897 

Mayer, Ludo 1903 

Mayer, Martin, Dr. jur., Rechtsanwalt 

1908 
Mayer-Dinkel, Leonhard 1906 
Meineield, Wilhelm 1908 
Melber, Friedrich 1903 
*Melber, Walter 1901 
Merton, Alfred 1905 
Merton, Hugo, Dr. phil. 1901 
Merton, W., Dr. phil h. c. 1878 
Merton, Walter, Direktor 1906 
Mettenheimer, Bernh., Dr. jur. 1902 
*von Mettenheimer, H., Dr. med. 1898 
Metzger, L., Dr. med. 1901 
Metzler, Hugo 1892 
Meyer, Otto, Rechtsanwalt 1908 
Meyer, P., Dr. jur , Ober-Reg.-Rat 1903 
*v. Meyer, Edw., Dr. med. 1893 
Meyer-Petsch, Eduard 1906 
Minjon, Hermann 1907 
Frau Minjon, Sophie 1898 
Minoprio, Heinrich 1907 
Minoprio, Karl Gg. 1869 
*Möbius, M., Dr. phil., Prof. 1894 
Moessinger, W. 1891 
Morf, F. H., Dr. phil , Prof. 1903 
Mosessohn, Sally, Dr. phil. 1904 
Mouson, Jacques 1891 
Mouson, Joh. Daniel, Stadtrat 1891 
Müller-Knatz, J. 1905 
Müller, Karl, Berginspektor 1903 
Müller, 0. Victor, Dr. med. 1907 
Müller, Paul 1878 
Müller Sohn, A. 1891 
Mumm v. Schwarzenstein, A. 1869 
Mumm v. Schwarzenstein, Fr. 1905 
Nassauer, Max, Dr. phil. 1905 
Nathan, S. 1891 

*Naumann, Edmund, Dr. phil. 1900 
Nebel, August, Dr. med. 1896 
Neher, Ludwig, Baurat 1900 
Frau Neisser, Emma 1901 



*Neisser, Max, Dr. med., Prof. 1900 

Nestle, Hermann 1900 

Nestle, Richard 1891 

Nestle, Wilhelm 1903 

Netto, Kurt, Prof., Bergingenieur 1897 

Neu, Samuel 1906 

Neuberger, Julius, Dr. med. 1903 

Neubürger, Otto, Dr. med. 1891 

Neubürger, Theod., Dr. med., Geh. 

San.-Rat 1860 
de Neufville, Eduard 1900 
*de Neufville, Robert, Kom-.Rat 1891 
de Neufville, Rud., Dr. phil. 1900 
v. Neufville, Adolf 1896 
v. Neufville, G., Adolf 1896 
v. Neufville, Gurt 1905 
v. Neufville, Karl, Gen.-Konsul 1900 
Neumann, Paul, Dr. jur. 1905 
Neumann, Theodor, Dr. phil., Ober- 
lehrer 1906 
Neustadt, Adolf 1903 
Neustadt, Samuel 1878 
Niederhofheim, Heinr. A., Direktor 1 891 
Nies, L. W. 1904 
v. Obernberg, Ad., Dr. jur., Stadtrat 

a. D. 1870 
Obernzenner, Julius 1905 
Ochs, Hermann 1873 
Ochs, Richard 1905 
Oehler, Eduard, Geh. Kom.-Rat 1906 
Oehler, Rud., Dr. med. 1900 
Oehmichen, Hans, Dipl. Berging. 1906 
Ohl, Philipp 1906 
Oelsner, Hermann, Dr. Justizrat 1906 
Olsen, Heinrich, Kunstmaler 1907 
Fräulein Opiiicius, Marie, Dr. med. 1907 
Oppenheim, Eduard, Bankdirekt. 1905 
Oppenheim, Moritz 1887 
Oppenheim, Paul, stud. 1908 
Oppenheimer, Benny 1903 
Oppenheimer, Joe, Dr. jur. 1905 
Oppenheimer, O., Dr. med. 1892 
Oppenheimer, Oskar F. 1905 
d'Orville, Eduard 1905 
Osterrieth - du Fay, Robert 1897 
Oswalt, H., Dr., Justizrat 1873 
Pabst, Gotthard 1904 



— 63" 



Pachten. Ferd., Dr. jur. 1900 
Paehler, Franz, Dr. phil., Oberlehrer 

1906 
v. Panhuys, Henry, Generalkonsul 1907 
Parrisius, Alfred, Dr. phil., Bank- 
direktor 1904 
von Passavant, G. Herrn. 1903 
Passavant, Philipp 1905 
Passavant, Rudy 1905 
von Passavant-Gontard, R., Kommer - 

zienrat 1891 
Patzschke, Curt, Dipl. Berging. 1907 
Pauli, Ph., Dr. phil., Stadtrat a. D. 1901 
Peipers. August 1905 
Peters, Hans, Zahnarzt 1904 
Petersen, E., Dr. med. 1903 
♦Petersen, K. Th., Dr. phil., Prof. 1873 
Frau Pfaff, Oskar 1906 
Pfeffel, Aug. 1869 
Pfeiffer, Ludw. 1901 
Pfeiffer-Belli, C.W. 1903 
Pfungst, Arthur, Dr. phil. 1900 
Fräulein Philippsohn, Paula, Dr. med. 

1907 
Picard, Lucien 1905 
Pinner, Oskar, Dr. med., San.-Rat 1903 
Plieninger, Theod., Direktor 1897 
Pohle, L., Dr. phil, Prof. 1903 
Ponfick, Wilhelm. Dr. med. 1905 
Popp, Georg, Dr. phil. 1891 
Poppelbaum, Hartwig. 1905 
Posen, Eduard, Dr. phil. 1905 
Posen, J. L. 1891 
Posen, Sidney 1898 
Priemel, Curt, Dr., Direktor des Zoo- 
logischen Gartens 1907 
*Prior, Paul, Hütteningenieur 1902 
Propach, Robert 1880 
Prösler, J. Wilhelm 1906 
Quincke, Hermann, Oberlandesgerichts- 
rat 1903 
Raab, A., Dr. phil, Apotheker 1891 
Ransohoff, Moritz, Dr. med. 1907 
Ratazzi, Karl 1905 
Ravenstein, Simon 1873 
Rawitscher, Ludwig, Dr. jur., Land- 
gerichtsrat 1904 



FrauRegnier, Emma, geb. Fischer 1900 

Reh, Robert 1902 

*Rehn, J. H., Dr. med., Geh. San.-Rat 

1880 
Rehn, Louis, Dr. med., Prof., Direktor 

am städt. Krankenhause 1893 
Fräulein Reichard, E. 1907 
Reichard-d'Orville, Georg 1905 
Frau Gräfin v. Reichenbach-Lessonitz, 

geb. Freiin Göler V.Ravensburg 

1903 
*Reichenbach, Heinrich, Dr. phil., Prof. 

1872 
Frau Baron von Reinach 1905 
Reiss, Adolf, Dr. jur., Gerichtsassessor 

1906 
Reiss, Emil, Dr. med. 1907 
Reiss, Paul, Justizrat 1878 
Fräulein Reiss, Sophie 1907 
Rennau, Otto 1901 
Reutlinger, Jakob 1891 
Richter, Johannes 1898 
♦Richters, Ferdinand, Dr. phil., Prof. 

1877 
Riedel, Ferd., Amtsgerichtsrat 1907 
Frau Riese, Karl 1897 
Riese, Otto, Baurat 1900 
Riesser, Eduard 1891 
Rintelen, Franz, Dr. 1904 
Ritsert, Eduard, Dr. phil., Fabrik- 
direktor 1897 
Ritter, Hermann 1903 
*Roediger, Ernst, Dr., San.-Rat 1888 
Roediger, Paul, Dr. jur. 1891 
Rollmann, Ludwig 1906 
*Rörig, Ad., Dr. med., Forstmeister 

a. D. 1897 
Fräulein Rößler, Charlotte 1907 
Rößler, Friedrich, Dr. phil., Direktor 

1900 
Rößler, Heinrich, Dr. phil. 1884 
Rößler, Hektor 1878 
Roger, Karl, Bankdirektor 1897 
Rohmer, Wilhelm 1901 
Ronnefeld, Adolf 1905 
Ronnefeld, Friedrich 1905 
Roos, Heinrich 1899 



64" 



Roos, Israel, Dr. phil. 1905 
Rose, Christian 1905 
Roques, Adolf., Dr. phil. 1900 
Roques-Mettenheimer, Etienne 1897 
Rosenbaum, E., Dr. med. 1891 
Frau Rosenbaum-Canne, Marie 1907 
Rosenbusch, Eduard 1907 
Rosengart, Jos., Dr. med. 1899 
Rosenhaupt, Heinrich, Dr. med. 1907 
Rosenthal, Rudolf, Dr. jur., Rechts- 
anwalt 1897 
Roth, Karl, Dr.med., Medizinalrat 1903 
Rother, August 1903 
Rothschild, Otto, Dr. med. 1904 
Rühle, Karl, Lehrer a. d. Elisabethen- 
schule 1908 
Rumpf, Gustav Andreas, Dr. phil. 1905 
Ruppel, W., Dr. phil., Prof. 1903 
Sabarly, Albert 1897 
Frau Sabarly, Marianne 1905 
Sachs, Hans, Dr.med., Prof. 1903 
*Sack, Pius, Dr. phil. 1901 
Salomon, Bernhard, Prof., General- 
direktor 1900 
Sandhagen, Wilhelm 1873 
Sarg, Francis CA., Konsul 1906 
*Sattler, Wilhelm, Stadtbauinspektor 

1892 
Sauerländer, Robert 1904 
Sauermann, Otto, Ingenieur 1906 
*Schäffer - Stuckert , Fritz, Dr. dent. 

surg. 1892 
Scharff, Charles A. 1897 
Scharff, Julius, Bankdirektor 1900 
*Schauf, Wilh., Dr. phil., Prof. 1881 
Schaumann, Gustav, Stadtrat 1904 
Scheib, Adam 1905 
Scheller, Karl, Buchhändler 1897 
Schepeler, Hermann 1891 
Scherenberg, Fritz, Polizei-Präsident 

1905 
Scherlenzky, Karl August 1905 
Scheven, Otto, Dr. med. 1907 
Schiermann - Steinbrenk, Fritz 1903 
Schiff, Ludwig 1905 
Schild, Eduard 1904 
Schild, Rudolf, Dr. med. 1903 



Schleich, Wilhelm 1908 
Schlesinger, Theodor Heinrich 1907 
Schleußner, Friedr., Direktor 1900 
Schleußner, Karl, Dr. phil. 1898 
Schloßmacher, Karl, jun. 1906 
Schlund, Georg 1891 
Schmidt, Job. Julius, Dr. med., Sani- 
tätsrat 1907 
Frau Schmidt, Rudolf 1904 
Schmidt-Diehler, W., Architekt 1908 
Schmidt-de Neufville, Willy, Dr. med. 

1907 
Schmidt-Polex, Anton 1897 
*Schmidt-Polex, Fritz, Dr. jur. 1884 
Schmidt-Polex, Karl, Dr. jur., Justiz- 
rat 1897 
Schmidt-Scharff, Eugen 1905 
Schmiedicke, Generalarzt, Dr. 1906 
Schmölder, P. A. 1873 
*Schnaudigel, Otto, Dr. med. 1900 
Schneider, Gustav M. 1906 
Scholz, Bernhard, Dr. med. 1904 
Schott, Alfred, Direktor 1897 
Schott, Sigmund 1906 
Schott, Theod., Dr. med., Prof. 1903 
Schrey, Max 1905 
Schuenemann, Willi 1907 
Schüler, Max 1908 
Schürmann, Adolf 1891 
Schulz, Karl 1905 
Schulze-Hein, Hans 1891 
Schulz-Euler, Karl Fr. 1906 
Schumacher, Heinr. 1885 
Schumacher, Peter, Dr. phil. 1905 
Schuster, Bernhard 1891 
Schuster-Rabl, F. W., Bankier 1905 
Schwartze, Erich, Oberlehrer, Dr. 1907 
Schwarz, Georg Ph. A. 1878 
Frau Schwarz, Otto 1907 
Schwarzschild, Martin 1866 
Schwarzschild-Ochs, David 1891 
Scriba, Eugen, Dr. med. 1897 
Seeger, G., Architekt 1893 
Seeger, Oskar 1904 
Seeger, Willy 1904 
Seitz, Heinrich 1905 
Seligman, Henry 1891 



— 65* — 



Seligman, Miltun, Dr. jur. , Amts- 
richter 1905 

Seuffert, Theod., Dr. med., Sanitäts- 
rat 1900 

Sichel, Ignaz 1905 

Sidler, Karl 1905 

*Siebert, Aug., Kgl. üartenbaudirekt. 
1897 

Siebert, Arthur, Bankdirektor u. Kgl. 
Württemberg. Konsul 1900 

Siegel, Ernst, Dr. med. 1900 

Siesmayer, Philipp 1897 

Silbermann, M. 1908 

Simon, Julius, Dr., Geh. Justizrat, 
Oberlandesgerichtsrat 1907 

Simonis, Eduard 1907 

Simons, Walter, Major und Bezirks- 
ofnzier 1907 

Simrock, Karl, Dr. med. 1907 

Sioli, Emil, Dr. med., Prof., Direktor 
der Irrenanstalt 1893 

Sippel, Albert, Dr. med., Prof. 1896 

Sittig, Edmund, Prof., Oberlehrer 1900 

Solm, Richard, Dr. med. 1903 

Sommer, Julius, Direktor 1906 

Sonmierhoff, Louis 1891 

Sommerlad, Friedrich 1904 

*Frau Sondheim, Maria 1907 

Sondheim, Moritz 1897 

Sonnemann, Leopold 1878 

Spieß, Gustav, Dr. med., Prof. 1897 

v. Steiger, Louis, Baron 1905 

Stern, Adolf 1906 

Stern, Mayer 1905 

Stern, Paul, Dr. phil. 1905 

Stern, Richard, Dr. med. 1893 

Frau Stern, Theodor 1901 

Stern, Willy 1901 

Sternberg, Paul 1905 

Stettheimer, Eugen, Rentner 1906 

Frau v. Stiebel, H., Konsul 1903 

Stiebel, Karl Friedrich 1903 

Stock, Wilhelm 1882 

Stoeckicht, Karl 1905 

Frl. Stolzenhayn, Margarethe 1907 

Strauß, Eduard, Dr. phil 1906 

Strauß, Ernst 1898 



Straus, F., Dr. med. 1904 
Frau Strauß-Ellinger, Emma 1908 
Streng, Wilhelm, Dr. med. 1897 
Strömsdörfer. Jean, Konsul 19U6 
Stroof, Ignatz, Dr. phil. 1903 
Strupp, Louis, Geh. Kom.-Rat 1908 
Sturm, Otto, Architekt 1907 
Sulzbach, Emil 1878 
Sulzbach, Karl, Dr. jur. 1891 
Szamatolski, Dagobert, Apotheken- 
besitzer 1905 
Tecklenburg, Wilhelm, Assessor 1907 
*Teichmann, Ernst, Dr. phil. 1903 
„Tellus", Aktiengesellschaft für Berg- 
bau und Hüttenindustrie 1907 
Textor, Carl, W. 1908 
Thebesius, Louis, Dr. jur., General- 
konsul 1900 
Theiß, Wilhelm, Regierungs-Baumstr. 

1907 
Thoma, Phil. 1893 
Thoms , Heinrich , Dr. phil. , Kreis- 
tierarzt 1904 
Trauner, August, Architekt 1908 
Treupel, Gustav, Dr. med., Prof. 1903 
Trost, Fritz 1897 
Ulimann, Albert 1905 
Ullmann, Karl, Dr. phil. 1906 
Ulrich, Otto 1902 
Varrentrapp, Adolf, Dr. jur , Geh. 
Reg.-Rat, Bürgermeister a. D. 
1900 
Velde, August, Dr. Prof. 1908 
Frl. Velde, Julie, Oberlehrerin 1902 
v. d. Velden, Wilh., Bankdirektor 1901 
Vogler, Karl, Dr. phil., Oberlehrer 1908 
*Vohsen. Karl, Dr. med. 1886 
Vollmar, Otto, Baumeister 1907 
Vorster, Carl, Rentner 1907 
Voß, Otto, Dr. med., Prof. 1907 
Vowinckel, M., Direktor 1891 
Wachsnmrh, Hans, Dr. med. 1907 
Wachsmuth, Richard, Dr. Prof. 1907 
Wagener. Alex 1904 
Wagner, Gottfried 1905 
*Wahl, Gustav, Dr. phil. 1907 
Wallenstein, M. 1908 

5 



— 66* — 



Frau Gräfin v. Wartensleben, Gabriele, 

Dr. phil. 1902 
Weber, Eduard, Direktor 1907 
Weber, Heinrich, Dr. med. 1897 
Weiller, Emil 1906 
Weiller, Jakob H. 1891 
Weiller, Lionel 1905 
Weidmann, Hans, Direktor 1905 
v. Weinberg, Arthur, Dr. phil. 1897 
v. Weinberg, Karl, Gen.-Konsul 1897 
Weinschenk, Alfred 1903 
Weinsperger, Friedrich 1906 
*Weis, Albrecht 1882 
Weisbrod, Aug., Druckerei 1891 
Weismann, Daniel 1902 
Weismantel, O., Dr. phil. 1892 
Weller, Albert, Dr. phil. 1891 
Wernecke, Paul. Baurat 1908 
Werner, Felix 1902 
Wertheim, Karl, Justizrat 1904 
Wertheim, Max, Privatier 1907 
Wertheimber, Julius 1891 
Wertheimber-de Bary, Ernst 1897 
Wertheimer, Otto. Dr. phil. 1905 
Wetzlar-Fries, Emil 1903 
Wiesbader. Julius 1906 



*v. Wild, Rudolf, Dr. med. 1896 

Wilhelmi, Adolf 1905 

Wilhelmi -Winkel, Gustav 1907 

Willemer, Karl, Dr. med. 1905 

♦Winter, Friedr. W. 1900 

Frl. Winterhalter, E., Dr. med. 1903 

Winterwerb, Rud. , Dr. jur., Bank- 
direktor 1900 

Witebsky, Michael, Dr. med. 1907 

Wirth, Richard, Dr. 1905 

Wolf, Benno, Dr. jur., Gerichtsassessor 
1906 

Wolff, Ludwig, Dr. med. 1904 

Wollstätter, Karl jun. 1907 

Wormser, Siegmund H, Bankdirektor 
1905 

Wronker, Hermann 1905 

Wurmbach, Julius 1905 

Wurmbach, P., Landgerichtsrat 1908 

Wüst, Georg 1908 

Wüst, Hermann 1908 

Zeiß-Bender, Louis, Konsul 1907 

Zeltmann, Theod. 1899 

Zerban, Eugen, Fabrikant 1908 

Ziegler, Karl 1905 

Zimmer, J. Wilh., Stadtrat 1907- 



b) auswärtige beitragende Mitglieder 



* Alzheimer, Alois, Dr. med., München 

1896 
Andreae, Konrad, Rappallo 1906 
Becker, J., Dr. phil., Direktor des 
städt. Schlachthofes, Hanau 
1904 
Bender, Otto. Dr. med., Heidelberg 1908 
Bibliothek, Königl., Berlin 1882 
Brugger, R., Dr. med., Generalober- 
arzt, Cassel 1907 
v. Brüning, Gustav, Dr. phil., Höchst 

a. M. 1903 
Cammert, Paul, Dr. med , Oberstabs- 
arzt, Altenburg 1907 
Drüner, Leo, Dr. med.. Stabsarzt, 

Trier 1904 
Duden, P., Prof. Dr., Höchst 1906 
Feist, Fr.. Dr. phil., Prof., Kiel 1887 



Fischer, Hans, Chemiker, Offenbach 
a. M. 1907 

Flügel, Josef, Limburg a. d. Lahn 1907 

Fresenius, Ant., Dr. med., San. -Rat, 
Jugenheim 1893 

Goldschmidt, Rieh., Dr. phil., Privat- 
dozent d. Zoologie, München 
1901 

Grosch, K., Dr. med., Offenbach a. M. 
1904 

v. Guaita, Georg, Dr. phil., Frei- 
burg i. B. 1898 

Fräulein Hamburger, Clara, Dr. phil., 
Heidelberg 1906 

von Harling, Kgl. Oberförster Rod 
a. d. Weil 1906 

Hartmann, Moritz, Dr. med., San. -Rat, 
Hanau 



— 67* — 



Hauck, Moritz, Darmstadt 1874 

Heraus, Heinrich, Hanau 1889 

Herxheimer, G., Dr. med., Geh. Sani- 
tätsrat, Wiesbaden 1901 

Homburger, August, Dr. med., Neuen- 
heim-Heidelberg 1899 

Fräulein Köhler, Emilie, Hofheim i. T. 

Kohnstamm, Oscar, Dr. med., König- 
stein i. T. 

Kratz, K., Dr. phil., Mainkur 

Krekel, E. Fr., Forstmeister, Hof- 
heim i. T. 1904 

Laurenze, Ad., Großkarben 1903 

Lenz, Dr., Tierarzt in Aschaffenburg 
1903 

v. Leonhardi, Moritz, Freiherr, Groß- 
karben 1904 

*Lepsius, B., Dr. phil., Prof., Fabrik- 
direktor, Griesheim a. M. 1883 

v. Lindequist, Oskar, General - Oberst 
und Generaladjutant Sr. Maje- 
stät des Kaisers und Königs, 
Generalinspekteur der III. 
Armeeinspektion, Exzellenz, 
Hannover 1900 

Lorentz, Guido, Dr. phil.. Höchst a. M. 
1907 

zu Löwenstein -Wertheim - Rosenberg, 
Prinz Johannes, Kleinheubach 
1908 

Fräulein Luraschi, Ernesta, Hofheiin 
i. T. 1906 

Frl. Mayer, Josephine, Langenschwal- 
bach 1897 

von Meister, Herbert, Dr. phil., Sind- 
lingen 190U 

von Meister, Wilhelm, Dr., Regierungs- 
präsident, Wiesbaden 1905 

Müller, Adolf, Isenburg 1907 

Neubronner, Julius, Dr. phil., Apo- 
theker, Kronberg i. T. 1907 



Frau Dr. Oestreich, Anna, Marburg 

1901 
Oppermann, Erich, Dr., Höchst a. M. 

1907 
Frl. Osterberg, D., Königstein i.T. 1908 
Port, G., Dr. med., Prof., Heidelberg 

1904 
Reichard, Adolf, Dr. phil., Helgoland 

1901 
Reiss, Eduard, Dr. med.. München 1903 
Rothschild, David, Dr. med., Bad Soden 

1904 
Ruland, Karl, Offenbach a. M. 1908 
Schaff nit, Karl, Dr. phil., Apotheker, 

Rödelheim 1903 
Schmick, Rudolf, Oberbaurat, Darm- 
stadt 1900 
Schmidt, H., Lehrer, Kloppenheim 1908 
Schmitt, H., Dr. med . Arbeiligen bei 

Darmstadt 1904 
Scriba, L., Höchst a. M. 1890 
Seidler, August, Hanau 1906 
*Seitz, A., Prof.. Dr., Darmstadt 1893 
Singer. Fritz, Dr., Offenbach a M. 1908 
Sporleder, Oskar, Buchschlag 1905 
Strauß, Jakob, Tierarzt. Offenbach a. M. 

1908 
Thilenius, Otto, Dr. med.. Geh. San- 

Rat, Bad Soden 1907 
I'tb, Franz. Justizrat, Hanau 1907 
Weiß, Jul., Montigny b. Metz 1897 
*Wendt, A. H., St. Goar 1901 
Wetzel, Heinr., Bensheim 1864 
Wiederhold, Curt, Dr. phil., Mainkur 

1904 
Wittich, Ernst, Dr. phil., Darmstadt 

1898 
Wolfskehl, Eduard, Regierungsbau- 
meister, Darmstadt 1908 



_ 68* — 
III. Außerordentliche Ehrenmitglieder 

1900 Wallot, Paul, Prof., Dr. phil., Geh. Hof- und Baurat in Dresden 

1907 Adickes, Franz, Dr. med., Überbürgermeister in Frankfurt a. M. 

1907 von Erlanger, Caroline, Freifrau in Nieder-Ingelheim 

1907 von Erlanger, Wilhelm, Dr. jur., Freiherr in Nieder-Ingelheim 

1907 von Grunelius, Adolf in Frankfurt a. M. 

1907 Holle, Ludwig, Dr. phil., Staatsminister und Minister der geistlichen 

Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten in Berlin 

1907 von Metzler, Albert, Stadtrat in Frankfurt a. M. 

1907 Schiff, Jakob H. in New York 



IV. Korrespondierendes Ehrenmitglied 

1866 Rein, J. J., Dr. phil., Geh. Begierungsrat, Professor der Geographie an 
der Universität Bonn 



V. Korrespondierende Mitglieder*) 

1850 Scheidel, Sebastian Alexander, Privatier in Bad Weilbach 

1860 Weinland, Christ. Dav. Friedr., Dr. phil. in Hohen-Wittlingen bei Urach 

Württemberg 
1860 Weismann, August, Dr. phil., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz, Prof. der 

Zoologie und Direktor des zool. Instituts der Universität Freiburg i. B. 

(von hier) 
1862 Steffan, Phil., Dr. med. San. -Rat in Marburg i. H. (von hier) 
1862 Deichler, J. Christ., Dr. med. in Jugenheim (von hier) 
1868 Hornstein, F„ Dr. phil., Prof. in Kassel 
1872 Westerlund, Karl Agardh, Dr. phil. in Ronneby, Schweden 

1872 Hooker, Jos. Dalton, Dr., früher Direktor des botanischen Gartens in 

Kew bei London 

1873 Günther, Albert, Dr., früher Keeper of the Department of Zoology am 

British Museum (N. H.) in London 
1873 Sclater, Phil. Lutley, Secretary of the Zoological Society in London 
1873 Schwendener, Simon, Dr., Geh. Reg.-Rat, Prof. der Botanik und Direktor 

des bot. Instituts der Universität Berlin 
1873 Fries, Th., Dr. Prof. in Upsala 

1873 Schweinfurth, Georg, Prof., Dr. in Berlin 

1874 Gasser, Emil, Dr. med., Geh. Med. -Rat. Prof. der Anatomie und Direk- 

tor des anat. Instituts der Universität Marburg (von hier) 



*) Die verehrl. Korrespondierenden Mitglieder werden höflichst gebeten, 
eine Veränderung des Wohnortes oder des Titels der Direktion der Sencken- 
bergischen Naturforschenden Gesellschaft anzuzeigen. 



- 69* - 

187ö Bütschli, Johann Adam Otto, Dr. phil., Geh. Hofrat, Prof. der Zoologie 
und Direktor des zool. Instituts der Universität Heidelberg (von hier) 

1876 Liversidge, Archibald, Dr., Prof. der Chemie und Mineralogie an der 
Universität Sidney, Australien 

1876 Meyer, Adolf Bernhard, Dr. med., Geh. Hofrat in Berlin 

1876 Wetterhan, J. D. in Freiburg i. Br. (von hier) 

1877 Becker, L., Oberingenieur in Wandsbeck b. Hamburg 

1878 Chun, Karl, Dr., Geh. Rat, Prof. der Zoologie und Direktor des zool. 

Instituts der Universität Leipzig (von hier) 

1880 Jickeli, Karl, Dr. phil. in Hermannstadt 

1881 Todaro, A., Prof. Dr., Direktor des botanischen Gartens in Palermo 

1881 Snellen. P. C. F. in Rotterdam 

1882 Retowski, Otto, k. Staatsrat, Konservator an der Kaiserl. Eremitage 

in St.-Petersburg 
1KH2 Retzius, Magnus Gustav, Dr. med.. Prof. einer, in Stockholm 

1882 Russ, Ludwig, Dr. in Jassy 

1883 Koch, Robert, Prof., Dr. med., Geh. Med. -Rat, Generalarzt I. Kl. ä la 

suite des Sanitätskorps, o. Mitglied des K. Gesundheitsamts in Berlin 
1883 Loretz, Mart. Friedr. Heinr. Herrn., Dr. phil., Geh. Bergrat in Berlin 
1883 Ranke, Johannes, Dr.. Prof. der Anthropologie an der Universität 

München, Generalsekretär der Deutschen anthropol. Gesellschaft 
1883 Jung, Karl, Kaufmann, hier 

1883 Boulenger, George Albert, F. R. S., I. Class Assistant am British Museum 

(N. H.), Department of Zoology, in London 

1884 Lortet, Louis, Dr., Professeur de Parasitologic et de Microbiologie 

ä la Faculte de Medecine in Lyon 
1884 Se. Königliche Hoheit Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, Dr. med. 

in Nymphenburg 
1884 von Koenen, Adolf, Dr., Geh. Bergrat, emer. Prof. der Geologie und 

Paläontologie in Göttingen 
1884 Knoblauch, Ferdinand, früher Konsul des Deutschen Reiches in Noumea, 

Neukaledonien (von hier) 
1886 von Bedriaga, Jacques, Dr. in Florenz 

1886 Koerner, Otto, Dr. med., Prof. der Ohrenheilkunde an der Universität 

Rostock (von hier) 

1887 Schinz, Hans, Dr. phil., Prof. der Botanik und Direktor des botan. 

Gartens der Universität Zürich 
1887 Stratz, C. H., Dr. med. im Haag, Holland 
1887 Breuer, H., Dr., Prof., Direktor des Realgymnasiums in Wiesbaden 

1887 Hesse, Paul, Kaufmann in Venedig 

1888 von Kimakowicz, Mauritius, Kustos der zool. Abteilung des Museums 

des Siebenbürgischen Vereins für Naturw. in Hermannstadt 
1888 Brusina, Spiridion , Dr., Prof. der Zoologie und Direktor des zool. 

National-Museums der Universität Agram 
1888 Rzehak, Anton, Prof. der Paläontologie und Geologie an der tech- 
nischen Hochschule in Brunn 
1888 Reuss, Johann Leonhard, Kaufmann in Kalkutta (von hier) 



— 70* — 

1889 Roux, Wilhelm, Dr. med., Geh. Medizinalrat, Prof. der Anatomie und 

Direktor des anat. Instituts der Universität Halle a. S. 

1890 von Berlepsch, Hans, Graf auf Schloß Berlepsch, Hessen-Nassau 

1890 Fritsch, Anton Johann. Dr., Prof. der Zoologie und Kustos der zool. 
und paläont. Abteilung des Museums der Universität Prag 

1890 Haacke, Joh. Wilh., Dr. phil. in Lingen am Emskanal 

1891 Engelhardt, Hermann, Hof rat, einer. Prof. in Dresden 

1891 Fischer, Emil, Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Prof. der Chemie und 
Direktor des chemischen Instituts der Universität Berlin 

1891 Hartert, Ernst, Dr. phil., Curator in charge of the Zoological Museum 
in Tring, Herts 

1891 Strubell, Adolf, Prof., Dr. phil., Privatdozent der Zoologie an der 

Universität Bonn 

1892 Beccari. Eduard, Prof. emer. Florenz 

1892 van Beneden, Eduard, Dr., Prof. der Zoologie an der Universität Lüttich 
1892 Dohrn, Anton, Prof., Dr., Geh. Rat und Direktor der zoologischen 

Station in Neapel 
1892 Engler, Heinrich Gustav Adolf, Dr., Geh. Reg. -Rat, Professor der Botanik 

und Direktor des bot. Gartens und des bot. Museums der Universität 

Berlin 
1892 Haeckel, Ernst, Dr., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz, Prof. der Zoologie 

und Direktor des zoologischen Instituts der Universität Jena 
1892 Nansen, Fridtjof, Prof., Dr. in Kristiania 
1892 Schulze, Franz Eilhard, Dr., Geh. Reg.-Rat, Professor der Zoologie und 

Direktor des zoologischen Instituts der Universität Berlin 
1892 Straßburger, Eduard, Dr. phil., Geh. Reg.-Rat, Prof. der Botanik und 

Direktor des bot. Gartens der Universität Bonn 
1892 Sueß, Eduard, Dr., Prof. der Geologie und Direktor des geologischen 

Museums der Universität Wien 
1892 Waldeyer, Heinrich Wilhelm Gottfried, Dr. med., Geh. Med.-Rat, Prof. 

der Anatomie und Direktor des anatomischen Instituts der Universi- 
tät Berlin 
1892 Fleischmann, Karl, Konsul, Kaufmann in Guatemala 
1892 Bail, Karl Adolf Emmo Theodor, Prof., Dr., Gymnasial - Oberlehrer 

a. D. in Danzig 

1892 Conwentz, Hugo Wilhelm, Prof., Dr., Direktor des westpreuss. Provinzial- 

Museums in Danzig; staatlicher Kommissar für Naturdenkmalpflege 

1893 Verworn, Max, Dr. med., Prof. der Physiologie und Direktor des physiol. 

Instituts der Universität Göttingen 
1893 Koenig, Alexander Ferd., Prof., Dr. phil., Privatdozent der Zoologie 

an der Universität Bonn 
1893 Liermann, Wilh., Prof., Dr. med., Dir. d. Landkrankenhauses in Dessau 
(von hier) 

1893 Noll, Fritz, Dr. phil., Prof. der Botanik und Direktor des Botanischen 

Gartens der Universität Halle a. d. Saale. 

1894 Urich, F. W., Secretary of the Trinidad Field Naturalists' Club in 

Port of Spain, Trinidad 



— 71* — 

1894 Douglas, James, President of the Copper Queen Company ,, Arizona" in 
New York 

1894 Pagenstecher, Arnold, Dr. med., Geh. San. -Rat, Inspektor des natur- 
historischen Museums in Wiesbaden 

1894 Dreyer, Ludwig, Dr. phil. in Wiesbaden 

1894 Dyckerhoff, Rudolf, Dr. ing., Fabrikbesitzer in Biebrich a. Rh. 

1895 Kraepelin, Karl Mathias Friedrich, Prof., Dr., Direktor des natur- 

historischen Museums in Hamburg 
1895 ßolau, Heinrich, Dr., Direktor des zoologischen Gartens in Hamburg 
1895 Kükenthal, Willy, Dr. phil., Prof. der Zoologie und Direktor des zool. 

Instituts und Museums der Universität Breslau 
1895 Seeley, Harry Govier, Professor of Geography and Lecturer in Geology am 

King's College in London 
1895 v. Behring, Emil, Dr. med., Wirkl. Geh. Rat. Exzellenz, Prof. der 

Hygiene an der Universität Marburg i. H. 

1895 Murray, John, Dr. phil., Director of the Challenger Expedition Publi- 

cations Office in Edinburgh 

1896 Scharff, Robert, Dr. phil., Keeper of the Science and Art Museum in 

Dublin (von hier) 

1896 Bucking, Hugo, Dr. phil., Prof. der Mineralogie an der Universität 
Straßburg i. E. 

1896 Greim, Georg, Dr. phil., Prof. der Geographie an der technischen Hoch- 
schule in Darmstadt 

1896 Möller, Alfred, Dr. phil.. Prof., Oberforstmeister und Direktor der Forst- 
akademie Eberswalde 

1896 Lepsius, Richard, Dr. phil., Geh. Oberbergrat, Prof. der Geologie und 
Mineralogie an der technischen Hochschule und Direktor der geolo- 
gischen Landesanstalt für das Großherzogtum Hessen in Darmstadt 

1896 von Mehely, Lajos, Prof., Kustos des Nationalmnseums in Budapest 

1897 Verbeek, Rogier Diederik Marius, Dr. phil, Ing. im Haag, Holland 
1897 Voeltzkow, Alfred, Prof., Dr. phil., in Berlin 

1897 Rüst, David, Dr. med. in Hannover 

1897 Kaiser, Heinr., Dr., Prof. an der tierärztlichen Hochschule in Hannover 

1898 v. Ihering, H., Prof., Dr., Direktor des Museums in Säo Paulo 
1898 Forel, A., Dr. med., Prof. in Chigny bei Morges, Kanton Waadt 
1898 Sarasin, Fritz, Dr. in Basel 

1898 Sarasin, Paul, Dr. in Basel 

1898 Schmiedeknecht, Otto, Prof., Dr., Blankenburg in Thüringen 

1899 Kossei, Albrecht, Dr. med., Geh. Hofrat, Prof. der Physiologie und 

Direktor des physiologischen Instituts der Universität Heidelberg 
1899 Stirling, James, Government Geologist of Victoria in Melbourne 
1899 Le Souef, Dudley, Director of the Acclimatisation Society, Royal Park 

in Melbourne 
1899 Martin, Charles James, Dr., Director of the Lister Institute of Preventive 

Medicine in London 
1899 Strahl, H., Dr. med., Prof. der Anatomie und Direktor des anat. In- 
stituts der Universität Gießen 



— 72* — 

1899 Fischer, Emil, Dr. med. in Zürich 

1899 Lenz, PL, Prof.. Dr. phil., Direktor des naturhistor. Museums in 
Lübeck 

1899 Schenck, H., Dr. phil., Prof. der Botanik und Direktor des bot. Gartens 

in Darmstadt 

1900 Dönitz, Wilhelm, Prof., Dr. med., Geh. Med.-Eat in Charlottenburg 
1900 Ludwig. H., Dr. phil., Geh. Reg. -Rat, Prof. der Zoologie und Direktor 

des zool. Instituts und Museums der Universität Bonn 
1900 Engelmann, W., Dr. med., Geh. Med. -Rat, Prof. der Physiologie und 

Direktor des physiol. Instituts der Universität Berlin 
19U0 Munk, Herrn., Dr. med., Prof. der Physiologie an der Universität Berlin 
1900 Fresenius, Heinrich, Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Prof. in Wiesbaden 
1900 Zinndorf, Jakob in Offenbach 
1900 Spandel, Erich. Verleger in Nürnberg 
1900 Montelius, Oskar, Dr., Prof. in Stockholm 

1900 Becker, Jago, Direktor in Valencia (Spanien) 

1901 Thilo, Otto, Dr. med. in Riga 

1901 Nissl, Franz, Dr. med., Prof. der Psychiatrie und Direktor der psychia- 
trischen Klinik der Universität Heidelberg 

1901 von Wettstein, Rieh., Dr., Prof. der Botanik in Wien 

1901 Steindachner , Franz, Dr. phil., Geh. Hofrat, Intendant des K. K. 
naturhist. Hofmuseums in Wien 

1901 v. Graff, Ludw., Dr., Hofrat, Prof. der Zoologie und Direktor des 
zool. Instituts der Universität Graz 

1901 Döderlein, Ludw., Dr., Prof. der Zoologie in Straßburg i. Eis. 

1901 Simroth, Heinr., Dr., Prof. in Leipzig 

1901 Schillings, C. G., Prof., Hilfsarbeiter im Reichskolonialanit in Berlin 

1901 Lainpert, Kurt, Prof., Dr., Oberstudienrat und Vorstand des kgl Natu- 
ralien-Kabinetts in Stuttgart 

1901 Friese, Heinrich, Dr. phil. in Schwerin (Mecklenburg) 

1902 Treboul, E., President de la Societe nationale des sciences naturelles 

et mathematiques, Cherbourg 

1902 Schneider, Jakob Sparre, Direktor des Museums in Tromsö 

1902 Kayser, E., Dr., Prof. der Geologie und Paläontologie und Direktor 
des geol. Instituts der Universität Marburg 

1902 Spengel, J. W., Dr., Geh. Rat, Prof. der Zoologie und Direktor des 
zool. Instituts der Universität Gießen 

1902 Credner, Herrn., Dr., Prof., Geh. Bergrat in Leipzig 

1902 Reis, Otto M., Landesgeolog in München 

1902 Notzny, Albert, Bergwerksdirektor und Bergassessor auf Heinitzgrube 
in Beuthen, Oberschlesien 

1902 Beyschlag, Franz, Prof., Dr., Geh. Bergrat, Direktor der geol. Landes- 
anstalt in Berlin 

1902 Schmeisser, K., Berghauntmann und Oberbergamts-Direktor in Breslau 

1902 de Man, J. G., Dr. in lerseke, Holland 

1902 Boveri, Theod., Dr., Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts 
der Universität Würzburg 



— 73* — 

1902 Weidmann, Karl, Kgl. Torfverwalter in Carolinenhorst, Pommern 

1902 Oestreich, Karl, Dr., Privatdozent in Marburg (von hier) 

1902 Preiss, Paul, Geometer in Ludwigshafen 

1903 Weber, Max, Dr., Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts 

in Amsterdam 
1903 Fürbringer, Max. Dr., Geh. Hofrat, Prof. der Anatomie und Direktor 

des anatomischen Instituts der Universität Heidelberg 
1903 de Vries, Hugo, Dr., Prof. der Botanik in Amsterdam 
1903 Schlosser, Max, Dr., II. Konservator der paläont. Sammlung in München 
1903 Klunzinger, B., Dr., Prof. einer, in Stuttgart 

1903 v. Schröter, Guido, Konsul des deutschen Reiches in San Jose, Costa-Rica 

1904 Vigener, Anton, Apotheker in Wiesbaden 

1904 Wolterstorff, W., Dr., Kustos des naturhistor. Museums in Magdeburg 

1904 Vicomte du Buysson, Robert in Paris 

1904 Seine Durchlaucht Fürst Albert von Monaco in Monte Carlo 

1904 Brauer, August, Prof, Dr.. Direktor des königl. zool. Museums in Berlin 

1905 Hauthal, Rudolf, Prof., Dr., Direktor des Römermuseums in Hildesheim 
L90ö Hagenbeck, Karl in Stellingen bei Hamburg 

1905 v. Linstow, Otto, Dr. med., Generaloberarzt a. D. in Göttingen 

1905 Langley, J. N., Prof., Dr. in Cambridge 

1905 Lob, Jacques, Prof., Dr. in San Francisco 

1905 Haberlandt, Gottlieb, Dr., Prof. der Botanik und Direktor des bot. 

Gartens der Universität Graz 

1905 Kuschel, M., Polizeirat a. D. in Guhrau in Schlesien 

1905 Ehlers, E.. Dr., Geh. Rat, Prof. der Zoologie und Direktor des zuol. 

Instituts der Universität Göttingen 

1906 Witzel, Louis. Rittergutspächter in Comuna Prundn Judetui Jefov, 

Rumänien (von hier) 
1906 v. Neumayer, G., Prof. Dr., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz in Neustadt 

a. d. Hardt 
1906 di Monterosato, Tom. All., Marchese in Palermo 

1906 Dewitz, J., Dr. in Metz. 

1907 Buchner, E., Prof, Dr. phil. in Berlin 
1907 Barrois, Charles, Dr., Prof. in Lille 

1907 l'umpus, Hermon, C. Dr., Prof., Direktor des Amercian Museum of 

Natural History in New York 
1907 Fischer, Gustav, Dr. phil. et med., Verlagsbuchhändler in Jena 
1907 von Groth, Paul, Dr. phil., Geh. Hofrat, Prof. der Mineralogie und 

Direktor des Mineralogischen Instituts der Universität München 
1907 Hertwig, Oskar, Dr. med., Geh. Med.-Rat, Prof. der vergl. Anatomie und 

Direktor des Anatomisch-biologischen Instituts der Universität Berlin 
1907 Hertwig, Richard, Dr. phil., Geh. Hofrat, Prof. der Zoologie und 

Direktor des Zoologischen Instituts in München 
1907 Lankester, Edwin, Ray, M. A. L. L. D. F. R. S., emer. Direktor des 

British Museum of Natural History in London 
1907 Pfeffer, Wilhelm, Dr. phil., Geh. Rat, Prof. der Botanik und Direktor 

des Botanischen Instituts und Gartens der Universität Leipzig 



— 74* — 

1907 Steinmann, Gustav, Dr. phil., Geh. Bergrat, Prof. der Geologie und 
Direktor des Geologisch-Paläontologischen Instituts der Universität 
Bonn 

1907 Treub, Melchior, Dr. phil. Prof., Direktor des Botanischen Landes- 
instituts in Buitenzorg auf Java 

1907 Wiesner, Julius, Dr. phil., Geh. Hof rat, Prof. der Botanik und Direktor 
des pflanzenphysiologischen Instituts der Universität Wien 

1907 Zirkel, Ferdinand, Dr. phil., Geh. Rat, Prof. der Mineralogie und Direktor 

des Mineralogischen Instituts der Universität Leipzig 
190S Sterzel, J. T. Dr., Prof., Direktor des Naturhistorischen Museums der 
Stadt Chemnitz 

1908 Stromer-von Reichenbach, E., Dr., Prof., Privatdozent der Geologie und 

Paläontologie an der Universität München 



— 75 51 



Rechte der Mitglieder 

Durch die Mitgliedschaft werden folgende Rechte 
erworben : 

1. Das Naturhistorische Museum zu allen Öffnungszeiten ohne 
Zahlung von Eintrittsgeld zu besuchen und Familienan- 
gehörige einzuführen. 

Das Museum ist geöffnet: 

Sonntag von 11—1, sowie an jedem ersten Sonntag im 
Monat auch von 2—5 Uhr (im Winter von 2—4 Uhr), 

Dienstag von 10 — 1 Uhr 

Mittwoch 3—5 (im Winter 2—4 Uhr) 

Donnerstag 10—1 Uhr 

Freitag 11—1 Uhr 

Samstag 3—5 (im Winter 2—4 Uhr) 
Von Nichtmitgliedern werden am Dienstag, Donnerstag 
und Samstag 50 Pf. Eintrittsgeld erhoben. 

2. Alle von der Gesellschaft veranstalteten Vorlesungen, 
wissenschaftliche Sitzungen und Vorträge zu besuchen. 

3. Die vereinigte Senckenbergische Bibliothek zu benutzen. 

4. Den alljährlich erscheinenden Bericht kostenlos zu beziehen. 

5. Andere Publikationen der Gesellschaft, die „Abhandlungen", 
sowie einzelne Arbeiten aus den Abhandlungen, Kataloge 
über die wissenschaftlichen Sammlungen etc. gegen er- 
mäßigten Preis zu beziehen. 



— 76* — 

Auszug aus der Bibliothekordnung 

1. Die Senckenbergische Bibliothek ist an allen Werktagen 
vormittags von 10—1 Uhr und — Samstags ausgenommen 
— von 5 — 8 Uhr geöffnet. Während dieser Stunden sind 
sowohl die Leseräume, wie auch das Ausleihzimmer der 
Benutzung zugänglich. In der Zeit vom 1. Juli bis 
15. August sind Lese- und Ausleihzimmer nur von 10 — 1 Uhr 
geöffnet. In der Pfingstwoche bleibt die Bibliothek ebenso 
wie an Feiertagen geschlossen. 

2. Die im Lesezimmer aufgestellten Handbücher, sowie die 
im Zeitschriftenzimmer aufliegenden ungebundenen Hefte 
der Zeitschriften können ohne weiteres benutzt werden. 
Alle anderen, nicht zur Handbibliothek gehörigen Bücher, 
deren Einsichtnahme im Lesezimmer gewünscht wird, sind 
durch rote, den Aufdruck „Lesesaal" tragende Zettel zu 
bestellen. 

3. Zur Entleihung nach Hause gewünschter Bücher sind die 
Mitglieder der beteiligten Vereine und deren Dozenten 
berechtigt. Alle zur Entleihung gewünschten Bücher müssen 
durch weiße Zettel im voraus bestellt werden. Für jedes 
Werk ist ein besonderer Zettel auszustellen und mit Tinte 
zu schreiben. 

Auf Verlangen werden die nach Hause gewünschten 
Bücher gegen eine Vergütung von 20 Pf. für jede Sendung 
durch den Bibliotheksdiener in die Wohnung gebracht. 
Gegen die gleiche Vergütung werden sie von da auf 
schriftlich geäußerten Wunsch auch wieder abgeholt. Für 
umfangreichere Sendung kann außer der Gebühr von 20 Pf . 
auch der Ersatz etwaiger Transportkosten verlaugt werden. 

4. An auswärtige Mitglieder können Bücher verliehen werden, 
wenn sie die Vermittelung einer an ihrem Wohnort be- 
findlichen öffentlichen Bibliothek in Anspruch nehmen. 
Befindet sich daselbst keine öffentliche Bibliothek, so erfolgt 
die Büchersendung direkt gegen Erstattung der Kosten 
der Versendung zuzüglich einer Packgebühr von 20 Pf. 

5. Die Leihfrist beträgt, im allgemeinen 6 Wochen. Doch 
kann die Rückgabe entliehener Bücher aus dienstlichen 
Gründen jederzeit auch vor Ablauf dieser Frist angeordnet 



— 77* — 

werden. Auf Au trag kann die Leihfrist nach Ablauf von 
6 Wochen jedesmal um 4 Wochen verlängert werden, so- 
lange das betreffende Werk nicht von anderer Seite ge- 
wünscht wird. 

Die Dozenten genießen ein Vorzugsrecht beim Bezug 
der Bücher. 

6. Die Bibliothek kann durch besondere Bekanntmachung 
alle entliehenen Bücher zur Vornahme einer Bestauds- 
prüfung zurückfordern. 

7. Wer eiu Buch auf wiederholte Aufforderung nicht zurück- 
liefert, erhält zunächst keiue weiteren Bücher mehr und 
wird von der Administration der Dr. Senckeubergischen 
Stiftung ev. von der weiteren Benutzung der Bibliothek 
gänzlich ausgeschlossen. 



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80* 



Protokolle der wissenschaftlichen Sitzungen. 



I. Sitzung vom 19. Oktober 1907 

Vorsitzender: Direktor Professor Dr. August Knoblauch. 

Zum ersten Vortrag haben sich die Mitglieder der Gesell- 
schaft im großen Hörsaal des neuen Museums sehr zahlreich ver- 
sammelt. Freilich entbehrt der neue Hörsaal mit seineu stufen- 
förmig aufsteigenden Sitzreihen für 230 Personen des prächtigen 
Bilderschmuckes, der uus den Hörsaal iu der alten Bibliothek 
am Eschenheimer Tor so traulich gemacht hat ; dafür ist er aber 
auch mit den vollkommensten Einrichtungen zur Projektion von 
Lichtbildern und zur Demonstration von Präparaten, Aufstellung 
von Mikroskopen usw. ausgerüstet 

Zu Beginn der Sitzung begrüßt der Erste Direktor die zahl- 
reich erschienenen Mitglieder mit folgender Ansprache : 

Hochgeehrte Damen und Herren! 
Vorüber ist der Tag der feierlichen Eröffnung unseres Museums. 
Erquickend erwärmt durch die ehrenvollen Worte höchster An- 
erkennung aus dem Munde der berufensten Vertreter der Wissen- 
schaft ist es ein hoher Ehrentag für unsere Gesellschaft ge- 
wesen, und in den Herzen aller, die uns die Freude erwiesen 
haben, an der bedeutungsvollen Feier teilzunehmen, wird er in 
erhebender Erinnerung bleiben. Mit Befriedigung haben wir es 
empfunden, daß auch der preußische Kultusminister ein ein- 
drucksvolles Bild von den naturwissenschaftlichen Leistungen 
der Frankfurter Bürgerschaft gewounen hat. Lassen Sie mich 
anknüpfen an die Worte des Prorektors der Ruperto-Karola 
des Geh. Hofrats Jellinek: „Kein Fürst, kein Staat, keine 
Stadt hat diese Gesellschaft gegründet; sie ver- 
dankt ihren Ursprung der Einsicht und Hingabe 
hochgemuter Bürger". Darum ist es stets unsere vor- 



— 81* — 

nehmste Pflicht, der vielen Generationen dankbar zu gedenken, 
die vor Ihnen Mitglied unserer Gesellschaft gewesen sind, und 
Ihueu zu danken, meine Damen und Herren, die wir Sie in der 
Gegenwart mit Stolz und Freude zu unseren Mitgliedern zählen. 
Auf Ihren Schultern ruht unsere Gesellschaft. Be- 
wahren Sie uns das fördernde Interesse, mit dem die Frank- 
furter Bürgerschaft seit drei Menschenaltern ihre Lieblings- 
schöpfung, unser Museum, ausgezeichnet hat, und tragen Sie 
es hinaus in immer weitere Kreise! Dann werden sich die 
Wünsche erfüllen, mit denen unser Oberbürgermeister bei der 
Grundsteinlegung seine Hammerschläge geführt hat: „Goet be- 
scher Geist erfülle dies Haus", die herzlichen Wünsche, 
die der Vertreter der Universitäten bei seiner neulichen An- 
sprache an Sie in die Worte gekleidet hat: „Möge es das 
günstigste Vorzeichen für Sie sein, daß Goethe, dem 
auch die Naturwissenschaften ewigen Dank schul- 
den, dieses Haus herbeigesehnt hat; möge, wie sein 
Bild auf Sie her niederschaut, auch sein Geist auf 
alle Zeiten dieses Haus segnend durchziehen." 

Und nun auf zu froher wissenschaftlicher Arbeit im 
neuen Heim ! 

Nach diesen einleitenden Worten spricht Professor Dr. W. 
Seh auf über: 

„Basalt und Granit, eine historische Skizze." 

Der Vortragende wirft einen Bückblick auf die verschie- 
denen Anschauungen, die man im Laufe des verflossenen Jahr- 
hunderts über Eruptivgesteine hatte. Er erwähnt die Lehren 
Huttons und Werners, gedenkt der heftigen Polemik, die 
sich über die Entstehung des Basalts entspann und von der 
ganzen naturwissenschaftlich gebildeten Welt mit größtem Inter- 
esse verfolgt wurde, besonders auch von Goethe, den sie sogar 
zu poetischen Äußerungen im zweiten Teile des „Faust" (Klas- 
sische Walpurgisnacht) hinriß. Durch Leopold von Buch er- 
langte die vulkanische Richtung in Deutschland das Übergewicht. 
Den Übertreibungen der Vulkanisten, die in den fingierten Erd- 
revolutionen gipfelten, machte Lyell ein Ende und bereitete so 
den Boden für die Deszendenztheorie vor. Zuverlässige Kriterien 
für die eruptive Natur von Gesteinen verdanken wir aber erst 

6 



— 82* — 

Ferdinand Zirkel, der zuerst in Deutschland das Mikro- 
skop mit seinen optischen Hilfsapparaten zur Untersuchung von 
Felsarten einführte und dessen Forschungen für alle Zeiten ein 
Ruhmesblatt in der Geschichte der Petrographie bilden werden. 
Redner gibt eine kurze Darstellung der gewonnenen Resultate, 
betont den Unterschied zwischen Erguß- und Eruptivgesteinen, 
gedenkt der synthetischen Darstellung basaltischer Typen durch 
Michel Levy und Fouque, schildert die Natur des Granits 
und seiner Gefolgschaft, der magmatischen „Spaltungsgesteine", 
weist namentlich auf den eigenartigen Charakter der Pegmatite 
hin und zeigt zuletzt, daß manche mit besonderen Namen ver- 
sehene Ergußgesteine (Diabase, Quarzporphyre, Porphyrite) nur 
pathologische Facies frischer Typen (der Basalte, Rhyolite, An- 
desite) sind, die keineswegs immer ihreu alterierten Zustand 
einem höheren Alter verdanken. Der Fortschritt der Petrogra- 
phie in der jüngsten Zeit besteht in der Vervollkommnung der 
Untersuchuugsmittel und hängt mit dem Fortschritt der physi- 
kalischen Chemie zusammen; die experimentelle Methode wird 
in weit höherem Maße zur Lösung genetischer Fragen als früher 
herangezogen. Im Vordergrund der Diskussion stehen die kri- 
stallinen Schiefer, deren Bildung lange Zeit in ein undurch- 
dringliches Dunkel gehüllt war, das sich jetzt wenigstens hier 
und da aufzuhellen beginnt. 

II. Sitzuug vom 26. Oktober 1907 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 

Der zweite Vortrag, für den sich ein besonders lebhaftes 
Interesse voraussehen ließ, fand in dem schmucken Festsaal 
des neuen Museums statt. Der lichte, hohe Saal, der etwas 
geräumiger als der große Hörsaal ist und für etwa 400 Per- 
sonen Raum bietet, war dicht besetzt. Er ist dem Stil der 
Fassade und des Treppenhauses entsprechend in Frankfurter 
Barock gehalten und mit seinen mächtigen, die Decke tragenden 
Pilasteru aus Marmor und Stuckmarmor, mit seinem Podium, den 
geschmackvollen Türen und Stühlen aus Rüsternholz von vor- 
nehmer Einfachheit. An eine] 1 Läugswand des Saales sind auf 
Konsolen die Marmorbüsten des Grafen Karl August Böse 
und der Grätin Luise Böse geb. Gräfin vou Reichenbach- 
Lessonitz aufgestellt. 



— 83* — 

Mit eiuem pietätvollen Hinweis auf die großen Verdienste 
des Grafen und der Grälin Böse um die Senckenbergische 
Gesellschaft eröffnet der Vorsitzende die Sitzung. Gräfin Luise 
Böse hat durch ihre 1880 errichtete, ausschließlich Unterrichts- 
und wissenschaftlichen Zwecken dienende, großartige Stiftung 
die materielle Grundlage für den gewaltigen Aufschwung ge- 
schaffen, den die Gesellschaft im vergangenen Vierteljahrhundert 
genommen hat. Die edle, für die Naturforschung begeisterte 
Frau hat es der Senckenbergischen Gesellschaft zur Pflicht ge- 
macht, ihrer Stiftung, wie es in dem Testament heißt, „die 
größtmöglichste Publizität" zu geben, damit ihr leuch- 
tendes Vorbild Nacheiferung fände bei allen, denen es ein 
gütiges Geschick vergönnt hat, über den Kreis ihrer Familie 
hinaus segnend und fördernd zu wirken. Das Andenken an diese 
hochherzige Frau wird für alle Zeiten in Ehren bleiben. 

Der Vorsitzende begrüßt sodann mit herzlichen Worten 
Dr. Fritz Sarasin aus Basel, der seit 1898 der Sencken- 
bergischen Naturforschenden Gesellschaft als korrespondierendes 
Mitglied angehört. In Gemeinschaft mit seinem Vetter Dr. Paul 
Sarasin hat der Vortragende durch seine wiederholten For- 
schungsreisen in Ostasien wesentlich zur Erschließung der Fauna 
der Insel Celebes und ihrer tiergeographischen Stellung im indo- 
australischen Faunengebiet beigetragen und namentlich durch 
den gelungenen Nachweis einer alten Steinzeit in den Höhlen 
von Ceylon und Celebes der Wissenschaft hochbedeutsame Auf- 
schlüsse über die Urbevölkerung dieser Inseln gebracht. 

Hierauf spricht Dr. Fritz Sarasin über: 

„Die niedersten Menschenformen des süd- 
östlichen Asiens". 

In den Urwäldern des tropischen Asiens leben Trümmer 
primitiver, zurückgedrängter und aussterbender Völkerschaften, 
Überreste einer alten Menschenschichte. Am längsten bekannt 
sind davon die W e d d a von Ceylon und einige vorderindische 
Stämme. Zu dieser weddaischen Urschichte gehören aber auch 
die Senoi im Innern von Malakka und die Toäla von Celebes.. 
Des weiteren sind auf Sumatra, Banka, Borneo und auf vielen 
anderen luseln solche Stammreste nachweisbar, nicht minder in 

6* 



— 84* — 

großen Gebieten Hinterindiens. Sie bilden somit einen dünnen, 
vielfach zerrissenen Schleier über ungeheure Gebiete hin. 

An der Hand von Bildern werden hierauf die gemeinsamen 
körperlichen Eigenschaften der Wedda, Senoi und Toäla erläu- 
tert und unter vielem anderen namhaft gemacht der kleine 
Körperwuchs, die dunkle Hautfarbe, das wellige, buschige 
Haar, die breite Gesichtsform, die tiefliegenden Augen, die breite 
Nase, die dick geschwollene Lippenpartie, das fliehende Kinn 
und die primitive Fußbildung. Auch einige gemeinsame Merk- 
male am Skelett werden erörtert, nach denen diese drei Stämme 
als nahe miteinander verwandte, zartgebaute Wildformen des 
Menschen erscheinen. 

Ferner zeigt die Ergologie der drei Stämme weitgehende 
Übereinstimmungen im Denken und in der Lebensweise. Die 
von Kultur noch unberührten Reste sind nomadisierende Jäger 
ohne Ackerbau und ohne Haustiere außer dem Hund, in Höhlen 
oder unter primitiven Hütten (Schutzschirmen), auch wohl ganz im 
Freien übernachtend. Die Kleidung ist eine Schamschürze aus 
Baststoff, eingetauschtem Tuch oder auch aus buschigen Zweigen. 
Nahrung liefert die Jagd und das Sammeln von Waldprodukten. 
Metalltechnik, Töpferei und andere Künste fehlen. Die Stammes- 
organisation ist patriarchalisch ohne titulierte Häuptlinge. Dabei 
sind sie monogam, ehrlich, zufrieden mit ihrer einfachen Exi- 
stenz, fremdenscheu und stolz auf ihre Eigenart. Mit den höher 
stehenden, sie umgebenden Völkern treiben sie häufig einen 
geheimen Tauschhandel, wobei sich die beiden Parteien nicht zu 
Gesicht bekommen. Die Leichen blieben ursprünglich einfach am 
Todesort unbestattet liegen, was heute wohl nirgends mehr 
geschieht. Religiöse Vorstellungen sind nur sehr wenig ent- 
wickelt und die Kenntnisse naturgemäß gering; viele können 
nur auf eins zählen usw. 

Hierauf wird ein Blick auf Australien geworfen, dessen 
Ureinwohner gleichfalls als aus einer weddaartigen, wellighaari- 
gen Urschichte entwickelt und eigenartig umgeprägt angesehen 
werden. 

Neben der weddaischen Urbevölkerungsschichte besitzt 
Südostasien noch eine zweite mit wolligem oder Negerhaar, 
deren vornehmste Vertreter die Bewohner der Andaman-Inseln, 
die Semaug von Malakka und die Negrito der Philippinen 



— 85* - 

sind. Auch diese Völkertrümmer verbindet ein enges körper- 
liches und ergologisches Band. 

Die ungeheuer weite Verbreitung der weddaischen und der 
negritischen Urschichte setzt ein sehr hohes Alter dieser Stämme 
voraus, da ihre Wanderungen sich sicherlich langsam vollzogen 
haben. Da sie ferner keine Seefahrer sind, so muß zur Zeit 
ihrer Ausbreitung die trockene Erdoberfläche eine wesentlich 
andere Gestalt gehabt haben als heute. Es werden nun die ver- 
schwundenen Landbrücken des indo-australischen Archipels er- 
örtert, auf denen diese Wanderungen vom asiatischen Festland 
bis zu den Philippinen und bis Australien stattgefunden haben 
mögen. 

Die Gemeinsamkeit vieler anatomischer Merkmale (der 
Hauptunterschied liegt nur in der Behaarung) zwischen den 
Gliedern der weddaischen und der negritischen Urschichte führt 
zum Schlüsse, daß sie einer gemeinsamen Wurzel des 
Menschengeschlechtes zustreben; sie werden als Primär- 
varietäten des Menschen bezeichnet, in der Annahme, daß 
sich aus ihnen die höheren, mehr differenzierten Stämme ent- 
wickelt haben. Hierauf werden die Ansichten Schwalbes und 
Kollmanns über die Ableitung des heutigen Menschen aus 
niederen Formen kritisch besprochen und die Ansicht vertreten, 
es könnten die Primärvarietäten des Menschen, die der Vor- 
tragende als die ältesten und ursprünglichsten jetzt noch lebenden 
Vertreter des Homo sapiens betrachtet, an eine zarter gebaute, 
vielleicht tropische Homo-primigenius-Form angeschlossen wer- 
den, als die bis jetzt und zwar nur auf europäischem Boden 
gefundenen Primigeuius-Reste eine solche darstellen. 

Gegen die Möglichkeit, daß die Primärvarietäten nichts 
Ursprüngliches, sondern, wie einige wollen, bloß Kümmerformen 
des Menschen seien, werden drei Reihen von Beweisen vor- 
geführt, erstlich die Abwesenheit von Anzeichen einer Degene- 
ration bei ihren heute noch lebenden Vertretern und die Gemein- 
samkeit so vieler anatomischer Charaktere, die verbietet, sie aus 
ganz verschiedenen Quellen durch Verkümmerung abzuleiten; 
dann zweitens ihr literarisch zu belegendes hohes Alter (die 
Weddas waren beispielsweise schon Ktesias und Ptolemäus, 
die afrikanischen Zwergneger schon Herodot. ja Homer be- 
kannt) und endlich der gelungene Nachweis einer alten 



— 86* — 

und primitiven Steinzeit im Boden der noch heute 
von den Weddas auf Ceylon und von den Toäla auf 
Celebes bewohnten Höhlen. 

Der Redner schließt mit dem Wunsche, es möge durch 
Urwald- und Wildreservationen dafür gesorgt werden, daß die 
letzten Reste der so hoch interessanten Primärvarietäten des 
Menschen vor dem Untergang bewahrt bleiben. 

III. Sitzung vom 9. November 1907 

Vorsitzender : Direktor Prof. Dr. August K n o b 1 a u c h. 

Dr. J. H. Bech hold, Mitglied des Kgl. Instituts für expe- 
rimentelle Therapie, spricht über: 

„Chemie und Biologie". 

Trotz Goethes beißender Satire auf die Chemiker, welche 
sich an biologische Probleme heranwagen (man denke an den 
Homunculus, den Wagner zusammenkristallisiert), hat man immer 
von neuem versucht, die Lebensvorgänge auf chemischem Wege 
zu erfassen und zu beherrschen. Zwar ist man, meint Redner, 
inzwischen bescheidener geworden und wäre zufrieden, wenn 
man nur den einfachsten Organismus, die kleinste Zelle, kon- 
struieren könnte. — In den letzten Jahren sind wiederholt 
sensationelle Nachrichten durch die Tageszeitungen gegangen, wo- 
nach es Butler-Burke, Littlefield und Le Due gelungen 
sei, einfachste Lebewesen und wachsende Zellen aus unorgani- 
sierter Substanz herzustellen. Der Vortragende läßt solche Lebe- 
wesen vor den Augen der Zuhörer entstehen und bezeichnet 
die Entdecker als Symbolisten, die die Analogie mit dem 
wahren Vorgang, die Wachspuppe mit dem Menschen verwechseln. 
Darauf schildert Bechhold die Versuche, den Lebensproblemeu 
von der entgegengesetzten Seite nahe zu kommen, indem man 
den chemischen Bau der einfachsten Bestandteile des Organis- 
mus, der Kohlehydrate, Fette und Eiweißkörper, und ihre 
Umsetzung im gesunden wie kranken Organismus studierte. 
So überaus wertvoll diese mühevollen Arbeiten auch seien, so 
glaubt Redner doch nicht, daß man mit ihrer Kenntnis allein 
dem Ziel nahe kommen werde, so wenig wie man aus einem 
Haufen von Maschinenelemeuten, aus Zapfen, Schrauben usw., 



— 87* — 

eine Maschine aufbauen könne, ohne zu wissen, wie die Bestand- 
teile zusammenhängen. Nachdem die physikalische Chemie vor 
zirka zwanzig Jahren ihren Siegeslauf angetreten hatte, setzte 
man auf sie die größte Hoffnung. In der Tat haben die Kenntnis 
vom osmotischen Druck und von der elektrolytischen Dissozia- 
tion eine Reihe biologischer Phänomene unserem Verständnis 
nahe gebracht; im großen ganzen müsse man aber sagen, daß 
die Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden. Selbst relativ ein- 
fache Vorgänge, wie beispielsweise die Sekretionen, die Harn- 
ausscheidung, seien heute kaum klarer als vor zwanzig Jahren. 
Der Fehler habe darin gelegen, daß man den Organismus als 
ein Gefäß mit Salzlösungen betrachtet habe, durch mehr oder 
minder durchlässige Membranen in Kammern geschieden. In 
Wahrheit aber bestehe der Organismus zum größten Teil aus 
Kolloiden, deren Kenntnis in den ersten Anfängen liege, da 
für sie alle bisherigen Methoden der Chemie und Physik ver- 
sagten. Trotz der kurzen Zeit seien aber schon große Erfolge 
erzielt, wie Redner an einigen Beispielen (Erregbarkeit der Ner- 
ven, innere Antisepsis, künstliche Befruchtung gewisser Seetier- 
eier ohne Samen) erläutert. Unübersehbare Probleme warten 
noch der Bearbeitung. Erst die genauere Erforschung der Kol- 
loide gibt der Hoffnnng Raum, daß wir einst die Vorgänge bei 
der Verdauung, der Assimilation und Dissimilation, sowie des 
gesunden Organismus im Kampf mit den Krankheitserregern 
verstehen und sie in der für uns günstigsten Weise zu regeln 
lernen. Jene Brücke, welche über die Kolloide zu dem Organismus 
hinüberführe, sei die Biochemie, für welche heute noch kein 
Lehrstuhl, kein Institut bestehe, der sich zu widmen aber in 
rein wissenschaftlicher, wie in praktischer Beziehung eine hohe 
und dankbare Aufgabe sei. 

IV. Sitzuug vom 16. November 1907 

Vorsitzender: Direktor Professor Dr. August Knoblauch. 

Zunächst legt der Vorsitzende die „Festschrift zur 
Erinnerung an die Eröffnung des Museums" am 
13. Oktober vor, die eine Beschreibung des Festes sowie die 
Ansprachen und Trinksprüche enthält, die bei der akademischen 
Feier und beim Festmahl gehalten worden sind. 



Hierauf spricht Oberforstmeister Professor Dr. A. Möller, 
Direktor der Kgl. Forstakademie zu Eberswalde, der seit 1896 
der Gesellschaft als korrespondierendes Mitglied angehört, über : 

„Der moderne Waldbau und seine naturwissen- 
schaftlichen Grundlagen." 

Ausgehend von der schulmäßigen Erklärung, daß man unter 
„Waldbau" „die Anzucht und Aufzucht des Holzes in Bestän- 
den" versteht, wird versucht, diese Begriffe durch Schilderung 
waldbaulicher Tätigkeit an Beispielen anschaulich zu machen. 
So werden künstliche Bestandsbegründung durch Saat oder 
Pflanzung und natürliche Verjüngung geschildert, und die Auf- 
zucht in Läuterungs-, Durchforstungs- und Lichtungshieben 
wird als schiedsrichterliche Tätigkeit des Forstmannes in dem 
Kampfe der Pflanzen ums Licht dem Verständnis näher gebracht. 

Wenn die Aufgaben des Waldbaues, so dargestellt, leicht 
faßlich erscheinen, so bietet ihre Erfüllung doch große, längst 
nicht besiegte Schwierigkeiten. Denn der Waldbau ist eine 
sehr junge Wissenschaft, deren Entwicklung, wie die Geschichte 
lehrt, erst unter dem Zwang der Not nach Verschwinden des 
Urwaldes und Verzehrung der von der Natur dargebotenen 
Holzschätze einsetzt. Noch um das Jahr 1700 gab es fast nir- 
gends in Deutschland Berufsforstleute, sondern nur Jäger. 

So ist bis heute der Waldbau wesentlich auf Erfahrung 
gestützt, und nur langsam beginnt die wissenschaftliche Begrün- 
dung seiner Lehre. Sie begegnet außerordentlichen Schwierig- 
keiten, weil der Wald ein langlebiger Organismus von kompli- 
zierter Zusammensetzung ist, und weil die verschiedenen, bei 
seinen Lebensprozessen mitwirkenden Faktoren nur schwer von- 
einander zu sondern und exakter Untersuchung zugänglich zu 
machen sind. Der Vortrag versucht an Beispielen die wechsel- 
seitigen Beziehungen der Organe des Waldorganismus zuein- 
ander zu beleuchten und die bisherigen Beobachtungsmethoden 
(z. B. der Versuchsstationen) ihrem Prinzip nach zu schildern. 
Endlich werden als Beispiele moderner Erforschung der natur- 
wissenschaftlichen Grundlage des Waldbaues aus der Boden- 
kunde die Untersuchungen über Rohhumus und die niederen Or- 
ganismen des Waldbodens, aus der Botanik die pflanzengeogra- 
phischen, physiologischen und pathologischen Untersuchungen 



der Neuzeit kurz besprochen, um zu zeigen, wie der Waldbau, 
aus unsicher tastender Empirie hervorgegangen, nun beginnt, 
eine wirkliche Wissenschaft zu werden, deren weiterer Ausbau 
von der Zukunft zu erwarten ist. 

Das beste und unentbehrliche Laboratorium für waldbau- 
liche Forschungen bleibt immer der Wald selbst. Am glück- 
lichsten sind daher diejenigen forstlichen Hochschulen, die den 
Wald in möglichst mannigfaltiger Gestalt in ihrer unmittelbaren 
Nähe haben. So liegt die alte Forstakaderaie Ebers walde, deren 
Direktor der Vortragende ist, inmitten ausgedehnter, reiche Ab- 
wechslung bietender Waldungen, die von Lehrern und Schülern 
täglich besucht werden. Eine derartige Nähe des Waldes aber 
mit den Beobachtungsobjekten des Forschers, den Studienobjekten 
der Schüler, kann durch keine noch so gute Eisenbahnverbin- 
dung jemals ersetzt werden. 

„Den Wald unter den Schutz des Wissens aller 
zu stellen," bezeichnet einer der trefflichsten Waldbauschrift- 
steller als eine würdige Aufgabe des Forstmannes. Möge ihrer 
Erfüllung auch dieser Vortrag dienen! 

V. Sitzung vom 23. November 1907 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 

Der Vorsitzende erinnert daran, daß mit dem gestrigen 
Tage neunzig Jahre seit der Gründung der Sencken- 
bergischen Natur for seh enden Gesellschaft ver- 
flossen sind, und gedenkt mit ehrenden Worten der Gründer 
der Gesellschaft, des Stiftsarztes Philipp Jakob Cretzchmar, 
dessen Marmorbüste für die heutige Sitzung im Hörsaale Auf- 
stellung gefunden hat, eines Simon Moritz von Beth mann, 
Joachim Andreas Grunelius, Karl Heinrich Georg vonHeyden, 
Ludwig Daniel Jassoy, Friedrich Metzler, Johann Georg 
David Melber, Mathias Wilhelm de Neufville, Salomo Fried- 
rich Stieb el u. a. „Namen sind es von hohem Klang in der 
Geschichte der freien Stadt Frankfurt und wir sind glücklich, 
daß wir heute noch, nach 90 Jahren, die Söhne und Enkel, ja 
Urenkel jener Männer zu unseren Mitgliedern zählen." „Mit 
dem Geiste der wissenschaftlichen Erkenntnis gleichen Schritt 
zu halten und durch Schaffung einer alle Fächer der Natur= 



— 90* - 

Wissenschaft umfassenden Sammlung ihren Mitbin gern nützlich 
zu werden", so heißt es in der Urkunde, die in dem Grund- 
stein des alten Museums am Eschenheimer Tor verwahrt ist — 
„in dieser Absicht konstituierte sich die Gesellschaft am 22. No- 
vember 1817. Doch hatte sie nichts zur Ausführung ihres 
Planes als den guten Willen und die kräftige Tätigkeit ihrer 
Mitglieder. Ihre Erwartungen gründeten sich auf wohlwollende 
Unterstützung, welche sie in der Großmut der Bürgerschaft 
dieser freien Stadt zu finden hoffte und fand." 

Seitdem sind 9 Jahrzehnte verflossen. Unser Museum 
möge Zeugnis ablegen, wie unsere Vorgänger und wir das teure 
Vermächtnis der Gründer unserer Gesellschaft gewahrt haben ! 
Welch ungeheuren, nie geahnten Aufschwang haben die biolo- 
gischen Wissenschaften in den letzten 90 Jahren genommen ; 
und wenn es uns gelungen ist, mit diesem Aufschwung gleichen 
Schritt zu halten, wie es in der Absicht unserer Vorfahren 
gelegen hat, wenn wir unsererseits einen kleinen Anteil an den 
glänzenden Ergebnissen der Naturforschung nehmen konnten, 
so ist dies nur möglich gewesen, weil die Senckenbergische 
Naturforschende Gesellschaft dankbar bekennen wir es - 
heute wie ehedem „auf die wo hlwollendeUnter Stützung 
gegründet ist, welche sie in der Großmut der Bürger- 
schaft dieser Stadt zu finden hoffte und fand." 

Nach diesen einleitenden Worten des ersten Direktors 
spricht Dr. med. Hans Hübner über: 

„Das Licht als Heilmittel". 

Ausgehend von den primitiven Versuchen, das Sonnenlicht 
selbst in der Heilkunde zu verwenden, schildert der Redner 
den gewaltigen Aufschwung, den die Lichttherapie in den letzten 
Jahren genommen hat, nachdem es der Technik, speziell der 
Elektrotechnik, gelungen ist, Lichtquellen zu schaffen, die noch 
weit reicher an chemisch wirksamen Strahlen sind als das 
Sonnenlicht. Zu erwähnen sind hier ferner die interessanten 
Versuche von Tappeiner und von Dreyer, die Wirkung 
des Lichtes auf das lebende Gewebe der Haut durch das Auf- 
tragen von fluoreszierenden oder „sensibilisierenden" Lösungen 
zu verstärken. Einen weiteren bedeutsamen Fortschritt hat 
das Lichtheilverfahren durch die Entdeckung der Röntgen- 



— 91* — 

Strahlen gemacht, deren schädigender Einfluß auf das Gewebe 
des Körpers bei planmäßiger Anwendung zur Vernichtung krank- 
haft gewucherter Zellen, also z. B. zur erfolgreichen Heilung 
von Hautkrebsen, verwandt werden kann. 

VI. Sitzung vom 30. November 1907 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 

Der Vorsitzende begrüßt zunächst mit herzlichen Worten 
den Vortragenden, Prof. Dr. Th. Boveri, Direktor des Zoo- 
logischen Instituts der Universität Würzburg, der im Jahre 
1902 durch den Stiebelpreis ausgezeichnet worden ist und 
seitdem der Senckeubergischen Gesellschaft als korrespondieren- 
des Mitglied angehört. 

Hierauf spricht Prof. Dr. Th. Boveri über; 

„Experimente an Zellkernen". 

Der Vortragende geht aus von den Erscheinungen der 
Zellteiluug und erörtert kurz die Lehre, wonach die Kern- 
elemente oder Chromosomen, die bei der Teilung des Kerns 
auftreten, auch im sog. ruhenden Kern ihre Selbständigkeit 
bewahren, so daß jedes Chromosoma als ein Abkömmling eines 
bestimmten Elements der vorausgehenden Zellgeneration zu be- 
trachten ist und also z. B. jedes der 24 Chromosomen, die sich 
in den Teilungsstadien menschlicher Gewebszellen nachweisen 
lassen, mit einem der 24 Chromosomen des Eies, aus dem dieses 
Individuum entstanden ist, in gewissem Sinn identifiziert werden 
darf. Zur Stütze dieser Lehre weist er auf die neueren Er- 
fahrungen hin, welche gelehrt haben, daß in den Zellen mancher 
Organismen die einzelnen Chromosomen nach ihrer Größe oder 
anderen Eigenschaften unterschieden werden können und daß 
diese Unterschiede bei allen Teilungen dieser Spezies in gleicher 
Weise wiederkehren. 

Mußten schon die bei der Kernteilung ermittelten Tatsachen 
zu der Annahme hindrängen, daß die Chromosomen Gebilde sind, 
denen im Leben aller Zellen eine besonders hohe Bedeutung 
zukommt, so wurde man in dieser Überzeugung noch bestärkt 
durch die Aufklärung der Befruchtungsvorgänge. Dabei ergab 
sich, daß zu dem Chromatinbestand des Kindes Vater und Mutter 



— 92* — 

genau die gleiche Zahl einander entsprechender Chromosomen 
beisteuern und daß, wenn im Eikern (weiblichen Vorkern) einzelne 
Chromosomen von den übrigen durch gewisse Eigenschaften 
unterscheidbar sind, genau das Gleiche auch im Spermakern 
(männlichen Vorkern) der Fall ist. Bezeichnet man die Chromo- 
somen des Eikerns als a, b, c, d . . . . , so sind die des Sperma- 
kerns auch a, b, c, d . . . . Diese doppelte Serie geht durch 
alle Zellfolgen hindurch, bis zu den Geschlechtszellen des neuen 
Individuums, wo sie durch einen in seinen Einzelheiten noch 
nicht ganz aufgeklärten Reduktions Vorgang wieder auf die ein- 
fache Serie herabgesetzt wird. Bei der nächsten Befruchtung 
finden sich dann wieder zwei solche Serien zusammen. 

Diese Tatsachen bilden die Grundlage für die Theorie, 
daß die im Kind zur Erscheinung kommende Mischung der 
elterlichen Merkmale durch die Chromosomen und nicht durch 
das Protoplasma der Geschlechtszellen vermittelt wird; und da 
die Entfaltung der vererbten elterlichen Eigenschaften durch 
protoplasmatische Leistungen geschieht, so würde diese Theorie 
zu der Forderung führen, daß die Chromosomen ihre Qualitäten 
dem Protoplasma aufzuprägen vermögen und also in den Stoff- 
weschsel der Zelle in ganz spezifisch formativer Weise ein- 
greifen. Die Frage ist, ob sich die hier bestehende Wahrschein- 
lichkeit beweisen läßt. Beweisen können nur Experimente: das 
heißt : es müßte im vorliegenden Fall der immer gleiche normale 
Chromosomenbestand einer Zelle in bestimmter Weise abgeändert 
und der Effekt beobachtet werden. 

In der Tat sind bei der Befruchtung Bedingungen gegeben, 
die zu solchen Experimenten eine Möglichkeit bieten. Die 
günstigsten Objekte zur Ausführung der Versuche sind die Eier 
der Seeigel. Hier lassen sich vermittels eines sehr einfachen 
Verfahrens Eier zur Entwicklung bringen, die nur den Sper- 
makern, nicht den Eikern besitzen. Die entstehenden Larven 
sind vollkommen normal. Daraus folgt, daß der Spermakern 
für sich allein alles zu leisten vermag, was sonst der aus Ei- 
und Spermakern verschmolzene Doppelkern leistet. Daß auch 
der Eikern hierzu imstande ist, ist durch die Versuche über 
künstliche Parthenogenese bewiesen worden. Weiterhin kann 
man durch gewisse Eingriffe erzielen, daß sich die Hälfte des 
Keims nur mit Derivaten des Eikerns, die andere mit solchen 



— 93* — 

von Ei- und Spermakern entwickelt. Die entstehenden Larven 
sind gleichfalls völlig gesund, bestehen aber aus einer klein- 
kernigen und einer großkernigen Hälfte, indem sich die einmal 
gegebene Chromosomenzahl durch alle Zellfolgen unverändert 
erhält. Diese Erfahrungen lehren, daß die Zahl der Chromo- 
somen innerhalb sehr weiter Grenzen gleichgültig ist, daß sogar 
die halbe Normalzahl zur Entwicklung genügt, ja, daß selbst 
im gleichen Individuum Kerne mit der typischen und mit der 
halben Chromosomenzahl ohne Schädigung nebeneinander be- 
stehen können. 

Ein Verfahren, welches uns in den Stand setzt, in wesentlich 
anderer Weise Zellen mit einem von der Norm abweichenden 
Chromatinbestand zu erzielen, ist in der Doppelbefruchtung ge- 
geben. Bringt man ein Ei mit sehr vielen Spermatozoon in 
Kontakt, so ereignet es sich nicht selten, daß statt des normalen 
einzigen Spermatozoon deren zwei ins Ei eindringen. In diesem 
Fall ist die Chromosomen-Serie a, b, c, d . . . . dreimal ver- 
treten, wird aber, da im doppeltbefruchteten Ei vier Teilungs- 
pole auftreten, sofort auf vier Zellen verteilt, so daß jede Zelle 
im Durchschnitt ein Viertel weniger Chromosomen enthält, als 
in einem normalbefruchteten Keim. Außerdem aber — und dies 
ist die Hauptsache — führt eine mehrpolige Teilung zu einer 
ganz unregulierten Verteilung der Chromosomen auf die Tochter- 
zellen, so daß die Chromosomen-Kombination in den vier pri- 
mären Zellen eines doppelbefruchteten Keimes unter 1000 Fällen 
nicht in zweien identisch zu sein braucht. Während also bei 
der Entwicklung eines einfachbefruchteten Eies jede Zelle zwei 
Chromosomen a, zwei b, zwei c usw. enthält, muß es bei der 
Doppelbefruchtung vorkommen, daß einzelnen oder allen Zellen 
bestimmte Chromosomen-Arten gänzlich fehlen. Hier ist also 
ein Kriterium gegeben, ob die einzelnen Chromosomen alle gleich- 
wertig sind oder nicht. Wie der Vortragende genauer ausführt, 
zwingen die Erscheinungen bei der Entwicklung doppeltbefruchteter 
Eier zu der Annahme, daß das letztere der Fall ist. In jedem 
Vorkern sind ofienbar alle zum normalen Funktionieren der 
Zelle nötigen Chromosomen-Arten vertreten; daher genügt der 
einzelne Vorkern zu normaler Entwicklung. Werden dagegen 
durch mehrpolige Teilungen Kerne hergestellt, denen einzelne 
Arten völlig fehlen, so wird der Kern und mit ihm die Zelle krank. 



— 94* -- 

Diese Versuche enthüllen eiiie Kompliziertheit der Kern- 
konstitution und eine Empfindlichkeit der Zelle gegen Kern- 
störungen, welche mit der den Kernen bei der Übertragung der 
elterlichen Eigenschaften zugeschriebenen Rolle aufs beste har- 
moniert. Aber daß den Kernen diese Bedeutung bei der Ver- 
erbung wirklich zukommt, ist damit nicht bewiesen. Doch auch 
hierfür gibt es nun endlich Anhaltspunkte experimenteller Natur, 
und zwar sind es gerade die bereits aufgezählten Fälle, welche 
uns bei der Entfaltung der charakteristischen Larvenmerkmale 
Aufschlüsse in der genannten Richtung liefern. Ist die in Rede 
stehende Theorie richtig, so muß aus einem Ei, das sich nur 
mit dem Spermakern entwickelt, eine Larve hervorgehen, die 
nur väterliche Merkmale aufweist; es muß aus einem Ei, das 
sich in der einen Hälfte nur mit dem Eikern, in der andern 
mit dem normalen Doppelkern entwickelt, eine Larve entstehen, 
die auf jener Seite nur mütterliche, auf dieser gemischte Merk- 
male zeigt. Und ebenso müssen bei der ganz unregulierten 
Kernverteiluug in doppeltbefruchteten Eiern die in geringerem 
Prozentsatz entstehenden gesunden Larven in ihren einzelnen 
Bezirken verschiedene Kombinationen väterlicher und mütter- 
licher Merkmale darbieten, als wären sie aus Stücken individuell 
verschiedener Exemplare zusammengesetzt. Diese Forderungen 
haben sich bei den allerdings noch nicht sehr zahlreichen Er- 
fahrungen auf diesem Gebiet in der Tat bestätigt gefunden. 
Es zeigt sich, besonders deutlich bei Bastardierungen, daß wenn 
ein Keim in seiner einen Hälfte Kernsubstanz anderer Herkunft 
besitzt als in der anderen Hälfte, die Larvenform sich als eine 
mosaikartige Zusammenfügung verschiedenartiger Typen dar- 
stellt. 

Der Vortragende faßt die Absicht seiner Ausführungen da- 
hin zusammen, daß er sowohl einen Einblick geben wollte in 
die Werkstätte der Zelle mit ihrem komplizierten Getriebe und 
dem wunderbaren Ineinandergreifen verschiedener Teile als auch 
in die Werkstätte moderner Zellenfo rschuug. Erweist dar- 
auf hin, daß die Ergebnisse, die durch die besprochenen Ex- 
perimente zu erzielen sind, auf eben solche Exaktheit Anspruch 
machen können, wie diejenigen der Physik und Chemie. 

Der Vortrag wird durch eine große Reihe von Wandtafeln 
und Zeichnungen, welche die Kernteilung unter normalen und 



— 95* — 

abnormen Verhältnissen veranschaulichen, und durch Präparate 
erläutert. 

VII. Sitzung vom 7. Dezember 1907. 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch 

Dr. F. Dr ever mau n spricht über: 

„Das Zeitalter der Saurier". 

Zu einer Zeit als noch kein Mensch lebte, als nur küm- 
merliche Vertreter der Säugetiere vorhanden waren, herrschten 
auf der Erde unumschränkt die Saurier, von denen heute nur 
noch geringe Reste in den Gruppen der Eidechsen, Schildkröten, 
Schlangen und Krokodile übrig sind. In riesigen Gestalten be- 
völkerten sie das Festland und das Wasser, Binnenseen sowohl 
wie den offenen Ozean, und die Flugsaurier beherrschten in 
gleitendem Fluge die Luft. Der Redner geht von den reichen 
Schätzen des Senckenbergischen Museums aus, das eine 
der besten, d. h. ausgeglichensten deutschen Sammlungen fossiler 
Saurier besitzt. Zunächst bespricht er unter besonderer Berück- 
sichtigung des herrlichen Diplodocus-Skeletts im großen Licht- 
hof die Gruppe der großen Dinosaurier, der „Schreckensechsen", 
zu denen die größten Landtiere gehören, die jemals gelebt haben. 
Hat doch Brontosaurus, ein naher Verwandter des Diplodocus, 
nicht weniger als 30 Meter Länge erreicht. Zur Jura- und 
Kreidezeit zitterte der Boden unter dem Tritt der riesigen Tiere, 
zu denen harmlose Pflanzenfresser und gewaltige Räuber, lang- 
sam auf allen Vieren sich fortschleppende und känguruhartig 
hüpfende Gestalten gehören, zu denen wir ferner auch aben- 
teuerliche Gestalten wie den Stegosaurus und den Triceratops 
zählen müssen. Im Meere lebten zu gleicher Zeit die Ichthyo- 
saurier mit delphinartigem Körper und kurzem Hals, die lang- 
halsigen Plesiosaurier und die gewaltigen, schlangeuförmigen 
Mosasaurier. Bei allen sind die Extremitäten zu echten Ruder- 
orgauen, zu Paddeln geworden, und alle sind als schnelle 
Schwimmer und gefährliche Räuber aufzufassen. Das Museum 
besitzt die Skelette von 7 Ichthyosauriern, darunter das beste 
überhaupt bekannte Stück und ein frei montiertes Exemplar; 
es besitzt ferner eiuen prächtigen Plesiosaurier, der im Lichthof 
steht. Ein Mosasaurier ist leider bisher noch nicht im Museum 



- 96* — 

vertreten. Zuletzt werden die Flugsaurier besprochen, häßliche 
Tiere, die eine Flughaut, ähnlich derjenigen der Fledermaus, 
zwischen Vorder- und Hinterextremitäten und dem Körper be- 
saßen, die ihnen einen schnellen und wohl auch ausdauernden 
Flug gestattete. Im deutschen Jura kennen wir bisher nur 
kleine Tiere aus dieser Gruppe, meist von Taubengröße, 
von denen sich ein vollständiges Exemplar im Museum be- 
findet; in der nordamerikanischen Kreide dagegen lebten 
Flugsaurier mit einer Flügelspannweite von sechs Metern und 
darüber. 

Eine Anzahl Lichtbilder zeigt am Schluß des Vortrages die 
seltsamen Gestalten der Saurier, wie sie in gemeinsamer Arbeit 
der Paläontolog und der Maler auf Grund der gefundenen Reste 
entworfen haben. Einige kleinere Saurier und mehrere Bilder 
sind zur Ergänzung des Vortrags ausgestellt. 

VIII. Sitzung vom 14. Dezember 1907 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 

Prof. Dr. A. Schuberg-Heidelberg spricht über: 

„Die Verbindung der Zellen im tierischen 
Organismus". 

Der Vortragende beginnt mit einem Ausblick auf den 
Wert und die Bedeutung der Zellenlehre und betont die Not- 
wendigkeit eines Zusammenhanges der Zellen als Glieder eines 
gemeinsamen Staates. Dieser Zusammenhang besteht in den 
Plasmaverbindungen der Zellen untereinander, die schon 
Virchow, His u. a. nachgewiesen haben. Aber erst Max 
Schultze leitete die Vorstellung von den Verbindungen der 
Zellen in die richtigen Bahnen. Die Forschungen begannen 
mit der Feststellung der Ausläufer der Bindegewebszellen; 
später erst entdeckte man die Zellbrücken in den Epithelzellen, 
oft den Bindegewebszellen zum Verwechseln ähnlich. Die An- 
gaben über Verbindung der Muskelzellen sind noch nicht ein- 
waudsfrei. Für die Nervengewebe sind verbindende Fortsätze 
bei den niederen Tieren, Medusen usw. schon nachgewiesen, 
während bei den Wirbeltieren solche Fortsätze wohl gesehen, 
aber noch nicht in Verbindung tretend konstatiert werden 



- 97* — 

konnten. Man darf aber wohl annehmen, daß solche Ver- 
bindungen auch bei den Wirbeltieren vorhanden sind. 

