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Full text of "Naturwissenschaftliche Rundschau : wöchentliche Berichte über die Fortschritte auf dem Gesammtgebiete der Naturwissenschaften"

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NATURWISSENSCHAFTLICHE 



KUND SCHAU 



NEUNZEHNTER JAHRGANG 



NATURWISSENSCHAFTLICHE 



RUND S CHAÜ 



WÖCHENTLICHE BERICHTE 



Ober die 



FORTSCHRITTE AUF DEM GESAMTGEBIETE 

DER 

NATURWISSENSCHAFTEN 



UNTER MITWIRKUNG 

VON 

Prof. Dr. J. BERNSTE IN- Halle, Prof. Dr. W. EB STEIN -Göttingen, 

Prof. Dr. A. v. KOENEN-Göttingen, Prof. Dr. E. LAMPE-Berlin, 
Prof. Dr. RICHARD MEYER-Braunschweig UND ANDEREN GELEHRTEN 

HERAUSGEGEBEN VON 

PROF. Dr. W. SKLAREK 



NEUNZEHNTER JAHRGANG 



BRAUNSCHWEIG 

DRUCK UND VERLAG TON FRIEDRICH VIEWEG UND SOHN 

1904 



Alle Rechte, namentlich dasjenige der Übersetzung in fremde Sprachen, 

vorbehalten 



Sach -Register. 



Astronomie und Mathematik. 

Algebra, elementare, Enzyklopädie 580. 

Astronomie 129. 398. 

Astronomischer Jahresbericht 436. 

Bewegungen, veränderliche, der Sterne 520. 

Doppelsterne 220. 288. 624. 

Doppelstern t Pegasi, Bahn 220. 

■ — , spektroskopischer, i) Piscium 288. 

Erdkunde, astronomische 48. 

— , mathematische 465. 

Erdsphäroid 192. 

Fixsterne, Entfernungsbestimmungen. Kritik 

der neueren Methoden 105. 
Formelsammlung, physikalische 117. 
Geodätisch-astronomische Arbeiten 182. 
Geographie, mathematische 452. 
Geographische Koordinaten, astronomische 

Bestimmung 48. 
Geometrie, darstellende, Leitfaden 63. 
Geschichte der Elementarmathematik 152. 
Himmelsbewegungen 490. 
Himmelskörper, Ursache der Bewegungen 

530. 
Integrale, Vorlesungen 644. 
Jupiterspektrum 420. 
Kalender, astronomischer 164. 
Kometen, Bahnbestimmungen 25. 248. 300. 

S24. 
— , periodische im Jahre 1904 1. 

Schweife und Radium 221. 237. 

— , Typen, Bredichinsche 29. 

Komet 1894 1, Bahn 25. 

— , Brooks, 1896 V, Helligkeitsänderung 144. 

— 1903 IV, abgetrennter Schweif 624. 

— , neuer, 1904 a, von Brooks 220. 236. 

248. 300. 
— , Tempel (1873 II) 660. 
Leier, Kingnebel, Parallaxe 144, Struktur 52. 
Leoniden ^1904, 648. 672. 
Lichtwechsel des Granatsterns 516. 

— des PCephei 40. 
Logarithenentafeln, fünfstellige 503. 
Marskanäle, verdoppelte, Messung der Ab- 
stände 336. 

Meteore, Bahnen 184. 
Mathematische Mußestunden 669. 

— des Orionidenscbwarms 672. 

Schwärm der Perseiden 520. 

Mond, Oberrlächenänderungen 492. 

Neptun-Spektrum 555. 

Observatorium auf Monte Rosa 300. 

Orionidenschwarm 672. 

Orionnebel, Photographie 532. 

Parallaxen, Bestimmungen 520. 

Planeten-, Sonnen- und Doppelsternsysteme, 

Entstehung 117. 
Planet NY 1904, Bahn 364. 
Planetoiden , Helligkeitsschwankungen 68. 

120. 312. 
— , neue, des Jahres 1903 169. 
— , neue 272. 

Plejadensterne, Geschwindigkeiten 352. 
Ringnebel der Leier, Parallaxe 144. 

, Struktur 52. 

Saturn-Mond, neunter 404. 504. 



Saturn, Rotation 80. 

Schwere-Bestimmungen in Sizilien und Süd- 
italien 337. 

Sirius-Begleiter, Bahn 312. 

Sonnen-Bewegung, llichtung und Größe 104. 

Sonne, Calcium- und Wasserstonwolken 145. 

— , Fackeln, Bewegung der Tätigkeitszentren 
394. 

— , Flecken 200. 208. 241. 277. 487. 

— , — , Breitenschwankungen 241. 

— , — und erdmagnetische Stürme 200. 
277. 

— , — und Sternespektren 487. 

— , Strahlung und Gravitation 609. 

— , System, Theorie der Entstehung 13. 
413, 595. 

— , Tätigkeit 456. 

Spektrum der Sonnennecken und Sterne 
487. 

— des Veränderlichen S Sagittae 572. 
Sterne, Einteilung nach .den Temperaturen 

325. 
Sternschnuppe, niedrige 584. 
Sternwarte zu Heidelberg, Veröffentlichungen 

62. 
Strahlung im Sonnensystem 609. 
Uranus, Spektrum 555. 
Veränderliche, Lichtschwankungen 300. 
— , neue 92. 104. 220. 352. 376. 388. 

480. 532. 556. 

— im Orionnebel 168. 288. 

— des Oriontypus, Spektralaufnahme 168. 
— , spektroskopische, Änderung der Eigen- 
bewegung 16. 

Veränderlicher, interessanter 104. 
— , neuer, kurze Periode 220. 

— PCephei 40. 



Meteorologie und Geophysik. 

Alpen, Isothermen und Höhengrenzen der 
Wälder und des Schnees 305. 

Atmosphäre, Absorption aktinischer und 
thermischer Strahlen 71. 

— , Ebbe und Flut 286. 

— , elektrische Leitfähigkeit und meteoro- 
logische Faktoren 576. 

— , elektropneumatischer Motor 465. 

— , Pilzkeime 297. 

— , Potentialgefälle, Ursache 227. 

— , Radioaktivität 189. 259. 539. 

— , Sondierungen zu Hald 433. 

Ausstrahlung, nächtliche, auf dem Sonn- 
blick 9. 

Bishopscher Ring, Wiedererscheinen 247. 

Blitz, induzierte Radioaktivität 381. 

Blitze, tödliche, Verbreitung in Ungarn 92. 

Chiemsee, Niveauschwankungen 403. 

Climatology of California 425. 

Deviationstheorie 101. 

Ebbe und Flut der Atmosphäre 286. 

Bisdicke in Sibirien 150. 

Elektrizität, atmosphärische, in Krems- 
münster 103. 

— , — , Registrierung 286. 



Elektrizität, Zerstreuung in Berlin 51. 
— , — zu Mattsee 119. 
— , — im Sturm auf dem Eiffelturm 479 
— , — , täglicher Gang 175. 363. 526. 
Erde, negative Ladung, Ursache 227. 
Brdmagnetische Anomalie des Pariser Beckens 
44. 

— Elemente am 1. Januar 1904 131. 

— — zu Potsdam 635. 

— Störung am 31. Okt. und 1. Nov. 1903 
214. 

— Störungen und Sonnenflecken 200. 277. 

— — , systematische Beobachtungen 286. 
Erdmagnetismus, Änderung mit der Höhe 

136. 
— , Archiv 129. 

— , internationale Untersuchung 600. 
Farben der Seen 176. 

Feuchtigkeit südafrikanischer Wolken 369. 
Formaldehyd , Bestandteil der Atmosphäre 

167. 
Gezeiten des Indischen Ozeans 432. 

— an den niederländischen Küsten 589. 
Halophänomene in Rußland 666. 
Himmelslicht, Polarisation 343. 
Hochfluten von 1903 im Mississippi-Gebiet 

578. 

Höhenmessung, barometrische 332. 

Insolation, jährlicher Gang in Warschau 
318. 

Island, Witterungsanomalien, Einfluß auf 
Europa 157. 

Isothermen der Schweizer Alpen und Höhen- 
grenzen 305. 

Klimaschwankungen, 35 jährige 551. 

Kugelblitz 570. 

Lawinen an der Jungfrau 614. 

Leman, le, Monographie limnologique 581. 

Luftdruck, jährlicher Gang in Berlin 287. 

— in Island und Nordwesteuropa 157. 
Magnetismus vulkanischer Gesteine, Rich- 
tung 85. 

Meer, das, und die Kunde vom Meer 469 

481. 
Meteorologische Beobachtungen zu Tasisi- 

usak 477. 

— Gesellschaft, deutsche, zehnte allgemeine 
Versammlung 285. 

Niederschlag, Bildung in Zyklonen 287. 

Niveauschwankungen der Küstengebiete 403. 

Ozon im Sonnenspektrum 560. 

Passatstaub aus Seeblüte 595. 

Polarlichter, Natur 300. 

Polarisation des Himmelslichtes bei Däm- 
merung 343. 

Psychrometertafeln 307. 351. 

Regen, Größe und Geschwindigkeit der 
Tropfen 493. 

Fälle, sommerliche, Wanderung 287. 

Schnee-Dichte in Rußland 150. 

Grenzen in Schweizer Gletschergebieten 

111. 

Kristalle 528. 

— und Reif 140. 

Seeblüte als Passatstaub 595. 
— , Farben 176. 



9. ; 



3 V 



VI 



Sach-Register. 



Seen aus Salzwasser, Temperaturen 571. 
Seiches am Chiemsee 403. 
Sonnen-Beleuchtung, Messung 59. 

Schein, Dauer in der Schweiz 143. 

Strahlung, aktinische und thermische 

71. 

jährlicher Gang 318. 

, Schwankung und Erdtemperatur 

457. 

auf dem Sonnblick 9. 

Station, meteorologische, höchste 47. 
Staubfälle im Februar 1903 97. 
Temperatur, Abnahme mit der Höhe 125. 

409. 433. 

— über Berlin 266. 538. 

— auf dem Sonnblick 84. 

Sprünge am Baikalsee 150. 

— ungarischer Salzwasserseen 571. 

— der untersten Luftschichten 323. 

— des Wassers der westeuropäischen Küsten 
286. 

Thermalquellen-Gase, Radioaktivität 344. 

Wald und Klima 286. 

Weather Folk-Lore 453. 

Wetter-Schießen, Wirkung 532. 

Vorhersage 37. 517. 

Wind und Wetter 565. 

Witterung, Anomalien in Island und Nord- 
westeuropa 157. 

Wolken-Beobachtungen in Potsdam 1896 und 
1897 347. 

— Südafrikas, abgelagerte Feuchtigkeits- 
menge 369. 

Physik. 

Abkühlung von Stahlstäben beim Biegen 

126. 
Absorption und Diffusion des Wasserstoffs 

in Palladium 214. 

— in Kohle eingeschlossener Gase bei 
niedrigen Temperaturen 653. 

— des Lichts in Lösungen, Beersches Ge- 
setz 21. 

— ultravioletter Strahlen in isomeren Kör- 
pern 85. 

— — — in organischen Flüssigkeiten 278. 
Actinium, induzierende Wirkung 196. 
Aggregatzustände der Metalle, Theorie 625. 
Akkumulatoren, Herstellung 193. 

Argon, dielektrische Kohäsion 243. 
Äther, chemische Auffassung 273. 289. 
Ausfloekungserseheinungen 395. 540. 
Beersches Gesetz der Lichtabsorption in 

Lösungen 21. 
Biegen von Stahlstäben, Abkühlung 126. 
Bilderzeugung in optischen Instrumenten 

282. 
Blitz, induzierte Radioaktivität 381. 
Blondlot-Strahlen 27. 52. 104. 112. 167. 

247. 388. 439. 571. 660. 
Bogen, elektrischer, Spannungsverlust 44. 

— — , Spektrum im Vakuum 21. 

, Strahlung 137. 

Brechungsindex der Gase und Druck 416. 
Destillation von Metallgemischen 512. 
Diamanten, Wirkung der Radiumemanation 

512. 
Dichtigkeit, Abnahme durch Kompression 

343. 
Dielektrische Kohäsion des Argons und 

seiner Gemische 243. 

— — von Quecksilberdampf 489. 
Diffusion des Wasserstoffs durch heißes 

Platin 500. 

durch Palladium, Einfluß von Tem- 
peratur und Druck 214. 

Dopplersches Prinzip in der Optik, Experi- 
ment 155. 

Effluvium, Synthese der Stearinsäure 577. 

Elastizität und Medium 207. 

Elektrischer Lichtbogen, Spannungsverlust 
44. 



Elektrischer Lichtbogen, Spektrum im Va- 
kuum 21. 

, ultraviolette Strahlung 137. 

Elektrische Theorie der Materie 505. 521. 
Elektrizität, Entladung in Flüssigkeiten 572. 
— , — aus glühenden Fäden der Nernst- 

lampe 635. 
— , — zwischen Spitze und Ebene 73. 
— , Entstehung in amorphen Dielektrika 

durch Kompression 150. 
— , — beim Durchblasen von Luft durch 

Lösungen 410. 
— , — — — durch Wasser und Lösungen, 

Einfluß des Druckes 562. 
— , — durch Reflektieren von Lichtstrahlen 3. 
— , — durch X-Strahlen im Vakuum auf 

Metallen 160. 
— , Ladung durch Ionenabsorption 41. 
— , Leitung abgeschlossener atmosphärischer 

Luft 421. 
— , — — der Atmosphäre und meteorologische 

Faktoren 576. 
— , — in hohem Vakuum bei radioaktiven 

Körpern 601. 
— , — der Luft durch Wasserfälle 72. 
— , — des Natrium und Kalium 336. 
— , Statische, Einführung 656. 
— , Voltasche durch Radiumstrahlen 97. 

— der Zellen, Bedeutung 197. 

— , Zerstreuung in der Atmosphäre 51. 119. 

175. 363. 479. 526. 
— , — durch Röntgenstrahlen 590. 
Elektrolytischer Wellendetektor 636. 
Elektroskopblättchen, Divergenz durch Licht 

195. 
Elektrostatik und Elektrokinetik 245. 
Elektrotechnik, Einführung 362. 
Emanation von Leitungswasser und von 

Radium, Absorptionsgesetze 203. 
— , radioaktive, Nichtladung 421. 

— des Radiums, Eigenschaften und Um- 
wandlungen 353. 

— — , Ladung 330. 

— — , Natur 235. 

— — , Wärmewirkung 251. 

— des Wassers 34. 203. 236. 319. 

und Ölquellen 319. 

Emanium, Spektrum 624. 
Emission,, schwere 394. 462. 
Experimentalphysik 76. 205. 593. 
Fenomeni fisici, Teoria 258. 

Flamme, Spektren der Alkalimetalle 190. 

— , Wassergasgleichgewicht und Tempera- 
turbestimmung 228. 

Fluoreszenz und chemische Konstitution 171. 

Flüssige Kristalle, Natur 601. 

Flüssigkeits-Lamellen und Oberflächen 202. 

Funken, elektrische Experimentalunter- 
suchungen 550 

— , — , in isolierenden Flüssigkeiten, Wärme- 
wirkung 45. 

— , — , Wirkung des Radiums 279. 

Gallerte, optisches und elastisches Verhalten 
363. 

Galvanomagnetische Effekte der Metalle 642. 

Galvanoplastik 518. 

Gas-Geniische, Spektra 561. 

■ Strahlen, mikrophonische Eigenschaften 

112. 

— verdünntes, Leuchten im Teslafelde 433. 
Gelatine, Erstarren und Quellen 98. 
Gemische von Metallen, Destillation 512. 

— von Zuckern, Schmelzpunkt 653. 
Glimmstrom , elektrischer Massentransport 

595. 
— , Spektrum bei Atmosphärendruck 577. 
Heliumlinie, Umkehr im Sounenspektrum 

479. 
Hertzsche Wellen und phosphorziereude 

Schirme 312. 
Hydrodynamische Fernkräfte 116. 
Ionen, Absorption und Ladung 41. 



Ionen, negative, aus glühenden Metallver- 
bindungen 488. 

— , Wiedervereinigungsgeschwindigkeit und 
Lufttemperatur 85. 

Ionisierung der Gase durch Röntgenstrah- 
lung und Temperatur 190. 

— — ■ — verschiedener Art 630. 

— der Luft, Nachweis durch Kondensation 
434. 

durch radioaktive Körper 667. 

Isolatoren, elektrische Vorgänge nach Fara- 

day 389. 
Isomere Körper, Absorption ultravioletter 

Strahlen 85. 
Kathodenstrahlen 565. 

— des Radiums, Verschiedenheiten 365. 
Kohärer aus Bleisuperoxyd , Widerstands- 
schwankungen 228. 

Kolloidale Lösungen, gegenseitige Beein- 
flussung 239. 350. 

— Metalle, optisches Verhalten und Teilchen- 
größe 175. 

Kolorieren photographischer Bilder 131. 
Kompressibilität fester Körper 403. 
Kondensationen zum Nachweise von Ionen 

in Luft 434. 
Kraftlinien, elektrostatische, Darstellung 389. 
Kristalle, flüssige, Natur 601. 
Kristallisieren und Schmelzen 581. 

— durch Zentrifugalkraft 489. 
Kunzit, Strahlungen 556. 

Legierung von Wismut und Zinn, Magneti- 
sierbarkeit 584. 

Leuchten verdünnter Gase im Teslafeld 433, 

Levitation und Flugproblem 567. 

Licht, Absorption in Lösungen und Disso- 
ziationstheorie 529. 

— , — wässeriger Kupfersalzlösungen 21. 

— und Divergenz von Elektroskopblättchen 
195. 

elektrische Metalle, Ermüdungsursache 

492. 

— -Fallen 336. 

— , monochromatisches, Herstellung 504. 

Strahlen, Umwandlung in Elektrizität 

beim Reflektieren von bewegten Flächen 3. 

Luft, Elektrisierung beim Durchblasen durch 
Wasser und Lösungen 562. 

— , Leitfähigkeit in geschlosseneu Behältern 
421. 

— , — durch Wasserfälle 72. 

Magnetisches Feld und Leuchten phos- 
phoreszierender Schirme 167. 

— Längenänderung von ausgeglühtem Ko- 
balt und Nickel 521. 

Magnetisierbarkeit von Wismut- Zinn- Le- 
gierungen 584. 

Magnetisierung und thermoelektrische Eigen- 
schaften 474. 

Magnetismus und chemische Prozesse 161 

— und Kristallwachstum 161. 

— , remanenter, magnetischer Gesteine 132 

— und Tonhöhe der Stimmgabeln 27. 

— vulkanischer Gesteine, Richtung 85. 
— , Wirkung auf Spektrum der Geißlei" 

röhren 614. 
Magnetostriktion verschieden prozentigei 

Nickelstahle 498. 
Materialprüfungsamt der Berliner Techni 

sehen Hochschule 553. 
Materie, Theorien 505. 521. 
Mechanik, Lehrbuch 100. 
Metalle, Härten und Erweichen 625. 

— Passivität 642. 
Mikroskop, Theorie 270. 

Moleküle, gelöste, optischer Nachweis 475. 

Motorische Kraft, Erzeugung durch Ver- 
brennungskral'tmaschinen 637. 649. 661. 

Nebel-Bildung und 'Kerne bei Spitzenentla- 
dung 629. 

Nickel, reines, Ausdehnungskoeffizient 467. 

Stahl, Magnetostriktion 498. 

— , Theorie 185. 



Sach-Register. 



VII 



N-Strahlen, Dispersion und Wellenlänge 112. 
— , Durchlässigkeit gewisser Körper -47. 
— , Empfindlichkeit von Farben 439. 

— komprimierter Körper 52. 
— , neue 167. 

— , Speicherung 27. 

— und /^-Strahlen 571. 

— durch Tonschwingungeu 104. 
— , Umfrage 660. 

— , Wirkungsart 388. 

Oberflächen - Festigkeit und Zähigkeit der 

Flüssigkeiten 202. 
Optik für Photographen 553. 
Ozon, Absorption der ultravioletten Strahlen 

40. 560. 

— und Ermüdung lichtelektriseher Metalle 
492. 

— und Radioaktivität, Analogien 59. 133. 
184. 

Passivität der Metalle 642. 

Phosphoreszenz, funkelnde, durch Kadium- 
strahlen 9. 

Photechie 460. 

Photoelektrizität der Metalle , Ermüdung 
und Erholung 259. 

Photographische Bilder, Kolorieren 131. 

— Wirkung belichteter Körper 460. 
Photometrie, heterochrome 35. 
Physik, Lehrbücher 129. 383. 616. 
— , technische, Fortschritte 503. 
Physikalisch-chemische Theorien 25. 
Quecksilber, katalytisches, Schichtdicke 607. 
Quellen, radioaktive Emanation 319. 520. 
Quellungserscheinungen von Gelatine 98. 
Radioaktive Substanzen 53. 153. 601. 

— — der Bodenluftemanation 53. 

— — , Wirkung auf Elektrizitätsentladung 
im Vakuum 601. 

— Torsionswage 667. 

Radioaktivität, atmosphärische 189. 259. 

539. 
— , durch Blitz induzierte 381. 
— , Energiequelle 369. 

— und Entwicklung der Materie 491. 

— .von Erdarten und Quellsediraenten 447. 

— des frisch gebrochenen Uranerzes 571. 

— der Gasteiner Thermen 520. 
— , Gesetz des Abklingens 292. 

— und Helium, Verbreitung in Mineralen 
und Mineralwässern 267. 

— Nachweis, 667. 

— und Ozon, Analogien 59. 133. 184. 
— , Theorie 133. 

— der Thermalquellengase 344. 

— des Wassers 34. 203. 236. 319. 

— des Wasserstoffsuperoxyds 91. 
Radiotellur- und Röntgenstrahlen 428. 
Radium in den Absätzen der Bath-Quellen 80. 
— , Bewegung im elektrischen Felde 254. 

— und elektrischer Funke 279. 

— und elektrischer Widerstand des Wismut 
155. 

— , elektrochemisches Verhalten 215. 

Emanation und Diamanten 512. 

, Eigenschaften und Umwandlung 353. 

, Ladung 330. 

, Natur 235. 

, Wärraewirkung 251. 

— , Entstehung 431. 

— und Funkenentladung 504. 
Gase 184. 

— , Kathodenstrahlen verschiedener Ge- 
schwindigkeiten 365. 

— und Kometenschweife 221. 237. 
— , leuchtendes, Spektrum 10. 

— , Menge für die Erdwärme 647. 

Strahlen, ß- Strahlen, Intensität und 

Absorbierbarkeit 475. 
, durchdringende; y - Strahlen 330. 

499. 

: — , funkelnde Phosphoreszenz 9. 

und Kontaktelektrizität 97. 

— , Nachweis durch Phosphore 311. 



Radium-Strahlen, photographische Wirkung 

242. 
Reflektor, lichtstarker 52. 
Registrierelektrometer, neuer 286. 
Rikoschettschuß 542. 
Röntgenstrahlen . Elektrizitätszerstreuung 

590. 

— und Ionisierung der Gase 190. 630. 
Schlagweite, kleinste, und Potentialdifferenz 

461. 

Schmelzpunkt einiger Zuckermischungen 653. 

Seide, elastische Konstanten 92. 

Selenzelle, Wirkung des Lichtes 127. 235. 

Silber, ätiotropes, Farben 22. 

Singende Gasstrahlen 112. 

Spektrallinien, helle, Analyse 410. 

Spektrum , diskontinuierliches Emissions- 
spektrum fester organischer Körper 360. 
42'J. 

— der Flammen von Alkalimetallen 190. 

— der Funken von Metallen , Energiever- 
teilung 301. 

— von Gasgemischen 561. 

— von Geißlerröhren im Magnetfehle 614. 

— der Glimmentladung bei Atmosphären- 
druck 577. 

— des leuchtenden Radiums 10. 

— , metallischer Bogen im Vakuum 21. 

— - Photographien, Umkehrungen 60. 
Spezifisches Gewicht, Änderung beim Draht- 
ziehen 539. 

Spiralen aus Gummigutt 647. 
Starkstromtechnik, theoretische Grundlagen 

141. 
Stickstoffflamme, Spektrum 544. 
Stimmgabeln , gezwungene Schwingungen 

287. 
/J-Strahlen, Intensität und Absorbierbarkeit 

475. 
— , durchdringende (y), des Radiums 330. 

499. 
Strahlungen, die neueren 553. 
Suspensionen in Medien hoher innerer Rei- 
bung 151. 
Technik, militärische 348. 
Telegraphie, drahtlose 165. 
— , Grundzüge 182. 
Thermoelektrische Eigenschaft, Beziehung 

zur magnetischen Kraft 474. 
Thermomagnetische Effekte in verschiedenen 

Metallen 642. 
Thermoskop, Differential- und Doppel - Th. 

670. 
Trocknen von Gasen durch Abkühlen 98. 
Ultraviolette Strahlen, Absorption durch 

Ozon 40. 

— — der Metallspektra, Wärmewirkungen 
301. 

— — und stereochemische Isomerie 85. 
Umkehrungen, photographische, in photo- 
graphischen Spektren 60. 

Verbrennungskraftmaschinen 637. 649. 661. 

Viskosität pechähnlicher Substanzen 295. 

Volt.ieffekt, Polarisation 597. 

— , Ursache 382. 597. 

Wärme, Absorption organischer Flüssig- 
keiten 278. 

— , Eutwickelung von in Kohle eingeschl. 
Gasen bei niedrig. Temp. 653. 

— der Funken in isolierenden Flüssigkeiten 
45. 

— und Helligkeit phosphoreszierender 
Schirme 287. 

Wasser, Radioaktivität 34. 203. 236. 319. 
Wasserfälle und Leitfähigkeit der Luft 72. 
Wasserstoffsuperoxyd-Strahlen (O.-M.) 358. 
Wellen-Detektor, elektrolytischer 636. 

— elastische, im Erdboden, Beobachtung 641. 

Längen, Rowlandsche, Revision 208. 

Wirbelringe, Experiment 227. 

Zeiss-Werk in Jena 530. 

Zentrifugalkraft, Wirkung auf Konzentration 

und Auskristallisieren 489. 



Chemie. 

Actinium und Em.mium 630. 

Allotropien der Elemente 249. 261. 

Anaesthetica, chemische Wirkungen 447. 

Analyse, chemisch-technische 518. 

Arginase 331. 

Äther, chemische Auffassung 273. 289. 

Aucubin 411. 

Ausflockungserscheinungen 395. 540. 

Autoxydation, Kritik der Vorgänge 592. 

Bakterien, Sulfatreduktion 36. 

Blut, Hydroxylionengehalt 28. 

Cellulose , Zersetzung durch aerobe Mikro- 
organismen 341. 

Chemie, Jahrbuch 165. 543. 

— , Lehrbücher 13. 117. 142. 154. 193. 
271. 320. 348. 371. 413. 453. 465. 

Chemische Grundlage des Artenbegriffes 557. 

— Verwandtschaftslehre 77. 
Chimie physique, Journal 426. 
Chlor, photochemisch aktives 345. 
— , Vereinigung mit Wasserstoff 345. 
Chloroform, Lösungen, physikalisch-chemi- 
sche Eigenschaften 447. 

Cyanidprozesse zur Goldgewinnung 467. 

Cystin, Überführung in Taurin im Tier- 
körper 11. 

Effluvium, Synthese der Stearinsäure 577. 

Eiweiß, Verteilung des Stickstoffs 255. 

Eiweißkörper, Chemie 477. 

Elektrochemie 88. 437. 

Elektrolytische Reduktionen 37. 

Elektrometallurgie der Alkalimetalle 491. 

Elemente und Verbindungen nach Ost- 
wald 441. 

Emanium und Actinium 630. 

Enzyme, gärungserregende in Zellen höherer 
Tiere 45. 

— von Monilia Candida und Milchzucker- 
hefe 113. 

Exradio, Eigenschaften und Umwandlungen 

353. 
Fermentwirkungen 448. 
Fettspaltung, fermentative 319. 
Fluoreszenz und chemische Konstitution 171. 
Fluoreszierende Verbindungen , künstliche 

Darstellung 271. 
Formaldehyd , Bestandteil der Atmosphäre 

167. 
Gärung , alkoholische , chemische Vorgänge 

162. 
— , — Glycerinbildung 552. 
Glycerin bei alkoholischer Gärung 552. 
Gold, Vorkommen, Gewinnung, Bearbeitung 

63. 
Grundstoffe, Lehre 117. 
Hefe , obergärige , Saft , und alkoholische 

Gärung 247. 
Helium, Bildung aus Radiumemanation 590. 
Hypochlorite und Bleiche 455. 
Jahrbuch der Chemie 165. 543. 
Imidazole und Purinsubstanzen , Diazo- 

amiuoverbindungen 279. 
Indol des Eiweiß, Konstitution 345. 
Katalyse , negative im homogenen System 

69. 

— des Wasserstoffsuperoxyds durch Palla- 
dium 204. 

Katalytisches Quecksilber, Schichtdicke 607. 

— Wirkung des Platinschwarz 370. 
Kohlenoxyd-Knallgas, Abkühlung 98. 
Kolloide Metalle der Platingruppe 127. 
Kupfer und Sauerstoff 361. 
Kynurensäure, Quelle 345. 

Laktone 26. 

Legierungen von Eisen und Nickel, Theorie 
185. 

Magneteisenstein , Bildung durch Erhitzen 
von Eisen in C0 2 591. 

Magnetismus und chemische Prozesse 161. 

Molekulargewichtsbestimmung, mikroskopi- 
sche Methode 364. 



VIII 



Sach -Register. 



Molekulargewichtsbestimmung nach Siede- 
verfahren 102. 

Nahrungsmittelchemie 582. 

Nicotin, Synthese 306. 

Nitrosoverbindungen 26. 

Organische Verbindungen , Analyse und 
Konstitution 218. 

Ozon , Bildung bei Spitzenentladung und 
im Siemensschen Apparat 33. 

Periodisches System, Geschichte 398. 

Phaseolunatin , cyanogenetisches Glykosid 
23. 

Phtalei'nsalze, Konstitution 121. 

Platinschwarz, katalytische Wirkung 370. 

Polypeptide, Synthese 422. 

Problemi chimici 182. 

Purinsubstanzen, Bindung im Nucle'insäure- 
molekül 279. 

Radioaktive Körper, Umwandlungen 377. 
431. 

Radium, Entstehung 431. 

Salze, Elektrolyse 219. 

— , Wirkung auf seltene Erden 119. 

Raffination, elektrolytische des Kupfers 543. 

Röntgenstrahlen , chemische Wirkung auf 
Bromsilbergelatiue 92. 

Santoningruppe 77. 

Saponinsubstanzen 633. 

Sauerstoff, flüssiger, Reindarstellung und 
Eigenschaften 295. 

Schlangengift und Lecithin 320. 

Schwarzpulver 477. 

Schwefel, Wirkung auf Eiweißkörper 229. 

Schwefelsäure-Industrie, Stand 49. 

Sidotblende, Darstellung 672. 

Sorbose, Entstehung durch Bakterien 663. 

Sprengstoffe, technische, Fortschritte und 
organische Chemie 209. 

Stereochemie 518. 

Stickstoff- Verbindungen im Meere, Bedeu- 
tung 240. 

■ — , Verteilung im Eiweißmolekiil 255. 

Sulfatreduktion durch Bakterien 36. 

Synthese, asymmetrische 137. 

— von Stearinsäure durch elektrische Ent- 
ladungen 577. 

Synthetische Methoden der organischen 
Chemie 206. 

Teerfarbstoffe 518. 

Thei'n der Teepflanzen 100. 

Verbindungen nach Ostwald 441. 

Volutin, Verbreitung und Chemie 463. 

Wasserzersetzung, elektrolytische, Entdecker 
40. 

Xanthinderivate im Stoffwechsel der Pflan- 
zen 8. 

Zuckerarten, Chemie 491. 



Geologie, Mineralogie und Palä- 
ontologie. 

Abronia in der Tertiärflora Europas 320. 

Alpen, Karten und Relief 632. 

Amazonas-Gebiet, Geologie 179. 

Atoll von Funafuti 439. 659. 

Australischer Busch und Küsten des Ko- 
rallenmeeres 14. 

Baden, Landeskunde 543. 

Bayern, Landeskunde 543. 

Böhmen, Bau und Bild 81. 93. 

Bolivien, Geologie 138. 

Diluvialer Mensch in Europa 37. 

Elsaß-Lothringen, Landeskunde 593. 

Erdbebenkunde, Handbuch 399. 

Eruption des Mont Pele , Bildung der 
Quarzgesteine 255. 

Rückblick 529. 

Flora, fossile, antarktischer Gebiete 449. 

Funafuti, Atoll 439. 659. 

Gebirgskettungen in Ostasien 4. 17. 

Geologie des Amazonasgebietes 179. 

— der böhmischen Masse 81. 93. 



Geologie von Deutschland 88. 

— von Helgoland 113. 

— von Kiautschou 631. 

— für Schulen 258. 

— des südöstlichen Bolivien 138. 
Geologische Ergebnisse der norwegischen 

Polarexpedition 35. 

— Heimatskunde von Thüringen 130. 
Geomorphologische Studien aus Ostasien 

4. 17. 

Gletscher 405. 41 9. 

Helgoland, Geologie 113. 

Kamel, fossiles, aus neolithischer Höhle 364. 

Korallenfels von Funafuti 659. 

Kordillere in Ecuador, kristalline, Alter 
578. 

Kyffhäuser , k ataklastische Massengesteine 
280. 

Lausitz, südöstliche, im Gebirgsbau Deutsch- 
lands 384. 

Martinique, Ausbruch des Mont Pele, Rück- 
blick 529. 

Meer, das, und die Kunde vom Meere 469. 
481. 

Mineralien des Fichtelgebirges 118. 

— , mährisch-schlesische, Verzeichnis 49. 

Mineralreich, das 454. 604. 

— . Naturgeschichte 165. 

Odenwald, Oberflächengestaltung 566. 

Ostasien, Morphologie 4. 17. 

Paläontolosie. Lehrbücher 13. 49. 299. 

Pele-Vulkan, Obelisk 415. 

Petrographie 26. 

Petrograpbisches Praktikum 89. . 

Polarexpedition der „Fram", geologische 
Ergebnisse 35. 

Quartärzeit in Mähren 77. 

Quarzgesteine , Bildung bei der Eruption 
des Mont PebS 255. 

Seismogramme des Horizontalpendels in 
Hongo 562. 

Tertiärflora Europas, neue amerikanische 
Gattung (Abronia) 320. 

Tierfährten im Rotliegenden Deutschlands 
437. 

Vesuviane Notizie 656. 

Vulkan, der 153. 

Berge 117. 

— Entwickelungsgeschichte 308. 
Württemberg, Landeskunde 50. 

Biologie und Physiologie. 

Absonderungsvorgang, chemische Regulation 

339. 355. 
Abstammungslehre im Unterricht der Schule 

89. 
Agglutinationsvorgänge, Deutung 540. 
Alkohol in tierischen Organen 434. 
Ameisen, Symbiose mit Cicaden 480. 
Ameisenpflanzen, Pflanzenameisen 397. 
A.naesthetica, chemische Wirkungen 447. 
Anpassung, direkte, Theorie 602. 
Arten-Begriff und -Konstanz 557. 
Atmungsstoffwechsel bei Embryonen von 

Kaltblütern 163. 
Augapfel, photoelektrische Erregung durch 

farbiges Licht 345. 
Ausflockungs-Erscheinungen 395. 

— von Suspensionen und Agglutination 540. 
Bastardierung und Geschlechtszellenbildung 

524. 536. 
Befruchtung und Geschlechtsbildung 362. 

— von Seeigel durch Seestern 215. 
Biene , geschlechtsbestimmende Ursachen 

579. 
Biologie, allgemeine 141. 
Blut, Hydroxylionengehalt 28. 

— - Körperchen, Ionenpermeabilität 268. 
, Zahl, Einfluß der Muskelbewegun- 
gen 272. 

Plättchen und -Gerinnung 243. 

Brutpflege bei Echinodermen 476. 



Bürzeldrüsen, Sekret 191. 

Chloroform , Mittel gegen nitrose Dämpfe 
156. 

Cystin , Überführung in Taurin im Tier- 
körper 1 1 . 

Darmbewegungen, Ausgang 312. 

Darwinismus 645. 657. 

Deszendenzlehre und ihre Geschichte 118. 

Dichroismus und Pleochroismus als Rassen- 
charaktere 654. 

Doppelbildung, experimentelle, mit zyklo- 
pischem Defekt 508. 

— bei Lumbriciden 435. 

Drüsen , innere , neuer Entleerungsapparat 
515. 

Haare von Dipsacus sylvestris , biolo- 
gische Bedeutung 177. 

Ei, Beziehungen zum Embryo 302. 

— Energieumsatz bei der Entwickelung 643. 
Elektrizität der Zellen, Bedeutung 197. 
Embryonalentwickelung, Einfluß des Zen- 
tralnervensystems 382. 

Energetik der Ontogenese 643. 

Entwickelungsprobleme 451. 612. 651. 

Entwickelung der Seeigellarven, notwendige 
anorganische Stoffe 187. 

Evolution, mutual aid a factor of 616. 

Farben als Schutzmittel 351. 

Forellenei, Energetik bei der Entwickelung 
643. 

Fortpflanzungsweisen der Organismen 54. 

Fötus und Mutter, Stoffaastausch 571. 

Funktionelle Reize, züchtende Wirkung 401. 

Gang des Menschen, Beinschwingung 396. 

Geruch, Fortpflanzungsgeschwindigkeit 220. 

Geruchssinn , kontinuierliche und diskonti- 
nuierliche Empfindung 288. 

— der Myriopoden 440. 

Geschlecht bestimmende Ursachen 95. 579. 

Generbekrankheit, neue 208. 248. 

Goethe und die Deszendenzlehre 154. 

Haut, Absorptionsvermögen 280. 

Herz, myogene Theorie 146. 

Hören, farbiges (O.-M.) 375. 

Hybridisation, heterogene bei Echinodermen 
654. 

Igel , chemische Änderungen der Winter- 
schlafdrüse 73. 

Insekten und Blumen-Farbe oder -Duft? 114. 

Instinkt, Begriff 563. 

Kalk des Seewassers und Skelett der Spon- 
gien 615. 

Kellerschnecke, Biologie 468. 

Kern-Substanz, chromatische, Konstitution 
31. 

Verschmelzung, ungeschlechtliche 204. 

490. 

Kohlenhydrate, Verbrennung im Muskel 
durch Pankreaswirkung 22. 

Larven der Seeigel , anorganische Nähr- 
stoffe 187. 

Lebensfunktionen, elementare 484. 495. 

Leber, glykolytische Wirkung 22. 

Lecithin und Schlangengift 320. 

Licht, Anziehung von Organismen 424. 

Magensaft, Einfluß des Nervensystems 144. 

Manganismus, eine neue Gewerbekrankheit 
208. 248. 

Mendelsches Gesetz und Bastardierung 524. 
536. 

Mensch, Natur des 182. 

Mimikry bei Fischen 468. 

Montblanc, biologische Beobachtungen 296. 

Nerven, markhaltige , Sauerstoffentziehung 
544. 

Nervensystem , Einfluß auf Embryonalent- 
wickelung und Regeneration 382. 

Pankreassekret des, Menschen 177. 

Parthenogenese, künstliche 411. 444. 

Pharmakodynamik der Ester- und Salzwir- 
kungen 462. 

Photosynthese außerhalb des Organismus 35. 

Phototaxis bei Ranatra 196. 



Sach-Registsr. 



I\ 



Phototropismus in verschiedenfarbigem Licht 

61. 
Physiologie, Handbuch 554. 
Physiologische Wirkung und physiko - che- 
mische Eigenschaft 462. 
Plasmaströmung infolge Wundreiz 19. 
Protoplasma, intercellulares 579. 
Radiumstrahlen, Sichtbarkeit und Sehpur- 
pur 46. 
— , Wirkung auf Keimung und Wachstum 

281. 
— , — auf Organismen 67. 205. 464. 
Reduktionsteilung 392. 

Regeneration und Wachstum der Tubula- 

rien, Einfluß der OH- und H-Iouen 190. 

Regulationsvorgänge bei Tubularia mesem- 

bryanthemum 423. 
Richtungskörper in der Spermatogenese 6. 
Sauerstoffgehalt des Wassers und pflanz- 
liche Schwebeorganismen 233. 
— , Spannung, Wirkung erhöhter auf lebende 
Substanz 307. 

Versorgung des Körpers; Diffusion und 

Absorption 326. 
Schwefelhaltige Stoffwechselprodukte der 

Tiere, Herkunft 11. 
Schwimmen, Physiologie (O.-M.) 313. 
Sekretion von Verdauungssäften , chemische 

Regulation 339. 355. 
Sorbose-Bakterie, biochemische Studie 663. 
Spermatogenese der Hemipteren 628. 
Staatenbildung bei sozialen Hymenopteren 

139. 
Stoffwechsel bei Embryonen von Kaltblütern 

163. 
Symbiose von Volvox und Azotobacter 75. 
Variation durch Wechsel der Nahruugs- 

zufuhr 139. 
Vererbung geistiger Eigenschaften beim 

Menschen 616. 
Vernunft der Tiere 454. 
Vitalismus 484. 495. 
Wachstum in den Tropen 75. 
Wasserstoff als Atemgas 449. 
Wundreiz und Plasmaströmung 19. 
Zellen, elektrische Eigenschaften 197. 
Mechanik und Zellenleben 533. 545. 

Zoologie und Anatomie. 

Alpenseen, italienische, limnologische Unter- 
suchung 232. 

Ameisen, Beschützer der Baumwolle 455. 

— , ergatogyne 99. 

— , Polymorphismus, Variation und Hügel- 
bildung 513. 

— , Symbiose mit Cicaden 480. 

Auge der Wirbeltiere , Bau der Stäbchen 
und Zapfen 47. 463. 

Belgica , antarktische Expedition , Zoologie 
297. 529. 

Beutel der Marsupialier, Entwickelung 601. 

Bieuenei, Entwicklungsgeschichte 651. 

Biologische Station Plön, Forschungsberichte 
232. 

Bombyx mori , Variation durch Nahrungs- 
wechsel 139. 

Bryozoen der Belgica- Expedition 529. 

Catalogus mammalium 478. 

Cephalopoden, frühe Entwickelun? 23. 

— , Leuchtorgane und Augen 6. 

Cestode , merkwürdiger getrenntgeschlecht- 
licher 243. 

Chromatische Kernsubstanz, Konstitution 31. 

Chromosomen, Reduktionsteilung 392. 

Cicaden, Symbiose mit Ameisen 480. 

Echinodermen, heterogene Hybridisation 654. 

Eier der Rhabdocoelen im Sommer und 
Winter 74. 

Embryo, Beziehung zum Ei 302. 

— , Entwickelung , Einfluß des Zentral- 
nervensystems 382. 

Fische, Leuchtorgane 588. 



Fischreiher, Verbreitung 466. 

Frosch, Anatomie 349. 

Gecko-Pfote, Anatomie 12. 

Hemipteren, Spermatogenese 628. 

Homopterenfauna von Ceylon 193. 

Hummeln, natürliche Formenbildung 591. 

Hypopen von Milben 216. 

Insekten, vivipare 128. 

Kehlkopf, Vorkommen bei Ganoiden und 

Dipnoern 472. 
Keimblatt-Lehre 651. 
Leuchtorgane und Augen der Tiefsee- 

Cephalopoden 6. 

— australischer Prachtfinken 114. 

— der Knochenfische 588. 

Lingula, japanische, Lebensweise und Ent- 
wickelung 69. 
Lumbriciden, Doppelbildungen 435. 
Lunge, Phylogenie 472. 
Marsupialier, Entwickelung des Beutels 601. 
Megalobatrachus maximus , Fortpflanzung 

229. 
Milben, massenhaftes Auftreten 132. 

Plage in Wohnungen 518. 

