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Full text of "Naturwissenschaftliche Wochenschrift"

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Redigirt 



von 



l>i*. H. Potoiiie, 

Docenteii der Pilaiizenpalaeontologie an der Kgl. Bergakademie zu Berlin und Geologen 
an der Kgl. Preuss. geologischen Landesanstalt. 



s^m^- 



ACHTER BAND 

-^ (Januar bis December 1893). 







BERLIN. 



Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung. 



Inhalts -Verzeichniss. 

Die Original-Abhandlungen, -Mittheilungen und -Abbildungen sind durch die Beifgung der Abkrzung Orig." gekenn- 
zeichnet; ausserdem sind viele Autoren an den Referaten ber ihre Arbeiten dadurch betheiligt gewesen, dass sie die 

Correcturen gelesen haben. 



Seite 

Allgemeines niul Verschiedenes. 

Aschersoii (siehe Zoologio). 

Driesch, Mathematisch- mechanische 
Betrachtung morphologischer Pro- 
bleme der Biologie 113 

Franke, Zum Brunnenunglck in 

Sclineitlemhl (Orig.) 341 

Friedel, Sechellen Nuss aus d. Spree- 
bett (Orig.) . . ._ 378 

Hahn, Der Scheich im Nibelungen- 
liede 2 

Jordan, Ist die unmittelbare Ge- 
dankenhertragung oder mentale 
Suggestion erklrbar? (Orig.) . 44, 152 

Klein, Anmerkungen zu Jordan's Ar- 
tikel ber Gedankenbertragung 
(Orig.) 45, 162 

Lucks, Ursachen des natrlichen Todes 

(Orig.) 4.3, 4il0, 503 

, Vererblichkeit erworbener Organ- 
Abnderungen (Orig.) 375 

Nies, Ueberschtzung der Neigung bei 

Bschungen (Orig.) . . ... 287 

Angelegenheiten der Naturwissenschaft- 
lichen Wochenschrift .... 10. 164 

Philosophie. 

Dreher, (Jeher den Ursprung und die 
Bedeutung d. geometrischen Axiome 
(Orig.) 158 

Anthropologie. 

Aisberg, F ritsch, von Hey den, 
Krause und Waldeyer, Rechts- 
und Linkshndigkeit .... 423, 424 
Ammon, Natrliche Auslese beim 

Menschen 542, 553 

Bedart, Vererbung einer Missbildung 159 
Krause, Megalithische Denkmler . 425 
Liesegang, Die Gehrfarben (Orig.) 359 
Merkel, Blumenbach's Schdelsamm- 
lung 421 

Nehring, Gleichzeitigkeit des Men- 
.schen mit der sog. Mammuthfauna 

(Orig.) 589 

Parizi, Ist der Mensch omnivor, her- 

bivor oder carnivor? 141 

Ranke, Schwimmhautbildung beim 

Menschen 426 

Kowald, Das Opfer beim Baubeginn 423 
Schuchardt, Neuer deutscher limes 423 
Stolpe, Ausgrabungen auf der Karls- 
insel 425 



Seite 

V i r c h o w , Stand der prhist. Forschung 

u. Wiege des Menschengeschlechts 422 

, Zwergrassen 425 

Waldeyer. Missbildungen am Schdel 425 
Wallenberg, Raumvorstellung eines 

Blindgeborenen ((_)rig.) 357 

W e s t e r m a r c k , Naturgeschichte d.Ehe 330 
Wlfling, Untersuchungen ber den 

kleinsten Gesichtswinkel .... 361 

Die Heisterburg 421 

Ende der Ca nnstadt- Rasse ... 67. 120 
Geburten und Eheschliessungen in 

Venezuela 295 

Zoologie. 

Alcock, Zusammenleben zweier ver- 
schiedener Thierarten 536 

Ascherson, Die Ziegen mit goldenen 

Zhnen und das Goldkraut (Orig.) 121 

Binet, Vergleichende Physiologie des 

Nervensystems der Coleopteren . . 593 

Blanchard, Dasselfliegenlarven Inder 

Menschenbaut 377 

Brandes, Blattluse und Honigthau 583 

Braun, Knstliche Erzeugung von 
Doppel-, Halb- und Zwergbildungen 
bei Thieren (Orig. mit Orig.- Abb.) . 265 

B tschl i , Knstliche Nachahmung der 

karyokinetisehen Figur 149 

C h o 1 o d k (1 v s k y , Zur Kenntniss der 

Coniferen-Lusi' 68 

Cotejean und Werner, Selbstver- 
stmmelung bei Heuschrecken . . 178 

Dareste, E.xperimental-Teratogenie . 386 

Dreyer, Physikalische Erklrung v. 
Formenverhltnissen organ. Skelett- 
bihlungen (Orig. mit Orig.-Nachb.) 225 

Dune k er, Maden an Krten .... 361 

Dutczynski, Insectentlug .... 445 

Fleischer, Die Eiche als Kferwoh- 
nung 295 

Gaubert, Autotomie bei Nymphon . 561 

Gaule, Der Einfluss des Nervus trige- 

minus auf die Hornhaut des Auges 96 

Giard, Lamarck's Theorie und die Vi'r- 

erbung krperlicher Abnderungen 441 

G r a w i t z , Dochmins siehe unter Medicin. 

Greef u. Noll, Trichosphaerium Sie- 

boldii .548 

Haacke, Trger der Vererbung . . 523 

Hacker, Bedeutung des Haupt-Nu- 

cleolus 451 

Hagen, Conservirungsflssigkeit fr 

zoologische Prparate (Orig.) . . . 337 

Harn a c k , Giftfestigkeit des Igels gegen 

Cyankalium (z. Th. Orig.) . . 128, 329 



Seite 

H e g e m a n n . Geschichte des Walfanges 259 
H e n s e n , Einige Ergebnisse d. Plankton- 
Expedition 567 

His, Aufbau unseies Nervensystems . 520 
K e n n el , Verwandtschaftsverhltnisse 

der Arthropoden 160 

K I e i n s c h m i d t . Wie hlt der fliegende 

Rauhvogel die Fnge? 537 

Knig, Die Biene als Depeschentrge- 
rin verglichen mit der Taube (Orig.) 305 
Kkenthal, Pflanzenfressender Del- 
phin 274 

Zur Phylogenese der Sugethiere . 205 
Kunckel d'Herculais, Farben Wech- 
sel der Wanderheuschrecke . . . 241 
K u t a g i n , Verwandtschaft der E.skimo- 

hunde 188 

Lach mann, Ssswasser - Aquarien 

(Orig. mit Orig.-Abb.) ..... 78 
Loeb, Zur Experimental-Embryologie 460 
Ihering, Leydig, Ludwig u. Wag- 
ner, Aufenthalt der Afterskorpione 572 
Marey, Analyse der Sehwimm-Bewe- 
gungen des Rochens. (Mit Orig.- 

Nachbild.) 209 

Martens, Ueber Schtt's Analytische 

Planktonstudien" (Orig.) .... 158 
Mehely, Verbreitung der Kreuzotter. 350 
Mlli'r, Im Wasser lebende Raupen . 336 
Nagel, Chem. Sinn bei Actinien . . 459 
Nehring, Ki'euzungen von wilden und 

zahmen Meerschweinchen (Orig ) . 473 
, Neuer Wanderzug des Tannen hhers 

(Orig.) 500 

, Raupenfrass an Knieholz des Riesen- 
gebirges (Orig.) 445 

Noe, Lebenszhigkeit von Skorpionen 593 
Petersen, Dichogamie bei Schmetter- 
lingen 388 

Piokering, Ph3'siol. des embryonalen 

Herzens 244 

Piette, Equus zur Rennthierzeit . . 178 
Poppe, Vorkommen von Mus alexan- 

drinus in Vegesack (Orig.) .... 505 

Pouchet, Ocean-Sardine 260 

Pouchet und Beauregard, Verzeich- 
niss ber Cetaceen an der franz- 
sischen Kste 171 

Preyer, Angebliche Giftfestigkeit des 

Igels (Orig.) 255 

Ra i 1 1 e t, Krtze b. Kaninchen u. Katzen 242 
, Megnin, Laver an u. Cadiot, Im 

Ohr V Sugethieren lebende Milben 27 
Rey, Baldamus u. a., Fortpflanzung 

des Kuckuck 171 

Ridgway, Erblindung von Krhen 

durch Klte (z. Th. Orig.) ... 274 



3 8 81.8 



IV 



Inhalts -Verzcicliniss. 



Seite 

Rittmeyer, Ueber die Nonne (Liparis 

monacha) (Orig. mit Abb.) .... 83 

Russ, Freilebende Papageien in der 

Mark Brandenburg {z. Th. Orig.) . 58 

Scbmidt, Mitbewohner von Ameisen- 

baiiten 426 

Schulze, System der Hvalonomatiden 

414, 427 

, Zur Bezeichnung der Lage u. Ricli- 

tung im Thierlvrper 188 

Seitz, Zur Mimicry 459 

S tru b e 11 , Entwickelungsgeschichte der 

Pedipalpen 129 

Thomas, Fischfressende Nagethiere . 274 

Verhff, Staehelapparate d. Insekten- 
puppen 323 

Verworn, Physiologische Bedeutung 

des Zellkerns 485 

Voigt, Fortpflanzung v.Planariaalpina 27 

Vosseier, Biol. Mitth. ber Orthopt. 

aus Oran 472 

W e s t h o f f , Geschlechtsreife Larven bei 

unseren Lurchen 89!) 

Wiese's Conservirungsflssigkeit . . 337 

Ziemer, Stellung der Raubvgel- 
Fnge beim Fluge 336 

Bison-Ausrottung 561 

Material der essbaren indischen Vogel- 
nester 39 

Neuseelndische Vgel 274 

Schmetterlingsinvasion 242 



Botanik. 

Ascherson sielie Zoologie. 

Baenitz, Herbarium Europaeum 10, 525 

Binz, Ueber StJirkekrner 204 

Eggers, In der Heimath des Caeao 

(Orig.) 51 

Engler, Das natrl. Pflanzensystem . 31 
Fauvelle, Transformation der Pflan- 
zenwelt (mit 1 Schema) ..... 417 
Frank, Assimilation des Stickstoffs . 296 
Giard, Neue Gattung der Laboul- 

beniaeeae 209 

Giesenhagen, Hexenbesen an Farn 

und hygrophyle Farne 204 

Graebner, Das Reifen der Frchte 
und Samen frhzeitig von der Mutter- 
pflanze getrennter BlUthenstiinde 

(Orig.) 581, 596 

Haberlan dt. Anatomisch -physiologi- 
sche Untersuchungen ber das tro- 
pische Laubblatt 179 

, Die Mangrove (mit Abb.) .... 577 
Hennings, Algenflora des Mggelsees 

(Orig.) 81 

Hock, Kosmopolitische Pflanzen (Orig.) 135 
Kayser, Entwickelung der Samen- 
decken bei den Eupliorbiaceen . . 27 
Keller, Myrniecophile Akazien. . . 8(il 
Klebs, Fortpflanzung der Vaucheria 

sessilis 381 

Kuntze, Botanische Excursion durch 
die Pampas und Monte-Formationen 
nach den Cordilleren (Orig.) 4, 90, 

214.'^ 264, 327, 575 
Kurtz, Berichtigung zu Kuntze's Auf- 
satz (Orig.) ..... 214, 327, 551 
Loesener, Zur Verbreitung, Biologie 
und Geschichte von Ilex Aqui- 

folium L. (Orig.) 15, 50 

Loew, Anfnge epiphyt. Lebensw. b. 
Gefsspfl. Norddeutschi. (z. Theil 

Orig.) 210 

Mller, Pilzgrten von Ameisen . . 247 
Ngeli, Oligodynamische Erschein, in 

lebenden Zellen ... .... 455 

Nawaschin, Betuhi ebenfalls chala- 

zogam (mit Orig.-Nachb.) .... 142 

, Die ,.Mikrosporangien" d. Torfmoose 295 
Neil, Einfl. d. Phosphat-Ernhrung auf 
Pflanzen (Orig.) " . . 181 



Seife 

Otto. Einfluss von Lvsol auf Pflanzen 

(Orig) . . . . " 68, 181 

, Aufnahme und Speicherung von 
Kupfer durch die Pfanzenwurzel 

(Orig.) 565 

Pfeffer, Reizbarkeit der Pflanzen . 533 
Potonie, Das natrl. Pflanzensystem 
Engler's und Treub's Unters, zur 
syst. Stellung von Casuarina (< >rig. 
mit Orig.-Nachb.) ...... 31 

, Was sind Blumen? (Orig. m. z. Th. 

Orig.-Abb.) 195 

, Der Begriff der Blthe (Orig. mit 

Orig.-Abb.) 517, 584 

Pouchet, Neue schwimmende Meeres- 
alge 161 

, Pelagische Flora des Naalsoefjords 

und des Dyrefjords 286 

Prantl, System der Farne .... 150 
Seh midie. Algen des Schwarzwaldes 

und der Rheinebene 451 

Schorler, Schinetterlingsfang durch 

Drosera rotundifolia (Orig.) ... 38 
Seh weinf urt h, Balsam und Myrrhe. 547 
Solms - Laub ach, Geschichtlielier 
Rckblick auf die Botanische Zei- 
tung 90 

Stahl, Regenfall und Blattgestalt (mit 

Orig.-Nachb.) ......... 284 

Stoney, Energiequellen der Bacterien 537 
Ta u b e r t , Vorkommen einer Gleditschia 

in Sd-Amerika (Orig.) 161 

Tavel, Wirth Wechsel der Rostpilzo . 350 
Thomae, Bildung der Eiweisskrper 

(Orig.) 469 

, MyrmekophiliedesAdlerfarns(Orig.) 524 
Tre a b, Untersuchungen ber Casuarina 

(mit Orig.-Nachb.) 31 

Williams, Jlonographie von Dianthus 244 
Wollnj-, Elektrische Culturversuche 472 
Zoobel und Mikosch, Function der 

Grannen der Gerste .... 223. 348 
Botanisches Laboratorium in Florida . 474 



Palaeontologie. 

Buschan, Die tertiren Primaten und 
der fossile Mensch in Sdamerika 
(Orig.) .-. 1 

Conwentz, Wasserniiss fossil in West- 

preussen (Orig'.) ...... 337, 362 

Cope, Fos,siler SchlangenGiftz.-ihn . 388 

Friedel, Reecnte Steinnsse als ver- 
meintliche Fossilien (Orig.) . . . 378 

G n t h e r, Palaeontologie und physische 

Geographie 556 

Lesquereux, Florader Dakota-Gruppe 438 

N e h r i n g , Ueber die Tundren-, Steppen- 
und Waldfiuina aus der Grotte zum 
Schweizerbild" bei Schaffhausen 
(Orig.) 91 

Pavlow, Rhinozeriden 254 

Potonie, Folliculites eine fossile Ana- 

cardiaccen-Gattung (Orig.) .... 58 

, Stigmaria - Erhaltungsweise als Be- 
weis fr die Autochthonie von Car- 
boupflanzen 312 

, Recente Steinnsse als vermeiuriiclie 

Fossilien (Orig.) ........ 337 

, Eine Psilotacee des Rothliegenden 
(Orig. mit Orig.-Abb.) 343 

, Folliculites (mit Orig.-Nachb. und 

Orig.-Abb.) 395 

, Volumen-Reduction beiUmwandlung 

von Pflanzenmaterial in Steinkohle 485 

, Blattformen fossilm- Pflanzen in Be- 
ziehung zu den Niederschlgen 
(Orig.) ... 513 

Rohon, Ein mesozoischer Fisch vom 

Altai- 87 

Stirling. Diprotodon-Skelette ... 286 

Weber, Vegetation des diluvialen Torf- 
lagers bei Klinge 398 



Seite 

Weberbauer. Brasenia Victoria . . 398 

W h i t e f i e 1 d , Gastropoda und Cepha- 
lopoda aus Kreide und Tertir von 
New Jersey 439 

Zeiller, Williamson und Potonie, 
Ueber die Sphenophyllaceen (z. Th. 
Orig., mit Orig.-Nachb.) 219 

Zimmermann, Dictyodora Liebeana 
eine rthselhafte Versteinerung (Orig. 
mit z. Th. Orig.-Abb.) 1.55 

Z i 1 1 e 1 , Geologische Entwickelung, Her- 
kunft und Verbreitung der Suge- 
thiere . 501 



Mineralogie imd Geologie. 

Berendt, Der Gletschergarton auf 
dem Adlerfels in Schreiberhau im 
Riesengebirge (mit 3 Abb.) . . . 165 

, Sdbaltische Endmorne .... 412 

Brackebusch, Geologische Karte von 

Mittel Argentinien 412, 446 

C r e d n e r , K e i 1 h a c k , N e h r i n g , P o - 
tonie. Wahnschaffe, Weber 
und Weberbauer, Neuere Unter- 
suchungen ber das diluviale Torf- 
lager bei Klinge unweit Kottbus (mit 
z.'Th. Orig.-Abb.) 393 

Endriss, Fr aas und Gussmann, 
Hhlen der scliwbischen Alb (mit 
Orig.-Nachb.) 429 

Franke, Zur Sidineidemhler Brunnen- 
kalamitt (Orig.) .288 

Gottsche, Sdl)altische Endmorne in 

Schleswig-Holstein .412 

G r e b e , H a u c h e c o r n e und P o t o n i e , 

Devon-Kohle in der Eifel .... 221 

Hague, Eureka-District 439 

Herr m a n n , Culmgebict von Lenzkirch 450 

.Jaeger, Eiszeit im Reicheidialler Thal 364 

Keil hack, Wanderdnen in Pommern 413 

K 1 o c k m a n n , Lagerungsverhltnisse 

des Ranimelsberges 412 

Koch, Tektonische Verhltnisse des 

Oberharzer Diabaszuges . . .413, 446 

Laspeyres, Beyrichit 29 

Lepsius, Geologische Karte von Attika 412 

Mornen im Taunus und Odenwald 413 

Meyer, Georg", Die Geologie, eine Lehr- 
meisterin des 19. Jahrhunderts (Orig.) 61 

Meyer, Rieh. Jos., Knstliche Dar- 
stellung der Diamanten (Orig.) . . 245 

Moissan, Knstlich Darstellung der 

Diamanten 245 

Munster, Gold und Silber im Meeres- 
wasser 800 

Nios, Mnznietalle und Ausbeute- 
mnzen 275 

Pfaff, Geologie aus dem badischen 

Oberland 451 

Rinne, Verhalten der Zeolithe beim 

Erwrmen 399 

Sieiniradzki, Zur Geologie von Nonl- 

Patagonien 299 

Stelz ner, Obsidianbombeu aus Austra- 
lien 411 

Supan, Erdbebenstatistik in Japan . 161 

Thomson, Mitwirkung der atmosph- 
rischen Niederschlge bei der Ge- 
staltung des festen Landes . . . 210 

Wich mann, Ausbruch des Bunung 
Awu 413 

, Obsidia.nbondien von Biliton . . . 412 

Geologie des Harzes 413 



Physik. 



Bar US, Die bei der Condensation von 

Wassordampf auftretenden Farben . 222 
Blondlot, Elektromagnetische Wellen 131 



Iiilialts -Verzeicliniss. 



V 



Fiel)elkorn, Dichte Jer Erdo (Orif;.) 

Kelvin, Geschwindigkeit des Crool<e' 
seilen Kafliodi'Hsti'mes 

Kronl)e rg, BestimnunigderMolecnlar- 
grsse aus dem Verdunstungsverm- 
gen (Orig.) _ . . . . 

P r e s t o n , Sehwerlvraftsbestinimungen 
auf den Sandwichinseln 

Schmidt, Strmen von Flssigkeit 
(Orig. mit Orig.-Abb.) 



Seite 
281 

190 

130 
313 

235 



Matliematlk. 

Eckardt, Triseetionszirkel (Orig. mit 
Orig.-Abb.) 275 

Schubert, Mathematische Spielereien 
in kritischer und historischer Be- 
leuchtung. V. Zwei Dinge zu ratlien. 
die in angegebenen Reihen liegen 
(Orig.) . .^ 34 

, Dasselbe. VI. Ueber magische Qua- 
drate (Orig.) 215 

, Dasselbe. VII. Boss -Puzzle -Spiel 

(Orig.) 3G9 

, Dasselbe. VIII. Das Nonnen-Spiel 
_ (Orig.) 477 

Eine algebraische Aufgabe und ihre 

Lsungen 437 



Astronomie. 

Belopolsky, Ueber /iLyrae . . . i), .549 

Bredichin, Bieliden 190 

Brooks, Neuer Komet 549 

Duner, Vernderlicher Stern Y-Cygni 261 

Fleming, Neuer Stern . . . . ". . 5G2 
Friedrichs, Kurze Darstellung einer 
Hypothese berSonnenflecken (<!>rig. 

mit Orig.-Abb.) 55 

Glasenapp, Doppelsternbahnen . . 143 
Knopf, Schmidt'sche Sonnentheorie . 233 
Lockyer, Spectra hellerer Sterne. . 288 
Markuse und Preston, Schwankun- 
gen der Polhhe 8 

Niessei, Aufsteigender Meteor . . . 261 

S chaeb er lo, Planet Mars 151 

Tisserand, LTober die Rotation der 

grossen Planeten 250 

Wein eck, Bericht ber die Thtigkeit 
der k. k. Sternwarte zu Prag 1892 

(Orig.) . 175 

Wolf, Photographien kleiner Planeten 

und Sternschnuppen 261 

Andromediden-Beoiiachtungen .... 1U7 

Jupiter . 39 

Komet Holmes 48, 69, 88 



Meteorologie. 



Elster und G eitel, Elmsfeuer-Beob- 
achtungen 

H ellnian n , Niederschlagsbeobachtun- 
tungen in Preussen 

Hildebrand H il debran dsson. Die 
kritischen Tage des Herrn Falb 270, 

Koebke, Bedeutung wissenschaftlicher 
Ballonfalu-ten (Orig. mit (_)rig.-Abb.) 

Rotch und Janssen, Arbeiten zur 
Errichtung eines r)bservatoriums auf 
dem Montblanc (mit Orig.-Nachb.) . 

Sohncke, Wissenschaftliche Luftfahr- 
ten 



Chemie. 

Bihal und Desyignes, Asbolin . . 

Bischoffund Waiden, Anilide und 
Toluide in zwei Modificationen . . 

Carnot, Prfung der Manganoxyde . 

Engler und Loew. Organisehe Su- 
ren und Esther bei hherer Tem- 
peratur 



260 
350 
303 
529 

150 
233 

38 

389 
460 

378 



Engler und Fischer, Paraffin und 
Schmierl im Fischtliran 

Hesse, Zur Kenntniss der Solanaceen- 
Alkaloide 

Jaonsch, Zn Spiegel's Aufsatz Natur 
der chemischen Elemente (Orig.) 

Jaffe, Apparat zur Destillation mit 
berhitzten Wasaerdmpfen . . . 

Jahns, Betain und Cliolin im Wurm- 
samen 

Liebermann, Synthese der AUo- 
Zimmetsure 

Michel, Knstliche Darstellung des 
Granats (Melanits) und des Titanits 

M i 1 1 e r und P 1 o e c h 1 , Amido.xy Isuren 

P o t i 1 i t z i n , Halbhydrat dos Calcium- 
sulfats 

Richardt, Atomgewicht des Kupfers 

Sammler, Campherarten 

Smith & Co., Xanthalin, ein neues 
Alkaloid des Opiums 

Spiegel, Jodoso- und Jodo- Verbin- 
dungen, .lodstickstoff und Stick- 
stofl'wasserstoffsure (Orig.) . 548, 

, Natur der chemischen Elemente 
(Orig.) . . . . _. 

Wiesner, Mikroskopischer Nachweis 
der Kohle in den verschiedenen 
Formen 



Geographie und Verwandtes. 

Buwernnd Thorold, Durclikreuzung 

von Tibet 

Bau mann, Ueber die Nilquollen . . 
Comstock, Stand des Breitenproblenis 
Dinglage, Treibeis in sdl. Breiten 
V. Drygalski, Rolle des Wassers bei 

Bewegung von Eismassen .... 
Eggers, siehe Botanik. 
Hassert, Reisen in Montenegro (mit 

Orig.-Nachbild.) 

H e 1 1 ni an n , Columbus- Feierlichkeiten 

von 1892 in Genua, Huelva und 

Madrid 

Kling und Bttner, Hinterland von 

Togo. . . . . . 

Kuntze, siehe Botanik. 

M a i s t r e , Vom Congo zum Benue niger 

Mascart, TglicheSchwankungen der 

Schwerkraft 

Neu m ay e r , Die Entdeckung Amerikas, 

ein Wendepunkt in dem Verkehr 

der Vlker 

Pechuel - Loesche . Polarregionen 

und Eisliildung (z. Th. Orig.). 
Regel, Der 10 Geograpbentag (Orig.) 
Sievers, Die Umrisse von Asien (mit 

Abb.) .- 

Wislicenus, Forschungsreise der 

Manche" 

Gesellschaftsreise nach Spitzbergen. . 
Nansen's Nordpolexpedition . 7, 277, 

Neue Seekanle 

Reisen, wissenschaftliche, Expeditionen 

277, 301, 314, 402, 415, 450, 460, 515, 



Seite 

389 
88 
44G 
182 
399 
399 



!29 
426 



538 
221 
221 

473 



594 
293 



Unterricht. 



Un- 



H a r m s , Naturwissenschaftlicher 

ti'rriclit auf den Schulen .... 

Bergschule in Ivkutzk 

Gruppe .Unterricht und Erzicdiung" 
der Berliner Gewerbeausstellung 1896 

Unterrichtskurse in Jena 



349 



364 
142 
561 
234 

593 



256 

97 
363 
864 
161 

86 

188 
185 

63 

323 

262 
325 
234 

550 



346 
353 

515 

262 



Seite 



Medizin, Hygiene und Verwandtes. 

Behring, Blutserumtherapie .... (i 
Brieger, Frnkel, Lassar und Lit- 
t hau er. Zu Liebreich's Vortrag 
ber den Werth der Cholerabacterien- 
Untersuchung 334 



Bunge, Assimilation des Eisens und 
therapeutische Wirkung der Eisen- 
prparate 

Ebstein, Aleuronat 

F^mmerich, Choleragift 

Grawitz, Vorkommen von Dochmius 
duodenalis bei Berlin 

Guttmann, Metylenblau als Heil- 
mittel der Malaria 

H u e p p e , Ursachen der Ghrungen und 
Infectionskrankheiton 

Jaeger, Bacteriologische Diagnose 
und ihre Anfeindung 

Kobert, Giftstoffe der Flechten . . 

Koch, Die Cholera 1892-1893 . ^ . 

Krebs, Internationale Uebereinkunft 
in der Cholera - Frage (Orig. mit 
Orig.-Karte) 

Kusmin, Fall von Leberhernie . . . 

Liebreich. Werth der Cholerabac- 
terien-Untersuchung . . . .319, 

Lorenz, Uebertragung der Aphthen- 
Seuche 

Miyako u. Scriba, Neuer mensch- 
licher Parasit 

Nowaek, Symbiose und Kampf der 
Mikrobien 

Pettenkofer, Cholera von 1892 in 
Hamburg 

Pflger, Neues Grundgesetz der Er- 
nhrung und die Quelle der Muskel- 
kraft 

Ponfick u. Jacobasch, Ist die Mor- 
chel giftig? 

Rauer, 'Giftigkeit der Expirationsluft 

Schaefer, Die Chemotaxis der Leuco- 
cyten (Orig.) 

, Die Rosenbach'sche Seekrankheits- 
Theorie (Orig.) 

Schaefer, Sonnenstich und Hitzschlag 
Or" 



348 
259 
472 



457 

96 

496 



345 
388 
406 



317 

593 

335 
295 
177 
.572 
232 



(<- 



:) 



Schenck. Bedeutung der Rheinvege- 
tation fr die Selbstreinigung des 
Rheines 

Schiess u. Kartulis, Behandlung 
von Tuberculosen mit Tuberculin . 

Schmalz, Wiederkuende Menschen . 

Schtz, Die erworbene Immunitt . 

Strmpell, Entstehung und Heilung 
von Krankheiten durch A^orstel- 
lungen 

, Alkoholfrage 

U f f e 1 m a n n u. H u e p p e , Zur Biologie 
des Cholera-Bacillus 

Uf fei mann. Lebenbegnstigeude Be- 
dingungen fr Cholera-Bacillen . . 

Woliff liiisel , Lehre vom Luftwechsel 



39 

202 
434 

145 

308 

405 

352 

570 
560 
309 



35 
507 



433 

548 



Landwirthschaft und A erwandtes. 



Eggers, siehe unter Botanik. 
Oh mann, Verwstungen der Heu- 
Ara:entinieu 



Schreckenlarven 



(Orig.) 



178 



Rittmeyer, die Nonne (Orig. mit Abb.) 83 
Werner, Eine Reise zur Weltausstel- 
lung nach Chicago (Orig.) .... 465 
Muse Vertilgung mittelst Tvphusbacillus 

273, 361, 561 

Zuckerrolir-Cultur-Versuchs-Station . . 390 



Teehnili und Instrunientenkunde. 

H pke, Selbstentzndung von Scldffs- 

ladungen 447 

Nieser, Apparat zur photographischen 
Darstellung schwach - vergrsserter 
Prparate (mit Abb.) 401 

Oliver, Sonnenuhr fr mittlere Zeit 

(mit Abb.) . 118 

Ransome, Hi-rstellung knstlicher 

Steine 234 



VI 



Inhalts- Verzeichniss. 



Seite 

Recklin ghausen, Queeksilberther- 
mometer fr Temperaturen bis 

500 Gr. C 389 

Spolin, Frbe Vorgang 248 

Fll-Federhalter 587 

Lehmbeck u. Mecke's selbstthtige Spi- 
ritus-Geblse (mit Orig.-Abb.) . . 487 

Lephay-Compass -86 

Photographischer Apparat 551 



Biograpliieen, Necrologe, 
Personalien. 

Asche rson, Chr. K. Sprengel als 

Florist und als Frncht-Biolog (Orig.) 140 
Gutzmer, Leopold Kronecker (Oiig.) 591 
Kirchner, Christian Konrad Sprengel, 
der Begrnder der modernen Blumen- 
theorie (Orig.) 101 

Mittmann, Material zu einer Biogra- 
phie Christian Konrad Sprengel's 

(Orig.) . 124 

Potonie, Ktzing als Vorgnger Dar- 

win's (z. Th. Orig.) 432 

Arago-Denkmal 2'(7 

Cassini-Statue 3.38 

Chappe-Denkmal 353 

Chevreul-Statue 538 

Emin Pascha 300, 52.5 

Humboldt, A. v., Notiz ber .... 431) 

Jnaudi, der Rechner 6 

Lossen, K. A., (" 113 

Pasteur's 70. Geburtstag 48 

Personalien, kurze Angaben von Er- 
nennungen, Jubilen, Todesfllen, 
Versetzungen u. dgl. 9, 17, 29, 39, 
48, 59. 70, 77, 88, 99, 108, 1 19, 131, 143, 
152, 162, 173, 183, 191, 204,213,223, 
233, 242, 253. 2151,277,290,300,313, 
325, 338, 353, 365, 378, 390, 402. 414, 
426, 437, 4-iO, 460, 474, 488. .502, 515, 
- 525, 538, 549, 562, 572, 585, 594. 
Semmelweis-Denkmal ....... o25 

Siemens, Werner von, f (mit Portrt) 19 



Yereinswesen, Museen etc. 

Anthropologen-Congress, 24. deutscher 421 

Ausstellungen 291, 378, 515 

Baeteriologischos Institut 378 

Biologische Stationen 366, 378 

Congi-esse. Wis.senschaftliche Versamm- 
lungen 50. 99, 108. 131, 143, 153, 162, 
191, 204, 213, 223, 242, 253, 262, 277, 
290, 301, 314, 325, 3H8, 353, 365, 378, 
402, 415, 421, 437, 515, 585. 
Gartenbau-Versammlung, internationale 525 

Kakteenfreuude 9 

Museum in Praetoria 525 

Preis- Aufgaben 365, 390, 415 

Stipendien 119 

Versammlung, i40.) der Deutschen geo- 
logischen Gesellschaft 411 

Versammlung der Gesellschaft Deut- 
scher Naturforscher und Aerzte 325, 496 



Litteratur. 

Acloque, Les Champignons .... 173 

, Les Liehens 402 

Ammon, Natrl. Auslese bei Menschen 460 

Andree, Handatlas 193 

Arndt, Biologische Studien .... 291 

Arndt, Kraft und auslsende Kraft . 264 

Arnold, Rep. der Chemie .... 391 
Bach, Studium und Lesefrchte aus 

dem Buche der Natur 131 

Bail, Leitfaden der Zoologie .... 164 
Bartels, Medicin der Naturvlker (mit 

Abb.) 573 



S.-ite 

B a r u 8 , Phys. Behandlung und Messung 

hoher Temperaturen 379 

, Compressibility of liquids .... 490 

, Mccanism sol. viscosity .... 490 

, Volume thermodyn. liquids . . . 490 

I Beck, Flora von Nieder-Oesterreich . 402 

Bergemann, Anthropologie .... 353 

Berghaus, Physikal. Atlas .... 89 
Berteis, Erdl, Schlammvulkane und 

Steinkohle 427 

Berzelius, Verbindungs Verhltnisse d. 

unorgan. Bestandtheile der Natur . 253 
Betti, Mathem. Schriften .... 89 
V. Bezold, Meteorolog. Institut 1892 .596 
Biedermann, Tintinnen-Gehuse . 301 
Binet, Seelenleben der kleinsten Lebe- 
wesen 89 

Blum u. .lnnicke, Botan. Fhrer 

durch Frankfurt a. M 163 

du Bois-Reymond, Maupertuis . . 427 

Brner, Lehrbuch der Physik . . . 133 
Boltzmann. Vorles. ber Maxwell's 

Theorie d. Elektricitt u. d. Lichtes 79 

Boys, Seifenblasen 253 

Brathuhn, Katechismus der Mark- 
scheidekunst 277 

Brehm's Thierleben 119, 132, 192, 338, 562 
Breslich u. Koepert, Bilder aus dem 

Thier- und Pflanzenreich 5-50 

Breuer. Verschiedene Schriften mathe- 
matischen Inhalts 70 

Brinkmann, Naturbilder 415 

Brockhaus' Conversations -Le.xikon 

119, 253, 426 
Brcke, C u m m i n g , H e 1 m h o 1 1 z , 
Ruete, Augenleuchten und Augen- 
spiegel 415 

Buchheister, Bergsteigen .... 163 
Buckmann, Vererbungsgesetz . . . 595 
Bunsen, Unters, b. die Kakodylreihe 78 
u. Roscoe, Photochemische Unter- 
suchungen 338 

Buschbaum, Flora von Osnabrck . 402 

de Candolle, Darwin 402 

Cannizzaro, Lehrgang der theoreti- 
schen Chemie 79 

Clark, Eoceno 489 

Clarke, Rep. work. div. ehem. physics 490 
Carnot, Betrachtungen ber Kraft des 

Feuers 663 

Coupin, L'aquarium d'eau douce . . 403 

Dali u. Harris, Neocene 489 

Darton, Rec. N. Am. geol 490 

Darwin, Reise eines Naturforschers . 301 
David u. Scolik, Photogr. Notiz und 

Nachschlagebuch 133 

Dlter, Edelsteinkunde 263 

Dreher, Materialismus 108 

Dreyer, Ziele und Wege biologischer 

Forschung 17 

Ebeling, Einf i. d.Kartenverstndniss 163 

, Leitf. der Chemie fr Realschulen 461 
Eck, Geogn. Beschreibung der Gegend 

von Baden-Baden, Rotbenfels u. s. w. 109 
Eckstein, Berieht berLeistungen der 

For.-=t- und Jagdzoologie . . 243, 574 
, Insoctenschaden im Walde . . . 253 
Ed er, Recepte und Tabellen fr Photo- 
graphie 18 

Eisner, Praxis des Chemikers . . . 213 
Engelmann, Ursprung d.Muskelki-aft .538 
Engler u. Prantl, Natrl Pflanzen- 
familien 110, 164, 214, 315, 415. 488, 539 
Esser, Bekmpfung parasit. Pflanzen- 
krankheiten 143 

Falsan, Alpes fran^aises 253 

Farwick, Ntzliche Vogflarten . . 527 

Ferrier, Catal. stratip-af Coli. . . . 596 
Fickel, Litteratur ber die Thierwelt 

von Sachsen 204 

Fletscher, The optical indicatrix . 79 
Foussereau, Polarisation rot., re- 

flexion et refraction vitreuse . . . 303 

Fraas, Scenerie der Alpen .... 314 

Frank, Lehrbuch der Botanik . 224, 390 



Seite 

Frst, Deutschlands ntzliche u. schd- 
liche Vgel 183 

Gad u. Heymanns, Physiologie . . 354 

Gand e r, Erdschichten u. Erdgeschichte 132 

Gorland, Geschichte der Physik . . 133 

G 1 y, Siedelungskunde Nord-Albingiens 163 

Graber, Zoologie 183 

Gravelius, Lehrbuch d. hh. Analj'sis 562 

Gross, Aesthetik 213 

Groth, Tabelle der 32 Abtheilungen 

der Krystallformen 99 

Gucrin, Traite prat. d'anal. ehim. . 461 
Gutzmer, Ueber gew. partielle Dif- 
ferentialgleichungen hh. Ordnung . 144 

Haas. Kat. der Geologie 277 

, Sturm- u. Drang-Periode der Erde 391 

Haase, Atmosph. Elektricitt . . . 379 

Haberlandt, Botan. Tropenreise . . 538 

Haeckel, Monismus 191 

Haenle, Chemie des Honigs .... 291 
Hagen, Antike Gesundheitspflege . . 213 
Hamann, Entwickelungslehre u. Dar- 
winismus 39 

Hammer, Zeitbest. ohne Instrumente 502 

Hampe, Tafel z. qualit. ehem. Analyse 550 

Hansen, Rep. der Botanik .... 144 
H a s b o r d t u. F i s c h e r , Mach's Gnind- 

riss der Physik 391 

Heiden, Dngerlehre und Statik des 

Landbaus 302 

Helmholtz. Physiologische Optik . 18 

Hering, Hygienisches ber den Staub 143 
Hertwig, 0., Aeltere und neuere Ent- 

wickelungstheorien 415 

, O., Lehrbuch der Entwickelungs- 

geschichte 488 

-, O., Zelle und Gewebe 427 

, O., Lehrbuch der Zoologie . . . 502 
Herz, Untersuchungen ber Wrme 

und Fieber 587 

Heussi, Physik 120 

Heydweiller. Elektrische Messungen 339 

Hise, Archean and Algonkian . . . 489 

Hock, Nadelwaldflche Norddeutschi. 193 

Hoernes, Erdbebenkunde 278 

Ho ff mann, Catal. of min., rocks etc. 596 
Holden, Californian earthquakes . . 490 
Holfert, Ai-zneimittelnamen .... 213 
Hdvestadt, Lehrbuch der absoluten 
Maasse und Dimensionen der physi- 
kalischen Grssen 89 

Huxley. Physiologie 460 

Jaensch, Aus Urdas Boiii . . 17, 133 
Janusehke, Aotherdruck als einheit- 
liche Naturkraft 391 

Jentzsch, Fhrer durch d. geologische 
Sammlung des Provinzial-Museums 

von Knigsberg 291 

Kays er, Lehrbuch der Geologie . . 438 

Keller, Alpenthiere 366 

Kenne 1, Zoologie 595 

Kessler, Ausbreitung der Reblaus- 
krankheit 17 

Klimpert, Lehrbuch der Bewegung 

flssiger Krper 89 

K 1 i n g g r a e ff, Leber- und Laub-Moose 

West- und Ost-Preussens .... 173 

Klockmann, Lehrbuch d. Mineralogie 40 

Klunzinger, Bodenseetische . . . 262 
Knuth, Geschichte der Botanik in 

Schleswig-Holstein 29 

Koehne, Dendrologie 302 

Klreuter, Vorl. Nachr. von einigen 
das Geschlecht der Pflanzen be- 
treffenden Versuchen 539 

Knig, Beitrge zur Physiologie der 

Sinnesorgane in Neudrucken . . . 415 

Koepert, Der Star 132 

Koerber u. Spies, Physik .... 596 
Kolbe, B., Einfhrung in die Elek- 

tricittslehre 244 

, H. J., Einfhrung in die Kenntniss 

der Insecten 474 

Kraft, Geometrisches Calcl . . . . 461 



Inhalts -Verzeiclniiss. 



VIT 



Seite 

K ra u s e , E r n s t H. L., Mecklenburgische 

Flora 550 

, Ernst, 1. Tuisko - Land, 2. Die 

Troja-Burgen Nordeiirojtas . . . 585 

Krger, Catalog der frb. Sterne . . 563 

Kriiss, Methode der Analyse . . . 244 
L a c r o i X - D a n 1 i a r d , Poil des aniinaux 

et les fouriures 99 

Lainer, Laboratoriumsarbeiten ... 40 
Laisant, Geometrie analytique 2 di- 

mensions 133 

Lambert, Photometrie 502 

Langer, Psychophys. Streitfragen . 427 
Lassar, O, Gesundheitsschdl. Trag- 
weite der Pros^titution 163 

, S., Das knstlerische Berlin ... S9 
Lavoisier ii. Laplaee, Abhandlung 

ber Wrme 438 

Lefevre, Les races et les langues . 291 

Lepsius, Geologie von Deutschland . 243 
Liebig, Constitution der organischen 

Suren 77 

Loeb, Untersuchungen zur physiologi- 
schen Morphologie der Thiere, II. . 314 
Loinmel, Exjierimentalphysik ... 415 

Looss, Schmarotzer 366 

Ludwig, Lehrbuch der niederen Kryp- 

togamen 10 

Lunn u. Trg, Die menschl. Stimme 183 
Mach, siehe Harbordt u. Fischer. 
Mantegazza, Die Hygiene der inneren 

Organe 163 

Marey, Chronophotogi-aphie .... 488 

Martin, Das Vogelhaus 262 

Massee, Mongr. of the Myogastres . 30 

Mayer, Kleinere Schriften und Briefe 474 

, "Mechanik der Wrme 278 

Meehsner, Karte des deutschen Ster- 
nenhimmels 278 

Michaelis, Deutsche Giftpflanzen . . 367 
Mller, Pilzgrten sdamei'ikanisfher 

Ameisen 437 

Moll, Der Eapport in der "Hvpnose . 119 

Mller u. Pilling, Schulflora ... 183 

Mller, C, u. Potonie, Botanik. . 9 
, F., Zeittafeln zur Geschichte der 

Mathematik, Physik und Astronomie 120 

, J., Gamophagie 192 

Mulertt, Der Goldfisch 143 

Munk, Physiologie 427 

Nagel, Niedere Sinne der Insecten . 461 
Neu mann, C., Beitrag zur mathema- 
tischen Physik 403 

, K., Aus Liel)e etc. der Vogehvelt . 474 

, L., Volksdichte in Baden .... 302 

Nord au, Entartung 301 

Ost, Technische Chemie 403 

O s t w a 1 d ' s Classiker d. exacten Wissen- 
schaften 77 

Oudemann's Rev. des Champignons 415 
Palaz, Photometrie industrielle . . IS 
Pasteur, Assymetrie bei natrlich vor- 
kommenden organischen Verbind. . 78 
, Die in der Atmosphre vorhande- 
nen Organ. Krperchen, Prfung der 
Lehre von der Urzeugung .... 163 
Peip, Taschenatlas von Berlin u. Um- 
gebung 263 

Pernter, Falbs kritische Tage . . 144 
Peter, Wandtafel zur Syst., Morph. . 

u. Biol. der Pflanzen 193 

Peters, Mineralogie 291 

Pick, Grundl. der astron. Geographie 475 

Pilling, Botanischer Unterricht . . 183 

Pizzighelli, Anleit. z. Photographie 503 

, Handbuch der Photographie ... 60 

Poincar6.Le(j. s. 1. th^or. de l'elastieite 50 
Potoni6, siehe Mller. 

Rawitz, Vergl. Anatomie 253 

Ranke, Der Mensch 595 

Regel, Thringen 59 

Reh fisch, Selbstmord 4,50 

Rey , Aus dem Haushalte des Kuckucks 223 
Richter, Ausbrche des Vernagt- und 

Gurglergletschers 173 



Seite 

Romanes, Geistige Entwickel. i.Thiei-- 

reich 10 

, Geistige Entwickel. beim Mensehen 587 

Roscoe, Chemie 291 

Rulil, Palaeaict. Grossschmetterlinge 474 

Runge, Ridir-Steinkohlenbecken . . 193 

Russ, Wellensittig 35t 

Rssel, The Newark Syst 489 

Sachs, Gesammelte Abb. ber Pflanzen- 
Physiologie 143. 223 

Samt er. Der hohe Sonnblick . . . 183 
Sarrazin, Karte zur Darstellung der 

Hagelstatistik 587 

Schenk, Biologie und Anatomie der 

Lianen 243 

Schroeter, Taschenflora der Alpen 277 

Schutt, Analyt. Plankton-Studien . 153 

Schtte, Tuchelcr Haide 595 

Schnitze, Fr., Hypnotismus .... 4.50 
Schulze, E., u. B rch erd ing, Fauna 

saxonica; Amph. et. Rept 461 

, M., Orchidac. Deutschlands . . . 353 

S e h u r t z , Katecliismus derVlkerkunde 277 

Send der,, Insects tert 490 

Sicard, Evolution sexuelle de l'esp. 

liiimaine 183 

Simon, Verkehrsstrassen in Sachsen. 327 

Sohne ke, Physikalisclie Vortrge . 213 

Sprengel, Entd. Geheimn. der Natur 354 
St erneck, Die Schwerkraft in den 

Alpen 109 

S trassburger, Histol. Beitrge . .391 

, Kl. botan. Practicum 502 

Strobel, Namensregister zu Wiedem. 

Annalen 244 

Tannery u. Molk, Elem. d. la theor. 

des fonct. ellipt 264 

Taschenberg, Zoologie 89 

Tavel, Vergl. Morph, der Pilze . . 60 

Titus, Sternenzelt 550 

Topinard, L'homme dans la Nature 291 
Trinius, Alldeutschland in Wort und 

Bild 79, 261, 550 

Trouessart, Geographische Verbreit. 

der Thiere 131 

Vi olle, Physik: Mechanik der flssigen 

u. gasfrmigen Krper 303 

Virchow, Lernen und Forschen . . 29 

Volkmanu, Theorie des Lichtes . . HO 

Walt her, Binomie des Meeres . . . 367 

, Meereskunde 367 

Was er, Kaninchenzucht 262 

Weismann, Keimplasma 390 

, Kontinuitt des Keiniplasmas . . 109 
W e s t e r m a r c k , Geschichte d. menschl. 

Ehe 338 

White, Cretaceous 489 

Wiedemann, Elektricitt .... 438 
Wilhelmy, Das Gesetz, nach welehem 

die Entwickelung der Suren auf den 

Rohrzucker stattfindet 78 

Wilke, Leitfaden der Chemie und 

Mineralogie 475 

Winkel mann, Moosflora von Stettin 214 
W o 1 f - H a r n i e r , Naturgeschichtliche 

Charakterbilder 253 

Woljiert, Luftprfungsmethode auf 

Kohlensure 143 

Wnsche, Alpenpflanzen 539 

Wundt, Ethik 366, 391 

, Menschen- u. Thierseele .... 594 

Wunsch mann, Naegeli 164 

Zacharias, Ber. d. biol. Station Pln 242 

Zache, Geognosie von Berlin . . . 550 

Ziehen, Physiol. Psychologie . . . 277 
Zimmermann, Zur Morphologie und 

Physiologie der Pflanzenzelle . . 302 

, Botan. Mikrotechnik 144 

Zograf, Types anthrop. des Grands 

Russes 192 

Abhandl. des naturw. Ver. zu Bremen 339 

Akademisches Berlin 244, 563 

Annalen der Hj'drographie und marit. 

Meteorologie 234 

Annales d. 1. soc. entom. d. France . 184 



Seite 

Annuaire (du bureau des Longitudes) 

pour Tan 1893 79 

Arbeiten d. Sect.f. Min , Geol., Palaeo., 

d. natw. Ver. f. Steiermark . . . 475 

Archiv d. .Viathematik uml Physik 100, 291 

Atti della Reale Accad.deiLincei. Rendi- 

conti 134, 291. 563 

Berichte der Deutschen Botanischen 

Gesellschaft 50 

Berichte der naturf. Gesellschaft zu 

Freiburg i. B 450 

Bericht der oberhcss. Gesellsch. f. Nat. 

u. Heilkunde 551 

Berichte ber die Verhandl. d. knigl. 

Sachs. Ges. d. Wiss. z. Leipzig SO, 184 

Botan. Jahrb 194 

Botan. Ztg 90 

Bchern. Abhandl., Liste im Buchhandel 
erschienener 10, 18, 30, 40. 50, 60, 
70, 80, 90. 110, 134. 144, 151, 164, 
174, 184. 194, 214, 224, 231, 244, 2.i4, 
264, 291, 303, 315, 327, 339, 367, 379, 
391, 403, 415, 427, 439, 451, 462, 475, 
490, 503, 527, 539, 551, 563, 575, 587, 596. 

Bcher ber deutsche Kfer .... 451 

- ber Herstellung bot. und entomol. 
Prparate , ... 451 

Bull. d. l'Acad. Roy d. sc. et d. b.-arts 

de Belgi(|ue 100 

Bull, de la soc. d'Anthrop. de Paris . 40 
Bull, de la soc. imp. d. natural, d. 

Moscou . , 254 

Bull, of the U. S. geol. Surv. . . . 489 

Comptes rendus de la soc. d. Geogr. . 174 

Hebdomad. d. s. de l'ac. d. scienc. 70 

Conchyliolog. Zeitschriften 379 

Conferences Friedel 263 

Ergebnisse der Plankton-Expedition . 525 

Flora 204 

Geologie. Magazine 40 

Geological Survey of Canada . . . 596 

Handbuch der Physik 354 

Ibis 194 

Index Kewensis 354 

Intermediaire des Mathematiciens . . 551 
Jahrbuch der k. k. CTeologisehen Reichs- 
anstalt 50 

Jahrbuch der Knigl. Preussischen Geo- 
logischen Landesanstalt und Berg- 
akademie 278 

Jahrbuch fr Photographie und Repro- 

ductionstechnik 462 

Jahrbuch fr wissenschaftliche Botanik 100 

Jahresbericht der geographischen Ge- 
sellschaft in Mnchen ..... 70 

Jahresbericht der Gesellschaft fr An- 
thropologie der Oberlausitz . . . 214 

Jahreshefte des naturwissenschaftlichen 
Vereins fr das Frstenthum Lne- 
burg 144 

Journal of the Linnean Society . 174, 244 

Journal of the Royal Microscopical So- 
ciety . . . ." 154 

Kataloge ber Bcher, Sammlungen und 
Apparate ... 40, 214, 475, 503, 575 

Koloniales Jahrbuch 154 

Mittheilungen aus der Firma Dr. Hou- 

deck & Hervert" : . 224 

Mittheilungen der k. k. geographischen 

Gesellschaft in Wien 120 

Mittheilungen des Vereins fr Erdkunde 

zu Halle 70 

Mittheilungen von Forschungsreisenden 
und Gelehrten aus dem Deutschen 
Schutzgebiete 164 

Monographs of the United States Geo- 
logical Survey 438 

Neue Denkschriften der allgemeinen 
schweizerischen Gesellschaft fr die 
gesammten Naturwissenschaften . . 462 

Neues Jahrbuch fr Mineralogie, Geo- 
logie und Palaeontologie .... 173 

Ornithologischer Monatsbericht ... 60 

Physical Revue 234 

Physikalische Revue 134 



VIII 



Inhalts -Vcraeichniss. 



Seite 

Proceedings of the Royal Society . . 244 
Sitzungsbericht der k. Bayer. Akademie 

der Wissenschaften zu Mnchen . 233 
Sitzungsbericht der kais. Akademie der 

Wissenschaften zu Wien ... 80, 223 
Sitzungsbericht der knigl. Preussischen 

Akademie der Wissenschaften 79, 110 
Sitzungsbericht der Naturforscher-Ge- 
sellschaft bei der Universitt Dorpat 379 
Transactions of the Entomological So- 
ciety of London 184 

Transactions of the Linnean Society . 174 
Transactions of the Wisconsin Academy 

of Sciences 503 

Transactions of the Zoological Society 

of London 154 

Tschermak's mineralogische und petio- 

graphische Mittheilungen .... 90 
Verhandlungen des botanischen Vereins 18 
Verhandlungen der Gesellschaft fr Erd- 
kunde 50 

Zeitschrift fr anorganische Chemie . 315 

Zeitschrift fr Ethnologie 18 

Zeitschrift fr Krystallographie und Mi- 
neralogie 120, J94 

Zeitschrift fr Naturwissenschaft . . 575 
Zeitschrift fr praktische Geologie . . 10 



Seite 

Verzeichiii.ss der Abbildungen. 

Aquarium (<Jrig.) 7o, 74 

Blthen-Homologieen der Zoidiogamcn 

und Siphonogamen (Orig.) .... 518 

Bruguiera eriopetala 579 

Casuarina (z. Tli. Orig.-Nachb.) 31, o3, 43 
Dictyodora Liebeana (z. Th. Orisr.) 15(5, 157 
Ficus religiosa, Laubblatt (Orig.-Nachb.) 284 
Folliculites ((.)rig.-Nachb.) . " . . . . 395 
Frs von Nonnenraupen ..... 94 
Geologische Protih> zum Klinger Dilu- 
vium . 39S, 394 

Geometrische Figur zum Aufsatz Fried- 
richs ber die Sonnenfleckeii . . . 56 
Gomphostrobus bifidus (Orig.) .... 314 
Gutenberger lihlo (Orig.-Nachb.) . . 43ii 

Kap Tscheljuskin 64 

Karte der Durmitor-Gruppe (Orig.- 
Nachb.) 2.")8 

vom Skutari-See (Orig.-Nachb.) . . 258 

von Hamburg zur Cholera- Kpidemie 
(Orig.) 318 

von Montenegro (Orig.-Nachb.) . . 257 

Mangroven 578, 579 

Medicin-Mann der Schwarzfuss-Indianer 574 
Mont - Blanc (Nord - Abhang) (Orig.- 
Nachb.) . .' . 150 



Seite 

Nieser's phntograph. Zeichen-Apparat . 401 

Nonnenraupen wipfelnd ... . . . lOG 

Nonnenschleier, -Brcken und -Zelte an 

Fichten 84, 85 

Ovulum der Birke mit Pollenschlauch 142 

Putamen von Prunus Pcrsica (Orig.) . 391) 

Rhvzophora mucronata .... 578, 579 

Rhyzopoden (Orig.-Nachb ) 226 

Rochen - Scbwinunbeweirungen (( 'rig.- 

Nachb.) '...... 210 

Schema zur Darstellung der Transfor- 
mation der Pflanzenwelt .... 418 
zur Ueberschtzung der Bschungs- 
Neigung (<!>rig.) 287 

Schemata zur Erluterung raeteondogi- 

scher Phnomene (Orig.) . . 530, 532 
Siemens, Werner von (Portrt) ... 19 
Sonnenuhr, Oliver's ((Jrig.-Naciib.) . . 118 
SphenophvlUim cuneifolium, Laubblt- 
ter und Blthenbltter (Orig.-Nachb.) 220 
Spiritus-Gebls.'-Lampen (Orig.) . 487. 488 
Strmungs-Prolile (Orig.) . . . . 235 ff. 
Strudellcher od Gletschertpfe 166, 167, 168 
Sundastrasse mit der Insel Krakatau . 65 
Trisectionszirkel und seine Anwendung 

(Orig.) 276 

Zelltheilungen in thierischen Einbryoneti 

(Orig.) . ... . . . . . . . 265 ff. 




Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Bniid. 



Sonntag, den 1. Januar 1893. 



Nr. 1. 



Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 A. Grssere Auf'trga^MXV^i' -' H / 
sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenah(je - 'k)8]u\ ^ 



Abonnement: Man abonnirt bei allen BucbhandUmgen und Post- 
anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahr.s]jreis ist J( 3. 
Bringegeld bei der Post LS } extra. 



bei allen Annocenbureaux. wie bei der Expedition. /, 



T^e? 



^' ^^ 




Abdi-nvk ist nar mit voll!tnliger C^nellenangabe gestattet. 



Die tertiren Primaten und der fossile Mensch von Sdamerika. 



Von Dr. ;iie(l. et pliil. (ieorg Biischan. 



Die Palaoiitoldoie der Primaten hat seit C'uvier's 
Zeiten, der das Aul'tiudeii von tertiren Af'en noeii als 
ein Ding- der nmgiiehkeit hinstellte, bedeutende Fort- 
schritte gemaeht. Besonders die jngsten Jahre sind reich 
an Eriahruugen und Entdecknngeii in Europa sowohl, als 
besonders in Amerika, die unsere Kenntniss \(ni der Ent- 
wicklung dieser dem Mensehen so nahe stehenden Suge- 
thiere ein Stck weiter zu frdern im Staude sind. In- 
dessen der Ursprung des Menschen bleibt bei alledem 
noch dunkel und erfordert unausgesetzt weitere Nach- 
forschungen. 

Das Interesse, welches sicii an die soeben angeregte 
Frage knpft, veranlasste Dr. E. Trouessart in einer in 
der Zeitschrift LWnthropologie*) verfientlichten Abhand- 
lung eine znsaimnenfasseude zeitgenisse Uebersicht dieser 
Entdeckungen und der ans ihnen berechtigten Schlsse zu 
geben, der wir folgendes entnehmen. 

Die Leinurier, um mit diesen zu beginnen, scheinen 
einer Reihe von Sugethieren anzugehren, die sich in 
weit znrnckliegeuder Zeit durch Trennung von den wirk- 
lichen Affen abzweigten. Ein merklicher Unterschied 
zwischen diesen und ihnen besteht in dem Gebiss. Wenn 
auch die Anzahl der Zhne bei den Lemuriern eine sehr 
variable ist, so dass sie sich auf einen gemeinsamen Typus 
nicht zurckfuhren lassen, S" lsst sich im allgemeinen 
fr das Gebiss der Grundsatz aufstellen, dass eigentliche 
d. canini inferiores liei ihnen (mit Ausnahme der Gattung 
Tarsus) nicht vorkommen, dass ferner die Anzahl der 
oberen Eckzhne (zumeist 4 an der, Zahl) fters durch 
Atrophie (Tarsius, Nycticetus javanicus) oder durch Aus- 
fall im erwachsenen Zustande (.\\ ahis, Leiiilemur) reducirt 
erscheint. Dieser Umstand beweist, dass das Zahnsystem 
der Lemuren sich noch im Zustande der Entwicklung be- 
findet, sowie dass der Typus der l'rosimicr ein sehr alter 
und ursprnglicher sein muss. Die Palontologie be- 

*) L'Aiithropoldgie. Paris, G. Masson; editinir. 189:^. toint^ III. 
No. 3, S. 257 u, f. ' - 



|X2: 



: 40 Zhne. 



m 



sttigt diese Auffassung. Die ltesten Lemurenberreste 
finden sich in den eocneu Schichten der nrdlichen Hemi- 
sphren beider Erdtheile, besonders in Europa; der Adapis 
parisiensis Cuvieri ist kein Ungulate, sondern ein Lemure. 
Nach Schlosser lassen sich die Leinurier in die Psendo- 
Icinuridae und Lemuridae eiutheilen. Die crsteren(^Pachy- 
lemuridac Filhol) unterscheiden sich von den letzteren 
durch die Zahl ihrer d. iucisivi (zwei Paar in jedem Kiefer, 
wie bei den Simien); ihre d. canini sitzen normal in beiden 
Kiefern, d. h. sie berragen das Niveau der incisivi; ein 
d. praemolaris mehr (4 statt 3) unterscheidet sie schliess- 
lich noch von den Simien. Ihre Zahnformel ist somit: 

J. 'j, C. [, Pm. ;* (selten |) M. 

Die fossilen Pseudolemurier zerfallen wiederum 
2 Unterabtheilungen, die .\dapidae und Hyopsodidae. 
Europa, und zwar seinem Eocn, gehren au: 

Adapis parisiensis Cuvier; 

minor Filhol; 

magnus ders.; 

angustidens ders.; 
Coeuo])itherus lemuroides Rtimeyer, 

,, pygmaeus ders.; 

lleterohyus armatus Gervais; 
Cryptopithecus siderolithicus Schlosser. 

Nordamerika weist viel zahlreichere Typen auf: 
ausser , den genera Notharctos^ Tomitherium, Pelycodus 
und Hyopsodus, die von Leidy, Cope Und Marsh be- 
schrieben worden sind, noch eine grosse Menge anderer 
vocuer genera, die die Namen tragen: AVashakius Leidy, 
llipposyus Leidy, Microsyops Leidy, Apheliscus Gope, 
Opisthotomus Gpe, Sarcolemnr Gope, Omomys Leidy, 
Sinopa Leidj-, Palaeacodon Leidy, Loxtihiphus Gope, 
Limnotherium Marsh, Telmatolestes Marsh, Thinolcstes 
Marsh, Stenacodou Marsh, Hathrodou Marsh, Mesacodou 
,Marsh, Heuiiaeodou Marsli, .\ntiacodon Marsh etc. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 1. 



Die enge Beziehung der Pseudolemurier zu den Atfen 
(Cercopithecier oder C'yuopithecier) in Bezug auf das (tc- 
biss berechtigt zu der Vermuthung, dass beide Typen aus 
einer genieinsanien Staninitorni hervorgegangen sind, von 
der die eigentiicheu Lenjurier einen weiter abweichenden 
und theilweise degenerirten Zweig darstellen. 

Diese, die eigentlichen Lemuren, fossile und recente 
Formen, zeichnen sich von den wahren Affen durch ihr 
grundverschiedenes und nianchnial reducirtes Gebiss aus. 
Ihre urspriingliehe Zabnforniel, die man noch bei Galago, 
Stenops, Microcebus, Otolicnus, Chirogaleus, Lepilemur, 
Lemur, Hapaleniur antrifft, ist 

.7. I, . I-, l'm. I, if. I X 2 = 36 Zhne. 

Bei Propithecus und Lichanotus ist sie rediirirt auf: 

.7. 4, C.\, Pm. I, M. '^. X 2 = 30 Zhne. 

Die Tarsius- und gewisse fossile Arten bilden eine 
Classe fr sich, insofern ihre d. canini, die hinsichtlich der 
Form normal geblie])en sind, nicht denen der heutigen 
Lemuren, sondern denen der Pscudolemurcn gleichen; sie 
stellen somit den Uebergang zwischen beiden C'lassen 
dar. Alle wahre Lemuren der Vorzeit gehren dieser 
Gruppe an 

aus dem Eocn Europas: 

Necrolemur Edwardsi Filhol; 

antiquus ders. ; 

Zitteli Schlosser; 

Cartieri Riitimeyer; 

minor ders.; 

parvulus Filliol; 

V Microchoerus erinaceus Wood; 
Plesiadapis reniensis Lemoine; 

Gei'vaisi ders.; 

Daubrei ders.; 

aus dem Eocn Nordamerikas: 

Auaptomorphus homuneulus Cope; 

aemulus ders.; 

Cynodontomys latidens ders.; 
Mixodectes pungens ders.; 

crassiusculus ders.; 

? Lemuravus distans Marsh; 
'? Indrodou malaris Cope. 

Der Schlusssatz, der sich aus den bisherigen Be- 
trachtungen ergiebt, besteht darin, dass man, worauf 
bereits Topinard aufmerksam machte, die Lenuiren von 
den Primaten nicht trennen darf. Auch Schlosser hat 
durch seine phylogenetische Tafel den gemeinsamen Ur- 
sprung aller Aften (im Gegensatz zu Schmidt, der die 
amerikanischen Affen vom Inseetivorentypus, die der alten 
Welt von Omnivoren Ungulaten herleiten will) ausgesprochen. 

Platyrhine Affen im fossilen Zustande kannte man 
bisher nur aus Sdamerika (besonders aus den Hhlen 
von Limd in Brasilien), und zwar ans verhltnissmssig 
jngeren Schichten (quaternren oder pleistocnen). Die 
tertiren Schichten des meridionalen und septentrionalen 
Amerika, die sonst au Sugethierformen so reich sind, haben 
keine Ueberreste geliefert, die man auf Affen bezieben 
kann. Mit Ausnahme von Protopithecus brasiliensis, der 
Anspruch auf ein eigenes geuus erheben darf, unterscheiden 
sich die brigen fossilen Platyrhineu, wie Hapale, Mysetes, 
Callithrix, Gebus, wenig von einander und von den anderen 
Formen. 

In jngster Zeit (1891) hat Florentino Ameghino in 
den eocnen Schichten des sdlichen Patagonien (Rio 
Santa -Cruz) eine Anzahl von Unterkiefern gefunden, ilie 



er mit Rcksieht auf das hohe Alter der Schichten fr 
solche von Lemurinen ansah. Eine eingehende Unter- 
suchung derselben hat indessen gezeigt, dass es sieh um 
Reste \eritahler Aften handelt, denn die Zahnformel der- 
selben gleicht denen der (Jebier, d. Ii. aller amerikanischer 
Aften, ausgenommen den istiti. 

Die amerikanischen Affen unterscheiden sich von 
denen der alten Contiuente durch die Anzahl der Zhne 
(3), d.h. durch die Anwesenheit eines d. jjraemolaris in 
jeder Kieferhlftc; die Uistitis dagegen haben zwar nur 
32 Zhne, wie die wahren Aft'en und der Mensch, weichen 
aber doch von diesen ab, weil sie nur 2 d. molares und 
dazu einen praemolaris, wie die Gebier, aufweisen. Sie 
sind somit diesen letzteren zwar stammverwandt, scheinen 
aber einen inferioren oder degenerirten Tyjtus derselben 
darzustellen. In dieser Beziehung knnte man einen ge- 
wissen l'arailelismus zwischen den beiden (!rui)pen der 
amerikanischen Aften und den beiden der Lemurier fest- 
stellen: die IIa|)alier mit reducirtem Gebiss entsprchen 
den Lemuren v(m Madagascar, die nur .30 oder noch 
weniger Zhne besitzen; die Gebier mit vollstndigerem 
Gebiss den primitiven Lemuriern, die wie sie mit 30 Zhnen 
ausgerstet sind. 

Die Ureebier Patagoniens sind im allgemeinen von 
kleiner Statur; insofern gleichen sie auch den Uistitis. 
Sie scheinen ziendich mannigfaltig in der Eocnperiode 
gewesen zu sein; denn man kennt bereits 4 genera, die 
sieh unter einander immer noch mehr unterscheiden, als 
die heutigen amerikanischen Aften unter sich: 

Honnniculus patagoniens Ameghino, verwandt mit 

Ecphantodon ceboides Mcrccrat; 
Anthro])ops perfectus Ameghino; 
Hiimocentrus argentinus ders.; 
Eudiastatus lingulatus ders. 

Das Gemeinsame au den Unterkiefern dieser 4 Gebier, 
von denen Trouessart woblgelungene Abbildungen giebt, 
ist die Hhe und Breite der Kinnsyni)hyse, ein Merkmal, 
das sieh bei Mycetes, Callithrix und noch anderen Arten 
noch vorfindet. Die Kieferhlften sind ohne sichtbare 
Naht vollstndig mit einander verschmolzen. Die Zabn- 
forniel, soweit sie sich fr die Unterkiefern rec(mstruiren 
lsst, ist die der Gebier: 

,7 - ^ Pm ~ M ~ 

Die d. molares sind ein Avenig lnger als Ijreit, fast 
viereckig. Alle Zhne stehen in einer fortlaufenden Reihe, 
in der die d. canini die brigen Zhne kaum berragen; 
dieselben haben ihren Platz zwischen d. incisivi und pra- 
molaris gerade so wie beim Mensehen. 

Die Gliedmaassea dieser eocnen Aft'en hat man bisher 
noch nicht aufgefunden. Indessen lassen andere Extremi- 
tten, die in denselben Schichten zum Vfu-schein kamen 
und deren zugelniriges Gebiss an das von Chiromys er- 
innert (Jcochilus, verwandt mit Toxodontus) vcrmuthen, 
dass diese Thiere auf Bume klettern konnten. .Mit grsserem 
Rechte drfte man dasselbe von Homuneulus und Authro- 
pops annehmen. 

Bessere Kenntniss besitzen wir von den fossilen 
Affen der alten Welt, die der Miocu- bis Quatcrnr- 
zeit angehren. 

Aus Europa kennen wir: 

Semnopithecus monspessulanus Gervais Pliocn 
Frankreichs und Italiens; 

Mesopithecus Penteliei Gaudry Pliocn Griechen- 
lands und Ungarns; 

Dolichopitheeus rascinensis Deperet Pliocn 
Sdfrankreiehs ; 



Nr. 1. 



Njvturwissciisf'liaftliclie Wochenschrift. 



Oreopitbccus l>;uiil)oli (icrvais Miocii Italiens; 
Macacus priscus Gervais l'liiiciiii KSdlraiikreiclis; 
Macacus (Aulaxinuus) florcntinus Cocchi l'liocii 

Italiens: 
Macacus pliocaenus Owen Quaternr Eng'hxnds; 
Macacns tolosanus Harle Quaternr Sd- 

tVankreiclis;*) 

aus Nordafriiia bislior nur eine eiuzii;c Art: 

Cynoccphahis atlantiensTlionias Pliocn Algiers; 

aus Asien, das wiederum reicher (besonders Indien) ist: 

Senmopitliecus palaeindieus Lydekkcr Pliocn 

Indiens; 
Semntipitliecus entellus (fossilis) Lyd. Quaternr 

Indiens; 
j\[acacus sivalensis Lyd. Pliocn Indiens; 
Cynocephalus suhhinialayanus H. V. Meyer Plio- 
cn Indiens; 
C'ynocephalus Falconeri und sp. V Lyd. Pliocn 
Indiens. 
Alle diese Typen sind zwar nahe Verwandte der 
heutigen Cercopitbecier, stellen jedoch auch Ueberg-nge 
zwischen den genera derselben dar so ist Mesopithecus 
ein Mittelding- zwischen Scnmopitheeus und den ^lakaken, 
!>oliciii>pithecHs zwischen Senniupitheeus und den ('yno- 
cephalen, Ureoi)itliecus zwichen Schimpansen und den 
Makaken . Es gewinnt somit den Ansehein, dass die 
gegenwrtig- wohl zu unterscheidenden Typen des Semno- 
pithecus, Cercopithecus und Cynocephalus zur Tertirzeit 
noch auf dem ^\'egc der Entwicklung begritfV-n waren. 

Das Viirkonunen von Semnopithecicrn, Makaken und 
auch Cynoephalcn in der siidasiati.schen fossilen Fauna 
berechtigt zu dem Schlsse, dass einst Verbindungen 
zwischen Indien und Afrika bestanden haben mssen. 

Von den anthropomorplien Affen kennen wir bis 
jetzt 4 fossile Spccies. 

In Europa: 

Dryopithecus Fontani Lartet 

frankreichs; 
Plioi)ithecus antiipius Gervais 

reichs und der Schweiz. 

In Asien: 

Troglodytes sivalensis Lydekkcr Pliocn Indiens; 
Simia sp.V Lydekkcr Pliocn Indiens. 

Der erstere ist in der Anthropologenwelt durch die ver- 
nieintliehen Silexgerthscliaften berchtigt geworden, die 
der Abbe Bourgeois in Tlienay sammelte uufl diesem 
Tliiernienschen zuschrieb, der, wie sich S))ter herausstellte, 
noch bestialischer als der Gorilla gewesen sein nniss. 

Der Plio])ithecus ist nahe verwandt den Gibbons, 
der Troglodytes sivalensis durch sein Gebiss dem Schim- 
])ansen. Da dieser letztere gegenwrtig aber ein Be- 
wohner des tropischen Afrika ist, so erblickt Trouessart 
in diesem Unistande einen Hinweis fr die schon oben 
angefhrte Ilypotiiese von einem ursprngliehen Zusannnen- 
liange der Fauna Indiens und Afrikas. Man kami daher 
die gegenwrtige afrikanisclie Fauna als das Pesultat einer 
Auswanderung von Indien lier beobachten, die sich auf 
einer Festlandsbrcke vollzog, von der Aralticn den letzten 
liest darstellt. 

Von dem zur Gattung Simia geinirigen fossilen Anthro- 
Ijomorphen weiss man aus Mangel an ^laterial noch zu 
wenig, um die Speeies bestinnnen zu krmuen. 

Im Anschluss an diese Auseinandersetzungen errtert 



Miocn Sd- 
Miocn Frank- 



*) Das goiius Ci'boclioorus Goixai, mit ileiii Colobiis i;i-;i,n- 
daevus Fraas vielleiclit synuiiyin l, geliiirt uit-lit zu ticn Att'eu, 
sondern zu den Artiodaetyloii (SuidaH). 



der Verfasser uoeb die Frage, wie so es konmit, dass in 
den miocnen Schichten Europasbereits ein anthroponKn-pher 
Arte (Dryopithecus) auftritt, in den Jngeren pliocncn 
dagegen nur Atfen niederen Typus (Semnopithecns, Ma- 
cacus). Wenn auch der Hott'nung Kaum zu geben ist, 
dass man mit der Zeit auch noch andere Cercopitliecier 
im Miocn aufdecken wird, so lsst sich das Fehlen 
von Anthropomori)heu im Pliocn wohl durch eine Aus- 
wanderung dieser kleinen empfindlichen Speeies aus Europa 
nach Afrika oder dem Sden Asiens erklren, wo solche 
in dieser Formation nachgewiesen sind. Die weniger 
empfindlichen Gercopithecier haben sich dagegen bis in 
die Gegenwart hinein auf unserem Continente (Gibraltar) 
erhalten. 

Durch das Aufhnden von fossilen Aft'enrestcn in cUmi 
tertiren Schiciiteu Sdamerikas ist gleichzeitig wieder 
die Frage nach dem ersten Auftreten des Men- 
schen unter diesem Himmelsstriche in Bewegung 
gebracht worden. Sdamerika, im besonderen Sdbrasilien 
und Argentinien, haben eine reiche Ausl)eute an vorge- 
schichtlichen Menschenresten geliefert. In den Ibihlen von 
Somidouro in Brasilien, zu Gordoba und im Tliale des 
Rio Negro in Argentinien sind quateriire Schdel von 
dolicliocephalem, hypostenopbalem, prognathem Typus mit 
sehr dicken Seitenwandbeinen, niederer Stirn und stark 
entwickelten Augenbrauenbgen aufgefunden worden, die 
somit an die Neanderthalra(,-e erinnern. Die dazu ge- 
hrigen lihrt'nknochen die cavitas olecrani weist eine 
Perforation bis zu 15 mm auf sprechen fr eine Race 
von niederer Statur. Gewisse Schdel sind auch brachy- 
cephal oder subbrachycephal ein Charaktcristicum der 
heutigen sdami'rikanischen Autochthonen und erinnern 
si'hr an die der Eskimos. Knstlich deformirte Schdel 
konnnen auch vor. Im allgemeini'u lsst sich jedoch von 
der quaternren Race Sdamerikas sagen, dass sie grund- 
verschieden von der heutigen Bevlkerung war. 

Gebrannte Topfreste, Silextheile von St.-Acheul- und 
Chelles-Typus, Pfeilspitzen sowie Schalen vom Moustier- 
Typus zusammen mit den Riesenpanzern der Glyptodonten, 
die als Schutzdach gegen Regen und Wind gedient halben 
mgen, charakterisiren diese Bevlkerung der ., palo- 
lithischen Periode". 

Aber uoch in lteren Erdschichten will man die 
Spuren des Menschen nachgewiesen haben. Leider gehen 
die Ansichten der Geologen ber das Alter derselben sehr 
auseinand(M-. Whrend Dr.ring und Anieghino sie fi- 
pliocn, selbst miocn halten, rechnen d'Orbigny und Stein- 
manu sie zum Pleistocn oder (Quaternr. Die einzigen 
menschliehen Knochenreste aus dieser sehr alten Periode 
der etage Ensenadien oder Pampeen, nach Ame^liino 
entsprechend dem unteren Pliocn sind einzelne Zhne, 
die man anfnglich fr solche eines Cebiers (Protopitheeus 
bonoerensis hielt. Etwas hutiger konnnen ThierknocluMi- 
reste vor, die die Spuren nunseldielier Tlitigkeit (Be- 
arbeitung, Brand) an sich tragen sollen, sowie Topf- 
fragniente und Kohlenstcke. Zu Monte -Hernn)so trug 
ein fossiles Scelett von ^lacrauclienia anti(ina Formation 
Araucanienne, nach Anieghino Miocn in einem seiner 
Knochen einen Quartzsplitter, der von einem absielitliciien 
Wurf herrhren kann, zumal da imlieiie Splitter in der- 
selben Schicht noch zum Vorsciiein kamen. 

Durch diese Funde knnte das Vorkonnnen des ter- 
tiren Menschen fr Sdamerika bewiesen sein, wenn nur 
nicht das Alter dieser vermeintlich tertiren Schichten 
neuerdings stark angezweifelt worden wre. Steinmaini 
in Freibnrg scheint nachgewiesen zu hab<ii, dass diese 
Formationen Amerikas dem Lss Euro})as ents|)reelu'n: 
somit wrde das angebliehe Miocn (Araueanien) Argen- 
tiniens der grossen Eisperiode angehren, und das obere 



- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 1. 



Miocn oder Snbpanipecn Amcghino's (auch pehuelchc 
genannt) nur aus d(Mi Mornentrmniern der h^t/teu Eis- 
periode sich gebildet haben. Da nun ferner anzunehmen 
ist, dass die Ulacialzeiten auf beiden Erdthi'ilen gleich- 
zeitig stattgefunden haben, so drften die eberreste des 
angeblich tertiren Menschen synchron mit denen aus der 
palolithischen Periode Europas sein. 

Fr die Steinniann'sche Auffassung spricht auch ein 
Vergleich der Sugethierfauna aus der Formati(m l'ata- 



gonienne (Oligoen) und der Formation Araucanienne 
(Miocn). In dieser herrschen Mastodonten, Hirsche, Lamas 
und ]\lMrsupialicr eines nrdlichen Klimas vor, die mit 
einem Male hier auftreten und dieser Fauna (mu sehr 
modernes (4eprge geben, tmtz der 21 Genera, die sie 
aus der ersteren bernommen hat. 

Der tertire Mensch ist fr Amerika so- 
mit ebensowenig wie fr Europa bis jetzt er- 
wiesen. 



Botanische Excursion durch die Pampas und Monte-Formationen nach den Cordilleren. 



\'oii Dr. Ottu Kuiitzi 



Mitte Deceraber 1891 kam ich in f'ordoba aus Europa 
an; der Aufenthalt in Buenos Aires war nur ein kurzer 
gewesen; die mindestens zu ',4 aus eingewanderten, meist 
mediterranen Pflanzen bestehende Flora um Buenos Aires 
hatte fr mich nur geringen Reiz. Unser Hamburger 
Dampfer, die ..Clinda", fuhr nach wenigen Tagen weiter 
den La Plata und Parana-Strom hinauf nach Rosario de 
Santa Fe, von wo ich sofort die Eisenbahn nacli Cordoba 
benutzte. Es war eine abseheulieli staubige, zehnstndige 
Fahrt durch nur wenig cultivirte Pampas; die meisten 
waren nur fr Viehheerden benutzt, doch waren stellen- 
weise grosse Flchen mit Weizen, der kaum V2 "i hoch, 
jetzt mit Maschinen geerutet wurde, oder mit Alfalfa 
Medica(go) sativa L. oder mit Mais bebaut. An 
den Eisenhahnstationen Hess sich fast gar nicht botani- 
siren, da der Aufenthalt der Zge meist sehr kurz und 
unbestimmt war, sowie die Flora um alle Stationen auf 
mindestens einige Hundert Schritt Entfernung stets auch 
nur aus europischen, bezw. cosmopolitischen Ansiedlern 
besteht. 

In Cordoba fand ich im Hotel Roma gute Pension, 
incl. Wein fr nur ti Pesos = Vo Mark. Es war Regen- 
zeit, welche sich durch tgliche oder in je zwei Tagen 
eintretende, kurze, aber heftige Gewitter usserte und 
dieses Jahr aussergewhnlich stark war, so dass die Flsse 
stark angeschwollen Avaren. Da die Gewitter meist nur 
kurze Zeit dauerten und ihre Wassermassen in den Strassen 
Und Gefilden sich sclmell verliefen, so blieb Zeit und Ge- 
legenheit genug, in der Umgebung zu botanisiren; ich 
habe innerhalb zwei AVochen nahezu 400 verschiedene 
Arten gesammelt. Die Flora ist dorJ; relativ reich zu 
nennen und aus strauehloser Pampaflora mit den ver- 
schiedenartigen Monte-Fhu'en, die wir s])ter einzeln kennen 
lernen werden, zusannnengesetzt, durch Abholzen z. Th. 
auch verndert. Monte bedeutet Buschwald (nicht Berg) 
und ist im Uebrigen durch mancherlei Uebergnge mit 
der Pampaflora im strengeren Sinne, welche vorherrschend 
aus Grsern und Krutern mit vereinzelten Struchern oder 
ohne dieselben besteht, verbunden, so dass strenge Vege- 
tationsgrenzen nicht zu ziehen sind. Manche verstehen 
unter Pampas auch die Gebiete mit niederen Struciiern, 
welche zuweilen fast gi'aslos sind. Im Allgemeinen findet 
sich Monte -Hora mehr lngs der Flsse und Bche, 
whrend die Pampas meist wenig oder keine fliessenden 
Gewsser besitzen, bezw. wo schliesslich die Flsse durch 
die Pampa gehen, hal)en sie meist Ufergebsch der Monte- 
Formation. Auch in die Sierra de Cordoba bin ich ge- 
kommen, jedocii nur bis zur Dique de San Roque, wohin 
eine Eisenbahn fhrt. 

Die aussergewhnliehe Regenmenge hatte die Flsse, 
wie gesagt, sehr wasserreich gemacht, und diesem Um- 
stnde verdanke ich es, dass ich Freund Fritz Kurtz 
(Dr. Don Federico), Catedratico de botanica en la universi- 
dad de Cordoba, noch anwesend fand; er hatte mit seinem 
geologischen Collegen Dr. W. Bodenbender eine wissen- 



schaftliche Expedition imcli den Cordilleren, speciell nach 
dem Planclioniiass zu, unternonnnen, freie Eisenbahnfaln't 
bis Villa Mercedes bewilligt erhalten und nun 2 Diener 
mit Maulthii-ren und Pferden lier Land vorausgesandt. 
Letztere konnten nun den reissend gewordenen Rio tercero 
nicht passiren, so dass dieser Umstand den Beginn der 
Expedition um 14 Tage verschob und ich noch recht- 
zeitig ankam, um selbst diese Reise mitmachen zu kiinnen, 
wenigstens einen Tlieil derselben, welcher sich meinem 
Reiseprogramm anpasste. 

Inzwischen war auch die Eisenbahn nach Villa Mer- 
cedes von den Fluthen zerstrt worden, und bei den fort- 
whrenden neuen Regengssen wurde es immer zweifel- 
hafter, ob unsere projectirtc Reise noch ausfhrbar sein 
wrde, um so mehr, als die den beiden Professoren dafr 
gestattete Zeit von 2 Monaten bei weiterer Verschiebung 
daran so verkrzt wrde, dass bei der grossen Entfernung 
diese Zeit dann nicht mehr ausreichen konnte. 

Am letzten December riskirten wir die Abfahrt, ob- 
wohl wir nicht hatten erfahren knnen, ob der Eiscnbalin- 
dannn am Rio Tercero wieder hergestellt sei, und ob die 
altbewhrten Diener der Professoren Don Komulo und 
Don Vicente mit den Maulthieren den Fluss schon etwa 
passirt hatten. 

Bis zur Station Villa JMaria, wo die Bahn nach Villa 
Mercedes abzweigt, ging unsere Fahrt glatt; dann be- 
durfte es aber dringender Vorstellungen bei dem Stations- 
clief, um berhaupt weiterbefrdert zu werden. Das ging 
aber luclit glatt von statten: ein Personenwagen und ein 
Gepckwagen wurden von der Locomotive geschoben 
(nicht gezogen); schliesslich, als der Bahndaunn mehr einem 
Sumpf glich, und unter den Schienen stellenweise Wasser 
stand, wurden Passagiere es waren etwa 8 und 
Bagage auf 2 leichte Draisinen .,geladen" und von Leuten, 
die auf den Schienen liefen, weitergeschoben. Auf dem 
Bahndaunn war jetzt selbst das Laufen unmglich, denn 
das Ueberschwemnuingswasser floss ber und oft auch 
unter den Schienen cascadenartig ber den Damm. Nach 
20 Minuten solcher Fahrt komite ein Pferd vorgespannt 
werden, bis wir zur Brcke kamen, ber welche, weil 
das eine Ende unterbrochen und dureli einen Steg vor- 
lufig ersetzt war, wir zu Fuss wamh'rn mussten, whrend 
die Gepckstcke einzeln hinbergetragen wurden. Am 
Ufer des Flusses wuchsen mchtige Bume von Salix 
Ilumboldtiana mit hngenden Zweigen, zur Zeit mit 
Frchten. Auf der berwundenen Eisenbahnsumpfpartie 
hatten wir auch eine interessante Pflanze nntgenonunen: 
im Sumpfe wuchs eine P]ryngium-Art (cfr. paniculatum) 
mit einfachem, manneshohem Stengel und aloehnlichen 
Blttern. Ein zerlumpter, barfssiger Junge holte sie uns 
aus dem Sumpf und erhielt dafr 1 Bankbillct von 10 Cen- 
taros im Werthe von 11 Pfennigen. 

Jenseits der Brcke war die Eisenbahn wieder in 
Ordnung, und brachte uns der Zug gegen Abend nach 
dem Stdtchen Rio Cuarto und am andern Morgen bis 



Nr. 1. 



Naturvvisscnschaftliclic Wochenschrift . 



Mittag- nach Villa Mercedes, ^^'ir fuhren nici.st durch 
Pampas, wo die Heuschrecken frchterlich gehaust hatten; 
es ist ein Heuschreckenjahr, und die junge flgellose Brut 
zerfrisst fast alles, was ihr von Pflanzen crreicldjar ist, 
von den Grsern der Pampa vornehndich die oberen 
Theilc; dagegen lassen sie eine in der Panifia stellen- 
weise hutigi' silhergraue, Vj i" holie Compositenstandc 
mit schlanken Zweigen und lancettlichcn Blttern, Hya- 
loseris argeutea Cesati, unangerhrt. 

Silvester hatten wir im Bahnhi>frestaurant zu Rio 
Cuarto mit Grog gefeiert; doch wollte eine recht frh- 
liche Stimmung nicht Platz greifen, da wir in Ungewiss- 
heit waren ber die Tropa so nennt man die zu einer 
Expedition gehrigen ^laulthiere inel. der Madrina, einem 
Pferd, dem eine Klingel angehngt wird. Die Madrina 
bt einen eigenartigen Zauber auf alle Thiere einer Tropa 
aus und hlt die Thiere zusannncn. Unsere Tropa be- 
stand schliesslich aus 1 Pferd i Madrina) und 11 Mulen 
(Maulthicre: Mula5, Macho j' ). 

In Villa Mercedes angekommen, fanden wir weder 
unsere Tropa, noch Nacliricht von Don Romulo, der uns 
eventuell liatte telegraphiren sollen. Wir nahmen einst- 
weilen Unterkunft in einem sehr niittelmssigen (iasthaus 
(Fonda); bessere giebt es kaum in dieser den Camp- 
stadt. Prof. Bodenbender, der die Fhrung der Expedition 
bernonnnen hatte, telegraphirte nach allen Kiclitungen, 
die Don Komulo mit der Tropa htte einschlagen knnen 

eventuell auch nach Uebersteigung der Sierra de Oor- 
doba jenseits derselben. Die Depeschen waren ohne Er- 
folg eine versptete Antwort war sogar ganz falsch ; 
wir blieben in Ungewissheit l)is zum 2. Januar Abends, 
als unsere Tropa mit Verlust eines zurckgelassenen Pferdes 
endlich eintraf. Die Mulen mussten min erst etwas aus- 
ruhen, wir mussten uns einen Vaqueano (Fuhrer) nach 
San Kafael, Provinz Mendoza, besorgen, fr mich mussten 
o Maulthiere ( 40 Pesos) hinzugekauft werden. Da die 
Regeng.sse auch hier sieh wiederliolten, wurde telcgraplii- 
schc Nachriclit eingezogen, ob der Rio Dianiante bei San 
Rafael und der Rio Atuel (bezw. Rio Salado) berhaupt 
passirbar seien. Da in diesem Sommer (also hier De- 
cember-Februar) auf den Cordilleren viel Schnee gefallen 
und im Abtliauen begriffen ist, so sind die Flussbergnge 
unberechenbar. Es liefen aber gute Nachrichten ein. Da- 
gegen war der Rio Quinto, an welchem \'illa Mercedes 
liegt, nicht mit beladenen Mulen zu passiren, und als wir 
es am 7. .lanuar \ ersuchten, mussten wir umkeln'cn. 
Glcklicherweise fand .sich ein Ausweg: die 3 Stunden 
entfernte Eisenbahnbrcke, ber welche wir gehen und 
das Gepck tragen mussten, whrend die Mulen den 
Fluss durchschwammen. Die Mulen htten be(|uem auch 
ber den 1 in breiten Steg der Eisenbahidingeltriieke 
laufen knnen, aber Mulen sind eigenartige Thiere, mit 
deren Gewoiinheiten man auf Reisen sehr rechnen nniss; 
sie wren auf der Eisenbahnbrcke scheu geworden, und 
es musste daher das stets uiustndliciie Umladen des 
Gepckes, das einige Stunden aufiilt, in der Mittagshitze 

32 C. im Sciiatten vorgenonnnen werden. 

Die Zeit bis zur Abreise am 7. .lanuar hatten Kurtz 
und ich zu einigen kleinen, wenig loluiendcii Excursionen 
benutzt; eine mit der neuen Bahn nach San Jose de Jlorro 
htte lohnend werden knnen, wenn wir darauf htten 
2 3 Tage verwenden drfen; die Zge fahren bloss alle 
2 3 Tage und an einem Tage lsst sich der Ccrro de 
^lorro nicht erreichen; so konnten wir nur die niedrigen 
Vorhhen des Cerro blaneo erreichen, die nichts Itesonderes 
boten; doch seien erwhnt: Ecbolium campestre ()k.^ 
Rhjtiglossa c. Nees = Justicia c. Grisel, eine blau- 
blthige, 1 m hohe, aufrecht -diehtstige, starkbelaubte 



Staude, welche dichte Bestnde bildet; 2 niedrige \ cr- 
bcna-Arten: V. chamaedryodes mit brennendrothen 
P>lthen, krautigen, gestreckten Stengeln, welclie Art meist 
vereinzelt sich findet, und eine iicilblaublthige Art, welche 
bis If) cm h(die, sparrig verzweigte Zwcrgstrucher bildet 
nnd mehr gesellig \'orkonnnt. .\uf den windigen Hhen 
blhte ein Meloeactus. In dem kleinen Thalkessel des 
Cerro blaneo standen einige riesenhafte, rt '/^ ni im Stamm 
dicke Feigenbume, deren verlockende Frchte aber zu 
hoch hingen, um erreichbar zu sein; das Erklettern ist 
bei iler Brchigkeit des Holzes unstatthaft. Unter dem 
Schatten dieser mchtigen ilumc lagerten wir zum Mittag; 
eine Ziegcnheerde suchte ebenfalls dort Schatten und 
lieferte uns Milch. Von Grsern und anderen kleinen 
(iewehsen, deren .Vufzhlung hier zu weit fhren wrde 
und ohne nachtrgliche Bestimmung im Herbarium zu 
Hause auch nicht gut mglieh und zweifelhatt ist, seien 
noch von jener Partie aufgefhrt: Cestrum Pseudo- 
(|uina Mart., eine fast zur Ruderalpflanze gewordene ein- 
heimische, halbstrauchige, 1 1 'o m hohe, giftige Solanacee 
mit gelbgrnen bis gelben, cylindrischen Blthen. Ziegen 
fressen diese Pflanze nicht, wohl aber wird sie von lieu- 
schrccken angegriffen. .lodina rhombifolia Tlk. u. .\rn. 
ist eine baumartige, bis 8 m h(die, oft aber nur hoch- 
strauchige Santalacee mit lederartigen. Ijlassgriinen, 4 bis 
5 cm langen, cuneat- i-hondiischen, kahlen Blttern, deren 
3 oberhalb gelegene Ecken in Staehelspitzen auslaufen. 
Prosopis alba (iriseb. wird ein mchtiger Baum bis zu 
1 m stark und 12 m hoch; es ist eine Mimosaeee mit zartem 
Laub, die 1 2-jugatcn Bltter haben gefiederte ,loch- 
theile mit zahlreichen, kaum 1 cm langen und ' 4eni breiten 
]>lttcheii. Die jungen Exem])lare sind reichlicher mit 
Dornen versehen. Auf dem Algarrobo blaneo, mit welchem 
italienischen Namen fr das Johannisbrot man hier diesen 
Baum wegen der sssen, johannisl)rothnliehen, aber 4 Mal 
schmleren und 2 Mal krzeren Hlsen bezeichnet, vegetirtc 
dort ein Loranthus mit sehr sehmalen, fast linealen 
Blttern, z. Z. noch nicht in Blthe. Zu dieser Partie, 
deren kurze I^isenbahnfahrt (i Pesos Jedem kostete, hatten 
wir ausserdem 3 Pferde mit 1 Fhrer auf 4 Stunden ge- 
miethet, wofr wir nur zusannncn b Pesos zahlten. 

A'illa Mercedes ist eine Canipstadt, deren man t'ine 
zu besehreiben hat, um alle anderen hier damit zu schil 
dem. Die Strassen sind sehr breit, staubig, bezw. nach 
Regen schlammig, reelitwiid^clig sieh kreuzend und Cuadros 
bildend, die fr Huserxierccke einer knftigen tiross- 
stadt angelegt sind, auf denen jetzt ai)er meist nur .M- 
falfe (Luzerne) oder Mais gebaut wird: diese von Strassen 
umgebenen Felder sind mit dicht gepflnnzten Pyramiden- 
pappeln umgeben, welche infolge ihrer Hhe nnd ihres 
dichten Standes den Feldern einen weitgehenden Schatten 
gel)en. Die Huser, welche sich nur stellenweise mehr 
zusannnengeljaut finden, sind ausschliesslich aus Lehm- 
ziegeln gefertigt; in der Nhe der Plaza finden sich dann 
meist die grsseren Gescliftslden etc. Gross geplant, ist 
eine solche schwach be\lkerte Stadt wegen ihier .\us 
dehnung nur mit Pferden oder Droschken zu benutzen, 
die hier beispielhis billig sind Fahrt pro Person 40 Cs. 
oder ]n'o Stunde (dme Rcksicht auf Personenzahl I Peso 
Jetzt etwa 1 Mark werth). Die vielen Pa|)pelreilien, an 
denen brigens die Heuschrecken schliesslich auch weiden, 
wenn das Futter zu ebener Erde fehlt oder .-die geworden 
ist, machen eine solche Campstadt schon von Weitem er- 
kenntlich; fr den Botaniker sind si(> trostlos, denn an 
den Wegen und freien Pltzen waidisen fast um' l\uder;il- 
pflanzen, vor allem Clienopodium album L., Xan- 
thium siiinosum L. und \'erbcsina enceliodes 
Bsigr. (Cav.). iJ''ortsetzung folgt.) 



6 



Naturwissenschaftliflie Wocliensclirift. 



Nr. 1. 



Der Rechner Iiiaiuli. Da der in der letzten Zeit 
in Tageshlttern viel erwhnte Wunderreehner" Inaudi 
die Absiclit haben soll, auch nach Deutschland zu kommen, 
sind vielleicht einige Notizen ber ihn nach den Be- 
obachtungen der Pariser Akademiker in der Salpetriere 
und an der Sorbonne (Aerztc, ^Mathematiker und Philo- 
sophen habeu Theil genommen, liesonders der Neurolog 
Charcot, Binet, die Mathematiker Tisseraud, Dar- 
boux, Poincare), an dieser Stelle von allgemeinem 
Interesse. Es handelt sich bei ,1. Inaudi um einen Kopf- 
rechner, der den berhmtesten Erscheinungen dieser Art, 
Mondeux in Frankreich (1840 von Cauchy der Akade- 
mie vorgestellt), Colbum in England, Mangiamele in 
Italien u. s. f. nicht nachsteht und vielleicht nur von 
Zach. Dase bertroifen wird (Dase, 18241861, ist 
mit 15 Jahren lt'eutlich als Rechner" aufgetreten und 
hat bei'all das grsste Staunen erregt durcii seine Schnellig- 
keit im Zitfernrechnen; in Wien multiplicirte er z. \i. 
40 Zahlen mit 40 anderen in 40 Minuten. Er wurde 
auch bei Zahlenrcchnungen fr wissenschaftliche Arbeiten 
vielfach verwendet, z. B. von B es sei an der Sternwarte 
in Berlin , im preussischen Finanzministerium u. s. f.) 
Inaudi unterscheidet sich, um das gleich vorweg zu 
nehmen, in hchst interessanter Weise von seinen Vor- 
gngern: er hat von je die Ziffern, mit deren Kombination 
er sich von frher Jugend an leidenschaftlich befasste, 
nicht durch das Auge, sondern durch das Ohr erfasst. 
Er stammt aus Onoraso in Piemont, ist am 13. October 1867 
in rmlichen Verliltnissen geboren und war lange Jahre 
Hirte (wie auch Mondeux und Mangiamele); Lesen 
und Schreiben hat er erst im 20. Jaln-e gelernt, im Rech- 
nen hat er nie einen Lehrer gehabt. Mit 5 Jahren ist er 
von jener merkwrdigen Leidenschaft fr die Zahlen er- 
griffen worden, die alle diese Rechner im zartesten Alter 
erfasst und nicht mehr loslsst. (Uebrigens ist auch von 
vielen Mathematikern und Physikern l)ekannt, dass sie in 
frhester Jugend, Gauss und Ampere z. B. im dritten 
Jahre zu rechnen begonnen haben.) Schon in seinem 
13. Jaiu"e hat sich des Knaben ein Impresario bemchtigt, 
der ihn u. A. nach Paris fhrte, wo ihn Broca unter- 
suchte. Er hat nie, auch als kleiner Knabe nicht, wie 
andere Rechner mit materiellen Dingen gerechnet, z. B. 
an den Fingern oder mit Kieselsteinen u. s. f. gezhlt, 
sondern sofort im Kopf zu rechnen begonnen, nachdem 
er die Namen der Zahlen von seinem Bruder kennen ge- 
lernt hatte. Es ist schon angedeutet, dass ihm deshalb 
auch jetzt, da er lesen und S'ehreiben kann, die Schrift 
beim Rechnen gar nichts ntzt; er fasst alle Zahlen nur 
durch das Ohr beim ^'orsprechen auf, um dann im Kopf 
die gewnschten Operationen zu machen. Gesehriebcue 
Zahlen fasst er viel schlechter auf; er sagt selbst, dass 
ihn die Schrift verwirrt. Er nudtiplicirt .jetzt acht- bis 
zehnstellige Zahlen mit einander. Dabei ist weniger eine 
ganz ausstn-ordeiitliehe Schnelligkeit, als die Sicherheit 
seiner Antwort berraschend, inmierhin ist auch die erstere 
nicht gering, z. B. braucht er zur Auffassung zweier vor- 
gesprochener 4zitfriger Zahlen, der Multiplication beider 
und dem Aussprechen des Resultats 20 Sekunden. Wh- 
rend ein Erwachsener, von einer beliebigen Folge, ihm in 
bestimmtem Rythmus (z. B. in Gruppen von drei) vorge- 
sprochenen Ziffern nur etwa 8 bis 10 in richtiger Folge 
wiederholen kann, gelingt dies Inaudi ohne Anstrengung 
bei 24 bis 30; dabei prgen sieh diese Ziffern durch ein- 
maliges Nachsprechen seinem Gedchtniss sofort ein, dass 
er sie z. B. ebenso gut (dme alles Zuthun in umgekehrter 
Folge wiederholen kann oder die erste Hlfte in gerade, 
die zweite in umgekehrter ( rdnung u. s. f. .fa er kann am 
Ende einer lngeren Sitzung noch alle Zahlen hersagen, 
mit denen er whrend derselben zu thun hatte; es ist 



fast unglaublich und doch sicher verbrgt, dass er z. B. 
bei einem Besuch dieser Art in der Sorbonne 400 Ziffern 
so wiederholt hat nnt nur wenigen IrrthUmcrn, die er selbst 
sofort berichtigte, nachdem er zuvor gebeten hatte, ihn 
nicht zu unterbrechen. Eine 22-stellige Zahl, die ihm bei 
Darboux vorkam, wusste J. noch 8 Tage spter, ohne 
auf diese Gedchtnissprobe vorbereitet zu sein. Das 
Linien- oder Formengedchtniss eines zeichnerisch, das 
Tongedehtniss eines musikalisch ,,Begabten'' (Mozart 
hat das Jliserere der ppstlichen Kai)elle vollstndig 
notirt, nachdem er es zweimal gehrt hatte), ja alltgliche 
Klagen, wie ich habe ein so schlechtes Zahleugedcht- 
niss", oder wren doch die Leute numerirt, dass ich sie 
besser unterscheiden knnte", haben lngst gezeigt, dass 
das Gedchtniss" keineswegs eine einheitliche P^'unetion 
ist. Durcli die Kopfschnellrechner und hnliche Er- 
scheinungen wird bewiesen, dass wohl jeder Theil <les 
Gedchtnisses besonders begabt" und in diesem Falle 
durch entsprechende Uebung, zu der die so Begabten" 
eben durch ihre Anlage" willenlos getrieben werden 
(denn sie fangen in einem Alter an zu ben", in dem 
von Willensbestinnnung noch kaum die Rede sein kann), 
zu ausserordentlicher Leistung befhigt werden kann. 
Dabei knnen andere Tlieile des Gedchtnisses, im Ver- 
gleich mit dem Durchsehnittsmeuschen schwcher oder 
auch vollstndig normal sein. Das Beispiel Inaudi' s zeigt, 
dass nicht liei allen Kopfrechnern die ..muiihcr forms" 
(Galton) visuell sind; wenigstens Inaudi fasst, wie schon 
erwhnt, Zahlen nur durch das Gehr auf und kann auch 
nur rechnen, indem er murmelt, sich rechnen hrt. Wie bei 
den meisten Rechnern" ist bei Inaudi ausschliesslich das 
Zifferngedchtniss merkwrdig gebt, whrend z. B. das 
Buchstabengedchtniss normal ist, wie auch seine geistigen 
Fhigkeiten l)erhaupt zu sein scheinen. Whrend er, 
wie erwhnt, bis zu 30 vorgesprochenen Ziffern richtig be- 
hlt (bei 50 wird er unsicher und begeht Versehen, kann 
er nur die durchschnittliche Zahl von vorgesprochenen 
Buchstaben in richtiger Folge behalten und es ist un- 
wahrscheinlich, dass auch weitgehende Uebung ihn hier 
besonders frdern wrde. Es mag schliesslich noch er- 
whnt w<'rden, dass von irgend einer erblichen Anlage 



bei Inaudi nichts nachgewiesen werden konnte. 



II. 



JMe Blutseruintlieraitie. Die von Stabsarzt 
Dr. Behring in Berlin iiiaugurirte sogenannte Blutseruni- 
therapie, die neueste hoffnungsvolle Errungenschaft der 
modernen Medizin, wird durch ihren Urheber ihrer Ver- 
vollkomnuiung innner nher entgegengefhrt. In einem 
soeben erschienenen Buche: Das Tetanusheilseruni und 
seine Anwendung auf den kranken Menschen" (Leipzig, 
Verlag von Georg Thieme 1892) giebt der Verfasser einen 
Bericht ber den derzeitigen Stand und die Leistungs- 
fhigkeit der sogenannten Blutserumtherai)ie und fgt An- 
leitungen zu ihrer praktischen Handhabung bei. Nur fr 
den VVundstarrkrampf hat die neue Heilmethode bisher 
praktische Bedeutung gewomien; hier ist sie ai)er auf so 
sichere experimentelje Grundlage d. h. Erfolge bei Thier- 
versuchen gestellt, dass ihre Anwendung beim Menschen 
v(dlkommen bereclitigt, ja sogar gegenwrtig schon als 
eine Pflicht fr den Arzt erscheinen nuiss. 

Nachdem Behring entdeckt hatte, dass das Blutserum 
solcher Thiere (Muse, Meerschweinchen und Kaninchen"), 
welche gegen Tetanus inmum gemacht worden sind, 
immunisirende und heilende Kraft fr andere Thiere 
nicht nur der gleichen Gattungen, sondern auch hherer 
Arten, vornehmlieh Hannnel und Pferde besitzt, ist sein 
Streben dahingegangen, den Immunisirungswerth und die 
Heilkraft des Serums immer mehr zu steigern Durch 



Nr. 1. 



Naturwissenschaftliphe Woohcnsflirift. 



stndige Ueberinipfnug- des Seniins von Thiev zu 'l'hier 
ist dieses Ziel auch bis /n einer hestinnnten Grenze \<in 
ihm erreielit worden. Je strl^er und je lnger ein Tiiier 
immun ist, desto grsser ist aueli die innnunisirende und 
heilende Kraft seines Blutwassers. Diese beiden Eigen- 
sebaften unterscheiden sieh dadurch, dass letztere immer 
geringer als die erstere ist, so dass man fr die praktische 
Anwendung des Heilserums immer eine strkere (Jon- 
eenfration ntliig hat, als der hnmunisirungswcrth Ijetrgt. 
\'erfugte Behring frher nur ber ein Serum, von dem 
ein (Iranun im Stande war, ein Thier von 100 Gramm 
Ki-pergewicbt vor dem Tetanustode zu schtzen, d. h. das 
Blutserum besass einen Immunisirungswerth von 1 zu 100, 
so ist er jetzt bereits zu einem solchen ^ou 1 zu 1 000 000 
gelangt, das also 1000 Thiere nnt je 1000 Grannn Kr|)er- 
gewicht zu immunisiren \ermag. Zur Heilung eines l)ereits 
bestehenden Tetanus ist aber mindestens die tausendfache 
Menge der zur Imnninisirung gengenden erforderlich, in 
Folge dessen ist der praktische Werth des Heilserums 
zur Zeit nnr erst 1 zu 1000. P'r den Menschen von 
75 Kilogrannn Krpergewicht berechnet, wrden also 
75 Gramm Heilserum zur Heilung des Tetanus nothwendig 
sein. Schwere Erkrankungen wrden noch eine Steigerung 
dieser Dosis erheischen. Wie weit in solchen Fllen 
Behrings Heilserum leistungsfhig wre, steht noch da- 
hin. Bis jetzt ist nur aus dem St. Hcilwigs-Krankenhause 
in Berlin ein ndt dem Tetanushcilscrum behandelter und 
geheilter Fall vim Wundstankrampf Ijeriehtet worden. 
Da es sich aber imr um eine mittelschwere Form dieser 
Erkrankung handelte, die fters auch von selbst zur Heilung 
gelangt, so beweist dieser Fall noch nicht stricte die 
Wirksamkeit der Behringschen Heilmethode. Jedenfalls 
aber erft'net sie die Aussicht auf ein rationelles wirk- 
sames Heih erfahren. Es sei bi-igens noch erwhnt, dass 
diese Methode, deren Anwendbarkeit auch bei anderen 
Krankheiten, wie z. B. Typhus und Cholera schon durch 
Tliierversuche theoretisch bewiesen ist, bereits eine fr 
ihre i)raktisehe Anwendung sehr wertlivolle Abnderung 
von anderer Seite erfahren hat, indem nmlich statt 
des Blutserums der immunen Thiere die Milch dersclljcn 
benutzt wird, in welche die innnunisirenden und heilenden 
Stoffe gleichfalls bergehen. In der That hat auch die 
Milch innnuner Ziegen, welche in dieser Hinsicht die ge- 
eignetesten Versuchsthierc sind, solche Wirkung bei Thicren 
entfaltet. Man hat dadurch Meerschweinchen -esen die 



lidection mit Oiiolera zu schtzen \crmoelit. 



Dr. A. 



Dr. Nansens Nordpolexpeditioii. Am 2S. Sept. 
d. J. hielt Dr. Nansen vor der geographischen Gesell- 
schaft Norwegens in Christiania einen zweiten Vortrag 
ber seine geplante Nordi)olexpedition, welcher in dem, 
vor einigen Wochen herausgegebenen Jalii'buch genannter 
Gesellschaft zum Abdruck gelangt ist. Derselbe enthlt eine 
Reihe von Mittheilungen, ber deren interessanteste wir 
in Folgendem berichten wollen. 

Nansens Plan besteht bekanntlieh darin, den P(d ndt 
Hilfe einer Meeresstrnning zu erreichen, welche, von dem 
sil)irisehen Eismeere ausgehend, die Gegend des Nord- 
poles erreicht und aus derselben in sdlicher Richtung 
wieder heranstritt, um in Gestalt des l)ekannten ost-grn- 
lndiselicn PoIareisstr(mies den atlantischen Oeean zu er- 
reichen. Fr das Vorhandensein dieser Strmung, be- 
ziehungsweise fr die Zusammengehrigkeit des sibirischen 
und des ost-grulndischeu Stromes, hatte er schon vor 
zwei Jahren einige Beweise augefhrt; unter denselben 
spielten Gerthschaften von dem, bei den neu-sibirischen 
Inseln im Treibeis uutergegangenen nordamerikanisciien 
Dampfer Jeannette", die 3 Jahre spter au der sdlichen 
Westkste Gr<inlands bei Julianehaab gefunden wurden, 



eine Hauptrolle : ferner hatte er die zum grssten Theil 
auf sibirisclicn Lrcbenstnnncn bcstehemlen Treibholz- 
masseu genannt, die in nord-sdlicber Richtung an den 
Ksten von Island, Grnland und Spitzbergen in grossen 
Mengen jahraus jahrein angetrieben werden. Sodann 
nannte er ein Wurfholz, welches bei Godthaab gefunden 
und von Dr. Rink als eine (ierthschaft der Alaska- 
Eskimos erkannt wurde. In der Zwischenzeit hat nun 
Nansen nocii mehrei'e andere Beweise fr das Vorhainlcn- 
sein dieser Strmung gefunden. Dahin gehren Proben 
von Erde und Staub, die er selbst bei seiner Grnland- 
expedition auf dem ost-grnlndischen Treilteise gesammelt 
hat. Die Untersuchung dieser Proben ergab, dass die- 
selben zwei verschiedenen Typen angehren; die eine, 
von Professor Trirnebolmi in Stockholm untersuchte Art, 
bestand berraschenderweise zum grsseren Tlieih- ans 
Humus, welcher mit mikroskopischen Splitterchen kry- 
stalliner Gesteine durchsetzt war. Xinmiermebr kann die 
Heimath dieses Hunms in dem Polargebiete selbst gesucht 
werden, vielmehr liegt dei' Sidduss nahe, dass diese, vom 
Winde auf den Eisschollen aufgewehten Erdmassen aus 
einem humusreichen Steppenlande herrhren, und es ist 
in hchstem Maasse wahrscheinlich, dass ihre Heimath in 
der sibirischen Ebene zu suchen ist, von wo aus sie auf 
den Eisschollen der mchtigen Strme dieses Landes die 
weite Reise angetreten haben. Noch viel charakteristischer 
ist die Zusannni'nsetzung der zweiten Art von Staub, welche 
nur in geringen Mengen durch Einschmelzen des Eises 
und Filtrireu des Schmelzwassers erhalten werden konnte. 
Dieselbe besteht zum grssten Theile aus Diatomeen, mi- 
kroskopisch-kleinen einzelligen Kieselpanzern von Algen, 
welche \ on dem bekannten schwedischen Diatomecntorscher 
Prof. Cleve in Upsala untersucht wurden. Derselbe 
sagt darber Folgendes: Die Diatomeen sind marine 
Formen (d. b. im Salzwasser entstanden) vermischt nnt 
einigen wenigen Ssswasserformen, die mit dem Winde 
vom Lande gekonmien sind. Die Diatonieenora dieses 
Staubes ist sehr eigenthndicb und verschieden von den 
tausend von nn'r untersuchten Proben, mit Ausnahme von 
einer, mit welcher sie die vollstndigste Uel)ereinstiinmung 
besitzt, einer Probe nndich, die whrend der N'egaexpe- 
dition von Kjellman auf einem Eisfleek bei Gap Wanka- 
rema in der Nhe der Beringstrasse eingesannnelt wurde. 
Die Arten und die Varietten in beiden Proben stinnnen 
vollstndig berein." Diese LIebcreinstinnnnng ist um so 
nierk\vrdiger, als zum Vergleiche auch Diatomeenproben 
aus anderen 'l'heilen des Polarmeeres, von Spitzbergen, 
dem Karischen Meere, Franz-Josephsland und (irnland 
benutzt werden konnte und keine mit jener l)erein- 
stiramte. 

Dass diese Verbindung Nord-Asiens mit dem Meere 
nrdlich von Europa schon seit sehr langer Zeit be- 
steht, dai'i- spricht noch ein anderer Umstand. An 
den Ksten von Norwegen und an den Nordseeksten 
linden sich Bimsteine und Bimstein hnliche Gesteine, die 
zweifellos auf dem Meereswege dorthin gefhrt sind. 
Eine Untersuchung dieser Gesteine durch den schwedischen 
Geologen Bckstrm ergab, dass dieselben verschieden- 
artigen Ursprunges sind. Ein 'i'lieil besteht aus llohofen- 
schlacken, die von den Eisenwerken bei Jliddlcsbro in 
England erzeugt und seit mehr als 50 Jahren regel- 
mssig in die Nordsee geworfen sind. Ein anderer Theil 
dagegen besteht aus Andesitgesteinen, von einer Be- 
schafil'enheit, wie sie in den atlantischen Vulcangebieten 
bisher nicht beobachtet wurde; wohl aber kmnen die- 
selben sehr leicht von den Vulcanen des nordwestlichen 
Nordamerika in der Nhe der Beriugstrasse herridnx'u 
und es wre damit ein neuer Beweis fr das Vorhamlen- 
sein der von Nansen Norausgesetzten Strmung erbracht. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 1. 



Gegenber allen amlereu Versuciien, zum l'ol vorzu- 
dringen, die mit widrigen Strmungen und hindernden 
Packcisniassen zu kmpl'en hatten, will Nansen nun sein 
Ziel erreiclieu, indem er von den Neusibirisclien Inseln 
ausgehend, von der Strmung' im Eise zu dem so heiss 
ersehnten Ziele aller Polarthrer sich hintragen lassen 
will. Dazu bedarf er vor Allem eines hinreichend wider- 
standskrftigen Schiffes, ber dessen Construetidn er fol- 
gende Mittheilungeu macht: 

Die wichtigste Eigesehaft des Schiffes besteht darin, 
dass die Seiten unter der Wasserlinie abgeschrgt sind, 
so dass es, wenn es zwischen zusannnendrngende Eis- 
schollen gerth, von denselben nicht zusanmiengedrckt 
werden kanu, sondern von ihneu gehoben werden nuiss, 
unter Umstnden so hoch, dass es auf einer Eisscholle 
zum Stehen kommen kann, woljci es durch ilie 
flache Unterseite vor dem Kentern geschtzt wird. Das 
Schiff' ist SU klein wie mglich und kann nur Proviant 
fr 5 Jahre fr 12 Mann, sowie das nthige Brennmate- 
rial fr die Maschine und die Heizung fhren. Fernerhin 
ist das Schilf so kurz wie niglicii und zwar betrgt seine 
Lnge nur dreimal so viel wie seine Breite (34 und 11 
Meter). Von besondeier Wichtigkeit wai- es, die Seiten des 
Schiffes so glatt \vie nur mglich, luid ohne irgend welche 
vorspringende Ecken und Kanten zu l'ertig-en, so dass 
das Eis keine Angriffspunkte tiudet und das Schiff selbst 
glatt wie ein Aal den Umarmungx'u des drngenden 
Packeises sich zu entwinden \erniag. Sodaiui muss das 
Schiff selbstverstndlich so stark als nKiglicli gebaut sein, 
um tlem Drucke des Eises Itei etwaigem Emporheben 
gengend Widerstand leisten zu knnen. Aus dem Grunde 
wurden zum Bau die besten Hcilzer verwendet: amerika 
nische Ulme zum Kiel, italienische Eiche, in dreissig 
Jahre gelagerten, natrlich gewachsenen l\runmili(ilzern 
zu den Sjjanten, amerikanische Pitchpine zu der Ueber- 
kleidung der Spanten und darber dann nochmals drei 
Verkleidungen. Die beiden innersten derselben, 3 resp. 
4 Zoll dick, bestehen aus Eichenholz, die usserste, die 
sogen. Eishaut dshnd) aus Greenheart, einer ausserordent- 
lich harten und glatten Holzart, in einei- Strke von 
6 Zoll in der Wasserlinie. Als Beweis fr die Kostbar- 
keit des ganzen Schiffes fhrt Nansen an, dass allein 
das Rohmaterial zu dieser Eishaut 22 000 Mark ge- 
kostet hat. 

Das Schiff' ist ein dreimastiger Schooner mit einer 
Maschine \(>n KiO Pferdekrften, die bei einem tglichen 
Kohlenverbrauch von 2,8 Tonnen dem Schiffe eine (!e- 
sehwindigkeit von 6 Knoten geben wird. Unter Segeln 
kann dasselbe etwa eine Schnelligkeit \ tni S 9 Knoten er- 
reichen. Von der Wasserverdrngung von 800 Tonnen 
beansprucht die Maschine bei gefllten Kesseln etwa 
420 Tonnen. Da der Proviant auf t)0 Tonnen sich be- 
rechnet, so bleiben etwa 320 Tonnen fi- Kohle und 
anderes Brennmaterial, was um so mehr ausreichend er- 
scheint, als das Schiff nach der letzten K(dileneinnahme bis 
zur Heimkehr unter keinen Umstnden lnger als zwei 
Monate unter Dampf sein wird. Unter diesen Umstnden 
kann die Hlfte des Heizmaterials zum Kochen und zur 
Wrmeerzeugung whrend der Ueberwinteruugen \er 
wendet werden. Ausserdem wirtl natrlicii zur Beleuchtung 
auch noch Petroleum und Paraffin, sowie zum Jvochen 
S])iritus mitgefhrt. 

Mit Stolz sagt Nansen, dass ein Schiff gleich dem 
seinen und in gleich praktischer Einrichtung und Aus- 
rstung noch niemals vorher gebaut ist. Uebrigens wird 
es in Lanrwig von Colin Archer angefertigt und geht 
seiner denniclistigen \'ollenduug entgegen. Fr den Fall, 
dass das Schiff gegen alle Voraussetzung doch unter- 
gehen sollte, fhrt Nan.seu noch zwei zweckmssig ge- 



baute Boote mit sieh, die im Stande sind, die gesannnte 
Bemannung und eine hinreichende Menge von Lebens- 
mitteln aufzunehmen, so dass auf iiinen die t^ahrt im Treib- 
eise mit aller Behaglichkeit" fiu-fgesetzt werden kann. 

Eine grosse Unannehmlichkeit hat bei verschiedenen 
Polarexpeditionen darin gelegen, dass die Feuchtigkeit 
im Rume an den kalten Aussenwnden sich nieder- 
schlug und zu Eis gefror, und es ist eine ganz gewhn- 
liche Sache, dass die Matratzen in den Mannschaftskojen, 
die an den Aussenwnden liegen, mehr oder weniger 
vollstndig in Eisklumpen verwandelt wurden. Um dieser 
Unbeipiemlichkeit zu entgehen, ist alles Mgliche ge 
schelten, um die Aussenseiten zu erwrmen: sie sind mit 
getheertem Filz, mit Korklagen, mit Tannenbretteru, mit 
einer Lage dicken Filzes, einer luftdichten Linoleundage 
und noch einer Bretterverkleidung bedeckt. Ebenso be- 
steht die Decke im Salon und den Kajten aus ver- 
schiedenen Lagen: Luft, Filz, Fichtenbretter, Linoleum, 
Rennthierhaardecken, Fichtenholz, Linoleum, Luft und noch- 
mals Fichtenholz, was zusammen mit den 4 Zoll dicken 
Deckplatten eine Strke von IT) Zoll ergiebt. In hn- 
licher \\'eise ist natrlich auch der Fussboden behandelt 
worden und der kalten Luft mglichst jeder Zugang ab- 
geschnitten. Als Hauptwohnraum, in welchem die ge- 
sammte Mannschaft bei der strksten Klte Tag und 
Nacht wohnen wird, wird der Salon dienen, wobei nach 
dem Princip der Eskimos das Ik'ieinanderhauseu im eng- 
sten Rume zur Wrmeei-zeugung dient. 

Auf dem Schiff'e sollen Hunde mitgefhrt werden, 
zur Benutzung bei AusHgen be. das Eis und ber etwa 
zu findende Landstreeken, zu letzterem Zwecke natrlich 
auch Schneeschuhe. 

Vor dem Skorbut. hofft Nansen sich und seine Leute 
zu schtzen durch Vermeidung schlechtprservirten oder 
gesalzenen Fleisches, wofr es ja mancherlei P^rsatz giebt. 

Noch zwei andere Dinge sind wichtig fr die Er- 
haltung der Gesundheit: Wrme und Licht. Zur Erzeu- 
gung der nthigen Wrme dient also einmal das Zu- 
sammenwohnen im engen Rume, sodann warme Kleidung 
und drittens die Heizung. Fr letztere hlt er eine gute 
Paraffinlampe, die Tag und Nacht brennt, als ausreichend. 
Die durch dieselbe entwickelte Kohlensure will er in 
einem Rohre so fortfhren, dass sie auf ihrem Wege ihre 
ganze Wrme an den Wohnraum abgiebt. Zur Beleuch- 
tung in der monatelangen Polarnacht wird das elek- 
trisdie Licht dienen. Das Schiff wird eine Dynamo- 
maschine fhren und die Elektricitt soll mit Hilfe einei- 
Windmhle durch die bewegte Luft erzeugt werden. Wo 
diese Kraftquelle aber versagt, wird die Besatzung des 
Schiffes seihst sich in der Weise Lieht verschaffen, dass 
die Leute, zu je vieren auf dem Verdeck im Kreise lust- 
wandelnd, ein' Gpelwerk in Bewegung setzen werden, 
welches zur Erzeugung und Aufspeicherung von Elektrici- 
tt dient. ussernder ntzlichen und gesunden Bewegung 
kann auf diese Weise fr eine tglich 810 Stunden 
brennende Bogenlampe die nthige Elektricitt geschafft 
werden, und Nansen hofft, dass seine Zuhrer ihm und 
den Seinen zuweilen ein freundliches Gedenken gnnen 
werden, wenn sie oben in der Stille der Polarnacht mit ihrer 
Rundwandcrnng auf dem Verdecke zum Zwecke der Licht- 
erzeugung lieschftigt sind. Dr. K. Keilhack. 



Die Schw aiiliuiigen der Polhhe, welche bereits 
seit einigen Jahren auf Grund genauester Meridianbeobach- 
tungen an einigen europischen Sternwarten als usserst 
wain-scheinlich gelten mussten, sind neuerdings durch ein 
im Auftrage der internationalen Erdmessung ausgefhrtes 
experimentum crucis als sieher erwiesen zu betrachten. 



Nr. 1. 



Naturwissenschaftliche Wochensclirift. 



Es haben nniHch im vorigen Jahre Dr. Markuse und 
Mr.. Preston auf den Havai-Inschi Polhhenbestimraungcn 
ausg-efiihrt, mit denen gleiclizeitige lieobacbtungcn in 
Berlin, Strassburg und Prag corresixmdirten. Dabei bat 
sich herausgestellt, dass die .Schwankungen der J'dlblic 
in Honolulu das genaue Si)iegelbil(l der entsprechenden 
8cbwanknngen in Deutschland darstellen, was bei einer 
wirklichen Verschiebung der Erdachse im Erdkrper noth- 
wendig der Fall sein mnsste, weil Honolulu ziemlich ge- 
nau an der uns diametral gegenberliegenden Stelle der 
Erdoberflche sich betindet. Der maximale Betrag dieser 
nunmehr also festgestellten, in ihren Ursachen aber noch 
nicht klar durchschauten Polhhenschwankung betrgt 
eine halbe Bogensecunde, was einer Verschiebung des 
Pols um 20 Meter entspricht. Die Periode der Schwan- 
kung beluft sich nach den neuesten Festellungen auf 
386 Tage. Man beabsichtigt, zum Zweck der niieren 
Erforschung- der vernuithlieii meteorologischen Crsaeiien 
der hochinteressanten Erscheinung an einzelnen, gnstig 
gelegenen Punkten der Erdoberflche dauernde Beobaeh- 
tungsstationen fr dieselbe einzurichten. 



Das Spectriim des Yernderlichen Sternes Lyrae 

ist in den letzten Monaten Gegenstand einer eingehenden 
Untersuchung durch Herrn A. Beloimlsky auf der Stern- 
warte in Pulkowa gewesen. Die benutzten Instrumente 
sind der dortige 30-Zller und der neue Spectograph der 
Sternwarte. Die Spectren sind durch orthochromatische 
Platten flxirt worden. Im Ganzen sind 17 Spectrogranunc 
erhalten worden, welche hauptsehlicli die Gegend zwischen 
den Linien H3 und 1) zur Darstellung bringen. Die Er- 
gebnisse lassen sicli so zusannnenfasscn: 

Es sind helle und dunkle Linien vorhanden. Erstere" 
sind der Mehrzahl nach sehr zart und in der Gegend 
zwischen Hp und H^ besonders gut zu sehen. Eine 
andere duulcle Linie, welche das Si)ectrum besonders 
charakterisirt, ist breiter als die ersterwhnten, sehr 
deutlich mit hellen Rndern, die man zuweilen als selbst- 
studige helle Linien beobachten kann. Die Linie D3 ist 
sehr hell. 

Das continuirliche Spectrum wird zuweilen sehr 
schwach. Hier ist die der Wellenlnge .501,4 /(/* (Mil- 
liontel ^Millimeter) entsprechende Linie besonders zu er- 
whnen. Sie bleibt stets vorhanden, whrend die anderen 
von Zeit zu Zeit verschwinden. Dagegen werden ihre 
hellen Rnder zuweilen sehr schwach und verschwinden 
selbst gnzlich. Auch finden Wechsel in den relativen 
Intensitten beider Rnder statt. 

Die Linien F (Wasserstoft") und Dg mssen besonders 
untersucht werden. Erstere ist grsstentheils, so vom 
30. August bis 3. (Jetober 1892, doppelt gewesen. Hellig- 
keit und Breite l)eider Gomponenten sind hufigen Ver- 
nderungen unterworfen. Bald sind beide gleich, und 
zwischen ihnen sieht man eine dunkle Linie. Bald ist 
die eine breiter als die andere und umgekehrt, bald ver- 
schwindet die eine und an ihre Stelle tritt eine ziemlich 
breite dunkle Linie. Bald endlich sind beide Gomponenten 
als helle Linien zu sehen, die an einer Seite von einer 
breiten dunkelen Liniebegleitet werden. 

Zuweilen verschwindet, wie schon lange bekannt ist, 
die Linie Dg gnzlich. Aber neu ist, dass sie auch dop- 
pelt wird. Aus seinen bisherigen Beobachtungen konnte 
Herr Belopolsky noch nicht sicher entscheiden, ob daim 
zwischen beiden Gomponenten eine dunkle Linie entsteht. 

Ausser den erwhnten hat Herr Belopolsky noch eine 
grosse Zahl von Linien gemessen, von denen zehn als 
besonders scharfe bezeichnet werden. Dieselben erstrecken 
sich von 587, G2 [ift- bis 448,13 |U|(/ Wellenlnge. Sie sind tbeils 
helle, theils dunkle; einige sind dunkle mit hellen Rndern. 



Die Beobachtungen B's. sind umso werthvoller, als 
Lyrae zu denjenigen Variabein gehrt, in deren Liclit- 
weclisel bisher noch keine rechte ( iesetzmssigkeit gebracht 
werden konnte, sodass auch eine Hy|)othese ber die Ur- 
sachen der Vernderlichkeit noch nicht gewagt werden 
durfte. Auch jetzt ist es noch zu frli, um eine solche, 
definitiv aufzustellen. Dazu mssen die Beobachtungen 
der F-Liuie noch vervielfltigt werden. Es scheint nmlich 
aus den vorliegenden Wahrnehmungen, als ob eine dunkle 
Linie sich in der Gegend von F hin und her bewege, wo- 
durch das Aussehen einer hellen beeinflusst wird. Be- 
sttigt sich das, so wrden wir allerdings in der Lage 
sein, zuverlssigere Schlsse ber die physikalischen Ver- 
hltnisse der Variabein zu ziehen. Die Verdoppelung der 
Dg-Linie sollte brigens einen engen Doppelstern anzeigen, 
dem wohl etwa 26 Tage Undaufszeit zukonnnen wrden. 
Allein auch fr eine Entscheidung in diesem Punkte 
mssen weitere Beobachtungen abgewartet werden. 



Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Eis wurden ernannt: liezirkstliicrarzt Steuert in iMenniiinfcen 
zum I-'rofessor iler Anatomie und Physiologie der Thiere an der 
landwirthseliaftliclien Schule zu Weihenstephan. Zum Director 
der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien (an Stelle des aus- 
geschiedenen Herrn Dionys Stur) d^r seitherige Vicedirector 
Oberbergrath Dr. Guido Stche. Prof. S triebeck, zum 
Docenten fr meclianische Technologie an der technischen Hocli- 
schule in Dresden. 

Der Botaniker Dr. Paul Preuss ist Anfang Januar im Auf- 
trage des auswrtigen Amtes wieder nacli Afrika, und zwar als 
Leiter des botanisclien Gartens und der Versuchsplantage nach 
Victoria am Kamerun-Gebirge gereist. 

Es ist gestorben: Der vergleichende Anatom Sir Rii-hard 
Owen in Kichmond bei London im 89. Lebensjalirc. 



Eine (lesel Ischaf t der Iva kte enfreunde " hat sich in 
Berlin constituirt. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Schumann- 
Berlin, Schriftfhrer: Chemiker Hans Fischer-Adlershof. 



L i 1 1 e r a t u r. 

Dr. Carl MUer's (Privatdoe. der Botanik au der Kgl. Land- 
wirthseliaftliclien Hochschule zu Berlin) und Dr. H. Potonie's 
(Doc. fr PHanzenpalaeontologie au der Kgl. Bergakademie 
zu Berlin) Botanik. Dr. H. Potonie's Naturwissenschaftliche 
Repetitorien, lieft 3. 32o Seiten. Mit 43 Abbilduugeu im Te.\te. 
Berlin NW., Fischer's Medic. Buchhandlung. H. Kornfeld. 1893. 
Preis .5 M. 

In meinen Elementen der Botanik", die fr solche berechnet 
sind, die botanische Studien berhaupt noch nicht getrieben haben, 
konnte ich die Darstellung so whlen, wie sie mir am richtigsten 
scheint, und diejenigen Termini in den Vordergrund stellen und 
anwenden, die ich fr die zweckmssigsten halte. In dem vor- 
liegenden Bcpetitorium mussten die beiden Verfasser mit Rck- 
sicht auf die E.xaminatoren verschiedener Schulen auch 
die Termini und berhaupt die Wissenschaft auch der anderen 
botanischen Richtungen vorbringen, als derjenigen (der Scliwen- 
dener'schen Schule), welcher meine Elemente angehren. 

Herr Dr. Carl Mller, den ich die Freude hatte, als Mitar- 
beiter an dem vorliegenden Heft 3 (Botanik) der von mir heraus- 
gegebenen Repetitorien zu gewinnen, hat mich in der erwhnten 
Absicht untersttzt; bei zwischen zweien gepflogenen Berathungen 
musste der erwhnte Plan besser gelingen. Es kommt hinzu, 
dass Herr Dr. Mller als Verfasser einer ausgezeichneten ,Medicinal- 
Hora" bei ihrer Abfassung Gelegenheit hatte, sich eingehender 
mit medicinisch-pharmaceutisclier Botanik zu beschftigen, die 
bei dem vorliegenden Repetitorium in Betracht kouuut, weil es 
auch mit Rcksieht auf die Bedrfnisse der Mediciner und Phar- 
maceuten verfasst ist. 

Abgesehen von dem Gesagten ist naturgemss das Repetito- 
rium nur fr diejenigen geschrieben, die schon wenn auch ver- 
gessene botanische Studien getrieljen haben und bereits An- 
schauungen mitbringen. Ein Repetitorium soll ja nur Kenntnisse 
und Anschauungen auffrischen, kurz und bndig sein und vor 
allen Dingen nur das Allerwichtigste bringen; ein Lehrbuch oder 
Grundriss hingegen sollte auch dem vollstndigen Anfnger von 
Nutzen sein. P. 



10 



Naturwissenscliaftlichc Woclionsclirift. 



Nr. 1. 



Fr. Ludwig. Lehrbuch der niedern Kryptog:amen mit beson- 
derer Bercksichtigung' derjenigen Arten, die fr den 
Menschen von Bedeutung sind oder im Haushalte der Natur 
eine hervorragende Rolle spielen. .Stuttnurt (Ferilinaiul Enkej. 
189-'. ". Preis J-i Mk. 
Das vorliegende Buch verfolgt in erster Linie populre 
Zwecke; es soll dem Lehrer, dem Studirenden und dem gebildeten 
Laien eine Einfhrung in d;ia Studium der niedern Kryptogamen 
geben und zugleich eine vollstndige Uebersicht ber diejenigen 
Formen bieten, welche in irgend einer Beziehung wichtig sind. 
Dieser letztere Zweck wird vllig erreicht, Verf. hat mit grossem 
Fleiss die gesammte Littevatur benutzt und giebt die neuesten 
Forschungen in ausfhrlicher Form wieder. Wer also sich ber 
die krankheitserregenden Bacterien, ber den Parasitismus und 
Saprophvtismus der Pilze oder ber die A'erwendbarkeit der 
Algen und Flechten unterrichten will, der nehme das Buch getrost 
zur Hand, er wird in allen Fllen Belehrung und Auskunft 
finden. 

Den mehr praktischen Zwecken des Buches entsprechend 
sind die einzelnen Abtheilungen der Pilze, Algen u. s. w. in ver- 
schieden ausfhrlicher Form wiedergegeben. Ref. htte gern ge- 
sehen, dass bei den Algen und Flechten, die ja naturgemss nicht 
die Wichtigkeit besitzen wie die Pilze, die entwieklungsgeschicht- 
lichen Thatsachen ausfhrlicher angegcijen wren; es wre dann 
das Missverhltniss, das zwischen der Seitenzahl di-r Pilze und 
der der brigen Gruppen lierrscht und durch die Anfhrung aller 
bemerkenswerthen und wichtigen Arten l)edingt ist, zum grossen 
Theil ausgeglichen worden. Indessen lsst sich dies einigermaassen 
mit den praktischen Gesichtspunkten, von denen das Buch aus- 
geht, entschuldigen. 

Jedenfalls wird das Buch fr alle Diejenigen, welche sich mit 
der Kryptogamenkunde befassen wollen und sich scheuen, die 
Fachlittoratur zu lesen, ein ganz willkommener Rathgelier und 
eine Quelle der Anregung sein. Dr. Lindau. 



Kine Zeitschrift fr praktische Geologie mit besonderer 
Bercksichtigung der Lagerstttenkunde' irscheint seit dem 
1. Januar in niouatlichen Heften in der Verlagsbuchhandlung von 
Julius Springer in Berlin. Herausgeber ist Bergingenieur Max 
Kr ah mann. Sie will zwischen Wissenschaft und Praxis ver- 
mitteln, und ein wissenschaftlicher Centralpunkt fr alle die ver- 
schiedenen Interessen werden, deren Ausgangs- oder Mittelpunkt 
die Erdkruste mit ihren Schtzen ist; sie will ferner die fr das 
wirthschaftliche Leben wichtigen Resultate der geologischen 
Landesdurchforschungen sammeln, kritisch vergleichen, ordnen 
und einem grsseren Leserkreise zugnglich machen; sie mchte 
in durchaus wissenschaftlicher Haltung zwar, doch in allgemein 
verstndlicher Form zwischen Lehre und Leben, zwischen Intelli- 
g^enz und Kapital vermitteln, der Praxis ein Fhrer sein und der 
Wissenschaft neues Boobachtungsmaterial zufhren. 

Das vorliegende wie alle in dem genannten Verlage er- 
scheinenden Zeitschriften gut ausgestattete Heft in Gross- 
Octav umfasst 48 Seiten und bringt die folgenden Original-Ar- 
tikel, deren Fortsetzungen zum Theil noch ausstehen: Fr. Bey- 
schlag, Geologische Specialaufnahmen: F. Wahnschaffe, 
Geologie und Ackerbau; A. Baltzer, Bericht ber einleitende 
Arbeiten am unteren Grindelwaldgletscher zur empirischen Be- 
stimmung der Eiserosion; Th. Breidenbach, Das Goldvor- 
kommen im nrdlichen Spanien; P. Groth, lieber neuere Unter- 
suchungen ostalpiner Erzlagersttten; R. Beck, Das Steinkohlen- 
becken des Planenschen Grundes; R. Helmhacker, Die Mineral- 
kohlen in Russisch-Asien; Carl Ochsenius, Ueber unterirdische 
Wasseransammlungen. Das Heft bringt eine Anzahl Abbildungen 
und Kartenskizzen. Der Preis fr den Jahrgang der Zeitschrift 
betrgt 18 Mk. 

Nietzsche, F., Also sprach Zarathustra. 2. Aufl. Leipzig. 12 M. 
. Unzeitgemsse Betrachtungen. '2. Aufl. Leipzig. 5,75 M. 
Perregaux, F., Untersuchungen ber die in den toten thierischen 

Geweben vom galvanischen Strom bedingten elektrolytischen 

Vernderungen. Basel. 3,20 M. 
Pfeil, L., Graf v.. Die Lufthlle der Erde, der Planeten und der 

Sonne. Berlin. 1 M. 



Von Dr. C. Baenitz Herbarium Europaeum werden soeben 
die Lief. 3o 10, Vi, 5-', .5.5 und Gl) (109 No.), Lief. 51, 56, 58 
und 65 (53 No.) in zweiter und die Lief. 70-74 in erster Aufl. 
ausgegeben. 

Lief. 70 (68 No.) enthlt die niederen Cryptogamen (Moose 
und Pilze), von welchen die letzteren von Prof Dr. P. Magnus 
Berlin und Oertel-Halle, die 21 Sphagnum-Arten von Baenitz bei 
Knigsberg und in Dovre Fjekl in Norwegen gesammelt worden. 

Lief. 71 (45 No.) bringt seltene und interessante Pflanzen 
aus Ungarn und Siebenbrgen. Lief. 72 (97 No.) umfasst die 
mitteleuropische Flora, aus welcher 19 No. allein auf die Hie- 
racien kommen. 

Lief. 73 (82 No.) gehrt fast ausschliesslich der skandina- 
vischen Flora an. Bemerkenswerthe Arten sind : der sehr seltene 
Juncus alpinus et lamprocarpus (Schweden), das neue vom Autor 
gesammelte Cerastium subtetrandum Murbeck, Heleoscharis am- 
phibia Dur. (Frankreich) u. zahlreiche Arten, sowie auch einige 
neue Varietten (Ribes rubum L. v. pseudo-petraeum Baenitz etc.) 
des arktischen Norwegens und des Dovre Fjelds. 

Lief 74 (115 No.) umfasst Spanien, Portugal, Sicilien, Bul- 
garien und Griechenland. Die Namen der Sammler: El Rever- 
chon, Burchtien, H. Ross, Strebny und v. Heldreich brgen fr 
gut prparirte Exemplare. Besondere Erwhnung verdient die 
Thatsachi, dass diese Lieferung zahlreiche neue Arten enthlt, 
welche Dr. v. Velenosky in seiner klassischen Flora Bulgarica" 
(1891) beschreibt. 

Das Inhaltsverzeichnlss aller Lieferungen ist gratis zu be- 
ziehen durch den Herausgeber Dr. C. Baenitz in Knigsberg i. Pr. 



Zur Nachricht. 

Ich sehe mich genthigt, nochmals die folgende Mittheilung 
zu machen. Die Angabe des verantwortlichen Redacteurs" 
unter jeder Nummer der Naturw. Wochenschr." geschieht nur. 
um dem Gesetze (Press-Gesetz 7) zu gengen. In Bezug auf 
die Verantwortlichkeit der Redaktion gegenber dem Leserkreise 
aber ist zu betonen, dass keineswegs Alles, was ein Mitarbeiter 
in der Naturw. Wochenschr." ausspricht, auch im Sinne der 
Redaction liegt. Wer das Blatt aufmerksam liest, wird hufig 
genug sich widersprechende Ansichten finden, allerdinars nur auf 
theoretischem (xebiete, wie das in dem Worte Ansichten" liegt. 
Die Redaction hlt es bei der Selbstndigkeit des Leser- 
kreises nicht fr ihre Aufgabe, ausschliesslich fr ihre Special- 
ansichten ber das und w der Welt Propaganda zu machen, 
sondern lsst auch solchen Richtungen das Wort, die sei es 
wegen ihres grossen Anhanges, sei es, weil sie von bewhi'ten 
Fachleuten vertreten werden Beachtung verdienen. Die Re- 
daction strebt danach zu erkennen, was die Welt im Innersten 
zusammenhlt, und meint nicht, dass sie fr ihren Theil diese 
Erkenntniss bereits unumstsslich gewonnen habe. Die Autoren 
sind also besonders in der angedeuteten Hinsicht fr ihre Mit- 
theilungen allein verantwortlich; die Verantwortung der 
Redaction den Lesern gegenber erstreckt sich nur soweit, als 
sie bemht ist, nur solche A'erftentlichungen zuzulassen, die ihrer 
Meinung nach geeignet sind, dem genannten Streben zu dienen. 
Sie glaubt in dieser Hinsicht nicht zu engherzig sein 
zu drfen. Dass aber auch eine Redaction nur Menschenwerk 
ist, dem stets Unvollkommenes anhaftet, wird der Leser gebeten, 
niemals zu vergessen. Sie ist daher auf Nachsicht angewiesen, 
und es muss ihr vollkommen gengen, wenn der freundliche 
Leserkreis die Ueberzeugung gewinnt, dass die Leitung bei Allem 
stets nur mit ihren besten Ki-ften im Sinne ihrer Aufgabe handelt. 
P. 

Briefkasten. 

Hrn. Prof. K. Wir empfehlen Ihnen fr den von Ihnen 
erwhnten Zweck dringend das Studium des Buches von (t. John 
Romanos (eines Schlers von Darwin): Die geistige Entwicklung 
im Tliierreich. Nebst einer nachgelassenen Arbeit : Ueber den 
Instinkt, von Charles Darwin". Die gute deutsche Uebersetzung 
ist zu dem geringen Preise von 5 Mk. in Leipzig (Ernst Gnther's 
Verlag) 1885 erschiene!. Wer sich nher ber die Entwicklung 
der seelischen Erscheinungen unterrichten will, muss in erster 
Linie Romanes' Buch zur Hand nehmen. 