Aber nicht nur Zellen desselben Gewebes treten durch 
protoplasmatische Ausläufer in Verbindung, sondern auch Zellen 
verschiedener Gewebe können solche Zusammenhänge mit- 
einander zeigen. In der Haut des Salamanders, des Frosches 
usw. sieht man zwischen den Zellen der Oberhaut und denen 
der Unterhaut kleine Fädchen, die also Epithelzellen mit Binde- 
gewebszellen verbinden. Namentlich bei den Larven der 
niederen Wirbeltiere sind solche Verbindungen zwischen Ober- 
und Unterhaut, also zwischen zwei Organen verschiedener 
Keimblätter, recht deutlich zu sehen. Auch bei den niederen 
Tieren, namentlich bei den Spongien, sind solche Ausläufer der 
Zellen leicht nachzuweisen. Verbindungen der Zellen ver- 
schiedener Gewebe sind also vorhanden, wenn auch der Nach- 
weis bisher nur bei wenigen Tieren gemacht worden ist. Mor- 
phologisch und physiologisch ist die Verbindung der Zellen für 
die Einheit der Lebenserscheinungen eines Organismus aber 
notwendig. 

Der Vortragende, der selbst mit mehreren Arbeiten an 
der Erforschung dieser Frage sich beteiligt hat, hatte eine 
Anzahl mikroskopischer Präparate ausgestellt, die durch ihre 
technische Vollendung eine gute Illustrierung seiner Aus- 
führungen gaben. 

IX. Sitzung vom 4. Januar 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 

Der Vorsitzende heißt die zahlreich erschienenen Mitglieder 
im neuen Jahre willkommen und gibt der Hoffnung Ausdruck, 
daß die im verflossenen Jahre von 879 auf 970 angewachsene 
Mitgliederzahl in diesem Jahre das erste Tausend überschreiten 
wird. 

An Stelle des satzungsgemäß ausgeschiedenen II. Direktors 
Robert de Neufville ist Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx ge- 
treten, an Stelle des II. Sekretärs Dr. med. H. von Metten- 
heim e r , dessen Amtszeit gleichfalls abgelaufen war, Friedrich 
W. W i n t e r. Der Vorsitzende dankt den ausgeschiedenen 
Herren für ihre treue Mitarbeit. 

7 



— 98* — 

Hierauf spricht Prof. Dr. L. E dinger über 

„Tier seelenkunde". 

Der Vortragende weist darauf hin, daß wir zwar zahl- 
reiche, treffliche Bausteine zu einer solchen besitzen, welche 
Naturbeobachter, Jäger usw. geliefert haben, daß aber ein 
Zusammenarbeiten derselben aus mancherlei Gründen bisher 
kaum versucht worden ist. Da wir nur durch Bewegungen 
etwas über den inneren Vorgang erfahren, so gilt es zunächst, 
diese Bewegungen und die sie veranlassenden Reize näher zu 
studieren. Es ist zweckmäßig, vorerst gewisse Handlungen, die 
Reflexhandlungen namentlich und die Instinkte für die Betrach- 
tungen auszuschalten ; dadurch daß man bisher immer die 
letzteren, uralt erworbene und der ganzen Art eigentümliche 
Handlungsformen, mit berücksichtigt hat, ist man zu keiner 
vollen Klarheit über die Aufgaben gekommen. Ebenso wird 
man die Fragen, ob irgend eine Handlung mit Bewußtsein oder 
nicht geschieht, völlig ausscheiden müssen, da wir das niemals 
ermitteln können. Was dann noch übrig bleibt, wird Gegen- 
stand der Betrachtungen des Vortragenden. Von den Sinnes- 
wahrnehmungen ausgehend, zeigt er, daß die Organe für deren 
Aufnahme überall in der ganzen Tierreihe gleichartig gebaut 
sind, daß sie aber je nach dem Bedürfnis der Lebensweise in 
ihrer Entwicklung enorme Unterschiede zeigen. Die meisten 
Fische und alle Vögel haben z. B. größere Endstätten für den 
Sehnerven als der Mensch. Unter den Eidechsen gibt es 
welche mit großen Riechlappen, es sind die, welche ihre Nah- 
rung am Boden suchen, und andere (Chamaeleon), die kaum 
Riechlappen haben. Der ganze Apparat, welcher sich zusammen- 
setzt aus primären Aufnahmestätten für die Sinnesnerven, Aus- 
führungsstätten für die Bewegungen und Verbindungsbahnen 
und Zentren zwischen beiden, kann man den primären Apparat 
des Gehirnes nennen. In voller Reinheit findet er sich bei den 
Cyclostomen und Knochenfischen vor, er bleibt aber bis zum 
Menschen hinauf erhalten. Die Fische leisten außerordentlich 
wenig. Außer dem Erkennen und Aufsuchen der Nahrung 
sind sie nur fähig, einzelne Instinkte und Reflexe, die Flucht 
z. B., durch Angewöhnung abzuschwächen, sie lernen auch ge- 
legentlich den Fütterer oder das Fütterungssignal erkennen. 



- 99* — 

Bei den Amphibien, deren Gehirn erläutert wurde, sind 
bisher auch fast keine Handlungen bekannt, die über das von 
Knochenfischen Geschilderte hinausgehen. Ein Frosch frißt 
nicht den Wurm, sondern der kriechende Wurm reizt, im 
Weiterkriechen immer den Reiz erhöhend, und das löst dann 
das Zuschnappen aus. Kriecht er nicht oder wird er dem 
Frosch etwa über die Nase gehängt, so wird er keineswegs 
als Wurm erkannt. Die Bewegung ist so wichtig für das Aus- 
lösen des Fressens, daß man Frösche mit einer Heidelbeere 
angeln kann. 

Die Hirnentwicklung der Reptilien ist wesentlich weiter 
geschritten. Jetzt zeigt sich deutlich über dem primären Eigen- 
apparat eine Gehirnrinde, und mit ihr treten Veränderungen 
des Verhaltens auf. Viele der Reptilien suchen sich ihre Nah- 
rung aus, sie betastend und bezüngelnd, und Schlangen wie 
Schildkröten vermögen, wenn die Beute entflieht, sie zu ver- 
folgen und unter mehreren Spuren die richtige zu finden. Das 
ist etwas ganz Neues, und der Entwicklung dieser Fähigkeiten, 
welche man Assoziationen von Sinneseindrücken bezeichnen darf, 
begegnet man, wie an zahlreichen Beispielen bewiesen wurde, 
in noch höherem Maße bei Vögeln. Hier ist die Hirnrinde auch 
wesentlich weiter entwickelt, die tiefen Enden des Sehnerven 
sind schon mit ihr verbunden. Die Vögel erkennen dadurch 
seheud vieles, und darauf beruht ihre Orientierung, ihre Nah- 
rungssuche usw. Das Vorhandensein der Rinde ermöglicht es 
auch den Vögeln zu lernen, optische und akustische Eindrücke 
(nachsingen, sprechen) zurückzuhalten. Vögel lernen auch in 
ganz geschickter Weise sich gegen ihre Feinde sichern, und 
es ist gar kein Zweifel, daß sich hier zahlreiche Assoziationen 
ausbilden. Selbständige Handlungen, die nicht auf Sinnesein- 
drücken beruhen, sind nicht bekannt. Solche treten erst bei 
den Säugern auf. Hier entwickelt sich die Hirnrinde in ganz 
enormem Maße. Leider sind die Beobachtungen an den nieder- 
sten Säugern, selbst an denen, die uns nahe umgeben, wie 
Mäuse, Igel, Maulwürfe, noch außerordentlich dürftig, und erst 
für unsere Haustiere, namentlich Hunde und Pferde, liegt reiches 
Untersuchungsmaterial vor. Es ist bekannt, wie fein ausge- 
bildet die Sinnesorgane sind (Hunde können halbe Töne unter- 
scheiden, einzelne haben absolutes Gehör) und auf welch 

7* 



— 100* — 

geschickte Weise sie, eine Wahrnehmung mit anderen Wahr- 
nehmungen verbindend, zu komplizierten Handlungen kommen. 
Aber die Haustiere haben so viel vom Menschen gelernt, daß 
für psychologische Beobachtungen das Verhalten frei lebender 
Tiere wichtiger ist. 

Der Vortrag, reich an anatomischen und psychologischen 
Beispielen, schließt mit einer Aufforderung an die Zuhörer, auf 
diesem Gebiet, wo jeder durch nüchterne Beobachtung nützen 
kann, mitzuhelfen. Das neurologische Institut erklärt sich be- 
reit, einschlagende Beobachtungen entgegenzunehmen und mit 
den Beobachtern zu diskutieren. Ganz besonders erwünscht sind 
Beobachtungen über das Verhalten von Amphibien und Rep- 
tilien, weil vermutlich hier die ersten Anfänge assoziativer 
Tätigkeit liegen. 

X. Sitzung vom 18. Januar 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 
Prof. Dr. A. König, Bonn, spricht über: 
„Vogelleben und Vogelbilder aus hohem Norden". 

Der Vortragende beginnt dann mit einer anschaulichen 
Schilderung des überaus anziehenden und fesselnden Vogel- 
lebens an den Steilküsten der Bäreninsel, zwischen Norwegen 
und Spitzbergen einsam im Eismeer gelegen, deren gefiederte 
Bewohner in ungeheuren Scharen die Felsen bedecken und 
die Luft mit ihrem Geschrei erfüllen. Drei Lummenarten 
bilden den Hauptbestandteil der Bewohner der Vogelberge, 
Uria troile, rhingvia und bruennichii. Reihenweise sitzen sie 
auf den schmalen vorspringenden Felsenkanten, auf denen sie 
auch ihr einziges Ei ablegen und ausbrüten. In den unteren 
Lagen herrschen die Uria troile und rhingvia als Brutvögel vor, 
während an den hochgelegenen Klippen nur Uria bruennichii 
auf ihren Eiern saß und sich geduldig auf die Seite schieben 
und die Eier wegnehmen ließ. Andere Elemente in diesen Vogel- 
kolonien sind Dreizehnmöven, Eissturmvögel und die großen 
Bürgermeistermöven, echte Räuber, und ferner in geringerer Zahl 
Papageitaucher und Krabbentaucher. 

Redner schildert alsdann seine Streifzüge in das Innere 
der Bäreninsel, die ein einförmiges, trostloses, fast jeder Vege- 



— 101* — 

tation entbehrendes Gelände darstellt, bald von losem Geröll, 
bald von hohem Schnee bedeckt. Die sumpfigen Täler werden 
belebt von Schmarotzerraubmöven, Lestris parasitica, die geschickt 
den ihre Eier suchenden Ornithologen abzulenken und irre 
zu leiten wissen. Die vielen kleinen Süßwasserteiche werden 
von einzelnen Eiderenten, Eisenten und Nordseetauchern be- 
völkert. Der Expedition des Vortragenden gelang es nicht nur 
sämtliche von der Bäreninsel bisher als Brutvögel bekannte 
Arten wiederzufinden, sondern auch noch mehrere neue Arten 
nachzuweisen. So wurden von einem Regenpfeifer, Charadrius 
hiaticula, und von der Schwimmschnepfe, Phalaropus fulicarius, 
mehrere Exemplare erbeutet. Die Ovarien der untersuchten 
Weibchen enthielten reife Eier, so daß man das Brüten dieser 
beiden Arten auf der Bäreninsel annehmen darf. Die Trauer- 
ente, Oidemia nigra, wurde im Flug beobachtet und an Fuchs- 
bauten Federn von Sturnus, Turdus iliacus und Turdus merula 
aufgefunden, Vögel, die sämtlich noch nicht von der Bäreninsel 
bekannt waren. 

Aus der reichen Fülle der ornithologischen Beobachtungen 
im Spitzbergenarchipel erwähnt der Vortragende besonders das 
Tierleben auf der Nordspitze von Prinz Karl-Vorland, einer 
größeren, westlich von Spitzbergen gelegenen Insel. Von Lummen 
findet sich hier nur noch Uria bruennichii, dagegen aber Möven, 
Papageitaucher, rotfüßige Gryllteiste und muntere Krabben- 
taucher, die sich schon von weitem durch lautes Schreien ver- 
nehmbar machen. Hier wurde auch die nur in Spitzbergen 
brütende seltene kurzschnäbelige Gans, Anser brachyrhynchus, 
beobachtet. 

Die ungünstigen Eisverhältnisse des verflossenen Sommers 
machten ein Vordringen nach dem äußersten Norden und dem 
Osten von Spitzbergen unmöglich, daher konnte nur die West- 
küste einer gründlichen ornithologischen Durchforschung unter- 
zogen werden. 

Aus den reichen wissenschaftlichen Ergebnissen sei noch 
die Feststellung der großen Megalestris skua erwähnt, dann 
die Entdeckung mehrerer Gelege der Bernikelgans und zweier 
Nester von Somateria spectabilis mit Gelegen, die ersten, die 
überhaupt von Spitzbergen eingesammelt wurden. Auch von 
der für Spitzbergen neuen und seltenen Branta leucopsis fand 



— 102* — 

der Vortragende zwei volle Gelege. Zu den wertvollsten Er- 
gebnissen zählt aber die Erbeutung eines Paares der herrlichen 
Seeschwalbenmöve, Chema sabinei, nebst den dazu gehörigen 
Eiern, die in den Museen zu den größten Kostbarkeiten gehören. 
Zum erstenmal wurde diese Art 1898 von der deutschen Expe- 
dition auf Storoe als neu für Spitzbergen beobachtet und drei 
Exemplare erbeutet. Prof. König hat nun auch diese Art auf 
Spitzbergen brütend nachgewiesen. Ferner wurden Anas pene- 
lope und Scopolax rusticula als neue Arten für Spitzbergen 
erbeutet. 

Die lebhaften Schilderungen seiner Reise erläuterte der 
Vortragende durch eine Reihe schöner Lichtbilder. 

XI. Sitzung vom 25. Januar 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit der Mitteilung 
von dem am 22. Januar erfolgten Hinscheiden des Herrn Morris 
K. Jesup, Präsident des American Museum of Natural History 
in New York, der der Senckenbergischen Gesellschaft als korre- 
spondierendes Mitglied angehört hat und bei Gelegenheit der Er- 
öffnung des neuen Museums zum korrespondierendenEhren- 
mitglied ernannt worden ist. Durch die Schenkung des 
Riesen-Diplodocus, der im Lichthofe aufgestellt ist, und in- 
zwischen die Bewunderung von vielen tausenden Besuchern des 
Museums gefunden hat, hat sich Jesup ein bleibendes Denkmal 
errichtet. Die Senckenbergische Natur for sehende 
Gesellschaft hat der Familie des Entschlafenen und dem 
American Museum of Natural History telegraphisch ihr Beileid 
ausgesprochen und am Sarge Jesups einen Lorbeerkranz 
niederlegen lassen. Zu ehrendem Andenken an den Entschlafenen 
erheben sich die Anwesenden von den Sitzen. 

Hierauf spricht Prof. Dr. H. Lüthje über: 

„Die Eiweißassimilation im tierischen und pflanz- 
lichen Organismus". 

Vortragender bespricht, nach einigen einleitenden Be- 
merkungen über die Konstitution der Eiweißkörper, zunächst 
die früheren Anschauungen über die Überführung des artfremden 



— 103* — 

Eiweißes in das körpereigene Eiweiß. Bekanntlich sind alle 
Eiweißkörper, die das Tier und der Mensch mit der Nahrung 
zu sich nehmen, abgesehen von den verschwindenden Ausnahmen 
des Kannibalismus, fremde Eiweißkörper, die sich in ihrer Zu- 
sammensetzung vor allen Dingen auch mit Bezug auf die 
Funktionen, die sie bisher zu erfüllen hatten, wesentlich unter- 
scheiden von den Eiweißkörpern des ernährten Tieres. Das 
gewaltigste Beispiel dieses Umbildungsvorganges ist der Wachs- 
tumsvorgang des Säuglings. Der Säugling muß aus dem Haupt- 
eiweißkörper der Milch, dem Casein, den größten Teil seiner 
spezifischen Organeiweiße bilden. Die bisherigen Anschauungen 
über diesen Umbildungsvorgang waren im wesentlichen folgende: 

Die Eiweißstoffe werden durch den Verdauungsakt im 
Darm übergeführt in Albumosen und Peptone, also in Stoffe, 
die der Eiweißgruppe noch angehören. Diese werden dann in 
der Darmwaud oder in der Leber zu dem ursprünglichen Eiweiß 
wieder zurückverwandelt und zerfallen dann infolge der Tätig- 
keit der Organe über eine Reihe von intermediären Produkten 
hinweg bis zum Harnstoff. Der Harnstoff wird mit den Exkreten 
dem Erdboden zurückgegeben, hier im Erdboden durch bakte- 
riellen Einfluß zersetzt in kohlensaures Ammoniak. Letzteres 
durch bestimmte Bakterien in Salpetersäure und salpetrigsaure 
Salze übergeführt. Diese Salze dienen dann von neuem der 
Pflanze zur Bildung von Eiweißkörpern. Es galt demnach 
bisher als sicher, daß nur der Pflanze synthetische Funktionen 
zukommen, während das Tier dem Eiweißmolekül gegenüber 
lediglich destruktive dissimilatorische Funktionen zu erfüllen hat. 

Auf Grund der neueren Arbeiten von Löwi, dem Vor- 
tragenden, Abderhalden und anderen haben sich aber die 
Anschauungen wesentlich geändert. Es ist durch einwandfreie 
Versuche erwiesen worden, daß auch der Tierorganismus, 
wenigstens der Körper des Fleischfressers und des Omnivoren 
zur Eiweißsynthese befähigt ist. Ja, daß sogar wahrscheinlich 
die Eiweißsynthese bei diesen Tieren obligatorisch ist. Das 
dem fleischfressenden Tier, also auch dem Menschen mit der 
Nahrung zugeführte Eiweiß wird im Darm gespalten bis zu 
den Aminosäuren hinab und aus diesen Aminosäuren, die keinen 
Eiweißcharakter mehr tragen, wird dann innerhalb des Tier- 
körpers von neuem das dem betreffenden Tier spezifische Eiweiß 



— 104* — 

synthetisiert. Der Ort dieser Eiweißsynthese des Tierkörpers ist 
wahrscheinlich die Darmwand. Es ist durch diese Versuche der 
Nachweis einer weiteren großen Analogie zwischen dem Pflanzen- 
und Tierleben erbracht ; das Tier ist wie die Pflanze zur Eiweiß- 
synthese befähigt. Freilich ist die Technik dieser Synthese bei 
dem Tier eine andere als bei der Pflanze. Bei dieser ist der Vor- 
gang ein photosynthetischer, beim Tier ein chemosyuthetischer. 

Vortragender streift dann noch die Frage, ob durch diese 
neuen Forschungsresultate unsere Anschauungen über die Ge- 
samtweltbilanz des Stickstoffes eine Änderung erfahren haben. 
Das Leben aller Organismen ist von der Gesamtmenge des 
sogenannten gebundenen Stickstoffs auf der Erde abhängig. 
Ein Teil des gebundenen Stickstoffes geht nun aber fortwährend 
durch bestimmte Prozesse, z. B. Verbrennung, Explosion in 
freien Stickstoff über. Dieser freie Stickstoff kann als solcher 
weder von der Pflanze, noch vom Tier benutzt werden und es 
würde tatsächlich das Leben auf dem Erdball vernichtet werden, 
wenn jener Überführung von gebundenem in freien Stickstoff 
nicht ausgleichende Prozesse entgegenständen. Wir dürfen bei 
dem seit Jahrtausenden anhaltenden unveränderten Gedeihen 
der Pflanzen- und Tierwelt annehmen, daß diese beiden Prozesse 
sich annähernd das Gleichgewicht halten. 

Die Frage, ob durch die neu gefundene Tatsache des 
Eiweißabbaues und Aufbaues im Tierkörper hier ein neues 
Glied von Bedeutung für diese Bilanz eingeschoben ist, muß mit 
nein beantwortet werden. Denn soviel wir wissen, wird freier 
Stickstoff bei der Eiweißdissimilation im Tierkörper nicht gebildet. 

Zum Schluß wird dann noch kurz auf die Bedeutung 
hingewiesen, die diese neuen Forschungsresultate unter Um- 
ständen für die Ernähruug des kranken und gesunden Menschen 
gewinnen können. 

XII. Sitzimg vom 1. Februar 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 
Dr. E. Wolf spricht über: 

„Die Wasserblüte als wichtiger Faktor im Kreis- 
lauf des organischen Lebens". 
(Siehe Teil II, Seite 57.) 



— 105* — 

XIII. Sitzung vom 8. Februar 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 
Prof. Dr. P. D ud e n - Höchst spricht über: 
„Chemische Elemente in alter und neuer Zeit". 

Anknüpfend an die Entdeckung der Radioaktivität gibt 
der Vortragende zunächst einen Überblick über die historische 
Entwicklung unserer Kenntnisse vom chemischen Element. 
Aus dem alten, auf deduktivem Weg gewonnenen Begriff der 
Aristotelischen Elemente, der, mit großer Zähigkeit fest- 
gehalten, fast 2000 Jahre lang die experimentelle Naturwissen- 
schaft beeinflußte, entwickelte sich durch Um- und Weiter- 
bildung allmählich der Begriff des modernen chemischen Ele- 
mentes, das durch Lavoisier endgültigen Eingang in die 
Wissenschaft fand. Klassische Experimentalarbeiten vervoll- 
ständigten in der Folgezeit die Lavoisiersche Tabelle der 
Elemente, während andererseits das Bedürfnis nach einer theo- 
retischen Vertiefung seinen Ausdruck im Periodischen System 
des Elements fand. Sollte dies zunächst auch nur die experi- 
mentell erkannten Beziehungen der einzelnen Elemente zum 
Ausdruck bringen, so wurde es andererseits zum Ausgangspunkt 
von Gedankengängen, die durch die Auffindung der radioaktiven 
Stoffe zum ersten Male eine gewisse experimentelle Bestätigung 
erfuhren. An der Hand von Tabellen und Präparaten wird 
dann das reichhaltige Material berührt, das die Forschung auf 
diesem Gebiet innerhalb des letzten Jahrzehnts zusammen- 
getragen hat, und insbesondere der zur Identifizierung der 
radioaktiven Substanzen so wichtigen elektrochemischen Methode 
gedacht. Daß es sich bei diesen strahlenden Substanzen wirklich 
um eine Umwandlung des chemischen Atoms handelt, welche, 
einem astronomischen Phänomen vergleichbar, sich in dem 
Mikrokosmos des Atoms vollzieht, ohne daß wir sie mit unseren 
experimentellen Hilfsmitteln zu beeinflussen vermögen, kann 
jetzt nicht mehr zweifelhaft sein, nachdem durch die Versuche 
Ram says insbesondere nicht nur Helium, sondern auch Neon, 
Argon, Lithium, Natrium und Kohlenstoff in genetische Be- 
ziehungen zu den radioaktiven Substanzen gebracht worden 
sind. Es muß als ein glücklicher Umstand bezeichnet werden, 
daß dieses schwierige und eigenartige Forschungsgebiet, kaum 



— 106* — 

in Angriff genommen, in der Desaggregationshypothese von 
B u the r ford und Soddy mit einem theoretischen Hilfsmittel 
von größter Tragweite beschenkt wurde, das sich bei allen 
Untersuchungen bisher als sicherer Führer bewährt hat und 
auch eine weitere fruchtbare Entwicklung dieses Gebietes er- 
hoffen läßt. 



XIV. Sitzung vom 15. Februar 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 
Prof. Dr. E. Ehren bäum, Helgoland, spricht über: 
„Die Fortpflanzungsverhältnisse der Seefische". 

Der Vortragende, der zum wissenschaftlichen Stabe der 
biologischen Anstalt auf Helgoland gehört, eines Instituts, dessen 
vornehmste Aufgaben die Erforschung der Naturgeschichte der 
Nordseefische im Interesse der deutschen Seefischerei bildet, 
hat sich seit vielen Jahren besonders mit den Fortpflanzungs- 
verhältnissen und der Entwicklungsgeschichte der für den 
Handel wichtigen Seefische beschäftigt und berichtet in diesem 
Vortrage über seine Ergebnisse. 

Die Eier unserer Seefische sind entweder festsitzende, 
klebende oder freischwimmende. Unter den Fischen mit 
festsitzenden Eiern sind nur wenige Nutzfische, von denen 
als wichtigster der Hering genannt za werden verdient, ferner 
der See wolf (Anarrhichas), der Hornhecht (Belone) und der 
Sandaal (Ammodytes). Doch hat die Mehrzahl der Strand- und 
Flachwasserfische, die keine Nutzfische sind, festsitzende Eier. 
Bei diesen Arten kommen sehr merkwürdige Formen von Brut- 
pflege vor, die in der Regel vom Männchen übernommen wird. 
Vortragender zeigt verschiedene photographische Aufnahmen 
nach dem Leben von Eiern solcher Fischarten und bespricht 
besonders das interessante Verhalten des männlichen Seeteufels 
(Cottus), des Lumpfisches (Cyclopterus), des Stichlings (Spinachia) 
und der Seenadeln (Syngnathus und Nerophis) während des 
Brutgeschäftes. 

Die Mehrzahl der wichtigen Nutzfische des Meeres, nament- 
lich alle Plattfische (Pleuronectidae) und Schellfische (Gadidae) 
produzieren schwimmende Eier, meist nur 1—1 l k Millimeter 



— 107* — 

groß, die einzeln und frei als glashelle Kügelchen im Meere 
treiben und als spezifische Planktonorganismen anzusehen sind. 
Die Eier mancher Arten enthalten Öl in Tröpfchenform. Obwohl 
erst vor etwa 40 Jahren entdeckt, sind diese Eier, soweit sie 
in unseren Meeren vorkommen, doch bereits fast sämtlich be- 
kannt. Die Eier der einzelnen Arten sind aber nicht immer 
sicher voneinander zu unterscheiden. Vortragender konnte die 
wichtigsten Formen durch schöne Abbildungen demonstrieren. 
Die Kenntnis der planktonischen Eier unserer Nutzfische ist in 
neuerer Zeit in ausgiebigster Weise dazu benutzt worden, um 
Aufklärungen über die Lage und Ausdehnung der Laichplätze 
dieser Fische zu gewinnen. Dazu ist die zuerst von dem Kieler 
Physiologen V. Hensen angewandte Methode der quantitativen 
Planktonforschung mit Erfolg benutzt worden. Hensen zeigte, 
daß die schwimmenden Fischeier, wie alle Planktonorganismen 
im Meere, so gleichmäßig verteilt sind, daß man mit speziell 
für diesen Zweck konstruierten Vertikalnetzen Fänge erhält, 
deren Zusammensetzung nach Zahl und Art der darin enthaltenen 
Eier charakteristisch ist für den jeweilig gewählten Ort zur 
gegebenen Zeit. Man kann daher bestimmen, wieviel Eier von 
dieser und jener Art unter einem Quadratmeter der Wasser- 
oberfläche am Orte des Versuchs vorhanden waren. Derartige 
Daten lassen sich beliebig vermehren und sind direkt mitein- 
ander vergleichbar. Die bereits vorliegende sehr große Zahl 
derartiger Beobachtungen, die seit der internationalen Organi- 
sation zur Erforschung der nördlichen Meere sehr vermehrt 
worden ist, hat es ermöglicht, wie an der Hand einer Karte 
demonstriert wird, eine ganze Reihe von Tatsachen über das 
Verhalten unserer wichtigen Nutzfische beim Laichen klarzu- 
stellen und unsere allgemeine Kenntnis von der Lebensgeschichte 
derart zu vermehren, wie es mit anderen Hilfsmitteln wahr- 
scheinlich nicht hätte erreicht werden können. Vortragender 
demonstrierte zum Schluß lebendes Material von Fischeiern, das 
aus Helgoland gesandt war und die Reise glücklich überstanden 
hatte. Zunächst festsitzende Eisorten, in denen die Embryonen 
teilweise schon weit entwickelt waren, dann auch die wesent- 
lich durchsichtigeren planktonischen Eier, ebenfalls schon mit Em- 
bryonen und einige aus solchen Eiern ausgeschlüpfte Larven. 
Von Schollen, Flundern, Klieschen, Kabeljau und Wittling wurden 



— 108* — 

solche Entwicklungsstadien gezeigt und von den Zuhörern mit 
großem Interesse besichtigt. 

XY. Sitzung vom 29. Februar 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 
Prof. Dr. M. Verw or n -Göttingen spricht über: 
„Die Grenzen der menschlichen Erkenntnis". 
(Siehe Teil II, Seite 76.) 

XYI. Sitzung vom 7. März 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 

Der Vorsitzende verkündet zunächst, daß von den ver- 
schiedenen Preisen, welche die Gesellschaft für wissenschaftliche 
Arbeiten zu verleihen hat, vor kurzem der von Reinachpreis 
vergeben worden ist, den der verstorbene Dr. Albert von 
Rein ach im Jahre 1893 für die beste Arbeit auf dem Gebiete 
der Mineralogie, Geologie und Paläontologie aus der weiteren 
Umgebung von Frankfurt gestiftet hat. Dieser Preis hat schon 
oft Anregung zur Bearbeitung des Untergrundes unserer Heimat 
gegeben und ist bereits mehrfach verliehen worden. Diesmal 
ist er einer Arbeit von Prof. H. Engel hard t in Dresden und 
Prof. F. Kinkelin in Frankfurt über „Oberpliocäne Flora 
und Fauna des Unter maintales, insbesondere des Frank- 
furter Klärbeckens", die in den Abhandlungen der Sencken- 
bergischen Gesellschaft erscheinen wird, zuerkannt worden. Diese 
Arbeit bildet den Abschluß langjähriger Studien und schwieriger 
Verarbeitung des reichen Materiales, das aus den Anlagen der 
Frankfurter Klärbecken mit Hilfe des Tiefbauamtes und besonders 
mit tatkräftiger Unterstützung des Ingenieurs Alexander Aske- 
nasy gewonnen worden ist. Schon im Jahre 1893 wurde der von 
Rein achpreis einer Arbeit von Professor Kinkelin „Altes und 
Neues aus der Geologie unserer Landschaft" verliehen. 

Alsdann begrüßte der Vorsitzende Herrn Prof. Kükenthal 
aus Breslau, der über: 

„Eine zoologische Forschungsreise in Westindien" 

spricht. Vortragender besuchte im vorigen Jahre gemeinsam 
mit Herrn Dr. Hartmeyer vom Kgl. Zool. Museum in Berlin 



— 109* — 

verschiedene Inseln des Westindischen Meeres, um dort zoo- 
logische Arbeiten, besonders Erforschung der Korallenriffe vor- 
zunehmen. Vortragender beginnt mit einer Schilderung der Lage 
von St. Thomas und seiner Einwohner. Dem Urteil der Reisen- 
den über die Neger der Hafenstädte stimmt der Vortragende 
bei, will aber dem Neger des Binnenlandes, der mit dem inter- 
nationalen Hafenverkehr nicht in Berührung kommt, auch gute 
Eigenschaften und eine gewisse Intelligenz nicht absprechen. 
Dem Hafenleben von St. Thomas hat die Hamburg - Amerika- 
Linie einen Stempel aufgedrückt, denn sie beschäftigt bis zu 
2000 Negern täglich für ihre Dampfer und hat die Bevölkerung 
an eine regelrechte deutsche Arbeit gewöhnt. Wie überall, 
so bedarf auch in Westindien der Neger der festen Zucht des 
Europäers, denn sobald er- sich selbst überlassen bleibt, sinkt 
er in seine Barbarei zurück. Ein Besuch von St. C r o i x machte 
die Reisenden mit Pflanzungen, hauptsächlich Zuckerrohr, be- 
kannt, deren Besitzer durch Steigerung der Löhne und Mangel 
an Arbeitskräften sehr zu kämpfen haben. 

Alle die kleinen Antilleninseln liegen auf einem submarinen 
Plateau von kaum 60 Meter Tiefe, das plötzlich steil bis zu 
einer Tiefe von 2800 Meter abfällt. Die Fauna des flachen 
Wassers ist reich au Korallen und Schwämmen. Ihre genaue 
Erforschung und Festlegung der vorkommenden Arten ist zur- 
zeit wichtig, weil durch die Fertigstellung des Panamakanals 
eine Veränderung der alteingesessenen Meeresfauna durch Ein- 
dringlinge aus dem Indischen Ozean zu erwarten ist. Die 
Korallenriffe Westindiens bilden nur dünne Überzüge über die 
felsige Unterlage und sind keine massigen Korallenbauten, wie 
in Ostindien. Die reiche Fischfauna, die zwischen den Korallen 
ihren Unterschlupf und Nahrung findet, zeichnet sich durch 
lebhafte Farben — Anpassung an die Korallenriffe — aus. Ein 
Besuch von Martinique ließ den Reisenden die Wirkungen 
des Ausbruches des Mont Pele vom Jahre 1902 kennen lernen, 
an deren Verwischung die Vegetation schon mächtig arbeitet. 
Auch Kingston, die durch das Erdbeben arg verwüstete 
Hauptstadt von Jamaika, wurde besucht. Mit vielen schönen 
Lichtbildern veranschaulichte der Vortragende seine Reise und 
namentlich die grauenhaften Zerstörungen der erwähnten Städte 
durch die Erdbeben. 



— 110* — 

XVII. Sitzung vom 14. März 1908 

Vorsitzender: Direktor Prof. Dr. August Knoblauch. 
Prof. Dr. 0. Körner, Rostock, spricht über: 
„Können die Fische hören"? 

Die Frage, ob die Fische hören können, hat bei Zoologen, 
Physikern, Physiologen und Ohrenärzten großes Interesse er- 
weckt, weil ihre Entscheidung zur richtigen Bewertung der 
einzelnen Teile des menschlichen Gehörorgans wichtig ist. Der 
Hörnerv endigt nämlich beim Menschen und den höher organi- 
sierten Wirbeltieren in einem komplizierten Organe, dem Laby- 
rinthe, das aus dem Vorhof, den Bogengängen und der Schnecke 
besteht. Während man früher alle diese Teile mit dem Gehör- 
sinn in Beziehung brachte, kommt man neuerdings immer mehr 
zu der Anschauung, daß nur in der Schnecke gehörempfindliche 
Nervenendigungen vorhanden sind, während Vorhof und Bogen- 
gänge mit dem Gehöre nichts zu tun haben, sondern allein zur 
Erhaltung des Körpergleichgewichts dienen. So wahrscheinlich 
auch diese Annahme geworden ist, so konnte sie doch beim 
Menschen noch nicht mit Sicherheit bewiesen werden. Die 
Fische sind nun die einzigen Wirbeltiere, die zwar einen Vorhof 
und Bogengänge, aber keine Schnecke haben ; gelingt es nach- 
zuweisen, daß sie hören, so kann man auch dem Vorhofe und 
den Bogengängen eine Gehörfunktion nicht absprechen. 

Der Vortragende bespricht zunächst den Wandel der An- 
schauungen über das Vorhandensein oder Fehlen des Gehöres 
bei Fischen von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart und 
hebt die großen Schwierigkeiten hervor, die hier der Beobach- 
tung und dem Experiment entgegenstehen. Es sei daraus fol- 
gendes hervorgehoben: 

Da in der Luft erzeugter Schall nur schwer in das Wasser 
eindringt, so ist bei den Versuchen nur im Wasser selbst er- 
zeugter Schall anzuwenden. Stets muß auf das sorgfältigste 
berücksichtigt werden, daß die Fische sehr gut sehen und ein 
außerordentlich feines Hautgefühl haben ; bei den Versuchen 
muß also jede sieht- und fühlbare Bewegung vermieden werden. 
So hat sich z. B. die alte Behauptung, daß Teichfische durch 
das Läuten einer Glocke zur Fütterung herbeigerufen werden 
könnten, dahin aufgeklärt, daß sie das Läuten uud das Heran- 



— Ill* — 

nahen des Fütterers sehen oder auch den Schritt des letzteren 
auf einem Stege durch die dabei erzeugte Erschütterung wahr- 
nehmen, aber niemals herbeischwimmen, wenn keine solche Er- 
schütterung stattfindet und die Glocke für sie unsichtbar ge- 
läutet wird. 

Was das Hören des im Wasser selbst erzeugten Schalles 
betrifft, so haben alle Versuche, bei denen eine gleichzeitige 
Reizung des Gesichts und des Gefühls völlig ausgeschlossen war, 
ergeben, daß die Fische darauf niemals reagierten, während 
sie der geringste Gesichts- oder Gefühlsreiz sofort in die Flucht 
jagte. Von den hierher gehörigen Versuchen werden namentlich 
die von Kreidl, Zenneck, Parker, Biegelow und Ma- 
rage, sowie die des Vortragenden eingehend dargelegt und 
kritisch besprochen. Die Tatsache, daß es „musikalische" Fische 
gibt, die Geräusche erzeugen können, beweist nicht, daß diese 
Geräusche von den Fischen auch gehört werden, denn es sind 
sogenannte accidentelle Geräusche, die bei allerhand Bewegungen 
von Haut- und Knochenteilen nebenbei entstehen und des- 
halb wohl nicht die Bedeutung eines gegenseitigen Verstän- 
digungsmittels zu haben brauchen. 

Immerhin kann als sicher nur behauptet werden, daß die 
Fische auf den Schall nicht in merkbarer Weise reagieren. Damit 
ist die Möglichkeit, daß sie trotzdem eine gewisse Hörfähigkeit 
haben, nicht ausgeschlossen. Es ist neuerdings von Piper 
gezeigt worden, daß im Labyrinthe eines abgeschnittenen Hecht- 
kopfes sich gewisse elektrische Erscheinungen (Aktionsströme) 
nachweisen lassen, sobald im Wasser ein Ton erzeugt wird. Da 
man ebensolche Ströme in Sehnerven erzeugt hat, indem man 
die Netzhaut durch Licht reizte, glaubt Piper, daß sein 
Experiment die Existenz des Gehörsinnes bei den Fischen 
beweise. 

Am Schluß der letzten wissenschaftlichen Sitzung dieses 
Winters spricht der Vorsitzende namens der Direktion den 
Mitgliedern und Gästen den herzlichen Dank aus für das rege 
Interesse, das sie den Vorlesungen und Vorträgen auch im neuen 
Museum entgegengebracht haben. Der außerdordentlich starke 
Besuch beweist, daß das Interesse der Frankfurter Bürger- 
schaft für die Senckenbergische Gesellschaft auch in das neue 
Haus mit eingezogen ist. Die Schausammlung des Museums 



— 112* — 

hat sich eines so starken Andranges zu erfreuen, wie nie 
zuvor. Am 20. Oktober wurde sie dem großen Publikum eröffnet 
und bis zum 31. Dezember hatten bereits 19 782 Personen das 
Museum besichtigt. Im neuen Jahre hat der Andrang noch 
zugenommen, im Januar waren 4509 Personen, im Februar 
7420 im Museum. Dies zeigt uns, daß wir auf dem richtigen 
Wege sind und wir werden alles daran setzen, die Schausammlung 
nach jeder Richtung hin zu vervollkommnen. 



— 113* — 



Museumsbericht, 



Wenn wir auch gerade im verflossenen Jahre eine große 
Menge prächtiger Schaustücke als Geschenke erhielten und die 
Schausammlung dadurch eine Bereicherung erfahren hat wie 
kaum je zuvor, so konnte andererseits in dem Umzugsjahr doch 
nicht so eingehend an der Vervollkommnung der Sammlungen 
durch Kauf und Tausch gearbeitet werden. Der Umzug hat 
nicht nur die Arbeitskräfte aller Sektionäre und Beamten stark 
augespannt, sondern auch manche Sammlungen waren längere 
Zeit in Kisten verpackt und nicht zugänglich. Freilich waren 
wir überall bestrebt; diese Übergangszeit auf eine möglichst 
kurze Dauer zu beschränken, und selbst die regelmäßigen Vor- 
lesungen und praktischen Kurse haben im vorigen Jahr bis zum 
3. Juli ungestört ihren Fortgang nehmen können. Auch der 
wissenschaftliche Verkehr mit anderen Museen und Instituten 
vollzog sich in der Hauptsache trotz des Umzuges ungestört; 
nur in wenigen Fällen mußten Wünsche auf Entleihung von 
Material unerfüllt bleiben. In der Geologisch-Paläontologischen 
Abteilung war der Tauschverkehr sogar im verflossenen Jahr 
recht lebhaft. 

Der eigentliche Transport der Schränke und Sammlungen 
begann am 18. Februar; am 13. September verließ der letzte 
Möbelwagen das alte Museum. Eine so schnelle Beendigung wäre 
nicht denkbar gewesen, wenn uns nicht freiwillige Hilfskräfte 
tatkräftig unterstützt hätten. Besonders haben sich Frl. Lilli 
Baer, Frl. Paula Friedheim, Frau Dr. Hohenemser, 
Frl. Maja Koßmann und Frl. Bertha Türk durch schnelles 
und geschicktes Einpacken der vielen Tausende von Gläsern und 
Objekten sehr verdient gemacht und auch beim Einordnen im 
neuen Museum erfolgreich mitgearbeitet. 

8 



— 114* — 

Da für die Hauptsammlung und selbst für einzelne Teile der 
Schausammlung die alten Schränke, die z. T. über achtzig Jahre 
alt sind, wieder verwandt werden mußten, viele derselben aber 
weder Rückwände noch Böden hatten, so mußten zunächst die 
einzelnen Abteilungen ausgeräumt und in Kisten verpackt werden ; 
dann wurden die Schränke abgebrochen, ins neue Museum trans- 
portiert und dort an den für sie bestimmten Stellen wieder auf- 
geschlagen und adaptiert. Erst nach Erledigung dieser Schrank- 
arbeiten wurden die Sammlungsteile übergeführt und eingeordnet. 
Bei dem Umzug konnte ja auch vielfach erst die Scheidung der 
Objekte in Schausammlung und Hauptsammlung durchgeführt 
werden. Wenn es auch unvermeidlich war, daß manche Abtei- 
lungen Wochen und Monate lang verpackt standen, so haben 
wir es doch durch Anspannung aller Kräfte erreicht, daß 
bei der Einweihung des Museums am 13. Oktober 1907 alle 
Objekte sowohl in der Schausammlung wie in der Haupt- 
und Lehrsammlung in Schränken untergebracht waren. Frei- 
lich war diese Einordnung noch keine vollständige. So haben 
wir bei der Schausammlung auf die Aufstellung von Etiketten 
und Erklärungen vollständig verzichten müssen, und in der 
Hauptsammlung konnten einzelne Gruppen noch nicht in 
sich systematisch geordnet werden. Bei der Fülle der zu 
bewältigenden Arbeit kann dies nur im Laufe der Jahre vor 
sich gehen. 

Nach der Einweihuug hat zunächst die Einrichtung der 
Hörsäle und die Vervollständigung der Lehrsammlung alle Kräfte 
in Anspruch genommen, so daß eigentlich erst am Schluß des 
Winters wieder an die Ausgestaltung der Schausammlung heran- 
gegangen werden konnte. Der Druck der Etiketten und Er- 
klärungen wird, da es sich nicht um Tausende, sondern um 
Zehntausende von Namen handelt, längere Zeit dauern, zumal 
auch die Kosten auf mehrere Jahre verteilt werden müssen. 
Um aber die Objekte nicht längere Zeit ohne Namen stehen zu 
lassen, ist zunächst damit begonnen, die Etiketten zu schreiben, 
womit gleichzeitig die Unterlagen für den späteren Druck er- 
langt werden. Auch wird durch das Schreiben der Etiketten 
mancher Fehler im Druck vermieden. Bei der Anfertigung der 
Etiketten hatten wir uns besonders der Hilfe der mitarbeitenden 
Damen zu erfreuen. 



— 115* — 

I. Zoologische Sammlung. 
1. Sängetiere. 

Die für die Schausammlung ausgesuchten und gleich in 
die neuen Schränke aufgestellten Säugetiere wurden im Laufe 
des Winters einer gründlichen Revision unterzogen und mit 
neuen Unterlagen versehen. Auch konnte für die große Zahl 
der in den letzten Jahren neu gestopften und montierten Tiere 
erst jetzt die Anpassung an die neuen Schränke erfolgen. So man- 
ches alte Stück, das schon viele Jahrzehnte Schauzwecken diente 
und bei den schlechten Beleuchtungsverhältnissen des alten 
Museums nicht auffiel, zeigt in den schönen und lichten Räu- 
men hinter den Spiegelscheiben der neuen Schränke seine Mängel 
und muß ersetzt werden. Wenn wir auch seit der Einweihung 
dank der Regsamkeit der Konservatoren manches erneuern 
konnteu, so werden doch viele Stücke noch lauge Zeit in der 
Schausammlung aushalten müssen. 

Eine gewaltige Arbeit erforderte auch die weitere Her- 
richtung der Tiere für die biologischen Gruppen, für deren 
künstlerische Ausgestaltung Herr Maler Karl Nebel als Mit- 
arbeiter gewonnen wurde. Nachdem Herr Nebel sich in die 
einschlägige Literatur genügend eingearbeitet und einen Ent- 
wurf für die große Gruppe der Tiere aus der ostafrikanischen 
Steppe ausgearbeitet hatte, konnte im Mai mit dem Aufstellen 
und Ausmalen dieser Gruppe begonnen werden. 

Geschenke: Prof. C. G. Schillings, Berlin: GazeUa 
granti Brooke, $ ad., <§ ad., cT und cT juv. von sämtlichen Haut 
und Schädel vom mittleren und unteren Panganifluß; Cervicapra 
charileri Rothsch., $ Haut mit Schädel vom Donje-Berg; Litho- 
cranius walleri (Brooke) $ Haut mit Schädel von Panganifluß; 
Tragelaphus roualeyni dimming, $ Haut mit Schädel zwischen 
Donje-Berg und Natron-See ; Pediotragus neumanni Matschie £ 
Haut mit Schädel von den Ebenen der östlichen Ndjiri-Sümpfe ; 
Equns böhmi Matschie $ Haut mit Hufen vom oberen Panganifluß: 
ferner 11 Schakalfelle Ganis variegatus rar. schmidti Neum. vom 
Donje-Berg, sowie Eleotragus aähiopkus Neum., Haut und 
Schädel. 

Carl Hagenbeck, Hamburg: Cants alpinus Pali., Haut 
und Skelett vom Altai. 

8* 



— 116* - 

Gr. Schneider, Basel: Photographie eines Baumes mit 
daranhängenden Flughunden, Pteropus edulis Geoffr., von ihm 
selbst in Oberbangkat in Sumatra aufgenommen. 

Frau Konsul Krebs-Pfaff: ausgestopftes Exemplar eines 
rasseechten Gordon-Setter. 

Reichsamt des Innern, aus dem Material der 
Deutschen Südpolar -Expedition, durch Professor Dr. 
E. Van hoffen, Berlin: Leptonychotes weddelli Lesson ad. und 
juv. ; Lobodon carcinophagus Hombr. et Jacq., im südlichen Eis- 
meer bei der Gauß-Station 66° s. Br. und 89V2 ö. L. im Ok- 
tober 1902 erbeutet. 

Kommerzienrat Robert de Neufville: Rupicapra pyre- 
naica Bp. $ ad. im Winterbalg und <$ juv. Val Gallegos; Glis 
italicus Btt. Porlezza; G. melonii 0. Thomas $ Sardinien; Evo- 
tomys helveticus Miller cf ad. Porlezza ; Mus sylvaticus prineeps 
Btt. % Buggiola; M. sylvaticus wintoni Btt. $ Vortenna; Micro- 
tus italicus Savi $ Bellinzona; geliefert von A. Ghidini, Genf. 

Lehrer R. Heinze, Leipzig: Hylobates syndactylies Desm. cf ; 
3 Semnopithecus spec, von Sumatra. 

Kauf: Neue Zoologische Gesellschaft: Cercopithecus 
cynosurus Scop. c? und $; G. schmidti Matschie cf; Herpestes 
ividdringtoni Gray cf; Viverra tangalunga Gray cf; Lutra vul- 
garis L. cf juv. ; Glis melonii Thomas ; Saiga tatariea L. cf juv. ; 
Macropus irma Jourdan cf ; M. agilis Gould, juv.; Petaurus. 

Gustav Schneider, Basel: Hylobates agilis E. Geoffr. cf, 
$ und juv. ; H. rafflesi Is. Geoffr. cf, $ und juv. ; H. syndactylies 
Desm. £, Semnopithecus cristatus Raffl. cf und $ ad von Sumatra; 
Ceropithecus cephus (L.). 

A. Gör ling, Katoomba (Australien): Pseudochirus occi- 
dentalis Thomas W. Australien. 

C. Hilgert, Nieder-Ingelheim : Capra aegagrus Gmel. cf 
ad. und juv. von Taurus, Klein- Asien ; Fuchsbälge c? und $ von 
Ereglie in Syrien. 

Die Lokalsammlung. 

Die Geweihsammlung hat in Herrn Prof. Dr. 0. Körner, 

Rostock, einen tatkräftigen Förderer gefunden ; denn durch seine 

gütige Vermittelung erhielten wir im Laufe des Winters über 

50 schädelechte Geweihe von Rehen aller Altersstufen aus 



— 117* — 

Mecklenburg zum Geschenk. Auch haben Seine Königliche 
Hoheit der Großherzog Friedrich Franz auf gütige 
Veranlassung von Prof. Körner vom Edelhirsch ein Geweih 
mit Schädel eines geforkelten Vierzehnenders aus dem Wildpark 
Gelbensande i. M. und eines geforkelten Zehnenders aus dem 
Wildpark Jasnitz zu schenken geruht. 

Wir möchten aber wie in früheren Jahren unsere jagd- 
ausübenden Mitglieder und Freunde um ihre weitere Mithilfe bei 
der Vermehrung der Geweih- und Hörnersammlung bitten. 

Geschenke: Fräulein Römer, Mors: Mus rattus Pali., 
schönes ausgewachsenes Exemplar. 

Direktor Dr. C. Priemel: Muscardinus avellanarius (L.). 

Inspektor Karl Thomas: Mustela ernünea L. 

Hermann Jacquet: Mus sylvaticus L. und Sorex vul- 
garis L. 

W. Engel: Sciurus vulgaris L., schwarz. 

Großherzogl. Oberförsterei, Neukloster, Mecklen- 
burg: Sciurus vulgaris L. 

F. Schutt, Neuhof in Mecklenburg: Sciurus vulgaris L. 
Hans von Boltog: Rehkopf. 

R. Blochmann: 5 Frischlinge vom Wildschwein, Sus 
scrofa L. 

G. Knodt, Groß-Gerau: Sorex vulgaris L.; Putorius vul- 
garis (L.). ; Felis catus L. ; Mus minutus L. juv. ; Arvicola arvalis 
Pali. ; A. glareola Schreb. 

A. H. Wendt, St. Goar: Castor fiber L. von der Elbe, 
Balg und Skelett eines kräftigen alten c?, geliefert von der 
Zoologischen Handlung H. Große, Taucha bei Leipzig; Castor 
fiber L. (= C. galliae) ad. von der unteren Rhone geliefert von 
P, S i e p i , Marseille. 

Karl Gsottschneider: Mustela martcs L., Edelmarder, 
Mutter mit drei Jungen. 

2. Vögel. 

Eine nicht geringe Arbeit und Mühe machte das Einreihen 
und die Aufstellung der Vögel in die neuen Schränke der Schau- 
sammlung. In manchem Schranke wurde die Aufstellung der 
Vögel nicht nur mehrmals, sondern oftmals begonnen und wieder 
ausgeräumt, ehe die Gruppierung ganz den Wünschen entsprach. 



— 118* — 

Die jetzige schöne, ja künstlerische Gestaltung der Vogelsamm- 
lung ist in erster Linie Herrn Adam Koch zu verdanken, der 
sich mit großer Ausdauer und Liebe dieser schwierigen Aufgabe 
angenommen hat. 

Von den in diesem Frühjahr neu aufgestellten großen Wand- 
schränken konnte der mittlere Schrank bereits mit einem Reiher- 
horst, zu dem wir das meiste Material, namentlich die großen 
Nester, dem Zoologischen Garten verdauken, gefüllt werden. 
Auch wurden viele in den letzten Jahren neu gestopfte Vögel 
in die Schausammlung eingereiht. 

Geschenke: Kommerzienrat Robert de Neufville: 
Pratincola dacoliae $ u. $; Sylvia melanocephala leucogastra $; Re- 
yidus tenerifae $; Parus coeruleus ombriosus <? u. $; P. coeruleus 
palmensis $ ; Motacilla hoarula canariensis c? ; Anthus bertheloti <? ; 
Fringilla canariensis cT; F. canariensis palmae $; Emberiza ca- 
landra thanneri cf und $; Apus unicolor <$. 

Polizeirat M. K u s c h e 1 , Guhrau : Icterus giraudi Cass. 
zwei Nester und ein Ei von Gonzala Valenzia- Venezuela ; Turdus 
albicollis Vieill. Nest von Ogc de Candil, Valenzia; Quiscalus 
lugubris Sw. zwei Nester und Ei von Cordita, Venezuela; Mij- 
iosetetes cayennensis L. Nest von Crutobita ; Pitangus rufipennis, 
Nest von Cristofue; Crotophaga ani L. Nest und 5 Eier von 
Orindo; Chamaepelia rufipennis Sw., Ei von Valenzia; SynaUaxis 
gularis Lafr. Ei von Valenzia. 

Konsul Guido von Schröter, San Jose : 1 2 Pharo- 
macrus paradiseus Bp. d\ 

Neue Zoologische Gesellschaft: Chrysomitris spinus 
L. <? ; Poephila gouldiae Gould d" ; P. phaeton Horabr. et Jacq. $ 
Urocissa erythrorhyncha Gmel. c? ; Psittacus erithacus L. <? juv. 
Brotogerys Urica (Gm.)cT ; Tadornatadorna(L.)<$; T. casarca(h)$ 
Dr. Denninger, Freiburg: Trichoglossus cyanogrammus 
Wagl. <?. 

Lehrer Hans Horn: Colymbus fluviatilis Tunst c?. 
Richard Herz: Padda oryzivora (L.) $. 
Ingenieur P.Prior: Estrelda phoenicotis Sw. 
Freiherr M. von Leonhardi, Großkarben : Ei von Lipoa 
ocellata Gould, vom Finke River, Zentral-Australien. 

Reichsamt des Innern, aus dem Material der 
Deutschen Süd polar -Expedition, durch Prof. Dr. E. 



— 119* — 

Vanh offen, Berlin: Pagodroma nivea%\ Sterna fuliginosa Gm. $; 
Stercorarius maccormiki Saund. $; Biomedea exulans L. ; Phoebetria 
fuliginosa (Gm.) $; Majaqueus aequinoctialis (L.); Aestrelata 
lessoni Garnot c?; Oceanites oceanicus Kuhl J 1 ; Thalassoeca ant- 
arcHca (Gm.) c?; Pygoscelis adeliae Hombr. et Jacq. <?; Apteno- 
dytes forsteri Gray cf ad und juv. (Kaiserpinguin). 

Prof. Dr. L. S. Schultze, Jena: Drei Vogelbilder für die 
Schausammlung, Vergrößerungen aus seinem Reisewerk über 
Südwest-Afrika, von ihm selbst aufgenommen: Sula capensis 
(Licht.) auf der Insel Itschabo, Dezember 1903 ; Phalacrocorax 
capensis (Sparrm.) auf der Insel Possession, Mai 1903 ; Spheniscus 
demersus (L.) auf der Insel Pomona Mai 1903. 

Tausch: Prof. Dr. A. König, Bonn: Anser brachy- 
rhynchus Baill. $ und $, schöne tadellose Bälge aus der Kings 
Bai, sowie ein Gelege von Eiern vom Prinz -Karl -Vorland 
(West-Spitzbergen). 

Kauf: Neue Zoologische Gesellschaft: Caloenas 
nicobarica (L.) S von Halmahera; Casuarius australis Wall. $ 
Australien ; Numida somaliensis Neum. J 1 von Somaliland ; Turtur 
vinaceus (Gm.) $ von West-Afrika. 

Oberlehrer Dernedde, Hannover: Spinus yarelli Audub.; 
Basileuterus ßaveolus Baird. 

Karl Hä seibar th, Auma in Thüringen: Aquila chry- 
saetus L. aus Rußland. 

W. F. H. R o s en b e r g , London : Acrocephalus arundina- 
ceus L. <? Italien; Stringops habroptilus Gray von Neuseeland; 
Gallus lafayetü Less, c? Ceylon; Anastomus oscitans Bodd. 
Ceylon; Hydrochelidon nigra (L.) von Italien; H. hybrida Pali. 
Italien; Sterna niloüca von Ceylon; BatracJwstomus moniliger 
Blyth $ von Ceylon. 

Ritter von Dombrowski, Bukarest: Micropus melba 
(L.) J* % juv. und Nest; Haliaetus albicilla L. <? ad. aus Rumänien. 

Wissenschaftliche Benützung: Prof. Dr. Oscar 
Neumann, z. Z. in Tring, entlieh: Passer sivainsoni Rüpp. 
(3 Nummern) und Indicator minor Steph. (1 Nummer). 

Lokalsammlung. 
Dank der Tätigkeit des Sektionärs konnten in diesem 
Frühjahr eine ganze Anzahl einheimischer Vögel neu für die 



— 120* — 

Schausammlung hergerichtet werden, um ältere, weniger gute 
Stücke zu ersetzen. Der Sektionär hat nicht nur aus der 
näheren Umgebung manch schönes Stück geliefert, sondern auch 
das reiche Material der Vogelwarte in Rositten auf der kurischen 
Nehrung für uns nutzbar zu machen gewußt. 

Geschenke: Kommerzienrat Robert de Neufville: 
Erithacus rubeculus (L.) c?; Saxicola oenanthe L. <?; Turdus 
musicus L. c? ; Anorthura troglodytes (L ) <?; JRegulus regulus (L.)c? ; 
Varus coeruleus L. J 1 ; P. ater L. $ ; P cristatus L. 6 ; Gerthia 
familaris L. J 1 ; Lullula arborea (L.) J 1 und $; Motacilla boarida 
L. c? und $; Emberiza citrinella L. <? und $; Fringilla coelebs L. 
cT und $; Chloris chloris (L.) c? und $; Syrnium dluco (L.) $; 
Aseo accipitrinus (Pall.) c?; aus der Umgegend von Frankfurt, 
ferner von der Vogelwarte Rositten: Pratincola rubetra (L.) J 1 ; 
Sturnus vulgaris L. cT und $ ; Emberka citrinella L. $ ; Dendro- 
copus major (L.)J 1 ; Ortygometraporzana (L.)c?; CepJius grylle L. c? 
Larus ridibundus L. cT im Hochzeitskleid. 

Karl Kullmann: Sylvia hortensis Gm. c?: Lullula ar- 
borea L. $. 

Prof. Dr. 0. Boettger: Corvus frugilegus L. J 1 . 
Förster L. B u d d e , Schwanheim : Dendrocopus major (L.) c? ; 
Picus viridis L. $; Yynx torquilla (L.) J 1 ; Upupa epops L. c?; 
Cuculus cauorus L. d" ad. ; Accipiter nisus (L.) J 1 ad. 

Hermann Jacquet: Passer montanus (L.) c?; Asio otus 
(L.) $; Cerchneis tinnunculus (L.) J\ 

Ferdinand Haag: Lullula arborea (L.) $; Motacilla 
alba L. J 1 ; Passer domesticus (L.) c? und $; Sturnus vulgaris L. ; 
Turdus viscivorus L. mit Nest und vier Eiern. 
Hermann Mack: Rallus aquaticus L. J 1 . 
Ph. Sc hau ermann: ^Lrdea einer ea L . $. 
Baron von Erlang er, Nieder-Ingelheim : Saxicola oenanthe 
L. <?; Accentor modular is L.; Regulus ignicapillus Temm. et 
Brehm. J 1 ; Par us coeruleus L. $; 5i££a caesia Wolf $; Lullula 
arborea (L.) J 1 : Anthus trivialis L. <? ; Serinus serinus (L.) c? u. $ ; 
Acanthis cannabina (L.) cT und $; Muscicapa atricapilla L. c? ad. 
und juv. ; Dendrocopus minor (L.) d\ 

Prof. Dr. W. Föhner, Mannheim: Acrocephalus arundi- 
naceus L. <?; A streperus (Vieill.) J 1 ; Phylloscqpus trochilus L. <?; 



— 121* — 

Galamodus schoenobaenus (L.) c? ; Sylvia sylvia L. $; Emberiza 
miliaria L. J\ 

Direktor W. Drory: Accipiter nisus (L.) c?ad.; Gallinago 
gallinago (L.) J 1 . 

3. Reptilien und Batrachier. 

Die neuen Eingänge wurden durchgesehen, bestimmt, in 
die Kataloge eingetragen und in die Sammlung eingereiht oder 
den Dubletten überwiesen. Für die Fauna unsrer Gegend dürfte 
der Fund von Coronella austriaca Laur. (in 2 Exemplaren) auf 
dem Gaualgesheimer Kopf, Appenheimer Seite (Rheinhessen) 
am 10. Mai 1908 von Interesse sein. 

Geschenke: Neue Zoologische Gesellschaft: 
Bufo marinus (L.), S.-Am., Hyla arborea (L.) var. intermedia 
Blgr., Xenopus calcaratus B. Pts., c? u. $, Centr.-Afr.; 2 Molge 
waltli (Michail.), 2 Spelerpes leprosus Cope, Mexiko; Uromastix 
acanthinurus Bell, Biscra (Algerien), Lacerta agilis L. mit Ge- 
schwürsbilduug , L. viridis (Laur.) var. major Blgr., L. muralis 
(Laur.) mit Doppelschwanz, Egernia eunninghami Gray, Austr., 
Scincus officinalis L., Algerien; Tropidonotus natrix(L.) v&v.persa 
Pali., Zamenis hippoerepis (L.), Algerien, und Z. dahli (Fitz.), im 
Begriff ein Stück der gleichen Art zu verschlingen, Coluber gut- 
tatus L. typ. östl. Ver. St. und Coronella getula (L.) typ. südl. Ver. St. 

Prof. Dr. 0. Boettger: 2 Molge vittata (Gray), Kleinasien, 
Lacerta simonyi Stdchr., halbw., Telde auf Gr.-Canaria (Canaren), 
Tropidonotus natrix (L), Abwinkel am Tegernsee (Ob. -Bayern) 
und Coronella austriaca Laur., Gaualgesheimer Kopf (Rheinhessen), 
sowie 15 Atelopus ignescens (Corn.), Päramo de Mojanda bei 
Quito (Ecuador), Päramo de Celendin bei Cajamarca (Peru) und 
Cocha bei Pasto (Ver. St. v. Columbia), Phyllodromus pulchellus 
Esp. und Hylodes cf. glandiüosus Blgr., Cocha (Laguna grande) 
bei Pasto, 2 V Bufo marinus (L.), jung, Viacha (Bolivien), Hyla 
argenteovirens Bttgr., Popayan (Ver. St. v. Columbia); Liocephalus 
guentheri Blgr., S, Cerro Cayambe (Ecuador), Stenocercus n. sp. 
äff. humeralis Gthr., Corocoro (Bolivien), Tachymenis peruviana 
Wgm., Arica (Peru) und Leptognathus catesbyi (Sentz.) und Elaps 
fdiformis Gthr., Ob.-Amazonas. 

Otto Volley, Idenau-Pflanzung bei Viktoria (Kamerun): 
Bana aequeplicata Wem., 2 cT, 2 $, R. albolabris Hallow., 3 c?, 



— 122* — 

10 $, R. subsigillata A. Dum., cT u. $, 4 J?, mas car miens is D. B.. 
Scotobleps gabonicus Blgr. ; Hylambates aubryi A. Dum. und //. rw- 
/'ms Reich w., 3 Rappia steindachneri Boc. und 4 Bufo latifrons 
Blgr.; Cinixys homeana Bell, jung; Varanns niloticus (L.), lialbw. 
und 5 jung, Ghämaeleon düepis Leach var. quilensis Boc, 3 $, 
und CA. owew? Gray, 3 <?: Python sebae (Grnel.), lialbw., 2 Tro- 
pidonolus fuliginoides (Gthr.) und Tr. ferox Gthr., Lijcophidium 
laterale Hallow., 2 Bothr Ophthal in us lineatus (Pts.) var. brunnea 
Gthr., 2 Sirnocephalus poensis (Smith), Gastropyxis smaragäina 
(Schleg.), 2 Dipsadoboa unicolor Gthr., Miodon collaris (Pts.) und 
Naja melanoleuca Hallow, var. B, lialbw., sämtlich von dort. 

Aus Prof. Dr. Alfr. Voeltzkows Reiseausbeute in West- 
Madagaskar: Chamaeleon verrucosus Cuv. , (Jh. oustaleti Mocqu. 
und (Jh. lateralis Gray, 4 Gh. voeltzkowi Bttgr. und 2 Idiophis 
vaillanti Mocqu. var. Ferner aus Malindi, Brit. O.-Afr.: Hemi- 
dactylus mabuia (Mor. d. J.), jung, und Ablepharie boutoni (Desj.) 
var. peroni Coct., erw. und 3 jung. 

Konsul G. v. Schröter, S. Jose (Costa Rica): 2 Geophis 
hoffmanni (Pts.) von dort. 

Prof. Dr. L. E d i n g e r : Rhadinaea cobella (L.), N. -Brasilien. 

Freiherr Moritz v. Leonhardi, Großkarben: '? Limno- 
dynastes ornatus Gray, 2 Larven; Nephrurus asper Gthr. und 
N. laevis De Vis (== n. sp. ex errore Ber. f. 1907 p. 100*), 
Tympanocryptis cephalus Gthr , Amphibolurus niaculatus Gray 
und drei A. reticulatus (Gray), Moloch horridus Gray, Ablepharus 
boutoni (Desj.) var. peroni Coct. und Rhynchelaps bertJioldi (Jan), 
sämtlich vom Finke River, Zentral-Australien. 

Ingenieur Erhard Fritz: Schädel vou Chelone mydas (L.). 

Prof. Dr. K. Escherich, Tharandt: Eremias sextaeniata 
Stejn., Mulu (Abessynien). 

F r i e d r. Landma n n : Phrynosoma cornutum (Harl.), $ und 
jung, Neu -Mexiko. 

Dr. Edm. Naumann: Drei Phrynocephalus helioscopus 
(Pali.), Salzwüste Naukat bei Khokaud (Ferghana). 

Otto Lotich ius: Tropidonotus ordinatus (L.) var. infer- 
nalis Blv., Arizona. 

San.-Rat Dr. A. Libbertz: Zwei Bälge von Crocodilus 
niloticus (L.) aus dem Victoria Nyansa, ges. von Robert Koch 
1907. 



— 128* — 

Tausch: Offenbacher Verein für Naturkunde: 
Pachydactylus bibroni (Smith), Prosymna frontalis (Pts.), Xeno- 
calamus bicolor Gthr. uud Aspidelaps scutatus (Smith), Swakop- 
muud (Hereroland) und Diploglossus striatus (Gray), Jamaica. 

Kauf: Heinrich Gör ling, Yalgoo (West-Australien): 
6 Hyla aurea (Less.); Cryptodehna nigriceps (Fisch.), Amphi- 
bolurus reticulatus (Gray), 3 <jf, 2 $, 5 Moloch horridus Gray, 
2 Ahlepharus boutoni (Desj.) var. poecilopleura Wgm.; Diemenia 
pmmmophis (Schleg.) var. reticulata Gray und Denisonia n. sp. 
verw. punctata Blgr. von dort. 

Brim ley Bros., Raleigh (N.-Car.): Rana boylei Baird, 
Palo Alto (Calif.), R. virgatipes, 2 c? und 1 $, und Hyla femoralis 
Daud.. <? u. $, Lake Ellis (N.-Car.), Ambly stoma pundatum (L.), 
c? u. $, Raleigh, Spelerpes maculicaudus Cope, c? u. $, und 
Typhlotriton spelaeus Stejn., c? u. £, Stone Co. (Montana), J.wi- 
phiuma means Gard., c? u. $, Raleigh, Dipsosaurus dorsalis (B. G.), 
Mesquite Valley (Calif.), Gallisaurus draconoides Blv., 3 u. $, 
Daggett (Calif.) und Uta microscutata, San Antonio (Nieder-Calif.). 

W i 1 h. E r h a r d t , Joinville, Sta. Catarina (Brasilien) : Elosia 
nasus (Licht.), Ceratophrys boiei Schleg., erw. und 2 jung, Palu- 
dicola olfersi (v. Mts.), c? u. $, Leptodactylus ocellatus (L.), 2?h/o 
arenarum Hens., c? u. 2 $, und Hyla catharinae Blgr., c? u. $, 
von dort. 

Durch Vermittlung von Kustos Dr. W. Wolterstorff , 
Magdeburg: 6 Mölge vulgaris (L.) var. graeca Wolt., Korfu; 
Grocodilus cataphractus Cuv., jung, Kamerunfluß; Tropiocolotes 
tripolitanus (Pts.), Südalgerien, Lacerta muralis (Laur.) var. 
pityusensis Boscä, Iviza (Pithyusen), Ophiomorus punetatissimus 
(Bibr.), Taygetus, und Tropidonotus natrix (L.) var. cettii Gene, 
Insel Sardinien, sowie Rana boulengeri Gthr. vom Ku-ling- 
Gebirge bei Kiu-kiang und R. martensi Blgr., R. guentheri Blgr., 
<? u. $, Lygosoma (Hinulia) indicum Gray, $ und jung, Eumeces 
elegans Blgr., Tropidonotus annularis Hallow, und Tr. craspedo- 
gaster Blgr., Binodon rufozonatus (Cant.), Coluber phyllophü Blgr., 
Tapinophis latouchei Blgr., Galamaria septemtrionalis Blgr. und 
Ancistrodon blomhoffi (Boie) und A acutus (Gthr.), sämtlich von 
Ping-shiang, Prov. Kiang-hsi (China). 

H. Suter, Christchurch (N.-Seeland): 3 Pygopus lepidopus 
(Lacep.), Campbelltown bei Sydney (N.-S.-Wales). 



— 124* — 

Wissenschaftliche Benützung: Der Verkehr des 
Sektionärs mit anderen Instituten beschränkte sich auf die 
zoologischen Museen von Basel, Budapest, Magdeburg, Offen- 
bach und die hiesige „Neue Zoologische Gesellschaft". 

Prof. Dr. H.Braus, Heidelberg, erhielt aus den Dubletten- 
vorräten Material von einer größeren Anzahl Batrachierarten 
zu einer Arbeit über Brustbein- uud Schultergürtel und sandte 
uns dafür sehr schöne und willkommene mikroskopische Prä- 
parate aus der Histologie des Menschen. 

Dr. W. Schmidt, Bonn, erhielt aus dem Dublettenmate- 
rial eine Anzahl Eidechsen zu einer Arbeit über das Parietal- 
auge. p r of. Dr. 0. Boettger. 

4. Fische. 

Die von Herrn A. H. Wen dt in den letzten Jahren ge- 
schenkten zahlreichen Prachtexemplare einheimischer Fische wur- 
den für die Schausammlung in Glaskästen montiert. Die Fische 
sind an durchsichtige Scheiben augeklebt, die dem Beschauer nicht 
sichtbar sind, so daß der Eindruck hervorgerufen wird, als stehe 
der Fisch frei in der Flüssigkeit. Sand und Steincheu am Boden 
des Glaskastens stellen den Untergrund des Gewässers dar und 
vervollständigen das biologische Bild. Mit der Erwerbung neuer 
Fische mußte Herr Wendt mit Rücksicht auf die Arbeiten für 
den Umzug langsamer vorgehen. 

Geschenke: Neue Zoologische Gesellschaft: 
Scyllium canicula Cuv. d\ 

F. W. Winter: Salmo salvelinus L.. Königseesaibling aus 
dem Königsee; Trutta solar L., Lachsjährling; T. lacnisüs L., 
Grundforelle aus dem Bodensee ; Albumus bipunctatus L., Schnei- 
der ; Carassius vulgaris Nils. var. gibelio, Giebel ; Barbus potengi 
Heck., Semling; Grystes salmoides Günth., Forellenbarsch; Petro- 
myzon planati Bl. aus Epstein i. T. 

Otto Volley, Idenau-Kamerun : verschiedene Welse und 
Süßwasserfische aus Viktoria. 

Minister of Education, Government of Egypt, 
durch gütige Vermittelung von G. A. Boul enger in London: 
61 Arten Nilfische, determiniert und bearbeitet von G. A. Bou- 
lenger in „The fishes of the Nile". London 1907. 



— 125* — 

A. H. Wen dt, St. Goar: Trutta lacustris L., Seeforelle aus 
dem Bodensee ; Salmo hucho L., Huchen aus der Isar bei Frei- 
sing und bei Moosburg; Acipenser ruthenus L., Sterlet aus der 
Donau bei Wien ; Coregonus wartmanni Bl., Blaufelchen aus dem 
Chiemsee; C. fera Jur., Weiß- oder Silberfelchen aus dem Boden- 
see; C. Mentalis Jur., Kilch aus dem Ammersee. 

Tausch: Naturhistorisches Museum, Hamburg: 
Sternopygrus carapas L., von Guayaquil ; Callorhynchus antarcticus 
Cuv., Chile; Äther inichtthys spec, Iquique gegen Schnecken. 

Kauf: H. S uter, Auckland: Geratodus forsteri Krefft, 
von Queensland ; Tripterygium robustum Clarke : T. decemdigita- 
tum Clarke; Hemirhamphus intermedins Cuv.; Siphonostoma blain- 
villiana E. et S.; Leptocephalus conger Will., Larve. 

5. Tuuikaten. 

Die Vermehrung dieser Abteilung ist, wie die fast aller 
Meerestiere, nur eine sehr geringe. Da unser Museum in diesen 
Gruppen kein Originalmaterial besitzt, so ist durch Tausch kein 
Zuwachs zu erreichen, und Angebote zum Kauf erfolgen bei 
marinen Tieren sehr selten. 

Tausch: Naturhistorisches Museum, Hamburg: 
Golella gaimardi Herdmann, Styela paessleri Mchlsn. von Süd- 
Feuerland; St. plicata Les. von Messina; Synoicum steinei Michlsn. 
von Süd-Georgien ; Pararnolgula gigantea Mchlsn. von Süd-Feuer- 
land ; Ascidia atra Les. von Portorico ; Halocynthia clava Trau- 
stedt von Chile. 

6. Jlolluskeu. 

Schon seit Jahren wurde der Mangel au Schränken und 
Schiebladen in der Hauptsammlung störend empfunden. So konn- 
ten die Eingänge der letzten fünf bis sechs Jahre überhaupt 
nicht mehr eingeordnet werden. Trotzdem durfte erst in diesem 
Frühjahr der Anschaffung neuer Konchylienschränke näher ge- 
treten werden, nachdem für die Schausammlung die notwendig- 
sten Schränke bestellt waren. Nach verschiedenen Beratungen, 
Zeichnungen und Voranschlägen haben wir uns zur Einführung 
eines Holzschrankes mit Rolljalousie entschlossen, der durch 
seine solide Konstruktion, Verschluß usw. dem Staub möglichst 
wenig Zutritt bietet und auswechselbare Schiebladen von drei 
verschiedenen Größen enthält. Aus dem noch vorhandenen Rest 



— 126* — 

des Baufonds konnten leider nur drei solche Schränke bestellt 
werden. Durch diese Beschaffung von über 200 neuen Schieb- 
laden ist wenigstens die Möglichkeit zum Beginn der Neuordnung 
der trockenen Mollusken gegeben. Zur Fortsetzung und gänz- 
lichen Durchführung ist aber eine größere Zahl solcher Schränke 
unbedingt notwendig. 

In Herrn stud. zool. F. Haas haben wir einen tatkräf- 
tigen Mitarbeiter gewonnen, der zunächst seine Ausbeute an 
Unioniden usw. aus der Umgebung von Frankfurt und Südwest- 
Deutschland eingeordnet und mit der Durchsicht unserer Unio- 
niden begonnen hat. 

Geschenke: Pfarrer E. Naegele, Waltersweiher: 3 Helix 
bargesiana Bourg. ; 2 Petraeus fourousi Bourg. von Haifa ; 2 Chon- 
drula hcdjinensis Bourg. von Hedjin ; 2 Helicogena mississensis 
nov. spec, aus Cilicien (abgebildet Roßmäßlers Iconogr. N. F. 
v. 15 T. 365 Fig. 1-4). 

S. Clessin: 6 Vallonia petricola Clessin ; V. helvetica Sterki; 
3 V. adela Wester], aus Donaugenist; Cotypen, abgebildet im 
Nachrichtsblatt 1908, Textfigur. 

Dr. Pfeffer, Genthiu : 20 LUhoglyphus naticoidcs Fer. 
von Genthin. 

E. Volz, Mülhauseu i. E. : Vivipara fasciata Müll, aus 
dem Rhein-Rhöne-Kanal und der 111, in Serien ; Exemplare ab- 
gebildet im Jahrbuch Nass. Ver. f. Naturkunde, Wiesbaden 1907, 
T. 3 Fig. 5, 6; T. 4 Fig. 5, 6. Ferner eine Anzahl Bivalven 
aus dem Rhein -Rhone -Kanal und von verschiedenen Fundorten 
der Schweiz. 

Dr. Frank, Hamburg: Vivipara fasciata Müll., merkwür- 
dige Kümmerformen aus dem Astuarium der Elbe; Serie. 

Mittelschullehrer Geyer, Stuttgart: Bivalveu und einige 
Vallonieu aus dem Neckartal. 

T. Allery di Monterosato, Palermo: Eine Anzahl 
Xerophila der Gruppe Xerolauta aus Sizilien (Exemplare abge- 
bildet in Roßmäßlers Iconographie N. F. vol. 13 t. 355 — 360). 

P. Pallary, Eckmühl, Oran : Xeroleuca mogadorensis von 
Udschda, Ostmarokko. 

Ph. D a u t z e n b e r g , Paris : 2 Neothauma bridouxianum Btg. ; 
N. tanganycanum Smith ; Typhobia horei Smith ; 4 SpeJcea zonata 
Woodward ; Symolopsis lacustris Smith ; 2 Raymondia speJcei Smith ; 



— 127+ — 

4 Rumella globosa Bourg.; Nassopsis locardeana Btg.; 5 N. nana 
Woodward; N. crassilabris Bgt.; 4 N. paucicostata Smith; 2 N. 
grandis Smith; Tanganyicia rufoßosa Smith: 12 Vivipara fasciata 
Müll, von vier französischen Fundorten. 

Indian Museum, Kalkutta: Das Material des Museums 
an indischen Vivipara- Arten, mit der Erlaubnis. Belegstücke 
davon behalten zu können. 

Dr. E. Naumann : 10 Helix (Macularia) xanthodon Rßui. 
var. ema Pech, von Lalla Marghnia bei Tlemsen, Oran. 

F. E. Clotten: Pinna nobilis und P. squamosa L., Schalen. 

Stud. zool. F. Haas: Margaritana margaritifera L. von 
Schönau mit präparierten Schalenschichten und zwei kleine Perlen 
aus Anodonta cellensis Schröter von Rödelheim. 

Dr. med. K. Gerlach: Tridacna gigas Lam., zwei zusam- 
mengehörige Schalen von den Hermit(Einsiedler) -Inseln im Bis- 
marck- Archipel, 90 kg schwer. 

Stud. rer. nat. Richters brachte von seiner Reise an die 
norwegische Küste (Bergen) mit: 14 Arten kleine Lamellibran- 
chier, 12 Arten Gastropoden, darunter Limacina balca Moll., 
Entalis striolata Stimps., Siphonentalis tetragona Brocchi und die 
in Stichopas tremulus schmarotzende Enterotenus östergeni; Chiton 
alveolus Sars ; Gh. cinereus und Gh. albidus. 

Frh. M. von L e o nh a r d i , Großkarben : Thersites (Badistes) 
perinflata Pfr.; Angasella setigera Tate, A. arcigerens Täte vom 
Finke-River, Zentralaustralien. 

Tausch: Naturhistorisches Museum, Hamburg: 
Dosidiens gigas d'Orb. von der chilenischen Küste, 90 cm lang. 

Dr. Luther, Helsingfors: Margaritana margaritifera L.; 
Sphaerium mamillanum Westl. , sowie acht Arten Pisidien aus 
Finnland. 

Kauf: H. Suter, Auckland: 79 Arten Land- und Süß- 
wasser-Schnecken von Australien, 54 Arten von Tasmanien, 
20 Arten mariner Schnecken von Steward Island und 19 Arten 

von den subantarktischen Inseln. „ , T7 „ . ., 

Dr. W. Kobelt. 

7. Insekten. 

Der für die Schausammlung der Insekten bestimmte Raum 
mußte einstweilen noch leer bleiben, da Mittel zum Anschaffen 
von neuen Schränken nicht vorhanden sind, die alten Holz- 



— 128* — 

schränke aber nicht ausreichen und aucli für die Hauptsammlung 
dienen müssen. Hier konnte eine Vermehrung des Platzes durch 
78 neue Schiebkasten mit Glasdeckeln, die im Museum selbst 
angefertigt wurden, geschaffen werden. 

Die vor zwei Jahren erworbene Käfersammlung des ver- 
storbenen Herrn E. Pf äff in Darmstadt wurde in die Haupt- 
sammlung eingeordnet. 

Neu aufgestellt wurden ferner die paläarktischen Neuro- 
pteren in 10 Kästen, die paläarktischen Pseudoneuropteren (Odo- 
naten, Ephemeriden, Perliden und Psociden) in 10 Kästen, die 
paläarktischen Cicadinen und Psylliden in 5 Kästen. 

Von den Dipteren wurden die Syrphiden, Pipunculiden 
und Phoriden bestimmt und neu geordnet. Sodann begann die 
endgültige Einordnung der ganzen Dipterensammlung in neue 
Kästen. Hierbei wurde der Katalog der paläarktischen Dipteren 
von Becker usw. zugrunde gelegt. 

Geschenke: Prof. Dr. L. von Hey den: 667 Hymeno- 
pteren, Dipteren, Hemipteren und Orthopteren, von ihm selbst im 
Sommer 1907 bei Falkenstein im Taunus erbeutet. Ferner Helioco- 
pris Andersoni Bates aus Kamerun; 3 Käfer von den Philippinen, 
darunter den schönen und seltenen Goliathiden Phaedimtis Jagat 
Gerstäcker; die größte der europäischen Ephemeriden Palingenia 
longicauda Olivier von Hamm in Westfalen. Prof. von Heyden 
fing die Art in Unmenge im Mai 1878 in Xupanje an der Save 
in Kroatien. Die Massen werden zusammengekehrt und als 
Schweinefutter benutzt. 

A. Weis: Odontotarsas grammicus L. ; Garpocoris nigri- 
comis L ; Dktyophora europaea L. ; TryxaJis unguiculata Vill. $ 
von Syrakus, sowie eine große Anzahl Dipteren aus den Alpen. 

H. Bückling: Montiertes Nest einer Ameise für die 
Schausammlung. 

Ludwig Fischer: Vcspa saxonicah., ein außergewöhnlich 
großes Nest aus Bad Aibling, determiniert von Prof. Dr. Rudow ; 
2 Wespennester von Kutterling bei Bad Aibling. 

Dr. J. Dewitz, Metz: Conchylis ambiyudla Hübn., Puppen 
und Raupen der 1. und 2. Generation von Blüten und Trauben 
der Rebe, sowie davon befallene Trauben von Bernkastel an 
der Mosel. Die Raupen der 1. Generation sind als sog. „Heu- 



— 129* — 

warmer" den Blüten der Rebe, die der 2. Generation als sog. 
„Sauer würraer" den Beeren der Rebe schädlich ; Tortrix pille- 
riana SchiSm., Raupen und Puppen von Blättern der Rebe 
von Bernkastei. Die Raupen werden als sog. „Springwurm- 
wickler" den jungen Trieben und Blüten der Rebe gefährlich; 
(Jener ia dispar L. Eier; Saturnia pavonia L. Cocons, die nach 
Dr. De wit z ein Enzym enthalten, das die Braunfärbung ver- 
ursacht. 

Kunstmaler Fritz Hauck: Phanaeus laneifer F. aus 
Manaos an der Mündung des Rio negro in den Amazonenstrom. 

Oberleutnant vonVigny: 3 Ascalaphus coccajus W. V. 
von Conters (Oberhalbstein) Graubünden. 

Freiherr M. vonLeonhardi, Großkarben: Eine große 
Anzahl Orthopteren, Coleopteren, Cicaden, Hemipteren, Heu- 
schrecken und Wasserwanzen aus Zentralaustralien, Finke River. 

Pastor Pfitzner, Sprottau: Orthopteren, Dipteren, Cole- 
opteren und Lepidopteren aus Westaustralien. 

Konsul Guido von Schröter, San Jose: 67 Schmetterlinge 
von dort. 

Otto Volley, Idenau- Kamerun: zahlreiche Käfer, Käfer- 
larven , Heuschrecken . Puppen . Schmetterlinge , Cicaden in 
Alkohol von Viktoria. 

A. Weis: Die 2. Lieferung und Prof. Dr. M. Möbius 
die 3. Lieferung der vom Rheinischen Bauernverein in Köln 
herausgegebenen Sammlung „Zoocecidia et Cecidozoa", 
eine Sammlung von Tiergallen und Gallentieren. 

Kauf: M. Padewieth, Zengg: Acridium aegypticumh.] 
Mantis religiosa L. ; Eristalis tenax L. ; Anwies decolor Charp. 
Metamorphosen. 

0. Stau dinger, Dresden-Blasewitz: 176 Arten Neu- 
ropteren, Odonaten und Cicadinen, sowie 50 Arten Dipteren 
aus Nordamerika. 

G. Ulm er, Hamburg: 283 Stück paläarktische Tricho- 
pteren. 

F. A. Cerva, Szigetcsep (Ungarn): 45 Arten Odonaten 
und Orthopteren. 

Wissenschaftliche Benutzung: Dr. F. R i s , 
Rheinau, sandte die im März 1907 erhaltenen 61 Libellen 

9 



— 130* — 

determiniert zurück und erhielt neuerdings 133 Libellen zur Be- 
stimmung. 

Dr. med. L. Melichar, Wien, sandte die im Dezember 1906 
erhaltenen 544 Cicadinen determiniert zurück. 

Dr. Franz Werner, Wien, erhielt mehrere Stücke von 
Tryxcdls nasuta L. und Caloptenus spec, von Tripolis, sowie alle 
unsere Mantiden, die wieder determiniert zurückgeliefert wurden. 
Die Bearbeitung erfolgt in diesem Bericht II. Teil S. 31 — 56 
mit Tafel III „zur Kenntnis afrikanischer Mantodeen". Unter 
den neuen Arten unserer Sammlung wird darin auch S. 57 Sigerpes 
Heydeni Werner beschrieben. 

Prof. Dr. K. Escherich, Thar an dt, sandte die am 
5. Januar 1903 erhaltenen 5 Nummern Collemboleu zurück. 

Dr. K. Absolon, Kustos am Landesmuseum in Brüuu, 
erhielt auf Wunsch 5 Nummern Collembolen von F. Römer 1902 
an der Adria gesammelt, zur Bestimmung. 

Th. Becker, Liegnitz, erhielt die Chloropiden des 
Museums, der Sammlungen v. Hey den und Sack für eiue 
Monographie dieser Dipterengruppe. In der bereits zurück- 
gesandten Chlorops dimidiata Wied. erkannte Becker eine 
Ophthcdmomya und in C. argentata Fabr. eine neue Art, Edo- 
momma frontalis Becker. 

Prof. D. F. Hermann, Erlangen erhielt die unbestimmten 
exotischen Asiliden zur Determinierimg und revidierte die Midas- 
Arten. Midas vittatus Wied. gehört zur Gattung Rhopalia. 

Kustos F. Kohl, Wien, sandte die im Februar 1906 
erhaltenen Wegwespen determiniert zurück. 

Prof. Dr. A. Seitz, Darmstadt, sandte die im Januar 1907 
zum Abbilden entliehenen Exemplare von Euryades Jcoreihrusa 
Boisd. c? und $, und E. Duponchelii Luc. c? und $ zurück. 

Auskunft über Fragen, bei denen Insekten eine Rolle 
spielen, wurde achtmal erteilt. Erwähnt möge davon werden, 
daß die japanische Heuschrecke, Diestramena marmorcda L., in 
Gewächshäusern in Fulda festgestellt und im Schwanheimer 
Walde die Larven der Bienenfliege, Microdon mutabilis L. in 
4 Exemplaren in Weideurinde gefunden wurde. Wegen ihrer 
äußeren Ähnlichkeit mit einer kleinen Nacktschnecke ist diese 
Larve zuerst als Schnecke Parmula oder Seidell igera beschrieben. 
Prof. Dr. L.v. He yd en. A. Weis. Dr. J.Guide. Dr. P.Sack. 



- 131* — 

8. Crnstaceen. 

Dr. E. Wolf setzte seine Studien über die einheimischen 
Crustaceeu, speziell die Branchipus- und Apus&rteii, fort und 
erhielt ein reiches Material von diesen Phyllopoden aus ver- 
schiedenen Museen zur Determinieruug. Auch wurden sehr 
willkommene Fundstücke aus neuen und bisherigen Fundorten 
in Deutschland eingeschickt. Die Ausgabe von Sammelgläsern 
und kleinen Netzen wird hoffentlich hierin noch reichere Resultate 
zeitigen. 

Geschenke: W. Schreitmüller, Dresden: Lepidurus 
produetus Bosc. ; Chiroceplialus grübet Dyb. d" und $ ; Cyclops 
strenuus Fischer in zahlreichen Exemplaren von verschiedenen 
Fundorten in der Umgebung Dresdens. 

Zoologisches Museum, Helsiugfors: Lepidurus lub- 
boclü Brauer; Apus granarius Lucas; Folyartemia forcipata 
(Fischer); Branchinecta paludosa (Müller); Chiroceplialus bairdi 
Brauer: Cyzicus saklbergi (Simon), C. gihoni (Baird) aus Finnland. 

Neue Zoologische Gesellschaft: Lithodes maja L. 
von Rovigno. 

C. Boettger: Pagurus in Schneckenschale. 

Stud. rer. nat. F. Richters brachte von seiner Studien- 
reise an die norwegische Küste (Bergen) 14 Arten Crustaceen 
(determiniert) mit. 

Otto Volley. Idenau : Land- und Süßwasserkrabben 
und langschwänzige Krebse aus Viktoria (Kamerun). 

Tausch: Natur historisch es Museum, Hamburg: 
Scyllarus sieboldi de Haan, Nagasaki, 1889; Ibacus antarcticus 
aus der Südsee. 

K gl. Zoologisches Museum, Berlin : Cor on ula diadema 
(L.) auf der Haut des Buckelwales, Magaptera boops (Fabr.), 
aus dem Nördlichen Eismeer. 

Kauf: Durch Vermittelung von H. Suter in Auckland 
(Neu-Seeland) erhielten wir nach vielen Bemühungen ein schönes 
Exemplar von Pseudocarcinus gigas Lam., der größten bekannten 
Krabbe. 

9. Arachnoideen und Myriopoden. 

Geschenke: G. Schneider, Basel : Heterometrxs longi- 
maitus Herbst, $ ad. mit zahlreichen noch weißgefärbten Jungen, 
die auf dem Rücken der Mutter saßen, gesammelt 1897 in Sumatra. 

9* 



— 132* — 

Otto Volley, Idenau: zahlreiche Vogelspiunen, Skorpione 
und Tausendfüßler von Viktoria (Kamerun). 

Otto Lotio h i u s : Telyphonus, Scolopendra und Julus aus 
Arizona. 

H. von Buddenbach: verschiedene Myriopoden aus 
Messina. 

Kauf: Aug. Görling, Katoomba (Australien): Skolo- 
pender und Skorpione aus Frimantle. 

10. Würmer. 

Geschenke: Neue Zoologische Gesellschaft: 
Ascaris lumbricoides L., aus dem Chimpansen, in Formol kon- 
serviert. 

Stud. rer. nat. K. Richters brachte von seiner Studien- 
reise an die norwegische Küste (Bergen) 8 Arten determinierter 
Anneliden mit. 

Prof. Dr. F. Richters: Echinoderes und Trichodcrma] 
Ghaetosoma spec, in mikroskopischen Präparaten. 