— , Symbiose mit Pflanzen 123. 
Monotremen und Marsupialier in Australien 

634. 
Mosquitos no Parä 426. 
Negroide Menschen in Europa 404. 
Nematoden der Belgica-Expedition 529. 
Ohr des Zahnwals 263. 
Oligochaeten , geographische Verbreitung 

231. 
Phocaena, Ohr 263. 
Pigment, rotes, der Vanessen, Entstehung 

und Bedeutung 86. 
Plankton sächsischer und schlesischer Teich- 
gewässer 232. 
Polarität, morphologische, der Aktinien 323. 
Reduktionsteilung 392. 
Reticulosa, Systematik 163. 
Rotatorien und Gastrotrichen bei Plön 232. 
Salamandra atra und maculosa , Verwandt- 
schaft 107. 
Säugetiersammluog im Museum von Parä 

632. 
Schwimmblasen, Lungen und Kiementaschen 

472. 
— , vergleichende Entwickelungsgesohichte 

256. 
Sehorgane des Amphioxus, phylogenetische 

Bedeutung 552. 
Spongien, Kalkskelett, Aufbau 615. 
Stäbchen und Zapfen der Wirbeltiere, Bau 

47. 463. 
Stubeuvögel, einheimische 371. 
Termitoxeniidae, Thorakalanhänge 60. 
Thorakalanhänge der Termitoxeniidae 60. 
Tiere der Erde 670. 
Tierkunde 283. 582. 
Tierreich, Naturgeschichte 49. 
— , das, Nemertini 619. 
Tiersystem, koisches 258. 
Tiefsee - Cephalopoden , Leuchtorgane und 

Augen 6. 
Trichotarsus, Polymorphismus 216. 
Velella, Entwickelung 563. 
Vögel, deutsche, Naturgeschichte 371. 
Wachstum der Tubularien, Einfluß der OH- 

und H-Ionen 190. 
Wanderstraße des Kirtlaudsängers 490. 
Winterschlafdrüse, Veränderungen während 

des Schlafes 73. 
Wirbeltiere Mitteleuropas , Anleitung zum 

Bestimmen 218. 
Wirtschaftstiere, Verbreitung 645. 
Zahnwal, Ohr und Schallleitung 263. 
Zellen als Individuen und Glieder des Or- 
ganismus 417. 429. 

und Kernteilung, Wirkung von Chloral- 

hydrat 204. 
Zoologie, Lehrbuch 245. 466. 
Zoologische Staatssammlung in München 582. 



Botanik und Landwirtschaft. 

Acarophile Pflanzen 123. 

Acarophyte Kaffeebäume 492. 

Acarophytismus bei Monokotyledonen 669. 

Albinismus der Pflanzen 464. 

Albugo Lepigoni, Befruchtung 293. 

Algen und Bakterien, Gegenwart bei Kul- 
turen höherer Pflanzen 151. 

— , biologische Untersuchungen 417. 429. 

Alkaloidchemie 604. 

Alkohole und Aldehyde, Assimilation durch 
Sterigmatocystis nigra 257. 

Alpenpflanzen, Verein zum Schutz 166. 

Ameiseu, Beschützer der Baumwolle 455. 

Pflanzen — PHanzenameisen 397. 

Antheren der Kompositen, Verwachsung 
oder Verklebung 62. 

Antimendianpflanzen 584. 

Assimilation des Chlorophylls außerhalb des 
Organismus 35. 

— der Kohlensäure mittels Leuchtbakterien 
173. 

Vorgänge 643. 

Atmung, intramolekulare, der Pflanzen 407. 

— der Pflanzen 396. 407. 
Aucubin 411. 

Ausdauernde Pflanzen, Verlassen des Bodens 

42. 
Auswintern des Getreides 287. 
Bacillus Oleae 542. 
Bakterien-Kerne 366. 
Krankheit von Pflanzen 168. 

— der Sorbose, biochemische Studie 663 
— , Sulfatreduktion 36. 

— , thermophile 527. 

Bakteriologie des Schlammes eines Schacht- 
grabes 331. 
Basidiobolus lacertae Eidam 178. 
Bastard von Chasselas mit wildem Wein 

152. 
Befruchtung der Peronosporeen 293. 
Bestäubungsversuche an Buchweizen 244. 
Biologische Formen der Erysiphaceae 304. 
Blätter, Beschädigung durch Wind 87. 648. 
— , Einschaltung in das Verzweigungssystem 

282. 
— , Größerwerden nach Bewurzelung 296. 
— , monokotyle, Lichtlage 640. 
— , Lichtperzeption 316. 
— , Schutz gegen Witterung 129. 
Blattstellung bei Cacteen. Einfluß mecha- 
nischer Faktoren 275. 
Blüten-Bildung, äußere Bedingungen 612. 

Biologie III 402. 

Bodenuntersuchung, Anleituug 436. 
Botanik, Lehrbuch 102. 233. 384. 
Brand-, Rost- und Hutpilze des Amazonas 

428. 
Brunissure, Wesen 404. 
Bryonia dioica, Parthenogenesis und Varia- 
bilität 602. 
Buchweizen, Bestäubungsversuche 244. 
— , Kultur neben Algen und Bakterien 151. 
Calciumoxalat und Pflanzenernährung 163. 
Ceratium hirudinella, F'ortpflauzung 230. 
Chemotropismus der Wurzeln 598. 
Chlorophyll-Assimilation 173. 
— , Bildung bei Lichtabschluß 616. 
Cupressus, Pollenschlauch 84. 
Cyanogenesis in Pflanzen 23. 
Cyanophyceen, Zellstruktur 158. 
Desert Botanical Laboratory 218. 
Deutsch- Ostafrika -Land-, und Forstwirt- 
schaftsberichte 194. 
Diatomeen, Reinkulturen 152. 
Dichroismus und Polychroismus als Rasseu- 

charaktere 654. 
Dipsacus sylvestris, Drüsenhaare 177. 
Elektrizität, Entladung auf Nadelhölzer 135. 
Elektrotropismus der Wurzeln 592. 
Embryonen von Cruciferen , Kultur außer- 
halb des Embryosacks 328. 



X 



Sach-Register. 



Entwickelungsprobleme 451. 612. 

Erysiphaceae, biologische Formen 304. 

Farbbildung bei Fusarium 632. 

Fichtenzapfen und -Samen und Pflanzen- 
volumen 217. 

Flechtenapothecien, Entwicklungsgeschichte 
549. 

Flechten, ölführende Sphäroidzellen ; kiesel- 
haltige und Substrat 268. 

Flora von Deutschland usw. 258. 

— von Kiautschou 282. 

— von Long Island, Eigentümlichkeiten 
361. 

— Nordwestdeutschlands 414. 

— der schweizerischen Alpen, Geschichte 13. 
Flowering Plauts and Ferns 321. 
Fusarium, Farbenbildung 632. 

Gallen der Pflanzen, Bildungsreize 449. 

Gemüsesamenbau 362. 

Geschlecht der diöcischen Pflanzen und 

Mineralnahrung 140. 
Getreiderassen , Züchtung und Mendelsches 

Gesetz 24. 
Gifte, Wirkung auf Pflanzen 501. 
Gipfeldürre der Nadelhölzer, Ursache 135. 

556. 
Hagelschäden in Bäumen 583. 
Handelspflanzen Deutschlands 206. 
Haptotropismus der Ranken 224. 
Harzfluß 425. 

Herbstblüten nach einem Brande 15. 
Hutpilze, leuchtende 468. 
Jahresringe an der Baumgrenze in den 

Alpen 476. 
Intercellulares Protoplasma 579. 
Kaffeebäume als Acarophyten 492. 
Kastrierungsversuche mit Cichorieeu 99. 
Kernteilung und -Verschmelzung bei Co- 

leosporium Sonchi-arvensis 192. 

— in der Wurzelspitze und Nucleolus 212. 
Kiefer, Horizontalverbreitung 437. 
Knöllchenbakterieu von Leguminosen, Impf- 
versuche 332. 

Kohlensäure des Bodens und Vegetation 

244. 
Königsfam, lebendes Exemplar 388. 
Kreuzbefruchtung, eine Folge derselben 192. 
Kryptomerie 244. 
Lärche, waldbauliche Studien 269. 
Laub - Fall durch Sinken des Lichtgenusses 

230. 

Färbung, herbstliche, und Kieselsäure 52. 

Leuchtende Pflanzen 509. 

Licht und Keimung bei Phacelia tanaceti- 

folia 669. 

Lage der Blätter 640. 

Perzeption des Laubblattes 316. 

— und Wachsen der Adventivwurzeln der 
Wasserpflanzen 179. 

— und Wald 655. 

— , Wellenlängen und Phototropismus 61. 

Mastigocladus laminosus, Temperaturgrenze 
12. 

Mendelsches Gesetz bei Züchtung von Ge- 
treiderassen 24. 

Metallsalze , Reizwirkung auf Wachstum 
höherer Pflanzen 346. 

Missouri Botanical Garden 246. 

Mykorrhiza der Lebermoose 115. 

— aus den unteren Steinkohlenlagern 280. 
Myrmecophile Rubiacee, neue 361. 
Nitragin, Impfversuche 332. 



Nucleolus und Kernteilung in der Wurzel- 
spitze von Phaseolus 212. 

Öle, ätherische, Wirkung auf Pflanzen 57. 

Ombrophilie immergrüner Holzgewächse 564. 

Organisation, pflanzliche, Physiologie 657. 

Palmenmark, eiweißreiches 456. 

Parasitismus der Pilze, Ursprung 304. 

Parthenogenesis und Variabilität der Bryonia 
dioica 602. 

Pflanzen-Anatomie physiologische 349. 

Material für Unterricht 427. 

Physiologie 332. 

Reich, das 181. 

Schutz, Sonderausschuß-Bericht 47. 

Pfropfengeschmack der Weine 351. 

Pfropfung von Weinstockrassen 416. 

— , Wirkung auf Weinrebe 608. 

Physiologie der Pflanzen 332. 

— der pflanzlichen Organisation 657. 
Pilocarpon leucoblepharum im Kaukasus 257. 
Pilzkeime, atmosphärische 297. 
Planktonalgen 233. 

Pollenkörner- und Samenzählung 636. 

Pollenschlaueh von Cupressus 84. 

Primeln, hautreizende 478. 

Proteasen der Pflanzen 378. 

Purpurbakterien 270. 

Radiumstrahlen und Pilzvvachstum 205. 

Randia Lujae, myrmecophile Rubiacee 361. 

Ranken , Haptotropismus und Reizleitung 
224. 

Röntgenstrahlen, Wirkung auf Keimung und 
Wachstum 281. 

Rosenstock, tausendjähriger, in Hildesheim 
518. 

Roßkastanien - Blätter , Beschädigung durch 
Wind 648. 

Saccharomyces, Morphologie 320. 

Samen, altägyptische, Taumellolchpilz 565. 

— , Ausziehung des Wassers und der Gase 
541. 

— , Durchlässigkeit des Integuments für 
Gase 435. 

— , Zählung 636. 

Schlamm aus einem Schachtgraben . Histo- 
logie und Bakteriologie 331. 

Seerosen, Alkaloide 480. 

Sinnesorgane der Pflanzen 573. 585. 

Somaliland, Vegetationsverhältnisse 253. 

Spaltöffnungen submerser Pflanzen 552. 

Ste laria media, Variation im Androeceum 
256. 

Sterigmatocystis nigra, Assimilation der Al- 
kohole und Aldehyde 257. 

— versicolor, Biologie und Variationen 412. 
Stickstoffassimilation durch einen Pilz 476. 
Stoffwechsel der Pflanzen , Bedeutung der 

Xanthinderivate 8. 
Tabak, Mosaikkrankheit 236. 
Taraxacum , Wachstum des Blütenschaftes 

307. 
Taumellolchpilz in altägyptischen Samen 565. 
Temperaturgrenzen für lebende Thermal- 

algen 12. 
Terpentinöl und Eiweißumwandlung in 

Pflanzen 57. 
Thigmotropismus der Erdwurzeln 459. 
Tonerdekörper in Pflanzenzellen 383. 
Transpiration von Eucalyptusblättern 204. 

— von Spartium junceum 164. 
Transplantation etiolierter Pflanzen 191. 
Treiblaubfall 564. 



Vademecum, botanisches 284. 

Variation im Androeceum der Stellaria 
media 256. 

Vegetationsbilder aus Südbrasilien 634. 

Verhältnisse des Somalibindes 253. 

Wachstum höherer Pflanzen und Metall- 
salze 346. 

Wald, Rolle des Lichtes 655. 

Wein, Bastard 152. 

Wurzeln, Chemotropismus 598. 

— , Eindringen in Quecksilber 110. 

— , Elektrotropismus 592. 

— , Thigmotropismus 459. 

— der Wasserpflanzen, adventive, und 
Licht 179. 

Zapten von Sequoia und Pinus; aus dem 
Portlandien 138. 

Zwergpflanzen, Anpassung 370. 

Zwitterblüten beim Wacholder 571. 

Allgemeines und "Vermischtes. 

Avogadro, Amadeo. Biographie 502 

Berzelius, Jakob. Biographie 502. 

Biographisch - literarisches Handwörterbuch 
671. 

Bredichin, Theodor Alexandro- 
witsch f. Nachruf 372. 384. 

Geographische Gesellschaft zu Greifwald, 
Jahresbericht 438. 

Haeckel, Ernst 234. 

Heimatkunde in der Schule 194. 

His, Wilhelm f. Nachruf 308. 

Kulturgeschichte und Darwinismus 616. 

Leerboek der Natuurkunde 413. 

Marey, Jules Etiennef. Nachruf 333. 

Militär-geographisches Institut, Mitteilungen 
142. 542. 

Museum von Meisterwerken der Natur- 
wissenschaft und Technik 104. 

Naturdenkmäler, Gefahrdung 646. 

Naturforscherversammlung, Belichte der 
Abteilungen 530. 554. 569. 582. 594. 
606. 621. 

— , Verlauf 519. 

Naturwissenschaften, Jahrbuch 130. 

Ostwald, Wilhelm. Abhandlungen und 
Vorträge 658. Biographie 567. 

Paraguay, Abhandlungen 478. 

Populär-wissenschaftliche Vorlesungen 87. 

Preisaufgaben 27. 68. 168. 208. 220. 236. 
248. 260. 288. 323. 351. 572. 672. 

Rhein, der, und sein Verkehr 193. 

Schieiden, zum 100. Geburtstage 299. 
491. 

Schulversuche mit Thermoskop 670. 

Südpolarexpedition, deutsche. Wissenschaft- 
liche Arbeiten 78. 

— , englische, Rückkehr 195. 

Suggestion und Hypnotismus 206. 

Unterricht, naturwissenschaftlicher, Ge- 
schichte 219. 

— , naturkundlicher, und Herbart 246. 

Urgeschichte, Geschichte und Politik 616. 

Vererbung und Auslese im Leben der 
Völker 616. 

Völkerkunde 26. 

Weltall und Menschheit 63. 528. 

Wiesner und seine Schule 90. • 

William son, Alexander f. Nachruf 
604. 620. 

Zittel, Karl, v. f. Nachruf 65. 



Autoren-Register. 



Abbe, Ernst, Gesammelte Abhandlun- 
gen I 270. 

Abderhalden, Emil, Arten-Begriff und 
-Konstanz aufbiologisch-chemischerGrund- 
lage 557. 

Abeti, A., Veränderlichkeit bei Plane- 
toiden 120. 

Adams, Chas C, Wanderstraße des Kirt- 
landsängers 490. 

Adams, E. P., Radioaktivität des Wassers 
34. 

Adams, W. S-, Geschwindigkeiten der 
Plejadensterne 352. 

— s. Frost 16. 168. 

Aitken, K. G., Doppelsterne 624. 

Alexander, G., Gehörorgan von Echidna 
aculeata 634. 

Allan, S. J., Radioaktivität der Atmo- 
sphäre 189. 

Allen, H. S., s. Blythwood Lord 97. 

Amar, Calciumoxalat in Pflanzenernährung 
163. 

Amberger, C, s. Paal, C. 127. 

Anderson, H. K., s. Hardy, W. B. 46. 

Andreae, Eugen, Insekten und Blumen 
114. 

Andrews, E. S., s. Trouton, F. T. 295. 

Andrews, W. S., Künstliche Darstellung 
B stark fluoreszierender Verbindungen 271. 

Angström, Knut, Ozon, ultrarotes Spek- 
trum und im Sonnenspektrum 560. 

Arnold, C, Repetitoriura der Chemie 154. 

Assmann, Richard, Temperatur über 
Berlin 266. 

Auerbach, Felix, Das Zeisswerk in Jena 
530. 

Aufsess, Otto, Freiherr von und zu, 
Farbe der Seen 176. 

B. 

Baas, K. H., Sauerstoffentziehung mark- 
haltiger Nerven 544. 

Bachmann, E. , Ölführende Sphäroid- 
zellen; Kieselflechten und Substrat 268. 

Bailby, G. F., Theorie des Härtens und 
Kristallisierens der Metalle 625. 

Balfour, A. .1., Theorie der Materie 505. 
521. 

Bank, H., Tausendjähriger Rosenstock 518. 

Barger, G., Mikroskopische Molekular- 
gewichtsbestimmung 364. 

Barnard, Neunter Saturnmond 504. 

Barnes, H. T., s. Rutherford, E. 251. 

Barnes, James, Analyse der hellen Spek- 
trallinien 410. 

Bartoli, Adolfo, Umwandlung von Strah- 
len in Elektrizität 3. 

Baskerville, Charles, und Kunz, 
George F., Radium. Wirkung auf Oxyde 
119. 

— , — -, Strahlungen des Kunzit 556. 

Bataillon, E., Künstliche Parthenogenese 
bei Rana und Petromyzon 411. 



Bathie, Perrier de la, Palmenmark als 
Nahrungsmittel 456. 

Battelli, A., und Maccarrone, F., Nicht- 
ladung der radioaktiven Emanation 421. 

Baudouin, Marcel, Histologie und Bak- 
teriologie eines Schachtgrabschlammes 
331. 

Bauer, L. A., Internationale Untersuchung 
des Erdmagnetismus 600. 

Baur, Emil, Elemente und Verbindun- 
gen nach Ostwald 441. 

Baur, Erwin, Entwickelungsgeschichte 
der Flechtenapothecien 549. 

Bayer, H. , Befruchtung und Geschlechts- 
bildung 362. 

Bayeux, Raoult, Biologische Beobach- 
tungen auf dem Montblanc 296. 

Bayliss, W. M., und Starling, E. H., 
Regulation des Absonderungsvorganges 
339. 355. 

Beaulard, F., Elastische Konstanten der 
Seide 92. 

Bechhold, H., Ausflockung von Suspen- 
sionen 540. 

Beck von Mannagetta, G., Grundriß 
der Naturgeschichte des Pflanzenreichs 
233. 

Becker, H-, Elektrometallurgie der Alkali- 
metalle 491. 

Becquerel, Henri, Funkelnde Phos- 
phoreszenz durch Radiumstrahlen 9. 

Becquerel, Jean, N- Strahlen und ß- 
Strahlen 571. 

— , Wirkungsart der N-Strahlen 388. 

Becquerel, Paul, Ausziehen von Wasser 
und Gasen aus Samen 541. 

— , Samen -Integument, Durchlässigkeit für 
Gase 435. 

Bedford, Fred, s. Erdmann, E., 295. 

Bell, R. G., s. Kellog, V. L., 139. 

Bentley, Wilson A., Snow crystals 528. 

Berberich, A., Neue Planetoiden des 
Jahres 1903 169. 

— , Periodische Kometen im Jahre 1904 1. 

Bergen, Joseph Y-, Transpiration von 
Spartium junceum 164. 

Bergmann, G. v., Überführung von Cystin 
in Taurin im Tierkörper 11. 

Berliner, Arnold, Experimentalphysik 
76. 

Bernard, Ch., Chlorophyllassimilation 
173. 

Berndt, G., I.ichtwirkung auf Selenzellen 
235. 

Bernini, Arciero, Elektrische Leitfähig- 
keit des Kalium und Natrium 336. 

Bernstein, J., Elektrische Eigenschaften 
der Zellen 197. 

Bert hold, G., Physiologie d. pflanzlichen 
Organisation 657. 

Bertrand, G., Biochemische Studie über 
Sorbose-Bakterie 663. 

Bessey, Charles E., Zählung von Pollen- 
körnern und Samen 636. 

Bessey, Ernst A., Farbbildung bei Fusa- 
rium 632. 



Bezold, W. v., Rede zur Eröffnung der 
10. Versammlung deutscher Meteorologen 
285. 

Bichat, Durchlässigkeit für N-Strahlen 
247. 

Bidwell, Shelford, Magnetisierung und 
thermoelektrisehe Eigenschaften 474. 

— , Magnetische Längenänderung von Kobalt 
und Nickel 527. 

Biehringer, J., Nachruf auf Alexander 
Williamson 604. 620. 

Bjerknes, V., Hydrodynamische Fern- 
kräfte 116. 

Biltz, W., Agglutinierungsvorgänge, Deu- 
tung 540. 

— , Gegenseitige Beeinflussung kolloidaler 
Lösungen 239. 

— und Kröhnke, O., Gegenseitige Beein- 
flussung kolloidaler Lösungen 350. 

Binz, A., Konstitutionsformel der hydro- 
schwefligen Säure 570. 

Bistram, A. von, s. Steinmann, G. 138. 

Bitter, Georg, Dichroismus und Poly- 
chroismus als Rassencharaktere 654. 
Parthenogenesis der Bryonia dioica 602. 

Blaas, J., und Czermak, P., Photechie 
460. 

Blake, J. C, Farben ätiotropen Silbers 22. 

Blochmann, Rudolf, Drahtlose Tele- 
graphie 165. 

Blondlot, R., N-Strahlen 27. 52. 112. 167. 

— , Schwere Emission 394. 462. 

— , Wärme und Phosphoreszenzschirm 287 

Blythwood, Lord, und Allen, H. S. 
Radiumstrahlen und Kontaktelektrizität 97 

Bodländer, G., Methode zur Kohlensäure 
erkennung 569. 

Boenninghaus, G., Ohr des Zahnwales 
263. 

Böhmerle, K., Hagelschäden an Bäumen 
583. 

Bohr, Chr., Respiratorischer Stoffwechsel 
163. 

du Bois - Reymond, R., Nachruf auf 
Marey 333. 

— , Physiologie des Schwimmens 313. 

Bonacini, C, Ursprung der Energie radio- 
aktiver Körper 369. 

Bordas, F., Pfropfengeschmack des Weines 
351. 

Börnstein, R., Elektrizitätszerstreuung 
in Berlin 51. 

— , Luftdruck in Berlin 287. 

Bosscha,J., Leerboek derNatuurkunde413. 

Bouilhac und Gius tiniani , Kultur von 
Buchweizen und höheren Pflanzen neben 
Algen und Bakterien 151. 

Bourquelot, Em., und Herissey, H., 
Aucubin 411. 

Bouty, E., Dielektrische Kohäsion des 
Argons und seiner Gemische 243. 

— , Dielektrische Kohäsion von Quecksilber- 
dampf 489. 

B o v e r i , T h., Chromatische Kernsubstanz 31 . 

— , Sehorgane des Amphioxus, phylogene- 
tische Bedeutung 552. 



XII 



Autoren-Register. 



Boys, Charles Vernon, Kadium und 
Kometenschweife 221. 237. 

Brandt, K. , Stickstoffverbindungen im 
Meere 240. 

Brauer, A., Leuchtorgane der Knochen- 
fische 588. 

Brauns, R., Das Mineralreich 454. 604. 

Bredig, R., Adiabatische Reaktionskinetik 
570. 

— und Fortner, M. , Palladiumkatalyse 
des Wasserstoffsuperoxyds 204. 

— und Schukowsky, G. v. , Natur der 
flüssigen Kristalle 601. 

— und Weinmayr, J. , Schichtdicke des 
katalytischen Quecksilbers 607. 

Breitenbach, W., Ernst Haeckel 234. 

Bresslau, E. , Entwicklung des Beutels 
der Marsupialier 601. 

— , Sommer- und Wintereier 74. 

Bretscher, K., Anleiten zum Bestimmen 
der Wirbeltiere Mitteleuropas 218. 

Brooks, Neuer Komet 220. 

Brückner, Ed., Klimaschwankungen 551. 

Bruhns, W., Petrographie 26. 

Brunnes, Bernard, undDavid Pierre, 
Richtung des Magnetismus in vulkani- 
schen Gesteinen 85. 

Buchanan, J. Y., Kompressibilität 403. 

Buchen au, Fr., Flora Nordwestdeutsch- 
lands 414. 

Bücherei-, H., Teerfarbstoffe 518. 

Buchner, E., und Meisenheime r , J., 
Chemische Vorgänge bei alkoholischer 
Gärung 162. 

— , — , Enzyme von Monilia und Milch- 
zuckerhefe 113. 

Bullot, G., Künstliche Parthenogenese bei 
Ophelia 411. 

Bumstead, H.A., Atmosphärische Radio- 
aktivität 539. 

— und Wheeler, L. P. , Emanation des 
Wassers 236. 

Burckhardt, R., Koisches Tiersystem 258. 

Bürger, Otto, Nemertini 619. 

Burgess, Ch. Hutchens, und Chap- 
man, D. Leonard, Photochemisch ak- 
tives Chlor 345. 

Buriau, R., Imidazole und Purinsubstanzen 
279. 

Bürker, K., Blutplättchen und Blut- 
gerinnung 243. 

Büsgen, M., Wachstum in den Tropen 75. 

Butt el-Reepen, v., Geschlechtsbestim- 
mende Ursachen bei der Honigbiene 579. 

c. 

Calcar, R. P. van, und Lobry de 
Bruyu, C. A., Konzentrationsänderun- 
gen und Kristallisieren durch Zentrifugal- 
kraft 489. 

Campbell, Norman R., Elekti izitätsent- 
ladung zwischen Spitze und Ebene 73. 

Ca n tone, Michele, Elastizität und Me- 
dium 207. 

Cardani,P., Elektrizitätszerstreuung durch 
Röntgenstrahlen 590. 

Carlier, E. Wace, und Evans, CA. 
Lovatt, Winterschlafdrüse des Igels 73. 

Catterina, G., Thermophile Bakterien 
527. 

Ceraski, Frau L., Neuer Veränderlicher 
kurzer Periode 220. 

Cesuola, A. P. di, Farben als Schutz- 
mittel 351. 

Chapman, D. Leonard, s. Burgess, 
Ch. Hutchens 345. 

Chauveau, A.B., Elektrische Zerstreuung 
auf dem Eiffelturm bei Sturm 479. 

Chiabrera, C, s. Penzig, O., 123. 

Chistoni, Ciro, Durch Blitz erzeugte 
induzierte Radioaktivität 381. 



Chun, C. , Leuchtorgane und Augen der 

Tiefsee-Cephalopoden 6. 
— , Leuchtorgane australischer Prachtfinken 

114. 
Ciamician, G., Problemi chimici 182. 
Cieslar, Adolf, Licht, Rolle im Walde 

655. Waldbauliche Studien über die 

Lärche 269. 
Classen, J., Elektrostatik und Elektro- 

kinetik 245. 
Claus, C. , Lehrbuch der Zoologie 245. 
Coehn, A., Elektrochemisches Verhalten 

des Radiums 215. 
Cohnheim, O., Chemie der Eiweißkörper 

477. 
— , Verbrennung von Kohlenhydraten in 

Muskeln durch Pankreas 22. 
Comstock, G. C. , Sonnenbewegung 104. 
Conwentz, Heimatkunde in der Schule 194. 
— , Naturdenkmäler, Gefährdung 646. 
Cook, 0. F., Ameisen, Beschützer der 

Baumwolle 455. 
Coupin, Henri, Assimilation der Al- 
kohole und Aldehyde durch Sterigmato- 

cystis nigra 257. 

— und Friedet, Jean, Biologie von 
Sterigmatocystis versicolor 412. 

Co v ille, Freder ick Vernon, und Mac 
Dougal Daniel Trembly, Desert Bo- 
tanical Laboratory 218. 

Credner, R., Jahresbericht der geograph. 
Gesellsch. Greifswald 438. 

Cronheim, W., Pflanzliche Schwebeorga- 
nismen und Sauerstoff des Wassers 233. 

C r o o k e s , Sir William, Wirkung der 
Radiumemanation auf Diamanten 512. 

Cullis, C. Gilbert, s. Judd, J.W. 659. 

Curie, P., und Danne, J., Gesetz des 
Verschwindens der induzierten Radio- 
aktivität 292. 

— s. D e w a r , .1. 184. 

— und Laborde, A., Radioaktivität der 
Thermalquellengase 344. 

Curie, S., Radioaktive Substanzen 153. 
Curtel, G., Einfluß der Pfropfung auf 

Weinrebe 608. 
Curtiss, H. D., Bahn des Doppelsterues 

i, Pegasi 220. 
— , Spektrum des Veränderlichen S Sagit- 

tae 572: 
Czermak, Paul, Täglicher Gang der 

Elektrizitätszerstreuung 363. 

— s. Blaas, J. 460. 
Czerny, F., s. Stoklasa, J. 45. 

D. 

Dacque, E., Deszendenzgedauke und seine 
Geschichte 118. 

llakin, H. D., s. Kossei, A. 331. 

Dan den o, J. B., Phototropismus in ver- 
schiedenfarbigem Licht 61. 

Danne, J., s. Curie, P. 292. 

Dauphin, J. , Radiumstrahlen und Pilz- 
entwickelung 205. 

David, Pierre, Remanenter .Magnetismus 
magnetischer Gesteine 132. 

— s. Brunhes, Bernard 85. 
Debierne, A. , Actinium und Emanium 

630. 

— , Induzierende Wirkung des Actinium 196. 

Delden, A. van, Sulfatreduktion durch 
Bakterien 36. 

Demoussy, E. , Einfluß der Bodenkohlen- 
säure auf Vegetation 244. 

Dengler, A., Verbreitung der Kiefer 437. 

Denning, Bahnen größerer Meteore 184. 

Detto, Carl, Theorie der direkten An- 
passung 602. 

De war, J., Absorption und Wärmeent- 
wickel, in Kohle eingeschl. Gase bei 
nied. Temp. 653. 

— , und Curie, P., Gas des Radiums 184. 



Dickel, 0., Entwicklungsgeschichte am 

Bienenei 651." 
Dieterici, C. , Energie des Wassers und 

Dampfes 606. 
Dirichlet, G. Leieune, Vorlesungen 

über bestimmte Integrale 644. 
Disselhorst, Rudolf, Geschlechtsorgane 

der Monotremen 634. 
Dixon, Henry H., Radiumstrablen und 

Pflanzen 67. 
Dobrowolski, A., Neige et givre 140. 
Doflein, F., Wanderungen durch die zoolo- 
gische Staatssammlung in München 582. 
Donau, Julius, Künstliche Bildung vun 

Magneteisenstein 591. 
Donle, Wilhelm, Experimentalphysik 

593. 
Douy-He na ul t, Octave, Radioaktivität 

des Wasserstoffsuperoxyds 91. 
Dorofejew, N., Transplantation etiolierter 

Pflanzen 191. 
Drago, Ernesto, Widerstandsschwankuu- 

gen der Bleisuperoxyd-Kohärer 228. 
Drygalski. Erich v.. Deutsche Süd- 
polarexpedition 78. 
Ducca, W., s. Hofmann, K. A., 672. 
Dufour, Henri, Sonnenscheindauer in 

der Schweiz 143. 
Dun stau, Wyndham R., und Henry 

Thoraas A. , Phaseolunatin in cyanor 

genetischer Pflanze 23. 

E. 

Ebell, M., Bahn des Kometen 1904a 

(Brooks) 236. 
Eberhardt, Ph., Flora von Long Island 

361. 
Ebert, H., Atmosphärisches Potential- 
gefälle und Erdladung 227. 
Ecker, A., und Wiedersheim, R., 

Froschanatomie 349. 
Ehrenhaft, Felix, Optisches Verhalten 

der Metallkolloide und Teilchengröße 175. 
Einecke, Wirkung der Alkalien aufpflanzen 

623. 
Elenkin, A. , Pilocarpon leucoblepharum 

257. 
Elias, Registrierung der Luftelektrizität 

286. 
Ellerman, F., s. Haie, G. E. 145. 
Ellinger, A., Indolgruppe und Kynuren- 

säure 345. 
Elsässer, Wilhelm, Gezwungene Schwin- 
gungen von Stimmgakelu 287. 
Elster, J., und Geitel, H., Radioaktive 

Substanz der Luftemanationen 53. 
— , — , Radioaktivität der Erdarten und 

Quellsedimente 447. 
Embden, Heinrich, Manganismus 248. 
Emery, Polymorphismus der Ameisen 513. 
Emmerling, Bestimmung des Tongehalts 

im Ackerboden 622. 
Endrös, Anton, Seiches am Chiemsee 

403. 
Engelhardt, Viktor, Hvpochlorite und 

Bleiche 455. 
Engelmann, Th. W., Myogene Theorie 

der Herztätigkeit 146. 
Engler, A., Das Pflanzenreich 181. 
— , Vegetationsverhältnisse des Somali - 

landes 253. 
Engler, C, und Weißberg, G., Autoxy- 
dation 592. 
Erdmann, E. , und Bedford, Fred, 

Flüssiger Sauerstoff 295. 
Erhard, Theodor, Einführung in die 

Elektrotechnik 362. 
Errera, L., Lecon sür le Darw T inisme 645. 
Escales, Richard, Schwarzpulver 477. 
Esser, P., Pflanzenmaterial für Unterricht 

427. 
Euler, H., Die Assimilationsvorgänge 643. 



\.utoren-Register. 



XIII 



Evans, C. A. Lovatt, s. Campbell, 
Norman R. 73. 

E mer, Felix, M., Sonnenstrahlung und 
nächtliche Ausstrahlung auf dem Sonn- 
blick 9. 

Exner, S., Farbenänderungen der normalen 
Iris 531. 

F. 

Fabry, Charles, Heterochrome Photo- 
metrie 35. 

— , Messung der Sonnenhelligkeit 59. 

Parkas, K., s. Tangl, F. 643. 

Fayet, G. , Elemente des Kometen 1904a 
248. 

Ferchland, P. , Grundriß der Elektro- 
chemie 88. 

Fiorentino, Aristide, Mikrophonische 
Gasstrahlen 112. 

Fischer, E., Synthese von Polypeptiden 422. 

Fischer, Otto, Gang des Menschen, Bein- 
schwingung 396. 

Fischer von Waldheim, A., Königs- 
farn 388. 

Fitting, H., Physiologie der Ranken 224. 

Fliehe, P, s. Zeiller, R. 138. 

Forel, A., Polymorphismus der Ameisen 513. 

Forel, F. A., Bishopscher Ring 247. 

— , Le Leraan 581. 

Forster, Kontraktion der Muskelzelle 531. 

Fortner, M., s. Bredig, R. 204. 

Fow 1er, A., und Payn, Howard, Bogen- 
spektrum im Vakuum 21. 

Fr aas, E., Geologie für Schulen 258. 

France, R. H. , Entwickelung des Darwi- 
nismus 657. 

Fran kenfiel d, H. C, Hochfluten im Mis- 
sissippigebiet 1903 578. 

Franz, Entstehung der Mondobertiäche 555. 

Frauenberger, F., s. Muthmann, W. 
642. 

Friedel, Jean, s. Coupin, Henri 412. 

Friede mann, U., s. Ne isser, M. 394. 

Friedenthal, Reaktion auf Blutsverwandt- 
schaft 532. 

Friederich, CG., Naturgeschichte deut- 
scher Vögel 371. 

Friedrich, Josef, Fichteuzapfen und 
-Samen, Einfluß auf Pflanzen volumen 217. 

Friese, H., und Wagner, F. v., Formen 
der Hummeln 591. 

Frost und Adams, Spektralaufnahmen 
von Veränderlichen des Oriontypus 168. 

— , — , Veränderliche 352. 

— , — , Verschiebungen der Spektral- 
linien veränderlicher Sterne 16. 

Frühling, R., Anleitung zu Bodenunter- 
suchungen 436. 

Fuchs, Totenstarre 531. 

Fuhrmann, 0., Getrenntgeschlechtlicher 
Cestode 293. 

G. 

Gaede, Wolf gang, Polarisation des Volta- 
effekts 597. 

Garjeanne, Anton J. M., Mykorrhiza 
der Lebermoose 115. 

Garriott, Edward B., Weather Folk- 
Lore 453. 

Gast, P., Bahn des Kometen 18941 25. 

Gebhardt, Bau der Haversschen Systeme 
530. 

Geißler, Kurt, Mathematische Erdkunde 
465. 

Geistbeck, Mi chael, Mathematische Geo- 
graphie 452. 

Geitel, H. , s. Elster, J. 53. 447. 

Gelcich, Eugen, Geographische Koor- 
dinaten , astronomische Bestimmung 48. 

Gerlach, Futterrationen für Mastochsen 
622. 



Gilg, E., und Loesener, Th., Flora von 

Kiautschou 282. 
Gillot, H. , Schmelzpunkt von Zucker- 
mischungen 653. 
Girvan, A. F., Kohlenoxyd-Knallgas nach 

Abkühlen 98. 
Giustiniani, s. Bouillac 151. 
Glaessner, K., Menschliches Pankreas- 

sekret 177. 
Gockel, A., Elektrische Leitfähigkeit der 

Atmosphäre 576. 
— , Tägliche Schwankung der Elektrizitäts- 
zerstreuung iu der Atmosphäre 175. 
Godlewski, Emil sen., Intramolekulare 

Atmung der Pflanzen 407. 
Godlewski, E., Regulationsvorgänge bei 

Tubularia 423. 
Goeldi, E. A., Mosquitos no Para 426. 
— und Hasmann, G., Katalog der Säuge- 

tiersammluni; in Para 632. 
Goette, A., Tierkunde 582. 
Goetz, W., Landeskunde von Bayern 543. 
Goldstein, E., Diskontinuierliche Leucht- 

spektra fester organ. Körper 360. 
— , Emissionsspektra aromatischer Verbin- 
dungen 422. 
Gold st ein , K.,' Einfluß des Nervensystems 

auf Embryonalentwickelung 382. 
Gorczynski, Ladislaus, Jährlicher Gang 

der Insolation in Warschau 318. 
Gotch, Francis, Elektrische Ströme im 

Augapfel durch farbiges Licht 345. 
Götz, P., Bahn des hellen Planeten NY 

1904 364. 
— , Niedrige Sternschnuppe 584. 
Graber, Zoologie 466. 
Grabowsky, Gorilla im Breslauer Zoolo- 
gischen Garten 594. 
Graetz, L. , Strahlung des Wasserstoff- 
superoxyds 607. 
Gray, A., Lehrbuch der Physik 616. 
Gray, Arthur W. , Ozonbildung im Sie- 

mensschen Apparat 33. 
Green, Alan, B., Radiumwirkung auf 

Mikroorganismen 464. 
Griffon, Ed., Transpiration von Eucalyp- 

tusblättern 204. 
Grille, Bastard von Chasselas mit wildem 

Wein 152. 
Groß, Spermatogenese der Hemipteren 628. 
Groß, Emanuel, Gemüsesamenbau 362. 
Grüne, H., Sidotbleude 672. 
Grunmach, L., Oberflächenspannung des 

verflüssigten Stickstoffoxyduls 606. 
Grünwald, F., Herstellung der Akkumu- 
latoren 193. 
Guggenheimer, S. u. Korn, A., Diver- 
genz von Elektroskopblättchen bei Be- 
lichtung 195. 
Guillaume, Ch. Ed., Theorie der Nickel- 
stahle 185. 
Guillaume, J., Sonneutätigkeit 208. 456. 
Gümbel, Th., Verteilung des Stickstoffs 

im Eiweißraolekül 255. 
Gunthart, A., Naturkundlicher Unterricht 

nach Herbart 246. 
Gürich, Granit und Gneis 583. 
Guth, M., s. Härtens, A. 553. 
Gutton, C. , Empfindlichkeit der Farben 

für N-Strahlen 439. 
— , Hertzsche Wellen und phosphoreszie- 
rende Schirme 312. 
— , Magnetfeld und Phosphoreszenzschirme 

167. 
Guye, Philippe A., Journal de Chimie 
physique 426. 

H. 

Haas, H., Der Vulkan 153. 

Haber und Richardt, Bunsenflamme, 
Wassergasgleichgewicht und Temperatur- 
bestimmung 228. 



Haberlandt, G., Perzeption des Licht- 
reizes durch das Laubblatt 316. 
— , Physiologische Pflanzenanatomie 349. 
— , Sinnesorgane der Pflanzen 573. 585. 
Hacker, V., Bastardierung und Geschlechts- 
zellenbildung 524. 536. 
Haentzschel. Emil, Erdsphäroid 192. 
Hagemann, Respirationskalorimeter 531. 
Hagenbach, Aug., Optische Prüfung des 

Dopplerschen Prinzips 155. 
Hagmann, G., s. Goeldi, E. 632. 
Haie, G. E., undEllerman, F., Calcium- 
und Wasserstoffwolken aufderSonne 145. 
Hallwachs, Wilhelm, Ermüdung licht- 
elektrischer Platten durch Ozon 492. 
— , Strahlung des Lichtbogens 137. 
Hamburger, Assimilation und Vererbung 

594. 
Hann, J. , Temperaturabnahme mit der 

Höhe 409. 
— , Temperatur 1 km über Berlin 538. 
— , Witterungsanomalien in Island und Nord- 
westeuropa 157. 
Hannig, E., Kultur von Cruciferenerabryo- 

nen außerhalb des Embryosacks 328. 
Hansen, A., Beschädigung der Blätter 

durch Wind 87. 
Harden, A.. und Young, W. J., Gärung 

durch Saft obergäriger Hefe 247. 
Hardy, W. B. , und Anderson, H. K., 
Lichtempfindung durch Radiumstrahlen 
46. 
Harper, R. A., s. Holden, R. J. 192. 
Harreveld, Ph. van, Eindringen von 

Wurzeln in Quecksilber 110. 
Harris, R. A., Halbtagsgezeiten des Indi- 
schen Ozeans 432. 
Harrison, E. Philip, Ausdehnung des 

reinen Nickels 467. 
Hartmann, J., Herstellung monochroma- 
tischen Lichtes 504. 
— , Prüfung der Rowlandschen Wellenlängen 

208. 
— , Spektrum des Emanium 624. 
Hartmann, M., Fortpflanzungsweisen der 

Organismen 54. 
Hasse, Form und Lage des Magens 531. 
Hassert, K., Landeskunde Württembergs 

50. 
Hawk, P. B., Muskelbewegung und Blut- 
körperchen 272. 
Heffter, A. , Wirkung des Schwefels auf 

die Eiweißkörper 229. 
Heile, Darmresorption 531. 
Heilprin, Angelo, Obelisk des Pelee- 

Vulkans 415. 
Heller, Arthur, Wirkung ätherischer 

Öle auf Pflanzen 57. 
Hemptinne, Alexandre de, Synthese 
der Stearinsäure durch elektrische Ent- 
ladungen 577. 
Hemsalech, G. A., Spektrum der Glimm- 
entladung bei Atmosphärendruck 577. 
He niiiger, K. A. , Chemie, Mineralogie 

und Geologie 271. 
Henning, F., s. Kohlrausch, F. 219. 
Hennings, C, Geruchssinn der Mvriopoden 

440. 
Hennings, P., Brand-, Rost- und Hutpilze 

des Amazonas 428. 
— , Leuchtender Hutpilz 468. 
Henriet, H., Formaldehyd der Atmosphäre 

167. 
Henry, ThomasA., s.Dunstan, Wynd- 

ham R. 23. 
Herbst, C. , Zur Entwickelung von See- 
igellarven notwendige anorganische Stoffe 
187. 
Herrissey , H., s. Bourquelot, Em. 411. 
Hermes, O., s. Jochmann, E. 205. 
Herrmann, F., Staubfälle im Februar 1903 
97. 



XIV 



Aütoren-Repister. 



Hertwig, Oscar, Beziehungen des Eies 
zum Embryo 302. 

Herz, W. , Chemische Verwandtschafts- 
lehre 77. 

Hess, Hans, Die Gletscher 405. 419. 

