Skip to main content

Full text of "Natur und Museum"

See other formats


■'■».ivl 



»^iä^ felt ^'/^^ 



m 



1 n 



'U ^.^«-Z" 



dT:? 



49. Bericht 

der 



Senckenbepgischen Natupforschenden GäWaft 



Frankfurt am Main 



Heft 1 und 2 

mit 7 Porträts, 

2 Tafeln und 

1 Abbildung 




Ausgegeben 
August 1919 



Inhalt: Seite 

Aus der Schausammlung 

Die Okapigruppe 1 

Ein Höhlenprofil aus der Diluvialzeit 3 

Verteilung der Ämter in den Jahren 1918 und 1919 9 

Universität Prankfurt a. M 13 

Verzeichnis der Mitglieder 14 

Kassenbericht über die Jahre 1917 und 1918 37 

Eückblick auf die Jahre 1917 und 1918 (Mitteilungen der Verwaltung) ... 41 
Museumsbericht über die Jahre 1917 und 1918: 

Zoologische Sammlung 48 

Botanische Sammlung 55 

Geologisch-palaeontologische Sammlung 55 

Mineralogisch-petrographische Sammlung 59 

Lehrtätigkeit vom April 1917 bis .März 1919: 

Vorlesungen, praktische Übungen und Exkursionen 64 

Wissenschaftliche Sitzungen 72 

Nekrologe : 

Wilhelm Kobelt 114 

Richard Gonder 124 

Friedr. W. Winter 126 

Ludwig Nick 132 

Heinrich Rehn 136 

J. J. Rein 139 

Ludwig Edinger 143 

Vermischte Aufsätze : 

Der Amselgesang und seine Beziehung zu unsrer Musik . . . 152 



Nachdruck nur mit Qaellenaugabe gestattet, Übersetznngsrecht vorbehalten 



Prankfurt am Main 

Selbstverlag der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 
1919 



Preis des Jahrgangs M. 12.—. Preis des Doppelheftes M. 8.—. 




scumsc 



t'"^" die 



^^"^AÄl'"!--^ 



nadi 
für 



^;tS§»2; 







aine 







49. BERICHT 

der 

SENCKENBERGISCHEN 
NAT LIREORSCHENDEN GESELLSCHAFT 

in 

FRANKFURT AM MAIN 




Frankfurt am Mai« 

Selbstverlag der Senekenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 
1919 



Nachdruck nur mit Quellehangabe gestattet 
Übersetzungsrecht vorbehalten 



— Ill ~ 

(Der 49. Bericht besteht nur aus dem Doppelheft 1 und 2) 



Inhaltsverzeichnis 



Aus der S c h a u s a m m 1 u n g : Seitf 

Die Okapigruppe (mit 1 Tafet und 1 Abbildung) von z. S. . 1 
Ein H ö h 1 e n p r o f i 1 aus der D i 1 u v i a 1 z e i t (mit 1 Tafel) von 

F. D r e V e r m a n n 3 

Verteilung der Ämter in den Jahren 1918 und 1919 9 

Universität Frankfurt a. M 13 

Verzeich nisderMitglieder 14 

Kassenbericht über die Jahre 1917 und 1918 37 

Rückblick auf die Jahre 1917 und 1918 (Mitteilungen der Ver- 
waltung) 41 

Museumsbericht über die Jahre 1917 und 1918 47 

Zoologische Sammlung 48 

Botanische Sammlung 55 

Geologisch-palaeontologische Sammlung 55 

Mineralogisch-petrographische Sammlung 59 

Lehrtätigkeit vom April 1917 bis März 1919 ..... 64 
Vorlesungen, praktische Übungen und Exkursionen 

Zoologie 64 

Botanik 66 

Palaeontologie und Geologie 66 

Mineralogie • 68 

Wissenschaftliche Sitzungen: 

P. Krusch: Der Anteil der deutschen Erzlagerstätten an 

dem Kampf Deutschlands um seine Existenz ... 72 
H. Schürhoff: Die Verwertung der Brennesseln als 

Gespinstfasern 73 

P. Kukuk: Die deutschen Kohlenvorkommen und ihre 

Bedeutung im Weltkriege 73 

C. v. N r d e n : Erfahrungen aus der Ernährung im Kriege 74 

A. Backhaus: Fett- und Eiweißversorgung im Kriege . 76 
K. Weule: Der Weltkrieg und die farbigen Hilfsvölker, 

ein ethnographisch-politischer Rund- und Ausblick 77 

0. L s : Weichteil- und Knochenplastik nach Kriegswunden 79 

A. V. G w i n n e r : Die rumänischen Erdölfelder 80 

Buschkiel: Die Bedeutung der Fischerei im Kriege . . 82 
A. S i e b e r t : Kriegswirtschaftliche Betätigung des Palmen- 
gartens 83 

Most: Die Abrichtung und Verwendung des Hundes im 

Kriege 84 



381.S7 



— IV — 

Seite 

W. Kolle: Über die Bedeutung der Erreger von Wund- 
infektionen, insbesondere von Tetanus und Gasbrand, 

im Kriege 85 

O. Stiehl: Anthropologische und ethnographische Studien 

aus deutschen Kriegsgefangenenlagern 86 

R. Hesse: Tierflug und Menschenflug . 87 

P. Gisevius: Über den Landhunger und das Problem der 

verfügbaren Landfläche in und nach dem Kriege . . 87 
W. Salomon: Praktische Anwendung der Geologie in den 

Kriegsjahren .... 88 

A. V. G winner: Die Bagdadbahn 89 

A. V. Weinberg: Der Nutzen der industriellen Kriegs- 
wirtschaft für die Zukunft 90 

H. Schnegg: Die Pilze und ihre volkswirtschaftliche Be- 
deutung 90 

W. Stahlberg: Helgolands Bedeutung im Weltkrieg . . 91 

0. Steche: Tier- und Menschenstaat ... .... 92 

H. Fresenius: Über die Bedeutung des Stickstoffs für den 

Krieg und für das Durchhalten in der Heimat ... 94 

W. Eitel: Wasser und Eis 94 

H. E. Boeke: Die Eisenerze 96 

M. Neisser: Die Malaria im Kiiege und nach dem Kriege 96 
J. Ziehen: Naturwissenschaft und Volksbildung .... 98 
W. V. e 1 1 i n g e n : Die baltischen Ostseeprovinzen in Ver- 
gangenheit und Zukunft 100 

A. Be the: Die Wärmeregulation des Menschen .... 102 
A. V. Weinberg: Bedeutung der Cellulose für Industrie 

und Ernährung .... 103 

. M. Fl e seh: Anfang des Lebens .103 

Th. Ziehen: Wesen und Bedeutung der Massensuggestion 105 

0. zur Strassen: Der Seeigel und sein Haushalt . . . 107 

M. Möbius: Über die Farben der Blumen 108 

E. Teichmann: Die Blausäure als Mittel zur Bekämpfung 

schädlicher Insekten 109 

A. Be the: Ewalds neue Theorie des Hörens 110 

H. Braus: Über die Gesetzlichkeit der Körperform . . 112 
Nachrufe: 

Wilhelm Kobelt, mit BMms (Carsor F. Boeffffrr) .... 114 

Richard Gonder, mit Bildmn (If. Fii^J 124 

F rie dr. W. Winter, mit Bildnis (^^. .l/ff/v\-; 126 

Ludwig Nick, mit Bildnis (0. ^ur Strassen) 132 

Heinrich Rehn, mit Bildnis f'i?. i^/vV/Ä^/-.^; 136 

J. J. Rein, mit Bildnis (Johanna Ziegler) 139 

Ludwig Edinger, mit Bildnis (K. dnldsiein) 148 

\' ermischte Aufsätze: 

Cornel Schmitt und Hans Stadler: Der Amselgesang und 

seine Beziehung zu unsrer Musik (mit Notenerläuterung) . 152 



Aus der Schausammlung 



Die OkapigTuppe 

Mit 1 Tafel und 1 Abbildung 

Unser Museum besaß seit 1912 das beste Okapi der Welt: 
ein tadellos erhaltenes ausgewachsenes Weibchen, das von H. 
Schubotz auf Herzog Adolf Friedrichs zweiter Afrika- 
reise erbeutet worden war. Wir hattem es, in sorgsamer Verwen- 
dung aller bis dahin erreichbaren Bilder und Angaben und nach 
besonderem, im Jahresbericht von 1912 auseinandergesetzten Er- 
wägungen, auf eine neuartige, ansprechende und sicherlich der 
Wirklichkeit nahekommende Weise aufgestellt*). 

Allein das vielbewunderte ^tück vermochte seit einiger Zeit 
uns selbst nicht mehr zu befriedigen. Vor allen Dingen war zu- 
verlässig bekannt geworden, daß das Okapi ein Paßgänger 
ist, was man bis dahin, auf Grund seiner Giraffenähnlichkeit 
und seiner Schenkelbüdung, höchstens vermuten konnte. Un- 
serem Weibchen aber war in dubio die Haltung eines in der 
gewöhnlichen Schrittstellung nachlässig nach Futter suchenden 
Tieres gegeben worden. Es schien nunmehr dringend erwünscht, 
die wichtige und für das Gesamtbild des Tieres bedeutungsvolle 
Eigentümlichkeit des Paßganges zur Darstellung zu bringen. 
Sodann gefiel uns unser Okapi in künstlerischer Hinsicht nicht 
mehr so gut wie ehedem. Inzwischen waren aus der Werkstatt 
des Museums zahlreiche neue Stücke in immer größerer Schön- 
heit und Vollendung hervorgegangen. Die hatten uns anspruchs- 
voller gemacht. So fanden wir jetzt, daß die Stellung der Vorder- 
beine ungeschickt, das Muskelspiel der Schultern etwas gezwun- 
gen, der lange Hals zu steif und zu gerade sei. 



*) „Das Aussehen des Okapi". Mit einer Farbentafel und 2 Abbildungen. 
43. Bericht der S. N. G. 1912 S. 287-292. 



— 2 - 

Überhaupt dieser Hals! Die von der Schulter aus leicht 
gesenkte Haltung, für die wir uns seinerzeit aus Schönheits- 
gründen entschieden hatten, war selbstverständlich beizubehal- 
ten, um so mehr, als sie nach neueren Berichten in der Tat die 
dem Okapi natürlichste ist. Al>er auch in dieser Stellung wirkt 
der lange Hals des sonst so schmucken Tieres nicht eben schön: 
es bleibt — wenigstens im Schranke des Museums — zuviel 
Luft darunter. Ja, wenn es möglich wäre, den häßlichen leeren 
Raum zwischen Hals und Untergrund auf irgendeine Weise ge- 




fällig auszufüllen! Etwa durch einen Busch oder — am alier- 
schönsten — durch ein O k a p i k a 1 b , das sich vertraulich an 
die Mutter drängte, während Jene den Hals und das feine Haupt 
liebkosend über ihr Junges senken würde. — 

Nun hatte uns Schubotz unter anderem Okapimaterial 
auch die Haut eines ganz jungen, vielleicht ein paar Wochen 
alten OkapikälbcJiens mitgebracht. Das muß im Leben ein rei- 
zendes Geschöpf gewesen sein: an Hals und Eumpf braunschwarz 
gefärbt und seidig glänzend, an Beinen und Schenkeln aber 
schon ebenso verzwickt in schwarz und weiß gebändert und 
geströmt, wie die Alten, — ein Okapi in Taschenformat. Und 
der Gredanke^ das Tierchen aufzustellen, war um so verlocken- 



der, als die von Fraipont veröffentlichte Photographie*) und 
gute Beschreibung eines ebenso jungen oder gar noch jüngeren 
Okapikälbchens, das eine Zeitlang in Angu lebendig gehalten wor- 
den war, als Kichtsclinur dienen konnte. Das hätten wir auch 
schon lange getan, w^enn nicht der Umstand gewesen wäre, daß 
unser hübsches Fellchen zwar gut erhalten, aber leider nicht 
vollständig war. Außer den Klauen, deren Ergänzung nicht 
schwierig schien, fehlte ihm etliches am Vorderende, sogar, um 
ganz offen zu sein, ziemlich viel. Jetzt aber überwand der 
dringende Wunsch, unser altes Weibchen, dessen Umarbeitung 
aus den genannten Gründen beschlossene Sache war, zu einer 
wirklich schönen, anmutig und gleichmäßig den Raum erfüllen- 
den Gruppe zu ergänzen, alle Bedenklichkeit. Was am Felle 
unseres Okapijungen fehlte, wm^de durch Anleihe bei einem 
richtigen Kälbchen von passender Größe gedeckt. Und für die 
schwierige Aufgal)e, die so ergänzten, ziemlich bunten Teile 
naturgetreu zu färben, erwuchs uns in Herrn Dr. Wagner 
von den Höchster Farbwerken, wohl dem erfahrensten Kenner 
der chemischei:^ Haarfärbung, der richtige Helfer. Neben dem 
künstlerischen Geschick des mit der Neuaufstellung betrauten 
Präparators, Herrn R u p r e c h t , halien wir es der eifrigen, ver- 
ständnisvollen und vorsichtigen Mitarbeit Herrn Dr. Wagners 
zu danken, wenn die Verwirklichung der uns vorschwebenden 
Idee gelungen ist. z. S. 

Ein Höhlenprofil ans der Dilnvialzeit 

Mit 1 Tafel 

Im Quersaal, der hinter dem LiclitJiof liegt und hoffentlich 
noch in diesem Jahre wieder der Allgemeinheit zugänglich ge- 
macht werden kann, wird unter anderem auch eine kleine Ab- 
teilung mit dem wichtigsten Beweismaterial aus der Vorgeschichte 
des Menschen ausgestellt werden. Da sollen Gipsabgüsse der be- 
rühmtesten Schädel- und Knochenfunde, Stein waffen von den 
einfachsten rohen Stücken der ältesten jMenschen bis zu den 
kunstvollsten Arbeiten unserer Vorfahren vorhanden sein, und 
als JNIittelpunkt dieser kleinen Abteilung soll das hier abgebil- 
dete Profil dem aufmerksamen Besucher einiges aus der Eiszeit 
erzählen. 



*) Fraipont „Okapia". Annales du Musee du Congo. Zoologie Serie II. 
Contributions ä la faune du Congo. Tome I. Brüssel, 1907. S. 96. Fig. 77. 



Dieses Pi'ofil ist kein Phantasiestück und ist auch nicht zu- 
sammengestellt worden, um die Ansichten irgend eines Gelehr- 
ten zu erläutern, sondern es ist der Natur entnommen und hinter 
der Glasscheibe genau so wiederaufgebaut, wie es in der Sirgen- 
steinhöhle ausgegraben wurde. Deutsche Forscher sind seit Jah- 
ren bemüht, die Höhlen unserer Heimat nach Zeugnissen ihrer 
früheren Bewohner zu durchsuchen; sie graben den Lehm, der 
den Boden oft in meterdicfcen Lagen bedeckt, langsam und vor- 
sichtig Schicht für Schicht ab, studieren die Einschlüsse auf das 
Genaueste, und vor ihrem geistigen Auge entsteht dann allmäh- 
lich eine Reihe von Bildern aus der Geschichte des unterirdi- 
schen Hohlraums. Solche Bilder • reihen sich aneinander, ver- 
einigen sicli mit denen anderer fernen Gegenden, und Scliiitt 
für Schritt entsteht, wie ein Mosaik aus zahllosen Steinchen, 
eine Zusammenstellung von Tatsachen aus längst vergangenen 
Zeiten, in denen es noch keine Schrift gab, die uns solche 
Kunde aufzeichnen konnte. Da hauste der ungefüge Höhlenbär 
in den Klüften und wurde vom Menschen gejagt, erschlagen 
und verzehrt, oder eine Nomadenfamilie schlug« ihr Heim hier 
auf, wo sie gegen die Unbilden der Witterung geschützt war, 
und kroch um die wärmende Feuerstatt zusammen, oder es 
hausten Eulen darin, die nachts auf Raub ausflogen — alle aber 
hinterließen ihre Spuren in dem Lehm auf dem Boden der Höhle, 
wohin er an den Füßen getragen wurde und wo er sich auch 
aus der Zersetzung des Kalkgesteines ständig von neuem an- 
häufte. So ist auch die S i r g e n s t e i n h ö h 1 e im schwäbischen 
Oberamt Münsingen ausgegraben worden, und der Erforscher 
Prof. R. R. Schmidt aus Tübingen, hat sich bereit finden las- 
sen, für unser Museum ein genaues Profil der Höhle mit allen 
Einschlüssen wieder aufzubauen, wie er selbst es an Ort und 
Stelle gewonnen hatte. Die nicht unbeträchtlichen Kosten für 
die wertvolle Zusammenstellung übernalunen in dankenswerter 
Freigebigkeit die Brüder E. und L. Sachs in Paris, zwei Frank- 
furter, die ilire Vaterstadt in der Ferne nicht vergessen haben. 

Der Beschauer sieht unten in der tiefsten Schicht (a, 1) einen 
gelbbraunen lehmigen Sand mit lichten Bändern vor sich, der 
nichts enthält, der also auch stumm ist und nichts aus der Ge- 
schichte der Höhle erzählt. Vielleicht war ilir Eingang noch ge- 
schlossen, und in tiefer Dunkelheit fielen rastlos klatschende 
Tropfen des Sickerwassers herab, die den Lehm mitbrachten 



und anj Boden ablag-erten. Darüber aber wird es bunter. Auf 
den ersten Blick fallen dunkel gefärbte Lagen auf, die 
hier und da, seitlich sich rasch verdünnend, regellos in der 
Masse (b-e, 2-8) zerstreut sind. Untersucht man sie näher, so 
sieht man Aschenteile darin, untermischt mit zerschlagenen Tier- 
knochen, mit Feuersteinsplittern, die alle Gebrauchsspuren tragen, 
und man gewinnt das Bild einer Feuerstätte, wo erlegtes Wild 
von unseren Vorfahren verzelu't wm^de. Da kauerten die in Felle 
gewickelten, wild aussehenden Gestalten um die wärmende Flam- 
me, schnitten mit scharfen Feuersteinsplittern vom Rentier- oder 
Wildpferdbraten Stücke ab und verschlangen sie. Sie schlugen 
alle Knochen auf, denn das köstliche Mark war ein Leckerbissen 
ersten Ranges. Die Knochenscherben fielen mit zerbrochenen 
und wertlosen Feuersteinstücken in die Asche des offenen Feuers 
und blieben achtlos liegen, da, wo sie heute noch liegen; denn 
über die Feuerstätte von heute trampelten morgen vielleicht die 
Füße einer neuen Horde hinweg, zertraten sie, bedeckten sie 
mit Schmutz und Lehm und zündeten an einer anderen Stelle 
ein neues Feuer an. So entstanden übereinander eine ganze 
Reihe von Feuerstätten, und Jaln'hunderte oder Jahrtausende 
lang mag die Höhle immer wieder wandernden Nomaden als 
Zuflucht gedient haben, häufig mag in stürmischer Regennacht 
der Feuerschein ins Dunkle der nassen Felseneinöde geleuchtet 
haben. In den langen Zwischenpausen war die Höhle leer; Raub- 
tiere stöberten wohl in der kalten Asche herum und zogen ohne 
Beute ab, Fledermäuse oder Eulen nisteten darin, bis wieder 
neuer Besuch kam und eine Zeit lang darin wohnte. Das ging 
durch die ganze Zeit so, in der die gelblich-graubraunen Höhlen- 
lehmschichten sich allmählich ablagerten, und es ist an und für 
sich schon interessant genug, einmal ein Bild aus diesen Zeiten 
auszustellen, wie es hier geschehen ist. Aber unser Profil sagt 
noch weit meliiM 

Wenn man nämlich die Fe uer s te in w af f en und Werk- 
zeuge untersucht, die im Höhlenboden vergraben lagen, so er- 
kennt man ganz deutlich eine Reihe von Kulturepochen darin. 
Unsere Vorfaliren blieben nicht starr bei der einmal gelungenen 
Form einer Waffe, sondern sie bildeten neue Typen, je mehr sie 
in der Kenntnis des spröden IMaterials und seiner Verwendungs- 
fähigkeit vorwärts kamen. Aus solchen verschiedenartigen Waf- 
fen und Werkzeugen kann man eine ganze Kulturgeschichte des 



Urmenschen zusammenstellen, die deutlich zeigt, wie aus roh zu- 
gehauenen, schweren Faustkeilen allmählich außerordentlich fein 
retuschierte Lanzen- und Pfeilspitzen entstanden. Eine solche 
Ent Wickelungsreihe hat man in der Tat in mühevoller Arbeit 
fertiggestellt, und wenn man nun noch einmal die Sirgenstein- 
fuiide von unten nach oben zusammenstellt und betrachtet, so 
sieht man mit Erstaunen, daß nicht weniger als sieben, ja acht 
solcher Kulturstufen übei-e inander im Höhlenboden vergraben 
liegen, alle deutlich und sicher belegt durch zahlreiche Funde 
von bearbeiteten Feuersbeinen (2-8). Das ist die reichste Kul-' 
turenfolge unter allen bisher erforschten deutschen Höhlen. 

Betrachtet man die Tierwelt der S c h i c h t e n (b-e), so 
sind zwei Gruppen zu unterscheiden. Die Reste der größeren 
Tiere, der Beutetiere des Menschen, wie Höhlenbär, Mammut, 
wollhaariges Nashorn, Wildpferd, Rentier und andere, gehen von 
der untersten bis zur obersten gelbbraunen Schicht gleichmäßig 
verteil! durch alle Stufen hindurch und sagen uns also, daß im 
wesentlichen gleichartige Bedingungen während der ganzen Zeit 
geherrscht haben. Es war ein kaltes Klima damals, denn Rentier 
und Mammut sind Kält;etiere, die in den verhältnismäßig ge- 
schützten Albtälern Schutz und Nahrung fanden, als das Eis 
noch ganz Norddeutschland und einen großen Teil des Alpen- 
vorlandes überdeckte, und dies kalte Klima hielt, ohne wesent- 
liche Unterbrechung durch eine wärmere Zeit, während der Ab- 
lagerung des Höhlenlehms an. Die kleineren Tiere aber, die darin 
liegen, gehen nun doch nicht durch das ganze Profil, sondern 
sind auf zwei dünne Lag-en beschränkt, in denen sie sich zu 
Tausenden und Abertausenden finden. Einmal tief unten (c) und 
einmal nahe der oberen Grenze (e) sind solche Lagen vorhanden 
und in der Erläutermig der Abbildung auch gekennzeichnet. 
Sie enthalten vor allem kleine Nagetiere, darunter massenhaft 
den Lemming, den Schneehasen, den Pfeifliasen, daneben Schnee- 
hühner in ungeheurer ]\Ienge, kurz lauter Tiere, die heute in den 
grinnnig kalten sibirischen Moossteppen, den Tundren, leben. 
Man sieht sofort: der Mensch hat diese Tierchen nicht gejagt, 
keine Feuerstätte enthält ihre zarten Knöchelchen; sondern sie 
liegen wirr durcheinander im gelben Ijchm lagenweise einge- 
streut. Da haben Eulen und andere Raubvögel ihre Spuren hin- 
terlassen! Noch heute sehen wir unter den Nistplätzen der Eulen 
massenhaft umherliegende Kotballen und Gewölle,, die voUge- 



stopft sind von den unverdaulichen kleinen Knochen der jetzigen 
Nager — und genau so hat damals die Schneeeule dem Lemming 
bei uns nachgestellt, wie sie es heute in den Tundren noch liebt. 
Diese beiden Nagetierschichten zeigen uns also nicht nur Zeiten 
an, in denen der Mensch die Höhle nicht bewohnte, — vielleicht 
war es ihm gar zu unwirtlich in der Gegend — sondern beweisen 
auch, daß es noch kälter in Süddeutschland wurde, daß also die 
ungeheuren Eismassen noch weiter vorrückten, die Pflanzenwelt 
verdrängten und damit den größeren Tieren die Existenzmög- 
lichkeit raubten, die die kleineren und anspruchsloseren Nager 
und Schneehühner noch fanden. 

So sagt uns also, unser Profil, daß alle die Kulturstufen des 
Menschen einer Eiszeit angehören, daß aber innerhalb der- 
selben zwei 'Kältevorstöße sich deutlich unterscheiden lassen, 
und so macht es uns auf eine der wichtigsten Eigentümlich- 
keiten der Diluvialzeit aufmerksam, daß nämlich das Eis nicht 
Jalu'hunderte und Jahrtausende lang als starrer Mantel auf dem 
toten Lande lag, sondern daß es zurückwich und vorrückte, und 
daß damit auch Pflanzen- und Tierwelt heranrückten und wieder 
verschwanden. Die große Bedeutung klimatischer Unterschiede 
in der Vorzeit kann wohl kaum in einem einzigen Profil klarer 
beleuchtet Werden. 

Nach oben schließen unsere Schichten mit einer dunkel ge- 
färbten Humuslage (f) ab, welche die Tiere des heutigen Waldes 
enthält und außerdem Reste aus den jüngeren vorgeschichtlichen 
Metallzeiten einschließt. Den Hölilenboden bedeckt dürres Laub, 
untermischt mit Schneckenschalen, die den gleichen Arten an- 
gehören, die heute noch im Walde leben. Eine große Lücke 
liegt zwischen Höhlenlehm und Humusschicht; auch diese Lücke 
mahnt den Erforscher der Erdschichten zur Vorsicht und sagt 
ihm, daß er andere Gregenden aufsuchen muß, um sie zu über- 
brücken. Und endlich fülu't sie ihn hinüber zur Gegenwart, zeigt 
ihm, daß der Hochwald wieder in unsere Gegenden Einzug ge- 
halten hatte und daß die Kraft der Eiszeit endlich gebrochen 
war. So mögen sich allmählich die Bedingungen der Gegenwart 
ausgebildet haben, in denen die weißen sclu^offen Albfelsen aus 
dem dunklen Grün der Buchenwälder hervorleuchten, die in 
ihrem Inneren so manches Dokument aus der Vorzeit des Men- 
schengeschlechtes einschließen. 

F. Drevermann 



— 8 — 
Erkläriiiift- der Tnfol 

f |Hunuis-Abhif;eriing mit Überresten der heutigen Haus- und Waldtiere. 

e Oberer lehmiger Höhlenschutt mit Resten von Rentier, Wildpferd, Mammut, 
C Wollhaar-Nashorn, Eistuchs, Schneehühnern u. a. Die Nagetierschicht 
enthält unten hochnordische, oben Steppentiere. 

d Mittlerer Höhlenlehm und Schutt mit vielen Resten des Wildpferdes. Außer- 
dem Ren, Bison, Höhlenbär, Mammut, wollhaariges Nashorn. 

c Einlagerung mit hochnordischen kleinen Nagetieren, Schneehuhn, Eisfuchs, 
Schneehase u. a. 

b Unterer Höhlenlehm, durch Herdfeuer geschwärzt. Vorherrschen des Höhlen- 
bären. Außerdem Mammut, Wollhaar-Nashorn, Wildferd, Ren u. a. 

a Fossilfreie Ablagerung. 

9 Gefäßreste aus den vorgeschichtlichen Metallzeiten. (La Tene, Bronze- 
zeit). 

8 Kulturstufe von la Madeleine. Kleine Feuersteinwerkzeuge. 

7 Kulturstufe von Solutre. Vereinzelte Feuersteingeräte, auf beiden 
Flächen bearbeitet. 

6 Spät-Kulturstufe von Aurignac. Feuersteingeräte von kleinerem 
Typus mit vernachlässigter Randbearbeitung. 

5 Hoch -Kulturstufe von Aurignac. Feuersteingeräte von sorgfältiger 
Randbearbeitung und Form. 

4 Früh-Kulturstufe von Aurignac. Werkzeuge aus groben Absplissen, 
Ränder ausgekerbt und schlecht retuschiert. Erste rohgeschliffene 
Knochengeräte. 

3 Spät-Kulturstufe von le Moustier. Zugeschlagene Schaber, große 
Feuersteinklingen, zu Geräten benutzte Knochen. 

2 Früh-Kulturstufe von le Moustier. Primitive grobe Feuersteinab- 
splisse. 

1 Keine Spuren menschlicher Besiedelung. 




Schnitt durch die diluvialen Schichten der Sirgenstein-Höhle, Schwaben. 
Geschenk der Herren E. und L. Sachs, Paris 1913. 



Verteilung der Ämter im Jahre 1918 



Direktion : 



Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Knoblauch, 

I. Direktor 
Dr. jur. A. Lotichius. 

IL Direktor 
Dr. phil. O. Low Beer. 

I. Schriftführer 



Privatdozent Dr. med. E. Goldschiuid. 

II. Schriftführer 
AV. Melber, Kassier 
A. V. Metzler, Kassier 
Justizrat Dr. H. Günther. 
Konsulent 



Verwaltung : 

Die Verwaltung besteht satzungsgemäß aus den arbeitenden Mitgliedern, 
deren Namen im Mitgliederverzeichnis mit * versehen sind. 

Sektionäre: 

Vergleichende Anatomie und Skelette tti* nr c. n • 

* l Frau M. Soudheim 

Säugetiere Dr. A. Lotichius 

Vögel Kom.-Rat R. de Neufville 

Amphibien Geh. Med.-Rat Prof. Dr. 

A. Knoblauch 

Fische A. H. AVeiult 

Insekten: Lepidopteren E.Müller 

I Geh. Reg.- Rat Prof. Dr 
Botanik M. Möbius 

I M. Dürer 

Paläontologie Dr. R. Richter 

Geologie Dr. E. Naumann 

Mineralogie Prof. Dr. AV. Schauf 

Lehrkörper : 

Zoologie Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. 

O. zur Strassen 
Botanik Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. 

M. 3Iöbius 
Paläontologie und Geologie Prof. Dr. F. Drevermann 

Mineralogie ! P^^^- ^r- H. E. Boeke 

I Prof. Dr. AV. Schauf 



— 10 — 

Schriftleitung der Abhandlungen: 

Prof. Dr. P. Sack, Vorsitzender Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. M. Möbius 

Prof. Dr. F. Dreverinann Prof. Dr. W. Schauf 

W. Melber Prof. Dr. O. Steche 

Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. O. zur Strassen 



Schriftleitung des Berichts: 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Knoblauch, Dr. A. Lotichius 
Vorsitzender Dr. (). [jÖw Beer 

Prof. Dr. P. Sack 



Museum : 

Direktor Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 

O. zur Strassen 

Paläontologiseh-geologische Abteilung Prof. Dr. F. Drevermann 

j Dr. F. Brauns 

Assistenten für Zoologie ,....) Dr. F. Haas 

I Dr. R. Sternfeld 

I August Koch 

„ .. ^ Christian Kopp 

Präparatoren ' „ * ^ 

^ - Georg Ruprecht 

l Christian Strunz 

Techniker Rudolf 3Ioll 

Vorsteherin der Geschäftsstelle Frl. Maria Pixis 



Hausmeister Friedrich Braun 



Senckenbergische Bibliothek: 

Die Bibliothek der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft ist 
mit den Bibliotheken der Dr. Senckenbergischen Stiftung, des Physikalischen 
Vereins, des Vereins für Geographie und Statistik und des Ärztlichen Vereins 
zur „Senckenbergischen Bibliothek" vereinigt. 

Direktor Dr. W. Rauschenberger 

Bibliothekar Dr. AV. AVeinreich 



11 — 



Verteilung der Ämter im Jahre 1919 



Direktion : 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Knoblauch. Privatdozent Dr. med. E. Goldschinid 
I. Direktor IL Schriftführer 



Dr. jur. A. Lotichins. 

IL Direktor 
Dr. phil. O. Low Beer, 

I. Schriftführer 



W, 3Ielber, Kassier 

Moritz von Metzler. Kassier 

Justizrat Dr. H. Günther. Konsulent 



Verwaltuiiia:: 

Die Verwaltung besteht satzungsgeniäß aus den arbeitenden Mitgliedern, 
deren Namen im Mitgliederverzeichnis mit einem * versehen sind. 



Sektioiiäre: 

Vergleichende Anatomie und Skelette . . . . t^' ,,\. ,, . 

* I Frau 3L Sondheini 

Säugetiere Dr. A. Lotichiu.s 

Vögel Kom.-Rat R. de Neufville 

Amphibien Geh. Med.-Rat Prol Dr. 

A. Knoblauch 

Fische A. H. Wendt 

Botanik Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. 

M. Mobius 

Paläontologie Dr. R. Richter 

Geologie Dr. E. Naumann 

Mineralogie Prof. Dr. AV. Schaut' 



Lehrkörper: 

Zoologie Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 

O. zur Strassen 
Botanik . .' Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 

M. 3Iöbius 

Paläontologie und Geologie Prof. Dr. F. Drevermann 

Mineralogie Prof. Dr. W. Sohauf 



12 



Schriftleitiiiii;" dor AbhaiulluiiÄOii: 



Prof. Dr. F. Sack, Vorsitzender 
Prof. Dr. F. Drevermaiin 
W. Melber 



Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 31. .Möbiu.^ 

Prof. Dr. W. Schauf 

Prof. Dr. (). Steche 

Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. (>. zur Stras.s 



Schriftloitun^" des Berichts und der „Senckenbergiana": 



Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Knoblauch. 
Vorsitzender 



Dr. R. Richter 
Prof. Dr. F. Sack 



3Iuseum: 

Direktor Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 

O. zur Stras.sen 
Leiter der Paläontologisch-geologischen Abteilung Prof. Dr. F. Dreverniann 
Kustos der entomologischen Abteilung .... Prof. Dr. A. Seitz 

I Dr. B. Geinitz 
Dr. F. Haas 
Assistenten für Zoologie Dr. H. Lehmaim 

I Dr. R. Sternfeld 
Vol.-Assistent für Zoologie Dr. R. Mertens 

Augn.st Koch 

Präparatoren I C^^'i^tian Kopp 

I Georg Ruprecht 
I Christian Strunz 

Techniker Rudolf 3Ioll 

Vorsteherin der Geschäftsstelle Frl. 3Iaria Fixis 

Hausmeister Friedrich Braun 



Seiickeiibergische Bibliothek : 

Die Bibliothek der Senekenbergischen Naturforschenden Gesellschaft ist 
mit den Bibliotheken der Dr. Senekenbergischen Stiftung, des Physikalischen 
Vereins, des Vereins für Geographie und Statistik und des Ärztlichen Vereins 
zur „Senekenbergischen Bibliothek" vereinigt. 

Direktor Dr. W. Rauschenberger 

Bibliothekar Dr. A\'. Wcinrcich 



13 — 



Universität Frankfurt a. M. 

Vertreter im Großen Rat der Universität: 

Dr. A. Jassoy j Geh. Reg.-Rat Dr. A. v. Weinberg' 

(*vom Grossen Rat in das Kuratorium der Universität gewählt). 



Lehrkörper : 

Zoologie und vergleichende Anatomie . Prof. ord. Dr. O. zur Strassen 

Botanik Prof. ord. Dr. 31. 3Iöbius 

Geologie und Paläontologie Prof. ord. Dr. F. Drevermann 

Mineralogie und Petrographie unbesetzt 

Zoologisches Institnt : 

Direktor Prof. Dr. O. zur Strassen 

Privatdozent : Prof. Dr. O. Steche 

I. Assistent Dr. (t. AVülker 

II. Assistent Dr. E. Degner 



Geologisch-paläontologisches Institnt : 

Direktor Prof. Dr. F. Drevermann 

Assistent Privatdozent Dr. A. Born 



Mineralogisches Institut: 

Direktor unbesetzt 

1. Assistent Dr. H. Schneiderhöhn 

2. Assistent Privatdozent Dr. W. Eitel 




Botanisches Institut 

und Botanischer Garten der Dr. Senckenbergischen Stiftung: 

Direktor Prof. Dr. M. 3Iöbius 

Privatdozent Prof. Dr. W. Brandt 

Assistent Dr. F. Xeeff 



- 14 



Verzeichnis der Mitglieder 

I. Ewige Mitglieder 

An Stelle der Errichtung eines Jahresbeitrages haben manche 
Mitglieder vorgezogen, der Gesellschaft ein Kapital zu schenken, 
dessen Zinsen dem Jahresbeitrag mindestens gleich- 
kommen, mit der Bestimmung, daß dieses Kapital verzinslich 
angelegt werden müsse und nur die Zinsen für die Zwecke der 
Gesellschaft zur Verwendung kommen dürfen. 

Solche Mitglieder entrichten demnach auch über den Tod 
hinaus einen Jahresbeitrag und werden nach einem alten Sprach- 
gebrauch als „ewige Mitglieder" der Gesellschaft bezeichnet. 
Vielfach wird diese altehrwürdige Einrichtung, die der Ge- 
sellschaft einen dauernden .Mitgliederstamm sichert und 
daher für sie von hohem Werte ist, von den Angehörigen ver- 
storbener Mitglieder benützt, um das Andenken an ihre Toten 
bleibend in dem Senckenbergischen Museum wach zu hal- 
ten, zumal die Namen sämtlicher „ewigen Mitglieder'' nicht nur 
den jedesmaligen Jahresbericht zieren, sondern auch auf Mar- 
mor tafeln in dem Treppenhause des Museums mit goldenen 
Buchstaben eingegraben sind. 

Simon Moritz v. Bethmann 1827 Alexander v. Bethmann 1846 

Greorg Heinr. Schwendel 1828 Heinrich v. Bethmann 1846 

Joh. FricMlr. Ant. Helm 1829 Dr. jur. Rat Fr. Schlosser 1847 

(ireors Ludwig' (lontard 1830 Stephan v. Guaita 1847 

Frau Susanna Pilisahetha Bethmann- H. L. Döbel in Batavia 1847 

Hohveg 1H31 G. H. Hauck-Steeg 1848 

Heinrich 3Iylius sen. 1844 
Georg Melchior Mylins 1844 
Baron Amschel 3Iayer v. Rothschild 

1845 
.Ich. Georg Schmidhorn 1845 
Johann Daniel Sonchav 1845 



Dr. .1. J. K. Buch 1851 
G. V. St. George 1853 
J. A. (Jrunelius 1853 
P. F. ("hr. Kroger 1854 
Alexander Gontard 1854 
M. Frhr. v. Bethmann 1854 



Anmerkung: Nach dem Mitgliederbestand vom 31. Dezember 1918. Die 
arbeitenden Mitglieder sind mit * bezeichnet. 



15 



Dr. Eduard Rüppell 1857 

Dr. Th. A. Jak. Em. Müller 1858 

Julius Nestle 1860 

Eduard Finger 1860 

Dr. jur. Eduard Souchay 1862 

J. N. Gräffendeicli 1864 

E. F. K. Büttner 1865 

K. F. Krepp 1866 

Jonas Mylius 1866 

Konstantin Fellner 1867 

Dr. Hermann v. Meyer 1869 

AV. U. Soemmerring 1871 

J. G. H. Petsch 1871 

Bernhard Dondorf 1872 

Friedrich Karl Rücker 1874 

Dr. Friedrich Hessenberg 1875 

Ferdinand Laurin 1876 

Jakob Bernhard Rikoff 1878 

Joh. Heinr. Roth 1878 

J. Ph. Nikol. Manskopf 1878 

Jean Noe du Fay 1878 

Gg. Friedr. Metzler 1878 

Frau Louise Wilhelmine Emilie Gräfin 

Böse, geb. Gräfin von Reichen- 

bach-Lessonitz 1880 
Karl August Graf Böse 1880 
Gust. Ad. de Neufville 1881 
Adolf Metzler 1883 
Joh. Friedr. Koch 1883 
Joh. AVilh. Roose 1884 
Adolf Soemmerring 1886 
Jacques Reiss 1887 
Dr. Albert von Reinach 1889 
AVilhelm Metzler 1890 
Albert von Metzler 1891 
L. S. Moritz Frhr. v. Bethmann 1891 
Viktor 3Ioessinger 1891 
Dr. Ph. Jak. Cretzschmar 1891 
Theodor Erckel 1891 
Georg Albert Keyl 1891 
Michael Hey 1892 
Dr. Otto Ponflck 1892 
Prof. Dr. Gg. H. v. 3Ieyer 1892 
Fritz Neumüller 1893 
Th. K. Soemmerring 1894 
Dr. med. P. H. Pfefferkorn 1896 
Baron L. A. v. Löwenstein 1896 
Louis Bernus 1896 



Frau Ad. v. Brüning 1896 
Friedr. Jaennicke 1896 
Dr. phil. W. Jaennicke 1896 
P. A. Kesselmeyer 1897 
Chr. G. Ludw. Vogt 1897 
Anton L. A. Hahn 1897 
Moritz L. A. Hahn 1897 
Julius Lejeune 1897 
•Frl. Elisabeth Schultz 1898 
Karl Ebenau 1898 
Max von Guaita 1899 
Dr. h. c. Walther vom Rath 1899 
Prof. D. Dr. Moritz Schmidt 1899 
Karl von Grunelius 1900 
Dr. jur. Friedrich Hoerle 1900 
Alfred von Neufville 1900 
Wilh. K. Frhr. v. Rothschild 1901 
Marcus M. Goldschmidt 1902 
Paul Siegm. Hertzog 1902 
Prof. Dr. Julius Ziegler 1902 
*Moritz von Metzler 1903 
Georg Speyer 1903 
Arthur von Gwinner 1903 
Isaak Blum 1903 
Eugen Grumbach-Mallebrein 1903 
*Kom.-Rat Robert de Neufville 1903 
Dr. phil. Eugen Lucius 1904 
Carlo von Erlanger 1904 
Oskar Dyckerhoif 1904 
Rudolf Sulzbach 1904 
Johann Karl Majer 1904 
Prof. Dr. Eugen Askenasy 1904 
D. F. Heynemaun 1904 
Frau Amalie Kobelt 1904 
Prof. Dr. Wilhelm Kobelt 1904 
P. Hermann v. Mumm 1904 
Philipp Holzmann 1904 
Prof. Dr. Achill Andreae 1905 
Frau Luise Volkert 1905 
Karl Hoff 1905 
Sir Julius Wernher Bart. 1905 
Edgar Speyer 1905 
J. A. Weiller 1905 
Karl Schaub 1905 
W. de Neufville 1905 
Arthur Sondheimer 1905 
Dr. med. E. Kirberger 1906 
Dr. jur. W. Schöller 1906 



— 16 



Beiied. M. G<»ldscliini(lt 1906 
A. Wittekiiid 190(5 
Alexander Mauok 1906 
Dr. med. J. (iiitteiii»lHii 1906 
Gustav Stelhvag 1907 
Christian Knaxier 1907 
Jean .loh. Val. Andreae 1907 
Hans Bode 1907 
Karl von 3[etzler 1907 
»loritz Ad. Ellissen 1907 
Adolf von (ilrnneliiis 1907 
Stadtrat Conrad Binding 1908 
Line. M. Oppenheimer 1908 
W. Seefried 1908 
Ch. L. Hallgarten 1908 
Gustav Sehiller 1908 
Frau Rosette Merton 1908 
Karl E. Klotz 1908 
Julius von Arand 1908 
Georg Frhr. von Holzhausen 1908 
Dr. med. J. H. Bockenheimer 1908 
J. Creizenaoh 1908 
*A. H. Wendt 1908 
Paul Reiss 1909 
Hermann Kahn 1909 
Henry Seligman 1909 
Wilhelm Jakob Rohnier 1909 
Deutsche (toM- und Silber -Scheide- 
Anstalt 1909 
Heinrich Lotichius 1909 
Frau Marie 3Ieister 1909 
Dr. med. Heinricli Hoffmann 1909 
San.-Rat Dr. Karl Kaufnmnn 1909 
Fritz Hauck 1909 
Eduard Oehler 1909 
Frau Sara Bender 1909 
August Bender 1909 
Eugene Hoerle 1909 
Theodor Alexander 1909 
Leopohl Sonnemann 1909 
Moritz Ferd. Hauck 1909 
Frau Elise Andreae-Lemme 1910 
Frau Franziska Speyer 1910 
Adolf Keller 1910 
Paul Bamberg 1910 
Wilhelm B. Bonn 1910 
Dr. med. Philipp vcnt Fabricius 1911 
Jakob Langeloth 1911 



Frau Anna Canne 1911 
i *Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Karl Herx- 
j heinier 1911 
! Richard Nestle 1911 

Wilhelm Nestle 1911 

Dr. })hil. Philipp Fresenius 1911 

Dr. jur. Salomon Fuld 1911 

Dr. phil. Ludwig Belli 1911 

Frau Anna Weise, geb. Belli 1911 

Frau Caroline Pfeiffer-Belli 1911 

Dr. med. Ernst Blumenthal 1912 

Frau Anna Koch, gb.v. St. George 1912 

Karl Bittelnmnn 1912 

Eduard Jungmann 1912 

Exzellenz, Wirkl. Geh. Rat Friedrich 
Ludwig von Gans 1912 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Ludwig 
Edinger 1912 

*Alexander Askenasy 1912 

Hermann Wolf 1912 

Wilhelm Holz 1912 
j Adolf Gans 1913 

Dr. phil. Gustav von Brüning 1913 
j Hans Holtzinger-Tenever 1913 
! Dr. med. Carl Gerlach 1913 
j Heinrich Flinsch 1913 
I Heinrich Niederhofheim 1913 

Dr. phil. 3Iax Nassauer 1913 

Fanny (ioldschmid, geb. Hahn 1913 

Albrecht AVeis 1914 

*Geh. San.-Rat Dr. Robert Fridberg 
1914 

*Geh.Med.-RatProf. Dr. August Knob- 
lauch 1914 

Dr. phil. Adolf Roque.s 1915 

*Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. phil. O. L. zur 
Strassen 1915 

Hector Roessler 1916 

Berharnd Trier 1916 

Alhard Andreae 1916 

Ernst Ladenburg 1916 

*Otto Hauck 1916 

Geh. San.-Rat Arnold Libbertz 1916 

Kom.-Rat Leo Ellinger 1916 

Ferdinand Hirsch 1916 

*Hermann Andreae 1916 

(ieorg Hertzog 1917 

Dr. Wilhelm 3Ierton 1917 



17 



Eduard Parrot 1917 

Dr. phil. h. c. Friedrich Wilheliu 

Winter 1917 
Wilhelm von den Velden 1917 
Bernhard Schuster 1917 
*Dr. jur. Alfred Lotichius 1917 
Alfred Hoff 1917 
Fräulein Julie von Heyden 1917 
Prof. Dr. phil. h. c. Lukas von Heyden 

1917 
Prof. Dr. phil. Fritz Römer 1917 
*Frau Maria Sondheim, geb. Koss- 

mann 1917 
Dr. phil. Franz Graf von 3Iatnschka 

1917 
August Ladenburg 1917 
3Iartin Miinzesheimer 1917 
*Geh. San.-Rat Dr. Ernst Roediger 

1917 
Konsul Karl Kotzenberg 1917 
Alfred Kossmann 1917 
*Kom.-Rat Eduard Beit von Speyer 

1917 
Geh. Kom.-Rat Ludo Mayer 1917 
William W\ Drory 1917 
Dr. phil. W. L. D. Drory 1917 
*Dr. phil. August Jassoy 1917 



Frau Ida Jassoy 1917 

*Heinrich Alten 1917 

Frau Luise Alten 1917 

Karl Roger 1917 

Justizrat Dr. Joe Oppenheimer 1917 

Karl Hamburg 1917 

*San.-Rat Dr. Rudolf von Wild 1917 

*W alter 3Ielber 1917 

Geh. Reg.-Rat Dr. Adolf Varrentrapp 

1917 
Kom.-Rat Karl von Neufville 1917 
AVolfgang Reinert 1917 
Philipp Herz-Mills 1917 
Ludwig Schiff 1917 
Dr. phil. Georg C. Du Bois 1917 
Rütger von Brüning 1917 
Julius Aurnhammer 1917 
Frau Johanna Aurnhammer 1917 
Frau Alharda Andreae, geb. Freiin 

V. d. Borch 1917 
Justizrat Dr. Alexander Dietz 1917 
Geh. Bergrat Dr. H. Loretz 1917 
Dr. phil. Eugen AVolf 1917 
Frau Alice EUissen 1918 
Dr. jur. F. von Bassermann-.Jordan 

1918" 



II. Beitragende Mitglieder 



Abel, August, Dipl.-Ing. 1912 

Abelmann, Arthur 1917 

Abraham, S., San. Rat Dr. 1904 

Abt, Jean 1908 

Adler, Arthur, Dr. jur. 1905 

Adler, Franz, Dr. phil. 1904 

Adler, L., Dr. Privat-Dezent 1916 

Albersheim, M., Dr. 1913 

Albert, August 1905 

Albert, K., Dr. phil., Amöneburg 1909 

Alexander, Franz, Dr. med. 1904 

Almeroth, Hans 1905 

Alt, Friedrich, Verlag 1894 



Altheimer, Max 1910 

Ambrosius, Karl 1912 

Amschel, Frl. Emy 1905 

Andreae, Albert 1891 

Andreae, Frau Alfred 1912 

Andreae, Arthur 1882 

Andreae, Carlo, Dr. jur. 1910 

Andreae, Heinrich 1912 

Andreae, J. M. 1891 

Andreae, Konrad, ßankdirektor 1906 

Andreae, Richard 1891 

Andreae, Rudolf 1910 

Andreae, Viktor 1899 



Anmerkung. Es wird höflichst gebeten, Veränderungen der Wohnung, 
des Titels und etwaige Versehen der Geschäftsstelle der Senckenbergischen 
Naturforschenden Gesellschaft, Viktoria-Allee 7, mitzuteilen. 



18 



Andreae-Hahn, Karl 1911 

Andreas, Gottfried 1908 

Ankel, Wulf 1918 

Antz, Georg, Zahnarzt 1908 

Antz, Stephan 1910 

Armbrüster, Gebr. 1905 

Aschaffenburg, Otto 1917 

Askenasy, Robert, Dr. jur. 1910 

Auerbach, E., Justizrat Dr. 1911 

Auerbach, L., San.-Rat Dr. 1886 

Auerbach, M., Amtsger.-Rat'Dr. 1905 

♦Auerbach, S., Geh. San.-Rat Dr. 1895 

Autenrieth, Karl F. 1912 

Avellis, Frau Laura 1917 

Bacher, Karl 1904 

Dr. Bachfeld & Co. 1913 

Baer, Jos. Moritz, Stadtrat 1873 

Baer, Karl 1910 

Baer, M. H., Justizrat Dr. 1891 

Baer, Simon Leop. 1860 

Baer, Theodor, San.-Rat Dr. 1902 

Baerwald, A., San.-Rat Dr. 1901 

Baerwald, E., Dr. jur. 1910 

Baerwald, Frau Emma 1912 

Baerwind, Franz, Geh. San.-Rat Dr. 

1901 
Bahlsen, Emil, Prof. Dr. 1914 
Bamberger, Frau Charlotte 1913 
Bamberger, Simon, Kom.-Rat 1914 
Bames, Albert 1914 
Bangel, Rudolf 1904 
Banzhaf, Georg, Griesheim 1917 
Bäppler, Otto, Architekt 1911 
♦Bardorff, Karl, San.-Rat Dr. 1864 
Barndt, Wilhelm 1902 
de Bary, August, Dr. med. 1903 
de Bary-Jeanrenaud, S. H. 1891 
de Bary-Osterrieth, Job. Heinr. 1909 
de Bary-Sabarly, Karl 1910 
Bauer, Moritz, Dr. phil. et med. 1910 
Bauer, Rudolf 1911 
Bauer- Weber, Friedrich,Ober-lng. 1907 
Baumstark, R., Dr. med., Bad Homburg 

1907 
Baumstark, Frau Dr., Bad Homburg 

1911 
Baunach, Robert 1900 
Bechhold, J. H., Prof. Dr. phil. 1885 



Becker, Daniel 1917 

Becker, H., Prof. Dr. phil. 1903 

Beer, Frau Berta 1908 

Beer, Gustav 1917 

Beer, Ludwig 1913 

Behrends-Schmidt,K., Gen.-Kons. 1896 

*Beit- V. Speyer, Ed., Kom.-Rat, Gen.- 

Konsul 1897 
Benda, Louis, Dr. phil. 1913 
Bender, Georg, Inspektor 1909 
Benkard, Georg, Dr. jur. 1912 
Benzinger, Otto 1914 
Berg, Alexander, Justizrat Dr. 1900 
Berg, Heinrich 1910 
Bergmann, Elias 1912 
Berlizheimer, Sigmund, Dr. med. 1904 
Berner, Frau Lina 1913 
V. Beroldingen, Frau Gräfin Marie 

Elisabeth 1918 
Bertling, Bruno 1915 
Bessels, Ludwig 1917 
Bessunger, Karl 1909 
Besthoff, Jakob 1913 
Besthorn, H. J. Karl 1913 
*Bethe,A.,Geh.Reg.-RatProf.Dr. 1915 
*v. Bethmann, Frhr. S. Moritz 1905 
Bibliothek, Kgl., Berlin 1882 
Bieberbach, L., Prof. Dr. 1918 
Binding, Karl 1897 
Binding, Theodor 1908 
Bing, Albert 1905 
Binger, Frau Frances, Neuyork 1913 
Bischheini, Frau Auguste 1907 
Bittel-Böhm, Theodor 1905 
Blanckenburg, Max 1911 
Bleicher, H., Stadtrat Prof. Dr. 1903 
Block, Alfred, Buchschlag 1913 
*Blum, Ferd., Prof. Dr. med. 1893 
Blum, Frau Lea 1903 
Blumenthal, Adolf 1883 
Blumenthal Albert 1918^ 
Blumenthal, E. PL, Gen.-Direktor 1910 
Bluntschli, H., Prof. Dr. 1915 
Bodewig, Heinrich, Dr. jur. ' 1911 
Boehnke, K. E., Stabsarzt Prof. Dr. 191 1 
Boettiger, E., Dr., Offenbach 1910 
Böhm, Henry, Dr. med. 1904 
Böhme, John 1904 



19 



Bohnert, Carl 1917 

Boll, Jakob, Rektor 1914 

Boller, Wilhelm, Prof. Dr. phil. 1903 

Bolognese-Molnar, Frau B. 1910 

Bolongaro-Crevenna, B., Direktor 1917 

Bonn, Sally 1891 

Bopp, Frau W. 1912 

Borchardt, Heinrich 1904 

Borgnis, Alfred Franz 1891 

Borgnis, Karl 1900 

Böttcher, Karl, Dr. 1917 

Brach, Frau Natalie 1907 

Brammertz, Wilhelm, Dr. 1913 

Brasching, P., Oberlehrer, Fulda 1912 

Braun, Franz, Dr. phil. 1904 

Braun, Hugo, Dr. med. 1915 

Braun, Leonhard, Dr. phil. 1904 

Breitenstein, W., Ing., Algier 1908 

Brendel, Wilhelm 1906 

Brentano-Brentano, Josef 1906 

Briel, Heinrich 1906 

Brill, Wilhelm, Dr. med. 1913 

Brodnitz, Siegfried, San.-Rat Dr. 1897 

Bröll, Adolf 1913 

Brück, Richard, Justizrat Dr. 1906 

Brückmann, Karl 1903 

Bucher, Franz 1906 

Bücheier, Anton, San.-Rat Dr. 1897 

Buchka, Ernst 1911 

Buchka, Otto, Justizrat Dr. 1917 

Bugde, S., Dr. jur. 1905 

Büding, Friedrich, Dr. jur. 1913 

Buhlert, Fritz, Ingenieur 1910 

Bullnheimer, Fritz, Dr. phil. 1904 

Bülow, Friedrich 1917 

Burchard, K., Bergass., Clausthal 1908 

Burchard, Kurt, Geh. Just.-Rat Prof. 

Dr. 1904 
Burger, Alexander, Redakteur 1918 
Burgheim, Gustav, Justizrat Dr. 1905 
Burghold, Julius, Justizrat Dr. 1913 
Busch, August, Direktor Dr. 1917 
V. Büsing-Orville, Frhr. Adolf, Schloß 

Zinneberg 1903 
Büttel, Wilhelm 1878 
Butz-Oehler, Frau Viktoria 1910 
Caan, Albert, Dr. med. 1912 
Gaben, Hermann, Dipl.-Ing. 1913 



Cahen-Brach, E., San.-Rat Dr. 1897 

Cahn, Albert 1905 

Cahn, Gustav, Dipl.-Ing. 1917 

Cahn, Heinrich 1878 

Cahn, Frau Margarete 1916 

Cahn, Paul 1903 

Cahn, S., Konsul 1908 

Canne, Ernst, Dr. med. 1897 

Cante, Cornelius 1906 

Cassian, Heinrich 1908 

Cayard, Carl 1907 

Cayard, Frau Louise 1909 

Challand, Frl. M. 1910 

Christ, Fritz 1905 

Clauss, Gottlob, Architekt 1912 

Cnyrim, Frau Hanny 1909 

Cnyrim, Ernst 1904 

Cochlovius, F., Dipl.-Ing. Buchschlag 

1912 
Cohen, Frau Ida 1911 
Cohn, Franz, Prof. Dr. med. 1914 
Cooper, Will. M., Di. 1912 
*Creizenach, Ernst 1906 
Cretschmar, C, Senatspräsident Geh. 

Oberjustizmt Dr. 1916 
Cullniann, R., Landger.-Rat a. D. 1905 
Cuno, Fritz, San.-Rat Dr. 1910 
Cuno, H., Direktor 1914 
Cunz, Wilhelm, Direktor 1917 
Dahl, Wilhelm 1918 
Dahlem, H. V., Aschaffenburg 1911 
Damann, Gottfried 1913 
Daube, Adolf 1910 
Daube, Kurt, Geh. San.-Rat Dr. 1906 
Deguisne, K., Prof. Dr. phil. 1908 
Delkeskarap,R., Dr. ing., München 1904 
Delliehausen, Theodor, 1904 
Demmer, Theodor, San.-Rat Dr. 1897 
Dencker, Hans, Dr. med. 1913 
Dessauer,Priedr.,Dr.phil. Direktor 1913 
Deubel, Hans 1911 
Deutsch, Adolf, San.-Rat Dr. 1904 
Deutsch, Otto N. 1915 
Diener, Max 1912 
Diener, Richard, 1905 
Diesterft^eg, Moritz (E. Herbst) 1883 
Dieterichs, Fr., Apotheker 1912 
Dietze, Karl 1870 



20 



Dingler, H., Prof. Dr., Aschaffenburg 

1910 
Ditmar, Karl Theodor 1891 
Ditter, Karl, Bornemouth 1903 
Doctor, Ferdinand, 1892 
Dondorf, Karl 1878 
Dondorf, Otto 1905 
Donner, Karl Philipp 1873 
Dreher, Albert 1910 
Drescher, Otto, Reg.-Rat 1910 
*Drevermann, F., Prof. Dr. 1916 
Dreyfus, G. L., Prof. Dr. med. 1915 
Dreyfus, Willi 1910 
Dreyfuß, Fritz 1910 
Dreyfuß, Max 1912 
Duden, G., Generaloberarzt Dr. 1912 
Duden, P., Prof. Dr. phil. Höchst 1906 
Dumcke, Paul, Gen.-Direktor 1909 
Ebeling, Hugo, San.-Rat Dr. 1897 
Ebenau, Fr., Geh. San.-Rat Dr. 1899 
Eberstadt, Albert 1906 
Eberstadt, Fritz, Dr. med. 1910 
Ebrard, Fr., Geh. Konsistorialrat Prof. 

Dr. 1917 
Eckhardt, Karl, Bankdirektor 1904 
Ederheimer, Adolf, Justizrat Dr. 1913 
Egger, Edmund, Prof. Dr., Mainz 1911 
Ehrlich, Frl. Rosa 1911 
Eichengrün, Ernst, Direktor 1908 
Eickemeyer, Carl 1917 
Eiermann, Arnold, San.-Rat Dr. 1897 
Eisenmann, Frl. Hanna 1913 
Eitel, Wilhelm, Privatdozent Dr. 1914 
Elkan, B., Neuyork 1913 
Ellinger, A.,Geh.Med.-Rat Prof.Dr. 1915 
Ellinger, Ph., Dr., Heidelberg 1907 
Ellinger, Frau Alice 1907 
Embden, Gustav, Prof. Dr. med. 1907 
Emden, Heinrich 1918 
Emden, Moritz 1915 
Emmerich, Friedrich H. 1907 
Emmerich, Heinrich 1911 
Emmerich, Otto 1905 
Enders, Frau M. Otto 1891 
Engel, Fritz 1913 
Engelhard, Karl Phil. 1873 
Engelhardt, Leopold, Dr. med., Buch- 
schlag 1913 



Engler, Eduard, Konsul 1913 
Epstein, Jak. Herrn. 1906 
Epstein, Jos., Prof. Dr. phil. 1890 
Epstein, Wilhelm, Dr. phil. 1907 
Erfurt, Frl. A., Wiesbaden 1915 
Erlanger, Frau Anna 1912 
Erlanger, Frau Luise, Berlin 1911 
Eschelbach, Jean 1904 
Ettlinger, Albert, San.-Rat Dr. 1904 
Euler, Rudolf, Direktor 1904 
Eurich, Heinrich, Dr. phil. 1909 
Eysen, Anton 1912 
Fade, Louis, Direktor 1906 
Fahr, Frl. Aenny, Darmstadt 1912 
Feiler, Erich, Prof. Dr. 1918 
Feis, Oswald, San.-Rat Dr. 1903 
Feist, Fr., Prof. Dr. phil., Kiel 1887 
Feist-Belmont, Frau Auguste 1914 
Fellner, Johann Christian 1905 
Fellner, Otto, Justizrat Dr. 1903 
Fester, August, Bankdirektor 1897 . 
Fester, Emil A. 1918 
Fester, Hans, Dr. jur. 1910 
Finck, August, Direktor 1912 
Finck, Karl 1910 

*Fischer, Bernh., Prof. Dr. med. 1908 
Fischer, Karl 1902 
Fischer, Ludwig 1902 
Fischer, Philipp J. 1913 
V. Fischer-Treuenfeld, A., Kiel 1911 
Flaecher, F., Hr. phil.. Höchst 1908 
Flauaus, Robert 1913 
Fleck, Frau Dr. Anna 1910 
Fleck, Otto, Forstmeister 1903 
Fleisch, Karl 1891 
Flörsheim, Albert 1891 
Flersheim, Ernst 1912 
Flörsheim, Frau Fanny 1918 
Flersheim, Martin 1898 
*Flesch, Max, Prof. Dr. med. 1889 
Flinsch, Richard 1917 
Flinsch, W., Kom.-Rat 1869 
Flock, Heinrich 1911 
Flörsheim, Frau Anna 1904 
Flotho, Walter, Oberleutnant 1918 
j V. Flotow, Frhr. Theodor 1907 
de la Fontaine, E., Geh. Reg.-Rat 1907 
Forchheimer, Arthur 1908- 



21 



Forchheimer, Karl 1913 
Forst, Karl, Dr. phil. 1905 
Franck, E., Oberapotheker 1915 
*Franck, Ernst, Direktor 1899 
Frank, Franz, Dr. phil. 1906 
Frank, Heinrich, Apotheker 1891 
Frank, Karl, Dr. med. 1910 
Frank, Karl, Dr. jur. 1913 
Franze, Gustav, Stadtrat 1913 
Fresenius, A., San. -Rat Dr., Jugenheim 

1893 
Fresenius, Ferdinand, Dr. phil., Cron- 

berg 1912 
*Freund, Mart., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 

phil. 1896 
Freyeisen, Willy 1900 
Freyhan, Frau Hedwig 1914 
*Fridberg, R., Geh. San.-Rat Dr. 1873 
Friedmann, Heinrich 1910 
Friedrich, Oskar, Dipl.-Ing. 1913 
Fries, G. W. 1917 
Fries, Heinrich, Oberursel 1910 
Fries Sohn, J. S. 1889 
Fries, Wilhelm, Dr. phil. 1907 
Fries-Dondorf, Frau Anna 1911 
V. Frisching, Moritz 1911 
Fritsch, C, Dr. 1917 
Fritzmann, Ernst, Dr. phil. 
Frohnknecht, 0., Neuyork 
Fromberg, Leopold 1904 
Fuld, Adolf, Justizrat Dr. 
Fulda, Anton 1911 
Fulda, Heinrich, Dr. med. 1907 
Fulda, Faul, Stadtrat 1897 
Fünfgeld, Ernst 1909 
*Gäbler, Bruno, Geh. Justizrat 1900 
Galewski, H., Baurat 1912 
Gans, L., Geh. Kom.-Rat Dr. phil. 1891 
V. Gans, Ludwig W., Kestenhöh' Tau- 
nus 1907 
Geelvink, F., San.-Rat Dr. 1908 
Geiger, B., Geh. Justizrat Dr. 1878 
Geisow, Hans, Dr. phil., Mainkur 1904 
Geist, George, Dr. med. dent. 1905 
Geiß, Willi 1912 

Gelhaar, Erich, San.-Rat Dr. 1910 
Gerth, H., Prof, Dr. phil.. Bonn 1905 
Getz. Moritz 1904 



1905 
1913 



1907 



Gieseke, Adolf, Dr., Höchst 1912 

Gins, Karl 1906 

Glimpf, Friedrich 1912 

Glöckler, Alexander, Ingenieur 1909 

Glogau, Emil August, Zahnarzt 1904 

Gloger, F., Dipl.-Ing., Call (Eifel) 1908 

Gneist, Karl, Oberst 1913 

Göbel, Karl 1910 

Goering, V., Direktor 1898 

Goeschen, Frau Klara 1910 

V. Goldammer, F., Hauptmann a. D., 

1903 
*Goldschmid, Edgar, Privatdozent Dr. 

med. 1908 
Goldschmid, J. E. 1901 
Goldschmidt, Anton 1910 
Goldschmidt, Julius 1905 
Goldschmidt, Julius 1912 
Goldschmidt, Frau Luise 1910 
Goldschmidt, M. S. 1905 
Goldschmidt,R.,Prof.Dr.,München 1901 
Goldschmidt, Saly Heinrich 1912 
V. Goldschmidt-Rothschild, Frhr. Max, 

Generalkonsul 1891 
*v. Goldschmidt-Rothschild, R. ' 1907 
Goldstein, K., Prof. Dr. 1915 
Goll, Karl, Offenbach 1^10 
Gombel, Wilhelm 1904 
*Göppert, E., Prof. Dr. 1915 
Gosewisch, Frl. A. 1915 
Gottschalk, Joseph, San.-Rat Dr. 1903 
Graebe,K.,Geh.Reg.-Rat Prof. Dr. 1907 
Gramberg, A., Prof. Dr. 1918 
Gramm, Friedrich Wilhelm 1912 
Grandhomme, Fr., Dr. med. 1903 
Graubner, Karl, Höchst 1905 
Greb, Frau Louis 1914 
Greiff, Jakob, Rektor 1880 
Grieser, Ernst 1904 
Groedel, Franz, Dr. med. 1912 
Grosch, K., Dr. med., Offenbach "1904 
Groß, Frl. Berta 1911 
Groß, Otto, San.-Rat Dr. 1909 
Großmann, August, Hofheim 1912 
Großmann, Emil, Dr. med. 1906 
Gruber, Georg, Privatdozent Dr.. 