H. Große, Taucha: Syngamus trachealis v. Sieb., <$ und $ 
in Copula aus der Luftröhre der Trappe, Otis tarda L. 

Tausch: Naturhistorisches Museum, Hamburg: 
Microscolex dubius (Fletsch) von Südwestaustralien; Notoscolex 
(Gryptodrylus) ceylonensis (Mchlsn.) von Ceylon; Lumbricus bai- 
calensis (Mchlsn.) aus dem Baikalsee ; Pheretima houlleti (E. Per- 
rier) vom Himalaya ; Ph. postuma (L. Vaill.), Australien ; Tham- 
nodrilus potarensis (Rosa); Ghilota patagonica (Kinb.) von Chile; 
Lampito mauritii Kinb., Dero limosa Leidy; Branchiura coccinea 
(Vejd.), Lumbricillus Uneatus Müll., Odochaetits paltoni Mchlsn. 
(Cotyp), Kerria rosae Beddard von Buenos Aires. 

Bryozoa. Geschenke: Die Hauptsammlung hat eine 
reiche Vermehrung durch 82 Arten arktischer Bryozoen erfahren, 
die Dr. H. Kluge, der mit einer größeren Arbeit über die ark- 
tische Bryozoenfauna beschäftigt ist, dem Museum als Geschenk 
überwies. 

Privatdozent Dr. H. Kluge, Kasan: Menipea iernata 
Ell. et Sol. ; Cellularia peachi Busk. ; Srupocellaria scabra 
Bend. ; S. aretica Busk. ; Bugula elongata Nordj. ; B. mur- 
rayana lohnst.; B, vi. Johnst. f. quadridentata Lm., und f. fruit- 



— 133* — 

cosa Pack, Flustra foliacea L. ; Membranipora spinifera Johnst. ; 
M. craticula Aid. ; M. ami f er a M. ; M. arctica Orb. ; M. pilosa 
L. ; Cribilina scutulata Busk. ; Microporella ciliata var. arctica 
Wat. ; Schizoporella propinqua Sm. ; Hippothoa hyalina L. ; 
Lepralia contigua Lm. ; Porella mucronata Lm. ; P. concinna 
Busk. ; Escharoides rosacea Busk. ; Palmicellaria skenci Ell. et 
Soll. rar. tridens Busk. ; Rhamphastomella radiatus Smith. ; 
Rh. costata Lorenz ; Rh. bilaminata Hck. ; Celtepora ventricosa 
Lorenz ; Alcyonidium gelatinosum L. aus dem Weißen Meer. 
Oemellaria loricata L. ; Menipea gracilis Smith. ; M. temata Sm. 
var gracilis Bend. ; Bugida murrayana Johnst. ; f. typica Johnst. ; 
Flustra membranacea = truncata Smith. ; Fl. securifrons Pali. ; 
Pseudoflustra solida Stimp. ; Schizoporella porifera Sm. ; Seh. ussovi 
Kluge ; Seh. hamswooti Wat. ; Seh. lineata Nordg. ; Myriozoum 
coaretatum Sars. : M. subgraeüe Orb. : Porella plana Hinks ; 
P. acutirostris Sm. ; P. smitti Kluge ; P. compressa Dorb. ; 
P. bella N. ; P. saccata Busk. ; P. struma N. ; Mucronella peachi 
Johnst. ; M. ventricosa Kass. ; M. labiata Boeck. ; M. sincera Sm. ; 
Retepora beaniana King, R. cellulosa L ; R. elongata Sm.: 
Rhamphostomella scabra Tobr. ; Cellepora nordgaardi Kluge ; 
C. incrassata Sm. : C. ventricosa Lor. ; C. nodidosa Lor. ; Crista 
eburnea L. ; Idmonea atlantica Forb. ; Diastopora obelia Johnst. 
var. arctica Wat. ; Homera lictienoides L. ; Lichenopora veru- 
caria L. ; T)efra?icia lucenaria Sars: Alcyonidium hirsutum Flem. ; 
Flustrella hispida Flem. ; Caberea ellisii Flem, aus dem Kola 
Hafen und von der Murmanküste. Celleporella hyalina L. ; 
Eschearoides sarsi Sm. ; Smittia smitti K. ; Sm. jeffreysi Nord.; 
Diastopara imbricaria L. ; D. obelia Johnst. var. arctica KL: 
Reticulipora imbricata Sm. ; Tubulipora flabellaris aus der Davis 
Straße, Grönland. Micropora borealis Busk. : Flustra semdata 
Busk, aus dem Beeringsmeer. Lepralia sincera Sm. von der 
Ingolf-Expedition Nr. 557 66° 17' N. Br. u. 54° 7' W. L. 

Wissenschaftliche Benützung: Generaloberarzt Dr. 
0. v. Lins tow, Göttingen, hat freundlicherweise wiederum das 
an parasitischen Würmern angesammelte Material determiniert. 
Prof. Dr. W. Micha eisen, Hamburg, sandte die 1907 zur 
Determinierung erhaltenen 13 Nummern Regenwürmer, die 
Dr. Adolf Reichardt, Helgoland, im Jahre 1903 auf Haiti 
und Jamaika gesammelt hatte, zurück und bestimmte sie als: 



— 134* — 

Diachaeta thornasi Benham von Jamaika; Dichogaster bo- 
laui (Mchlsn.) f. oetonephra Rosa von Haiti Cap Haitien; 
D. reichardti Mchlsn., Typus und Original, Jamaika 1904; 
D. godeffrogi (Mchlsn.), I). affinis (Mchlsn.), Eudrilus eugeniae 
(Kinb.), Pheretima biserialis (E. Perrier), Pontoscolex corethrurus 
(Fr. Müll.) von Haiti, Cap Haitien ; Eudrilus eugeniae (Kinb.) 
von Haiti Port au Prince. 

11. Ecliiuodermen. 

Eine schöne Bereicherung bildeten die vom Indian 
Museum in Kalkutta im Tausch erhaltenen Arten der 
Investigator-Expedition aus dem Indischen Ozean. 

Geschenke: H. Meyenberg: Astropecten äurantiacus 
(L.) ein großes Exemplar aus dem Hafen von Triest. 

Stud. rer. nat. F. Richters brachte von seiner Studien- 
reise an die norwegische Küste (Bergen) mit : Cribella sanguino- 
lenta (0. F. Müll.) Ophiura carnea Lütk.; 0. sarsii Lütk., 
Ophiopholis aculeata (L.) ; Ophiocoma nigra M. u. Tr. ; Amphiitra 
sundevalli M. u. Tr. ; Psoitis sqnamatus Kor. ; Cucumaria laeta 
Forb. ; C. hispida H. Andr. et. Barr. ; C. elongata Dub. et Kor. 

Tausch: I n d i a n M u s e u m , Kalkutta : aus dem Material 
der „Expedition of the Royal Indian Marine Ship 
„Investigator" ^Benthodgtes glutinosa R. Perrier, Ophio- 
musium planum, St. 287 aus 2754 m Tiefe (21° 08' N. B. und 
65° 47' E. L.) Ophiura partita, St. 286 aus 1016—751 m (19° 
17' N. B. und 69° 15' E. L.); Hgpsilothuria biteniaculata Ludry, 
St. 177 aus 1162 m (13° 47' N. B. und 73° 07' E. L.) aus dem 
arabischen Meer; Persephonaster oroceus Alcock aus 1353 m 
und Pontaster hispidiis Alcock aus 1907 m von den Laccadiven 
Inseln; Palaeop neustes hemingi, St. 248 aus 410—520 m (8° 37" 
N. B. und 75° 37" E. L.) von der Malabarküste ; Ankyroderma 
musculus Risso, St. 256 aus 1714 m (7° 58' N. B. und 79° 23' 
E. L.) aus dem Golf von Manar ; Trochostoma andamanense 
Walsh, St. 265 aus 1086—411 m (9° 31' N. B. und 80° 59" 
E. L.) von der NO -Küste von Ceylon; T. albicans Theel, 
St. 129 aus 493 m Tiefe aus der Bai of Bengal, Godavaria- 
Delta; Deima blakei Theel, St. 118 aus 3297 m (12° 20' N. B. 
und 85° 8' E. L.); Sgnallactes ivoodmasoni Walsh, St. 222 aus 
740 m (13° 27" N. ß. und 93° 14" E. L.); Ophiomusium fa- 



— 135* — 

miliare Ver., St. 327 aus 806 m (17° 7' N. B. und 94° 5' E. L.) 
aus dem Meerbusen von Bengalien; Ophiomyxa bengalensis 
Kochl. aus 435—530 m, Plopatides gelatinosus Walsh aus 495 m 
von den Adaman Inseln ; Dipsacaster sladeni Alcock aus 457 m 
von der Sentinel Insel; Ophiothrix avistulata Ver. car. invesli- 
gatoris. 

12. Coelenteraten. 

Geschenke: Kgl. Biologische Anstalt, Helgoland: 
Beroe cucumis Fabr., die seit zwölf Jahren zum ersten Male 
wieder bei Helgoland auftraten. 

Bankdirektor A. G winner, Berlin: eine große Steinkoralle 
für die Schausammlung. 

Fräulein Milli Fränkel, Berlin: einen Topf mit zwei 
Hornschwämmen, Euspongia officinalis L. und Cacospongia caver- 
nosa 0. Schmidt, sowie mit verschiedenen Wurmröhren bewachsen, 
von der griechischen Küste. 

Stud. rer. nat. W. Fries: 12 mikroskopische Präparate 
bestimmter Hydrozoen aus dem Irischen Kanal. 

Fräulein Tilly Kr omni: 7 kleine Korallenstöcke aus 
Bangkok (Koh-Si-chang). 

Prof. Dr. W. Kükenthal, Breslau: Bhipidogorgia flabel- 
lum (L.), zwei große Kolonien; Xiphigorgia anceps (Pali.) und 
Telesto risset Duch. et Mich, in Alkohol mit Polypen konserviert, 
von St. Thomas (Antillen). 

Stud. rer. nat. K. Richters brachte von seiner Studien- 
reise an die norwegische Küste (Bergen) mit: Arachnactis albida 
Sars, die freischwimmende Aktinie, ferner Metridium dianthus 
Sars. juv. und kleine Aktinien an einer Laminareinwurzel sitzend, 
ausgestreckt. 

Kauf: M. Padewieth, Zengg: Anemonia sulcata M. Edw, 
und Actinia equina L. aus dem Quarnero in schönen Exemplaren 
für die Schausammlung. 

Wissenschaftliche Benützung: Prof. Dr. W. Küken- 
thal, Breslau, erhielt die Typen und Originalexemplare von 
Solenocatdon sterroclonium Germ., S. diplocalix Germ und S. acalix 
Germ, von Ternate zum Vergleich. 

H. Gerth, Bonn, sandte die im April 1907 entliehenen 
10 Nummern Steinkorallen zurück und bestimmte eine Astraea 



— 136* - 

poUfera als Astraeopera cf. ovalis Bernard, die er in seiner Ar- 
beit „H. Gertb, Beiträge zur Phylo genie der T u bo- 
ko ra lien" abbilden wird. 

13. Protozoen. 

Die neuen Wasserbassins im Garten des Museums wurden 
mit Material aus vielen Tümpeln und Gewässern besiedelt, wozu 
wir auch von Fräulein Römer in Mors mehrere Sendungen 
Wasser und Schlamm aus den Altwassern am Niederrhein, die 
besonders reich an Protozoen, Spongien und Bryozoen sind, er- 
hielten. Auch sonst wurden wir von dort und anderen Fund- 
stellen, z. B. von Sizilien durch Herrn H. Koßmann, mit 
Wasserproben zur Untersuchung lebender Protozoen reichlich 
versorgt. 

Stud. rer. nat. K. Richters brachte von seiner Studien- 
reise an die norwegische Küste (Bergen) mit: 10 Arten Fora- 
miniferen determiniert und in Alkohol konserviert. 

14. Vergleichende Anatomie. 

Ein reiches Material an anatomischen Präparaten lieferten 
wiederum die aus dem Zoologischen Garten eingelieferten Tiere. 
Großen Zeitaufwand erforderte die Fertigstellung der in den 
letzten Jahren gemachten Präparate für die Schausammluug. 
Außer den beim Umzug schon erwähnten Hilfskräften hatten 
wir uns hierbei der Mitarbeit von Fräulein B. So nd heim zu 
erfreuen. 

Geschenke: Gustav Schneider, Basel : Cynomölgus 
fascicularis Raffles, Embryo von Padang, Sumatra 1896. 

F. E. Clotten: Gebiß eines großen Haifisches. 

Ingenieur Fritz Erhardt: Halicore dugong Q. et G., 
Camelus dromedarius L. und Chelone mydas L., Schädel. 

Otto Schlüfenbaum, Hasselbach i. T. : einen Hirsch- 
embryo. 

Dr. A. Jäger: Sciaena aquila Risso, 2 mikroskopische 
Präparate von der Sauerstoff drüse. 

Prof. Dr. 0. Körner, Rostock: Meles taxus Pali, und Canis 
vulpes L. Schädel aus Mecklenburg. 

Max Müller, Rostock i. M. : Cervus capreolus L. und 
C. dama L., 14 Köpfe. 



— 137* — 

Prof. Dr. H. Reichenbach: Embryonen von Haifischen, 
Torpedo und Triton in verschiedenen Größen. 

Reich samt des Innern, aus dem Material der 
Deutschen Südpolar -Expedition, durch Prof. Dr. E. Van- 
höff en, Berlin: Pagodroma nivea (Gm.) und Stercorarius maccor- 
milä Saund, Skelette. 

Tausch: Prof. Dr. H. Braus, Heidelberg : 77 Präparate, 
meist die Histologie des Menschen betreffend, gegen Batrachier- 
material. 

Kauf: August Görling, Katoombo, Australien: Macro- 
pus rufus Gould., M. cervinus Gould, Beutel mit Beuteljungen 
von Yalgoo. 

Gustav Schneider, Basel: Symphalanyus syndactylies 
Desm., $ ad., Gehirn, Sumatra 1906. 

Von dem im Jahre 1901 an der Beresowka, einem rechten 
Nebenfluß der Kolyma in Sibirien, von dem Zoologen Otto Herz 
ausgegrabenen Mammut: 2 Stücke Fleisch in Alkohol, 1 Stück 
Haut mit Haaren, Fett und Blut getrocknet, sowie Futterreste 
aus dem Maul und aus dem Magen, nebst Photographien ein- 
zelner Teile dieses Mammuts. 

Wissenschaftliche Benützung: Dr. V. Franz, 
Helgoland , erhielt 34 Paar in Formol konservierter Vogelaugen 
zur Bearbeitung. 

Wissenschaftliche Auskunft wurde 36mal erteilt, 
und zwar handelte es sich dreimal um Säugetiere, zweimal um 
Vögel, dreimal um Reptilien, einmal um Fische, einmal um Mol- 
lusken, zweimal um Crustaceen, achtmal um Insekten, zweimal 
um Würmer, einmal um Protozoen, einmal um Pflanzen, sieben- 
mal um museums-technische Fragen und fünfmal um Museums- 
schränke. Von der Großherzoglichen Bürgermeisterei und der 
Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft in Mainz wurde der 
Direktor Prof. Römer zu einem Gutachten über die innere 
Einrichtung des neuen Museums in Mainz und über die zu be- 
schaffenden Schränke aufgefordert. 

Besonders stark war der Besuch des Museums durch aus- 
wärtige Gelehrte und Kollegen, die meist besonders geführt 
wurden und dabei Auskunft über allerhand Fragen erhielten. 
An den Sonntagen wurden auf Wunsch des Ausschusses für 



— 138* — 

Volksvorlesungen Führungen für verschiedene Vereine und 
Gewerkschaften veranstaltet. 

Auf unsere Einladung besichtigten unter Führung das 
Museum : 

der Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen 
(Dr. E. Wolf); 

der Katholische Lehrerverein (Prof. Dr. F. Römer), 

der Verein akademisch gebildeter Lehrer (Prof. 
Dr. F. Römer). 

Besonders hervorgehoben zu werden verdient der außer- 
ordentlich große Besuch des Museums durch hiesige und aus- 
wärtige Schulen unter Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen, 
welche meist die ruhigen Stunden am Dienstag und Donnerstag 
Vormittag benutzen. Oft waren 250 — 300 Schulkinder gleich- 
zeitig im Museum. 

Für die Handbibliothek des Museums wurden ver- 
schiedene Hand- und Lehrbücher, namentlich anatomische und 
histologische Atlanten für die Vorlesungen, angeschafft. 

Als Geschenke erhielten wir Bücher und kleine Schriften 
für die Handbibliothek von: Prof. Dr. Th. Bail-Danzig, Fried- 
rich Bastier, Dr. W. Bode-Hildesheim ; Dr. J. Dewitz-Metz, 
Prof. Dr. L. E dinger, Geheimrat Prof. Dr. Ehrlich, Prof. 
Dr. Engel hard t- Dresden, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Engel - 
mann- Berlin, Dr. E. Fischer-Zürich, Dr. J.Guide, Bank- 
direktor A. G winner- Berlin, Prof. Dr. E. Hä ekel -Jena, 
Dr. M. H art man n - Berlin , Dr. S. von Prowazek - Ham- 
burg, Prof. Dr. L. vonHeyden, Zoologisches Institut, 
Breslau, Prof. Dr. A. Knoblauch, Prof. Dr. W. Kobelt- 
Schwanheim, Prof. Dr. A. König -Bonn, F. Koe nicke -Bre- 
men, Pfarrer F. W. K o n o w - Teschendorf , Prof. Dr. E. Kor- 
schelt- Marburg, Prof. Dr. A. Leppla-Berlin, Prof. Dr. M. 
Möbius, Prof. Dr. W. Michaelsen-Hamburg, Dr. Parrot- 
München, Prof. Dr. F. Richters, Forstmeister Dr. A. Rörig, 
Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Roux-Halle a. S., Prof. Dr. L. S. 
Schultze- Jena, Prof. Dr. Schwarzmann-Karlsruhe, Moritz 
Sondheim, B. Stürtz-Bonn, Viktor Ritter von Tschusi 
zu Schmidthof en , Dr. Versluys- Gießen, A. Weiß, 
Dr. Eugen W i d m a n n - Heidelberg , F. W. Winter und 
Dr. 0. Z i in m er- Breslau. 



— 139* — 

Im Austausch: Prof. Dr. W. Michaelsen -Hamburg 
und dem Zoologischen Institut iu Breslau. 

Für die Bildersammlung schenkte: Prof. Dr. F. Kinkelin 
Porträts von : v. F r i t s c h , K i n k e 1 i n , Koenen, Koken und 
von Richthofen. 

Geh. Med. -Rat Prof. Dr. Waldeyer, Berlin: sein Porträt. 

Frau K. Ochs: 8 selbst gezeichnete Protozoentafeln für 
die Schausammlung. 

Kunstmaler F. Hauck: 2 Ölgemälde, das Tierleben in den 
Korallenriffen der Bahama Inseln darstellend, von ihm selbst 
im Jahre 1905 nach dem Leben gemalt. 

Die Redaktion des Intelligenzblattes gewährte 
uns auch im verflossenen Jahre für das Bureau ein Freiexemplar 
der Frankfurter Nachrichten nebst Beilagen. 

II. Botanische Sammlung. 

In der Schausammlung wurde mit der Verbesserung der 
Aufstellung fortgefahren; fertiggestellt wurden die Schränke 
für die höheren Kryptogamen und die Gymnospermen, sowie für 
die Mercksche Drogeusammlung. In der Ordnung der Früchte 
und Samen für die wissenschaftliche Sammlung hatten wir uns 
der wertvollen Unterstützung des Herrn Carl Koch zu er- 
freuen, wofür ihm auch an dieser Stelle der verbindlichste Dank 
ausgesprochen sei. Das Herbarium wurde besonders durch die 
Einreihung der Sammlung des verstorbenen Gartendirektors 
Weber (vgl. Jahresbericht 1902) vergrößert. Fast alle Teile 
der Sammlung wurden bereichert und vergrößert teils durch 
die Bemühungen der Sectionäre und des Herrn C. Koch, teils 
durch die unten aufgeführten Geschenke, für die wir den Gebern 
aufrichtig dankbar sind. 

Von den Zugängen seien genannt : 

Geschenke: J. A u r n h a m m e r : 3 Vegetationsansichten. 

Silberhütte Braubacn: Zweige von Buche, Eiche, Fichte 
und Kiefer mit Rauchbeschädigung. 

F. E. Clotten: Eine Kollektion Baumwollenpräparate, 
vorzüglich der Caravonicabaumwolle; zwei Fruchtstände von 
Xanthorrhoea; eine Sammlung von 72 Scheiben queensländischer 
Hölzer auf 9 Kartons. 



— 140* — 

Entomologische Sektion des Museums, (durch Dr. J. Guide): 
Schmetterlinge aus den Gattungen Dianthoecia, Mamestra und 
Lycaena, für die Vorlesungen über Blütenbiologie. 

Geologisch-paläontologische Sektion des Museums (durch 
Prof. Dr. F. Kinkel in): Demonstrationsobjekte von Annularia 
radiata, Sphenophyllum canei folium, Asterophyllites equisetiformis, 
Calamites spec, Sigülaria elongata und S. tessellata, Knorria 
spec, Lepidodendron spec, Stigmaria föeoides. 

Dr. C. Ger lach: Ein Faszikel getrockneter Pflanzen 
aus Japan. 

L. Goiter mann: Kornähren mit Mutterkorn in ver- 
schiedenen Stadien aus Reutlingen; Lehrbuch der Botanik von 
Strasburger, Noll, Schenck und Karsten, 6. Aufl., 
Jena 1904. 

Prof. Dr. W. Kobelt, Schwanheim: Große Querscheiben 
von Stämmen der Birke, Buche, Erle und Kiefer. 

C. Koch: Fruchtstand von Phoenix daclylifera, frisch. 

Prof. Dr. P. Kuckuck, Helgoland: Trockene Exemplare 
von Himanthalia lorea ; 2 Herbarexemplare von Schixonema 
Grevillei] frische Exemplare y on Laminaria digitata mit neuer 
Blattbildung. 

Freih. M. von Leonhardi, Großkarben: 5 Früchte von 
Macrozamia Fraseri und 7 Früchte von Casuarina Decaisneana 
aus Westaustralien. 

Dr. M. Levy: Ein Polyporus spec, frisch. 

Dr. A. Lotich ins: Schöner, großer Zapfen von Pinus 
Lambertiana und Holz und Rinde von Sequoia gigantea aus 
Kalifornien. 

Firma Luschka und Wagen mann, Mannheim : 
56 Täfelcheu verschiedener ausländischer Hölzer. 

Assessor A. Meyer: Früchte von Cardiospermum Hali- 
cacabum. 

H. Minjon: Eine große Sammlung in Wachs künstlerisch 
ausgeführter Nachbildungen von Früchten, besonders der Äpfel- 
und Birnensorten, nebst dem dazu gehörigen Gestell. 

Frau A. Möbius: Ein Olivenzweig aus Rapallo mit 
Krebsgeschwülsten (Bacillus Oleae). 

Prof. Dr. A. Möller, Eberswalde: 3 Originalphotographien 
von Polyporus Snpurema. 



— 141* — 

Kom.-Rat R. de Neufville: Zweig von Leueadendron 
argenteum mit Früchten. 

Palmengarteu: Zweige von Cytisus Adami ; Stücke 
von Palmenstämmen und Palmenblätter; Teile der alten Pflanze 
und Keimpflanze von Victoria regia ; männlicher Blutenkolben 
von Encephalartus Altensteinii; Doppelf nicht von Luffa vulgaris; 
verschiedene Früchte und Blüten. 

Frau Par men tier: Blüte von Cheirostemon platanoides 
in Spiritus. 

Lehrer F. Peters: Eiu großer Mistelbusch auf Kiefer 
aus dem Stadtwald. 

Cand. rer. nat. M. Plaut, Marburg: Von Aecidium siro- 
bilinum befallener Fichtenzapfen aus Norwegen ; verschiedene 
Keimlinge von Coniferen in Spiritus. 

Geh. Rat Prof. Dr. J. Rein, Bonn : Stammstück von 
Taxodium distichum aus der rheinischen Schieferbraunkohle 
nebst gedruckter Erklärung. 

San. -Rat Dr. E. R ö d i g e r : Interessante Holzstücke 
(Tanne, Apfel) aus Schönberg im Taunus. 

Prof. Dr. H. Schenck, Darmstadt: Getrocknete Exem- 
plare von Stereocaulon alpinum\ Blattpräparate von Helleborus 
foetidus; Früchte von Attalea und Acrocomia\ 12 Vegetations- 
bilder (Photographien). 

Prof. Dr. M. Schmid t-M etzler : Eine Doppelkirsche; 
Pelorie von Digitalis purpurea. 

F. So mm er lad: Ein Riesenbovist aus Ginnheim; Blüten- 
stand und Blatt von Chamaerops humilis; Zweig von Ficus 
spec, mit Früchten. 

C. Wich mann: Holzstücke mit Hausschwamm (Merulius 
lacrymans) . 

Firma C. Zeiss: Eine Wandtafel zur Darstellung des 
Strahlenganges im Mikroskop. 

Tausch: Miss E. I). Palmer, Los Angelos, Kalifornien: 
Getrocknete kalifornische Pflanzen (ca. 150 Exemplare) gegen 
deutsche Herbarpflanzen (gesammelt von M. Dürer). 

Prof. Dr. H. Schinz, Zürich: Verschiedene Herbarpflanzen 
(ca. 200 Exemplare) gegen Dubletten aus unserem Herbarium. 



— 142* — 

Tausch und Kauf: Prof. Dr. J. W. Blau kin ship, 
z. Z. Steglitz: 250 nordamerikanische Herbarpflanzen (Flora 
Montana) teilweise gegen botanische Abhandlungen. 

J. S. Kaulfuss, Nürnberg: 50 Herbarpflanzen teilweise 
gegen Herbarpflanzen. 

Kauf: 0. Leonhardt, Nossen i. S. : 50 Exemplare 
Herbarpflanzen. 

A. Pur pus, Darmstadt: 8 photographische Vegetations- 
bilder, 6 aus Norwegen und 2 aus Mexiko. 

Wissenschaftliche Benützung: Prof. Dr. Kuckuck 
(Helgoland) erhielt zur Durchsicht 3 Faszikel Herbarpflanzen, 
Spirituspräparate und mikroskopische Präparate aus der As- 
kenasyschen Algensammlung. 

Obergärtner Krauss entlieh eine Anzahl Holzpräparate 
zu einem Vortrag. 

Firma Heimmersch & Wiedeumann entlieh Holz- 
präparate zur Vergleichung. 

Obwohl die Sammlung dem Publikum noch nicht zugänglich 
gemacht ist, wurde sie doch von mehreren Personen, die sich 
für Botanik interessieren, besichtigt und sie wird solchen immer 
gern gezeigt. 

Prof. Dr. M. Mübius. M. Dürer. 

III. Mineralogisch-petrographische Sammlung. 

Im verflossenen Jahr nahm selbstverständlich auch in dieser 
Abteilung der Umzug und was damit zusammenhängt vorwiegend 
die dem Sektionär zur Verfügung stehende Zeit in Auspruch. 
Die Mineraliensammlung so weit zu fördern, als es in der Tat 
geschehen ist, wäre aber nicht möglich gewesen, wenn nicht 
Herr Berginspektor K. Müller so liebenswürdig gewesen wäre, 
seine freie Zeit der Gesellschaft zu opfern, sich fast täglich 
mehrere Stunden mit dem Ordnen und der Aufstellung der Mine- 
ralien zu beschäftigen und den Sektionär während eines sechs- 
wöchentlichen Urlaubs zu vertreten. Im Namen der Direktion 
dankt der Unterzeichnete dem so eifrigen und gewissenhaften 
Herrn auf das verbindlichste für seine werktätige Hilfe und 
spricht die Hoffnung aus, daß er ihm auch in der Zukunft sei- 
nen Beistand nicht versagen werde. Herzlichen Dank auch 



— 143* — 

Herrn Dipl. lug. P. Prior und deu Schülern Balle, Böttger, 
Rauh, Weberstädt, Strauß (Adlerflychtschule) und A. Schulze 
(Wöhlerschule) für ihre Tätigkeit bei der Aufstellung und beim 
Umzug ! 

Die Einreihung der Schausammlung ist jetzt vollendet, 
allerdings sind noch viele Stücke durch bessere aus den unteren 
Schubladen, insbesondere aus der Pfeiffer-Bellischen Schenkung, 
zu ersetzen und manche Etiketten zu erneuern. Durch die Ver- 
mehrung der Pulte um zwei wurde es möglich, wenigstens in 
einem eine petrographische Schaustellung zustande zu bringen: 
sie enthält die wichtigsten Gesteinsarten in systematischer Ord- 
nung und eine kleiuere Kollektion technisch wichtiger Gesteine, 
die nach des Unterzeichneten Angaben in Reichenbach im Oden- 
wald von der Süddeutschen Steinindustrie-Aktiengesellschaft ge- 
schliffen und zubereitet wurden. 

In den Glasschränken au den beiden Längsseiten des 
Mineraliensaales sind petrographische Lokalsuiten (Tauuus, Spes- 
sart, Odenwald), einstweilen auch Meteoriten, untergebracht 
worden, während in den beiden Schränken an der Hiuterwaud 
Schaustufen von Mineralien und Gesteinen, die durch ihre Schön- 
heit und Größe das Auge des Besuchers besonders zu fesseln 
berufen sind, einen würdigen Raum gefunden haben. Hoffent- 
lich kann dem Übelstand, daß der Saal neben sechs alteu nur 
vier neue Schränke aufzuweisen hat, bald abgeholfen werden; 
denn die zeitraubende Reinigungsarbeit der Sammlungsobjekte 
wäre — von dem ästhetisch ungünstigen Eindruck, der durch 
die verschiedene Bauart der Pulte hervorgerufen wird, ganz ab- 
gesehen — umsonst, da die alten nicht staubelicht schließen; 
Renovierungsarbeiten von alten Schränken sollten aber nach 
Direktionsbeschluß tunlichst vermieden werden. 

Nur ein kleiner Teil unseres Mineralschatzes steht ä jour, 
den weitaus größeren beherbergen die Schrankschubladen unter 
den Pulten. Aus Mangel an Raum standen hier aus früherer 
Zeit zwischen den Mineralien auch noch viele Gesteine. Sie 
wurden entfernt, so daß fernerhin auch diese Sammlung ein 
kontinuierlich fortlaufendes Ganzes bilden wird, in gleicher- 
weise wie die Schaustücke systematisch geordnet und bezüg- 
lich der einzelnen Arten geographisch gruppiert. Häßlich aus- 
sehende Kästchen wurden durch neue ersetzt und alle mit Steck- 



— 144* — 

etiketten versehen, soweit das noch nicht der Fall war, wodurch 
die Übersicht und das Einhalten der Ordnung wesentlich er- 
leichtert wird. Wir sind mit dieser Arbeit bis jetzt bis zu den 
Sulfaten gelangt, so daß außer Wolframiaten usw. im wesent- 
lichen noch die Phosphate, Arseniate und die große Gesellschaft 
der Silikate zu bewältigen ist. Mit diesem allerdings noch bedeu- 
tenden Rest hoffen wir im laufenden Kalenderjahr zu Ende zu 
kommen. Von dem, was noch alles zu erledigen ist, soll hier 
nicht geredet werden : wenn man einen hohen Berg zu besteigen 
hat, schaut man besser von Zeit zu Zeit rückwärts als zu oft 
vorwärts. 

Ein Schmerzenskind für den Unterzeichneten ist die Erz- 
lagerstätteusammlung. Sie hat auch in diesem Jahr Avieder 
durch Herrn Dr. Edmund Naumann (s. u.) einen sehr wesent- 
lichen und kostbaren Zuwachs erhalten, so daß der Wunsch 
des Herrn Dr. Naumann, baldigst mit der würdigen Aufstellung 
des reichen und wissenschaftlich bedeutsamen Materials zu be- 
ginnen, nur zu gerechtfertigt erscheint. Hoffentlich gelingt es 
der Gesellschaft, demnächst auch hier eine befriedigende Lösung 
der Schrank- und Raumfrage zu schaffen. 

Geschenke: Dr. phil. Rudolf Delkeskamp: Eine 
große Anzahl von Barytvorkommnissen aus dem Mainzer Becken, 
von Stromberg im linksrheinischen Taunus und von Bockenrod 
im Odenwald, darunter schöne Stücke rosettenförmiger und 
kugeliger Konkretionen sandigen Baryts, die Kugeln z. T. um 
Muschelsteinkerne als Zentrum gruppiert (Sobernheim bei Kreuz- 
nach), Barytsandstein mit Hepatitgruppen, worin am Kuhberg 
bei Kreuznach Teredobohrlöcher wahrzunehmen sind , auch 
Kristalle von Münzenberg (Wetterau), Stromberg und Bockenrod. 
Die Sammlung enthält die Belegstücke zu den Arbeiten des 
Schenkers: „Schwerspatvorkommnisse in der Wetterau undRhein- 
hessen", Notizbl. d. Ver. f. Erdk. in Darmstadt. IV. Folge, H. 21 
und „Die Bedeutung der Konzentrationsprozesse für die Lager- 
stättenlehre«. Z. f. prakt. Geol. XII. Jahrg. 1904. 

Dr. phil. G. C. Du Bois,: 1. Stufen von Quecksilber- 
erzen, Gaugarten und Nebengesteinen aus den Gruben von 
Almaden (Spanien) nebst Profilen der Lagerstätte. 2. Trachyte, 
Andesite und Schiefer aus dem Erzdistrikt Mazarrün (Prov. 
Murcia). 3, Erze — vorwiegend Zinkblende und Bleiglanz — 



— 145* — 

von Sta. Cruz de Noguera-Calamoche (Prov. de Teruel) und von 
Simele (Prov. Radajoz). 4. Granite, Schiefer, Quarzite, Blei- 
glanz u. a. vom Linaresdistrikt (Prov. Jaeu). 5. Bleiglanz, 
Blende, Granit, Gangquarz von der Mina St. Ana, Villannova 
de Cordoba. 6. Bleiglanz, Bleicarbonat, Kupferkies von Palaf- 
rugell (Prov. de Gerona). 7. Bleiglanz, z. T. silberreich, Blende, 
Eisenspat von der Sierra de Almeria (Prov. Almeria). 8. Blei- 
glanz und Pyrit von Lomo de Bas (Murcia); quarzreicher 
Trachyt und Goldquarz daraus von der Grube Las Ninas bei 
Rodalquilar (Prov. Almeria). Fossilien aus der Umgebung von 
Mazarrön wurden der geol.-palaeont. Sektion zugestellt. 

Ingenieur Heinrich Enger t: Ozokerit mit anhaften- 
dem Bleiglanz, angeblich vom Nordrand der Eifel (!?) 

Karl Fischer: Gruppe von stengeligem schwarzen 
Kalkspat von Pfuhl bei Urach, Kalkspat von Budenheim, Gipse 
von Drommersheim (Rheinhessen), darunter ein 20 cm langer 
gespalteter Kristall, der unterbrochenes Wachstum und kor- 
rodierte Flächen zeigt, und ein stark korrodierter linsenförmiger 
Kristall. 

Ingenieur K. Götz: 4 Kisten mit Gesteinen, Erzen und 
andren Mineralien, zumeist aus dem Lahn- und Dillgebiet; auch 
einige Fossilien. 

Bank direkt or A. G winner, Berlin: Eine Reihe 
herrlicher Schaustufen, die eine glänzende Fortsetzung der 
früheren hochherzigen Schenkungen bilden, und zwar: 1. Ame- 
thystgruppe aus Brasilien, herzförmig, ca. 70 cm lang. 2. Berg- 
kristalldruse von Bourg d'Oisans (Dauphine), ca. S U m lang 
und l jz m breit; sie zeigt Hunderte von Kristallen, z. T. wasser- 
klar, in verschiedener Größe, z. T. bis 12 cm lang und 3 cm 
breit, mit den Flächen cv R. + R. 3. Eine große Platte des 
Meteoreisens vom Canon Diablo in Arizona (36 ä 36 ä 5 cm) 
mit zahlreichen Troilteinsprenglingen (Schwefeleisen). Nachdem 
schon früher in diesem Eisen mikroskopisch Diamante nach- 
gewiesen worden waren, gelang es Moissan 1904 darin auch Kar- 
borund (Kohlenstoffsilicium) zu entdecken, bisher in der Natur 
nicht bekannt, sondern nur künstlich (aus Kokes und Quarz im 
elektr. Lichtbogen) dargestellt. Herr G winner schenkte deshalb 
auch 4. Ein ansehnliches Stück Karborund (22 ä 12 ä 9 cm) 
mit wohlausgebildeten Kristallen (hexagon. Tafeln mit rhom- 

10 



-— 146* — 

boedrischeu Handflächen), das in La Bathie (Savoyen) fabriziert 
wurde. 5. Eine Stufe mit Antimonitkristallen von Shikoku 
(Japan). 6. Flußspat in roten Würfeln (bis 11 cm Kantenlänge) 
von Durham. 7. Eine pegmatitische Druse mit vielen Orthoklas- 
und Quarzkristallen von Baveno am Lago maggiore. 8. Eine 
große Kalkspatgruppe von Fizington (Cumberland). 9. Ein 
schöner Steinsalzbohrkern mit gefalteten Anhydrytlagen von 
Staßfurt. 10. Eine geschliffene Platte eines polygenen Konglo- 
merates vom Sognefjord bei Christiania. 11. Ein großes Beryll- 
prisma von Chanteloube bei Limoges. 12. 50 Glasraodelle, z. T, 
Pappmodelle umhüllend, z. T. um die Zwillingsachse drehbar, 
vortrefflich zur Demonstration von Kombinationen und Zwillings- 
gesetzen geeignet. 

Prof. Dr. F. Kinkel in: 2 Phosphoritkuoilen von den 
Carolinen; das Material wird in Nieder-Ingelheim verarbeitet; 
femer mehrere Granat, Amphibol, Zoisit (?) führende Gesteine 
aus Südostafrika, die sein Sohn, Herr Ingen. F. Kinkelin, dort 
gesammelt hat. 

Heinrich Koßmann: Schwefel mit guten, sphenoidisch 
ausgebildeten Kristallen und Coelestin von Girgeuti ; 30 kleine 
geschliffene Marmorplatten aus Sizilien. 

Prof. Dr. M. Möbius: Eine Suite von Gesteinen aus 
Helgoland nebst farbigen Ansichtskarten der Küste. 

Berginspektor Karl Müller: Faserige Braunkohle 
(Bastkohle) aus dem Lager von Weckesheim in d. Wetterau und 
Zinnober von der Grube Giftberg bei Komarow in Böhmen. 

Dr. Edmund Naumann: eine große Sammlung von Erzen, 
wovon hier nur einiges erwähnt sein mag: von Thasos Galniei 
(Smithonit) und zahlreiche Belegstücke für die Entstehung 
dieser interessanten Lagerstätte aus Kalkstein ; auch schichten- 
förmige Lagen von Baryt, Bleiglauz, Braunspat, Calcit, Faser- 
kalk etc. Aus Algier und Tunis Braunspat-Calaminstalaktiten 
mit Calcitrinde, Calamine und deren Übergänge in Dolomit; 
Umwandlungen von Marmor in Calamiu; Zinkblende, Malachit, 
Baryt, Bleiglanz, Kupferkies ; mit Calamiu verwachsener Kalk- 
stein, der von zahlreichen langstengeligen idiomorphen Quarz- 
kriställchen durchspickt wird ; sie führen zonare Einschlüsse 
der Kalkgrundmasse (Djebel Jussef) ; Wechsel von weißem Kalk- 
stein mit braunem mit merkwürdigen spießigen und röhrenför- 



— 147* — 

migen Bleiglanz - Durchwachsungen quer zu den Schichten 
(Hallouf) usw. Vom Kyffhäuser unter anderem Kupferschiefer, 
Sanderz überlagernd, das Eisen- und Kupferkieskugeln führt. 
Aus Naumanns mikroskopischer Untersuchung geht hervor, daß 
das Erz durch Verdrängung von Gerollen (also nicht „syngenetisch") 
entstanden ist ; die Metallösung ist von der Kluft zwischen 
Kupferschiefer und Sanderz aus infiltriert. Stufen des Bleierz- 
ganges von Gampel in der Schweiz zeigen nach Naumann die 
Umwandlung von Sericitschiefer in Bleiglauz. Weitere Serien 
stammen aus der Beuthener Mulde, von Imsbach am Donners- 
berg, von der Lahn, von Clausthal, Raibl, Laurion (Calamin, 
Fluorit, Bleiglanz, Calcit, Azurit, Malachit, Gips), Kleinasien 
(Aintab imd Arkhavi), Algier, Australien und anderen Gebieten, 
ferner besonders interessante Stücke aus Nordschweden (Nau- 
tanen) und von den Lofoten. Ein ausführlicher Katalog mit 
Notizen über das Auftreten der Erze und für deren Genesis 
wichtige Beobachtungen erhöht den Wert der ausgezeichneten 
Sammlung, der auch mikroskopische Präparate beigefügt sind. 
Von ganz hervorragender Schönheit und Beweiskraft sind durch- 
sägte Stücke, zum Teil mit geschliffener und polierter Oberfläche. 

Prof. Dr. Nies, Mainz: 2 Amethystkugeln mit Licht- 
kreisen. 

Die Erben des Konsuls Joh. Aug. Parrot (Sydney): 
Opale von Queensland in kieseligem Eisenstein, darunter ein 
fast faustgroßes Stück Edelopal mit prächtigem streifigen Farben- 
spiel („Flammenopal") und ein etwa nußgroßes Stück mit 
wunderbar leuchtenden grünen und blauen Streifen ; ferner 
Chalcedone und 7 Proben von Seifenzinn aus demselben Gebiet 
nebst 4 Stückchen Goldquarz aus Nordsüdwales, einem Fluß- 
gerölle und einem Bergkristallfragment. 

Ingenieur Paul Prior: ein Standglas mit den Salzen 
der Lagerstätte von Westeregelu und eine ausgezeichnete Dioptas- 
stufe vom Mindouli am Kongo; die herrschenden Flächen der 
kleinen Kristalle sind °c P2 und — V 2 R- Auch die 7. Auflage 
von „Plattners Probierkunst mit dem Lötrohr" verdankt die 
Sektionsbibliothek Herrn Prior. 

Rudolf Selig mann: eine sehr große Anzahl ge- 
schliffener guter Granaten, Malachite, Chalcedon, Hämatite 
(Blutsteine), Korallen, 1 Rauchquarz, 3 Amethyste; 2 „Topase" 

10* 



— 148* — 

erwiesen sich als Glas, als welche sie Herr S. selbst im Ver- 
dacht hatte. 

Direktor Spiegel, Messel, durch Dr. Drevermann : 
Messelit auf Braunkohle, ein gutes Stück. 

Frau Professor Z i e g 1 e r aus dem Nachlaß ihres Gemahls : 
eine Platinschale im Gewicht von 40 g, ein Platintiegel (10 g) 
und Drähte, Löffelchen, Spatel, Bleche aus Platin; eine Silber- 
schale; ferner Kochflaschen, Bechergläser, Säureflaschen etc. 
nebst einer chemischen Wage für gröbere Bestimmungen. 

Tausch: P. Becker, Stralsund, gegen Devonpetrefakteu 
eine Strontianitstufe mit wohlausgebildeten m P und 2 m Poe. 

Geheimrat Prof. Dr. G. Steinmann, Bonn, mehrere Nephrite 
aus Ligurien gegen ein geschliffenes Gesteinsstück von Vocken- 
hausen, das den Übergang von Quarzporphyr in Sericitschiefer 
zeigt. 

Auf seiner italienischen Studienreise, die der Unterzeichnete 
der Güte der Gesellschaft verdankt, hat er Gesteine und 
Mineralien bei Bellinzona, am Luganer- und Comersee, in den 
Enganeen, Albanerbergen, auf dem Vesuv und in den phle- 
gräischen Feldern, beiCampiglia maritima und auf Elba gesammelt. 

Kauf: Broggi' sehen Buchhandlung in Neapel: einige Bilder 
der Vesuveruption 1906. 

W. Kleutgen, Beuel a. Rh.: eine größere Serie der 
durch F. Zirkels Untersuchungen über „Urausscheiduugen" so 
bedeutsamen Einschlüsse in Basalt des kleinen Finkenbergs 
bei Bonn. 

Dr. F. Krantz, Bonn: Eruptivgesteine und Sedimente zur 
Ergänzung der Schausammlung. 

Pule in Portoferraio (Elba) eine große Schaustufe eines 
pegmatischen Gaugstücks mit zahlreichen Turmaliuen von der 
Grotta Docci bei S. Piero auf Elba. 

Vesuvführer Sann in o in Resina: Tenorit und andere 
Vesuvmineralien. 

Steinindustrie-Aktiengesellschaft in Reichenbach i. 0.: eine 
Serie technisch verwendeter Hartsteine und Marmore, erstere 
zum größten Teil aus dem Odenwald. Die Handstücke sind so 
zugerichtet, daß eine rechteckige polierte Fläche von einem 
roh zugeschlagenen Rahmen umgeben wird. 

Prof. Dr. W. Schauf. 



— 149* — 

IV. Geologisch-paläontologische Sammlung. 
1. Säugetiere nnd Vögel. 

Geschenke: Bankdirektor A. G w i n n e r , Berlin : Schädel 
und Unterkiefer von Titanother ium aus dem Untermiocän der 
Bad lands (Dakota); Gipsabguß des Schädels und Unterkiefers 
von Dinotherium giganteum Kaup ans dem Pliocän von Eppels- 
heim. 

Förster Schneider, Kühkopf bei Erfelden: Humerus von 
Bos, aus dem Rhein gebaggert. 

F. Speidel, Insel Thasos (Türkei): Knochenreste eines 
Ungulaten, darunter ein gut erhaltener Unterkiefer, deren 
Präparation noch nicht vorgenommen werden konnte, aus dem 
Jungtertiär (Pliocän?) der Insel Thasos. 

A. Lind heimer: Schädel von Rhinoceros antiquitatis 
Blumenbach, 2 Stoßzähne von Elephas primigenius Bl. und Stirn 
und Hornzapfen eines Schädels von Bison priscus Bojanus, sämt- 
lich aus dem Diluvium von Sibirien. 

Direktor J. Wankel, Ringofenziegelei Rödelheim: Mam- 
mutstoßzahn aus dem Diluvium von Rödelheim. 

Dr. H. v. Mettenheime r: Stirnregion und Hornzapfen 
eines Schädels von Bos primigenius Bojanus aus dem Siethener 
See bei Ludwigsfelde (Mark Brandenburg). 

0. Emmerich: Ein Raubtierkieferchen , eine sehr gut 
erhaltene Unterkieferhälfte von Tapirus helveticus v. Meyer, die 
das im Vorjahre erworbene Stück vorzüglich ergänzt, eine größere 
Anzahl Kuochenreste und zum Teil sehr gut erhaltene Zähne 
von Aceratherium croiseti Pomel, sowie Reste anderer Säugetiere 
aus den Hydrobienschichten von Budenheim bei Mainz. 

Fräulein F. und G. B o u r g i g n o n (aus dem Nachlaß ihres 
Bruders): Mehrere Zähne von Elephas, Equus und Bos. 

F. Gaurn, Heidelberg : Einige Wirbeltierreste von Mauer, 
darunter ein guter Eckzahn von Sus scrofa L. 

Apotheker Geißler, Rees a. Rh. (durch Sanitätsrat Dr. 
Küppers): Molar von Elephas antiquus Falconer und ein 
Wirbelkörper von Elephas. in der Nähe von Rees aus dem Rhein 
gebaggert. 

Sanitätsrat Dr. Küppers: Molar von Elephas primigenius Bl. 
aus dem Rhein in der Nähe von Rees gebaggert. 



— 150* — 

Deutsche Pilco mayo-Expedition (durch Geh. Med. 
Rat Prof. Dr. von Hausemann): Mastodon andium Cuvier (Stoß- 
zähne, zahlreiche Molaren, Unterkieferast und Zähne, Unter- 
kieferfragmeute, Epistropheus. Calcaneus, Kreuzbein), Lestodon sp. 
(Unterkieferfragmente, Zähne, 2 Tibia, Kralleu, Epistropheus- 
Fragment), Glyptodon (Schädelreste, Unterkieferfragmente, Zähne, 
Schwanzwirbel, zahlreiche Panzerstücke) und Equus (Unter- 
kieferfragmente, Zähne), sämtlich aus dem Tale von Tarija, 
Bolivien. 

Stud. rer. nat. W. Wenz: Vorderzahu von Castor fiber L. 
aus dem Moor am Kettenhofweg, Läugsknochen aus den oberen 
Cerithienschichten vom Mühlberg in Sachsenhausen. 

K. Fischer: Unterkieferast mit Eckzahn uud vorderstem 
Prämolar eines kleinen Raubtieres und ein Vogelknochen aus 
den Hydrobienschichten von Budenheim. 

Stadt. Wasen meiste r ei: Einen ungarischen Ochsen 
zum Skelettieren (zum Vergleiche mit fossilen Ochsenresten.) 

Tausch: Dr. F. Krantz, Bonn a. Rh. : Gipsabguß des 
Schädels und Unterkiefers von Machairodus neogaeus (Lund) aus 
dem Diluvium vou Minas Geraes, Brasilien (Original im British 
Museum). 

Nat ional Museum, Washington: Modell eines vollstän- 
digem, freimontierten Zeuglodon-Skeletts. Die Länge des Stücks, 
welches auf der Weltausstellung in BuSalo ausgestellt war, be- 
trägt I6V2 Meter; das Originalmaterial wurde in den Kreide- 
schichten von Alabama gesammelt. 

H. Philip psen, Flensburg: Cetaceeuwirbel und -Knochen 
aus dem miocänen Glimmerton von Gramm (Schleswig). 

Geologisch -paläontologische Sammlung des 
bayerischen Staates in München: Mehrere Stücke von 
Ober- und Unterkiefer nebst Calcaneus, Astragalus und Patella 
von Arsinoitherium zitteli Beadnell, mehrere Ober- und Unter- 
kieferstücke von Palaeomastodon beadnelli Andrews und linker 
Unterkieferast von Ancodus sp., sämtlich aus dem ägyptischen 
Eocän (Fajum). 

Kauf: Comptoir geologique suisse, Genf: Molar 
von Mastodon angustidens Cuvier aus dem Miocän von Sansan, Gers. 

Dr. J. Dewitz, Scy Moulin, Elsaß: Größere Anzahl von 
kleinen Säugetierresten aus dem Alttertiär des Quercy. 



— 151* — 

Stadt. Museum, Genf (durch Prof. B e d o t ) : Gipsabgüsse 
der Extremitäten eines Glyptodontiden, zum Zweck der Mon- 
tierung unseres Gtyptodon- Panzers. Die Abgüsse wurden freund- 
licher Weise für unser Museum eigens angefertigt. 

Unterkiefer von Dremotherium mit sämtlichen Zähnen, so- 
wie Einzelzähne von Aceratherium aus den Hydrobienschichten 
von Budenheim bei Mainz (durch K. Fischer). 

Fräulein E. Blothner zeichnete eine Skizze des Kopfes 
von Machairodus, um den Gebrauch der monströs entwickelten 
Eckzähne des Oberkiefers zu zeigen. 

Für die Schausammlung wurden folgende Bilder vom Ameri- 
can Museum of Natural History. New York, erworben: 
Oxyacna lupina Cope (Skelett und Rekonstruktion), Machairodus 
(Rek.), Titanotherium (Sk. und Rek.), Uintatherium (Rek.), Mega- 
ceros euryceros Aldrov. (Rek.), Phenacodus primaevus Cope (Sk. 
und Rek.), Eohippus (Sk.), Mesohippus (Sk.) xm&Equns (Diluv., Sk.). 

Bildhauer Kratz modellierte (mit Erlaubnis von Prof. 
Hausmann) das Gegenstück zu unserer Schaufel von Alces 
latifrons Johnson, so daß ein komplettes Geweih dieses gewaltigen 
Elchs aufgehängt werden konnte. 

Wissenschaftliche Benützung: Dr. H. G. S t e h 1 i n, 
Basel, sandte die entliehenen Zähne aus dem Eocän von Ober- 
buchsiten, Heidenheim und Buchsweiler nach erfolgter Bearbei- 
tung zurück. 

2, Reptilien uud Batrachier. 

Geschenke: Hofrat R. Blezinger, Crailsheim: Eine 
größere Anzahl von Coprolithen aus dem Muschelkalk-Bonebed 
von Crailsheim. 

Bankdirektor A. G wi n n e r, Berlin: Fährtenplatte („Ichnium 
sphaerodaäylum tambacensc Pabst") aus dem Rotliegenden von 
Tambach (Thüringen). 

0. Emmerich: Schildkrötenreste aus dem Untermiocän 
von Budenheim bei Mainz. 

K. Fischer: Schildkrötenreste aus dem Untermiocän des 
Palmengartens. 

Tausch: Dr. F. K r a n t z , Bonn a. Rh. : Gipsabguß des 
Schädels von Mastodon sau ras giganteus Jaeger aus der Letten- 
kohle (Keuper) von Gaildorf in Württemberg (Original im Museum, 



— 152* — 

Stuttgart), sowie des Schädels von Placodus gigas Agassiz aus 
dem Muschelkalk von Bayreuth (Original im British Museum, 
London). 

H. Menge, Alfeld (Leine): Eine Anzahl Saurierzähne aus 
dem Korallenoolith von Marienhagen, dem Serpulit von Thiiste 
und dem Portland von Holzen am Hils. 

American Museum o f N a t u r a 1 H i s t o r y, New York : 
Gipsabguß des Originals von Stereosternum tumidum Cope, 16 
Abgüsse von Skeletten und Einzelteilen von Mesosaurus brasi- 
liensis Cope, sämtlich aus dem Perm von Sao Paulo (Brasilien). 

Kauf: Ein vollständiges Exemplar von Keraterpeton crassum 
Fritsch aus der Gaskohle von Nyran, Böhmen (Permocarbon) 
(durch Dr. J. Peruer, Prag). 

Zwei Schildkrötenpanzer, darunter ein recht gut erhaltener 
und weitere Schildkrötenreste aus dem Rupelton von Flörsheim. 

Vom American Museum of Natural History, New 
York, wurden folgende Bilder für die Schausammlung erworben : 
Tylosaurus dyspelor Cope (Sk. und Rek.), Compsognathus (Rek.), 
Allosaurus (Rek.), Diplodocus (Rek.) und Triceratops (Rek.). 

Frl. E. Blothner zeichnete Bilder von Ichthyosaurus und 
einem großen Flugsaurier (Rekonstruktionen) für die Schau- 
sammlung. 

Wissenschaftliche Benützung: Dr. W. Janen seh, 
Berlin, sandte die Schlangenwirbel aus dem Mitteleocän des 
Fajum (E. Stromer, S. 1903) zurück (Typen zu Pterosphenus 
s ch ic ein f mihi Andrews, Archiv für Biontologie Bd. I, Taf. 26). 

Die von B. Hauff, Holzmaden, neu präparierten Jura- 
saurier wurden sämtlich zurückgesandt (Bericht 1906). 

3. Fische. 

Geschenke: Lehrer Ph. Conrad: Eine prächtige Rupel- 
tonplatte mit mehreren Meletten von Bodenheim bei Mainz. 

M. Lindley: Spaniodon blondeli Pictet aus der oberen 
Kreide des Libanon. 

Dr. H. v. Mettenheim er: Fischabdruck aus dem Platten- 
schiefer von Glarus. 

H. Roos: mehrere vorzüglich erhaltene Ptychodus-Ziiluie, 
sowie ein Otodus-Z>&\m aus der oberen Kreide von Groschowitz 
bei Oppeln. 



— 153* — 

Fräulein F. und G. Bourgignon (aus dem Nachlaß ihres 
Bruders): Gut erhaltener Stachelflosser aus dem Eocän des 
Monte Bolca bei Verona. 

Tausch: Generalmajor z. D. Crudup, Blankenburg am 
Harz : Orthacodus sp. aus der oberen Kreide von Blankenburg. 

H. Menge, Alfeld a. d. Leine: Zähne und Schuppen von 
Pycnodonten aus dem Korallenoolith von Marienhagen, dem 
Serpulit von Thüste, dem Portland von Holzen und Duingen 
am Hils. 

H.Baum a nn, Bremen: Lamm contortldens Agassiz aus 
dem Obermiocän von Hassendorf, Hannover. 

H. Philippsen, Flensburg: Haizähne und Wirbel aus 
dem miocänen Glimmerton von Gramm (Schleswig). 

0. Wiedhan, Vechelde bei Braunschweig: Pycnodonten- 
gebiß aus dem Serpulit von Thüste am Hils. 

Kauf: Zahlreiche Fischreste aus dem Rupelton von Flörs- 
heim, darunter ein Gebiß von Spliyraenodus und ein ganzes 
Exemplar eines von dort unbekannten großen Fisches. 

Fräulein E. Bio Um er zeichnete ein Bild von Cephcdaspis 
(Rek.) für die Schausammlung. 

Wissenschaftliche Benützung: Prof. Dr. G. de 
Alessand ri, Mailand, erhielt zur Bearbeitung unser gesamtes 
Material an Fischen der Trias aus der Umgegend von Varenna 
(27 Exemplare von Perledo, E. Rüppel S. G. 1850, darunter die 
Typen von Heptanema paradoxa Bellotti, Attolepidotus nothoso- 
moides Deecke, „Semionotus" altölepis Deecke, Archaeosemionotns 
conncdens Deecke, Ophiopsis Upturns (Beil.), Pholidophorus ob- 
longus (Bell.) und Prohcdecites porro (Beil.); 3 Exemplare von 
Varenna (W. Kobelt S. 1898) und 7 Gips-, resp. Schwefelabgüsse 
von Perledofischen). 

4. Arthropoden. 

Durch die freundliche Vermittelung von Dr. J. Pern er, 
Prag, war es möglich, eine Anzahl ausgezeichneter Trilobiten 
aus dem böhmischen Paläozoicum zu erwerben und eine große 
Lücke unserer Sammlung etwas auszufüllen. 

Geschenke: Redakteur H. König, Heidelberg (durch 
F. Gaurn): Pempläx sueuri (Desmarest) aus dem Muschelkalk. 



— 154* — 

Geologe Dr. Schmidt, Berlin: Zwei Abgüsse von Cry- 
phaeus atavus Schmidt (Typen aus dem Unterdevon des Sieger- 
landes). 

M. Lind ley: Entomis serratostriata Sandberger aus dem 
Oberdevon des Rammeisberges bei Goslar. 

Prof. Dr. F. R i ch t e r s : Mehrere Dromiopsis rugosa (Schlot- 
heim) aus dem Kalk von Faxoe (oberste Kreide). 

Tausch: Museo de la Plata, La Plata : Estheria 
mangaliensis aus dem Rät von Cachenta (Argentinien). 

South African Museum, Kapstadt: Homalonotus her- 
scheli Murchison, H. sp. und Cryphaeus caffer Salter aus den 
Bokkeveld-Schichten (Unterdevon) des Kaplandes. 

Lehrer A. Franke, Dortmund: Cythere serrulata Bosquet, 
C. ornaüssima (Reuß), Bairdia subdeltoidea (Münster) und Cythe- 
rella ovata (Roemer) aus dem Untersenon (Emscher Mergel) von 
Dortmund. 

0. Wiedhan, Vechelde bei Braunschweig: Cypris-Ksdk 
aus dem Wealden von Egestorf am Deister. 

Fachlehrer J. Michel, Bodenbach a. d. Elbe: Vorzüglicher 
Trinucleus ornatus Sternberg aus dem Untersilur von Vinice, 
Böhmen. 

Kauf: Verschiedene Sammler: Paradoxides S2)inosus 
(Boeck), P. bohemicus (Boeck), Sao hirsida Barrande, Illaenus 
Katzeri Barr., I. salteri Barr., Calymene declinata Corda, Plaeo- 
paria zippei (Boeck), Trinucleus ornatus (Sternberg), T. reussi 
Barr., Acidaspis buchi Barr., Aeglina princeps Barr., Cyphaspis 
burmeisteri Barr., Harpes ungula (Sternberg) und Lichas palmata 
Barr., fast sämtlich vollständige Exemplare, alle für die Schau- 
sammlung (durch Dr. J. Pern er, Prag). 

Mineralien - Conto r, Heidelberg : Isophlebia aspasia 
Hagen und Aeger tipidariiis Schlotheim aus dem weißen Jura 
von Solnhofen, 2 Encrinurus punctatus Emmrich aus dem Ober- 
silur von Dudley, für die Schausammlung. 

Wissenschaftliche Benützung: G. Ulmer, Ham- 
burg, erhielt 27 Trichopteren aus dem Bernstein des Samlandes 
zur Bearbeitung, darunter den Typus von Tinodcs grossa Hagen ; 
außerdem zwei weitere Hagensche Typen und ein Bernstein- 
insekt. 



— 155* — 

Dr. K. ör ön wall, Kopenhagen, erhielt unser Material 
an kambrischen Trilobiten aus Schweden zur Bestimmung, bereits 
zurückgesandt. 

Prof. Dr. J. Lörenthey, Budapest, erhielt zur Bestim- 
mung unser Material an eocänen Krabben aus dem Mokattam 
bei Kairo (E. Rüppell, A. Andreae und E. Stromer S.). 

5. Mollusken. 

Geschenk: Fräulein E. Götzger, Lindau: Bruchstück 
eines Ammoniten vom Südabhang des Churfirsten (Direktor 
Träger S.), 

Dr. G. Dahmer, Höchst: Carydium sociale Beushausen, 
var. carinata Maurer von Neuweilnau (Unterdevon). 

M. v. Gosen: Lobenstück eines sehr großen Ammoniten. 

Dr. CG. du Bois: Eine Anzahl Tertiärversteinerungen 
von der Rambla de Zamorra bei Mazarron, Prov. Murcia, 
Spanien; daruuter besonders große Ostreen, Spondylus, Area etc. 

Prof. Dr. 0. Koerner, Rostock: Pecten sp. und zwei 
gute Belemnitella mucronata (Schlotheim) aus der oberen Kreide 
von Rügen. 

M. Lind ley: Cardioceras lamberti (Sowerby) aus dem 
Oxford-Ton von Weymouth (Eugland) ; Ostrea sp. aus der Kreide 
von El Kantara, Algier; Inoceramus sp. aus der oberen Kreide 
vom Petersberg bei Goslar am Harz. 

Prof. Dr. F. Richters: Mehrere Mollusken aus einem 
sog. Sternberger Kuchen (Ober-Oligocän) von Laboe. 

H. Roos: Doppelschalige Gryphaea sp. aus Jura-Ton von 
Buccari b. Fiume; Spondylus spinosus (Sowerby) mit Stacheln 
aus der oberen Kreide von Groschowitz bei Oppeln. 

Ingenieur F. Kinkelin: Eine sehr große Sammlung 
prachtvoller Ammoniten, Belemniten und Zweischaler aus dem 
oberen Jura von Deutschostafrika, beim Bahnbau Daressalaam- 
Morogoro, 139 km von Daressalaam, vom Geber gesammelt. 

Fabrikbesitzer A. Kuhns cherf, Dresden: Zahlreiche Ino- 
ceramus striatus Mantell, Pecten phaseolus Lamarck, P. acuminatus 
Geinitz, Ostrea carinata Lam., Exogyra columba Lam. und Acan- 
thoceras mantelli Sowerby aus dem Cenoman (Quadersandstein) 
des Elbtalgebirges ; Lima canalifera Goldfuß, Pinna cretacea 
Schlotheim, P. decussata Goldf., Inoceramus labiatus Schi, und 



— 156* — 

Acanthoceras woolgari Mant. aus dem Turon (Ober-Quader) des 
Eibtales. 

Dr. J. De wit z, Scy-Moulin, Elsaß: Eine zweite Sendung 
pliocäner Meereskonch3 r lien von Ventimiglia bei Castel d'Appio 
und von Biot b. Antibes (Alpes maritimes). 

K. Fischer: Einige Conchylien aus dem Eocän des Valle 
del Lavacille bei Bassano (Oberitalien). 

L. Epstein: Aegoceras jarnesoni (Sowerby) und Coeloceras 
pettos (Quenstedt) aus dem schwarzen Jura von Kirchheim, 
Arietites rotiformis (Sow.) ; A. spiratissimtis (Qu.), Lima gigantea 
Sow. und Pholadomya glabra Agassiz von Vaihingen ; Turritella 
sp. aus der Mollasse vom Belpberg b. Bern. 

Stud. med. H. A. Zeiß: Einige Ammoniten und Zwei- 
schaler aus dem weißen Jura von Regensburg. 

M. Cossmann, Paris: Sycam bulbi forme Lamarck, 8. bul- 
bus (Solander), S. pirus (Sol.), Cassis cancellata Lam., Cassidaria 
earinata Sol., Cerithium tuberculosum Lam. und C. mutabile Lam., 
sämtlich aus dem Eocän des Pariser Beckens. 

Tausch: Museo de la Plata, La Plata : Orthoceras 
sp., Maclurites avellanedae Kayser und M. sp. aus dem Unter- 
silur von Nequivil (Prov. San Juan, Argentinien); Harpoceras 
sp., Perisphinctes verrucosus Oppel und zahlreiche schlecht er- 
haltene Fossilien aus dem schwarzen und braunen Jura von 
Arroyo bianco und dem braunen Jura vom Espinazito Paß 
(Prov. San Juan). 

Lehrer H. Baumann, Bremen-Gröpelingen : Inoceramus 
cripsi Mantell, Pecten trigeminatus Goldfuß, Gryphaea reticularis 
Lamarck, Pholadomya umbonata A. Roemer, Vola striatocostata 
Goldfuß, Cardium sp., Pleurotomaria linearis Mant., „Delphinula il 
tricarinata Roem., Trochus laevis Nilsson, Nassa? sp., Belemnitella 
mucronata (Schlotheim) und Nautilus sp. aus der oberen Kreide von 
Haldem und Lemförde in Westfalen ; Pleurotoma rotata Brocchi, 
P. obeliscus Desmarest, P. steinvorthi Semper, P. cataphracta 
Brocchi, P. duchasteli Nyst, P. incerta Bellotti, P. bodei Koenen, 
P. hosiusi Koenen, P. turricula Brocchi, P. semimarginata 
Lamarck, P. pannus Basterot, P. trifasciata Homes ('?), P. 
porrecta Wood, P. coronata Goldfuß, P. selenkae Koenen, P. 
maitreja Semper, P. sp., Borsonia uniplioaia Nyst, Nassa bochol- 
tensis Beyrich, N. baccata Basterot, N. tenuistriata Beyrich, N. 



— 157* — 

sp., Conus antediluvianus Dujardin, C. dujardini Deshayes, 
Bulla utriculus Brocchi, B. sp., Mitra scrobiculata Brocehi, Fusus 
attenuatus Phillips. F, festivus Beyrich, Ringicula auriculata 
Men., Cancellaria subangulosa Wood, Cerithium spina Pai'tsch (?), 
Terebra hoernesi Beyrich, T. acuminata Borson, Pyramidella 
plicosa Broun, Typhis schlotheimi Beyrich. T. horridus Brocchi, 
Valuta bolli Koch, Aporrhais alata Eichwald, Columbella nassoides 
Grateloup, Natica alderi Forbes, N. plicatella Bronn, N. helicina 
Brocchi, Rissoa laevigata Koenen, R. partschi Hoernes, Scalaria 
vilandti (Mörch), S. costellata Grateloup, Solarium obtusum Brown, 
Adeorbis praecedens Koenen, Astarte concentrica Goldfuß, A. 
angulata Lehmann, Corbula gibba Olivi, Cardita ckamaeformis 
Goldfuß, Venus multilamellosa Nyst, Limopsis aurita Brocchi, 
L. anomala Eichwald, L. lamellaia Lehmann, Card/um papil- 
losum Poli (?) und Leda westendorpi Nyst, sämtlich aus dem 
Miocän von Rehrssen, Berseubrück und Hassendorf (Hannover). 
Lehrer A. Franke, Dortmund: Aviculopecten papyraceus 
M'Coy und Thalassoceras atratum Goldfuß aus der Gaskohlen- 
partie der Zeche Hardenberg bei Dortmund (Hangendes von 
Flötz Katharina). 

J. Gorges, Düsseldorf: Muschel- und Schneckenstein- 
kerne (Brauneisenstein) aus dem Oberoligocän von Erkrath bei 
Düsseldorf. 

P. Becker, Stralsund: Eine größere Anzahl Stettiner 
Kugeln (mitteloligocän) mit Mollusken-Steinkernen (besonders 
Fusus vnultisulcatus Nyst); einige Mollusken aus dem Miocän 
von Podolien. 

Dr. G. Da hm er, Höchst: Mehrere Ammoniten und Zwei- 
schaler aus dem braunen Jura von Gerzen am Hils. 

M. Michalet, Toulon (Var): Myophoria (4 Arten mit der 
Bitte um Bestimmung, Muschelkalk, Toulon), Lima (4 sp., dg].), 
Avicula contorta Portland (Rät, Toulon), Lima duplicata Sowerby 
(Lias, Cuers, Var), Mytilus thiollierei Dumortier (desgl.), Pedcn 
aequivalvis Sowerby (Lias, Toulon), P. pumilus Lamarck var. 
(desgl.), Plicatula reynesi Coquand (Cenoman, Toulon), Ostrea 
flabella d'Orbigny (Cenoman, Fieraquet), 0. spinosa Matheron 
(Senon, la Cadiere, Var), Cardita lybica Zittel (Senon, Kef Matrak, 
Algier), Crassatella galloprovincialis Math. (Senon, le Castellet, 
Var), C. orbicularis Math, (desgl.), Cerithium reticosum Sowerby 



— 158* — 

(Senon, St. Cyr, Var), Cassiope renauxi d'Orbigny (Senou, le 
Beausset, Var), C. coquandi Zekeli (desgl.), Nerita fourneli Co- 
quaud (Senon, les Tamarins, Algier); Perisphinctes crotalinus 
Siemiradzki (Oxford, Rians, Var), P. oblique-plicatus Waagen 
(desgl.), Phylloceras tortisulcatum Orbigny (Oxford, Varages, Var), 
Hoplites (?) dufresnoyi Orb. (Aptien, Apt, Vaucluse), Tissoüa 
tissoti, Bayle (Senon, Medjes el Foukani, Algier), Rhynchoteuthis 
camcrae Dumortier (Oxford, Rians), Belemnites pistil/if ormis 
Blainville (Neocom, Comps, Var), B. minimus Lister (Gault, la 
Palud de Moustier, Basses- Alpes). 

Generalmajor z. D. Crudup, Blaukenburg a. Harz: Nau- 
tilus laevigatas Sowerby, N. leiotropis Schlüter, N. sp., Schloen- 
bachia varians (Sowerby), Scaphites geinitsi Orbigny, Belemnites 
granulatus Sow., Inoccramus koencni G. Müller, I. planus 
Haenlein, I. gibbosus Schlüter, I. cripsi Mantell, I. undulatus 
Mantel], I. cuvieri Sowerby, I. labiatus Schlotheim, I. cardissoides 
Goldfuß, /. sublabiatus G. Müller, I. aff. involutus Sowerb} r , 
/. sp., Mutiella sp., Lima hoperi Mantell, L. canalifera Gold- 
fuß, Isocardia cretacea Goldfuß, Cardium productum Sowerby, 
Panopaca gurgitis Brongniart, Östren sidcata Blumenbach, Crassa- 
tella arcacea Roemer, Cucullaea sub glabra Orb., Liopistha aequi- 
valvis Goldfuß, Pecten virgatus Nilsson, Pectunculus dux Böhm, 
Tapes subfaba Orb., Spondylus spinosus Sow., Venus goldfussi 
Roem., Avicula glabra Reuß, Cytherea ovalis Goldf., Tellina sub- 
decussata Roemer, Goniomya consignata Roemer, Pinna decussata 
Goldf., Natica brunsvicensis Roemer, N. acutimargo Roemer, 
N. vulgaris Reuß, Fusus Jcoeneni Böhm, F. coronatus Roemer, 
Voluta subsemiplana Orb., Scalaria decorata Roemer, Aporrhais 
mcgaloptera Reuß, A. granulata Sowerby, sowie mehrere unbe- 
stimmte Zweischaler aus der oberen Kreide von Blankenburg 
am Harz; Acanthoceras cornuclianum Orb. und A. milktianum 
Orb. aus dem Gault von Algermissen, Hoplites deshayesi Sow. 
aus dem Gault von Fimmern bei Börssum und Exogyra couloni 
Orb. aus dem Neocom von Oker. 

Fabrikbesitzer P. Bamberg, Berlin-Friedenau: Phylloceras 
serum Oppel, P. calypso Orbigny, P. tethys Orb., P. scmisulcatum 
Orb., Hoplites neocomiensis Orb. und Lissoceras grasi Orb. aus dem 
Valanginien von Chichillianne (Isere) ; Hoplites chaperi Pictet aus 
dem Tithon von Aizy (Isere) ; Requienia ammonia Goldfuß, Mono- 



— 159* — 

pleura varians Matheron, M. urgoniensis Math., Mather onia semi- 
rugata (Math.), M. yryphoidcs (Math.) uud Toucasia lonsdalei 
Sowerby aus dem Urgonien von Orgon (Rhone); Turrilitcs puzosi 
Orb. aus dem Cenoman von la Fange (Isere). Außerdem eine 
Serie prachtvoll erhaltener Muscheln und Schnecken aus dem 
oberen Jura (Sequanien) von Cordebugle (Normandie), deren 
exakte Bestimmung erst nach dem Erscheinen einer in Arbeit 
befindlichen Monographie möglich sein wird. 

H.Menge, Alfeld (Leine) : Zahlreiche Stephanoceras blag- 
deni (Sowerby), Sonninia sowerbyi (Miller) und Sphaeroceras macro- 
cephalum (Schlotheim) aus der Tongrube Warzen bei Alfeld (oberer 
brauner Jura), einige Ammoniten von Gerzen bei Alfeld, Vola 
quadricostata Sowerby, Alectryonia diluviana (L.) und Pleurotoma- 
ria plana Goldfuß von Bültum bei Peine (Kreide). 

C. Boettger: Eine größere Anzahl bestimmter Conchylien 
aus dem Eocän und Miocän Frankreichs. 

Lehrer J. Philipp sen, Flensburg: Conchylien aus dem 
miocänen Glimmerton von Gramm (Schleswig), meist vorzüglich 
erhalten. 

Fachlehrer J. Michel, Bodenbach (Böhmen): Cladiscites 
er assestr iatus Mojsisovics, Monophyllites patens Mojs. vom Rötel- 
stein bei Aussee, Rhacophyllites debilis Mojs. von Leistung, 
Joannites klipsteini Mojs. vom Sommeraukogel, Megaphyllites in- 
sectum Mojs., Arcestcs biceps Mojs., Placites myophorum Mojs. vom 
Taubenstein bei Gosau (sämtlich aus der oberen alpinen Trias). 

South African Museum, Kapstadt: Cypricardella sp. 
und Conularia sp. aus den Bokkeveld-Schichteu (Unterdevon) 
des Kaplandes. 

Kauf: Comp toir geologique, Genf : Crioceras elegans 
Koenen aus der unteren Kreide von Hildesheim und Sphaeru- 
lites dilatatus Desmarest aus dem Senon von Gilbert (Charente), 
beide für die Schausammlung. 

Mineralien-Contor, Heidelberg : Conularia pyramidata 
Deslongchamps uud Modiomorpha armoricana Bigot aus dem 
Untersilur von May (Calvados). 

Verschiedene Sammler: Orthoceras potens Barrande 
(angeschliöen), O.bohemieum Barr., Phragmoceras callistoma Barr., 
P. broderipi Barr., Oomphoceras cylindricum Barr., O. robustum 
Barr., Cyrtoceras geinitxi Barr., Nautilus tyrannus Barr, und 



— 160* — 

Ascoceras murchisoni Barr, aus dem böhmischen Obersilur (durch 
Dr. J. Peru er). 

Prof. Dr. F. Winter fehl, Mülheim am Rhein: Zahlreiche 
Exemplare von Eunema armata (Goldfuß), Bellerophon striatus 
(Ferussac), Pteurotomaria (Eur y zone) delphinuloides (Schlotheim), 
Agncsia elegans (d'Archiac et de Verneuil), Macrochilina arcu- 
lata (Schlotheim), Murchisonia coronata A. V. und andere Arten 
aus dem Mitteldevon von Paffrath bei Köln und Sötenich (Eifel). 

Zahlreiche Fossilien aus dem Ober- und Mitteldevon von 
Wildlingen. 

Wissenschaftliche Benützung: Stud. rer. nat. 
F. Haas studierte in den akademischen B^erien die Unionen 
des Diluviums und Alluviums aus der Umgebung Frankfurts, 
ganz besonders die von Mosbach bei Wiesbaden. 

Dr. R. Delkeskamp gab die entliehenen Barytfossilien 
von Kreuznach nach abgeschlossener Bearbeitung zurück. 

Dr. Daque, München, erhielt die von Ingenieur F. Kin- 
kelin in Deutschostafrika gesammelte und geschenkte reiche 
Jurafauna zur Bearbeitung. 

Dr. A. Till, Wien, erhielt unser ganzes Material von 
Villany, Ungarn (K. Brandenburg S. G. 1899, 1900), nämlich 
46 Ammoniten und 1 Zweischaler, ferner 12 Cephalopodengebisse 
aus dem Muschelkalk und 22 aus dem Oxford von Chätel Cre- 
suz, Chätel St. -Denis und Schwarzsee zur Bearbeitung. 

Fräulein B. Türk arbeitete jeden Vormittag an der Durch- 
bestimmung unseres umfangreichen Materials aus dem Pariser 
Becken; in zweifelhaften Fällen wurde sie von Professor 
Dr. 0. Boettger freundlich unterstützt. 

6. Brachiopoden einschl. Bryozoen und Würmer. 

Hervorzuheben ist der Ankauf der Brachiopoden-Präparate 
von G. K. Greene, New Albany, die das „Armgerüst" z. T. 
außerordentlich schön erkennen lassen. 

Geschenke: Lehrer T h. Crecelius, Lonsheim ( Rhein- 
hessen): Rensselaeria n. sp. (?) (äff. crassicosta Kayser) aus einem 
Unterdevongeröll von Lonsheim (Rheinhessen). 

Prof. Dr. 0. Ko einer, Rostock: Terebralula carnea Sowerby 
und Rhynchonella sp. aus der oberen Kreide von Rügen. 



— 161* — 

L. Pfeiffer: Rhynchonella sp. aus dem Jura von Copiapo, 
Chile. 

L. Volk: Brachiopoden aus dem Unterdevou vom Landstein 
bei Altweilnau. 

Hütten-Ingenieur P. Prior: Brachiopoden aus dem Mittel- 
devon der Eifel. 

Deutsche Pilcomayo-Expedition (durch Geh. Med.- 
Rat Prof. Dr. v. Hansemann): Zahlreiche Spirifer antarcHcus 
Morris et Sharpe aus dem Unterdevon von Tarija, Bolivien. 

Tausch: South African Museum, Kapstadt: Spirifer 
orbignyi Morris et Sharpe, S. ceres Reed, Leptocoelia flabellites 
Conrad, Cryptonella baini (M. et S.), Chonetes cf. coronatus 
Conr., C. cf. arcei Ulrich und Orthothethes sullivani (M. et S.) 
aus den Bokkeveld-Schichten (Unterdevon) des Kaplandes. 

M. Mich al et, Toulon (Var.): Rhynchonella conti nna 
Orbigny (Bajocien, Toulon), R. sulcata Orb. (Albien, Comps, 
Var), R. lamarcki Orb. (Cenoman, la Bedoule, Bouches du Rhone), 
R. cuvieri Orb. (Cenoman, St. Anne du Castellet, Var), Terebratula 
cf. vulgaris Schlotheim (Muschelkalk, Toulon), T. sarthacensis 
Orb. (Lias, Toulon), T. punctata Sowerby (desgl.), T. infraoolithica 
Deslongchamps (Bajocien, Toulon), T. sphaeroidalis Sow. (Bajocien, 
Puget-Ville, Var), 1. semicanaliculata Schloth. (Oxford, Rians, 
Var), T. kippopus Roemer (Neocom, Comps), T. dutemplei Orb. 
(Albien, Comps), T. praelonga Sow. (Aptien, la Bedoule, Bouches 
du Rhone), T.phaseolina Lamarck (Cenoman, la Palud de Mou- 
stiers, Basses Alpes), Eudesia niedxiciedsläi Szajnocha (Batho- 
nien, Sollies -Toucar, Var); Serpula filiformis Sow. (Senon, La 
Cadiere, Var). 

Generalmajor z. D. Crudup, Blankenburg am Harz: 
Rhynchonella multiformis Roemer, R. plicatilis Orbigny, R. com- 
pressa Sowerb}', R. vespertilio Orb., Terebratula biplicata Sow. 
und T. carnea Sow., sämtlich aus der Kreide des Harzrandes. 

Lehrer H. Baumann, Bremen: Rhynchonella plicatilis 
Sowerby aus dem Obersenon bei Westrup (Westfalen). 

0. Wiedhan, Vechelde bei Braunschweig: Ein gutes 
Handstück Serpulit von Völkensen. 

Kauf: G. K. Greene, New Albany (Indiana): Atrypa 
reticularis (L.), Präparat und Einzelklappen, Athyris lamellosa 
Leveille (Präparat), Spirifer oiveni Hall (Präparat, Einzelklappen 

11 



— 162* — 

und zweiklappige Exemplare), S. granulosus Conrad (desgl.), 
S.audaculus Conrad (Präparat), S. manni Hall, S.eurytines Owen, 
Dielasma formosa (Hall), D. turgida (Hall), D. bovidens (Morton), 
Pentagonia imisidcata (Conrad), Rhynchotrema capax (Conrad) 
und R. tennesseeensis (Roerner), sämtlich aus dem nordamerika- 
nischen Paläozoicum. 

7. Ecbiuodernien. 

Aus der folgenden Aufzählung verdienen besonders die 
vom National Museum in Washington im Tausch erworbenen 
Cystideen hervorgehoben zu werden, die durchweg neu für das 
Museum sind und fast die einzige Vertretung dieser umfang- 
reichen Gruppe bilden. Weiterhin haben die von M. Mi chalet, 
Toulon, und die vom geologischen Museum, Greifswald, resp. 
Dr. F. Schön dor f eingetauschten Echinodermen hohen wissen- 
schaftlichen Wert. 

Geschenke: Verleger E. Span del, Nürnberg: J'eufa- 
crinus sp., Stielglieder aus dem Oligocän von Bolognano b. Arco 
(Südtirol). 

Prof. Dr. 0. Koerner, Rostock: Mehrere Seeigel aus 
der oberen Kreide der Insel Rügen. 

Stud. rer. nat. C. Richters : Präparat von Antedon, Penta- 
crinus-Stadium, für die Lehrsammlung. 

M. L i n d 1 e y : Hemiaster sp. aus der Kreide von El Kantara, 
Algier. 

Prof. Dr. F. Richters: Seeigel aus der obersten Kreide 
von Laboe. 

Bankdirektor A. G winner, Berlin: Eine große geschliffene 
Platte mit durchschnittenem Pentacrinus aus dem schwarzen 
Jura von Holzmaden (Württemberg). 

Fabrikbesitzer A. K ü h n s c h e r f , Dresden : Cardiaster anan- 
chytis Leske aus dem Turon von Pirna. 

Fräulein F. u. G. Bourgignon (aus dem Nachlaß ihres 
Bruders): Chjpeaster sp. aus dem Eocän. 

Tausch: Lehrer A. Franke, Dortmund: Ananchytes 
ovatus Leske aus dem Senon von Hemmaar. 

Hof rat R. Blezinger, Crailsheim: Drei gute Exemplare 
von Aspidosoma loricata (Goldfuß) aus dem oberen Muschelkalk 
von Crailsheim (Württbg.) 



— 163* — 

M. Mi ch a let, Toulon: Cidaris spinosa Agassiz (Oxford, 
Riaiis, Var), C. muricata Roemer (Neocom, La Palud de Moustiers, 
Basses-Alpes), Collyrites ovulum Desor (Neocom, Chateauvieux, 
Var), Dysaster subelongatus Desor (Neocom, Comps, Var), Toxaster 
gibbus Ag. (desgl.), Cidaris pilum Michelin (Albien, la Palud de 
Moustiers), Discoidea decorata Desor (Aptien, Uzes, Var), Oolo- 
pygus bargesi Orbigny (Cenoman, la Bedoule, Bouches du Rhone), 
Holaster suborbicularis Ag. (Cenoman, le Revest bei Toulon), 
Discoidea subuculus Klein (Cenoman, la Bedoule), Linthia (Periaster) 
verneuili Desor (Turon, Toulon), Pentacrinus tuberculatus Miller 
(Lias, Digue, Basses-Alpes), P. cingulatus Münster (Oxford, 
Rians, Var), Eugeniacrinus quenstedti Loriol (desgl.), Balanocrinus 
subteres Münster (desgl.) und B. colloti Loriol (desgl.). Ferner 
aus der Kreide von Algier und Tunis: Discoidea forgemoli Co- 
quand (Cenoman), Echinobrissus batnensis Thomas et Gauthier 
(Cen.), Heterodiadema lybicum Cotteau (Gen.), Hemiaster batnensis 
Coijuand (Cen.), Cyphosoma baylei Cotteau (Turon), Holectypus 
serialis Deshayes (Senon), Orthopsis miliaris Cotteau (Senon), 
Cyphosoma delamarrei Deshayes (Sen.), Hemiaster fourneli Des- 
hayes (Sen.), H. laügrunda Peron et Gauthier (Sen.). 

National Museum, Washington (D. C): Camarocnmis 
stellatus Hall (Obersilur, Cumberland Md.) und C. ulrichi Schuchert 
(Unterdevon , Franks Ind. Terr.) ; Agelacrinus (Lejjidodiscus) 
cincinnatiensis Roemer, A. (L.)püeus Hall, A. (L.) dicksoni Billings 
(Abguß), Cystaster stellatus Hall (Abguß), Hemicystites stellatus 
Hall (1 Ex. und Abguß), Amygdalocystites florealis Billings, 
Lichenocrinus crateriformis Hall, L. affinis Miller und L. tuber- 
culatus Miller aus dem Untersilur, Caryocrinus ornatus 
Say, Pseudocrinites gordoni Schuchert, Sphaerocystites multi- 
fasciatus Hall, S. globularis Schuchert und Jaekelocystis hartleyi 
Schuchert aus dem Obersilur Nordamerikas (darunter mehrere 
Cotypen). 

Von verschiedenen Museen: Abgüsse folgender Ori- 
ginale: Aspidosoma schmidti Schöndorf (Oberdielfen, Siegerland), 
A. petaloides Simonowitsch (Niederlahnstein), A. goslariensis Halfar 
(Harz), Rhenaster schiuerdi Schöndorf (Coblenz), Xenaster mar- 
garitatus Simonowitsch (Niederlahnstein), X, dispar Schöndorf 
(Miellen und Niederlahnstein), X elegans Schöndorf (Königstuhl 
bei Rhense), Ägalmaster miellenensis Schöndorf (Miellen) ; ferner 

11* 



— 164* — 

von Xenaster sp. (Oberstadtfeld) uud Spaniaster latiscutatus 
Sandberger (Oberstadtfeld). 

Dr. F. Schöudorf, Greifswald, fertigte von dem einen 
ausgezeichnet erhaltenen Seestern (Agalmaster intermedins nov. 
gen. nov. sp.) von Miellen a. d. Lahn (F. Drevermann S. 1907) 
mehrere scharfe Abgüsse, gegen welche er für uns die genannten 
Abgüsse aller wichtigen unterdevonischen Seesterne in anderen 
Museen eintauschte. 

Geologisches Institut der Universität Greifs- 
wald: Kautschukabgüsse von : Asterias bohemica, A. primula, 
A. dives, Palaeurella bohemica, Siluraster perfectus, Ophiuraster 
barrandei, 0. petaloides und anderen noch unbestimmten Arten 
aus dem Untersilur Böhmens. Diese Abgüsse sind nach den 
Originalen einer im Erscheinen begriffenen Bearbeitung von 
Ja ekel und Schöndorf von diesem selbst angefertigt. 

Generalmajor z. D. Crudup, Blankenburg: Toxaster com- 
planatus Agassiz, Discoidea cylindrica Ag., Ananchytes ovata 
Leske, Micraster cortestudinarum Goldfuß, M. cor anguinum Ag., 
sämtlich aus der Kreide des Harzrandes. 

Wissenschaftliche Benützung: Verleger E. Spandel, 
Nürnberg, erhielt eigenartige hohle Kalkgebilde aus dem Meeres- 
sand des Lindberges bei Waldböckelheim (0. Boettger und 
F. Kinkelin S.) Er erklärte sie mit Prof. Kinkeliu für Seeigel- 
stacheln, z. T. bestimmt für Stacheln von Biadema. 

Dr. F. Schöndorf erhielt folgende palaeozoische See- 
sterne zur Bearbeitung: Aspidosoma goldfussi n. sp. aus dem 
Unterdevon von Winningen (A. S. Scheidel G. 1857); Kautschuk- 
abgüsse von verschiedenen devonischen Seesternen,darunter befand 
sich ein solcher des verschollenen Originales von Xenaster margari- 
tatus Simonowitsch ex parte (= Agalmaster grandis nov. gen. 
n. sp.); zwei vom Assistenten bei Miellen gesammelte See- 
sterne, von denen der eine als Agalmaster intermedius n. g. n. sp. 
beschrieben wurde, der andere späterer Beschreibung vorbehalten 
bleibt ; Onychaster flexilis Meek et Worthen aus dem Kohlenkalk von 
Crawfordsville (Indiana) (P. Mohr V. 1881) (das einzige Exemplar 
wurde genau präpariert und ergab die bisher unbekannte 
Ventralseite, die später beschrieben werden wird). Alles ent- 
liehene Material wurde zurückgesandt. 



— 165* — 

In den akademischen Ferien beschäftigte sich stud. rer. 
nat. W. Buch er mit der Durchsicht sämtlicher Crinoiden aus 
dem Mitteldevon der Eifel und dem Carbon von Crawfordsville 
(Indiana). 

8. Coelenteraten. 

Geschenke: Prof. Dr.E. Kayser, Marburg: Amplexus sp. 
aus dem Greifensteiner Kalk von Greifenstein bei Herborn. 

Verleger E. S p a n d e 1 , Nürnberg : Polycoella profunda (Ger- 
mar) aus dem Zechstein von Pößneck (Thüringen). 

Prof. Dr. E. Körner, Rostock: Mehrere Einzelkoralleu 
aus der oberen Kreide von Rügen. 

Prof. Dr. F. Richters: Drei große verkieselte Spongien, 
davon die eine prachtvoll erhalten, aus der oberen Kreide von 
Laboe. 

Tausch: Lehrer H. B a u m a n n , Bremen : Parasmilia c<n~ 
tralis Edwards et Haime (?) aus der oberen Kreide von Lem- 
fürde, Fldbellum cristatum E. H. und Ceratotrochus cf. duodecim- 
costatus Goldfuß aus dem Miocän von Rehrßen. 

M. Mi chalet, Toulon (Var.) : Aspidiscus cristatus Edwards 
et Haime (Cenoman, Batna, Algier), GydoUtes undulata Goldfuß 
(Senou, Mazaugues, Var). 

Fabrikbesitzer P. Bamberg, Berlin-Friedenau : Favosites 
gotlandica Lamarck aus dem Obersilur vou Gotland. 

Kauf: Dr. F. Krantz, Bonn, erhielt zum Anschleifen für 
die Schau- und Lehrsammlung Cyathophyllum hexagonum Goldfuß, 
Actinocystis sp. und zwei Syringophyllum Organum L. ; bereits 
zurückgeliefert. 

Wissenschaftliche Benützung: Dr. phil. H. Gerth, 
z. Z. Bonn, erhielt 7 Stücke von Protaraea vetusta E. H. aus dem 
Untersilur von Cinciunati und StyJophora sp. (ohne Fundort); 
diese sowohl, wie das früher entliehene Material (Bericht 1907) 
wurden zurückgesandt. In den akademischen Ferien bestimmte 
er die Korallen der Gosau (obere Kreide). 

Prof. Dr. H. Rauff, Berlin, erhielt zur Bearbeitung Proto- 
spongia mononema aus dem Untersilur von L. Metis (Canada). 