Inliiilt: Dr. med. et phil. Georg Buschan: Die tertiren Primaten und der fossile Mensch von Sdamerika. Dr. Otto Kuntze: 
Botanische Excursion durch die Pamjias und Monte-Formationen nach den Cordilleren. Der Rechner Inaudi. Die Blut- 
serumtherapie. Dr. Nansens Nordpol('xi)edition. Die Schwankungen der Polhhe. Das Spectrum des Vernderlichen 
Sternes /J Lyrae. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Dr. Carl Mllers und Dr. H. Potonie's Botanik. Dr. 
H. Potonie's Naturwissenschaftliche Repititorien III. Dr. Ludwig: Lehrbuch der niedern Kryptogamen mit besonderer Be- 
rcksichtigung derjenigen Arten, die fr den Menschen von Bedeutung sind oder im Haushalte der Natur eine hervorragende 
Rolle spielen. Zeitschrift fr praktische Geologie mit besonden-r Bercksichtigung der Lagerstttenkunde. Liste. 
Dr. C. Baenitz: Herbarium Europaeum. Zur Nachricht. Briefkasten. 

Verantwortliclier Redakteur: Dr. Henry Potoni, Berlin N. 4., Invalidoustr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein. Berlin SW. 12. 



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II 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 1. 



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In Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin sind erschienen: 



Allgemein-verstndliche naturwissenschaftliche Abhandlungen. 



Heft 1. 



3. 



(Separatahdrcke aus der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift.") 

Heft 10 



6. 

7. 



Ol 



9. 



Ueber den sogenannten vlerdimensionalen Raum ... 

von Dr. V. Sclile-el. M 

Das Rechnen an den Fingern und Maschinen von 

l'i.'t. Dr. .\. s^-|;ubert. 

Die Bedeutung der naturhistorischen, insonderheit 

der zoologischen Museen von Professor Dr. Karl 

Krjie]ieliii. 

Anleitung zu bltenbiologischen Beobachtungen 

von Prof. Dr. E. Loew. 

Das glaziale" Dwykakonglomerat Sdafrikas von 

Dr. F. M. Staplf. 

Die Bakterien und die Art ihrer Untersuchung von 

Dr. Hob. Mittniunn. Mit 8 Holzschnitten. 

Die systematische Zugehrigkeit der versteinerten 

Hlzer (vom Typus Araucarioxylon) in den palaeo- 

litischen Formationen von Dr. H. Potonie. Mit 

1 Tafel. 

Ueber die wichtigen Funktionen der Wanderzellen 

im thierischen Krper von Dr. E. Korscheit. 

Mit 10 Holzschnitten. 

Ueber die Meeresprovinzen der Vorzeit von Dr. M 

F. Frech. Mit Abbildungen und Karten. * 



Ueber Laubfrbungen von L. Kny. 
bchnitten. 



Mit 7 Holz- 



11. Ueber das Causalittsprincip der Naturerschei- 
nungen mit Bezugnahme auf du Bois-Reymonds 
Rede: Die sieben Weltrthsel" von Dr. Eugen 
Dreher. 

12. Das Rthsel des Hypnotismus von Dr. Karl Friedr. 
Jordan. 

13. Die pflanzengeographische Anlage im Kgl. bota- 
nischen Garten zu Berlin von Dr. H. Potonie. 
Mit 2 Tafeln. 

14. Untersuchungen ber das Ranzigwerden der Fette 

von Dr. Ed. Ritsert. 

15. Die Urvierfssler (Eotetrapoda) des schsischen 
Rothliegenden von Prof Dr. Hermann Credner 
in Leipzig. Mit vielen Abbildungen. 

IG. Das Sturmwarnungswesen an den Deutschen Ksten 

von Prof Dr. W. J. van Bebber. Jlit I Tafel 
und 5 Holzschnitten. 



Preis: Heft 14 a 50 Pf.. Heft 516 1 M. 



4 



a- Hierzu eine Beilage von der Verlagsbuchhandlung Velhagen & Klasing in Bielefeld, betreffend: Velhagen i: KlasiugS 
Monatshefte", die wir hiermit besonderer Beachtung empfehlen. 




Verlag: Ferd. Dminlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. Honntag, den 


8- 


Januar 1893. 


Nr. 2. 


Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- 

anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrapreis ist Ji 3. 

Bringegeld bei der Post 15 4 extra. 


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Inserate : Die viergeapaltene Petitzeile 40 ^. Grssere Auftrge ent- 
sprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseratenannahme 
bei allen Annocenbureaux, wie bei der Expedition. 


Abdruck ist iiar mit vollistndi 


g:er ({nellenang-abe gestattet. 



Botanische Excursion durch die Pampas und Monte-Formationen nach den Cordiileren. 



Von Dr. Otto Kuntze. 
(Fortsetzung.) 



Als am 5. Januar eiu Landregen sich einstellte, wur- 
den die Reisegenossen schier verzweifelt und waren fast 
entschlossen, die Expedition aufzAigeben; wir hatten uns 
erkundigt, was meine 3 Mulen Eisenbahntransport nach 
Mendoza, von wo noch der krzeste Andeniil)ergang, jetzt 
in 4 Tagen ausfhrbar ist, kostete. Da dies 116 Pesos, 
also etwa ebensoviel als der Kaufwerth der Mulen be- 
tragen sollte, verzichteten wir auf diesen Transport und 
wappneten uns mit Geduld, trsteten uns mit dem guten 
Mendoziner Rothweiu des Hotels, zur Abwechselung auch 
mit 1 Glas Gin mit Bitter-, oder Cognac mit Sodawasser. 
Da indess trotz der Pension von nur 3 Pesos fr Jeden 
tglich bei dem infolge des Regens mglicherweise lnger 
dauernden Aufenthalt die Gesellschaftskasse der Professoren 
zu sehr in Angritf genommen wrde ihre Gehlter sind 
nicht gestiegen, aber der Geldwerth ist auf Va gefallen, 
sodass Sparsamkeit hier wohl angebracht ist , so 
siedelten wir von dem Gasthof zu unseren Mulen ber 
und campirten in der Remise, wo unsere Bagage lagerte. 
Der Diener von Prof. Kurtz, Don Vicente, kochte fr uns, 
so gut er konnte; wir assen alles aus je einer Feldschssel, 
halb Teiler, halb Schssel, schlrften Mate (Hex para- 
guariensis St. Hil.) mit der Bombilla, wuschen uns 
am Ziehbrunnen, oder manche Reisegenossen wuschen sich 
auch gar nicht, und schliefen Nachts auf unseren Plaids, 
den Sattel als Kopfkissen benutzend; der Besitzer des 
Grundstckes stellte uns Salon und Veranda dazu zur 
Verfgung. 

Nachts hatten die Hunde eine Viscacha, welche in 
unser Gehft eingedrungen war, aufgejagt und todtge- 
bissen; Viscacha ist ein Nagethier mit kurzen Vorderfssen, 
das Erdbaue auffhrt, wie der Dachs, und das etwas grsser 
als ein Hase wird; 2 mal 2 gegenberstehende, stark vor- 
ragende, 4 bis 5 cm lange, 1 cm breite Vorderzhue und 
lange Schnauzborsten geben dem Thier ein eigenes An- 
sehen. 



Januar 



Am 7. .V..... IWO.. .^V^""" Vl^...l.ll. L.lJO^l^ Xl.V.iO^, 

soweit sie uns nun in kaum bewohnte, strassenlosc, von 
civilisirten Pflanzen fast unverdorbene Florengebiete fhrte. 
Ehe wir die Eisenbahnbrcke passirten, ritten wir nahe 
dem Rio Quinto durch eine lichte Waldflora, von der Sierra 
abstammende AIonte-Formation, deren Hauptbestandtheile 
folgende Pflanzen waren: Prosopis alba, Jodina rhom- 
bifolia, Ecbolium campestre, Cestrum Pseudo- 
(juina (vergl. vorige No.), ferner Condalia lineata 
A. Gray, eine Rhamnacee, ein bis 3 m hoher, sparrig und 
dicht verstelter, dorniger Strauch mit etwa 1 cm langen, 
lnglichen l)is ovalen, saftigen, dunkelgrnen Blttern, 
welche von den Heuschrecken verschont bleiben, whrentl 
die jetzt nicht reifen kleinen Beeren von ihnen verzehrt 
werden. Duvaua praecox Gris., eine Anacardiacee mit 
kleinen, mehr lederigen, hellergrunen, obovalen, IV2 cm 
grossen Blttern; meist ein niedriger Dornstrauch, jetzt 
ohne Blthen und Frchte. Celtis Sellowiana Miq., ein 
dichtsehattiger, nicht allzuhutigcr Baum im Habitus be- 
kannterer anderer Celtis- Arten. Die Zygophyllacee Larrea 
divasieata Gav. mit gelben Blthen, weissborstigen 
Frchten und den eigenthmlichen, schmetterlingsartigeu, 
kleinen Blttern ist ein weitverbreiteter, bis 3 m hoher, 
zartverstelter Strauch. Macaglia Quebracho Ok. = 
Aspidosperma Quebracho blanco Schi., eiu bis 12 m 
hoher und 73 m dicker Apocynaceenbaum mit lederigen, 
ganzrandigen, spitzen, stechenden, breitlanzettlieh, 3 cm 
langen Blttern, bicarjiellaten, holzigen, 5 6 cm grossen, 
zusannnengedrckten, spter in die Hlften auseinander 
springenden Frchten mit schildfrmig angehefteten, zahl- 
reichen, kreisrunden, dnnen Flgelsamen von etwa 
Durchmesser. Auf diesem liaume nisten gern kleine 
landsia-Arten. Ausserdem einige Krautptianzen, die, 



J cm 
Til- 
meist 



abwechselnd, gesellig grssere Flchen fr sich allein ein- 
nehmen, so z. B. luucus acutus Lam. in bis V2 m 
dicken Rasen an feuchteren Stellen, Schkubria bona- 



12 



Naturwissenschaftliche Woehenselirift. 



Nr. 2. 



rieusis Hk. ii. Arn., eine zierliche bis Vi hohe, gelbe 
Composite mit fdlieheu Blttern, bezw. Blattsegmenten; 
die Ptianze dient zum Vertreiben der Flhe nach Hiero- 
nymus' plantae diaphoricae. Die bekannte niedrige Mol- 
lugo verticillata L. bedeckt stellenweise den Boden. 
Eine V2 ^ hohe, weissbliithige Aster (cfr. linifolius) 
mit aufrechten, wenigverzweigten Stengeln ist sehr hufig; 
Grser sind sehr sparsam in diesem manehnial der Ueber- 
sch'.venimung ausgesetzten Gel)iete. 

A'ou der Eisenbalmbreke ritten wir den Rio Quinto 
zum Tlieil entlang und lagerten Abends unter Bumen von 
l'rosopis Algarrobilla, einer mit l'rosopis alba nah- 
verwandten Art, die wir des anderen Tages hufiger in 
der Pampa zerstreut fanden. Der Baum wird ebenso gross 
wie letztere Art, das Laub ist noch zarter; die unteren 
Aeste sterben in gewissem Alter leicht ab und dienten 
uns als Brennholz fr d^s Lagerfeuer. Sei es, dass dieser 
Baum kein hheres Alter erreicht vielleicht weil er 
mit trocknerem Boden vorlieb nimmt , sei es, dass die 
fteren Pampabrude die trocknen Aeste verzehren und 
so die Lebenskraft der dann unten angekohlten Bume 
schdigen, der Anblick der vielen abgestorbenen oder nur 
noch in der Spitze der Krone grnenden Bume, welche 
ein terpeutinduftendes Holz haben, ist dann kein wohl- 
thuender. 

Wir hatten die Zelte nicht aufgesehlagen, was bei 
21 C. Nachts bei klarem Himmel und Mondscheinl)eleuch- 
tung auch nicht nthig war. Das Lager in der Nhe 
einer schwachsalzigen Lagune war romantisch, und schwir- 
rende Leuchtkfer vermehrten nur diesen Eindruck. Ausser 
der Algarrobilla trat jetzt auch Gourliea decorticans 
Gill., ein dorniger, bis 7 m hoher Leguminosenbaum mit 
bleichgrnem Laub, auf, dessen grne Rinde sich in grossen 
Platten ablst nnd dann die neue weisse innere Rinden- 
schicht erkennen lsst. Das weisse Holz scheint hart und 
zh wie Buchsbaum zu sein. Jetzt ohne BlUthen und nur 
selten mit mandelartigen unreifen Frchten versehen 
die einsamigen Hlsen sollen inseitig ein feinschmeckendes 
Fruchtfleisch haben , ist dieser IJaum ein hufiger Be- 
gleiter anf den folgenden Tagereisen, soweit nicht reine 
Pampa auftritt, und hat der einheimische Name Chafiar 
Griesebach veranlasst, diese Region die Chafiarsteppe 
zu benennen; sie ist indess in ihrer Zusammensetzung, 
insbesondere was Holzgewchse betrifft, ziemlich \ erndcr- 
lich. In der Nhe unseres Nachtlagers fand sich auch, 
den Boden stellenweise allein nnd dicht bedeckend, eine 
niedrige (bis 10 cm hohe) Composite, Ambrosia sp., die 
recht unschuldig aussah, aber beim Anfassen verdeckte 
kleine Stacheln energisch fhlen Hess. 

Am 8. Januar zeitig aufgebrochen, ritten wir bis 
11 Uhr nach einer italienischen Viehzchterei, Medano 
Colorado (rothe Dne), wo es wiederum Wasser gab, und 
wo wir bis 6'/o Uhr in der grssten Hitze (327,/) blieben, 
um dann whrend der Nacht bis anderen Tages gegen 
11 Uhr eine Travesia, d. h. wasserlose Einde mit viel 
Dnen und fast nur Graswuchs, zu berwinden. Die wich- 
tigsten Grser der Pampa sind: Stipa lehn Kth., Sor- 
ghum (Andropogon) saccharodes OK. (Svv.), con- 
densatuni GK. (IIBK.), Chamaeraphis (Setariaj sp., 
mit glauken Blttern und Stengeln (Dnengras), Chloris 
Beyrichiana Kth., diverse Aristida- und Paspalum- 
Arten, Melica niacra Nees. Zwischen den Grsern 
wuchsen, mit Ausnahme der schon erwhnten hufigen 
Composite Hyaloseris argeutea, vereinzelt andere Pflan- 
zen, von denen wir aber wegen der Nachtreise, die noch 
dazu nach Monduntergang auf 3 Stunden, ohne die Pack- 
thiere abzuladen, unterbrochen wirde, wenig sammeln 
konnten. Es seien nur erwhnt: Baccharis micro- 
cephala DC. (B. articulata Griseb.), mit geflgeltem, 



blattartigem, gegliedertem Stengel; Senecio dealbatus 
hat filzig schneeweisse Stengel- und Blattbehaarung; Se- 
necio ceratophyllus, ein gelbblliendes Kraut mit lineal- 
zersehlitzten grnlichen Blttern und dabei ein Solanum 
von gleicher Grsse und gleichen Blttern, so dass man 
an Mimicry denken mchte. Euphorbia piluliferaL. 
oder verwandte Art mit Salaginella-Habitus. Eine weisse, 
krautige Polygala bis 30 cm hoch, nnt linealen Blt- 
tern. Crassina peruviana OK. (L.) = Zinnia jjauci- 
flora L., die hier brigens sicher wild ist, und Portu- 
laca grandiflora mit puri)urnen liithen, die indess 
bald, bezw. manchmal ins Brunliche oder Orange ndern. 
A m a ry 1 1 i s h u ni i 1 i s hat kleine gelbe Blthen. P a s c a 1 i a 
glauca Ort. ist eine interessante krautige Composite mit 
fleischigen, fdliehen Blttern und gelben Bltlienkpfen, 
die v(ni einem strohgelben, zuletzt braunen Hllkelch ein- 
gehllt sind. Ephedra sp., meist niedrige Formen in 
dichten Rasen. 

Die Thierwelt ist, von Insecten abgesehen, arm in 
diesen Regionen; wir bemerkten 2 Hirsche, 1 Strauss mit 
Jungen, von denen der Fhrer 3 fing, die wir aber wieder 
laufen Hessen; eine Erd-Eulenart Lechuza sass fters 
in den Wipfeln der Aigorobilla; Aasgeyer Carancho 
und ein anderer, mehr krhenartiger Raubvogel, der meist 
von der Tijera (die Scheere), einem kleinen schwarzen 
Vogel mit sehr langen scheerenartigen" Schwanzfedern, 
begleitet war, bilden den Rest. 

Gran Chichaca lieisst der Ort, den wir am 9. Januar 
gegen 11 Uhr erreichten. Einige Stunden vorher waren 
wir schon wieder in Monteformation eingetreten. Es waren 
von Struchern nur neu zu bemerken: Acantholippia, 
bez. Lippia sp., blattloser Strauch von 3 m Hhe, 
dicken grnen, glatten Zweigen und einzeln daran 
stehenden Frchten; Prosopis humilis ist ein anderer 
blattloser Strauch, al)er nui- bis 7 m hoch und jetzt 
blthenlos; Siegesbeckia sp. ist eine 1 m hohe Staude. 
Grindelia pulchella Don V2 hoch, bedeckt manche 
Flchen wie ein angebautes Feld. Eine Cereus-Art 
tritt vereinzelt auf, blht alter nicht. 

Gran Chichaca ist ein in und an grossen Ssswasser- 
lagunen angesiedelter Ort, welche Lagunen jetzt aber 
schon fast ausgetrocknet sind. Das AVasser zum Trinken 
wird in Represaz, ausgestochenen Lehmgruben, die durch 
Dornheeken gegen Vieh und deren Badevisiten geschtzt 
sind, gesannnelt und wird von uns, lehmig wie es ist, ver- 
wendet. Wir schlachteten eine junge Ziege wie auch 
spter noch einige Male und riciiteten uns auf einem 
Schindanger unter einem Algarrobo-Baum ein, so gut es 
eben ging. Beim Whlen des Lagerplatzes war anf einen 
nahen Weideplatz Rcksicht zu nehmen, dessen unsere 
Maulthiere nach einem 14-stndigen Marsche dringend be- 
durften. Ich selbst benutzte eine leerstehende Ochsen- 
karre und schlief oben. Die Reisegefhrten hatten sich 
zuerst im Schatten unterhalb derselben gelagert; ich hatte 
aber nolens volens den besseren Theil gewhlt, denn ich 
konnte Nachts unbelstigt schlafen. Ein scharfer Wind, 
gegen dessen Richtung ich mich gelegt, vertrieb mir die 
Insecten, ausgenounnen die ber mir in der Baum- 
krone wohnenden und frh von 9 11, Nachmittags von 
7 9 Uhr concertirenden Licoden, von denen ich hchstens 
manchmal durch herabfallende Tropfen belstigt wurde, 
wogegen ich mich indess bald schtzte. Die Parterre- 
bewohner hatten indess von ]\Icken, Stechfliegen, Heu- 
schrecken und Mondschein zu leiden. Heuschrecken be- 
lstigen den Menschen, besonders wenn sie Abends in 
Heereszgen wandern; ihr Zug geht dann manchmal so- 
gar durch einen Rancho (hiesiges Haus letzter Sorte) 
ber Mensehen hinweg, wo sie einem dann an den Hals 
und in die Aermel und in alle offen stehenden Scke und 



Nr. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



13 



Kotier springen; sie ljelstif;-en den Mensclien mehr durch 
ilire Meug'c und plumi^en Spriinj^'e, als dass sie ihn an- 
greiCeu. Jianchnial kneifen sie einen mehr aus Versehen, 
aber das hat keine Uebelstnde im Gefolge. Bei Mond- 
schein kann Freund Kurtz nicht einschlafen. Gegen Mos- 
quitos ntzt nur ein Tiillnetz (Gaze), das man doppelt 
um Kopf und Hals wickelt; einfach gelegt stechen die 
Mcken dort ikicIi durch, wo es der Haut anliegt. Die 
Hnde incl. der Handgelenke schtzt man am besten 
durch sehr lange und dicke IJuckskin-Handsclmhe, die, 
ausserdem angefeuchtet \icl Wasser absorbiren und so die 
juckenden Mckenstiche schnell heilen. Anliegende dnne 
Strmpfe halten die Mos(iuitos nicht ab. Die Fsse 
drfen nicht blossliegen untl sind durch Hosen und Stie- 
feln oder Filzschuhe zu schtzen. Don Vicente reist bei 
trockenem Wetter sogar in Filzscdiuhcn, mit mein-eren 
Strmpfen ber die Hosen gezogen, so dass auch keine 
Insecten den Fuss liinanfkriechcn knnen. 

Sonntag, den 10. Januar, gegen Jlittag, zogen wir 
weiter, aber der Fhrer wusste nicht recht Bescheid, so- 
dass wir uns in menschenleeren p]inoden verliefen und, 
nach einem Hergkegel uns richtend gegen 6 Uhr Abends 
am Fuss des Cerro Varela einen Kancho und eine Lehm- 
pftitze fanden, wo >vir unter, bezw. an einem Baum von 
Jodina rhombifolia lagerten. Wir waren in Ibllie 
von 570 m und erkletterten noch vor Sonnenuntergang 
eine der l'orphyrkuppen, etwa 100 m hher, des Cerro 
Varela. Da auf dem Gebirge kein Tropfen Wasser 
bleibt, war die floristisehe Ausbeute gering: Dinoseris 
argentea Grisb., eine strauehige Composite; die Poly- 
galacee M(Minina pter()cari)a in Blthe und Frucht; 
ein Gras, Boiiteloua curtipendula A. Gray; die 
Bromeliaceen I'itcairnea spathaeea Griseb., Ananas 
sp., letztere 2, ebenso wie 1 Oaetus, 1 Cereus, 
1 Opuntia, ohne Blthen. Die Gacteen und noch einige 
Pflanzen fanden wir auch am anderen Tage in einer 
Monte-Region, Tierritas auf der Landkarte genannt, die 
fast keinerlei Kruter am ]5oden aufwies, wo infolge 
dessen die Heuschrecken den Wald, die Brnnukronen und 
Strueher total abgefressen hatten, mit Ausnahme einer 
noch unbesebriebenen Art von Atriplex (Obione) ex 
affinitate A. pamparum Moq.-Tand.. efr. A. Cachiyuya 
Hieron. in msc. Dieser Strauch, jetzt weder in Blthen 
noch in Fruclit, wird Ids 1' o ni hoch, ist von unten an 
stark verzweigt, die Stengel sterben aber ab, nachdem 
sie 3 5 cm dick geworden sind, und legen sieh dann 
strahlenfrmig auf den Erdboden; die Bltter sind gelb- 
lich-graugrn, filzig, stachelfrnug und an der Spitze 
etwas gezhnt. Kurz, dieser dort hutige Strauch zeigt 
genau dasselbe Bild, wie der berhmte Sage shrub der 
Prrien Nordamerikas, Artcniisia tridentata Nutt. 
Es war ein der heisser Landstrich, diese Tierritas, durch 
welchen wir Vs Stunden ritten. Cassia aphylla, 
Lippia salsoloides (Grisb.) (Acantliolippia s. Griseb.) 
Acacia striata ebenfalls blattlos, die schon augedeuteten 
Cacteen hatten sich hier der abgefressenen Montefiora 
schon genannter Arten beigesellt. Als Kraut war fast 
nur die S cm hohe Trixis efr. discolor Gill. uiul Don 
zu erwhnen, ^^"enn manche solche fast krautlose Vege- 
tationsgebiete mit vorrherrschenden Struchern noch als 
Pampa-Flora bezeichnen, so ist das gewiss nicht zu 
Itilligen. 

Mittags lagerten wir am Rio Salado beim Paso 
Aqua dolce; die Hitze war auf 39 im Schatten, 44 in 
freier Luft, mit Schwingthermometer gemessen, gestiegen. 
Um den Verlust des gestrigen Tages wieder einzuholen, 
ritten wir Abends von 6 10 V2 Uhr weiter lngs des Rio 
Salado und lagerten etwas entfernt vom FIuss. In ilcr 
Satteltasche, Alforja, die dem Sattel hinten aufgelegt 



wird und die allerntliigsten Reiscutensilien enthlt, u. A. 
auch das Pilanzen})apier, in welches die uuterwegs ge- 
sammelten Pflanzen provisorisch gelegt werden, hat auch 
ein Jeder eine Reserveflasche mit Wasser. Da ich noch 
in der Rocktasche eine kleine Feldflasche trug, war mein 
Wasservorratli noch relativ reich, so dass ich es vorzog, 
um Mitternacht, nach des Tages ungewhnlicher Hitze 
und Staubplage, nocii stehenden Fusscs ein Doncheliad 
zu nehmen, indem ich den Wasscrflascheninhalt langsam 
ber den nackten Krj)er heraljlaufen Hess, ein Taschen- 
tuch mit Seife als Waschlappen benutzte und schliesslich 
mit einem grossen Handtuch den Krper tciitig abrieb. 
l>ei der Morgentoilette in unseren Feldlagern wird in der 
Regel nur mit einem Becher voll Wasser und einem Taschen- 
tuch die Waschung besorgt. Meine Reisegeflirten sind 
sogar der Meinung, dass unterwegs eine feine Schnuitz- 
kruste die Haut vor Sonnenbrand und Austrocknen schtze. 
Manchmal putzt Jedoch einer der Herren die Fingerngel; 
das ist aber auch alles. 

Am 12. Januar kamen wir nur 2 Stunden AVegs 
\(jrwrts, bis zu einem Flussbergang, Pasa Tierra, wo 
au einer primiti\en Drahtseilverbindung zwischen beiden 
Ufern ein Fahrstuhl ans Kuhhaut nut hchstens 100 Kilo 
TragfhigkiMt fortwhrend lierber und hinber gezogen 
wurde, was zwei Stunden dauerte, bis alles Gepck und 
alle Personen das andere Ufer des Bio Salado erreicht 
hatten. Die Muten schwammen d;inn der hinbergezo- 
genen Madrina nach und durchkreuzten den tiefen und 
schnellfliessenden Strom schnell und geschickt; sie folgten 
der Madrina dabei so blindlings, dass sie ihr selbst an 
den steilen Uferabfall nachschwammen, wohin die Mailrina 
ungeschickter Weise vom Vaqueano gezogen worden war, 
und wo die Thiere gar nicht landen konnten. Don \i- 
cente corrigirte das Versehen schnell, leitete die ^Madrina 
an eine Bschung, wo die Landung aller Thiere glck- 
lich verlief. Ich selbst nahm whrenddessen auch ein 
Bad im Strom; das Wasser war aber zu wann, um zu 
erfrischen; doch geschah letzteres durch die darauffolgende 
Al)khlung durch Verdunstung des Wassers am Krper 
durch die Luft. 

Wir htten nun noch einen Tagesmarsch von zehn 
Stunden nach dem Rio Diamante ausfhren kfinuen, aber 
bis dahin war kein Wasser und am Rio dort kein Weide- 
platz zu finden; ausserdem hatte der Gaucho, diu wir 
auf 3 Leguas als Fhrer nthig braucliten, sein Pferd 
nicht zur Hand. Kurz wir mussten den ganzen Nach- 
mittag dort liegen bleiben, was in einem Gehlz von 
Gourliea decorticans geschah, dem sich eine drftige 
Weide fr die Thiere anschloss. 

Auf den benachljarten Dnen zeigte sich wiederum 
ein anderes Florenbild: Baccharis salicifolia Pcrs., 
eine halbstrauchige Composite von 1 2 m Hhe bildete 
dichte Bestnde, die nur mit Atriplex pamparum vel 
sp. ff. eine halbkrautige 30 50 cm, selten hhere Art mit 
stcngelumfassenden graugrnen, stark gekruselten, ovalen 
Blttern, gemischt war. Weiterhin trat lletero thalanius 
spartiodes 11k. und Arn., ein blattloser, harzigl)itterer 
Compositenstrauch von 1 m Hhe, der vielfach zu Besen 
verwendet und von den Heuschrecken verschont wird, 
bestandbildend auf und hatte unter sich meist nur eine 
Vegetation der zwergigen Form des 10 30 cm hohen 
zarten Strauches, Prosopis strombulifera Bth., einer 
gelbl)lthigen Mimose, deren Hlsen dichtschraubenfrinig 
gewunden sind und schliesslich wachsgelb werden. Diese 
zwei bestandbildenden Compositcn, Baccharis sal. und 
Hetcrothalamus spart., begleiten uns noch einige Tage 
auf der Reise lngs des Rio Diamante, jedoch meist nur 
an der Grenze oder ausserhalb des Ueberschwemmungs- 
gebietes; beide meist in ihren Bestnden abwechselnd, 



14 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 2. 



seltener gemischt und stellenweise von anderer Vegetation 
unterbrochen. 

Am 13. Januar erfolgte also der Ritt nach und durch 
den Rio Diamante nach dem verlassenen und verfalleneu 
Fortin nuero. Es ging durch ein ausgetrocknetes Delta- 
gebiet, welches den Zusammenfluss dieser zwei Strme 
zum Theil jetzt noch bildet. Es wechseln daher Lehm- 
boden, Dnen, die der Wind znsammengeweht und, tiefere, 
alte, trockene Flussbetten, worin sich fters eine Salzflora 
und, nahe dem Rio Diamante, das dort in den Fluss- 
niederungen bestaudbildende Gynerium argenteum 
Nees findet. Zur Salzflora gehrt dort Lerchea mari- 
tima OK. (Schoberia m. C. A. Mey.) imd fruticosa 
OK. (L.), Allenrolfea patagonica OK. (Spirostachys 
p. Griseb. = '? Halopeplis Gilliesii Griseb.) mit Sali- 
cornia-Habitus, krautig und strauchig 25 cm bis 1 m hoch. 
Gynerium argenteum bildet hier Hexenringe, d. h. die 
Rasen, welche bis 2 m Durchmesser erhalten, sterben im 
Centrum aus Nahrungsmangel ab, und dieses todte Cen- 
trum, \;-73 , wird meist bei Steppenbrnden ausge- 
brannt. Die Rasen dieses auch in enropischeu Ziergrten 
beliebten Grases stehen meist soweit von einander ab, dass 
man bequem dazwischen durchreiten kann. Je nach 
trockuerem oder nassem Staudort wechselt auch die Grsse 
dieser Pflanze; grosse Exemplare verbergen einen dahinter 
stehenden Mann vollstndig, und wo solche, wie wir es 
spter am Rio Diamante stellenweise sahen, in vollem Flor 
auf langen Strecken stehen, ist der Anblick dieser schnen 
Pflanze in der That ein erhabener. 

Das Gegentheil davon, eine hssliche Pflanze, wie 
ich solche kaum jemals so abschreckend sah, ist die dort 
in den Dnen vereinzelt vorkommende Flotowia Hys- 
trix, ein 1 Meter hoher sparriger Compositenstrauch 
mit kurzen nadelartigen, dichtstehenden Blttern von 
schmutzig ochergelber Farbe; die gelben Blthen sind 
vereinzelt im Laub und beeintrchtigen den Eindruck 
kaimi; man stelle sich Juniperus communis L. recht 
unregelmssig gewachsen mit diesem dsteren Colorit der 
Bltter vor, so wird man einen annhernden Eindruck er- 
halten. Ein anderer durch seine ausserordentliche Brchig- 
keit merkwrdiger Strauch wchst dort: die Capparidacee 
Atamisquea emarginata Micrs; jeder Zweig, den man 
von diesem dornigen, 3 m hohen Strauch mit dunklen 
kleinen Blttern und weissen unscheinbaren Blthen 
brechen will, bricht auffallend leicht quer ab. Sonst ist 
die strauchige Monteflora dort recht gemischt, es finden 
sich viele Arten wieder, denen wir schon am Rio Quinto 
begegneten. Von der niederen Vegetation macht sich 
namentlich eine Lippia-Art mit Thymian-Geruch, ein 
Hall)Strauch, bis 30 cm hoch, und Lip])ia salsolodes 
bemerkbar, welche mehr einen Erica-Habitus hat; beide 
Arten sind jetzt in voller BIttthe und habituel von anderen 
Lippia- Arten recht abweichend. Ausserdem seltenere 
niedere Pflanzen sind dort: Verbena tt avescens und die 
Boraginacee Cortesia cuneata R. et P. 

Unterwegs fingen unsere Diener drei Grtelthiere, 
Quirquinchos, die sofort ausgeweidet wurden und uns, 
anderntags gekocht, einen kalten Leckerbissen zum Frh- 
stck boten. In einem Rancho, wo gerade geschlachtet 
worden war, wollten wir wiederum einmal Rindfleisch 
kaufen; der Hambo schenkte uns aber nur ein Bruststck 
von vielleicht 8 Kilo, wofr wir nun seinem Kind ein 
Geschenk von 1 Peso machten, womit das Fleisch brigens 
hinreichend bezahlt war. Der Fleischgenuss ist das 
billigste hier zu Lande; 1 Kilo bestes Oclisenfleisch gilt 
etwa 30 Cts. (Pf); 1 junge Ziege, wenn man das Fell 
zurckgiebt, nur ''^ Peso. Unterwegs haben wir meist 
tglich zwei Mal Spiessbratcn (Asado), der ber glhenden 
Holzkohlen, die das verbraunte Holz zurcklsst, bereitet 



wird. Brot wird im Feldlager in der Regel gar nicht 
genossen, immer Asado, wozu das viele Mate-Trinken 
passt und mir auch gut bekommt. 

Die Temperatur schwankte an jenem Tage von 16 
bis 35 und war, weil wir den ganzen Tag 12 Stunden 
durchritten, Nachmittags recht unangenehm. Vor dem 
Rio Diamante angekommen, wurde nochmals alles Sattel- 
zeug und die Packung der Cargo-Mulen auf ihre Festig- 
keit revidirt. Der Durchritt geschah dann mir unerwartet 
schnell, wahrscheinlich, weil man voranreitenden, die Fuln-t 
genau kennenden Argentinern schnell folgte. Die Mulen 
folgen bei solcher Gelegenheit dicht hintereinander und 
hinter der Madrina. Ich war also 20 Schritt zurck- 
geblieben, weil ich die Alforga neu umgepackt hatte und 
erst schnell auf den Sattel springen konnte, als der Zug 
schon in Bewegung war. Mein Reitthier schlug trotz 
meiner Zgelung nun direete Richtung nach der Madrina, 
also einen andern Weg als die andern Mulen ein ; es ging 
jedoch gut ab trotz der nicht unbedeutenden Strmung 
des Flusses, doch hatte das alte Thier, das ich erhalten, 
die unangenehme Gewohnheit, gelegentlich in die Knie 
zu sinken. Das passirte denn auch jetzt im Flusse ein- 
mal; ich sass jedoch fest im Sattel und zog das Thier 
schnell mit dem Zgel empor. Das Wasser, welches 
ohnehin bis an den Bauch der Thiere reichte, hatte aber 
meine Alforga gensst, und es war nur gut, dass ich 
vorher Pflanzen und Wasserflasche zu Unterst gepackt 
hatte, die diese Ueberschwemmung vertragen konnten. 
Anderntags wechselte ich jedoch meine Mule gegen eine 
bessere aus. Wir haben immer zwei zur Reserve, sodass 
eine Abwechselung bei den Thieren stattfindet und anderer- 
seits rckenwund gewordene oder lahmgetretene was 
bei dem unterwhlten Boden manchmal eintritt Thiere 
Erholungstage geniessen. 

Fortin nuevo wird nur noch von wenigen Hirten be- 
wohnt; die frheren Soldatenhuser und das Fort, alles 
nur aus ungebrannten Lehmziegeln erbaut, sind zerfallen ; 
als einziges Wasserbassin dient eine uneingezunte Re- 
presa-Lehmgrube mit Regenwasser in der jedoch auch, 
wie Professor Bodenbender meint, das Vieh gelegentlich 
ohne Standesunterschied badet. Wir campirten dort 
wiederum auf einem Schindanger; frhere Reisende hatten 
dort, wie wir es ja auch thaten, geschlachtet und die 
Knochen etc. den Insecten zum Reinigen hinterlassen. 
Zwischen den Hausruinen hatten sich noch Sidcachas 
angesiedelt und dachshhlenartige Erdbauteu augelegt. 

Am 14. Januar wollten wir zeitig aufbrechen; es 
zogen sich jedoch die Wolken zusammen und vertheilteu 
sich dann gleichmssig, sodass ein Landregen in Aus- 
sicht stand. Wir schlugen daher ein Zelt auf und brachten 
uns und die (iepckstcke darin in Trockenheit. Es 
regnete von Zeit zu Zeit etwas, aber unbedeutend, sodass 
wir gegen 9 Uhr aufbrachen. Gegen 10 Uhr aber weichte 
uns ein Gewitter gehrig ein, gegen welches der landes- 
bliche Poncho, ein Plaid mit Schlitz inmitten zum Kopf- 
durchstecken, nur wenig ntzte. Der Landregen war 
glUcklielierweise nicht zum Ausbruch gekommen, und die 
Feuchtigkeit des Gewitters in unseren Anzgen trocknete 
spter whrend des Reitens schon aus. Mittags hielten 
wir, um die Grtelthiere kalt zu verzehren. Dabei kam 
eine Spottdrossel auf mein nachahmendes Pfeifen ganz 
nahe auf den nchsten Busch, und nun pfiffen wir um 
die Wette; ich war aber ausser Stande alle die Tne, 
die sich in ungleichen Melodien oft unvermittelt folgten, 
nachzuahmen. Jlan glaubt, falls man nicht weiss, dass 
alles von einem Vogel stammt, mindestens sechs ver- 
schiedene Vgel hintereinander zu hren. Die nchsten 
Tage Hessen uns diese Vogelart noch oft hren. Dann 
und wann war noch ein schwarzer Vogel zu sehen, der 



Nr. 2. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



15 



ein metallglnzeudes kupferrothes rust- und Halsschihl 
zeigte, Trupial genannt. 

Abends campirten wir am Rio Diamante in einem 
Gehlz von G o u r 1 i e e n ; vor uns war eine Viehweide, die 
hauptschlich ans Gyneri um -Rasen, ein sehr hartes 
Gras, von dem die Heuschrecken nur die Blthenstnde 
und Blattrnder fressen, und einem jetzt verdorrten, sehr 
niedrigen, aber den Boden dicht bedeckenden Grase 
bestand, das die Thiere vorzuziehen scheinen, es ist 
dies Distichiis thalassica Desv. = rizopyrum 
spicatum A. Gray. 

Whrend bisher das flache Terrain nur aus fein- 
erdigen oder sandigen Substanzen bestand, stellten sich 
jetzt andere FlussgerUe neben dem Rio Diamante ein, 
und zwar zuerst Gerolle von Bimsstein. 

In einem an einer Seite offenen Hexenring von Gy- 
neri um hatte ich mein Nachtlager aufgeschlagen und die 
halbtrockenen Sachen auf dem Rasen selbst ausgehngt; 
am anderen Morgen aber waren sie durch den Thau 
feuchter als vorher. 

Am 15. Januar, bei 18 36 Temperatur, reisten wir 
bis Rincon grande etwa 10 Leguas weit und campirten 
Abends zwischen Hetherothalamus spartiodes auf 
Sanddnen, wo wir erst die kleine stachelige Prosopis 
strombulifera vom Boden wegrasiren mussteu. Ver- 
einzelte Bume lieferten uns Brennholz; ein ofiener Lager- 
platz war indess nicht vorhanden, und wenn sich die 
Aussichten auf Gewitter erfllt htten, wre es nicht 
mglich gewesen, ein Zelt aufzuschlagen; wir legten uns 
mit dem Gefhl zur Ruhe, von einem Gewitter rettungslos 
berrascht zu werden. Es ging aber die Nacht ohne 
Regen vorber. 

Der 16. Januar brachte uns etwa ebensoviel weiter 
nach einer Ackerbau-Colonie mit viel Wasserleitungen und 
einem Wldchen vorher, in dem der Weg aus Sackgassen 
bestand, die uns wiederholt zum Umkehren zwangen, in 
dem Wald trat eine andere Larrea-Art auf mit zwei- 
zeiligen Aesten und Blttern: L. cuneifolia Cav., ein 
noch schnerer Strauch als die andere verbreitete Art. 
Der Ort und Wald waren noch von Heuschrecken ver- 
schont geblieben und boten ausser der Ruderalflora im 
Dorfe, deren Aufzhlung ich unterlasse, manche seltene 
Pflanze, z. B. Munroia squarrosa Torr., Sterrhy- 
menia cynocrambe, Hoffmannseggia falcaria Cav., 
Flaveria Contrayerba Pers., Philibertia rotata 



Griseb./ Willoughbya tcnuiflora OK. (Mikania t. 
Grisel)., zwei Lyciuni- Arten, JMalveopsis cfr. bona- 
riensis und eine andere 3[alvacee mit brennendrothen 
Blthen, sowie mehrere noch unbestimmte Pflanzen. 

Wir lagerten aussei halb des Ortes im Gerll des 
Flusses vor einem Juncus-Bestand; auf dem trockenen 
Gerllboden war Pluchea Quitoc DC, eine meterhohe, 
wenig verzweigte, krautige Composite mit rthhchen Kpfen 
und glauken Blttern huflg und eine niedrig strauchige 
Patagonium-Art (Adesmia) aus den Cordilleren herab- 
geschwennnt. Im Uebrigcn bot die Flora der Rio Dia- 
mante-Gelnde wenig Abwechselung; Gyneri um spec, 
Baccharis salicifolia, schliesslich Pluchea Quitoc 
und eine noch nicht bestinnnte Senecio-Art, ein Strauch 
von kaum 1 Meter Hhe mit einzelnen gro.ssen Kpfen, 
fleischigen, fdliehcn Blttern, die merkwrdigerweise 
von Grn in Schmutzigviolctt und hufiger in Wachs- 
gelb variiren, bilden die Typen der Flora, der die 
Strucher und Bume der Monteformation relativ wenig 
beigemischt sind. Der Fluss ist so schlannnig, dass 
wir kein Bad nehmen mochten, obwohl wir meist in seiner 
Nhe waren. 

Am 17. Januar gegen 11 Uhr kamen wir wieder nach 
einem Ort, Ramecoida, wo es wenigstens Wein, Brot und 
Kse wieder gab; hier pausirten wir 4'/ 2 Tage, theils 
um die Maulthiere an Alhalfa wieder gut zu nhren, theils 
um sie fr die Cordilleren wieder beschlagen zu lassen, 
theils um uns selbst etwas zu erholen, was aber ohne 
Bett und mit Besuch zollgrosser Wanzen geschah, und 
uns Fhrer fr die Cordilleren zu besorgen. 

Die Prurt". Bodenbender und Kurtz wollen, weil ber 
3000 m anscheinend noch viel Schnee liegt, erst einen 
Abstecher nach Malargue unternehmen, woran ich aus 
Zeitmangel denn ich muss sptestens im Mrz die hohe 
Pona in Bolivien wegen der Schneestrme berwunden 
haben nicht theilnehmen kann, sodass ich von hieraus 
direct mit einem eigenen Fhrer und Pean und gemietiieter 
Tropa (fr =b 240 Mark) nach Santiago in Chili ber den 
3780 m hohen Paso de la cruz de Piedra gehe, wo ich 
in zehn Tagen einzutreffen hoffe. 

Es erbrigt mir noch, meinen verbindlichen Dank 
meinen Reisegefhrten Professor Bodenbender, der alle 
Schwierigkeiten der Reise mit liebenswrdiger Geduld 
berwand, und Professor Kurtz, der mir auch die Pflanzen 
bestimmte, zu sagen. (Fortsetzung folgt.) 



Zur Yerbreituiig-, Biologie und Geschichte von 
Hex Aciuifoliuni L. In den Verhandlungen des West- 
flischen Provinzialvereins (Sect. Botanik) fr 1891/92 
bringt Dr. West ho ff interessante Mittheilungen ber 
die Stechpalme, Hex Aquifolium L. und ihre Verbreitung 
im ]\Insterlande. Es werden von ihm nicht nur einige 
durch ihre ausserordentliche Grsse hervorragende Ilex- 
bume von bis 6 liezw. bis 9 Meter Hhe eingehender 
besprochen, an denen die bekannte Thatsache, dass in 
den oberen Regionen der Krone die Stacheln an den 
Blttern nur in geringem Maasse oder endlich gar nicht 
mehr zur Ausl)ildung gelangen, sehr schn zu beobachten 
war, und bei denen ausserdem mit der zunehmenden Ganz- 
randigkeit eine Verschmlerung der Bltter bis fast zur 
linearen Form Hand in Hand ging; sondern der \\'rf. 
gelangt zugleich aus der genaueren Untersuchung der 
Standortsverhltnisse und Entwicklungsstadien einzelner 
Exemplare zu einem auch in cnlturhistorisclicr Beziehung 
beachtenswerthen Resultate. Es handelt sicli um das Laer- 
brok in der Nhe von Mnster, einem mitten im Ilochwalde 
gelegenen, unbewaldeten, halbkreisfrinigen, umwallten Be- 



zirke von etwa 200 m Lnge und 150 m Breite, der, 
wie urkundlicli festgestellt ist, vom Beginne des 13. bis 
zum Ende des 16. Jahrhunderts als Vcrsannnlungsort von 
den aus Geistlichkeit, Adel und Stdten zusammen- 
kommenden Landtagen benutzt wurde. Mit dem 17. Jahr- 
hundert, als die Landtage nach Mnster selbst verlegt 
wurden, gerieth die Stelle in Vergessenheit und erst nach 
ungefhr 30 Jahren gelang es in dieser Sttte das fr 
das Mnsterland historisch ehedem so bedeutungsvolle 
Laerbrok zu coustatiren. Etwa um 1830 wurde dasselbe 
getheilt und fiel zwei verschiedenen Gemarkungen zu. 
Seit dieser Zeit wurde die Stelle theils aufgeforstet, heils in 
anderer Weise culti\irt. Wie sie sich dagegen in den 
200 Jahren vor diesem Zeitpunkt verhalten hat, ol) sie 
bewaldet war oder nicht, darber feldt jegliche Kunde. 
Dies lsst sich indessen durch die Wachsthumsverliltnisse 
der Stechpalme auf dem Laerbroke entscheiden. Whrend 
sich nmlich in dem dasselbe umgebenden Hochwalde 
eine so ppige Ilexvcgetation findet, das stellenweise neben 
der Stechpalme, welche hier oft auch l)etrchtliches 
Ilhenwachsthum zeigt, kein anderes Unterholz aufkommen 



16 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 2 



kann, ist diese nur etwa 6 m weit ans den anliegenden 
Waldpartien ber die Umwallung auf das Laerbrok vor- 
gedrungen. Je grsser die Entfernung von dem Walle 
ist, desto sprlicher wird der Bestand. Die am Rande 
des Planums wachsenden Exemplare sind durchweg frei 
wurzelnde, aus Samen (der im anliegenden Hocliwalde 
j-eichlich erzeugt wird) hervorgegangene Sprsslinge von 
kaum ber 50 bis 60 Jahren, jedoch kein alter Wurzel- 
ausschlag. 

Dies ist also einerseits ein Beleg dafr, dass das 
Lacrln'ok von Alters her ))is in dieses Jahrliundert iiiuein 
unbewaldet gewesen sein mu.ss, andererseits beweist es, 
dass die Stechpalme sich nur usserst langsam weiter zu 
verbreiten vermag, besonders dort, wo sie des Wald- 
schutzes entbehrt. Westhotf giebt sogar an, dass die 
Pflanze selbst, wenn ihr der nthige Schutz gewhrt wird, 
auch dann sicli nur usserst schwer ansiedele, so dass 
nach seinen Beobachtungen in seinem Gebiete das Fehlen 
von Hex im Verein mit anderen Anzeichen sehr gut als 
ein Kriterium fr das verhltnissmssig jugendliche Alter 
eines Waldes angenommen werden kann und umgekehrt, 
dass mau aus einer reichen llex-Vegetation, bezglicli 
aus zahlreichen Resten, welche eine Gegend an Hecken etc. 
aufweist, den Schluss ziehen darf, dass diese Gegenden 
einen uralten Wald besitzen, liezglich frher besessen 
haben.'' Mit Recht sieht Westhott' den Grund fr diese 
geringe Propagationsfhigkeit in dem Mangel an frucht- 
erzeugenden Pflairzen. Die Zahl der fructificirendcn 
Exemplare ist gegenber der der im Ganzen vorhandenen 
eine usserst geringe. Dies wiederum ist, wie Westhoft' 
ebenfalls richtig betont, eine Folge davon, dass die Pflanze 
nur erst bei einem gewissen Alter nnd einer gewissen 
Hhe anfngt, Blthen nnd Frchte zu erzeugen, und dass 
.sie bei der heutigen Forstcultur, die in ihr ein mehr lsti- 
ges als ntzliches Holz erblickt, jenes Entwicklungsstadium 
nur schwer erreichen wird. 

Ich wollte nun hier noch auf eine zweite Thatsache 
aufmerksam machen, die, wie ich glaube, bei dem Mangel 
an fruchterzeugenden Exemplaren nicht minder schwer 
ins Gewicht fllt. Es ist dies der Dioecisnuis. Hex Aqui- 
folium ist, wie die ganze Gattung, streng zweihusig. Alle 
anderen Angaben in der Litteratur sind falsch.*) Es 
gelangen zwar in den weiblichen P>lnthen Staminodien 
zur Ausbildung, welche an Gestalt den Staubgefssen der 
mnnlichen Blthen sehr hnlich sind; dieselben sind aber 
stets steril; ebenso der Fruchtknoten der mnnlichen 
Blthen, in welchem niemals Samenknospen zur Ausbil- 
dung gelangen und der niemals eine Narbe besitzt. Das 
gebte Auge kann sogar schon der Knospe ansehen, ob 
sie mnnlich oder weiblich ist. Unter der Voraussetzung 
also, dass durchschnittlich dieselbe Anzahl mnnlicher wie 
weiblicher Stmme erzeugt wird, wrde demnach nur die 
Hlfte aller bisznrBltiiencntwicklung gelangenden Stmme 
Frchte erzeugen knnen. Ob jene Voraussetzung richtig 
ist, darber fehlt es bisher gnzlich an Beo)>achtungen, 
auch mag sich die Pflanze in den einzelnen Gebieten ver- 
schieden verhalten. Nach dem mir vorliegenden Herbar- 
material wrde das mnnliche Geschlecht in Bezug auf 
die Individuenzahl berwiegen; von 186 Exemplaren 
waren 81 S. 60 5 und 4. ohne Blthen resp. Frchte 
(also nnentsciiieden). Dies lsst sich aber nicht an Her- 
bannaterial, sondern nur in der Natur selbst entscheiden; 
nnd es wrde sich daher wohl der Mhe lohnen, in den 



*) Trotzdem ich bereits in meiner Dissertation diese Verhlt- 
nisse klar gelegt zu haben glaube (vergi. Verhdl. d. bot. Ver. d. 
Provinz Brandenburg XXXIII. 1891, S. 12, 14, 18 ff.), giebt den- 
noch Kronfeld in seiner Bearbeitung der Aquifoliaceae in 
Englor und l^rantl, die natiirl. Ptlanzenfam. III. .5. S. 186 in 
der Gattungsdiagnose fr Ikx Bl. polygam od. dioeciseh" an. 



Gegenden, wo die Hex reicher vertreten ist, auf die.se 
Verhltnisse zu achten. 

Die (5* Blthenstnde sind durchweg reicher ver- 
zweigt nnd reichbltliigcr als die 2, wie man dies ja 
auch bei andern Familien beobachtet hat. Es verhlt 
sich in der Gattung Hex die Zahl der Blthen eines 
9-Astes zu der eines die gleiche Zahl blthentragender 
Blattachseln besitzenden o -Astes wenigstens wie 1 : 3, oft 
aber wie 1 : 7 oder 1 : 15, und es betrgt somit unter 
obiger Voraussetzung bei der Stechpalme die Zahl der 
5-UIthcn hchstens den dritten Theil von allen, die 
berhaupt zur Entwicklung gelangen. 

Endlich sei es mir noch gestattet, auf einen l'unkt 
der Einleitung von Westhoff's Arbeit nher einzugehen. 
Nach der herrschenden Ansicht soll die eigenthndiche 
Verbreitung der Stechpalme in Europa auf eine Wande- 
rung nach Norden, lngs der durch die Nhe des (iolf- 
stromes ein milderes Klima besitzenden westlichen 
Meereskste, zurckzufhren sein; darauf soll sie dann 
nach Osten soweit vorgedrungen sein, wie es ihr die 
Vegetationsverhltnisse ermglichten. Will man etwas 
auf die Funde geben, welche hie und da betreffs fossiler 
Reste viin IJe.r gemacht worden sind, so ist die Pflanze 
nach Ablauf der Eiszeit zu uns herbergekonmien." Die 
Einwanderung soll erfolgt sein mit der Bildung der Wald- 
vegetation. Hiermit stehen die Angaben Nehrings ber 
die interglacialen Ilexfunde von Klinge bei Cottbus, die 
in dieser Zeitschrift l)ereits fters besprochen worden sind, 
scheinbar im Widerspruch; da ans demselben hervorgeht, 
dass Hex A(|uifo]ium ein uralter Bestandtheil unserer 
Flora sein und bereits bei Beginn der Diluvialzeit, jeden- 
falls vor Ablauf der sog. (i\a,e\n]/)en'ocle im norddeutschen 
Tieflande existirt haben muss. Der betreffende Blattfuud 
stinnnt in seiner Grsse. Nervatur, Berandung, (irsse der 
15lattstacheln und der zwischen ihnen beflndlichen Buchten 
auf das (Jenaueste mit einem Stachelblatte unserer heute 
lebenden Stechpahne berein, wie ich mich durch Autop- 
sie berzeugen konnte. Auf den genannten Fund wrde 
ich wenig oder gar kein Gewicht legen, wenn nicht in 
derselben Schicht auch einige Steinkerne von Hex Aqui- 
tolium gefunden worden wren, deren Zugehrigkeit zu 
unserer Art ich ebenfalls nur besttigen konnte.*) 

Aus dieser Thatsache lassen sich mn- zwei Mglich- 
keiten folgern. Entweder ist die Pflanze bereits zur 
Tertirzeit im norddeutschen Tieflande vertreten gewesen, 
oder sie ist whrend der bezw. einer Interglacialzeit 
nach demselben gewandert. Welche dieser beiden Mg- 
lichkeiten der Wahrheit entspricht, muss vor der Hand 
noch unentschieden bleiben. 

Was nun Westhoff's Angabe betrifft, so bezieht 
sich sein zu uns herbergekommen", wie ich einer 
nachtrglichen brieflichen Mittheilung entnehme, nur auf 
den westlichen Theil des norddeutschen Tieflandes, 
welches nur eine Vergletscherung durchgemacht haben 
soll, so dass die spteren Vereisungen des stlich der 
Elbe gelegenen Gebietes und die Interglacialzeit resp. 
Zeiten in Bezug auf den irestlielien Theil schon als post- 
glacial zu bezeichnen sind. Es ist daher sehr wohl mg- 
lieh, dass die fr das Mnsterland //o.s^glaciale Einwande- 
rung der Hex vor dem Absehliiss der G\nc\i\\qeri(/(le er- 
folgt ist. 

Jedenfalls ist Englei- vollkonnnen im Rechte, wenn 
er Hex Aquifolium mit unter den Pflanzen auffhrt, die 
bereits vor der Glacialperiode in Europa weiter verbreitet 
gewesen waren (vergl. Entwicklungsgeschichte d. Pfl. I. 
S. 176 u. 177) imd es ist anzunehmen, dass die Pflanze 



*) Vergl. die Figur 10 auf .S. 45-t Bd. VII der Naturw. 
Wochenschr." Ked. 



Nr. 2. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



17 



auch im norddeutschen Tieflandc fridier eine weitere 
Verbreitiuii:: besessen hat als jetzt. Ob sie sich indessen 
whrend des Tertirs in Europa selbst entwickelt hat, 
was deshalb nicht ganz nnwahrsclieinlich ist, da das 
Voriiandcnsein der Gattung auf uuscrni ('ontinente zu 
Anfan.i;- dieser Epoche als erwiesen gelten kann, oder ob 
sie whrend jener Zeit nach P.uropa eingcwanilcrt ist, 
drfte schwer zu entscheiden sein. lr. Th. Loesener. 



Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

K.S wurden ernannt: l'rivatdooent Dr. Karl Gions zum Pro- 
fessor der Philosophie an der Universitt Giessen. Der Privat- 
docent an der Berliner Uuiversitiit Eugen Korselielt zum 
ordentlieheu I^rofessor der Zoologie und Dirertor des zoologi.schon 
Instituts an dar Universitt Marburg. I'rivatdocent der Sledicin 
Dr. Adolf l^aginsky von der Berliner Universitt zum ausser- 
ordentlichen Professor. Ausserordentli(dier Professor I>r. Helm 
an der technis<dien Hochscliule in Dresden zum ordentlichen Pro- 
fessor der Geometrie, analytischen iMi.ichanilc un<l mathematischen 
Physik. Privatducent Dr. Bayer zum ausserortlentlicheu Pro- 
fessor der Chirurgie an der deutschen t^niversitt Prag. I-'rivat- 
docent Lachtin an der Universitt Moskau zum stellvertretendi'n 
ausserordentlichen IVofessor (h'r reinen Mathematik an der Uni- 
versitt Dorpat. 

Es habilitirten sich: Dr. Groenouw an der medic. I*\icultt 
der Universitt Breslau. Professor Dr. Simonkai an der Uni- 
versitt Budapest fr Pflanzeugeographie. 

Dr. Karl Kiemann ist Assistent an der mini'ralogischen 
Abtheilung der Universitt zu Kiel geworden. 

Es ist gestorben: Hofrath Professor Stefan. Director des 
physikalischen Instituts in Wien. 



L i 1 1 e r a t u r. 

Dr. Theodor Jaenscli, Aus Urdas Born, Schilderungen und Be- 
trachtungen im Lichte der lieutigen Leb(uisforscIiung. Berlin, 
Verlag des Vereins der Bcherfreunde, 1892. Pi-eis 5 Mk. 
Der 283 Seiten starke Band ist naturwissenschaftlichen In- 
haltes es ist nthig, dies ausdrcklich zu sagen, da der Titel 
ein so merkwrdiger ist, dass die meisten Leser desselben aus 
ihm allein nicht auf den Inhalt des Buches sehliessen knnen. 
Auch selbst solche, denen deutsche Mythologie kein fremdes Feld 
ist, mssten sieh er.st berlegen, was wohl Aus Urdas Born" 
enthalten knnte am hutigsten drfte man darauf verfallen, 
dahinter eine altnordische Sage zu vermuthen. Die einzelnen 
Kapitel Tainienbaum; Herbstlaub; Vorr.ithskannnern im 
Prtanzenrciclie; Schaurohr -Forschung; Lebendige Wegweiser; 
Ameisenbumi- ; Zeugewechsel; Lebensgemeinschaften; Unsterb- 
lichkeit behandeln mehr oder minder allgemein interessirende 
naturwissenschaftliche Themata, welche dem Leser manches 
Wissenswerthe bieten zumal wenn er sich erst an die Dar- 
stellung gewhnt hat , indessen schon in anderen populr- 
wissenschaftliehen Werken verstndlicher und umfassender be- 
handelt worden sind. Eine Merkwrdigkeit des Buches ist die 
denkbar weitest getrieljene Verdeutschung aller nur irgend in 
dem Gerche des Nichtdeutschseins stehenden, sonst aber all- 
gemein bekannten wissenschaftlichen Ausdrcke. Dass hierdurch 
das Verstndniss wesentlich gefrdert wrde, kann nicht behauptet 
werden; im Gegentheil wird vieles geradezu nicht leicht ver- 
stndlich. Das hat der Herr Verfasser denn auch selbst ein- 
gesehen und, des Verstndnisses wegen, hat er dort, wo es ohne 
die grulichen Fremdwrter nicht zu machen war, dieselben, 
zwischen nsefiisschen eingepfercht, im Texte selbst oder als 
Anmerkungen gebracht. Trotz dieser eifrigen Fremdwrterver- 
folgung ist dem Herrn Verfasser aber gleich in seiner einleitenden 
Sage vom Tannenbaum das Malheur passirt, ein ganz unver- 
flschtes Fremdwort zu gebrauchen: Rings um ihn standen 
Kameraden, ltere und jngere" etc Htte Genossen" nicht 
mindestens ebenso gut geklungenV! Auch weiter im Werke 
macht er sich derselben Ketzerei schuldig, indem er von Ge- 
bilden der Phantasie" (S. 80), Krystalle" (S. !S1), ,Ein bo- 
tanisches Mrchen' (Inhaltsangabe), Phosphor", K aliu m", 
Calcium", Magnesium" (S. 37), Teleskop, Mikroskop" 
(S. 58 u. a.J, Cordia nodosa". Myrmek^od ia" (S. 113), 
Siredon pisciformis" (.S. 124), Pro tomonas," V ampy - 
rella" (p. 25i!) etc. etc. erzhlt, ohne diese Bsewicliter durch 
die bewachenden Gnsefsschen von den guten deuts(dien Aus- 
drcken zu scheiden. Ob als Einleitung zu einem naturwissen- 



schaftlichen Werke, selbst wenn dasselbe populr gehalten ist, 
ein Mrchen passt, lassen wir dahin gestellt. Der Verfasser be- 
tont in der Einleitung zuweilen Dinge, die ganz selbstverstndlich 
sind z. B. S. XIII: . . . . Doch habe ich wenigstens dafr ge- 
sorgt, dass einer und derselbe Gegenstand nie mehr als an einer 
Stelle ausfhrlich errtert worden ist." Welchen Eindruck das 
Folgende auf einen niicditernen Leser, der sich ber naturwissen- 
schaftliche Dinge unterrichten will, macht, mag jc^ler an sich 
prfen: Zum Schluss: Ich habe deutsch geschrieben. Nicht bloss 
als Deutscher und fr deutsche Leser, sondern auch, weil ich 
weiss, dass sich fr Das, was im Denken wirklich klar geworden 
ist, in jeder Spracdie ein triftiger Ausdruck finden lsst." Der 
Schlusssatz der Einleitung lautet: Zudem halte ich Einheit des 
Stiles in der Sprache fr keine mindere Geschmacksforderung denn 
in der Kunst." Da drften unsere Klassiker fortan wirklich zu 
bedauern sein! 

Wie sehr der Verfasser dem Laien, fr welchen doch allein 
sein Buch berechnet ist, das Verstndniss erschwert, beweist er 
bei der Besijrechung der Thtigkeit des Chlorophylls besser 
Chlorophyllkrner. Auf Seite :> spricht er von unzhligen win- 
zigen Hei fern des Baumes, echten Sonnenkindern, die beraus 
Heissig sind, aber winzig klein, lieschreibt hchst poetisch ihre 
Thtigkeit und ihr Knnen und bricht nach beinahe zwei Siuten 
(S. 6 unten), ohne auch nur ihren wirklichen Namen zu verrathen, 
ganz davon ab. Da soll nun der Laie sich belehren! Eine min- 
destens ungebruchliche Redewendung drfte der folgende Satz 
enthalten (S. 451): nur sind die in ihm abgelagerton Stotie 
schon vor der Samenreife gnzlich in die Keimbltter berge- 
gangen; als welche denn auch den weitaus mchtigsten Tlieil 
des Keimlings darstellen". Recht stark poetisch klingt auf Seite U) 
der Satz: ,,Es wrde neues Leben sich durchtiuthen fhlen, und 
wachsen, und schwellen" etc. Eigenthmlich sind auch die fol- 
genden Ausdrcke: Der Blthenstaub erhebt sich als leises 
Wlkchen" (S. 9); verstorbene Landschaft" (S. 13); lebensbild- 
same Formen" (S. 44); bei ihrer sonstigen Eigiuing fr den 
fraglichen Zweck" (S. 36); Schneidung" (S. 62); Kai-, kalk-, 
talkstotf- u. s. w. -haltige Stoffe" (S. 38). Wie Druckfehler, welche 
der Correctur entschlpft sind, lesen sich Wrter, wie verstunden" 
(S. 12), gewohn" (S. 13), Zerstrwerk" (S.30), erfahrnissig" (S.52). 
Dass die genauesten Uebersetzungen oft recht komisch klingen, 
mindestens aber bisweilen dem Leser schwerer verstndlich sein 
knnen, als die Fremdwrter selbst, beweisen die folgenden: 
zwischenvolklich" fr international; stofflieitliche" fr <;hemi.sche 
Untersuchung; Ohnblthler" fr Kryptogamen ; barsichtig und 
unbarsichtig" fr nuxkroskopisch und mikroskopisch, Schlicht- 
gewebe" fr Parenchyni. Die Bezeichnung Keimlappen" fr 
Kotyledonen ist anti([uirt, eine bessere Einsieht sagt Keimbltter. 

Dr. Kaunhowen. 



Dr. Fried. Dreyer, Ziele und Wege biologischer Forschung 

beleuchtet an der Hand einer Gerstbildungsmechanik. Mit G 

lithogr. Tafeln. Verlag von Gustav Fischer in Jena. 1892. 

Ueber den interessanten Inhalt der vorliegenden Arbeit wird 

der Herr Verfasser in einem besonderen Artikel in der Naturw. 

Wochenschr." selbst berichten; wir beschrnken uns daher an 

dieser Stelle mit einer Anzeige des Heftes. 



Prof. Dr. H. F. Kessler, Die Ausbreitung der Reblauskrank- 
heit in Deutsehland und derc'n l!ekm]jfung uuter Benutzung 
von amtliehen Schriftstcken beleuchtet. Berlin, Verlag von 
R. Friedlnder u. Sohn, 1892. - Preis 80 Pf. 

Der Verfasser giebt in diesem Schriftehen nach einer Ein- 
leitung, welche die Entstehung der Furcht vor der Reblaus be- 
handelt, einen historischen Ueberblick ber die ursprnglichen 
Ansichten ber die Ausbreitung der Reblauskraukheit in Deutsch- 
land, beschreibt dann die Eig-iMisehaften der Reblaus sowie die 
Vorgnge bei der Ernhrung und dem Wachsthum der Rebe und 
schildert die Ausbreitung der Reblaus in Deutschland. Dem 
grssten Theil des Schriftchens sind die Darlegungen zur Abwehr 
des Rebenfeindes gewidmet. Der Verfasser ist ein Gegner der 
Verwstungsarbeiten, welche seit einem Vierteljahrhundert behufs 
Vertilgung der Reblaus betrieben werden. Diese haben fr das 
Deutsehe Reich ungeheure Geldkosten verursacht und sind fr 
den Weinbau viel schdlicher als ntzlich gewesen. Thatschlich 
ist die Reblausgefahr in Deutsehland, zumal am Rhein, nur ge- 
ring. Der inticirten Stcke sind wenige, und kerngesunde Stcke 
leiden gar nicht trotz der Nachbarschaft mehr oder weniger be- 
fallenei-i Die bisherig<'n Anschauungen ber die Bekmpfung der 
Reblaus mssen sieh ndern. Das Schriftchen setzt sich haupt- 
schlich aus Berichten von Sachverstndigen zusammen. Kolbe. 



18 



Naturwisseuschaftlicbe Wochenschrift. 



Nv. 2. 



H. von Helmholtz. Handbucli der physiologischen Optik. 

Zweite luiiniMrlioit'-'fe Auri:ini> Sii beute Liet'enmg. Verlag 
von Leopold Voss. Hamburg und Leipzig 18'J2. Preis 3 Mk. 
Von der zweiten Auflage des klassisehen v. Hehnholtz'sehen 
Handbuches der pliy.siologischen Optik, dessen frhere Lii-t'erungen 
einer eingehenden Besprechung in dieser Zeitschrift gewrdigt 
worden sind, ist nunmehr bereits die siebente Lieferung er- 
schienen, welche die SS 22, 23 und zum Theil 24 enthlt. 22 
handelt von der Dauer der Lichtempfindung", speciell von schnell 
wiederholten Eindrcken, von den Zeitbestinnnungen der Dauer, 
vom Farbenkreisel, dem Anorthoskop und den stroboskopischen 
Apparaten, wobei auch die jetzt so bekannten und beliebten 
Monientphotographien von Muybridge und Ansehiitz Bercksich- 
tigung gefunden haben. In 23, Vernderungen der Reizbarkeit" 
betitelt, werden die positiven, negativen und farbigen Nachbilder 
sowie die flimmernden Scheiben" eingehend untersucht; neu ist 
hier insbesondere die Errterung des zeitlichen Verlaufes eines 
durch constante Beleuchtung erzeugton Eindruckes und der dies- 
bezglichen Versuche von Exner. 24 endlieh enthlt die Lehre 
vom successiven und simultanen Contraste ; in der Behandlung 
des simultanen Contrastes bringt die zweite Auflage neben viel- 
fachen Umarbi'itungen und zweckmssigen Umstellungen eben- 
falls manches Neue wie z. B. den auffallenden Einfluss schwchster 
Grenzlinien. Dr. G. Wallenberg. 

Dr. Josef Maria Eder, Recepte und Tabellen fr Photographie 
und Repi'oductionstechnik, welche an der k. k. Lehr- und 
Versuchsanstalt fr Photographie und Keproductionsverfahren in 
Wien angewendet werden. 3. Aufl. Verlag von Wilhelm Knapp. 
Halle a. d. S. 1892. Preis 2 Mk. 

Wenn es mglich war, in der whrend der letzten 10 Jahre 
so berreich angewachsenen Litteratur auf dem Gebiete der Licht- 
bildnerei und verwandter Zweige noch eine Lcke zu entdecken, 
so konnte ihre Ausfllung keine berufenere Hnde finden, als die 
des bewhrten Autors. 

Das vorliegende Bchlein bringt in gedrngter, aber sehr 
bersichtlicher Form alle sonst nur in umfangreichen Werken 
zerstreuten, ungemein verstndlich geschriebenen Angaben ber 
alle mglichen Verfahren im Belichtungs-, Entwickelungs- und 
Druckprozess bis herab zum Klebemittel, wie solche an der k. k. 
Lehr- und Vei-sucbsanstalt fr Photographie und Keproductions- 
verfahren in W^iei\ lur Verwendung gelangen, und wird namentlich 
fr die Anwendung der Photographie auf dem weitverzweigten 
und schwierigen Gebiet der Wissenschaften von grossem Nutzen 
sein. Von diesem Gesichtspunkte aus drften auch die angefgten 
optischen und chemischen Tabellen in manchen Fllen gute 
Dienste leisten. Ptz. 



A. Palaz, Traite de Photometrie industrielle specialement ap- 
pliquee l'eclairage electrique. (ieorges Carrc, Paris 181)2. 

Der Aufschwung der Beleuchtungsindustrie und der Wett- 
kampf zwischen den verschiedenen Beleuchtungsarten haben auch 
eine Steigerung der Ansprche an die Photometrie im Gefolge 
gehabt, welche eine wesentliche Aenderung bezw. Verfeinerung 
der photometrischen Methoden hervorgerufen haben. Die Photo- 
metrie ist durch die sehr vielseitigen Anstrengungen zu einem 
ungemein wichtigen Gebiet geworden, und die Kenutniss der ver- 
schiedenen Photometer und ihrer Anwendung ist fr den mit der 
Installation oder der Kontrolle von Beleuchtungsapparaten beauf- 
tragten Ingenieur ein unabweisbares Erforderniss. 

Speciell fr die photometrischeu Aufgaben bezw. Apparate, 
welche bei elektrischen Beleuchtungsanlagen in Betracht kommen, 
besitzen wir in Deutschland das kleine W^erk von Krss, die 
elektrotechnische Photometrie; aber dasselbe ist doch bereits 
wesentlich veraltet (erschien 18S5), und ber die ganz erheblichen 
Fortschritte, die zahlreichen Verbesserungen und die feinen neuen 
Methoden, welche die Bestrebungen der letzten Jahre gezeitigt 
haben, muss der Interessent sieh in den verschiedensten Werken, 
Journalen und Gesellschaftssshriften unterrichten, whrend er doch 
eines sicheren und zuverlssigen Nachschlagewerkes dringeml 
bedarf. 

Diesem Bedrfniss kommt dass der Besprechung unterliegende 
Werk des Herrn Pahiz, welcher als Professor fr industrielle 
Elektricitt an der Universitt Lausanne thtig und durch seine 



Aufstze ber die elektrotechnische Photometrie in der Zeitschrift 
La Lumiere electrique" bekannt ist, in durchweg befriedigender 
Weise entgegen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass dieses Werk 
allen denen, die sich mit den schwii'rigeren Fragen des Beleuch- 
tungswesens (nicht nur der elektrischen Beleuchtung) zu beschf- 
tigen haben, gute Dienste leisten wird. Die Behandlung des 
Stoft'es ist eine durchaus sacligemsso, und die einzelnen Kapitel 
sind .sehr vollstndig. Dass dem Werke zahlreiche Abbildungen 
beigegeben sind, ist bei der Art des behandelten Stottes selbst- 
verstndli(di; ungemein wichtig und sehr ntzlich .sind die biblio- 
graphischen Angaben, die in Form von Fussnoten dem Texte 
beigefgt sind. Kurz: das Werk drfti' nach allem auch in 
Deutschland weite A^erbreitung finden. Es erscheint uns sogar 
wahrscheinlich, dass sich das Bedrfniss nach einer deutschen 
Uebersetzung oder freieren Bearbeitung des Palaz'schen Werkes 



herausstellen wird. 



G. 



Zeitschrift fr 
Heft IV. ~ Aussei 



Ethnologie. 24. Jahrgang, Berlin, 1892. 

vielen kleineren Mittlieilungen bringt das 
Heft einen Haupt- Artikel: Dr. S. Weissenberg, Beitrag zur 
Anthropologie der Turkvlker, Baschkiren und Meschtcherjaken 
(mit einer Tafel). 

Verhandlungen des Botanischen Vereins der Provinz Branden- 
burg. 33. Jahrgang. 1891. Berlin 1892. Der Band enthlt 
Beitrge von Abromeit, Altmann, Ascherson, Bauni- 
gartuer, Beyer, Bolle, Druce, Geisenhoy ner, Gurke, 
Hennings, Jacobascii, Koehne, Ernst H. L. Krause, 
G. Lehmann, Loesener, Loew, Magnus, 
Retzdorff, Koedel, Ruthe, Scheppicli, 
Seemen, Taubert, J. Winkelmann, 
Wittmack. 



Moewes, Fax, 
S e e h a u s , von 
W i n k 1 e r und 



8 M. 
Leipzig. 



Pinner, A., Die Imidother und ihre Derivate. Berlin. 
Rawitz, B., Compendium der vergleichenden Anatomie. 

b M. 

Regel, F., Thringen. I. Jena. 9 M. 
Reis, P., Elemente der Physik, Meterologie und mathematischen 

tii'Ographie. 5. Aufl. Leipzig. 4,50 M. 
Reye, Th., Geometrie der Lage. 3. Aufl. Leipzig. 9 M. 
Reyer. E., Geologische und geographische Experimente. Leipzig. 

1,80 M. 
Rogel, F., Zur Theorie der hheren Integrale. Prag. 0,40 M. 
Rubner, M., Lehrbuch der Hygiene. 4. Aufl. Wien. 22,50 M. 
Sachs, J., Gesammelte Abhandlungen ber Pflanzen-Physiologie. 

Leijizig. 16 M. 
Schmaus, H., Grundriss der pathologischen Anatomie. Wiesbaden. 

1-J M. 
Schultze, E., Amphibia europaea. Leipzig. 0,50 M. 
Schumann, K., Morphologische Studien. Leipzig. 10 M. 
Spencer, H., Svstem der synthetischen Philosophie. Stuttgart. 

S M. 
Stevens, H. V., Materialien zur Kenntniss der wilden Stmme 

auf der Halbinsel Malaka. Berlin. 10 M. 
Teixeira, M F. G., Remarques sur l'emploi de la fonction (u) 

dans la theorie des fonctions ellipti<|ues. Prag. 0,10 M. 
Toula, F., Zwei neue Sugethierfundorte auf der Balkanhalbinsel. 

Leiiizig. 0,70 M. 
Weber's, W., Werke. Berlin. 34 M. 
Weinert. H., Die Grundbegriife der Chemie. Braunschweig. 

(I..-10 M. 
Weismann, A., Die Continuitt des Keimplasmas als Grundlage 

einer Theorie der Vererbung. 2. Aufl. Jena. 2,50 M. 
WUser, L., Die Vererbung der geistigen Eigenschaften. Heidel- 
berg. 1 .M. 
Windisch, K., Die Bestimmung des Molekulargewichts in theo- 
retischer und praktischer Beziehung. Berlin. 12 M. 
Wittwer, W. G., Grundzge der Molecular-Physik und der mathe- 

iuatis(dii-n Chemie. 2. Aufl. Stuttgart. 6 M. 
Wundt, W., Hypnotisnius und Suggestion. Leipzig. 1,50 M. 
Zschokke, E., Weitere Untersuchungen ber das Verhltniss 

der Knochenbildung zur Statik und Mechanik des Vertebraten- 

Skelettes. Zrich. 8 M. 



Inhalt: Dr. Otto Kuntze: Botanische Excur.sion durch die Pampas und Monte-Formationen nach den Conlilleren. (Fortsetzung.) 
Zur Verbreitung, Biologie und Geschichte von Hex Aquifolium L. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: 
Dr. Theodor Jaensch: Aus Urdas Born. Dr. Fried. Dreyer: Ziele und Wege biologischer Forschung. Prof. Dr. 
H. F. Kessler: Die Ausbreitung der Reblauskrankheit in Deutschland. H. von Helmholtz: Handbuch der physiologischen 
Optik. Dr. Josef Maria Eder: Recepte und Tabellen fr Photographie und Reproductionstechnik. A. Palaz: Traite 
de Photometrie industrielle specialement appliquee :i Teclairage electrique. Zeitschrift fr Ethnologie. Verhandlungen des 
Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg. Liste. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein. Berlin SW. 12. 




^^ Redaktion: 7 Dr. H. Potonie. 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. 



Sonntiig, den 15. Januar 1898. 



Nr. 



3. 



Abonnement: Man abonnirt bei allen liuchhandUingen und Post- 
anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jt 'i. 
Bringegeld bei der Post 15 -^j extra. 



1^ 



Inserate: Die vicrgespaltene Petitzeile 40 -A. Grssere Auftrge ent- 

spiecheiulcn Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannalime 

bei allen Aunocenbureauj, wie bei der Expedition. 



Abdruck ist nnr mit vollstndiger ({nellenaii)j;abc gestattet. 



Werner von Siemens. 



(t 6. Dezember 1892.) 



Noch kurz vor der Jahreswende hat der Tod einen 
von Deutschlands grossen Mnnern abberufen. Werner 
von .Siemens, der Altmeister der Elektrotechnik, hat im 
fast vollendeten 7G. Lebens- 
jahr nach einem an Arbeit 
und Erfolgen gleich reichen 
Leben die Augen zum 



gen Schlummer 



ewi- 
?eschlossen. 
Die Nachwelt kann es als 
eine gndige Fgung des 
Schicksals betrachten, dass 
sein letztes Werk noch seine 
Autobiographie sein durfte. 
Der grosse Forscher ahnte 
freilich nicht, als er auf 
seiner lauschigen Villa bei 
Harzburg die Lebenserinue- 
rungcn" schrieb, dass sie 
sein Nekrolog werden sollten. 
Am nrdlichen Abhnge 
des Harzes hausten Siemens' 
Vorfahren seit dem dreissig- 
Jhrigcn Krieg als eine an- 
gesehene Familie. Sein Vater, 
ein hochgebildeter und kluger 
Mann, der auf der alten 
Frstenschule zu Ilfeld und 
spter auf der Universitt 
Gttingen sich ein reiches 
Wissen angeeignet hatte, war 
dem von den Vtern ererb- 
ten Beruf eines Landwirthes 

treu geblieben. Im .Jahre 1816, in dem ihm am 13. De- 
cember sein Sohn Werner geboren wurde, hatte er das 
Gut Lenthe bei Hannover gejiachtet. Einige Jalire spter 
aber vertauschte er diesen AVohnsitz gegen die grossherzog- 
liche Domaine Menzendorf im Frstcnthum Katzeburg, 




weil ihm die Verhltnisse auf Lenthe unertrglich wurden. 
Immerhin lernte Werner trotz seiner Jugend die Zustnde 
in der damaligen Kniglich grossbritannischen Provinz 

Hannover" kennen und viel- 
leicht verachten. Einst hatte 
sich ein Rudel Hirsche in 
Lenthe auf den Gutshof ver- 
irrt. Vater Siemens, wohlbe- 
kannt mit den strengen Jagd- 
gesetzen, Hess die Thiere in 
einen Stall treiben und sandte 
einen Boten mit entsprechen- 
der Meldung nach Hannover. 
Sofort erschien auf dem Gut 
eine grosse Unter.^uchungs- 
kominission, welche die wider 
ihren Willen vergewaltigten 
Hirsche in Freiheit setzte und 
den alten Siemens ob des ver- 
bten Jagdfrevels mit einer 
hohen Geldstrafe belegte. 
Vorflle und die 
der 
unter den Strmen der fran- 
zsischen Revolution aufge- 
wachsen war, erweckten fndi- 
zeitig den Wunsch in dem 
Knaben, sein deutsches Vater- 
land einst einig, stark und 
mchtig zu sehen und diesem 
Vaterlande ein tchtiger Sohn 
zu werden. 
Die Zeit in Menzendorf preist Siemens als die glck- 
lichste seiner Jugend. Hier durften er und seine Ge- 
schwister ungebunden mit den Altersgenossen aus dem 
Dorfc in l'\'ld um! Wah 



Derartige 

Erzhlungen des Vaters 



Freiheit der Kinderjahrc 



iiinherscinveifen und die goldene 
so recht genicssen. Diese Frei- 



20 



Natui-wisseDsehaftliche Wocbensclirift. 



Nr. 3. 



lieit wurde erst eingescbi-ukt, als der erste Unterriebt 
begann, der zuncbst von der alten Grossmutter und spter 
ein balbes Jahr laug vom Vater ertbeilt wurde. Den 
elfjbrigen Werner finden wir sodann auf der Brger- 
schule zu Sebnherg wieder, die er jedoch nur kurze 
Zeit besuchte. Ostern 1828, als Werner elf und ein halbes 
Jahr alt war, nahm Vater Siemens seinen Kindern einen 
Hauslehrer. Dieser Mann, Namens Sponholz, verstand in 
vortrefflicher Weise auf seine Zglinge einzuwirken. 
In mir erweckte er", so schreibt Simens von ihm, das 
nie erloschene Gefhl der Freude au ntzlicher Arbeit und 
den ehrgeizigen Trieb, sie wirklich zu leisten." Ein frher 
Tod setzte dem Wirken Sponholz' ein Ziel. Sein Nach- 
folger, ein alter gedienter Hauslehrer aus adeligen 
Famiben vermochte ihn nicht zu ersetzen, und als auch 
dieser starb, brachte man Werner und seinen Bruder auf 
das Catbarineum zu Lbeck; Werner kam nach Uber- 
und Hans nach Untertertia. Der Ruf dieser Schule als 
gelehrte Schule war damals ein ausgezeichneter, aber 
gerade die alten Sprachen, die den wesentbchsten Theil 
des Unterrichts ausmachten, vermochten Siemens nicht 
zu fesseln. Die alten Sprachen", schreibt er, fielen mir 
recht schwer, weil mir die schulgerechte feste Grundlage 
fehlte. So sehr mich das Studium der Klassiker auch 
interessirte und anregte, so sehr war mir das Erlernen 
der grammatischen Regeln, bei denen es nichts zu denken 
und zu erkennen gab, zuwider. Ich arbeitete mich zwar 
in den beiden folgenden Jahren gewissenhaft bis zur 
Versetzung nach Prima durch, sah aber doch, dass ich 
im Studium der alten .Sprachen keine l'>efriedigung finden 
wrde". Deshalb vertauschte er das (iriechische gegen 
Mathematik und Feldniessen, um sich in geeigneter Weise 
auf das Baufach, das einzige technische Fach jener Zeit, 
vorzubereiten. 1834 verliess Siemens als Trimaner das Gym- 
nasium. Seinen Wunsch, die Bauakademie in Berlin zu 
beziehen, musste er aus Mangel an Mitteln aufgeben; 
statt dessen beschloss er auf den Rath eines seiner Lehrer, 
eines ehemaligen Artillerieoffiziers, in das preussische 
Ingenieurcorps einzutreten!, in der Hoffnung, sieh dort 
dieselben Kenntnisse erwerben zu knnen wie auf der 
Bauakademie. 

So zog denn der siebenzehnjhrige Jngling nach 
einem schweren Abschied von der lleiniath mit froher 
Zuversiebt und ziemlieh beschrnkten Mitteln nach Berlin, 
jedoch nur um eine abermalige Enttuschung zu erfahren. 
Das Ingenieurcorps war berfllt und die Aussiebt auf 
Aenderuug dieser Zustnde lag in weiter Ferne. Ein 
Versuch, bei der nchstverwandten Truppengattung, der 
Artillerie, anzukommen, hatte endlich Erfolg. Nach 
einer dreimonatlichen Vorbereitung bestand Siemens die 
Eintrittsprfung, der dann unmittelbar der Eintritt hei der 
preussischen Artillerie in Mageburg folgte. 

Obwohl die Thtigkeit, die ihn hier erwartete, herz- 
lieh wenig gemein liatte mit den Idealen, die ihn von 
der Schulbank nach Berlin gelockt hatten, warf sich 
Siemens doch mit der ihm eigenen Energie dem neuen 
Beruf in die Arme. Ich denke", so sagt er, ..an meine 
Rekrutenzeit trotz der grossen mit ihr verknpften An- 
strengungen, sowie grober und scheinbar harter Behand- 
lung durch die Exerciermcister n((ch heute mit Vergngen 
zurck. Die (irobheit ist Manier und ist nicht mit krn- 
kender Absicht verbunden. Sie geht daher auch nicht 
zu Herzen, bat im Gegentheil etwas AuftVischendes und 
Anregendes, namentlich, wenn sie mit Humor verknpft 
ist, wie es bei den berhmt gewordenen Mustern milit- 
rischer Grobheit fast immer der Fall war. Ist der Dienst 
vorbei, so ist die Grobheit vergessen und das kamerad- 
schaftliche Gefhl tritt wieder in sein Recht." 

Vermge seiner hohen tecbnischeu Begabung, deren er 



sich in dieser Zeit allmhlich bewusst wurde, war es 
Siemens ein Leichtes, den an ihn gestellten Anforderungen 
zu gengen. Schon das folgende Jahr brachte ihm das 
beiss ersehnte dreijhrige Commando zur vereinigten Ar- 
tillerie^ und Ingenieurschule in Berlin. Endlich sollte ihm 
nun Gelegenheit gegeben werden, Ntzliches zu lernen". 
Er war ein eifriger Schler und bestand in diesen Jahren 
glcklich, wenn auch ohne Auszeichnung, das Fhnrich-, 
das Armeeofficier- und das Artillerieofficicrexamen. So 
viel wie mglich aber widmete er seine Zeit seinen 
drei Lieblingsdisciplinen-, Mathematik, Physik und Chemie. 
Ohm, Magnus und Erdmann verstanden es, dem jungen 
Mann ein reges Interesse fr ihre Wissenschaften einzu- 
flssen, ein Interesse, das je mehr an Alter, desto mehr auch 
an Intensitt zunahm. Daneben pflegte er einen frhlichen 
kameradschaftliehen Verkehr mit Seinesgleichen, und dass 
es nicht an manch heitrer Stunde fehlte, in der der ju- 
gendliche el)ernuith bersprudelte, bezeugen die Pauke- 
reien und Duelle, deren Zahl nicht gerade gering war. 

In seine Garnison Magdeburg zurckgekehrt, setzte 
der nunmehrige Artillerielieutenant seine wissenschaft- 
lich-technischen Studien und Versuche fort. Sein Vetter, 
ein hannoverscher Artillerieofficier, hatte damals die ersten 
Versuche mit Frictionsschlagrbren gemacht. Siemens 
erkannte die Wichtigkeit dieser Frage und bescbbiss, selbst 
an der Lsung derselben zu arbeiten. Der ihm zu Ge- 
bote stehende Apparat war freilich primitivster Art. In 
einer Pomadenkruke rhrte er mit einem Streichholz einen 
Brei von Phosphor mit chlorsaurem Kali zusammen und 
verwahrte, als ihn der Dienst rief, das Ganze am khlen 
Fenster. Nach Hause zurckgekehrt fand er die gefhr- 
liche Mischung zwar noch am selben Orte vor, beim Be- 
rhren des Streichholzes aber explodirtc die Masse unter 
heftiger Detonation. Der Boden der Kruke sass tief im 
Fensterbrett, whrend alles andere als feiner Staub im 
Zimmer herumwirbelte. Der Bursche hatte beim Auf- 
rumen des Zimmers die Kruke in die Ofenrhre gesetzt 
und dadurch ein mehrstndiges Trocknen des Prparats 
verursacht. Dem khnen Experten trug dieser Versuch 
eine Quetschung der Hand und eine Zerreissung des rechten 
Trommelfells ein. 

Das Jahr 1840 wurde fr Siemens ein an Ereignissen 
besonders reiches. Zunchst brachte es ihm die Versetzung 
nach Wittenberg, wo er die Leiden und Freuden einer 
kleinen Garnison kennen lernte. Sodann fhrte es ihn 
zurck nach Magdeburg, das heisst nicht in die Garnison, 
sondern in die Citadelle, und zwar zur Verbssung einer 
fnfjhrigen Festungsstrafe wegen Tbeilnabme als Se- 
kundant an einem Duell. Hier hinter den vergitterten 
Fenstern seiner gerumigen Zelle hatte er Jlusse genug 
fr seine Forschungen. Jacobi's Erfindung, das Kupfer 
aus seinen Lsungen durch den galvanischen Strom me- 
tallisch niederzuschlagen, veranlasste Siemens, diesen 
Versuch nachzumachen und nachdem er ihm gelungen, auch 
andere ^letallhisungen dem galvanischen Strom zu unter- 
werfen. Das Resultat dieser Experimente war die Erfin- 
dung der galvanischen Vergdidung und Versilberung. 
Ich glaube", ussert er sich hierber, es war eine der 
grssten Freuden meines Lebens, als ein neusilberner 
Tbcelfl'el, den ich mit dem Zinkpole eines Danieirschen 
Elements verbunden in einen nt unterscbwcfligsaurer 
Goldlsung gefllten Becher tauchte, whrend der Kupfer- 
pol mit einem Louisdor als Anode verbunden war, sich 
schon in wenigen 3Iinuten in einen goldenen Ltfei \<n 
schnsten, reinsten (4oldglanze verwandebe." 

Vierzig Louisdor, um welchen Preis ein Magdeburger 
Juwelier ihm die Erlaubniss, nach dem Verfahren zu ar- 
beiten, allkaufte, und ein jireussisches Patent auf 5 Jahre 
waren die nchsten praktischen Erfolge fr Siemens. 



Nr. 



Nutufwipsensphaftliplie Wocliensclirift. 



21 



Bald darauf wurde er be^'iiadigt und zur Lustfeuorwerkerei 
nach Spandau kdimnandirt; von dort zur Artilleriewerk- 
statt in Berlin. 

Die pecunireu Verbltnisse des jungen Offiziers 
besserten sieh wesentlich, als es ihm gelang sein Patent 
fr galvanisciie Versilberung und Vergoldung an die Xeu- 
silbcrfabrik von J. Henuiger in Berlin zu verkaufen, und zwar 
gegen Gewinnantheil. Als erste und damals einzige Fabrik 
ihrer Art arbeitete dieselbe mit vielem Erfolg. Inzwischen 
hatte Wilhelm Siemens, Werners jngerer Bruder, den 
dieser nach der Eltern Tode zum tchtigen Maschinen- 
bauer hatte ausbilden lassen, in England eine neue 
Heimath gefunden. Beide Brder wirkten nun ge- 
meinsam. Was Werner in Deutschland erfand, verwer- 
thete Wilhelm, der gewiegte Geschftsmann, in England. 
So war es sein Verdienst, dass das Vergoldungspatent 
an eine englische Concurrcnzfirma fr l.")00 Pfund, eine 
fr damalige Zeiten ungeheure Summe, verussert wurde. 

In dieser Zeit trat l)ci Siemens eine Art Rckschlag 
ein. Das Bestreben durch neue Erfindungen und Verbes- 
serungen des Vorhandenen Erfolge zu erzielen, hatte eine 
rein wissenschaftliche Thtigkeit fast ganz in den Hinter- 
grund gedrngt. Siemens erkannte die grosse Gefahr, die 
das Jagen nach Erfindungi'n fr ihn mit sich brachte, und 
beschloss vollkommen mit der alten Thtigkeit zu brechen. 

Er belegte Oollegia an der Universitt und fand nament- 
lich in einem Kreise junger Naturforscher, deren Namen 
heute smmtlich mehr oder weniger hochangeseheu in der 
Wissenschaft dastehen, ausserordentliche Anregung. Diese 
Mnner waren du Bois-Reymond, Breke, Hclmholtz, 
(Uausius, Wiedemann, Ludwig, Beetz, Knoblauch. Mit 
ihnen grndete Siemens in jener Zeit die Physikalische 
Gesellschaft. 

Doch die Verhltnisse waren strker als mein Wille, 
und der mir angeborene Trieb , erworbene wissenschaft- 
liche Kenntnisse nicht schlummern zu lassen, sondern 
auch mglichst ntzlich anzuwenden, fhrte mich doch 
immer wieder zur Technik zurck. Und so ist es whrend 
meines ganzen Lebens geblieben. Meine Liebe gehrte 
stets der Wissenschaft als solcher, whrend meine 
Arbeiten und Leistungen meist auf dem Gebiete der 
Technik liegen." 

In der polytechnischen Gesellschaft, der er sieh als 
junger Offizier eifrig widmete, fand Siemens Gelegenheit 
sein Talent fr die Technik zu entfalten. Die L(isung und 
Diseussion der im Fragekasten gestellten Aufgaben bil- 
dete bald einen Theil seiner regelmssigen Thtigkeit 
und war fr ihn eine gute Schule. Durch seine Thtig- 
keit in dieser (Sesellschaft gelangte Siemens zu der 
Ueberzeugung, dass naturwissenschaftliche Kenntnisse und 
wissenschaftliehe Forschungsmetliode berufen wren, die 
Technik zu einer damals noch garnicht zu bersehenden 
Leistungsfhigkeit zu entwickeln. Er erkannte die dringende 
Nothwendigkeit, die unberbrckbare Kluft, die damals 
noch zwischen Wissenschaft und Technik herrschte zu 
beseitigen. 

Dieser hochwichtigen Periode entstammen auch die 
ersten litterarischen Arbeiten von Siemens. Sie zeigen 
zugleich, welcher Art die wissenschaftlich-technischen 
Fragen waren, die ihn damals beschftigten. Es sind 
dies ein Aufsatz .ber die Anwendung der erhitzten I^uft 
als Triebkraft" und ein zweiter ber die Anwendung 
des elektrischen Funkens zur (k'schwindigkeitsmessung." 
Zu jener Zeit wurden von Leonhardt im Auftrage des 
Generalstabs Versuche angestellt ber die Ersetzbarkeit 
der optischen Telegraphie durch elektrische. Siemens' 
Interesse fr elektrische Experimente fand durch Bethei- 
ligung an diesen Arbeiten lebhafte Anregung. Die Er- 
findung der selbstthtigen Stromunterbrechnng als Ver- 



besserung des Wheatstoneschen Zeigertelegraphen belohnte 
seine Arbeiten. Die Ausfhrung dieses neuen Zeigertele- 
graphen bertrug Siemens dem jungen Mechaniker Halske, 
musste ihn aber erst durch ein paar aus Cigarrenkisten, 
Weissblech, einigen Eisenstckchen und etwas isolirtem 
Kupferdiaht hergestellte selbstthtige Telegraphen von 
der Brauchbarkeit des Apparates berzeugen. Die 
Sicherheit, mit der diese improvisirten Telegraphen zu- 
sammen gingen und standen, begeisterte Halske der- 
maassen fr das neue System, dass er sich bereit erklrte, 
mit Siemens in Verbindung zu treten und sich ganz der 
Telegraphie zu widmen. 

Siemens erkannte die hohe Bedeutung der Tele- 
graphie klar; er fhlte sich auch in dieser neuen Thtig- 
keit in seinem rechten Fahrwasser und durfte, ermuthigt 
durch seinen ersten Erfolg, hoffen, sich hier einen Lebeus- 
beruf grnden zu knnen , der ihn zugleich in die Lage 
versetzte, seinen Verpfiiehtungen gegen diej'ngeren Brder 
gerecht zu werden. Mitten in diese l'lne hinein traf vn\ 
Ereigniss, welches ihn unvermittelt zwang, seinem Erfinder- 
geist ein anderes Gebiet zu erffnen. 

Durch Theilnahme an einer Demonstration fr den 
Fuhrer der freireligi(isen Bewegung in Berlin, den Pastor 
Johannes Ronge, gegen Reaction und Muckerthum", 
drohte Siemens die Aufhebung seines Commandos in 
Berlin und Zurckversetzung zu seiner Brigade. Gerade 
diese Maassregel aber durfte jetzt nicht zur Ausfhrung 
gelangen. 

Da fiel mir zum Glck die Schiessbaumwolle ein", 
erzhlt Siemens, .,die kurz vorher von ProfesS(n- Schn- 
l)ein in Basel erfunden, aber noch nicht brauchbar war. 
Es schien mir unzweifelhaft, dass sie sich so verbessern 
Hesse, dass sie militrisch anwendltar wrde. Ich ging 
daher sogleich zu meinem alten Lehrer Erdmann, Pro- 
fessor der Chemie an der Kgl. Thierarzneischule, trug 
ihm meine Noth vor und bat ihn um die Erlaultniss, in 
seinem Laboratorium Versuche mit Schiessbaumwolle an- 
stellen zu drfen. Er erlaubte es freundlich, und ich ging 
ans Werk. Ich hatte die Idee, dass man durch An- 
wendung strkerer Salpetersure und durch sorgfltigere 
Auswaschung und Neutralisirung ein besseres und weniger 
leicht zersetzbarcs Product erzielen kmne. Alle Versuche 
schlugen aber fehl, obschon ich rauchende Salpetersure 
hichster Concentration verwendete; es entstand immer ein 
schmieriges, leicht wieder zersetzbares Product. Als mir 
die hochconcentrirte Salpetersure ausgegangen war, suchte 
ich sie einmal bei einer Probe durch Zusatz von con- 
eentrirter Scliwefelsure zu verstrken und erhielt zu meiner 
Ueberraschung eine Sehicssbaumwolle von ganz anderen 
Eigenschaften. Sie war nach der Auswaschung weiss und 
fest wie die unvernderte Baumwolle und explodirte sehr 
energisch. Ich war glcklich, machte bis spt in die 
Nacht hinein eine ansehnliche Quantitt solcher Schiess- 
wolle und legte sie in den Trockenofen des Laboratoriums. 
Als ich nach kurzem Schlafe am frhen Morgen wieder 
ins Laboratorium kam, fand ich den Professor trauernd 
unter Trmmern in der Mitte des Zimmers stehen. Beim 
Heizen des Trockenofens hatte sich die Sehicssbaumwolle 
entzndet und den Ofen zerstrt. Ein Blick machte mir 
dies und zugleich das vollstndige Gelingen meiner Ver- 
suche klar. Der Professor, mit dem ich in meiner Freude 
im Zimmer herumzutanzen suchte, schien mich anfangs 
fr geistig gestrt zu halten. Es kostete mir Mhe, ihn 
zu beruhigen und zur schnellen Wiederaufnahme iler \'er- 
suche zu bewegen. Um 11 Uhr Morgens hatte ich schon 
ein ansehnliches Quantum tadelloser Sehicssbaumwolle 
wohlverpackt und schickte es mit einem dienstlichen Schrei- 
ben direct an den Krii'gsminister. Der Erfolg war gln- 
zend. Der Kriegsminister hatte in seinem grossen (Tarten 



22 



Naturwisseuschaftliclie Wochenschrift. 



Nr. 3. 



eine Sehiessprobe angestellt und, da sie brillant ausfiel, 
sofort die Spitzen des Ministeriums zu einem vollstndigen 
Probescliiessen mit Pistolen veranlasst. Noch an demselben 
Tage eriiielt ich eine officielle directe Ordre des Kriegs- 
ministers, mich zur Anstellung von Versuchen in grsserem 
Maassstabe zur Pulverfabrik nach Spandau zu begeben, 
die bereits angewiesen sei, mir dazu alle Mittel zur Ver- 
fgung zu stellen. Es ist wohl selten eine Eingabe im 
Kriegsministerium so schnell erledigt worden. Von meiner 
Versetzung war keine Rede mehr. Ich war bald der ein- 
zige von meinen Unglcksgefhrten, der erlin noch nicht 
hatte verlassen mssen. 

Ich hatte meinen Bericht ber meine Versuche in 
Spandau schon eingeschickt, als Professor Otto in Braun- 
sehweig meine Methode der Darstellung brauchbarer 
SchiesswoHe neu erfand und pubHeirte. Meine frhere 
Thatigkeit in der Sache und mein Bi'richt an das Kriegs- 
ministerium blieben natrlich geheim, und Otto gilt daher 
mit Recht als P^rfinder der brauchbaren Schiessbaumwolle, 
da er die Methode ihrer Herstellung zuerst verftentlicht 
hat. So ist es mir vielfach ergangen." 

Nachdem so die Gefahr der Versetzung in die Gar- 
nison glcklich beseitigt war, konnte Siemens sich aufs 
Neue ungestrt der Telegraphie widmen. Er sandte an 
den General Oetzel, den Chef der unter dem Generalstabe 
stehenden optischen Telegraphen, einen Berieht ber den 
damaligen Stand der Telegraphie und die zu erwartenden 
Verbesserungen, dessen Folge ein Commando zur Dienst- 
leistung bei der Commission des Generalstabes war, 
welche die Einfhrung der elektrisclien Telegraphen vor- 
bereiten sollte. 

In jenen Zeiten hielt man ofHen zu Tage liegende 
Telegraphenlinien fr unmglich, weil man ihre Zer- 
st(irung durch das Publicum befrchtete, und die unter- 
irdischen Leitungen wollten nicht in der gewnschten 
Weise functioniren, weil es an einem gei'igneten Isolir- 
mittel fehlte. Als solches fand Siemens die Guttapercha 
sehr geeignet, ein Material, welches damals zuerst auf 
dem englischen Markte erschienen und Siemens von seinem 
Bruder Wilhelm als Curiositt zugeschickt war. Mit Hlfe 
einer eigens dazu construirten Schraubenpresse gelang es 
ihm, die Guttapercha oime Naht um den Kupferdraht zu 
pressen, und im Jahre 1847 wurde die erste lngere unter- 
irdische Leitung von Berlin bis Grossbeeren mit derartig 
isolirten Drhten gelegt. Im selben Jahre grndete Siemens 
mit dem Mechaniker Halske in einem Hinterhause der 
Schnebergerstrasse eine Telegraphenbauanstalt, aus der 
das weltbekannte Etablissement von Siemens und Halske 
in Berlin mit seinen Zweiggeschften in fast allen Haupt- 
stdten Europas entstanden ist. Als offener Theilhaber 
wollte Siemens in das Geschft erst eintreten, sobald er 
seinen Abschied vom Militr hatte. Dass dieser nicht so 
schnell zu bewerkstelligen war, verschuldeten die Strme 
des Jahres 1848. Der 18. Mrz dieses Jahres machte der 
Thatigkeit der Telegraphencommission ein jhes Ende. 
Sie hrte auf zu arbeiten, ohne aufgelst, auch nursuspendin-t 
zu sein. Siemens war nun ohne dienstliche Thatigkeit und 
durfte doch seinen Abschied nicht nehmen, da ein aus- 
wrtiger Krieg unausbleiblich schien. 

Da trat wieder, wie so oft in meinem Leben'-, sagt 
Siemens, ein Ereigniss ein, das mir eine neue und schliess- 
lich fr mich gnstige Richtung gab." In Schleswig- 
Holstein war der Aufstand gegen Dnemark ausgebrochen, 
und der Stadt Kiel, dem Sitz der provisorischen Regie- 
rung, drohte von dnischer Seite ein Bombardement. 
Siemens kam auf den damals vollkommen neuen Gedanken, 
den Hafeneingang durch unterseeische Minen mit elek- 
trischer Zndung zu vertheidigen. Nachdem von Preussen 
der Krieg an Dnemark erklrt war, erhielt er die Er- 



lanbniss zur Ausfhrung seines Planes. Er verankerte 
grosse, wohlverpichte, mit Pulver gefllte und mit Zndern 
versehene Fsser vor dem Hafen, so dass sie circa 20 Fuss 
unter dem ^leeresspiegel schwebten. Die Zndleitungen 
wurden nach zwei gedeckten Punkten am Ufer gefhrt 
und der Stromlauf so geschaltet, dass eine Miiu^ explodiren 
musste, wenn an beiden Punkten gleichzeitig die Oontacte 
fr ihre Leitung geschlossen waren. Fr jede Mine wurden 
an den i)eiden Beobachtungsstellen Riehtstbe aufgestellt 
und die Instruction ertheilt, dass der Contact geschlossen 
wer<len msse, wenn ein feindliches Schiff' sich in der 
Richtlinie der betreffenden Stbe befinde, und so lange 
geschlossen bleiben msse, bis sich das Schiff' wieder voll- 
stndig ans der Richtlinie entfernt habe. Der Ei-folg 
war grossartig. Die zufllige Explosion einer Mine vor 
der Festung Friedrichsort flsste den Dnen einen so 
grossen Respect vor den Minen ein, dass Kiel trotz seiner 
schwachen Arniirung in beiden dnischen Feldzgen un- 
belstigt blieb. 

Siemens beklagt sich mit Recht, dass trotz dieser 
viel besprochenen Erfolge von militrischen Schriftstellern 
nicht ihm, sondern dem Proiessor Jaeobi in Petersburg 
die Erfindung der Unterseeminen zugeschrieben ist, obwohl 
dessen Versuche bei Kronstadt viele Jahre spter ausge- 
fhrt wurden, und Jaeobi selbst weit davon entfernt war, 
die Erfindung und die erste Ausfhrung im Kriege fr 
sich in Anspruch zu nehmen. 

Mit Beginn der Friedensunteihandlungen kehrte 
Siemens nach Berlin zurck, um seine wissenschattlich- 
technisclien Arbeiten fortzusetzen. Die Telegraphen-Com- 
mission war inzwischen auch formell aufgelst, und die 
Telegraphie dem Handelsministerium unterstellt. Trotz 
der wenig verlockenden Aussicht, einen Assessor zum 
^'orgesetzten zu bekommen, nahm Siemens ein Kommando 
zur Dienstleistung beim Handelsministerium an. Im Herbst 
desselben Jahres wurde die erste grssere Telegraphen- 
linie nicht nur Deutsehlands, sondern ganz Europas in 
Angriff' genummen und dank der Energie Siemens' schon 
im Winter 1849 dem Betrieb bergeben. Es war dies 
die Linie Berlin Frankfurt a. M. , der dann liald die 
Linie Berlin Kln folgte und deren Verlngerung bis 
Verviers in Belgien. Nach Vollendung dieser Arbeiten 
besehloss Siemens, endgltig aus dem Militr- und Staats- 
dienst auszuscheiden. Nach einer vierzehnjhrigen Dienst- 
zeit erhielt er seinen Abschied als Premierlieutenant, obwohl 
er bei den schlechten Befrderungsverhltnissen jener Zeit 
erst eben ber die Hlfte des Secondelieutenants hinaus 
war. Mit seinem Eintritt in die Firma begann eine Zeit 
usserst anstrengender Thatigkeit. Die Eisenbahnverwal- 
tungen erkannten den grossen praktischen Nutzen der 
Telegraphie, und entschlossen sich deshalb eine nach der 
andern zur Legung von telegraphischen Begleitlinieu. Trotz- 
de4ii fand er noch Zeit zu litterarischen Arbeiten; so erschien 
bereits im Anfang des Jahres 1850 eine umfangreiche Schrift 
Memoire sur la telegraphie electrique", in der Siemens 
seine bis dahin gesammelten Erfahrungen zusammen fasste, 
und auf Grund deren er von der Pariser Akademie der 
Wissenschaften in die Savants etrangers aufgenommen 
wurde. 

In der nun folgenden Zeit widmete sich Siemens im 
Wesentlichen dem Auslande. In erster Reihe galt es in 
Russland eine Anzahl grosser Linien zu schaffen, unter 
denen namentlich die Linie nach Sebastopol, zur Zeit des 
Krimkrieges in sechszehn Wochen hergestellt, seine ganze 
Thatkraft in Anspruch nahm. Es darf nicht unerwhnt 
bleiben, dass sich Siemens im Jahre 1852 auf seiner 
ersten Geschftsreise nach Russland in Knigsberg mit 
Mathilde Drumann verlobte. 

Im Jahre 1857 legte er sein erstes Tiefseekabel von 



Nr. 3. 



Naturwissenschaftliclie Wochensclii-ift. 



23 



Sardinien nach Bona in Algier. Im selben Jalire noch 
folgte die Linie durch das Rothc und Indische Meer von 
Suez bis Kurratschi in Indien, deren Lnge von 3000 
Seemeilen alles bisher Geleistote bertraf. Ein fr diese 
Linie construirtes und damals 7Aierst verwandtes System 
fhrt noch heute den Namen Rothes Meersystem." 

Die Zeit nach dem stcrreichisciicn Krieg charaktc- 
risirt Siemens mit folgenden ^^'orten: .,Magnetelectrischc 
Minenznder, electrisclic Distanzmesser, eleetrische Scliiffs- 
steuerung, um mit Sprengladung ausgerstete Boote olme 
Bemannung feindlichen Schificn entgegenzusteuern, sowie 
zahlreiche Verbesserungen der Militrtclcgraphie, waren 
Kinder dieser bewegten Zeit.'" Hierher gehiirt ferner die 
dynamo-electrische Maschine, welche die Grundlage eines 
grossen neuen hidustriezweigcs geworden ist und fast auf 
alle Gebiete der Technik belebend und umgestaltend ein- 
gewirkt hat und noch fortdauernd einwirkt." 

Das Jahr 1869 brachte den Plan und schon das 
folgende Jahr die Ausfhrung der ungeheuren, ber zehn- 
tausend Kilometer langen indoeuropischen Linie, auf der 
noch heute London und Kalkutta so schnell und sicher 
mit einander s|)recben wie zwei benachbarte Stationen. 

In den Anfang der siebziger Jahre fllt die Legung 
des ersten atlantischen Kabels zwischen Irland und den 
Vereinigten Staaten. Der eigens zu diesem Behufe ge- 
baute Kabcldampfer ..P"'araday" lste seine Aufgabe in 
zufriedenstellendster \\'eisc, obschon es nicht an kritischen 
Momenten bei der Legung des Kabels fehlte. Eines 
Tages erhielt Siemens die Nachricht, der Earaday sei 
zwischen Eisbergen zcrquetsclit und mit Mann und Maus 
untergegangen. Erst einige Tage hinterher erfuhr er, 
dass diese Nachricht unwahr uml nur ein Freundschafts- 
dienst seiner Gegner gewesen war. Jedenfalls war es 
eine harte Probe fr seine Selltstbehcrrschung, unmittel- 
bar nach dem Em{)fang dieser Nachricht in der Festsitzung 
der Berliner Akademie der Wissenschaften seine Antritts- 
rede halten zu mssen. 

eber diese ehrenvolle Auszeichnung, die vor ihm 
noch keinem 3Ianne der Technik zu Theil wurde, lircn 
wir ihn am besten selbst: 



..Wie mein Freund Du Bois-Reynumd, der als jiriisi- 
dircnder ..Sekretarius" der .Akademie meine Antrittsrede 
beantwortete, richtig hervorhob, gehrte ich nach Bean- 
lagung und Neigung in weit hherem Maasse der Wissen- 
schaft als der Technik an. Naturwissenschaftliche For- 
schung war meine erste, meine Jugendliebe, und sie hat 
auch Stand geiialten bis in das hohe Alter. Daneben 
habe ich fieilicli immer den Drang gefhlt, die natur- 
wissenschaftlichen Errungenschaften dem praktischen 
Leben nutzbar zu machen. Ich drckte das auch in 
meiner Antrittsrede aus, indem ich den Satz entwickelte, 
dass die Wissenschaft nicht ihrer selbst wegen bestehe 
zur Befriedigung des Wissensdranges der bcschrid^ten 
Zahl ihrer lickenner, sondei-n dass ihre Aufgabe die sei, 
den Schatz des Wissens und Krmnens des Mcnsdien- 
gcschlechts zu vergr("pssern und dasselbe dadurch einer 
hheren Kulturstufe zuzufhren." 

lieber die umfassende und vielseitige Thtigkcit in 
seinem Geschiiftslebcn, sowie ber seine wissenschaft- 
lichen Arbeiten, deren Zahl nach der .Vulnahme in die 
Akademie der Wissenschaften lietrchtlich wuchs, kann 
leider an dieser Stelle nicht ausfhrlich berichtet werden. 
Bis ans Ende seines wechselvollcn Lebens aber war Sie- 
mens ein rhriger Mitarbeiter an den Aufgaben der 
Gegenwart. 

..Ich begann," so schliesst er seine Schilderungen, 
.,die Niederschrift meiner Elrinnerungen mit dem biblischen 
Ausspruche: Unser Leben whret siebenzig Jahre, und 
wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre," und ich 
denke, sie wird gezeigt haben, dass auch der Schluss 
des Denkspruchs und wenn es kstlich gewesen ist, so 
ist es Mhe und Arbeit gewesen," sich an mir bewhrt 
hat, denn mein Leben war schn, weil es wesentlich er- 
folgreiche Mhe und ntzliche Arbeit war, und wenn ich 
der Trauer darber Ausdruck gebe, dass es seinem Ende 
entgegengeht, so bewegt mich dazu der Schmerz, dass 
ich von meinen Lieben scheiden mu.ss und dass es mir 
nicht \'erguut ist, au der vollen Entwickelung des 
naturwissenschaftlichen Zeitalters erfolgreich weiter zu 
arbeiten." Dr. H. 



Botanische Exciirsion durch die Pampas und Monte-Formationen nach den Cordilleren. 



Von Dr. ( ) 1 1 o K u ii t z e. 



(Fortsetzuiio- 

Ein Andenbergang, ausgenommen der von Mendoza 
aus, ist noch mit so viel Schwierigkeiten verbunden, dass 
selbst ein so erfahrener Reisender, wie ich es wohl l)in, 
mit Stolz auf die berwundene Partie zurckblicken darf. 
Auch der von Mendoza ans, bezw. 2 Eisenbahnstationen 
darber hinaus, ber den Upsallata fhrende Pass, den 
man jetzt in 4 Tagen unter Benutzung von Naehtherbcrgen 
berschreitet, gilt den Meisten fr so beschwerlich, dass 
sie es vorziehen, den weiten und theuren Weg durch die 
strmische Magelhaens-Strasse mit Dampfer zurckzulegen, 
um von Argentinien nach Chile zu gelangen. Denselben 
Weg nimmt auch noch die Post aus Europa, und alle 
europischen Waaren werden noch auf dem Seewege 
dorthin transportirt. 

Man muss sich der Schwierigkeiten einer Cordilleren- 
passage vollauf bewusst sein, um ihnen vorzubeugen. 
Zunchst ist wegen des Schnees meist nur in den Monaten 
December bis Juli ein Uebergang nKiglich; wenn man 
aber Gepck mitfhrt, welches kein Wasser vertrgt 
wie z. B. Pflanzenpapier und -Sammlungen so muss 
man wegen der z. Th. i-echt tiefen und reissenden Ge- 



iml Schluss.) 

birgspsse warten bis Ende Januar oder spter, bis der 
Schnee zum grsseren Theil weggeschmolzen ist. 

Der U])sallata Pass ist botanisch am meisten bekannt 
und interessirte mich also am wenigsten; der Cruz -Pass, 
unter =t 34 s. Br., ist zwar von Grufeldt explorirt wm-den. 
aber auf seinen 4 Andenbergngeu hat Grufeldt zu- 
sammen nur 163 Pflanzenarten gesammelt, welche Ascher- 
son bearbeitete, von denen iudess nur 33 Arten specifisch 
bestimmt sind. Dieser Pass war also botanisch noch viel- 
versprechend, und ich habe auf ihm in der That gegen 
oOO Arten innerhalb 8 Tagen gesammelt. Doch kann ich 
erst spter nach Rckkehr in Europa ein Verzeiclmiss der 
Arten ausarbeiten. Auch habe ich keineswegs alle Pflanzen- 
arten gesammelt und die Flora grndlich abgesucht, 
sondern nur, was den gegebenen Umstnden nach mg- 
lich war. 

Whrend dieser Reise habe ich innerhalb 8 Tagen 
und Nchten kein Unterkommen gefunden die Erde 
oder der Felsen, ndt einer Kuhhaut bedeckt, mit den 
Plaids und Decken, die tagber dem Reitthier unter und 
ber den Sattel gelegt werden, gepolstert, war das Bett, 



24 



Natur wissen s chaftlich e Wochenschrift. 



Nr. 3. 



das Sternenzelt unsere Bedachung. Ein Zelt hatte ich 
zwar mit, aber glcklicherweise regnete es bis auf den 
vorletzten Tag nicht, und gegen Wind oder Klte haben 
wir das Zelt nicht aufgeschlagen; das ist viel zu um- 
stndlich und zeitraubend. Gegen viel Wind ntzt es 
auch nichts, der reisst das Zelt um; auch war meine 
Partie von starken Winden also auch von Staubplage 
der manchmal vorherrschenden vulkanischen Asche ver- 
schont, und gegen die Xachttemperaturen von 3 10 im 
Gebirge schtzt man sich, indem man doppelte Kleidung, 
namentlich trockene wollene Wsche Nachts anzieht; gute 
Dienste haben mir wiederum meine leichten Filzschuhe ge- 
than, wogegen ich, als ich einmal mit Stiefeln schlief, 
diese des Nachts noch wegen Klte wechseln musste. 
Wenn man berdies einen grossen Sack mitfhrt, in 
welchen man Nachts die eingekleideten Fsse steckt, so 
wird man sich auch nicht durch Entblssung erklten und 
nach des Tages Ueberanstrengung sich eines festen 
Schlafes erfreuen. Wenigstens mir ist es so ergangen, 
whrend meine beiden Fhrer sich oft des Nachts am 
Lagerfeuer aufhielten. 

Der Wind ist aber oft recJit strend beim Pauzen- 
einlegen, das trotzdem bei mittlerem Wind fertig zu brin- 
gen, ist ein Kunststck, das man mit viel Geduld hier 
lernen kann; die leeren Bogen sowohl als die mit 
Pflanzen versehenen unil zu versehenden mssen mit 
Steinen belastet werden, und die Packcte drfen nicht 
hoch werden, ehe sie in die Drahtprcsse koumien, sonst 
wirft sie der ^\'ind doch um und zerstreut sie sammt In- 
halt in alle Richtungen. Freund Kurtz war schon in 
Ramacaida das Unglck passirt, dass ein 20 cm hohes 
Packet vorher getrockneter und registrirter Pflanzen trotz 
Steinltelastung vom Wind zerstreut wurde, und mir hat 
der Wind eine Beschwerung von 2 Kilo vom Packet, in 
dem er sich wohl gefangen hatte, weggetrieben; bei diesem 
Wind habe ich eines Nachmittags gegen GO Arten frisch 
eingelegt! Das Botanisiren vom Rcittbier herab, wie es 
vorlufig auf einer solchen Partie nur mglich ist, hat 
berhaui)t mancherlei Beschwerden. Wegen jeder Pflanze 
muss man vom Maulthier absjiringen oder einen Fhrer 
abspringen lassen; in eine Botanisirtroninicl. die ich weder 
mithatte, noch beim Reiten verwendbar ist, kann man die 
Ernte unterwegs nicht stecken; die Drahtpresse steckt im 
Koffer und ist auch nicht beim Reiten transportirbar. Es 
wird alles einfach in einen Reitack (Alforga) am Sattel 
hinten geschoben und erst beim Halten der Tropa am 
Abend oder Mittag sauber in Papier gelegt. Dauert ein 
Ritt etwa 5 Stunden, so mssen die Pflanzen angefeuchtet 
werden, und beim Einlegen am Lagerplatz geht nun erst 
das Sortiren der oft etwas beschdigten Pflanzen an 
wenn es der Wind erlaubt. Von Ausgraben der Wurzeln 
kann fast nicht die Rede sein, trotzdem ich einen hand- 
festen Ascherson'schen Spatel ndthabe. Die Wurzeln, 
Knollen, Zwiebeln stecken so tief meist in dem aus Sehotter- 
und vulkanischer Asche oder Lehm aufgebauten Boden, 
dass man eine starke Radehacke braucht, um nach langer 
Zeit erst seinen Zweck zu erreichen. Ich htte gern 
einige sehnblhende Pflanzen auf ihre Wurzeln geprft, 
ob sie etwa zum Transport nach Deutschland geeignet 
seien; aber diese Versuche waren stets erfolglos. Da jetzt 
ber 2000 m in den Anden Frhlingsflora herrseht, waren 
auch fast keine Smereien reif, und spter, erzhlt mir 
der bergrtner des botanischen Gartens in Santiago, 
Chile, sind die Samen sparsam zu finden, weil die Vieh- 
heerden aus dem Tiefland, wo Drre herrscht, ins Ge- 
birge getrieben werden und bis an den Schnee hin alles 
abweiden, was nicht stark dornig ist. 

Zum ausgiebigen Botanisiren in jenen Hhen, also 
von 1.500 m bis 3500 m ich bin zwar bis 3780 m ge- 



kommen, aber ber 3200 m hrt fast die Vegetation auf 
gehrt Zeit, viel Zeit, jedes Seitenthal, jeder aus 
Schneefeldern hcrabrinnende Bach hat au seinen Ufern 
oft andere Arten, aber man ist von den Maulthieren 
wegen der seltenen Weidepltze, eombinirt mit Wasser- 
und Feuerholzbedarf, so abhngig, dass man meist sehr 
lange Touren relativ schnell zurcklegen muss. Ich hatte 
die weite Reise von Ramacaido bis Santiago mit den 
Fhrern in 10 Tagen accordirt: es sind dies in der 
directen Luftlinie etwa 300 km, infolge der Umwege, des 
hufigen Bergauf- und Absteigens, wie das auf der chi- 
lenischen Seite lngs des im engen Thale des Rio Mairo 
oft nthig ist, vielleicht 500 km, also mindestens 50 km 
pro Tag. Mein Fhrer eilte noch dazu, um mich mg- 
lichst schnell in .Santiago abzuliefern"; aber ich hatte 
bedungen, dass immer einer der zwei Fhrer zu meiner 
Verfgung behufs Pflanzensamnieln sei, und habe es mit 
etwas Grobheit wenigstens durchgesetzt, dass die Tour 
nicht 'in 7 Tagen, sondern in neun erledigt wurde. Da es 
keinen Weg und Steg giebt, bloss in Chile bei 1600 m 
fanden sich einige Brcken und tiefer auch Strassen, da 
man sich auch wegen der Weidepltze auf die I-"'hrer 
verlassen nmss, so ist man von ihnen abhngig. Wenn 
man aber fr dieselbe Partie doppelt so viel Zeit ver- 
wenden wollte, wrde man gewiss auch durch eine doppelt 
reichere Pflanzenernte erfreut werden. 

Einer diT Fhrer sollte zwar innner zu meiner Ver- 
fgung sein, um vom Jlaulthier abzusiiringen und Pflanzen 
zu sammeln; sie zeigten meist auch den guten Willen 
dazu, aber wir hatten anstatt eines Reservethieres vier 
leergehende Maulthiere, welche in Chile, wo sie viel 
besser bezahlt werden, von Don Ramon Mercado, so heisst 
mein Fhrer, verkauti werden sollten. Whrend nun der 
Paon Don Lorenzo meist die Madrina am Zgel leiten 
nnisste, da der Saumpfad oft gar nicht zu erkennen war, 
hatte der andere zugleich noch die zwei Packthiere und die 
vier freien Mulen zu treiben und auf den richtigen Weg 
zu weisen, falls sie grasend davon abwichen, oder gar 
gefhrliche Pfade einschlugen: z. B. auf unsichere, unter- 
hhlte Schneehrcken liefen etc. Ausserdem raussten die 
Packthiere von Zeit zu Zeit auf richtige Ladung und 
gleichwiegende Belastung geprft und deren Schnrung 
fester gezogen werden; denn davon hngt es hauptsch- 
lich ab, dass die Thiere nicht an gefhrlichen Stellen 
abstrzen. Das Treiben der Thiere von dem bald berg- 
auf, bald bergab auf den Halden galoppirenden Fhrer 
ist zwar wegen der verwegenen Ritte interessant anzu- 
sehen, aber es beraubte mich des Pflanzensammlers, der 
behende und fter als ich vom Reitthier springt. Manch- 
mal, besonders bergab, waren die Pfade so miserabel, dass 
wir es alle vorzogen, zu gehen, und die Thiere bis auf 
die Lastthiere leer gehen zu lassen; einmal aber auf dem 
Malpaso musste auch die Ladung dieser Thiere getheilt 
werden, um einen etwa 300 m hohen steilen Abhang zu 
erklimmen, wo man bloss in Lavaasche im Zickzack hin- 
aufklimmen konnte. Ein ander Mal hatten wir einen 
kaum bemerkbaren Pfad lngs eines steilen Abhanges 
eingeschlagen, als die Madrina zurckgefhrt werden 
musste, um die verlaufenen leergehenden Maulthiere durch 
das Klingeln der Madrina wieder auf den richtigen Weg 
zu lenken. War es an sich schon bedenklich auf diesem 
Pfad, der kaum Platz fr ein Thier bot, zu reiten, so 
musste also nun die Madrina an meinem Thier vorber- 
gefhrt werden, dann kehrte auch mein Thier um, damit 
es der Madrine folge; es whre Wahnsinn, sein Maulthier 
an gefhrlichen Stellen zu einem andern Weg zwingen zu 
wollen. Man thut am besten sich dem sichergehenden Maul- 
thier au gefhrlichen Stellen ganz anzuvertrauen, und hat 
nur den Zgel fest anzuziehen, falls es etwa ins Knie fllt. 



Nr. 3, 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



25 



Nur wenn ein Maulthier die Bladrina ausser Gesicht 
und Gehr hekonimeu hat, wird es unruhig und unver- 
stndig; dann fngt es an zu rennen, bis es die Madrina 
wieder sielit und hurt, mgen die Wege noch so selilecht 
oder gcfiirlieh sein. Auf ebenem Terrain lsst sich dann 
die Mule durch Alisteigen und lleruntcrnchnicn des Zgels 
noch anhalten, aber das Hotanisiren wird dann ungemth- 
lich, besonders wenn der Weg, wie so oft, an steilen Ab- 
hngen und Abgrnden dahin fhrt. 

Je lnger sich eine Cordillcrenrcisc ausdehnt, um so 
mehr hat man auch Bedacht darauf zu nehmen, nicht 
bloss, dass niari Proviant etc. mitnimmt, denn unterwegs 
findet man absolut nichts zu kaufen, snuderu auch dass 
man gengend Pauzenpapier in wasserdichten Koft'ern, 
die zur Maultbierladung passen mssen, mitfhrt. Meine 
Cordobaser Eei.segefhrten durch die Pampas hatten mir 
dazu ein Paar noch eine Reise aushalti'ndc b(ili\ianische 
Koffer Petacas aus ungegcrbtem Leder zur Verfgung 
gestellt. Das Papier muss fleissig au der Luft, im Sonnen- 
schein oder am Herdfeuer in kleinen Packeten getrocknet 
werden, nachdem es von den vielen Panzen durchfeuchtet 
ward. Mein Papier njit Pflanzen bildete zuletzt eine volle 
Maulthierlast; Zelt, Handkoft'er, Kleidersaek und Proviant 
die andere Maulthierlast. 

Zum Proviant hatten wir diesmal frischen Argentiner 
Kse, der hnlich dem Schweizerkse, nur weich ist, mit- 
genommen, der uns unterwegs recht behagte und den 
ersten Hunger stillte, nachdem abgesattelt war, ehe Asado 
oder Lopa fertig wurde. Frh morgens nahm und gab 
ich jetzt Choeolade, sodass wir bloss Abends und Mittags 
Mate tranken. Meinen Fhrern getiel die hier theure 
Choeolade auch, und als ich eines Abends, bermdet, 
vergessen hatte, die Portionen herauszugeben, weckten 
mich andern Morgens vor Sonnenaufgang die Leute mit 
der naiv hflichen Fi'age, ob ich Mate oder Choeolade 
wnsche. Auch mit Brod waren wir diesmal ausreichend 
versehen, dabei eine Sorte Zuckerbrod, welches nicht hart 
wurde. 

Zu den nothwendigen und angenehmen Erfordernissen 
einer solchen Reise seien noch erwhnt: Salycylvaseline, 
um die bei trockener, dnner bezw. warmer Luft auf- 
springende Haut des Gesichtes, der Lippen, Ohren, Hnde 
geschmeidig zu erhalten. Eine Feldflasche mit ansitzen- 
dem Becher, die genau in die Rocktasche passt, damit 
sie beim Reiten nicht herausfllt. Auch die brigen 
Taschen der bei der Hitze nthigen Kleidung mssen so 
beschaffen sein, dass beim Auf- und Absteigen vom Reit- 
thier nichts herausfllt, also tief und oben etwas verengt. 
x\.m Sattel vorn sind grosse Satteltaschen mithig, ilie man 
von Eurojia mitbringt, da man sie hier nicht tindct, und 
zwar fr Barometer und nthigste Bcher. Die Sttel 
sind sonst hier gut und praktischer als drben; die be- 
schuhten Steigbgel schtzen gegen Hitze, Klte, Dornen, 
Steine und sitzen auch besser; unter und ber dem Sattel 
werden Decken und Felle verwendet, die Nachts als 
Lager dienen. Bindfaden, Branntwein, Streichh(ilzer, 
Mate (Ycrba) nebst Zucker und dazu gehriger Bondjilla 
und Tasse, ein Blechtopf, den Schsselteller, die nn'talk'nen 
Wasserkoehcr wird Niemand vergessen drfen. Ein eiser- 
ner Bratspiess ist gut mitzunehmen, ward aber von meinen 
Leuten durch einen hlzernen von einer Patagonium- 
(Adesmia-) Art ersetzt. Man nehme auch ein seidenes 
Tuch und sogenannte Sicherheitsnadeln mit, um das Tuch 
bei Hitze und gegen Sonnenbrand lose um Iliutcrluuqit 
und Hals zu befestigen, indem man zwei Zipfel fest- 
steckt, einen unter den Hut schiebt, einen auf den Rcken 
fallen lsst. Das Umbin<leu schtzt nicht genug und ver- 
ursacht Schweiss. 

Da ich die Cordillerenreise nicht ausreichend bota- 



nisch jetzt besprechen kann, will ich nur noch die Route 
kurz mittheilen. 

Nachdem wir am 20. Januar noch einen argen Staub- 
sturm in Raniacaido erlebt, gingen unsere Expeditionen 
am 21. frh getrennt ab; Kurtz und Bodeubender mehr 
sdlich, ich nach San Rafael zunchst durch 7 oder 
mehr Arme des wasserreichen Rio Diamante. In San 
Rafael oder, wie die ,,Studt'' jetzt heisst, 2. dcl Mayo"" 
war ein Hotel, wo ich einmal ein Bett bekam, soflass 
meine 21 Nchte Biwak durch eine gewhnliche Nacht 
unterbrochen wurden; jedoch das Zinmier war dumpf 
und moderig. 

Am 22. Januar fhrte der Weg durch relativ niedrige, 
aber doch schon 15U0 m hoch gelegene Vorberge, welche 
mit verschiedenen, meist Compositen- Struchern und 
einem roth- und weissborstigen, ungegliederten, 1 l'/o m 
hohen, bis Vs " dicken Sulencaetus mit sehrmen rothen 
cylindrischen Blthen sparsam bewachsen waren. Zu 
ebener Erde zeigten sich verschiedene niedrige rasen- 
bildende Cacteen. Am Lagerplatz zu Mittag, nahe einem 
etwas salzhaltigen Bach, war schlechte Weide fr die 
Thiere, und das bittere Marrubium albuni, das dort 
massenhaft eingefhrt sich flndet, war vollstndig bis auf 
die Erde von Thieren abgeweidet. 

Am 23. Januar durchritten wir t) Stunden lang eine 
Travesie, ein wasserleeres Hochplateau ohne Strucher; 
schliesslich passirten wir zwei hoch und breit in das 
Plateau eingeschnittene Thler mit relativ wasserarmen 
Gebirgsbchen. In dem einen, Arroya de la Papagayos, 
trat eine ganz andere Flora auf; namentlich verschieden- 
artige Verbenen eine ephedraartig, eine andere mit 
uadelartigen Blttern fielen auf; gelbe, dornige Um- 
belliferen - Rasen, gelbblthige Rasenpolster von 1 m 
Durchmesser einer Saxifragee (?) seien noch erwhnt. 

Am 24. Januar ging es einen Gebirgsbaeh entlang, 
den mein Fhrer Arroyo tres cuartos nannte, in einem 
Thal, das Gssfeldt Valde la Cruz de Piedra nannte, 
hinauf, mit einem mittglichen Halt, ohne Unterbrechung 
der allmhlichen Steigung und ohne von Seitenthlern 
und Wegschwierigkeiten beeinflusst zu sein, bis zur Pass- 
hhe, die Gssfeldt mit 3781 m berechnete; meine 
Tasehenbarometer zeigten, oifenbar zu hoch, 12 000 engl. 
Fuss, der andere 4(HJ0 m. Dann 400 m hinab an Tiitf- 
und Binisteinhalden entlang zum Nachtquartier an einen 
Bach, der in Gssfeldts Karte nicht angegeben ist, der 
aber den Grund der dort notirten Hochgebirgsmulde 
durchfliesst und von meinem Fhrer Arroyo de la Yaucha 
genannt ward. 

Der 25. Januar frh sah uns schon bei Sternenschein 
wieder unterwegs; wir erkletterten nochmals 3741 m, 
hatten dort einen leidlichen Soniu'uaufgang und durch- 
ritten dann das Hochland bis zur Laguuo Diamante. 
Kleine Teiche an Firnfeldern waren zum Theil gefroren, 
aber auf der ganzen Tour findet sich trotz vieler Sclmee- 
felder kein einziger Gletscher. Am Diamante-See jagten 
wir vergeblich (inavalos; r)on Raujon hatte ihnen den 
Weg zur Trnke abgeschnitten, konnte sie aber doch 
nicht mit seinem Zolos (Lasso) erreichen. Aus der 3324 m 
hohen Ebene des Diamante-Sees gingen wir erst etwas 
bergab den Rio Diamante entlang, kreuzten diesen aber 
bald und stiegen in die von Basaltbomben erfllte Mayjiu- 
ebenc 100 150 m empor, welche nahezu 2tHJ0 m nocli 
vom May])uA'uican berragt wird. Mir erscheint der 
flache Boden um den Maypu-Vulcan wie ein riesenliaftei' 
alter Kraterboden von dem halbkreisfrmig die usseren 
lteren Kraterwnde noch als Bergreste zu sehen siiui. 
Drei Stunden hat etwa der fast diametrale Ritt durch 
diesen alten Krater gedauert, doch ging die Bewegung 
langsam von statten, weil wir ber 12 oder mehr grosse 



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Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 3. 



Schneefelder mit Biisserschneebildung- (Soudeniui;- durch 
den Wind in Lugsfurchen und geringere Querfurehen, die 
durch Abschmelzung nach den tieferen Stellen zu iso- 
lirte Schneekegel, Bsser"', zurckla.ssen) reiten nnissten; 
der Schnee war glcklicherweise fest, sodass es ohne 
Beinbruch abging. 

Desselben Tages ging es noch bis 2400 in hinab an 
eine Stelle, wo wir Weide, Wasser, Holz in Flle hatten. 
Als Feuerholz dient ber 2000 m fast nur das knorrige 
gelbriudige Holz von Patagonium- (Adesmia-)Arten. 
Diese Arten werden 1 2 m hoch und verkrppeln in 
hheren Regionen bis zu Vs ^j woliei sich aus den 
dicken, unter dem Laube versteckten, dem Boden anlie- 
geiMlen Aesten, halbkugelige Rasen bilden. 

Da die Wassersclieide zugleich die politische Grenze 
von Chile und Argentinien hier ist, befanden wir uns nun 
auf chilenischem Gebiet und zugleich in einer viel reicheren 
Flora. Die Bildungen von Seitentliiilern mit Bchen und 
Flssen zu dem 2000 tief eingeschnittenen ]\Iaypu-Tlial 
sind zahlreich, der Fluss selbst ist mit Packthieren nicht 
mehr zu passireu, und schmale Ebenen neben dem Fluss 
sind Ausnahmen; aus solchen muss man immer und immer 
wieder whrend dreier Tage ber dicht an den Fluss tre- 
tende Bergklippen 200 400 m empor und wieder nieder 
steigen, was fr den Botaniker ganz interessant, fr den 
Reisenden aber sehr beschwerlich ist. Einmal war die 
etwa 1 m starke Schneebrcke ber einem Bach kurz 
vorher eingebrochen, und musste sich unsere Tropa einen 



neuen Weg suchen. Nachdem wir fast 8 Stunden Um- 
weg einmal gehabt hatten, kamen wir nicht weit von 
unserem frheren Weg ber eine natrliche Brcke ber 
den Rio Miapo. 

Am 26. erreichten wir in einer Thalerweiterung eine 
wirkliche Wiese und fanden dort aber auch schon euro- 
pische Unkruter, die von Hirten und Heerden hier 
heraufgebracht waren, daneben aber die bunte Flora 
der Gesteinsfelder, insbesondere aus Amaryllidaceen 
(Alstroemeria), Portulaeaceen (rothbltliige Cla}- 
tonien), diversenFagelia-Arten (Calceolaria), wunder- 
schnen karminrothen Mutisia-Arten und anderen Com- 
positen, einigen auffallenden T r o p h a e u m -(T r o p a e o 1 u m-) 
Arten bestellend. 

Am 27. Januar kamen wir in Wakb-egion neben dem 
Fluss in Hhe von 17501500 m. Dann noch ein Dureh- 
bruch mit tiefem Einschnitt des Flusses durch granitisches 
Gebirge, wo wir am 28. Januar auf die Landstrasse beim 
Rio Yulcan und Rio Yeso iu tiefere, nur cultivirte Re- 
gionen kamen, wo auch alles Land, selbst wenn es nicht 
bebaut war, durch Steindmme, Dornhecken u. s. w. ein- 
gezunt war und neben der staubigen Strasse nur noch 
verdorrte Kruter und cultivirte Strucher zu finden waren. 
Es fing schliesslich an noch stark zu regnen, sodass wir 
froh waren, bei einem Landmann eine leere Lehmschauer 
als Nachtquartier zu erhalten. 

Am 29. Januar Mittags traf ich in Santiago im 
Hotel Oddo ein und konnte nun ein neues Leben beginnen. 



lieber den Solielfh im Nilieliiiigenliede sprach 
Dr. Ed. Hahn in der Februarsitzung 1892 der Berliner 
Gesellschaft fr Anthropologie und Urgeschichte. Das 
einzige Interesse, das sich an die Frage knpft, welches 
Tbier unter dem Scheich zu verstehen ist, bezieht sich 
auf jene Stelle des Nibelungenliedes, wo unter den 
Thieren, die Siegfried auf der ihm zu Ehren von den 
Burgunderfrsten veranstalteten Jagd erlegt, auch der 
Scheich unter der Jagdbeute (halphul, lewe, hirz, binden, 
wiseut, clech, in") angefhrt wird. Der Scheich kann 
unmglich ein mvthisclies Thier gewesen sein, denn wir 
besitzen verschiedene Beweise fr sein Vorkommen im 
mittleren Europa. Veuantius Fortunatus, ein lateinischer 
Dichter am austrasischen Hofe, fhrt helices (helix-helo, 
elo) unter den Jagdthiereu der Ardennen und Vogesen 
auf. In einer Urkunde, in welcher das betrchtliche 
Sumpf- und Waldgebiet Drenthe von Otto dem Grossen 
aus dem .Jahre 944 mit der gesammten Jagdherrlichkeit 
verliehen wird, werden unter andern Thieren auch bestias, 
quae teutonica lingua elo aut schelo appellantur" erwhnt. 
Schliesslich findet sich das Wort in verschiedenen Orts- 
namen wieder, so in Scelfieta (iu Flandern), Scelenhonc 
(bei Wrzburg) Scellinahe (Schllnach) u. a. m. 

Die lteste Erklrung des Wortes Scheich scheint 
Hagen in seiner Ausgabe der Nibelunge Noth 1820 zu 
geben, und zwar als Bockshirsch mit Bart und Zotteln 
am Halse, vielleicht den Brandhirsch, der noch iu Bhmen 
hufig'-. Nachdem ein Jahr spter der Palaeontologe Gold- 
fuss die Beschreibung eines Riesenhirschgeweihes ver- 
ftentlicht hatte, war es natrlich, dass die Aufmerksam- 
keit der Nibelungenliederklrer sich auch auf dieses Thier 
richtete. Nees von Esenbeck, ferner Fr. Pfeiffer und nach 
ihm eine ganze Reihe anderer Germanisten deuteten dar- 
auf bezugnehmend den Scheich als Riesenhirsch. 

Hahn kam nun durch Zufall zu einer andern Er- 
klrung. Er fand in deutschen Wrterbchern (z. B. Graf, 
Schade), dass die Worte scelo oder Schelc neben der 
blichen Erklrung, wie oben angegeben, stets noch eine 



zweite Auslegung als ..Beschler, Zuchthengst (emissarins)" 
erfahren haben. Weiter constatirte er in einer lippischen 
Kchenrechnung aus dem Jahre 1537 die Stelle: vor 
einen hinxt LXVI gld. de quam up de sende vor einen 
Seelen ton wilden perden", also die Thatsache, dass die 
lippischen Herren einen Hengst des Wildgesttes auf der 
Sonne pflegten, der noch im Jahre 1537 Scheich hiess. 
Es steht somit fr Hahn zweifellos fest, dass die richtige 
Erklrung des Wortes Scheich Wildpferd" ist. Vor- 
geschichte und Geschichte kommen Hahn's Ansicht zu 
Hilfe; sie lehren, dass das Wildpferd ein bevorzugtes 
Jagdthier der alten Deutschen gewesen ist. Die Missionre 
dieses Volksstammes hatten unter anderem grosse Mhe, 
ihren Tuflingen den Genuss des Wildpferdfleisches 
abzugewhnen. 

Prof. Nehring entgegnete diesen Ausfhrungen Hahn's, 
dass er an der fraglichen Stelle des Nibelungenliedes 
unter Scheich lieber ein starkes, mnnliches Elenthier 
(cervus alces L.) verstanden wissen will; das Wort Elch" 
in dem vorhergehenden Verse mag entweder ein weib- 
liches Elenthier oder einen starken Edelhirsch (Cervous 
elaphus L.) bezeichnen. Uebrigens scheinen ihm die Worte 
scelo, schelo, schele, scheletko, schalz, schelch nicht immer 
dieselbe Thierart zu bezeichnen, sondern sind je nach 
dem Zusammenhange verschieden aufzufassen. Nach 
Veckenstedt soll schelch ein ursprnglich slavisches AVort 
(schele, dimin. scheletko) sein und das Kalb bezeichnen; 
in hnlicher AN'eise erklrt v. Etzel den Schelch des 
Nibelungenliedes als einen alten, besonders gefhrlichen 
Stier derselben Gattung", also als einen rstier. 
Ausserdem ist auf eine solche Diehterstelle, wie die uns 
interessirende des Nibelungenliedes, vom Standi)unkte 
der exacten Forschung aus kein grosses Gewicht zu 
legen, da die volkstlimlichen Bezeichnungen der Thiere 
hufig durch einander laufen. Das in der von Hahn 
citirten Urkunde von Drenthe genannte Thier drfte nach 
Nehring's Ansicht auch nur ein Elenthier sein. 

Im Auschluss hieran errterte Nehring die Frage, ob mit 



Nr. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



27 



dem Scheich etwa auch der Riesenliirseh gemeint sein kann. 
Er beantwortet dieselbe in verneinendem Sinne, denn alle 
bisher auf primrer Lagersttte in Deutschland aufge- 
fundenen Reste dieses Thieres gehren, wie er des Wei- 
tereu ausfhrt, dem Diluvium, nicht dem Alluvium an. 