Mainz 1917 
Grumbach, Adalbert, Mannheim 1912 



22 — 



V. Grunelius, Frl. Anna 1912 

V. Grunelius, Eduard 1869 

V. Grunelius, Fred, Major 1914 

V. Grunelius, Max 1903 

Grünewald, August, Dr. med. 1897 

♦Guide, Johann, Dr. phil. 1898 

Gumbel, Karl, Dr. jur. 1910 

Günther, Alfred, Architekt 1913 

♦Günther, Hermann, Justizrat Dr. 1912 

Günther, Oskar 1907 

Günthert, Hans 1917 

Günzburg, Alfred, San.-Rat Dr. 1897 

Gurke, Oskar 1912 

Gutenstein, Frau Clementine 1911 

Guttenplan, Frau Lily 1907 

Gymnasium nebst Realschule, Höchst 

1913 
Haack, Karl Philipp 1905 
♦Haag, Ferdinand 1891 
Haas, Carl Jakob 1917 
Haas-Simon, Julius 1917 ■ 
Häberlin, J., Justizrat Dr. jur. et phil. 

h. c. 1871 
Haeffner, Adolf, Kom.-Rat 1904 
Hagenbach, R., Dr. 1910 
Hahn, Julius 1906 
Hahn-Opificius,FrauM.,Dr.med. 1907 
Hallgarten, Fritz, Dr. phil. 1893 
Hammel, Leo 1914 
Hanau, Ludwig, San.-Rat Dr. 1910 
Happel, Fritz 1906 
Harris, Charles L. 1913 
Hartmann, Georg 1912 
Hartmann, Johann Georg 1905 
Hartmann, Karl 1905 
Hartmann-Bender, Georg 1906 
Hartmann-Kempf, Rob., Dr. phil. 1906 
Hassel, Georg, Justizrat Dr. 1910 
Hauck, Georg 1898 
Hauck, Max 1905 
Haus, Rudolf, Dr. med. 1907 
Häuser, Adolf, Geh. Reg.-Rat 1909 
Hausmann, Franz, Dr. med. 1904 
Hausmann, Friedrich, Prof. 1907 
Hausmann, Frau Johanna 1917 
Hausmann, Julius, Dr. phil. 1906 
Heichelheim, Hugo 1913 
Heichelheim, Sigmund, Dr. med. 1904 



Heidingsfelder, Ludwig 1912 

Heiding-sfelder, Otto 1913 

Heil, Albrecht Fr., Crumbach 1914 

Heilbrunn, Ludwig, Justizrat Dr. 1906 

Heilmann, Heinrich 1906 

Heinemann, Louis 1914 

Heinz-Jung, Frau Emmy 1907 

Heister, Ch. L. 1898 

Helgers, E., Dr. phil. 1910 

Hellmann, Albert, Dr. med. 1912 

Henrich, K. F., Geh. Kom.-Rat 1873 

Henrich, Ludwig 1900 

Henrich, Rudolf 1905 

Heraus, C. W., G.m.b.H., Hanau 1910 

Herborn, Jakob 1912 

♦Hergenhahn, Eugen, San.-Rat Dr. 1897 

Hermann, Karl, Architekt 1911 

Herms, Frau Olga 1915 

Hertlein, Hans, Dr. phil.. Höchst 1910 

Hertzog, Frau Anna 1908 

Herxheimer, Friiu Fanny 1900 

Herxheimer, G., Prof. Dr. med., Wies- 
baden 1901 
I Herxheimer, Hans, Dr. med. 1912 

Herz, Harald G., Direktor 1914 

Herz, Richard, Dr. 1917 

Herzberg, Karl 1897 
; Herzfeld, Lehmann 1913 

Herzheim, D. 1915 

Herzog, Ulrich, Dr. med. 1908 

Hesdörffer, Julius, San.-Rat Dr. 1903 

Hesse jr., Hubert, Bad Homburg 1910 

V. Hessen, Landgraf Alexander Friedr.. 
Kgl. Hoheit 1911 

V. Hessen, Frau Prinzessin Friedrich 
Karl, Kgl. Hoheit 1917 

V. Hessen, Prinz Friedrich Karl, Hoheit 
1907 

Hessenberg, Hans Carl 1913 

Heß, Arnold, Dr. phil.. Höchst 1908 

Heß, Frl. Luise 1917 

Heuer, Frl. Anna, Cronberg 1909 

Heuer, Ferdinand 1909 

V. Heyden, Alfred, Direktor Dr. 1917 

V. Heyder, Georg 1891 

Heyman, Ernst 1911 

Hirsch, Frau Ferdinand 1916 

Hirsch, Frau Lina 1907 



23 



Hirsch, Paul 1914 

Hirsch, Raphael, San.-Rat Dr. 1907 

V. Hirsch, Robert 1910 

Hirsch-Tabor, Ü., Dr. med. 1910 

Hirschfeld, Ernst 1917 

Hirschfeld, Otto H. 1897 

Hirschhorn, Frau Ottilie 1913 

Hobrecht, Frl. Annemarie 1907 

Hobrecht, Frl.Elly 1912 

Hochegger, P., Oberingenieur 1917 

Hochschild, Bertold, Neuyork 1913 

Hochschild, Philipp, Dr. 1907 

Hochschild, Salomon 1906 

Hock, Fritz, Architekt 1907 

Hoene, R., Oberlandesgerichtsrat 1912 

Hoerle, Frl. Cecile 1907 

Hoerle, Julius 1907 

Hof, Willy, Direktor 1917 

Hoff, Adolf 1910 

Hoff, Alfred, Konsul 1903 

Hoffmann, Benno 1913 

Hoffmann, Georg F., Stadtrat 1914 

Hoffmann, Hans, Dr. phil. 1912 

Hoffmann, Karl C, Mexiko 1911 

Hoffmann, M., Dr., Mainkur 1910 

Hoffmann, Paul, Königstein 1908 

Hofmann, Otto 1905 

Hofmann, Richard 1910 

Hohenemser, Frau Mathilde 1908 

Hohenemser, Moritz W. 1905 

Hohenemser, Robert, Dr. jur. 1905 

Hohenemser, Willy, Dr. phil. 1912 

Holl, Joseph & Co. 1905 

Holz. August 1909 

Holz, Emil, Reg.-Baumeister 1913 

Holz, Otto 1910 

Holz, Richard A. F. 1913 

Holzmann, Eduard, Reg.-Baumeister 

1905 
Holzmann, H., Reg.-Baumeister 1913 
Holzmann, Frau Marie 1913 
Homberger, Ernst, Dr. med. 1904 
Homburger, A., Prof. Dr.. Heidelberg 

1899 
Homburger, Michael 1897 
Homm, Nikolaus 1906 
Homolka, Benno, Dr. 1912 
Horkheimer, Anton, Stadtrat a. D. 1906 



Horkheimer, Fritz 1892 

Horstmann, Frau Elise 1903 

V. Hoven, Franz, Baurat 1897 

♦Hübner, Emil, San.-Rat Dr. 1895 

Hübner, Hermann 1912 

Hunke, L., Dr. phil. 1912 

Hupertz, Frau Mathilde 1905 

Hüther, Max 1917 

Hüttenbach, Frau Lina 1909 

Hüttenbach, Otto 1910 

Jacobi, Heinrich, Dipl.-Ing. 1911 

Jacobi, Heinrich, Baurat, Bad Homburg 
1917 

Jakobi-Borle, Frau Sophie 1909 

*Jaquet, Hermann 1891 

Jäger, Hermann, Geh. Schulrat, Butz- 
bach 1918 

Jaeger-Manskopf, Fritz 1897 

Jaffe, Frau Emilie 1910 

Jaffe, Gustav, Justizrat 1905 

Jaffe, Theophil, Geh. San.-Rat Dr. 1905 

Jensen, Heinrich, Apotheker 1910 

Illig, Hans, Direktor 1906 

Jonas, Job. Ad. 1915 

Jordan-de Rouville, Frau L. M. 1903 

Joseph, Ludwig, Dr. jur. 1910 

Josephthal, Karl 1908 

Jourdan, Karl 1910 

Isaac, S., Dr. med. 1918 

Istel, Alfred, Gerichtsassessor 1910 

Istel, Frau Charlotte, Paris 1908 

Jucho, Fritz, Dr. jur. 1910 

Jung, Frau Emilie 1907 

Jung, R., Prof. Dr. phil. 1910 

Jungmann. Wilhelm 1912 

Junior, Karl 1903 

Jureit, J. C, Kom.-Rat 1892 

Jureit, Willi 1910 

Kahler, August, Hanau 1912 

Kahler, Johannes 1913 

Kahn, Frau Emilie 1906 

Kahn, Robert, Dr. phil., Bern 1910 

Kahn, Rudolf 1910 

Kahn, Walter 1918 

Kahn-Freund, Richard 1910 

Kalb, Leonhard 1917 

Kalberlah, Fritz, Dr. med. 1907 

*Kallmorgen, Wilh., San.-Rat Dr. 1897 



24 — 



Käßbacher, Max 1909 

Katzenellenbogen, A., Justizr. Dr. 1905 

Katzenstein, Edgar 1906 

Kaufmann, Gustav 1910 

Kaufmann, Saly 1917 

Kayser, Heinrich, San.-Rat Dr. 1908 

Kayser, Hermann, Direktor 1913 

Kayser, Karl 1906 

Kaysser, Frau Georgine 1909 

Kaysser, Heinrich • 1911 

Kaysser, Frl. Maria 1914 

Keiler, Otto 1885 

Kellner. Frl. Marie 1910 

Kellner-Minoprio, Frau Carry 1913 

Kemmerzell, Alfred 1913 

Kerteß, A., Mainkur 1918 

Kesselheim, Julius. Direktor 1917 

Kessler, Hugo 1906 

Keyl, Friedrich, Dr. phil. 1912 

Kickerraann, A., Oberingenieur 1917 

Kilb, Jean, Skobeleff 1909 

Kindervatter, Gottfried 1906 

Kirchberg, Paul, Dr. med. 1912 

Kirchheim, Frau Henriette 1878 

Kissner, Heinrich 1904 

Klein, \V. A. 1910 

Kleinkurt, Hermann 1918 

Kleinschmidt, Emil 1912 

Kleinschmidt, Gottfried 1917 

Kleinschnitz, Franz 1909 

Kleyer, Heinr., Kom.-Rat Dr. ing. h. c. 

1908 
Kliewer, Joh., Gewerberat 1907 
Klimsch, Eugen 1906 
Klingebeil, A. 1917 
Klingelhöffer, W., Dr. med., Offenburg 

1918 
Klinghardt, Franz, Dr. 1908 
Klotz, Karl Eberhard 1891 
Knabenschuh, Paul 1913 
Knauer, Gebrüder 1906 
♦Knoblauch, A., Geh. Med.-Rat Prof. 

Dr. 1891 
Knoblauch, Alex, stud. agr. 1917 
Knoblauch, Frau Johanna 1908 
Knoblauch, Paul, Dr. med. 1905 
Kober, Friedrich 1914 
Koch, Louis 1908 



1908 



1918 



Koch, Ludwig, Offenbach 1913 
Koch, Richard, Dr. med. 1913 
Kohn, Friedrich, Direktor 1918 
Kohn, Julius, San.-Rat Dr. 1904 
Kohnstamm, Frau Dr. O.. Königstein 

1907 
*Kolle, W., Geh. Med.-Rat Prof. Di-. 

1917 
Kölle, Gotthold, Dr. phil. Direkt. 1912 
Kölle, Karl, Direktor Dr. 1905 
König, Ernst, Dr. phil., Sindlingen 1908 
König, Karl, Geh. San.-Rat Dr. 1904 
Königswerther, Frl. M. 1914 
Kopp, Heinrich, Ingenieur 1917 
Korff, Gustav jun., Hanau 1912 
Körner, Erich, Prof. 1907 
Köster, E. W., Direktor 1908 
Koßmann, Heinrieh, Wiesbaden 
Kowarzik, Frau Pauline 1911 
Krämer, August, Studienrat Dr. 
Kraemer, Friedrich J. 1914 
Kraemer-Wüst, Julius 1908 
Kramer, Robert, San.-Rat Dr. 1897 
Kratzenberg, Adolf, Ing. 1913 
Kraus, Paul 1917 
Krebs, Wilhelm 1918 
Krekel, E., Forstm., Hofheim i. T. 1904 
Krekels, Oskar, San.-Rat Dr. 1912 
Kretschmer, F. G. 1917 
Krogh, Axel, Dr. 1917 
Kruck, Georg 1917 
Küchler, Eduard 1886 
Küchler, Fr. Karl 1900 
Kugler, Adolf 1882 
Kuhlmann. Ludwig 1905 
Kühne, Konrad, Oberst a. D. 
Künkele, H. 1903 
Kuno, A., Rektor 1917 
Kutz, Arthur, Dr. med. 1904 
Laakmann, Otto 1913 
Labes. Philipp, Justizrat Dr. 
*Lachmann,B., Geh. San.-Rat Dr. 1885 
Laibach, Friedrich, Dr. phil. 1911 
Lambinet, Frau Justizrat, Mainz 1913 
Lampe, Ed., Geh. San.-Rat Dr. 1897 
Lampe, Willy 1900 
Landauer, Max, Cronberg 1907 
Landsberg, August 1913 



1910 



1905 



25 



Landsberg, Heinrich, Direktor 1913 
Landsberg, L., Dr. med. 1914 
Langenbach, Ernst, Konsul 1912 
Lapp, Wilhelm, San.-Rat Dr. 1904 
V. Laue, M., Prof. Dr., Würzburg 1915 
Lauer, Ludwig, Oberursel 1918 
Lausberg, Georg 1910 
Lausberg, Karl Ferdinand 1912 
Lauterbach, Ludwig 1903 
Lehmann, Leo 1903 
Lehranstalt für Zollbeamte d. Provinz 

Hessen-Nassau, 1907 
Lehrs, Philipp, Dr. phil., Dresden 1913 
Leiffmann, L., Bankdirektor 1917 
Leisewitz, Gilbert 1903 
Leitz, Ernst, Optische Werke, Wetzlar 

1908 
Lejeune, Adolf, Dr. med. 1900 
Lejeune, Ernst 1905 
Leser,W.,Oberlandesger.-Rat Dr. 1907 
Leuchs-Mack, Frau Bertha 1905 
Levi, Ernst, Amtsgeriehtsrat Dr. 1912 
Levi-Reis, Adolf 1907 
*Levy, Max, Studienrat Dr. phil. 1893 
Levi, Max 1910 
Lewangowski, Frl. Maria 1917 
Leykauff, Jean 1910 
Liebknecht, Otto, Dr. phil. 1914 
Liebmann, Jakob, Justizrat Dr. 1897 
Liebmann, Louis, Dr. phil. 1888 
Liebrecht, Arthur, Dr. phil. 1910 
Liefmann, Emil, Dr. med. 1912 
Liefmann, Frau Marie 1912 
*Liesegang, Raphael Ed., Dr. phil. h. c. 

1910 
Ließ, Frl. Martha, Höchst 1917 
Lilienfeld, Sidney, Dr. med. 1907 
Lindheimer, Albert L. 1917 
Lindheimer, L., Justizrat Dr. 1905 
Lindheimer-Stiebel, W., Amtsrat, 

Schwalbach 1911 
Lindley, Max 1904 
Lindner, Bernhard 1910 
Lingemann, Staatsanwalt 1918 
Linke, Franz, Prof. Dr. phil. 1909 
Lipstein, Alfred, Dr. med. 1908 
Lismann, Karl, Dr. phil. 1902 
Loeb, Adam, Dr. med. 1913 



Loeb, C. M., Neuyork 1913 
Loeb, J., Neuyork 1913 
Loeser, Rudolf, Dr., Dillingen 1912 
Loewenthal, R., Dr. phil. 1913 
Lorentz, Guido, Dr. phil., Höchst 1907 
Lorentz, Richard, Prof. Dr. phil. 1910 
*Loretz, Wilh., Geh. San.-Rat Dr. 1877 
Lossen, Kurt Dr. med. 1910 
*Lotichius, Alfred, Dr. jur. 1908 
Lotichius, August 1911 
Lotichius, Otto 1911 
Low, Siegfried 1908 
Low Beer, Frau Hedwig 1912 
*Löw Beer, Oskar, Dr. phil. 1910 
Löwe, Hermann 1908 
Löwenstein, Simon 1907 
zu Löwenstein-Wertheim-Freuden- 
berg, Prinz Alfred, Durchlaucht 1918 
zu Löwenstein -Wertheim - Rosenberg, 
Prinz Johannes, Durchlaucht, Schloß 
Fischhorn bei Brück 1907 
Löwenthal, Paul H., Konsul 1917 
Lucius, Frau Maximiliane 1909 
Ludloff, K., Prof. Dr. 1915 
Ludowici, August 1916 
Ludwig, Wilhelm 1911 
Lüscher, Karl 1905 
Lust, Heinrich Friedrich 1905 
Lutz, Georg 1912 
Lyzeum, Stadt., Höchst 1912 
Mack, Frau Helene 1911 
Maier, Frau Cecilie 1910 
Maier, Herm. Heinr., Direktor 1900 
Majer, Alexander 1889 
Majer, Hermann 1910 
Manskopf, Nicolas 1903 
Marburg, Gustav 1911 
Marten, Justizrat Dr., Lemgo 1918 
Marum, Arthur, Dr. med. 1910 
Marx, Alfred, V., Dr. med. 1912 
Marx, Eduard, Stadtrat 1907 
Marx, Frau E. 1917 
*Marx, Ernst, Prof. Dr. med. 1900 
Marx, Karl, San.-Rat Dr. 1897 
V. Marx, Heinrich, Falkenhof 1908 
V. Marx, Frau Mathilde 1897 
Mastbaum, Josef, Hofheim i. T. 1911 
Mastbaum, Rudolf Raphael 1917 



26 



Maurer, Karl 1917 

May, Adam 1908 

May, Franz L., Dr. phil. 1891 

May, Martin 1866 

May jun., Martin 1908 

May-Geisow, Heinrich 1913 

May-Jacquet, Rob., Mammolshain 1891 

Mayer, Frl. J., Bonn 1897 

Mayer, Julius 1912 

Mayer, Martin, Justizrat Dr. 1908 

Mayer, W. Erwin, Dr. 1913 

V. Mayer,Freih. A.,Geli.Kom.-Rat 1903 

V. Mayer, Eduard 1891 

V. Mayer, Freiherr Hugo 1897 

Mayer-Alapin, Siegfried 1913 

Mayer-Dinkel, Leonhard 1906 

Mayer-Ehrhardt, Faul, Dr. jur. 1913 

Mayerfeld, Anton 1910 

V. Meister, Herbert, Dr. phil. 1900 

Meixner, Fritz 1911 

Melber, Friedrieh, Konsul 1903 

*Melber, Walter 1901 

Melber, Walter W., Dr. phil. 1917 

Merton, Alfred, Direktor 1905 

*Merton,H., Dr. phil, Heidelberg 1901 

Merz, Reinhold, Dr., Oberursel 1913 

Merz & Co., Chem.-Fabrik 1917 

Merzbach, Fritz 1911 

Merzbach, H. Felix 1911 

Merzbach, Wilhelm, Offenbach 1913 

*v. Mettenheim, H.. Prof. Dr. med. 1898 

Mettenheimer, B., Dr. jur., Königstein 

1902 
Mettenheimer, Theodor 1911 
Metzger, L., Dr. med. 1901 
Metzger, Frau Ida 1914 
V. Metzler, Hugo 1892 
Meyer, Franz 1911 
Meyer. Karl, Dr., Höchst 1912 
Meyer, Max, Dr. med., Köppem 1914 
Meyer,?., Ober-Reg.-Rat Dr. jur. 1903 
Meyer, Richard, Dr. jur. 1909 
*v. Meyer, Edward, San.-Rat Dr. 1893 
Michel, Rudolf, Direktor Dr. phil. 1913 
*Möbius,M.,Geh.Reg.-Rat Prof. Dr. 1894 
v.Moellendorff, Frau Betty, Buchschlag 

1912 
Moessinger, W. 1891 



Montanus, Georg 1913 

Morian, Fr., Verleger, Darmstadt 1914 

Mouson, August 1909 

Müller, Adolf 1907 

Müller, Frau Anna 1909 

*Müller, Karl, Berginspektor 1903 

Müller, Max, Fabrikdirektor 1909 

Müller, 0. Viktor, Dr. med. 1907 

Müller, Paul 1878 

Müller-Beek, George, Gen.-Kons. 1912 

Müller-May, Frl., Geschwister 1915 

Müller Sohn, A. 1891 

Mumm v.Schwarzenstein,Frau A. 1913 

Mumm v.Schwarzenstein, A. 1869 

Mumm v.Schwarzenstein, Fr. 1905 

Nassauer, Frau Paula 1909 

Nassauer, Siegfried 1910 

Nathan, S. 1891 

Naumanns Druckerei, C. 1913 

*Naumann, Edmund, Dr. phil. 1900 

Nebel, August, San.-Rat Dr. 1896 

Nebel, Karl, Prof. 1910 

Neisser, Frau Emma 1901 

*Neisser, Max, Geh. Med. -Rat Prof. Dr 

1900 
Nestle, Hermann 1900 
Netzel, H. L. 1910 
Netzer, Michael 1917 
Neuberger, Julius, San.-Rat Dr. 1903 
Neuberger, Walter, Dr. phil. 1918 
Neubronner, J., Dr. phil., Cronberg 1907 
Neubürger, Fritz. Dr. phil. 1914 
de Neufville, Eduard 1900 
*de Neufville, Robert, Kom.-Rat 1891 
de Neufville, Rud., Stadtrat Dr. 1900 
V. Neufville, Adolf 1896 
V. Neufville, G. Adolf 1896 
V. Neufville, Kurt 1905 
Neukirch, Carl, Dr. jur. 1913 
Neumann, Adolf 1913 
Neumann, Bernhard 1917 
Neumann, Paul, Justizrat Dr. 1905 
Neumann, Th., Prof. Dr. phil. 1906 
Neumeier, Sigmund 1913 
Neumond, Adolf 1913 
Neustadt, Adolf 1903 
Niederhofheim, Heinr. A., Direkt. 1891 
Niederhofheim, R., Dr. 1913 



Nies, L. W. 1904 

Noll, Johannes 1910 

v.Noorden, K., Geh. Med.-Rat Prof. Dr. 

1917 
Obernzenner, Julius 1905 
Ochs, Richard, Direktor 1905 
Odendall, L., Dr. phil. 1912 
Oehler. Eduard 1918 
Oehler, Rudolf, San. -Rat Dr. 1900 
Oehmichen, Hans, Dipl.-Berg-Ing. 1906 
Oelsner, Hermann, Justizrat Dr. 1906 
0hl, Philipp 1906 

Oppenheim, Eduard, Bankdirekt. 1905 
Oppenheim, Gustav, Dr. med. 1910 
Oppenheim, Moritz 1887 
Oppenheim, Paul, Dr. phil. 1907 
Oppenheimer, Eugen, Dr. 1917 
Oppenheimer, Frau L,, Offenbach 1909 
Oppenheimer, Max, Dr. phil. 1911 
Oppenheimer, Maximilian 1912 
Oppenheimer, 0., San.-Rat Dr. 1892 
Oppenheimer, Oskar F. 1905 
Oppenheimer, S., Dr. med. 1910 
Oppermann, E., Dr. phil.. Höchst 1907 
d'Orville, Eduard 1905 
Osterrieth-du Fay, Robert 1897 
Ostreich. Frau Anna, Utrecht 1901 
Oswald, H., Geh. Justizrat Dr. 1873 
Otto, Alexander 1918 
Pabst, Gotthard 1904 
Pachten, Ferd., Justizrat Dr. 1900 
Paehler, Franz, Direktor Dr. phil. 1906 
V. Panhuys, Henry, Generalkonsul 1907 
Panzer, F., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 1912 
Paradies, Frau A. 1916 
Pariser, Frl. Käte 1916 
Passavant, Rudy 1905 
V. "Passavant, G. Herm., Konsul 1903 
V. Passavant-Gontard, R., Geh. Kom- 

merzienrat 1891 
Pauli, Heinrich, Dr. phil. 1914 
Peipers, August 1905 
Peters, Gustav, Dr. 1918 
Peters, Hans 1904 
Petersen, Ernst, San.-Rat Dr. 1903 
Petrbok, Jar., Kojetitz (Böhmen) 1918 
Petsch-Manskopf. Eduard 1912 
Pfaff, Frau Maria 1906 



Pfeiffer, Riehard, Dr. med. 1912 
Pfeiffer, Willy, Dr. med. 1917 
Philantropin, Realschule und höhere 

Mädchenschule 1912 
Philippe, Ernst 1914 
Philippi, Frl. Helene 1912 
Picard, Lucien 1905 
Pinner, Oskar, Geh. San.-Rat Dr. 1903 
Pixis, Rudolf, Prof. Dr., Schweinfurt 

1917 
Plieninger, Th.,Gen.-Direktor Dr. 1897 
Pohlmann, Frau Emmy 1913 
Polacowits, Frau Minna 1918 
Ponfick, Wilhelm, Dr. med. 1905 
Popp, Georg, Dr. phil. 1891 
Poppelbaum, Hartwig 1905 
Posen, Eduard, Dr. phil. 1905 
Posen, Sidney 1898 
*Priemel, Kurt, Dr., Direktor des Zoo- 
logischen Gartens 1907 
Prior, Karl 1918 
*Prior, Paul, Dipl.-Ing. 1902 
Proctor, Charles, Direktor 1913 
Prösler, Frau Julie 1914 
Pustau, W., Reg.- u. Baurat 1913 
*Quincke, H., Geh. Med.-Rat Prof. Dr. 

1908 
Quincke, H., Senatspräsident 1903 
Raecke, Frau Emmy 1907 
Ransohoff, Moritz, San.-Rat Dr. 1907 
Rapp, Gustav 1913 
Rasor, August 1910 
Rath, Julius, Dr., Offenbach 1911 
Ratzel, August, Prof. 1912 
Rau, Henri, Konsul, Mexiko 1910 
Rauch, Fritz, San.-Rat Dr. med. 1910 
Rauschenberger, W., Direktor Dr. 1913 
Ravenstein, Simon 1873 
Regensburger, Eugen 1913 
Rehn, L., Geh. Med.-Rat Prof. Dr. 1893 
Reichard, A., Dr. phil., Hamburg 1901 
Reichenbach, Frau Jenny 1914 
Reichenberger, Frau Else, Neuyork 

1912 
Reil, Frl. Frigga 1915 
Rein, Frl. Ella 1908 
v. Reinach, Frau Antonie 1905 
Reinemann, Paul 1910 



28 



Reinert, Frau Martlui 1909 

Reis, Ernst 1910 

Reiß, A.. Dr. jiir. 1906 

Reiß, Ed., Prof. Dr. med.,Tübingen 1903 

Reiß, Emil, Dr. med. 1907 

Reiß, Frl. Sophie 1907 

Rennau, Otto 1901 

Reutlinger, Jakob 1891 

Reymann, Georg, Dr. med. 1913 

Rhein. Naturf. Gesellschaft, Mainz 1912 

Rheinstein, Richard, Dr. jur. 1913 

Richter, Ernst, Oberapotheker Dr. 1910 

Richter, Johannes 1898 

♦Richter, Rudolf, Dr. phil. 1908 

Richters, Carl, Dr. phil. 1914 

Rieleling, C, Apotheker 1917 

Riese, Frau Karl 1897 

Riese, Otto, Geh. Baurat Dr. 1900 

Riesser, Eduard 1891 

Riesser, Otto, Dr. phil. et med. 1917 

Ritsert, Eduard, Dr. phil. 1897 

Ritter, Wilhelm 1910 

Ritz, Hans, Dr. med. 1913 

Roebig, Wilhelm, Bad Homburg 1918 

Roediger, Frl. Anna 1908 

Roediger, Paul, Justizrat Dr. 1891 

Rohmer, Frau Helene 1914 

Rolfes, Frau Julie 1908 

Römer, Frau Prof, Dr., Hanau 1912 

Römheld, Frau Resi 1912 

Ronnefeldt, Adolf 1905 

Ronnefeldt, Friedrich 1905 

Roos, Heinrich 1899 

Roos, M., Neuyork 1913 

Roques-Mettenheimer, E. Konsul 1897 

Rösel, R , Fabrikdirektor Dr. phil. 1910 

Rosenbaum, E., Geh. San.-Rat Dr. 1891 

Rosenbaum, Emil, Sanitätsrat Dr. 1910 

Rosenbusch, Eduard 1907 

Rosengart, Job., San.-Rat Dr. 1899 

Rosenhaupt. Heinrich, Dr. med. 1907 

Rosenlecher, J., Dr., Höchst 1!>17 

Rosenthal, Alfred 191.". 

Rosenthal, Frau Anna 1913 

Rosenthal, Max 1910 

Rosenthal, Paul 1910 

Rosenthal, R., Justizrat Dr. 1897 

Rößler, Frl. Charlotte 1907 



Rößler, Friedrich, Dr. phil. 1900 
Rößler, Heinrich, Prof. Dr. phil. 1884 
Rößler, Hektor, Dr. jur. 1910 
Roth, Karl, Geh. Med.-Rat Dr. 1903 
Roth, Ludwig, Dr., Buchschlag 1917 
Rothbarth, Philipp, Dr. jur. 1915 
Rother. August 1903 
Rothschild, D., Dr. med. 1904 
Rothschild, Henry 1918 
Rothschild, Otto, Dr. med. 1904 
V. Rothschild, Freifr. Mathilde 1912 
Rover, August 1909 
Rover, Fritz 1917 
Rückrich, Fritz 1913 
Rühle, Karl, Rektor 1908 
Ruland, Karl, Offenbach 1908 
RuHmann, Theodor 1912 
Rumpf, Georg, Dr. phil. 1913 
Rumpf, Gustav Andreas, Dr. phil., 

Auerbach i. H. 1905 
*Ruppel, Sigwart, Prof. 1908 
Ruppel, W., Prof. Dr., Höchst 1903 
Säbel, Frl. E., Oberlehrerin 1915 
Sabersky, Ernst, Fabrikdirektor 1914 
Sachs, Hans, Prof. Dr. med. 1903 
Sachs, J. S., Dr. phil. 1913 
Sachs-Hellmann, Moritz 1909 
*Sack, Pius, Prof. Dr. phil. 1901 
Sahlender, Peter, Direktor 1917 
Salin, Alfred 1913 
Salomon, Beruh., Prof. Generaldir. 1900 
Salomon, Kurt 1918 
V. Salomon, F., Krim.-Pol.-Insp. 1913 
Salvendi, Frau Leni 1911 
von Sande, Karl, Oberursel 1910 
Sander, Arnold, Dr. phil. 1913 
Sandhagen, Frau Marie 1911 
*Sattler, Wilh., Stadt-Bau-Insp. 1892 
Sauerwein, H., Gartenarchitekt 1913 
Schaedel, Albert, Dr. phil. 1917 
Schaeffer, Gustav, Windhuk 1914 
Schaeffer, Walter, Dr. Stabsapotheker 

1918 
*Schaeffer-Stuckert, Fritz, Prof. Dr. 

1892 
Schaffnit, K., Dr. phil. 1903 
Schanzenbach & Co., G. m. b. H. 1913 
Scharff, Frau Carrie 1917 



29 



1900 
1881 
1904 
1910 



1910 



1905 
1916 



Scharff, Charles A. 1897 
Scharff, Friedrich 1912 
Scharff, Julius, Bankdirektor 
*Schauf, Wilh., Prof. Dr. phil. 
Schaumann, Gustav, Stadtrat 
Schaffen, Hermann, Dr. med. 
Scheib, Adolf 1905 
Schellens, Walter, Dr. 1912 
Scheller, Karl 1897 
Schenck, Rudolf, Dr. phil. 
Sehepeler, Hermann, 1891 
Schepeler, Remi 1909 
Scherlenzky, Karl August 
Schermuly, Ph., Ober-Ing. 
Schernitz', H. 1912 
Schey von Koromla, Frhr. Philipp 1910 
Schiechel, Max, Dipl.-Ing. 1909 
Schiefer, Karl 1912 
Schiele, Frl. Anna 1910 
Schiele, Frl. Anna 1913 
Schiele, Ludwig, Direktor 1910 
Schiermann-Steinbrenk, Fritz 1903 
Schiff, Philipp 1910 
Schild, Frau Anna 1916 
Schilling, Eugen 1918 
Schlesinger, Hugo 1910 
Schlesinger, Julius 1917 
Schlesinger, Simon F. 1912 
Schlesinger, Theodor Heinrich 1907 
Schleußner, Friedr., Direktor 1900 
Schleußner, Karl, Dr. phil. 1898 
Schlieper, Gustav, Direktor Berlin, 1910 
Schloßmacher jun., Karl, Dr. 1906 
Schloßstein, H., Amtsgerichtsrat 1913 
Schlund, Georg 1891 
Sehmick, Rudolf, Geh. Oberbaurat, 

München 1900 
Schmidt, Albrecht, Professor 1912 
Schmidt, Frau Anna 1904 
Schmidt, J. J., Geh. San.-Rat Dr^ 1907 
Schmidt, W., Dr., Fechenheim * 1911 
Schmidt-Diehler, Frau Elisabeth 1918 
Schmidt-Günther, G. H. 1910 
Schmidt-Knatz, Fr., Dr. jur. 1913 
Schmidt-de Neufville, Willy, Dr. med. 

1907 
Schmidt-Polex, Anton 1897 
Schmidt-Polex, K., Justizrat Dr. 1897 



Schmidt-Scharff, Wolfgang, Justizrat 

Dr. 1918 
Schmidtgen, Otto, Dr., Mainz 1912 
Schmitt, Wilhelm 1910 
*Schnaudigel, Otto, Prof. Dr. med. 1900 
Schnee, A., Dr. med. 1917 
Schneider, Gustav M. 1906 
Scholderer, Adolf, Direktor 1917 
Scholl, Franz, Dr. phil., Höchst 1908 
Scholz, Bernhard, Dr. med. 1904 
Schöndube, Hermann 1912 
Schoenflies, A., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 

1917 
Schopflocher, Fritz 1913 
Schott, Frau Emma 1897 
Schott, Frl. Johanna 1912 
Schott, Theod., Prof. Dr. med. 1903 
Schrader, Hans, Prof. Dr. 1918 
Schramm, Karl, Dr., Mainkur 1913 
Schreiber, Chr., Ober-Telegr.- Direkt. 

1912 
Schreiber, Gustav, Dipl.-Ing., Gries- 
heim 1918 
Schrepfer, Frl. Margarete 1918 
Schrey, Max 1905 
Schubert, Bruno 1917 
Schuenemann, Theodor 1908 
Schüler, Max 1908 
Schultze, Herrn., Dr., Griesheim 1912 
Schnitze, Otto, Prof. Dr. med. et phil. 

1913 
Schulze-Hein, Frau Dr. Ida 1891 
Schumacher, Peter, Dr. phil. 1905 
Schürenberg, Gustav, Dr. med. 1910 
Schuster, Paul, Dr. med. 1908 
Schuster-Rabl, F. W. 1905 
Schwarte, Karl, Fabrikant 1909 
Schwartze, Erich, Prof. Dr. phil. 1907 
Schwarz, Arthur 1917 
Schwarz, Ernst, Dr. phil. 1908 
Schwarz, Frau Ernestine 1907 
Schw^arz, Georg, Direktor 1910 
Schwarzschild, Ferd., Dr. jur. 1913 
Schwarzschild-Ochs, David 1891 
Schweizer, Ludwig 1914 
Schwenkenbecher. A.. Prof. Dr. med. 

1910 
Schwinn, Georg 1910 
Scriba, Eugen, San.-Rat Dr. 1897 



30 



Scriba, L., Höchst. 1890 
Seckel, Heinrich 1910 
Seckel, Hugo, Dr.jur. 1909 
Seckel, Frau Marie 1916 
Seeger, Willy 1904 
Seidler, August, Hanau 1906 
*Seitz, A., Prof. Dr., Darmstadt 1893 
Seitz, Heinrich 1905 
Seligman, M., Amtsger.-Rat Dr. 1905 
Seligmann, Rudolf 1908 
Seligmann, Siegfried 1914 
Sendler, Frau Dr. Luise 1909 
Seuffert, Theod., San.-Rat Dr. 1900 
Sexauer, Otto 1910 
*Siebert, A., Landesökonomie-Rat 1897 
Siebrecht, Hch., Bankdirektor 1910 
Siegel, Ernst, Dr. med. 1900 
Sieger, Fr., Justizrat Dr. 1913 
Siesmayer,Ph.,Gartenbaudirektor 1897 
Simon, Aug. Th., Kirn a. N. 1917 
Simon, Emil 1910 
Simon, Friedr., Prof. Dr. phil. 1908 
Simon, Fritz, Landrichter Dr. 1917 
Simon, Kurt, Dr. jur. 1913 
Simon, W., Prof. Dr. 1917 
Simon-Wolfskehl, Frau A. 1910 
Simonis, Eduard, Konsul 1907 
Simrock, Karl, Dr. med. 1907 
Singer, Fritz, Dr. phil., Offenbach 1908 
Sioli, Emil,Geh. Med.-Rat Prof.Dr. 1893 
Sippel, A., Geh. San.-Rat Prof. Dr. 1896 
Sittig, Edmund, Prof. 1900 
Soder,Friedrich,Reg.-Baumeister,Nied 

1918 
Solm, Richard, San.-Rat Dr. 1903 
Sommer, Julius, Direktor 1906 
Sommer, Theodor 1918 
Sommerlad, Friedrich 1904 
Sondheim, Moriz 1897 
Sondheimer, Albert, Dr. phil. 1913 
Sondheimer, Frau Emma 1910 
Sondheimer, Rieh. N. 1912 
Sonnemann, Wilhelm 1910 
Sonntag, Frau Emilie 1911 
Specketer. H., Dr., Griesheim 1917 
Spieß, G., Geh. Med.-Rat Prof. Dr. 1897 
Spieß, Frau Klothilde 1910 
Spieß, Otto 1912 



Stadler, H., Dr., Lohr 1917 
Stamm, Frau Hedwig 1913 
Stavenhagen, Julius 1909 
*Steche,Otto,Prof.Dr.med.etphil. 1915 
V. Steiger, Alexander 1915 
V. Steiger, Baron Louis 1905 
V. Steiger, Frau Baronin 1912 
V. Stein, Frau Baronin Adelheid, 

Pröbstin 1916 
Steinbrenck, Adolf, Dr. phil. 1913 
Steinthal, J. M., Dr. jur. 1913 
Stelz, Ludwig, Prof. 1914 
Stempel, David 1917 
Stern, Adolf 1906 
Stern, Frau Johanna 1901 
Stern, Mayer 1905 
Stern, Otto 1914 
*Stern, Paul, Dr. jur. 1905 
Stern, Richard, San.-Rat Dr. 1893 
Stern, Frl. Therese 1918 
Stern, Willy 1901 
Stern-Roth, Karl, Offenbach 1913 
Sternberg, Frau Toni 1905 
Sternfeld, T., Neuyork • 1913 
Stettheimer, Eugen 1906 
Stiebel, Gustav, Dr. med. 1912 
Stiebel, Karl Friedrich 1903 
Stilling, Erwin, Dr. med. 1913 
Stock, Friedrich 1913 
Strasburger, J., Prof. Dr. med. 1913 
Strauß, A., Zahnarzt 1917 
Strauß, Eduard, Dr. phil. 1906 
Strauß, Ernst 1898 
Strauß, Friedrich, Frau Dr. 1917 
Strauß, Jul. Jakob 1910 
Strauß, Leo, Bad Homburg 1918 
Strauß, Max 1917 
Strauß, Saly M. 1914 
Strauß, Zadok, San.-Rat Dr. 1913 
Strauß-Ellinger, Frau Emma 1908 
Strauü-Hochschild, Frau M. 1910 
Stroeger, Frau Emilie 1913 
Stroh, Louis 1913 
Stroof, Ignaz, Dr. ing. h. c. 1903 
Strotkötter, Paul J. F., Oberapotheker 

1918 
Strubell, Bruno 1917 
V. Studnitz, Generalmajor 1917 



31 



Sulzbach, Emil 1878 
Sulzbach, Karl, Dr.jur. 1891 
Sussmann, O., Dr., Neuyork 1913 
Szamatölski, Dagobert, Hofrat 1905 
Szamatölski, Richard 1913 
*Teichmann, Ernst, Dr. phil. 1903 
Tellus, Aktiengesellschaft für Berg- 
bau und Hüttenindustrie 1907 
Teves, Alfred 1917 
Textor, Karl W. 1908 
Theis, C. Fr., Dr., Höchst 1910 
Theobald, Frau Anna 1917 
Theobald, Jakob, 1910 
Tiedemann, Heinrich 1917 
Thierry, Alexander 1914 
Thoma, Phil. 1893 
Thoms, Heinrich, Dr. Kreistierarzt 1904 
Tillmans, J., Prof. Dr. 1915 
Traugott, M., Dr. med. 1916 
Trautmann, K., Regier.-Baumeister, 

Kigoma 1914 
Trebst, Paul 1913 
Trefousse, Louis 1917 
Treupel, Gustav, Prof. Dr. med. 1903 
Trier, Frau Berta 1908 
Trier, Franz, Rittmeister 1911 
Trier, Julius 1908 
Trommsdorf, Wilhelm 1912 
Turk, Frl. Berta 1909 
Ueberfeld, Jac. Ivon 1912 
Uhlfelder, H., Magistratsbaurat 1913 
Ulimann, A., Frau Direktor 1917 
Ullmann, Karl, Dr. phil. 1906 
Ullmann, Max 1918 
Uth, Franz, Justizrat, Dr., Hanau 1907 
Velde, August, Prof. Dr. 1908 
Velde, Frl. Julie, Oberlehrerin 1902 
Versluys, J., Prof., Dr., Gießen 1910 
Vogelsang, Max, Direktor 1913 
Vogler, Karl, Prof. Dr. phil. 1903 
Vogler, Frau K. 1912 
*Vohsen, Karl, San.-Rat Dr. 1886 
Voigt, A., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 1918 
Voigt, Alfred, Direktor 1911 
Voigt, Georg, Oberbürgermeister 1913 
Voigt, Max, Dr. med. 1918 
Voigt, W., Prof. Dr. phil, Bonn 1908 
Vossen, Fritz 1909 



Voß, Otto, Prof. Dr. med. 1907 
*Wachsmuth, R., Geh. Reg.-Rat Prof. 

Dr. 1907 
Wagner, Gottfried 1905 
Wagner,Richard, Landgerichtsrat 1912 
*Wahl, Gustav, Prof. Dr. phil., Ham- 
burg 1906 
Walcker, Frl. Elisabeth 1912 
Waldeck, Siegfried 1911 
Walthard, Max, Prof. Dr. med. 1908 
Warmbrunn, D., Dr. 1917 
V. Wartensleben, Frau Gräfin Gabriele, 

Dr. phil. 1902 
Wasserzug, Detmar, Dr. 1910 
Watts, Frau N., London 1914 
Weber, Bernhard 1911 
Weber, Eduard, Direktor 1907 
Weber, Heinrich, San.-Rat Dr.. 1897 
Weber, 0. H., Dr., Griesheim 1910 
Weber-Schalck, Frau Thea 1910 
Weidlich, Richard, Dr.jur. et rer. nat.. 

Höchst 1913 
Weidmann, Hans, Direktor 1905 
Weigel, Martin 1913 
Weil, Herma:nn 1917 
' Weill, David 1910 
Weill, N. E„ Dr. 1918 
Weiller, Emil 1906 
Weiller, Lionell 1905 
*v. Weinberg, A., Geh. Regierungsrat 

Dr. phil. 1897 
V. Weinberg, Karl, Gen.-Konsul 1897 
Weinrich, Philipp 1908 
Weinschenk, Alfred 1903 
Weinsperger, Friedrich 1906 
Weintraud, W., Prof. Dr. med., Wies- 
baden 1909 
: Weis, Julius, Montigny 1897 
i Weisbrod, Aug., Druckerei 1891 

Weismüller, Franz 1913 
! Weiss, Oskar 1913 
Weller, Albert, Direktor Dr. phil. 1891 
Wendt, Bruno, Dr.jur. 1909 
Wense, Wilhelm, Dr., Griesheim 1911 
Wenz, Wilhelm, Dr. phil. 1913 
Wernecke, Paul, Baurat 1908 
Werner, Felix 1902 
I Werner,G.,Med.-Rat,KreisarztDr. 1913 



— 32 

Werner, Julius 1914 
Wertheim, Julius 1909 
Wertheim, Karl, Justizrat 1904 
Wertheim, Max 1907 
Wertheimber, Julius 1891 
Wertheimber-de Bary, Ernst 1897 
Wertheimer, Josef 1915 
Wertheimer, Otto, Dr. phil. 1905 
Wetterhahn, Frl. Geschwister 1913 
Wey dt-Varrentrapp, Ph., Direktor 1913 
Whittaker, Frl. Josephine 1918 
Wiederhold, K., Dr. phil., Mainkur 1904 
Wiegert, W., Dr. med. vet. 1910 
Wiesengrund, Oskar A. 1918 
*v. Wild, Rudolf, San.-Rat Dr. 1896 
Wilhelmi, Adolf 1905 
Wilhelmi, Max 1918 
Wilhelmi-Winkel, Gustav 1907 
Will, Fritz 1917 

Willemer, Karl, San.-Rat Dr. 1905 J] 
Winkler, Hermann, Generaldirektor, 

Wien 1909 
Winterhalter, Frau Dr. med. E. H., Hof- 
heim 1903 
Winterwerb, Rud., Justizrat Dr. 1900 



Wirth, Richard, Dr. phil. 1905 
Witebsky, Michael, Dr. med. 1907 
Witt, Felix H., Dr. ing. 1914 
Wohlfarth, Ernst, San.-Rat Dr. 1912 
Wolfensperger, Th., Bankdirektor 1917 
Wolff, Ferdinand 1913 
Wolff, K., Geh. San.-Rat Dr., Griesheim 

1910 
Wolff, Ludwig, San.-Rat Dr. 1904 
Wolfskehl, Ed., Regier.- Baumeister, 

Darmstadt 1907 
Wollstätterjun., Karl 1907 
Wormser, S. H., Bankdirektor 1905 
Wronker, Hermann 1905 
Wucherer, Karl A., Architekt 1913 
Wunderlich, Frl. Luise 1918 
Wüst, Georg 1908 
Wüst, Hermann 1908 
Zanger, Josef 1916 
Zeiß-Bender, Louis, Konsul 1907 
Zerban, Eugen 1908 
Zichner, Frau Loli 1918 
Ziegler, Frau Johanna 1917 
Ziegler, Karl 1905 
Ziervogel, Ewald, Ober-Ing. 1913 



III. Außerordentliche Ehreiimitgliedei 

Ebrard, Friedrich, Geh. Konsistorialrat Prof. Dr. 1911 

Hagen, Bernhard, Hofrat Prof. Dr. phil. h. c. et med. 

von Meister, Wilhelm, Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rat Dr. 

*Reichenbach, Heinrich, Prof. Dr. 1915 

*Roediger, Ernst. Geh. Sanitätsrat Dr. 1917 

Schiff, Jakob H., New- York 1907 

Schmidt, Friedrich, Staatsminister, Berlin 1917 

von Trott zu Solz, Oberpräsident und Staatsminister 

Ziehen, Julius, Stadtrat Prof. Dr. 1908 



1911 

Wiesbaden 1917 



Cassel 1917 



IV. Korrespondierende Ehrenmitglieder 

Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg 1912 

Bütschli, Otto, Geh. Hofrat Prof. Dr., Heidelberg 1917 

Ferdinand J, Zar der Bulgaren 1917 

Fresenius, Heinrich, Geh. Reg.-Rat Dr., Wiesbaden 1917 

Gasser, Emil, Geh. Medizinalrat Prof. Dr., Marburg 1917 

V. Gwinner, Arthur, Berlin 1913 

Schweiidener, Simon, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., Berlin 1917 



- 33 - 

V. Korrespondierende Mitglieder 

Abel, Othenio, Prof. Dr., Wien 1917 

Ahlborn, Fr., Prof. Dr., Hamburg 1909 

Albert L, Prince de Monaco, Altesse Serenissime, Monaco 1904 

Bail, Karl Adolf Emmo Theodor, Geh. Studienrat Prof. Dr., Danzig 1892 

Barrois, Charles, Prof. Dr., Lille 1907 

Beccari, Eduard, Prof. Dr., Florenz 1892 

Becker, Georg, Direktor, Wiesbaden 1900 

V. Bedriaga, Jacques, Dr., Florenz 1886 

Beyschlag, Fr., Geh. Bergrat Prof. Dr., Geol. Landesanstalt, Berlin 1902 

Bolau, Heinrich, Dr., Hamburg 1895 

Boulenger, G. A., F. R. S., Brit. Museum (N. H.), Dep. of Zool., London 1883 

Brandes, Gustav, Prof. Dr., Dresden 1917 

Branca, Wilhelm, Geh. Bergrat Prof. Dr., Berlin 1917 

Brauns, Reinhard, Geh. Bergrat Prof. Dr., Bonn 1917 

Breuer, H., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., Wiesbaden 1887 

Brigham, W. F., Bernice Pauhi Bishop Museum, Honolulu 1910 

Bucking, H., Prof. Dr., Geol. Landesanstalt, Straßburg 1896 

Bumpus, H. C, Prof. Dr., American Museum of Nat. History, Neuyork 1907 

du Buyson, Robert, Comte, Saint-Remy la Varenne 1904 

Conwentz, H., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., Staatl. Stelle für Naturdenkmalpflege, 

Berlin 1892 
Correns, C., Prof. Dr., Berlin 1913 

Darwin, Francis, M. A., M. B., L. L. D., D. Sc, Hon. Ph. D., Cambridge 1909 
Dewitz, J., Dr., Station f. Schädlingsforschungen, Metz 1906 
Döderlein, L., Prof. Dr., Zool. Institut, Straßburg 1901 
Douglas, James, Copper Queen Company „Arizona", Neuyork 1894 
Dreyer, Ludwig, Dr., Wiesbaden 1894 

Ehlers, E., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., Zool. Institut, Göttingen 1905 
Ehrmann, Paul, Oberlehrer, Leipzig 1918 

Engler, H. G. A., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., Bot. Institut, Berlin 1892 
Escherich, Georg, Forstrat Dr., Isen 1917 
Escherich, Karl, Prof. Dr., München 1917 
Eulefeld, A., Forstrat, Lauterbach 1910 

Fischer, Emil, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., Chem. Institut, Berlin 1891 
Fischer, Emil, Dr., Zürich 1899 
Fleischmann, Karl, Konsul, Guatemala 1892 
Forel, August, Prof. Dr. med., phil. et jur., Yvorne 1898 
Friese, Heinrich, Dr., Schwerin 1901 

Fürbringer, M., Geh. Hofrat Prof. Dr., Anat. Institut, Heidelberg 1903 
Gaskell, Walter Holbrook, M. D., Physiol. Institut, Cambridge 1911 ' 
Geisenheyner, Ludwig, Oberlehrer Dr., Kreuznach 1911 
Geyer, D., Mittelschullehrer, Stuttgart 1910 
Gisevius, Paul, Geh. Hofrat Prof. Dr., Gießen 1917 
Goldschmidt, V., Prof. Dr., Mineral. Institut, Heidelberg 1913 
V. Graff, L., Hofrat Prof. Dr., Zool. Institut, Graz 1901 
Greim, Georg, Prof. Dr., Darmstadt 1896 



— '34 — 

V. Groth, P., Geh. Hofrat Prof. Dr., Mineral. Institut, München UX)7 

Haas, A., Lehrer, Herborn 1914 

Haberlandt, Gottlieb, Prof. Dr., Bot. Institut, Berlin 1905 

Habermehl, H., Prof.. Worms 1911 

Haeckel, Ernst, Exz., Wirkl. Geh.-Rat Prof. Dr., Jena 1892 

Hartert, Ernst J. O., Ph. D., Zool. Museum, Tring Herts 1891 

Hauthal, Rudolf, Prof. Dr., Römer-Museum, Hildesheim 1905 

Heck, Ludwig, Geh. Hofrat Prof. Dr., Berlin 1917 

von Heimburg, F., Landrat und Kammerherr, Wiesbaden 1914 

Heller, Karl Maria, Hofrat Prof. Dr., Zool. Museum, Dresden 1910 

Hellmayr, Karl, Kustos, München 1917 

Hertwig, O., Geh. Med.-Rat Prof. Dr., Anat.-biol. Institut, Berlin 1907 

Hertwig, R., Geh. Hof rat Prof. Dr., Zool. Institut, München 1907 

Hesse, Paul, Oberzwehren b. Cassel 1887 

V. Ihering, H., Prof. Dr., Museu Paulista, Sao Paulo 1898 

Jickeli, Karl Fr., Dr., Hermannstadt 1880 

Jung, Karl, Frankfurt a. M. 1883 

Kammerer, Paul, Privatdozent Dr., Wien 1909 

Kayser, E. F., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., München 1902 

V. Kimakoviez, Moritz, Kustos des Zool. Museums Hermannstadt 1888 

Klemm, Gustav, Prof. Dr., Landesgeolog, Darmstadt 1908 

Knoblauch, Ferdinand, Sidney 1884 

König, Alexander F., Geh. Rat Prof. Dr., Bonn 1893 

Körner, Otto, Geh. Med.-Rat Prof. Dr., Ohrenklinik Rostock 1886 

Kossei, A., Geh. Hofrat Prof. Dr., Physiol. Institut, Heidelberg 1899 

Kossniat, Franz, Prof. Dr., Geol. Institut, Leipzig 1918 

Kükenthal, Willy, Prof. Dr., Zool. Institut, Berlin 1895 

Lakowitz, K., Prof. Dr., Danzig 1917 

Langley, John Newport, Prof. Dr., Cambridge 1905 

Lankester, Sir Edwin Ray, M. A., D. Sc., L. L. D., Prof., London 1907 

Le Souef, Dudley, Zool. Garten, Melbourne 1899 

Liversidge, A., Prof. Dr., Fieldhaed 1876 

Loeb, Jacques, M. D., Prof., Rockefeller Institut, Chicago 1904 

Lucanus, C, San.-Rat Dr., Hanau 1908 

Ludwig Ferdinand, Prinz von Bayern, Kgl. Hoheit, Dr., Nymphenburg 1884 

de Man, J. G., Dr., lerseke (Holland) 1902 

Martin, Ch. J., Dr., Lister Institute of Preventive Medizine, London 1899 

v. Mehely, Lajos, Dr., Nationalmuseum, Budapest 1896 

Milch, Ludwig, Prof. Dr., Breslau 1917 

Molisch, Hans, Prof. Dr., Wien 1917 

Möller, A., Oberforstmeister Prof. Dr., Forstakademie, Eberswalde 1896 

Montelius, G. O.A., Prof. Dr., Statens Hist. Museum, Stockholm 1900 

di Monterosata, Marchese, Tommaso Allery, Palermo 1906 

Nansen, Fridtjof, Prof. Dr., Lysaker bei Kristiania 1892 

Nies, August, Prof. Dr., Mainz 1908 

Nissl, Franz, Prof. Dr., Psychiatr. Klinik, Heidelberg 1901 

Notzny, Albert, Bergwerksdirektor, Heinitzgrube, Beuthen 1902 

Oestreich, Karl, Prof. Dr., Utrecht 1902 



- 35 — 

Osborn, Henry Fairfield, A. B., D. Sc, L. L. D., Prof., Präsident d. American 

Museum of Natural History, Neuyork 1909 
Pfeffer, W., Geh. Rat Prof. Dr., Bot. Institut, Leipzig 1907 
Pfitzner, R., Pastor, Darmstadt 1912 
Philipp, Hans, Prof. Dr., Greifswald 1917 
Preiss, Paul, Geometer, Ludwigshafen 1902 

Ranke, J., Geh. Hofrat Prof. Dr., Anthropol. Institut, München 1883 
Rayleigh, The right Hon. Lord, P. C, 0. M., Prof., Kanzler der Universität 

Cambridge, Essex 1909 
Reis, Otto M., Ober-Bergrat Dr., Vorstand d. geogr. Landesuntersuchung von 

Bayern, München 1902 
Retowski, Otto, Staatsrat, Eremitage, St. Petersburg 1882 
Retzius, Magnus Gustav, Prof. Dr., Stockholm 1882 
Rinne, Fritz, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., Mineral.-Inst., Leipzig 1917 
Roux, Wilhelm, Geh. Med.-Rat Prof. Dr., Anat. Institut, Halle a. S. 1889 
Russ, Ludwig, Dr., Jassy 1882 
Rüst, David, San.-Rat Dr., Hannover 1897 
Rzehak, Anton, Prof. Dr., Brunn 1888 

Salomon, Wilhelm, Geh. Hofrat Prof. Dr., Geolog.-Inst., Heidelberg 1917 
Sarasin, Fritz, Dr., Naturhist. Museum, Basel 1898 
Sarasin, Paul, Dr., Basel 1898 

Scharff, Robert, Ph. D., B. Sc, Nat. Museum of Science and Art, Dublin 1896 
Schenck, H., Geh. Hofrat Prof. Dr., Bot. Garten, Darmstadt 1899 
Schillings, C. G., Prof., Berlin 1901 
Schinz, Hans, Prof. Dr., Botan. Garten Zürich 1887 
Schlosser, Max, Prof. Dr., Paläont. Sammlung, München 1903 
Schmeisser, K., Geh. ßergrat, Oberbergamts-Direktor, Breslau 1902 
Schmiedeknecht, Otto, Prof. Dr., Blankenburg 1898 
Schneider, Jakob, Sparre, Museum, Tromsö 1902 
V. Schröter, Guido, Wiesbaden 1903 
Schultze-Jena, Leonhard S., Prof. Dr., Marburg 1908 
Schulze, F. E., Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., Zool. Institut, Berlin 1892 
Schweinfurth, Georg August, Prof. Dr., Berlin 1873 
Spengel, J. W., Geh. Hofrat Prof. Dr., Zool. Institut, Gießen 1902 
Speyer, James, Neuyork 1911 

Steindachner, F., Geh. Hofrat Dr., K. K. Nat. Hofmuseum, Wien 1901 
Steinmann, G., Geh. Bergrat Prof. Dr., Geol.-pal. Institut, Bonn 1907 
Stirling, James, Government Geologist of Viktoria, Melbourne 1899 
Strahl, H., Geh. Med.-Rat Prof. Dr., Anat. Institut, Gießen 1899 
Stratz, Carl Heinrich, Dr., Haag (Holland) 1887 
Stromer v. Reichenbach. Ernst, Freiherr, Prof. Dr., München 1908 
Strubell, Adolf Wilhelm, Prof. Dr., Bonn 1891 
Torley, Karl, Dr., Iserlohn 1910 

Treboul, E., President de la Soc nat. des sciences nat. et math., Cherbourg 1902 
Urich, Fr. W., Government Entomologist, Port of Spain (Trinidad) 1894 
Verbeek, Rogier Diederik Marius, Dr., Haag (Holland) 1893 
Verworn, Max, Prof. Dr., Physiol. Institut, Bonn 1893 
Vigener, Anton, Apotheker, Wiesbaden 1904 



~ 36 — 

Voeltzkow, Alfred, Prof. Dr., Berlin 1897 

de Vries, Hugo, Prof. Dr., Bot. Institut, Lunteren (Holland) 1903 

V. Waldeyer-Hartz, H. W. G., Geh. Ober-Med.-Rat Prof. Dr., Berlin 1892 

Weber, Max C. W., Prof. Dr., Zool. Museum, Amsterdam 1903 

V. Wettstein, Richard, Prof. Dr., Wien 1901 

W'illstätter, Richard, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr., München 1911 

Wittich, E., Dr., Mexiko 1912 

Witzel, Louis, Comuna Prundu Judetul Jefov (Rumänien) 1906 

Wolterstorff, W"., Dr., Naturhist. Museum, Magdeburg 1904 

Zinndorf, Jakob, Offenbach 1900 



37 



I ££ 



-^ -^ O O CO 

^ i:do5coco o 

00^ T^ 




00 ^ OCD 



lO lO 05 

00 t^oo 



Ca 

Q c 

1^ 
II 

O O) oc 
k> ■— o 
1 13 CD CO 

I III; 



<E - 



I I 



O cr 






03 



"^ 3 . 



P N 






' I rr-, 

= $'^ 'Z ■ 

<I3 >t:'S- 



-r « bfC -S rr .3 



X 



3 O) a> K . 03 ■ 
is g P5 fc* 5 « • 

•2 S tjoo 3 ;r . 

S^l^^3 • 
__ C 3 =c "C O) 

-i=^J-3 r.^^^ 

.^ 3 § O O 03 I 
^ g ij :jS § ^ Ö 

Co 30 ^^73 i=; 



>Kc/:^&:- 



s § • S0.2 

03 3 . 3 t^ 
S^S^ 03W 

^m = >>b 

.•T 3 03 3 

30 i ^ s 

^ 3 I 03 5 

BH >■ rö >■ 



• 03 

Co 



•-s»« 



! Oq :0 3 ^ 



■ bD 

3 

• ^^ 



S ^ 33 Sc-2 



03 






— 38 



(M iO '^ CO 31 CO 



l^§ 



I?. 1 I 



O CO lO 



00 «ot- 
t-o »c 



O X 

o to 

oo 



2^ 

cc o 



OS^l^iO^-CCasOCOOS^lCOOfMCCO o 

»OlOt— »O-r-CO-rHQC^lOOOOOCDO O 

CO ^ 35 O GO CO OC OCOOO GO T-i oo CD O -^ 

•-:*-H(MO!:COC»'^0»0 'M^OICOX ^ 
l^C0C0C005<M OICO '— 



cooo 

to CO lO 
-M O t- 



o Q 



•M 



, ^ w -^ - 3 W -g 



O). 






^ 


S^'r4 


s 




o 


'W ^ 


w 


si'^ 










.■^ 


^f^i 



Ä-iÄ 2^ Co Co 

»^ B-® M c :3 .S .S 

• :p (^ c« CO 



SM 



« 



<D 



CD«' _ 

I 22 i. t>' • 

S JL S «i g 

>• H e w w 



&£^ 



biO 



— h^ o 






i cd Co 
3 3 



ex bc^ oj ^ .~ ^ -; 

= = O) «'^^ " '=^ 

3 = C ^ "^ sr 

^ ^^^ ^ b ©> 






f= I 



<0 O CO CD ^ ' 
00 O -H lO ^ ' 
C^l O t- O Ol 



t^COOiOC<]00»0 
lO^OOOlMCDOt- 
COt-OGOOlT-iO(M 



tH t-T-l T-t (M 



C 0) cS 

2JM 



SM' 



o 3-^ 



r- 1 "^kS 
O 3 OJ fc Ph 

cM.S 



l^-iilÄ bpb£,' -" °'-^ 



„ - . C C3 03" CD" g P •- -^ O 

::3^^cö^bCiüD=^5^^a3 " 



, 03 03 03 C is 

' 'S t^ tn O M 



;r-cc Co =• 



t/-^ 03 03 '^ Ü ' 
C .-- -r: 03 03 •; 



öiD 



Qffi?^ 



"t; ~S C 03 X '>; 

Öj S 2 -Sf' S 03 



— 39 



_ 


gg i 


»M lO 


cc 




1 1 CD 


CS 


pH 


"" 


to 


t- 


1 


1 t X 







iOO^ 


cc 


coo 


8J8 ' 2 


00 




(M CO 00 02 t- 


10^ 


«0 


g" 


tM ^ 05 CO »0 




CDO)'* -^ 




^-HC^l 


t~co 




.^H 


COCD CD 


■1— ( 




10 




C^l 








(M 




















''"' 


















■ • 1 1 ^ 1 10 1 1 
























1. 1 oa l,cD l_ 1 
























Ö Ö X 10 »o ö 



















































































bJC 




^ ..... . 


. 






^ 
Ui 


U 




II 


c 


Konto für Kriegsanle 

n g s k n 1 : 

: Unkosten -Konto . 
Gehalte-Konto . . 
Lehrmittel-Konto . 
Naturalien-Konto 
Druck sachen-Konto 
Mitgliederbeiträge . 
Zinsen-Konto . . 