Hesse, R. , Bau der Stäbchen und Zapfen 
47. 463. 

Heuraann, Karl, Anleitung zum Ex- 
perimentieren 465. 

Heyn, E. , Kupfer und Sauerstoff 361. 

Hjelt, Edv, Laktone 26. 

Hiltner, L. , Impfversuche mit Legumi- 
nosen-Knöilchenbakterien 332. 

Him6tedt, F, Emanation der Wasser- und 
Ölquellen 319. 

— und Meyer, G. , Heliumbildung aus 
Emanation 590. 

Hirsch, R. , Glykolytische Wirkung der 
Leber 22. 

Höber, R., Hydroxylionen des Blutes 28. 

— , Ionenpermeabilität bei Blutkörperchen 
268. 

Hoek, H., s. Steinmann, G. 138. 

Hoernes, M., Diluvialer Mensch in Eu- 
ropa 37. 

Hoernes, R., Paläontologie 299. 

Hofmann, K. A. und Ducca, W., Sidot- 
blende 672. 

Hold eflei ß, Auswintern des Getreides287. 

Holden, R. J., undHarper, R. A., Kern- 
teilung und. Kernverschmelzung bei Co- 
leosporium 192. 

Holetschek, Helligkeitsschwankungen der 
Planetoiden 312. 

Holliday, M. ? Ergutogyne Ameisen 99. 

Hollrung, s. Sorauer 47. 

Holmes, S. J., Phototaxis bei Ranatra 196. 

Holmgren, N. , Hügel bildende Ameisen 
513. 

— , Vivipare Insekten 128. 

Honda, K., s. Nagaoka, H. 498. 

Hoppe, Edm., Zur Geschichte der Wasser- 
zersetzung 40. 

Hörn, G., Bahn des Kometen 1889 IV 
Davidson 324. 

Homburg, A. F., Beobachtungen an einer 
Magenfistel 144. 

Hough, G. W., Rotationsperiode des Saturn 
80. 

Hoyer, E., Fermentative Fettspaltung 319. 

Huggins, Lady, s. Huggins, SirWil- 
liam 10. 

H uggins, Sir William, und Lady Hug- 
gins, Spektrum des Radiumlichtes 10. 

Hunger, F. W. T., Mosaikkrankheit des 
Tabaks 236. 

Hürthle. Blutkreislauf 531. 



I. 



Ihering, R. v., Staatenbildung bei Hymeno- 
pteren 139. 

Ikle, Max, Farbiges Hören 375. 

— , Ultrarotes Absorptionsspektrum organi- 
scher Flüssigkeiten 278. 

Iltis, Hugo, Licht und Wachstum der 
Adventivwurzeln von Wasserpflanzen 179. 

Im am ura, A., Horizontalpendel -Seismo- 
gramme 562. 

Immendorf, Stallmistkonservierung 622. 

Iterson, C. van, Cellulose-Zersetzung 341. 

j. 

Jäger, Fritz, Oberflächengestaltung im 
Odenwald 566. 

Jäger, G., Spiralen aus Gummigutt 647. 

Jägermann, R., Abgetrennter Kometen- 
schweif 624. 

— , Die Bredk-hinschen Kometenschweif- 
typen 29. 

— , Nachruf auf Bredichin 372. 384. 



Janczewski, Ed. v., Antimeridianpflanzen 
584. 

Jegerlehner,J., Schneegrenzen in Schwei- 
zer Gletschergebieten 111. 

Jelinek, Psychrometertafeln 307. 

Jerosch, Marie Ch., Geschichte der 
schweizerischen Alpenflora 13. 

Jochmanu, E., Hermes, O., und Spies, 
P., Experimentalphysik 205. 

Jolles, Blutfermente 531. 

Jolly, Herbstblüten nach einem Brande 15. 

Joly, J., Bewegung des Radiums im elek- 
trischen Felde 254. 

Jürgens en, S. M., Grundbegriffe der 
Chemie 371. 

Joubin, Cephalopoden der P>elgiea-Expedi- 
tion 298. 

Judd, J. W. und Cullis, C. Gilbert, 
Korallenfels und Atoll von Funafuti 659. 

Juel, H. O., Pollenschlaurh von Cupressus 
84. 

Jurie, A., Pfropfen von Weinstockrassen 
416. 

K. 

Kaehler, Karl, Leitfähigkeit der Luft 
durch Wasserfalle 72. 

Kahlbaum, Georg W. A., Änderung des 
spezifischen Gewichtes 539. 

-v, Jakob Berzelius; Amadeo Avoga- 
dro 502. 

Kalecsinsky Alexander, v., Tempera- 
turen ungarischer Salzwasserseen 571. 

Kammerer, P., Verwandtschaft von Sala- 
mandra atra und maculosa 107. 

Kanda Masayasu, Reizwirkung der 
Metallsalze auf P'rlanzenwuchs 346. 

Kassowitz, Max, Allgemeine Biologie 
141. 

Katzer, F., Geologie des Amazonasgebietes 
179. 

Kauffmann , H, Fluoreszenz und chemische 
Konstitution 569. 

Keegan, P. Q., Herbstliche Laubfärbung 
und Kieselsäure 52. 

Keibel, Franz, Ent Wickelung von Uro- 
geuitalapparat und Leber von Echidna 
aculeata 634. 

Keller, Konrad, Atmosphäre, elektro- 
pneumatischer Motor 465. 

Kellner, Nährwert von Asparagin und 
Milchsäure 622. 

Kellog, V.L., und Bell, R. G., Variation 
von Bombyx mnri durch Nahrungszufuhr 
139. 

Kelvin, Lord, Natur der Radiumemana- 
tion 235. 

Kerbert, C, Fortpflanzung des Megalo- 
batrachus maximus 229. 

Kienietz, 0., Landeskunde von Baden 543. 

Kirstein, 0., Magnetismus und Tonhöhe 
der Stimmgabeln 27. 

Kl autzsch, A., Nachruf auf v. Zit tel 65. 

Klebs, Georg, Äußere Bedingungen der 
Blütenbildung 612. 

— , Entwickelungsprobleme 451. 612. 

Kl oss (i vsk v, A., Wettervorhersage 517. 

Kny, L., Einschaltung des Blattes ins Ver- 
zweigungssystem 282. 

— , Intercellulares Protoplasma 579. 

Robert. R., Saponinsubstanzen 633. 

Koernicke, Max, Röntgenstrahlen und 
Radiumstrahlen, Wirkung auf Keimung 
und Wachstum 281. 

Köhler, A., Mikroskop für ultraviolettes 
Licht 606. 

Köhler, Assimilation von Kalk und Phos- 
phorsäure 622. 

Kohlrausch, F., und Henning, F., Elek- 
trolyse der Radiumsalze 219. 

Kolbe, Bruno, Schulversuche mit Thev- 
moskop 670. 



Kolbe, Bruno. Statische Elektrizität 656. 
Kollert, J., Katechismus der Physik 129. 
König, F., Leukobasen in der Dreifarben- 

photographie 570. 
Koppel, J. , Allotrope Modifikationen der 

Elemente 249. 261. 
Korn, A., s. Guggenheimer, S. 195. 
Korscheit, E., Doppelbildungen bei Lum- 

brieiden 435. 
Kossei, A., und Dakin, H. D-, Arginase 

331. 
Kowalewski, Erweiterung des zweiten 

Mittelwertsatzes 554. 
Krämer, Hans, Weltall und Menschheit 

63. 528. 
Kreidl, A. und Man dl, L. , Übergang 

von Stoffen zwischen Fötus und Mutter 

571. 
Kretzschmar, Paul, Plasmaströmung 

infolge von Wundreiz 19. 
Kreusler, H. , Umkehr der Heliumlinie 

479. 
Kriz, Martin, Quartärzeit in Mähren 77. 
Krohn, H., Fischreiher 466. 
Krohnke, 0., s. Biltz, W. 350. 
Kropotkin, F., Mutual aid a factor of 

evolution 616. 
Krüger, Bedeutung der Nitrifikation und 

der Düngung für Kulturpflanzen und 

Bodenbeschaffenheit 622. 
Kruis, K., s. Rayman, B. 366. 
Kunkel, Biologie der Kellerschnecke 468. 
Kunz, George F., s. Basquer ville, 

Charles 119. 556. 
Küster, V. W. , Schwefeltrioxydkatalyse 

569. 
Kyes, Preston, Lecithin und Schlangen- 
gift 320. 

L. 

Laborde, A., s. Curie, P. 344. 

Lacroix, A., Quarzgesteine bei der Erup- 
tion des Mont Pelee 255. 

Lampa, Anton, Wirbelringe 227. 

Lampe, Übungen zur Differential- und 
Integralrechnung 554. 

Landsberg, G., Alkohol in tierischen Or- 
ganen 434. 

Landsberg, Algebraische Zahlen und 
Funktionen 555. 

Langenbeck, R., Elsaß-Lothringen 593. 

Langley, S. P., Schwankung der Sonnen- 
strahlung und Temperatur der Erde 457. 

Latzel, R. , Pokornys Naturgeschichte des 
Tierreichs 49. 

Laurent, Emile, Mineralische Nahrung 
und Geschlecht der Pflanzen 140. 

Laurent, L. , Amerikanische Gattung in 
europäischer Tertiärflora 320. 

Laws, S. C. , Magnetisierbarkeit von Wis- 
mut-Zinnleeierung 584. 

Le Blanc, Max, Elektrochemie 437. 

Leclerc du Sablon, Eine Folge der 
Kreuzbefruchtung 192. 

Leick, Arnold, Optisches und elastisches 
Verhalten der Gallerte 363. 

Le mm ermann ; E. , Bodenvolumen und 
Pflanzenentwickelung 621. 

— , Leguminosen und Gramineen 621. 

— , Nährwert des Ammoniakstickstofts 621. 

— , Planktonalgen 233. 

Lenard, P., Regen 493. 

Lepinay, J. Mace de, N-Strahlen durch 
Tonschwingungen 104. 

Lepsius, R., Geologie von Deutschland 88. 

Leschtsch, Marie, Terpentinöl und Ei- 
weißumsatz in Pflanzen 57. 

Less; Wanderung sommerlicher Regenfälle 
287. 

Lessing, A., s. Rothmund, A. 636. 

Leyst, Ernst, Halophenomene in Ruß- 
land 666. 



Autoren-Register. 



XV 



Libert, L., Leoniden 648. 

Liebenow, C, Radiummenge zur Erhaltung 
der Erdwärme 647. 

Liebermann, L., Fermentwirkungen 448. 

Lindau, G., Taumellolchpilz in altägypti- 
schen Samen 565. 

Lindemuth, H., Wachsen isolierter Blätter 
nach Bewurzelung 296. 

Linden Gräfin M. von, Rotes Pigment 
der Vanessen 86. 

Linsbauer, Karl, Lichtlage monokotyler 
Blätter 640. 

Linsbauer, Ludwig und Portheim von, 
Leopold, Wiesner und seine Schule 90. 

Linsbauer, Ludwig s. Linsbauer, Karl 
90. 

Lippmann, E., Dibenzylanthracen 569. 

Lippmann, E. 0. v., Chemie der Zucker- 
arten 491. 

Lippold, Erich, Anpassung der Zwerg- 
pflanzen 370. 

Liznar, J. , Barometrische Höhenmessung 
332. 

Lobry de Bruyn, C. A. , s. Calcar, 
R. P. van 489.' 

— und Wolff, Optischer Nachweis ge- 
löster Moleküle 475. 

Lockyer, Sir Norman, Einteilung der 
Sterne nach Temperaturen 325. 

— , Schwankungen der Sonnenflecken in 
der Breite 241. 

— , Spektren von Sonnenflecken und Sternen 
487. 

Loeb, J. , Befruchtung von Seeigel durch 
Seestern 215. 

— , Einfluß der OH- und H - Ionen auf 
Regeneration und Wachstum 190. 

— , Heterogene Hybridisation bei Echino- 
dermeu 655. 

— , Polarität der Aktinien 323. 

Loesener, Th., s. Gilg, E. 282. 

Loew, Blütenbiologie 402. 

Loewenthal, Waldemar, Basidiobolus 
lacertae Eidam 178. 

Loewy, A., und Zuntz, N. , Sauerstoff- 
versorgung des Körpers 326. 

Lohse, O., Bahn des Sirius-Begleiters 312. 

Lopriore, G. , Chlorophyllbildung bei 
Lichtabschluß 616. 

Lord, H. C. , Spektroskopischer Doppel- 
stern i\ Piscium 288. 

Lösner, Hans, Levitation und Flugpi'o- 
blem 567. 

Lowell, Abstände der verdoppelten Mars- 
kanäle 336. 

Löwensteiu, Arnold, Temperaturgrenzen 
bei Thermalalgen 12. 

Lüdeling, G., Täglicher Gang der luftelek- 
trischen Zerstreuung 526. 

Ludwig, F., Massenhattes Auftreten von 
Milben 132. 

— , Milbenplage in Wohnungen 518. 

Ludwig, H., Brutpflege bei Echinodermen 
476. 

— , Seesterne der Belgica-Expedition 297. 

Luedecke, 0., Kyffhäuser 280. 

Lunge, G. , Chemisch-technische Analyse 
518. 

Luther, L., und Uschkoff, W. A. Che- 
mische Wirkung der Röntgenstrahlen 92. 



M. 

Maas, 0., Kalkskelett der Spongien und 
Kalkgehalt des Seewassers 615. 

Maccarrone, F., s. Battelli, A. 421. 

Macchiati, L. , Photosynthese außerhalb 
des Organismus 35. 

Mac Dougal, Daniel Trembly s. Co- 
ville Frederick Vernon 218. 

Mach, E., Populär-wissenschaftliche Vor- 
lesungen 87. 



Mache, Radioaktivität der Gasteiner Ther- 
men 520. 

Magini, R., Ultraviolette Strahlen und 
stereochemische Isomerie 85. 

Magnus, R. , Ausgang der Darmbewegun- 
gen 312. 

Magri, Luigi, Brechung der Gase und 
Druck 416. 

— s. Stefanini, A. 279. 

Mahler, G. , Physikalische Formelsamm- 
lung 117. 

Malkoff, Konstantin, Bakterienkrauk- 
heit an Pflanzen 168. 

de Man, J. G. , Nematoden der Belgica- 
Expedition 529. 

Mandl, L., s. Kreidl, A. 571. 

Mangels, H. , Abhandlungen über Para- 
guay 478. 

Marcacci, Arturo, Wasserstoff als Atem- 
gas 449. 

Marckwald, W. , Asymmetrische Syn- 
these 137. 

Maresca, A. , Wärme der Funken in iso- 
lierenden Flüssigkeiten 45. 

Marloth, R. , Feuchtigkeitsmenge der 
südafrikanischen Wolken 369. 

Marshall, W., Tiere der Erde 670. 

Martens, A. und Guth, M. , Material- 
prüfungsamt 553. 

Martiuelli, Giuseppe, Elektrisierung 
amorpher Dielektrika durch Kompression 
150. 

Mascari, A., Tätigkeitszentren der Sonnen- 
fackeln 394. 

Massart, Jean, Ausdauernde Pflanzen im 
Boden 42. 

— , Schutz der jungen Blätter gegen Wit- 
terung 128. 

Massee, George, Ursprung des Parasi- 
tismus der Pilze 304. 

Matzdorff, C., Tierkunde 283. 

Maunder, E.Walter, Magnetische Stürme 
und SohnenÜecken 200. 

Mayer, Hans, Die neueren Strahlungen 
553. 

Maximow, N. A., Pflanzenatmung 396. 

Mc Adie, Alexander G. , Climatology 
of California 425. 

McClelland, J. A. , Die durchdringenden 
y-Radiumstrahlen 499. 

— , Über Ladung der Radiumemanation 330. 

McClung, R. K., Ionisierung von Gasen 
durch Röntgenstrahlen und Temperatur 
190. 

■ — , Ionisierung durch verschiedene Rönt- 
genstrahlen 630. 

— , Wiedervereinigung der Ionen und Tem- 
peiatur 85. 

Mc Coy, Herbert N., Entstehen von Ra- 
dium 431. 

Meinard us, Wassertemperaturschwankun- 
gen 286. 

Meisenheim er, J. s. Buchner, E. 113. 
162. 

Melichar, L. , Homopterenfauna Ceylons 
193. 

Mellor, J. W. , Vereinigung von Wasser- 
stoff und Chlor 345. 

Meudelejew, D. J., Chemische Auflassung 
des Weltäthers 273. 289. 

Mercalli, G. , Notizie Vesuviane 656. 

Mercator, G., Kolorieren photographischer 
Bilder 131. 

Metschnikoff, E. , Natur des Menschen 
182. 

Meves, F., Richtungskörper in der Sper- 
matogenese 6. 

Mever, Arthur, Volutin 463. 

Meyer, Edgar, Absorption der ultra- 
violetten Strahlen durch Ozon 40. 

Meyer, Eugen, Die Verbrennungskraft- 
maschinen und die Erzeugung motorischer 
Kraft 637. 649. 661. 



Meyer, G. s. Himstedt, F. 590. 

Meyer, H. , Analyse und Konstitution 
organischer Verbindungen 218. 

Meyer, J. G. , Kulturgeschichte und Dar- 
winismus 616. 

Meyer, M. Wilhelm, Entwicklungs- 
geschichte der Vulkane 308. 

— , Gesetze der Himmelsbewegungen 490. 

Meyer, Richard, Fluoreszenz und che- 
mische Konstitution 171. 

— , Jahrbuch der Chemie 165. 543. 

— , Phtale'l'nsalze, Konstitution 121. 

Michael, Oribatiden 298. 

Michaelsen, W. , Geographische Verbrei- 
tung der Oligochaeten 231. 

Migula, W., Botanisches Vademecum 284. 

Milch, Entstehung der Tiefengesteins- 
massive 582. 

Milligan, Leoniden 648. 

Millochau, Jupiterspektrum 420. 

Mittler, Siegfried Toeche, Molekular- 
gewichtsbestimmung 102. 

Miyake, K., Wachstum des Blütenschaftes 
von Taraxacum 307. 

Möbius, A. F., Astronomie 129. 

Möbius, M., Mathias Jacob Schieiden 
299. 

Moissan, Henri, und O'Farelly, De- 
stillation von Metallgemischen 512. 

Molisch, Hans, Kohlensäure-Assimilation 
mittels Leuchtbakterien 173. 

— , Leuchtende Pflanzen 509. 

Möller, A., Gipfeldürre 556. 

Möller, Ebbe und Flut der Atmosphäre 
286. 

Monti, R., Italienische Alpenseen 232. 

Moore, Benjamin, und Roaf, Herbert 
E. , Chloroform-Lösungen und Anaesthe- 
tica 447. 

Mooser, J., Entstehung des Sonnensystems, 
Theorie 13. 413. 595. 

Morgen, Milchproduktion durch Reizstoffe 
622. 

Moureaux, Th. , Erdmagnetische Ele- 
mente am 1. Jan. 1904 131. 

— , Magnetische Anomalie des Pariser 
Beckens 44. 

Müller, A. , Suspensionen in zähen Me- 
dien 151. 

Müller, E. , Lichtabsorption in Kupfer- 
salzlösungen 21. 

Müller, R., Verbreitung der Wirtschafts- 
tiere 645. 

Müller, Reinhold, Darstellende Geome- 
trie 63. 

Münch, K., Muskelzellen 530. 

Muthmann, W. und Fraunberger, F., 
Passivität der Metalle 642. 



N. 

Nadson, G., Purpurbakterien 270. 

Nagaoka, H., und Honda, K. , Magneto- 
striktion der Nickelstahle 498. 

Nagel, W., Handbuch der Physiologie des 
Menschen 554. 

Nasini, R. , Radioaktivität und Helium 
267. 

Nathorst, A. G. , Fossile Flora antark- 
tischer Gebiete 449. 

Neger, F. W. , Handelspflanzen Deutsch- 
lands 206. 

N ei ss er, M. und Friede mann, U., Aus- 
flockungserscheinungen 395. 

Nemec, B., Einfluß mechanischer Faktoren 
auf Blattstellung 275. 

— , Ungeschlechtliche Kernverschmelzung 
204. 490. 

Nernst, W., Explosionsvorgänge 569. 

— , Theoretische Chemie 320. 

Nestler, A., Hautreizende Primeln 478. 

— , Thei'n der Teepflanzen 100. 



XVI 



Autoren-Register. 



Neubauer, Mikrophotographie für Unter- 
suchung von Futtermitteln 623. 

Newcombe, Frederick C, Thigmotro- 
pismus der Erdwurzeln 459. 

— und Rhodes Anna L. , Chemotropis- 
mus der Wurzeln 598. 

N e w k i r k , B. L. , ParaHaxe des Zentral- 
sterns im Kingnebel der Leier 144. 

Nicol, J., s. Richardson, 0. W. 500. 

Niesiolowski-Gawin, v. , Militärische 
Technik 348. 

Noll, Histologie der Fundusdrüsen des 
Magens 531. 

Nordmann, Ch. , Natur der Polarlichter 
300. 

Norrenberg, J. , Geschichte des naturw. 
Unterrichts 219. 



0. 

Obermayr A. v. , Höchste meteorolo- 
gische Station 47. 

— , Temperatur auf dem Sonnblick 84. 

Oettingen, A. J. v., Poggendorffs bio- 
graphisch - literarisches Handwörterbuch 
671. 

O'Farrelly s. Moissan, Henri 512. 

Ohraann, 0. s. Vogel, 0. 283. 

Ostenfeld, C. H. und Raunkiaer, C, 
Kastrierungsversuche mit Cichorien 99. 

Osterwalder, A. , Morphologie einiger 
Saccharomycesarten 320. 

Ostwald, Wilhelm, Abhandlungen und 
Vorträge allg. Inhalts 658. Grundlinien 
anorganischer Chemie 193. 

— , Die Schule der Chemie 413. 

Owen, Gwilym, Entladung glühender 
Kohlenfäden der Nernstlampe 635. 



Paal, C. und Amberger, C. Kolloidale 
Metalle der Platingruppe 127. 

Pabst, Wilhelm, Tierfährten im Rot- 
liegenden 437. 

Pacini, D. , Aktinische und thermische 
Strahlen der Sonne 71. 

— , Elektrizität durch Lösungen perlender 
Luft 410. 

Paillot, A. , Radium und elektrischer 
Widerstand des Wismut 155. 

Palisa, J. , Planetoiden - Beobachtungen 
312. 

— , Veränderlichkeit von Planetoiden 120. 

Pantanelli, Enrico, Albinismus der 
Pflanzen 464. 

Parnell, T., s. Richardson, 0. W. 500. 

Paschen, F., Die durchdringendsten Strah- 
len des Radiums 330. 

■ — , Kathodenstrahlen des Radiums 365. 

Pauli, W. , Physiologische Wirkung und 
physiko-chemische Eigenschaft 462. 

Payn, Howard s. Fowler, A. 21. 

Peiser, Schilddrüsenstruktur 532. 

Pelseneer, Mollusken der Belgien- Expe- 
dition 298. 

Penck, A., Alpenkarten 632. 

Penzig, Symbiose von Cicaden und Amei- 
sen 480. 

— und Chiabrera, C. , Acarophile 
Pflanzen 123. 

Pernter, J. M., Wetterphrophezeien 37. 

Perraud, Joseph, Lichtiallen 336. 

Perrotin, Henri, Perseidenscharm 520. 

Peter, Variabilität der tierischen Ent- 
wicklung 530. 

Petrunke witch , A. , Künstliche Parthe- 
nogenese 444. 

P fanhausen, W., Galvanoplastik 518. 

Pfeffer, W., Pflanzenphysiologie 332. 

Pfeiffer, Asparagin und Milchproduktion 
623. 



Pfeiffer, Th. , Stereochemie des Chroms 
570. 

Pflüger, A. , Wärmewirkung im Ultra- 
violett der Funkeuspektra von Metallen 
301. 

Pfund, A. H., Selenzellen 127. 

Pickering, E. C, Veränderliche im Orion- 
nebel 288. 

Pickering, W. H., Änderungen der Mond- 
oberfläche 492. 

Pictet, A., und Rotschy, A. , Synthese 
des Nicotins 306. 

Pittard, Eugen, Negroide Menschen in 
Europa 404. 

Piva, Umberto, Winddruck und Elek- 
trisierung der Lutt beim Durchblasen 
durch Wasser und Lösungen 562. 

Pizzetti, Margarita, Alkaloide der 
Wasserrosen 480. 

Plassmann, Lichtwechsel des Grauat- 
sterns 516. 

Plowman, Amou B. , Elektrotropismus 
der Wurzeln 592. 

Pochettino, A. , Änderung des erdmag- 
notischen Feldes mit der Höhe 136. 

— undSella, A., Leitfähigkeit abgeschlos- 
sener Luft 421. 

Pokorny, Naturgeschichte des Mineral- 
reichs 165. 

Polis, Niederschlag, Bildung in Zyklonen 

. 287. 

Popig, Herrn., Stellung der Südostlausitz 
im Gebirgsbau Deutschlands 384. 

Porsch, Otto, Entleerungsapparat innerer 
Drüsen 515. 

— Spaltöffnungen submerser Pflanzen 452. 
Porter, T. C. , Versuche über Magnetis- 
mus 161. 

Portheim, von, Leopold, s. Lius- 
bauer, Karl 90. 

Posner, Th. , Synthetische Methoden der 
organischen Chemie 206. 

Poynting, J. H. , Strahlung im Sonnen- 
system ^609. 

Prantl-Pax, Lehrbuch der Botanik 384. 

Przibram, Karl, Entladungen in Flüssig- 
keiten 572. 

— , Leuchten verdünnter Gase im Teslafeld 
433. 

Pul fr ich, Stereokomparator 554. 606. 

Pütter, A., Sauerstofl'spannung und lebende 
Substanz 307. 



Quervain Alfred de, Isothermen der 
Schweizer Alpen und Höhengrenzen 305. 

R. 

Rabl, C, Züchtende Wirkung funktioneller 
Reize 401. 

Rädl, Em., Anziehung von Organismen 
durch Licht 424. 

Radlkofer, L., Tonerdekörper in Pflanzen- 
zellen 383. 

Ramsauer, Carl, Rikoschettschuß 542. 

Ramsay, William, Sir, Exradio 353. 

Rausch von Traubenberg, Heinrich, 
Freiherr, Absorptionsgesetze der Emana- 
tionen 203. 

Raunkiaer, C, s. Ostenfeld, C. H. 99. 

Rauter, Gustav, Stand der Schwefel- 
säureindustrie 49. 

Ravaz, L., Bronissure 404. 

Rawitz, Bernhard, Nachruf auf His 
308. 

— , Unmöglichkeit der Vererbung geistiger 
Eigenschaften 616. 

— , Urgeschichte, Geschichte und Politik 
616. 

Raymann, B., undKruis, K., Kerne der 
Bakterien 366. 



Rebenstorff, H. , Nebelbildung bei elek- 
trischer Spitzenentladung 629. 

Rebuffat, Orazio, Radiumwirkung auf 
Funkenentladung 504. 

Reinganum, M. , Molekularvolumen der 
Halogensalze 607. 

Reinisch, R., Petrographisches Praktikum 
89. 

Reinke, J. , Symbiose von Volvox und 
Azotobacter 75. 

Reiuöhl, Friedrich, Variation im An- 
droeceum der Stellaria media 256. 

Reinsch, F., Passatstaub aus „Seeblüte" 
595. 

Reisch, R., s. Seifert, W. 552. 

Rellstab, Ludwig, Telegraphie 182. 

Remer, W., Einfluß des Lichtes auf die 
Keimung bei Pha< alia 669. 

Remsen, Ira, Einleitung in die Chemie 
348. 

Renner, Otto, Zwitterblüten beim Wach- 
holder 571. 

Renz, Carl, Stratigraphie des griechischen 
Mesozoikums 583. 

Rettig, Ernst, Ameisenpflanzen — Pflan- 
zenameiseu 397. 

Reychler, A., Physikalisch - chemische 
Theorien 25. 

Rhodes, Anna L., s. Newcombe, Fre- 
derick C. 598. 

Rhumbler, L. , Reticulosa 163. 

— , Zellenmechanik und Zellenleben 533. 
545. 

Riccö, A., Schwerebestimmungen in Sizilien 
und Süditalien 337. 

— , Sonnenflecken und erdmagnetische Stö- 
rungen 277. 

Richardson, 0. W., Nicol, J., und Par- 
nell, T. , Diffusion des Wasserstoffes 
durch heißes Platin 500. 

Richardt, s. Haber 228. 

Richarz, F., und Schenck, Rudolf, 
Analogien zwischen Radioaktivität und 
Ozon 59. 184. 

Richer, Pierre -Paul, Bestäubungsver- 
suche am Buchweizen 244. 

Richter, Oswald, Reinkulturen von Dia- 
tomeen 152. 

Richthofen, F. v., Geomorphologie Ost- 
asiens 3. 17. 

— , Das Meer 469, 481. 

Riecke, E., und Stark, J. , Massentrans- 
port im Glimmstrome 595. 

Riesenfeld, E. H., ^Überchromsäuresalze 
570. 

Righi, A., Moderna teoria dei fenomeni 
Ssioi 258. 

— , Durch radioaktive Körper ionisierte 
Luft 667. 

Rinne, F., Gesteinskunde des Kiautschou- 
Gebietes 631. 

Roaf, Herbert, E., s. Moore, Benja- 
min 447. 

Roche, Kugelblitz 570. 

Röhmann, F., Bürzeldrüse 531. Sekret 
der Bürzeldrüsen 191. 

Rohr, M. v., Die Bilderzeugung in opti- 
schen Instrumenten 316. 

Rompel, Jos. S. J. , Matthias Jacob 
Schieiden 491. 

Rosenthal, M., Jahresringe an der Baum- 
grenze in den Alpen 476. 

Rössig, H. , Bildungsreiz der Pflanzen- 
gallen 449. 

Rostock, R., Drüsenhaare von Dipsacus 
sylvestris 177. 

Rothmund, A., und Lessing, A., Elek- 
trolytischer Wellendetektor 636. 

Rotschy, A., s. Pictet, A. 306. 

Röttger, H., Lehrbuch der Nahrungs- 
mittelchemie 582. 

Rottok, E., Deviationstheorie 101. 



Autoren-Register. 



XVII 



Rudorf, G., Lichtabsorption in Lösungen 
529. 

— , Periodisches System 398. 

Ruhland, W., Befruchtung von Albugo 
Lepigoni 293. 

Riiraker, K. v., Züchtung des Roggens 
nach Kornfarbe 622. 

Ruß, K., Einheimische Stubenvögel 371. 

Rußner, Johannes, Telephonie 182. 

Rutherford, E., Die Umwandlungen ra- 
dioaktiver Körper 377. 

— und Barnes, H. T. , Wärmewirkung 
der Radiumemanation 251. 



Sachs, Arthur, Ein Vorkommen von 
Jordanit in oberschlesischen Erzlagerstätten 
583. 

Sack, G., Polarisation des Himmelslichtes 
343. 

Saito, K., Atmosphärische Pilzkeime 297. 

Salmon, Ernest S. , Biologische Formen 
der Erysiphaceae 304. 

Schaeberle, Lichtstarker Reflektor 52. 

Schallmayer, W. , Vererbung und Aus- 
lese im Leben der Völker 616. 

Seh ei, P., Geologische Ergebnisse der Po- 
larexpedition des „Fraui" 35. 

Schenck, Rudolf, Theorie der radio- 
aktiven Erscheinungen 133. 

— , s. Richarz, F., 59, 184. 

Schiff, Ruggero, Bacillus Oleae 542. 

Schilling, S., Grundriß der Natur- 
geschichte, Das Tierreich 283. 

Schirm eisen, K. , Verzeichnis mährisch- 
schlesischer Mineralien 49. 

Schlesinger, J., Parallaxenbestimmungen 
520. 

Schlömilch, 0., Fünfstellige Logarithmen- 
tafeln 503. 

Schmidt, Adolf, Archiv des Erdmagnetis- 
mus 129. 

— , Erdmagnetische Elemente in Potsdam 
635. 

— , Laufende Beobachtungen der magneti- 
schen Störungen 286. 

— , Magnetische Störung am 31. Oktober 
und 1. November 1903 214. 

Schmidt, Alb., Mineralien des Fichtel- 
gebirges 118. 

Schmidt, G. C, Kathodenstrahlen 565. 

Schmidt, G. N. St., Absorption und Diffu- 
sion von Wasserstoff in Palladium 214. 

Schmidt, J., Alkaloidchemie 604. 

— , Nitrosoverbindungen 26. 

Schmidt, W. , Astronomische Erdkunde 48. 

Schnee, P., Darwinistische Studie an Ko- 
ralleninsel 657. 

Schneider, K. C, Vitalismus 484. 495. 

Schniederjost, J., Spektrum der Stick- 
stofftlamme 544. 

Schödler, Fr., Astronomie 398. 

Schoenichen, W. , Die Abstammungslehre 
im Unterricht der Schule 89. 

Schroeder, P. v., Erstarren und Quellen 
von Gelatine 98. 

Schubert, Hermann, Mathematische 

Mußestunden 669. 
Schubert, Th., Entstehung der Planeten-, 

Sonnen- und Doppelsternsysteme 117. 
— , Ursache der Bewegungen der Himmels- 
körper 530. 

Schubert, Wald und Klima 286. 
Schukowski, G. v., s. Bredig, G. 601. 
Schultze, 0., Geschlechtbestimmende Ur- 
sachen 95. 
Schulz, Säuredrüsen der Pleurobranchaea 

531. 
Schulze, Günther, Spannungsverlust im 

elektrischen Bogen 44. 
Schulze, Stoffwandlungen im Blatt von 
Acer Negundo 623. 



Schurtz, Heinrich, Völkerkunde 26. 
Schutt, K., Zähigkeit der Flüssigkeits- 
oberflächen und Lamellen 202. 
Schütz, L. H., Fortschritte der technischen 

Physik 503. 
Schweidler, Egon R. v., Ermüdung und 
Erholung der Photoelektrizität der Me- 
talle 259. 
— , Luftelektrische Messungen zu Mattsee 

119. 
Schwenkenbecher, Absorptionsvermögen 

der Haut 280. 
Seddig, M., Beobachtung elaster Wellen 

im Erdboden 641. 
— , Faradays Vorstellung von den Isola- 
toren und Darstellung elektrostatischer 
Kraftlinien 389. 
Seifert, W., und Reisch, R., Glycerin 

bei alkoholischer Gärung 552. 
Seitz, W., Intensität und Absorbierbarkeit 

der /3-Strahlen 475. 
Sella, A., s. Pochettino, A. 421. 
Semenow, Jules, Elektrische Funken 550. 
Semon, Richard, Im australischen Busch 

14. 
Shaw, P. E. , Schlagweite und Potential- 
differenz 461. 
Sieberg, August, Handbuch der Erd- 
bebenkunde 399. 
Simpson, George C, Ladung durch 

Ionenabsorption und Erdladung 41. 
— , C, Radioaktivität der Atmosphäre in 

hohen Breiten 259. 
S kinner, S., Photographische Wirkung der 

Radiumstrahlen 242. 
Skraup, Zd. H., Chemie in der neuesten 

Zeit 117. 
Slipher, V. M. , Spektrum von Uranus 

und Neptun 555. 
Smalian, Karl, Lehrbuch der Pflanzen- 
kunde 233. 
Soddy, Fr., Entwickelung der Materie 

durch Radioaktivität 491. 
Sommer, Überlebendes Ovarialei der Tuni- 

katen 530. 
Sorauer und Hollrung, Pflanzenschutz 47. 
Soxhlet v., Gerinnen der Milch 622. 
Spemann, H., Experimentelle Doppel- 
bildung 508. 
Spengel, J. W., Schwimmblasen, Lungen 

und Kiementaschen 472. 
Spiegel, L., Eiweißkörper, Konstitution 

570. 
Spies, P. , s. Joch mann, E. , 205. 
Sprecher, F. W., Lawinen an der Jung- 
frau 614. 
Spring, W., Dichtigkeitsabnahme durch 

Kompression 343. 
Sprung, A., Neues Registrierelektrometer 

286. 
— und Süring, R., Wolkenbeobachtungen 

347. 
Stadelmann, Umformung amorpher Ma- 
terie 594. 
Stark, J., s. Riecke, E. 595. 
Starling, E. H., s. Bayliss, W. M. 339. 

355. 
Stechen, C, Bahn des Kometen 1887 II 

Brooks 324. 
Stefanini, A., und Magri, L., Radium 

und elektrischer Funke 279. 
Steinitz, Kollineare Abbildungen von Tri- 

gonalpolyedern 555. 
Steinmann, G. , Paläontologie 49. 
— , Hoek, H., Bistram v., A., Geologie 

von Bolivien 138. 
Steinmetz, Charles Proteus, Stark- 
stromtechnik 141. 
Step, J., Radioaktivität frisch gebrochenen 

Uranerzes 571. 
Stok, J. P. van der, Gezeitenerschei- 
nungen 589. 



Stöckert, 0., Photographische Wirkung 
von Wasserstoffsuperoxydstrahlen 358. 

Stoklasa, J., und Czerny, F., Gärungs- 
erregende Enzyme in Zellen höherer 
Tiere 45. 

Stoll, Otto, Suggestion und Hypnotismus 
206. 

Stolze, F., Chemie für Photographen 142. 

— , Optik für Photographen 553. 

Strasburger, E. , Reduktionsteilung 392. 

Strutt, R. J., Elektrizitätsleitung im hohen 
Vakuum durch radioaktive Körper 601. 

— , Radioaktivität von Mineralen und Mine- 
ralwässern 267. 

— , Radium in den heliumhaltigen Quellen 
von Bath 80. 

Stübel, Alfons, Rückblick auf die Aus- 
bruchsperiode des Mont Pelee 529. 

— , Vulkanberge 117. 

Sturm, Cremonasche Transformationen 554 . 

Suess, F. E., Bau und Bild der böhmi- 
schen Masse 81. 93. 

Süring, R., s. Sprung, A. 347. 

Süßbach, S., Darmkanal der Amphibien, 
Sauropsiden und Säugetiere 594. 

Szalay, Ladislaus v., Schadenblitze in 
Ungarn 92. 



T. 



Tafel, J., Elektrolytische Reduktionen 37. 

Tammann, Gustav, Kristallisieren und 
Schmelzen 581. 

Tand ler, J. , Anatomie der Geckopfote 12. 

Tangl, F., und Farkas, K., Energetik 
des bebrüteten Forelleneies 643. 

Teichmann, E., Entwickelung der Ce- 
phalopoden 23. 

Teisserenc de Bort, L., Luft -Son- 
dierungen zu Hald 433. 

— , Temperaturabnahme in der Höhe 125. 

Ternetz, Charlotte, Assimilation at- 
mosphärischen Stickstoffes durch einen 
Pilz 476. 

Thiele, R. , Witterung und Bodenorganis- 
men 623. 

Thomas, Fr., Durchlöcherte Roßkastanien- 
blätter 648. 

Thome, Flora von Deutschland, Österreich 
und Schweiz 258. 

Titoff, A., Negative Katalyse 69. 

Tobler, Fried., Pflanzenzellen als In- 
dividuen und Organismusglieder 417.429. 

Tropfke, Johannes, Geschichte der Ele- 
mentarmathematik 152. 

Trouessart, Acariden der Belgica- Expe- 
dition 298. 

— , Catalogus mammalium 478. 

— , Hypopen bei Milben 216. 

Trauton, F. T., und Andrews, E. S., 
Viskosität pechähnlicher Substanzen 295. 

Tschermak, E., Kryptomerie 244. 

Tschermak, tl . Mendelsches Gesetz und 
Züchtung von Getreiderassen 24. 

Tschirch, A., Die Antheren der Kompo- 
siten 62. 

— , Harzfluß 425. 

Tubeuf, C. v., Gipfeldürre Nadelhölzer 
135. 

— und Zehnder, Wirkung von Funken- 
strömen auf Nadelhölzer 135. 

Tuttle, George W., Schwankungen der 
Meeresküste 403. 



u. 

Ulke, T. , Elektrolytische Raffination des 

Kupfers 543. 
Uschkoff, W. A., s. Luther, R. 92. 
Uslar, Manuel v., Cyanidprozesse 467. 
— , Gold 63. 



XVIII 



Autoren-Register. 



Valentiner, W., Veröffentlichungen der 

Heidelberger Sternwarte 62. 
Vejdovsky, F., Kern der Bakterien und 

Teilung 366. 
Verschaffelt, E., Wirkung der Gifte auf 

Pflanzen 501. 
Vidal, Wirkung des Wetterschießens 532. 
Villari, E., Vergleichung von Radiotellur 

und Röntgenstrahlen 428. 
Vines, S. H., Proteasen der Pflanzen 378. 
Vogel, 0., und Ohmann, 0., Zoologische 

Zeichentafeln 283. 
Voigt, M., Rotatorien und Gastrotrichen 

bei Plön 232. 
Voller, A., Elektrische Wellentelegraphie 

165. 
— , Zeitliche Abnahme der Radioaktivität 

606. 
Vondracek, Rudolf, Katalytische Wir- 
kung des Platinschwarz 370. 
Vuillemin, Paul, Variationen von Ste- 

rigmatocystis versicolor 412. 

w. 

Waetzmann, E., Spektra der Gasgemische 
561. 

Wager, Harold, Nucleolus und Kern- 
teilung 212. 

— , Zellstruktur der Cyanophyceen 158. 

Wagner, F. v., s. Friese, H., 591. 

Waiden, P., Wilhelm Ostwald 567. 

Wal ker, James, Elementare, anorganische 
Chemie 13. 

— , Physikalische Chemie 453. 

Walther, Job.., Geologie Thüringens 130. 

Warburg, E., Ozonbildung durch Spitzen- 
entladung 33. 

— , Ursache des Voltaeffekts 382. 

Wasielewski, W. v., Goethe und die 
Deszendenzlehre 154. 

Was mann, E. , Gäste und Wirte der 
Treiberameisen 513. 

— , Thorakalanhänge der Termitoxeniidae 60. 

Wassmuth, Anton, Abkühlung beim 
Biegen von Stahlstäben 126. 

Waters, A. W., Bryozoen der Belgica- 
Expedition 529. 

Watteville, C. de, Fhimmenspektren der 
Alkalimetalle 190. 

Weber, Heinrich, Enzyklopädie der ele- 
mentaren Algebra und Analysis 580. 

Weber L., Wind und Wetter 565. 

Wedekind, E., Darstellung von Pyrononen 
569. 



Wedekind, E., Santoningruppe 77. 

— , Stereochemie 518. 

Weevers - De- Graaff, C. J. Frau, s. 
Weevers, Th. 8. 

Weevers, Th.,undWeevers-De-Graaff, 
Frau C. J. , Xanthinderivate im Stoff- 
wechsel der Pflanzen 8. 

Wegen er, K., Temperatur 1 km über 
Berlin 538. 

Wehnelt, A., Negative Ionen aus glüheu- 
den Metallverbindungen 488. 

Wein, Düngungsversuche mit Kalkstick- 
stoff 622. 

Weiskopf, Erich, Chloroform gegen ni- 
trose Dämpfe 156. 

Weiß, F. E. , Mycorrhiza aus der Stein- 
kohlenzeit 280. 

Weißberg, J. , s. Engler, C, 592. 

Weiße, A., Blattstellung der Cacteen 275. 

Wendell, 0. C. , Lichtschwankungen des 
Planeten (7) 68. 

Wernicke, Ad,, Lehrbuch der Mechanik 
100. 

Wettstein, Richard v., Systematische 
Botanik 102. 

■ — , Vegetatiousbilder aus Südbrasilien 634. 

Wetzel, Wassergebalt des Ovarialeis 530. 

Wheeler, L. P., s. Bumstead, H. A. 
236. 

Wickert, Fr., Der Rhein und sein Ver- 
kehr 193. 

Wiedersheim, R., Kehlkopf der Ganoiden 
und Phylogenie der Lungen 472. 

— s. Ecker, A., 349. 

Wieler, A., Pflanzenwuchs in Kupfer- 
carbonat 569. 