Buschan. 



Die Fortyflauzniis: des Wnrmes Plaiiaria alpina 
Dana, der bislang im Verdacht stand, lebendige Junge 
zur Welt zu bringen, ist durch Walther Voigt aufge- 
klrt worden (s. Zool. Anz." 1892 S. 238). Derselbe 
fand im Januar d. J. in einem Aquarium, das eine An- 
zahl der genannten Thiere enthielt, frisch gelegte Coeons, 
die ber 1 mm gross, kugelig und ungcstielt waren. Sie 
waren nicht an eine Unterlage festgeklel)t, sondern frei, 
ein Umstand, der wohl die Veranlassung gewesen ist, 
dass sie bisher nicht entdeckt worden sind, da sie sich 
so leicht im Sand imd Schlamm verlieren. Nach 14 
Wochen im kalten, nach 8 Wochen im geheizten Zimmer 
schlpften die Jungen aus, indem der Cocon unregelmssig 
aufriss. Die Jungen waren, je nach ihrer Jlenge in einem 
Cocon, 2 bis 4 mm lang und noch gnzlich ohne Pigment. 
C. M. 

In der Olinuuschol nnd im Gehrgang von Nagern, 
Wiederkuern nnd Haubthieren lebende Milben. 

In den dicsjiu'igen Verhandlungen der Societe de Bio- 
logie" zu Paris findet sich eine Reihe von Aufstzen*) 
ber die .,Otacariasen", wie Neumann die Krankheiten 
genannt hat, die in der Ohrmuschel und im Gehrgang 
von Nagern, Wiederkuern und Raubthieren lebende 
Milben veranlassen. Dieselben beziehen sich auf eines 
der interessantesten der so beraus zahlreichen Lebens- 
verhltnisse, die von Milben bekannt sind. Es sind zwei 
Milben, die hier in Frage kommen: Psoroptes com- 
munis, die vom Kaninchen, der Ziege und der Gazelle, 
und Symbiotes aurieularum, die vom Hund, der 
Katze und vom Frettchen bekannt ist. Der erste Ent- 
decker der Ohrmilben war Hering (1834); er fand sie 
beim Hunde. Bei der Katze entdeckte sie Huber im 
Jahre 1860, beim Frettchen Megnin 1878. Auf einen mit 
dem Tode endigenden Fall der Infection eines Kanincliens 



mit den genannten Milben bezieht sich der Aufsatz 
Laverans. Da keinerlei Abnormitten am Gehirn oder 
Rckenmark, auch keine Eiterbildung am Schdel wahr- 
genommen werden konnte, handelt es sicli nach Laverans 
Ansicht um eine Reflexlhmung. Die Beobachtungen 
und Versuche Raillcts und Cadiots betreffen die Raub- 
thiermilbe. In zwei Fllen wurden bei Katzen epilep- 
tische Zuckungen festgestellt, die auf einer Erregung der 
Nerven des Ohres durch die genannten iMillien beruhten. 
Die beiden Forscher versuchten nun, Symbiotes ent- 
haltendes Ohrenschmalz in das Ohr einer anderen Katze 
zu bertragen. Die Infection gelang vollkommen, und 
das inficirte Thier starb, nachdem es alle typischen 
Kraukheitszeichen aufgewiesen hatte, etwa 10 Monate 
nach der Infection. Eine Uebertragung der Katzenmiiben 



*)Raillet et C<adiot. Observations et experienct'S sur 
Fotacaviase symbiotiqiie des Carnivores. Compt. rend. de la Soc. 
df Biol. 9. ser. tom. 4. S. 104. 

Miigniii. Acariens des oreilles, cliez le Chat, le Fiin.'t et le 
Chien. eb. S. 125. 

Raillet. Simples remarques historiquos sur l'otaoariasc des 
Carnivores. eb. S. 126. 

P. Megnin. Un dornier mot sur la question de l'epilepsie 
acarienne de nos Carnassiers domostiques. eb. S. 142. 

Raillet. Sur les convulsions epileptiformes provoquees par 
les Acariens auriculaires. eb. S. 142. 

A. Laveran. Acariens de l'reille cliez le lapin, paraplegie 
reflexe. eb. S. 169. 



auf einen Hund hatte den Erfolg, dass sicii bei diesem 
die Milben vermehrten, und dass ein Gefhrte dieses 
Hundes auch inficirt wurde. Doch schritt bei letzterem 
die Krankheit nicht fort, und der erste Hund starb zu 
frh fr eine Entscheidung der Frage. Drittens wurden 
an einem Hunde gefundene Milben auf eine Katze gesetzt; 
sie konnten spter liier nicht wieder aufgefunden werden. 
Schliesslich wurden mehrfache Uebertragungen von Frett- 
chen auf Hunde versucht; sie blieben stets ohne Erfolg. 
Dass die Infectionen von einer Wirthsart auf die andere 
nicht gelangen, erklrt sich daraus, dass die drei Ab- 
arten des Symbiotes aurieularum, die Raillet und Cadiot 
var. canis, cati und fnronis nennen, in Lnge und 
Breite und dass auch ihre Eier in der Grsse Ver- 
schiedenheiten aufweisen. C. Matzdorff, 



Beitrge zur Entwicklnngsgeschichte der Sanien- 
deeken bei den Enphorbiaceen mit besonderer Be- 
rcksichtigung von Ricinus communis L. hat Georg 
Kay ser in den Sitzungsberichten der Phanuaceutischen 
Gesellschaft zu Berlin verffentlicht. 

K. theilt u. a. mit, dass aus der Mittelsule des drei- 
fcherigen Fruchtknotens von Ricinus communis L., welcher 
in jedem Fache eine hngende anatrop-epitrope Samen- 
lage enthalte, ein Gefssbndel den kurzen Funiculus eines 
jeden Ovulums durchziehe, um sieh unmittelbar nach 
seinem Austritt unter scharfer KrUnnnung in dem usseren 
lutegument der Samenlage (bezw. in der Raphe) als 
Raphebundel nach der Basis hin fortzusetzen. Unter 
nahezu rechtem Winkel sehe man es alsdann in den 
Chalaza-Theil der Samenanlage eintreten. Den peripheren 
Theil derselben knne man v(u- der Hand als eine Fort- 
setzung des inneren Integumentes ansehen, welches mit 
dem Nucellus einen einzigen Gewebekrper bilde, der mit 
dem usseren Integument an einer sehr schmalen Stelle 
seitlich verwachsen sei. 

Auf diese Anheftung habe schon im Jahre 1859 
Ach. Guillard in seiner Arbeit .,Les evolutions de l'ovule" 
(Bull. soc. bot. de France 1889, T. VI, S. 142) aufmerksam 
gemacht und erklrt, dass sich das Raphebundel gleich- 
sam wie durch ein Loch, welches im reifen Samen noch 
deutlich erkennbar wre, in die Chalaza hiueinbohre und 
sich daselbst stig verzweige. 

Diese Verzweigung schildert Kayser als eine zunchst 
gabelffirmige, und" dadurch, dass sich von dieser Gabel, 
wie deren Auslufern, weitere Verzweigungen erstreckten, 
werde zuletzt ein vollkommenes Bndelsystem bewirkt, 
welches sich auf dem Oberflchenschnitt eines Ovulum iu 
Gestalt eines maschenfrmigeu Netzes prscntire. 

Kayser macht nun darauf aufmerksam, dass die fein- 
sten Verzweigungen des Bndelsystems auf der der Raphe 
zugekehrten Seite stets hher hinaufreichten, als auf der 
entgegengesetzten, und dass immer gerade an der 
Stelle, wo diese feinsten Verzweigungen endigen, sich 
der Nucellus deutlich erkennbar abhebe und als- 
dann die genaue Unterscheidimg zwischen Nucellus, 
innerem und usserem Integument zulasse. 

Whrend nun im Nucellus die Anlage des anfnglich 
langgestreckten Embryosackes stattfinde nnd derselbe in 
seiner fortschreitenden Entwicklung die umliegenden Nu- 
cellarpartien resorbire, finde durch Theilungsvorgnge in 
der Chalaza und speciell in der von der Verzweigung des 
Bndelsystems eingeschlossenen Gewebepartie eine auf- 
fallende" Vermehrung des Gewebes und dadurch eine 
basale Verlngerung der ganzen Samenanlage statt. Es 
erreiche infolge dessen dieses eingeschlossene (Gewebe 
etwa das siebenfache seiner ursprnglichen Lnge bei un- 
genderter Form, und es finde gleichzeitig in demselben 



28 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 3. 



eine frmliche Ueberladiing mit plasmatischcn Nhr- 
stoffen statt. 

Die Schilderung' dieser basalen Gewebewucherung' 
bildet zwar schon einen wesentlichen Theil frherer Ar- 
beiten von G. A. Gris (Notes sur le developpement de la 
greine de Ricin", verffentlicht in den Annales des 
Sciences natur. Botanique" in den Jahren 1861 und 1862) 
ber den gleichen Gegenstand, von welchen jedoch Kayser 
erst Kenntuiss erhielt, nachdem er seine Untersuchungen 
ber Ricinus bereits abgeschlossen hatte. Er machte infolge 
dessen unabhngig von dem vorerwhnten Autor die 
gleichen Beobachtungen, weicht aber insofern mit seiner 
Ansicht ab, als er die von Gris gefasste Annahme: das 
Gewebe ausserhalb des Bndelsystcms gehre zum 
inneren Integument und das innerhalb desselben be- 
findliche zum Nucellus", nicht zu thcileu vermag. Im 
Gegentheil, er hlt eine derartige Abgrenzung, welche 
sich nur auf das Abheben des Bndelnetzes und des 
riasmareichthums des von demselben umschlossenen Ge- 
webes grnde, fr ganz willkrlich, und folge man der 
Anschauungsweise von Gris, so sei dies rein conventionell. 
Corrcct morphologisch sei entschieden nur der Aus- 
druck: aussergewhnlich stark vermehrtes Cha- 
laza-Gewebe". Die weitgehende Differenzirung desselben 
entsprche den verbreitetsten Fllen, in welchen dicht 
unter dem Chalazaende des Embryosackes, und unmittel- 
bar ber dem Grunde des Raphebndels, eine Gruppe 
plasmareicher, bei Alkohol-Material gewhnlich rothbraun 
erscheinender Zellen Hegt. 

Die Entwicklung des Embryosackes beschreibt der 
Verfasser in folgender Weise: 

Derselbe nhme in den jngsten Fruchtzustnden eine 
langgestreckte cylindrischc Form an. Spterhin erweitere 
er sich unter Resorljirung des Nucellus immer mehr und 
mehr, bis er zuletzt vollkommen dessen Stelle eingenommen 
habe. In gleicher Weise dringe auch die der Chalaza 
zugewandte Basis des Embryosackes stetig vor. Sobald 
dieselbe den von dem Bndelsystem umschlossenen Gewebe- 
krper erreicht habe, spitze sich dieselbe keilfrmig zu 
und fhre nunmehr eine Sprengung des Gewebes her- 
bei, um dann in gleicher Weise, wie beim Nucellus, die 
Endospermstoft'e in sich aufzuspeichern, und es resultire aus 
dieser Entwicklung die Gesanmitform des Embryosackes. 
K. fhrt aus, dass sich das ussere Integument der 
Samenanlage aus einer Reihe tangential - abgeplatteter 
Epidcrmiszellen, einem dnnwandigen Parenehym, in 
welchem das Raphebndel verlaufe, und einer Reihe 
radialer Zellen, deren Zcllwandungen sunutlich aus Cel- 
lulose bestnden, zusannnensetze. An den Epidcrmiszellen 
wurden hchst cigentlimliche Exerescenzen l)e- 
obachtet, hervorgerufen durch zapfenartige, an der Spitze 
kugelig abgerundete Gebilde, welche von der sehr ver- 
dickten Aussenwand, sowie von den Radialwndcn und 
der Innenwand in das Lumen der einzelnen Zellen hinein- 
ragten und dem letzteren, von der Aussenflche her be- 
trachtet, ein granulirtes Aussehen verliehen. Unregcl- 
nissige Grupjien der Wandverdickungen enthielten einen 
rothbrauuen Farbstoff. 

Die ussere Epidermis der inneren Integumente, durch 
eine Schicht langgestreckter, paralleler, verholzter Zellen 
gebildet, cutwickelt beim Ausreifen des Samens einen 
dunkelbraunrothen Farbstoff, welcher sie gleichmssig 
dunkelfarbig erscheinen lsst, und ist im vllig reifen 
Samen glasartig, splitterig. AndiePalissadenschichtschliesst 
sich ein grosslumiges, dnnwandiges und farbloses Pa- 
renehymgewebe mit Cellulosewndcn von wechselnder 
Schichtenzahl an. In demselben verlaufen die Verzwei- 
gungen des Leitbndelsystems (auf mittleren Querschnitten 



als dunkler, ovaler, geschlossener Ring Itemerkbar). Nach 
einer mit Phloroglucin und Salzsure vorgenommenen Roth- 
frbung Hessen sich dieselben als gruppenweise lngs 
verlaufende Ring- und Spinalfasertracheiden (ob echte 
Gefsse vorliegen, lsst sieh mit vlliger Gewissheit nicht 
entscheiden) erkennen. 

Darauf, dass sich von dem Hauptstrange einzelne 
oder paarweis bis zu mehreren verzweigte Traehei'den 
loslsten, sei die mit Anastomosebildung verknpfte Ver- 
zweigung des Bndelsj-stems zurckzufhren. In der Um- 
gebung besonders der ersten Verzweigungen wurden 
kugelige oder unregelnissig begrenzte harzhnliche Aus- 
scheiduugsproducte bemerkt, welche bei durchfallendem 
Lichte intensiv t)raunroth erscheinen, und auf deren Vor- 
handensein unzweifelhaft die im reifen Samen beobachtete 
Frbung der von den Bndeln durchzogenen Membran 
zurckzufhren sei. In den den Traehei'den angelagerten 
und ihrem Zuge folgenden dnnwandigen, langgestreckten 
Zellen drfe mau mit grosser Bestimmtheit ein rudimentr 
entwickeltes Phloem erblicken. 

Bei der Untersuchung eines reifen Samens lsst sich 
mit einem Scaljiell leicht ein usseres vertrocknetes Hut- 
chen allziehen. Querschnitte desselben Hessen in ihm das 
ursprngliche ussere Integument wiedererkennen. Nur 
das Parenehymgewebe war zum grssten Theil obliterirt 
und darauf sei auch das an der Bauchseite des reifen 
Samens beobachtete Hervortreten des Raphebndels in 
Form einer wulstigen Naht zurckzufhren. 

Die bald fleckige, bald bandartige und verschieden- 
farbige Marmorirung, welche die verschiedenen Varietten 
von Samen der monotypisehen Gattung Ricinus so inter- 
essant erscheinen lsst, begrndet K. mit der Thatsache, 
dass nur ein kleiner Theil der Epidcrmiszellen, und zwar 
unregelmssige Gruppen derselben in ihren Wandverdickun- 
gen Farbstoffmassen enthalten. Da die beiden darunter 
liegenden Schichten, das obliterirte Parenehym und die 
innere Epidermis vollkommen farblos erscheinen, so knne 
die nunmehr sieh anschliessende dunkelfarbige Palissaden- 
sehicht gleichsam den Grundton fr das ganze Farben- 
bild abgeben, und es werde sieh dieses um so abwechse- 
lungsvoller gestalten, je mehr die aus der Obliteration des 
Parenchymgewebes hervorgegangenen Intereellularen und 
mit Luft gefllten Rume die ussere Veranlassung zu 
gewissen optischen Liehterscheinungen abgben. 

Bei den Untersuchungen ber die Entwicklungsge- 
schichte der Samendeckeu anderer Euphorbiaeeen fand 
Kayser bald mit Ricinus bereinstimmende Resultate, 
bald aber auch wesentliche Abweichungen. 

So sehliesse sich z. B. bei Croton flavensL. var. 
balsamifer. von allen untersuchten Euphorbiaeeen 
auf das Engste au Ricinus an, zeige aber nicht die fr 
diese letztere Pflanze so ausserordentliche charakteristische 
Ausbildung des Chalazatheils zu einem mchtigen Gewebe- 
krper. Eine Sonderung des Innern Integumentes 
und des Nucellus knne hier nicht beobachtet werden. 
Das Ovulum zeigt nur ein Integument, welches dem 
usseren von Ricinus homolog sei und einen parenehy- 
matisehen Gewebekern umschliesse, in dem sich der lang- 
gestreckte, cylindrischc und keinerlei Einschnrung zei- 
gende Embryosack als verhltnissmssig enger Sehlauch 
bis weit hinunter zur Chalaza erstrecke. Ob die usserste 
Spitze frhzeitig einen freien minimalen Nucellus resorbirt 
habe, konnte der Verf. nicht feststellen, und ist nach 
seiner Ansieht der Fall nicht undenkbar, dass Croton 
die Chalazawucherung frhzeitig so weit treibe, 
dass ein freier Nucellus gar nicht zu beobachten sei, 
was mithin zu der gemachten Beobachtung Veranlassung 
giebt, dass das Ovulum eben nur ein Integument auf- 
weist. Dr. R, Otto. 



Nr. 3. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



29 



Bejrichit von der Grube Lanimericliskaiile bei 
Alteiikircheii im Siegeuscheu ist von H. Laspeyres 
(Chemisches Central - Blatt II. No. 15) einer erneuten 
Untersuchung unterworfen worden. Die einzige Original- 
stufe, welche im Jahre 1871 von Liebe zuerst unter- 
sucht wurde, lag auch Laspeyres vor, und dieser fand, 
dass die 70 mm langen und 8 mm dicken Prismen ein 
Gemenge von Millerit und Beyrichit sind. Chemisch 
und krystallographisch sind beide identisch, physikalisch 
unterscheidet sich jedoch der Beyrichit in seiner blei- 
grauen Farbe wesentlich von dem gelben Millerit. Kleine 
Splitter von Beyrichit verlieren aber schon nach einer 
Woche ihre graue Farbe und setzen sich zu speissgclbem 
Millerit um. Wie der Augit sieh zum Uralit verhlt, so 
ist der Beyrichit das Muttermineral, aus dem durch Um- 
lagerung der Molekle aller Millerit entstanden ist. Beide 
sind hexagonal - rhomboedrisch. Das Axenverhltniss 
schwankt etwas: 

Beyrichit 1 : 0,327 707 

Millerit . 1 : 0,329 549 

Das spec. Gewicht fand Verf. = 4,699 beim Beyrichit; 
fr Millerit bestimmte Miller dasselbe := 5,26 5,30 und 
Liebe = 5,75,9. 

Ein gew(">hnlicher Begleiter des Millerit auf den Nach- 
bargruben ist der Polydymit, durch dessen Beimengung 
sich der berschssige, durch Abdestilliren zu beseitigende 
Schwefel erklrt. 

Laspeyres begrndet seine Ansiclit ber die Zu- 
sammensetzung des Beyrichit durch vier neue Analysen: 
I. IL III IV. V. VI. 

Schwofel (abdost.) . Spur Spur 1,35 G,8I 1^90 I in QR 

SchwefeUira Rckst.) 3.5,69 35,48 34,23 33,71 r'' 1 *"'^"' 

Eiseu 0,85) 2,9 1,71 2,79 4,21 

Nk-k.a 61,05 64,88 , ., , , . .g ^q 54,23 1 . , g, 

Kobalt 2,01 i I*'''*'-' P*''^'^ Spur ! ''*''^^ 

Mangan .... Spur 

99,60 100,06 100,00 100,82 99,88 100,00 

I, II und III: Beyrichitkrystalle Laspeyi-es. 

IV. Dichter Beyrichit, Laspeyres. 

V. Beyrichit, Liebe. In Wahrheit etwas verun- 
reinigter Polydymit. 

VI. Die Werthe der Polydymitformel R4S5. 

Dr. H. 

Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Es wurden ernannt: Der Proscctor Dr. med. Kuil. Armin 
Fick zum ausserordentlichen Professor der Anatomie :in der 
Universitt Leipzig. Die Hilfscustoden bei der Kgl. Bibliotliek 
zu Berlin, die DDr. Johannes Paalzow, Johann Frantz, 
Alfred Schultzo, Richard Preuss, Rudolf Peter, Ernst 
Dorsch und Heinrich Reimann zu Custoden. 

Dr. Benno Khn ist als Assistent in der mineralogischen 
Abtheilung der Kgl. Preuss. geolog. Landesanstalt und Berg- 
akademie eingetreten. 

Es shid gestorben: Professor der Chemie Dr. Hans Schulze 
in Santiago. Der Biologe Dr. J. Leon Soubeiran in Mont- 
pellier. Der Professor der Zoologie in Oxford John Obadiah 
Westwood. Der Mineraloge Geheimrath Nikolai Iwano- 
witsch Kokscharow in Petersburg. Der Zoologe Professor 
Dr. Benjamin Vetter in Blasewitz bei Dresden. Professor 
der Medicin Dr. Eichstedt von der Universitt zu Greifswald. 



L i 1 1 e r a t u r. 

Rudolf Virchow, Ijeraen und Forschen. Rede beim Antritt 
des Rrctorats an der Friedricli-Willn'lms-Univi'rsitt zu Berlin 
geh. am 15. October 1892. Verlag von August Hirschwald. 
Berlin 1892. Preis 0,80 Mk. 

Ueber den wesentlichen Inhalt der vorliegenden Rede haben 

wir bereits ausfhrlich in der N. W." Bd. VII Nr. 45 berichtet. 



Paul Knuth, Geschichte der Botanik in Schleswig-Holstein. 
Zweiter Theil. (Die Zeit nach Lina). Kiil u. L'ipzig 1892. 
157 S. 8". Preis 1 Mk. 
Aus der Vorlinne'schen Zeit werden nachtrglich Mittheilungen 
ber Vasmorus (Daviil Wasmer, gegen Endi> des 16. Jahr- 
hunderts Arzt in Lbeck), Albin us (Jakob Witte, 1637 als Arzt 
in Hamburg gestorljcn) und besonders lungius (Joacliim .hinge, 
1.587 zu Lbeck geboren, 1657 als Rector des akademischen Gym- 
nasiums und des .lohanneums zu Hamburg gestorben) gebracht. 
Das Junge'sche Werk Isagoge phytoscopica wird eingehend ge- 
wrdigt und die Bedeutung Junge's als Schpfer der botanischen 
Kunstsprache hervorgehoben. 

Damit erscheint Junge als ein Vorlufer Linne's, welcher 
einen noch grsseren Einfluss als die Vter der Botanik" auf 
die Entwicklung der Pflanzenkunde auch in Schleswig-Holstein 
hatte. Durch die Herausgabe der Flora Lapponica und der 
Flora Suecica regte Linne die Botaniker zur botanischen Landes- 
erforschung an. 

I. Geschichte der floristischen Erforschung des 
Gebietes. Fnf Jahre nach dem Erscheinen der zweiten Auf- 
lage von Linne's Flora Suecica erschien das erste Heft der 
Flora Danica, jenes allbekannten berhmten Werkes, welches 
zu seiner Vollendung l'/j Jahrhundert bedurfte. Die Herausgeber 
waren Oeder, (). F. Mller, M. Vahl, Hornemann, Lieb- 
mann, Job. Lange. Die wichtigsten Mitarbeiter sind: Bargum, 
Drejer, Forchhammer, Frlich, Gottsche, Lehmann, Lynghye,, 
Nolte, Oersted, Rosonberg, Saxesen, Schitz, Schouw, Schumacher, 
Sonder, Steenstrup, Vahl jun. 

Ausser der Flora danica erschienen von Mitte bis Ende des 
vorigen Jahrhunderts noch mehrere die dnische etc. Flora be- 
treffenden Arbeiten, so von Rafn (Danmarks og Holsteens Flora, 
17961800), Rotzius (Florae Scandinaviao Prodromus, 1779). Die 
erste wissenschaftliche, grundlegende Arbeit speciell ber die 
Flora von Schleswig-Holstein waren G. H. Weber's Primitiae 
Florao Holsaticae (1780), welchen 7 Jahre spter ein Supple- 
mentum" folgte. 

Von den botanischen Schriftstellern Schleswig-Holsteins 
gegen Ende des vorigen und zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts 
sind sonst noch hervorzuheben: H. P. Ch. Esmareh, Rektor der 
Domschule zu Schleswig; C h. W. Ritter, Dr. med. in Flensburg 
und Hamburg; F. Weber, D. M. H. Mohr u. J. J. P. Mol- 
denhawer, Protf. in Kiel. Von Hamburgischen Botanikern 
sind zu nennen: Rektor Lichten stein, Dr. med. Giseke, 
Buok, Flgge, Hayne, Mssler, Lehmann, Gottsche, 
Eimbcke, Schmidt, Sickmann, Hbner, endlich W. Sonder, 
durch dessen Flora Hamburgensis (1851) die botanische Erfor- 
schung Hamburgs einen vorlufigen Abschluss fand, ebenso wie 
einige Jahre vorher diejenige des Lbecker Gebietes durch 
G. R. Hack er 's Lbeckische Flora (1844), nachdem Avt5-Lal- 
lemant, H. Brehmer, Kindt, Lindenberg, Marc de Wolf 
u. A. die Erforschung der Pflanzen des Gebietes gefrdert 
hatten. 

Fr Dnemark ist dasselbe Ereigniss zu verzeichnen. Hier 
erschien 1851 Johann Lange's treff'liches Handbog i den 
Danske Floi-a. Als wichtigste Mitarbeiter sind zu nennen: 
L. Borst, V. Fischer-Benzon, Friederichsen, Gelert. Jensen, M. Th. 
Lange, Oersted, Penisen, Prahl, Raunkiaer, Schitz, Steenstrup, 
V. Suhr, Vahl, Vaupell. 

Whrend also Dnemark, Hamburg und Lbeck bereits voll- 
stndige Florenwerke besassen, sollten erst noch mehrere Jahr- 
zehnte vergehen, bis Schleswig-Holstein (1887) auch in den 
Besitz eines solchen kam. Hier hatte E. F. Nolte 1826 die No- 
vitiae Florae Holsaticae herausgegeben, die zweite glnzende In- 
angrift'nahnie der Darstellung der Pflanzenwelt des meerum- 
schlungenen Landes. Aber mit der Herausgabe dieses noch immer 
sehr unvollstndigen Pflanzenverzeichnisses hat Nolte seine bota- 
nischen Verffentlichungen so ziemlich abgeschlossen. In der 
Vorrede zu den Novition nennt er u. A.: Bertram, Eckion, Esmareh, 
Flgge, Forchhammer, Gtschow, den vielleicht verdienstvollsten 
aller Schleswig- Holsteinischen Botaniker Lars Hansen, Hin- 
richsen, Hornemann, Kindt, Lehmann, Neuber, Prelni, Reichenbach, 
Ritter, Saxesen, Sienkneclit, Sonder, v. Suhr, Thun, Weber. 

Das Arbeitsfeld der Amtsnachfolger Nolte's lag auf einem 
ganz .anderen Gebiete. Zwar versuchte A. W. Eichler durch 
Versendung von Standortslisten an bekannte Schleswig-Holstei- 
nische Botaniker die vllig eingeschlafene Frage der Herausgabe 
einer Landesflora von neuem zu erwecken, doch ohne den rechten 
Erfolg. Auch die im Laufe der Jahrzehnte im botanischen Institut 
zu Kiel angesammelten Pflanzenschtze wurden dui'ch P. Hennings 
mit bewundernsworthem Fleisse geordnet. Ausserdem erschienen 
zahlreiche floristische Einzelarbeiten, z. B. von Borchmann, 
Claudius, V. Fischer-Benzon, Fuchs, Hennings, Kirmis, Klalt, 
Kuphaldt, Laban, Lenz, Lienau. Manch, Petit, Prahl, Prehn, 
Reinke, Schitz, J. J. Schmidt, Timm u. s. w. 

So lagen die Verhltnisse, als Verf. 1881 nach Kiel kam. 
Mit Staunen bemerkte er das Fohlen einer Gesammtttora des 



30 



Naturwissenschaftliclie Wochenschrift. 



Nr. 3. 



Gebietes, das riesige aufgehufte Material, die zahlreichen Einzel- 
arbeiten, die Energielosigkeit oder Gleichgltigkeit der zur 
Herausgabe einer Flora etwa berufenen Persnlichkeiten.'" Er 
studirte die Litteratur und Herbarien, durchstreifte im Laufe der 
folgenden Jahre nach allen Richtungen das Gebiet und gab (1887) 
die erste Flora desselben heraus. Behlflich waren ihm u. A.: 
Borst, Brehmer, Buehenau, Burmester, Callsen, Fack, v. Fischer- 
Benzon, Fuchs, Garcke, Hallier, Haussknecht, Hennings, Hin- 
richsen, Jensen, Jessen, Krause, Lange , Lienau , Fax, Prahl, 
Prehn, Reinke, Reinbold, Rohwedder, Schmidt, Timm, Wstnei etc. 

Als grssten Erfolg seiner Flora sieht Verf. das Erscheinen 
eines zweiten Werkes dieser Art an, welches von Prahl, 
V. Fischer-Be nzon und Krause (1888 1890) herausgegeben 
wurde, denen ausser den meisten der oben genannten noch zahl- 
reiche andere Mnner behlflich waren. 

Auch auf dem Gebiete der Algenforschung ist ein vor- 
lufiger Absehluss durch J. Reinke's Algenflora der westliclien 
Ostsee deutschen Antheils" (Kiel 1889), welcher sich desselben 
Verfassers Atlas deutscher Meeresalgen" (Berlin 1891) anschliesst, 
gemacht worden. Ausser Reinke sind als thtige AI gen forscher 
zu nennen: Engler, Flgel, Kirchenpaur, Kuckuck, Lenz, Lders, 
Magnus, Reinbold, Schutt. Chr. Sonder. Die Pilze bearbeiteten 
Eichelbaum, B. Fischer, Fuchs, Sadebeck; die Moose Burchard, 
Gottsche, Jensen, Langfeldt, Prahl, Timm, Wahuschaff; die Ge- 
f sskry ptogamen Klatt, Langfeldt, Prahl, Timm, Wahnschaff, 
lieber Bl thenpflanz an schrieben ausser den oben genannten: 
Friedrich, Junge, Nathorst; Nldecke, 0hl, Petersen, Raunkiaer, 
C. Weber, Zimpel etc. 

Anhangsweise werden Arbeiten ber Grten, Anlagen, 
Institute, Sammlungen, sowie ber die Geschichte der 
Botanik, endlich in Schleswig-Holstein verfasste Lehrbcher 
augefhrt. 

II. Nordfriesische Inseln und Helgoland. Die Litte- 
ratur ber die Flora dieser Inseln beansprucht wegen der Eigen- 
artigkeit ihrer Ptlanzenwelt ein eigenes Kapitel in der , Geschichte 
der Botanik in Schleswig-Holstein". Der erste wissenschaftliche 
Botaniker, welcher Sylt liesuchte, war Oeder. Sodann machte 
Nolte zahlreiche interessante Entdeckungen auf den nordfrie- 
sischen Inseln. Sptere Erforscher der Flora derselben sind 

F. Mller, Spieker, Schitz, Borst, Prahl, v. Fischer- 
Benzon, Hallier, v. Ebner, Buehenau, Raunkiaer, 
Knuth. Die erste Arbeit ber die Flora von Helgoland 
stammt erst aus dem Jahre 1829 und ist von F. H. Hotfmann 
verfasst. Nach ihm verffentlichten Nolte, Threde, Rding, 

G. F. W. Meyer, Cohn, Hallier, Pringsheim, Wollny, v. Daa 
Torre, Haussknecht, Reinke arbeiten ber die Pflanzenwelt Helgo- 
lands, insbesondere ber die Algenflora. 

III. Biologie. Besonders den Bestubungseinrichtungen ist 
neuerdings grosse Aufmerksamkeit geschenkt worden. Nach 
Wrdigung der Verdienste Ch, K. Sprengel's, J. G. Kl- 
reuter's, Charles Darwin's, H. Mller's, J. Mac Leod's 
fhrt Verf. seine zahlreichen Arbeiten ber die Bestubungsein- 
richtungen Schleswig-Holsteinischer Pflanzen auf, zu denen er 
durch die Werke H. Mller's, mit welchem er einige Jahre in 
derselben Provinz und in gleicher Stellung thtig war, angeregt 
wurde. Zum Schlsse macht er noch auf die biologischen Arbeiten 
von E. Warming aufmerksam. 

IV. Phaenologie. Der Begrnder dieses Zweiges der Bo- 
tanik ist Linne. Die ltesten phnologischen Aufzeichnungen in 
Schleswig-Holstein sind durch Herzog Christian August 17.5 
veranlasst; sie wurden durch F. H. Ger mar erhalten. Zu phno- 
logischen Beobachtungen regte 1785 P. D. Giseke in Hamburg 
an. A. W. Nouber in Apeurade hat dort 1825 solche Beobach- 
tungen angestellt. Eine tiefer gehende Anregung gab erst 
G. Karsten in Kiel Ende der sechziger Jahre, doch nahm das 
Interesse sehr bald ab. Angeregt durch die Arbeiten von H. Hoff- 
mann in Giessen und die Schriften von E. Ihne unternahm es 
Verf., das Hotfmann'sche Schema fr phuologische Beobachtungen 
auch in Schleswig-Holstein einzufhren, und zwar mit dem Er- 
folge, dass er im ersten Jahre (1890) von 18, im zweiten (1S91) 
von 26 Beobachtern die Karten ausgefllt zurckbekam. .\, 



G. Massee, A Monograph of the Myxogastres, 367 S, cum tab. 
col. 12. 8". London (Methuen & t'o.) 1892. Preis 18 Mk. 

Da das Rostafinskisehe Buch ber die My.xomyceten den 
meisten unzugnglich ist, weil es in polnischer Sprache abgefasst 
ist, so niuss das Erscheinen eines Werkes, welche diese interessanten 
Pflanzen in einer verstndlichen Sprache dem Fachmanne und 
dem Laien vorfhrt, mit Freuden begrsst werden. Wir Deutsche 
besitzen fr die Gesammtheit der Myxomyceten ein hnliches 
Werk nicht; allerdings sind unsere in Doiitschland heimischen 
Arten in mustergltiger Weise von Schrter in der schlesischen 
Kryptogamenflora bearbeitet worden. 

Zwar sind neue Gedanken ber die Verwandtschaftsverhlt- 
nisse der Gruppe in vorliegendem Buche nicht zu finden, auch 
ist auf praktische Bestimmungstabellen leider ein zu geringer 
Werth gelegt worden, aber doch ist das Buch seiner guten Be- 
sehreibungen und Abbildungen wegen fr das Studium der Schloim- 
pilze zu empfehlen. Die Einleitung giebt eine Uebersicht ber 
die Morphologie und die bisherigen Systeme und kann daher als 
Einfhrung in das Studium dienen. Wer zugleich neben diesem 
Buche noch die Schrtersche Bearbeitung hat, wird sich leicht 
auch das Verstndniss der schwierigeren Gruppen erschliessen 
knnen. Zum Schluss sei es noch gestattet, das S3'stem mit den 
Abweichungen gegen die frheren hier wiederzugeben. 

Tubulinae: Tubulina (incl, Licea et Lindbladia), Protodermium. 
Cribrariae: Orcadella, Enteridium, Clathroptychium, Cribr.aria 
(incl. Heterodictyon), Dictydium. Stemonitae: Stemonitis (incl. 
Comatricha), Siphoptychium, Amaurochaete, Brcfeldia, Rostafinskia, 
Reticularia. Lamprodermae : Enerthenema, Ancyrophorus, Lam- 
proderma. Echinostelium, Raciborskia. Orthotricha. 

Die Gattung Clastoderma, die Schrter mit Orthotricha iden- 
tisch hlt, wird von Masse nicht angefhrt. Tricheae: Trichia, 
(.>ligonema. Arcyriae: Prototrichia (incl. Coruuvia pr. p.) Peri- 
chaena, Ophiotheca (incl. Coruuvia pr. p.), Heterotrichia (n. gen.), 
Lachnobolus, Arcyria (incl. Hemiarcyria), Lycogala (incl. Dermo- 
dium). Didymeae: Chondrioderma , Didymium, Lepidoderma, 
Spumaria, Diachaea. Physarae: Badhamia, Craterium, Plysarum, 
Tilmadoche, Leocarpus, Cienkowskia, Crateriachea, Fuligo. 

Dr. Lindau. 



Bachmann, P., Die Elemente der Zahlentheorie. Leipzig. 6,40 M. 
Barus, C, Die physikalische Behandlung und die Messung hoher 

Temperaturen. Leipzig. 3 M. 
Barvir, H., Beitrge zur Morphologie d. Korund. AVien. 0,60 M. 
Becker, E., Zonenbeobachtungen der Sterne zwischen 20. und 25. 

Grad nrdlicher Declination. Berlin. 
Berteis, G. A., Erdl, Schlammvulkane und Steinkohle. Riga. 

1,60 M. 
Berzelius u, Liebig. Ihre Briefe von 18311845 mit erluternden 

Einschaltungen aus gleichzeitigen Briefen v. Liebig und Whler, 

sowie Missenschaftlichen Nachweisen. Mnchen. 6 M. 
Beyschlag, F., Geologische Uebersichtskarte der Gegend von 

Halle a. S. Die Mausfelder Mulde und ihre Rndert Berlin. 

3 U. 
Bibliotheka zoologica IL Leipzig. 12 M. 
Birch-Hirschfeld, F. V., Grundriss der allgemeinen Pathologie. 

Leipzig 7,25 M. 
Bock, E. C, Das Buch vom gesunden und kranken Menschen. 

15. Aufl. Leipzig. 12 M. 
Brner, H., Lehrbuch der Physik fr hhere Lehranstalten, so- 
wie zur Einfhrung in das Studium der neuereu Phvsik. Berlin. 

6 M. 
Braune, W., u. O. Fischer, Bestimmung der Trgheitsmomente 

des menschlichen Krpers und seiuer Glieder. Leipzig. 4 M. 
Braus, H., Ueber die Rami ventrales der vorderen Spinalnerven 

einiger Selachier. Jena. 0,80 M. 
Brendel, M., lieber die Brechung des Lichts in Prismen etc. 

Bi'rliu. 
Bresg^en, H., Beitrag zur Kenntniss der Blattfallkrankheit der 

Weinrebe (Peronospora viticola) und deren Bekmjjfung. Kreutz- 

nach. 0,50 M. 
Claus, C, Ueber die Entwicklung der Scyphostoma von Cotylorhiza, 

Aurelia und Chrysaora, sowie ber die systematische Stellung 

der Scyphomedusen. 2 Tbl. Wien. 11,20 M. 
Cohen, E., Meteoreisen-Studien. II. Wien. 1,20 M. 



Inhalt: Werner von Siemens f. (Mit Portrt) Dr. Otto Kuntze: Botanische Excursion chircli die Pampas und Monte- 
Formationen nach den Cordilleren. (Fortsetzung und Schluss.) Ueber den Scheich im Nibelungenliede. Fort])rianzung des 
Wurmes Planaria alpina Dana. In der * )hrmuschel und im Gehrgang von Nagern, Wiederkuern und Raubtliieron lebende 
Milben. Beitrge zur Entwicklungsgeschichte di-r Samendecken bei den Euphorbiaceen mit besonderer Bercksichtigung von 
Ricinus communis L. Beyrichit von d^r Grube Lammerichskaule bei Altenkirchen im Siegeuschen Aus dem wissen- 
schaftlichen Leben. Litteratur: Rudolf Virchow: Lernen und Forschen. Paul Knuth: Geschichte der Botanik in Schles- 
wig-Holstein. Zweiter Theil. (Die Zeit nach Linne). G. Massee: A Monograph of tlic Myxogastres. Liste. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. 



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Prot. Dr. A. .Schubert. 

Die Bedeutung der naturhistorischen, insonderheit 

der zoologischen Museen von Professor Dr. Karl 

Kraepelin. 

Anleitung zu bltenbiologischen Beobachtungen 

von Prof. Dr. E. Loew. 

Das glaziale" Dwykakonglomerat Sdafrikas von 

Dr. F. M. Stapft'. 

Die Bakterien und die Art ihrer Untersuchung von 

Dr. Rob. Mittmaun. Mit 8 Holzschnitten. 

Die systematische Zugehrigkeit der versteinerten 

Hlzer (vom Typus Araucarioxylon) in den palaeo- 

litischen Formationen von Dr. H. Potonie. Mit 

1 Tafel. 

Lieber die wichtigen Funktionen der Wanderzellen 

im thierischen Krper von Dr. E. Korscheit. 

Mit 10 Holzschnitten. 

Ueber die Meeresprovinzen der Vorzeit von Dr. 

F. Frech. Mit Abbildungen und Karten. 



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Lieber das Causalittsprincip der Naturerschei- 
nungen mit Bezugnahme auf du Bois-Reymonds 
Rede: Die sieben Weltrthsel" von Dr. Eugen 
Dreher. 

Das Rthsel des Hypnotlsmus von Dr. Karl Friedr. 
Jordan. 

Die pflanzengeographische Anlage Im Kgl. bota- 
nischen Garten zu Berlin von Dr. H. Potonie. 

Mit 2 Tafeln. 

Untersuchungen ber das Ranzigwerden der Fette 

von Dr. Ed. Kitsert. 

Die Urvierfssler (Eotetrapoda) des schsischen 
Rothliegenden von Prof. Dr. Hermann Credner 
in Leipzig. Mit vielen Abbildungen. 

Das Sturmwarnungswesen an den Deutschen Ksten 

von Prof. Dr. W. J. van Bebber. Mit i Tafel 
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Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin N. 4, Invalidenstr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein 
Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. 



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<^.j:- Redaktion: 7 Dr. H. Potonie. 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbvichhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. Sonntag, den 


9') 


Januar 1893. 


Nr. 4. 

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anstalten, wie bei dei' Expedition. Der Vierteljahrspreis ist JC 3. 
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bei allen Annocenbureaux, wie bei der Expedition. 


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zur systematischen Stellung von Casuarina. 



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rectors des kgl. 



Das Erscheinen des Syllabus der Vorlesungen ber 
specielle und mediciiiisch-pliarinaceutisclie Botanik, eine 
Uebersiclit ber das gesamnite l'flanyA'nsystem mit Be- 
rcksichtigung der Medicinal- und Nutzpflanzen (Gebr. 
Borntriiger [Ed. Eggers], Berlin 1892j aus der Feder eines 
unserer bedeutendsten 
lebenden Systematiker, 
Di- 
bota- 
nischen Gartens und Mu- 
seums zu Berlin, Adolf 
Engler, ferner die fr 
das Pflanzens_ystem so 
wichtigen Untersuchun- 
gen 5 1 e 1 c h i o r T r e u b ' s , 
des Directors vom bo- 
tanischen Garten zu 
Buitenzorg auf Java, an 
Casuariua geben mir 



Ein Bericht von H. Potonie.*) 



Veranlassung zu diesem 
Bericht. 

Man nimmt auch in 
der Wissenschaft gar zu 




- li 



Tafel I: Casuarina equisetifolia Porst. 

A = Stck eines Zweiges von Casuarina eciuisetifolia Forst., vergrssert, 

Querschnitt desselben; bei r die in die Bltter eintretenden Leitbiindel. C die im 

Centrum verUuifenden Theile der Leitbndel, welche im nilchstoberen Internodiiim in die 

Rinde austreten. t' = Stck eines Zweiges von Cas. nodidora Forst. (Aus Engler und 

Prantl's Natrlichen Pflanzentamilien. - Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig). 



leicht Rcksicht auf die 
fabelhafte Macht der 
Gewohnheit im Men- 
schen, und so hat denn 

auch A. W. Eichlcr, der amtliche Vorgnger Engler's, es 
nicht gewagt, die seit Adolphe Brouguiart 184o tief ein- 



*) Ein kleiner Theil des vorliegenden Ai'tikels ist ein er- 
weiterter nnd verbesserter Abdruck meines in der Pharmaeeutischen 
Zeitung (Berlin) vom 1. Juni 1892 verti'entlicliten Artikels Das 
natrlielie Pflanzensystem A. Engler's". Fr die Untersttzung, 
die mir Herr Dr. Reib. Mittmann bei der Abfassung des .Artikels 
fr die N. W." geleistet hat, sage ich ihm meinen verbindlichsten 
Dank. 



gewurzelte Zweitheilung des Pflanzenreiches in Krypto- 
gamen und Phanerogamen zu beseitigen, obwohl sich 
lngst gezeigt hatte, dass die hheren Kryptogamen (die 
Gefsskryptogamcn", Pteridophyten) viel mehr Verwandt- 
schaft mit den Phanerogamen als mit den niederen Krypto- 
gamen (den Thallophy- 
ten) besitzen, die schroffe 
Gegenberstellung der 
beiden genannten gros- 
sen Gruppen jedenfalls 
lngst nicht mehr zeit- 
gemss ist, und obwohl 
doch schon der Vor- 
gnger Eichler's, Alex. 
Braun, 1864 aus diesem 
Grunde die sachgemsse 
Dreitheiluug des ge- 
sammten Pflanzenrei- 
ches in Bryophyten, 
C'ormopbyten und An- 
thophyten vorgeschla- 
gen hatte.*) 

Wenn nun in der 
gleichen Erkeuutniss 
auch andere Autoren**) 
die Brongniart'sche Ein- 
theilung zu verbessern 
suchten, so haben ihre Gruppiruugen doch wenigstens 

*) Ich ziehe hier absichtlich, um nicht zu weitlufig werden 
zu mssen, nur die Systeme der 3 letzten Directoren des knigl. 
botan. Gartens zu Berlin in Betracht. Endlicher z. B. trug 183640 
der nheren Verwandtschaft der Pteridophyten mit den Phanero- 
gamen dadurch Rechnung, dass er gliederte I. Thallo{ihyta, 
II. Cormophyta. Die Cormopliyten enthalten die Pteridopliyten. 
**) Julius Sachs thrilt z. B. in seinem bekannten Lehrbuch 
der Botanik ein in I. Thallophyten, II. Muscineen, III. Gefss- 
kryptogamcn und IV'. Phanerogamen. 




32 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 4. 



bei den Systematikern keinen Eingang- gefunden, offen- 
bar weil die Anwendungen der neuen Gruppirungen nicht 
von vornherein in unentbehrlichen systematischen Werken 
zur praktiseben Verwerthung gekommen sind. 

Engler bat nun, ohne Rcksieht auf das bequeme Her- 
kmmliebe, ebenfalls die Zweitbeilung in Kryptogamen und 
Pbanerogameu fallen lassen und durchaus nur die Re- 
sultate neuerer Forschung zur Richtschnur genommen. 
Sein System wird Eingang finden, scbon desshalb, weil 
es in dem von ihm in Gemeinschaft mit Prantl unter- 
nommenen verdienstlichen Werke Die natrlichen Pflauzen- 
familien'" zur Anwendung gelangt: ein Werk, das von den 
Systematikern nicht zu bersehen ist, das von ihnen stets 
zu Rathe gezogen werden muss. 

Auch diejenigen Systematiker, die nicht gewhnt sind, 
ber ihre Sphre hinaus in den Fortgang der botanischen 
Wissenschaft binauszublicken, werden durch das genannte 
Werk geutbigt, dies zu thun, wenn sie es berhaupt 
versteben wollen, oder, was gleichbedeutend hiermit ist, 
wenn sie Systematiker bleiben wollen. 

Man wird dber gewissermaassen von Engler aus 



die Einfhrung des 



Systems, eine neue 



Epoche in der Entwicklung des Pflanzensystems rechnen 
Die natrlichen Pflanzenfamilien sind aber erst im 
Ersebeinen begriifen, und es ist daber von besonderem 
Interesse, vor der vollstndigen Fertigstellung dieses um- 
fangreicben Werkes in dem Syllabus Engler's sein System 
in gengender Ausfhrlichkeit, um in den Geist desselben 
eindringen" OT knnen, nunmehr vorgelegt erhalten zu 
baben.*) 

Dass sieb im Grossen und Ganzen die Gruppen 
Engler's mit den frheren decken und auch die Reihen- 
folge derselben, usserlicb betrachtet, im Ganzen sich sehr 
an Bisheriges anlehnt, ist natrlich: es ist das System 
Engler's naturgemss eine seinen eminenten Kenntnissen 
und den Fortschritten der Wissenschaft angepasste Weiter- 
bildung der frheren Systeme. 

Ob Engler gut gethan bat, dort, wo sich seine Gruppen 
mit frheren decken, hier und da neue Namen einzu- 
fhren, und die Endungen anderer zu verndern, darber 
lsst sich stteiten, weil Worte, Namen, das Unwesentlichste 
in einer Wissenschaft sind; es ist in der That im Grunde 
'gleiebgltig, wie mau eine Sache nennt, wenn man sie 
mn- versteht. Aber wer wrde es wohl wagen zu leugnen, 
dass eine gute zweckmssige Terminologie nicht nur ein 
usserst werthvoller Apparat fr die Forschung ist, son- 
dern auch pdagogisch gar nicht zu berschtzen ist. Die 
Rcksichtnahme auf eine schneUe und leichte Auffassung 
wissenschaftlicher Dinge sollte der Gelehrte, dem es wahr- 
baft darum zu thun ist, seiner Wissenschaft Jnger zu 
gewinnen und leicht verstanden zu werden was heisst 
letzteres andei-s als seinen Mitmenschen Zeit sparen 
niemals bei Seite lassen. 

- Will ein Gelehrter durch den Fortschritt der Erkennt- 
niss als unzweckmssig erkannte, aber alteingebrgerte 
imd daher bei den Fachgenossen schwer ausrottbare Aus- 
drcke durch sacbgemssere ersetzen, so kann er auf 
Anerkennung nur dann rechnen, wenn er Grosses unter- 
nimmt und hier seine Terminologie zur Anwendung bringt. 
Engler und Prantl's natrliche Pflanzenfamilien drften 
daher die Einfhrung der Engler'schen Bezeichnungen ganz 
wesentlich untersttzen. 

: Sehen wir uns Engler's Namen nher an, so finden 
*;wii', dgs er bei der Gestaltung derselben zwei Prineipien 
,im Auge gehabt hat: 1. orthographisch - grammatisch 
mglichste Richtigkeit; 2. sachHche Richtigkeit. 

*).Eine kurze Uebersiclit der Hauptgruppen hat Englor 
schon frher im Fhrer durch den botanischen Garten von Breslau" 
geboten. 



Ich erwhne Namen wie z. B.: Equisetales, Lycopo- 
diales, Primulales an Stelle von Equisetinae, Lycopodinae 
und Primulinae bei Eichler. whrend Namen wie Liliiflorae 
und Glumiflorae bei beiden Autoren die gleiclien sind. 

Wichtiger sind die folgenden Aenderungen. So nennt 
Engler die Phanerogamen Embryophyta sipbonogama" 
und die Bryophyten und Pteridophyten fasst er als Em- 
bryophyta zoi'diogama" zusammen, und zwar, wie leicht 
ersichtlich, Embryophyta wegen der Bildung vonEmbryonen 
aus der befruchteten Eizelle, zoidiogama insofern die Ei- 
zelle durch frei bewegliche, thierhnliche, mnnliche Be- 
fruchtuugskrper und sipbonogama insofern sie durch Ver- 
mittlung sehlauchtreibender Pollenkrner befruchtet wird. 

An die Spitze des Pflanzenreiches stellt Engler die- 
jenigen Pilze, die wegen der in ihren Entwicklungsgang 
gehrenden frei beweglichen Zustnde von vielen Forschern 
als Thiere angesehen werden (Mycetozoa). 

Die grossen Abtheilungen des Engler'schen Systemes 
ergeben sich aus der folgenden Tabelle: 



1. Myxo- 
thallophyta 



Myxomycetes 



IL Euthallo- 
phj-ta 



Schizophyta 

Dinoflagellata 

Baeillariales 

Gamophyceae 

Fungi 



III. Embryophyta zoidio- 
gama 



Bryophyta 



Hepaticae 

Musci 



Pteridophyta 



Filicales 

Equisetales 

Sphenophyl- 

lales 
Lycopodiales 



IV. Embryophyta sipbonogama 



Gymuo- 
sperniae 


A n g i s p e r m a e 


Cyeadales 
Cordaitales 


Chalazogamae 


Acrogamae 


Bennettitales 

Coniferae 

Gnefales 


Verticillatae 
(Farn. Casua- 
rinaceae) 


Monoco- 
tyledoneae 


Dicotyle- 
doneae 






Archichla- 
mydeae 
Sympetalae 



Am aufflligsten erscheint in dieser Tabelle die Ein- 
theilung der Angiospermen in Chalazogamae und Acro- 
gamae, welche letzteren dann erst in Monocotyledonen und 
Dicotyledouen gegliedert sind. Wir sehen aus der Tabelle, 
dass die Casuarinaeeeu mit ihrer einzigen (20 meist in 
Australien und auf den indisch-mala3iscben Inseln ein- 
heimischen Arten umfassenden) Gattung zu dieser Neu- 
gliederung Veranlassung gegeben baben. Die Casuari- 
naeeeu sind von dem Botaniker M. Treub*), dem Director 
des botanischen Gartens zu Buitcnzorg auf Java, neuer- 
dings eingehend untersucht worden, und diese Unter- 
suchungen haben so eigentbmliche und interessante Er- 
gebnisse geliefert, dass sich aus ihnen die Berechtigung 
ergab, eine neue Pflanzenklasse zu grnden. Jedenfalls 
gehren sie nicht zu den Dicotyledouen, wo sie bisher 
untergebracht wurden, von denen sie aber schon in eigen- 
thmlicber AVeise durch die schachtelbalmhnlichen Sprosse 
(daher Verticillatae") abweichen. 

Wir geben zur allgemeinen Orientirung ber die eigen- 
tbmliche Familie die gesammten P'iguren ber dieselbe 
aus Engler und Prantl's Werk .,Natrlicbe Pflanzen- 
familien". Taf. I und IL 

Durch die Entwicklungsgeschichte der weiblichen Ge- 
schlechtsorgane und den Vorgang bei der Befruchtung 
und die Verhltnisse der Geschlechtsorgane sind ja 



*) Sur les Casuarinees et leur place dans le Systeme natural 
(Ann. du Jard. bot. de Buitenzorg, Vol. X, 1891, S. 145 ff.). 



Nr. 4. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



33 



die ausschlaggebenden bei der Gliederung unserer heutigen 
Systeme nimmt aber Casuarina eine derartige Sonder- 



geben 



muss, wenn 



Stellung ein, dass man Engler Recht 
er Treub's neue Classification annimmt. 

Zum besseren Verstndniss der von Treub aufgedeck- 
ten engeren Beziehungen zu den Pteridophyten und Gym- 
nospermen sei das Folgende als Repetition vorausgesandt. 

Bei den Gefiiss- 
kryptogamen fin- 
den wir eine dem 
Generationswech- 
selgewisserThier- 
klassen hnliche 
Erscheinung. So 
stellen z. B. die 
allgemein bekann- 
ten vegetativen 
Formen der Farne, 
die Wedel, die ge- 
schlechtslose Ge- 
neration dar. Die- 
se erzeug-t auf un- 
geschlechtlichem 
Wege meist auf 
der Unterseite der 
Wedel die ge- 
whnlich in Huf- 
chen (Sori) bei- 
sammen stehen- 
den Sporangien, 
und durch Kei- 
mung der in die 
seu gebildeten 
Sporen entsteht 
die geschlecht 
liebe Generation, 
das Prothallium. 

Die Farnspo- 
rangien zeigen in 
ihrem Bau meist 
eine gewisse 

Aehnlichkeit mit 
den Drtiseniiaaren 
der Phaneroga- 
men. Sie besitzen 
einen aus einer 
oder mehreren 
Zellreihen be- 
stehenden Stiel, 
welcher eine ku- 
gelige Zellanhu- 
fung trgt. Letz- 
tere zeigt zu us- 
serst eine ein- 
oder mehrschich- 
tige Wand , auf 
welche nach innen 
eine ebenfalls aus 

einer oder mehreren Zelllagen bestehende Schicht, die Ta- 
petenzellen oder Jlantelschicht, folgt, welche S])ter resor- 
birt wird. Im Innern befindet sich das Archesporium (sporo- 
gener Zellcomplex), eine plasmareiche Zelle, Zellreihe oder 
enr Zellkrper, aus welchem durch Theilung die Sporen- 
mutterzellen entstehen. Jede der Archesporzellen theilt sich 
in 4 Sporen, die entweder alle gleichartig sind, wie bei den 
eigentlichen Farnkrutern (isospore Pteridophyten), oder 
verschiedenartig sind, wie bei Isoetes, Marsilia, Selaginella 
(heterosporePteridophyten). Das durch Keimung der Sporen 
entstehende Prothallium ist ein dem Thallus der niederen 




Tafel II: A L Casuarina eqiiisetifolia Porst. M-O Cas. leueodon Poisson. 

.4 = Zweig mit miiiinlichen Blthen uml Frchten (nach Poisson). = Stck des miinnlichcu 
Blthenstandes, vergrssert. t' = Diagramm eines Blthenquirls. D eine mnnliche BUithe, deren 
Staub die beiden Vorbl. in die Hhe hebt. E = Pollen stark vergrssert. F = weiblicher Bltben- 
stand. ~ G = weibliche Blthe. H = Diagramm derselben; zu beachten das hintere leere Fach. 
J L ^=- Frkn. in seiner Entwicklung fuach Poisson). M = Fruchtstand von Casuarina leueodon 
Poisson. N = ein-,!elne Frucht. = unterer Theil der Frucht mit Lngsschnitt durch den Samen. 
(Aus Engler und Prantl's Natrlichen Pfianzenfamilien. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig.) 



Lebermoose hnlicher Zellkrper, welcher bei den isosporen 
Pteridophyten Ijeide Arten von Geschlechtsorganen besitzt. 
Die heterosporen Pteridophyten besitzen 2 oft durch Grsse 
und Form verschiedene Arten von Sporen, die auch in 
zweierlei Sporangien (Makro- und Mikrosporangien) erzeugt 
werden. Beide bilden bei der Keimung nur ein wenig 
entwickeltes Prothallium. Das aus einer ilikrospore entste- 
hende Prothalliuin 
erzeugt nur mnn- 
liche Geschlechts- 
organe ( Anthcridi- 
en), das aus einer 
Makrospore ent- 
stehende nur weib- 
liche (Archego- 
nien). Die Entste- 
hung der Mikro- 
sporen erfolgt in 
der Weise, dass 
sich jede Sporen- 
mutterzelle in 4 
Sporen theilt. In 
den Makrosporau- 
gien dagegen ver- 
drngt eine Spo- 
remnutterzellealle 
brigen und theilt 
sich in 4 Sporen, 
von denen oft 
noch 3 zu Grun- 
de gehen, sodass 
im ausgewachse- 
nen Makrosporan- 
gium meist nur 
i Spore enthal- 
ten ist. 
Bei den Phanero- 
gamen geschieht 
dieBildung derGe- 
sehlechtsorgane 
in folgender Wei- 
se. In den Pol- 
lenscken der 
Staubbeutel ent- 
wickeln sich, den 
Mikrosporeu ent- 
sprechend, sehr 
zahlreiche Pollen- 
krner, whrend 
die als weiblir 
cbes Organ fun- 
girende Samen- 
knospe (leider 
Ovulum'- ge- 
nannt) im Em- 
bryosack meist 
nur 1 Eizelle (Oos- 
phre), selten meh- 
gemss : 



rere. 



sich dem 



Phanerogamen 



der 



der 



die 



und die Mikro- 
und das Mikro- 



enthlt. Es entsprechen 
das Pollenkorn der 

spore der Kryptogamen; 
Pollensack der Phanerogamen 

sporangium der Kryptogamen; 
Embryosack der Phanerogamen und die Makro- 
spore der Kryptogamen; 
Samenknospe der Phanerogamen und das Makro- 
sporaugium der Kryptogamen. 
Zwischen Phanerogamen und Kryptogamen besteben 
aber nicht blos obige Homologien,sondern bei den Cycadcen 



34 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 4. 



und einigen Coniferen ist auch die Entwickehing- der 
entsprechenden Organe eine hnliche. Bei den Cycadeen 
entwickelt sich inmitten eines dem Archesporium ent- 
sprechenden Zellcomplexes eine Zelle auffallend stark 
und wird zur Embryosack-Mutterzelle (Sporen-Mutterzelle). 
Von den aus dieser entstehenden 3 Zellen entwickelt sich 
eine wiederum besonders stark, verdrngt die anderen 
und wird zum Embryosack. In diesem entsteht durch 
freie Zellbildung ein dem Prothallium entsprechendes Ge- 
webe, an dessen Scheitel sich die den Archegonien ent- 
sprechenden weiblichen Organe bilden; und zwar eine 
kleine obere Zelle (Halszelle) und eine grssere untere 
(Centralzelle). 

Bei den Gymnospermen sind die Samenknospen nur 
von 1 oder 2 Hllen (lutegumenten) umgeben, welche an 
der Spitze, der sog. Kernwarze, eine canalartige Ocffnung 
(Mikropyle) freilassen; im brigen liegen die Samen- 
knospen, wie schon der Name Gymnospermen besagt, 
offen auf den Fruchtblttern (Carpellen). Bei den Angio- 
spermen sind sie ausser von den Integumenten noch von 
den verwachsenen Fruchtblttern umgehen, liegen also in 
einem vllig geschlossenen Gebilde, dem Fruchtknoten. 
Der von den Integumenten umschlossene Tbeil der Samen- 
knospe wird Knospeukcrn (Nucellus), der der Mikropyle 
entgegengesetzte Theil Knospengrund (Chalaza) genannt. 
Dieser steht in Verbindung mit dem Nabelstrang (Funi- 



culus), welcher letztere die Samenknospe mit der Frucht- 
knotenwand verbindet. 

Die Befruchtung geschieht nun in folgender Weise: 
Der auf die Narbe fallende oder gebrachte Pollen keimt 
in der dort abgesonderten Flssigkeit aus. Der hierbei 
entstehende Schlauch muss nun, um zum Ei zu gelangen, 
zunchst den Griflfelcanal durchwachsen, dringt dann in der 
Fruchtknotenhhle l)is zur Mikropyle und durch diese und 
das Gewebe der Kernwarze hindurch bis zum Ei vor. Der 
Weg, welchen er dabei einschlgt, ist ihm durch den ganzen 
Bau des Fruchtknotens gewissermaassen vorgezeichnet. 

Im Grunde des Embryosackes entstehen lngere Zeit 
vor der Befruchtung durch freie Zellbildung 3 sich bald 
mit Membranen umkleidende Zellen, die Antipoden oder 
Basalzellen. An dem anderen, der Mikropyle zugewendeten 
Ende des Embryosackes, bilden sich fast stets 3 membran- 
lose Zellen mit je einem Zellkerne. Zwei derselben, die 
sog. Gehlfinnen (Synergiden) liegen mit ihrem Scheitel 
unmittelbar an der Wand des ussersten Scheitels des 
Embryosackes. Die dritte Zelle liegt etwas tiefer; sie ist 
das eigentliche Ei, welches sich nach der Befruchtung 
allein zum Embryo entwickelt. Eine unmittelbare Be- 
rhrung des Pollenschlauchs mit der I^izelle findet nicht 
statt, sondern der befruchtende Stoff tritt auf osmotischem 
Wege durch die Synergiden hindurch in die Eizelle ein. 

(Fortsetzung folgt.) 



Mathematische Spielereien in kritischer und historischer Beleuchtung. 



Von Prof. Dr. H. Schubert. 



V. Zwei Dinge zu rathen, die in angegebenen 

Reihen liegen. 

(Mutus dedit noinen cocis.) 

Das alte und sehr verbreitete Kartenkunststck Mutus 
dedit nomen cocis" besteht bekanntlich darin, dass der 
Eathende 10 Paare Karten aufdeckt, von denen man sich 
ein Paar merken soll. Nachdem der Rathende dann die 
20 Karten in gewisser Weise in 4 Reihen zu je 5 hin- 
gelegt hat und gehrt hat, in welcher Reihe bezw. welchen 
beiden Reihen das gemerkte Paar liegt, ist er im Stande, 
anzugeben, welches die beiden gemerkten Karten sind. 
Er nimmt die Karten nmlich so zusammen, dass immer 
die Karten eines Paares zusammenbleiben, denkt sich 
dann die 5 Buchstaben jedes der 4 Wrter ., Mutus 
dedit nomen cocis" in 4 Reihen auf den Tisch ge- 
schrieben, und legt die Karten jedes Paares so, dass sie 
auf zwei gleiche Buchstaben zu liegen kommen. Wird 
ihm nun gesagt, dass die gemerkten Karten beide in der 
ersten Reihe liegen, so ist es die zweite und vierte, weil 
in Mutus nur der zweite und vierte Buchstabe, nmlich u, 
derselbe ist. Lgen die Karten beide in der zweiten 
Reihe, so msste die erste und dritte das Paar bilden, 
weil in dedit der erste und dritte Buchstabe gleich ist, 
u. s. w. Hrte man ferner, dass die beiden gemerkten 
Karten in der ersten und zweiten Reihe liegen, so msste 
mau den Buchstaben suchen, der in Mutus und dedit zu- 
gleich vorkommt. Man fnde, dass es das t ist, woraus 
mau zu schliessen htte, dass die dritte Karte der ersten 
Reihe und die fnfte der zweiten Reihe das gemerkte 
Paar bilden. Ebenso wrde man aus der Angabe zweite 
lind vierte Reihe" wegen des gemeinsamen Buchstabens i 
finden, dass die vierte Karte der zweiten Reihe mit der 
vierten Karte der vierten Reihe das gemerkte Paar zu- 
sammensetzen, u. s. w. Der Erfolg dieses Kunststcks be- 
ruht darauf, dass die 10 Buchstaben, die in Mutus dedit 
nomen cocis, jeder zweimal, vorkommen, sich derartig ver- 



theilen, dass erstens jedes Wort einen Buchstaben dop- 
pelt enthlt, und dass zweitens je zwei Reihen immer 
einen Buchstaben gemeinsam haben. 

Es liegt nahe, dieses kleine Kunststck, dessen Ge- 
schichte dem Verfasser unbekannt ist, auf beliebig viele 
Reihen auszudehnen. Obwohl man statt der Karten natr- 
lich beliebige Dinge setzen kann, wollen wir doch, der 
Einfacliiieit des Ausdrucks wegen, Karten -Paare als die 
zu rathenden Dinge betrachten. Sollen u Reihen gelegt 
werden, so mssen in jeder Reihe immer n + 1 Karten 
liegen, wie sich auf folgende Weise ergiebt. In jeder 
Reihe sind zwei Karten, die ein Paar bilden, ausserdem 
noch je eine Karte, die mit einer der brigen n 1 
Reihen ein Paar bildet; also muss jede Reihe 2 4-u 1 
oder n + 1 Karten enthalten. Fr n = 1 ist das Kunst- 
stck naiv. Fr n = 2 sind zwei Reihen von je drei 
Karten zu legen. Man hat sich dann nur zu merken, an 
welche Stelle jeder Reihe man die beiden Karten legt, 
von denen die eine in der einen, die andere in der andern 
Reihe zu liegen hat. Bezeichnen zwei gleiche Buchstaben 
immer ein Paar, so kann die Legweise der drei Karten- 
paare so verdeutlicht werden: 

a b a 



Ebenso kann man fr n ^ 3, also fr Karten-Paare, 
die Legweise aus folgender Buchstaben-Zusammenstellung 
entnehmen: 

a b c a 

b d e d 

c e f f 

Es fragt sich nun, ob man ein leicht behaltbares 
Princip der Zusannuenstellung der Buchstaben finden kann, 
wenn n beliebig gross ist, da man ja doch darauf \ev- 
zichten muss, fr grssere n Zaubersprche zu ersinnen, 
die ebenso gut passen, wie die Buchstaben in Mutus 



Nr. 4. 



Naturwissenscliaftliche Wochenschrift. 



35 



dedit nomen cocis" fr n = 4 passen. Ein solches Prin- 
cip, das sich dem Gedchtniss leicht einpiiigt, ist folgendes : 
In der a-ten Reihe soll immer die a-te und die 
letzte Karte ein Paar bilden; und ausserdem 
sollen immer die b-te Karte der c-ten Reihe mit 
der c-ten Karte der b-ten Reihe als Paar zu- 
saraniengehren." Bezeichnen also wieder, wie oben, 
zwei gleiche Buchstaben ein Paar, so kann die aus dieser 
Regel fr n = 7 resultirende Legweise folgeudermaasseu 



veranschaulicht ' 


Verden: 












A 


b 


c 


d 


e 


f 


8' 


A 


b 


B 


h 


i 


k 


1 


m 


B 


c 


h 


C 


n 





P 


q 


C 


d 


1 


u 


D 


r 


s 


t 


D 


e 


k 





r 


E 


u 


V 


E 


f 


1 


p 


s 


u 


F 


w 


F 





m 


q 


t 


V 


w 


G 


G 



(Die grossen Buchstaben bezeichnen immer zwei Kui-ten , din in 
derselben Reihe liegen.) 

Es ist nun nicht schwer, hiernach das Kunststck fr 
beliebig viele Karten durchzufhren. Natrlich kann man 
statt der Karten auch andere untersclieidbare Dinge 
nehmen. Zur Unterhaltung einer Gesellschaft empfiehlt 
sieb z. B. die Wahl von mnnlichen und weiblichen Vor- 
namen. Wir wollen hier beliel)ig zusammengestellte Paare 
von Zahlen nehmen. Fr n = 7 ergeben sich 28 Paare. 
Wir schreiben also auf 56 gleich grosse Zettel etwa die 
Zahlen von 1 bis 56, und legen dieselben, nachdem sie 
gehrig durcheinandergeraischt sind, so zu Paaren zu- 
sammen, wie der Zufall es fgt. Jeder in der Gesellschaft 
kann sich nun ein zusammenliegendes Paar merken, und 
wir werden ihm nachher das gemerkte Paar nennen 
knnen, nachdem wir die Paare aufgenommen, gemss 
der obigen Regel gelegt und gehrt haben, in welcher 
Reihe bezw. welchen beiden Reihen die beiden gemerkten 
Zahlen liegen. Beispielsweise seien die 56 Zalden zu- 
fllig in folgender Weise zu 28 Paareu zusammengelegt: 



13 16 17 1 31 32 5 33 41 51 42 52 43 14 

29 50 34 53 18 22 30 19 15 8 21 2 3 38 

44 54 47 6 46 7 55 9 45 10 39 11 12 3 
26 28 27 48 4 49 20 56 23 40 25 35 37 24 

Nachdem wir diese Paare aufgenommen haben, legen 
wir sie nach der angegebenen Regel, wobei wir hinsicht- 
lich der Reihenfolge, in welcher wir die Paare nach ein- 
ander auf den ihnen zuktimmcuden Platz legen, beliebig 
verfahren werden, um dem Ueschauer das Legungsgesetz 
zu verhllen. Die 28 Zahlen -Paare mgen also etwa so 
gelegt sein: 

42 43 44 47 46 55 45 21 

3 39 37 13 17 31 5 25 

26 12 41 51 52 14 54 15 

27 29 8 6 7 9 10 48 

4 34 2 49 11 .36 16 35 
20 18 38 56 24 1 32 53 
23 30 28 40 50 22 33 19 

Hren wir nun, dass zwei gemerkte ZahU'n I)('ide in 
der fnften Reihe liegen, so werden wir, unserer Regel 
eingedenk, die fnfte und letzte, also 11 und 35 nennen. 
Hren wir ferner, dass zwei gemerkte Zahlen in der 
dritten und sechsten Reihe liegen, so muss es nach unserer 
Regel die sechste Zahl der dritten Reihe und die dritte 
Zahl der sechsten Reihe, also 14 und 38 sein. Ibiren 
wir endlich, dass die Zahlen in der ersten und dritten 
Reihe liegen, so knnen wir sofort das richtige Zahlen- 
Paar 44 und 26 nennen. 

Man erkennt leicht, dass in dieser Weise das Kunst- 
stck auf beliebig viele Reihen ausgedehnt werden kann 
und um so berraschender wirken muss, je grsser die 
Zahl der Reihen und also auch die Zahl der Paare wird. 
So hat also die Heraussuehung des iu dem alten Karten- 
kunststck steckenden mathematischen Kerns dasselbe be- 
deutend vervollkommnet.*) 

*) Wird fortgesetzt. 



eber die Entstehung und die Heilung von Krank- 
lieiten durch Vorstellungen hielt Professor Dr. Adolf 
Strmpell beim Antritt des Prorcctorats der Universitt 
zu Erlangen eine Rede, der wir (nach dem Abdruck der- 
selben in der Berliner Klinischen Wochenschrift) das Fol- 
gende entnehmen. 

Die einfachste Selbstbeobachtung zeigt uns, wie jede 
strkere psychische Erregung eine Anzahl der auffallend- 
sten krperlichen Erscheinungen zur Folge hat. Auf fast 
allen berhaupt vorhandenen Gebieten nervser Ueber- 
tragung machen sich unter Umstnden diese Folgen be- 
merkbar. Unsere Bewegungsorganc knnen erregt oder 
in ihrer Thtigkeit gehemmt werden: Furcht oder Auf- 
regung machen uns am ganzen Krper zittern oder der 
Schreck lhmt unsere Glieder. Auch die Muskeln unserer 
Blutgefsse werden durch primre rein seelische Er- 
regungen in die Zustnde des Krampfes oder der Er- 
schlaffung bergefhrt: wir errthen vor Scham oder vor 
Zorn, wir werden blass vor Furcht oder innerer Erregung. 
Auch auf die Thtigkeit zahlreicher Drsen haben die 
Zustnde unseres Bewusstseins den grssten Einfluss: wir 
vergiessen Thrnen der Trauer, uns bricht der Angst- 
schweiss aus, uns (|ult andererseits die Trockenheit des 
Mundes, wenn wir iu aufgeregter Stimnuing sprechen sollen. 

Alle diese Vorgnge fallen noch nicht in das Gebiet 
eigentlich krankhafter Zustnde, obwohl sie bereits aus 
dem ruhigen Gleichmaass der ungestrt ablaufenden Le- 
benserscheinungeu heraustreten. Sie bilden aber die un- 



mittelbare Vorstufe zu ungemein hufigen wirklichen 
Krankheitszustnden, welche einem unaufmerksamen Be- 
obachter leicht als rein k(>rperlichc Leiden erscheinen, 
whrend sie doch in Wirklichkeit nichts Anderes sind, 
als die uothwendigen krperlichen Folgen rein geistiger 
Vorgnge und daher auch nur mit diesen letzteren zu- 
sammen wieder verschwinden knnen. Derartige krank- 
hafte Zustnde entstehen sowohl, wenn ein einmaliger, 
aber ungewhnlich heftiger psychischer Shok eine an- 
haltende hochgradige Erregung des Bewusstseins ver- 
ursacht, oder wenn eine hnliche Wirkung durch an sich 
leichtere, aber hufig wiederkehrende uud in ihrer Wir- 
kung sich daher sunnnirende Einflsse erzielt wird. 

Fr die praktische Bedeutung dieser Vorgnge ist 
aber Nichts von so einschneidender Wichtigkeit, wie die 
Thatsache der ungemein grossen individuellen Unter- 
schiede in Bezug auf ihre Strke und Ausdehnung, sowie 
die Leichtigkeit ihres Eintritts. Wie wir verschiedene 
krperliche, so mssen wir auch verschiedene geistige 
Constitutionen annehmen, zu deren wesentlichsten Unter- 
scheidungsmerkmalen gerade die besondere Beschatfenheit 
des Abhngigkeitsverhltnisses zwischen seelischen und 
krperlichen Vorgngen besteht. Dabei kann aber kein 
Zweifel darber sein, dass diese Unterschiede ihrem Wesen 
nach vorzugsweise auf dem geistigen Gebiete selbst liegen, 
dass also die Leichtigkeit des Eintritts psychisch bedingter 
krperlicher Strungen nicht etwa auf einer abnorm 
schwachen Widerstandskraft des Krpers beruht, sondern 



36 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 4. 



Von der besonderen Leichtigkeit und Hufigkeit des Ein- 
tritts abnorm starker seelischer Erregungen abhngt. 
Wenn man gegenwrtig die gewhnlichen leichten Grade 
krperlich hervortretender, aber psychisch bedingter Reiz- 
oder Depressionserscheinungeu als Nervositt" be- 
zeichnet, so mssen wir wohl daran festhalten, dass die 
Nervositt im Sinne der Wissenschaft eine besondere 
geistige, aber keine krperliche Constitution bezeichnet. 
Wohl kann sie zuweilen erworben und daher vielleicht im 
Zusammenhang mit gewissen krperlichen Veranlassungen 
entstanden sein; in den meisten Fllen ist sie aber nichts 
Anderes, als ein Ausdruck der besonderen geistigen In- 
dividualitt, welche zweifellos durch die Verhltnisse des 
usseren Lebens, durch Schicksal, Erziehung und Selbst- 
beeinflussung niodificirt und in Schranken gehalten werden 
kann, deren innerstes Wesen aber vllig zu unserer von 
Geburt an gegebenen Eigenart gehrt und ein Erbtheil 
unserer Natur ist. 

Eine genauere psychologische Analyse der Nervositt 
lsst den in der Besonderheit des geistigen Naturells ge- 
legenen Ursprung derselben fast immer deutlich erkennen. 
Eine derartige Analyse fhrt zur genaueren Feststellung- 
aller Eigenthmlichkeiteu des nervsen" Bewusstseins. 
Wir erkennen dann, dass das nervse" Bewusstsein durch 
das besondere hufige und leichte Auftauchen gewisser 
Vorstellungen und Vorstellungsgrnppeu cliarakterisirt ist, 
ebenso wie durch das erleichterte Eintreten gewisser 
Associationen mit anderen Vorstellungen meist ngstlichen 
und schreckhaften Inhalts, und endlich durch die auf- 
fallende .Schwche der Hemmung, welche unter normalen 
Verhltnissen derartige ngstliche Vorstellungen durch 
andersartige ihnen entgegenwirkende Vorstellungen er- 
fahren. 

Auf die auf den Zustand des eigenen Krpers sich 
beziehenden Vorstellungen ngstlichen Inhalts, die hypo- 
chondrischen Vorstellungen, geht St. specieller ein. 
Der Einfluss und die Bedeutung derartiger Vorstellungen, 
von denen nur wenige Menschen vllig frei sind, und 
deren Ursprung ja zum Theil in den vollkommen be- 
rechtigten Gedanken der Vorsicht und der Selbsterhaltung 
gelegen ist, knnen kaum hoch genug angeschlagen wer- 
den. Denn nicht nur, dass hierdurch zahlreiche sonstige 
Vorstellungen und Thtigkeiten eine nicht unbetrchtliche 
Hemmung erfahren: die hypochondrischen Vorstellungen 
sind selbst unmittelbar die Ursachen einer grossen Reihe 
abnormer krperlicher Zustnde. Bei ihrer gewlmlicheu 
Lebhaftigkeit und der besonderen Art ihres Inhaltes wer- 
den sie zunchst alle jene allgemeinen P"'olgeersc]ieinungen 
hervorrufen, deren nothwendiges Auftreten bei jeder str- 
keren seelischen Erregimg berhaupt bereits bekannt ist. 
Ausserdem aber sehen wir, dass jede einer Erwartung 
entsprechende, besonders lebhafte Vorstellung unter Um- 
stnden die subjective Empfindung des erwarteten Vor- 
stellungsinhalts hervorrufen kann. Diese Thatsache erklrt 
uns die Entstehung einer grossen Reihe von Krankheits- 
zustnden. Wir erkennen, wie durch die blosse Angst 
vor einem Magenleiden alle subjectiven Empfindungen 
eines solchen, durch die Fmcht vor einem Herzfehler alle 
subjectiven Erscheinungen desselben entstellen. Immer ist 
hier die Vorstellung das Primre, der krperliche Zustand 
die nothwendige Folge. Nicht von eingebildeten Krank- 
heiten drfen wir da sprechen, sondern von Krankheiten, 
die dur^h Einbildung, d. h. durch Vorstellungen entstanden 
sind. Wie weit diese Beeinflussung des Krperlichen durch 
das Vorstellungsleben reichen kann, ahnt derjenige nicht, 
der diese Verhltnisse nicht eingehend studirt hat. Denn 
in ihrer weiteren Entwicklung und Ausbildung knnen die 
leichtesten Strungen dieser Art schliesslich in eine vllige 
Unordnung und Auflsung aller normalen Beziehungen 



zwischen den ki'perlichen und geistigen Vorgngen aus- 
arten. Die Vorstellung der Lhmung kann zu wirklicher 
Lhmung, die Vorstellung einer erwarteten Empfindung 
zur Hallucination fhren. Nimmt man hinzu, wie hierbei 
in Wirklichkeit oft noch die Wahnvorstellungen eines von 
vornherein krankhaften Bewusstseins eine Rolle spielen, 
so gewinnt man eine Einsicht in die Entstehung jener 
schweren und traurigen Krankheitszustnde, bei denen 
sich die krankhafte Erregung der Vorstellungen in dem 
vlligen Verlust jeder geordneten Willensthtigkeit oder 
in den Visionen der Extase ussert. Nur durch die Analyse 
der einfachsten Verhltnisse knnen wir auch fr diese 
verwickelten Zustnde den Faden des Verstndnisses ge- 
winnen. 

Die Beeinflussung der Krperlichkeit durch die Zu- 
stnde unseres Bewusstseins geschieht nun nicht nur in 
ungnstiger, sondern ebenso hufig in einer die Beziehun- 
gen beider zu einander regelnden und von Neuem be- 
festigenden Weise. Whrend die lebhafte Vorstellung eines 
gefrchteteu Uebels hufig die subjectiven Empfindungen 
der scheinbar bereits bestehenden Krankheit hervorruft, 
wird andererseits die Vorstellung der sicher gefundenen 
Hlfe in einem solchen Falle auch sofort die angstvolle 
Aufregung des Bewusstseins und damit auch alle hier- 
durch entstandenen krperlichen Folgezustnde beseitigen. 
Durch das Auftauchen der neuen beruhigenden Vorstellung 
wird die vorhergehende bengstigende aus dem Bewusst- 
sein verdrngt. 

Diese Verhltnisse sind so einfach, dass sie einer 
aufmerksamsn und denkenden rztlichen Beobachtung nie- 
mals ganz entgangen sind. Jedoch der volle Umfang 
ihrer Wirksamkeit und Bedeutung kann erst jetzt richtig 
beurtheilt werden, seitdem wir ein eingehenderes Ver- 
stnduiss fr den psychischen Ursprung so zahlreicher, 
scheinbar rein krperlicher Krankheiten und Krankheits- 
syraptome gewonnen haben. Insbesondere ist es ein Um- 
stand, den man von den ltesten Zeiten an bis in die 
Gegenwart hinein hufig bersehen hat. Der erwhnte 
p.sychische Factor, nmlich der Einfluss der Vorstellungen 
auf die Beseitigung zahlreicher, scheinbar krperlicher 
Krankheitssymptome, wird sich natrlich oft auch allen 
sonstigen rztlichen Hlfeleistungen beigesellen. Denn 
selbstverstndlich wird das Auftauchen der neuen, die 
Hofl'nung und die Ueberzeugung der wiederkehrenden Ge- 
nesung ausdrckenden Vorstellungen in den meisten Fllen 
nur durch ussere Anlsse hervorgerufen, indem das Be- 
wusstsein den Glauben an die Wirksamkeit irgend welcher 
allgemein verbreiteter oder ihm durch sonstige Neben- 
unistnde besonders heilsam erscheinender Mittel gewinnt. 
Hierdurch entsteht aber nicht nur fr den Kranken, son- 
dern ebenso fr den Arzt eine ergiebige Quelle von Irr- 
thmern. Denn auch der letztere versumt es nur zu 
leicht, neben den unmittelbaren Wirkungen der von ihm 
getroffenen Maassnahmen, gleichzeitig auch die Bedeutung 
der hierdurch bei dem Patienten hervorgerufenen Vor- 
stellungen in Betracht zu ziehen. So kommt es, dass 
die Aerzte oft lange Zeit hindurch von der specifischen 
Wirksamkeit gewisser Heilmittel berzeugt sind, whrend 
doch die in der That beobachteten gnstigen Heilerfolge 
keineswegs diesen Mitteln selbst, sondern in Wirklichkeit 
nur dem auf sie gesetzten Vertrauen entspringen. So er- 
klrt sich denn auch, warum die neu entdeckten Medi- 
camente so hufig ihre anfangs allgemein gepriesene Heil- 
kraft schon nach wenigen Jahren wieder verlieren. An- 
dererseits sind uns aber auch jetzt, seitdem wir eine 
genauere Keunfniss von der Maclit der Vorstellungen auf 
gewisse krperliche Zustnde gewonnen haben, zahlreiche 
Vorkommnisse leicht erklrlich geworden, die frher von 
dem Nebel des Geheimnissvollen und Wunderbaren ver- 



Nr. 4. 



Naturwisseiiscbaftliche Wochenschrift. 



37 



hllt waren. Selbst in den durch die Leg\'iidenbildung- 
und durch aberglubische Uebcrtreibunj;- hufig- noch aus- 
geschmckten Erzhlungen von den berraschenden Hei- 
lungen schwer Kranker, Gelhmter, Besessener u. dgl. 
durch wunderkrftige Bilder und ]leli(|uien, durch Zauberei 
und Hexenkunst, durch Sympathie, Homopathie und Heil- 
magnetismus, erkennen wir den wahren Kern wirklich 
erlebter, aber freilich falsch gedeuteter Tbatsaciien, und 
verstehen, wie allein durch diesen thatschlichen Kern 
der Glaube an dei'artige bernatrliche Heilkrfte genhrt 
und verbreitet wird. Theils in unndttelbarer Fortsetzung 
der berlieferten, theils in neuen Formen wird die Macht 
der Vorstellungen noch gegenwrtig in absichtlicher oder 
in unbewusster Weise tagtglich gebraucht, um den Ruhm 
gewisser Heilknstler zu mehren und den Glauben au 
gewisse Heilkrfte zu unterhalten. Die Macht der Vor- 
stellungen ist die gefhrlichste Waft'e, welche dem soge- 
nannten Kurpfuscherthum in seinem Kam])fe gegen die 
wissenschaftliche Heilkunde zu Gebote steht. 

Die Wissenschaft hat nun die Grenzen festzustellen, 
bis zu welchen die Macht der Vorstellungen reicht. Dieses 
Machtgebiet ist natrlich ein beschrnktes, die ganze Flle 
der sogenannten organischen, anatomischen Krankheits- 
processe entzieht sich so gut wie ganz diesem Einflsse. 
Nur, was durch Vorstellungen entstanden ist, kann auch 
auf diese Weise wieder beseitigt werden, und wenn eine 
genauere Einsicht uns auch gezeigt hat, dass die psychisch 
bedingten Kraukheitszustude weit hufiger und mannig- 
faltiger sind, als man frher geahnt hat, so wre doch 
eine Uebertreibung dieser Thatsachen eben so tadelns- 
werth, wie eine Unterschtzung derselben. Jedenfalls wird 
sich die wissenschaftliche ziel- und zweckbewusste An- 
wendung der psychischen Therapie streng unterscheiden 
von der immer halb unbewussten und ganz unverstandenen 
Verwerthung der gleichen Einwirkungen durch den Schwr- 
mer oder den Charlatan. Wie schwierig es aber gewesen 
ist, den Standpunkt zur riclitigen Beurtheilung dieser Ein- 
wirkungen zu gewinnen, geht schon daraus hervor, dass 
selbst Kant, der vor beinahe 100 Jahren eine Abhandlung 
verfasst hat von der Macht des GemUths, durch den 
blossen Vorsatz seiner krankhaften Gefhle Meister zu 
sein", doch ein sehr ungengendes Verstndniss der hier 
in Betracht kommenden Vorgnge hatte. Kant betont 
nur, wie die durch einen festen Willen erfolgende Ab- 
lenkung der Aufmerksamkeit von den krankhaften krper- 
lichen Empfindungen diesen den Eintritt in das Bewusst- 
sein erschwert oder unmglich macht, whrend ibm der 
ausgedehnte direete Einfluss der Vor.stellungen auf das 
krperliche Befinden selbst und auf das ungestrte Zu- 
sammenwirken der seelischen und krperlichen Vorgnge 
noch fast gnzlich unbekannt war. Der Arzt Hufeland, 
auf dessen Anregung hin Kant seine oben erwhnten 
Bemerkungen niedergeschrieben hat, war durch seine rzt- 
liche Erfahrung schon zu einer viel eingehenderen Kennt- 
niss und richtigeren Beurtheilung der betreffenden Ver- 
hltnisse gelangt. 

Die Ziele der psychischen Therapie sucht die gegen- 
wrtige Medicin vielfach durch die Methode der hypno- 
tischen Suggestion" zu erreichen. 

Hypnotismus, d. h. das knstliche Hervorrufen eines 
schlafhnlichen abnormen psychischen Zustandes, und 
Suggestion, d.h. die feste Einfgung einer bestimmten 
Vorstellung in das Bewusstsein eines Anderen sind die 
neuen Schlagworte, deren Gebrauch, wie es bei neu ein- 
gefhrten Ausdrcken so hufig der Fall ist, zwar der 
raschen Verljreitung der Sache selbst dienlicii ist, anderer- 
seits aber auch nur zu oft einem oberflchlichen und 
mangelhaften Verstndniss als bequemer Deckmantel dient. 
Bekanntlich ist nur das Wort Hypnotismus" neu; die 



Keuntniss der hypuntischen Erseheinungen reicht nnn- 
destens ebenso weit zurck, wie berhaupt unsere Kunde 
von der Vergangenheit. Was wir von den wundersamen 
Knsten der alten indischen Fakire, von den marokkani- 
schen Marabuts, von den Mnchen auf dem Berge Athos 
lesen, was viel spter unter dem Xamen des Sonmam- 
bulismus, Mesmerismus und des thierischen Magnetismus 
zahlreiche Geister in die grsstc Aufregung und \'er- 
wirrung gebracht hat dies Alles ist sicher genau das- 
selbe, was gegenwrtig unter dem Namen des Hypnotismus 
endlich das wissenschaftliche Brgerrecht erworben hat. 
Freilich war es nicht ganz leicht, aus dem durch Aber- 
glauben und Vorurtheil verworrenen Knuel falsch ge- 
deuteter und daher scheinbar rthselhafter Beobachtungen 
den wahren Kern der Thatsachen herauszuwinden, und 
manche Aerzte knnen sich auch jetzt noch nicht von 
den letzten Spuren eines veralteten Mysticismus vllig frei 
machen. Im Allgemeinen besteht aber unter den wissen- 
schaftlichen Forschern ber das Wesen des Hypnotisnms 
keine erhebliche Meinungsverschiedenheit mehr. Wir wissen 
jetzt, dass alle die mannigfaltigen hypnotischen Erschei- 
nungen, der knstlich hervorgerufene hypnotische Schlaf, 
die hypnotische Muskelstarre, die Gefhllosigkeit, endlich 
das hypnotische Irresein mit seinen Hallucinationen nichts 
Anderes sind, als neue Beweise fr die Macht der Vor- 
stellungen auf die Zustnde unseres Krpers. Wir wissen 
ferner, dass alle die verschiedenen frher angewandten 
besonderen Methoden zur Hervorrufung der Hypnose, das 
anhaltende Fixiren glnzender Glasknpfe, das Heran- 
bringen schwingender Stimmgabeln oder starker Magnete, 
das leise und regelmssige Bestreichen der Haut' durch 
den vermeintlichen Magnetiseur" u. s. w. an sich gar 
keine besondere Wirkung haben, und dass nur die durch 
alle diese Manipulationen erzeugten Vorstellungen die 
eigentliche Ursache des eintretenden hypnotischen Zu- 
standes sind. Freilich muss man sich hufig derartiger 
Mittel bedienen, um eben in den zu hypnotisirenden Per- 
sonen jene wirksamen Vorstellungen von dem bevorstehen- 
den und vermeintlich nothwendigen Eintritte der Hypnose 
in der erforderlichen Lebhaftigkeit und Ueberzeugungs- 
kraft hervorzurufen. Von wesentlicher unmittelbarer Be- 
deutung sind sie aber nicht, wie schon allein daraus 
hervorgeht, dass in sehr vielen Fllen die einfach ge- 
sprochene Versicherung ..Sie werden jetzt einschlafen" 
oder der mit dem scheinbar sicheren Gefhl der Macht 
ertheilte Befehl schlafen Sie jetzt ein" gengt, um ein 
empfngliches Bewusstsein in den hypnotischen Schlaf zu 
versetzen. Natrlich wirkt hierbei stets eine Menge von 
Nebeuvorstellungen mit, die sich in der Regel auf den 
bereits bewhrten Ruf des Hypnotiseurs und auf bekannte 
frhere Erfolge desselben bei anderen Personen beziehen. 
So erklrt sich die z. Th. noch jetzt verbreitete Meinung, 
als ob die Fhigkeit des Hypnotisirens nur gewissen be- 
stimmten Menschen verliehen sei, als ob der Wille" ge- 
wisser Personen als solcher eine besondere objective, ber 
die eigene Individualitt hinausreichende Kraft besitze. 
Jener scheinbare Nimbus aber, mit dem der Hypnotiseur 
sich oft umgeben muss, um die beabsichtigten Wirkungen 
zu erzielen, birgt die grosse Gefahr in sich, dass der 
letztere nur zu leicht die schmale Grenzscheide zwischen 
erlaubter und unberechtigter Tuschung verliert und dann 
unrettbar dem Charlatanismus verfllt. 

Die Verwendung des Hypnotismus zu Heilzwecken 
geschieht in der Weise, dass dem zuvor hypnotisirten 
Kranken die Vorstellung von der hiermit bereits erfolgten 
Heilung oder wenigstens bedeutenden Besserung seines 
Zustaudes suggerirt wird. Die vorausgehende Hypnose 
ist dabei von Vortheil, weil der Kranke schon durch den 
Eintritt derselben die festeste Ueberzeugung von dem 



38 



Naturwissenschaftliche Wocbenschvift. 



Nr. 4. 



mclitigeii Einflsse des Hypnotiseurs auf seinen Zustand 
gewonnen hat und daher fr die Aufnahme der zweiten 
heilenden Vorstellung aufs Beste vorbereitet ist. In der 
That sind mit Hlfe des Hypnotismus auf diese Weise 
bereits zahllose, oft anscheinend hchst wunderbare Hei- 
lungen erzielt worden. 

Zur hufigen berufsmssigen Ausbung des Hypno- 
tisirens gehrt eine ganz besondere Neigung und auch 
ein gewisses schauspielerisches Talent. Mit" dem allge- 
meinen Bekanntwerden der hypnotischen Erscheinungen 
und der zunehmenden Einsicht in ihre Entstehung msste 
ihr Glanz bald verblassen, und der gerade hier besonders 
zu frchtende Schritt vom Erhabenen zum Lcherlichen 
wrde dem Hypnotismus vollends den festen Boden ent- 
ziehen. Es ist kaum denkbar, dass ein geistig normaler 
Mensch, der genau weiss, was Hypnose ist, von einem 
anderen hypnosirt werden kann. Gegen wirkliche Er- 
kenntniss haben blosse Vorstellungen keine Macht mehr. 

Der Zustand der Hypnose besteht in der absichtlich 
hervorgerufenen Lockerung, ja z. Th. vlligen Lsung der 
normalen festen Verknpfung zwischen den seelischen und 
den krperlichen Vorgngen. Ist diese Verbindung aber 
einmal oder sogar hufig gelockei't worden, so verliert sie 
zweifellos dauernd an Festigkeit, und es besteht nun die 
Gefahr, dass bei oft hypnotisirten Personen hnliche Zu- 
stnde auch ohne rztliche Absicht auf sonstige Veran- 
lassungen hin auftreten. Schon der Zustand der Hypnose 
selbst muss unbedingt als etwas Abnormes, Krankhaftes an- 
gesehen werden*). Genau dieselben Erscheimmgen, welche 
bei der Hypnose absichtlich hervorgerufen werden, keimt 
der Arzt auch als keineswegs seltene primre, natrlich 
auch psychisch bedingte Krankheitszustnde, die er mit 
dem Namen der Hysterie bezeichnet. Die hypnotischen 
Zustnde und die Erscheinungen der Hysterie sind ihrem 
innersten Wesen nach aufs Engste mit einander verwandt. 
Die Hypnose ist nichts Anderes, als eine knstlich hervor- 
gerufene schwere Hysterie. Bei der Anstellung hypnotischer 
Versuche ist daher stets die Gefahr vorhanden, dass hier- 
mit die Veranlassung zum Ausbruche schwerer hysterischer 
Erscheinungen gegeben wird, und wenn auch die wissen- 
schaftlich gebildeten Hypnotiseure diese Gefahr kennen 
und nach Mglichkeit zu vermeiden wissen, so bleibt der 
Hypnotismus doch stets ein zweischneidiges Schwert, welches, 
zumal bei nicht ganz einsichtsvoller Anwendung, wie die 
Erfahrung schon fter gezeigt hat, manches Unheil an- 
richten kann. 

Alle diese Einwendungen wren aber belanglos, wenn 
wirklich durch den Hypnotismus Heilerfolge zu erzielen 
wren, die man auf andere Weise nicht erreichen kann. 
Dies ist aber nicht der Fall. Nur so lange in der Me- 
diciu die Anwendung der psychischen Heilfactoren ber- 
haupt nicht die gengende Beachtung fand, konnte der 
Hypnotismus zahlreiche Triumphe feiern ber die Arznei- 
wissenschaft der herrschenden Schulen. Seitdem die Aerzte 
aber zu einer klareren Einsicht in das Wesen der zahl- 
reichen psychisch bedingten Krankheitszustnde gelangt 
sind, fngt auch eine rationelle psychische Therapie 
an sich zu entwickeln, welche jener knstlich geschaffenen 
Bewusstseinsstrungen der Hypnose und jenes scheinbaren 
Nimbus besonderer geheimnissvoller Krfte nicht mehr 
bedarf, sondern in der wissenschaftlichen Erkenntuiss und 
psychologischen Analyse der krankhaften Vorgnge selbst 
den Punkt findet, wo eine unmittelbare psychische Be- 
einflussung des Kranken die abnormen Zustnde desselben 
zu beseitigen im Stande ist. Eine derartige psychische 

*) Auch der Psychologe W. Wuiidt iu Leipzig hat sieh 
neuerdings' in seinem Buch Hypnotismus und Suggestion" dahin 
ausgesprochen, dass die liypnotischen Erscheinungen in das Gebiet 
der Pathologie gehren. Red. 



Therapie haben die bedeutenden Aerzte aller Zeiten ge- 
trieben. Den weitreichenden Einfluss dieser Therapie, 
freilich ebenso auch ihre durch die Natur der Dinge 
gegebenen Grenzen lernen wir aber erst jetzt vllig wr- 
digen, seitdem wir den tieferen Sinn des alten Satzes 
erkannt halien, dass der vollkommene Arzt des Krpers 
zugleich auch ein Arzt der Seele sein msse. 



SchmetterHngsfaiig durcli Drosera rotiindifolia L. 

In No. 52 des Bd. VII der Naturw. Wochenschr.'- ver- 
fientlichte Herr P. Krefft eine Beobachtung ber den 
Sehmetterlingsfang von Drosera intermedia. In dieser 
Verffentlichung und der angefgten Note wird die 
Jleinung ausgesprochen, dass Drosera rotundifolia ihrem 
Bau nach nicht recht zum Sehmetterlingsfang geeignet sei. 
Ich theile deshalb eine Beobachtung mit, "die "ich am 
26. Juli vorigen Jahres auf einer Sumpfwiese bei Pansa 
im schsichen Voigtlande gemacht habe. Auf dieser Wiese 
war Drosera rotundifolia L. (es kommt im Voigtland nur 
diese eine Art vor) weit verbreitet, an einigen Stellen 
sogar zu dichten ppigen Polstern gehuft. Auf einem 
solchen Polster, von ungefhr 40 cm im Quadrat, hatten 



sieh acht Kohlweisslinge gefangen, die 



abgesehen von 



einigen noch lebenden verschiedene Grade der Zerset- 
zung zeigten. Vielfach war nur ein Theil der Beine, der 
Flgel oder des Hinterleibes festgeklebt, aber die Thiere 
Sassen trotzdem fest. Manchmal betheiligten und unter- 
sttzten sich auch 2 3 Bltter beim Fang eines Schmetter- 
lings. Hierbei konnte man beobachten, dass nicht nur die 
Tentakeln sich ber die gefangenen Theile zusammen- 
neigten, sondern mitunter auch die dicken fleischigen 
Bltter sich mit ihren Rndern aufwrts krmmten, ja 
vollstndig nach oben zusammenschlugen, so dass der be- 
treftendc Theil des Thieres dann von den Blatthlften um- 
schlossen wurde. 

Durch die todten Schmetterlinge wurden auch kleine 
schwarzbraune Ameisen angelockt, die geschickt, aber 
sehr vorsichtig zwischen den Blttern des Sonnenthaues 
herumkrochen, aber sofort zurckwichen, sobald sie sich 
den entgegenstarrenden Drsenwimpern des Blattes 
nherten. Auf die Bltter selbst kroch keines der Thiere, 
und ich konnte, trotz eifrigen Sueheus, auch keine ge- 
fangene Ameise auffinden. 

Auf einer zweiten nicht viel grsseren Stelle derselben 
Wiese, die durch einen kleinen Teich von der ersteren 
getrennt war, fanden sich zehn durch die Drosera ge- 
fangene Kohlweisslinge. Hier wie dort deuteten herum- 
liegende Flgelreste auf den schon lnger betriebenen 
Fang hin. Auflllig war es mir, dass, obgleich Drosera 
rotundifolia L. berall auf der Wiese wuchs, die Schmetter- 
linge sich doch nur an den erwhnten zwei Stellen und 
noch dazu in so grosser Menge gefangen hatten. Es 
schien mir, als ob nicht die einzelnen Sonnenthaupflanzen, 
sondern ein zufllig gefangener Kohlweissling das An- 
lockungsmittel fr die brigen gewesen wre, und ich er- 
innerte mich hierbei der schon oft gemachten Beobach- 
tung, dass ein einziger Kohlweissling, der sich auf einer 
feuchten Stelle eines lehmigen Feldweges niederlsst, 
ganze Schaaren vorberfliegender Schmetterlinge anlocken 
kann, die sich dann dicht gedrngt um ihn schaaren. 

Die vorstehende Beobachtung zeigt, dass die Drosera 
rotundifolia ebenso zum Sehmetterlingsfang geeignet ist, 
wie ihre beiden Schwestern. Dr. Schorler. 



Asboliu ^on Braconnet aus dem wsserigen Auszug 
des Kienrusses bereitet und als ^Mittel gegen Schwindsucht 
angewendet, besteht nach einer Untersuchung von Behal 
und Desvigues (Gompt. rend. 114, 1541) aus Brenzcatechin 



Nr. 4. 



Naturwissenschaftliche Wo chenschrift. 



30 



C.H-Oa (Sdp. 240 bei 761 mm) luid Homobreiizcatechin 
C^HgOo (Sdp. 251252 bei 750 mm). Letzteres erwies 
sich als identisch mit dem bereits bekannten Krper 
gleicher Zusammensetzung. Sp. 



Ein neues Oiundgesetz der Ernhrung und die 
Quelle der Muskelkraft. E. Pflger hat ber diesen 
Gegenstand eine Anzahl ausfhrlicher Abhandlungen ver- 
tfentlicht (Arcli. f. d. ges. Physiol. 50,98,,.j3,,)96; 51,,o9,3n; 
52,1 ,..39), welche sich gegen die aus Pettenkofer und Voit's 
Versuchen abgeleiteten Gesetze richtet. Seine hauptsch- 
lichsten Resultate sind: 

1. Eiweiss, in gengender Menge verfttert, ist die 
alleinige Quelle der Muskelkraft; nur bei Mangel 
an diesem findet Ersatz durch Fette und Kohlen- 
hj'drate statt. 

2. Das Krperfett bildet sich nicht aus Eiweiss, 
sondern aus den berschssigen (d. h. das Be- 
drfniss des Krpers bersteigenden) Mengen von 
Fett und Kohlenhydraten. Sp. 



Der Planet Jnpiter, der ebenso wie Mars zur Zeit 
nnier mehr von der Erde zurckweicht, wird Ende 
Januar in seiner nach Osten gerichteten Bewegung vom 
letztgenannten Planeten berholt. Am 23. Januar kommen 
beide Planeten in eine bemerkenswerthe Constellatiou mit 
dem Monde. 



Fragen und Antworten. 

Aus welchem Material bestehen die essharen in- 
dischen Vogelnester''? L. 

Ihre Frage bezieht sich wie Sie sagen auf die 
Mittheilung S. 530531 Bd. VII der Naturw. Wochen- 
schrift" ber die Verwendung der Algen, indem Sie an- 
nehmen, dass die indischen Vogelnester aus Algen-Material 
zusammengesetzt sind, welches die Vgel mit ihrem Speichel 
vermischen. Diese Annahme ist aber irrig. Der Reisende 
F. Jagor macht in seinem Buche Singapore Malacca 
Java" (Berlin 1866) diesbezglich die folgende Mittheilung. 

lieber den Stotf, aus dem die Nester bestehen, 
herrschten bis vor Kurzem sehr abweichende Vorstellungen. 
Erst Dr. Bernstein beschrieb nach wiederholten sorgflti- 
gen Beobachtungen ihre Entstehung, sowie er auch der 
Gattung Collocalia Gr., die Bonaparte wieder zu den 
Schwalben gestellt hatte, in Folge genauer anatomischer 
Untersuchungen ihre richtige Stellung im System in der 
Familie der Cypseliden anwies und dadurch Gray's 
frhere Klassifikation, ohne sie zu kennen, besttigte. 

Nach Bernstein*) kennt man von der Gattung Collo- 
calia bis jetzt nur vier Arten: C. esculenta Lath., C. nidi- 
fica Lath.", beide auf Java einheimisch, C. troglodytes 
Gr. & Mitch., den Molucken und Philippinen und C. fran- 
cica, allein der Insel Mauritius angehrend. Die Nester 
von C. esculenta, seit Jahrhunderten bekannt und oft be- 
schrieben, haben im Allgemeinen die Form einer der 
Lnge nach geviertelten Eiscljale, die mit einer Seite am 
Felsen klebt, welcher die Rckwand des Nestes bildet. 
Von beiden Enden gehen flgelartige Ausbreiten aus, die 
mit ihrer flachen Basis am Gestein festsitzend, die 
Hauptsttze des Nestes bilden, das aus einer sehr dnnen, 
durchscheinenden, weissen oder brunlichen Masse besteht, 
die am meisten Aehnlichkeit mit Hausenblase hat und 



wellige Querstreifen zeigt. C. nidifica, die auf Java wohl 
noch hufiger ist, als die andere Art, wohnt in weniger 
unzugnglichen Hhlen und baut ihre Nester, die den an- 
dern sehr hnlich sehen, zum grossen Theil aus Pflanzen- 
bestandtheilen, welche durch die leimartige Sub.stanz an 
einander geklebt werden, whrend die Nester von C. es- 
culenta ausschliesslich aus dieser Substanz bestehen. 
Einige hielten diesen Stoff fr den verhrteten Saft eines 
Baumes, Calambone*), andere fr Seetang, vom Vogel 
verzehrt und wieder ausgespieen; doch hat mau in seinem 
Magen nie Spuren von Pflanzenstotf, sondern nur Insekten 
gefunden. Einen Kropf, in dem die Metamorphose vor 
sich gehen knnte, besitzt der Vogel nicht. Bernstein 
fand aber an ihm ungewhnlich entwickelte Speichel- 
drsen, besonders glandulae sublinguales, die zur Zeit 
des Nestbaues ausserordentlich anschwellen, dann wieder 
kleiner werden, und spter die gewhnliche Grsse 
dieses Organs bei verwandten Vgeln nicht bertreffen. 
Sie sondern einen dicken, zhen Schleim ab, der sich in 
grosser Menge an der Oeft'nung der Ausfhrungsgnge 
dieser Drsen, vorn unter der Zunge, anhuft. Die Masse 
hat, oberflchlich betrachtet, grosse Aehnlichkeit mit einer 
sehr dicken Lsung von Gummi Arabicum, trocknet schnell 
an der Luft und stimmt auch, unter dem Mikroskop be- 
trachtet, vollstndig mit der Substanz der Nester berein. 
Bernstein beobachtete mehrere Male diese Vgel beim 
Nestbau. Sie fliegen wiederholt an die gewhlte Stelle 
und drcken mit der Zungenspitze einen Tropfen des 
Speichels gegen die Felswand. Dies wiederholen sie 
zehn- bis zwanzigmal, ohne sich mehr als eine^EUe weit 
vom Platz zu entfernen, sie mssen also das Material, 
das sich schnell wiedererzeugt, in grsserer oder geringerer 
Menge bei sich fhren. So entsteht als Grundlage des 
Nestes eine hufeisenfrmige Erhhung, der [Vogel klammert 
sieh daran und vergrssert, indem er mit dem Schnabel 
hin- und herfhrt und den Schleim am Rande aufsetzt, 
das Nest, wodurch auch die oben erwhnten Streifen ent- 
stehen. Alle diese Angaben beruhen nicht auf Vermu- 
thungen, sondern sind die Ergebnisse von Dr. Bernstein's 
wiederholten, mit grosser Umsicht angestellten Beobach 
tungen. 

Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Es wurden ernannt : Dr. Leo Grunmach von der technischen 
Hochschule Charlottcnburg-Berlin zum Professor der Physik. 
Der ausserordentliche Professor an der thierrztlichen Hochschule 
in Budapest, Dr. Leo Lieberniann , zum Director des chemischen 
Landesinstitutes und der cliemischen Ceutralversuchsstation in 
Budapest. Professor von Lenhossek in Basel zum Prosector 
an der Universitt Wrzburg. Dr. M. Gurke zum Gustos am 
Kgl. botanischen Garten zu Berlin. 

Es haben sich habilitirt: Dr. A. Wieler fr Botanik an der 
technischen Hochschule in Braunschweig. Dr. med Felix 
Hirschfeld, Assistent an der inneren Abtheilung des stdtischen 
Krankenhauses Moabit, als Privatdocent fr innere Medicin an 
der Universitt Berlin. 



*) Over de zoogenoemde eetbare Vogelnesten. Beitrge 
zur nheren Kenntniss der Gattung Collocalia Gr. 



L i 1 1 e r a t u r. 

Otto Hamann, Entwicklungslehre und Darwinismus. Eine 

kritische Darstellung der modernen Entwicklungslehre und 

ihrer Erklrungsversuche mit besonderer Bercksichtigung der 

Stellung des Menschen in der Natur. Gemeinfasslich geschildert. 

Mit IG Abbildungen. Verlag von Hermann Costenoble. Jena 

1892. Preis 8 Mk. 

In der Einleitung dieses fr Laien geschriebenen, aber diesem 

wegen der Ansprche, welche Hamann an die Vorkenntnisse des 

Lesers stellt, nicht verstndlichen Buches behauptet der Verfasser, 

dass die Lehre Darwin's von seinen Nachfolgern immer von 

neuem nicht als eine Hypothese, sondern als feststehende 

heholz liefert, in Java 



*) Demselben, der das duftende Galioc 
aber nicht vorkommt. 



40 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 4. 



Thatsache angepriesen werde. Referent wird es schwer zu 
glauben, dass es dem Verfasser unbekannt gebliehen sein sollte, 
dass die Naturforscher verliiufig noch von der Darwin'schen 
Theorie sprechen. Aehnlich wie hier benutzt der Verfasser 
das gesammte von ihm angefhrte Material, um seinen Ansichten 
eine mglichst breite Grundlage zu verschaffen: das Buch wimmelt 
also von Missverstudnissen, wenigstens nach Ansicht des Ref., 
der viele Aeusserungen herangezogener Autoren anders versteht. 
Ref. hatte begonnen fr die vorliegende Besprechung diese Miss- 
vorstndnisse aufzudecken, hat aber bald einsehen mssen,^ dass 
das der Abfassung eines Buches gleichkommen wrde. Bei dem 
Lesen des Hamann'schen Werkes drngte sich berdies die Au- 
sich auf, dass der Autor zu denen gehrt, die nicht bekehrt sein 
wollen. Nher auf das Buch eingehen, hiesse demnach Eulen 
nach Athen tragen. 

Prof. Dr. F. Klockmann, Lehrbuch der Mineralogie. Fr Stu- 
dirende und zum Selbstunterricht. 2. Hlfte, enthaltend den 
speciellen Theil mit 173 Textfiguren. Verlag von Ferdinand 
Enke. Stuttgart 1892. Preis 7,20 Mk. 

Nachdem vor Jahresfrist der erste Theil des Buches, die 
allgemeine Mineralogie umfassend, erschienen ist, liegt jetzt der 
zweite Theil desselben, die specielle Mineralogie enthaltend, vor. 
Alle die Vorzge, welche an jenem mit Recht anerkannt worden 
sind, finden sich auch in diesem wieder, besonders die treffende 
Krze der klaren, erschpfenden Definitionen. Der Umfang des 
Buches ist geringer als derjenige der bekannten Lehrbcher von 
Quenstedt, Naumann-Zirkel,' Tschormak und Bauer, aber trotzdem 
wird man in ihm nichts wesentliches vermissen, wohl aber manches 
finden, was dasselbe vor jenen voraus hat. Ueberall ist der heu- 
tige Standpunkt der Wissenschaft gewahrt. Neben der Mor- 
phologie, den physikalischen und chemischen Eigenschaften 
der Mineralien, finden auch ihre Lagersttten, ihre Bildung und 
Umwandlung Bercksichtigung, In einem Anhang werden die 
nutzbaren Rlineralien, ihre Verwendung und ihr Vorkommen 
nochmals besonders hervorgehoben. Der systematische Theil 
zeichnet sich durch Vollstndigkeit aus und besitzt den grossen 
Vorzug, dass bei den Angaben ber das Vorkommen der Mine- 
ralien nicht nur Fundorte aufgezhlt, sondern die Art des Auftretens, 
das Zusammenvorkommen mit andern Mineralien , kurz die 
geologische Seite des Vorkommens gewrdigt wird; durch diese 
Verbindung des einzelnen Minerals mit anderen gewinnt die Be- 
schreibung sicher an Interesse. Das nach einem wohldurchdachten 
Plan in jeder Hinsicht sorgfltig ausgearbeitete Buch kann auf 
das Wrmste empfohlen werden. Es wird sieh als Lehrbuch auch 
zweifellos Isewhren, Wenn man vielleicht bei Bezeichung der 
Mineralien alte, gute, deutsche und bergmnnisch gebruchliche 
Namen noch mehr als es geschehen ist, angewendet sehen und 
hie und da eine Figur etwas schner haben mchte, so knnen 
doch solche untergeordnete Ausstellungen gegenber den Vor- 
zgen des Werkes nicht ins Gewicht fallen. Dr. R. Scheibe. 



Alexander Lainer, Anleitung zu den Laboratoriumsarbelten 
mit besonderer Rcksicht auf die Bedrfnisse des Photo- 
graphen, Mit 2-to Ablj. Verlag vnu Willi. Knapp. Halle a. S, 
1892. Preis 3 Mk. 

Das Heft bildet gewissermaasen eine Ergnzung zu dem 
Lehrbuehe der photographischen Chemie des Verfassers, die dem 
Photographen von grossem Werth sein drfte. Verf. hat bei den 
betriebenen Operationen stets auf die einfachste Form ihrer 
Ausfhrung das Hauptgewicht gelegt. Die Arbeit ist aber nicht 
ausschliesslich fr den Photographen berechnet, da sie berhaupt 
solche Operationen und Apparate erwhnt, deren Kenntniss zur 
Ausbung einfacher analytischer Arbeiten erforderlieh ist. 



Buddhismus. Von Mittheiluugen nennen wir diejenigen von 
Rahon ber Sechsfingerigkeit und theilweise Syndactylie; Be- 
dart, ber vierfache Ectrodactylie an Hnden und Fssen und 
ihre Vererbung durch drei Generationen , sowie ber einige 
seltene Flle von Muskel-Anomalien, beobachtet im anatomischen 
Laboratorium zu Toulouse; F. Regnaul t, ber einen Greiffuss; 
Emil Potitot, ber das Dolmengrab von Mareuil-les-Meaux; 
Georges Herve, ber den Schdel von Canstadt; Alphonse 
Bertillon, Tafel der verschiedenen Farben, welche an der Iris 
des menschlichen Auges auftreten; Gabriel de Mortillet, 
ber neuerlichst entdeckte Grabsttten bei Baousse-Rousse (bei 
Mentone). Ausserdem bringt das Heft den Schluss eines Vor- 
trages von Varion und Bezancon ber Samenerzeugung und 
kndigt die VerOfl:'entlichung eines Berichtes ber das Verhltniss 
der Geburten zur Bevlkerungsmenge im Kanton Beaumont- 
Hague von A. Dumont und einer Abhandlung ber den Krper- 
bau des Menschen in prhistorischen Zeiten von Rahon in den 
Memoiren der Gesellschaft an, F. K, 



The Geological Magazine. Herausgegeben von Henry Wood- 
ward und Anderen. Deceuibcr 1892. London, Mit dem vor- 
liegenden Hefte schliesst der neunte Band der dritten Decade ab. 
Dasselbe enthlt das Inhaltsverzeichniss fr das verflossene Jahr, 
8 Originalaufstze, mehrere Mittheiluugen nach Vortrgen, welche 
in auswrtigen Gesellschaften gehalten worden sind; Besprechungen 
neuer litterarischer Erscheinungen; den Bericht der November- 
sitzung der Londoner Geologischen Gesellschaft; briefliehe Mit- 
theilungen, Nekrologisches und kleinere Mittheilungen verschie- 
denen Inhalte.''. An Original-Artikeln sind vorhanden: 1) Arthur 
Smith Wo od ward Beschreibung des Sclororhynehus atavus 
aus der Kreide: 2) J. E. Marr Die Wenlock- und Ludlow- 
Schichten im See-Bezirke; 3) Bullen Newton Ueber das 
Vorkommen von Chonetes Pratti in den carbouischen Gesteinen 
West-Australiens; 4) Charles Callaway Ueber den Prozess 
der Schieferbildung in den Malveru Hills; 5) John Francis 
Walker Lieber Yorkshire-Thecideen; 6) F. R, Kow])cr- 
Reed Notizen aus dem Woodward-Museum (ber eine abnorme 
Form von Platycrinus pileatus, Goldf.); 7) W. F. Hume Be- 
merkungen zur Geologie Russlands: II, Der Lss; Beschreibung 
und Eigenart des russischen Lss, Der erste Aufsatz dieser 
Reihe erschien im September-Heft des Geol, Mag. und behandelte 
die russische Kreide. 8) Thomas R. Struthers Ueber 
Granit. Von den brieflichen Mittheilungen nennen wir die- 
jenigen ber Glaeial-Geologie von R. M. Deeley und Ueber 
das Mammuth und die Glacial-Drift von A. J. Juk es-Bro w n e. 
F. K. 

Einen umfangreichen General-Catalog von Bchern und Se- 
paraten aus den Gebieten der Geologie, Mineralogie und Palae- 
ontologie bringt das Comptoir gcologique de Paris" von Paul 
Pierrotet zur Versendung. 



Balla Torre, C. G. de, Catalogus hymenopterorum hujusque de 

scriptorum systematicus et synonymicus. Leipzig, 5 M 
Eisler, P., Der Plexus lumbosacralis der Menschen, Halle 6 M, 
Ernst, A., Eine bergmnnische Excursion durch den Ural. Frei- 
berg. 3 M. 
Ewing, J, A., Magnetische Induktion in Eisen und verwandten 

Metallen. Berlin: 8 M, 
Fischel, F., Untersuchungen ber die Morphologie und Biologie 

des Tuberculosc-Erregers. Wien. 2 M. 
Fischer-Sigwart. H Das Gebirge, ein Rckzugsgebiet fr die 

Thierwelt. Aarau. 1,40 M. 
Fraas, E., Geologie, in kurzem Auszug fr Schulen und zur Selbst- 

lielehrung zusammengestellt. Stuttgart. 0,80 INI. 
Franceschini, R., Die Biologie als selbstndige Wissenschaft. 

Hamburg. 0,80 M. 
Pritsch, K., Ueber einige sdwest-asiatische Prunus-Arten des 

Wiener botanischen Gartens. Leipzig. 1,20 M, 
Frhner, E., Lehrbuch der allgemeinen Therapie fr Thierrzte. 

Stuttgart. .5 M. 
Frohschammer, J., System der Philosophie im Umriss. Mnchen. 

3 M. 

Inhalt: H. Potonie: Das natrliche Pflanzensystem A. Engler's und M, Treub's Untersuchungen zur systematischen Stellung von 
Casuarina. (Mit Abbild.) - Prof. Dr. H. Schubert: Mathematische Spielereien in kritischer und historischer Beleuchtung. -- 
Ueber die Entstehung und die Heilung von Krankheiten durch Vorstellungen. Schmetterlingsfang durch Drosera rotundi- 
folia L. Asbolin. Ein neues Grundgesetz der Ernhrung und die Quelle der Muskelkraft. Der Planet Jupiter. 
Fragen und Antworten : Aus welchem Material bestehen die essbaren indischi-n Vogelnester. Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Litteratur: Otto Hamann: Entwicklungslehre und Darwinismus, Prof, Dr, Klockmann: Lehrbuch der Alineralogie. 
Alexander Lainer: Anleitung zu den Laboratoriumsarbeiten mit besonderer Rcksicht auf die Bedrfnisse des Photographen. 

Bulletin de la Societe d'Anthropologie de Paris. The Geologi cal Magazine. General-Catalog. - Liste. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potoni^, Berlin N. 4,, Invalidonstr, 40/41, fr den Inseratenthe: Hugo Bernstein in Berlin, 
Verlag: Ferd. Dmmlors Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein. Berlin SW. 12, 



Bulletin de la Societe d'Anthropologie de Paris. 4, Serie, 
3, Band, 3. Heft, Paris. Das Heft umfasst die Monate April 
bis Juli und enthlt die Sitzungsberichte, Mittheilungen und 
Vortrge, welche in der Gesellschaft gehalten worden sind. Von 
letzteren besitzen allgemeines Interesse: Lajard Die Iberische 
Rasse (Untersuchungen an Schdeln von den Kanarischen Inseln 
und den Azoren), und Julien Vinson Die Ent Wickelung des 



Nr. 4. 



Natnrwissenseliaftliche Wochenschrift. 



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gischen und mineralogischen Sammlungen kauft. Er mchte sich ausser- 
dem mit Geologen in Beziehung setzen, welche ihm liefern knnen, in 
grossen Quantitten Fossilie von 

Silurien von Deutschland, Devon der Eifel, Oluschelkalk von 
Wrttemberg, Lias der Souabe, Dogger von Wrttemberg, Ba- 
lingen Schichten, Corallien von Natheim, Wealden, Fiammen- 
mergel, Quadersandstein, Plaener, Tertir aus dem Mainzer 
Becken u. s. w. u. s. w. 
berhaupt Local-Suiten und deutsche Mineralien 

Kauf oder Tauscli. 

\yogon der Bcdingniigon bitto zu sehreiben an Alexander 
Stuer 40 Ruo dos iVIatlinrins in Paris. 



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Jhrlich 10-12 Hefte gr. 8. 
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Die Mitglieder der genannten Vereinigung erhalten obige Mit- 
teilungen gratis. 

Beitrittserklrungen sind an den Schriftfhrer der Vereinigung, 
Herrn Dr. P. Sclnvalin. T?prlin SW., Kreuzbergstr. 71 zu richten. 



lim I 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 litlaliiliiiiiii' III 1 1 1 1 h 1 1 1 1 1 1 II i' \vm 



^ .t .t '^. 'i 't ':i. 'i- 't' 'i^ 't' '4' '4 '^" '4' '-f 4 >' 4 'i^ 



In Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12 

erschien : 

Ueber 

Tundren und Steppen 

der Jetzt- und Vorzeit 

mit besonderer Bercksichtigung ihrer Fauna. 

Von 

Dr. Alfred Nehring, 

Professor der Zoologie und Vorsteher der zoologischen Sammlungen an der 
Kniglichen landwirthschaftlichen Hochschule zu Berlin. 

Mit I Abbildung im Text zmd i Karte der Fundorte. 
66 S. gr. S. Preis 6 Mark. 



... ,. , Hierzu eine Beilage \ :m der Verlausbuchhaiidlung Paul Parey, Berlin, betreffend 

ntzliche und schdliche Vogel- die wir liiermit besonderer Beachtung empfehlen. 



Frst, Dr. H., Deutschlands 




^.^ Redaktion: 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. 



Sonntilg, den 29. Jannar 1893. 



Nr. 5. 



bounement: Man aboonirt bei allen uchhaiuUuiigeii und Post- 

anstalten, wie bei der Espedition. Der Vierleljahrspreis ist M 3. 

Bringegeld bei der Post 15 .( extra. 



ir 



Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 A. Grssere Auftrge ent- 
sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereiukunft. Inseratenannalime 
bei allen Annocenbureaus. wie bei der Expedition. 



Abdruck ist nur mit vollstndiger <|nellenaii}abe gestattet. 



Das natrliche Pflaiizensystem A. Engler's und M. Treub's Untersuchungen 
zur systematischen Stellung von Casuarina. 



Ein Beriflit von H. Potoni. 



(Fortsetzung 

Bei Casuariua finden sich nun fo!i;eadc buchst auf 
fallende Abweichuns^en vom gewhnlichen Bau der Ge- 
scblechtsoi-nanc der Angiospermen und der Art, wie die- 
selben fnnetioniren. Die weibliche ISliithe hat hier weder 
Kelch noch IJlumenkrone, sondern besteht aus 2 ver- 
wachsenen Fruchtblttern mit kurzem gemeinschaftlichen 
Griffel, welcher 2 lange fadenfrmige Narben trgt (vgl. 
Tat". II. G). Der sonst vorhandene Oriffelcanal wird hier 
durch dnnwandiges Parenchym ansgefiillt, welches sich 
nahe der Spitze des usseren Integunients unmittelbar in 
das Gewebe desselben (Tat. III, Fig. 7, a i) fortsi'tzt. 
Diese ausser dem Funiculns noch vorhandene Verbindung 
der Samenknospe mit der Fruchtknoten wand bezeichnet 
Treub als Brcke" (pont), Taf. III, Fig. 7, br; dieselbe 
spielt, wie wir sehen werden, eine wichtige Rolle bei der 
Befruchtung. 

Es werden hier ebenfalls 2 Integiimente (Taf. III, 
Fig. 7, ai und ii) gebildet und, wie aus den Abbildungen 
Treult's hervorgeht, auch eine Mikropyle angelegt, jedoch 
tritt dieselbe niemals in Function. 

Auch die nrsprnglich augelegte Fruchtknotenlihle 
verschwindet hier zeitweise und wird erst bei Ausbildung 
der Samenknospe wieder sichtbar. Die Bildung der 
letzteren geschieht folgendermaassen: Im jugendlichen 
Nucellus entsteht ein durch die Grsse seiner Zellen aus- 
gezeichnetes sporogenes Gewebe (Taf. III, Fig. 1, sp), 
welches sich durch intercalares Wachsthuiu bald bis zur 
Chalaza fortsetzt. 

In dem grosszelligen Gewebe treten spter Quer- 
theilungen ein, hnlich denen, welche in den Emliryosack- 
Mutterzellen der Angiospermen stattfinden (Taf. III, Fig. 2). 
Dass diese grossen Zellen, obwohl ihre Zahl (z. 15. bei 
Casuarina subcrosa) bis zu 300 betrgt, in der That den 
Embryosack -Mntterzellen entsprechen, folgt daraus, dass 
sich ein Theil derselben (bei Gas. suberosa bis zu 20j zu 



und Scliluss.) 

Emb/yos;ickcn (3!al:.-c;pcro^> oiil.vk^d;.. EJ.v T\n\\ ddi- 
selben, namentlich diejenigen, welche zur Befruchtung be- 
stimmt sind, verlngern sich sclilauchartig(Taf.III, Fig. 3,m) 
und wachsen in das an das GefssbUndel des Funiculns 
grenzende dnnwandige Gewebe der Chalaza (Taf. III, 
Fig. 3, eh) hinein. 

Als besonders bemerkenswerth wollen wir noch er- 
whnen, dass mit den Makrosporen zugleich im sporogenen 
Gewebe auch eine oder mehrere Tracheideu (Taf. III, 
Fig. 3, tr) entstehen, deren Auftreten mitten im ("ruclit- 
knoten nicht recht erklrlich ist. 

Der Geschlcchtsapparat der zur Befruchtung be- 
stimmten (fertilen) iAlakrosporen bildet sieh in der Weise, 
dass aus einer gemeinschaftliehen Embryosack-Mutterzelle 
mehrere Schwesterzellcn entstehen. Obwohl nur eine der- 
selben sich zum Embryosack entwickelt, werden die an- 
deren nicht von dieser resorbirt (wie bei den Gymnosper- 
men und den brigen Angiospermen), sondern erfahren oft 
noch ein beschrnktes Waciistluim und eine Zweitheiiung. 
Spter jedoch verschwinden die Seliwesterzellen auch hier. 

Der Eiapparat besteht aus der Eikngel (Oosphrc, 
Taf. III, Fig. 6, o) und 2 Hilfszellen (Synergiden, Fig. G, s). 
Antipoden wurden niemals beobachtet. 

Gewhnlich werden 2 Ovula gebildet, selten 3 oder 4, 
von denen aber immer nur 1 l)efruchtet wird. Die Makro- 
sporen dieses Ovulums erzengen sninitlich an ihrem 
Scheitel einen Eiapparat; jedoch bildet nur einer der- 
selben einen befruchtimgsfhigen Embiyosack, die brigen 
bleiben steril. Die fertilc Makrospore nnterschcitlet sich 
von den brigen in der Regel (nicht immer) iladiirch, dass 
die Zellen ihres Eiapparats schon vor der Befruchtung 
Cellulosemembranen besitzen, wiirend sie bei den brigen 
nackt sind, wie lierbanpt bei den Angiospermen, wo die 
Bildung der Cellulosewand sogar als ein Anzeichen der 
stattgehabten Befruchtung augesehen wird. 



42 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 5. 



Das Bemerkenswertheste am ganzen Befruelitungs- 
vorgaug ist aber die Art, wie der Pollenschlancli zum 
Embryosack gelangt. Nachdem er die Narbe und das 
Gewebe des Grift'elcylinders durchwachsen hat, dringt er, 
anstatt sich der Mikrojiyle zuzuwenden, durch die oben 
erwhnte Brcke" in das ussere Integunient ein, durch- 
wchst dieses der Lnge nach und tritt unmittelbar ober- 
halb des Funiculus in die Chalaza ein, wo er sieh in der 
Regel in mehrere Aeste gabelt. Einer der letzteren legt 
sicli an eine der schlauchhnlich in die Chalaza vorge- 
drungenen Jlakrosporen und wchst, diese als Weg be- 
ntzend, bis zur tertilcn Makrospore weiter. Naclidem er 
sich an diese (jedoch inniier unterhalb der Stelle, wo 
die weiblichen Sexualzellen angeheftet sind) fest angelegt 
hat, findet noch ein weiteres Wachsthum der Samenknospe 
statt. Hierbei wird der im Nucellus befindliche Theil des 
Pollenschlauches in der Mitte ausgezogen und zerreisst end- 
lich, so dass der hintere Theil desselben von der Befruch- 
tung ausgeschlossen wird. Da Treub ein Eindringen dcsPol- 
lenschlauches in denEml^rj^osack niemals bcoI)achtct liat, so 
vernnithet er, dassnur dermnnlicheSexualkern weder direct 
noch mit Hilfe einer der Synergiden, sondern von unten 
her, den Embryosack passirend, in die Oosphre eintritt. 

Das bisher bei keiner Phanerogameu-Gattung beob- 
achtete Eindringen des Pcdiensehiauches durch die 
Chalaza ist die Veranlassung zu dem Namen Chalazo- 
gamae. Treub stellt diesen Chalazogamen als zweite 
nterabtheilung der Angiospermen die Porogamen gegen- 
ber, wobei er besonders die Thatsachc hervorheben will, 
dass der Pollenschlauch zum Eindringen im Gegensatz zu 
Casuarina einen ihm gewissermaassen vorgezeichneten Weg 
(einen Porus) bentzt; Engler*) bezeichnet sie dagegen als 
Aerogamen, wobei er anscheinend besonders betonen will, 
dass der Pollenschlauch vom Scheitel aus und nicht wie 
bei Casuarina von unten her in den Embryosack eintritt. 

Engler's weitere Theilung der Angiospermen wird 
in der nachfolgenden Uebersicht in den Hauptzgen ge- 
boten. Die gesperrt gedruckten Namen bezeichnet Engler 
als Reihen", die brigen als Familien". 

1. Unterklasse. Monocotyledoiieae.**) 
Pandanales: Typhaceae, Pandanaeeae, Sparganiaceae. 
Helobiae: Potamogetonaceae, Najadaceae, Apouogeto- 

naceae, Juucaginaceae, Alismaceae, Butduiaceae, 

Hydrocharitaceae u. a. 
Glumiflorae: Gramineae, Cyperaceae. 
Principes: Palmae. 
Sj' u an t h a e : Cyelanthaceae. 
Spathiflorae: Araceae, Lemnaeeae. 
Farinosae: Restiouaeeae, Erioeaulaceae, Bromeliaceae, 

Connnelinaceae, Pontederiaeeae u. a. 
Liliiflorae: Juncaceae, Liliaceae, Amaryllidaceae, Taqca- 

ceae, Dioscoreaceae, Iridaceae. 
Scitaniineae: Musaeeae, Zingiberaceae, Cannaceae, Ma- 

rantaceae. 
Microspermae: Burmanniaceae, rehidaceae. 

2. Unterklasse Dicotyledoueae. 

1. Reihengruppe: Archichlamydeae. 
Piperales: Saururaceae, Piperaceae u. a. 
Juglandales: Juglandaeeae, Myriaceae. 
Salicales: Salieaceae. 



*) In dem bereits 1889 erschienenen betreffenden Theile der 
von Engler und Prantl herausgegebenen Natrlichen Pflanzen- 
familien" konnte diese Neu-Eintheilung selbstverstndlich noch 
nicht Anwendung finden. 

**) Eine eingehendere Motivirung der Anordnung der Jlono- 
cotyledoneae bietet Engler in seiner von der Kgl. Akademie der 
Wissenschaften zu Berlin 1892 herausgegebenen Abhandlung: Die 
systematische Anordnung der nionoeotyledonen Angiospermen." 



Fagales: Betulaceae, Fagaceae. 

Urticales: Ulmaceae, Moraceae, Urticaceae. 

Proteales: Protcaceae. 

Santalalcs: Loranthaceae, Santalaccae, Balanophoraceae. 

Aristolochiales: Aristolochiaceae, Rafflesiaceae, Hydno- 
raceae. 

Polygonales: Polygonaceae. 

Ccntrospermae: ('henopodiaceae, Aniarantaceae, Nycta- 
ginaceae, Phytolaceaceac, Aizoaceae, Portulaeaeeae, 
Basellaeeae, Caryophyllaceae. 

Ranales: Nymphaeaceae, Ceratophjllaceae, Magnoliaceae, 
Anonaeeae, Myristicaccae, Ranunculaceae, Berberi- 
daceae, Menispermaceae, Calycantliaceae, Lauraceae. 

Rhoeadales: Papaveraeeae, Cruciferae, Capparidaceae, 
Resedaceae. 

Sarraceniales: Sarraceniaceae, Neienthaceae, Drosera- 
ceae. 

Rosales: Podostemaceae, Crassulaceae, Ccphalotaceae, 
Saxifragaeeae , Pittosporaeeae , Hamamelidaceae, 
Platanaeeae, Rosaceae, Lcguminosae. 

Gcraniales: Geraniaceae, Oxalidaeeae, Tropaeolaceae, 
Linaceae, Humiriaceae, Erythroxylaceae, Zygo- 
phyllaeeae, Cneoraceae, Rutaceae, Simarubaceae, 
Burseraceae, Meliaeeae , ]\Ialpighiaceae, Trigonia- 
ceae, Vochysiaceae, Tremandraceae, Polygalaceae, 
Chailletiaceae, Euphorbiaceae, Callitrichaceae. 

Sapindales: Buxaceae, Empctraceae, Coriariaceae, Gy- 
rillaceae, Limnanthaceae, Anacardiaeeae, Celastia- 
ceae, Aquifoliaeeae, Stackhousiaceae, Hippocratea- 
ceae. Icacinaceae, Aceraeeae, Sapindaceae, Me- 
liantiiaceae, Balsaminaceac. 

Rlianinales: Rhanmaceae, Vitaeeae. 

Malvales: Elaeocarpaceae, Tiliaceae, Malvaeeae, Bom- 
bacaeeae, Sterculiaceae. 

Parietales: Dilleniaceae, Eucrjphiaccae, Ochnaceae, 
Caryocaraceae, Maregraviaceae, Quiinaceae, Chlae- 
naceae, Theaecae, Guttiferae, Dipterocarpaceae, 
Elatinaeeae, Tamarieaceae, Frankeniaeeae, Cista- 
ceae, Bixaeeae, Canellaeeae, Violaceae, Flacourtia- 
ceae, Turneraceae, Malesherbiaeeae, Passifioraceae, 
Caricaceae, Loasaceae, Begoniaceae, Datiseaceae. 

Opuntiales: Cactaceae. 

Thymelaeales: Penaeaceae, Thymelaeaceae, Elaea- 
gnaeeae. 

Myrtifiorae: Lythraceae, Biattiaceae, Punicaeeae, Lc- 
cythidaceae. Rhizdjdioraceae, Myrtaceae, Combreta- 
ceae, Melastomaceae, Oenothcraeeae, Halorrhagida- 
ccae. 

Umbelliflorae: Araliaceae, Umbelliferae, Cornaceae. 

2. Reihengruppe: Sympetalae. 

Ericales: Clethraceae, Pirolaceae, Lennoaeeae, Ericaceae, 
Epaeridaceae, Diapensiaceae. 

Primulales: Myrsinaceae, Primulaceae. Plumbaginaceae. 

Ebenales: Sapotaceae, Ebenaceae, Symploeaceae, Styra- 
caceae. 

Contortae: Oleaceae, Salvadoraceae, Loganiaceae, Gen- 
tianaceae, Apocynaceae, Asclepiadaeeae. 

Tubiflorae: Couvolvulaceae, Poknnoniaceae, Hydro- 
phyllaceac, Borraginaeeae, Verbenaceae, Labiatae, 
Nolanaceae, Solanaceae, Serophulariaceae, Lenti- 
bulariaceae, Orobauchaceae, Gesneraceae, Colu- 
melliaceae, Bignoniaceae, Pedaliaeeae, Globularia- 
ceae, Acanthaceae, Myoporaceae. 

P 1 a n t a g i n a 1 e s : Plantaginaceae. 

Rubiales: Rnbiaceae, Caprifoliaceae, Adoxaceae. 

Aggregatae: Valerianaceae, Dipsacaceae. 

Campanulatae: Cucurbitaeeae, Campanulaceae, Goode- 
niaeeae, Candolleaceae, Calyeeraceae, Compositae. 



Nr. f). 



Natnrwissciisphaftliclic Wochenschrift. 



43 



aiizciisvstciiR' der letzten 
;'lcr'sehe System durchaus 



So sehr nun auch die PI 
Zeiten und besonders das En 
den heutigen Kennt- 
nissen mglichst ent- 
sprechend gestaltet 
worden sind, Eins 
drfen wir nicht ver- 
gessen: das waln'c 
natrliche System ist 
noch lange nicht 
erreicht. So sehr 
auch fr die Sy- 
stematik vcrwerth- 
bare Eortschritte in 
der Abtheilung der 
Kryptogamen in den 
letzten Dccennien ge- 
macht worden sind, 
die systematische 
Hanptgiicderung der 
Plianerogamen ist 
bei Engler die glei- 
che geblieben wie 
frher; auch die 
Familiengrnppirnng 
weist keine ])rin('ipi- 
ell bedeutend ins Ge- 
wicht fallende Ver- 
schiedenheit auf. 
Mag das nun darin 
seinen Grund haben, 
"dass die Plianero- 
gamen ja zweifellos 
besser und lnger 
erforscht sind , als 
die Kryptogamen, 
l)ei denen ohne Mi- 
kroskop der jetzige 
Standpunkt nicht 
htte erreicht wer- 
den knnen, so nuiss 
man doch anderer- 
seits stutzen , dass 
wir in Bezug auf 
die Gliederung der 
Phanerogamen in 
einer gewissen 
Hinsicht nicht ber 
Linne hinaus sind. 
Denn verhehlen 
wir es uns nicht: 
so sehr auch in dem 
Streben, ein natr- 
liches System" zu 
schatfen, darauf hin- 
gewirkt wird, nuig- 
lichst die Eigenthm- 
lichkeitcn, welche 
von der ganzen 
Pflanze geboten wer- 
den, zu bercksich- 
tigen, so steht doch 
noch inmier, wie l)ei 
dem rein knstlichen 
System von Linne, 
die Betrachtung der 
Geschlechtsorgane, bei den hheren Pflanzen also der 
Blthen, im Vordergrunde, und insofern haftet auch den 
heutigen Systemen inmier noch etwas Knstliclies an. Es 




Tafel III: Fig. 1,3,47, Sa, Sb Casuarina suberosa. 

Figur 1 u. 2. Liig.ssclinitte tUin-li .iiigeiKUicIic NuooUi. 

In Figur I unterscheiden .sich die durch Schrat'firung kenntlich gem.iehten Zellen des 
sporogencn Gewebes (si)) schon durch ihre bedeutendere Grsse von den umgebenden Zell- 
sehiehten. (Vergrsserung: 190.) 

Figur 2. Die meisten Zellen des sporogenen Gewebes Csp) haben sich soeben durch 
mehrere Querwnde getheilt. Diese Querwnde sehen gequollen und glnzend aus, hnlich wie 
diejenigen der Erabryosack-Mutterzellen der brigen Angiospermen. (Vergrsser.: 157.) 

Figur 3. Axiler Lngsschnitt durch einen Nueellus. - em = Embryosack-Mutterzelle mit 

3 Querwnden. tr = Tracheide. m u. m, = Makrosporen, von denen die letztere bereits 
in die Ohalaza (ch) hiiieingowachen ist- (Vergrss. : 190.) Die in der Mitte des Nueellus beuil- 
liclieu Zellsehichten sind in der Zeichnung weggelassen. 

Figur 4. Lngsschnitt durch den untern Theil einer etwas lteren Samenknospe. Der 
Pollensehhiuch (ps) sendet vor seinem Eintritt in die Chulaza (ch) einen Gabelast nacii unten, 
welcher last bis zur Epidermis vorgedrungen ist. Der nach oben gerichtete Gabelast ist bereits 
in den Nueellus eingedrungen. Die (jef.sse (g) setzen sich nach rechts in den Fiuiiculus fort, 
dessen Gewebe nicht mitgezeichnet ist. (Vergrsser.: 80.) 

Figur 5. 3 Makrosi)oren (m, ii, m;) nebst den angrenzenden Zellen, m-i ist der zur Be- 
fruchtung bestimmte Enibryosack. Die im oberen Theil desselben befindlichen beiden Zellen 
bilden den Eiajiparat. (Vergrsser.: 2u.) 

Figur 6. Eiapparat eines Embryosackes. s = Synergiden, o = Gosphre. (Vergr.: 190.) 

Figur 7. Skizze eines medianen Lngsschnitt durch das Centrum einer jungen 9 ISliitlie. 
n = Nueellus. = inneres Integument. ui = usseres Iiitegument. br = Brcke, welche 
die Samenknospe an der Fruchtknotenwand festhlt, und durch welche sjiter der Pollenschlauch 
eintritt. f = Funiculus. 