.£ ^ 1 


"ö 


0)^ 


-^ 


iiäi \ 




S ~1 ^ 


"Z 


1 


t/3 S. 


s 

3 


lIS-s--"" \ 






1 


Cj CO 


0) 


OJ^X! c 






^-sl 


S 




ffifoflH § a)> 






Z;o>(r 


^ 


f5 




Q^ 




~ 


CX) CD 05 


1 


CO 


<M 








OS 


a^ 


1 


cc 


C 













X 21 22 ^ 




^ 








CO 






X 


X 


X 








»0 


• 


X 5i ic 


t- 




-t 












c^^^ 




CO 










ca 














1 


1 1 1 CD 


CO 




















|_ 


1. l L '^: =^ 


CO 




















S; 


5 w c -t -+ 


35 


















^ 


05 




















S' 


r .. :^ f 




















0) 


CD • 0) • « • • ■ «D • \ 


















Wlg 

wig 

n'fü 

•rot 
zog 

Wlg 




bJC 










'k 




• C • 










3 


. Wolf-Süssen für e 
gliedschaft . . . 
ii-at Dr. A. Dietz f. e 
gliedschaft . . . 
. Bassermann-Jorda 
ge Mitgliedschaft . 
ächtnis p]duard Pai 
ächtnis Georg Hert; 
von M. 1000.— für e 
gliedschaft) . . . 








c 


X 

1 


'i 

k3 


73 




III 
III 


1 


'1 


£ 


3 

Ol 


5 




'C 









1 


3 .t: -is .-^ > -c s g cö .t^ \ 






§HNi5 




a 
> 


rK 


>C -^ Q » 





40 



~ 


~. CC 3 1- 1 — 1 CC CO C 


1 ^ ^ — 


iC •M X c; 


X j 


i-o -rt- c: 




— lO 


-^ 


— 


ri -t -^ cc 1 Ol ! -x; t- t- 


1 00 S x -t 1- r: — 


CO 1 


uo -- iC , 




"M 1 ;C; 1 


X 




-* Q — CO X 'C 1- O 00 CC O 


«C CO I- o 


UO O t- CO 


T^O 


'^ (M M CO O I- 




OOXJCOOO 


~ 




?=S5j::jrg£85s2 




ÄCO-H.acaocOQDCocDOco 




o 


; 


.=fib^<:COC0»C"M«COt-»0(MC0O'M 




■^ Ol X CO h- CM 05 


'^ 


C0O00i0»0CC-^O00C0-*-^^C005OCMOC0 


^ X »O CVJ (M CO C5 -H 




— 1 co»o CO 


CM 




-HOI ^CC .^lO-rtrH 


CO t- — ' iM '^ '^ X IM X 














CM iC 


(M 








"^ 






• "t: ■ 
















® ■ • ■ 










J; 


-2 
















M 




























o • • • 




































































. .'S ^ 


























Q. ' ' 


s-^ 
















X ■ • ■ 










^ h'( 


=3 , • 
















i • ■ ■ • 










orlesungei 
ehalte 
ibliothek 
apital . . 

ipital . . 
tal . . . 
en-Stiftun: 
apital . . 
tal . . 
Kanital . 


c 








o 

s 
o 








im 




Konto . . 

-Konto 
-Konto . 
en-Konto 
onto . . 
tito . . . 






X X X -r ;^ ?: X .^ "f 'S £ 

t: r J: _x yT E >. -^ 2 2 £ 

. . ••:3t,»:cöooc 


idemann-Preis, Kapita 
org-Hermann-von-Me> 
rl-Hermann-von-Heyd 
rmächtnis Hertzog, Ki 


c 

c 
Ui 
1 

1 


c 

c 

i 

b 

"j. 

'a 
1 


•i 

i! 

li 


ä 

c a 

•11 


ubau-Tilgung . . . 
ckstellung für Reisen 
ckstellung f. Paläontoh 
riehen für Mineralieni 
riehen für Berlepsch-1 
riehen gegen Kriegsai 


ibergangskonto: 
/"ortrag an Unkosten- 
„ G ehalte- K( 
., Lehrmittel 
„ Naturalien 
„ Drucksach 
„ Beiträge-K 
„ „ Zinsen-Koi 






.i; © CS 0) 


5 X :3 © 


5 K 


OJ :3 :3 Ä ce cö 


o* 


1-^ 






IKKSko<o ° > > 


^OW>WKKO 


DnQIZCiKCQC 


D 






P^ 


f^ iS8 1 i |g5?gS 


1 1 












g 




>OOC005«0QO^'*Q0CC 

GOO^^ao^oocccDcocc 


oo 






























^ 


'M0t-»0'*00t-0t^-^ 


o o 












o 




■— t— CO -H 


^§? 












i 














































































1 ^ 




:\ 


























«3 




0) 


X,.^^ 
























c3 




'_£ 


\ 


\ 






















. o 




5 




^v 




















































3 — 




GC 
















_^ 










e— 




tc 




























a> 
















00 




i^lä 




2 '— 




t5 
















i 


^.'^an'ä.s ■ 


fe "^ 


Is ■ 
















loB^^i . 


7! S 
















•5d|^ = .| . ^'t% 


— £ 








\ 








c j= 
















S 2^ ä^ 0^ £f ■" = = a 


S.2 
















•^ ^ •- "H.-!.'-^ i t o 1 


— c 


































?— — 2 •; 0, 5'^-^-~'^ 


X - 
















'•^1:§rl"il|-^-7-^ 


37-^ 
















■ — ^ a, (3_, vf — — t- ;_ - 


















j;^ _>. •. . .-•^O'^ Oj OJ •- 


<D a3 


















-2c2 















41 



Rückblick auf die Jahre 1917 und 1918 

Mitteiliiiigeii der Verwaltung 

Wiederum sind zwei Jalii^e seit der letzten Berichterstattung- 
vergangen, zwei harte Kriegsjahre, die jedoch der GTesellschaft 
trotz ganz besonders schmerzlicher und schwerer Verluste, auch 
viel Segensreiches gebracht haben. 

Über die ernst und würdig verlaufene Jahrhundertfeier am 
22. November 1917 und über die aus diesem Anlaß der Gesell- 
schaft gewidmeten reichen Stiftungen und Schenkungen ist im 
48. Bericht ausführlich berichtet worden. Nicht ohne Einfluß ist 
die Jahrhundertfeier auf die Mitgliederzahl gewesen, die im Jahre 
1917 von 1334 auf 1355 angestiegen ist, obwohl 27 beitragende 
Mitglieder verstorben und 38 ausgetreten und verzogen sind. 
Erfreulicherweise haben sich im Jahre 1917 26 beitragende Mit- 
glieder entschlossen, zu den ewigen Mitgliedern überzutreten; zu 
außerordentlichen Ehrenmitgliedern wurden 2 beitragende Mit- 
glieder ernannt. Neueingetreten sind in 1917 107 beitragende 
Mitglieder, während in 1918 nur 58 Neueintritte zu verzeichnen 
sind. Ausgetreten, verzogen und gestorben sind in 1918 67, zu 
den ewigen übergetreten sind 3 Mitglieder, so daß die Zahl der 
beitragenden Mitglieder am 31. Dezember 1918 1343 betrug. 

Schwere Opfer an ungemein tüchtigen und lieben Menschen 
hat der Krieg auch in 1917 und 1918 gefordert. Vor allem hat 
er uns die Direktionsmitglieder Dr. Kichard Gonder und 
Dr. Friedrich W. Winter, sowie den Museumsassistenten 
Dr. Ludwig Nick entrissen, und noch in den allerletzten 
Tagen des Feldzuges ist der langjährige Konsulent der Gesell- 
schaft Justizrat Dr. Fritz Berg auf dem westlichen Kriegs- 
schauplatz gefallen. Schmerzlich sind auch die Lücken unter den 
außerordentlichen Ehi'enmitgliedern, den arbeitenden und ewigen 
Mitgliedern. Die Gesellschaft betrauert den Tod ihrer Verwal- 



42 ~ 

tungsmitglieder: Prof. Dr. H. E. Boeke, Geh. Med.-Kat Prof. 
Dr. L. E dinger, Geh. Bergrat Dr. H. Loretz und Eduard 
Müller, ilirer außerordentlichen Ehrenmitglieder: Freifrau 
Caroline v. E r 1 a n g e r - Niederingelheim, Stadtrat A. v. 
Met zier, Geh. Justizrat A. v. Harnier, Geh. San. -Rat Dr. 
H. Rehn und L. H. Reiss. Von den ewigen Mitgliedern schied 
aus dem Leben Wilhelm von den V e 1 d e n. Unter den korre- 
spondierenden Mitgliedern hat der Tod manchen hervorragenden 
Gelehrten abgerufen: Exzellenz E. v. Be bring -Marburg, G^h. 
Reg.-Rat Prof. Dr. A. Brauer- Berlin, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 
E. B u c h n e r - Würzburg, Hofrat Prof. H. Engelhar dt - Dres- 
den, Prof. Dr. W. Gebhar dt -Halle, Prof. Dr. F. H ornstein - 
Cassel, Geh. Hofrat Prof. Dr. G. K 1 e b s - Heidelberg, Geh. Stu- 
dienrat Prof. Dr. K. L a m p e r t - Stuttgart, Prof. Dr. H. S i m - 
r 1 h - Leipzig, Dr. 0. Thilo -Riga und Geh. Hofrat Prof. Dr. 
J. Wiesner- Wien. Es ist ferner gestorben das korrespon- 
dierende Ehrenmitglied Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. J. J. Rein- 
Bonn. Und auch aus der Reihe unserer beitragenden Mitglieder 
hat uns der Tod manchen langjährigen treuen Freund entrissen. 

Die Zahl der ewigen Mitglieder ist in den Jahren 1917 und 
1918 von 203 auf 249 angestiegen. Im Jubiläumsjahr wurden 44 
ewige Mitglieder eingetragen; die Namen sind bereits im 48. 
Bericht erwähnt. 1918 wurden eingetragen: Frau Alice El- 
lis sen und Dr. jur. F. v. Ba sser m ann - J or d an - Deides- 
heim. Viele der ewigen Mitglieder haben sich bereit erklärt, 
trotz der Erwerbung der ewigen Mitgliedschaft ihren Jahres- 
beitrag weiter zu entrichten; das gleiche haben auch einige 
außerordentliche Elu^enmitglieder getan. 

Außer den im 48. Bericht aufgezählten Elirungen anläßlich 
der Jahrhundertfeier ist die korrespondierende Ehrenmitglied- 
schaft verliehen worden an 

Geh. Reg. - Rat Prof. Dr. Heinrich Fresenius- 
Wiesbaden. 

Zu ar])eitenden Mitgliedern wurden ernannt: 
Prof. Dr. Sieg wart R up pel und 
M () li t z V. M et zier. 

Zur ]\Iitarl)eiterin wurde ernannt: 
Fräulein Julie v. H e y d e n. 

Die zur Erinnerung an die Jahrhundertfeier von Prof. Fritz 
Klinisch in Charlottenburg entworfene und von der Aktien- 



— 43 

gesellscliaft vormals G. Gladenbeck u. Sohn, Bildgießerei in 
Friedrichshagen, gegossene Denkmünze wurde an 25 Herren 
und 2 Damen verliehen. Die Namen sind im 48. Bericht ver- 
öffentlicht. Ein Exemplar der Denkmünze ist der hiesigen Stadt- 
bibliothek überwiesen worden. 

Der Volontärassistent der Säugetier-Abteilung Dr. Ernst 
S'chwarz hat mit Ablauf des Jahres 1917 seine Tätigkeit am 
Museum eingestellt. 

Dr. F. Haas ist nach wie vor in Spanien. Das bei einer 
im Auftrage des Zoologischen Museums in Barcelona von ihm 
unternommenen Expedition nach Südspanien gesammelte Ma- 
terial wird unserem Museum zugute kommen. 

Der Ende 1916 zur Aushilfe bei den Präparatoren einge- 
stellte Kriegsbeschädigte Friedrich G öjtz ist 1917 wieder 
ausgetreten; er wurde später durch Jakob Stein, ebenfalls 
kriegsbeschädigt, ersetzt. 

Ende 1918 wurde eine Vereinbarung mit Prof. Dr. A. S e i t z 
in Darmstadt getroffen, wonach dieser sich bereit erklärt hat, 
die Kustodenstelle in der entomologischen Abteilung unseres 
Museums vom 1. Januar 1919 ab anzunehmen und zugleich seine 
bedeutende Schmetterlingssammlung der Gesellschaft als Eigen- 
tum zu überweisen. 

Ende des Jalires 1918 ist Christian Kopp als Präpara- 
tor in der zoologischen Abteilung angestellt worden, nachdem 
er bereits melirere Jalu^e als Lelii'ling und zuletzt als Gehilfe 
am Museum tätig gewesen ist. 

Für die Anstellung "einer weiteren Hilfe im Präparations- 
raum hat ein Freund der Gesellschaft einen größeren Beitrag 
gestiftet. 

Der Laboratoriumsgeliilfe A. Krämer wurde zum 31. Ok- 
tober 1918 entlassen. 

Im Dezember 1918 starb Karl W i 1 m e s , der seit dem 
•Jahi*e 1910 als Schreiner am Museum tätig gewesen ist. 

In Anbetracht der schwierigen Zeitverhältnisse hat die Ver- 
waltung ihren Beamten und Angestellten außer einer einmaligen 
Kriegsbeiliilfe eine laufende Teuerungszulage bewilligt, die neuer- 
dings noch bedeutend erhöht worden ist. 

Die während des Krieges im Militärdienst tätig gewesenen 
Beamten und Angestellten sind nach Abscliluß des Waffenstill- 
standes Ende des Jahres 1918 zui^ückgekelu-t, ebenso ein Teil 



_ 44 — 

unserer freiwilligen Hilfskräfte, die wälireiid des Krieges durch 
soziale oder Pflegedienste in Anspruch genommen waren. 

Die ordentliche Generalversammlung über das Rechnungsjahr 
1910 fand am 23. Mai 1917 statt. Sie genehmigte dem Antrag der 
Revisionskommission entsprechend die Rechnungsablage für 1916 
und erteilte dem I. Kassierer W. M e 1 b e r Entlastung. Der Vor- 
anschlag für 1917, der sich in Einnahmen und Ausgaben mit 
M. 125 762.31 ausgleicht, wurde genehmigt. Nach dem Dienstalter 
schieden aus der Revisionskommission aus Philipp Passa- 
vant und Freiherr S. M. v. Beth mann, an deren Stelle 
Moritz V. M e t z 1 e r und Dr. jur. Paul Stern gewählt 
wurden. Für 1917 gehörten der Kommission ferner an: Dr. R. 
N i e d e r h f h e i m. als Vorsitzender, E d u a r d d ' r v i 1 1 e , 
Heinrich de B a r y - s t e r r i e t h und Justizrat Dr. Otto 
P' e 1 1 n e r. 

Am 6. November 1918 fand die ordentliche Generalversamm- 
lung über das Rechnungsjahr 1917 statt, die nach Genehmigung 
der Rechnungsablage dem Kassierer W. Melber Entlastung 
erteilte und den Voranschlag für 1918, der sich bei Einsetzung 
einer Fehlsumme von M. 2228.86 in Einnahmen und Ausgaben 
mit M. 127 649.21 ausgleicht, genehmigte. Für die aus der Revi- 
sionskommission ausgeschiedenen Mitglieder Dr. R. Nieder- 
h f h e i m und Eduard d ' r v i 1 1 e wurden Herman n 
Nestle und Kurt v. NeufviUe gewählt. Anstelle des ver- 
storbenen Kassierers Stadtrat A. v. Metzler wurde Moritz 
V. Metzler einstimmig gewählt. Der Kommission gehörten für 
1918 ferner an: Justizrat Dr. Otto Fellner als Vorsitzender, 
Heinrich de B a r y - O s t e r r i e t h und Dr. jur. Paul Stern. 

Im Andenken an die genußreichen Stunden, die ihr verstor- 
bener Gatte in der Gesellschaft verbringen konnte, hat Frau 
Sarah Bleibtreu M. 100.— geschenkt. 

In dankenswerter Weise hat das am 21. Juni 1917 verstor- 
bene beitragende Mitglied Georg Hertzog der Gesellschaft- 
ein Vermächtnis von M. 40 000.— hinterlassen, das zur Abtragimg 
der Schulden dienen soll, die dm^ch den Erweiterungsbau un- 
seres Museums entstanden sind. Ein anderes Mitglied, Eduard 
Parrot, vermachte der Gesellschaft letztwillig 2000 Mark. 

Der Frankfurter Kunstverein schenkte 1000 Mark für die 
spätere Prägung der demnächst fertiggestellten, zur Jahrhundert- 
feier gestifteten Cretzschmar-Medaille. 



— 45 — 

Für den im Frühjahr 1917 fälligen Rückkauf von Darlehens- 
scheinen stellte die MetaUgesellschaft 3 Anteilscheine und Kom- 
merzienrat Haeffner 1 Anteilschein geschenkweise zur Ver- 
fügung. Über die aus Anlaß der Jahrhundertfeier geschenkten 
Darlehensscheine und über die Jubiläumsstiftung der Mitglieder 
gibt der bereits erschienene 48. Bericht Auskunft. Im Frühjahr 
1918 fand eine Verlosung von Anteilscheinen statt, bei der die 
Nummern 129, 277 und 295 gezogen wurden. 

Besonders erfreulich sind auch die Geschenke an Bildern 
für das Sitzungszimmer der Gesellschaft und an Medaillen, die 
die Gesellschaft während der letzten zwei Jalire, in erster Linie 
aus Anlaß der Jahrhundertfeier, erhalten hat und die bereits 
alle im 48. Bericht erwähnt sind. 

Die Verleihung der verschiedenen fälligen Preise und Sti- 
.pendien ist bis nach dem Kriege zurückgestellt worden. Ebenso 
fiel in den Jakren 1917 und 1918, wie in den vorhergehenden 
Kriegsjaliren, die übliche Jahresfeier aus; dagegen wurden wie- 
derum regelmäßige Vorlesungen und wissenschaftliche Sitzungen 
abgehalten, die allerdings wegen der Verkehrsschwierigkeiten 
und der für auswärtige Eedner manchmal damit verbundenen 
Unmöglichkeit zu reisen, hin und wieder ausfallen mußten. 

Unserem korrespondierenden Ehrenmitglied Geheimrat Prof.* 
Dr. 0. Bütschli- Heidelberg wurde anläßlich seines 70. Ge- 
burtstages am 5. Mai 1918 die Denkmünze der Jahrhundertfeier 
verliehen. 

Am IG. Juni 1918 waren 25 Jahre verflossen, seit Geh. Reg.-' 
Rat Prof. Dr. M. Möbius als arbeitendes Mitglied in die Ge- 
sellschaft eingetreten ist, die botanische Sammlung des Museums 
verwaltet und im Auftrage der Administration der Dr. Sencken- 
bergischen Stiftung die botanischen Vorlesungen und Kurse ab- 
hält. Die Gesellschaft hat ihm aus diesem Anlaß die Jubiläums- 
medaille in Silber, das erste Exemplar, das in Silber überhaupt 
vergeben worden ist, verliehen. 

Dem außerordentlichen Ehrenmitglied Prof. Dr. H. Rei- 
chenbach, dem alle der Gesellschaft zur Verfügung stehenden 
Elirungen bereits erwiesen worden sind, wurde am 23. Juli 1918 
zu seinem 70. Geburtstage eine Glückwunschadresse überreicht. 
Von einer größeren Feier, wie sie die Gesellschaft ihrem hoch- 
verehrten Jubilar zu Ehren so gerne veranstaltet hätte, mußte 
in Anbetracht der ernsten Zeiten abgesehen werden. 



- 46 — 

Landesökoiiomierat A. Siebert wurde aus Anlaß seiner 
40jährigen Tätigkeit am Palniengarten am 10. Oktober 1918 ein 
Glückwunschschreiben überreicht und die eiserne Medaille der 
Jahrhundertfeier verliehen. 

Vor der ersten wissenschaftlichen Sitzung am 26. Oktober 
1918 wurde in einer Gedächtnisrede des 150. Geburtstages Si- 
m n i\i r i t z v. B e t h m a n n s , des Mitstifters der Gesell- 
schaft, gedacht, und am Geburtstage selbst (31. Oktober 1918) 
auf seiner Grabstätte auf dem Peterskij'chhof ein Lorbeerkranz 
njfcdergelegt. 

Der Betrieb des Zoologischen Instituts der Universität fand 
weiter im Senckenbergischen Museum statt; wälirend der Kälte- 
periode im Winter 1917/18 war auch das Mineralogische Institut 
im Museum aufgenommen worden. 

Ende 1917 sind der II. Direktor Prof. Dr. P. Sack und, 
der II, Scliriftfühi^er H. Jacquet aus der Direktion ausgeschie- 
den; an ilire Stelle sind für die Jahre 1918 und 1919 Dr. jm\ 
A. L 1 i c h i u s und Privatdozent Dr. med. E. G o 1 d s c h m i d ge- 
treten. Mit Ablauf des Jalu'es 1918 hatten satzungsgemäß aus der 
Direktion auszuscheiden der I. Direktor Dr. A. J a s s o y — bisher 
vertreten durch Geh. Med. -Rat Prof. Dr. A. Knoblauch — 
'und der I. Schriftführer Dr. O. L ö w B e e r. Für die beiden fol- 
genden Jahre 1919 und 1920 wurden Geh. Med.-Rat Prof. Dr. 
A. Knoblauch als I. Direktor und Dr. 0. L ö w^ Beer, dessen 
Wiederwahl nach den Satzungen zulässig war, als I. Schriftführer 
gewählt. 



47 



Museumsbericht 

In den beiden letzten Kriegsjahren (1917 und 1918) war die 
Arbeitsmögiiclikeit am Museum naturgemäi5 stark behindert. Wa- 
ren doch seit Ende 1916 fast alle eingestellten und ein großer 
Teil der freiwilligen Mitarbeiter zum Heeresdienst einberufen. 
Unsere freiwilligen Helferinnen waren wie in den vorhergehen- 
den Kriegsjahi^en durch soziale oder Pflegedienste in Anspruch 
genommen; sie sind zum Teil bereits Ende 1918 in ilire alte 
Tätigkeit zurückgekelirt, so daß nunmehr die leider jahrelang 
unterbrochene Arbeit in allen Abteilungen wieder aufgenommen 
werden kann. 

Der Museumsbesuch stand dem in den Vorjalu^en etwas nach. 
Die Zählung ergab für 1917 24 566 und für 1918 26 670 Besucher. 
Soldaten und Verwundete hatten nach wie vor zu allen Besuchs- 
stunden freien Eintritt und machten von dieser Vergünstigung 
fleißig Gebrauch; doch konnten Führungen infolge der Abwesen- 
heit sämtlicher wissenschaftlicher Beamten leider nicht mehr 
veranstaltet werden. — In beiden Jahren war das INIuseum je 
drei Wochen lang geschlossen. 

Größere bauliche Veränderungen haben nicht stattgefunden. 
Auf Anordnung der Metall-Mobilmachungsstelle mußte ein großer 
Teil des Dachkupfers abgeliefert werden. Durch Geschosse der 
Fliegerabwehrgeschütze entstanden melufach leichte Beschädi- 
gungen, die ausgebessert werden konnten. Die Bücksicht auf 
Fliegergefahr hat es auch notwendig gemacht, besonders kost- 
bare Stücke der Schausammlung in größere Sicherheit zu brin- 
gen. Vor allem wurde der im Lichthof stehende riesige Diplo- 
docus aus diesem Grunde abgebaut. Er wird später in freier 
Montierung wieder aufgestellt werden. Die Überführung der 
Skelett- und der Fellsammlung in ilu^e neuen Eäumlichkeiten ist 
beendet. Die bisher dort befindliche Molluskensammlung hat in 



48 — . 

dem Xebensaal, der durch Ijberfülirung der geologischen Samm- 
lungen in den Neubau frei geworden war, Platz gefunden. In 
dem ahen Skelettsaal sollen später die niederen Wirbeltiere, die 
in der Schausammlung aus räumlichen Gründen bisher nur 
mangelhaft vertreten sind, aufgestellt werden. Im Sommer 1918 
hat in unserem ISIuseum zum ersten Male eine Blausäure-Ver- 
gasung der Vogelsammlung mid der wissenschaftlichen Säugetier- 
Sammlung in zwei Stockwerken zwecks Vertilgung von Motten 
und Anthrenus durch die Gold- und Silberscheideanstalt statt- 
gefunden. 

Die Zentralheizung war wegen des Kohlenmangels fast gänz- 
lich außer Betrieb gesetzt. Die dauernd benutzten Räumlichkeiten 
wurden mit neu gesetzten Öfen geheizt, wofür als Reserve meh- 
rere Hundert Zentner Buchenholz beschafft wurden. 

A. Zoologische Sammlung 

Der Zuwachs in den einzelnen Al^teilungen kann sich natür- 
lich im allgemeinen mit dem früherer Jahre nicht messen, ist 
aber dennoch nicht unbeträchtlich. Vor allem ist hier der Er- 
werb der prachtvollen Vogelsammlung Carlo v. Erlangers 
zu nennen. Es handelt sich um 12 589 Bälge und 1140 Gelege, 
die V. Erlanger teils in Nordafrika, teils in der Nähe seines 
Wohnsitzes Niederingelheim selbst gesammelt hat. Die Samm- 
lung enthält sämtliche von v. Erlanger beschriebenen Typen 
sowie zahlreiche prächtige Serien seltener Arten und dürfte 
daher für zoogeographische Untersuchungen besonders wertvoll 
sein. Alles ist in tadellosen Scliränken untergebracht. 

Der Ankauf der schönen Sammlung von Meereskonchylien 
des Prof. Bolgiano in München wird es ermöglichen, eine 
empfindliche Lücke der Schausammlung auszufüllen. Es handelt 
sich durchweg um ganz hervorragende Stücke, die zu diesem 
Zwecke besonders geeignet sind. 

Im Bialo wieser Urwalde war Dr. Nick als wissenschaft- 
licher Hilfsarbeiter bei der Militär-Forstverwaltung weiterhin 
tätig, bis im September 1917 der Tod den Schaffensfreudigen 
mitten aus der Arbeit abrief. Chr. Kopp, der ihm als Prä- 
parator zur Seite gestanden hatte, verblieb weiterhin dort, und 
in den letzten Monaten des Krieges war auch Dr. Sternfeld 
als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter nach Bialowies versetzt. Die 



49 

reichen Sanimlungen, die zum großen Teil der unerniüd liehen 
Tätigkeit von Dr. Nick und Präparator Chr. Kopp zu ver- 
danken sind, haben glücklicherweise abtransportiert werden kön- 
nen. Es befinden sich dabei etwa ein Dutzend Wisentfelle und 
-Skelette, mehr als 900 sorgfältig präparierte Vogelbälge, schät- 
zungsweise an 50 000 Insekten und vieles andere wertvolle Ma- 
terial. Die Verteilung an die verschiedenen Museen, die dar- 
auf Anspruch haben, wird hoffentlich in nächster Zeit erfolgen 
können. 

Aus dem Felde sind auch weiterhin zahlreiche Sendungen 
von Freunden und Beamten des Museums eingegangen, wodurch 
die einzelnen Abteilungen manclien wertvollen Zuwachs erhal- 
ten haben. 

Aus dem Nachlaß unseres arbeitenden Mitgliedes Fried - 
ricli Bas tier wurde ein Kasten mit Feinmechanik-Instru- 
menten dem Museum überwiesen. 

Allen denen, die zur Vermehrung der Sammlungen beige- 
tragen haben, sei an dieser Stelle unser herzlichster Dank aus- 
gesprochen. Es sind dies u. a. : 

Frau Dr. C. Beck -Aachen, Stadtrat C. Binding, Prof. 
A. V. B ö h m - Salzburg, Prof. A.Brauer- Berlin, Dr. F. B r a u n s, 
San. -Rat Dr. A. B ü c h e 1 e r, Leutnant d. R. C o m b e c h e r, Fisch- 
handlung M. E i s e m a n n , Ersatz-Bespannungs- Abteilung Fuß- 
Art. Heg. Nr. 3-Mainz, Frau Helene du Fay, H. Flocard- 
Charleville, Dr. E. G o 1 d s c h m i d , R. v. G o 1 d s c hm i d t - 11 o t h - 
Schild, Landsturmmann C. Gapp, Lehrer H. Grupe, A. v. 
G w inner- Berlin, Unteroffizier R. Haas, Geh. Baurat 0. 
Hahn, Oberarzt Dr. Haus, Geh. Med. -Rat H. Hecker - Straß- 
Ijurg i. E., Leutnant d. R. H e r x h e i m e r, Fräulein J. v. H e y - 
den, Unteroffizier H u f e I d , J u n g m a n n - Eppstein, Leutnant 
H. Kaysser, O. K lebsatte 1, Kom.-Rat Dr. H. K ley er, 
Geh. Med.-Rat A. Knoblauch, Dr. L i n d e m a n n - Lissa, Dr. 
A. Lotichius, Dr. O. Low Beer, Hauptmann Lud icke, 
Geh. Reg.-Rat M. Möbius, R. Moll, Frau Lili Morgen- 
stern, Vizefeldwebel Julius Müller, Leutnant Müller, 
Dr. M. Nassauer, Kom.-Rat R. de Neufville, L. Oben- 
a u e r - Darmstadt, Kanonier E. Geh m e , Frau M. 0hl, Palnien- 
garten-Gesellschaft, Leutnant Panzer, Dipl.-Ing. P. Prior, 
Kanonier Reif Schneider , Dr. R. u. Frau E. Richter, 
Fräulein 0. R ö d e r s t e i n - Hofheim i. T., Geh. San.-Rat E. R o e - 



— 50 — 

dig-er, Frau M. Koemmich, Dr. A. Scliädel, Unteroffizier 
Schmidt, Frau E. S c h m i d t - P o 1 e x , Prof. O. S c h n a u d i- 
g e 1 , Feldpostsekretär W. Schneider, Julius Schott- Xeu- 
hof, Kanonier H. Schreiber, Unteroffizier S c h r e i t m ü 1 1 e r , 
A. Seid ler- Hanau, Landesökonomierat A. Siebert, K. W. 
S n a r d - Xeu-Isenburg, Exz. v. S t e i n m e i s t e r , Dr. R.Stern- 
f e 1 d , Karl S t o 1 1 , Geh. Reg.-Rat O. z u r Strassen, Frau Th. 
Trier, Vizefeldwebel E.Vogel, Leutant V o ß - Höchst, I'liter- 
offizier W e s e n e r , ]Major .J. W i d ni a n n . Baurat A . Vr o r - 
g i t z k y - Blankenburg. 

Fräulein A. Hobrecht hat ihre Tätigkeit in der Haus- 
bücherei wieder aufgenommen und mit der Neuordnung des ge- 
samten Bestandes begonnen. Die während der letzten Jahre ein- 
gegangenen Bücher und Sonderabdrucke u.a. von: 

Administration der Senckenbergischen Stiftung, Geh. Studien- 
r.at Bail- Danzig, Bibliothek der Wirtschafts- und Sozialwissen- 
scliaftl. Seminai'e, Zahnarzt J. Böhme, A. v. G w i n n e r - Ber- 
lin, Geh. Baurat O. Hahn, FrauW. v. Hey den, geb.v. M an- 
der st jerna, Prof. Th. Krumbach-Rovigno, Dr. G. de 
^Fan - Jerseke, G^h. Reg.-Rat M. Möbius, Prof. Th. Nau- 
mann' Kom.-Rat R. de Neufville, Dr. R. und Frau E. 
Richter, Frau E. S c h m i d t - P o 1 e x , Prof. E. S t r o m e r - 
München, Zentrale für Frankfurter Familienforschung (Genea- 
logische Vereinigung) wurden bei dieser Gelegenheit eingereiht. 

1. Wirbeltiere 

1. Säugetiere. Xeuaufstellungen von Bedeutung für die 
Schausammlung haben in den letzten Jahren nicht stattgefunden. 
Jedoch ergab sich eine Reihe von Erwerbungen größerer Stücke, 
zumeist aus dem hiesigen Zoologischen Garten, die später wich- 
tige Lücken in der Schausammlung schließen werden. Dazu ge- 
hört vor allem ein männlicher Kudu, ein Vi^isentbulle, von dem 
jedoch nui- der Kopf verwendbar ist und im Lichthof aufgestellt 
werden soll, ein Eisbär, ■ eine Zibethyäne (Proteles) aus dem 
Zoologischen Garten zu Köln und ein weiblicher See-Elefant aus 
Hagenbecks Tierpark in Stellingen. Außerdem sind noch 
zwei Narwalskelette zu nennen. Das afrikanische Nashorn, das 
seinerzeit von R. v. G o 1 d s c h m i d t - R o t h s c h i 1 d dem Zoo- 
logischen Garten mit der Bestimmung geschenkt war, daß es 



- 51 

nach dem Tode an das Museum fallen solle, ist eingegangen, 
abei- leider zur Aufstellung nicht geeignet. Die Sammlung von 
Eennpferden wurde vermehrt diu^ch das Skelett der Vollblut- 
stute „Fabella" (von Spearmint aus der Fabula), ein wertvolles 
Geschenk der Herren A. und C.v. Weinberg. Die unter Lei- 
tung Dr. Nicks in Bialowies .zusammengebrachte Sammlung 
enthält 51 Nummern von Säugetieren, darunter zwei Felle und 
Skelette, sowie vier weitere fast vollständige Skelette vom Wisent 
neben Vertretern des übrigen dort vorkommenden Großwildes 
und einer Eeihe von Kleinsäugern, teilweise in Serien, die wert- 
volles Vergleichsmaterial bilden. 

2. Vögel. Die Ordnung der alten Sammlung wurde durch 
H. Jacquet fortgesetzt und vollendet. Leider muß immer noch 
ein Teil der großen Bälge in Kisten und Pappkästen unterge- 
bracht werden, da es an Schränken fehlt. 

Die Berlepsch-Sammlung ist jetzt vollständig durchgesehen 
und die Paläarkten systematisch geordnet. Auch die Erlanger- 
sche Sammlung ist nunmehr in großen Schränken wohlgeordnet 
untergebracht. Sie bildet eine überaus wertvolle Ergänzung un- 
sere} reichen ornithologischen Schätze. Die Bälge der Ausbeute 
Herzog Adolf Friedrichs zu ]\1 e c k 1 e n b u r g vom Kongo 
und aus Kamerun sind sämtlich gestreckt worden und wurden 
in die Sammlung eingereiht. P. C a h n stellte seine Arbeitskraft 
und sein reiches Wissen der Abteilung nach wie vor zur Ver- 
fügung. Die Arbeit von Frau Dr. Low Beer an der Kolibri- 
Sammlung mußte leider unterbrochen werden und hat erst neuer- 
dings wieder aufgenommen werden können. 

Alle Sammlungen wurden von auswärts, namentlich von 
München, stark in Anspruch genommen. Eine Reihe von Leih- 
gaben sind dorthin gesandt worden. 

In der Schausammlmig wurde ein prachtvoller Argusfasan 
neu aufgestellt. Ferner zwei Tragopane, die durch Vermittlung 
von Geh. Reg. -Rat zur Strassen von H. Flocard - Charle- 
ville dem Museum überwiesen wurden, sowie ein japanischer 
Kranich, eine Rotschnabelkitta und ein Brauner Pelikan, die 
aus dem Zoologischen Garten stammen. 

3. Reptilien und A m p h i b i e n. Die Eingänge waren 
auch weiterhin nicht besonders stark. Sie beschränkten sich in 
der Hauptsache auf kleinere Sendungen aus dem Felde, wofür 
insbesondere Herrn A. Se i d le r - Hanau zu danken ist. Vom Assi- 



stenten der Abteilung- konnte einiges Material in Mazedonien 
gesammelt werden. Die Bearbeitung der Reptilien und Amphi- 
bien de]' Hanseatischen Südsee- Expedition ist zum Abschluß ge- 
bracht worden. Sie ergab neben der Bescln^eibung einer neuen 
Echse und von drei neuen Batrachier-Arten wichtige Aufschlüsse 
füi- die tiergeographische Gliederung Polynesiens. 

In 'der Schausammlung wurde die im Zoologischen Garten 
eingegangene Galapagos - Schildkröte {Testudo ephipjnum Gün- 
ther) aufgestellt. Sie bildet eine wertvolle Bereicherung der schö- 
nen Sammlung riesiger Landschildkröten. Daneben gelangten 
neuerdings ein weiteres, besonders schönes und großes Exem- 
plar der Brückenechse {Sphenodon punctatum Gray) sowie eine 
Anzahl Giftschlangen zur Aufstellung. 

4. In der F i s c h - A b t e i 1 u n g gab es wenig Neues. A . H. 
W e n d t , dessen eifriger Tätigkeit die Abteilung so viel ver- 
dankt, hat erst eben beginnen können, die durch den Krieg zer- 
rissenen Fäden wieder anzuknüpfen. Sonst lagen nur kleinere 
Eingänge aus dem Zoologischen Garten vor. 

II. Wirbelloso Tiere 

Für die M o 1 1 u s k e n - A b t e i 1 u n g ist zunächst der An- 
kauf der Sammlung Prof. C a r 1 B o 1 g i a n o s in München zu er- 
wähnen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um marine Schnek- 
ken und Muscheln, die in erster Linie dazu dienen sollen, die 
Schausammlung zu bereichern. Das Fehlen genauer Fundorts- 
angaben ist unter diesen Umständen weniger von Bedeutung. 
Es handelt sich vorwiegend um ausgesucht schöne und große 
Stücke von all den Formen, die ihrer Schönheit, Seltenheit oder 
auffälligen Bildung halber für Schausammlungszwecke besonders 
geeignet sind. Namentlich die Gattungen Cypraea, Oliva, Murex 
und insbesondere Conus sind in herrlichen, großen Serien ver- 
treten. Die Sammlung ist von Prof. Bolgiano selbst zusammen- 
gestellt und von seinem Sohne dem Museum angeboten worden. 

Das von D. Geyer in Bialowies gesammelte reichhaltige 
Material, eine erwünschte Ergänzung zu dem bereits von Dr. 
Nick gesammelten, ist eingetroffen und bleibt vorläufig liegen, 
bis Dr. Haas von seinem unfreiwilligen Aufenthalt in Spanien 
zurückgekehrt sein wh^d. Das Gleiche gilt von der Schnecken- 
sammlung aus dem Nachlaß des cand. phil. Hashagen in 
Bremen. 



^ 53 — 

Insekten. Die während der Bericlitszeit ausgeführten Ar- 
beiten in der Insektenabteilung stellen sich im wesentlichen als 
Vorarbeiten zu einer Vereinheitlichung der gesamten Insekten- 
Kollektionen dar. Es gilt, die früher selbständig behandelten 
und nach unterschiedlichen Prinzipien geordneten und unter- 
gebrachten Abteilungen, die den einzelnen Insekten-Ordnungen 
entsprechen, auf eine gemeinschaftliche Basis zu stellen. So 
wurde die Zahl der nach den neuesten Erfahrungen konstruier- 
ten Kasten wesentlich vermeinet und mit der Einreihung der Be- 
stände in eine fortlaufende Insektensammlung fortgefahren. 

Von Hymenopteren wui'den die Äpidae neugeordnet und 
dabei die große, von unserem verstorbeaien Mitglied A. Weis 
dem Museum überwiesene Hautflügler-Sammlung eingereiht. Die 
ScoUidae und einige Wespengruppen wurden hier angeschlossen 
und nocl die Abteilung der Ichneumoniden in Angriff genommen. 

Die Neuordnung und Dm^chbestimmimg der Lepidopteren 
war bis zu den (exotischen) Lycaeniden durchgeführt, und die 
Nachtfalter waren bis zu dem Lymantreiidae durchgearbeitet, 
als die weitere Behandlung def Schmetterlingssammlung eine 
jähe Unterbrechung durch den unerwarteten Tod des Sektionärs 
für diese Insektenordnung, Eduard Müller, erfuhr. Näheres 
über diesen beklagenswerten Verlust imd Einzelheiten über die 
letzte Zeit der Tätigkeit AI ü 1 1 e r s für unser Museum werden 
an anderer Stelle dieses Berichts mitgeteilt werden. 

Unter den Greschenken, die für die Insektensanmilung wäh- 
rend des Krieges 1918 eingingen, ist eine Anzahl ausländischer 
Schmetterlinge zu erwähnen, die H. Wer the im dem Museum 
überließ. Aus dem Jahre 1917 ist aber eine große und reiche 
Sammlung exotischer Falter nachzutragen, die Dr. Max Nas- 
sauer gestiftet hat. Es ist die selii^ gut erhaltene, zwei große 
Schränke fast ganz füllende Sammlung des Postsekretärs Carl 
S c h e f f e r - Niederrad, die sich durch außergewöhnliche Sauber- 
keit und sorgfältige Präparation der zum Teil recht seltenen 
Exemplare auszeichnet. Die Sammlung bildet eine willkommene 
Ergänzung der früher schon vom gleichen Spender dem Museum 
überwiesenen Sammlung von Raupen und Kleinschmetterlingen 
(vergl. 47. Bericht S. 44). Geh. San. -Hat Dr. Roediger überwies 
gleichfalls eine Anzahl Schmetterlinge, sowie mehrere für die 
Präparation nötige Utensilien. Weitere Bereicherung erfuhr die 
Lepidopteren-Sammlung durch Tausch einiger Falter mit J o - 



- 54 — 

sepli Wert li e im und flui'c]! Ankäufe ostasiatischer und afri- 
kanischer Schmetterlinge. 

Dipteren. Prof. Sack bearbeitete die g-esamte von iliiii und 
von Dr. Nick zusanunengebi-achte Dipteren-Ausbeute aus Bia- 
lovvies und beendete die einheitliche Ordnung der sogenannten 
kleinen Museiden nach dem Dipterenkatalog von K e r t e s z. 

Zu einem gewissen Stillstand waren die Arbeiten in der 
Gruppe der Koleopteren gekommen, durcli das 1915 erfolgte Hin- 
scheiden des langjährigen Sektionärs für diese Abteilung, L u- 
k a s von H e y d e n , dessen nicht hoch -genug anzuschlagenden 
Verdienste für unser Museum wir im 46. Bericht gedacht hatten. 
Es ist al^er, nachdem die Bestände des Museums an Käfern heute 
eine beträchtliche Höhe erreicht haben, jetzt damit begonnen 
worden, diese übersichtlich anzuordnen und durchzuarbeiten; eine 
Tätigkeit, für die die beschränkten räumlichen Verhältnisse des 
Museums in früherer Zeit ein ernstes Hindernis darstellten. 

Die Orthopteren sind bereits zum Teil in die neue wissen- 
schaftliche Sammlung übergeführt worden und stellen in ihrer 
neuen Anordnung eine recht ansehnliche Kollektion dar, die 
indes noch in mehrfacher Hinsicht der Vervollständigung bzw. 
der Erneuerung bedarf. Bekanntlich sind manche Orthopteren- 
gruppen die empfindlichsten und hinfälligsten Insekten, und eine 
zeitweise Auffrischung bildet daher ein Desiderium allei- ältereji 
Museen. 

Was den liest der Insekten betrifft, der nicht den hier auf- 
geführten Gruppen angehört, so haben deren Bestände nm- un- 
wesentliche Veränderungen erfahi-en. Die Abwesenheit aller 
wehrfähigen Männer und die in jeder Hinsicht erschwerten Ver- 
hältnisse in der Heintat haben eine wesentliche Förderung der 
Entomologie über die angefülnten Grenzen hinaus nicht zuge- 
lassen. Um so eifriger werden die sein zahlreichen Arbeiten be- 
trieben, welche die Neugestaltimg der gesamten Museumssamm- 
lung in der Zukunft zuwege bringen sollen. Vor allem wird 
gegenwärtig an der Zusannnenlegung der zahlreichen, noch nic-lit 
eingereihten Austeuten und Spezialkollektionen gearbeitet, inid 
die Umgestaltung der gesamten Bestände in ein einheitliches 
System dürfte, da das gesamte liessort der Entomologie nun- 
mehr einer einheitlichen Leitung untersteht, rasche Fortschritte 
machen. Es bleibt zu wünschen, daß die zur Zeit geradezu un- 
ei'schwinglichen Preise für Unterkunftsbehälter wie Schränke, 



Glaskasten usw. bald einen Rückgang erfahren und daß der 
sonst erprobte Gemeinsinn und die Hilfsfreudigkeit der Bürger- 
schaft auch der entomologischen Abteilung den Aufstieg zu grö- 
ßerer Leistungsfähigkeit ermöglichen. 

III. Vergleichende Anatomie 

Erfreulicherweise hat Frau M. Sondheim auch im Kriege 
trotz übernommener sozialer Arbeit noch regelmäßig Zeit ge- 
funden, die — meist aus dem Zoologischen Garten — eingelie- 
ferten Tiere anatomisch zu verwerten. Und es war keine geringe 
Aufgabe, da neben vielen kleinen Vögeln und Säugern mehrere 
große (Elefant, Wisent, Nashorn und See-Elefant) reichliches 
Material lieferten. Von diesen Tieren wurden die Gehirne kon- 
serviert, vom Elefanten melirere instruktive Präparate, unter 
anderem z. B, vom Gehörgang, sowie verschiedene Nerven- und 
Schnittpräparate angefertigt. Bei der Herstellung dieser Prä- 
parate, wie auch einiger für die Lehrsammlung des Zoologischen 
Instituts, hat sich wiederum E. Cnyxim verdient gemacht. 

Besonders wertvoll und willkommen waren auch häufig die 
frischen Tierkadaver als Demonstrationsmaterial für die Stu- 
dierenden des Zoologischen Instituts. 

B. Botanische Samnilung' 

Die botanische Sammlung der Gesellschaft befindet sich seit 
1914 in den Räumen des Botanischen Instituts der Dr. Sencken- 
bergischen Stiftung im Bibliotheksgebäude (Viktoria-Allee 9). Die 
Schausammlung konnte bisher wegen Mangels an Personal dem 
Publikum noch nicht geöffnet, kann aber von denen, die sich 
besonders dafür interessieren und beim Direktor melden, be- 
sichtigt werden. 

C. Paläontologisch-geologische Sammlnng 

Auch dieser Sammlungsbericht kann nur kurz ausfallen. 
Denn es ist ganz unmöglich, in den wenigen Wochen, die seit 
Kriegsende verflossen sind, sich auch nur einen flüchtigen Über- 
blick darüber zu verschaffen, was während der letzten zwei 
Jahre eingegangen ist und was zuerst geschehen muß. Zu den 
starken Anforderungen, die Kriegshilfe und Verwundetenfürsorge 
an die freiwilligen Hilfskräfte stellten, gesellte sich die Kohlen- 
not, die ein Arbeiten im Museum zeitweise unmöglich machte. 
So blieb fast alles liegen. Über hundert verschiedene Sendungen 



allein aus dem Felde sind notiert, von denen bis heute etwa 
zehn ausgepackt sind. Dazu kommt die Schwierigkeit, sich in 
die bei Kriegsausbruch oder beim Einrücken abgebrochene Tä- 
tigkeil wieder einzuleben, so daß ein ziemlicher Berg von Arbeit 
vor dem Leiter, den Sektionären und den Mitarbeitern liegt. 

Aber auf der anderen Seite geht es auch erfreulich vorwärts. 
Unsere Mitarbeiter melden sich wieder und helfen mit dem glei- 
chen selbstlosen Eifer wie früher; die Damen :\I. Kaysser, C. 
Proesler, A. Schiele und E. Walcker stehen bereits 
wieder auf ihren Plätzen, und neue Kräfte sind in Aussicht. 
Dr. W e n z hat seine Arbeiten wieder aufgenommen, und der 
kurze Bericht der paläozoischen Abteilung zeigt die fleißige 
Tätigkeit des Sektionärs Dr. R. Richter und seiner Gattin. 
Herr Konsul R o 1 f e s und Frau Assessor T o m f o r d e sind mit 
Bildern für die Schausammlung beschäftigt. So kann trotz aller 
Überlastung die Hoffnung ausgesprochen werden, daß in Jahres- 
frist die Abteilung wieder blüht und ihre alte Kraft auch unter 
den neuen Bedingungen bewährt. 

Der Leiter muß wieder um Entschuldigung bitten, wenn so 
mancher freundliche Geber, so manche freiwillige Mitarbeit nicht 
genannt wird, und kann nur die Hoffnung aussprechen, daß 
ihrer aller im nächsten Bericht gedacht werden kann. 

Eine kleinere Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten ging trotz 
aller Schwierigkeiten materieller und seelischer Art in der Zwi- 
schenzeit aus der Museumsabteilimg und dem Universitäts-Insti- 
tut hervor. Es sind: 

A. Born „Zur Geologie der spanischen Kalisalzlagerstät- 
ten". Zeitschr. für praktische Geologie, 1917. 

K. Fischer und W. Wenz „Mollusken aus den Sables 
de Cuise der Umgegend von Soissons". Nachrichtsblatt der D. 
Malakozoolog. Gesellschaft 50, 1918. 

R. u. E. R i c li t e r „Bemerkungen über das Schnauzenschild 
(scutum rostrale) bei Homalonoten". Zentralbl. f. Mineralogie. 
1917. 

,.Die Lieliadiden des Eifler Devons". Neues Jahrbuch für 
Mineralogie Bd. 1, 1917. 

,,ljber die Einteilung der Familie Acidaspidae und über 
einige ihrer devonischen Vertreter". Zentralbl. f. Mineral., 1917. 

,.Voi' unseren Trilobiten IL'. 47. Bericht der S. N. G. 

W. Wenz „Die Molluskenfauna der Schleichsande und Cy- 



— 57 — 

renenmergel in der Baugrube des Frankfurter Osthafens". Nach- 
richtsblatt der D. Malakozoolog-. Ges., 1917. 

„Das jüngere Tertiär des Mainzerbeckens und seiner Nacli- 
bargebiete". Notizblatt des Vereins für Erdkunde zu Darmstadt, 
1916. 

„Die Thalfing-erschichten der schwäbischen Eugulosakalke 
und ihre Beziehungen zu anderen Tertiärablagerungen". Jahres- 
berichte des Oberrheinischen Geologischen Vereins, 1918. 

„Cypraea moneta L. in jungdiluvialen Ablagerungen bei 
Frankfurt am Main". Nachrichtsblatt der D. ]\lalakozoologischen 
Ges., 1918. 

„Zur Altersfrage der böhmischen Süßwasserkalke". Jahres- 
berichte des Nassauischen Vereins für Naturkunde in Wies- 
baden, 1917. 

Für die Handbücherei wurden eine Eeihe wichtiger Arbei- 
ten gekauft. Sehi' zahlreiche Lehr- und Handbücher, sowie ganze 
Zeitschriftenreihen erwarb das Universitäts-Institut und stellte 
sie allen Mitarbeitern ebenso zur Verfügung wie den Studieren- 
den. Das gleiche gilt für die umfangreiche Bücherei und Karten- 
sammlung des Leiters, die ihren Platz in der Handbücherei fand. 
Es sind als Anfang über 8000 Arbeiten vorhanden (ohne die 
Zeitschriften), die alphabetisch aufgestellt sind, während der 
Zettelkatalog, an dessen Herstellung Frl. M. K a y s s e r das 
größte Verdienst hat, sinngemäß geordnet werden soll. Erfreu- 
licherweise haben Dr. Born, Dr. E i c h t e r und Dr. W e n z 
sich bereit erklärt, auch ihre Büchereien den Mitarbeitern zu- 
gänglich zu machen. 

Die Präparation des Flacodus ist vollendet; er wird nach 
abgesclilossener wissenschaftlicher Bearbeitung aufgestellt wer- 
den und das erste Skelett aus dem deutschen Muschelkalk dar- 
stellen, das, vollständig vom Gestein befreit, wie ein rezentes 
Skelett montiert werden kann. Die Arbeit war ein Wagnis und 
konnte nur im Vertrauen auf die ausgezeichneten Leistmigen 
des Präparators C h r. Strunz unternommen werden. Daß sie 
gelang, ist sein Verdienst. Ein späterer Bericht wird Einzel- 
heiten über die schwierige Arbeit bringen. Auch die Trachodon- 
Mumie ist vom Gestein befreit und wartet auf normale Zeiten 
mit erschwinglichen Preisen für Metall- und Holzteile, die zur 
Montierung nötig sind. Gewissermaßen als eine Folge des Krie- 
ges ist eine gewaltige Arbeit in Angriff genommen worden. 



— 58 — 

deren Fertigstelluuig- luxli nicht abzusehen ist und sicherlich 
Jahre dauern wird. Als der Diplodocus sich mit den übrigen 
Schätzen des Lichthofes vor den feindlichen Fliegerangriffen in 
schützende Keller zurückzog, mußte er zerlegt werden, und da 
war- es natürlich, daß beim Wiederauftauchen der Plan erörtert 
und sofort in Angriff genommen wurde, das Riesenskelett aus 
seiner Gipshülle zu erlösen und frei aufzustellen. Die Arbeit ist 
sehr schwierig, aber sie wird hoffentlich gelingen und dann das 
prachtvolle Stück in neuer Gestalt erstehen lassen. Die Mon- 
tierung des Peloneustes, die 19 U begonnen und mit Kriegsbeginn 
abgebrochen wurde, ist in vollem Gange und wird bald vollen- 
det sein. 

Die zahlreichen Geschenke, die zur Bereicherung der Samm- 
lung in der Zwischenzeit iDeitrugen, können heute noch nicht 
aufgezälilt werden. Zeit und Arbeitskräfte sind zu beschränkt, 
um eine Sendung aus dem Felde nach der anderen vornehmen 
zu können, und so mögen sie alle bis zum nächsten Bericht 
warten, wo dann eine vollständige Aufzählung all derer gegeben 
werden soll, die trotz Gefahr und Not des Senckenbergs gedach- 
ten und von denen so mancher nicht wiederkehrt. So viel steht 
heute schon fest: im Westen sind prächtige Materialien ge- 
sammelt worden, die ein vollständiges Profil durch das soge- 
nannte Pariser Becken von seinen ßandgebirgen an ergeben, 
mit sehr reichen Funden, die zum Teil bereits in wissenschaft- 
licher Bearbeitung sind. Majiches wertvolle Stück aus den 
Schützengräben und Unterständen wird nach und nach in der 
Schausannnlung auftauchen und ein Zeugnis für deutsche Arbeit 
ablegen. 

Aus der Heimat sind folgende Schenkungen zu erwähnen: 
von ■ unserem dui'cli seine Güte oftmals bewährten Gönner A. 
V. G w i n n e r unter anderem prachtvolle Jura- und Tertiär- 
fische, wie ein Schädel von Rhinoceros antiquitatis aus Sibirien 
mit dem zugehörigen langen Horn, das dort im gefrorenen Bo- 
den ausnahmsweise erhalten gel^lieben ist. Ferner von Dr. G. 
D a h m e r - Höchst sehr erwünschte Gipsabgüsse von Harzer Tri- 
lolnten und Zweischalern, von Dr. St ei nhausen Fossilien 
aus dem Hunsrück. Angekauft und eingetauscht wurde haupt- 
sächlich devonisches Material aus der Eifel und Schlesien zur 
Unterstützung der Arbeiten des Sektionärs Dr. Ei cht er. 

Umfangreiche Aufsannnlungen, die dieser mit seiner Frau 



— 59 

während längerer Urlaubswoclien in der Eifel vornehmen konnte, 
wurden eingereiht und mit den devonischen Sammlungsbestän- 
den sannnlungstechnisch und wissenschaftlich von ihnen durch- 
gearbeitet. Das monographische Studium der Devontrilobiten, 
wozu ein in diesem Umfange noch nie vereinigtes Material von 
den in Betracht konunenden Sammlungen des In- und Aus- 
landes dem Museum anvertraut wurde, ist wieder aufgenonmien 
worden. 

I). Miiieralo^'isch-petrogTaphiscIie Samiiiluii^' 

Das Jahr 1917 war trotz der schweren Zeit für die iVfine- 
raliensammlung überaus segensreich.. Die Männer, deren wohl- 
wollender Gesinnutig wir diese hocherfreuliche Tatsache ver- 
danken, sind die Herren A r t h u r v. G w i n n e r , W i 1 1 y Hof 
und s k a r L ö w B e e r. 

A. V. G winner schenkte 22 große Schaustufen und Kri- 
stallgruppen, unter denen hier einige besonders hervorgehoben 
sein mögen: 

S t r e n g i t und P h o s p h o s i d e r i t von dem neuen Fund- 
ort Kreuzberg bei Pleystein in der Oberpfalz, dessen Mineralien 
Jetzt im Münchener Mineralogischen Institut bearbeitet w^erden. 
Der Strengit ist das dem Skorodit, dem rhombischen wasser- 
haltigen Eisenoxydarseniat, entsprechende und diesem isomorphe 
Phosphat, meist mit |111) | 120| | 100] = P . oo P2 • ooPöo. Er 
wurde zuerst 1877 von A. Nies beschrieben, der ihn im Braun- 
eisenlager vom Dünsberg bei Gießen in der Grube Eleonore fand ; 
auch traf ihn Streng in der Grube Eotläufchen bei Wald- 
girmes zwischen Wetzlar und Gießen, G. A. König in Rock- 
l)ridge Co., Virginia, Franz Ritte r bei Bremthal im Taunus 
und neuerdings R. Koechlin in der gewaltigen Magneteisen- 
Apatitmasse des Kiirunavaara in N. -Schweden. Meist bildet er 
nur kleine kugelige, kristalline Aggregate; die Kreuzberger Kri- 
stalle gehören wohl zu den hervorragendsten bis jetzt bekann- 
ten. Der ihm nahe stehende Phosphosiderit wurde zuerst von 
W. Brüh n s und K. B u s z bei Eiserfeld (Siegen) gefunden 
und beschrieben. 

Von Leopoldshall (Staßfurt) ist eine kostbare Gruppe von 
S y 1 V i n - Kristallen zu nennen, Würfel mit Oktaeder, einige In- 
dividuen bis 5 cm dick, auf körnigem Steinsalz und von kleinen 
Salzwürfeln begleitet. Von ebendaher kommt eine höchst inter- 
essante Gesellschaft von Bit ters alz - Kristallen (auch Epso- 



— 60 — 

mit, Reichardtit genannt), ebenso auf köiiiigem Steinsalz mit 
aufsitzenden Würfelchen wie der öylviii; z.T. umwachsen die 
Epsomitkristalle die Salzwürfel. Jene sind nach c gestreckt, bis 
25 mm lang und 10 mm dick, z. T. iiocli glänzend und durch- 
sichtig, meist aber oberflächlich mit dünner Verwitterungskruste 
umhüllt. In allen Kristallen treten beide Sphenoide auf, meist 
das eine vorherrschend, ferner [llOj ]100] ]010[ [lOlj jOllj; für wei- 
tere Formen sei auf Mi Ichs Arljeit „Über Epsomitkristalle 
von Staßfurt-Leopoldshall" in Groth, Z. Kr. 20, 221 ff. ver- 
wiesen. Mile h hatte die Kristalle von H i n t z e zur Unter- 
suchung erhalten, dem sie von J o h. B r u n n e r in Magdeburg- 
zugescliickt Avaren, A. v. G winner hat unsere Stufe bei Ku- 
sche in München gekauft. Nach einer beiliegenden Postkarte 
von H i n t z e an B r u n n e r ist zu vermuten, daß unsere Stufe 
M i 1 c h s Originalstück ist. Bittersalz findet sich in der Natur 
außer in Staßfurt selten in guten Kristallen (im Gips des Dep. 
de l'Herault und in Salzseen im Gouv. Orenburg), sonst meist 
nur in Krusten oder haarförmigen Effloreszenzen. 

Schon in früheren Jahren hatten wir unserem treuen Gönner 
hervori^agende Tür maline zu verdanken, jetzt wieder einen 
mächtigen Kristallstock von Pala, etwa 12 -cm lang, 9 cm breit, 
trigon. Prisma und Basis dominierend, 2 Hauptkristalle mit vie- 
len kleinen in meist paralleler Stellung, rot mit grünen Enden. 
Ferner seien genannt : 3 blaue Fluorit -Würfel, bis 13 cm Kan- 
tenlänge, in Zwillingsstellung nach dem Okta-eder, auf einer 
Fläche Eisenspat und Blende aufgewachsen; Dioptas in Quar- 
zit von Gudab (Otavi); graue Mikrokline vom Pikes Peak 
mit guter Gitterung: P, M, T, x, z, y; Vesuvian vom Vesuv; 
große Schaustufe von Fluorit mit Quarzüberwachsung von 
Durham (Cumberland) und A m e t h y s t in angeschliffener Quarz- 
geode von Uruguay (32.46.23 cm). 

Oskar Low Beer schenkte 3000 Mark und sclioß 7000 
]\Jark zum Ankauf der von dem verstorbenen Prof. F. Hörn- 
st e i n in Cassel gesammelten Basalteinschlüsse vom 
Bühl beim Dorf Weimar in der Nähe von Cassel vor. Wenn 
sicli auch in der Literatur einige Angaben über das Auftreten 
von gediegenem Eisen in Basalten und anderen Eruptiv- 
gesteinen finden, so ist doch der Bühl durch das massenhafte 
Vorkommen von metallischem Eisen in einem irdischen Gestein 
für Eui'opa ein Unikum und kann überhaupt nur mit der gTÖn- 



~ 61 ^ 

ländischen Insel Disko und anderen Orten Grönlands ver- 
glichen werden (Nordenskiöld, Wohl er, Steenstrup, 
Seh want ke u. a.). Auch die- Vergesellschaftung von Eisen 
mit Magnetkies und Graphit erinnert an Grönland und an die 
Meteoreisen; aber die Analyse des Bühleisens ergibt nach Ditt- 
rich kein Nickel und auch nur Spuren von Kohlenstoff. Das 
Eisen umschließt auch andere, ihm ähnliche Körnchen, mitunter 
ziemlich viele, die aus Kupfervitriol kein Cu ausscheiden. Es 
ist jetzt noch nicht angängig, über die Bühlsachen nähere Mit- 
teilungen zu machen; hier sei nur erwähnt, daß die Einschlüsse 
vorwiegend aus Eisen, Magnetkies, körnigem und „schlackigem" 
Magnetit, Pyrit, Zinkblende (!), Quarz, Silikaten (namentlich 
Sillimanit), Graphit bestehen, wozu noch Brockfen kommen, die 
zweifellos vom durchbrochenen Nebengestein losgerissen sind; 
vielleicht ist auch noch ein Teil der erstgenannten Massen hier- 
her zu rechnen. Die Eiseneinschlüsse, nußgroß und kleiner, 
anderseits bis zum Gewicht von mehreren Kilogrammen, betra- 
gen allein über 500 Exemplare, darunter etwa 150 angeschliffene 
und polierte Stücke; wohl ebenso zahlreich sind die Magnetkiese. 
Die Sammlung, die Prof. Hornstein im Lauf vieler Jahre 
(1904, wo er das erste Eisen fand, bis 1916) in unermüdlichem 
Eifer zustande brachte, gewinnt noch dadurch an Bedeutung, 
daß die Brüche jetzt ersoffen sind. Es ist wohl kaum daran zu 
zweifeln, daß die angelegte Summe zum größten Teil durch 
Verkauf von Dubletten gedeckt werden kann, auch wenn man 
nicht die enormen Preise der Händler zugrunde legt. Weiterhin 
liegen eine Menge von Photogrammen, Negativen und Diaposi- 
tiven der Bühlbrüche und ihrer Einschlüsse vor, auch etwa 300 
bei Fueß und Voigt & Hoc hge sang hergestellte Dünn-, 
schliffe von Eruptivgesteinen, namentlich Basalten, einschließ - 
licli 20 Nummern von Bülileinsclilüssen. Sehr willkommen sind 
5 Analysen, die Dittrich in Heidelberg ausgefülirt hat: Bühl- 
basalt, Magnetkies, -Eisen, Zinkblende, Magnetit; ihnen lagen 
Analysenberechnungen und kleine Publikationen von Horn- 
stein über den Bühl und seine Einschlüsse bei. 

Willy Hof schenkte der Sektion 1000 Mark zur beliebi- 
gen Verwendung. 

Auch an dieser Stelle ergreift der Sektionär mit Freude 
die Gelegenheit, den drei genannten hochherzigen Männern für 
ihre kostbaren Zuwendungen den innigsten Dank der Sencken- 



— 62 — 

V)ergischen Gresellschaft zum Ausdruck zu bringen. 

P. Prior verdanken wir eine Pseudomorpliose von Ma- 
ladiir nach Kupfer von Bi-aubach und eine Gangstufe mit 
Kiiigelerzstruktur von Laurenburg a. d. Lahn: Blende, Spat eisen, 
Bleiglanz. 

Gekauft wurde für die kristallographische Schausannnlung 
eine Serie von Kristallen, ferner Sill>er auf Kupferschiefer (Eis- 
leben). Silberskelette (Tarapaca), Pinguit (Stenn bei Zwickau), 
Ti-oegerit, Silberglanz mit ,,Akanthit" (Frei1>erg), Arseniosidei^it 
(Mareche), Laumontit (Nagyag), Pyrit mit Blende und Magnet- 
kies (Freiberg), Rheinsand von Philippsburg. 

Wie immer hat auch in diesem Jahr Bei^ginspektor K. M al- 
ler einen großen Teil seiner Zeit der Mineraliensammlung ge- 
widmet und u. a. deii Katalog für die Schausammlung fertig 
gestellt. Herzlichen Dank dem treuen Mitarbeiter! 

In 1918 ist wiederum in erster Linie der zahlreiclien Zu- 
wendungen .V )• t h u r V. G w i n n e r s zu gedenken, im ganzen 
160 Gesteinshandstücke und Mineralstufen, z. T. große Pracht- 
stücke für die Schausammlung. Es seien hervorgehoben: 120 
Gesteinsarten (Eruptive, Sedimente, kristalline Schiefer), eine 
Serie, die in 7 Stufen den Verlauf der Granitverwitterung demon- 
striert, schöne Comptonite mit den 3 Pinakoiden von Kaaden, 
Linurit und Kupferlasur von Tsumeb, große blaue Fluoritwürfel 
von ('uiiil)ei'land, Vivianit in einer Muschel von Kertsch (Krim), 
Kupfer in Blechform vom Lake superior, Silber auf Kupfer- 
schiefer von Eisle]>eii, weiße Silberskelette vom Lake superior, 
große Phlogopitplatte mit unter 60° sich schneidenden Eisen- 
glanzleisten, sternförmigen Gruppen und verwaschenen Flecken 
(Calcutta?), große Schaustufe mit einer Menge von klaren, durch- 
schnittlicli etwa 3 cm langen Calcitprismen mit vorherrschenden 
— 1/2 K . H 3 von Frizington, von ebendaher eine prächtige Stufe 
mit dunkeln, lebhaft glänzenden Kristallen vom Serro da Mar 
vorwiegend 00 P • oP • '2 Pö^ = |110] ]00l! -1102), Amethystdruse 
mit dunkelen, leibhaft glänzenden Kristallen vom Serro da Mar 
(Bras.), angeblich mit Platin (?) imprägnierte Grauwacke von 
Wenden (Kr. Olpe), sein- schöne polierte Schalenblende mit Pyrit 
von Altenberg (Aachen), ein. anderes Stück von der Grube Esch- 
bruch bei Moresnet mit Pyrit und Bleiglanz, großer braunroter 
Korund (Zwilling nach R) von Madagaskar, polierte Pudding- 
steinplatte (Flintkonglomerat), Fahlerz mit Quarz auf Liparit, 



— 63 - 

beide Tetraeder mit Pyramidentetraeder, ganz wie die Kapinker 
aussehend, aber als Fundort „Botes" angegeben, großer Vesu- 
vian aus einem Sommablock (Prismenzone und Basis), Dumor- 
tierit (Kalifornien), Kupferindig (Covellin) von Bor (Serbien), 
Delvauxit von „Vinik", Böhmen, bei Zeplarovich nicht ge- 
nannt, er erwähnt „Winaf". 