Wiesner, Julius, Laubfall durch Sinken 
des Lichtgenusses 230. 

— , Treiblaubfall und Ombrophilie immer- 
grüner Holzgewächse 564. 

Wildeman, E. de, Acarophytismus bei 
Monokotyledouen 669. 

— , Kaffeebäume als Acarophyte 492. 

— , Randia Lujae 361. 

Wildemann, M., Jahrbuch der Natur- 
wissenschaften 130. 

Will, W., Fortschritt der Sprengtechnik 
209. 

Willcock, Radiumstrahlen und Protisten 
67.. 

Willey, A., Mimikry bei Fischen 468. 

Williams, A. S., Interessanter Veränder- 
licher 104. 

Willis, J. C, Flowering Plants and Ferns 
321. 

Wilson, C. T. R., Nachweis von Ionen 
durch Kondensation 434. 



Winkelmann, A., Handbuch der Physik 
383. 

Wirtz, C. W., Kritik der Entfernungs- 
Bestiramungsmethoden der Fixsterne 105. 

Wislicenus, W., Astronomischer Jahres- 
bericht 436. 

— , Lehre von den Grundstoffen 117. 

Woeikoff, A., Russische meteorologische 
Beobachtungen 150. 

— , Temperatur der untersten Luftschichten 
323. 

Wohlgemuth, Fermente im Hühnerei 531. 

— , Herkunft der schwefelhaltigen Stoff- 
wechselprodukte 11. 

Wolff, F. v., Alter der kristallinen Ost- 
kordillere in Ecuador 578. 

Wolff, L. K., s. Lobry de Bruyn, C. A. 
475. 

Wolff, W., Geologie Helgolands 113. 

Woltereck, R., Entwickelung der Velella 
563. 

Wood, R. W. , Photographische Umkeh- 
rungen in Spektren 60. 

Wossidlo, P., Leitfaden der Botanik 233 

T. 

Yatsu, N., Japanische Lingula 69. 
Yendell, P. S. , Lichtschwankung von 

TJCephei 40. 
Young, W. J., s. Harden, A. 247. 



Zaborowsky, Fossiles Kamel 364. 

Zacharias, O., Plankton sächsischer und 
schlesischer Teichgewässer 232. 

Zahn, H., Galvanomagnetische und ther- 
momagnetische Effekte in Metallen 642. 

Zeder bauer, E. , Fortpflanzung von Cera- 
tium hirundinella 230. 

Zehnder, s. Tubeuf, v. 135. 

Zeiller, R. , und Fliehe, P., Sequoia- 
Zapfen im Portlandien 138. 

Zeleny, John, Fortpflanzungsgeschwindig- 
keit des Geruchs 220. 

Zell, Th., Vernunft der Tiere 454. 

Ziegler, H. E., Instinktbegriff 563. 

Zittel, R. A. v., Grundzüge der Paläonto- 
logie 13. 

Zölss, P. Bonifaz, Luftelektrische Beob- 
achtungen in Kremsmünster 103. 

Zonta, Paolo, Spektrum von Geißlerröhren 
im Magnetfelde 614. 

Zuntz, N., s. Loe»jvy, A. 326. 

Zwaardemaker, H. , Besonderheit des 
Geruchssinnes 288. 




nschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 



über die 



Fortschritte auf dem Gesamtgehiete der Naturwissenschaften. 



XIX. Jahrg. 



7. Januar 1904. 



Nr, 1. 



Periodische Kometen im Jahre 1904. 

Von Professor A. Berberioli. 

Der Lauf des Kometen Winnecke, der als 
erster von den im Jahre 1904 zu erwartenden perio- 
dischen Kometen sein Perihel erreicht, ist von Herrn 
C. Hillebrand in Graz vorausberechnet worden 
(Astr. Nachr. 163, 301). Nach dieser Rechnung, in 
welcher die seit der letzten Erscheinung eingetrete- 
nen störenden Einflüsse der Planeten berücksichtigt 
sind, fällt der Durchgang durch den sonnennächsten 
Bahnpunkt auf den 21. Januar 6 h Berliner Zeit. 

Bisher ist dieser Komet außer im Jahre 1819, 
wo ihn Pons in Marseille gefunden hatte, und dem 
Jahre seiner zufälligen Neuentdeckung durch Win- 
necke 1858 noch in den Erscheinungen 1869, 1875, 
1886, 1892 und 1898 beobachtet worden. Dagegen 
konnte er nicht aufgefunden werden bei den zwei 
Periheldurchgängen vom Dezember 1863 und Januar 
1881, da seine Stellung zu ungünstig war. In der 
bevorstehenden Erscheinung wiederholen sich die 
Verhältnisse dieser beiden Jahre, der Komet wird 
also unsichtbar bleiben. Wie sich die folgende Wie- 
derkehr gestalten wird, läßt sich jetzt noch nicht vor- 
aussagen, da der Komet in seinem neuen Umlauf 
dem Planeten Jupiter ziemlich nahe kommt und hier- 
bei erhebliche Störungen seines elliptischen Laufes 
erfahren wird. Bei seiner gegenwärtigen Periode von 
2129 Tagen würde er am 20. Oktober 1909 im Pe- 
rihel sein. 

Eine oder zwei Wochen nach dem Winnecke- 
schen durchläuft der Komet d'Arrest den sonnen- 
näheren Scheitelpunkt seiner Bahn, ungefähr um die- 
selbe Zeit wie im Jahre 1884. Damals waren in den 
dem Perihel vorangehenden Monaten große Anstren- 
gungen gemacht worden, namentlich auf der Straß- 
burger Sternwarte durch Herrn E. Hartwig, den 
Kometen aufzufinden, dessen Ort durch die Berech- 
nungen des Herrn Leveau in Paris stets genau be- 
kannt war. Die sehr große Entfernung des Kometen 
von der Erde, größer als der Erdbalmdurchmesser, 
vereitelte diese Bemühungen gänzlich. Hell wird der 
d'Arrestsche Komet überhaupt nie, es gehören schon 
günstige Sichtbarkeitsverhältnisse dazu, daß er beob- 
achtet werden kann, eine Bedingung, die 1904 durch- 
aus nicht erfüllt ist. Es scheint auch beinahe, wenig- 
stens beim Vergleichen der beiden einander ganz 
ähnlichen Erscheinungen von 1870 und 1890, als ob 
der Komet im Lauf der Zeit schwächer geworden 



wäre. Die nächste Erscheinung 1910 wird gute Ge- 
legenheit darbieten , diese Frage zu entscheiden , da 
sie ähnlich verlaufen wird wie die von 1870 und 
1890, wenn nicht die jedenfalls beträchtlichen Jupiter- 
störungen die Perihelzeit stark verschieben, was sich 
ohne ausführliche Rechnung nicht vorhersagen läßt. 
Nun vergehen dreiviertel Jahre , bis wieder ein 
bekannter periodischer Komet sein Perihel passieren 
wird. Dies ist der zweite Tempelsche Komet, 
von dem bisher vier Erscheinungen , nämlich in den 
Jahren 1873, 1878, 1894 und 1899 beobachtet wor- 
den sind. Namentlich war die letzte Erscheinung sehr 
günstig gewesen, da bei ihr Sonnen- und Erdnähe 
des Kometen zusammenfielen und der Komet längere 
Zeit der Erde fast parallel lief. Im Maximum der 
Helligkeit gegen Ende des Juli übertraf sein Glanz 
den eines Sternes 9. Größe. Der völlig sternartige 
Kern von kaum 1 / i " Durchmesser besaß die 10. bis 
11. Gr. Eine ausführlichere Beschreibung des Ver- 
haltens des Kometen im Jahre 1899 findet der Leser 
in Rdsch. 1900, XV, 505. Der Rechnung zufolge 
hätte der Komet schon im April 1899 so hell sein 
müssen wie bei seiner Auffindung im Jahre 1894. 
Er wurde aber damals vergeblich gesucht und erst 
entdeckt, als die „theoretische" Helligkeit auf das 
Doppelte gestiegen war. Doch darf man aus diesem 
Unterschiede, wie Herr L. Schulhof im Annuaire 
des Bureau des Longitudes in Paris, Jahrg. 1901, be- 
merkt, keineswegs auf eine Lichtabnahme des Kometen 
schließen, es spricht sich vielmehr in diesem Unter- 
schied die für die meisten periodischen Kometen fest- 
gestellte Regel aus, daß ihr Licht nach dem Perihel 
größer ist als bei sj'mmetrischer Stellung vor dem- 
selben. Im Jahre 1894 hatte der Tempelsche Komet 
sein Perihel schon seit 15 Tagen passiert, als er auf- 
gefunden wurde, 1899 fand ihn Perrine bereits 
83 Tage vor der Sonnennähe. Im Herbst 1904 wird 
die Erde durchschnittlich um ein Viertel ihres Um- 
laufs gegen die Stelle ihrer Bahn vorausgeeilt sein, 
der der Komet jeweils am nächsten steht. Die Ent- 
fernung des Kometen von der Erde bleibt deshalb 
immer sehr groß, indessen ist die Stellung des Ge- 
stirns ziemlich günstig, so daß die Auffindung, wenn 
auch nur in der Helligkeit eines Sternchens 12. Gr., 
als fast gewiß erachtet werden darf. Die Bahn dieses 
Kometen ist verhältnismäßig wenig exzentrisch, die 
kleinste und größte Entfernung sind 1,39 und 4,68 
Erdbahnradien groß. Somit bleibt der Komet ständig 



2 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 1. 



diesseits der Bahn des Planeten Jupiter, dem er nicht 
wesentlich näher als 100 Mill. km kommen kann. 
Tritt jedoch einmal dieser geringste Abstand, der auf 
die Zeit des Durchgangs des Kometen durch sein 
Iiahnaphel fällt, ein, so ist dennoch eine sehr starke 
Bahnstörung die Folge, da vorher und nachher eine 
lange Zeit hindurch der Komet und der Jupiter ein- 
ander parallel laufen. Um das Jahr 1907 ist eine 
bemerkenswerte Annäherung beider Körper zu er- 
warten, wenngleich noch nicht der Minimalabstand 
erreicht wird. Es hat daher ein besonderes Interesse, 
daß der Komet bei seiner bevorstehenden Erscheinung 
beobachtet wird, damit die durch Herrn Schulhofs 
sorgfältige Rechnungen genau bestimmte Bahn vor 
der kommenden großen Störung noch einmal kontrol- 
liert wird. Die durch die Störung veränderte Be- 
wegung wird künftighin ein Mittel zur schärferen 
Bestimmung der Jupitermasse darstellen. 

Zum größten Teil wird noch in das Jahr 1904 
die nächste Erscheinung des Enckeschen Kometen 
fallen, obwohl dieser erst um den 4, Januar 1905 in 
sein Perihel gelangt. Von den bisher beobachteten 
29 Erscheinungen dieses Gestirns verliefen der kom- 
menden am ähnlichsten die von 1829 (Perihel am 
9. Januar) und die von 1871 (28. Dezember). Bei 
der ersteren gelang es W. Struve mit dem 9-Zöller 
der Dorpater Sternwarte schon am 16. September 1828, 
den Kometen als eine allerdings höchst schwache Nebel- 
masse zu erkennen. Im Jahre 1S71 sah ihn Win- 
necke zuerst mit einem 5 -Zöller am 19. September, 
tags darauf war jedoch das Suchen vergeblich ge- 
wesen. Nachdem noch am 2. und 3. Oktober J. Schmidt 
in Athen trotz günstigster Umstände nichts vom 
Kometen hatte wahrnehmen können, fand er ihn am 
4. ohne Mühe auf als einen beträchtlich großen, wenn 
auch höchst bleichen Nebel. Von da au wurde der 
Komet allgemein beobachtet, da sein Licht erst lang- 
sam, dann immer rascher anwuchs, bis er zu Ende 
des November und in der ersten Dezemberwoche von 
Win necke, Schmidt, Bruhns, in Washington usw. 
sogar mit bloßem Auge gesehen wurde. Ebenso war 
es 1828 gewesen, wo der Komet von W. Struve 
am 30. November und 7. Dezember mit freiem Auge 
gesehen worden ist; gegen Ende Dezember war der 
Komet so weit in die helle Dämmerungszone des 
Westhimmels hineingelaufen, daß man ihn trotz sei- 
nes auf das Dreifache gewachsenen Glanzes nur noch 
mit dem Fernrohr beobachten konnte, in dem er 
aber als ein sehr schönes Objekt sich darstellte. Die- 
sen Wahrnehmungen gemäß wird man auch für den 
Anfang des Dezember 1904 eine bequeme Sichtbar- 
keit des Enckeschen Kometen vorhersagen können, 
da bisher von einer mit der Zeit fortschreitenden 
Lichtverminderung dieses Himmelskörpers nichts zu 
verspüren war. Wäre eine solche eingetreten , so 
hätte der Komet in der Erscheinung von 1795, in 
welcher das Perihel auf den 21. Dezember fiel, noch 
viel heller sein müssen als 1828 und 1871. Allein 
die Beobachter beschreiben ihn alle als schwach, wo- 
bei diese Schwäche freilich auch zum Teil eine Folge 



zu starker Vergrößerung in den benutzten Fernrohren 
war. Denn schon vier Wochen vor dem Perihel (am 
22. November) konnte der Komet trotz Mondscheins 
von Bode mit einem zweizölligen Sucherfernrohr er- 
kannt werden, ein Anzeichen für eine durchaus nicht 
geringe Lichtstärke. Im Jahre 1838 (Perihel am 
19. Dezember) gestaltete sich der Lauf des Kometen 
fast genau so wie 1795 — hier konnte der Komet 
im November von scharfsichtigen Personen gut mit 
freiem Auge erkannt werden. Die größte Bedeutung 
des Enckeschen Kometen für die Astronomie liegt 
in der Tatsache, daß seine Umlaufszeit sich fortwäh- 
rend verkürzt, daß diese Beschleunigung sich im 
Lauf der Zeit verändert hat, indem sie seit 1870 nur 
noch ungefähr halb so groß ist wie vorher, daß sie 
also nicht die Wirkung eines die Sonne umgebenden 
widerstehenden Mediums sein kann, da ein solches 
in seiner Dichte und Bewegung kaum veränderlich 
zu denken ist. Die Beschleunigung muß vielmehr, 
wie Herr O. Backlund in Petersburg bewiesen hat, 
von einer Störung der Kometenbewegung durch lokale 
Stoflanhäufungen, vielleicht von der Natur der Meteor- 
schwärmc herrühren, wobei ihr Betrag abhängig ist 
von der Art der Begegnung, namentlich also von der 
geringsten Entfernung dieser Stoff massen vom Kometen. 
Gleichzeitig liefert die Bearbeitung der Bahnbewegung 
des Enckeschen Kometen außer diesem interessanten 
Hinweise auf unsichtbare Massen innerhalb des Son- 
nensystems noch ein Mittel, und zwar fast das einzige 
Mittel zu einer genaueren Bestimmung der Merkur- 
inasse, die von Herrn Backlund gleich 1 = 9 700 000 
der Sonnenmasse, ein Dreißigstel der Erdmasse, er- 
halten worden ist. 

Vielleicht wird es sich auch gegen Jahresschluß 
für die Besitzer großer Fernrohre oder leistungs- 
fähiger photographischer Instrumente verlohnen, nach 
dem ersten Tempelschen Kometen zu suchen, der 
freilich erst im April 1905 in das Perihel gelangt. 
Bei der mäßigen Exzentrizität seiner Bahn (e = 0,40), 
die nicht viel größer ist als die einiger Planetoiden, 
(475 Ocllo mit c = 0,38, 183 Istria, 164 Eva, 324 
Bamberga mit e = 0,35 bis 0,34) ändert sich die 
Entfernung des Kometen von der Sonne längere Zeit 
vor und nach dem eigentlichen Perihel nur wenig. 
Da aber jetzt infolge vorgekommener starker Störun- 
gen die Periheldistanz bedeutend größer ist als bei 
den drei ersten, in den Jahren 1867, 1873 und 1879 
beobachteten Erscheinungen, so wird der Komet vor- 
aussichtlich sehr schwach bleiben und vielleicht auch 
erst analog anderen Kometen mit großer Perihel- 
distanz nach dem Perihel genügend Licht aussenden, 
um vou der Erde aus erkannt werden zu können. 

Ähnlich verhält es sich mit dem periodischen 
Wolfschen Kometen, der am 10. Mai 1905 seine 
Sonnennähe durchläuft, wobei er aber von der Erde 
aus nicht gesehen werden kann, dafür aber schon im 
Mai 1904, den Rechnungen des vor Jahresfrist ver- 
storbenen Pfarrers Thraen zufolge, iu günstige Stel- 
lung gelangt, so daß es sich wohl der Mühe lohnen 
könnte, ihn direkt oder photographisch aufzusuchen. 



Nr. 1. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 3 



Im allgemeinen können die letzten Jahre von 
1899 an als arm an Kometen bezeichnet werden. Die 
Schwankungen der Kometenhäufigkeit mögen sehr 
wohl durch Zufall begründet sein , obschon auch die 
in den einzelnen Jahren ungleiche Beteiligung der 
Beobachter am Kometensuchen nicht zu verkennen 
ist. Zweifellos spielt auch der wechselnde Charakter 
der Witterung eine nicht unbedeutende Rolle, und 
außerdem werden atmosphärische Trübungen unbe- 
kannter Natur, wie sie in neuester Zeit sich bei pho- 
tographischen Himmelsaufnahmen (Heidelberg) und 
bei den Messungen der Sonnenstrahlung (nach Lang- 
ley) deutlich fühlbar gemacht haben, die Sichtbar- 
keit schwach leuchtender Kometen sicherlich herab- 
setzen. Hoffentlich werden diese ungünstigen Um- 
stände nun wieder besseren Verhältnissen weichen 
und auch die Zahl der wiedergefundenen periodischen 
Kometen eine Zunahme aufweisen. 



Adolfo Bartoli: Über die Umwandlung der 
Strahlen, die auf eine bewegte, reflek- 
tierende Fläche fallen, in elektrische 
Ströme. (Iiendiconti Reale Accademia dei Lincei 1903, 
ser. 5, vol. XII [2], p. 346—356.) 

Am 16. März 1882 hatte der verstorbene Pro- 
fessor Bartoli bei der Accademia dei Lincei ein 
versiegeltes Schreiben unter vorstehendem Titel hin- 
terlegt, das nun von der Akademie den Herren Roiti 
und Volterra zur Berichterstattung übergeben wor- 
den war. Sie teilten über diese Abhandlung nach- 
stehendes mit: 

Bartoli hat bekanntlich 1876 Zyklen angegeben, 
welche es gestatten würden, mittels der Deformation 
reflektierender Oberflächen Wärme von einem kalten 
Körper auf einen warmen überzuführen , und er be- 
rechnete die Arbeit, die für diese Überführung ver- 
braucht werden muß in Übereinstimmung mit dem 
zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. 

Nachdem die Existenz einer bei dieser Defor- 
mation der reflektierenden Oberflächen zu überwin- 
denden Kraft bewiesen war, nahm er zunächst an, 
daß sie in einem von den Strahlen ausgeübten Drucke 
bestehe, und indem er die Pouilletsche Sonnen- 
konstante annahm, berechnete er, daß derselbe 0,8 mg 
pro Quadratmeter betragen müsse. Diese Ableitungen 
sind später von Boltzmann, Galitzine und Guil- 
laume bestätigt worden, während anderseits Max- 
well auf ganz anderem Wege zu analogen Schlüssen 
gekommen ist. 

Bartoli unternahm es, die experimentelle Be- 
stätigung zu versuchen, und beruhigte sich zunächst 
damit, daß die Bewegung der Mühle im Crookes- 
schen Radiometer von dem zurückgebliebenen Gase 
herrührt und nicht bereits von der direkten Wirkung 
der Strahlen, die er suchte. 

Diese direkte Wirkung ist gegenwärtig durch die 
Versuche bestätigt worden, die von Lebe de f vor 
einigen Jahren ausgeführt worden sind, der sie von 
der durch Bartoli berechneten Größenordnung fand. 
Bartoli aber glaubte wegen seiner Versuche von 



1876 sie ausschließen zu müssen, und nachdem der 
Druck, den die Strahlen ausüben sollten, ausgeschlos- 
sen war, kam er auf den Gedanken, daß der vom 
zweiten Hauptsatze der Thermodynamik geforderte 
Widerstand senkrecht zu ihnen sich äußern könnte, 
das heißt tangential zur spiegelnden Oberfläche, 
welche den warmen Körper einschließt. 

Er machte sich daher an die Untersuchung, ob 
die Arbeit, die verbraucht wird, um diesen hypothe- 
tischen Widerstand zu überwinden, einen elektri- 
schen Strom erzeuge, und erlangte ihn mit Sicher- 
heit, als er die Sonnenstrahlen auf einen kreisförmi- 
gen Streifen von Silber fallen ließ, der schnell in 
seiner eigenen Ebene rotierte. 

Die niedergelegte Abhandlung beschäftigt sich 
mit diesem interessanten Versuch , und die Bericht- 
erstatter empfehlen die Veröffentlichung desselben, 
damit er wiederholt und an einigen dunklen Punk- 
ten aufgeklärt und weitergeführt werden könne. Im 
nachstehenden soll aus der Abhandlung von Bartoli, 
der zunächst in längerem Auszuge das Wesentlichste 
seiner Untersuchung aus dem Jahre 1876 wieder- 
gibt und dann zur Beschreibung des Versuches der 
Umwandlung der Lichtstrahlen in elektrischen Strom 
übergeht, nur der letztere Teil mitgeteilt werden: 

Da die Rechnung unter günstigen Bedingungen 
zu einem Strom geführt, der mit einem guten Spiegel- 
galvanometer gemessen werden kann, suchte er ex- 
perimentell zu prüfen , ob man wirklich elektrische 
Ströme erhalten könne mit schneller Bewegung einer 
Silberscheibe unter der Einwirkung eines Bündels 
von intensiven Sonnenstrahlen , welche sie senkrecht 
treffen. 

Der Versuch wurde in folgender Weise ausge- 
führt: Auf einer runden, 4 mm dicken Kupferscheibe 
H von 80 cm Durchmesser (s. Figur) ist ein voll- 

H 




kommen versilberter Kupferstreifen LMP fest an- 
gebracht, der über 92 % der auffallenden Strahlen 
reflektiert. Dieser Streifen ist isoliert und seine Enden 
durch Kupferbänder l, m mit zwei Kupferringen B 
dauernd verbunden, welche auf zwei Ebonitscheib- 
chen von etwa 4 cm Durchmesser isoliert sind. So- 
wohl die große Kupferscheibe wie die Kupferringe 
sind sehr fest, senkrecht mit einer Stahlachse S ver- 
bunden. Auf die beiden Kupferringe drücken zwei 
weiche Kupferfedern, die zu den Klemmen eines fast 



4 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Kundschau. 



1904. 



Nr. 1. 



vollkommen astatischen Spiegelgalvanometers von 
geringem Widerstand führen. Die Stahlachse geht 
in Bronzelagern, die von einer festen, über 1000kg 
schweren Drehbank TT' gehalten werden. Die Kupfer- 
scheibe konnte mittels Lederriemen von einem großen 
Rade in Rotation versetzt werden, das von 6 bis 8 
Menschen gedreht wurde; die Rotationen der Scheibe 
konnten gezählt werden und erreichten im Maximum 
etwa 100 bis 150 in der Sekunde; in diesem Falle 
betrug die Geschwindigkeit eines Punktes des versil- 
berten Kupferstreifens 240 bis 410 m in der Sekunde. 

Vor Beginn des Versuches überzeugte sich Bar- 
toli, daß das Bündel Sonnenstrahlen, die mittels 
ebener oder konkaver Spiegel auf den Silberstreifen 
konzentriert wurden, keinen thermoelektrischen Strom 
erzeugen, der das Galvanometer um mehr als zwei 
oder drei Millimeter der Skala ablenken kann ; ebenso 
überzeugte er sich, daß während der Bewegung der 
Scheibe kein thermoelektrischer Strom (infolge von 
Erwärmung der von den Federn gedrückten Ringe 
oder aus einem anderen Grunde) das Galvanometer 
ablenkt, während die sich drehende Scheibe im Dunk- 
len bleibt. Wenn die Galvanometernadel ruhig war 
und die rotierende Scheibe ihre größte Geschwindig- 
keit erreicht hatte , ließ man durch Entfernen von 
Schirmen das Bündel Sonnenlicht auf den versilber- 
ten Streifen fallen (und zwar etwa auf die Hälfte des 
Streifens) und beobachtete sofort eine Ablenkung am 
Galvanometer, die in manchen Fällen auf 42 mm 
stieg. Diese Ablenkung ist immer beob- 
achtet worden. Sie hing ab von der Richtung 
der Drehung der Scheibe ; denn drehte man diese 
mit gleicher Geschwindigkeit in der entgegengesetz- 
ten Richtung, so hatte man fast dieselbe Ablenkung 
des Galvanometers (38 mm), aber in entgegen- 
gesetztem Sinne. Diese Ablenkung war nur 
abhängig von der Geschwindigkeit der 
Rotation; so erhielt man mit einer Rotations- 
geschwindigkeit, die halb so groß war wie die maxi- 
male, eine Ablenkung von etwa 20 mm, das ist 
etwa die Hälfte der vorigen Ablenkung. Die Ab- 
lenkung des Galvanometers hielt so lange an, solange 
die Sonnenstrahlen auf den rotierenden versilberten 
Streifen fielen; schnitt man die Strahlen ab durch 
Herunterlassen eines Schirmes, so kehrte das Galva- 
nometer auf Null zurück; hob man den Schirm in 
die Höhe, so wurde das Galvanometer von neuem 
abgelenkt. 

Die Versuche sind in den Monaten August und 
September 1880 unter Assistenz des Herrn Guido 
Allessandri ausgeführt. Aus Mangel an einem 
passenden Motor und geeignetem Lokal haben die 
Versuche nicht fortgesetzt werden können, und Bar- 
toli begnügte sich, die Existenz der von ihm gefun- 
denen Tatsache festzulegen. Er hatte sich vorbehal- 
ten, auf den Gegenstand zurückzukommen und mittels 
besserer Hilfsmittel die Gesetze dieser Erscheinung 
zu ermitteln; ein frühzeitiger Tod hat diese Hoffnung 
zunichte gemacht. 



F. v. Richthof en : I. Über Gestalt und Gliede- 
rung einer Grundlinie in der Morpholo- 
gie Ostasiens. II. Geomorphologische Stu- 
dien aus Ostasien: Gestalt und Gliede- 
rung der ostasiatischen Küstenbogen. III. 
Die morphologische Stellung von For- 
inosa und den Riukiu-Inseln. IV. Über 
Gebirgskettungen in Ostasien, mit Aus- 
schluß von Japan. V. Gebirgskettungen 
im japanischen Bogen. (Sitzungsber. d. Beil. 
Akad. d. Wiss. 1900, S. 888—925; 1901, S. 782—808; 
1902, S. 944—975; 1903, S. 867—918.) 

In einer Reihe von Arbeiten gibt der Verf., der 
genaue Kenner Chinas , eine Übersicht des geologi- 
schen Baues von Ostasien und seiner morphologischen 
Grundzüge. Zum großen Teil ist es ihm vergönnt, 
das Gebiet aus eigener Anschauung zu kennen; im 
übrigen stützt er sich auf die zahlreichen exakten 
Beobachtungen vornehmlich russischer und japani- 
scher Geologen. 

I. Zunächst erbringt er den Beweis eines konti- 
nuierlichen, das ganze festländische Ostasien von der 
Tschuktschen-Halbinsel durch etwa 43 Breiten- und 
87 Längengrade bis zum Südabfall des horstartig 
endigenden Massivs von Yünnan, im allgemeinen von 
NE. nach SW. durchziehenden Staffelabfalls. Diese 
Linie gliedert sich in mehrere, nach SE. konvexe, ho- 
molog gestaltete Teilbogen , deren äquatoriale Kom- 
ponente konkordant, deren meridionale aber diskor- 
dant zur inneren Struktur ist. Ihre morphologische 
Gleichsinnigkeit besteht darin, daß überall der öst- 
liche, gegen den Stillen Ozean gerichtete Erdrinden- 
teil tiefer steht als der westliche, ihre tektonische 
darin, daß ersterer überall gegen letzteren abgesun- 
ken ist. Verf. untersucht sodann im einzelnen diese 
Teilstücke: Von S. nach N. hin sind es folgende Stücke: 
die Yünnan-Staffel mit dem Yünnan-Bogen als Staffel- 
rand und dem Ostyünnan-Bruch als Ostgrenze, die 
Kweistaffel mit dem Kweibogen und dem Hukwang- 
bruch, die Tsinlingstaffel mit dem Honanbogen und 
dem Honanbruch, die Südschansi - Staffel mit dem 
Bogen des Taihangschan und dem Taihangschan- 
bruch, die ostmongoliche Staffel mit dem Kbingan- 
bogen und der Khinganbrucbzone , die Lenastaffel 
mit dem Staffelrand des Südstanowoi und dem Aldan- 
gebirge als Ostgrenze und endlich die Kolymastaffel 
mit dem Nordstanowoi. Diese ganze Bogenreihe 
bildet eine transkontinentale Scheide zwischen dem 
maritimen und dem binnenländischen Ostasien, nicht 
bloß morphologisch, sondern auch hydrographisch, 
verkehrsgeographisch und klimatisch. Alle großen 
Ströme Ostasiens entspringen zumeist im Westen 
jener Linie und erreichen erst ihren ruhigen Unter- 
lauf nach dem Durchbruch des Staffelrandes; östlich 
davon entwickelt sich ein leichter und offener Ver- 
kehr, während nach dem Westen hin trotz ihrer meist 
geringen Höhe diese Landstaffeln eine schwierig und 
nur an wenigen Stellen passierbare Schranke bilden. 
Bezüglich der Art dieser tektonischen Bewegun- 
gen kommen deren zwei in Betracht, nämlich eine 



Nr. 1. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 



schiebende, mit Überwallung des abgesunkenen Vor- 
landes und mit inneren Faltungen und Überschiebun- 
gen verknüpfte Massenbewegung der oberen Erdrinden- 
teile aus dem Innern des Bogens nach außen hin, und 
eine zerrende, von außen her wirkende. Erstere charak- 
terisiert sich gegenüber der ZusammenschiebuDg auf 
engem Raum durch Erscheinungen von Zerrung und 
Bruch in der Überwallungszone und Absenkung auf 
der Rückseite; die erputiven Ausbrüche treten daher 
gewöhnlich da auf; letztere dagegen zeigt die Wieder- 
kehr paralleler, mit dem Hauptbruch gleichsinniger 
oder gleichartiger Brüche im Hinterland und das Auf- 
treten von Ausbruchsgesteinen zwischen den Teil- 
staffeln und am Außenrand der bogenförmigen Rand- 
zonen. Schiebende Bewegung zeigt nur der Tsing- 
ling, zerrende hingegen beide Komponenten der 
Staffelbogen. Wahrscheinlich beruhen die meridio- 
nalen Brüche auf einem Streben des Zurückweichens 
des östlichen Vorlandes nach Osten, gegen den Stillen 
Ozean hin und die äquatorialen auf einem ebensolchen 
nach Süden, gegen den Tsinglingschan und seiner 
östlichen Verlängerung. Dieser doppelten Zerrung 
und dem dadurch bedingten Absinken an zwei 
Linien, die unter stumpfem Winkel zusammenkom- 
men, entspricht das bogenförmige, stafielartige Nach- 
sinken der innerhalb des stumpfen Winkels gelege- 
nen Teile in der Umrandung der stehengebliebenen 
Scholle. Südlich des Tsinglingschan gilt für die Me- 
ridionalbrüche wohl dasselbe , die Äquatorialbrüche 
jedoch scheinen von denen der nördlichen Bogen ver- 
schieden zu sein, doch fehlen hier zu einem abschlie- 
ßenden Urteil noch die hinreichenden Beobachtungen. 
Bezüglich des Alters dieser tektonischen Bewegungen 
läßt sich nur so viel sagen, daß die Bildung der äqua- 
torialen Absenkungen in den ältesten Zeiten begon- 
nen hat und in dem Gebiet nördlich des Tsinglingschan 
auf Auslösung von Spannungen beruht, die durch 
ein südwärts gerichtetes Zurückweichen der Erdrinden- 
teile veranlaßt wurden, die ihre Kompensation in der 
Stauung des Tsingling fanden, und daß die Bildung 
des einem größten Kreis folgenden, transkontinentalen 
Bruches erst nach dem Karbon , wahrscheinlich erst 
nach der Trias begann. 

II. Die Analoyie der ostasiatischen Küstenbogen 
mit den eben besprochenen innerkontinentalen Bogen- 
linien ist unverkennbar. Verf. unterscheidet folgende 
Teilstücke: den Doppelbogen der Stanowoiküste und 
den tungusischen , koreanischen, chinesischen und 
annamitischen Küstenbogen. Aus den Einzelunter- 
suchungen ergibt sich auch für sie folgendes: Jenen 
bogenförmigen, nach SW. konvexen Randzonen von 
Landstaffeln folgt seewärts eine zweite Reihe homo- 
log gestalteter Bogengebilde, welche die ozeanische 
Grenze Ostasiens bilden. Die ostwärts benachbarten 
Teile des vor ihr niedergebrochenen Erdrindenstückes 
liegen im Boden des Meeres. An der Stanowoiküste 
fallen beide Bogenreihen zusammen, denn das Meer 
reicht bis an die Absenkungsbrüche der binnenstän- 
digen Reihe heran. Der chinesische und der ana- 
mitische Küstenbogen erscheinen völlig geschlossen, 



der tungusische hat eine kleine, durch östlichen Ein- 
bruch zu erklärende Lücke, der koreanische hingegen 
ist nur in einem Fragment erhalten, das nieder- 
gebrochene Teilstück ist von dem Gelben Meere in- 
grediert. Die Form jedes einzelnen dieser Küsten- 
bogen nähert sich weit mehr der Kreisform, als die- 
ses bei den Binnenlandstaffeln der Fall war. Gerad- 
linige Küstenstrecken von mehr als 200 km Länge 
sind selten, und auch die Parallelität der einzelnen 
Bogenelemente ist weniger ausgesprochen. Homolog 
gestaltet erscheinen der tungusische und der chinesi- 
sche Bogen einerseits und der koreanische und der 
anamitische anderseits. Die beiden ersteren bilden 
zusammen mit dem großen Doppel - Stanowoibogen 
die fundamentalen Umrißlinien des Kontinents, wäh- 
rend die beiden anderen, zusammen mit Kamtschatka, 
aus dem Rumpf ausspringende Halbinseln umgürten. 
Die tungusische und koreanische Randstaffel , ebenso 
wie der meridionale Teil des annamitischen Bogens 
zeigen ebenso wie die Binnenstaffeln ein allmähliches 
Ansteigen der umschlossenen Landfläche nach einem 
darüber erhobenen Rand und einen kürzeren , wohl 
auf Staffelabsenkungen beruhenden Abfall nach außen 
hin. Auch für die Küstenbogen bildet die Masse des 
Tsinglingschan und seine Fortsetzung eine Scheide: 
Mandschurei und Korea gehören dem Norden zu, das 
vom chinesischen Bogen umschlossene Land dem 
Süden. In jenem Teile macht sich eine Umbiegung 
im Gefüge des archaischen Grundgebirges bemerkbar, 
indem die sinische Richtung (W. 30° S — E. 30° N.) eine 
Schwenkung nach NNE. erfährt. Die Gesamtanord- 
nung der einzelnen Bogenstücke ist jedoch vom inne- 
ren Bau unabhängig und für jeden Bogen eine be- 
sondere: am engsten folgt der tungusische Bogen dem 
inneren Bau, der koreanische Bogen schneidet das von 
SW. nach NE. gerichtete innere Gefüge der Halbinsel 
ungefähr rechtwinklig ab, der chinesische schneidet 
allenthalben das große Gebirgsland des südöstlichen 
China in mehr oder weniger schiefem Winkel zum 
inneren Streichen und besitzt die vollendetste Kreis- 
form, und auch der annamitische zeigt die verschie- 
densten Winkel zwischen innerer Struktur und äuße- 
rer Küstenliuie. 

Die Entstehung dieser Küstenbogen erscheint 
primär gegenüber denen, welche die innerkontinen- 
tale Linie von Brüchen veranlaßte. Auch ihre ge- 
meinsame Ursache liegt in der Kombination von zwei 
Systemen zerrender Kräfte, von denen eines ostwärts, 
das andere südwärts gerichtet ist. Ersteres erklärt 
sich aus der in langen Perioden fortschreitenden, ver- 
mutlich auf isostatiscben Tendenzen beruhenden Ver- 
tiefung des pazifischen Beckens am Rande des Konti- 
nentalmassivs, letzteres vielleicht aus Änderungen in 
der Geschwindigkeit der Erdrotation und der dadurch 
bewirkten Massenumsetzung. Über das genauere 
Alter dieser tektonischen Bewegungen läßt sich je- 
doch noch nichts Genaueres sagen. 
(Schluß folgt.) 



6 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 1. 



F. Meves: Richtungskörper in der Sperma- 
togenese. (Mitteil. f. den Verein Schleswig-Holsteiner 
Arzte 1903, Bd. XI, Nr. 6.) 

Derselbe: Über „Richtungskörperbildung" im 
Hoden von Hymenopteren. (Anatom. Anzeiger 
1903, Bd. XXIV, S. 29.) 

Als Richtungskörper bezeichnet man die beiden 
kleinen Zellen, welche bei der Reifuug des tierischen 
Eies von diesem abgeschnürt werden und später 
funktionslos zugrunde gehen. Einer von beiden, 
nämlich der zuerst gebildete Richtungskörper, kann 
sich teilen, so daß dann drei Richtuugskörper vor- 
handen sind. Die beiden Teilungen, welche zur 
Bildung der Richtungskörper führen, entsprechen in 
ihrer Eigenart denjenigen beiden Teilungen, die zu- 
letzt von den Samenbildungszellen durchlaufen wer- 
den und die Spermatozoen liefern. Durch diese bei- 
den Zellteilungen im Hoden werden also vier Zellen 
von gleicher Größe gebildet, von denen später jede 
zu einem Spermatozoon wird, während bei der Rich- 
tungskörperbildung, wie wir sahen, eine große Zelle, 
die Eizelle, und drei kleine, abortive Zellen, die 
Richtungskörper, entstehen. 

Durch Herrn Meves wurde nun bei der Honig- 
biene und anderen Hautflüglern ein sehr eigenartiges 
Verhalten aufgefunden, das man nach unseren bis- 
herigen Kenntnissen nicht hätte erwarten sollen. 
Nach seiner Angabe verlaufen nämlich im Hoden der 
Honigbiene und der Hummel die Reifungsteilungen 
auch bezüglich der Größe der entstehenden Zellen 
nach Art der Richtungskörperbildung am Ei. Es 
sollen wie beim Ei zwei Richtungskörper gebildet 
werden, von denen jedoch nur der zweite einen Kern 
besäße, während der erste nichts weiter als einen 
bloßen „Cytoplasmaballen" darstellen soll. Die ge- 
nauere Darstellung wird dies näher erläutern. 

Wenn die als „Spermatocyten I. Ordnung" be- 
zeichneten Samenzellen in die erste Reifungsteilung 
eintreten, so bildet sich in ihnen eine sehr umfang- 
reiche, fast die ganze Zelle einnehmende Kernspindel, 
die aber merkwürdigerweise nicht zu einer Teilung 
des Kernes führt, sondern bald wieder rückgebildet 
wird. Dennoch entsteht eine Knospe am Cytoplas- 
makörper und schnürt sich auch von ihm ab. Das 
ist der vom Verf. als erster Richtungskörper an- 
gesprochene „Cytoplasmaballen". An diese erste 
Knospuug schließt sich unmittelbar eine zweite an, 
und zwar erfolgt diesmal die Teilung wirklich in 
Verbindung mit der unterdessen gebildeten zweiten 
Richtungsspindel. Der Kern teilt sich in der bekann- 
ten Weise, und während der eine der beiden dadurch 
entstandenen Tochterkerne in der großen Samenzelle 
verbleibt, wird der andere der abgeschnürten kleinen 
Zelle, dem „zweiten Richtuugskörper", mitgegeben. 

Nach der Abtrennung des zweiten Richtungs- 
körpers wandelt sich die große Zelle in ein Sperma- 
tozoon um ; der kernlose Richtungskörper geht zu- 
grunde, dagegen beginnt der zweite kernhaltige 
Richtungskörper ebenfalls die Umwandlungen durch- 
zumachen, welche zur Bildung des Spermatozoons 



führen, jedoch werden sie nicht zu Ende gebracht, 
sondern es scheinen diese kleinen Zellen schließlich 
dem Untergang zu verfallen, wenigstens konnte der 
Verf. im Hoden der betreffenden Insekten immer nur 
eine Art von Spermatozoen auffinden. Etwas anders 
verhält sich dies bei der Wespe (Vespa germanica), 
bei welcher, wie der Verf. in einem Nachtrag mit- 
teilt, die zweite Reifungsteilung zur Bildung zweier 
gleich großer und gleich beschaffener Tochterzellen 
führt, die sich beide zu Spermatozoen aus- 
bilden. Die erste Reifungsteilung liefert aber auch 
in diesem Falle wie bei der Biene und Hummel nur 
einen kernlosen Cytoplasmaballen (außer der Sperma- 
tocyte IL Ordnung). 

Abgesehen davon, daß man, wie gesagt, nach dem 
bisher über die beiden Reifungsteilungen im Hoden 
Bekannten eine derartige Größendifferenz der Samen- 
zellen nicht würde erwartet haben, ist es zum min- 
desten höchst auffällig, und der Verf. nennt es auch 
selbst befremdlich, daß die erste Reifungsteilung 
ohne Kernteilung verläuft; er bezeichnet dieses kleine, 
kernlose Teilungsprodukt als eine „stark rudimentäre 
Spermatocyte II. Ordnung". Eine Erklärung im 
Sinne der Reduktionsteilung ist für dieses höchst 
eigenartige Verhalten vorläufig nicht zu geben. K. 



C. Chun: Über Leuchtorgane und Augen von 

Tiefsee-Cephalopoden. (Verhandlungen der deut- 
schen zoolog. Gesellschaft 1903, Bd. XIII, S. 67—90.) 
Direkte Beobachtungen über das Leuchten von 
Cephalopoden sind bisher nur in beschänkter Zahl 
gemacht worden. Die ersten hierher gehörigen An- 
gaben rühren von dem um die Erforschung der Mittel- 
meer-Cephalopoden so verdienten Verany her, der 
schon vor 70 Jahren bei Nizza das Phosphoreszieren 
der blauen Flecken an der Ventralfläche des Mantels 
und der Arme von Histioteuthis borelliana wahr- 
nahm und auch bei einer verwandten Art, H. rüp- 
pelli, Ähnliches beobachtete. Seitdem verzeichnet die 
Literatur keine direkten Beobachtungen leuchtender 
Cephalopoden mehr, und erst auf der Valdivia-Expe- 
dition wurde ein Thaumatolampas gefangen, der „in 
schwach phosphorischem Schein" erglühte. Sind dies 
auch nur sehr wenig positive Beobachtungen , so 
führt Herr Chun mit Recht aus, daß wohl kein 
Grund vorliegt, zu bezweifeln, daß diejenigen Organe, 
welche in ihrem Bau den hier direkt in Phosphoreszenz 
beobachteten Leuchtorganen ähnlich sind , auch in 
ihrer Funktion denselben, entsprechen dürften. In 
der Tat sind denn auch schon von verschiedenen 
Autoren, namentlich von Joubin undHoyle, Leucht- 
organe von verschiedenen Cephalopodenarten be- 
schrieben worden. Da nun die Valdivia-Expedition 
eine Anzahl neuer, mit ähnlichen Organen versehener 
Arten gesammelt hat, so nimmt Verf. hieraus Veran- 
lassung zu einer zusammenfassenden Übersicht über 
die Verbreitung und den Bau der Leuchtorgane der 
Cephalopoden, die ausführliche Bearbeitung des Gegen- 
standes dem in Arbeit begriffenen Reisewerke vor- 
behaltend. 