Figur Sa. Junger Embryosack, dessen protoplasmatischcr Inhalt contrahirt ist und 

4 Zellkerne k enthlt. Die Gosphre (o) hat, wie bei Casuarina hufig, eine gekrmmte Gestalt. 
Die neben ihr liegende Zelle (a) zeigt einen homogenen stark liclitbrechendcn Inhalt, wie man 
Um oft bei den Kanalzellen der Areliegonien der hheren Kryptogamen findet. (Vergrsser.; 260.) 

Vig. S. Skizze der Eckseite desselben Embryosacks, welche deutlich das Ende des an 
ihr haftenden l'oUenschlauches (p) zeigt. 



scheint sieh allerdings gerade in der Aehnliciikeit und Un- 
hnlichkeit des Baues der Blthen die Verwandtschaft der 

Pflanzen am mei- 
sten auszusprechen 
und mglicher Wei- 
se stellt sieh daher 
immer mehr iieraus, 
dass sich durch 
die fast ausschliess- 
liche Bercksichti- 
gung der genannten 
Organe wirklich ein 
wahrhaft natrliches 
System aimhernd 
erreichen lsst. Si- 
cher ist das aber 
nicht: um dies be- 
stimmt behaupten zu 
kiinnen , (hizu rei- 
chen unsere Kennt- 
nisse nicht aus. 

Aber auch wenn 
wir die Annahme 
der heutigen Syste- 
matiker acceptiren, 
dass sich also im 
Bau (h'rGeschlechts- 
organe und in den 
Fortpflanzungsver- 
hltnisseil in der 
That das natrliche 
System ausspriciit, 
so ist doch zu be- 
achten, dass, soweit 
wir aucii hier in der 
Erkenntniss vorge- 
schritten sind, doch 
noch Vieles zu tiiun 
bleibt. So macht C. 
Fritsch am Schlsse 
seiner Besprechung 
ber die Treuli'schc 
Casuarina - Untersu- 
chung*), speeiell be- 
zglich der Monoco- 
tyledonen, die fol- 
gende Bemerkung. 
In allen lteren 
Systemen , so na- 
mentlich in dem lan- 
ge Zeit gangbaren 
von Endlicher, stan- 
den die Gymnosper- 
men, da ihre Fort- 
pflanznngsverhlt- 
nisse nicht genau 
genug bekannt wa- 
ren, am Anfange 
der Dicotyledonen. 
Spter wurden sie 
auf Grund der 
epochalen Untersu- 
chungen Hofmei- 
ster's an die Pteri- 
dophyten angereiht, 
so dass die Mo- 
nocotyledonen zwischen Gymnospermen und Dicotyle- 

*) In den Vcrhaiullungen der k. k. zoolog;isch -botani.schen 
Gesellschaft zu Wien 1892, Sitzungsbericht S. 52. 



Fig. 3 Casuarina glauca. 



44 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 5. 



donen zu stehen kamen, obschon die Gymnospermen die 
mannigfachsten Bezieliungen zu den Dicotyledonen, liaum 
al)er solche zu den Monocotyledoneu aufweisen. Nun 
werden heute die Casuariuaceen von den Dicotylen los- 
g'erissen und an die Gymnospermen angereiht. Andere 
Forseher (Caruel) weisen den Loranthaecen eine selbst- 
stndige Stellung an; und wer weiss, ob nicht auch fr 
die liabituell so sehr an Coniferen erinnernden rroteaceen, 
die zudem hufig mein- als zwei Cotyiedonen besitzen, 
noch eigenartige Fortpflanzungsverhltnisse nachgewiesen 
werden! Alle diese Familien gehren aber den sogenannten 



apetalen Dicotyledonen" an, whrend die tief stehenden 
Gruppen der IMonocotylcdoncn nicht die geringsten Ana- 
logien mit Gymnospermen aufweisen. Alles das Angefhrte 
spricht seiir fr Drude, der die Monocotyledouen an das 
Ende des Systems stellt und die Dicotyledonen direct an 
die Gymnospermen anreiht. Dass die hchst entwickelten 
Formen unter den gamopetalen Dicotylen eine hhere Ent- 
wicklungsstufe erreicht haljcn, als etwa die Orchideen, 
ist allerdings kaum zu leugnen, aber allen Anforderungen 
kann ein lineares System selbstverstndlich niemals gleich- 
zeitig Rechnung tragen. 



Ist die unmittelbare Gedankenbertragung oder mentale Suggestion erklrbar? 



Von Dr. Karl Fr. Jordan' 



Es ist eine geheime oder ofi'en ausgesprochene An- 
sicht vieler Naturforscher, dass die Thatschlichkeit einer 
Naturerscheinung bestritten werden msse, welche sich 
nicht erklren lsst und in ihrem Wesen von der Mehr- 
zahl der bekannten Naturerscheinungen abweicht. Diese 
Ansicht ist durchaus verkehrt; denn es giebt in der uns 
umgebenden Welt wie im Erfahrungsgebiete in uns eine 
Menge von Thatsachen, die zu leugnen Niemandem ein- 
fallen wird, und die doch nicht sei es mit Hilfe unserer 
gegenwrtigen Kenntnisse, sei es auf Grund der 



Forschungsergebnisse irgend welcher 



fernliegenden Zu- 



kunft des Rthselhaften und Unbegreiflichen, das sie 
uns bieten, entkleidet werden knnen'). Ich will nur auf 
drei hierher gehrige Beispiele \erweisen. 

Welcher Chemiker verm<ichte es, aus Gras und andern 
Pflanzenstoften die organisirten Bestandtheile des thie- 
rischen Krpers: Blut, Nervengewebe, Muskeln und 
Knochen u. a. m. zu bereiten ? Oder wer knnte auch nur 
die Bedingungen nennen, unter denen solche Umwandlung 
vor sich geht, oder die einzelnen Stadien des wunder- 
baren I'roccsses bis ins Kleinste enthllen? Und doch 
geschieht das Unverstandene und Unerklrbare tag- 
tglich in jedem Wiederkuerleibe! 

Ein anderes Beispiel, das uns noch nher liegt! Fort- 
whrend macheu wir die Erfahrung, dass eine innige 
Wechselwirkung zwischen Geist und Materie stattfindet^). 
Schallbewegungen, Aethersehwingungen n. dergl. m., kurz 
Vorgnge, die sich im todten Stoff al)spielen, kommen 
uns als Tne, Farben oder sonstige Empfindungen zum 
Bewusstsein^); oder wir fassen den Entschluss, diesen 
Stein zu heben, oder treffen die Willens-Fcstsetzung, unsere 
Beine nach jenem schnen Aussichtspunkte hin in Be- 
wegung zu setzen und die Handlungen, die wir im 
Geiste entworfen haben, vollziehen sich in der mate- 
riellen Wirklichkeit^). Wer aber erklrt uns alles dies? 
Freilich, die Materialisten" meinen, es erklren zu 
knnen; aber was sie vorbringen, knnen nur solche 
Glubige hinnehmen, die das zu erklrende Problem 
berhaupt garnicht wahrhaft erfassen"). 

Und noch ein weiteres Beispiel fuhrt uns sogar einem 
Widerspruch entgegen, der solange unlsliar sein wird, 
wie die Art unseres Denkens dieselbe bleibt wie heute. 
Es ist der bekannte Beweis, den der griechische Eleat 



*) Di(,' Redaction hat sich entschlossen, da dor Hr. Verfasser 
ein alter Mitarbeiter ist, den obigen Aufsatz zu bringen, obwohl 
die entwickelten Anschauungen ganz denjenigen der Red. und, 
soweit diese orientirt ist, auch denjenigen des Leserkreises wider- 
sprechen. Zum Ausgleich hat der IJnterzeiclinete nun Hei-rn 
Dr. Maximilian Klein, der in Zukunft freundlichst die Philosoijhie 
in der Naturw. Wochenschr. vertreten will, gebeten, den obigen 
Artikel mit Anmerkungen zu versehen. P. 



Z e n fr die Unmglichkeit der Bewegung erbracht hat, 
d. h. fr eine Unmglichkeit, die in unserem Denken 
besteht, whrend wir uns in AVirklichkeit jeden Augen- 
blick von dem Dasein von Bewegungen berzeugen knnen. 
In der That ist es unerklrbar, wie ein sich bewegender 
Krper ein bestimmtes Ziel erreichen kann, wenn man 
annimmt, wie man es doch muss, dass er erst die Hlfte 
des Weges, dann die Hlfte der brigbleibenden Hlfte 
dnrclduft und so fort bis ins Unendliche''i; oder wie er 
lierhaupt vom Flecke konnnen kann, wenn man umge- 
kehrt bedenkt, dass er doch, ehe er den ganzen Weg 
zurcklegt, erst die Hlfte desselben durchlaufen muss, 
von dieser aber vorher auch erst die Hlfte und so fort 
bis ins Unendliche'); oder endlich, wie er seine Bewegung 
ausfhren kann, da er doch andererseits in jedem Zeit- 
punkte seines Laufes ruhen muss'^), womit, wie Zeno 
richtig bemerkt, die Bewegung aus Ruhe, d. h. ihrem 
Gegentheil resultiren wrde. Mit dem AVorte Continuitt 
der Bewegung", mit dem man die Zeno'sche Beweis- 
fhrung zu entkrften sucht, ist gar nichts gethan; es ist 
elien nur ein Wort, das die eigentliche Schwierigkeit 
umgebt. 

Wenn die Materialisten gegenber allen drei ange- 
fhrten Beispielen sagen wollten: Wir knnen zwar jetzt 
noch nicht das Rthsel lsen, das uns in ihnen entgegen- 
tritt, werden al)er spter dazu im Stande sein, wenn 
unsere Erfahrungen oder gar unsere Denkfhigkeit andere 
geworden sein werden, so bemerke icii dagegen: das 
kann man jeder wunderbaren Erscheinung gegenber 
erklren, und folglich hat man kein Recht, allein des 
Wunderbaren wegen, das eine Erscheinung an sich 
hat, ihre Thatschlichkeit zu bestreiten''j. 

Eine der rthselhaftesten und am meisten angezwei- 
felten Naturerscheiiumgen nun ist die mentale Sug- 
gestion" oder unnnttelbare Gedankenbcitragung", 
d. h. eine ohne Vermittlung der Sinne (und krperlicher 
( >rgane) stattfindende Uebertragung geistiger Vorgnge von 
einer Person auf eine andere. Nicht nur, wenn die zweite 
Person sich in Hypnose oder im Schlafzustande, von 
Trumen nmfangen, befindet, sondern aucli, wenn sie 
v(>llig wach ist, soll in ihr entweder auf Grund einer Vor- 
stellung, welche die erste Person hat, die gleiche Vor- 
stellung oder gar ein ihr entspreehemles Bild (eine Hal- 
lucination) entstellen, oder sie soll durch einen blossen 
Willensaet der ersten Person zu irgend einer Handlung 
veranlasst werden. Ich sage: sie soll, weil ich, obgleich 
ich die mentale Suggestion fr mglich und sogar fr 
wahrscheinlich halte, doch noch nicht unzweifelhafte 
Gewissheit von ihrem Dasein besitze. Es regt sich in 
dieser Beziehung der nchterne Sinn des Naturforschers 
in mir, der sich htet, neue Erscheinungen ohne vor- 



Nr. 



Naturwisscnscliaf'tliclie Wochenschrift. 



4n 



sichtige Kritik und bloss dem unklaren Aufschwnge der 
Phantasie folgend anzuerkennen. Innnerhin will icli gern 
eingestehen, dass ich bereits mehrere Traumerlebnisse 
sowie Vorfalle des wachen Lebens zu verzeichnen habe, 
die sieh im Sinne der unmittelbaren Gedankenbertragung 
deuten lassen'"). 

Es entsteht uuu auf Grund der vorhergehenden Er- 
rterungen die Frage in uns, ob sich fr die Thatsachen 
der mentalen Suggestion eine Erklrung finden lasse. 
Giebt es eine solche, so werden die genannten That- 
sachen das Frt'indartige, das sie sonst fr uns an sich 
haben, verlieren und uns vertraut werden; al)er wenn es 
auch nicht gelingen sollte, sie begreiflich zu machen, 
wrde nach dem oben Auseinaudergesetztcn ihr that- 
siichlichcr Werth deswegen doch noch nicht aufgehoben 
werden"). 

In der That sehe ich nun aber eine IMglichkeit, wie 
man sich das Zustandekommen einer mentalen Suggestion 
denken kann. Bercksichtigen wir nndich, dass alles 
Geistige seiner Natur nach unriiumlich ist, so knnen wir 
die vVnnalnne machen, dass es in Gestalt des menschlichen 
Geistes keineswegs unbedingt an den raumerfllenden 
Krper gebunden ist, sondern ber die Grenzen desselben 
hinaus wirksam sein kann. Die Hauptsehwierigkeit liegt 
in Wahrheit nicht in der Erklrung der Einwirkung des 
Geistes auf einen fi'cmden Krper, sondern auf einen 
Krper berhaupt, mag es auch der eigene sein'-). 

Diesem Problem der Beeinflussung des menschlichen 
Oiganisnnis durch den in ihm wohnenden (ieist wolk'U 
wir uns daher zunchst zuwenden. Fassen wir es genauer, 
so handelt es sich dabei um einen auf die motorischen 
Nerven und die Drsennerven ausgebten Eiiifluss, der 
von bewussten Vorstellungen (Vorstellungen des Ich) her- 
rhrt. Es giebt zwei Arten dieser als Innervation (im 
engeren Sinne) bezeichneten Beeinflussung: eine gewollte 
und eine nicht gewollte. Die erstere findet z. B. statt, 
wenn ich etwas heben oder einen Schiitt tliun will, die 
letztere zeigt sieh in dem Errthen bei Schani, dem Er- 
bleichen bei Schreck, dem vermehrten Spcichelfluss beim 
Gedanken an Saures u. dergl., ferner in der Accomodation 
des Auges und in der Athmung, die freilich zum Theil 
auch in bewusster Absicht erfolgen kann'''). 

Wir haben es hier nur mit der (bewusst) gewollten 
Innervation zu thun'^). Obgleich nun bei dem Zustande- 
konnnen derselben der Anlass vom Ich gegeben wird, ist 
sich dasselbe doch seiner Einwirkung auf die zuvor ge- 
nannten Nerven nicht l)ewusst, und \i>r allem weiss und 
versprt es nicht, inwiefern es dicsell)en beeinflusst. 
Es nniss denniaeh diese Beeinflussung unmittelbar nicht 
vom (wach-bewussten) Ich, sondern von (relativ) uube- 
wussten geistigen Factoren ausgehen, die wir dem 
sogenannten Uuterbewusstsein zurechnen. Den Nachweis, 
dass dies so ist, hat Dr. Eug. Dreher in seintT Schrift 
Drei psychophysiologische Studien" gefhrt. Damit ist 
das Rthsel der Wechselwirkung zwischen Geist und 



Materie, das seit Descartes die Kpfe der Denker be- 
schftigt und beunruhigt hat, wenn auch nicht gelst, so 
doch der L(isung um einen Schritt cntgegenfhrt und 
jedenfalls in gewissem Sinne fasslicher gestaltet worden. 
Descartes hatte das Ich mit dem ganzen Geiste (bezw. 
der ganzen Seele) identiiicirt. Fr ihn nmsstc die Ein- 



wirkung des Geistes 



was also nach seiner Anschauung 



zugleich die Einwirkung des Ich hiess auf gewisse 
Nerven vllig nnfassbar sein, da doch das Ich, wie er- 
whnt, nichts davon weiss noch versprt. Nehmen wir 
nun aber ausser dem Ich (mit seinem wachen Ichbewusst- 
sein) noch andere Krfte des Geistes an, deren Gesannnt- 
heit wir als Unterbewusstsein bezeichnen, durch welche 
die vielfachen (relativ) unbcwussten geistigen Vorgnge 
vollzogen werden, so knnen wir letzteren die Inner- 
vation au <lie Seite stellen'"). 

Ebenso wie der Wille nicht immittelbar, sondern auf 
dem Umwege durch das Unterbewusstsein das Nerven- 
system beeinflusst, geschieht es auch seitens der blossen 
Vorstellung. Es geht zunchst eine Nachricht an das 
Unterbewusstsein. Hier angelangt, schwindet sie dem 
Ich aus dem Gesichtskreis nnd wird von den (relativ) 
unbcwussten geistigen Factoren weiter verarbeitet, und 
das Nervensystem erhlt von hier aus, ohne dass das Ich 
dies weiss, noch Kenntniss davon hat, wie es geschieht, 
Anstsse zu bestimmten Thtigkeiten. 

Wenn dies nun der Fall ist, so darf es nicht als 
ausgeschlossen erachtet werden, dass der Einfluss einer 
Vorstellung sieh vom Fnterbewusstsein aus auch auf ein 
fremdes Nervensystem erstreckt, das dem eigenen sym- 
pathisch ist. Auf die rundiche Trennung dieses frem- 
den Nervensystems von dem Sitze des wirksamen Unter- 
bewusstseins kommt es dabei nicht an, wie schon erwhnt"'). 
Wohl aber knnte der Einwand geltend gemacht werden, 
dass zur Einwirkung des Unterbewnsstseins auf ein iVem- 
des Nervensystem doch eine innigere materielle Verbin- 
dung desselben mit dem eigenen von Nothen ist. Diesem 
Einwnde begegnet die Gustav Jger'sche Theorie, nach 
welcher ein materieller Wechselverkehr zwischen zwei 
verschiedenen Nervensystemen durcii die von dem einen 
ausgehenden Lebensstoffe stattflndet, infolge dessen das 
andere von jenem beeinflusst wird. Es ist zwar eine 
gegenseitige Beeinflussung \orhauden, aber das eine 
Nervensystem, der eine Organismus berhaupt spielt doch 
eine gewisse Herrscherrolle. Man ki'nmte brigens auch 
ohne die Annahme einer materiellen Vermittlung aus- 
konmien, indem man der Ansicht Raum gbe, dass eine 
wahrhaftige geistige Fernwirkung stattzuflnden vermag, 
infolge deren ein fremdes symi)athisches Nervensystem 
oder wahrscheinlicher zunchst das der gleichen Person 
angehrende Unterbewusstsein in Mitleidenschaft ge- 
zogen wird hnlich wie bei dem bekannten Phnomen 
des Mittnens ein angeschlagener musikalischer Ton 
einer Saite eine gleichgestinnnte Saite zum Mitschwingen 
l)rini;-t. 



Anmerkungen zu dem vorstehenden Aufsatz des Herrn Dr. Jordan. 



Von Dr. M. Klein. 



') Woher weiss Herr Dr. J. dies? Eine Erscheinung 
erklren, heisst dieselbe auf andere uns bekannte, von 
uns begriffene'- Thatsachen zurckfuhren, sie unter be- 
kannte (iesetze, bezw. Begritt'e subsumiren. Und wes- 
halb sollte dies Subsumiren, dies Zurckfuhren, dies 
Begreifen" nicht einst auch bei IMiatsachen UKiglich sein, 
die heute manchem, vielen oder allen als unbegreiflich" 
erscheinen? Dr. J. verfllt in dassellje Dogma, wie 
Du Bois-Reymond mit seinem bekannten Ignorabimus", 



das aus nicht ganz klaren Vorstellungen ber das Wesen 
unseres Begreif'ens und Erkcnnens und die demscllien ent- 
sprechende .\ufgabe der Wissenschaft hervorgegangen ist. 
Letztere hat unseres Erachtens nicht im mintlesten den 
Zweck, uns eine sog. absolute Wahrheit und Erkenntniss 
zu verschaffen, wie die speculativen Forscher wollen, 
sondern soll im Interesse unseres Erhaltungskampfes, also 
aus durchaus i)raktischem Gesichtspuiditc, die Thatsachen 
mglichst vollstndig mit dem gering.sten Gedaukenauf- 



46 



Naturwissenschaftliche Woclienschritt. 



Nr. 5. 



wnde und in einer unserem Erhaltuugsstreben mglichst 
ntzlichen, fr uns im Leben uKiglichst branchbaren und 
fruclitbaren und darum auch haltl)aren Weise darstellen. 
(Vergl. hierzu die Schriften von Richard Avenarius Kritik 
der reinen Erfahrung-" und l>er menschliche AVcltbegrifl'-, 
Ernst Mach, Analyse der Emptindungen'- und Die 
Mechanik in ihrer Entwicklung", ferner den Aufsatz lieber 
die Entstehung der Denkfrirmeu" von Dr. H. Potonie in 
dieser Zeitschrift 1891, Nr. 15, und meine binnen Kurzem 
im Verlage von Ferd. Dmmler erscheinenden Grundzge 
der Psychologie".) 

-) Wer macht diese Erfahrung (nicht etwa, wie man 
meinen sollte, von einem innigen Zusanmicnhangc, son- 
dern) von einer innigen Wechselwirkung " zwischen 
Materie und Geist? Doch wohl nur Theologen, Meta- 
physikcr und Mystiker, die ja auch manchmal Natur- 
forscher" sein mgen. Im brigen ist die freie Erfahrungs- 
Wissenschaft und Forschung, unbeknmiert um Sonder- 
wttnsclie, in Verfolgung des Hauptzieles aller Wissenschaft 
auf der Bahn der Vereinfachung ihres Welt-Denkens licr 
den Dualismus hinweggeschritten und bekennt sich zu 
jener Hypothese, die die in Anm. 1 bezeichneten Aufgaben 
der Wissenschaft am besten erfllt, nmlich zu der An- 
sicht, dass geistige und krperliche Vorgnge nur zwei 
iSeiten eines und desselben Processes sind, dass also gc- 
wisscrmaasscu ein Parallelismns zwischen beiden Arten 
von Vorgngen statt hat. Xon einer ja in der That vllig 
unbegreiflichen und die Sache nur verwickelnden und 
verdunkelnden Wechselwirkung kann bei Annahme dieser 
Ansicht natrlich nicht die Rede sein, sondern nur von 
einer Functionalbeziehung zwischen beiden (im mathe- 
matischen Sinne des Worts): mit dem Siclindcrn des 
Geliirnprocesses treten gleichzeitig (nicht etwa darauf, 
also etwa verursacht) auch Aenderungcn der eventuell 
vorhandenen seelischen Thatsachen ein, und umgekehrt. 
Diese Ansicht stinmit mit allen Erfahrungsthatsachen ber- 
cin, insbesondere auch mit dem Gesetze von der Erhal- 
tung der Energie (das durch Annalnne der Wechselwirkung- 
aufgehoben wird), und erklrt am besten die S(nist (bei 
dualistischen, spiritualistischen und materialistischen An- 
sichten) vorhandenen Dunkelheiten (z. B. bzgl. der Zeu- 
gung, des Instinctes", der Abnormitten, mancher Vor- 
gnge in Kranklicitszustnden u. s. w.). Sie ist an Ein- 
i'achlieit und Brauchbarkeit und darauf kommt es ja 
an! insbesondere der dualistischen Weclist'lwirkungs- 
Hypothese, die aus den Schwierigkeiten und Dunkelheiten 
nicht herauskonnnt und im fundamentalen Gegensatze 
zum Gesetze von der Erhaltung der Energie steht (da 
zwisclicn materielle Vorgnge etwas Geistiges" einge- 
schoben wird) weitaus berlegen. - Jedenfalls ist es aber 
keine fortwhrend gemachte Erfahrung, dass eineA\'echsel- 
wirkung" zwischen krperlichen und geistigen Vorgngen 
statt hat, sondern wir wissen nur von einem sehr innigen 
Zusammenhange, einem sehr innigen In-Bezichung-stehen 
beider Vorgangs -Reihen, das eben am besten durch die 
Parallelismus -Hypothese erklrt wird. 

) Der Vorgang ist vielmehr der, dass von den Reizen 
der Aussenwelt" Vernderungen in den peri})herischcn 
Nervenorganen hervorgerufen werden, die sich durch die 
sensiblen Nerven hindurch zum Gehirn fortpHanzen und 
hier vorausgesetzt, dass die Reize gengend stark 
und difterent waren von Wahrnehmungen oder 
Bewusstseinsvorgngen" (Abhebungen" wrde ich nnt 
Richard Avenarius lieber sagen!) begleitet sind. Die 
Witrter Empfindungen" und Bewusstsein" rufen den 
Schein hervor, als ob die erfolgten Wahrnehmungen etwas 
subjektives, also ..in meinem Kopfe" seien, whrend die 
wahigenonnnenen Sachen draussen" wren. Das ist 



aber vom Standpunkte des Erfahrungsphilosophen aus 
unbedingt zu bestreiten. Die Wahrnehmungen" sind von 
den wahrgenommenen Sachen" keineswegs verschieden, 
\ielmchr decken sich beide Ausdrcke. Die Wahrneh- 
nningen sind nicht in meinem Kopfe, sondern theilen 
mit demselben nur dasselbe rumliche Feld: sie sind 
eben die Sachen da draussen", die als Reize" aufge- 
treten sind. 

*) Entschluss" und Willcns-Fcstsetzungcn" (ein 
etwas sonderbarer Ausdruck!) sind ebenfalls Begleiter- 
scheinungen von Hirnvorgngen, welche Hirn Vorgnge so 
beschaffen sind, dass sie Vernderungen in den motorischen 
Nerven nach sich ziehen. 

) Nicht nur die Materialisten , sondern auch die 
Monisten, Positivisten und die empiriokritisehe Richtung 
(Richard Avenarius, Ernst Mach u. s. w.) meinen mit der 
Parallelismus-Hypnthese" den Zusammenhang von Leib 
und Seele" ganz leidlich erklrt zu haben. Die mate- 
rialistische Ansicht, nach der die seelischen Vor- 
gnge ein Erzeugniss von Nervenvorgngen sind, ist aller- 
dings wegen der Uukrperlichkeit jener zu verwerfen. 
Verhielten sich die Gedanken wirklich zum Gehirn so, 
wie der Urin zu den Nieren, d. li. wren jene ein krper- 
liches Absonderungserzeugniss des Gehirns, dann in der 
That bte der Materialismus die einfachste Erklrung 
der bezgl. Vorgnge. Wegen der tiefgehenden Ver- 
schiedenheit krperlicher und seelischer Vorgnge, welche 
letzteren sich docli niclit in den allgemeinen Kausalzu- 
sammenhang der materiellen Welt einreihen lassen, ist 
die materialistische Hypothese abzulehnen und die Paral- 
Iclismus-Hyiiotiiese vorzuziehen. Letztere leistet alles, 
was man billiger Weise verlangen kann. Allerdings muss 
das in Rede stellende Problem" auch richtig, d. h. klar 
und den Erfahrungsthatsachen entsprechend gefasst sein, 
und nicht so, wie es dem Geschmacke mancher Glu- 
bigen" (allerdings nicht dem der im Texte erwhnten) 
entspricht. 

'') Dass die Zenonischen Beweise der AVirklich- 
keit der Bewegung nichts anhaben knnen, erkennt ja 
Dr. J. an. In der That: mittelst einer Denkoperation 
etwas tliatschlich Vorhandenes zu einem Niclitvor- 
handenen zu maciien, ist noch Niemandem gelungen. 
Die Bewegung ist eine Erfahrnngs-Thatsache und das 
gengt! Keine Denkoperation kann eine Thatsache aus 
der Welt schaffen. Wenn uns nun die Zenonischen Be- 
weise auch nicht zu beunruhigen vermgen, weil wir uns 
von vornherein sagen, dass schon irgendwo in den Beweisen 
ein gut Stck Spitzfindigkeit stecken wird, so ist es doch 
anderseits sicher nicht ohne Interesse, diese Spitzfindig- 
keit aufzudecken. Der tuschende Schein wird in dem 
von Dr. J. zunchst angefhrten Beweise Achilles und 
die Schildkrte" dadurch hervorgerufen, dass der 
Schein erweckt wird, als ob die Sunnnc der Weg-Theile 
eine unendliche Grsse ergebe, whrend doch tliatschlich 
nur die Zahl der Theile eine unendbche, ihre Grsse da- 
gegen eine durchaus begrenzte, endliche ist. Der Versuch 
diese unendliche Zahl von Abschnitten einzeln sinnlich 
darzustellen und zwar jeden durch ein endliches Stck, 
ergiebt das Resultat, dass diese Stcke zuletzt alle nahezu 
oder vielmehr ganz gleich werden, weil sich die weitere 
Theiluug" sonst nicht mehr sinnlich darstellen Hesse. AVenn 
eine solche sinnliche Darstellung richtig wre, dann aller- 
dings wre schwer begreifiich, wie die Summe aller jener 
Raumabsehnitte, die ja nun eine unendliche Grsse bilden 
wrden, durchlaufen werden knnte. Jene sinnliche Dar- 
stellung ist aber eben falsch, weil sieh eine solche ber- 
haupt nur bis zu einem gewissen Punkte geben lsst. 
Eine endliche Raumgrsse aber, mge die Zahl ihrer 



Nr. 5. 



Naturwissenspbaftlielic Woclicnscbrift. 



47 



Tlieile auch cJ" sein, wird unser Denken wird es be- 
sttigen stets durcbschritteu werden knnen. Zeno be- 
weist berdies zu wenig, wie das Ueberweg in seiner Logik 
(4. Aufl. S. 419 f) so klar (Lirgelegt bat. Wenn die 
beiden Gescinvindigkoiten sieh wie ii : 1 verhalten, wird 
i\iiieriialb der folgeiKk'n Reibe von Zeit- um! Weg-Tlieilen 
kein Kiidiiden stattfinden: 



1 



IH 1--.5+-. 



1 



in infin. 



1 

n n- rr u* 

Hierbei ist der urspriingiielie Abstand als Lngen- 
einiieit und die Zeit, in der der sebneUere Krper dieselbe 
durchniis.st, als Zeiteiniieit angeseiien. Innerhalb dieser 
Reibe wird in der That der schnellere Krper den lang 
saraen nicht einholen (erreicht doch in der That die Reilie 
nie den von uns leicht zu berechnenden Einli(dungsort!) 
und die Weglassung des Vorbehaltes iinierbalb dieser 
Reihe" ist der Trug, der in diesem Zenoniscbcn Beweise 
steckt. 

") Weshalb ein K('irpcr, wie der zweite von Dr. J. 
angefhrte Zenoniscbe Beweis behauptet, nicht vom 
Flecken ki mimen soll, weil der zu durebschreiteiule Kaum 
in Gedanken unendlich oft getheilt werden kann (eben in 
Gedanken und zwar nur in Gedanken!), ist uns unerfind- 
lich! Wie oft der bezgliche Raum in Wirklichkeit auch 
getheilt werden mag, seine Tbeile Jtleiben hier doch end- 
liche Theile und jeder endliche Raumtbeil ist auch dem 
Urtheil unseres Denkens gemss durchsehreitljar. Es wird 
hier wiederum der Schein hervorzurufen gesucht, als ob 
der endliche Raum dadurch, dass er in Gedanken un- 
endlich oft getheilt werden kann, in Wirklichkeit etwas 
Unendliches, und zwar in diesem Falle ein unendlich oft 
vorhandenes unendlich Kleines, wrde. Das ist aber nicht 
der Fall. Unser endlicher Raum bleibt endlich, mag man 
ihn in Gedanken zerlegen, so oft man will. Der Unendlich- 
keitsljegrift ist wie alle Begriffe ein Erzeugniss des Men- 
sehen, bestimmt, ihm (dem Menschen) praktisch zu dienen, 
ihm im Daseinskampfe zu ntzen. Thut er das nicht, so 
muss er in seiner unklaren Fassung verworfen werden. 
Der Unendlicbkeitsbegritf bildet keine Thatsachc in Ge- 
danken nach, sondern sein klargedaehter Inhalt ist nur 
ein rein negativer: die Verneinung eines Thatschlicben, 
nmlich der Endlichkeit, der Begrenztheit, der Schranken. 
In Wirklichkeit giebt es nirgendwo einen unendlichen 
Iiaum (sei es einen unendlich grossen oder unendlich 
kleinen), wie es auch keine unendliche Zeit giebt. Unsere 
Erfahrung, d. b. unsere Wahrnelnnungen zeigen uns stets 
nur begrenzte Rume und Zeiten! Wie wir selber be- 
grenzt", endlich" sind, so ist auch alles, was wir wahr- 
nehmen, endlich", begrenzt". Der Raum der Wirklich- 
keit, der Raum unserer Wahrnehmung lsst sich nicht in 
ausdehnuugslose Punkte zerlegen, wie es der obige 
Zenoniscbe Beweis will. Fr den, der diesen Funkt fest- 
hlt und sich dannt von den unklaren Unendlichkeits- 
Vorstellungen fern hlt, bietet der Zenoniscbe Beweis" 
keine Schwierigkeit. 

8) Dem dritten Zenoniscbcn Beweise (Der 
fliegende Pfeil ruht") liegt der Gedanke zu Grunde, dass 
eine Bewegung in einem ausdebnungslosen Punkte der 
Flugbahn nicht zu denken ist. Ganz recht! Wenn man 
den ausgedehnten Raum in ausdehnungslose Punkte zer- 
legt, d. b. den Raum zu einem Unraum macht, dann kann 
man auch alles Mgliche folgern. Es ist dersellie Fehler, 
wie frher, dass aller Wirklichkeit (die uns stets nur 
einen ausgedehnten Raum, aber nie einen unausgedehnten, 
d. b. unrumlichen Raum zeigt) zum Trotz die Zerlegung 
des Raumes in unausgedehnte Puids.te vorgenonnnen wird. 
Wer sich strenj;- an die Erfahrung, d. h. an das Ge- 



gebene, die Wirklichkeit hlt, wird vor solchen fehler- 
haften Spekulationen bewahrt bleiben. 

') Warum Herr Dr. .1. nur die Materialisten fr 
Gegner seiner Anschauungen hltV Oder soll der .\us- 
druQk etwa ein Sammelname fr alle seir.e Gegner 
sein? Auf die Zukunft brauchen wir bezgl. der Zenoui- 
s(;ben Beweise, wie ich oben bewiesen zu haben hoffe, 
nicht im mindesten zu vertrsten. Was die Bemerkung 
anbetrirt't, dass man eine ..wunderl)are Ers(,dieinung" doch 
nicht deshalb bestreiten drfe, weil sie wunderbar" 
sei, so ist das ohne Weiteres zuzugehen, wofern damit 
nichts anderes gesagt sein soll, als dass eine Tbatsaehe, 
die wir augenblicklich noch nicht begreifen, d. b. nogh 
ni(;bt auf Bekanntes zurckfhren und unter Bekanntes 
subsumiren knnen, doch aber eine Thatsachc ist und als 
solche anerkannt werden muss. Sicher! Alier wir 
mchten doch bitten, den P.egriff des Tbatscblicben nicht 
soweit auszudehnen, dass man auch die ganz individuellen 
Erfahrungen", die von den meisten Nel)euraenschen nicht 
gemacht und von Vielen und nicht den Ungebildetsten 

als in Widerspruch mit fundamentalen Naturgesetzen 
stehend erachtet werden, als Thatsacben anerkannt sehen 
wilL Fr jene Einzelnen migen es Thatsacben" sein, das 
soll ihnen unbenommen bleiben: aber uns andern gestatte 
man, jene Thatsacben" zu bestreiten, solange sie fr uns 
keine Erfahrung geworden sind und unsere Naturanscbau- 
ung diesell)e geblielten ist. 

1") Wir treffen in der Natur geistige Vorgnge 
stets an materielle Vorgnge gebunden. Ohne krperliche 
Begleitvorgnge sind die geistigen Vorgnge noch nie 
von Seiten der Erfahrungs-Wissenschaft (der Glaube geht 
uns hier nichts an!) beoljacbtet W(u-den, Eine unndttel- 
bare" Gedankenbertragung, d. h. eine solche ohne 
krperliche Begleitvorgnge, widerspricht dieser Funda- 
mentalthatsache aufs Schroffste und muss deshalb den 
schrfsten Widerspruch jedes nUcbternen" Naturforschers 
hervorrufen! Soll eine geistige Einwirkung", eine Ge- 
dankenbertragung eines lenschen auf einen andern er- 
folgen, so ist eine solche nur denkbar, wenn der 
andere die betreffenden Gedanken, d. h. also die die- 
selben ausdrckenden Bewegungen (Worte, Mienen, Blicke 
u. s. w.) wahrnimmt. Ohne Wabrnehnumg des Andern 
knnen unsere Gedanken auch nicht demselben eingeflsst 
werden. Bezgl. Bewegungen unsrerseits, die unsere Ge- 
danken ausdrcken oder wenigstens doch verrathen", 
und Wahrnehmung der bezgl. Bewegungen seitens des 
Andern siud die Grundbedingungen der Gedankenber- 
tragung! Dass die Traumerlebnisse u. s. w. des Herrn 
Dr. J., die sich im Sinne der unmittelbaren Gedanken- 
bertragung deuten lassen", kein gengender Beweis fr 
letztere sind, brauche ich wohl kaum noch ausdrcklich 
zu bemerken. 

1') Im vorhergehenden Abstze war die mentale 
Suggestion nur als wahrscheinlich bezeichnet. In diesem 
wird sie schon als Thatsachc behandelt und soll nun 

obwohl ihre Tbatschlirbkeit noch nicht bewiesen 
ist begreiflich gemaclit werden und wird ihr auch bei 
etwaiger Uubegreiflicbkeit ein thatscblicher Wert" zu- 
gesehrieben ! 

1-) Wie daraus, dass das Geistige unrumlich ist, 
folgen soll, dass es auch ohne Krper vorkonmien 
knne, sehe ich meinerseits nicht ein. Die geistigen Vor- 
gnge sind unbedingt an Ner\ envorgnge gebunden. 
Nirgendwo treten uns in den Erfahrungen jene ohne 
letztere entgegen! Die Annahme des Dr. Jordan ist durch- 
aus unberechtigt! Dass der Geist" ber die Grenzen 
seines" Kiirpers hinaus wirksam sein kann, braucht nicht 
bewiesen zu werden, denn das ist krperlicbe Ver- 



48 



Naturwissenscliaftliclie Wochenschrift. 



Nr. .5. 



mittehing- vorausgesetzt 



Thatsache. Genau so gut, wie 
unser Krper auf die Anssenwelt einwirken kann, kann 
es der Geist" : nmlich gleichzeitig. Wir Menschen zer- 
fallen nicht in zwei verschiedene Wesen: ein geistiges 
und ein krperliches, sondern wir sind eine untrennhare 
Einheit, ein geistig -kr})erliches System. Die geistigen 
und die krperlichen Vorgnge sind nur (wie in Anm. 2 
von mir bereits ausgefhrt wurde) zwei Seiten eines und 
desselben Vorganges. Und damit fllt auch die Haupt- 
schwierigkeit", die von Dr. .Jordan angenommene Ein- 
wirkung des Geistigen auf Krperliches, fort. Solche 
Einwirkung gibt es fr uns gar nicht, weil unsere einfache 
Hj'piithese vom Parallelisnius" der geistigen und krper- 
lichen Vorgnge die verwickelte, widerspruchsvolle und 
mit der Wirklichkeit unvereinbare dualistische Hypothese, 
wie sie Dr. .Jordan vertritt, und damit auch die Ansieht 
von der in der That ganz unmglichen Wechselwirkung 
zwischen Krperlichem und Geistigem, beseitigt. Das 
Einfachste und Brauchbarste ist das Wahrste! 



^^) Die als gewollte" und 



,niehtgewollte" be- 



zeichneten zwei Arten von Jjecinflussungen" sind fiu- 
uns die durch l'rocesse im t'entralNervensystem veran- 
lassten Vorgnge in den motorischen und sekretorischen 
Nerven, die das eine Mal mit .Jlewusstscin", das andere 
Mal ohne solches verlaufen. Von einem Willen", als 
besonderem Vermgen", knnen wir von unserem Stand- 
punkte aus natrlich nicht reden. 

^*) Giebt es denn auch noch eine unbewusst gewollte 
Innervation'? Wir dchten, dass da, wo Wille" vorhanden 
ist, auch immer Bewusstsein vorhanden sei! 

'") Das Ich" ist nach unserer Ansicht ein Komplex 
von Gedanken, Gefhlen und (wahrgenonnnenen) Sachen 
(Rumpf, Gliedmassen, Sprache, Jjewegungen u. s. w.), also 
nicht etwa eine geistige Wesenheit", fr die sich nicht 
der mindeste Nachweis bringen lsst. Dass bei jenen 
von Bewusstsein begleiteten Nervervorgngen . die man 
als Willensrcgungen bezeichnet, nicht snuntliehc Abschnitte 
der bzgl. Hirnvorgnge von Bewusstsein begleitet sind, 
stimmt. Das, was Dr. J. als Unterbewusstsein" be- 
zeichnet, besteht eben iu Hirnvorgngen, die ohne oder fast 



ohne Bewusstsein verlaufen. Die von Dr. J. entwickelte Idee 
eines geistigen Unbewusstseins ist vllig mystisch und den 
wirklichen Sachverhalt nur verdunkelnd und wahrhaftig 
nicht eiufach und erst recht nicht brauchbar, auch nicht 
zu dem Zwecke, zu dem sie Dr. J. verwenden will, zur 
Erklrung der von ihm angenonnnenen Einwirkung des 
Geistigen auf Krperliches. Denn (Jeist" bleibt Geist", 
auch wenn er geistiges Unterbewusstsein" genannt wird. 
Die alte Hauptschwierigkeit" des Dr. J. und aller Dua- 
listen bleibt also nach wie vor bestehen. Hazu kommt 
noch, dass von relativ unbcwussten geistigen Vorgngen" 
reden, genau so klingt, wie wenn Jemand von relativ 
hlzernem Eisen" sprechen wrde. Die gemeinten \'orgnge 
sind die vorher bezeichneten Hirnprocesse, die theils von 
keinem, theils von usserst geringem Bewusstsein begleitet 
sind. Die Verwickeltheit und Dunkelheit der ganzen 
Hypothese spricht brigens selber deutlich genug gegen 
dieselbe. 

^''') Sicher kommt es darauf an, ob, naclnlcm vorher 
schon gengend unwahrscheinliche Annahmen gemacht 
sind, nun noch eine zehnfach unwahrscheinlichere 
hinzugefgt wird. Die Spur eines Beweises fr die neue 
Annahme haben wir leider nicht zu entdecken vermocht. 
Auf die noch folgenden Bemerkungen Dr. J.'s brauchen 
wir wohl nicht nlier einzugehen. Dr. J. schwcht zu- 
nchst seine eben erwhnte Annahme ab, indem er mit 
Hilfe der (brigens durchaus nicht gengend geklrten 
und wissenschaftlich begrndeten) Ideen Jger's zwischen 
den beiden Nervensystemen eine materielle Brcke zu 
bauen sucht, um dann aber, zu seinem obigen Gedanken- 
gange zurckkehrend, zu behaupten, dass man brigens 
auch (dnie die Annahme einer materiellen Vermittelung 
auskonnnen krmnte", wobei er dann noch einen falschen 
Vi'rgleieh mit dem l'hnomen des Mittuens macht. 
Dieser Vergleich erinnert uns brigens in seiner ver- 
unglckten Erluterung geistiger Vorgnge durch ganz 
anderartige kr)rperliehe \ orgnge an den eben so falschen 
Vergleich des Materialisten Karl Vogt, in dem er die Ge- 
danken als Absonderiuigen" des Gehirnes mit Urin und 
Galle als Absonderungen von Nieren und Leber verglich. 



Der Komet Holmes soll nach einer neueren Berech- 
nung des Herrn V. CeruUi in Rom eine Undaufszeit von 
nur 6 .Jahren IOV2 Monaten haben. Obgleich dies Er- 
gebniss der Rechnung nur wenig von der Wirklichkeit 
sieh entfernen drfte, so scheint doch nur wenig Wahr- 
schi'inlichkeit vorhanden, dass der Komet je wieder ge- 
sehen wird. Denn nach einer Photographie, die Herr 
Deslandres am 21. Novemljer mit einer Expositionszeit 
von 40 Minuten von diesem Kometen erhalten hat, zeigte 
derselbe schon damals deutlich eine beginnende Theilung. 
Das Auftreten der letzteren fllt brigens zusammen mit 
der um jene Zeit ul)erall constatirtcn Helligkeitsabnahme 
des Kometen. Von demselben Himmelskrper legte Herr 
Ti SS er and, Director der Pariser Sternwarte, eine acht 
Tage frher aufgenommene Photographie vor, welche die 
Brder Henry hergestellt haben. Auf dieser Platte zeigt 
die Coma einen scharf begrenzten, nahezu kreisfrmigen 
Unn-iss. Der Kern war hell, exeentriseh orientirt und 
etwas elliptisch. Die Helligkeit desselben hinderte in- 
dessen nicht, einige hinter dem Kern stehende Sterne zu 
sehen. An einer Stelle dehnt sieh der Kern bis zur 
Grenze der Coma aus; ein Sehweif ist indessen nicht 
wahrzunehmen. 



Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Es wurden ernannt: Die Botaniker Oberlehrer Dr. F. Kraenz- 
lin und Dr. P. Sorauer, Leiter der pftanzenphvsiolosischi'n 
Versuelisstation in Proskau zu Pi-ofessoren. Dr. Andreas 
Fioni zum Assistenten am Knig!, botanisehen Garten zu Padua. 
Prof. Antonio Borzi zum ordentlichen Professor der Botanik 
und Director des Botanischen Gartens zu Palermo. Prof. Dr. 
Fausto Mori zum ausserordentlichen Professor der Botanik an 
dir Universitt Catania. Prof. J. . Farmer zum Professor 
der Botanik an das University-College in London. Der Bota- 
niker Prof. Dr. D. H. Scott von dem University-College in 
London ist an die botanischen Anstalten nach Kew versetzt worden. 



TJeber die Feier zu Pasteur's siebzigstem Gebuitstag in 
Paris am 27. December 1892 lierichten Prof. Metschnikoff 
und Dr. Loe av inli org in Paris in der Berl. Klin. Wochi'uschr." 

Die grosse Bedeutung Pasteur's zeigt .sich auf das Schlagendste 
schon in seinen ersten Arbeiten, deren ausserordentliche Trag- 
weite zu erkennen erst spteren Jahren vorbehalten war. Dies 
war der Fall mit seinen ersten Untersuchungen ber die optischen 
Eigenschaften der weinsauren Doppelsalze. Er fand . dass die 
wssrigen Lsungen derselben den polarisirten Lichtstrahl ver- 
schieden brechen, und dass die optisch wirksamen Salze in solche 
getrennt werden kinien, von denen die einen rechts-, die anderi'u 
linksbrechend sind. Diese Entdeckung fhrte Pasteur zur Auf- 
stellung seiner Theorie der moleculren Dissymetrie, au deren 
weiterem Ausbau er nur dadurch gehindert wurde , dass er sich 
der Bearbeitung anderer Probleme widmen musste. Allein die 
gute Saat blieb nicht unfruchtbar. Dreissig Jahre spter er- 



Nr. fj. 



Natnrwissensehaftlichc Wochensclirift. 



40 



biiuteu auf den Entdeckunficn l'iistcm-'s L('-Bel und Vant'llof 
ihre Lehvn vom asymmotriscluni Kolilenstott' und von der moli'Cu- 
lren Asvuinieti'io. Bekanntlicli bildet dietio Theorie heute, nach 
hiugon Kiun]ifi'u, die Grundlehro der modernen chomisehen 
Structurlehrc. 

Drs Weiteren ist an die epochomachendeu Arbeiten Pasteur's 
ber Giilirung, Generatin aequivoca etc. zu erinnern. Es sei nur 
hcrvorgidiobeu, wi'lelie immense Tragwciti' der selion 1857 gi>- 
muchtcn Entdeckung Pasteur's ber die Verursacduing der Milch- 
siUireghrung durch niedere Organismen innewohnte. Sie enthllte 
einerseits dii' bedeutungsvolle Thatsaehe, dass Ghrungen stets 
durch Organismen hervorgerufen werden, und andererseits, dass 
es ausser den Hefppilzen noch ganz anders geartete Lebewesen 
giebt, welche chemische Zersetzungen hervorrufen. 

Noch greifbarer trat die Wirksamkeit dieser Organismen zu 
Tage, als Pasteur im Jahre 1861 als Urheber der Buttersiiure- 
ghrung ein viel voluminseres und in der Form schon viel all- 
gemeiner bekanntes Wesen, ein Stbchen entileckte. Damit 
war es zum ersten Male festgestellt, dass derartige Organismen im 
Stande sind, wichtige und ganz speciell chemische Umsetzungen 
hervorzurufen. Diese Entdeckung fidirte unter Anderem zu der 
Ei-kenntniss von der tiologischen Bedeutung ganz hnlicher 
Stbchen, wie sie andere ausgezeichnete Forscher schon frher 
im Milzbrandblnte gesehen hatten, ohne jedoch ihre Tragweite zu 
erkennen. 

Diese und andere Forschungen auf dem Gebic't(.' d<>r Ghrungs- 
lehre, sowie der damit eng verknpfte experimentelle Nachweis 
von der Unhaltbarkeit der althergebrachten Annahme einer 
Generatio spontanea, bilden die Grundsteine des Baues, auf dem 
ein grosser Theil der reinen und angewandten Biologie (inel. der 
Medicin) ruht. Die Erkenntniss der allgemeinen Verbreitung der 
mit blossem Auge unsichtbaren K(Hme, fidirte Pasteur zu den 
scharfsinnigsten Methoden, sich ihrer zu erwi-hren und bildete 
somit die Grundlage der modernen Antise])sis und Asepsis in der 
Chirurgie und Medicin, die durch geniale Nachfolger, vor Allem 
durch Sir Joseph Lister, bis ins Detail ausgearbeitet worden ist. 

Die Methode der knstlichen Zchtung vieler Mikroorganis- 
men, die Entdeckung der so bedeutsamen Fhigkeit, ohne atmo- 
sphrischen Sauerstoff zu leben etc., bildeten die weiteren Grund- 
steine der modernen Mikrobiologie. 

Die allgemein bekannten Entdeckungen Pasteur's ber die 
Krankheiten der Seidenraupe (Prebrine und Flacherie) und das 
durch Bacterien erzeugte Verderben des Weines und des Bieres 
fhrten Pasteur zur Aufstellung ])raktisch so hchst wichtiger 
Methoden, die fr den Wohlstand der Vlker so bedeutungsvollen 
Industrieen zu schtzen. Sie bildeten gleichzeitig eine wissen- 
schaftliche Grundlage fr seine s])teren Untersuchungen betreifs 
der Krankheiten der hheren Thiere und des Menschen. So die 
bekannten Arbeiten ber die Bacterien, die Alischwchung ihrer 
Virulenz und die Mglichkeit, dadurch knstliche Immunitt einer 
ganzen Reihe von Infectionskrankheiten gegenber zu verleihen 
(Hhnercliolera. Milzbrand, Schweinerothlauf etc.). Diese Studien 
haben der wissenschaftlichen Forschung und deren praktischer 
Verwerthuug ein Feld erffnet, dessen Ausdehnung noch nicht ab- 
zusehen ist. 

Nur nach einer solchen grossartigen Vergangenheit und ge- 
tragen von dem Bewusstsein, die Biologie und die Medicin umge- 
staltet zu haben, konnte ein Forscher den Muth fas.sen, einer der 
entsetzlichsten Geissein der Menschheit, der Hundswuth, activ 
entgeg<'nzutreten. Die Schwierigkeiten der Aufgabe waren um 
so bedeutender, als es gerade hier nicht gelang, ein zu Grunde 
liegeudrs Microbion zu entdecken. Hier nuissten andere Wege 
der Forschung eingeschlagen werden als die, die bisher so gross- 
artige R(>sultate geliefert hatten. 

Fassen wir nun alle diese grossartigon Leistungen zusammen 
und fragen wir uns, wie es einem Menschen vergnnt war, so 
viele und so grosse Probleme zu lsen, so liegt die Erklrung 
dafr ausser in dem ungewhnlichen Genie dieses grossen Mannes 
in seinen hervorragenden Charaktereigenschaften. Eine ausser- 
ordentliche Arbeitskraft, gepaart mit dem nimmer rastenden 
Drange, die Wahrheit ans Licht zu bringen; ein fleckenloser 
Charakter und die Energie, mit welcher er Decennien lang den 
hartnckigsten Widerstand gegenber seineu Entdeckungi'ii ver- 
theidigti.', haben es ihm ermglicht, noch bis ins spte Alter so 
Grosses zu leisten. Dabei darf nicht vergessen werden, dass 
Pasteur es verstanden hat, bedeuti-nde Mnner zu seinen Schlern 
zu machen vnid gemeinsam mit ihnen dem grossen Ziele nachzu- 
streben. Nennen wir unter diesen vor Allem den unvergesslichen, 
zu frh verstorbenen Thuillier, sowie von den Lebenden Duelaux, 
Gayon, Eaulin, Joubert und von jngeren, noch jetzt neben ihm 
wirkenden Roux und Chauiberland. 

Die Feier des Pasteur'schen Jubilums war der Bedeutung 
des Gelehrten und der VortrefTlichkeit seines Charakters wrdig. 
Die hchsten Wrdentrger des Staates waren zugegen , inmitten 
der Estrade der Prsident der Republik. Neben ihm sasson die 
Herren d'Abbaxlie, Prsident der Akademie der Wissenschaft, Le 



Royer, Prsident des Senats, il^r Ministeriirsident Ribot und die 
Mitglieder des diploiiiati.schen Corps. Links von Herrn Carnot 
nahmen Platz die Herren: .foseph Bertrand, Secretairo perpetuel 
der Akademie der Wissenschaft, Flo(|uot, Prsident der Deputirten- 
kammer, Charles Dupuy, Unterrichtsminister, und smmtliclie 
brigen Minister. Hinter dic'sen hohen \\'rdentrgern sassen die 
Delegirten der fnf Klassen des Institut ile France" (Academic 
franQaise etc.), der Academie de me<licine und mehrerer aus- 
lndischer gelehrter Gesellschafton, Greard, Vicerector d<'r Aca- 
demie de Paris, die Decanc der Facultten, die' Prsidenten des 
obersten Gerichtshofs etc. etc. 

Das prachtvolle grosse Amphitheater der neuen Sorbonne, 
in dem die Feier stattfand und welches ber 2000 Personen fasst, 
war vollkommen besetzt. 

Als Herr Carnot, Pasteur am Arme fhrend, den Saal be- 
trat, erscholl brausender, nicht endenwcdlender Beifall. Beide 
sind im Frack und tragen das rothe Band vom Grosskreuz der 
Ehrenlegion. 

Zuerst ergrift' das Wort der Unterrichtsminister Cli. Dupuy 
und pries in schwungvoller Rede ilie Verdien.ste des Jubilars. Ihm 
folgte Herr d'Abbadie, Prsident der Akademie der Wissenschaften, 
der Pasteur die aus internationalen Beitrgen angeschaffte grosse 
goldene Medaille berreichte. Joseph Bertrand beglckwnschte 
nun den Jubilar im NanuMi der Akademie der Wissenschaften und 
des Instituts Pasteur. Daubree, gleichfalls Akademiker, erinnert 
im Namen der raineralogischen Section der Akademie der Wissen- 
schaften daran, dass Pasteur seine erst(Mi Entdeckungen in der 
Mineralogie gemacht hat und dieser Wissenschaft seinen Eintritt 
in das Institut de Fran<'.e verdankt. Nun erhebt sich, von jubeln- 
dem Beifallszuruf begrsst, Sir Joseph Lister und bergiebt 
Pasteur eine Zuschrift der Royal Society. Seine Entdeckungen und 
ihre Verwerthung fr Medicin und "Chirurgie kurz beridirend, 
dankt er im Namen dieser Wissenschaften und wendet auf (h'U 
Jubilar das alte Dichterwort an: 

Felix qui potuit rerum cognoscere causas!" 

Nach ihm beglckwnscht der bekannte greise Pdiater 
Bergeron Pasteur im Namen der Academie de Medecine. Saufen, 
Prsident des Pariser Municipalraths, bergiebt im Auftrage des 
letzteren eine Gratulationsadresse. Nun verliest Herr Bertrand 
die lange Liste der franzsischen und auslndischen gelehrten 
Gesellschaften, die Gratulationsscliriften eingesandt haben, in 
alphabetischer Ordnung. Die Delegirten der Gesellschaften ber- 
geben die Adressen in dieser Reihenfolge Pasteur, der sie auf 
dem Tische vor sich niederlegt, wo sie schliesslich eine imposante 
Masse bilden. Die Namen Berlin, Kln und Posen u. a. werden 
lebhaft beklatscht. Unter den Adressen befindet sich auch eine 
vom Pariser medicinischen Professoren-Collegium, berreicht vom 
Dekan Prof. Brouardel. Darauf folgt eine rhrende Ansprache 
des Brgermeisters von Dole, der Geburtsstadt Pasteur's. Wenige 
Augen blieben trocken, als der Redner mit Worten von zu Herzen 
dringender Wrme dem Jubilar die Photographien seines Geburts- 
scheines und seines bescheideneu elterlichen Hauses berreicht. 
Den Schluss der Ansprachen bildet die Verlesung einer Gratulation 
der Pariser studentischen Vereinigung. 

Nun erhebt sich der Jubilar, spricht mit gebrochener Stimme 
einige Worte des Dankes und bertrgt die Verlesung seiner 
Antwortsrede seinem Sohne Jean - Baptiste. iNIit wehmthiger 
Rhrung gedenkt Pasteur in derselben seines grossen vom Ge- 
schicke minder begnstigten Freundes Claude Bernard, der nicht 
wie der Jubilar in luxurisen Rumen arbeiten konnte, sondern 
seine grossartigen Experimente und Entdeckungen in einem 
feuchten, kellerartigen engen Lokale machte! Darauf bespricht 
er kurz die verschiedenen Stadien seiner Laufbahn und setzt 
hinzu: Die Abgesandten der fremden Nationen, so weit her- 
gereist, um Frankreich ihre Sympathie zu bezeugen, machen mir 
die tiefinnigste Freude, die ein Mensch empfinden kann, der un- 
erschtterlich glaubt, dass Wissenscliaft und Friede ber Un- 
wissenheit und Krieg siegen werden , <lass sich die Vlker ver- 
stndigen mssen, nicht um zu zerstren, sondern um aufzubauen, 
und dass die Zukunft denen angehrt, die das Meiste fr die 
leidende Menschheit thun werden, .lunge Mnner, vertraut auf 
die sicheren und wirksanu-n Methoden der Arbeit, flieht unfrucht- 
baren Skepticismus und lasst Kuch nicht entmuthigen, wenn Euer 
Vaterland trbe Stunden durchzumachen hat. Fragt Euch zu(>rst: 
Was habe ich fr meine Belehrung gethanV Und dann, je meiir 
ihr voranschreitet: Was habe ich fr mein Vaterland gethanV So 
bis zu dem Momente, wo Ihr vielleicht so unendlich glcklich 
sein werdet. Euch zu sagen, dass Ihr etwas zum Fortsehritte und 
zum Wohlsein der Menschheit beigetragen habt. Mgen diese 
Bestrebungen mehr oder weniger glcklich ausfallen, Jeder 
muss sich, wenn die letzte Stunde naht, sagen knnen : Ich habe 
gethan, was ich konnte." 

Meine Herren, ich spreche Ihnen meine tiefe Rhrung und 
meine herzliche Dankbarkeit aus. Wie auf dem Revers tlieser 



50 



Naturwissenscliaftliclic Wot'liensehrift. 



Nr. 



Medaille der .arosse Knstli.T Roty daw Datum, das so sl-Ii er auf 
meinem Leben lastet, unter Kosen versteckt hat, so haben Sie, 
theiire CoUegen, meinem Alter dasjenige Schauspiel vorfhren 
wollen, das am Geeignetsten war, es zu erfreuen, nmlich das 
dieser liebe- und lebensvollen Jugend." 



Vom 22.-26. Mai 1893 feiert die American Philosophi- 
cal Society zu Philadelphia das 150. Fest ihrer Grndung durch 
eine Reihe wissenschaftlicher Sitzungen. 



L i 1 1 e r a t u r. 

H. P^incare, Ijecons sur la theorie de l'elasticite. Georges 
Carre. Paris lSy2. 

Es ist an dieser Stelle bereits wiederholt und auf das Nach- 
drcklichste auf die Vorlesungen aufmerksam gemacht worden, 
welclie Herr Poincare an der Faculte des Sciences de Paris" ge- 
halten hat, und welche durch seine Schler in sorgfidtiger Bear- 
beitung weiteren Kreisen zugnglich gemacht worden sind. Den 
Vorlesungen ber die mathematisolie Theorie des Lichtes (vergl. 
Naturw. Wochenschr." Bd. IV. S. 272), ber Elektricitt und 
Optik (Naturw. Wochenschr." Bd. VI, 91, VII 150) und ber 
Thermodynamik (Naturw. Wochenschr." VII, 325) stellen sich 
in dem vorliegenden Werke die Vorlesungen ber p^lasticitt an 
die Seite. Dieselben sind von den Herren Bosel und Drach fr 
den Druck ausgearbeitet worden. 

Indem wir auf die a. a. 0. ausgefhrten Darlegungen betreffs 
der Bedeutung der Poincare'schen Vorlesungen verweisen und um 
das Gesagte nicht wiederholen zu m.ssen, mag es gestattet sein, 
bei der Besprechung des vorliegenden Bandes im "Wesentlichen 
eine Uebersicht ber den Inlialt desselben zu geben. 

In dem ersten Kapitel werden die Deformationen der Krper 
vom rein kinematischen Gesichtspunkt betrachtet, also ganz ab- 
gesehen von den Ursachen, welche die Deformationen erzeugen. 
Das Studium der elastischen Krfte wird im zweiten Kapitel in 
Angriff genommen. Die Theorien der Elasticitt werden dabei 
in der naturgemssen Weise unterschieden, dass die eine Art 
sich auf moleculare Hypothesen grnden, w'hrend die anderen 
Theorien keine Voraussetzungen ber die innere Constitution der 
Materie machen und sich daher im Allgemeinen auf die Thermo- 
dynamik sttzen. Es wird in diesem Kapitel auch der Nachweis 
gefhrt, dass es keine Verallgemeinerung der Voraussetzungen 
in sieh schliesst, wenn man Verbindungen und Verbindnugskrfte 
zwischen den Moleciden einfhrt; man kann zu ebenso allgemeinen 
Resultaten kommen, wenn man nur gewhnliche Krfte einfhrt, 
vorausgesetzt, dass man die Natur der Krfte nicht nher prci- 
sirt. Mit Hilfe des Princips der virtuellen Geschwindigkeiten 
werden alsdann im dritten Kapitel die Gleichgewichtsbedingungen 
ermittelt; in demselben Tlieile werden auch die Drucke nher 
stndirt. Einige Specialflle des Gleichgewichts bilden den Gegen- 
stand des nchsten Abschnittes, wiihrend die kleinen Bewegungen 
eines elastischen Krpers in Kapitel \ zur Untersuchung gelangen. 
Die Ausbreitung der ebenen Wellen, die Reflexion und einige 
Beispiele fr Schwingungen elastischer Krper machen den Inhalt 
des sechsten Kapitels aus. Die beiden letzten Kapitel sind bezw. 
dem Problem von Saint-Venant und dem Problem der elastischen 
Linie gewidmet. Einige Schlussbemerkungen beziehen sich auf 
das Rotationsjjrobh'm eines schweren Krpers. 

Die Ausstattung des Werkes ist von der Trefflichkeit, die 
wir an den Werken des oben genannten Verlages gi'whnt sind. 

A. G. 



Berich.te der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Berlin 
1892. Heft 9. Das Heft enthlt den Bericht ber die Nov<'mber- 
Sitzung und di-ei Mittheilungen, von denen wir nur die eine er- 
whnen: B. Frank: Die Ernhrung der Kiefer durch ihre Myko- 
rhiza-Pilze. Die Versuche haben, wie frher fr die Rothbuche, jetzt 
fr die Kiefer den Beweis geliefert, dass sie der Mykorhiza-Pilze 
zu ihrer Ernhrung unbedingt bedarf. Welche speciellen Nhr- 
stoffe der Pflanze durch den Pilz zugefhrt werden, ist noch un- 
entschieden. F. K. 



Jahrbuch der Kai erlich-Kuiglichen Geologischen Reicis 
anstalt._ Jahrgang 1S92; XLII. Band, 2. Heft. Wien i>i'J'^. 
Das Heft ist 1(31 Seiten stark und mit 5 Tafeln ausgestattet. An 
Aufstzen enthlt dasselbe die folgenden: H. B.v. Foul Ion, Ueber 
einige Nickelerzvorkommen; H. Hfer, Das Miocn bei Mhl- 
dorf in Krnten. Zu jeder dieser Abhandlungen gehrt eine 
Tafel. R.Trampl er, Die Loukasteine (eigenthi mliche Kalkcon- 
cretionen aus der Gegend von Ruditz, nrdlich Brunn) mit 2 
Tafeln; Julius Dreger, Ueber einige Versteinerungen der 
Kreide- und Tertirformation von Korcha in Albanien (1 Tafel); 
K. V. John, Ueber die chemische Zusammensetzung verschie- 
dener Salze aus den k. k. Salzbergwerken von Kaluss und Aussen 
(1 Tafel);" J. J. Jahn, Zur Frage ber die Bildung dos Erdls; 
W. Waagen, Vorlufige Mittheiluugen ber die Ablagerungen 
der Trias in der Salt-range (Punjab). F. K. 



Verhandlungen der Gesellschaft fr Erdkunde. Berlin 

1892. Mit 9 u. 10 schliesst der 19. Band. Ausser den Berichten 
ber Sitzungen enthlt das Heft von Vortrgen und Aufstzen: 
1) Prof. Hellmann, Bericht ber die Columbus-Feieidichkeiten 
in Genua, Huelva und Madrid (aus dem wir in der Naturwissen- 
schaft]. Wochenschr." einen Auszug zu bieten gedenken). 2) Dr. 
Stuhlmann, Ueber seine Reise mit Dr. Emin Pascha, welche, 
Ende April 1890 angetreten, nach dem Westufer des Victoria- 
Nyansa ging, wo die Station Bukoba gegrndet wurde, und 
weiter nach Norden und Nordwest fhrte bis zu jenem Urwalde, 
der von Stanley durchzogen worden war. Mangel an Lebens- 
mitteln, Pocken und andere Widerwrtigkeiten setzten dem wei- 
teren Vordringen ein Ziel. Am 10. Dez. 1891 wurde Dr. St. mit 
den noch gesunden Mannschaften vorausgesandt, gelangte am 
13. Febr. 1892 nach Bukoba, von wo er nach EintrofJFen des Ab- 
lsungskommandos zur Kste aufbrach, die er am 12. Juli in 
Bagainoyo erreichte. Dr. Emin Pascha drfte erst am 9. Mrz 
vor J. seinen Rckmarsch angetreten haben und veranlasst worden 
sein, sich nach Kibonge am oberen Congo zu wenden. Einge- 
flochten sind kurze Aufschlsse ber das Land, seine Bewohner 
u. s. w. Hierzu eine Kartenskizze. 3) Dr. Marcuse, Die 
Erdmessungs - Expedition nach den Hawaiischen Inseln. Unter- 
nommen zur Erforschung des Gesetzes ber die Vernderung der 
geographischen Breiten, vom Berichterstatter geleitet. Kurze 
Schilderung der Reise, der Inselgruppe und der Arbeiten der 
Expedition. 4) Dr. Th. Wolf, Ueber das westliche Tiefland 
Ecuadors. Erweiterung des geographischen Bildes, welches der 
Verfasser friier ber die Hochlande Ecuadors gegeben hat. 
5) H. Wagner, Arthur Breusing. Biographische Skizze des am 
28. Sept. v. J. in Bremen Verstorbenen, Das Heft bringt ferner 
einen Brief des Grafen Joachim Pfeil, datirt Ukamas, Gr.-Nama- 
land, 10. Aug. 1892, worin derselbe ber die bisher durchreisten 
Landstreckeu kurz berichtet und die Fortsetzung seiner Tour 
nach Norden anzeigt. Eine Uebersicht ber Vorgnge auf geo- 
graphischem Gebiet (darunter die vorlufigen Mittheilungen ber 
die Gesam m terge bnisse der Expedition Emin Paschas 
in den Jahren 1890 1892), litterarische Besprechungen und Be- 
richte von anderen geographischen Gesellschaften in Deutschland 
bilden den weiteren Inhalt des Heftes. F. K. 



Fuchs. E., Lehrbuch der Augenheilkunde. 3. Aufl. Wien. 14 M. 
Gegenbaur, C, Lehrbuch der Anatomie des Menschen. 5. Aufl. 

Leipzig. 24 M. 
Gerber, G., Das Ich als Grundlage unserer Weltanschauung. 

Berlin. 8 M. 
Grtz, A., Ueber spectrophotometrische Affinittsbestimmungen. 

Tbingen. 1 M. 
Graf, J. H.. Das Lelien und Wirken des Physikers und Astronomen 

Johann Jakob Huber aus Basel. (173o 1798). Bern. 1 M. 
Haas. A., Lehrbuch der Dift'erentialrechnung. Stuttgart. 8 M. 
Haller, B., Die Anatomie von Siphonaria gigas, Less., einer 

o|)istlio)iranchen Gasteropoden. Wien. 11,20 M. 
Halliburton, W. D., Lehrbuch der chemischen Physiologie und 

Pathologie. Heidelberg. 4 M. 



Berichtigung. 



Auf Seite 15 Spalte 2 Zeile 15 von unten muss es anstatt 
und erst nach ungefhr 30 Jahren" und erst vor ungefhr 
30 Jahren" heissen. 



Inhalt: H. Potonie: Das natrliche Pflanzensystem A. Engler's und M. Treub's Untersuchungen zur systematischen Stellung von 
Casuarina. (Fortsetzung und Schluss.) (Mit Abb.) Dr. Karl Fr. Jordan: Ist die unmittelbare Gedankenbertragung oder 
mentale Suggestion erklrbar'? Dr. M. Klein: Anmerkungen zu dem vorstehenden Aufsatz des Herrn Dr. Jordan. Der 
Komet Holmes. Aus dem wissenschaftlichen Leben. LItteratur: H. Poincare: Le(,ons sur la theorie de l'elasticite. 
Berichte der Deutschen Botanisehen Gesellschaft. Jahrbuch der Kaiserlich-Kniglichen Geologischen Reichsanstalt. Ver- 
handlungen der Gesellschaft fr Erdkunde. Liste. Berichtigung. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin N. 4., Invalidonstr. 40/41, fr den Inseratenthoil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ford. Dmnders Verlagsbucliliaiidlung. Beilin SW. 12. Druck: G. Bernstein. Berlin SW. 12 



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mit l)cr,;ijcniiiiiu'iibi;v yvmc, mit cdit bic6tcvijcf)cr i^ciiciftcriiiui bio Sdin-- 
lu'itcii uiifevcv .V^cinuit. ilidnc fiinibcvt oov.yijilidicr Jtliiftratioiicii ber 
[)cvliovvagcnbftctt Scinbfci)aiteii ,iievcn bcvJ S'oerf, biic- bic i'icbo ,iur .cimat 
,511 l'flt'a" bcnifcn ift ntib bariim in feinem beutfc^cn S:>mi\c fcljlcn feilte. 

Habeiitirfilinib in V^oit uiib SBilb" umfalit 3 Snbc. 3cbcr 
iScinb ift einzeln fuflid). 

Saub II unb 111 ericf;etneit im Saufe be 3at)re 1893. 
^cflcITungcn nimmt jcbc guc^anCung cntgcscn. 



>or iir^cm crjdjicn: 

im 58uiibe 

8f(jfu blr lllclljfit bcr fo. f inljrit5= ober Joiirii=]}ritrii. 

58on 

Dr. 55if6cfm Jocrftcr, 

,l. >Jjtcu6. @cb. 3ieaieniuavat, lirofcfjov an tcc llniBevfitt unt Tivcftor tcr 
.Ol. Sternwarte 511 SBcrlin. 

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Redaktion: f Dr. H. Potonie. 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung:, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. Sonntag, den 5. Februar 1893. 


Nr. 0. 


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Abdrnck ist nnr mit Tollstndigei- (^iioileiiangabe gestattet. 



In der Heimath des Cacao. 

Von Barou H. Eggers. 



Der Cacaobaum, dessen kstliches Product mclir iiud 
raelir von einem Luxusartikel zu einer Volksnabrung- ber- 
g-ebt, und dessen Bedeutunj;- au.s diesem Grunde in kurzer 
Zeit ohne Zweifel die aller anderen tropischen Cultur- 
pflanzen berwiegen wird, stammt bekanntlich ans dem 
tro})ischen Amerika, wo derselbe bereits vor der Ent- 
deckung der neuen Welt liesonders im sdlichen Mexico 
(Soconuscoi, Jlittelamcrika, Westindien und dem nrd- 
lichen Sdamerika angebaut wurde, und von wo aus der- 
selbe in neuerer Zeit aucli nach den Tropenlndern der 
alten AVeit, wie z. B. Centralafrika und Cejdon, verpflanzt 
wurde. 

Unter den genannten Lndern scheint das Tiefland 
von Ecuador vorzugsweise die eigentliche Heimatli des 
Cacaotiamnes zu sein, indem derselbe hier nicht nur all- 
gemein wildwachsend vorkommt, sondern auch eine anders- 
wo ungeahnte Entwickelung erreicht, wie ich whrend 
eines sechsmonatlicheu Aufenthaltes auf einer Cacao- 
hacienda daselbst zu beobachten Gelegenheit hatte. 

In der reichen Alluvialebene, die sich zwischen dem 
grossen Flusse Guayas mit dessen zwei Quellflssen, dem 
Rio Drule und dem Rio Babalioyo einerseits und der 
Riesenkette der Anden andererseits in einer Breite von 
20 30 Kilometer und einer Lnge von ber 2i>() Kilo- 
meter von Norden nach Sden erstreckt, fast berall noch 
bedeckt von unermesslicben Urwldern, die nnr hie und 
da, hauptschlicli lngs den zahlreichen kleinen Ksten- 
flssen, von Ansiedlungeu unterbrochen sind, findet man 
das Geschlecht der Theobroma verbreitet, nicht nur den 
bekannten cultivirten Cacaobaum (Th. Cacao), sondern 
auch noch andere, nahe verwandte Arten, wie den Cacao 
blaneo (Th. bicolor) und den Cacao de monte (Th. Mariae), 
deren Samen denen des erstgenannten sehr hnlich sind 
und gewiss mit der Zeit auch conomische Bedeutung 
erlangen werden. Die Verbreitung des Cacaobaumes, dessen 
Frclite und Samen keine specielle Anpassungen zum 



Wandern besitzen, dagegen eine Lieblingsnahrung ver- 
schiedener Thiere sind und somit weit umher verschleppt 
werden, ist an den meisten Orten eine so bedeutende, 
dass man hufig im Walde grosse Bestnde desselben 
in allen Stadien der Entwickelung vorfindet. 

Die Cacaogrten oder Huertas in Ecuador sind des- 
halb auch zweierlei Art, theils selbstgesete, die soge- 
nannten Almasigales, theils von Menschenhand in Rodungen 
gepflanzte, Huertas sembradas. 

Die erstgenannten entstehen in der Weise, dass der 
Pflanzer, wo er im Walde eine grssere Anzahl von Cacao- 
bumen antrifft, diesen durch Umhauen der brigen klei- 
neren Bume, die, ohne Schaden anzurichten, entfernt 
werden knnen, mehr Raum zum Wachsen verschafft, 
whrend die Riesen des Waldes, unter denen auch viele 
Palmen vorkommen, stehen bleil)en, theils des nthigen 
Schatten wegen, theils um nicht durch das Fllen der- 
selben die Caeaobume zu zerstren. 

Die letzteren sind in diesen Almasigales selbstver- 
stndlich von jedem Alter und stehen ohne jegliche Ord- 
nung zerstreut, oft so dicht, dass man des Raumes halber 
viele derselben beseitigen muss, andererseits aber auch 
oft mit grossen Zwischenrumen, die man alsdann durch 
Verpflanzen von jungen Bumen auszufllen sucht. 

Immerhin macht diese Art von Huertas indess einen 
sehr ungeordneten Eindruck und leidet an versebiedenen 
Uebelstnden, unter denen besonders die zu starke Be- 
schattung, das Umfallen der stehen gebliebenen Wald- 
bume und die sehr ungleiche Entwickelung des Bestandes 
die wesentlichsten sind. 

Dagegen bieten dieselben den Vortheil der geringen 
Muhe der Anlage, was in einem Lande, wo grosser ^Mangel 
an tauglichen Feldarbeitern herrscht, von ungemeiner Be- 
deutung ist und die Mglichkeit bietet, selbst bei be- 
schrnkten Mitteln eine recht umfassende Cacaogewinnung 
zn betreiben. 



52 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. . 



Im Gegensatz zu diesen Naturplantagen stehen die 
Huertas sembradas, fr welche man zuerst den Wald voll- 
stndig tallt und abbrennt, indessen die Stmpfe stehen 
bleiben, hierauf Bananen in regelmssigen Reihen pflanzt, 
und wenn diese eine passende Hhe erreicht haben, die 
jungen Cacaobume entweder aus dem Saatbeete ver- 
pflanzt oder auch den Cacaosamen gleich an Ort und 
Stelle niederlegt. 

Die Anpflanzung von Bananen, die jedes Jahr eine 
werthvolie Ernte der bekannten, ein allgemeines Nah- 
rungsmittel darstellenden Fracht liefern, ist unumgnglich 
notiiwendig des Schattens wegen, da die Cacaopflanze, 
besonders im jungen Alter, das directe Sonnenlicht durch- 
aus nicht vertrgt. 

Die Entfernung zwischen den einzelnen gepflanzten 
Cacaobumen ist in Ecuador gewhnlich nur drei Meter, 
was bei dem reichen Boden und der hieraus folgenden 
ppigen Entwickelung des Baumes viel zu gering ist, in- 
dem die Bume alle zu sehr in die Hhe schiessen und 
dnne, zweiglose Stmme ausbilden, anstatt sich gengend 
mit ihren Zweigen nach den Seiten hin auszubreiten, wo- 
durch ihnen nothwendigerweise die Mglichkeit einer 
krftigen Ernhrung und daraus entspringenden reich- 
lichen Fruchtbildung benommen wird. 

Eine Entfernung von fnf bis sechs Meter ist den 
Verhltnissen weit mehr angemessen und sichert einen 
bedeutend hheren Ertrag des gleichen Areals, weshalb 
dieselbe auch in neuester Zeit von mehreren Pflanzern 
eingefhrt wurde. 

Gleichzeitig mit dem Aussetzen der jungen Cacao- 
bume werden auch die permanenten Sehattenbume ge- 
pflanzt, indem die Bananen nur whrend der ersten zwei 
bis drei Jahre den jungen Pflanzen Schatten spenden 
knnen, spter von diesen aber berflgelt nnd alsdann 
ausgerodet werden, um den erwhnten hhereu Bumen 
Platz zu machen. 

Der gewhnlichste Schattenbaum hier ist, wie auch 
in Trinidad und Venezuela, die Erythrina, in Ecuador 
Palo prieto genannt, eine Leguminose mit grossen, drei- 
theiligeu Blttern und rothcn BlUthen, die sehr rasch 
wchst, sich leicht durch Stecklinge vermehrt und deren 
Laub einen Schatten von passender Helligkeit verbreitet, 
wie derselbe dem Cacao am frderlichsten scheint. 

Ausser diesem Baume werden noch einige andere, 
besonders Arten von Inga, als Schattenbume benutzt; da 
dieselben jedoch den Nachtheil haben, langsamer zu 
wachsen und ein sprderes Holz zu besitzen, so dass oft 
grosse Zweige abbrechen und die Cacaopflanzen be- 
schdigen, hat man jetzt fast berall der Erythrina den 
Vorzug gegeben. 

Unter diesem Schatten gedeiht die Theobroma schnell, 
besonders wenn das rasch emporschiessende Unkraut 
fleissig mit der Machete niedergehalten wird, und trgt 
bereits im vierten Jahre eine Anzahl der bekannten schnen, 
goldgelben oder rothen, quittenfrmigen Fruchte, deren 
Zahl sich mit jedem Jahre rasch vermehrt. 

Der grsste Feind der jungen Pflanze ist, wie bereits 
angedeutet, das Unkraut, der Monte, eine Mannigfaltig- 
keit von Strauch- oder krautartigen Gewchsen, darunter 
viele mit grossen Blttern und saftigen Stengeln, die 
hufig in wenigen Monaten eine Hhe von zwei bis drei 
Meter erlangen. 

Unter diesen sind besonders auffallend der Vijao*) 
(Calathea discolor), eine bis vier Meter hohe Scitaminee 
mit riesigen, eifrmigen, sehr zhen Blttern, die vielfache 
Verwendung, besonders zum Dachdecken finden. Ferner 
mehrere Arten von Piper, Aroideen, Heliconia, Costus, 



*) j berall im Spanischen wie ch, ch wie tsch. 



Urticaceen und Farne, die zusammen ein buntes und 
dichtes Gestrpp bilden, das bald den jungen Cacao- 
bumen verderblich wird, wenn dasselbe nicht, wie an- 
gedeutet, von Zeit zu Zeit mit dem sbelartigen Wald- 
messer, der Machete, dicht am Boden abgemht wird. 

Dieses Reinhalten der Huertas, bei welchem zugleich 
die Wurzeltriebe der Cacaobume beseitigt und andere 
hnliche Arbeiten vorgenommen werden, bildet unter dem 
Namen Roza die Hauptarbeit der Leute und erfordert eine 
bedeutende Ausdauer und grosse ebung im Gebrauche 
des sowohl als Watte wie auch als Werkzeug gleich 
ntzlichen Universalgerthes des tropischen Landmannes, 
der Machete, die neben der zum Fllen der Bume un- 
entbehrlichen Axt das einzige Ackergerth in diesen Ln- 
dern darstellt. 

Whrend die oben erwhnten Pflanzen alle nur den 
Boden einnehmen und, sobald der junge Cacaobaum eine 
gewisse Hhe erreicht hat, denselben nur noch indirect 
schdigen, sind dagegen die Lianen und die E])ipliyten, 
ob parasitische oder nicht, zwei Pflanzenfornien, die auch 
noch in spteren Jahren den Bumen der Pflanzung nach- 
theilig sind und die man deshalb ebenfalls zu beseitigen 
strebt, was freilich bei dem leichten Verbreitungsvermgen 
und der grossen Menge derselben eine schwierige Auf- 
gabe bleibt. 

Wie bekannt, sind die tropischen Schlingpflanzen 
nicht nur sehr zahlreich, sowohl an Arten, als auch an 
Individuen, sondern gewhnlich auch holzartig und aus- 
dauernd, weshalb dieselben eine bedeutende Rolle, als 
sogenannte Lianen, im Walde der heissen Lnder spielen. 
Der gemeinsame Name in allen spanisch -amerikani- 
schen Lndern fr diese Pflanzenform ist Vejuco, worunter 
man jede Art \on Schlingpflanze, von der kleinen kraut- 
artigen Batate bis zu der, einer Riesenschlange hnlichen, 
holzartigen Entada oder Chamissan begreift. 

Es gehren zu diesen Vejucos Vertreter der ver- 
scliiedensten Pflanzenfamilien, besonders doch der Legu- 
minosen, Ampelidecn, Cucurbitaceen, Convolvulaceen, 
Amarantaccen und Aroideen, die alle meistens eine be- 
deutende Lnge erreichen und mit iin-eu weitverzweigten 
Gliedern oft grosse Theile der Cacaopflanzung berdecken. 
Whrend im Allgemeinen das Durchhauen des Haupt- 
stammes die Liane zum Aussterben bringt und die wel- 
kenden Zweige bald ihre Bltter verlieren und stcken- 
weise herunterfallen, giebt es einige, die eine ganz be- 
wundernswerthe Lebensdauer besitzen und fast nicht aus- 
gerottet werden knnen. 

Es sind dies besonders die Cissus-Arten (C. sicyoides 
und andere), aus einem der Rebe nahestehenden Ge- 
schlecht, welche einen ziemlich weichen, nur hall) ver- 
holzten, mit sehr weiten Gelassen versehenen Stengel besitzen 
und sowohl im Walde wie in den Cacaopflanzungeu hufig 
vorkommen. 

Wenn man den Stamm eines solchen Cissus durch- 
schneidet, stirbt der olere Theil nicht, wie bei anderen 
Gewchsen, ab, sondern es entsprossen demselben in 
kurzer Zeit eine ganze Anzahl dnner, glatter Luftwurzeln, 
die, nach unten wachsend, l)ald den Boden erreichen, hier 
sich einbohren und verzweigen und somit bald eine er- 
neuerte Verbindung mit der Nahrungsquelle herstellen, 
welche der Liane das fernere Wachsthum ermglicht. 
Diese Zhigkeit des Lebens ist so gross, dass mau hufig 
Lianen der genannten Gattung tritt't, die nicht nur iiu'en 
Stamm, sondern auch die darauf gebildeten Luftwurzeln 
zwei oder mehrere Mal durchschnitten bekonnnen haben, 
die aber jedesmal wieder am oberen Theil neue Luft- 
wurzeln gebildet und mit Hlfe derselben eine fortgesetzte 
Verbindung mit dem Erdboden bewerkstelligt haben. 

Angesichts dieser Unverwstliehkeit, die in demselben 



Nr. 6. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



53 



Maasse auch nocli von einii;en Cucurliitaecen getheilt wird, 
bleil)t dem Pflanzer nichts anderes brig, als die Lianen 
mit den Hnden von den Caeaobilumen lsen und her- 
unterziehen zu lassen, was immer mit Mhe und Zeitver- 
lust wie auch Beschdig-ung' der Bume verbunden ist. 

Neben den Lianen nehmen bekanntlicii die Epipliytcn 
einen bedeutenden Platz in der tropischen Pflanzenwelt 
ein und sind in den Cacaopflanzungen besonders vertreten 
durch die Familien der Piperaccen, Bromeliaceen, Orchi- 
deen und Farne, deren mannigfache Formen hchst 
malerisch, aber freilich nicht ohne Nachtheil fr den Cacao, 
die Zweige und Stmme der Bume bekleiden. 

Ausser den genannten Familien begegnet man von 
blthentragenden Baumbewohnern auch noch einigen 
Gesneraceen, Aroideen und Cacteen, und neben diesen 
eine Menge von Oryptogamen, von denen besonders die 
Moose massenhaft auftreten und oft die ganze Oberseite 
der Stmme und dickeren Zweige berziehen. 

Da die Blttthen des Cacaobaumes, wie bekannt, nicht 
nur an den jngeren Sprossen erscheinen, sondern sogar 
vorzugsweise unmittelbar aus der Rinde des Stammes 
hervorbrechen, liegt es auf der Hand, dass gerade beim 
Cacao ein Ueberzug von Moosen und grsseren Epiphyten 
einen in vieler Hinsicht schdlichen Einfluss haben muss 
und oft das Blhen des Baumes beeintrchtigt oder sogar 
verhindert. 

Die Moose werden nebenl)ei noch ferner schdlich, 
weil deren weiches und immer feuchtes Polster eine 
gnstige Brutsttte fr die zahlreichen herumfliegenden 
Samen der anderen, grsseren Baumbewohner, besonders 
fr die mit langen Haaren versehenen Bronieliac-Scenamen, 
abgiebt, weshalb ein Aljkratzen dieser Decke, wie ber- 
haupt eine Beseitigung der Epiphyten im Allgemeinen, 
zu den unvermeidlichen Arbeiten einer sorgfltigen Pflege 
des Cacao gehrt. 

Whrend die im Obigen besprochenen Bewohner des 
Cacaobaumes alle nur einen Wohnsitz von demselben be- 
anspruchen, ihm indess keine Nahrung entzielien, sondern 
von der Luft, dem Regen und dem durch das Vermodern 
abgefallener Bltter gebildeten lluuuis leben, giebt es 
dagegen auch noch eigentliche Schmarotzer, die wahren 
Parasiten, welche zum Thei! ihre Nahrung aus dem Wirthe 
ziehen und in vielen Fllen denselben schliesslich zu 
Grunde richten. 

Von diesen findet man in den Cacaopflanzungen in 
Ecuador indess nur wenige Arten, die ausserdem durch- 
aus nicht sehr zahlreich auftreten, so dass der Schaden, 
den dieselben anrichten, nur unbedeutend zu nennen ist. 

Am bemerkenswerthesten sind der prachtvolle Lo- 
ranthus mexieanus mit seinen grossen gelbrothen Blthen 
und einige, unserem Viscum sehr hnliche, Arten von 
Phoradendron, deren klebrige Samen von Vgeln herum- 
getragen werden, die indess ohne Schwierigkeit von den 
Bumen zu beseitigen sind. 

Verderblicher als alle die im Obigen erwhnten 
Pflanzeufeinde sind dem Cacao die noch zu besprechenden 
Baumwrger, die aus den meisten Tropenlndern bekannt 
sind und die liier in Ecuador besonders durch einige 
baunuirtige Urticaeeen, nmlich Speeii'S von Fieus (Ili- 
gueron) und den Matapalo*) (Coussapoa villosa), ver- 
treten sind. 

Die sehr kleinen Samen dieser Bume werden von 
Vgeln oder vielleicht auch vom Winde auf andere Bume 
getragen, wo dieselben in der Mousbekieidung der Stmme 
oder in dem in einer Zweigklftung angesannnciten Humus 
gnstige Bedingungen zur Keimung vorfinden. Die junge 
Pflanze, welche sieh im Anfange mit der an ihrem Ge- 



*) Baumtdter. 



burtsorte vorhandenen Nahrunu- begngen nmss, sendet so 
rasch wie mglich eine oder mehrere dnne Luftwurzeln 
nach abwrts, die, dicht an den Stamm des Wirtlies an- 
gedrckt, sich bis zum Erdl)oden verlngern, hier ein- 
dringen und, sich reichlich verzweigend, dem angehenden 
Baumwrger eine neue und unerschpfliche Nahrungs- 
(luclle erifnen. 

Weder die Fieus noch der naheverwandte ^Matapalo 
sind demnach eigentliche Parasiten, sondern hchstens 
Epiphyten, und auch dies nur im Anfange, indem die- 
selben sehr bald ihre Nahrung ausscliliesslich aus dem 
Boden beziehen und insofern ein ganz normales Dasein 
zu fhren scheinen. Erst wenn man die fernere Ent- 
wiekelung dieser Bume l>etrachtct, begreift man, wie 
verderblich dieselbe der armen Wirthpflanze werden muss, 
indem diese von den rasch zu holzigen Krpern sich ent- 
wickelnden Luftwurzeln des ungebetenen Gastes einge- 
seldossen und erdrckt wird und bimien Kurzem vllig 
abstirbt und vermodert. 

Hchst interessant ist es hierbei zu beobachten, wie 
der Baumwrger seine Glieder einer plastischen Masse 
gleich um sein Opfer rings herum anschmiegt, wodui'ch 
oft die seltsamsten Formen und Verschmelzungen der 
scheinbar ungefgigen Holzmasse entstehen. 

Die von dem Stamme entsendeten Luftwurzeln ent- 
wickeln sich zu einem diesem hnliclien Kr})cr, treiben 
blttertragende Sprosse und bilden allmlig einen Pseudo- 
stanmi, der mit dem eigentlichen Stamme vollstndig ver- 
selnnilzt und bald dem Wrger das Aussehen eines selbst- 
stndig entwickelten, normalen Baumes giebt, in dessen 
Mitte man nur noch einige Zeit die Reste des erwrgten 
( tpfers wahrnimmt, dessen frhere Gegenwart sich indess 
in den meisten Fllen durch das Hohlsein des Jlatapalo 
oder Fieus nachweisen lsst. 

Die Nemesis ereilt indess auch den oft zu kolossalen 
Verhltnissen anwachsenden Baumwrger, der gewhnlich 
mit der Zeit einen riesigen Umfang erreicht und durch 
seine zahlreiclic Seitenstmme in Verbindung mit dem 
grossblttrigen, dichten Laube ganz das Ansehen eines 
kleinen Waldes im Walde anninnnt. Indem diese mchtige 
Holzmasse nmlich im Inneren hohl ist, wird diesell)e 
durch ferneres AVaehstlmm leicht in ihrem Gleichgewicht 
gestrt, wovon hufiges Abbrechen grsserer Theile oder 
sogar das Umstrzen des ganzen Baumes bei etwas starkem 
Winde die Folgen sind, wodurch nicht selten Gefahr fr 
die in der Pflanzung beschftigten Arbeiter entsteht. Ein 
Durchhauen der Baumwrger im jugendlichen Alter tdtet 
dieselben und rettet somit den von ihnen ergriftenen Baum, 
weshalb das Uebel in diesem Stadium unschwer zu be- 
seitigen ist, ebenso wie mau durch Naehsuchcn auf den 
Cacaopflanzen die ganz jungen Keindinge dieser Feinde 
leicht entdeckt und entferni'n kann. 

Wo dagegen der Matapalo oder Fieus liereits einen 
grsseren Umfang erreicht hat, was leider an vielen Orten 
der Fall ist, besonders weil man irrthmlieher Weise ge- 
glaubt hatte, der Baum sei dem Cacao durch seinen 
Schatten von Nutzen, lsst sich derselbe niciit mehr ohne 
erln'blichere Schdigung der Cultiupflanzen beseitigen und 
naiss stehen gelassen und geduldet werden. 

Die Bekmpfung alier dieser Feinde aus dem Pflanzen- 
reiche giebt den Arbeitern selbstverstndlich viel zu 
Schften, dieselbe Uep])igkeit des Bodens und dasselbe 
gnstige Klima, die im Verein den Cacao zu (iner nirgends 
sonst gekannten Entwiekelung gelangen lassen, befrdert 
auch andererseits die grossartige Entfaltung der brigen 
Vegetation. 

Das Land ist vollstndig flach und gnzlich steinlos, 
von einem Alluvium gebildet, das hauptscldich aus einer 
oft Meter dicken Seliicht von lehmiger Erde auf einem 



54 



Naturwissenschaftliche Woclienschrift. 



Nr. 6. 



Untergiunde von feinem, j)3M'ithalti,i;'em Saude, ein auch 
in physikalischer Hinsicht bekanntlich gnstiger Boden, 
besteht. 

Das Klima ist ein mn- sehr geringen Schwankungen 
' nnterworfeues, gleiehmssig heisses; die Regenmenge eine 
sehr bedeutende und selbst in den troekneren Monaten 
nie ganz unterbrochene, Factoren, die dem Gedeihen des 
Cacao mglichst gnstig sind, weshalb die Huertas auch 
hier das ganze Jahr hindurch mit Frchten in allen Stadien 
der Entwickelung prangen und somit die Ernte eigentlich 
nie aufhrt, wenngleich zu gewissen Jahreszeiten, be- 
sonders vom Juli bis zum Septenilier, die grsste Menge 
an reifen Frchten vorbanden ist. 

Aber auch die Frucht des Cacaobaumes hat eine 
Menge von Feinden, die dem Pflanzer die Ernte streitig 
machen und ihm nicht selten betrchtlichen Schaden zu- 
fgen. Hierzu gehren besonders mehrere Arten von 
Papageien, die Morgens ganz frh in die Huertas fliegen, 
hier den Tag ber an den reifi'u Frchten sich gtlich 
thun, um Abends gegen Sonnenuntergang wieder schreiend 
und lrmend in kleinen Haufen nach den Mangrove- 
waldungen an der Kste zurckzukehren, wo sie zu nisten 
scheinen. 

Da der Schaden, den diese in grosser Menge auf- 
tretenden Vgel sehr betrchtlich und deren Fleisch neben- 
bei recht wohlschmeckend ist, wird ilnien durch dazu 
angestellte Jger fortwhrend nachgestellt und trotz ihrer 
Schnheit eine Menge erlegt. Dasselbe geschieht mit den 
verschiedenen Sugethieren, die sich zum Theil vom Cacao 
nhren, und von denen ich besonders einige Aflenarten, 
eine Beutelratte und ein kleines Eichhrnchen wie noch 
einige andere Nager erwhne. 

Im Ganzen genommen sind die Zerstrungen dieser 
Tbiere doch nur massig, und da auch die Verluste durch 
Krankheiten, unter denen besonders die durch Schmarotzer- 
pilze verursachten, keine bedeutende sind, bleibt dem 
Hacendado in der Regel ein reichlicher Ertrag brig. 
Durch eintretende Drre krmnen an einzelnen Orten zu- 
weilen die ganz jungen Frchte einschrumpfen und ver- 
dorren, an anderen verfaulen die Frchte zuweilen, be- 
sonders wo die Bume zu dicht gepflanzt sind; trotz alle- 
dem hrt man nie von einer Missernte, wenn gleich der 
Gesamnitertrag der einzelnen Jahre verschieden sein kann, 
so dass man im Allgemeinen die Cacaoeultur als eine sehr 
lohnende bezeichnen darf, die bei der ber hundert Jahre 
anhaltenden Tragfhigkeit des Baumes die Grundlage 
eines dauernden Wohlstandes abgiebt. 

Der durchschnittliche Ertrag einer Caeaopflanze ist 
in Ecuador gewhnlich \ o Kilo, was die trockenen Samen 
von 8 10 Frchten (mazorcas) darstellt. Wo die Bume 
freien Platz zum Ausbreiten der Zweige haben, sieht man 
indess sehr oft 30 40 oder noch mehr Frchte an einem 
Baume, an einzelnen alten Bumen zhlte ich sogar nicht 
selten ber 400 Frchte, was einer Ernte von 25 Kilo 
im Werthe von ber 30 Mark pro Baum gleielikommt. 

Der geringe Durchschuittsertrag der Pflanzungen rhrt 
hauptscldich von zu dichtem Pflanzen her, ein Fehler, 
den man erst in neuester Zeit durch Lichten der Huertas 
und grssere Entfernung bei der Anlage neuer Grten zu 
berichtigen sucht. 

Bei dem grossen umfange der meisten Haciendas, 
von denen viele eine halbe bis eine ganze Million Bume 
(matas) haben, ist die Gesammternte, selbst bei einem 
Durchschnitt von nur 500 Kilo pr. 1000 Pflanzen, dennoch 
immerhin von bedeutendem Wertli und beansprucht die 
ganze Aufmerksamkeit des Besitzers oder seines Verwal- 
ters wie auch eine erhebliche Arbeitskraft an Menschen 
und Tbieren. 

Durch die verschiedenen Huertas vertheilt gehen Ab- 



theilungen von 10 12 Mann mit einem Mayordomo als 
Aufseher, die eine Hlfte, die Tumbadores*), mit einem 
langen dnnen Rohr versehen, das an der Spitze ein 
scharfes, haUnnondfrmiges Eisen trgt, womit die reife 
Frucht, die nicht von selbst herunterfllt, geschickt am 
Stiel durchschnitten wird, was mit einem nach oben ge- 
fhrten Stosse geschieht, um alsdann von der anderen 
Hlfte der Leute, den Recogedores, aufgesammelt und in 
grosse Haufen aufgeschichtet zu werden. 

Zu diesen Haufen begiebt sich dann, gewhnlich am 
nchsten Tage, ein ^lann, der Sacador, welcher mit einem 
kurzen, breiten Eisen die dicke Schale der Frchte der 
Quere nach durchschneidet und dieselben hinter sich wirft, 
wo alsdann ein Knabe mittels eines Rippenknochens, der 
als eine Art schmalen Lotfels dient, die Frucht ihres In- 
halts entleert. 

Das Innere der Cacaofrucht besteht, wie bekannt, aus 
einer Menge von dicken, scheibenfrmigen Samen, die in 
fnf Reihen geordnet und von einer weissen, suerlichen 
Pulpe umgeben, in einer Anzahl von 40 50 den Hohl- 
raum erfllen. Dieser schleimige, rohe Cacao wird als- 
dann in grosse starke Scke gefllt, die auf Jeder Seite 
des Packsattels auf einem krftigen Maultliii're herab- 
hngen und in dieser Weise auf den gewrdmlich boden- 
losen Pfaden nach der Hacienda zur weiteren Behandlung 
gebracht. 

Sowohl die Tumbadores als auch die anderen Ar- 
beiter der Plantage tragen bei der Arbeit in den Huertas 
die Fssc und Beine sorgfltig eingehllt, um sich gegen 
die vielen Giftschlangen, die eine wahre Landplage des 
ecuadorianisehen Tieflandes sind, zu schtzen. Die Fsse 
sichert ein oftVner Schnrschuh aus dickem Leder, die 
Corba, nachdem der Fuss an Statt des Strumpfes mit den 
weichen, welken Blttern der Banane umwunden ist, wh- 
rend die Beine mit einer dichten Umhllung von den 
Blttern des oben erwhnten Vijao bekleidet werden, die 
mit Baststreifen des Cacao, der wie alle Bttneriaceen 
ein dem Lindi-nbast hnliches Material liefert, festgebunden 
werden. Trotz aller Vorsicht kommen dennoch Schlangen- 
bisse nicht selten vor, besonders sind die Recogedores 
densellten beim Aufsammeln der Frchte vom Boden in 
dem oft sehr dichten lattgewirr des Unkrautes ausgesetzt. 
Die gefrchtetste aller Sehlangen ist die E()uis, so ge- 
nannt von den dunklen Zeichnungen auf dem Rcken, die 
dem Buchstaben x hnlich sehen, welcher im Spanischen 
Equis (spr. Ekkis) heisst. Diese Natter wird bis 1 V-3 Meter 
lang und kommt nicht nur im Walde und in den Huertas, 
sondern auch in d(>r Nhe von Wohnungen oder in diesen 
selbst vor und Itesitzt eins der am heftigsten wirkenden 
Gifte, das bereits nach wenigen Stunden den T(h1 herbei- 
fhrt. Ein grosser Hund, der ganz nahe l)ei einem Wohn- 
hause von einer dieser Schlangen in's Ohr gebissen ward, 
verendete vor meinen Augen im Verlaufe einer Viertel- 
stunde. 

Als Mittel gegen das Schlangengift wird hufig eine 
braune Flssigkeit, Curarine genannt und von einem 
Amerikaner fabricirt, nicht ohne Erfolg angewandt, ausser- 
dem Alkohol, Chinin, Ferrum sesquiehlorat und verschiedene 
einheimische Kruter, durch welche auch zuweilen Patienten 
gerettet werden. Immerhin bleiben die Giftschlangen eine 
Art ^litbewohner dieser Gegenden, an welclie man sieh 
nur sehr schwer gewhnt und die den Genuss der pracht- 
vollen Natur hier erheblich beeintrchtigt. 

Nachdem iu der oben erwhnten Art der rohe Cacao 
nach der Hacienda gebracht ist, wird derselbe sogleich 
auf grossen offenen Pltzen, Tendales, die mit gespaltenem 
Bambusrohr belegt sind, zum Trocknen ausgebreitet. Das 



*) Tumbr fllen, recogei' aufsammeln, sacar horausuehmen. 



Nr. 6. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



00 



in Westindien i;clru('hliche Fcrnientiren in (lurclil(ichertcii 
Behltern, wodurch in wenii;en Tagen die l'ulpe verfliesst 
und der Cacao eine passende Reife mid Farbe erhlt, ist 
in E^cuador gnzlich unbekannt, wird indess zum Theil 
dadurch ersetzt, dass bei Kegenwetter und ber Nacht 
die Samen in lngliehe Haufen zusannncngcscliiclitct und 
mit Blttern des Vijan oder gel)ogenen Zinki)latten ber- 
deckt werden, wodurch in der feuchten Masse jedes Mal 
eine Ghruug entsteht, die freilich am nchsten Morgen 
durch das Ausbreiten in der Sonne auf dem Tendal wieder 
unterbrochen wird. 

Die Qualitt des Cacao scheint indess auch bei diesem 
\'erfalireii den wnschenswerthcn Grad von Gte zu er- 
reicln'n, indem der Cacao von Ecuador, gewrdnilich nach 
dem Hafenorte Guaya(iuil, von wo aus derselbe verschifft 
wird, benannt, wie bekannt zu dem besten der Welt ge- 
h(irt. Der bedeutende Unterschied zwischen den beiden 
llauptklassen des ecuatorischen Cacao, dem aus den oberen 
Flussgebieten (Cacao de arriba) und dem aus den sd- 
licheren Gegenden (Cacao de Balao und de Machala), ist 
nicht auf eine verschiedene Behandlung der Frucht zurck- 
zufhren, sondern scheint hauptschlich von verschiedenen 
Bodenverhltnissen herzurhren, indem die oberen Gegen- 
den bereits mehr hgelig und steinig werden, je nher 
man dem Gebirge kommt. 

Der Cacao de arriba ist bedeutend bitterer als der 
andere und erlaubt deshalb dem Fabrikanten in Europa 
durch Zugabe einer gr(isseren Menge von Zucker ein be- 
deutend grsseres Quantum Chocolade aus derselben Menge 
von Cacao zu erzielen, was diesem also einen hheren 
Werth zu Fabrikationszwecken verleiiit und den besseren 
Preis desselben auf dem Weltmarkte bedingt. 

Wenn der nasse Cacao in der oben angegebenen 
Weise vollkonnnen getrocknet ist, wird derselbe von allen 
schwarzen und schlechten Bohnen mit der Hand befreit, 
durch Sieben von nrath gereinigt und alsdann in 



Scke verpackt auf kleinen Segelschiffen nacii Guay- 
aquil zum weiteren Export mittels Dampfer nach Europa 
gebracht. 

Die jhrliche Ausfuhr von Ecuador an Cacao betrgt 
gegenwrtig 14 15 Millionen Kilo oder fast ein \'iertel 
der Gesannntproduction der Welt, die c. GO Millionen Kilo 
betrgt. Da der Consum im Lande sell)st merkwrdiger- 
weise ein sehr geringer ist und fr die ganze nur etwas 
ber eine Million betragende Bevlkerung wohl kaum 
1 Millitm Kilo erreicht, ist die ganze Ernte dieses Heimath- 
landes des Cacao auf 15^16 Millionen Kilo im Jahre zu 
setzen, was zwar ein bedeutendes Quantum ist, jedoch 
immer nur einen kleinen Theil von dem darstellt, was 
dieses reiche Land bei rationellerer Beiiandiung der Plan- 
tagen und ausgedehnterer Ueberwachung hervorzubringen 
im Stande wre. 

Wenn man erwgt, dass die kleine westindische Insel 
Grenada mit nur 55 OO Einwohnern l)innen kurzer Zeit 
ihre Ausfuhr von Cacao bereits auf ber 2 ^lillionen Kilo 
gebracht hat, und dass Trinidad nicht weniger als 6 bis 
7 Millionen Kilo jtroducirt, so erscheint die Krnte von Ecua- 
dor, dessen hauptschlicher, ja fast einziger Ausfuhrartikel 
von Bedeutung der Cacao ist, als verhltnissmssig gering 
und bei ^Veitem nicht den gnstigen Xaturverhltnissen 
entsprechend. 

Wie in den anderen spanisch-amerikanischen Lndern 
tragen auch hier die, trotz des im Allgemeinen fried- 
lichen und arbeitsamen Charakters der Bewohner, noch 
ziemlich unsicheren politischen und socialen Verhltnisse 
die Hauptschuld daran, dass eine schnellere Entwickelung 
im Anljau des Cacao, der mehr wie irgend ein anderes 
tropisches Erzeugniss eine glnzende Zukunft zu haben 
scheint, eine Entwickelung, von der hier zugleich der 
materielle wie auch der daraus entspringende intellectuelle 
Fortschritt des Landes bedingt wird, bis jetzt noch innncr 
auf sich hat warten lassen. 



Kurze Darstellung einer Hypothese ber Sonnenflecken.*) 



\'un HealscluiUclirur 
Die gewaltigen Dimensionen der Sonne, ihre ausser- 
ordentlich hohe Temperatur, entschuldigen oder rechtferti- 
gen vielmehr die Aufstellung von Vermuthungen, die nach 
unsern irdischen Verhltnissen gemessen allerdings unhalt- 
bar waren. 

Die Sonne ist ein grosser, gluthflssigcr, wenig difteren- 
zirter Feuerball mit einer schweren und weit ausgedehnten 
Gashlle, mit einem Kern, der aus Gasen im sogen, ber- 
kritischen Zustande gebildet wird. Dieser Kern oder 
seine weitere Umgebung reagirt nach der Oberflche hin 
und diese Reactionen, welche sich in Flecken und Pro- 
tuberanzen (vielleicht auch Fackeln) aussen kenntlich 
machen, zeigen eine Periode, die sich fr alle oben er- 
whnten Erscheinungen deckt. Nehmen wir, ohne nach 
dem AVoher zu fragen, an, diese Periodicitt werde durch 
allmlige Steigerung der Sonnenwrme in bestimmten 
Regionen hervorgerufen, so drngt sich uns die Analogie 
mit den Geysirs auf. Die Sonnenperiode ist eltjhrig. 
Flecken und Protuberanzen haben zu gleicher Zeit einmal 
ein Alaximum uiul ein Mininuun in jeder Periode. Dazu 
sind ihre Bewegungen auf der Sonnenoberflche ganz 
analoge, whrend dagegen Unterschiede in der Vcrtheilung 

*) Indem wir uachstehenden Aufsatz in unseren Spalten ver- 
ifcntlichen, erinnern wir an unseren stets nach Mglichkeit be- 
folgten Grundsatz, auch solchen Anschauungen in der Naturw. 
Wochenschr." Raum zu geben, welche von den herrschenden An- 
sichten abweichen. Knnen wir also zwar die Ueberzeugungs- 
gewissheit des Verfassers nicht ohne Weiteres theilen, so ist es 
itoch nicht ausgeschlossen, dass die vorgetragene Hypothese ern- 
sterer Beachtung werth ist. " Ked. 



K . F r i e d r i v h s. 

auftreten. Protuberanzen treten allenthalben auf, wo 
sich Sonnenflecke zeigen, Iteschrnken sich aber nicht auf 
die gefleckten Stellen der Sonne. Da wir uns den Sonneu- 
krper nur wenig differenzrt denken drfen, von lokalen 
Unterschieden gar nicht reden drfen, so steht zu ver- 
nmthen, dass die Reactionen ursprnglich gleichartig 
waren, durch hinzutretende einwirkende Factoren aber in 
verschiedene Erscheinungsformen hinbergefhrt wurden. 
Als solche modifleirenden Factoren habe ich die Kugel- 
gestalt der Sonne und ihre Rotation im Auge. Das 
weiter verbreitete von l)eiden Sonnenjihnomcnen sind 
jedenfalls die Protuberanzen; sie treten berall am Sonnen- 
krper auf, und ber ihre Natur ist man sich soweit 
klar, dass man sie fr Gasausstrmungen aus dem Sonneu- 
innern hlt und halten muss. Dagegen wrde man die 
Sonnenflecke bei erster und flchtigi'r Ueberlegung fr 
feste Krper halten, da sie dunkel erscheinen. lU'i ein- 
gehender Ueberlegung jedoch wird man diese Vermuthung 
fallen lassen. Ein Sonnenkrper, der nach allen P>eob- 
aehtungen und besonders nach den spcktralanalytischen 
einen Gluthfluss darstellt, bei dessen ungeheurer Tempera- 
tur die Elemente grsstentheils im Dissociationszustande 
zu sein scheinen, kann unmglich feste, nur schwach 
glhende Stellen fr lngere Zeit aufweisen. So sehen 
wir uns denn veranlasst, die Dunkelheit durch Comi)ina- 
tion flssiger oder gasfrmiger Massen mit dem Sonnen- 
krper nach optischen Gesetzen zu erklren. Von diesen 
beiden Condiinatiouen fllt die erste als hchst unwahr- 
scheinlich und unerklrlicii ohne Schwertstreich, whrend 



56 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 6. 



die zweite uns g'cuug Wahrscheiniichlceit bietet, wenn 
wir uns nur der optischen Erscheinungen, die unter dem 
Namen der fttrahlenabsorption und der totalen Reflexion 
bekannt sind, erinnern wollen. Von zwei verschiedenen 
Ausgangspunkten machte ich also die gasfrmige Natur 
der Sonuenflecke wahrscheinlich. Wir wollen sehen, 
welche Harmonie zwischen dieser These und den statt- 
gefundenen Beobachtungen sich erzielen lsst, ohne den 
ganzen Hypothesenbau zu verknstcln und zu verschnrkeln. 

rrotuberanzen sowohl wie Sonuenflecke kommen aus 
dem Innern, beides sind Gase, die eine Erscheinung bietet 
Helligkeit, die andere nicht. Wir stehen vor einem Rthsel, 
wenn wir nicht den Umstand bercksiclitigen, dass die 
Protuberanzen sich von der SonnenoberHche erheben, 
whrend die Sonnenflecke haften Ideiben. Jetzt fllt es uns 
wie Schuppen von den Augen. Die Sonnen flecke sind 
Blasen, ungeheure Blasen fr irdische Begriffe, dagegen 
gar nicht so abnorm fr Sonneuverliltnisse. Die Gas- 
massen toben unter einer gewaltigen durchsichtigen Glocke, 
die aus glhender Snnenmasse gebildet wird, nach innen 
gesttzt durch die Spannkraft der eingeschlossenen Gase, 
vor dem Zersprengtwerden durcli ihre eigene Cohsion 
und den solaren Atmosphrcudruck geschtzt. 

Nach der von Pickering erforschten Thatsaehe, dass 
die Sonnenmitte dreimal heller als der Sonnenrand sei, 
muss ich den Krper der Sonne bis zu einem gewissen 
Grade fr durchsichtig halten, wenn ich auch weiss, dass 
dieser Unterschied an Helligkeit meistens der Strahlen- 
absorption in der Sonnenatmosphre ganz allein in die 
Schuhe geschoben wird. Die aus dem Sonneniunern 
kommenden Strahlen erleiden schon bei normalen Ver- 
hltnissen theilweise eine Reflexion in das Innere zurck, 
wenn sie iu die Atmosphre eindringen wollen. Wie 
viel mehr sollte dies nicht den Strahlen geschehen, 
welche aus dem gluthflssigen Blasengrunde in die durch 
Hitze stark verdnnten (iase des sogenannten Sonnen- 
fleckens eintreten wollen. Diese stark erhitzten Gase ab- 
sorbiren ausserdem von den eingedrungenen Lichtstrahlen 
wiederum einen ganz betrchtlichen Tlieil, und dem Rest 
ist auch noch nicht gestattet, unbehindert in die Sonnen- 
atmosphre zu dringen, falls die Strahlen nicht unter 
gnstigem Winkel durch die Blasenwantl sich bewegen 
und so der totalen Reflexion entgehen. Kein 
Wunder, dass nach diesem dreimaligen Licht- 
. Verlust der Oontrast mit der strahlenden Sonnen- 
oberflehe die Blase dunkel erscheinen lsst. 

Die Flecke kommen in den l'olarzonen gar nicht vor, 
in der Nhe des Ae([uators selten, am hufigsten jedoch 
in den Breiten von 10 30. Sdliche und nrdliche 
Hemisphre verhalten sich ganz gleich in Bezug auf 
Fleckenvertheilung, wenn wir von temporren Unterschieden 
absehen, ein Grund mehr, nur die allgemeinsten 
Eigenschaften der Sonne bei unsern nchsten Ausfhrungen 
zu benutzen. Die Sonne drelit sich von West nach 
Ost, wie unser ganzes Planetensystem. Die Geschwindig- 
keiten der einzelnen Punkte ihrer Gberflche verhalten 
sich wie die Radien der Breitengrade, auf denen sie sich 
befinden. Vom Pol bis zum Aequator nimmt diese durch 
die Rotation hervorgerufene Bewegung zu und zwar nicht 
gleichmssig, sondern die Zunahme wird nach dem 
Aequator hin immer grrisser. In derselben Weise zeigen 
Punkte im Innern der Sonne eine im Sinne der Rotations- 
richfung fortschreitende scdinellere Bewegung, wenn sie 
weiter von der Drehungsachse entfernt sind. Aufsteigende 
Gasblasen gerathen also in Gegenden von schneller fort- 
schreitender Bewegung. Sie bleiben naturgemss zurck, 
so dass sie schliesslich westlich von dem ursprnglich 
senkrecht ber ihnen liegenden f)berflchenpunkt und 
nahezu in derselben Breite unter spitzem Winkel zur Ro- 



tationsrichtuug auftauchen. Diese Translation ist in hhe- 
ren Breiten bedeutend geringer als in niedrigen, wie ein 
Vergleich der 3 Linien p, -/ und r in untenstehender 
Figur sofort lehrt. Die Gasblasen werden daher iu 
hheren Breiten mehr senkrecht zur Oberflche empor- 
tauchen. In niederen Breiten haben wir dagegen einen 
viel schrgem Auftrieb, so dass hier ein Haftenbleiben 
der Blasen eher mglich erscheint, als bei den nahezu 
vertikal nach oben schnellenden Blasen der Polarzone, 
deren Fleckenlosigkeit damit erklrt wre; denn hier 
bleiben die Blasen nicht haften, sondern schnellen empor, 
krepiren und bieten die Erscheinung der Protuberanzen. 
Und nun kommt noch hinzu, dass bei schrgcrem Auf- 
trieb ein lngerer Weg im Sonneninnern durchlaufen wird, 
bei dessen Durcheilen die Blasen, welche doch in Ge- 
genden immer geringeren Druckes gelangen, durch Aus- 




dehnung einen Theil ihrer hohen Spannung verlieren 
knnen, was bei den vertikal auftreibenden Blasen niclit 
in dem Maassstabe der Fall ist, so dass sie auch schon 
infolge der ihnen innewohnenden grsseren Energie 
leichter zerplatzen. Da der Auftrieb in der Aequatorial- 
zone jedenfalls am schrgsten ist, so mssten wir hier 
den grssten Fleckenreichthum vcrmutlien, womit wir je- 
doch der Beobachtung direct widersprechen. Wir haben 
aber auch einen Umstand ganz ausser Betracht gelassen. 
Wir mssen nmlich bei der Grsse derBlascn (hufig doppelte 
Erdgrsse) annehmen, dass die dem Aequator zugewandte 
Seite im strkeren Fortschreiten begriffen ist, als die ab- 
gewandte Blasenseite. So treten Zerrungen und Span- 
nungen auf, denen die Blase nach ihrem Bau so gut wie 
mglieh nachgiebt, so dass die beobachtete Lngsdehnung 
an der ursprnglich rundlichen Blase und ihr allmliges 
Herabsinken in niedere Breiten hierdurch bedingt er- 
scheinen muss. Die Zerrungen nehmen nach dem Aequa- 
tor hin unverhltnissmssig stark zu und ^crursachen so 
das Zersprengen mancher Blase, die sieh einer weniger 
guten Bauart zu erfreuen hatte. Nur einige dieser Sonnen- 
kinder, deren Bau fester gegrndet und gefgt ist, sinken 
allmlig auf spiraliger Bahn bis auf den Aequator und 
enden hier schliesslich, ich mchte sagen, an Alters- 
schwche. Von den in niederen Breiten erzeugten 
Flecken enden viele frhzeitig in den Knq)fen des Da- 
seins, einige wenige erreichen ein hohes Alter, aber auch 
ihr Dasein ist Mhe und Arbeit gewesen. In den Polar- 
gegenden finden sich aber nur Todtgeburten. Eine Pro- 
tuberanz bezeichnet jedesmal das Ende eines Fleckens. 
Der Krper sinkt theilweise in die Sonne zurck, ein 
anderer Theil wird durch die hervorbrechenden Gase in 
feinste, glhende Partikelchen zerschellt und emp(U-gefhrt 
in die leuchtende Region der Korona. Den grssten 
Fleckenreichthum vermuthen wir also in der 
Sonnengegend, wo der gnstige Factor des 
schrgen Auftriebs nicht zu sehr beeintrchtigt 
wird durch den ungnstig fr das Bestehen der 
Blase wirkenden. Diese Combination des schr- 
gen Auftriebs mit verhltnissmssig geringen 



Nr. 6. 



Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. 



.57 



Zerrungen finden wir in der Breitenlage von 
30 10 auf beiden Hemisphren. 

Am Schluss einer Periode werden die Flecken in 
einer ungefhren Sonnenbreite von 10 grsstentheils ver- 
schwinden. Dagegen werden zu Anfang einer Periode die 
ersten Flecken in denjenigen Sonnenregionen wieder auf- 
tauchen, wo die die Periodicitt hervorrufenden Factoren 
am ungestrtesten liahen wirken knnen; dies werden die 
schon lngere Zeit im fleckenlosen und ruhenden Zustande 
befindliclien hheren Breiten von etwa 30 sein. 

Siirer hat beobachtet, dass nach einem grossen Fleck 
sieh gewhnlich noch kleinere Flecken auf demselben 
Parallelgrade bilden, die aber hinter dem grossen etwas 
zuriickbleiben, im Uebrigen jedoch das Bikl einer von West 
nach Ost ausgedelniten (iruppe liieten. Das Voraneilen 
des grossen Flecks, welches auf den ersten Blick merk- 
wrdig ist, erklrt sich naturgemss daraus, dass er eine 
viel grssere Ausdehnung ber die Sonnenbreite als die 
kleinen Flecke besitzt, deswegen grsseren Zerrungen 
unterworfen wird, die sich in der Blase in der Form aus- 
zugleichen suchen, dass der voraneilende etwas sdstlich 
gerichtete Theil den langsameren an sich heranzuziehen 
bestrebt ist. Ausserdem nehme ich einen Wellenschlag 
auf der Sonne an, der durch den schrgen Auftrieb der 
Blasen hervorgerufen wird, dessen Richtung natrlich der 
Rotationsrichtung entgegengesetzt ist, so dass diese Wellen 
gegen die flottirenden Blasen prallen. Sind diese Wellen 
als Wirkungen der Blasen auch viel kleiner als letztere, 
so kann man ihnen doch wohl Bergesgrssc zuschrcilien. 
Unter allen Umstnden beeintrchtigen sie die Bewegung- 
kleiner Blasen mehr als die grosser. Dass eine grosse, 
im Sonneninnern aufsteigende Blase bahnbrechend fr 
mehrere kleinere wirken kann, liegt auf der Hand und 
so wren auch die Sprerschen Beobachtungen 
meiner Hypothese angegliedert. 

Der vorerwhnte Wellenschlag scheint sich unsern 
Blicken in der sogen. Weidenblattzeichnung der Sonnen- 
oberflche kenntlich zu machen. Das Vernderliche der 
Erscheinung spricht mit fr diese Vernuithung, und wenn 
ich den Wellenknmicn relative Helligkeit, den Thlern 
und Hngen dieser Wellen dagegen eine geringere Licht- 
strke zuschreibe, so habe ich hiermit eine Hypothese 
aufgestellt, die mit der ersteren so locker verbunden ist, 
dass ihre Verwerfung noch keineswegs die Blasenhypothese 
zum Wanken bringt. 

Aehnlich wie das V(n'aneilen grosser Blasen vor kleinen 
erklrt wurde, haben wir uns die schnellere Rotationslte- 
wegung gleich grosser Blasen in verschiedenen Breiten zu 
denken. In niederen Breiten sind die Zerrungen und 
Spannungen in der Blasenwand aus dem schon mehrfach 
erwhnten Grunde lebhafter. Die Unterschiede in den Ge- 
schwindigkeiten der beiden Blasenseiten nehmen nach dem 
Aequator hin immer mehr zu, desgleichen die Zerrungen 
und Spannungen, dadurch werden aber gewaltsamere Aus- 
gleiche bedingt, die wiederum eine grssere Geschwindig- 
keit fr die ganze Blase hervorrufen. Mit dieser Er- 
klrung, die si(;h unmittelbar aus meiner Hy- 
pothese ergiebt, fllt zugleich das Merkwrdige 
an der verschiedenen Rotationszeit der Sonnen- 
fleeke in verschiedenen Sonnenbreiten. 

Da die Protuberanzen als Folgeerscheinungen der 
Sonnenblasen auch ihre Endgeschwindigkeiten angenommen 
haben mssen, so fordern wir fr sie eine hnliche Be- 
schleunigung in quatcn-ialen Breiten, vermuthen jedoch, 
dass sie gegenber den Sonnenflecken etwas zurck- 
bleiben aus dem Grunde, aus welchem die im Sonneninnern 
aufsteigenden Blasen ein Zurckbleiben in westlicher 
Richtung aufweisen. Zudem haben diese Phnomene eine 
zu kurze Dauer, als dass Ausgleiche wie bei den lang- 



lebigen SonnenHeckcn stafttimlen knnen. Diese rein 
theoretische Folgerung findet in astroni mischen Beobach- 
tungen ihre Besttigung und dadurch wird wiederum un- 
sere Vermuthung von dem organischen Zusanmienhang 
zwischen Sonnentleckcn und Protuberanzen bedeutend ge- 
krftigt und gesttzt. Fassen wir alles Bisherige 
zusammen, so machten wir die Blascnnatur der 
Flecke zunchst nach logischen Grundstzen 
wahrscheinlich, dann zogen wir Folgerungen in 
Bezug auf Bewegung und Vertheilung der 
Blasen, schlssen dann nebenbei weiter auf 
Vertheilung und Bewegung des Protuberanzen, 
und alles bisher Wunderbare in den Beobach- 
tungen scheint sich sehr gut mit diesen Folge- 
rungen zu vertragen. Dass damit unsere Hypothese 
zu einem hohen Grade von Wnhrseheinlichkeit gelangt, 
brauche ich kaum noch zu erwhnen. 

Viele Beobachtungen, denen ich eine geringere Be- 
deutung zusehreiben mchte, knnen doch nicht ganz 
umgangen werden. Sie mgen mir als Reservetruppen 
zum Befestigen meiner Stellung dienen. Ich denke liier 
an die Erscheinungsformen kleiner Blasen mit ihrem un- 
deutlichen Rande, an ihr Verschmelzen zu gr(isseren, an 
die Brcke, welche ich als senkrechte Blasenscheidewand 
auffasse, und die als solche auch wohl besonders schne 
Liehteffecte darbieten knnte, lauter Beobachtungen, zu 
denen sich leicht Analoga bei Blasen auffinden lassen. 
Die Penumbra mit ihrer radialen Struetur wird vernuith- 
lich durch kranzfrmige Anlagerung kleiner Blasen an 
eine grosse hervorgerufen. 

Ich begebe mich jetzt auf etwas unsicheres Gebiet, 
wenn ich auch die Fackeln in den Kreis unserer Betrach- 
tungen ziehe. Knnten diese nicht Reflexe der Gluth- 
masse an der usseren, jedenfalls spiegelnden Blasenwand 
sein? Das Vernderliche in ihrer Erscheinungsform, ihr 
besonders schnes Auttreten am Sonnenrande, ihre hufit 



sternfrmig zackige Ausbildung 



ihr allmligcs Verkrzen 



am vorderen Fleckenrande und dazu im Gegensatz ihr 
Waehsthum am hinteren Fleekenrande, sowie zuletzt ihre 
Lage ber den Flecken, spricht zu Gunsten meiner An- 
nahme. Dagegen ist das Vorkommen von Fackeln in 
fieckcnlosen Regi<inen ein Umstand, der zur Vorsicht 
mahnt. Da die Fackeln meistens am Sonnenrande schn 
auftreten und hier vorzugsweise beobachtet werden, so 
wre es nicht unnniglich, dass hier eine aufstrebende Blase, 
die aber im nchsten Augenblick platzen wird, Veran- 
lassung zur Faekelbildung bte. Dann msste aber so- 
gleich eine Protubcranz sichtbar werden, die wegen ihres 
Zurckbleibens in der INitationsrichtung noch soeben zur 
Beobachtung kommen konnte. Vielleicht lohnt es sich, 
in dieser Richtung einmal Forschungen anzustellen. Uebri- 
gens gilt von dieser Fackelhypothese dasselbe, was ich 
auch von der in den Text cingeHoehtenen Hypothese ber 
Sonnenwellen gesagt habe. Ihr Fallen erschttert die 
Blasenhypothese nicht sehr. Gefhrlicher knnte fr 
letztere die Beobachtung werden, dass die Sonnentlceke 
eine tiefe Lage zu haben scheinen; wenn ich mich aber 
durch diesen Umstand zunchst wenig beunruhigt fhle, 
so kommt das v(m der Hoffnung, hier nnige eine optisrhc 
Tuschung, wie sie bei der Blasennatur der Flecke 
leicht unterlaufen kann, im Spiele sein. 

Zum Schluss mache ich nochmals auf die ungeheuer- 
lichen, jeder irdischen Vorstellung spottenden Verliltnisse 
unseres Sonnenkrpers aufmerksam. Fhrt mau sich die- 
selben so recht vor das geistige Auge, so wird meine 
Hypothese viel von ihrer Unwahrseheinlichkeit verlieren 
und die Einfachheit der Erklrung sowie die Harmonie 
der Folgernngi'n mit den Thatsachen mssen solche Vor- 
stellungssehwierigkeiten siegreich berwinden. 



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Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 6. 



lieber freilebende Papageien in der Mark Bran- 
denburg Ijcrichtet der Ornitliolo,i;e Dr. Karl Kiiss in der 
Geiicderten Welt". Freilebende Papageien wurden auf 
der Kgl. Domne Karlshof bei Waltersdorf beobachtet. 
Am 23. November des vorigen Jahres suchte R. die Stelle 
auf. Die ganze Bewobnscliaft des Gutes sphte nach den 
Vgeln aus. Aber es war nicht leicht, die scheuen Fremd- 
linge aufzufinden und mit Msse zu schauen. 

Inzwischen erzhlte der Dberamtmann Schmidt, dass 
sich die Papageien im Juni v. J. ganz von selber einge- 
funden htten; es seien ihrer drei Kpfe. x\us seinen An- 
gaben, vor allem aber aus der Thatsaciie, dass die Vgel 
ein grosses, rundes, bcrvviUbtes Nest aus Strauch hoch 
oben im Wipfel einer italienischen oder Pyramiden-Pappel 
hergerichtet hatten, licss sich mit Bestimmtheit annehmen, 
dass es Mnchssittiche aus Sdamerika seien, die offen- 
bar einem Vogelhudler oder Liebhaber fortgeflogen waren. 
Gerade diese Art ist aber in mehrfacher Hinsicht merk- 
wrdig, und als Gast hier in unseren Fluren muss sie fr 
jeden Naturfreund von vornherein als beraus interessant 
erscheinen. 

Whrend alle Papageien fast ohne Ausnahme Hhlen- 
brter sind, in der Freiheit in Astlchern oder irgend 
welchen anderen aumliidungen und in unseren Kfigen 
und Vogelstuben in Nistkasten brten, so baut dieser 
Sittich ein freistehendes Nest in der Form einer Kugel 
oder eines Cylinders. Der zu den Dickschnabelsittichen, 
einer in Amerika lebenden Gattung der Papageien, ge- 
hrende Mnchssittich, auch Musesittich oder Quker 
genannt, ist ein hbscher Vogel von Turteltaubengrsse, 
grn, jedoch an Vorderkopf, Gesicht, Kehle und l)cr- 
brust perlgrau, mit blauen Flgclspitzcn, und so zierlich 
und aumuthig, dass der amerikanische Naturforscher 
Azara ihm die Bezeichnung ,,junge Wittwe" beigelegt hat. 
Im Kfig zeigt C: sich als einer der rgsten Nager und 
Schreier, weshalb er wenig beliebt ist. Hier in der Frei- 
heit tritt er uns aber ganz anders entgegen. 

Zwei von den Sittichen wurden dann von Russ 
imd Direktor Dr. Heck am Boden umherlaufend und 
nahrungsuchend beobachtet. Sie Hessen sich bis auf etwa 
zwanzig Schritt ankonnnen; dann wurden sie flchtig und 
flogen ziemlich weit davon in die hohen Bume. 

Alle Sittiche sind l)essere Flieger als die kurzflgeligen 
und kurzschwnzigen Papageien. Der Wellensittich fliegt 
wie andere Sittiche unglaublich gewandt, schnell und an- 
muthig. Daher glaubte R. voraussetzen zu drfen, dass 
auch die Mnchssittiche hier im Freien als ebenso vor- 
treffliche Flieger sich zeigen wrden aber er hatte 
nicht an ihre weit krzeren Flgel gedacht und war 
berrascht, als er sie nun im schwankendem Fluge dahin- 
segeln sah. 

Glcklicherweise sind sie indessen trotzdem, und auch 
obwohl ihr Nest hoch oben im Wipfel einer der Pappeln 
hngt, dennoch keineswegs der Gefahr, durch Raubvgel 
geschlagen zu werden, zu sehr ausgesetzt. 

Die nchste Frage, ob die Papageien wohl den harten 
und rauhen Winter unseres Klimas berdauern knnten, 
muss inanbetracht dessen, dass die Heimath des Mnchs- 
sittichs den heissen Tropen angehrt, verneint werden; 
aber wir sehen, dass zahlreiche Vgel und andere Haus- 
thiere, die uns umgeben, aus heissen Lndern herstammen, 
so vor allem der Pfau, urs])rnglich auch das Haushuhn, 
der Fasan in verschiedenen Arten u. a. m. Da der Mnchs- 
sittich in seiner Heimath in Gebirgsstrichen l)is zu 1000 
Metern Hhe vorkommt, so ist au seiner Fhigkeit, bei 
uns auszudauern, keineswegs zu zweifeln. Uebrigeus ist 
er bereits mehrfach in den zoologischen Grten, auch im 
Berliner, im Freien berwintert worden. 

Unsere Liebhaber und ebenso die zoologischen Grten 



haben den Mncbssittich auch schon mehrfach gezchtet, 
und zwar meistentheils gleichfalls in Kfigen, die im 
Freien standen. 

Auf dem Gute Karlshof ist in vorsorglicher Weise 
zwischen zwei Bumen auf dem Wirthschaftshof eine 
schwebende Futterstelle fr die Sittiche angebracht, weil 
sonst das Federvieh ihnen die Nahrung innner fortfressen 
wrde. Von hier aus kamen sie schliesslich zur Pumpe 
herab und trippelten trotz des recht kalten Wetters ganz 
nuuiter auf dem Eise umher, um aus der Wasserrinne zu 
trinken. 

In seiner Heimath zeigt sich der Mnchssittich au 
nuuichcrlei Nutzgewchsen, insbesondere am Mais und an 
allerlei (ietreide beraus schdlich, so dass er viel ver- 
folgt und getdtet wird. 

Es ist nicht allein die ^Mglichkeit gegeben, dass die 
Mnchssittiche sich hier erhalten, sondern es eignen sich 
dazu auch zweifellos eine betrchtliche Anzahl verschie- 
dener Arten, wie vor allen der A\'ellensitticli, sodann Sing- 
sittich, Bunt-, Pennantsittich, snnntlich von Australien, 
sowie ebendaher auch der Nymphensittich oder richtiger 
Nymphenkakadu, dann der Karolinasittich von Nordamerika 
und noch manche andere. Sie alle wrden hbsche und 
abs(nulerliche Schmuckvgel bilden und nicht leicht schd- 
lich, wohl aber in mehrfacher Hinsicht nutzbar werden 
knnen. 

Nachschrift: Trotz der starken Klte hatten sich 
die Sittiche bis zu den ersten Tagen des Januar vortreft'lich 
erhalten. Dann aber ei'lagen sie, nicht den Witterungs- 
beschwerden, sondi'rn den Krhen, welche sich zahlreich 
eingefunden hatten und trotz alier Bemhungen des Ober- 
anitinanns und seiner Leute die Papageien Itestudig ver- 
iblgten, in ihrem Nest frmlich belagerten und zum Unter- 
gang brachten. Ein Sittich wurde, von einer Krhe am 
Hinterkopf gestossen, todt aufgefunden. Der zweite war 
matt gejagt, wurde eingefangen und in einen Kfig ge- 
steckt und der dritte ist verschwunden. Dr. K. R. 



FoUiculites eine fossile Anacardiaceen-Gattung. 

Endlich lftet sich der Schleier ber die .systematische 
Zugehiirigkeit der Gattung FoUiculites Zenker*), welche 
die Pflanzenpalaeontologen und Botaniker seit Anfang 
dieses Jahrhunderts von Zeit zu Zeit immer wieder ver- 
geblich unterzubringen versucht haben. 

Herr Prof. P. Aschcrson war so gtig, mir Frchte 
der Anacardiaceen-Gattung Pistacia zur Untersuchung zu 
bersenden mit der Bemerkung: Beifolgende Frchte und 
Samen von Pistacia vera waren das bject, das ich in 
Bezug auf FoUiculites im Auge hatte. Meine Hoffnung 
wurde aber sehr herabgestimmt, da sich keine Carunkel 
findet, dafr aber ein mchtiger Funiculus. Die Grsse 
wrde wohl aber nicht hindern, da die wilde Pistacia 
sicher viel kleinere Frchte hat. Merkwrdig, dass sich 
diese Form der Frucht bei keiner andern Art findet; 
diese haben alle kugelige, viel kleinere Drupae." 

Der .,mclitige Funiculus" ist nun aber nach meiner 
Untersuchung nichts anderes als die von nur ni der De- 
cember Sitzung der Gesellschaft naturforschender Freunde 
zu Berlin beschriebene (vergl. Sitzungsberichte genannter 
Gesellsch. 1892) Caruncula" **) bei der Gattimg FoUicu- 
lites, und auch in allen brigen Punkten stimmt FoUicu- 
lites mit den Pistacien-Frcliten derartig berraschend 
berein, dass ich die Gattung FoUiculites wenn auch 
aus einem bestimmten Grunde nicht zu Pistacia selbst 



*) Vergl. Xaturw. Wochenschr." Bd. VII S. 519520. 
**) Vou Herrn Prof. Nehring in der Naturw. Wochenschr." 
Bd. VII S. 4.56 in Ermangelung einer Deutung dieses Organcs 
naeli seiner Form einfach als ,.iltciien" angegeben. 



Nr. .6 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



DU 



so doch zu den Anaeardiaceen stellen niuss. Eine aus- 
fhrliche Beg-rUndung-, werde ich im Neuen Jahrbuch fr 
Mineralogie, Geologie und Palaeontologie bringen und 
auch in der Natunv. Wochcnschr.'- ausfhrlicheres mit- 
thcilen uud zwar bei Gelegenheit der Besprechung der 
neueren Verffentlichungen der Herreu Credner, Keilliack, 
Nehriug, Schrder uud Wahnschaffe ber die geologische 
Stellung der diluvialen ..Kiinger Schichten", die nun 
schon so viel Stauli aufgewirbelt hat. Der freundliche 
Leser, der die in IJand \ll der ,,Naturw. Woehenschr." 
verffentlichten Original-Mittheiluugen des Herrn l'rof. 
Nchring ber das Torflager der erwhnten Schichten und 
ber die Flora derselben verfolgt hat, weiss, dass Folli- 
culites (^= Paradoxocarpus Nchring) in diesem Torflager 
das merkwrdigste Fossil ist. Nur soviel will ich schon 
hier bemerken: Ich bin in der Lage gewesen, von dem 
Bau der Folliculites (iucl. Paradoxocarpus) genannten 
Frchte fr fossile Objecte verhltnissmssig viel heraus- 
l)ringen zu knnen. Alle Daten passen mit deujenigcn, 
die wir au recenten Anacardiaceen-Frchten finden, zu- 
sammen: kein einziger Punkt bietet einen Wider- 
spruch. H. Potouie. 

Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Es wurden ernannt rosp. berufen: Der Stabsarzt Dr. Beh- 
ring, Bataillons - Arzt im Infanterie - Regiment Graf Werder 
(-1. Rlieinisehes) No. 30, connnandirt als wissenschaftlicher Assistent 
zum Institut fr Infectiouskrankheiten zu Berlin, zum Professor. 

Der ausserordentliche Professor der Botanik Dr. ltmanns 
in Rostock zum ordentlichen Professor der Botanik und Pliarma- 
kognosie in Frcibur"; i. B. Stabsarzt Dr. Brieger vom Institut 
fr Infectionskrankheiten in Berlin zum Professor. Privat- 
docent Dr. Julius Ge p pert in Bonn, frher Assistent an der 
Leyden'schen Klinik in Berlin, zum ausserordentlichen Professor 
fr Arzneimittellelire. -- Dr. K. Bachmann zum ordentlichen 
Professor der Pharmacie an der Universitt Erlangen. Dr. 
Ludwig Becker zum Professor der Astronomie an der Universitt 
Glasgow. Privatdocent an der Universitt Leipzig Dr. P. H. 
Fraisse zum ausserordentlichen Professor der Zoologie. Der 
Privatdocent der Anatomie Dr. L. 0. Dark sehe witsch zum 
ausserordentlichen Professor an der Universitt Moskau. Dr. med. 
B. F. Merigo zum Docenten der Physiologie an der Militr- 
Medicin.-Akademie zu St. Petersburg. Bei dem Kaiserlichen 
Patentamt zum technischen Hilfsarbeiter der Chemiker Dr. Hegel. 

Privatdocent Dr. Gtz Martins in Bonn zum ausserordent- 
lichen Professor der Pliilosujihie. 

Es haben sich habilitirt: Dr. E. Bloch als Privatdocent fr 
Ohrenkrankheiten an der Universitt zu Freiburg i. B. Dr. 
M. Siegfried als Privatdocent fr Chemie in Leipzig. 

Es sind gestorben: Der friUiere Prsident des Torrey Botani- 
cal Club zu New-York Dr. John Streng Newberry in New- 
Haven (Connecticut). Landgerichtsprsident a. D. F. Peck in 
(Grlitz, der als Florist den Botanikern bekannt geworden ist. 
Paul Heinrich Zech, vormals Professor der Physik, Meteo- 
rologie und Astronomie an dem Polvtechnicum zu Stuttgart. 
Der Psvchiater Dr. August Eickhiilt, Director der rheinischen 
Provinzial-Irren-Anstalt in Grafenberg. Der Kliniker Professor 
Otto Kahler in Wien. Der ehemalige Professor und General- 
directordesMedicinalwesens, Staatsratli Felix v. Willebrand in 
Helsingfors. Der ehemalige Kliniker Professor Hardy in Paris. 

Der Professor der Chirurgie Axel Iversen in Kopenliagen. 
Der Anthropolog Geh. Rath Professor H. Scha af fhausen von 
der Universitt Bonn. 

L 1 1 1 e r a t u r. 

Regel, F.. Thringen. Ein geographisches Handbuch Erster 
Theil: Das Land. 1. Grenzen. 2. Bodengestalt und Gewsser. 
3. Schichtenaufbau u. Entstehungsgeschichte. 4. Klima. Mit 
einer geologischen Karte (Tafel I), drei grsseren geologischen 
Profilen (Tafel II) und 40 Textabbildungen. Jena, Verlag von 
Gustav Fischer 1892. 8. Preis 8 Mk. 