Von M. von der Porten in Berlin erhielten wir durch 
V. G w i n n e r s Vermittlung eine Serie von Erzen, darunter ein 
vorwiegend aus Mottramit (wasserhaltigem Bleikupfervanadinat) 
bestehendes Vanadinerz von Tsumeb, sowie Fluorit von Bad Lie- 
benstein, von Betriebsschlosser K. M a r x auf Veranlassung des 
Lehrers B. Cronberger, hier: 11 Erzproben von Altan Tepe, 
N.-Dobrudsclia (Kupferkies, Pyrit, Magnetit, Brauneisen u. a. 
mit Quarz in Schiefer), von Berginspektor K. AlüUer Anhydrit 
von Wieliczka, blumenkohlähnliche Aggregate, z. T. in klaren 
Steinsalzkristallen eingewachsen. Wir danken den alten und 
neuen Freunden der Senckenbergischen Naturforschenden Ge- 
sellschaft herzlich für ihre gütigen Zuwendungen. 

Schließlich kann noch die erfreuliche IMitteilung gemacht 
werden, daß ein Teil der Bühleinschlüsse im Mineralogischen 
Institut der hiesigen Universität unter Leitung von Prof. B o e k e 
und Dr. Eitel mikroskopisch und metallographisch untersucht 
wurde und daß diese Untersuchimg zu wertvollen Ergebnissen 
geführt hat, wie aus beifolgender Notiz Dr. E it eis hervorgeht. 

„Die Untersuchung der Einschlüsse von gediegenem Eisen, 
jNIagneteisenstein und Magnetkies in dem Basalt des Bühls bei 
Cassel hat einige sehr interessante Ergebnisse gezeitigt, die 
in einer bald erscheinenden Arbeit des Herrn W. Ir me r -Wies- 
baden zusammengefaßt sind. Insbesondere ergab die mikrosko- 
pische Untersuchung der knollenförmigen Einschlüsse der ge- 
nannten Mineralien, daß starke pyro- und kontaktmetamorphe 
Veränderungen der mit dem Basalt aus der Tiefe gerissenen 
Gesteinspartien stattgefunden haben, und daß das gediegene 
Eisen genetisch mit den Erzen aufs innigste zusammenhängt. 
Durch die metallographische Untersuchung der Eisen -Einschlüsse 
konnte fernerhin festgestellt werden, daß ein geringer Kohlen- 
stoffgehalt in ihm enthalten ist, der zu hochinteressanten per- 
litischen Strukturen in dem Metalle fülirt, von so eigenartiger 
Beschaffenheit, wie man diese bis jetzt wohl an Kunstprodukten 
des Eisen- Kohlenstoffs vstems kaum beobachtet haben dürfte." 



64 



Lehrtätigkeit vom April 1917 bis März 1919 



1. Zoologie 

Somiiierhalbjalir 1917: Prof. Steche begann die Betrach- 
tung der Vertebraten mit einer ausfülirlichen Darlegung des 
Baues und der Entwicklung von Ämphioxus. Daran schloß sich 
die Übersicht über Cyclostomen und Fische. Von ihnen wurden 
die Selachier, die niederen Knochenfische und von den Teleo- 
stiern die ersten großen Gruppen bis zu den aalartigen be- 
sprochen. 

Winterhalbjahr 1917/18: Die Fortsetzung der Betrachtung 
des Tierreiches führte zunächst zum Abschluß der systemati- 
schen Übersicht über die Knochenfische. Bei der außerordent- 
lichen Formenfülle dieser Gruppe konnte natürlich nur eine 
kleine Auswahl vorgeführt werden; immerhin wurden neben den 
wichtigen Nutzfischen auch die biologisch bemerkenswertesten 
Formen, so die Tiefseefische mit ihi'en Leuchtorganen, die Fische 
der Korallenriffe mit ilii-en bizarren Formen und Farben, die 
fliegenden Fische, die Umgestaltung der Plattfische u. a. genauer 
besprochen. Der nächste Teil des Semesters gab die Übersicht 
über die Amphibien. Hier wurden vor allem die heimischen 
Formen berücksichtigt und auch die zur Klärung vererbungs- 
theoretischer Fragen bei ihnen angestellten Versuche ( K a m - 
merers Zuchten von Salamandern und Alytes) dargestellt. 
Besondere Berücksichtigung fanden die eigentümlichen Brut- 
pflegeeinrichtungen vieler Formen. 

Zum Schluß wurde die Regeneration der Ileptilien in ihren 
Grundzügen erörtert und noch die Besprechung der Brücken- 
echse als des ursprünglichsten heute lebenden Typus durchge- 
führt. 



6Ö - 

Soninierhalbjalir 1918: Die Vorlesungen fülnten in unniirt el- 
bare m Anschluß an das Winterhalbjahr die Betrachtung- der 
Eeptilien zu Ende. Den breiteren Raum nahm die formenreiche 
Gruppe der Eidechsen ein. Hier gaben die sehr mannigfachen 
Anpassungen an verschiedene Lebensbedingungen Gelegenheit 
zu allgemein-biologischen Betrachtungen; besonders betont wurde 
die Annäherung an den Schlangentypus in verschiedenen Parallel- 
reilien in den systematischen Untergruppen. Bei den Schlangen 
wurden neben der Verschiedenheit des Verhaltens der giftlosen 
und giftigen Schlangen als Wirkung ihrer verschiedenen Art, 
sich der Beute zu bemächtigen, auch die interessante Mimikry 
zwischen Colubriden und Elapiden, für die auf Grund von Dr. 
Sternfelds Untersuchungen reiches Material vorlag, vorge- 
führt. Für Krokodile und Schildkröten reichte die Zeit nur zu 
einer sehr gedrängten Übersicht. 

Winterhalbjahr 1918/19: Da die Vögel bereits früher von 
Geh. Reg. -Rat zur Strassen behandelt und die Säugetiere im 
Sommer in einer speziellen Universitätsvorlesung besprochen wa- 
ren, wurde die Durchführung des Programms, eine Übersicht 
über das gesamte Tierreich zu haben, zunächst unterbrochen. 

Statt dessen wurde ein biologisches Einzelproblem behan- 
delt: die Ernährung der Tiere. Ausgehend von der Grundfrage, 
wie weit die Anpassung an eine besondere Funktion den gan- 
zen Organismus beeinflußt, wurde zunächst an den großen 
herdenbildenden Säugetieren die Beziehung zwischen Pflanzen- 
nahrung und Körperbau, physiologischen und psychologischen 
Leistungen dargelegt. Die Gültigkeit der hier abgeleiteten Sätze 
wurde auch für die flanzenfressenden Wirbellosen in weitem 
Umfange nachgewiesen. An diese Gruppe schlössen sich die 
Kleinzeugfresser, die Plaiiktonvertilger und die Schlamm- und 
Detritusfresser an. Die zweite Reihe l>egann in scharfem Gegen- 
satz dazu mit den Raubsäugetieren und untersuchte neben deren 
Grundtypus die Spezialfälle der im Hinterhalt lauernden Räuber, 
der Fallensteller, der Gifttiere und ähnlichen. Die Betrachtung 
der Aasfresser mit ihren oft sehr eigenartigen Anpassungen 
(Totengräber) führte zu den Kotfressern (Pillendreher und an- 
dere Käfer) und endlich zu den Kleintierfressern, wo sich durch 
Berührung mit dem Endpunkt der ersten Reihe der Kreis der 
Besprechung schloß. Der Hauptwert wurde während der ganzen 



GG - 

Vorlesuiiü- darauf gelegt, die gesetzmäßigen Übereinstiniinuiigeii 
der einzelnen biologischen Typen ganz unabhängig von ilu'er 
systematischen Stellung klarzulegen. 

Sämtliche Vorlesungen wiu-den, da Geh. Keg.-Kat z u r S t r a s- 
s e n im Felde stand, von Prof. Steche abgehalten. 

II. Hotaiiik 

Geh. Reg. -Rat Mob i u s hielt folgende Voi'lesungeii und 
Kurse ab: 

Sommerlialbjahr 1917: 1. Entwicklunggeschichte der Pflan- 
zen (üntogenie). 2. ]\likroskopisches Praktikum. 

Winterhalbjahr 1917/18: Allgemeine Pflanzengeographie. 
Sonnnerhalbjahr 1918: 1. Über die Entstehung der Arten mit be- 
sonderer B'erücksichtigung der botanischen Forschung. 2. Alikro- 
skopisches Praktikum für Anfänger. 

Winterhalbjahr 1918/19: Phylogenie des Pflanzenreichs (I. 
Teil Algen und Pilze). 

Außerdem veranstaltete Privatdozent Dr. W. Brandt im 
Sommerhalbjahr 1918 Botanische Exkursionen. 

III. Paläontologie und Geologie 

Sonnnerhalbjahr 1917: Dr. Wenz sprach über „Geologie 
von Südwestdeutschland.". Besonderer Wert wurde auf eine klare 
Hervorhebung der einzelnen großen Entwicklungsphasen des Ge- 
bietes gelegt, die seinen Aufbau verständlich machen. Eingehen- 
der wurden die in der nächsten Umgebung auftretenden Forma- 
tionen behandelt mit Ausnahme des Tertiärs, das in der Winter- 
vorlesung bereits behandelt worden war. Der Vortrag wurde 
durch ein reiches Anschauungsmaterial an Wandtafeln, Projek- 
tionen und Belegstücken der Sammlung des Äluseums unter- 
stützt. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten konnten im Anschluß 
au die Vorlesungen eine Reihe von Exkursionen in die nähere 
und weitere Umgebung Frankfurts unternonnnen werden, an 
denen durchschnittlich etwa 15 Hörer teilnahmen. 

Winterhalbjahr 1917/18: Dr. Wenz sprach über „die geo- 
logischen Kräfte der Erdrinde". Ausgehend von den älteren 
und neueren Hypothesen der Kosmogonie und ihrer kritischen 



(i7 - 

Würdigung Aviirden die Forseliuiigsniethodeii und -ergebnisse der 
modernen Seismologie behandelt, dit in Verbindung mit den 
Scliweremessungen und der Bestinnnung der Tiefentemperatur 
die Grundlagen zu unserer Kenntnis vom Bau und der Zusammen- 
setzung des Erdinnern bilden. Ausführlichere Besprechung fan- 
den die Entstehung und Auswertung der Erdbebendiagraanme 
sowie Lage und Verhalten der wichtigsten Erdbebenherde und 
Schüttergebiete an Hand eines reichen Anschauungsmaterials. 

Im Ansclikiß daran gelangten die allgemeinen Fragen des 
Mechanismus der Gebirgsbildung, an einzelnen ausgewählten 
Beispielen erläutert, zur Darstellung, die die Grundlage zur Ein- 
führung in den speziellen Teil bildete, der sich mit den einzel- 
nen Phasen der Gebirgsbildung beschäftigen sollte, infolge Ein- 
berufung des Dozenten zum Heeresdienst aber nicht mehr be- 
handelt werden konnte. 

Sommerhalbjahr 1918: Prof. Steuer behandelte im ersten 
Teile des Semesters die Entstehung von Kalksteinen unter Alit- 
wirkung von pflanzlichen und tierischen Organismen. Der Vor- 
tragende ging von den Untersuchungen aus, die in allerneuester 
Zeit über Herkunft, Erlialtung und Bearbeitung des zu der 
Jupitersäule des S a m u s und S e v e r u s in JMainz von den 
Römern verwendeten jSIaterials ausgeführt worden sind. Er be- 
sprach ferner anknüpfend an die neuesten Funde von Litho- 
thanmienkalken im Mainzerbecken bei Alzey und an die pracht- 
vollen Algenkalke von Weisenau 1)ei ]Nrainz und Oppenheim- 
Nierstein, deren Bildung sowie diejenige der Oolithe des fran- 
zösischen oberen Jura, vermutlich unter der IMitwirkung von 
Cyanophyceen gegenüber der anorganischen Entstehung von 
ähnlichen Gesteinen, wie z. B. der Erl)sensteine von Karlsbad. 

Der zweite Teil der Vorlesung wurde einer Besprechung 
der Verbreitung und Entwicklung des Silurs in Deutschland ge- 
widmet. Auch hier konnte von den neuesten Untersuchungen 
ausgegangen werden, indem die bergbaulichen Aufschlüsse bei 
Gießen,' die zur Entdeckung wohlentwickelten, fossilführenden 
Silurs am Taunusrande führten, behandelt wurden. Zum Ver-. 
gleich wurde dann die Ausbildung der gleichen Formation im 
Kellerwalde, in Thüringen und im Harz, sowie die englische 
und böhmische Entwicklung herangezogen. 

Die beabsichtigten Exkursionen mußten leider infolge der 
durch den Krieg hervorgerufenen Schwierigkeiten unter])]eiben. 



- GS 

Wintersemester 1918/19: Für das Winterseinester war von 
Prof. Steuer als Gegenstand der Vorträge hauptsächlich die 
Entstehung der mineralischen Brennstoffe und die Geologie der 
deutschen Stein- und Braunkohlenlager gewählt worden, eine 
kurze Behandlung der Kalisalze und Erzlagerstätten sollte sich 
anschließen. Leider wurde die zur Verfügung stehende Zeit 
durch die eintretenden politischen und Verkehrsverhältnisse 
stark beschränkt, so daß nur auf die Entstehung der Brennstoffe 
und die Geologie der deutsehen Steinkohlenbecken näher ein- 
gegangen werden konnte. 

Nach einer allgemeinen Einleitung über die deutschen Bo- 
denschätze wurde eingehend die Entstehung von Faulschlamm- 
bildungen, Humus, Harzen, Braun- und Steinkohlen, sowie der 
mineralischen Öle besprochen. Es wurden die verschiedenen Zer- 
setzungsprozesse bis zur Kohlenbildung verfolgt. Daran knüpfte 
sich die Betrachtung der chemischen Zusammensetzung, sowie 
die Einteilung, Bewertimg und technische Verwendung der ver- 
schiedenen Kohlensorten. Dann folgte die Schilderung der Ent- 
stehung von Moor- und Torflagern und ihrer Verbreitung, fer- 
ner der Bedingungen, unter denen sich die Vegetation der Stein- 
kohlenzeit entwickelte, weiter der Ansichten über autochthone 
und allochthone Bildmig der Kohlen. Ein weiteres Kapitel 
brachte eine Übersicht über die Flora der Steinkohlenzeit und 
über den Werdegang der Pflanzenwelt in der Erdgeschichte über- 
liaupt. Nach einem Überblick über die gebirgsbildenden Vor- 
gängewährend der mittleren Carbonzeit und den Einfluß dieses 
Hochgebirges auf Klima, Niederschläge, Üppigkeit des Pflanzen- 
wuchses, Moor- und Kolilenbildung ging der Vorträgende dann 
auf die eingehendere geologische Behandlung der einzelnen 
Kohlenbecken über. Den Schluß machten wirtschaftliche An- 
galien über die Gewinnung vor dem Kriege im Vergleich zu 
anderen Ländern. 

TV. Miiier.aloj2:ie 

Sommerlialbjahr 1917 : Li Vertretung Prof. Dr. H. E. B o e k e s 
sprach Dr. W. Eitel über „Die äußere Form und innere Struk- 
tui- der Kristalle" im Hörsaal des Mineralogischen Instituts der 
Universität. Es wurden eingehend die Grundgesetze der kristallo- 
graphischen Formenlehre besprochen, sodann die Symmetrie- 
elemente der Kristalle erläutert und aus diesen die einfachsten 



69 - 

kristallographiscli niögiichen Gestalten systematisch abgeleitet. 
Durch Hinweis auf mineralogisch oder chemisch interessante 
Beispiele für spezielle Kristallformen wurde versucht, der außer- 
oidentlichen ^Mannigfaltigkeit der kristallographischen Erschei- 
nungen gerecht zu werden. Im Gegensatz zu dem ersten Teile 
der Vorlesung, der sich nach dem Dargelegten lediglich mit der 
Architektonik der Welt der Kristalle iDCSchäftigte, wurde im 
zweiten Abschnitt der mannigfaltigen Anschauungen gedacht, 
welche die spekulative Vernunft zur Erklärung des inneren Ge- 
füges der anisotropen iVIaterie ersonnen hat. Die Schilderung 
des Werdegangs des Gedankens vom Raumgitter stellte die Er- 
folge und Schwierigkeiten derartiger Vorstellungen ins Licht; 
endlich wurden die neuesten glänzenden Resultate der physi- 
kalischen Untersuchung des Feinbaues der Kristalle sowie die 
Methoden und Ziele einer im Entstehen begriffenen „Kristall- 
Stereochemie" erörtert. — Die von Dr. W. Eitel im Auftrage des 
Universitäts - Instituts veranstalteten petrographischen Studien- 
fahrten in die Umgebung Frankfurts erfreuten sich eines sehr 
regen Interesses von Seiten der ]Mitglieder der Senckenbergi- 
schen Gesellschaft. Es wurden einige der wichtigsten und lehr- 
reichsten Aufschlüsse im Gebiete des kristallinen Odenwaldes, 
die Gegend von Dietzenbach und Steinheim, sowie der Tauiius 
Ijesucht. 

Whiterhalbjahr 1917 18: In Vertretung Prof. Dr. H. E. B oe - 
k e s sprach Dr. W. Eitel im kleinen Hörsaal des Äluseums 
über- den „Vulkanismus". Die Erscheinungsformen der vulkani- 
schen Kräfte wurden zunächst in ihrer Bedeutung für das mensch- 
liche Leben besprochen, wo}>ei es dem Vortragenden vor allem 
darauf ankam, die geschichtliche Entwicklung der Wissenschaft 
vom Vulkanismus zu beleuchten. Alsdann wa.ren Betrachtungen 
über den Schauplatz der vulkanischen Kraftentfaltung Gegen- 
stand eingehender Erörterungen; besondere Beachtung verdien- 
ten hierbei naturgemäß die Formen der verschiedenen Vulkan- 
typen. Einen weiteren Abschnitt bildeten die speziellen Erschei- 
nungen, welche die einzelnen aufeinanderfolgenden Phasen der 
vulkanischen Tätigkeit kennzeichnen. Das INIagma in seinen 
pliysikalischen und chemischen Eigenschaften, insbesondere seine 
Kristallisation und Entgasung, beanspruchte besonderes Inter- 
esse, weil auf diesem Gebiete die vulkanologische Wissenschaft 



— 70 — 

(lurch Aiiwendiiii.y- pliysikoclieiiiisclier Methoden in der Neuzeit 
einig-e sehi wichtige Erfolge erzielt hat. Die niamiigfaltigen 
Gasi-eaktionen sowie die pneuniatol\i:ischen und pegniatitischen 
Bildungen, ciKllich die vulkanischen Nachwirkungen und die 
Erscheinungen der Kontaktnietamorphose vervollständigten den 
Überblick übei- das umfangreiche Gebiet des tellurischen Vulka- 
iiisnuis. Ein Schlußwort iXlmr den kosmischen, speziell den luna- 
KMi Vulkanismus beleln-te uns, daß dieser eine allgemeine Er- 
scheinung von großartigster Bedeutung im gesamten Weltall 
darstellt. — Zahlreiche Demonstrationen duix'h Lichtbildervor- 
fühi-ungen, Projektionen im Polarisationsmikroskop und an Hand- 
stücken aus der Sammlung des Älineralogischen Institutes sowie 
der Gesellschaft erläuterten die mit lebhaftem Interesse verfolg- 
ten Ausführungen. 

jektionen in; Polarisationsmikrosk'Op und an Handstücken aus 
der Samndung des ]\Iineralogischen Institutes sowie der Gesell- 
schaft erläuterten die mit lel)haftem Interesse verfolgten Aus- 
füliiamgen. 

Soinnicilialbjahr 1918: In Vei^tretung von Prof. Dr. Boeke 
hielt D]- W. Eitel eine Vorlesung im Hörsaal des ]\fineralogi- 
schen Institus ül)er: ,,Das Polarisationsmikroskop". Nicht nur 
als Beobachtungsinstrument zur möglichst weitgehenden Erken- 
nung morphologischer Einzelheiten an geeigneten Präparaten 
soll das Polarisationsmikroskop dienen, sondern es wird in der 
Hand des Sachverständigen zu einer Art von optischem Eni- 
versalap|)aral. Infolgedessen sind die besonders in der Minera- 
logie und Petrographie gebrauchten Mikroskope dieser Art 
Pi'äzisionsinstrumente, mit denen Messungen von liängen und 
Winkeln sehr genau ausgeführt werden können. Auf diese Weise 
kann man das Polarisationsmikroskop benutzen als goniometri- 
schen Apparat zur Ausmessung kristallisierter Körper, al>er auch 
als Refraktometer zur Bestimmung der Lichtbrechungs - Expo- 
iK Hlcn dci' rntersuclumgsol)jekte. Die Untersuchung in polai'i- 
.sicrtem Lichte, die mit Hilfe der vervollkommneten Instrumente 
möglich ist, erlaubt uns des weiteren, einfach- und doppel- 
bi'cchendo Körp*^- sofort zu unterscheiden, die Doppelbrechung 
selbst zu bcstinniicii und uiii.'r Berücksichtigung gewisser Lehr- 
sätze der i)hysikalischen Kristallographie sogar das Kristall- 
system bis zu einem gewissen Grade festzustellen, Zwillings- 



— 71 — 

gesetze abzuleiten und Achsenwinkel zu messen. Ja man kann 
sogar eine chemische Analyse durch optische Messungen an 
gewissen Mischkristallen, so z. B. an den Kalknatronfeldspäten 
durchführen. Die in der Vorlesung besprochenen Erscheinungen 
wui'deri durch zahlreiche Demonstrationen mit Hilfe des minera- 
logischen Projektionsmikroskops vorgeführt. Zur Vertiefung des 
Besprochenen, sowie um es den Hörern zu ermöglichen, selbst 
in praktischer Übung das Polarisationsmikroskop gebrauchen zu 
leinen, wurden besondere Übungsstunden unmittelbar nach der 
Vorlesung und an einem anderen Wochentage eingerichtet, die 
sicli eines sehr lebhaften Interesses erfreuten. Es ist beabsich- 
tigt, die Hörer im folgenden Halbjahr daran anschließend in die 
optische Diagnose der gesteinsbildenden Alineralien einzuführen. 
Endlich fand eine ganze Anzahl von Studienausflügen in 
die nähere Umgebung Frankfmts statt, an denen die :\Iitglieder 
der Gesellschaft wiederum reges Interesse zeigten. 

Im \Vinterhall)jahr 1918 19 sprach Dr. W. Eitel ül)er „Me- • 
teoritenkunde" in einstündiger Vorlesung. Die Stellung der 
Meteorite als Weltkörper in Bezug auf ihre Bahnen und ihre 
Verteilung im Weltenraume führt insbesondere auf Grund der 
S c h i a p a r e 1 1 i sehen Untersuchungen zu der Überzeugung, daß 
auch in den Schwärmen der meteoritischen Körper eine ganz 
bestimmte Gesetzmäßigkeit ihrer Erscheinungen zu bemerken 
ist. Die mannigfachen Phänomene beim Xiederfallen der Mete- 
oi'ite auf die Erdoberfläche wurden besonders eingehend be- 
sprochen. Vor allen Dingen al>er interessiert uns die stoffliche 
Zusammensetzung der niedergefallenen Weltkörper in chemischer 
und mineralogisch-petrographischer Beziehung; eine eingehende 
systematische Beschreibung der einzelnen Gemengteile in den 
]\Ieteoriten war in dieser Hinsicht von besonderer Wichtigkeit. 
Es wurden stets auch die experimentellen Versuche zur künst- 
lichen Nachahmung derselben und ihrer physikalisch-chemischen 
Gleichgewichte erörtert und die aus ihnen zu ziehenden Schluß- 
folgerungen für die Genesis der jNIeteoriten abgeleitet. 

Das im Sommer-Semester 1918 begonnene nükroskopisch- 
mineralogische Praktikum wurde weiter ausgebaut; es ^^•urden 
insbesondere die Gesteinsbildenden Mineralien nach physiogra- 
phischen Gesichtspunkten erörtert und ihre wichtigsten diagnosti- 
schen Merkmale besprochen. Es ist beabsichtigt, im konnnenden 



Soiinnei-Seniester 1919 daran anschließend einen petrographiscii 
mikroskopischen Kurs einzurichten, der die Anwendung des in 
den früheren Stunden Besprochenen bringen wird. 

Mitten in unsere Tätigkeit während des vergangenen Winter- 
lialbjahres fiel das erschütternd rasche Ableben Prof. Dr. H. ■ 
E. B e k e s. Er hatte die Absicht, seine frische Arbeitskraft 
wieder ganz in den Dienst seiner Wissenschaft zu stellen und 
auch der Gesellschaft mit seinen vorzüglichen Geistesgaben an- 
regend und fördernd sich zu widmen, als ihn plötzlich und un- 
erwartet der Tod ereilte. Die Bedeutimg des uns zuteilgeworde- 
nen Verlustes schilderte Dr. Eitel vor einem kleineren Kreise 
der Mitglieder; an geeigneter Stelle wird eine eingehendere 
Würdigung des Wii'kens des so früh Verblichenen folgen. 

V. Wissenschaftliche Sitzungen. 
A. Winterhalbjahr 1917 18 

I.Sitzung am 13.. Oktober 1917 

Geh. Bergrat Prof. Dr. P. Kr u seh, Berlin: 

„Der Anteil der deutschen Erzlagerstätten an dem 

Kampf Deutschlands um seine Existenz". 

Der Vortragende erläutert die Versorgungsverhältnisse vor dem Kriege 
im allgemeinen und berührt die Einrichtung der Rohstoffversorgung durch 
Walter R a t h e n a u nach Ausbrucli des Krieges. Bald war man gezwungen, 
von dem ursprünglich ledigHch in Betracht gezogenen Metallhandel zur Selbst- 
produktion und zur äußersten Anstrengung der einheimischen natürlichen 
Produktionsgebiete überzugehen. 

An den Beispielen Kupfer, Eisen, Mangan, Blei-Zink, Nick'el-Kobalt. 
Zinn, Arsen, Antimon, Wolfram, Molybdän und Vanadium zeigt er, welche 
V^eränderungen der Krieg hervorbringen mußte und welche Wege eingeschlagen 
wurden, um die Kriegsbedürfnisse nach Wegfall der Einfuhr zu decken. Durch 
Ausfall der Ausfuhr verringerte sich der einheimische Verbrauch erheblich; 
eine weitere wesentliche Einschränkung wurde durch systematisches Sparen 
erzielt. Anderseits konnte eine wesentliche Vermehrung der Friedens- 
})roduktion durch größere Anstrengung geeigneter Gruben erlangt werden, 
inid schließlich halfen uns wichtige neue Erfindungen, bisher wertlose Aus- 
gangsmalerialien zu wertvollen Rohprodukten zu gestalten. Durch die Er- 
setzung besonders knapper Metalle durch solche, die in relativem Überfluß 
vorhanden waren, gelang es uns nicht nui-, den Kriegsbedarf zu decken, sondern 
es besteht sogar die Aussicht, daß wir nach dem Kriege auf gewissen Gebieten 
infolge der neuen Erfindungen unabhängig vom Ausland werden. 

Die großen Schwierigkeiten, die überwunden werden mußten, können 
in der Zukunft vermieden werden, wenn man im Frieden geeignete Felder- 



— 73 — 

reserven schafft, die nur im äußersten Fall der Not al)gebaut werden dürfen, 
und geeignete Erzvorräte aufspeichert. vSie haben vor dem jetzt von der 
Reichsbank gesammelten Gold, dessen Wert konstant bleibt, den Vorteil, daß 
sie eine Wertsteigerung erfahren. Im übrigen bieten sie bei richtiger Aus- 
wahl dieselbe Sicherheit wie das jetzt bevorzugte Edelmetall. 

2. Sitzung am 20. Oktober 1917 
Direktor H. Schür hoff, Berlin: 
„Die Verwertung der Brennesseln als Gespinstfasern" 
Der Vortragende führt aus, daß die Verwertung der Faser schon unseren 
Voreltern bekannt war, und daß sie noch zu Anfang dieses Jahrhunderts z. 
B. in entlegenen Tälern Schlesiens Verwendung gefunden haben. Infolge der 
Schwierigkeit, die Faser im großen und zu einem Preis zu gewinnen, 
welcher ihre Verarbeitung in der Industrie ermöglichte, mußte sie später der 
billigeren jBaumwolle weichen. In Zeiten der Baumwollnot hat man immer 
wieder versucht, die Nesselfaser zu verwerten; die Lösung der Frage blieb 
indessen der Kriegszeit überlassen. Nachdem seitens der im Vorjahr ge- 
gegründeten Nesselfaser-Verwertungs-Gesellschaft zunächst die Organisation 
einer Sammlung der wildwachsenden Nesseln durchgeführt war, wurde im 
Februar dieses Jahres die Nesselbau-Gesellschaft gegründet, welche in groß- 
zügigster Weise den feklmäßigen Anbau der Nessel, teils in eigener Be- 
wirtschaftung, teils durch Abnahme von Verträgen mit Landwirten, durch- 
führte: Hand in Hand mit diesen Bestrebungen li^efen die Arbeiten zur 
\'ervollkommnung der vorhandenen Verfahren, und so kann jetzt nach den 
Ausführungen des Vortragenden sowohl das Problem der Faserverwertung 
wie auch das der Verspinnung auf vorhandenen Maschinen als gelöst be- 
trachtet werden. Die ausgestellten Muster lieferten hierfür den Beweis. Von 
welcher Wichtigkeit die Nesselfaser für Deutschland werden kann, geht aus 
den folgenden Ausführungen hervor, in denen der Vortragende eine kurze 
Übersicht über die Welterzeugnisse und den Weltverbrauch der Baumwolle 
im Verhältnis zu dem deutschen Bedarf gibt. Selbst wenn es nur gelingen 
sollte, einen Teil des bisherigen Baumwollbedarfs durch Nesselfasern zu 
decken, so würde sich hieraus schon in volkswirtschaftlicher Beziehung ein 
solcher Vorteil für Deutschland ergeben, daß es als Pflicht erscheint, die 
Bestrebungen der Gesellschaften in jeder Beziehung zu fördern. 

3. Sitzung am 27. Oktober 1917 

Bergassessor P. Kukuk, Bochum: 

„Die deutschen Kohlenvorkommen und ihre 

Bedeutung im Weltkriege" 
Von der großen Bedeutung der Brennstoffe für das Wii-tschaftsleben 
der Völker ausgehend, behandelt der Vortragende zunächst die bedeutendsten 
deutschen Steinkohlenvorkonmien,und zwar die niederrheinisch-westfälische 
Steinkohlenablagerung, das oberschlesische Becken, den linksrheinischen und 
den x\achener Bezirk, das Saarrevier und das niederschlesische oder Waldeii- 
burger Becken, nach ihrei- geographischen Lage, ihrer wirtschaftlichen 



— 74 — 

Bedeutung, ihrem geologischen Anlliau, ihren Fiözverhältnissen, ihren Kolilen- 
vorräten und ihrer Lehensdauer. In gleicher Weise werden darauf die 
wichtigsten deutschen Braunkohlenlagerstätten besprochen. 

Im Anschluß hieran gibt der Redner einen Überblick über die Kohlen- 
veisorgung Deutschlands im Weltkriege, vergleicht sie mit derjenigen der 
p]ntenteländer unter Berücksichtigung der Verhältnisse vor dem Kriege und 
weist auf die zukünftige Gestaltung der Deckung des Kohlenbedarfs hin. 

Zuni Schluß faßt Bergassessor Kukuk seine Ausführungen dahin zu- 
sammen, daß Deutschland, das nächst Amerika unter allen kriegführenden 
Ländern die größten Kohlenvorräte besitze, bezüglich seiner Kohlenversorgung 
sowie der seiner Bundesgenossen und der neutralen, sowohl heute als in 
ferner Zukunft vom Ausland völlig unabhängig sei. zumal Deutschland in 
seinen im Nordwesten gelegenen Torfmooren noch gewaltige Energiereserven 
zur Verfügung ständen. Nicht zu vergessen sei ferner, daß Deutschland zur 
Befriedigung seiner Bedürfnisse zur Zeit auch noch über die Kohlenförderung 
Belgiens völlig, über die Frankreichs zu mehr als einem Drittel und über 
die Rußlands zu einem Viertel verfüge. Demgegenüber erschöpfe Englands 
hohe Steinkohlenförderung seine nur wenig mehr als ein Drittel der deutschen 
Kohlenschätze betragenden Vorräte so schnell, daß längstens in etwa 850 
Jahren Englands Weltherrschaft für alle Zeiten ihr Ende gefunden hat)e. 

4. Sitzung am 8. November 1917 
Geh. Med.-Rat Prof. Dr. C. v. No or den: 
„Erfahrungen aus der Ernährung im Kriege" 
Redner geht von der Tatsache aus. daß wir in bezug auf Lebensmittel- 
versorgung gänzlich unvorbereitet und fast ohne Rücklage in den Krieg 
eintraten. Die einzige wahrhaft große Reserve war eine Schweineherde von 
25 Millionen Stück. Wegen Futtermangels mußte ein großer Teil davon 
geopfert werden; ein Fehler war es, daß dies nicht früher erkannt und 
durchgeführt wurde. Nicht nur. um füi- etwaige spätere Kriegsfälle besser 
gewappnet zu sein, sondern auch für friedliche Verhältnisse ist in Zukunft 
l)essere Ausnützung der Nahrungsmittelquellen erforderlich, wobei auch auf 
das Verhüten von Verderben und Verschleudern und auf das Herstellen guter, 
einen eisernen Bestand an Vorräten sichernder Dauerwaren Rücksicht ge- 
nommen werden muß. Diese wirtschaftlichen Notwendigkeiten müssen auf 
das engste mit den Anforderungen der wissenschaftlichen Ernährungslehre 
Hand in Hand gehen. 

Wie dies zu geschehen hat. führt Redner für einige (xruppen von 
Nahiungsmitteln aus. Zunächst ül)er (ietreide. Wenn die zu besserer 
Erhaltung des Getreides notwendigen Maßnahmen durchgeführt würden, 
könnten wir den ganzen völkischen Bedarf im eigenen Lande decken. Es 
wird auf die große Bedeutung der Ungeziefervertilgung in Lagerhäusern und 
Mühlen hingewiesen, wozu sich am besten die Ausräucherung mit. Blau- 
säuredämpfen bewährte, die jetzt von der Frankfurter Gold- und Silber- 
scheideanstalt in vollkommenster und gänzlich ungefährlicher Weise durch- 
geführt wild, l Mgemein wichtig ist das Herstellen von Dauerwaren aus 
Getreide in I-Orm von Teigwaren, womit wir in Deutschland arg zurück- 



gel)Iieben sind, und deren bedeutsamer Wert als Volksnahrungsmittel bei uns 
lange nicht genug gewürdigt ist. 

Den — man kann sagen gesetzmäßigen — enormen Verlusten an 
Kartoffeln während des Ueberwinterns (45 — 50 Millionen Doppelzentner 
jährlich!) muß in Zukunft auf das energischste entgegengetreten werden. 
Das erfolgreichste Mittel ist die Herstellung von Trockenware. Schon jetzt 
lassen sich Trockenkartoffeln in verschiedener Form herstellen, die vortrefflich 
munden und weiteste Verbreitung verdienen. Für die Viehfütterung ist 
Trockenware sogar vorzuziehen. 

Sehr schlimm steht es mit der B e h a n d 1 u n g d e r b s t e r n t e. Gegen 
30" ü kommen um oder werden durch Nachlässigkeit entwertet. Auch hier 
muß ein energischer, zwangsmäßiger Kampf gegen die Schädlinge einsetzen, 
und auch hier ist umfangreicheres Herstellen von Dauerwaren der ver- 
schiedensten Art zu empfehlen, sowohl aus wirtschaftlichen wie aus gesund- 
heitlichen Gründen. Mit den Siunmen, die wir früher für Obst ins Ausland 
sandten, könnte alles Notwendige geleistet werden, vor allem wirksame 
Bekämpfung der Obstschädlinge und das Erbauen von Kühlhäusern. Wir 
brauchten dann nicht einen Pfeiuiig für ausländisches Obst auszugeben (von 
Südfi'üchten abgesehen). 

Größte Verbreitung verdient in Zukunft die b s t m a r m e 1 a d e, freilich 
nicht in der Form, wie sie jetzt geliefert wird, sondern stark mit Zucker 
angereichert. Dann ist sie ein ebenso schmackhaftes wie bekömmliches 
Nahrungsmittel. 

Zucker ist bei uns leider immer als Genußmittel behandelt worden, 
während er in Wirklichkeit ein hervorragendes Nahrungsmittel ist. Seine 
Nährwerte sollen uns in Zukunft die Nährwerte des Fettes zum Teil ersetzen, 
da wir noch lange nach dem Kriege mit Fett recht sparsam umgehen müssen. 
Der Zuckerverbrauch des deutschen Volkes muß sich mindestens verdoppeln, 
verglichen mit früheren Friedenszeiten. Es ist aber fraglich, ob man an dem 
vorzugsweisen Gebrauch der Zuckerraffinade festhalten soll. Viel billiger 
luid wirtschaftlicher und vom hygienischen Standpunkt aus einwandfrei wäre 
es, Vorstufen der Raffinade zu benützen, vor allem den eingedickten Zucker- 
rüliensaft, der jetzt schon im Handel ist und sich steigender Beliebtheit erfreut. 
Die sirupaitige Masse eignet sich vortrefflich zum Einkochen mit Obst, zum 
Herstellen der meisten Süßspeisen und zur Verwertung in den wichtigsten 
Zweigen der Kuchenbäckerei. Ferner wird darauf hingewiesen, daß auch 
wir, ebenso wie in Nordamerika und in Kanada, den Zuckerahornbaum an- 
pflanzen können, aus dessen Saft man durch Eindicken einen trefflichen, in 
Nordamerika sich höchster Volksgunst erfreuenden Sirup gewinnt. Diese 
schönen Bäume bedürfen nur wenig Pflege. Ihr umfangreicher Anbau könnte 
große Flächen Rübenlandes für andere Zwecke freimachen. 

Bei. Besprechung des Brotes tritt Redner warm für die Rückkehr 
zum Vollkornbrot ein, sowohl aus wirtschaftlichen, wie vor allem aus 
hygienischen Gründen. Mit dem Anstreben immer helleren und feineren 
Brotes waren wir auf falschem Wege. Freilich setzt das Herstellen von leicht 
verdaulichem Vollkornbrot bestimmte Mahl- und Backverfahren voraus. Nicht 
alle Mühlen können das Getreide hoch ausmahlen, und daher ist es ver- 
ständlich, daß jetzt, wo hohe Ausmahlung anbefohlen ist, mancherlei Klagen 



— 76 — 

kMiiiiiicn. Alls del- jet/.i^en inanj^elluiften Beschaffenheit des Knegsl)rotes, 
(las dem N'ullkoiiiiuehl nahe stellt, dürfen aber keine verurteilenden Schlüsse 
gezogen werden. Wir sind jetzt in einer Zwangslage und müssen das Getreide 
auch Mühlen übergeben, die technisch nicht den Anforderungen der hohen, 
bzw. vollständigen Ausnuihlung gewachsen sind. 

Den jetzt häufig gehörten Anwurf, daß früher zu viel gegessen worden 
sei, kaiui Kedner nicht für gerechtfertigt halten. Es trifft nur bedingt zu. 
In Städten war die Ernährung nie vollwertig, nicht aus Mangel an Nahnuig. 
sondern wegen unzureichender Kenntnis über zweckmäßigste Mischunir und 
Zubereitung dei' Kost. Die jetzige Rationierung hat die einzelnen höchst 
ungleich getroffen: denn der wahre Nahrungsbedarf ist von Individuum zu 
Individuum sehr verschieden. Sozial war die Rationierung richtig, technisch 
war sie notwendig. Für den einzelnen wurde sie oft zu einem unvermeid- 
lichen Unrecht. Die Erfahrungen über Rationierung haben nicht für. 
sondern gegen das Prinzip der gleichmäßigen Massenverpflegung gesprochen. 
Massenverpflegung ist nur l)erechtigt, wo aus dem Vollen gewirtschaftet 
werden kaiui. 

Während des Krieges mußte der E i wei ß verz eh r stark heral>ge- 
setzt werden. Kedner warnt davor, daraus abzuleiten, daß wir dies auch in 
Zukunft tun dürfen. Er verweist auf die Erfahrungen der Vieh- xuid Ge- 
flügelzüchter. Die J'ruchtbarkeit der Tiere, die Produktion von Milch sinkt 
mangels Kraftfutter. Es wäre ein unerlaubtes Experiment, wenn man unseren 
Volksstamm auf dauernd geringe Eiweißmengen anweisen wollte, wie es die 
Eiferer des Vegetarismus empfehlen. Die Bezugnahme auf tropische und 
subtropische Sklavenvölker, die wenig Eiweiß verzehren, ist hinfällig. Zwischen 
Eiweißbedarf und einzelnen Individuen besteht eine persönliche Gleichung : 
sie ist verschieden bei den einzelnen. Das gleiche gilt auch für die Volks- 
stämme. Enorme Aufgaben der Ernähriuigslehre sind noch zu lösen. Es 
wäre eine Ruhmestat Frankfurter Bürger, hier ein großzügiges Institut 
für wissenschaftliche F'orschung auf dem Gebiete der Ernährungslehre ent- 
stehen zu lassen: nicht ei'st gelegentlich einmal später, sondern jetzt, wo wir es 
am notwendigsten brauchen. 

Nur ein kraftvoller Friede kann Verhältnisse schaffen, wie wir sie in 
Zukunft für die Ausgestaltung unserer Lebensmittelversorgung brauchen. 
Einer anderen Gestaltung der Dinge würde niemand mit größerer Sorge ent- 
gegensehen als der auf die gesunde Entwicklung unseres V^olksstammes be- 
dachte und zugleich volkswirtschaftlich denkende Ernährungsphysiologe. 

5. Sitzung am 10. November 1917 

Prof. Dr. A. Backhaus, Berlin: 

„Fett- und Eiweißversorgung im Kriege" 

Nach den Ausführungen des Redners ist die jetzige Kriegsernährung 

durch (\en Mangel an Fett und Eiweiß gekennzeichnet, hervorgerufen durch 

den Fortfall des Imports, durch die frühere Angewöhnung eines übermäßigen 

Verbrauchs und die zu starke .\ufnahme tierischer Produkte, wozu noch ein 

größerer \'ci'l)i-auch von Alkohol und anderen gewerblichen Erzeugnissen 

hinzukam. Da das Fett durch Koldchvdrate ersetzt werden kann, bietet die 



— 77 — 

Fettversorgung keine ernste Gefahr. Viel bedenklicher ist der Eiweiß- 
m a n ge 1. Die Bewirtschaftung ruht in den Händen vieler Kriegsorganisationen. 
Es fehlt eine zusammenfassende Gesamtleitung, die sich die Erschließung neuer 
Eiweißquellen und die ineinandergreifende Verteilung zur Aufgabe stellen muß. 
Tatsächlich läßt sich das tierische Fett und Eiweiß durch pflanzliches ersetzen. 
In erster Linie ist es notwendig, daß die Milch als Eiweißlieferant 
und weniger für die Fettversorgung herangezogen wird. Es sollte mehr Milch 
in frischem Zustand oder auch sterilisiert, getrocknet, kondensiert nach den 
Großstädten gebracht und weniger verbuttert werden. Die ausfallende Butter 
läßt sich durch Margarine, Öl und Speisefette ersetzen. Die Käserei 
muß mit allen Mitteln gehoben werden. Da die Fleischmenge nicht erhöht 
werden kann, ist eine sorgfältige Verteilung der verfügbaren Menge und 
namentlich eine Streckung durch eine sachgem äß e Wurstbereitung 
mit Zusatz eiweißhaltiger pflanzlicher Stoffe erwünscht. Die Fischzufuhr 
ist ebenfalls für die Eiweißvermehrung von Wichtigkeit. An Eiern steht 
leider nur eine geringe Menge zur Erhöhung der Eiweißversorgung zui' 
^'erfügung. Ersatzmittel sollten unter entsprechender Kontrolle im Großen 
hergestellt werden, wozu sich namentlich die Getreidekeime als Rohmaterial 
eignen. Die Getreideentkeimung ist auch in der Lage, ein hochwertiges, 
leicht verdauliches Eiweiß in dem Umfange zu liefern, daß für 10 Millionen 
der dringend notwendige Eiweißzuschuß damit gegeben werden könnte. Die 
entfetteten und entsprechend zubereiteten Keime eignen sich namentlich zui- 
Herstellung eines Morgentranks als Ersatz für Kakao. Milch und Zuckei-. 
x\m meisten kann die Eiweißversorgung durch die Heranziehung der Hülse n- 
f r ü c h t e gefördert werden. Die Bohne auf schwerem, E r b s e luid W icke 
auf mittleiem und Lupine auf leichtem Boden vermögen bei angemessenem 
hohen Preis sehr große Mengen zu produzieren. Alle Hülsenfüchte eignen 
sich namentlich zur Herstellung eiweißreicher, fertiger Suppen, die als 
Abendkost für die Volksernährung eine große Bedeutung haben. Auch die 
Eiweißlieferung des Gemüses ist nicht zu unterschätzen. Die Nährhefe 
verdient in der Zeit der Eiweißnot der Beachtung, aber auch die Herstellung 
anderer Eiweißnährmittel ist aussichtsvoll. Durch Beachtung der angeführten 
Gesichtspunkte erscheint es sehr w^ohl möglich, auch bei längerer Dauer des 
Krieges den Fett- und Eiweißmangel soweit zu beseitigen, daß hierdurch 
keine unmittelbare Gefahr droht. Nach dem Kriege kann aber die deutsche 
Landwirtschaft und Nahrungsindustrie unbedingt aus eigener Produktion das 
deutsche Volk ausreichend und befriedigend ernähren, wenn vom Übermaß 
an tierischen Lebensmitteln abgesehen und eine sachgemäße Höhe und Art 
der Lebensmittelzuführung vorgesehen wird. 

6. Sitzung am 17. November 1917 

Prof. Dr. K. We nie, Leipzig: 

„Der Weit krieg und die farbigen Hilf svöllver, ein 

ethnographiscli-politischer Rund- und Ausblick" 

Deutschland mußte seit einer Reihe von Jahren damit rechnen, daß 
Frankreich ihm in einem zukünftigen Krieg außer den von 1870 bekannten 
Turk OS, Zuaven und Spahi auch seine vielgerühmten Senegalesen 



ent^eKenwerfen würde. Daß aber neben diesen farbigen Vertretern der 
großen Nation Kngland uns ganze Armeen aus seinem weltumspannenden 
Kolonialreich und Rußland zahlreiche Söhne seiner weiten asiatischen Be- 
sitzungen entgegenwerfen würden, konnte bei uns niemand voraussehen. 

Diesem außergewöhnlichen Einfluß, der die farbigen Kolonialvölker 
veranlaßt, sich bedingungslos für ihre Herren als Kanonenfutter verwenden 
zu lassen, müssen bestimmte Ursachen zugrunde liegen. Für Indien bestehen 
sie in der ungeheuren Gegensätzlichkeit seiner mehr als 300 Millionen 
zählenden Bevölkerung, in dem äußerst differenzierten Kastenwesen und den 
scharfen Gegensätzen auf religiösem (xebiet. Außerdem verfährt England 
militärpolitisch mit unleugbarem Geschick: es wählt seine Truppen aus 
Elementen, auf die es glaubt, fest zählen zu können. Das sind vor allem 
die Sikh, die Pundschabi, die Degra und Pathan und schließlich die 
l)es<mders zu Anfang des Krieges vielgenannten Gurkha — alles Leute des 
Nordwestens und des gebirgigen Nordens, die erheblich wetterfester sind, 
als wir anzunehmen pflegen. Die Zahl der in Übersee verwendeten Jnder 
ist schwer festzustellen; schon im Sommer 1915 überstieg sie 200000 Mann. 
Heute werden es noch viel mehr sein. 

Unter den nichtindischen farbigen Hilfstrup[)en der Engländer ragen, 
weniger der Zahl nach als ihrer Sinnesart wegen, die Maori und die 
Fidjianer hervor. Beide waren bezeichnender Weise unter allen Natur- 
völkern die ausgeprägtesten Kannibalen.' 

Die iiordafrikanischen Hilfsvölker Frankreichs sind im Grunde ge- 
nommen keine Farbigen, sondern Verwandte von uns. Die Senegaltruj)pe 
ist wenig mehr als ein Vierteljahrhundert alt. Von dem in Westafrika ein- 
geführten Aushebungssystem erwartet Frankreich Armeen von vielen Hundert- 
tausenden ; doch scheint die Begeisterung der Stämme nicht allzu groß zu 
sein. Trotzdem überschritt die Zahl der in Frankreich fechtenden Afrikaner 
zu Anfang 1917 bei weitem ein Drittel Million, Grund genug für uns. dafür 
zu sorgen, daß sich unserem westlichen Nachbar fernerhin nicht mehr die 
Gelegenheit bietet, derartige Menschenreservoire auszuschöpfen. 

Die Folgen der Verwendung Farbiger auf dem europäischen Kriegs- 
schau[)latz sind nicht in allen ihren Teilen zu übersehen. Unleugbar ist das 
Ansehen der weißen Rasse dadurch vermindert worden. Trotzdem wird der 
Weiße seine Vorherrschaft auf Grund seiner ungeheuren Machtmittel auf- 
recht erhalten können, ja der Neger wird der Nation, die ihm als der 
eigentliche Sieger erscheint, vielleicht noch williger folgen als bisher. 

Auch sonst sollen wir die Wirkinigen des Krieges nicht überschätzen. 
Der Heilige Krieg hat sich wie jeder V^ölkerkundige voraussah, als ein 
völliger Fehlschlag, als ein Anachronisnuis erwiesen, denn Frankreich hat 
nach wie vor seine Nord- und Westafrikaner ebenso fest an der Hand wie 
England seine tiO bis 70 Millionen indischer Moslim und Rußland seine zahl- 
reichen mohammedanischen Steppenvölker. Gefährdet wird Englands Welt- 
stellung erst in dem Augenblick, wo die Schatten einer etwaigen Vorherrschaft 
des Ostens unter Japanern und Chinesen bis nach Indien und Afiika fallen. 
Dann hat f^ngland Ursache, für Indien zu zittern. 

In .\frik;i wird Englands Stellung von zwei Seiten bedroht, einmal 
(luicli (las .\ i' i- i k a iid c 1- tu m, das ihm, vielleicht schon in absehbarer Zeit, 



— 79 — 

den Süden abnehmen will und durch das Af r i ka n e r t u in, (his auf die 
Verselbständigung des ganzen Erdteils unter der schwarzen Rasse hinzielt. 
Davon werden alle in Afrika beteiligten Kolonialvölker betroffen Averden. 

Anthropologisch und ethnographisch werden die Folgen weniger schwer- 
wiegend sein. Rassenmischungen sind bei der jetzigen Art der Kriegsführung, 
die den Farbigen kaum mit fremden Bürgerkreisen in Verbindung bringt, 
ziemlich ausgeschlossen. Kulturell schließlich wird die Wirkung des Krieges 
in einer noch schnelleren Angleichung der primitiven Volkstümer an die 
Üniversalkultur des Weißen bestehen, als sie bisher schon erfolgte. Das ist 
vom wissenschaftlichen Standpunkt aus bedauerlich. Das einzige, was wii- 
tun können, ist die möglichst rasche wissenschaftliche Ausnutzung jener 
Völker vor dem zu befürchtenden Abschliff. Die Gelegenheit dazu wird der 
deutschen Wissenschaft künftig kaum wo anders als in einem eigenen 
Kolonialreich gegeben werden, denn außer der Wirtschaft wird auch die 
Wissenschaft nach dem Krieg regional bleiben. Dieses Kolonialreich 
erträumen wir nicht nur, sondern wir erwarten es fest und bestimmt, und 
wir hoffen wohl alle, daß es größer, geschlossener und dauernder sein möge 
als das erste, das gerade im Augenblick auf schwerste bedroht ist, von dem 
wir aber trotzdem erhoffen, daß es der Kern- und Ansatzpunkt für das 
neue Reich sein werde. 

7. Sitzung am 24. November 1917 

Prof. Dr. 0. Loos: 

„Weichteil- und Knoc.henplastik nach Kriegswunden" 

Der Vortrag wird eingeleitet durch einen kritisch -historischen Rück- 
blick auf den -Entwicklungsgang, den prothetische und chirurgische Kunst in 
der Ersetzung fehlender Gliedmaßen und in der Beseitigung entstellender 
Gesichtsdefekte genommen haben. Es wird dabei hervorgehoben, wie lebhaft 
auf letzterem Gebiete die Zahnheilkunde an dieser Entwicklung sich beteiligt 
hat und wie gerade sie für die Verletzungschirurgie des Gesichtes und dei- 
Kiefer von fruchtbringender Bedeutung geworden ist. 

Im Anschluß an Lichtbilder findet die chirurgische und zahnärztliche 
Behandlung von Gesichtsverletzungen ihre eingehende Besprechung, von der 
Wundbehandlung angefangen bis zur letzten chirurgischen Versorgung und 
Plastik. Immer hilft auch die natürliche Spontanheilung mit und nimmt dem 
Chirurgen einen großen Teil seiner Arbeit ab, so daß ihm häufig nur die 
einfache Narbenkorrektur oder die Naht verbleibt. Zahlreiche Bilderbeispiele 
erläutern dann in großen Zügen die plastischen Operationsmethoden für den 
Ersatz der Unterlippe, Oberlippe und Wange. 

In einer besonderen Gruppe eingereiht werden die schwierigen Metho- 
den des Schleimhautersatzes durch gestielte Lappen aus der äußeren Haut 
beschrieben. Die modernste Methode mit großen, aus der Schläfenhaut ent- 
nommen, z. T. behaarten, z. T. unbehaarten Hautlappen ninunt entsprechend 
ihrem unschätzbaren Werte einen breiteren Raum ein. Die Verwendung 
solcher Lappen zum Ersatz der häutigen Nase führt zur Besprechung der 
Nasenplastik. Die alte indische und italienische Art des Nasenersatzes 
werden im Zusammenhang mit den in neuerer Zeit eingeführten und aner- 
kannten Ergänzungsmethoden abgehandelt. 



80 — 

Theoretische Ausführungen über die Einlieihni«;hetero- und hoiuoplastisch 
lr;iMs|)l;intierter Gewebe leiten nach kurzen historischen Vorbemerkungen über 
künstliciien Knochenersatz bei Unterkieferdefekten hinüber zu einem Bericht 
über die Deckung von Knochendefekten, in Sonderheit des Unterkiefers, durch 
die fi-eie Knochentrantiplantation. Ihre Vorbedingungen, Technik, Schwierig- 
keiten und Heilungsaussicliten werden besprochen und dabei die Erfolge 
und X'orteile der Beckenkammbenutzung besprochen. Bilder von Röntgen- 
aufnahmen veranschaulichen den Bericht. Zuletzt wird, ebenfalls an der 
Hand von Röntgenaufnahmen, auf die Theorien vom Schicksal transplantierten 
Knochengewebes eingegangen. Im ganzen wird dabei der Standjnuikt 
Axhausens vertreten. 

Das Schlußwort hebt die rühmliche Zusammenarbeit von Chirurgen 
und Zahnärzten hervor und ge<lenkt der wissenschaftlichen reichen Ergeb- 
nisse dieser Arbeit. 

8. Sitzung vom 1. Dezember 1917 
A. V. Gwinner, Berlin: 
„Die rumänischen Erdölfelder" 
Die Kenntnis des Erdöls (Steinöls, Petroleums) reicht in das graue 
Altertum zurück. Der. Feuerkult der Parsen wird auf das dem damaligen 
Menschen unerklärliche Erscheinen von Feuer und Flammen auf dem Meere 
zurückgeführt, das man auch heute noch — z. B. bei Baku — als Folge der 
Selbstentzündung dem Meeresboden entsteigender Petroleumgase beobachten 
kann. In Palästina erinnern noch zahlreiche Ortsnamen an die biblische Be- 
zeichnung „Naphtha" für Petroleum. Aber erst vor etwa 60 Jahren ist die 
große Bedeutung des Erdöls für den menschlichen Haushalt und Verkehr 
erkannt und gewürdigt worden, nachdem in Nordamerika die großen penn- 
sylvanischen Petroleum -Vorkommen, die jetzt allerdings nahezu erschöpft 
sind, aufgeschlossen wurden. 

So wenig wie die Steinkohle ist das Rohpetroleum ein einheitlicher 
Stoff; vielmehr ist es das Gemenge einer großen Anzahl bei verschiedenen 
Temperaturen siedender Kohlenwasserstoffe der Sumpfgasreihe und kann da- 
her durch „fraktionierte Destillation" zerlegt werden. Zu den Zerlegungs- 
produkten gehören z. B. Petroleumäther, Benzin, Petroleum im engeren Sinne. 
Vaselin, Paraffin u. a. Unter den Hypothesen über die Entstehung des eigen- 
artigen Erdproduktes hebt der Vortragende die von C. Engler hervor, wo- 
nach sich das Steinöl aus den Fetten meerbewohnender tierischer Lebewesen 
(Fische, Mollusken u. dgl.) gebildet hat. Auch ist es Engler gelungen, durch 
Destillation von Fischfetten bei höherem Druck und höherer Temperatur eine 
petrolähnliche Substanz zu erhalten. Das geologische Auftreten des in 
sehr alten (Silur. Devon) und, wie in Rumänien, in recht jungen Schichten 
(Tertiär) vorkommenden Öles wird an guten Profilen erläutert und insbe- 
sondere das Gebundensein an die Sättel oder Antiklinalen (Schichtenge- 
wöll)e) ])et()nt, wo auf undurchlässigem Boden das gebildete Petroleum erhalten 
geblieben ist. Aus solchen ölführenden Schichten wird das Erdöl je nach 
<lpn örtlichen Verhältnissen aus offen zutage tretenden Quellen oder durch 
Bolijung gewonnen. 



— 81 — 

Der Hauptteil des Vortrags gilt dem technischen Betrieb der groß- 
artigen rumänischen Erdölfelder am südöstlichen Karpathenrand An präch- 
tigen Lichtbildern werden eingehend die Gewinnung und Verarbeitung des 
Petroleums in Rumänien geschildert, wo neben englischen, französischen, 
holländischen und amerikanischen Gesellschaften auch die Deutsche Bank 
bereits zu Anfang des Jahrhunderts eigene Anlagen errichtet hat. Von hohen 
Bohrtürmen aus werden Hunderte von Metern (800 — 1400 m) tiefe Bohrlöcher 
angelegt, bis die Petroleumschicht erreicht ist. Die Bohrung erfolgt mittels 
einer in den Bohrtürmen angeordneten und von hier aus in Betrieb gesetzten 
Maschinerie, die im wesentlichen aus dem „MeißeP', d. h. dem eigentlichen 
Bohrer, der „Kolonne", d. h. dem Rohr, in dem der Meißel bewegt wird, und 
einer Reihe von Hilfsvorrichtungen besteht. Oft werden bei dieser mühsamen 
Arbeit in der Tiefe Wasseradern angetroffen, die eine Abdichtung des Bohr- 
lochs durch Einführung eines zweiten Rohres in die Kolonne oder durch 
Zementierung erfordern. Ist die ölführende Schicht erreicht, so wird das 
Petroleum abgepumpt; mitunter steht es aber auch unter einem so gewaltigen 
Druck, daß es wie eine Fontäne aus dem hohen Bohrturm herausgeschleudert 
wird, ihn häufig beschädigt und weite Strecken in seiner Umgebung über- 
schwemmt. 

Die vorgeführten Lichtbilder zeigen große Anlagen von vielen hundert 
Bohrtürmen auf dem hügeligen Gelände der rumänischen „Erdölfelder" 
mit den Karpathen im Hintergrund, nebst den zugehörigen Maschinenhallen, 
Lagerhäusern und Reparaturwerkstätten. Andere Lichtbilder gewähren einen 
ausgezeichneten Einblick in die komplizierten maschinellen Einrichtungen 
der Raffinerien, in denen das gewonnene Rohpetroleum durch Destillation 
gereinigt und seine verschiedenen Produkte, das leichte Benzin, die schwere- 
ren Heiz- und Leuchtöle, die Schmieröle, Paraffine usw. gesondert aufgefangen 
und in Tanks gefüllt werden. Von hier aus führt ein oft kilometerlanges 
System von Rohrleitungen, die von dem Tank bis zur Verladestelle durch 
die gleichbleibende, aber je nach dem Produkt, das sie ableiten, unter sich 
verschiedene Farbe gekennzeichnet sind, nach den Eisenbahnstationen oder 
Donauhäfen, von wo aus die Verfrachtung in besonderen Tankwagen oder 
Tankschiffen mit der Bahn oder auf dem Wasserwege erfolgt. 

Vor dem Kriege hat Deutschland nahezu seinen ganzen Bedarf an Pe- 
troleum von Amerika bezogen, das etwa die Hälfte des auf den Weltmarkt 
kommenden Petroleums produziert. Österreich-Ungarn hat für den Friedens- 
bedarf genug Petroleum im eigenen Lande (Galizien). Nachdem durch den 
Weltkrieg der Bedarf der Mittelmächte erheblich angestiegen luid zugleich 
die überseeische Zufuhr abgeschnitten war, ist es für unsere Kriegführung 
von allergrößter Bedeutung gewesen, daß der Einmarsch der verbündeten 
Heere in Rumänien schneller erfolgt ist, als die ausgedehnten Anlagen zur 
Gewinnung des Petroleums zerstört werden konnten. Wohl haben englische 
und amerikanische Ingenieure in Gemeinschaft mit den russischen und ru- 
mänischen Truppen und der einheimischen Bevölkerung über zwei Drittel der 
Petroleumanlagen vernichtet oder durch Einwerfen von Schutt, Eisenstücken 
und dergleichen die Bohrlöcher unbrauchbar zu machen gesucht ; es ist aber 
der deutschen Heeresleitung gelungen, den Betrieb trotz dieser Verwüstungen 
nach kurzer Zeit in vollkommen ausreichender Weise Avieder aufzunehmen. 



-^ 82 — 

Allerdings sind die Frachten für die Zuführung des rumänischen Erd- 
öls und seiner wichtigen Produkte nach Deutschland unverhältnismäßig hoch; 
sie stehen aber in keinem Vergleich zu den enormen Frachtsätzen für ameri- 
kanisches Petroleum, die England und Frankreich — dank der erfolgreichen 
Tätigkeit unserer U-Boote — zu zahlen haben. 

Nach dem Kriege ist eine Wiederkehr der früheren Verhältnisse zu er- 
warten. Amerika wird froh sein, wenn es den großen Überfluß seiner Pe- 
troleum-Produktion für gutes Geld auf den deutschen Markt bringen kann. 
Zum Schlüsse des Vortrags zeigt eine Reihe weiterer ausgezeichneter 
Lichtbilder den Besuch des Deutschen Kaisers auf den rumänischen Erdöl- 
feldern. 

9. Sitzung am 8. Dezember 1917 
Generalsekretär des Deutschen Fischereivereins Dr. Buschkiel, 

Berlin : 
„Die Bedeutung der Fischerei im Kriege" 
Redner erörtert zunächst die Bedeutung einer großen Fischerflotte für 
die Marine. Die Fischerfahrzeuge sind für Vorposten und andere Dienste 
geeignet, die Fischermannschaft stellt ausgezeichnete Seeleute für die See- 
wehr. Leider ist die Entwicklung unserer deutschen Hochseefischerei noch 
jung, die Zahl der deutschen Fischer und Fahrzeuge noch recht gering. Nach 
Statistiken des Jahres 1909 standen 3100 englischen nur 290 deutsche Fisch- 
dampfer gegenüber, 1700 englischen Seglern nur 200 deutsche in der Nord- 
see und 107 02B englischen Nordseefischern 7649 deutsche. Zwar hat seit 
1909 sich unsere Hochseeflotte erfreulich entwickelt, aber noch immer hat 
unsere Marine größtes Interesse an einem möglichst starken Ausbau unserer 
Fischereiflotte nach dem Kriege. 