9. Protozoen. 
Tausch: M. Michalet, Toulon, Var: Orbüolina concava 
Lamarck (Cenoman, Comps, Var). 



— 166* — 

Lehrer A. Franke, Dortmund: Haplophragmium irreguläre 
Roemer, Cristellaria tricarinella Reuß, C. rotulata Lamarck, Glo- 
bigerina marginata (Reuß), Textularia globulosa Reuß, Nodosaria 
sippei Reuß, Marginulina ensis Reuß, Gaudryina rugosa Orbigny, 
Bentalina communis Orb., Flabellina baudouiniana Orb., F. rugosa 
Orb., Bulimina murchisoniana Orb., Ataxophragmium variabile 
(Orb.), Frondicidaria angusta Nyst, F. goldfiissi Reuß, Rhabdo- 
gonium roemeri Reuß, Tritaxia tricarinata Reuß, Bentalina 
steenstrupi Reuß, B. lilii Reuß, B. oligostegia Reuß, Pulvinidina 
micheliniana Orb., Rotalia exsculpta Reuß, Verneuilina bronni 
Reuß, Cornuspira cretacea Reuß, Gaudryina pupoides Orb., 
Glandidina cylindrica Reuß, Pleurostomella subnodosa Reuß, 
Nodosaria obscura Reuß, Anomalina complanata Reuß, A. moni- 
liformis (Reuß), Nonionina quaternaria Reuß, Globigerina cretacea 
Orb. und Rosalina ammonoidea Reuß aus der oberen Kreide 
Westfalens. Ferner : Textularia lacera Reuß, Cornuspira sp. und 
Spirolina humboldti Reuß aus dem Rupelton von Wiesloch bei 
Heidelberg, Pidvinulina partschi Orb. und Rotalia girardana Reuß 
aus dem Mitteloligocän von Sulz i. Wald (Elsaß). 

Wissenschaftliche Benützung: Lehrer A. Franke, 
Dortmund, erhielt eine große Masse von Foraminiferen aus der 
alten Sammlung, auf Papier aufgeklebt, zur Durcharbeitung. 
Weiter wurden an ihn die Foraminiferen von Kostej (E. Spandel 
Gr. 1907) zum Studium geschickt; diese sind bereits zurück- 
gesandt. 

Verleger E. S p a d d e 1 , Nürnberg, erhielt unser gesamtes 
Material an Protozoen aus dem Mainzer Becken, darunter die 
Typen von Reuß aus dem Rupelton von Offenbach und Kreuz- 
nach, zur Durcharbeitung und Benutzung bei einer monogra- 
phischen Bearbeitung. Es wurde bereits zurückgesandt und 
zwar neu etikettiert und durch mehrere uns fehlende Arten 
vermehrt. Weiterhin erhielt er die oben aufgezählten Fora- 
miniferen der Kreide zur Revision. 

10. Pflanzen. 

Geschenke: Bankdirektor A. G winner, Berlin: An- 
geschliffenes Stück eines verkieselten Stammes aus Chalcedon Co., 
Arizona. 



— 167* — 

Verleger E.Span del, Nürnberg: Dactyloporen aus dem 
Meeressand von Weinheim. 

F. Gaurn : Acer sp. und Cinnamomum lanceolatum Heer aus 
dem Blättersandstein von Münzenberg. 

Maler F. L. Weber: Verkieseltes Holz von der Louisa. 

Fabrikbesitzer R. Dyckerhoff, Biebrich: Eine größere 
Sendung Rupeltonpflanzen von Flörsheim. 

Frau Baron v. Reinach: Versteinertes Holz (angeschliffen) 
aus dem Taunus. 

Stud. med. H. A. Zeiß : Einige Carbonpflanzen. 

Prof. H. Engelhardt, Dresden : Pflanzenreste aus dem 
mittleren Tertiär von Vallendar a. Rhein (Oberförster H. Behlen, 
Haiger S.). 

Ingenieur A. Askenasy und Baron E. Wolf, Bonn. 
Zahlreiche Präparate aus dem oberpliocänen Braunkohlenflötzchen 
der Baugrube des Frankfurter Klärbeckens. 

Vorstände der botanischen Gärten von Berlin, 
Darmstadt, Kew bei London und Insel Mainau: Vergleichs- 
material an Früchten resp. Samen von Cephalotaxus, Torreya, 
Podocarpus und Phyllocladus . 

Tausch: Museo de la Plata, la Plata: Tkinnfeldia 
odontopteroides , T. lancifolia u. a. Pflanzen aus dem Rät von 
Cachenta, Prov. Mendoza, sowie Pflanzenreste aus dem Permo- 
carbon von Bayo de Velis, Prov. San Luis, dem Rät von Challao 
und dem Cenoman von Cerro Guido, Prov. Santa Cruz. 

Generalmajor z. D. Crudup, Blankenburg : Eine größere 
Anzahl Credneria-BY&tter sowie Carpolithes sp. aus der oberen 
Kreide des Harzrandes. 

Fachlehrer I. Michel, Bodenbach: Credneria bohemica 
Velenovsky von Kounice und Aralia (Panax) coriacea Vel. von 
Vyserovice (obere Kreide, Böhmen). 

Kauf: Ch. Stern berg, Lawrence, Kansas: Viburnum 
sphenophyllum Knowlton, V. lesquereuxi Ward, var. lanceolata 
Lesquereux, var. longifolia Lesq., var. rotundifolia Lesq., var. 
cordifolia Lesq., V. robustum Lesq., Viburnites crassus Lesq., 
Andromeda pfaffiana Heer, A. snowi Lesq., A. linaefolia Lesq., 
Eugenia primaera Lesq., Diospyros rotundifolia Lesq., Stercuha 
mucronata Lesq., Betulites westi Lesq., var. gretmopsidens Knowl- 
ton, var. latifolia Lesq., var. obtusa Lesq., var. oblonga Lesq., 



— 168* — 

var. multinervis Lesq., var. reniformis Lesq., var. inaequilateralis 
Lesq., Laurus hottae Heer, Rhamnus inaequilateralis Lesq., 
Rhamnites apiculatus Lesq. und Ficus inaequalis Lesq. aus der 
Kreide (Dakota Group) von Ellsworth Co., Kansas. 

Comptoir geologique, Genf: Neuropteris und Odonto- 
pteris aus dem carbonischen Talkschiefer vom Dent des Mordes, 
Wallis. 

Sehr zahlreiche Blätter aus dem Rupelton von Flörsheim, 
sowie einzelne aus dem Blättersandstein von Münzenberg. 

Wissenschaftliche Benützung: Prof. Dr. F. Frech, 
Breslau, sandte die Typen von Carya senckenbergana Ludwig 
und G. lies senberg ana Ludwig zurück. 

Dr. G. Schindehütte, Kassel, ordnete gütigst die durch den 
Umzug in Verwirrung geratenen Pflanzenreste aus dem Basalt- 
tuff von Homberg ; bereits zurückgesandt. 

Prof. Dr. J. T. Sterzel, Chemnitz, erteilte mehrfach bereit- 
willig Auskunft über seine früheren Bestimmungen unserer Stein- 
kohlen- und Permpflanzen ; er erhielt eine Anzahl paläozoischer 
und triassischer Pflanzenreste zur Bestimmung; bereits zurück- 
gesandt. Er beschrieb Sublepidophloios hagenbachensis nov. gen. 
n. spec, aus dem Oberkarbon von Berghaupten, Baden (Mitteil. 
Bad. Geol. Landesanst. V, 2, 1907, S. 742, Taf. LXII, Fig. 1, la), 
und Asterocalamites scrobiculatus (Schlotheim) aus dem Kulm von 
Lenzkirch, Baden (1. c. S. 779). 

Prof. Dr. H. E n g e 1 h a r d t , Dresden, schickte die Originale 
der Blätter aus dem Oberpliocän des Klärbeckens zurück, ebenso 
die Pflanzen aus dem Tertiär des Fajüm (Ägypten, E. Stromer S.) 
(darunter die Typen von Ficus fajumensis, F. stromeri, Secun- 
daria tertiana und Pterocarpus aegyptiacus Engelhardt; Abh. 
Senckenb. Naturf. Ges. XXIX, 2). Er erhielt die beim Umzug 
in Unordnung geratenen Salzhausener Pflanzenreste, ebenso zahl- 
reiche Blätter von Öningen und sandte sie nach Ordnung, resp. 
Bestimmung zurück. Derselbe erhielt zur wissenschaftlichen Be- 
arbeitung unser gesamtes Material an Pflanzen aus dem Rupel- 
ton von Flörsheim ; nahezu alles wurde bereits zurückgeschickt. 

Nach Fertigstellung der Abhandlungen von Engelhardt 
und Kinkelin über die Oberpliocänflora des Klärbeckens und 
die unterdiluviale Flora von Hainstadt wurden sämtliche Origi- 
nale in der Schausammlung ausgestellt. 



— 169* — 

11. Lokalsammlung. 

(Wirbeltiere und Pflanzen vergleiche unter den betreffenden Abteilungen.) 

Geschenke: Stud. geol. K. Schloßma eher: Einereiche 
Sammelausbente aus dem Meeressand von Waldböckelheim (zweite 
Schenkung), über 50 Arten in meist sehr zahlreichen Stücken. 

Prof. Dr. L. v. H e y d e n : Corbicula faujasi Deshayes aus 
der Jordanstraße. 

Lehrer H. Schmidt, Kloppenheim: Cerithienkalk mit 
Perna soldani von Kleinkarben. 

Handelslehrer J. Zinndorf, Offenbach: Cyprina rotitn- 
data A. Braun aus dem Rupelton von Offenbach. 

Lehrer Th. Crecelius, Lonsheim: Corbula subaequivalvis 
Lamarck von Weinheim und Waldböckelheim. 

K. Fischer: Limnaeus sp. aus dem Untermiocän der Mör- 
f eider Landstraße, Cypris von 0. Erlenbach, Neritina alloeodus 
Sandberger aus dem Cyrenenmergel von Jugenheim, Hydrobia 
ventrosa Montfort, Litorina tumida Boettger, Potamides plicatus 
enodosus Sandb. , Congeria brardi Brongniart. Neritina pachy- 
derma Sandb. und iV. callifera Sandb., aus dem Oberoligocän 
der Mörfelder Landstraße. 

Prof. Dr. 0. Boettger: Weiß-Jura- (?)-Geröll, kieselig, 
mit Abdruck eines Cidaritenstachels, aus dem Main. 

Stadt. Tiefbauamt (durch Ing. Brandt): Tonproben 
von Eckhardtsroth. 

Dr. C. Mordziol, Gießen: Kieseloolithe aus den Dino- 
theriumsanden vom Lorenziberg bei Ockenheim. 

Kauf: Mehrere Krabben aus dem Rupelton von Flörsheim. 

12. Allgemeine (nreologie. 

Geschenke: Stud. geol. K. Schloßmacher: Mehrere 
Lavastücke und vulkanische Bombe von Bosco trecase (Ausbruch 
des Vesuv vom April 1906). 

Lehrer L. Knoop, Börssum: Ein großer Block Faxoe- 
kalk (oberste Kreide), voll Moltkia isis Steenstrup, Teil eines 
riesigen Glacialgeschiebes der Börssumer Gegend (bisher Unicum). 

Prof. Dr. L. v. Heyden: Eine Brauneisensteinkonkretion 
und ein Achatgeröll von Heimersheim im Ahrtal. 

Ingenieur A. Askenasy: Gesteine der pontischen Stufe, 
erfüllt von Fossilien von Bibi-Eibat bei Baku am Kaspisee. 



— 170* — 

Stadt. Tiet'bauamt (durch Dipl. lug. v. Soiron): Ein 
hohles kugeliges Gebilde aus Tertiärkalk, gefunden nahe der 
Oberschweinstiege. 

Tausch: Privatdozent Dr. K. D e n i n g e r , Freiburg i. Biv. 
Eine kleine Suite von Gesteinstücken (mit vereinzelten Petre- 
fakten) der Trias, des Jura und der Kreide von Sardinien. 

Kgl. Museum für Naturkunde, Berlin: Ein schönes 
großes Stück Stricklava vom Vesuv. 

Für die Bildersammlung zur Veranschaulichung 
allgemein geologischer Tatsachen gingen folgende 
Geschenke ein: Von J. Creizenach (sehr zahlreiche Bilder 
über Hochgebirgsverwitteruug, Vesuveruption, Sinterterrassen, 
Erosion), J. Dorenberg (mehrere Lagerstättenbilder), A. 
F erb er, Aachen (eigene Aufnahme aus dem Himalaya), Dr. 
H. Hoek, Freiburg i. Br. (eigene Aufnahme: Erosionslandschaft 
um Tarija, Bolivien), Dr. A. Jassoy (zahlreiche Bilder aus den 
Alpen: Hochgebirgsverwitterung, Gletscher), Frau F. Kühne 
(Stalaktiten in der Hermannshöhle, Harz), L. Nies (Strand- 
bilder von Helgoland, Dünen, alte Karte von Sylt, die den 
Landverlust deutlich zeigt), A. v. Radio-Radiis, Wien (12 
prachtvolle eigene Aufnahmen aus der Marmolata und der 
Brentagruppe), Prof. H. Schenck, Darmstadt (Erosionsbilder 
von den Falklandinseln und Kerguelen, prächtige glaciale Rund- 
höcker von den Kerguelen, ein Bild des Pico de Teyde), K. 
Schloßmacher (14 eigene Aufnahmen vom Vesuv, Lava etc. 
vom Ausbruch des April 1906 zeigend), Prof. L. Weinek, 
Prag (ausgezeichnete Mondphotographien , eigene Aufnahmen) 
und A. Witzenmann, Pforzheim (sieben eigene vorzügliche 
Aufnahmen von den drei Zinnen). 

Im Tausch von Prof. Dr. W. Salomon, Heidelberg, 
zwei eigene Aufnahmen einer diluvialen Grundmoräne (Oglio- 
gletscher). 

Durch Kauf wurden erworben: Von Dr. F. Krantz, 
Bonn (10 Photographien verschiedenen Inhalts), Amsler und 
Ruthardt, Berlin (12 Bilder, Meeresbrandung), E.Terschak, 
Cortina d'Ampezzo (2 prachtvolle Aufnahmen aus der Sella- 
gruppe, Verwitterung), O.Nicki es, Interlaken (oberes Rhonetal, 
vom Gletscher ausgeschliifen), Neurdein fr er es, Paris (vor- 
zügliche Aufnahme der Kreideküste von Havre), Hofphotograph 



— 171* — 

H. Eckert, Prag (13 Photographien, eigene Aufnahme, ver- 
schiedenen Inhalts) und C. A. Pur pus, Darmstadt (2 Bilder). 
Für die Sektionsbibliothek erhielten wir von Prof. 
Dr. E. Kays er, Marburg, die dritte Auflage seiner Formations- 
kunde und von Prof. Dr. J. T. Sterzel, Chemnitz, sein großes 
Werk: die Carbon- und Rotliegendfloren im Großherzogtum 
Baden als Geschenk; außerdem eine Anzahl Separatabzüge von 
Prof. Dr. F. Kinkelin, Dr. K. Priemel, Prof. H. Engel- 
hardt, Dr. W. Janen seh, Verleger E. Spandel und Dr. 
F. Dr ever mann. Angekauft wurden eine Anzahl von neueren 
Lehr- und Handbüchern. 

Nach dem Umzug wurde die Reinigung der Sammlung zu- 
nächst zu Ende geführt und dann die Fossilien in die neuen Schub- 
laden eingeräumt. Wie im alten Museum gliedert sich auch im 
neuen das paläontologische Material in zwei Teile : die größere all- 
gemeine paläontologische Sammlung und in die der Fossilien aus 
der weiteren Umgebung Frankfurts ; jede zerfällt dann wieder in 
die Sammlungen der tierischen und die der pflanzlichen Reste. 
Während nun die allgemein paläontologische Sammlung in der 
Schausammlung nach zoologischem bezw. botanischem 
System geordnet ist, wurde in der heimatlichen Sammlung die 
Anordnung nach dem geologischen Alter beibehalten. Nach 
geologischem Alter und innerhalb dieser Ordnung nach Fundorts- 
suiten sind auch die Fossilien in die Schiebladensch ranke 
eingereiht. Nur bei den Carbonpflanzen konnte es nicht ge- 
schehen, da vielfach Fundortsangaben fehlen. Dr. Drever- 
mann übernahm die Aufstellung und Einräumung der tierischen, 
Prof. Kinkelin die der pflanzlichen Fossilien. Während die 
ersteren mit einziger Ausnahme des größten Teiles der Säuger- 
reste aus der weiteren Umgebung Frankfurts, die im Dachgeschoß 
Unterkunft fanden, in den zwei Sälen des Untergeschosses aus- 
gestellt und eingeräumt sind, wurden die Pflanzen mit den 
eben erwähnten Säugerresten aus Tertiär, Diluvium und Allu- 
vium im Dachgeschoß untergebracht, soweit sie nicht in der 
Schausammlung im Untergeschoß ausgestellt sind. Auch die 
sedimentären Gesteine der weiteren Umgebung Frankfurts, die 
von Reinachsche Taunussammlung usw. usw. sind im Dach- 
geschoß eingeräumt, wobei K. Fischer behilflich war. 



— 172* — 

Dr. F. Drev ermann ist zurzeit damit beschäftigt, die 
tierischen Fossilien der Schausammlung, die vor der Eröffnung 
des Museums nur provisorisch aufgestellt werden konnten, 
definitiv zu ordnen, und zwar wird jedes Stück auf einer weißen, 
mattierten Milchglasplatte ausgestellt, auf welche die Etikette 
direkt geschrieben wird. Bei der zeitraubenden Fertigstellung 
dieser Glasplatten wurde der Assistent von Zahnarzt H. Schulze- 
Hein tatkräftig unterstützt. 

Es fehlt vielfach an großen schönen Schaustücken, so daß 
die Aufsätze der Pultschränke noch recht leer bleiben. 

Gegen die dringlichen Arbeiten für die Schausammlung 
trat die Durcharbeitung der wissenschaftlichen Sammlung, die 
nur nach und nach durchgeführt werden kann, und die Katalogi- 
sierung zurück. Das im Vorjahre ausprobierte System wurde 
gewissen Modifikationen unterworfen, da sich beim Gebrauch 
kleine Verbesserungen ergaben. Diese sind noch nicht ab- 
geschlossen, so daß in einem späteren Jahresbericht das Katalog- 
system nochmals erläutert werden mag. Es wurden katalogisiert: 



Protozoen 


137 Arten 


in 


zahlreichen Vorkommen. 


Spongien 
Anthozoen 


151 
156 


n 
n 


ii 
ii 




n 
n 


Echinodermen 


93 


n 


« 


T) 


V 


Bryozoen (und Würmer) 

Brachiopoden 

Lamellibranchiaten 


242 
91 
16 


n 

n 


» 


V 

n 
ii 


n 


Gasteropoden (u. Amphi- 
neuren, Scaphopoden) 
Cephalopoden 
Arthropoden 


125 

20 
69 


n 


n 


r> 
•n 

V 


n 
p 



1100 Arten in zahlreichen Vorkommen. 

Für Wirbeltiere und Pflanzen wurde ein Katalog noch 
nicht begonnen. Frau R. Drevermann wurde bei den Vor- 
arbeiten für den Katalog von Zahnarzt H. Schulze- Hein 
wieder in dankenswerter Weise unterstützt. 

Für die Vorlesung fertigte Dr. F. Drevermann eine 
Anzahl von Wandtafeln an. Er sammelte im Juli 1907 im 
Auftrage der Gesellschaft an der Lahn bei Miellen unweit Ems 
und brachte eine sehr große Kollektion der Versteinerungen 



- 173* — 

des dortigen Unterdevons zusammen, deren Durcharbeitung aber 
wegen dringlicherer Arbeiten noch kaum begonueu werden 
konnte. Eine genaue Liste der Arten bleibt einem späteren 
Jahresbericht vorbehalten. 

Dem städtischen Tiefbauamte schulden wir auch in 
diesem Jahre den besten Dank für die freundliche Mitteilung 
von Grabungen im Weichbild der Stadt Frankfurt. 

Im Auftrage der Sektionäre: 

Dr. Fr. Drevermann. 



174* 



Bibliotlieksbericht. 



Das Jahr 1907 hat der Senckenbergischen Bibliothek die 
Übersiedelung in das neue monumentale Bibliotheksgebäude im 
Westen der Stadt und die Umwandlung in eine öffentliche 
Bibliothek gebracht. Wie den andern Senckenbergischen Insti- 
tuten waren auch ihr die Räume auf dem Gelände der Dr. 
Senckenbergischen Stiftung zu eng geworden. So schmerzlich 
der Abschied von der historischen Stätte allen Beteiligten auch 
war — die Mängel des alten Hauses halfen darüber hinweg. 
Der Eintritt in das neue Haus an der Viktoriaallee, an der 
Seite der alten und jungen Schwestern, war für die Bibliothek 
zugleich der Eintritt in einen neuen Abschnitt ihrer inneren 
Entwicklung: aus der bisherigen Vereinsbibliothek wurde durch 
einen hochherzigen Entschluß der Dr. Senckenbergischen Stiftung 
und der gleich ihr an der Bibliothek beteiligten Körperschaften 
eine öffentliche Anstalt, die ihre Kräfte nunmehr in den Dienst 
der ganzen Bürgerschaft Frankfurts stellt und mit ihren natur- 
wissenschaftlichen und medizinischen Beständen eine wertvolle 
Ergänzung der andern öffentlichen Bibliotheken der Stadt bildet. 
Am 28. Februar 1907, bei der Feier des 200jährigen Geburts- 
tages von Johann Christian Senckenberg, war dieser 
Entschluß feierlich verkündigt worden, am 12. August öffnete 
die alte Bikliotheca Senckenbergi zum ersten Male im neuen 
Heim ihre Pforten der Allgemeinheit. 

Das neue, von dem Kgl. Baurat F. von Hoven mit einem 
Aufwand von rund M. 500 000.— errichtete Bibliotheksgebäude 
bedeutet eine wesentliche Verbesserung in jeder Beziehung. Die 
dem Publikum zugänglichen Räume bestehen aus dem Ausleih- 
zimmer, in dem der alphabetische Zettelkatalog untergebracht 
ist, dem Lesezimmer uud dem Zeitschriftenzimmer. Diese beiden 
Räume enthalten an 4 Tischen zusammen 21 Arbeitsplätze, von 



— 175* — 

denen jeder eine Breite von 1 m und eine Tiefe von 0.60 in 
Tischfläche besitzt und mit einer eigenen elektrischen Lampe 
versehen ist. Die Handbibliothek konnte wesentlich vermehrt 
werden und enthält in über 800 Bänden die wichtigsten Nach- 
schlagewerke, Jahresberichte und Zeitschriftenregister aus den 
in der Bibliothek vertretenen Wissenschaften. In den Zeit- 
schriftengestellen liegen über 800 laufende Zeitschriften, Gesell- 
schaftsschriften und Lieferungswerke , nach Wissenschaften 
geordnet, auf und sind den Besuchern jeder Zeit ohne weiteres 
zugänglich. In der Ausstattung der Räume ist überall eine 
behagliche Eleganz angestrebt worden. 

Der Magazinraum nimmt zur Zeit die ganze Länge 
des Bibliotheksgebändes im Erdgeschoß nach der Jordanstraße 
zu ein und ist durch einen Zwischenboden in zwei Bücher- 
geschosse von je 2.50 m Höhe geschieden. Für eine spätere 
Erweiterung stehen die 3 oberen Stockwerke mit großen und 
hellen Räumen zur Verfügung. Gegenwärtig sind die Werke 
in den 4 Büchersälen des Magazins nach dem Alphabet der 
Abteilungssignaturen aufgestellt, und zwar so, daß der für den 
Zuwachs erforderliche Raum innerhalb einer jeden Abteilung 
freigelassen worden ist. Als Büchergestelle sind die bekannten 
Repositorien der Straßburger Firma Lipmann verwendet, die 
sich auch hier bewährt haben, besonders beim Einzug in die 
neuen Räume. Das Magazin ist heizbar und kann durch feste 
und bewegliche elektrische Lampen in allen Teilen erleuchtet 
werden. Zum Abstäuben der Bücher ist ein Raum unter dem 
Magazin bestimmt, der durch einen Aufzug mit den beiden 
Bücherstockwerken in Verbindung steht. 

An Beamtenzimmern ist vorhanden: das Bibliothekar- 
zimmer, in dem der dem Publikum leider noch nicht zugängliche 
alte Realkatalog seinen Platz gefunden hat, und das Land- 
kartenzimmer, in dem außer den Karten, Globen und geolo- 
gischen Profilen die wertvollen Tagebücher Johann Christian 
Senckenbergs und das Archiv der Bibliothek aufbewahrt werden. 

In den inneren Einrichtungen der Bibliothek wurden in- 
folge der Umwandlung in eine öffentliche Anstalt durchgreifende 
Änderungen nötig. Zunächst wurden die Öffnungszeiten der 
Bibliothek erweitert, so daß sie täglich von 10—1 Uhr und 
— außer Samstags - von 5—8 Uhr benutzt werden kann. 



— 176* — 

Zur Bestellung von Büchern für das Lesezimmer und für die 
Eutleihung nach Hause wurden neue Formulare eingeführt, die 
bei erfolgreicher Bestellung gleichzeitig als Quittungen dienen. 
Wie auf allen andern Bibliotheken ist jetzt auch auf der 
Senckenbergischen Bibliothek für jedes Werk eine besondere 
Quittung erforderlich, die nach erfolgter Rückgabe vernichtet 
wird. Jede Bestellung wird sofort ausgeführt, namentlich 
auch in den Abendstunden. Zur weiteren Erleichterung der 
Benutzung wird jedes gewünschte Werk durch den Bibliotheks- 
diener gegen eine Gebühr von 20 Pf. ortsansässigen Entleihern 
in die Wohnung gebracht und von dort wieder abgeholt. Um 
auch solchen Personen, die nicht Mitglieder eines der an der 
Bibliothek beteiligten Vereine und außerstande sind, den er- 
forderlichen Bürgschein beizubringen, Gelegenheit zu geben, 
aus der Bibliothek Bücher nach Hause zu entleihen, kann das 
Benutzungsrecht auch durch Hinterlegung einer Kaution bei 
der Mitteldeutschen Kreditbank erworben werden. Zutritt zu 
den Leseräumen der Bibliothek hat jedermann ohne Formalität. 
Werke, die auf der Bibliothek nicht vorhanden sind, werden 
auf Wunsch aus auswärtigen Bibliotheken beschafft; ebenso 
werden auswärtigen Vereinsmitgliedern alle gewünschten Werke, 
soweit verfügbar, direkt von der Bibliothek aus zugesandt. 
Als Gegengabe für die von auswärts empfangenen Bücher ver- 
leiht die Bibliothek ihre Werke an auswärtige Bibliotheken. 
Die Mitglieder der Senckenbergischen Naturforschenden Gesell- 
schaft genießen bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten gleich 
den Mitgliedern der andern Bibliothekskorporationen in der 
Entleihung von Büchern ein Vorzugsrecht vor andern Entleihern. 
Die Leihfrist beträgt sechs, für häufig gebrauchte Zeitschriften- 
bände drei Wochen. Der sogenannte „Büchersturz", der früher 
alljährlich in der Zeit vom 1. bis 15. Juni stattfand, ist in Fort- 
fall gekommen. 

Über die weiteren Umgestaltungen, namentlich des inneren 
Dienstes, berichtet der Unterzeichnete an anderer Stelle; hier 
sei noch kurz der Veränderungen im Beamtenkörper der 
Bibliothek und ihres Umzuges gedacht. Die leitende Stelle, die 
seit Begründung der Bibliothek von einem Arzt oder einem 
Dozenten des Dr. Senckenbergischen Medizinischen Institutes 
im Nebenamte verwaltet worden war, wurde in eine haupt- 



— 177* — 

amtliche umgewandelt uiid einem Berufsbibliothekar mit Wirkung 
vom 1. März 1907 übertragen. An Stelle des bisherigen wissen- 
schaftlich gebildeten Hilfsbibliothekars wurde ein buchhänd- 
lerisch vorgebildeter Sekretär angestellt. Zur Aufsicht in den 
Leseräumen und Erledigung der Bureau- und Registraturarbeiten 
wurde eine neue Stelle geschaffen, die einer Bureauassistentin 
übertragen wurde. Endlich wurde eine ständige Dienerstelle 
errichtet, die dem bisher nur stundenweise beschäftigten Biblio- 
theksdiener verliehen wurde. Für die Errichtung dieser Stellen, 
sowie für die Erbauung und Ausstattung des prächtigen Biblio- 
theksgebäudes gebührt der Administration der Dr. Sencken- 
bergischen Stiftung der wärmste Dank der Bibliothek und 
der an ihrer Weiterentwicklung und Förderung interessierten 
Kreise. 

Als erste große Aufgabe lag dem neuen Bibliothekspersonal 
der Umzug der Bibliothek ob. Die Vorbereitungen dafür 
machten eine Einforderung aller ausgeliehenen Bücher sowie 
eine Suspendierung des Bibliotheksbetriebes vom 24. Juni 1907 
ab nötig. Vor allem mußte ein Drittel der vorhandenen Bücher 
— rund 20 000 Bände-- mit Signaturschildcheu versehen und 
der gesamte Bücherschatz einer durchgreifenden Ordnung und 
völligen Neuaufstellung unterzogen werden. Nach Beendigung 
dieser Arbeit begann der Transport der Bücher am 16. Juli 
und war am 25. Juli beendigt. In diesen neun Tagen wurden durch 
drei in bestimmten Abständen sich folgende Möbelwagen sämtliche 
Bücher mit Hilfe von Kästen transportiert, die eigens für einen 
Bibliotheksumzug gebaut und von der Direktion der Großh. 
Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg kostenlos zur Verfügung 
gestellt worden waren. Die Kosten, des Umzuges beliefen 
sich insgesamt auf M. 1548.30. Am 12. August konnte das 
neue Haus der öffentlichen Benutzung übergeben werden. 
Die Unterbrechung des Betriebes hatte somit sieben Wochen 
gedauert. 

Am 14. Oktober wurde die neue Bibliothek von Sr. Exzellenz 
dem Kgl. Preuß. Kultusminister Herrn Dr. Holle, der sich in 
Begleitung der Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden 
eingefunden hatte, besichtigt. 

Den neuen Verhältnissen mußte in der Festsetzung der 
Versicherungssumme für die Feuerversicherung Rechnung 

12 



— 178* — 

getragen werden. Die gegen früher erhöhten Beträge der ein- 
zelnen Bibliothekskorporationen belaufen sich insgesamt 

für Bücher auf M. 477000. - 

für Gebäude und Inventar auf . „ 410000. — 
An der Gesamtsumme von M. 887000. — ist die Senckenbergische 
Natur-forschende Gesellschaft mit M. 275.000. — beteiligt. 

Über die Benutzung der Bibliothek kann nur für die 
Zeit vom 12. August 1907 bis 3i. März 1908, d. h. die Zeit nach 
Eröffuung des neuen Bibliotheksgebäudes, berichtet werden. 

Die Zahl der Öffnungstage in diesen 8 Monaten betrug 193. 
Die Lesezimmer wurden von 2755 Personen besucht. Die Zahl 
der im Lesezimmer benutzten Bände — außer den Büchern der 
Handbibliothek uud den Zeitschriftenheiten — betrug 3538. Die 
Zahl der Entleiher belief sich auf 1044, die Zahl der verliehenen 
Bände auf 2898. Demnach 

Gesamtzahl der Benutzer 3799. 

Gesamtzahl der benutzten Bände . 6436. 
Eine Gegenüberstellung mit den Zahleu des entsprechenden Zeit- 
raums 1905/06 ergibt folgendes Bild: 

Vom 14. August 1905 Vom 12. August 1907 

bis 31. März 1906: bis 31. März 1908: 

Gesamtzahl der Benutzer: Gesamtzahl der Benutzer: 

3650. 3799. 

Gesamtzahl der benutzten Gesamtzahl der benutzten 

Bände : Bände : 

4154. 6436. 

Demnach erfuhr 

die Benutzerzahl eine Steigerung von rund 150 = 3,9%, 
die Zahl der benutzten Bände eine Steige- 
rung von rund 2280 = 35,4 °/o. 

Aus fremden Bibliotheken wurden für unsere Entleiher 
303 Bände bestellt, wovon 138 Bände eintrafen. Diese Bände 
wurden aus folgenden Bibliotheken bezogen: Berlin, Kgl. Biblio- 
thek, Bibliothek der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Biblio- 
thek der Tierärztlichen Hochschule; Darm st ad t, Bibliothek 
der Technischen Hochschule; Frankfurt a. M., Bibliothek des 
Landwirtschaftlichen Vereins, Bibliothek des Technischen Ver- 
eins, Stadtbibliothek; Gießen, Großh. Universitätsbibliothek; 
Halle, Bibliothek des Landwirtsch. Instituts der Universität; 



— 179* — 

Heidelberg, Großh. Universitätsbibliothek; Höchst a. M., 
Bibliothek der Farbwerke; Jena, Großh. Universitätsbibliothek; 
Marburg, Kgl. Universitätsbibliothek; Straßburg, Kais. 
Universitäts- und Landesbibliothek; Tübingen, Kgl. Univer- 
sitätsbibliothek; Wien, K. K. Universitätsbibliothek. An aus- 
wärtige Bibliotheken und Institute gingen 35 Büchersendungen, 
und zwar nach Aachen, Stadtbibliothek ; Darmstadt, Großh. 
Hofbibliothek; Elberfeld, Stadtbücherei; Heidelberg, Großh. 
Universitätsbibliothek; Höchst. Bibliothek der Farbwerke; 
Karlsruhe, Großh. Hof- und Landesbibliothek : Leipzig, 
Universitätsbibliothek; Mainz, Stadtbibliothek; Wiesbaden, 
Nassauische Landesbibliothek, Naturhistorisches Museum. 

In die Wohnung der Entleiher, bezw. von dort in die Biblio- 
thek wurden durch den Bibliotheksdiener 144 Sendungen befördert. 
Unter den 1044 Entleihern befanden sich unter andern 
298 Ärzte = 28,5 °/o der Gesamtzahl; 188 Beamte wissenschaft- 
licher Institute, Sektionäre der Senckenbergischen Naturforschen- 
den Gesellschaft usw. = 18°/o; 95 Lehrer = 9,1 °/ ; 85 Stu- 
dierende = 8,1 °/o. Von dieser Kategorie der Benutzer — den 
Entleihern — gehörten 740 = 70,9 °/o einem der Vereine als 
Mitglied an; 304 = 29,1% standen ihnen fern. Sie konnten 
als Entleiher erst nach der Umwandlung der Bibliothek in eine 
öffentliche in Betracht kommen. Für die Zusammensetzung des 
in den Lesezimmern verkehrenden Publikums war diese Um- 
wandlung von besonderem Einfluß : Auf 420 Vereinsmitglieder 
kamen hier bei der Bücherbestellung 462 Nichtvereinsmitglieder ; 
das entspricht einem Verhältnis von 47,6% Vereinsmitglieder 
zu 52,4% Nichtvereinsmitglieder. 

Die Benutzung der Bibliothek verteilt sich auf die ein- 
zelnen Wissenschaften in folgender Weise : 

Geographie 256 Bände = 4,0 % der Gesamtzahl, 

Exakte Naturwissen- 
schaften 935 „ = 14,5% „ „ 

Beschreibende Natur- 
wissenschaften . . 1986 „ = 30,8% „ „ 

Medizin 2542 „ = 39,5 % „ „ 

Allgem ,Akad.-u. Ges.- 

Schriften 717 „ = 11,2% „ „ 

6436 Bände. 

12* 



— 180* — 

Die Vermehrung der Bibliothek war in dem abgelaufenen 
Jahr stärker als gewöhnlich, da eine größere Zahl von Ge- 
schenken einging und die Reihe der im Tausch einlaufenden 
Publikationen infolge der Ausdehnung des Tauschverkehrs, be- 
sonders der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, 
ständig zunimmt. An besonders wertvollen Gabe:) sei hier 
folgendes erwähnt: Zwei Stammbücher des stud. med. J. P. 
Burggrave aus den Jahren 1718 und 1725 von Herrn Bürger- 
meister a.D. Geh. Reg. -Rat Dr. Varren trapp, hier; eine 
Silhouette des langjährigen Bibliothekars unserer Bibliothek 
Dr. Schwenck von Herrn Prof. Dr. Körner in Rostock ; eine 
Tafel mit neun photographischen Aufnahmen vom Äußern und 
Innern des alten Bibliotheksgebäudes am Eschenheimer Tor, 
aufgenommen und geschenkt von Herrn V. G. Vömel; Original- 
zeichnungeu von der Hand des verstorbenen Direktors des 
Städtischen Historischen Museums Cornill, ausgeführt in der 
Senckenbergischen Pathologischen Anatomie, Geschenk seiner 
Erben. Eine Fülle wertvoller Bücher schenkte Herr Mittel- 
schullehrer Bas tier, ein treuer Freund der Bibliothek. Ebenso 
machte Herr Verlagsbuchhändler Dr. Gustav Fiseher in Jena 
der Bibliothek mit den „Jahresberichten über die Fortschritte 
der Anatomie und Entwickeluiigsgeschichte" N. F. Bd. 1 — 11 ein 
kostbares Geschenk. Die Redaktion der „Frankfurter Zei- 
tung" überwies in diesem Jahre eine besonders große Zahl neu 
erschienener Broschüren. 

I. Vermehrung durch Tausch. 

Die an der Bibliothek beteiligten Vereine stehen zurzeit 
mit rund 600 Akademien, gelehrten Gesellschaften, Instituten und 
Redaktionen im Publikationeuaustausch; hieran ist die Sencken- 
bergische Naturforschende Gesellschaft mit nicht weniger als 
374 Gesellschaften beteiligt. Die auf diesem Wege eingehenden 
Schriften bilden einen sehr wesentlichen Teil des jährlichen Zu- 
wachses der Bibliothek und beliefen sich im verflossenen Jahr für 
die Senckenbg. Naturf. Gesellschaft auf 499 Publikationen 
den Physikalischen Verein . . . „ 136 „ 

den Geographischen Verein . . . „ 82 „ 

den Ärztlichen Verein . . . . „ 40 „ 

Zusammen 757 Publikationen. 



— 181* — 

II. Vermehrung durch Kauf. 

Die nachfolgend aufgeführten Zeitschriften und Lieferungs- 
werke gingen regelmäßig ein und wurden in den Leseräumen 
zur allgemeinen Benutzung aufgelegt.*) 

1. Zeitschriften. 

♦Abhandlungen der Großh. Hess. Geologischen Landesanstalt, Darmstadt. 
♦A bhandlungen der Schweizerischen Paläontologischen Gesellschaft. 
♦Abhandlungen, Geologische und paläontologische. Hrsg. v. E. Koken. 

(Von Bd. 1 der Neuen Folge ab nachbezogen.) 
Abhandlungen zur Didaktik und Philosophie der Naturwissenschaften. 
A n n a 1 e n der Chemie. (Liebig.) 
Annalen der Physik und Chemie. 
♦A n n a 1 e n , Zoologische. 

♦Ann ales de la societe entomologique de la France. 
A n n a 1 e s des sciences naturelles : Botanique. 
♦Ann ales des sciences naturelles: Zoologie. 
Annales du jardin botanique de Buitenzorg. 
♦A n n a 1 s and magazine of natural history. 
♦Anzeiger, Anatomischer. 
♦Anzeiger, Zoologischer. 
Arbeiten aus dem kaiserl. Gesundheitsamt. 
♦Arbeiten aus den zoologischen Instituten der Universität Wien und der 

zoolog. Station Triest. 
Archiv, Deutsches, für klinische Medizin. 
♦Archiv für Anatomie und Physiologie. 
♦Archiv für Anthropologie. 
♦Archiv für Biontologie. 
Archiv für Dermatologie und Syphilis. 
♦Archiv für die gesamte Physiologie. (Pfliiger.) 
♦Archiv für Entwicklungsmechanik. 

Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. 
Archiv für Gynäkologie. 

♦Archiv für Hydrobiologie und Planktonkunde. 
Archiv für Hygiene. 
Archiv für klinische Chirurgie. 
♦Archiv für mikroskopische Anatomie. 
♦Archiv für Naturgeschichte. 
Archiv für Ohrenheilkunde. 

Archiv. Virchows, für pathologische Anatomie und Physiologie. 
♦Archiv für Protistenkunde. 
Archiv für Psychiatrie. 



♦) Das Eigentum der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 
in diesem Verzeichnis und in den späteren ist durch ein ♦ gekennzeichnet. 



— 182* — 

Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie. 

Archiv für Verdauungskrankheiten. 

♦Archiv für Zellforschung. 

*Ar chives de Biologie. 

♦Ar chives de Zoologie experimentale. 

Archives italiennes de Biologie. 

Auszüge aus gerichtl. Entscheidungen betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln. 

Beiblätter zu den Annalen der Physik und Chemie. 

Beiträge zur klinischen Chirurgie. 

Beiträge zur pathologischen Anatomie und zur allgemeinen Pathologie. 

♦Bericht des naturwissenschaftlichen Vereins für Sachsen und Thüringen 

zu Halle. 
Bibliographia physiologiea. 
Ch ar ite- Annalen. 

Comptes-rendus hebdomad, des seances de l'Academie des sciences. Paris. 
Ergebnisse der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie. 
♦Ergebnisse und Fortschritte der Zoologie. 
Flora oder allgemeine botanische Zeitung. 

Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen, nebst Ergänzungs- 
bänden: Archiv und Atlas der normalen und pathologischen 
Anatomie in typischen Röntgenbildern. 
Fortschritte der Elektrotechnik. 
Fortschritte der Medizin. 
Fortschritte der Physik. 
Jahrbuch, Astronomisches. 
Jahrbuch der deutschen Bibliotheken. 
Jahrbuch der Elektrochemie. 
Jahrbuch, Klinisches. 
♦Jahrbuch, Morphologisches. 
♦Jahrbuch, Neues, für Mineralogie. 
Jahrbücher, Botanische. 
Jahrbücher, Schmidts, der gesamten Medizin. 
Jahrbücher der Hamburgischen Staatskrankenanstalten. 
Jahrbücher, Pringsheims, für wissenschaftliehe Botanik. 
♦Jahrbücher, Zoologische. 
Jahresbericht, Justs botanischer. 
Jahresbericht über die Fortschritte auf dem Gebiete der Geburtshilfe 

und Gynäkologie. (Frommel.) 
Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie. 
♦Jahresbericht über die Fortschritte der Physiologie. 
Jahresbericht über die Fortschritte in der Lehre von den pathogenen 

Mikroorganismen. (Baumgarten.) 
Jahresbericht über die Fortschritte und Leistungen auf dem Gebiete der 

Hygiene. (Uffelmann.) 
Jahresbericht über die Leistungen der chemischen Technologie. (Wagner.) 
Jahresbericht über die Leistungen und Fortschritte in der gesamten 

Medizin. (Virchow-Hirsch.) 



— 183* — 

Jahresbericht, Zoologischer. 

Jahresberichte über die Fortschritte der Anatomie und Entwicklungs- 
geschichte. 

Journal, British medical. 

Journal de l'anatomie et de physiologic (Duval.) 

Journal, Dinglers polytechnisches. 

Journal für praktische Chemie. 

Journal für Ornithologie. 

Journal of the Institution of electrical Engineers. 

Journal, The American, of science. 

Klinik, Medizinische, und Beihefte dazu. 

Korrespondenzblatt für Schweizer Ärzte. 

Lancet, The. 

♦Magazine, Geological. 

Mechaniker -Zeitung, Deutsche. 

♦M e m o i r e s ile la Societe geologique de France, Paris. 

Mitteilungen aus den Grenzgebieten der Medizin und Chirurgie. 

Mitteilungen, Medizinal-statistische, aus dem kaiserl. Gesundheitsamte, 
Beilin. 

♦Mitteilungen, Tschermaks mineralogische und petrographische. 

Monatshefte für praktische Dermatologie. 

Monatshefte, Therapeutische. 

♦Naturalist, American. 

♦Nature, London. 

♦Notes from the Leyden Museum. 

♦Palaeontographia italica. 

♦Palaeontographica. 

Progressus rei botanicae. 

♦Record, Zoological. 

Repertoriuin novarum specierum regni vegetabilis. 

Report of the Local Government Board. London. 

Reports, Guys Hospital. 

Revue generale de botanique. 

Rundschau, Hygienische. 

Sachverständigen-Zeitung, Ärztliche. 

Sammlung gerichtlicher Entscheidungen aus dem Gebiete der öffentlichen 
Gesundheitspflege. 

Sammlung klinischer Vorträge: Chirurgie — Gynäkologie — Innere 
Medizin. 

Semaine medicale. 

♦Society, Palaeontographical. 

Transactions, Medico-chirurgical. 

Transactions, Obstetrical. 

Verhandlungen der deutschen pathologischen Gesellschaft. 
Veröffentlichungen des kaiseil. Gesundheitsamtes. 

♦Verzeichnis, Wöchentliches, der erschienenen und vorbereit. Neuigkeiten 
des deutschen Buchhandels. 



— 184* — 

Vierteljahresschrift für gerichtliche Medizin. 

Vierteljahresschrift für öffentliche Gesundheitspflege. 

Wetter, Das 

Wochenschrift, Berliner klinische. 

Wochenschrift, Berliner tierärztliche. 

Wochenschrift, Deutsche medizinische. 

Wochenschrift, Münchener medizinische. 

* W ochenschrift, Naturwissenschaftliche. 

Wochenschrift, Wiener klinische. 

Wochenschrift, Wiener medizinische. 

Zeitschrift, Deutsche, für Chirurgie. 

Zeitschrift für analytische Chemie. 

Zeitschrift für Biologie. 

Zeitschrift für den physikalischen und chemischen Unterricht. 

""Zeitschrift für Ethnologie. 

Zeitschrift für Geburtshülfe und Gynäkologie. 

♦Zeitschrift für Gletscherkunde, für Eiszeitforschung und Geschichte des 

Klimas. 
Zeitschrift für Instrumentenkuude. 
Zeitschrift für klinische Medizin. 
Zeitschrift für Krebsforschung. 
♦Zeitschrift für Krystallographie. 
♦Zeitschrift für Naturwissenschaften. 
Zeitschrift für physikalische Chemie. 
♦Zeitschrift für praktische Geologie. 

Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane. 
Zeitschrift für Tiermedizin. 
Zeitschrift für Urologie. 
♦Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. 
Zeitschrift, Meteorologische. 
Zeitschrift, Physikalische. 
Zeitung, Botanische. 
♦Zentralblatt, Biologisches. 
Zentralblatt, Botanisches. 
Zentralblatt, Chemisches. 
Zentralblatt, für allgemeine Gesundheitspflege. 
Zentralblatt für allgemeine Pathologie. 
Zentralblatt für Bakteriologie. 
Zentralblatt für Bibliothekswesen. 
Zentralblatt für Chirurgie. 
Zentralblatt für Gynäkologie. 
Zentralblatt für innere Medizin. 
♦Zentralblatt für Mineralogie. 
Zentralblatt für Physiologie. 
Zentralblatt, Neurologisches. 
♦Zentralblatt, Zoologisches. 
♦Zoologica. Hrsg. v. C. Chun. 



— 185* — 

2. Lieferungswerke : 

♦Altertümer, Die, unserer heidnischen Vorzeit. 

Ascherson, P. und P. G r ä b n e r . Synopsis der mitteleuropäischen Flora. 

Atlas, Stereoskopischer medizinischer. Hrsg. von Neisser. 

Bibliothek von Coler. 

♦Bibliothek der Länder- u. Völkerkunde. Hrsg. v. A. Kirchhoff u. R. Fitzner. 

Biographie, Allgemeine deutsche. 

♦Brefeld, 0., Untersuchungen aus dem Gesamtgebiete der Mykologie. 

♦Bronn, Klassen und Ordnungen des Tierreichs. 

♦Brunner v. Wattenwyl. K. und J. K e d t enbach er , Die Insekten- 
faruilie der Phasmiden. 

Catalogue, international, of scientific literature. 

Chirurgie, Deutsche. 

♦Cohen, Meteoritenkunde. 

♦Ergebnisse der Hamburger Magalhaensischen Sammelreise. 

♦Ergebnisse, Wissenschaftliche, der dtutschen Tiefsee-Expedition auf dem 
Dampfer „Valdivia" 1898—99. 

♦Ergebnisse der Plankton-Expedition der Humboldtstiftung. 

♦Fauna arctica. 

*Fauna und Flora des Golfes von Neapel. 

♦Hintze, Handbuch der Mineralogie. 

♦Hoff, J. H. van 't, Zur Bildung der ozeanischen Salzablagerungen. 

Kirchner, 0., E. Loew u. C. Schröter, Lebensgeschichte der Bluten- 
pflanzen Mitteleuropas. 

♦Lepsius, Geologie von Deutschland. 

♦L e t h a e a geognostica. 

♦Manual of conchology, found by G. Try on. 

♦Martini und Chemnitz, Systematisches Conchylienkabinet. 

Pathologie und Therapie, Spezielle. Hrsg. v. Nothnagel. 

♦Palaeontologia universalis. 

Pflanzenreich, Das. Hrsg. v. A. Engler. 

♦Plankton, Nordisches. Hrsg. v. K. Brandt und C. Ap3tein. 

Babenhorst, Kryptogamenflora von Deutschland, Österreich u. d. Schweiz. 

Realencyclopädie der gesamten Heilkunde. Hrsg. v. A . Eulenburg. 

Reichenbach, Icones florae Germanicae et Helveticae. 

♦Retzius, Biologische Untersuchungen. 

*Selenka, Studien zur Entwicklungsgeschichte der Tiere. 

♦Semper, Reisen im Archipel der Philippinen. 

♦Siboga-Expeditie. Uitg. d. M. Weber. 

♦Südpolarexpedition, Deutsche. Hrsg. v. Drygalski. 

♦Tierreich, Das. Hrsg. v. Schulze. 

Vegetation, Die, der Erde. Hrsg. v. A. Engler u. 0. Drude. 

♦Wörterbuch, Zoologisches. Hrsg. v. H. E. Ziegler. 

3. Eiuzelwerke. 

♦Festschrift zur Feier des 70. Geburtstages von J. J. Rein. Bonn 1905. 
♦Graesel, A., Handbuch der Bibliothekslehre (2. Aufl.). Leipzig 1902. 



— 186* — 

♦Handbuch der vergleichenden und experimentellen Entwicklungslehre der 

Wirbeltiere. Hrsg. von 0. Hertwig. Bd. 1—3. Jena 1900. (Vom 

Museum überwiesen.) 
♦Jensen, P., Organische Zweckmäßigkeit vom Standpunkte der Physiologie. 

Jena 1907. 
♦Junk, W., Carl v. Linne und seine Bedeutung für die Bibliographie. 

Berlin 1907. 
♦Kollmann, J., Handatlas der Entwicklungsgeschichte des Menschen. I. II. 

Jena 1907. 
Loeb, J., Vorlesungen über die Dynamik der Lebenserscheinungen. 

Leipzig 1906. 
Wer ist's. Unsere Zeitgenossen. Hrsg. von H. A. L. Degener. 3. Ausg. 

Leipzig 1908. 

III. Vermehrung durch Geschenke. 
(Die in Klammern beigefügten Namen bedeuten die Geschenkgeber.) 

Eine Reihe von Zeitschriften und Lieferungswerken wird 
fortlaufend der Bibliothek als Geschenk überwiesen : 

1. Zeitschriften. 

Aerzte-Oorrespondenz, Berliner. (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
Annales d'oculistique. (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
Apotheker-Zeitung. (Dr. Ph. Fresenius, Frankfurt a. M ) 
Archiv für Ophthalmologie (Graefe). (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
Archiv für physikalische Medizin. (Prof. Dr. Edinger, Frankfurt a. M.) 
Archiv für Augenheilkunde. (Dr. Steffan, Maiburg a. L.) 
Archives Bohemes de medecine cliniqae. (Redaktion des Archivs.) 
Arzt, Der praktische. (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 

Beiträge zur Klinik der Tuberkulose. (Dr. med. Hanauer, Frankfurt a. M.) 
♦Bericht über die Verlagstätigkeit v. R. Friedländer & Sohn. (Fa.: Frieil- 

länder & Sohn, Berlin.) 
♦Bericht des Ausschusses für Volksvorlesungen zu Frankfurt a. M. (Aus- 
schuß für Volksvorlesungen.) 
Bericht des Turnrats des Frankfurter Turnvereins. (Frankf. Turnverein.) 
Bericht über die Verwaltung der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M. (Stadt- 
bibliothek Frankfurt a. M.) 
Bericht über die Versammlungen der ophthalmologischen Gesellschaft in 

Heidelberg. (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
Bücherfreund, Frankfurter. (Fa.: Baer & Co., Frankfurt a. M.) 
♦Bulletin de la societe entomologique de France. (Prof. Dr. L. v. Heyden, 

Frankfurt a. M.) 
Jahrbuch der Wiener K. K. Krankenanstalten. (K. K. Statthalterei Wien.) 
Jahresbericht über die Leistungen und Fortschritte im Gebiete der 

Ophthalmologie (Nagel). (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
Journal des sciences medicales de Lille. (Dr. Loeb juii., Frankfurt a. AI.) 
Journal of concludogy. (Cuncholog. Society of Great Britain Manchester.) 



— 187* — 

Jugend, Gesunde. (Prof. Dr. Edinger, Frankfurt a. M.) 
Kurrespondenzblatt für die Ärzte der Provinz Hessen-Nassau. (Redak- 
tion des Blattes.) 
Korrespondenzblatt für Zahnärzte. (Redaktion des Blattes.) 
Mäßigke its- Blätter. (Prof. Dr. Edinger, Frankfurt a. M.) 
Magazine, The London, Edinburgh and Dublin philosophical. (Freies 

Deutsches Hochstift, Frankfurt a. M.) 
Mitteilungen aus der Augenklinik des Carolin. Medico-chirurg. Instituts 

zu Stockholm. (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
Mitteilungen der Verlagsbuchhandlung B. Gr. Teubner, Leipzig. (B. G. 

Teubner, Leipzig.) 
Monats blatt für öffentliche GesundheitspÜege. (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
Monatsblätter, Klinische, für Augenheilkunde. (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
Monatsschrift für Ohrenheilkunde. (Dr. med. J.Rothschild, Frankfurt a. M.) 
Monatsschrift, Internationale, zur Erforschung des Alkoholisnius und 

Bekämpfung der Trinksitten. (Dr. Cahen-Brach, Frankfurt a. M.) 
♦Nachrichtsblatt der deutschen malakozoologischen Gesellschaft. (Piof. 

Dr. Kobelt, Schwanheim.) 
♦Naturalist, The Irish. (Sanit.-Rat Dr. Roediger, Frankfurt a. M.) 
*Novitates, Naturae. (Fa: Friedländer & Sohn, Berlin.) 
Reform, Medizinische. (Dr. med. Kaufmann, Frankfurt a. M.) 
Reichs -Medizinalkalender. (Dr. Steffan, Marburg a. L.) 
♦Schulzimm er , Das. (Prof. Dr. Römer, Frankfurt a. M.) 
♦Umschau, Die. (Dr. J. H. Bechhold, Frankfurt a. M.) 
Vereinsblatt, Ärztliches, für Deutschland. (Dr. Steffan, Marburg a. L., 

und Dr. med. Kaufmann, Frankfurt a. M.) 
Verhandlungen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. 

(Prof. Dr. Edinger, Frankfurt a. M.) 
♦Verhandlungen der deutschen zoologischen Gesellschaft. (Prof. Dr. Kobelt, 

Schwanheim a. M.) 
Verhandlungen des Kongresses für innere Medizin. (Prof. Dr. Edinger, 

Frankfurt a. M.) 
Wochenschrift, Deutsche zahnärztliche. (Redaktion der Wochenschrift.) 
♦Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde. (Dr. Wolterstorff, 

Magdeburg.) 
•Zeitschrift, Deutsche entomologische. (Prof. v. Heyden, Frankfurt a. M.) 
Zeitschrift für Elektrochemie. (Dr. phil. Hanauer, Frankfurt a. M.) 
Zeitschrift für ärztliche Fortbildung. (Dr. Kaufmann, Frankfurt a. M., 

Liebigstraße.) 
Zeitschrift, Frankfurter, für Pathologie. (Prof. Dr. Edinger, Frankfurt a. M.) 
Zentralblatt für prakt. Augenheilkunde. (Di. Steffan. Marburg a. L.) 
Zusammenstellungen, Statistische, über Blei, Kupfer, Zink usw. 

(Metallgesellschaft, Frankfurt a. M.) 

2. Lieferungswerke. 

♦Catalogue system, et descr. des collections du baron Edm. de Selys 
Longchamps. (Musee Royal d'hist. naturelle in Brüssel.) 



— 188* — 

*Kobelt, W., Iconographie der schalentragen<len europäischen Meeres-Con- 

chylien. (Prof. Dr. Kobelt, Schwanheim a. M.) 
»Resultats du Voyage du S. Y. Belgica (s.u.). (Commission de la „Bel- 

gica", Antwerpen.) 
♦Roßmäßler, E. A., Iconographie der Land- und Süßwassermollusken. 

(Prof. Dr. Kobelt, Schwanheim a. M.) 

Größere Geschenke gingen der Bibliothek von den nach- 
benannten Personen und Körperschaften zu: 

♦Amsterdam, Nederlandsch Tijdschrift v. Geneeskunde. Opuscula selecta 

Neerlandicorum de arte med. fasc. I. 
♦Antwerpen, Commission de la „Belgica". (Expedition Antarctique Beige). : 
Resultats du voyage du S. Y. Belgica 1897 — 98—99, Rapports 

scientifiques : 
Vol. I. Lecointe, Travaux hydrographiques et instructions nautiques 

Fasc. 1 und Cartes. 4°. 
Vol. II. Astronomie: Lecointe, Etude des chronometres. 1.2. 4°. 
Vol. 1I1/IV. Meteorologie: Arctowski, Aurores australes. 

— — , Phenomenes optiques de l'atinosphere. 

— — , Rapport sur les observ. meteorol. horaires. 
Dobrowolski, La neige et le givre. 

— — , Observations des nuages. 4°. 
Vol. V. Oceanographie: 

Arctowski et Thoulet, Rapport sur la densite de l'ean de mer. 
Thoulet, Determination de la densite de l'eau de mer. 4°. 
Vol. VI — IX. Botanique et Zoologie: 
Bommer et Rousseau, Champignons. 1905 
Cardot, Mousses. 



, 1902. 
Stephani, Hepatiques. 

Wainio, Lichens. 1903. 

de Wildeman, Phanerogames des terres Magellan. 1905. 

Insectes: Severin, Introduction. 

Brunner von Watten wyl, Orthopteres. 

Bergroth, Hemipteres 

Rousseau, Grouvelle etc., Coleopteres. 

Tosquinet, Emery, etc., Hymenopteres. 

Jacobs, Becker, Rübsaamen, Dipteres. 

Trouessart et Michael, Acariens libres. 

Neumann, Acariens parasites. 

Simon, Araignees et faucheurs. 

Attems, Myriapodes. 1 „„, 

Willems, Collemboles. j 

Barett-Hamilton, Seals. 1901. 

Bürger, Nemertinen. 1904 

Dollo, Poissons. 1904. 

Giesbrecht, Copepoden. 1902. 

Hartlaub, Hydroiden. 1904. 



1906. 



1903. 



— 189* — 

^Antwerpen, Commission de la „Belgica" (Expedition Antarctique Beige; . 

Herouard, Holothuries. 1906. 

Joubin, Brachiopodes. 1902. 

Koehler, Echinides et ophiures. 1902. 

Lebuucq, Organogenie des Pinnipedes. I. 1904. 

Ludwig, Seesterne. 1903. 

Maas, Medusen. 1906. 

de Man, Nematodes libres. 1904. 

Marenzeller, E. von, Madreporaria. | 
, , } lyud. 

Carlgren, Actinarien. j 

Müller, G. W., Ostracoden. 1906. 

Pelseneer, Mollusques. 1 

Joubin, Cephalopodes. j 

Racovitza, Cetaces. 1903. 

Topsent, Spongiaires. 1902. 

Waters, Bryozoa. 1904. 
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Schule. Übersetzt von König. Halle 1907. 
♦Erhard, F., Gedanken und Meinungen d. Lazarettgehilfen Neu- 
mann. München 1907. 



— 198* — 

*Frankfurt a. M., Redaktion der Frankfurter Zeitung: 

♦Ewald, W., Stoffwechselpsychosen. Würzburg 1907. 

♦Federation internat. de laiterie. 3 e Oongres internat. de laiterie. 
La Haye-Scheveningue, September 1907. 

♦Fesca, M., Der Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen. 2. Bd. 
Berlin 1907. 

♦Fialho, A., Die Bekämpfung der Tuberkulose und Fürsorge für 
Phthisiker in Brasilien. S.-A. (14. Internat. Kongreß für 
Hygiene zu Berlin.) Berlin 1907. 

*Fürst, M., und Pfeiffer, E., Schulhygienisches Taschenbuch. Ham- 
burg 1907. 

*Gaupp, R., Wege und Ziele psychiatrischer Forschung. Tübingen 
1907. 

♦Gerhard, P., Die Mittel zur Vorbeugung der Empfängnis. 5. Aufl. 
Berlin 1906. 

♦Gerhard, P., Wie lebt man gut und gesund für 60 Pfennige tag- 
täglich. Berlin 1907. 

♦Goebel, W., Die englische Krankheit (Rachitis) und ihre Behand- 
lung. München 1907. 

*Goetze, R., Über Nervenkranke und Nervenheilstätten. Halle 1907. 
(2 Expl.) 

♦Goldscheider, A., Über die physiologischen Grundlagen der physi- 
kalischen Therapie. S.-A. Leipzig 1907. 

♦Goliner, Die Ernährung des kranken Menschen. 2. Aufl. Oranien- 
burg 1907. 

*Gottschalk, E., Die Röntgen-Therapie nach ihrem heutigen Stande. 
Stuttgart 1907. 

♦Graff, W., Wie muß der Neurastheniker leben? Berlin 1907. 

♦Grotjahn, A., Die Lungenheilstättenbewegung im Lichte der sozia- 
len Hygiene. S.-A. (Zeitschrift für soziale Medizin. 2. Bd.) 
Leipzig 1907. 

♦Guermonprez, F., Gymnastique respirat. pendant les mouvements. 
Paris 1907. 

♦Guttenberger, F., Irrenanstalten! Berlin 1907. 

♦Haeberle, Zur Messung des Fortschritts der Erosion und Denudation. 
Stuttgart 1907. 

♦Haeckel, E., Das Menschenproblem und die Herrentiere von Linnö. 
Frankfurt a. M. 1907. 

♦Henkel, F., Rehnelt, F., und Dittmann, L., Das Buch der Nym- 
phaeaceen oder Seerosengewächse. Darmstadt 1907. 

♦Hennig, A., Kalte Seebäder mit besonderer Berücksichtigung der 
Ost- und Nordseebäder. Leipzig 1907. 

♦Hennig, R., Die Wetterrose. Berlin o. J. 

♦Heyden, E. v. d., Ein offenes Wort zur Abstinenzbewegung. Berlin 
1907. 

♦Hirsch, E., Thermen von Bad Nauheim. 3. Aufl. Bad Nauheim 1907. 

♦Hirsch, Über Arterienverkalkung. 3. Aufl. München 1907. 






— 199* — 

Frankfurt a. M., Redaktion der Frankfurter Zeitung: 

*Hofmann, J., und Pöhlmann, L., Die Gymnastik der Herzleidenden. 
München 1907. 

*Jacobsen, H., Viehseuchen und Herdenkrankheiten in Deutsch- 
Südwest-Afrika und ihre Bekämpfung. Berlin 1907. 

*Jentsch, E., Zum Andenken an P. J. Möbius. Halle a. S. 1907. 

*Jeßner, S., Kosmetische Hautleiden. 2. Aufl. Würzburg 1908. 

*Kann, A., Das Sexualleben. Störungen u. Behandlung. Berlin 1907. 

*Kann, A., Der Teint. Fehler und Behandlung. Berlin 1907. 

*Keil, A. J., Nordlandfahrten. Frankfurt a. M. 1907. 

*Kienboeck, R., Selig, A., und Beck, R., Untersuchungen an Schwim- 
mern. S.-A. (Münchener mediz. Wochenschrift.) München 1907. 

*Kleinsorgen - Elberfeld, F., Beiträge zur Vitalität des Zahnes. 
S.-A. Berlin 1907. 

*Kleinsorgen - Elberfeld, F., Immunität der Zähne gegen Karies. 
Berlin o. J. 

*Knoevenagel, 0., Erkältung — eine dunkle, unklare Vorstellung 
gegenüber ehem. und physikal., biolog. und meteorolog. 
Vorgängen. München 1907. 

*Kobert, R., Einiges aus dem 2. Jahrhundert des Bestehens der 
medizinischen Fakultät zu Rostock. Stuttgart 1907. 

*Koch, F., Häßliche Nasen und ihre Verbesserung. Berlin 1907. 

*Kochrezepte nach Kußmauls Methode. 5. Aufl. Heidelberg o. J. 

*Kolle, W., Über Wohnungsdesinfektion im besonderen über Formal- 
dehyd-Verfahren und Versuche mit Autan. Bern 1907. 

*Krebs, H., Was ist morgen für Wetter? Berlin 1907. 

*Krisch, A., Barometrische Höhenmessungen. Wien 1907. 

*Kühner, Das neue biolog. Heilverfahren. Berlin 1908. 

*Laquer, B., Gotenburger System u. Alkoholismus. Wiesbaden 1907. 

*Lehmann, P., und H. Stadlinger, Polarimetrische Bestimmung der 
Zuckerarten im Honig. S.-A. Berlin 1907. 

*Leonhardt, E., Kampf gegen Mücken u. Schnaken. Darmstadt o. J. 

*Lewin, L., Grundlage für die medizin. und rechtliche Beurteilung 
des Zustandekommens von Vergiftungs- und Infektions- 
krankheiten im Betriebe. Berlin 1907. 

*Leyden, E. von, Populäre Aufsätze und Vorträge. (Deutsche 
Bücherei Bd. 67. 70.) Berlin o. J. 

*Lorey, W., Leonhard Euler. S.-A. Leipzig 1907. 

*Luttenbacher, M., Die Nervenkrankheiten u. ihre Heilung. Lpzg. o. J. 

*Marcinowski, J., Im Kampf um gesunde Nieren. Berlin 1907. 

*Marcuse, J., Im Kampf um die Gesundheit. Mannheim 1907. 

*Marcuse, J., Luft- und Sonnenbäder. Stuttgart 1907. 

*Metschnikoff, E., Einige Bemerkungen über Sauermilch. Paris 1907. 

*Michel, G., Hautpflege und Kosmetik. 2. Aufl. München 1907. 

*Mischke, K., Naturgeschichte der Ziffern. S.-A. Bremen 1907. 

*Möller, M., Die Witterung vom Jahre 1907. Leipzig 1906. 

*Mosser, H., Das kirchliche Fasten- u. Abstinenzgebot. Hamm 1907. 



— 200* — 

♦Frankfurt a. M.. Redaktion der Frankfurter Zeitung: 

♦Munter. S., Das Wasserheilverfahren in der Gesundheitspflege des 
Arbeiters. Berlin 1907. 

♦Muthmann, A.. Zur Psychologie und Therapie neurot. Symptome. 
Halle 1907. 

♦Neumark, E.. Beitrag zur Frage der desinfizierten Wirkung des 
Lichtes. Diss. Berlin 1907. 

♦Nietner, Bericht über die vierte Versammlung der Tuberkulosen- 
Ärzte, Berlin. Mai 1907. Berlin 1907. 

♦Nietner. Der Stand der Tuberkulose-Bekämpfung im Frühjahr 1907. 
Geschäftsbericht der Zentral-Koinmission am 23. Mai 1907 
im Reichstagsgebäude. Berlin 1907. 

♦Nietner, Zur Tuberkulose-Bekämpfung 1907. Verhandlungen der 
deutschen Zentral-Kommission zur Bekämpfung der Tuber- 
kulose in der 11. General-Versammlung am 23. Mai 1907. 
Berlin 1907. 

*Orlowski, Der Tripper. Würzburg 1907. 

♦Orlowski, Die Geschlechtsschwäche. Würzburg 1908. 

♦Orlowski, Die Schönheitspflege. Würzburg 1907. 

♦Orlowski, Die Syphilis. Würzburg 1907. 

♦Ostmann, Über ärztl. Fürsorge f. Taubstumme. S.-A. Leipzig 1907. 

♦Paczkowski. L., Migraine u. sonst. Kopfschmerzen. Leipzig 1907. 

♦Peters. E.. Wann und wie können Vater und Mutter mit ihren 
Kindern über die Menschwerdung sprechen? München 1907. 

♦Pfenning. M., Operationslose Entfernung der Gallensteine. Stutt- 
gart 1907. 

♦Pfenning, M., Wie werde ich von meiner Neurasthenie befreit? 
Stuttgart 1907. 

♦St. Phar, A., Angst. Behandig. u. Heiig. Leipzig 1907. 

♦Pincussohn, L.. Zur Ausnutzung des Kakaos im Organismus. 
S.-A. ^Zeitschrift f. klinische Medizin 03, 5/6.) Berlin 1907. 

♦Politzer, A.. Geschichte der Ohrenheilkunde. 1. Bd. Stuttgart 1907. 

♦Proelss, S.. Das Eheproblem u. d. neue sex. Ethik. Berlin 1907. 

♦Pron, L.. Formulaire synthetique de medecine. Paris 1908. 

♦Pütter. E., Bekämpfung der Tuberkulose innerhalb der Stadt. 
Berlin 1907. 

♦Raab, L., Aufklärungen über das Wesen der Nerven- und Herz- 
krankh. 2. Aufl. München o. J. 

♦Raimann, E., Die Behandlung und Unterbringung der geistig 
Minderwertigen. Wien 1907. 

♦Rau, G., Die Not der deutschen Pferdezucht. Stuttgart 1907. 

♦Reimer, G., Naturheilmethode eines Arztes. Dresden o. J. 

♦Reitz, A., Zur Hebung des Trinkmilchverbrauchs. Stuttgart o. J. 

♦Rodari, P., Die wichtigsten Grundsätze der Krankenernährung. 
München 1907. 

♦Rubeli, T. 0., Die tierärztl. Lehranstalt zu Bern in den ersten 
100 Jahren ihres Bestehens. Bern 1906. 



— 201* — 

♦Frankfurt a. M., Redaktion der Frankfurter Zeitung: 

*Saager, A., Die Welt der Materie. Stuttgart 1907. 

♦Scherk, Die selektive Zellenfunktion. S.-A. Berlin 1907. 

♦Schlegel, E., Das homöop. Prinzip in der allgemeinen Th-rapie. 
München 1907. 

♦Schlegel, E., Paracelsus in seiner Bedeutung für unsere Zeir. 
München 1907. 

♦Schmid, M. v., Mutterdienst. Leipzig 1907. 

♦Schmidt, H., Das ärztliche Berufsgeheimnis. Jena 1907. 

♦Schneider, R., Der größte Feind. Zur Lösung der Alkoholfrage. 
Magdehurg o. J. 

♦Schnepf, W., Seebad Wannsee. Berlin 1907. 

♦Schreber, Ärztliche Zimmergymnastik. Leipzig 1904. 

♦Schwarz, 0., 60 Jahre ärztl., amtl. u. schriftstellerischer Tätigkeit. 
(1846—1907). Cöln 1907. 

♦Schwartze, H., Die Univ.-Ohrenklinik zu Halle a. S. 1863—1907. 
S.-A. (Archiv für Ohrenheilkunde Bd. 72). Leipzig 1907. 

♦Siebert, F., Buch für Eltern. 3. Aufl. München o. J. 

♦Siebert, F., Wie sag' ich's meinem Kinde? Gespräche über Ent- 
stehung von Pflanzen, Tieren und Menschen. München o. J. 

♦Slaby, A., Otto von Guericke. Berlin 1907. 

♦Soller, Ch., et Gastine, L., Defends ta peau. Contre ton medicin. 
Paris 1907. 

♦Sonne, W., Erinnerungen an Job. Wislicenus aus d. J. 1876 — 1881. 
Leipzig 1907. 

♦Speck, J., Der Entwicklungsgedanke bei Goethe. Hanau 1907. 

♦Spekulationswahnsinn, Der. Medizin. -wirtschaftl. Betrachtung von 
*** Danzig 1908. 

♦Steckel, W., Harnsäure und kein Ende! (Die echte und die falsche 
Gicht.) Wien 1908. 

♦Stephani, Prophylaxe des Wachstums und Methode der Körper- 
messung. S.-A. (Schulzimmer 1907 2). Charlottenburg 1907. 

♦Stern, A , Die Untersuchung des Herzens in Beckenkochlagerung, 
ein Hilfsmittel zur Diagnose der Herzkrankheit. S.-A. 
München 1907. 

♦Surya, G. W., Die Sonne, das Licht und die Heilkraft des Lichtes 
vom geheimwissenschaftlichen Standpunkt betrachtet. Leip- 
zig 1907. 

♦Thesing, E., Vom medizin. Aberglauben. Berlin 1907. 

♦Tuberkulose-Konferenz, 6. internationale. Wien, September 1907. 
Bericht, hrsg. v. Pannwitz. Berlin 1907. 

♦Unter Kranken und Gesunden in Davos. 

♦Vater, R., Die neuereu Wärmekraftmaschinen. 2. Aufl. Leip- 
zig 1906. 

♦Vomäcka, A., Was der Nervöse, der Neurastheniker von seiner 
Krankheit wissen und wie er leben muß. Leipzig 1907. 

♦Vorberg, G., Gift oder Heilmittel im Unglück V München 1907. 



— 202* — 

♦Frankfurt a. M., Redaktion der Frankfurter Zeitung: 
*Voß, G. v., Der Hypnotismus. Halle 1907. 

♦Wachenfeld. Über d. Mechanismus d. Zirkulationsorgane. Hünch.1907. 
♦Walser, Die Selbstvergiftung. Leipzig 1907. 
♦Walther, P., Land und See. Unser Klima und Wetter. Halle 1907. 
♦Welsch, H., Über Blinddarm-Entzündung und die Bedeutung Bad 
Kissingens f. ihre Heilung u. Verhütung. Bad Kissingen 1907. 
♦Wessely, V., Lehrbuch der Kartographie. 1. Teil. Bremerhav. o. J. 
♦Weygandt, W., Über den Stand der Idiotenfürsorge in Deutschland. 

S.-A. München 1907. 
♦Winckler, F. v., 365 Speisezettel für Zuckerkranke und Fettleibige. 

Wiesbaden 1907. 
♦Wingenroth, E., Vom Wert der Brille. Leipzig 1907. 
♦Witthaus, C, Unsere Zähne und ihre Erhaltung. Osnabrück. 
♦Wolff, J., Heilung und Verhütung des Schreibkrampfes. Berlin 1907. 
♦Ziegelroth, Das Luftbad und Sonnenbad. Neue Ausg. Frank- 
furt a. 0. 1907. 
♦Zimmermann, F., Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheini, 

Ludwigshafen und der Pfalz. Mannheim 1907. 
♦Zöppritz, A., Gedanken über Flut und Ebbe. 3. Aufl. Stuttgart 1907. 
♦Frankfurt a. M., Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft: 

Festschrift zur Erinnerung an die Eröffnung des neuerbauten Mu- 
seums der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 
zu Frankfurt a. M. am 13. Okt. 1907. Frankfurt a. M. 1907. 
♦Goppelsroeder, Prof. Dr. F., Basel: 

Goppelsroeder, F., Neue Capillar- und capillaranalyt. Untersuchungen, 
mitgeteilt der Naturforschenden Gesellschaft zu Basel. 13. April 
1907. Basel 1907. 
♦Greifswald, Universitätsbibliothek : 

Jahresbericht der kgl. Univ.-Bibl. Greifswald 1906. Greifswald 1907. 
♦Guide, Dr. phil., Frankfurt a. M. : 

Verhandlungen der Deutschen Zoolog. Gesellschaft, Herausgegeben 

von Korscheit. 17. Jahresversammlung 1907. Leipzig 1907. 

♦Haeckel, Exz. Prof. Dr. E., Wirkl. Geh. Rat Direktor d. Zoolog. Instituts, Jena: 

Haeckel, E., Der Kampf um den Entwicklungsgedanken. Berlin 1905. 

„ „ Aus Insulinde. Malayische Reisebriefe. Bonn 1901. 

, „ Wanderbilder. Serie I. IL III. Die Naturwunder der 

Tropenwelt (Insulinde u. Ceylon). Gera 1905. (In Fol. -Mappe.) 

♦von Hey den, Prof. Dr., Frankfurt a. M. : 

Schmidt, A., Baron Hüpsch und sein Kabinett. Beiträge zur Ge- 
schichte der Hofbibliothek und des Museums zu Darmstadt. 
Darmstadt 1906. 
Jassoy, Dr. phil., Apotheker, Frankfurt a. M.: 

Lehmann, 0., Die scheinbar lebenden Kristalle. Eßlingen 1907. 
♦Kobelt, Prof. Dr., Schwanheim a. M. : 

♦Bachmann, F., Die landeskundl. Literatur über die Großherzogtümer 
Mecklenburg. Güstrow 1889. 



— 203* — 

*Kobelt, Prof. Dr., Schwanheim a. M. : 

♦Bottego. V., II Giuba esploratn. Rom 181)5. 
*Debeaux, M. 0., Flora de la Kabylie du Djurdjura. Paris 1894. 
♦Generalkarte des Großlürstentums Siebenbürgen. Herausg. durch 
das K. K. militär-geograph. Institut. 4 Blatt in Mappe. 1863. 
*Hanoteau et Letourneaux, A., La Kabylie et les coutuines kabyles. 

Vol. I. IL III. Paris 1872—73. 
♦de Launay, Chez les Grecs de Turquie. Paris 1897. 
♦Neumann, T., Das moderne Ägypten. Leipzig 1893. 
♦Rorge, J. de, Geographie anc. de la Basse-Egypte. Paris 1891. 
♦Sanderval, 0. de, Soudan francais. Paris 1893. 
♦Wilezek, E., Das Mittelmeer, seine Stellung in der Weltgeschichte. 
Wien 1895. 
♦Körner, Prof. Dr., Rostock i. M.: 

42 medizinische und naturwissenschaftliche Dissertationen der Uni- 
versität Rostock aus dem Jahre 1906 07. 
Silhouette von Dr. Schwenck, Bibliothekar der Senckenbergischen 
Bibliothek. 
»Marx, Stabsarzt Prof. Dr. E., Frankfurt a. M.: 

Marx, E., Die experiment. Diagnostik, Serumtherapie u. Prophylaxe 
der Infektionskrankheiten. 2. Aufl. Berlin 1907. 
♦Moebius, Prof. Dr. Karl Aug., Geh. Reg.-Rat, Berlin: 
Moebius, K., Ästhetik der Tierwelt. Jena 1908. 
♦Moebius, Prof. Dr. M., Frankfurt a M. : 

Magnan, Psychiatr. Vorlesungen. 6 Hefte. Deutsch v. Moebius. 
Moebius, P. J., Ausgewählte Werke. 8 Bde. 
Moebius, P. J., Die Migräne. Der Gesichtsschwnnd. 
Moebius, P. J., Gedanken über die Schule. 
Moebius, P. J., Hoffnungslosigkeit aller Psychologie. 
Moebius, P. J., Nervensystem. 
Moebius, P. J., Nervosität. 
Moebius, P. J., Rousseaus Krankengeschichte. 
München, Technische Hochschule: 

Darstellungen aus der Geschichte der Technik, der Industrie und 

Landwirtschaft in Bayern. Festgabe. München 1906. 
50 Dissertationen aus den Jahren 1901 — 06. 
Nies sen, Dr. M. v., Wiesbaden: 

Messen, M. v., Beiträge zur Syphilis -Forschung. Heft 6/7 1902. 
Heft 8 1904. 
♦Roediger, San.-Rat Dr., Frankfurt a. M. : 

Krüramel, 0., Reisebeschreibung der Plankton-Expedition. Kiel 1892. 
Bad Aßmannshausen am Rhein. 
* Seh äff er, Hch., Frankfurt a. M. : 

♦Album vom Rhein, vom Bodensee bis Düsseldorf, nebst Schwarz- 
wald, Straßburg i. E., Karlsruhe, Heidelberg und Wiesbaden. 
2 große Panoramen und 90 Ansichten. Berlin o. J. 
♦Allers, C. W., La bella Napoli. Stuttgart o. J. 



_ 204* — 

* Schaff er, Hch., Frankfurt a. M. : 

*Ausflug nach Italien. 600 Photos der Hauptsehenswürdigkeiten. 

Zürich o. J. 
♦Deutschland in Bildern. 48 Aquarelle der sehenswürdigsten Städte 

und interessantesten Punkte in Deutschland. Coin o. J. 
♦Schwann, M , Die Rheinlande von Mainz his Koblenz. Die Täler 

der Lahn und der Nahe. Mit 150 Illustr. Berlin o. J. 
♦Stoddard, J. L., Im Fluge durch die Welt. Photographische Auf- 
nahmen der hervorragendsten Städte und Gegenden von Europa, 
Asien, Afrika, Australien, Nord- und Süd-Amerika. Neue Aus- 
gabe. Leipzig o. J. 
S c h a r f f , Ingenieur, Frankfurt a. M. : 

Larousse, Grand Dictionnaire univ. du XlX e siecle. 16 vols. Paris o.J. 
Schmidt, Exz. Prof. Dr., Frankfurt a. M.: f 

Die Universität Gießen, Festschrift 1607—1907. Bd. 1. 2. 
Mexique, Le. Son evolution sociale. Trad, frang. p. L. de Tamayo. 
Vol. 1. 2. 3. Mexico 1900—1902. 
Aus dem Nachlaß von Exz. Prof. Dr. Schmidt- Metzler, Frankfurt a. M. : 
Rieder, Rob., Carl Weigert und seine Bedeutung für die medizi- 
nische Wissenschaft unserer Zeit. Berlin 1906. 
Verhandlungen des Kongresses für innere Medizin. 23. Kongreß 
(München 1906). Wiesbaden 1906. 
Schneider, Dr. Rud., Frankfurt a. M. : 

Schneider, R., Beitrag zur Serumtherapie des Tetanus. Berlin 1907. 
Schön dörffer, Otto (durch Verlag Bruno Cassierer, Berlin W.) : 

Arnoldt, Emil, Gesammelte Schriften. Bd. III, 2. Abtig., und Bd. IT, 
1. Abtlg. Berlin 1907—1908. 
Schubert, Prof. Dr. J., Eberswalde: 

Schubert, J., Die Witterung in Eberswalde in den Jahren 1898 bis 
1902. Berlin 1906. 
♦Schul tze, Prof. Dr. L., Jena: 

Schul tze, L., Aus Namaland und Kalahari. Jena 1907. 
♦Sondheim, M., Buchhändler, in Fa. Baer & Co., Frankfurt a. M. : 

Goethe, Über Kunst und Alterthum in den Rhein und Mayn 
Gegenden. 1. und 2. Heft. Stuttgard 1816—1817. 
Sonntag, Prof. Dr. A., Frankfurt a. M. : 

Müller, J., Lehrbuch der kosmischen Physik. Text und Atlas. 4. Aufl. 
Braunschweig 1875. 
Teich mann, Dr. E., Frankfurt a. M. : 

Teichmann, Fortpflanzung und Zeugung. Stuttgart 1907. 
Varrentrapp, Geh. Reg.-Rat Dr., Frankfurt a. M. : 

Arnswaldt, W. C. v., Aus der Geschichte der Familie Varrentrann. 
Frankfurt a. M. 1908. 
♦Washington, Smithsonian Institution: 

True, Remarks on the Type of the fossil Cetacean Agorophius 
Tygmaeus (Müller) 1907. 



— 205* — 

♦Weis, A., Frankfurt a. M. 

Bericht der Sektion Frankfurt a. M. des deutschen und öster- 
reichischen Alpenvereins. 1894 1904. 1906. 1907. 

♦Bibliothek-Verzeichnis der Sektion Frankfurt a. M. des deutschen 
und österreichischen Alpenvereins. Frankfurt a. M. o. J. 

♦Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Sektion Frankfurt a. M. 
des deutschen und österreichischen Alpenvereins. Frank- 
furt a. M. 1894. 

♦Hofmeister, R. H., Über die Hochwasser in der Schweiz im Jahre 
1868. Vortrag. Zürich 1870. 

♦Kirschbaum, J., 2. Blumenlese aus der alpinen Chronik 1894—99 
der Section Frankfurt a. M. (d. deutschen und österr. Alpen- 
vereins) zum 30. Geburtstag gewidmet. Frankfurt a. M. 1899. 

♦Landolt, E., Der Wald im Haushalt der Natur und der Menschen. 
Vortrag. Zürich 1870. 

♦Zeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvereins. 
Bd. 5—38. 1874—1907. 
♦Wellington, Education Department New Zealand: 

Cheeseman, T. F., Catalogue of plants of New Zealand. Welling- 
ton 1906. 
*W i e n , K. K. Naturhistorisches Hofmuseum : 

Zahlbruckner, A., Die Flechten der Samoa-Inseln. (Ergebnisse, 
botanische u. zoologische, einer wissenschaftlichen Forschungs- 
reise nach den Samoainseln, dem Neuguinea- Archipel und 
den Salomonsiuseln. Heft 4). Wien 1907. 
Winter halter, Frl. Dr., Frankfurt a. M. : 

Döderlein-Krönig, Operative Gynäkologie. Leipzig 1905. 

Kocher, Chirurg. Operationslehre. 4. Aufl. Jena 1902. 

Winter, Lehrbuch der gynäkol. Diagnostik. 

Außerdem bedachten folgende Personen etc. die Bibliothek 
mit Geschenken: 

Aachen, Königl. Technische Hochschule. Aachen, Stadtbibliothek. 
Auerbach, Dr. Sigm., Frankfurt a. M. Barkhausen, H., Göttingen. 
Basel, Naturforschende Gesellschaft. *B astier, F., Frankfurt a. M. 
Bergmann, J. F., Verlag, Wiesbaden. Berlin, Berufsgenossenschaft der 
Feinmechanik. *Berlin, Landesanstalt für Gewässerkunde. Breitkopf 
& H ä r t el , Verlag, Leipzig. Brunn, Lehrerklub für Naturkunde. Buda- 
pest, Ungarische Akademie der Wissenschaften. *Bücking, Prof. Dr., 
Straßburg i. E. ♦Burckhardt, Prof. Rudolf, Basel. Cahn, Consul 
Sebast., Frankfurt a.M. *C hie a go, The John Crerar Library. ♦Cincinnati, 
Cincinnati Museum Association. Coin, Stadtbibliothek. Cohen, Friedr., 
Verlag, Bonn. Danzig, Kgl. Technische Hochschule. *Darmstadt, 
Naturwissenschaftlicher Verein. Delft, Bibliotheek d. Tech. Hoogeschool. 
Düsseldorf, Landes- und Stadtbibliothek. Eier mann, Dr. A., 
Frankfurt a. M. Emanuel, Dr. K. , Augenarzt , Frankfurt a. M. 
Engelmann, Wilh., Verlag. Leipzig. Enke, Ferd., Verlag, Stuttgart. 



— 206* — 

Fischer, Dr. Gustav, Verlag, Jena. Flesch, Prüf. Dr., Frankfurt a. M. 
* Frankfurt a. M., Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften; 
Deutscher und österreichischer Alpenverein Sektion Frankfurt a. M ; Frank- 
furter Künstlergesellschaft ; Frankfurter Turnverein ; Freibibliothek und 
Lesehallen; Dr. Hochsches Conservatoriura für alle Zweige der Tonkunst; 
Institut für Gemeinwohl; Mitteldeutscher Kunstgewerbeverein; Rhein - 
Mainischer Verband für Volksvorlesungen; Verein für Geographie und Statistik; 
Zahnärztlicher Verein. *Frankfurt a. M. -Sachsenhausen, Versuchsgarten- 
verein. *Fresenius, Prof. Dr. H., Geh. Reg. -Rat, Wiesbaden. Fried- 
länder, Dr. Jul., Frankfurt a. M. Friedländer & Sohn, R., Verlag, 
Berlin. *Giessen, Großh. Universität. *Gulde, Dr., Frankfurt a. M. 
♦Graz, Deutscher naturwissensch. Verein beider Hochschulen. Hamburg, 
Hamburg-Amerika-Linie. Hanauer, Dr. med. W., Frankfurt a. M. * Hen- 
ri ksen, G., Inspektor, Christiania. *von Hey den, Prof. Dr. L., Frank- 
furt a. M. Hirschwald, Aug., Verlag, Berlin. Hirzel, S., Verlag, 
Leipzig. Höchst a. M. , Farbwerke vorm. Meister, Lucius & Brüning. 
Holder, Alfred, Verlag, Wien. Hoepli, IL, Verlag, Mailand. Karger, S., 
Verlag, Berlin. *Körner, Prof. Dr , Rostock i. M. *Kobelt, Professor 
Dr., Schwanheim a. M. Kreideis Verlag, C. W., Wiesbaden. L aquer, 
Sanitätsrat Dr., Frankfurt a. M. *Leppla, A., Berlin N. 4. *Lissabonn, 
Commissao do servico geologico de Portugal. *Liverpool, University. 
*Man, Dr. J. G. de, Jerseke, Holland. *Manila, Far Eastern Review. 
Marhold, Carl, Verlag, Halle a. S. * Meissen, Naturwissenschaftlicbe 
Gesellschaft Isis. *M eis sen, Wetterwarte. Metz, Städtische Bibliothek. 
Nägele, E., Verlagsbuchh., Stuttgart. NewYork, Rockefeiler Institute for 
Medical Research. Oppenheim er, Francis C, Generalkonsul, Frankfurt a. M. 
Panconcelli-C alcia, Dr. G., Marburg. Parey, Paul, Verlag, Berlin. 
Reimer, Georg, Verlag, Berlin. *Reuter, 0. M., Abo. Rödiger, San.- 
Rat Dr., Frankfurt a. M. *Römer, Direktor Prof. Dr., Frankfurt a. M. 
*Rörig, Forstmeister Dr. med.. Frankfurt a. M. Rudel, Prof. K., Mürn- 
berg. Scherk, San. -Rat Dr., Bad Homburg. Schindler, Robert, Luzern. 
*Schleußner, Dr. C, Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M. S c h o e t z , Rieh., 
Verlag, Berlin. Schubert, Prof. Dr. J, Eberswalde. Schultheiß, 
Apotheker F., Nürnberg. Siebeck, Paul, Verlagsbuchhändler, Tübingen. 
Springer , Julius, Verlag, Berlin. Stern, Dr. A., Frankfurt a. M. Stubers 
Verlag, Würzburg. Teubner, B. G., Verlag, Leipzig. T hie me, Georg, 
Verlag, Leipzig. *Thilo, Dr. med., Riga. Treupel, Prof. Dr., Frank- 
furt a. M. Trübner, Karl J.. Verlag, Straßburg i. E. Ur Stadt, Ober- 
förster Dr. H. F., Darmstadt. Veit & Co., Verlag, Leipzig. Vie weg & 
Sohn, Fr., Verlag, Berlin. Voß, Leop.. Verlag, Hamburg. Wahl, Dr. phil., 
Frankfurt a. M. *Washington, Carnegie Institution. *Weber, Prof. 
Max, Amsterdam. *Zürich, Botan. Museum der Universität. *Zürich, 
Concilium bibliographicum. *Zürich, Geograph. -ethnograph. Gesellschaft. 

Für diese Gaben, die eine sehr wertvolle Bereicherung 
der Senckenbergischen Bibliothek bedeuten, sei auch an dieser 
Stelle allen Gebern aufrichtig gedankt. 



— 207* — 

Die laufenden Arbeiten wurden, soweit es die Vorbereitung 
des Umzugs und die Umgestaltung der Bibliothek gestatteten, 
regelmäßig erledigt. In das Magazin neu eingestellt wurden 
1000 Bände. Neue Tauschbeziehungen wurden von der Sencken- 
bergischen Naturforschenden Gesellschaft angeknüpft mit fol- 
genden Körperschaften und Herausgebern : 
Albuquerque, University of New Mexico. 
Brüssel, Societe Royale des Sciences medicales et naturelles. 
Columbus, The Biological Club of the Ohio State University. 
Angers, Societe d'etudes scientifiques. 
Calcutta, Indian Museum. 

Darmstadt, Großh. Hessische Geol. Landesanstalt. 
Frei bürg i. d. Schweiz, Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. 
Hof, Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde. 
Lissabonn, Societe Portugaise de Sciences naturelles. 
Liverpool, Biological Society. 

New York, Society for experimental biology and medicine. 
Nordstedt, C. F. 0., Lund. 
Paris, Musee d'histoire naturelle. 
Paris, Societe de biologie. 