Aus der im Titel gemachten Inhaltsangabe des ersten Theds 
und aus der Ankndigung des Vorwortes, dass der zweite Theil 
die Pflanzen- und Thierverbreitung, sowie die Anthropogeographie 
bringen solle, geht liervor, dass wir es hier mit einer natur- 
geschichtlichcn Behandlung der Geographie Thringens 
zu thun haben, und zwar des gesammten Thringens. Das Buch 
will die speciellen Heimathskunden, die von einzelnen thringischen 



Staaten bestehen, keineswegs berflssig machen, sondern will 
sie erweitern, ihnen einen allgemeineren Hintergrund geben 
und ein tieferes Verstndniss fr den inneren Zu.sammenhang 
der einzelnen dort verzeichneten Thatsachen erwecken. Und es 
drfte dieses vorgesteckte Ziel wohl erreichen und wird darum 
im weiteren Kreise der Gebildeten, besonders der Lehrer, und 
nicht bloss in Thringen, sondern bei allen, die Interesse fr 
dieses schne Land haben, willkommen geheissen werden. Aber 
nicht minder wird es sich unter den Spezialforschern dankbare 
Freunde erwerben; denn, wenn der Verfasser auch nur wenige 
eigene Beobachtungen bringt, so liat er doch, das kann wohl be- 
hauptet werden, alles Einschlgige, was jemals ber Thringen 
geschrieben worden ist, mit grossem Fleisse zusannnengetragen 
und im vorliegenden Buche wohlgesichtet verarbeitet und dabei 
gewissenhaft in grosser Vollstndigkeit seine Quellen, die fr 
Viide z. Th. schwer zugnglich oder wenig bekannt waren, jedes- 
mal in den Anmerkungen 'namhaft gemacht, ohne dass brigens 
der Text, unter dem Drucke derselben leidet. Die Flle des zu 
verarbeitenden Materiales hat es allerdings, besonders im geolo- 
gischen Abschnitte, mehrfach mit sich gebracht, dass gewisse 
Gegenstnde, die fr den Si)ezialisteu von grossem Interesse und 
darum in der Litteratur ausfidu-lich behandelt sind, doch in einer 
fr ein Geographiebuch vielleicht zu breiten Weise wiedergegeben 
wurden, whrend einige allgemeinere Gesichtspunkte, ber die 
nur erst sprliche Litteratur vorlag, verhltnissmssig zu kurz 
weggekommen sind. Uclier den Inhalt mgen folgende Angaben 
kurz Orientiren. Die ersten Kapitel behandeln die Grenzen 
Tliringens im Verlauf der Geschichte und begrnden die im 
Buche angenommene Begrenzung (danach sind von zweifelhaften 
Grenzgebieten bercksichtigt das Eichsfeld bis zur Gttmger 
Senke, der bavrische Frankenwald bis zum Mnchljerger Gneiss- 
gebiet, und stthringcn" im Sinne Liebes, ausgescldossen sind 
aber Rhn, gewisse sdliche Theile von Coburg und Memingen 
und die Mansfelder Generalmulde, ohne jedoch ganz vernach- 
l.ssint zu werden). Alsdann folgt eine orographische Uebersicht 
mit einer Gliederung des Gebiete.s in den gebirgigen Kern, be- 
stellend aus Thringer- und Franken wald, Fichtelgebirgsvorbergen 
und Vogtlndischem Bergland, in das sdwestliche oder frnkische 
und in das nrdliche oder thringische Vorland, letzteres gegliedert 
in die thringische Hochebene mit den Erhebungen in ihrem In- 
nern, in die randlichen Vorstufen dieser Hochebene und in den 
Antheil Thringens an der schsisch-thringischen Tieflandsbucht; 
den Schluss bildet ein zusammenhngender Ueberblick der Ge- 
wsser im thringischen Hgelland. 

Der dritte Hauptabschnitt, der geologische, ist der umfang- 
reichste; er umfasst die Seiten 88-31'2, und ist nach H. Credners 
vor fast 40 Jahren verfassten Schriften ber Thringen die erste 
auf die neuen Spezialforsehungen gegrndete Gesammtdarstellung 
dieses Landes. (Leider sind gerade die Resultate der erst jetzt 
im Gesammtberbliek abgeschlossenen Spezialaufnahmen des 
Thringer Waldes noch nicht publicirt uud konnten darum vom 
Verfasser nicht mit verarbeitet werden, doch hat er versprochen, 
sie wenn mglich als Anhang zum 2. Theile seines Buches im 
nchsten Jahre zu liring.'n). Nach einer geschichtlichen Ueber- 
sicht ber die geologische Erforschung Thringens werden zunchst 
die einzelnen Formationen nach Verbreitung, Zusammensetzung, 
Gliederung, Versteinerungsfhrung und technischer Bedeutung be- 
sprochen und daran die Beschreibung und Angalie der Verbreitung 
der Eruptivgesteine und der Gnge und Lager technisch wichtiger 
Erze und Mineralien geknpft. Die sehr eingehende Behandlung 
und Reichhaltigkeit des folgenden Abschnittes Entstehungsge- 
schichte und Gebirgsbau" mgen die Kapitellierschriften an- 
deuten. Kap. 13: Ablagerungszeit der archischen und altpalo- 
zoischen Schichten; Kap. 14: Entstehung der mitteldeutschen 
Alpen"; 15: Abtragung der mitteldeutschen Alpen; Bildung des 
Kuppengebirges in "der Rothliogendzeit; l: Die Abhigerungszeit 
vorwiegend mariner Schichten vom Zechstein bis zur jngeren 
mesozoischen Epoche; 17 bis 20 die neuere Festlandsperiode; 
Ueberblick. Gebirgsbau des Thringer- und Frankenwaldes und 
Vogtlndischen Berglandes, des sdlichen frnkisclien Senkungs- 
feldes, des nrdlichen, thringischen Senkungsfeldes und der 
einzelnen Strungszonen in beiden Feldern; 21: die jngere Ter- 
tirzeit und die Quartrperiode; 22: die Ausgestaltung der heu- 
tigen Flusslufe; 23: die Fortdauer der gebirgsl)ildenden Krfte. 
Der 4. Hauptabsclinitt (S. 313396) ist dein Klima gewidmet 
und enthlt die Kapitel 24: Temperaturverhltnisse; i5: Hydro- 
nieteore; 26: Luftdruck und Winde; 27: Phnolofjische Beobach- 
tungen. ~ Dem Text, besonders im geologischen Theile, sind eine 
Reihe von Profilen und Landschafts'bildern in Zinktzungen bei- 
gefgt, der klimatische Theil ist durch viele, vom Verfasser ein- 
heitlich umgerechnete Tabellen untersttzt. Einen besonderen 
Werth aber erhlt fr sehr Viele das Buch (hulurch, dass ihm 
eine aus den neuesten jiublicirten Karten sorgfltig zusammen- 
gestellte geologische Karte, seit langer Zeit wieder die erste des 
Gesamnitgebietes (im Maassstab 1 : 41,i000'i beigegeben ist, welche 
obwohl nicht bunt, sond.'rn als Photolithograjdiie in Schwarzdruck 



60 



Naturwissciiscliaftlielie Wochenschrift. 



Nr. 6. 



hergestellt, nicht weniger als 36 verschiedene Formationsglieder 
und Eruptivgesteinsarten in einer doch unerwartet deutlichen und 
bersichtlichen Weise zur Anschauung bringt. Drei grssere 
Profile (eines quer ber den ThringerwaUl von der oberen 
Werra bis zum Mansfelder Hgelland, ein zweites entlang dem 
Kamm des Thringerwaldes von der unteren Werra bis zur 
Saalequelle im Fichtelgebirge, endlich ein drittes von Duderstadt 
im Eichsfeld mitten durch das Thringer Becken bis nach Greiz 
an der Elster) geben, obwohl ebenfalls in Schwarzdruck ausge- 
fhrt, doch ein ebenfalls deutliches, gewiss erwnschtes lieber- 
sichtsbild ber den inneren Bau des Landes. 

Trotz kleiner Fehler knnen wir demnach das Buch als eine 
fleissige und bersichtliche Zusammenfassung unserer gegenwr- 
tigen Kenntnisse ber Thringen und wegen seiner reichhaltigen 
Quellenangaben allen Interessenten nur empfehlen. 

Dr. E. Zimmermann. 



F. V. Tavel, Vergleichende Morphologie der Pilze. Mit 90 Holz- 
schnitten. -20^ S. 8". .lena, U. Fischer. 1892. Preis 6 Mk. 

Schon wiederholt war in der Naturw. Wochens." (Bd. IV, 97, 
VII, 369) von den Brefeld'schen Untersuchungen die Rede und es 
wurden die fr die Mycologie und gesammte brige Botanik so 
wichtigen Resultate eingehend dargestellt. Das vorliegende Buch 
giebt nun einen Auszug aus den 10 Heften der Brefeld'schen 
,,Unter.suchungen aus dem Gesammtgebiet der Mycologie" unter 
Bercksichtigung aller brigen morphologischen Arbeiten. 

Es ist ein grosses Verdienst, das sich Verfasser dadurch er- 
worben hat, dass er die schwer zugnglichen Schriften Brefeld's 
auch dem minder als Mycologen ausgcbildi'ten Botaniker er- 
schlossen hat. Das vor 2 Jahren erschienene Lehrbuch von Zopf 
sucht noch zwischen dem alten De Bary'schen Standpunkt und 
dem neuen von Brefeld zu vermitteln, sehr zu Ungunsten des 
Buches, whrend das vorliegende mit den lteren Anschauungen 
vllig bricht und otfen die neue Lehre bekennt. Fr die Fort- 
entwicklung der Mycologie wird das Buch von grossem Segen sein. 

Ein nheres Eingehen auf den Inhalt verbietet sich von 
selbst, und es sei deshalb auf die erwhnten .Aufstze in dieser 
Zeitschrift verwiesen. Ganz besonders will ich nur auf die Ein- 
leitung, welche die Verwandtschaft der Pilze mit den Algen und 
auf die letzten Capitel, welche das natrliche System der Faden- 
jjilze behandeln, hinweisen. Die Figuren, welche dem Buche bei 
gegeben sind, scheinen mir smmtlich gut gewhlt und sind von 
hervorragend guter Ausfhrung. Lindau. 



G. Pizzighelli, Handbuch der Photographie. 2. Aufl. Halle a. S. 

Verlag von Willi. Knapp, 1892. Band 11. Die photographischen 

Prozesse. Mit 207 Abbildungen. Preis 8 Mk. Band III. 

Die Anwendungen der Photographie. Mit 284 Abbildungen. 

Preis 8 Mk. 

Mit den vorliegenden beiden umfangreichen Bnden findet 
das grosse, vornehmlich fr Amateure und Touristen bestimmte 
Werk des bekannten Photochemikers Pizzighelli seinen Abschluss. 
In Band II werden mit grosser Ausfhrlichkeit nach einander der 
Negativprozess, der Positivprozess, die photographische Retouche 
und die Mittel zur Bestimmung der Belichtungsdauer dargestellt. 
Bei den verschiedenen chemischen Prozessen werden nicht nur 
die Rezepte zur Bereitung aller der zahlreichen, gebruchlichen 
Bder, Platten, Papiere u. s. w. gegeben, sondern es ist auch 
jedem Abschnitt eine Zusammenstellung der bei dem betr. Ver- 
fahren mglichen Fehler nebst Angaben zu ihrer Abhilfe, sowie 
eine Belehrung ber die beste Verwerthung der vielfach durchaus 
noch brauchbaren Abflle angefgt. Zur Erleichterung der |Be- 
Stimmung der gnstigsten Expositionsdauer sind eine Anzahl von 
Zahlentabellen gegeben, deren Ntzlichkeit zu prfen eine lngere 
Erfahrung erfordern wrde. Doch darf man wohl gerade hierin 
den Lehren des Autors, die off'enbar den Niederschlag aus einer 
umfangreichen Praxis darstellen, festes Vertrauen entgegenbringen. 
Der Inhalt des reich illustrirten dritten Bandes ist ein 
ausserordeutlich reicher. Auf die Besprechung der Aufnahmen 
von Landschaften, Architekturen, Interieurs, Personen, Kunst- 
werken folgt eine Darstellung der mannigfachen wissenschaftlichen 
Anwendungen der Photographie in ihren wichtigsten Ergebnissen. 
Der Leser gewinnt einen Einblick in die sog. Photogrammetrie 
oder Bildmesskunst, die fr Geographen von hoher Bedeutung ist. 
er erfhrt von dem grossen Nutzen, welchen die Photographie 
der Rechtspflege gewhrt; die Anwendungen der Photographie 



in Phvsik, Astronomie und Meteorologie, Aeronautik und Natur- 
beschreibung werden in knapper Form, aber doch mit erfreulicher 
Vollstndigkeit vorgefhrt. Dieser abwechslungsreiche Inhalt 
wird sicherlich jedem Leser eine hochinteressante Lektre bieten 
und eine richtige Wrdigung der Bedeutung der Photographie 
fr die heutige Civilisation ermglichen. Kbr. 



Ornithologische Monatsberichte betitelt sich eine neue, von 
Dr. Ant. Reich enow herausgegebene Zeitschrift, deren erste 
Nummer im Januar erschienen ist. Der Preis des Jahrgangs be- 
trgt 6 Mk. Den Verlag hat R. Friedlnder & Sohn in Berlin 
bernommen. Die neue Zeitschrift will ber alle Vorgnge auf 
dem Gebiete der Vogelkunde, insbesondere ausfhrlich und schnell 
ber die neu erscheinende Litteratur berichten, eine schnelle 
Verfi'entlichung neuer Beobachtungen und Untersuchungen in 
Form kurzer Artikel ermglichen und den Verkehr unter den 
Ornithologen vermitteln, somit die bestehenden, in lngeren 
Zwischenrumen erscheinenden ornithologischen Zeitschrifteu er- 
gnzen. 

Die incl. einiger Inserate 20 S. in Octav umfassende No. 1 
enthlt: W. Hartwig, Der Girlitz (Serinus hortulanus Koch), 
seine gegenwrtige Verbreitung in Mittel- und Norddeutschland 
und sein allmliges Vordringen polwrts; A. v. Homeyer, Neu- 
Vorpommern und Rgen vor 50 Jahren und jetzt; Ad. Walter, 
Sonderbarer Nistplatz einer Amsel; H. v. Berlepsch, Diagnosen 
neuer sdamerikanischer Vogelarten; A. B. Meyer und L. W. 
Wiglesworth, Leucotreron Fischeri meridionalis nov. subsp. 
Ferner Notizen, Litteratur, Nachrichten und einen Verkehr" 
berschriebenen Abschnitt, der dazu bestimmt ist, den persn- 
lichen Verkehr unter den Ornithologen zu vermitteln. 



Heerwagen, F., Ueber eine neue Methode zur Messung der Die- 
lectricittsconstanten von Flssigkeiten. Dorpat. 1 M. 

Hertwig, O., Aeltere und neuere Entwickelungs-Theorien. Rede. 
Berlin. 1 M. 

. , Iiie Zelle und. die Gewebe. Jena. 8 M. 

Hoffmann, F. A., Lehrbuch der Constitutionskrankbeiten. Stutt- 
gart. 10 M. 

Hofmann, E. R. v., Lehrbuch der gerichtlichen Medecin. Wien 
10 M. 

Kafka, J., Untersuchungen ber die Fauna der Gewsser Bhmens. 
II. Die Fauna der bhmischen Teiche. Prag. 2,40 M. 

Karte geologische, von Preussen und den Thringischen Staaten. 
1 : 25,1 iOO. Grad-Abth. 70, Nr. IT. Stadt lim. 18 Stadt Remda. 

23. Knigsee. 24, Schwai-zbui-g. 29. Gross-Breitenbach. 

30. Grfenthal. Berlin, 2 M. 

Kayser, H., u. C. Runge, Ueber die Spectren der Elemente. 
Berlin. 2 M. 

Knorre, V., Ueber ein neues mikrometrisches Beobachtungsver- 
fahren. Berlin. 

. , Doppelstern-Beobachtungen. Ebd. 

Kohl, F. F., Neue Hymenopterenformen. Wien. 4 M. 

Kolbe, B., Einfhrung in die Elektricittslehre. Berlin. 3,20 M. 

Koebel, K., Beitrge zur Kenntniss der Crustaceen der Canarischen 
Inseln. Wien. 1,60 .AI. 

. . Ein neuer ostasiatischer Flusskrebs. Leipzig. 0,50 M. 

Koenen, A. von. Das norddeutsche Unter-Oligocn und seine 
AIoUuskeu-Fauna. Berlin. 

Koepert, O., Der Star (Sturnus vulgaris L.) in volkswirthschaft- 
liclier und biologischer Beziehung. Altenburg. 1,80 M. 

Kraepelin, K., Die deutschen Ssswasser-Polypen. Hamburg. 
9 AI. 

Landois, L., Lehrbuch der Physiologie des Menschen einschlie.sslich 
der Histologie und mikroskopischen Anatomie. Wien. 10 M. 

Lindau, Vorstudien zu einer Pilzflora Westfalens. Mnster. 1,.')0M. 

Lohrmann, W. G., Mondkarte in 25 Sectionen und 2 Erluterungs- 
tafeln. Leipzig. 25 M. 

Messtischbltter des Preussischen Staates. 1 : 25,000. Nr. 923. 
Langwarden. 967. Labes. 1019. Eckwarden. 1410. Dlitz. 

1412. Selluow. 1491. Grauow. 1493. Bernsee. 1845. 
Sonnenburg. 2193. Unruhstadt. 2268. Storchnest. Berlin. 
k 1 M. 

Meynert, Th., Neue Studien ber die Associationsbndel des 

Hirnmantels. Leipzig. 1,40 M. 
Mohn, H., u. F. Nansen, AA'issenschaftliche Ergebnisse von 

F. Nansen's Durchquerung von Grnland. Gotha. 



Inhalt: Baron H. Eggers: In der Heinuith des Cacao. Realschullehrer K. Friedrichs: Kurze Darstellung einer Hypothese 
ber Sonuenflecken. (Mit Abbild.) Ueber freilebende Papageien in der Alark Brandenburg. Folliculites eine fossile 
Anacardiaceen-Gattung. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litferafur: Regel, Dr. F.: Thringen. Ein geographisches 
Handbuch. F. v. Tafel: A'ergleichende Alorphologie der Pilze. G. Pizzighelli: Handbuch der Photographie. Orni- 
thologische Monatsberichte. Liste. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potoni^, Berlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den InseratentheU: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ford. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. 



Nv. fi. 



Nalni-\vissciiscliaf'tlic'lie Wocliciiselirift. 



XI 



Dr. Robert Muencke | 

Luisi'iistr. 58. BERLIN NW. Liiiseiistr. 58. 



Tecliiiisches Institut fr Aufertigaiio; wisseiiscliaftliclier Appara:e*j 
J und fierthschaften im Gesamintgebiete der Naturwissenschattcii. * 




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Kfer und Schmetterlinge. 
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l ntcrricht iu Nahrungsmittel-, 

sowie Harnanalyse, nKniatlicb.^ 
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V**>- vi^^"^"^^ Redaktion: f Dr. H. Potonie. 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. Sonntag, den 


12. 


Februar 1893. 


Nr. 7. 


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ger <^nellenanj>;abc gestattet. 



Die Geologie, eine Lehrmeisterin des 19. Jahriiunderts. 



Von Dr. Georg Meyer, 



Geognosie und Geologie*) wurden geboren im .Jahre 
1780, in welclicm der berhmte Werner an der Bergakade- 
mie zu Freiberg in Sachsen zum ersten Male Vortrge 
ber Geoguosie" oder Gebirgskunde hielt, whrend diese 
bis dahin zusammen mit der Mineralogie vorgetragen 
wurde. Werner war der erste, welcher erkannte, dass 
die Erdfeste aus bcrcinanderlageniden Schichten zu- 
sammengesetzt sei, von denen jede einem besonderen 
Zeitabschnitt in der Erdgeschichte entsprche, indem die 
untersten die ltesten, die obersten die letztgebildeten seien. 
Indem er nun von der irrthmlichen Ansicht ausging, dass 
alle diese Gesteine und Erdschichten aus Wasser abge- 
lagert sein, wurde er Begrnder der sogenannten nep- 
tunischen Schule", welche sofort eifrig von der soge- 
nannten plutonischen" liekmpft wurde. Diese hatte in 
dem Schotten Hutton ihren llauptvertreter und gab fr 
einen Theil der Gesteine eine Entstehung aus Wasser zu; 
nahm jedoch fr eine grosse Menge von Gesteinen, be- 
sonders fr Basalte und Trachyte, eine Erstarrung aus 
gluthflssigem Schmelzfluss, also eine plutoniseiie und \v\- 
canische Entstehung an. Dieser Kampf beider Schulen 
ist jetzt vollstndig erloschen. Whrend es noch vor eini- 
gen Jahrzehnten einzelne Anhnger des Neptunismus gab, 
drfte jetzt kein ernster Geologe mehr an der iilutonischen 
oder vulcanischeu Entstehung der meisten krystalliniselien 
Massengesteine wie .'"lycnit, l'orphj-r, Basalt und Tracliyt 
zweifeln. 

Einen grossen Fortschritt machte die Geologie als 
Cuvier und Lamarck am Anfang dieses Jahrhunderts er- 
kannten, dass die Versteinerungen von wirklich ausge- 
storbenen Thieren herstammten, und als Schlotheim in 
Deutschland zum ersten Mal darauf hinwies, dass die 
Versteinerungen fr gleichaltrige Schichten im Allgemeinen 



*) Geognosie begreift die Wissenschaft von der Erdfeste, 
Geologie im engeren Sinne die Geschichte des ganzen 
Erdballes. 



dieselben, fr verschiedenartige indessen verschieden seien, 
und dass man also mit ihrer Hilfe die lteren Ablage- 
rungen von den jngeren ' Unterscheiden und die zu- 
sammengehrenden erkennen knne. Dadurch erhielten 
die Versteinerungen fr die Geologie einen hervorragenden 
Werth, whrend sie in den vergangenen Jahrhunderten 
von den meisten Forschern, mit wenigen das Richtige 
ahnenden Ausnahmen, entweder fr Naturspiele gehalten 
wurden, oder sogar fr nicht zu vollstndiger Entwicklung 
gelaugten Samen noch in den Tiefen des Oceans lebender 
Thiere, welcher durch das die Erdfestc durchtrnkende 
Meerwasser in die Erdschichten hineingelangt sein sollte ! 

Charles Lyell bezeichnet dann den nchsten grossen 
Fortschritt in unserer Wissenschaft, indem er darthat, 
dass die Vernderungen der Erde nicht auf verschiedene, 
den ganzen Erdkrper in Mitleidenschaft ziehende grosse 
^ Katastrophen, Ueberschwemmungen, Sintfluthen etc. zu- 
rckzufhren seien, sondern dass das allmlige Wirken der 
noch jetzt in Luft, Wasser und Erdfeste thtigen Krfte 
im Lauf von unermesslichen Zeitrumen diese Umge- 
staltungen hervorgerufen habe, und dass besonders die 
Vernderung' in dem Eiuschluss' von Versteinerungen 
auf einen ganz allmligen Artenwechsel zurckzufhren 
sei. Durch die Lehre Darwins von der natrlichen Zch- 
tung der Thier- und PHanzeuarten in dem Wettkampf um 
das Dasein wurde fr diesen vtui Lyell erkannten, all- 
mligen Artenwechsel eine naturgemsse Erklrung ge- 
liefert. 

Durch das Licht dieser Erkenntniss war aber am 
Baume der Geologie ein Same, ein ,,rollenstaub", zur 
Reife gebracht, welcher den erstercn verliess und sich 
befruchtend auf zwei anderen Bumen niederliess, auf 
denen der Zoologie und Botanik. Die Palontologie oder 
Versteinerungskuude wurde von nun an um ihrer selbst 
willen ge|)flegt, als ein selbststndiger Zweig der Thier- 
und Pflanzenkunde, als die Entwicklungsgeschichte des 



62 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 7. 



Thier- und Pflanzenreichs, den Gesiclitslireis und die An- 
schauungsweise dieser Forschungsgebiete in grossartiger 
Weise erweiternd und vertiefend, whrend sie bisher nur 
als Hilfsmittel der Geologie zur Bestimmung des Alters- 
unterschiedes oder der Zusammengehrigkeit der Gebirgs- 
scliichten betrachtet wurde. Und whrend die Thier- und 
l'flanzenkunde, nebst Anatomie, Zootomie etc. bisher nur 
in verstndnissloser Weise die lebende Schpfung in ihrem 
Forschungskreis bercksichtigten, senkte sich jetzt ihr 
Blick in die uuermesslichen Tiefen der Vergangenheit. 
Das grossartige zeitliche Denken, welches bisher nur der 
Geologie eigen war, wurde bertragen auf die Thier- und 
Pflanzenkunde. Alle die Sttzeu, welche die ver- 
gleichende Anatomie und Emluyologie der Darwinschen 
Theorie fr die allmlige Umnderung der niederen 
Thiere und Pflanzen zu hheren bieten, wrden in Nichts 
zusammenfallen, wenn die palontologisehen Erfahrungen 
den geringsten Wider.sprueh erhben. Die Palontologie 
des Thierreichs zeigt aber in der That, dass in den l- 
testen versteinerungsfhrenden Scliichten nur niedere Thiere, 
wie Muscheln und Krebse vorkonnnen, in den nchst 
jngeren erscheinen Itereits niedrigstehende Fische, zum 
Theil unsern Haifischen hnlieh, zum Theil von ganz 
abenteuerlicher Gestalt. Es folgen dann die ersten Am- 
phibien, dann Reptilien und auch die ersten unvollkommen 
organisirten Beutelthiere als Vertreter der Sugethiere, 
auch Vgel stellen sieh ein, und die Fische sind den jetzt 
lebenden schon sehr hnlich geworden. Erst in verhlt- 
nissmssig neuerer Zeit treten die hheren Sugethiere 
auf, und zum Schluss, da die Erde schon dem heutigen 
Zustand nahe ist, erseheint der Mensch. 

In ein gewisses Dunkel ist noch die Geschichte des 
Pflanzenreichs gehllt. Ihre Entwicklung beginnt eben- 
falls mit ganz einfachen Formen, Zellenpflanzen; es finden 
sich Seetange in den ltesten Erdschichten. In den 
nehstjugern treten dann die hher stehenden Gefss- 
cryptogamen, z. B. riesige Schachtelhalme, Farrenbume, 
Brlappflanzen, z. B. Sigillarien, auf, um in der folgenden, 
der Steinkohlenperiode, das Material zu den mchtigen Ver- 
kohlungsproducten zu liefern, welche heute unsere Zimmer 
und Maschinen heizen. Bald treten die ersten Nadel- 
hlzer auf und Cycadeeu oder Sagopalmen, welche den 
Uebergang zu den hher stehenden Pflanzen bilden. 
Phitzlich tritt ohne jede Vermittelung der Formkreis der 
hheren Blthenpflanzen auf dem Schauplatz des orga- 
nischen Lebens auf. Wo kamen sie her, wo hal)en sich 
die einfachen Palmen u. s. w. zu dieser Vollkommenheit 
umgewandelt? Diese der Darwinschen Theorie scheinbar 
widersprechende, fr die Annahme eines pltzlichen 
Schpfuugsaktes dagegen gnstigen Unkenntniss kann nur 
durch geologische Forschungen beseitigt werden. 

Wodurch finden ferner die an sich oft ganz unver- 
stndlichen Erscheinungen der Thier- und Pflanzengeogra- 
pliic ihre Erklrung, wenn nicht durch Zuhilfenahme einer 
geologischen Betrachtungsweise? Die Thatsache, dass 
Grossbritannien dasselbe Thierleben besitzt, wie das euro- 
pische Festland, trotz des trennenden Canals, kann nur 
erklrt werden durch die Annahme einer noch in der 
geologischen Gegenwart, als die heutige Thier- und 
Pflanzenwelt bereits bestand, vorhandenen Landverbiu- 
dung beider. Und in der That lehren die Untersuchungen, 
dass die gegenberliegenden englischen und franzsischen 
Ksten geognostisch ganz gleichartig gebildet sind und 
dass durch ein Sinken des Meeresspiegels von nur 50 Meter 
eine solche Verbindung hergestellt werden wrde. 

Die Erscheinung, dass die Thierformen von Sdafrika, 
Madagaskar, Ceylon und Vorderindien einander sehr hn- 
lich, besonders clurch das Vorkommen von Halbaffen oder 
Lemureu sind, wird leicht erklrt durch die Annahme 



eines ehemaligen Festlandes, welches sich von Sdafrika 
bis Indien durch den indischen Ocean erstreckt hal)c, und 
jetzt zum grssten Theil in die Tiefe gesunken wre, und 
diese Annahme wird durch die Beobachtungen an lteren 
Gebirgsschichten besttigt. Nach der, allerdings nicht 
gengend begrndeten Ansicht einiger Forseher, soll auf 
diesem versunkenen Festland, welchem man den Namen 
Lemurien gab, die Wiege des Menschengeschlechts, das 
Paradies, gestanden haben. 

Der Aufschwung, den die Kemitniss der Gesteine 
durch die Anwendung des Mikroskops um die Mitte dieses 
Jahrinmderts nahm, war nicht nur fr die Geognosie, die 
Wissenschaft von den fels- und gebirgsbildenden Gesteinen, 
sondern auch fr die nahe verwandte Mineralogie, die 
Wissenschaft von den einzelnen Mineralien, von grosser 
Tragweite. Viele Jlineralien, welche bisher als sehr selten 
angesehen wurden, wurden als mikroskopischer Gestcins- 
gemengtheil in grosser Verbreitung entdeckt. So schien 
der Leueit, ein weisser, im quadratischen System mit 24 
trapezfrmigen gleichen Flchen schn krystallisirendes 
Mineral, lange nur auf den Vesuv und den Laacher See 
in der Eifel l)eschrnkt zu sein. Neuere mikroskopische 
Gesteinsuntersuehungen haben nun ergeben, dass er ein 
sehr verbreiteter mikroskopischer Bestandtheil vieler vul- 
canischer Gesteine ist, die man Leucitgesteine genannt 
hat. A(dmliches gilt von dem Ulivin,' Nephelin I!util 
und andere. 

Ueher die Entstebungsart vieler Mineralien ist die Geo- 
gnosie ebenfalls in der Lage, der Mineralogie Aufsehluss 
zu ertheilen, so unter Anderem durch das Studium der 
sogenannten Kontacterscheinungen. Die gluthflssigen, aus 
dem Erdinnern hervorgedrungenen Lavamassen haben sehr 
oft die Gesteine, welche die Ausliruchstelle umgeben, oder 
sonst mit ihnen in Berhrung kamen, in bedeutendem 
Grade durch Hitze oder durch die alles durchdringenden 
heissen Dmpfe und Gase verndert, und besonders in 
Kalksteinen zur Bildung von vielen seltenen und schnen 
Mineralien Veranlassung gegeben. So ist das berhmte Vor- 
kommen seltener Mineralien in den losen krystallinischen 
Kalksteinblcken des vuleanischen Kaiserstuhlgebirges am 
Rhein in Baden auf eine solche Wirkung glhender Lava- 
massen zurckzufhren; bei Predazzo und am Monzoui in 
Sdtyrol haben Syenite hnliche Erscheinungen hervor- 
gerufen : Granate, Epidote, Spinelle, Flussspath und Glinnner 
sind auf diese Weise entstanden. 

Die Ciicmic hat die Aufgabe, die eheinsichen (iesetze 
zu ergrnden, ohne die natrlichen Erscheinungen speciell 
zu bercksichtigen. In deu Tiegeln und Retorten der 
Chemiker werden die Elemente gemischt und erhitzt in 
Verhltnissen, in welchen sie in der Natur oft niemals 
vorkommen. Andererseits stehen der Natur in ihrem 
Laboratorium, welches wir Welt nennen, ganz andere 
Mittel zu chemischen Arbeiten zur Verfgung als dem 
Menschen in seinem armseligen Laboratorium. Vor allem 
ist es die Zeitdauer, welche bei allen menschlichen Ver- 
suchen nur in ganz geringem Grade in Wirkung treten 
kann. Die Natur dagegen arbeitet mit Hunderten, Tau- 
senden, Millionen von Jahrtausenden. So ruft sie denn 
mit Hilfe der dem Chemiker so harmlos erscheinenden 
Kohlensure Erscheinungen hervor, wie jener sie in hn- 
licher Weise nur mit Hilfe der strksten Suren erzielen 
kann. Mit Kohlensure beladene Gewsser durchsickern 
die Gebirge und Berge, die Tiefen der Thler^ und den 
Untergrund der Gewsser auf Spalten und Klften, oder 
durchdringen als Bergfeuehtigkeit das ganze porise Ge- 
stein und zerstren im Laufe der Zeit selbst die im La- 
boratorium durch Kohlensure kaum lsliehen Verbindungen 
von Kieselsure mit Kalk, Kali, Natron, Eisen und Mangan, 
also die verschiedenen Feldspathe, Augit, Hornblende und 



Nr. 7. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



63 



Olivin. Der gemeine Kalifeldspath, ein Geniengtheil vieler 
verbreiteter Gesteine, welcher aus Kali, Thonerde, etwas 
Natron, Kalk, Eisen und Kieselsure besteht, wird auf 
diese Weise in Kaolin, die bekannte Porzellanerde, um- 
gewandelt, indem Kali und die geringen Mengen von Na- 
tron, Kalk und Eisen durch die kohlcnsurehaltigen Ge- 
wsser in kohlensaures Kali Natron Kalk und Eisen- 
oxydul verwandelt, aufgelst und mit einem Theil der 
Kieselsure weggefhrt werden, sodass nur eine Thonerde- 
Kieselsnreverbindung mit etwas Wassergehalt iilnig 
bleibt, und diese ist der schneewcisse zur Porzellanl)erci- 
tung gel>rauehte Thon oder Kaolin. Die fortgefhrte, 
schwer lsliche Kieselsure wird dann meist in nicht zu 
grosser Entfermnig wieder von den Gewssern abgesetzt, 
und so entstehen in diesen Kaolinlagern oder in ihrer 
nchsten Umgebung Kliunpcn und Gnge von Quarz, 
Chalcedon, (pal und Karneol, Mineralien, die alle aus 
reiner Kieselsure bestehen. 

Wenn uns die Geologie lehrt, dass die schwache 
Kohlensure im Stande ist, unzerstrbar erscheinende, aus- 
gedehnte Gesteinsmassen von Granit, Porphyr, 8j'enit, 
Trachyt, Phonolitii, Gnciss, Diabas, Melaphyr, Basalt zu 
zerstren und in ebenso mclitige j\Iassen weichen oder 
stellenweise weichen Materials im Lauf von langen Zeit- 
rumen umzuwandeln, so wird der Chemiker die Kohlen- 
sure mit ganz anderen Augen betrachten, als nach 



den Erfahrungen, welche er in seinem Laboratorium ge- 
macht hat. 

Die merkwrdige Erscheinung der Pseudomorphosen 
drfte gleichfalls fr die Chemie von grossem Interesse 
sein, denn diese ist oftmals nicht in der Lage, hidiche 
Verhltnisse in ihrem Laboratorium hervorzurufen und zu 
Studiren. 

Unter einer Pseudomorphose versteht man die Er- 
scheinung, dass eine jMineralsubstanz nicht in der ihr zu- 
konnnenden usseren Krystallform, sondern in einer frenulen 
auftritt. Wenn also (juarz, der gewhnlich als eine sechs- 
seitige Sule mit aufgesetzter sechsseitiger Pyramide er- 
scheint, in der Form des Kalkspath, als Riiomboeder, auf- 
tritt, so nennt man dieses eine l'seudomorjjhose von Quarz 
nach Kalkspath. Der kohlensaure Kalk (Kalkspath) ist 
in diesem Fall durch die Gewsser vollstndig fortgefhrt, 
und Kieselsure (Quarz) in die noch bestehen gebliebene 
ussere Form al)gesetzt worden; da letztere oft noch ganz 
vorzglich erhalten ist, muss man fr diese allmlige Um- 
wandlung eine sehr lange Zeitdauer annehmen. Derartige 
Erscheinungen sind nicht selten, aber in ihrer Entwickehmg 
oft schwer zu verfolgen, und der Chemiker wird staunend 
anerkennen, dass die Natur mit einfachen Mitteln in grossen 
Zeitrumen Ergebnisse hervorbringen kann, zu denen die 
Krfte des experimentirenden Menschen mit allen seinen 
knstlichen Hilfsmitteln nicht ausreichen. (Forts, folgt.) 



Die Umrisse von Asien. 

Aus Prof. Dr. Wilhelm Sievers: Asien. Eine ;illgenii;ine Landeskunde.*) 



Ol) wohl Asien etwas Wuchtiges, Massiges in seiner 
Gestalt hat, finden wir doch an seinen Umrissen eine 
nicht unbedeutende Gliederung. Was bei einer flchtigen 
Betraciitnng Asiens auf der Karte zuerst auffllt, sind die 
drei grossen sdlichen Halbinseln Arabien, Vorderindien, 
Hinterindien, ferner der Kranz v<ni Inselgruppen an der 
Ostkste, dem sich die Halbinseln Kamtschatka und Korea 
zugesellen, und endlich das aus dem Rumpfe des Con- 
tinents heraustretende Kleinasien. Sieht man aber von 
diesen Auslufern ab, so bleibt ein festgeschlossener Kern 
von gewaltigem Umfange brig, dessen Grsse es mit 
sich bringt, dass die Gliederung des Gesannntcontinents 
nicht besonders ins Gewicht fllt, zumal da auch die 
Nordkste durch die Samojeden- und Taimyrhalbiaseln 
nur wenig gegliedert ist. 

Den Rumpf des Continents begrenzt H. Wagner durch 
folgi'ude vier Linien: Im Westen von der Jugorscheu 
Strasse zwischen der Insel Waigatsch und dem Ural bis 
zur Nordwestspitze des Persischen JMeerbusens, 4450 km; 
im Norden von der Jugorschen Strasse bis zum Anadyr- 
busen sdlich des Ostcaps, 4900 km; im Osten von der 
eben genannten Bucht bis Kanton, 6.300 km; im Sden 
von Kanton bis zur Nm-dwestspitze des Persischen Busens, 
wiederum 6300 km. Auf diese AVeise bleiben fr den 
Rumjtf Asiens etwa 33 257 800 qkni brig, whrend die 
Halbinseln 8 135 000 qkm einnehmen, sich also zum Stamme 
wie 1 : 4 verhalten ; die Inseln mit Einschluss der ganzen 
malayischen Gruppe bedecken 2 697 320 qkm, die Halb- 
inseln und Inseln zusammen 10 832 320 ([km, so dass das 
Verhltniss aller Glieder zum Stamme wie 1 : 3 ist. Asien 
hat daher eine weit bessere Gliederung als Sdamerika, 
Afrika, Australien, bei welchen diese Verhltnisszahlen 
1:77, 1:47 und 1:36 lauten; auch gegenber Nord- 
amerika ist es noch gnstig gestaltet, da letzteres ein 



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15 Mk. Vergl. Bespreehung des Werkes in Bd. VII S. ii'i 



Gliedcrungsverhltniss von 1:8 hat, aber gegen Europa 
mit 1:2 bleibt es weit zurck. 

Die Kstenentwickehuig Asiens ist am schwchsten 
an der Nordkste. Hier liegen im ussersten Westen drei 
Inseln: Waigatsch und die Doppelinsel Nowaja Semlja. 
Ersteres wird vom Festlaude durch die Jugorsche Strasse, 
letzteres von Waigatsch durch die Karische Meerenge ge- 
schieden und selbst durch den Matotschkin Scharr in 
zwei ungleiche Hlften getheilt. Zwischen Nowaja Semlja 
und dem Festlande dehnt sich das Karische !\Ieer oder 
die Kara-See aus, ein wegen seiner Eisbedeckung ge- 
frchtetes Wasserbecken, dessen Befahrung jedoch nicht 
unmglich ist, wie die Fahrten der Schweden, Norweger 
und Russen nach dem Ob und Jenissei gezeigt haben. 
Im Sdosten wird die Karische See durch die Halbinsel 
der Samojeden oder Jalmal abgeschlossen, und hinter 
dieser ffnet sich der meerbusenartige, weite Mndungs- 
trichter des (b. Nur wenig stlich vom letzteren ffnet 
sich eine zweite trichterfrmige Strommndung, die des 
Jenissei, und durch Ob und Jenissei wird eine zweite 
Halbinsel gebildet, welche eines Namens entbehrt. Sie 
wird als eine Abzweigung der stlich folgenden Taimyr- 
halbinsel betrachtet, die in der gewaltigen Breite von 
800 km als nrdlichster Theil Asiens weit ins Eismeer 
vorspringt. Der usserste Punkt der Taimyrhalbinsel und 
somit Asiens ist das Cap Tscheljuskin, dessen Um- 
fahrung zu aller Zeit die grssten Schwierigkeiten ge- 
macht hat. 

Von dort an hat die flache, eisumgrtete, nnt Moosen 
und Flechten bedeckte, zum Theil der mesozoischen Zeit 
entstanmiendc Kste eine durch nur wenige Vorsin-nge 
und Buchten unterbrochene Erstreckung gegen Osten. Das 
Lenadelta springt ins Meer vor, ebenso zwischen Jana 
und Indigirka die Kste von Swjatoi Noss, vor der die 
Neusibirischen Inseln liegen. Im weiteren Verlaufe sind 
nur die Tschaunbucht mit den Ajon- Inseln, die kleinen 
Breninseln und das Wrangel-Land bemerkenswert!!, das 



64 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 7. 



im Norden zwei tiefe Ein- 
uncl der von der letzteren 
8ildlicli von ihnen springt 




durch die de Long-Strasse vom Fcstlande getrennt wird, 
und den ganzen weiteren Nordosten Asiens nimmt die 
Tschukschenhalhinsel ein, die im Ostcap nach Amerika 
hinlier deutet. Die ganze asiatische Nordkstc ist fr 
die Schiffahrt von sehr geringer Bedeutung, nur im Westen 
zeitweise eisfrei, im Osten fast stets mit Eis l)elagert und 
daher nur ein einziges Mal, von Nor(lenskjr)ld 1878/79, 
umfahren worden. 

Die Ostkste Asiens hat 
schnitte in der Anadyrlmcht 
ausgehenden Heiligenkreuzbai 

die stark vulkanische Halbinsel Kamtschatka bis 51 nach 
Sden vor und schliesst das <istliche Beringmeer von dem 
westlichen Ochotskischeu Meere ab, dessen Ksten bis 
weit in den 
Frhling hin- ^^ 

ein mit Eis be- K 
deckt und von 
kalten Mee- 
resstrmungen 
begleitet wer- 
den, die sich 
am sdlichen .^ _ 

Ausgange mit ""-- 

den listlicli 
von Kamt- 
schatka nach 
Sden lau- 
fenden kal- 
ten Meeresstr- 
mungen ver- 
einigen. Die 
OstksteKamt- 
schatkas ist 
Steilkste, die 
westliehe da- 
gegen Flach- 
kste , wie 
theilweise das 
Nordufer des 
Ochotskischeu 
Meeres, wh- 
rend die West- 
kste des letz- 
teren wieder 
Steilkste ist, 
da das Stano- 

woigel)irge hier an die Kste herantritt. An der Westseite 
des Meeres von ()chotsk liegt Sachalin, eine durch den 
Tatarensuud vom Festlande abgetrennte, wenig bekannte 
Insel, und diese fhrt uns zur nrdlichsten grossen japa 
nischen Insel Jesso oder Hokkaido hinber, 
vulkanischen Zuge der Kiu'ilen das Meer 
im Sden absperrt. 

Die nun beginnenden 363 149 qkm umfassenden 
Japanischen Inseln, vier grosse und zahlreiche kleinere, 
begleiten in einem ostwrts gesclnvungenen Bogen das 
Festland und schliesseu mit Korea, der zweiten grossen 
Halbinsel Ostasiens, das Japanische Meer ab. Dieses bis 
zu 3000 m tiefe Seel)ecken hat im Westen, wo das 
Sichota-alin-Gebirge die Kste erreicht, steile, hohe Ufer 
von geringer Gliederung, an der japanischen Seite aber 
meistens Schwemmlaudksten. Die La Perouse- Strasse 
fhrt zwischen Jesso und Saelialin aus dem Japanischen 
Meere in den offenen Ocean, dessen Tiefen hier am Rande 
der Kvu'ilen und Jessos die grssten aller bekannten Meeres- 
tiefen sind. Die OstkUsten der Japanischen Inseln sind 
in Sd- und Nordnippon wild zerrissene, vom Meere be- 
nagte Steilksten, in Jesso, Kiushiu, Shikoku und Mittel- 



nippon meist Flachksten. Zwischen Jajian, Korea, China, 
Formosa und den Liukiu-Inseln dehnt sich das Cliinesiehe 
Meer oder die Chinasee aus, im allgemeinen eine Flach- 
see von kaum 200 m Tiefe, im nrdlichen Theile als 
Gelbes Meer bekannt, da die gelben Schhunnmiassen des 
Hoanghostromes das Wasser weithin gell) frlien. Nur 
am Rande der Liukiu-Inseln senkt sich das Meer zu etwas 
grsseren Tiefen, aus denen die in hohem Grade vulkani- 
schen 3983 qkm grossen Liukiu schroff emporsteigen. 

Den grc'issten Theil der Westkste Koreas und der 
Ostkste Chinas rechnet man zu den fjordartigen Rias- 
ksten nach nordwestsjtanischem Typus, doch konnnen 
auch Strecken mit Flachksten vor, Ijesonders nrdlich 



und sdlich von 



Schantung 




^-^' 




Das Kap Tscheljuskin. (Nach Nor denskj ld.) 
(Aus Sievers' Asien. Bibliographisches Institut, Leipzig & Wien.) 



die 
von 



mit dem 
Ochotsk 



und an den Mndungen des 
Jangtsekiang 
und Hoang- 
ho sowie in 
j den Golfen 
vim Petschili 
und Liautung, 
den nrdlich 
f- sten Einbuch- 

tungen des 
Gelben Mee- 
res. Das wal- 
dige Formosa 
oder Taiwan 
mit 34550 qkm 
Areal, hat im 
Westen flache, 
im Osten hohe, 
steile Ksten, 
und zwischen 
Formosa und 
dem Festlan- 
de liindurch 
flirtdie flache 
Fokienstrasse 
nach dem tie- 
feren Sdchi- 
nesischen Mee- 
re, einem ge- 
gen die Mitte 
tiefer ^verden- 
deu Becken, 
das zwischen 
dem Festlan- 
de, Malakka, Borneo, den Philippinen und Formosa einge- 
senkt ist ; seine grsste Tiefe (4298 m) liegt aber doch nahe 
der Insel Luzon. Die sdchinesische Kste trgt fortlaufend 
den Riastypus, aber in dem grssten Theile von Hinter- 
iiidien, Tongking, der dem Golfe von Tongking \orliegen- 
den, 34 100 qkm umfassenden grossen Insel Hainan sowie 
auch auf Borneo herrscht die Flachkste vor. Nach Sden 
geht das Sdchinesische Meer in die Flachsee ber, die 
Hinterindien von Borneo, Sumatra, Java trennt und in 
ihrem sdliehen Theile Javasee genannt wird. In diese 
schiebt sieh das gewaltige Delta des JMekong immer weiter 
vor und lsst die Busenfoi'm des Golfes von Slam immer 
schrfer hervortreten. 

Die Ostasiatisehe oder Malayische Inselwelt, die den 
Grossen Ocean Aon dem Indischen trennt, umschlicsst die 
Philippinen, die Grossen imd Kleinen Sunda -Inseln, die 
Molukken und die Sulu-Inseln, im Ganzen ein Areal von 
1 995 933 qkm. Als Reste eines zerstckelten Festlandes 
erheben sie sieh zum Theil noch auf einem Sockel, wie 
z. B. Borneo, Sumatra, Java, Bali, Palawan und die Phi- 
lippinen. Tiefere Meeresstrassen durchziehen die Insel- 
welt erst stlich von Borneo, aber nur drei tiefe Meeres- 



Nr. 7. 



Naturwissenschaftliche Wochensciirift. 



o 



beckeu sind zwischen den Malayischen Inseln gelegen: 
die Bandasee zwischen Ceram, Buni und Wetter mit 7315 m 
MaxiniaUiefe westlich von den Ivieincii ISanda- Inseln, die 
(elehessee mit 5013 ni Tiefe zwischen (Jelebes und Min- 
danao, der sdlichsten der Philippinen, und die Suhisee 
zwischen Hornco, Falawan, den Philippinen und den 8ulu- 
Inseln mit 4G3 m Tiefe; eine sehr viel geringere, aber 
immer noch betrchtliche Tiefe hat die Floressee, nfird- 
licli Min Florcs, mit 3090 m. Die Sundasee ist der siid- 
westiiclie Auslufer der Paudasee. Eine andere tiefe 
Meeresstrasse zieht von der (lelebessee siidlicii als IMang- 
kassarstrasse zwischen Cclebes und Borneo iiindureh und 
setzt sich in der Lombokstrasse zwischen Lombok und 



Malayischen Inseln hinaus in den Indischen Ocean: die 
berhmte Sundastrasse mit der \'nlkaninsel Krakatau 
zwischen Java und Sumatra und die ebenso bekannte 
Strasse von Malakka mit der englischen Insel Singapur 
zwischen Sumatra und der Halbinsel Malakka. 

Die Halbinsel Malakka oder die Malayische Halb- 
insel, 236 770 ([km gross, ist der sdlichste Auslufer der 
grossen Halbinsel Hinterindien, die von den aus dem 
breiten Rumpfe Asiens heraustretenden Gebirgen gebildet 
wird und 2 12(3 450 (|kin gross ist. Da die einzelnen Ge- 
birgsketten fclierf('irmig auslaufen, so bilden sieh mehrere 
Buchten an der Kste, unter denen wir die von Tong- 
king und die von Slam bereits kennen gelernt haben. 



Bali fort, der von Wallace angenommenen Grenze zwischen I Dazu tritt au der Westseite noch der Busen von Peg-u, 



den asiatischen 
und australi- 
schen Thier- 
formen. Eine 
dritte tiefe 
Strasse schei- 
det die Mo- 
lukken von Ce- 
ram und Buru, 
eine vierte 
trennt Timor 
von Flores. 

Die sdliche 
Reihe der Ma 
layischen In- 
seln wird von 
Sumatra , Ja- 
va, Bali, Lom- 
bok, Sumba- 
wa, Floresund 
kleineren ge- 
bildet und ist 
bis gegen Ce- 
ram zu verfol- 
gen. Sie alle 
sind von terti- 
ren Scliicliten 
und Vulkanen 
erfllt und 
schliessen sich 
im Sden au 
Sumba, das 
isolirte Timor, 










Die Sundastrasse mit der Insel Krakatau. (Nach Verbeek.) 
(Aus Sievers' Asien. Bibliof;Taphisclies Institut, Leipzig tfc Wien.) 



im Grunde ge- 
nommen eben- 
sogut ein Meer 
wie tlas Gel- 
be Meer, und 
ber 2000 m 
tief, welcher 
im Westen 
durch die nur 
schwach vul- 
kanische Rei- 
he der Anda- 
manen und Ni- 
koljai'en abge- 
schlossenwird, 
die wohl auf 
dem vei'sunke- 
nen Auslufer 
des Gebirges 
von Arakan 
stehen. 

Die Ksten 
Hinterindiens 
sind meist 
Schwemm- 
landsgebilde 
wie auch ihre 
westliche Fort- 
setzung , die 
Ostkste von 
Vorderindien. 
Diese berhm- 
teste Halbin- 



die Tenimber- (Timorlaut-) Inseln und die Kei-Gnippe | sei Asiens hat ungefhr dieselbe Grsse wie Hinterindien, 



an. Nrdlich von diesen Zgen erlieben sich die aus 
lteren Gesteinen, tertiren Anlagerungen und Ksten- 
sehwemmiand gebildeten grossen Inseln Borneo und Gelebes 
sowie Buru, Ceram und Amboina. Von Borneo, der zweit- 
grssten Insel der Erde, fhren zwei Landbrcken, im 
Norden die lauge Insel Palawan, im Sden die Sulu- 
Inseln, nach den Piiilippinen hinber, deren Grup))e, sehr 
vulkanisch und ungemein zerrissen, aus den grossen Inseln 
Luzon im Norden, Miudanao im Sden, Mindoro, Panay, 
Negro, Zebu, Bohol, Leyte, Samar n. a. in der Mitte be- 
steht. Von den Piiilippinen leiten die Sangirinsein nach 
Celebes, die Talaut-Inseln zu den gewrzreiclien iMoinkken, 
deren wichtigste die kleinen westlichen, Ternate, Tidor, 
Bat Jan, die Heimath der Gewrznelken, sind. Die grsste 
Molnkkcninsei, Halmahera, ist aber dadurch sehr be- 
merkenswerth, dass sie in ihrer Gestalt die sonderbaren 
Formen von Celebes wiederholt. Sumatra wird au der 
Sdwestkste von einer Reihe kleiner Eilande, im Nord- 
osten von den Zinninseln Banka und Biliiton, Java im 
Nordosten von Madura begleitet, und in diesen westliehen 
Meerestheilen fhren zwei Ausgnge aus dem Gewirre der 



ist aber viel weniger gegliedert. In Gestalt eines Dreiecks 
springt sie mit der Spitze nach Sden bis 8 nrirdl. Breite 
vor und schliesst mit Hinterindien den nrdlichsten Tlieil 
des Indischen Oceans ab, der, nur wenig ber 1000 m tief, 
hier den Namen Meerbusen von Bengalen fhrt. In ihn 
tragen der Ganges und Brahmaputra in ihrem vereinigten 
Delta ihre Schlannnmassen, whrend lngs der Haeiien, 
sandigen Koromaudelkste die Brandung, Surf, aufs hef- 
tigste wthet. Vor der Sdspitze Vorderindiens ist die 
65 693 qkm grosse Insel Ce3'lon gelagert, deren Verbindung 
mit dem Festlande, wie es scheint, mehrfach zerstrt 
und wiederhergestellt worden ist und jetzt mittels zahl- 
reiclier unter dem Namen der .Vdamshrcke bekannter 
Sandbnke nach Vorderindien fuhrt. Die Malabar ge- 
nannte Sdwestkste Vorderindiens ist im Gegensatz zur 
Ostkste steil, hoch unil daher hafenreieh, da die 
Cardamum-, Nilgiri- und Westghatsgebirge hier dicht an 
die Kste heranreichen, whrend das Tafelland auf der 
Ostseite weit von ihr entfernt endet, ^'on Goa an nord- 
wrts behlt die nunmehr Konkan genannte Kste den- 
selben Charakter bei. Von dem zwischen der llalbinse 



66 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 7. 



flutscherat und der Gegend von Daman einsjirin;euden 
(Jolf von Kambay an beginnt aber eine sumpfige Flach- 
kste, und besonders der grosse Erdfall des Run of 
Katch hat einen gewaltigen Sumpf erzeugt, vor dem die 
zur Insel gewordene cliemalige Katchhalbinscl liegt. Das 
Delta des Indus hat natrlich auch viel Sumpfland, aber 
gut ist der folgende, am Ende des Grenzgebirges zwi- 
schen Indien und Belutschistan gelegene Hafen Karatschi. 
Vor der Malabarkste liegen im Sdwesten die Lakka- 
diven und Malediven, niedrige Koralleninseln, die ihre 
sdliche Fortsetzung im Tschagosarchipel besitzen und 
damit nach Madagaskar hinberdeuten, wohin vielleicht 
in frher Zeit eine Laudbrcke reichte. 

Wir nhern uns nun den durch die Geschichte des 
Alterthums frh berhmt gewordenen Ksten Vorderasiens 
und betreten zunchst die flache Strandebene, die sich 
am Fusse des Iranischen Hochlandes zwischen diesem und 
dem Meere ausbreitet. Germesir, das heisse Land, ist sie 
genannt und rechtfertigt diesen Namen vollkommen; ihre 
wenigen Hfen haben geringe Bedeutung, da das Hinter- 
land schwer zugnglich ist. Die Kste, an der entlang 
Alexanders des Grossen Flotte nach Indien fuhr, bildet 
die Nordgrenze des Meerbusens von Arabien, welcher sich 
zwischen dieser llalliinsel und Indien ausdehnt. Das 2000 
bis 4600 m tiefe arabische Meer entsendet zwei Auslufer 
nach Nordwesten, deren stlicher, als Persischer Golf be- 
kannt, an der Grenze der grossen Faltungsgebirge Per- 
siens gegen die flachen Hochlnder Arabiens liegt, whrend 
der westliche, das Rothc Meer, in die grosse afrikanisch- 
arabische Wstentafel eingebrochen ist. Beide haben be- 
sondere Vormecre, ersterer den Golf von Oman, letzterer 
den von Aden, von denen die Hauptmeere durch vor- 
springende Auslufer Arabiens bis auf schmale Strassen 
abgesperrt werden. Zwischen dem Persischen Golfe und 
dem Golfe von (mau liegt die Strasse von Ormus mit 
den Inseln Tawilah und Ormus, zwischen dem Rothen 
Meere und dem Golfe von Aden die Strasse von Bab el- 
Mandeb, das Thrnenthor, mit der Insel Perim. Ent- 
sprechend der verschiedenartigen Entstehung der beiden 
Meere verhalten sich auch die Tiefen abweichend, denn 
der Boden des Persischen Golfes steigt vom Ausgang zur 
Nordwestecke an und sinkt nicht unter 200 m herab; das 
Rothe Meer dagegen ist ein tiefer, trogartiger Kessel mit 
2270 m Maximaltiefe in der Mitte. 

Die Nordostkste des Persischen Golfes ist abwechselnd 
Steil- mid Flachkste. Im nordwestlichen Winkel mnden 
die Zwillingsstrrime Euphrat und Tigris in gemeinsamer 
Mndung als Schaft el-Arab. Zwischen dem Persischen 
Golfe und dem Rothen ]\Ieere erhebt sieh steil aus dem 
Meere die Halbinsel Araltien, 2 730 000 (ikm gross, die 
grsste der drei sdlichen ^'orsprnge Asiens. Ihre Steil- 
ksten sind am ausgedehntesten im Osten an der Kste 
von Oman und El-Hasa, und im Sdosten auf der ganzen 
Linie von Maskat bis Aden, wogegen Schwemmland be- 
sonders im Sden des Persischen Busens zwischen der 
Insel Bahrein und dem Cap Mesandum sich findet. Auch 
die Westkste ist im Norden Steilkste, im Sden flache 
Korallenkste. 

Zwei kleine zipfelartige Busen beenden das Rothe 
Meer im Norden: der \()n Akalia, welcher in seiner Fort- 
setzung die Jordanthalspalte enthlt, und der Golf von 
Sues; zwischen beiden liegt die 2836 m hohe, 59 000 iikm 
grosse Sinaihalbinsel. Vom Golfe von Sues fhrt der 
1869 vollendete Suescanal nach dem Mittelmeere, indem 



er die alten Bitterseen, den Timsahsee, den Ballahsee 
und den am Nildelta liegenden Mensalehsee benutzt und 
bei Port Said ins Mittelmeer tritt. Er darf jetzt als 
Grenze zwischen Asien und Afrika betraciitet werden. 

Die asiatische Mittelmeerkste ist in iin-en verschie- 
denen Theilen sehr verschieden gebildet. In Syrien ist 
sie flach und sandig, vom Cap Carmel an aber klippig 
und steil. Sie, die im Alterthum auch hafenreich war, 
ist jetzt durch die nordwrts laufende Kttstenstrmung 
verschlammt l)is auf den einzigen brauchbaren Hafen Beirut. 
Auch die alte Insel Tyrus ist in der Gegenwart laudfest 
geworden. Zwischen Kleinasien und Syrien sitringt der 
Busen von Iskanderun nach Nordosten ein, und an Klein- 
asiens Sdkste selbst findet sich nur an den Mndungen 
des Seihan-Dschihan und in der Bucht von Adalia Schwemm- 
land; im brigen ist siel steil, felsig, hafenreich. Achn- 
licli ist die vorliegende 9600 qkm grosse Insel Cyi)ern 
gestaltet, denn auch sie besitzt Flachkste nur an den 
Flussmudungen, besonders im Osten. Einen usserst 
zerrisseneu Charakter trgt ferner die Westkste Klein- 
asiens. Zahlreiche Golfe, der von Ko oder Djowa, von 
Mendelia, Sealanova, von Smyrna, Tschandarlyk, Edremid, 
wlben sich ins Land hinein, getrennt durch lange, ge- 
zackte Halbinseln, aber mehrere dieser Golfe werden all- 
nilig von den Kstenflssen verschlammt, so der Golf 
von Smyrna durch das Delta des Gedis oder Sarabat, 
des alten Hermus. Die vor der Kste liegende Inselwelt, 
bekannte Sttten der Geschichte des Alterthums, wie 
Rhodos, Kos, Samos, Chios, Lesbos, Tenedos und viele 
kleinere, muss als Fortsetzung der Kstengebirge aufge- 
fasst werden, die jetzt zerbrochen und zerstrt, frher in 
geschlossener Kette nach Griechenland hinberreichten. 
Meist sind sie durch hohe Sockel unter seichtem Meere 
mit dem Festlande verbunden. 

In der Landschaft Troas liegt das westlichste Cap 
Asiens, Baba genannt, dann ft'net sich der Hellespont, 
die Dardanellenstrasse, und wir gelangen in das auffallend 
(1300 m) tiefe Marmarameer, die alte Propontis, mit 
mehreren Inseln und Halbinseln imd dem Golfe von Ismid, 
endlich in den Bosporus, die Strasse von Konstantinopel, 
die zum Schwarzen Meere fhrt. Das nicht sehr salzige 
und nicht sehr tiefe (2600 m) Schwarze Meer besplt die 
Nordkste Kleinasiens. Au ihr finden wir meist Steil- 
ksten, die, obwohl wenig gegliedert, dennoch gute Hfen 
haben, wie Sinope und Trapezunt; die Vorgebirge von 
Sinope und die Deltas des Kisil Irniak (Halys) und Jeschil 
Irraak (Iris) sind fast die einzigen in die Augen fallenden 
\orspringenden Punkte an der Kste. Die Halbinsel Klein- 
asien hat in Form eines Rechtecks 506 600 qkm Areal. 

Verfolgen wir die Kste Asiens noch bis zum Asow- 
schen Meere, so bemerken wir, dass, whrend die zum 
Theil ausgezeichneten Hfen Syriens und Kleinasiens durch 
die Schuld der trkischen Regierung verschlammt und un- 
brauchl)ar geworden sind, die Russen an der Ostkste 
des Schwarzen Meeres erfolgreiche Anstrengungen zur An- 
legung guter Hfen an ungnstigen Stellen gemacht haben. 
So ist Poti, der Endimnkt der Eisenbahn von Tiflis und 
Baku, im Flachlande der Rionmndung angelegt worden, 
und die Festen Batum und Suchumkale verdanken als 
aufblhende Hafenorte ihre Bedeutung erst den Russen. 
Namentlich Basum ist ausserordentlich im Aufschwnge 
begriften. Wo aber das Kaukasusgebirge an der Kste 
hinstreicht, ist die letztere steil, unwirthlich und wegen 
unzugnglicher Hinterlnder wenig werthvoll. 



Nr. 7. 



Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. 



07 



Das Ende der Caimstatt-Rasse. Trotzdem es 
fr die meisten deutschen Antliropulogen scliou lngst 
als ausgemachte Sache gilt, dass der Schdel von Cann- 
statt nicht diluvialen Alters ist, sowie dass der Neander- 
thalschdcl abgesehen davon, dass sein hohes Alter gleich- 
falls unerwiesen dasteht eine pathologische Erscheinung 
ist, macht sich das J'hantasiegebilde einer Cannstattrassc 
noch vielfach in der anthropologischen Litteratur geltend. 
Bei Gelegenheit der letzten (XXIII.) allgemeinen Ver- 
sammlung der deutschen anthropologischen (xcsellschaft 
zu Ulm wurde diese Frage, da sie iur die Vorgeschiciite 
Wrttembergs ein speciciles Interesse besitzt, noch ein- 
mal vor das Forum der wissenschaftlichen Welt gebracht 
und die C'annstatt-Kasse von diesem aus, hoffentlich end- 
gltig, zu (irabe getragen. 

Die Wichtigkeit der Sache veranlasst uns, unsere Leser 
mit den hierbei maassgebend gewesenen Grnden ein- 
gebender vertraut zu maclien als <las in dem Bericht ber den 
genannten Oongrcss in der ..Naturw. VVochenschr.'- Bd. All 
S. 387 geschehen ist. Bekanntlich haben der der For- 
schung erst krzlich entrissene bedeutende Pariser Anthro- 
pologe Quatrefages und sein Landsmann Hamy in ihrem 
Werke ,,(!rania ethnica" (1872 1882) drei europische Ur- 
rassen unterscheiden zu mssen geglaubt: die von Cannstatt, 
(mit langem, niederen Schdel, niittelgross, eskimo- oder 
australncgerartig), die von Cro-Magnon (langkpfig, hoch- 
gewachsen, den Guanchen und Kabylen hnlich )"und die 
von Furfooz (mittelkpfig oder kurzkpfig klein, den Lappen 
hnlich). Gegen diese Eintheilung sind mancherlei Be- 
denken geltend gemacht worden, die zu dem Satze be- 
rechtigen, dass dieselbe heutzutage ein l)erwundener 
Standpunkt ist. 

Quatrefages basirte seine Behauptung von der Exi- 
stenz der Canstattrasse vorzglich auf zwei Schdelreste, 
die diluvialen Alters sein sollten, die Schdeldecken von 
Cannstatt (bei Stuttgart in Wrttemberg) und von Neander- 
thal (zwischen Elberfeld und Dsseldorf). Sehen wir zu, 
was es mit diesen fr eine Bewandtniss hat. 

Im Jahre 1700 wurde im Nordosten von Canstatt, 
gegenber der Uft'kirche, unter einem Tuffsteinfelsen, auf 
dem sich noch eine sechseckige Ummauerung befand, 
in dem Thon, auf dem der Tufi' ruht, ein Mamnmthzahn 
gefunden, der weitere Nachgral)ungen an dieser Stelle 
zur Folge hatte. Dieselben frderten eine ganze Reihe 
von Thierknochen zu Tage, die mit Recht dem Zeitalter 
des Mammuth angehren, aber keine menschlichen Knochen- 
reste, wie ausdrcklich bemerkt wird, trotzdem man 
eifrig bemht war, solche zu finden. In der Nhe dieser 
Mauer stiess man spter dann auf rmische Thonscherben, 
sowie auf ein grosses Grberfeld aus der Frankenzeit, 
wobei man berdies die Thatsache feststellte, dass diese 
Reihengrber unterhalb der Mammuthschicht, wenngleich 
ganz in ihrer Nhe lagen. Ueber die Provenienz des 
fraglichen Schdelstckes nun, auf das sich Quatrefages 
beruft, ist nichts Nheres bekannt geworden. Dasselbe 
lag seinerzeit in den Sammlungen des Naturaliencabinets 
zu Stuttgart in einer Schachtel verwahrt, zusammen mit 
(Jefssen von ausgesprochen rmischer Arbeit und der 
kurzen Bemerkung, die (iefsse seien am 6. October 1700 
bei Cannstatt ausgegraben worden. Da nun dieser Zeit- 
punkt mit der Ausgrabung der Mannnuthfunde bei der 
Uft'kirche zusammenfllt, so mag es gekonnnen sein, dass 
Professor Gustav Jger in Stuttgart denselben ohne 
weitere Kritik einfach zu dem diluvialen Funde stellte 
und als einen solchen beschrieb. Durch diese Notiz 
Jgers wurde Quatrefages auf dieses Schdelstck auf- 
merksam gemacht. Eine weitere Folge war die, dass er 
dasselbe als charakteristisch fr die Beschaffenheit des 
Menschen zur Mammuthzeit hinstellte. Die Geschichte 



des Schdelrestes von Cannstatt, wie wir sie soeben wieder- 
gegeben haben, beweist indessen zur Genge, dass sein 
diluviales Alter in das Reich der Fabel zu verweisen ist. 

Aehnlich verhlt es sich mit der Hirnschale des 
Neandertlialers, die zu wiederholten Malen Veranlassung 
zu Iel)hatten wissenschaftlichen Discussionen gegeben hat. 
Wie bekannt, knpft sich an dieses Schdelstck noch 
ein besonderes Interesse insofern, als man in ihm 
resp. seinem Reprsentanten das Bindeglied zwischen 
Menschen und Anthropoiden gefunden zu haben glaubte. 
Diese Hypothese wird aber durch den hchst zweifel- 
haften Ursi)rHng dieses Neanderthalschdcls illusorisch 
gemacht. Es ist njUnlieh ber ihn nichts Nheres 
bekannt geworden, ob er sannnt den dazugehrigen Ge- 
beinen dem diluvialen Lehme, der sich zur Zeit der 
grossen Sugethiere gebildet hat, entstamme oder nicht. 
Die erstere Annahme findet in verschiedenen Lehrbchern 
der Anthropologie noch ihre Vertreter. Soviel steht in- 
dessen fest, dass Schdel und Gebeine in einer Schlucht 
aufgefunden wurden, die sich zunchst an einem Bergabhange 
durch herabgekommenes Wasser gebildet hat. Wo die 
einzelnen Stcke, die verrauthlich von dem Wasser her- 
beigesplt worden sind, vordem gelegen hatten, weiss 
Niemand anzugeben. Quatrefages und seine Anhnger 
haben trotzdem diesen Schdel, der durch seine eigen- 
artige ISildung sich dem der Anthropoiden nhert, als 
Typus der Canstattrasse hingestellt. Beilutig sei hier 
bemerkt, dass diese angeblich fr ihn allein charakteristi- 
schen ^lerkmale sich vereint gleichfalls auch an Schdeln 
der Neuzeit vorfinden. Virchow, S])rengel und Andere haben 
nachgewiesen, dass die allgemeine Form des Schdels 
in der Fundgegend desselben sowohl, als besonders in 
dem alten Friesland weit verbreitet war und noch heute 
ist; Pruner-Bey hat dieselbe Schdelbildung an zwei 
Zeitgenossen beobachtet, an dem Sohne eines franz- 
sischen Marsehalls und an einem berhmten italienischen 
Arzte; Hamy selber erklrte auf dem anthropologischen 
Congresse zu Brssel, dass er auf den Strassen der Stadt 
Leute mit hnlicher Schdelbildung, wie die des Neander- 
thales gesehen habe. Uebrigens erscheint es von vorn- 
herein gewagt, an eine blosse Schdeldecke, wie die des 
Neanderthales es ist, weitere Folgerungen ber die Ge- 
sammtbeschaft'euheit des Schdels zu knpfen: man hat 
sogar seine Capacitt berechnet, den Unterschdel recon- 
struirt u. a. m. Wie Virchow hierzu richtig bemerkt, ist eine 
khne Phantasie im Stande, sich aus einer Schdeldecke 
jedwede Gesammtform aufzubauen, je nachdem dieselbe 
mehr oder weniger horizontal gehalten wird. Da die 
Herkunft des uns interessirenden Schdels eine zweifel- 
hafte ist, so erscheint es berflssig, noch weitere Argu- 
mente gegen die Berechtigung, in ihm den Typus einer 
Diluvialrasse zu erblicken, ins Feld zu fhren. 

Um indessen das Thema zu erledigen, wollen wir 
noch die Thatsache hervorheben, dass der Neanderthal- 
schdel ein pathologisches Erzeugniss ist. Virchow 
hat nmlich den Nachweiss gebracht , dass Schdel 
und Gebeine Spuren von allerlei Krankhcitsvorgngen 
aufweisen, die ziemlich weit bis in die Jugendzeit zu- 
rckzureichen scheinen. Es ist dies die Rhachitis (eng- 
lische Krankheit), ein Krankheitszustand, der das prdis- 
ponirende Moment fr eine weitere Krankheit abgab, 
welche den Neanderthaler in spterer Lebenszeit be- 
troffen hat, die Gicht (Arthritis defunnaus). Dieselbe 
besteht in einem zumeist schmerzlos einhergehenden ent- 
zndlichen Process an den Gelenken, der Verdickungen 
in denselben und Auswchse der Knochen zur Folge hat. 
Virchow hat in zahlreichen Knochen des Hhlenbren 
diese Affection, die er deshalb als Hhlengicht bezeichnet, 
in evidenter Weise nachweisen knnen, und als Ent- 



r>8 



Naturwissenscbaftlicbe Wochensclivift. 



Nr. 7. 



stehungsursache die feuchte Klte der Hhlen augeschuldigt. 
Ausserdem zeigt die Neandcrthalschdeldecke die Spuren 
einer mcclianischen Verletzung, die sie von aussen her ge- 
troiifen liat und nicht ohne Einfluss auf den Ernhrungs- 
vorgang der Kuocheuniasse geblieben ist. Ks leuchtet 
ein, dass der Schdel eines in solchem Grade durch 
Krankheit heimgesuchten Individuums nimmermehr den 
Typus fr eine Rasse abgeben kann. Das Gebude, 
welches Quatrefages und seine Anhnger durch Aufstellen 
der sogenannten Cannstattrasse so kunstvoll errichtet haben, 
fllt somit in sicli selbst zusammen. 

Es sei erlaubt, zum Schlsse die Bedenken Virchow's 
auzufUhren, die derselbe auf dem am Eingnge erwhnten 
Cougresse ans klimatischen Grnden gegen die Coexistenz 
des Mammutli und Mensehen erhoben hat. Virchow giebt 
zu bedenken, dass alle Artefaete ans dieser Zeit auch 
aus fossilen Zimen und Knoclien herzustellen sind. Er 
ist vielmehr der Ansieht, dass wir ber die Rennthier- 
fuude noch nicht hinaus sind, und- dass diese immer noch 
die ltesten bleiben, bei denen wir die Coexistenz des 
Menschen sicher constatiren knnen. G. 15uschan. 



Beitrge zur Kenntiiiss der Couifereu Luse, 

deren Biologie bekanntlich usserst schwierig zn erforschen 
und daher noch vielfach dunkel ist, und zwar insbesondere 
zur Kenntniss der Gattung Lachnus Jll. giebt N. Cho- 
lodkovsky im Zool. Anz." 1892 S. 66 u. 73. Bisher 
sind oft'enbar Formen und Geschlechter einer und der- 
selben Art als verschiedene Arten beschrieben worden, 
und die Frage, ob bei allen Lachnusarten geflgelte 
Jlnnehen vorkommen, ist noch keineswegs gelst. Auch 
Zahl und Zeit der Generationen sowie Vorkommen oder 
Fehlen von AVanderungen keimt man noch nicht sicher. 
Verf. behandelt nun genauer drei auf der Kiefer und der 
Fichte lebende Arten: Lachnus pini L. auf der Kiefer, 
imd eine Abart auf der Arve, L. pineti Fb. auf der 
Kiefer, und L. farinosus auf der lichte. Bei Allen 
kommen geflgelte Mnnchen vor, die kleiner als die 
Weibchen mit und ohne Flgel sind und lngere Fhler 
als diese haben. 

L. i)ini L. lebt auf der Rinde der Kiefer. Nach den 
in der Petersburger Umgegend angestellten Beol)achtungen 
Cholodkovsky's schlpfen die Jungen aus den schwarzen 
an Kiefernadeln angeklebten Eiern Anfangs Mai aus. Sie 
bedecken sich bald mit weissem Puderstaub und hneln 
der Rinde ausserordentlich. Im Juni waren bereits die 
jungen Triebe befallen; um ein dickes ungetigeltes 
Weibchen sassen zahlreiche kleinere kahle Thiere herum. 
Bald fanden sich unter ihnen Nymphen und kurz darauf 
auch geflgelte Individuen. Ausser den genannten Weib- 
chen beflgeln sich allmhlich alle Thiere einer Colonie 
und fliegen fort. Sie befallen benachbarte Kiefern, sam- 
meln sieh am Grunde des obersten Quirls und gebren 
hier flgellose Individuen, die sich spter abwrts am 
Baum zerstreuen. Spter fanden sieh einzelne Exemplare 
mit und ohne Flgel, deren Herkunft nicht genau zu be- 
stimmen war. Von Ende August ab bis in den Oetober 
hinein fand die Ablage der Wintereier statt, die anfangs 
gelb, spter glnzend-schwarz sind. Hierbei fanden sich 
einzelne geflgelte Mnnehen und zahlreiche grosse Weib- 
chen. Die Abart (_var. cembrae) auf der Arve ist in 
einigen Punkten verschieden. 

L. pineti Fb. lebt, dicht von weissgrauer Wolle be- 
deckt, auf den Kiefernadeln. Auch hier beginnt die Ei- 
ablage Ende August, die Eier sind wie bei L. pini ge- 
frbt, und die Jungen beginnen Ende April auszusehljifen. 
Die lebendiggebrenden geflgelten Weibchen erseheinen 
Ende Juni, die Mnnchen um den 1. September. 



L. farinosus, eine neue Art, lebt auf der Rinde 
der vorjhrigen Fichteuzweige, und zwar auf deren Unter- 
seite. Ihre reichlieh entwickelte Wolle sammt den ab- 
geworfenen Huten bepudert oft die Zweige wie nt 
weissem lAlehle. Auch hier treten im Herbst geflgelte 
JMnnehen, im Frhjalu- nngeflgelte und spter geflgelte 
vivipare Weibehen auf C. M. 



Ueber den schdlichen Einfluss von wsserigen, 
im Boden beflndliclien Lysollsungen auf die Vege- 
tation, und ber die Wirksamkeit der Lysollsungen 
als Mittel gegen parasitre rflanzenkranklieiten liat 
unser Mitarbeiter, Dr. R. Otto, im pflauzenphysiologisehen 
Institut der Kgl. Landwirthschaftlichen Hochschule Unter- 
suchungen (vergl. Zeitsehr. fr Pflanzenkrankheiten Bd. II 
S. 72 SO) angestellt. Es kam bei denselben darauf 
an, das Verhalten mehrerer Pflanzen gegen verschiedene 
concentrirte, wsserige Lysollsungen kennen zu lernen 
und zwar: 

1. den Einfluss von wsserigen Lysollsungen 
auf Pflanzen zu erforschen, wenn diese L- 
sungen vor Beginn der Cultur dem Boden ein- 
verleibt waren. 

2. Die Wirksamkeit von verschiedenen coucen- 
trirten, wsserigen Lysollsungen als Mittel gegen 
parasitre Pflanzen - Krankheiten und -Schd- 
linge zu erproben, wenn die betreffenden be- 
fallenen Pflanzen mit diesen Lsungen bestubt 
wurden. 

3. Den Einfluss der verschiedenen couceutrirten 
wsserigen Lysollsungen auf Pflanzen in un- 
gleichen Entwicklungsstadien zu erforschen, 
wenn sich die Pflanzen nach Art der so- 
genannten Wasserculturen in den Lysollsungen 
entwickelten, wobei natrlich neben dem Lysol 
auch alle anderen fr ein normales Waehsthum 
nthigen Bedingungen gegeben waren. 

Im Nachfolgenden seien die Ergebnisse der Fragen 
1 und 2 kurz mitgetheilt. 

Um den Einfluss einer wsserigen Lysollsung auf 
Pflanzen kennen zu lernen, wenn die Lsung vor P.eginn 
der Cultur dem Erdboden einverleibt ist, erschien es 
zweckmssig, zunchst nher zu untersuchen, wie sich eine 
proeentige wsserige Lysollsung hinsichtlich desPflanzen- 
wachsthums verhlt, wenn diese Lsung einmal direct dem 
Boden einverleibt wird, das andere Mal aber indirect ein- 
wirkt, indem nicht der Boden, sondern der in demselben 
zur Verwendung gekommene Dnger mit einer solchen 
Lysollsung desinticirt ist; ob in allen diesen Fllen 
nicht eine Schdigung des Pflanzen wachsthunis auf solchem 
Boden herbeigefhrt wird. 

Die Versuche wurden aus besonderen Grnden in 
grossen runden Glasschalen ohne Bodenftnung mit einem 
Innern Durchmesser von 38,5 ccm und einer Hhe von 
14 ccm angestellt. 

In die Schale A wurde zunchst eine 5 cm hohe 
Schicht gewhnlichen Pferdedungs gegeben und derselbe 
sodann mit 4 Ltr. einer 5 procentigen, wsserigen Lysol- 
lsung, entsprechend 2UU ccm conc. Lysol, gleichmssig 
durchtrnkt. Ueber diese Schicht wurde dann eine 6 cm 
hohe Lage (= 8 1 Boden) von grberen Bestandtheilen 
wie Holz , Steinen etc. vorher befreiten Gartenhumus 
gebracht. 

Die zweite Schale B war hinsichtlich des Dunges 
und Bodens genau in derselben Weise wie A. vorbereitet, 
nur fehlte hier die vorgenannte Lysollsung. 

Um zu erfahren, wie sieh ein Boden ohne Dung, di- 
rect mit Lysollsung durchtrnkt, bezglich des Gedeihens 



Nr. 7. 



Natiirwissciiscliaftliclic Wonliensclirift. 



U 



der Pflanzen im Vergieieh mit einem gewbnliclieii nicht 
gedngten und durclitriinktcn, mit Pflanzen bestandenem 
Boden verhlt, wurde in einer dritten Sehale C eine 9 cm 
hohe gleichmssige, abgesiebte Iluniusscliicht (ca. 8 1 
Boden) gebracht, und der Boden sodann mit 2 1 einer 
.0 procentigen wsserigen Lysollsnng (^= 100 ccm conc. 
L3S0I) durchtrnkt. Daneben wurde eine andere Schale 
D nur mit dem (iartenhumus, ohne Lysolliisung, sonst 
genau wie C beschickt. 

Diese vier Schalen blieben zunchst zwei Tage lang 
im Freien stehen, damit sieli der in denselben betindliche 
Boden erst etwas mit den Lysollsungen resjj. bei den 
lysolt'reienSehalen mit dem diesen vorher zugesetzten Wasser 
dnrehtrnken sollte. Dann wurde am 1. Juni der Boden 
smmtlicher vier Schalen quadrantenweis genau berein- 
stimmend mit Bohnen, Jlais, Hafer und Weizen beset, 
indem stets dafr Sorge getragen wurde, dass es den sich 
entwickelnden .jungen Pflanzen weder an Feuchtigkeit, 
noch an Licht und Wrme und sonstigen Lebensbedin- 
gungen gebrach. Die Culturen standen whrend der 
ganzen ^'ersuchsdauer im Freien, nur einige Male nuissten 
dieselben in das Kalthaus gebracht werden, um vor allzu 
starkem Regen geschtzt zu werden, da ja aus den 
Schalen kein Abfluss des bermssigen Regenwassers 
mglich war. Sonst waren die Entwieklungsbedingungen 
der Pflanzen die gleichen wie im freien Lande. 

Auf die im Original (Zeitschr. fr Pflanzenkrank- 
heiteu Bd. II S. 74 u. flg.) nher mitgetheilten einzelnen 
Beobachtungen whrend der Versuehsdauer, kann hier 
nicht ausfhrlich eingegangen werden, es sei zu diesem 
Zweck auf das Original verwiesen, hervorgehoben sei nur, 
dass in der Sehale C, wo alsct der Boden direct mit der 
Lysollsung durchtrnkt war, selbst nach 23 Tagen noch 
keine Pflanze aufgegangen war, whrend bei den brigen 
Schalen nach S 14 Tagen sich snnntliehe Pflanzen mehr 
oder weniger gut entwickelt hatten. 

Im Allgemeinen zeigten die \'ersuchc, dass das Lysol, 
wenigstens bei dieser Menge und Concentration, ein 
starkes Oift fr den Boden und somit auch fr 
die Vegetation ist, welche direct oder indirect 
mit solchen Lsungen in Berhrung kommt. 

Der Boden, welcher direct mit einer proceutigcn 
wssrigen Lysollsung inticirt war, vermochte absolut 
keine Pflanzen hervorzubringen; es war hier meist noch 
nicht einmal Keinunig eingetreten, sondern die Samen in 
diesem Boden verfait. Lysol ist also fr das 
Pflanzen wachsthum in hohem Grade schdlich, 
wenn es direct dem Boden einverleibt wird. 

Die Pflanzen in der Schale A, wo der Dnger mit 
der Lysollsung desinflcirt war, blieben in den ersten 
drei Wochen vorbergehend gegen die anderen zurck, 
sie erholten sich dann, so dass in der dritten bis sechsten 
Woche kaum ein merklicher Unterschied gegenber den 
anderen Culturen zu constatiren war. Von dann ab aber 
machte sich ein ganz auffallendes Zurckbleiben der 
Pflanzen in A Ijemerkar, welches immer mehr zunahm, 
bis schliesslich die Pflanzen ganz eingingen, whrend die 
brigen Culturen sich ganz normal weiter entwickelten 
und gute Frchte hervorbrachten. 

Also auch in diesem Falle, wenn das Lysol 
nicht zunchst direct mit den Samen und den 
jungen Keimpflanzen in Berhrung ist, wird 
mit der Zeit durch dasselbe eine Schdigung 
der Vegetation herbeigefhrt und niuss deshalb 
auch hier das Lysol als ein Gift, wenn auch 
nicht so stark wirkend, wie im ersteren Falle, 
angesehen werden. 

Um die Wirksamkeit verschieden eoneen- 
trirter wssrig-er Lysollsungen als Mitteigegen 



parasitre Pflanzenkrankheiten und -Schdlinge 
wenn die betreffenden Pflanzen mit diesen L- 
sungen bestubt werden, zu erproben, diente zu- 
nchst eine 0,25procentige Lysollsung (0,25 gr conc. 
Lysol auf 100 ccm dest. Wasser). Dieseli)c wurde mittelst 
eines sogenannten Zerstubers als ganz feiner Sprhregen 
Pflanzen (Dracaena ruba, Vicia Faba), welche von para- 
sitren Thieren stark befallen waren, aufgespritzt. 

Die Ergebnisse dieser Versuche waren im Wesent- 
lichen negativ d. h. whrend die Parasiten (weisse, 
wachsausscheidende Luse und schwarze Luse (Aphis 
viciae Kalt.j meist gar nicht von dieser Lsung behelligt 
wurden, machten sieh allnililich an den Pflanzen (Dra- 
caena rubra) besonders bi'i Anwendung einer 0,5proeen- 
tigen Lsung, bedenkliche Krankeitserscheinungen bemerk- 
bar, so dass es geboten erschien, diese Bespritzungen 
nach einiger Zelt einzustellen. Bei Anwendung einer 
2 procentigen Lsung zu dem genannten Zwecke waren 
bei Vicia Faba naeii 24 Stunden zwar die meisten Para- 
siten todt, doch waren gleichzeitig die Pflanzen sehr stark 
von der Lysollsung angegriffen. Die Bltter, welche 
von der Lysollsung g-etroffen waren, erschienen 
nach 24 Stunden an den Rndern sehr stark zu- 
sammengetrocknet und geschwrzt, gleichsam 
als ol) sie verbrannt wren. Auch die Neben- 
bltter an den Blattstielen hatten das gleiche 
Aussehen, ebenso sahen die Blthen ganz schwarz 
und versengt aus. Die Pflanzen waren nach 
dieser Behandlung berhaupt nicht mehr lebens- 
fhig. 

Es ist also auch in diesem Falle eine 2pro- 
centige wsserige Lysollosuug ein sehr starkes 
Gift fr die i'flanzen, (wenigstens fr Vicia 
Faba), welches dieselben schon in 24 Stunden 
zu Grunde zu richten vermag, ohne dass der 
erwartete Erfolg, sich der Parasiten zu er- 
ledigen, zur Zufriedenheit erreicht wird. x. 



Pltzliche Aeiiderniig im Aussehen des Kometen 
Holmes. In der am 17. .Januar abgeschlossenen Xummer 
3145 der Astronomischen Nachrichten" Ijerichtet Prof. 
Krger Folgendes: 

.,Die Centralstelle iKiel) erhielt am 16. d. M. Abends 
9 Uhr nachstehendes Telegramm aus Wien: , Komet 
Holmes soeben 7 Uhr gleicht Fixstern achter Grsse mit 
Nebelhlle von 20 Bogenseeundeu Durchmesser. Palisa.' 
Diese merkwrdige Beobachtung wurde seitens der Gesell- 
schaft sofort durch Telegramm weiter gegeben. (Ueicli 
danach klrte sich hier der Himmel fr kurze Zeit auf und 
Professor Lanip konnte die Beobachtung von Dr. Palisa 
besttigen, ohne dass indessen eine Positionsbestinnnung 
erlangt werden koinite." 

Der Komet ist brigens auch am 5. und 6. .lanuar 
von Dr. Kobold am ISzll. Refractor der Kaiserl. Uni-. 
versitts-Sternwarte in Strassburg beobachtet worden. Er 
erschien danuris als blasser Lichtfleck von zwei Bogen- 
minuten Ausdehnung, der nur schwach zu erkennen war. 
Die Beobachtung am G. war ausserdem noch durch einen 
Stern 15. Grsse, der dem Kometen nur um dreissig 
Bogenseeunden vorausging, gestrt. (irs. 



Ueher das Spectrnm des Kometen Holmes macht 
der Direetor des Potsdamer Observatoriums, Professor 
H. C. Vogel, in den ..Astronom. Nachrichten'' (No. 3142), 
vom 5. Januar d. J., folgende Mittheilung. 

Der Komet war am 13. November 1892 heller als der 
Andromedanebel, und trotzdem war es nicht mglich, mit 
einem grsseren, am llzU. Refractor angebrachten Spec- 



;o 



Naturwisscuschaftliclie Wocbcnscbrift. 



Nr. 



tralapparat mit einfachem Flintiilasprisma vou 60 
brechendem Winkel aucli nur die g-eringste Spur eines 
Spectrums zu erkennen. Spter Avurde an demselben Tage 
der Komet pbotograpbirt, und es gelang Herrn Vogel, 
mit einem an dem 9zll. Leitfernrohr des jthotographischen 
Refractors angebrachten Ocularspectroscope mit sehr 
schwacher Zerstreuung das Vorhandensein eines schwachen 
vollkommen continuiriicben Spectrums nachzuweisen. In 
diesem war indessen keine Andeutung der sonst fr die 
Kometenspectra charakteristischen Bnder wahrzunehmen, 
Das Spectruni hatte eine Ausdehnung etwa von D bis /<', 
d. i. etwa ber rund das zweite Viertel des sichtbaren Spec- 
trunis; sein Intensittsmaximum lag im Gelbgrneu. An den 
folgenden Tagen war keine Vernderung des Spectrums zu 
bemerken. Dasselbe bildet somit eine Abweichung von 
allen l)isher beobachteten Kometenspectren, in denen stets 
wenigstens das heilste, im Grn gelegene Band des Kohlen- 
wasserstoffspectrums, meist aber zwei bis drei Bnder 
dieses Spectrums sichtbar waren, welche das continuirliche 
Spectrum an Intensitt betrchtlich bertrafen. Professor 
Vogel ist der Ansicht, dass die einfachste Erklrung fr 
dieses abweichende Verhalten des Spectrums von Komet 
Holmes in der grossen Periheldistanz des letzteren zu suclien 
sein drfte. Grs. 

Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Es wurden ernannt: Der Diroctor des Museums fr Vlker- 
kunde an der Univei-sitt zu Kiel, Oberlehier Dr. Scheppig 
zum Professor. Der ausserordentliche Professor in der raedi- 
cinischen Fakultt der Universitt Berlin Dr. Gustav Fritsch 
zum Geheimen Medieinal-Rath. 

Die Mittheiluno- der Ernennung des Dr. Brieger zum Pro- 
fessor ist irrthmlieh. 

Es ist gestorben: In Bamberg der Ethnologe und vormalige 
Lyzeal-Professor Andreas Haupt. 



L i 1 1 e r a t u r. 

Adalbert Breuer. Die Logaritlimen complexer Zahlen in geo- 
metrischer Darstellung Preis O.r.O M 

._, Die goniometrischen Functionen complexer Winkel. 

Preis 1 M. 
. , Imaginre Kegelschnitte. Preis 1 M. 
. , Die einfachste Lsung des Apollinischen Tactionspro- 

blemes. l'n-is l,.')ii M. 
. , Ueber Conographie. l^reis 1 M. Verlag von Bodo Bac- 
meister. Erfurt 1892. 
In den oben genannten Scdirifteu beschftigt sich der Ver- 
fasser mit der geometrischen Darstellung der complexen Zahlen 
und mit der Bedeutung der Imaginren in der Geometrie. Ohne 
hier nher auf den Inhalt der einzelnen Schriftchen, denen Figuren- 
tafeln beigegeben sind, einzugehen, erwhnen wir nur besonders aus 
dem an letzter Stelle genannten Hefte die Beschreibung eines 
Universalconographen, d. h. eines Instrumentes, mit dessen Hilfe 
sich alle Kegelschnitte zeichnen lassen, und zwar in der Art, 
dass der Kegelschnittzirkel sich in Curven bestimmter Gestalt 
und von vorgeschriebener Grsse einstellen lsst. Daran schliesst 
sich noch die Beschreibung specieller ("'onographeu, die fr die 
besonderen Kegelschnitte (Ellipse, Hyperbel, Parabel angepasst 
sind. Inwieweit die Entwrfe zu diesen Instrumenten sowie die 
in den brigen Heften enthaltenen Ergebnisse neu oder von Werth 
sind, mag au dieser Stelle unentschieden bleiben. A. G. 



Comptes Rendus Hebdomadaires des Seances de l'acad. 
des Sciences. Band IIG, \o. 1. Paris 1893. Der Iiilialt weist 
eine eihe von Mittheiluugen auf, von denen folgende genannt 
seien: G. Le Cadet: Beobachtungen ber den Brook'schen Ko- 
meten (19. Nov. 1892) auf dem Observatorium zu Lyon. E. Ja- 
blonski: Ueber eine neue Methode der Nhrungswerthe. 
E. M erradier: Ueber das allgemeine Gesetz der Schwingungs- 
bewegung in einem isotropen Medium. Henry Bagard: Ueber 
die thermo-elektrischen Erscheinungen zwischen zwei Elektrolyten. 
Wallerant: Ueber das Alter der frhesten Aetna-Eruptionen. 
In welcher Periode die ersten Ausbrche des Aetna erfolgt sind, 
ist unbestimmt. Die ltesten bekannten vulcanischen Producte 
des Berges sind die Basalte, welche rings um seinen Fuss unter 
Strmen echter Lava, z. B. bei Palermo, la Motta, Aci Castello 
und Ileall vorkommen. Aus dem Verhalten dieser alten Basalte 
zu gewissen Thonen, z. B. auf den Cycloden-Eilanden, lsst sich 
der Schluss ziehen, dass der Aetna whrend des Plaisanciens, un- 
teren Pliocaens. bereits Schauplatz heftiger vulcanischer Thtig- 
keit war. F. K. 

Jahresbericht der geographischen Gesellschaft in Mnchen 

fr 18'JO und 1891 (14. Heftj. Herausgegeben von Dr. Eugen Ober- 
hummer. Theodor Ackermann in Mnchen 1892. Das Heft bringt 
b Abbandlungen: Siegmund Gnther, Die Entwicklung der 
Lehre vom gasfrmigen Zustand des I']rdinneru; Ernst Liuhardt, 
Ueber unterseeische Flussrinneu (mit 2 Tafeln); Friedl Martin, 
Reise nach den Battaklndern und an den Tobasee; Eugen Ober- 
hummer, Zwei handschriftliche Karten des Glareanus in der 
Mnchener Universittsbibliothek; Karl Dhinig, DerBergAthos 



Mittheilungen des Vereins fr Erdkunde zu Halle a. S. 

Zugleich * Irgan des Thringisch-Schsischen Ge.sammt-^'ereins fr 
Erdkunde 1892. Verlag von Tauseh u. Shne. Halle a. S. 1892. 
Pi'eis 5 Mk. Das vorliegende Heft bringt die folgenden Ab- 
handlungen: Anglist Mertens, Die sdliche Altmark. Albert 
Danckwortt, Die Temperaturverhltnisse Magdeburgs. Otto 
Lange, Die Temperaturverhltnisse Gardelegons. Wilhelm 
Schulte, Ibrahim ibn .Ja'qbs Reiseiinie durch die heutige Pro- 
vinz Sachsen nach Bhmen. Hermann Grssler, Fhrer 
durch das Unstrutthal von Artern bis Naumburg, I. Theil (nebst 
einer Karte und einer Tafel mit Grundrissen). Johann Kl oos, 
Die Hhleu des Harzes und ihre Ausfllungen. Karl Picard, 
Die Einwirkung der in Nord-Thringen anstehenden Gesteine auf 
die Bodengestalt iing. Hermann Tpfer, Phnologische Beob- 
achtungen in Thringen 1891 (11. Jahr). Otto Koepert, 
Phnologische Beobachtungen aus dem Ostkreise des Herzogthums 
Sachsen-Altenburg 1891 (2, eobachtungsjahr). Otto Koepert, 
Die Forstwirthsehaft im Herzogthum Sachsen-Altenburg. Willi 
Ule, Die Mansfelder Seen. Bei'icht ber die gegenwrtigen Ver- 
nderungen. 

Molien, Th., Ueber Svsteme hherer complexer Zahlen. Dorpat. 

2 M. 
Philippi, F., u, R. A. Philippi, Botanische Abhandlungen. Leipzig. 

4 M. 
PhilipiJi, E.. A., Be:uerkungen ber die Flora bei den Bdern 

von t'hillan, Berlin. 1 M. 
. . Der Guenuil der Chilenen. Leipzig, 2,.j0 M. 
Fictet, A., et H. de Saussure, Iconographie de quelques Saute- 

relles vertes. Basel, -t M. 
Phlmann, R., Mineralogische Mittheilungen. Berlin. 0,G0 M. 
Prym, F., Ueber orthogonale, involutorische und orthogonal- 

iiivnlutorische Substitutionen. Gttingen. 2,60 M, 
Rebel, H., Beitrag zur Microlepidopterenfauna des canarischen 

Archipels. Wien. 3 M. 
Rehberg, H., Neue und wenig bekannte Korallen. Hamburg. 

li. .M. 
Reiche, C, Ueb. habituelle Aehnlichkeiten generisch verschiedener 

I'Hanzen. Berlin. 0,60 M. 
Reichenbach til., H. G., Xenia orchidacea. Leipzig. 8 M. 
Richter's, V. v,, Lehrbuch der anorganischen Chemie. 7, Anfl, 

Bonn. 9 M, 



Inhalt: Georg Meyer: Die Geologie, eine Lehrmeisterin des 19. Jahrhunderts. Prof. Dr. Wilhelm Sievers: Die Umrisse von 
Asien. (Mit Abbild.) Das Ende der Cannstatt-Rasse. Beitrge zur Kenntniss der Coniferen-Luse". Ueber den schd- 
lichen Eiutluss von wsserigen, im Boden befindlichen Lysollsungen auf die Vegetation, und ber die Wirksamkeit der Lysol- 
lsungen als Mitlei gegen parasitre Pflanzenkraukheiten. Pltzliche Aenderung im Aussehen des Kometen Holmes. Ueber 
das Spectrum des Kometen Holmes. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Adalbert Breuer: Die Logarithmen 
complexer Zahlen in geometrischer Darstellung. Derselbe: Die goniometrischen Functionen complexer Winkel. Derselbe: 
Imaginre Kegelschnitte. Derselbe: Die einfachste Lsung des Ajjollinischen Tactionsproblemes. Derselbe: Ueber Cono- 
graphie, Comptes Rendus Hebdomadaires des Seances deT'acad. des Sciences. Jahresbericht der geographischen Gesell- 
schaft in Mnchen. Mittheilungen des Vereins fr Erdkunde in Halle a. S. Liste. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potoni, Berlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Vorlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein. Berlin SW. 12. 



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V*"^-^.^?*^ Redaktion: 7 Dr. H. Potonie. 
Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. 



Sonntag, den 19. Februar 1803. 



Nr. 8. 



Abonnement: Man abonnirt bei allen Bucbhandhiiigen und Post- 

anstaltcn, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3. 

Bringegeld bei der Post 15 -J extra. 



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Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 40 -. Grssere Auftrge ent- 
sprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinljunft. Inseratenannahme 
bei allen Annocenbureaux, wie bei der Expedition. 



Abdrnck ist nur mit vollsiitndiger <^nellenang;abe gestattet. 



Die Geologie, eine Lehrmeisterin des 19. Jahrhunderts. 



Durch die Spectralaiialysc, mit deren genialer Er- 
findung in der Mitte dieses Jaln'liunderts Kirclilioif und 
Bungen unser Erkenntnissvermgen in grossartiger Weise 
vergrsscrte, konnte die Astronomie iiacliwciscn, dass die 
ebeinisclien Grundstoffe, aus welclicn die leuchtenden 
Weltkrpcr, Sonne und Fixsterne zusammengesetzt sind, 
im Allgemeinen dieselben sind, welche die Erde und ihre 
Bewohner zusammensetzen. Von den ungefiihr 70 irdi- 
schen chemiseheu Grundstoffen sind z. B. 41 in der 
glhenden Sonnenatmosphiire nachgewiesen worden. Einige 
auf der Erde noch unbekannte Elemente scheinen indessen 
in der Sonne vorhanden zu sein. 

Bei dieser Forschung nach der Zusammensetzung der 
Weltkr]n'r k(mimt nun die Geognosie der Astronomie zu 
Hlfe. Die ans dem Weltraum zur Erde herniederfallenden 
Meteoriten oder Aerolithen, die theils aus reinem ge- 
diegenem Eisen, theils aus Gesteinsmasse bestehen, sind 
allem Anscheine nach Reste zersprengter Kometen, welche 
angezogen von der Erde bei dem Eintritt in ihre Atmo- 
splire durch die zusaminengei)resste Luft glhend werden 
nnd daher als U'uchtende Sternschnuppen und i\Ietcorcn 
erscheinen, um schnell zu den bekannten Meteorsteinen 
zu erkalten. Durch ihre wissenschaftliche Untersuchung, 
welcher sich die Geognosten mit Eifer unterzogen, ist es 
also mglieh, in die Natur fremder Weltkrper einen Ein- 
blick zu gewinnen. Man hat in ihnen fast ein Drittheil 
der auf der Erde bekannten Elemente nachgewiesen, und 
kein einziges bei uns unliekanntes gefunden. Eisen ist 
das verbreitetste Element in den Meteoriten, Gold, Silber, 
Platin dagegen fehlen bisher ganz, Nickel aber ist weit 
verbreiteter als auf der Erde. Auch die Art und Weise, 
in welcher diese Grundstoffe in den Meteoriten zu Mine- 
ralien, nnd diese zu Gesteinen verbunden sind, entspricht 
im Allgemeinen den Verhltnissen auf der Erde: Wir 
finden in den ersteren u. a. Augit, Glivin, Fcldsjjath, 
Quarz, Magneteisen, Graphit; einzelne Mineralien sind 



Von Dr. Georg Meyer. 
(Fortsetzung und Schluss.) 

auf der Erde noch unbekannt, so der Asmanit, eine 



leichtere und rhombisch krystallisirende Abart des (Quarzes, 
und Nickeleisen. Die Gesteine, zu welchen diese Mine- 
ralien in den Meteoriten vereinigt sind, entsprechen zum 
Theil unseren vulkanischen Olivingesteinen. 

Trotz einiger kleiner Unterschiede kommen wir also 
auch hier wie bei der spectralanalj'tischen Untersuchung 
zu dem Ergebniss, dass alle Weltkrper von einer ein- 
heitlichen Zusammensetzung sind, daher ein einheitliches 
Ganzes bilden und eine einiieitliclie Entstehungsweise 
haben mssen, wie es bei rein speculativer Forschung 
bereits Kaut behauptet hatte. 

Von ganz bcsonilerer und geradezu epochemachender 
Bedeutung sind die Ergebnisse der Geologie und Geognosie 
fr das geworden, was man gewhnlich physische Geo- 
graphie nennt. Die l'.cdeutung, welche die geologische 
Betrachtung fr die sogenannte Geographie des Thier- 
und Pflanzenreichs hat, ist bereits vorher angedeutet 
worden. Fr die physische Geographie des festen Erd- 
krpers, der Erdfeste, ist die Geognosie aber von solcher 
Bedeutung, dass das ganze Gebiet der ersteren erst durch 
sie zu dem Rang einer Wissenschaft erhol)en ist uiid ihr 
vollstndig einverleibt werden muss. Denn die orographi- 
schcn Erscheinungen, die Geliirge, Berge, Tliler, lloch- 
und Tiefebenen knnen ohne die Kcnntniss ihres inneren 
gcognostischen Baues, ohne die Kcnntniss der Beschaffen- 
heit und Lagernng der sie zusammensetzenden Gesteine 
in ihrer Gestalt und .\iisdclmung gar nicht verstanden 
werden. 

Das weite russische Flachland steht in enger ur- 
schlicher Verbindung mit den fast berall horizontal 
liegenden Erdschichten dieses Gebietes; das aus vielen 
parallelen Ketten zusammengesetzte Schweizer-Jura-Gebirgc 
findet dagegen eine F^iklrung in der Thatsaehe, dass die 
ursprnglich horizontal lagernden .Sciiielitcn der .lura- 
formation, welche dieses Gebirge zusammensetzen, durch 



72 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. S. 



einen von Sdosten her wirkenden Druck in viele pa- 
rallele Falten zusanniiengedriiekt wurden. 

Schwarzwald und Voije^en, zwei parallele Gebirge 
mit steilem Absturz nach der Innenseite, dem Kheinthale, 
mit sanfterem Abfall nach den Aussenseiten, Wiirtemberg 
und Lothringen, erscheinen bei geologischer Betrachtung 
als eine ehemals zusammenlingende Bodenanschwellung, 
welche in ihrer Lngsseite, dem jetzigen Rheintlial von 
Basel bis Heidelberg, einen Bruch erlitt, in Folge dessen 
das ganze Gebiet an dieser Stelle in die Tiefe versank 
und zur Bildung des jetzigen Rheinthaies die Veranlassung 
gab; andere, der Hauptversenkung parallele, Brche ent- 
standen an den Aussenseiten der Bodenansehwellung, an 
ihnen sanken die Gesteiusmassen in geringere Tiefe hinab, 
im Osten zu der Wrtembergischen, im Westen zu der 
Lothringischen Tafel, sodass der Schwarzwald und die 
Vogescn als isolirte Gebirge stehen blieben. Sie bilden 
also geologisch, geognostiseh oder, was daselbe ist, geo- 
graphisch ein zusammengehrendes Ganzes, wie sie ja 
seit 20 Jahren nun auch politisch in gewissem Grade ver- 
einigt sind. 

Aus diesen Bemerkungen folgt aber, dass eine Land- 
"karte, welche nur die usseren Bodenformen, die oro- 
graphisehen Verhltnisse zur Darstellung bringt, fr 
wissenschaftliche Zwecke nicht gengt, erst das geognosti- 
sche Farltenbild kann dem Beschauer eine Erklrung fr 
die Erscheinungen der Erdoberflche geben. Daher finden 
auch in fast allen civilisirten Staaten geognostische Karten- 
aufnahmen statt. Dass diese nicht nur einen wissen- 
schaftlichen Werth haben, sondern auch fr die Zwecke 
des praktischen Lebens, wie fr den Bergbau, die Land- 
wirthsehaft. Hoch- und Wegebau, Eisenbahn- und Kanal- 
bau und fr die verschiedensten Zweige der Volkswirth- 
schaft von Werth sind, beweist unter anderem der Umstand, 
dass die Vereinigten Staateu von Nordamerika, dieses 
beraus praktische Volk, allen anderen Staaten in dem 
Aufwand von Mitteln fr diese Zwegke voraus sind. 

So kommen wir auf den Einfluss, welchen die Geo- 
logie auf das Menschenleben und die Wissenschaft an ihm 
ausbt. Li Bezug auf Volkswirthschaft und Technik ist 
dieser soeben angedeutet worden. Li der sogenannten 
politischen Geographie und der Geschichte drfte ein 
solcher wohl auch nachgewiesen sein. Es ist schon oft 
hervorgehoben worden, dass die politische Zerstckelung 
Deutsehlands, sich in dem bunten geognostischen Bau 
dieses Landes wiederspiegele; das schon lange politisch 
geeinigte und vollstndig eentralisirte Frankreich ist 
geognostiseh verhltnissmssig sehr einfach zusammenge- 
setzt, indem es hauptschlich in zwei grosse Gebiete, das 
Pariser Becken neptunischer Schichten, und das krystal- 
linische Centralplateau plutonischer Gesteine zerfllt. 

Fr die Annahme einer Einwirkung des geognostischen 
Baues des Landes auf die politisclie Entwickelung seiner 
Bewohner lassen sich noch andere Tbatsachen anfhren. 
Wir verweisen indessen diejenigen, welche sich fr diese 
Frage nher interessiren, auf Bernhard von Cotta's Werk 
ber Deutschlands Boden". Es gengt hier darauf hin- 
gewiesen zu haben, dass eine geognostische und geolo- 
gische Betrachtungsweise fr manche Erscheinungen des 
gegenwrtigen und vergangenen Volkerlebeus, fr manche 
Fragen der Ethnographie und Geschichte Erklrung uud 
Antwort geben knne. Auf die sogenannte Willensfreiheit 
des .Menschen werfen diese Beziehungen ein ganz beson- 
deres Licht. 

Die Weltgeschichte stand staunend vor der von ge- 
lehrten Aegyptologen erkannten Thatsache, dass die Kultur 
Aegyptens bis zum Jahr 6000 vor Christus zurckreicht. 
Nachdem die Geologie der Frage nacli dem Alter des 



Menschengeschlechts und seiner Cultur nahe getreten ist, 
erscheinen diese Resultate der humanistischen Forschung 
in keiner Weise auffallend. 

Im Jahre 1854 wurden im Zrieiier See die ersten 
Pfahlbauten entdeckt: in den Seeboden eingerammte Pfhle, 
auf denen sich ehemals menschliche W(dinungen befunden 
haben. Heute kennt man derartige Ueberreste alter Cul- 
turen nicht nur in vielen Schweizer Seen, sondern auch 
in Nord- und Sddeutschland, in Italien. In England und 
Irland waren sie schon frher bekannt. In einem Fall 
konnte das Alter dieser Bauten aus der Hhe des sie be- 
deckenden Schlammes zu etwa 4000 Jahren berechnet 
werden. Aehuliche von Flusssehlamm bedeckte Cultur- 
reste wurden am Genfer See gefunden und besitzen nach 
geologischen Berechnungen ein Alter von etwa 6000 
Jahren. Im Nildelta hat man in einer Tiefe von 60 Fuss 
menschliche Reste gefunden; zur Ablagerung dieser 
Sehlammmasse hat aber der Nil nach geologischen Be- 
rechnungen etwa 12 000 Jahre nthig gehabt, und es ist 
durchaus denkbar, dass in noch grsserer Tiefe weitere 
Culturreste vorhanden seien. Bei New-Orleans wurde aus 
hnlichen Thatsachen fr einige Mensehenschdel ein Alter 
von 50 OOO Jahren berechnet. 

Andere Funde, besonders in Hhlen gemachte, haben 
zu der Ueberzeugung gefhrt, dass der Mensch bereits 
Zeuge jener grossen Vergletseherung Mittel-Europas ge- 
wesen ist, welche im .Sden von den Alpen, im Norden 
von Skandinavien her stattgefunden hat; in -einer Zeit als 
noch das JMamniufh, ein riesiger mit Wollpelz und einer 
Mhne versehener Elephant, der Hhlenbr und der 
Riesenhirseh unsere Gegenden belebten. Nach einigen 
Berechnungen sollen 100 000 Jahre etwa seit dieser Zeit 
verflossen sein. In Amerika ist der Mensch ebenfalls zu- 
sammen mit den ausgestorbenen diluvialen Tiiieren, dem 
Mastodon, einem Elephanten, und den Riesenfaulthieren 
gefunden worden. 



Wenn die angefhrten Zahlenangaben auch mit 
grosser Vorsicht aufgenommen werden mssen und in keiner 
Weise auf Genauigkeit Anspruch machen knnen, so steht 
doch fest, dass das Menschengeschlecht bereits seit vielen, 
vielen Jahrtausenden auf der Erde besteht. Wenn dieser 
Zeitraum auch nur ein Augenblick genannt werden muss 
im Vergleich mit der unermesslich langen Dauer pflanz- 
liehen und thierischen Lebens auf der Erde, so erscheint 
er doch als unvergleichlich gross zu den wenigen Jahrtau- 
senden der humanistischen Geschichtsforschung. Diese 
wird, wenn sie auf Wissenschaftliehkeit Anspruch erhebt, 
auch die prhistorische Zeit in ihre Betrachtung ziehen 
mssen. Wie die Sprachforschung erst zu einer Wissen- 
schaft erhoben wurde, seitdem man nach Wilhelm von 
Humboldt's Vorgang die vergleichende, naturwissenschaft- 
liche Forschungsweise eingefhrt hat; wie die von Darwin's 
Geist beseelte Palontologie der Thier- und Pflanzen- 
kunde erst zu voller AVisseuschaftlichkeit erhoben hat, und 
wie Volks- und Staatswirthsehaftslehre in der Statistik 
schon lange eine naturwissenschaftliehe Methode besitzen 
so knnen Geschichte und Ethnographie, welche bis 
jetzt in der Regel nur als Sammlung und urschliche 
Aneinanderreihung der einzelnen Ereignisse und in einer 
Wiederspiegelung der Einzelheiten des bestehenden 
Vlkerlebens bestehen, zu einer Wissenschaft erst dann 
erhoben werden, wenn sie nach Erkenntniss von allge- 
meinen, alles beherrschenden und durchdringenden natr- 
lichen Entwickelungsgesetzen streben, Thomas Buckle, 
Friedrich Ratzel, Ludwig Bchner, u. a. haben aus ver- 
schiedenen Gesichtspunkten mehr oder weniger erfolgreiche 
Versuche gemacht, als Pioniere einer solchen neuen Rich- 
tung zu wirken. 



Nr. 8. 



Naturwisscnscliaftliehe Wochensclirift. 



73 



Ssswasser- Aquarien. 

Von Hermann Lachinann. 



In No. 23, Band III, habe ich bereits Einiges ber 
die Seewasscr- Aquarien im Zimmer gesagt, da es aber 
iianicntHch fr den Hinneniands-Bewoliner mit manclierlci 
Umstnden verbunden ist, derartige Anlagen herzustellen 
und zu erhalten, so will ieh in Nachstehendem Aquarien 
behandeln, deren Herstellung, Besetzung und Pflege jedem, 
der einiges Interesse fr die Sache hat, leichter ist. 

Zu einem Ssswasser-Aquarium eignet sich jeder 
einigermaassen gerumige, durchsichtige Behlter, sobald 
er den Lebensbedrfnissen der zu haltenden Thicre ent- 
sprechend eingerichtet wird. Schon in den frhesten 
Zeiten hielt man Fische, Reptilien, Amphibien u. a. in 
mehr oder weniger primitiven Behltern gefangen, um 
selbige zu beobachten. Nach und nach wurden diese 
Beblter immer mehr den Lebensbedingungen der Tbiere 
angepasst und es entstanden so unsere Aquarien und Ter- 
rarien, in welchen wir die verschiedensten Thierc jahre- 
lang erhalten und beobachten knnen. 

Da nun das Wohlbetindeu der von uns gefangen zu 
haltenden Thierc von mancherlei Umstnden abhngig 
ist, so muss auf die Einrichtung der Behlter besonders 
Rcksicht gcnonnnen werden; wir mssen liestrebt sein, 
die Natur soviel als mglich nachzuahmen, um den Existenz- 
bedingungen und Lebensgewohnheiten der aufzunehmenden 
Thiere und PHanzen gerecht zu werden. Dies erfordert 
zwar einige Mhe und Aufmerksamkeit, lsst sich al)er 
sehr wohl durch Anwendung der uns zu Gebote stehenden 
Hilfsmittel erreichen. 

Mit der Herstellung von Aquarien i)eschftigen sich be- 
reits mehrere Fal)riken und es sind wohl in allen grsseren 
Orten Aquarien in verschiedener Form, Grsse und Aus- 
stattung zu haben. Die einfachste, aber am wenigsten 
zu empfehlende Form ist die Kelch- oder Glockenform. 
Solche Kelch aquari en sind in jeder grsseren Glas- 
waarenhandlung erhltlich, auch Kseglocken grsster 
Nununer lassen sich verwenden. Kann man einen sog. 
Schwefclsureballon aus mglichst hellem (weissem) Glas 
erhalten, so lassen sich aus solchem leicht zwei Aquarien 
herstellen, indem man den Ballon theilen lsst. Da aber 
diese Ballons sehr dnnwandig sind, zerspringen sie sehr 
leicht, was ihrer Anwendung als Aquarium hindernd im 
Wege steht. 

Die praktischsten und daher empfehlenswerthesten 
Aquarien sind die Kastenaquarien. Da hier keine ge- 
bogenen Wnde vorhanden, so zeigen sich die aufge- 
nommenen Thiere und Ptianzen in ihrer natrlichen Ge- 
stalt. Diese Kastenaquarien werden von vier-, sechs- und 
achteckiger Form angefertigt. Am meisten empfiehlt sich 
die lnglich -viereckige Form, da diese am leichtesten 
iierzustellen ist, die wenigsten Kitt- und Lthstellen auf- 
weist und daher am besten wasserdicht zu erhalten ist. 
Als (irundprincip gilt im allgemeinen auch hier, dass das 
Aquarium I)reiter als hoch ist, um eine mglichst grosse 
Wasserflche zu erzielen, auf welche die Luft gut ein- 
wirken kann. 

Geeignete Grssenverhltnisse sind folgende: 











Hhe des 




ossc 


Lnge 


Breite 


Hhe 


Wasserstandes 
etwa 


1 


100 cm 


80 cm 


80 cm 


70 cm 


y-^ rf 


2 


70 


55 


55 


47 


j^-o to z 


3 


55 


36 


36 


30 


M S n S S 


4 
5 


40 
32 


30 
25 


30 
25 


25 

20 


c^ o) c 53 

^3 ^ 



Kleinere Behlter als Grsse 4 fr ein gevvfihnliches 
Schauaquarium zu wlden, ist nicht rathsam, da der Raum 
dann doch zu gering wre, um einige Fische und i'flanzcn 
halten zu knnen. Grsse 5 eignet sich als Zuchtaquarinm 
fr ein Prchen Paradiesfiscbe (Macropodus venustusi oder 
fr ein Prchen Sehleierschwanz- oder Teleskop -Gold- 
fische. Grssere Behlter als (!r(")ssc 1 zu whlen, ist 
auch nicht zu rathen, da je grsser der Behlter, je 
strker die Scheiben sein mssen, und es wrden sich die- 
selben dann sehr thcuer stellen. Betreffs der Breite gehe 
man nicht ber 80 cm hinaus, da man andernfalls in 
^'erlegenheit kommen knnte, das Aquarium weder zur 
Zimmerthr hinein- noch hinausbringen zu knnen. 




Figur I. 



Zum Gestell (Abb. 1) der Grssen 1, 2, 3 verwendet 
man Winkeleisen von 2 2V2 t'in Breite, fr die Grsse 3 
kann auch starkes (I4cr) Zink verwendet werden, fr die 
Grssen 4, 5 empfiehlt sich 14er und 12er Zink mehr als 
Eisen. Blech (Weissbleeh) oder sonst irgend ein anderes 
Material, mit Ausnahme von Schiefer, ist nicht verwend- 
bar. Zum Boden {B, Abb. 2) muss starkes Zinkblech 
verwendet werden, dieses wird an den Seiten bei ff recht- 
winklig nach oben umgebogen, und es mssen die um- 
zubiegenden Seitcntheile h so breit sein, als man die lliihe 
der Bodenfllung (Flusssand) halten will. Es cmjifehlcn 
sich folgende Hhen der Bodenfllung, Grsse I: 15 cm, 
2: 12 cm, 3: 10 cm, 4: 8 cm, 5: 6 cm. In der ent- 
sprechenden Hhe lsst man rund herum um das Gestell, 

bei a Abb. 1 , ein 
Flacheisen- res]), bei 
kleineren ein Zink- 
band von 2 1' ., cm 
Breite geben, mit 
welchem die Rnder 
\o\\ Ji, Abb. 2, ver- 
lthet werden. Beim 
Umbiegen des star- 
ken Zinkbleches B 
ist darauf zu achten, 
dass es nicht zu 
scharfkantig ge- 
bogen wird, damit 
Das ganze Aquarium ruht der 
Holzboden von 1 2 cm 
werden zwei, bei 



l ^ 



a- 

b 



Figur 2 



es keine Brche bekonnnt 
Haltbarkeit wegen auf euiem 
Strke. Unterhalb dieses Holzbodens: 
sehr grossen langen Behltern auch drei Querleisten, 
ca. 5 cm breit, 2V2 cm stark, hochkantig eingescho- 
ben, nicht blos untergeschraubt oder genagelt. Diese 
Leisten \ crhindei'n dass sich das Bodcnbrett verzieht, und 
bilden, indem sie vorn und hinten ausgekehlt werden, 
gleichzeitig die Fsse des A(piariuius. Sie lassen ge- 
ngend Zwischenraum zwischen Acpiariumboden und Tisch- 



74 



Naturwissenschaftliclic Wochenschrift. 



Nr. 8. 



platte, nm die Verbiiulungsschluclie zum Zuflussrolir 
eiues etwa anzAibringeiulcn Spriugbrnnnens und dem dazu 
gehrigen Wasserstandsrohr anbringen zu k('innen. 

Zum Einkitten der Scheiben liat sich nacli meiner 
langjhrigen Erfahrung Mennige-Kitt am besten bewhrt. 
Derselbe wird aus gut geklopfter rother Mennige, Firniss 
und Siccativ zusammengesetzt. Der Kitt darf nicht zu 
fest (steif) gemacht werden, sondern muss Faden ziehen, 
au den Fingern kleben bleiben. Von mehreren Seiten 
werden zum Einkitten der Scheiben sehr complicirte Ecken 
im Gestell empfohlen, welche ich aber aus eigener viel- 
seitiger Erfahrung als sehr unpraktiscli verwerfen muss, 
denn wenn eine solche Ecke erst einmal leck wii'd, so 
hat die Freude ein Ende, man hat seine liebe Xoth, diese 
wieder dicht zu bekommen, und gewhnlich zerbrechen 
bei diesen Versuchen einige Sclieiben. Da haben sich 
meine gewhnliehen Winkelecken denn doch besser be- 
whrt; das Einkitten der Scheiben geht bei diesen sehr 
leicht; sehr selten oder fast niemals kommen lecke Stellen 
vor. Sollte dieser Fall nach Jahren doch einmal ein- 
treten, wenn z. B. das Aquarium lngere Zeit leer ge- 
standen, so ist es sehr leicht, schadhafte Stelleu auszu- 
bessern. Ich lasse die Winkelecken (1 4, Abb. 1) im 
Gestell, wie sie sind, und bringe keine bergreifenden 
Falze etc. au, belege nur die in die Ecke gedrckte Kitt- 
wulst, gegen welche die Scheiben anliegen, in allen Ecken, 
auch am Boden entlang, mit entsprechend breiten Streifen 
gewhnlichen Fensterglases. Hierdurch erziele ich gleich- 
zeitig den wohl zu beachtenden Vortheil, dass sehr wenig 
Kitt mit dem Wasser in Berhrung kounnt. Aus der im 
Grundriss (Abb. 3) beigegebenen Zeichnung wird die Her- 
stellung der Ecken klar werden. Vor dem Einkitten der 
Scheiben wird das Gestell zweimal mit Oelfarbe ge- 
strichen, die Kanten der Scheiben, welche mit dem Kitt 
in Berhrung kommen, sowie die Glasstreifen c von einer 
Seite ebenfalls, erst nachdem der jedesmalige Anstrich 
vllig 

Die Winkel werden mit 
einer ca. 3 5mm starken 
Schicht Kitt belegt, in 
die Ecken noch eine ent- 
sprechend starke Kitt- 
wulst gedrckt, dann die 
Scheiben senkrecht ein- 
gesetzt und gleichmssig 
angedrckt. Der hervor- 
quellende Kitt wird ab- 
gestrichen, glatt gemacht, 
von aussen abgeschrgt. 
Hierauf fllt man das 
Aquarium ganz voll Was- 
ser, naclidem man es vor- 
her auf einen gut ge- 
rade stehenden Tisch etc. 



trocken, knnen die Scheiben eingesetzt werden. 




Eigur 3. Grundriss der Ecken, 
o = Winkel des iJesteUes. b = 
Scheiben. K= Kitt. c = der ber- 
tretende Grlasstreifen. 



gesetzt hat. 



Das Gewicht des Wassers bewirkt ein vllig 



gleichmssiges Andrcken der Scheiben. Nun wird das 
Wasser mittelst eines Schlauches (Saugheber) abge- 
lassen, der etwa noch hervorgequollene Kitt nochmals 
glattgestrichen, worauf man das Aquarium 3 4 Wochen 
an einem luftigen, trockenen Grt stehen last, damit der 
Kitt erhrtet. Whrend dieser Zeit des Trocknens, 
nach etwa 14 Tagen, kann man dem Aquarium den 
usseren Anstrich geben. Hierzu empfiehlt sich ein hbsches 
Frischgru, die Ecken und Kanten kann man mit Gold- 
oder Silberbronce absetzen. Nachdem der Kitt erhrtet, 
berstreiche man alle Stelleu, wo der Kitt freiliegt, d. h. 
mit dem Wasser in Berhrung kommen wiu'de, was jedoch 
nur ganz schmale Streifen sind, mit in Spiritus aufge- 
lstem Schellack. Die Schellacklsung darf nicht zu dnn- 



flssig sein, sie widersteht dem Eiufluss des Wassers, 
auch des Seewassers, und verhindert nun, dass der Kitt 
mit dem Wasser in Berhrung kommt. Auch den Zink- 
boden kann man mehrmals mit Schellack ljcrziehen. Bei 
einer e\ent. grndlichen licinigung des A(piariums er- 
neuere man den Sehellackl)erzug. Die Strke der zu 
verwendenden Scheiben whle man nicht zu schwach; 
fr Grsse 1 ist 15 mm, 2 10 nun Spiegelglas, 3 7 mm 
Schaufensterglas, 4 4 mm, 5 Doppelglas anzuwenden. 
Kauft man die Behlter fertig, so sehe man ja darauf, 
dass das Glas die der Grsse des Behlters entsprechende 
Strke hat und dass der verwendete Kitt der angegebene 
ist, andernfalls wird man mit der meist billigen Arbeit 
traurige Erfahrungen machen, wodurch uns leider nur 
zu oft die ganze Sache verleidet wird. Am besten 
ist es, man lsst sich den Behlter unter eigener Auf- 
sicht anfertigen, wenn mau es, wie ich es thue, nicht 
vorzieht, alles selbst zu maclien. Nur die Eisengestelle 
lasse icli niir beim Schlosser herstellen, die Zinkgestelle, 
das Einsetzen der Scheiben etc. etc. mache ich lieber 
allein, ich bin dann sicher, dass es gut wird. Nachdem 
der Schellackberzug erhrtet ist, fllt man das Aquarium 
voll Wasser und lsst es damit etwa <S Tage stehen, da- 
mit es gehrig auslaugt, besser noch ist es, das AVasscr 
nach etwa 3 Tagen zu entfernen, das Aquarium dann 
gehrig auszuwischen und nochmals 3 4 Tage mit Wasser 
stehen zu lassen. Nach dieser Zeit wird das Wasser ent- 
fernt und mit der iimeren Einrichtung begonnen. 

Zur Bodenfllnng kann ich nur reinen Flusssand em- 
l)fehlen, alles andere, als etwa eine Scliiclit Moor- oder 
Schlammerde, darber Kies, Torfplatten darber Kies, oder 
Flusssand mit Erde gemischt, muss ich verwerfen, da bei 
solcher Bodenfllung das Wasser nicht klar erhalten 
werden kann, indem die Thiere den Boden aufwhlen; 
abgest(>rl)cne Pflanzen lassen sich nur mit Ti'bung des 
Wassers entfernen, oder garnicht, da sie mit dem Boden- 
grund verwachsen, namentlich bei Anwendung von Torf- 
platten. Die meisten Wasserpflanzen wachsen willig in 
reinem Flusssand; solche, welche durchaus einer be- 
stimmten Erdart bedrfen, knnen wir, wenn wir auf 
solche Pflanzen nicht lieber verzichten wollen, in kleine 
Blumentpfe oder in sog. Gefsse fr Wasserpflanzen ein- 
setzen und diese Tpfe in die Flusssandschicht versenken, 
wo sie sich jederzeit leicht entfernen lassen, ohne dass 
damit eine dauernde Trbung des Wassers verbunden 
wre. Der Flusssand muss 10 12 mal (einige Male mit 
heissem Wasser) gewaschen werden, so lange bis er 
vllig klar ist, d. h. das Wasser nicht mehr trbt. Mu- 
scheln, Schneckengehuse, bunte Steine etc., mit welchen 
man den Boden etwa noch belegen will, mssen vorher 
ebenso behandelt werden. Das Aquarium erhlt seinen 
Platz am besten dicht an einem nach Ost oder Sd-Ost 
gelegenem Fen.ster. Frhsonne ist dem Gedeihen der 
Pflanzen und Thiere zutrglich, gegen die Strahlen der 
Mittagssonne mssen wir jedoch das Aquarium schtzen, 
indem wir vor der dem Fenster zugekehrten Aquariumscheibe 
einen grnen Kattun- Vorhang anbringen, jedoch am Aqua- 
rium selbst, nicht am Fenster, damit dem Aquai-ium 
nicht das Oberlicht entzogen wird, denn Oberlicht soviel 
als mglich muss jedem Sttsswasser-Aquarium zugnglich 
sein, wie es denn berhaupt sehr hell stellen muss, da 
andernfalls Thiere und Pflanzen l)ald verknnneru. Fr 
die Aufstellung grsserer Aquarien eignet sich am besten 
ein fester schmiedeeiserner Tisch oder ein paar fest gear- 
beitete Bcke. Eine mglichst gleichmssige Temperatur 
von + 1214 R. fr unsere einheimischen Fische muss 
innegehalten werden. Einige, wie Oesen, Elritzen etc., 
berhaupt alle ans schnellfliessenden Gebirgsgewssern 
oder aus grosser Tiefe stammenden Fische sind gegen 



Nr. 



Naturwisscnscliaftlichc Wocliensclirii't. 



75 



lihore Tcnipcratur cmptiudlicli. Wir werden daher in 
heisseu Sonimeni bisweilen gentliigt sein, unsere Zu- 
flucht zu den beim Heewasser-Aquariuni (Bd. III, Nr. 23) 
erwhnten Kiiltcniiseiiungen zu nehmen. Goldfisehe, ver- 
scliiedene andere Karpfenarten ertragen eine hliere 
Temperatur, tVemdlndische Zierfisehe gleichfalls, ja einige, 
z. B. japanische (ioldtische, Schleierschwanz- und Teles- 
kop-Goldfische, Makropoden, Gouraniis u. a. verlangen 
eine hhere Temperatur, wenn wir Zuchtcrfolge sehen 
wollen. Bei letzteren darf die Temperatur im ^\'inter 
nicht unter + 10 R. sinken, die brigen ertragen noch 
-t- 5 K. und weniger, docii niemals darf das Wasser im 
Acpiariuni zufrieren, es wrden in diesem Falle die Thiere 
an Luftniangel sterben, auch wrden die A(|uariumschciben 
|)latzen. Es ist deshalb ein Thermometer im Aquarium 
fast unentbehrlich. Letzteres soll senkrecht schwinnncn 
und so tief eintauchen, dass die Quccksilbcrkngel sich in 
der Mitte des Wassers befindet, damit das Thermometer 
die mittlere Temi)eratur anzeigt; dassellie soll ganz aus 
Glas hergestellt sein. Von ihrer llolziiiUic befreite sog. 
Uadethermometer eignen sich vorzglich; taucht solches 
nicht tief genug ein, so legen wir oberiialb der Kugel 
einen Blei ring herum. 

Ein Tutfsteinfclsen reicht, fr gr(issere Aquarien 
namentlich, sehr gut aus; hlt man Lurche, so knnen wir 
solchen kaum entbehren, wir_mssten dann unsere Zutinclit 
zu einer kleinen schwimmenden Korkinsel nehmen wollen. 
Jedenfalls ist fr grssere Aquarien ein Tuifsteinfelscn 
vorzuziehen. Diese Felsen erhlt man fertig in allen 
A(iuarienhandlungen. Wir krmncn uns jedoch einen solchen 
nach eigenem Geschmack leicht selbst herstellen, indem 
wir die uns passend erscheinenden Tuffsteinstekc mittels 
nicht zu dnnen Zementbreies {3 Tlieilc Zement, 1 Theil 
Sand) verbinden. Die Steinstcke mssen vor dem Ge- 
brauch angefeuchtet werden. In dem ber dem Wasser- 
spiegel l)etindlichcn Theil des Felsen bringen wir Ver- 
tiefungen aus oder bauen kleine IMumentpfe ein, welche, 
mit Moorerdc gefllt, zur Aufnahme von Sumpfpflanzen, 
Farrn etc. dienen. Auf einen etwa anzulegenden Spring- 
brunnen nuiss gleichfalls beim Bau des Felsens Rcksicht 
genommen werden. Der Felsen wird natrlich ausserhalb 
des Aquariums gel)aut und muss nachdem er trocken, gut 
ausgewssert werden. 

Nachdem das Aquarium mit der nrithigen Bodenschicht 
(Flusssand) versehen, der Felsen aufgestellt ist, geht es an 
das Bepflanzen. Die Pflanzen werden wir haniitschlich 
an den dem Lichte voll ausgesetzten Stellen anl)ringeu, 
indem wir die Wurzeln entsprechend tief in den Flusssand 
betten und die Pflanzen vorlufig mittels dnner Holz- 
stbchen sttzen. Einige Pflanzen, z. B. Hornkraut, 
Wasserpest u. a. knnen wir auch ohne A\'urzeln in den 
Flusssand einsetzen, sie kommen so auch ohne AVurzeln 
gut fort. Nachdem der Boden mit Pflanzen besetzt ist 
fllen wir den Raum um die Pflanzen herum mit grobem 
Flusskies, darber kleine Steinchen, Muscheln etc. aus; 
alles jedoch vorher klar gewaschen. Nun geht es an das 
Einfllen des Wassers; dieses lassen wir durch eine Brause, 
Sieb etc. gegen den Felsen laufen, recht langsam, damit 
der B(den nicht aufgewhlt wird. Wir knnen auch ein 
Stck steifes Papier auf eine von Pflanzen freie Stelle 
des Bodens legen und das Wasser langsam darauf laufen 
lassen. Das Iteste Wasser ist Quellwasser, welches san- 
digem Boden entquillt, in Ermangelung desselben mssen 
wir uns mit nicht zu hartem Brunnenwasser, Wasser- 
leitungs- oder geklrtem (filtrirtem) Bach- oder Flusswasser 
behelfen. Niemals darf das Wasser kalkhaltig sein oder 
sonstige Beimischungen enthalten. Nachdem das Wasser 
eingefllt und etwaige Unreinigkeiten von dessen Ober- 
flche abgeschpft sind, bleibt das Aquarium 8 14 Tage 



ruhig stehen, damit die Pflanzen anwachsen kihnien. 
Findet man nach dieser Zeit krnkliche oder abgestorbene 
Pflanzen, so sind diese vorsichtig zu entfernen. Ist das 
Aquarium mit Springbrunnen versehen, so lsst man den- 
selben auch wineiid dieser Zeit in Tlitigkeit treten, er 
verhindert die Bildung einer Staub- und Algcnschicht auf 
der t )bcrflchc ilcs Wassers. Kleinere A(iuarien ohne 
Springbrunnen, werden mittels einer Glasscheibe, an 
welcher eine kleine Ecke fehlt, zugedeckt. Es knnen 
auch, noch besser, an Stelle der fehlenden Ecke zuei 
ganz dnne Ilolzstbclien unter die Glasscheil)e auf den 
Aqnariumrand gcK'gt werden, die Luft kann so gleichfalls 
hinein. 

Die sich nacii einiger Zeit an den Seheiben an- 
setzenden grnen Algen, welche, ol)wohl sie von der 
guten Bcschaftenheit des Wassers zeugen, doch insofern 
lstig sind, als sie die Scheil)en mehr oder weniger un- 
durchsiclitig iiiachen, entfernt man zwei bis dreimal 
wchentlicii mittels einer scharfen, an einen langen Stiel 
befestigten Brste (Zahnbrste), indem man mit dcrscUien 
senkrecht an den Scheiben hinabfhrt. Der braune Nieder- 
schlag, welcher sieh, namentlich ))ei kalkhaltigem Wasser 
an den Scheiben setzt, weicht, obwohl schwerer, auch 
dieser Behandlung. Es i.st jed(ch zu empfehlen, bei einer 
etwa jhrlich einmal oder nach Erforderniss fters vorzu- 
nehmenden grndliciien Reinigung des Aquariums, wol)ei 
es vllig entleert wird, die Scheiben mittels gestossencr 
Eierschalen, welche man auf einen nassen wollenen Lajjpen 
nimmt, abzureiben, hierdurch wird der braune Ansatz 
sicher entfernt. Den sich nach und nach auf dem Boden 
ansammelnden Sclnnutz, Schlamm etc. entfernt man mittels 
eines Stech- oder Saughebers etwa jede Woche einmal. 
Futterreste, d. h. alles was vom Futter eine Stunde nach 
geschehener Ftterung niclit verzehrt ist, sowie abge- 
storbene Pflanzentheile, Thierleiclicn etc. mssen sofort 
entfernt werden. Kranke Thiere sind zu entfernen und 
behufs Behandlung isolirt zu halten, damit sie die ge- 
sunden nicht anstecken. Ein reichlich mit Pflanzen be- 
setztes, nicht l)cr\lkcrtes A(iuarium hlt sich bei auf- 
merksamer Behandlung vorzglich, das Wasser braucht 
nicht, oder doch nur jhrlich ein bis zweimal erneuert zu 
werden; man hat nur n(ithig das nach und nach ver- 
dunstete AVasser zu ergnzen. Ist die Bevlkerung nicht 
zu stark, so dass der von den Pflanzen erzeugte Sauer- 
stoff ihrem Athnuuigsbedrfniss gengt, so braucht ein 
solches Aquarium weder Springljrunnen noch Dureh- 
lftungs-Apparat. Es sind dann schon alle Bedingungen 
fr das Leben der Thiere erfllt, soliald das Gleichgewicht 
zwischen Thier und Pflanze hergestellt ist. Ein solches 
Aquarium brauchte nie geleert zu werden, wenn wir nicht 
von Zeit zu Zeit den Pflanzenbestand erneuern nissten. 
Dass ist aber nicht zu umgehen, da die den Pflanzen im 
Aquarium gebotenen Lebensbedingungen denn doch nicht 
die sind, welche ihnen in der freien Natur zu Gebote 
stehen. 

Halten wir in kleineren Acjuarien eine grssere An- 
zahl Fische (auf einen ca. 5 cm langen Fisch rechnet 
man 1 1, auf grssere je 2 1 AVasser) als die Pflanzen 
mit Sauerstoff versorgen knnen, so mssen wir das 
Aquarium durchlften. Hierzu eignet sich mein in Bd. HI, 
Nr. 25 beschriebener Durehluftungs-Ai)parat vorzglich, 
da mit demselben mehrere A(|narien zugleich durchlftet 
werden knnen und derselbe berall aufgestellt werden 
kann. Einen andei'en Apparat, welcher als Durchlftcr 
oder als Springbrunnen-Apparat verwendet werden kann. 
werde ich spter beschreiben und aiibilden. 

Nachdem die Pflanzen sich gut entwickeln, das Wasser 
klar ist, knnen wir die Fische, Wrmer, Insekten etc. 
einsetzen, und zwar nur Arten, welche sich unter einander 



7 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 



vertragen, weshalb wir Goldtischen etc. keine grsseren 
Hechte , Barsche , Welze u. a. beigesellen drfen. Auch 
der Stichling ist ein Raufbold, welcher sich mit anderen 
Fischen schlecht vertrgt; einige rrchen aber sind, allein 
gehalten, ihies Nestbaues wegen, hclist interessante Be- 
obachtungsobjekte. 

Bei der Ftterung der Thiere sei man recht vor- 
sichtig, niemals gebe man mehr als die Thiere alsbald 
verzehren, was nach einer Stunde etwa noch vorhanden 
ist wird entfernt. J^enier fttere man stets an einer be- 
stimmten Stelle, z. B. immer in einer Aquarienecke, welche 
nicht mit Pflanzen am Boden besetzt ist und halte eine 
regelmssige Ftterungszeit inne. Die Thiere gewhnen 
sich sehr bald daran und es wird einem Vergeuden von 
Futter so wirksam vorgebeugt. Fr karpfenartige u. a. 
Fische sind Ameisenpuppen, ., Ameiseneier", ein gutes 
Futter; diese werden sorgfltig ausgesucht, von allem 
Schmutz befreit au der bestimmten Stelle in das Wasser 
geworfen. Fr ganz kleine Fische muss ein Theil des 
Futters zwischen den Hnden zerrieben Averden, oder 
man verwendet reines Ameisenpuppenmehl, Garnelen- 
schrot oder Fleischmehl. Auch getrocknete Eintags- 
fliegen (Weisswurm) sind ein gutes Futter. Bei der 
Ftterung mit diesem trockenen geriebenen Futter oder 
mit Futtermehl kann man sehen ob das Wasser gut ist. 
In gutes Wasser gebracht vertheilt sich das Futtermehl 
sogleich ganz fein nach allen Richtungen hin, whrend 
es in schlechtem, verdorbenem Wasser, in Klumpen zu- 
sammengeballt liegen bleibt, oder sich nur langsam und 
unregelmssig vertheilt. Hin und wieder, etwa einmal in 
der Woche kann man auch etwas fein geschabtes Rind- 
fleisch reichen, oder gehackte, vorher ausgedrckte Regen- 
wrmer, doch stets nur sehr weuig. Das beste Futter ist 
das lebende, d. h. die kleinen Wasserinsekten, kleine 
Krebsthierchen, Daphnien, Gyclops etc., welche man in 
fast allen Tmpeln, Grben u. a. , in unglaublichen 
Mengen mittels eines feinen Gazektschers fngt. Sem- 
mel oder Oblaten fttere man niemals, auch das 
sogenannte knstliche Fischfutter ist nur mit Vorsicht zu 
verwenden, da man nie bestimmt weiss, aus welchen Be- 
standtlieileu es zusannnengcsetzt ist. Im Sommer kann 
man tglich fttern, im Winter jedoch lsst die Fresslust 
der Thiere nach und man fttert dann nach Bedarf, 
wchentlich einmal oder zweimal, je nach der sich zeigen- 
den Fresslust. 

Die Auswahl unter den fr Ssswasser-Zimmer-Aqua- 
rien geeigneten Wasser-, Sumpfpflanzen, Farren etc. ist 
eine so reichhaltige , dass ich mich hier auf die nament- 
liche Auffhrung der geeignetsten beschrnken muss. 
Jeder Graben, Tmpel, Teich etc. bietet uns einige Arten 
unserer iieimischen Wasserpflanzen, die wir so kosten- 
und fast mhelos erlangen knnen. Sehr hbsch aus- 
sehende Wasserpflanzen sind: Tausendltlatt (Myriophyllum 
spicatum), untergetauchtes Hornblatt (Ceratophyllum de- 
mersum, Wasseraloe (Stratiotes alo'les), Wasserpest 
(Elodea canadensis), Braehsenkraut (Isoetes lacustris), 
schwimmendes Laichkraut (Potamogeton nataus), kraus- 
blttriges Laichkraut (Potamogeton crispus), und an- 
dere Laichkruter, Tannenwedel (Hippuris vulgaris), 
Sumpf-llottonie (Hottonia palustris). Gemeiner Wasserstern 
(Caliitriclie verna), Froschbiss (Hydroeharis morsus ranae), 
schwimmende Salvinie (Salvinia natans), verschiedene 
Wasserlinsen (Lemna); im seichten Wasser: Pfeilkraut 
(Sagittaria sagittifolia) , Froschlffel (Alisma plantago), 
Wasserminze (Mentha aquatica), verschiedene Calla-, Iris- 
und Carex-Arten; fr die Grotte: Straussfarn (Struthiop- 
teris germanica), Rippenfarn (Blechnum spieant), braun- 
stieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes), Mauerraute 
(Aspleuium ruta muraria) u. a. Asplenium-Arten; Hirsch- 



zunge (Scolopendrium vulgare), Vergissmeinnicht (Myo- 
sotis palustris), Blut- Weiderich (Lythrum salicaria), Moos- 
beere (Oxycoccus palustris), Kanadischer Haarfarn (Adian- 
tum pedatum) gem. Tpelfarn (Polypodium vulgare), 
Frauenhaar (Isolepis gracilis), verschiedene Cyperus- Arten 
und viele andere. Auch unter den in neuerer Zeit ein- 
gefhrten Wasserpflanzen sind einige gut verwendbare; 
ich cultivire mit Vorliebe deutsche Arten und fahre sehr 
gut dabei, da diese meist anspruchloser sind, und es mich 
besonders interessirt, dieselben ihrem Standort entnehmen 
zu knnen. 