Die Binnenfischerei Deutschlands ist im Vergleich zu der unserer 
feindlichen westlichen Nachbarn besser entwickelt und versetzt uns in die 
Lage, in den eroberten Gebieten militärische Fischereiverwaltungen ins Leben 
zu rufen, die sehr wesentlich zur Versorgung der Truppen mit Lebensmitteln 
beitragen. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der deutschen Fischerei, der 
Hochsee-, Küsten-, Ostsee- und Binnen-Fischerei, ist erst im Kriege weiteren 
Kreisen zum Bewußtsein gekommen. Jetzt rächt es sich, daß Deutschland 
nicht schon längst sein Möglichstes tat, um die Fischerei innerhalb des 
Gebietes, das wir unbehelligt beherrschen, zur Höchstleistung zu bringen. 
Seit ungefähr zwei Jahren hat die Reichsregierung der Fischerei vermehrte 
Aufmerksamkeit geschenkt. Nach allerlei Irrungen und Wirrungen einer 
Höchstpreispolitik, die schließlich in Süddeutschland gewisse Erfolge zeitigte, 
vor allem in Bayern, das dank einer sehr gut ausgebauten, fachmännischen 
Organisation der Fischereiverwaltung schnell aus den Erfahrungen gute 
Lehren zog und sich nicht scheute, durchzugreifen, schuf das Kriegsernäh- 
rungsamt bzw. der ihm unterstellte „Reichskommissar für Fischversorgung" 
ein Netz von Kriegsgesellschaften, denen eine zweckmäßige Verteilung und 
Verwertung der gefangenen Fische obliegt.. Aber da die Nachfrage das An- 
gebot bedeutend übersteigt, viele Fische in die Gasthäuser wandern, wo sie 
enorm teuer bezahlt werden, da ferner auf dem platten Lande in Preußen 
immer noch keine Höchstpreise durchgefülu-t sind, weil sich Preußen für ein 



- 83 — 

recht dehnbares „Richtpreissystem'" entschloß, bleiben die Wünsche des Pub- 
likums zum großen Teil unerfüllt. Auch die Zufuhr aus dem neutralen 
Ausland kann die Lücke nicht ausfüllen. Deutschland, besonders Preußen, 
das in den östlichen Provinzen viel fischreiche Gewässer besitzt, hat also 
allen Anlaß, die Fischerei mit ganzer Kraft auszubauen, und es ist dringend 
zu wünschen, daß die Fischereidebatten, die kürzlich im Abgeordnetenhause 
stattfanden, schnellstens Früchte tragen werden. Der Redner bringt ver- 
gleichende Zahlen, aus denen hervorgeht, wie weit zurück unsere Fischerei 
noch ist; doch spricht er zinn Schluß die Hoffnung aus, daß die deutsche 
Fischerei, wenn die Anzeichen nicht trügen, einer neuen großen Zukunft 
entgegengehen wird. 

10. Sitzung am 15. Dezember 1917 
■ Landesökonomierat A. Siebert: 
,,Kriegswirtschaftliche Betätigung des Palmengartens'' 
In Betracht kommen Forschungen auf dem Gebiete der Erzeugung, 
Versorgung und Verwendung von Lebensmitteln, Eiweißversorgung, sowohl 
tierischer wie pflanzlicher Art, der Rohstoffe in der Faser- und Textilindu- 
strie und stärkemehlhaltiger Ersatzstoffe zwecks Herstellung von Brot. An- 
fänge sind gemacht worden, die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaues wird 
sich nach dem Kriege in verstärktem Maße erweisen. Die Erfolge der von 
dem Palmengarten unternommenen praktischen Versuche werden in Licht- 
bildern gezeigt. Neben der allgemein geübten Methode, Kartoffelknollen zur 
Fortpflanzung zu benützen, hat man, veranlaßt durch die Knappheit der 
Saat, ein Verfahren wieder in Erinnerung gebracht, das die Vermehrung 
durch Sprosse zum Gegenstand hat.- Die Erfolge sind bei sachgemäßer 
Handhabung sehr gute. Auch aus Keimlingen gezogene Früchte ver- 
schiedener Sorten brachten den Beweis für den praktischen Wert des Ver- 
fahrens, das auch eine große Ersparnis an Saatgut herbeiführt. Leider wird 
bei uns in der Großkultur die Bekämpfung der Schädlinge nicht in genügend 
großzügiger Weise vorgenommen. Das Bild einer amerikanischen Kartoffel- 
farm erläuterte die dort übliche Methode, ebenso die Vorrichtungen zum 
Aufbewahren der Kartoffeln in Scheunen, die befahren werden können. Ein 
Schädling, Agrotis segetiim, ist imstande, die Ernte empfindlich zu beeinflussen. 
Der Topinambur hat sich in der Kriegszeit zu einem Volksnahrungsmittel 
emporgeschwungen, die leichte Anzucht und der große Ertrag machen ihn außer- 
ordentlich wertvoll, auch ist der Nährwert ein ziemlich großer. Die H e 1 i- 
anthi geben ein schmackhaftes Gemüse. Beide sind Verwandte unserer 
Sonnenblume, deren ölhaltige Samen besonders geschätzt sind. Anbauver- 
suche mit der vor dem Kriege hauptsächlich aus der Mandschurei einge- 
führten Sojabohne haben Erfolge gezeitigt, die zu weiteren Versuchen 
aufmuntern. Wenn es gelingen würde, sie hier in derselben Qualität zu 
ziehen, wie in den östlichen Ländern, wären wir um eine der wertvollsten, 
Eiweiß, Öl und Fette liefernden Pflanzen reicher. Eine große Wertschätzung 
genießt die Tomate als Würze für Suppen, Tunken usw. Man sah vor dem 
Rathause einer großen Stadt Beete mit Tomaten bepflanzt, an Stelle der 
Blumen. Der Zuckermais ist ein Gemüse, das bei uns nicht genügend 
gewürdigt wird: die Anbauversuche im Palmengarten haben erwiesen, daß 

*6 



„ 84 — 

audi vcrwölmte (iuuinen mit dem (iesclimack zufrieden sein können. Eine 
neue Sache ist die Fre i la n d m el on e. die an (ieschmack den unter Glas 
gezogenen Melonen nicht nachsteht. Es handelt sich hier um eine deutsche 
Züchtung, die alle Beachtung verdient. Der feldmäßige Kürbis an bau hat 
1!U7 vorzügliche Erträge gegeben. Mit Interesse wird die Einführung der 
K eismelde verfolgt, die vielleicht mit etwas übertriebener Reklame ange- 
priesen wurde. Wenn sie in bezug auf den Nährwert mit den Hülsenfrüchten 
nicht auf gleiche Linie gestellt werden kann, so ist sie doch so reich an 
Nährstoffen, daß ihr Anbau lohnt. Verschiedene andere Bilder zeigen Gemüse 
wie Mangold, Kohl usw. Das Mustergärtchen im Palmengarten hatte den 
Zweck, darzutun, wie man auf einem kleinen Raum in zweckmäßiger Ein- 
teilung eine Anlage schaffen kann, deren Ertrag nicht nur der materiellen 
Richtung Rechnung trägt, sondern auch die ästhetische Seite zur Geltung 
kommen läßt. Die Anpflanzung von Wü rzk räu t ern machte viele wieder 
Kiit diesen oft in Vergessenheit geratenen Pflanzen der alten Gärten bekannt. 
Wir haben jedweden Ersatz nötig, der im eigenen Lande erzeugt werden 
kann, da wir derartige Summen, wie sie vor dem Kriege für Gemüse ins Ausland, 
gingen, nicht sofort wieder für diese Zwecke aufwenden können. Vor allem 
ituiß der erzeugende Gärtner und Landwirt die schützende Hand des Staates 
genießen, und diese Vorsorge muß sich für das kommende Jahr, wo wir mit 
außerordentlich knappem und sehr teurem Saatgut zu rechnen haben, haupt- 
sächlich darauf erstrecken. 

IL Sitzung am 12. Januar 1918 

Hauptmann Most, z. Z. i. Felde: 

„Die Abrichtung und Verwendung des Hundes im 

Kriege" 
Die irrigen, größtenteils übertriebenen Ansichten, die über die geistigen 
Fälligkeiten der Hunde herrschten, waren die Ursache, daß man an die- 
Tiere häufig viel zu hohe Anforderungen stellte. Hieraus ergaben sich Fehl- 
schläge in den Leistungen, ein Umstand, der die gesunde Entwicklung des 
Diensthundewesens bisher stets gehemmt hat. Vortrefflich sind die Leistungen 
der Polizeihunde in ihrer Eigenschaft als Schutz- und Begleithunde. Sehr 
Gutes leisten die Hunde im Festhalten fliehender Übeltäter, im Aufstöbern 
von Menschen in allerlei Schlupfwinkeln und nicht zuletzt zur Vorbeuge von 
Straftaten. Eine wissenschaftlich begründete Abrichtung baut auf Folgendem 
auf. Die Handlungen des Tieres beruhen nicht auf Denkfähigkeit, sondern 
kommen auf rein gedächtnismäßigem Wege zustande. Dem Hunde werden 
z. B. alle Handlungen, die er unterlassen soll, durch Zwang, der oft in Form 
von Schmerz zum Ausdruck kommt, verleidet. Diese Auffassung der Fähig- 
keiten des Hundes hat natürlich eine ganz andere Abrichtungsweise zur 
Folge, wie die bisher gehandhabten Methoden, die infolge Vermenschlichung 
der tierischen Handlungen den Hund iiach Grundsätzen behandelten, die 
mehr der Erziehung eines Menschen entsj)rechen. Während des Krieges 
werden die Hunde zu folgenden Zwecken verwandt. In der Heimat als 
Blinde n h u n d e. In der Heimat und im Felde als P o 1 i z e i h u n d e. Im 
Felde als Sanitäts- und Meldehunde. Für jede dieser verschiedenen 
Verwendungsarten müssen die Tiere besonders abgerichtet werden. Andern- 



falls versagen die Hunde sehr leicht. Die Verwenduntj; von Polizeihunden 
als Sanitätshunde hat sich durchaus nicht bewährt. Der Tätigkeit des Blinden- 
hundes sind sehr enge Grenzen gezogen. Polizeihunde werden besonders 
im Gebiet des Generalgouvernements Belgien zum Grenzschutz und zur Be- 
wachung von Bahnanlagen, ferner in den Etappengebieten der verschiedenen 
Armeen, besonders auch in den Wäldern hinter der Ostfront als Schutz- und 
Begleithunde verwandt und leisten in dieser Eigenschaft sehr gute Dienste. 
Dem Deutschen Verein für Sanitätshunde, Sitz Oldenburg, ist es zu ver- 
danken, daß eine so große Zahl von Sanitätshunden der Heeresverwaltung 
zur Verfügung gestellt werden konnte. Die Abrichtung dieser Tiere hat im 
Laufe des 'Feldzuges große Umwandlungen erfahren. Die Art und Weise, 
wie der Hund anzeigt, daß er einen Verwundeten gefunden hat — diese 
Tätigkeit nennt man Verweisen — geht folgendermaßen vor sich : Dem Hunde 
wird eine an einem Lederriemen befindliche, elf cm lange Lederrolle an das 
Halsband gehängt : Bringsei genannt. Dieses Bringsei lernt der Hund nur 
dann zu erfassen und mit ihm im Maule zum Führer zurückzukehren, wenn 
das Tier einen liegenden oder sitzenden Menschen — damit sind alle Ver- 
wundeten einbegriffen — gefunden hat ^ausgearbeitet ist diese Methode von 
dem Berliner Psychologen 0. Pfungst. Die Sanitätshunde haben sich im 
Bewegungskriege gut bewährt. Bis zum Dezember 1916 wurden von ihnen 
2972 Verwundete gefunden. Dem Meldehund ist von allen Diensthunden 
ohne Zweifel die wichtigste Aufgabe zugeteilt. Er ist unmittelbar für die 
kämpfenden Truppen tätig und hat die Aufgabe, zwischen den verschiedenen 
Befehlsstellen wichtige Nachrichten zu überbringen. Diese Arbeit müssen 
die Tiere häufig im schwersten Feuer verrichten. Durch ihre Tätigkeit er- 
sparen die Meldehunde Menschenkräfte und Menschenleben. Die Zahl der 
Meldehunde an der Front wächst beständig. Daß eine so große Zahl von 
Hunden in solcher Güte dem Heere zur Verfügung gestellt werden konnte, 
dafür gebührt zunächst Dank den Hundebesitzern, die die Tiere fast sämtlich 
kostenlos hergaben, dann auch der deutschen Kynologie, die das Heer dieser 
Hunde in emsiger und verständnisvoller Friedensarbeit geschaffen hat. Dank 
gebührt ferner der Wissenschaft. Auf wissenschaftlicher Grundlage arbeitend, 
erkannte man die Grenzen der Fähigkeiten der Hunde und vermochte nun 
erst, die Tiere dieser Erkenntnis gemäß innerhalb jener Grenzen richtig zu 
verwenden. Schließlich war es möglich, ein lehrbares und erlernbares System 
der Abrichtung mit einleuchtenden Grundsätzen auszuarbeiten, wodurch die 
dienstliche Handhabung des Hundewesens erleichtert wird. Dank nicht zu- 
letzt ist abzustatten den braven Führern, von denen viele an der Seite ihrer 
Hunde Gesundheit und Leben für das Vaterland geopfert haben. 

12. Sitzung am 19. Januar 1918 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. W. K olle: 

„Über die Bedeutung der Erreger von Wundinfelv- 

t Ionen, insbesondere von Tetanus und Gasbrand, im 

Kriege" 
An einem großen Material instruktiver Lichtbilder sucht der Vortragende 
über die großen Fortschritte aufzuklären, die die Seuchenbekämpfung gegen 



— 86 — 

früher aufzuwei.sen hat. War diese früher ein Kampf gegen den Kranken, 
so ist sie jetzt ein Kampf gegen den Erreger; stand man früher den Wund- 
iid'ektionskrankheiten machtlos gegenüher, so sind wir jetzt auf Grund der 
Forschungen von Männern wie Pasteur, Li st er, Koch, Behring und 
Ehrlich in der Lage, durch geeignete prophylaktische Maßnahmen die 
Erkrankungen auf ein Minimum zu reduzieren und gegebenenfalls ausge- 
brochene Krankheiten zu heilen. Wie schon 1870 71 das durchgeimpfte 
deutsche Heer nur 459 Todesfälle an Pocken aufwies, gegen 23 400 bei den 
Franzosen, bei denen ein Impfzwang nicht bestand, so zeigt auch der Welt- 
krieg die Überlegenheit der modernen Seuchenbekämpfung und der auf 
unserer Seite getroffenen Maßnahmen: während z. B, die Serben 80 — 90000 
Todesfälle an Fleckfieber zu beklagen hatten, waren die deutschen Truppen 
dort „überhaupt nicht gefährdet'', wie der Heeresbericht mitteilt. Wissen- 
schaftliche Großtaten wie Ehrlich s Entdeckung des Salvarsans und 
Behrings Tetanusantitoxin haben in diesem Kriege Hunderttausenden im 
Heer wie in der Zivilbevölkerung das Lel)en gerettet. Auch gegen die erst 
in neuester Zeit zu Bedeutung gelangte Erkrankung am Gasbrand liegen 
schon Erfolge vor, die durch experimentelle Arbeiten von Kolle, Sachs 
u. a. erreicht worden sind, so daß wir hoffen dürfen, auch auf diesem Gebiet 
zu siegen. Mit Worten des Dankes an Ärzte, Pflegepersonal und chemische 
Industrie schließt der Vortragende seine Ausführungen. 

13. Sitzung am 26. Januar 1918 

Prof. Dr. 0. Stiehl, Steglitz: 

„Anthropologische und ethnographische Studien aus 

deutschen Kriegsgefangenenlagern" 

Die Versannnlung vieler Völkerschaften, zum Teil aus entlegensten 
Gebieten, die unsere Gefangenenlager beherbergen, hat ganz eigenartige Ge- 
legenheil zu eingehenden ethnographischen und anthropologischen Forschungen 
geboten. Sie werden sowohl von deutscher wie von deutsch-österreichischer 
Seite in einer Reihe von wissenschaftlichen Unternehmungen ausgenutzt. 
Anthropologie, S[)rachwissenschaft, Volkskunde und Rechtsgeschichte sind an 
diesen Forschungen in gleicher Weise beteiligt. 

Die Ergebnisse werden bei der übergroßen Fülle der Einzelheiten erst 
diu-ch gründliche Verarbeitung des gesammelten Stoffes und erst in geraumer 
Zeit veröffentlicht werden können. Aber schon jetzt ist es möglich, über 
die buntscheckige Schar unserer Feinde, ihre sehr wechselnde Rassenzuge- 
hörigkeit eine anschauliche Übersicht zu geben, wie sie ohne die einzigartige 
Zusamincnhäufung fremder Völker in unseren Gefangenenlagern nicht hätte 
zu Stande konimen können. 

Zu diesem Behufe werden in zahlreichen Lichtbildern zunächst die 
europäischen Vertreter des Vierverbandes und seiner amerikanischen, afri- 
kanischen, austialischen Kolonien vorgeführt mit besonderer Rücksicht auf 
die starke Mischung verschiedener Rassen, die bei jedem der einzelnen Gegner 
den Mangel an Einheit des Volkstums feststellen läßt. Dabei wird nach den 
in den I^agern genuichten Beobachtungen eine kurze Darstellung der Geistes- 
art dieser vielfältigen Volksteile gegeben. Es folgen in ähnlicher Behandlung 
die bunt gemischten Gestalten der Hilfsvölker, die aus den farbigen Stämmen 



der alten Welt gegen uns aufgeboten worden sind. Ein uneihörtes Völker- 
gewimniel von Arabern, Berbern, Negern, Tartaren, Koreanern. Ainiamiten 
und den zahlreichen Stämmen Indiens hat hier als Unterlage den Stoff zu 
gründlicher wissenschaftlicher Forschung geboten. 

14. Sitzung am 2. Februar 1918 
Prof. Dr. R. Hesse, Bonn a. Rh, : 
„Tierflug und Menschenflug" 

Der Mensch schwimmt ähnlich, wie der Vogel fliegt; aber er fliegt, wie 
der Fisch schwimmt. Beim Ruderflug der Vögel sind Antrieb- und Trag- 
fläche vereinigt. Beim Flug des Menschen wie beim Schwimmen des Fisches 
sind sie getrennt. Und wie der Mensch in zweifacher Weise fliegt, mit 
Maschinen, die schwerer sind als die Luft, den Flugzeugen, und mit solchen, 
die leichter sind als die Luft, den Luftschiffen, so sehen wir auch die Fische 
in zweifacher Art schwimmen : die Fische ohne Schwimmblase, vor allem 
die Haie, müssen mit ihrer Vorwärtsbewegung zugleich den Körper im Wasser 
tragen und bedürfen dazu einer Mindestgeschwindigkeit, und müssen Trag- 
flächen ausbilden (große Brustflossen, flache Bauchseite); die Fische mit 
Schwimml)lasen dagegen schweben im Wasser und brauchen den Antrieb 
hauptsächlich zur Vorwärtsbewegung. Der Flug ohne Flügelschlag (Schwebe- 
flug) der Vögel geschieht unter Benutzung der Energie des Windes, entweder 
unter Benutzung aufsteigender Luftströme, oder an Stellen, wo zeitlich und 
örtlich die Windgeschwindigkeit beständig wechselt. Gleichmäßiger, horizon- 
taler Wind ermöglicht keinen Schwebeflug. Der Schwebeflug kann von 
Menschen nachgeahmt werden, aber die x\ussichten für eine nutzbare Ver- 
wendung dieser Art zu fliegen, sind gering, da die Bedingungen dafür zeit- 
licher und örtlicher Beschränkung unterliegen. Erwünscht für den Menschen 
wäre ein Flug nach Art des Ruderflugs der Vögel mit leichten Schwingen 
aus eigener Kraft. Aber dafür ist der Mensch zu muskelschwach und sinnen- 
stumpf. Und trotzdem fliegt er — nicht mit seinen Muskeln, sondern mit 
seinem Großhirn. 

15. Sitzung -am 9. Februar 1918 

Geh. Hof rat Prof. Dr. P. Gisevius, Giessen: 
„Über den I.andhunger und das Problem der verfüg- 
baren Landfläche in und nach dem Kriege" 

Das Wachsen der Mittel- und Großstädte bringt uns die hygienische 
Bedeutung der Muskelarbeit wie des Wohnens auf dem Lande immer stärker 
zum Bewußtsein. Die Industriearbeiterschaft wie die Großstadtbevölkerung 
sind auf den Zuwachs frischen Blutes vom platten Lande her geradezu an- 
gewiesen. Die Gemüsegärten städtischer Bürger und das AVohnen städtischer 
Arbeiter auf dem Lande erklären indessen noch nicht den Landhunger, 
wie er sich überall bemerkbar macht. 

Die Bodennutzung ist nicht nur eine direkte, wie in der Erzgewinnung 
und Steinindustrie, sondern auch eine indirekte, wie bei Land- und Forst- 
wirtschaft. Die Landwirtschaft nahm zu dieser Urproduktion auch die Ver- 
edelungsproduktion hinzu, indem sie Rohstoffe von außen heranzog. Den 



- 88 — 

Sti(jkst()ll' lidlteii wir in der Form des Chilesalpeters aus dem fernen Aus- 
lande; hierin brachte der Krieg Wandel, insofern wir schnell den Luftstick- 
stoff nutzen lernten. Wir können den Chilesalpeter nunmehr ganz entbehren. 
Schlimmer stand es in der Tierproduktion. Wir zogen in immer steigendem 
Maße Körner- und Kraftfutter aller Art aus dem Auslande heran und standen 
in Gefahr, ganz von ihm abhängig zu werden. Inzwischen wuchs seit den 
Freiheitskriegen unsere Volkszahl auf das Zweieinhalbfache. Wir steigerten 
auch die Zahl unserer Tiere enorm, insbesondere unsere Schweinebestände, 
während die verfügbare Bodenfläche die gleiche blieb. So mußte denn die 
Bodenbenutzung intensiviert werden und der Boden immer mehr in der 
Wertschätzung steigen, so daß geradezu von Landhunger gesprochen werden 
kann. Tatsächlich wuchs unsere Bodenproduktion so weit, daß wir im In- 
lande 90% unseres Getreidebedarfs (England nur 10 "^o) erzeugten, ebenso 
96 " u unseres Fleischbedarfs. 

Das Problem der Volksernährung auf eigener Scholle ist für die 
Kriegsdauer gelöst. Jetzt tritt das gleiche Problem für die kommende 
Friedenszeit um so bestimmter hervor, als die Kriegserfahrungen uns davor 
warnen, je in Abhängigkeit vom Auslande zu kommen. Wir hoffen ja auf 
weiteres starkes Steigen unserer V^olkszahl ; wird die gleichbleibende ver- 
fügbare Bodenfläche immer zu deren Ernährung hinreichen ? Seit L i e b i g 
(1840) ringt die Wissenschaft um die Lösung der Aufgabe, durch Inten- 
sivierung die Produktion zu steigern. Lieb ig — auf der Theorie des Raub- 
baus alter Völker fußend — lehrte uns, die dem Boden jährlich entzogenen 
chemischen Stoffe im Kunstdünger wiederersetzen und schuf die Agrikultur- 
chemie. Als man erkannte, daß neben den Pflanzennährstoffen noch andere 
Wachstumsfaktoren zu verbessern waren, wurde Wollny der Schöpfer der 
Agrikulturphysik. Hellriegel begründete die Bodenbiologie, Dünkelberg 
die Kulturtechnik, Rimpau die Pflanzenzüchtung, Nathusius die Tier- 
züchtung. Gibt es noch Grenzen für die Intensivierung? Leider ist das der 
Fall, denn an einem Wachstumsfaktor, dem Klima, scheitert unser Bemühen. 
So sind der Steigerung der Bodenerträge bestimmte Grenzen gezogen. Hier- 
aus geht mit Sicherheit die Notwendigkeit hervor, für den Moment vorzu- 
sorgen, in dem unsere Bodenfläche trotz aller Hilfe der Wissenschaft vermehrt 
werden muß, wenn wir nicht in Abhängigkeit vom Auslande kommen luid 
wirtschaftlich ausgehungert werden wollen. 

16. Sitzung am 16. Februar 1918 
Geh. Hofrat Prof. Dr. W. Salomon, Heidelberg: 
„Praktische Anwendung der Geologie in den Kriegs- 
jahren" 

In Laienkreisen ist vielfach die Vorstellung verbreitet, daß dem Geo- 
logen eine Voraussage der unter der Erdoberfläche verborgenen Gesteins - 
massen nur dadurch möglich ist, daß er mit dem Spaten grabe oder Bohrungen 
veranstalte. Diese Vorstellung ist falsch. Die geologische Voraussage für 
Tunnelbauten, Schachtanlagen, Gewinnung von Wasser, Erdöl, Kohle und 
anderen nutzbaren Substanzen beruht darauf, daß die Gesteinsmassen des 
Erdinnern nicht willkürlich und regellos geformt und gelagert sind, sondern 
daß bei vielen von ihnen regelmäßige Gestalten und eine gesetzmäßige Auf- 



— «y — 

einanderfolge auftreten. Die wichtigsten regelmäßigen Gesteinsformen sind 
die ^Schichten- und die ^Gänge*^. Bei ihnen ist es sehr oft durch Beob- 
achtung der an der Erdoberfläche entblößten Massen möglich, mit einem 
hohen Grade von Sicherheit oder doch wenigstens Wahrscheinlichkeit vor- 
auszusagen, in welcher Richtung sie sich im Erdinnern fortsetzen. Allerdings 
gibt es Erscheinungen, die diese Voraussage erschweren oder sogar unmöglich 
machen können. In erster Linie sind als solche die Verwerfungen und Fal- 
tungen zu nennen. Immerhin hat sich im Frieden wie im Kriege allmählich 
immer weiteren Kreisen die Erkenntnis aufgedrängt, daß die Geologie nicht 
ein Sammelsurium phantastischer Theorien ist, und daß sie durch ihre prak- 
tischen Anwendungen der Menschheit die Mittel mit Zins und Zinseszins 
zurückzahlt, die ihr für ihre Bestrebungen von den Staaten, Gemeinden und 
Privaten zur Verfügung gestellt worden sind. 



17. Sitzimg am 23. Februar 1918 

A. V. G winner, Berlin: 

„Die Bagdadbahn" 

Der Vortragende bespricht zunächst die geologischen und geogra- 
phischen Verhältnisse des von der Bahn durchquerten Gebietes, die eine 
Reihe von Kunstbauten notwendig gemacht haben. So waren im Taurus 
Höhen von über 1400 Metern zu überwinden, während die Strecke in ihrer 
größeren Länge ungefähr 800 Meter hoch läuft und schließlich bis auf kaum 
100 Meter fällt. 

Die weiteren Ausführungen gelten der Vorgeschichte des Bahn- 
baues. 1888 war der Deutschen Bank eine Konzession für eine Bahn auf 
kleinasiatischem Gebiet erteilt worden, die von Konstantinopel nach Angora 
lief. Nach der Gründung der Anatolischen Bahngesellschaft konnte die Bahn 
bis Koni a weitergeleitet werden. Ihre Verlängerung über Konia hinaus bis 
Bagdad war als internationales Werk gedacht. An dem Widerstand der 
öffentlichen Meinung Englands und Frankreichs scheiterte jedoch dieser Plan. 
So stand deutsches Kapital allein zur Verfügung, um den Bau zur Durch- 
führung zu bringen, der sehr bald einen politischen Charakter erhielt. Der 
scharfe Widerstand Englands und Frankreichs bewirkte mannigfache Hem- 
mungen, so daß der Bau nur langsam voranschreiten konnte. Nach Vollendung 
von 200 Kilometern Strecke von 1899 bis 1904 stockte der Bau bis 1909 voll- 
ständig. Die in diesem Jahre von neuem einsetzende Tätigkeit flaute schon 
1911 durch die Balkankriege wieder ab. Bis heute sind ungefähr 1000 Kilo- 
meter gebaut worden. 

Die Bahn ist als das größte deutsche Auslandsunternehmen anzusprechen. 
Fast eine halbe Milliarde Mark ist bis heute darin angelegt. Sie ist für die 
Türkei nicht nur wirtschaftlich von größter Bedeutung, sondern auch in mili- 
tärischer Hinsicht, so daß man sie als Lebensnerv und Rückgrat des Landes 
ansprechen kann. 

Eine Reihe sehr gut gelungener Farbenlichtbilder und gutes Karten- 
material unterstützen die Darlegungen des Vortragenden. 



— 90 — 

18. Sitzung am 2. März 1918 
Geh. Reg.-Rat Dr. A. von Weinberg: 

„Der Nutzen der industriellen Kriegswirtscliaft für 
die Zukunft" 

Wenn auch über die wirtschaftichen Folgerungen, die sich aus der 
Kriegserfahrung ergeben, recht verschiedene Urteile gefällt worden sind, so 
besteht doch Einigkeit darüber, daß die Leistungen der Industrie und 
besonders der chemischen Industrie der Volkswirtschaft im Frieden für alle 
Zeit zugute kommen werden. Vor allen Dingen werden der Landwirtschaft 
im Frieden Düngemittel aus inländischen Quellen in Mengen ^ur Verfügung 
stehen, die den Friedensbedarf der letzten Zeit vor dem Kriege bei weitem 
übersteigen. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß die Stickstoff- 
derivate, die unsere Ernährung und damit unser Leben sichern, die gleichen 
Körper sind, mit denen wir den Feinden Tod und Verderben bringen. Deutsch- 
land hat sich auf dem Stickstoffgebiet vom Auslande unabhängig gemacht, 
und es wird Sache der maßgebenden Faktoren sein, durch richtiges Zusairmien- 
fassen der Industrie, richtige Zollpolitik, aber ohne Monopole, diese Sachlage 
zum Wohle des Ganzen auszubauen. Redner zeigt an einer Reihe besonders 
wichtiger Beispiele, wie Alkohol, Essigsäure, Kautschuk, Ge- 
spinstfasern, Harze, Glyzerin usw., wie die Leistungen der Industrie 
im Kriege die zukünftige Friedenswirtschaft beeinflussen werden. .Auch die 
Frage der Versorgung mit Kohlenwasserstoffen, besonders mit Benzin 
und Schmierölen, im Frieden ist durch die Entwicklung der Kriegsindu- 
strie wesentlich vorwärts gekommen. Es hat sich gezeigt, wie dringend eine 
bessere Ausnützung der Kohle ist. Hauptsächlich auch für Erzeugung bil- 
ligen elektrischen Stroms, den wir im Frieden zur Aufrechterhaltung der 
Werke brauchen werden, die Carbid und Aluminium erzeugen. Alumi- 
nium wird einen erheblichen Teil des Kupfers dauernd ersetzen. Wichtige 
Ergebnisse hat auch die Seh we fei w^ir tschaft, ein Gebiet, auf dem 
namentHch die volkswirtschaftliche richtige Lösung des Problems der Ein- 
fuhr von Rohstoffen der Lösung nahe gekommen ist. 

Im allgemeinen wird die Kriegserfahrung zu einer Vermehrung der Ver- 
einigungen zu Trusts und zu Interessengemeinschaften führen. Auch für 
die Verkehrsverhältnisse ergeben sich wichtige Folgerungen. Redner tritt 
der Auffassung entgegen, daß uns der Krieg gelehrt habe, einen wirtschaft- 
lichen Abschluß nur unter Einbeziehung eigener Kolonien und des soge- 
nannten Mitteleuropa anzustreben. Die Lehre für die Industrie ist vielmehr 
die Notwendigkeit des Wettbewerbes im Weltmarkt. Denn nur hierdurch 
können wir die erfinderische Überlegenheit zur Geltung bringen, die uns, 
entgegen den Verleumdungen unserer Feinde, einen Vorsprinig im Welthandel 
sicherte. Diese Ursache wird auch in Zukunft gesichert sein, wenn wir einge- 
denk bleiben, daß in der Wissenschaft die starken Wurzeln unserer Kraft liegen. 

19. Sitzung am 9. März 1918 
Prof. Dr. H. Schnegg, Weihenstephan : 

„Die Pilze und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung" 

Unter den Wildgemüsen und Wildfrüchten nehmen die Pilze eine 

Sonderstellung ein. botanist-li und wirtschaftlieh l)etrachtet. Einer ausge- 



— 91 — 

dehiiteren Sammlung stand bisher vor allem die Furcht vor Vergiftungen 
im Wege, die unbegründet ist, da gegenüber den ungefähr 200 Arten von 
eßbaren Pilzen die Zahl der wirklich giftigen Pilze so gering ist, daß uns 
deren genaue Kenntnis leicht vor Schaden bewahren kann. Eine umfassende 
Pilzsammlung wäre aber schon deshalb anzustreben, weil die Pilze ein bis- 
her meist unterschätztes wertvolles Nahrungsmittel darstellen. Ihr Eiweiß- 
gehalt ist unter allen Gemüsen am höchsten und außerdem nach den neuesten 
Ernährungsversuchen in hohem Grade verdaulich. Das gleiche gilt für die 
Kohlehydrate der Pilze. Dabei spielt allerdings die Form, in der die Pilze 
als Nahrungsmittel verabreicht werden, eine wesentliche Rolle, Die besten 
Erfahrungen wurden gemacht mit dem Genuß der Pilze in ihrer Verarbeitung zu 
Pilzmehl. In dieser Form liefern die Pilze auch wertvolle Gewürzstoffe, die je 
nach der Art der dazu verwendeten Pilze alle mögliehen Gewürzstoffe zu er- 
setzen im Stande sind. So bieten uns die einheimischen Pilze Ersatz für Trüffel, 
„Maggi", Pfeffer, Knoblauch, Zwiebel und andere Gewürze. In Form von 
Extrakt eignen sie sich auch zur Herstellung einer vorzüglichen flüssigen 
Speisewürze. Die für den menschlichen Genuß untauglichen Pilze stellen 
in geeigneter Aufarbeitung ein wertvolles Kraftfutter für die tierische Er- 
nährung dar. Speziell die holzigen Arten der Baumschwämme dienen als 
Rohmaterial für die Herstellung von Zunder- und Korkersatz. Zu einem 
volkswirtschaftlich bedeutenden Faktor scheint auch die künstliche Pilzzucht 
zu werden, soweit unsere wähi-end des Krieges bisher mit der Edelpilz-, 
Champignon-Zucht gemachten Erfahrungen erkennen lassen. Von größter 
volkswirtschaftlicher Bedeutung ist der Handel mit Pilzen. Bringt uns heute 
dieser schon viele Millionen ein, so wäre er bei ausgedehnterer Organisation 
der Sammlung und Verwertung der Pilze, besonders bei entsprechender Er- 
weiterung der Pilzkenntnisse geeignet, uns bezüglich des Bezuges von Pilzen 
aus dem Auslande unabhängig zu machen und zur Hebung unseres Volks- 
wohlstandes wesentlich beizutragen. 

20. Sitzung am 16. März 1918 

Prof. Dr. W. Stahlberg, Berlin: 

„Helgolands Bedeutung im Weltkrieg" 

Der Krieg hat sich immer deutlicher als die weltgeschichtliche Aus- 
einandersetzung zwischen Deutschland und England herausgestellt, als den 
Daseinskrieg, der eine Entwicklungsrichtung bricht, entweder die des eng- 
lischen Weltreiches oder die unseres aufstrebenden Deutschen Reiches. Daß 
wir an unserer heimischen Küste und in der Deutschen Bucht stark genug 
waren und geblieben sind, verdanken wir wesentlich dem Umstand, daß wir 
Helgoland in unserer Hand hatten und haben. Der Vortragende erinnert 
an den Sturm der Entrüstung, der in ganz Deutschland damals durch den 
englisch-deutschen Vertrag über Helgoland und Sansibar hervorgerufen wurde. 
Besonders bezeichnend bei dieser Erörterung ist, daß bei jedem Eingehen 
auf tatsächliche Möglichkeiten der politischen Kriegslage, von einer Gegner- 
schaft Englands ganz abgesehen wurde. Sie lag außer dem Bereich des 
damaligen allgemeinen Denkens. Dasselbe zeigt sich in der Begründung, 
die Caprivi der Verteidigung seines N'ertrags gab, und ebenso urteilte Bis- 
marck in den Gedanken und Erinnerungen auf Grund einer sich von selbst 



— 92 — 

verstehenden englischen Neutralität. In unserer verantwortlichen Marine- 
verwaltung ist man sich damals über den Wert der Insel klar gewesen. 
Nicht die Befestigung der Insel, sondern der Ausbau der schlagbereiten 
Flotte standen im Vordergrund : denn erst diese verleiht der Insel ihren 
wirklichen hohen Wert. Es hatte lange gedauert, noch lange auch nach der 
t ruhen Zeit der vergeblichen Flottenentwicklungsversuche der H o 1 1 m a n nschen 
Ära, bis dieses Ziel in sichtbarer Erreichbarkeit lag. Ein Flottenstützpunkt 
l)egann Helgoland erst zu werden, als im September 1908 der Hafen an der 
Südseite in Angriff genommen wurde. 1909 wurde die Insel zum Reichs- 
kriegshafen erklärt, und erst 1911 ist die Feste Helgoland einer eigenen 
„Fortifikation'" zugewiesen worden. 

Wenn man die Wirkung aller Festungs- und Flottenstützpunktseigen- 
schaften Helgolands in ein scharfes Licht stellen will, so braucht man sich 
hur zu vergegenwärtigen, wie Deutschland dastände, wenn^ Helgoland diese 
Eigenschaften nicht nur nicht für uns besäße, sondern in englischem Besitz 
zu Nutz und Frommen unserer Feinde betätigte. Kein Zweifel, wir hätten 
unsere Seemacht nicht so entwickeln können, wie wir es getan haben. Eng- 
land in einem befestigten Helgoland w^äre wie der Einbrecher gewesen, der 
den Fuß in die Tür des deutschen Hauses gesetzt und den Arm nun frei 
hat, den Revolver abzudrücken. Die Engländer sind nur mit U-Booten in 
die Nähe der Insel gekommen. Der einzige Versuch der Engländer zu einem 
Angriff auf die Deutsche Bucht in größerem Stil datiert vom 28. August 1914. 
Alles spielte sich erheblich westlich von Helgoland ab, der geplante große 
V^orstoß löste sich in kleine Einzelgefechte auf, bei denen die kleinen Kreuzer 
„Mainz", „Köln" und „Ariadne" verloren gingen, die damals von gewaltiger 
il)ermacht vernichtet wurden. Die Insel selbst hat von dem Kampfe nichts 
gesehen, konnte auch wegen der Entfernung der meisten Einzelkämpfe nicht 
eingreifen. So ist es während des ganzen Krieges geblieben. 

H) Wintorlialbjahr 1918/19 

1. Sitzimg am 26. Oktober 1918 

Prof. Dr. 0. Steche: 
,,Tier- und Menschenstaat." 
Staatenbilduug, d. h. den Zusammenschluß zahlreicher Individuen zu 
gemeinsamem Leben mit Unterordnung unter die Interessen des Ganzen und 
V'^erteilung der Arbeit auf einzelne Stände, gibt es auch im Tierreich. Bei 
manchen Formen erreicht der Staatssozialismus sogar eine Durchbildung, die 
bei weitem die für den Menschenstaat erstrebte übertrifft. Dies gilt besonders 
für die Insektenstaaten. Ihr gemeinsamer Charakter ist der des Familien - 
Staates. Alle Bürger sind Kinder der Gründerin des Verbandes, der Königin. 
Dies zeigt sich am klarsten bei den einfachen Staaten der Hummeln und 
Wespen, deren Verband nur einen Sommer dauert. Die Nachkommen des 
den Staat gründenden Weibchens verzichten auf selbständiges Leben und 
Fortpflanzung, sie werden zu geschlechtslosen Arbeitstieren. Erst im Herbst 
treten Männchen und vollwertige Weibchen auf. die nach der Überwinterung 
neue Staaten gründen. Der Bieneiistaat erlangt demgegenüber längere Lebens- 
dauer, und sein(> jungen Königinnen gründen neue Kolonien nicht durch eigene 



— 93 — 

Einzelarbeit, sondern durch Ausziehen mit Schwärmen von Arbeitstieren. 
Bei den Ameisen und Termiten erreicht dieser Typus die höchste Vollendung. 
Hier differenzieren sich die Arbeitstiere in verschiedene Kasten : Soldaten zur 
Verteidigung und als Polizei und Arbeiter mit verschiedenen Berufen. Die Ge- 
samtleistung steigt mit dem Volksreichtum der Staaten, der bei den Termiten 
in die Millionen geht, zu außerordentlicher Höhe; dabei ordnen sich die 
Einzeltiere dem Ganzen bis zur Aufgabe ihrer individuellen Selbstständigkeit 
unter. Dies wird erreicht durch instinktive, zwangsläufige Mechanismen, 
die den Tieren ihre Handlungen fast ohne die Möglichkeit persönlicher Ab- 
weichungen aufzwingen. So stellt der Gesamtstaat gewissermaßen ein ein- 
heitliches Individuum dar, die Einzeltiere nur seine Organe. 

Das gleiche wird im Tierkreis der Pflanzentiere durch körperliche 
Verbindung der Nachkommen eines Ausgangstieres erreicht. Durch Knospung 
oder Teilung bildet sich ein Tierstock, dessen Einzeltiere für ihren Lebens- 
unterhalt aufeinander angewiesen sind. Auch hier schreitet der Verband 
von ursprünglicher Gleichartigkeit aller Staatsbürger wie bei den Korallen 
zu sozialer Gliederung fort. Das Endziel wird bei den Röhrenquallen. 
Siphonophoren, erreicht; hier erscheint die Gesamtkolonie als Individuum mit 
sehr mannigfach gestalteten Organen, den rück- und umgebildeten Einzel- 
tieren. 

Demgegenüber entwickelt sich im Tierreich eine zweite Form des 
geselligen Verbandes bei den Herdentieren. Zahlreiche Individuen, die zunächst 
nur durch günstige Ernährungsbedingungen räumlich vereinigt werden, 
schließen sich zu gemeinsamem Schutz in soziale Verbände zusammen. Bluts- 
verwandtschaft spielt dabei nur insofern eine Rolle, als innerhalb der großen 
Herden einzelne Familien in wenigstens zeitweise engerer Gemeinschaft leben. 
Diese Herden ordnen sich einem selbstgewählten Leittiere männlichen oder 
weiblichen Geschlechts unter, das durch hervorragende körperliche oder 
geistige Qualitäten das Recht auf diesen Platz erwirbt und ihn gegen Ansprüche 
von Rivalen nur durch ständige Beweise seiner Überlegenheit behaupten 
kann. Die übrigen Individuen sind in ihren persönlichen Leistungen, besonders 
auch der Fortpflanzung, nicht nennenswert beschränkt. Der Wettbewerb 
um die Führerrolle bringt hier jeweils die tüchtigsten Individuen an die 
Spitze. Dadurch erlangen diese Staatenbildungen einen entscheidenden 
Vorteil über die Familienstaaten, bei denen wohl eine feinere Differenzierung 
der Leistungen durch fortschreitende Berufsgliederung ermöglicht, aber der 
Aufstieg des Ganzen zu neuen Lebensformen durch Herabdrückung der 
Einzeltiere zu Organen versperrt wird. 

Von solchen Herdenstaaten leitet sich offenbar auch der des Menschen 
ab; er hat von ihnen als wichtigstes Erbe den freien Wettbewerb um die 
Führung übernommen. Dessen zeitweilige Unterdrückung in der sozialen 
Gliederung führt zur Kastenbildung, deren versteinernder Einfluß uns etwa 
aus Indien her bekannt ist. Es ist also nur eine richtige Fortführung dieses 
uralten Grundprinzips, wenn im modernen Staat die Forderung der freien 
Bahn für den Tüchtigen zu so hoher Bedeutung gelangt: von seiner Diu-ch- 
führung hängt wesentlich das Gedeihen des Verbandes auch im Wettbewerb 
der Staaten ab. 



— 94 — 

2. Sitzung am 2. November 1918 

Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. H. Fresenius-Wiesbaden: 

„Über die Bedeutung des Stickstoffs für den Krieg 

und für das Durchhalten in der Heimat". 

In der Natur finden wir den Stickstoff vor allem in der Luft, dem 
Räume nach "'5 derselben ausmachend, dann in der als Chilisalpeter bekannten 
Abla<i;erung' von Natriumnitrat in Südamerika, ferner im Körper der Pflanzen, 
Tiere und Menschen in zahlreichen Verbindungen, namentlich Eiweißkörpern. 
Menschen und Tiere decken ihren Stickstoffbedarf durch Vermittlung der 
Pflanzen, die ihn aus dem Boden aufnehmen. 

Von den Eigenschaften des Stickstoffes sind besonders wichtig die 
Abneigung, sich mit anderen Elementen zu verbinden, und die leichte 
Zersetzlichkeit vieler Stickstoffverbindungen. Gerade diese bedingt die V^er- 
wendung für die Herstellung der Munition für die Feuerwaffen zur Füllung 
von Granaten, Fliegerbomben, Minen usw. 

Zur Herstellung der betreffenden Verbindungen ist Salpetersäure nötig, 
die früher ausschließlich aus Chilisalpeter hergestellt wurde. Jetzt im Krieg 
kann kein Chilisalpeter aus Amerika nach Deutschland gebracht werden. 
Es ist deshalb eine Großtat der deutschen Wissenschaft und Industrie, die 
Gewinnung der erforderlichen Mengen von Salpetersäure aus dem Stickstoff 
der Luft ermöglicht und erfolgreich durchgeführt zu haben. Die hierzu ge- 
eigneten Verfahren werden besprochen, insbesondere das von der Badischen- 
Anilin- und Sodafabrik zu einer Fabrikationsmethode ausgebildete Habe r sehe 
Verfahren. Es wird ein Besuch der sog. Stickstoff-Fabrik Oppau geschildert, 
und es werden aus Luftstickstoff dort hergestellte Stickstoffverbindungen 
vorgezeigt, insbesondere synthetischer Chilisalpeter. 

Das ist die Bedeutung des Stickstoffes für den Krieg. Das Durchhalten 
in der Heimat ist nur möglich, wenn die Ernährung unserer Kriegsheere und 
der Bevölkerung daheim sichergestellt werden kann. Das ist nur durch- 
führbar, wenn wir dem Boden die größten erreichbaren Mengen an Nahrungs- 
mitteln für Menschen und Tiere abgewinnen. Hierzu ist intensivste Bewirt- 
schaftung, insbesondere auch Düngung erforderlich. Da ist denn die Zufuhr 
von Stickstoffdüngern von der größten Wichtigkeit, und da fehlt eben auch 
die Zufuhr des im Frieden in großen Mengen angewendeten Chilisalpeters. 
Es kommt deshalb für das Durchhalten in der Heimat darauf an, die natür- 
lichen stickstoffhaltigen Düngemittel sorgfältigst aufzusammeln und zu be- 
nutzen, alle zur Pflanzenernährung verwendbaren stickstoffhaltigen Abfallstoffe 
restlos heranzuziehen und auszunutzen und der Landwirtschaft die für den 
Heeresbedarf nicht erforderlichen, aus Luftstickstoff hergestellten, zur Düngung 
geeigneten Fabrikate zuzuführen. 

3. Sitzung am 9. November 1918 
Privatdozent Dr. W. Eitel: 

„Wasser und Eis". 
Unter allen merkwürdigen Naturkörpern erscheint uns das Wasser und 
das Eis wohl als der allermerkwürdigste, wenn wir' bedenken, in wie 



— 95 — 

vollendeter Weise die gesamte Lebewelt auf seine Eigenschaften eingestellt 
ist und welche überragende Rolle es in dem Haushalt der irdischen Natur 
spielt. In dieser Erkenntnis hatte schon Thaies von Mil et die Lehre 
vertreten, daß alles aus dem Wasser entsprungen sei, und Aristoteles 
und Empedokles hielten es für eines der Urelemente der Schöpfung. Mit 
ihnen hat das gesamte Mittelalter der Meinung gehuldigt, daß aus Wasser, 
Feuer, Erde und Luft das Weltall zusammengesetzt sein müsse, bis die Ent- 
wicklung der neueren Naturwissenschaft, insbesondere der Chemie, uns zeigte, 
daß das Wasser eine Verbindung von Elementen, die anderen aristotelischen 
Urstoffe aber gar keine einfachen ehemischen Individuen darstellen. Trotzdem 
dürfen wir in bezug auf das Wasser weiterhin die Meinung vertreten, daß 
es die allgemeinste und wichtigste Substanz auf unserem Planeten ist. Seine 
ungeheure Verbreitung in den Ozeanen, in der Gestalt von Eisdecken und in 
den atmosphärischen Niederschlägen, nicht zuletzt in der Form des in Luft 
gelösten Wasserdampfes, ist zunächst von Bedeutung. Dann abe"r ist eine 
Betrachtung seiner hochwichtigen physikalischen und chemischen Eigen- 
schaften zum Verständnis der Rolle nötig, die es in der Natur tatsächlich 
spielt. Unter den thermischen Eigenschaften des Wassers fällt uns sofort auf, 
daß seine Wärmekapazität, sowie seine Schmelz- und Verdampfungswärme 
einen ganz außerordentlich hohen Betrag hat, so daß kaum eine andere 
chemische Verbindung in dieser Hinsicht dem Wasser zu vergleichen wäre. 
Infolge dieser besonderen Eigenart ist der Wärmehaushalt an der Erdober- 
fläche, nämlich das großartige regulative Ausgleichbestreben der meteoro- 
logischen Vorgänge, also auch die Grundlage des animalischen Lebens auf 
unserem Planeten, aufs innigste mit dem Wasservorrat auf demselben ver- 
knüpft. Die hohe spezifische Wärme des Wassers begünstigt die Ausbildung 
der Strömungen in Ozean und Luftmeer; die hohe Schmelzwärme des Eises 
bedingt die Gleichmäßigkeit der Meerestemperatur: und die sehr erhebliche 
Verdampfungswärme wirkt nicht nur im Wärmehaushalt der Erdoberfläche 
mit, sondern sie regelt auch aufs entschiedenste die Körpertemperatur der 
lebenden Organismen. Endlich ist die Eigenschaft des Wassers, bei 4" C. 
ein Maximum seiner Dichte zu besitzen, nicht minder für die Lebewelt von 
Wichtigkeit. Ohne die anormale Ausdehnung des kalten Wassers unter 4" 
und die Schwimmfähigkeit des Eises müßten jeden Winter bedeutende Mengen 
von Grundeis in den Wasseransammlungen entstehen, im darauffolgenden 
Sommer könnte dies am Ende gar nicht mehr alles aufgetaut werden, neues 
Eis müßte sich darnach in der kalten Jahreszeit dazubilden und so fort, bis 
einmal der ganze Wasserkörper oder wenigstens sein größter Teil verfestigt 
wäre. In Wirklichkeit wird nun aber unter den sich bildenden Eisschichten 
das Wasser am Grunde, der Flüsse, Seen u. dergl. flüssig bleiben, und die 
Existenz der in ihm befindlichen Lebewesen ist so gesichert. Wie rauh auch 
die Atmosphäre dereinst werden mag, im Ozean wird immer noch Leben 
existieren können, bis auch er einmal in Erstarrung übergeht. Vom chemi- 
schen Standpunkte aus ist insbesondere die Eigenschaft des Wassers von 
Wichtigkeit, andere Stoffe, in erster Linie anorganische Salze, in weitestem 
Maße zu lösen. Diese Eigenschaft bedingt im Zusammenhang mit seiner 
hohen Dielektrizitätskonstante auch das starke elektrolytische Dissoziations- 
vermögen der wässerigen Lösungen, das bei den Reaktionen innerhalb der 



(lesteine und Böden eine so außerordentliche Rolle spielt. In wundervollster 
Harmonie greifen die Wirkungen der mannigfaltigen Eigenschaften des 
Wassers ineinander, und wie nach einem großartigen schöpferischen Plane 
angelegt, sind sie alle eine Vorbedingung für das Zustandsbild der irdischen 
Xatur. das wir unbefangenen Blicks vor uns sehen. 

4. Sitzung am 30. November 1918 

Prof. Dr. H. E. Boeke: 

„Die Eisenerze" 

Die Eisenerze machen zusammen mit der Kohle die (Grundlage der 
Existenz eines Industrievolkes aus. Die Gesteine der Erdkruste besitzen im 
Durchschnitt einen Eisengehalt von 4,4 o/o, die hellen, kieselsäurereichen Ge- 
steine wie Granit führen weniger Eisen, die dunklen, kieselsäurearmen 
wie Basalt oft über 10 ^/o. Von Eisenerzlagerstätten sprechen wir aber erst, 
wenn ein 'Gehalt von wenigstens 30" o Eisen in dem Vorkommen angehäuft ist. 

Das reichste Eisenerz ist der Magneteisenstein (Eisenoxydul-Oxyd), der 
als unmittelbare Auscheidung aus dem (Jesteinsschmelzfluß vorkommt, u. a. 
in Nordschweden in gewaltigen Massen ansteht. Hier wird das hochprozentige 
Erz mit 65— TO^o Eisen in der Nähe der Stadt Kiruna durch einfachen 
Tagel)au gewonnen. Die dem Gesteinsschmelzfluß entströmenden Gase und 
heißen Lösungen sind oft eisenhaltig und haben vielerorts zur Abscheidung 
von Roteisenstein (Eisenoxyd) und Spateisenstein (Eisenkarbonat) auf Klüften 
und Spalten („Gängen") geführt, oder sie setzten sich mit angrenzenden 
Kalksteinmassen zu Roteisenstein um. Die Spateisensteingänge des Sieger- 
landes sind zurzeit der wichtigste Eisenerzreichtum Deutschlands. Auch durch 
die Einwirkung zirkulierender eisenhaltiger Lösungen auf Kalkstein ohne die 
nachweisbare Gegenwart eines Gesteinsschmelzflusses entstehen allmählich 
Spateisensteinlagerstätten, wofür der berühmte Erzberg in Steiermark, das 
größte Eisenerzvorkommen im ehemaligen Österreich-Ungarn, ein Beispiel 
abgibt. Die Hauptmenge des Eisenerzes ist jedoch als Sediment aus dem 
Wasser al)gelagert und zwar als Brauneisenstein (Eisenoxydhydrat), der bei 
ältei-en Vorkommen im Laufe der geologischen Zeiträume unter Wasserverlust 
zu Roteisenstein veredelt wurde. Das sog. Minettegebiet an der Grenze von 
Lothringen und Frankreich bildet das größte der gegenwärtig bekannten 
P>rauneisensteinlagerstätten und das zweitgrößte aller in Abbau befindlichen 
Eisenerzvorkommen überhaiipt (an erster Stelle steht das Gebiet am Oberen 
See in Nordamerika). Roteisensteinlager sedimentären Ursprungs besitzt 
Deutschland im Lahn- und Dillgebiet. 

Zum Schluß erläutert der Vortragende seine Ausführungen durch 
statistisches Material über die Eisenerzproduktion Deutschlands und der 
übrigen Länder. 

5. Sitzung am 7. Dezember 1918 
Geh. Med.-Rat Prof. Dr. M. N e i s s e r : 

„Die Malaria im Kriege und nach dem Kriege" 
Während die Malaria vor dem Kriege nur in ganz wenigen Bezirken 
Deutschlands (Wilhelmshaven, Emden, Pleß) und in manchen deutschen 
Koloiüen (z. B. Ostafrika) vorkam, sind die deutschen Truppen und deutsche 



— U7 -- 

Gefangene während des Krieges in Länder gekommen (Rumänien. Mazedonien, 
Türkei usw.), in denen die Malaria weit verbreitet ist. " Dadurch sind unsere 
Kenntnisse über die Malaria wesentlich erweitert worden. Zunächst erfuhr 
man von der bösartigen Form der Tertiana in Albanien und von ähidichen 
schlimmen Formen in Mazedonien, die, obwohl mikroskopisch von der ge- 
wöhnlichen Tertiana nicht unterscheidbar, doch häufig genug unheilbar waren 
und zu Siechtum und Tod führten. Im Gegensatz hierzu sah man, daß die 
bisher so gefürchtete Tropika in sehr vielen Fällen schnell und restlos abheilte. 
Aber das Überraschendste war. daß nicht nur die mazedonische oder albanische 
Tertiana, sondern auch die riunänische, die russische und auch die flandrische, 
trotz richtiger und gründlicher Behandlung in vielen Fällen nicht ausheilte, 
sondern zu Rezidiven führte. Und während die Tertiana in Deutschland als 
eine durch Chinin verhältnismäßig leicht heilbare Krankheit galt, zeigte sich, 
daß sie in vielen Fällen bezl. der endgiltigen Heilung außerordentlich schwer 
heilbar sei. Damit im Zusannnenhang stand das öfters beobachtete Vorkommen 
von Malaria-Keimträgern, also von Personen, die Malariakeime in sich be- 
herbeigten, ohne daran zu erkranken. Das waren einmal Personen, die Malaria 
durchgemacht hatten, aber nach einem oder zwei Rezidiven scheinbar völlig 
geheilt waren, dann aber jene gar nicht seltenen Fälle, welche von einem 
ersten Malaria-Anfall überhaupt nichts wußten. Es waren das durchaus 
nicht immer indolente Menschen, sondern häufig Mannschaften, die genügend 
auf sich geachtet hatten. Nun gibt es erste Anfälle, die leicht übersehen 
werden, weil sie sich nur als eintägiger Kopfschmerz oder als Schwindelgefühl 
äußern; es gibt ferner Fälle, in denen der Fieberanstieg nur nachts auftritt, 
also leicht übersehen wird. Es ist demnach nicht ausgeschlossen, daß es 
ganz leichte erstmalige Nachtanfälle gibt, die „verschlafen" werden. Solche 
unbemerkten leichten Erstanfälle kommen auch bei jenen vor, die lange Zeit 
Chinin zu prophylaktischen Zwecken genommen, diese Behandlung aber aus 
irgendwelchen Gründen unterbrochen, bzw. ausgesetzt haben, ehe die In- 
fektionsgefahr vorüber war. In vielen dieser unbemerkten leichten Erstanfälle 
treten dann nach einem halben Jahre und noch viel länger typische Malaria- 
Anfälle auf. Es scheint sogar Leute zu geben, die eine derartige latente 
Malaria, von der sie selbst nicht das Geringste wissen, jahrelang mit sich 
herumtragen. 

Überall wurde die Erfahrung gemacht, daß die Rezidive zur Zeit der 
Wärme und Sonnenbestrahlung im Frühjahr und im Frühsommer auftreten, 
häufig zur selben Zeit, in denen auch Neuinfektion durch den Schnakenstich 
erfolgt. Aber diese Rezidive traten in malariafreien Gegenden auf, wo von 
einer Malaria-Neuinfektion nicht die Rede sein konnte. 

Bezüglich der Stechmücke haben wir zugelernt, daß Anopheles in der 
kalten Zeit in manchen Malaria-Gegenden nicht im Keller überwintert, sondern 
in Ställen, auch in Pferdeställen. Über die Wirkung des Chinins sind von 
Morgenroth neue Vorstellungen entwickelt worden. Bezügl. der Therapie 
hat sich gezeigt, daß das Chinin allein, nach altem oder verändertem Scheina 
genommen, häufig nicht zur endgiltigen Heilung ausreicht. Es sind Provo- 
kationsmittel hinzugetreten, durch die die älteren Parasiten in den inneren 
Organen, in denen sie vor der Chininwirkung geschützt sind, mobilisiert 
werden. Es ist das Salvarsan als wichtiges Mittel hinzugetreten. 



— 98 — 

FürjJ die Zukunft ist zu bedenken.^ daß bereits jFälle von sicheren 
Heimatinfektionen, also Übertragungen vom Malaria-Keimträger aus in sonst 
malariafreier Gegend beschrieben sind, in P^'rankreich, in Österreich und auch 
bei uns. Unsere Malariaherde in Wilhelmshaven und in Pleß sind außerdem 
wieder stärker aufgeflackert, und man nuiß damit rechnen, daß die Zahl der 
Malaria-Heimat-Infekti(»nen zunehmen wird; denn es fehlt nicht an Malaria- 
Keimträgern und Malaria-Schnaken. Zur Erfassung der Keimträger wird es 
nötig sein, daß Patienten und Arzte bei fieberhaften Erkrankungen unbe- 
kannten Ursprungs, zumal im Frühjahr, an die Möglichkeit einer Malaria 
denken und die mikroskopische Feststellung veranlassen. Weiterhin muß 
die Verbreitung der Malaria-Schnaken dauernd überwacht werden, um danach 
die Bekämpfung der Schnaken systematisch auszugestalten. Die dringlichste 
Änderung ist aber die Aufnahme der Malaria, die bisher aus begreiflichen 
(Gründen in Deutschland nicht meldepflichtig war, in die Seuchengesetze. 

0. Sitzung am 4. Januar 1919 

Stadtrat Prof. Dr. J. Ziehen: 

„Naturwissenschaft und Volksbildung" 

An dem gewaltigen Aufschwung, der für das V^olksbildungswesen im 
neuen Deutschland mit Bestimmtheit zu erwarten ist, muß die Naturwissen- 
schaft nicht nur dem Umfang, sondern auch der Art ihrer Mitwirkung nach 
auf Grund klar erkannter Richtlinien beteiligt sein: was Alexander v. 
Humboldt, dessen 150jährigen Geburtstag wir in diesem Jahre begehen, 
und was nach ihm vor allem Roßmäßler angestrebt hat, das muß nach 
einem festen Arbeitsplan und nach einer sorgsam ausgedachten Lehr- 
methode nunmehr zur allgemeinen Durchführung gelangen, und es gilt dabei 
auch auf dem Gebiete der Naturwissenschaft das richtige Zusammenwirken 
der schulmäßigen und der außerschulmäßigen Volksbildung herbeizuführen, 
dem in dem bisherigen Verlauf der Dinge noch viel zu wenig Beachtung 
geschenkt worden ist. In dem jetzigen Zustand der naturwissenschaftlichen 
Volksbelehrung treten zwar die mächtigen Fortschritte der Forschung sowohl 
in dem Inhalt wie auch in der Form der Darbietungen vielfach in sehr 
erfreulicher Weise in die Erscheinung; aber es bleibt zurzeit, namentlich in 
bezug auf den Inhalt, noch viel zu vieles dein Zufall überlassen, und der 
Nutzeffekt steht zu dem Maß des Aufw^andes noch keineswegs in dem er- 
wünschten und wohl erreichbaren Höchstverhältnis. Wenig förderlich, ja bis 
zu einem gewissen Grade schädlich ist vor allem der Mangel des inneren 
Zusammenhanges zwischen den zahllosen Einzeldarbietungen, die von der 
reich entwickelten, aber leider auch ebenso sehr zersplitterten populärwissen- 
schaftichen Literatur aus zum Gegenstand der Volksbelehrung gemacht 
werden: der große Grundgedanke des Humboldtschen Kosmos, der in der 
Zusanuuenfassung der Einzelerscheinungen zu einem großen einheitlichen 
Gesamtbilde besteht, muß weit mehr, als es zurzeit der Fall ist, in der Schule 
wie in der außerschulmäßigen Volksbildung zvun leitenden Grundsatze erhoben 
werden, und ein nach diesem Grundsatze bearbeitetes naturwissenschaftliches 
Lehrbuch der Volksschule muß zu der infolge zweckmäßiger Textgestaltung 
und gediegener Ausstattung gern mit ins Lelx'n hinaus genommenen Grund- 



99 — 

läge werden, an die die spätere Volksbildungsarbeit bei ihrem Vorgehen 
immer wieder anknüpfen kann. Der Zersplitterung des Lehrstoffes in mehr 
oder weniger zusammenhanglose Einzelheiten muß vorgebeugt werden durch 
die zielbewußte Anwendung der allgemeinen Gesichtspunkte, unter denen die 
Naturerscheinungen sich als ein organisches Ganzes darstellen: liebevolles 
Verstehen der Umwelt, zunächst und immer wieder in erster Linie der 
heimischen mit ihren Naturschönheiten und ihren Naturkräften muß an erster 
Stelle stehen, und auch unsere naturwissenschaftlichen Schausammlungen, 
unter denen bei uns in Frankfurt leider eine physikalisch-technische zurzeit 
noch fehlt, müssen u. a. nach der Seite der Naturdenkmalpflege hin, diesem 
Verstehen dienep. Als weitere Aufgabe kommt dann hinzu die auf geschickt 
gewählte Beispiele zu gründende systematische Einführung in das Ver- 
ständnis der Art und Weise, wie der menschliche Geist im Laufe der Zeiten 
die Naturkräfte sich mehr und mehr dienstbar gemacht und dabei nicht nur 
die größten wirtschaftlichen Vorteile erreicht, sondern auch so bedeutsame 
ideelle Fortschritte wie die Befreiung vom Aberglauben erzielt hat. Die 
geschichtliche Betrachtungsweise, die im naturwissenschaftlichen Schulunter- 
richt heutzutage mit Recht eine nicht unbedeutende Rolle spielt, leitet dann 
in der Volksbildungsarbeit zu der dritten Aufgabe über, die in der — vor 
allem auf biographischer Grundlage leicht faßbar zu machenden — Dar- 
stellung der Geschichte der naturwissenschaftlichen Probleme und ihrer 
allmählichen Lösung besteht. An sie schließt sich endlich ungezwungen als 
letzte und schwerste, aber unerläßliche Aufgabe der naturwissenschaftlichen 
Volksbildung die Verwertung der naturwissenschaftlichen Erkenntnis für die 
Ausgestaltung der allgemeinen Weltanschauung; es handelt sich bei ihr um 
eine „Philosophie der Natur", die mit der der festen Grundlage entbehrenden 
Naturphilosophie der ersten Jahrzehnte des vorigen Jahrhvmderts nicht ver- 
wechselt werden darf und deren hoher volkserziehlicher, auch für die staats- 
bürgerliche Bildung bedeutsamer Wert vor allem auf dem Bilde der Zweck- 
mäßigkeit, der Gesetzmäßigkeit und der stetigen Entwicklung beruht, das als 
erhebendstes Ergebnis der naturwissenschaftlichen Forschung seinen Grund- 
zügen nach zum Allgemeingut der Menschheit gemacht werden muß und zu 
richtig verstandenen Forderungen der Religion durchaus keinen Gegensatz 
bedeutet. 