Petersburg, Musee botanique de l'Acadeiuie Imperiale des Sciences. 
Plymouth, Marine Biological Association. 
Portici, Laboratorio di zoologia generale e agraria della K. Scuula sup. 

d'Agricultura. 
Stuttgart, Kgl. Württ. Statistisches Landesamt. Geologische Abteilung. 
Utrecht, Universitäts-Bibliothek. 

Dadurch gelangte die Bibliothek in den Besitz folgender 

Zeitschriften : 

Abhandlungen der Großh. Hess. Geol. Landesanstalt. 

Ann ales de la Societe Royale des sciences medicales et naturelles de 

Bruxelles. 

Bericht des Nordoberfränk. Vereins für Naturkunde etc. Hof. 

Bulletin de la Societe d'etudes scientifiques d'Angers. 

Bulletin de la Societe Royale des sciences med. et nat. de Bruxelles. 

Bulletin of the University of New Mexico. 

Bulletin de la Societe Fribourgeoise des sciences naturelles. 

C o m p t e s r e n d u s de la Societe de biologie de Paris. 

Erläuterungen zur Geol. Spezialkarte des Königreichs Württemberg. 

Journal of the Marine Biological Association Plymouth. 

Memoirs ).,,,. 

■p, . > of the Indian Museum, Calcutta. 

Records j 

Mitteilungen der Geolog. Abteilung des Kgl. Württ. Stat. Landesanus. 

Bulletin de la Societe Portugaise de sciences naturelles, Lisbonne. 

Memoires de la Societe Fribourgeoise des sciences naturelles. 

Report of the Lancashire Seafisheries Laboratory. Liverpool. 



— 208* — 

No User, Botaniska. 

Bulletin du Musee d'histoire naturelle de Paris. 

The Ohio Naturalist. 

Bollettino del Laboratorio di zoologia generale e agraria etc. Portici. 

Proceedings of the Society for experimental biology and medicine. New York 

Jaerboek der Kijks-Universiteit te Utrecht. 

Travaux du Musee botan. de l'Acad. Imp. des sciences. St. Petersbourg. 

Mededeelingen uit s'Lands Plantentuin. Batavia. 

An 54 Tauschgesellschaften mußten Reklamationen ge- 
richtet werden, von denen 13 Erfolg hatten. Das Briefbuch 
der Bibliothek weist für die Zeit von August 1907 bis März 1908 
1902 Einträge auf, bei einem System, welches die zusammen- 
gehörigen Eingäuge und Ausgänge kombiniert. 

Die Kommission der Senckenbergischen Bibliothek 
bestand zu Beginn des Berichtsjahres aus den Herren : 
Wirkl. Geh. Rat Schmidt -Metzler, Exzellenz, als Vertreter der 

Stiftungsadministration, 
Prof. Dr. Reichenbach, als Vertr. der Senckenb. Naturf.-Gesellsch. 
San. -Rat Dr. Roediger, ,, ,, des Ärztl. Vereins, 
Prof. Dr. Petersen, ,, ,, ,, Physikal. Vereins, 
Geh. Rat Prof. Dr. Ebrard, Direktor der Stadtbibliothek, als 

Vertreter des Geograph. Vereins, 
Bibliothekar Dr. Wahl, als ständiges Mitglied. 

Nach dem Ableben von Exz. Schmidt übernahm Herr 
Sau. -Rat Dr. Roediger den Vorsitz in der Administration der 
Dr. Senckenbergischen Stiftung und damit deren Vertretung in 
der Kommission der Senckenbergischen Bibliothek. Es wurden 
zwei Sitzungen abgehalten. In der Sitzung vom 24. August 1907 
wurde der von dem Unterzeichneten vorgelegte Entwurf eiuer 
Benutzungsordnung für die Senckenbergische Bibliothek beraten, 
endgültig festgestellt und den beteiligten Körperschaften zur An- 
nahme empfohlen. Im Druck erschien die neue Benutzungsord- 
nung im November 1907. 

Allen genannten Herren und Korporationen, durch deren 
Unterstützung er in der wirksamsten Weise bei der Einarbeitung 
in sein neues Amt gefördert worden ist, beehrt sich der Unter- 
zeichnete seinen ergebensten Dank zu sagen. 

Frankfurt a. M., im April 1908. 

Dr. Gustav Wahl. 



II. Teil 



Wissenschaftliche Mitteilungen. 



Die afrikanischen Formen 

der 

Gattung Dacus (Meigen). 

Von 

Dr. P. Sack, Frankfurt a. M. 

(Mit einer Abbildung im Text.) 



Unter einer größeren Anzahl Dipteren, die das Sencken- 
bergische Museum von Herrn Prof. Dr. Vosseler aus Amani 
(Deutsch Ost- Afrika) erhielt, befanden sich auch mehrere Exem- 
plare einer Fliege, die schon deshalb die Beachtung weiterer 
Kreise verdient, weil sie nach den Beobachtungen Vosseler s 
als Schädling in den Gurkenpflanzungen auftritt und dort er- 
hebliche Verwüstungen anrichten kann. 

Unschwer ließ sich feststellen, daß es sich um einen Ver- 
treter der Gattung Dacus handelt. Auch zeigte sich bald, daß 
die Art mit keiner schon beschriebenen afrikanischen Spezies 
übereinstimmt. Da aber die an Kulturpflanzen gebundenen 
Tiere oft sehr weit mit diesen Pflanzen verschleppt werden 
können, so war es nötig, zunächst die sehr zerstreute Literatur 
über die Dacusarten aus den benachbarten Kontinenten durch- 
zusuchen, ehe die Art als neue Spezies erklärt werden konnte. 
Aus der etwas mühevollen Untersuchung ergab sich mit Sicher- 
heit, daß die erwähnte Form von allen beschriebenen spezifisch 
so verschieden ist, daß sie als eine gute Art aufgefaßt werden 
muß. Sie mag nach ihrem Aufenthalt während ihrer ersten 
Stände Gurkenfliege, Dacus cucumarius, heißen. 

Die Gattung Dacus Meig. hat in Europa nur einen einzigen 
Vertreter, den bekannten Dacus oleae Rossi, dessen Larven die 
Früchte des Oelbaumes zerstören. Aus Afrika sind bis jetzt 
9 Arten beschrieben, eine recht bescheidene Zahl gegenüber 
den 62 Spezies, die aus Südasien und dem Malayischen Archipel 

l* 



— 4 — 

bekannt geworden sind. Eine genauere Durchforschung der 
afrikanischen und speziell der ostafrikanischen Fauna wird aber 
auch in dem schwarzen Kontinent einen größeren Formenreich- 
tum dieser Dipterengattung nachweisen. 

Wir kennen von dort bis jetzt: 
Dacus annulatus Becker, Mitteilungen aus dem Zoolog. Museum 

in Berlin. Bd. II Seite 138. (1903). 
Dacus ar malus Fabricius, Entom. syst. IV, 273. 4. (1799). 
Dacus inflexus Fabricius, 1. c. 273. 3. 

Dacus fuscatus Wiedemann, Zoolog. Magazin III. 28. 43. (1830.) 
Dacus hngistylus Wiedemann, Außereurop. Zweirl. Insekten II. 

522 (1830). 
Dacus oleae Rossi, Fauna etrusca II. 317. 1538 (1780). 
Dacus semispliaereus Becker, 1. c. Seite 139. 
Dacus sexmacu latus Walker, The Entomologist V, 1870 — 71, 

pag. 344. 
Dacus testaceus Macquart, Histoire naturelle des Dipteres, tome II, 

page 452 (1835). 
Die Beschreibungen der älteren Autoren, namentlich die 
Macquarts und Walkers, sind oft sehr mangelhaft. Meist 
fehlen die Angaben plastischer Merkmale für die Unterscheidung 
der einzelnen Species. Es würde deshalb wohl kaum möglich 
sein, die südasiatischen, meist von Walker aufgestellten Arten, 
nach den Beschreibungen wieder zu erkennen. Die wenigen 
afrikanischen Formen aber sind gut unterschieden und können 
mit Hilfe der untenstehenden Tabelle unschwer auseinander 
gehalten werden. Selbstverständlich wird diese analytische 
Übersicht, die nur einen kleinen Teil der so formenreichen 
Gattung umfaßt, nicht Anspruch darauf machen können, daß 
die aufgestellten Gruppen natürliche sind, d. h. nur solche Formen 
enthalten, die auch phylogenetisch zusammengehören. Diese 
Forderung der modernen Systematik zu erfüllen, muß dem 
Monographen überlassen bleiben. Bei der Aufstellung der Tabelle 
war vor allem ihre Brauchbarkeit zur Bestimmung maßgebend. 
Aber immerhin dürften wenigstens die Hauptgruppen für die 
Einteilung der Dacusarten überhaupt verwendbar sein, da die 
Tiere mit geflecktem Hinterleib, die auch im Habitus von den 
übrigen abweichen, in verwandtschaftlicher Beziehung den unge- 
fleckten Formen gegenübergestellt werden müssen, und da die 



— 5 — 

stahlblauen Formen, deren Körperfarben Strnkturfarben sind, von 
den echten gelblichen oder bräunlichen Dacusarten ganz ab- 
getrennt werden sollten. 

Übersicht der afrikanischen Arten. 

1. Hinterleib ungefleckt 5 

— gefleckt 2 

2. Hinterleib mit dunkler Mittelstrieme und mit zusammen- 

hängenden Seitenstriemen, die sich vom 2. bis 5. Ring 
erstrecken I. D. fuscaius Wied. 

— ohne dunkle Mittelstrieme, mit getrennten Flecken- 
paaren auf den einzelnen Ringen 3 

3. Hinterleib mit einem einzigen Fleckenpaare (auf dem 

2. Ringe) II. D. sexmaculatiis Walk. 

— mit mehr als einem Fleckenpaare .... 4 

4. Thoraxrücken honiggelb, ohne Zeichnung 

III. D. semisphaereas Becker. 

— schwarzbraun, Brustseiten mit Zeichnung 

IV. D. oleae Rossi. 

5. Hinterleib stahlblau, Rückenschild düster erzgrün 

X. D. inflexus Fabr. 

— nicht stahlblau; braun oder rostrot .... 6 

6. Thoraxseiten ohne hellgelbe Zeichnung, höchstens mit 

duukler, weißschimmernder Querbinde, Rückenschild 
schwarz V. D. armatus Fab. 

— mit hellgelber Zeichnung 7 

7. Untergesicht ohne schwarze Flecken 

VI. D. annulatus Becker. 

— mit schwarzen Flecken . 8 

8. Flügel ohne Vorderrandbinde, nur mit einem sehr un- 

scheinbaren Flecken an der Spitze der 3. Längsader 

VII. D hngistylus Wied. 

— mit Vorderrandbinde 9 

9. Flügel außer der sehr auffallenden Vorderrandbinde noch 

mit brauner Längsbiude in der Analzelle; nur am 
zweiten HinterleibsriDg mit gelber Binde 

VIII. D. cucumarius nov. sp. 

— ohne die zweite Längsbinde; Hinterleib mit 3 — 4 
gelben Hinterrandbinden IX. D. testacens Macq. 



— 6 — 

Beschreibung der Arten. 
A. Gelbe oder braune Arten. 
I. Hinterleib gefleckt. 

1. _D. fuscatu8 Wied. — Kastanienbraun; Rückenschild 
mit dunkler Mittelstrieme; Hinterleib mit schwarzer Mittel- und 
ebensolchen Seitenstriemen ; Flügel mit bräunlicher Vorderrand- 
binde und zwei schweifartigen Querbinden. Körperlänge 7 mm. 
Vom Kap. 

$ Kopf licht kastanienbraun, an jeder Stirnseite längs der 
Augen drei schwärzliche Punkte; Untergesicht mit zwei großen 
schwarzen Punkten. Fühler kastanienbraun, mit schwärzlicher 
Spitze des Endgliedes. Auf dem kastanienbraunen Rückenschilde 
befindet sich in der Mitte eine breite, durch eine kaum sichtbare 
Längslinie geteilte schwarze Strieme, die an der Quernaht etwas 
unterbrochen, hinten verbreitert ist. Brustseiten mit einem 
großen schwarzen Flecken, durch den eine gelblich-weiße Linie 
vor der Flügeleinlenkung bis auf den Rückenschild, dicht an 
die unterbrochene Stelle der schwarzen Rückenstrieme geht. 
Schildchen gelblich-weiß gesäumt. Hinterrücken und erster 
Hinterleibsabschnitt schwarz. An jeder Seite des Hinterleibes 
ein großer, länglichrunder schwarzer Fleck, der sich vom 
zweiten bis zum fünften Abschnitte erstreckt; vom dritten Ab- 
schnitt an läuft eine schwarze linienartige Strieme bis zum 
After. Flügel größtenteils bräunlich, an der Wurzel und be- 
sonders in einer großen hier liegenden Zelle glashell ; das 
Bräunliche ist nach dem Innenrande zu fast in zwei Schweife 
verwaschen, deren sattester am Außenrande zur Spitze, der 
andere über die kleine Querader zum Hinterrande geht. Die 
sechste Läugsader nach außen braun gesäumt. Schwinger gelblich. 
Beine an der Schenkelwurzel und am ersten Tarsenglied gelblich- 
weiß, die vordersten Beine ganz braun. 

2. D. seocmaculatiis Walk. — Rötliche, unten braune 
schlanke Art, mit je einem schwarzen Fleckenpaar am Unter- 
gesicht, an den Brustseiten und am zweiten Hinterleibsring und 
mit brauner Vorderrandbinde au den Flügeln. Körperlänge 6 mm. 
Harkeko. 

d 1 Kopf rotbraun mit schwarzem Fleck auf den Leisten 
des Uutergesichts. Augen pechbrauu. Taster lang und schlank 



— 7 — 

(am Ende erweitert). Fühler bis zum Mundrand reichend. 
Thorax auf jeder Seite mit einem schwarzen Flecken vor dem 
Schildchen. Das Schildchen ist wie der Rückenschild rotbraun. 
Hinterleib mit einem schwarzen Fleckenpaare auf dem zweiten 
Ring. Beine rotbraun. Flügel glashell mit dunkler Vorderrand- 
binde, die sich vor der Spitze etwas verbreitert. Die Flügel- 
adern sind schwarz, an der Basis rotbraun. Die die Discoidal- 
zelle hinten abschließende Querader ist fast ganz gerade und 
(an der Beugung) um ein Viertel ihrer Länge vom Flügelrande 
und (bei ihrer Mündung) um mehr als das Doppelte ihrer Länge 
von der kleinen Querader entfernt. 

3. D. semisphaereus Becker. — Honiggelbe Art, ohne 
dunklere Zeichnung am Thoraxrücken und auf den Brustseiten, 
mit schwarzen, unregelmäßigen Flecken auf den ersten Riugen 
des starkgewölbten Hinterleibes und mit wasserklaren, am Vorder- 
rande, an der kleinen Querader und in der Analzelle etwas ge- 
bräunten Flügeln. Körperlänge 4, Flügellänge 2 3 /.i mm. 

$ Honiggelb, matt. Kopf nebst Fühlern und Tastern ganz 
matt rotgelb; nur das Untergesicht glänzend; auf letzterem 
stehen zwei braune Flecken. Schildchen und Schulterbeulen 
sind etwas reiner gelb. Die kurze weißliche Behaarung bildet 
auf dem Thoraxrücken, in gewisser Richtung betrachtet, zwei 
breite weiße Längsstreifen. Brustseiten ohne Zeichnung, etwas 
glänzend. Hinterrückeu und Schwinger rotgelb. Hinterleib wie 
der Thorax gefärbt, weiß behaart; auf den ersten Ringen sieht 
man unregelmäßige schwarze Flecken. Die Form des Hinter- 
leibes ist (im getrockneten Zustande) die einer hohlen Halbkugel ; 
die rote Legeröhre ist außerordentlich kurz; sie tritt kaum über 
die Hinterleibsspitze hinaus. Beine rotgelb. Flügel wasserklar; 
eine gelbbraune Randlinie mit Umgehung der Vorderrandzelle 
mündet in das Stigma und verläuft in den gewöhnlichen Spitzen- 
randfleck; außerdem ist in gleicher Weise noch gebräunt die 
hinten laug zipf elf örmig ausgezogene Basalzelle ; auch die vordere 
Querader ist braun umsäumt. 

4. D. oleae Rossi. — Kleine rot-braune Art mit schwarzen 
Zeichnungen am Rückenschild, halbbindenartigen Seitenflecken 
am Hinterleibe und glashellen, nur an der Spitze einen braunen 
Fleck tragenden Flügeln. Körperlänge 5 mm. Nordafrika. 



Kopf rotgelb, Untergesicht lichter, in den Fühlerrinnen je 
ein schwarzer Punkt; Rüssel und Taster rotgelb: Stirne am 
Augenrande hellgelb, auf der Mitte fast gelbrot. Fühler gelb. 
Rückenschild oben schwarzbraun, grau bestäubt, mit drei 
schwarzen Längsstriemen ; die Schulterbeulen und ein Fleck 
vor der Flügelwurzel gelb; die Brustseiten braun, eine dreieckige 
Makel unter und etwas vor der Flügelwurzel gelb; Schildchen 
gelb, an der Basis mehr oder weniger schwarzbraun. Hinterleib 
rotgelb mit schwarzen halbbindenartigen Seitenflecken, von denen 
die an den hinteren Ringen unter sich zusammenhängen; .Lege- 
röhre kurz, schwarz ; zuweilen ist der Hinterleib der Weibchens 
auf der Mitte ganz schwarz. Beine rotgelb. Flügel glashell, 
stark glänzend und irisierend; das Randmal etwas gebräunt; 
an der Mündung der dritten Längsader ein brauner Fleck. 

II. Hinterleib un gefleckt. 

5. Dacus armatus Fabr. — Rostrote Art mit schwarz- 
gezeichnetem Rückenschilde, rostroten, eine dunklere weißschim- 
mernde Querbinde tragenden Brustseiten, mit fast kastanien- 
braunem, am Hinterrand der Ringe gelbgebänderten Hinterleib 
und mit braungestriemten Flügeln. 

Körperlänge 9 mm. — Aus Guinea. 

Untergesicht ockerbräunlich, an jeder Seite mit schwarzem 
Punkt. Stirne unten rostbraun, oben bräunlich ; Fühler lang, 
ockerbraun. Thorax roströtlich; Brustseiten mit dunkler gefärbter, 
weißlich schimmernder Binde. Rückenschild fast überall schwarz; 
nur eine hinten erweiterte linienartige Strieme, die Quernaht, die 
Außenränder und das Schildchen rötlich. Hinterleib tief rost- 
rötlich, fast kastanienbraun, am Hinterrande des ersten und 
zweiten und an der Spitze des letzten Abschnittes rostgelblich. 
Der vorstehende Griffel roströtlich, glatt, über 2 Millimeter lang. 
Vorderrand der Flügel bis zur mittleren Querader schmäler, 
von da an breiter braun ; eine linienartige Strieme liegt an der 
letzten Längsader. Schwinger gelblich. Beine gelblich ; vordere 
Schenkel vor der Spitze und alle Schienen bräunlich. 

6. D. annulatus Becker. — Kleine dunkelrostbraune Art, 
ohne Flecken auf dem Untergesicht, mit hellgelber Zeichnung 
am Rückenschild und an den Brustseiten, einer rostroten Binde 
am zweiten Hinterleibsringe und mit glashellen, am Vorderrand 



— 9 — 

gebräunten Flügeln. — Körperlänge ö^mm, Flügellänge 4 x /2 mm. 
- Ägypten. 

<? Von dunkelrostbrauner, fast schwarzer, matter Grund- 
farbe. Kopf matt rötlich ; Untergesicht glänzend, ohne schwarze 
Flecken. Scheitel etwas glänzend. Punktaugenhöcker uud je 
drei Wurzelflecken der Frontorbitalborsten schwarzbraun. Fühler 
von der gewöhnlichen langen, schmalen Form ; die äußerste Spitze 
des dritten Gliedes ist kaum etwas gebräunt. Taster und 
Rüssel gelb. Thoraxrücken schwarz mit feinen weißen an- 
liegenden Seidenhärchen; von gelber Farbe sind: die Schulter- 
beule, das Schildchen, eine feine Querstrieme an der Quernaht; 
letztere setzt sich breit fort und endigt spitz über den Mittel- 
hüften; ferner ein runder Fleck über den Hinterhüften in der 
Nähe des mattschwarzen Hinterrückens ; es fehlt der gelbe drei- 
eckige Fleck auf dem Thoraxrücken, der sich bei I). longistylus 
zeigt. Der Hinterleib ist kürzer als bei letzterer Art, dunkel- 
rostbraun bis schwarz, ebenfalls mit weißen Seidenhärchen, die 
von der Mittellinie aus symmetrisch gescheitelt sind. Auf dem 
zweiten Ringe kommt die rostrote Grundfarbe als eine am 
Hinterrande liegende Querbinde zum Vorschein, die etwa die 
Breite des halben Ringes besitzt; die Spitze des Hinterleibes 
ist mit dem Hypopygium ebenfalls rostrot, jedoch ohne eine 
besondere Zeichnung zu bilden. Bauch auf den ersten Ringen 
rostrot mit schwarzer Mittellinie, hinten schwärzlich. Schwinger 
gelblich, Beine nebst Hüften ganz rotgelb. Flügel farblos mit 
gelben bis braunen Adern. Eine schmale schwarzbraune Längs- 
linie folgt von der Wurzel an der ersten und zweiten Längsader, 
läßt aber die Vorderrandzelle unberührt, bildet dann als Stigma 
einen Randfleck und setzt sich als schwache Randlinie fort bis 
zur Mündung der zweiten Längsader, wo sich der gewöhnliche 
Spitzenrandfleck bildet. 

$ Der Hinterleib ist etwas breite)'. Die Legeröhre ist sehr 
kurz; der erste ringförmige Teil ist rostrot, er kommt nur um 
die Hälfte des letzten Hinterleibsringes zum Vorschein und ist 
ebenfalls fein weiß behaart. Die Beine haben dieselbe Farbe 
wie beim Männchen, aber die Schenkelspitzen aller Beine und 
die Schienenwurzeln der Hinterbeine sind gebräunt. Andere 
Unterschiede vom Männchen sind nicht vorhanden. Körperlänge 
mit Legeröhre 6 '/2 mm. 



— 10 — 

7. D. longistylus Wied. — Blaßrütlichbraune Art mit 
je zwei schwarzen Punkten auf dem Untergesicht und auf der 
Stirn, mit strohgelben Rückenflecken und Schildchen, gelb ban- 
diertem Hinterleib und blassem braunem Punkt an der Flügel- 
spitze. Körperlänge 772 —8 mm. — Ägypten. 

Uutergesicht strohgelb mit zwei schwarzen Punkten ; Stirn 
unten etwas lebhafter gelb, oben strohgelb, mit drei Paar 
Frontorbitalborten, von denen das oberste Paar auf schwarzen 
Punkten steht, die etwas vor dem durch die Punktaugen 
gebildeten dritten Punkt stehen. Hinterkopf rötlich, mit gelbem 
Rande. Rückenschild rötlichbraun, aber durch die kurze Be- 
haarung weißlich bereift erscheinend; die Schultern, an jeder 
Seite ein Querfleck an der Naht, der an den Brustseiten wie eine 
Binde sich fortsetzt, und ein striemenartiger, nach vorn spitz 
auslaufender Mittelfleck hinter der Naht sind strohgelb; auch 
hinter der Flügelwurzel neben dem Hinterrücken ein solcher 
Fleck. Thoraxbeborstung : 1 Praesutural-, 1 Notopleural-, 
1 Supraalar- und 1 Intraalarborste. Hinterleib stärker rötlich 
als der Rückenschild, mit breit gelbem Spitzenrande des zweiten, 
schmalgelbem Hinterrande des dritten Abschnittes ; an den 
folgenden Ringen ist das Gelbe zum Teil unterbrochen ; mitten 
auf liegt eine schwärzliche feine Längslinie. Hinterleib wie 
der Thorax fein punktiert und mit kurzem, weißlichem Flaum 
bedeckt. Flügel wasserklar, mit einem sehr blassen länglichen 
braunen Flecke an der Spitze der dritten Längsader oder am 
Außenrand der Flügelspitze , vor der gewöhnlichen Querader 
au der Außenseite der fünften Längsader liegt noch ein sehr 
wenig bemerkbarer bräunlicher Wisch. Beine bleichgelb mit 
lichtbraunen Schenkelspitzen. Am Weibchen ist der dreiteilige 
Legestachel sehr schmal und lang. — 

Im Senkenbergischen Museum nur Männchen. 

Becker erbeutete das Tier bei Assuan im Februar auf der 
Euphorbiaart Calotropis procera, sonst nirgends. 

8. Z>. cucumarius nov. spec. — Große schlanke kasta- 
nienbraune Art, mit gelber Stirn und gelbem Untergesicht, auf 
dem zwei duukle Flecken stehen, mit gelben Zeichnungen am Tho- 
rax und einer gelben Hiuterrandbinde am zweiten Hiuterleibsring. 
Flügel mit einer breiten braunen Längsstrieme am Vorderrand 
und in der Analzelle. — Körperlänge 9 mm, Flügellänge 8 mm, 



— 11 — 

Flügelbreite 3 mm. — Aus Usambara (Deutsch Ost- Afrika), wo 
sie Prof. Vo sseler entdeckte. 

c?, $. Die Körperfarbe ist kastanienbraun, die Augen sind 
noch dunkler; Untergesicht, Stirn und Hinterkopf sind gelb, der 
Ocellenfleck, die Mitte der Stirn und die Stirnleisten sind dunkler 
gefärbt; auf dem etwas erhobenen Untergesicht steht jederseits ein 
schwarzbrauner Fleck ; die Fußpunkte der drei Paar Frontorbital- 
borsten sind ebenfalls braun. Rüssel etwas vortretend, mit am 
Ende verbreiterten Tastern. Die Fühler sind etwas länger als 
das Untergesicht, gelb, nur das dritte, seitlich etwas zusammen- 
gedrückte Glied auf der Unterseite etwas gebräunt. An dem 
auf der Oberseite etwas verdunkelten Rückenschild sind gelb: 
die Schulterschwielen, drei Längsstreifen auf dem Rücken, die 
an der Quernaht beginnen, aber vor dem Schildchen undeutlich 
werden, eine breite Querbinde über die Mesopleuren, ferner die 
Pteropleuren, die Hypopleuren und das zweiborstige Schildchen. 
Der Hinterrücken stark verdunkelt. Der erste Hinterleibsring 
besitzt etwa die halbe Breite des Thorax, der zweite nimmt 
von der Mitte an rasch an Breite zu, sein Hinterrand ist ziemlich 
breit gelb; von gleicher Farbe ist der After des Männchens, 
während die etwa 3 mm lange dreiteilige Legeröhre des Weibchens 
rostrot ist. Der Bauch ist gelb, nach hinten dunkler werdend. 
An den rostroten Beinen sind die Basalhälften der Schenkel 
uud die Metatarsen gelb. Die Behaarung des Körpers besteht 
aus kurzen weißgelben Seidenhärchen, die auf dem Rückenschild 
drei feine Längslinien freilassen und am Hinterleib gleichmäßig 
nach hinten gerichtet (nicht gescheitelt) siud. Thorakalborsten 
wie bei D. longistylus, aber mit zwei Intraalarborsten. 

Die Flügel tragen längs des Vorder- 
randes eine dunkelbraune Binde, die 
die Vorderrandzelle, die Randzelle und 
die erste Hinterraudzelle ausfüllt und 
mithin an der Flügelspitze stark er- 
weitert ist. Eine zweite, weniger auffallende Binde füllt die 
Analzelle aus und erstreckt sich, immer schmäler werdend, 
über deren Spitze bis zum Hinterrand. Die kleine Querader 
steht jenseit der Mitte der Diskoidalzelle. Die vierte Längsader 
ist hinter der kleinen Querader erst aufwärts, dann wieder ab- 
wärts geschwungen. 




— 12 — 

Die Larven leben nach Vosselers Zeugnis in den Gurken, 
von deren Fleisch sie sich ernähren. 

In beiden Geschlechtern im Senckenbergischen Museum. 

9. ID. testaceus Macq. — cf mit braunem, $ mit schwar- 
zem, rotbraungezeichnetem Thorax, mit rotbraunem, an den 
Einschnitten gelbem Hinterleib und mit glashellen, durch eine 
braune Vorderrandbinde und braunen Spitzenfleck ausgezeichne- 
ten Flügeln. — Körperlänge etwa 7 mm. Vom Senegal. 

Kopf gelb; Untergesicht nahe dem Mundrand an beiden 
Seiten mit dunklen Flecken ; Thorax braunrot, der Rücken des 
Weibchens schwärzlich ; die etwas vorspringenden Schulterbeulen 
gelb; eine gelbe Binde zieht sich quer über die Brustseiten; 
vor dem Schildchen ein braungelber Fleck, ein hellgelber Fleck 
an den Seiten hinter den Flügeln, neben diesem ein schwarzer 
Punkt. Schildchen gelb. Hinterleib dunkel rostbraun; die Ein- 
schnitte gelb ; die Legeröhre braungelb ; Beine gelb, die untere 
Hälfte der Schienen bräunlich. Flügel am Vorderrande mit braun- 
gelber Binde, an der Spitze mit braunem Fleck. 

Anmerkung. Macquart hat diese Species in der Histoire naturelle 
des Dipteres (T. II, pag. 452. 1835) von der Gattung Dacus abgetrennt und 
dafür das Genus Leptoxyda aufgestellt. Er begründet dies hauptsächlich durch 
den Bau der Legeröhre, die sehr lang und schlank ist. Nun rinden sich wohl 
Dacusarten mit sehr kurzer plumper Legerühre, aber auch solche, bei denen 
dieses Organ länger als der Hinterleib ist. Auch erscheint bei Tieren der- 
selben Art die Legeröhre länger oder kürzer, je nachdem sie mehr oder 
weniger ausgeschoben ist. In den beiden Zeichnungen, die Macquart von 
dieser Art gibt (Suites ä Buffon PI. 19 und Dipteres exotiques nouv. ou peu 
connus PI. 29), erscheint die Legerühre eingliedrig, während sie bei allen 
Dacusarten dreigliedrig ist. Das Basalglied ist aber bei manchen Arten so 
kurz, daß es von oben betrachtet durch den letzten Hinterleibsring ganz 
verdeckt wird. Eine genaue Untersuchung der Typen wird wolil auch für 
testaceus dasselbe ergeben, und da auch die anderen, von Macquart angegebe- 
nen Unterscheidungsmerkmale nicht von genereller Bedeutung sind, so ist 
die Art wohl ohne Zweifel zur Gattung Dacus zu rechnen. 

B. Erzgrüne oder stahlblaue Art. 

10. J). inßexus Fab. — Düster erzfarben, mit roströtlichen 
Beinen; Flügel mit braunem Punkt auf der Mitte und ebensol- 
cher bogenförmigen Binde an der Spitze. — Körperlänge 7 — 8 mm. 
— Aus Guinea. 

$ Fühler rostgelb (das Endglied beschädigt); Stirn schwarz- 
braun, dicht über den Fühlern mit rostgelber Querliuie. Rücken- 



— 13 — 

scliild düster erzgrün, mit greiser Strieme und Seitenlängslinien. 
Hinterleib stahlbläulich, glänzender als der Rückenschild. Lege- 
stachel düster ockerbraun. An den Flügeln ist die kleine Quer- 
ader schwarzbraun eingefaßt, die Randzelle bräunlich schwarz; 
die Bogenbinde an der Spitze geht von der vierten Längsader 
dicht hinter der gewöhnlichen Querader gerade zur Rippe, die 
sie dann bis zur Flügelspitze begleitet. Die Schenkel nur an 
der Wurzel und Spitze, die Schienen und Tarsen ganz rötlich 
braun. 

Herrn Rud. Engel, Offenbach a. M., möchte ich auch an 
dieser Stelle meinen Dank für die freundliche Beihilfe bei der 
Herstellung der photographischen Abbildung aussprechen. 



— 14 



Moosfamia-Studien. 

Von 

Prof. Dr. F. Richters. 

(Mit Tafel I und II.) 



I. Moosbewohner vou Ascension. 

Bei meiner Bearbeitung der Tierwelt der Moosraseu, welche 
Prof. E. Vanh offen gelegentlich der deutschen Südpolar-Ex- 
pedition 1901 — 1903 gesammelt hatte, geriet ein Kästchen mit 
Untersuchuugsmaterial von Ascension in Vergessenheit ; es waren 
zur Hauptsache Flechten, aber auch einige zarte Moose, die, 
laut Etikette, dem „Tal zum Cricket -Valley, am grünen Berge" 
entstammten. Sie waren am 14. September 1903 gesammelt. 
Die nachträgliche Untersuchung ergab folgende Resultate : 
Die kosmopolitischen Protozoen sind, in relativ be- 
schränkter Anzahl, vertreten durch: 

Difflugia globulosa Duj., 

„ piriformis Perty, 

„ arcula Leidy, 

„ arcula var. nov. fabiformis, 

vgl. pag. 22 dieser Abhandlung, 

„ constricta Ehrenbg., 

Euglypha seminulum Ehrenbg., 
Aredia vulgaris Ehrenbg. 

Erdnematoden fanden sich nur in ganz vereinzelten 
Exemplaren, und von Rädertierchen konnte 

Callidina angusticollis Murray 

festgestellt werden, die wir bisher aus Schottland, Deutschland, 
dem Himalaja, von St. Paul und den Inseln des Pazifischen 
Ozeans kannten. 



— 15 — 

Auch die Harpaktiziden waren durch einen, allerdings 
nicht genauer bestimmbaren Rest angedeutet. 

Das meiste Interesse boten die Tardigraden. 

Gattung Echiniscus. 

Echiniscus arctomys Ehrenbg. 

Ehrenberg-, Verb. Acad. Wiss. Ber. pag. 326, 363, 500. 
„ Mikrogeologie Atlas tab. 35 b. 

Fein granuliert; Segment V und VI getrennt; V ein un- 
geteilter Halbring; Sinnespalpe und Girren an der Schnauze 
vorhanden; nur ein laterales Haar hinter I, sonst keine An- 
hänge. Viertes Beinpaar ohne Dornfalte; alle Krallen dornlos. 
Die drei beobachteten Exemplare messen 160 ji. 

Ech. arctomys darf jetzt wohl, nachdem er in der Arktis 
und Antarktis, in Europa, im Himalaja und auf den Inseln des 
Pazifischen Ozeans nachgewiesen ist, als Kosmopolit gelten. 

Echiniscus calcaratus n. sp. Taf. I, Fig. 1. 
2 Ex. 192 [x 

Grob und wenig dicht granuliert ; V und VI vereinigt, mit 
Kleeblatteinschnitt am Hinterraude ; ein Haar hinter I, ein late- 
raler, kurzer, gerader Dorn an III, ein lateraler, kurzer Dorn 
im Kleeblatteinschnitt, ein kurzer dorsaler Dorn an III, ein 
etwas längerer dorsaler Dorn an IV; Dornfalte von etwa acht 
Dornen auf dem vierten Beinpaar, alle Krallen dornlos. 

Ech. calcaratus steht dem Ech. Duboisi von Java (Bericht 
der S. N. G. 1902) in Hinsicht auf Granulation, Bedornung und 
Panzerbau (bei Duboisi ist, wie ich schon im Zool. Anzeiger 1907 
berichtigt habe, V und VI verwachsen) nahe. Duboisi aber hat viel 
stärkere dorsale Dornen, rauhe laterale Dornen, auch hinter II. 

Gattung MaJcroMotus. 

In dem Material kamen zwei Arten von Makrobioteneiern 
vor; von beiden gelang es, solche mit reifen Embryoneu zu 
finden und dadurch ihre Zugehörigkeit sicher festzustellen. Das 
eine gehörte einer neuen Art an, das andere war das Ei des 

Makrobiotus echinogenitus Richters var. areolatus Murray 

Murray, Trans. Roy. Soc. Edinb. Vol. XLV Part. III PI. II, Figg. 14a— 14d, 
pg. 676. 
„ ibidem, Vol. XLI P. III PI. IV, Fig. 20. 



— 16 — 

M arrays Beschreibung des Eies dieser Form lautet: eggs 
very large, up to 180 jx over spines, or 95 jjl without spines; 
spines papillose, separated at the bases, the intermediate sur- 
face of the shell marked with irregular polygonal spaces, sym- 
metrically arranged. 

Die Eier von Ascension, Taf. I, Fig. 2, von denen ich 
etwa ein Dutzend beobachtete, sind viel kleiner, nur etwa 95 (x, 
über die Dornen gemessen; ähnliche Größendifferenzen aber 
kommen bei anderen Makrobiotus-Arten auch schon vor. Die 
„areolations" nennt Murray in zwei anderen Arbeiten (ib. 
T. XLV Pt. III pg. 662 und Journal Roy. Microsc. Soc. 1907 
pg. 271) rounded or hexagonal, und die beiden oben zitierten 
Abbildungen unterscheiden sich auch, was die Gestalt der Ei- 
zipfel, die Form der Areolen als Ganzes und der sie zusammen- 
setzenden Körner resp. Polygone betrifft, so weit voneinander, 
daß die Abweichungen, die wiederum die Eier von Ascension 
zeigen, sicher innerhalb der Grenzen der Variabilität liegen. 

Fig. 3 zeigt den aus dem Ei (dessen Zipfel kollabiert sind) 
herausgedrückten Embryo. 

Die Chitineinlagerungen in dem ovalen Schlundkopf sind 
in der Dreizahl vorhanden; der hintere Stab ist schon auf die- 
sem Stadium länger als jeder der vorderen. Ein „Komma" fehlt. 
Murray hält dieses Merkmal für besonders typisch, und auch 
ich habe dasselbe für die Spitzbergener Exemplare, die ich zu 
beobachten Gelegenheit hatte, bestätigt gefunden. Eine andre 
Frage aber ist es, ob nicht doch noch in höherem Alter ein 
solches, vielleicht nur bei einzelnen Individuen, ausgebildet wird. 
Das größte Ascension-Exemplar von 720 u. Körperlänge hat ein 
Komma ; bei der nahen Verwandtschaft mit M. echinogenitus ist 
das wohl kaum auffällig. Hätten sich auch Eier ohne Areolen 
gefunden, so hätte man dieses Exemplar als typischen M. echino- 
genitus ansprechen müssen. 

Das Lumeu des Mundrohrs dieses Exemplares mißt 10 u. 
im Durchmesser (bei echinogenitus aus dem Taunus von dieser 
Körperlänge 9 |x); bei kleineren Exemplaren ist 8 p, der 
gewöhnliche Durchmesser. Ich möchte glauben, daß die Weite 
des Mundrohres, auf die bei den Beschreibungen der Makro- 
bioten bisher kein Wert gelegt wurde, recht gut mit zur Art- 
unterscheidung dienen kann. Es ist natürlich wünschenswert, 



— 17 — 

daß die Weite des Mimdrohrs nicht bei starkem Deckglasdruck 
gemessen wird. 

Diese Art kommt auf Ascension ziemlich häufig- vor and 
zeigt alle für dieselbe angegebenen Charaktere; in Fig. 3 sind 
die an der Basis verwachsenen Krallen gut zu erkenneD. 

Makrobiotus ascensionis n. sp. Taf. I, Fig. 4. 

Das Ei dieses zierlichen Makrobioten Taf. I, Fig. 5 und 6 
mißt nur 50 [x, über die Dornen gemessen; es ist mit solchen 
so dicht bedeckt, daß man an einem Umkreis 25 — 27 zählt; es 
ist auffällig hyalin, ebenso wie das ganze Tier. 

Die Größe der 34 Exemplare dieser Art, die ich als Prä- 
parate montierte, schwankt zwischen 112 \i und 416 jx. Das 
Hauptmerkmal der Art (neben der Gestalt der Eier) ist das 
auffällig enge Mundrohr und der minutiöse, kuglige Schlund- 
kopf. Das Lumen des Mimdrohrs mißt 1 — 3 jj. (man vgl. are- 
olatus mit 8 — 10 fi) ; der Schlundkopf des größten Exemplars, 
von 416 jx Körperlänge, mißt 30 \x. Ob Apophysen vorhanden 
sind, konnte nicht deutlich erkannt werden; jede Reihe der 
Chitineinlagerungen enthält drei kuglige Körner von hohem 
Glänze; die älteren Stücke lassen noch ein Komma als kleinen 
dunklen Punkt deutlich erkennen; bei jungen Tieren gelang es 
mir nicht, das Komma mit Sicherheit festzustellen. Diese Be- 
obachtung veranlaßte mich, auch für areolatus (siehe oben) das 
Auftreten eines Komma im Alter nicht für unmöglich zu halten. 
Augen sind vorhanden; Zahnträger ebenfalls; die Krallen sind 
vom Hufelandi-Typus. 

Erst 240 [l große Tiere waren schon eierträchtig. 

Von den Eiern fand ich, wohl wegen ihrer Kleinheit und 
Transparenz, nur drei; im übrigen ist diese Art auf Ascension 
recht häufig. 

Makrobiotus rubens Murray 

Murray, Journ.. Roy. Microsc. Soc. 1907 pl. XIV Fig. 5a— öd pag. 270. 

Zwei Exemplare von 368 resp. 392 \x. 

Stimmt in allen Punkten mit den von Murray angegebenen 
Charakteren. Das eine Präparat zeigt noch deutlich eine leuchtend 
rotbraune Färbung der Fettzellen. Mundrohr nur 2,5 \i. 

Von Murray 1907 in Moosen vom Himalaja in 6000 Fuß 
Höhe zuerst nachgewiesen. 

2 



— 18 — 

Makrobiotus spec. 

Ein Exemplar eines 464 langen Makrobioten mit 3 nur 3 |j, 
großen Chitinkörnern im Schlundkopf (wie in Murray, Journ. 
Roy. Micr. Soc. 1907 pl. XIV Fig. 7, aber ohne Flansche am 
Mundrohr und mit einfach sichelförmigen Zähnen), einem 3,5 u. 
weiten Mundrohr; mit Augen und Hufelandi-Krallen, weiß 
ich, zumal auch Eier fehlen, mit keiner bekannten Art zu 
identifizieren. 

II. Moosbewohner von den Comoreu. 

Eine Anzahl Moosproben von den Comoren verdanke ich 
der Güte des Herrn Prof. Dr. Voeltzkow. 

Wie in andern Tropengegenden erwies sich die Moosfauna 
in den zur Untersuchung gelangten Rasen als durchweg dürftig, 
zumal an Tardigraden. Ich kann mich auf Veröffentlichung der 
Fundlisten beschränken. 

1. F u n d u - 1 n s e 1 n , We s t - P e m b a. An Baumrinde : Nema- 
tod, Callidina spec. 

An Blechten : Difflugia globidosa zahlreich, Nematoden, 
Callidina spec, Oribatiden-Nymphen und ein 

? Makrobiotus echinogenitus Richters var. areolatus Murray. 
Vier Exemplare, größtes 816 [x. 

Im Schlundkopf 3 lange (bis 11 u.) Stäbe; der dritte 
länger als der zweite , kein Komma ; Weite des Mund- 
rohrs 12 |x; ohne Augen; ein Simplex-Individuum mit klei- 
nem kugligem, weiter rückwärts gelegenem Schlundkopf 
ohne Einlagerungen. Da keine Eier gefunden wurden, ist 
die Art nicht völlig sicher zu bestimmen. 

2. Mafia. In Rasen von Octoblepharum albidum 1 ): Amoeba 
terricola, Eughjpha alveolata, Difflugia globidosa, Callidina 
spec. 

3. Mafia, andre Moosprobe : Callidina multispinosa, Dipteren- 
larve. 

4. Grande Comoro, sehr feuchte, halbdunkle Grotte bei 
Dzahajü, 200m hoch; Rasen von Plagiothecium : 



*) Die Bestimmung der Moose verdanke ich Herrn Dr. Roll in 
Darmstadt. 



— 19 — 

Amoeba terricola, Difflugia globulosa, constricta und piri- 
formis } Callidina spec, Nematoden und 

Bunonema spec. 

Ein junges Exemplar, etwa 150 u. Körperlänge, mit 
nur drei Warzenpaaren. Bisher bekannt von Kerguelen, 
Deutschland, Schottland, St. Heleua, Japan. 

Ferner Harpaktiziden, Ostrakoden, Oribatiden-Nymphen, 
Oribata spec, ein Oligochaet und ein Julide. 

Echiniscus arctomys Ehrenbg. 1 Ex. 

5. Grande Comoro. La Grille, 1000m. Rasen von Rhizo- 
gonium spiniforme; Euglypka alveolata, Callidina angusti- 
collis, Call, spec, Nematoden. 

6. Anjouan Comoro. Brunnenrand. Viele Diatomeen, Cen- 
Iropgxis acitlcata, Callidina spec, eine unbestimmbare Ga- 
maside. 

7. Anjouan Comoro, Johanna -Peak, 100 m hoch, Selagi- 
nella-Rasen : Dipterenlarven, Nematoden. 

8. Anjouan Comoro, Pahy-Tal, 300 m ; sehr feuchte kühle 
Felswand; Philonotns -Rasen: Harpaktiziden, Ostrakoden, 
Nematoden; Callidina spec, Oribatiden-Nymphen. 

In einer Moosprobe von St. Marie, Madagaskar, die 
Herr Prof. Voeltzkow mir schon früher sandte, fanden sich 
nur Difflugia globulosa, ein Nematode und Callidina spec 

III, Moosbewohner von Sumatra, Banka und Java. 

Herr Hofrat Dr. B. Hagen und Gemahlin hatten die 
Freundlichkeit, auf ihrer Reise in Holländisch-Indien im Früh- 
jahr 1905 19 Paketchen Moosrasen für mich zu sammeln. Wenn 
die Ausbeute an Moosbewohnern, über die ich hier berichten 
kann, nur dürftig ausgefallen ist, so ist das wahrlich nicht 
Schuld der Sammler, aber auch nicht die meinige. Ich habe 
dem Material eine fast dreimonatliche Arbeitszeit gewidmet; 
die Konstatierung des beschränkten Vorkommens gewisser Tier- 
gruppen setzt eben auch Beobachtung voraus. Ich habe in dem 
ganzen, umfangreichen Material nur 22 Exemplare (!) Makrobioten. 
4 Exemplare (!) Echiniscus, 3 Makrobioten- Eier und eine leere 
Eihaut gefunden. James Murray hat im Himalaja eine 
ähnliche, wenn auch nicht so große Armut an Tardigraden 

2* 



— 20 — 

konstatiert. Wie ganz andere Resultate liefern da die Polar- 
gegenden! Murray konnte seine ganze Abhandlung über die 
Tardigraden der Süd-Orkneys — 15 verschiedene Arten (!) — auf 
Grundlage der Untersuchung eines einzigen Moosrasens schreiben ; 
ich konnte in 0,26 g lufttrockener Grimmia sulcata von Spitz- 
bergen 121 Tardigraden, die sechs verschiedenen Arten an- 
gehörten, zählen. 

Auch au Oribatiden und Nematoden war das Material 
durchweg arm; manche Rasen auch an Protozoen. Wirklich 
reich an letzteren war nur ein Neckera-Rasen von einer Areca 
Catechu bei Palembang. 

Um zu zeigen, wie die gemachten Funde sich auf die 
verschiedenen Fundorte und Moosrasen verteilen, lasse ich die 
Fundlisten folgen : 

A. Sumatra (17./III. bis 4./V. 1905) 

1. Busch bei Palembang, in der Nähe des sog. Grabes 
Alexanders des Großen, Baummoos : 

Amoeba terricola, Difflugia globulosa und constricta, Calli- 
dina multispinosa, perforata, spec. ?, Nematoden. 

Macrobiotics echinogenitus und annae und Eier dieser beiden 
Arten. 

2. Palembang, Neckera-Rasen an Areca Catechu: Difflu- 
gia globulosa und areola (auffällig häuiig). Callidina spec, 
Nothrus spec., Makrobiotus rubens. 

3. Palembang, Fadenalgen — Überzug an Areca Catechu: 
Difflugia globulosa und constricta, Euglypha seminulum und 
ciliata, Callidina angusticollis, Nothrus spec, Oribata spec, 
Macrobiotus echinogenitus und spec. ?, Makro bioius-Ki. 

Banka (5./V. - 21./VI.) 

4. Muara Bahar, Urwald; Rasen von Dicranium, gemischt 
mit Brachythecium : Difflugia globulosa, arcula, Quadrula 
spec, Centropyxis laevigata; Callidina aspera, perforata, 
Nematoden; Makrobiotus spec.?; Oribatiden-Nymphen. 

5 . M u a r a B a h a r ; Phyllogonium-Rasen : Difflugia globulosa, 
arcula, Euglypha alveolata ; Callidina angusticollis und spec?, 
Makrobiotus spec ?. 



— 21 — 

6. Men umbing bei Muntok, 455m; Dicranium-Rasen : Dif- 
flugia globulosa, Euglypha seminulum, Callidina perforata, 
Nematoden, Oribatiden-Nymphen, Makrobiotns spec, Echi- 
niscus arctomys. 

7. S i m p a n g ; Lebermoos : Difflugia globulosa, Euglypha semi- 
nulum, ciliata; Callidina aspera, multispinosa; Dipteren- 
Larven. Oribatiden-Nymphen. 

8. Sim pang; Baumrinden mit zarten Farnen und Leuco- 
bryum : Difflugia globulosa, arcula, Euglypha seminulum ; 
Callidina angusticollis, multispinosa ; Oligochaet. 

9. S i m p a n g ; Leucobryum-Rasen : Difflugia globulosa, Euglypha 
alveolata ; Callidina multispinosa, longirostris (zahlreich), 
perforata. 

10. S i m p a n g ; Leucobryum-Rasen : Difflugia arcula, Euglypha 
seminulum, Nebela collaris und bursella, Arcella vulgaris; 
Callidina spec, zahlreich, Dipterenlarve, Oligochaet. 

11. Urwald; Zygodon-Rasen; Difflugia globulosa, arcula, Eu- 
glypha seminulum (zahlreich), alveolata ; Callidina multi- 
spinosa, aspera, angusticollis, perforata. 

12. Urwald ; Leucobryum-Rasen : Difflugia globulosa, arcula, 
Euglypha seminulum t ciliata, alveolata, Trinema enchelys; 
Callidina aspera, longirostris, multispinosa, spec?, Nemato- 
den , Oribatiden - Nymphen , Notaspis spec. ?, Makrobiotns 
echinogenitus. 

13. Urwald; Calymperes- und Dicranium-Rasen: Difflugia 
globulosa, arcula, Euglypha seminulum, ciliata; Callidina 
multispinosa, angusticollis, longirostris spec. 

14. Urwald; Hypnum-Rasen : Difflugia arcula, fabiformis 
(häufig), Nebela collaris ; Callidina longirostris, multispinosa, 
spec. ?, Oribatiden - Nymphen. 

15. Urwald; Brachythecium-Rasen : Difflugia globulosa, arcula 
fabiformis, Trinema enchelys, Nebela collaris ; Callidina mul- 
tispinosa, longirostris, angusticollis, perforata; sehr wenige 
Nematoden ; Oribatiden-Nymphen. Makrobiotns echinogenitus. 

16. Urwald; Leucobryum-Rasen: Difflugia constricta, arcula 
fabiformis, Nebela caudata; Arcella vulgaris, kein Nematode, 
keine Oribatide. Leere Eihaut vom Hufelandi-Typus. 



- 22 — 

Java (23./VI. bis 6./ VII.) 

17. Berg Gelungimg, Telegabodas; Hypnura-Rasen : Amoeba 
terricola, Difflugia globulosa, constricta, piriformis, arcula, 
Euglypha alveolata, Nebela collaris, Callidina longirostris, 
angusticollis, Harpaktizide, Nothrus spec. 

18. Berg Gelungung; Dicranium-, gemischt mit Hypnum- 
Rasen : Difflugia globulosa, arcula ; Nebela collaris, Eu- 
glypha seminulum, Arcella vulgaris; Callidina longirostris ; 
Craspedonema javanicum; Harpaktizide, auch Eiersack 
eines solchen. 

19. Papandayan; Rhizogonium-Rasen : Amoeba terricola, Eu- 
glypha alveolata, seminulum, Nebela collaris, Difflugia glo- 
bulosa, arcula, Nebela collaris, bnrsella, ciliata, vas, Trinema 
euchelys, Oribatiden-Nympheu, Nothrus spec. 

Übersicht der beobachteten Arten. 
Protozoen. 
Amoeba terricola Greeff. Selten. 
Difflugia globulosa Duj. Häufig. 

„ constricta Ehrenbg. Nicht gerade häufig. 

„ piriformis Perty. Selten. 

„ arcula Leidy. Recht häufig. 

„ „ „ var. nov.fabifbrmis. Häufig. Taf.II, Fig. 7. 

Diese Art dürfte in dem in Rede stehenden Gebiet das 
häufigste Moosprotozoon sein. Meistens ist das Gehäuse durch 
dunkle Partikelchen verstärkt; öfters enthält das licht gelb- 
braune Chitin auch nur wenige Fremdkörper. Auf Bauka kommt 
sehr häufig eine, im Umriß bohnenfönnige Varietät, gewöhnlich 
in ganz hellen Individuen vor ; die Mundöffnung hat mehr oder 
weniger die Gestalt eines gleichschenkligen (nicht gleichseitigen, 
wie bei der typischen Form) Dreiecks. Dieselbe Varietät findet 
sich auf Ascension. 

Euglypha seminulum Ehrbg. 

Diese weit verbreitete Art wurde an manchen Fundorten 
unseres Gebietes nur ganz vereinzelt oder gar nicht beobachtet. 

Euglypha alveolata Duj., nicht häufig. 

„ ciliata Ehrbg., häufiger. 
Trinema enchelys Ehrbg., selten. 



- 23 — 

Aredia vulgaris Ehrbg., selten. 
Quadrula spec, nur bei Muara Bahar. 
Centropyxis laevigata Penard, nur bei Muara Bahar. 
Nebela eollaris Ehrbg., nicht häufig. 

„ bursella Veid., selten. 

„ ras Leidy, nur bei Papandayan. 

„ eaudata Leidy, nur in einem Exemplar auf Banka. 

Vermes. 

Callidinen fanden sich stellenweise in beträchtlicher Menge. 
Nur die mit Gehäuse oder auffälligen Anhängen und Verzierungen 
ausgezeichneten waren bestimmbar: die einfach glatten entfal- 
teten sich nicht hinlänglich beim Anfeuchten, um eine sichere 
Bestimmung zuzulassen. 

Callidina multispinosa Thompson 
Thompson, Science Gossip 1892 pag. 56. 

Diese schöne, in Europa, Asien. Afrika und Amerika ge- 
fundene Art ist im Gebiet relativ häufig und kommt in ver- 
schiedenen Varietäten, zumal was die Bedornung anlangt, vor. 

Callidina angusticollis Murray 

Murray, Transact, Roy. Soc. Edinb. Vol. XLI Pt. II PI. IV Fig. 2a— 2k, 
pag. 374. 

Diese bisher aus Europa, dem Himalaja, von St. Paul und 
den Inseln des Pazifischen Ozeans bekannte Form ist ziemlich 
häufig und wechselt sehr in der Farbe des Gehäuses von tief- 
braun bis hellgelb und in der Länge des Halses des flaschen- 
förmigen Gehäuses. 

Callidina, perforata, Murray 

Murray, Journ. Roy. Microsc. Soc. 1906. 

Callidina as per a Bryce 

Bryce, Journal Queckett Microsc. Club 1892. 

Callidina longirostris Janson 

Janson, Familie der Philodineae 1893. 

Nematoden fanden sich relativ spärlich. 

Von besonderem Interesse dürfte eine, wie es scheint, der 
Gattung Bunonema (Zool. Anzeiger 1905) nahestehende neue 
Nematoden-Gattung sein, die sich auf dem Berge Gelungung, 
Java, fand. Das Tier hat keine paarigen, dorsalen Warzen 



- 24 - 

längs dem abgeplatteten Körper wie Bunonema, sondern zwei 
wellig ausgezackte Flossensäume. Ich präparierte nur ein junges 
Tier von 120 \i und ein älteres von 320 |i, (Fig. 8) und konser- 
vierte zwei Exemplare von letzterer Größe in Spiritus. Ich will 
hier auf eine weitere Beschreibung des Tieres nicht eingehen, 
sondern überlasse das weitere Sammeln und Beschreiben mei- 
nem Sohne, der sich zurzeit mit Nematoden beschäftigt. Für 
den Fall aber, daß er mit der genaueren Erkenntnis dieser 
neuen, wegen ihrer geringen Größe nicht so ganz leicht zu be- 
arbeitenden Form, zumal die Brauchbarkeit für Schnitte noch 
zweifelhaft, nicht reüssieren sollte, gebe ich an dieser Stelle 
die Abbildung dieses Nematoden und schlage vor, ihn zu be- 
nennen : 

Oraspedonema nov. gen. javanicum nov. spec. 

Von Oligochaeten wurden nur zwei winzige Exemplare 
beobachtet. 

Arthropoden. 

Harpaktiziden wurden in wenigen Individuen gesammelt. 

Die auffällige Armut an Tardigraden, betreffs ihrer Indi- 
viduenzahl, habe ich schon oben erwähnt. Die wenigen Individuen 
gehörten zwei Echiniscus- und vier Makrobiotus- Arten an. 

Gattung Echiniscus. 

Echiniscus arctomys Ehreubg. 
2 Ex. ; Banka. 

Echiniscus spec. ? 

2 Ex. aus einem Algenüberzug auf Areca Catechn, Palembang. 
Eine Art, bei der V und VI verwachsen und drei laterale 
Dornen hinter IU, IV, V vorhanden; der Erhaltungszustand des 
Materials ließ im übrigen eine genaue Bestimmung nicht zu. 

Gattung Makrobiotus. 

Makrobiotus echinogenüus Richters 

Richters, Fauna arctica Bd. III Taf. 16 Fig. 24. 

Ein typisches echinogenüus -Ei deutete das Vorkommen 
dieser Art auf Sumatra an. In der Tat fanden sich denn auch 
bei Palembang auf Sumatra, wie auch auf Banka, Makrobioten 
mit den Kennzeichen der Art. Auffällig stark ist au mehreren 
Stücken (Fig. 9) das „Komma" entwickelt; es mißt bis 7 (x. 



— 25 — 

Makrobiotus rubens Murray 

2 Ex. Palembang. 

Makrobiotus annae*) nov. spec. 

3 Ex. 1 Ei. 

Eine neue Makrobioten-Art wurde im Busch von Palem- 
bang in der Nähe des sog. Grabes Alexanders des Großen durch 
ein bisher unbekanntes Ei (Fig. 11) indiziert; leider enthielt es 
keinen reifen Embryo. 

Das Ei mißt 108 ja. im Durchmesser; es ist dicht mit feinen 
Dornen besetzt — an einem Umfang zählt man etwa 30 — die, 
scharf abgesetzt, auf konischen, geriefelten Zapfen stehen. 

Neben diesem Ei fanden sich drei Exemplare eines bis- 
her nicht beschriebenen Makrobioten Taf. II Fig. 10, den ich vor- 
läufig, trotz seiner relativ geringen Körperlänge — das größte 
Exemplar mißt 368 (x — als zu diesem Ei gehörig auffasse. 
Sollten spätere Beobachtungen diese Auffassung korrigieren, so 
bleibt die Form des Eies für die Art maßgebend. 

Hyalin, glatt, mit Augen, mit wenig gekrümmten Zähnen 
und mit Zahnträgern; Mundrohr 3ji; Schlundkopf kuglig; 
Chitineiulagerungen drei : ein kleines Körnchen, zwei kurze Stäb- 
chen, von denen das vordere etwas länger (4 - 5 \i) ; Hufelandi- 
Krallen. 

Ein Exemplar dieser Art erwachte beim Anfeuchten am 
21. Oktober 1907 nach 2^2 jährigem Trockenschlaf; im übrigen 
hat mir kein zweites die Freude gemacht. 

Makrobiotus spec. ? 

In einem Überzug von Fadenalgen an Areca Catechu bei 
Palembang fand sich in 7 Exemplaren ein bis 224 [x messender, 
winziger Makrobiot Taf. II Fig. 12 und neben diesem ein ent- 
sprechend winziges Ei von 45 \i, das höchst wahrscheinlich zu 
dieser Art gehört. 

Die Fortsätze des Eies Taf. II Fig. 13 — ca. 35 an einem 
Umkreis — sind durchaus vom Hufelandi-Typus. 

Hyalin, glatt, mit Augen, Zähne nur leicht gekrümmt, 
Mundrohr bis 3 (i weit, Schlundkopf kuglig, Chitineiulage- 
rungen drei Körner, jedes von etwa 1 [i Länge; Krallen vom 
Hufelandi-Typus. 

*) Zu Ehren der Frau Hofrat Anna Hagen. 



— 26 — 

Da das Ei keine gänzlieb neue Form repräsentiert, so 
sehe ich zurzeit von einer Benennung ab. 

Makrobiotus spec. ? 

Ein kleiner Makrobiot (bis 304(a) von Muara Bahar, mit 
drei Chitineinlagerungen — kleine Stäbchen von wachsender 
Größe — in kugligem Schlundkopf, mit wenig verwachsenen 
Krallen — ist aus Mangel des Eies nicht genau zu bestimmen. 



An oben genannten Lokalitäten sammelte ich auch spär- 
liche Reste von Oribatiden in 12 Präparaten, die ich A. D. 
Michael zur gefälligen Bestimmung übersandte; aber auch 
dieser sachkundige Forscher war nicht in der Lage, bei dem 
Erhaltungszustände des Materials Genaueres aussagen zu können. 
Jedenfalls hat sich aber auch hier wieder gezeigt, daß die 
gemäßigte Zone bei weitem reicher an Oribatiden ist als die 
Tropen. 






- 28 



Fig. 


1. 


Fig. 


2. 


Fig. 


3. 


Fig. 


4. 


Fig. 


5. 


Fig. 


6. 



Figureiierkläriiiig. 



Tafel I. 

Eclnniscits calcaratus n. sp. 192 fi. Ascension. 

Ei des Makrobiotus ecliinoyrnitus Richters var. areolatus 

Murray. 95 jjl. Ascension, 
dito, mit ausgedrücktem Embryo. 
Makrobiotus aseensionis n. sp. 416 jj. Ascension. 
Ei desselben. 
Ei desselben mit ausgedrücktem Embryo. 



Ben d, Senckenb. Nahuf. Ges. IQ08. 



Taf.I. 



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4^ Mr£^^ 



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W 



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: YC-v J / 




^ 










Asce< 



30 



Figurenerklärung. 



Tafel IL 

Fig. 7. Difflugia arcula Leidy var. nov. fabiformis. ßanka. Von 
unten, oben und von der Seite. 
Oraspedonema nov. gen. javanieitm nov. spec. 320 f«.. Java 
Makrobiotus echinogenitus Richters. Sumatra. 
Makrobiotus annae nov. spec. 368 fi. Palembang. 
Ei desselben. 108 [j.. 
Makrobiotus spec. ? 224 |j.. Palembang. 
Ei desselben ? 45 jj.. 



Fig. 


8. 


Fig. 


9. 


Fig. 


10 


Fig. 


11. 


Fig. 


12. 


Fig. 


13. 



Ber. d.3enckenb.Nahwf.Ges. IQ08. 



Tat: II. 










Holländisch Indien 



31 



Zur Kenntnis afrikanischer Mantodeen. 

IL«) 

Von 

Dr. F. Werner (Wien). 

(Mit Tafel III.) 

Im Vorjahre erhielt ich eine kleine, aber sehr interessante 
Bestimmungssendung vom Museum der Senckenbergischen Natur- 
forschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M., für deren Über- 
mittlung ich Herrn Prof. F. Römer sehr zu Dank verpflichtet 
bin. Bei Bearbeitung dieses Materials war ich aber genötigt, 
einige andere Gattungen und Arten afrikanischer Mantodeen in 
Betracht zu ziehen, so daß die folgende Arbeit über den Rah- 
men einer bloßen Determinationsliste immerhin erheblich hinaus- 
geht und, wie ich glaube, eine nicht unwesentliche Vertiefung 
unserer Kenntnisse über die Systematik der äthiopischen Man- 
todeenfauna ergibt. 

I. Amorphoscelidae. 

Die Kollektion R. R o h d e (Mukonje-Farm, Kamerun 1905) 
enthält eine Imago und zwei Larven aus dieser Gruppe; die 
beiden letzteren gehören augenscheinlich zwei verschiedenen 
Arten an. Von ihnen möchte ich die eine nebst dem ausgebil- 
deten Tier in die Nähe von A. laxeretis Karsch stellen, doch 
sind die Antennen nicht, die Beine dagegen (bei der Larve) 
sehr deutlich dunkel gebändert. Die Körperlänge stimmt mit 
der für die Art angegebenen gut überein (19,5 mm), ebenso 
auch die der Flügeldecken (16 mm); das Pronotum ist etwas 
kürzer (2 gegen 2,4 mm) ; Antennen körperlang ; Flugorgane 
glänzend, mit undeutlichen braunen Flecken; Kopf, Pronotum 
und Vorderbeine einfarbig hellgelbbraun. Da dieses Exemplar 



') Vgl. Jahresh. Württemb. Ver. f. Naturk. 1906. 



— 32 — 

sich anscheinend nur in der Färbung, dagegen nicht in den 
morphologischen Merkmalen vom Typus von Togo entfernt, so 
möchte ich es nur als var. cameronensis von Amorphoscelis laxe- 
retis abtrennen. 

Die Larve der zweiten Art halte ich für identisch der Art 
nach mit einer Imago aus Victoria, die ich von Stau dinger 
in Blasewitz erhielt. Diese Art ist im Flügelgeäder nicht von 
der vorigen verschieden , aber größer, robuster ; die Elytren 
sind matt, undurchsichtig und erreichen die Basis der Lamina 
supraanalis nicht, während sie bei voriger Art darüber hinaus- 
ragen ; die Antennen erreichen das Hinterende des Körpers nicht. 
— Körperlänge 25 mm, Elytren 20, Pronotum 2,5 mm lang. 
Färbung gelbbraun ; Antennen an der Basis einfarbig gelb- 
braun, dann dunkel, hell geringelt ; Mittel- und Hinterbeine un- 
deutlich dunkel geringelt ; Elytren hellgrau, mit sehr verwasche- 
ner, dunkler Zeichnung. 

Auch die Larve des Senckenbergischen Museums macht 
einen massiveren Eindruck als die der vorigen Art ; die Glied- 
maßen sind einfarbig hell, die Antennen geringelt. Ich will die 
Art A. nubeculosus nennen. 

Daß die Anzahl der afrikanischen Amorphosceliden noch 
erheblich größer sein dürfte, als bis jetzt bekannt, da sich diese 
kleinen, überaus flinken und rindenfarbigen Tiere sehr leicht 
den Nachstellungen des Sammlers entziehen, ist mit Sicherheit 
anzunehmen, Einige große Arten befinden sich im K. K. natur- 
historischen Hofmuseum in Wien (Coli. Brunn er von Watten- 
wyl). Sobald ich die zum Studium derselben nötige Zeit ge- 
funden habe, werde ich sie und die anderen afrikanischen Arten 
der Familie noch genauer beschreiben. 

II. Mantidae. 

Calidomantis (Miomantis) gracilis (Karsch) = C. (M.) preussi 

(Karsch). 
Mir liegen 2 <? <? einer Miomantis vor, die zweifellos zu 
preussi gehören, wenngleich von den beiden schwarzen Flecken 
au der Innenseite der vorderen Femora nur die zwei proximalen 
vorhanden sind; dagegen sind die Dornen der Vorderfemora, sowie 
die Vordertarsen dunkel gefärbt, die Vordertibien, die mittleren 



— 33 - 

und hinteren Femora und Tibien undeutlich dunkel gebändert. 
Zwei $$ stimmen in jeder wesentlichen Beziehung mit der 
Abbildung bei Karsch (Berlin. Entomolog. Zeitschr. XXXIX. 
1904, Taf. XX. Fig. 11) und mit den vorliegenden <?c? überein, 
nur sind nicht allein Mittel- und Hinterbeine, sondern auch die 
Fangbeine und sogar das Pronotum hellgelbbraun und rötlich- 
braun gebändert. Die schwarzen Femoralflecken sind bei dem 
einen Exemplar sehr deutlich, beim andern dagegen sehr klein 
und undeutlich. Endlich liegen noch zwei grüne $£ vor, welche 
von den braunen, außer in der Grundfärbung, nur in zwei Punkten 
verschieden sind: 1. Fehlen der Querbänderung auf Pronotum 
uud Gliedmaßen, 2. Fehlen der schwarzen Flecke an der 
Innenseite der Vorderschenkel, von der Abbildung der M. gracilis 
finde ich sie nur dadurch verschieden, daß auch bei ihnen das 
Pronotum fein seitlich gezähnelt erscheint, wenig feiner als bei 
der braunen Form. Die Länge der Flugorgane, die bei den 
zwei $$ der Abbildung bei Karsch verschieden ist, verhält 
sich bei den mir vorliegenden durchaus gleich; desgleichen ist 
die Genitalgegend vollkommen gleichgebildet. Ich glaube daher, 
daß beide Arten vereinigt werden müssen. 

Versuch einer Revision der afrikanischen (fest- 
ländischen) Sphodromantis- und Polyspilota- Arten. 

Wie die artenreiche Gattung Hierodula, so bietet auch die 
nahe verwandte, vorwiegend afrikanische Gattung Sphodromantis 
ein trostloses Bild für den System atiker und dieses Bild ist 
durch den Katalog Kirbys nicht heiterer geworden. In 
diesem Werk steht Sphodromantis muta Wood-Mason, die eine 
Übergangsform zwischen Mantis und Sphodromantis vorstellt 
und die ich nur wegen des vorhandenen Kniedornes wieder 
zu letzterer Gattung stelle, gleichzeitig bei Sphodromantis 
(p. 243) uud Polyspilota (p. 239). Die von Kirby unterschiedenen 
drei Arten Sph. gastrica Stäl, lineola Burm. uud Christina 
Kirby können bei der ganz außerordentlichen Variabilität, die 
in dieser Gruppe in mehreren wesentlichen Merkmalen herrscht, 
bloß als Formen derselben Art, für die der Name Sph. UneolaBiivm. 
(1838) zu verbleiben hat, betrachtet werden. Bei Vergleich 
einer größeren Serie von Exemplaren dieser Art ergibt sich, 
daß die Form gastrica, welche ein breiteres, etwa dreieckiges 

3 



— 34 — 

Stigma besitzt, mehr in Süd- und Ostafrika verbreitet ist, 
während die Liueola-Fovm mit länglichem und schmalem Stigma 
allerdings mehr auf Westafrika beschränkt ist, sich aber auch 
in Uganda findet. Manchmal ist gastrica der bioculata so 
ähnlich, daß nur die Form des Pronotums beide Arten mit 
Sicherheit zu unterscheiden gestattet. Was die Bewehrung 
der Vordercoxen anbelangt, so ist sie die denkbar verschiedenste. 
Es gibt Exemplare mit zahlreichen, gleichartigen kleinen 
Zähnen am vorderen Rand, solche, bei denen eine geringe 
Zahl (4 — 6) größerer, hell, (weiß oder gelb) gefärbter etwas mehr 
an der Innenfläche sich inserierender Zähne außer den kleinen 
vorkommt, solche ausschließlich mit derartigen breiteren Zähnen, 
wieder andere mit den breiten hellen Flecken an der Innen- 
fläche wie bei bioculata usw. 

Dabei variiert das Pronotum weniger in der Form als in 
der relativen Größe in bezug auf die Körperlänge und ist bei 
manchen Individuen von äußerst massivem Bau. 

Sph. Christina halte ich für eine ganz überflüssige Art 1 ) 
und Sph. (Sphodropoda) rudolfae Reim ist auch sicher nichts 
anderes als ein sehr kräftiges aber kleines $ der Lmeo/a-Gruppe 
mit einer Färbuug, die bei dieser Art gerade in Ostafrika nicht 
allzuselten auftritt. Merkwürdigerweise kommt eine kleine 
Rasse auch von Polyspilota pustulata in Ostafrika vor, bei 
welcher ebenfalls das Pronotum verkürzt erscheint. 

Es bleibt nun nur noch meine Hierodula occidentalis aus 
D. S. W. Afrika, die auch eine Sphodromantis ist, sowie S. biocu- 
lata übrig. Außer diesen drei Arten sind mir vom afrikanischen 
Festland noch eine Rhombodera (scutata Karsch) und eine echte 
Hierodula aus D. 0. Afrika bekannt. Diese ist aber höchst- 
wahrscheinlich von Asien her eingeschleppt und mit irgendeiner 
der großen indischen Arten identisch. Ich muß diese Frage 
bis zur Fertigstellung der Revision der echten Hierodula- Arten 
verschieben. 

In den Iuserenden des K. K. naturhistorischen Hofmuseums 
in Wien fand sich nun eine vierte Sphodromantis, die ich unter 



J ) Ich habe Mantis Kersteni Stäl (= Christina Kiiby), die nach Exem- 
plaren der Coli. Brunner beschrieben ist, nachuntersucht und keinen Unter- 
schied von M. Kersteni Gerst. (= gastrica Stäl) gefunden. 



— 35 — 

dem Namen Sph. biocellata bereits in den Jahresh. d. Württemb. 
Ver. f. Naturk. 1906 p. 367 genannt, aber nicht weiter beschrieben 
habe. Sie hat ganz den Habitus der Sph. lineola aber kürzere 
Flugorgane, deren Verhältnis zur Länge des Abdomeus leider 
nicht beurteilt werden kanu, weil es sowohl beim J 1 als beim $ 
größtenteils abgebrochen ist. Sehr kenntlich ist die Art aber 
an dem großen runden Flecken an der Mitte der Innenseite 
der Vordercoxen, der beim J 1 einfarbig glänzend blauschwarz, 
beim $ gelbrot, schwarz gesäumt ist. Kopf ganz wie bei 
Sph. Uneola, ebenso das Pronotum ; man könnte höchstens 
linden, daß es hinter der Erweiterung ein wenig mehr ein- 
gezogen ist. Vordere Kante der Vordercoxen mit 16 (cf) bis 
22 ($) kleinen Zähnen, von denen einige wenige kleiner sind 
als die übrigen; einige ganz kleine habe ich nicht mitgezählt. 

Stigma beim <? länglich, etwa rhombisch, elfenbeinweiß, 
schwarz gesäumt; beim $ etwas kleiner, ohne dunklen Saum. 

Kostalfeld vollständig opak, hellgelb, beim $ sehr breit; 
Medianfeld im (bei gespannten Elytren) vorderen Teil opak, 
ebenso längs der Hauptadern bis über die Mitte der Elytra 
hinaus, so daß eine tiefzackige gelbe Zeichnung auf die voll- 
kommen hyaline Hinterhälfte des Medianfeldes hinübergreift. 
Spitze des Hinterflügels ebenfalls etwas gelblich. Beim $ sind 
die Elytren vollkommen opak, grün, höchstens gegen den Hinter- 
rand etwas durchscheinend. 





c? 


d 1 


¥ 


¥ 


Dimensionen : 


biocellata 


lineola 


biocellata 


lineola 


Pronotum-Länge 


16.3 


16 


20.5 


24.5 


„ Breite 


5.6 


5.1 


8.8 


10.3 


Elytra-Länge 


45 


47.5 


42.6 


51.8 


„ Breite 


12 


13.5 


16.2 


18.3 


Elytra-Länge 










zu Pronotum-Länge 


2.76:1 


2.97 : 1 


2.78:1 


2.11:1 



Kamerun (leg. Dr. M. Schapiro 1888). 
Die Sphodroman tis- Arten Afrikas lasseu sich in der jetzigen 
rektifizierten und restringierten Auffassung nunmehr sehr leicht 
unterscheiden wie folgt: 

1. Vordercoxen einfarbig 2 

„ dunkel gezeichnet 4 

3* 



- 36 — 

2. Schenkel der Mittel- und Hinterbeine unterseits dunkel; 

Elytren des cT bedeutend breiter als das Abdomen (Länge 
des cT bis 54 min, Pronotum hinter der supracoxalen 
Erweiterung stark verengt); Sph. occidenlalis Wem. 

Schenkel der Mittel- und Hinterbeine unterseits nicht 
dunkel ; Elytren des c? wenig breiter als das Abdomen 3 

3. Pronotum hinter der Erweiterung stark verengt; 

Sph. bioculaia Burm. 
Pronotum hinter der Erweiterung wenig verengt; 

Sph. lineola Burm. 

4. Vordercoxen innen mit einem runden Flecken, der beim 

<? einfarbig blauschwarz, beim % orangerot, schwarz 

gesäumt ist Sph. biocellata Wem. 

Vordercoxen innen mit drei weißen, schwarz gesäumten 

Flecken. (Fig. 16.) .... Sph. muta Wood-Mason. 
Mit Ausnahme von Sph. biocellata, von der mir nur ein 
Pärchen (die Typen) bekannt ist, liegt mir von allen Arten 
auch die braune Form vor. Sph. muta besitze ich auch von 
Entebbe, Uganda ; sie ist also nicht auf Westafrika beschränkt. 
Kirby stellt Polyspilota picta in die Synonymie der Sph. muta, 
was mir ein Beweis dafür zu sein scheint, daß er wenigstens eine 
dieser beiden Arten nie gesehen hat. — Sph. rudolphae scheint 
sich von lineola nur durch den konkaven Vertex zu unterscheiden. 
Was nun die Polyspilota- Arten anbelangt, so ist P.pustu- 
lata Stoll in ihren zahlreichen Varietäten in Färbung und Größe 
und in ihrer weiten Verbreitung über das ganze äthiopische 
Gebiet ein Seitenstück zu Sphodromantis lineola. Von den übrigen 
bei Kirby (Cat. Orth. I. S. 239) genannten Arten kenne ich aus 
eigener Anschauung die folgenden ausschließlich auf Westafrika 
nördlich vom Aequator beschränkte Arten : x ) 

1. P. validissima Gerst. (== P. hof mannt Br. in Coll.); 

2. P. calabarica Westw. (= Miomantis armicollis Karsch [<?], 
P. truncatipennis Karsch [$]) ; 

3. P. laücollis K. — 4. P. flavipennis K. — 5. P. picta Gerst. 



x ) P. heteroptera Wem. ist doch keine Polyspilota, sondern eine aus 
dem Sunda- Archipel verschleppte Hierodula, die aber den Speziesnamen bei- 
behalten kann. P. marmorata Schulth. — Dystaeta alticeps Schaum $ 
Exemplare aus der Coli. Schultbess untersucht.) 



— 37 — 

Artberechtigt scheint mir außerdem noch P. gasconi Rochebr. 
zu sein, die zwischen validissima und pustulata stehen dürfte, 
sowie insignis W. Mason. P. caffra Westw., P. saussurei Borm. 
sind wohl nur Varietäten der pustulata. 

Die Unterscheidung der Arten (vgl. Fig. 8 — 11) ist nun- 
mehr leicht, wenn man zwei Punkte berücksichtigt: 

1. die Färbung der Innenseite der Vorderbeine — sie sind 
einfarbig bei 1 und 2, mit kleinem dunklem Fleck bei 3, 
mit großem bei pustulata ; die Coxen einfarbig hell bei allen 
bis auf 4 und 5, wo sie schwarz mit weißen Dornen sind. 

2. Die Färbung des Analfeldes der Hinterflügel ; einfarbig hell 
oder dunkel bei pustulata, sehr dunkel bei 3, braun mit hel- 
len Queradern bei 1, 2, 4 und 5, sowie bei gasconi und insignis. 

Die Unterscheidung ergibt sich danach wie folgt: 

1. Vorderbeine innenseits ohne dunkle Flecken ... 2 

„ „ wenigstens mit einem dunklen 
Femoral- oder Coxalflecken 3 

2. Kostalfeld der Ely tren ungefleckt; Größe gering^ 52. 8 mm, 

$ 54mm); Flugorgane des $ verkürzt; 

P. calabarica Westw T . 
Kostalfeld der Elytren mehr oder weniger deutlich dunkel 
gefleckt; Größe bedeutend (<? 80mm, $ 97mm); Flug- 
organe des $ nicht verkürzt . . P. validissima Gerst. 

3. Nur die Vorderfemora innenseits mit einem dunklen 

Flecken 4 

Femora und Coxen oder nur die Coxen der Vorderbeine 
mit dunklen Flecken 7 

4. Flecken der Femora klein ; Pronotuni hinter der supra- 

coxalen Erweiterung sich allmählich verschmälernd ; 
Analfeld der Hinterflügel schwarzbraun mit hyalinem 

Hinterrand P. laticollis Karsch. 

Flecken der Femora groß ; oder diese ganz dunkel 5 

5. Pronotum hinter der Erweiterung deutlich verengt, und 

von hier ab nur ganz wenig sich wieder verbreiternd, 
beim $ mit gezähneltem Seitenrand ; Flecken der Innen- 
seite der Femora das basale untere Viertel einnehmend. 
Analfeld der Hinterflügel, wenn dunkelbraun, ohne 
hyalinen Saum, niemals mit hellen Queradern. 

P. pustulata Stoll. 



— 38 — 

Queradern des Analfeldes der Hinterflügel hell; vordere 
Femora mit breitem blauviolettem Querband oder 
ganz schwarz 6 

6. Vordere Femora mit breitem blauviolettem Querband; 

Hinterflügel mit violettem Analfeld ; Dornen der Vorder- 
tibien 4 — 17 (Beschreibung dürftig!) P. yasconü Rochebr. 
Vordere Femora ganz schwarz ; Analfeld der Hinterflügel 
rauchquarzf arbig. Dornen der Vordertibien 10 — 15 

P. insignis W. Mason. 

7. Nur die Coxen der Vorderbeine mit großem schwarzem 

Flecken, auf dessen Vorderrand drei weiße Flecken; 

P flavipennis Karsch. 
Femora der Vorderbeine mit großem schwarzem Flecken 
am Unterrand ; Coxen schwarz mit drei weißen, etwas 
platten Dornen am Vorder(Ober)rand . P. picta Gerst. 
Was nun P. pustulata Stoll (= varicgata Oliv. — marginata 
Fabr. = vicina Serv.) anbelangt, so kann ich hier drei Haupt- 
Farbenvarietäten und zwei Extreme der Größe unterscheiden. 

I. Farbenvarietäten: 

Elytra. A. var. pustnlata Stoll. Elytren mit grünem, ungefleck- 
tem Costalfeld, Mittelfeld dunkel gefleckt; Kopf, 
Thorax, Obdomen und Gliedmaßen grün. 

B. var. striata Stoll. Elytren mit Einschluß des Costal- 
feldes hellbraun, dunkelbraun marmoriert. Färbung 
außerdem graubraun. 

C. var. viridis Wem. Elytren mit Ausnahme des weißen, 
schwarz gesäumten Stigmas einfarbig grün. 

Hinterflügel : Vorderrand mit 2 bis 7 dunklen Flecken (am 
wenigsten bei var. C, am meisten bei var. B); Anal- 
feld hyalin (var. C) oder mit braunen Queradern (dieselbe 
Var.) oder mehr weniger vollständig verdunkelt bis 
einfarbig braun (Extrem auch wie bei den Vorderflügeln 
in der var. B.) ; niemals helle Queradern ! 

II. Fonnvarietäteii (in Coli. m.). 

A. (var. saiissiirei Bonn.?) Klein, mit kurzem Pronotum ; 
Entebbe, Uganda, Totallänge 48 mm; Pronotum 
12.8 : 4.6 mm (2.78 : 1) 



— 39 — 

(Typ-Exemplar, $ aus Let-Marefia, Schoa: Total 45.5; 
Pronotum 14 : 5.5 = 2.55 : 1. 
B. (var. caff'ra Westw. ?) groß, mit kurzem Pronotum; 
D.O.Afrika. $: Totalläuge 70.5mm; Pronotum 
22.3:10.3 mm (2.17: 1). 
(Typ-Exemplar, $ Caffraria : Total 50.8 ; Pronotum 
17 mm. 
(Vgl. dagegen die Dimensionen eines typischen Pares: 
<?, Brit. O.Afrika: Totallänge 69 mm; Pronotum 

22:5 mm (4:1). 
$, Nguelo, Usambara: Totallänge 72.5; Pronotum 
22.8 : 7 mm (3.26 : 1).) 
Anscheinend kommen bei beiden Formvarietäten beide 
Extreme iu der Hinterflügelzeiclmuug vor; die Elytren ent- 
sprechen meist der var. C, sowohl bei saussurei als bei caffra. 
Anhangsweise gebe ich auch noch eine Abbildung der 
Innnenseite der Vorderhüften von 4 ostafrikanischen Mantis- 
Arten (Fig. 12 — 15) die sich darnach leicht unterscheiden lassen. 

Dactylopteryx flexuosa Karsch. 

Vor kurzer Zeit beschrieb ich (Jahresh. Württembg. naturw. 
Ver. 1906 S. 372) eine Mantide aus Deutsch-Ostafrika unter 
dem Namen Liturgousa orientalis. Ich habe mich später davon 
überzeugt, daß diese Art vollkommen, sogar der Art nach mit 
der obengenannten, von Karsch in Entomol. Nachr. XVIII. 
1892 S. 5 beschriebenen Art aus dem Gabungebiete zusammen- 
fällt. Da das Originalexemplar defekt war, so möchte ich zu 
der Beschreibung, welche Karsch gegeben hat, noch einige 
Ergänzungen geben. Hinzufügen möchte ich nur, daß ich die 
Stellung der Gattung im System in der Nähe von Liturgousa 
trotzdem aufrecht erhalten möchte. Mir liegt neuerdings vor: 
ein cT aus der Coli. Rohde, also aus Kamerun und zwei $ ¥ aus 
Deutsch-Ostafrika. 

Dimensionen : <? (Kamerun) $ (Usambara) $ (Dar-es-Salaam) 
Totallänge 34 43 53 

Pronotum-Länge 9 13 15 

Breite 3 5 6.5 

Abdomen-Breite 5 10 12 



— 40 — 

Dimensionen : c? (Kamerun) $ (Usambara) $ (Dar-es-Salaam) 
Elytren-Länge 27 80 36 

Breite 7 12 13 

Vordere Femora, 

Länge 9 13 14 

Aus den Dimensionen des Kameruner <? und des Original- 
exemplares (welches sicherlich auch ein <$ war) ersieht man, 
daß die westafrikanische Rasse dieser Art erheblich kleiner ist, 
als die ostafrikanische (<$ Totalläuge 49 mm, Pronotum 14 mm) 
was auch bei einer anderen äthiopischen Mantide (Pseudo- 
creobatra) zutrifft, bei welcher die westlichen Exemplare (P. ocellata) 
ganz konstant merklich kleiner sind als die östlichen (und süd- 
afrikanischen) = P. wahlbergi. 

Die Antennen sind (<?) etwas über Körperlang, sie erreichen 
die Spitze der Cerci; von einer seitlichen Zähnelung des hinteren 
Pronotumabschnittes kann ich nichts erkennen. Auf den Kanten 
der Vordercoxen finde ich eine feine Zähnelung nur zum Teil, 
nämlich auf der Ober- und Hinterkante; auf der Vorderkante 
stehen weit getrennte, ziemlich grobe Zähnchen, etwa 5 an der 
Zahl. Die Vorderfemora sind oben konvex, aber nicht dachig, 
unterseits vollkommen glatt, außen (inkl. Apicaldorn) mit 5, 
innen mit 16 Dornen besetzt; die Lage der Discoidaldornen 
ist wie von Karsch angegeben. Von den inneren Dornen ist 
der 1., 5. und von da ab immer jeder 2. verlängert. Tibial- 
dornen: innere 11, äußere 8; Innen (Unter)seite der Vorderbeine 
hellgelbbräunlich, die Femora mit drei schwarzen, in gleichen 
Abständen voneinander stehenden Flecken, von denen die zwei 
distalen durch eine schwarze, bis zum Apex reichende Linie 
verbunden sind; Mittel- und Hinterbeine oberseits deutlich 
dunkel gebändert, unterseits aber die Bänder sehr blaß. Elytren 
nicht rosenrot, sondern graubraun, dunkler gewölkt (nach meiner 
Erinnerung ist dies auch bei dem Originalexemplar nicht anders). 
Abdomen unterseits hellgelb, mit kleinen schwarzen Punkten in 
zwei Längsreihen; Supraanalplatte halbkreisförmig; Subgenital- 
platte halbelliptisch, am Ende quer abgestutzt, Seitenwand distal 
etwas aufgewulstet ; Cerci lang, drehrund, gegen die Spitze 
allmählich verschmälert, vielgliedrig, langhaarig. 

Was die $ anbelangt, so sind bei ihnen die Femora innen- 
seits sehr undeutlich gezeichnet; bei dem einen fehlt der 



— 41 — 

proximale Flecken. Die Zahl der Dornen ist im allgemeinen 
constant, nur besitzt das größere Exemplar auf einer Seite nur 
7, auf der anderen aber 9 äußere Tibialdornen. Hinterflügel 
braun, etwas heller gefleckt. — Es unterliegt für mich keinem 
Zweifel, daß auch Theopompa angusticöllis Sjöstedt mit Dacty- 
lopteryx flexuosa identisch ist. 

Die Stenopyga- Arten. 

Der Gattung Stenopyya Karsch, welche für St. extern 
Karsch im Jahre 1892 (Entomol. Nachr. XVIII. S. 146) auf- 
gestellt wurde, sind bisher folgende Arten mit Bedenken zu- 
gerechnet worden : Euchomena casta Gerst. (Mitth. Ver. Vor- 
pommern und Rügen XIV. 1883 S. 83), sowie Solygia distanti 
Kirby (Ann. Nat. Hist. (7) IV. 1899 S. 350), erstere von Karsch, 
letztere vom Autor der Art selbst. Euchomena stanlcyana Westw. 
wird von Kirby in die Synonymie von Leptocola graciUima ein- 
gezogen, so daß wir uns nicht weiter damit zu beschäftigen brauchen. 

Was nun obige drei Arten anbelangt, so erscheint es mir 
außer Zweifel, daß St. extera mit den beiden anderen Arten 
nichts zu tun hat, und der Gattung Euchomena immerhin 
näher steht, während casta und distanti zwar nicht zu Solygia 
gehören, weil die Lamina supraanalis nicht verlängert, sondern 
einfach dreieckig ist, daß sie aber in die FiscAma-Gruppe als 
besondere Gattung einzureihen sind. 

Zu der Beschreibung von Karsch habe ich folgendes 
hinzuzufügen. 

Mir liegen zwei Exemplare der St. extera vor, beide J\ 
das größere 49 mm lang, die Flugorgane erreichen etwa den 
Hinterrand des vorletzten Hinterleibssegmentes ; Vorderfemora 
mit sehr langem Discoidaldorn (vom Trochanter gerechnet der 
dritte); Vordertibien außen mit 11, innen mit 14 Dornen. 
Flugorgane glänzend, dunkelbraun, durchscheinend. Wenn die 
Unterschiede die Aufstellung einer neuen Art rechtfertigen 
sollten, so möchte ich den Namen St. tenera vorschlagen. 

Was nun die zweite Gruppe anbelangt, so möchte ich 
für sie den Gattungsnamen 

Agrionopsis 

vorschlagen. Sie charakterisiert sich durch den Agrioniden- 



— 42 — 

Kopf mit breit abgerundeten Augen, das lange Pronotum, 
dessen Median-Kiel vor der Querfurche in eine Längsfurche 
übergeht, die beim <$ die Spitze des Abdomens, beim $ den 
Hinterrand des ersten Abdominalsegmentes nicht erreichenden 
Elytren, die dreieckige Supraanalplatte und die langgestreckten 
Gliedmaßen, an welchen jedoch die Vordertibien relativ kurz 
sind. Im ganzen äthiopischen Gebiete. 

Die vier mir bekannten Arten sind vielleicht nur Varietäten 
derselben Art, da sie sich im wesentlichen nur durch die 
Färbung unterscheiden. Es sind dies: 

A. casta (Gerstäcker) 

A. distanti (Kirby) 

A. bokiana (Giglio-Tos) 

A. modesta Wem. n. sp. 

Agrionopsis modesta n. sp. 

Färbung nahezu einförmig hellgelbbraun, unterseits heller, 
Pronotum an den Seiten etwas dunkler als in der Mitte. Basis 
der inneren Femoral- und der Discoidaldornen (oder nur der 
letzteren) mit einem schwarzen Fleck. Elytren des c? den 
Hinterrand des vierten Abdominalsegments erreichend, mit opak 
gelblichweißem Kostalrand und pechbraunen Adern des hyalinen 
Mittelfeldes , welche durch je zwei Zellreihen getrennt sind ; 
Hinterflügel hyalin mit gelbbraunem Kostalrand und pechbraunen 
Adern. Das $ in der Färbung mit dem c? übereinstimmend ; 
Abdomen mit einer dunkelbraunen Längslinie jederseits dicht 
neben der Mittellinie und deutlichen Längslinien an jeder Seite. 
Elytren bis zum Ende des 1. Abdominalsegmentes reichend, 
opak, abgerundet, schmutzig graugrün (unten tiefschwarz), 
Kostalrand und Spitze gelbbraun. 