Von allen Fischen sind die verschiedenen Karpfen- 
arten am ausdauerndsten, von welchen einige eine ziem- 
lich hohe Temperatur vertragen knnen. Obenan steht 
wohl der Goldfisch (Carassins auratus Linne) und seine 
Spielarten. Fr Aquarien, wo sie in Gesellschaft anderer 
Fische gehalten werden sollen, eignen sich am besten die 
sogenannten Zwerggoldfische. Zwischen den mehr 
oder weniger rothen, gefleckten, ungefleckten Goldfischen 
nehmen sich solche, welche sieh nicht verfrben, sondern 
ihr Jugendkleid beibehalten, d. h. mehr oder weniger 
schwarz sind, oder silberfarben werden (Silberfische) 
sowie einige milchweisse Albinos (Perlfische), oder 
solche mit ^\-formigen Doppelschwnzen, welche auch 
in allen Farben vorkommen, sehr hbsch aus. Die 
wunderbarsten Formen finden sich unter den japane- 
sischen Goldfischen, unter welchen der Teleskop- 
fisch, Schleierschwanz und Fcherschwanz nebst 
deren Mischlingen besonders hervorgehoben zu werden 
verdienen. Durch bisweilen berraschende Farbenpracht 
zeichnen sich besonders die chinesischen Goldfische 
aus, von welchen folgende Spielarten vorkommen : der 
buntgescheckte Goldfisch, der prchtige Gold- 
fisch, der kleine blaue Goldfisch, der schwarze 
Goldfisch, der braunscheckige Goldfisch, der 
Bubien, die Rothflosse, der Tmmler, der zier- 
liche Goldfisch. Ein mit einigen Exemplaren von diesen 
Spielarten besetztes, reich mit Pflanzen ausgestattetes 
Aquarium gewhrt einen prchtigen Anblick. Diese chine- 
sischen und japanesischen Arten und Varietten sind etwas 
weichlicher als die deutschen und italienischen Zchtungen, 
die Temperatur des Wassers darf im Winter fr diese 
nicht unter + 12 R. sinken. In Gesellschaft mit den 
Goldfischen knnen gehalten werden: der gem. Karpfen 
(Cyprinus carpio Linne) mit den Varietten Spiegel- 
karpfen (C. rex ciprinorum), Lederkarpfen (C. nodus), 
die Karpf-Karausehe (Carpio kollars Heck), die Ka- 
rausche (Carassius vulgaris Nils.), der Bitterling 
(Rhodeus amorus Bloch), der Blei oder Brachsen (Abra- 
mis braraa Linne) nebst Varietten, die Teichschleiche 
(Tinea vulgaris Cuv.), die Goldschleiche (Tinea aurata 
Cuv.). Karausche und Bitterling sind gegen hohe Tem- 
peraturen etwas empfindlich, -|- 12 R. sagt ihnen am 
besten zu. Bei -+- 12 R. und weniger fhlen sie sich 
am wohlsten, namentlich wenn das Wasser gut durchlftet 
ist. Der Grndling (Gabio fluviatilis Cuv.), die Elritze 
oder Pfrillc (Phoxinus laevis Agass.), die Pltze oder 
das Rothauge (Leuciscus rutilis Linne), die Rothfeder 
(Seardinius erythropthalmus Linne), die Laube oder der 
Uckelei (Alburnus lucidus Heck), die Jungen desselben 
lassen sicli vurzgiich als Futterfische fr kleine, isolirt 
zu haltende Welse, Hechte, Barsche, Quappen, 
Schwarz barsche. Silberbarsche, Steinbarsche, 
Hundsfische u. a. verwenden; ferner halten sich noch 
gut der Schlammbeisser (Cobitis fossilis Linne), die 
Schmerle (C. barbulata Linne), der Steinbeisser 
(C. taenica Linne), ganz junge Aale (Anguilla vulgaris 
Flem.), etwas empfindlicher ist die prchtige Goldorfe 
(Idus melauotus var. auratus), sie verlangt gut durch- 



Nr. S. 



Niitiirwisscnscliaf'tliclic Woclicnsclirift. 



1 1 



lftetcs Wasser. Es knnen nocli viele andere Fische g-e- 
halten werden, berliaujit jeder Ssswasserfisch, soweit es 
seine Grsse zulsst und ilini die ihm zusagenden Lebens- 
bedingungen geboten werden. Neben Fischen, resp. mit 
diesen zusammen, werden hin und wieder auch Lurche 
gehalten, docli kann icli liierzu ebensowenig ratlien, als 
wie zur Haltung von kleinen Sumpfschildkrten (Testudo 
lutaria Gesn.) mit Fischen zusammen. Die Schildkrten 
wrden Fische und Lurche veistiinnneln, die Fische die 
Lurche und umgekehrt; mau wird daher an dem Zu- 
sammenhalten dieser verschiedenartigen 1'liiere in einem 
Behlter nie Freude haben. 

Ein Fisch, welcher lierufen zu sein scheint, die Lieb- 
haberei fr (ioldfische nach und nach zu verdrngen, 
ist der gezhmte Makropode, Gropflosser oder 
Paradiesfisch (Polyacanthus viridi-auratus Laccpede), 
welcher um so beachtenswerther ist, als er sieh selbst in 
kleinen A(iuarieu, ja selbst in grossen, als Aquarium ein- 
gerichteten Einmacheglsern, fortpflanzt, sowie er sieh 
auch durch Farbenpracht auszeichnet. Zur Paarungszeit 
prangt namentlich das Mnnchen in allen Farben des 
egenbogens, und wenn er um sein Weibehen herum- 
spielend sein herrliches Flossenwerk ausl)reitet, so gewhrt 
er einen berrascliend herrlichen Anblick. Hinter dieser 
Pracht mssen sieh die schnsten Teleskopfisclic und 
Schleierschwnze verstecken, denn beim Paradiesfisch ist 
alles natrlich, er entfaltet bei allen Bewegungen eine uns 



in Erstaunen setzende Grazie, welche Schleierschwnzen 
und Teleskopfischen vllig abgeht, da alles was wir an 
diesen Fischen bewundern, nur krankliaftc Ausartungen, 
welclic knstlich weiter gezchtet werden, sind. Die Be- 
wegungen dieser bisweilen sehr unfiirndiehen Geschpi'e 
sind daiier aucii sehr uulicholt'eu langsam. In einem 
kleinen mit l'tiauzcu aller Art l)esetzten A(|uariuni (No. 5), 
welches im warnu-n Zimmer hell und sehr sonnig stobt, 
hlt sieh der Makropode vorzglich. Das AVasser seines 
A(|uarinms wird n i e gewechselt, nur das verdunstete 
nachgegossen. Nimmt das Wasser eine Temperatur von 
-I- 20 R. und darunter an, so sehreitet er zum Nestl)au und 
zur Fortiitlanzung. Das Mnnchen pflegt und bemuttert 
die nach einigen Tagen auskommenden Jungen, bis sie 
sich selbst weiterhelfen knnen. Sobald die Jungen das 
Sehaumnest endgiltig verlassen, entfernt man die Alten, 
welche in einem andern gleiehso eingericiiteten A((narinm 
alsbald wieder zur Paarung sehreiten, und so fort drei 
bis viermal, auch noch (itter im Jahre. Die Jungen 
werden mit Da])huien, Oyclops u. (h'rgl. grossgezogen, 
bis sie das Ersatzfutter verzehren knnen. Die lteren 
und alten Fische fttert man mit allem womit man Gold- 
fische fttert. In geheizten A(inarien halten sie sich weit 
besser, die Jungen wachsen schneller, die Farben werden 
prchtiger; eine bestndige Temperatur von + 22 bis 
25 R. beliagt ihnen am besten, nie darf die Temperatur 
unter -+- 10 R. sinken, bei -t- 5 bis 3 R. sterben sie. 



Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

'^ Es wnrilen enianiit: Privatdocent Dr. Hayduek vcm dci- 
Bfi'liner Universitilt zum Professor ilor Chemie. Dr. Hans 
-Waldor ans Hambreclikoii zum Professor der organisc-lion Chemie 
am Pol3'tec.hiucum zu Ziiricli. An der Universitt Heidell)erg 
Privatdocent Dr. Max Wolf zum ausserordentlic-lien Professor der 
neuerrichteten Professur fr Astronomie, mathematische und physi- 
kalische Geographie. 

Es Jiat sich habilitirt: Der Assistent an der Jenenser Stern- 
warte Dr. Knopf in Jena fr Astronomie. 

Dr. Friedrich Plehn ist nach Kamerun gegangen, um dort 
im Auftrage des Deutsehen Ueiches ein bacteriologisches Labora- 
torium zur Erforschung der Malaria einzurichten. 

Es sind gestorben: In Cambridge bei Boston, Massachusetts, 
Professor Eben Norton Horsford, ein Kmpfer fr Anerken- 
nung des ersten Entdeckers Amerikas, des New - Yorker Leif 
Crikson, der ums Jahr 1000 im neuen Welttheil landete. In 
Wiesbaden der Geheime Sanittsrath Dr. Wilhelm Valentiner. 
der sich eingehend mit der deutschen Bderkunde beschftigt hat. 
In Batischtchewo im Gouvernement Smolensk der frhere Pro- 
fessor im Eorstcorps - Institut Alexander N i k olaj e witsch 
Engel bar dt. Der Zoologe und Iledacteur dos Zoologischen 
< iartens" Professor Dr. F. C. Noll zu Frankfurt aiu Main. 



L i 1 1 e r a t u r. 

OstM-ald*! Kla>iisikei* der exaetenl'Vii)eiiiiieliaf'toii. 

Verlag von Wilhelm Eugelmann in Leipzig. 181)2. 

Nr. 2G. Justus Liebig, Lieber die Constitution der or- 
ganischen Suren. 1838. Herausgegeben von Hermann 
Kopp. Preis 1,40 Mk. 

Die dualistische Theorie von Borzelius, nach welcher die 
Salze aus sogen, wasserfreier Sure und Bais bestehen, die 
Suren selbst aus dieser wasserfreien Sure und Wasser, welch 
letzteres danach fertig gebildet darin anzunehmen war, hatte 
ferner d.azu gefhrt, diejenige (Quantitt Sure, welche sicli mit 
einem Atom*) Basis vereinigt, als das (lewicht von einem Atom 
Sure zu betrachten. Durch eingehende Untersuchung einer 
grossen Anzahl organischer Suren fhrt Liebig den Beweis, dass 
diese Annahme entschieden irrig ist fr neun derselben, ebenso 
wie fr Phosphorsure und Arsensure. Er constatirt die Fhig- 

*) Die Bezeichnung des Origin.als ist hier und weiterhin bei- 
behalten. Heute wrden wir natrlich Molecl sagen mssen. 



keit derselben, sich mit mehr als einem Atom Basis zu verbinden 
und, dass in allen beobachteten Fllen mit .Silberoxyd stets nur 
ein Salz entsteht und zwar dasjenige mit den meistmglichen 
Atomen der Basis. Es ist hier nicht der Ort, die Einzelheiten 
der Untersuchung, die als solche fr alle Zeiten mustergiltig ist, 
zu besprechen, um so weniger als die alte Nomenclatur und Formu- 
lirung dem Nichteingeweihten einige Schwierigkeiten bereiten 
wrden. Die Zusammenfassung der erhaltenen Resultate schliesst 
mit der Eintheilung in einbasische, zweibasischo und dreibasische 
Suren. Dann begrndet Liebig eine Hypothese, welche der dua- 
listischen Ansicht direct zuwiderluft. Wie oben erwhnt, muss 
nach derselben sogenanntes basisches Wasser als fertig gebildet 
in der Sure angenommen werden. Grnde zur Rechtfertigung 
dieser Voraussetzung sind aber nicht zu finden. Durch die Ab- 
scheidung desselben nimmt die Sttigungskapacitt einer grossen 
Anzahl von Suren ab und wird beim Zusammenbringen tler so 
modificirten Sure mit Wasser nicht wieder hergestellt. Das 
Silbero.xyd, eine ausserordentlich schwache Base, de2)lacirt das 
basische Wasser aus vielen Suren, whrend es durch ilie starken 
Basen Kali und Natron nicht oder nur schwierig ersetzt werden 
kann. Dui'ch die oben erwidniten Anschauungen lsst sich dies 
nicht erklren, wohl aber durch die Theorie, welche Davy fr 
die Chlor- und Jodsure aufgestellt hat, und welche diese Sauer- 
stoff'suren in Analogie zu den Wasserstottsuren stellt. Wird 
diese Theorie verallgemeinert, so sind auch die Sauerstoft'suren 
Wasserstoffsuren, in denen nur statt des Halogens oder Schwefels 
ein sauerstoffhaltiges Radikal, z. B. SO^ enthalten ist. Die Salze 
wrden alsdann durch Ersetzung des Wasserstoffs durch Metall 
entstehen, ebenso wie die ihnen in allen Eigenschaften ganz ana- 
logen Haloidsalze. Nur die (iewohnheit, unbewusst tue Eigen- 
scdiaften eines Krpers in die Verbindung, die er eingegangen ist, 
zu bertragen, kann einer solchen Annahme hindernd entgegen- 
stehen. Die geringe Berechtigung dieser Gewohnheit beweist 
Liebig schlagend durch das Beispiel des Schwefelcyankaliums, 
das man als analog den Haloidsalzen zusammengesetzt an- 
nehmen muss, und den Uebergang von diesem in das eyansaure 
Kalium, das sich nur dadurch von ersterera unterscheidet, dass 
au Stelle von Schwefel Sauerstoff steht, welchen Ersatz man in 
beiderlei Richtung beliebig vornehmen kann. Und hierbei soll 
nun widernatrlich sein, was bei der ersten Verbindung zum 
mindesten nicht unwahrscheinlich erschien? Dazu kommt, dass 
man nach der geltenilcn Ansicht einen grundlegenden Unter- 
schied zwischen Wasserstoff- und Sauerstoffsuren trotz des ganz 
analogen Verhaltens ihrer A'erbindungou annehmen rasste, dass 
in letzteren Wasser in dreierlei Formen, nmlich als Krystall- 
wasser, Ilalliydratwasser und basisches Wasser anzunehmen wre. 
Alles dies fllt weg und die sonst unerklrliclien Vorgnge, die 
im ,,Thatschlichen" besprochen waren, fgen sich harmonisch in 
das Ganze ein, wenn man alle Suren als Verbindung von Radikal 



78 



Naturwissenscliaftliclie Woclicnsclirift. 



Nr. 8. 



mit Wasserstoff ansieht; als Wasserstoffverbindungen, in denen 
der Wasserstoff ersetzt werden kann durcli Metalle. Von dem 
Gehalt an diesem (extraradikalen) Wasserstoff hngt die Stti- 
gungskapaeitt der Sure ab, whrend die Zusammensetzung des 
Kadikais keinen Einfluss darauf besitzt. 

In der bescheidensten Weise urtheilt Liebig ber den Werth 
chemischer Theorien und besonders der hier erwhnten. Seine 
Ueberzeuguug, ,dass dieser Weg einen jeden, der ihn betritt, zu 
wichtigen und umfassenden Kntileckuugen fiihren wird", hat sich 
im vollsten Maasso bewahrheitet und wir halten seine Theorie, auf 
Grund deren wir die complicirtesten Verbindungen nach einem 
einfachen und einheitlichen Schema zu betrachten im Stande sind, 
heute noch in allen wesentliclien Theilen fr richtig. 



Nr. 27. Robert*) Bunsen, Untersuchungen ber die 
Kakodvlroihe. (1837184:1) Herausgegeben von Adolf von 
Baeyer.' Preis 1,80 Mk. 
Diese Arbeit oder vielmehr diese Reihe von Arbeiten ist vor 
allem klassisch als ein selten erreichtes Muster einer E.\periniental- 
ntersuchung. Mit zher Beharrlichkeit sind die grssten 
Schwierigkeiten berwunden worden, um zu den erwarteten Re- 
sultaten zu gelangen. Theoretisch bietet die Untersuchung her- 
vorragendes Interesse durch den Nachweis, dass Kakodyl, |ein zu- 
sammengesetztes organisches Radikal, von der Formel (CH^) As, 

sich durchaus ebenso verhlt wie unorganische Elemente, dass es 
ein wahres organisches Element" ist. Dieser Nachweis isj; bis in 
die geringsten Einzelheiten verfolgt und schliesslich die Existenz 
des Radikals durch seine Isolirung erwiesen, wobei es sich, ganz 
analogder Mehrzahl der unorganischen Elemente, zu eineniDoppel- 
molecl ["(CjH.,) As"| zusammenlegt. Ein Eingehen in die Natur 

des Radikals lehnt Bunsen noch ab; die Aufklrung derselben 
blieb der spteren Zeit vorbehalten. 

Nr. 28. L. Pasteur, Ueber die Asymmetrie bei natrlich 
vorkommenden organischen Verbindungen. (1860.) 
2 Vortrge gehalten am 20. Januar und 3. Februar ISGO in 
der Societe chirurique zu Paris. Uebersetzt und herausgegeben 
von M. und A. Ladenburg. Preis 0,60 Mk. 

Um die weittragende Bedeutung dieser uns von Neuem zu- 
gnglich gemachten Publikation zu bersehen, ist es ntzlich, 
sich auf den Standpunkt zurckzuversetzen, den die Wissenschaft 
vor derselben einnahm. Drehung der Ebene des polarisirten 
Lichtstrahls war lieim Quarz im krystallisirten Zustande sowohl 
wie bei einer grsseren Zahl organischer Substanzen beobachtet 
worden. Beim t^uarz war ferner beobachtet worden, dass die Ab- 
lenkung bald nach rechts, bald nach links erfolge. Andererseits 
war beim Quarz wie bei einigen anderen Krystallen das Auftreten 
der sog. Hemiedrie constatirt worden, es hatte sich das Auftreten 
einer besonderen, dem Symmetriegesetz nicht unterworfenen Flche 
gezeigt und herausgestellt, dass diese bei einer gewissen (Jrien- 
tirung bald nach rechts, bald nach links geneigt sei. Zwischen 
diesen beiden P.eol)achtungen hatte dann Herschell den Zusammen- 
hang vermuthet und experimentell nachgewiesen, dass von der 
Richtung dieser Neigung auch die Ablenkungsrichtung fr den 
polarisirten Lichtstrahl abhngig sei. 

Derartige Vorstellungen liessen sich nun nicht ohne Weiteres 
auf drehende organische Substanzen bertragen. Beim Quarz 
geht das Drehungsvermgen aus der Art, in welcher die Mole- 
cle im Krystall angeordnet sind, liervor, es verschwindet, sobald 
das Krystallgefge vernichtet ist, d. h. im gelsten oder amorphen 
Zustande. Bei den organischen Substanzen tritt das Drehungs- 
vermgen gerade in der Lsung hervor, erscheint also als Folge 
der Anordnung der Atome im Molecl. Immerhin konnte man 
nach Mitscherlich's Untersuchungen ber den Isomoriihismus auch 
den Gedanken, dass die Constitution des Molecls die Krystall- 
form beeinflusse, nicht mehr fremdartig finden. 

So begann denn Pasteur seine Arl)eiten auf diesem Gebiete 
mit eingeiienden krystallographischen Untersuchungen zunchst 
der Weinsure und ihrer Salze. Er fand in allen Hemiedrie und 
zwar bei allen Salzen im gleichen Sinne. Einen Schritt weiter 
gehend, prfte er zahlreiche andere optisch active organische 
Substanzen, so weit sie krystallisirbar waren, und fand seiner 
Vernuithung entsprechend auch hier stets Hemiedrie, die aller- 
dings oft schwer za beobachten und daher frheren Forschern 
entgangen war. Im Gegensatz dazu erforschte er dann die Krystall- 
formen der Trauliensure und ihrer Salze, einer Sure, die mit 
Weinsure chemisch vollkommen identisch erscheint und sich nur 
durch den Mangel des Drehungsvermgens von ihr unterscheidet. 
Er fand die Formen stets gleicii denen des entsprechenden wein- 



*) Nach einem Zusatz Ostwalds sind die oft in seinen Ab- 
handlungen vorkommenden falschen Vornamen Bunsen's Folge 
von Druckfehlern. Der richtige Name lautet Robert Wilhelm 
(Eberhard). 



sauren Salzes, aber ohne die bei letzteren vorhandene Hemiedrie. 
Der Zusammenhang zwischen dieser und dem Drehungsvermgen 
schien also bewiesen, ganz analog dem von Herschell fr Quarz 
erbrachten Beweis. Doch sollte diese Analogie noch in vollkom- 
menerer Weise sich herausstellen. 

Schliesslich gelang es nmlich Pastour, bei einem Salze der 
Trauliensure, dem Natrium-Ammonium-Salz, hemiedrische Kry- 
stalle zu erzielen, aber stets in zwei Formen, die sich verhielten 
wie Bild und Spiegelbild, da die hemiedrischen Flchen sich als 
entgegengesetzt geneigt erwiesen. Wurden diese beiden Krystall- 
arten gesondert und jede fr sich durch Sure zersetzt, so erhielt 
man in beiden Fllen optisch aktive Lsungen, von gleich starkem, 
aber entgegengesetztem Drehungsvermgen. Die eine enthielt 
die gewhnliche Weinsure, die andere eine neue, seither als 
Linksweiusure unterschiedene. Beim Vermischen beider L- 
sungen, Aequivalent zu Aequivalent, entsteht dann unter Wrme- 
entwicklung wieder dieselbe inaktive Traubeusure, durch deren 
Spaltung beide erhalten waren. 

So war nachgewiesen der Zusammenhang zwischen Hemiedrie 
und optischem Drehungsvermgen und es war ferner constatirt 
und erklrt das Bestehen einer Art von Isomerie, welche nur 
bedingt ist durch die Lagerung von Atomen resp. Atomgruppen 
innerhalb des Molecids zu eiuander. Die Grundzge jener Theorie 
von der Lagerung der Atome im Rume'', die heute von so 
maassgebender Bedeutung geworden, waren gegeben. Was spter 
das Le Bei van't Hoff'sche Gesetz durch weiteres Eindringen in 
die Ursachen der Asymmetrie prciser formulirte, klingt in seinen 
Grundzgen schon aus den Pasteur'schen Folgerungen: 

1. Wenn die Elementaratome organischer Producte asymme- 
trisch gruppirt sind, zeigt die Krystallform der Krper jene mole- 
culare Asymmetrie durch eine sich nicht deckende Hemiedrie. 

2. DieExistenz dieser Molecular-Asymmetrie zeigt sich ferner 
durch ein optisches Drehungsvermgen. 

3. Wenn die sich nicht deckende Molecular-Asymmetrie in 
zwei einander entgegengesetzten Formen auftritt, wie dies bei den 
Rechts- und Links-Weinsuren und allen ihren Derivaten der 
Fall ist, so sind die chemischen Eigeuschaften dieser identischen, 
aber optisch entgegengesetzten Krper genau dieselben, woraus 
folgt, dass diese Art der Gegenberstellung und Aehnlichkeit das 
gewhnliche Spiel der chemischen Affinitten nicht strt, wobei 
indessen der letzte Satz eine Einschrnkung erfhrt. 

Bis hierher ist Pasteur auf dem Boden des wirklich Beob- 
achteten geblieben und so zeigt er denn hier auch seine ganze Be- 
deutung im scharfsinnig durchdachten Experimentiren und in 
seiner glnzenden Beobachtungsgabe. Aber auch seine schwache 
Seite tritt nun hervor. Leicht giebt er sich einer Hypothese hin, 
die alsbald die volle Strke eines Vorurtheils erlangt und die 
Schrfe seines kritischen Urtheils beeintrchtigt. Die alte An- 
sicht von der Verschiedenheit der in der anorganischen und der 
organischen Natur wirkenden Krfte, von der besonderen in 
letzterer thtigen Lebenskraft, die durch Whlers Harnstoff- 
synthese 32 Jahre zuvor den Todesstoss erhalten zu haben schien, 
sie erweckt Pasteur zu einem neuen kurzen Scheindasein. Frei- 
lich giebt er jetzt dafr eine bestinnutere Definition. Statt bei der 
Thatsache stehen zu bleiben, dass es bis dahin nicht gelungen 
sei, knstlich Krper von molecularem Drehungsvermgen zu er- 
zeugen, geht er sofort zu der Behauptung ber, dass dies id^er- 
hau])t nur durch eine gewisse richtende Kraft der Organismen 
mglich, dann aber auch gewissermaassen nothwendig sei. Be- 
fangen in seinem Vorurtheil weist er auf die Mglichkeit hin, 
dass viele durch den Organisnuis erzeugte inaktive Krper die 
Traubensureform vorstellen knnten, whrend er die mindestens 
ebenso wahrscheinliche Annahme, dass diese Form bei knstlichen 
Bildungsprocessen entstehe, nicht gelten lassen will. 

Aber auch die Irrlhmer bedeutender Menschen sind zuweilen 
ntzlich. Aus der eben erwhnten Ansicht gingen die schnen 
und von bestem Erfolge gekrnten Versuche hervor, ojitisch 
aktive Suren aus der inaktiven Traubensuremodifikatiou zu 
isoliren, durch Verbindung mit asymmetrischen Basen wie Chinicin 
und Cinchoniciu oder durch Einwirkung asymmetrischer Krfte 
in Gestalt von Ghrungspilzen. Gerade durch Anwendung dieser 
Methoden ist es dann, nachdem durch vau't Hoff' dii' Ursache 
der moleeularen Asynunetrie erkannt war, gelungen, fast nach Be- 
lieben im Laboratorium optisch aktive Krper zu erzeugen und 
so die Theorie der Lebenskraft, hoffentlich fr immer, zu begraben. 

Nr. 29. Ludwig Wilhelmy, Lieber das Gesetz, nach 
welchem die Entwicklung der Suren auf den Rohr- 
zucker stattfindet. (1850.) Herausgegeben von W. 0.stwald. 
Preis 0,80 iMk. 
Diese Arbeit stellt den ersten gelungenen Versuch dar, die 
Gesetze zu erforschen, nach denen iler Verlauf chemischer Reac- 
tionen in der Zeit erfolgt. Der Verfasser whlte als Beispiel 
die Inversion des Rohrzuckers, weil hier der Polarisationsapparat 
jederzeit den Punkt, l)is zu welchem die Reaction gediehen ist, 
mit Leichtigkeit festzustellen gestattet, wie denn auch dieses 



Nr. 8. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



79 



Boisijiel fr die sptere Entwicklung dieses Zweiges der tlioore- 
tischen Chemie miiassgebend geblieben ist. Er zeigt hieran die 
strenge zahlenmilssige Gltigkeit seiner aus allgemeinen Betrach- 
tungen theoretisch abgeleiteten Formel. Merkwrdigerweise ist 
diese Arbeit, die der fruchtbarsten Anregungen voll ist, von den 
Fachgenossen so wenig beachtet worden, dass spatere Forschor 
auf diesem Gebiete, ohne das hier gebotene Material zu ver- 
werthen, erst durch solbststndige Arbeiten zum selben Schlsse 
gelangten. Erst der Herausgeber hat dann (Journ. f. prakt. 
Chem. (2) XXIX 385, 1884) die Aufmerksamkeit auf das ver- 
gessene Urbild dieser Arbeiten gelenkt und dasselbe jetzt in 
piettvoller Weise durch die Aufnahme in seine Sammlung auch 
weiteren Kreisen zugnglich gemacht. Durch die Beifgung des 
Lebenslaufs sowie eines Verzeichnisses seiner wissenschaftlichen 
Arbeiten wird der fast unbekannte Verfasser auch menschlich 
dem Leser nher gerckt. 

Nr. 30. Prof. S. Cannizzaro, Abriss eines Lehrgangs 
der theoretischen Chemie vorgetragen an der l'ni- 
versitt Genua. (1858.) Uebersetzt von Dr. Arthur Miolati 
aus Mantua, herau.sgegeben von Lothar Meyer. Preis 1 Mk. 
In Form eines Briefes an seinen Freund, Prof. S. de Luca, 
seliihlort C. in gedrngter und doch durchaus klarer Krze, wie 
er in seinen akademischen Vorlesungen vor den Jngern der 
Chemie das theoretifche Gebude iln-er Wissenschaft aufbaut. 
Von erfreulichster Wirkung ist die Einheitlichkeit, welche er in 
einer Zeit, da noch die widersprechendsten Meinungen Unklarheit 
in die wichtigsten Grundlagen der cliemischen Theorien trugen, 
in seinen Lehrstoft' bringt. Vor Allem ist es das damals noch 
vielumstrittene Avogadro'sche Gesetz, dem er zur vollen Herrschaft 
verhilft. Fr weitere Kreise von Bedeutung waren hierfr na- 
mentlich die Verffentlichungen , zu welchen ihn die Unter- 
suchungen von M. H. Sainte-Claire Deville ber die Dissociation 
oder die Zersetzung der Krper unter dem Einfluss der Wrme" 
(die wir hoffentlich auch bald in der OstwaUrsclien Sanniilung be- 
grssen drfen) anregten. In dankenswerther Weise sind z\yei 
derselben dem obigen Abriss" beigefgt. Wer das kleine 
Sehriftclien liest, wird ihm freudig den Platz unter den klassi- 
schen Schriften als verdient zuerkennen, insbesondere, wenn er 
aus der Anmerkung dos Heransgebers sich wieder den Wirrwarr 
in der theoretischen Chemie beim Erscheinen derselben klar macht. 

Dr. Spiegel. 



Ii. Boltzmann, Vorlesungen ber Maxwells Theorie der Elek- 
tricitt und des Lichtes. I. Theil. Ableitung der Grund- 
gh-ichungen fr ruhende, homogene, isotrope Krper. Leipzig. 
Joiiann Andirosins Barth, 1893. Preis 5 M. 

Der Herr Verfasser dieses Werkes hat seit langen Jahren 
schon in so hoch bedeutsamer Weise mitgewirkt auf dem Gebiete, 
das er hier darstellt, dass wir sein Buch schon von vornherein 
mit dem grssten Interesse begrsst haben. Dies Literesse war 
bei dem Unterzeichneten umso lebhafter, als neuerdings die Mei- 
nung geussert worden war, dass die Maxweirsche Darstellung 
(im Treatise of Electricty) unklar und schwierig sei. Ich konnte 
das nie finden, will aber zugeben, dass die Leetre Maxwell'scher 
Arbeiten ein grsseres Maass von Ausdauer und intensiver Hingabe 
verlangt, als dies sonst, namentlich in franzsischen Werken, ver- 
langt wird. 

Herr Boltzmann hat nun allerdings in vollstem Maasse erreicht, 
was er angestrebt hat: Klarheit, Krze, Anschaulichkeit. Es ist 
ein grosses Verdienst, dass hier die letzte mathematische Grund- 
lage der ganzen Theorie, die Holmholz'sche Theorie der cj'klisclien 
Bewegungen scharf und reinlich herausgestellt wird. Mit Anwen- 
dung der Lagrange'schen Gleichungen ergeben sich aus dieser 
Grundlage dann die Gleichungen der Elektricittslehro in so ein- 
facher und klarer Weise, dass der Leser sich ohne Mhe in die 
ihm anfangs noch fremde, der gewhnlichen so ganz gegen- 
berstehende, Maxwell'sche Anschauung hineinfindet. Die Ver- 
anschaulichung elektrischer Vorgnge durch mechanische Modelle 
ist eine in hohem Maasse gelungene, die mathematis<-he Durch- 
fhrung berall eine strenge. Dabei wird aber niemals die Be- 
ziehung zum Experimente ohne welche Bcher ber mathema- 
tische Physik fr mich nur problematischen Wertb haben ver- 
nachlssigt. Das Werk des Herrn Boltzmann, auf dessen reichen 
Inhalt ich au anderer Stelle eingehe, ist ein grosser Schatz fr 
unseri' wissenschaftliche Littoratur und es sollte kein Studirender 
und kein Lehrer versumen, sich mit dem Inhalte dieser Vorle- 
sungen bekannt zu machen. Grs. 



L. Fletcher. The optical indicatrix and the transmission of 
Ught in criptals. Henry Trowile, LouiIdu bSil'i. 

Das vorliefiende Work scdirint uns dii' Aufmerksamkeit so- 
wohl der Physik(>r und Mathemathiker als auch der Mineralogen, 
soweit sie an der mathematischen Behandlung der krj-stallogra- 
phischen Optik Interesse nehmen, zu verdienen. Angeregt durch 
seinen Lehrer Maskelyne macht der Verfasser den Versuch, einen 
mglichst einfachen Eingang in die Theorie der Ref'raction des 
Lichtes in Crj'stallen zu geben, der soviel als mglich jede Unter- 
suchung ber die Eigenschaften des Aethers vermeidet. Einen 
erheblichen EinHuss hat unseres Erachtens die Bemerkung von 
Sir William Thomson (Lord Kelvin) auf das Werk ausgebt, dass 
nmlich die seit Fresnel fr die Stabilitt des Aethers als unum- 
gnglich nothwendig betrachtete Imcompressibilitt des Aethers 
thatsehlich hierfr nicht nthig ist. Der elastische Lichtther 
wird hiernach also compressibel betrachtet. Wir mssen es uns 
versagen, auf eine nhere Analysirung des Inhalts des sehr intiM-- 
essanten Versuchs zu einer neuen Darstellung der krystallogra- 
phischen Optik einzugelien. Unser Referat aber schliessen wir 
mit dem Wunsche, dass dem vorliegenden Werke die gebhrende 
Beaclitung zu Theil werde. 

Die Ausstattung des Buches ist in jeder Beziehung als vor- 
trefflich zu bezeichnen. 



Annuaire pour l'an 1893, public par le Bureau des Longitudcs. 
Avec des Notices seientihques. Gauthier-Villars et Fils, Paris 
1893. Preis 1 Fr. 50 C. 

Das vom Bureau des Longitudes fr das Jahr 1893 heraus- 
gegebene Jahrbuch enthlt ausser den blichen Tabellen ber 
Astronomie, Maasse und Gewichte, Mnzen, Statistik, Geographie, 
Mineralogie, Physik und Chemie diesmal eine Reihe interessanter 
wissenschaftlicher Aufstze aus berhmten Federn. Wir fhren 
von den letzteren besonders an: ber das Observatorium auf dem 
Mont-Blanc von J. Janssen; ber die Beziehung zwischen den Er- 
scheinungen der statischen und dynamischen Elektricitt und die 
Definition der elektrischen Einheiten von A. Cornu; ferner eine 
Rede von J. Janssen ber die Aeronautik. Schliesslich sind zu 
erwhnen die Reden ber Ossian Bonne t, ber den Admiral Mou- 
ehez und den General Perrier. 

Es ist berflssig, dem bekannten werthvoUen Werke, welches 
sich mit Recht eines ausgezeichneten wissenschaftlichen Rufes er- 
freut, eine Empfehlung auf den Weg mitzugeben. Der ausser- 
ordentlich geringe Preis ist nur bei einem so stark verbreiteten 
Werke mglich, wie es das vorliegende Jahrbuch ist. A. G. 



Alldeutschland in Wort vmd Bild. Eine malerische Schilderung 
der deutschen Heimath von August Trinius. Ferd. Dmmlers 
Verlag in Berlin. 1893. Lief. 0,30 M. 

Seit unserer letzten Notiz ber das genannte hbsche Werk 
sind nicht weniger als 10 Lieferungen, die Lief. 7 16, erschienen. 
D.as liebliche Thringen findet sich bei S. 272 erledigt und der 
nchste Abschnitt ist Die schwbische Alb" berschrieben, dann 
folgt der Abschnitt Am Rhein", der begreiflicherweise mit Lief. 
16 noch nicht abgeschlossen ist. Die zahlreichen Skizzen nach 
Federzeichnungei], sowie Abbildungen nach Photographien sind 
stets charakteristisch und treffend gewhlt; der Zeichner der 
ersteren, F. Holbein, versteht es mit wahrer Knstlerschaft seinen 
Bildern immer wieder neue, anniuthige Umrahmungen zu geben. 
Der Te.xt ist dem grossen Publikum sehr geschickt angepasst: 
jedermann muss seinen Gefallen an dem Werke haben. 



Sitzungsberichte der Kgl. Preuss. Akademie der Wissen- 
schaften. 1892. Hefte 54 und 55. L. Fuchs: l'eber die Re- 
lationen, welche die zwischen je zwei singulreu Punkten 
erstreckten Integrale der drei Lsungen linearer Dift'erential- 
gleichungen mit den Coefficienten der Fundamentalsubstitutioneu 
der Grupe derselben verbinden. G. du Bois und Rubens: 
Uebcr Polarisation ultrarother Strahlen beim Durchgang durcli 
Metalldrahtgitter. Wilhelm von Bezold: Der Wrmeaus- 
tausch an der F]rdoberflclie und in der Atmosphre. Der vorlie- 
genden Abhandlung sollen noch weitere ber nach der angegebenen 
Richtung hin angestellten Untersuchungen folgen. Diese erstrecken 
sich auf die Vorgnge, welche die von der Sonne gelieferten 
Wrmemengen von ihrem Eintritt in die Atmosphre bis zu ihrem 
Wiederaustritt nach dem Weltraum zu durchlaufen haben. 
(Welcher Bruchtheil der in bestimmter Zeit an irgend einem Ort 
zum Austausch gelangenden Wrme wird durch directe Einstrah- 
lung geliefert und durch directe Ausstrahlung entzogen; wie viel 
wird durch einfache und zusammengesetzte Convection gebratdit 
oder weggefhrt; wie viel dii>nt zum V^erdunsten des Wassers oder 
zum Schmelzen dos EiHe,'< ; wie viel wird im Erdboden fr sptere 
Abgabe aufgespeichert, etcV) Wir worden auf diese Arbeit noch 



80 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 8. 



au anderer Stelle der N. W." zurckkommen. Curtius: Die 
Deichbauten der Minyer. Der heute berchtigte Kopais-See war 
vor der bis jetzt bekannten griechischen Geschichte kein Fieber- 
Sumpf, sondern lag in wohl angebauter, blhender Gegend. Er- 
mglicht wurde dies durch die bedeutenden und praktischen 
Kanal- und Deichbauten des bis vor kurzer Zeit noch in die 
Mythe verwiesenen Stammes der Minyer. Eine Tafel. Ernst 
Leumann: .Tinabhadra's Jitakalpa, mit Auszgen aus Siddhasena's 
Crni. (Eine in Verse gebrachte Bussenliste der Jaina-Mncho ) 
Heft 1 des neuen Jahrgangs: Philipp Lenard: ITeber Kathoden- 
strahleu in Gasen von atmosphrischem Druck und im ussersten 
Vacuum. F. K. 



Sitzungsberichte der Eaiserl. Akademie der W issenschaften 
zu Wien. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe. Band 
101, Heft 8. 1. E. Mach: Ergnzungen zu den Mittheilungen 
ber Prqjectile. Es werden neue Beweise mitgetheilt fr die 
Existenz der sogenannten Kopfwelle, welche von Krpern mit 
grosser Bewegungsgeschwindigkeit erzeugt wird und einen Knall 
verursacht (z. B. beim Fallen von Meteoriten). 2. Leopold 
Gegenbauer: Ueber die aus den vierten Einheitswurzeln ge- 
bildeten primren ganzen complexen Zahlen. 3. Hermann 
Fritz: Die gegenseitigen Beziehungen der physikalischen und 
ehemischen Eigenschaften der chemischen Elemente und Verbin- 
dungen. 4. Jos. Finger: Ueber die gegenseitigen Beziehungen 
gewisser in der Mechanik mit Vortheil anwendbaren Flchen 
zweiter Ordnung nebst Anwendungen auf Probleme der Astastik. 
(Ergnzungen und Erweiterungen zu den Daroux'schen geome- 
trischen Resultaten astastischer Probleme; gleichzeitig Einleitung 
zu einer Reihe von Abhandlungen ber den Krftepol eines be- 
liebigen auf ein starres Punktsystem einwirkenden Krftesystems. 1 
5. Leopold Gegenbauer: Ueber den grssten gemeinsamen 
Theiler. 6. G. v. Eschcrich: Ueber die Multiplikatoren eines 
Systems linearer, homogener Differentialgleichungen. 7. Josef 
Tesar: Ueber ein Paar unicursaler Degenerirungscurven dritter 
Ordnung des Normalenproblems und das Normalenproblem einer 
confocalen Kegelschnittschaar. 1 Tafel. 8. E. Weiss: Unter- 
suchung der systematischen Differenzen einiger sdlicher Stern- 
kataloge. (Um die Eigenbewegung einer grsseren Anzahl von 
Sternen sdlich des Wendekreises des Steinbocks genauer be- 
stimmen zu knnen, hat der Verf. die systematischen Unterschiede 
zwischen mehreren Sternkatalogen entwickelt und theilt seine Re- 
sultate ausfhrlich mit. Er hat folgende Kataloge mit einander 
verglichen: a) Gill's CapKatalog fr 18500 mit Argelander; b) Gill's 
C.-K. etc. mit dem Katalog von Gillis aus Beobachtungen in 
Santiago; c) Jacob's Subsidiary-Catalogue mit Gill's C.-K. etc.; 
d) Hagen-Holden's Katalog von Tacchinis sdlichen Sternen mit 
Gould's Zonen-Katalog; e) Ta3dor's General-Catalogue mit sd- 
lichen Sternen des Kataloges von Piazzi; f) B. A. Gould's General- 
Katalog mit J. E. Stone's Cap-Katalog von 18800.) F. K. 



Berichte ber die Verhandlungen der Kgl. schsischen 
Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. Mathem.-phys. 
Classe. 1892. N. Ausser dem bereits in der Naturw. Wocheu- 
schr." erwhnten Artikel H. Credner's: Ueber die Geologische 
Stellung der Kliuger Schichten", auf den wir wie damals ge- 
sagt noch ausfhrlich eingehen werden, bringen F. Stohmann 
und H. Langbein die achtundzwanzigste ihrer Abhandlungen, 
in denen der orstere die von ihm im Verein mit anderen ange- 
stellten Calorimetrischen Untersuchungen" beschreibt. In vor- 
liegender Arbeit handelt es sich um die Untersuchung der isomeren 
Allyl- nnd Propenylverbindungen. G. F. Lipps hat einen Artikel 
ber Thetareihen und ihren Zusammenhang mit den Doppel- 
integralen" gebracht. 



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Leipzig. 3 M. 

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Berlin. 3,.j0 M. 

Schulze, E., Fauna piscium Germaniae. 2. Aufl. Knigsberg. 
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Schulze, F. E., Ueber die innereren Kiemen der Batrachierlarvcn. 
Berlin, 6 M. 

Schwalbe, J., Grundriss der spcciellcn Pathologie und Therapie. 
Stuttgart. 14 M. 

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15 M. 

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logische Fragen. Jena. 12 M. 

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Wiesner, J., Untersuchungen ber den Einfluss der Ijage auf die 
Gestalt der Pflanzenorgane. Leipzig. 0,'JO M. 



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exacten Wissenschaften. L. Boltzmann: Vorlesungen ber Maxwells Theorie der Elektricitt und des Lichtes. L. Fletcher: 
The optical indicatrix and the transmission of light in criptals. Annuaire pour l'an 1893. Alldeutschland in Wort und 
Bild. Sitzungsberichte der Kgl. Preuss. Akademie der Wissenschaften. Sitzungsberichte der Kaiserl. Akademie der Wissen- 
schaften zu Wien. Mathematisch- Naturwissenschaftliche Classe Berichte ber die Verhandlungen der Kgl. schsischen 
Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. Liste. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den Inserathentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
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Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. 



Sonntag, den 26. Februar 1893. 



Nr. 9. 



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anstaltcii, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist JL 3. 

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Inserate: Die vieigespaltene Petitzeile 40 -A. Grssere AuftrKe ent- 
sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. luseratenannahme 
bei allen Annocenbureaux, wie bei der Expedition. 



Abdravk ist nur luit voUstiidigci' <^nencnaii{>;nbe gestattet. 



Die Algenflora des Mggelsees. 



Von P. Hennings, Ciistos am Kgl. botanischen Museum in Berlin 

Obwohl Alexander Bi-auii. einer dei" iir.ssten Algen- 
kennei' .seiner Zeit, ber ein Vierteljalirhundert hinaus der 
Erforschung' der nirkisclien Alg-entlora seine besondere 
Aufmerksamkeit zugewendet hatte, ist bisher sehr wenig 
ber dieselbe bekannt geworden. Und doch sind die Ge- 
wsser der Jlark so reich an eigenthndiehen und seltenen 



Algen. Ich erinnere hier nur an die zahlreich vertretenen 
Arten der Characeeu, Oedogonieen, sowie an l'leuroeladia 
lacustris A. Br. Diese iuteressaute Ssswasser - Phaeo- 
phycee wurde von A. Braun, Mai 1855 zuerst im Tegeler 
See entdeckt und findet sich hchstwahrscheinlich auch 
heute noch dort. Dieselbe wurde von mir am 12. Mai 1882 
in einem Teiche bei Mariendort', sdwestlich von Berlin, 
in Menge autget'unden.*) 

Seit 12 Jahren mit der Ert'oi-schung der mrkischen 
Algenflora gelegentlich beschftigt, hatte ich diesen Sommer 
mein besondei'cs Augenmerk auf die des Mggelsees ge- 
richtet. Alexander Braun ist meines Wissens nicht oft nach 
diesem See gekomnieu und sammelte am Silende desselben 
nur die im Sommci' l)erall hutige Anabaeiia flosaquae. 
Sein Sohn Herrmann fand im August 1853 hier eine im 
Herbar Braun als Physactis vel Limnactis sp. bezeichnete 
Phycochromacee sowie Chaetophora radians Kg. Weitere 
Algen waren mir aus diesem Gewsser nicht bekannt. 

Durch die Erbauung der grossartigen Wasserwerke 
ist der gewaltige Mggelsee, dessen Flcheninhalt ber 
50 qkm betrgt, in den Bannkreis Berlins gezogen worden, 
und er ist berufen, dasselbe fortan mit einem unversieg- 
baren Strom des flssigen Elementes zu versorgen. 



*) In No. 43 der Naturw. Wochenschrift" findet sieh die 
interessante Mittheilung;, dass diese Alge von Dr. O. Zacharias 
im Gr. Plner See aufgefunden worden ist. Ich vermuthe, die- 
selbe bereits 1880 im Trndelsee bei Kiel gesammelt zu haben, 
erkannte dieselbe d. Z. aber nicht und wurde beim Auffinden 
derselben im Muriendorfer Teiche 1882 lebhaft an die Eigenthiim- 
lichkoit der lil.--teinischen Alge, die mir verloren gegangen war, 
erinnert. 



Aus diesem Grunde schien es mir sowohl von wissen- 
schaftlichem Interesse, wie auch von hoher praktischer 
Bedeutuflg- zu sein, die Algenflora dieses Sees nach 
Krften zu erforschen, doch vermochte ich meine Beob- 
achtungen vorlufig nur auf einen recht beschrnkten 
Theil desselben auszudehnen. 

Aber die Mhe ward licrreich belohnt. Es drfte 
sieh in ganz Nord- und Mitteldeutschland kaum ein Land- 
see finden, welcher durch eine so eigenartige und reiche 
Algenflora ausgezeichnet ist, als der Mggelsee. 

Am 19. April unternahm ich in Begleitung der Herren 
Prof. Schumann und Dr. Taubert die erste Excursion und 
begingen wir das linke Seeufer von Friedrichshagen bis zur 
Rahnsdorfer Wassermhle. Die aus den flachen Stellen 
des Ufers berall heraustretenden Wurzelfasern sowie ber- 
splte kleinere Kieselsteine waren mit den lebhaft grnen, 
zarten Raschen von Ulothrix zouata Kg. dicht berzogen. 
Hin und wieder machten sich ti-eibende braune Flocken 
sowie grosse ausgeworfene Massen, aus den verschieden- 
artigsten Diatomeen bestehend, bemerkbar. In einer Quelle, 
die zwischen den Wasserwerken und dem Rahnsdorfer 
Forsthaus zum Mggelsee hineinfliesst, waren einzelne 
Steine mit dunkelgrnen Raschen von Stigeoclonium tenue 
Ag., sowie modernde Zweige sprlich mit Draparnaldia 
glomerata Ag. bewachsen. Dies war die ganze, nicht 
besonders reiche Ausbeute. 

Eine zweite Excursion wurde auf gleicher Strecke 
am 29. Mai unternommen. Ulothrix zonata war fast gnz- 
lich verschwunden und seine Stelle von einem sehr kurz- 
rasigeu dunkelgrnen Stigeoclonium, welches A. Braun in 
seinem Herbar als St. rei)ens A. Br. bezeichnet hat, ein- 
genommen. In einem Sumpf jenseits der Wasserwerke 
machte sich Nostoc earneum Kg. in schwimmenden, 
dnnen, zaj-ten, fleischrothgefrbteu Huten bemerkbar, 
ebenso fanden sich in diesen Smpfen Ciadophora glome- 
rata Kg. reich mit Diatomeen besetzt, ein steriles Oe<lo- 



82 



Nntur-wisseiiselial't liehe Woelioiisclirift. 



Nr. 9. 



gonium sowie Spirogyra crassa Kg. und Zygnema 
criiciatum Kg., smmtlich steril. Am 20. Juni traf 
ich am Seeufer untei'lialb des Forstliauses Nostoc edule 
Kg. in wallnussgrossen, Itlasigen, oliventarbigen Kugeln. 
in grosser Menge ausgeworfen, an. Die ljerHutheteii 
Wurzeln und Steine daselbst bis zu den A\'asser- 
werken, waren mit dieliten Rasen von Cladopliora glomc- 
rata Kg. var. subsimplex, sowie mit Conferva stagnoruni 
(Kg.) Wille bewachsen. In den Smpfen am Rande des 
Sees hatte sieh Nostoc carueum Kg. berall gewaltig 
ausgebreitet und erfllte diese mit i^allertigen kugeligen 
oder lajjpigeu, dunkelblutrothen Massen, in der Form 
rufeseens (Kg.). Mitte Juli sannnelte ich an den ber- 
flutheten Steinen und Wurzeln des seichten Seeufers auf 
gleicher Strecke Cliaetophora cornu damae A'g. in der 
schmallappigcn sowie in der inerustirten Form in grsserer 
Menge. 

Nostoc edule war gnzlich verschwunden, s-fatt dessen 
war das ganze Seeufer mit haselnuss- bis wallnussgrossen, 
dunkelgrnen, harten Kugeln von Rivularia Pisum Kg. 
form, saccata, sowie mit Nostoc rufeseens Kg. bedeckt. 
An dem berall an den flachen Ufern unterhalb des 
Wasserspiegels wachsenden Potaniogeton ])ectinatus fand 
sich Rivularia Pisum Kg. in crliscngrossen Kgelchen. 
Diese fallen spter ab, wachsen zu voriger Form aus und 
werden dann ans Ufer geworfen. Eine weitere Excursion 
wurde Mitte August ausgefhrt. In Smpfen am See- 
rande jenseits der Wasserwerke machten sieh bis ber 
walluussgrosse, olivenfarbige, blasige Kugeln von Gloeo- 
triehia natans Rab. in grosser Menge bemerkbar. Eine 
dieser Kugeln, die stark faltig und im Innern hohl war, 
hatte die Grsse eines Mensclienkopfes. Dieselben entstehen 
in unregelmssigen, spter oft mit einander verwachsenden 
hutigen Lapiien an Elodea eanadcusis, Ohara fragilis und 
Gh. foetida. In der Quelle an gleichem Orte sowie am 
Ausflsse derselben in den See fand sieh Chaetojjhora 
cornu damae Ag. var. valde elongata Rbh. in bis 40 cm 
langen dunkelgrnen, dickstrngigen, reich verzweigten 
Rasen. Exeni])lare Aon solchen Dimensionen, von solcher 
Schnheit drften wohl kaum je benbachtet \\orden sein. 
Es ist wunderbar, zu welcher Vielgestaltigkeit sicli unter 
liesondcrs gnstigen Umstnden eine verhltuissmssig 
kleine, unscheinbare Alge zu entwickeln vermag. Hchst 
wahrscheinlich findet dieses ppige Wachsthum in der 
abnorm trockenen, heisscn Witterung des Sonnners, sowie 
in dem eigenartigen Standorte, der an dieser Stelle rasch 
fliessenden, stets frischen, wasserreichen Quelle, seine 
Ursache. 

Am Seeufer fanden sich zusammengerollte Watten 
einer langfdigen Confervacee, auf die ich spter znrck- 
konnnen werde, ausgeworfen; ebenso wurden am sumpfigen 
Strande Oonferva bombyeina (Kg.) Wille, sowie denselben 
blaugrn umsumend, Anabaena flos aquae Kg. mit Poly- 
cystis aeruginosa Kg. beobachtet. 

Von den an Fadenalgen sowie in ausgeworfenen oder 
treibenden braunen Flocken sich findenden zahlreichen 
Diatomaceen will ich hier nur die hufigeren Arten nam- 
haft machen. Melosira varians Ag., Epithemia turgida 
(Ehrb.j W. Sm., Himantidium pectinalc (Dillw.) Kg., En- 
cyonema paradoxum Kg., Cocconeis Pedieulus Ehrbg., 
Fragilaria virescens Ralfs, Diatoma vulgare Bory, Navi- 
eula viridula Kg., Pinnularia major Rbh., Stauroncis Phoe- 
nicentrou Ehrbg., Synedra Ulna Ehrbg., Gomphonema 
curvatum Kg., Sphenella parvula Kg. 

Am 21. September unternahm ich eine Excursion von 
Friedrichshageu nach dem jenseitigen Ufer bis zu den 
Mggclbergen hin. Am sumpfigen Seeufer bei der Bade- 
anstalt machte sieh berall Polycystis aeruginosa bemerk- 
bar und fand sieh Nostoc jiruniformc in bis wallnu.ss- 



grossen, hohlen, dicklederigen, schwrzlichen Kugeln in 
ungeheurer ilenge ausgeworfen. Tetraspora gelatinosa 
l)edcckte mit gallertigen, bleiehgrnen Massen die Ufei'. 
Die Smpfe waren dicht mit kleinen, dunkelgrnen Netzen 
von Hydrodictj'on reticnlatum angefllt, deren einzelne 
grssere sich frei selnvinnnend im See fanden; ebenso 
war Sirogonium sticticum mit S])oren hufig. An aus- 
geworfenen Schilflialmen beobachtete ich Calothrix Brannii 
Born., Golcoehaete seutata Brcb., Tolypotlnix tcnnis Kg., 
sowie im See treibend Toly])othrix Aegagropila Kg.' Die 
in den Smpfen hufige Fontinalis anlipyretica war dicht 
mit Rivularia minutila Born. u. Flali. bedeckt und ein- 
zelne Halme mit Ghaetoplu^ra pisiformis. (Kotli) Ag. 

Glcgen Ende September fand ich das Seeufer von 
den' Wasserwerken bis zum Rahnsdorfer Forsthause mit 
grossen Watten einer bereits frher beobachteten Cpn- 
fervaee, welche ganz das Aussehen der in der Ostsee so 
hufigen Chaetomorpha Linum Ag. hatte, bede.ekt. Die 
starren, unverzweigten Fden zeigten grsste Aehnlichkeit 
mit dieser Art, doch war es mir unfassbar, dass sich ein 
Vertreter der, meines Wissens nur dem Meere angehrigeu 
Gattung im Mggelsee finden sollte. Herr Dr. P. Richter 
in Leipzig, der beste Keuner heimischer Ssswasseralgen, 
erkannte darin jedoch eine neue Ssswasser-Art der meer- 
ijewohncnden Ohaetomorpha, die er Cli. Henningsii be- 
nannt hat. Am 5. (Jctober fand Heir Dr. A. Krause 
an Pfhlen vor der Schiffbrcke beim Seebade Friedrichs- 
liagen Tlnrea ramosissima Bor}', eine Floi'idec, die bisher 
aus dem Rhein bei Worms und Strassburg, ans der Loire 
bei Angers, aus der Donau l)ei Belgrad bekaimt war. 
Am 9. October unternahm ich nt Ih'rin Dr. Krause 
und am 16. October in Begleitung der Herreu Prof. 
Dr. Engler, Prof. Hieronymus u. A. eine Excursion nach 
dieser Stelle, wo die Alge mehrfach in sehncn Rasen 
gesammelt wurde. Spter, bis zum Decend)er hinein, 
wurde mir dieselbe noch in mehreren Exemplaren durch 
Herrn Dr. Krause sowie durch Herrn Stanke in Friedrichs- 
hagen bersandt. Bei einer in Begleitung des Herrn 
Dr. Krause am 5. November uutcrnonnnenen Excursion 
wurde wiederuui das Seeufer von den Wasserwerken bis 
nacli Rahnsdorf zu begangen. Nostoc rufeseens, Cliaeto- 
phora cornu damae var. valde elongata, Chaetomorpha 
Henningsii Rieht, fanden sich an den genannten Orten in 
grosser Menge. Am Seeufer, auf Steinen wachsend, wurde 
Stigcoclonium tcrnue var. uniforme Ag., daselbst ausge- 
worfen Rivularia sj). in erl)sengrossen, harten Kugeln 
(gleich den \dn H. Braun gesammelten Physactis sp.) ge- 
sammelt, feruer verschiedene, bereits frher beobachtete 
Desmidiaceen, wie Cosmarium Cucumis Corda, C. niar- 
garitifeium Bge., Closterium Lunula Ag., Xanthidium 
aculeatum Ehrbg., ferner Pediastrum Boryanum Menegh., 
Raphitlium faseiculatum Kg., Senedesmus (|nadiieaudaBreb, 
beobachtet. In todten Lachen am Rande des Sees machte 
sich besonders Beggiatoa alba bemerkbar, ebenso Clathro- 
cystis roseo-persicinus Colin und Lcptothrix ochraeca Kg. 
Auf Conferra ward im See und im Sumpfe unterhalb der 
Frsterei Cylindrospernunn macrospermum Kg. angetroffen, 
sowie an letzterer Stelle Hydrodictyon reticnlatum. 

Von Dr. A. Krause ist ferner die in den Seen bei 
Erkner hufige, von dort schon frher bekannte Entero- 
morpha intestinalis (L.) Lk. auch im Mggelsee beobachtet 
worden. Im Sticuitzsee bei Rdersdorf fand A. raita 
Juli 1859 riesige Kugeln, von ber 1 dm Durehmesser, der 
Aegagropila Sauteri Kg., welclie bis dahin nur aus dem 
Zellersee bekannt war, in ungeheurer Menge ausgeworfen. 

Mgen diese wenigen Angaben gengen, um das 
Interesse der Algenforscher auf die berreiche Algenflor 
der mrkischen Landscen zu lenken. Voraussiehtlieli wird 
die Errichtung der bereits geplanten biologischen Station 



Nr. 9-. 



Natiiivvissciistbaftliclic Wucliciisclnift. 



83 



in Vciliiiuluiii;' mit den WasscrwerUcn am Miig.:;olsce recht 
bald ins Leben treten und dieselbe wird liutlentlicli aueli 
die alfi;-eolouisehe. Ertvscliung' des Sees eingehender zur 
Ausfhrung- bringen. Schliesslich bemerke ich noch, dass 
ich das bisher von mir angesammelte, sehr unit'ang- 



rciehe Algen -Material, das sieh durch Reichhaltigkeit 
und besonders durch Schnheit der Exemplare aus- 
zeichnet, zu einer Exsicaten-Sanmilung in Buchform zu- 
sammengestellt iiabc und diese als l'hykotheka niarehica" 
herausgebe. 



Ueber die Nonne (Liparis monacha). 

Von 01)4Tf(ir.-tei' K. Rittinoyrr. 



Am 3. und 4. Mrz 1802 ward in Wien ein (ister- 
reichiseher Forstcongrcss abgehalten, welcher einzig ber 
die Nonne, Liparis monacha L., das bezglicli ihrer 
Lebensphasen und Lebensweise und bezglich ihrer Be- 
kmpfung im Studirzinmier wie im Walde Beobachtete zu 
berathen hatte. 

Dass diese Verhandlungen hier eingehender mitge- 
thcilt werden, kann nieht erwartet werden*), diejenigen 
Tunkte jedoch hier wiederzugeben, welclie\on speciell natur- 
wissenschaftlichem Interesse sind, besonders aber, welche 
noch als ungelste Fragen bestehen blieben, das drfte 
fr die Sache selbst wie auch fr die Leser der Naturw. 
Woeiiensch)'." von Werth sein; und wenn ich liier den 
A])ell an die Naturforscher von Fach" wiederiiole (Vergl. 
No. 12 von Bd. VII), diesem als volkswirthschaftlich 
zur Zeit bedeutendsten Naturereignisse ihre For- 
schungen zuzuwenden, so bitte ich dies keineswegs als 
Redensart auflassen zu wollen. Millionen des National- 
vermgens sind, wie in den Oer Jahren, vernichtet, und 
wir Forstleute stehen bezglich der IMittel zur Beknii)fung 
dieses Schdlings fast noch auf dem gleichen Standpunkte 
wie damals. 

Es seien hier nur die Zahlen aus Bayern angefhrt, 
welche der kgl. bayerische Finanzminister, Dr. Freiherr 
von Riedel, in der Sitzung der bayerischen Kammer der 
Abgeordneten vom IL Mrz 1892 mitgetheilt hat: Der 
Aufwand zur Bekmpfung der Nonne betrug ber zwei 
Millionen Mark, Holz ward eingeschlagen fr mein- als zwlf 
Millionen Mark. Auf seinen Antrag wird die infolge des 
Nonnenfrasses fr Holzhauerlhne ausgeworfene Summe 
um 485 000 Mk., die Etatsposten fr Vertilgung von Forst- 
insekten um 980 000 Mark und die zu Raupenleim und 
Leinningeu um (100 000 Mk. erhht. Aus dem (man umss 
leider sagen: frherem Ebersberger Wildparke bei 
Mnchen wurden auf einen Schlag 1 200 OUO cbm Holz 
verkauft. 

Von dem Ei der N<inne wird die ungemein grosse 
Lebenszhigkeit hervorgehoben; Forstmeister Kopsch hat 
eine grssere Zahl in einem Gefsse mit Wasser durch 
drei .ihmate dem Froste ausgesetzt, ohne dass auch nur 
einige abgestorben wren, im Filrjalire kamen die Raupen 
recht gesund zum Vorschein. Von Parasiten ist das- 
selbe nach den Untersuchungen des Forstmeisters Fritz 
A. Waehtl (Entomologe der k. k. Versuchsanstalt in Maria- 
brunn) vollstndig frei: wenn Dr. Pauly (Privatdocent der 
Zoologie in Mnchen) unter vielen untersuchten Eiern 
zwei mit Parasiten befallene gefunden htte, so sei ihm 
meint Waehtl diesbezglich der Irrthum unterlaufen, 
dass er Eier der Orgyia anti([ua fr Nonneneier gehalten 
habe, erstere seien nicht frei von Parasiten. Dass die 
Raupen schon bald (4 Wochen) nach der Ablage der Eier 
in denselben vllig- entwickelt sind, hat selion 1798 



-*) Wer sich fi- diesellipii iiitrrcssirt. fiiidrt sie im Mailiefte 
der Forstlichen Bltter" (Miinclieii) und im Jlilizhet'tc des ..Central- 
bhttt ftir das gesammte Forstwesen" (Wien). Ausserdem sind jetzt 
auch die Verhandlungen des Oesterreiehischen Forstcongrcss 1892" 
erschienen. 



Dr. J. H. Jrdens (ricschichte der kleinen Fichtenraupe") 
erkannt und dies ist auch neuerlich vim allen Seiten best- 
tigt worden. Nieht so einig ist man ber die Frage, ob 
diese in den Eischalen vollkonmien entwickelt ruhenden 
Raupen bei entsprechend warmem Wetter, wie wir es 
z. B. im Herbste 1891 gehabt haben, zum mehr oder we- 
niger grossen Theile schon im Herbste auskriechen, um 
dann der Winterwittjcrung zum Opfer zu fallen. Forst- 
rath Gustav Henscdiel (Professor der Zoologie an der Hoch- 
schule fr Bodenkultur in Wien) ist dieser Ansicht und 
will im Herbste 1891 bereits ausgekrochene Rupchen 
gefunden haben. Nach Waehtl und Dr. Nitsche (Professor 
der Zoologie an der Forstakademie in Tharand), wie 
auch nach den Jlittlu'ilungen der meisten Herren aus der 
Pi-axis k(unnit ein derartiges verfrhtes Auskriechen der 
Raupen mir als sehr seltene Ausnahme vor. Den dies- 
bezglichen Angaben von Waldhtern und Holzhauern etc. 
ist nicht ohne Weiteres Glauben beizumessen, da diese 
nur zu leicht andere, im Herbste erscheinende Rupchen, 
wie der (Tuophria rubricoUis L. nach Waehtl, der Lithosia 
quadra L. nach Nitsche fr Nonnenrupchen halten. 
Auch ber die Frage, ob Nonnenrupchen durch Zimmer- 
wrme zum verfrhten Auskriechen gebracht werden 
knnen, sind die Ansichten verschieden, whrend manche 
derartige Versuche gelangen, hatten andere keinen Erfolg. 
Auf der Seite der ersteren stehen ihren Verft'entlichungen 
nach Dr. Nitsche und Dr. Pauly, auf der der letzteren Waehtl. 
Ueber diese Punkte, wie namentlich auch ber den Zu- 
sammenhang von Temperatur und Zeitpunkt des Aus- 
schliifens der Raupen liegen genauere Beobachtungen 
noch nicht vor. Ob die schon etwa 4 Wochen nach der 
Eiablage vollkommen entwickelte, im Ei ruhende Raupe 
an eine bestimmte Zeit der Ruhe in der Eischale ge- 
bunden ist, bevor sie dieselbe lebensfhig verlassen kann, 
oder ob sie durch eine liestimmte Wrniemenge, vertheilt 
auf mehr oder weniger lange Zeit zum Verlassen des Eies 
veranlasst wird, welche Wrmegrade den Zeitpunkt des 
Ausschlpfeus beeinflussen? Das Alles sind noch zu l- 
sende Fragen; ebenso wie diejenigen, ob bei den Eiern 
Krankheiten vorkommen und unter welchen \'erliltnisseu 
und in welchem Prozentstze unbefruchtete Eier abge- 
legt werden. 

Dass eine gewisse AVrmemenge ntliig ist, um die 
Rupchen zum Verlassen der sie so ungemein schtzenden 
Eischalen zu veranlassen, drfte nicht zu bezweifeln sein, 
man beobachtete wenigstens, dass an den Sd- und Ost- 
seiten sowie in den hheren Partien der Stmme die 
Rupchen um etliche Tage eher auskriechen als an den 
Nord- und Westseiten und den unteren Partien der 
Stmme, erstere wurden von der Sonne schon strker er- 
wrmt. Im Allgemeinen liegt zwischen dem .Auskriechen 
der ersten und der letzten Raupe ein Zeitraum von 3 -4 
Wochen je nach der Witterung. Einige Tage vor dem 
Auskriechen der Raui)eii verfrben sieh die Eier, sie ver- 
tauschen ihre duiikelgraubraune Farbe gegen eine niilch- 
wcissc und nehmen ausserdem Perlinuttcrglanz an. 

Die wichtigsten, theils neuen, theils noch nicht end- 



84 



Naturwissenscliaftliclie Wochensclivift. 



Nr. 9 



gltig 



geklrten 



Punkte 



Wenn allgemein angenommen und geleln-t wird 



betreffen das Ranpenleben. 
dass die 
Rupcben nach dem Verlassen des Eies zunchst einige, 
2 bis 6 Tage im Spiegel beisannnensitzen und erst dann 
ihre Wanderung nacli der Baumkrone antreten, so be- 
richtete Forstmeister Heyrowsky 
ber einen Fall, wo die Rup- 
cheu nach dem Auskriechen nur 
6 Stunden im Spiegel beisammen 
gesessen und dann alle stamm- 
aufwrts gekrochen seien. Auch 
Forstinspector Handloss beob- 
achtete, dass die Rupchen kaum 
einen Tag in den Spiegeln blie- 
ben. Es scheint dieses von der 
Witterung abzuhngen; bei kh- 
lem Wetter bleiben die Spiegel- 
rupchen wohl 4, 5 und 6 Tage 
in den Spiegeln beisammen, wh- 
rend sie bei warmem Frhliugs- 
wetter schneller lebendig werden, 
und dem Futter in der Krone zu- 
streben. Nach Forstdirector Bau- 
disch's Versuchen knnen die 
jungen Spiegelrupchen 8 bis 10 
Tage ohne jede Nahrung bleiben. 
Eine auffallende und naturwis- 
senschaftlich noch nicht aufge- 
klrte Beobachtung machte Forst- 
inspector Handloss, die Rupclien 
spannen sich einige Stunden nach 
dem Verlassen der schtzenden 
Eihlle vielfach stammabwrts, 
ohne erst in die Krone zu steigen, 
indem sie Fden spannen, bei- 
lufig eine Haudspanne lang sich 
dann an der Rinde fingen, um 
sich sogleich wieder an einem 
neuen kleineu Faden fortzuschnel- 
len, so dass sie in kurzer Zeit 
unter den Leinu'ing gelangten, 
welchen sie stets in grossen 
Bogen berschnellten" und wel- 
cher ihnen dami den Rckweg 
zum Futterplatz in der Krone 
abschnitt. Eine vielumstrittene 
Frage war die, ob jede Raupe 
in ihrem Leben wenigstens ein- 
mal zu Boden kommt. Ist dieses 
der Fall, so htten wir ein wenn 
auch kostspieliges, so doch durch- 
schlagendes Bekmpfungsmittel 
gegen den Schdling darin, dass 
wir wie gegen Gastropacha 
pini L. z. B. um jeden Stamm 
einen Raupenlcimring legen, wel- 
cher die zu Boden gelangten 
Raupen abhlt, die Baumkrone 
wieder zu erreichen. Leider 
sprechen fast alle Beobachtungen 
gegen diese anfnglich von 
vielen und massgebenden Seiten 
vertretene und erklrlicherweise 

von Jedem nur zu freudig aufgenonmiene Ansicht. 
Viele, ja sehr viele Raupen, 707o ^3.c\\ den Beobach- 
tungen in Bayern, gelangen einmal zu Boden, aber und 
besonders in Fichtenbestndeu nicht alle; eine zur Ver- 
nichtung des Bestandes imd zur Verbreitung der Calami- 
tt vollstndig gengende Zahl bleibt in den Baumkronen 




Figur 1. 

.Nonneiischleier" an zwei hocligeleimteu Fii'lifcii nach ])hotosr. 

Aiilnalime aus dem Reviere der Donine Pirrnitz (Mahren). (Aus 

Fritz A. Wacht], Die Nonne, im AiiftraRe und lieransgegeljen vom 

K. K. Ackerbau-Ministerium in Wien.) 



zurck. Sollen die Leimringe nun dennoch gelegt werden, 
um die sein- grosse Zahl der zu Boden gelangenden 
Rau])en dem Hungertode zuzufhren und die Masse der 
fressenden Schdlinge nach Mglichkeit zu dezimiren, 
oder soll man die bedeutenden Summen fr den Leim und 

das Leimen lieber sparen"?' 

das ist wiederum eine noch nicht 
einheitlich beantwortete Frage ; 
die Einen wollen mit dem Leim- 
ringe die Raupenzahl nach Mg- 
lichkeit vermindern, um wenig- 
stens den Kahlfrass zu verhten 
und so den Bestand doch am 
Leben zu erhalten, die Anderen 
wollen die Raupenzahl nicht ver- 
mindern, rtlich sogar mglichst 
steigern, um das Verhltniss dei-- 
selben zu der vorhandenen Fut- 
termenge so zu gestalten, dass 
die Raupen noch vor der letzen 
Hutung den Bestand allerdings 
kahl gefressen haben, seli)st alier 
auch aus Mangel an Futter zu 
Grunde gehen mssen. 

Das Verweht werden der 
jungen, sich hufig altspinnenden 
Raupen drfte aus Pfeil's Kri- 
tischen Blttern" (XXXV. I. S. 98) 
schon bekannt sein, es ist dieses 
eine die Bekm])fung des Schd- 
lings und Loealisirung des Scha- 
dens ungemein erschwerende Le- 
benserscheinung. Ebenso charak- 
teristisch sind die Nonnen- 
schleier, die Gespinnstbrk- 
ken und die Zelte. Die Nonnen- 
schleier (siehe die Figuren 1 u. 2) 
entstehen dadurch, dass die aus 
irgend einer Veranlassung zu 
Boden gelangten jungen Raupen 
beim Wiederbesteigen der Bume 
unterhalb des Leinn'inges oder 
eines anderen nicht zu berwin- 
denden Hindernisses, unter wel- 
chem sie sich in verbltnissms- 
sig kurzer Zeit zu ziemlich be- 
deutenden Massen ansammeln, 
bis zum Eintritte des Hungertodes 
unausgesetzt spinnen, sodass der 
unterhallt des Leimi'inges liegende 
Stammtheil bald in ein schleier- 
artiges, aus mehreren berein- 
' ander lagernden Schichten be- 
stehendes Gespinnst eingehllt 
wird, welches sich zwischen nahe 
beisanmien stehenden Stmmen 
gardinenartig ausbreitet. Da nun 
das Abspinnen der Raupen sich 
auf die ganze Zeit des Spinnver- 
mgens bis zur wlangten Halb- 
wchsigkeit ^'ertheilt, so gelangen 
immer neue Raupenmengen unter 
die Leimringe. Im gleichen Maasse 
sich damit die Gespinnstlagen der Schleier, 
somit eine erhebliche Dicke und Festigkeit er- 
reichen und durch einen eigcntbmliehen matten Seiden- 



hufen 
welche 



ihre lichtgraue 



Frbung 



weithin 



glnz, sowie durch 
sichtbar sind. 

Die Gespinnstbrcken sind ebenso auffallende, zum 



Nr. 9. 



Naturwisscnsoliaftliche Wocheusplirift. 



So 



Theilc aber wenij;-er angenchnic Ersclieinuiig-cn, es sind 
dieses Gespiiinstfadeii bezw. Gewebe, vvelebe die Spitze 
eines ststumniels nach ol)en und unten in s'cradcr Linie 
mit dem Stamme verbinden und iuif diese Weise liufi;;' 
den Leiun'ing iilierbriieken. Alle- Aststuuniiel sind somit 
in der Nlie des Leimringes zu entfernen. In gleicher 
Weise findet man in Culturen oft die Wipfel der ein- 
zelnen Pflanzen mit Ge- 
spinnstgewebeu zeltar- 
tig berdeckt. 

In der spteren Zeit 
ihres nicht gern ge- 
sehenen Daseins, in wel- 
chem sie nicht mehr 
spimien, haben die 
Nonnenraupen dennoch 
von ihrer Beweglichkeit 
nichts eingebsst. Von 
vielen Seiten ward das 
freiwillige Verlassen von 
Humen, welche noch 
ausreichend Nahrung 
boten, beobachtet, doch 
ist der Grund hit'rfr 
noch nicht festgestellt. 
Die Einen glauben, die- 
ses Wandern der 
Raupen dem Triebe 
derselben zusehreiben 
zu sollen, bei ungn 
stiger Witterung zum 
Theile auch zum Hu- 
ten oder Verpuppen, 
nach Nitsehe auch ge- 
genber den Tachinen 
am unteren Stammtlieile 

des Baumes oder in der Bodenstreu Schutz zu suchen; 
als Raupe eines Naehtschmetterlinges strebt sie sieh der 
Hitze und dem grellen Sonnenscheine in den gelichteten 
Baumkronen zu entziehen (Dr. Altum), whrend iin- kalte, 
regnerische Witterung wohl ebenso unangenehm ist. 
Andere wollen diese Erscheinung einem gewissen, zu den 
Lebensgewohnheiten des Tliieres gehrenden Wander- 
triebe" zuschreiben. Forstrath Professor Henschel 
leugnet beides, die Raupe verlasse die Krone eines Bau- 
mes, welche noch ausreichend Futter biete, nur dann, 
wenn sie krank sei, und sieht in dem Stammabwrts- 



Schleiei" 
Wiederaiifstiej 



wandern die erste Aeusserung einer Krankheit der Raupe. 
Nach der Ansicht der meisten arktischen Forstwirthe, 
welche zur Zeit wohl ausreichende Gelegenheit hatten, 
dieses Insekt zu l)eobachten, und fast aller brigen For- 
seher, wandern auch zweifellos gesunde Raujjen stamni- 
abwrts. Nach Forstmeistctr Wachtl wandern ilie von 
Parasiten (Ichneumonen- und Taehinen-Larven) bewtdniten 

(also kranken) Raupen 
stamrnabwrts, ebenso 
aber auch gesunde, wh- 
rend die pilzkranken 
Raui)en im Gegensatze 
zu Heuschers Annahme 
nie stannuabwrts, son- 
dern stets und nur stannn- 
aufwrts krchen. 

Ol) ein Wander- 
trieb" wirklich zu 
den Lcbensersciieinnn- 
gen der Nonnenraupe 
zhlt und was es fr 
eine Bewandtniss mit 
demselben hat, das 
ist eine weitere, noch 
ungeliiste Frage. 

Wanderungen \dn 
Raupenmassen aus ge- 
leimten oder kahlge- 
fressenen Theilen in an- 
dere sind nicht beob- 
achtet worden, vielmehr 
kriecht die Raupe, wenn 
sie an einem Stamme 
unter dem Leimringe 
Kehrt gemacht hat, auf 
dem Boden nur so 
bis sie aul" einen andern Stamm stsst, an 
riecht sie hinauf; trifft sie auch hier den Leim- 
ring, so kriecht sie wieder hinab, am r>oden weiter bis 
zum nchsten Sranniu' und so fort, bis sie verhungert. 
Es fehlt der Raupe jeder Impuls, nach Nahrung zu suchen, 
wenn solche nicht ganz in der Nhe ist. Die ilillionen 
von Raupen, von welchen die Kahlschlge wiunnelten, 
machten keinerlei Anstalt, in die noch grnen Bestnde, 
selbst wenn sie nur durch einen Weg von den kahlge- 
fressenen Flchen getrennt waren, auszuwandern. 

(Fortsetzung folgt.) 




Figur 2. 

Brcken und ZcHe, gesponnen von Nonneninpcheu, die dnrch Leimringe vom 



durcli die Banme verhindert wurden. (Aus Prof. Dr. Kitsche .Die 
Noimen, Wien, Ed. Hlzel, 1892.) 



lange fort, 
diesem 



Zur Biologie des (Uiolei-abacillus finden sieh inter- [ 
essante Daten in No. 7 der Bcrl. klin, Wochenschr." 

Pi-of. Dr. J. Uffelmann hat den Einfliiss der Klte 
auf die Lebensfhigkeit des Cholerabacillus untcisucht. 
Es ergiebt sich aus seihen Untersuchungen das Folgende. 

Die Cholerabacillen besitzen auch gegen Klte eine 
erhebliche Widerstandsfhigkeit. Sie ertragen sicher eine 
Temperatur von '24,8 C. unter Null, auch in dem der 
kalten Luft frei ausgesetzten Eise und P.odenmaterial. 
Sie erliegen der Klte ei'st nach einer gewissen Zeit. Die 
Dauer derselben scheint abhngig von der Intensitt der 
Klte zu sein. Ein wesentlicher Unterschied in diesem 
Verhalten gegen Klte scheint z\vischen Cholerabacillen 
ganz frischer und lterer Gnlturen nicht zu bestehen. 

Aus diesem Ergebniss folgt fr die Praxis, dass die 
Cholerabacillen an geschtzten Orten, unter Schnee u. s. w. 
von der winterlichen Klte nicht so leicht vernichtet 
werden, wie man vielfach annimmt, und dass sie im Eise, 
wenigstens im jungen, sehr wohl lebend vorhanden sein 
knnen. 



Der Cholerabacillus ist nicht eigentlich ein Parasit, 
sondern ein Saprophyt, ein Fnlnissbewohner. 

Die Infcction, .sagt Prof. Ferd. Huepi)e in einem 
Artikel ber die Gl:olei-a-Epidemie in llambui-g IS92, erfor- 
dert, dass die ausserhalb, event. also in Bodenheerden ge- 
bildeten Kommabacillen in den Krper gelangen. Diesen 
Ti-ansport vermittelt die Luft wohl nicht, eher Nahrungs- 
mittel und sieher in vielen Fllen das mit den llecrden 
in Verbindung getretene Wasser. 

Die Cholera asiatica ist eine wescnthch miasmatische 
Krankheit und iln-e epidemiologisch als gesetziiissig nach- 
gewiesene Abhngigkeit von rtlichen und zeitlichen \'er- 
hltnissen findet ihre natrliche Erklrung in dem Sapro- 
phytismus der Kommabacillen, die zur Erhaltung der Art 
auf diese Lebensweise angewiesen sind, und deren Para- 
sitismus nur ein facultativer ist. Nur bei der saprophyti- 
schen Lebensweise bilden die Konnnabacillen Formen, 
welche gengend widerstandsfhig sind, um mit einiger 
Sicheidieit die natrlichen Widerstnde des menschlichen 
Organismus in einer grossen Anzahl von Fllen zu ber- 



86 



Naturwissenschaftliclie Wochensclirift. 



Nr. 9. 



winden. Die den Krper des Krauken verlassenden 
Formen sind in Folge der vorausgeg'angeneu Anaerobiose 
im Dann so wcnii;' widerstandsfhig', dass sie zur unmittel- 
baren lufection wenig geeignet sind. Die directc Con- 
tagiou wird aus diesem natrlichen Grunde zur Ausnahme. 
Besonders gefhrdet sind in dieser Hinsicht die Wsche- 
rinnen, weil sie bei ihren Gewohnheiten am unmittelbarsten 
mit grsseren Mengen virulenten, durch mitbertragenes 
Gift untersttzten Kommabacillen in Bei'hrung kommen, 
die ansserdem noch vielfach in der Wsche eine sapro- 
phytische Vermehrung erfahren haben. 

Die pltzlichen Ausbrche der Cholera finden ihre 
Erklrung ungezwungen darin, dass ausserhalb unvermerkt 
grosse Mengen Keime saprophytisch herangewachsen oder 
anderweitig nach aussen gelangt sind, die in ein allge- 
meines Vehikel, z. B. in eine Wasserleitung gelangten. 
Das langsame Ansteigen anderer Epidemien erklrt sich 
einfach daraus, dass die lngere Zeit vorher saprophytisch 
gewesenen Kommabacillen der ersten sporadischen Flle 
noch wenig- virulent sind, whrend mit Zunahme der 
Zahl von in Folge der parasitisclien Lebensweise viruleuter 
gewordenen Mikrobien auch die Zahl und Bsartigkeit der 
Flle bis zu einem Maximum wchst, was man frher 
Contagiswerdeu miasmatischer Krankheiten nannte. 



Die Entdeckuiig: Amerikas, ein Wendepunkt in dem 
Verkehr der Vlker der Erde, betitelt sicii ein Aufsatz 
G. Neumayer's in den Annalen der Hydrogra])hie und 
Maritimen Meteorologie (Bd. 20, Heft T2,rzur 4Ujhrigen 
Scnlarfeier der Entdeckung Amerikas im Jahre 1892, 
welchem wir einige der hauptschlichsten Gedanken ent- 
nehmen. 

Zur Beleuchtung des immensen Fortschrittes, welchen 
die Erschliessung der Neuen Welt und die Auffindung des 
Seeweges um das Cap dei' Guten Hoffnung nach Indien 
und damit weiter nach Osten, nach China hin, bedingte, 
weist der Verf. zunchst kurz hin auf die Anbahnung 
eines regelmssigen eberland Verkehrs vom Westen Europas 
nach Ciiina zu : die grossen Quantitten von Seide, welche 
aus Serika, dem im Dunkel schwebenden Lande jenseits 
Iniaus, nach Europa gelangten, wurden in den ersten 
Decennieu des 13. Jahrhunderts durch einen von Hand 
zu Hand gehenden Handel hefrdert. Erst nach dem 
Rckzuge der Mongolen in ihre Heimath entwickelte 
sieh nach und nach eine Ueberlandverbindung. Die 
Reisen von Rashid f^ddiu, Abulfeda, Ibn Batuta 
haben dem Unternehmungsgeist der durch einen Continent 
getrennten Viilkerschaften einen mchtigen Impuls gegeben 
und die grossen, an diese anknpfenden oder fast gleich- 
zeitig mit denselben erfolgenden Reisen des Venetianers 
Marco Polo in den Jahren 1280 ^1297 sind nicht nur 
fr die Entwickelung des Handels mit dem fernen Osten, 
sondern auch auf die den ganzen Weltverkehr umge- 
staltende Entdeckung Amerikas von der grssten Bedeu- 
tung. Hatte er doch als Grosswrdentrger des mchtigen 
Mongolenkhans Kubilai die beste Gelegenheit, unbe- 
schrnkt Forschungsreisen in dessen Lndergebieten aus- 
zufhren und selbst ber das Land Zipangu Erkundigungen 
einzuziehen. Marco Polo's Schilderungen sind die Haupt- 
triebfeder fr das Unternehmen des Kolumbus. Durch 
das Werk Pegalotti's erfahren wir um 1340 Nheres 
ber die Routen, welche man nach Marco Polo's Rck- 
kehr von Italien aus nach Innerasien verfolgte; Pegalotti, 
ein Florentiner, reiste fr das Haus Bardi und gab eine 
genaue Schilderung des zu verfolgenden Weges vom 
Schwarzen Meere bis China. Von Tana aus wurde in 
25 Tagen auf einem Ochsenwagen Astrachan erreicht; 
von dort nach der Hauptstadt des Reiches Kiptochak, 



Serai an der Wolga, brauchte man einen Tag ('?), 8 Tage 
bis Saracanco am Uralfluss, um mit Kamelen von hier in 
20 Tagen nach Organci (Urgendsch) zu gelangen. Weitere 
3 bis 40 Tage mit Kamelwagen brachten die Reisenden 
nach Oltrawe in der Nhe der heutigen Stadt Turkcstan; 
dann ging es mit Eseln in 45 Tagen nach Amales, d. i, 
Amalik i Ili), und dann in 70 Tagen nach Carnexu (Khou- 
Tchou-FuV, nach weiteren 45 Tagen zu Pferde erreichte 
man Carsai oder Quinsay, in 30 Tagen dann die Reichs- 
hauptstadt des grossen Khan. Die Landreise vom Schwar- 
zen Meer bis dahin dauerte unter den gnstigsten Um- 
stnden in der IMitte des 14. Jahrhunderts 275 Tage. 
(Vergl. F. v. Riehthofen, China I, G12 ff.) Spterhin wurde 
der Landverkehr mehr und mehr geregelt, blieb al)er 
innnerhin von mancherlei Umstnden abhngig und mit 
vielen Schwierigkeiten verknpft. Von allen sonstigen 
Handelsrouten um jene Zeit ist die soeben beschriebene 
jedenfalls die interessanteste. (Ein reiches Material ent- 
hlt die Berliner Festschrift von Kretschmer, Die Ent- 
deckung Amerikas in ihrer Bedeutung fr die Bedeutung 
des \\'eltbildes, ber die Handelsbeziehungen Europas in 
vorkolumbischcr Zeit.) 

Nach Humboldts Untersuchungen hatte Kolumbus die 
Werke Marco Polo's zwar nicht selbst an Bord der Santa 
Maria", aber die Mittheilungen des Toscanelli ber die 
Schilderungen des Reichthumes Kathais und Zipangus 
gaben dem khnen Unternehmen, diese Lnder nach 
Westen segelnd aufzusuchen, eine materielle Grundlage. 
Unzertrennlich von dem Glaul)en an die Wahrheit dieser 
Schilderungen stand die Wahrheit der Lehre von der 
Kugelgestalt der Erde im Geiste des Kolumbus fest, wenn 
er sieh auch ber die Grssenvcrhltnisse unseres Planeten 
bis zu seinem Tode argen Tuschungen hingab: Kolumbus 
und Martin Behaim starben bekanntlich beide in dem 
Glauben, dass die Inseln Westindiens in das Bereich Ost- 
asiens gehrten. 

Das 16. und 17. Jahrhundert zeigen schlagend, 
wie sich nach der Entdeckung Amerikas und der Auf- 
findung des Seeweges nach Ostindien um das Cap der 
culturgesehichtliehc Horizont der Menschheit mit einem 
Male erweiterte. An die Stelle mhsamer Karawanenzge 
durch unwegsame (Tcbirgslndcr oder Steppen und wasser- 
lose Wsten trat nun ein neu auflebender Seeverkehr. 
Durch die zhen Kmpfe der Portugiesen in ihrem ost- 
asiatiscben Handelsgeldet, welche zur Verdrngung der 
Araber aus dem Indiselien Occan fhrten, erfuhren die 
nautischen Wissenschaften einen krftigen Aufschwung. 
Die Spanier machten bald dem Dunkel, welches ber 
der Neuen Welt schwebte, durch rasche Entschleierung 
der Kstenstriche ein Ende: Baiboa entdeckte die Sdsee, 
Magalhaes traf auf seiner Weltumsegelung mit den von 
Westen kommenden Portugiesen zusanmien, sein Pilot 
Sebastiano del Cano kehrte 1522 von Osten her nach 
Spanien zurck und gab durch' die Verschiebung des 
Datums einen unwiderleglichen Beweis fr die Kugel- 
gestalt und die Umdrehung der Erde. Nunmehr entfaltete 
sich die Schiffahrt in ungeahnter Weise, die Darstellung 
der Erdoberflche und damit die Gestaltung des Welt- 
bildes machte riesige Fortschritte. Die Suma de Geo- 
grafia'" des Martin Fernandez Enciso vom Jahre 1530 
kann als das erste Handbuch der praktischen Navigation 
fr Seeleute angesehen werden. Eine grosse Bedeutung 
gewann das 1563 in Sevilla erschienene Werk des Pedro 
de Medina ber die Grundregeln der Navigation, welches 
ins Hollndische bersetzt wurde und auch verschiedene 
erweiternde Comnientare erhielt. In England bildet das 
Werk von Martin Cortes den Ausgangspunkt fr die 
Pflege der Navigation, allerdings stand England damals 
in nautischen Dingen weit hinter Portugal und Spanien 



Nr. 9. 



Naturwissci 



aftliclio Wof'lieusclii'irt. 



S7 



zurck; Cortes wurde 1561, Mcdina 1581 ins Eng-lisclic 
iU)crtraj;en; soitdeiu nahm die cn,i;lischc Thtig'keit in diM- 
l'tk'i;-o der naiitiselien Wissenschaften rasch zu mit dem 
Aufscliwunj;- der maritimen Unternehmungen in der Zeit 
der Elisabeth. Zuerst hegeg-nen wir W. Hawkins, der 
]5(j7 und 1568 mit dem Jesus von Lbeck^ und anderen 
Sciiift'en Tlicilc von Guinea und Westindien aufsucht, um 
Handelsverbindungen anzuknpfen und die Navigirun' zu 
vervdiikonnnnen. An Bord eines seiner Schiffe befand 
sieh au(di Francis Drake, dessen Reise von loBO 1587 
alientiiallien den Spaniern den Weir zu verleg-en und der 
en,i;lisehen Flaj;'i;e zur Uerrsciiaft ber alle Meere zu ver- 
helfen trachteten. Th. Ca vendish umsegelte 1586 bis 
1588 zuerst die Erde von Westen nach Osten, W. Ra- 
leigh verhalf der britischen Maciit in Guayana zu einer 
festen Stellung-, am meisten aber that John Davis, der 
nicht nur als Entdecker in beiden Hemisphren Grosses 
ausfhrte, sondern auch eine fr die Verbesserung der 
Navigation hochwichtige schriftstellerische Thtigkeit ent- 
faltete in dem Werke: The Seamens Sea seerets" (1607). 
Melfach verwendet er den Jakobsstab, berechnet und be- 
nutzt neue astronomische Tafeln, vervollkonnnnet die 
Kartographie und widmet vor allem der Bestinnnung der 
geographischen Lnge die gnisste Sorgfalt. Fast gleich- 
zeitig beginnen die hollndischen Unternehmungen 
in Ostindien eine grosse Rolle zu spielen, die Cohnnsation 
Javas wird durch A. van Diemen in Angriff genommen, 
welcher den grossen Abel Tal man zur Entschleierung 
Neuhollands au.ssaudte. 

Nun wurde durch letzteren Van Diemens- Land ent- 
deckt (1642) und Neuseeland als eine vom Continent ge- 
trennt liegende Kste erkannt. Beinahe die ganze Strecke 
um Australien wurde untersucht, wenn auch die Con- 
turen dieses Continents erst viel, spter genauer bekannt 
geworden sind. 

Ende des 17. Jahrhunderts fallen die fih- die Ent- 
faltung der Nautik epochemachenden Rei.sen von AVilliam 
Dampier ( 1(11)9 1700), ausgezeichnet durch zahlreiche 
lieobaclitungen auf dem (Jebiete der jMeteorologie und des 
Magnetismus. Das Reisewerk ist von Edm. Halley mit 
einer Vorrede verscheu, der selbst wieder durch seine 
unsterblichen Arbeiten zur Frderung der Nautik Grund- 
legendes geleistet hat. Man erinnere sich nur seiner treff- 
lichen Jsogonenkarte vom Jahre 1700. Weiterhin be- 
zeichnete die Einfuhrung von Hadley's Spiegelsextant 
einen ausserordentlichen Fortschritt in der Bestinnnung der 
Scliitfspositiou zur See und damit der Erleichterung des 
Verkehrs (die erste Beschreibung wurde 1731 vorgelegt). 
Nun war mit einem ]\[ale die Mrigliehkeit gegeben, wirk- 
lich genaue Beobachtungen von grsseren Winkehvi'rthen 
in irgend einer Lage zum Horizont zu messen; ein Vor- 
lufer war der Quadrant von Davis. Im 18. Jahrhundert 
kam der Sextant zu allgemeinerem Gebrauch; von grosser 
Bedeutung sind namentlich die Lngenbestimmungen durch 
Mondaltstnde von der Sonne oder den Sternen, welche 
Metlidde T. Mayer errtert und Werner in Nrnlierg 
zur Einfhrung emjjfohlen hatte. 

Die Frchte dieser Erweiterungen in der instrumen- 
tellen Ausstattung in Verbindung mit den mehr und mehr 
vervollkomnnieten nautischen Ephemeriden erkennt man 
aus den trefflichen Arbeiten von James Cook und Mat- 
thew Flinders. Dem Weltverkehr waren nun kaum 
Schranken gesetzt, sofern bereits die erforderlichen Karten 
zur Kstenbefahrung vorhanden waren. 

Dieser kurze Ueberblick beleuchtet den Umschwung 
des Seeverkehrs, ja des gesammten Verkehrs auf der 
Erde von den Zeiten der grossen Entdeckungen bis zum 
Beginn unseres Jahrhunderts Aber auch noch in anderer 
Hinsicht kommt den Reisen des Kohunbus eine j-rosse 



Bedeutung zu: dieselben waren auch fr die Beobachtung 
der physikalischen Verhltnisse unserer Erde 
wichtig. So be(d)achtete Kolumbus die Abweichung der 
.Magnetnadel, eimstatirte die agonischc Linie, schenkte 
dem Verlauf der Meeresstrmungen, der .\usdehnung des 
Sargassomeeres Beachtung u. a. m. .Man sieht hier die 
Keime fr die moderne physikalische Geographie, welche 
Dampier's und Cook's Reisen weiter entwickelten, wenn 
schon die volle Ausgestaltung und A'erwerthung fr die 
Seefahrt erst dem 19. Jahrhundert ang(dirt. 

]\Iit der 4l)0jhrigen Feier der luitdcekung der Neuen 
\Velt haben wir somit auch die Zeit des Wendepunktes 
in dem Verkehrsleben der Vlker der Erde zu feiern. 
Nunmehr erst wurde der Verkehr zur See im modernen 
Sinne erffnet: Nun trennen die Meere die Vlker nicht, 
sie bringen sie zusammen." Prof. Fr. Regel. 



Ueber einen mesozoischen Fisch, Lepidotus 
altuicns, vom Altai berichtet Dr. J. Victor Roho.n im 
Bull, de la Soe. Imper. des Naturalistes de Moscou 1892, 
Heft I, S. 76 ff. Lei)idotus altaicus nov. spec. entstammt 
einem Gebiete, aus dem bislang noch kein fossiler Fisch 
bekannt war. Es ist dieses das nahe der chinesischen 
(Jrenze am Flusse Kenderlyk sich erstreckende Maikant- 
schatschai-Gebirgc (Semipalatinskisches Gebiet, Saissans- 
kischer Kreis). 

Das einzige bisher gefundene Exemplar, welches im 
Museum der Universitt Moskau aufbewahrt wird, kam in 
einem brunlich grauen, schwach san<ligen Thonschiefer 
vor und ist B cm lang und 12 cm hoch; sein Erhaltungs- 
zustand ist theilweise mangelhaft. Der Kopf ist zer- 
trmmert, die Schwanzflosse fehlt beinahe ganz, Brust- 
und Bauehflossen gnzlich, Schuppen meist gut erhalten. 

Die Krperform ist karpfenartig; der Kopf ist kiu'z, 
im Verhltniss zum Krper elier etwas klein. Da der 
Kopf zertrmmert, sind snnntliehe dazu geluirigen Theile 
aus ihrer Lage gebracht. Die wenigen erhaltenen Haut- 
platten sind innen meist glatt, selten gestreift, verschieden- 
artig ausgehhlt, selten flach; aussen zierlich skulpturirt: 
gewundene zierliche Rippchen, isolirte, unrcgelmssige 
Plttchen oder Hekcrchen. Unter dem Mikroskop lassen 
die im Verhltniss zum Krper ziemlich dicken Haut- 
])latten zwei Schichten erkennen: innen eine ausgebreitete 
Knoehensubstanz, welche die Hauptmasse bildet und 
Knochenzellen und Havcr'sche Canle erkennen lsst; 
aussen eine dnne Emailschicht. Von den (Mbita und den 
Orbitalplatten ist nichts erhalten: der Opereularapparat 
ist ziendich mchtig; Branehialplatten und Clavieula sin<l 
vorhanden. Zhne fehlen leider gnzlich. 

Rcken- und Afterflosse sind dreieckig, am Vorder- 
rand mit Fulcra versehen, ndt nach der S|)itze kleiner 
werdenden Schuppen bedeckt und bestelu'u aus einer 
grossen Anzahl Strahlen, welche zahlreiche kurze Glieder 
zeigen. Die Rckenflosse steht distal, die Afterflosse ist 
dicht an der Schwanzflosse gelegen in einer Ebene hinter 
dem Hinterrande der ersteren. Die Schwanzflosse zeigt 
sich, soweit sie erhalten ist, mit rhnndiisclien Schupiten 
bedeckt und war anscheinend henaheterocerk. 

Von der AVirbelsule und berhaupt dem Axenskelett 
ist nichts erhalten. Eine vorhandene Lngsrinne deutet 
vielleicht den Abdruck Jener an. 

Die Sehu])pen sind ziemlich dick, ungleich gross. In 
der vordiren Kri)erhlfte, wo ihr Erhaltungszustand auch 
am besten ist, sind sie regelmssig rhondtoiilisch. hher 
als breit, grsser, haben einen mit Rippchen verzierten 
freien Aussenrand und tragen oben einen krftigen Fort- 
satz, welcher zum Einlenken in die nchste hherliegende 
dient. Nach dem Schwnze zu werden die Schuppen 



88 



Naturwisseuscbaftliclic Wochenschrift. 



Nv. 9. 



kleiner nud zeigen rhombische Gestalt. Unter dem Mi- 
kroskop lassen auch sie zwei Schichten erkennen : an der 
Oberflche ein dnnes Email, darunter eine ziemlich dicke 
Knochenscidcht, deren Substanz parallel geschiciitet ist 
und zahlreiche, regellos vertheiltc Knochenzelleu sowie 
eine verhltuissmssig grosse Menge Havers'sche Canle 
erkennen lsst. Die Vertheilung der letzteren erinnert 
an diejenige beim reccnten Polypterus bichir. 

Die Schichten, welchen das Fossil entstammt, drften 
hchstwahrscheinlich jurassisch sein und eventuell ein 
Aequivalent der Deccau-Schichten bilden, wenn sie nicht 
vielleicht die directe Fortsetzung derselben darstellen. 
Der Lepidotus altaieus sebliesst sich enge den Lepido- 
steideu Ost- Indiens an, mit denen Ost -Sibiriens zeigt er 
keine Aehulichkeit. Dr. F. Kaunbowen. 



Zur Keuntniss einiger Solanaceenalkaloirte. 

0. Hesse hat (Ann. Chem. riiarm. 271,100), hauptsch- 
licli in Bercksichtigung des Umstandes, dass kufliche 
SolauaeeenalkaloTde trotz scheinbarer Reinheit Eigen- 
schaften zeigen, welche mit den in der Litteratur ange- 
gebenen nicht ganz bereinstimmen, eine nochmalige 
Untersuchung derselben vorgenommen, aus der Folgendes 
hervorgehoben sei: 

1. Atropin (jiauptschlich aus Atropa Belladonna), 
schmilzt bei ll:i,5, zeigt [][) = -^0.4 (in Alkohol i; das 
Sulfat (Ci;H.j3N03).2H2S4 -+- HoO zeigt in wsseriger L- 
sung, wasserfrei gedacht, []d== 8-8. Das Platinsalz 
schmilzt bei 197-200, das Goldsalz bei 138, das Oxa- 
lat bei 176. 

2. Hyoseyamin (aus Hyosc. niger), schmilzt bei 108,5, 
hat in alkoholischer Lsung [Jd^ 20,3. Das Sulfat 
(CH.2;,N03)2H,SOi -I- 2H,30 schmilzt bei 20P, hat (ent- 
wssert) []d = 28,6. Es schmelzen das Platinsalz bei 
206, Goldsalz bei 159, Oxalat bei 176. 

3. Atropiuum naturale, d. i. das kufliche, unmittel- 
bar aus der Belladonnawurzel gewonnene, Alkaloid, ist 
ein Gemisch von Atropin und Hyoseyamin. 

4. Hyoscin (aus Hyoseyamus niger) hat nicht die 
von Merck angegebene Formel Ci-;Ho:iN03, sondern 
Ci7H.,,N04; es bildet einen durchsichtigen Firniss, 
schmilzt gegen 55, besitzt []d= 13,7 in alkoho- 
lischer Lsung. Das Goldsalz schmilzt aber bei 198 
unter Zersetzung; das Hydrobromid hat die Formel 
R.HBr + 3HoO und besitzt in alkoholischer Lsung das 
Drehungsvernuigen []d^ 22.5. Ferner existireu ein 
Hydrojodid und ein Pikrat. Bei der Spaltung zerfllt 
das Hyoscin unter Bildung einer flchtigen Base, welche 
nicht die Formel C3H15NO (Pseudotropiu nach Laden- 
burg) oder C8Hif,N0.2 (Oxytropin nach Ladenburg und 
Roth), sondern CgHigKOo besitzt und von Hesse Oscin ge- 
nannt wird. Letzteres scinnilzt bei 104.5, siedet bei 242, 
reagirt in wsseriger Lsung stark alkalisch, giebt ein 
Platinsalz, das mit 1 Mol. Wasser krystallisirt und wasser- 
frei bei 200 202 unter Zersetzung schmilzt, ein Jod- 
methylat, aus welchem ein Platinsalz vom Schmelzpunkt 
228 entsteht, und ein Benzoylderivat vom Schmp. 59. 

5. Scopolamin. Das kufliche Hyoscyamiuhydrobromid 
soll nach Schmidt fast ausschliesslich aus Scopolaminhydro- 
bromid bestehen, dessen Goldsalz bei 210 212 (Schmidt) 
oder 208 (Schtte) schmilzt. Nach Hesse ist es hingegen 
echtes Hyoscinsalz und liefert dementsprechend ein Gold- 
salz vom Schmp. 198. 

6. Atropamin liefert ein Platinsalz vom Schmelzpunkt 
203204 (unter Zersetzung); die durch Spaltung daraus 
erhltliehe Base ist verschieden von Tropin, Pseudotropiu 
und Oscin; Hesse bezeichnet dieselbe als /i-Tropin; sie 
ist flchtiger als Tropin, bildet hygroskopische Nadeln 



vom Schmelzpunkt 60 61 und liefert ein Platinsalz, das 
bei 186 unter Zersetzung schmilzt. 

7. Belladonuiu kann aus Atropamin durch Einwir- 
kung von Baryt oder Salzsure erhalten werden. 

8. Apoatropin (Ladenburg's Atropylatropein) entsteht 
u. A. bei der Einwirkung von Salpetersure auf Atropin 
und zerfllt durch Barytwasser schnell in Atropasure 
und Tropin, wodurch es sich vom Belladonuiu bezw. 
Atropamin unterscheidet. Es krystallisirt in Nadeln vom 
Schmelzpunkt 60 62; das Chlorhydrat schmilzt bei 237 
bis 239, das Platiusalz bei 212-214, das in Nadeln 
krystallisirende Goldsalz bei 110 111. Im Uebrigen ist 
es nach Merck dem Atropamin in seinen Eigenschaften 
sehr hnlich. Sp. 

Ueber die pltzliche Aenderiiiig im Aussehen des 
Kometen Holmes enthlt No. 3146 der Astron. Nachr. 
vom 23. Januar d. J. noch weitere Mittiieilungen (vergl. 
Naturw. Wochenschr.'- VIII No. 7). So ist nach einer 
Meldung von Dr. Kobold in Strassburg der Komet am 

16. Januar 8 Uhr Abends daselbst mit freiem Auge zu 
erkennen gewesen. Der Kern erschien von 8,4ter Grsse 
mit heller Nebelhlle von 40 Bogensecunden Durchmesser. 
Den gleichen Eindruck hatte Dr. J. Palisa in Wien; er 
beschreibt das Aussehen des Kometen als das eines 
gelben Fixsterns mit einer NcbelhUe, deren Durchmesser 
er auf 20 Bogensecunden angiebt. Ebenso meldet Pro- 
fessor Schur aus Gttingen vom 19. Januar, dass dort 
eine sternartige Verdichtung (nur wenig heller als 10. 
Grsse) und eine deutliche Nebelhnlle wahrgenommen 
worden, Dr. Schorr in Hamburg, dass der Kern am 

17. Januar scheibenfrmig (Grsse 7,o) erschienen sei; die 
Nebelhlle war klein, etwa 5" Durchmesser. Am Tage 
darauf aber war dieselbe ganz ausserordentlich ange- 
wachsen, auf einen Durchmesser von 87". Die Mit- 
theilungen endlich, welche Professor Lamp in Kiel, ber 
seine Beobachtungen, eljenfalls vom 17. und 18. Januar, 
macht, geben ganz die gleichen Resultate. Grs. 



Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Es wurden ernannt: Der Physiker Professor A. Kundt von 
der Universitt Berlin zum Geheimen Regierungsriith. Professor 
E. du Bo is- Rey moiid bei Gelegenheit seines Oiahrigen Doctor- 
Jubilums zum Geheimen Ober-Medicinalrath. Dr. H. J. John- 
ston-Lavis zum Professor der Vuleanologie an der Universitt 
zu Neapel. Der ausserordentliche Professor der Chemie Dr. 
Eugen Bamberger zum Nachfolger des uaoli Wrzburg be- 
rufenen Professors Dr. Hantzsch in Zrich. Dr. Edm. 
Mojsisovics von iNIojsvar zum Unter-Director der geologi- 
schen Reichsanstalt in Wien. Docent der Markscheide- und 
Messkunde an der technischen Hochschule in Aachen P. Fenner 
zum Professor. Professor der Philosophie A. Elter zum 
ordentlichen Professor an der Universitt Bonn. Professor der 
Geographie H. Wagner von der Universitt Gttingen zum Ge- 
heimen Regierungsrath. Professor W. Marme, Pharmacolog 
an der Universitt Gttingen, zum Geheimen Medieinalrath. 
Professor der Psychiatrie E. Hitzig zum Ordinarius der l'sycliiatrie 
an der Universitt Wien. Der Physiologe Professor K. v. Voit 
in Mnchen zum K. Geh. Rath. Der Professor der Psychiatrie 
H. Grashey in Mnchen zum K. Ober-Medicinalrath. Privat- 
docent Dr. W. Niemilowicz zum ausserordentlichen Professor 
der Pharmacognosie an der Universitt Lemberg. 

Es haben sich habilitirt: In der philosophischen Facultt der 
Universitt Freiburg Dr. Fromm fr Chemie. Di\ R. Flatt 
fr Mathematik an der Universitt Basel. Edwin Bailey 
EUiott zum Professor der Mathematik am Magdalenen- College 
in Oxford. Professor Tillaux zum Leiter der chirurgischen 
Klinik der medicinischen Facultt zu Paris. 

Der Zoologe Professor Semper in Wrzburg beabsichtigt 
wegen Krnklichkeit in den Ruhestand zu treten. 

Es sind gestorben: Der Privatdocent fr Neuropathologie und 
Elektrotherapie an der militrmedicinischen Akademie zu Peters- 
burg Peter Iwanowitsch Uspenski. Der Erforscher der 



Nr. 9. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



89 



britisclien Hcpaficae Dr. Benjamin Carriugton in Brighton. 
Die Lepitioptei-ologen Dr. Adolf Speyer in Rliotlen bei Arolscn, 
Freilierr V Tiircklieim auf Schloss Mahlsbev in Baden und H. T! 
Stainton in London. Der Mineralog Genoral A. \V. Gadolin, 
Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Petersburg. Der 
Geologe Simpson in London. Dbr Astronom Amedee Guil- 
lemin in Pierre in Frankreich (Dcp. Sane et Loire). 



L i 1 1 e r a t u r. 

Alfr. Binet, Das Seelenleben der kleinsten Lebewesen. Aus 

dem Franzsisehen bersetzt von Dr. \V. Medicus. Jlil 19 Te.xt- 
Abbildungen. G. Sehwetschke'scher Verlag. Halle a. S. 1892. 
Preis 1,80 M. 

Das Werkchen ist eine leider verfehlte Uebersetzung der 
2. Aufl. von Binet's Buch ,,La vie psychique des microorganismes". 
Es behandelt einerseits die Einwirkung der Aussenwelt, welche 
der Organismus emiifindet, oder die Sensibilitt, andererseits die 
Reaktion des Organismus auf die Aussenwelt, die Bewegung, also 
die Irritabilitt oder Reizbarkeit der Mikroorgauismen. Ausser 
den aus der Irritabilitt hervorgegangenen Aeusserungen sieht 
Binet aber auch solche, die er als durch Intelligenz veranlasst 
unterscheiden zu mssen glaubt. So sagt er: das Streben des 
Zoosperms, sich dem Ei zu nhern, welches oft weit von dem 
Standorte des mnnliclien Elementes entfernt ist, die Lnge des 
zu durchlaufenden Weges, die zu berwindenden Hindernisse, all 
diese Umstnde setzen bei den Samenfden Fhigkeiten voraus, 
welche man durch blosse Irritabilitt nicht erklren knnte. 
Referent meint, dass es doch wohl nher liegt, in allen Fallen, wo 
es sich um ein Aufsuchen" des Ei's durch die Spermatozoideu 
handelt, die Bewegungsrichtung bis auf Weiteres aus einer che- 
mischen Beeinflussung der Spermatozoideu durch das Ei oder den 
Eibehlter zu erklren, die ja und das schildert Binet ein- 
gehend in vielen Fllen thatschlich erwiesen ist. 



Otto Taschenberg, Zoologie. Mit 177 Text-Abbildungen. Verlag 
von l'reuss u. Jnger. Breslau 1891. Preis 5 M. 

Das Buch zeichnet sich durcli vorzgliche Holzschnitte aus, 
die allermeist (Verf. konnte auch nichts besseres thun) aus dem 
Lehrbuch von Claus entlehnt sind. Dem Studirenden, der das 
Buch als Repetitorium benutzt, wird es gute Dienste leisten, denn 
es gehrt nicht zu jenen flchtig und schnell erledigten elemen- 
taren Arbeiten, wie sie vor einigen Jahrzehnten auf gleichem 
Gebiete von sonst berufenen Forschern leider mehrfach der 
(,)eft"entlichkeit bergeben wurden. Ueberhaupt ist zu const,atiren, 
dass glcklicherweise die in den letzten Jahren erschienenen ele- 
mentar-naturwissenschaftlichen Lehrbcher im Ganzen weit sorg- 
fltiger gearbeitet sind als im allgemeinen die lteren Werke. 



Berg'haus. Physikalischer Atlas. Gotha, J. Perthes 1892. 

\ or Kurzem ibt ilieses AA'erk abgeschlossen worden und es 
mge mit wenigen Worten auf seine Bedeutung hingewiesen 
werden. Der (erd-) physikalische Atlas, durch den Oheim 
des Herausgebers der neuen Auflage, Heinr. Berghaus, be- 
grndet, und IS36, gerade 50 Jahre vor Beginn des Erscheinens 
der gegenwrtigen Ausgabe verffentlicht, dann 16 Jahre spter, 
mit Humboldt's Namen geziert, zum zweiten Mal aufgelegt, ist 
das wichtigste Standard Work der physikalischen Erdkunde. Bei 
der jetzigen 3. Auflage ist naturgemss statt eines Verfassers ein 
Herausgeber vorhanden, denn es ist heute fr den Einzelnen 
durchaus unmglich, auch nur wenige der verschiedenen Zweige 
der Geophysik und der brigen Zweige der wissenschaftlichen Erd- 
kunde so zu durchdringen, dass er ein in allen Theilen gleicli- 
werthiges Werk zu schatten vermchte. Die Abtheiluugen der 
Meteorologie (12 Karten), des Erdmagnetismus (.j), der Pflanzen- 
verbreitung (8), der Thierverbreitung (9), der Vlkerkunde (15) 
haben Hann (Wien), Nenmayer (Hamburg), Drude (Dresden), 
Marshall (Leipzig), Gerland (Strassburg) bearbeitet. Die 
Abtheilungen Geologie (14 bezw. 15 Karten) und Hydrographie 
hatte der verdienstvolle Herausgeber, Herm. Berghaus, selbst 
bernommen; bei der ersteren hat ihm Zittel (Mnchen) liera- 
thend zur Seite gestanden, und in beiden haben weitere Mitar- 
beiter, der geograjihischen Anstalt angehrend, das von Berg- 
liaus, der die Vollendung des Werks nicht erleben durfte (f 1. Dec. 
1890), Begonnene zu Ende gefhrt. Der Atlas ist der wich- 
tigste graphische Ausdruck unseres Wissens auf den weiten Ge- 
bieten der physischen Erdkunde; die Fortschritte eines halben 
Jahrhunderts in diesen Wissenszweigen sind hier gesichtet und 
kritisch verarbeitet zusammen getragen. Kein Kenner wird, wie 
die Vcrlagshandluug mit Recht sagt, dem Herausgeber die auf- 
richtige Bewunderung seiner Leistung versagen." Es ist hier 
weder der Ort, noch gestattet der Raum, in Einzelheiten einzu- 
gehen oder Wnsche vorzubringen, die, bei der Zahl von 514 ein- 



zelnen Darstellungen auf den 74 (75) Blttern sclbstv erstndlich, 
sich dem Benutzer des Werks aufdrngen. Das Interesse, das 
heute weite Kreise der physischen Erdkunde entgegenbringen 
lsst hoffen, dass nicht wieder 40 Jahre verfliessen, bis eine aber- 
malige Erneuerung des Werks zu Stande kommen wird; in 
manchen Zweigen sind ja die Fortschritte in den letzten beiden 
Jahrzehnten geradezu strmisch gewesen, man denke nur an die 
Kenntniss der Oberflchenverbreitung der geologischen Forma- 
tionen, die r)ceanograple. Pflanzen- und Thiergeographie. Der 
ganze Atlas ist in Kupferstich und Kupferdruck ausgefhrt, dem 
werthvollsten Vervielfltigungsverfahren, an dem danktnswerther 
Weise die Perthes'sche Geographische Anstalt fr alle ihre grossen 
Kartenwerke durchaus festhlt. Mge dieser vortrefl'lichen An- 
stalt, der nicht nur jeder Geograph von Fach, sondern gatiz 
Deutschland Dank schuldet, Anerkennung und Untersttzung ihrer 
Bestrebungen nie fehlen! H. 



Kleyers Eneyclopaedie der gesammten Naturwissenschaften. 

Stuttgart, Julius Maier 1892. 
Klimjjert, Lehrbuch der Bewegung flssiger Kr))er. 

Erster Band. Preis 8 M. 
Hovestadt, Lehrbuch der absoluten Maasse und Di- 
mensionen der physikalischen Grssen. Preis 6 M. 
Mit derselben Asflirlichkeit und Grndlichkeit, welche in 
des Verfassers bereits erschienener Mechanik fester Krper, sowie 
der Hydrostatik zu Tage getreten ist, werden in dem Bande aus 
der Feder Klimpert's die Bewegungserscheinungen von Flssig- 
keiten, welche aus deu Boden- und Seitenwnden von Gefssen, 
sowie durch Rhren und Rhrenleitungen fliessen, eingehend be- 
handelt. Der von mehr als 300 guten Illustrationen begleitete 
Text gliedert sich in Erklrungen, Fragen, Antworten und zahl- 
reiche gelste sowie ungelste Aufgaben. Wenn auch diese 
Katechismus-Form der Darstellung vielfach etwas erzwungen er- 
scheinen mag, so lsst sich doch nicht leugnen, dass sie fr den 
Lernenden viele Vortheile bietet und vor Allem der beim Studium 
eines umfangreichen Wissensmaterials leicht eintretenden Begrifts- 
verwirrung erfolgreich steuert. Am Schlsse des Werkes ist ein 
ausfhrliches Formelverzeichniss beigegeben, welches besonders 
dem praktischen Hydrauliker bei der Lsung der an ihn heran- 
tretenden Aufgaben sich als sehr dienlich erweisen drfte. 

Auch das Werk von Dr. Hovestadt wird voi-nehmlich dem 
praktischen Faehmanne bei der Einbung der mancherlei Unter- 
suchungen physikalischer Maassbestimmungen gute Dienste leisten. 
Den wesentlichen Inhalt des Buches bildet die Darstellung der 
Durchfhrung des Lnge-Maasse-Zeitsystems in der Physik, sowie der 
Anwendungen der entsprechenden Dimensionen zur Prfung phy- 
sikalischer Gleichungen und zur Herleitung physikalischer Gesetze. 
Anhangsweise werden dann auch behandelt das Lnge-Gewicht-Zeit- 
System, das Lnge-Kraft-Zeit-System, ferner Systeme, die auf 
Grund des Gravitationsgesetzes hergeleitet sind, und endlich 
solche, mit nur einer unabhngig Vernderlichen. Die ausser- 
ordentlich grosse Zahl von Uebungsaufgaben, deren Lsung ent- 
weder in ersterer, oder im Resultat angegeben wird, drfte Jedem 
bei stufenweise fortschreitender Durcharbeitung des Buches das 
volle Verstndnis des schwierigen und unleugbar trockenen, aber 
doch so wichtigen Gegenstandes ermglichen. Kbr. 



Das knstlerische Berlin. Zusammengestellt von S. Lassar. 
\'erlag von Carl Dancker. Berlin 1893. 

Wie der Untertitel der gewiss Vielen gelegen kommenden 
Schrift besagt, bietet dieselbe eine Uebersicht ber die flFcnt- 
lichen Samuilungen, Vereine u. s. w. auf den Gebieten der bil- 
denden Knste und des Kunstgewerbes. Einige Stichproben haben 
uns von der Gewissenhaftigkeit und Vollstndigkeit der Zusammen- 
stellung berzeugt. Ausfhrlicheres knnen wir bei dem Charakter 
der Schrift an dieser Stelle nicht bringen. 



Aus Rom erfahren wir, dass die Acadeniia dei Liiu'ci in einer 
ihrer letzen Sitzungen die Herausgabe einer Sammlung der 
zahlreichen in einer grossen Reihe mathematischer Journale 
enthaltenen Arbeiten ihres verstorbenen Mitglieiles Enrico 
Bet ti, einer der ersten .Mathematiker des neuen Italiens beschlossen 
hat. Die Akademie darf auf die dankbare Zustimmung der Ma- 
thematiker zu diesem Plane rechnen, umsomehr, als einige der 
werthvollsten Betti'scheu Abhandlungen in den letzten Jahren 
leider ganz aus dem Buchhandel verschwunden und auch sonst 
nur usserst schwer zugnglich waren. 



90 



Naturwissenscliaftliche Woclicnsclirift. 



Nr. 9. 



Tsch.ermak's mineralogische und petrographische Mitthei- 
lungen. 13. Band, Heft 1 und 2; Wien 1893. Wir nennen die 
folgenden Ablandlungen: Hans Lechleitner: Neue Beitrge 
zur Kenntniss der dioritisclien Gesteine Tyrols. Makroskopische 
und mikroskopische Untersuchungen dreier neuer Gesteinsvor- 
kommen (eins von Valsugana, zwei von Vahrn am Eisak). 
H. P. Cuching und E. Weinschenk: Zur genauen Kenntniss 
der Phonolithe des Hegaus. F. Grosser: Die Trachyte und 
Andasite des Siebengebirges. Vornehmlich Untersuchungen ber 
das Vorkommen und die Lagerungsverh<ltnisse, dann aber auch 
ber den petrographischen Charakter der genannten Gesteine. 
Eine Kartenskizze und 5 Tafeln. Heinrich Otto Lang- 
Beitr.ge zur Systematik der Eruptivgesteine. Studien ber die 
Classihkation der Eruptivgesteine auf mineral-chemischer Grund- 
lage. Der Verfasser wird ber denselben Gegenstand noch eine 
Reihe von Mittheilungen folgen lassen. 



Botanische Zeitung. 51. Jahrgang. No. 1. Leipzig 1893. 
Brand is bespricht ausfhrlich die beiden jngsten Bnde des 
gi-ossen im Erscheinen begritfenen Werkes The Silva of North 
America; Band 3: Anacardiaceae und Leguminosae, Band 4: Ro- 
saceae und Saxifragaceae. 

Anlsslich des Eintritts in das einundfnfzigste Jahr des Be- 
stehens der Botanischen Zeitung bringt die Nummer einen Ge- 
schichtlichen Rckblick" vom Grafen zu S olms-Laubach, 
auf den wir nher eingehen. Fnfzig Jahre waren Anfang Januar 
seit dem Erscheinen der ersten Nummer der botanischen Zeitung 
verflossen. Der Begrnder der Botanischen Zeitung ist Dr. Fhi- 
lipp Phoebus, seiner Zeit Prosector an der Charite zu Berlin, 
1832 Frivatdocent und seit 1842 Inhaber der B. G. H. Schmidt'- 
sehen Buchhandlung in Nordhausen. Obwohl Fhoebus selbst 
sich mit dem Gedanken, eine gut redigirte. wchentlich er- 
scheinende, alles Wichtige (nicht bloss Originalaufstze sondern 
auch Auszge, Relata und anderes Compilatorische") enthaltende 
botanische Zeitschrift zu begrnden, trug, und dieserhalb mit 
Schlechtendal, Mohl und Ktzing Unterbandlungen angeknpft 
hatte, so htte die Verwirklichung doch vielleicht noch lnger 
auf sich warten lassen, wenn nicht der noch jetzt lebende 
Dr. Carl Mller, damals junger Fharmazeut in Blankenburg 
am Harz, sich so eifrig darum bemht htte. Was die Botanische 
Zeitung bringen sollte, haben wir bereits oben gesagt; ilir Inhalt 
sollte einer grossen Zahl von Botanikern und Liebhabern der 
Botanik interessant und jhrlich einige Thaler werth sein" ; 
ausgeschlossen waren daher solche Aufstze, die nur Specialisten 
interossiren konnten, z. B. Beschreibungen seltener exotischer 
Pflanzen" u. dergl. Was Schlechtendars gelehrte Linnaea" 
diesem letzteren Kreise war, sollte die Bot. Ztg. der grossen 
Zahl von Liebhabern der Botanik werden und hierdurch mit 
der Regensburger Flora", deren Redaction Phoebus nicht ge- 
ngte, in Concurrenz treten, sie vielleicht ganz aus dem Felde 
schlagen. Diese khnen Hofi^nungen haben sich allerdings nicht 
erfllt, die Flora ist geblieben und hat ihrerseits sogar der B. Z. 
die Existenz zuweilen recht schwer gemacht: immerhin hat letztere 
sich aber durch ihre bewhrten Redacteure, von denen die meisten 
Namen von bestem Klange in der Wissenschaft haben, einen 

fanz hervorragenden Platz in der botanischen Litteratur errungen, 
ie ist von Beginn an ein vornehmes, inhaltreiches Blatt gewesen, 
das eine Menge werthvoUer Arbeiten gebracht hat. Nach dem 
Erscheinen der ersten Nummer ging die B. Z. in den Verlag von 
Fratner (Berlin) ber, da Phoebus wegen Uebernahme einer Pro- 
fessur in Unterhandlungen stand und sich deshalb seiner Verlags- 
geschfte allmlig entledigen wollte. Nach Frstner's Tode ver- 
kauften dessen Erben 1851 den Verlag an Paul Jearenaud und, 
nachdem auch dieser gestorben, bernahm 1858 Hermann Arthur 
Felix in Leipzig denselben. Mohl und Schlechtendal waren die 
beiden ersten Redacteure und fhrten die B. Z. durch alle Strme, 
besonders des ersten Decenniums mit Geschick und aufopfernder 
Thtigkeit glcklich hindurch; zumal letzterer, welcher die ge- 
sammten eigentlichen Redactionsgeschfte besorgte, hat eine nicht 
hoch genug zu schtzende Hingebung gezeigt. Nach seinem im 
August 186G erfolgten Tode trat de Bary an seine Stelle und 
fhrte mit nur kurzen Unterbrechungen die Redactionsgeschfte 
zuerst mit Mohl (starb 1872), spter mit Wortmanu bis 1888 



fort. Dieser verband sich , als de Bary im letzteren Jahre 
starb, mit dem Grafen Solms - Laubach, und unter ihrer Lei- 
tung hat die B. Z. soeben das erste halbe Sculum ihres Be- 
stehens vollendet. In ihrer usseren Erscheinung ist die B. Z 
sich gleich gehlieben; das aussergewhnliche Format, welches 
gerade nur so gross ist, dass noch acht solche Columnen auf 
einer grossen Handpresse auf einmal gedruckt werden knnen", 
wird auch in Zukunft beibehalten; die Schrift soll dagegen grsser 
werden. Der Inhalt hat im Laufe der Jahre manchen Weclisel 
erfahren. Die Generalreferate ber die gesammte Botanik, welche 
auf Phoebus' Veranlassung eingefhrt worden waren, kamen nicht 
ber den Versuch hinaus: Von de Bary 's Algen, Nrdlinger's Forst- 
botanik, Cesati's italienische Litteratur, Mohl's und Caspary's 
Anatomie und Physiologie erschienen nur des ersteren Algen und 
Gottsche's Hepaticae einmal. Da die Origin.al- Artikel immer 
sprlicher fliessen , ist mit dem Beginn des 51. Bandes dahin 
eine Aenderung getroffen, dass die Littei-aturberichte in alle 14 
Tage erscheinenden Nummern, die Originalartikel dagegen in 
einigen Heften zusammenhngend gebi-acht werden sollen. 
Floreat! ist der Wunsch, welchen wir der Botanischen Zeitung 
fr ihr zweites Semisculum auf den Weg mitgeben! F. K. 



Amalizky, 'W., Ueber die Anthracosien der Permformation Russ- 
lands. Stuttgart. 15 M. 

Bauschinger, J., Untersuchungen ber den periodischen Kometen 
1889 V. (Brooks.) Mnchen. 5 M. 

Behrends, G., Ueber Hornzhne. Leipzig. 5 M. 

Bunsen, R.., u. H. E Roscoe, Photochemische Untersuchungen. 
Leipzig. 1,60 M. 

Claus, C., Beitrge zur Kenntniss der Ssswasser-Ostracoden. 
Wien. 27 M. 

Dammer, O., u. F. Bung, Chemisches Hand\\Orterbuch. 2. Aufl. 
Stuttgart. 12 M. 

Dathe, E., Geologische Beschreibung der Umgebung von Salz- 
brunn. Berlin. G M. 

Dachen, H. v., Geologische Karte der Rheinprovinz und der 
Provinz Westfalen. 1 : 80,000. Berlin. 3,50 M. 

Eck, H., Geognostische Beschreibung der Gegend von Baden- 
Baden, Rothenfels etc. Berlin. 20 M. 

Finger, J., Ueber die gegenseitigen Beziehungen gewisser in der 
Mechanik mit Vorthell andwendbaren Flchen 2. Ordnung nebst 
Anwendung auf Probleme der Astatik. Leipzig. 0,80 M. 

Fischer, E., Anleitung zur Darstellung organischer Prparate. 
4. Aufl. Wrzburg. 1,80 M. 

Fischer, K., Geschichte der neuern Phisosophie. Heidelberg. 
10 M. 



Berichtigung. 



In dem Reiseberichte v 
Exeursion durch die P:i 
Fehler zu berichtigen: 
Seite 4 rechts Zeile 39 v. u. 
5 15 V. o. 

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Paen stets Peon; statt 



u Dr. Otto Kuntze: Botanische 
impas bitte folgende sinnstorende 

streiche das Wort: daran 

hinzu nach Gewchsen: abgesehen 

lies BHgp (= Bentham et Hooker) 

genei-a plantarum) 
streiche den nach Bitter, 
anstatt 7 lies -/a 

Licoden lies Cicaden 

Grisb. lies BHgp. 

durch infolge 

und lies vor. 

Hambo lies Gaucho. 

verbraunt lies verbraunt, 

Sidcachas lies Viscachas, 

Grnfeldt Gssfeldt, 

-passe lies -flsse 
hinzu nach nthigen : leichten 
lies Guanacos 
12 800 engl. Fuss 
streiche Zolos 

statt Kraterboden lies Krater 
Maipu oder Mairo stets Maipo. 



Inhalt: P. Hennings: Die Algenflora des Mggelsees. <)l)erfrster R. Rittmeyer: Ueber die Nonne (Liparis monacha.) (Mit 
Abbild.) Zur Biologie des Cholerabacillus. Die Entdeckung Amerikas, ein Wendepunkt in dem Verkehr der Vlker der 
Erde. Ueber einen mesozoischen Fisch, Lepidotus altaicus, vom Altai. Zur Kenntniss einiger Solanaceenalkaloi'de. 
Ueber die pltzliche Aenderung im Aussehen des Kometen Holmes. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Alfred 
Binet: Das Seelenleben der kleinsten Lebewesen. Otto Taschenberg: Zoologie. Berghaus: Physikalischer Atlas. 
Kleyers Encyclopaedie der gesammten Naturwissenschaften. Das knstliche Berlin. Herausgabe einer Samndung der zahl- 
reichen in einer grossen Reihe matliematischer Journale enthaltenen Arbeiten Betti's. Tschermak's mineralogische und petro- 
graphische Mittheilungen. Botanische Zeitung. Liste. Berichtigung. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potouie, Bi>rlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ferd. Dnimlers Verlagsbuchliandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. 



Nr. 9. 



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Geschichte des brandenburg- 

preuss. Staates. Von F. Voigt, 
Professor an der Kgl. Realschule 
in Berlin. Dritte verbesserte Aufl. 
Mit der Karte der territorialen Ent- 
wickelung des brandenburg-preuss. 
Staates. 7 M., geb. s M. 

Grundriss der brandenburgisch- 

preussischen Geschichte in Verbin- 
dung mit der deutschen. Von F. 
Voigt. Siebente Auflage. Sii Pf. 

Grundriss der alten Geschichte. 

Von F. Voigt. Vierte Aufl. 6ii Pf. 

Volkwirtschaftliche Ergnzungen 

zum Lehistofl'e d. Volksschule. Vom 
christlich - nationalen Standpunkte 
entwickelnd bearbeitet von A. Pa- 
tuschka, Mittelschullehrer. 2 M. 

Repetitorium des evangelischen 

Religionsunterrichts. Bearb. von 
Dr, Hermann G. S. Preiss. Mit 
ausfhrlichem Register. Zweite Aus- 
gabe. Preis 2,40 M. 

Deutsche Lieder in lateinischer 

Uebersetzung von Fr. Strehlke. 
1 M. Enthlt eine Anzahl deutscher 
klassischer Gedichte im Versma.ss 
der Originale lateinisch bersetzt. 



Torstehende Werke knnen auf Verlangen durch jede Buclihanillunsr zur Ansicht Torg:elegt werden. 




vi^ Redaktion: 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



VIII. Band. 



Sonntag, den 5. Mrz 1893. 



Nr. 10. 



Abonnement : Man abonnirt bei allen Biiebhandlungen und Post- 
anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrsprcis ist Jt 3. 
Bringegeld bei der Post 15 .j extra. 



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bei allen Annocenbureaux, wie bei der Expedition. 



Abdruck ist nur mit vollstndiger 4{aellenangabe gestattet. 



Ueber die Tundren-, Steppen- und Waldfauna aus der Grotte zum 

Schweizerbild" bei Schaffhausen. 



Von Prof. Dr. A. Ne bring. 



Die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" hat seit 
Herbst 1891 mehrere Berichte ber die interessanten Re| 
sultate (leijenigen Ausgrabungen geliefert, welche durch 
Herrn Dr. Niiesch. in der Grotte zuui Sehweizerbild" 
189J und 1892 veranstaltet worden sind.*) Bei dieser 
Gelegenheit wurden auch die von mir ausgefhrten Bct 
stiininungen der kleineren Wirbelthier-Reste kurz erwhnt^ 
wobei es sich hauptschlich nni Nagethier-Reste han- 
delte. Ich hatte in meinem Berichte ber die 1891 gej 
wonnenen und mir bersandten Nagethier-Reste die Veri 
mutliung ausgesprochen, dass in der vertiealen Vertheilung 
derselben resp. der betr. Arten wohl noch gewisse Niveau] 
Unterschiede erkennbar sein drften, untl dass es wn^ 
schenswerth sei, Ijei den 1892 zu veranstalteiulon neueii 
Au.sgrabungen hierauf genauer zu achten; diese mein4 
Vermuthuug ist nunmehr vollstndig besttigt worden, und 
es hat sich eine klare, Aufeinanderfolge einer Tun 
dren-, Steppen- und Waldfauna von unten nach 
oben ergeben. . ' " i 

Herr Dr. Nesch schrieb .mir unter Uebersendung 
der neu gewonnenen Reste kleinerer Wirbelthiere am 
14. November 1892 Folgendes^ ! 

Es freut mich ausserordentlich, nun nach Beendigung 
der diesjhrigen Ausgrabungen Ihnen berichten zu kOnnenj 
dass entsprechend Ihrer Voraussage ...... sich beim 

Schweizerbild" wirklich Niveau -Unterschiede im 
Vorkommen d(^r Nager gezeigt haben. Bei den Aus- 
grabimgen konnte ich dieses Jahr eine, grssere Flche 
ebenfalls (wie voriges Jahr) schichtenweise abheben und 
dabei bin ich von oben nach unten auf folgende Schichten 
gestossen : 

1. die Humusschicht; 



*) Siehe BJ. Vll', S. 289; 394, 495. Vergl. meine Mitthei- 
lungen in den Verhandlungen der Berl. .mthropol. Gesellschaft vom 
16. Januar 1892, S. 82. ...'.,; ^ i 



2. die graue Culturschicht, untermischt mit iin- 
glasirten, rohen Topfscherlien, geschlifteneu und geschla- 
genen Steinwerkzeugen, Knochen vom Edelhirsch, Wild- 
schwein, gemeinem Br, Pferd u. a. ; ' . 

3. die obere Breccienschicht, welche an einzelnen 
Stellen bis 80 cm mchtig ist und aus lauter eckigen, 
vom idjerhngenden Felsen heruntergewitterten Kalk- 
steinchen besteht; diese Schicht ist in der Nhe des 
Felsens natrlich am dicksten, weiter vom Felsen weg 
nimmt sie immer mehr ab, bis sie endlich nach aussen 
hin ganz verschwindet; 

\ 4. die gelblich - rthliciic Culturschicht. die 
eigentliche palaeolithische Culturschicht, mit Knochen vom 
Renn, Pferd, \'ielfrass, Schneehasen, Hhleubi-, Schnee- 
huhn etc. ; 

5. die ivntere Breccienschicht oder Haupt- 
Nagethierschicht; und schliesslich 

6. das Diluvinm, d. h. ein Lehm mit einer grossen 
Zahl von abgerundeten (nicht eckigen) Kalksteinen ver- 
schiedener Grsse." 

Die im Jahre 1891 aufgestellte Ascheu- und ilirscli- 
schicht" sind nur Moditicationen der grauen, neolitiiisehcn 
Schicht, sowie die schwarze Culturschicht" der nach 
aussen verlaufende Tlieil der gelben Culturschicht ist." 

Inder oberen Breccienschicht, die also zwischen 
der, grauen und der gelben Culturschicht liegt, finden sich 
keine oder nur usserst sprliche Ueberreste menschlicher 
Thtigkeit; dagegen zeigt sich in der Mitte derselben ein 
etwas dunkler gefrbter, 10 15 cm mchtiger Streifen 
mit Knchelchen und Zhncheu von Nagern; es 
ist dieses die obere Nagethiersehicht, weiche also 
ber der gelben Culturschicht liegt, whrend die untere 
Nagethiersehicht sich unter dieser vorfindet. Ich iiabc 
die Knehelehen aus jener oberen Nagethiersehicht ge- 



92 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 10. 



trennt aufgehoben und erlaube mir Ihnen beifolgend . . . 
eine grssere Anzahl derselben zur geflligen Bestimmung 
zu bersenden, indem ich zugleich auch noch einige Proben 
aus den anderen .Schichten, namentlich aus der unteren 
Nagetiiierschicht beifge." 

Es hat mich diese Besttigung Ihrer Voraussage 
durch die neuen Grabungen ausserordentlich frappirt, und 
ich habe nicht ermangelt, die Besucher des Schweizer- 
bildes d. J. auf diese von der Wissenschaft vorausgesehene 
Thatsache als einen Triumph . . . aufmerksam zu machen. 
Ich denke, dass Herr Prof. Dr. Virchow, der sich bei 
seinem kiirzlichen Besuche darber sehr freute, Ihnen 
bereits schon mndlich die berraschende Thatsache in 
einer der Sitzungen der Berliner anthropologischen Gesell- 
schaft mitgetheilt haben wird. Auch sind bereits mehrere 
franzsische Gelehrte, wie Prof. Boule aus Paris, der im 
Auftrage der franzsischen Regierung 4 Tage liier weilte, 
ferner die Professoren Deperet und Zain aus Lyon bei 
mir gewesen und haben sich angelegentlich nach der 
couche des rongeurs determines par Mr. Nehring Berlin 
erkundigt." .... 

Noch eine andere Voraussage Ihrerseits hat sich 
diesen Sommer vollstndig besttigt, nmlich die, dass 
die kleinen Nagethierknochen aus den Gewllen 
grsserer Raubvgel herrhren; es lagen nmlich 
an verschiedenen Stellen ganze Hufchen von Knchel- 
chen, Kieferchen und Zhnchen beisammen. Oben in der 
Felswand der Grotte finden sich tiefe, dunkle Lcher 
und Gruben, in denen noch heutzutage Eulen sich auf- 
halten." .... 

Entgegen der vorjhrigen Ansicht, dass zur Zeit 
der Bildung der (unteren) Nagcthierschicht der Mensch 
das Feuer noch nicht kannte, hal)e ich dieses Jahr (181(2) 
im oberen Theile jener Schicht eine Feuerstelle gefunden; 
allerdings war die Grotte in der betreffenden Epoche nicht 
dauernd, sondern nur vorbergehend bewohnt, was aus 
der geringen Menge von Feuerstein -Werkzeugen und zer- 
schlagenen Knochen in der 50 cm dicken, unteren Nagc- 
thierschicht hervorgeht. . . . Die Ausgrabungen dauerten 
vom 24. Juli bis 28. Octobcr d. J. und sind noch nicht 
beendet; es fehlen noch Vs (ier Fundsttte, welche im 
Frhjahr 1893 ausgegraben werden sollen." 

Im Anschluss an obige biiefliche Mittheilungen des 
Herrn Dr. Nesch erlaube ich mir, im Nachfolgenden 
ganz kurz die Resultate meiner Bestimmungen der mir 
vorliegenden Wirbelthier- Reste, welche von den Aus- 
grabungen des Jahres 1892 herrhren, mitzutheilen und 
sie mit den zugehrigen Bestimmungen des Herrn Prof. 
Dr. Studer in Bern, dem die grsseren Thierreste ber- 
sandt win-den, zu combiniren, soweit letztere Bestimmungen 
mir bekannt geworden sind.*) 

Aus der Humusschicht hat mir nichts vorgelegen; 
dagegen konnte ich aus der grauen Culturschicht 
feststellen: Eichhrnchen (Sciurus vulgaris), Baum- 
marder (Mustela martes), Fuchs (Canis vulpes), Scher- 
maus (Arvicola amphibius), Maulwurf (Talpa europaea). 
Studer bestimmte aus derselben Schicht: Edelhirsch, Reh, 
Wildschwein, Pferd, braunen Br, Dachs, Marder, Maul- 
wurf, Schneehase, Sehneehuhn, einige wenige Knochen 
und Zhne vom Rennthier. Es handelt sich hier offenbar 
in der Hauptsache um eine charakteristische Wald- 
fauna; nach den menschlichen Werkzeugen etc. gehrt 
die graue Culturschicht der neolithischen Zeit an. 

Aus der oberen Nagcthierschicht, welche einen 
Theil der oberen Breceienschicht bildet, konnte ich fest- 



*) Vergl. die Mittheilungen des Herrn Dr. Neacli im Cor- 
respundenzblatte der deutschen anthropologischen Gesellchaft 1892, 
Nr. 10, S. 110 f. 



stellen: Gartenschlfer (Eliomys sp.), eine kleine Muse- 
Species (Mus agrarius'?), Maulwurf, mehrere Spitzmaus- 
Arten, die Schermaus (Arv. amphibius), mehrere andere 
Whlmaus-Arten, darunter Arv. ratticeps, eine H.asen- 
Art (Lepus sp.), den Zwerg-Pfeifhasen (Lagomys pu- 
sillus), Hermelin, kleines Wiesel, Rennthier, mehrere 
Vogelarten, eine Sehlange, eine Krte. Studer be- 
stimmte aus der oberen Breceienschicht einige wenige 
Species, welche eine Mischung von Wald- und Steppen- 
thieren anzudeuten scheinen. 

Aus der gelben Culturschicht konnte ich fest- 
stellen: Arvicola amphibius, mehrere kleinere Whlmaus- 
Arten, den gemeinen Hamster (Cricetus frumentarius), 
Maulwurf, eine mittelgrosse Ziesel- Art (Spcrmophilus Evers- 
manni*), Zwerg- Pfeifhase, mehrere Vogel- Arten. Studer 
bestimmte aus dieser Schicht: sehr zahlreiche Reste des 
Rennthiers und des Sehneehasen, sowie einige Reste vom 
Diluvialpferd, Viclfrass, Hhlenbr, Eisfuchs, AVolf, r, 
Steinbock, Birkhuhn. Diese Schicht gehrt der sogen, 
palolithi sehen Epoche an; sie hat sehr zahlreiche und 
sehr beachtenswerthe menschliche Artefaete geliefert.**) 

Aus der unteren Breccien- oder Nagcthier- 
schicht stellte ich fest: Mehrere Reste des Zwerg-Pfeif- 
hasen (Lagomys pusillus), mehrere Kiefer einer kleinen 
Hamster-Art von der Grsse des heutigen Cricetus phaeus, 
zahlreiche Whlmaus-Reste, darunter solche von Arv. gre- 
galis und Arv. nivalis, einige Reste von Lepus, Sorex und 
Talpa, zahlreiche Reste von Schneehhnern, endlich zahl- 
reiche Reste des interessanten Halsband-Lem- 
mings (Myodes torquatus), welche letzteren meistens etwas 
mehr fossil" aussehen, als die erstgenannten Reste. 
Studer bestimmte aus dieser Schiebt: Rennthier, Schnee- 
hase (sehr zahlreich), eine kleine Pfeifhasen-Art (1 Unter- 
kiefer), Eisfuchs, Schneehhner etc. 