In dem auch jetzt noch führenden Musterlande der von inneren frei- 
heitlichen Grundsätzen geleiteten Volksbildung, in den Vereinigten Staaten, 
sind vor jetzt etwa hundert Jahren Benjamin Sillimans naturwissen- 
schaftliche Volksvorträge der Ausgangspunkt der ganzen Volksbildungs- 
bewegung geworden, und bei uns in Deutschland hat die mangelnde 
Freiheitlichkeit der Staatsauffassung, die ja u.a. Humboldt so tief beklagt 
hat, eine großzügige allgemeine Entwicklung des Volksbildungswesens leider 
bisher stark hintangehalten und im besonderen der naturwissenschaftlichen 
Volksbildung vielfach sehr beträchtliche Hemmungen bereitet. Wenn nicht 
alles täuscht, gehen wir in dieser Beziehung jetzt einer besseren Zukunft 
entgegen; will die Naturwissenschaft an ihr in der gebührenden Weise 
mitwirken, so muß sie den Volkserziehungsgedanken mit klarem Zielbewußtsein 
in ihr Programm aufnehmen und muß auch ihre führenden Männer zu 
ständigen Mitarbeitern an der Durchführung dieses Programmpunktes werden 



-^ 100 — 

lassen. Die Fülle der Einzelfragen, die gelöst werden müssen, ist groß, und 
der Geist, in dem die Gesamtai'heit geleistet sein will, kaini wohl nur durch 
eingehehde. über den Bereich dei- Einzelanschauung hinausführende Aus- 
sprache zwischen den naturwissenschaftlichen Fachmännern und den Vertretern 
dei- Volkserziehung die erforderlichen festen Richtlinien erhalten: vielleicht 
würde es der schulmäßigen wie der außerschulmäßigen X'olkshildung sehr zu 
statten kommen, wenn von geeigneter Stelle aus zugunsten einer solchen 
Aussprache jetzt für die exakten Wissenschaften ein Gegenstück zu den 
Kunsterziehungstagen veranstaltet würde, die vor anderthalb Jahrzehnten 
das Gebiet der künstlerischen, literarischen und körperlichen Erstehung ohne 
Zweifel erheblich gefördert haben. Die Senckenbergische JXaturforschende 
Gesellschaft, der» mit ihrer Schausammlung und mit ihren Vorträgen in der 
Geschichte der deutschen Volksbildungsbestrebungen ein Ehrenplatz gebührt, 
ist, wenn eine derartige oder eine ähnliche Veranstaltung zustande kommt, auf 
jeden Fall zur entscheidenden Mitarbeit an ihr berufen; ja, es mag sogar 
wohl erwogen werden, ob sie nicht aus mehr als einem Grunde die rechte 
Stelle ist, um die Ausführung des Planes gemeinsam mit dem Deutschen 
Ausschuß für Erziehung und Unterricht, dem vor drei Jahren gegründeten 
freien Parlament für Erziehungsfragen, in die Wege zu leiten. 

7. Sitzung am 11. Januar 1919 

Prof. Dr. W. V. Getting en: 

„Die baltischen Ostseeprovinzen in Vergangenheit 

und Zukunft" 

Der \'ortragende führt aus, daß es in heutigen Zeiten, ja gerade in 
diesen Tagen, nicht ganz leicht sei, einen Gegenstand wie den vorliegenden 
unpolitisch zu behandeln. Jedoch, — wie man am Grabe irgend eines verdienst- 
vollen Menschen noch einmal sein Wesen und seine Vergangenheit beleuchtet, 
so läßt sich auch über die baltischen Provinzen so manches Unbekannte, ja 
vielleicht sogar Fesselnde mitteilen, das nicht vergängliche Werte, — auch 
für die Zukunft — habe. 

Der Vortragende verbindet nunmehr eine Schilderung des Landes mit 
dessen Klima, eine Beschreibung der Einwohner aber mit ihrer Geschichte. 
Als Grundton zieht durch die Auffassung des entworfenen Bildes, daß das 
baltische Land ein Land der Gegensätze, des Extremen, aber auch des 
Intensiven sei. Der lange, oft kalte Winter mit all seinen Schönheiten, dem 
Schneereichtum, geht durch einen kurzen rauhen Frühling schnell in den 
Sommer über, dessen Art es ist, alle ■■ Früchte aromatischer, die Blumen 
duftender zu gestalten als in vielen südlicheren Gegenden Europas. Seine 
hellen Nächte haben, wie die ganze Umgebung, etwas Unheimliches, Unruhiges, 
Ermüdendes, und es wirkt die Natur ganz anders auf Leben und Gebahren 
des Menschen ein als in anderen Landstrichen Europas. Große, zum Teil 
beinahe undurchforstete Wäldermassen bedecken ein Viertel, stellenweise 
ein Drittel des Landes, saftige Wiesen wechseln mit ertragreichen Getreide- 
feldern. Aber nichts schenkt der. Boden, alles muß ihm abgerungen werden, 
gestattet doch stellenweise das Klima nicht einmal den Anbau des "Weizens. 
Das Roggenbrot schmeckt so kräftig, wie es in Mitteleuropa bekannt ist. 



— 101 — 

F'lüsse treten gegen die zahlreichen Seen zurück, die fischreich sind und 
gesegnet mit Krebsen von seltener Größe. Die Tierwelt entspricht etwa der 
unseres deutschen Vaterlandes. Der Boden aber scheint keine Schätze zu 
enthalten, man nenne denn den Ölschiefer in Esthland, von dem letzter Zeit 
in Fachblättern viel die Rede war. 

Dieses gesegnete Land, vom Umfange Bayerns und Württembergs, 
beherbergt nur 2 Millionen Einwohner. Während die eben genannten Staaten 
91, bzw. 125 Einwohner auf den Quadratkilometer besitzen, hat das Baltland 
deren nur 21. Welch ein Raum zur Kolonisation in reichem Land in nächster 
Nähe ! 

Die Geschichte des Landes und seiner Einwohner zeigt aufs neue 
Gegensätze und Extreme. Um das Jahi- 1200 lebten im Baltland Esthen, 
Liven, Kuren und Lettgallen. Lübische Kaufleute suchten das Land auf, 
und ihre Erzählungen daheim von deji gottverlassenen heidnischen Bewohnern 
jener Länder veranlaß ten den holsteinischen Mönch Mein hard und bald 
darauf den Bremer Domherrn Albrecht, das Christentum und mit ihm die 
Herrschaft in jene Gaue zu tragen. Doch im Gegensatz zum damaligen 
Preußentum, für das eine siegreiche Kolonisation erst mit der Ausrottung 
der slawischen Eingeborenen beendet galt, brachte der Schwertbrüderorden 
im Baltland mit dem Siege das Christentum, gleichbedeutend waren Friede 
und Taufe. Zahlreiche Aufstände gegen die neuen Herren hatten als Preis 
der Unterwerfung nicht die Menschenschlächterei, sondern die Taufe zur Folge. 
So blieb neben dem deutschen Herrn der landstämmige Bauer im Lande; 
gab es doch auch durch das übermächtig gewordene litauische Samogitien 
(Kowno), das bis zum Meere vordrang, keine Landverbindung mehr, auf der 
der deutsche Bauer hätte nachziehen können. 700 Jahre hat der Deutsche, 
mit der Stirn nach Osten, als Grenzwächter des Deutschtums dort gestanden, 
nacheinander herrschten im „Marienland" die Schwertbrüder, der Deutsche 
Orden auf der Marienburg, dem ja auch Preußen unterworfen war, endlich 
der Kaiser. Das Land blühte auf und erreichte den Höhepunkt seiner 
materiellen Kultiu- in der Mitte des 16. Jahrhunderts. 

Da brach im Jahre 1558 der Zar Jwan der Schreckliche mit seinen 
asiatischen Horden ein, und 20 Jahre lang wurde das Land verwüstet. Das 
Deutsche Reich versagte, Polen, Dänen und Schweden mußten helfen und 
nach dem Siege teilten sie sich in das Baltland. Livland wurde auf 60 Jahre 
polnisch. Nur der Umstand, daß das Land schon 1522 vollkommen protestantisch 
geworden war, ließ die Deutschen in der Zeit schrecklichster, gewalttätigster 
polnischer Gegenreformation ausharren. Und nur dieser Umstand veranlaßte 
dann Gustav Adolf da§ Land zu befreien. Fast hundert Jahre blieb das 
Land schwedisch, erst eine glückliche, dann unendlich schwere Zeit, da 
Karl XI. seine zerrütteten Finanzen durch Einziehung von fast -S; aller 
Güter (Reduktion) retten wollte. Die Reduktion wurde durch den nordischen 
Krieg unterbrochen, der das Land bis zur Unkenntlichkeit verwüstete. Als 
1710 Riga kapitulierte, konnte der russische Heerführer seinem Zaren berichten? 
„daß zwischen Reval und Riga keine Mauer, ja kaum ein Baum mehr stand". 
Jedoch der Zar Peter beschwor die Privilegien, die das Deutschtum 
schützten, und nach hundert Jahren hatte das Land sich erholt. Das 19. 
Jahrhundert brachte eine neue geistige (Universität Dorpat) und materielle 



— 102 — 

Blüte, bis vor 30 Jahren Zar Alexander III. sein panslawistisehes Zer- 
störungswerk begann. Seit wenigen Wochen scheint das Schicksal des 
Landes besiegelt zu sein. 

700 Jahre haben Deutsche und ündeutsche, — man darf es sagen — 
einträchtig miteinander gelebt. Wiewohl nur 10 " o der Einwohner Deutsche 
waren, Kultur, Glaube, Wissenschaft und Werktätigkeit blieben bis auf den 
letzten Tag deutsch, und im Kern müssen sie es bleiben. 

Die Zukunft aber kann aus der Vergangenheit erschlossen werden: in 
drei furchtbaren Kriegszeiten fast völlig vernichtet, ist der deutsche Phönix 
jedesmal aus Asche und Trümmern wieder neu erstanden. Und sie muß und 
wird wieder erstehen, die deutsch-baltische feste und treue Wacht im Osten. 

8. Sitzung am 18. Januar 1919 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Bethe: 

„Die Wärmeregulation des Menschen" 

Der Mensch ist ebenso wie alle höheren Tiere imstande, auch bei sehr 
verschiedenen Außentemperaturen eine annähernd gleiche Körpertemperatur 
aufrecht zu erhalten. Ihm stehen hierzu zwei Mittel zur Verfügung : er kann 
die Wärmebildung im Körper erhöhen oder vermindern, und er vermag außer- 
dem die Abgabe von Wärme nach außen zu steigern oder herabzusetzen. 
Eine gewisse Menge von Wärme entsteht nämlich notwendigerweise als 
Nebenprodukt der Energieumsetzungen, die auch bei ruhiger Körperhaltung 
dem Betriebe der Lebensmaschine dienen. Eine Heizung des Körpers von 
innen heraus findet also immer statt, auch wenn ein Bedürfnis dazu gar nicht 
vorhanden ist. d. h. l)ei hoher Außentemperatur. Vm eine Überheizung des 
Körpers zu vermeiden, wird daher die Wärmeabgabe vermehrt, und das ge- 
schieht durch Erweiterung der Hautgefäße und durch Schwitzen. Ist die 
Haut gut durchblutet, so wird durch Strahlung und Leitung mehr Wanne 
nach außen abgegeben ; ist andererseits die Haut feucht, so wird dem Körper 
durch Verdunsten von Wasser Wärme entzogen. Voraussetzung der \A'ärme- 
abgabe ist im ersten Fall, daß die Außentemperatur geringer als die Körper- 
temperatur ist, also geringer als 37" C, im letzteren Fall, daß die Luft nicht 
mit Wasserdampf gesättigt ist. Ist beides nicht der Fall, so steigt unweigerlich 
die Körpertemperatur, und es treten die Erscheinungen des Hitzschlages ein. 

Sinkt anderseits bei einem ruhenden und mäßig bekleideten Menschen 
die Außentem])eratur unter eine gewisse Grenze, die bei etwa 18" C. gelegen 
ist. so wird die Wärmeabgabe durch Zusammenziehung der Hautgefäße auf 
ein Miniinuin herabgesetzt und die Wännebildung steigt. Es wird von innen 
stärker geheizt. Bei körperlicher Arbeit können niedrigere Außentempera- 
turen leichter ertragen werden, da bei der Arbeit ohnehin mehr Wärme ge- 
bildet wird. In beiden Fällen geschieht aber die Heizung auf Kosten einer 
größeren Nahrungszufvüir. Die Regulierung aller Faktoren geschieht durch 
das Zentralnervensystem. Sie Uaiin. wie dci- Voitiagende zeigt, durch Mo- 
delle nachgeahmt werden. 

Mit diesen Mitteln der Wärmeregulation konunt der Naturmensch aus. 
Der Kulturmensch unterstützt sie durch künstliche Mittel, indem er die 
Wänncal)gal)e (luich vcrsciiiedene Bekleidung mehr oder weniger verhindert 
1111(1 andcrciseits sicli durcli den Bau von Wohiunigen vor abkühlendem 



— 103 — 

Wind und Regen und vor den erwärmenden Sonnenstrahlen schützt und 
schließlich sich durch Heizen derselben bei kalter Außentemperatur eine 
angenehm temperierte Umgebung verschafft. 

9. Sitzung am 25. Januar 1919 
Geh. Reg.-Rat Dr. A. von Weinberg: 

„Bedeutung der Cellulose für Industrie und Ernährung" 
Die Cellulose, aus der die Zellwand der Pflanzen besteht, ist die wich- 
tigste und häufigste aller uns zur Verfügung stehenden organischen Verbin- 
dungen. Außer der Verwendung in der Textil-, Papier-, Holzindustrie usw. 
ist auch ihre chemische Verwendung die Grundlage vieler Industrien. Starke 
Salzsäure spaltet Cellulose glatt in Traubenzucker. Salpetersäure verwandelt 
sie in Schießbaumwolle luid CollodiumwoUe. Letztere findet weitere Ver- 
wendung zur Herstellung des viel benutzten Celluloids, eine Industrie, die 
Kampfer verbraucht und die Japan an sich zu reißen droht. Auf der Be- 
nutzung des Celluloids beruht die Fabrikation von Kunstleder, Pegamoid und 
ähnlichen Stoffen. Ferner läßt sich daraus Kunstseide herstellen. Für letztere 
sind noch weitere Verfahren gefunden, die darauf beruhen, die Cellulose 
selbst zu lösen und zu Fäden zu- verspinnen. Von Bedeutung ist namentlich 
das Kupferoxyd- Ammoniakverfahren, das den sog. Glanzstoff liefert und das 
Xanthogenatverfahren, das zur Stapelfaser führt. Stapelfaser kann zurzeit 
Wolle zwar nicht ersetzen, ist aber noch verbesserungsfähig und wird vor- 
aussichtlich in der Textilindustrie ihren Platz behaupten. Durch Verbindung 
von Cellulose mit Essigsäure entsteht Acetylcellulose ; aus ihr werden die 
nicht entzündbaren Cellitfilms hergestellt, die wegen dieser Eigenschaft die 
bisher gebräuchlichen Films aus Celluloid verdrängen. Aus Acetylcellulose 
ist ferner Cellon hergestellt, ein Material, aus dem nicht zerbrechliche Scheiben 
für Automobile usw. hergestellt werden. Auch Chloräthyl, Chlorzink und 
andere chemische Stoffe führen zu wertvollen Derivaten der Cellulose. 

Sehr wichtig ist Cellulose aber auch als Nahrungsmittel. Cellulose 
wird von Rind, Pferd, Schwein verdaut und hat den Nährwert der Stärke. 
Die Verdauung wird nicht durch Fermente bewirkt wie bei Zucker, Stärke 
usw., sondern durch Bakterien und beruht also auf Symbiose der höheren 
Tiere mit den Bakterien. Bedenkt man noch, daß unsere Kohlen aus Cellu- 
lose entstanden sind, so versteht man die ungeheure Bedeutung, jdie das 
polymerisierte Kondensationsprodukt des Traubenzuckers für uns hat. das 
wir Cellulose nennen. 

10. Sitzung am 1. Februar 1919 

Prof. Dr. M. Flesch: 
„Anfang des Lebens" 
Die Lebensvorgänge vollziehen sich bei allen Lebewesen nach den 
allgemein geltenden physikalischen Gesetzen. Die moderne Physiologie lehnt 
es ab, eine besondere „Lebenskraft" anzunehmen. Dementsprechend kann 
sie auch vor der Frage nach dem Anfang des Lebens, also nach der ersten 
Entstehung lebensfähiger Substanz aus der ursprünglich den Erdball bilden- 



- 104- ■- 

den Masse, nicht Malt machen. Auch diese nniß unter dei- Heiistliaft jener 
allgemeinen Gesetze erfolgt sein. 

Untersuchungen über die erste Entstehung der lebenden Substanz 
waren lange Zeit fast verpönt, nachdem grundlegende Versuche Pasteurs 
eine Entstehung ohne Vorhandensein von Keimen wenigstens unter den 
heutigen äußeren Bedingungen als unmöglich erwiesen hatten. ,Es gibt 
keine Abiogenesis", war fast ebenso als Axiom anerkannt wie die Funda- 
mentalsätze der Entwicklungsgeschichte .,jede Zelle entsteht aus einer Zelle- 
(omnis celluta e cellula) und "„jedes Lebewesen entsteht aus einem Ei" 
(omne vivum ex ovo). Erst in den letzten Jahren hat man versucht, diese 
Grenze zu überschreiten. Unmittelbare Versuche, lebende Substanz aus an- 
organischem Material zu erzeugen, wie sie der englische Forscher Bastian 
luimittelbar vor dem Krieg angestellt hat, haben allerdings nicht zu einwand- 
freien Ergebnissen geführt. Umso wichtiger sind theoretische und experi- 
mentelle Arbeiten, die ohne dies letzte Ziel anzugreifen, Wege dazu zu 
erschließen scheinen. In erster Linie hat man erkannt, daß es keine einzelne 
Lebenserscheinung gibt, die nicht in Vorgängen in der leblosen Welt ebenfalls 
auftritt. Nur durch das Zusammentreffen einer Mehrheit von Eigenschaften, 
die keineswegs immer zugleich da sein müssen, und durch deren regelmäßige 
Aufeinanderfolge wird ein Lebewesen als ein solches charakterisiert. Der 
chemische Aufbau der Körpersubstanzen läßt sich sehr wohl in das Schema 
der wissenschaftlichen Chemie einfügen. Auch die Vorgänge des Stoffwechsels 
sowie die Fähigkeit, auf Reize zu reagieren, finden in der anorganischen 
Welt ihre zutreffenden Parallelen. Man hat geglaubt, den Begriff des Lebens 
auf den Gegensatz zum Sterben gründen zu wollen. Aber auch da kann 
man keinen wirklichen Gegensatz gegenüber dem Abbau zerfallender orga- 
nischer und anorganischer Materialien aufstellen. 

Auch der Aufbau der Lebewesen aus Zellen kann nicht als entschei- 
dendes Merkmal gelten. Die Zellen vereinigen, ganz besonders bei den 
einzelligen Lebewesen, in sich eine solche Summe von Verrichtungen, daß 
wir sie nicht als letzte Bausteine auffassen dürfen. Ehrlich hat die An- 
nahme aufgestellt, es seien neben der Zelle als chemische Bestandteile der 
Körperflüssigkeiten Substanzen vorhanden, die direkt oder durch Vermittlung 
nach Art gewisser chemischer Bildungen an die Zelle herantreten, sich von 
ihr wieder sondern oder fest mit ihr verankern können. Manches spricht 
dafür, daß diese „Seitenkettentheorie"' mit tatsächlich vorhandenen Gebilden 
rechnen kann. Es wäre z. B. sehr wohl denkbar, daß die sogenannten Blut- 
plättchen, Gebilde im Blut, deren Zellnatur bisher nicht festzustellen war, 
als „Amboceptoren" im Sinne der Seitenkettentheorie aufzufassen seien. 

Es würde zu weit führen, hier die große Tragweite der Ehrlichschen 
Auffassungsweise für das Verständnis der Lebensvorgänge zu verfolgen. 
Auch der Aufl)au der lebenden Substanzen zeigt nichts von dem anorganischer 
und speziell mineralischer Substanzen prinzipiell V^erschiedenes. Geschichtete 
Strukturen, denen man früher besondere Bedeutung beilegte, sind nach 
Untersuchungen Liesegangs und Leducs künstlich nachahmbar. Auch 
flie Formentwicklung selbst komplizierter Wesen ist heute nichts Charakte- 
ristisches mehr. -Leduc insbesondere hat durch osmotische Einwirkungen 
gewisser Salzlösungen und Salze die mannigfachsten Formen von Blattpflanzen, 



— 105 — 

Pilzen, Korallen, Muscheln, ferner von Zellstrukturen mit Wimperkleidern 
usw. hergestellt. Ja selbst die Vorgänge der Kernteilung ikonnte er so re- 
produzieren. Auch wenn man ihm nicht auf alle Pfade seiner „Synthetischen 
Biologie" folgt, wird man zugestehen müssen, daß hier fast ein Schritt auf 
dem Wege zu dem im Glas schwebenden Homunculus gemacht ist. 

Wenn danach das organische Leben nichts zeigt, was den bekannten 
physikalischen Gesetzen nicht eingeordnet werden könnte, so fragt es sich, 
warum unter den heutigen Verhältnissen eine neue Entstehung von Leben 
nicht mehr stattfindet. Die unter anderem von Arrhenius versuchte Er- 
klärung, daß das Leben erst durch den Weltraum von kleinsten Keimen aus 
anderen Weltkörpern zugetragen worden sei, verlegt nur das Problem von 
der Erde in unbekannte Fernen. Vielleicht führen aber Betrachtungen weiter, 
die der Redner in einem Vortrag über die Entstehung der ersten Lebens- 
vorgänge (Jena, Fischer) veröffentlicht hat. Alle Versuche, aus anorganischen 
Mischungen Leben entstehen zu lassen, gehen bisher davon aus, daß lebende 
Wesen nur bei einer bestimmten Temperatur entstehen können, bei der die 
als Typen geltenden niedersten Gebilde, vor allem die Bakterien absterben. 
Nun weist aber das Verhalten der Sporen, der Urformen also, aus denen 
sich die Bakterien entwickeln, darauf hin, daß die einfachste Form lebender 
Substanz höherer Temperatur ange])aßt sein kann. Denn die Sporen ver- 
tragen selbst Temperaturen von mehr als 100'', ohne ihre Lebensfähigkeit 
einzubüßen. Da aber unser Erdball ursprünglich eine weit höhere Tempe- 
ratur aufgewiesen haben muß, da mithin auch die Entstehung des Lebens 
in eine Zeit zu verlegen ist, in der die Abkühlung des Erdballs noch nicht 
so weit vorgeschritten war, erscheint es denkbar, daß die Bildung der ersten 
Lebensformen unter Bedingungen — höhere Temperatur und höherer Druck — 
erfolgt sei, die wir in unseren Laboratorien vorläufig zu reproduzieren nicht 
vermögen. Durch die Verbindung aber dieser Hypothese mit der Anwen- 
dung der Ehrlich sehen Seitenkettentheorie auf das Lebensproblem und mit 
dem Nachweis der Formenentwicklung als Folge osmotischer Vorgänge in 
den Versuchen Leducs wird dann ein kleiner Schritt auf dem Wege, der 
über die Grenzen der Zellentheorie hinausführt, bezeichnet. Geg^iüber dem 
Du Bois Rey mond'schen „Ignoramus et ignorabimus" setzen wir den 
verheißungsvolleren Satz „Seimus nonnulla: plura sciemus". 

11. Sitzung am 8. Februar 1919 
Herr Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Th. Ziehen, Halle a. S.: 
„Wesen und Bedeutung der Massensuggestion" 
Vortragender weist einleitend nach, daß nicht jede psychische Beein- 
flußung einer Person A durch eine Person B als Suggestion bezeichnet 
werden darf; es muß vielmehr hinzugefügt werden, daß die Beeinflussung 
sich nicht in ausreichender Weise aus den durch die Person B vorgebrachten 
Gründen und aus der Persönlichkeit von B erklären läßt. Die Suggestion 
bezieht sich teils auf Vorstellungen und Urteile, teils auf Empfindungen 
(Halluzinationen bzw. Illusionen), teils auf Handlungen. Ferner bedarf die 
Definition noch insofern einer Erweiterung, als nicht nur Personen, sondern 
auch Tatsachen suggestiv wirken können. Auch kann eine Selbstsug- 



- 106 — 

gestion erfolgen (Beispiel des (} o e t h e sehen Tasso), Die Übermittlung 
der Suggestion erfolgt meistens, aber nicht stets, durch das Wort (verbale 
lind nicht-verbale Suggestion). 

Die Wirkungen der Suggestion sind unter bestimmten Bedingungen 
l.esondcrs stark, so im Kindesalter, bei Völkern niederer Kulturstufe, bei 
bestimmten Psychosen und psychopathischen Konstitutionen, bei toxischen 
und infektiösen Begleitdelirien, in der Hypnose und vor allem bei Massen. 

Die Frage der Massensuggestion ist gerade heute, im Zeitalter 
der Massen, besonders bedeutsam. Unter Masse ist, ganz unabhängig von 
der Zahl der (ilieder, jede Mehrzahl von Menschen zu verstehen, die unter 
den gleichen seelischen Bedingungen stehen und sieh gegenseitig beeinflussen 
(Gegensatz zwischen dem Menschengewimmel auf dem Markt und einem 
Auflauf). Neben Massenbildungen flüchtigen Charakters existieren lang- 
dauernde (wissenschaftliche Schulen, Denkrichtungen, Kunstrichtungen, 
Sekten, Parlamente, Völker u. s. f.). Der Menschenkreis einer Masse ist oft 
sehr klein. Schon in einem Triumvirat lassen sich zuweilen Massensuggestionen 
(im wissenschaftlichen Sinn) nachweisen. Jede Familie ist in manchen Be- 
ziehungen ein engerer Suggestionskreis. 

. Nachdem der Vortragende hierauf den psychologischen Mechanismus 
der Massensuggestion erläutert hat, bespricht er die prädisponierenden 
Faktoren derselben. Als solche kommen namentlich Erschöpfung, chro- 
nische Affektstrapazen und Spannung in Betracht. Ihr Zusammenwirken 
wird ausführlich an dem Beispiele der Aachener Tanzepidemie vom Jahre 
1374 und der etwa gleichzeitigen sog. Tarantelepidemie in Italien erörtert 
(Rheinüberschwemmung, Hungersnot, schwarzer Tod, allgemeine Gesetzlosig- 
keit: zufällige Auslösung am Johannistag; Einfluss von Farben und Rhythmen; 
kör|)erliche Begleiterscheinungen z. B. Meteorismus; Theorie des Paracelsus 
von der Chorea imaginativa sive aestimativa). Der auslösende Faktor ist 
sehr oft ein akuter Affektstoß. Einzelne Affekte sind besonders geeignet, 
Massensuggestion herbeizuführen ; hierher gehört z. B. die Heiterkeit (An- 
steckung des Lachens), die Begeisterung (religiöse, politische u. s. f. ; aus- 
führlicher ^"achweis für die Nachtsitzung der Nationalversammlung vom 
4. August 1789, für die Versammlung zu Clermont im November 1095 und 
anderes mehr), die Wut (Beispiele aus der französischen Revolution, Lynch- 
justiz), der Schrecken, Schlachten bei Kirkkilisse und Kumarowo, Panik nach 
der Schlacht bei Trautenau im .lahre 1860, desgl. nach Königgrätz, cauchemar 
prussien 1870, über 300 Paniken der französischen Revolutionsarmee; Paniken 
bei Pferden und Maultieren), die Gewinnsucht (Compagnie des Indes) u. s. f. 
Indessen kommen auch auf relativ affektlosem Gebiet zuweilen Massensug- 
gestionen voi-, /.. I>. auf wissenschaftlichem Gebiet (N-Strahlen von Blondlot). 

Die Zusammensetzung der von der Suggestion befallenen Massen 
zeigt gleichfalls charakteristische Eigentümlichkeiten: Beteiligung moralisch 
verkommener, psychopathischer Individuen u. s. f. Die Fülirer sind oft 
tiefstehende Individuen (Thcroigne bei dem Bastillesturm). (lewissermaßen 
als vikariierende Führer wirken Schlagwörter und Losungen. Farben und 
Abzeichen, Fahnen, Lieder u. a. m. 

Die Handlungen der unter Suggestionscinfluß stehenden Massen 
zeichnen sich oft durch reflexälmliclie Beschaffenheit aus ("simplisme'-). Das 



— 107 — 

Spiel der Motive ist abgekürzt (Impulsivität), einige weniger stark gefühls- 
betonte Empfindungen und Vorstellungen beherrschen das Handeln (sog. 
Monoideismus). Im Anschluß an den Satz von Napoleon I.: „les'crimes 
coUectifs n'engagent personnC- wird die Frage der Verantwortlichkeit der 
Massen besprochen und die Gefahr der Verminderung bzw. Aufhebung des 
Verantwortlichkeitsgefühls hervorgehoben. 

Die psychophysiologische Theorie der Massensuggestion muß 
sich zur Zeit noch darauf beschränken, Analogien aus dem sonstigen psy- 
chischen Leben heranzuziehen. Insbesondere bieten die Zustände konzen- 
trierter ^Aufmerksamkeit und die Wirkungen der sogenannten Konstellation 
zahlreiche Parallelen zu den Erscheinungen der Massensuggestion. Auch 
die pathologischen sog. Dämmerzustände werfen auf manche Beobachtungen 
an Individuen, die unter dem Einfluß einer Massensuggestion stehen, Licht 
(„träumerische Entrücktheit" in der Selbstschilderung Richard Wagners, 
bei der Revolution in Dresden 1848). Psychophysiologisch hat man an eine 
Erregbarkeitssteigerung („Überwertigkeif) und Isolierung („Sijunktion) be- 
stimmter systematisch zusammenhängender Vorstellungskomplexe zu denken. 
Eine wirklich befriedigende Theorie wird erst möglich sein, wenn das große 
Problem der Nachahmung gelöst ist. 

Die Kulturbedeutung der Massensuggestion liegt vor allem darin, 
daß Religion, Moral und Kunst bezüglich ihrer Ausbreitnng auf Massen- 
suggestion geradezu angewiesen sind. Wollten die Menschen immer erst 
dann glauben, bewundern u. s f., wenn sie Einsicht in die Gründe erlangt 
hätten, so würden Religion, Moral und Kunst Einzelliebhabereien bleiben. Und 
auch in dem Geschehen der Geschichte hat die Massensuggestion oft im Sinn des 
Fortschrittes gewirkt. Manche Hindernisse, die das nüchterne Denken kaum 
in Jahrhunderten oder Jahrtausenden beseitigt, reißt die Massensuggestion 
in wenigen Tagen weg und kann dadurch den Fortschritt beschleunigen. 
Wenn dabei oft auch Wertvolles zerstört und ein Extrem durch ein anderes 
ersetzt wird, so lehrt doch die Geschichte, daß solche übermäßigen 
Wirkungen einer Massensugestion in der Regel bald durch entgegengesetzt 
gerichtete Suggestion wieder ausgeglichen werden. Von diesem Gesichts- 
punkte aus hört die Suggestion auf, ein Einzelphänomen zu sein, sie wird 
zu einem gewaltigen Faktor in der gesamten geistigen Entwicklung der 
]ilenschheit. 

12. Sitzung am 15. Februar 1919 
Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 0. zur Strassen: 
„Der Seeigel und sein Haushalt" 
Die Seeigel sind zwar träge und langsam, aber keineswegs unbeweg- 
lich. J\Iit Hilfe eines Systems dünner Schläuche mit Haftscheiben am Ende, 
der sog. Ambulacralfüßchen, die durch Poren der Schale hervortreten, ver- 
mögen sie sich durch abwechselndes Anheften und Loslassen langsam vor- 
wärts zu schieben. Besonders aber sind die auf der Außenfläche der 
Schale stehenden zahlreichen Stacheln und „Pedicellarien'^ voller Beweglich- 
keit. Die Stacheln werden langsam taumelnd hin und her bewegt, als suchten 
sie einen abzuwehrenden Feind. Trifft der Reiz einer leichten Berührung 
die Haut, so ■ neigt der Seeigel die Stacheln der betreffenden Gegend wie 



— 108 -- 

einige leiste Lanzen nach der Reizstelle zusammen. Auf starken mechanisclien 
und auf clieinisohen Reiz, vor allem wenn der Angreifer der dem Seeigel 
sehr gefährliche Seestern ist, werden die Stacheln nach außen zurückge- 
legt: an der leer gewordenen Stelle aber richten sich die „Giftpedicellarien" 
auf, mit weit geöffneten Kiefern umhersuchend und bereit auf die leiseste 
Berührung durch ein Ambulacralfüßchen des Angreifers zuzubeißen. Weitere 
Pedicellarien sind die dünnkief erigen „Klapp^" und die starken „Beißzangen", 
mit denen der Seeigel schwächere und stärkere Feinde oder Beutetiere er- 
greift und hält, während die „Putzzangen" fast ununterbrochen beschäftigt 
sind, die Oberfläche des Seeigels zu reinigen, was für die Atmung notwendig 
ist. Und alle diese Funktionen vollzieht der Seeigel gegebenenfalls zu 
gleicher Zeit, ohne sich je zu irren. Daß er hierzu befähigt ist, erscheint 
seltsam, denn er besitzt zwar ein verwickeltes System von Nervenfasern in 
der äußeren Haut und einige größere Nervenstränge im Schaleninnern, aber 
kein Gehirn, das die zentrale Leitung der mannigfachen Teile übernehmen 
könnte. Und für die beschriebenen Leistungen der Stacheln und Pedicel- 
larien sind nicht einmal die. inneren Nervenstränge erforderlich; denn wenn 
man ein Stück der Schale samt äußeren Anhangsgebilden isoliert, so tritt 
keine Verminderung oder Störung der typischen Leistungen ein. Es zeigt 
sich dann, daß jeder Stachel einfach dorthin niedergezogen wird, wo ein 
leichter Berührungsreiz auf dem Wege über die Hautnerven zuerst an 
den die Basis des Stachels umgreifenden Nervenring herantritt und den da- 
runtergelegenen Stachelmuskel erreicht : infolgedessen neigen sich alle rings 
um die Reizstelle stehenden Stacheln nach dieser hin. Umgekehrt bewirkt 
ein chemischer Reiz ein Erschlaffen des der Reizstelle nächstgelegenen 
Stachelmuskels, worauf die gegenüberliegenden Muskeln, die ständig in einer 
leichten Spannung sind, die Oberhand gewinnen und der Stachel sich 
von der Reizstelle hinwegneigt. Der gleiche chemische Reiz bewirkt es, 
daß durch entsprechende Reize die Klapp- und Beißzangen hervorgelockt 
und die Putzzangen zum Schruppen ihrer Umgebung veranlaßt werden. 
Die auffallende und ein zentrales Bewußtsein vortäuschende Erscheinung 
'aber, daß die Pedicellarien des Seeigels nicht immerzu in die Stacheln und 
Ambulacralfüßchen des eigentlichen Körpers hineinbeißen, beruht darauf, 
(laß ein für jede Seeigelart eigentümlicher Hautstoff, Autodernün genannt, 
die sonst so empfindlichen Tastorgane der Pedicellarien lähmt : sobald 
man einen der Stacheln gründlich reinigt und dann mit einer geöffneten 
Zange des gleichen Tieres in Berührung bringt, so beißt die Zange zu, als 
wenn es ein fremder Gegenstand wäre. Das Ganze stellt ein schönes Bei- 
spiel dezentralisierten Betriebes dar. Daß ein solcher in dieser Vollendung 
möglich ist, beruht auf der Einfachheit und vollkommenen Zwangsläufigkeit 
der für die Stacheln und Pedicellarien vorgesehenen Reaktionen. 

18. Sitzung am 22. Februar 1919 
Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. M. Möbius: 
„Über die Farben der Blumen" 

Die Farben der Blumen bieten gegenwärtig ein neues Problem, seit- 
dem es wahrscheinlich gemacht ist, daß die Bienen, also wohl auch die 
anderen Insekten, farl)eiiblin(l sind. Dann können die Farben nicht zur An- 



— 109 — 

lockung der Insekten dienen: aber welche Bedeutung sie sonst haben, bleibt 
vorläufig rätselhaft. Es soll deshalb heute nur ihre physikalische und che- 
mische Grundlage erläutert werden, und diese Verhältnisse bieten auch ein 
besonderes Interesse, weil die Mittel der Natur, die verschiedenartigsten 
Farbennüanzen hervorzubringen, verhältnismäßig einfach sind. Chemisch 
kommen nur wenige Farbstoffe in Betracht, nämlich an feste Körperchen 
gebunden das grüne Chlorophyll und das gelbe oder rote Anthoxanthin, 
ferner im Saft der Zellen gelöst das zwischen rot und blau schwankende 
Anthocyan, das gelbe Anthochlor und das braune Anthophaein. 
Diese Farben können sich aber auch in verschiedenster Weise miteinander 
kombinieren und sog. Additions- und Subtraktionsfarben erzeugen. Erstere 
entstehen, wenn verschiedene Farbstoffe in verschiedenen Zellen oder in 
derselben Zelle nebeneinander auftreten uud so einen gemischten Eindruck 
hervorrufen. Letztere entstehen, wenn Zellschichten verschiedener Färbung 
übereinander liegen und durch die äußere Lage gewisse Lichtstrahlen ab- 
sorbiert werden, die von der inneren Lage ausgesandt werden. In physi- 
kalischer Hinsicht kommt dazu, wie dick die gefärbten Schichten sind, durch 
die wir hindurchsehen, ob die Organe transparent sind, oder ob größere 
Mengen zwischen den Zellen eingeschlossener Luft eine undurchsichtige 
Unterlage abgeben. Farblose Zellen mit vielen Lufträumen zwischen sich 
erzeugen weiß.. Farblose Lagen über gefärbten mildern die Intensität dei- 
Farbe und dergl. mehr. Diese Verhältnisse werden an einer Reihe von Bei- 
spielen illustriert, und die sich bei mikroskopischer Beobachtung ergebenden 
Bilder (nach den Untersuchungen des Vortragenden) werden mit dem Projek- 
tionsapparat vorgeführt. 

14. Sitzung am 1. März 1919 
Privatdozent Dr. E. Teich mann: 
„Die Blausäure als Mittel zur Bekämpfung schädlicher 
Insekten'* 
Der Vortragende gibt zunächst einen kurzen Überblick über die Ge- 
schichte des Blausäureverfahrens, um dessen Einführung und Verbreitung in 
Deutschland sich die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt zu Frank- 
furt a. M. besondere Verdienste erworben hat. Das Verfahren wird jetzt im 
Größen angewandt und zwar nach zwei Richtungen, einmal zur Bekämpfung 
wirtschaftlicher Schädlinge, zum anderen zur Ungeziefervernichtung. Ein 
wirtschaftlicher Schädling von größter Bedeutung ist die Mehlmotte (Ephe- 
stia Kühniella), durch die unser Land alljährlich außerordentlich hohe 
Einbußen an Mehl erleidet. Erst mit Hilfe des Blausäureverfahrens ist es 
möglich geworden, diesem Feind des Volkswohlstandes zu Leibe zu gehen. 
Der Vortragende führt im einzelnen aus, wie sich die Entmottung von Mühlen 
mit Hilfe der Blausäure in der Praxis gestaltet. Er geht dann dazu über, 
die Bedeutung der Blausäure für die Ungezieferbekämpfung zu schildern. 
Durch den Krieg ist in Deutschland eine Ungeziefervermehrung eingetreten, 
die geradezu eine Gefahr für die Volksgesundheit darstellt. Dies wird an 
Beispielen erläutert. Demgegenüber erwächst die Pflicht, mit allen Mitteln 
gegen die hygienischen Schädlinge vorzugehen. Schon während des Krieges 



110 — 

liat sich (las Blausäureverfahren als ein Mittel l)e\vährt, das in mancher Hin- 
sicht den sonst zur V^erfügung stehenden überlegen ist. Im besonderen ist 
PS im Kampf gegen die Kleiderlaus (Fleckfieber) angewandt worden. Auch 
Frankfurt hat bei der Demobilmachung eine Entlausungsanlage mit Blau- 
säure in Betrieb gesetzt, die gute Erfolge erzielt. Wichtiger fast als die Ent- 
lausung von Kleidungsstücken ist die Reinigung bewohnter Räume von Un- 
geziefer (Läuse, Wanzen, Flöhe). Hierfür ist die Blausäure ein Mittel, dem 
kein anderes bekanntes gegenwärtig an die Seite gestellt werden kann. Wie 
sich die Vergasung großer Gebäude in der Praxis gestaltet, wird an einzelnen 
Beispielen erläutert. Hierbei wird auch das Prinzip der Erzeugung der 
Blausäure außerhalb der zu vergasenden Räume berührt und die als Cyan- 
gaser bezeichneten Apparate werden kurz besprochen. Besonders schwierig 
und verantwortungsvoll ist es, Zimmer oder Wohnungen unter Blausäure 
zu setzen, die inmitten bewohnter Räume liegen. Eine derartige Vergasung 
ist in Frankfurt ausgeführt worden, als das frühere Kellnerheim „Kronenhof" 
entwanzt werden mußte. Schließlich stellt der Vortragende die Nachteile 
und Vorzüge des Verfahrens einander gegenüber. Er kommt zu dem Schluß, 
daß diese jene weit überwiegen. Solange kein gasförmiges Mittel von ge- 
ringerer Giftigkeit, aber gleicher Wirksamkeit vorhanden ist, muß das Blau- 
säureverfahren zur Bekämpfung des Ungeziefers als das beste betrachtet 
werden. Damit soll nicht gesagt sein, daß es ein Allheilmittel ist. Aber mit 
seiner Einführung ist ein erster Schritt auf der Bahn rationeller [und groß- 
zügiger Bekämpfung ökonomischer und hygienischer Schädlinge getan worden . 
der uns die V^erpflichtung auferlegt, im Interesse der Wohlfahrt und Gesundheit 
unseres schwer geprüften Volkes durch weitere Forschungen auf diesem Gebiet 
zu neuen Erfolgen zu gelangen. Es ist zu hoffen, daß auch Frankfurt sich 
nach dem Willen seiner Stadtverwaltung an dieser wichtigen und schönsten 
Aufgabe in Zukunft mehr, als es das bisher schon getan hat, wird be- 
teiligen können. 

15. Sitzung am 8. März 1919 

(Erteilung des Tiedemann-Preises) 

Herr Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Be the: 

„Ewalds neue Theorie des Hörens" 

Die herrschende Theorie des Hörens, die Resonanztheorie von H e 1 m- 

h o 1 1 z, nimmt an, daß auf der Membrana basilaris unseres Ohres ebensoviel 

abgestimmte Resonatoren vorhanden sind, als wir verschiedene Töne zu 

unterscheiden vermögen. Durch diese Annahme sind die meisten akustischen 

Phänomene erklärbar, bei einigen anderen läßt sie im Stich. Man kann 

gegen sie auch eine Reihe von recht ernsten physiologischen Bedenken 

erheben. 

Bei der physiologischen UnvoUkommenheit der meisten unserer Körper- 
organe ist es unwahrscheinlich, daß in beiden Ohren zwei ganz gleiche und 
vollkommen abgestinunte Reihen von Tausenden von Resonatoren vorhanden 
sind und daß nicht viel öfter Verstimmungen auftreten sollten. Ferner: 
die Membrana basilaris ist überall annähernd gleich dick und am breiten 
Ende noch nicht doppelt so breit wie am schmalen. Nun umfaßt aber unser 



— Ill — 

Hörbereich acht bis zehn Oktav^en. Daher müßte die Spannung der Quer- 
fasern der Membrana basilaris am schmalen Ende etwa zehnmal so groß 
sein wie am breiten. Solche Spannungsdifferenzen können sich aber bei den 
so nachgiebigen tierischen Geweben nur ganz kurze Zeit erhalten. 

Den Haupteinwand hat aber Ewald erhoben: Wie man auch eine 
Membran herstellt, ob homogen oder aus einzelnen Saiten verklebt, wie dies 
Hen sen als Grundlage für die Hei mho 1 tz sehe Theorie annahm, immer 
schwingt die Membran in ihrer ganzen Ausdehnung und zwar in der Längs- 
richtung. Es entstehen auf ihr bei jedem Ton stehende Wellen; nie schwingt 
sie nur an einer Stelle, wie es die Theorie von Helmholtz fordert. Und 
das trifft auch für die Membrana basilaris zu. Ewald gelang es, an frisch 
getöteten Kaninchen die Membrana basilaris in ihrer natürlichen Befestigung 
so frei zu legen, daß er sie in seine „(Camera acustica" bringen und mit 
Tönen erregen konnte. Auch hier treten stehende Wellen von der Basis bis 
zur Spitze auf. 

Diese stehenden Wellen bilden die Grundlage der Ewaldschen 
Theorie. Bei jedem Ton entsteht ein für ihn charakteristisches ^Tonbild", 
und es wird bei jedem Ton nicht eine Nervenfaser des Hörnerven erregt, 
sondern eine grosse Anzahl in einer nur ihm eigentümlichen Kombination. 
Eine Zerlegung jeden Klanges in seine Partialtöne tritt auf der Schallmembran 
genau so vollkommen ein, wie es bei abgestimmten Resonatoren der Fall 
wäre. Auch das Auftreten der pathologischen Erscheinungen der Skalen- 
verkürzung und der Tonlücken erklärt sich aus dem Studium verletzter oder 
beschwerter Membranen ebenso ungezwungen, wie bei der Helmholtz sehen 
Theorie. In einigen Fällen vermag die Ewald sehe Theorie aber mehr zu 
leisten als jene. Die Tatsache, daß derselbe Ton unserem Ohr laut zugeführt 
etwas tiefer gehört wird, als wenn er leise ist, macht bei Helmholtz un- 
überwindbare Schwierigkeiten; die Beobachtung der Sehallmembran zeigt 
daß es so sein muß. 

Jede Periodik wird auf der Sehallmembran abgebildet und muß daher, 
empfunden werden. So sind die nicht objektiven, weil durch Resonatoren 
nicht verstärkbaren Summations- und Differenztöne, ebenso wie die Unter- 
brechungstöne, auf der Membran deutlich neben den erzeugenden Tönen zu 
sehen: bei der Helm hol tz sehen Theorie dagegen ist ihre Wahrnehmbarkeit 
nur durch Hilfshypothesen erklärbar. 

Ein schwacher Punkt der Helmholtz sehen Theorie ist auch die Er- 
klärung der Sehwebungen und überhaupt jeder Disharmonie. Auf der Schall- 
membran erzeugen diese nun kein stetiges Bild, die Wellenberge pendeln 
vielmehr um eine Mittellage hin und her. Wenn man die durchaus plausible 
Annahme macht, daß jede Unstetigkeit des Schallbildes unangenehm empfunden 
wird, so findei! damit auch diese Phänomene bei der Ewaldsehen Theorie 
eine zwanglose Erklärung. 

So sehen wir also, daß die Sehallbildertheorie alle akustischen Phänomene 
ohne Schwierigkeit erklärt, daß dies aber bei der Resonanztheorie nicht der 
Fall ist. Daher liegt in der Aufstellung der Sehallbildertheorie ein großer 
und wichtiger Fortschritt der Wissenschaft, und es wird auch dem Laien 
verständlieh werden, daß der Ausschuß für die Verleihung des Tiedemann- 
Preises ihren Autor mit dem Preise ausgezeichn^ hat. 



— 112 - 

16. Sitzung am 15. März 1919 
Prof. Dr. H. Braus- Heidelberg: 
„Über die Gesetzlichkeit der Körperf orui" 

Das Andenken Walter Gebhardts*) durch eine Darstellung und 
Würdigung seines wissenschaftlichen Lebenswerkes zu ehren, ist eine Aufgabe, 
der der Vortragende sich mit Freuden unterzogen hat, weil wir in diesem 
Werk einen der Bausteine für die neuere theoretische Formenlehre vor uns 
haben. Wenn auch durch den allzufrühen Tod des im Kriegsdienst ver- 
storbenen Forschers manches ein Torso geblieben ist, ist es doch möglich^ 
das in den Schriften Gebhardts niedergelegte Material in den übrigen 
Wissensstoff so einzufügen, daß ein geschlossenes Bild vom augenblicklichen 
Stand der Formenlehre in großen Zügen gegeben werden kann. 

Seit jeher ist der Knochen beim Studium von Formproblemen besonders 
bevorzugt worden, weil er unverweslicher als die Weichteile ist und uns 
feinste und gröbste Skulpturen, die bei jenen nicht immer so unmittelbar zu 
sehen sind, plastisch vor Augen stellt. Da ferner alle Knochen aus ein und 
demselben Material bestehen, und da trotzdem die Formenwelt, die sich hier 
für makro- und mikroskopische Untersuchungen erschließt, ungeheuer mannig- 
faltig ist. so liegt die Frage nach dem, was die formbildenden Kräfte der 
Natur bieten, hier einfacher als bei vielen anderen Organen, wo Kompliziertes 
auf Grund kompliziert zusammengesetzter Ausgangsmaterialien entstanden 
ist. Hermann v. Meyer war einer der bedeutendsten Forscher auf dem 
Gebiet der Knochenforschung. Die zu seinem Andenken gestiftete Medaille 
wurde zum ersten Male von der Senckenbergischen Naturforschenden Gesell- 
schaft W. Gebhardt verliehen und damit zum Ausdruck gebracht, wie sehr 
sein Lebenswerk mit dem v. Meyers verknüpft ist. Er hat in der Tat fast 
ausschließlich Zähne und Knochen, besonders deren feinste Strukturen als 
Ausgangsmaterial seiner Forschungen benutzt. In seinen theoretischen An- 
sichten lehnt er sich eng an W. Roux an, dessen langjähriger Mitarbeiter 
er gewesen ist. 

Wir unterscheiden zuerst die tatsächliche Feststellung einer „funktionellen 
Gestalt" des Knochens. H. v. M e y e r und C u 1 m a n n hatten für die Knochen- 
bälkchen im Innern des Knochens ermittelt, daß sie nicht beliebig und 
regellos verstreut liegen, wie noch Hyrtl geglaubt hatte, sondern daß sie 
kom|)lizierte Architekturen darstellen, ähnlich deaen unserer modernen Eisen- 
konstruktionen (Blechkranen, Eiffelturm). Derartige Vergleiche mit technischen 
Formen und Mitteln eines mechanisch zweckmäßigen Baues hat Gebhardt 
in großer Zahl durchgeführt. So verglich er die von ihm in"s einzelne verfolgte 
Anordnvnig der feinsten Lamellen und Fäserchen im Knochen mit verleimten 
Furnieren beim Flugzeugbau; er hoffte sogar durch seine, auf Modelle ge- 
stützte Berechnungen am Knochen der Technik Fingerzeige geben zu können, 
wie die Eigenschaften faserigen Materials in Zukunft noch günstiger aus- 
genutzt werden könnten. \'iele der studierten Formen enthüllten sich ihm 

*) W. Gebhardt ist bei der Jahrhiuidertfeier der S. N. G. als erstem 
der Georg-Hermann-v.-Meyer-Preis verliehen worden. Wenige Monate später, 
am 3. März ItHH. ist dei- verdienstvolle Forscher verstorben (48. Bericht, 
1918 S. 2(K)). 



— 113 — 

von solcher Feinheit und solcher geradezu mathematischer Korrektheit, daß 
die Technik ähnliches nur deshalb nicht aufzuweisen vermag, weil die 
Herstellungskosten und -zeiten zu groß wären oder entsprechende Roh- 
materialien fehlen. Der Helm holtz sehe Ausspruch, daß er dem Mechaniker 
die Tür weisen würde, der ihm ein Instrument von den UnvoUkommenheiten 
des menschlichen Auges brächte, verliert angesichts dieser Erfahrungen seine 
Bedeutung, Zeitlängen und ökonomische Mittel der aufbauenden Arbeit des 
Organismus sind andere als bei den Erzeugnissen menschlicher Technik, aber 
die Formen sind in beiden Fällen wirklich funktionelle. 

Die Frage nach der Ursache dieser Art von Gestaltung ist früher so 
beantwortet worden, daß die Funktion selbst die Formen erzeuge. In einer 
mehr indirekten Weise ist dies möglich nach der von W. Roux eingeführten 
Annahme funktioneller Reize. Die auf dieser Basis von Gebhardt ausge- 
arbeiteten Erklärungsmöglichkeiten hat er leider selbst nicht durch das 
Experiment an seinen Objekten geprüft, obgleich Pläne zu Experimenten mit 
zu den vielen unerfüllt gebliebenen Hoffnungen seines Lebens gehörten. Von 
anderen Fällen aber wissen wir bestimmt, daß das Experiment gegen die 
Entstehung durch funktionellen Reiz im individuellen Leben entscheidet, auch 
wenn der Kausalnexus nach dem deskriptiven Befund evident zu sein scheint 
(Beispiel: das Armloch im Operculum der Unkenlarve). Wir befinden uns 
dann in dem Dilemma, entweder dem reinen Zufall zuzuschreiben, was an 
funktionellen Möglichkeiten entsteht. Gerade die Befunde Gebhardts an 
Knochen und Zähnen, deren Formen äußerst ausregulierte Beziehungen 
zueinander besitzen müssen, um brauchbare Werkzeuge zu liefern, sprechen 
gegen diese Möglichkeiten. Oder wir müssen den Erwerb der funktionellen 
Gestalt größtenteils in die Vergangenheit verlegen und das damalige Geschehen 
nach den Mustern deuten, die heute wirkliche funktionelle Abhängigkeit 
zeigen. Hier kommen wir trotz der vielen Dunkelheiten, die die \^ererbung 
erworbener Eigenschaften belasten, nicht ohne sie aus. 



114 



Wilhelm Kobelt 

* 20. Februar 1840, f 26. März 1916 



Mitten in der bewegten Zeit des Weltkrieges ist am 26. März 
1916 in seiner zweiten Heimat Schwanheim bei Frankfurt am 
Main Wilhelm Kobelt ruhig und still verschieden. Zu dieser 
Zeit, wo Menschenleben gering geachtet werden und wo Tausende 
auf den Schlachtfeldern verblutet sind, müssen wir doch bei 
ihm länger verweilen. Es ist ein außergewöhnlicher Mensch von 
uns gegangen. 

Am 20. Februar 1840 wurde Wilhelm Kobelt als ältester 
Sohn des zweiten Pfarrers des Städtchens Alsfeld in Oberhessen 
geboren. Gemeinsam mit seinen vier Brüdern verlebte er in 
seiner Vaterstadt eine ungestörte, schöne Jugend. Abseits von 
den großen Verkehrsstraßen wuchs so der Knabe und Jüngling 
in landschaftlich und landwirtschaftlich bevorzugter Gegend auf, 
in enger Fühlung mit der Natur. Seine frühe sich zeigende Liebe 
zu dieser und seine angeborenen Anlagen zum Sammeln und zur 
kritischen Betrachtung der Naturgegenstände wurden von einem 
verständnisvollen, selbst naturwissenschaftlich interessierten Vater 
gepflegt und weiterentwickelt. Dieser bildete auch seine fünf 
Söhne in einer von ihm in Alsfeld geleiteten Privatschule aus. 
Als Primaner kam Wilhelm Kobelt noch im Jahre 1855 nach 
Gießen auf das Gynmasiuni. Nach bestandener Reifeprüfung 
bezog er auch dort 1857 die Universität, um sich dem Studium 
der Medizin zu widmen. Seinen naturwissenschaftlichen Neigungen 
blieb er aber auch während dieser Zeit stets treu. Am 13. De- 
zember 1862 promovierte er mit einer Arbeit über Herzdämpfung 
und Herzleere. Nach bestandenem Examen ließ er sich in 
Biedenkopf an der Lahn als praktischer Arzt nieder, während 
sein Vater nunmehr in dem nahen Breidenbach als Pfarrer tätig 
war. Im Jahre 1869 berief der Ärztliche Hilfsverein Kobelt 



— 115 — 

nach Schwanheim bei Frankfurt am Main. Diesem Ruf folgte 
er. Schwanheim wurde dann seine zweite Heimat, mit der er 
fest verwuchs und der er bis zu seinem Tode treu blieb. Seinen 
ärztlichen Beruf übte er in Schwanheim noch bis Ende 1880 
aus, widmete sich dann aber vollständig den Wissenschaften und 
seinen sozialpolitischen Bestrebungen. Im Jahre 1905 wurde ihm 
in Anerkennung seiner Verdienste um die Wissenschaft der 
Professortitel verliehen. 

Noch während seiner letzten Zeit in Biedenkopf verheiratete 
sich Kobelt und fand in seiner inniggeliebten Gattin eine ver- 
ständnisvolle, treue Lebensgefährtin, eine seltene. Frau, die in 
ihrem Fühlen und Denken vollkommen mit ihm übereinstimmte 
und ihm in seinen wissenschaftlichen Bestrebungen stets helfend 
zur Seite stand. Sie schuf ihm in ihrem traulichen Heim die 
Umgebung, der er zum ungestörten wissenschaftlichen Arbeiten 
bedurfte. 

Für die wissenschaftliche Laufbahn Kobe Its ist wohl von 
ausschlaggebender Bedeutung die Verbindung mit Emil Adolf 
Roßmäßler in Leipzig gewesen. Nach seiner Niederlassung 
in Biedenkopf hatte sich Kobelt mit erneutem Eifer auf natur- 
wissenschaftliche Studien geworfen. Doch er forschte nicht allein; 
er wollte auch in seiner Umgebung aufklärend und belehrend 
wirken. So gründete er bereits 1866 in Biedenkopf einen Volks- 
bildungsverein. Mit den Arbeiten zur Gründung dieses Vereins 
beschäftigt, wandte sich Kobelt an den als Naturforscher und 
.Führer der Volksbildungsbewegung damals gleich gut bekannten 
Roßmäßler. Dieser Schritt war ausschlaggebend für ihn. Von 
dieser Zeit an begann Kobelt, angeregt durch Roßmäßler s 
Arbeiten auf dem Gebiete der Molluskenkunde und durch eine 
von diesem ihm zugekommene Konchyliensendung, sich in er- 
höhtem Maße mit den Weichtieren zu beschäftigen. Der Malako- 
zoologie ist er von da ab treu geblieben und hat einen großen 
Teil seines Schaffens und seiner Lebensenergie diesem Zweig 
der Wissenschaft gewidmet, den er immer weiter ausbaute und 
mit seinen großen Gedanken befruchtete. Nach dem bereits 1868 
erfolgten Tode R o ß m ä ß 1 e r s, den Kobelt übrigens nie persönlich 
kennen gelernt hat, setzte er dessen Arbeiten fort und erweiterte 
sie. Mit einer „Molluskenfauna von Nassau" begann Kobelt, 
dehnte dann aber bald seine Untersuchungen auf die Weichtiere 
des gesamten europäischen Faunengebietes aus, wobei er Roß- 



Uß 

mäßlers „Iconographie der Land- und Süßwasser-Mollusken" 
fortführte und in einer Weise ausdehnte, wie sie wohl R o ß ni ä ß 1 er 
nicht im entferntesten geahnt haben mag. Endlich bezog Kobelt 
sämtliche Weichtiere in seine Beobachtungen ein. So arbeitete 
er auf dem Gebiete der Malakozoologie unermüdlich weiter, 
und es ist daher nicht verwunderlich, daß ihm von allen Seiten 
Material zur Bearbeitung angetragen wurde, bald sogar in dem 
Maße, daß trotz seiner großen Arbeitskraft und seines uner- 
müdlichen Fleißes er bei weitem nicht alles bewältigen konnte. 
Aber die viele Kleinarbeit der Systematik ließ ihn doch nie die 
großen Ziele der Wissenschaft aus dem Auge verlieren. Dabei 
kam ihm zu statten, daß sein Blick durch seine vielen Reisen 
ständig erheblich erweitert wurde. So ist Kobelt allmählich 
eine der ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Molluskenkunde 
geworden. Am liebsten beschäftigte er sich mit der Fauna des 
Mittelmeergebietes. Seiner besonderen Vorliebe erfreuten sich 
dabei die Heliciden der Subfamilie Fei)1at(uniiinae, deren bester 
Kenner er wohl war. Aber auf dem ganzen Gebiete der Land- 
und Süßwassermollusken hat er gearbeitet und ferner wertvolle 
Arbeiten über marine Weichtiere geliefert. Die von Kobelt 
über Mollusken veröffentlichten Arbeiten sind außerordentlich 
zahlreich, so daß hier nur der wichtigsten gedacht werden kann. 
Zu nennen sind vor allem außer der bereits erwähnten Fort- 
führung von Roßmäßlers „Iconographie der Land- und Süß- 
wasser-Mollusken'' zwei weitere große Unternehmungen: die 
„Iconographie der europäischen Meeresconchylien" und die zweite 
Auflage des Martini- Che mnitzschen „Conchylien- Cabinets". 
Besonders letzteres Werk hat er zu einem beträchtlichen Umfange 
und zu einer großen Bedeutung gebracht. Zuerst arbeitete Kobelt 
am „Conchylien- Cabinet" als Mitarbeiter Küsters, dann mit 
Weinkauf f zusammen und nach dessen Tode als alleiniger Her- 
ausgeber. Als selbständige Arbeit erschien das „Illustrierte 
Conchylienbuch". Unter den zahlreichen Bearbeitungen Kobelt s 
von wissenschaftlichen Molluskenausbeuten sind besonders zu 
nennen, die J. J. Reins aus Japan, die W. Kükenthals von 
den Molukken und die C. v. Erlangers aus dem nordöstlichen 
Afrika jnit einem Katalog aller aus Afrika bekannten Mollusken, 
sämtlich erschienen in den Abhandlungen der Senckenbergischen 
Natu rf ersehenden Gesellschaft in Frankfurt am Main, ferner die 
Bearbeitung der von K. S e m p e r auf den Philippinen gesammelten 



— 117 - 

Deckelschneckeii als Separatheft von dessen großem Reisewerk. 
Zu nennen ist auch die Fortführung der Arbeiten des 1903 ver- 
storbenen Otto Franz v. Moellendorff über die Mollusken- 
fauna der Philippinen an Hand von . dessen hervorragender 
Sammlung. Zahlreich sind die einzelnen von Kobelt heraus- 
gegebenen systematischen Kataloge über verschiedene Schnecken- 
familien und Faunengebiete, die teils als Vorarbeiten für größere 
Veröffentlichungen gedacht waren, teils einzeln veröffentlicht 
wurden, weil die Untersuchungen nicht zustande kamen, für die 
sie vorgesehen waren. 

Auf die Ausbreitung der Molluskenkunde war Kobelt stets 
bedacht. Bereits bei der Naturforscherversammlung in Frankfurt 
a. M. im Jahre 1 867 war Kobelt mit David F. H e y n e m a n n , 
dem bekannten Nacktschneckenforscher, in Beziehung getreten. 
Im Jahre darauf unternahmen beide gemeinsam die Gründung 
der „Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft". Seit dieser 
Gründung hat dann Kobelt bis zu seinem Tode das „Nachrichts- 
blatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft" heraus- 
gegeben. Daneben redigierte er vom Jahre 1874 ab auch die 
„Jahrbücher der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft". 
Da jedoch allmählich in Deutschland das Interesse der Zoologie 
an der Systematik geringer wurde, mußten die „Jahrbücher" 
1886 ihr Erscheinen einstellen. Ferner gab Kobelt A^on 1879 
bis 1885 den „Jahresbericht über die Molluskensystematik" für 
die Zoologische Station in Neapel heraus und führte darauf vom 
Jahre 1886 ab den Bericht für das Archiv für Naturgeschichte fort. 

Es ist nicht verwunderlich, daß Kobelt, der bereits von 
Jugend auf sich mit dem Sammeln von Naturgegenständen be- 
schäftigte, schon während seiner Zeit in Biedenkopf begann, sich 
eine Molluskensammlung anzulegen. Es fordern ja auch die leicht 
aufzubewahrenden, selbst für das Auge des Laien ansprechenden 
Schneckenschalen geradezu dazu heraus. Durch einen ausge- 
dehnten Tauschverkehr in den ersten Jahren und durch das viele 
ihm zur Bearbeitung anvertraute Material, von dem er stets eine 
Serie für seine Sammlung erhielt, wuchs diese rasch heran. 
Allmählich ist sie zu einer der bedeutendsten bestehenden 
Molluskensammlungen geworden, die vor allem ihren hohen Wert 
in den vielen Typen von Kobelt s Arten und den zahlreichen 
Cotypen anderer Autoren besitzt. Von besonderem Wert sind 
auch die vielen Ausbeuten, die Kobelt stets von seinen Reisen 



— 118 - 

im Süden mitbrachte. Diese waren immer in erster Linie 
malakozoologischen Forschungen gewidmet, besonders den Heli- 
ciden der Subfamilie l^ntataeniinae, wenn auch der unmittelbare 
Anlaß zu einem Aufenthalt in mildem Klima in den Jahren 1872 
auf 1873 und 1902 ein Erholungsbedürfnis seiner Frau bzw. seiner 
selbst war. Aber ein so großer Naturliebhaber wie Kobelt 
brachte von seinen Reisen doch auch außerdem eine große Anzahl 
von Gegenständen aus anderen Gebieten der Naturwissenschaften 
mit und machte Mengen von bedeutsamen naturwissenschaftlichen 
und geographischen Beobachtungen. Wie anregend sind auch 
die Berichte seiner Reisen, die ihn gemeinsam mit seiner Gattin 
nach Italien, Spanien und Nordafrika führten! 

Die Beschäftigung mit den Mollusken hatte Kobelt schon 
zeitig darauf gebracht, sich über die Verbreitung der Tierwelt 
Gedanken zu machen. So kam er ganz allmählich auf zoogeo- 
graphische Probleme. Die Zoogeographie hat ihn dann im Laufe 
der Jahre immer mehr gefesselt und immer größeren Einfluß 
auf seine Arbeiten gewonnen. Er hat gezeigt, wie die Verbreitung 
der Weichtiere vielleicht mehr als die der meisten anderen 
Tierklassen dazu geeignet ist, zoogeographische Fragen zu lösen. 
Doch beschränkte sich Kobelt dabei keineswegs auf die Mollusken. 
Alle Tierklassen und auch die Pflanzen fanden bei ihm Berück- 
sichtigung. Nur einem Manne wie Kobelt mit seinem weiten 
Wissen und seinen umfangreichen früheren systematischen Studien 
war es möglich, Arbeiten wie seine „Studien zur Zoogeographie" 
(1897 bis 1898) und seine „Verbreitung der Tierwelt" (1902 bis 
1903) zu schreiben, die eine erstaunliche Beherrschung der Materie 
bezeugen. In seinen letzten Jahren war einer seiner Lieblings- 
gedanken die Erforschung des Zusammenhanges der diluvialen 
Stromsysteme und die Herausbildung der heutigen Flußläufe mit 
Hilfe der geographischen Verbreitung der Flußmuscheln (6^/«"o/«c?«e 
und verwandte Familien). Mit dem Eifer eines Jünglings ging 
er an die Arbeit, die schon bald schöne Ergebnisse zeitigte. So 
zeigte er, daß der „alte Vater Rhein" in seiner jetzigen Zu- 
sammensetzung Deutschlands jüngster Fluß ist. Da die Aus- 
arbeitung dieser großzügig angelegten Gedanken die Arbeitskraft 
eines einzelnen weit überstieg, so suchte er für seine Pläne in 
weiteren Kreisen zu werben und anzuregen. Mit großer Freude 
begrüßte er dann stets jeden Fortschritt und jede neue Unter- 
suchung auf diesem Gebiet. 