Nr. 1. 1904. 



Natur wissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 



Leuchtorgane sind bisher bekannt von verschie- 
denen Arten der Enoploteuthiden , HiBtioteuthiden, 
Chiroteuthiden und Cranchiaden ; nach den Unter- 
suchungen des Verf. reihen sich diesen noch Vertreter 
der Bathyteuthiden und Thaumatolampadiden an. 
Nur sehr selten — wie z. B. bei einer neuen Masti- 
gotheutisart , bei welcher aber die betreffenden Or- 
gane noch nicht mit völliger Sicherheit als Leucht- 
organe bezeichnet werden können — sind dieselben 
über die gesamte Manteloberfläche und über die 
Arme gleichmäßig verbreitet; meist erscheint die 
Ventralfläche bevorzugt, nur bei Bathyteuthis liegen 
sie an der Basis der dorsalen Arme. Bei geringer 
Anzahl der Leuchtorgane sind dieselben meist — aber 
nicht immer — symmetrisch angeordnet. Nach ihrer 
Lage am Körper lassen sich Haut-, Augen-, Tentakel- 
und Bauchorgane unterscheiden, welch letztere beim 
lebenden Tier durch die Bauchdecke hindurch- 
scheinen, bei konservierten Exemplaren aber von 
außen nicht sichtbar und deshalb bisher meist über- 
sehen worden sind; sie sind die größten aller bei 
Cephalopoden beobachteten Leuchtorgane und wur- 
den bisher bei Thaumatolampas , Enoploteuthis und 
Chiroteuthis nachgewiesen. 

Was den Bau der Organe anbetrifft, so findet sich 
zunächst in allen ein Leuchtkörper , welcher — je 
nach der Art — aus polyedrischen, stark lichtbrechen- 
den Zellen , die scharf gegeneinander abgegrenzt 
(Thaumatolampas) oder mehr oder weniger miteinander 
verschmolzen sein können (Chiroteuthopsis, Ptery- 
gioteuthis), oder aus Fasergewebe (Calliteuthis, Bathy- 
teuthis, Cisoteuthis) besteht, auch einen kugeligen, 
konzentrisch gestreiften , zuweilen aus zwei ungleich 
großen , halbmondförmig gestalteten Hälften aufge- 
bauten Körper darstellt (Abrala, Abralioplis). Zu 
diesem Leuchtkörper treten nun in der Regel noch 
eine Anzahl von Hilfsapparaten hinzu. Sehr selten 
fehlt eine entweder von besonderen, kernhaltigen 
Pigmentzellen gebildete oder aus Chromalophoren 
bestehende Pigmenthülle , deren Lage die Richtung 
erkennen läßt, in welcher die — nicht durch Mus- 
keln bewegbaren — Organe ihr Licht aussenden. 
Dieser Pigmenthülle lagert oft nach innen ein die 
Lichtstrahlen reflektierendes Tapetum auf, dessen 
Anwesenheit sich schon äußerlich durch den stark 
irisierenden bzw. perlmutterartigen Glanz verrät, 
und welches in den meisten Fällen von polyedrischen, 
mit stark lichtbrechenden Körnern erfüllten Zellen 
gebildet wird. Auch faserige Gewebe können als 
Reflektoren wirken (Abraliopsis). Nicht aufgeklärt 
erscheint bisher die Funktion polyedrischer Zellen 
mit einem stark lichtbrechenden, homogenen Inhalts- 
körper, der oft den größten Teil der Zelle einnimmt 
und dem der Kern sich innig anschmiegt. Bei man- 
chen Arten (Histioteuthiden) sind sie in regelmäßig 
sich durchschneidenden Kurven zwischen Leuchtkörper 
und Pigmenthülle eingelagert und dürften als Reflek- 
toren wirken, in anderen Fällen (Augenorgane von 
Thaumatolampas) liegen sie nach außen vom Leucht- 
körper aus und mögen die Rolle einer Cornea oder 



Linse übernehmen, während in noch anderen Fällen 
eine befriedigende Deutung nicht möglich ist. Eine 
den Leuchtorganen vorgelagerte Linse von verschie- 
denartigem Bau findet sich bei Abralia, Abraliopsis, 
Histioteuthis und Calliteuthis. Eine nur bei Histio- 
teuthis und Calliteuthis nachgewiesene Nebeneinrich- 
tung stellt der, stets auf der dem Kopfe zugewen- 
deten Partie liegende, parabolisch gekrümmte, aus 
feinen Fasern zusammengesetzte Spiegel dar. 

Die Leuchtorgane sind durch ihren Reichtum an 
Blutgefäßen, sowie durch ausgiebige Versorgung mit 
Nerven ausgezeichnet. In den Augenorganen von 
Pterygioteuthis beobachtete Verf. unter der äußeren 
Schicht des Leuchtkörpers kleine, zu einem Haufen 
gedrängte Zellen , von denen ein kräftiges Faser- 
system nach dem inneren Leuchtkörper ausstrahlt, 
und deren Kerne so mit denen der Ganglienzellen 
übereinstimmen, daß HerrChun diese Zellgruppen als 
„Leuchtganglien" anzusehen geneigt ist. 

Bemerkenswert ist endlich die verschiedene Ge- 
staltung der Leuchtorgane bei ein und demselben 
Individuum. Schon Hoyle hat auf gewisse Unter- 
schiede zwischen den Haut- und Augenorganen von 
Pterygioteuthis aufmerksam gemacht. Sehr viel er- 
heblicher fand Herr Chan diesen Unterschied bei 
Abraliopsis, deren Augenorgane sich durch Fehlen 
der Kerne im Leuchtkörper, durch Mangel des Pig- 
ments und der Linse, durch linsenförmig abgeplattete 
Gestalt, sowie durch den Besitz einer äußeren Lage 
radiär strahlender Fasern an den Hautorganen unter- 
scheiden. Ebenso fand Verf. , daß die 22 ventralen 
Leuchtorgane von Thaumatolampas nicht weniger 
als zehn verschiedene Typen an demselben Tier 
unterscheiden lassen. Verf. wirft die Frage auf, ob 
diese verschieden gebauten Organe nicht vielleicht 
auch ein qualitativ verschiedenes Licht ausstrahlen. 
Die Färbung der Organe ist beim lebenden Tier eine 
verschiedene; die mittleren Augenorgane erscheinen 
ultramarinblau, das mittlere der fünf Ventralorgane 
himmelblau, die beiden Analorgane rubinrot. Diese 
Färbung hat ihren Sitz in den Linsenzellen , die wie 
eine farbige Scheibe vor den Leuchtorganen einge- 
schaltet sind. Wenn nun auch die noch schwach 
phosphoreszierenden Tiere in der Dunkelkammer ein 
verschiedenfarbiges Licht nicht erkennen ließen , so 
möchte Herr Chun die Annahme, daß sie bei Leb- 
zeiten ein solches ausstrahlen, doch nicht von der Hand 
weisen. Auch bei anderen Arten — Pterygioteuthis, 
Calliteuthis, Chiroteuthopsis — finden sich Einrichtun- 
gen, die einer solchen Deutung zugänglich sind. 

Bezüglich der biologischen Bedeutung der Leucht- 
organe warnt Verf. vor einseitiger Beurteilung. Dürf- 
ten dieselben auch vielfach als Lockmittel für Beute- 
tiere wirken, so können sie anderseits auch für das 
gegenseitige Auffinden und Erkennen der Geschlechter 
von Wichtigkeit sein. 

Des weiteren erörtert Verf. den Bau der Augen 
einiger Tiefseecephalopoden. Bei einer Anzahl pela- 
gischer Oktopoden, sowie bei einigen Dekapoden aus 
den Familien der Chiroteuthiden und Cranchiaden 



8 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 1 



ist das Auge spindelförmig gestaltet. Eine neue, in 
die Verwandtschaft von Owenia gehörige Cranchia- 
dengattung ist durch auffällig lange Stielaugen von 
sehr eigenartigem Bau ausgezeichnet; dieselben zeigen 
bilaterale Symmetrie, welche noch deutlicher an den 
Augen von Bathyteuthis hervortritt. Letztere sind 
auch dadurch bemerkenswert, daß die Retinastäbchen 
in der Gegend der Fovea die außerordentliche, von 
keinem anderen Tier bisher bekannte Länge von 
0,4 bis 0,5 mm erreichen. Bei zwei Gattungen (Am- 
phitritus und Vampyroteuthis) beobachtete Herr Chun 
Teleskopaugen mit kegelförmigem Bulbus. Die offen- 
bar große Kurzsichtigkeit dieser Augen erscheint als 
eine Anpassung an die unbelichteten Tiefen des 
Meeres. Ob sie akkommodationsfähig sind, ist wegen 
der Schwäche der hierzu gehörigen Muskeln zweifel- 
haft. Alle Tiefseebewohner unter den Cephalopoden, 
auch solche mit sonst nicht umgebildeten Augen, sind 
als solche durch die sogenannte „Dunkelstellung" des 
Pigments, d. h. dadurch gekennzeichnet, daß die Stäb- 
chen stets frei von Pigment sind. R. v. Hanstein. 



Th. Weevers und Frau C. J. Weevers -De Graaff : 

Untersuchungen über einige Xanthin- 
derivate in Beziehung zum Stoffwechsel 
der Pflanzen. (Koninklijke Akademie van Weten- 
schappen te Amsterdam. Proceedings of the Meeting of 
September 26, 1903, p. 203—208.) 

Die Ansichten über die physiologische Bedeutung 
der Pflanzenalkaloide gehen jetzt im allgemeinen 
dahin , daß es keine Baustoffe , sondern Abfallstoffe 
seien. Clautriau hat diese Anschauung vor einiger 
Zeit für das Caffei'n dargelegt (vgl. Rdsch. 1901, 
XVI, 122). Die Untersuchungen ließen nun die 
Möglichkeit erkennen, daß das Caffei'n im Pflanzen- 
körper von neuem Verwendupg finden kann ; aber 
über die Natur dieses Vorganges sind nähere Auf- 
schlüsse nicht gegeben worden. Herr und Frau 
Weevers haben daher diesen Punkt einem erneuten 
Studium unterzogen , um die Frage zu beantworten, 
ob die Xanthinderivate (Caffei'n und Theobromiu) 
Zwischen- oder Endprodukte des Stoffwechsels seien. 
Die in Buitenzorg durchgeführte Untersuchung 
wurde auf folgende Pflanzen ausgedehnt: Coffea ara- 
bica L. , C. liberica Bull., C. stenophylla G. Don., 
Thea assamica Griff., T. sinensis Sims., Kola acumi- 
nata Horsf. et Benn. und Theobroma Cacao L. Für 
die qualitative und mikrochemische Untersuchung, 
deren Ergebnisse in der vorliegenden Arbeit allein 
mitgeteilt werden, wurde bei den Pflanzen, die nur 
Caffeln enthielten, das B ehren ssche Verfahren be- 
nutzt. Die Pflanzenteile wurden in einem Mörser mit 
Ätzkalk zerrieben und mit 96 gräd. Alkohol ausge- 
zogen. Einige Tropfen der alkoholischen Lösung 
wurden dann verdampft, und der Rückstand wurde 
sublimiert. Das Sublimat zeigte, wenn mau darauf 
hauchte, Kristalle von Caffe'inhydrat. Bei Pflanzen, 
die sowohl Caffei'n wie Theobromin enthielten , wur- 
den die Teile mit Wasser gekocht, das durch Essig- 
säure leicht angesäuert war. Der wässerige Auszug 



wurde filtriert und mit Bleiacetat niedergeschlagen ; 
das mit Natriumkarbonat neutralisierte Filtrat wurde 
eingedampft und die trockene Masse mit etwas Chlo- 
roform ausgezogen. Beide Xanthinderivate gingen 
in dieses Lösungsmittel über und blieben nach dessen 
Verdampfen als gut ausgebildete Kristalle zurück. 
Zuweilen mußte der Rückstand erst sublimiert wer- 
den. Beide Methoden sind sehr empfindlich; schon 
Spuren von Caffei'n und Theobromin können damit 
entdeckt werden. 

Die Analysen ergaben , daß die beiden Xanthin- 
derivate bei den untersuchten Pflanzen in allen ober- 
irdischen jungen Teilen vorhanden sind, selbst wenn 
sie aus alten Teilen entspringen , denen diese Stoffe 
vollständig fehlen. So kommen z. B. die Blüten von 
Coffea liberica zuweilen aus alten Zweigen, deren 
Rinde caffeinfrei ist, und dennoch enthalten sie diesen 
Stoff. Bei Theobroma Cacao entspringen die Blüten- 
zweige (und zuweilen die jungen Sprosse) immer aus 
alten Zweigen , die von Theobromin völlig frei sind, 
und bei Kola acuminata ist dies noch deutlicher aus- 
gesprochen : die Blüten und jungen Sprosse kommen 
immer aus Zweigen hervor, in denen weder vor noch 
nach dem Ausschlagen Theobromin oder Caffei'n ent- 
deckt werden können. Hieraus geht hervor, daß 
während der Entwickelung und des Wachstums der 
jungen Teile immer Caffei'n oder Theobromin in den 
genannten Pflanzen gebildet werden und eine längere 
oder kürzere Zeit in jenen Teilen lokalisiert bleiben. 
Diese Tatsache kann sehr gut mit der Theorie in 
Einklang gebracht werden , daß diese Stoffe Zer- 
setzungsprodukte von Eiweißkörpern seien 1 ), obgleich 
vielleicht eine andere Erklärung möglich ist. 

Zugleich aber ergeben die Versuche, daß die Xan- 
thinderivate während des Wachstums der jungen 
Teile sehr oft an Menge abnehmen und daß sie aus 
den erwachsenen Organen verschwinden. Sie ver- 
schwinden aus den Blättern von Coffea stenophylla, 
Theobroma Cacao und Kola acuminata, aus den Zwei- 
gen dieser Arten und aus denen ^von Thea sinensis, 
Coffea liberica und C. arabica. Hierdurch wird die 
Annahme nahe gelegt, daß Caffei'n und Theobromin 
wieder am Stoffwechsel teilnehmen können. Eine 
nähere Untersuchung der Verhältnisse bestätigt diese 
Voraussetzung. Betrachtet man nämlich das Ver- 
halten einer jungen, nicht blühenden Pflanze von 
Kola acuminata, so ergibt sich folgendes: Während 
der Entfaltung der jungen Knospen ist die Pflanze 
sehr reich an Caffei'n und Theobromin; die jungen 
Blätter und Zweige behalten aber diese Stoffe nur 
kurze Zeit, so daß sie nach zwei Monaten vollständig 
verschwunden sind. Es gibt dann nicht ein einziges 
Organ, ob jung oder alt, das Caffei'n oder Theobromin 
enthielte, und da keine Pflanzenteile abgelöst worden 
sind, so kann dies nur durch die Annahme erklärt 
werden, daß die Xanthinderivate wieder in den Stoff- 
wechsel eingetreten sind. 

') Wie die an Wurzeln beobachteten Erscheinungen 
mit dieser Theorie vereinigt werden können , bleibt noch 
unerklärt. Anm. d. Verff. 



Nr. 1. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 9 



Bei den Theaarten finden wir nun freilich ein 
ganz anderes Verhalten ; die jungen Blätter und auch 
die ausgewachsenen sind reich an Caffei'u, und die in 
der Rinde vorhandene Menge ist verschwindend klein 
im Vergleich mit der in den Blättern enthaltenen. 
Hier hat es also den Anschein, als ob mit dem Ab- 
fallen der Blätter das Caffei'n als solches verloren 
ginge; diese Ansicht ist aber nicht zutreffend. Beim 
Untersuchen von Theeblättern , die gelb geworden 
waren und bei bloßer Berührung abfielen, fand sich 
nämlich , daß sie ganz caffei'nfrei waren , sowohl bei 
Thea assamica, als auch bei T. sinensis. Das gleiche 
wurde beobachtet bei Coffea liberica und Theobroma 
Cacao (auch in bezug auf das Theobromin), d. h. bei 
allen Arten, deren ausgewachsene Blätter noch Xanthin- 
derivate enthielten, mit Ausnahme von Coffea arabica. 
Von dieser Pflanze konnten aber die Verff. während 
des Aufenthalts in Buitenzorg keine Blätter bekommen, 
die nach normalem Vergilben abgefallen waren. Alle 
Blätter waren von Hemileia vastatrix, dem für dieKaffe- 
kulturen so verderblichen Pilze, angegriffen, der ein 
vorzeitiges Vergilben und Abfallen verursacht. Hier- 
auf beruht es wahrscheinlich, daß keine caffeinfreien 
gelben Blätter von Coffea arabica angetroffen wurden. 

Wir sehen also, daß die Xanthinderivate aus den 
Blättern kurz vor deren Abfallen verschwinden, wäh- 
rend die Rinde der älteren Zweige, die diese Blätter 
tragen , entweder von jenen Stoffen frei ist (und es 
auch bleibt, wie bei Theobroma Cacao und Coffea 
liberica) oder eine so unbedeutende Menge davon 
enthält, daß sie so gut wie nichts ist im Vergleich 
mit der aus den Blättern verschwundenen Menge, 
wie bei den Theearten. 

Wenn wir jetzt in Betracht ziehen, daß die Blätter 
der Zweige, denen junge Sprosse oder Blüten ganz 
fehlen, dasselbe Verhalten zeigen, so können wir mit 
Sicherheit behaupten, daß die Xanthinderivate wie- 
der in den Stoffwechsel eintreten und daher, wenig- 
stens in diesem Falle, ein Zwischen- und kein End- 
produkt sind. Dieser Schluß kann durch quantitative 
Bestimmungen unterstützt werden , aber diese sind 
nicht notwendig, um seine Richtigkeit zu beweisen. 

Das Verhältnis im Caffei'ngehalt bei grünen Blatt- 
teilen zu demjenigen bei farblosen Blattteilen stellten 
die Verff. durch Untersuchungen an Thea assamica 
fest, die im Agrikulturgarten zu Tjikeumeuh zum 
Teil panaschierte Blätter trägt. Zuweilen ist an 
diesen Blättern die ganze eine Hälfte gelb, während 
die andere grün ist. Solche Blätter wurden halbiert 
und die Hälften besonders untersucht. Es fand sich, 
daß der chlorophyllfreie Teil beträchtlich mehr Caffei'n 
enthielt als der grüne, und die Verff. sehen hierin 
eine bedeutsame Tatsache, die es vielleicht ermög- 
licht, einen besseren Einblick in die chemischen Pro- 
zesse dieser Pflanze zu gewinnen. F. M. 



Felix M. Exner: Messungen der Sonnenstrahlung 

und der nächtlichen Ausstrahlung auf dem 

Sonnblick. (Meteorologische Zeitschrift 1903, Bd. XX, 

S. 409—414.) 

Im Juni und Juli 1902 wurden auf dem Sonnblick 

(3106 m) Messungen der Sonnenstrahlung und der nächt- 



lichen Ausstrahlung gemacht, deren Ergebnisse einen 
besonderen Wert durch die Vergleichung mit den in un- 
gefähr gleicher Höhe (Alta Vista 3252) auf Teneriffa von 
K. Angström ausgeführten Messungen der Sonnen- 
strahlung (R)sch. 1900, XV, 649) besitzen. Zu den Mes- 
sungen wurde d;is Angströmsche Pyrheliometer (Rdsch. 
1886, I, 430) verwendet, und obwohl das Wetter nicht 
recht günstig war, indem die Sonne oft tagelang die 
Wolken nicht durchbrechen konnte, wurden gleichwohl 
86 über den ganzen Tag verteilte Einzelbeobachtungen 
der Sonnenstrahlung ausgeführt. 

Aus den Beobachtungen erhielt man für die einzelnen 
Stunden des Tages von 7a bis 7p folgende Mittelwerte 
der Sonnenstrahlung in Grammkalorien per Minute und 
cm 8 : 1,32, 1,44, 1,52, 1,57, 1,60, 1,59, 1,56, 1,54, 1,48, 1,46, 
1,36, 1,24, 0,98. Das Maximum liegt hiernach zwischen 
11 und 12ha. Eine Vergleichung der hier gewonnenen 
Werte mit den in Teneriffa beobachteten, nach Sonnen- 
höhen uud Atmosphärendicken zusammengestellt, ergibt, 
trotzdem die Atmosphäreudicken nur wenig verschieden 
sind, für niedere Sonnenhöhen eine stärkere Strahlung 
auf AltaVista als auf Sonnblick; der Unterschied nimmt 
aber für größere Sonnenhöhen ab und verschwindet be- 
reits in 60°. Herr Exner vermutet die Ursache für die 
geringere Strahlung bei den niederen Sonnenhöhen auf 
dem Sonnblick in dem Umstände, daß die Strahlen am 
frühen Vor- und späten Nachmittag über den Alpen näher 
über der Erde verlaufen als auf Teneriffa. 

Das Angströmsche Pyrheliometer wurde nach ge- 
ringer Modifikation auch zur Messung der nächtlichen 
Ausstrahlung benutzt; man mußte nur jetzt, da die expo- 
nierte Hälfte sich durch die Ausstrahlung abkühlte, die 
Energie in Gestalt des elektrischen Stromes nicht der 
geschützten Hälfte des Apparates wie bei den Strah- 
lungsmessungen, sondern der exponierten zuführen, um 
das absolute Maß für die Ausstrahlung zu erhalten. Im 
ganzen wurden über 70 Einzelmessungen ausgeführt, von 
denen die größere Zahl sich um die Zeit von Sonnenauf- 
und Sonnenuntergang gruppiert. Die Mittelwerte der 
Ausstrahlung pro cm 2 und Minute betragen für die ein- 
zelnen Stunden von 9—10 bis 2-3 in Gr.-Kal: 0,18, 0,18, 
0,19, 0,20, 0,20, 0,19. Eine große Sicherheit geben diese 
Mittelwerte freilich nicht, weil die Messungen nicht durch 
die ganze Nacht fortliefen, sondern in größeren Intervallen 
gemacht sind. Gleichwohl lassen sie mit Entschiedenheit 
einen nächtlichen Gang der Ausstrahlung erkennen. 

Herr Exner erwähnt noch einige auffallende Einzel- 
beobachtungen , die erst durch weitere Kontrollbeobach- 
tungen von anderer Seite ihre Bestätigung bzw. Deutung 
werden finden können. 



Henri Becquerel: Über die funkelnde Phosphores- 
zenz einiger Stoffe unter der Wirkung der 
Radiumstrahlen. (Compt. rend. 1903, t. CXXXVII, 
p. 629—634.) 

Die Beobachtungen von William Crookes und von 
Elster und Geitel über das funkelnde Leuchten eines 
Schirmes aus Zinkblende bei der Einwirkung eines klei- 
nen Splitters von Radiumsalz (Rdsch. 1903, XVIII, 383, 
400, 49:t) hat Herr Becquerel bestätigt und im Anschluß 
an seine früheren Versuche über die Wirkung von Ra- 
diumstrahlen auf phosphoreszierende Schirme erweitert. 
Vorzugsweise waren es zwei Fragen, deren Beantwortung 
erstrebt wurde, nämlich, ob, wie Crookes angab, nur 
die wenig durchgängigen «-Strahlen das Funkeln des 
Zinksulfidschirmes veranlassen, die anderen Strahlen aber 
unwirksam seien, und ob, nach der Annahme des engli- 
schen Forschers, das Glitzern erzeugt werde durch den 
Stoß der einzelnen Elektronen, welche in merklichen Inter- 
vallen ausgesandt werden. 

Eine sehr einfache Vorrichtung gestattete, ein sehr 
kleines Körnchen von Radiumchlorid den verschiedenen 
phosphoreszierenden Schirmen bis auf ein halbes Milli- 
meter etwa zu nähern und die Schirme mit dem Mikro- 



10 XIX. Jahrg. 



Natur wissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 1. 



skop zu beobachten. Schirme, die aus frisch bereiteter 
hexagonaler Blende hergestellt waren, und alte, die mit 
Kristallpulver eines noch von Sainte-Claire Deville 
herrührenden Präparates bedeckt waren, gaben das Croo- 
I amen sehr schön. Ebenso deutlich wurde 

das Funkeln mit einem Schirm beobachtet, der a 
nein I amantpulver hergestellt war. Wurden die fe 
welche aus dem mit etwas Oummi auf dünne Glimmer- 
platten geklebten Pulver bestanden, umgedreht, s i i 
der Glimmer zwischen der Strahlungsquelle und d< o 
Leuchtkörper sich befand, so zeigten sie nun das Funkeln 
nur unter dem Radiumkörnchen. Brachte man das Ra 
dium unten an, darüber ein Aluminiumblatt von 0,01 mm 
Dicke und dann den durchsichtigen Schirm mit dem 
Leuchtstoff nach unten , so sah man inj Gesichtsfelde 
eine Menge funkelnder Sterne auf dunklem Hintergrund. 
Der kleinste Spalt im Glimmer und das kleinste Loch 
im Aluminium verriet sich durch eine gesteigerte Inten- 
sität des funkelnden Leuchtens. 

Mit Baryumplatincyanür erhielt man lebhaftes Phos- 
phoreszieren, aber nur schwaches Funkeln; das Licht 
zeigte eine Unruhe, wie wenn man durch Schichten un- 
regelmäßig erwärmter Luft beobachten würde. Dasselbe 
zeigte sich , aber sehr schwach , beim Doppelsulfat von 
Uran und Kalium, das sehr hell leuchtete. Die übrigen 
Leuchtstoffe, die Verf. früher untersucht hatte, gaben zu 
schwache Wirkung, als daß man über das Vorkommen 
von Intermittenzen ein sicheres Urteil gewinnen konnte. 
So viel war sicher, daß das Funkeln bei den Stoffen auf- 
tritt, deren Phosphoreszenz durch die stärker absorbier- 
baren Strahlen erregt wird. 

Um nun die wirksamen Strahlen sicherer zu ermit- 
teln, wurde eine kleine Quantität Radiumchlorid iu eine 
Rinne eines Bleiblocks gebracht, darüber ein Bleischirm 
mit einem feinen, der Rinne parallelen Spalt und darüber 
der phosphoreszierende Schirm mit der Vorderseite nach 
unten, der von oben mit der Lupe oder dem Mikroskop 
beobachtet wurde; das Ganze befand sich zwischen den 
Polen eines Elektromagneten, die Rinne parallel dem Felde. 

Mit der hexagonalen Blende und dem Diamant schien 
das Funkeln gleich zu sein, mit und ohne Magnetfeld; 
die wirksamen Strahlen werden also nicht abgelenkt; die 
ablenkbaren /S-Strahlen erzeugten nur ein äußerst schwa- 
ches Leuchten, während das Funkeln von den nicht, oder 
nur sehr wenig ablenkbaren Strahlen erzeugt wurde. 
Beim Baryumplatiucyanür wirkten die «-Strahlen und 
die /S-Strahlen gleich stark; im Magnetfelde waren die 
beiden Strahlen getrennt, und man sah dann, daß das 
Funkeln nur in dem Bündel nicht abgelenkter Strahlen 
stattfindet und jetzt sogar viel schärfer war als ohne 
Magnetfeld. Mit dem Doppelsulfat von Uran-Kalium war 
die Wirkung verschieden nach der Dicke der Salzschicht. 
War diese groß, dann drangen nur die ß- Strahlen bis 
zu der dem Beobachter zugekehrten Seite, während alle 
Strahlen, welche die beobachtete Phosphoreszenz erzeugen, 
durch das Feld abgelenkt wurden; die /S-Strahlen er- 
zeugten aber kein wahrnehmbares Funkeln. War die Salz- 
schicht sehr dünn, so sah man neben der durch das Feld 
abgelenkten Lichtspur eine schwache, nicht abgelenkte 
Phosphoreszenz, die von den «-Strahlen erzeugt war. 

Das Doppelsulfat von Uranium und Kalium wird also 
vorzugsweise durch die /S-Strahlen leuchtend gemacht, 
das Baryumplatincyanür durch die «- und /S-Strahlen, 
während die hexagonale Blende und der Diamant vor 
allem durch die «-Strahlen erregt werden; durch die 
/S-Strahlen werden die letzten beiden nur schwach er- 
regt. Aus den Beobachtungen ergibt sich somit die Be- 
stätigung der Ansicht vonCrookes, daß es die «-Strahlen 
sind, welche das Funkeln der Phosphoreszenz veran- 
lassen; wenn die durch die ^-Strahlen veranlaßte Phos- 
phoreszenz merklich oder vorherrschend ist, verdeckt 
sie die durch die «-Strahlen erzeugte Erscheinung. 

Ein feines Bündel X-Strahlen wurde auf verschiedene 
von den besprochenen Schirmen geworfen, ohne eine 



.-!jn Funken zu zeigen; da aber die Erregung der 
die X-Strahlen : o okusröhre eine intermittierende 

ist, -o könnte dies die Erscheinung verdecken, so d !i 
dieser Versuch nicht entscheidend ist. 

Ganz allgemein ha" sich bei den beschriebenen Ver- 
suchen gez igt, i : J i 18 Funkeln um so deutlicher und 
; je kleiner die Kristalle, aus denrn der Schirm 
it, Nimmt man einen Verhältnis)! B Jeu Kristall 

von den Sainte-Claire Devillessch i :c ihn 

in große Nähe eines Radiumchloridkorns, so wird ei' 
tend und gibt ein kontinuierliches Licht ohne Fu 
Zuweilen erscheint auf dem Kristallstück ein leucht " r 
Punkt, der heller wird und dann langsam verschwindet; 
er bildet sich zuweilen mehrere Male hintereinander an 
derselben Stelle. Zerbricht man den Kristall in kleinere 
Stücke, so zeigen einzelne Bruchstücke veränderliche, 
glänzende Punkte, und wenn man die Stückchen pulve- 
risiert, erscheint das oben beschriebene Funkeln. Man 
könnte nun annehmen , daß unter der Einwirkung von 
scheinbar stetigen Strahlen die Kristalle sich verändern 
und je nach ihrer Größe verschieden schnell sich spalten, 
gleichsam dekrepitieren. Und in der Tat ist das Spalten 
der verschiedenen für diese Versuche verwendeten Kri- 
stalle, auch wenn es mechanisch herbeigeführt wird, von 
einer Lichtentwickelung begleitet. Beim Zerdrücken von 
hexagonalen Blendekristallen zwischen zwei Glasplatten 
kiinn man diese Lichtentwickelung gut beobachten. 

„Diese Tatsachen geben, wenn auch nicht einen Be- 
weis, so doch eine starke Wahrscheinlichkeit zugunsten 
der Hypothese, welche das Funkeln den Spaltungen zu- 
schreiben würde, die unregelmäßig hervorgerufen werden 
auf dem kristallinischen Schirm durch die andauernde 
mehr oder weniger lange Einwirkung der «-Strahlen." 



Sir William Huggins und Lady Huggins: Weitere 
Beobachtungen über das Spektrum der 
spontanen Lichtstrahlen des Radiums bei 
gewöhnlichen Temperaturen. (Proceedings of 
the Royal Society 1903, vol. LXX1I, p. 409—413.) 

Beim Studium des Spektrums, welches das von Ra- 
diumbromid bei gewöhnlicher Temperatur ausgestrahlte, 
schwache Licht gibt, hatten die Verff. gefunden, daß 
mindestens sieben Linien, sowohl ihrer Lage wie ihrer 
Stärke nach, mit entsprechenden Linien im Banden- 
spektrum des Stickstoffs übereinstimmen , daß aber noch 
Spuren von anderen Liuien auf den photographischen 
Platten zu bemerken seien, die bei längerem Exponieren 
vollkommener in die Erscheinung treten würden. Eine 
starke Linie des Radiumlichtes bei X t= 3914 hatte keine 
korrespondierende im Baudenspektrum des Stickstoffs. 

Herr und Frau Huggins haben nun Photographien 
von zwei verschiedenen Radiumbromidpräparaten mit 
viel längerer Exposition erhalten und sahen in der Tat 
die früher nur vermuteten Linien nun scharf abgebildet. 
Eine Photographie, die bei einer Exposition von 216 
Stunden erhalten war, ist der Abhandlung beigegeben. 

Die Übereinstimmung des Spektrums mit dem Banden- 
spektrum des Stickstoffs ist nun noch vollständiger, da 
eine Reihe schwacher Linien des letzteren auch im Radium- 
bromiilspektrum deutlich sind. Die nicht übereinstim- 
mende starke Linie 3914 hat aber nun noch einen schwä- 
cheren Genossen erhalten bei i. = 42S0; diese beiden 
Linien sind in dem gewöhnlichen Bandenspektrum des 
Stickstoffs nicht enthalten. 

Wenn man aber das Spektrum der Aureole am nega- 
tiven Pole einer Vakuumröhre mit einem Rest von atmo- 
sphärischer Luft untersucht, findet man außer dem 
Bandenspektrum des Stickstoffs noch ein neues Banden- 
spektrum, und in diesem liegen die Anfänge der beiden 
stärksten Banden im photographischen Abschnitt an den 
Stellen der beiden nicht übereinstimmenden Linien des 
Radiumlichtspektrums. „Die eigentümlichen Bedingungen, 
welcher Art sie auch sein mögen, welche die Anwesen- 
heit dieBer neuen Banden des negativen Pols bedingen, 



Nr. 1. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 11 



müssen ihr Gegenstück finden in den Stiekstoffmolekeln, 
wenn diese unter der Krregung durch das Radiumbromid 
sich befinden. Die neuen Banden, welche in dem Spektrum 
des Stickstoffs sich zeigen, wenn es von dem Lichte am 
negativen Pol einer Vakuumröhre entnommen wird, glaubt 
man allgemein verknüpft mit der Erregung durch die 
schnell sich bewegenden Korpuskeln des Kathodenstroms. 
Folglieh läßt die Anwesenheit dieser Banden des nega- 
tiven Pols in dem Spektrum des Stickstoffs , der vom 
Radium erregt wird, vermuten, daß die /3-Strahlen, welche 
den Kathoden-Korpuskeln analog sind, hauptsächlich wirk- 
sam seien bei der Erregung des Radiumlichtes. Nach dieser 
Vermutung sollte man freilich erwarten, daß das Leuchten 
sich außerhalb des Radiums etwas fortsetzen müßte. Wir 
waren aber nicht imstande, irgend einen Lichtschein außer- 
halb der Grenzen des festen Radiumbromids zu entdecken; 
das Licht scheint ganz plötzlich an der Grenze der Radium- 
oberfläche aufzuhören. Es mag sein, daß die Strahlen nur 
in molekularen Abständen oder im Moment ihrer Ent- 
stehung die Stickstoffmoleküle zu erregen imstande sind." 

Der Umstand , daß das Spektrum des Radiumlichtes 
entsteht, wenn Radium auf Stickstoff bei Atmosphären- 
druck einwirkt, regte zu dem Versuche an, ob das Spek- 
trum des negativen Pols nicht auch in Luft unter ge- 
wöhnlichem Druck erhalten werden könnte. Der Versuch 
gelang, wenn der Teil der Entladung an der negativen 
Elektrode allein photographiert wurde. 

Ein weiterer Versuch galt der Frage, ob in gleicher 
Weise, wie die Stickstoffmoleküle durch die Radium- 
strahlen zum Leuchten angeregt werden, auch Brom- 
moleküle so erregt werden können, daß sie sich im Spek- 
trum durch die ihnen eigenen Linien verraten. In einer 
Vakuumröhre wurde Luft mit Bromdampf der elektrischen 
Entladung ausgesetzt, aber das Bandenspektrum des Stick- 
stoffs erschien allein ; erst wenn man eine Leydener Flasche 
einschaltete, erschien das Brom neben den Luftlinien im 
Spektrum. Die Wiederholung des Versuches unter Atmo- 
sphärendruck gab trotz reichlicher Bromdämpfe bei Spulen- 
entladungen das gewöhnliche Bandenspektrum des Stick- 
stoffs. Hieraus wird verständlich, warum im Spektrum 
des Radiumlichtes Bromlinien nicht angetroffen werden. 

Ein entsprechender Versuch mit Radium führte zu 
dem gleichen Ergebnis wie der mit Brom. Gewöhnliche 
Entladung gab nur das Stickstoffspektrum. Das Einschalten 
einer kleinen Flasche ergab ein volles Radiumspektrum, 
ohne das Bandenspektrum des Stickstoffs. 

Die interessanten Beziehungen, welche jüngst zwischen 
den Radiumstrahlen und dem Helium beschrieben worden, 
veraulaßten die Verff. zu entsprechenden spektralanalyti- 
schen Versuchen, deren Resultate jedoch negativ ausfielen. 

„Die Resultate der in dieser Abhandlung beschrie- 
benen Versuche scheinen im allgemeinen zu zeigen, daß, 
wenn eine Analogie mit der elektrischen Erregung an- 
genommen werden darf, die Radium-Erregung, mögen 
wir die wirkende Ursache in den /3-Strahlen annehmen 
oder in den Zusammenstößen der Stickstoffmoleküle mit 
den Radiummolekülen — durch welche zum ersten Male 
ein Spektrum heller Banden im ultravioletten Gebiet bei 
gewöhnlichen Temperaturen und ohne die Intervention 
einer elektrischen Entladung erhalten wurde — aus dem 
bloßen Umstände, daß sie das Bandenspektrum des Stick- 
stoffs entstehen läßt, nicht eine derartige ist, welche aus 
den Brommolekülen oder denen des Radiums die ihnen 
charakteristischen Linien hervorrufen kann." 



G. v. Bergmann: Die Überführung von Cystin in 
Taurin im tierischen Organismus. (Beiträge 
zur ehem. Phys. u. Path. 1903, Bd. IV, S. 192—211.) 

J. Wohlgeniuth : Über die Herkunft der schwefel- 
haltigen Stoffwechselprodukte im tieri- 
schen Organismus. 1. Mitteilung. (Zeitschr. f. 
physiol. Chemie 1903, Bd. XL, S. 81—101.) 
Nachdem E. F r i e d m a n n die Konstitution des Ei weiß- 

cysteins — einer «-Amino-jä-thiomilchsäure — festgestellt 



(vgl. Rdsch. 1903, XVIII, 83) und auch den Nachweis 
geliefert hatte, daß Cystin bzw. Cystein sich auf einfache 
Weise durch Oxydation in Taurin überführen läßt, lag 
die Frage nahe, ob das Taurin, das im Organismus stetig 
entsteht und hauptsächlich in der Galle zu finden ist, 
aus dem Cystin des Eiweißes stammt. Dies zu ent- 
scheiden, untersuchte Herr v. Bergmann zunächst, 
ob nach Fütterung mit Cystin das Taurin der Galle 
sich vermehrt zeige. Die Versuche, die an Hunden 
ausgeführt wurden, ergaben ganz entgegen dem er- 
warteten Resultat, daß Cystinfütterung, bei sonst 
gleichbleibender Nahrung, den Tauringehalt nicht nach- 
weislich steigert. Dieses negative Ergebnis findet aber 
seine Erklärung, wenn man bedenkt, daß die Hundegalle 
fast ausschließlich Taurocholat enthält, alles Taurin also 
an Cholsäure gebunden ausgeschieden wird und folglich 
eine Zunahme des Taurins in der Galle nur denkbar 
wäre, wenn auch mehr Cholsäure sezerniert würde. „Unser 
negatives Resultat könnte demnach auf der Unfähigkeit 
des Hundeorganismus beruhen, für das vorhandene Taurin 
mehr Cholsäure verfügbar zu machen. Ist diese Annahme 
richtig, so mag noch soviel Cystin vom Organismus in 
Taurin umgewandelt werden, den Weg in die Galle kann 
es doch nicht finden, da ihm der geeignete, es vor Ver- 
brennung schützende Paarling fehlt. Hieraus ergibt sich 
die Aufgabe, zunächst den Organismus in die Lage zu 
setzen, mehr Gallensäure zu liefern als in der Norm, und 
zwar eine für Taurinbindung verfügbare Gallensäure." 

Von dieser Überlegung ausgehend wurde den Hunden 
zunächst cholsaures Natron zugeführt, und man fand in 
der Tat, daß die Schwefelmenge der Galle — die auf 
Taurin zu beziehen ist — dadurch vermehrt war. Aus 
den mitgeteilten Versuchen kann mit Sicherheit ge- 
schlossen werden, daß cholsaures Natron zu einem sehr 
beträchtlichen Teil als Taurocholsäure mit der Galle aus- 
geschieden wird. Diese Ausscheidung dauert längstens 
24 Stunden an; die Vermehrung beträgt bis über das 
Doppelte der durchschnittlichen Taurinmenge. — Nun 
wurde neben Natriumcholat Cystin verfüttert; dadurch 
war es möglich, die Schwefelausscheidung noch weiter 
zu steigern. So erhielt Verf. mit 2,1 g cholsaurem Natron 
allein eine Schwefelmenge von 0,104 g in 24 Stunden, 
mit 2,0 cholsaurem Natron plus 1,0 Cystin eine Schwefel- 
menge von 0,150 g. — Wurde durch langandauernde 
tägliche Fütterung mit cholsaurem Natron der Taurin- 
gehalt der Galle stark herabgesetzt — da der ursprüng- 
liche Taurinvorrat rasch erschöpft wird — so konnte 
Cystinfütterung die Schwefelausscheidung wieder über 
das Doppelte steigern. Der Organismus vermag also 
nicht der Cholsäure dauernd die gleiche Menge Taurin 
zur Verfügung zu stellen; durch Zufuhr von Cystin er- 
hält aber der Organismus wieder den verloren gegangenen 
Taurinüberschuß. Man kann also als bewiesen ansehen, 
daß das Cystin vom Organismus in Taurin übergeführt 
werden kann und daß das Taurin der Galle aus dem 
Eiweiß der Nahrung stammt. — 

Unabhängig von diesen Untersuchungen hat Herr 
Wohlgemuth Versuche mit Eiweißcystin an Tieren 
angestellt, um dessen Schicksal im tierischen Orga- 
nismus zu verfolgen. Als Versuchstiere benutzte er 
Kaninchen, denen er neben der üblichen Nahrung 
(Kohl und Mohrrüben) Cystin verabreichte. Während 
der Beobachtungszeit wurden der Gesamtschwefel, 
die Gesamtschwefelsäure und die Ätherschwefelsäuren 
im Harn bpstimmt und mittels Berechnung der neu- 
trale Schwefel und die Sulfate. Die in Tabellen 
niedergelegten Versuchsresultate zeigen , daß das dem 
Kaninchen verabreichte Cystin eine Vermehrung der 
Schwefelsäure, und zwar der Sulfate, und eine er- 
hebliche Steigerung des Gehaltes an nicht oxydiertem 
Schwefel im Harn hervorruft; mit der vermehrten Aus- 
fuhr von neutralem Schwefel geht stets eine Ausschei- 
dung von unteischwefligen Salzen einher. Weiterhin 
lehrten die Versuche, daß der größte Teil des verfütterten 



12 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 1. 



Cystins unverändert durch den Darm ausgeschieden wird 
und nur der kleinere Teil zur Resorption kommt, die 
Leber passiert und von da in die Galle wandert oder 
in den Blutkreislauf übergeht. Bei der leichten Um- 
wandlung von Cystin in Taurin war es sehr naheliegend, 
anzunehmen, daß das Cystin im Organismus in Taurin 
übergegangen war. Den Beweis hierfür gab die Unter- 
suchung der Galle und der Leber; dabei fand Verf. 
den Schwefelgehalt des alkoholischen Auszuges der Galle 
sowohl als auch den des wässerigen Leberextraktes gegen 
die Norm erheblich — um mehr als das 3V 2 - bzw. 2V 2 fache — 
gesteigert. „Damit ist bewiesen, daß per os verabreichtes 
Cystin, soweit es resorbiert wird, in Taurin übergeht und 
zum Teil wenigstens als Taurocholsäure in der Galle er- 
scheint. — Da das Cystin normalerweise bei der Pan- 
kreasverdauung entsteht, so ist damit die Frage nach 
der Entstehung des Taurins gelöst." 