Nehme ich hierzu die Resultate meiner Bestimmungen 
aus dem Jahre 1891, welche sich fast ausschliesslich auf 
diese Schicht bezogen, so ergiebt sich, dass in der 
unteren Breccien- oder Nagcthierschicht einer- 
seits eine arktische, andererseits eine subarktische 
Steppenfauna angedeutet ist. Ein charakteristischer 
Vertreter der arktischen Steppenfauna, welche wir auch 
als Fauna der trockneren Tundren - Gebiete bezeichnen 
knnen, ist der Halsband- Lemming. Seine Reste sind 
am Schweizerbild", soweit mein Material erkennen lsst, 
ganz und gar auf die untere Nagcthierschicht beschrnkt, 
und dieses erscheint mir als ein wichtiger Umstand; es 
wird hierdurch dasjenige besttigt, was ich an mehreren 
bemerkenswerthen Fundorten Deutschlands, namentlich 
bei Thiede, beobachtet habe, nmlich dass die Reste 
des Halsband- Lemmings (sowie auch die des Ob- 
Lemmings, Myodes obensis) in den diluvialen Ablagerungen 
jener Fundorte regelmssig tiefer liegen, als die 
Reste der subarktischen oder eigentlichen 
Steppen -Nager (Cricetus phaeus, Lagomys pusillus, 
Spcrmophilus Eversmanni etc.). 

Natrlich existirt keine scharfe Grenze zwischen den 
Lemmings-Resten und den Resten der eigentlichen Steppen- 
Nager, wie ja auch heute die Fauna der ostrussischen 
und westsibirischen Steppen gewisse Beziehungen zu der 
Fauna der nordostrussischen und nordsibirischen Tun- 
dren erkennen lsst***); aber die Lemmings -Reste ver- 
schwinden allmlig nach oben zu, und die Reste der 
eigentlichen Steppen -Nager gewinnen fr eine Zeit lang 



*) Diese Ziesel -Reste (2 rechte Unterkiefer) stammen nach 
der bestimmten Angabe Nesch's aus dem oberen Theile der 
gelben Culturschicht; sie wurden scliou 1891 gefunden. 
**) Sielie Nesch, a. a. O., S. 1 IG. 
***) Siehe mein Buch ber Tundren und Steppen", Berlin, 
Ferd. DUmmlers Verlagsbuchhandlung, S. 5 ii"., 54 f. 



Nr. 10. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



93 



die Vorherrsdiaft, bis sie weiter nacii oben durch die 
der Waldfauna verdrngt werden. 

Diese Aufeinanderfolge einer Tundren-, Steppen- und 
Waldfauna, welche ich in den lssartigen Ablagerungen 
von Tliiede bei Braunschweig und an nianclicn anderen 
Fundorten Mitteleuropas wiederholt beoiiaclitet und trotz 
zahlreicher Einwendungen bis heute vcrtlieidigt habe*), ist 
durch die sehr sorgsamen, schichtweise ausgefhrten Ab- 
grabungen am Schweizerbild bei Schaff hausen von Neuem 
so klar besttigt worden, dass ein vorurtheilsloser. 



un- 



befangener Beobachter 



sich kaum noch liegen eine An- 



erkennung derselben wird struben knnen. 

Die untere Breccienschicht am Scliwei/.erbild" ge- 
hrt grsstentheils der Lemmingszeit an; doch treten schon 
neben den Lemmingeu und sonstigen arktischen Species 
die Vertreter der subarktischen Steppenfauna (Cricetus 
pliacus, Lagomys pusillus, Arvicola grcgalis) auf. In der 
gelben Culturschicht sind die Lemminge verschwunden; 
dagegen behaupten sich die Steppen -Nager, zu denen 
noch eine Spermophilus-Art kommt, durch diese Schicht 
hinauf bis zur oberen Nagethierscliicht. In der nach oben 



*) Siohe ebenda S. 157 ff., 225 ff. 



folgenden grauen Culturschiclit sind die Steppen -Nager 
verschwunden; wir iiaben hier eine charakteristische Wald- 
fauna, wie sie noch jetzt in unseren Wldern haust. 

In welchem Verhltnisse diese faunistische Aufein- 
anderfolge zu der Annahme zweier Eiszeiten und einer 
sie trennenden Intergiacialzeit steht, nniss noch genauer 
untei'sucht werden; vorlutig mchte ich mein Urtlieil 



hierber zurckhalten. Die 



sonstigen 



wissenschaftlichen 



Resultate, welclie die Ausgrabungen am Sehwcizerijild" 
geliefert haben, sind schon bedeutend genug, und Herr 
Dr. Nesch hat sicii ein grosses Verdienst durch dieselben 
erworben. In faunistischer Hinsicht erscheint es besonders 
wichtig, dass das eliemalige Verbreitungsgel)iet einerseits 
des Halsband- Leunnings, andererseits des Zwcrg-I'feif- 
hasen, des kleinen Steppenliamsters, des Eversnmnn'schen 
Ziesels, gewisser Arvicola-Artcn zeitweise bis zu der 
Gegend von Schaffliauscn ausgedehnt war. 

In urgeschiehtliclier Bezieliung erscheint mir bcsdu- 
ders der Umstand interessant, dass die gelbe Culturscliiclit 
mit ihren zahlreichen iialaeolitliisehen Instrumenten in die 
Zeit der Steppenfauna hineinreicht, whrend die graue, 
Culturschicht mit ihren neolithischen Instrumenten der Zeit 
der vorgeschichtlichen Waklfauna zusammenfllt. 



Ueber die Nonne (Liparis monacha). 

Von Obf'it'rster K. llittmeypr, 
(Fortsetzung.) 



Bezglich der Frass weise hebt Forstmeister Fritz 
A. Wachtl hervor, dass die jungen Nonnenrupchen auf 
der Fichte zunch.st die weichen zarten Nadeln der Mai- 
triebe verzehren, allfllig nach dem Durchnagen der 
sie bedeckenden zarten, trocknen Schuppen, whrend sie 
auf den spter treibenden Kiefern sogleich die alten 
Nadeln in ihren unteren weicheren Theilen befressen. 

Dr. Altum ist bezglich der Fichtenknospen der ent- 
gegengesetzten Ansicht, dass die jungen Rupehcn die 
Knospenschuppeu zu (lurchnagen nicht im Stande seien, 
in Fichtenbestnden vielmehr recht wohl dem Hungertode 
verfallen wrden, wenn sie ihre Eihllen eher verlassen, 
als die Knospen der Fichte aufbrechen. Dieses kann 
nun aber sehr wohl der Fall sein, da die jungen Rnp- 
chen ihre Hllen allein in Folge des Einflusses der Luft- 
wrme verlassen, whrend die Fichtenknospen zu ihrer 
Entfaltung auch der Zufuhr von Sften bedrfen, sodass 
bei der oft rasch wechselnden Frtthjahrstemperatur diese 
Erscheinung sehr wohl eintreten kann und im Frhjahre 
1892 ebenso wie bei dem Nonnenfrasse der r)Uer Jahre 
thatschlich auch eingetreten ist. 

Spter werden die Nadeln der Fichte und Tanne 
vollstndig verzehrt, von denen der Kiefer jedocii nur die 
untere Hlfte, die obere der in der Mitte durchgebissenen 
Nadeln fllt zu Boden. 

Dass der Frass im Zwinger und im Freien verschie- 
den sei, stellte Fritz A. Wachtl fest; im Zwinger fressen 
die Nonnenraupen sowohl die Fichten- als auch die 
Kiefernnadeln ganz auf, zumeist deshalb, weil sie leichter 
zu ihnen gelangen knnen, im Freien lassen sie die halbe 
Kiefernnadel zu Boden fallen, weil sie, sieh mit dem 
zweiten oder dritten hinteren Fusspaare am Zweige fest- 
iialtend, nur die halbe Lnge der Nadel erreichen knnen. 

An den Laubhlzern werden von den jungen Raupen 
zunchst die Knospen verzehrt, dann die Blattflelien benagt 
und kantige Lcher in dieselben eingefressen. Fig. 3. 
Diesen Lcherfrass setzen sie bis zur zweiten Hutung 
fort (A.). Spter fressen sie die kurzgestielten Bltter, 
namentlich an Buche und Eiche, jederseits von der Mittel- 



rippe, an der noch Theile der Blatttlche brig bleiben, 
lappig ein, so dass der Rest wie ein Anker aussieht. 
Man knnte dies .,Ankerfrass" nennen (B.). Sehr hufig 
wird schliesslich die Mittelrippe oben durchgebissen, am 
Zweige bleibt nur der untere Theil derselben mit seit- 
lichen, spitzen Blattlappen, der Endtheil der Blattspreite 
fllt dagegen ungenutzt zu Buden. Diese Endthcile sehen 
bei Buchen sehr hutig so aus, als htte man knstlich 
an ihnen die Figur eines Eichenbiattes herausgeschnitten 
(15. CD.). An langgestielten Blttern wird hchstens die 
Ansatzstelle der Blattflche an ilen Stiel etwas benagt, 
meist aber der Stiel gleich vollstndig durchgefressen, so 
dass die ganzen Bltter vllig ungenutzt herabfallen, 
z. B. an Birken.''*) 

In den Baumkronen des ( berholzes schreitet der 
Frass gewhnlieh von unten nach aufwrts und von 
innen nach auswrts fort, am Unterholze erfolgt der Frass 
zumeist in umgekehrter Richtung. Als ganz sicher vor 
diesem polyphagen Schdlinge erwiesen sieh die Ellern 
und Eschen, die Rosska.stanie, Flieder, Weissdorn, 
Spindelbaum, Rainweide, Himbeere, Brombeere, Farn- 
kraut, Flechten und JMoose. 

Aus dem Leben der Falter wrden die Falter- 
scli wrme und die Ei- Ablage hervorzuheben sein. Nach 
Forstmeister Wachtl flndet bei eingetretener Massen- 
vermebrung ein Auswandern der Schmetterlinge statt, 
diese Falterzge knnen weite Strecken zurcklegen, so 
ist in Galizien ein Schwrm beobachtet worden, welelier 
aus Preussen konnnend eine Strecke von 60 km durch- 
flogen hatte. Dass dieser Verl)rcitungsart der Calaniitt 
eine grosse wirthschaftliche Bedeutung beigemessen wer- 
den muss, ist erklrlich, denn alK' die Vorbeugungsmittel, 
welche das Entstehen einer Nonnen-Calamitt ^ iclleielit liint- 
anhalten knnen, verlieren derartigen Nonnen-Invasionen 
gegenber ihren Wertli. 

Professor Dr. Altum hlt solche Wanderzge fr eine 



*) Professor Dr. H. Nitsclie: ,.Die Nonne". Sonderubdruck 
aus dem Lehrbuch der Rlitteleuropiiischen Forstinsektenkiuule." 
Wien 1832. Ed. Hlz.il's Vorhig. 70 Pf. 



94 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 10. 



abnorm seltene Erscheinung" (Zeitschr. f. Forst- u. 
Jagdw." 1890, S. 580), doch ist diese Anschauung nach 
dem Urtheile der brigen Fachentomologen und den Ver- 
lautbarungen der meisten Forstleute eine irrige. Der 
AVandertrieb des Nonnent'alters , die Tendenz dieser 
.Species bei erreichtem Maximum der Vermehrung in 
Schwrmen aus ihrem Entstchungsgebietc auszufallen und 
neue, oft usserst entlegene Frassgebiete aufzusuchen imd 
zu inficiren, gehrt als regelmssige Erscheinung in das 
Lebensbild der Nonne, und zwar als eines der alier- 
wichtigsten Momente in demselben" (r. Pauly, Allgem. 
Forst- u. Jagdztg."). 
Vielleicht vom Winde 
fortgetragen , wahr- 

scheinlich aber mittelst 
der eignen Flugkraft 
(Henschers Ansicht) le- 
gen diese .Schwrme, 
wie schon oben ange- 
fhrt , weite Strecken 
zurck, und oft lsst 
sie der starke Wander- 
trieb von einem Orte, 
wo sie sich schon nie- 
dergelassen und voll- 



Nonne als regelmssig gehrige Erscheinung" (Dr. Pauly) 
sind zu wenige Masscnschwrme beobachtet worden. 

BezgUch der Ei -Ab lge soll der Nonnenfaltcr 
windgeschtttzte und dunklere Bestandestheilc vorziehen 
und luftige, lichte Orte meiden, sodass nach Dr. Altum 
die Nonne nicht in zwei unmittelliar aufeinanderfolgenden 
Jahren in demselben Bestnde sehr stark frisst" (Zeitschr. 
fr Forst- und Jagdw. 1890 X), sondern zur Eiablage aus 
dem befressenen Theile in die noch verschonte, dunkel 
benadelte Umgebung bersiedelt. Fr Kiefernbestnde, 
in welchen der Frass wie auch die Bedeutung desselben 

eine ganz andere ist, 
triift dieses vielleicht zu, 
fr Fichtenbestnde, auf 
welche sich das hier 
Gegebene durchweg be- 
zieht, aber nicht, denn 
es ist in Bayern, Wrt- 
temberg und Mhren 
beobaciitet worden, dass 



kommen gute 



Gelegen- 



heit zur Ablage der Eier 
gefunden, nach kurzem 
Aufenthalte wieder ab- 
ziehen, sie verschwinden 
dann eben so jh, wie 
sie gekommen. 

Was es mit diesen 
ja schon seit den fnf- 
ziger Jahren bekannten 
Faltcrmassentigeu fr 
eine Bewandtnis hat, 
darber haben die 
Zoologen uns noch nicht 
ausreichend belehrt. Es 
ist unzweifelhaft er- 
wiesen, dass die Falter 
von der Natur nicht 
angewiesen sind , sich 
bei zu grosser Ver- 
mehrung so weit zu ver- 
breiten, dass der Nah- 
rungsstand der Nach- 
kommen gesichert wre, 
im Gegentheile , sie 
nehmen gar keine Kck- 




getres- 



sicht hierauf und legen 
ihre Eier auch in vllig 
kahlgefressenen Bestnden ab, 
der Hungertod im Voraus sicher 
in den noch grnen Bestnden 
Massen ab, dass eine 



Figur 3. 

A = Lcherfrass der jungen Nunnenraupeii an Iluolie. B = Tyiiischer Aukertrass der 
alteren Nonnenraupen an Buche. C = Vom Boden aufeenonimenes, befressenos Huchenblatt, 
bei dem die .Mittclrippe oben durchgebissen wurde. D = Huchenzweig, au dem die Bhxtt- 
rippen mit seil lieben Blattlappen stehen geblieben sind, nachdem die Blatttichen in der 
bei C gezeichnolen Weise abgefressen; bei x neu austreibende Knospen. E = Ankerl'rass 
an Eiche. Origiiialzeichnung nach im August ls91 im Ebersberger Parke ge.sammeltem 
Materiale von Prof. Dr. Nitsche-Tharand. 



regelrechte 



wo den jungen Raupen 
ist; sie legen aber auch 
die Eier in so grossen 
Enihrunii- der iunaen 



die schon liciit 
senen Bestandestheilc 
strker belegt waren, 
als die anstossendeu, 
noch verschont geblie- 
benen. 

Dass die Massen- 
vermehrung des Schd- 
lings in geschtzten 
Theilen des Waldes ihre 
Wiege hat, mag zuge- 
geben werden, um aber 
dem Falter fr die Eiab- 
lage eine Vorliebe fr 
dichtere , dunklere ge- 
schtztere Waldorte zu- 
zusprechen, dazu gehen 
die iiierber gemaeliten 
Beobachtungen zu sehr 
auseinander , und da- 
gegen drfte auch der 
Umstand sprechen, dass 
die Falterschwrme sich 
stets an den Wald- 
rndern und nicht 
(soviel man weiss) ini' 
Inneren des Waldes 
oder doch eine ge- 
wisse Strecke vom lich- 
ten, luftigen Waldrande 
entfernt zur Ablage 
der Eier niederzulassen 
pflegen, 
ber den ga 



Brut uuniglich wird." (Kgl. wrtteml)erg. Forstdirektor 
von Dorrer: Die Nonne (Liparis monacha) im ober- 
schwbischen Fiehtengebiete in den letzten fnfzig Jahren." 
Stuttgart 1891. Julius Ibiffmann's Verlag.) 

Wenn die Ursache dieser Masscnschwrme in dem 
Triebe, den Nachkommen die Nahrung zu sichern, gesehen 
werden soll, so mssten weit mehr derartige Schwrme 
stattgefunden halien, und es durften nicht in schon kahl 
gefressenen Bestandestheilen noch Massen von Eiern ge- 
funden werden, wie es thatschlich fast berall der Fall 
gewesen ist. Fr eine abnorm st'ltene Erscheinung" 
(Dr. Altum) sind zu viele, ,,fr eine in das Lebensbild der 



Dass die Nonne ihre Eier ber den ganzen Baum 
hin ahlei;t, ist nach Fritz A. Wachtl eine Eigentiimlich-^ 
keit, welche man hei keinem anderen Insekt findet, auch 
liinter den Schu})pen alter Zapfen, wie auch tief unter 
dem Haidekrante fand man Nonnen-Eierspiegel. 

An 210 gefllten Probe-Fichten von 1(5 bis 20 m Hhe 
wurden am Wurzelstoeke und den Wurzelrcken 8.86 "/ 
der am ganzen Baum al>gelegten Eier gezhlt, dann an 
den je 2 m langen Abschnitten des Stammes von der Wurzel 
nach der Spitze zu numerirt: I: 18.27 "/u; D: 9:43 7ii, 
III: 9.22%, IV: 8.22 <%. V: 6.0./o, VI: 3.96 /o, 
1.20 o/o' in (1er Krone (Gipfel und Aeste) 34.79 o/; 

das unterste Drittel des Baumes kmen somit von 



VII: 

auf 
den 



Eiern 45.78 /o, auf das mittlere 18.23 7,, und auf das 

des Baumes 54 7o 
Probe-Kiefern von 



/o 
obere 35.99%; auf die untere Hlfte 
und auf die obere 46%. An 100 



Nr. 10. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



<.}5 



1 



18 bis 20 m Hhe fanden sich am WnrzelstocI<c und den 
Wnrzclrciien 4.97%, dann 1: 15.41%, II: 18.99 /o, 
III: 1!').73%, IV: 13.78 7o, V: 9.51 7o, VI: 3.62% und 
in der Krone (Gipfel und Aeste) 17.99 "/? niithiii im 
untersten Drittel .lO%, im mittleren 20.91 "/o ui'tl 'm 
obersten 17.99%; oder in der unteren Hlfte 78.93 7o 
und in der oberen 21.61 7o- Andere Untersuchungen*) 
ergaben bis 2 m Schafthhe 15 7o fler abgelegten Eier, 
von 2 m bis 4 m 20 7o , von 4 m bis 6 m 24 7o , von 
6 ni bis 8 m 21 7o und ber 8 m noch 20 7o- In einem 
anderen Frassgebiete fand man an 1004 gefllten Probe- 
bumen im Durchschnitte bis 5 m Hhe 15 7oj von 5 m 
bis 10 m 23 7o, von 10 m bis 15 m 28 7o. von 15 m bis 
20 m 30 7o "1"^ l^er 30 m Baundihe noch 4 7o- 

Als grsste Zahl der an einem Haum abgelegten 
Eier giebt Altum aus dem bayrischen Frassgebiete 
200 000 .Stck an, Dr. Eckstein bis 400 000 Stck. 

Audi ber die Frage der Eierzahl in einem .Spiegel 
sind Untersuchungen ausgefhrt. An 1004 l'robebumcn 
fand man durchschnittlich: 

in 31 7o der Eiablagen 110 Stck Eier, 

- 35 - - - 1120 - 

- 12 - - - 21-30 - 

- 9 - - - 3140 - 

- 4 - - - 4150 - 

- 3 - - - 5160 - 

- 3 - - - 6170 - 

- 1 - - - 71-80 - 

- 1 - - - 8190 - 
1 - - - 91 u. mehr - 

Die grsste Ablage Hess 109 Eier zlden; dabei zeigten 
die in grsserer Hhe abgelegten Eicrhui'chen; die 
grssere Zahl Eier; die Ablage von 109 .Stck war in 
23 m Hhe gei'unden. Aus einem anderen Frassheerde 
wird von einer Eiablage berichtet, welche 272 Stck 
enthielt. 

Ein Liter Nonneneier enthlt etwa 700 000 Stck 
und wiegt 400 bis. 450 g. 

Ein lebhafter Streit entspann sich ber die in die 
Botanik einschlagende Frage, ob die von der Nonnen- 
raupe kahlgefressenen Nadelhlzer und insbesondere 
Ficliten sieh wieder begrnen oder nicht? Die wrttem- 
bergischen Forstleute vertraten, auf die in Akten ber 
frheren Nonnenfrass in Fichtenbestnden niedergelegten 
lieriehte gesttzt (Siehe von Dorrer Die Nonne"), die 
Ansicht, dass ph3'siologische Grnde nicht vorliegen, 
welche das Wiedergrnen der Fichten ausscidiessen, dass 
sogar die Wahrscheinlichkeit des Wiedergrncns vorliegt" 
(Forstrath Speidel in Allgem. Forst- uiul Jagdzeitung" 
1891, I), die bayrischen Forstleute gaben sieh dieser 
Hoffnung nicht hin. Es entwickeln sich an den zeitig im 
Jahre kaiil gefressenen Fichten allerdings sehr hutig 
vom August ab kleine grne Bscheltriebc von 1 bis 2 cm 
Lnge, docli bleiben diese austreibenden I'r\'entivknospen 
niclit auf die Dauer erhalten, sondern gehen bereits im 
IK'rbste dui'ch Vertrocknen zu Grunde; sie retten den 
I5aum nicht, sondern erschpfen noch die letzte Kraft 
d('sselben. An Fichten, welche erst spt im Jahre durch 
berwandernde erwachsene Raupen kahl gefressen wei'den, 
knnen auch dii' zur Entfaltung im nchsten Jahre be- 
stimmten normalen' Knospen schon im Herliste des Frass- 
jahres ausschlagen, aber auch diese Bildungen gehen im 
Hcrl)ste meist zu Grunde und knnen den Baum nicht 
retten. 



' *) Foi-.stincister Hcrmami Reiis.s: AutTrdoruiij; und Au- 
loituiif; zur Brkilinpfung der Noniic aus reiu praktischen Gesichts- 
punkten". mi2, -Wien "bei Moritz Porlos, ' 



Der Grund i'r die Tdtlichkeit des Nonnenkahl frasscs 
fr die Nadelhlzer liegt in dem Zeitpunkte der Ent- 
nadelung. Die liume werden zu Ende des Juni ihrer 
Nadeln beraubt, nntten in der Vegetationsperiode . zu 
welcher Zeit der Jahrring aus den Assiniilationsproduktcn 
der Nadeln gel)ildet wird. Ist nun mit den Nadeln die 
normale Bezugsquelle fortgefallen, so werden die beim 
Nadelholze ja geringen Mengen der im Holz- und Kindeu- 
kiirper aufgespeicherten Ifeservestofte zur Weiterentwicke- 
lung der in voller Thtigkeit begritt'enen Iloizzeilen auf- 
gebraucht, sodass wenn die Bume im nchsten 
Frhjahre noch unversehrte Knospen haben doch das 
Jlaterial zu ihrer Entwickelung fehlt. Ferner hrt mit 
dem Fortfall der Nadeln die Verdunstung des aus dem 
Boden durch die Wurzeln aufgesogenen und in die Kr(me 
aufsteigenden Wassers auf, damit sehr bald der auf- 
steigende Wasserstrom selbst und mit diesem auch die 
Abkhlung der Cand)ium- und usseren .Splintschichten, 
sodass diese besonders auf der .Sonnenseite der Bume 
bis ber die Grenze der Lebensfhigkeit der Zellen 
oder doch so weit erhitzt werden, dass im folgenden 
Jahre das gnzlich nahrungslose Cambium abstirbt, lloheii 
Hartig fand die Cand)ial-Tempcratur einer entnadelten 
Fichte im Sommer um 8^0. hher als die einer bcnadel- 
ten unter gleichen Verhltnissen. In kahl gefressenen 
Fichtenbestnden steigerte sich bei directer Besounung 
die Temperatur des Candjiums bei 26 C. Lufttemperatur 
bis auf 44 C. Nach OberlVirstcr Dr. Jger-Tbingen ist 
dagegen im Jahre 1892 die Mglichkeit des Wieder- 
begrnens kahl gefressener Fichten unter gnstigen 
Wittcrungs- und .Standortseinflssen unwiderleglich er- 
wiesen. Ganz kahl gefressene Bume (und Bestnde), 
welche also keine einzige grne Nadel mehr aufwiesen, 
gebe es in Wirklichkeit auch nach dem verderblichsten 
Eaupenfrassc niemals, Bestnde, welche jedoch im landes- 
blichen terminus technicus als total kahlgefressen" be- 
zeichnet seien, htten sich im Weingartner (Wrttemberg) 
Frassgebiete 1892 zweifellos wieder begrnt. Dass die 
in 1890 kahl gefressenen Bestnde im folgenden Frh- 
jahre nicht mehr ergrUnt seien, erklre sieh aus der ab- 
norm ungnstigen Witterung des Winters 1890/91. Auch 
aus Bayern kam pltzlich die Nachricht, dass die Fichten- 
bestnde von Kirchseeon gegen Mnchen und ebenso im 
Ebersberger Parke, noch Mitte Mai 1892 total abgefressen, 
gelb und scheinbar ganz abgestorben dastehend, wieder 
grnen, welche Nachrieht aus dem bayerischen Finanz- 
ministerium" in der Augsburger Abendzeitung" die Ent- 
gegnung fand: Eine Wiederbegrnung der durch die 
Nonne kahlgefressenen Fichtenwaldungen ist weder im 
Laufe der gegenwrtigen Nonnencalaniitt, noch in einer 
der frheren (Jalamitten jemals und irgendwo eingetreten, 
alle gegentheiligen Behauj)tungen und Hofluungen haben 
sich ausnahmslos irrig erwiesen. Selbst der weitaus 
grsste Theil der zwar sehr stark befressenen, aber nach 
Ablauf der Frassperiode thcilweise noch innner grn ge- 
bliebenen Fichten, deren Erhaltung also wenigstens erhoft't 
werden konnte, hat wie im Winter 1890,91, so auch in 
gleicher Zeit 1891,92 allmhlich den Rest der grnen 



Benadelung verloren und ist abgestorben 



Wenn zur 



Zeit im Ebersberger Parke in hchst erfreulicher Weise 
die Fichten mit den jungen lu'ilgrnen Maitrieben reich- 
lich besetzt sind, so sind dieses ausschliesslicji solche 
Bume, welche nicnmls kahl waren ..." 

Von den brigen Waldbunien sollen auch die ganz 
kahlgefressenen Tannen und Kiefern absterben, die Lrche 
begrnt sich wie die Laubhlzer noch in dem gleichen 
Jahre wieder. Die Kiefer M'ird jedoch nur sehr selten 
kahl gefressen; hatte sie nur Lichtfrass zu erleiden, so 
; erholt sie sich wieder, whrend die Fichte auch licht ge- 



96 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 10. 



fressen schon abstirbt. Welcher Prozentsatz der Benacle- 
lung- die Fichte (Tanne und Kiefer) am Leben zu erhalten 
vermag-, ob diesbezglich und wie die Standorts- und be- 
sonders Bodenverhltnisse, ob das Alter des Baumes u. a. m. 
von E^influss sind? Das sind weitere noch ungelste 
Fragen. In einem Reviere Mhrens sollen alle bis ber 
50 '^',0 der Krone beraubten Fichten a))gestorben sein; nach 
den Beobachtungen des Forstmeister Schulz stirbt ein 
Baum schon im folgenden Winter oder doch im darauf 



folgenden Frhjahre ab, wenn ihm ber V t^er vorhanden 
gewesenen Benadclung fehlt; nach Oberforstmeister Marron 
lebten alle Fichten, denen noch 10% der Beuadelung 
blieb, nach zwei Jahren noch. Die Beantwortung dieser 
Frage ist keineswegs nur von naturwissenschaftlichen 
Interesse, sondern auch von bedeutendem praktischen 
Werthe, da sie ja fr das Niederhauen oder Stehenissen 
des betroftenen Bestandes Ausschlag gebend ist. 

(Schluss folgt.) 



Als Heilmittel der Malaria (Wechselfieber) wird 
neuerdings das Methylenblau, ein Alininfarbstoft", leb- 
haft empfohlen. Den Gedanken zur therapeutischen An- 
wendung des Methylenblau der Malaria gegenber gab 
eine Erfahrung der mikroskopischen Technik: die ausser- 
ordentlich gute Frbbarkeit der Malariaplasmodien im 
getrockneten Blutstropfen. Das Methylenblau frbt die 
kleinen, sonst schwer sichtbar und namentlich in den 
Einzelheiten ihrer Formen schwer erkennbaren Gebilde, 
die brigens nicht zu den Bakterien, sondern zur Gruppe 
der Protozoen gehren, ausserordentlich leicht und in- 
tensiv. Im Herbst 1891 haben Dr. P. Guttmann, Director 
des stdtischen Krankenhauses Moabit, und Professor 
Dr. Paul Ehrlich die ersten gnstigen Erfahrungen ber 
die Behandlung der Malaria mit Methylenblau verffent- 
licht, denen der erstere jngst weitere hnliche Mittheilungen 
hat folgen lassen. Das Methylenblau wird in Formen von 
Gelatinekapseln in 5 bis 10 tglichen Dosen von je 0,1 
Gramm verabreicht und passirt usserst schnell den Or- 
ganisnms, dabei alle Se- und Excrete intensiv blau frbend. 
Nur chemisch reines Methylenblau hat die volle Wirkung. 
Schdliche Nebenwirkung besitzt das Methylenblau kaum. 
Das Methylenblau hlt meist schon den nchsten Fieber- 
anfall auf und fhrt in kurzer Zeit zur Genesung. Frei- 
lich hat mau Rckflle eintreten sehen, die dadurch zu 
verhten sein sollen, dass man sich nicht begngt, das 
Aufhren des Fiebers erreicht zu haben, sondern das 
Mittel Wochen hindurch in tglichen Dosen von 0,3 bis 
0,5 Gr. giebt. Die gnstigen Erfahrungen aus Berlin, 
die auch in einigen schweren Fllen sich besttigt haben, 
sind unlngst auch von einigen auslndischen Forschern, 
z. B. der italienischen Malaria gegenber berichtet worden. 
Von anderer Seite werden dagegen sowohl der ja immerhin 
seltenen einheimischen Malaria gegenber, wie namentlich 
der tropischen Malaria, Misserfolge der Methylenblau- 
behandlungeu gemeldet. Indess besteht namentlich in 
Hinsiclit auf tropische Malaria noch kein klares Urtheil, 
das freilich gerade in nchster Zeit aus unseren west- 
und sdwestafrikanischen Kolonien zu erwarten ist. Die 
Unterschiede der tropischen Malaria von der ehdieimischeu 
erstere ist weit schwerer und bsartiger sind noch 
nicht gengend bekannt ; es scheint, als ob sie in Formen- 
Verschiedenheiten der Malariaplasmodien nicht begrndet 
seien. Sollte aber auch das [Methylenblau der tropischen 
Malaria gegenber im Stich lassen, so tritt es dadurch 
noch nicht gegen das Chinin zurck, das in solchen Fllen 
auch hutig wirkungslos ist. Gerade deshalb strebt die 
medicinische Forschung so eifrig nach einem Ersatz des 
bisher souvernen Malariamittels. Ist auch vielleicht in 
Methylenblau nicht das ideale Heilmittel der Malaria ge- 
funden, so erfhrt die Behandlung dieser Krankheit durch 
dieses Mittel doch eine schtzenswerthe Bereicherung.*) 
Dr. A. 

*) Vergl. mit Obigem die Mittheilung in Bd. V S. 277 Anilin- 
Farbstoffe als Antisejjtica". Red. 



Untersucliuiigeii ber den EinUnss des Nervus 
trigenmis auf die Hornhaut des Auges verffentlicht 
Just US Gaule im Centralblatt fr Physiologie. 

Wenn man den Nervus trigeminus in der Schdel- 
hhle durchschneidet, so ist das Verhalten der von diesem 
Nerven innervirten Hornhaut des Auges ein sehr wechseln- 
des; dies hngt in erster Linie ab von dem Ort, wo 
man den Nerven durchschneidet, ob zwischen dem Gehirn 
und dem in den Nerv eingelagerten Ganglion Gasseri, ob 
im Ganglion selbst oder zwischen ihm und dem Auge: im 
Ramus ophthalniicus. Nur dann, wenn die Durchschneidung 
im Ganglion selbst oder im Ramus ophthalniicus statt- 
findet, lassen sich Ernhrungsstrungen in der Hornhaut 
nachweisen, und zwar stets durch das Mikroskop, unter 
gnstigen Umstnden aber, nmlich bei lteren Thieren, 
auch mit blossem Auge. Die makroskopisch sichtbaren 
Zeichen sind: 1. das Auftreten eines irisirenden Hut- 
chens, welches sich ber die ganze Hornhaut ausbreitet; 
2. es erscheinen kleine rundliche, flache Vertiefungen an 
verschiedenen Stellen der Hornhaut. Dieselben liegen dicht 
beisammen, fiiessen bald zusammen und rcken nach dem 
Centrum der Hornhaut hin vor, dort bilden sie dann eine 
Delle mit trockenem glnzenden Grund. 

Hat man das Ganglion recht in der Mitte durch- 
schnitten, dann erscheinen diese Zeichen augenblicklich, 
hat man dagegen den Nerven zwischen Gehirn und Gan- 
glion getroffen, so wartet man vergeblich auf sie. 

Unter dem Mikroskop zeigt die Hornhaut unmittelbar 
nach dem Schnitt einen Wechsel von normal gebliebenen 
Epithel-Partien mit vernderten Partien, die entweder als 
Vertiefungen oder Verdickungen auftreten. Die vertieften 
Stellen sind es, welche die mit blossem Auge sichtbaren 
Dellen darstellen; sie sind dadurch vertieft, dass das 
Epithel in ihnen zusammengeschrumpft ist, oft bis zur 
Hlfte der ursprnglichen Hhe. Die Zusammentrocknung 
findet besonders in der oberen Zellschicht der Hornhaut 
statt, whrend die Zellen ihrer unteren Schicht nekrotisch 
werden, d. h. ihre Kerne haben die Frbbarkeit verloren 
und erscheinen leer, das Zeil-Protoplasma ist verringert. 

In der Grundsubstanz der Hornhaut, welche unter 
diesen abgestorbeneu Stellen liegt, sind die Hornhaut- 
krperchen zusammengeschrumpft, klein und fllen die 
Spalte niclit vllig aus. Das Endothel der Descemetischen 
Membran ist verdickt und zeigt 2 bis 20 Zelllagen ber- 
einander. In dem unter diesen Zellen liegenden Humor 
aquens zeigt sich ein Niederschlag von geronnenem Ei- 
weiss, der in der normalen Hornhaut und auch an den 
brigen Stellen fehlt. 

An den verdickten Hornhautpartien findet man eine 
Abstossung der obersten Epithelschichten in Plattenform. 
In den tieferen Schichten finden sich vor allem als auf- 
flligster Bestandtheil zahlreiche Kenitheilungsfiguren und 
das dichte Aneinanderdrngen der Zellen, welches auf eine 
rasche Vermehrung derselben hinweist. An anderen Stellen 
ist diese Zellvermehrung so stark, dass die abgestossenen 
Zellen nicht mehr Plattenform haben und die neu ent- 



Nr. 10. 



Naturwisseuschaftliche WochensebritY. 



97 



standenen Zellen als Protoplasmaballen mit eingelagerten 
Kernen auftreten. 

All diese Zeichen beweisen, dass das Zellleben und 
der Stoffwechsel in der Hornhaut vom Nerven resp. Vdu 
seinem Ganglion ({asseri beherrsclit werden, und zwar ist 
festgestellt worden, dass unter dem EiuHuss des Nerven, 
und zwar s})eciell der Ganglienzellen seines Ganglion 
Gasseri, das Leben der Epithelien, der Hornhantkrper- 
chen, der Descemeti'schen Membran und das Kammer- 
wasser steht. 

Wie kann nun diese Wirkung des Nerven gedeutet 
werden y Die Rasehheit, nut der die \'eriinderungen ein- 
treten, erinnert an die Art, wie Vernderungen durch 
Nervenreiz auftreten, doch knnen in diesem Fall Nerven- 
reize keine Rolle spielen. Beweis: der Ort, wo der Nerv 
gereizt wird, ist die Durehschneidungsstelle. Die Ver- 
nderungen, welche auftreten, liegen aber in der Krper- 
berflche. Nun haben wir kein Beispiel, dass Nerven- 
fasern von Sinuesnerveu, und dazu gehrt der Trigeminus, 
einen Reiz nach der Krperoberflehe, d. h. centrifugal 
leiten, dies widerspricht geradezu unserem Begriff' von 
Sinnesnerven und ihren Fasern, da diese den Reiz nach 
dem Rckenmark und Gehirn, d. h. centripetal zu leiten 
haben. Die sensiblen Fasern des Nervus trigeminus 
knnten es also nicht sein, welche den Reiz der Durch- 
schneidung nach der Hornhaut leiten. Motorische Nerven- 
fasei'n, die zur Hornhaut gehen, giebt es nicht; vaso- 
motorische Nervenfasern knnen ebenfalls auf die Ver- 
nderungen keinen Eintluss haben, da diese Vernderungen 
an Stellen entstehen, wo gar keine Blutgefsse vorhanden 
sind; auch spricht garnichts fr die von Samuel aufge- 
stellte Annahme, dass im Nervus trigeminus sogenannte 
trophische Fasern vorhanden seien, welche den Reiz extra 
zu dem Zwecke zur Hornliaut leiten, um deren Ernhrung 
zu beherrschen. Wir sind also zu dem Schluss gezwungen, 
dass bei der Nervendurchschneidung die Ernhrungs- 
strungen lud Formen Vernderungen in der Hornhaut 
direct durch die sensiblen Fasern des Nervus trigeminus 
erzeugt werden. 

Dies geschieht in folgender Weise: 

Alle neueren Untersuchungen weisen darauf hin, dass 
die Sinnesnerven von der Krperoberflche in das Innere 
wachsen, und die Degenerationserscheinungen der Nerven 
nach Durchschneidung zeigen, dass auch die Ernhrung 
oder wenigstens die Zufuhr eines hervorragend wichtigen 
Nhrstoffes der Nerven immer centripetal in der Richtung 
der Leitung erfolgt. Daraus ergiebt sich dann, dass das, 
was man seither als Nervenendigung im Epithel ange- 
sprochen hat, vielmehr als Nervenanfang anzusehen ist, 
und man muss schliessen, dass das Epithel Stoffe ab- 
sondert, welche zum Aufbau oder zur Ernhrung der 
Nerven dienen. Man wird sich demnach vorstellen mssen, 
dass ein bestndiger Strom eines solchen Epithelsecretes 
von dem Nerven aufgenommen und in demselben von 
Zelle zu Zelle unter fortwhrender Wiederaufnahme und 
Wiederausscheidung weitergefhrt wird. Hierbei wirkt 
das zum Nerven gehrige Ganglion wie ein Reservoir, in- 
dem seine Ganglienzellen die Stoffe, welche der Nerv von 
der Peripherie zufhrt, aufnehmen, in gewisser Menge 
anhufen und nach Bedarf centripetal weitergeben. Hier- 
bei kann man sich vorstellen, dass ein Theil der Nerven- 
fasern in den Zellen des Ganglion endigen und haupt- 
schlich der Zuleitung dienen, whrend der andere Theil 
der Nervenfasern das Ganglion durchzieht und der Reiz- 
leitung dient. Auf die Abgabe der Nhrstoffe fr die 
Nerven sind die Epithelzellen eingerichtet, werden sie in 
der Abgabe dieser Stoffe gehindert, dann tritt in ihnen 
eine Ernhrungsstrung ein. In diese Lage bringen wir 



die Epithelien der Hornhaut nach Durchschneidung der 
zugehrigen Nerven. 

Da l)ei der Durchschneidung des Nerven in den 
Epithclzi'llcu der Hornliaut einmal Kernsubstanzen ver- 
schwinden, an anderen Stellen eine Vermehrung der Kern- 
substanzen in Form von Kerntlieilinigstiguren nnd zahl- 
reichen neuen Kernen bemerkbar wird, so ist kein Zweifel, 
dass es Kernsubstanz ist, welche der Nerv von den Epi- 
thelien erhlt, und es ergiebt sich fernerhin, dass der 
Nerv nach der Durchschneidung diese Kernsubstanzen an 
der einen Stelle nnt einer Beschleunigung fortfuhrt, dass 
die betroffenen Epithelzellcn sie gnzlich verlieren, an 
anderen Stellen der Hornliaut wird dann aber gleichzeitig 
ihre Fortflirung so verlangsamt, dass sie in den Zellen 
angestaut wird und zur Zelltheiiuiig und -Vermehrung fhrt. 

Nun muss man sich erinnern, dass die Ganglienzellen 
als Reservoire defiiiirt wurden, in denen die Stoffe, welche 
die Nerven von der Peripherie zufhren, sieh ansammeln 
und deren Flluugsgrad wieder das Gefalle bestimmt, 
das im Nerven stattfindet. Beim Durchschneiden des 
Ganglion trifft man nun die als Reservoire dienenden 



Ganglienzellen und 



die das Ganglion durchziehenden 



Nervenfasern. Durch das Durchschneiden der Ganglien- 
zellen ffnet man die Reservoire, und das muss in allen 
zugehrigen Fasern ein Nachlassen der Stauung bewirken, 
was ein ungemein schnelles jVbfliessen der Kernsubstanzen 
aus den Fasern und den zugehrigen Epithelzellen zur 
Folge haben wird. Bleibt in diesen Epithelzellen von 
der Kernsulistanz nicht einmal so viel zurck, dass die 
Zellen daraus ihre Ernhrung bestreiten knnen, so werden 
sie nekrotisch. Anders dagegen, wenn die das Ganglion 
durchziehenden Nervenfasern getroffen werden, in diesen 
Nervenfasern wandert die Kernsubstanz langsam von Zelle 
zu Zelle und durch den Schnitt wird die Mglichkeit 
dieser Weitergabe unterbrochen, dies fhrt zu einer Stauung 
des Nhrstoff'stromes in allen Zellen bis in die Epithel- 
zellen, und hier wird die Stauung am strksten. Es 
mssen also den durchschnittenen Nervenfasern die Epithel- 
gebiete entsiirechen, in denen eine Zurckhaltung der 
Kernsubstanz und damit der Anlass zur Kern- und Zell- 
vermehrung gegeben ist. Diese Stauung der Nhrstoffe 
setzt sich fort durch das ganze Stromgebiet bis in das 
Kammerwasser und fhrt hier zu Zellneubildungen oder 
wenigstens Anhufung von Kernsubstanzen. 

Bleibt nunmehr noch zu untersuchen, auf welche Weise 
nach dem Durchschneiden des Nervus trigeminus die Aus- 
trocknung gewisser Zellpartien au der Oberflche der 
Hornhaut zu Stande kommt. Dies hat in folgendem seinen 
Grund. An der ganzen der Luft ausgesetzten Oberflche 
der Hornhaut findet eine permanente AVasserverdunstung 
statt, die natrlicherweise am geringsten ist, wenn die 
Augenlider geschlossen sind, am strksten, wenn dieser 
Schutz fehlt. Nun tritt bei der Durchschneidung des 
Nervus trigeminus eine Lhmung des Lidsehlages ein, 
das Auge bleibt permanent unbedeckt und die Folge da- 
von ist eine so starke Verdunstung an der Hornhaut, dass 
deren durch KernstoffVerlust geschwchte Zellen den 
Wasserverlust nicht ersetzen knnen und vertrocknen 
mssen. Diese Vertroeknung kann jedoch verhindert 
werden, wenn man vor der Nervendurchschneidung das 
Auge durch Vernhen der Lider gegen A'erduustuns- 



schtzt. 



Dr. Tornier. 



Einen Bericlit ber die 1892 stattgehabten ColiiiiilMis- 
Feierlichkeiten in Genna, Hnelva und Madrid liefert 
Prof. Dr. (J. Hellniann in den \'erhandlungen der (!e- 
sellsehaft fr Erdkunde zu Berlin. 

Der Zeit nach der erste war der Congress in Genua, 
welcher auf die Tage vom 18, bis 25. September fiel. 



98 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift-; 



Nr. 10. 



Die Societ CTCogTafica Italiana iu Rom hatte die 
Idee, ihre Theiinahme an den lang ausgedehnten Festen 
in r4enua nicht bloss durch eine retrospective Feier zu 
Ehren von Columbus zu bethtigcn, sondern bei dieser 
Gelegenheit auch eine dauernde Institution, einen italieni- 
schen Geographentag, wie wir solchen in Deutschland 
bereits seit 1881 liesitzen, ins Leben zu rufen. 

Verbunden mit diesem Frimo Congrcsso (ieografico 
Italiano war eine Gedchtnissfeier fr Columbus, eine 
Commemorazione di Cristoforo Colombo. 

Von dem Inhalt der Begrssungs- und anderen Reden 
erwhnen wir nur Folgendes. Die Glckwnsche der 
Gesellschaft fr Erdkunde zu Berlin berbrachte Professor 
Hellmaun. Er erinnerte daran, wie sich die Italiener 
gerade in diesen Tagen nicht bloss des Columbus, als 
ihres Landsmannes, rhmen drften, sondern noch vieler 
anderer ausgezeichneter Mnner, welche das A\'crk des 
Columbus entweder vorbereiteten oder vervollstndigten,' 
vor allen jenes edlen Florentiners Toscanelli, der durch 
seine Karten den entscheidendsten Einiluss auf die Fro- 
jecte des Columbus ausgebt hat, und jenes anderen 
Florentiners Amerigo Vespucci, dessen Fahrten so viele 
neue Gebiete uns erschlossen haben, und von dessen Vor- 
namen einer imserer Laudsleute, Waldseemller, zuerst 
deu: Namen der neuen AVeit herleitete: Amerika. Deutsch- 
land sei damals freilich noch nicht in der Lage gewesen, 
an den maritimen Entdeckungen der Mittelmeervlker 
Theil zu nehmen; aber es wre ihm doch wenigstens ver- 
gnnt gewesen, diese vorbereiten zu helfen durch die 
grossen Fortschritte in den kosmographischen Wissen- 
schaften, welche in Deutschland damals gemacht wurden. 
H. erinnerte an Johann Jlller von Knigsberg (Regio- 
montanus), einen der Reformaturen der Astronomie, dessen 
Declinationstafeln Coluudjus auf seinen Fahrten gebraucht 
hat, und an Martin Behaim, welcher den portugiesischen 
Seeleuten, und somit indirect auch Columbus, der damals 
in Lissabon lebte, den (iebrauch verschiedener neuer 
.nautisch -astronomischer Instrumente gelehrt hat. Aber 
freilich, diese Verdienste seien doch nur klein im Ver- 
gleich zu denen der Italiener in dieser Beziehung. 

Der am Congress theilnehmende Prinz von Monaco 

^niachte Mittheilung ber die Ergebnisse seiner langjhrigen 

oceanographischen ."Studien in der Atlantik, welche er auf 

seiner speciell fr solche Zwecke erbauten Yacht Alice" 



ausgefhrt hat. 



Der Prinz hat sich nmhch die Aufgabe 



gestellt, die Strmungen im Atlantischen Ocean zu er- 
forschen und bedient sich dazu eigens construirter Schwim- 
mer (flottem-s), von denen er im Laufe der Jahre viele 
Tausende in ganz systematischer Weise ausgeworfen hat. 
Diese Schwinnner werden von den Meeresstrnumgen fort- 
getragen und nach oft sehr langen Reisen schliesslich 
irgendwo ans Land geschwemmt. Aus solchen Funden, 
von welchen der Prinz Mitthcilng bekommt, ist er im 
Staude gewesen, eine neue Karte der Strmungen zu ent^ 
werfen, welche manche Neuerungen und manche Ver: 
, besserungen unserer bisherigen Auffassung dieser Verhlt- 
nisse enthlt. 

In der Gedchtnissfeier fr Columbus hielt den Haupt- 
vortrag Herr Professor Dalla Vedova, welcher die vor- 
trefflichen Eigenschaften und Vorzge des Entdeckers ins 
rechte Licht zu setzen wusste, aber auch seine Schwchen 
nicht verschwieg. 

Verbunden mit dem Congress in Genua war eine um- 
fassende geographische Fachausstellung, welche sehr 
beachtenswerthes bot und auch ihrerseits bewies, welch 
grosse Fortschritte die Geographie in Italien gemacht hat. 
Der Vergleich dieser Ausstellung mit der gelegentlich des 
Internationalen Geographischen Congresses zu Venedig im 
Jahre 1881 veranstalteten bewies dies aufs deutlichste. 



Dagegen war die gleichzeitig stattfindende Espo- 
sizione italo-americana nichts weiter als eine nord- 
italienische Gewerbe-Ausstellung, in der namentlich Amerika 
sehr zurcktrat, whrend die Specialausstellung der ita- 
lienischen katholisciien Missionen sehr viel Interessantes 
darbot, nanientlich in ethndgraphiselier Bezicliun.i;'. 

Der Internationale Amerikanisten - Congress 
in Huelva begann erst am 7. October. Die nchste Um- 
gebung dieser Stadt ist fr Amerikanisten ein wahrhaft 
klassischer Boden. 

Wenn man im Hafen von Huelva steht und den Blick 
nach Sden, nach dem Oceau richtet, da winkt von links, 
von steiler Uferhhe herttl)er das einsame Kloster Santa 
Maria de la Rabida, in dem Columbus und sein Sohn 
einst liebevolle Aufnahme bei Franziskauermnchen fanden, 
und etwas weiter nach links erblickt man einige Huser 
des Dorfes Plos, vor 40U Jahren noch ein bedeutender 
Hafen , von dem aus Columbus am 3. August 1492 seine 
erste Reise antrat. 

Bis vor Jahresfrist lag das Kloster halb verfallen, die 
ganze, an sich so reizende Umgebung verwildert da. Dem 
Ehrenprsidenten des Congresses, dem Ministerprsidenten 
Cnovas del Castillo, verdanken wir die Wiederherstellung 
und Verschnerung dieser ewig denkwrdigen Sttte. Auf 
sein Geheiss hat man das Kloster selbst restaurirt, in 
dessen Umgebung eine prachtvolle Parkanlage geschaffen, 
bequeme Wege und eine grosse Landungsbrcke gebaut, 
die Sti-asse nach dem :3 km flussaufwrts gelegenen Pdlos 
verbessert, und auf diese Weise aus diesem schnen 
Flecken Erde ein wirkliches Nationalheiligthum geschaffen. 

Bei Gelegenheit der UebciTcichung der Festschrift 
der Gesellschaft fr Erdkunde zu Berlin konnte es, sagt 
Hellmann, nicht schwerfallen, einige Worte des Lobes 
und aufrichtigster Anerkennung liinzuzufgeU. Denn wenn 
auch Columbus von Geburt Italiener war, so kann doch 
Spanien das Hauptverdienst an der Entdeckung Amerikas 
fr sich in Anspruch nehmen. Htte Isabel La Catlica die 
khnen Projecte des Genuesen nicht beaclitet, htte Castilien 
nicht die materiellen Mittel zur Ausfhrung dieser Projecte 
liergegeljcn, htten die Pinzoncs sowie die ganze Scliift'er- 
bevlkerung von Palos und Moguer nicht so mutliig Hilfe 
geleistet, wer weiss, wieviel spter erst die Ideen .des 
Columbus verwirklicht worden wren. ' ' ' 

Spanien hat aber noch einen anderen Ruhmestitel 
gerade mit Bezug auf die Entdeckung der Neuen Welt 
aufzuweisen. Mit der Eroberun.g Granadas am 2. Januar 
1492, mit der Vertreibung der Maureu aus Spanien, hatte 
es AVesteuropa fr immer vom Joch des Islam befreit. 
Die dadurch bewirkte uud so schwer erkaufte Einigung 
Spaniens war die nothwendige Vorbedingung gewesen 
zur Inangriffnahme von Projecteu, auf welche sich vor- 
her weder Castilien noch Leon jemals htte einlassen 
knnen." 

Von den Vortrgen greifen wir auch hier nur weniges 
heraus. 

Neu und sehr interessant wai'cn die Untersuchungen 
von Dclgado, Archivdirectors iu Sevilla, ber die Be- 
mannung und die Ausrstung der drei Caravelen, mit 
denen Columbus die erste Reise anachte. 

Im Hafen von Huelva lagen mglichst getreue Nach- 
bildungen dieser drei Schiffe vor Anker. Sie werden auf 
der Weltausstellung in Chicago paradiren. Unweit der 
Caravelen lag das winzig kleine Segelboot, eine Art von 
Seelenverkufer", auf dem der Amerikaner Andrews die 
tollkhne Fahrt von Nordamerika nach Huelva glcklich 
vollfhrt hatte. Ob Herr Andrews diese waghalsige Reise 
atis blossem Enthusiasmus fr Columbus und die Centenar- 
feier gemacht hat, oder um die nordamerikanische Seife, 



Nr. 10. 



N;itur\vi!ssciis<'li;irtlii'lie WocliensdinTt. 



<.)'.i 



elclif dcusclhen Namen trgl wie sein Boot .Sa|i(iliiiii, 
bekannter zu machen? 

llellmann lieferte einen lieitrai;' zur Entdeekungs- 
geschichte. 

Columbus tiilte auf seinen IJei.sen ein Tai;cbueii, 
von dem uns wenigstens ein Auszug, gefertigt vom Fray 
Bartolome de las Casas, erhalten ist. In diesem Tage- 
bueh tindet sich unter dem 13. September 1492 eine Be- 
obachtung ber das ^'erhaltcn des Compasses eingetragen, 
welche fr die CTemchicIite der physischen Geographie von 
hchster Bedeutung ist. Bis dahin hatte man angenommen, 
dass die ^lagnetnadel an allen Orten und zu allen Zeiten 
unverndert nach Norden zeige. Ccdumhus beobachtete 
an jenem Tage zuerst eine Declination oder Variation der 
Magnetnadel. Nun hat es nie an Gelehrten gefehlt, welche 
die Eciitheit dieses Tagebuches ebenso wie diejenige 
der sogenannten ^'ida de Colon", geschrieben von seinem 
Sohne Ferdinand angezweifelt haben. Damit wrde 
Columbus der Ruinn dieser wichtigen Entdeckung streitig 
gemacht sein. H. konnte aber einen Beweis fr die Richtig- 
keit der Beobachtung des Columbus und damit fr die 
Echtlicit seines Tagebuches bringen. Aus einer neuen, 
rein mathematischen Theorie des Erdmagnetismus, welche 
ein in England lel)ender Deutscher, Namens Wilde, auf- 
gestellt und experimentell gesttzt hat, Hess sieh unter 
gewissen plausiblen Annahmen der Zustand der Isogonen, 
d. h. der Linien gleicher Declination, rckwrts fr den 
Septendier des Jahres 142 berechnen, und da zeigte sieli, 
dass die Null-Isogone, also die Linie ohne magnetische 
Declination, ungefiir gerade da verlief, wo Columbus sie 
passirt und beobaclitet luxt. 

Am 12. October, also an dem Tage, an welchem 
Columbus vor 400 Jahren zuerst Land betrat, fuhren die 
Congress- Mitglieder nach der Rbida, um im Beisein der 
kniglichen Familie, der Minister, Diplomaten, fremden 
Seeofticiere u. s. w. der feierlichen Enthllung des Denk- 
mals beizuwohnen, welches die spanische Regierung zur 
Erinnerung an die Entdeckung Ameiikas mit einem Kosten- 
aufwand von 300 000 Mark hat errichten lassen. Das 
Denkmal, dessen Entwurf vom Architekten Velsquez her- 
rhrt, ist symbolischer Natur. Auf mchtigem (4ranit- 
sockel erhebt sieh eine mehr als 60 m hohe, mit Schitts- 
schnbeln (rostra) verzierte Sule, welche einen riesigen 
Globus mit der Inschrift ,,Isabel La Catolica Cristobal 
Colon", und auf diesem ein Kreuz trgt. Weithin ist 
dieses Monument siclitbar, und fortan wird es allen auf 
dem Ocean vorbeifahrenden Schiften ein gar bedeutungs- 
volles Wahrzeichen sein. 

^VJn Huelva gingen die meisten Congressisten nach 
Madrid, um die beiden grossen Ausstellungen zu be- 
suchen, welche eine wichtige Ergnzung zum Congress 
bildeten. Dieselben sollten den Culturzustand Amerikas und 
Europas im Zeitalter der Entdeckungen widerspiegeln. 
Beide Ausstellungen waren ausserordentlich reich bescliickt 
und in einem riesigen und prachtvollen Neultau, welcher 
fr die Bibliothek und die naturwissenschaftlichen Jluseen 
bestinnnt ist, zweckmssig untergebracht. Der historisch- 
amerikanischen Ausstellung hnelt naturgemss der ameri- 
kanische Saal im Berliner Museum fr Vlkerkunde, 
whrend man in der historisch-europischen sich in unser 
Kunstgewerbe -Museum versetzt zu sein glaubte; nur war 
der Umfang der Ausstellungen sehr viel grfisser. 

An geistigen Anregungen der verschiedensten Art 
und an wissenschaftliclien Erfolgen hat es also auf diesen 
Congressen und Ausstellungen nicht gefehlt. 



Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Es wuriliii riiiiuiiil : Zciici I'rof<^ssr diT tiipographisclii'ii 
Anatomie au der Univei'sitiit Strassburg dor ausserordentliche 
Professor Dr. l'f'itzner an Stell." des verstorbenen Prof. Jocssel. 
Der Custoa an der Knigliehon lTniversitiit.-f5ibliothek und 
Privat-Docent an der niversitilt l'r. Kduard Alberti in Kiel 
zum Professor. Bei der Knigliclien Bibliothek in Berlin der 
bisherige Assistent Dr. med. Wilhelm .Jahr zum Ililfscustos 
mit dem Titel Custos. Dr. Wilhelm D roxi er von der Ber- 
liner Universitts-Bililiothek zum Assistenten bei der l'niversitts- 
Bibliothek in Halle. Geh. Ilofrath Dr. Sehmidt zum Vorstand 
der chemisehen Ahtheihing an der technisehen Abtheihmg in 
Dresden. Oberfrster. Dr. Martin in .Jesberg zum Dooc'nten der 
Foi-stwissenschaft an der Universitt Giessen. Der Scriptor an 
der Universitiits-lbliothek zu Leniberg Dr. Friedrich Papeo 
zum Custos. I Dr. Zdislaus Hordyiiski und Dr. B. v. Mn- 
kowski zu Scriptoren an der [Iniversitts-Bihliothok zu Leni- 
berg. Koloman Kerpely zum Professor des Pflauzenhanes 
an der Knigl. Ungarischen latulwirthsehaftlichen Lehranstalt in 
Debreczin. Der ausserordentlichi^ Prof. .los. M. Pornter zum 
ordentlichen Professor der kosmischen Physik an der Universitt 
Innsbruck. Der I'rivatdoeent der Botanik an der Universitt 
Berlin Dr. Krabbe zum Knigl. Professor. 

Der Professor der pathologischen Anatomie an der Universi- 
tt Dorpat Prof. Thoma ist um seinen Abschied eingekouunen. 

Es hat sich habilitirt : Der Zoologe Prof Otto H.imann, 
bisher Privatdoceut an der Universitt Gttingen, an der Uni- 
versitt Berlin. 

Es sind gestorben: Der schon vor niehreren.Jahreu krankheits- 
halber pensionirte Kgl Preuss. Landesgeologe Dr. Ernst Laufer 
in Eisenach. In Upsala der ausserordentliche Professor der 
Pharmakologie und medicinischeu Naturgeschichte an der dortigen 
Universitt Dr. Robert Fredrik Fristedt. In Rostock der 
bekannte Pharmacent Senator und Besitzer der Universitts- 
Apotheke L'r. ( Christian Br u nnen grber. Der Astronom 
G. M. A\'liipple vom Observatorium zu Kew. Der Knigl. 
Prenssische Landesgeologe Prof. Dr. Karl Lossen in Berlin. 
Der ordentliche Professor der Botanik an der Universitt Breslau 
und Director des Knigl. botanischen Gartens Dr. Karl Prantl. 



Die 15. ffentliche Versammlung der balneologischen 
Gesellschaft tagt in der Zeit vom 10. 14. Mrz in Berlin. 
Vorsitzender: Geheimrath Liebreich. 



L i 1 1 e r a t u r. 

Lacroix - Danliard, Le Poil des animaux et les fourrures, 

histoire naturelle et Industrie. Avec oO tigures. (Bibliotl]e(|iie 
lies Connaissances utiles.) Librairio ,1.-B. Bailiiere et Fils a Paris 
1892. Preis 4 Fr. 
Das Buch bildet ein Gegenstck zu dem in dersellien Bililio- 
thek erschienenen und in der N. W " VII S. 20 bosprocheuen 
Werk ebenfalls von Lacroix-Danliard, La plume des oiseaux." 
Zunchst wird der Bau und die Frbung der Th'erhaare unter- 
sucht und dann i<ine systematische P>etraclitung derselben nach 
ihrer Herkunft und ihrer Verwerthuiig gebracht. Abgesehen von 
dieser den Praktiker (also den Fabrikanten) interessirenden Seite 
wird auch ber die die verwerthbaren Haare liefernden Thiere, 
ihre Lebensweise uml Jagd das Nthige beigebracht. Der Hndler 
findet Angaben ber die Hauptmrkte, Preise n. s. w. Auch 
eine Besprechung der Schdlinge der Haare und ihrer Bekmpfung 
sowohl amRoh])roducte als auch an den fertigen Artikeln f(ddt nicht. 



P. Groth. tlebersichtstabelle der 32 Abtheilungeu der Krystall- 
formen, mit Erlutervingen, Beispielen und graphischer Dar- 
stellung nach Gadolin zusammengestellt. Leij^zig, Wilhelm 

Engelmann. ISL'. Preis 1. M. 

Es ist von Wertli, in bersichtlicher Weise einmal die smmt- 
liclien Abtheilungen nebeneinandergestellt zu sehen, in denen natr- 
liche Krystallformen berhaupt mglich sind. In der V(ndiegenden 
Tabelle ist eine solche Aufstellung unter Anfhrung der Symme- 
trie-Elemente, die ihnen zu Grumle liegen, gegeben. Man ersieht 
daraus leicht, wie sich jene 32 Abtheihingen auf die sechs be- 
kannten Krystallsysteme vertheilen. Auf das trikline Krvstall- 
system entfallen 2, auf das monocliue 3, auf das rhombische 3, 
auf das tetragonah' 7, auf ilas hexagonale 12, auf das regulre 5 
Abtlieilungen. Eine Miller'sche Kugelprojection der allgemeinsten 
Krystallgcstalt jeder Abtheilung veranscliaulicht die Vorliltuisse 
und zugli'ich sind bei denjeuigmi Abtheilungen Beispiele von Sub- 
stanzen angefhrt, wo solche bis jetzt in entsprechender kryst.-illo- 
gi-aphischer Ausbildung bekannt geworden sind. Bei Abtliei- 
lungen giebt die Tabelle an, dasa zugehrige Beispiele noch nicht 
bekannt seien. Ich fge hinzu, dass inzwischen fr die hemimorph- 



100 



Naturmsseiiseliaftliclie Wocliciischvift. 



Nr. 10. 



liiiiiiiilrische Abtlieilung mit sechszhliger Hauptaxe des hexa- 
gonalen Systems im rechtsweinsauren Antimonoxyd-Strontium und 
rechtsweinsaureu Antimonoxyd-Bloi und fr die hemimorph-heniie- 
drischo Abtheilung des tetragonalen Systems im rechtsweinsauren 
Antimonoxyd-Baryum Beispiele aufgefunden worden sind {vgl. 
Traube, Beilageband VIII des Neuen Jahrbuches fr Mineralogie 
u. s. w). Scheibe. 

Bulletin de l'Academie Royale des Sciences et des Beaux- 
Arts de Belgique Brssel 1892. Nummer 11 {62. Jahrgang). 
E. Dupont: lieber Skelettreste im knigl. naturhistorischen Mu- 
seum (Reconstruction von Carcharadon megalodon; Erwerbungen 
aus den Kreide-Phosphaten von Ciply; Mosasaurier, Chelonier, Te- 
leostier etc.). F. Swarts: Untersuchungen ber das Fluochloro- 
form. A. van Gebuchten. Der Ursprung des Nervus oculo- 
motorius communis. Die Untersuchungen erstrecken sich beson- 
ders auf das Verhltniss der Nervenfiiden zu den Ausgangszellen 
und sind mit bestem Erfolge an einem 14 Tage alten Kanarien- 
Embryo angestellt worden. E. Lagrange et P. Poho: Licht- 
und Wrmeerscheinuugen, hervorgerufen durch den elektriischen 
Strom in Flssigkeiten. Const. de Sain t-H il aire: Ueber die 
Resorption beim Krebse. Untersuchungen im physiologischen In- 
stitut der Universitt Lttich. 



Jahrbcher fr wissenschaftliche Botanik, herausgegeben 
von N. Pringsheim, 24. Band, Heft 3 und 4, Berlin 1892. 
Heft o: Bart hold Hansteen: Studien zur Anatomie und Phy- 
siologie der Fucoideen. Besprochen werden Pelvetia canalieula, 
{Dcsne) Thuret, welche an der Westkste Norwegens ausgedehnte 
Algenformationen an der obersten Flutgrenze bildet (hauptschlich 
die Gewebesystemo in anatomisch-i)hysiologischer Beziehung); 
in gleicher Weise Sargassum bacciferum, I. Ag., und IFueus 
serratus, L (besonders die in den Zellen constant auftretenden, 
lichtbrechenden, kugeligen Gebilde, welche VerfiFucosan nennt und 
fr ein neues Kohlenhydrat der Gruppe (CoHioOs) n anspricht). 
Hierzu 4 Tafeln. Franz Buchenau: Ueber die Bestubungs- 
verhiiltnisse bei den Juncaceen. Allgemeiner Ueberblick ber die 
Vorgnge whrend der Geschlechtsreife und die Verhltnisse, 
unter denen die Befruchtung geschieht. Tabelle der bei den 
Juncaceen vorkommenden Bestubungsverhltnisse. Anfhrung 
zahlreicher Beobachtungen an einer Menge von europischen und 
fremdlndischen Arten der Gattungen Juncus und Luzula, ferner 
Distichia, Marsippospermum etc. Bau des Pistills und besonders 
der Narben der Juncaceen. Farben der Narben einer Anzahl 
Juncus- und Luzula-Arten). 2 Tafeln. Julins Klein: Unter- 
suchungen ber Bildungsabweichungen an Blttern. Verfasser 
tritt der Frage ber die Entstehung dieser Bildungen nher, in- 
dem er mikroskopische Untersuchungen an Querschnitten von 
Blattstielen anstellt, welche derartige Bltter tragen, was bisher 
noch nicht geschehen ist. Seine Untersuchungen erstrecken sich 
auf Bildungsabweichungen an quirlstndigen {hierunter auch die 
pponirten) Blttern (Nerium, (Meander, Syringa vulgaris etc. etc.) 
und an spiralig stehenden (Morus, Ficus australis, Pyrus amyg- 
daliformis etc.). Ferner hat er einzelne Bildungsabweichungen an 
Blttern von Populus alba, Pulmonaria offioinalis, Plantago lan- 
tcolata u. a. m. untersucht. Er kommt zu dem Resultate, dass 
solche abweichende Bltter an einem Blattstiele entweder wirk- 
liche Doppelbltter (dann zwei Mittelnerven und doppelte oder 
doch vermehrte Zahl von Gefssbndeln), oder nur in zwei oder 
mehr Spitzen endigende Bltter sind (dann nur ein Mittelnerv 
und die fr ein Blatt erforderliche Zahl Gefssbndel). Hierzu 
(j Tafeln. Heft 4 ist Schlusshoft des Bandes, enthlt das In- 
haltsverzeichnis und an Arbeiten: 1) J. H. Wakker: Unter- 
suchungen ber den Einfluss parasitischer Pilze auf ihre Nhr- 
))flanzen (Versuch einer pathologischen Anatomie der Pflanzen). 
Verfasser hat die bisher wenig bercksichtigten, durch den Para- 
siten im Innern seines Wirtes hervorgerufenen anatomischen Ver- 
nderungen zum Gegenstand eingehender Untersuchungen gemacht 
und fhrt eine Anzahl Flle in der Aufeinanderfolge der natr- 
lichen Verwandtschaft der Pilze auf. Hierzu 5 Tafeln. 2) G. de 
Lagerheim: Dipodascus albidus, eine neue geschlechtliche 
Hemiascee. Die Art gehrt zu den Zwischenformen zwischen 
Phycomyceten und den aus diesen angebli<-h hervorgegangenen 



Ascomyceten und und zeigt noch die an die ersteren erinnernde 
Geschl'echtlichkeit, welche bei den meisten anderen Hemiasceen 
nicht bekannt ist. Ausser der genauen Beschreibung der (neuen) 
Gattung und Art, stellt der Verfasser mglichst eingehend die 
Entwicklungsgeschichte und Morphologie der Form dar. 3 Tafeln. 
F. K. 

Archiv der Kathematik und Physik mit besonderer Rck- 
sieht auf die Bedrfnisse der Lehrer an hheren ITnterrichtsan- 
stalten. Gegrndet von J. A. Grunert, fortgesetzt von R. Hoppe. 
Zweite Reihe, elfter Theil (Koch's Verlagsbuchhandlung; Leipzig 
1892). An grosseren Aufstzen, die in dem genannten Bande 
enthalten sind, knnen wir folgende anfhren: Leib, neue Con- 
struction der Perspective; Regel, die Nullwerthe hherer Ab- 
leitungen gewisser zusammengesetzter Functionen; Regel, arith- 
metische Entwickelungen; Hoppe, das Tetraeder bezogen auf 
seine Haupttrgheitsaxeu; Schlegel, die allgemeinen Grund- 
lagen zweier Probleme aus der Unterhaltungs- Arithmetik; (Vgl. 
hierzu auch: Gutzmer, Naturw. Wochenschr. Bd. VII S. 2.51); 
Hoppe, Curven von constanter Krmmung, Torsion, Total- 
krnnnung und Krmmungsverhltniss; Bazala, neue Bcleuch- 
tungs-Constructionen fr Flchen, deren zu einer Axe normale 
Schnitte hnlieh und hnlich liegend sind, im Allgemeinen und 
fr Flchen II. Grades im besonderen; (jekinghaus, zur Theorie 
der elliptischen und hyperelliptischen Integrale; Reich, zurTheoric 
der quadratischen Roste ; Hoppe, Curve gegebener Kriimuuing auf 
gegebener Flche; Reich, ber Variationen und Combinationen 
zu bestimmten Suunnen; Laab, Lsung des Problems ber den 
Schnitt von Curven zweiter Ordnung; Holtze, einige Aufgaben 
aus der Combinatorik ; Hoppe, die Willensfreiheit und der |)hy- 
sische Determinismus; Hoppe, Construct.ion einer liegelilche 
aus gegebener Strictionslinie; Khne, Beitrge zur Lehre von 
der n-fachen Mannigfaltigkeit (u. a. werthvolle Mittheiluugen aus 
Kronecker's Vorlesungen ber Determinantentheorie enthaltend); 
Panzerbieter, Dreitheilung jedes Winkels mittelst fester 
Kegelschnitte; Rogel, ber die Reihe der reciprokeu Binomial- 
Coefficienten. 



Fischer, W., Uebersicht der von Herrn Dr. F. Stuhlmann au 

Sansibar und an der gegenberliegenden Festland.skste ge 

sammelten Gephyreen. Hamburg. 1 M. 
Frech, F., Die Karnischen Alpen. Halle. 
Oerstaecker, A., Bestimmung der von Herrn Dr. F. Stuhlmann 

in Ostafrika gesammelten Hemiptera. Hamburg. 1 M. 
Qhre, R., Dottersack und Placenta d. Kalong (Pteropus edulis, 

L.). Wiesbaden. 2 M. 
Grobben, C, Beitrge zur Kenntniss des Baues von Cuspidaria 

(Neaera) cuspidata olivi, nebst Betrachtungen ber das System 

der Lamellibranchiaten. Wien. 9 M. 
Halavts, I., Palaeontologische Daten zur Kenntniss der Fauna 

der sdungarischen Neogen-Ablagerungen. Budapest. 1,20 M. 
Halliburton, W. D., Lehrbuch der chemischen Phj'siologie und 

Pathologie. Heidelberg 20 M. 
Jger, G., Ueber die Aenderung der Capillarittsconstanten des 

yuecksilbers mit der Temperatur. Leipzig. 0,40 M. 
, , zur Theorie der Flssigkeiten. Ebd. 0,40 M. 
Ihering, H. v.. Zur Kenntniss der Saooglossen. Leipzig. 4 M. 
Katalog luathematischer und mathematisch-physikalischer Modelle. 

Mnchen. 14 M. 
Klein, H. J., Fhrer am Sternenhimmel fr Freunde astronomischer 

Beobachtungen. Leipzig. 9 M. 
Klemencic, J., u. P. Czermak, Versuche ber die Interferenz 

ilektrischer Wi'llen in der Luft. Leipzig. 1,10 M. 
Knies, M., Grundriss der Augenheilkunde unter besonderer Be- 
rcksichtigung der Bedrfnisse der Studircnden und Aerzte. 

3. AuH. Wiesbaden. 6 M. 
Krmmel, O., Reisebeschreibung der Plankton-Expedition. Kiel. 

30 M. 



Berichtigung. 



Auf S. 85 Spalte 2 Zeile 2 muss es praktischen anstatt ark- 
tischen heissen. 



llllinit: Prof. Dr. A. Nehring: Ueber die Tundren-, Steppen- und Waldfauna aus der Grotte zum Schweizerbild'' hei Schatf- 
hausen. Oberfrster R. Rittmeyer: Ueber die Nonne (Liparis monancha.) (Fortsetzung.) (Mit Abbild.) Heilmittel der 
Malaria. Untersuchungen ber den Einfluss des Nervus trigeminus auf die Hornhaut des Auges. Bericht ber die 1892 
stattgehabten Columbus- Feierlichkeiten in Genua, Huelva und Madrid. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: 
Lacroix-Danliard: Le poil des animaux et les fourrures. P. Groth: Uebersichtstabelle der o2 Abtheilungon der Kry.stall- 
formen, mit Erluterungen, Beispielen und graphischer Darstellung nach Gadolin zusammengestellt. Bulletin de TAcadeuiie 
Rovale des Sciences et des Beaux-Arts de Belgique. Jahrbcher fr wissenschaftliche Botanik. Archiv der Mathematik 
unil Physik. Liste. Berichtigung. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ferd. Dnimlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. 



Nr. 10. 



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^-- Redaktion: 7 Dr. H. Potonie. 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



Vlll. Band. Sonntag, den l Mrz 18JI3. 


Nr. 11. 


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Alxlrufk ist nur mit voll!iitiilij>'or ^^iielleiiaiiffab s^^^t^^tct. 



Christian Konrad Sprengel, der Begrnder der modernen Blumentheorie. 



Villi l'rof. Dr. (_). Kirclmer. 



Ein JalirliuiKk'rt ist in (licscii Tan'cii verflossen seit 
dem Er.sclieiiieii eines Werkes, welches Darwin f( >rclii(i. 
S. 20!)) als ein eiii'eiitliiimlielies Buch mit einem eigen- 
thiiinlichen Titel ))ezeichnet, eines Werkes zugleich, das 
den Grundstein eines in unserer Zeit frhlich enipor- 
f;ediehenen Neubaues der botanischen Wissenschal't dar- 
stellt, das den Ausr-ansspunkt der Forschungen iilier die 
Hiiilogie der l)ltlieii bildet. Es ist Christian Konrad 
Spreng-els liuch : Das entdeckte Gidieininiss im Bau und 
in der Befruchtung der Blumen", welches zu Anfang des 
Jahres 1793 (Berlin, bei Friedrieb Vieweg dem lteren) 
erschien, und dessen Vorrede vom 18. Decenibcr 1792 
datirt ist. Wenn gleich unter den modernen Naturtorsciiern 
und ihren Jngern, die der F.rrungenseliaften der (iegen- 
wart sieb freuen und mit l'lnen fr die Zukunft be- 
schftigt sind, wenig Neigung zu Httekblicken in die Ver- 
gangenheit ihrer Wissenschaften sich bemerkbar macht, 
so ist es doch Sitte, wenigstens die Jubilen wichtiger 
wissenschaftlicher Ereignisse und ihrer Urheber zu be- 
geben, und an einem solchen (Tcdenktage die Wirksam- 
keit Oh. K. Sprengcls rckblickend zu berschauen und 
zu wrdigen, ziemt uns um so mehr, als es gilt, frher 
Versumtes nachzuholen, dem Todten diejenige Anerken- 
nung zu spenden , welche dem Lebenden durchaus ver- 
sagt blieb. 

Ein Gebeiinniss" durfte Sprengel fr seine Zeit den 
Bau der Blthen mit Recht nennen; ilenn wenn man auch 
im allgemeinen die Bedeutung der Geschleclitsorgane 
kannte, ja ihre Gestalt, Zahl und Anordnung durch den 
(ilebrauch des Linne'schen Sexualsystemes eingehend zu 
untersuchen gezwungen war, so fehlte doch noch viel zu 
einer richtigen Vorstellung nicht nur ber die l)esondereii 
Einrichtungen derverscbiedenen Blthen, sondern sogar ber 
den Vorgang der Bestubung und der darauf folgenden Be- 
fruchtung selbst. Nur die Notbwendigkeit der Uebertra- 
guug von Pollen auf das weibliche Organ zum Zwecke der 



Samen- und Fruchtbildung war gegen das Ende des vorigen 
Jahrhunderts als wisseuscbaftlich festgestellte Thatsache, 
die brigens spter noch einmal wieder angezweifelt wurde, 
anzusehen; in welcher Weise diese Uebertragung sich 
vollziehe, das war eine Frage, die man berhaupt kaum 
nher erwog, weil man ihre Beantwortung fr ganz selbst- 
verstndlich hielt. Nur die scharfsichtigen Beobachtungen 
von Joseph (iottlieb Koelreuter*) liegen ber diesen Gegen- 
stand aus der Zeit, bevor Sprengel sich damit beschftigte, 
\r] dieser ausgezeichnete Beobachter zeigte, whrend 
andere Botaniker seiner Zeit sich in mssigen S})eculatio- 
ncn ergingen, dass bei mehreren l'flanzenfamilien die Mit- 
hilfe von Insecten zum Eintritt der Bestubung unbedingt 
notliwendig ist, und dass in manchen Blthen das Statt- 
finden einer Befruchtung ohne fremde Hilfe dadurch un- 
mglich gemacht ist, dass die beiderlei Geschlechtsorgane 
einer Zwitterbltbe nicht gleichzeitig entwickelt sind. Dass 
aber Grsse, Gestalt und Farbe der Blthen, dass An- 
ordnung und gegenseitige Stellung der einzelnen 151then- 
organe, dass Duft- und Nektarabsonderung eine bestimmte 
biologische Bedeutung htten und im engsten Zusanunen- 
hange mit dem Vorgange der Pollenbertragung stnden, 
diesen Gedanken hatte noch Niemand gehabt oder weni,g- 
stcns nicht klar ausgesprochen. 

Die Lsung dieser Rthsel, welche die Blunienwelt 
bot, nahm Sprengel in Angriff, und eine glckliche Ver- 
einigung seltener Eigenschaften Hess ihn den richtigen 
Weg dazu einschlagen. Von Hause aus Philologe, hatte 
er anfangs aus Liebhaberei, bald aber mit grosser Grnd- 
lichkeit sich dem Studium der Botanik, namentlich der 
einheimischen Blthenpflanzen, gewidmet; da er aber 
hauptschlich auf sich allein angewiesen war, so wurden 
seine originellen Ideen durch den Hemmschuh alther- 



*) J. G. Koeh-eiiter, Vorliitigo Ncacliricht von einigen das 
Goschleeht der Pflanzen betnrtVnden Virsiichen und Bcobiicli- 
tungen. ITGl. 



102 



Naturwissenscbaftliclie Wochenschvift. 



Nr. 11. 



gebrachter Lelircu nicht beeinflusst, seiu Scliarfblick und 
.seine hervorragende Beobachtungsgabe durch keinerlei 
Voreingenommenheit beeintrchtigt. Ausgerstet mit den 
besten Attributen eines Naturforschers, Objeetivitt und 
Scharfsinn, Combinationsgalje und Kritik, tritt er an seine 
Aufgabe iieran, und stellt die Ergebnisse seiner Unter- 
suchungen in einer Sprache von wohlthuender Klarheit 
und Folgerichtigkeit mit einer gewissen behaglichen Breite 
dar, einer Sprache, die uns im Vergleich zu der noch 
nicht berwundenen Schwlstigkeit und Gespreiztheit jener 
Zeit ganz modern anmuthen wrde, wenn sie sich nicht 
durch die Sorgfalt der rhetorischen Durcharbeitung von 
der heutzutage in wissenschaftlichen Werken so hutigen 
Darstellungsweise unterschiede, welche in Anbetracht des 
Werthes des Inhaltes auf eine anmuthige Form der Mit- 
theilung Verzicht leistet. 

Geringfgig scheinende Thatsachen, die viele andere 
vor ihm bereits beobachtet hatten, regen Ijei Sprengel 
weitere Ucberlegungen und Schlussfolgerungen an, geben 
ihm Anlass zu neuen Untersuchungen und zur strengsten 
Prfung seiner eigenen Ansichten. Bekannt und vielfach 
citirt ist ja namentlich der Anfang der Einleitung seines 
Buches, worin er in der anziehendsten Weise den Aus- 
gangspunkt seiner spteren Theorie, die Bergung des 
Nektars in den Blthcn von Geranium silvaticum schildert, 
und dann weiter erzhlt, wie er bei der Untersuchung 
der Blthe von Myosotis palustris auf die Bedeutung des 
Saftmales und der Frbung der Blumen berhaupt auf- 
merksam wurde. Schon in den Stzen dieser Einleitung 
spricht sich die ganze Methode des Mannes mit ihrer 
Klarheit, Einfachheit und Fruchtbarkeit aus. Diese seine 
ersten, folgenreichen Beobachtungen wurden i. J. 1787 
und 1788 gemacht; im Sommer 1789 sieht er bei der 
Untersuchung einiger Iris- Arten, dass die Befruchtung un- 
mglicli anders, als durch Insecten vollzogen werden 
knne. Er betrachtet darauf hin zahlreiche andere Blthen 
und findet, dass viele, ja vielleicht alle Bhmien, welche 
Saft (d. h. Nektar) haben, von den Insecten, welche sich 
von diesem Saft ernhren, befruchtet werden; dass also 
der Saft ein Mittel ist, um die zur Befruchtung nthigen 
Insecten zum Besuch der Blthen anzulocken. Im Frh- 
jahr 1790 beschftigt ihn das Problem saftloser Blumen 
(seiner Scheinsaftblumen"), wie z. B. Orcliis- Arten und 
Aristolochia; im Sommer dessellien Jahres entdeckt er die 
ungleichzeitige Entwickelung der beiderlei Geschlechts- 
organe innerhalb einer und derselben Blthe bei Epi- 
lobium angustifolium und Nigella arvensis, eine Erschei- 
nung, die er als Dichogamie bezeichnet, und die er im 
Frhjahr 1791 durch die Auffindung der weiblich- mnn- 
lichen" ((I. i. protogynischen) Dichogamie bei Eupborltia 
Cyparis,sias vollstndiger erkennt. Im Jahre 1792 ist 
seiu Werk mit einer grossen Anzahl von Abbildungen 
vollendet. 

Das Ziel, welches Sprengel bei seinen Untersuchungen 
die sich zunchst nur auf Saftblumcn und 
Scheiusaftblumen also auf solche Pflanzen, die wir 
jetzt insectenblthig nennen bezogen, bezeichnet er 
selbst mit folgenden Worten (S. 21): Die Structm- einer 
Blume ist dann vollstndig erklrt, wenn man gezeigt 
hat, dass und wie alle Theile derselben zur Erreichung 
der Befruchtung des Fruchtknotens durch Insecten das 
ihrige beitragen. Bei der Untersuchung der Structm- jeder 
Blume mssen zwei Punkte bercksichtigt werden (S. 3): 
1. Diese Blume soll durch diese oder jene Art von In- 
secten oder durch mehrere Arten derselben befruchtet 
werden. 2. Dieses soll also geschehen, dass die Insecten, 
indem sie dem Safte der Blumen nachgehen, und des- 
wegen sich entweder auf den Blumen auf eine bestimmte 
Art aufhalten, oder auf eine bestimmte Art entweder in 



im Auge hat 



oft klebrigten 



dieselben liiueiiikriechcn, oder auf denselben im Kreise 
herumlaufen, notlnvendig mit ihrem mehrenthcils haarigten 
Krper, oder nur mit einem Theile desselben, den Staub 
der Antheren abstreifen und denselben auf das Stigma 
bringen, welches zu dem Ende entweder mit kurzen und 
feinen Ilaaren, oder mit einer gewissen 
Feuchtigkeit berzogen ist." 

Nach diesen Gesiclitspunktcn untersucht Sprengel die 
ihm zugnglichen Gewchse und besehreibt in seinem 
Werke die Bltiieneinrichtungcn von 461 Arten, indem er 
jedesmal, bald mehr, bald weniger ausfhrlich, Saftdrse 
und Safthalter, Saftdecke und Saftniaale darstellt, auf 
Gerucii und Frbung der ganzen Bltiie, sowie auf die 
gegenseitige Lage der BUithenorgane achtet, und endlich 
das Benehmen der Insecten beim Besuche der Blthen 
beobachtet. Mit bcwundernswerther Geduld und Ausdauer 
huft er in dem Zeitrume von etwa 5 Jahren den Schatz 
von Beobachtungen auf, welcher die Grundlage seiner 
Theorie von der Befruchtung der Blumen durch Insecten 
bildet. Die Einzelheiten des Baues der von ihm unter- 
suchten Blthen, oft auch die besuchenden Insecten sind 
auf den 26 Kupfertafeln seines Werkes in nicht weniger 
als 1117 Figuren dargestellt das Resultat eines stau- 
nenswerthen Fleisses. Denn nur wer sich selbst an hn- 
lichen Arbeiten versucht hat, weiss, wie viele und oft 
wiederholte Beobachtungen auch jetzt noch, wo zahlreiche 
Vorarbeiten und bekannte Analogien die Untersuchung 
erleichtern, erforderlich sind, um ber die Bedeutung und 
Function einer Bltheneinrichtung ins Klare zu kommen. 
Nicht jedermanns Saelie ist es, stundenlang eine blhende 
Pflanze zu berwachen, um die Art der besuchenden In- 
secten und ihr Benehmen auf der l)lthe kennen zu lernen; 
Spreugel freilieh scheut keine Mhe, frchtet kein Wetter, 
wenn es gilt, draussen in der freien Natur seinen geliel)ten 
Blumen ihre Geheimnisse abzulauschen. Man niuss", 
sagt er (S. 22 f.), die Blumen an ihrem natrlichen Stand- 
ort untersuchen, und besonders darauf Acht geben, ob 
sie von Insecten, und von welchen Insecten sie besucht 
werden, wie sich diese verhalten, indem sie in die Blumen 
hineinkriechen und ihren Saft verzehren, ob sie die An- 
theren und das Stigma berhren, ob sie irgend eine Ver- 
nderung in Ansehung irgend eines Theiles der Blumen 
hervorbringen etc. Kurz, man muss die Natur auf der 
That zu ertappen suchen. . . . Man muss es sich nicht 
verdriessen lassen, lange bei einer blhenden Pflanze sieh 
zu verweilen und Beobachtungen Einer Art von Blumen 
fters zu wiederholen, weil dieselbe nicht jederzeit so- 
gleich das erste Mal gerade von demjenigen Insect besucht 
wird, welches zu ihrer Befruchtung bestimmt ist. Man 
muss die Blumen in verschiedenen Tageszeiten beobachten 
und untersuchen, damit man erfahre, ob sie Tages- oder 
Nachtlilumcn sind, und bei verschiedener Witterung, z. B. 
whrend eines Regens und nach demselben, damit man 
einsehe, auf welche Art ihr Saft gegen den Regen ge- 
sichert ist. Besonders aber sind die Mittagsstunden, wenn 
die am unbewlkten Himmel stehende Sonne warm oder 
wohl gar heiss scheint, diejenige Zeit, da man fleissig 
Beobachtungen anstellen nniss. Denn die Tagesblumen 
erscheinen alsdann in ihrer grssten Schnheit und buhlen 
mit allen ihren Reizen um den Besuch der Insecten, und 
ihre Befruchtung kann alsdann um so viel leichter von 
Statten gehen, weil der Staub auch solcher Antheren, 
welche an der freien Luft liegen, vrdlig trocken ist. Die 
Insecten aber, denen die grsste Hitze gerade am liebsten 
ist, sind alsdann in und auf den Blthen in der grssten 
Thtigkeit, um, ihrer Absieht nach, im Nektar derselben 
zu schwelgen, nach der Absicht der Natur aber, um sie 
zugleich zu befruchten. Im Reich der Flora, deren Weis- 
heit nicht minder bewundernswerth ist, als ihre Schn- 



Nr. 11. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



103 



iieit, geschehen alsdann Wunderdinge, von denen der 
Stuhcnbotaniker, welcher unterdessen sich damit be- 
schftiget, den Forderungen seines Magens ein Geniige 
zu thun, nicht einmal eine Alinung hat." 

Nicht weniger achtungswerth als Sprengeis Fleiss, 
nicht geringer zu sehtzen als sein Scharfblick, ist die 
Sorgfalt und Zuverlssigkeit seiner lieobachtungcn, die 
Wahrhaftigkeit seiner Berichte. Es ist selbstverstndlich, 
dass ihm auch Irrthmer gelegentlich unterlaufen, im 
Grossen und Ganzen aber siud seine Untersuclningen 
spter wohl vermehrt und vervollstndigt , von ihm fest- 
gestellte Thatsachen anders gedeutet worden, aber nur 
selten war eine Berichtigung erforderlich. Ein bemerkens- 
werthes Beispiel fr seine Grndlichkeit bietet die aus- 
fiiiirliche, fast spannend geschriel)ene Schilderung des 
Hliithenbaues uud der Bestubung von Aristolochia Clema- 
titis (S. 418 428), welche, wie vor Kurzem festgestellt 
wurde*), sorgfltiger und scharfsichtiger ist, als alle 
spteren Bescln-eibungen dieser merkwrdigen Blthen- 
einrichtung. Von Sprengeis Wahrheitsliebe legen be- 
sonders solche Stellen Zeugniss ab, wo er sein Unvermgen, 
aufgefundene Thatsachen zu erklren, oder mit seiner 
Theorie in Uebereiustimmung zu bringen, ohne Weiteres 
zugiebt. So stellt er bei Lilium Martagon, deren Be- 
stubung durch Insecten er nach dem ganzen Bau der 
Blthe vermuthete, durch einen Versuch fest, dass Selbst- 
bestubung ohne fremde Mithlfe eintritt, und sagt darber 
(S. 188): Dass diese Blume dennoch auf mechanische 
Weise befruchtet wird, habe ich durch einen Versuch er- 
fahren, welchen ich verschweigen wrde, wenn es mir mehr 
um die Durchsetzung meiner Theorie, als um die Erforschung 
der Wahrheit zu thun wre." Grosse Schwierigkeiten 
macht ihm die Deutung der Einrichtung der Grasblthen; 
nacli allen sonstigen IMerkmalen meint er, dass sie durch 
den Wind bcfruclitet werden, allein er glaultt in ihnen 
Nektar gesehen zu haben, wobei er sieh wahrscheinlich 
durch die zur Zeit der vollen Blthe prall angeschwollenen 
und glnzenden Lodieulae tuschen Hess. Mit diesem ver- 
meintlichen Vorhandensein von Saft kann er sich gar 
nicht auseinandersetzen. Wozu dienet aber ihr Saft?" 
fragt er (S. 32) 
zu beantworten. 

Ein wahres Vergngen gewhrt es bei dem Studium 
des Sprengel'schen Buches, zu sehen, wie berall die 
Begeisterung des Verfassers fr seine Aufgabe, seine 
naive Liebe zur Natur, seine Bewunderung der von ihm 
aufgedeckten Einrichtungen der Blthen zum Ausdrucke 
kommt. Ueber eine neue Entdeckung gerth er in helles 
Entzcken, und mau mag es wohl glauben, dass ber 
seinem Feuereifer fr die Blumen uud Insecten seine 
eigentlichen Amtsgeschfte bisweilen schlecht weg- 
gekonnnen sind. Bei der oben erwhnten Beschreibung 
der Aristolochia-Blthe sagt er: Nachdem ich dieses ge- 
schrieben hatte, erwartete ich mit Verlangen die Zeit, da 
die Blumen zu blhen anfangen wrden. Als icli im 
folgenden Mai die Pflanzen in der Blthe fand, tiel ich 
mit grosser Hitze ber die Blumen her, und gerieth, 
nachdem ich dieselben untersucht hatte, in ein frohes 
Erstaunen, da ich durch den Augenschein berzeugt 
wurde, dass, so wie ich mir vorgestellt hatte, der grosse 
Urheber der Natur die kleinen Fliegen erst in diese 
Blume einsperrt, damit sie dieselben befruchten, hernach 
aber, wenn dieser Endzweck erreicht worden ist, sie 
wieder aus ihrem Gefngniss lierauslsst, folglich durch 
die wundervolle Einrichtung dieser Blume eben so sehr 
seine Gittc als seine Weisheit an den Tag legt.'" 



Diese Frage bin ich nicht im Stande 



*) Vgl. W Brde, Uebei- dio BefnichliiiiE: 
Bltiie. Bot, Zeitg. 1892. S. 121 ti'. 



i'i- Aristiilochi:i- 



Mit derselben Naivett, die aus diesen Stzen spricht, 
verrth er unzhlige Male, wie unbedingt er die Weis- 
heit des Schijpfers, des Blumensehpfers", oder der 
Natur bewundert , und wie er sich dabei lieruhigt , die 
Zweckmssigkeit und Vollendung der Werke dieses 
Schpfers kennen zu lernen und zu verehren. Dass er 
in der Vermensehlichung des Blumenschpfers so weit 
geht, diesen ein Wohlgefallen an einem glcklichen Ein- 
fall" empfinden und Insecten bisweilen seinen Einrichtungen 
zuwider handeln zu lassen, das ist bereits von H. Mller*) 
hervorgehoben worden. Es lsst sieh auch nicht bestreiten, 
dass dieser naive Standpunkt, mit den in unserer Zeit 
maassgebenden Anschauungen verglichen, vielfach einer 
tieferen Einsicht Sprengeis hinderlich war, und ihn davon 
abhalten musste, den Grnden und dem Zusammenhange 
der von iinn beobachteten Erscheinungen weiter nach- 
zuforschen. Allein es scheint mir doch ungerecht, ihm 
diese Befangenheit zu iioch anzurechnen, und iinn, wie 
es H. Mller im Grunde genonnnen thut, daraus einen 
Vorwurf zu machen, dass er nicht schon die Schritte zu 
weiterer Erkenntniss that, die erst ber ein halbes Jahr- 
hundert spter gemacht worden sind. Von der so ber- 
aus fruchtbaren Idee einer gegenseitigen Anpassung von 
Blumen und Insecten an einander, sowie von der Rolle, 
welche die Insecten als unbewusste Blumeuzcliter spielen, 
konnte natrlich Sprengel noch keine Ahnung haben. 
Und ebenso ist es eigentlich selbstverstndlich, dass er 
von dem Nutzen der Kreuzung im Pflanzenreiche nichts 
wissen konnte; ihm deshalb vorzuwerfen, der eigentliche 
Schlssel fr das Verstndniss des Nutzens der Insecten- 
befruchtung lial)e ihm gefehlt, das scheint mir nicht grade 
von historischem Sinn und historischer Gerechtigkeit zu 
zeugen. Es ist allerdings beinahe aufregend, zu sehen, 
wie nahe Sprengel dieser Entdeckung vom Nutzen der 
Kreuzung gekommen ist, ohne sie aber thatschlich zu 
machen. Seinem Scharfblick entging es nicht, dass die 
Insecten, welche die Blthen besuchen, sehr hufig Pollen 
aus einer anderen, frher besuchten Blthe mitbringen, 
um ihn auf der Narbe abzusetzen, dass z. B. von den 
diehogamisehen Blthen die protandrischen durch den 
Pollen einer jngeren, die protogynischen durch solchen 
einer lteren Blthe befruchtet werden mssen, und dass 
auch sonst in Folge des ganzen Blthenbaues oder in 
Folge des Benehmens der Insecten hufig keine andere 
Bestubung, als mittelst Pollen aus einer anderen Blthe 
stattfinden kann. Sprengel begngt sich nun damit, diese 
Thatsachen festzustellen, und sagt nur (S. 43): Da sehr 
viele Blumen getrennten Geschlechts, und wahrscheinlich 
eben so viele Zwitterblumen Dichogamisten sind, so scheint 
es die Natur nieiit haben zu wollen, dass irgend eine 
Blume durch ihren eigenen Staub befruchtet werden Sdlle. 
Einen einzigen Versuch kann ich anfhren, welcher diese 
Behauptung in Ansehung der homogaraischen Blumen be- 
sttiget. Es blhete undich im letztvergangenen Sommer 
in meinem Garten eine Pflanze der Hemerocallis fulva. 
Einige von ihren Blumen habe ich mit ihrem eigenen 
Staube (denn es blhete jedesmal nur Eine) auf eine 
knstliche Art zu befruchten gesucht. Es hat aber keine 
einzige eine Samenkapsel angesetzt." Wenn er nuu den 
weiteren Schritt nicht timt, zu fragen, ob oder welcher 
Nutzen fr die Pflanze mit dieser Vermeidung der Sell)st- 
bestubung verbunden sei, so drfen wir doch nicht ver- 
gessen, dass den Zeitgenossen Sprengeis diese Art der 
Fragestellung, die uns heute so gelufig ist, berhaupt 
fern lag. Und wer mchte sieh erkhnen, zu sagen, wie- 
viel von den durch Darwin zur (ieltung gel>rachten .\u- 



*) 11. Miillor. Die Bcfniclitiiiij; der BIiiiiR'n iliindi liificotrn etc. 
1873, S. 4 und 25. 



104 



Natui-wisscnschaftliclic Wochciisclirift. 



Nr. 11. 



I 



schauungeu ber den Nutzen der Kreuzbefruclitung-, die 
heute sclion mancherlei Einschrnicungen haben l)er sich 
ergehen lassen mssen*), nach .,aber hundert Jahren" 
noch als testhegrndete Lehre bestehen wird ! 1 )ie con- 
statirten TJiatsachen mssen ihren Werth belialten, die 
hineingelegten Deutungen aber sind dem Wechsel unter- 
worfen. 

Ich kann es auch nicht fr zutreffend lialten, wenn 
man in dem angedeuteten Mangel der Grundanschauungen 
Sprengeis den Grund dafr hat tinden wollen, dass seinen 
Beobachtungen und seiner ganzen Theorie nicht nur von 
seinen Zeitgenossen, sondern auch von den Botanikern 
der Folgezeit eine so geringe Anerkennung gezollt worden 
ist. Diese Ansicht wird von H. Midier an mehreren 
Stellen mit besonderem Nachdruck ausgesprochen ; nament- 
lich in folgender Prcisirung seines Urtheils:**) Sjjrengcls 
entdecktes Geheimniss ist ein lehrreiches Beispiel, wie 
auch ein an scharfsinnigen BeoI)achtungen und glcklichen 
Deutungen beraus reiches Werk wirkungslos bleiben 
kann, wenn sein Grundgedanke verfehlt ist." In dem- 
selben Sinne heisst es an einer anderen Stelle:***) Gleich- 
zeitige und sptere Botaniker fhlten vor allem die 
Schwche seiner Blumentheoric heraus und legten, mehr 
oder weniger sich bewusst, dass sie in ihrem letzten 
Grunde doch unhaltbar sei, mit dem mangelhaften Grund- 
gedanken Sprengeis auch den reichen Schatz seiner sorg- 
fltigen und scharfsinnigen Beobachtungen und seine 
weitgreifenden richtigen Deutungen xmbeachtet bei Seite." 
Aber von derartigen Motiven ist nichts zu bemerken, wenn 
man die geringschtzigen Aeusserungen sjjterer Botaniker 
ber Spreugels Entdeckungen durchmustert:!) Da wird 
vielmehr die Kichtigkeit seiner Angaben schlechtweg be- 
stritten, das Stattfinden von Dichogamie einfach geleugnet, 
von seiner Blumentheorie gesagt, sie sei mehr auf meta- 
physische Speculationen, als auf thatsehlicher Beobachtung 
begrndet u. s. f. Htte nicht vielmehr die Flle neuer 
Beobachtungen und Anregungen in Sprengeis Werk Ver- 
anlassung zur Nachprfung seiner Angaben, zum Aus- 
bau seiner Theorie, und zur Ausfllung- der von ihm ge- 
lassenen Lcken geben mssen, wenn in jener Zeit 
berhaupt Verstndniss fr die von ihm aufgeworfenen 
Proldeme vorhanden gewesen wre? Im .Jahre 1790 stellte 
Andrew Knight den Satz auf, dass keine l'flanze eine 
unbegrenzte Anzahl von Generationen hindurch sich 
selbst befruchten knne; 1837 zeigte Herbert und 1S44 
C. F. Grtner, dass die Befruchtung durch Pollen von 
einem andern Individuum der nmlichen Art ein besseres 
Resultat ergebe, als die Selbstbefruchtung damit waren 
die Grundlagen zu einer Vertiefung der Sprengersehen 
Blumentheoric gegeben, aber auch jetzt noch fiel es Nie- 
mandem ein, diese neuen Anschauungen mit jener in Be- 
ziehung und Verbindung zu bringen. Nicht die Mngel, 
nein, vielmehr die Vorzge der Lehre Sprengeis waren 
es, die eine Anerkennung derselben einer spteren Zeit 
vorbehielten; die Neuheit und Khnheit der von ihm vor- 
getragenen Ansicht, ihre Fremdartigkeit im Vergleich zu 
Allem, was man damals als Aufgaben der Botanik be- 
trachtete, mit einem Worte das Vorauseilen vor seiner 
Zeit, halte ich fr den Grund der Theilnahmelosigkeit, 
ja Abweisung, mit welcher Sprengeis P^ntdeckungeu von 
den meisten Botanikern seiner und der spteren Zeit auf- 



*) Vgl. F. Rosen: Bemerk unaen ber ' die Bedeutung der 
Heterogamie fr die Bildung und Erlialtung der Arten. Bot. Ztg. 
1891, S. 201. 

**) Befruchtung der Blumen ete. S. 26. 
***) a. a. O. S. 4. 

t) Vgl. die Zusammenstellung bei S. Axell: < 'm anoriining;iru;i 
fr de fanerogama vxternas befruktniug. 186'J, S. 4. 



genommen wurden.*) Nur vereinzelte Stiunnen der An- 
erkennung wurden dagegen laut,**) und erst durch Darwin 
und F. Delpino wurden Sprengeis Untersuchungen wieder 
ans Licht gezogen und nach Verdienst gewrdigt. 

Man muss in der That Delpino Recht geben, wenn 
er in die unwilligen Worte ausbricht***): Es ist frwahr 
ein schmerzliches Schauspiel, diese Kmpfe des Irrthumes 
gegen die Wahrheit mit anzusehen, besonders wenn der 
Kampf von einem spter Lebenden begonnen wird, der, 
anstatt sich die von dem Vorfahren ihm enthllten Wahr- 
heiten zu Nutze zu machen, in thoriehtcr Weise sich 
darauf verlegt, sie zu leugnen. Das ist eine iiarte Lection 
fr die stolze menschliche Vernunft". 

Der Maugel eines jeden usseren Erfolges llnnte 
die weitere Thtigkeit Sprengeis; die beabsichtigte Heraus- 
gabe eines zweiten Theiles seines Werkes, von dem der 
Verfasser beim Erscheinen nicht einmal ein Freiexemplar 
erhalten hatte, musste unterbleiben, und damit gingen die 
Frchte der noch weiter fortgesetzten Beobaclitungen 
Sprengeis zum grssten Theile derNachwelt verloren. Nur in 
einem kleinen Aufsatze, welcher im Jahre 1811 von ihm 
unter dem Titel: Die Ntzlichkeit der Bienen und die Noth- 
wendigkeit der liiencnzucht, von einer neuen Seite dar- 
gestellt, herausgegeben wurde, findet sich eine Reiiie von 
Bemerkungen ber Bltheneinrichtungcn, namentlich auch 
windblthiger Pflanzen, welche in dem Hauptwerke nicht 
enthalten sind. Auch diese sptere Abhandlung, welche 
jetzt nur schwer zugnglich ist, und in den Kreisen der 
Botaniker fast ganz unbekannt zu sein scheint, zeigt die 
charakteristischen Merkmale der SprengeFschen Schreib- 
weise, Klarheit und Scharfsinn, wenn anch daneben aller- 
dings eine gewisse Breite der Darstellung noch mehr be- 
merklich wird. Ausgehend von der Beobachtung, dass 
in der nchsten Umgebung von Berlin der Buchweizen 
nur sehr sprlich Frchte ansetzt, fhrt Sprengel die Ur- 
sache dieser geringen Fruchtbarkeit darauf zurck, dass 
in dieser (iegend zu wenig Bienen vorhanden sind, um 
eine ausreichende Bestubung der Blthen vollziehen zu 
knnen. Zum Verstndniss des Baues der Buchweizen- 
blthe und der in derselben durch die Bienen vollzogenen 
Befruchtung giebt er (S. 4 24") einen ganzen Abriss seiner 
im Entdeckten Geheimniss" niedergelegten Blunicn- 
theorie, in welchem die fr Windl)estubung eingerich- 
teten Pflanzen mit derselben Ausfhrlichkeit besprochen 
werden, wie die Insectenblthler. Bei dieser Gelegenheit 
werden als windblthig aufgezhlt : die Grser, die Kiefern, 
Fichten und Tannen, die Eichen, Buchen und Weiss- 
bnchen, Elsen (.\lnus), Birken, Walnussbnme, Kastanien- 
bume, Haseln; ferner von zweihusigen Pflanzen die 



*) So urtheilt aueh Darwin (Die Wirkungen der Kreuz- und 
Selbstbefruchtung im Pflanzem-eich. 1877, S. ): Ev war aber 
seiner Zeit vorausgeeilt und seine Entdeckungen wurden lange 
Zeit hindurch vernachlssigt.'' 

**) Kurt Sjjrengel wrdigt in seiner Geschiclite der Botanik 
(Bd. II. 1818. S. 2G6 f.) die Verdienste seines Oheims, und nimmt 
ihn gegen den Angriff, er habe der Befruchtung der Blumen 
durch Insecten eine zu allgemeine Geltung eingerumt, in .Schutz. 
It. Brown besttigte in seinem Aufsatz ber die Befruchtung 
bei Asclepiadeen und Orchideen (Linn. Soc. Transactions. 18.33. 
vol. XVI. p. 704) die Richtigkeit von Sprengeis Angabe, dass In- 
sectenbesuch zur Best.ubung dieser Pflanzen nothwendig sei, und 
sagt von Sprengcis Buch, dass nur Diejenigen darber lachen 
knnen, welche nicht viel von der Sache verstehen. (Citirt von 
Darwin, Orchid. S. 209, Anm.) 

Der bekannte Zoologe M. H. K. Lichtenstein (178018.57) 
sprach nach gtiger brieflicher Mittheilung des Herrn Forst- 
meisters Sprengel in Bonn stets mit hoher Achtung von dem ,,Ent- 
deckten Geheimniss" und nannte Christian Konrad den fr die 
Wissenschaft bedeutendsten unter den Trgern des Namens 
Sprengel. 

***) Suir oiiera La distribuzione dei sessi nelle plante del 
prof. F. Hildebrand. Note critiche. 1SG7. S. 10. 



Nr. 11. 



Naturwissenschaftliclie Wochensehiit't. 



105 



rappclii, Espen, Eilicn, Waclilmlder, lidpt'eii, Hanf, Sjunat, 
nnd von zwittcrblUtliiffcn: Kster, \Vi'i;ebreit, (lnsefiiss 



und Bete. Von ander\veitii;en ISeobaelitiuii^en, die in dem 
Hauptwerke keine Erwiilnuing tiuden, sind die folgenden 
lienierkenswertli. Als Saftliluinen werden u. a. ani;cfiUirt 
die rtlaumcn und Aprikosen, Preisseibeere, spanischer 
Flieder (dessen Unfruchtbarkeit wegen mangelnden In- 
sectenbesuches beobachtet wurde), l'astinak, Mohrrbe, 
Kmmel, Dill, retersilie, Zuckcrwurzel, Salat, Cieiiorie, 
Scliwar/.wnrzel, Alant, Kamille, Woldverleih, Kainfarn, 
Krause MinzA', Pfefferminze*), Majoran, Luzerne, Knob- 



*) Nach iler siitcr crwliiitL-n l)io}2;r!i|iliisL-hon Mittheiliini; 
iii der Flora Bil. '^. 1819 (S. .')47) hat S|)roiigvl auch die G^iujdicic 
der Meiitha-Arteii beobachtet. 



lauch, Schalotte, Jlelone. Sell)ststerilitt Itei Insectenab- 
sehluss wird fr die borstij;e Robinie, Johannisbeere, 
Stachcn)eere, Apfelbltlie, Rijsen und Veilchen angei;Tben; 
bei den letzteren lUthen war der Insectenbesuch durch 
ein ber die Pflanze gezogenes kleines Zelt von Gaze" 
verhindert worden. Der Inhalt dieses Werkchens ber 
die Ntzlichkeit der Bienen liefert demnach den Bewei.s, 
dass Sprengel fortfuiir, sich mit den Untersuchungen zu 
beschftigen, von deren Werth er trotz des Ausbleibens 
jeder Anerkennung fest berzeugt war. Aber freilich rief 
diese ble Erfahrung bei ihm eine leicht liegrcifliche 
Missstinunung hervor, in der er sich zu einem einsamen 
Leben zurckzog, nachdem er sein Amt in Spandau auf- 
gegeben liattc. 

(Schluss folgt.) 



Ueber die Nonne (Liparis monacha). 

Von (Jljerfrster U. K i 1 1 in e y er. 



(Schhiss.) 



Eine weitere, noch wichtigere Aufgabe bietet sich 
dem Botaniker in der Erforschung des Nonnen-Schlaff- 
sucht- Bacillus lind berliaupt der Pilzkrankheiten der 
Nonnenraupe. So fand Kobert Hartig eine durch nasses 
Futter verursachte Pilzkranklieit der Raupen, welche er 
Degncration" nennt. Diese Pilze fnden sieh auf den 
Nadeln stets vor; whrend sie sich aber bei trockenem 
Wetter im Ruhezustande befnden und sich mit den 
Nadeln aufgenommen in der kurzen Zeit im Krper 
der Raupe nicht weiter vernderten, .sondern wieder mit 
dem Kothe abgingen, entwickelten sie bei nassem Wetter 
auf den Nadeln Sporen nnd fingen an zu wachsen; konnnen 
sie nun in diesem Zustande mit den Nadeln in den .Magen 
der Raupe hinein, so verursachen sie Ernhrungsstrungen, 
Erkrankung des Darmkanals, Kolik nnd den Tod der 
Raupe*). Hartig fand in den Ranpen Nosenia bombycis 
Nag., Medicinalrath Dr. Hofmann-Regensburg Botrytis 
Bassiana, Micrococcus wahrscheinlich bombycis, Stajjhy- 
lococcus wahrscheinlich ccreus-albus, Bacillus wahrschein- 
lich flu<u'eseens-li(piefaeiens Flgge, dann einen Bacillus, 
welchen er zunchst ,,B" nennt, und welcher der Erzeuger 
der Schlattsueht der Nonnenraupe sein soll. 

Diese Krankheit, von Ratzelturg .,Wipfelkrankhcit" 
genannt, auch Flacherie, besser wohl ..Flastpu'rie"**) 
wurde schon zu Ende des vorigen Jalu-hunderts be(d)achtet 
und ist den Zchtern der Seidenraupe schon seit 1765 
bekannt. Dass sie durch einen Pilz verursacht wird, ist 
wohl ziemlich sicher, durch welchen aljcr, das ist noch 
nicht ganz zweifellos entschieden.***) Die Krankheit ver- 
ursacht eine rasch verlaufende Abzehrung der Raupe. 
Der Koth bleil)t l)is zuletzt trocken und gef(n-mt; hchstens 
kurz vor dem Ende wird derselbe manchmal weich und 
schmierig und bleibt am After kleben, aber keineswegs 
in allen Fllen: erst wenn die Raupe verendet ist, tritt 
ungemein rasch stinkende Fulniss ein, welche den Darm- 
inhalt und schliesslich den Leibesinlialt in eine schmutzig- 
braune Jauche verwandelt, welche an der geringsten Ver- 
letzung der Haut austliesst. Vor ihrem Ende sucht die 
Raupe gern die ussersten Spitzen der Zweige auf 

*) R. Hartig: Augsburger .Abendzeitung" 10. I. '.)1. 
**) Auch Forstmeister Fritz A. Waelitl und Andere liaben 
auf meinen Vorsclilag im Centralblatt fr das gesauimte l'"orst- 
wesen'" 1891 S. .^32 diesen Ausdruck als richtiger fr F'hiclierie 
angenommen. 

***) Siehe Medicinalrath Dr. Hofmaun Insectentdtcnde Pilze 
mit besonderer Bercksichtigung der Nonne." Ueber die Schiati'- 
sucht der Nonnenraupe" etc. 



(wipfelt") Fig. 4 und lingt dann, nur au einem oder 
zwei Bauchfssen oder den Nachschiebern haftend, hufig 
schlaft" und welk herab. Die Widerstandskraft der Raupen 
gegen diese Spaltjjilzkranklieit ist eine sehr verschiedene; 
eiiuge sterben schon am dritten bis fnften Tage, andere 
erst am zehnten, wieder andere werden zwar matt und 
trge und fressen sehr wenig, bringen es aber gleichwohl 
noch zur Verpui)pung, sterilen aber entweder noch vor dem 
Abstreifen der Raupenhaut oder whrend dieses Actes, in 
welchem Falle eine mehr oder weniger vcrknnnerte oder 
verkrppelte Puppe zum Vorschein kommt. Erfolgte die 
Infectiou erst kurz vor der Verpuppung, so bringen die 
Raupen es noch zum Falter, welcher dann aber meist 
schon nach zwei bis drei Tagen stirbt, oder aber, was 
auch hufig beobachtet ward, noch Eier ablegt, welche 
dann im gnstigsten Falle auch noch junge Raupen liefern 
knnen, die allerdings in dem Flasqueriebacillus schon 
den Todeskeini in sich haben und sich nicht mehr zu ent- 
wickeln vermgen. Nach Dr. Jger-Tbingen ist die 
Schlatfsueht hiermit erblich von der Raupe auf die Puppe, 
von der Pupj)e auf den Falter, von dem Falter auf das 
Ei und von dem Ei wieder auf die Raupe. Medicinalrath 
Dr. Hofmann-Regenslnirg fand den Flasqueriebacillus so- 
wohl in Eiern als auch in Spiegeh-upchen, welche noch 
keine Nahrung aufgemumnen hatten. Aus einem Frass- 
gebicte w'crden kranke Nonnenfalter geschildert, vielleicht 
ist die Schlaffsucht die nicht nher bekannte Krankheit: 
Diese Falter waren durchweg weit kleiner, als normale, 
der Hinterleib auch der Weibchen war ganz spindelfVinnig 
dnn, vielfach sogar auch ganz verkrzt, die Zeichnung 
der oberen Flgel war grau anstatt schwarz, ganz matt 
und verscliwommen, und die Wcibclien hatten gleich nach 
dem Auskriechen die Legerhre fortwhrend etwa 1 cm 
lang vcu'stchen, olme sie einzuziehen. Der Eierstock in 
dem spindeligen Leibe war eine ganz feine, graue, gries- 
liche Masse, die sich mit unbewattneteni Auge nicht zhlen 
Hess, und wenn man die Falter antupfte, so fielen sie, sich 
spiralfVirmig in der Luft drehend, zu Boden und blieben 
meist auf dem Rcken liegen." 

Dass die Schlaffsucht (aber nicht Schlafsucht, wie 
man vielfach findet) mit der Nonne schnell und vollstndig 
aufrumt, steht nach den Mittheilungen aus der Nonnen- 
Periode in den 50 er Jahren, wie nach den derzeitigen 
berall gemachten Beobachtungen zweifellos fest. Ob 
alter der vom Medicinalrath Dr. Hofmann-Regensburg als 
solcher angenommene und von ihm zunchst B" benannte 



106 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 11. 



der 



Bacillus der Erreger 

bis heute noch nicht ganz 

ebenso wie die praktisch 

Bacillus zutreffenden Falls 

in das Feld gefuhrt werden 

gltig entschieden ist. 

In den herzoglich 
Katibor'schen Forsten 
in Schlesien ging man 
von dem Gedanken 
aus, dass eine kust- 
liclie Infection der 
Kaupeii mit zerstren- 
den Pilzen mglich sei, 
und bezog aus Bayern 
Flasqueriepilzc, mit 
denen man gesunde 
Kaupen impfte, um sie 
dann in die befallenen 
Waldtheile auszusetzen. 
Dann unterliess man das 
Impfen, zchtete den 
Pilz auf gutem Nhr- 
boden, namentlich fri- 
schem l'ferdefleisch, 
und brachte dieses in 
die Bestnde. Doch 
bewhrte sich diese Me- 
thode nur bei gnstiger 
Witterung , denn bei 
warmem Wetter trock- 
nete das Pferdefleisch 
sehr rasch aus und 
berzog sich mit einer 
harten Haut. 

Am 21. Juni trat 
einzeln, am 
und zweit- 



Schlaffsucht ist, 
zweifellos fest 
wichtigste Fra; 



erfolgreich 



kann. 



das drfte 
estellt sein, 
:g,e, ob dieser 
gegen das Insect 
noch nicht end- 



gebracht 



keine 
Ei-fahi 



zunchst 
nchsten 
nchsten 



Tage berall 



Gipfeln ein. Die Ueber- 
tragung der inficirten 
Raupen und der Gipfel, 
an denen dieselben zu 
Tausenden sassen , in 
benachbarte Reviere 
hatte sofortiges Ein- 
treten der Flasquerie 
zur Folge, sodass die 
Vernichtung der Raupe 
mit dem Flasqueriepilze 
in den herzoglich Rati- 
bor'schen Forsten ge- 
glckt ist; ebenso in 
den Forsten des Her- 
zogs von jest bei 
Slaventzitz und ebenso 
in denen des Freiherrn 
von Reibnitz in Dzier- 
gowitz. 

Die Annahme, dass 
in diesen Forsten viel- 
leicht auch ohne die 
Einbringung von Pilzmaterial die Krankheit 
sei, widerlegt sieh durch Folgendes: In einer vom Frass 
gebiete etwa 25 km entfernten Parzelle, in welcher 
whrend der vorhergehenden Jahre keine Nonnenraupen 
gefunden waren, entwickelte sich in 1892 ein bedeuten- 
der Frass ganz " gesunder Raupen. Nachdem in diese 
Parzelle einige AVipfel mit tlasqueriekranken Raupen ein- 



Figur 4 

Wipfelnde Nounenrauiieii (iipfclspitzc einer a.ijhri^'en Fiehtenstange. 
von A. Wachtl. 



ausgebrochen 



waren, verbreitete sich die Krankheit in we- 
Tagen ber die ganze Parzelle, in welcher vorher 
kranke Raupe gefunden worden war. Aehnliche 
ungen wurden in den frstlich Hohenlohe'schen Re- 
vieren Jakobswald und liicbschau gemacht. 

Aus dem Reviere 
Ratibor wurden nun 
am 8. und 9. Juli 1892 
Flas([ueriepilze in die 
Oberfrsterei Pfeils- 
walde (Reg.-Bez. Gum- 
binnen) versandt, ge- 
sunde Raupen wurden 
geimpft und kranke 
Raupen nebst deren 
Koth in den von dem 
Schdlinge befallenen 
Waldthcilen verbreitet; 
schon am 11. Juli er- 
wies sigh nach der Mit- 
theilung des Regierungs- 
und Forstrath Brink- 
mann die grsste Zahl 
der untersuchten Rau- 
pen als krank, am 
15. Juli wurden von 
80 Raupen nur noch 
drei anscheinend ge- 
sund befunden, am 10. 
Tage wurile im engeren 
und weiteren Impfbe- 
zirke der etwa 10( )0 ha 
umfassenden Frassbc- 
stnde keine zweifellos 
gesunde Nonnenraupe 
mehr vorgefunden. Die 
Impfung erfolgte vor- 
wiegend ausserhalb der 
Leimbestnde auf einer 
Flche von etwa 300 ha 
derart, dass auf 60 bis 
70 etwa 20 m im Durch- 
messer haltenden Plt- 
zen die in erreichbarer 
Hhe am Stanune auf- 
gefundenen Raujten n)it 
der Impfnadel ober- 
halb des Afters durch- 
stochen wurden. Das 
Impfen wurde etwa an 
5000 Raupen ausge- 
fhrt. Als Inipfflssig- 
keit wurde theilweise 
der aus den schlesischen 
Raupen entnommene 
jaucheartige Leibesin- 
halt, theilweise eine aus 
solchem Leil)esinhalte 
(Aus Die Nonne" in Koch'sciier Gclatiue 
Aufl. is:r2 Wien.) gezchtete, verflssigtc 

gemischte Pilzcultur 
verwendet. Als Impf- 
nadeln wurden gewhnliehe Stahlnadeln gebraucht, welche 
vor jedem Impfstich in die pilziialtige Flssigkeit mit der 
Spitze eingetaucht wurden." (Aus dem A\'alde'- 23. X. 92.) 
Ausser durch Impfen kann die Flasquerie noch 
verbreitet werden, indem man Raupen mit Bakterien- 
Bouillon bestreicht, gesunde Thiere mit kranken zu- 
sammenbringt, das Futter mit Pilzlsung bespritzt, kranke 




Nr. 11. 



Natiirwisseiispliaftliclie Woehenscln-ift. 



107 



Raiipcu, die Wipfel", den Kotli derselben, die Eier, die 
l'uppen aus Flasquerie- Bestnden in andere Waldtheile 
bringt u. A. ni. 

Diese in Deutschland mit dem Bacillus B Hofm." 
gemacliten Erfaliruniicn s]reelicn dal'r, dass er der Er- 
reger der Schlafsucht ist, und dass die Raupe sehr wohl 
mit ihm bekmpft werden kann; die hei uns hier in 
Oesterreich ausgefhrten Versuche mit dem vom Dr. Hof- 
mann selbst bezogenen Bacillus ., H Hofm.", welche im 
Auftrage des Ackerbau-Ministeriums von dem Bakteriologen 
Dr. Kornauth im Verein mit dem Entomologen der k. k. 
Versuchsanstalt, Forstmeister Fritz A. Wachtl ausgefhrt 
werden, haben keine befriedigende Ergebnisse geliefert. 
Auch Forstmeister Keuss in Dobri.s (Bhmen) Hess sich zu 
Versuchen im Walde wie im Studirzinmier zwei grosse 
Ballen von an SchlafCsucht verendeten Raupen und Rein- 
culturen des Bacillus ,,B Hofm." aus Bayern konmien, 
hatte aber ebenfalls keine positiven Ergebnisse. 

Dass diese Frage fr die Praxis und das W<dd des 
allbeliebten prchtigen Fichtenhaines von ungemein grosser 
Wichtigkeit ist, drfte auch fr den Nicht-Forstmann 
leicht verstndlich sein; sie zu studiren und womglich 
recht bald zu lsen, darf der Forstmann deshall) sehr wohl 
den Naturforscher bitten. 

b noch andere Krankheiten das Inseet und nament- 
lich als Raupe hinzuraffen vermgen, und was zutretfenden 
Falles diese fr Krankheiten sind, darber hal)en uns die 
Herren Entomologen, Mycologen etc. noch nicht belehrt. 
Tn der Sitzung der bayrischen A))geordneten am 11. Mrz 
1892 sagte Finanzminister Dr. Frhr. von Riedel: .,Nach 
unseren Erfahrungen im heurigen Jahre sind die Krank- 
heiten zu sehr verschiedenen Zeitperioden aufgetreten und 
auch in ganz verschiedener Form, und es ist heute noch 
nicht festgestellt, welche Natur diese Krankheiten haben. 
In einzelnen Bezirken traten die Krankheiten lasch auf, 
wirkten auch ziemlich rasch, in anderen kamen sie erst 

Ende Juni " Zum Beis])iele wurden vielfach 

Raupeneada\er gel'unden, welche, wie Forstrath Professor 
Henschel in einem im Club der Land- und Forstwirthe 



zu Wien gehaltenen Vortrage ausfhrte, von rilzmyccl 
straff ausgefllt waren; ob dieser Pilz nun als Parasit 
den Tod des 'riiieres verursacht oder erst nachher als 
Sa])roi)hyt Fuss gefasst hat, kurz, was es mit ihm fr eine 
Bewandniss hat, das wissen wir nicht. 

Die letzte Frage, welche ich hier als auch von all- 
gemeinem naturwissenschaftlichem Interesse kurz l)erhren 
mchte, und welche auch auf dem Wiener Nonnencongi-ess, 
allerdings ergebnisslos, besprochen wurde, ist die nach 
den Ursachen der Entstehung von Nounencalamitten. 

In der Aenderung der Cultur- und wirtlisehaftliehen 
Verhltnisse die Ursache zu sehen, ist nicht begrndet, 
denn es wird auch aus jenen Zeiten schon ber Nounen- 
calamitten berichtet, in welchen die derzeitigen Forst- 
wirthsehaftsgrundstze noch nicht in Geltung waren; und 
auch in der Gegenwart tinden sich die Nonnenverheerungen 
keineswegs nur in jenen Gegenden, in welchen unsere 
derzeitige Wirthschaft statthat, sondern z. B. auch in den 
russischen Urwaldungen, aus denen ,ja nachgewiesener- 
niaassen die Nonnensehwrme der .50 er Jahre gekommen 
sind. Ueberdies ist die Erklrung mit der derzeitigen 
Wirthschaft schon deshalb nicht stichhaltig, weil sich ja 
Nounencalamitten in Zwischenrumen von Jahrzehnten 
einstellen, whrend die Wirthschaftsverhltnisse doch Jahr 
fr Jahr dieselben sind. Nher liegt es, die Veranlassung 
zu derartigen Massenvermehrungen dieses Schdlings in 
der Verschiebung des natrlichen Gleichgewichtes zwischen 
diesem und seinen Feinden zu sehen, welche vielleicht 
in den Witterungsverhltnissen gnstig fr die Ent- 
wicklung des Schdlings, ungnstig fr die seiner Feinde 
zu suchen ist, welche Ansieht au(di Forstrath Professor 
Henschel auf dem Nonnen-Gongress in Wien vertrat; 
Nheres wei.ss man aber ber alles dieses nicht. 

Mge diese Arbeit und ihre Verffentlichung gerade 
in der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" die wei- 
testen Kreise der Naturforscher anregen, diesen zahl- 
reichen noch zu lsenden Fragen grsster wirthschaft- 
licher und zweifelsohne auch wissenschaftlicher Bedeutung 
nherzutreten! 



Beobaclitiiiii^ der Aiulroinedideii am 23. ii. 27. No- 
vember 1S92. Dieser Sternsehnuppenschwarm, dem man 
im vergangenen Jahre mit erhhterem Interesse entgegen- 
gesehen hatte, umsomehr als es kurze Zeit hatte scheinen 
knnen, als ob der Komet Holmes identisch mit dem als 
S(dcheni verloren gegangenen Kometen Biela wre, ist bei 
uns leider einer systematischen und erfolgversprechenden 
Be(djachtung entgangen. Mit besonderem Interesse nehmen 
wir daher Kenutniss von einer Zusammenstellung bezg- 
licher Beobachtungsergebnisse, welche Herr H. A. Newton 
im Januarhefte des American Journal of Science giebt. 

Am Abend des 23. November wurden an vielen 
amerikanischen Orten Sternschnuppen beobachtet, die aus 
dem Sternbilde der Andromeda herstrahlten und wohl als 
Theile des Biela'schen Kometen betrachtet werden drfen. 

Dr. Elkin, New Haven, Connecticut, berichtet, dass 
er sich am genannten Abend, um 7 Uhr, im Freien be- 
fand, aber trotz klarem Himmel um diese Zeit noch nichts 
von Sternschnupi)en bemerken konnte. Etwa um IOV4 Uhr 
aber wurde er durch Dr. Chase, vom Yale Observatory, be- 
nachrichtigt, dass nunmehr die Sternschnuppen sieh in 
ganz ungewhnlicher Zahl einstellten. In der That wurden 
dann zeitweise deren zehn pro Minute gezhlt. Der Hinnnel 
war dabei nur noch theilweise klar. Die meisten der 
wahrgenommenen Bahnen waren sehr kurz, keine ber- 
sehritt eine Ausdehnung von 4 Graden. Nur wenige der 



Sternschnuppen erreichten die Helligkeit von Fixsternen 
erster Grsse. 

Dr. Chase sell)er hielt sich im (iarten des Observato- 
riums auf und zhlte von 10^ 15 bis 10'' 22'" im Ganzen 
16 Meteore. In den folgenden 20 Minuten zhlte er deren 
weit ber 80, sodass die GesammtzaJil die Hundert gut 
berschritt. Die meisten waren schwach, nnt sehr kurzen 
Bahnen. Nur wenige hinterliessen einen Sehweif. Ein 
Object zeigte indessen einen solchen, der 15 Secunden 
sichtbar blieb. Der Punkt, von dem alle diese Meteore 
auszustrahlen schienen (Radiant), war sehr nahe bei 
;' Andromedae. Um lOh 35'" mussten die Herren Elkin und 
Chase die weitere Zhlung leider aufgel)en, da der 
Himmel sich innner mehr umzog, sodass weiteres Beob- 
achten doch nur unzureichende Resultate liefern konnte. 

Herr Van Name, der Universittsbibliothekar, hat 
etwas spter, von 10'' 50'" bis lO* 55 noch 50 Meteore 
gezhlt. Auch er hat keine besonders markanten Er- 
scheinungen zu berichten. 

Professor J. R. Eastman, Washington, D. C, schreibt: 
Als ich an der Ecke der 19. und der North-Strasse mich 
in der Mitte des Fahrwegs befand, bemerkte ich ein 
Meteor nahe bei' ;' Cassiopeiae aufleuchten, dem dann 
schnell zwei andere folgten. In ganz kurzer Zeit zhlte 
ich deren berhaupt 15, und von 10'' 24 bis 10'' 43'" 
stellte ich 102 Meteore fest; dann von 10" 59 bis 



108 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 11. 



11h lim deren 111, endlich 114 in der Zeit von IP 19" 
l)is 11^ 41"', das sind also: im Ganzen 327 Meteore in 
53 Minuten durch einen Beobachter gezhlt. Zwar waren 
sie im Allgemeinen ber den ganzen Himmel vertheilt, 
wohin ich nur blickte: aber im ( Trossen und Ganzen 
schienen sie von einem Punkte zu strahlen, ungefhr in 
der Mitte zwischen ;' Andromedae und Cassiopeiae, 
und nahe bei d Persei. Die Coordinaten dieses Ra- 
dianten wrden also etwa sein 1'' 35 Rectascension und 
+ 51 Declination. Diese Bestimmung ist indessen, in 
Folge der sehr weit zerstreuten Vertlicilnng der Meteore, 
nur eine nicht allzu genaue Annherung. ' Einige der 
von E. wahrgenommenen Sternschnuiipen waren sehr hell, 
und eines hinterliess einen Sciiweif in glnzender, rother 
und grner Frbung. Bei mehreren dieser Jleteore hatte 
Prof. Eastman den Eindruck, als ob dieselben nicht weiter 
als 100 Yards 91'", 439 vom Beobachter entfernt sein 
knnten, eine Wahrnehmung, wie er sie auch schon bei dem 
grossen Sternsclmuppenfall vom 27. November 1.S72 ge- 
merkt hatte. 

D. Horgan, Aufseher am neuen Naval Observatory 
zu Washington, tlieilte Professor E. noch Folgendes mit. 
Mit Eintritt der Dunkelheit erschienen schon einige ^leteore. 
Um 7'' waren sie schon recht zaldreich; um s'' und um 
y'' nimmt ihre Zahl, immer mehr anwachsend, fortwhrend 
zu; vielfach treten jetzt mehrere zugleich auf. -Um 
9^ 31 ist die Anzahl noch grsser; viele der Meteore 
hinterlassen rotlie und urangefarbene Schweife. Endlich 
um 9'' 40'" muss das Zhlen aufgegeben werden, da jetzt 
die Sternschnuppen in zu cm inner Menge auftreten. Dieses 
Anwachsen in der Hutigkeit dauert noch bis 10'' 45'", ein 
merkliches Nachlassen in der Zahl tritt erst nach 1 1*" 25'" 
ein. Etwa um ll^ 25' war noch ein ganzer Haufen auf 
einmal" (a cluster) etwa von 15 unter Polaris aus nach dem 
Horizont zu gefallen. Im Uebrigeu stimmen die Angaben 
dieses Beobachters ber den Radiations])unkt mit dem 
obigen. Horgan hat die Erscheinung auch spter wh- 
rend der Nacht verfolgt. Um Mitternacht waren noch 
zahlreiche Meteore zu sehen, doch waren die einzelnen 
Individuen bedeutend schwcher als in den vorhergehenden 
Stunden. Audi um 1'' frh fielen noch sehr viele; und 
bis zum Heraufkommen des Tageslichts konnten inniier 
noch einzelne \\ahrgenommen werden. 

Professor A. W. Phillips hat am 23. November bei 
Griswald, Conn., in einem otfencn Wagen fahrend, von 
8^ 15 bis 8'' 50'" an 200 Sternschnupi)en gezhlt, darunter 
mehrere sehr helle. Der Radiationspunkt lag in Andromeda. 

Herr E. W. Abell hat im Verein mit anderen den 
Hinnnel systematisch so berwacht, dass von je vier 15e- 
obachtern je einer ein Viertel des Himmels auf sich nahm. 
Gegen etwaige Doppelzhinng hatte man sich auch ge- 
sichert. In den fnf Minuten von W 7'"30s bis 10'' 12'" 30 
zhlte man so im Sden 29, im Westen 18. im Norden 
35 und im Osten 52 Meteore, im Ganzen etwa 134. We- 
nige Minuten nachher zhlten zwei Beobachter, nach 
Osten sehend, in fnf Minuten 71 Sternschnuppen. 
Mr. Abell bestimmt den Radiationspunkt in 1'' 40'" Rectas- 
cension und -1-35 Declination. 

Aus Albu(iuerque, Neumexico, schreibt Reverend 
M. R. Gaines, dass er kurz vor 10 Uhr in wenig Mi- 
nuten mehr als 100 Meteore zhlte, die oft zu dreien und 
mehr zugleich fielen. 

Ausser diesen Meldungen liegen noch zahlreiche an- 
dere, ber die ganzen Vereinigten Staaten vertheilte, vor. 

Herr Newton ist der Ansicht, dass dieser ganz ausser- 
ordentliche Sternschnuppcnfall eine Wiederholung der am 
24. Novendjer 1872 in New llaven und Germantown wahr- 
genommenen Erscheinung sein mge, dagegen nicht mit 
dem ebenso grossartigcn Himmelsschauspiel in Zusammen- 



hang stehe, welches damals in Europa drei Tage spter 
am 27. November 1872 sich darbot. 

Am 24., 25. und 26. November 1892 wurden, soweit 
Herr Newton unterrichtet war, in den Vereinigten Staaten, 
o])gleich es, namentlich in deren Osten, heller Himmel war, 
keine Androraediden wahrgenonunen. Am 27. war berall 
])cdcckter Himmel. 

Dagegen haben Herr A. J. Newton und Frau A. G. 
Dana, als sie in der Nacht des 27. November von Torrcau 
in Mexico nach New Orleans fuhren, durch die Fenster 
des Wagens zahlreiche Meteore gesehen. Es war ganz 
vergebens", sagt Mrs. Dana, sie zhlen zu wollen. Sie 
kamen zu zweien und mehr auf einmal und bildeten im 
vollen Sinne des Wortes ein ununterbrochenes liinnnlisehes 
Feuerwerk." 

Wie wir nachtrglich aus No. 3152 der Astro- 
nomischen Nachrichten (ausgeg. 13. Februar) ersehen, ist 
auch in Prag der 23. Novend)er sehr ergiebig gewesen 
in Bezug auf Steruschnuppenbeobachtungen. Herr 
G. Gruss von der Sternwarte der czechischen Universitt 
theilt mit, dass am 23. November 1892 nach 10^ Abends 
hufige Sternschnuppen, jede Minute wenigstens eine ge- 
sehen wurde; von 16'' (d. i. 4'' Morgens am 24. November) 
an wurden dann besonders hufige Sternsclinuppen von 
kurzen Bahnstrecken mit ausgeju-gter Kadiation aus 
Andromeda und auch Cassiopeia beobachtet. Diese letzte- 
ren Erscheinungen sind, wenn man die Lngendifferenz 
Prag ^^'ashington beachtet, offenbar demselben Theil des 
Sciuvarmes augehrig gewesen, wie die in Washington 
l)eol)achteten. Grs. 



Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Ks wiu-loii enuiiint: In dci- ini-diciiiisclicn Faciilr.it der Ui- 
vcisitt zu Leipzig die bislicriffcn I'iivatdocentfii Dr. med. Len- 
liiirtz, Dr. med. Karg- und Dr. iiumI. Dderlein zu ausser- 
orilent Hell eil Professoren 

Ka sind gestorben: Der riiiflioldge .Stani sl niis Alessi zu 
Gabes. Der Forstmann Josef Wr bat a zu Stadion-Tliannhausen 
in Bineii. Der Professor der F'liarmacologie und Pliamaeoguosie 
N. Th. Mentin in Warschau. Der botanisebe Reisende und 
(lrtner Jobannes Braun auf Madagasear, Sobn des bekannten 
verstorbenen Botanikers Prof. Alexander Braun in BerHn. 



In den Tagen vom 5. bis 7. April findet in Stuttgart der 
X. Deutsche Geographentag: statt. In Verliindiiiig damit ist eine 
rt'eiitliebe Ausslelhiiig ge|daiit. 



Der 12. Congress fr innere Medicin findet vom 1'2. IJ. A|iril 
zu Wiesbaden statt. Priisideiit: I iii in er in ;in n (Basel). 



Der 22. Congress der deutschen Gesellschaft fr Chirurgie 

wird vom 12. l'i. April in lierliii im Laugeiilieekliaiise statt- 
finden. Vorsitzender: Geb. Batli Kii ii ig (< iiittingi'n), stiindiger 
Seliriftfhrer: Geh. Ratli Gurlt. 



L i 1 1 e r a t u r. 

Dr. Eugen Dreher, Der Materialismus, eine Verirrung des 
mi-nselilieheii (lei.st.'s. widerlegt durch eine zeitgeinsse Welt- 
anschauung. Berlin W, 18'J2. " S. Gerstmann's Verlag. 

Der Verf. unternimmt es. dem wissenschaftlichen Mati'rialis- 
inns den Boden unter deu Fssen zu entziehen, indem er sich auf 
die Ergebnisse sttzt, zu denen eine wissenschaftliche Unter- 
suchung der Sinneswahrnehmungen, der Gediichtnissthtigkeiten 
und der in dein Satze cogito, ergo sum" ausgedrckten That- 
sacbe fhrt. 

jMit eindringender kritischer Schrfe geht er den wichtigatmi 
grunillegenden Problemen sowohl der Naturwissenschaft wie der 
Philosophie zu Leibe. Besonders lesenswerth und anregend sind, 
abgesehen von den Errterungen ber das Wesen und den Unter- 



Nr. 11. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



109 



schied von Materie und Geist, die Ausfhrungen des Verf. ber 
die Denkconflicte, zu denen der menschliche Oeist gefhrt wird, 
und ber die Willensfreiheit. Nicht unterschreiben kann iih 
die Ansicht des Verf., dass Leben und Bewusstsein nicht prin- 
cipiell verschieden von einander seien; auch seine Zelllieseelung" 
kann ich nicht annehmen; und ferner ist mir Kraft" nichts weiter 
als bewegte Materie, whi'end sie der Verf. sich als etwas von der 
Materie wesentlich Verschiedenes vorstellt, indem er so einem zweiten 
Dualismus (von Kraft und Stoff neben dem von Geist und 
Materie) huldigt. Widersprechen muss ich auch dem Ausspruche, 
dass Gustav Jaeger (wegen seiner Seelentheorie) sich zum grb- 
sten Materialismus bekenne"; Seele im Sinne Jaeger's und Geist 
ist zweierlei. Doch sind das nur einzelne Ausstellungen, die 
ich zu machen habe; im Ganzen auch in ihrem Nachwort 
ist die Schrift als eine in hohem Maasse fesselnde, geistvolle zu 
bezeichnen. Dr. K. F. Jordan. 



August Weismann, Die Kontinuitt des Keimplasmas als 

Grundlage einer Theorie der Vererbung. 2. Auflage. Verlag 
von Gustav Fischer. Jena 1892. Preis 2,.jO M. 
Die neue, 2. Auflage der bekannten Weismann'schen Schrift 
unterscheidet sich von der ersten, 1885 erschienenen, nur durch 
einige von dem Autor hier und da angefhrte Anmerkungen. 
Da diese wesentlich Neues nicht bringen, so beschrnken wir uns 
mit der Anzeige des Erscheinens der neuen Auflage. 



H. ck, Geog'nostisclie Beschreibung der Gegend von Baden- 
Baden, Rothenfels, Gernsbach und Herrenalb. Mit Karte. 

Herausgegeben von der K. Preussischen Geologischen Landes- 
anstalt. [In Comm. bei der Simon Schropp'schen Hof-Land- 
karten-Handlung (.1. H. Neumann.)] 1892. 