Pronotum seitlich gezähnelt, der Teil hinter der supraco- 
xalen Erweiterung breiter als der vordere. Vordere Femora 
mit 4 Außendornen außer dem stumpfen Apikaldorn ; 3 Discoi- 
daldornen, sehr lang; innere Femoraldornen 14; Tibialdornen 
innen 14, außen 8. 

Deutsch-Ostafrika : 
Dimensionen : J 1 

Totallänge ? 

Kopfbreite 5.5 



c? 


¥ 


$ 


58 


69 


66 


4.5 


6 


5.5 



— 43 — 

Deutsch-Ostafrika : 

Dimensionen: cT c? £ £ 

Pronot um-Länge 22 20.5 27 25 

Breite 2 2 3 3 

Elytren-Länge 31 29 9 8.5 

Breite 4.5 4.5 4 4 
Vordere Femora-Länge 14 13.5 17 15 
„ Tibien 5 5 7 6 
Hintere Femora „ ? 22 26 22 
Die drei Arten sind wegen der recht mangelhaften Be- 
schreibung der Kir by sehen Art nicht ganz sicher zu unter- 
scheiden. Ich versuche es auf folgende Weise: 

1. Kopf ohne schwarze Querbinden: Vordercoxen ohne 

schwarze Zeichnungen 2 

Schwarzen Querbinden zwischen den Augen ; Vorder- 
coxen mit schwarzen Zeichnungen 3 

2. Elytren des <? die Spitze des Abdomens nicht erreichend, 

Pronotumseitenränder vor und hinter der Querfurche 
gezähnelt, 8 äußere Tibialdornen . . . . A. modesta 
Elytren des cT die Hinterleibsspitze überragend: Pro- 
notum nur vor der Querfurche gezähnelt; 10 äußere 
Tibialdornen A. bokiana 

3. Vordere Femora und Coxen innerseits mit schwarzen 

Flecken ; Pronotum nicht schwarz gestreift . . A. casta 
Vordere Femora und Coxen innerseits schwarz gestreift. 
Pronotum ebenfalls mit schwarzen Streifen . A. distanti. 

Chlor oharpaoe n. g. 

Verbindet die Harpagiden mit dem Mantiden. Habitus 
einer Harpagide, aber Kopfgipfel nicht verlängert, mittlere und 
hintere Femora nicht gelappt. Kopf dreieckig, mit abgerundeten 
Augen. Clypeus etwa halbkreisförmig, mit drei Längskielen. 
Ocellen klein, in einem sehr stumpfen Winkel angeordnet. 
Antennen anscheinend kurz. Occiput quer abgestutzt, nach 
einwärts von den Augen jederseits in einem sehr kurzen, 
stumpfen Fortsatz ausgezogen, Pronotum ganzrandig, stumpf- 
dachförmig, kurz, rhombisch mit abgerundeten Ecken, über der 
Basis des Elytren tief ausgeschnitten, Querfurche etwas voi- 
der Mitte einen nach vorn konkaven Bogen bildend. Abdomen 



— 44 — 

breit, Supraanalplatte breit mit bogenförmigen Hinterrand, Cerci 
drehrund, am Ende zugespitzt und nach außen gerichtet. 
Vorderbeine kräftig gebaut, ihre Coxen fein gezähnelt an allen 
drei Kanten ; Femora breit, flach, Unterrand stark konvex, 
Außendornen 4, kurz, kräftig, durch kleine Zähnchen getrennt; 
Innendornen 9, sehr ungleich groß; Discoidaldornen 3 gleich 
große in einer Längsreihe, 3 mehr gegen den Innenrand ge- 
legene, distalwärts stark an Größe zunehmende. Äußere 
Tibialdornen 12, kurz, dick, dicht gedrängt, ganz ohne 
Zwischenräume, distalwärts an Länge zunehmend; innere 11, 
ebenfalls distalwärts am größten, länger als die äußeren, etwas 
gekrümmt und deutlich getrennt ; Tarsus so lang wie die Tibia 
ohne Enddorn, das erste Glied so lang wie die übrigen zu- 
sammen. Vorder- und Mittelbeine mäßig lang. Elytren die 
Hinterleibsspitze überragend, mit breitem retikulierten Kostal- 
feld, das im letzten Viertel plötzlich sich verschmälert, Mittel- 
feld breit, mit 7 Längsadern, ebenfalls dicht retikuliert. Stigma 
groß, rund, glänzend. 

Chi. ocellifer n. sp. (Fig. 3.) 
Kopf, Pronotum und Elytren grün, Pronotumrücken mit 
rotbraunem, hinter der Querfurche sich verbreiternden Längs- 
band. Abdomen gelblichweiß ; Vorderbeine fahlgelbbräunlich, 
Mittel- und Hinterbeine mehr grün, Stigma rot, blauschwarz 
eingefaßt ($). 

Dimensionen: 

Totallänge .... 29 mm 
Pronotum-Länge . . 6.5 „ 
„ Breite . . 4.5 „ 

Elytren-Länge ... 22 „ 
„ Breite ... 8.5 „ 
Vordere Femora . . 9 „ 
„ „ Breite 3.5 „ 

Das c?, in der Kollektion Brunner von Wattenwyl, 
Nr. 19 838, vom Ogowe, ist durch folgende, teilweise sehr auf- 
fallende Eigentümlichkeiten vom $ unterschieden, doch zweifle 
ich nicht, daß es zur selben Art gehört. 

Dimensionen geringer, Ocellen größer, die beiden Längs- 
furchen zwischen den Augen viel tiefer, Kostalfeld der Elytren 



45 



viel schmäler und sich allmählich gegen die Spitze hin ver- 
schmälernd. Stigma farblos, langgestreckt, ohne 
dunklen Saum. Prouotum einfarbig grün. Discoidalfeld des 
Vorderflügels mit 12 Adern, die Gabeläste der Radialis anterior 
wie beim $ nicht mitgezählt. 

Genauer wäre das Verhältnis folgendes: 

1. Vena humeralis (Sauss.) = V. radia- 
lis anterior (Brunner): rechts ein- 
fach, links doppelt gegabelt! 

2. V. radialis posterior (Brunner) (= 
interior Stäl): rechts drei-, links 
zweiästig! 

3. V. ulnaris anterior: rechts neun-, 
links siebenästig 

4. V. ulnaris posterior 

5. V. dividens normal . 

6. V. plicata 



links einfach, dagegen 
rechts doppelt ge- 
gabelt ; 

rechts ungeteilt, links 
gegabelt ; 

rechts sechs-, links 
ebenfalls sechsästig ; 

normal. 



Dimensionen des <?: 




Totallänge . . 


25.5 


Pronotum-Länge 


5.5 


„ Breite 


3.5 


Elytren-Länge . 


23.5 


„ Breite . 


6.5 


Vordere Femora 




(Länge) 


7.5 


(Breite) 


2.5 



Auchmomantis n. g. 

Eine sehr isoliert stehende Gattung, von der man nur 
sagen kann, daß sie in die Familie Manüäae gehört und welche 
sehr entfernt an die Harpagidengattung Acanthops eriunert. 
Auffallend sind die großen Augen, das kurze, über den Coxen 
stark erweiterte Pronotum, die großen und breiteu Flugorgane 
und die dünnen Mittel- und Hinterbeine. 

Kopf von vorn gesehen dreieckig, mit großen, vorgequol- 
lenen abgerundeten Augen, von denen jedes so breit ist wie 
der Zwischenraum zwischen beiden. Stirnschild etwa halbkreis- 



— 46 — 

förmig. Ocellen ziemlich groß, stark vorspringend, das un paare 
zwischen den Grundgliedern der beiden Antennen, die beiden 
andern vor einer tiefen Querfurche, welche die beiden Augen 
verbindet. Occiput nach einwärts von den Augen jederseits in 
eine kurze (rechtwinklig nach hinten vorspriugeude) Spitze aus- 
gezogen ; diese durch eine Längsfurche von einer nach einwärts 
von ihr stehenden kegelförmigen, etwas mehr nach aufwärts 
stehenden Spitze getrennt. 

Pronotum kurz, vor der Querfurche von halbelliptischem 
Umriß, dahinter plötzlich erweitert, hinter der Erweiterung, 
welche in einen kurzen Zahn ausläuft, wieder stark eingezogen 
und dann parallelrandig, hinten abgerundet. Die Oberfläche des 
Pronotums ist von sehr höckeriger Beschaffenheit; hinter dem 
Vorderrande stehen zwei kleine Höcker nebeneinander; auf diese 
folgt ein unpaarer, kegelförmiger, dahinter ein Paar schief nach 
vorn und außen gerichteter Wülste, darauf der deutliche Sulcus ; 
hinter ihm ist der Rücken des Pronotums flach, von zwei un- 
deutlichen parallelen Längswülsten begrenzt, dahinter ganz ab- 
gerundet, ohne Spur eines Kieles. Die schmalen lamellären Seiten- 
ränder des Pronotums sind durch eine starke Furche von diesem 
abgegrenzt; vor dem Hinterrand stehen zwei kleine Höcker 
nebeneinander. 

Abdomen langgestreckt, mit parallelen Rändern (c?). Supra- 
analplatte breit, trapezförmig; Cerci lang, zylindrisch, am Ende 
zugespitzt und schwach gebogen, bis zur Mitte der Styli reichend; 
Subgenitalplatte lang, am Hinterrande quer, seitlich schief ab- 
gestutzt. Flugorgane groß, die Hinterleibsspitze überragend. 
DasGeäder der Vorderflügel ist sehr bemerkenswert. Die Vorder- 
flügel siud durchsichtig, der Vorderrand fein bewimpert. Das 
Kostal(Marginal)feld ist mäßig breit und verschmälert sich iu 
der distalen Hälfte der Elytra plötzlich bis zum völligen 
Schwunde, so daß hier die Vena mediastina den Rand bildet. 
Humeralader gegabelt, sehr kräftig. Discoidalader vom Grunde 
gegabelt, der humeralwärts gelegene Teil nicht verzweigt, der 
andere in drei Äste gespalteu. Die Felder zwischen den 
Längsadern unregelmäßig retikuliert; gegen die Flügelspitze 
hin wird die Retikulation sehr dicht. Hinterflügel in Durch- 
sichtigkeit mit den vorderen übereinstimmend, diese etwas 
überragend. 



— 47 — 

Vordergliedmaßen kräftig; Coxeu au der oberen Kante 
zwischen einem proximalen stumpfwinkligen Höcker und dem 
distalen, sechs wenig vortretende und weit getrennte Zähnchen 
tragenden Hauptteil seicht ausgerandet. Femora mit schwach 
konvexem Vorder- und stärker konvexem, fast stumpfwinkligem 
Hinterrand, an der Außenfläche mit Längsreihen von größeren 
und kleineren glatten Warzen und undeutlicher stumpfer Längs- 
leiste; innenseits vorn flach, hinten stark konvex, beide Ab- 
schnitte durch eine Längsfurche scharf getrennt; Außenrands- 
dornen 5 (mit dem Apikaldorn); Innenrandsdornen etwa 13, der 
apikale von den übrigen weit getrennt, diese abwechselnd 
größer und kleiner, nur apikalwärts zwei kleine zwischen zwei 
großen; Discoidaldornen 3; Tibialdornen : 9 äußere, 13 innere. 
Basales Tarsenglied sehr lang. Mittel- und Hinterbeine sehr 
lang und dünn. 

Ich habe diese Form zu den Mantiden gestellt, weil sie 
uach B runner's System nirgends anderswohin paßt (in der 
Koll. Br. ist ein Exemplar derselben Art als Micromantis benannt), 
möchte sie aber lieber in die Gruppe der Orthoderiden stellen, und 
zwar in die Nähe der aberranten Tarachodes -Art Achlaena cryjosi- 
chroma Karsch. Dafür spricht der Bau der Vorderbeine, des 
Pronotums und Abdomens, sowie die für die Orthoderiden recht 
charakteristische abwechselnd helle und dunkle Fleckung der 
Läugsadern der Elytra. Ich habe schon daran gedacht, daß 
vorliegende Form das <$ zu crypsichroma sein könnte, doch 
stimmt die Form des Pronotums doch nicht so vollkommen überein. 

A. ffliodii n. sp. (Fig. 7.) 
Färbung rötlichgraubraun ; Vorderbeine außen undeutlich 
gebändert, Femora auch innen (graubraun mit zwei schmalen 
weißlichen Querbinden in der distalen Hälfte); Coxen gelbbraun, 
Dornen schwarz. Mittel- und Hinterbeine deutlich dunkel ge- 
ringelt. Elytren rotbraun, Längsadern (mit Ausnahme der 
Mediastina und dividens) dunkel gefleckt; Hinterflügel gleich- 
gefärbt, an der Spitze etwas beraucht, Längsadern nicht gefleckt. 
Dimensionen : 
Totallänge 37 mm Mittlere Femora 7.5 mm 

Pronotum-Länge 7 „ „ Tibien 7.5 „ 

Breite 4.5 „ Hintere Femora 10.5 „ 



— 48 — 

Dimensionen : 

Elytra-Länge 31 nun „ Tibieu 10.5 mm 

„ Breite 8 „ Kopf- Länge 4 „ 

Vorder Coxen 17.5 „ „ Breite 5.2 ,. 

„ Femoren 8 „ Abdomen-Länge 21 „ 

„ Tibien 4.5 „ „ Breite 3.5 „ 

Enteila rhornbochir n. sp. (Fig. 6.) 

Ausgezeichnet durch die sehr stark blattförmig erweiterten, 
im Umriß etwas rhombischen Vorderfemora. 

Kopf breiter als lang, mit abgerundeten Augen. Stirn- 
schild viel breiter als lang, mit schwach konvexem oberen 
Rand. Antennenbasis weit nach vorn (unten) gerückt, ebenso 
die kleinen Ocelleu ; nach einwärts von jedem der Seitenaugen 
eine schwach gewölbte, rundliche Hervorragung, und dahinter 
am Kopfgipfel ein stumpfer, sehr wenig vorspringender Fortsatz. 

Pronotum ganzrandig, über dem Hüftausatz ziemlich plötz- 
lich, aber nicht stark erweitert, vor der Erweiterung etwa 
parabolisch im Umriß, hinter ihr seitlich eingezogen, Hinter- 
rand im allgemeinen abgerundet, aber in der Mitte quer abge- 
stutzt uud etwas aufgeworfen. In einiger Entfernung hinter 
der supracoxalen Querfurche eine zweite, ebenso tiefe Quer- 
furche, ein stumpfer Mittelkiel durchzieht den hinteren Teil 
des Pronotums. 

Abdomen wenig verbreitert; Cerci lang, zylindrisch, be- 
haart, die Spitze des Abdomens überragend. 

Vordercoxen am Vorderrand und an der Innenfläche mit 
schwarzen Höckerchen. Vorderfemora nach oben stark blatt- 
artig erweitert, wodurch eben die rhombische Gestalt zustande 
kommt; Außenrand mit 5 starken, fast vertikal abstehenden 
Dornen, von denen die beiden proximalen nahe beisammen 
stehen und kürzer, die drei distalen aber durch einen weiten 
Zwischenraum von ihnen und durch einen etwas geringeren 
auch voneinander getrennt sind ; die beiden apicalen von 
ihnen sind sehr lang. Innenranddornen 13, sehr ungleich, die 
vier proximalen abwechselnd kürzer und länger; die darauf = 
folgenden allmählich an Größe abnehmend, die ersten schwarz, 
die letzten gelb, die beiden apicalen sehr groß und schwarz. 
Discoidaldornen drei, der erste am kleinsten, der zweite am 



— 49 — 

größten, weit nach außen gerückt, einen 6. Außendorn vor- 
täuschend; da aber die Außendorneu noch etwas nach außen 
von der Kante stehen, so erkennt man leicht, daß es ein 
Discoidaldorn ist. Tibialdornen außen 8, der 6. und 8. ver- 
längert, innen 7, der apicale kleiu, die anderen lang; erstes 
Tarsalglied lang seitlich zusammengedrückt. Mittel- und Hinter- 
beine mäßig lang, schlank. 

Färbung im allgemeinen hell graubraun. Vordere Coxen innen, 
wie bereits erwähnt, auf grauweißem Grunde schwarz punktiert, 
der Trochanter auf weißem Grunde mit zwei großen schwarzen 
Flecken. Femora scherbengelb, die Dornen meist schwarz, Tibia 
ebenso, Oberrand mit gelbem Fleck, nur die längsten Dornen 
schwarz; erstes Tarsalglied dreifarbig, basales Drittel braun, mitt- 
leres gelblich, apicales schwarz ; übrige Tarsen schwarz ; Mittel- 
und Hinterbeine mit zahlreichen feinen, schiefen und zackigen, 
dunklen Querlinien; Flugorgaue die Hinterleibsspitze überragend, 
die Queradern dunkel gesäumt. Subgenitalplatte schwärzlich. 

III. Harpagidae. 

Mystipola compressicollis Sauss. = Panurgica duplex Karsch. 

(Fig. 4.) 

Bei Bestimmung einer Harpagidenlarve der Koll. Rohde kam 
ich darauf, daß beide Genera und vielleicht sogar beide Arten 
identisch sein könnten, obwohl die schwarze Innenseite der Raub- 
beine in keiner Beschreibung erwähnt ist. Ich wandte mich, da 
die Typen von Panurgica duplex sich im Kgl. Zoologischen Museum 
in Berlin befinden, ich außerdem bei meinem Besuch dieses 
Museums im April des Vorjahres gesehen hatte, daß auch Mysti- 
pola compressicollis, die mir schon damals ganz auffallend ähn- 
lich Panurgica vorgekommen war, daselbst vertreten ist, an die 
schon oft bewährte Liebenswürdigkeit des Herrn Assistenten 
Th. Kuhlgatz und bat ihn, die beiden Gattungen bzw. Arten 
miteinander, sowie mit der Diagnose der Panurgica duplex zu 
vergleichen. Das Resultat war wie erwartet; beide Formen 
sind sogar der Art nach identisch, und da Mystipola compressi- 
collis von Saussure in Revue Suisse Zool. V. 1897/98, Panur- 
gica duplex von Karsch aber schon 1896 in der Stettiner 
Entomolog. Zeitschrift Bd. LVII beschrieben wurde, so muß 

4 



— 50 — 

ersterer Name zur Gänze fallen und in die Synonynüe der 
Panurgica duplex gestellt werden. Herr Kuhlgatz, dem ich 
für die gehabte Mühe an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank 
ausspreche, hat auch gestattet, daß ich seinen Brief, in dem er 
die Eesultate seines Vergleiches mir mitteilte, veröffentlichen 
darf, was hier unverändert geschieht. Panurgica feae Griffini 
ist wahrscheinlich nichts anderes als das bisher unbekannt ge- 
wesene $ uu serer sehr variablen Art. 

„Die Typen von Panurgica duplex sind in der That hier 
(4 cT, 3 $). Gleich daneben stecken zwei von Karsch bestimmte 
Mystipola compressicollis Sauss. cf. 

Ich habe sämtliche cTcf sowohl der Panurgica wie auch 
der Mystipola mit Saussures Beschreibung verglichen — die 
$$ beschreibt Saussure ja nicht — und finde die ganze Serie 
mit ihr in guter Übereinstimmung. Dabei variieren die Exem- 
plare allerdings in der Größe und den Längenmaßen einzelner 
Teile, sowie in dem Ton der Färbung, der bald heller, bald 
dunkler ist. Am dunkelsten sind die beiden als Mystipola 
bestimmten Stücke, doch zeigen sie in der Zeichnung selbst 
keine größeren Abweichungen von den Panurgica-Stücken, als 
diese unter einander. Die Innenseite der Vorderbeine ist bei 
den beiden Mystipola-c?, sowie bei drei Panurgica-J 1 schwarz. 
Die Schenkel mit schalgelben Flecken an der Basis der Dornen. 
Nur eine der Panurgica-Typen (c?), ausgezeichnet durch auf- 
fallend helle Gesamtfärbung, zeigt an den Innenseiten der 
Vorderbeine bräunlich-gelbe Färbung. Zu erwähnen ist noch, 
daß bei den Karsch'schen Typen (cf) die bräunlichen Flecke 
an den Flügeln verwaschen und undeutlich sind, jedenfalls 
sind sie bei den beiden Mystipola-J 1 etwas deutlicher. Aber 
diese beiden sind ja, wie gesagt, überhaupt von dunklerer 
Gesamtfärbung. Nachdem ich im Zusammenhange hiermit die 
Saussure'sche Beschreibung mit der Karsch'schen Beschreibung 
verglichen habe, muß ich allerdings annehmen, daß Mystipola 
Sauss. lediglich ein Synonym ist zu Panurgica Karsch. Auch 
durchgehende specifische Unterschiede zwischen compressicollis 
Sauss. und duplex Karsch kann ich mit dem besten Willen 
nicht entdecken, wenn man nicht etwa das Exemplar mit hellen 
Innenflächen der Vorderbeine und der sehr hellen Gesamt- 
färbung, und geringerer Körpergröße abtrennen wollte. 



51 — 



Maße im mm 


Körper- 
Länge 


Prono- 

tum- 

Länge 


Elytren- Flügel- 
Länge Länge 


Länge 

der 
Vorder- 
schenkel 


Länge 

der 
Vorder- 
coxen 


Färbung 
der Innen- 
fläsche der 

Vorder- 
beine 


No. 1 

Togo. 3 

Panurg.-Type 


29 


5 


26 


24 


7,5 


Schwarze 
Schenkel 
mit schal- 
7 gelben 
Flecken an 
der Basis 
der Dornen. 


No. 2 

Togo. $ 

Panurg.-Type 


25 5 


26 


22 7 


6,75 


n 


No. 3 

Togo. 3 

Panurg.-Type 


24 4,5 


24 


22 


6,5 


6,5 


n 


No. 4 S 

Togo. 

Panurg.-Type 


23 


4,5 


24 


21 


6,5 


5 


Bräunlich- 
gelb 
(Das ganze 
Exemplar 
sehr hellV 


No. 5 <3 
Kamerun 
Mystipola 


(Hinter- 
leib fohlt!) 


5,25 


27 


25 


Schwarze 
1 Schenkel 

mit schal- 
7,5 7 gelben 

Flecken an 
1 der Basis 
jder Dornen. 


No. 6 tf 
Kamerun 
Mystipola 


27 


6 


28 


25 


8 7,5 , 


Beschreib. 
Karsch <5 


29 


6 


27 


fere 25 




iere 8 


Beschreib. 
Saussure 3 


26 


6 


29 


27 


7,5 


— 





— 52 — 

Ich muß noch darauf aufmerksam machen, daß die Exem- 
plare wegen der trockenen Konservierung vielfache Schrump- 
fungen zeigen, z. B. des Abdomens, die wohl auf die erhaltenen 
Daten für Gesamtlänge nicht ohne Einfluß sind." 

Bomistria und Chlidonoptera. 

Während Panurgica und Mystipola, die bisher einwandslos 
als generisch verschieden betrachtet wurden, sogar der Art nach 
identisch sind, finden wir andererseits, daß sich die Meinung 
von der spezifischen Identität der beiden oben genannten Gat- 
tungen Bomistria (lunata Saussure 1898) und Chlidonoptera 
(vexillum Karsch 1892) hartnäckig erhält und von zwei so er- 
fahrenen Orthopterologen wie Saussure und Griffini ver- 
fochten wird. 

Ich kann darauf nur antworten, daß über die generische 
Verschiedenheit beider Formen kein Zweifel obwalten kann, da 
die morphologischen Unterschiede dafür mehr als ausreichend 
sind. Ich habe bereits bemerkt, daß in der Koll. B runner 
v. Wattenwyl je ein $ beider Formen sich befindet, was 
allein schon die Angabe der Identität derselben, bzw. die 
Auffassung von Bomistria lunata als cT und Chlidonoptera 
vexillum als % derselben Art zunichte macht. Es ist außer 
Zweifel für mich, daß Griffini <? und $ wirklich einer und 
derselben Art vorlagen, aber nicht beide Arten bzw. Gat- 
tungen, dagegen hat Sjöstedt, wie aus der Abbildung des 
Vorderflügels hervorgeht, sicher die Bomistria lunata vor sich 
gehabt und sehr gut beschrieben. Die beiden $$ der Coli. Brunner, 
die von ungefähr gleicher Größe sind, unterscheiden sich in 
folgenden Punkten: 

A) Morpholo- 



gisches : 

1. Seitenlappen 
des Pronotuins 

2. Höcker des 
Pronotums 

3. Vorderbeine 

4. Stirnfortsatz 



Chi. vexillum (Fig. 1.) 
seitlich gezähnelt 

spitz kegelförmig vorsprin- 
gend 

lang, schlank 

spitzkegelförmig, über den 
Vorderrand der Augen 
vorragend, mit zwei klei- 
nen, dicht nebeneinander 
stehenden Endzipfeln. 



B. lunata (Fig. 2.) 
ganziandig. 

stumpf. 

kurz, kräftig. 

stumpfkegelförmig, das Ni- 
veau der Augenvorder- 
ränder kaum erreichend, 
mit zwei kräftigen deut- 
lich divergierenden End- 
zipfeln. 



- 63 - 



Elytren : 

B) Färbung: 
Elytren : 



Hinterflügel ; 
Gliedmaßen : J ) 



gegen die Spitze verbreitert 

Augenfleck groß, im api- 
calen Drittel des Flügels; 
distalwärts davon noch 
eine undeutlichere , den 
Rand des Augenflecks und 
der Flügelspitze parallele 
weniger deutliche dunkle 
Binde. 

Dunkelgelb , mit dunklen 
Queradern. 

Einfarbig. 



gegen die Spitze verschmä- 
lert. 

Augenfleck kleiner, in der 
Mitte des Flügels; distal- 
wärts davon ist dieser 
auf hyalinem Grunde grün 
marmoriert. 



Weiß (oder gelblich) ? Quer- 
adern nicht dunkel. 

Deutlich gebändert. Innen- 
dornen derVorderschenkel 
abwechselnd schwarz und 
hell. 



Mir scheint, daß diese Nebeneinanderstellung genügen könnte, 
um eine Identifizierung beider Formen für künftighin hintanzu- 
halten. 

Jedenfalls kann ich nicht recht begreifen, wie Saus sure auf 
die Idee kommen konnte, seine Mantide mit Chi. vexillumzu identi- 
fizieren. Die Abbildung bei Kar seh ist in jeder Beziehung so 
gut, daß ein Blick zur Unterscheidung genügt hätte. Manche 
Autoren scheinen sich noch nicht klar zu sein, daß eine 
Zeichnung, etwa ein Augenfleck, die bei einer Art auf 
einer bestimmten Stelle sich vorfindet, bei allen 
Individuen derselben Art entweder an ebendersel- 
ben Stelle oder gar nicht vorkommen muß, daß eine 
Lage Veränderung niemals vorkommt, daß also, wenn 
z. B. der Fleck bei einem Individuum an einer anderen Stelle 
gelegen ist, als bei einem andern, dieselben nicht derselben Art 
angehören können. Ausgenommen sind Zeichnungen, die bei 
sehr langgestreckten gliedmaßenlosen Tieren, z. B. Schlangen, am 
Körper vorkommen (wahrscheinlich schwankt hier mit der wech- 
selnden Zahl der Rumpfsegmente auch die Zahl der Zeichnungs- 
elemente, falls die Zeichnung eine, wenn auch nur schein- 
bar segmental angeordnete ist, also nicht bei Längsstreif ung). 



l ) Innere Femoraldornen bei vexiUum 12, abwechselnd groß und klein ; 
Discoidaldornen 4, der dritte sehr lang; Tibialdornen außen 15, innen 13. 
Oberer Coxalrand an der Basis mit einem größeren Dorn, sonst wie die 
übrigen Kanten fein gezähnelt. Innere Femoraldornen bei lunata 13, Tibial- 
dornen außen 12, innen 11. 



— 54 — 

Sigerpes heydeni n. sp. ') (Fig. 5.) 

Nächstverwandt Sigerpes tridens Sauss., der in einem 
Exemplare aus Marokko gleichfalls aus dem Mus. Senckenberg 
mir vorliegt, jedoch durch den längeren, gegen die Spitze zu 
sich verschmälernden Vertexfortsatz und die breiten blattför- 
migen vorderen Femora, schließlich durch das glatte Pronotum 
und die andere Färbung verschieden. 

Stirnschild fünfeckig, der obere Winkel ein rechter ; Vertex- 
fortsatz Muten abgerundet, vorn flach, Seiten scharfkantig; an 
jeder Kante befinden sich drei wenig vorspringende, bei dem vor- 
liegenden Exemplare beiderseits ungleich große Zacken; Apex 
abgerundet zweilappig, die mediane Einkerbung sehr schwach. 
Pronotum langgestreckt, hinter der Querfurche stark erweitert, 
dahinter deutlich eingezogen und gegen das Hinterende wieder 
schwach verbreitert. Vorder- und Hinterrand abgerundet, vor- 
dem Hinterrande ein Paar kleine Höcker; sonst keinerlei Tuberkel 
auf dem Pronotum. Hinter der Querfurche ein medianer Längs- 
kiel, der aber nur im erweiterten Teil verläuft; vor der Quer- 
furche eine mediane Längsfurche, beiderseits davon eine gegen 
den Außenrand sich wendende und hier nach der Mitte sich 
umbiegende Leiste; beide zusammen bilden einen Winkel von 
etwa 60°. Seitenränder mit feinen Zähnchen. Abdomen mäßig 
breit, abgeplattet; Flugorgane überragen die Hinterleibsspitze; 
Kostalfeld der Elytren mit dem Hauptteil derselben eine deut- 
liche Längskante bildend. 

Vordercoxen außen granuliert, innen glatt, am Vorderrande 
mit acht feinen Zähnchen besetzt; vordere Femora sehr stark 



a ) Ich betrachte die Gattung Sigerpes als von Sibylla wohl verschieden 
Dies ist ein Punkt, in dem ich mit Westwood und Kirby übereinstimme. 
Im allgemeinen übertrifft letzterer Autor in seinem „Synonymie Catalogue of 
Orthoptera (I., 1904) noch Westwood bezüglich der Konfusion, in welcher 
seine Anschauungen über die systematische Stellung der einzelnen Gattungen 
zueinander sich befinden. Die Aufeinanderfolge ist in manchen Gruppen 
eine ganz unmotivierte, bzw. unmotivierbare. So z. B. steht Tarachodes 
obtusiceps Stal zwar richtig bei Tarachodes, die nächstverwandte T. gilva 
Charp. aber weit weg als Chiropacha. Ebenso Mystipola und Panurgica 
(s. vorn) weit auseinander. Westwoods Oxypilus vigilax ist wohl nichts an- 
deres als das $ von Callibia diana usw. — Benannt zu Ehren des Herrn 
Prof. Dr. L. von Hey den, des verdienstvollen Seniors der Frankfurter 
Entomologen. 



- 55 ■ — 

seitlich zusammengedrückt, der untere Rand stumpf dreieckig; 
dem oberen, geraden Rand ist, ähnlich wie bei Enteila rhom- 
bochir, ein Lappen aufgesetzt, der aber nicht, wie bei dieser 
Art, bis zum Apex hinzieht, sondern am Ende des zweiten 
Drittels des Femur plötzlich absteigt. Auch hier ist die Außen- 
seite köruig, die Innenseite ganz glatt. Außendornen 4 (kein 
Apicaldorn), die proximalen einander mehr genähert als die 
distalen oder diese untereinander; am Grunde zwischen den 
großen Zähnen zahlreiche feine Zähnchen ; Innendornen 12, ab- 
wechselnd größer und kleiner, die größeren sehr schief; Dis- 
coidaldornen 3, der mittlere sehr groß. Äußere Tibialdornen 12, 
dicht gedrängt, distalwärts größer; innereil, getrennt stehend, 
ebenfalls distalwärts an Größe zunehmend; erstes Tarsenglied 
um ein Viertel länger als die Endkralle der Tibia, ebenso lang 
als die übrigen zusammen ; der ganze Tarsus bis zum Tro- 
chanter reichend. Mittel- und Hinterfemora mit kleinen, drei- 
eckigen Lappen am Ende der zwei basalen Drittel. 

Färbung : Kopf und Vorderbeine (Außenseite) rötlichbraun ; 
Innenseite der Vorderbeine (Coxen und Femora) schwarzbraun, 
erstere mehr matt, mit zwei gelblichen Flecken nahe dem 
gleichfalls gelblichen Unterrande, letztere glänzend, nur Apex 
heller braun. Pronotum gelbgrün ; Kostalfeld der Elytren mehr 
grasgrün; Rest der Elytren und Hinterflügel hyalin, braun be- 
raucht. x\picales Drittel der Mittel- und Hinterschenkel mit 
Einschluß des Lappens schwarzbraun. 

Dimensionen ($): 

Totallänge (ohne Fortsatz) . . 29 Elytren-Länge 20.5 

Kopflänge ohne Vertexfortsatz 3 „ Breite 4.5 

Fortsatz 4 Vorderfemora-Länge . 7 

Kopf breite 4 „ Breite . 3.5 

Pronotum-Länge 7.5 

Breite 2.5 



- 56 - 
Erklärung der Abbildungen. 

(Tafel III) 

Chlidonopteravexill um Karsch; Kopf, Pronotum und 

Vorderbeine von der Seite. 

Chlidonoptera vexillum Kar seh; Kopf und Pronotum 

von oben. 

Boinistria lunata Sauss; Kopf, Pronotum und Vorderbeine 

von der Seite. 

Bomi stria lunata Sauss; Kopf und Pronotum von oben. 

Chlor oh arp ax ocellifer Wern. n. sp. Kopf, Pronotum 

und Vorderbeine von der Seite. 

Chlor oharpax ocellifer Wern. n. sp. Kopf und Pronotum 

von oben. 

Panurgica duplex Karsch; Kopf, Pronotum und Vorder- 
beine von der Seite. 

Panurgica duplex Karsch; Kopf und Pronotum von oben. 

Sigerpes Roemeri Wern. n. sp. ; Kopf, Pronotum und 

Vorderbeine von der Seite. 

Entella rhombochir Wern. n. sp. ; Vorderbein von der 

Seite. 

Auchm oiu an tis Rh od ei Wern. n. g. n. sp. ; Kopf und Pro- 
notum von oben. 

Auch mom an tis Rhodei Wern. n. g. n. sp. ; Kopf, Prono- 
tum und Vorderbeine von der Seite. 

Polyspilota laticollis Karsch; Vorderschenkel von der 

Innenseite. 

Polyspilota flavipennis Karsch; Vorderschenkel und 

Vorderbüfte von der Innenseite. 

Polyspilota pieta Ger st; Vorderschenkel und Vorderhüfte 

von der Innenseite. 

Polyspilota pustulala Stoll; Vorderschenkel und Vorder- 
hüfte von der Innenseite. 

Mantis prasina Serv. ; Vorderhüfie von der Innenseite. 

Mantis natalensis Sauss.; Vorderbein von der Innenseite. 

Mantis viridis Sauss.; Vorderbein von der Innenseite. 

Mantis victoriana Wern. n. sp. ; (Entebbe am Victoria- 

Nyanze) Vorderbein von der Innenseite. 

Sphodromantis miita ($ aus Kamerun) ; Vorderhüfte von 

der Innenseite. 

Sphodromantis muta ($ aus Kamerun) ; Vorderhüfte von 

der Innenseite. 
Figur 16c. Sphodromantis muta ($ aus Entebbe, Uganda) ; Vorderhüfte 

von der Innenseite. 
Die Abbildungen sind als bloße Skizzen zu betrachten und daher die 
Darstellung der Femoraldornen z. T. ^Polyspilota, Mantis) ziemlich 
schematisch gehalten ; die Vergrößerung ist ohne bestimmten Maßstab. 



Figur 


la. 


Figur 


Ib. 


Figur 


2a. 


Figur 


2b. 


Figur 


3a. 


Figur 


3b. 


Figur 


4a. 


Figur- 


4b. 


Figur 


5. 


Figur 


6. 


Figur 


7a. 


Figur 


7b. 


Figur- 


8. 


Figur 


9. 


Figur 


10. 


Figur 


11. 


Figur 


12. 


Figur- 


13. 


Figur 


14. 


Figur- 


15. 


Figur 


16a. 


Figur 


16b. 



Ber.dLSenckenb Natwf.Ges. 1908 



Tallin 







— 57 



Die Wasserblüte als wichtiger Faktor 
im Kreislauf des organischen Lebens. 

Vortrag, 

gehalten in der wissenschaftlichen Sitzung der Senckenbergischen 

Naturforschenden Gesellschaft vom 1. Februar 1908 



Dr. E. Wolf. 

Der Wortlaut unseres Themas legt uns drei Fragen nahe, 
vor allem: Was versteht man unter Wasserblüte? sodann: Wie 
vollzieht sich der Kreislauf des organischen Lebens? und erst 
nach Erledigung dieser beiden dürfen wir hoffen, unsere dritte 
Frage: Inwiefern stellt die Wasserblüte in diesem Kreislauf 
einen wichtigen Faktor dar ? mit Erfolg beantworten zu können. 

Die Botaniker bezeichnen mit „Wasserblüte" verschiedene 
niedere Algen, die durch ihr massenhaftes Auftreten, namentlich 
an der Wasseroberfläche, dieser ein ganz charakteristisches Ge- 
präge verleihen und ihren Aufenthaltsort wie mit einem dichten 
grünen, gelben, braunen oder roten Teppich überziehen. Wir 
werden jedoch sehen, daß dieser Begriff etwas weiter gefaßt 
werden muß, da auch eine größere Anzahl niederer Tiere durch 
die Menge ihres Vorkommens das gleiche Phänomen hervorrufen 
kann. 

Der Name rührt wohl daher, daß ähnlich wie ein Baum 
sich über Nacht in seinen Blütenschmuck hüllt, auch hier die 
Wasseroberfläche sich in kürzester Zeit mit diesem eigenartigen 
Schmucke bekleidet. 

Vom Frühling bis Herbst, manchmal aber auch in den 
kältesten Monaten , können wir diese Naturerscheinung auf 
Pfützen und Tümpeln, Teichen und Seen, selbst in manchen 
Flüssen und in allen Regionen unserer Meere beobachten, 



— 58 - 

überall, wo ruhiges Wasser und genügende Nahrung diesen 
niederen Organismen ihr bescheidenes Dasein ermöglichen. 

Hier in Frankfurt bietet sich hierzu reichliche Gelegenheit : 
im großen Teich des Palmengartens und des Zoologischen Gartens 
ist die Wasserblüte ein nahezu jedes Jahr wiederkehrender Gast, 
auch im Goldfischteich oder im Rechneiweiher unserer Anlagen 
werden wir sie wohl in keinem der wärmeren Monate vermissen. 

Von einer leichten Trübung des Wassers bis zum satten 
Grün sich steigernd, manchmal nur ein rosiger Schimmer, 
anderswo bis zur Blutröte sich verdichtend, erst nur ein zartes 
Gelb, schließlich als dunkelbraune Decke sich ausbreitend, an 
einer Stelle nur für wenige Stunden sichtbar, an andern Orten 
von wochenlanger Dauer, in solchem Wechsel, in solcher Man- 
nigfaltigkeit tritt uns das Bild einer Wasserblüte entgegen. 
Über die wahren Ursachen dieser Erscheinung gibt uns meist 
erst das Mikroskop Aufklärung; denn die Einzelerreger sind 
so klein, daß die meisten von ihnen nicht einmal ein hundert - 
stel Millimeter messen. 

Die Mehrzahl der die Wasserblüte bildenden Organismen ge- 
hört zu den Einzellern, und viele von ihnen stellen Formen dar, 
über deren Zugehörigkeit zu dem einen oder andern Wissens- 
zweig Botaniker und Zoologen lange in heftigem Streit gelegen 
sind. Jeder konnte für seine Meinung gewichtige Gründe geltend 
machen, die Gegengründe waren aber nicht weniger beachtens- 
wert ; nunmehr hat man eingesehen, daß namentlich diejenigen 
Organismen, welche wir im allgemeinen unter dem Namen 
der Flagellaten oder Geißeltiere zusammenfassen, Tier- und 
Pflauzencharakter in sich vereinigen, was zu der Aunahme 
berechtigt, daß von ihnen aus die divergierenden Stämme des 
Pflanzen- und Tierreiches ihren Ursprung genommen haben, 
und daß sich hier beide Disziplinen, Botanik und Zoologie, die 
Hände reichen. Nur so ist es zu verstehen, daß gewisse Formen 
Chlorophyll führen und sich mit Hilfe desselben wie echte 
Pflanzen ernähren, aber unter Umständen auch ohne solches 
leben können und dann eine saprophytische Lebensweise führen, 
d. h. organische gelöste Stoffe durch ihre Körperoberfläche auf- 
nehmen und als Nahrung verwenden, oder daß bei nahe ver- 
wandten Formen die einen immer mit Chlorophyll, die andern 
stets ohne dasselbe auftreten. 



— 59 — 

Weifen wir nun einen kurzen Blick auf diejenigen Pflauzeu- 
uud Tierklassen, welche Wasserblüte bildeude Organismen unter 
sich beherbergen, um jedoch die einzelnen Vertreter erst bei 
einer Gruppierung nach der Färbung, welche sie hervorrufen, 
genauer zu betrachten. 

Die niedersten Formen, welche wir in den Kreis unserer 
Betrachtungen zu ziehen haben, sind die Bakterien, nament- 
lich die sogenannten Purpur- und Schwefelbakterien. Sie er- 
nähren sich stets saprophythisch, d. h. von gelijster organischer 
Substanz. 

Von den Algen stellen die zahlreichsten Vertreter die Spalt- 
algen oder Schizophyceen, wegen ihres blaugrünen Aus- 
sehens auch Cyanophyceen genannt, mit den Unterordnungen 
der Chroococcaceen, Nostocaceen und Oscillarien. Ferner die 
Kieselalgen oder Diatomeen, auch Bacillariaceen ge- 
nannt, die schon in früheren Zeiten eine große Rolle gespielt 
haben müssen, wie aus den mächtigen Lagern ihrer Panzer- 
überreste im Untergrunde Berlins, der Lüneburger Heide und 
vieler anderer Orte hervorgeht, und die uns als sogenannte 
Infusorienerde, Polierschiefer oder Kieseiguhr bekannt sind. 

Sodann die Grünalgen oder Chlorophyceen, von denen 
hauptsächlich die Desmidiaceen zu erwähnen wären. 

Gehen wir zum Tierreich über, so nehmen unter den 
Protozoen die Flagellaten oder Geißeltiere den hervor- 
ragendsten Anteil bei Bildung dieser Naturerscheinung. Auch 
die Infusorien oder Aufgußtierchen stellen einige Ver- 
treter. 

Unter den Coeleute raten oder Hohltieren haben 
Quallen in verschiedenen Meeresteilen ähnliche Erscheinungen 
hervorgerufen. 

Bei den Crustaceen oder Krebsen verleihen viele En- 
tomostraken, also niedere Krebse, dem Wasser durch ihr 
massenhaftes Auftreten ein ganz charakteristisches Gepräge. 

Von Rotator ien oder Rädertieren ist ähnliches 
bekannt. 

Selbst Manteltiere, namentlich Sal pen, können weite 
Meeresstrecken eigentümlich färben. 

Eine Wasserblüte im wahren Sinne des Worts wird in 
Gegenden mit großen Nadelholzbeständen regelmäßig im Mai 



— 60 — 

hervorgerufen, indem der in verschwenderischer Weise ausge- 
streute Pollen der Tannen und Kiefern alle Wasseransammlungen 
mit einer oft zentimeterdicken gelblichen Decke überzieht. Mit 
wenigen Worten will ich auch derjenigen Erscheinungen Er- 
wähnung tun, bei welchen zwar keine ausgesprochene Farbe 
konstatiert werden kann, wo aber doch die Unzahl der Orga- 
nismen den Eindruck erweckt, als ob die Wasseroberfläche mit 
einer dicken Gallertschicht überzogen wäre, oder als ob sich am 
Grunde dichte Flocken wie ein weißer Teppich ausgebreitet hätten. 

Unter den Bakterien überzieht namentlich eine Schwefel- 
bakterie, Beggiatoa alba, massenweise den Grund von Schwefel- 
thermen, ja selbst weite Strecken an der Meeresküste, so bildet 
sie z. B. den sogenannten weißen Grund der Kieler Bucht. 

Allgemeine Aufmerksamkeit erregten in den letzten Jahren 
die Berichte über die Meeresversch leimung der Adria , 
der sogenannten Malattia del Mare, oder auch von den Fischern 
Mare sporco, d. h. schmutziges Meer, genannt, wo weite Meeres- 
strecken mit einer gallertartigen Substanz bedeckt waren, wo 
der Meeresgrund meilenweit damit überzogen wurde, so daß 
die Nachen kaum vorwärts kamen, daß es schließlich vollständig 
unmöglich wurde, die Netze durch das Wasser zu ziehen. Die 
wissenschaftliche Untersuchung hat gezeigt, daß diese Erschei- 
nung von unzähligen Peridineen herrührt, kleinen Flagellaten, 
die in verwandten Arten auch im Süßwasser zu finden sind 
und die im eingekapselten Zustand eine Gallerthülle ausscheiden, 
wodurch die einzelnen Cysten miteinander verkleben, zuletzt 
große Klumpen bildend, die dann durch die Meeresströmungen 
zu solch gewaltigen Mengen angehäuft werden. 

Eine ähnliche Erscheinung beobachtete ich im Schwarzen 
See der Vogesen. Die ganze Wasseroberfläche schien wie mit 
kleinen Gallertkügelchen von der Größe eines Stecknadelkopfes 
überzogen, wenn man die Hand ins Wasser tauchte, glaubte 
man Froschlaich zu fassen; über ein Zentimeter dick war die 
lebende, in steter Bewegung sich befindende Masse. Die Lupe 
zeigte, daß hier eine Wasserflohart, Holopedlum gibberum, in 
ungezählten Mengen ihr Wesen trieb. 

Auch andere Cladocerenarten, wie Bosmina oder Chydorus, 
können oft schleimartig die Oberfläche von Teichen und Seen 
bedecken. 



— 61 — 

Weit mehr in die Augen fallend ist natürlich die grüne 
Färbung, meist hervorgerufen durch das Chlorophyll, welches 
die Körper dieser kleinen Organismen beherbergen. Bei denCyano- 
phyceen ist diese Farbe allerdings etwas modifiziert durch einen 
blaugrünen Farbstoff, das sogenannte Phycocyan. Angehörige 
dieser Algengattung sind es, welche in den Frühjahrs- und 
Herbstmonaten die kleinsten Tümpel wie die größten Seen er- 
füllen und bedecken und ihnen eine schmutzig gelbgrüne Farbe 
verleihen, so daß das Wasser nahezu undurchsichtig erscheint. 
So wird, wie Professor Möbius festgestellt hat, die Wasserblüte 
des Teiches im Zoologischen Garten von Cyanophyceen hervor- 
gerufen, wobei sich drei verschiedene Arten beteiligen. Den 
Hauptbestandteil bildete Clathrocysüs aeruginosa, die Gitteralge, 
bei welcher die Einzelindividuen nur drei bis vier Tausendstel 
Millimeter messen, einzelne Kolonien aber eine Größe bis zu 
IV2 Millimeter erreichen. Die Einzelzellen werden nämlich durch 
eine gallertartige Masse miteinander verbunden; die Form sol- 
cher Kolonien ist überaus mannigfaltig, bald netzförmig durch- 
brochen, bald Kreise und unregelmäßige Figuren bildend, oder 
zu kleineren und größeren Klumpen zusammengeballt. Da- 
zwischen finden sich längliche Fäden, die wiederum aus einzelnen 
Zellen bestehen, vorn in eine stumpfe Spitze auslaufen und im 
Leben eine geringe, aber merkbare Eigeubewegung besitzen. 
Es ist dies Oscillatoria Agardhii, Angehörige einer Familie, 
deren Vertreter wir sonst sehr häufig in übelriechenden Tümpeln 
und Fabrikabwässern finden und die sich unter dem Mikroskop 
langsam durch das Gesichtsfeld schlängeln. 

Als dritte Form fanden sich wirre Knäuel in Rosenkranz- 
form oder perlschnurartig angeordnete Ketten bildend. Wir 
haben hier Anabaena flos aquae vor uns, die, wie schon ihr 
Name sagt, sehr häufig Wasserblüten bildend auftritt. Auch 
Gloeotrichia nutans, Limnochlide flos aquae, Coelosphaerium Küt- 
zingianum und verschiedene Nostoc- Arten können die gleiche 
Erscheinung hervorrufen. 

Apstein beobachtete bei Sumatra, daß durch solche 
Cyanophyceen das sonst wunderbar blaue Meer durch zwei Arten 
Katagnymene spiralis und Katagnymene pelagica trübgrün ge- 
färbt wurde, und daß ihre Menge das feinmaschige Netz in 
kürzester Zeit halb anfüllte. Die Zellfäden, welche hier etwa 



— 62 — 

1 Millimeter Länge erreichen, liegen in einer Gallerthülle und 
sind bei den ersten Arten spiralig gekrümmt, bei der zweiten 
gerade oder leicht gewunden. 

Trübgrün erscheint zeitweise auch das Wasser des süd- 
lichen und nördlichen Eismeeres, unter den Walfängern als 
„schwarzes Wasser" bekannt. Hier bildet eine der zierlichen 
mit langen Borsten verseheuen meist in Ketten auftretenden 
Diatomeen oder Kieselalgen die Ursache, Chaetoceras decipiens, 
das Borstenhorn, oder nahe verwandte Arten. Von den 
(Jhlorophy ceeu oder Grünalgen finden wir in Torfmooren 
sehr häufig die schönen lebhaft grünen Desmidiaceeto, bald 
gleichmäßig im Wasser verteilt, bald alle an der Oberfläche 
angesammelt, und dann namentlich durch Closterium, Staurastrum 
und Micrasterias vertreten. Auch Scenodesmus, Schisochlamys 
und Botryococcus (Rechneiweiher) treten manchmal als Wasser- 
blüte auf. 

Wir verlassen nun das Pflauzenreich und wenden uns zu 
den wenigstens von den Zoologen als einzellige Tiere an- 
gesehenen Flagellaten oder Geißeltieren, manchmal auch 
Mastigophoren genannt. Sehr häufig haben wir es hier mit 
Zellkolonien zu tun, wo 4 bis 16 Individuen schachbrettförmig 
in einer gemeinsamen Gallerthülle liegen, wie bei Gonium, oder 
es sind 16, ja selbst mehrere Hundert Individuen von einer 
gemeinsamen Gallerthülle umschlossen, wie bei Pandorina, 
Eudorina und Volvox, namentlich die letztere, bekannt als 
Gitterkugel, taucht oft in großen Schwärmen in Tümpeln und 
Seen auf, wobei dann viele Tausende von Individuen im Wasser 
wolkenartig umherschwärmen. Eine durch den sonderbaren 
Bau der Einzelzellen auffallende Kolonie ist die manchmal als 
Wasserblüte auftretende Stephanosphaera. Pandorina morum 
verlieh dem Genfersee im Hafen von Morge vor einigen Jahren 
das Aussehen einer frisch ergrünten Wiese. Eudorina elegans 
und Volvox minor sind in den Hamburger Anlagenteichen 
häufige Gäste. Allbekannt ist sodann auch die Wirkung, die 
unsere Euglenaarten hervorbringen. Das lebhafte Grün vieler 
Gräben an der Peripherie unserer Stadt, der irisierende, ins 
blaugrüne schillernde Glanz mancher Jauchegruben rührt 
nahezu immer von dem zahlreichen Auftreten verschiedener 
Euglenen und verwandter Formen her. Chlamydomonas, auch 



— 63 — 

ein einzeln lebendes Geißeltier, färbt namentlich in den Früh- 
jahrsmonaten Tümpel und Teiche grün. 

Unter den Infusorien ist mir bis jetzt als Wasserblüte 
bildend der grüne Stentor polymorphus bekannt geworden, der 
einen großen Tümpel auf dem Kühkopf wie mit einem dicken, 
dunkelgrünen Teppich überzog. 

Etwas seltener konstatiert man Gelbfärbung durch 
solche niederen Organismen. Das Wasser von Mineralquellen 
weist häufig einen gelbbraunen Schimmer auf, der von zahl- 
reichen Bakterien herrührt, die auf Eisenverbindungen an- 
gewiesen sind. Doch auch große Meeresstrecken können bei 
ruhiger See wie mit einem gelben Schleier bedeckt sein. Die 
Seeleute bezeichnen diese Erscheinung als „ Meersägespäne ". 
Sie wird hervorgerufen durch eine Cyauophycee, Trichodesmium 
Thiebauti, die bald büschelförmig angeordnet, bald in wirren 
Knäueln verschlungen bis zu 6 Millimeter Länge in allen Teilen 
der tropischen Ozeane sich vorfindet. 

Auch Diatomeen oder Kieselalgen, die neben dem grünen 
Farbstoff stets noch einen gelben, das Diatomin enthalten, bilden 
häutig, namentlich im südlichen Eismeer, eine gelbe Wasserblüte, 
bei der dann hauptsächlich die Gattungen Melosira und Cyclotella 
beteiligt sind. Im Süßwasser rufen Diatqma tenue, Asterionella 
und Tdbellaria fenestrate eine ähnliche Wirkung hervor. Eine viel 
bedeutendere Wasserblüte entsteht durch das massenhafte Auf- 
treten vieler Flagellaten. Hier sind es vor allem die Peridineen. 
So fand ich einen Teich vollständig mit einer gelbbraunen Decke 
von Peridinium tabulatum überzogen. In vielen Meeresteilen, wie 
auch im Süßwasser treten Ceratiumarten in enormen Mengen 
auf. Bei Wind und Wellenschlag rufen solche Meeresformen 
bei Nacht zugleich auch ein prächtiges Meerleuchten hervor. 

Der Goldfischweiher unserer Anlagen erscheint oft wie 
mit hellgelber Farbe überzogen. Der Erreger dieser auffallenden 
Wasserblüte wird sehr treffend als Ölalge bezeichnet, es ist 
Ghromulina (Chromophyton) Bosanoffä, der auch die Eigenschaft 
des Leuchtens innewohnen soll. 

Ein koloniebildendes Geißeltier, Dinobryon, bildet in vielen 
norddeutschen Seen, z. B. dem großen Plöner See, jedes Jahr 
eine Wasserblüte, sodaß solche Seen jetzt mit dem Ausdruck 
„Dinobryonseen" bezeichnet werden. 



— 64 — 

Im südatlantischen Ozean wurde sogar durch das massen- 
hafte Auftreten der Salpa flagellifera, einem Manteltier, das 
Meer weithin gelb gefärbt. 

Am auffallendsten ist wohl die Rotfärbung des Wassers 
durch solche Organismen. Schon Homer berichtet in der Iliade 
von rotem Wasser, Plinius erwähnt solches des öftern iu 
seiner Naturgeschichte, im Mittelalter spielen Blutregen, Flüsse 
mit Blutwasser eine große Rolle und heutzutage rufen sogenannte 
Blutseen unter der Bevölkerung die sonderbarsten Deutungen 
hervor. Entweder den Untergrund wie mit Blut überziehend oder 
als blutrote Wolke zur Oberfläche schwebend finden wir in 
Tümpeln und Mooren große Scharen von Schwefelbakterien, 
namentlich Lamprocystis roseo-persicina und Ghromatium {Pseudo- 
monas) Okenii, die auf verdorbenes, in Fäulnis begriffenes Wasser, 
das Schwefelwasserstoff entwickelt, angewiesen sind, da sie 
diesen zu ihrem Lebensunterhalt nötig haben. Bei Kopenhagen 
werden sogar weite Küstenregionen von dem letzteren bedeckt. 
Auch das Rote Meer trägt nicht umsonst seinen Namen, denn 
wie eine dichte Staubdecke breitet sich oft Monate lang über 
alle stillen Buchten und Häfen des Roten Meeres wie des 
Indischen Ozeans die rotgefärbte Cyanophycee Trichodesmium 
erythraeum aus. Das sogenannte „Rote Burgunderblut a des 
Hurten- und Baldeggersees rührt von der oft plötzlich und 
massenhaft auftauchenden Oscillatoria rubescens her. Der Tajo 
in Spanien wälzt manchmal seine Fluten scharlachrot in das 
Meer hinaus. Hier bildet eine Protococcusart die Ursache. 
Haematococcus pluvialis, ein Geißeltierchen, überzieht häufig den 
Grund von Regenpfützen mit einem leichten roten Schimmer, 
sein nächster Verwandter, Haematococcus nivalis, ist imstande 
weite Schneefelder der Hochalpen oder der Polarländer blutig rot 
zu färben. Amerikanische Peridiniumarten können dem Meer- 
wasser durch ihr massenhaftes Auftreten ein dunkles Rot verleihen. 
Die sogenannten Blutseen der Alpen werden durch Euglena san- 
guinea hervorgerufen. In der untern Rheingegend zeigte sich 
eine ähnliche Erscheinung in verschiedenen Fischteichen. Hier 
war die nahverwandte Astasia haematodes die Ursache. Noctüuca 
miliaris, die Meerleuchte, die in den Sommermonaten auch in 
unserer Nordsee massenhaft angetroffen wird, bildet bei ruhigem 
Wetter rotgefärbte Straßen an den Meeresküsten. Auch dieser 



— 65 — 

Form wohnt Leuchtkraft inne. Selbst verschiedene niedere 
Krebse vermögen durch ihr zahlreiches Auftreten zu gewissen 
Zeiten ihrem Aufenthaltsort eine lebhaft rote Farbe zu ver- 
leihen. Große wie rote Wolken einherziehende Schwärme des be- 
kannten Wasserflohs, Daphnia pulex, können wir jedes Frühjahr 
in der Umgebung von Frankfurt konstatieren. Die Natronseen 
in Ägypten sind einen großen Theil des Jahres hindurch durch 
das Salzkrebschen Artemia salina rot gefärbt. Cyclopsarten im 
Jugendstadium verleihen weiten Strecken des Titisees im Schwarz- 
wald ein kräftiges Rot und in unseren nördlichen Meeren tritt 
ein anderer Hüpferling, Diaptomus finmarchiciis, in solch ge- 
waltigen Scharen auf, daß das Meer auf weithin einen roten 
Schimmer aufweist. 

In Württemberg fand ich verschiedene Waldteiche wie 
mit einer dicken Rußdecke überzogen, die Ursache war stets 
der schwarz gefärbte Stentor igneus. 

Der Beispiele mögen genug sein. Wir haben ersehen, 
daß selbst die kleinsten Organismen durch die Menge ihres 
Auftretens große Wirkungen hervorzurufen vermögen, denn 
eine solche Wasserblüte besteht nicht aus einigen Tausenden 
oder Hunderttausenden von Individuen, sondern wir müssen 
mit Millionen und Milliarden rechnen, und in größeren Seen 
beläuft sich ihr Gewicht nicht auf wenige Kilogramm, sondern 
es muß schon in Zentnern und Tonnen ausgedrückt werden. 

Hierbei drängt sich uns dann unwillkürlich die Frage auf : 
Durch welche Einrichtungen wird dieses massenhafte Auftreten 
ermöglicht und ihr konzentriertes Erscheinen an der Ober- 
fläche begünstigt? 

Ernährungsweise, Fortpflanzungsart und Aufbau des Körpers 
werden hierbei eine bedeutende Rolle spielen. Schon ihr Er- 
scheinen ist von gewissen, für ihr Gedeihen unerläßlichen Be- 
dingungen abhängig. Die Öffnung der Dauersporen ist also 
nicht nur an das Vorhandensein von Wasser gebunden, sondern 
gewisse uns zum größten Teil noch unbekannte chemotaktische 
Reize scheinen ihnen anzuzeigen, daß der Tisch für sie gedeckt 
ist. In den verschiedenen Wasseransammlungen sind sie ja 
nur ein Glied der großen Kette von Organismen, die im Kreis- 
lauf des Lebens in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander 
stehen, und die wir als Nährstoffmehrer und Nährstoffverzehrer 

5 



— 66 — 

auseinanderhalten könneD. Zu den ersteren gehören alle die- 
jenigen, die imstande sind aus anorganischer, toter Substanz 
lebende Materie zu produzieren. Die letzteren beschränken 
sich darauf die so gewonnene organische Nahrung in einer 
Weise zu zerlegen, daß sie dieselbe zum Aufbau ihres eigenen 
Körpers verwenden können. 

Viele der die Wasserblüte bildenden Organismen begnügen 
sich mit dem, was ihre Konkurrenten nicht nur verschmähen, 
sondern dessen Vorhandensein für dieselben sogar schädlich 
wäre, nämlich mit den organischen Abfallstoffen, der weit größere 
Teil aber ist mit Hilfe des Chlorophylls imstande seinen Nahrungs- 
bedarf aus dem Reich des Anorganischen zu decken. 

Auch sonst hat sie die Natur mit den verschiedenartigsten 
Hilfsmitteln ausgestattet. Zu Kugeln vereinigt, zu Ringen ge- 
schlossen, in Sternform geordnet, zu Ketten verbunden, mit 
Borsten, Haken und Stacheln geziert und bewaffnet, mittelst 
Geißeln das Wasser schlagend, wie Proteus die Gestalt ver- 
ändernd, Gasblasen und Öltropfen zur Erleichterung des Eigen- 
gewichts produzierend, so nehmen sie den Kampf ums Dasein 
auf, so streben sie alle darnach im wahren Sinne des Worts 
sich einen Platz an der Sonne zu sichern. Ob auch Millionen 
zugrunde gehen, neue treten an ihre Stelle; und mögen zu- 
letzt nur wenige Hunderte übrig bleiben, sie sind imstande als 
Dauercysten allen Unbilden der Witterung zu trotzen, zugleich sind 
sie aber jederzeit bereit die Generation aufs neue erstehen zu lasseu. 

Ein Blick auf ihre Fortpflanzungsverhältnisse wird uns das 
begreiflich erscheinen lassen. Erst gilt es, die Individuenzahl 
ins Ungemessene zu steigern, also die Stellung der betreffenden 
Art in der Wasseransammlung zur dominierenden zu machen. 
Hierzu dient die ungeschlechtliche Fortpflanzung. Ein Indivi- 
duum zerfällt in zwei, vier, acht oder mehr Sprößlinge; oft 
schon nach wenigen Stunden, spätestens in einigen Tagen sind 
diese wieder zur normalen Größe herangewachsen, und der 
gleiche Vorgang spielt sich in ähnlicher Weise ab. Kein Wunder, 
daß wir so in wenigen Wochen Millionen, in einigen Monaten 
aber unzählbare Mengen von Individuen vor uns haben. Aber 
auch ihnen sind gewisse Grenzen gesetzt. Die Nahrungsquelle 
kann versiegen, und es genügt das Verschwinden eines einzigen 
unentbehrlichen Nährbestandteiles, um sie alle in wenigen 



— 67 - 

Stunden zum Absterben zu bringen und den zuvor klaren und 
reich mit Sauerstoff versehenen Aufenthaltsort in eine Kloake 
zu verwandeln; das Wasser kann vertrocknen, so daß es gilt, 
die Art zu erhalten, sie vor dem vollständigen Untergang zu 
bewahren. Schon die geringsten Anzeichen solcher Verschlech- 
terung der Existenzbedingungen genügen, um den seitherigen 
Teilungsmodus abzuändern. Andersartig gestaltete, meist klei- 
nere Sprößlinge erscheinen, lebhaft schwimmen sie im Wasser 
umher, jedes sucht sich einen Genossen, um mit ihm zu ver- 
schmelzen, die Geißeln werden eingezogen, sie umgeben sich 
mit einer widerstandsfähigen Hülle, und wir haben die Dauer- 
cyste vor uns, die jahrelang trocken liegen kann, die vom Wind 
und von Wassertieren in alle Himmelsrichtungen zerstreut wird 
und nur auf die Gelegenheit wartet, den Kreislauf von neuem 
zu beginnen. 

Nun noch eine weitere Frage: Warum bildet sich nicht 
in allen Wasseransammlungen eine Wasserblüte, und wovon ist 
ihr Auftreten abhängig? 

Verschiedenartige Wasseransammlungen beherbergen meist 
auch verschiedene Arten von Organismen, oder, genauer aus- 
gedrückt, der Aufenthaltsort wird seinen Bewohnern einen be- 
stimmten Charakter verleihen, das eine ist von dem andern 
abhängig. Formen unserer Tümpel und Gräben finden wir nicht 
in großen Seen, das Torfmoor hat seine spezifischen Bewohner, 
auch die Altwasser unserer Flüsse weisen eine eigenartige Flora 
und Fauna auf. 

Unter Berücksichtigung dieser verschiedenartigen Verhält- 
nisse ist es gelungen, einige allgemein gültige Regeln abzu- 
leiten, von welchen für uns folgende in Betracht kommen 
werden : 

Die Wucheruug von Organismen in Wasseransammlungen, 
besonders von Wasserblüte bildenden, ist proportional der Wasser- 
ruhe, d. h. je ruhiger das betreffende Gewässer ist, je günstiger 
sind die Vermehrungsbedingungen. Chemisch reines Wasser würde 
die Entwicklung einer Lebewelt vollständig ausschließen; aber 
unsere Wasseransammlungen sind stets mehr oder weniger kon- 
zentrierte Lösungen sowohl anorganischer Verbindungen als auch 
organischer verwesender Körper, die sich namentlich in stagnie- 
renden Sümpfen, Torfwassern und Abwässern in reichem Maße 

5* 



— 68 — 

vorfinden. Sowenig aber alle im Boden sich vorfindenden Salze 
als Nährsalze in Betracht kommen, ebensowenig können auch 
alle Bestandteile des Süß- und Salzwassers als Nährquellen an- 
gesprochen werden. Da viele dieser niederen, Nährstoff erzeu- 
genden Organismen keine Mundöffnung besitzen, um irgend- 
welche festen Stoffe aufnehmen zu können, so muß die Nahrungs- 
aufnahme durch die Haut hindurch stattfinden, die Lösbarkeit 
der Nahrung ist also für sie unbedingtes Erfordernis. 

Manche Stoffe sind von diesen Organismen in keinem Falle 
zu entbehren. Hierher gehören vor allem C, 0, H und N, 
sodann Ka, Na, Si und Ca. Sie alle befinden sich im Boden 
in lösbarer Form, woher aber stammen die organischen Stoffe? 

Jedes Endprodukt des tierischen Körpers, sowie jeder 
tierische und pflanzliche Körper verfällt schließlich der Ver- 
wesung. Fäulnis aber kann nur eintreten bei Zugegensein von 
Bakterien, somit können sie in keiner Wasseransammlung fehlen. 
Jeder Regeufall führt nun den Gewässern nicht nur neues 
Wasser, sondern auch eine Menge anorganischer, namentlich 
aber organischer Stoffe zu. Je mannigfaltiger diese Zufuhr sich 
gestaltet, desto vielgestaltiger kann sich auch die Organismen- 
welt entwickeln. Aus der Menge und der Zusammensetzung 
dieser Zufuhr läßt sich die Produktivität eines Gewässers be- 
rechnen, ein Umstand, der namentlich für die Fischzucht von 
großer Bedeutung ist, und der auf diesem Gebiete die gleichen 
Umwälzungen hervorrufen wird, wie sie auf Grund der Ver- 
suche unserer landwirtschaftlichen Anstalten nötig waren, um 
eine rationelle Feldwirtschaft ins Leben zu rufen. Schon jetzt 
ist allgemein bekannt, daß kalkreiches Wasser für die Wasser- 
wirtschaft günstiger ist als das kalkarme des Urgebirges, ferner 
daß das Vorhandensein gewißer chemischer Stoffe das Gedeihen 
bestimmter Arten begünstigt, z. B. sind Ammoniak und Schwefel- 
wasserstoff die Bedingung für das Auftreten gewisser Algen 
und Bakterien, Magnesia begünstigt die Entwicklung von 
Clathrocysüs und Phosphorsäure befördert die Vermehrung der 
Euglenen. So verschiedenartig jedoch die Nährstoffquellen 
unserer Gewässer sind, so mannigfaltig die Organismenwelt sein 
mag, immer bestehen zwischen beiden gewisse Gesetze, gewisse 
Abhängigkeitsverhältnisse, die sich am besten in den Sätzen 
ausdrücken lassen: Zugang und Verlust modifizieren die bio- 



— 69 — 

logischen Verhältnisse des Mikrokosmos und jede Wasser- 
ansammlung ist bestrebt ins biologische Gleichgewicht zu ge- 
langen, d. h. bei jeder Veränderung des einen Faktors, z. B. 
der chemischen Zusammensetzung des Wassers, wird der andere 
Faktor, hier also die Organismenwelt, in entsprechender Weise 
sich verändern. 

Betrachten wir nun unter diesen Gesichtspunkten die ver- 
schiedenartigen Wasseransammlungen, wie Teich, See, Fluß und 
Meer. Versetzen wir uns an einen Dorfteich, mag er auch 
vielleicht unser ästhetisches Gefühl beleidigen, in biologischer 
Hinsicht ist er ideal und auch in bezug auf Produktionsfälligkeit 
steht er unter den verschiedenartigsten Wasseransammlungen 
unerreicht da. 

Hier haben wir ein abgeschlossenes Ganzes, eine Lebens- 
gemeinschaft vor uns, der von allen Seiten, von Feld und Wald, 
Heide und Flur. Straße und Gehöft die verschiedenartigsten, 
organischen und anorganischen Stoffe zugeführt werden. Aller- 
lei Wassergeflügel sorgt für noch reichlichere Düngung, durch 
ihr Waten und Gründein, Schwimmen und Tauchen, sowie durch 
das Wühlen unzähliger größerer und kleinerer Organismen 
findet eine stetige Bewegung der abgelagerten Stoffe statt, was 
für die Erträgnisfähigkeit eines Nutzwassers von gleicher Be- 
deutung ist wie für die Fruchtbarkeit unserer Felder deren 
Bestellung. Durch die Wasserblüte vor den grellen Sonnen- 
strahlen geschützt, arbeiten am Grunde die verschiedenartigsten 
Bakterien daran die organischen Substanzen zu zersetzen, wo- 
durch deren verderblicher Einfluß gehemmt, die gelöste Substanz 
aber den niedrigen Organismen zur Aufnahme mundgerecht 
gemacht wird. 

Ein Abfluß ist meist nicht vorhauden, und so können alle 
Nährstoffe zum Aufbau der Organismenwelt Verwendung finden. 
Jeder Regenfall bringt frische Nährstoffe, aber auch neue Keime 
und so finden wir das ganze Jahr hindurch, was den Arten- 
und den Individuenreichtum anbelangt, ein reiches Nebeneinander 
wie ein rasches Nacheinander. 

Auf ganz anderer Basis sind die Existenzbedingungen der 
Organismenwelt eines großen Sees aufgebaut. Hier ist neben 
dem Zufluß meist ein entsprechend starker Abfluß vorhanden. 
Die Zufuhr an Nährstoffen ist im Laufe des Jahres großen, 



— 70 — 

in aufeinanderfolgenden Jahren aber meist sich gleichbleibenden 
Veränderungen unterworfen. Hauptsächlich im Frühjahr führen 
die Schneewasser eiue Menge organischer und unorganischer 
Substanz mit sich, um sie im Seebecken abzulagern. Auf 
diesen Reichtum ist die Organismenwelt in der Hauptsache das 
ganze Jahr hindurch augewiesen, denn im Sommer tritt in der 
Zufuhr ein bedeutender Rückgang ein. Nur langsam schreitet 
die Verarbeitung und Nutzbarmachung der eingeführten Stoffe 
vorwärts. Im gleichen Maße vermehrt sich dann auch die 
Fauna und Flora, um in den Sommermonaten ihren Höhepunkt 
zu erreichen. 

Diese gleichmäßigen Verhältnisse begünstigen eine oft ins 
Ungeheure sich steigernde Vermehrung der Individuen ein und 
derselben Art, verhindert aber das Nebeneinanderleben einer 
größeren Zahl verschiedenartiger Organismen. Sobald jedoch 
einer der unentbehrlichen Nährstoffe aufgezehrt ist, wird die 
davon betroffene Art verschwinden, um gewöhnlich einer andern 
Platz zu machen, die es versteht, ihre Bedürfnisse mit den noch 
vorhandenen Nährwerten vollständig zu befriedigen. So wird 
sich Jahr für Jahr ein regelmäßiger Wechsel zeigen, auf 
welchen wohl in erster Linie die Periodizität verschiedener 
Planktonorganismen, namentlich auch der Wasserblüte, zurück- 
zuführen sein dürfte. Wie schwierig es wäre diese Vorgänge 
abzuändern, geht schon daraus hervor, daß z. B. im Genfer See 
89000 Tonnen lösbarer Substanz nötig wären, um den Gehalt 
an gelösten Stoffen nur um 1 Milligramm in jedem Liter Wasser 
zu erhöhen. 

Ein vollständig anderes Bild gewähren die biologischen 
Verhältnisse eines Flusses. Man könnte glauben, daß hier die 
niedere Organismenwelt, deren erste Grundbedingung die Ruhe 
ist, überhaupt keine Rolle spielen werde, aber die Veränderungen 
welche in den letzten Jahrzehnten unsere Kulturströme durch 
die Abwässer großer Städte und vieler Fabriken erfahren 
haben, führte uns deren Bedeutung in auffallender Weise vor 
Augen. Durch diese Abwässer werden die Flüsse jährlich unter 
anderem mit Tausenden von Zentnern organischer Substanz ge- 
speist, die in solchem Übermaß in kürzester Zeit den ganzen 
Flußlauf in einen Jauchestrom verwandeln würden, wenn nicht 
die niedere Organismeuwelt imstande wäre sie in kürzester 



— 71 — 

Zeit zu verarbeiten und unschädlich zu machen. Pettenkofer 
hat zuerst mit Nachdruck auf diese sogenannte Selbstreinigung 
der Flüsse hingewiesen und den Satz aufgestellt, daß ein Fluß 
imstande sei, Abwässer bis zum 15. Teil seines eigenen Quantums, 
niedrigsten Wasserstand und gleiche Schnelligkeit der Strömung 
vorausgesetzt, bewältigen zu können. Stehen wir heutzutage auch 
nicht mehr ganz auf diesem Standpunkte, so wird doch die 
eminente Selbstreinigungskraft der fließenden Wasser allgemein 
anerkannt und man hat gefunden, daß neben der schon früher 
erwähnten Tätigkeit der Bakterien auch niedere Algen, Protozoen, 
namentlich aber auch Würmer und kleine Krebstiere eine be- 
deutende Rolle bei dieser Verarbeitung spielen. Sie alle arbeiten 
einander gegenseitig in die Hände, denn nur so kann z. B. die 
Riesenarbeit bewältigt werden, die Seine 15—20 km unterhalb 
Paris von all dem Schmutz der Weltstadt wieder befreit zu haben. 

Dieser Vorgang spielt sich allerdings nicht oben in den 
rasch dahinflutenden Wassermassen ab, sondern unten auf dem 
Grunde, wo oft meterhohe Schlammschichten von diesen Hilfs- 
truppen ganz durchsetzt sind. 

Durch solch überreiche Nahrungszufuhr sollte sich eigent- 
lich auch der Fischbestand bedeutend vermehren und dies 
ist in der Tat an einigen Stellen konstatiert worden, aber leider 
führen die Abwässer meist eine Menge von Substanzen mit 
sich, die jedes Leben in ihrem Bereiche unmöglich machen und 
hierdurch selbst die günstige Wirkung der reinigenden Lebewelt 
unterbinden. 

Das Meer vereinigt in sich alle die bis jetzt aufgezählten 
Charaktere. Es ist ein großer See, dem von allen Seiten durch 
die Flüsse und Ströme Nährstoffe der verschiedensten Art zu- 
geführt werden, mit Stellen in der Tiefe und an der Ober- 
fläche, wo die Wassermassen ruhig und friedlich sich ausbreiten; 
es weist Strömungen auf, die in nahezu unverrückbaren Bahnen 
die Ozeane nach allen Richtungen durchziehen und ähnliche 
Existenzbedingungen wie unsere Flüsse gewähren, aber häufig 
sind all diese biologischen Unterschiede miteinander vermischt 
und verbunden, so eine Mannigfaltigkeit hervorrufend, die uns 
kein Gewässer des Festlandes bieten kann. 

Was die organischen Nährstoffe anbelangt, so wird das 
Meer hiermit überreichlich versehen, ja diese würden sogar in 



- 72 - 

ihrem Übermaße zum Verderben der gesamten Lebewelt ge- 
reichen, wenn nicht gewisse Bakterienarten hier die entgegen- 
setzte Rolle der früher erwähnten übernommen hätten, d. h. 
sie verwandeln die zugeführten Stickstoffverbindungen in un- 
schädliche neutrale Produkte. 

Die überaus wichtige Rolle der zahlreich vertretenen Klein- 
lebewelt des sogenannten Planktons, und unter diesem wieder 
vor allem der Wasserblüte, ist durch die Expeditionen und 
wissenschaftlichen Meeresuntersuchungeu der letzten Jahrzehnte 
erst ins rechte Licht gerückt worden. 

In all den erwähnten Wasseransammlungen spielt sich der 
gleiche Vorgang ab. Aus anorganischer Substanz wird organische 
Substanz bereitet durch die Tätigkeit der Nährstoffmehrer, also 
hauptsächlich durch pflanzliche Organismen. Sie bilden dann mit- 
telbar oder unmittelbar die wichtigste Nahrungsquelle für das 
große Heer der Nährstoffverzehrer, welche die von den ersteren 
aufgebauten Eiweißstoffe abbrechen und zerlegen, um sie zum 
Aufbau des eigenen Körpers zu verwenden. Unter hauptsäch- 
licher Würdigung der chemischen Vorgänge nennen wir diesen 
Prozeß den Stoffwechsel, biologisch ausgedrückt ist er der 
Kreislauf des organischen Lebens, und die dabei beteiligten 
Glieder können wir als eine Lebensgemeinschaft zusammen- 
fassen, d. h. als eine bald größere bald kleinere Kette von 
Organismen, in welcher mit dem Recht des Stärkeren das eine 
das andere verzehrt, bis schließlich die Endprodukte des Stoff- 
wechsels und nach dem Tode der Körper selbst von den niedersten 
Organismen zu neuem organischem Leben verarbeitet wird. 

Versuchen wir einmal, eine solche Lebensgemeinschaft 
näher zu betrachten, um an ihr den Stoffwechsel, also die 
Wanderung der aufbauenden Nährsubstanzen oder den Kreis- 
lauf des organischen Lebens zu verfolgen. Zu diesem Zwecke 
kehren wir zurück zu unserem Dorfteiche. 

Für unsere Augen unsichtbar arbeiten zahllose Mengen von 
Bakterien unten im Schlamme, durch ihre Tätigkeit die ver- 
schiedenen Stickstoff Verbindungen in lösliche Form überführend. 
Am Rande verrät uns die dunkelgrüne Farbe das Vorhanden- 
sein zahlreicher Euglenen. Sie sind mit Hilfe ihres Chlorophylls 
imstande, die in der Luft und auch im Wasser reichlich vor- 
handene Kohlensäure zu zerlegen. Den Kohlenstoff verwenden 



— 73 - 

sie zur Bereitung von Stärke oder hier einem nahe verwandten 
Körper, dem Paramylum. Den Sauerstoff geben sie zum größten 
Teile an das Wasser zurück. Die mit Hilfe der Bakterien gelösten 
Stickstoffverbindungen nehmen sie auf dem Wege der Diffusion 
durch die Haut hindurch auf und verwandeln dieselben in das 
eiweißreiche Plasma. 

Für viele Infusorien bilden die Euglenen eine willkommene 
Speise und hiemit gelangt der nach Art der Pflanzen aus dem 
anorganischen Gebiet gewonnene Nährstoff in die Tierreihe. 
Inmitten des Teichs zeigt uns eine rote Wolke die Anwesenheit 
zahlreicher Wasserflöhe und Hüpferlinge an. Sie entnehmen 
ihren Nahrungsbedarf hauptsächlich aus dem Reich der vorhin 
erwähnten Einzeller, brechen also die schon vorhandenen Eiweiß- 
stoffe ab, um sie in anderer Zusammensetzung dem eigenen 
Körper einzugliedern. 

Für den träge dahinziehenden Karpfen wie für den munteren 
Stichling bilden diese Krebstiere als Jungfisch die bevorzugteste 
Nahrung und so sind wir auf unserer Stoffwanderung im Reiche 
der Wirbeltiere angelangt. Nehmen wir an, daß ein solcher 
Fisch von einer Ente erhascht wird, so haben wir die Kette 
auch auf die Landtiere ausgedehnt. Die Endprodukte ihres 
Stoffwechsels gibt dieser Wasservogel getreulich an den Teich 
zurück, vielleicht beschließt er auch selbst einmal sein Dasein 
an diesem Orte, und so ist der Kreislauf geschlossen, um sofort 
von neuem beginnen zu können. 

Aus diesem Beispiel geht mit aller Deutlichkeit hervor, 
daß gerade die Wasserblüte bildenden Organismen einen un- 
entbehrlichen Faktor in dieser aufsteigenden Organismenreihe 
darstellen. Tritt auch hie und da der Fall ein, daß durch das 
Auftreten einer Wasserblüte großer Schaden angerichtet wird, 
indem sie alles organische Leben hauptsächlich durch ihr rasches 
und massenhaftes Absterben gefährdet, so sind diese Einzelfälle 
doch kaum imstande ihrer allgemein anerkannten Bedeutung 
Abbruch zu tun. 

Es bleibt uns nunmehr noch übrig, unsere Befunde über 
die Stellung dieser mikroskopischen Welt zum Naturganzen, 
ihre Rolle im Gesamthaushalte der Natur kurz zusammenzufassen, 
um unserem Thema gerecht zu werden. 



- 74 — 

1. Da die meisten Wasserblüte bildenden Organismen sich 
nach Art der Pflanzen ernähren, besitzen sie die Fähigkeit aus 
anorganischer also unbelebter Substanz lebende Materie auf- 
zubauen. 

2. Indem sie in der kleinsten Wasseransammlung wie auch 
im Meere diese wichtige Aufgabe erfüllen, ist ihre Bedeutung 
eine universelle. 

3. Der dichte Teppich, den sie über ein Gewässer aus- 
breiten, ist für ihre Verbündeten, die im Schlamm tätigen Bak- 
terien, von größtem Nutzen; denn das volle Sonnenlicht hemmt 
diese in ihrer Wirksamkeit, tötet sie sogar ab, und sie sind es 
doch, welche unlösliche Stickstoffverbindungen in lösliche, für 
den Pflanzenkörper verwendbare überführen und die organischen 
Abfallstoffe zersetzen. 

4. Sie erfüllen also zugleich die Aufgabe einer Wasser- 
polizei in höchst vollkommener Weise durch Vernichtung und 
zugleich Nutzbarmachung verwesender Stoffe; sie verwandeln 
also auch organische aber tote Substanz wieder in lebendes 
Plasma. 

5. Viele von ihnen stellen wenigstens für den Kenner 
Leitorganismen dar, aus deren Vorhandensein man mit Sicher- 
heit auf reines oder verdorbenes Wasser schließen kann. 

6. Sie sind ein wichtiger Faktor zur Erhaltung des 
biologischen Gleichgewichts, da sie durch ihre ungeheure Ver- 
mehrungskraft jedes Übermaß von gelösten Stoffen zu verhindern 
vermögen. Im Meere werden sie hierbei noch durch die Deni- 
trifikationsbakterien unterstützt. 

7. Infolge ihres massenhaften Auftretens bilden sie die 
ergiebigste Nährquelle für die Tierwelt des Wassers. Durch 
ihren hohen Ausnutzungskoeffizienten sind sie von bedeutendem 
Nährwert und hierin den Landpflanzen bei weitem überlegen. 
Hierdurch werden sie zu unersetzlichen Hilfstruppen für die 
Fischzucht. 

8. Sie bereichern das Wasser in hohem Maße mit Sauer- 
stoff, dem unentbehrlichsten Lebenselement. Gewöhnlich ent- 
hält ein Liter Wasser bei einer Temperatur von 20° C. un- 
gefähr 6ccm 0. Durch ihre Tätigkeit im Sonnenlichte wird dieser 



- 75 - 

Gehalt bis auf 23,2 ccm gesteigert, ist also dann sogar größer 
als der Sauerstoffgehalt der Luft. Hierdurch wird der Stoff- 
umsatz, d. h. das Wachstum, namentlich der Fisch weit in hohem 
Maße gefördert und der Ertrag der Gewässer entsprechend 
gehoben. 

Diese Gründe werden wohl genügen die Wasserblüte im 
Haushalte der Natur als einen überaus wichtigen Faktor anzu- 
sehen. Sollte es mir gelungen sein, hierdurch Ihre Aufmerksam- 
keit auf diese Naturerscheinung hinzulenken, vielleicht sogar 
Ihr Interesse für dieselbe wachzurufen, so könnte ich den Zweck 
dieser Ausführungen als vollkommen erreicht ansehen. 



76 — 



Die Frage nach den Grenzen der Erkenntnis. 

Vortrag, 

gehalten in der wissenschaftlichen Sitzung der Senckenbergischen 

Naturforschenden Gesellschaft vom 29. Februar 1908. 

Von 

Professor Dr. Max Verworn, Göttingen. 

Mitten im Paradiese stand der Baum der Erkenntnis. Und 
es war ein lustiger Baum, lieblich anzusehen und gut davon 
zu essen. Und der Mensch nahm von der Frucht und aß wider 
das göttliche Verbot. Da wurden seine Augen aufgetan, aber 
es traf ihn zugleich der göttliche Fluch. 

So erzählt die alte Sage. Und noch immer locken die 
Früchte vom Baum der Erkenntnis des Menschen Verlangen 
und noch immer ruht der Fluch auf des Menschen Erkenntnis. 
Wie oft glaubt er sein großes Exempel endgültig und restlos 
gelöst zu haben und wie oft grinst ihm dann wieder ein gründ- 
licher Irrtum entgegen! Und doch: die Lösung muß ihm 
gelingen. P> hat ja vom Baume der Erkenntnis gegessen und 
seine Augen sind aufgetan. 

Es scheint, daß der alte Fluch um so schwerer auf dem 
Erkenntnisbestreben des Menschen lastet, je tiefer der Mensch 
in das Wesen der Dinge einzudringen bemüht ist. Wie ein 
schadenfrohes Gespenst lockt und quält und narrt die Erkenntnis 
den Menschen, bis er sich endlich entschließt, ganz von vorn 
zu beginnen, bis er sich zu der Frage bequemt: Was ver- 
mag denn überhaupt die menschliche Erkenntnis 
zu leisten? 

Die Naturforschung, der die Erkenntnis der Welt so 
viele Förderung dankt, wird in unserer Zeit immer fühlbarer 
auf die Notwendigkeit hingedrängt, die Grundlagen der Er- 



— 77 — 

kenntnis zu prüfen. Von allen Seiten führen die naturwissen- 
schaftlichen Probleme, wenn man sie bis zu einem gewissen 
Punkte verfolgt, auf erkenntniskritische Fragen. Gewiß, man 
kann sehr gut und erfolgreich Spezialforschung treiben, 
ohne sich mit erkenntnistheoretischen Problemen zu quälen. 
Aber man kann auf keinem Gebiete bis zu den allgemeinen 
Problemen der Naturforschung vordringen, ohne auf er- 
kenntnistheoretische Fragen zu stoßen. Wer etwa glaubt, bis 
zuletzt diesen Fragen aus dem Wege gehen zu können, der 
verwickelt sich auf Schritt und Tritt in ein Netz von Wider- 
sprüchen. Die großen Naturforscher der letzten Jahrzehnte 
haben das immer klarer erkannt, und sie haben von Zeit zu 
Zeit unter ihren Fachgenossen ihre Stimme erhoben. Aber das 
Ergebnis ihres Nachdenkens war sehr verschieden, weil die 
Fackel ihrer Kritik sehr verschieden weit leuchtete. Mehr 
synthetische Geister unter ihnen, die ein unstillbares Verlangen 
nach einem fertigen Weltbilde im Busen trugen, fanden keine 
Schwierigkeit für den menschlichen Geist, die Gesamtheit des 
Seins schon jetzt restlos zu erfassen. Mehr analytische Köpfe 
glaubten an verschiedenen Stellen auf uuüberschreitbare Grenzen 
zu stoßen. Aber man vergesse nicht, daß der Naturforscher 
auf erkenntnistheoretischem Gebiet ein Neuling ist. Probleme, 
die in der Philosophie seit Locke und Hume die Denker be- 
wegt haben, fangen in der Naturforschung erst an, Beachtung 
zu finden. Allein die Notwendigkeit, sich mit ihnen auseinander 
zu setzen, wird auch in der Naturforschung von Tag zu Tag 
dringender. Kein Wunder daher, wenn sich der Vorstand der 
Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte vor zwei Jahren 
entschloß, auf der Naturforscher -Versammlung in Stuttgart einen 
Philosophen zu Worte kommen zu lassen ! l ) Ein höchst er- 
freuliches Symptom ! Die Wahl fiel auf einen sehr feinsinnigen 
Psychologen. Aber der Versuch mißglückte trotzdem vollkommen. 
Die Sprache des Philosophen war eine andere als die des 
Naturforschers. Beide verstanden sich nicht. 2 ) Wieder hat die 



1 ) Tb. Lipps: „Natur Wissenschaft und Weltanschauung". 
In Verhandl. d. Ges. Deutscher Naturforscher und Ärzte. 78. Versammlung 
zu Stuttgart 1906. 

2 ) Ich meine hier nicht so sehr das einzelne Wort als vielmehr die 
gesamte Ausdrucksweise. In bezug auf diese Art und Weise der Dar- 



— 78 — 

alte Sage recht behalten. Wieder erscheint hier die Erfüllnug 
eines alten göttlichen Fluches unter denen, die nach Erkenntnis 
streben. Der Herr hat ihre Sprache verwirrt, daß keiner des 
andern Sprache vernehme. Es ist höchst bedauerlich, daß gerade 
in Deutschland, im Volke der Denker, die babylonische Sprachen- 
verwirrung so weit gegangen ist, daß zwei Männer aus zwei 
verschiedenen Gebieten der Forschung, sobald sie in ihrer Fach- 
sprache reden, sich nicht mehr verstehen. Der Vorwurf trifft 
nicht die Philosophie besonders, sondern mindestens in gleichem 
Grade die Naturwissenschaft. Auf allen Gebieten des Geistes- 
lebens gilt es seit wenig mehr als einem Jahrhundert für 
„wissenschaftlich", wenn man in dem eigens gezüchteten Jargon 
seines Spezialgebietes redet und schreibt. Und doch sind es 
gewöhnlich nicht die gebildeten Leute eines Landes, die am 
meisten im Dialekt ihrer Provinz sprechen. Wir sollen, meine 
ich, danach streben, auf jedem Gebiete menschlichen Geistes- 
lebens eine allgemein menschliche Sprache zu pflegen. Ich 
behaupte, das ist durchführbar, selbst wenn die einzelnen 
Wissenschaften ihre unentbehrlichen Spezialbegriffe und Fach- 
ausdrücke prägen. So will ich denn heute versuchen, die für 
uns so grundlegende Frage nach den Grenzen der menschlichen 
Erkenntnis weder in philosophischer noch in naturwissenschaft- 
licher, sondern in allgemein menschlicher Sprache wissen- 
schaftlich zu erörtern. 



Jede Erörterung der Grenzen des Erkenneus wird zweck- 
mäßigerweise mit einer Analyse des Erkenntnisvorganges 
selbst beginnen. Leider aber ist der Begriff des Erkennens viel- 
fach sehr verschieden gefaßt worden. Die extremen Sensualisten 
haben ihn allein angewendet auf die sinnliche Empfindung. Die 
reinen Rationalisten dagegen haben ihn ausschließlich reserviert 
für das logische Denken. Kant hat nur die Vereinigung 
von sinnlicher Wahrnehmung mit ordnendem Denken als Er- 



stellung haben sich die verschiedenen Gebiete des Geisteslebens allmählich 
so weit voneinander entfernt, daß es dem Spezialfurscher des einen Gebietes 
schwer fällt, sich in die Gedankengänge eines anderen Gebietes hineinzuver- 
setzen. 