Vergleicht man die Resultate beider Arbeiten, so er- 
gibt sich also, daß die beiden untersuchten Tierspezies 
sich insofern verschieden verhalten, als beim Hunde Zu- 
fuhr von Cystin nur bei gleichzeitiger Zufuhr von chol- 
saurem Natron eine Anreicherung des Schwefels in der 
Galle zur Folge hat, während beim Kaninchen die Cystin- 
fütterung diese Anreicherung an Schwefel direkt herbei- 
führt. P. R. 



J. Tandler: Beiträge zur Anatomie der Gecko- 
pfote. (Zeitschr. f. wissensch. Zoologie 1903, Bd. LXXV, 
S. 308—326.) 

Verf. fand in den Haftlappen der Füße von Ptyo- 
dactylus lobatus Cuv. ein eigentümliches System von 
Bluträumen, welches in Beziehung zu stehen scheint zu 
dem Vermögen dieser Tiere, sich an glatten und über- 
hängenden Flächen festzuhalten. Jederseits der End- 
phalauge der betreffenden Zehe breitet sich durch den 
größten Teil des Haftlappens ein flacher Blutraum aus; 
diese beiden seitlichen Bluträume stehen proximalwärts 
in Verbindung mit einer kleineren, mittleren Luftkammer 
von etwa rechteckigem Umriß. In den Kommunikations- 
öffnungen zwischen den seitlichen und dem mittleren 
Blutraum fand Verf. bei mehreren, aber nicht bei allen 
Individuen — es handelt sich also möglicherweise um 
ein nicht konstantes Verhalten — Taschenklappen, welche 
das Blut nur in der Richtung aus der mittleren in die 
seitlichen Kammern fließen lassen. Allen drei Kammern 
wird durch Äste der volaren Arteria digitalis Blut zu- 
geführt, aus jeder der beiden seitlichen Kammern tritt 
proximalwärts eine Vene aus, deren Ursprung das Aus- 
sehen eines sehr feineu, von zahlreichen Zellschichten 
umgebenen Spaltes besitzt. Das Aussehen dieser Zell- 
schichten erinnert au das von Grosser an den arterio- 
venösen Anastomosen beobachtete Gewebe, und Herr 
Tandler ist daher geneigt, in ihnen, wie in jenem, stark 
modiüzierte glatte Muskelschichten zu sehen, welche 
einen zeitweiligen völligen Verschluß dieser Abflußöffnung 
bewirken können. 

Ferner fand Verf. außer den gewöhnlichen Streck- 
und Beugemuskeln der Zehen einen besonderen, am pro- 
ximalen Ende des Nagelbettes entspringenden Muskel, 
welcher sich alsbald in mehrere Bündel teilt und, fächer- 
förmig gespalten, lateral- und distalwärts zum Boden 
der seitlichen Blutkammern zieht, wo er ziemlich weit 
peripheriewärts zu verfolgen ist. Herr Tandler glaubt, 
daß dieser Muskel den Boden der seitlichen Kammern zu 
heben und diese selbst in ihrem Längen- und Breiten- 
durchmesser zu verkürzen imstande ist. 

Die Bedeutung dieser Bluträume sieht nun Verf. 
darin, daß sie bei Füllung mit Blut dem ganzen Haft- 
lappen eine bedeutende Plastizität verleihen und denselben 
dadurch in den Stand setzen, sich der Form seiner Unter- 
lage möglichst genau anzupassen. Verf. nimmt weiter 
an, daß beim gewöhnlichen schnellen Lauten die Blut- 
räume alle gefüllt bleiben und ihr jeweiliger Füllungs- 



zustand nur durch den den Ursprung der Vene umgebenden 
Muskelapparat reguliert wird; daß dagegen bei längerem 
— oft stundenlang dauerndem — Haften die seitlichen 
Bluträume durch die Wirkung der oben beschriebenen 
Muskeln verengt werden, wodurch infolge der Hebung 
des Bodens derselben zwischen Haftlappen und Unterlage 
ein leerer Raum entstehen muß. Hierbei muß die ab- 
führende Vene offen sein. Ein Verschluß derselben würde 
erneute Füllung der seitlichen Bluträume und damit 
Aufhören der Saugwirkung herbeiführen. Letztere kann 
übrigens auch durch direkte Innervierung des Zehen- 
beugers aufgehoben werden. Ein Teil der Sehne dieses 
Muskels verläuft zur Cutis der Haftleisten, ein Zug der- 
selben muß also eine Lüftung des hinteren Endes der 
fächerförmig ausgebreiteten Haftleisten und damit das 
Eindringen von Luft und das Aufhören der Saugwirkung 
herbeiführen. 

Bei Platydactylus annularis fand Verf. eiDe ähnliche 
Struktur. R. v. Hanstein. 



Arnold Löwenstein: Über die Temperaturgrenzen 
des Lebens bei der Thermalalge Mastigo- 
cladus laminosus Cohn. (Berichte der deutschen 
botanischen Gesellschaft 1903, Bd. XXI, S. 317—323.) 
Es liegen ältere Angaben vor, wonach im Karlsbader 
Sprudel Algen leben sollen, die eine Temperatur von 70° C 
nicht nur aushalten , sondern sogar bevorzugen sollen. 
Auf Anregung des Herrn Molisch unternahm es Verf. 
festzustellen, bei welcher Temperatur die Algenvegetation 
im Sprudel vorkommt und innerhalb welcher Tempera- 
turgrenzen ein Leben für diese Flora möglich ist. Die 
Versuche wurden mit der Oscillariacee Mastigocladus la- 
minosus Cohn angestellt, die auf dem Sprudelberge in 
Karlsbad in grünen Rasen bei einer Durchschnittstempe- 
ratur von 49° C wächst. Der Sprudelberg, der sich wenige 
Dezimeter über das Niveau des Teplbettes erhebt, ist 
von zahlreichen winzigen Sprudelspringern durchsetzt, 
deren dampfendes Wasser eine Temperatur von über 70° 
besitzt und sich über den Sprudelberg in kleinen Bächen 
ergießt. Die Thermalalgenflora beginnt zur Seite die- 
ser Bäche dort, wo sich das Wasser bereits auf minde- 
stens 52° abgekühlt hat. Im Laufe seiner l l / 8 jährigen 
Untersuchungen, die zu jeder Jahreszeit erfolgten, fand 
Verf. an den Punkten, wo die Algen im Sprudelwasser 
gediehen, nie eine Temperatur über 52°, selten eine 
solche von 51°, häufiger eine solche von 50°, gewöhnlich 
aber 49° ; auch andere Temperaturen sind nicht selten. 
Im Abflüsse des Sprudels, dort, wo^sich Sprudelwasser 
mit Teplwasser vermengt, geht die Thermalalgenflora 
schließlich in eine bei 15 bis 20° lebende über. Der 
Mastigocladus findet sich aber nicht unter den bei die- 
sen letzteren Temperaturen lebenden Algen. 

In den Versuchen kam ein mit doppelten Glaswän- 
den versehener Thermostat zur Verwendung, der drei 
übereinanderliegende Abteilungen mit verschiedenen Tem- 
peraturen hatte. Als Kulturmedien wurden Karlsbader 
Sprudelwasser, eine künstliche Algennährlösung und Mol- 
dauwasser benutzt, deren Einfluß auf das Verhalten der 
Alge, wie sich herausstellte, verschieden war. Die Beob- 
achtungen zeigten , daß Mastigocladus im Thermostaten 
ähnlich hohe Temperaturen zu ertragen vermag wie in 
der Natur, daß er aber auch bei gewöhnlicher Zimmer- 
temperatur und noch niedrigeren Temperaturen gedeiht 
und bis mindestens — 19,3° lebensfähig bleibt. Es ergab 
sich ferner die Tatsache, daß die genannte Alge, wenn 
sie ihrem natürlichen Standorte entnommen und bei nie- 
deren (Zimmer-) Temperaturen längere Zeit gezüchtet 
wird, ihre Widerstandsfähigkeit gegen hohe Tempera- 
turen merklich einbüßt, und zwar um so mehr, je länger 
sie niederen Temperaturen ausgesetzt war. F. M. 



Nr. 1. 



1904 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 13 



Literarisches. 

J. Mooser: Theorie der Entstehung des Sonnen- 
systems. Eine mathematische Behandlung der 
Kant-Laplaceschen Nebularhypothese. 30 S. 8°. 
(St. Gallen 1903, Febrsche Buchhandlung.) 
Bisher sind streng mathematische Unsersuchungen 
über die Kant-Laplacesche Hypothese stets zu deren 
Ungunsten ausgefallen. Auch die vorliegende Abhand- 
lung verfehlt ihr Ziel. Die Richtigkeit der Laplace- 
schen Ringtheorie soll durch eine mathematische Ab- 
leitung der Titius-Bod eschen Reihe der Planeten- 
distanzen von der Sonne bewiesen werden. Die Formeln 
Bind schon deshalb nicht streng, weil die Planetenmassen 
nicht berücksichtigt sind. Wenn zwei Planeten wie Mars 
und Jupiter, deren Massen sich wie 1 zu 3000 verhalten, 
als gleichberechtigte Glieder der Reihe angenommen 
werden, so ist nicht einzusehen, warum nicht auch die 
einzelnen Planetoiden selbständige Glieder bilden sollten, 
da doch manche unter ihnen eine Masse mehr als 1 / M00 
der Marsmasse besitzen dürfteu. Wozu soll dann noch 
ein dritter Marsmond, der zwischen den beiden anderen 
laufen soll , entdeckt werden , um als Triumpf für die 
Laplacesche Theorie zu dienen, wenn es gestattet 
ist, dessen Masse beliebig, also auch gleich Null anzu- 
nehmen. Die Existenz eines solchen Mondes kann nie- 
mand bestreiten, und zugleich ist damit der Formel Ge- 
nüge geleistet! Bezeichnend ist auch die Behauptung, 
daß die Abweichung der Distanzen der Saturnsmonde 
Dione und Rhea gegen die theoretische Formel (um '/„ 
und '/ 3 ) „wahrscheinlich nur von unrichtigen Angaben der 
beobachteten Distanzen herrühre". Wenn man in solcher 
Weise mit astronomischen Beobachtungen umgeht, ver- 
mag man freilich alles zu beweisen. A. Berberich. 



James Walker: Elementare anorganische Chemie. 
Mit Genehmigung des Verfassers ins Deutsche über- 
setzt von Margarete Egebrecht und Emil 
Böse. Mit 42 in den Text eingedruckten Abbil- 
dungen, VIII und 326 S. (Braunschweig 1903, Friedr. 
Vieweg & Solin.) 
Das kleine Werk ist dazu bestimmt, dem Anfänger 
eine Einführung in die Chemie zu geben, welche von 
Tatsachen und Versuchen ausgeht, um aus diesen die 
Grundbegriffe und Theorien bis hinauf zu den heute 
geltenden Anschauungen und Lehren der physikalischen 
Chemie in außerordentlich klarer und einfacher Weise 
zu entwickeln. Das Buch hat Ref. sehr gut gefallen. 
Das Studium desselben dürfte nicht bloß für den Studie- 
renden, für den es zunächst als Vorschule zu dem Studium 
größerer Werke bestimmt ist, von großem Wert sein, 
sondern die Schrift dürfte auch älteren Fachgenossen, 
welche sieh auf einfache Weise mit den heute in der 
chemischen Wissenschaft herrsehenden Anschauungen 
bekannt machen wollen, eine treffliche Anleitung und 
zugleich eine angenehme und genußreiche Lektüre bieten. 
Daß Verf. bei der Besprechung der Metalloide Arsen, 
Antimon, Silicium und Bor, bei derjenigen der Metalle 
Strontium, Nickel, Kobalt, Gold, Platin weggelassen hat, 
ist schade. Zur Herstellung des chlorsauren Kalis (S. 220) 
dient heute ausschließlich die Elektrolyse. Bei der Be- 
sprechung der Härte des Wassers (S. 165) wären die üb- 
lichen Bezeichnungen „vorübergehende" und „bleibende" 
Härte statt der dort gebrauchten einzusetzen gewesen, 
desgleichen die Angabe der Härte in „deutschen Härte- 
graden" (Gramm CaO in 100000 Tln.). Bi. 



K. A. von Zittel: Grundzüge der Paläontologie 

(Paläozoologie). Erste Abteilung : In vertebrata. 

Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. 558 S. 

Mit 1405 Textabbildungen. (München und Berlin 1903, 

R. Oldenbourg.) 
Nach dem vor etwa 20 Jahren erschienenen funda- 
mentalen Werke des Verf., dem fünfbändigen Handbuch 



der Paläontologie, wurde es 1895 mit Freuden von allen 
Seiten begrüßt, daß sich Verf. entschlossen hatte, in den 
„Grundzügen der Paläontologie" Studierenden und Freun- 
den dieser Wissenschaft eine kurze und übersichtliche 
Darstellung des Inhaltes der Versteinerungskunde zu 
bieten. Dieses Werk liegt nunmehr in zweiter, vermehrter 
Auflage vor. Veranlaßt wurde sein Erscheinen durch 
die Erweiterungen und Umarbeitungen, die seine erste 
Auflage bei ihrer Übersetzung ins Englische durch 
Ch. Eastman und eine Reihe anderer amerikanischer 
und englischer Spezialforscher erfahren hatte. Einige 
Abschnitte, wie die Korallen und Pelmatozoen, wurden 
völlig umgearbeitet. So vermehrte sich auch der text- 
liche Inhalt, und Verf. sah sich gezwungen, um das Buch 
handlich brauchbar zu machen, die neue Auflage in zwei 
Bänden erscheinen zu lassen, vou denen der erste, die 
wirbellosen Tiere umfassend, nunmehr vorliegt. 

Die Darstellung des Werkes ist eine rein systematische 
und basiert auf natürlichen, den morphologischen und phy- 
logenetischen Erfahrungen entsprechenden Unterschieden. 
Die Versteinerungen sind vorzugsweise als fossile Orga- 
nismen behandelt, ihr Wert als historische Dokumente 
zur Altersbestimmung der Erdschichten kam nur in 
zweiter Linie in Frage. Eine Aufzählung wichtiger Leit- 
fossilien fehlt daher, doch werden dieselben bei der Aus- 
wahl der Abbildungen, die ja in zahlreicher Menge und in 
klarer Darstellung den Text begleiten, besonders berück- 
sichtigt. 

In der Einleitung streift Verf. kurz das Wesen der 
Paläontologie, erörtert ihre Beziehungen zur Biologie, 
Geologie, physikalischen Geographie, Embryologie (Onto- 
genie) und Phyllogenie und bespricht kurz die Bedeutung 
des Unterschiedes persistenter (ausdauernder) und varia- 
bler (ausgestorbener und relikter) Formen. Das eigent- 
liche Werk selbst beginnt mit den Protozoen und be- 
handelt außerdem die Formenkreise der Coelenterata, 
Echinodermata, Vermes, Molluscoidea, Mollusca und Ar- 
thropoda. Bei jedem dieser Tierkreise wird zunächst 
eine ausführliche Übersicht gegeben über den Bau und 
die Organisation der Formen und ihre Lebensweise und, 
wo nötig, auch ihre mikroskopische Struktur, ehe die 
Aufführung und Beschreibung der einzelnen Unterklassen 
und Gattungen beginnt. Erkennt man auch allerorts 
eine Berücksichtigung der neuesten Ergebnisse der For- 
schung, so tritt dieselbe doch am auffallendsten hervor 
bei der Beschreibung der Korallen und der Klasse der 
Crinoiden, Cystoiden und Blastoiden. Auch in den Ab- 
schnitten über die Cephalopoden (besonders in der Ab- 
teilung der Ammoniten) und die Trilobiten finden sich 
manche Umänderungen und Erweiterungen. Angenehm 
ist ferner die Angabe der hauptsächlichsten Literatur 
bezüglich der einzelnen Tierkreise und der wichtigeren 
Ordnungen und die zusammenstellende Übersicht über 
die zeitliche Verbreitung und Entwickelung der einzelnen 
Ordnungen und ihre phylogenetischen Beziehungen. 

A. Klautzsch. 

Marie Ch. Jerosch: Geschichte und Herkunft 
der schweizerischen Alpenflora. Eine Über- 
sicht über den gegenwärtigen Stand der Frage. 
253 S. (Leipzig 1903, W. Engelmann.) 
Die Geschichte der eurasiatischen Hochgebirgsfloren 
seit dem Tertiär ist eins der anziehendsten und am meisten 
behandelten Gebiete der modernen Pflanzengeographie; 
die Wanderungen, die diese Florengemeinschaften unter 
der Wirkung der Eiszeiten ausführen mußten, sind für 
ihre heutige Zusammensetzung von einschneidender Be- 
deutung gewesen; die Kompliziertheit dieser Vorgänge 
hat zahlreiche Theorien entstehen lassen, die sich in 
wesentlichen Punkten widersprechen. Für die Flora der 
Schweizer Alpen stellt die Verf. im vorliegenden Werke 
zusammen, wie weit die Beantwortung der betreffenden 
Fragen gediehen ist. Sie präzisiert ihren Standpunkt selbst 
mit folgenden Worten: „Eine oft verwirrende Fülle der 



14 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 1. 



verschiedensten Ansichten über die einzelnen Fragen der 
alpinen Florengeschichte ist uns in den letzten Kapiteln 
entgegengetreten. Kein Wunder, denn gerade dies Gebiet 
ist mit sehr vielen anderen Fragen, systematischen, physio- 
logischen, deszendenztheoretischen, geologischen usw. 
eng verknüpft und vou ihrer Entwickelung abhängig. 
Es öffnen sich so der pflanzengeographischen und floren- 
geschichtlichen Forschung stets neue Wege, neue Ge- 
sichtspunkte steigen auf, und die Deutungen der gewon- 
nenen Tatsachen sind steten Umprägungen unterworfen. 
Es ist in den vorhergehenden Kapiteln versucht worden, 
die sich entgegenstehenden Ansichten möglichst voll- 
ständig und möglichst objektiv wiederzugeben. Eiu 
endgültiges Sichentscheiden für die eine oder die andere 
lag nicht im Plan dieser Arbeit." 

Um eine Grundlage für die Erforschung der Geschichte 
der Schweizer Flora zu geben, geht die Verf. zunächst 
auf Fragen allgemeiner Natur ein, so auf die Theorien 
der Entstehung der Arten nach verschiedenen Forschern 
und auf einen Vergleich des Klimas der Alpen und der 
Arktis. Von diesen Erörterungen sei hier nur einer 
Frage gedacht, nämlich der mono- und polytopen Ent- 
stehung der Arten. Mit Ausnahme weniger Forscher 
hält man an der ersteren fest: eine Art entsteht nur an 
einem Orte, genau dieselben Arten und Varietäten können 
sich, da die Bedingungen immer verschieden sind, nicht 
an verschiedenen Orten aus der Stammart entwickeln. 
Kommt nun dieselbe Art an weit voneinander getrennten 
Lokalitäten vor, so muß sie dahin gewandert und an den 
Zwischenstationen ausgestorben sein. Nimmt man hin- 
gegen eine polytope Entstehung derselben Art, eine Ent- 
stehung an mehreren Orten zugleich an, so vereinfachen 
sich viele Probleme der Verbreitung der Pflanzen; doch 
ist diese Theorie vorläufig nicht berechtigt und bedeutet 
eine Bankerotterklärung der pflanzengeographischen For- 
schung. 

Einer florengeschichtlichen Forschung stehen neben 
paläontologischem und geologischem Material die Folge- 
rungen zur Verfügung, die sich aus der Zusammensetzung 
der Flora, ihrer Gliederung in Elemente ergeben. Diesen 
Begriff kann man verschieden fassen: man kann eine 
Flora gliedern in Gruppen von ähnlicher oder gleicher 
Verbreitung in großen Gebieten außerhalb der Flora, 
dann kann man nach den Entstehungszentren der Arten 
oder Gruppen fragen, oder endlich nach der Art und 
Weiße, wie sie von ihrem Entstehungszentrum aus das 
Florengebiet besiedelt haben ; die Fragestellung ist somit 
eine geographische oder eine genetische oder eine histo- 
rische. Die Verf. gibt für die Schweizer Alpenflora eine 
Einteilung in geographische Elemente: I. Ubiquisten, wie 
Parnasaia palustris,, Poa annua usw., 31 Arten; II. Arten, 
die der Arktis und den asiatischen Hochgebirgen fehlen. 
240 Arten, davon 18 Arten des alpin -nordeuropäischen 
Elementes, 158 Arten und zwei Varietäten des mittel- 
europäisch-alpinen Elementes, 64 Arten und zwei Varie- 
täten des Alpenelementes; III. Arten, die in der Arktis 
vorkommen. 128 Arten, davon 94 Arten des arktisch- 
altaischen Elementes und 34 Arten des arktischen Ele- 
mentes; IV. Arten, die im Altai, aber nicht in der Arktis 
vorkommen, 20 Arten des altaischen Elementes; schließlich 
V. eine Art, Festuca Halleri als hiraalajaisches Element, 
nur noch im Himalaja vertreten. Das Hervortreten 
arktischer Pflanzen in der Alpenflora ist von den Schweizer 
Forschern gebührend gewürdigt worden; es ist auf eine 
Mischung der Floren durch die Wirkung der Eiszeit 
zurückzuführen. Die Beziehungen der Alpenflora im 
Jungtertiär weisen alle nach Asien hin; diese Flora, die 
bei uns durch die Eiszeiten erschüttert wurde, konnte 
sich im fernen Osten in gleichbleibender Folge entwickeln. 

Die erste Eiszeit drängte die Flora der Hochgebirge 
in die Ebene, die Flora der Arktis nach Süden, große 
Wanderungen brachte sie auch für die Flora der sibi- 
rischen Gebirge mit sich — es erfolgte in dem vom Eise 
frei bleibenden Terrain eine Mischung dieser Floren. Als 



nun in der ersten Interglazialzeit die Pflanzen wieder 
gegen die Gebirge vordrangen, konnten nach der Schweiz 
auch arktische und altaische Typen aus der Mischflora 
mit eraporrücken, die heute den Floren gemeinsam sind. 
Ahnliche Verhältnisse wiederholten sich in der zweiten 
und dritten Glazialzeit. In diesem allgemeinen Resultat 
stimmen die meisten Forscher überein, im einzelnen aber 
sind ihre Theorien über den Anteil der einzelneu Elemente 
an der Schweizer Flora, über die Wanderstraßen usw. 
sehr voneinander abweichend. Diese Theorien sind im 
allgemeinen sehr bekannt, so die von Engler, von Heer, 
von Kern er usw., es ist aber das Verdienst der Verf., 
sie übersichtlich nebeneinandergestellt und gegenseitig 
abgewogen zu haben. 

In den Interglazialzeiten herrschte teilweise ein noch 
wärmeres, trockenes Klima als jetzt; die geologisch-palä- 
ontologischen Ergebnisse stellen zum mindesten folgendes 
sicher: 1. Es hat in Mitteleuropa Zeiten gegeben, in denen 
eine ausgiebige Lößbildung und die Existenz einer Steppen- 
fauna möglich waren, wie sie beide unter den heute herr- 
schenden klimatischen Bedingungen undenkbar wären; 
und 2. für die zweite Interglazialzeit ist eine solche 
„Steppenperiode" sicher anzunehmen; für das Postglazial, 
auch in den Alpenländern, ist sie sehr wahrscheinlich. 
Dem entspricht ein Vorkommen von Arten in der Schweizer 
Alpenflora, die durch ihre Verwandtschaft an Floren wär- 
merer Zonen gemahnen, und zwar nach Süden, nach dem 
Mediterraugebiet, oder nach Südosten Beziehungen haben. 
Kerner hat für die deutschen Alpen den Ausdruck 
„aquilonares Element" eingeführt. Über die Zeit ihrer 
Einwanderung, über die Möglichkeit ihrer Erhaltung 
während der wiederkehrenden kälteren Perioden herrschen 
noch sehr verschiedene Ansichten. 

Nur einige wichtige Punkte konnten aus der Fülle 
der Theorien, die in dem Werke erwähnt sind, hervor- 
gehoben werden; es ist sein besonderer Wert, daß die 
vielfach sich widersprechenden Ansichten, die in einer 
außerordentlich weitschichtigen Literatur zerstreut sind, 
für das Schweizer Alpengebiet zusammengestellt und so 
leicht zugänglich gemacht worden sind. R. Pilger. 



Richard Semon: Im australischen Busch und an 
den Küsten des Korallenmeeres. Zweite 
vermehrte und verbesserte Auflage. (Leipzig 1903, 
Wilhelm Engelmann.) 
Es waren speziell zoologische Aufgaben, die den 
Jenenser Forscher im Jahre 1891 für längere Zeit nach 
Australien führten. Daß die Reise wissenschaftlich von 
großem Erfolge gekrönt war, zeigen*-die umfangreichen, 
auf das heimgebrachte Material sich stützenden Arbeiten, 
an deren Herausgabe sich beinahe 50 Gelehrte beteiligen 
und die unter dem Gesamttitel „Zoologische Forschungs- 
reisen in Australien und dem Malaiischen Archipel" er- 
scheinen (vgl. die Berichte in dieser Zeitschrift). Diese 
streng fachwissenschaftlichen Arbeiten sind nur für den 
Zoologen bestimmt; an ein größeres Publikum wendet 
sich das vorliegende Buch, in welchem der Verf. in Form 
eines Reisewerkes seine Eindrücke schildert, die er auf 
dieser Reise von Land und Leuten gewonnen; er führt 
den Leser in die Landschaft der australischen Busch- 
wälder, zu den Koralleninseln der Torresstraße, er zeigt 
uns die Tropenvegetatiou vou Neu-Guinea, Java und 
Ambon, er macht uns bekannt mit den Eingeborenen, 
ihren Sitten und Gebräuchen, sowie mit dem Leben der 
weißen Ansiedler und läßt uns an dem wochenlangeu 
Aufenthalt im Camp teilnehmen, von wo aus er den 
Spuren des Ameisenigels nachging oder in den Flüssen 
nach den ersten Entwickelungsstadien des interessanten 
Lungenfisches Ceratodus suchte. I)a3 Buch, welches auch 
ins Englische übertragen wurde, liegt nunmehr in zweiter 
Auflage vor; für eine Reisebeschreibung in unserer Zeit, 
der es wahrlich nicht an Reisebeschreibungen fehlt, ein 
gutes Zeichen. Gegenüber der ersten Auflage hat der 
Verf. besonders den Fortschritten der Naturwissenschaften 



Nr. 1. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 15 



Rechnung getragen, wie sie seit dieser Zeit, zum Teil 
auch hauptsächlich infolge der Bearbeitung des von 
ihm selbst gesammelten Materials eingetreten sind. 
Die Veränderungen auf wirtschaftlichem Gebiet, deren 
natürlich auch in dem Zeitraum von sieben Jahren 
manche zu verzeichnen sind, wurden weniger berück- 
sichtigt. Verf. schildert demgemäß auch in der neuen Auf- 
lage das Australien und Neu-Guinea des Anfanges der 
neunziger Jahre. Das Buch hat dadurch völlig den Reiz 
des Uumittelbaren , Selbsterlebten bewahrt, der es in 
hohem Maße zu einer fesselnden Lektüre macht. Bei einem 
Zoologen, wie dies der Verf. ist, ist es selbstverständlich, 
daß viel bemerkenswerte und hochinteressante zoologische 
Fragen behandelt werden und Notizen eingestreut sind. 
Auf zoogeographische Fragen hat Verf. nicht so viel 
Gewicht gelegt wie in der ersten Auflage, da die An- 
sichten hierüber noch zu wenig geklärt sind. Auf Einzel- 
heiten in dieser Anzeige einzugehen, würde zu weit führen, 
wohl aber möchten wir nicht schließen, ohne das Buch 
warm zu empfehlen, welches von der Verlagsliandlung 
in gewohnter Weise gut ausgestattet ist. Lampert. 



Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 
Sitzung am 3. Dezember. Herr Landolt las „über den 
Fortgang seiner Untersuchungen über die fraglichen 
Änderungen der Gesamtmasse chemisch sich umsetzender 
Körper". Es werden im Anschlüsse an frühere Arbeiten 
neue Versuchsreihen mitgeteilt, welche ergeben hatten, 
daß die bis dahin bei vielen Reaktionen beobachteten 
Gewichtsabnahmen nicht mehr eintreten, wenn die be- 
treffenden Substanzen in Gefäßen aus Quarz sich befinden, 
oder in Glasapparaten, deren Innenfläche mit einer 
Paraffinschicht überzogen ist. Die Untersuchung soll noch 
fortgesetzt werden. — Herr van 't Hoff überreichte 
die französische Übersetzung seiner in Chicago gehaltenen 
Vorträge : La chimie phyeique et ses applications. Ou- 
vrage traduit de l'allemand par A. Corvisy, Paris 1903. 

Sitzung am 10. Dezember. Herr Waldeyer las: 
„Über den Processus retromastoideus, eine besondere 
Bildung an der Hinterhauptsschuppe. " — Herr van 't Hof f 
legte vor eine Abhandlung der Herren Prof. F. Rieh arz 
und Dr. Rudolf Schenck in Marburg: „Über Analogien 
zwischen Radioaktivität und dem Verhalten des Ozons." 
Die Abhandlung enthält die Mitteilung, daß an Ozon, 
unter anderem mit Hilfe der Sidot sehen Blende, Radio- 
aktivität beobachtet wurde. Anschließend wird dabei 
eingehend auf das analoge Verhalten von Ozon und 
Radium hingewiesen. 



Königl. Sächsische Gesellschaft der Wissen- 
schaften zu Leipzig. Sitzung vom 7. Dezember. Die 
Akademie stimmt den Anträgen der Müncheuer Kartell- 
versammlung bezüglich der Erforschung luftelektrischer 
Erscheinungen und der Herausgabe einer chemischen 
Kristallographie zu. — Zwei von auswärts eingesandte 
mathematische Aufsätze von den Herren Däubler und 
S. So co low sollen im Archiv niedergelegt werden. — 
Herr Scheibner legt vor: „Beiträge zur Theorie der 
linearen Transformationen, als Einleitung der algebrai- 
schen Invariantentheorie, 2. Teil." — Herr Engel teilt 
einen Aufsatz von Herrn E. von Weber (in München) 
mit über „Die komplexen Bewegungen". 



Academie des sciences deParis. Seancedu 14de- 
cembre. H. Deslandres: Caracteres prineipaux des 
spectres de ligues et de bandes. Considerations sur les 
origines de ces deux spectres. — J. Janssen: Etudes 
spectroscopiques du saug faites au mont Blanc par 
M. le Dr. Henocque. — R. Zeiller et P. Fliehe: 
Dicouverte de strobiles de Sequoia et de Pin dans le 
Portlandien des environs de Boulogne - sur - Mer. — 
P. Dnhem: Sur la euppression de l'hysteresis magnetique 



par uu champ magnetique oscillant. — Paul Sabatier 
et J. B. Senderens: Preparation directe du cyclohexanol 
et de la cyclohexanone ä partir du phenol. — Janssen 
presente ä l'Academie ,,1'Annuaire des Longitudes pour 
l'annee 1904". — Le Secretaire perpetuel signale 
divers Ouvrages de M. A. Berget et de M. J. W. Gibbs. 

— Hadamard: Sur les equations aux derives partielles 
lineaires du second ordre. — E. Goursat: Sur une 
generalisation de la theorie des fractions continues alge- 
briques. — George Wallenberg: Sur l'equation diffe- 
rentielledeRiccati du second ordre. — Albert Her isson: 
Procede simple permettant d'obtenir, sur la paroi d'un 
cylindre qui tourne, de grandes pressions avee de faibles 
efforts. — Cannevel: Moteur ä combustion par com- 
pression. — J. Mace de Lepinay et H. Buisson: Sur 
une nouvelle methode de mesure des epaisseurs et des 
indices. — Eugene Bloch: Sur Konisation par le phos- 
phore. — A. Blanc: Etüde d'une resistance de contact. 

— A. Perot: Sur les efforts developpes dans le choc 
d'eprouvettes entaillees. — Andre Broca et D. Sulzer: 
La Sensation lumineuse en fonetion du temps pour les 
lumieres colorees. Discussion des resultats. — Aug. 
Charpentier: Emission de rayons« (rayons de Blondlot) 
par l'organisme humain, specialement par les muscles et 
par les nerfs. — Camille Matignon: Action du 
melange oxygene et aeide chlorhydrique sur quelques 
metaux. — Leon Guillet: Sur la Constitution et les 
proprietes des acieis au silicium. — 0. Boudouard: 
Nouvelle methode de determination des points critiques 
des fers et des aciers. — F. Osmond et G. Cartaud: 
Sur les fers meteoriques. — C. ChabrieetA. Bouchonnet: 
Sur la preparation du sesquiseleniure d'iridium. — 
Albert Colson: Sur les acetates alcalino-terreux. — 
Louis Dubreuil: Action des aeides bromosuccinique 
et dibromosucciuique sur les bases pyridiques et quino- 
leiques. — P. Brenans: Sur un nouveau phenol triiode. 

— J. Minguin: Stereoisomerie dans les ethers campho- 
carboniques substitues et l'acide methylhomocamphorique. 
Acide ethylcamphocarbonique. — Maurice Fran gois: 
Jodures de mercurammonium des amineB primaires et 
des amines tertiaires. — P. Carre: Sur l'etherification de 
l'acide phosphorique par la glycerine. — Louis Boutan: 
L'origine reelle des perles fines. — Georges Coutagne: 
Sur les facteurs elementaires de l'heredite. — A. Yer- 
moloff et E. A. Martel: Sur la geologie et l'hydrologie 
souterraine du Caucase occidental. — F. Batelli: La 
pretendue fermentation alcoolique des tissus animaux. 

— A. Boidin: Contribution ä l'etude de Pamylo-coagu- 
lase. — C. Phisalix: Correlations fonctionelles entre les 
glandes ä venin et l'ovaire chez le Crapaud commun. — 
G. Moussu et J. TiBSOt: Les conditions speciales de 
la circulation dans des glandes en activite. — A. Gran- 
didier presente ä l'Academie, au nom de l'auteur 
M. Jules de Schokalsky, le premier fascicule d'un 
Atlas de Geographie. — D. Lechaplain adresse une 
„Note relative ä la direction des aerostates". — Cardin 
adresse une Note „Sur la formation des alcoolates cupro- 
alcalins". 



Terinischtes. 

Das gelegentliche Auftreten einer Herbstblüte 
an Bäumen ist eine bekannte Erscheinung. Die neuen 
Blütenknospen, beispielsweise der Obstbäume, pflegen 
schon Ende August fertig angelegt zu sein. Unter nor- 
malen Verhältnissen würden sie sich erst im nächsten 
Frühjahr entfalten; wenn aber im September oder spä- 
ter günstige Temperaturbedingungen eintreten, so blüht 
eine Anzahl dieser Knospen vorzeitig auf. 

In der Sitzung der Pariser „Societe de Biologie" 
vom 24. Oktober legte nun Herr Jolly blühende Birn- 
und Apfelbaumzweige vor, die nicht durch die Sonnen- 
wärme, sondern durch die Wirkung eines Brandes 
zum Aufblühen gebracht worden waren. Am 2. September 



16 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaft liehe Rundschau. 



1904. Nr. 1. 



brach in Chaussee-sur-Marne, einem Dorfe bei Cbälons, 
Feuer aus, das ein ganzes Viertel des Ortes in Asche 
legte. Das Feuer (bei dem Herr Jolly Augenzeuge 
war) wurde durch einen großen Obstgarten , der mit 
Birn- und Apfelbäumen bepflanzt war, aufgehalten. Un- 
mittelbar hinter den vom Feuer zerstörten Gebäuden 
waren zwei Reihen von Obstbäumen vollständig ver- 
brannt; es ist keine Spur mehr davon vorhanden. Die 
drei folgenden Reihen stehen noch, aber die Bäume sind 
ganz oder größtenteils versengt. An den Bäumen der 
sechsten Reihe ist trotz ernster Schädigungen eine zweite 
Blüte aufgetreten. Die Knospen begannen schon Ende 
September sich zu öffnen ; am Tage seines Vortrages 
hatte Herr Jolly die Nachricht erhalten , daß vier 
Apfelbäume völlig mit Blüten bedeckt seien und daß die 
anderen Bäume, die weniger der Hitze des Brandes aus- 
gesetzt gewesen waren, nur einige Blüten hätten. Die 
mit Blüten bedeckten Bäume haben aber einige Zweige, 
die so weit versengt sind, daß ihre Zerstörung sicher ist; 
man kann an demselben Zweige versengte und neue, grüne 
Blätter mit Blüten sehen. Nach einer anderen Richtung 
machte das Feuer in nächster Nähe von Fliedersträuchern 
(Syringen) Halt, die sich auch völlig mit Blüten bedeck- 
ten; einige Pflaumenbäume trugen auch ziemlich viele 
Blüten. Es hat den Anschein, als ob die Entwickelung der 
Blütenknospen hier durch die Wärme hervorgerufen sei. 
Mau könnte diese Wirkung mit derjenigen vergleichen, die 
beim künstlichen Treiben der Blüten zur Geltung kommt; 
aber sie unterscheidet sich von dieser durch ihre Plötz- 
lichkeit, Stärke und kurze Dauer. Der Brand hatte um 
12'/ 3 Uhr mittags begonnen und war etwa um 4 Uhr zu 
Ende. Was den Mechanismus dieser vermuteten Wärme- 
wirkung betrifft, so ist eine Bemerkung des Verfassers 
über die Bedeutung des austrocknenden Einflusses der 
Wärme auf sexuelle Organe nicht ohne Interesse. Nach 
Giard nämlich hat die experimentelle parthenogeneti- 
sche Entwickelung der Eier eine solche Ursache; die 
Segmentierung geht nach ihm von der Wasserentziehung 
aus. Auch bei gewissen Treibeverfabreu kommt die 
Austrocknung als vorbereitende Behandlung zur Ver- 
wendung. 

Die Mitteilung des Herrn Jolly veranlaßte Herrn 
E. Apert, in der nächsten Sitzung der Gesellschaft darauf 
hinzuweisen, daß nicht unmittelbar die Wärme, sondern 
die Zerstörung der Blätter die zweite Blüte bedingt 
haben könnte. Zur Stütze dieser Behauptung teilte er 
folgende Beobachtung mit. In den letzten Tagen des 
Oktobers 1900 fand er in Terrides (Tarn-et-Garonne) eine 
ganze Fliederhecke in Blüte. Die Sträucher hatten ganz 
das Aussehen wie im April; sie waren mit zartgrünen 
Blättchen und weißen Blütentrauben bedeckt. Eine 100 m 
entfernt stehende Fliederhecke zeigte nichts derart. 
Herr Apert erfuhr, daß die blühenden Sträucher einige 
Monate früher von einem Cantharidenschwarm, der sich 
auf ihnen niedergelassen hatte, vollständig ihrer Blätter 
beraubt worden waren. Im Jahre 1903 konnte Herr 
Apert beobachten, wie dieselben Fliedersträucher von 
Canthariden teilweise abgefressen wurden; aber da die 
Mehrzahl der Blätter diesmal verschont blieb, so ist nur 
ein vermindertes zweites Austreiben eingetreten, und nur 
vier Blütentrauben konnten Ende Oktober gesammelt 
werden. (Comptes rendus de la Societe de Biologie 1903, 
t. LV, p. 1192 et 1265.) F. M. 

Personalien. 

Die Akademie der Wissenschaften zu München hat 
dem Prof. Dr. Rudel in Nürnberg wegen seiner kliina- 
tologischen Untersuchungen die silberne Akademie-Me- 
daille bene merenti verliehen. 

Die belgische Akademie der Wissenschaften in Brüs- 
sel hat den Direktor des anatomischen Instituts der Uni- 



versität Halle Prof. Dr. W. Roux zum auswärtigen 
Mitgliede erwählt. 

Der botanische Verein der Provinz Brandenburg in 
Berlin hat die Herren Prof. H. de Vries (Amsterdam) 
und R. v. Wettstein (Wien) zu Ehrenmitgliedern er- 
nannt. 

Ernannt: F. C. M. Stornier zum ordentlichen Pro- 
fessor für reine Mathematik an der Universität Christia- 
nia; — Privatdozent Dr. H. Veillon in Basel zum außer- 
ordentlichen Professor der Physik und Chemie; — Pri- 
vatdozent der Chemie an der Universität Kiel Dr. Lud- 
wig Berend zum außerordentlichen Professor; — der 
ständige Mitarbeiter am astronomischen Recheninstitut 
der Universität Berlin Adolph Berberich zum Pro- 
fessor; — der Professor der Mathematik an der land- 
wirtschaftlichen Hochschule in Berlin Dr. Reiche! zum 
Geh. Reeierungsrat; — Dr. Friedrich Stereboe zum 
außerordentlichen Professor für Landwirtschaftskunde an 
der Universität Breslau. 

Berufen: Herr Prof. Dr. Study in Greifswald als 
ordentlicher Professor der Mathematik an die Universi- 
tät Bonn, als Nachfolger von Prof. Lippechütz. 

Habilitiert: Dr. C. W. Wirtz, Observator an der 
Kais. Sternwarte für Astronomie an der Universität 
Straßburg. 

Gestorben: Der Professor der Pflanzenphysiologie an 
der Universität Lausanne Jean Dufour, 43 Jahre alt; 
— der Professor der Erd- und Völkerkunde an der tech- 
nischen Hochschule in Dresden Sophus Rüge, 72 Jahre 
alt; — am 18. Dezember der Geologe Robert Ethe- 
ridge F.R.S., 84 Jahre alt; — am 27. Dezember in Mar- 
burg der ordentliche Professor der Mathematik Dr. A. 
Edmund Hess, 60 Jahre alt; — Mitte Dezember in 
Odessa die frühere Leiterin der zoologischen Station in 
Sebastopol Fräulein Dr. Sophie Perejaszlawzena. 



Astronomische Mitteilungen. 

Auf der Yerkes - Sternwarte sind von den Herren 
Frost und Adams bis jetzt spektographisch 63 Sterne 
vom Oriontypus, der namentlich durch kräftige Linien 
des Heliums, Magnesiums, Calciums, Siliciums charak- 
terisiert ist, aber auch Sauerstoff- und Stickstofflinien 
enthält, näher untersucht worden. Bei nicht weniger 
als 23 dieser Sterne konnten Veränderungen der 
Wellenlängen der Spektrallinien, also veränderliche 
Eigenbewegungen nachgewiesen werden. In folgen- 
der Übersicht sind die zehn neuesten Entdeckungen die- 
ser Art nach den Angaben im Dezemberheft des Astro- 
physical Journal zusammengestellt unter Anführung der 
Greuzwerte der berechneten radialen Geschwindigkeiten. 

Stern Größe Geschwindigkeit 

TT Andromedae 4,4. zwischen — 2*km und + 60 km 

I Cassiopeiae 4,8. „ — 5 „ - — 35 „ 

1 „ 4,8. „ - 2 „ „ — 70 „ 

oOrionis 4,6. „ + 19 „ „ +33 , 

i „ 3,0. „ +21 „ „ -j-90 „ 

" „ 4,4- „ +12 „ „ +81 „ 

/Auris;ae 5,0. „ + 12 „ „ + 28 „ 

18Aquilae 5,1. „ — 28 „ „ + 12 „ 

2Lacertae 4,8. „ + 1 n » — 86 , 

6 „ 4,6. „ — 3 „ „ — 24 „ 

Bei 2 Lacertae konnte auf einer Aufnahme außer 
der Geschwindigkeit des Hauptsterns ( — • 16 km) auch 
die des Begleiters gemessen werden; sie erreichte den 
hohen Betrag von — 185 km. Die Positionen der Linien 
von i" Persei führen auf eine Geschwindigkeit von + 85 km, 
die vielleicht auch nur vorübergehend diese Höhe besitzt 
und zu anderen Zeiten von anderen Werten abgelöst wer- 
den wird. Es scheint also fast die Hälfte der Sterne 
vom Oriontypus zu den spektroskopischen Doppelsternen 
zu gehören. — Drei Spektra dieser Klasse, den Sternen 
c Persei , 25 Orionis und ß Piscium angehörend, besitzen 
helle Linien, deren Positionen bis jetzt keine Verände- 
rung aufweisen. A. Berberich. 