. — 119 — 

Mit der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 
ist Kobelt schon frühzeitig in Verbindung getreten. Bereits 
1869 wurde er zum korrespondierenden Mitglied ernannt. Ununter- 
brochen war er um das Wohl der Gesellschaft bemüht uud stellte 
sein reiches Können und Wissen in ihren Dienst. Am meisten 
hat ihm die Sektion der Mollusken zu verdanken, deren langjähriger 
Sektionär er war (außerdem war er Sektionär für Säugetiere). Durch 
Kobelt wurde eigentlich der Grundstock zu der jetzt umfang- 
reichen Molluskensaramlung gelegt, indem es durch seine Be- 
mühungen gelang, die wichtige Molluskensammlung Ernst Ad olf 
Roßmäßlers für das Museum zu erwerben." Rastlos arbeitete 
nun Kobelt daran, diese Sammlung nach der Verschmelzung 
mit der alten Sammlung des Museums zu erweitern und zu er- 
gänzen. Schon zu seinen Lebzeiten hat er außer seiner wert- 
vollen, reichhaltigen fachwissenschaftlichen Bibliothek seine außer- 
ordentlich umfangreichen eigenen Sammlungen dem Museum zur 
Verfügung gestellt und dessen Sammlung einverleibt. Als nach 
dem leider allzufrüh erfolgten Tode Otto Franz v. Moellen- 
dorffs (1903) Gefahr bestand, daß dessen kostbare Mollusken- 
sammlung Frankfurt verloren ging, stellte Kobelt in selbstloser 
Weise seine eigenen Mittel zur Verfügung, um der Gesellschaft 
die wertvolle Sammlung zu sichern, bis die notwendige Summe 
zum Kauf zusammen war. Nachdem 1909 auch noch die Sammlung 
Oskar Boettgers der Sammlung des Senckenbergischen 
Museums einverleibt werden konnte, gehört diese zu den größten 
und wertvollsten der Welt. Ein besonderer Wert der Sammlung 
besteht in den vielen in ihr enthaltenen Typen und Cotypen, 
sowie in den vielen Originalexemplaren, die Kobelt und andere 
in zahlreichen Arbeiten abgebildet und beschrieben haben. Und 
all das verdankt die Gesellschaft in erster Linie Wilhelm Kobelt, 
dessen Name genannt werden wird, solange es eine Geschichte 
der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft gibt. Diese 
benutzte im Dezember 1912 auch gern die Gelegenheit, um 
anläßlich seines 50 jährigen Doktorjubiläums ihn, der gleichzeitig 
25 Jahre arbeitendes Mitglied der Gesellschaft war, zum außer- 
ordentlichen Ehrenmitglied zu ernennen — die höchste Würde, 
die die Gesellschaft zu vergeben hat! Noch seine letzte Arbeit 
galt der Gesellschaft, indem er mit der Niederschrift ihrer 100- 
jährigen Geschichte beschäftigt war. Die ersten fünf Jahrzehnte 
konnte er noch fertigstellen, da nahm ihm der Tod die Feder 



— 120 — 

aus der Hand. Mit Kobelt ist einer der letzten, großen Veteranen 
der alten Senckenhergischen Gesellschalt dahingegangen, nachdem 
einige Monate vorher sein gleichaltriger Freund L u k a s v. H e y d e n 
verschieden war. 

Doch nicht nur Wissenschaftler war Kobelt. Als Sozial- 
politiker hatte er ebenfalls einen großen Namen. Schon früh 
hatte er es als Pflicht der gebildeten Kreise erkannt, sich öffentlich 
in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Seine berufliche Tätig- 
keit als Arzt hatte ihn mit den wirtschaftlich schwachen Volks - 
kreisen in Verbindung gebracht. Durch sein gutes Herz und 
seine hohen Ideale, die ihn von jedem Menschen nur das beste 
denken ließen, war er nicht allein dem Volk ein ärztlicher Be- 
rater: er suchte auch sonst zu helfen und zu fördern, wo er 
konnte. Sozial und geistig sollte das Volk gehoben werden. 
Mag er auch vielen als politisch zu weit links stehend erschienen 
sein; ihn leitete nur seine Liebe zum Volk, dem er nur Gutes 
zutraute. Politiker aller Parteischattierungen arbeiteten gern mit 
ihm zusammen und hörten gern seinen wohlgemeinten Eat. Sie 
alle erkannten den reinen, wahren Idealismus Kobelts an, der 
frei von jedem Eigennutz war. 

Kobelt war auch stets bemüht, die Früchte seiner Er- 
kenntnis und sein allgemeines Wissen in weitere Kreise zu tragen. 
Durch Vorträge, Besprechungen mit den in Betracht kommenden 
Persönlichkeiten und durch zahlreiche Veröffentlichungen auf 
sozialpolitischem Gebiete suchte er diesem Ziele näherzukommen. 
Er war Mitbegründer und Ehrenvorsitzender des Rhein-Mainischen 
Verbandes für Volksbildung, in dessen Dienst er die schon früher 
von ihm gegründeten „Gemeinnützigen Blätter für Hessen und 
Nassau" stellte. Zu seinem 70. Geburtstage gab der Rhein- 
Mainische Verband für Volksbildung dann auch eine Sammlung 
von kleineren sozialpolitischen Aufsätzen Kobelts unter dem 
Titel „Heimatkunde und Heimatarbeit"*) heraus. Aus diesem 
umfangreichen Bande ist zu ersehen, wie emsig Kobelt in dieser 
Hinsicht tätig war. 

Jedoch nicht bloß theoretisch wirkte Kobelt; er brachte 
seine Gedanken auch praktisch zur Ausführung. Das zeigt sich 
vor allem in seiner zweiten Heimat Schwanheim, obwohl sich 
seine sozialpolitische Tätigkeit durchaus nicht darauf allein be- 
schränkte. Er ist dort in des Wortes wahrster Bedeutung ein 

*) 44. Bericht der S. N. G. 1913 S. 93-97. 



~ 121 — 

Volkswohltäter geworden. Was verdankt ihm Schwanheim nicht 
alles! Trotz zeitweiliger Anfeindung von Seiten, die ihn nicht 
verstanden, hat er sich doch durchgesetzt. Zum Wohle des 
Dorfes! Die Schwanheimer Landwirte verdanken ihm manche 
praktische Anregung in Bezug auf neue Kulturmethoden und 
auf Einführung neuer landwirtschaftlicher Maschinen. Die frühe 
Anwendung des künstlicken Düngers in Schwanheim geschah auf 
Kobelts Rat. Auf ihn ist auch der hohe Stand der Zucht von 
Tafelobst in Schwanheim zurückzuführen, der dem Züchter hohen 
Verdienst abwirft. Die Errichtung einer Kleinbahn nach Frank- 
furt am Main, der sog. Waldbahn, und später die Verwirklichung 
des Plans einer Brücke über den Main, sind zum großen Teil 
seiner kräftigen Förderung zu verdanken. Um kranke und er- 
holungsbedürftige Einwohner Schwanheims sich in der kräftigen 
Luft des nahen Waldes stärken zu lassen, errichtete er dort eine 
Walderholungstätte. Noch wenige Jahre vor seinem Tode gründete 
er in Schwanheim ein Heimatmuseum und trug darin mit großem 
Eifer alles zusammen, was für das Dorf und seine Umgebung 
von Bedeutung und Interesse war. Seine Verdienste um Schwan- 
heim wurden auch von seinen Bewohnern gewürdigt und er in 
dankbarer Anerkennung zum Ehrenbürger ernannt. 

So lebte Kobelt in seinem Landhause in Schwanheim mit 
seiner Gattin abseits von dem Hasten und Drängen der nahen 
Großstadt Frankfurt a. M. in enger Fühlung mit der Natur, be- 
sonders dem von ihm so sehr geliebten Schwanheimer Wald. 
Diesem, den wohl keiner so gut kannte wie er, hat er in den 
Berichten der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 
durch seine Monographie des Waldes ein unvergängliches Denkmal 
gesetzt**). Mit welchem Vergnügen und welchem Eifer führte 
er alle, die Verständnis für die Natur hatten, durch den Wald, 
und wie anregend wußte er auf alles Interessante aufmerksam 
zu machen ! 

Obwohl Kobelt außerhalb der Stadt wohnte und nur ungern 
in ihr Getriebe sich mengte, so war er doch in steter Fühlung mit 
ihr und stand vor allem mit ihrem wissenschaftlichen Leben in 
steter Verbindung. Aber auch draußen in seinem Hause war er nicht 
einsam. Durch eine lange vielseitige Tätigkeit als Wissenschaftler 



**) W. Kobelt ^Der Schwanheimer Wald-. Mit 1 Karte u. Ö9 Ab- 
bildungen. 43. Bericht der S. N. G. 1912 S. 72-96, S. 156—188 u. S. 255—286 
und 44. Bericht 1913 S. 236—265. 



— 122 -- 

und Sozialpolitiker wie auf seinen Reisen hatte er zahlreiche Ver- 
bindungen angeknüpt. Wieviel interessante, bedeutende Menschen 
sind nicht in seinem Hause ein- und ausgegangen. Wissenschaftler, 
Politiker und Menschen aller Richtungen haben hier verkehrt. Ich 
erinnere nur an Gustav Frey tag, der ja auch malakozoologisch 
informiert war und mit dem Kobelt his zu dessen Tode freund- 
schaftliche Beziehungen unterhielt. Aber haupsächtlich waren es 
doch engere und weitere Fachgenossen, die das gastliche Heim in 
Schwanheim aufsuchten und dort mannigfaltige Anregung emp- 
fingen. AVieviel Pläne gemeinsamer Arbeit sind nicht in diesem 
Hause geschmiedet worden! Vieles wurde verwirklicht. Vieles 
aber auch unterblieb oder kam nicht zur Vollendung ; denn Kobelt 
hat so manchen, auch viel jüngeren Fachgenossen ins Grab sinken 
sehen. Ein Lieblingsplan von ihm war seit jeher die Veröffent- 
lichung eines modernen Werkes ähnlich der alten „Histoire naturelle 
des Animaux sans vertebres'' von Lamarck und De shaves, das 
die ganze Systematik der Weichtiere umfassen sollte. Noch vor 
Übernahme der Herausgabe der zweiten Auflage des Martini- 
Chemnitzschen „Conchylien-Cabinets" hatte Kobelt mit Wein- 
kau ff einen entsprechenden Plan entworfen. Aber es kamen 
nur einige Einzelkataloge als Vorarbeiten heraus, die wenig 
Absatz fanden. Nach dem Tode Weinkauffs kam der mit 
Arbeiten überhäufte Kobelt nicht mehr dazu, der Angelegen- 
heit näher zu treten. Ferner hatte er z. B. mit Melchior Neumayr 
eine großangelegte, gemeinsame Erforschung der Mollusken des 
Mittelländischen Meeres vom Tertiär bis zur Gegenwart geplant. 
Kaum aber war die Arbeit über die ersten Anfänge hinausge- 
kommen, da fand sie durch den frühen Tod Neumayrs bereits 
ihr Ende. Der herbste Verlust für Kobelt war in dieser Hinsicht 
1 908 der Tod Otto Franz v. M o e 1 1 e n d o r f f s, der mitten heraus 
aus ihren gemeinsamen Arbeiten genommen wurde. Vieles hat 
Kobelt ja dann allein weitergeführt. Aber so mancher Plan 
war damit doch unwiderruflich dahin, so vor allem der Gedanke 
einer großangelegten Zoogeograpie der Philippinen, die aber nur 
der mit Erfolg ausführen kann, der das Land aus eigner An- 
schauung kennt und die daher nach v. Moellendorf f s Tode 
unterbleiben mußte. 

Uns jüngeren aber werden stets die schönen, anregenden 
Donnerstagnachmittage in Erinnerung bleiben, wo wir uns bei 
Kobelt zu wissenschaftlicher Aussprache einfanden. So war 



— 123 — 

Kobelt von den Veteranen der alten Senckenbergischen Ge- 
sellschaft der einzige, der einen größeren Stab von jüngeren 
Fachgenossen um sich hatte. Dies war vor allem seiner großen 
Duldsamkeit zuzuschreiben, die gern die Ergebnisse anderer an- 
erkannte. So war es vor allem, als allmählich in der Mollusken- 
kunde die moderne anatomische Richtung aufkam, die ihre 
Systematik nicht allein auf die Gehäuse aufbaute. Kobelt 
arbeitete selbst nicht mehr anatomisch; er erkannte aber die 
Ergebnisse immer gern an und freute sich stets ehrlich über jeden 
Erfolg dieses jungen Zweiges der Weichtierkunde. Kobe Its 
Duldsamkeit ging sogar soweit, daß selbst die groben Anfeindungen 
und Verleumdungen Bourguignats („Lettres malacologiques 
ä M. M. Brusina d' Agram et Kobelt de Francfort") ihn nicht 
rührten, ja selbst nicht einmal zu einer Entgegnung veranlaßten. 

Es ist zu begreifen, daß bei dieser Friedfertigkeit und 
Herzensgüte der Ausbruch des Weltkrieges für Kobelt ein 
schweres Schicksal war. Die Erfüllung so mancher seiner Pläne 
und Gedanken hat er auf weite Zeit hinausgeschoben. Dazu 
erhielt er, der keine Nachkommen hinterließ, noch die traurige 
Nachricht, daß der einzige Neffe seines Namens und Stammhalter 
der Familie als junger, hoffnungsfreudiger Student auf dem Felde 
der Ehre geblieben war. Doch den Glauben an seine Ideale 
verlor Kobelt nicht: es müssen ja wieder bessere, schönere 
Zeiten kommen! Ruhig und ohne schwere Kämpfe ist er nach 
kurzer Krankheit gestorben. 

So hat Wilhelm Kobelt gelebt, ein emsig forschender 
Wissenschaftler, ein tätiger Sozialpolitiker, vielen ein Führer 
und treuer Freund, jung mit der Jugend. Dies alles gemeinsam 
aber kann nur ein großer, aufrichtiger Mensch sein, der gleich- 
zeitig auf der Höhe der Wissenschaft und der Menschlichkeit 
steht. Er wird nicht vergessen werden! 

Caesar h\ Boeftger 



124 



Richard Gonder 

* 6. Juli 1881, t 6. Febr. 1917 



Ein junges verdienstvolles Mitglied, einen Forscher von aus- 
gezeichneten Fähigkeiten und Ruf verlor am 6. Februar 1917 
die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft in Dr. phil. 
Richard Gonder. Auch er starb als Opfer des Weltkrieges, 
zwar nicht gefällt durch die Gewalt der Waffen, sondern hinweg- 
gerafft von tückischer Krankheit, die er sich bei experimentellen 
Studien über WeiFsche Krankheit zuzog und der er nach kurzem 
Krankenlager erlag. 

Gonder war am 6. Juli 1881 zu Friedberg in Hessen ge- 
boren. Nach dem Studium an den Universitäten München, Freiburg, 
Gießen, das er mit der Promotion 1904 abschloß, kam er zuerst 
an das Protozoenlaboratorium des Kaiserl. Gesundheitsamtes in 
Berlin zu Schau dinn, der dem jungen Schüler die Arbeits- 
richtung wies, die der wissenschaftlichen Laufbahn Gonders 
das charakteristische Gepräge verlieh. Die Prinzipien seines 
ersten großen Lehrers, dem. er stets in glühender Verehrung zu- 
getan war und von dessen Genialität er besonders anschaulich 
zu erzählen wußte, begleiteten ihn auf seinen abwechslungsreichen 
Studienweg, der ihn über die Biologische Station in Rovigno an 
das Institut für Schiffs- und Tropenhygiene in Hamburg und 
von da auf eine Forschungsreise nach Südafrika führte. Überall 
fand er Gelegenheit seine Kenntnisse zu vertiefen, neues 
Forschungsmaterial in emsiger Arbeit zusammenzutragen, und 
es gibt kaum ein Gebiet der pathogenen Protozoologie, auf das 
er nicht durch eigene Forschung befruchtend gewirkt hat. Be- 
sonders wichtig und von grundlegender Bedeutung sind seine 
Studien über Tliciloia parva, den Erreger des Küstenfiebers der 
Rinder, dessen Entwicklungscyclus durch ihn aufgeklärt wurde. 

Der zweite Abschnitt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit 
begirmt mit seiner Berufung an das von Ehrlich geleitete 




<^^ /^TTC^i^ 



— 125 — 

Georg Speyer-Haus 1910 11, wo er unter Führiino; des Meisters 
biologischer Wissenschaft die reichen Erfahrungen seines Studiums 
in den Dienst der experimentellen Chemotherapie stellte. Die 
Vorteile, die aus einer so erfolgreichen Verschmelzung zoolo- 
gischer und experimentell -medizinischer Wissenschaft, wie sie 
durch Gonder verkörpert wurde, dem Ausbau der experimen- 
tellen Chemotherapie erwuchsen, sichern ihm, wenn sie auch den 
so frühen Tod des jungen Forschers besonders schmerzlich 
empfinden lassen, auch in der Geschichte der Medizin einen 
Ehrenplatz. 

Neben seinem Forschertalent, das sich mit Vorliebe neu 
auftauchenden Problemen biologischer Wissenschaft zuwandte, 
trat auch eine ausgezeichnete Lehrfähigkeit besonders hervor. 
Schon in Hamburg hatte er sich durch Vorlesungen an Fort- 
bildungskursen beteiligt, die Gründung der Universität in Frank- 
furt gab ihm Gelegenheit zur Habilitation und zur weiteren 
Ausübung seiner Lehrtätigkeit, die ihm einen stets wachsenden 
Anhang von Hörern brachte. Auch die Senckenbergische Natur- 
forschende Gesellschaft hatte des öfteren Gelegenheit, Vorträge 
von ihm zu hören, in denen er seine reichen Erfahrungen auf 
biologischem Gebiet seinen Zuhörern in anschaulicher Weise zu 
vermitteln wußte. Der Gesellschaft gehörte er seit seiner Über- 
siedelung nach Frankfurt an. Seit 1913 war er arbeitendes Mitglied 
und betätigte sich mit unermüdlichem Eifer und mit großem 
Interesse für alles, was die Gesellschaft betraf. Für die Jahre 
1916/17 wurde er als E. Schriftführer in die Direktion gewählt 
und versah das Amt in eifriger Pflichterfüllung bis zu seinem 
Tode, der unserer Gesellschaft einen schmerzlichen Verlust brachte 
und in die Reihen seiner zahlreichen Freunde eine empfindliche 
Lücke riß. 

H. Ritz. 



126 



Fritz Winter 

* 21. Juni 1878, f 8. Juli 1917 

Am 8. Juli 1917 ist Fritz Winter im Alter von 39 Jahren 
seinen schweren Verwundungen in Perthes le Chatlet in der 
Champagne erlegen. 

Seinen Lebenslauf hatte er selbst bei seinem Eintritt in 
den Heeresdienst im Herbst 1916. niedergeschrieben. Seine Auf- 
zeichnungen lauten wie folgt: 

„Ich, Friedrich Wilhelm Winter, bin geboren zu 
„Frankfurt a. M. am 21. Juni 1878 als Sohn des Teilhabers 
„der Graphischen Kunstanstalten und Druckereien Werner 
„u. Winter, Georg Wilhelm Winter und dessen Ehefrau 
„Elisabeth, geb. Lucae. Mein Großvater väterlicherseits 
„war Bürstenfabrikant in Gießen a. L., mein Großvater 
.juütterlicherseits Doktor juris utriusque in Frankfurt a. M, 
„Von meinen Großeltern lebt niemand mehr; meine Mutter 
„starb April 1897, mein Vater März 1900. 

„Vom Jahre 1885 bis April 1894 besuchte ich zunächst 
„die höhere Realschule, Adlerflychtschule, zu Frankfurt a. 
„Main, von welcher ich mit dem Reifezeugnis für die Be- 
„rechtigung zum Einjährig -Freiwilligendienst entlassen 
„wurde. Schon während des letzten Schuljahres begann ich 
„mich für das IMaturitätsexamen vorzubereiten und nahm 
„von da an für die nächsten Jahre Privatunterricht in Latein, 
„Griechisch und den höheren Mathematikfächern. Zugleich 
„besuchte ich Vorlesungen in den Senckenbergischen Insti- 
„tuten zu Frankfurt a. M. und solche über plastische Ana- 
„tomie im Städelschen Kunstinstitut. Bevor es zur Ablegung 
„der Abiturientenprüfung kam, erhielt ich die Anfrage, an 



- 127 — 

„der Reise der I. Deutschen Tiefsee-Expedition teilzunehmen, 
„die im Auftrage des Reichsamtes des Innern auf S. M. S. 
„Valdivia ausgeführt wurde. Die Aufgabe der Expedition 
„war im wesentlichen eine rein maritime ; es galt in erster 
„Linie, ozeanographische und biologische Fragen zu lösen 
„und nebenher einige kontinentalen Stützpunkte aufzusuchen, 
„um Aufschlüsse über marine Tiefablagerungen im Zu- 
„sammenhang mit Sedimentbildungen zu erhalten. Die Vor- 
„bereitungen zur Teilnahme an der Expedition mit der 
„persönlichen Aufgabe, Photographien und Farbenskizzen 
„von den erbeuteten Tiefseeorganismen herzustellen und 
„zoologisches Material zu konservieren, mussten so rasch 
„erledigt werden, daß ich meine Absicht, die Maturitäts- 
„prüfung zu bestehen, nicht durchführen konnte. 

„Am 1. August 1898 trat die Expedition, bestehend 
„aus 10 Expeditionsmitgliedern, einschließlich den Leiter, 
„Geh. Rat Prof. Dr. C. Chun, Leipzig, und 46 Mann Be- 
„satzung, einschließlich Kapitän und Offiziere, die Ausreise 
„von Hamburg an, fuhr im Norden an England bis auf 
„69° N herum, dann südwärts, Afrika in großen Bogen um- 
„kreisend, unter Anlaufen von Teneriffa, Kamerun, der 
„Kongomündung, des portugiesischen Gebietes der Tiger- 
„halbinsel und Kapstadts, bis östlich des Kaps „Port Eliza- 
„beth", um sich südwärts bis zur antarktischen Packeis- 
„grenze zu wenden, die bei 64" S erreicht wurde. Der 
„indische Ozean wurde von " der Antarktis kommend, über 
„die Inselgruppe der Kerguelen gehend, quer durchlaufen 
„bis Sumatra. Unter Anlaufen zahlreicher Inseln nördlich 
„und südlich des Äquators wurde in Deutsch -Ost- Of rika 
„angefahren, um nach einigen Zwischenstationen den Hafen 
„von Hamburg am 1. August 1899 wieder zu erreichen. 

„Nach meiner Rückkehr besuchte ich die Universität 
„Leipzig, nachdem ich als Stud. rer. nat. immatrikuliert war. 
„Dort besuchte ich Kollegien in Naturwissenschaften und 
„systematischer Anatomie. Durch den plötzlichen Tod meines 
„Vaters am 28. März 1900 in Frankfurt a. M. war ich ge- 
„zwungen, die reproduktionstechnische Oberleitung der 
„Firma Werner u. Winter dort zu übernehmen, da ich drei 
„minderjährige Schwestern hatte, deren Vormund ich war, 
„und in dieser Firma ein großer Teil des elterlichen Ver- 



- 128 — 

„mögens investiert war. Zugleich setzte ich meine aka- 
„ demischen Studien fort, indem ich weitere Kollegien und 
„Praktika in den Senckenbergischen Instituten in organischer 
„und anorganischer Chemie, Mineralogie, Geologie, Paläon- 
„tologie, Botanik und Zoologie belegte. In den Jahren 1902 
„bis 1906 arbeitete ich wiederholt an der Zoologischen 
„Station in Istrien, auch einmal in Villefranche-sur-mer, 
„mehrere Monate lang, z. T. unter Leitung des mir sehr 
„befreundeten Reg.-Rat Dr. Fritz Schaudinn, des späte- 
„ren Entdeckers des Syphiliserregers, und zum Teil selb- 
„ständig; letzteres auch noch 1912. Meine Arbeiten bewegten 
„sich im Gebiet der Protozoenforschung, sowohl der harm- 
„losen als auch der pathogenen Protozoen, letztere Blut- 
„ Parasiten (Haemosporidien und Trypanosomen) betreffend. 
„Im Jahre 1907 veröffentlichte ich meine erste größere 
„Arbeit: „Beitrag zur Kenntnis der Thalamophoren. Pene- 
„roplis pert usus Forskai" die im Archiv für Protistenkunde, 
„Bd. 10 (Verlag Gustav Fischer, Jena) abgedruckt ist. Sie 
„sollte als Promotionsarbeit dienen (sie enthält 7^-2 Druck- 
„bogen mit 2 Tafeln und mehreren Textfiguren). Da ich 
„indessen nur 2 Semester als reguläres Studium angerechnet 
„bekam, eine Immatrikulation von 6 Semestern zur Promo- 
„vierung in Preußen das Minimum ist, ich ' andererseits aber 
„Frankfurt wegen meiner technischen Leitung der Firma 
„Werner u. Winter nicht verlassen konnte, so konnte ich 
„nicht promovieren. Ich wurde auf Grund der oben zitierten 
„Arbeit, sowie noch einer Reihe anderer bis zum Jahre 1911 
„erschienener und für die Leistungen der von mir geleiteten 
„Firma auf wissenschaftlich -reproduktionstechnischem Ge- 
„biet von der Philosophischen Fakultät der Universität 
„Marburg a. L. im August 1911 mit der Würde eines Dok- 
„toris philosophiae et artium magistri honoris causa ausge- 
„ zeichnet. Außer dieser Tätigkeit naturwissenschaftlicher 
„Richtung im Zusammenhang mit meiner Eigenschaft als 
„wissenschaftlicher Reproduktionstechniker bin ich seit 1901 
„Mitglied der Verwaltung der Senckenbergischen Natur- 
„f ersehenden Gesellschaft zu Frankfui t a. M. und im satzungs- 
„gemäß obwaltenden alternierenden Zyklus Mitglied der 
„Direktion dieser Gesellschaft, in welcher Eigenschaft ich 
„nutarbeitete in den verschiedenen Kommissionen an der 



— 129 — 

„Gründung der Universität Frankfurt und auch den Uni- 
„versitätsgründungsvertrag im Jahre 1914 unterschrieb. 

„Als Sekretär der Deutschen Gesellschaft für ange- 
,, wandte Entomologie E. V. gab ich zu Anfang dieses Jahres 
„eine Tafel im Interesse der Fleckfieberbekämpfung heraus, 
„die Biologie der Laus betreffend, die seitens des Chefs 
„der Verwaltung für das Gouvernement Warschau verbreitet 
„wurde. Ferner habe ich soeben vor meiner Einberufung 
„herausgegeben im Anschluß an einen Erlaß des Präsi- 
„denten des Kriegsernährungsamtes vom 11. Juli d. J. be- 
„ treffend Ausnutzung der Pilzernte eine Tafel „Aufklärung 
„zur Pilzernte", auf die nach schriftlicher Mitteilung des 
„K. E. A. dieses in seinen „Mitteilungen d. K. E. A." besonders 
„hinweisen wird. In Bearbeitung meinerseits befindet sich 
„zur Zeit ein Blatt „Zur Bekämpfung der Fliegenplage". 
„Im Juni 1904 verheiratete ich mich mit Gertrud 
„Adelheid v. MöUendorf, Tochter des früheren Kais. 
„Konsuls z. D. Dr. Otto F. v. MöUendorf, beamtet in 
„Hongkong, Manila und Kowno. Dieser Ehe sind 2 Mädchen 
„von 10 und 8 Jahren und ein Junge im Alter von 5 Jahren 
„entsprossen." 

Ein einfacher und kurzer Lebenslauf und doch inhaltsreich 
und bedeutend für unsere Gesellschaft, die deutsche zoologische 
Wissenschaft und für die einstige Blüte deutscher Arbeit im 
friedlichen Wettbewerb unter den Völkern! 

Hart hatte das Leben ihn in seine Schule genommen, als 
es ihn, den jungen Studenten, voll von Plänen und glühender 
Liebe zur Wissenschaft nach dem Tode seines Vaters von der 
Alma mater fortrief, um ihn an die Spitze eines wissenschaftlich- 
industriellen Unternehmens zu stellen. Was sein Vater begonnen, 
ihm war vergönnt, es zu vollenden. Mit gerechtem Stolz 
konnte er sagen, daß seine Firma unter seiner zielbewußten 
Leitung in der ganzen Welt anerkannt- und bewundert wurde. 

Der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft hat 
Winter seit 1900 angehört, seit 1905 als Mitglied der Verwaltung 
(1908 1909 als zweiter, 1911 1912 und von 1915 bis zu seinem 
Tode als erster Schriftführer). Er war außerdem ständiges 
Mitglied der Schriftleitung des „Berichtes" und als solches der 
selbstlose, sachverständige Berater der Gesellschaft in allen Fragen, 
welche die künstlerische Ausstattung ihrer Veröffentlichungen 



— 130 — 

betrafen. Ihm und der Leistungsfähigkeit seiner Firma ist es 
zu danken, daß die unseren „Abhandlungen" und „Berichten" 
beigegebenen A])bildungen zu dem Besten gehören, was die 
naturwissenschaftliche Literatur des letzten Jahrzehntes überhaupt 
hervorgebracht hat. 

Seine rege Beteiligung an dem wissenschaftlichen Leben 
der Gesellschaft durch Vorträge und Beiträge zu den Berichten 
ist bereits an anderer Stelle (Festschrift der Jahrhundertfeier, 
48. Bericht der S. N. G. 1919, S. 251) gewürdigt worden. 

Aber nicht nur den Mitarbeiter betrauerten die Gesellschaft 
und ihre Mitglieder an der Bahre unseres lieben Fritz Winter, 
sondern vor allem den Menschen selbst. Keiner trat ihm nahe, 
ohne von dem Zauber seiner Persönlichkeit gefangen genommen 
zu werden. Strenger wissenschaftlicher Ernst verband sich in 
ihm zur vollsten Harmonie nüt dem heiteren Gemüt eines Kindes, 
mit der Güte eines Weisen und der steten Hilfsbereitschaft eines 
wahrhaft guten Menschen. Wer ihm in sein treues Auge geblickt 
hatte, der wußte, was und wie er war! Aber am meisten haben 
ihn die geliebt, die das Glück hatten, ihn glückstrahlend in 
seinem Heim und seiner Familie umspielt von seinen Kindern 
zu sehen. Dort sind, unterstützt von seiner Gattin, seiner treuen 
und gleichgesiimten Mitarbeiterin, all die Pläne für seine wissen- 
schaftlichen Arbeiten entstanden und gefördert worden. In seinem 
Heim wurzelte er, und dort holte er sich immer wieder den Mut 
und die Kraft, um zu kämpfen und vorwärts zu streben. 

Wie er gelebt, so ist er auch gestorben. Als die Granate 
ihm den linken Arm ausgerissen und den linken Oberschenkel 
schwer verwundet hatte, suchte ich. ihn auf die Nachricht seiner 
schweren Verwundungen auf und fand wenige Stunden danach 
ihn, den so schwer Leidenden, mit frohem und heiterem Gemüt 
wieder, als ob nichts geschehen sei, und dabei wußte er, daß, 
wenn ihm das Leben erhalten blieb, er ein Krüppel bleiben 
müsste. Sanft ist er hinüber geschlummert, dankbar für all die 
Liebe, die ihm erwiesen wurde von seinen Kameraden, deren 
treuester und gewissenhaftester er war, und von seinen heimat- 
lichen Freunden, die der Zufall in die Nähe seines Todeslagei's 
geführt hatte. Seine letzte große Freude war die Überreichung 
des Eisernen Kreuzes durch seinen Kommandeur am Tage vor 
seinem Hinsclieiden. 

Strahlend leuchtete die Sonne über die verödeten Gefilde 



— 131 — 

der Champagne, in der er so tapfer gekämpft hatte, als wir ihn 
ins Grab senkten ; nur ein Flieger zog seine Kreise der Sonne 
entgegen über den müden Krieger, der zur letzten Ruhe gebettet 
wurde. 

So nahmen wir Abschied von dem treuen Menschen, dessen 
wir immer in Liebe gedenken werden, von ihm, der mehr war 
als eine Leuchte seiner Wissenschaft und seiner Kunst: ein guter, 
edler Mensch. 

E. Marx. 



132 



Ludwig Nick 

* 11. Juni 1887, f 2. Sept. 1917 

Die Kriegszeit brachte dem Senckenbergischen Museum und 
dem Zoologischen Institute der Universität einen schweren, kaum 
zu ersetzenden Verlust. Am 2. September 1917 ist Lujdwig 
Nick in Bialowies, wo er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter 
und Konservator zur Deutschen Militär -Forst -Verwaltung be- 
fehligt war, an Ruhr verstorben. 

Dr. Nick trat Ostern 1911, damals 23jährig, am Sencken- 
bergischen Museum ein. Als er sich bei mir meldete, war ich 
für einen Augenblick enttäuscht. Der neue Assistent war 
schmächtig gebaut, sah blaß und elend aus. Aber ich merkte 
bald, daß es kein Schwächling war, der da vor mir stand. Denn 
in dem bleichen Gesichte brannten zwei dunkle Augen, die von 
Willenskraft und Tatendrang, von einem w^ahren Hunger nach 
Arbeit redeten. Bei jeder neuen Aufgabe, die ich, das Feld 
seiner künftigen Tätigkeit bezeichnend, ihm zuwies, leuchteten 
diese Augen freudig auf. 

Mein schnell gewonnenes Vertrauen wurde nicht enttäuscht. 
In kürzester Zeit war Nick in allen Zweigen seines Dienst- 
bereiches gründlich daheim, und wo er waltete, da ging es rüstig 
voran. Die seiner besonderen Obhut anvertraute Anatomische 
Sammlung wurde in rascher Folge durch gutgewählte und muster- 
gültig ausgeführte Präparate vermehrt, zu deren Herstellung er 
seine Gehilfen mit freundlichem Ernste anzuleiten wußte. Am 
liebsten und besten freilich machte er sie selbst. Denn Nick 
war in diesen Dingen von einer erstaunlichen Handfertigkeit, 
in allen Methoden bewandert und unablässig bemüht, neue 
und bessere aufzufinden, wobei ihm vortreffliche Kenntnisse auf 
chemischem und physikalischem Gebiete zu statten kamen. Der 



'^'m^w^^^^^ 








! 




#: 



.ilf 



'^ 



jWvsA }l\>k. 



— 133 — 

„Planktonschrank", worin er einige Dutzend der zartesten Meeres- 
tiere auf selbstgefertigten Gerüstchen von fadendünneni Glas 
freischwebend zur Aufstellung brachte, gibt einen Begriff von 
seiner Geschicklichkeit. Es war nicht mehr der Fleiß eines 
pflichtgetreuen Beamten, nein: leidenschaftliche Liebhaberei, mit 
der er jede neue Arbeit in Angriff nahm. Wobei sein Feuer- 
eifer ihn seltsamerweise nicht gehindert hat, in allem mit einer 
fast pedantischen Sorgsamkeit vorzugehen. Ob es sich um Glas- 
bestellungen, um eine neue Konservierungsflüssigkeit, um Fund- 
orte von Kursmaterial oder sonstwas handelte: jede gute oder 
schlechte Erfahrung, jede Adresse wurde genau notiert und 
registriert und bei der nächsten Gelegenheit nützlich verwendet. 

Als S a m m 1 e r leistete Nick nicht minder Vortreffliches. Mit 
unserer heimischen Tierwelt vertraut wie wenige, von warmer 
Liebe zu ihr erfüllt, nahm er an allen Exkursionen erfolgreich 
und eifrig teil. Groß war sein Glück, als ihm zum ersten Male 
die Möglichkeit gegeben wurde, zu Studien- und Sammelzwecken 
ans Meer zu reisen: auf die Neapler Zoologische Station, von 
wo er mit reicher Beute und einem Schatze frisch erworbener 
Kenntnisse wiederkam. Eine Reise nach Helgoland folgte, und 
zweimal konnte er auf Einladung des Herrn A. von Mumm 
eine Reihe von Wochen in Portofino an der ligurischen Küste 
verbringen, wo er sogleich daran ging, eine vollständige Fauna 
des dortigen Gebietes zusammenzustellen. Die glücklichste 
Fügung aber war es, die ihn, den felddienstuntauglichen, von 
1916 ab nach Bialowies zur Forstverwaltung führte. Dort war 
er so recht in seinem Element. Ein ganzes Museum, das manche 
Gruppen, besonders die Säuger und Vögel des dortigen Urwaldes 
so gut wie vollständig enthielt, entstand unter seinen fleissigen 
Händen. Man darf behaupten, daß eine so reiche, wohlgeord- 
nete und gleichmäßig durchgeführte Aufsammlung keinem an- 
deren in gleich kurzer Zeit gelungen wäre. 

Daß Nick sich auch der ihm zugewiesenen Lehrtätigkeit 
nüt Hingebung widmete, ist selbstverständlich : die zootomischen 
und mikroskopischen Kurse, die er hielt, besonders auch die für 
Jugendliche, fanden begeisterte Aufnahme und Dankbarkeit. 
Was er aus seinem reichen Wissen in klarem Aufbau den Hörern 
mitteilte, das kam von Herzen und ging zu Herzen, Als ich 
mit Kriegsbeginn ins Feld zog, trug ich durchaus kein Bedenken, 
für meine Vorlesungen in der Senckenbergischen Gesellschaft 



— 134 — 

wie auch am Zoologischen Institut den jungen Nick als meinen 
Vertreter vorzuschlagen. Er hat sie nur ein Semester lang ge- 
führt. Dann rief man auch ihn zu den Fahnen. 

Seine Laufbahn als Forscher begann mit einer wertvollen 
Untersuchung über „Das Kopfskelet von Derrnochelys coriacea^. 
Er konnte die Angabe Versluys', daß bei der Lederschildkröte 
ein großes Parasphenoid vorhanden sei, bestätigen und erbrachte, 
neben einer Fülle anatomischer und entwicklungsgeschichtlicher 
Einzelheiten, den bündigen Beweis dafür, daß Der?nochely.s und 
Chelonia, scheinbar so verschieden, in Wirklichkeit sehr nahe 
Verwandte sind. In dieser für eine Doktorarbeit umfangreichen 
Schrift ist schon die ganze Gründlichkeit des jungen Forschers, 
sein Drang, sich tief in seine Aufgaben einzubohren, nichts un- 
berührt und ungeklärt zu lassen, deutlich ausgeprägt. Sie läßt 
uns ahnen, was seine fleißige Feder, sein klarer Verstand der 
Wissenschaft noch hätte schenken können. Traurig, daß es nicht 
dazu gekommen ist. Für eine Habilitationsschrift liegen nur 
Pläne vor und wertvolles Material. Im übrigen hat Nick seiner 
ersten rein wissenschaftlichen Geistesfrucht nur volkstümliche 
Schriften folgen lassen: ein paar Artikel in den Berichten der 
Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft und die vor- 
treffliche Bearbeitung der Schwämme, Coelenteraten und Stachel- 
häuter für den neuen Brehm. Eine in wunderhübschem Stil 
geschriebene Arbeit über die Fauna von Portofino liegt fertig 
vor und wird wohl hoffentlich noch veröffentlicht werden. 

In dieser freiwilligen Beschränkung auf Aufgaben, die ihm 
für seine Laufbahn nicht eben viel nützen konnten, offenbart 
sich eine schöne Eigenschaft des Frühverstorbenen: seine große 
Bescheidenheit. Jegliches Strebertum lag ihm weltenfern. Er 
wollte vor allem lernen und wieder lernen und meinte, er wüßte 
immer noch lange nicht genug. Den Vorschlag zur Mitarbeit 
am neuen Brehm ergriff er mit solcher Begeisterung, weil sie 
ihm wieder einmal Gelegenheit bot, die Nächte lang über Büchern 
zu sitzen und neues zu lernen. Mit seiner Bescheidenheit und 
Anspruchslosigkeit ging schlichter Stolz und grundvornehme 
Gesinnung Hand in Hand. Über unfeines Vordrängen oder Takt- 
losigkeit konnte er heftig zürnen. Nicks Zuneigung war nicht 
leicht zu erringen, dann aber fest und stark. Früh verwaist, 
war er in freudloser Jugend unter Fremden aufgewachsen und 
dadurch vielleicht noch ernster und schüchterner geworden, als 



— 135 — 

ohnehin in seinem Wesen lag. In der wannen Luft des Sencken- 
bergischen Museums ist Nick, der gegen ihm unsympathische 
Menschen so steif und frostig sein konnte, bald genug aufgetaut. 
In der Frühstückspause, im kleinen vertrauten Kreis, auf Exkur- 
sionen war er oft fröhlich wie ein Kind, voll Lust und guter 
Laune. Und einigen von uns wurde er ein wirklicher, lieber 
Freund. Wir werden ihn nie vergessen. 

0. zur Strassen. 



18(i 



Heinrich Rehn 

* 28. Mai 18;U, f 12- Ja". 1918. 



Wie schon bei der Begründung der Senckenbergiscben 
Naturforscbenden Gesellscbaft im Jahre 1817 besonders Ärzte 
beteiligt waren, so sehen wir stets nicht nur unter den arbeitenden 
und die Verwaltung führenden Mitgliedern, sondern fast immer 
auch in der Direktion Ärzte, was ja auch insofern verständlich 
ist, als das ärztliche Denken und Forschen aufs engste mit den 
Naturwissenschaften verknüpft ist. So führte denn auch Liebe 
zur Natur und hohe Freude an den Fortschritten im Naturerkennen 
den im vergangenen Jahre leider dahingeschiedenen Geheimen 
Sanitätsrat Dr. Heinrich Rehn schon bald nach seiner Nieder- 
lassung in Frankfurt der Senckenbergiscben Gesellschaft zu. Wir 
haben in ihm eines unserer fleißigsten Mitglieder verloren; er 
nahm an fast allen Verwaltungssitzungen, Vorlesungen und Vor- 
trägen, welche die Gesellschaft veranstaltete, teil, soweit es seine 
durch eine übergroße und beschwerliche Praxis in Anspruch ge- 
nommene Zeit erlaubte. 

In den Jahren 1892 und 1893 war er zweiter Direktor und er- 
stattete in üblicher Weise bei den Jahresfeiern den Bericht über 
das abgelaufene Jahr. Bei Gelegenheit seines achtzigsten Ge- 
burtstages im Jahre 1911 ernannte ihn die Gesellschaft zum 
außerordentlichen Ehrenmitglied. 

Das Aufblühen der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten 
und besonders die Errichtung der Universität unter Mitwirkung 
der Senckenbergiscben Gesellschaft, die sich dabei auch seiner 
Mitarbeit erfreute, haben H e i n r i c h R e h n mit stolzer Genugtuung 
erfüllt. 

Es erscheint notwendig und zum Verständnis der Persön- 
lichkeit Rehns erforderlich, auch an dieser Stelle einen kleinen 
Abriß der überaus umfangreichen Tätigkeit auf seinem eigensten 




y/^.^.A. 



/„.^. y/. 6/ ?t'/,^. 



187 - 

Gebiet, der Förderung der Kinderheilkunde in praktischer und 
wissenschaftlicher Beziehung, zu geben. Erst daran läßt sich 
ermessen, wie groß das Opfer war, das er der Gesellschaft brachte, 
als er einen erheblichen Teil seines Wirkens ihren Aufgaben 
widmete. 

Geboren zu Hanau als Sohn eines Arztes, besuchte er 
zuerst das dortige Gymnasium, später das in Hersfeld, studierte 
in den Jahren 1851 — 55 in Marburg, Würzburg und Wien und 
war in Cassel als medizinischer Assistent tätig. 1857 ließ er sich 
in Melsungen als praktischer Arzt nieder und siedelte etwa l'/i 
Jahre später nach seiner Geburtsstadt Hanau über. Hier wijkte 
er etwa 11 Jahre und hatte bald eine große Praxis gewonnen. 
Besonders, aber wandte er sein Hauptinteresse der Kinderheil- 
kunde zu, auf deren Spezialstudium ein kurzer Aufenthalt in 
Pariser Kinderspitälern ihn hingelenkt hatte. 

Zu Ende des Krieges von 1870 1871, während dessen er eine 
Abteilung als Arzt im Schlosse zu Kesselstadt leitete, faßte er 
den schwerwiegenden Entschluß, seine Allgemeinpraxis aufzu- 
geben und nach gründlicher Weiterbildung in der Kinderheilkunde 
sich ganz speziell diesem Fach zu widmen. Er ging zunächst 
nach Würzburg und arbeitete .bei Köllicker, v. Reckling- 
hausen, Fick und Bamberg er, war dann in den Kinder- 
spitälern von Wien und Prag tätig und ließ sich im Mai 1872 
als Kinderarzt in Frankfürt nieder. Hier hatte er große Schwierig- 
keiten bei dem Publikum und nicht am wenigsten bei den Ärzten 
zu überwinden, da zu jener Zeit die Kinderheilkunde als Spezial- 
fach noch nicht anerkannt war; aber es gelang seiner wissen- 
schaftlichen und praktischen Tüchtigkeit, hier Fuß zu fassen. 
Seine Demonstrationen und Mitteilungen im ärztlichen Verein 
brachten die Kollegen bald zur Überzeugung, daß der neuen 
Disziplin, der Kinderheilkunde, ein ernster und von wissenschaft- 
lichem Geist erfüllter Vertreter erstanden war. Rehn wurde 
Mitarbeiter an dem großen Gerhardtschen Sammelwerk über 
Kinderheilkunde, übersetzte Quersants „Chirurgie des enfants" 
ins Deutsche und gab mit Hilfe des Malers Cornicelius einen 
Atlas der Formveränderungen des kindlichen Brustkorbes heraus. 
Er gehörte zu den ersten, die in Deutschland bei Fällen von 
sporadischem Cretinismus hochgradige Besserung durch die Be- 
handlung mit Schilddrüsenpräparaten erzielten. Er war einer der 
frühesten und besten Kenner der Möller-Barlo w'schen Krank- 



- 138 - - 

heit, indem er sie als kindlichen Skorbut charakterisierte und 
die Röntgendurchleuchtung zum Zwecke möglichst frühzeitiger 
Erkennung und Behandlung vorschlug. Eine große Reihe weiterer 
Mitteilungen in verschiedenen pädiatrischen Zeitschriften vor- 
wiegend kasuistischer Natur sind Zeugen von dem ungemeinen 
Fleiße des allzeit regen Mannes! 

Die wissenschaftliche Anerkennung blieb nicht aus; größere 
Referate auf medizinischen Kongressen wurden ihm übertragen; 
die Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissen- 
schaften in Marburg ernannte ihn zu ihrem korresi)ondierenden 
Mitglied. Die Feier -seines goldenen Doktorjubiläums im August 
1905 gestaltete sich zu einer die weitesten Kreise bewegenden 
Huldigung für den in angestrengtester praktischer Tätigkeit trotz 
hohen Alters stehenden Jubilar. 

Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Rehn außer ärztlichen und 
naturwissenschaftlichen Interessen auch solche auf den Gebieten 
der Literatur und der Musik hatte. Ähnlich wie für die Sencken- 
bergische Gesellschaft betätigte er sich im Hochstift in der Ver- 
waltung und gehörte auch dort zu den fleißigsten Besuchern der 
die verschiedensten Gebiete des Wissens behandelnden Vor- 
lesungen. Die Musik fand in ihm stets einen warmen Freund 
und Förderer. 

Trotz aller Mühen und Entbehrungen und auch Sorgen, wie 
sie eine angestrengte, auch den Armen gewidmete ärztliche 
Praxis mit sich bringt, besaß Rehn bis in sein höchstes Alter 
ein erfreuliches Maß geistiger und körperlicher Rüstigkeit und 
Frische. Bewundernswert war sein nie erlöschendes Streben, sich 
mit eisernem Fleiße stets neue Wissenswerte anzueignen. 

Auf ihn paßt so recht das Wort des Psalmisten vom Leben: 
„Und wenn es köstlich gewesen, so ist es Mühe und Arbeit 
gewesen." 

B. Fridberg 




.y 



/i^/^ 



^/ 



139 



Johannes Justus Rein 

* 27. Januar 1835, f 23. Jan. 1918 

Am 23. Januar starb in Bonn im Alter von 83 Jahren unser 
korrespondierendes Ehrenmitglied, der Geheime Regierungsrat 
Prof. Dr. Rein. Am 27. Januar 1835 zu Rauenheim a. M. geboren, 
ist J ha n n e s Justus Rein in Mainzlar bei Lollar in Oberhessen 
in ländlicher Umgebung aufgewachsen. Zuerst besuchte er die 
Dorfschule, dann aber die Realschule in Gießen. Auf den weiten 
Schulwegen durch Wald, Feld und Wiesen erwachte früh seine 
Liebe zur Natur und sein außergewöhnliches Verständnis für sie. 
Gab es doch kaum ein Pflänzchen, das Rein nicht mit Namen 
nennen konnte, kaum einen Vogel, den er nicht nach Flug und 
und Stimme unterschied, und noch als Siebzigjähriger ist er nie 
anders als mit dem geologischen Hammer in der Tasche auf 
Exkursionen ausgezogen. Kein Wunder war es daher, daß sich 
Rein nach seiner Ausbildung zum Volksschullehrer auf dem 
Seminar zu Fridberg noch dem Studium der Mathematik und 
Naturwissenschaften an der Universität Gießen zuwandte. Hier 
war unter anderen Hoffmann sein Lehrer, und den Naturwissen- 
schaften ist Rein bei allem, was sein vielseitiges Leben ihm 
brachte, stets treu geblieben. 

Als Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften wirkte 
Rein von 1856 — 58" am Scheib-Geisow'schen Institut zu Frankfurt 
a. M., dann wurde er an die „Ritter und Domschule" nach Reval 
berufen, an jene Anstalt, in der die treuen Balten so lange das 
Deutschtum hochgehalten haben. Reisen und Fußwanderungen 
machten ihn mit den Verhältnissen der Ostseeprovinzen und des 
benachbarten Finlands vertraut. In Dorpat machte er sein Ober- 
lehrerexamen, in Rostock später den „Doktor". 

Wissens- und Wandertrieb führen unseren Gelehrten 1860 
nach London, wo ihn eifrige Studien am Britischen Museum 
fesselten und dann als Lehrer und Erzieher der Söhne des 



140 

britischen Gouverneurs auf die Bermuda-Inseln. Ein zweijähriger 
Aufenthalt auf diesen interessanten Koralleneilanden wurde von 
großer Bedeutung füi' Rein und befähigte ihn später, in die 
Streitfrage über die Entstehung der Koralleninseln miteinzugreifen. 
1864 kehrte Rein nach Frankfurt a. M. zurück und nach seiner 
Verheiratung mit einer hochgebildeten Revalerin, die ihm eine 
verständnisvolle Lebensgefährtin wurde, wirkte er nun hier bis 

1873 zuerst als Lehrer an der Höheren Gewerbeschule und von 
1868 ab an der Musterschule. Im Verein mit gleichgesinnten 
Freunden arbeitete er in seiner freien Zeit am Senckenbergischen 
Museum. Die Gesellschaft wählte ihn zweimal (von 1868 1869 
und 1873) zu ihrem ersten Direktor. 

Neue bedeutungsvolle Aufgaben traten an Rein heran, als 
er im Sommer 1873 den ehrenvollen Auftrag der preußischen 
Regierung erhielt, eine zweijährige Studienreise nach Japan zu 
uiiternehmen. 

Das Studium des dortigen Kunstgewerbes sollte seine Haupt- 
aufgabe sein. "Die Reisen durch das Inselreich füllten die Jahre 

1874 75 aus. Nach seiner Rückkehr wurde der Forscher 1876 
auf den neugegründeten Lehrstuhl für Erdkunde an die L^niver- 
sität Marburg berufen. Hier verfaßte er sein großes zweibändiges 
Werk ,, Japan",* das noch heute von grundlegender Bedeutung 
für die Kenntnis jenes rasch emporgeblühten Landes ist. An 
Reins 70. Geburtstage feierte ihn eine Abordnung der japanischen 
Regierung, als den, ,,der sie gelehrt habe, ihr eigenes Land 
kennen zu lernen". 

Als V. Richthof en 1883 nach Berlin berufen wurde, wurde 
R e i n zu seinem Nachfolger in Bonn ausersehen. Wie Richthofen 
ist unser Gelehrter durch seine Reisen zum Geographen geworden, 
denn die Reiselust blieb bis in sein hohes Alter bei ihm lebendig. 
Sie hat ihn nicht nur in die engere Heimat* und die Nachbar- 
länder geführt, sondern auch w^eiter nach Spanien, Marokko, auf 
die Kanarischen Inseln, nach Rußland, Turkestan, Kleinasien, 
Ägypten und Nordamerika. Vi-ele kürzere und längere Ab- 
handlungen sind das Produkt dieser Reisen. Reins Bedeutung 
als Universitätslehrer ist bei wiederholten Veranlassungen ge- 
würdigt w^orden, so auch von seinem Nachfolger in Bonn, Ge- 
heimrat P h i 1 i j) p s n, in einem schönen Nachrufe. Dieser schreibt : 

*., Japan, nach Keisen und Studien dargestellt". (Leipzig 1881—86 2 Bde. 
\\'illu'hn Engelmann) 



' 141 — 

„Er gehörte zu den Forschern, die nicht nur in theoretischer Ver- 
knüpfung der Tatsachen, nicht nur in der Erklärung das Ziel 
der Wissenschaft sehen, sondern die auch an der reinen Fest- 
stellung der Tatsachen ihre warme Freude haben. Seine Dar- 
stellung in Schrift und Lehre war daher allem Blendenden 
abhold, sachlich klar und anschaulich". Seine Schüler rühmten 
an ihm die Kraft der Überzeugung. Was er im Kolleg vorbrachte, 
war zum großen Teil Selbstgesehenes und Selbsterlebtes. Sein 
reiches Wissen beruhte auf gründlichen geologischen, botanischen, 
chemischen, volkswirtschaftlichen und handelsgeographischen 
Studien. 

Als die neue Handelsschule in Cöln begründet wurde, über- 
nahm der fast Siebzigjährige die Vorlesungen über Warenkunde. 
Nur sehr schwer entschloß sich der mit außergewöhnlicher 
Gesundheit ausgestattete Mann seiner ihm liebgewordenen Lehr- 
tätigkeit zu entsagen. Die Beschwerden des Alters blieben ihm 
nicht erspart. Bald nach seinem 80. Geburtstage warf ihn langes 
Siechtum auf das Krankenlager, bei dem ihm seine zweite Gattin, 
die ebenfalls aus dem Baltenlande stammt, treue Pflege zuteil 
werden ließ. Der Tod war hier Erlöser. 

In seinem an Arbeit und Erfolgen reichen Leben hat "Rein 
stets mit besonderer Freude an die Frankfurter Jahre zurück- 
gedacht. Treue Freundschaft verband ihn mit v. Frits ch, 
Glogau, Blum, Noll, Kinkel in, Ziegler, Kobelt, v. 
Hey den, Heynemann und anderen Gelehrten. Gern ist er 
stets nach Frankfurt zurückgekehrt. Mit der Musterschule. und 
dem Geographischen Verein ist er in steter Verbindung geblieben, 
und vor allem hat er noch von Marburg und Bonn aus lebhaft 
an den Bestrebungen der Senckenbergischen Naturforschenden 
Gesellschaft teilgenommen. Kaum ein Winter verging, in dem er 
nicht Vorträge an einem der wissenschaftlichen Sitzungsabende 
gehalten hat. Es war ihm noch vergönnt, die gewaltige Ent- 
wicklung der Gesellschaft und des Museums, sowie den LTmzug 
in das neue, prächtige Heim zu verfolgen. Im alten Hause, am 
Eschenheimer Turm, hat Rein nach besten Kräften die Ziele 
der Gesellschaft in ihren Anfängen gefördert. Noch heute be- 
gegnen wir seinem Namen häufig in der Schausammlung. Durch 
seine regen Beziehungen zum Auslande hat er dem Museum 
viele Freunde erworben und bedeutendere Schenkungen vermittelt. 
Die Rüppel-Stiftung, die jungen Gelehrten die Mittel zu For- 



— 142 — 

schungsreisen gewähren soll, war mit sein Gedanke und vor- 
wiegend sein Werk. Mit v. Fritsch und Glogau sammelte er die 
ersten 36000 Mark für diesen Zweck. 

Bei vielen äußeren Ehrungen ist Rein stets der bescheidene 
Gelehrte geblieben. Sein Wesen war kernig, bieder, treu und 
wahr. Seine Freunde und Mitarbeiter sind alle vor ihm aus dem 
Leben geschieden. Aber gleich ihren Namen wird derjenige 
Reins in der Geschichte der Senckenbergischen Naturfor- 
schenden Gesellschaft einen Ehrenplatz behalten. 

Es erschienen von Rein außer vielen gelegentlichen Auf- 
sätzen folgende größere wissenschaftliche Werke und Abhand- 
lungen: 

1868. Über den jetzigen Stand des Seidenbaues. 
1876 — 1898. Arbeiten in Petermanns Mitteilungen. 
1879. Der Nakasendo in Japan, 59. Ergänzungsheft zu P. M. 
1881. Japan, I. Bd. 

1881. Über den Bau der Koralleninseln. Verhandlungen 
des I. Deutschen Geographentages, 1881, S. 29 — 46. 
1886. Japan, IL Bd. 
1890. Finland, in Alfred Kirchhoffs „Unser Wissen von 

der Erde". 
1892. Geographische und Naturwissenschaftliche Abhand- 
lungen über Spanien. 
1894. Asien, in dem ScobelschenHandbuchzumAndreeschen 

Atlasse, 4. Aufl. 1902. 
1899. Beiträge zur Kenntnis der spanischen Sierra Nevada. 
Abhandlungen der K. K. Geogr. Gesellschaft, Wien, 
I. Bd. 
1905. Japan, I. Bd.. 2. Aufl. 
In den letzten Jahren seines Lebens war Rein Mitarbeiter 
von Rothschilds Taschenwörterbuch für Kaufleute. 

Johatnid Zivijler. 




-y^ 



^^^^-7^ 



— 143 



Ludwig Edinger 

* 13. April 1855, f '^Q- Januar 1918. 

Mit Ludwig Edinger ist eines der tätigsten und ver- 
dienstvollsten Mitglieder der Senckenbergischen Naturforschenden 
Gesellschaft, ein Gelehrter von Weltruf, dahingegangen. Seit 
1883 Mitglied, seit 1912 ewiges Mitglied der Gesellschaft, wieder- 
holt Preisrichter und Vorsitzender der v. Soemmering- und 
Tiedemann- Preiskommissionen, hat er das Emporblühen der 
Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten durch Rat und Tat ge- 
fördert. Die wichtigsten seiner wissenschaftlichen Forschungs- 
ergebnisse hat er oft in den Sitzungen der Gesellschaft zum 
ersten Male mitgeteilt. Nirgends kann man so gut wie in den 
Berichten der Gesellschaft seit dem Jahre 1883 die Entwicklung 
seiner berühmten Studien über die vergleichende Anatomie des 
Gehirns verfolgen. Dem großen Kreis der Mitglieder wird er 
durch seine ausgezeichneten allgemeinverständlichen Vorträge 
über das Nervensystem unvergeßlich bleiben. 

Edinger ist 1855 in Worms geboren. Er studierte in 
Heidelberg und Straßburg. Unter dem Einfluß von Gegenbaur 
und Waldeyer widmete er sich sehr frühzeitig anatomischen 
und biologischen Studien. Nach Beendigung seiner Studienzeit 
wurde er zunächst Assistent bei Kussmaul, durch den seine 
ganze weitere Forschung bestimmt wurde ; gerade durch ihn kam 
er zu der Beschäftigung mit dem Nervensystem, durch ihn im be- 
sonderen auch zu der Betrachtungsweise der Anatomie vom 
Gesichtspunkte der Funktion aus. Von Kussmaul ging Edinger 
an die Klinik von Riedel nach Gießen, wo er sich 1881 mit 
einer Untersuchung über die Physiologie und' Pathologie des 
Magens habilitierte. 1882 ließ er sich in Frankfurt als Nerven- 
arzt nieder und begann gleichzeitig im Weigert sehen Labora- 
torium seine anatomischen Studien über das Nervensystem, erhielt 



— 144 — 

1895 den Titel eines Professors, wurde 1904 von der Admini- 
stration der Dr. Senckenbergischen Stiftung zum Direktor des 
von ihm in den Räumen der Anatomie eingerichteten Neurolo- 
gischen Institutes ernannt, und bei der Eröffnung der Frankfurter 
Universität zum persönlichen Ordinarius für Neurologie berufen, 
während das Institut als Neurologisches Institut von der Uni- 
versität übernommen wurde. 

Wenn wir die Arbeiten E dingers aus den 80er und 90er 
Jahren überblicken, so finden wir in ihnen die Hauptcharakte- 
ristika des Edingerschen Schaffens schon wesentlich aus- 
geprägt, die Arbeitsweise, die die wesentliche Aufgabe in einer 
ökonomischen Darstellung des Tatsächlichen im Sinne Machs 
sah, die Vielseitigkeit der Problemstellung und den Grundge- 
danken, den Bau des Gehirns in Beziehung zu seinen 
Leistungen zu verstehen. Das Prinzip der ökonomischen 
Arbeitsweise ließ ihn überall nach den einfachen Vorgängen 
suchen, um erst diese zu verstehen, ehe er sich an das Kom- 
plizierte' heranwagte. Dies war es, was ihn zur vergleichenden 
Anatomie führte. Hier hoffte er, anatomische Verhältnisse 
einfacher Art zu finden in der Annahme, daß entsprechend den 
einfacheren Leistungen niederer Tiere sich auch einfachere 
Mechanismen bei ihnen nachweisen lassen müssen. Das Auf- 
finden dieser einfachen Mechanismen, dieser Grundlinien des 
Hirnbaues, erscheint ihm zunächst als die nächstliegende und 
wichtigste Aufgabe des Hirnanatomen. Er sah sehr bald, daß 
durch die bisherigen Färbemethoden dieses Ziel nur unvollkommen 
zu erreichen war, und griff als einer der ersten die neue Wei- 
gert sehe Markscheidenmethode auf als ein Mittel, das uns ganz 
neue Einblicke in den Faserverlauf gestattet. Besonders frucht- 
bar erwies sich diese Methode, als er sie zur Untersuchung von 
embryonalem Material anwandte. 

Dieser Forschungsweise verdankt er besonders seine 
großen Entdeckungen auf dem Gebiete der verglei- 
chenden Anatomie. Es kann unmöglich meine Aufgabe sein, 
die vergleichend-anatomischen Tatsachen, die sich an Edingers 
iVamen knüpfen, aufzuzählen. Ich nuiß mich auf die Hauptsachen 
beschränken. Nach melireren kleineren, aber sehr bedeutungs- 
vollen Arbeiten über den Verlauf der Rückenmarksbahnen 
zum Kleinhirn und zu weiter vorn gelegenen Hirn- 
teilen erschienen in den Veröffentlichungen der Senckenber- 



— 145 — 

gischen Gesellschaft seine berühmten Untersuchungen über 
die vergleichende Anatomie des Gehirns, über das 
Vorderhirn, das Zwischenhirn, seine neuen Studien 
über das Vorderhirn der Reptilien, seine Studien 
über das Z wischen hi rn der Reptilien und später gemein- 
sam mit Wallenberg und Holmes die Untersuchung über 
das Vogelhirn. Das waren die ersten wirklich vergleichend- 
anatomischen Arbeiten über das Gehirn, die, ergänzt durch eine 
Reihe ganz im gleichen Sinne geschriebener Arbeiten seiner 
Schüler, die Grundpfeiler geworden sind, auf denen sich die 
vergleichend-anatomische Erforschung des Gehirns im wesentlichen 
aufgebaut hat. 

Mit besonderer Sorgfalt widmete sich E dinger der Er- 
forschung des Vorderhirns und des Kleinhirns. Mit Hilfe 
mehrerer Mitarbeiter gelang es ihm 1912 eine Gesamtauffassung 
des Kleinhirns vorzutragen, die als grundlegend für die weitere 
Forschung betrachtet werden darf. Eine seiner ersten verglei- 
chend-anatomischen Leistungen, der Nachweis, daß der von den 
Autoren als Pedunculus cerebri bei den Fischen beschriebene 
Faserzug, den er basales Vorderhirnbündel nannte, eine Verbin- 
dung des Striatum mit den tieferen Hirnteilen ist, wurde von 
fundamentaler Bedeutung für das Verständnis des Vorderhirn- 
aufbaues. 

Sein Hauptaugenmerk richtete er auf die Entwicklung des 
Hirn mantels in der Tierreihe. Er stellte fest, daß bei den 
Reptilien zum ersten Male in der Tierreihe ein wohl charakte- 
risierter Faserzug aus dem Pallium in tiefer gelegene Hirnteile 
zieht, der eine Verbindung der Rinde mit dem Riechapparat dar- 
stellt, und erkannte sofort die weit über das rein morphologische 
Interesse hinausgehende Bedeutung dieser Feststellung. Damit 
war die erste sicher nachweisbare Projektionsbahn gefunden 
und dargetan, daß der Riechapparat der erste Sinnes- 
apparat ist, der eine Verbindung mit dem höchsten 
Abschnitt des Gehirns, mit der Rinde, erlangt. 