— 79 — 

kenntnis gelten lassen. 1 ) Dabei werden aber von Kant über 
das Verhältnis der ordnenden Faktoren des Denkens, speziell 
über das Verhältnis der von ihm als „apriorisch" bezeichneten 
d. h. vor der Erfahrung liegenden Kategorien von Raum, Zeit, 
Kausalität zu den sinnlichen Empfindungen Annahmen gemacht, 
die den heute bekannten Tatsachen nicht mehr entsprechen. 
Wir wissen, daß, was wir als Raum und Zeit bezeichnen, 
ebenfalls der Erfahrung entstammt und zwar in erster Linie 
der sinnlichen Erfahrung. Dem unglücklichen Ursachenbegriff 
dagegen liegt eine aus alter Zeit stammende Konzeption zu- 
grunde, die heute nicht mehr haltbar ist. 2 ) Fassen wir also 
den Begriff des Erkennens in seiner allgemeinsten Form, so 
heißt Erkennen nichts anderes als Erfahrungen 
bilden. 

Die einfachste Erfahrung besteht in der sinnlichen 
Empfindung. Aus sinnlichen Empfindungen leiten sich zu- 
gleich alle übrigen Erfahrungen ab. Die sinnliche Empfindung 
ist also der elementare und zugleich der fundamentale Erkenntnis- 
prozeß. Ohne Empfindungen wäre unser Bewußtsein leer. 
Mittels der Empfindungen dagegen gewinnt es noch einen 
weiteren, über die Empfindungen hinausgehenden Inhalt: die 
Vorstellungen und Gedanken. Vorstellungen sind Erinnerungs- 
bilder von Empfindungen. Zu ihrer Erweckung bedarf es aber 
nicht mehr, wie zur Entstehung der ursprünglichen Empfindung, 
des entsprechenden Sinnesreizes. Sie können vielmehr von den 
verschiedensten Nervenbahnen her wachgerufen werden, aber 
sie stehen insofern in einem untrennbaren Abhängigkeitsverhältnis 
von den Empfindungen, als ohne vorhergegangene Empfindungen 
keine Vorstellungen existieren würden. Blindgeborene Leute, 
die in späterem Alter durch Operation sehend geworden sind, 



') Immanuel Kant: „Kritik der reinen Vernunft" (Ein- 
leitung). K ir ch m an n sehe Ausgabe, IV. Aufl. Leipzig 1901. 

-) Es ist die Annahme eines nach Art des menschlichen Willens 
unsichtbar wirkenden Agens, die zweifellos ihre Wurzeln in der prähistorischen 
Seelenidee hat. Die moderne Naturwissenschaft hat den Begriff solcher Agen- 
tien oder „Kräfte", die sich der Wahrnehmung entziehen, mehr und mehr 
aufgegeben und verwendet das Wort „Kraft" lediglich noch als Bequemlich- 
keitsausdruck. Dementsprechend sollte der Begriff „Ursache", der ebenso- 
wenig faßbar und definierbar ist wie der Begriff „Kraft", in der wissen- 
schaftlichen Forschung ebenfalls allmählich beseitigt werden. 



— 80 — 

sagen uns das direkt. 1 ) Die Frage nach der Lokalisation 
der physiologischen Vorgänge in der Großhirnrinde, welche die 
Vorstellungen, und derjenigen, welche die Empfindungen bedingen, 
bedarf zwar noch mancher Klärung, indessen scheinen die Er- 
fahrungen über die Ausfallserscheinungen bei bestimmt lokali- 
sierten Großhirnerkrankungen und vor allem die grundlegenden 
Untersuchungen Flechsigs über die Bedeutung der weder 
motorischen noch sensorischen Rindengebiete des Großhirns dafür 
zu sprechen, daß die kortikalen Bedingungen für das Zustande- 
kommen der Vorstellungen und der Empfindungen anatomisch 
an verschiedenen Stellen der Großhirnrinde lokalisiert sind. 
Die von vornherein am nächsten liegende Annahme, daß die 
kortikalen Vorgänge, welche die Empfindungen und diejenigen, 
welche die Vorstellungen bedingen, in den gleichen Zellen 
der Großhirnrinde lokalisiert seien, werden wir jedenfalls nicht 
aufrecht erhalten können. Die Vorstellungen haben offenbar 
ihre eigenen Rindensphären außerhalb der reinen Empfindungs- 
sphären, und zwar in den großen Assoziationsgebieten der 
Großhirnrinde. Man wird diese Rindenpartien daher direkt als 
Vorstellungsgebiete bezeichnen müssen. Jeder Sinnesreiz, der 
bestimmte Zellen in einer Empfindungssphäre erregt, ruft, wie 
es scheint, auch zugleich sekundär eine Veränderung in be- 
stimmten Zellen einer Vorstellungssphäre hervor, so daß selbst 
nach Zerstörung einer Empfindungssphäre die entsprechenden 
Vorstellungen noch immer von anderen Seiten her erweckt 
werden können. Wie dem aber auch sei : das ist eine Tatsache 
und zwar eine Tatsache von gewaltiger Tragweite, daß wir 
durch das Spiel der Vorstellungen in weitem Umfange von der 



x ) Blindgeborene haben keine Gesichtsvorstellungen. Ihre Vorstel- 
lungswelt besteht allein aus den Vorstellungen anderer Sinnesgebiete. 
Auch die genauesten Beschreibungen der Gesichtsbilder von Gegenständen 
vermögen ihnen keine Gesichtsvorstellungen zu erwecken. Werden also Blind- 
geborene im späteren Leben durch eine Operation sehend, wie das in einer 
kleinen Anzahl von Fällen, zuletzt in dem von Uhthoff operierten und 
sehr eingehend studierten Fall geschehen ist, so werden die Gegenstände, 
die ihnen durch ihre anderen Sinne sehr gut und lange bekannt sind, durch 
den neu hinzukommenden Gesichtssinn allein niemals von ihnen erkannt. 
Die Gegenstände sind dem neu eröffneten Gesichtssinne völlig fremd und 
werden erst erkannt, wenn zu ihrer Untersuchung einer der früher bereits 
benützten Sinne, etwa der Tastsinn, verwendet werden kann, 



— 81 — 

momentanen Notwendigkeit der sinnlichen Eindrücke für 
unser Erkenntnisleben unabhängig werden. Wenn ich mit den 
Erinnerungsbildern früherer Empfindungen jeden Augenblick 
arbeiten kann, ohne daß ich dabei auf das jedesmalige Vor- 
handensein des entsprechenden Sinnesreizes angewiesen bin, 
dann emanzipiert sich mein Geistesleben zeitlich in hohem Grade 
von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen. 

Aber noch mehr. Dadurch, daß die Vorstellungen zeitlich 
unabhängig sind von der Einwirkung der entsprechenden Sinnes- 
reize, eignen sich die Vorstellungen in ganz hervorragendem 
Maße für die assoziative Verknüpfung zu längeren Folgen, zu 
Gedanken. Da jede Sinnesempfindnng stets komplexer Natur 
ist, da ferner bestimmte Sinnesempfindungen stets in gleicher 
Reihenfolge auftreten, so sind auch in den entsprechenden 
Erinnerungsbildern die Einzelbestandteile von vornherein schon 
immer in bestimmter Ordnung miteinander verknüpft. In allen 
diesen Fällen gibt also die Vorstellungsassoziation ohne weiteres 
ein getreues Bild der sinnlich wahrnehmbaren Welt. Sobald 
indessen Vorstellungen und Vorstellungskomplexe miteinander 
verknüpft werden, die in dieser Zusammenordnung oder Folge 
nicht Reproduktionen von sinnlichen Beobachtungen sind, kann 
es zweifelhaft werden, ob sie den wirklichen Verhältnissen der 
sinnlich wahrnehmbaren Welt entsprechen. Hier würde sich 
jedenfalls die Erkenntnis zu einer wilden Anarchie der Vor- 
stellungen gestalten, wenn nicht die assoziative Verknüpfung 
der Vorstellungen, von Beginn ihrer Entwicklung an, der Selektion 
unterläge. Der selektiv wirkende Faktor, der eine fortwährende 
Korrektur der Vorstellungsassoziationen bedingt, ist von den 
Anfängen des Bewußtseinslebens beim Tier bis zum Menschen 
hinauf wiederum die sinnliche Erfahrung. Nur Vorstellungs- 
assoziationen, die durch die sinnliche Erfahrung immer wieder 
bestätigt werden, halten sich dauernd lebensfähig und werden 
weiter gezüchtet. Dieser Entwicklungsprozeß erreicht seinen 
höchsten Grad iu der experimentellen Methode der 
Forschung, in der man bewußt die Richtigkeit der Vor- 
stelluugsgänge an der Hand absichtlich hergestellter sinnlicher 
Beobachtung zu prüfen sucht. 

Indessen spielt bei der Entwicklung des menschlichen 
Erkennens, je höher das geistige Kulturniveau liegt, um so 

6 



— 82 — 

mehr noch ein spezielles Moment des selektiven Faktors eine 
maßgebende Rolle, das ist die Erziehung des kindlichen Vor- 
stellungslebens durch den im Kulturvolke vorhandenen Besitz 
an Vorstellungen und Gedanken. Dem Kinde wird bei den 
Kulturvölkern schon von einem sehr frühen Entwicklungsstadiiim 
an durch die Erziehung eine konzentrierte Nährlösung von 
fertigen Vorstellungen und Gedankengängen eingeflößt. Diese 
Vorstellungen haben bereits in weitem Umfange während endloser 
Jahrtausende der Selektion unterlegen und sind als gründlich 
durchkorrigiert übrig geblieben, so daß sie als widerspruchslos 
untereinander gelten. An unserem heutigen geistigen Besitz 
haben alle Menschengeschlechter mitgearbeitet, von den ältesten 
prähistorischen Zeiten au. Jedes Zeitalter hat neue Ideen dem 
alten Besitz zugefügt und alte Ideen, die sich mit neuen Er- 
kenntnissen im Widerspruch befanden, beseitigt. Oft trifft 
dieses letztere Schicksal eine Idee erst sehr spät und lange 
Zeit wird ein falscher Gedanke durch Jahrtausende fortgepflanzt, 
ehe der Selektionsprozeß ihn eliminiert. Auch wir heute schleppen 
zahlreiche falsche Vorstellungen in unserm täglichen Denken 
mit uns herum, die zum Teil noch dem naiven Geiste des stein- 
zeitlichen Menschen entstammen. Aber der Selektionsprozeß 
unter den Vorstellungen ist ja auch heute au keinem Ende 
angelaugt. Unaufhaltsam schreitet er weiter. 

Der Faktor, der bei der Erziehung die als richtig gelten- 
den Assoziationen befestigt und auf diese Weise das zur Herr- 
schaft bringt, was wir als logisches Denken bezeichnen, ist 
die Einübung der durch Selektion gezüchteten Vorstellungs- 
gänge. Auf der Übung beruht das Gedächtnis, d. h. die 
Fähigkeit, Vorstellungsreihen um so leichter zu reproduzieren, 
je öfter sie bereits erregt worden sind. Wie bringt die Übung das 
zustande? Wir möchten gern die physiologischen Bedingungen 
des Gedächtnisses kennen, so wie man die physiologischen 
Bedingungen der Empfindungen und Vorstellungen in der Er- 
regung bestimmter Zellprovinzen der Großhirnrinde, und die phy- 
siologischen Bedingungen der Assoziationen in der Fortleitimg 
dieser Erregung durch die Nervenfasern von einer Zellstation 
zur anderen erkannt hat. Wie vermag also die Übung, d. h. die 
häufige Erregung einer bestimmten Folge von Vorstellungen 
die entsprechenden Assoziationswege auszuschleifen, so daß 



— 83 — 

die Assoziationen auf ihnen immer leichter und sicherer ab- 
laufen? 

Mit der seit altersher gebräuchlichen Antwort, daß die 
Erregung einer Ganglienzelle durch einen Reiz eine dauernde 
aber latente Spur in der (ianglienzelle hinterläßt, ist nichts 
gesagt. Wir wollen wissen, worin diese Spur besteht, die da 
zurückbleibt, obwohl doch einerseits der Stoffwechsel fortdauernd 
die Moleküle der Zelle zersetzt und wieder erneuert, und obwohl 
doch andererseits die Selbststeuerung des Stoffwechsels in jeder 
das durch einen Reiz gestörte Stoffwechselgleichgewicht nach 
dem Aufhören des Reizes sofort wieder herstellt. 1 ) Die physio- 
logische Autwort kann nicht zweifelhaft sein. Es ist eine 
bekannte Tatsache, daß die Zellen eines Organs mit der Häulig- 
keit ihrer funktionellen Beanspruchung einer Massenzunahme 
ihrer lebendigen Substanz erfahren. Das gilt z. B. von jedem 



') Es sind in der Regel zwei Schwierigkeiten, auf die man zu stoßen 
pflegt, wenn man sich klar zu machen sucht, worin die Spur als Grundlage 
des Gedächtnisses besteht, die eine funktionelle Erregung der Ganglienzelle 
in ihr hinterläßt. 

Die eine Schwierigkeit glaubt man in der Tatsache des Stoffwechsels 
als solcher zu finden. Indem man sich vorstellt, daß die „Spur", welche die 
Erregung in der Ganglienzelle hinterläßt, in einer „molekularen Umlagerung" 
besteht, glaubt man nicht begreifen zu können, wie eine solche „molekulare 
Umlagerung" sich andauernd erhalten kann in einem System, das, wie die 
lebendige Substanz, selbst dauernd in einer Umlagerung seiner Atome, d. h. 
in einem Wechsel seiner Moleküle begriffen ist. Man übersieht dabei, daß 
der „Stoffwechsel 1 im physiologischen Sinne aber gerade dadurch charak- 
terisiert ist, daß er, abgesehen von den langsamen Veränderungen, die er 
bei der Entwicklung erfährt, die neu eintretenden Atome und Moleküle immer 
wieder in genau der gleichen Zahl und genau der gleichen Beschaffenheit an 
genau die gleiche Stelle führt wie die alten, zerfallenen und austretenden 
Moleküle, die durch die neuen ersetzt werden. Wie bei der Schmetterlings- 
flamme eines Gasbrenners trotz des fortwährenden Wechsels der Gasmoleküle 
doch die Gestalt und Zusammensetzung der Flamme dauernd die gleiche bleibt, 
genau so ist es auch bei der lebendigen Zelle der Fall, trotz des andauernden 
Stoffwechsels, der sich in ihr vollzieht. So ist die Stabilität der Verhältnisse 
in der Zelle trotz ihres Stoffwechsels und zwar auf Grund der Stabilität des 
Stoffwechsels ohne weiteres verständlich. Man dürfte also in der Tatsache 
des Stoffwechsels an sich keine Schwierigkeit für das Bestehenbleiben eines 
bestimmten molekularen Verhältnisses in der Zelle erblicken. 

Dagegen scheint sich eine andere Schwierigkeit zu ergeben aus der 
allgemeinen physiologischen Tatsache, die man als „Selbststeuerung" 

6* 



— 84 

Muskel und jeder Drüse, und das hat sich ebenso für die 
Ganglienzelle nachweisen lassen. Mit der Übung nimmt also 
die Masse einer Ganglienzelle zu und infolgedessen werden die 
Impulse, die sie bei jeder Erregung entlädt, entsprechend stärker. 
Da aber die Weiterleitung einer Erregung durch verschiedene 
Ganglienzellstationen hindurch, wie sie der Assoziation von 
Vorstelluugen zugrunde liegt, von der Stärke der Impuls - 
entladungen abhängt, so wird die Erregung, die von einer Gang- 
lienzelle ausgeht, von all den Assoziationswegen, die von dieser 
Zelle fortführen, nur diejenigen Zellstationen passieren können, 
die bereits durch Übung zu genügend starker Weiterbeförderung 
des Erregungsimpulses befähigt sind, d. h. sie wird auf dem 
eingeübten Assoziationswege um so leichter ablaufen, je mehr 
dessen Ganglienzellstationen durch Übung eine Massenzunahme 
erfahren haben. 

So werden durch die Erziehung bestimmte, durch 
Selektion gezüchtete Gedankengänge eingeübt, bestimmte Asso- 



des Stoffwechsels bezeichnet. Diese „Selbststeuerung" des Stoffwechsels be- 
steht darin, daß die Störung im Stoffwechselgleichgewicht, die ein Reiz her- 
vorgerufen hat und die wir im vorliegenden Falle als Erregung bezeichnen, 
sofort nach dem Aufhören des Reizes wieder ausgeglichen wird, so daß sich 
das ursprüngliche Stoffwechselgleichgewicht genau wie es vorher bestand, 
wiederherstellt. Diese Restitution des durch den Reiz gestörten Stoffwc.hsel- 
gleichgewichts scheint also auf den ersten Blick jede „Spur", die der Reiz 
hinterlassen könnte, sofort wieder zu verwischen. Indessen liegt, wie im Text 
kurz skizziert, die Sache so, daß die Selbststeuerung zwar jede qualitative 
Veränderung in bezug auf die Zusammensetzung der lebendigen Substanz 
wieder ausgleicht, daß aber, je häutiger ein Reiz einwirkt, um so deutlicher 
eine quantitative Vermehrung der lebendigen Substanz sich bemerkbar 
macht. Die quantitativen Massenverhältnisse der lebendigen Substanz in der 
Ganglienzelle sind also durchaus abhängig von der Häufigkeit ihrer funk- 
tionellen Beanspruchung durch Reize. Wir wissen, daß die Masse der leben- 
digen Substanz bei häufiger Beanspruchung durch Reize zunimmt, bei an- 
dauernd ausbleibender Beanspruchung abnimmt bis zur vollständigen Atrophie. 
Die Massenzunahme der lebendigen Substanz ist also die einzige länger 
dauernde „Spur", welche die durch Reize hervorgerufenen Erregungen in der 
Zelle zurücklassen. Wie die Substanzzunahme der Ganglienzellen bei der 
Übung mit dem „Ausschleifen" der Vorstellungsassoziationen d.h. mit dem 
Gedächtnis, und wie die Substanzabnahme bei Mangel an Übung mit dem 
Vergessen zusammenhängt, hahe ich ausführlicher auseinandergesetzt in einer 
Arbeit über „Die zellularphysio logische Grundlage des Gedächt- 
nisses" in der Zeitschr. f. allgem. Physiologie 1906, Bd. VI. 



— 85 — 

ziationswege ausgeschliffen. Und so entsteht das logische 
Denken. 1 ) 

Unter den Vorstellungsverknüpfungen des logischen Denkens 
hat eine Form für die Entwicklung der menschlichen Erkennt- 
nis ganz besonders große Tragweite gewonnen. Das ist die 
abstrahierende Schlußfolgerung. Die Schlußfolgerung 
schafft der Erkenntnis einen Inhaltsbestandteil von grund- 
legender Bedeutung, denn sie bringt die Erkenntnis einer 
bestehenden Gesetzmäßigkeit zum Ausdruck. Auch sie 
entstammt lediglich der sinnlichen Erfahrung und wird von ihr 
fortdauernd selektiv korrigiert. Man beobachtet eine Aufeinander- 
folge zweier Empfindungen, z. B. Regen und Nässe immer und 
immer wieder in gleicher Weise. Man gewinnt durch Übung 
die entsprechende Vorstellungsassoziation „Regen" und „naß". 
Sobald die Vorstellung „Regen" erweckt wird, assoziiert sich 
ihr von selbst die Vorstellung „naß". Das ist das primitive 
Paradigma für die Erkenntnis einer gesetzmäßigen Abhängigkeit. 
Alle Gesetzmäßigkeit hat konditionale Form: wenn es regnet, 
dann ist es naß. Der Konditionalsatz ist das allgemeine Dar- 
stellungsschema für alle Gesetzmäßigkeit. Er allein ist imstande, 
eine Erkenntnis in streng erfahrungsgemäßer Weise ohne irgend 
welche Zutat eines Deutungsversuches zum Ausdruck zu bringen. 
Alle wirklich wissenschaftliche Erkenntnis muß sich daher in 
die konditionale Form kleiden, denn alle wissenschaftliche Er- 
kenntnis besteht und kann nur bestehen in der Feststellung 
gesetzmäßiger Abhängigkeitsverhältnisse. Sind sämtliche Beding- 



! ) Da die Ganglienzellen wie die verschiedensten anderen Zellen unseres 
Körpers während unserer individuellen Entwicklung ganz allmähliche Ver- 
änderungen erfahren und da sie vor allem in der Jugend viel ausbildungs- 
fähiger sind als im höheren Alter, so liegt es auf der Hand, wie ungeheuer 
wichtig es ist, daß gerade in der Jugend bei der Erziehung des logischen 
Denkens möglichst zweckmäßige und für das spätere Leben wertvolle Vor- 
stellungsassoziationen und Gedankengänge eingeübt werden. Es ist eine ganz 
ungeheure Verantwortung, die in dieser Beziehung die Schule übernimmt, 
besonders wenn man die lange Dauer der Schulzeit in Betracht zieht, die 
denen zugemessen ist, die einst am weit vorgeschobenen Rande des geistigen 
Fortschrittes arbeiten sollen. Man kann aber leider nicht sagen, daß «lie 
große Mehrzahl unserer höheren Schulen mit den Anforderungen, welche die 
mehr und mehr veränderten Kulturaufgaben stellen, in dieser Hinsicht gleichen 
Schritt gehalten hätte. 



— 86 — 

ungen, von denen ein Vorgang oder Znstand abhängig ist, er- 
mittelt, dann ist der Vorgaug oder Znstand eindeutig bestimmt, 
und es bleibt nichts mehr an ihm zu erklären, denn das, was 
wir mit einem kurzen Wortsymbol den betreffenden Vorgang 
oder Zustand nennen, ist bei näherer Analyse nichts anderes 
als die Summe sämtlicher bedingenden Momemte. Diese Ein- 
kleidung aller Gesetzmäßigkeit in die konditionale Form ist 
eigentlich völlig selbstverständlich. Ich glaube aber trotzdem 
diese Tatsache immer wieder 1 ) besonders betonen zu müssen, 
weil in der Naturwissenschaft die traditionell seit alter Zeit 
mitgeschleppte Vorstellung, daß die einzig wissenschaftliche 
Erklärungsart die kausale sei, noch immer nicht durch Selektion 
beseitigt ist. Der Ursachenbegriff ist ein mystischer Begriff, 
der einer primitiven Phase des menschlichen Denkens ent- 
sprungen ist. Eine streng wissenschaftliche Darstellungsweise 
kennt keine „Ursachen", sondern nur gesetzmäßige Abhängig- 
keiten. Soll aber der Begriff „Kausalität" nur das Bestehen 
einer eindeutig bestimmten Gesetzmäßigkeit bezeichnen, so ist 
das Moment der „causa", der „Ursache" in ihm nicht bloß 
überflüssig, sondern direkt falsch, denn ein gesetzmäßiger Vor- 
gang oder Zustand ist nie eindeutig bestimmt durch „eine 
einzige Ursache", sondern immer nur durch eine Summe 
von Bedingungen, die sämtlich gleichwertig sind, weil sie eben 
notwendig sind. 2 ) Kausale Gesetzmäßigkeit ist spekulative 



') Seit einigen Jahren bereits bin ich bestrebt gewesen, immer wieder 
die Forderung zu vertreten, daß die Naturforscbung sich mehr und mehr 
gewöhnen müsse in gleicher Weise wie die Mathematik die konditionale 
Betrachtungsweise an Stelle der unklaren, kausalen Betrachtungsweise zu 
pflegen. Die Mathematik kennt die kausale Einkleidung der Darstellung 
ihrer Wahrheiten nicht. Sie kleidet ihre Lehrsätze stets in die konditionale 
Form. Nach dieser Exaktheit, die mehr ist als eine bloße Ausdrucksform, 
die einen unabsehbaren Einfluß ausübt auf das gesamte Denken, muß auch 
die Naturforschung streben. Vgl. darüber unter anderem: Max Verworn: 
„Das Problem des Lebens". Ein Vortrag. Jena 1907, Gustav Fischer. 

2 ) Man denkt sich der üblichen Auffassung gemäß, daß jeder Vor- 
gang bewirkt wird durch eine „Ursache". Die Darstellung der Natur- 
vorgänge nach „Ursache" und „Wirkung" gilt gewöhnlich als besonders 
exakt. Eine genaue Beobachtung zeigt indessen, daß in keinem Falle ein 
Vorgang zustande kommt durch einen einzigen Faktor. Es sind immer 
zahlreiche Faktoren, die zu seinem Zustandekommen notwendig sind. Ent- 



— 87 — 

Mystik, konditionale Gesetzmäßigkeit ist Erfahrung. Die 
Mahnung zur konditionalen Betrachtungsweise sollte am Eingang 
zu jeder wissenschaftlichen Untersuchung stehen. Überlassen 
wir also den Ursachenbegriff seiner allmählichen Ausrottung 
durch die Vorstell ungsselektion ! 

Mit der Feststellung einer bestehenden Gesetzmäßigkeit 
hat der Erkenntnisprozeß seine höchste Entwicklung erreicht. 
Jede neue Erfahrung liefert nur einen neuen Beweis für die 
Existenz einer eindeutigen Gesetzmäßigkeit. Aber vergessen 
wir nie, daß auch die höchste Vollendung des logischen Denkens 
nur aus sinnlicher Erfahrung entspringt und fortdauernd durch 
sinnliche Erfahrung verifiziert wird! Mögen wir dann immer- 
hin die Empfindungen als unmittelbare Erfahrungen den Vor- 
stellungen, Assoziationen, Schlußfolgerungen als abgeleiteten 
Erfahrungen gegenüberstellen, mögen wir die ersteren als primäre, 
die letzteren als sekundäre Erkenntnisse bezeichnen, auf jeden 
Fall zeigt der gesamte Erkenntnisprozeß einen völlig einheit- 
lichen Charakter. Er besteht in der Bildung von Empfindungen, 
Vorstellungen, Gedanken, Schlußfolgerungen, die alle auf der 
Basis derselben Gesetzmäßigkeit ruhen. Diese Gesetzmäßigkeit 



wickle ich z. B. Kohlensäure, indem ich Salzsäure auf kuhlensaures Natron 
gieße, so ist für die Kohlensäureentwicklung nicht etwa die Salzsäure die 
„Ursache", sondern es ist das kohlensaure Natron ebenso notwendig wie die 
Salzsäure und es zeigt sich bei näherer Untersuchung, daß auch noch andere 
Faktoren genau so unentbehrlich sind wie diese beiden. Es existiert also 
schlechterdings keinerlei Veranlassung, dem einen dieser sämtlichen not- 
wendigen Faktoren eine dominierende Sonderstellung einzuräumen. Sie sind 
eben sämtlich unentbehrliche Bedingungen. Läßt man dagegen den 
Gedanken, daß ein Vorgang durch eine einzige „Ursache" bewirkt werde, 
fallen und gesteht man zu, daß es zwei oder mehrere T Ursachen" sind, die 
den Vorgang herbeiführen, dann verliert der Begriff der „Ursache 1 ' seinen 
Sinn und wird identisch mit dem Begriff der Bedingung. Dann aber ist es 
nötig, den Ausdruck „Ursache" ganz fallen zu lassen, da er unwillkürlich 
den alten Gedanken an ein geheimnisvoll wirkendes, sinnlich nicht wahrnehm- 
bares Agens erweckt. Die Bedingungen aber sind weder geheimnisvoll noch 
sinnlich unerkennbar, denn es sind die Dinge selbst, die ich ja wahrnehmen 
kann. Die Dinge bedingen sich untereinander und alle Wissenschaft kann, 
wenn sie exakt sein will, nur in der Feststellung ihrer gesetzmäßigen Ab- 
hängigkeitsverhältnisse voneinander bestehen. Also wenn man durchaus einen 
„Ismus" haben will: nicht K au sali sinn s, sondern Kondition ism us 



— 88 — 

aber ist keine andere als die allgemeine Gesetzmäßigkeit alles 
Seins und Geschehens. *) 

Erkenntnis ist Erfahrung im weitesten Sinne, und Erkennen 
heißt Erfahrungen bilden, in erster Linie sinnliche Empfindungen. 
Die weitere Analyse des Erkenntnisprozesses kann also wie alle 
wissenschaftliche Analyse nur in der Ermittelung der sämtlichen 
Bedingungen für das Zustandekommen von Empfindungen, Vor- 
stellungen, Gedanken bestehen. Ich habe im vorhergehenden 
einzelne der speziellen Bedingungen, die von den Vorgängen im 
Gehirn dargestellt werden, bereits kurz berührt. Es kann aber 
nicht meine Aufgabe sein, alle uns heute schon bekannten 
physiologischen Bedingungen des Erkenntnißprozesses im Rahmen 
dieser kurzen Stunde zu erörtern. 2 ) Dagegen ist es notwendig, 
auf die beiden großen Gruppen von Bedingungen in ihrer All- 
gemeinheit noch einen Blick zu werfen. 

* * 

* 

„Ich" erkenne „Etwas". Jeder Erkenntnisprozeß stellt 
eine Beziehung dar zwischen den beiden Faktoren „Ich" und 
„Etwas". 

Was ist dieses „Ich"? Dieses „Ich", das dem Menschen 
ans Herz gewachsen ist, wie nichts auf der Welt, das ihm die 
herrlichsten Freuden, aber auch den schwersten Kummer bereitet, 
das er bald liebt, bald haßt, bald aufs höchste verehrt, bald 



1 ) Man pflegt häufig die Tatsache, daß sich im logischen Denken 
des Menschen die gleiche Gesetzmäßigkeit ausdrückt, wie in dem Geschehen 
in der umgebenden Welt, als besonders auffallend und bemerkenswert 
hinzustellen und ist erstaunt, wenn diese Tatsache bei unseren logisch er- 
sonnenen Experimenten in der Bestätigung unserer wissenschaftlichen Vor- 
aussagen einmal einen besonders schlagenden Ausdruck gewinnt. Nach der 
hier vertretenen Auffassang, nach der die Gesetzmäßigkeit im logischen Denken 
sich nur auf Grund der Gesetzmäßigkeit des gesamten Seins und Geschehens 
entwickelt hat oder mit anderen Worten nur ein Ausdruck dieser allgemeinen 
Gesetzmäßigkeit ist, erweist sich diese Idendität schlechterdings als selbst- 
verständlich, denn nach dieser Auffassung ist das logische Denken ebenfalls 
nur ein der allgemeinen Gesetzmäßigkeit folgendes Geschehen. Auffällig und 
unverständlich kann diese Identität nur von anderen Voraussetzungen aus sein. 

2 ) Eine kurze, für einen weiteren Kreis bestimmte Skizze dieser 
physiologischen Bedingungen der Bewußtseinsvorgänge habe ich gegeben 
in dem kleinen Heft: „Die Mechanik des Geisteslebens" der 
Tenbn ersehen Sammlung: Aus Natur und Geisteswelt 1907. 



aufs tiefste verflucht, das der mächtigste Hebel geworden ist 
für die Veredelung des Menschen und seiner Ideale und das ihn 
doch wieder niederziehen kann in den Sumpf niedrigster Leiden- 
schaft und gemeinsten Verbrechens, das er bald um keinen Preis 
hergeben, bald gänzlich abstreifen möchte und das er doch nicht 
wegwerfen kann, ohne auf alles zu verzichten, das untrennbar 
wie sein Schatten au ihm haftet und an allem teilnimmt, was 
er erfährt und ausführt. Was ist dieses mächtige, unvermeid- 
liche, aufdringliche „Ich"? 

Die nüchterne Analyse wissenschaftlicher Kritik zeigt uns, 
daß auch dieses „Ich" uns nur als ein Produkt der Erfahrung 
bekannt wird. Das Kind, das mit seinen Sinnen eben die ersten 
Erkenntnisse gewinnt, nimmt eine Menge von Dingen wahr, die 
es unterscheidet, und die es später nach der Anweisung seiner 
Erzieher mit verschiedenen Namen belegt: Bett, Stuhl, Tisch, 
Mama, Papa usf. Unter diesen Dingen befinden sich auch seine 
eigenen Körperteile: Bein, Hand, Kopf usf. Im Laufe der Ent- 
wicklung macht das Kind die Beobachtung, daß gewisse Dinge 
immer dabei sind, wenn es irgendetwas sieht, hört, fühlt, denkt 
usf. Das sind seine eigenen Körperteile. Für diesen Komplex von 
Dingen lernt das Kind die Bezeichnung „Ich". Wenn das erste 
„Ich" vom Kinde verwendet wird, ist indessen die Vorstellung 
des „Ich" durchaus noch nicht scharf umgrenzt. Das Kind ver- 
wechselt anfangs noch das eigene „Ich" mit den anderen „Ichs", 
die das Wort „Ich" auf sich selbst anwenden. Erst allmählich 
lernt es das eigene „Ich u von anderen „Ichs" unterscheiden. 
Da das „Ich" immer an allem beteiligt ist, was das Kind tut 
und denkt, so schleift sich der „Ich "-Vorstellungskomplex be- 
sonders tief aus, im Gegensatz zu anderen Vorstellungen, die 
immerfort wechseln. So entsteht der primäre „Ich" -Begriff. Er 
bezeichnet, kurz gesagt, den Komplex von Dingen, der immer 
dabei ist, was auch der Mensch empfindet und denkt, fühlt oder 
tut. Der „Ich "-Begriff vergrößert sich immer mehr, je mehr 
Bestandteile sich ihm durch Erfahrung ankristallisieren. Die 
Erkenntnis vom anatomischen Bau des Körperinnern erweitert 
den Inhalt der „Ich "-Vorstellung enorm. Beim Naturforscher 
und Arzt umfaßt der „Ich" -Begriff schließlich die unabsehbare 
Fülle der Vorstellungen vom ganzen komplizierten Zellenbau des 
Körpers, von den Zellen der Leber und Niere bis zu dem er- 



— 90 — 

staunlich fein geordneten System der Ganglienzellen und Nerven- 
fasern des Gehirns. 

Aber noch mehr. Diesem „primären Ich" -Begriff mischen 
sich unwillkürlich auch andere Bestandteile bei. Man gewöhnt 
sich allmählich, seine gesamten Empfindungen, Vorstellungen, 
Ideen zum eigenen „Ich" zu rechnen und so zerfließt schließlich 
dieses „sekundäre Ich" ohne Grenze in die umgebende Welt. 
So wird das sekundäre „Ich" aber zuletzt zur Chimäre. 

Für die wissenschaftliche Betrachtung ist es daher not- 
wendig, den Begriff des „Ich" nur im primären Sinne zu ver- 
wenden. Dann bedeutet das „Ich" die Summe der physio- 
logischen Bedingungen, die zur Entstehung der gesamten 
Empfindungen und Vorstellungen, Gedanken und Gefühle, kurz 
aller Bewußtseinsvorgänge notwendig sind, d.h. der mensch- 
liche Körper. Dieses engere „Ich" stellt also ein System 
von Bedingungen vor, das geeignet ist, mit den Dingen außer- 
halb des Körpers Empfindungen und weiterhin Vorstellungen, 
Gedanken, Gefühle zu bilden. Kurz das „Ich" ist ein Apparat 
zur Herstellung von Bewußtseinsvorgängen. Behalten wir aber 
im Auge, daß auch dieses primäre „Ich" keinesfalls ein wirklich 
stabiles System ist. Es ändert sich von der Geburt bis zum 
Tode. Auch die mannigfaltigsten äußeren Faktoren, wie Nahrung 
und Gifte, Ermüdung und Krankheit und viele andere wirken 
auf dieses System und seine einzelnen Glieder verändernd ein. 
Da aber die Empfindungen und Vorstellungen, Gedanken und 
Gefühle eindeutig bestimmt sind, nicht bloß durch die Dinge der 
Außenwelt, sondern ebenso durch den Bedinguugskomplex des 
„Ich"-Systems, so ist es klar, daß jede Veränderung in dem 
Bedingungssystem des „Ich" auch eine entsprechende Veränder- 
ung in den Bewußtseinsvorgängen nach sich zieht, genau so, 
wie das der Fall ist bei allen Veränderungen in der Außenwelt. 

Werfen wir nunmehr auch einen Blick auf den zweiten 
Bedinguugskomplex, der das Erkennen beherrscht, auf das 
„Etwas", auf die Dinge außerhalb des „Ich". Ja, existiert 
denn überhaupt etwas außerhalb des „Ich" ? Habe ich nicht, 
indem ich ein „Ich" und Dinge außer dem „Ich" unterscheide, 
eine ganz willkürliche Annahme gemacht? Ich will mich ja nur 
an die Erfahrung halten und jede Hypothese vermeiden. Die 
Erfahrung liefert mir aber nur meine eigenen Empfindungen 



— 91 — 

und davon abgeleitete Vorstellungen. Ist daher nicht die Unter- 
scheidung von „Ich" und Außenwelt eine reine Hypothese? Der 
Gedankengang, den man als „Solipsismus" zu bezeichnen 
pflegt, behauptet das in der Tat, und er glaubt besonders exakt 
zu verfahren, indem er die Annahme einer außer dem „Ich" 
existierenden Außenwelt gänzlich verwirft. Auf den ersten Blick 
imponiert dieser Standpunkt ; bei genauerem Zusehen ist er 
absurd. 

Betrachten wir ihn etwas näher! Man folgert etwa so: 
Wenn ich analysiere, was ein Gegenstand ist, so zeigt mir die 
Erfahrung nur eine bestimmte Summe von Empfindungen. Wenn 
ich prüfe, was ich einen anderen Menschen nenne, so finde ich 
wiederum nur einen besonderen Komplex von Empfindungen. 
Außer meinen eigenen Empfindungen liefert mir die Erfahrung 
nichts. Das heißt : die ganze Welt ist nur meine eigene Empfin- 
dung und Vorstellung. Solus ipse. Etwas anderes kann ich 
nicht nachweisen, wenn ich mich immer nur streng an die Er- 
fahrung halte. So sagt der Solipsismus. Aber nehmen wir 
einmal an, die Behauptung, daß nur „Ich" allein existierte, 
wäre richtig, dann würde die Welt höchst wunderlich sein. 
Dann wäre die Welt jeden Augenblick etwas anderes : in diesem 
Moment ein schöner Festsaal mit vielen Menschen, im nächsten 
ein Blatt Papier, im folgenden eine elektrische Lampe und in der 
Nacht wäre sie gänzlich verschwunden, um am Morgen als Decke 
eines Schlafzimmers wieder neu zu erstehen. Ein wildes Gewirr 
von Empfindungen und Vorstellungen ohne Zusammenhang, das 
wäre die Welt. Aber weiter. Das „Ich" verlöre vollständig 
seinen Sinn, denn es hat nur Sinn als Gegensatz zu anderen 
Dingen. Wenn aber nur „Ich" allein existiere, so fällt der 
Gegensatz fort, und das „Ich" ist identisch mit dem Sein über- 
haupt. Das Sein aber existierte nur zeitweilig und zwischen 
seinen Existenzen klaffte das Nichts jede Nacht. Es lohnt nicht, 
die seltsamen Konsequenzen weiter zu verfolgen, die aus dem 
Gedankengange des Solipsismus logisch entspringen. Trotz seiner 
scheinbar streng erfahrungsmäßigen Grundlage muß dieser Ge- 
dankengang einen Fehler enthalten. Das liegt auf der Hand. 

In der Tat ist es nicht schwer, diesen Fehler zu finden. 
Der Solipsismus berücksichtigt nur die unmittelbaren, primären 
Erfahrungen, die Empfindungen. Er übersieht die abgeleiteten, 



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sekundären Erfahrungen, die uns die Existenz einer Gesetz- 
mäßigkeit zeigen. Diese konditionale Gesetzmäßigkeit, die täg- 
lich und stündlich durch zahllose Erfahrungen von neuem bestätigt 
wird, liefert mir ebensoviele experimentelle Beweise dafür, daß 
die Dinge auch bestehen, wenn ich sie nicht sinnlich wahr- 
nehme. Zum Beispiel : Die Erfahrung hat mir gezeigt, daß ein 
Stück Natrium, das ich auf Wasser werfe, sofort zu einer Kugel 
zusammenschmilzt, die zischend unter lebhafter Bewegung an 
der Wasseroberfläche zusammenschrumpft und schließlich ver- 
schwindet. Dabei hat sich unter Entwicklung von Wasserstoff, 
den ich auffangen kann, Natronlauge im Wasser gelöst. Die 
sinnliche Erfahrung hat tausendfach gezeigt, daß dieser Vorgang 
sich mit unfehlbarer Gesetzmäßigkeit abspielt, sobald ich seine 
Bedingungen realisiert habe. Stelle ich nun die nötige Versuchs- 
anordnung auf. werfe ich ein Natriumstück auf Wasser, und 
verlasse ich darauf das Zimmer, so spielt sich dieser Vorgang 
genau ebenso ab, als ob ich dabei wäre, obwohl er sich voll- 
ständig meiner sinnlichen Wahrnehmung entzieht. Ich kann 
das kontrollieren, indem ich das Resultat feststelle, oder den 
Ablauf des Vorgangs von einem anderen erfahre, der den Vor- 
gang inzwischen beobachtet hat. So liefert mir die Erfahrung 
den unumstößlichen Beweis, daß die Dinge außerhalb meines 
„Ich" existieren, auch wenn ich sie garnicht empfinde. Das 
gleiche gilt aber auch für mein „Ich" selbst. Ich empfinde ja 
mein „Ich" d. h. meinen Körper ebenfalls nicht immer. Im 
Schlaf, in der Narkose, aber auch bei angestrengter Aufmerksam- 
keit und scharfem Nachdenken bin ich mir meines „Ich" durchaus 
nicht bewußt, und auch sonst nehme ich gleichzeitig immer nur 
einzelne Teile davon wahr. Ich empfinde immer nur etwas von 
meinem „Ich", wenn ich seine einzelnen Teile zu einander, wenn 
ich diesen oder jenen Teil zu diesem oder jenem Sinnesorgan 
in Beziehung setze. Und doch existiert mein gesamtes „Ich" 
andauernd fort, auch wenn ich von ihm kein Bewußtsein habe. 
Mein „Ich", mein Körper ist genau ebenso ein „Ding", wie die 
anderen Dinge, wie alle Dinge, ein System von bestimmten Be- 
dingungen, und es ist gewissermaßen nur eine „physiologische" 
Form der Eitelkeit, die im Kampf ums Dasein gezüchtet ist, 
wenn ich aus der gesamten Mannigfaltigkeit von Dingen, die 
den Weltinhalt bilden, das eigene „Ich" besonders heraushebe 



— 93 — 

und der Gesamtheit aller übrigen Dinge gegenüberstelle. In 
Wirklichkeit stehen wir nicht außer oder gar über der Welt, 
soudern in der Welt wie alle anderen Dinge. 

„Ich erkenne ein Ding" heißt nach alledem: Es stellt sich 
zwischeu meinem „Ich" und dem betreffenden Ding ein solcher 
Beziehungskomplex her, daß Empfindungen, Vorstellungen, Ge- 
dankengänge entstehen. 



Von dieser Basis aus können wir jetzt an die Frage heran- 
treten, wieweit die Erkenntnisfähigkeit reicht und ob sie begrenzt 
ist. Die Autwort wird uns jetzt leicht: Die Möglichkeit 
des Erkennens reicht so weit wie der Inhalt der 
Welt, denn es besteht für uns kein prinzipielles 
Hindernis, mit jedem anderen Bestandteil der Welt 
in Beziehung zu treten. 

Der Weg, auf dem ich diese Beziehungen herstelle, geht, 
wie wir sahen, zuerst immer durch meine Sinnesorgane. Iudem 
ich ein Ding mit meinen Sinnesorganen und dadurch mit den 
Ganglienzellen meines Gehirns in Beziehung setze, bilde ich mit 
ihm Empfindungen, die ich weiterhin zu Vorstellungen und 
Schlüssen verarbeite. Die Erkennbarkeit aller sinnlich wahr- 
nehmbaren Dinge liegt also von vornherein auf der Hand. Aber 
es gibt Dinge, die meine Sinnesorgane überhaupt nicht affizieren 
wie der Stickstoff der Luft oder gewisse Strahlenarten. Sind 
diese erkennbar? Die Erfahrung sagt: ja, denn wir haben sie 
ja erkannt. Der Weg der Erkenntnis ist hier der, daß wir 
diese Dinge erkennen durch die Veränderungen, die andere, 
unseren Sinnen zugängliche Dinge durch sie erfahren. Auf 
diesem Wege wurden z. B. die Röntgen -Strahlen entdeckt. 
Aber man wird sagen: in diesen Fällen erkenne ich die Dinge 
nicht selbst, sondern nur indirekt aus ihren Wirkungen. Darauf 
erwidere ich: das macht keinen Unterschied, denn auch unsere 
sinnlichen Wahrnehmungen sind ja niemals die wahr- 
genommenen Dinge selbst, sondern immer nur komplexe Systeme 
von Dingen, in denen das wahrgenommene Ding als ein Bestand- 
teil enthalten ist kombiniert mit dem „Ich" oder seinen Teilen. 
Das Ding selbst und meine Empfindung des Dinges ist niemals 
identisch, und meine Empfindung eines und desselben Dinges 



— 94 — 

ist gänzlich verschieden, je nachdem das betreffende Ding mit 
diesem oder mit jenem Sinnesorgan von mir in Beziehung tritt. 

Hier ist nun der Punkt, wo mancher eine unübersteigliche 
Grenze der Erkenntnis zu sehen geneigt ist. Man sagt sich: 
da ich die Dinge immer nur in Form von Empfindungen wahr- 
nehme, die völlig verschieden sind je nach dem Sinnesorgan, 
durch das ich sie gewinne, und da ich doch andererseits nach- 
weisen kann, daß die Dinge auch existieren, wenn ich sie nicht 
empfinde, so entsteht die Frage, was die „Dinge an sich" 
sind, losgelöst aus dem Komplex der Empfindung, außerhalb 
ihrer Kombination mit dem „Ich". Hier scheint die Erkenntnis 
ihre Grenze erreicht zu haben. Hier scheint uns ein unüber- 
brückbarer Abgrund völliger Hoffnungslosigkeit entgegen zu 
gähnen, denn wenn wir nicht erkennen können, was die „Dinge 
an sich" sind — so sagt man — dann ist uns die Erkenntnis 
der Wirklichkeit für immer verschlossen. Wir bewegen uns 
dann ewig in einer Welt des Scheins, und quälend kehrt immer 
die Frage zurück: Was sind die „Dinge an sich"? 

Gibt es von dieser Tantalusqual denn keine Erlösuug? 
Ist hier wirklich eine Grenze der Erkenutnis vorhanden? Ja, 
was will ich denn? Ich besinne mich: ich will erkennen, was 
ein Ding ist, wenn ich es nicht wahrnehme. Wie? Ein Ding 
erkennen, ohne es wahrzunehmen? Das heißt ja ein Ding er- 
kennen, ohne es zu erkennen, und das ist kompletter Unsinn, 
aber kein Problem, denn hier liegt ein vollkommener Widerspruch 
vor. Indessen : 

„ . . . ein vollkommner Widerspruch 

Bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Toren," 
und so pflegen denn auch heute noch Kluge sowohl wie Toren 
den Reizen dieses geheimnisvollen Scheinproblems mit ehrfurchts- 
voller Scheu zu erliegen. Es ist aber durchaus notwendig, daß 
wir uns von solchen Scheinproblemen frei machen, denu in 
erkenntnistheoretischen Fragen bedarf es vor allen Dingen voll- 
kommener Klarheit. „Erkennen" drückt ja ein Iubeziehung- 
setzen aus. Ich erkenne ein Ding, wenn ich es zu mir in 
Beziehung setze und nur dadurch, daß ich es zu mir in Be- 
ziehung setze. Wie kann ich also verlangen, ein Ding zu er- 
kennen, ohne daß ich es zu mir in Beziehung setze! Aber 
indem ich es zu mir in Beziehung setze, kann ich jegliches 



— 95 — 

Ding erkennen. Der Erkenntnisprozeß hat hier keine Grenze. 
Ich muß der Erkenntnis nur keine Scheiuprobleme stellen. 

Schließlich ist es auch völlig irrig, wenn man denkt, daß 
wir niemals die Wirklichkeit selbst erkennen, sondern stets 
nur eine Welt des Scheines. Wir selbst sind ja ein Stück 
Wirklichkeit, unsere Empfindungen sind Dinge wie alle anderen 
Dinge, in unseren Empfindungen fällt das Sein und Erkennen 
zusammen, in unserer Erkenntnis erleben wir die Wirklichkeit 
selbst. Meine Empfindung ist ja doch auch ein „Ding au sich" 
wie jeder andere Komplex von Dingen. Ich darf nur nicht den 
vorhin berührten Fehler machen, daß ich mich lediglich im 
Gegensatz zu den übrigen Dingen fühle, als etwas prinzipiell 
anderes. 

In unserer Kultur, in der sich der Mensch gewöhnt, die 
Dinge als Objekte sich gegenüberzustellen, um sie zu analy- 
sieren, zu kritisieren, zu vivisezieren, zu mikroskopieren, wird 
dieses Gefühl des Gegensatzes künstlich gezüchtet. Unter solchen 
Bedingungen wird dem Menschen die Tatsache, daß er selbst 
ein Bestandteil der Wirklickheit ist, allmählich ganz fremd. 
Sobald wir uns aber einmal von einer gewaltig wirkenden Land- 
schaft umgeben sehen, in der wir uns selbst wandernd befinden, 
sobald „fühlen" wir uns in dieselbe „hinein" — um diesen 
treffenden Ausdruck Robert Vischers zu gebrauchen — sobald 
wird uns die Tatsache wieder bewußt, daß wir selbst ein Stück 
dieser Wirklichkeit sind. Wer je eiumal im Herzen der Wüste 
von all ihren spannungsvollen Schauern, soweit das Auge reicht, 
tage- und wochenlang umgeben war, wird dieses eigenartige 
Gefühl kennen. Hier fühlen wir uns nicht mehr außerhalb der 
Welt als beherrschende, sezierende Beobachter, denen die Welt 
gegenübersteht als Objekt. Hier fühlen wir uns selbst dazu 
gehörig als ein einziger Teil, hier fühlen wir uns mitten darin, 
hier wird es uus klar, daß wir mit all unserem Empfinden die 
Wirklichkeit selbst erleben und Wirklichkeit sind. 

Es ist ein unglücklicher Gedanke gewesen, zu unterscheiden 
zwischen einer Welt der Wirklichkeit und einer Welt der Er- 
scheinungen. Die Welt ist einheitlich, nicht doppelt, und wir 
sind ein Bestandteil derselben wie andere auch. Infolgedessen 
können wir auch mit allen anderen Bestandteilen in Beziehung 
treten, wie die anderen Bestandteile unter sich in Beziehung 



— 96 — 

treten, nach gleicher Gesetzmäßigkeit. Unsere Empfindungen 
sind solche Beziehungen zwischen uns und anderen Diugen, 
wie die Beziehungen anderer Dinge untereinander, und so besteht 
hier auch keine Grenze für unser Erkennen. Oder doch? 

In seiner bekannten und viel erörterten Rede über „die 
Grenzen des Naturerkennens" ] ) hat du Bois-Reymond, der 
bekannte Berliner Physiologe, an zwei Punken unübersteigliche 
Grenzen für unsere Erkenntnis zu finden geglaubt. Darf ich 
Sie bitten, auch diesen Grenzen noch eine kritische Prüfung 
zu widmen. 



Die eine Grenze findet du Bois-Reymond in der Un- 
möglichkeit, das Wesen der Materie zu begreifen. Prüfen 
wir diese Angelegenheit etwas näher! Verstehen wir unter 
Materie das Substrat der „Dinge an sich", wie es ist, wenn 
wir die Dinge nicht wahrnehmen, dann ist, wie wir sahen, das 
Problem von der Erkenntnis dieses Substrates absurd. Verstehen 
wir unter Materie die Gesamtheit der Formen des Seins und 
Geschehens, so erkennen wir das Wesen der Materie in jedem 
einzelnen Fall, indem wir die sämtlichen Bedingungen des be- 
treffenden Zustandes oder Vorganges ermitteln. Beides ist aber 
hier garnicht gemeint. Gemeint ist mit dem Begriff der Materie 
vielmehr ein Substrat, aus dem sich alle erkennbaren Dinge 
aufbauen. Das setzt voraus, daß alle Dinge aus einem ein- 
heitlichen Substrat bestehen. Diese Voraussetzung ist aber trotz 
ihres hohen Alters ein noch keineswegs durch die Vorstellungs- 
selektion korrigiertes Gedankengebilde. Auch unsere Natur- 
wissenschaft enthält ja, selbst an den äußersten Spitzen, an 
denen sie am weitesten in der Erkenntnis vorgerückt ist, noch 
immer eine Menge von Vorstellungen, deren Keime aus den 
ältesten Zeiten der Menschheit stammen und an denen wir an- 



*) Emil Du Bois-Reymond: „Über die Grenzen des 
Naturerkennens". In der zweiten allgemeinen Sitzung der 45. Ver- 
sammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Leipzig am 14. August 
gehaltener Vortrag. Abgedruckt in „Reden, erste Folge" 1886, Leipzig, 
Veit & Co. — Vgl. zur Ergänzung auch von demselben: „Die sieben 
Welträtsel". In der Leibni z-Sitzung der Akademie der Wissenschaften 
zu Berlin am 8. Juli 1880 gehaltene Rede. Ebendort. 



— 97 — 

dauernd hermnkorrigieren. l ) Dahin gehören auch die Vor- 
stellungen von der Materie und von der Erfüllung des Eaumes. 
Aber diese Vorstellungen sind noch immer in der Entwicklung 
begriffen. Wir können sie nur als provisorische Arbeitshypo- 
thesen betrachten, an denen wir fortwährend Korrekturen an- 
bringen müssen auf Grund neuer Erfahrungen. Wie sehr sie 
sich noch im Fluß befinden, zeigt gerade die neueste Ent- 
wicklungsphase der physikalischen Forschung recht deutlich. 
Noch vor wenigen Jahrzehnten galten allgemein die Atome der 
chemischen Elemente als die letzten Grundbestandteile der Welt. 
Heute kennen wir bereits den Atomzerfall, und die Vorstellung 
von der Umwandlung der Metalle ineinander, die längst in die 
Rumpelkammer alchymistischer Phantasien verworfen war, scheint 
wieder zu Ehren zu kommen. Die Elektronentheorie, die sich 
als Arbeitshypothese auf physikalischem Gebiet von ähnlicher 
Fruchtbarkeit zu erweisen beginnt wie die Atomtheorie auf 
chemischem Gebiet, gewöhnt uns immer mehr an den Gedanken 
viel kleinerer Teilchen, aus denen die Elementatome zusammen- 
gesetzt sind und von denen selbst ein Wasserstoffatom noch 
etwa 2000 beherbergt. Aber auch mit den Elektronen haben 
wir noch immer keinen einheitlichen Bestandteil der Dinge ge- 
funden, denn wir müssen ja notwendigerweise zwei Arten von 
Elektronen voraussetzen, die negativen und die positiven. Auch 
wenn es gelänge, wie man vermutet hat, die positiven Elektronen 
etwa als Komplexe der negativen aufzufassen, was vorläufig 
noch auf sehr große Schwierigkeiten stößt, so bliebe noch neben 
den Elektronen der Äther als zweiter Bestandteil der Welt, 
und es würde sich fragen, ob auch die Beziehungen, die zwischen 
diesen beiden Bestandteilen existieren, derart sind, daß sich der 
eine auf den anderen zurückführen läßt. Hier ist trotz des 



x ) Es liegt im Interesse einer solchen Korrektur unserer Vorstel- 
lungen, daß wir uns immer mehr und mehr gewöhnen, die Begriffe, mit denen 
wir wissenschaftlich arbeiten, nicht bloß 6charf zu definieren, sondern auch 
genau auf ihre Herkunft und Vorgeschichte zu prüfen. Unsere Begriffe sind 
sämtlich vom Menschen geschaffen und es ist daher in allen Fällen zu fragen, 
öl) die PJeoliachtungen und Überlegungen, aus denen sie einst in früher Zeit 
Ursprüngen sind, heute noch eine genügende Motivierung für ihre Erhaltung 
abgeben. Wir sollten uns üben, an allen Grenzen der wissenschaftlichen 
Arbeit diese Paßrevision möglichst gewissenhaft durchzuführen. 

V 



— 98 — 

mächtigen Impulses, den die physikalische Forschung nach einer 
Periode verhältnismäßiger Stagnation durch die interessanten 
Entdeckungen unserer Zeit erfahren hat, noch immer kein Ende 
abzusehen. Aber das können wir schon jetzt mit Sicherheit 
sagen, daß die Voraussetzung eines einheitlichen Substrats aller 
Dinge in der bisherigen Form nicht richtig sein kann, denn 
sie führt in jedem Falle zu Widersprüchen. Nehme ich an, 
daß das hypothetische Substrat der Dinge aus distinkten Teilchen 
besteht, und wären sie auch noch so klein, so erhebt sich die 
Frage, womit die Zwischenräume ausgefüllt sind. Vor dem ab- 
soluten Nichts schrickt selbst die kühnste Phantasie zurück. 
Es müßte also noch ein zweites Substrat bestehen, durch das 
hindurch die materiellen Teilchen sich gegenseitig beeinflussen 
können. Nehme ich andererseits an, daß das Substrat aller 
Dinge stetig den Raum erfüllt, so wird es uns auf Grund der 
Vorstellungen, an die wir gewöhnt sind, wiederum schwer, die 
Verschiebungen, d. h. die Verdichtungen und Verdünnungen in 
diesem Substrat zu verstehen, die notwendig wären, um uns 
den Ablauf irgendeines Vorganges begreiflich zu machen. Auf 
jeden Fall werden sich unsere augenblicklichen Vorstellungen 
über die Raumerfiillung ganz wesentlich ändern müssen, und 
zahlreiche neue Erfahrungen sind nötig, bis wir in diesem Punkte 
imstande sein werden, die Widersprüche und Schwierigkeiten 
zu vermeiden. 

Nur eine Tatsache ist wichtig, und die Durchdringung 
unseres Denkens mit ihr wird zweifellos dazu beitragen, uns 
auch in der Frage der Materie allmählich zu widerspruchsfreien 
Vorstellungen zu führen, das ist die Tatsache, daß die Erfahr- 
ung uns keine isolierten, unabhängigen, absoluten Dinge zeigt, 
sondern stets nur Zusammenhänge. Nirgends finden wir bei 
genauerer Analyse Dinge, die nicht von anderen abhängig wären. 
Nur die naive Betrachtung läßt uns ein Ding, etwa einen 
Menschen, als ein selbständiges, isoliertes System auffassen. Es 
ist aber ein Irrtum. 

„Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt gewöhnlich 
für ein Ganzes hält." 

Der Mensch ist vielmehr in jeder Beziehung abhängig von seiner 
Umgebung. Ein ununterbrochener Stoffstrom geht von außen her 



— 99 — 

durch (leu menschlichen Organismus hindurch. An ihn ist das 
Leben des Menschen gebunden. Die äußeren Lebensbedingungen 
spielen also eine ebenso große Rolle wie die inneren, denn beide 
sind ebenso notwendig, und nur wo beide Komplexe realisiert 
sind, da ist ein lebendiger Mensch. Ein Mensch ist identisch 
mit dem System dieser sämtlichen inneren und äußeren Bedingun- 
gen, und dasselbe gilt für jedes Ding, mag es ein Organismus 
oder ein lebloser Gegenstand sein. Auch ein Atom oder Elek- 
tron kaun immer nur da vorhanden sein, wo ein bestimmter 
Komplex von Bedingungen besteht. Absolute, unabhängige, 
unbedingte Atome können nicht existieren. Jedes Atom ist 
abhängig von einer Menge von Bedingungen und bedingt selbst 
wieder andere Dinge. So ist jedes Ding Bedingtes und Bedingung 
zugleich. Die Aufgabe der Forschung kann nur darin be- 
stehen, die Bedingungen festzustellen, die Abhängigkeitsverhält- 
nisse zu ermitteln. Das ist die einzige wissenschaftliche 
Forschung. So erkennen wir die Gesetzmäßigkeit des Seins 
und Geschehens, so erkennen wir die Dinge selbst, denn jede 
Bedingung ist ja eben zugleich auch ein Ding. Das ist daher 
auch die einzige Methode, nach der wir das Problem der Materie 
wissenschaftlich behandeln können. Nur auf diesem Wege wer- 
den wir allmählich zu widerspruchslosen Vorstellungen in dieser 
Frage gelangen. Aber wie auch einst die Autwort ausfallen 
mag: eine prinzipielle Grenze für die Erkenntnis ist auf 
diesem Wege nicht zu erblicken. Unabsehbare Strecken un- 
bebauten Landes liegen vor uns, aber nirgends ein Zaun. 

Schließlich dürfen wir niemals vergessen, daß wir das, 
was wir als Materie, als Atom, als Elektron bezeichnen, immer 
nur als Gedankenkonstruktionen, also als Bewußtseinsbestand- 
teile kennen. 

Dies Tatsache versetzt uns unmittelbar an Du Bois- 
Reymonds andere Grenze des menschlichen Erkennens, die nach 
seiner Meinung in der Unmöglichkeit liegt, die Bewußtseins- 
vorgänge zu erklären. 



Seit uralter Zeit besteht bekanntlich die Idee eines Dua- 
lismus von Leib und Seele. Diese Idee, die vom naiven Denken 

7* 



— 100 — 

des prähistorischen Menschen geboren wurde 1 ), ist so bequem, 
so einfach und so plausibel, daß sie in den geistigen Besitz 
aller Kulturvölker übergegangen ist. Ja, sie wird sogar heute 
durch die Lehre vom „psychophysischen Parallelismus" auf wissen- 
schaftlichem Nährboden künstlich gezüchtet. Es ist wahr, die 
primitiven Gedanken des vorgeschichtlichen Menschen allein 
können für uns heute keine zureichende Begründung mehr 
bilden. Ich frage also: was veranlaßt uns heute noch, diesen 
Dualismus einer körperlichen und einer geistigen Reihe von 
Vorgängen anzuerkennen? Die Antwort lautet stets: es ist die 
Beobachtung, daß die Empfindungen, Vorstellungen, Gedanken 
eines anderen Menschen, an deren Existenz niemand zweifelt, 
nicht sinnlich objektiv wahrgenommen werden können, während 
eine bestimmte Reihe von körperlichen Vorgängen im Gehirn 
ganz gesetzmäßig und untrennbar mit diesen Bewußtseins- 
vorgängen parallel gehend objektiv nachweisbar ist. 

Aber ist das wirklich eine richtige Beobachtung? Ich be- 
haupte, es ist eine Täuschung und die Idee eines Dualismus 
von körperlichen und geistigen Vorgängen ist wiederum eins 
von den falschen Gedankengebilden in der Geistesgeschichte des 
Menschen, die noch nicht durch die Vorstellungs- Selektion 
eliminiert worden sind. In Wirklichkeit existieren hier gar 
nicht zwei parallele Reihen von Vorgängen, sondern, was man 
künstlich in eine Zweiheit gespalten hat, ist in Wahrheit Eins. 2 ) 



1 ) Es ist bedauerlich, daß die schulmäßige Philosophie, besonders 
die Psychologie und Begriffskritik bisher mit der Ethnologie und Ur- 
geschichte nur sehr vereinzelt Fühlung gewonnen hat und meistens ganz 
ahnungslos an den höchst wichtigen psychologischen Ergebnissen dieser 
Wissenschaften vorbeiarbeitet. Die ethnologische und urgeschichtliche For- 
schung scheint in diesen Kreisen noch immer als ein dilettantisches Sammeln 
von Götzenbildern und Steinbeilen der jetzigen „Wilden" und vorgeschicht- 
lichen „Urmenschen" aufgefaßt zu werden. In Wirklichkeit hat die ethno- 
logisch - urgeschichtliche Forschung ein Tatsachenmaterial über die Entwick- 
lung des menschlichen Denkens zusammengebracht, das zahllose Vorstellungen 
und Gedankengänge unseres heutigen Geistesleben in einem ganz neuen Lichte 
erscheinen läßt. Dahin gehört vor allem der unabsehbare Gedankenkreis, 
der die Seelenidee umgibt, jene Idee, die zu einer dualistischen Spaltung des 
menschlichen Wesens in Leib und Seele geführt hat. 

2 ) Was nachweisbar ist, das ist nicht ein Parallelismus von gewissen 
körperlichen Vorgängen im Gehirn und gewissen psychischen Vorgängen, 
sondern lediglich die Tatsache, daß die Entstehung bestimmter Bewußt- 



— 101 — 

Sehen wir also etwas näher zu! Warum glaubt man denn, die 
Empfindung, die ein anderer Mensch hat, nicht objektiv wahr- 
nehmen zu können? Lediglich weil man von einer falschen 
Voraussetzung ausgeht. Man deduziert so : Angenommen, wir 
wären in der Analyse der Vorgänge in den Ganglienzellen des 
Gehirns soweit vorgeschritten, daß uns bei einem Menschen in 
dem Moment, wo er eine bestimmte Empfindung hat, genau die 
Lageverschiebung aller einzelnen Atome bekannt wäre, die gerade 
dieser Empfinduug entspricht, so würden wir immer nur bewegte 
Atome wahrnehmen, aber niemals seine Empfindung. Das ist 
der Gedanke, der Du Bois-Reymond veranlaßt, an den Empfin- 
dungen eine Grenze für die menschliche Erkenntnis zu sehen. 
Ich sagte, man geht bei dieser Deduktion von einer fal- 
schen Voraussetzung aus. Das zeigt sich, sobald wir uns die 
Frage vorlegen, was man denn bei der Analyse des Geschehens 
in den Ganglienzellen zu finden erwarten würde, wenn man von 
dieser Anschauungsweise aus sich die Empfindung als erkennbar 
dächte? Wie sollte deun die Empfindung des anderen etwa aus- 
sehen? Hier liegt der Fehler. Man denkt immer, man müßte 
die Empfindung, die der andere hat, etwa die Empfindung des 
Schmerzes bei einem Nadelstich, selbst haben, wenn man, 
während sie bei ihm besteht, in seine Ganglienzellen hinein- 
sehen könnte. Da man aber überzeugt ist, daß man unter 
solchen Umständen den Schmerz des anderen nicht selbst emp- 
finden würde, so schließt man daraus: seine Empfindung ist 
sinnlich nicht wahrnehmbar. Welche groteske Idee! Man läßt 
dabei wieder völlig den Fundamentalsatz des wissenschaftlichen 
Konditionismus außer acht, diesen Fundamentalsatz, der in seiner 
lapidaren Einfachheit lautet: ein Vorgang oder Zustand ist ein- 
deutig bestimmt durch die Summe seiner sämtlichen Bedingun- 
gen. Also doch nur wo gleiche Bedingungen sind, kann 
Gleiches resultieren, wo ungleiche Bedingungen sind, ergibt 
sich auch Ungleiches. Wie kann ich also dieselbe Schinerz- 
empfindung haben, die ein anderer hat, wenn er sich mit einer 
Nadel sticht, obwohl doch bei mir ein ganz anderer Bedingungs- 



seinsvorgänge notwendig bedingt ist durch bestimmte Vorgänge in 
den Bestandteilen der Hirnrinde. Das ist die einzige tatsächliche Grundlage. 
Die Lehre vom psychophysischen Parallelismus ist nichts als eine falsche 
Auslegung dieser Tatsache. 



— 102 — 

komplex realisiert ist, während ich sein Gehirn ansehe! Selbst- 
verständlich muß ich eine ganz andere Empfindung haben als 
er. Ich könnte ja nur dieselbe Schmerzempfindung haben wie er, 
wenn bei mir der gleiche Bedingungskomplex hergestellt wäre 
wie bei ihm, d. h. wenn ich mich selbst mit einer Nadel stäche. 
So aber kann ich, während ich sein Gehirn betrachte, doch nur 
die Gesichtsempfindung seines Gehirns erhalten. 

Aber daraus, daß ich seine Schmerzempfindung nicht selbst 
habe, während ich sein Gehirn untersuche, folgt doch nicht, 
daß seine Empfindung nicht objektiv wahrnehmbar wäre. 
Ich sage vielmehr: was ich da bei dem anderen sehe, wenn ich 
die sämtlichen Vorgänge innerhalb und außerhalb seines Gehirns 
analysiere, während er die Schmerzempfindung hat, das ist 
seine Empfindung, und der von Du Bois-Reymond voraus- 
gesetzte Laplacesche Geist, der die Analyse aller dieser 
Vorgänge in idealer Vollständigkeit durchgeführt hat, gleicht 
dem „Reiter über dem Bodensee", wenn er das nicht bemerkt. 

Die konditionale Betrachtungsweise der Dinge macht uns 
auch das wieder eindrucksvoll klar. Eine Empfindung ist ein 
Ding wie andere komplexe Dinge, die ich mit kurzen Namen 
benenne. Wie „Feuer" oder „Elektrizität" oder „Licht" ist 
die „Empfindung" eindeutig bestimmt durch ihren spezifischen 
Komplex von Bedingungen. Analysiere ich diesen Komplex 
von Bedingungen, so analysiere ich auch die Empfindung und 
erkenne damit, was sie ist. Diese Bedingungen sind aber sämt- 
lich ebenfalls Diuge und daher wie alle Dinge der objektiven 
Untersuchung zugänglich. Hätte ich sie also alle ermittelt, 
dann wäre die Empfindung erkannt, denn sie ist ja identisch 
mit diesem Komplex von Bedingungen, und der wissenschaft- 
lichen Analyse bliebe hier keine Aufgabe mehr. 1 ) 



x ) Was wollte man denn etwa noch als Rest erwarten, wenn die 
sämtlichen Bedingungen einer Empfindung ermittelt wären ? Was bleibt 
denn noch übrig, wenn man z. B. die sämtlichen Bedingungen für die Ent- 
stehung einer Gasflamme ermittelt hat? Man wird mit der Antwort in 
Verlegenheit kommen, sobald man noch etwas anderes sucht. Die Empfindung 
ebenso wie die Flamme ist nichts weiter als der Komplex ihrer sämtlichen 
Bedingungen. Der unklare Gedanke, daß auch nach Ermittelung sämtlicher 
Bedingungen einer Empfindung neben diesen sinnlich feststellbaren Be- 
dingungen noch irgend etwas nicht sinnlich Wahrnehmbares vorhanden sein 
müßte, ist nichts weiter als ein heimlicher Best der uralten Vorstellung des 



— 103 — 

Also auch die Bewußtseinsvorgänge sind der wissenschaft- 
lichen Erkenntnis genau so zugänglich wie alle anderen Dinge. 
Auch hier besteht für das menschliche Erkennen keine Grenze. 
Wir dürfen der Erkenntnis nur keine Scheinprobleme hinstellen. 
Sonst geraten wir in Widersprüche. 



Eine einfache Überlegung bestätigt uns zum Schluß das 
Ergebnis unserer mühevollen Betrachtung. Wenn uns die Er- 
fahrimg zeigt, daß alle Dinge in gesetzmäßigen Abhängigkeits- 
beziehungen untereinander stehen, dann müssen auch alle Dinge 
erkennbar sein. „Ich erkenne ein Ding" heißt, ich setze ein 



primitiven Denkens, daß die Seele als ein unsichtbares, äußerst feines, hauch- 
artiges Etwas irgendwo im Körper ihren Sitz habe und von dort aus als 
„ Ursache" die bewußten Tätigkeiten des Körpers bewirke. Wie tief diese 
naiv materialistische A'orstellung auch heute noch eingewurzelt ist, zeigen 
besonders die immer wiederkehrenden Versuche, die beim Tode entweichende 
Seele mit sehr empfindlichen Mitteln durch ihre körperlichen Wirkungen nach- 
zuweisen. Noch kürzlich ging durch alle amerikanischen, englischen und 
z. T. auch deutschen Zeitungen die ernsthaft aufgenommene Nachricht, daß 
es einigen Ärzten gelungen sei, das Gewicht der Seele festzustellen. „Daily 
Telegraph" (March 12, 1907) berichtet: „The doctors, through their spokesman, 
Dr. Duncan Macdougall of Boston, which as a centre of light and 
learning, is regarded very highly in the United States, declare that they 
made their investigations reverently and earnestly, to determine the existence 
or non-existence of a soul in the human body, and to determine also whether 
the departure of that soul from the human body is attended by any mani- 
festation of nature that can be made evident to the material senses. The 
net result, is the conclusion that the human soul weighs about an ounce." 
Also das bemerkenswerte Gewicht von etwa 30 Gramm besitzt eine Menschen- 
seele! Es handelt sich hierbei vermutlich um einen schlechten Witz, den sich 
einige amerikanische Mediziner gemacht haben. Aber daß eine solche Nach- 
richt in ernsthafter Weise von angesehenen Journalen verbreitet und disku- 
tiert wird, ist außerordentlich charakteristisch für die naiven Anschauungen 
selbst der gebildeten Kreise. Daß in der Tat derartige Versuche noch heute von 
unterrichteten Leuten ganz ernsthaft und mit einer gewissen Spannung hin- 
sichtlich des Resultates angestellt werden, zeigen folgende Mitteilungen, die 
mir vor wenigen Jahren ein russischer Gymnasiallehrer, der, wie er anführt, 
in Dorpat studiert hatte, gemacht hat. In einem Brief vom 24. November 
1904 teilte der betreffende Herr mir mit, daß er in Anlehnung an den von 
Professor Wilhelm Wundt aufgestellten Satz, daß die tierische Seele das 
innere Sein derselben Einheit sei, welche wir äußerlich als den zugehörigen 
Leib wahrnehmen, Experimente ausgeführt, habe, um darüber Klarheit zu 



— 104 — 

Ding zu mir in Beziehung. Kann ich daher von dem gesamten 
Weltinhalt auch nur einen einzigen Bestandteil erkennen, dann 
kann ich alle Bestandteile erkennen, die mit ihm und unter- 
einander in Beziehung stehen, auch diejenigen, die nicht meine 
Sinnesorgane unmittelbar affizieren. Nur Dinge, die zu den ge- 
gesetzmäßig bedingten Bestandteilen der Welt in keinerlei 
Beziehung ständen, nur Dinge, die mit unserem Weltinhalt sich 
in keinem Punkte berührten, wären unerkennbar. Es bleibt 
jedem überlassen, ob er neben unserer Welt noch eine Welt 
annehmen will, die mit unserer in keiner Beziehung steht. *) 
Wenn ihn das befriedigt, so mag er es tun. Wissenschaftlich 



erlangen, ob dieses innere Sein nicht ein materielles ist. Er schreibt: „Einige 
Streifen von Schaumgold, welche ich frei balanzierend an Stecknadelspitzen 
anbrachte, setzten sich, nachdem ich mehrere, mit ihren Beinen und Flügeln 
an einen Eisenstab festgebundene Krähen (resp. Fledermäuse) in eine große 
mit Wasser gefüllte Glasburke getaucht und über die Wasserfläche eine mit 
obigen Stecknadeln versehene Platte aus dicker Pappe (resp. porösem Holze) 
angebracht hatte, einige Minuten nach dem Ertrinken der Tiere in eine an- 
dauernde, heftige Bewegung, welche an das Flattern von Krähen resp. Fleder- 
mäusen erinnerte". Analoge Versuche „unter Anwendlang von dickflüssigem 
Gummi als Ertränkungsmittel und feinem Spinngewebe" als Indikator hatten 
denselben Erfolg. Der Experimentator spricht nach diesen Versuchen die 
„Vermutung" aus, daß die von ihm „konstatierte tierische Seele jedenfalls 
eine farblose, luftförmige Stickstoffinasse ist, welche, wie es scheint, die Form 
ihres zugehörigen, zum weiteren Verbrauch von Sauerstoff unfähigen Körpers 
beibehält". In einer Postkarte vom 30. November widerruft er aber seine 
Schlußfolgerung, da er sich überzeugt hat, daß die Bewegungen des Flitter- 
goldes und der Spinngewebe durch fehlerhafte Versuchsanordnung zustande 
gekommen waren. In einem Telegramm vom 1. Dezember nimmt er dann 
diesen Widerruf wieder zurück und in einer darauf folgenden Postkarte be- 
stätigt er durchaus die Richtigkeit seiner ersten Angaben. Man sieht, wie 
außerordentlich die Frage den Herrn erregt hat. Dieses charakteristische 
Beispiel zeigt, daß selbst in gebildeten Kreisen die naive Idee der Natur- 
völker von einer luftförmigen, farblosen Seele, welche die Gestalt ihres 
Besitzers hat, und mit dem Tode in dieser Gestalt entweicht, noch heute ihr 
spukhaftes Dasein fristet. Bäumen wir doch wenigstens im Gebiete moderner 
Bildung endlich auf mit diesen steinzeitlichen Anschauungen! 

') Wenn aber eine solche andere Welt auch nur an einer einzigen 
Stelle mit der unsrigen zusammenhinge, wenn sie nur an einem einzigen 
Punkte auf die unsrige einen Einfluß ausübte, dann wäre sie keine zweite 
Welt mehr, dann wäre sie ein Bestandteil der unsrigen, dann unterläge sie 
derselben Gesetzmäßigkeit und wäre erkennbar wie unsere Welt. Das darf 
nicht tibersehen werden. 



— 105 — 

erledigt sich eine solche Phantasieschöpfung von selbst. Er- 
kennbar ist auf jeden Fall die ganze bestehende Gesetzmäßig- 
keit unserer Welt. Hier finden sich keine prinzipiellen Schran- 
ken für unsere Erkenntnis. Das ergibt sich mit eiserner Not- 
wendigkeit. 

Aber noch Eins. Die Erfahrung zeigt uns nirgends in der 
Welt ein Ende, nirgends einen Punkt, wo die Dinge begrenzt 
wären. Der Begriff der Endlichkeit und Begrenztheit entspringt 
nur ob er flächlich er Beobachtung, die bedingt ist durch den 
Umstand, daß wir mit unseren Sinnen immer nur eine beschränkte 
Zahl, ein begrenztes System von Dingen gleichzeitig wahr- 
nehmen können. Bei genauerer Analyse dagegen ergibt 
sich stets, daß die Dinge untereinander in unabsehbaren Zu- 
sammenhängen stehen. Ein begrenztes Ding wäre ein absolutes 
Ding und absolute Dinge kennen wir nicht. Nicht der Begriff der 
Endlichkeit und Begrenztheit, sondern der Begriff der Unend- 
lichkeit und Unbegrenztheit entspricht der Erfahrung. 

Unendlich und unbegrenzt wie unsere Welt ist demnach 
für uns auch die Möglichkeit ihrer Erkenntnis. 

Also nur kein lähmendes „lgnorabimus", nur keine trübe 
Resignation — dazu ist kein Grund — sondern frische und 
freudige Forschung! 



- 106 — 



Beiträge zur Kenntnis der Fauna der 
Umgegend von Frankfurt a. M. 

Die Dipteren. 

Von 
Dr. P. Sack, Frankfurt a. M. 

Teil III. 



III. Cyclorrliapha aschiza. 

Si/rpJiidae. 

Syrphinae. 
Paragus Latr. 

P. bicolor Fabr. — vereinzelt bei Schwanheim (Jaennicke), Flörs- 
heim, Königsteiner Wald und Soden (S. H. u. S. S.) — Mitte 
Mai bis Juli. I, III. 

P. tibialis Fall. — ist nicht sehr häufig. Fundorte: Frankfurter 
Wald (S. S.), Soden und Königstein (S. H.) — Mai und 
August. I, III. 

Pipizella Rond. 

P. flavitarsis Meig. — ist recht selten ; in der S. H. aus Bürgel 
bei Offenbach, an Gebüsch im Juni. I. 

P. Heringi Zett. — scheint nur vereinzelt im Gebirge vorzu- 
kommen. Ich ting mehrere Stücke bei Crontal, Mitte Juni. III. 

P. virens Fabr. — ist im ganzen Gebiet auf Umbelliferen und 
Büschen recht häufig. — Mai bis August. I— V. 

Pipiza Fall. 
P bimaculata Meig. - kommt häufig in der Form 

var. chalybeata Meig. vor. Fundorte: Frankfurter Wald, 



— 107 — 

Rüderwald, Offenbach (S. S.); seltener als 
var. geniculata Meig. — Enkheim (S. S.) 
var. guttata Meig. — Frankfurter Wald (S. H.) — April 
u. Mai. I. 

P. fasciata Meig, — nur ein Stück, das ich Mitte Juni im Frank- 
furter Wald erbeutete. I. 

P. festiva Meig. — ist auf Blättern von niedrigen Büschen in 
der Ebene und im Gebirge nicht selten. Fundorte: Rüder- 
wald, Bürgel, Kühkopf, Mombach, Soden, Eppstein, Schwal- 
bach, Schmitten und Birstein (3. S. u. S. H.) — Mai bis 
August. I— V. 

P. lugubris Fabr. — ist in der Ebene selten, häufiger dagegen 
im Gebirge. Fundorte: Rüderwald, Schwanheim (Bucking), 
Königstein, Soden und Birstein. v. Hevden zog das Tier 
aus Larven, die er im April in Schwämmen fand. — Mai 
bis Juli. I— V. 

P. noctiluca L. — ist überall in der Nähe von Wäldern an 
Blättern recht häufig. Fundorte: Rüderwald, Frankfurter 
Wald, Mainwiesen bei Offenbach, Kühkopf, Soden und Bir- 
stein (S. H. u. S. S ) — Mai bis August, I— V. 

P. notata Meig. — nur zwei Stück aus dem Röderwald in der 
S. S. — Ende August. I. 

P. quadrimaculata Panz. — ist, namentlich im Gebirge, nicht 
selten auf den Blüten von Rauunculaceen, Schlehen, Weiß- 
dorn u. s. w. zu finden. Fundorte: Röderwald, Oberursel. 
Hohe Mark, Cronberger Wald (S. S. u. S. H.) — April bis 
Juni. I, III. 

Penium Phil. 

P. carbonarium Meig. — kommt nach Jaennicke im Taunus 
vor. III. 

Ciiemodon Egg. 

G. vitripennis Meig. - - aus dem Röderwald, von Offenbach und 
Oberursel in der S. S. — Mai. I, III. 

Psilota Meig. 

Ps. anthracina Meig. — dürfte in der Umgebung Frankfurts 
recht selten sein. Nur ein Stück aus dem Rüderwald in 
der S. S. — (31. Mai 1903). I. 



— 108 — 

Chrysogaster Meig. 
A. Orthoneura Macq. 

Chr. brevicornis Lw. - - aus dem Offenbacher Wald (S. S.) und 
aus dem Taunus (Jaennicke). — Juni. I, III. 

Chr. elegant Meig. — aus Oberursel in der S. S. — Ende Mai. III. 

Chr. frontalis Lw. — nur ein Stück aus Höllenstein in der S. S. 
— Juli. III. 

Chr. nobilis Fall. — ist im Gebirge ziemlich häufig, seltener 
dagegen in der Ebene. Fundorte : Schwanheim, Crontal, 
Ober ursel, Soden und Birstein (S. S. u. S. H.) — Mai bis 
Juli. I, III, V. 

B. Liog aster Eond. 

Gh. metallina Fabr. — aus dem Offenbacher Wald in der S. S. 

und aus Birstein (S. H.) - Ende Mai. I, V. 
Ch. splendida Meig. — einige Stücke von der Rohrmühle bei 

Offenbach in der S. S. — Ende Mai. I. 

C. Chrysogaster Rund. s. str. 

Ch. chalybeata Meig. — aus Crontal in der S. S. und aus 
Birstein in der S. H. - Mitte Mai. III, V. 

Gh. Macquarti Lw. — von Walldorf, Oberursel und Birstein 
in der S. S. u. S. H. — Juni. I. III, V. 

Gh. solsüüalis Fall. — ein Stück von Mertens Felsenkeller bei 
Offenbach, die übrigen Stücke aus Höllenstein i. T. (S. S.) 
von Wiesbaden (S. B.); von Birstein (S. H.) — Juli. I, II, 
III, V. 

Ch. splendens Meig. — in der S. H. aus Birstein. V. 

Ch. viduata L. — ist in der Ebene recht häufig. Fundorte : 
Bohrmühle und Luhrwald b. Offenbach, Frankfurter Wald 
(S. S.); von Wiesbaden (S. B.); vom Altkönig und aus Bir- 
stein (S. H.) — Mai und Juni! I, II, III, V. 

Chilosia Meig. 
Ch. albipila Meig. — vier Stück aus dem Luhrwald b. Offenbach 

in der S. S. — April und Mai. I. 
Ch. albitarsis Meig. — aus dem Offenbaclier Wald in der S. S., 

von Wiesbaden (S. B.) — Mai und Juni. I, IL 
Ch. angustipennis Beck. — in der S. S. aus Offenbach (an Weiden) 

— Mitte April. I. 



— 109 — 

Ch. antiqua Meig. — aus dem Offenbacher und Frankfurter 
Wald in der S. S., aus dem Feldbergtal (S. H.) — Mai. 

i, in. 

Ch. barbata Lw. — von Offenbach und Höllenstein, wo diese 
Art ziemlich häutig war, in der S. S., von Wiesbaden (S. ß.) 

— Mai bis Juli. I, II, III. 

Ch. brachysoma Egg. — von der Trift bei Offenbach in der S. S. 

— Ende April. I. 

Ch. chloris Meig. — aus dem Luhiwald b. Offenbach in der 

S. S. — Ende April. I. 
Ch. chrysocoma Meig. — aus dem Offenbacher Wald (S. S.) und 

dem Frankfurter Wald (Jaennicke) — Ende Mai. I. 
Ch. conops Beck. — ist recht selten ; von der Trift b. Offenbach 

in der S. S. — Ende Mai. I. 
Gh. cynocephala Lw. — vom Entensee b. Offenbach in der S. S. 

— Ende Juli. I. 
Ch. fasciata Egg. — in größere Anzahl vom Mönchsbruch in 

der S. S. - Mitte April. I. 
Ch. flavipcs Panz. — an Weiden im Offenbacher Wald (S. S.) 

und im Frankfurter Wald. (S. H.) — Mitte April bis Mai. I. 
Ch. fraterna Meig. — aus Neuweilnau i. T. in der S. S. — 

Anfang Juni. III. 
Ch. granuloia Beck. - - von Höllenstein in der S. S. - - Mitte 

Juli. III. 
Ch. grossa Fall. — an Weiden im April b. Offenbach und im 

Frankf. Wald. (S. S.) — April. I. 
Ch. illustrata Harr. — ist von Juli bis September im Taunus 

an Blüten recht häufig, desgl. im Vogelsberg. III, V. 
Ch. impressa Lw. — kommt nach Jaenuickes Zeugnis in der 

Umgegend Frankfurts vor. I. 
Gh. insignis Lw. — im Frankfurter Wald. (Jaennicke). I. 
Ch. intonsa Lw. — an der Königswiese auf Blättern (S. S.) — 

Mai. I. 
Ch. laeviventris Lw. — im Frankfurter Wald (Jaennicke). I. 
Gh. laüfacies Lw. — aus Hoheustein in der (S. S.) — Mitte 

Juli III. 
Ch. mixta Beck. — aus Bingen in der S. H. — Anfang Juni. II. 
Ch. mutabilis Fall. — Rauental (S. B.) - - Juni. II. 
Ch. nigripes Meig. — von Schwalbach (S. B.) — Mai. III. 



— no — 

Ch. pagana Meig. — ist recht häutig in der Ebene und im 
Gebirge. — Ende April bis September. I. — V. 

Ch. pictipennis Egg. — sehr selten im Taunus ; in der S. S. 
von Oberursel. — Mai. III. 

Ch. proximo, Zett. — im Frankfurter Wald (Jaennicke). I. 

Ch. pubera Zett. — ist recht selten; aus Oberursel in der S. S. 

- Juli III. 

Ch. rotundiventris Beck. — auf der Trift bei Offenbach au 

Weiden (S. S.) — April. I. 
Ch. ruralis Meig. — ist im April und Mai im ganzen Gebiete 

nicht selten (S. S. u. S. H.) I -V. 
Ch. Sahlbergi Beck. — vom Frankfurter Forsthaus (S. S.) — 

Mitte Mai. I. 
Ch. scutellata Fall. — ist an Blumen nicht selten. Fundorte: 

Offenbach, Frankfurter Wald, Soden, Oberursel, Höllenstein 

(S. H. u. S. S.) - April bis Juli. I. III. 
Ch. soror Zett. — ist gleichfalls nicht selten bei Offenbach, im 

Frankfurter Wald und bei Hohenstein. — Mai bis Juli. 

I, III. 
Ch. variabilis Panz. — ist im ganzen Gebiete sehr gemein. — 

Mai bis September. I — V. 
Ch. viduata Fabr. — im Frankfurter und Offenbacher Wald im 

Mai. (S. H. u. S. S.) I. 
Ch. vulpina Meig. — bei Frankfurt (Jaennicke). I. 
Ch. Zetterstedti Beck. — selten am Frankfurter Forsthaus im 

Mai (S. S.) I. 

Platychirus St. Farg. Serv. 

PL albimanus Fabr. — aus dem Offenbacher Wald in der S. S. 

— Juni und Juli. I. 

PL clypeatus Meig. — vom Lämmerspieler Weg bei Offenbach 
in größerer Anzahl in der S. S., von Wiesbaden (S. B.) — 
Mai bis Juni. I, IL 

PL melanopsis Lw. — gleichfalls aus dem Offenbacher Wald in 
der S. S. — Mai. I. 

PL peltatus Meig. — ist weit verbreitet, doch nirgends häutig. 
Fundorte: Mainwiesen, Eödelheimer Wiesen, Schwanheim, 
Wiesbaden, Birstein. (S. B., S. H. u. S. S.) — Mai bis 
September. I, II, Y. 



— Ill - 

PI. podagratus Zett. — von Offenbach und Eppstein in der S. S., 
von Wiesbaden in der S. B. — Mai bis August. I, II, III. 

PI. scutatus Meig. — aus dem Rüderwald in der S. S., von 
Wiesbaden in der S. B. - - Mai bis August. I, II. 

Pyrophaena Schin. 

P. granditarsa Forst. — von den feuchten Wiesen am Kühkopf 
(S. S.) — Juni. II. 

P. rosarum Fabr. — ist ziemlich häufig auf Blumen in der 
Nähe nasser Wiesen anzutreffen. Fundorte : Hauau, Offen- 
bach, Rijderwald (S. S.), Langenhain (S. H.) — Mai und 
Juni. I, III. 

Melang-yna Verr. 

M. qitadrimaculata Verr. — Wiesbaden (S. B.) — Juui und 
Juli. II. 

Melanostoma Schin. 

M. ambiguum Fall. — befindet sich in wenigen Stücken von 
Wiesbaden in der S. H. — Ende Mai. II. 

M. dubium Zett. — aus Hohensteiu in der S. S. — Juli. III. 

M. mellinum L. — im ganzen Gebiete auf Blüten häufig. Fund- 
orte: Frankfurt, Offenbach, Hanau, die Bergstraße, Soden, 
Wiesbaden, Köuigstein, Feldberg, Wisseisheim, Salzhausen 
und Birstein. - April bis Oktober. I. — V. 

M. sccdare Fabr. — ein Stück aus Hohenstein in der S. S., von 
Wiesbaden in der S. B. - Juli. II, III. 

Xantliandrus Verr. 

X. comptus Harr. — aus Offenbach und Hohenstein in der S. S., 
aus Birstein in der S. H. — Juni und Juli. I, III, V. 

Leucozona Schin. 

L. lucorum L. — ist in der Nähe von Wäldern auf Blumen 
nicht selten. Fundorte: Oberschweinstiege, Lämmerspieler 
Weg bei Offenbach, Wiesbaden, Hohenstein und Birstein 
(S. B., S. H. u. S. S.j. — Mai bis Juli. I, II, III, V. 

Eriozona Schin. 

E. syrphoides Fall. — aus Hohenstein in der S. S. ; v. Heyden 
erbeutete das Tier bei Falkenstein. — Juni und Juli. III. 



— 112 — 

Ischyrosyrphus Big. 

I. glaucius L. auf Blumen bei Offenbach, Lorsbach, Soden 
i. T. und Falkenstein (S. H. u. S. S.). — Juni bis August. I, III. 

/. laternarius 0. F. Müller — kommt wohl nur im Gebirge vor. 
Fundorte: Ebstein und Höllenstein (S.S.). — Juli. III. 

Didea Macq. 

D. alneti Fall. - in der S. H. aus. der Umgebung von Frank- 
furt, aber ohne nähere Angabe des Fundorts. -- September. 

D. fasciata Macq. — vom Buchrainweiher und in sehr großer 
Anzahl von Höllenstein (S. S.), nach Jaennicke im Frank- 
furter Wald. — Juni und Juli. I, III. 

I). intermedia L\v. — aus dem Frankfurter und Schwanheimer 
Wald in der S. S. — Juni bis August. I. 

Lasiophthicas Rond. 