Für die Redaktion verantwortlich 
Prof. Dr. W. Sklarek, Kerlin W., Landgrafenstraße 7. 



Druck und Verlag von Kriedr. Vieweg & Sohn in Brannschweig. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 



über die 



Fortschritte auf dem G-esamtgebiete der Naturwissenschaften. 



XIX. Jahrg. 



14. Januar 1904. 



Nr. 2. 



binnenständiger 
des Festlandes 
ihre schön ge- 
jeren Insel- 



F. v. Richthofen : I. Über Gestalt und Gliede- 
rung einer Grundlinie in der Morpholo- 
gie Ostasiens. II. Geomorphologische Stu- 
dien aus Ostasien: Gestalt und Gliede- 
rung der ostasiatischen Küstenbogen. III. 
Die morphologische Stellung von For- 
mosa und den Riukiu-Inseln. IV. Über 
Gebirgskettungen in Ostasien, mit Aus- 
schluß von Japan. V. Gebirgskettungen 
im japanischen Bogen. (Sitzungsber. d. Berl. 
Akad. d. Wiss. 1900, S. 888—925; 1901, S. 782—808; 
1902, S. 944—975; 1903, S. 867—918.) 

(Schluß.) 
III. Diesen beiden Systemen 
und küstenständiger Bogengebilde 
schließen sich seewärts die durch 
schwungenen Formen noch weit au: 
bogen an , welche sich von den Aleuten bis dicht an 
Foruiosa ohne Unterbrechung an einander reihen und 
die, die relativ seichten Randmeere der Innenseite 
von den gewaltigen Tiefen des Ozeans auf der Außen- 
seite trennend , den eigentlichen Kontinentalrand 
Asiens bilden. Sie enden mit den Riukiu-Inseln kurz 
vor Formosa. Eine zweite Reihe insularer Bogen- 
gebilde beginnt südsüdöstlich von dieser Insel, um- 
faßt ganz Indonesien und erreicht erst ihr Ende in 
der Bucht von Bengalen , in der Fortsetzung der 
Linie der Nikobaren und Andamanen. Zu beiden 
Systemen hat Formosa keinen Anschluß, es erscheint 
wie ein neutrales Zwischenglied zwischen ihnen. Auf- 
klärung darüber zu geben scheinen die Verhältnisse 
der benachbarten Inseln, der Riukiu-Inseln im Nor- 
den und von Luzon im Süden, geeignet. Über den 
geologischen Bau der letzteren wissen wir aber zu 
wenig; Verf. muß sich daher, um Analogieschlüsse 
ziehen zu können, auf das Studium der ersteren und 
ihrer Beziehungen zu Formosa und zu Südjapan be- 
schränken. 

In den Riukiu-Inseln läßt sich deutlich eine innere 
vulkanische und eine äußere nicht vulkanische Zone 
unterscheiden. Die äußere Zone umfaßt die drei Insel- 
gruppen Osumi, Oschima-Okinawa und Sakischima. 
Besonders die beiden ersten Gruppen lassen wieder 
eine Außenrandzone und eine innere Kernzone er- 
kennen. Erstere besteht aus gefalteten Tertiärschich- 
ten, letztere aus älteren, vermutlich paläozoischen 
Sedimentgesteinen, die von Granit durchbrochen und 
in Kuppen überragt werden. Diese gliedert sich 



nochmals in zwei parallele Streifen , von denen der 
äußere aus ungefähr nach NW. einfallenden Ton- 
schiefern und Sandsteinen, der innere aus kristalli- 
nem Kalkstein und Quarzit besteht. In der dritten 
Inselgruppe finden sich zwar dieselben Formationen 
vertreten, doch fehlt ihnen der regelmäßige, zonare 
Bau und die konforme Streichrichtung. Jedenfalls 
ergibt sich aus dem Gesagten , daß uns in dieser 
äußeren Inselreihe ein bogenförmiges Gebirge mit 
allen Merkmalen tangentialer Schiebung nach außen 
vorliegt. In Übereinstimmung damit besteht der 
innere Inselbogen aus einer Reihe jungvulkanischer 
Inseln, die parallel dem äußeren Bogen dahinziehen, 
aber auf der Höhe der Okinawa-Gruppe eine bedeu- 
tende Unterbrechung in ihrer südlichen Fortsetzung 
erleiden. Erst die Agincourt-Inseln deuten uns diese 
weiter an. Die westliche Fortsetzung dieser Insel- 
reihen würde quer zur Längsachse die Insel For- 
mosa treffen , die nördliche würde ihre scheinbare 
Fortsetzung in der des südlichen Kiuschiu finden. 
In Wirklichkeit jedoch findet hier ein eigentümliches 
Ineinandergreifen der tektonischen Linien statt. Die 
der Entstehung der Riukiu-Vulkanlinie zugrunde lie- 
genden tektonischen Vorgänge beeinflußten das unter 
SW. — NE. -Streichen in schiefem Winkel zu ihr ge- 
stellte paläozoische Gebirgsgerüst des südlichen Kiu- 
schiu in der Art, daß sich der von der Verlängerung 
betroffene mittlere Teil senkte , während die östlich 
und westlich daran angrenzenden Gebiete als Horste 
stehen blieben. Jedoch war die Bildung dieser lang- 
gedehnten, in der Nordhälfte durch vulkanische Mas- 
sen, in der Südhälfte durch die Bai von Kagoschima 
ausgefüllten Senke nicht das Werk eines einzigen, 
einheitlichen Vorganges, sondern einer Anzahl von 
Einzelsenkungen, die mit zahlreichen Eruptionen vul- 
kanischer Gesteine verknüpft waren. Ein Zeichen 
solcher früher eruptiver Vorgänge ist der Nagasaka- 
Wall, das Fragment einer Somma eines vulkanischen 
Einbruchkessels augitandesitischer Gesteine. Diesem 
Ausbruch folgten weiter südlich fortgesetzte Erup- 
tionen saurer Gesteine, die das Land weithin mit 
ungeheuren Bimssteinmassen überschütteten. Noch 
später entstanden die Kirischima- Vulkane und der 
Vulkan von Sakuraschima. Setzt sich also die vulka- 
nische Innenzone des Riukiu-Bogens weit hinein nach 
Kiuschiu fort, so erreicht doch seine Außenzone vor- 
her schon ihr Ende. Die Richtungen von Streichen 
und Fallen des paläozoischen Schichtenbaues wech- 



18 XIX. Jahr.-. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 2. 



sein vollkommen. Eine Beeinflussung macht sich nur 
insofern bemerkbar, als die äußere Grenzlinie der 
äußeren Riukiu-Zone ihre genaue nordnordöstliche 
Verlängerung in der Linie findet, welche das südliche 
Kiuschiu im Osten begrenzt und dessen Gebirgsland 
quer durchschneidet. Wie bei den binnenständigen 
LandstafFeln des östlichen Asiens hat also auch hier 
der äquatoriale Teil eines Faltungsbogens, von dem 
das südliche Kiuschiu einen Teil bildet, durch meri- 
dional verlaufende Dislokationen eine nachträgliche 
Beeinflussung erfahren. 

Der Grundbau Formosas besteht im wesentlichen 
aus zwei Teilen, nämlich aus dem im allgemeinen 
N. 20°E.— S.20» W. streichenden Taiwan-Gebirge, das 
sich aus einem mächtigen System archäischer kristalli- 
ner Schiefer und einem paläozoischen Schichtenkomplex 
aufbaut, und einem vom Kap Dora-Kaku am Setsu 
vorüber gegen den Kali-san hin, in der Richtung 
E. — W. streichenden Gebirge, das aus Gesteinen der 
paläozoischen Chichibu-Formation besteht. Die Fall- 
richtungen in beiden Gebirgen (nach W. bzw. nach 
N.) weisen in dem einen Falle auf einen Zusammen- 
schub nach E. , im anderen nach' S. hin. Der Dom- 
Kakuzug liegt in der Fortsetzung und bildet einen 
Bestandteil des Außenbogens der Riukiu-Inseln; das 
Taiwan -Gebirge verschwindet im südlichen Formosa, 
ist aber seiner bedeutenden Massenentwickelung 
wegen als das isoliert stehengebliebene Fragment 
eines einst sehr viel größeren bogenförmigen Fal- 
tungsgebirges zu betrachten, das analog allen anderen 
Bogengebilden Ostasiens seine Außenseite dem Ozean 
zuwandte. Der vulkanische Innenbogen der Riukiu- 
Inseln setzt sich westwärts im Rücken des Dom-Kaku- 
Zuges fort. Ihm gehören die Agincourt-Inseln und 
die Vulkangruppe westlich Kilung an. Wie im Riukiu- 
Bogen hat auch das im Taiwan-Gebirge vorhandene 
Bogenstück an seiner Außenseite eine tertiäre Sedi- 
mentzone vorgelagert. Ob hier marine Abrasion vor- 
liegt, oder ob abgesunkene Teile vorliegen, denen 
sich die Sedimente auflagerten , ist bisher noch un- 
entschieden. Letzteres ist aber wahrscheinlicher. Das 
Taiwanbogen -Fragment zeigt wie der Riukiu- Bogen 
eine Konkordanz des inneren Baues und seiner Ab- 
senkungslinien in den der meridionalen Komponente 
entsprechenden Teilen. Wie der japanische Bogen 
erscheinen auch sie als Gebirge, deren äußere Gestalt 
mit dem faltigen Zusammenschub von innen nach 
außen in ursächlicher Beziehung steht. Anderseits 
haben wie im südlichen Kiuschiu die nachträglichen 
Dislokationen im Riukiu- Bogen auch tektouisch auf 
Formosa eingewirkt; sie erfahren ihren bezeichnend- 
sten Ausdruck im Taiwan -Gebirge in dem Abschnei- 
den des alten Gebirgsgerüstes durch die geradlinige 
Taito-Furche und in der Abtrennung des Dom-Kaku- 
gebirges vom Riukiu-Bogen. Also auch hier erkennen 
wir, daß der normale Bau der der äquatorialen Kom- 
ponente zugehörigen Teile früher fertig gebildet war 
als in dem meriodionalen Teil und daß nach dem 
bogenförmigen Zusammenschluß beider die tektoni- 
schen Vorgänge, die dem meridionalen Aste seine 



definitive Gestalt gaben, in den äquatorialen Schenkel 
des zunächst nördlich angrenzenden Bogens umge- 
staltend übergriffen und hier abnorme Quergliederun- 
gen und transversale Zerstückelung herbeiführten. 

IV. Die Natur der bogenförmigen Verbindung 
kann eine verschiedenartige sein: sie entsteht ent- 
weder durch Zusammenschub oder durch Zerrung. 
Die erstere Art bezeichnet der Verfasser als den 
Alpentypus, die letztere als den ostasiatischen Typus. 
Ersterer entspricht vielleicht der Tsinglingschan, letz- 
terer gehören hingegen alle übrigen besprochenen 
Bogengebilde an. Die Verbindung der einzelnen 
Bogen zu großen kontinentalen Zügen ergibt für Ost- 
asien drei Kettungsreihen, von denen die binnenlän- 
dische fortlaufend und vollständig, die Küstenreihe 
fortlaufend aber unvollständig, und die Inselreihe 
unterbrochen ist. Die Reihen sind insgesamt als 
harmonische zu bezeichnen, d. h. als solche, die, von 
einer außerhalb gelegenen, mit ihnen parallelen Linie 
aus gesehen, analoge Bogenrichtung haben. Konkor- 
dant ist eine solche harmonische Kettungsreihe, wenn 
ihre einzelnen Komponenten tektonisch gleichartig 
sind. Dieses trifft zu für die Reihen der Binnenland- 
bogen und der Küstenbogen nördlich des Tsingling; 
betreffs der südlicheren Bogen trifft es für die Ost- 
seite zu, nicht aber mit Sicherheit für die Südseite, 
und der annamitische Küstenbogen erscheint voll- 
kommen als diskordantes Glied. Die Einzelform der 
Kettung ist eine wechselnde: sie kann flankenständig, 
geschleppt, rückgestaut oder epigenetisch sein. Im 
ersten Fall ist die Kettung derartig, daß die eine 
Bogenlinie quer auf die eines anderen trifft. Jedoch 
findet sich hier in Ostasien kein Fall der Flanken- 
kettung, wo ähnlich wie bei der „indischen Scha- 
rung" bei Annäherung an die Berührungsstelle eine 
Rückbiegung der beiden Bogenlinien zu spitzwinklig 
konvergentem Zusammentreffen statthat, sondern 
beide setzen ihre Richtung geradlinig fort und durch- 
dringen sich gegenseitig. Stets sind ein Äquatorial- 
schenkel des einen Bogens und ein Meridionalschenkel 
des anderen Bogens daran beteiligt. Stets legt sich 
der eine davon übergreifend über das Ende des an- 
deren Schenkels; letzterer hört aber nur scheinbar 
auf, seine Strukturlinien greifen vielmehr durch den 
Bau des anderen hindurch, oft bis weit in dessen 
Rückland hinein und sind mit ihm durch umgestaltende 
Querverwerfungen verbunden. Danach lassen sich die 
Flankenkettungen in Ostasien in zwei Gruppen son- 
dern, je nachdem der Äquatorialschenkel oder der 
Meridionalschenkel übergreifend ist. Zur ersten Ab- 
teilung gehören Nord- und Süd-Stanowoi, Süd-Stano- 
woi und Khingan, der äquatoriale Teil des Khingan- 
Bogens und der Taihangschan , tungusischer und 
koreanischer Küstenbogen, Südwest -Japan und Riu- 
kiu-Bogen, Riukiu-Bogen und Formosa, zur zweiten 
hingegen Kamtschatka-Aleuten, Yesso-Kurilen. 

Geschleppte Kettung zeigen die Bogenzüge, die 
mit dem morphologisch von den Bogengebilden ab- 
weichenden , geradlinig fortschreitenden Stamm des 
Tsinling-Gebirges auf dessen Rückseite verbunden sind. 



Nr. 2. 



1904. 



N atur wissen seil aftliohe Rundschau. 



XIX. Jahrg. 19 



Sie richten ihre konvexe Seite nach SE. und sind mit 
ihm verwachsen. Auch weiter nach W. erscheinen 
solche abschwenkende Bogen als allgemeine Eigen- 
tümlichkeit des Landes. Sie erscheinen wie ab- 
gestaut bei der großen südwärts gerichteten Bewegung 
der zu den hohen Wellen der östlichen Kwenlun-Züge 
aufgetürmten Teile der Erdrinde. 

Rückstaukettung zeigen die Bogengebilde südlich 
des Tsinling; durch die südwärts bewegte Masse des 
Gebirges wurden die gestreckten siuischen Falten- 
züge zusammengepreßt und jenem angefügt. Mit der 
Verbreiterung jenes Gebirgstammes verknüpft ist eine 
konvexe Bogenbildung nach NW., eine Krümniungs- 
richtung, die sonst dem östlichen Asien fremd ist. 

Epigenetisch erscheint die Kettung zweier Ge- 
birgsglieder, wenn ein jüngeres Gebirge inkongruent 
über einem älteren, in welchem es wurzelt, steht und 
ihm gegenüber eine neue, von ihm abweichende, 
selbständige, bogige oder gestreckte Gebirgsform her- 
vorruft. Die Art des Verbandes in bezng auf das Ge- 
füge der Unterlage kann ganz verschieden sein. Die 
Ursache solcher Bildung ist in vulkanischen Kräften 
zu suchen. Ein Beispiel dieser Art bildet Japan. 

V. Bezüglich der japanischen Gebirgskettungen 
ergibt sich folgendes : Die Inseln Tsuschima und die 
Goto-Inseln gehören nicht zum japanischen Bau, son- 
dern sind Glieder des koreanischen Bogens. Süd- 
Japan besteht aus zwei verschiedenen selbständigen 
Gebirgen, nämlich einem äquatorial gerichteten, aus 
Gneisen und paläozoischen Schichten aufgebauten, 
postkarbonisch gefalteten und von zumeist postkar- 
bouischen Graniten reichlich durchsetzten, stark ab- 
getragenen Hauptstamm und einer nur noch in einem 
Streifen erhaltenen, aus gefalteten paläozoischen und 
vielleicht algonkischen Schichtgebilden mit spärlichen 
Granitintrusionen bestehenden Gebirgszoue (Kuma- 
Kii-Gebirge), deren ursprünglich in sinischer Richtung 
streichende Falten durch die südwärts bewegte Nord- 
zone zu einem nach NW. konvexen Bugen deformiert 
und mit innerer Stauung in langer Linie an das 
stauende Gebirge augeschweißt wurden. Jener äqua- 
toriale Hauptstamm ist wahrscheinlich eine Verlänge- 
rung des Tsinling -Gebirges, diese angeschweißte Ge- 
birgszone ein östliches Glied des südehiuesischen 
Berglandes. Die Kettung beider Gebirgsglieder ist 
vom Typus der Rückstaukettung. 

Im Gruudbau von Nord-Japan lassen sich drei 
breite, parallele, geradlinig verlaufende, in der Rich- 
tung N.zW- S. zE. streichende, stark gefaltete Zonen 
erkennen, deren innerste, westlichste aus Gneis be- 
steht, während die beiden äußeren aus paläozoischen 
und algonkischen Schichten bestehen. 

Zwei durch Vulkane bezeichnete tektonische Züge 
greifen von außen her in den Bau von Japan ein: 
1. der Riukiu-Zug, der in durchgreifender Flanken- 
kettung, wie oben erörtert, mit dem Kuma-Kii-Ge- 
birge in Süd-Japan verknüpft ist, und 2. der mit den 
Vohano-Inseln, Bonin-Inseln, Schitschito- und ande- 
ren vulkanischen Inseln besetzte Bonin-Rücken und 
seine mit den Vulkanen der Fudji-Reihe besetzte nord- 



nordwestliche Fortsetzung. Mit letzterer verknüpft 
ist eine tiefgreifende Verwerfung. Die verschieden- 
sten Umstände deuten darauf hin, daß der Bonin- 
Rücken mit seiner gleichfalls nicht mehr aufragenden 
nordwestlichen Fortsetzung nach Lage und Richtung 
als vierte äußerste Parallelzoue zu jenen oben er- 
wähnten drei nordjapanischen Zonen zu rechnen ist. 
Seine Existenz weist darauf hin, daß von hier gegen 
Osten ein altes Festland lag, welches sich durch me- 
ridionales Gefüge von dem durch äquatoriale Anord- 
nung ausgezeichneten westlichen unterschied. Wahr- 
scheinlich war es dieses ehemals höher aufragende 
Gebirge, an dessen Westrand das japanische Stück 
des Tsiuling-Gebirges bei seiner südwärts gerichteten 
Gesamtbewegung geschleppt wurde, ganz analog den 
Verhältnissen in China. 

Der Bandai-Vulkanbog n, der das nördliche Japan 
durchzieht, ist eine neue Äußerung der bogenbilden- 
den Kraft und scheint als der erste selbständige Ge- 
fügebogen innerhalb der japanischen Inseln. Er ist 
völlig unabhängig von dem Bau von Japan und hängt 
offenbar mit denselben Kräften zusammen , welche 
die Küstenlinien des Nordflügels gestalteten, ist ihnen 
gegenüber aber selbständig durch seine Einheitlich- 
keit und seinen längeren Verlauf. Da er dem alten 
Bogen als etwas Fremdartiges aufsitzt, kann man 
seine Kettung mit ihm als epigenetisch bezeichnen. 

A. Klautzsch. 

Paul Kretzsclllliar : Über Entstehung und Aus- 
breitung der Plasmaströmung infolge 
von Wundreiz. (Jahrbücher für wissenschattliehe 
Botanik 1903, Bd. XXXIX, S. 272 — 304.) 
Der Protoplasmaströmung in Pflanzenzellen hat 
de Vries auf Grund seiner Untersuchungen (1885) 
eine allgemeine Verbreitung und eine bestimmte Be- 
deutung zugeschrieben: sie sollte die Aufgabe haben, 
die rasche Fortleitung von plastischen Stoffen von 
Zelle zu Zelle zu vermitteln. Es hat sich aber her- 
ausgestellt, daß die Strömung vielfach in normalem 
Zustande nicht vorhanden ist, sondern erst durch 
äußere Ursachen, wie z. B. durch Verletzung, hervor- 
gerufen wird. Für einige Wasserpflanzen (Sagittaria, 
Vallisueria, Elodea) hatten dies schon Frank (1872) 
und Prillieux (1874) gezeigt. Keller (1890) und 
Hauptfleisch (1892) untersuchten eine ganze Reihe 
Landpflanzen und fanden, daß die Plasmaströmung 
in intakten Pflanzen keine so allgemeine Verbreitung 
hatte, wie de Vries sie annahm. 

Frank hat auch gezeigt, daß der Einfluß der 
Verwundung sich nicht auf die der Wundstelle zu- 
nächst gelegenen Zellen beschränkt, sondern daß die 
Verletzung als Reiz wirkt, der sich von Zelle zu Zelle 
fortpflanzt. Die Entstehung der Strömung durch 
Wundreiz und die Fortleitung dieses Reizes näher zu 
untersuchen, war die Aufgabe, die sich Herr Kretzsch- 
mar bei seinen im Leipziger botanischen Institut aus- 
geführten Untersuchungen gestellt hatte. 

Verf. fand nur gewisse Wasserpflanzen (Hydro- 
charitaeeen) für diese Versuche tauglich. Am geeig- 



20 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. 



Nr. 2. 



netsten erwies sich Vallisneria spiralis , wo sich die 
Erscheinung besonders schön im Parenchym der Blät- 
ter beobachten ließ; außerdem kamen Elodea cana- 
densis und densa, endlich auch Hydrocharis morsus 
ranae (Blattstiele) zur Verwendung. Die Untersucbung 
machte mancherlei Vorsichtsmaßregeln notwendig, da 
von Keller und Hauptfleisch nachgewiesen wor- 
den war, daß auch durch plötzliche Temperaturschwan- 
kungeu, Wechsel des Mediums, Änderung des Wasser- 
gehalts, Druck des Deckglases usw. Strömung in in- 
takten Zellen hervorgerufen wird , und da auch der 
Verf. selbst feststellen konnte, daß Biegung und in- 
tensive Beleuchtung die gleiche Wirkung hervor- 
rufen können. Verf. stellte aus einer 24 cm langen 
und 6 ein breiten Glasplatte, die er mit einem 1cm 
hohen Paraffinrand versah, ein Wasserbecken her, in 
das er die aus dem Kulturgefäß genommene ganze 
Versuchspflanze bequem einlegen konnte. Die Beob- 
achtunggeschah direkt im Wasser mit Hilfe der Wasser- 
iinuiersion D* von Zeiß. Das Becken konnte ohne 
Berührung der Versuchspflanze in jeder Richtung 
verschoben werden. Zur bequemeren Messung der 
Strecke, die der Reiz in longitudinaler Richtung 
durchlief, war an der äußeren, dem Beobachter zu- 
gekehrten Längswand des Paraffin walles ein Maßstab 
angebracht. Sorgte Verf. nun dafür, daß die Objekte 
parallel zur Kante jener Wand gelegt wurden, so 
konnte bei sorgfältiger Verschiebung des Wasser- 
beckens die Ausbreitung der Protoplasmaströmung 
ermittelt werden. 

An den unverletzten Versuchspflanzen war selbst 
mit der stärksten Immersion keine Protoplasma- 
strömung wahrzunehmen. Die Anordnung der Chloro- 
phyllkörner, durch deren Fortrücken die Strömung 
bemerklich wird, ist bei diesen Objekten so, daß sie 
den der Außenfläche parallelen Zellwänden anliegen. 
Durchschneidet man nun die Pflanzen und untersucht 
den abgeschnittenen Teil, so bieten sich für einige 
Zeit noch die normalen Verhältnisse dar. Nach eini- 
gen Minuten jedoch sieht man eine Änderung in der 
Stellung der Chlorophyllkörner vor sich gehen. All- 
mählich ordnen sie sich an den Seitenwänden an und 
schließlich werden sie, erst vereinzelt, dann insge- 
samt, von dem in immer stärkere Bewegung geraten- 
den Plasma mit fortgerissen zu lebhafter Rotation. 
Zuerst treten diese Veränderungen in den der Wund- 
fläche zunächst gelegenen Zellen ein, dann schreiten 
sie von Zelle zu Zelle in die entfernteren Teile fort. 
Die Reaktionszeit, d. h. die Zeit, die vom Beginne 
der Verletzung bis /.um Auftreten der Strömung ver- 
streicht, ist nicht immer konstant. Bei Vallisneria 
z. B. betrug sie im Sommer bei etwa 23° C 2 Mi- 
nuten, im Winter bei 12° C dagegen 10 Minuten. 
I*er Rotationsstrom verläuft immer in einer der 
Außenfläche der Zelle parallelen Ebene. Zwei be- 
nachbarte Zellen aber können entgegengesetzte Plas- 
maströmung aufweisen. Auch in derselben Zelle bleibt 
die Strombahn nicht immer konstant. So sah Verf. 
wiederholt, daß in Elodeablättern das anfangs lebhaft 
rotierende Plasma sich an einem Punkte anhäufte, 



für einige Zeit still stand und dann allmählich in 
entgegengesetzter Richtung weiterströmte. 

Über die Fortpflanzung des Reizes ergab die 
Untersuchung folgende Resultate: 

Der die Strömung auslösende Wundreiz setzt sich 
mit größerer Geschwindigkeit in den Leitbündeln 
fort als in den übrigen Geweben. Bei Verletzung 
von Leitbündelzellen pflanzt er sich durch die ganze 
Pflanze in eben diesen Zellen fort. Ohne Verletzung 
dieser Zellen dagegen bleibt seine Ausdehnung auf 
eine gewisse Strecke begrenzt; basalwärts ist dann eine 
größere Ausdehnung zu beobachten als spitzen wärts. 

Die Schnelligkeit der Reizfortpflanzung ist ab- 
hängig von der Schwere der Verletzung. Mit größter 
Geschwindigkeit setzt der Reiz sich bei Schnittver- 
letzung mit gleichzeitiger Durchtrennung der Leit- 
bündel fort, und die Geschwindigkeit wird in diesem 
Falle mit steigender Entfernung von der Wundstelle 
immer größer. Weniger schnell pflanzt sich der Reiz 
bei Stich Verletzung der Leitbündel fort; er erreicht 
auch bald das Maximum seiner Geschwindigkeit, die 
dann bis zu völligem Stillstand verlangsamt wird. 
Die geringste Geschwindigkeit der Reizfortpflanzung 
wird durch eine Schnitt- oder Stichverletzung des 
Parenchyms und der Epidermis ausgelöst; der Reiz 
setzt sich hier, auf eine gewisse Strecke begrenzt, 
zuerst mit zunehmender, dann bald mit abnehmender 
Geschwindigkeit fort. 

Basalwärts pflanzt Bich der Reiz schneller fort 
als spitzenwärts. 

In transversaler Richtung ist die Fortleitung be- 
deutend langsamer als in longitudinaler Richtung; 
jedoch durchläuft der Reiz in derselben Zeit trans- 
versal mehr Zellwände als longitudinal. 

Die Reizwirkung ist meist transitorisch ; sie 
dauert an verletzten Pflanzen ein bis zwei Tage , in 
abgeschnittenen Stücken drei bis sechs Tage. Nur 
abgeschnittene Elodea-Blätter zeigen meist Strömung 
bis zum Tode. 

Der Reizrückgang an abgeschnittenen Blättern 
zeigt sich zuerst in den der Wunde zugekehrten 
Zellen, dann folgen die distaleren Zellen. Die direkt 
der Wunde anliegenden Zellen weisen bis zu ihrem 
Tode Strömung auf. 

Ein Vergleich dieser Untersuchungsergebnisse mit 
den von Tangl, Nestler und Nemec veröffent- 
lichten Beobachtungen über traumatrope Umlagerun- 
gen des Protoplasmas, denen sich noch die vom Verf. 
seltsamerweise nicht erwähnten Arbeiten vun Mi ehe 
anschließen (vgl. Rdsch. 189'9, XIV, 5; 1901, XVI, 
213, 261), ergibt in einigen Punkten eine bemer- 
kenswerte Übereinstimmung, in anderen starke Ab- 
weichungen. Auch diese Umlagerungeu im Zellinhalt, 
die infolge von Verwundung eintreten , pflanzen sich 
von der Wundstelle aus weiter fort, im Leitgewebe 
schneller als in den übrigen Zellreihen. Auch die 
Reaktionszeit ist ungefähr die gleiche, und die lang- 
samere Fortpflanzung des Reizes in akropetaler Rich- 
tung ist ebenfalls von Nemec beobachtet worden. 
Eine weitere Übereinstimmung besteht in den Befun- 



Nr. 2. 



1901. 



Xatur wissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 21 



den über die Verschiedenheit der Fortpflanzungs- 
geschwindigkeit in transversaler und longitudinaler 
Richtung und denjenigen über die Dauer der Um- 
lagerungen. Anderseits zeigen die Ergebnisse hin- 
sichtlich der Ausdehnung des Wundreizes, der Größe 
der erreichten Fortpflanzungsgeschwindigkeit und 
namentlich deren Steigerung (bei Nestler und 
Nemec Abnahme) mit der Entfernung von der 
Wundstelie starke Abweichungen von einander. Übri- 
gens muß hervorgehoben werden, daß die vom Verf. 
beobachteten Erscheinungen mit den von den ande- 
ren Forschern untersuchten trauinatropen Umlagerun- 
gen nicht identisch sind. F. M. 



E. Müller: Über die Lichtabsorption wässeriger 
Lösungen von Kupfer- und Nickelsalzen. 
(Annalen der Physik 1903, F. 4, Bd. XII, S. 767—786.) 
Trifft Licht von der Intensität / auf ein absorbie- 
rendes Medium von der Dicke d, so ist die Intensität des 
austretenden Lichtes V gleich /. 10— *< ( , worin £, der „Ex- 
tinktionskoeffizient", für das absorbierende Medium cha- 
rakteristisch und von der Wellenlänge abhängig ist. Ist 
das Absorbens in einem farblosen Lösungsmittel gelöst, 
so ändert sich e mit der Konzentration c, und zwar ist 
nach dem I! eerscheu Absorptiousgesetz der Extinktions- 
koeffizient für die Konzentration c, also e c = A . c, wo A, 
der „molekulare" Auslöschungskoeffizient, von der Kon- 
zentration unabhängig ist. In Wirklichkeit aber ist das 
Beer sehe Gesetz nur in wenig Fällen richtig, und in 
der Regel ändert sieh A mit c, so daß statt A stets A c 
zu setzen ist. Diese Abweichung vom Beer sehen Gesetz 
erklart sich wenigstens bei den Lösungen von Elektro- 
lyten damit, daß die Lösung nicht bloß eine Verdünnung 
der gelösten Moleküle, wie Beer annahm, sondern auch 
eine von der Konzentration abhängige Dissoziation be- 
wirkt. Aus dieser Theorie zog Knoblauch (Rdsch. 
1891, VI, 567) folgende Schlüsse über die Abhängigkeit 
der Lichtabsorption von der Konzentration der elektro- 
lytischen Lösungen: 1. Das Absorptionsspektrum der kon- 
zentrierten, wenig dissoziierten Lösung eines Körpers 
muß verschieden f-ein von demjenigen der sehr verdünnten, 
nahezu vollkommen dissoziierten; 2. das Absorptions- 
spektrum verschiedener Salze desselben gefärbten Metalls 
(bzw. derselben gefärbten Säure) muß bei hinreichender 
Verdünnung, bei welcher der Grenzzustand der Disso- 
ziation erreicht ist, das gleiche werden. Diese Theorie 
ist von Ostwald durch zahlreiche Messungen vollkommen 
bestätigt worden. 

Die zahlreichen über die Lichtabsorption ausgeführten 
Versuche sind fast ausschließlich qualitativ, und die, 
Knobl auch - Ostwaldsche Theorie über die Licht- 
absorption verdünnter Lösungen solcher Salze, die ein 
gemeinsames farbiges Ion besitzen, deren anderes Ion 
aber farblos ist, war noch nie quantitativ geprüft worden. 
Herr Müller hat daher im Berliner physikalischen 
Institut den Einfluß der Konzentration auf den mole- 
kularen Extinktionskoeffizienten wässeriger Kupfersalz- 
lösungen für ein möglichst weites Wellenlängengebiet 
und möglichst viele Konzentrationen messend verfolgt 
und einige qualitative Bestimmungen an wässerigen 
Nickelsalzen zugefügt. Zu den Versuchen diente ein nach 
den Angaben von Martens hergestelltes Kolorimeter, 
in dem zwei von einer Nernstlampe kommende Strahlen- 
bündel durch zwei gleiche Röhren geschickt wurden, die 
eine mit der zu untersuchenden Lösung, die andere mit 
dem Lösungsmittel gefüllt; die beiden Lichtstrahlen ge- 
langten sodann zu einem Lummer - Brodh uu sehen 
Würfel, und die Absorption des einen Lichtbündels wurde 
in bekannter Weise gemessen. Diese Messungen wurden 
in den verschiedenen Bezirken des Spektrums ausgeführt 
an Kupfersulfat, Kupferchlorid, Kupferbromid , Kupfer- 



nitrat, Kupferacetat und Kupferchlorat; ebenso wurden 
die gleichen Salze des Nickels, diese jedoch meist nur 
qualitativ, untersucht. Die gewonnenen Resultate waren 
folgende: 

1. Das Cu übt im sichtbaren Gebiet in den ver- 
dünnten Lösungen aller untersuchten Kupfersalze, sowie 
in den konzentrierten Lösungen von CuS0 4 , CuCI 2 , ('uBrj 
die gleiche Absorption aus, und zwar absorbiert das 
Cu das rote Ende des sichtbaren Spektrums. In den 
verdünnten Lösungen tritt außer dieser durch Cu be- 
wirkten Absorption keine weitere auf. Das gleiche ist 
in der konzentrierten Lösung von CuSO, der Fall; hin- 
gegen tritt in den konzentrierten Lösungen von CuCl 2 
und CuBr 2 zu der Absorption im Rot noch eine im Blau 
und Violett hinzu, welche wahrscheinlich durch Cl„ bzw. 
Br s bedingt wird. In den konzentrierten Lösungen von 
Cu(N0 3 ) s und Cu(C s ,H 3 O s ) 2 tritt zu der Cu-Absorption 
der verdünnten Lösung noch eine weitere im Rot hinzu. 

2. Bei zunehmender Verdünnung nimmt der mole- 
kulare Extinktionskoeffizient bei den untersuchten Kupfer- 
salzen einen bestimmten Grenzwert A an; ist dieser er- 
reicht, so ist weitere Verdünnung auf die molekulare 
Lichtabsorption ohne Einfluß. Der Grenzwert A ist in 
Übereinstimmung mit der Knobla uch-Os t waldschen 
Theorie im ganzen sichtbaren Gebiet für alle untersuchten 
Kupfersalze der gleiche; dalier ist die molekulare Ex- 
tinktionskurve der verdünnten KupfersalzlÖBungen für 
die Absorption des Cu charakteristisch. 

3. Audi bei den Nickelsalzen ist dasßeersche Gesetz 
im allgemeinen nicht erfüllt; die Abweichungen sind hier 
von derselben Art wie bei den entsprechenden Kupfer- 
salzen; sie sind jedoch außer bei NiCl 2 und NiBr 2 äußerst 
gering. Auch die Nickelsal/.e weisen bei genügender 
Verdünnung den gleichen grünen Farbenton auf, obwohl 
die konzentrierten Lösungen zum Teil sehr verschiedene 
Farbe besitzen ; dieser Farbenton ist demnach für Ni 
charakteristisch, und zwar absorbiert Ni das rote und 
das blaue Ende des sichtbaren Spektrums. 

4. Diejenigen Salzlösungen, bei denen das Beer sehe 
Gesetz im ganzen sichtbaren Gebiet erfüllt ist, zeigen 
keine Abhängigkeit ihrer Farbe von der Temperatur, 
während auf die Farbe der anderen untersuchten Salz- 
lösungen Temperaturerhöhung denselben Einfluß hat wie 
Vergrößerung, Abkühlung denselben wie Verringerung 
der Konzentration. 

Alle diese Tatsachen stimmen mit den eingangs ge- 
gebenen theoretischen Betrachtungen vollkommen überein. 



A. Fowler und Howard Payn: Die Spektren metal- 
lischer Bogen in einer evakuierten Kugel. 
(t'roceeJings of the Royal Society 1903, vol. LXXII, 
p. 253—257.) 
Um zu prüfen, ob die im Bogenspektrum des Mag- 
nesiums auftreteuden Banden von etwaigen Verbindun- 
gen des Metalls mit den Gasen außerhalb des Bogens 
herrühren , versuchten die Verff. das Spektrum zu pho- 
tographieren, wenn der Bogen in einer evakuierten Kugel 
erzeugt wird. Hierbei erschien zwar der bei i. 5007.5 be- 
ginnende Streifen sehr bedeutend geschwächt, aber die 
Streifen, welche von Liveing und De war dem Mag- 
nesiumhydrid zugeschrieben wurden, waren sehr stark 
entwickelt. Außerdem erschien die starke Funkeulinie 
'/. 44sl,3, die im gewöhnlichen Bogenlicht in Luft fast 
unsichtbar ist, sehr stark; sie ist bekanntlich in jüngster 
Zeit von verschiedenen Forschern untersucht worden 
(vgl. Rdsch. 1901, XVI, 12; 1903, XVIII, 188, 237), doch 
war bisher das Bogenspektrum im Vakuum noch nicht 
untersucht, so daß die Verff. es für angezeigt hielten, 
ihre Ergebnisse kurz mitzuteilen und durch eine bei- 
gegebene Tafel zu erläutern. 

Die Versuche wurden in einer Glaskugel von etwa 
1 Liter Kapazität angestellt, in welche durch zwei Hälse 
Stäbe des zu untersuchenden Metalls luftdicht eingeführt 
werden konnten und die mit einer Luftpumpe kommuni- 



22 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 2. 



zierte. Die Polstücke standen einander sehr nahe, so 
daß es leicht war, zwischen ihnen den Lichthogen zu er- 
zeugen ; freilich konnte nur kurze Zeit beohachtet wer- 
den, weil die Pole schnell wegbrannten und ein Nieder- 
schlag an dem Glase sich absetzte; gleichwohl war es 
möglich, nach jeder Herrichtung des Apparates zwei oder 
drei Photographien zu erhalten. Die Verdünnung wurde 
möglichst weit getrieben, gewöhnlich war der Druck bei 
Begiun des Bogens 1 bis 2 mm. 

Untersucht wurden die Spektren von Magnesium, 
Zink, Cadmium und Eisen, und die im Vakuum stärker 
auftretenden, sowie die neu erscheinenden Linien wurden 
im Gegensatz zu den Spektren derselben Metalle, wenn 
der Bogen in der atmosphärischen Luft brennt, beschrie- 
ben. Die Verff. zogen aus ihren Messungen den folgen- 
den Schluß: „Soweit die Experimente reichen, scheinen 
sie dafür zu sprechen, daß die Änderungen der Bogen- 
spektra in einer evakuierten Kugel von der Anwesenheit 
des Wasserstoffs herrühren möger, der aus den erhitzten 
Polen frei gemacht worden. Es ist bereits hervorgehoben, 
daß eine der Wirkungen einer Wasserstoffatmosphäre 
auf einen Metall-Bogen darin besteht, in das Spektrum 
verstärkte Linien einzuführen, und die Anwesenheit des 
Wasserstoffs unter den neuen Versuchsbedingungen ist 
beim Magnesium und Zink angezeigt durch das Auftreten 
der Linie H-i und im Magnesium, Zink und Cadmium 
durch die Kannelierungen, die bekanntlich bei Anwesen- 
heit von Wasserstoff erscheinen. 

Wie bekannt, ist der Wasserstoff in vielen Metallen 
okkludiert, und Versuche, die relativen Gasmengen zu 
bestimmen, welche beim Erhitzen im Vakuum abge- 
geben werden, zeigen, daß diese Mengen ungefähr pro- 
portional sind den relativen Helligkeiten der verstärkten 
Linien, welche auftreten, wenn der Bogen in der evakuier- 
ten Kugel sich entwickelt; das heißt, Magnesium und 
Zink geben die größten Mengen von Gas ab, Cadmium 
die kleinsten und Eisen eine mittlere Menge. Die schein- 
bare Abwesenheit der Linie F in den Spektren des Cad- 
miums und Eisens in einer evakuierten Kugel kann somit 
herrühren von ihrer geringen Intensität wegen der klei- 
neren Menge von Gas, die ausgetrieben wird, während 
das Eehlen der »Hydrid«-Streifen beim Eisen vielleicht 
erklärt werden kann durch die Annahme, daß der Wasser- 
stoff sich nicht mit dem Eisen verbindet." 



J. C. Blake: Die Farben des allotropen Silbers. 

(American Journal of Science 1903, ser. 4, vol. XVI, 

p. 282—288.) 

Über die Allotropie des Silbers sind schon viele 
Untersuchungen veröffentlicht, unter deren Ergebnissen 
wohl zu den interessantesten die schönen Farbeneffekte 
gehören, welche Carey Lea beschrieben hat. Eine Er- 
klärung dieser Erscheinungen ist bisher noch nicht ge- 
geben, weshalb Verf. eine Wiederholung der meisten in 
der Literatur angegebenen Versuche sowohl über ätio- 
tropes, wie über kolloidales Silber vorgenommen, die ihn 
zu ganz bestimmten Schlüssen geführt. Er fand, daß 
alle beobachteten Farbeneffekte erklärt werden können 
durch die Aunahme von drei oder vielleicht vier allo- 
tropen Formen des Silbers. Daß die Farbeneffekte viel 
mannigfaltiger sind, erklärt sich einerseits dadurch, daß 
das reflektierte und das durchgegangene Licht einander 
komplementär sind, daß sich verschiedene allotrope 
Formen des Silbers miteinander mischen können und daß 
stärkere odei geringere Verunreinigung des Silbers durch 
fremde farbige Körper verändernd wirken kann. 

Diese vier Formen des Silbers sind das „weiße" Sil- 
ber (im reflektierten Lichte fast weiß, im durchgehenden 
fast undurchsichtig, selbst in dünnster Schicht), das 
„blaue" Silber (im reflektierten Licht goldgelb, im durch- 
gehenden blau), das rote Silber (im reflektierten Licht 
indigoblau, im durchgehenden rot) und das „gelbe" Sil- 
ber (im reflektierten Licht indigoblau, im durchgehen- 
den gelb). Alle vier Modifikationen des Silbers wurden 



im Wasser suspendiert erhalten, aber nur das blaue und 
das rote Silber waren beständig und bildeten kolloidale 
Lösungen. 

Aus der Beschreibung der verschiedenen Methoden 
zur Darstellung der einzelnen Silberformen — 48 ver- 
schiedene Reaktionen und ihre Ergebnisse sind in einer 
Tabelle übersichtlich zusammengestellt — sei hier nur 
erwähnt, daß das „weiße" Silber durch Behandlung von 
rotem und blauem Silber mit großen Mengen starker 
Säuren gewonnen wird und somit stets sich bildet, wenn 
Silber aus stark saurer Lösung ausgeschieden wird. Hin- 
gegen entsteht „blaues" Silber nach sehr verschiedenen 
Methoden , wenn Silber in neutraler oder alkalischer 
Lösung reduziert wird bei Anwesenheit kleiner* Mengen 
von Elektrolyten und wenn nicht zuviel organische Sub- 
stanz vorhauden ist. Gelbes Silber und rotes Silber wer- 
den am besten und leichtesten nach Leas Methoden er- 
halten , ersteres durch Einwirken von Rochellesalz und 
Feirosulfat auf eine Silbernitratlösung, letzteres durch 
Reduktion einer Lösung von Silbernitrat durch Ferro- 
citrat bei Anwesenheit von etwas freiem Alkali. 