Die große Menge von eigenen und fremden Einzelergeb- 
nissen über das Vertebratengehirn diente ihm als Grundlage 
zu einer neuen Gesamtauffassung des Gehirns. Er unter- 
schied am Vertebratengehirn das Paläencephalon, das alles 
umfaßt, was zwischen Rückenmark und Riechnerveneintritt liegt, 
den sogenannten Eigenapparat, der sich in der Vertebratenreihe 



— 146 — 

nicht wesentlich ändert, von einem anderen, zweiten darüber 
gelagerten Teil, dem Neencephalon, das aus den Großhirn- 
und den Kleinhirnhemisphären besteht und dauernd in der Ver- 
tebratenreihe zunimmt, bis es beim Menschen seine höchste 
Vollkommenheit erreicht. 

Der Ruf, den E dinger durch seine anatomischen und 
vergleichend-anatomischen Untersuchungen als Meister der Ana- 
tomie des Nervensystems bekam, war so groß, daß man darüber 
oft seine übrigen Leistungen übersah, und daß man verkannte, 
daß im letzten Grunde die Anatomie für ihn nur eine 
Methode zur Erforschung viel weiter gehender Fragen war. 
Es ist hierfür wohl nichts so charakteristisch als sein Satz: 
„Hirnanatomie allein betrieben ist eine sterile Wissenschaft", der 
in der Einleitung zur vergleichenden Anatomie steht, als sie 
zum ersten Male als selbständiges Buch erscheint. Die Anatomie 
war für ihn wesentlich Mittel zur Erforschung der funk- 
tionellen Leistungen. So. enthalten fast alle seine verglei- 
chend-anatomischen Arbeiten Erörterungen über physiologische 
und psychologische Probleme, ja, die Anregung zu bestimmten 
Fragestellungen auf vergleichend-anatomischem Gebiet war ganz 
vorwiegend von funktionellen Gesichtspunkten geleitet. Ganz 
besonders zeigt sich die Abhängigkeit der anatomischen For- 
schungen von der Frage nach der Funktion bei seinen Forschungen 
über die Hirnrinde. Das Problem, das ihm hier am Herzen 
lag, war das Verständnis für die Leistungen der Hirnrinde des 
Menschen. Um aber hier weiter zu kommen, sind die Verhält- 
nisse des menschlichen Gehirns zu kompliziert. Er findet ein- 
fachere Verhältnisse bei den Tieren und sucht sie durch ver- 
gleichend-anatomisch-psychologische Betrachtung zu ergründen. 
Scharf arbeitet er zunächst die tierpsychologische Fragestellung 
heraus, um das Hineintragen rein menschlich -psychologischer 
Begriffe in die Tierbeobachtung zu vermeiden. Für den Natur- 
forscher handle es sich darum, sich konkrete Fragen über die 
Leistungen eines Tieres zu stellen und diese durch Tatsachen 
zu beantworten. „Wir dürfen aus dem gleichen Bau auf die 
gleiche Leistungsfähigkeit schließen. Es ist denkbar, daß wir, 
dereinst durch die kongruent gehende anatomische Untersuchung 
und die biologische Beobachtung einmal einen Einblick in die 
Entstehung der Geistesfähigkeiten bekoiiuuen, daß sich wahre 
vergleichende Psychologie heranbildet. Hier liegt das Ziel, auf 



— 147 — 

das die vergleichende Anatomie lossteuern soll". Er sucht von 
diesem Gesichtspunkte aus festzustellen, was Tiere ohne Groß- 
hirn leisten, was zu seinen bekannten Arbeiten über das Ge- 
dächtnis der Fische führt, er verglich die Leistungen der ein- 
zelnen Tiere im Verhältnis der Entwicklung ihrer Hirnrinde, 
machte das gleiche am neugeborenen Menschen sowie an einem 
4jährigen Kinde ohne Großhirn, das er zufällig zu beobachten 
und anatomisch zu untersuchen Gelegenheit hatte. 

In den letzten Jahren hat er sich ganz vorwiegend mit dem 
Menschengehirn und seinen Leistungen beschäftigt. Auf Grund 
seiner erwähnten Einteilung des Vertebratenhirnes, in einen paläen- 
cephalen und einen neencephalen Teil sucht er dessen Leistungen 
zu verstehen. Das Paläencephalon empfängt Sinnesrezeptionen und 
beantwortet sie mit Bewegungskombinationen. Es ist der Träger 
der Reflexe und vieler Instinkte. Die sich in ihm abspielenden 
Vorgänge bezeichnet E dinger als Receptio und Motus und 
die Beziehung zwischen beiden als Relation. Mit dem Auftreten 
des Neencephalons, der Rinde, kommen zu den pajäencephalen 
Leistungen neue, neencephale, die eigentlichen Gedächtnis- 
leistungen, hinzu, das, was wir , mit Wahrnehmen, Erkennen, 
Handeln bezeichnen. E dinger wählte für diese Leistungen die 
Bezeichnungen Gnosien und Praxi en und für den Vorgang, 
durch den sie zustande kommen, dei; Namen Assoziation. Die 
Gnosien und Praxien sind an einzelne Rindenteile gebunden, 
deren Zerstörung die Apraxien und Agnosien erzeugt. Das 
Neencephalon gewinnt in der Tierreihe in zunehmendem Maße 
Einfluß auf das Paläencephalon. Der Fisch, der ja kein Neen- 
cephalon besitzt, verrichtet alle seine Leistungen ohne dasselbe. 
Der neugeborene Säugling, das Kind ohne Großhirn, die sich 
anatomisch ähnlich verhalten wie der Fisch, vermögen viel 
weniger zu leisten als dieser oder als der Hund ohne Großhirn. 

Durch die verschiedene Ausbildung der einzelnen gnostischen 
und praktischen Apparate unterscheiden sich die einzelnen Säuger 
sehr voneinander und übertreffen z. T. auch den Menschen. 
Deshalb sind z. B. etwa das Pferd oder der Hund in vielen 
Wahrnehmungen und darauf basierten Handlungen dem Menschen 
bedeutend überlegen. Doch unterscheidet sich der Mensch von 
ihnen allen sehr wesentlich durch die besondere Ausbildung 
einer dritten Art von Leistungen, die wir als Einsicht, Verstehen, 
Intelligenz bezeichnen. In dem Maße als auch beim Tier sich 



— 148 — 

Intelligenzleistungen nachweisen lassen, zeigt sein Gehirn eine 
relative Größenziinahme besonders des Stirnpoles. Die Über- 
legenheit des Menschen beruht auf der Fähigkeit zur Abstraktion, 
die erst mit der Sprache zur Entwicklung kommt. Mit dem Ein- 
setzen der Sprachfähigkeit vergrößert sich der Stirnlappen, der 
beim Menschen seine größte Entwicklung aufweist. 

Noch mehr als durch die Fülle seiner Einzelarbeiten ist 
E dingers Name durch sein Lehrbuch bekannt geworden. Es 
hat vor dem Erscheinen dieses Buches viel umfassendere und 
eingehendere Lehrbücher der Anatomie des Nervensystems ge- 
geben ; was das Buch so bedeutungsvoll, so anregend und frucht- 
bar machte, das war die außerordentliche Vereinfachung und 
Übersichtlichkeit der Darstellung, die einen ganz neuen Überblick 
sowohl über die Anatomie des menschlichen Zentralnervensystems 
als auch über seine Bedeutung für das Verständnis der patholo- 
gischen Tatsachen brachte. Es sollte eine Anatomie nicht für den 
Anatomen, sondern für Ärzte und Studierende sein, und dies war 
das Buch auch. Es war E dinger gelungen, was er sich als Ziel 
gesetzt hatte, die Einzeltatsachen so darzustellen, daß sie als 
Ganzes erschienen. Noch bewundernswerter als die Darstellung 
der menschlichen Anatomie ist die vergleichende Anatomie. 
Hier war zum ersten Male der Versuch einer wirklich verglei- 
chenden Darstellung gewagt, der naturgemäß auf sehr vielen 
eigenen Untersuchungen beruhen mußte, weshalb das Buch 
selbstverständlich Lücken und Unvollkommenheiten enthielt. 
Keiner war sich wohl dessen mehr bewußt, als E dinger selbst. 
Die meisten anderen hätten sich durch diese notwendigen Mängel 
abschrecken lassen, E dinger tat dies nicht, und die Wissen- 
schaft der vergleichenden Anatomie ist ihm für dieses Wagen, 
das der Ausgang für eine ganz neue Entwicklung der ver- 
gleichenden Anatomie des Nervensystems wurde, zu dauerndem 
Danke verpflichtet. 

Das Buch ist eins der bedeutendsten Bücher der Hirnana- 
tomie geworden, erlebte 8 deutsche Auflagen, die eigentlich 
immer wieder ganz neue Darstellungen waren, ohne daß der 
ursprüngliche Charakter des Buches verloren ging. Es wurde 
in verschiedene fremde Sprachen (französisch, englisch, russisch, 
italienisch) übersetzt. 

Mit den erwähnten anatomischen und psychologischen 
Leistungen ist Edingers Lebenswerk keineswegs erschöpft. 



— 149 — 

Wir haben vor allem noch seine klinischen Leistungen und 
die Schöpfung des Neurologischen Institutes zu erwähnen. 
Von seinen klinischen Leistungen ist die bedeutendste der 
unter den Namen Aufbrauchtheorie bekannte Versuch zur 
Ursachenlehre vieler Nervenkrankheiten, der trotz der kritischen 
Einwände, die gegen ihn gemacht worden sind, sich durchaus 
als ein wesentliches Hilfsmittel für das Verständnis der Nerven- 
krankheiten erwiesen hat. Die Arzte haben E ding er wohl am 
meisten für seine zahlreichen Gesamtdarstellungen über 
klinische Fragen zu danken. 

Die Vielseitigkeit der Betrachtungswelse, mit der Edinger 
an die Erforschung des Nervensystems herantrat, bestimmte ihn 
auch bei der Ausgestaltung seines Neurologischen Institutes. 
Dieses Institut entwickelte sich aus einer rein anatomischen und 
vergleichend-anatomischen Arbeitsstätte, als die es zunächst be- 
sonders bekannt und von Schülern aus allen Weltteilen aufgesucht 
wurde, nach Edinger s Absicht immer mehr zu einer Arbeits- 
stätte zur Erforschung des Nervensystems auf den 
verschiedensten Wegen. So errichtete Edinger neben der 
vergleichend - anatomischen eine pathologisch - anatomische Ab- 
teilung, schuf die Möglichkeit zur Anstellung von Tierbeobach- 
tungen, suchte durch persönliche Beziehungen und durch eigene 
Arbeit psychologische Forschungen in den Kreis des Institutes 
zu ziehen und hatte schließlich die Angliederung einer klinischen 
Abteilung vorgesehen. Die völlige Ausgestaltung des Instituts 
wurde leider durch seinen Tod unterbrochen. 

Mit der zunehmenden Vergrößerung des Instituts konnte 
Edinger sein ausgesprochenes Talent zum Lehrer 
immer mehr zur Geltung bringen. Er verstand es wie wenige, 
dem Anfänger über die Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, nicht 
nur durch sein Wissen und Können, sein Zeichentalent und tech- 
nisches Geschick, sondern vor allem durch die Liebe, mit der er 
sich in die Anschauungsweise des Schülers zu versetzen suchte 
und sich seiner in jeder Weise annahm. Diese Liebe entsprang 
wieder einem ganz persönlichen Verhältnis zu seinen Schülern, 
wie man es nur selten findet. Als einen stets Hilfsbereiten, der 
immer Zeit auch für alle persönlichen Dinge hatte, werden ihn 
seine Schüler und Freunde im Gedächtnis behalten. 

Wenn wir die Leistungen E dingers mit einem Blick zu 
überschauen versuchen, so steigt aus der Fülle der Einzelheiten 



— 150 — 

ein Gesamtbild von einer Einheitlichkeit und harmonischen Ge- 
staltung empor, wie wir es nur bei den Lebenswerken wirklich 
Großer finden. Hier war, möchte man sagen, nichts zufällig, 
sondern alles war der Ausfluß eines einheitlichen Zentrums. 

Diese Einheitlichkeit entspringt einerseits daraus, daß es 
immer eigentlich ein und dasselbe Problem ist, das uns in 
E ding er s Arbeiten begegnet, entsprechend der Vielgestaltigkeit 
der Naturbegebenheiten in schier unübersehbare Einzelprobleme 
zerteilt: Das Problem des Lebens, wie es sich in der 
Entwicklung des Geistigen in seiner Beziehung 
zum Materiellen darstellt, anderseits daraus, daß alle seine 
Arbeiten, seine persönlichen Züge an sich tragen und dadurch 
eine so übereinstimmende Form bekommen. 

E dingers Persönlichkeit ist wohl am besten dadurch 
charakterisiert, daß man sie als eigentümliche Mischung von 
Wissenschaftler und Künstler bezeichnet. Er verband die Fähig- 
keit des Wissenschaftlers, sich den Dingen objektiv gegenüber 
zu stellen und sie kritisch zu betrachten, mit der des schaffenden 
Künstlers, sich in sie so ganz zu versenken, daß er sie ganz in 
sich aufnahm, um sie als neue Wesenheiten, durchtränkt mit 
dem Geiste seiner Persönlichkeit, neu zu erzeugen. Dadurch 
tragen alle seine Theorien ein so anschauliches Gepräge. Von ihm 
gelten wohl die Worte, die Goethe von sich selbst gebraucht 
hat: Mein Anschauen ist selbst ein Denken, mein Denken ein 
Anschauen. 

Die interessante Mischung in seiner Persönlichkeit, die sich 
in allen seinen Arbeiten spiegelt, gibt seinem Schaffen eine 
besondere, immer anregende Form, die den Leser auch dort packt, 
wo er inhaltlich anderer Meinung ist. Sie war es — verbunden 
mit einem köstlichen Optimismus, der bei ihm nicht Kritiklosig- 
keit war, sondern aus dem innersten, das Leben bejahenden Quell 
seines Gefühlslebens entsprang, und ihn über alle Entäuschungen, 
die gerade einer Natur wie der seinen nicht erspart bleiben 
konnten, hinweg kommen ließen, — die vor allem den Umgang 
mit ihm so anregend machte. 

Es war auch in dieser Zusammensetzung seiner Persönlich- 
keit zwischen ihm und Goethe eine gewisse Ähnlichkeit, so 
daß die Worte Goethes, die man nach E dingers Tode auf 
seinem Schreibtisch fand, gut auf ihn selbst passen: 



- 151 — 

„Weite Welt und breites Leben, 
Langer Jahre redlich Streben, 
Stets geforscht und stets gegründet, 
" Nie geschlossen, oft gegründet. 
Ältestes bewahrt mit Treue, 
Freundlich aufgefaßtes Neue, 
Heitern Sinn und reine Zwecke — 
Nun man kommt wohl eine Strecke." 
Durch diese seine persönlichen Eigenschaften wirdEdinger 
seinen Schülern und Freunden noch mehr als durch das, was wir 
von ihm lernen konnten, als Vorbild und Führer in dauernder 
Erinnerung bleiben. 

K. Goh/sfein 



iry2 



Der Amselgesang und seine Beziehung 
zu unsrer Musik. 

Von 

('(H'iM'l Schmitt und Hans Stadler. Lohr am Main, 



,,Wie tönt an Frühlingstagen 
So sclnvernmtsreieh und hold 
Der Amsel lautes Schlagen 
Ins stille Abendgold!" 

So singt der liebenswürdige Heinrich Seidel. Viele 
Berufene, mehr noch Unberufene liaben den Schwarzroek an- 
gedichtet. Auch Musikern von Beruf ist die stimmgewaltige 
Sängerin aufgefallen, und gar mancher hat mit mehr oder weni- 
ger Geschick eine Strophe erhascht und in unsterbliche Werke 
zu verweben gesucht. Auch Richard Wagner in seinem 
Siegfried hat es versucht. Doch ist nur die erste Hälfte seines 
Amselliedes geglückt: 



Auch das Amselmotiv, das Eiemann dem Verfasser des 
Buchs : ,, Kunst und Vogelgesang", Bern h a r d Hoff m a n n , 
zur Verfügung gestellt hat, 

2^- 



ist in mehr als einer Hinsicht ungenau. Hoff mann aber fiiidet 
es „so bezeichnend, und es l)estätigt unsere (H's) Darlegungen 
dermaßen, daß wir es hier wiedergeben". 

Es seien gleich die Haupteinwände liier angegeben. 

Erstens, die Tonhölie ersclieint uns. aligesehen von der um 



153 — 

zwei Oktaven yai tiefen Xotierimg als ungenau, da der Amsel- 
gesang meist nur die Sext I13 — g4 umfaßt. 

Zweitens ha])en wir Bedenken gegen den straffen Rhyth- 
mus, in den zwei gehaltene Noten eingegliedert sind, die dem 
lebhaften Temperament der Amsel gar nicht zu entsprechen 
scheinen. 

Drittens erlauljen wir uns Zweifel an der völligen Echtheit 
der Intervallschritte und der Harmonik. Denn der zweimalige 
Wechsel terzverwandter Harmonien (Dd — Bd — Dd) ist doch zu 
auffällig. 

Aber die Strophe Eiemann's paßte Hoff mann, der 
die Amsel im Gegensatz zur Singdrossel, die er mit Mozart ver- 
gleicht, zu einer Art musikalischem Eichard Strauß stempeln 
möchte. Darum bringt er auf S. 08 seines Buchs eine Anzahl 
recht verkünstelter ,, kleiner" Amselstrophen, die er teilweise 
den Opp eischen*) Aufschreibungen entnommen hat. Z. B. : 
3. 



Sie ist aus dem , .großen Schatz (Oppels) von 72 Amselliedern" 
ausgewählt. 

Auch aus seinen eigenen Aufschreibungen sei eine angeführt: 

f. 



Solche getragene Amselmelodien sind so selten, daß sie nur 
als Ausnahme angeführt werden dürften. Dasselbe gilt von den 
beiden auf S. 74 angeführten: 




Das erste der beiden Amsellieder ändert aber H f f m a n n 
in einem zweiten Buch: ,, Führer durch unsere VogehAclt" wie 
folgt aV): 



*) Oppel, Über Vogelstimmen, insbesondere Kuekncksruf und Amsel- 
schlag. Zool. Garten 12, Nr. 2, S. 39 ff. 



- 154 ~ 

Dazu saui er ontsehnldigend in einer P\ißnote: „die Noten deu- 
icn di«' liiicixalU' . . . nur annäherungsweise an". 

Alan muß bei der Amsel zwei Arten von Gesang ausein- 
anderhalten: Das leise Studieren oder Plaudern und den 
lauten weithin schallenden Vollgesang. 

Das .Plaudern beginnt im allerersten Fiühling. Es könnte 
vielleicht in Parallele gesetzt werden zum leisen Gesang der 
verschiedenen Grasmückenarten. Es klingt so schüchtern, so 
leis, daß es nur ein paar Schritte weit zu hören ist, liegt um 
eine ganze Oktave höher als der normale Amselgesang, ist durch 
viele Pausen auseinandergerissen, wird bruchstückweise vorge- 
tragen und, was das seltsamste ist, enthält viele Anklänge und 
wirkliche Imitationen anderer Vogelgesänge, die wiederum in der 
entsprechenden Tonhöhe und Klangfarbe vorgetragen werden. 
Von Singdrosseln kann man zuweilen das Gleiche hören. Wir 
waren öftei- im Zweifel, o1) wir einen schwatzenden Star oder 
eine verträumt plaudernde Amsel vor uns hatten. Dieses selbst - 
verlorene Zwitschern traut man ' der stimmgewaltigen Sängerin 
garnicht zu. Kinmal hörten wirs in einer Fichtendickung, blieben 
stehen und erlebten die Freude, daß der Schwarzkünstler bis 
fast zu unseren Füßen plaudernd herankam. 

Wir notierten 17. III. 1918 abends 6 Uhr den Pliythmus 
(Seeholzerpfad, Sendelbach) : 

'^^- (Hilfi II('71üi]'1iIi'IIi1i'IIlü'I' 

Cii'iijü'iij'ü'ij'ir^^uiiuJ'Lj'ri 

Das waren alles meist stakkatierte Pfeiftöne im Pianissimo, 
die an Star und Hänfling gemalmten (in der ö. Oktave). Hier 
kommt die Vorliel)e für Triolenartiges und die Kunst des Vai'i- 
ierens zum Ausdruck. 

Am 14. II. 1914 ab 5 Fhr scluieben wir am Häus'chen unsres 
Fi-eundes Wunder solches Geplauder folgendermaßen mit: 

Diese Amsel war mehr für den Leyatügesang eingenom- 



— 155 — 

men. Im übrigen klang- wieder alles „starähnlich", wie wir no- 
tierten. Auch der- Ausdruck „etwas obertönig" findet sich in 
den zwei Aufsclu^eibungen. Die Töne klangen also etwas scharf. 
(In beiden Fällen bedeutet der Taktstrich die Stelle, wo eine 
kurze Pause eiiitrat.) 

Am 19. IL 1914 abends 1/26 Uhr beim Hause Kohl (Sendel- 
bach) konnten wir folgendes sclireiben: 



Zur Erklärung möchten wir beifügen, daß die Geräusche, 
die mit zweimal durchstrichenen Noten geschrieben sind, das 
Staren- und Lerchenquirlen bedeuten, daß also ein schnelles 
gleich hohes, nicht nachahmbares Geräusch -gemeint ist, wie 
man es von den Vögeln so unendlich oft hört. Die Schreibung 4 
zeigt ein prächtiges Glissando, wie es sowohl dem Stare als 
dem Hänfling eigen ist, ein Dm-chschleifen vom Hochton zum 
Tiefton. Nr. 9 soll das sich auf und abwärts bewegende Zetern 
einer Haubenmeise, Nr. 10 das Zetern einer Blaumeise bedeu- 
ten, die nachgeahmt wurden. Nr. 12 mag die Tonhöhe (5. Okt.) 
verdeutlichen. Eingeschaltet wurden außerdem noch die Wäd-väd- 
rufe der Dorngrasmücke und die eigenen Schreckrufe, die aber 
ebenfalls im pp gebracht wurden. 

Wir können das Plaudern nur als eine Vorübung be- 
trachten zur Entwicklung und Stärkung des Singmuskelapparates. 

Der laute Gesang der Amsel hat uns schon immer be- 
schäftigt. Aber die so oft angehängten oder auch eingeschobe- 
nen musikalischen Schnörkel in außerordentlich hohen Tonlagen 
(das Schirken) haben uns in früheren Jaln^en vom Notieren ab- 
gehalten. Wir fanden jedoch auch damals schon Strophen, die 
uns musikalisch sehr wertvoll erschienen. Wir beschlossen, unter 
Weglassung alles dessen, was nicht einwandfrei nachgepfiffen 
werden konnte, ein Jahr lang Strophe um Strophe aufzuschrei- 
Ix-n. So kamen wir zur Sichtunsr unserer reichen ersten Jahres- 



- 156 

auslteutc von etwa 400 Stroiihen ei-st am ScIiIuIj dfi' (ioaii.us- 
periodc. 

Wii' hatten, völlig unbeeinflußt von dem gestern Aufgezeieli- 
ten, nur Tag für Tag gesammelt und waren erst im April 1912 
mil großem Erstaunen dai-auf gekommen, daß ' ja eine Amsel 
dasselbe Lied gesungen hatte, das wir eine Stunde entfernt von 
einer anderen gehört hatten. Von da an waren wir nodi auf- 
merksamer geworden. Östlich Sendelbaoh schrieben wir am 22. 
IV. 1912 von einer Amsel: 



^ 



no u I 



^ 



Wir ahnten damals nicht, welche Bedeutung die zwei Strophen 
bekommen sollten, und fanden im Weiterschreiten, daß das erste 
Motiv sich ausgezeichnet für einen Marsch eignete. Wir nannten 
das erste Motiv deshalb das M a r s c h-, das zweite das T r i o 1 e n- 
motiv. Diese beiden Motive wanderten, wie wir in der ,, (ge- 
fiederten Welt" 19113, Heft 18 ■ unter „ A m s e 1 d i a 1 e k t ? " l)e- 
richteten, innner weiter in unserer Gegend, bis auch die Garten- 
amseln in Lohr die simplen Melodien allenthalten übernonunen 
hatten. 

Al)seits dei' Landstraße Lohr-Steinfeld saß aber eine Künst- 
lerin ilu-es Fachs; die hatte ein feines anderes Liedclien er- 
funden. Das klang viel schöner als die bald abgenutzten Gassen- 
hauer. Ihrem schönen Lied müssen wirs zuschreiben, daß jene 
abgebrauchte Scheidemünze in dem Hörbereich der guten Sän- 
gerin nicht aufkam. Das Werde n dieser schönen Strophe 
ha))en wir belausclit*). Das Urmotiv hieß: 



Es erle])te folgende Varianten: 




w ui'de dann unter Verengei'ung der Intervalle umgearbeitet: 

M,L. 13 ,,„ - - . % -bl =-^ 15 :b-_ - - - - 



*) „Wie die Amselstrophe 
Zeitung 1913, Nr. 12. S. 187-88. 



komponiert wurde."' Bayr. Lehi'er- 



— 157 — 

und plötzlich mit einem iiacli aufwärts g-esclilagenen g-ebuiifleiieii 
Gdui'-Dreiklang giücklieh zum Abschluß gebracht: 



Das so entstandene kecke Lied nannten wir das „ F r ü h 1 i n g s- 
lied". 

Neben diesem ging das Werden eines zweiten Liedes einher: 




Dieses „Selmsuchtslied" (Nr. 22) hatte also den gleichen An- 
fang wie das Frühlingslied. Was uns immer wieder auffiel, das 
waren die Kunstgriffe bei der Umgestaltung dieser Motive. So 
verfährt auch der Komponist unter uns, wenn er ein Thema 
variiert! Daß auch diese zwei Lieder in der Folgezeit weiter 
ausgewertet w^ürden, ahnten wir damals nicht. 

Wir nahmen uns aber vor, in den konnnenden Jahren auf 
diese vier Lieder — Marsch-, Triolen-, Frühlings- und Sehn- 
suchtslied — ein wachsames Auge zu haben. 

Inzwischen sind 6 Jahre vergangen; unsere Amselstrophen 
haV)en sich gemehrt wie Jakobs Kinder und so können wir aus 
unserem Schatz manches weitere veröffentlichen. 

Den meisten Erfolg hat (parallel der menschlichen Erfah- 
rung) das musikalisch Wertlosere gehabt: das ISiarsch- 
und Triolenmotiv. Sie traten 1913 zunächst in der Amselwelt 
Lohrs wieder gesondert auf. Bei dem Herumprobieren ergaben 
sich Änderungen des Anfangs: 

23. ''° ■" 




oder die Sänger ließen die Einleitung ganz fallen und verlänger 
ten am Schluß: 



IS '' 




— 158 — 

Auch wie die zwei Motive verbunden klängen, wurde ausge- 
probt, indem das Triolenmotiv gekürzt voraus- oder nachgestellt 
wui'de: 



lg. '' 




Die vorer,wähnte Schlußverlängerung wurde nach oben getrieben: 

)b? . . 

^. 




Eine neue Errungenschaft, das „Eollen", eine recht schnelle 
Wiederholung desselben Tons, die wir durch eine Schlangen- 
linie andeuten (von dem unten noch zu sprechen sein wird), 
wird bei der Schlußverlängeruhg angewandt: 



Dann wird die schnelle Aufwäi'tsbewegung angehängt, bis zum 
g4 in die Höhe getriel>en — und das prächtige Stück ist fix und 
fei-tig: 53. '^^ . ^ . 



Selbstvei'ständlich stürzten sich die Amseln der nächsten wie d,er 
weiteren Umgebung auf diese neue Mode; so mußte es konnnen, 
daß im nächsten Jahr audi dieses Thema wieder Gemeingut 
wurde. 

Das Jahr 1914 brachte nichts wesentlich Neues. Nachdem 
im ersten Frühling die Kehlen wieder durch Übung instand ge- 
setzt waren, erklang da und dort wieder das wohlbekannte Lied. 
Freilich wurden auch wieder Änderungen versucht: 

ii\ ^<- - - ■ - ■ 3S. '^ • -^^- 3b. '^ ■ ■ 



159 




Nr. 34 bis 37 zeigen ein deutliches krampfhaftes Festhalten an 
dem liebgewordenen „Lauf" aufwärts. Der ehemalige Roller ist 
bei Nr. 34 zu einer Triole auf c gelockert worden. Nr. 35 hat den 
Mittelsatz eingebüßt, Nr. 36 die Einleitung. In Nr. 37 ist der 
früher abgestreifte Auftakt wieder zu Ehren gekommen. 

Nr. 38 und 39 bringen neue Anhängsel an das alte Marsch- 
motiv, von denen das in Nr. 38 in den Jahren vorher schon ge- 
hört und notiert worden war. Es geht auch mit ins Jahr 1915 
und 1916 hinein, wo es sich wacker gegen das schöne alte 
Thema verteidigt, das wir z. B. am Main vom 27. V. 1915 ab bis 
zum Überdruß uns vorsingen lassen mußten. Das Anhängsel 

ifl. ^^''- - - 

4- 



wird 1915 abgeändert zu 




^i T 



Wir neigen dazu, in ihm wieder eine Rückkehr zu dem ,,Ur- 
motiv" zu erblicken. In dieser ]\Ieinung bestärkt uns auch Nr. 40, 
denn sie bringt die in Nr. 13 vereinfachte und verengerte Form 
des Urmotivs, wenn auch etwas variiert und mit einem interes- 
santen Auftakt versehen. Wir hatten dieses Anhängsel erstmals 
am 2. V. 1914 folgendermaßen geschrieben: 

+3. '^° ■ - 

auch 4-Jl. ib° 

1915 hatte es den Hochton endgiltig nach f hinaufgerückt: 

f5; ifc", - 



1916 fanden wir es mit schnelleren Noten werten vor; es wurde 



160 — 



sein- flott gesungen (18. VI. 1916) : 



Das Tfiüleiiinotiv haben wir in diesem Jahr nicht mein- in 
Verbindung mit dem Marschmotiv gehört. Dagegen wurden an- 
dere Ausgestaltungen und Erweiterungen immer wieder ver- 
sucht. Am 28. VI. 1916 erklang in der Stadt Lohr, am Kaibacli, 
in außei'ordentlich straffem Rhythmus und interessanter Phra- 
.sierung: i^i ;(,• 



Dieselbe Amsel suchte fortgesetzt zu verbessern: 



Von ihr auch hatten wir vorher' (16. VI. 1916) das rhythmisch 
feine Liedchen gehört, das eine auI5ergewölmliche musikalische 
Begabung verrät : 




Von dein ,. F r ü li 1 i n g s li e d " und dem „Sehnsuchts- 
lied" spuken in den Amselköpfen 1916 immer noch Erinnerun- 
gen: Das Frühlingslied sieht jetzt (10. IV. 16) so aus: 



Man vergleiche das mit dem ehemaligen Lied (Xr. 17), S. Iö7) 

1^ lb" 



Daraus ei-gibt sich: 

Der Auftakt ist fortgefallen, der abgelauschte Roller an zwei 
Töne angehängt, der Aufschlag um einen Ton, der eben- 
falls dem (t d u r - I) r e i k 1 a n g a n g e h ö r t . bereichert wor- 
den; aus (lei- (li'eiteiiigen Figur ist eine vierteilige geworden, 
die sich rhythmisch auch besser eingliedert. Wir hörten sie 
formvolleiidel erstmals am 17. III. 1914 am Buchenberg oberhalb 



— 161 — 

Sendelbacli, wo sie (25mal in ganz kurzer Zeit) gesungen wurde: 
^1 '*'•' 



Zögernd und tastend hatte die xibänderung begonnen (20. IV. 
1913 am Buchenberg): 

ffe", 




Daneben brachte aber diese Amsel aucli noch ganz elegant die 
ehemalige dreiteilige Schlußformel: 



Das „Sehnsuchtsmotiv", das sich auszeichnete durch die me- 
lancholische Schleifung der zwei letzten Töne, lag, wie wir in 
unserer ersten Veröffentlichung sagten, dem Amselcharakter 
nicht recht. Es ist dann auch verschwunden, wenn anders man 
Strophen wie 53 ife'V 



nicht als Erinnerungen betrachten will. Nur 1913, Ende April, 
fanden wir am Beilstein eine Strophe, die unveil^ennbare Ähn- 
lichkeit mit dem Sehnsuchtslied aufweist: 




Es ist äußerbt interessant, wenn man, durch die Gegend strei- 
fend, immer wieder alte Lieder erklingen hört, die man auch 
erkennt, wenn ihnen ein kleines anderes Mäntelchen umgehängt 
worden ist. 

Obwohl wir die Gesänge unserer hiesigen Amseln so ein- 
gehend studiert haben, möchten wir noch kein abschließendes 
Urteil abgeben über die Frage des Vogeldialekts. Wir haben 
in Erfurt, in Bamberg, in Locarno am Langensee, bei Genf und 
in Amsterdam Strophen notiert, die mit den typischen Liedern 
unserer Lohrer Sängrer sehr g:roße Ähnlichkeit hatten: 



162 



Kriiii-t 



iK.r if 



3- rn. 



Loin- 



Baiubers: 



Bamberg 



Locarno 



Amsterdam 





1^.3- 14 



11. e:- 15 




Lohi 



.ohr 



Lolir 



Lohr 



Aus dieser Gegenüberstellung wird die Ähnlichkeit ohne weiteres 



(Gefiederte Welt 1913, Heft 18) unserer Überschrift „Amsel- 
dialekt?" angehängt hatten, und meinen, wenn bei irgend einem 
unserer Singvögel von Dialekt gesprochen werden könne, dann 
müßte es wohl am ersten bei der in künstlerischer Hinsicht an 
erster- Stelle stehenden Amsel sein. So lange aber nicht in an- 
deren Gegenden jahrelang ebenso systematisch der Amselgesang 
beobachtet wird, ist an eine endgültige Lösung dieser zweifellos 
wichtigen ornithologischen Frage nicht zu denken. Mit persön- 
lichen 2^Ieinungen ist da nicht gedient. 

Das eine scheint aus unseren Darlegungen noch hervorzu- 
gehen: daß der Amselgesang nichts bleibendes ist; er unterliegt 
vermutlich einem fortgesetzten Wechsel, wenn er auch gewisse 
Äußerlichkeiten wie die Triolenmanier, das Punktieren, das Be- 
nützen der Akkorde, die steigende Tendenz des Schlusses bei- 
beliält. 

Im weiteren Verlauf unserer Besprechung wollen wir nun 
die m u s i k t e c h n i s c h e n Hilfsmittel zusammenstellen, 
die bei der Umgestaltung der Lieder von dieser Schwarzkünst- 
Icrin im allgemeinen gebraucht worden sind. 

A. Sie fügte Motive zusannnen o li n e jegliche Änderung, 



— 163 — 

das heißt so, wie sie sie vorher eingeül)t und gebracht hatte, 
durch einfädle Reihung desselben ]Motivs (Wiederholung): 



B. Sie vereinigte Motive, die sie vorher g e ä n d e r t hatte 
(Imitation). Als Mittel zur Änderung wui'den benutzt: 

1. Das Einsetzen von Verzierungen und zwar des Tremolos*): 



und von Vorschlägen: 
W ib- - - 



2. Verschiedene Rhythmisierung der ^Melodien, was in der 
Art geschah, daß 

a) Einzeltöne der Melodie doppelt oder dreifach gesetzt, 
also die Xotenwerte zerlegt wurden (Beispiele 10, 14, 20, 15, 
43, 44): ,b^ . 



b) Auftakt vorausgestellt: 



c) Pausen eingeschoben: 

4f 



d) die Notenwerte vergrößert oder verkleinert wm^den durch 
Punktierung : 



*) Triller dagegen haben wir noch nie von Amseln gehört. Wir kennen 
solche überhaupt nur von Nachtigall, Buchfink und WaldJcauz. 



— 164 — 

3. Die Veränderung von Intervallspannimgen. 
Das geschah unter Beiliehaltung der gleichen Khythnien 
(Beispiele 30, 31, 45, 54): 




oder unter kleiner Änderung der Rhythmen: 



4. Die Motive erfuhren auch eine Änderung, indem sie ver- 
kürzt oder erweitert wurden durcli Weglassung oder Hinzu- 
fügung neuer Töne. Nr. 17, 24: 



C. In solcher Weise abgeänderte Motive fügte sie, wie ge- 
sagt, zu größeren Alelodien zusannnen. Nr. 26, 27, 39; 
ft». ' • <t» 




Das sind alles Kunstmittel, die auch der menschliche Kom- 
ponist zur Anwendung bringen darf. Dieser geht freilich wei- 
ter, indem er z. B. das Thema umkehrt. Dieses Mittel der ,, Um- 
kehrung" des Themas nun glauben wir in dem Lauf eines Amsel- 
lieds (Nr. 55): ^^ ,(,, 



einmal festgestellt zu haben (Ornith. Monatsber. 22, Nr. 9, 1914). 
Wir ließen aber in der damaligen Skizze „Die Amsel, ein Kom- 
ponist unter den Vögeln" doch einen Zweifel daran durchblicken. 
Bisher haben wir völlig einwandfreie Belege dafür nicht auf- 
zeichnen können. 

Daß die Amsel ihre Motive in eine andere Tonart trans- 
poniere, wie Hoff mann (a.a.O.) behauptet, möchten wir 
nicht unterschreiben. Jedenfalls geschieht es nicht ,,mit Absicht". 
Die Transpositionen in unseren Amselstrophen 11 und 12 könn- 
ten auch auf andere Ursachen (etwa Ermüdung usw.) zurückzu- 



— 165 — 

führen sein. Diese ^Meinung spriclit aueli Phil. George (Wies- 
l;)aden) aus in seiner Veröffentliclumg ,,Die Amsel" (Neue Mu- 
sikzeitung 1914 Nr. 22). Jeder Gesanglehrer weiß ferner recht 
gut, daß nicht nur ermüdete Stimmen detonieren, sondern daß 
auch bei schlechtem Wetter " die Stimmlage sich häufig etwas 
nach unten verschiebt. 

In der erwähnten, sonst von selir guter Beobachtung zeu- 
genden Arbeit geht George nocli weiter als Ho f f m a n n - R i e- 
m a n n : er will in Amselgesängen Septimen Sprünge : 
5h. 



und den T r i t o n u s 



festgestellt haben. 

Wir seilest haben unter unseren mehr als 3000 Amselstrophen 
Septimenintervalle ebenso wie den Tritonus vergeblich gesucht. 
Immerhin halten wir sie für durchaus möglich, obzwar uns die 
ganze Tonlage, besonders in der zweiten Schreibung Georges 
ein wenig tief vorkommt, und die Oktave, in der G.s Amsel 
singt, gleich um zwei Oktaven zu tief angegeben ist. Wenn G. 
sagt: „Ist der Vogel ungestört im richtigen Plaudern, so reiht 
er . . . Einzelmotive . . . ganz musikalisch logisch aneinander, 
die sich . . . als eine in sich folgerichtig im Zusammenhang ste- 
hende . . . Periode erkennen lassen (Beispiele Periode I u. II)", 
so bestätigt er, was wir oben über die Zusammensetzung der 
]\Iotive ausgeführt haben. 

Georges Beispiele seien hierher gesetzt : 

Fi? 




Abel- daß die Amsel so eine x'^rt Frage- und Antwort spiel 
aufführe, scheint uns zu weit gegangen: 




Man ist so leicht geneigt, gerade beim Amselgesang vieles 
hineinzuhören. So ist z.B. die Angabe des Takts eine meist 



— 166 — 

sehr heikle Sache. Hier stimmen wir Hoff mann vollständig 
l)ei. Wenn wir in dieser Arbeit doch oft Taktstriche setzen 
konnten, so war eben das IMarschmotiv daran schuld, das in 
seinen verschiedenen Verarbeitungen immer wiederkehrt in un- 
serer Besprechung. Auch bezüglich der D y n a m i k ist wenig zu 
bemerken. Der Vogel bringt wenig dynamisclie Schattierungen. 
Er singt aus vollem Halse sein F. (Von seinem pp-Plaudern 
wurde früher schon gesprochen.) Das, was den Gesang der 
Xachtigall so veredelt, das Crescendo, kennt die Amsel nicht. 
■ Der Klang der Amselstimme entspricht dem der Flöte 
und Okarina am ehesten. (George meint, daß die Vogelstinnnen 
vielfach die Vorbilder für unsere Instrumente gewesen seien.) 

Die Tonhöhe wird von Voigt*) und H o f f m a n n um 1 , 
von George um 2 Oktaven zu tief angegeben. Der Amsel- 
gesang bewegt sich in der Hauptsache zwischen h^ und g^, um- 
spannt also für gewöhnlich eine Sexte. Wir reden hier aus- 
drücklich vom Gesang. Das oft angehängte „Schirken" haben 
wir, wie gleich anfangs gesagt,' nicht in den Bereich unserer 
Untersuchungen gezogen. Die Tonlage der Gesänge ist so hoch, 
daß wir sie grade bequem pfeifen können. Das ist ein großer 
Vorzug gegenüber den meisten anderen Vogelstimmen. Der Leser 
aber möge sich nicht verleiten lassen, unsere Xotenbeispiele am 
Klavier zu spielen. Er müßte sie in der obersten Oktave des 
Pianinos nehmen und wäre dann .höchst unl>efriedigt. Auf der 
Flöte und der Okarina gespielt oder mit dem Mund nachge- 
pfiffen, konnnen die Beispiele am ehesten der Wirklichkeit nali. 

Aus unseren Schreibungen geht zur Genüge hervor, daß der 
Amselgesang besonders die Tonarten Cdur und Gdur bevor- 
zugt und innerhalb dieser Tonarten- wieder den Akkord. Auch 
Bruchstücke der Tonleiter werden gebracht. Ein einziges Mal 
komiten wir die Cdur- Tonleiter von gg bis g^ aufwärts ge- 
nonnnen, aufschreiben. Das war eine der alten Kirchentonarten, 
die man die myxolydische nennt, mit dem Ganzton f g am 
Schlüsse, also ohne den Leiteton der diatonischen Skala: 



*) Alwin Voigt, Exkursionsbucli zum Studium der Vogelstimmen. 
6. Aufl. 1913, S. 45 u. 46. In der neuen Auflage richtig gestellt. 



— 167 — 

Das Gleiche berichten George und ^Nfayer (Saarbrücken).*) 
George meint dazu: „Es könnte fast vernuitet werden, daß 
die alten Kirchentonarten, zum mindesten aber die religiösen 
Gesänge aller alten und mithin auch moderner Kulturvölker mit 
diesen Naturmelodien im Zusammenhang stehen". 

Bevor wir weiter gehen, möchten wir hier noch einige Stro- 
phen einschalten, die Zeugnis von dem hohen Können der Amsel 
ablegen sollen. Von tonleiterartigen Strophen können wir noch 
folgende aus unseren Auf Schreibungen veröffentlichen (Xr. (50 
bis 64): u. ib» - - -„z-c - - bi. - - ■^^-'^^^- -'»i/. 




Die ersten zwei gehören unserer modernen Bdur-Tonleiter an 
und sind mit einem Auftakt versehen, der durch Punktierung 
variiert worden ist. Die zwei letzten Tonleiternotierungen stam- 
men vom Jahr 1914, wo eine Amsel in unserm Hausgarten 
früh morgens fast ununterbrochen Tonleiterübungen auf- und 
abwärts im Geschwindtempo vornahm. Die erste Notierung vom 
23. III. 1914 umfaßt die untere Quint unserer modernen Gdur 
Tonleiter, die in Triolenljewegung gebracht wird. Am nächsten 
Tag wird durch Verlängerung von unten in Sechzehntelbewe- 
gungen die myxolydische Tonleiter mit dem Ganzton f g am 
Schluß gesungen. — Die letzte Tonleiternotierung umfaßt die 
untere Quinte der Amoll-Skala. 

Wie oben erwähnt, erlangt aber der Akkord im Amsel- 
gesang eine ungleich größere Bedeutung. Von einer Amsel hör- 
ten wir einmal unmittelbar hintereinander glockenrein den Fdur- 
Akkord (Nr. 65): 

lo5. '^''- 



Das hohe F wurde als Eoller gebracht, wie es der Eisenbahn - 
Schaffner am Bahnhof, der in der Nähe lag, beim Verschieben 
der Wagen so oft verwendete. Ein andermal erklang der Fdur- 



Akkord in Triolen (Nr. 66): 



*) Mayer, Die musikalischen Elemente im Gesang der Amsel. „Ge- 
fiederte Weit" 30, Nr 25. 1896. 



168 — 



oder mit Punktierungen (Nr. 67): 

.tf ib-. 



Das kecke wie ein An griff signal anmutende Motiv wurde 7mal 
einwandfrei nacligepfiffen, erklang den ganzen Sommer liindurch 
auf dem Valentinsberg in Lolir, hatte sich aber bis zum nächsten 
Jahr verloren. 

Daß das folgende Motiv (Nr. 68) aus einer Veränderung des 
Gdur- Dreiklangs entstanden war, erkannte man noch an der 
Akzentuierung: 



Das schönste Akkordmotiv aber hörten wii" am Beilstein 
(1916). Es zeichnete sich aus nicht nur durch Einschiebung 
einer prächtigen Wechselnote (x), nicht nur durch strengen 
Marschrhythmus und interessante Phrasierung, sondern auch da- 
durch, daß eine Wiederholung darin vorkam: 



Das Liedchen wurde uns fünfmal in zehn Minuten vorgesungen. 
Es wundert uns nur, daß das prachtvolle Motiv keine größere 
Nachahmung bei den Nachbaramseln gefunden hat. 

Mit dem nachfolgenden jSIotiv (Nr. 70) wissen wir nichts 
rechtes anzufangen: 



Die Töne von c zum g und umgekehrt wurden durchgeschliffen, 
wie man es von Meister Star so oft hört: Glissando und Porta- 
mento nennt es der Violiiispieler. Sollten das nun Cdur-Ton- 
leitern oder Akkorde sein? 

Eine Stufe höher sind Themen zu bewerten, die sich aus 
mehren, verschiedenen- Akkorden angehörenden Motiven zusam- 
mensetzen (Nr. 71^72, 73): 



— 169 — 

Auch hier zeigt sich, daß die in der menschlichen. ^lusilv so 
stark bevorzugte Dominante (V) eine Hauptrolle spielt. Das 
erste und das letzte Thema stehen in Cdur; die diesem Akkord 
fremden Töne h d müssen mit Gdur harmonisiert werden. Das 
im Thema vorkommende f ist als Durchgangsnote aufzufassen. 
Das zweite Beispiel steht in Bdur; c mid a sind mit der Domi- 
nante der Bdm^-Tonart (Fdur) zu harmonisieren. 

Man sieht, es ergeben sich viele Parallelen zwischen dem 
musikalischen Schaffen der Amsel und des Menschen. Es mag 
vielleicht interessieren, was Philipp George zu dieser Frage 
sagt: „Die weichen Töne der Vogelstimmen haben vielleicht 
ebensoviel zur Ausbildung des Wohlklangs der menschlichen 
Sprechstimme beigetragen, als sie sicher für die Entwickelung 
der Musikinstrumente, ja es könnte sogar im Hinblick auf die 
verblüffenden musikalischen Leistungen unseres schwarzgerock- 
ten Sängers angenommen werden, daß sie für die Entwickelung 
der Musik überhaupt grundlegend waren." 

Zu dieser Frage seien einige Beobachtungen erwähnt, die 
wir an lernenden Jungamseln, also gewissermaßen in der Amsel- 
singschule machten. 

Wie wir dazu kamen? Nachdem wir bis Mai 1912 das Ent- 
stehen des „Frühlings-" und „Sehnsuchtsmotivs" miterlebt hatten, 
kamen wir nach einer durch äußere Umstände bedingten länge- 
ren Pause nicht mein- in das Eevier der Künstlerin. Wie er- 
schraken wir, als wir am 27. Mai in die Fichtenkultur kamen: 
wo unsere Künstlerin ihre herrlichen Weisen vorgetragen hatte, 
erklangen jetzt heisere, ungenaue, schlechtgetroffene Stümper- 
melodien, die ja im allgemeinen noch eine entfernte Ähnlichkeit 
mit den ehemaligen herrlichen Melodien hatten. Der ganze Wald 
hallte wider von den halbverstandenen verstümmelten Gesängen. 
Wie wir noch kopfschüttelnd die Ursache zu enträtseln such- 
ten, klangen plötzlich von ferne in aller Frische und Treue, 
sich fast unmittelbar folgend, die beiden Lieder herüber. Nun 
wai' des Rätsels Lösung gefunden: die Gelbschnäbel, die flügge 
Brut, hatten Singstunde. 

Vergegenwärtigen wir uns nochmals das ,,Frülilingslied" 
(Xr. 17, S. 157): 



— 170 — 

Es bestellt, aus dem reinen Gdur-Dreiklang. Das Charakteristi- 
sche daran, wohl auch das schwierigste für den Aniselsyrinx 
ist der gebrochene aufwärts geschlagene Dreiklang mit dem 
Hochton G, der ja ohnehin an der Höchstgrenze der Amselsing- 
stimme liegt. Nun ül)te eine junge Amsel, nachde-m das Motiv 
deutlicli von der Alten vorgetragen worden war: 



Als wenn der Kehlkopf erst eingestinnnt werden müßte, nmten 
die ersten Beispiele an. Die Tonart wird sofort richtig erfaßt, 
die Sliiimie klingt in dieser Mittellage ganz gut, erst der Hocl> 
ton macht Sch\\ierigkeiten und wird zunächst schlecht gesungen, 
weshalb er in dem Notenbeispiel schräg durchstrichen ist. Schon 
ist aber der Rhythmus vollständig erfaßt. Bald darauf erscheint 
der Auftakt, dann erfolgt der Aufschlag in schnellerem Tempo, 
und das Liedchen ist eingeübt. Freilich geht das nicht so schnell, 
als wir's hier schildern. Wir hörten Jungvögel halbe Stunden 
lang fast ohne Pause üben, manchmal mit einer wahnsinnigen 
Hast, als wollten sie Mitl^ewerber ausschalten, mit einem Eifer, 
vorbildlicli füi- menschliche Musikschüler, bis die Stinune heiser 
war. Dazu wurden die Stunden der Aforgendänunerung jnit Vor- 
liebe gewählt, wir wurden oft aufgeweckt von diesem Wettsingen. 
Auch die anderen Motive hörten wir einüben. Das elterliche 
Gut lautete in einem Falle so: 



Die krampfhaften Bemühungen der Jungvögel sind aus den 
iclifolgcnden Notierungen ersichtlich: 

lt.". - ^- 16^ 



Also \\i('(l(Miiiii Erfassung der Tonlage zuei'st, dann des Hhyth- 
mus. dann ei'st werden die Intervalle und die Melodielinie ganz 
getroffen. 

Was wir hier bringen, stammt aus dem Jahr liJU (20. V.). 
Ebenso das Nachfolgende, das wii- Anfang Juni in unserm Haus- 
garten hörten : - ">' 



— 171 — 

Das eintönige Liedleiii drang fortgesetzt an unser ühi-, um 
dann eine Besclileunigung des Rliytlnnus zu erfahren. Dabei 
wurde wiederum der Takt genau eingelialten und die höhere 
Note einfach in Unterw^erte zerlegt: 



Angehängt wurde nach einer Achtelpause der Hochton f. Nun 
vergleiche man mit dieser Schreibung das, was vorher der Alte 
gesungen hatte: 



Anstelle der Sechzehntelnoten d und e tritt eine Aclitelpause, 
der Hocliton g ward noch nicht ganz erreicht. Ja, das Wort l)e- 
steht zu Recht: „Am Anfang w^ar der Rhythmus!" 

Daß nicht nur Junge solchergestalt das von den Eltern Ge- 
hörte sich einprägen, sondern daß auch das während des Winters 
halb Vergessene erst langsam, aber in derselben Reihenfolge 
wieder über die ,,Scliw^elle des Bewußtseins" tritt, scheinen uns 
die folgenden Beispiele zu sagen. 

Die Amsel in unserem Hausgarten sang am 5. Tl. 1916 früh 
8 Uhr: ^fc'- - 



Dabei w'urde von c bis g durchgeschliffen, also der ,,Ijauf" 
wieder ausprobiert. Ihre Kollegin im Kasinogarten Lohr stüm- 
perte am 9. III. 1916 abends 5 Ukr: 



Sie hatte also eine e'ute ErinnerLmgr an das Vorbild: 



sie entnahm diesem die mit X bezeichneten Stücke. Sie mag das 
Gefühl besessen haben, daß am Schluß sich im Vorjahr eine 
Triole befunden hatte; die kam aber als vollständiges Geräusch 
heraus und, als nüißte die Amsel es verbessern, hängte sie 
dann den wohl im verflossenen Herbst gründlich geübten Hocli- 



- 172 — 

ton an. Audi die Rhytliinusbewegiiiigen der Sekiiiidenscliritte 
lassen auf ein gutes Gtefühl für Rhythmus schließen 

Rhythmisches Gefühl tritt auch im nächsten Beispiel deutlich 
hervor. Die Amsel am Kaibachplatz (Lohr) sang am I.V. 1916 
abends 734 Uhr: 




Dabei Vjlieb der Vorsclüag innner kratzend. Sollte er wohl den 
Holler vom vorigen Jahr bedeuten? 

Mit diesen Beispielen mag es für jetzt sein Bewenden hal)en. 

Es ist nun eigentlich nicht weiter verwunderlich, wenn 
das Junge das Lied des Alten lernt. Aber die Amsel ist ge- 
lehrig. Sie imitiert auch anderes, wenn auch nicht in dem 
Maße wie z. B. Gartenspötter, Waldrotschwanz, Blaukehlchen, 
oder wie ihre nächste Verwandte, die Singdrossel. Aber was 
ihr liegt, besonders in Bezug auf Tonhöhe, das bringt sie in 
größter Nat urtreue. 

Von der Nachahmung der Trillerpfeife des Eisenbahnschaff- 
ners haben wir oben schon gesprochen. Wir haben seinerzeit 
in der Frankfurter Zeitung (58. Jahrg. 1914. Nr. 115, vom 26. 
April 1914) davon erzählt. Am 30. April 1914 wurde diese Nach- 
richt durch eine Zuschrift an dieselbe Zeitung (Nr. 119) aus 
Basel bestätigt. Dort hatte die Eisenbahnverwaltung auf freche 
Jungen gefahndet, die die Pfiffe des Personals nachgeahmt und 
dadurch beim Verschieben der Wagen oftmals ein großes Durch- 
einander erzeugt hatten. Endlich wurden die Übeltäter entdeckt: 
es waren Amseln. Ihre Meisterschaft ging sogar, sagt die Zu- 
schrift, so weit, daß sie verstanden, getreu verschiedene indi- 
viduelle Eigentümlichkeiten nachzuahmen, die das Personal beim 
Pfeifen sich angewöhnt hatte. 

Wir haben hier in Lohr an verschiedenen Stellen, die inniiei- 
in allernächster Nähe der zwei Bahnhöfe lagen, diese Lnitation 
gehöi-t. Da einmal gleichzeitig Amsel und Schaffner pfiffen, konn- 
ten wir feststellen, daß die Tonhöhe und der Klangcharakter 
haarscharf getroffen waren. Der Roller wurde aber auch auf 
anderen Tönen angebracht, wie ja aus dem Obigen hervorgeht. 

Wii- schi-ieben einmal: 



— 173 

doch auch: 



Was wir von dieser Künstlerin nicht erwartet hätten, geschah 
doch: sie ahmte auch Geräusche nach und zwar Sensen wetzen. 
Wir haben es in zwei verschiedenen Jahren und an zwei ver- 
schiedenen Plätzen beobachtet. — Die Tonlage von Schwarz- 
specht und Grünspecht und Steinkauz entspricht ungefähr der 
der Amsel. So kann es nicht wunder nehmen, wenn audi die 
Kufe dieser Vögel in ihr einen Nachahmer finden. 
Der kratzende Streckenruf des Schwarzspechts: 



^"i' i-\' frr c 

Ho^ -mv hw /K\^ 



wie sein melancholisches L ^ \° j* ^ werden in täuschender 

Xaturtreue nachgeahmt. Wir haben dabei immer besonders be- 
wundert, daß der obertönige Klangcharakter dieses klie mit dem 
harten K-Anlaut so gut herausgebracht wird, da doch sonst die 
Amselstimme dem obertonarmen (hölzernen) Flöten- oder Ge- 
daktregister der Orgel, nicht aber den streichenden, oberton- 
reichen (Zinn-) Salizionalstimmen zu vergleichen wäre. Ebenso 
gut gelang an mehren Stellen das Glü glü glü des Grünspechts, 
das an eine Strophe als Endtriole angehängt wurde auf e^^. Das 
Kuit des Waldkauzes muß natürlich nicht nur in der Höhenlage, 
sondern auch im ganzen Rhythmus, in der Tonführung und im 
Tempo der Amsel „liegen". Wü- hörten es da und dort. Von 
weiteren Kachahmungen -verschiedener anderer Vogelrufe nuiß 
noch weiter unten gesprochen werden. 

Nun hörten wir von Amseln auch eine Reihe wohlbekannter 
m e n s c h 1 i c h e r ]M e 1 o d i e n singen, können uns aber bei eini- 
gen nicht glattweg dazu entscheiden, sie für Nachahmungen 
zu erklären: 



Mein lieber Schwan 

Das Motiv sieht unserem oben angeführten ürmotiv so ähnlich 
und ist so m allem zugeschnitten auf das Amselkünstlertum, daß 



— 174 — 

wir lit' Ute eher dazu neigen zu sagen, R i c li a r d Wagner 
lialie l)ei der Amsel eine Anleihe geniaclit. Hoff mann erklärt 
es für ein Singdrosselmotiv. Wir haben es an zwei Stellen, die 
mindestens zwei Stunden auseinanderliegen, von Amseln gehört. 
Die zwei in folgendem angeführten Liedanfänge wolle man 
vergleichen : 



(Das 2. ist hier um einen Ton höher gesetzt) 

Die beiden Anfänge haben ungemeine Ähnlichkeit und sind docli 
von zwei grundverschiedenen Komponisten — Donizetti und Bi- 
zet — erfunden worden: 

„Ich bin die Tochter (des Regiments)" 
„Auf in den Kampf". 

Das erste Motiv hörten wh' am 29. V. 1912 auf dem Valen- 
rinsberg, den zweiten Liedanfang am 15. VII. 1915 am Romberg 
in Begleitung eines höchst unmusikalischen Freundes, der das 
Lied aber ohne unser Zutun sofort erkannte. 

Wer war in diesem Fall der ,, Abschreiber"? 

Wir meinen, die Frage wäre zu unrecht gestellt. Derartige 
\'orfälle mögen nur wiederum beweisen, daß zwischen dem 
Amsel- oder dem Vogelgesang überhaupt und unserer Musik 
Brücken geschlagen zu sein scheinen. Wir könnten noch mehr 
solcher Beispiele bringen, Avollen aber nur noch auf eines hin- 
weisen. 

Man vergegenwärtige sich noclimals das sogenannte ,,Ur- 
motiv" (S. 15G): 



das wir verschiedenfach variiert wiederfanden in den Strophen 
9, 10, 11: 

" ' u. s. w.. 



dessen Toimmfang auch verengert wurde (Strophe 12): 



— 175 — 

und nach so vielem Hin- und Herwenden endlieh zum Früldings- 
lied wurde. 

Auch die Anhängsel Nr. 41: 



sowie 43, 44, besonders aber 45: 



scheinen, wie wir bereits ausgeführt liaben, aus dem Urmotiv 
entstanden zu sein. 

Nun vergleiche man damit die Melodie: 



Diese ^Melodie des ., Puppchens" liörten wir von Amseln einwand- 
frei an zwei verschiedenen Orten : zuerst in unserem Hausgarten. 
Im Traum ärgerten wir uns über einen Jungen, der den Gassen- 
hauei- immer und immer wieder in aller Morgenfrühe vor un- 
serem Schlafzimmerfenster herunterpfiff, x'ils wii^ ihn bei den 
Ohren nehmen wollten, erkannten wir im Erwachen die so „mo- 
derne" Amsel, die auf einem Apfelbaum in unmittelbarer Nähe 
des Fensters sang. Auch in einem Tale zwischen Gambach- Dorf 
und -Bahnhof, d. h. in 25 km Entfernung von Lohr, wurden wir 
von einer Amsel mit demselben Gassenlied überrascht. Eine 
Täuschung war völlig ausgesclüossen. In diesen zwei Fällen nei- 
gen wir dazu, eine Imitation anzunehmen, denn das Lied wurde 
allüberall bis zum Überdrusse gepfiffen und lag, wie vorher an 
den Notenbeispielen gezeigt, der Amsel wie kaum ein zweites. 
Als wir 1916 wieder auf dem Kaibachplatz das Motiv: 



von einer Amsel hörten, glaubten wir in ihm eine Erinnerung 
an das ,, Puppchen" erblicken zu müssen. Eine Durchsicht un- 
serer Aufzeichnungen ergab aber, daß es mit dem Urmotiv in 



— 176 — 

Zusamiiienhang gebracht werden muß. Es ist als eine Variation 

des Urmotivs (Nr. 8) ^ / * j ^ ^ anzusehen. 

Wir haben ferner von hiesigen Amseln noch Motive gehört : 



Heimat o Hei-(mat, ich muß dicli verlassen). Volkslied. 



I^ippe Detmold (eine wunderschöne Stadt). Altes Volkslied. 

Diese zwei Liedanfänge werden hier von unseren Wander- 
vögeln viel gesungen. Da sie aber Tonschritte aufweisen, die 
Uligemein häufig im Amselgesang vorkommen, braucht man nicht 
gleich eine Nachahmung zu wittern; immerhin wäre sie möglich. 
Jedenfalls ist die Gleichheit der musikalischen Empfindung von 
Mensch und Amsel recht bemerkenswert. 

Es müßte sehr reizvoll sein, einer gelehrigen Käfig-Amsel 
ein kurzes Motiv in immer derselben, ihr vielleicht nicht ganz 
zusagenden Tonhöhe vorzupfeifen, und dann zu beobachten, ob 
sie wirklich versucht, das Liedchen in die ihr zusagende Lage 
zu transponieren. Wir glauben nicht eher daran, bis wir es mit 
eigenen Ohren gehört haben. 

Ludwig S c h m u t z 1 e r (Heilbronn) erzälüt in einer Plau- 
derei „Über den Tonsinn der Vögel" (Neue Musikzeitung 1916, 
Heft 21), daß er einen transponierenden Papagei besessen habe. 
Seine im gleichen Aufsatz vorkonnnenden Aufschrei])ungen über 
die Amselstrophen sind aber, was ihre Notierung anlangt, so 
w^enig vertrauenerweckend, daß wir seiner ersten Mitteilung 
etwas skeptisch gegenüberstehen. Die Notierungen von Phil. 
George dagegen, sowie die von M e y e r - Saarbrücken (,, Ge- 
fiederte Welt", 30, Heft 24) lieweisen, daß beide Verfasser durch- 
aus gut beobachtet haben. 

Das Amselgesangprol)lem spukt seit langem in den Köpfen 
der Musiker. Viele haben das unbestimmte Gefühl, daß mehr 
dahinter steckt, als der erste Anschein zeigt. Wir sind einmal 
auf den Gedanken gekommen zu erproben, ob sich Amselmotive 



— 177 — 

nicht 7Ai einem musikalischen Stückchen zusannnensetzen ließen. 
Dazu hat uns das Motiv veranlaßt, das wir von einer Amsel 
am 16. April 1912 erlauscht hatten: der Anfang von „Brüder- 
lein fein": 



Wie wir dann dem Aufbau dieses -Volksliedes nachsannen, 
war unsere Überraschung groß: es besteht nämlicli wirklich nur 
aus den zwei Motiven: - - 



und ist in der Weise zusammengesetzt, daß sich das Hauptmotiv 
(1) im 2., 4., 5., 6., 10., 12., 18. und 14. Takt, das Nebenmotiv (II). 
das im Takt 3 auftritt, im 7., 9., 11. und 15. wiederholt. Die 
Schlußtakte 8 und IG schließen die Perioden in der Tonika al). 

Dieses Volkslied könnte uns Musikern ein Beweis sein dafür, 
daß man mit kühler Berecluiung eine ganz gute Melodie zu- 
stande bringen kann. 

Wer also zwei gute, brauchbare Amselmotive geeignet mit- 
einander verbindet, kann zweifellos ein gutklingendes Liedcheji 
zustande bringen. Wir haben es probiert, und jedem, dem wir 
das Ding vorspielten, hat es gefallen, aber jeder war auch aufs 
liöchste erstaunt, als er die Geschiclite des "Liedchens erfuln-. 

Hier ist es*): 

Amselliedchen 

Nach zwei Motiven ein und derselben Amsel zusammengestellt von 

Cornelius Schmitt 




*) „Gefiederte Welt" 42, Heft 34, 1913: „Musikalisch interessante Amsel- 
strophen aus Lohr a. M." 



178 



■^ j-T JA i'l _r 






1-^ 


^T^^ 


2^^^ 
=^^=^^ 


m 








J 




'r 


— 1-?; - 


M^M- 


' i M 


1 J?l ,rT 


,J 


^^^ 


^f=^ 






^Ir 


^^^ 


#^ 


^i=^ 




Driu'k von Woiner u. Winter, G. in. b. H. in Frankfurt am Main I9t!» 




LEITZ- 

Mikroskope, 
Mikrotome, 
Mikroptiotograpii. u. 
Projektionsapparate 

LEITZ-PRISÄERNROHRE 

Ernst Leitz, Wetzlar 
Optische Werke 

— Katalog Nr. 46 S auf Verlangen kostenfrei — 



Im Selbstverlag der Senckenbergisdien Naturforscbenden 
Gesellsdiaft in Frankfurt a, M. erscheinen : 

1. Abhandlungen der 

Senckenbergisdien Naturforsdienden 

Gesellsdiaft 

(bis Band XXXVII) 

2. Sendienbergiana 

(siehe letzte Umschlagseite) 

3. Bericht der Senckenbergisdien 
Naturforsdienden Gesellschaft 

(bis 49. Beridit) 



Die Verfasser sind für den Inhalt ihrer Arbeiten allein yerantwortlich 

Für di« Redaktion verantwortlich: Dr. Rud. Richter in Frankfurt am Main 

Druck Ton W«rner u. Wimt«r, G.m.b.H., in Frankfurt am Main 



5 WHSE 00794