L. pyrastri L. — kommt im ganzen Gebiete ziemlich häutig vor. 

(S. B., S. H. u. S. S.). - Mai bis August. I-V. 
L. seleniticus Meig. — kommt nach Jaennicke im Frankfurter 

Wald (?) vor, in der S. H. aus Birstein. — Mai. I, V. 

Syrphus Fabr. 

S. albostriatus Fall. — kommt vereinzelt im Taunus vor, in 
der S. S. aus Oberursel. — Mai und Juni. III. 

var. confusus Egg. — ist recht selten. Fundorte : 
Höllenstein, der Hohe Vogelsberg (Dr. Forst), Schwanheim 
(Jaennicke). — Mai und Juni. I, III, V. 

S. annulipes Zett. — mehrere Stücke aus Offenbach in der 
S. S. — Juni. I. 

S. arcuatus Fall. — aus dem Taunus in der S. S. — Mai. TU. 

S. äuricollis Meig. — kommt an Blumen in der Ebene und im 
Gebirge vereinzelt vor. Fundorte: Offenbach, Frankfurter 
Wald, Höllenstein. — Juni bis August. I, III. 

S. balteatus Deg. — ist bei uns wohl die häufigste Art der 
Gattung; sie ist vom Frühjahr bis Herbst im ganzen Ge- 
biet gemein. I — V. 

6'. bifasciatns Fabr. — ist im Mai und Juni au stark duftenden 
Blüten (Crataegus, Evonymus) ganz regelmäßig zu treffen, 
sonst ziemlich selten. Fundorte: Lämmerspieler Weg bei 
Offenbach, Wiesbaden, Oberursel, Königstein. — I, IL 111. 



— 113 — 

S. cinctellus Zett. — ist in der Umgebung Frankfurts häufig. 
Fundorte: Röderwald, Ober- und Unterschweinstiege. Wies- 
baden, Staufen, Höllenstein. — Mai bis Juli. I, II, III. 

S. cinctus Fall. — ist nicht häufig. Fundorte : Röderwald, 
Offenbacher und Frankfurter Wald (S. S), Wiesbaden (S. B.). 

— Mai bis Juli. I, IL 

S. corollae Fabr. — ist häufig im Taunus, seltener in der Ebene. 
Fundorte : Offenbach, Wiesbaden (S. B.), Hohe Mark, Höllen- 
stein (S. S.). — Juni bis September. I, II, III. 

S. diaphanus Zett. — aus dem Enkheimer Sumpfgebiet in der 
S. S. und iu der Sammlung des Senckenb. Museums. — 
April und Mai. I. 

S. excisus Zett. — in der S. S. in wenigen Stücken von Offen- 
bach und der Hohen Mark vertreten. — Juli bis September. 
I, III. 

S. grossuJariae Meig. — findet sich in der Ebene und im Ge- 
birge, aber nur einzeln. Fundorte : Offenbach, Oberursel und 
Hohenstein. — Juni und Juli. I, III. 

S. lasiophthalmus Zett. — scheint recht selten zu sein ; nur einige 
Stücke vom Lämmerspieler Weg bei Offenbach in der S. S. 

— Anfang Juni. I. 

8. Ihieola Zett. — wird von Jaennicke ohne nähere Fundort- 
angabe aufgezählt, von Schwalbach iu der S. B. — Mai. III. 

S. Inniger Meig. — in großer Anzahl von Offenbach und aus 
dem Taunus in der S. S. Jaennicke gibt den Frankfurter 
Wald als Fundort an, von Wiesbaden in der S. B. — Mai 
bis September. I, II, III. 

S. lunulatus Meig. — aus dem Taunus (Hohe Mark S. S., Soden 
S. H.) — Mai und Juni. III. 

S. macularis Zett. — aus Schwanheini und Offenbach in der S. 
S. — Böttcher erbeutete einmal anfangs April 14 c? und 1 $ 
im Adamstal bei Wiesbaden an blühenden Weiden. — März 
bis Juni. I, IL 

S. melanostoma Zett. — auf Blüten im ersten Frühjahr; in 
größerer Anzahl aus Offenbach iu der S. S. — April und 
Mai. I. 

S. nüidicollis Meig. - wurde nur vereinzelt gefangen. Fund- 
orte : Fraukf urt, Offenbach, Hofheim (S. S.), Wiesbaden (S. 
B.) Mai bis Juni. I, II, III. 

8 



— 114 — 

S. ochrostoma Zett. — scheint gleichfalls nur vereinzelt vorzu- 
kommen. Fundorte: Frankfurt (v. Arandt), Gaualgesheim 
(Sattler), Birstein (S. H.) — Mai, August. I, II, V. 
S. ribesii L. — in größerer Anzahl aus Offenbach und Mombach 
in der S. H. u. S. S., von Wiesbaden in der S. B. — Mai 
und Juni. I, II. 
S. torvus Ost- Sack. — ist nicht selten auf Blüten zu treffen. — 

Juni bis August. I — V. 
S. tricinctus Fall. — aus dem Sodener Wald in der S. H. — 

Anfang September. III. 
S. umhellatarum Fabr. — auf Waldblüten bei Offenbach (S. S.) 

und Soden (S. H.) — Mai bis August. I, III. 
S. venustiis Meig. — ist auf Blumen ziemlich häufig zu finden. 
Fundorte: Röderwald, Oberforsthaus, Offenbacher Wald, 
Wiesbaden, Hohe Mark, Soden, Falkenstein (S. H. u. S. S.) 
— Mai bis Juli. I, II, III. 
S. vitripennis Meig. — gehört in hiesiger Gegend zu den gemeinsten 
Arten. Fuudorte: Frankfurter Wald, Offenbach, Oberursel, 
Hohenstein, Lorsbach, Birstein (S. H. u. S. S.) — Mai, August. 
I— V. 
S. vittiger Zett. wurde bisher nur im Gebirge getroffen. 

Fundorte : Hofheimer Kapelle, Oberursel, Hohenstein (S. S.) 
Birsteiu (S. H.) — Mai bis Juli. III, V. 
Sphaerophoria St. Farg. 
Sph. flavicauda Zett. — 

var. nUidicollis Zett. — aus dem Frankfurter Wald, 
von Walldorf und vom Schwanheimer Sand in der S. S. — 
Juni bis August. I. 
Spli. menthastri L. — 

var. ph'dantha Meig. — von Schwanheim (Jaennicke) 
und Birstein (S. H.). — I, V. 

var. picta Meig. — Schwanheim (Jaennicke). I. 
var. taeniata Meig. — ist im ganzen Gebiet auf Blüten 
ziemlich häufig anzutreffen (in der S. B., S. H. u. S. S.) — 
Mai bis August. I— V. 
Sph. scripta L. — ist mit ihren Varietäten die gemeinste Art 
der Gattung. — Mai bis Juli. I — V. 

var. dispar Lw. - - Schwanheim, Röderwald, Wissels- 
heim (S. S.), Wiesbaden (S. B.). — Juni bis August. I, II, IV. 



— 115 — 

var. strigata Staeg. — kommt vereinzelt im Offenbacher 
und Schwanheimer Wald (S. S.), sowie bei Wiesbaden (S. B.) 
vor. — Juni bis August. I, II. 

Xanthogramma Schin. 
X. citrofasciatum Deg. — vom Lämmerspieler Weg und von 
Bürgel b. Offenbach, aus dem Hengster und von Hofheini 
(S. S.); von Herrn v. Heyden bei Falkenstein gefangen. — 
Mai bis Juli. I, III. 
X. ornatum Meig. — ist auf Blüten nicht selten. Fundorte: 
Röderwald, Offenbach, Kühkopf, Wiesbaden, und Hohe 
Mark. — Mai bis August. I, II, III. 

Eine Larve, die ich Mitte Mai bei der Hohen Mark 
unter einem Steine fand, wurde am 25. Mai zur Puppe, 
aus der bereits am 3. Juli ein wohlentwickeltes Männchen 
ausschlüpfte. 

Bach a Fabr. 

B. elongata Fabr. — ist in den schattigen Wäldern des Gebietes 
nicht selten. Fundorte : Forsthaus, Enkheimer und Ofl'en- 
bacher Wald, Schwanheim, Walldorf (S. S.), Wiesbaden 
(S. H.) — Mai bis Ende September. I, II. 

Sphegina Meig. 

S. clunipes Fall. — in mehreren Stücken aus Oberursel in der 
S. S. — Ende Mai und Juni. III. 

Neoascia Willist. 

N. dispar Meig. — aus dem Taunus in der S. H. III. 

N. floralis Meig. -- von Offenbach in der S. S. und von Schwal- 
bach in der S. H. — Juni bis August. I, III. 

N. podagrica Fabr. — am Mainufer b. Offenbach, bei Crontal 
und Hohenstein (S. S.), bei Wiesbaden (S. B) ; von Birstein 
in Anzahl in der S. H. — Mai bis August. I, II, III, V. 

Bracliyopa Meig. 
B. bicolor Fall. - v. Heyden zog das Tier aus Larven, die er 
Ende April in faulen Eichenschwämmen fand ; nach Jaen- 
nicke sehr selten im Taunus. — Juni. I, III. 
B. dorsata Zett. — von Jugenheim au der Bergstraße und vom 
Chausseehaus bei Wiesbaden in der S. S. — Ende Mai und 
Juni. II. 

8 + 



— 116 — 

Hamuierschinidtia Schuinni. 
H. conica Panz. — vereinzelt im Taunus auf Blättern und 

Blüten, am ausfließenden Eiclieusaft (Jaennicke). — Mai. III. 
II. ferruginea Fall. — nicht selten in den höheren Lagen des 

Taunus (Altkönig, Herzberg) zu finden (S. S.). — Mai. III. 

Rhingia Scop. 
Rh. rostrata L. — an feuchten Hängen auf Blüten und Blättern, 
Mai bis September. I — V. 

Volucellinae. 

Volucella Geoffr. 
V. bombylaiis L. — findet sich von Mai bis September auf 
Blättern und Blüten, besonders häufig im Herbst. I — V. 

var. haemorrhoidalis Zett. — ist ziemlich selteu; in der 
S. S. von Offenbach. — Mai. 

var. plwnata Deg. — ist dagegen fast so häufig wie die 
Stammform. 
V. inanis L. — ist namentlich im Gebirge recht gemein auf 

Blüten. — Mai bis Oktober. I— V. 
V. inflata Fabr. — gehört zu den selteneren Arten. Häufiger 
kommt sie am Lämmerspieler Weg bei Offenbach vor. 
Sonstige Fundorte: Bergstraße und Kühkopf. Gewöhnlich 
trifft man das Tier an Blüten, v. Heyden fing es auch an 
ausfließendem Eiclieusaft. — Mai bis Juli. I, II. 
V. pellucens L. — ist an stark duftenden Blüten zu finden, 
besonders im Hochsommer; v. Heyden erbeutete mehrere 
Tiere am ausfließenden Eichensaft. — Mai bis August. I — V. 
V. zonaria Pcda. — ist im Taunus hie und da zu finden, aber 
ziemlich selten. Fundorte: Lorsbach und Königstein. Jaen- 
nicke gibt den Frankfurter Wald (?) als Fundort an. — 
Juli. III. 

Eristalinae. 
Eristalis Latr. 

Eristalinus Rond. 
E. sepulcralis L. — kommt in der Nähe feuchter Stellen auf 
Blüten ziemlich häufig vor. Fundorte : Enkheim, Niederrad, 
Offenbach, Königstein, Eppstein, Wisseisheim und Birstein. 
(S. H. u. S. S.) - Juni bis September. I, III, IV, V. 



— 117 — 

Lathyroplithaliuus Mik. 
E. acneus Scop. — ist an nassen Orten im ganzen Gebiet ge- 
mein. — Mai bis September. I. — V. 

Eristaloiuyia Rond. 
E. tenax L. - - ist an feuchten Orten, namentlich in der Nähe 
von Dungstätten und Aborten gemein ; die Larven sind die 
an jenen Orten oft in Menge vorkommenden Rattenschwanz- 
larven. Auch an Doldenblüten und im Oktober an blüh- 
hendem Efeu wird das Tier getroffen. — März bis 
November. I — V. 

var. hortorum Meig. — wurde nur vereinzelt auf Blüten 
getroffen. Offenbach (S. S.) — Juni. I. 

Eristalis s. str. Rond. 

E. alpinus Panz. — scheint recht selten zu sein ; von Wiesbaden 
in der S. B. — Juli. II. 

E. arbustorum L. — ist häufig auf Blüten ; die Larven fand 
ich einmal in großer Anzahl in einer Regentonne, deren 
Inhalt infolge hineingefallenen Obstes faul geworden war. 
— Mai bis September. I — V. 

E. horticola Deg. — einige Stücke von der Bergstraße in der 
S. S. — Juni. II. 

E. intricarius L. — ist nicht häufig aber weit verbreitet. Fund- 
orte: Offenbach, Schwanheim, Lorsbach, Wiesbaden, und 
Birstein. (S. H. u. S. S.) — April bis September. I, II, III, V. 

E. nemorum L. — ist ziemlich selten ; einige Stücke aus dem 
Offenbacher Wald und von Mombach in der S. S., von 
Wiesbaden in der S. B. - - Mai und Juni. I, IL 

E. pertinax Scop. — wird vom Frühjahr bis Herbst an Blüten 
getroffen, häufiger jedoch nur im Herbst. — April bis 
September. I— V. 

E. pratorum Meig. — wurde von Herrn Dr. Böttcher im Taunus 
gefangen. — Juli III. 

Helophilus Meig. 
Helophilus s. str. Girschn. 
H.pendulus L. — auf Blumen im Stadtwald, bei Enkheim, 
Schwanheim und Offenbach, im Hengster, an der Berg- 
straße, bei Wiesbaden, Soden, Friedrichsdorf und Birstein. 
(S. B, S. H. u. S. S.) — Mai bis Oktober. I, II, III, V. 



— 118 — 

H. trivittatusFdibr. -- ist nicht eben häufig. Fundorte: Wiesen 
bei Offenbach, Rumpenheim und Steinheim (S. S.), Taunus 
(Jaennicke). - - August bis Oktober. I, III. 

Parhelophilus Girschn. 

H. frutetorum Fabr. — aus dem Hengster (S. S.) — August. I. 
IL versicolor Fabr. - einige Stücke vom Rumpenheimer See in 
der S. H. - - Mitte Juni. I. 

Eurinomyia Big. 

H. lineatus Fabr. - - von sumpfigen Stellen bei Griesheim und 
vom Rumpenheimer See in der S. H. I. 

Myiatropa Rond. 

M. florea L. — ist ziemlich gemein im ganzen Gebiete. — Mai 
bis September. I — V. 

var. nigrotarsata Schin. - - zwei Stück aus dem Offen- 
bacher Wald in der S. S. — Juni. I. 

Mallota Meig. 
Mal lot a s. str. Rond. 
M. fuciformis Fabr. kommt im Frühjahr auf blühenden 

Büschen hie und da vor. Fundorte : Oberforsthaus, Hinkel- 
stein, Schwanheim (A. Weis) und Soden (S. H. und S. S.) — 
April und Mai. I, III. 

Zetterstedtia Rond. 

M. cimbiciformis Fall. - auf Blüten am Beckerweg (S. H.) — 
Mitte Juli. I. 

Merodon Meig. 

M. equestris Fabr. — kommt nach Jaennicke im Frankfurter 

Wald vor. 
M. spinipes Fabr. - in der Sammlung des Senckenb. Museums 

in zahlreichen Stücken aus der Frankfurter Gegend. 

Milesiinae. 

Tropidia Meig. 
T. fasciata Meig. - - aus Offenbach in der S. S. - Mai. I. 
T. scita Harr. - - kommt vereinzelt im Enklieimer Wald (S. S.) 
und nach Jaennicke auch im Taunus vor. — Juni. I, III. 



— 119 — 

Myiolepta Nevvm. 
M. luteola Gmel. — ist weit verbreitet ohne häufig zu sein. 

Fundorte: Frankfurter Wald, Offeubacher Wald, Schwanheim 

und Höllenstein. — Juni bis September. I, III. 
M. ruficornis Zett. — mehrere Stücke in der Sammlung des 

Senckenb. Museums aus der Umgebung von Frankfurt a. M. 
M. vara Panz. — ist selten; von Enkheim und vom Goldstein 

in der S. H. u. S. S. Man trifft das Tier an dürrem Holze. 

— Mitte April bis Juni. I. 

Criorrhina Meig. 

C. asilica Fall. — ist an blühendem Evouymus, Rhamnus und 
Weißdorn im Mai und Juni zu treffen. Fundorte: Enkheimer 
und Offenbacher Wald, Hohe Mark, Büdingen (S. H. u. S. S.) 

— Mai, Juni. I, III, V. 

C. berberina Fabr. — scheint recht selten zu sein ; ich fing ein 
einzelnes Stück an blühendem Weißdorn bei der Käsemühle 
bei Offenbach. — Ende Mai. I. 

C. floccosa Meig. — erbeutete ich ebenfalls nur ein einziges 
Mal im Offenbacher Wald an blüheuden Weiden. — Mitte 
April. I. 

C. oxyacanthae Meig. — ist an blühendem Weißdorn nicht selten. 
Fundorte: Käsemühle, Sprendlingen, Schwanheim, Ober- 
ursel, Cronberg. — Mai und Juni. I, III. 

C. pachymera Egg. — aus der Umgebung von Frankfurt in der 
Sammlung des Senckenbergischen Museums. 

C. ranunculi Panz. — im Luhrwald bei Offenbach, im Frank- 
furter Wald, bei Sprendlingen an Weiden und am Altkünig 
(S. H. u. S. S.) — April bis Juni. I, III. 

Pocota St. Farg. Serv. 
P. apiformis Schrank. — fing ich ein einziges Mal am Abhänge 
des Altkönigs (S. S.) — Anfang Mai. III. 

Cynorrhiiia Will. 
C. fallax L. — aus dem Luhrwald bei Offenbach in der S. S. 

— Mai. I. 

Brachypalpus Macq. 

B. bimaculatus Macq. — aus dem Frankfurter Wald, von Kelster- 
bach und Birstein (S. H. u. S. S.) — Juni. I, V. 



— 120 — 

B. Meigeni Schin. — ist sehr selten; aus dem Frankfurter Wald 
und von Schwanheim in der S. H. — Juni. I. 

B. valgus Panz — aus dem Frankfurter Wald in der S. H. — 
Juni. I. 

Xylota Meig. 

X. abiens Meig. — ist sehr selten ; aus dem Röderwald und von 
der Hohen Mark in der S. S. — Juni. I, III. 

X. femorata L. — kommt sehr selten in den höchsten Lagen 
des Taunus vor; vom Altkönig und Feldberg in der S. S. ; 
in der Sammlung des Senckenbergischen Museums ohne 
nähere Fuudortangabe. — Juli. III. 

X. florum Fabr. — wird hie und da in der Ebene und im Ge- 
birge getroffen. Frankfurter Wald, Oberursel (S. S.) — 
August. I, III. 

X. ignava Panz. — wurde bis jetzt nur im Taunus (Falkenstein, 
Hohe Mark) getroffen (S. S.) — Juni. III. 

X. lenta Meig. — von Offenbach in der S. S., bei Falkenstein 
durch H. v. Heyden erbeutet. — Juli. I, III. 

X. nemorum Fabr. — aus dem Offenbacher Wald und vou Wall- 
dorf in der S. S. — Juni. I. 

X. segnis L. — ist im ganzen Gebiete nicht selten. — Mai bis 
September. I — V. 

X. silvarum L. — ist nicht häufig. Fundorte : Frankfurter Wald 
(Jaennicke), Chausseehaus bei Wiesbaden (S. B.) und König- 
stein (S. S.) — Juli und August. I, II, III. 

Syritta St. Farg. Serv. 

S. pipiens L. — ist im ganzen Gebiete gemein. — Frühjahr bis 
Herbst. I— V. 

Euiuerus Meig. 

Eu. ornatus Meig. — Röderwald und Trift bei Offenbach (S. S.) 

— Juni. I. 
Eu. ovatus Lw. — auf dem Mombacher Sand (S. S.) (Sehr seltenes 

Tier!) — Juni. II. 
Eu. sabulonum Fall. - - fand ich an der Waldbahnhaltestelle 

Goldstein und auf dem Schwanheimer Sand. — Mitte Juni. I. 
Eu. strigatus Fall. - - ist nicht selten. Fundorte : Frankfurter 

Wald (Jaennicke), Trift bei Offenbach, Buchrainweiher, 



— 121 — 

Bürgel, Lorsbach, Wisseisheim (S. H. u. S. S.) — Juni bis 
August. I, III, TV. 

Eu. tarsalis Lw. — ist nicht selten im Frankfurter Wald 
(Jaennicke) und Luhrwald bei Offenbach (S. S.) — Mai. I. 

Eh. tricolor Meig. -- fand v. Heyden bei Flörsheim und Falken- 
stein. — Juni und Juli. I, III. 

Ferdinanden Ronrt. 

F. cuprea Scop. ist nicht selten auf Blüten anzutreffen. 

Fundorte: Frankfurter Wald, Offenbach, Lorsbach und 

Birstein. (S. H. und S. S.) - Mai bis Juli. I, III, V. ; v. 

Heyden zog das Tier aus Larven, die er in einem Neste 

von Formica fuliginosa faud. 
F. ruficornis Fabr. — ist seltener als die vorhergehende Art 

und wird wie diese an Blüten getroffen; v. Heyden fand 

das Tier auch an ausfließendem Eichensaft bei Soden. — 

Mai bis Juli. I, III. 

Sericoiuyia Meig. 

S. borealis Fall. — ist in der Ebene selten, häufiger im Gebirge. 
Fundorte: Königswiese, Cronberg, Falkenstein, Oberursel. 
— Juni und Juli. I, III. 

Spilomyia Meig. 
S. äiopMhalma L. — in der S. H. aus dem Taunus. III. 
S. saUuum Fabr. - von Schwanheim (A. Weis) in der S. S., 
von Falkenstein in der S. H. — Juni, Juli. I, III. 

Teinnostoma St. Farg. Serv. 

T. bomhißans Fabr. - - kommt nach Jaennicke im Taunus vor, 

auch in der Sammlung des Senckenbergischen Museums aus 

der Umgebung von Frankfurt. I, III. 
T. vcspiforme L. — ist jedenfalls sehr selten; nach Jaennicke 

im FrankfurterWald, in der Sammlung des Senckenbergischen 

Museums aus Königstein. — Juni. I, III. 

Calliprobola Rond. 
C. speciosa Rossi — ist sehr selten. Fundorte; Frankfurter 
Wald (Jaennicke), Crontal (S. H.), Hohe Mark (S. S.), Fal- 
kenstein (Sammlung des Senckenbergischen Museums). - 
Ende Mai bis Juli. I, III. 



— 122 — 

Chrysotoxinae. 

Chrysotoxum Meig. 
Ch. arcuatum L. — von Falkensteiu und vom Fuchstanz in der 

S. S. — August und September. III. 
Ch. bicindum L. — Mainkur, Offenbach, Hanau, Hofheim, 

Schaumburg (S. B., S. H., S. S.). - Mai bis August. I, III. 
Ch. elegans Lw. — Taunus (S. B.). — Juli. III. 
Ch. festivum L. — Luhrwald bei Offenbach, Bingen, Altenhain, 

Birstein. — Mai bis September. I, II, III, V. 
Ch. intermedium Meig. — ist bei Offenbach (Luhrwald) nicht 

selten; sonst im Gebiet noch nicht gefunden. (S. S.) — Juni 

und Juli. I. 
Ch. lineare Zett. — nach Jaennicke im Taunus (sehr selten). III. 
Ch. octomaculatum Curt. - im Frankfurter Wald, besonders 

an der Oberschweinstiege (S. H.). — Mitte Mai. I. 
Ch. vernale Lw. — ist auf Waldgebüsch ziemlich häufig; an 

der Mainkur, der Unterschweiustiege. bei Offenbach, Mom- 

bach, Rüdesheim und Wiesbaden. (S. B., S. H. u. S. S.). — 

Mai und Juni. I, IL 

Psarus Latr. 
P. abdominalis Fabr. — scheint recht selten zu sein; ich be- 
sitze nur ein Stück aus dem Offenbacher Wald und ein 

zweites aus Enkheim. — Juni. I. 

Callicera Panz. 
C. aenea Fabr. — ist recht selten; ich fand das Tier nur an 
zwei Stellen, am Staufen bei Eppstein und im Wald bei 
Anspach. Die Tiere schwebten an sonnigen Stellen in der 
Luft. — Mitte Juni. III. 

M icr odont inae. 

Microdou Meig. 

M. devnis L. — kommt nicht selten im Taunus vor. Fund- 
orte: Bingen, Cronberg, Falkenstein, Oberursel (S. H. u. 
S. S.) — Mai und Juni. II, III. 

M. latifrons Lw. - fand ich nur am Kühkopf. — Juni. II. 

M. mutabilis L. — scheint vorwiegend in der Ebene vorzu- 
zukommen. Fundorte: Schwanheim, Kelsterbach, Münster 
bei Hof heim. - - Juni und Juli. I, III. Die Larven werden 
unter der Rinde von Baumstümpfen gefunden. 



— 123 — 

Ceriinae. 

Cerioides Rond. 

C. conopsoides L. — findet sich an stark duftenden Blüten ver- 
schiedener Sträucher; v. Heyden traf das Tier auch an 
ausfließendem Eichensaft. Fundorte: Frankfurter und 
Offenbacher Wald, Oberursel, Cronberg, Neuweilnau. — 
Mai und Juni. I, III. 

G. subsessilis Illig. — ist recht selten ; ich besitze ein einziges 
Stück aus Oberursel; v. Heyden fand das Tier am aus- 
fließenden Safte von Aesc. hippocastanum. — Mai und Juni. 
I, III. 

Pipiinculidae. 

Nephrocerus Zett. 

N. flavicornis Zett. - erbeutete ich ein einziges Mal an einer 
Wiese bei Enkheim. Das Tier saß auf Gebüsch. — Ende 
Juli. I. 

Pipuuculus Latr. 

P. campestris Latr. — scheint der in hiesiger Gegend am häufig- 
sten vorkommende Pipunculus zu sein. Fundorte : Frank- 
furter Wald, Enkheim, Rüderwald, Schwanheim, die Berg- 
straße und Griesheim. — Mai bis August. I. 

P. furcatus Egg. — fing ich ein einziges Mal im Luhrwald bei 
Offenbach. — Juni I. 

P. fusculus Zett. — zwei Männchen aus der Umgegend von 
Frankfurt in der S. H. 

P. geniculatus Meig. — erbeutete ich am Kühkopf. — Anfang 
Juni. II. 

P. montium Beck. — aus dem Röderwald (S. S.) und vom Biebrer 
Berg bei Offenbach (S. H.). — Ende August und Sep- 
tember. I. 

P. mutatus Beck. — erbeutete v. Heyden bei Bürgel auf Gebüsch. 
— Ende Mai. I. 

P sericeus Beck. — fing ich bei Enkheim. — Anfang August. I. 

P. terminalis Thoms. — bei Offenbach (S. S.) und im Frank- 
furter Wald auf Rubus (S. H.) - - Mai bis August. I. 

P. xanthocerus Kow. — Dr. Forst fand die Puppe im Genist 
der Nidda; das Tier schlüpfte Ende April aus. I. 



— 124 — 

P. zonatus Zett. — aus dem Luhrwald und dem Taunus in der 
S. s. — Mai und Juni. I, III. 

Clialarus Walk. 
Ch. spurius Fall. — aus dem Röderwald in der S. S. — Ende 
Juli. I. 

Verrallia Mik. 

V. villosa v. Ros. — ist im Taunus nicht selten. Fundorte: 
Crontal, Oberursel, Dornholzhausen, Neuweilnau. — Mai 
und Juni. III. 

IV. Hypocera. 

Phoridae. 

Pliora Latr. 

Ph. abbreviate* v. Ros. — im Garten (S. S.) — Mai. I. 

Ph. concinna Meig. — am Fenster meiner Wohnung und in der 

Wartehalle der Waldbahn zu Neu-Isenburg (S. S.) — August 

bis Ende September. I. 
Ph. crassicornis Meig. — am Fenster des Gasthofes auf dem 

Feldberg. (S. S.) — August. III. 
Ph. thoracica Meig. — Königstein. (S. S.) — Juli. III. 

Hypocera Lioy. 
H. incrassata Meig. — Oberursel (S. S.) — Ende August. III. 

Aphiocliaeta Brues. 

A. ciliata Zett. — Königstein (S. S.) — August. III. 

A. flava Fall. — Dornholzhausen (S. S.) — Mai. III. 

A. lutea Meig. - Frankfurt (S. H.) — I. 

A. pulicaria Fall. — am Fenster meiner Wohnung. — Juni. I. 

Ä. rufipes Meig. — ist die häufigste Art der Gattung; in großer 
Zahl in der S. H. u. S. S. ; v. Heyden fand Mitte Mai eine 
Menge Puppen auf dem Feldberg unter Steinen ; die Fliegen 
schlüpften Ende Mai aus. Dr. Thienemann fand die Larven 
in Gehäusen von Helix pommatica an der Bergstraße. Fund- 
orte: Frankfurt, Offenbach, Königstein, Feldberg, Wissels- 
heim, Birstein. Die meisten Tiere wurden am Fenster er- 
beutet. — Mai bis September. I— V. 



— 126 — 

Trineura Meig. 

T. aterrima Fabr. — am Fenster der Wohnung (S.S.); von v. 

Heyden in Homburg erbeutet. — April bis August. I, III. 

T. Sclüncri Beck. — zwei Stücke in der S. H. aus Frankfurt. I. 

T. velutina Meig. — im Frankfurter Wald (S. H.) — Mitte April. I. 

Oryiniiophora Macq. 
G. arcuata Meig. — in der S. H. aus Frankfurt, I. 

Platypezldae. 

Callomyia Meig. 
C. amoena Meig. — von Dornholzhausen in der S. S. — August. III. 
G. deyans Meig. — in großer Anzahl in der S. H.; wenige Stücke 
in der S. S. aus dem Taunus. — August. III. 

Platypeza Meig. 
P atra Meig. — aus dem Taunus (S. S.) — September. III. 
P. fasciata Meig. — von Lorsbach in der S. S. — Mitte Sep- 
tember. III. 



126 



Der Ameisenstaat und die Abstammungslehre. 

Vortrag, gehalten beim 
Jahresfest der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

am 24. Mai 1908 

von 

Professor Dr. Heinrich Reichenbach. 

Am 12. Februar des nächsten Jahres feiert die Wissen- 
schaft den hundertjährigen Geburtstag Darwins, und im 
November des gleichen Jahres sind füufzig Jahre verflossen seit 
dem Erscheinen seines berühmten Werkes: „Die Entstehung 
der Arten". Nicht nur Biologen, sondern auch Anthropologen, 
Sprachforscher, Soziologen und Philosophen werden dieser beiden 
Tage iu sehr ernster Weise zu gedenken haben; denn es gibt 
wohl kaum ein Werk, das durch seinen Inhalt in gleichem Grade 
auf die Lösungsversuche weltbewegender Lebensfragen einge- 
wirkt hat. Versetzte doch die durch Darwin angebahnte Welt- 
anschauung den Menschen mit seinem nicht zu befriedigenden 
metaphysischen Bedürfnis, deu man früher der übrigen lebenden 
Welt als etwas Besonderes gegenübergestellt hatte, plötzlich 
mitten iu diese hinein, und die altindische Anschauung vom 
Wesen des Lebendigen: „Tat twam asi u , „Das bist Du", mußte 
die Menschen mit unwiderstehlicher Gewalt ergreifen. 

Der Schrecken - aber auch die freudige Überraschung 
waren groß. Denn Darwin kam nicht etwa mit leeren Händen, 
mit Hypothesen und Theorien, sondern er führte mit einem 
gewaltigen Tatsachenmaterial einen Indizienbeweis von einer 
Kraft, die uns heute noch iu Erstaunen setzt. Bald nach dem 
Erscheinen des Buches, das sich mit ungewöhnlicher Raschheit 
verbreitete , ging es wie bei Kopernikus und Galilei: auf 
der einen Seite die höchsten Triumphe, auf der anderen die 



— 127 — 

heftigsten Widersprüche, — und zwar wurden diese mit einer 
Leidenschaft erhoben, die in gewaltigem Gegensatz zu der vor- 
nehmen Haltung Darwins steht. 

Wir wollen in diesem Streit nicht Stellung nehmen, son- 
dern uns vielmehr freuen über den ungeheuren Reichtum von 
wissenschaftlichen Ergebnissen, die durch die Entwicklungslehre 
zutage gefördert worden sind. 

Mit besonderer Deutlichkeit erkennt man nun diese an- 
regende Wirkung der Darwinschen Anschauungen, wenn man 
sie auf die Ameisen anwendet, insbesondere auf die Mysterien 
ihrer Staaten, die so viel Menschenähnliches vortäuschen und 
gar manchmal als Kampfmittel gegen die Abstamniuugslehre 
gedient haben. Wir werden dabei Gelegenheit haben, mit neuen 
Tatsachen und bedeutungsvollen Gedankenreihen uäher vertraut 
zu werden. 

Die Theorien Darwins sind bekannt: Mit Lamarck, 
Goethe und andern Forschern erkannte er die stete Ver- 
änderung und die strenge Abhängigkeit der Organismen von 
den Kräften der Außenwelt, also die bis ins Kleinste gehende 
funktionelle Anpassung. Er sah die unabweisbare Notwendig- 
keit der Annahme ein, daß die im Individualleben erworbeneu 
Eigenschaften auf die Nachkommen vererben müssen, wenn ein 
Fortschritt möglich sein soll. Er erweiterte und vertiefte also 
die Lamarck 'sehe Lehre von der Abstammung der höheren 
Organismen von den niederen. Lamarck führte zur Erklärung 
vielfach mystische B^aktoren ein ; denn die überall vorhandene 
Zweckmäßigkeit in der lebenden Welt ließ sich eben nicht 
durch direkte Wirkung physikalischer und chemischer Kräfte 
dem Verständnis näher bringen. Darwin aber suchte das 
gewaltige Rätsel durch die Erkenntnis zu lösen, daß bei der 
Überzahl der Keime ein Wettbewerb der Nachkommen um die 
Existenzmittel entstehen muß, in dem das Unzweckmäßige mit 
Notwendigkeit verschwindet. Damit waren zunächst die myst- 
ischen Momente eliminiert und das Prinzip vom Kampf ums 
Dasein, dessen logische Notwendigkeit und tatsächliches Vor- 
handensein Darwin in klassischer Weise und mit überzeugender 
Kraft nachwies, ist ein bleibendes Eigentum der Wissenschaft 
geworden. „Eine unvergängliche Großtat menschlichen Geistes" : 
Denn nun war die Möglichkeit gegeben, die Abstämmlings- 



— 128 — 

theorie als wissenschaftliches Gut aufzunehmen uud die ganze 
organische Welt als eine großartige Einheit zu erfassen, deren 
Erscheinuugen einer Gesetzmäßigkeit unterliegen, wie die Vor- 
gänge der unorganischen Welt auch. 

Bestimmen wir zunächst unseren Standpunkt; denn wir 
werden Grenzgebiete berühren müssen, wo wir durch Über- 
schreitungen in Gegenden gelangen, in denen man sich nicht 
mehr versteht. 

Die Biologie muß es ablehnen, die Gruudeigenschafteu der 
lebenden Substanz, wie z. B. Assimilation, Reizbarkeit, Variabi- 
lität, Vererbung und ebenso das Wesen des Zusammenhangs 
von Ursache und Wirkung in der organischen und in der un- 
organischen Welt erklären zu sollen. Das ist Sache der Meta- 
physik, die es auch nicht kann. Aber wie die überlegen schei- 
nenden „exakten" Naturwissenschaften nur die Gesetze der Er- 
scheinungen in der leblosen Welt feststellen, ohne über das 
eigentliche Wesen der Naturkräfte allgemein verbindliche An- 
gaben machen zu können — denn was wissen wir z. B. über 
die Vorgänge beim Telephoniereu? — geradeso ist es auch die 
Aufgabe der Biologie, lediglich die Gesetzmäßigkeit in der leben- 
digen Welt zu erforschen. Die Biologen sagen mit Robert 
Mayer: „Ist einmal eine Tatsache nach allen ihren Seiten 
bekannt, so ist sie eben damit erklärt und die Aufgabe der 
Wissenschaft beendet". 

Wir verlassen also in den nachfolgenden Betrachtungen 
das Gebiet der Naturforschung nicht; wir bleiben innerhalb der 
Welt der Erfahrung, wo der Satz vom zureichenden Grunde gilt, 
- der „wirklichen" Welt, der allein unser Denkorgan, das Ge- 
hirn, angepaßt ist, wo also allein für dasselbe die Möglichkeit 
gegeben ist, richtig zu funktionieren. 

Rollen wir zunächst einige Probleme auf: 

In dem Ameisenstaat leben gewöhnlich drei verschiedene 
Formen: Männchen, Weibchen oder Königinnen uud verkümmerte 
Weibchen oder Arbeiter. Die Mäunchen sind geflügelt, entstehen 
zu ganz bestimmten Zeiten in größerer Zahl, befruchten beim 
Schwärmen die Weibchen und gehen bald zugrunde. Bemerkens- 
wert ist die geringe Entwicklung ihrer Großhirnrinde, wo die 
beim Weibchen vorhandenen sogenannten Corpora pedunculata 
oder Dujardinschen Körperchen rudimentär geworden sind. Die 



— 129 — 

Weibchen sind ebenfalls geflügelt und sind in der Regel be- 
trächtlich größer als die Männchen und meist auch als die 
Arbeiter; ihr Gehirn ist bedeutend größer, besonders die Groß- 
hirnrinde. Sie werfen im Nest nach dem Schwärmen die Flügel 
ab und beginnen mit dem Eierlegen. Die Weibchen derPonerideu 
— einer besonderen Ameisenfamilie — beteiligen sich auch bei 
den häuslichen Verrichtungen, die übrigen nur in gewissen Fällen. 
Die Arbeiter sind am zahlreichsten, oft sind Tausende vor- 
handen. Sie werden flügellos geboren, haben reduzierte Eier- 
stöcke und weisen noch andere Merkmale der Verkümmerung 
auf. Dagegen zeigen die zu den sozialen Funktionen erforder- 
lichen Instrumente die vollkommensten Anpassungen, wie sie 
weder Männchen noch Weibchen aufweisen. Auch haben sie 
weitaus das größte Gehirn mit großen Corpora pedunculata. 
Um die Probleme der Ameiseninstinkte deutlicher hervor- 
treten zu lassen, nehmen wir an, ein befruchtetes Weibchen 
sei nicht in eine im Betrieb befindliche Kolonie gelangt. Dann 
gründet sie selbst eine neue Familie nach eiuer Methode, die 
bereits bei einer ganzen Anzahl von Arten nachgewiesen ist. 
Sie entfernt zunächst die hinderlichen Flügel und verfertigt 
einen allseitig geschlossenen kleinen „Kessel", der unter Steinen, 
in der Erde, unter Baumrinde oder in einer Mauerspalte ver- 
borgen ist. Nach kurzer Zeit legt sie einige Eier, die, zu einem 
Paket verklebt, zum Zweck der Reinigung beleckt und im Falle 
der Gefahr geborgen, aber nie verlassen werden. Gleiche 
Sorgfalt wird nach der Geburt der blinden, völlig hilflosen 
Larven aufgewendet, die von der Mutter mit den Säften des 
eigenen Leibes ernährt werden müssen, da die Königin kein 
Futter holen kann. Bei unseren einheimischen Ameisen ent- 
steht diese Nahrung aus den Reservestoffen des Weibchens, dem 
Fettkörper und den durch Auflösung der Flügelmuskulatur 
(Histolyse) entstehenden Substanzen. Bei Atta sexdens in Bra- 
silien dienen die vom Weibchen gelegten frischen Eier den 
Larven zur Nahrung. Je nach ihrer Größe schlürft die Larve 
das vom Muttertier vorgehaltene Ei ganz oder zum Teil aus; 
der Rest wird weiter gereicht. Zuweilen öffnet die Mutter das 
Ei durch einen Fußtritt. *) Will die Larve ihre Puppenhülle 



Nach J. Huber in Para. Biol. Zentralbl. 25. 



— 130 — 

spinnen, so schafft das Weibchen feste Körperchen herbei, an 
die der Anfang des Gespinstfadens angeklebt werden muß, und 
vor dem Ausschlüpfen der jungen reifen Ameise trennt die 
Mutter den Puppensack auf. Nach wenigen Tagen übernehmen 
die ausgeschlüpften und wegen der kärglichen Ernährung kleinen 
Ameisen, die nur aus Arbeitern bestehen, mit dem größten 
Eifer sämtliche Verrichtungen, einschließlich der reichlichen 
Fütterung der Königin, die jetzt nur noch Eier legt und höchstens 
in Fällen der Not mitarbeitet. 

Wir ersehen hieraus, daß das Weibchen zwar mancherlei 
kann, jedoch nicht alles. Aber wie ist es möglich, daß diese 
Ameisenkönigin zu solchen vielseitigen Leistungen befähigt ist? 
Sie hat doch nie etwas erlernen oder Erfahrungen machen können. 
Denn wie hat sie ihre Jugend verlebt! Als hilflose, blinde Larve 
im Dunkeln geboren, steckte sie während ihrer Verwandlung 
zur Königin in einem selbstgesponnenen Sack. Wenige Tage 
nach dem Auskriechen nimmt sie an „der wilden Massenhochzeit" 
teil, dann wird sofort von ihr ein stilgerechter Bau aufgeführt 
und das Eierlegen und die Kinderpflege beginnt; sie hat doch 
dies alles nie gesehen uud erlebt. Was weiß sie von Liebe? 

Man bezeichnet diese Fähigkeiten als Instinkte, — als 
ererbte Gewohnheiten. 

Da nun die Königin ganz verschieden handelt, je nachdem 
sie in eine blühende Kolonie gerät oder mutterseelenallein eine 
Familie zu gründen unternimmt, so muß es verschiedene Gruppen 
von Instinktanlagen geben, von denen bald die eine, bald 
die andere zur Entfaltung kommt. Auch müssen diese Iustinkte 
doch durch fortgesetzte Handlungen in einer früheren Zeit zu 
Gewohnheiten geworden sein, die die neugeborenen Weibchen 
heutzutage fix und fertig mit auf die Welt bringen seit einer 
unabsehbaren Reihe von Generationen. 

Noch vielseitiger sind die Instinkte der Arbeiter. Auch 
sie benehmen sich gleich nach dem Ausschlüpfen wie erfahrene 
Wesen. Bis der Hautpanzer völlig erhärtet ist, beteiligen sie 
sich nur an häuslichen Verrichtungen. Bald aber beginnt die 
Feldarbeit. Sie holen Wasser, Nahrung, gehen auf die Jagd 
oder zu ihrem Weidevieh, den Blattläusen, die oft auf hohen 
Bäumen ihre Weideplätze haben. Mit geschickten Fühler- 
bewegungeu wissen sie diesen ihre süßen Ausscheidungen zu 



— 131 — 

entlocken. Sie füllen damit ihren Futtersack, den sie im Leibe 
tragen und verteilen dann den Vorrat in der Kolonie an Insassen 
aller Art, Weibchen, Larven, andere Arbeiter und Gäste. Sie bauen 
aus Sandkörnern Viehställe um die Blattläuse oder halten Rinden- 
läuse unter der Erde. Sie reagieren genau auf Temperatur- 
und Feuchtigkeitsschwankungen und ergreifen entsprechende 
hygienische Maßregeln z. B. durch Änderungen im Bau der 
Wohnungen. Sie tragen Larven und Puppen, der Größe nach 
geordnet, in die Sonne oder in den Schatten, oder veranstalten 
einen Wohnungswechsel und schleppen alles lebende Inventar, 
einschließlich der Luxastiere, die man Ameiseugäste nennt, in 
kühler gelegene Sommerwohnungen. Bei den Arten, die Ameisen 
von ganz anderer Spezies als Sklaven oder Hilfsameisen haben 
müssen, die sie daher rauben, benehmen sich die Arbeiter auf den 
Raubzügen in ganz verschiedener, aber immer in einer dem Be- 
nehmen der auszuraubenden Art genau angepaßten Weise. Sie 
unterscheiden genau die Mitglieder der Kolonie von Fremden an 
dem Familiengeruch und gehen solidarisch den Eindringlingen zu 
Leibe. Sie machen sich einander Mitteilungen durch Alarmsignale 
und durch ihre Fühlersprache, eine Art Taubstummenidiom, für 
das die Ameisenbiologen sogar ein Lexikon aufgestellt haben. 
Der Reichtum an sozialen Fähigkeiten erscheint geradezu uner- 
schöpflich. Die größeren Dimensioneu und die komplizierteren 
Einrichtungen der Arbeitergehirne sind sicherlich die Resultate 
der funktionellen Anpassung. Wenn man bedenkt, in welcher 
exakten Weise die zahllosen Tierchen auf das eine Ziel : das 
Wohl der Gesamtheit hinarbeiten, so könnte man die Summe 
aller Arbeitergehirne als ein großes soziales Gehirn oder 
Staatsgehirn bezeichnen, das zwar aus tausenden von Eiuzel- 
gehirnen besteht, aber wie ein einziges funktioniert und so viel 
Kräfte in Bewegung setzt und reguliert, daß gewaltige Lei- 
stungen ausgeführt werden können. 

Daß diese Fähigkeiten angeboren sein müssen, 
zeigen mit besonderer Deutlichkeit die in der Puppenhülle aus 
dem Nest genommenen Tiere. Wenn man die ausgeschlüpften 
Tiere nach längerer Zeit in das Nest zurückbringt, verrichten 
sie unverzüglich alle Ameisenarbeiten mit vollendeter Meister- 
schaft. Man nennt sie witzig Autodidakten — lucus a 
non lucendo. 



— 132 — 

Aus allem dem ergibt sich, daß in jedem winzigen Ameisenei 
alle die wunderbaren Instinktanlagen vorhanden sein müssen, 
geradeso wie sämtliche nicht weniger wunderbaren Organ - 
anlagen auch. Die neuere Forschung hat auch in den Chromo- 
somen der Eizelle sichtbare Gebilde nachgewiesen, die als 
Träger der Erbmasse erscheinen, sich in gesetzmäßiger 
Weise vermehren und auf alle Zellen verteilt werden, also auch 
auf die Keimzellen. Der Sprößling hat daher die gleiche Erb- 
masse wie die Vorfahren. War das Ei befruchtet, so kam die 
männliche Erbmasse hinzu, die z. T. von der Mutter des Männ- 
chens stammt. Mithin ist das Männchen der Träger von Erb- 
massen, in denen auch die Anlagen zu weiblichen In stink t- 
handlungen enthalten sein müssen. Ist der Nachkomme ein 
Männchen, so kommen die vom Weibchen stammenden Arbeits- 
instinkte nicht zur Entfaltung — sie bleiben latent. Es müssen 
also die Tochterkolonien in ihren biologischen Erscheinungen 
den Stammkolonien genau gleichen. 

Die genauen Anpassungen au die Lebensbedingungen ent- 
sprechen nun zwar den Lama rck-Dar win sehen Anforde- 
rungen, aber die Theorie der erblichen Fixierung der durch 
die Funktion entstehenden Abänderungen stößt auf Schwierig- 
keiten. Die Männchen leben nur wenige Tage und in ganz 
anderen Lebensbedingungen; sie arbeiten nicht, können also 
keine Anpassungen neu erwerben, mithin auch nichts dem 
überkommenen Erbgut zufügen. Die Weibchen arbeiten nur 
selten und dann nur in beschränkter Weise, zeigen also 
nicht alle Fälligkeiten, obwohl sie die Anlagen dazu haben 
müssen, denn sie erzeugen ja vollbefähigte Arbeiter. Aber da 
die Weibchen keine neuen Fähigkeiten erwerben, können sie 
ebenfalls keine vererben. Die Arbeiter dagegen, die auf ihren 
Fußwanderungen bei ihrer vielseitigen Tätigkeit die beste Ge- 
legenheit hätten, sich zu Virtuosen auszubilden und glänzende 
Neuerwerbungen zu machen, pflanzen sich ja nicht fort, 
können also erst recht nichts dem Faniilienerbgut zufügen. 
Der Ameisenstaat scheint in einer Sackgasse verfahren, die 
Darwinschen Prinzipien haben auf ihn keine Geltung. Denu 
weder Entwicklung aus einfacheren Verhältnissen noch Fort- 
schritt scheint möglich. — Dieser Einwurf ist nun nicht 
stichhaltig. 



— 133 — 

Unter der Voraussetzung der Erblichkeit erworbener Eigen- 
schaften können ja die Instinkte der Ameisen sehr wohl aus den 
Zeiten stammen, in denen die Weibchen sich noch an allen sozialen 
Arbeiten beteiligten, wie dies bei der Familie der Poneriden und 
bei Hummeln und vielen Bienen und Wespen noch jetzt geschieht. 
Es müssen also bis auf den heutigen Tag die Weibchen diese 
Anlagen haben, wenn auch ganz oder teilweise latent. Aber 
auch Fortschritte sind möglich. Schon früher hatten bedeutende 
Forscher festgestellt, daß die Arbeiter doch zuweilen Eier legen, 
die sie zwar meist wieder verzehren, oft aber werden die Larven 
aufgezogen, aus denen sich vollkommene Männchen 1 ) ent- 
wickeln. Hier ist also der Weg gegeben, wie die Neuerwerbungen 
von Arbeitern durch ihre ehelos erzeugten Söhne auf den ganzen 
Stamm übertragen werden können. Es geht aber auch auf 
anderem Wege : In den Jahren 1899 bis 1902 entwickelten sich 
in einem meiner künstlicheu Ameisennester aus elf Arbeitern der 
schwarzbraunen Ameise — Lasius niger - eine aus mehreren 
Hunderten bestehende Nachkommenschaft von lauter Arbeitern, 
und in diesen drei aufeinanderfolgenden Jahren kamen jedesmal 
Ende Juli und Anfangs August eine Anzahl geflügelter Männchen 
aus den Puppen, also genau in der Zeit, wo in den Straßen 
und Gärten Frankfurts überall die geflügelten Lasius-Männchen 
und Weibchen vom Schwärmen zu finden sind. 2 ) 

Das genaue Einhalten der Erscheinungszeit dieser Männchen 
läßt auf einen normalen Zustand meiner parthenogenesierenden 
Lasiuskolouie schließen, und da Bestätigungen 3 ) nicht ausblieben, 
und man nicht annehmen muß, daß dies ganz vereinzelte Fälle 
seien, so ist die Möglichkeit der Weiterentwicklung des Ameisen- 
staates nach Darwinschen Prinzipien gegeben, und die 
Fortpflanzungsverhältnisse bei den Ameisen können nicht mehr 
als Einwurf gegen die Abstammungslehre benützt werden. 

Die Hauptschwierigkeiten liegen jedoch auf dem Gebiet 
der Vererbung. Schon die Tatsache der Erblichkeit ist 
schlechthin unbegreiflich. „Wir staunen," sagt Hering 4 ), „wenn 



J ) Nach Forel, Wasmann, Lubbock, Viehmeyer, Fielde. 

2 ) Biol. Zentralbl. 22. 

3 ) Wheeler. 

4 ) Über das Gedächtnis als eine allgemeine Funktion der organisierten 
Materie. Wien 1870, p. 17. 



— 134 — 

das Kind der Mutter in manchen Dingen nicht ähnlich ist, 
während doch das Staunenswerte vielmehr darin liegt, daß es 
ihr in so tausendfältiger Weise ähnlich ist." 

Aber noch viel wunderbarer und unbegreiflicher erscheint 
die Vererbung erworben er Eigenschaften. Denn wie sollen 
Abänderungen am Körper auf die Keimzellen in gleichem Sinne 
abändernd einwirken können? 

Zunächst besinnen wir uns, daß die Entfaltung so zahl- 
reicher Organe aus der winzigen Eizelle ebenso unbegreiflich 
ist, daß z. B. die Entstehung des Auges in völliger Dunkelheit 
unerklärlich bleibt. Sieht doch das eben dem Ei entschlüpfte 
Hühnchen sofort ein vorgelegtes Hirsekorn und ergreift es mit 
Sicherheit. Nicht anders ist es im Grunde genommen mit allen 
Lebenserscheinungeu. Die Biologie kann eben nichts anderes 
tun, als die Gesetzmäßigkeit in den Manifestationen der Natur- 
kräfte festzustellen, wie der Physiker oder der Chemiker auch. 
Wir befinden uns also mit der Frage nach der Vererbung er- 
worbener Eigenschaften in sehr guter Gesellschaft und brauchen 
nicht die ganze Lehre zu verwerfen, - wie viele Biologen es 
taten, als man den dankenswerten Nachweis geliefert hatte, daß 
alle früheren Beispiele von Vererbung erworbener Eigenschaften 
ins Reich der Fabel gehören. 1 ) Wir halten vielmehr vorläufig 
an der Darwinschen Vererbungstheorie fest, da hiervon die 
Möglichkeit einer Erklärung der lebenden Welt abhängt. Und 
die Wissenschaft scheint dabei nicht schlecht zu fahren, denn 
neuerdings gibt es eine Anzahl von Beobachtungen und Experi- 
menten, die die Tatsache der Übertragung erworbener Eigen- 
schaften auf die Nachkommen durch Beeinflussung der Keim- 
zellen in einer Weise dartuu, die über die Tragweite eines 
Indizienbeweises hinausgeht. Sehen wir von den erblich kon- 
stant gewordenen Veränderungen bei den niederen Organismen 
ab, da man diese Variationen auf Rechnung der direkten Be- 
einflussung der Keimzellen setzen kann, so liegen die Dinge doch 
anders, wenn bei den Schübeier sehen Experimenten an 
Getreide arten die Pflanzen eine veränderte Reifezeit auf 
die Nachkommen vererbten. In Deutschland gezogener Weizen 
braucht 100 Tage zur Reife, in Norwegen aber hat derselbe 



') Vgl. besonders Weismanns Schriften. 



— 135 — 

deutsche Weizen nach 2 — 3 Generationen nur 75 Tage nötig; 
wird aber der Samen dieses Weizens wieder in Deutschland 
kultiviert, so braucht er hier zwar 5 Tage mehr als in Norwegen, 
aber 21 Tage weniger als die Ureltern. Fälle von erblich 
gewordener Immunität gegen Infektionskrankheiten sind 
von Tizzoni und Behring nachgewiesen worden. Durch Be- 
handlung der Puppen des Bärenspinners (Arctia) mit ver- 
schiedenen Temperaturen lassen sich erblich konstant werdende 
Formen- und Farbenvarietäten erzielen, die in anderen Klimaten 
auch wirklich als natürliche Varietäten auftreten. (Standfuß 
und Fische r.) Der Feuersalamander briugt normaler Weise 
60 — 70 kiementragende Larven zur Welt, die er ins Wasser 
absetzt. Hier vollenden die Jungen die Metamorphose, verlieren die 
Kiemen und gehen aufs Land. Wird aber, wie Kamm er er in 
klassischer Weise gezeigt hat, das trächtige Weibchen auf dem 
Land und in etwas niederer Temperatur gehalten, so bleiben 
die Jungen länger im Eileiter, wo sie sich weiter entwickeln, 
aber an Zahl abnehmen und auf einem späteren Stadium ge- 
boren werden. 1 ) Durch in gleicher Weise fortgesetzte Ein- 
wirkungen auf das nämliche Muttertier kamen in den darauf- 
folgenden Jahren die Jungen immer später zur Welt, waren 
weiter in der Entwickelung vorgeschritten und weniger zahl- 
reich, bis sie schließlich als vollkommene Salamander erschienen 
und ihre Zahl auf zwei reduziert war. Das Muttertier erreicht 
also durch fortgesetzte Einwirkung der veränderten Lebens- 
bedingungen einen Zustand, wie er beim Alpensalamander normal 
ist. Denn dieser bringt regelmäßig nur zwei vollkommen ent- 
wickelte Junge zur Welt. 

Demnach ist die erzwungene Anpassung an Spät- und 
Spärlichgeburten die gleiche, wie die natürliche. 

Wurden nun aber die Nachkommen dieser veränderten 
Feuersalamander in die alten Lebensbedingungen (reichliches 
Wasser und höhere Temperatur) zurückversetzt, so lieferten sie 
ohne Ausnahme doch Spät- und Spärlich geburten. Beim 
Alpensalamander verlief das Experiment in gleicher Weise, aber 
in umgekehrterRichtung. Er wurde zu erblich konstanten 



*) P. Kämmerer, Vererbung erzwungener Fortpflanzungsanpassungen. 
Arch. f. Ent.-Mech. Bd. 25. 



— 136 — 

Früh- und Mehrgeburten gezüchtet. Da bei den Nachkommen 
der beiden Salamanderarten neben morphologischen Abänderungen 
aber auch Instinktsvarietäten auftreten, so ist das Ergebnis 
dieser Versuche auch für unsere Probleme der Ameisenbiologie 
in hohem Maße beachtenswert. Entsprechendes wird von Marie 
von Chauvin 1 ) beim mexikanischen Kiemenmolch berichtet, 
uud so zeigen diese und noch andere Tatsachen, daß auf das 
ausgewachsene Tier verändernd einwirkende Reize auch die 
Keimzellen erreichen uud durch diese hindurch in gleicher Rich- 
tung abändernd die Nachkommen treffen können. 

Es entsteht demgemäß für die Wissenschaft die unabweis- 
bare Forderung, weiter in die Erscheinungen der Vererbung 
erworbener Eigenschaften einzudringen, und dies ist 
bereits in sehr beachtenswerter Weise geschehen. 

In den letzten zehn Jahren ist man nämlich auf einen 
Vortrag von Ewald Hering wieder aufmerksam geworden, 2 ) 
der vor beinahe vierzig Jahren in der feierlichen Sitzung der 
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien gehalten 
worden ist und den Titel trägt: „Über das Gedächtnis als eine 
allgemeine Funktion der organisierten Materie". 3 ) Der in diesem 
Vortrag behandelte Grundgedanke, 

„eine größere Reihe scheinbar weit auseinander liegender 
„Erscheinungen, welche teils dem bewußten, teils dein un- 
bewußten Leben des Organischen angehören, unter einen 
„Gesichtspunkt zu bringen und als Äußerung eines und des- 
selben Grundvermögens der organisierten Materie, nämlich 
„ihres Gedächtnisses oder Reproduktionsvermögens zusammen- 
fassend zu betrachten" — 
dieser Grundgedanke, der auf wichtige psycho-physiologische, 
ontogeuetische und phylogenetische Probleme ein helles Licht 
zu werfen uud insbesondere wichtige Konsequenzen für die so viel 
bekämpfte Vererbungslehre zu ziehen geeignet war, — geriet 
in Vergessenheit. Nur wenige Anknüpfungen an Hering finden 
sich bei Fechner, Häckel, Mach und Forel, und es kann 
der Senckenbergischen Gesellschaft zur Freude gereichen, daß 

') Über die Verwandlungsfähigkeit des mexikanischen Axolotl. Zeit- 
schrift f. wissensch. Zool. Bd. 41. 1885. 

2 ) Besonders durch 0. Hertwig. 

3 ) Wien, Druck und Verlag von Karl Gerolds Sohn. (II. Aufl. 1876.) 



— 137 — 

auch einer der ihren, mein verehrter Lehrer und Vorgänger Noll, 
einer der wenigen war, die die großen Ideen Herings in ihrer 
ganzen Tragweite. erkannten. Noll verwandte sie zu der feinen 
1870 erschienenen und heute wieder aktuell gewordenen Ab- 
handlung: „Die Erscheinungen des sogenannten Instinktes". 1 ) 

Hering geht von dem Satze aus, daß die Phänomene des 
Bewußtseins Funktionen der materiellen Verände- 
rungen der organischen Substanz sind und umgekehrt. 
Der Physiologe also muß bei den verwickelten Erscheinungen 
des Bewußtseins entsprechende materielle Vorgänge annehmen. 
„Ganze Gruppen von Eindrücken können lange Zeit gleichsam 
ruhend aufbewahrt werden, um bei Gelegenheit nach Raum 
und Zeit richtig geordnet mit solcher Lebendigkeit reproduziert 
zu werden, daß sie die Wirklichkeit dessen vortäuschen können, 
was längst nicht mehr gegenwärtig ist." 

Es muß also eine materielle Spur zurückbleiben, durch die 
die Nervensubstanz zu dieser Reproduktion befähigt wird. 

Auch anderen Formen der organisierten Materie schreibt 
Hering Reproduktionsvermögen oder Gedächtnis zu. Die 
Nervensubstanz hat kein Monopol. Der Muskel wird leistungs- 
fähiger, wenn wir ihn üben. Er nimmt an Umfang zu, er as- 
similiert besser als im Zustand der Ruhe. Ebenso ist es bei 
anderen Organen. Da aber die Massenzunahme auf Vermehrung 
und nicht auf Vergrößerung der Zellen beruht, so erben die 
Tochterzellen die Fälligkeit des betreffenden Organs. 

Am gewaltigsten aber tritt uns nach Hering die Macht 
des Gedächtnisses der organisierten Materie entgegen bei der 
Übertragung der Eigenschaften auf die Nachkommen, insbeson- 
dere der erworbenen Eigenschaften, wo das organische Wesen 
dem Keim, der sich von ihm trennt, ein kleines, im elterlichen 
Leben erworbenes Erbe zum großen Erbgut des ganzen Ge- 
schlechtes hinzulegt. Die Schwierigkeit der Übertragung der 
erworbenen Eigenschaften auf die Keimzellen sucht er zu heben 
durch die Annahme eines eigenen Zusammenhangs aller Teile 
untereinander und durch das Nervensystem. Er macht mit Recht 
die ungemein intensive Rückwirkung der Keimzellen auf den 
ganzen Organismus für diesen Zusammenhang gelteud, die zum 



') Der Zoologische Garten. Jahrg. 17. 1876. 



— 138 — 

Beispiel bei deren Reife das Individuum nach Art einer un- 
widerstehlichen Naturgewalt ergreifen kann. 

Die anscheinende Undenkbarkeit einer unendlich großen 
Zahl von Anlagekeimen in den Keimzellen sucht Hering durch 
einen Vergleich aus der Mathematik zu beseitigen. Die Kurven 
und Flächen der Mathematik sind zahlreicher und mannigfaltiger 
als die Gestalten der organischen Welt; die herausgebrochenen 
Kurvenelemente aber sehen sich ähnlicher als die organischen 
Keime. Und doch schlummert in jedem unendlich kleinen Kurven- 
element die ganze Kurve, und wenn der Mathematiker es wachsen 
läßt, so wächst es eben nur in die Bahnen hinein, die schon 
durch die Eigentümlichkeiten des unendlich kleinen Fragmentes 
bestimmt sind. Wie eine unendlich kleine Verschiebung eines 
Punktes des Kurvenbruchstücks hiureicht, das Gesetz ihres 
ganzen Laufes zu ändern, so genügt auch eine unendlich kleine 
Einwirkung des mütterlichen Organismus auf das molekulare 
Gefüge des Keimes, um bestimmend für seine ganze künftige 
Entwicklung zu werden (a.a.O. S. 16). Und nun führt Hering aus, 
daß die Entfaltung der mütterlichen Eigenschaften in dem Tochter- 
organismus eine Reproduktion solcher Prozesse sei, an denen 
dieser schon einmal als Keim im Keimstock teilgenommen, jetzt 
gleichsam sich derselben erinnere und auf ähnliche Weise bei 
ähnlichen Reizen reagiere. „Das ist zwar ebenso wunderbar, 
wie wenn den Greis plötzlich die Erinnerung an die früheste 
Kindheit überkommt, aber es ist nicht wunderbarer als dieses." 
Der ganze kindliche Organismus ist nichts anderes, „als eine 
einzige große und bis ins Besonderste gehende Reproduktion 
des mütterlichen" — — „die schon unzählbare Generationen 
hindurch an derselben organisierten Materie sich ereignet hat 
und deren kleines Bruchstück der Keim ist". 

Die ganze Abstammungslehre ist in dem Satz enthalten : 
„Jedes organische Wesen ist nur das Endglied einer unabsehbar 
langen Reihe organischer Wesen, deren eines aus dem andern 
entsprang, eines von dem andern einen Teil seiner erworbenen 
Eigenschaften erbte; — alles drängt dahin, an den Anfang 
dieser Kette Organismen von äußerster Einfachheit gestellt zu 
denken." (S. 17.) 

Aber auch alle die verschiedenen Verrichtungen der Organe 
erscheinen als Produkt des unbewußten Gedächtnisses der 



— 139 — 

lebenden Substanz. „Das Hühnchen, welches eben der Schale 
entschlüpft ist, läuft davon wie seine Mutter davonlief, als sie 
die Schale durchbrochen hatte." Welch außerordentlich ver- 
wickeltes Zusammenwirken von Bewegung und Empfindung. 
Gleiches gilt von den Instinkthandlungen und ihrem Ursprung: 
„Man erwirbt leicht überraschende Fähigkeiten, wenn man sich 
zu beschränken weiß; die Einseitigkeit ist die Mutter der Vir- 
tuosität. Wer die Geschicklichkeit bewundert, mit welcher die 
Spinne ihr Netz webt, sollte darüber nicht vergessen, wie be- 
schränkt ihr übriges Vermögen ist; nicht vergessen, daß sie 
ihre Kunst nicht einmal selbst lernte, sondern daß zahllose 
Spinnengeschlechter dieselbe langsam von Stufe zu Stufe er- 
warben. Und diese ihre Kunst ist auch so ziemlich alles, 
was sie überhaupt erlernten. Der Mensch greift zu Pfeil und 
Bogen, wenn seinem Netz die Beute fehlt; die Spinne aber 
verhungert." 

Alle diese umfassenden Ideen Herings können wir nun 
in glücklicher Weise auch auf das ganze Leben und Treiben 
der Ameisen anwenden. Die Ameise bringt alle Fähigkeiten 
fertig mit auf die Welt ; sie kann alles, wie das Wunderkind, 
das altkluge Kind, das auch oft nicht mehr viel dazulernt und 
manche schöne Hoffnung zu Schanden macht. Ganz anders der 
Mensch! er muß das Meiste erst mühsam erlernen; sein Gehirn 
ist bei der Geburt nicht fertig entwickelt ; er hat nach Hering 
dafür einen größeren Spielraum zu individuell ausgeprägter Ent- 
wicklung und Vervollkommnung. „Nur erscheint das, was wir 
beim Tier Instinkt nennen, hier in freierer Form als Anlage," 
die aber ein Erbgut ist, das das Kind nicht seiner Arbeit 
verdankt, sondern der vieltausendjährigen Arbeit der Gehirn- 
substanz zahlloser Vorfahren. Hier erkennt man deutlich die 
Tragweite der Heringschen Gedanken in bezug auf die Ent- 
wicklung des geistigen Lebens ; sein Schlußsatz sei noch zitiert : 
„Das bewußte Gedächtnis des Menschen verlischt mit dem Tode, 
aber das unbewußte Gedächtnis der Natur ist treu und un- 
austilgbar, und wem es gelang, ihr die Spuren seines Wirkens 
aufzudrücken, dessen gedenkt sie für immer." 

Angeregt durch diese fast vergessenen Heringschen Ideen 
hat es nun Richard Sem on unternommen, in seinem gedanken- 
reichen Buche : „Die Mneme als erhaltendes Prinzip im Wechsel 



— 140 — 

des organischen Geschehens" ') die betreffenden Fragen wieder 
in Fluß zu bringen und insbesondere eine analytische Durchfüh- 
rung des Beweises zu liefern, daß es sich bei den Reproduktions- 
prozessen im Gehirn, in den übrigen Organen und in der Onto- 
genie nicht um bloße Analogien, sondern um identische Vorgänge 
handelt. Einige seiner Ausführungen sollen hier erörtert werden. 

Wie der Physiker die Gesetzmäßigkeit in den Manifesta- 
tionen der Naturkräfte erforscht und z. B. Licht, Magnetismus 
und Elektrizität als einheitliche Kräfte aufzufassen sich genötigt 
sieht, so versucht es auch Sem on bei den Erscheinungen des 
Gedächtnisses der organischen Substanz. Er geht von dem 
Begriff der „energetischen Situation des Organismus" 
aus und versteht darunter die Gesamtheit aller in einem ge- 
gebenen Moment auf einen Organismus einwirkenden Energie- 
formen, wie Gravitation, Wärme, Licht u. a. Dann bezeichnet 
er als „Reiz" eine energetische Einwirkung auf den Organismus 
von der Beschaffenheit, daß sie Reihen komplizierter Verände- 
rungen in der reizbaren Substanz des Organismus hervorruft. 

Den so veränderten Zustand des Organismus bezeichnet 
er als „Erregungszustand". Verschwindet die Wirkung 
unmittelbar nach dem Aufhören des Reizes, so war es eine 
„synchrone Reizwirkung", eine „akoluthe" dagegen, 
wenn eine Nachwirkung von kürzerer Dauer beobachtet wird. 
Tritt aber nach dem Reiz eine dauernde Veränderung ein, so 
nennt er dies eine „engraphische Wirkung" und bezeichnet 
die dauernde Veränderung der reizbaren Substanz als „En- 
gramm". Die Summe aller Engramme nennt er „Engramm- 
schatz", der aus ererbten und erworbenen Engrammen be- 
stehen muß, und verfolgt nun die Abhängigkeit der organischen 
Funktionen von diesem Engrammschatz. Z. B. : Ein junger 
unerfahrener Hund macht zum erstenmal die Bekanntschaft mit 
fremden Menschen, die ihn mit Steinen werfen. Zweierlei Reize 
wirken auf ihn: die optischen Reize der sich nach Steinen 
bückenden und werfenden Menschen und die Schmerzreize durch 
den treffenden Stein. Diese Reize bewirken den bekannten 
Erregungszustand. Aber von diesem Augenblick an ist der 
Hund für sein ganzes Leben verändert; beide Reizgruppen haben 



') II. Aufl. 1908. Leipzig. W. Engelmann. 



— 141 — 

Engramme hinterlassen, denn lange nach Ablauf der synchronen 
und akoluthen Reizwirkuugen veranlaßt der optische Reiz eines 
sich rasch bückenden Menschen von jetzt an den gleichen Er- 
regungszustand wie ein schmerzerregender Reiz: das Tier zeigt 
alle Erscheinungen der Angst, klemmt den Schwanz zwischen 
die Beine, schreit und flieht. Die organische Substanz hat sich 
so verändert, daß sie nunmehr zwei Engramme enthält, die auf 
Lebenszeit assoziiert sind, und von denen jedes den Charakter 
eines Reizes annehmen und den ganzen Erregungszustand her- 
vorrufen kann. Die letztgenannten Einflüsse bezeichnet Semon 
als „ekphorische" und die zugehörigen Reize als „ekpho- 
rische Reize". Die durch Ekphorie bestimmter Engramme 
resultierenden Vorgänge heißen „mnemische Erscheinungen" 
und der Inbegriff aller mnemischen Fähigkeiten eines Organismus, 
mögen sie nun am Nervensystem sich abspielen oder das onto- 
genetische Geschehen beherrschen, bilden seine Mneme. 

Wir können also in der Sprache Sem on s sagen: Die 
Ameisenkönigin verfügt über einen bedeutenden Engrammschatz 
für gewisse soziale Verrichtungen, der zum größten Teil aus 
ererbten Engrammen besteht, die entweder gar nicht oder nur 
zum Teil und dann oft nur in Fällen der Not zur Ekphorie 
kommen. 

Da sich die Königin den energetischen Einflüssen physika- 
lischer und chemischer Vorgänge der Außenwelt wenig exponiert, 
können durch diese auch keine neuen Engramme dem Schatz 
zugeführt werden; aber dieser geht unvermindert nach Art 
eines Familien-Fideikommisses auf die Nachkommen über, von 
denen die Männchen noch weniger den Engrammschatz „mehren 
oder mindern", sondern höchstens vererben können. Die Arbei- 
terinnen sind dagegen genötigt, neue Engramme zu fixieren, die 
beim schwierigen Finden des Weges, beim Jagen und anderem 
Nahrungserwerb und allen übrigen Hantierungen von Nutzen sind. 
Da sie sich nun gelegentlich, vielleicht auch insgeheim öfter, 
an der Fortpflanzuug beteiligen, wie meine Lasiuskolonie drei 
Jahre hindurch gezeigt hat, so ist die Möglichkeit gegeben, das 
Familieu-Fideikummiß zu bereichern, und also auch die Möglich- 
keit des Kulturfortschritts im Ameisenstaat. 

Durch Besonnung einer eine Zeitlang im Dunkeln gehaltenen 
Mimose, bei der also jetzt photische, thermische und chemische 



— 142 — 

Reize wirken und Entfaltung der Blätter, Stoffwechsel und 
Wachstum veranlassen, läßt sich die Gesetzmäßigkeit studieren, 
nach der mehrere assoziierte Eugrammkomplexe gleichzeitig zur 
Ekphorie kommen. 

Die ekphorische Wirkung ist ferner häufig von der Zeit ab- 
hängig; dies nennt Semon „chronogene" Engrammwirkuug. 
Besonders im Leben der Pflanzen spielen diese chronogenen 
Engrammwirkungen eine wichtige Rolle, und es erscheinen da- 
her z. B. die über viele Jahre fortgesetzten phänologischen 
Beobachtungen unseres Julius Ziegler, die von seiner Ge- 
mahlin in gleicher Weise fortgesetzt werden, besonders wertvoll. 

Drei Jahre hintereinander erschienen in meinem dunkeln, 
stets in gleichen Lebensbedingungen gehaltenen Lasiusnest die 
von Arbeitern geborenen Männchen genau Ende Juli und An- 
fangs August, also genau zu der Zeit, wo in der freien Natur 
die Geschlechtstiere schwärmen. Mit der Präzision der Zeit- 
zünder moderner Geschosse sind hier chronogene Engramme 
zur Ekphorie gelangt und haben die Entstehung männlicher und 
weiblicher Individuen ausgelöst. 

Aus diesen Tatsachen folgt mit Notwendigkeit, daß die 
mit besonderen Eigenschaften ausgestatteten Engrammschätze 
in den Keimzellen erhalten bleiben und über die Grenzen des 
Individuums hinaus weiter gegeben werden. 

Das Gleiche gilt von den neu erworbenen Engrammen. 
So hat bei dem Salamander der küustlich gesetzte Zwang, 
die Jungen länger bei sich zu behalten, nicht nur auf die Mutter, 
sondern auch auf die große Zahl der Keimzellen und auf die 
Nachkommen und deren Keimzellen engraphisch gewirkt. Der 
Reiz hat also doch viele Zellen getroffen und in mehr als einer 
Richtung verändert, da er bei den Nachkommen auch Iustinkts- 
änderungen bewirkt. Die sozialen Instinkte der Amei- 
sen sind in gleicher Weise entstanden zu denken. 

Beiden Schmetterlingen von Standfuß und Fischer 
sind Eugramme neu erworben und vererbt worden, die plastische 
Wirkungen auslösen, und die chronogenen Engramme der Ge- 
treidearten Schübelers haben eine dauernd gewordene Phasen- 
verschiebung in der Entwicklung bewirkt. 

Hieraus folgt die großartige Anschauung, daß in jedem 
Organismus, der doch eine Geschichte von Jahrmillionen hinter 



— 143 — 

sich hat, eine unendliche Anzahl von Engrammeu stecken muß, 
die das Ergebnis von Reizwirkung sind, von denen die Vorfahren 
getroffen wurden. Man denke an die Zugstraßen der Vögel, und 
was muß der Ameisenstaat für eine reiche Geschichte hinter 
sich haben, von der sich die Spuren latent oder frei bis auf 
den heutigen Tag erhalten haben! 

Wie harmonisch und exakt die vererbten Engrammkom- 
plexe durch Ekphorie eines einzigen Engramms zur Wirkung 
gebracht werden können, zeigt Sem on an dem Beispiel der 
fünf Wochen alten Elster, von der Char bonnier 1 ) be- 
richtet. Als der jungen Elster zum ersten Male eine Schüssel 
mit Wasser gereicht wurde, löste die bloße Berührung des 
Wassers mit der Schnabelspitze alle Zeremonien eines Vogel- 
bades auf dem Trocknen aus: das Ducken des Kopfes, das 
Flattern mit den Flügeln, das Bewegen des Schwanzes, das 
Hocken und Spreizen, kurz alles trat wie bei allen wirklich 
badenden Vögeln ein. 

Das Spiel der Engramme ist zeitlich geordnet und be- 
stimmt: Medusen erscheinen am Äquator in zwölfstündigem 
Wechsel au der Oberfläche und Versinken wieder in die Tiefe, 
also der Belichtung entsprechend. Werden sie durch den Golf- 
strom nach dem Norden verschlagen, wo die sommerliche Polar- 
sonne fortgesetzt am Himmel steht, so behalten diese Tiere 
doch den zwölfstündigen Wechsel bei. 2 ) 

Bei der Entwicklung von Synapta (n. Selenka) erzeugt 
das Stadium aus 512 Furchungszellen eine energetische Situation, 
die die nunmehr eintretende Bildung der Gastrula zu Folge 
hat ; die ererbten Engramme kamen hier vielleicht durch räum- 
liche Verhältnisse zur Ekphorie und lösten die plastische 
Reaktion der Gastrulation aus. 

Der Reichtum und die nähere Beschaffenheit der erworbenen 
Engramme muß von den Nervenendigungen der Sinnesorgane 
abhängig seiu. Für viele Erscheinungen des Ameisenlebens 
z. B. gibt ihr topochemischer Geruchssinn (Berührungsgeruch) 
den Schlüssel zur Erklärung. Der lange, gegliederte, nach allen 

') Bei L Morgan, Habit and Instinct. London, New- York, 1896. Deutsch 
bei Teubner, 1908. 

2 ) A. Walter, Die Quellen als Strömungsweiser. Deutsche Geogr. 
Blätter Bd. IB. Heit 1 und 2. 



— 144 — 

Seiten liiu bewegliche Fühler mit seinen Greruchsorganen muß 
sehr vielseitige und vielbedeutende synchrouische und engra- 
phische Wirkungen auslösen können. 

Der aus der Erfahrung stammende Satz, daß die Keim- 
zellen den gesamten durch Jahrtausende erworbenen Engramm- 
schatz enthalten müssen, führt nun Semon zu der Annahme 
kleinster Einheiten. Er nennt sie „mnemische Protomeren" 
und stattet sie mit den mnemischen Fähigkeiten aus. Sie finden 
sich aber nicht auf die Keimzellen beschränkt, sondern müssen 
in allen Zellen des Organismus enthalten sein, wie schon die 
Regenerationsprozesse lehren. Hier berührt sich Semon mit 
0. Hertwig, Nägeli u. a. Für die Lokalisation der mnemischen 
Protomeren muß Semon die bisherigen Ergebnisse der Nerven- 
physiologie mit seinen Anschauungen in Einklang bringen. Das 
Großhirn des Menschen und das Oberschlundgauglion der 
Ameisen und Bienen, sowie der Tintenfische erscheinen ihm als 
die mnemischen Stapelplätze, als die „Multiplikatoren", 
deren Kondensatoren in ihren Brennpunkten Protomeren haben, 
die schon bei einem einzigen Reiz kräftige Engramme ihrem 
Schatze zufügen. 

Was nun die so schwer zu begreifende Übertragung 
der Engramme auf die Keimzellen betrifft, so wird von 
Semon der direkten chemischen oder physikalischen Einwirkung 
auf Ei- und Samenzellen eine Rolle zugeschrieben, aber nur 
in beschränktem Maße. Der Hauptsache nach wird aber diese 
Übertragung auf organische Reizleitung zurückgeführt. 

Große Wichtigkeit weißt Semon der sog. „mnemische n 
Homophonie" zu, unter der er ein gesetzmäßiges Zusammen- 
klingen einer Mneme mit einer neuen Originalerregung oder auch 
ein harmonisches Zusammenklingen zweier Mnemen versteht. 
Wird z. B. einem jungen Vogel, der im Begriff steht sein Nest 
zu bauen, ein ganz gleiches oder ein angefangenes Nest zur 
Verfügung gestellt, so wird er es annehmen und vielleicht bessern 
und ausbauen, ein unähnliches aber als untauglich verwerfen. 
Oder: Eine verkehrsreiche Ameisenlandstraße wird von den 
Tierchen mit großer Sicherheit Tag und Nacht begangen; sobald 
aber nur durch einen Fingerstrich eine ganz geringfügige Unter- 
brechung der glatten Landstraße verursacht wird, stockt nicht 
nur der ganze Verkehr, sondern es entsteht Verwirrung. Sie 



— 145 — 

sind aus dem Takt gekommen, die Homophonie der verschiedenen 
in Betracht kommenden Engramme ist gestört ; und sobald diese 
wiederhergestellt ist, geht alles wie vorher. 

Sehr anziehend erscheint der versuchte Nachweis der 
mnemischen Faktoren bei der Entwicklung aus dem Ei. Das 
Eindringen der Samenzelle in das Ei ist der Originalreiz, der 
auch ein chemischer sein kann, wie bei der durch Loeb be- 
wirkten künstlichen Befruchtung. Die erste Teilung der be- 
fruchteten Eizelle ist die Auslösung des ersten Gedächtnisaktes, 
das Anfangswort des gelernten Gedichtes, das dem stockenden 
Kind gegeben werden muß, oder in der Sprache Semons: das 
ontogenetische Initialengramm ist zur Ekphorie gebracht worden. 
Die ganze gestalterzeugende Wirksamkeit der Eugramme kommt 
in Fluß nach streng gesetzmäßiger Sukzession, die Symphonie 
beginnt. Auch der Rhythmus unterliegt gegebenen Gesetzen. 
Das Tempo kann beschleunigt oder verzögert weiden; so ver- 
läuft beim Froschei der Entwicklungsprozeß bei 24° viermal 
so schnell wie bei 10°. 

„Alternativ ekphorierbare Dichotomien" nennt 
Sem on Engrammsukzessionen, von denen entweder die eine 
oder die andere zur Auslösung kommt und dadurch das End- 
resultat beeinflußt. 

Da bei der Befruchtung die mnemischen Protomeren der Ge- 
schlechtszellen den gesamten Engrammschatz der ganzen Gene- 
ration bergen, so wächst die Zahl der alternativen Dichotomien 
im befruchteten Ei um so stärker, je verschiedener die Paar- 
linge sind. Also herrschen bei der Inzucht schlechte Aus- 
sichten für die Beschaffenheit des Engrammschatzes, und bei 
der Bastardzeugung ist keine geordnete Entfaltung der 
stark divergierenden Dichotomien mehr möglich : es können eben 
die Homophonien nicht eintreten. Hieraus folgt das Absterben 
vieler Bastarde während ihrer Entwicklung und ihre Unfrucht- 
barkeit. 

Man muß zugeben, daß der Hering-Semonsche Ge- 
dankenkreis von dem Gedächtnis der organisierten Substanz 
eine große Summe von Lebenserscheinungen zusammenfaßt; 
man sieht aber auch ebenso unmittelbar ein, daß die notwen- 
dige Ergänzung für die Wirksamkeit der Mneme in dem Prinzip 
Darwins von der natürlichen Zuchtwahl enthalten ist. Ohne 

lü 



— 146 — 

das Selektionsprinzip, bemerkt S e m o n , hätte die Mneme einen 
solchen Zustand der Organismenwelt, wie er uns tatsächlich 
vorliegt, nicht schaffen können. 

Zwei inhaltsreiche Gedankenkreise berühren sich hier nicht 
nur, sondern sie durchdringen einander und helfen zu einer 
großartigen Weltanschauung. 

Reich ist die Ernte der Sem on sehen Betrachtungsweise 
auf den Gebieten der Regeneration und Regulation. Die Mög- 
lichkeit beider Vorgänge beruht auf dem in jeder Zelle enthal- 
tenen Engrammschatz. Bei der Regeneration der Planarien 
lassen sich auch gesetzmäßig wirkende Homophonien erkennen : 
Gelangt ein Fünftel eines solchen in Stücke zerschnittenen 
Strudelwurms, das z. B. den ganzen Pharynx enthält, zur 
Regeneration, so wird nicht dieser Pharynx als Maßstab der 
Wiederergänzung genommen; das kann der Organismus nicht 
leisten. Vielmehr wird der Pharynx eingeschmolzen und durch 
homophonisches Zusammenwirken der in allen Zellen enthaltenen 
Engramme entsteht ein ganzer Wurm von einem Fünftel der 
normalen Größe. Das Alphabet kann nur von vorn reproduziert 
werden. Hier haben wir das Gesetz der proportiona- 
len Veränderbarkeit der mnemischen Erregungen, 
das u. a. eine Beseitigung von Inkongruenzen bei mnemischen 
Homophonien bedeutet. 

Kommen wir zum Schluß: 

Die Semon sehen Betrachtungen der mnemischen Erschei- 
nungen scheinen mir im wesentlichen keine bloßen Hypothesen 
zu sein; es liegen vielmehr meist reale Beobachtungen vor, die 
der Nachprüfung und der Erweiterung fähig sind. Sicherlich 
ist es aber ein Fortschritt in der wissenschaftlichen Erkenntnis 
und Methode, wenn es gelingt, so heterogen erscheinende Vor- 
gänge wie Gedächtnis, Vererbung, Ontogenie, Regeneration, Regu- 
lation, Periodizität vieler Lebenserscheinungen, Instinkthand- 
lungen u. v. a. unter einen einheitlichen Gesichtspunkt bringen 
zu können, nämlich den der mnemischen Erregung. Und ist es 
nicht etwa ein Gewinn, wenn wir die neu gewonnene Betrach- 
tungsart für eine verständige Auffassung der gewordenen und 
unablässig werdenden Gestaltung der wunderbaren Organismen- 
welt verwenden können? 



— 147 — 

So erscheint die stets wechselnde energetische Situa- 
tion als Umgestalte r in der Organismenwelt, die Mueme 
als Erhalter in dieser Umgestaltungen in der Flucht der Er- 
scheinungen, und der Kampf ums Dasein als der große 
Regulator, der Unzweckmäßiges vernichtet. 

Mit den Prinzipien Herings und Sem on s, die in so 
wesentlicher Weise die Darwinschen Prinzipien stützen, läßt 
sich nun auch eine Aussicht auf ein Verständnis der Entwick- 
lung jener merkwürdigen Ameisen- und Bienenkolonien eröffnen: 
Ist es doch schon vor längerer Zeit gelungen, die schwierig zu 
erklärenden gemischten Ameisenkolonien, die aus Herren 
und Sklaven verschiedener Arten bestehen, in eine stammes- 
geschichtliche Reihe zu ordnen, die vom Einfachen zum 
Zusammengesetzten verläuft (Was manu 1 ) und Wheeler). 
Ebenso ist es bei den einsam lebenden und staatenbildenden 
Bienen (von Büttel -Reepen 2 ).) Jedenfalls aber stellt der 
in seinen zahlreichen Formen und vielseitigen Lebenserschei- 
nungen so rätselhafte Ameisenstaat ein hervorragendes, der 
weitereu Forschung zugängliches Beispiel dar für das Gedächtnis 
der lebenden Substanz. 

Als besonders wertvoll muß aber die durch das 
Studium der mnemischen Fälligkeiten der organi- 
schen Substanz eröffnete Möglichkeit bezeichnet 
werden, die bisher jeder Erklärung unzugänglich 
scheinenden Tatsachen der Vererbung erworbener 
Eigenschaften dem Verständnis näher zu bringen. 

Diese Erkenntnis wird eine der wertvollen Gaben sein, 
die die dankbare Wissenschaft den Manen Darwins an seinem 
hundertsten Geburtstage widmen kann. 



*) Die zusammengesetzten Nester und gemischten Kolonien der Ameisen. 
2 ) Buttel-Reepen, H. v. : Die stamm esgeschichtliche Entstehung des 
Bienenstaates, 



— 149 



Inhalt. 



I. Teil: Geschäftliche Mitteilungen. 



Seite 



Jahresfeier der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

am 24. Mai 1908 5* 

Jahresbericht des IL Direktors Stabsarztes Prof. Dr. E. M a r x 6* 

Museumsbaufond, III. Verzeichnis der Schenker .... 27* 
Nekrologe: 

Morris Kethcum Jesup (mit Porträt) von Prof. Herrn on 

C. B u m p u s - New York 30* 

Moritz Schmidt (mit Porträt) von Prof. Dr. 0. K ö r n e r-Rostock 35* 

Verteilung der Ämter im Jahre 1908 49* 

Stifter der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft . . . 51* 
Verzeichnis der Mitglieder: 

I. Ewige Mitglieder 53* 

II. Beitragende Mitglieder 55* 

III. und IV. Außerordentliche und korrespondierende 

Ehrenmitglieder 68* 

V. Korrespondierende Mitglieder 68* 

Rechte der Mitglieder 75* 

Auszug aus der Bibliothekordnung 76* 

Bilanz per 31. Dezember 1907 78* 

Übersicht der Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1907 79* 
Protokolle der wissenschaftlichen Sitzungen: 

Prof. Dr. W. S ch au f : Basalt und Granit, eine historische Skizze 81* 
Dr. F r i t z S a r a s i n - B a s e 1 ; Die niedersten Menschenformen 

des südöstlichen Asiens 83* 

Dr. J. H. Bechhold: Chemie und Biologie 86* 

Oberforstmeister Prof. Dr. A. Moll er- Eberswalde: Der moderne 

Waldbau und seine naturwissenschaftlichen Grundlagen . . 88* 

Dr. Hans Hübner: Das Licht als Heilmittel 90* 

Prof. Dr. Th. Bo veri- Würzburg: Experimente an Zellkernen 91* 

Dr. F. Drevermann: Das Zeitalter der Saurier .... 95* 
Prof. Dr. A. S c h u b e r g - Heidelberg : Die Verbindung der Zellen 

im tierischen Organismus 96* 

Prof. Dr. L. E d i n g e r : Tierseelenkunde 98* 

Prof. Dr. A. König- Bonn : Vogelleben und Vogelbilder aus 

hohem Norden 100* 



JU03 



— 150 — 

Seite 
Prof. Dr. H. Lüthje: Die Eiweißassimilation im tierischen und 

pflanzlichen Organismus 102* 

Prof. Dr. P. Duden- Höchst : Chemische Elemente in alter und 

neuer Zeit 105* 

Prof. Dr. E. Ehrenbaum- Helgoland : Die Fortpflanzungs- 
verhältnisse der Seefische 106* 

Prof. Dr. W. K ü k e n t h a 1 - Breslau : Eine Zoologische For- 
schungsreise in Westindien 108* 

Prof. Dr. 0. Körner - Rostock: Können die Fische hören? . . 110* 
M u s e u m s b e r i c h t : 

I. Zoologische Sammlung 115* 

II. Botanische Sammlung 139* 

III. Mineralogisch-petrographische Sammlung 142* 

IV. Geologisch -paläontologische Sammlung 149* 

Bibliothekbe rieht 174* 



II. Teil : Wissenschaftliche Mitteilungen. 

1. Die afrikanischen Formen der Gattung Dacus (Meigen). Von Dr. 

P. Sack (Mit einer Abbildung im Text) 3 

2. Moosfaunastudien. Von Prof. Dr. F. Richters (Mit Tafel I und II) 14 

3. Zur Kenntnis afrikanischer Mantodeen. Von Dr. F. W e r n e r - Wien. 

(Mit Tafel III) 31 

4. Die Wasserblüte als wichtiger Faktor im Kreislauf des organischen 

Lebens. Vortrag, gehalten in der wissenschaftlichen Sitzung 
vom 1. Februar 1908. Von Dr. E.Wolf 57 

5. Die Frage nach den Grenzen der Erkenntnis. Vortrag, gehalten in 

der wissenschaftlichen Sitzung vom 29. Februar 1908. Von 
Prof. Dr. Max Verworn- Göttingen 76 

6. Beiträge zur Kenntnis der Fauna der Umgegend von Frankfurt a. M. 

Die Dipteren. Von Dr. P. Sack 106 

7. Der Ameisenstaat und die Abstammungslehre. Vortrag gehalten beim 

Jabresfest am 24. Mai 1908. Von Prof. Dr. H. Reichen bach. 126 



Druck von Gebrüder K n a u c r in Frankfurt a. Äi. 




P "7! 



10. April 1866 — 20. März 1909 



Bericht 



der 



Senckenbergischeii 
Natiirforsckiiden Gesellschaft 



m 



Frankfurt am Main 



1908 



Mit 3 Tafeln, 2 Portraits und 1 Textfigur 



Frankfurt a. M. 

Selbstverlag der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

1908 



.M?. 1 :, .^"P. 1 . Library - Senals 



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5 WHSE 00 



94