In diesem, auch fr einen grsseren, nicht fachmnnischen 
Leserkreis" bestimmten Werk giebt der Verf. einen umfassenden 
Ueberblick ber die geologischen Verhltnisse einer der schnsten 
und (wie dies ja fast stets zusammentrifl't) geognostisch inter- 
essantesten Gegenden Sud-West-Deutschlands und zugleich ber 
die allmlige Entwicklung unserer Kenntniss jener Verhltnisse. 
Er will mit seiner Arbeit keine erschpfende Darstellung geben, 
wie .sie eine geognostische Landesuntersuchung von Staatswegen 
liefern kann und muss, sondern wnscht sie nur als einen Beitrag 
dazu aufgefasst zu sehen, wie ein Privatmann, abhngig von der 
ihm zu Gebote stehenden Zeit und den verfgbaren Mitteln, ihn 
geben kann." Man darf es als bedauerlich bezeichnen, dass sich 
der Verf., der die ihm von seinem Lehramt frei gelassene Zeit 
whrend zwanzig Jahren zum grossen Theil der geologischen Er- 
forschung des Schwarzwaldes gewidmet hat, (wie er im vorlie- 
genden Werk berichtet, hat er seine Aufnahmen im Schwarzwald 
1873 begonnen) sich den amtlichen geognostischen Arbeiten in 
jenem Gebiet gegenber als Privatmann bezeichnen muss, wie es 
auch allgemein berrascht hat, in den vor Kurzem aller Orten zu 
lesenden Berichten ber die Beendigung der wrttembergischen 
geognostischen Spezialkarte den Verfasser, der unter den Lebenden 
als bester Kenner der deutschen Trias gilt, nicht unter den Mitar- 
beitern anzutreffen. Den frheren auf den Schwarzwald sich be- 
ziehenden Verffentlichungen des Verf., von denen, als auch wei- 
teren Kreisen dienend, nur die geognostischen Partiekarten aus 
dem mittleren Theil des Gebirgs (Gegend von Ottenhfen, Umge- 
bung der Renchbder, Umgebung der Schwarzwaldbahn, Umgegend 
von Lahr, die letzgenannte Karte mit ausfhrlichen Erluterungen), 
und die ausgezeichnete Zusammenfassung unserer heutigen ge- 
ognostischen Kenntniss des Schwarzwaldes, die, wie schon ange- 
deutet, vom Verf. ausserordentlich gefrdert worden ist, in der 
geognostischen Karte des Schwarzwaldes in 1:200 000 und zwei 
Blttern genannt sein mgen, reiht sich der vorliegende starke 
Band, als Heft 6 der neuen Folge der Abhandlungen" von der 
Preussischen Geolog. Landesanstalt herausgegeben, wrdig an. 
Nach einem sorgfltigen Litteratur-Verzeichniss, einem Rckblick 
auf frhere geognostische Untersuchungen des behandelten Ge- 
birgsabschnittes und einem allgemeinen topographischen und 
geognostischen Ueberblick desselben werden die geognostischen 
Formationen im Einzelnen nach Entwicklungs- und Lagerungs- 
verhltnissen besprochen: Grundgebirge und die darin enthaltenen 
krystallinischen Massengesteine, Uebergangsgebirge und die zu- 
gehrigen Massengesteine, Steinkohlengebirge, das Rothliegende 
und die Porphyre, Buntsandstein, dann die jngeren Gebirgs- 
glieder; endlich folgen ausfhrliche Angaben ber Verwerfungs- 
klfte, Mineralgnge und Quellen. Die usserst sorgfltige Arbeit 
des Verf. zeigt sich auf jeder Seite ; berall handelt es sich um 
mglichst genaues Studium aller Einzelheiten, um, hierauf fussend, 
zu einem mglichst richtigen Gesammthild zu kommen; berall 
wird sorgfltig erwogen: welche Angaben frherer Autoren lassen 
sich mit den damals vorhandenen und den seither hinzugekommenen 
Beobachtungen belegen, welche beruhen auf nicht zu begrndenden 



Annahmen. Als Beleg dafr, was der Verf. mit seinen eigenen 
Aufnahmen geleistet hat, mag angefhrt sein, dass auf der Karte 
im oberen Rothliegenden neun verschiedene Abtheilungen, bei 
den Porphyren sieben Gruppen auseinander gehalten sind. 
Die Karte, deren Situationsgrundlage aus der frheren ba- 
dischen topographischen Karte in 1 : 50 000 bergedruckt ist, 
reicht von der Linie Bhl-Hohlohkopf im Sden bis Maisch im 
Norden und von der Linie Wild-(Horn)-See-Pfaffenroth im Osten 
bis zur Rheinebene. Dabei greift der Te.xt vielfach ber den 
Rahmen der Karte hinaus, so namentlich im Osten noch weiter 
nach Wrttemberg hinein, indem hier die Verhltnisse des oberen 
Enzthals noch besprochen werden. Von grossem Interesse ist 
ein Vergleich der Karte mit den innerhalb ihres Rahmens in 
Betracht kommenden Sectionen der wrttembergischen geolo- 
gischen Specialkarte 1 : 50000 (Wildbad und Altensteig); es zeigt 
sich sofort, wie wenig diese Karte gerade fr den Schwarzwald 
trotz ihres grossen Maassstabs heutzutage den Namen einer Special- 
karte verdient: es findet sich keine Gliederung des Buntsand- 
steins (die im Schwarzwald berhaupt erst von dem Verf. durch- 
gefhrt worden ist), sogar nicht einmal des Rothliegenden, keine 
der beobachtbaren Verwerfungsspalten, deren Verlauf zumal im 
untsandstein freilich usserst schwierig zu verfolgen, aber fr 
zutreffende Vorstellungen vom Gebirgsbau von grsster Wichtig- 
keit ist. Mchte die Darstellung des Verf. dazu beitragen, 
auch in weiteren Kreisen in Wrttemberg die Ueberzeugung zu 
befestigen, dass eine neue Spezial-Kartirung des Landes, von 
einer geologischen Landesanstalt durchzufhren, dringend noth- 
thut. Dabei ist freilich zu betonen, dass alle weiteren Ausgaben 
fr geognostische Aufnahmen so lange nicht mit dem ent- 
sprechenden Erfolge gemacht werden, als ihnen nicht die Bltter 
einer genauen Hhenkurvenkarte in 1 : 25 000 zu Grunde gelegt 
werden knnen. Nicht nur der Mangel einer geologischen Landes- 
anstalt, sondern auch das Fehlen einer heutigen Anforderungen 
entsprechenden topograjjhischen Karte grossen Maassstabs 
weist Wrttemberg fast allein unter den deutschen Staaten in 
diesen Dingen eine Stellung zu, die ihm gewiss in keiner Be- 
ziehung zum Vortheil gereicht. 



R. von Stemeck, Die Schwerkraft in den Alpen und die Be- 
stimmung ihres Werthes fr Wien. Sep. -Abdruck aus Bd. XI. 
der Mittheilungen des k. k. militr-geographischen Institutes. 
Verlag von Vernay. Wien 1892. 

Da bereits frhere Messungen des Verf. zur Coustatirung eines 
unter dem Alpengebiet befindlichen Massendefectes gefhrt hatten, 
wurden neuerdings die Bestimmungen der Schwere auf Anregung 
Prof. Helmerts ber eine grssere quer durch die Alpen ziehende 
Strecke ausgedehnt. Lieber diese neuesten, von Mnchen bis zum 
Po sich erstreckenden Messungen, denen noch eine Neubestimmung 
der Grsse der Schwerkraft fr Wien voranging, erstattet v. Sterneck 
in der vorliegenden Schrift eingehenden Bericht. Fr die Grsse 
im militr-geographischen Institut zu Wien gelangte v. Sterneck 
unter Anschluss an die gleichzeitig in Mnchen, Padua und Wien 
(Trkenschanze) ausgefhrten Beobachtungen zu dem Resultate: 
g = 9,80876 m, dem eine Lnge des Secundenpendels von 993,836mm 
entspricht. 

Unter Zugrundelegung dieses Werthes wurde nun die Schwere 
an im Ganzen 46 Stationen ermittelt, die in nahezu meridianaler 
Richtung sich von Mnchen bis zum Po hinziehen, und zu denen 
noch Padua und Venedig hinzukommen. Das Ergebniss dieser 
Bestimmungen war eine glnzende Besttigung des Vorhanden- 
seins eines grossen Massendefects unter dem Alpengebiet. Nrd- 
lich dehnt sich dieser Defect bis ber Mnchen hinaus aus; in 
den Centralalpen erreicht er sein Maximum, indem dort der Be- 
trag dem Fehlen einer Schicht von 1000 1200 m Dicke und von 
der Dichtigkeit 2,5 entspricht. Nach Sden zu hrt jedoch der 
Defect merkwrdigerweise bereits in der Gegend von Trient 
gnzlich auf, um sehr bald in eine starke Massenanhufung ber- 
zugehen, welche der olieritalischen Tiefebene entspricht. In der 
Gegend von Mantua macht sich indessen bereits wieder der den 
Apenninen entsprechende Defect geltend. Gebirge und Massen- 
defect, Tiefebene und Massenanhufung entsprechen also ein- 
ander, doch sind die Schwerestrungen durchweg etwa um 50 km 
nach Norden verschoben. 

Die Ursache des Massendefectes kann man nach v. Sterneck 
am besten in wirklichen Hhlen unterhalb der Gebirge suchen, 
schwieriger ist aber die Massenanhufung unter der Tiefebene zu 
erklren, da man selbst von den schwersten uns bekannten Steinen 
Schichten von mehreren Kilometern Mchtigkeit zur Erklrung 
der Schwerestrung annehmen msste. Jedenfalls drften die 
Strungsmassen schon in nicht sehr grosser Tiefe zu finden sein, 
worauf die Pltzlichkeit der Vernderung der Strung an der Erd- 
oberflche hindeutet. F. Kbr. 



110 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 11. 



P. Volkmann, Vorlesungsn ber die Theorie des Lichtes. 

Unter Roksioht auf die elastisclir und plektrouiasuftische An- 
schauung. Leipzig. B. G. Tt'ubner. 1891. Preis UM. 

Seit den epochemachenden VerflFentlichungen von Hertz ini 
Jahre 1888 ist die Litteratur ber die Theorie des Lichtes, nament- 
lich soweit die elektro-magnetische Ansicht in Betracht kommt, 
mchtig gewachsen. Aber es fehlte uns bisher neben Ma.xwell's 
grossem Werke selber ein Bnch, in dem die Faraday-Maxwell'sche 
Theorie sowohl ihrem eigenen inneren Zusammenhange nach, wie 
auch namentlich in ihren Beziehungen zur elastischen Lichttheorie 
dargelegt wird. Das schne Buch von Poincare hat diese Lcke 
doch auch nicht ausgefllt, da es den Gegenstand weit mehr von 
der rein mathematischen Seite angreift. 

Umso dankbarer mssen wir Herrn Volkmann fr die Heraus- 
gabe dieser Vorlesungen sein, bei denen ausdrcklich die Kennt- 
niss der experimentalen und der praktischen Physik voraus- 
gesetzt ist. r, ,. 1 ' 

Das umfangreiche W^erk (27 Bogen) fhrt den Studirenden 
in der besten Weise in die neuere Anschauung ein, indem es 
zeigt, wie sowohl die elastische als die elektromagnetische 
Theorie auf dieselben Gleichungen fhrt, wie aber gewisse Con- 
stanten, so z. B. die Lichtgeschwindigkeit fr letztere Ansicht; 
aus der Theorie selber sich bestimmen, whrend die ltere Lehre 
dies nicht aus sich selbst heraus konnte, sondern auf die Hlfe 
der Beobachtung recurriren musste. Auf Einzelheiten einzugehen, 
ist hier wohl nicht der Ort. Ich kann mir aber doch nicht ver- 
sagen, mit der grssten Befriedigung auf die Darstellung des 
Huyghens'schen Princips hinzuweisen, das' in den meisten Lehr- 
bchern der theoretischen Optik mich nie befriedigen konnte. , 

Das Werk ist nicht nur fr den Studirenden, sondern auch 
fr den Forscher von grsstem Werthe und wir sind, wie gesagt, 
Herrn Volkmann unsern ganzen Dank dafr schuldig. Grs. 



A. Engler und K. Prantl, Die natrlichen Pflanzenfamilien. 

Lief. 7679. Verlas; von Wilhelm Engeluiiinn in Leipzig 1892 
bis 1893. Preis a "Lief, in Subscription 1,00 M. Von diesem 
prchtigen Werk knnen wir das Erscheinen von vier weiteren 
Lieferungen anzeigen. Lief. 76 enthlt den Schluss den My.xo-l 
gasteres und den Beginn der Pilze (beide Abtheilungen bearbeiteti 
von J. Schrter). Lief. 77 setzt die Besprechung der Legu- 
minosen fort (P. Taubert). Lief. 78 bringt den Schluss der 
Anacardiaceen (Engler), ferner die Cyrillaceen (E. Gilg), Aqui- 
foliaceen (M. Kronfeld), die Celastraceen und den Beginn der 
Hippocrateaceen (beide Familien bearbeitet von Th. Lsen er). 
Lief 79 endlich besehliesst die Chenopodiaceen (G. Volkens) und: 
bringt den Anfang der Amarautaceen (H. Schinz). Da auch 
diese Lieferungen keine Abtheilung" des Werkes abschliessen, 
mssen wir ein ausfhrliches Eingehen auf den Inhalt verschieben. 



Sitzungsberichte der Enigl. Preussischen Akademie der 
"Wissenschaften zu Berlin. 1893. No. V, VI, VII. Das Heft 
enthlt die Berichte ber die Sitzungen am 2. und !). Februar und 
drei Abhandlungen. F. Rinne: Ueber norddeutsche Basalte. 
Die stratigraphischen, wesentlich aber petrographischen Unter- 
suchungen erstrecken sich auf die verhltnissmssig wenig be- 
kannten nrdlichsten Basaltvorkommen Deutschlands. Der Ver- 
fasser hat gegen 100 Fundpunkte besucht, welche alle nrdlich 
einer Linie von Gudensberg nach Eschwege in Hessen liegen und 
deren am weitesten nach Norden vorgeschobener der isolirte Basalt 
bei Sandebeck im Teutoburger Walde ist. G. Linck: Ueber 
Hercynit aus dem Weltlin. Der Autor hat gelegentlich seiner 
Untersuchungen des Gabbro-Gesteines im oberen W'eltlin daselbst 
ein Hercynit -Vorkommen entdeckt Willy Wien: Eine neue 
Beziehung der Strahlung schwarzer Krper zum zweiton Haupt- 
satz der Wrmetheorie. F. K. 



Kupffer, C. v., Studien zur vergleichenden Eutwicklungsgeschichti' 

des Ko]ifes der Kranioten. Mnchen. 10 M. 
Kpper, C. , Geonietiische Betrachtungen auf Grundlage der 

Funetionentheorie. Prag. 0,40 M. 
Lavoisier, L., u. P. S. de Laplace, Zwei Abhandlungen ber die 

Wrme. Leipzig. 1,20 M 
Linstow, V., Helminthen von Sd-Georgien. Hamburg. 2 M. , 
Mach, E., Ergnzungen zu den Mittheilungen ber Projectile. 

Leipzig. 0,30 M. 
Mayer, H., Geschichte der Universitt Freiburg in Baden in der 

1. Hlfte des XIX. Jahrhunderts. Bonn. 2 M. 
Messtischbltter des Preussischen Staates. 1:2.5,000. Nr. 1013. 

Norden. 1018. Wilhelmshaven. 1639. Kreuz. 1923. 

Lewitz. 2058. Bentschen. Berlin, a 1 M. 
Michaelsen, W., Beschreibung der von Dr. Fr. Stuhlmann am 

Victoria Nyanza gesammelten Terricolen. Hamburg. 1 M. 
, , Polychaeten von Ceylon. Ebd. 1,50 M. 
Mielke, G., Anatomische und physiologische Beobachtungen an 

den Blttern einiger Eucalyptus-Arten. Hamburg. 1,50 M. 
Neumann, B., Nordafrika (mit Ansschluss des Nilgebietes) nach 

Herodot. Leipzig. 4 M. 
Noll, F., Ueber heterogene Induktion. Leipzig. 3 M. 
Obenrauch, F. J., Zur Transformation und Reduktion von Doppel- 
integralen mittelst elliptischer Coordinaten. Neutitschein. 2 M. 
Pohlig, H., Monographie der Elephas antiquus Falc. fhrenden 

Travertiue Thringens, ihrer Fauna und Flora. Stuttgart. 

12 M. 
Primics, G., Das Torflager der siebenbrgischen Landestheile. 

Budapest. 1 M. 
Babenhorst, L., et G. Winter, Fungi europaei et extraeuropaei 

exsiccati. Dresden. 24 M. 
Bauber, A., Lehrbuch der Anatomie des Menschen. 4. Autl. 

Leipzig. 7 M. 
Bauff, H., Untersuchungen ber die Organisation und syste- 

niatliische Stellung der Receptaculitiden. Mnchen. 5 M. 
Beyer, E., Geologische und geographische Experimente. Leipzig. 

1,80 M. 
Sahlberg, J., Einige nordische Alterationen der Schmetterlings- 
gattung Argynnis Fabr. Berlin. 1,60 M. 
Schmidkunz. H., Der Hypnotismus in gcmeinfasslicher Dar- 

stellun;;. Stuttgart. 3 M. 
Scknellinger, J., Fnfstellige Logarithmen fr die Zehner- 
Logarithmen der natrlichen und trigonometrischen Zahlen. 

Wien. 3 M. 
Schutt, F., Das Pflauzenleben der Hochsee. Kiel. 10 M. 
Seebach, K. v., Ueber Vulkane Centralamerikas. Gttingen. 

26 M. 
Simroth, H., Einige Punkte aus der Oekonomie des Weichthier- 

krpers, ein Capitel ber Constitution. Leipzig. 0,75 M. 

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Rechnung. 6. Aufl. 0,50 M. 
Tscherski, J. D., Beschreibung der Sammlung posttertirer 

Sugethiere. Leipzig. 
Vanhffen, E., Die Akephalen der Plankton-Expedition. Kiel. 

8 M. 
Vega's, G., Frhr. v.. Logarithmisch-trigonometrisches Handbuch. 

74. Aufl. Berlin. 4,20 M. 
Velenovsky, J., Neue Nachtrge zur Flora von Bulgarien. Prag. 

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Weichold, G., Lehrbuch der Determinanten und deren An- 
wendungen. Stuttgart. 10 M. 



Inhalt: Prof. Dr. 0. Kirchner: Christian Konrad Sprengel, der Begrnder der modernen Blumentheorie. Obi-rfrster R. Ritt- 
meyer: Ueber die Nonne (Liparis monaeha.) (.Schluss.) (Mit Abbild.) Beobachtung der Andromediden am 23. u. 27. No- 
vember 1892. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Dr. Eugen Dreher: Der Materialismus. August Weismann: 
Die Kontinuitt des Keimplasmas. H. Eck: Geognostische Beschreibung der Gegend von Baden-Baden, Rothenfels, Gerns- 
bach und Herrenalb. R. von Sterneck: Die Schwerkraft in den Alpen und die Bestimmung ihres Werthes fr Wien. 
P. Volkmann: Vorlesungen ber die Theorie des Lichtes. A. Engler und K. Prantl: Die natrlichen Pflanzenfamilien. 
Sitzungsberichte der Knigl. Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Liste. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. 



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Redaktion: f Dr. H. Potonie. 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 



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Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 ^. Grssere Auftrge ent- 
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bei allen Annocenbureaux, wie bei der Expedition. 



Abdrnck ist nur mit vollstndiger (^nellenangabe gestattet. 



Christian Konrad Sprengel, der Begrnder der modernen Blumentheorie. 



Von Prof. Dr. U. Kirchner. 
(Schluss.) 



beeug"te Verhltnisse 



Theologie und Philologie gewidmet haben. 



lieber die Lebensschicksale des merkwrdigen Jlannes 
besit7.cn wir nur ziemlich sprliche Nachrichten*). Geboren 
wurde Christian Konrad Sprengel im Jahre 1750 zu 
Brandenburg a. H. als Sohn eines Geistlichen. Sein Ju- 
gendlcben spielte sich im elterlichen Pfarrhause ab, und 
hier bot sich ihm Gclegenlieit, die Natur beobachten und 
lieben zu lernen; nur widerwillig soll er sieh dem durch 
ihm aufcedrns'ten Studium der 

Von 1774 
bis 1780 war er als Lehrer an der Schule des Grossen 
Friedrichs-Hospitales in Berlin angestellt, wobei er zu- 
gleich Unterricht an der kniglichen Ecole inilitaire er- 
theilte. Am 25. April 1780 wurde er auf Empfehlung 
eines Professors Zierlein am grauen Kloster als Reetor 
an die Grosse Schule (jetzt Gymnasium) nach Spandau 
berufen, nachdem er am 20. Mrz seine Probeleetion ge- 
lesen hatte. Er hielt, wie uns berichtet wird, eine An- 
trittsrede von dem Nutzen der griechischen und latei- 
nischen Sprache grndlich und mit Beifall." In dieser 
Stellung verblieb Sprengel bis zum Jahre 1793, unter 
vielen Widerwrtigkeiten, welche durch Streitigkeiten mit 

*) Als Quellen zu der -folgenden biographischen Skizze 
dienten ausser Sprengels eigenen Schriften: 1. Erinnerung an 
Christian Konrad Sprengel, nebst einigen Bemerkungen aus seinem 
Leben. Von H. B. in der Flora, Bd. 2. 1819, S. .541 552. 2. Wort- 
getreue Auszge aus dem im Besitze der St. Nieolai-Kirelie zu 
Spandau befindlichen, von dem ehemaligen Inspector (d. i. Super- 
intendent) D. F. Schulze (gestorben 1811) herrhrenden Manuscript : 
Zur Beschreibung und Geschichte der Stadt Spandau gesaumielte 
Materialien". Diese Auszge Hess die Redaetion der Naturw. 
Wochenschr." anfertigen und stellte sie dem Verf. zur Verfgung, 
der Herrn Dr. Potonie nicht hur aus diesem Anlass, sondern auch 
fr die sonstige von ihm im Intex-esse des vorliegenden Aufsatzes 
aufgewendete Midie und fr nuinche werthvolle Anregung seinen 
vi'rbindlichsten Dank ausspricht, (Die Auszge aus dem Schulze- 
scheri Manuskript werden 'in der ,,Naturw. Wochenschr." zur Ver- 
ffentlichung gelngen. Red.) 3. Schriftliche Mittheilungen 
von Seiten des Herrn Forstmeisters Sprengel in Bonn, dessen 
Nachforschungen nach biograiihischem Material- indessen leider 
von geringem Erfolge waren. Aucli ihm spreche ich an dieser 
Stelle meinen besten Dank aus. . - 



seinem kirchlichen Vorgesetzten, einem Inspector (d. i. 
Superintendent) Schulze, und durch Beschwerden von 
Eltern, die ihre Shne von dem Schulreetor zurckgesetzt 
und niisshandelt glaubten, veranlasst wurden. Von diesen 
Streitigkeiten ist eine sehr ausfhrliche Schilderung aus 
der Feder Schulze's in dem schon erwhnten Manuscript, 
der sogen. Schulze'seheu Kirchenchronik, enthalten, in 
welcher natrlich Sprengel in einem wenig gnstigen 
Lichte erscheint; es geht aus der Darstellung hervor, dass 
letzterer es einerseits mit einem sehr wenig wohlwollenden 
Vorgesetzten zu thun hatte, andererseits aber wohl auch 
durch uunthigcn Eigensinn und durch Uebereilungen 
selbst mancherlei Schwierigkeiten bereitete. Sprengel 
scheint brigens in Berlin einflussreiche Gnner gehabt 
zu haben, bei denen er sich Eatbs erholte, und die ihn 
gegen die einseitigen Berichte Schulze's in Schutz nahmen; 
so viel ist sicher, dass seine amtliche Thtigkcit im Ver- 
laufe der vielfachen Anklagen, Berichte und Entschei- 
dungen des Oberconsistoriums in Berlin mehrfach aus- 
drcklich anerkannt wurde. Wenn ihm also auch eine 
Vernachlssigung seiner Amtspflichten nicht direct nach- 
gewiesen werden konnte, so hat er sich doch oft'enbar 
sptere eigene Aeusserungen von ihm besttigen das 
um Zeit fr seine botanischen ntersuchunge n zu ge- 
winnen, auf das unbedingt Nothwendige beschrnkt. So 
lehnte er es auch dies war ein Anlass zu vielen 
Zwistigkeiten jahrelang mit gleicher Entschiedenheit 
ab. Privatstunden zu ertheilen, was frher immer blich 
gewesen war, und wozu man ihn durchaus wieder ver- 
anlassen wollte. Seine Stellung war nicht gerade gln- 
zend, aber fr die damaligen Zeitverhltnisse und fr 
einen unverheiratheten Mann, wie Sprengel es gewesen 
und geblieben zu sein scheint,*) auch nicht schlecht; er 

*) In dem Aufsatz in der Flora heisst es (S. 54-i): Verhei- 
rathet ist er, soviel ich weiss, niemals gewesen." Herr Forst- 
meister Sprengel schreibt: Es ist mir nicht gelungen, festzustellen, 
ob er verheirathet gewesen ist; Kinder sind aus einer etwaigen 
Ehe nicht hinterblieben." 



112 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 12. 



bezog- anfnglich etwa 260 Tlialer baar, besserte .sich 
aber im .Jahre 1791 durch ein dem Keetoramt zugefallenes 

auf 



Legat so auf 



dass sich seine sichere Einnahme" 



402 Thlr. 20 Gr. belief. Dabei hatte er in der Woche 
nur 13 Stunden Unterricht zu ertheilen; erst zu Beginn 
des Jahres 1792 wurde ihm auf unermdliches Betreiben 
Schulze's zur I'rticht gemacht, (J hStuuden mehr zu geben, 
und nun hatte er zu unterrichten : i\ Std. Latein in der 
oberen, 2 Std. Latein iu iler combinirten o. und 4. Classe, 
2 Std. Religionsunterricht, 1 Std. Naturgeschichte, 3 Std. 
Deutsche Sprache, o Std. Rechnen und Mathematik, 2 Std. 
Franzsisch. (Tclegentlich dieser Vorschrift bemerkt sein 
Vorgesetzter und Gegner mit merklichem Aerger: es sei 
Sprengel iu dem Rescript so sanft begegnet worden, dass 
sogar seine dem OberschulcoUegio hinlnglich bekannte 
Geschicklichkeit gerhmt worden". ludessen hrten die 
Znkereien nicht auf, und 1798 setzte Schulze endlich die 
Pensionirung des jhzornigen und eigensinnigen Mannes", 
wie er ihn nennt, durch. Dieselbe erfolgte definitiv am 
26. August 1794 mit einer Pension von 150 Thlr. Es ist 
also keineswegs richtig, wenn spter in dem Bericht in 
der Flora, und danach in anderen Lebensbeschreibungen 
Sprengel's, erzhlt wird, er sei wegen Vernachlssigung 
seiner Amtsptiichten ber seinem Eifer fr die Botanik 
seines Amtes entsetzt worden. 

So unerquicklich verlief der Aufenthalt Sprengel's in 
Spandau in amtlicher Hinsicht, dass er es spter vermied, 
auch nur von dem Orte zu sprechen, an dem er seine bota- 
nischen Studien begonnen, und wo er die lange Reihe seiner 
Entdeckungen gemacht hatte. Die Anregung zur Be- 
schftigung mit der Botanik verdankte er dem berhmten 
Arzte Ernst Ludwig Heim, welcher 17751783 in Spandau 
lebte; also nuiss wohl Spreugel bald nach seiner Ueber- 
siedeluug dorthin (1780) sich der Botanik zugewendet 
haben. Spter mag ihm das nahe Berlin litterarische 
Hilfsmittel, sowie Belehrung durch persnlichen Verkehr 
geboten haben. Der bekannte Geschichtsschreiber der 
Botanik, Kurt Sprengel, einer der hervorragendsten Bo- 
taniker seiner Zeit, war sein Neffe, und mit diesem nur 
um 16 Jahre jngeren Manne drfte der (Jheim wohl auch 
in wissenschaftlicher Verbindung gestanden haben. 

Nach seiner Pensionirung wohnte Sprengel in Berlin; 
verbittert durch die Spandauer Streitigkeiten und durch den^ 
Misserfolg seiner botanischen Untersuchungen zog er sich auf 
sich selbst zurck, und beschftigte sich mit philologischen 
Arbeiten, ohne jedoch auf die Fortsetzung seiner Beobach- 
tungen ber die Bestubungseinrichtungen der Blthen zu 
verzichten. Zur Verbesserung seiner Einnahmen ertheilte er 
Unterricht in Sprachen und in Botanik, und stellte Sonn- 
tag Vormittags gewhnlich Excursionen an, woran Jeder- 
mann gegen 2 3 Gr. fr die Stunde theilnehmen konnte. 
In der letzten Zeit seines Lebens, von 1809 an, wohnte 
er am Hausvoigteiplatz in einem Hintergebude; einer 
seiner frhereu Schler, die ihn dort bisweilen aufsuchten, 
entwirft in der Flora (a. a. 0.) eine anziehende Schil- 
derung des Mannes und seiner Umgebung, und da sie, 
mit liebevoller Anhnglichkeit an den Vereinsamten ver- 
fasst, fr uns zugleich die einzige eingehendere Charakte- 
ristik desselben enthlt, so soll einiges daraus zum Schlsse 
hier Platz finden: 

Ich fand ihn jedesmal in einem alten Schlafrocke 
mit der Nachtmtze und einer langen Pfeife, die Stube 
wie eine Rauchkammer mit Tabakswolkeu augefllt. Er 
sass gewhulich am Fenster, bei einem Buche, oder bei 
seinem ausgelegten Herbario. Ein Repositorium mit 
Bchern, seine Pflauzensammluug und einiges alte Haus- 
gerthe machten den Inhalt des Zimmers aus, welches mit 
dieser Ausstattung gegen das Aeussere seines Bewohners 
gerade nicht abstach. Von Gestalt war Sprengel wohl- 



gebildet, mehr gross als klein, hager und stark von 
Knochenbau. Sein Gesicht war ausdrucksvoll, die Farbe 
frisch, das Auge lebhaft. Das vor Alter ins Graue gehende 
Haar trug er unbesehnitten, frei um die Schultern hngend. 
Sein Gang war aufrecht und fest, er ging ziemlich schnell 
und, trotz seinem Alter, ohne auszuruhen halbe Tage lang. 
Er war massig und einfach in seiner Kost, mehr aus 
Sorge fr seine Gesundheit, als aus wirklichem Mangel, 
der ihn, wie sich nach seinem Tode gezeigt hat, mehr in 
seiner Bedenklichkeit wegen der Zukunft, als in der 
Gegenwart gedrckt haben mag. Er trank damals nichts 
als Wasser. Einfach, wie in der Lebensweise, war er 
auch im gesellschaftlichen Betragen. Er wusste nichts 
von Schmeicheleien und war selbst mit den gewlmlieheu 
Hfliehkeitsausdrckcn nicht freigebig. Er sprach, was 
er dachte, schnell und offen heraus, und da sein Geist 
leicht in jedes Wesen eindrang, Wahrheit aljer ihm ber 
alles ging, so musste das, was er sprach, oft hart an die 
durch Tuschungen verw(ilmte Welt anstossen. Er nahm 
keine Meinung unbedingt, und nichts auf blossen Glauben 
an, auf seine eigenen Ansichten verliess er sich mehr, 
als auf jede fremde, sie mochte sein, von wem sie wollte; 
was ihm eiumal recht schien, behauptete er hartnckig 
und bis zur Leidenschaft. So geschah es, dass er den 
Vorwurf der Grobheit und Halsstarrigkeit auf sich lud, 
und nach und nach von allen gelehrten Freunden ver- 
lassen wurde. Im Ueberdrussc der Streitigkeiten und viel- 
leicht auch aus verstecktem Stolze vermied er nun selbst 
allen Umgang mit der gelehrten Welt, und zog sich in 
sein finsteres Zimmer zu philosophischer Ruhe zurck. 
Von der Zeit an lebte er unbemerkt und ungenannt, nur 
von Wenigen gesehen und von wenig Schlern benutzt. 
Diese Wenigen aber erinnern sich seiner mit Liel)c; denn 
sie verdanken ihm viel. Sein mannigfaltiges Wissen war 
ihnen eine reiche Quelle, sein eigenthmlicher Charakter 
in vieler Hinsicht ihr Vorbild, wie auch oftmals ihre ge- 
heime Lust und Freude. Er lebte in einer seltenen 
liebenswrdigen Unschuld des Herzens, seine Sitten waren 
aus einem vergangenen Jahrhundert, sein Geist gehrte 
fr ein knftiges; bei dieser Verfassung konnte ihn kein 
besseres Schicksal treffen. Er stand, anstssig fr die 
Welt, unleidlich fr den Gelehrten, ohne Verbindung und 
Geuuss, als Einsiedler unter seinen Zeitgenossen da." 

Dieser lieltevollen Charakterzeichnung muss der 
wahrheitsgetreue Berichterstatter noch hinzufgen, dass 
Sprengel offenbar den richtigen Entdeekerstolz besass; 
dieser verrth sich neben vielen Wendungen in seinen 
Schriften schon durch den Titel seines Hauptwerkes, und 
nicht minder durch das Motto, welches er vor seine Ab- 
handlung ber die Ntzlichkeit der Bienen setzte, den 
Ovidischen Vers: 

Magna, nee ingeniis evestigata priorum, 
Quaeque diu latuere, canam. 

Sprengel starl) am 7. April 1816 in vlliger Ver- 
gessenheit; nicht einmal wo er begraben wurde, hat sich 
feststellen lassen. Botanischer Sitte gemss ist sein Name 
der Nachwelt in einer Pfianzengattung berliefert, indem 
J. E. Smith i. J. 1794 eine in Australien einheimische 
Epacrideen-Gattung Sprengelia nannte*). Aber auch ohne 
dies wird er in der Geschichte der Botanik unvergessen 
bleiben, denu seine Saat ist, wenn auch spt, aufgegangen, 
und trgt jetzt tagtglich neue Frchte. 

*) Zwar bemerkt Pfeiffer (Nomenciator botanicus. Bd. II. 1874. 
S. 1251) bei der Gattung Sprengelia: Dicat. Curt. Sprengel, prof. 
Halensi", jedoch drfte dies auf einem Irrthume beruhen, da das 
erste Werk botanischen Inhaltes von Kurt Sprengel, der 17S)4 erst 
28 Jahre alt war, aus dem Jalire 1798 stammt. In der Sache 
richtiger ist die Angabe von Pritzel (Thesaurus Lit. bot. 1872. 
S. oOo), welcher hinter dem Namen von Ch. K. Sprengel als diesem 
dedicirte Gattung Sprengelia Batach" anfhrt. 



Nr. 12. 



Naturwisseiischaftliolie Wochenschrift. 



113 



Professor Dr. K. A. Ijosseii f. Vor wenigen 
Taigen hat wiederum der Ttid dem leider zu kurzen Leben 
eines deutsehen Oclelirten ein Ziel gesetzt. Der Knig], 
preuss. Landesgeologe Professor Dr. Karl August Lossen 
ist am 24. Februar nach lngerem schweren Leiden in 
Berlin gestorben. In erster Linie betrauert die Knigl. 
geolog. Landesanstalt und Bergakademie den unersetz- 
lichen Verlust ihres langjhrigen treuen Mitarbeiters und 
Docenten; aber auch die Friedrich -Wilhelms -Universitt, 
deren Lehrkrper Lossen seit zwei Decennien als Doeent 
fr Geologie und Pctrographie, seit sieben Jahren als 
ausserordentlicher Professor angehrte, verliert in ihm 
ihrer bedeutendsten Lehrer einen. Kaum mchte wohl 
ein Gelehrter bi'i allen denen, welche dt'U Vorzug ge- 
nossen, mit ihm in nhere Berhrung zu konmien, eines 
treuen Angedenkens so sicher sein, wie der Dahinge- 
schiedene ! 

Karl August Lossen entstammt einer weitverzweigten 
Gelehrtenfamilie; ein Bruder von ihm ist der bekannte 
Professor der Chemie in Krmigsberg, ein andert'r ist 
Historiker und Sekretr der Mnehener Akademie der 
Wissenschaften, ein dritter Jurist in Strassburg etc. Lossen 
wurde geboren am 5. Januar 1841 zu Kreuznach, wo sein 
Vater Jlcdicinalrath war. Nach absolvirter Schulzeit wid- 
mete er sich dem Bergfach, das er dann spter verliess, 
um sich der Geologie, speeiell der Pe(rograj)liie zu- 
zuwenden. 

Im Jahre 1807 promovirte Lossen bei der iiliiiosophi- 
schen Facultt der Universitt Halle auf Grund seiner 
Arbeit De Tauni montis parte transrhenana". 

Im Harz, als dessen erster Kennei- er unbestritten 
dasteht, hat er bereits als Student unter Beyrich seine 
ersten geologischen Aufnahmen in der Gegend von Ilfeld 
gemacht. Mit der Erforschung des Harzes wurde er auch 
im Jahre 1872 bei seinem Eintritt in die Kiinigl. i)reussi- 
sclie geologische Landesanstalt von Seiten der Direction 
beauftragt. Dieser Aufgabe hat er all die Jahre mit so 
unermdlichem Eifer obgelegen, dass er im Harz eine 
volksthmliche Persnlichkeit geworden ist, die fast jedes 
Kind keimt. Eine schne Frucht dieses Schattens ist 
seine Geognostische Ucbersichtskarte des Ilarzgebirgcs 
(1 : 100,000)", die er unter der bescheidenen Bezeichnung 
zusammengestellt nach den Aufnahmen der preussischcn 
geologischen Laudesanstalt und lteren geologischen Karten 
von K. A. Lossen" der Oettentlichkeit bergab, die aber 
zum weitaus grssteu Theil sein eigenstes geistiges Eigen- 
thum reprsentirt. 

Hier im Harz machte Lossen auch seine Beobach- 
tungen, welche eine neue Richtung in der Gesteinskunde 
veranlassten. Er ist der Begrnder der Dynamonietamor- 
phose, die den Einfluss der niechanischen Krfte auf die 
Structur der Gesteine zum Vorwuif hat. Er lieferte zuerst 
den Nachweis von Ditt'ereuzirung in den Gesteinsniagmen. 
Er warf die Methoden der Handsteks- und Stuben-Petro- 
graphen ber den Haufen nnd setzte au ihre Stelle die 
Bestimmung der Gesteine nacli ihrer strncturcllen und 
chemischen Beschatt'enheit unter Bercksichtigung der 
Lagerungsformen, 'indem er die verschiedenen Erstarrungs- 
verhltnisse ein und desselben Magmas unter verschiedenen 
Bedingungen studirte. Von einschneidender Bedeutung 
sind ferner seine Studien ber den Verlauf \on Gang- 
spalten und ihre Beziehungen zur Teetonik des Gebirges. 

Dickleibige Bcher hat Lossen nicht gesehrieben, 
aber in einer stattlichen Reihe mehr oder weniger umfang- 
reicher Abhandlungen hinterlsst er der Nachwelt die 
Frchte seiner Forschungen. Die grssere Mehrzahl seiner 
Publicationen findet sich in dem Jalnbuch der Knigl. 
preussischcn geologischen Landesanstalt und Bergakademie, 
in den Berichten der deutschen geologischen Gesellschaft 



und in den Sitzungsberichten der Gesellschaft der natur- 
forschenden Freunde. 

Im Jahre 1879, als es sich zum Zweck der Reini- 
gung und Entwsserung Uerlins" um die geologische Untei'- 
suchung des Berliner Weichbildes handelte , war auch 
Lossen im Auftrage des Magistrats an dieser Aufgabe 
letheiligt. Jener Zeit entstammt seine Arbeit ..Ueber den 
Boden der Stadt Berlin" und die geologische Karte der 
Reiehshauptstadt. 

Im persnlichen Verkehr war dem Verstorbenen seine 
grosse Schwerhrigkeit, die er sich als ganz junger Berg- 
mann in seinem praktischen Jahr zugezogen hatte, leider 
sehr strend; aber weit entfernt von dem Misstrauen, 
welches schwerhrigen Menschen so oft eigen ist, war er 
ein zufriedener, innerlich abgeschlossener Charakter, der 
fr seine Mitmenschen nur freundliches Wohlwollen und 
liebenswrdiges Entgegenkommen kannte. Aus dem reichen 
Schatze seines Wissens schpfend, frderte er in uneigen- 
ntzigster Weise bereitwillig jeilermann, der seinen Rath 
begehrte. 

Ein ganzer IMann, iiat er unter seinen Freunden, 
CoUegen uml Schlern wohl kaum jemanden hinterlassen, 
der je den leisesten Schatten eines Uebelwollens gegen 
ihn gehegt htte. Von einer allgemeinen Unterhaltung 
durch sein Gehrleiden ausgeschlossen, verstand er es 
doch durch sein hervorragendes Redncrtalent bei ernsten 
und heiteren Gelegenheiten alle mit sieh fortzureissen. 

Am 27. Februar wurde Lossen auf dem neuen Kirch- 
hofe der katholischen Mathias-Gemeinde hei Sdende zur 
ewigen Ruhe gebettet. Die oberste Bergbehrde war ver- 
treten; ebenso waren die Angehrigen der geologischen 
Landesanstalt und Bergakademie fast vollzhlig erschienen, 
um dem unvergessliehen Todten die letzte Ehre zu er- 
weisen. Neben den Fahnen der Bergakademie benuM-kte 
man die Fahnen der katholisclien Studentenvereiue Bur- 
gundia" und Aseania", deren Alter Herr Lossen war. 
Im Grossen und Ganzen aber verlief die Trauerfeier 
scidicht und bescheiden, wie der grosse Gelehrte selbst 
im Leben innner war. 

In die Annalen der Wissenschaft ist sein Name mit 
unvertilgbaren Zgen eingetragen und Allen, die ihn 



kannten, wird er unvcrgesslieh sein! 



Dr. H. 



Die niiitheinatiscli-meeliaiiisclie lietraclituiig mor- 
pliologisclier Probleme der Biologie'-') Ijchandelt Dr. 
Hans Driesch in einer besoiuleren, zwar schon 1891 
erschienenen Schrift, deren wichtiger Inhalt uns aber 
veranlasst, noch jetzt auf denselben ausfhrlicher ein- 
zugchen. 

Ueber ein Gedankensystem, welches, ohne ein Wort 
zu viel zu enthalten, in streng geschlossenen Gedaid^en- 
gngen entwickelt ist, lsst sich natrlich nur in der 
Weise berichten, dass man die Hauptpunkte, durch die 
der Gang der Betrachtung seinen Weg nimmt, charakteri- 
sirt. Dies, und zwar mglichst mit den eigenen Worten 
des Verfassers, mge in Folgendem geschehen. 

Die Schrift Driesch's ist eine kritisch-methodologische 
Untersuchung des Forsehung.sgi'bietes der biologischen 
Morphologie, sie stellt sich die Aufgabe, die in der mor- 
phologischen Litteratur niedergelegten Bestrebungen, 
welche sich den Namen mechanisch"" geben, kritisch 
zu vergleichen und ihren Erklrnngswerth zu l)estinnnen." 

I. Vorlufige Uebersicht ber den Gebrauch 
des Wortes mechanisch"". 

Das Wort mechanisch"" ist ein Lieblingsansdruck 
der heutigen Morphologie." Die verschiedenartigsten Be- 



*) Verhig von Gustav Fischer in Jena, 1891. Preis 1,50 Mk. 



114 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 12. 



trachtiingen und Untersuchung'cn suchen sich das Prdicat 
mechanisch" beizulegen: Die Gestaltung- eines ausge- 
bildeten Organismus ist die mechanische"" Folge des 
Keimwachsens nach His; die Phylogenie ist die mecha- 
nische"" Begi'udung der Ontogenie nach Hckel" etc. etc. 
Was haben aber diese beiden Dinge, die Phylogenie 
und das Keimwachsthum, Gemeinsames, als dass sie eben 
beide als Ursachen eines anderen Vorganges aufgefasst 
werden?" 

Was zunchst das Mechanisch" der Darwinisten an- 
betrifft, so liegt es auf der Hand, dass dies lediglich 
als Gegensatz zu metaphysischen Erklrungspriucipien, 
zu Eingriffen einer schpferischen Gewalt u. s. w. gemeint, 
aber durchaus kein streng forniulirfer Begriff ist. Nur 
das principiell Nichtmeclianisclie"" soll eliminirt wer- 
den." Hckel meint also, die Phylogenie erklre die 
Ontogenie, insofern beide berhaupt uaturgesetzlich 



zusammenhngen." 



Angesichts der Bedeutung dieses Be- 



strebens knnen wir einige Unklarheiten des Ausdrucks 
schon mit in Kauf nehmen." Das Gesagte berechtigt uns 
aber, den Begriff des Mechanischen"" in der land- 
lufigen unbestinmiten Fassung der Darwinisten im Fol- 
genden nicht weiter zu bercksichtigen." 

Nach Vorausschickung dieser Abrechnung geht Driesch 
zu einer vorlufigen, kritisch-skizzirenden Aufzhlung der 
verschiedenen Anlsse ber, in denen Forscher in be- 
stinnnterer Weise von mechanischer Auffassung morpho- 
logisciier Vorgnge geredet haben". Von dieser vorlufigen 
Aufzhlung wollen wir nichts weiter sagen, da wir ja 
nachher ber die Resultate der speciellen Errterung der 
verschiedenen mechanisch- morphologischen" Unterneh- 
mungen zu berichten haben. 

Dass Driesch in eine solche nhere Betrachtung nicht 
gleich eingeht, motivirt sieh dadurch, dass schon bei der 
flchtigen Orientirung sich herausstellte, dass zwei Begriffe, 
der des Mechanischen" und der des Mathematischen", 
oft nicht scharf genug unterschieden werden. Um die 
wnschenswerthe Klarheit in die Situation zu bringen, 
empfiehlt es sich daher, vorher Wesen und wissenschaft- 
liche Bedeutung einmal des Mathematischen" und dann 
des Mechanischen" festzustellen. 

IL Ueber den Unterschied zwischen mathe- 
matischer und mechanischer Betrachtungsweise 
und ihr gegenseitiges Verhltniss. 

Alles, was unserer Beobachtung entgegentritt, unsere 
Aussenwelt, ist rumlich. Die Wissenschaft vom Rume 
ist die Geometrie. Raumgrssen sind Grssen; die Geo- 
metrie fllt mit der Analysis zusammen unter den Gattungs- 
begriff Mathematik. Also . . . muss jedes Problem, das 
die Aussenwelt uns stellt, sobald es wissenschaftlich for- 
ruulirt, d. h. endgltig analysirt werden soll, zu einem 
mathematischen Problem fhren; sobald im speciellen 
rumlich Angeschautes als solches zu wissenschaftlicher 
Verarbeitung gelangt, resultirt ein geometrisches Problem. 
Sofern die ^Iorphologie Wissenschaft von Formen ist", 
muss also dies auch auf ihrem Gebiet gelten. Ein Formen- 
problem ist erst dann wissenschaftlich formulirt, wenn es 
geometrisch formulirt ist, d. h. in rumliche Gesetzmssig- 
keit aufgelst." 

Diese auf eine geometrische Aufgabe hinauslaufende 
Formulirung haben wir oben provisorisch als mathe- 
matische Betrachtungsweise bezeichnet. Es ist ohne 
weiteres klar, dass Formulirung und Lsung eines 
Problems zwei verschiedene Dinge sind. Ein 
mathematisch formulirtes Problem ist dadurch 
noch nicht gelst, aber es ist dadurch zur Lsung 
vorbereitet, und umgekehrt an eine Lsung kann 
ohne diese Formulirung nicht gedacht werden." 
Ehe ein naturwissenschaftliches Problem end- 



die Eigenschaften der Gase 



.Mecha- 



zu 
die 



gltig exact naturgesetzlich, d. h. eben mecha- 
nisch, gelst werden kann, muss es vorher scharf, 

;d. h. mathemathisch formulirt sein. 

' Die Wissenschaft, xcn' i'ioxrjv, die Physik, ist im 

Stande gewesen, gewisse Fundamentalstze des Natur- 
geschehens aufzustellen , auf die sich eine grosse Zahl 
aller Geschehnisse bereits hat zurckfuhren, und umge- 
kehrt, aus denen sie sich hat ableiten lassen, whrend 
diese Stze selbst elementar sind. Naturgemss haben 
sie ein mathematisches Gewand. Man bezeichnet bekannt- 
lich die Summe dieser Grundstze nebst dem unmittelbar 
aus ihnen Deducirbaren mit dem Worte Mechanik"". 
Man nennt ein wissenschaftliches Problem gelst, wenn 
es, nachdem mathematische Analyse vorhergegangen, bei 
gewissen Voraussetzungen auf mechanische Stze zurck- 
gefhrt, als Folge von ihnen dargestellt ist. Es ist daim 
mechanisch erklrt. Fr 
z. B. leistet dies die kinetische Gastheorie." 

In der Gestalt, wie uns der Begriff des 
nischen"" als mechanische Erklrung irgend welchen 
Naturgeseheheiis jetzt vorliegt, knnen wir ilin jedoch 
fr unseren Zweck noch nicht verwcrthen aus dem ein- 
fachen Grunde, weil in diesem erschpfenden Sinne noch 
Niemand morphologische Probleme mechanisch be- 
trachtet"" hat. Das Leben als Ganzes meciianisch 
erklren, hat begreiflicherweise fast keiner versucht, 
schweige durchgefhrt." 

Wohl aber hat es nicht an Forschern gefehlt, 

gewisse Seiten des morphologischen Geschehens mecha- 
nischen Gesichts])uid\fen unterstellt haben. Wie definiren 
wir kurz die hier gebte Betrachtungsweise? Wir wollen 
eine lngere Discussion der unschwer zu fassenden Be- 
griffe unterlassen und in Zukunft unter mechanischer Be- 
trachtungsweise im engeren Sinne verstehen: den Nach- 
weis, dass irgend eine Erscheinungsgruppe innerhalb eines 
Problems nichts ihm speeifisch eigenthmliches ist, viel-, 

mehr bei gewissen Voraussetzungen als Ausdruck physi- 
kalisch bekannter Ursachen sich darstellt." 

III. Morphologisches in der Physik. 

Bevor Driesch in die specielle Betrachtung der bio- 
logisch - morphologischen tlnternehmungen mathematiscli- 
mechanisehen Charakters eingeht, widmet er sich noch 
einer Umschau, 
Physik gbe. 

Es kmen hier die Gebiete der Statik starrer und 
flssiger Krper in Betracht. Die Gleichgewiehtsbedin- 
gungen starrer Krper finden ihren Ausdruck in der 
Krystallographie, diejenigen flssiger Krper finden 
ihn in der Lehre von der Oberflchenspannung. 
Diese beiden Gebiete physikalischer Forschung sind es, 
die man vielleicht mit Recht als anorganische Mor- 
phologie bezeichnen knnte." 

Was die Krystalle anlangt, so fln-t ihre theoretisch- 
physikalische Analyse trotz ihrer hohen Vollendung eigent- 
lich l)er eine geometrische Formulirung niciit weit hin- 
aus; wenn auch gezeigt wurde, dass sie als Gesammtheit 
der Ausdruck der mglichen regelmssigen Punktsysteme 
sein mgen, so ist doch die Erkenntniss der Nothwendig- 
keit irgend eines dieser Systeme fr einen bestimmten 
Stoff nach dem Begrnder genannter Theorie, Sohncke, 
zur Zeit ein Problem hiiherer Ordnung""; hinsichtlich 
der Gesetze der Oberflchenspannung und der durch sie 
bedingten Gestalten (Plateau) hat man bezglich der 
Zurckfuhrung ihrerUrschlichkeit auf allgemeine Mechanik 
wohl einen gengenden Einldick erlangt." 

. Diesem Hinweis, dass der Formbegriff auch in der 
Physik eine Rolle spielt, knpft Driesch eine Betrachtung 
an einerseits ber das Verhltniss dieses Fornd)egriffs zur 



ob es auch Morphologisches in der 



Nr. 12. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



115 



iil)rij;-cu l'hysiiv, andererseits ber eine etwaige Bezieiiuni;- 
der biologischen Morphologie zur physikalischen Form". 

Nun geht Driesch zu seiner Hauptaufgabe ber: 

IV. Specielle Betrachtung der wichtigsten 
Gebiete der mathematisch- mechanischen Mor- 
phologie. 

A. Die Promo rphologie (Ilckel, Generelle Mor- 
phologie, Berlin 1866, Bd. I, Buch IV: Generelle Pro- 
morph(dogie). 

Hckel hat bekanntlich im ersten Bande seiner gene- 
rellen Blorphologie den Versuch gemacht, die Formen aller 
Lebewesen, und zwar nicht nur ihre ussere Kr])erform, 
sondern den ganzen Ausdruck ihrer Organisation, nach 
stereometrisehen Gesichtspunkten, nach Synnnctricprincipien 
zu ordnen, oder vielmehr, dieselben stereonu'trischen Ge- 
bilden zuzuordnen." Die Hckel'schc Promorphologie ist 
ein ausgezeichnetes Beispiel fr unsere mathematische 
Art der Betrachtung, wie auch gleiciizeitig fr ihre 
Consequenzen. Hckel gie))t eine geometrische Ana- 
lyse; seine Thesen sind daher unzwcifelliaft richtig. Eine 
andere Frage ist freilich die, ob Hackers mathematische 
Formulirung die Vorbereitung einer meclianischcn Be- 
trachtungsweise ist." Da die lebenden Kiirper die Eigen- 
schaften, welche den Stoft' der Promorphologie bilden, mit 
jedem Angeschauten theilcn, da sie Bedingungen der 
Anschauung sind, da ferner die Thatsachcn der Morpho- 
logie uns lehren, welch unendliche Mannigfaltigkeit sich 
bei Pflanzen und Thiercn in diesem nothwendigen usseren 
Rahmen al)spielt (im Gegensatz zu den Krystallcn), so 
folgt ohne Weiteres, dass Hckel's Promorphologie, ob- 
wohl, wie gesagt, unanfechtbar richtig, fr mechanische 
Erkenntniss, da sie das Wesen der organischen Formen 
nicht trifl"t, unbrauchbar ist. Mathematische Formulirung 
allein macht eben noch nicht den erklrenden Werth einer 
Betrachtung aus." 

B. Die Gelenkmechanik. Die sogenannte Ge- 
lenkmechanik" thciit den rein formalen Charakter des 
Gesichtspunktes in gewissem Grade mit der Promorpho- 
logie: Die Aufgabe, aus gegebener Gestalt der Gelenk- 
flchen nnd der Art und Weise ihrer Verknpfung den 
Bewegungsbereich beider Skeletstcke zu bestimmen, ist 
durchaus mathematischer Natur. Letzterer ist mit ersteren 
Factoren zugleich schon gegeben; beide sind eigentlich 
ein verschiedener Ausdruck fr dieselbe Sache. Die geo- 
metrische Darlegung der Gelenkflehenverhltnisse und 
diejenige des 8treiehungsbereiches der in ihnen sich be- 
rhrenden Skelettheile sind also identisch hinsichtlich ihres 
bcgritflichen Werthes, die eine, wie gesagt, eine blosse 
Unn-echnung der anderen. Beide sind mathematische 
Formulirungen, zielen aber nicht auf eine mechanische 
Erklrung in unserem Sinne ab was sollte auch auf 
diesem Wege erklrt werden?" 

Auch die Gclenkmechanik wre sonach erledigt, 
und wir knnen uns jetzt solchen Bestrebungen zuwenden, 
durch die eine, wenn auch beschrnkte, mechanisclic Er- 
kenntniss morphologischer Verhltnisse bereits erreicht ist." 

C. Die Zellnetze. 

Das Sachs'sche Princip" (Die Anordnung derZellen 
in jngsten Pflanzentheilen" und .,Zellenanordnung und 
Wachsthum"; Arl). a. d. bot. Inst. Wrzburg, l'.d. II.) der 
r e c h t w i n k 1 i g e n S c h n e i d u n g der Z c 1 1 w n d e erweist 
sich als ein Versuch auf diesem Ersclieinungsgebiete vom 
Werthe einer mathematischen Fornndirung. 

Es finden sich jedoch noch in grosser Verbreitung 
Abweichungen (Befunde nach simultanem Zellenzerfall: 
Pollennnitterzellen z. B., Auftreten des Zwischenstcks", 
wo vier Zellwnde in einer Kante zusammenstossen sollten, 
die Umlagerungen beim sog. gleitenden Wachsthum etc. etc.) 



von demselben. Das Verdienst, die "(Sac]is'sehe) 
Regel und die Ausnahmen "(von derselben) unter den- 
selben Gesichts|)unkt gebracht zu haben, indem sie das 
Princip der kleinsten Flchen als die Bildung der 
Zellnetze leitend nachwiesen, gebhrt Bertiiold" (Studien 
ber Protoplasmamechanik, Leipzig 1886, Capitel VII: 
Theilungsrichtungen und Theilungsfolge) und Errera" 
(Sur nne condition fondamentale d'equilibre des eellules 
Vivantes, Bull. d. seanees d. 1. Socicte beige de micro- 
scopie, t. XIII, No. 1, 1886.). Indem diese Forscher aber 
ferner die Ergebnisse der Plateau'sehen Forschungen an 
Flssigkeitslamellen, deren Anordnung in den sogenannten 
Schaumgeweben von demscllien Gcstaltungsgesetze be- 
herrscht wird, zum Vergleiche heranzogen, sind sie von 
blosser Formulirung zur Anbahnung mechanischen 
Verstndnisses fortgeschritten." Die Verschiebung 
der Zellwndc emilich in trajcctorisehen Kurven 
hat Schwenden er (Ucber die durch Wachstlium bedingte 
Verschiebung kleinster Tiieilchcn in trajcctorisehen Kurven, 
Sitz.-Bcr. d.^Bcrl. Akad. d. Wiss., 1880) als nothwendig 
nachzuweisen unternommen, als folgend aus der analyti- 
schen Untersucliung des ungleich vertheiUen radialen 
Wachsthums im allgemeinen. Indem im Verlaufe dieses 
jeder Raumtheil trajeetorische Kurven beschreibt, ist die 
Verschiebung der Zellwnde in solchen nur ein besonderer 
Fall. Die Sciiwendcner'sche Leistung ist der L('isung einer 
Aufgabe aus der analytischen Mechanik zu vergleichen. 
Die Trajectoricn sind der geometrische Ausdruck des 
Wachsens, letzteres involvirt erstere; ein hnliches Vcr- 
hltuiss, wie wir es bei der Gelenkmechanik errirtcrten, 
folglieh eine begrifflich wesentlich anderswerthige Leistung 
als diejenige Berthold's. Schwendener hat eine 
mathematische Formulirung fr das Wachsthum 
im allgemeinen gegeben; die Zellwandfrage wird durch 
seine Ausfhrungen nur insofern berhrt, als diese Wnde 
auch wachsende Raumtheile sind." 

D. Goette's Formg-esetz (Entwickelungsgeschichte 
der Unke. Leipzig, 1875). 

Die Zerklftung des todteu"" Eies soll nach Goettc 
durch den Einfluss von Dift'usionsstrmnngen, die zwischen 
der umgebenden Flssigkeit und den gelsten Eiweiss- 
substanzen des Dotters stattfinden und durch den ex- 
centrisehen Aufbau des Eies .synnnetrisch geregelt werden, 
bewirkt sein. Die Einkerbung ist das Zeichen einer dureii 
eben diese Strme bedingten Modification in der Vertheilung 
der Oberflchenspannung. Der ganze weitere Verlauf 
der Furchung fhrt sicli cl)enfalls auf Diffusionsstrme in 
geregelter Weise zurck, er steht immer noch in, wenn 
auch weiterer, Abhngigkeit von dem anfnglichen ex- 
centrischen Aufbau des Eies. Diese Abhngigkeit jedes 
Stadiums von allen vorhergehenden, damit, wenigstens in 
gewissem Grade, vom Ganzen, zieht sich nun durch den 
ganzen Process der Ontogenese hindurch, sich immer mehr 
und mehr specialisirend und complicirend. Die Ursache 
der Entwickclung, zu der die Wechselwirkung mit dem 
Medium veranlassend hinzukam, war der excentrische Ei- 
aufbau, also ein formales Princip; formal sind also auch 
die Ursachen aller weiteren Entwickelung, sie sind keine 
Folge der Natur des Stoffes. Nach diesen Ausfhrun- 
gen knnen wir die Goette'schen Definitionen "(eben seines 
Formgesetzes) verstehen: Die Summe der Bedingungen, 
die weder den Stoff, noch seine Wechselwirkung mit der 
Aussenwelt verndern , dagegen das ]\Iaass und die An- 
ordnung derselben modifieiren und dadurch eben die Lei- 
stung, ruft Entwickelung hervor."" Diese Bedingungen 
heissen: Formbedingungen""; ihr Inbegrift" Form- 
gesetz"". Das Formgesetz ist nie inhrente 
Eigenschaft des Stoffes."" ..Obwtdd sptcM- aus- 
, schliesslich an die Entwickelungserscheiuuugeu und deren 



116 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 12. 



Substrat gebiiden, ist das Formgesetz doch nacli seinem 
Ursprung als ein ansscrbalb desselben verursaebtos und 
vorbereitetes Motiv der Eutvvickeluug anzusehen."" Das 
Wesentlichste an dem ,,,, Formgesetz"" ist die Darlegung 
der causaleii Continuitt der ganzen Entwickclung vom 
I']i an und der Versuch, ihre bekannte physikalische Natur 
nachzuweisen, ihre Aldeitltarkeit aus bekannten Krften. 
In dem verschiedenen Formaufbau der Eier wrde die 
Verschiedenheit der Organismen Ijegrndet sein; nicht, 
wie wohl die herrschende Ansicht ist, in ihrer ditferenten 
stofflichen Natur, wonacli sich der Entwickelungsprocess 
gleichsam als Ausdruck eines chemischen Vorganges dar- 
stellen wrde. ( >b jene Ableitung aus bekannten Krften 
freilich haltbar ist, das ist eine andere Frage, die uns 
hier fern liegt; jedenfalls knnen wir mit Liebmann 
"(Zur Analysis der Wirklichkeit, trassburg 1880),, (ioette 
das Verdienst nicht absprechen: das Problem, die Ent- 
stehung und den Lebcnsprocess zunchst nur eines In- 
di\iduums als nothwendige Folge aus Grundkrften . . . 
abzuleiten, als solches erkannt zu haben."" Was jene 
Ableitung aus bekannten Agenticn betrifft, so ist sie bei 
Goette, im Gegensatz zu den Bcrthold'sclicn Forschungen, 
ganz allgemein gehalten. Indem er sich aus naheliegen- 
den Grnden zur Erkenntniss nur der allgemeinsten Grnde 
liescheidet, wird zugleich die Existenz unbekannter, aber 
nothwendiger besonderer Bedingungen zugestanden, unter 
denen allein aus jenem allgemeinen Grunde die concrete 
Erscheinung hervorgellt."" (Untersuchungen zur Entwicke- 
lungsgeschichte der Wrmer; vergleichender Theil, Ham- 
burg 1884). Goette's Leistung ist schwer mit den vor- 
her besprochenen zu vergleichen. Hat er in geringerem 
Grade als Sachs, Berthold und Scli wendener unseren 
directen Einblick in die mechanischen Principien der 
Formbildnng gefordert, so hat er dafr gleichsam in 
grossen Zgen den Weg vorgezeiehnet, den eine con- 
sequente mechanische Erklrung der leitenden Formen 
vielleicht einst gehen knnte. Ob die nheren An- 
gaben ber diesen Weg dem Sachverhalt entsprechen 
oder nicht, muss die Specialforschung lehren. Goette's 
Leistung geht nicht den strengen Weg physikalischer 
Forschung und Hypothesenbildung, sie ist vor allem eine 
allgemein-philosophische, methodologische Directive." 

E. Die Massencorrelation. His. 

Es handelt sich hier "(His, Unsere Kfirperforni und 
das physiologische Problem ihrer Entstehung, Leipzig 
1874), kurz gesagt, um Wirkungen mechanischen Druckes 
oder Zuges im Verlauf der Entwickclung eines Organis- 
mus, um Agentien, welche zur Erscheinung konnnen, da die 
lebenden Krper zugleich physikalische Krper sind, 
und da sie ein geschlossenes System bilden. Denken wir 
uns, um ein ganz einfaches Beispiel dieser Art heraus- 
zugreifen, eine Blastula, und an entgegengesetzten Orten 
derselben eine Einstlpung nach dem Centrum zu wuchern; 
sobald beide Einstli)ungen sich berhren, werden sie, 
weiteres Wachsthum vorausgesetzt, sich gegenseitig einen 
Widerstand entgegensetzen und einer Bildung (platten- 
artig) den Ursprung geben, die in jeder fr sich nicht 
bestimmt war. Jedes Gebilde ist fr das andere ein 
usseres Agens, obwohl oder eben weil sie demselben 
(geschlossenen) System angehren. Ein Gunnniball, von 
verschiedenen Seiten eingedrckt, wrde dasselbe Ver- 
halten zeigen; beide Erscheinungen sind in der 
Tliat direet vergleichbar." Eine wichtige und 
lehrreiche Illustration der Massencorrelation wird uns durch 
Schwendener's Blattstellungstheorie "(Mechanische Theorie 
der Blattstellungen, Leipzig 1878) gegeben. Wird der 
Ursprung der Blattanlagen am Vegetationsi)unkt als nach 
Zahl und Grsse bestimmt gegeben vorausgesetzt, so zeigt 
uns Schwendener, dass die in den bekannten Spiralen 



ihren geometrischen Ausdruck findende Anordnung der- 
selljcn die Folge gegenseitigen Druckes ist, der durch 
das Geschlossensein des vorliegenden Formsystems be- 
dingt ist. Die Spiralen sind nichts Neues, niclits Spe- 
cifiscbes. sondern etwas durch die Natur des Systems 
aus einem anderen Specifischen mechanisch Folgendes. 
Dass die mechanische Folge hier in klarem geometrischen 
Gewand auftritt, ist wohl wieder eine Folge der Natur 
des Systems." His geht in seinen Betrachtungen aus 
von dem gesetzmssig vertheilten Wachsthum des als 
gleichartige Flche gedachten Keimes. Dieses nach Ver- 
thcilung und jeweiliger Intensitt geregelte, an verschie- 
denen Stellen ungleiche Wachsthum soll vermge der 
Natur des geschlossenen Systems, das der Keim darstellt, 
durch die erwhnte Massencorrelation mit Nothwendigkeit 
den Organismus in Erscheinung treten lassen. Hat die 
Entwickelungsgeschichte fr eine gegebene Form die Auf- 
gabe i)liysiologischer Ableitung durchgreifend erfllt, dann 
darf sie mit Recht von sich sagen, dass sie diese Form 
als Einzelforni erklrt habe."" Die Krperforra wird also 
nach His durch das Keimwachsthum erklrt; sie ist eine 
unmittelbare Folge"" desselben. Sein Bestreben geht 
also 1) auf empirische Feststellung des Wachsthums- 
gesetzes und 2) auf die Ableitung der sich folgenden 
Formen des entstehenden Krjiers aus jenem Gesetz"", 
eben durch Massencorrelation. Bekanntlich theilt His 
mit Goette das Schicksal, auf Grund seiner Anschauungen 

von fast allen Seiten angefeindet, wenn nicht unbeachtet 
gelassen zu sein. Man wirft ihm namentlich vor, dass er 

; hier von dem Erklren"" einer Form sprche aus Ur- 
sachen, die doch selber der Erklrung"" hchst be- 
drftig seien, nndich den geregelten Wachsthumsvor- 

; gangen, die er ohne weiteres als vorhanden annehmen 
soll." Driesch bemerkt hierzu, dass sich, auch wenn man 
hier von einem nheren Eingehen auf den hchst schwan- 
kenden Jiegrifl' des Erklrens" absieht, an der Hand 
eigener Aeusserungen von His zeigen lsst, dass genannte 
Anfeindungen ihr Ziel verfehlen." Wohl nimmt His 
zunchst fr die Ableitung der fertigen Form (eigentlich 
dann eine geometrische Aufgabe) die speeifische Wachs- 
thunisanordnung als gegeben an, wie in entsprechender 
Weise aucli Schwendener; seine vorhergehenden Aus- 
fhrungen zeigen aber aufs deutlichste, dass er hierin nur 
die zunchst liegende unmittelbare"" Erklrung sieht. 
Wenn nach seiner Ansicht in endloser Ferne die Mg- 
lichkeit steht, die Waclistbumsgesetze organischer Wesen 
in Formeln niederzuschreiben"", so scheint mir doch daraus 
evident zu sein, tlass diese mathematische Formu- 
lirung nach seiner Ansicht eine Erklrung des 
Wachsens selbst vorbereiten soll. Wir mssen in 
His nicht nin- den Begrnder einer Art der mechanischen 
Betrachtung, der Lehre von den Massencorrelationen, son- 
dern zugleich auch den Deidicr eines skizzirten Ideen- 
gebudes der mechanischen Morphologie erblicken." 
V. Die mechanische Zweckmssigkeit. 
Die Untersuchungen einer Anzahl von Forschern haben 
uns mit moriihologischen Erscheinungen bekannt gemacht, 
die mit den Erzeugnissen eines Ingenieurs oder Mecha- 
nikers grosse Aehnlichkeit darbieten. Es sind mechani- 
sche Zweckmssigkeiten, Anpassimgen an mechani- 
sche Functionen: Druck, Zug etc., dem zu widerstehen 
ist: Die Mechanik lehrt den Ingenieur gewisse Gesetze 
kennen, die er bei seiner Thtigkeit in Anwendung zu 
bringen hat, wenn er mit mglichst geringem Material 
eine mglichst grosse oder aber bei gegebenem Material 
die grsste mgliche Wirkung (Festigkeit etc.) erzielen 
will. Wenn wir also morphologische Gebilde, die mechani- 
sche Function erfllen, derart "geliaut antreffen, dass sie 
wie der Ingenieur die genannte Minimum -Maximum -Auf- 



Nr. 12. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



117 



gbe lsen, dass sie wie von einer Intelligenz ausgefhrt er- 
scheinen, nennen wir sie mechanisch angeitasst, nieehanisch 
zweckmssig." Es kommen hier also die Sttz-, allge- 
mein Festigkeitseinriehtungen in den Organismen in Be- 
tracht: bei den Thieren, speciell den Wirbelthicren, sind 
dies die Knochen und anderweitige bindegewebige Partien, 
mit der mechaniscli zweckmssigen Structur dieser haben 
uns die Untersuchungen besonders von Hermann Meyer, 
J. Wditf (von diesem Forscher erschien soeben ein diesen 
Gegenstand behandelndes znsaunnenfassendes Hauiitwerk: 
Das Gesetz der Transformation der Knochen, Berlin lb92), 
Roux (vergl. bes.: Beitrge zur Morphologie der funetio- 
ncllen Anpassung. I. Structur eines hoch ditferencirten 
bindegewel)igen Organes [der Schwanzilosse des Delphin]. 
Archiv f. Anat. u. l'hysiol. [His u. Braune], Jahrg. 1883, 
Anatom. Aiitheilg.) bekannt gemacht; bei den l'tlauzen 
ist es das sogenannte mechanische Gewebesystem", dessen 
mechanisch zweckmssigen Bau uns Sehwendener in dem 
grundlegenden Hauptwerk: Das mechanische Priucii) im 
anatomischen Bau der Monocotylen mit vergleichenden 
Ausblicken auf die brigen Pflanzcnklassen (Leipzig, 1874), 
dargelegt hat*). Driesch betont nun mit Recht, dass 
diese mechanischen Zweckmssigkeiten mit den 
morphologischen Befunden, die auf eine mechanische 
Erklrung hindeuten, und deren kritische Betrachtung 
er sich in seiner Schrift zur Aufgabe gemacht hat, nichts 
zu thun haben, von ihnen in Bezug auf ihren Erklrnngs- 
werth principiell verschieden sind. Es ergiebt sich dies 
ja von selbst aus dem Wesensunterschiede der beiden 
Begrifte des Urschlichen" und des Zweckmssigen". 
Betrachte ich eine Erscheinung in Bezug auf die Causal- 
reihe, der sie angehrt, unter causalem Gesichtspunkte, 
so suche ich retrospectiv das vorhergehende Glied der 
Reihe zu bestimmen, durch das sie als von ihrer Ursache 
bewirkt ist; betrachte ich jedoch dieselbe Erscheinung 
unter teleologischem Gesichtspunkte, so beleuchte ich pro- 
spectiv ihr Verhltniss zu dem nchstfolgenden Gliede der 
Causalreihe, das dann als Zweck von ihr als Mittel be-i 
dingt ist. Durch den Nachweis der Zweckmssigkeit 
wird eine Erscheinung nicht erklrt, auf ihre Ursache 
zurckgefhrt, sondern, selbst als gegeben hingenonnnen, 
selber als Ursache, als Bedingung einer causal folgenden 
Erscheinung dargestellt. So gelangen wir auch bei den 
mechanischen Zweekmssigkeitserscheinungen nicht zu 
einer mechanischen Erklrung; wir erkennen ein fr 
Mechanik"", aber kein durch Mechanik"", kein 
nach bekannten mechanischen Gesetzen"". Dieser fun- 
damentale Unterschied, der gerade durch die unglckliche, 
botanische Nomeuclatur auf diesem Gebiete besonders ver- 
dunkelt wird, wird dadurch noch weit bedeutsamer, dass 
die Erkenntniss des mechanischen Zweckes im Gegensatz^ 
zu derjenigen der mechanischen Ursache nicht nur nichts 
erklrt"", sondern im Gegentheil ein neues unge- 
heures Rthsel aufgiebt, dessen Lsung immerhin durch 
die Theorie der functionellen Anpassung und den Kampf, 
der Theile im Organismus von Roux "(Der Kampf der 
Tlieile im Organismus, Leipzig 1881 ) nicht ohne Erfolg 
versucht ist." In dem Abschnitte ber die mechanische 
Zweckmssigkeit" erfllt also Driesch im Wesentlichen 
nur die Aufgabe zu zeigen, dass der in der Ueberschrift 
bezeichnete Gegenstand in den Rahmen seiner Betrachtung 
nicht hineingehrt.**) 



*) Vei-gl. Natm-vv. Woclienscln-." Bd. IV S. 82 ft\ Red. 
**) Wonn Driesch hier das Vurhilltuiss der mechanischen 
Zweckmssiglveit" zu seinem Gegen.stande, der mathematisch- 
mechanischen Betraclitnnti; resp. Erklrung, in khires Licht setzt,; 
so wird hier natrlich keine Herabscitzung des bereclitigten Ver- 
diensti-'S der Anfdeclvinig di>r liierlicr gelirig('n Erscheiiiinigen 
herauszulesen sein. Kef. 



Nachdem dann Driesch in einem kurzen Abschnitt: 

VI. Z n s a m m e n f a s s u n g 
ein Resume der Resultate seiner kritischen UntersncJHmg 
der verschiedenartigen Unternehmen einer mathematisch- 
mechanischen Betrachtung nn)rphologisch-biologischcr Pro- 
bleme gegeben hat, geht er zu seinen 

Sehlussbetrachtungen 

ber. In denselben , ihrem schwerwiegenden gedanken- 
reichen Inhalte nach mchten wir sie entsprechender als 
anderen ilaupttheil der Schrift bezeichnen, stellt er 
einen weiteren Ausblick an, dahingehend, welche Aus- 
sicht die morphologische Biologie habe, sich zu dem Range 
einer exacten, der Physik gleiehwerthigen, Disciplin her- 
auszuarbeiten, und welche Wege hierzu zu verfolgen seien. 
Wir halten diesen Abschnitt in gewisser Hinsicht fr den 
bedeutendsten Theil der Schrift Driescli's. Gleichwohl 
mssen wir es uns versagen, auf seinen Inhalt nher 
einzugehen, denn bei der gedrngten, organisch in sich 
zusammenhngenden Art seines (Tcdankenaulbaues er- 
scheint ein auszugsweises, krzendes Referiren nicht gut 
zulssig. Wir beschrnken uns daher darauf, mir an- 
zudeuten, um was es sich handelt. 

Um zu zeigen, welchen Weg eine Wissenschaft ein- 
schlagen knne, um sich zum Range einer exacten Dis- 
ciplin zu erheben, muss die nteisuchung vorangehen, ob 
ihr dies ihrem inneren Wesen nach berhaupt milglieh 
sei. Wir wollen daher v(u- allem anderen die Jlorphologie 
der Organismen auf dieses ihr Wesen hin untersuchen, 
indem wir die beiden fundamentalen Ansichten mit ein- 
ander vergleichen, die ber das Wesen der lebenden 
Formen a priori mglich, und die auch beide in irgend 
einem Gewnde geussert sind. Dass diese beiden An- 
schauungen die Prdicate zufllig und gesetzlich ver- 
dienen, schicken wir zunchst ohne Begrndung mid Er- 
luterung voraus. " 

Die eine dieser beiden Anschauungen, die Theorie 
der zuflligen Formbildung, haben wir im Darwi- 
nismus. Dies weist Driesch nach und damit zugleich die 
Unfhigkeit dieser Auffassungsrichtung zu einer exacten 
Entwickelung der biologischen Morphologie. 

Hieraufwendet sich Driesch zur anderen der beiden 
Anschauungen, zur Ansicht der gesetzlichen Forui- 
l)ildung. Da ihr contradictorischcs Gegentheil", eben 
die Theorie der zuflligen Formbildung, unzureichend ist, 
so folgt ihre principielle Richtigkeit." Er skizzii-t nun in 
der Richtung der Lehre der gesetzlichen Formbildung in 
einigen grossen Zgen die Perspective von unten au bis 
zu der auf der Grenze der Erkenntniss liegenden Kategorie 
hchster letzter Probleme. Prfen wir den gegenwrtigen 
Stand der Forschung an dem Maassstab dieser Perspective, 
so mssen wir bei aufrichtiger Prfung Driesch in folgen- 
dem Bekenntnisse leider beipflichten: Wie weit die 
Theorien der gesetzlichen Fornd)ildung von diesen ge- 
gebenen Grenzen des Erkennens noch entfernt sind, ja 
dass sie positiv noch gar nichts, auch nur im ersten 
Stadium erklrt haben, brauche ich wohl nicht besonders 
zu betonen. Dem Unwerth der Descendenzthcorie, der 
Falschheit der Theorie der zuflligen Formbildung reiht 
sich als drittes das Nichtwissen von gesetzlicher Ge- 
staltung an; ein nicht sehr erfreuliches Resultat." - 

Unsere Untersuchung hat uns gezeigt, dass das Pro- 
blem der Morphologie weder durch die im Darwinismus 
ihren Ausdruck findende historische Auffassungsart gelst 
wird, weil .... sie eben kein historisches Problem ist, 
dass aber auch andererseits die thatschlich geusserten 
Auffassungen einer Gesetzlichkeit der morphologischen 
Processe nicht mehr zu sein beanspruchen drfen, als 
Hypothesen allgemeinsten Charakters oder vielmehr als 



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Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 12. 



Directiven; dass sie zumal den Tlieorieen der the<iretischcn 
l'hysik deshalb bedeutend nachstehen, weil sie selbst im 
gnstigsten Fall nie eine quantitative Erklrung zu leisten 
vermchten. Nachdem so die Thatsai^he unserer vlligen 
Unkenntniss in Sachen der Morphologie kritisch auf- 
gedeckt ist, wird es augebracht erscheinen, eine kurze 
Untersuchung ber die Wege anzuknpfen, welche die 
Vernichtung dieser l)etrbenden Tiiatsache wenigstens vor- 
bereiten, wenn nicht beginnen knnten." Hiernach 
skizzirt dann Driesch, zunchst von Gedanken Wilhelm 
Roux's ausgehend, einen Arbeitsplan der exacten Mor- 
phologie. 

Driesch heschliesst seine Studie mit Folgendem, in 
dem er die mechanistische Naturbetrachtung der histori- 
schen entgegenhlt. Der hierin zum Ausdruck gebrachte 
Sinn kann gerade in unserer Zeit, wo das Gros der bio- 
logischen Forscher nichts Besseres thun zu knnen glaubt, 
als einer historischen Betrachtungsweise zu huldigen, nicht 
genug betont werden: 

Sollte sich einst die allgemeine Descendenztheorie 
als berechtigt erwiesen halten, so wird es nicht ohne Inter- 
esse sein, den Stammbaum aller Formen zu erforschen; 
auch jetzt ist die Ergrndung der kleinen palontologischen 
Reihen, deren Descendenz wahrscheinlich ist, gewiss be- 
rechtigt. Aber auf anorganischem Gebiet geht die histori- 
sche Wissenschaft, die Geologie, in zweiter Linie neben 
der nicht historischen Physik (im weiteren Sinne) einher, 
sie wendet die Lehren an, welche ihr die Schwester, die 
an philosophischem Werth so unendlich viel hher steht, 
darreicht. So wird auch einst das Verliltniss der dann 
vielleiclit begrndeten historischen Biologie zu ihrer exacten 
Schwester sein, beide gleichsam Abkmndinge ihrer an- 
organischen Eeprsentanten. Bis dahin aber ist das Fest- 
halten an den Principien der strengen Wissenschaft fr 
die Morphologie vor allem wichtig; mag es auch nicht so 
scheinen, sie wird doch rascher vorwrts kommen, als 
durch Hypothesen problematischen, unexacten Charakters. 
Nothwendig ist vor allem, stets eingedenk zu bleiben, 
dass die trockene Beobachtung, Beschreibung und Kritik, 
die denkende Analyse und das zeitraubende Experiment, 
obwohl sie in weniger glnzendem Gewnde einhergeheu 
als alles umfassende Hypothesen, doch nicht zu verachten, 
sondern hochzuhalten sind; dass ihre Vertreter das 
Ziel der philosophischen Naturwissenschaft vor 
Augen haben, welches nicht Historie ist, son- 
dern die Erforschung der von bestimmter Zeit 
und bestimmtem Ort unabhngigen" (eben im Gegen- 
satz zu den historischen Processen, die durch Zeit und 
Ort bestimmt sind) universellen Naturgesetzlich- 
keit, wie sie so herrlich geschildert ist in den Worten: 

Aber im stillen Gemach entwirft bedeutende Zirkel 

Sinnend der Weise, beschleicht forschend den schaffenden 

Geist, 
Prft der Stoffe Gewalt, der Magnete Hassen und Lieben, 

Folgt durch die Lfte dem Klang, folgt durch den Aetlier 

dem Strahl, 
Sucht das vertraute Gesetz in des Zufalls grausenden Wundern, 
Sucht den ruhenden Pol in der Erscheinungen 
Flucht." 

Die Schrift Driesch's berragt an Inhaltsschwere die 
biologische Durchschuittslitteratur bedeutend. Ferner ist 
sie ein Muster kritisch- wissenschaftlicher Arbeit: ohne 
Aifect und Parteilicidceit fr oder wider diese oder jene 
Auffassungsrichtung wird die Untersuchung gefhrt, allein 
geleitet durch khle, logisch -sachliche Erwgung. Der 
Horizont der Betrachtung ist ein weiter: die Biologie und 
ihre Probleme werden in organischem Zusannnenhang 
mit der Gesammtwissenschaft, besonders der Physik, 
Chemie und Philosophie, betrachtet; aber auch nur so, 



unter dem Bewusstsein der ])rincipiellen Einheit der 
Wissenschaft, ist es mglich, mit Bewusstsein und plan- 
voll den Gesammtl)au der Wissenschaft zu frdern, speciell, 
\vie es bei der Biologie der P^all ist, zurckstehende 
Partien des Baues den fortgeschritteneren nachziifhren, 
erfolgreich an der harmonischen Ausgestaltung des Ge- 
sanuntbaues zu wirken. 

Als Bedingungen fr ein erspriessliches Studium der 
Schrift Driesch's wren zu nennen: allgemein philosophi- 
sche und exact naturwissenschaftliche Bildung, Bekannt- 
schaft in der allgemeinen Biologie und ihren mannig- 
faltigen Richtungen der Betrachtung und Untersuchung 
und kritische Objectivitt ; jeder, bei dem diese Be- 
dingungen erfllt sind, wird in dem Studium der Schrift 
Driesch's Klrung der Orientirung und der Auffassung und 
fruchtbare Aui'cgung finden. Dr. Friedrich Dreyer. 



Sonnenuhr fr mittlere Zeit. Schon mehrfach 
ist versucht worden, die Sonnenuhren, welche zunchst 
die nicht gleichmssig fortschreitende und also fr unsere 
Pendel- und Federuhren unbrauchbare wahre Sonnenzeit 
liefern, fi- mittlere Zeit zu corrigiren, d. h. in das 
Instrument selbst den Unterschied Zeitgleiclnuig = Mittlere 
Zeit minus Walire Zeit aufzunehmen. Diese Zeitgleichung 
erreicht die Extreme I6V2 Min. zu Anfang November 
(kurze Nachmittage") und -1- I4V2 Min. gegen Mitte 
Februar (lange Nachmittage"); man merkt, nebenbei 
gesagt, die genaueren Daten leicht nach: 2/XI und 11/11. 
Zwei kleinere extreme Werthc fallen auf Mitte Mai ( 
4 Min.) und Ende Juli (+ 6V2 Min.); viermal im Jahre 
ist der Werth der Zeit-Gleichung 0, nmlich Mitte April, 
Mitte Juni, Ende August und gegen Ende December. 

Eine hbsche neue Construction einer Sonnenuhr nach 
mittlerer Zeit von dem englischen General Oliver, aus- 
gefhrt von Negretti und Zambra in London, beruht 
nun sehr einfach darauf, als Schattenwerfer nicht wie 
seither einen geraden Stift oder eine gerade Kante pa- 
rallel zur Weltaxe zu whlen, sonderu einen kleinen Ro- 
tationskrper, dessen Axe die angegebene Richtung hat, 
dessen Erzeugende aber eine durch die Z.-Gl. gelieferte 
Form besitzt: als Zeiger auf dem Zifferblatt dient dann die 
Grenze des Schattens dieses Krpers. Das Instrument 
ist wie beistehende Abbildung (Reproduction einer Figur 
von Negretti und Zaudjraj zeigt, eine Aequatorial- oder 

Polar-Uhr, d. h. das die Zeit- 
theilung tragende Zifferblatt, auf 
dem am Schattenstand die Zeit ab- 
gelesen wird, ist ein Kreis, dessen 
Ebene parallel zum Himmels- 
quator liegt und die Theilung des 
Zifferblatts gleichfrmig, 1 Qua- 
drant = 6 Stunden. Die Theilung, 
in der Fig. mit A bezeichnet, geht 
bis auf V12 Stunden, so dass 
etwa 1 Minute geschtzt werden 
kann; der schattenwerfende 
Krper, dessen Schattenrand also den Zeiger abgiebt, 
ist mit B bezeichnet. Um seine Axe parallel zur Welt- 
axe zu stellen, muss die Ebene des vertikalen getheilten 
Halbkreises C (zu der die von A senkrecht steht) in die 
Ebene des Meridians gebracht werden und es ist dann 
noch die Gradtheilung von C so lange in dem Halter 
D zu verschieben, bis die Neigung der Axe von B mit 
der Richtung der Lothlinie das Complement der Polhhe 
(geogr. Breite) cinschliesst; Feststellung geschieht mit Hilfe 
der Schraube S,. 

Die Schraube S^ dient zum Festklemmen der Ziffer- 
blatttheilung A in bestimmter Lage. Es sind nmlich auf 




Nr. 12. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



119 



der Innenseite von C, bei E, nahe beisammen zwei Marlcen 
aiij;cbriicht, die mit 1 (liulcs) und r (rcclits) bezeichnet 
sein mgen und mit deren einer eine Marke auf A selbst, 
nmlich die XII-Uhr-Liuie bereinstinmien uniss. Auf die 
Marke 1 ist einzustellen fr die Zeiten von Mitte April 
bis einige Tage nach Mitte Juni, und von der letzten 
Woche des August au bis kurz vor Weihnachten, auf die 
Marke r zu den brigen Zeiten des Jahres. Dabei ist zu 
beachten: wenn auf 1 eingestellt ist, ist auch die linke, 
wenn auf r eingestellt ist, die rechte Seite der Schatten- 
figur als Zeiger zu nehmen. Viermal ist also im Jahre 
das Zirterblatt A etwas zu verschieben (XII von 1 nach r 
oder umgekehrt), am 15. April, 21. Juni, 25. August und 
21. Deccmber, ohne dass man genau aut diese Daten 
achten msstc. (Eigentlich sollten zwei etwas verschie- 
dene schattenwerfende Krper vf>rhanden sein, der eine 
von Juni bis Deccmber, der andere von Deccmber bis 
Juni zu benutzen; der grsste Fehler bei Anwendung eines 
symmetrischen Krpers B betrgt aber nur 1 Min., was 
bei der Genauigkeit mit welcher an der nicht sein- scharfen 
Schattengrenze abgelesen werden kann, ziemlich gleich- 
gltig ist. Aus dem angedeuteten Grund fallen brigens 
die oben angegebenen Umstellungszeiten fr A nicht genau 
mit den Zeiten zusanmien, zu denen die Z.-61. = ist.) 
Man erhlt mit dem Instrument leicht die M. Z. auf 1 bis 
2 Minuten, was ja fr die meisten hier in iSetraeht 
konmienden Zwecke gengt. 

Fr sdliche Breiten muss der schattenwerfende 
Krper umgekehrt liegen. Auch eine bestimmte Normalzeit 
statt der Ortszeit kann das Instrumentchen selbstverstndlich 
angeben, man hat dazu nur statt des Strichs XII denjenigen 
Strich der Zitferldatttheilung auf 1 oder r zu stellen, der dem 
Unterschied jener Normalzeit und der Ortszeit entspricht; 
wenn z. B. in Stuttgart die M. E. Z. abgelesen werden 
soll, so ist der Strich XIV' 23 einzustellen. 

Fr Lnder mit meist klarem Himmel und wenig 
Gelegenheit zur Uhrcontrole ist dieser einfachen Mittleren- 
Zeit-Sonneuuhr praktische Bedeutung nicht abzusprechen. 

llaunuer. 



Aus dem wissenschaftlichen Leben. 

Es wurden ernannt: Der C"Stos au tler zoologischen Abthei- 
liiiip; do. Kgl. Museums fr Naturkunde zu Berlin Dr. F. Hilgon- 
dorf zum Kgl. Professor. Dr.- Wilhelm Hiill\v;n-hs in Strass- 
burg zum Professor der Physik am PolyteLdmicum in Dresden. 

Es hat sieh habilitirt: Kreisthierarzt Wilhelm Klier vom 
Polizeiprsidium in Berlin als Privatdoeent fr Thiorheilkundo 
an der PTniversitt Jeua mit gleii-hzeitifcer Berut'urg zum Leiter 
der Voterinranstalt an dem laud\virthscliat'tlieh(^u Institut der 
Universitt. 

Modicinal'Assessor Dr. Schuster, Leiter der Veterinranstalt 
an dem landwirthschaftlichen Institut der Universitt Jena, ist in 
den Ruhestand getreten. 

Es sind gestorben: Der ordentliche Professor der Botanik und 
Direetor des botanischen Gartens zu Neapel Cav. Giuseppe 
Antonio Pasquale. In Warschau der bekannte Mediciner 
Professor Konstantin Kose. 



Die Direction der Senckenbergisehen naturforschenden Ge- 
sellschaft in Frankfurt a. M. beabsichtigt im Laute dieses Jahres- 
aus der Kppel-Stiftung ein Stipendium von ca. 12 OOO lark 
Zu einer Forschungs- und Sammelreise nach dem ma- 
la yischen Archipel zu vergeben. Bewerber, welche eine 
grndliebe wissenschaftliche Vorbildung naehweiseii knnen, im 
Sammeln und Conserviren von Thieren gebt sind und womglich 
lleiseerfahrung haben, wollen sieh bis 1. Juli schriftlich bei tler 
Direction melden. 



L i 1 1 e r a t u r. 

Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. vollstndig neub(>arb. 
AuH. 5 Bd. Deutsche Legion-f^lektrodi.aguostik. F. A. Brock- 
haus in Leipzig. Berlin uiul Wien 1892. Preis 10 Mk. 
Der 5. Band bringt W> Tafeln, unter diesen 6 in farbiger 
Ausfhrung 22 Karten und Plne und 228 Textabbihlwngen; auch 
er entspricht dem, was die ersten Bnde versprechen. Ein gut 
gemachtes Lexikon giebt ein interessantes Bild seiner Zeit und 
bleibt insofern immer von Werth. So bringt der vorliegende 
Band reiches Material zur Wrdigung der deutscheu Militrvor- 
lage. Derselbe enthlt unter der Flle textlichen und illustrativen 
Stoffes zwei zu der Artikelreihe b<'r Deutschland geh;irende 
Karten der Dislocation der deutsehen, sterreichischen, russischen 
und franzsischen Trupjien, namentlich an den Grenzen, wie auch 
im Binneulande. Von den Chromos erwhnen wir <lie Darstellung 
der Uniformirung unserer ostafrikauischeu Schutztruppe. Die 
Karte Deutseh-Ostafrika enthlt, wie der zu dieser gehrige Ar- 
tikel, schon die neuesten Entdeckungen, wie z. B. Dr. O. Bau- 
mann'a Eijassi-See. Nicht weniger als 107 Artikel ber Eisen- 
bahnen erschpfen ihren Gegenstand fr solche, die berhaupt ein 
Lexikon benutzen, sicherlich. Sie sind von 2 Tafeln und 6! Text- 
figuren begleitet. Der Elektricitt sind 35 Seiten mit 8 Tafeln 
und 1(3 Figuren gewidmet. Sogar die gefeierte Tragdin Eleouora 
Dse fehlt nicht. Nach Angabe der Verlagshandlung sind in 
den ersten fnf Bnilen gegen 33 600 Stichworte enthalten, ca. 
11000 mehr als in der 13. Auflage. 



Brehms Thierleben. 9. Band, 3. gnzlich neubearbeitete Autlage, 
lier;iusgegel). von Prof. Pechuel-Loesche. Die Insecten, Tausend- 
fsser und Spinnen. Von Prof. Dr. E. L. Taschenberg. 
Mit 287 Abbildungen im Text nnd 21 Tafeln meist in Chromo- 
druck. Bibliographisches Institut. Leipzig und Wien 1892. 
Preis l.j Mk. 

Tasehenberg gliedert wie folgt: Insecten. 1. Ordnung: 
Kfer; 2.< )rdnung:'Hautflgler, Immen ; 3. Orduung:Schmetterlinge, 
Falter; 4. Ordnung: Zweiflgler; 5. Ordnung: Netz-. Gitterflgler; 
G. Ordnung: Kaukerfe, Geradflgler; 7. Ordnung: Schnabelkerfe, 
Halbdecker. Tau sen dfsser: 1. Ordnung: Einpaarfsser; 

2. Ordnung: Zweipaarfsser. Sp inne nthiere: 1. Ordnung: 
Gliederspjnnen; 2. (Jrdnung: Websiiinnen; 3. Ordnung: Milben; 
4. Ordnung: Zungenwrmer; .0. Ordnung: Krebs-, Asselspinnen. 

Taschenberg," der schon die 1. Aufl. der Insecten u. s. w. zu 
Brehms Thierleben bearbeitet hat, hat dieselben zum Vortheil der 
Sache in der Neu-Auflage neugearbeitet. Whrend er in der 1. Aufl. 
bestrebt gewesen war, mglichst viele Thierarten zur Sprache zu 
bringen, um einigermaassen die entsprechende Vollstndigkeit der 
vorangegangenen Bnde zu erreichen, ist in dieser Hinsicht in der 

3. Aufl. eine der Sache nur zum Vortheile gereichende Einschrn- 
kung erfolgt: Die gewhnlichsten, heimischen, erhielten hier den 
Vorzug, und es konnte durch die Platzgewinnung auf die Be- 
trachtung des Lebens der Insecten mclir Nachdruck gelegt werden. 
Nicht weniger als fast 100 neue Abbildungen, fast ausnahmslos 
nach dem Leben, bringt die 3. Aufl. Auf 33 Seiten geht der 
systematischen Betrachtung ein Abschnitt voraus, der einen Blick 
auf das Leben der Gesammtheit wirft. 



Albert Moll, Dr. med.: Der Kapport in der Hypnose. Unter- 
suchungen ber den thierischen iMagnetisuius. Leipzig, Ambi". 
Abel, 1892. (Heft 3/4 der Schriften der Gesellschaft fr psycho- 
logische Forschung. (242 S.) S". 

Derjenige, welcher noch zweifelt, ob bei dem sogenannten 
Magnetisiren eines Menschen durch einen andern irgend etwas 
Materielles berstrmt oder nicht, sollte aufmerksam dieses Buch 
lesen. Wer nach der Kenntnissnahme der zahlreichen Versuche 
des Verf. und der Folgerungen aus ihnen an dem magnetischen 
Fluidum noch festhlt, wird schwerlieh irgendwelcher Beweis- 
fhrung zugnglich sein. In dem vorliegenden Werk wird gerade 
die Seite des Mesmerismus zum Gegenstande einer eingehenden 
Untersuchung gemacht, welchi' fr Viele am rthselhaftesten er- 
schien und zu mystischen Frklrungsversuehen gefhrt hat, der 
Rapport. Der Verf. betrachtet diese eigenthudiche Beziehung 
zwischen dem durch Striche und Anstarren oder auch nur mittelst 
Verbalsuggestiouen in einen ..magnetischen" (hypnotischen) Zu- 
stand versetzten Patienten und dem Operator als eine Folge ein- 
seitiger Aufmerksamkeit, gleichviel, ob der Patient etwas dav(Ui 
weiss oder nicht. Die Grundlage der Erklrung ist durchaus im 
Sinne Braid's gedacht, welcher bereits vor bald einem halben 
Jahrhundert dadurch das Odium mesmericuni auf sich lud, 
dass er durch einfache aber unwiderlegliche Beweise die Irrlehre 
Mesmer's voui magnetischen Fluidum als solche kennzeichnete. 
Der Verf. (>rweist der letzteren brigens zuviel Ehre, indem er 
sie eine Theorie" nennt (S. 15). 



120 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 12. 



Die sinnreich variirten Experimente liaben unabhngig von 
jeder Anffassiing der hypnotischen Thatsachen und Suggestions- 
wirkungen zum grossen Theil ein hohes psychologisches Inter- 
esse, weil sie auf die verschiedenen Arten der geistigen Ab- 
hngigkeit einer Person von einer andern Licht werfen. Leider 
wird der Werth derselben dadurch erheblich beeintrchtigt, dass 
die den Rapport-Beobachtungen unterworfenen Individuen mit 
X, Y, Z bezeichnet werden, so dass man nicht weiss, ob die An- 
zahl derselben gross oder klein war und Zweifel entstehen, in- 
wiefern Dressur, Gewhnung, Einschchterung u. s. w. die Re- 
sultate beeinflusst haben mgen. W. Preyer. 



J. Heussi, Leitfaden der Physik. 13. verbesserte Auflage, 
mit l.j'iHolzscbnitten. Bearbeitet von H.Weinert. Braunschweig. 
Verlag von Otto Salle. 1892. Preis 1.80 Mk. 

Der altbewhrte Leitfaden der Phj'sik von Heussi erscheint 
in der vorliegenden neuen Auflage vermehrt durch einen die 
Grundbegriffe der Chemie behandelnden Anhang, der auch ge- 
sondert kuflich ist. Dadurch schliesst er sich dem vorbereitenden 
Kursus, der durch die neuen Lehrplne an allen hheren Schulen 
eingefhrt worden ist, vollstndig und wird in hohem Grade geeignet, 
bei der Unterstufe dos physikalischen Unterrichts zu Grunde ge- 
legt zu werden. Da der Leitfaden die physikalischen Erschei- 
nungen nur insoweit behandelt, als sie fr einen Anfnger ohne 
mathematische Kenntnisse verstndlich sind, sind zweckmssig 
Erscheinungen, wie z. B. die Interferenz und Polarisation des 
Lichts unerwhnt gelassen. Bei der vlligen Verstndlichkeit 
aller Abschnitte eignet sich das Bchlein auch vorzglich zur Ein- 
fhrung in Mdchenschulen. 



Prof. Dr. Felix Mller, Zeittafeln zur Geschichte der Mathe- 
matik, Physik und Astronomie bis zum Jahre 1500, mit Hin- 
weis auf die Quellen-Litteratur. Verlag von B. G. Teubner. 
Leipzig 1892. Preis 2,40 U. 

In dem vorliegenden Werkchen begrssen wir ein sehr ver- 
dienstliches Unternehmen, da einige historische Kenntnisse ge- 
rade beim Studium der schon im Alterthum verhltnissmssig 
so hoch entwickelten exacten Wis.senschaften unbedingt erforder- 
lich sind. Tragen doch viele Methoden und Lehrstze den Namen 
ihres Entdeckers und weisen dadurch unmittelbar auf die Berck- 
sichtigung der historischen Entwicklung hin. Nicht Jedem werden 
allzeit umfangreiche Geschiclitswerke, wie das treft"liche Cantor- 
sche, zur Verfgung stehen; ihnen wird das MUer'sche Compen- 
dium sicherlich stets die fr den Augenblick gewnschte Auskunft 
schnell und zuverlssig ertheilen. Die berall durchgefhrte An- 
gabe der Quellenwerke wird aber auch demjenigen unntzes 
Suchen ersparen, der in irgend einer Frage specieller unterrichtet 
zu werden wnscht. Der Umstand, dass der Tafel ein nicht nnr 
die Namen, sondern auch die Sachen enthaltendes Register ange- 
fgt ist, erhlit ihre Brauchbarkeit ausserordentlich. Hoffent- 
lich wird es dem vei'dienten mathematischen Polyhistor recht bald 
mglich, sein Unternehmen bis zur Gegenwart fortzufhren und 
durch die Vervollstndigung den Werth der Publication noch we- 
sentlich zu steigern. 

Zeitschrift fr Krystallographie und Mineralogie, heraus- 
gegeben von P. Groth. Leipzig 1892. 21. Band, Heft 1. und 2. 
Alexander Schmidt: Daten zur genaueren Kenntniss einiger 
Mineralien der Pyroxengrnppe. (Krystallographische Untersuchun- 
gen an Diopsiden aus dem Alathal, weissen und grnen Diopsiden 
von Achmatowsk, Diopsiden von Nordmarken und dem Schwarzen- 
stein im Zillerfhal [beide Arten: die neueren, kleineren, fast farb- 
losen Krystalle und die grsseren, lteren, fast dunkel gefrbten] 
und an schwarzen und gelben Augitkrystallen vom Aramyer Berg.) 
4 Tafeln. P. Philipp Heberdey: Krystallisirte Schlacken 
von Raibl. Cliemische Untersuchungen und Krystallmessungen 
an Schlacken, herrhrend von den auf der Schmelzhtte zu Kalt- 
wasser bei Raibl verarbeiteten Bleiglaiizerzen. Zwei Handstcke, 



deren eines Rstgut war, welches aus einer mikrokrystallinischen 
Grundmasse und krystallisirtem (knstlichen) Bleizinkchrysolith 
bestand, whrend das andere krystallisirte Schlacke war, die der 
spteren Niederschlagsarbeit entstammte und in einer derben 
Grundmasse zahlreiche sulenfrmige und wenige tafelfrmige 
Krystalle in Drusenrumen enthielt. Als Anhang: Thallium und 
Lithium haltender Dolomit von Raibl. P. Pjatnitzky, Char- 
kow: Ueber die Krystallform des Uranotil. Krystallmessungen 
und optische Untersuchungen. K. Zimanyi, Budapest: Ueber 
den Augurit vom Laurion-Gebirge in Griechenhiiul. Krystall- 
messungen. Zu den beiden letzten Abhandlungen gehrt eine 
Tafel. L. J. Igelstrm: Frindelit aus der Sjgrube Haus- 
mannit (Braunit- und Eisenerzgrube), Grythytte, Kirschspiel 
Oerbro. Chemische und Lthrohr- Untersuchungen. Bruno 
Do SS, Riga: Krystallographische Untersuchungen organischer Ver- 
bindungen. Messungen an Ki-ystallen der 1) Ester von Anili- 
dosuren, 2) Sureanilide (Milch), 3) Derivate der Glutar- und 
Bernsteinsuren. Ferner enthalten die Hefte zahlreiche Referate 
ber krystallographische und mineralogische Abhandlungen. 

F. K. 



Die Mittheilungen der Kaiserl. Enigl. Geographischen 
Gesellschaft in Wien (18:i2, Band XXXV No. 11 und 12) ent- 
halten: Dl'. Leo Prochnik: Skizzen aus Niedorlndiscli-Ost- 
indien. Amboina und Ceram. Es sind Schilderungen, welche der 
Vortragende, der lange Zeit dort gelebt hat, nach seinem Ge- 
dchtniss lier die abseits gelegenen und von Touristen und For- 
schern wenig besuchten Inseln und ihre Bewohner, unter denen 
besonders die Alfuren Ceranis interes.sant sind, entwirft. 
Stefanovic von Vilovo: Die Eisenbahn im Klostcrthal in Vor- 
arlberg und die Katastro|)he am 9. Juli 1892. Untersuchung ber 
die Ursachen, welche die bekannte Katastrophe herbeigefhrt 
haben, und darber, wie eine weitere zu vermeiden ist. 
Kleinere l\Iitth eil ungen und Forschungsberichte. (Die 
Schwankungen der geographischen Breiten. Ueber die Besitzer- 
greifung von St. Paul und Neu-Anisterdam durch die Franzosen. 
Eine schwimmende Insel im nordatlantischeu Ocean. Aus der 
grossen Menge heben wir ferner Iiervor: Zur Erforschung des Juba- 
Beckens; Zustnde in Wadai; Montoil's Reise vom Senegal zum 
Tschad-See und nach Tripolis; Vom Assal-See; Ibna und Udea 
oder Doani etc. etc.) Berichte ber auswrtige geo- 
graphische Gesellschaften. Litteratu rb e rieht. Notizen. 
(Gefhrdung der meteorologischen Station auf dem Sonnblick- 
gipfel, der hchsten meteorologischen Station F^uropas. Durch 
eine Verkettung misslicher Umstnde ist das fernere Bestehen der 
bekannten Station in Frage gestellt; die sterreichische meteoro- 
logische Gesellschaft hat jedoch bereits Schritte gethan, das von 
ihr bisher unterhaltene wichtige Institut weiterfhren zu knnen. 
Hoft'entlich ist ihre Mhe erfolgreich!) F. K. 



Berichtigung. 



Ich mache auf eine kleine Verwechselung aufmerksam, die 
Herrn Busch an in seinem Artikel D.as Ende der Caunstatt- Rasse" 
passirt ist, und die mir, um Irrthum zu vermeiden, der Berichti- 
gung werth erscheint. Naturw. Wochenschr." S. 67 links unten 
Zeile 7 wird Prof. Gustav Jger" fr die falsche Einreihung 
des berchtigten Schdelstcks und somit fr den ganzen Spuk 
der Cannstatt-Rasse verantwortlich gemacht und jedermann wird 
hierbei an den bekannten Seelen- Jger" denken, whrend in 
Wirklichkeit Georg Friedrich Jger, ehemals (bis in die 50er 
Jahre) Conservator am Naturalien-Cabinet in Stuttgart, in seiner 
Arbeit ber die fossilen Sugethiere Wrttembergs 183.') (S. 141) 
den Grund zur spteren Vei'sndigung des Herrn Quatrefages 
gelegt hat. 

J. Eichler, 

Assistent am Kgl. Naturalien-Cabinet 
in Stuttgart. 



Inhalt: Prof. Kirchner: Christian Konrad Sprengel, der Begrnder der modernen Blumentheorie. (Schluss.) Professor Dr. 
K. A. Lossen f- Die mathematisch-mechanische Betrachtung morphologischer Probleme der Biologie. Sonnenuhr fr mitt- 
lere Zeit. (Mit Abbild.) Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Brockhaus' Konversations-Lexikon. Brehms Thier- 
leben. Die Insekten, Tausendfsser und Spinneu. Albert Moll: Der Rapport in der Hypnose. J. Heussi: Leitfaden 
der Physik. Prof. Dr. Felix Mller: Zeittafeln zur Geschiclite der Mathematik, Physik und Astronomie bis zum Jahre 1500. 
Zeitschrift fr Krystallographie und Mineralogie. Mitthoilungen der Kaiserl. Knigl. Geographischen Gesellschaft in 
Wien. Berichtigung. 

Die Erneiieriiiig des Abonnements wird den geehrten Abnehmern dieser Wochenschrift 



hierdurch in geneigte Erinnerung gebracht. 



Die Verlagsbuchhandlung. 



Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin N. 4., Invalidenstr. 40/41, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. 
Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck; G, Bernstein, Berlin SW. 12. 



Nr. 12. 



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Redaktion; 7 Dr. H. Potonie. 

Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. 




Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- 
anstalten, wie bei der Expedition. Der Viei'teljahrspreis ist Jt 3. 
Bringegeld bei der Post 15 -i extra. 



Inserate : Die viergespaltene Petitzelle 40 J.. Grssere Auftrge ent- 
sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme 
bei allen Annocenbureaux, wie bei der Expedition. 



Abdrnek ist nnr mit vollstndiger {nellenangabe gestattet. 

Die Ziegen mit goldenen Zhnen" und das Goldkraut". 

Von P. Aschers on. 



Als icli V(ir nuiiniclir drcis.sig' Jahren mich auf eine 
botanische Reise nach Sardinien vorbereitete, den ersten 
Austlui;-, der mich weit ber die Grenzen des deutschen 
Vaterlandes hinausfhren sollte, fand ich in dem classi- 
schcn Handbuch La Marmora's*) eine Stelle, die sich 
unauslschbar meinem Gedchtniss eingeprgt hat. Der 
genannte Forscher berichtet von der kleinen Insel Tavo- 
lara unweit der Nordostkste Sardiniens, dass die wilden 
Ziegen, welche in betrchtlicher Zahl den schroff sich er- 
hebenden Kalkberg, der den grssten Tlieil der Insel 
bildet, bewohnen, an ihren Zhnen einen goldglnzenden 
Ueberzug zeigen, eine Erscheinung, die ein frherer Rei- 
sender, Valery, mit dem sonderbaren Ausdruck eines 
vergoldeten Schnurrbarts" bezeichnete. Meine Hoffnung, 
diese merkwrdige Thatsache durch eigenen Augenschein 
kennen zu lernen, sollte sich erst ein Viertcljahrhundert 
spter erfllen. Die Dampferfahrt von Orosei nach Mad- 
daleua fhrte mich zwar Anfang Juli 18G3 in unmittel- 
barer Nhe der Goldzahn-Ziegen-Insel vorber, allein be- 
treten habe ich sie nicht, obwohl es mir vergnnt war, 
auf einer anderen, wenige Stunden nrdlicher gelegenen 
Ziegen-Insel, der weltberhmten Caprera, unvergessliche 
Stunden im gastlichen Hause ihres gefeierten BeAvohners 
zu verleben. 

Ich wurde an diese Angelegenheit erst wieder er- 
innert, als ich am Sdrande der ob ihres Mrissees seit 
uralten Zeiten gepriesenen Provinz Fajuni, in der, eine 
Ausbuchtung der Libyschen Wste fllenden, wenig be- 
suchten Oasenlaudschaft Rharaq, Ende Mrz 187G wieder 
von Ziegen mit goldenen Zhnen hrte. Die dortigen 
Beduinen fgten noch hinzu, dass diese Erscheinung vom 
Genuss eines Goldkrautes'' herrhre, das mir aber keiner 
zu zeigen wusste. Noch einmal erfuhr ich davon auf 
meiner letzten gyptischen Reise im April 1887, an einer 
noch bedeutsameren Stelle des Pharaonenlandes, am Ost- 



*) ItimJriiire de l'ile de Sardaigne. II. (1860) S. 191. 



rande des Delta unweit der Konigstadt des grossen Ramses, 
Tanis, des Zoan der Bibel, in dessen Nhe die Tradition 
die Knigstochter den kleinen Moses im Rhricht auf- 
fischen lsst. Wenige Wochen frher hatte mir der hoch- 
verdiente Biologe Forsyth Major in Florenz einen 
Ziegenkiefer von Tavolara vorgelegt, au dem der gold- 
glnzende Ueberzug der Backzhne deutlich zu er- 
kennen war. 

Diese persnlichen Erinnerungen mgen es entschul- 
digen, dass ich als Botaniker mich veranlasst sah, mich 
mit einem dem Gebiet meiner sonstigen Thtigkeit fern- 
liegenden Gegenstnde zu beschftigen, mit welchem der- 
selbe nur durch das geheimnissvolle Goldkraut" einen 
gewissen Zusammenhang besitzt. 

Das Vorkommen eines metallgluzeuden Ueberzuges 
auf den Zhnen von Wiederkuern (vorzugsweise in dieser 
Gruppe*) ist derselbe, so viel mir bekannt, bis jetzt 
beobachtet worden) ist keineswegs eine so seltene Er- 
scheinung, als man nach den sprlichen und drftigen 
Erwhnungen dieser Thatsache in der Fachlitteratur er- 
warten sollte.**) In seltenen Fllen ist sie selbst in Deutsch- 
land an unseren Haustliieren beobachtet worden. So 
liefert Hertwig***) 1874 Beschreibung und Abbildung 
des von dem Thierarzt van Heil eingesandten Ober- 
kiefers einer in dem uralten niederrheinischen, neuerdings 



*) Von Angehrigen anderer Sugethier-Ordnungen nenne 
ich den Wildesel, an welchem Geh. Rath. Roh. Hartmann 
(Sitzung der Gesellschaft Naturforscher Freunde am 21. Febr. 1893) 
die Erscheinung in Nubien 1860 beobachtete. Ferner theilte mir 
Dr. J aekel mit, dass er dieselbe an den Zhnen eines fossilen 
Raubthiers, Hyaenodon, bemerkt habe. 

**) Forsyth Major beobachtete sie sogar an den Zhnen 
eines fossilen Wiederkuers, des von ihm in dem Tertir von 
Samos entdeckten Samotherium (Giraftidae). 

***) Gurlt und Hertwig, Magazin fr die ges. Tliierheil- 
kunde. XL. 8. 345 Tafel III. Das Prparat wurde mir aus der 
Sannnlung der hiesigen Thierrztlichen Hochschule, durch Prof. 
Schtz anvertraut. 



122 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 13. 



so viel genannten Stdtchen Xanten geschlachteten Ziege. 
deren Mahlzhne mit einer stellenweise 5 mm dicken, 
lebhaft silberglnzenden Kruste bedeckt waren. Derselbe 
erwhnt einen damals im Besitze des hiesigen Zahnarztes 
Dr. Linderer betiudlichen Hammelkiefer, dessen Zhne 
einen schwarzen, schn goldglnzendeu Ueberzug be- 
sassen. Geheimrath Virchow theilte mir mit, dass er 
Aehnliches an Kidieu gesehen habe. 

Viel hufiger aber wird die Erscheinung an wilden 
Wiederkuern oder doch an mehr in Freiheit weidenden 
Schafen und Ziegen in den sonnigen Landschaften des 
Mittelmeer- Gebietes und des Orients beobachtet. Von 
ersteren ist sie z. B. an Damhirschen festgestellt*); 
noch hufiger zeigt sie sich an den Gebissen von Anti- 
lopen, wie Prof. Nehring berichtete, der auch die 
Gte hatte, zur Demonstration in der December- 
Sitzuug 1892 der Gesellschaft Naturforschender Freunde 
die Unterkiefer einer Gemse und einer Saiga-Antiloi)e 
mitzul)ringen. Namentlich der letztere zeigt die Erschei- 
nnui;- v(illig typisch. An den [Molaren sind die usseren 
und namentlich die der Mundhhle zugewandten Seiteu- 
flchen mit einem dunklen, bei geeigneter Beleuchtung 
messinggelben Jletallglanz reflectirenden Ueberzug be- 
deckt, der auf den Kauflchen und in deren Umgebung 
fehlt, ebenso an den von Zahnfleisch bedeckt gewesenen 
Partien, sowie auch die Schneidezhne vllig frei davon 
sind. Diese Kruste ist ziemlich dnn und rissig, haftet 
aber fest auf ihrer Unterlage. Es kann somit keinem 
Zweifel unterliegen, dass es sich nicht um eine Frbung 
der eigentlichen Zahnsubstanz, sondern um einen Nieder- 
schlag aus der Mundflssigkeit, bez. dem Speichel han- 
delt, dass also die von Hertwig angewendete Bezeichnung 
metallglnzender Weinstein" vllig zutreffend ist. Ueber 
die chemische Zusammensetzung desselben giebt letzterer 
nur eine drftige Andeutung; doch ist wohl nicht zweifel- 
haft, dass derselbe, wie der sog. Weinstein berhaupt, 
grsstentheils aus Calciumcarbonat besteht. Zeigen doch 
auch andere Ausscheidungen deren Verbindung im thie- 
rischen Krper hnliehen Metallglanz, worauf mich R. Vir- 
chow noch besonders aufmerksam machte, wie die schon 
von Hertwig erwhnten Nierensteine, welche vergoldeten 
Pillen gleichen. Die Ursache dieses Glanzes ist schwer- 
lich in einem von diesem erwhnten geringen Gehalt an 
Ferrocarbonat zu suchen, sondern, wie schon Hertwig und 
^'irch()w und neuerdings Ficalbi**) mit Recht annehmen, 
in der mikroskopischen Structur dieses Niederschlages, der 
aus zahlreichen sehr dnnen bereinander abgelagerten 
Lamellen besteht. Der Eisengehalt knnte hchstens fr 
die gelbliche Frbung dieser Ablagerung in Frage kommen, 
welche die Gold-, Messing- oder Bronzefarbe bedingt, 
wogegen eine farblose Substanz bei gleicher Structur in 
Silberglanz strahlt, was nach Ficalbi besonders bei Rinder- 
gebissen vorkommen soll. Viel wahrscheinlicher rhrt aber 
diese gelbliche Frbung (nach Ficalbi) von einem organi- 
schen Pigment her, sei es, dass dieses aus dem Blute 
abgesondert wird oder den Sften der von den Thieren 
abgeweideten Pflanzen entstammt. 

Die uns interessirende Erscheinung ist mir, grssten- 



*) Lungershausen theilt im Zoolog. Garten" 18GG S. 475 
einen an einem Damhirsch in der Provinz Posen beobachteten 
Fall mit. Nach Herrn F. v. Jjuschan ist die Erscheinung in 
der Gegend von Seudschirli (Nord-Syrien) an Damhirschen, und 
Antilopen, wie auch Ziegen und Schafen nicht selten. Einen 
dieselbe zeigender Hirschschdel hatte derselbe in der Mrz- 
Sitzung 1893 der Anthropologischen Gesellschaft hierselbst aus- 
gelegt. 

**) Atti della Societ Toscana di Scienze Naturali Processi 
Verbau Vol. V, S. 251. Adunanza del di 8. maggio 18S7. (Be- 
sprechung des Forsyth Major'sc-hen Prparates, \V(dil ilessidbi'n. 
das auch ich gesehen habe.) 



theils in Verl)indung mit dem bereits erwhnten, Sdfort 
nher zu besprechenden Volksglauben an eine dieselbe 
veranlassende bestimmte Pflanze, von folgenden zahl- 
reichen Oertlichkciten Sdeuropas und des Orients be- 
kannt geworden: 

Sardinien: Insel Tavolara (La Marmora, For.syth 

Major). 
Sicilien: Berge um Palermo (Pariatore nach Carnel); 

Aetna (La Marmora). 
Griechenland: Parnass (v. Heldreich, Orphanides); 
Oeta; Tymphrestos [jetzt Veluchi]: Dirphys auf 
Euboea; Kyllene (v. Heldreieh); Parnon [jetzt 
MalevJ (Orphanides): Taygetos (v. Heldreieh). 
Kreta: Ida [Sphakia] (Buondelmonti, Porcacchi, Sieber, 

V. Heldreich, Raulin). 
Karpathos [Scari)anto]: Lastos (Ross, Tli. Beut, 

Forsyth Major). 
Syrien: Seudschirli (F. v. Luschani; Libanon (Seetzen, 
Consul Gays nach Zoolog. Garten 1860 a. a. O.). 
Mesopotamien (Haussknecht). 
Kurdistan und Armenien (Sintenis). 
Persien: Demawend (Morier). 
Aegypten: Rhara(|; Tanis [San] (Ascherson). 
Dass dieser merkwrdige Goldglanz der Zhne 
pflanzenfressender Thiere durch eine Besonderheit des 
Futters, vielleicht durch eine bestimmte Pflanze hervor- 
gerufen werde, ist eine naheliegende Vermuthung, die 
sich auch nchternen Forschern, wie La IMarniora und 
Ficalbi aufdrngen musste. Der Volksglaube sdlicher 
und (istlichcr Nationen, angeregt durch Geheimlehren der 
mittelalterlichen Alchyniie, hat diese Hypothese zu einer 
mit aller Gluth ihrer Phantasie ausgeschmckten Sage aus- 
gestaltet, welche nahezu an allen oben genannten Orten 
von zahlreichen Reisenden aufgezeichnet wurde; hier 
vollstndiger, dort nur in einzelnen Zgen. Als Ur- 
sprungsgebiet dieser Sage drfen wir vielleicht die Ge- 
birge Griechenlands und die Inseln des Aegaeischen 
Meeres ansehen, wo sie wenigstens noch heut am meisten 
verbreitet*) und am niannichfaltigsten ausgeschmckt 
im Volksnnmde lebt. Zwar ist es mir nicht gelungen, 
Nachrichten darber in der classischen Litteratur anzu- 
treffen**), wie von der gleichfalls bei den griechischen 



*) Diese mir so berlstig gewordene und bis zum Ekel 
wiederholte Erzhlung." Sieber, Heise nach Kreta. I. (1823) 
S. 545. 

**) Ueber die Sagen, welche sich an die Mandragoras-Arten 
(Airann) knpfen, und die sich in einem Punkte, dem nchtliclien 
Leuchten, mit denen vom (ioldkraut berhren, vgl. F. v. Luschan, 
P. Ascherson und R. Beyer in Verhandlungen der Berliner 
Gesellschaft fr Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 1801 
(Sitzung vom 17. October) S. 7-2G 746. Wie daselbst (S. 731 Anm.) 
bemerkt ist, wird eine der spter an Mandragoras angelehnten, 
in der Nacht leuchtenden Wunderpflanzen, die Aglaophotis, von 
Hermes Trismegistos (vgl. E. Meyer. Geschichte der 
Botanik. II. S. 344) als das Kraut des' Mondes" bezeichnet. 
Die Nachrichten der Alten ber leuchtende Pflanzen hat der 
berhmte Konrad Gesner in einer eigenen, 1555 in Zrich er- 
schienenen Schrift zusammengestellt, in deren langen Titel es aus- 
drcklich heisst: von seltenen und wunderbaren Krutern, welche 
theils weil sie in die Nacht leuchten, theils aus anderen 
Grnden Mondkruter genannt werden." In diesem Werke wird 
u. a. nach dem Manuscript eines ungenannten Verfassers ein 
..Mondkraut" erwhnt, das (allerdings nur bei zunehmendem 
Monde; lUxs Kraut soll berhaupt mit dem Monde wachsen und ab- 
nehmen!) Nachts leuchtet und durch dessen Saft unedle Metalle in 
edle verwandelt werden sollen, und zwar durch den der Blthen 
in Silber, den der Wurzel in Gold. Mit dem Namen Mond- 
kraut" wird auch das uns hier beschftigende Goldkraut in der 
ersten dasselbe behandelnden litterarischen Nachricht bezeichnet. 
Es sind somit in dem Volksglauben der Mittelmeerlnder und 
des Orients Wahnvorstellungen lebendig geblieben, die einst in 
den Kpfen der Alchymisten im Abend- und im Morgenlande 
spukten! 



Nr. IB. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



123 



Hirten nach Orphani des weitverbreiteter Erzhlung vom 
airiQoyooiov, einem Kraute, mit dem man verschlossene 
Tlircn ffnen und verborgene Heliiitze heben kann, wel- 
ches schon von Plinius*) mehrfach erwhnt wird, und 
in dem jeder die Spring-wur/.cl unserer deutschen Volks- 
mrchen erkennen wird. ludess kann auch die Sage 
vom Goldkraut nahezu ein halbes Jahrtausend zurckver- 
folgt werden, da bereits der Florentiner Presbyter Cristo- 
foro Buondelmonti**), welcher 1422 Kreta besuolite, 
berichtet, dass ihm die Hirten vom Berge Ida er/hlt 
htten, dort wchsen grosse Mengen von .,M(jndkraut" 
(herba hmaria), durch dessen Genuss die Zhne der dort 
weidenden Heerden vergoldet werden. Theodor von 
Held reich, der vielerfahrene Naturforscher, der nun schon 
seit einem halben Jahrhundert die deutsche Wissen- 
schaft auf dem classiseheu Boden von Hellas so rhm- 
lich vertritt, schreibt mir ber die von ihm vielfach (auch 
auf Kreta) vernonmiene Sage vom Goldkraut l'^olgendes: 
Es ist eine Pflanze, deren Blthen (oder Blume) bei 
Nacht leuchtet***), sich aber nicht pflcken lsst, weil, 
wenn man sich dem Lichtschein nhert, derselbe zu 
leuchten aufhrt. Mau nmss zu Zweien sein, sagen die 
Hirten; der Eine in der Ferne stehen bleiben, der Andere 
mit einem Mantel (sog. Kappa aus Ziegenhaar) versehen, 
um denselben auf die leuchtende Lampidonia Xujintjdovia, 
auch Xaiinijdvri oder laiintjovfSa (die leuchtende" im 
ganzen Bereich der neugriechischen Sage bekannter Name 
der Wunderpflanze) zu werfen, sobald ihn der in der Ferne 
gebliebene Gefhrte zuruft, dass er sieh nahe genug daljei 
beflnde. ^\er die Lampidonia fassen und in Menge 
sannneln knnte, muss reich werden, weil sie Alles, wo- 
mit sie in Berhrung konunt (nicht nur die Zhne der 
Schafe) in Gold verwandelt. Geht man der Sache auf 
den Grund, so hat keiner der Erzhler selbst die Lampi- 
donia gesehen, sondern sein Vater, Grossvater oder 
ein Dritter, der nicht zugegen ist, davon reden gehrt. 
Ganz bereinstiunnend sind die Angaben des verstorbenen 
griechischen Botanikers Orphauides, der in seinen 
ririimovix Band I. S. 61 einen kurzen Artikel unter dem 
Titel Ovcixrj [iv'/o?.oylce tTjc i'fonfQctc ' EXXdoc verffent- 
licht init. Diesen Forscher trieb sein folkloristischer Eifer 
soweit, dass er auf dem Parnass und Parnon Nachtwache 
hielt, um unter Anleitung der Hirten die Wunderpflanze 
zu suchen. Auf dem Parnass sah er gar nichts, auf dem 
letztgenannten Gehege aber einmal in grosser Ferne einen 
weiss phosphorescirenden Lichtschein, der aber bei der An- 
nherung verschwand." Auf den fast vllig gleichlautenden 
Berieht Seetzens ber das Goldkraut des Libanongebirges 
konnne ich weiterhin ausfhrlich zu sprechen. 



*) Nat. Hist. X., 20. XXV, 5. XXVI, 9. 
**) Creta, Sacra auet. Flaminio CornelioT. I. Venet. 1755. 
Christopliori Bondelmontii Presbyteri Florentini Descriptio 
Cretap P. 10.5. 

***) Erzilliluupen von nchtlich leuchtenden Zauberkrutern 
finden sich bei den Schriftstellern des Alterthums vielfach. Ausser 
den Baaras des Josephas und der Aglaophotis des Aelian, 
(siehe oben S. 122 Anm. **) macht Forsj'th IMaJor auf Nyete- 
gretos und Nyctalops bei Plinius (Nat. Hist. XXI. 3(5.) auf- 
merksam. P. Sintenis hrte auch jetzt noch in Poutus bei Sumila 
unweit Trapezunt von einem bei Nacht leuchtenden Zauberkraut, 
das ein Kaloger (griechischer Mnch) entdeckt haben soll und 
das alle Kranklieiten heilt, wenn man sich nackt darauf herum 
wlzt. Auch der Kretenser, welcher 1817 unsern Sieber noch auf 
der Ueberfahrt nach Aegypteu um Nachweis des die Zhne der 
Schafe vergoldenden Zauberkrautes anging und so den oben mit- 
getheilten Ausbruch des Ueberdriisses veranlasste, war ein Kaloger. 
Mnche (nuin braucht nicht gerade an Pater Aurelia n zu denken), 
Hirten und meist bejahrte Vertreter des schnen Geschlechts, 
welche in der Heilkunde dilettireji (Kluge", Kruter- und 
Streichfraucn etc.) halten berall am hartnckigsten am Aber- 
glauben fest oder sind, wem das schner klingt, die treuesten 
Bewahrer des Folklore. 



Die Abweichungen, welche anderwrts von dieser Er- 
zhlung aufgezeichnet werden, sind verschiedenartig. Die 
Eigenschaft des Leuchtens scheint der Pflanze nur in 
Griechenland, auf den Inseln des Archi])elagus und in 
Syrien zugeschrieben zu werden. Dagegen glaul)t man 
anderwrts, auf Sicilicn wie in Persien, dass die Pflanze 
auf goldhaltigem Boden wachse, sei es als Anzeichen 
natrlicher Erzadern, oder an Oertlichkeiten, wo Schtze 
vergraben seien. Man scheint sich dort vorzustellen, 
dass dies Gold in die Pflanze bergehe und so an die 
Zhne der Ziegen oder Schafe gelange. Daran knpft 
sich der Glaube, dass Fremde (seien es nun die berhaui)t 
als grosse Zauberer geltenden Stadtherren*) bezw. Euru- 
per (deren Beschftigung mit Krutern und Inschriften 
hufig als Bemhung um Aufsuchung verborgener Schtze 
aufgefasst wird, wie es auch mir in der Oase Farafra 
begegnete), seien es Derwische aus Indien nach An- 
leitung ihrer Zauberl)cher, wie man am Demawend meint) 
es verstehen, das Gohl aus dem Goldkraute zu gewinnen. 
In Mesopotamien glaubt man, dass diese Operation in 
kupfernen Kesseln vorgenommen werde. 

Sehr charakteristisch ist es jedenfalls, dass die Nach- 
forschungen der Botaniker nach dem Goldkraute fast 
stets erfolglos blieben, dass vielmehr die Hirten von diesen 
verlangten, dass sie ihnen die Pflanze zeigen mchten, 
und falls diese, wie natrlich, diesen Wunsch nicht er- 
fllen konnten, zuweilen recht verdriessliche Weiterungen 
eintraten. So soll es, wie Professor Caruel Herrn 
Dr. Forsyth Major mittheilte, Filippo Parlatore, dem 
hochberhmten Verfasser der Flora Italiana, ergangen 
sein, welcher in seiner sicilianischen Heimath bei einem 
Ausfluge in der Nhe der Hauptstadt sein Heil in der 
Flucht suchen musste, weil er den dortigen Landleuten 
nicht das Kraut, welches die Zhne der Ziegen vergoldet, 
zeigen konnte. Auch an Siel)er und Sintenis wurden 
hnliehe Zumuthungcn gestellt. Nur wenige Flle sind 
mir bekannt geworden, in denen umgekehrt die Hirten 
dem Botaniker eine vermeintlich so werthvolle Eigen- 
schaften besitzende Pflanze verrathen haben. So wurde 
meinem Freunde Ilaussknecht Euphorbia tinctoria Boiss. 
et Huet in Mesopotamien als solche bezeichnet. Noch 
bedeutsamere Aufschlsse ergeben sich aus dem schon 
oben berhrten Berichte des berhmten Orientreisenden 
U. J. Seetzen**), auf welchen mich Herr Consul Wetz- 
stein aufmerksam gemacht hat. Also auch diesmal habe 
ich, wie noch bei jeder irgendwie mit orientalischen 
Dingen sich befassenden Arbeit, dem umfassenden Wissen 
dieses meines langjhrigen Freundes die wesentlichste 
Frderung zu danken. Seetzen hielt sieh im Juli 1805 
zu Beschirra (im Libanon, "/^ Stunden von dem welt- 
berhmten Cedernwalde gelegen) im Hause eines franzsi- 
schen Kaufmans Bertrand auf, der dort, seit der Bona- 
parte'schen Expedition 1799 eine Zuflucht vor dem 
grausamen Dschesr-Pascha gefunden hatte. Von seinem 
Wirthe erhielt der Reisende Exemi)lare der Pflanze, durch 
deren Genuss die Ziegenzhne jenen im Vorhergehen- 
den besprochenen glnzenden eberzug erlangen sollen. 
Der Reisende giebt von ihr folgende Beschreibung: Aus 
einem Schpfe dicht sich deckender pfriemen- und laucett- 
frmiger Blttchen, die an den Rndern steife Borsten 
tragen, und zusammen fast an den Kelch einer Centaurea 
erinnern, konmien hchstens spannenlange einblthige 

*) Selbst in der Mark Brandenburg glaubt man noch hie 
und da unter der Landbevlkerung an die Existenz eines sechsten 
und siebenten Buches Mose, das in Spandau an einer Kette 
liege". (W. V. Schulenburg.) Auch der mitteldeutsche Glaube 
an den goldsuchenden Walen" und Venediger" bietet ein 
Analogen. 

**j Reisen durch Syrien und Unter-Aeijvpten, herausgegeben 
von Dr. Fr. Kruse. Berlin 1851, Bd. 1 S. 160 und 161. 



124 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Nr. 13. 



Stengel. Die Blume hat 2 Kelch- und 4 gelbe Blumen- 
bltter und scheint zu der Klasse Polvandria zu gehren. 
Einige der oben erwhnten Wurzelbltter haben eben 
solchen Metallglanz wie die Ziegcnzhue. Das Leuchten 
der Pflanze will Mr. Bertrand selbst beobachtet haben 
und obwohl Seetzen das Vorgeben, dass die Pflanze un- 
edele Metalle oder Erze in Gold verwandele, lcherlich 
tindet, so erscheint sie ihm doch wegen dieser Phos- 
phorescenz und der firuissgebenden Kraft" Aufmerksam- 
keit zu verdienen. Dass die angegebenen Blthenmerkmale 
eine Papaveracee charakterisiren , ist so einleuchtend, 
dass man sich wundern muss, dass Seetzen, der eine 
gute naturwissenschaftliche Bildung besass, diese Be- 
stimmung nicht gemacht hat. Die niedrigen einblthigen 
Stengel leiteten mich sofort auf das in Boissiers Flora 
Orientalis I. p. 111 angefhrte Papaver libanoticum Boiss., 
allein die laucettlich-pfriemlichen Bltter Seetzens schienen 
mit der dort gegebeneu Beschreibung unvereinbar. Doch 
sollte sich sofort zeigen, dass auch hier Probiren 
ber Studiren" gehe. An einem im August 1880 von 
G. S ch wein fr th oberhalb der Cedern gesammelten 
Herbar-Exemplare fand ich sofort, dass der Vergleich mit 
einem Centaurea-HU-Kelch gar nicht so unzutreffend ist, da 
die frischen, tief eingeschnittenen Bltter von trockenen 
Resten wenig getheilter bezw. von den Blattstielbasen ge- 
theilter dicht umgeben sind. Noch mehr war ich erstaunt, 
an einigen dieser halb oder ganz vertrockneten Blattstiel- 
reste einen schnen Goldglanz zu bemerken, und so konnte 
ich nicht daran zweifeln, das Seetzen'sche Goldkraut vor 
mir zu haben.*) Die einzige Abweichung der Beschreibung 
unseres Landsmannes betrifft die Blthenfarbe, welche 
Schweinfurth als hell ziegelroth" bezeichnet. Indess hat 
Seetzen ja die Pflanze nur in einem vermuthlich nicht 
allzu sorgfltig getrockneten Exemplare gesehen. 

Um den Goldglanz der Ziegenzhne mit dem hnlichen 
der Bltter des Libanon-Mohns in urschliche Verbindung 
zu bringen, dazu bedurfte es nicht gerade einer orienta- 
lischen Phantasie. Selbst die auf den ersten Blick so unglaub- 
wrdig erscheinende Angabe des nchtlichen Leuchtens, 
kann mglicher Weise einen thatschlichen Hintergrund be- 



*) Die von Herrn P. Gr aebner vorgenommene miki-oskopische 
Untersuchung der betreffenden Stellen ergab auf einer aus massig 
verdickten Zellen bestehenden Epidermis, deren Zellwnde gelb 
gefrbt sind, einen mchtigen Wachsberzug. Auch unser deut- 
sches Papaver alpinum zeigt brigens einen hnlichen, wenn auch 
schwchei-en Metallglanz. Viel aufflliger als P. alpinum und 
selbst libanoticum sind mir krzlich von Freund Sintenis mit- 

etheilte Fruchtexemplare von P. armeniacum (L.) Lam. vom 
ipikordagh (Sint. Iter Orient. 1890 No. 3070.), bei denen der 
reichverzweigte Stengel und die Bltter einen schnen Goldglanz 
besitzen, so dass ich mich nicht wundern wrde, wenn sich die 
auch dort nicht unbekannte Sage au diese Pflanze knpfte. 



sitzen. Bekanntlich hat schon der grosse Linne in den 
Schriften der Schwedischen Akademie 1762 mitgetheilt, dass 
seine Tochter in der Abenddmmerung an den Blumen 
von Tnipaeolum, der bekannten spanischen Kresse", ein 
blitzhnliches Leuchten bemerkt habe. Diese Beobachtung 
wurde vonHaggren an Calendula, von Pursh an Oeno- 
thera, berhaupt also an lebhaft rothgelben und gelben 
Blumen wiederholt. Die Sache erregte auch die Auf- 
merksamkeit unseres grssten Dichters, welchem dieselbe 
Wahrnehmung an den Blumen des orientalischen Mohns" 
in seinem eigenen Garten am 19. Juni 1799 zu spter Abend- 
zeit gelungen ist.*) Goethe erklrt diese Erscheinung, 
wie auch schon vor ihm Ingen-Housz und Andere, nicht 
wie Linne, fr eine wirkliche Phos])horescenz, sondern fr 
eine physiologische Farl)enerscheinung", d. h. eine op- 
tische Tuschung, indem das Nachbild der lebliaft gefrbten 
Blume in der complemeutren blaugrnen P"'arbe erscheint. 
Diese Erklrung wird auch von Treviranus, der diese 
von ihm selbst mehrfach beobachtete Erscheinung in seiner 
Physiologie der Gewchse II. S. 70 72 eingehend be- 
spricht, angenommen. Die Vermuthuug drfte wohl nicht zu 
gewagt sein, dass hnliche Beobaclitungen auch wohl \on 
den Hirten am Libanon gemacht und von diesen wunder- 
glubigen Naturkindern so gut wie von Linne und 
Anderen fr ein wirkliches Leuchten gehalten wurden. 
Durch diese Annahme wrden ja auch die Angabe ihre 
Erklrung linden, dass der Lichtschein bei der Annherung 
erlischt. Fand doch auch Goethe, dass wenn er sich vor 
die Stauden hinstellte und aufmerksam darauf sah, nichts 
bemerkt werden konnte, dass es ihm aber bei mehrmaligem 
Hin- und Wiedergehen gelang, indem er seitwrts darauf 
blickte, die Erscheinung so oft zu wiederholen als ihm 
beliebte. 

Nahe verwandte Papaver-Formen finden sich auf den 
Hochgebirgen Kurdistans, Armeniens (siehe die vor- 
hergehende Anm.) und Persiens, aber nicht auf denen 
Griechenlands. Weitere Nachforschungen mssen lehren, 
ob nicht auch dort Hochgebirgspflanzen vorkonnnen, welche 
hnliche Anhaltspunkte fr den Volksglauljen liefern, oder 
ob der letztere lediglich als aus Vorder-Asien eingefhrt 
gelten muss. 

So viel habe ich bis jetzt ermittelt. Selbstverstnd- 
lich werde ich fr Mittheilung weiterer Litteraturnotizen 
oder unverJfentlichterThatsachen sehr dankbar sein. Ausser 
den schon mehrfach genannten Herren bin ich auch 
Herrn Sanittsrath Dr. Bartels, Herrn Thierarzt (irimme 
und Herrn Matschie, Assi.stenten am Museum fr Natur- 
kunde, fr hierauf bezgliche Mittheilungen verpflichtet. 



1 



*) Goethe, Farbenlehre. No. 54. Ausgabe letzter Hand. 
Bd. 52 S. 37. 



Material zu einer Biographie Christian Konrad Sprengel's. 

Zusammengestellt im Auftrage der Redaktion von Dr. Robert Mi tt mann. 



Schall sagt in der Einleitung zu seinem Buch: Ur- 
kundliche Nachrichten zur Geschichte der Garnison und 
Garnisongemeiude in Spandau" (Verl. v. Herrn. Osterwitz. 
Spandau-Berlin 1888): Die Stadt und Festung Spandau 
besitzt ber ihre Vergangenheit einen so reichhaltigen Schatz 
von Urkunden und Aufzeichnungen, wie ein solcher ver- 
hltnissmssig wohl nur wenigen Orten von gleicher Grsse 
und Bedeutung zu Gebote steht. Sowohl in den stdtischen, 
als auch in den kirchlichen Archiven von den mili- 
trischen ganz abgesehen findet sich ein umfangreiches 
Quellenmaterial aufgefhrt. Eine der wichtigsten dieser 



Quellen ist die von dem ehemaligen Inspector*) (d. h. 
Superintendent) und Prediger an St. Nicolai, Daniel 
Friedrich Scliulze (j 1811) mit unendlichem Fleiss und 
grosser Sorgfalt zusannnengetragene und niedergeschrie- 
bene sogenannte Kirchenchronik, die derselbe unter dem 
Titel Zur Beschreibung und (Seschichte der Stadt Spandau 
gesammelte jMaterialien", der St. Nicolaikirciic als Manu- 
script hinterlassen hat, und die noch heut in Besitz und 

*) Als I n spectoren" der Schulen fungirten damals Per- 
sonen, welche etwa denselben Rang hatten, wie heutzutage die 
Superintendenten. 



Nr. IB. 



Naturwi8.sens('liaftliche Wochensclirift. 



12. 



Aufbewahrung derselben sicli befindet. Dieselbe bildet 
einen dicken Folioband von 1071 eng und schn ge- 
schriebenen Seiten in schlicliteni, bereits ziemlich schad- 
haften Einband. Dieselbe reicht bis 1804. 

Inspector (Superintendent) Schulze war der un- 
mittelbare Vorgesetzte und einer der heftigsten Gegner 
.Siirengers. Die Streitigkeiten zwischen beiden sind des- 
iialh in der Chronik besonders ausfhrlich geschildert. 

Die dankenswerthe Liebenswrdigkeit des derzeitigen 
()ber]iredigers an St. Nicolai, Herrn Recke, hat es der 
Redaction der Natnrw. Woehenschr." ermglicht, sinmt- 
liclies auf Sprengel bezgliche Material nachstehend wort- 
getreu zu verffentlichen*). 

(Schulze'sche Chronik S. 1017. Jahr 1780.) Den 
31 Dec. 1779 resignirte der rector Recke bey Gelegenheit 
eines gehabten Verdrusses mit der Mutter eines Schulkindes, 
aus hypochondrie seine Stelle, die er auf Ostern verlassen 
wolle. Da man ihn nicht bewegen konnte zu bleiben; 
so wurde der vom professor Zierlein aus Berlin empfohlene 
Lehrer am grossen Friedriehswaysenhause daselbst, 
H. Conrad Sprengel, nachdem er d. 20. Maerz seine Prol)e 
hier gelesen, vom Magistrat und mir zum rector erwhlt, 
aucii, nach erhaltener confirmation, beru'eu. (Chronik 
S. 406. Von den Rectoren No. 45). Christian Conrad 
Si)rengel (1780 93), aus Brandenburg geburtig. Er iiatte 
seit G Jahren an der Schule des grossen Friedrichsliospitals 
gestanden und zugleich auf der kniglichen ecole niiii- 
taire lection gegeben. Der jirofessor Zierlein vom (Jrauen 
Kloster empfahl ihn an mich als einen geschickten Schul- 
mann und so befanden wir ihn, als er in meiner, Herrn 
Staats und Fidlers, auch der Schulcollegen Gegenwart, 
vor dreyen Mitgliedern des Magistrats und Herrn Justiz- 
rath Lemcke, Proconsul**; und Amtsrath Hart, auch Post- 
meister und Senator Puhlmann, an der Schule die Probe*-'*) 
las. Der conrector der Schule zu Berlin (nachmals pro- 
fessor), Herr Moriz, meldete sich auch bey mir persniicli 
um die Stelle, welcher aber ohne Probelection beruften 
seyn wollte, welches doch, da Herr Sprengel schon zu 
einer dergleichen eingeladen war, nicht geschehen konnte : 
so konnte daraus nichts werden. Herr Sprengel wurde 
dem Oberconsistorio zum tentamen praesentirt und von 
solchem approbirt; hierauf hier den 25. April 1780 vocirt 
und von mir introdueirt und hielt er seine Antrittsrede 
von dem Nuzen der griechischen und lateinischen Sprache 
grndlich und mit Beyfall. Allein so geschickt dieser 
Manu wUrklich war; so unruhig und eigensinnig war er. 
Gleich im