Wärme und Druck verwandeln blaues Silber leicht 
in weißes. Sind die Silberformen als Spiegel auf Glas 
ausgebreitet, so gehen sie unter dem Einfluß der Wärme 
und spontan in einander über, besonders gelbes Silber in 
rotes, und beide in blaues. Diese Umgestaltungen be- 
wirken, daß in den meisten Fällen der blauen Färbung 
der Lösung eine rote, braune, grüne oder purpurne Farbe 
vorausgeht. Ohne Zusatz von organischer Substanz oder 
typischer unorganischer Kolloide war es nicht möglich, 
beständige Lösungen von rotem Silber herzustellen, und 
gelbes Silber konnte überhaupt nicht in stabiler Lösung 
gewonnen werden, so daß das gelbe Silber wahrschein- 
lich nur als Varietät des roten aufgefaßt werden muß. 
Vorläufig können somit nur die drei Formen, das weiße, 
das blaue und das rote Silber, als hinreichend charak- 
terisierte Modifikation betrachtet werden. 



0. Colinheim: Die Kohlenhydratverbrennung in 
den Muskeln und ihre Beeinflussung durch 
das Pankreas. 1. Mitteilung. (Zeitschr. f. physiol. 
Chemie 1903, Bd. XXXIX, S. 336—349.) 
R. Hirsch: Über die glykolytische Wirkung der 
Leber. (Beitr. z. ehem. Phys. u. Path. 1903, Bd. IV, 
S. 535 — 542.) 

Bekanntlich werden in den Muskeln große Mengen 
von Traubenzucker verbrannt, und diese Verbrennung ist 
nach den heutigen Anschauungen wohl durch ein in den 
Muskeln enthaltenes Ferment bewjrkt. Bisher ist in- 
dessen nur ein äußerst schwaches glykolytisches Ferment 
in den Muskeln beschrieben worden, und die Glykolyse 
im Blute ist auch viel zu klein, als daß durch sie die 
Umsetzung von mehreren hundert Gramm Dextrose im 
Organismus erklärt werden könnte. Bei der entscheiden- 
den Rolle, die das Pankreas im Zuckerstoffwechsel spielt, 
suchte man auch in dieser Drüse nach einem zucker- 
spaltenden Ferment, jedoch bisher ohne Erfolg. (Die 
positiven Resultate von Simacek — Rdsch. 1903, XVIII, 
510 — sind im wesentlichen auf eine Wirkung durch 
Bakterien zurückzuführen.) 

Herr Co hn heim hat nun versucht, Muskel und 
Pankreas zu kombinieren und nachzusehen, ob nicht 
beide Organe zusammen ein glykelytisebes Ferment 
enthalten, das ihnen getrennt abgeht. Dies war tatsäch- 
lich der Fall. Aus dem Gemenge von Muskel und 
Pankreas von Hunden und Katzen konnte Verf. durch 
sorgfältige Zerkleinerung und Auspressen eine zellfreie 
Flüssigkeit gewinnen, die zugesetzten Traubenzucker so 
verändert, daß er nicht mehr durch die Reduktion nach- 
gewiesen werden kann, während der Saft der einzelnen Or- 
gane unwirksam ist. Die Versuche wurden so ausgeführt, 
daß zu dem erhaltenen Preßsaft Traubenzucker in be- 
kannter Menge zugesetzt und in einem Teil der Zucker- 
gehalt nach Entfernung des Eiweißes bestimmt wurde; der 



1904. 



X a t ur \v i s s e n s c h a f 1 1 i c h e Rundschau. 



XIX Jahrg. 23 



übrige Teil wurde mit großen Mengen Toluol versetzt 
und bei Körpertemperatur, teils mit, teils ohne Luft- 
durehleitnng, stehen gelassen. Nach einer bestimmten 
Zeit wurde das Eiweiß koaguliert und im Filtrat von 
neuem der Zucker bestimmt. 

Wie die mitgeteilten Versuche zeigen, sind Muskeln 
und Pankreas zusammen befähigt, Zucker zu zerstören, 
Pankreas allein dagegen gar nicht, Muskeln auch gar 
nicht oder nicht in nennenswertem Maße. Auch ist 
diese Zuckerverbrennung groß genug-, um mit den Ver- 
hältnissen im lebenden Körper verglichen zu werden. 
Über die Isolierung der beiden Fermente und die Spal- 
tungsprodukte, von denen bisher nur Kohlensäure nach- 
gewiesen wurde, wird Verf. demnächst berichten. Um 
die Zweckmäßigkeit dieses Zusammenwirkens von Mus- 
kel und Pankreas zu verstehen, muß man annehmen, 
daß das zuckerspaltende Enzym in den Muskeln nur in 
dem Maße, wie es erforderlich ist, aktiviert wird. Die 
Aktivierung wird aber durch einen Stoff bewirkt, den 
die innere Sekretion des Pankreas liefert. 

Zu ganz ähnlichen Resultaten kam Frl. R. Hirsch 
in ihren vollkommen unabhängig von den obigen an- 
gestellten Versuchen über die glykolytische Wirkung der 
Leber. Zunächst konnte Verfasserin nachweisen, daß 
Leberbrei unter Toluol zugesetzten Traubenzucker stets 
angreift. Die Abnahme des Traubenzuckers tritt langsam 
ein und erreicht selbst bei monatelanger Digestion meist 
nur einen Wert von 20 bis 30%, selten bis 50% des ur- 
sprünglichen Kohlenhydratgehaltes. Die Menge des ver- 
schwundenen Zuckers steigt deutlich mit der Größe des 
Zusatzes; bei sehr ungleichem Gehalt an Gesamtkohlen- 
hydrat kann daher die Abnahme prozentisch ziemlich 
gleich, in absoluten Werten sehr verschieden sein: mög- 
licherweise handelt es sich um eine Gleicbgewichtsreak- 
tiou. Es ist nun von großem Interesse, daß Zusatz von 
Pankreasbrei — der allein für sich, nach den Untersuchun- 
gen der Verf. , in Übereinstimmung mit den Befunden 
von Umber und 0. Cohnheim, nicht zuckerzerstörend 
wirkt — zu dem Leberbrei auf die Zuckerabnahme 
einen mächtig fördernden Einfluß ausübt. Nach acht- 
tägiger Digestion beträgt bei Paukreaszusatz der Zucker- 
verlust regelmäßig 60% des Anfang=gehaltes, eine Höhe, 
wie sie ohne Zusatz auch bei viel länger dauernder Ein- 
wirkung in keinem Falle erreicht wurde. Weitere Ver- 
suche müssen die entstehenden Umwandlungsprodukte 
entscheiden; eine alkoholische Gärung konnte bei der 
Glykolyse nicht nachgewiesen werden. 

Über die Rolle, welche Leber und Pankreas im Tier- 
körper spielen, bildet sich Verfasserin eine ähnliche Vor- 
stellung wie Herr Cohnheim bei seinen oben erwähn- 
ten Untersuchungen. „Die Leber besitzt das Vermögen, 
ihr zuströmenden Zucker zu verändern; dieses Vermögen 
ist aber an die Bedingung geknüpft, daß ihr vom Pan- 
kreas aus ein dazu absolut nötiges — an sich allein un- 
wirksames — Agens, vermutlich ein Proferment oder 
eine Kinase, zugeführt wird. Die frisch isolierte Leber, 
die eben erst aus der Verbindung mit dem Pankreas ge- 
löst worden ist, besitzt naturgemäß noch etwas von dem 
zugeführten Agens und damit in wechselndem Maße gly- 
kolytische Wirkung. Zusatz von Pankreas steigert diese 
Wirkung." P. R. 

E.Teichmanii: Die frühe Entwickelung der Cepha- 
lopoden. (Mitt. d. deutschen zoolog. Gesellschaft 1903, 
Bd. XIII, S. 42—52.) 

Die ersten Entwickelnngs Vorgänge bei den Cephalo- 
poden waren bisher nur in wenig befriedigender Weise 
ärkannt worden. Xamentlich war man über die Bedeu- 
iung der unteren Zellschicht des zweischichtigen Em- 
jryonalstadiums nicht zur Klarheit gekommen. Technische 
Schwierigkeiten beim Schneiden des sehr spröden Dotters 
ind leichte Verletzbarkeit der jungen Keimstadien beim 
äerauspräparieien derselben aus ihren Hüllen erschweren 
He Untersuchung. Ein besonders reiches Material von 



Loligo - Embryonen der verschiedensten Entwickelungs- 
stufen ermöglichte nun Herrn Teichmann, diese Schwie- 
rigkeiten zu überwinden und die ersten Entwickelungs- 
vorgänge in einigen wesentlichen Punkten aufzuklären. 
Es gelang dem Verf. zunächst, das Hervorgehen des 
Dotterepithels aus einzelnen, über den Dotter vorge- 
schobenen Zellenpartien der einschichtigen Kiimscheibe, 
welches bereits früher vermutet wurde, durch direkte 
Beobachtung zu erweisen. Gleichzeitig mit diesem Vor- 
gange erfolgt nun am Rande der Keimscheibe die Zell- 
wucherung, die zur Bildung der zweiten unteren Zellen- 
schicht führt. Während man jedoch bisher annahm, daß 
diese Zellwucherung gleichmäßig im oanzen Umfang der 
Keimscheibe vor sich gehe, fand Herr Teichmann, daß 
dieselbe in einer bestimmten Region beginnt und erst 
allmählich die gegenüberliegende Stelle erreicht. So 
bleibt an dieser letzteren Stelle anfangs eine Lücke bzw. 
eine Einkerbung der unteren Zellschicht, welche so lange 
besteht, bis die ersten Organanlagen deutlich hervortreten. 
Die Wichtigkeit dieser Tatsache liegt darin, daß sie 
es ermöglicht, die Keimscheibe schon in ganz frühen 
Entwickelt!' gsstadien genau zu orientieren. Es kounte 
auf diese Weise nachgewiesen werden, daß die Einwuche- 
rung der Zellen stets in der Gegend des späteren Afters 
beginnt und daß sie zuletzt die Mundgegend erreicht. 
Durch diese Einwucherung wird nun zunächst ein zwei- 
schichtiges Keimstailium erzeugt; die bei Beginn des 
Wucherungsprozesses in mehreren Schichten überein- 
anderliegenden Zellen ordnen sich im weiteren Verlauf 
in einer einzigen unteren Schicht an. 

Die vom Verf. nachgewiesene Möglichkeit, schon sehr 
junge Keimstadien richtig zu orientieren, ermöglichte 
ihm weiter, die erste Anlage der Genitalzellen bis an die 
Grenze des zweischichtigen Stadiums zurück zu verfolgen. 
Die diese erste Anlage bilde; den Zellen wuchern gleichfalls 
von der Aftergegend aus, von der äußeren Keimschicht 
zwischen dieser und die innere hinein, während gleich- 
zeitig von hier aus eine mittlere Schicht sich zwischen 
den beiden ersten ausbreitet und, allmählich zur späteren 
Mundregion vorseht eitend, jene b iden auseinanderdrängt. 
Da sich nun, wie Verf. sehr wahrscheinlich machen konnte, 
aus der unteren, zuerst eingewucherten Zellschicht der 
Mitteldarm nebst seinen Anhängen entwickelt, so ist diese 
— und nicht, wie frühere Autoren dies annahmen, das 
Dotterepithel — als Entoderm, die später einwuchemde 
mittlere Schicht dagegen als Mesoderm aufzufassen. Diese 
Befunde sind deshalb von allgemeinem Interesse, weil 
sie die Entwickelung der Cepbalopoden aus ihrer bis- 
herigen Ausnahmestellung herausbringen und in ihren 
wesi ntlichen Zügen der der übrigen Tiergruppen an- 
schließen. R. v. Hanstein. 

Wyndhani R. Dunstan und Thomas A. Henry: Cyano- 
genesis in Pflanzen. III. Teil. Über Phaseolu- 
natin, das cyanogenetische Glykosid von 
Phaseolus lnnatus. (Proceedings of the Royal Society 
1903, vol. LXXII, p. '285—294.) 
Die Mondbohne, Pliaseolus Imatus, ist eine einjäh- 
rige, wahrscheinlich aus Südamerika stammende Pflanze, 
die jetzt überall in den Tropen angebaut wird. Ihre 
Früchte sind halbmondförmig und enthalten nur zwei 
oder drei Samen. Diese Samen sind nach Jacob de 
Cordemoy (Flore de la Reunion) bei den wildwachsen- 
den Pflanzen violett, bei den im halbkultivierten Zustande 
befindlichen hellbraun mit violetten Färbungen oder 
Flecken und bei den kultivierten Pflanzen weiß. Die von 
der wilden (wohl richtiger: verwilderten) Pflanze erzeug- 
ten Bohnen werden auf Mauritius Pois d'Achery, die von 
der halbkultivierten Pflauze stammenden Pois amers ge- 
nannt, während das kultivierte Produkt Pois Adam oder 
Pois Portal, in den Euglisch sprechenden Kolonien Lima- 
oder Duffinbeans heißt. 

Während man an den weißen, kultivierten Bohnen 
niemals giftige Eigenschaften beobachtet hat, sind die 



24 XIX. Jahrs. 



Naturwissenschaftliche Run dach au. 



1904. Nr. 2. 



farbigen Bohnen und die ganzen Pflanzen im halbkul- 
tivierten Zustande häufig als giftig erkannt worden. 
Herr Boname, der Leiter der landwirtschaftlichen Ver- 
suchsstation auf Mauritius, fand (1900), daß die zer- 
quetschten und mit Wasser befeuchteten Samen Blau- 
säure entwickeln. Der Cyanwasserstoff ist in der i'fianze 
nicht als solcher enthalten, sondern wahrscheinlich in 
Form eines Glykosids, das durch ein hydrolytisches Enzym 
gespalten wird. Weder das Glykosid noch das Enzym 
wurde isoliert. Nicht nur die Samen, sondern auch die 
anderen Teile der Pflanze liefern, wie Boname fand, 
Blausäure, wenn auch in geringerer Menge. Später unter- 
suchte van Romburgh die frischen Pflanzen und fand, 
daß sie. zerquetscht, mit Wasser befeuchtet und destilliert, 
Cyanwasserstoffsäure und Aceton liefern ; die gleichzeitige 
Entstehung dieser beiden Verbindungen wurde von Rom- 
burgh auch bei mehreren anderen Pflanzen, namentlich 
Manihot utilissima (Kassave) beobachtet. 

Die Verff. haben nun in Fortführung ihrer Unter- 
suchungen über Blausäurebildung in Pflanzen (vgl. Rdsch. 
1902, XVII, 553) das Verhalten der „Pois d'Achery" ge- 
nannten Bohnen näher untersucht, wozu sie das Material 
durch Herrn Boname aus Mauritius erhielten. Es ge- 
lang ihnen, das Glykosid, für das sie den Namen Phaseo- 
lunatin vorschlagen, zu isolieren und in Kristallform 
zu erhalten. Es bildet Rosetten aus farblosen Nadeln 
von '/ 2 bis 1 Zoll Länge, schmilzt bei 141° C, ist unlös- 
lich in absolutem Alkohol, Äther und Petroleum, löst 
sieh aber etwas in Aceton, Chloroform und Äthyl- 
acetat, sowie in wasserhaltigem Alkohol. Die Verbren- 
nung führte auf die Formel C 10 H, 7 O 6 N, deren Richtigkeit 
durch Schätzung des bei Hydrolyse gebildeten Zuckers 
(Dextrose) bestätigt wurde. Diese Umsetzung geht nach 
folgender Gleichung vor sich: 

C I0 H l7 6 N 4- H,0 = C 6 H ls O, + (CH 3 ) 4 CO -f UCN 

Phaseolunatin Dextrose Aceton Cyanwasserstoff 

Bezüglich der sonstigen chemischen Eigenschaften 
des Glykosids muß auf die Originalarbeit verwiesen werden. 
Seiner Konstitution nach stellt es sich als Dextroseäther 
des Acetoncyanhydrins dar. Durch den Besitz eines 
aliphatischen Kerns unterscheidet es sich von den cyano- 
genetischen Glykosiden Amygdalin, Lotusin und Dhurrin, 
die aromatische (benzenoide) Kerne enthalten. Die spe- 
zifische Drehung des Phaseolunatins ergab sich zu [«] ZJ 
= — 26,2°. 

Das hydrolytische Euzym von Phaseolus lunatus wurde 
in der gewöhnlichen Weise als ein amorphes, weißes Pulver 
erhalten, das in Wasser fast völlig löslich ist und die 
Glykoside Amygdaiiii, Salicin und Phaseolunatin hydro- 
lysiert. Das Phaseolunatin wird auch vom Emulsin der 
süßen Mandeln gespalten, so daß beide Enzyme wahr- 
scheinlich identisch sind. 

In ihren beiden früheren Arbeiten wiesen die Verff. 
darauf hin, daß die Gegenwart cyanogenetischer Glyko- 
side in Lotus arabicus und Sorghum vulgare auf die- 
jenigen Teile der Pflanze beschränkt ist, in denen leb- 
hafter Stoffwechsel herrscht, daß das Glykosid verschwindet, 
wenn die Pflanze reif wird, und daß es in den Samen nicht 
vorhanden ist. Bei Sorghum vulgare scheint die Kultur 
die Erzeugung des Glykosids nicht zu vermindern. Phaseo- 
lus lunatus verhält sich anders als diese Pflanzen, denn 
wie Herr Boname gezeigt hat, liefert die reife, halb- 
kultivierte Pflanze Blausäure und, wie die Verff. in der 
vorliegenden Arbeit nachweisen, enthallen die Samen der 
wilden Pflanze von Mauritius beträchtliche Mengen des 
cyauogenetischen Glykosids Phaseolunatin, das aber in 
den Samen derselben Pflanze nach systematischer Kultur 
fehlt. Phaseolus gleicht in dieser Hinsicht den Mandeln. 
Auch die süßen Mandeln, die, wie Verff. meinen, vielleicht 
ein Kulturprodukt sind, enthalten kein Amygdalin. „Die 
Ursache des Verschwindens der cyanogeuetischen Gly- 
koside aus den Samen von Phaseolus lunatus und der 
bitteren Mandel ist wahrscheinlich in dem Reiz zu suchen, 



den die bessere Ernährung und Umgebung auf den Stoff- 
wechsel ausübt. Diese Bedingungen führen, wie wohl- 
bekannt ist, zu rascherer Ausnutzung plastischer Stoffe, 
mit dem Erfolge, daß sehr wenig oder möglicherweise 
nichts von dem cyanogeuetischen Glykosid für die Auf- 
speicherung als Reservematerial in den Samen der kulti- 
vierten Pflanze verfügbar bleibt 1 )- Die Enzyme anderseits 
sind aplastisehe Substanzen, die bestimmte synthetische 
und analytische Funktionen verrichten, ohne selbst einer 
Veränderung zu unterliegen; folglich ist zu erwarten, 
daß sie gleichermaßen in den Samen der wilden wie der 
kultivierten Pflanzen zu finden sein werden. Das Enzym 
Emulsin tritt sowohl in den Samen des kultivierten Pha- 
seolus lunatus wie in denen der süßen Mandel auf, ob- 
wohl das cyauogenetische Glykosid unter dem Einflüsse 
der Kultur verschwunden ist." F. M. 



E. Tscliermak: Die praktische Verwertung des 
Mendelschen Vererbungsgesetzes bei der 
Züchtung neuer Getreide rassen. (Deutsche 
landwirtsch. Presse XXX, 1903, Nr. 82.) 
Herr Tschermak ist hier wie schon früher (vgl. 
Rdsch. 1902, XVII, 640; 1903, XVIII, 241 u. 477) bestrebt, 
die praktische Nutzanwendung der auf dem Gebiete 
pflanzlicher Bastardforschung gewonnenen Resultate zu 
ziehen. Der vorliegende Artikel enthält neben Ergeb- 
nissen aus dem früher über Getreiderassen und ihre 
Zucht vom Verf. publizierten einige neue, später im 
Zusammenhang weiterer Forschungen näher auszufüh- 
rende Angaben. 

Es sei daran erinnert, daß es sich bei Aufgaben dieser 
Art zunächst darum handelt, den Rassencharakter in seiae 
einzelnen Merkmale zu zergliedern. Es ergeben sich dabei 
zu trennende, scheinbar einheitliche Merkmale und ver- 
koppelte, d. h. solche, die, obwohl selbständig erscheinend, 
doch als Ganzes vererbt werden. Wichtig bleibt übrigens 
neben diesen Konstatierungeu auch das Aufsuchen der öfter 
vorkommenden einzelnen Individuen, für die die letzt- 
genannte Verknüpfung nicht als Gesetz gilt (Korrelations- 
breeher), denn sie ermöglichen eine erwünschte und un- 
möglich erscheiuende Merkmalstrennung, wie auch die 
für unausführbar gehaltene Verknüpfung von erwünschten 
Merkmalen. Im allgemeinen ist nun bei den konkurrie- 
renden Merkmalen der Eltern im Mischling eine gesetz- 
mäßige Verschiedenwertigkeit vorhanden: es findet sich 
nämlich in der ersten Generation Dominanz des einen, 
das dann auch bei der in den folgenden Generationen 
einsetzenden Aufspaltung in verschiedene Formen in den 
meisten Individuen zur Geltung kommt. Diesem sog. 
Mendelschen Schema folgen nun beim Getreide viele 
wichtige Kassenmerkmale. Und zwar sind schon ein 
Drittel aller Träger des dominierenden Merkmals, sowie 
alle mit dem auderen (in der ersten Generation ganz 
unsichtbaren) Merkmalspaarling versehenen (rezessivmerk- 
maligen) Mischlinge samenbeständig; so z. B. bei Kreuzung 
einer zweizeiligen und einer vierzeiligen Gerstenrasse ein 
Drittel aller zweizeiligen , sowie alle vierzeiligen Misch- 
linge der zweiten Generation. Deshalb ist das Verschwinden 
des gewünschten Merkmals in der ersten Generation ein 
gutes Zeichen für den Züchter, da es nach Wieder- 
erscheinen in den folgenden seine sofortige Konstanz 
dokumentiert.' 

Manche Merkmale am Getreide zeigen aber ein vom 
Mendelschen Schema abweichendes Verhalten, so z. B 
Mittelstellung in der ersten Generation, Aufspaltung ii 



') Die Verff. verweisen auf die Untersuchungen Tr.eubs ai 
Pangium edule, wonach der unmittelbare Vorläufer der Blai- 
säure in dieser Pflanze (wahrscheinlich ein cyanogenetisches <il- 
kosidj anscheinend für die Synthese der Eiweißstoffe verwencLt 
wird (vgl. Kdsch. 1890, XI, 174). Sie machen in Verbinduig 
hiermit auf die Leichtigkeit aufmerksam, mit der cyanogene Ver- 
bindungen dieses Typus durch Keduktionsprozes'se in Amidoderivae 
übergeführt werden können, die nach neueren Forschungen dunh 
Kondensatiousvorgänge Eiweißstofte bilden. 



Nr. 2. 1904. 



Natur wi ssenscha Etliche Rund sc hau 



XIX. Jahrg. 25 



konstante Träger des einen und des andern Elternmerk- 
males sowie in weiterspaltende, intermediäre Typen im 
Verhältnisse 1:1:2. In den meisten Fällen handelt es 
sich bei Getreidekreuzungen um Rassen- oder Varietäts- 
merkmale, für die nach de Vries die Mendelsche Regel 
von Konstanz in der ersten Generation und die Spaltung 
in nur zum Teil konstante Formen gilt. 

Aus alledem ergibt sich, das für jedes Merkmal, das 
bei den Kulturen in Betracht gezogen wird, das Ver- 
erbungsschema, d. h. die Wertigkeit der Merkmale in der 
Konkurrenz festzustellen ist; das geschieht auf dem Wege 
künstlicher Kreuzung. Dabei ist namentlich die zweite und 
dritte Generation in großer Zahl auszusäen , ferner die 
.Samen der Mischlinge von der zweiten oder Spaltungs- 
generation ab nach Individuen getrennt abzuernten, denn 
die dritte oder Prüfungsgeneration läßt bereits die kon- 
stanten Forcen der zweiten erkennen. Technische Fehler 
sind also: geringer Umfang der Aussaat, Aberntung pro- 
miscue und vorzeitige Auswahl in der zweiten Generation. 

Auf diesem Wege Vererbungstabellen fiir die ein- 
zelnen Unterscheidungsmerkmale fe tzustellen , als eine 
praktische Grundlage für rationelle Verwertung der wissen- 
schaftlichen Resultate, ist das Ziel von Herin Tsohermaks 
Arbeiten. Es werden , zunächst meist morphologische 
Merkmale untersucht, doch ist auch die Behandlung phy- 
siologischer Rassenunterschiede begonnen, von denen 
übrigens viele mit morphologischen gepaart sind. 

Beim Weizen hat sich beispielsweise ergeben, daß 
die Merkmalspaare behaart-glatt, mit Grannen (gewissen 
Borsten an der Ähre) versehen und ohne Grannen strikte 
dem Mendelschen Gesetze folgen, wobei Granneulosigkeit 
und Behaarung dominieren. Wo in der zweiten Gene- 
ration Grannen oder Unbehaartheit auftreten, sind die 
Merkmale konstant. Die Ährenfarhe „braun" dominiert 
dagegen zwar in erster Generation, in der zweiten aber 
tritt unreine Spaltung mit vielen Zwischenformen ein. 
Ebenfalls kompliziert scheinen die Verhältnisse bei Länge 
und Blütenzahl der Ährenspindel: in der 1. Generation do- 
miniert die längere mit weitläufiger Ährchenstellung und 
geringer Blütenzahl (zwei bis drei) über die kürzere Äbre 
mit geschlossener Ährchenstellung und größerer Blüten- 
zahl (drei bis fünf); in der 2. Generation dagegen 
ist die Spaltung zum Teil unrein. Bei Gerste seien als 
dominant erwähnt: schwarze über weiße Ährenfarbe, 
Zweizeiligkeit über Vier- und Sechszeiligkeit ., normale 
über verzweigte Ährenform. 

Ähnliche Versuche und Resultate beziehen sich auf 
Roggen und Hafer. Die auf physiologische Merkmale 
sich erstreckenden Experimente behandeln die teilweise 
Unfruchtbarkeit (Scbartigkeit) der Ähren, die Früh- und 
Spätreife, den Gehalt an Stärke und Eiweiß. Tobler. 



Das Schlußergebnis setzt die Umlaufszeit des Kome- 
ten auf 2709,6 Tage fest, eine Zahl, die auf einen Tag 
genau sein dürfte. Kur um zehn Stunden kürzer ist der 
Wert der Periode, den Herr Schulhof in Paris 1805 in 
einer ähnlichen Abhandlung gefunden hatte. Der Komet 
ist bei seiner ersten Wiederkehr im Herbste 1901 der 
ungünstigen Stellung halber nicht wiedergefunden. Bes- 
sere Aussichten für die Wiederbeobachtung bestehen für 
das Jahr 1909, für welche Zeit die vorliegenden Bahu- 
bestimmungeu den Lauf des Kometen noch mit genügen- 
der Sicherheit vorausberechnen lassen. A. Berberich. 



Literarisches. 

P. Gast: Die Bahn des periodischen Kometen 
1894 I. (Mitteilungen der Großh. Sternwarte zu 
Heidelberg, Astrometrisches Institut II.) 63 S. 8°. 
(Karlsruhe 1903, G. Braun.) 
Der am 2b\ März 1894 von W. F. Denning in Bii- 
stol entdeckte Komet bot in seiner äußeren Erscheinung 
wenig Interessantes, desto bemerkenswerter ist seine ellip- 
tische Bahn, die sich an einer gewissen Stelle, ungefähr 
in Jupiterferne, der Bahn des verscholleneu Brorsenschen 
Kometen auf eine sehr geringe Distanz nähert. Eine ge- 
nauere Untersuchung dieser Bahnkreuzung will Herr 
Gast im Anschluß an die vorliegende Arbeit unterneh- 
men, die dafür die nötige Grundlage liefert, nämlich die 
möglichst scharfe Ableitung der Bahnelerneute des Ko- 
meten mit Hilfe der im Jahre 1894 vom 27. März bis 
5. Juni angestellten Beobachtungen. An den Meridian- 
instrumenten der Heidelberger Sternwarte wurden von 
Herrn Gast und Herrn Courvoisier die Positionen 
aller Vergleichsterne neu bestimmt; ein Katalog dieser 
Sternörter ist der Abhandlung beigefügt. 



A. Reychler: Physikalisch-chemische Theorien. 
Nach der dritten Auflage des Originals bearbeitet 
von B. Kühn. Mit 73 eingedruckten Abbildungen. 
XII u. 3S9 S. (Braunschweig 1903, Friedr. Vieweg & Sohn.) 
Das Buch ist teilweise eine freie Bearbeitung, teil- 
weise eine Übersetzung des französischen Werkes „Les 
tlieories physico-chimiques", welches seit seinem Erschei- 
nen im Jahre 1897 zwei neue Auflagen erlebte und be- 
reits in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Es ist dies 
ein Beweis dafür, daß die Bedeutung der physikalischen 
Chemie auch im Auslände mehr und mehr anerkannt wird. 
Das vorliegende Werk zerfällt in fünf Teile. Der 
erste Abschnitt, welcher eine freie Bearbeitung der fran- 
zösischen Urschrift von seiten Herrn Kuhns darstellt, 
behandelt die Grundgesetze, die folgenden, die sich eng 
ans Original anlehnen, nacheinander die Aggregatzustände 
und Lösungen, dann die Thermochemie, Elektrochemie 
und die Natur der Salzlösungen, weiter die chemische 
Mechanik und endlich die Thermodynamik. Warum die 
Photochemie weggelassen wurde, ist unklar. 

Verf. hat seine Aufgabe, die [laupttatsachen und 
Lehren der physikalischen Chemie in gut verständlicher 
und leicht faßbarer Form darzulegen , in anerkennens- 
werter Weise gelöst; er hat dabei, was von Vielen sicher 
als ein besonderer Vorzug der Arbeit betrachtet werden 
wird, die höhere Mathematik, wo sie irgendwie entbehrt 
werden konnte, ausgeschlossen, ohne etwa deswegen auf 
mathematische Behandlung zu verzichten. Störend und 
jedenfalls das Verständnis nicht fördernd sind die viel- 
fachen Verweise auf spätere Teile des Buches. Ferner 
hat der Verf. neben der Theorie der elektrolytischen 
Dissoziation von Arrhenius auch seine eigene „Hypo- 
these der beweglichen Ionen" diskutiert, welche auf eine 
hydrolytische Dissoziation zurückgeht (S. 218); dieselbe 
umfaßt vier Seiten, während der Theorie von Arrhenius 
drei Seiten gewidmet sind. Ob eine so ausführliche Be- 
sprechung dieser an sich recht anfechtbaren Anschauungs- 
weise in einem Lehrbuch von den Eigenschaften des vor- 
liegenden gerechtfertigt war oder nicht, darüber ließe 
sich streiten. Verhältnismäßig ausführlich sind die Unter- 
suchungsmethoden behandelt; bei der deutscheu Bearbei- 
tung hätte im Hinblick auf die trefflichen Werke die wir 
dafür haben, vielleicht manches kürzer gefaßt werden kön- 
nen. Anderseits hätten z. B. bei der Besprechung der 
Dampfdichtebestimmungen (S. 13) die Methoden von 
Dumas und von Gay -Lussac-Hofmann mehr als eine 
bloße Erwähnung verdient. Auch die Beziehung der 
Dampfdichte auf Luft als Einheit wäre vielleicht bei dem 
Mangel jeder theoretischen Bedeutung für die so erhalte- 
nen Werte durch eine andere Einheit zu ersetzen gewesen; 
übrigens hat schon Regnaul t 1845 den Sauerstoff dafür 
vorgeschlagen, wonach die Anmerkung S. 12 zu berich- 
tigen wäre. Sehr zu begrüßen sind die zahlreichen Lite- 
raturnachweise. Ein ausführliches Namen- und Sachregister 
macht das Buch auch zum Nachschlagen brauchbar. 

Das Reychlerscbe Werk, in welchem eine große 
Fülle von Stoff auf verhältnismäßig kleinem Räume ver- 
arbeitet ist, wird sicherlich Vielen willkommen sein. Ins- 
besondere kann das Buch Studierenden der Chemie, 
Pharmazie und Medizin, welche sich die Grundlehren der 
physikalischen Chemie ohne höhere mathematische Vor- 
bildung aneignen wollen, bestens empfohlen werden. Bi. 



26 XIX. Jahrg. 



Nal ii i' H i »sc .11 schaftliche Ii und sc hau. 



1904. Nr. 2. 



Edv. Hjelt: Über die Laktone. [Samml. ehem. und 

chem.-techn. Vortr. Bd. VIII. 3./4. Heft. S. 83 his 

146.] (Stuttgart 1903, Enke.) 
J. Schmidt: Die Nitrosoverbindungen. [Samml. 

ehem. und chem.-techn. Vortr. Bd. VIII. 11. Heft. 

S. 40'J bis 448.] (Stuttgart 1903, Enke.) 
Beide Monographien dieser verdienstvollen Samm- 
lung sind interessanten Körperklassen gewidmet. In der 
ersten werden die Laktone — innere Anhydride der 
Oxysäuren — behandelt; zuerst werden in einem ge- 
schichtlichen Überblick die Arbeiten über diese Verbin- 
dungen, dann die verschiedenen Arten von Lak onen be- 
sprochen. Ihre Bildungsweisen, wie ihr chemisches Ver- 
halten werden in den folgenden Abschnitlen übersichtlich 
zusammengefaßt, zum Schi iß einige Isoinerie.erscheinun- 
geu bei den Laktonen und die Geschwindigkeit der Lak- 
tonbilduug bei Oxysäuren erörtert. 

Die zweite Monographie über die Nitrosoverbindun- 
gen — Körper mit der einwertigen Nitrosylgruppe — 
gibt eine zusammenfassende Darstellung der aiomatischen 
und aliphatischen Nitrosokohlen Wasserstoffe, der Xitros- 
amine und sonstiger Nitrosoverbindungen. Die neueren 
Forschungen auf diesem Gebiete werden besonders be- 
rücksichtigt. Zum Schluß wird noch die Methode der 
quantitativen Bestimmung der Nitrosogruppe nach R. 
Clauser erwähnt. P. R. 

W. Bruhns: Petrographie (Gesteinskunde). 176 S. 
15 Abbildungen. Sammlung Göschen Nr. 173. (Leip- 
zig 1903, G. J. Göschen.) 

Verf. ist bestrebt, in dem vorliegenden Bändchen 
der bekannten Gösch en sehen Sammlung in kurzer und 
leicht verständlicher Weise die wichtigsten Lehren der 
Petrographie darzustellen. Er erörtert kurz die petro- 
graphisehen Uutersuchuugsmethoden, deren wichtigstes 
Hilfsmittel heutzutage das Mikroskop ist, die Trenuungs- 
methoden durch schwere Lösungen, den Magneten und 
chemische Mittel und die chemischen l'ntersuchungs- 
arten, als da sind qualitative und quantitative Analyse, 
mikroskopische Analyse und Färbungsmethode. 

Des weiteren bespricht er die chemische Zusammen- 
setzung der Gesteine, die gesteiusbildenden Mineralien, 
die er kurz charakterisiert, und die accessorischen Be- 
stanlmassen. Sodann geht er auf ihre äußere Erschei- 
nung ein, bespricht ihre Entstehung und die Verände- 
rungen, denen sie unterliegen, und ihre sich daraus er- 
gebende Einteilung. Im speziellen Teil bespricht er 
sodann die Eruptivgesteine, ihre einzelnen Typen und 
deren Erscheinungsweise, die Sedimente und die kristal- 
linen Schiefergesleine. 

In Anbetracht des geringen Raumes, der dem Verf. 
zur Verfügung stand, erscheint das Ganze allerdings nur 
als eine auszugsweise Wiedergabe unseres heutigen Wis- 
sens von den Gesteinen, ist aber gewiß geeignet, dem 
Laien eine erste Orientierung und Anregung zu weiteren 
Studien zu geben. A. Klautzsch. 

Heinrich Schurtz : Völkerkunde. Aus „Die Erdkunde", 
herausgegeben von Maximilian Klar. XVI. Teil. 
(Leipzig und Wien 1903, Franz Deuticke.) 
Es ist ein posthumes Kind seines Geistes, welches 
uns der Bremer Ethnograph in vorliegendem Werk bietet, 
und aufs neue erweckt es die Klage, daß die junge Wissen- 
schaft der Völkerkunde einen ihrer begabtesten und viel- 
versprechendsten Vertreter so frühzeitig verlieren mußte. 
Schurtz ist allen Lesern wohlbekannt, besonders durch 
Bein großes Werk „Ursprung der Kultur", in welchem 
er ethnologische Probleme mit ebenso gründlicher Detail- 
kenntnis, wie weitschaueudem Blick erörtert. In vor- 
liegendem Buche galt es, ein Handbuch zu schaffen, 
welches dem Plan des ganzen Unternehmens entsprechend 
dem Lehrer der Erdkunde einen raschen Einblick ge- 
stattet in das Gebiet einer Hilfswissenschaft der Erd- 
kunde, die auf immer größere Bedeutung Anspruch 



erheben darf und die gründlich kennen zu lernen noch 
nicht allzu viel Gelegenheit gegeben ist. 

Dem Wesen eines Lehrbuches entsprechend hat 
Schurtz seinen Stoff in kurze, präzis gefaßte Abschnitte 
gegliedert. Einer kurzen Einl itung, in welcher Umfang 
und Methode der Forschung, sowie die geschichtliche 
Entwicklung der Völkerkunde skizziert werden, folgt 
als erster Hauptteil die Erörterung der Grundlagen der 
Völkerkunde. In der schwierigen Frage der Rassen- 
eiuteilung betont der Verf., daß ■ iie Kasse in jedem Fall 
durch die Ergebnisse der physischen Anthropologie be- 
stimmt werden muß und andere Wissenszweige nur er- 
gänzend herangezogen werden dürfen. Das beste System 
wäre ja sicher das natürlich-historische, allein hierfür 
sind die Vorarbeiten noch gauz ungenügend. Stratz' 
Beispiel folgt der Verf., indem er die halbverschwundenen 
Reste älterer Rassen als besondere Gruppe den großen 
Weltrassen, den Hiuptrassen, vi rauschickt. Diesem Ab- 
schnitt der physischen Anthropologie reiht sich die An- 
thropogeographie in Ratzelschem Sinn an; die Ökumene, 
Wachstum und Bewegungen der Völker und die politische 
Geographie werden hier erörtert, während im dritten 
Abschnitt die Sprachenkunde abgehandelt wird. Der 
Verf. macht hier darauf aufmerksam, daß man früher 
der sprachlichen Gruppierung eine Wichtigkeit beilegte, 
die ihr nicht zukommt; heute hat man immer mehr er- 
kannt, daß „die Sprache dem Menschen nicht fest an- 
haftet, wie seine Haut, sondern einem Kleide ähnlich ist, 
das unter Umständen leicht mit einem andern vertauscht 
wird". 

Von besonderem Inteiesse ist der zweite Hauptteil, 
die vergleichende Völkerkunde, mit den Kapiteln Gesell- 
schaftslehre, Wirtschaftslehre und Kulturlehre; handelt 
es sich doch gerade hierbei um Kragen, die zum Teil 
wenigstens erst in letzter Zeit wissenschaftlich in Angriff 
genommen worden sind und über welche noch vielfach 
keine Übereinstimmung herrscht, und die weit hinaus- 
greifen über den Rahmen der Völkerkunde als Fach- 
wissenschaft. Diese Erwägung mag wohl auch den Verf. 
veranlaßt haben, hier einige Literaturliinweise beizufügen 
über die wichtigsten Werke der neueren, völkerkundlich 
beeinflußten Soziologie. Dieser Abschnitt des Buches ist 
am ausführlichsten behandelt; alle Aufänge der Kultur 
sind erörtert, und zwar einerseits die der materiellen, 
anderseits die der geistigen, und nach Möglichkeit wird 
auch die Prähistorie berücksichtigt. Gern wurde sieher 
jeder Leser eine noch ausführlichere Darstellung gesehen 
haben, die jedoch im Rahmen des Buches nicht möglich 
war ; aber kein wesentliches Moment ist außer acht ge- 
lassen: in kurzen programmatischen Abschnitten sind 
die einzelnen Faktoren durchgesprochen, die insgesamt 
den kulturellen Besitz der Völker ausmachen. In einem 
dritten Hauptteil gibt der Verf. eine Übersicht über die 
Völker der Erde, die eine Ergänzung bilden soll zu den 
vorhergehenden Erörterungen und namentlich zu den 
Einteilungen der Menschheit nach Rasse und Sprache. 
Dem Zweck eines Hand- und zugleich Lehrbuchs ent- 
sprechend, schließt das empfehlenswerte Buch, dem auch 
eine Anzahl Bilder heigegeben sind, wie überhaupt der 
Verlag für eine gute Ausstattung alle Sorgfalt verwendet 
hat, mit einer kurzen Anleitung zur selbständigen Mit- 
arbeiterschaft auf dem Gebiete der ethnologischen For- 
schung. Lampert. 



Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Academie des sciences de Paris. Seance publique 
anuelle du 21 Deeembre. Allocution de M. Albert 
Gauilry, President. 

Prix decemes pour l'anuee 1903 (entre autres): 
Prix Franeoeur (Geometrie) 10Ö0 Fr. ä M. Emile Le- 
moine. — Prix Poncelet (Geometrie) 2000 Fr. ä M. 
Hubert de Goettingue. — Prix Lalande (Astronomie) 
540 Fr. ä M. Campbell de l'observatoire de Liek. — 



Nr. 2. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 27 



Prix Valz (Astronomie) 460 Fr. ä M. Borrelly de Mar- 
seille. — Prix G. de Pontecoulant (Astronomie) 700 Fr. 
ä M. H. Andoyer. — Prix Hebert (Physique) 1000 Fr. 
ä M. E. Goldstein de Berlin. — Prix Gaeton Plante 
(Physique) 3000 Fr. ä M. Hospitalier. — Prix Jecker 
(Chimie) 10000 Fr. ä M. L. Bouveault. — Prix La 
Caze (Chimie) 10000 Fr. ä M. Guntz. — Prix Thore 
(Botanique) 200 Fr. ä M. de Istvanffi, directeur de 
l'Institut ampelographique royal hongrois. — Prix du 
Gama Machado (Anatomie et Zoologie) 1200 Fr. ä la 
Comteese Maria von Linden de Bonn. — Prix Phi- 
lippeaux (Physiologie) 900 Fr. ä M. Lucien Daniel. — 
Prix La Caze (Physiologie) 10000 Fr. ä M. Charles 
Riebet. — Prix Tcbihatchef (Prix generaux) 3000 Fr. 
ä M. Dr. Sven Hedin. — Prix Parkin (Prix generaux) 
3400 Fr. partages entre M. M. Lacroix et Giraud. — 
Prix Petit d'Ormoy (scienees matbematiques) 10000 Fr. 
ä M. Jacques Hadamard. — Prix Petit d'Ormoy 
(scienees naturelles) 10000 Fr. ä M. Bernard Renault. 
— Prix Estrade-Delcros (Prix generaux) 8000 Fr. ä M. 
Leon Teisserenc de Bort. — Prix Saintour (Prix 
generaux) 3000 Fr. ä M. Marcel Brillouin. 



Prix proposee pour les annees 1904, 1905, 1906 et 
1907. 

Geometrie. Grand prix des scienees matbe- 
matiques (1904): Perf'ectionner , en quelque point im- 
portant, l'etude de la convergence des fractions continues 
algebriques. 

Prix Bordin (1904): Developper et perf'ectionner 
la theorie des surfaces applicables sur le parabolo'ide de 
revolution. 

Prix Vaillant (1904): Determiner et etudier tous 
les deplacements d'une figure invariable dans lesquels 
les differents points de la figure decrivent des courbes 
spheriques. 

Mecanique. Prix Fourneiron (1905): Etüde 
theorique ou experimentale des turbines ä vapeur. 

Astronomie. Prix Damoiseau (1905): 11 existe 
une dizaine de cometes dont l'orbite, pendant la periode 
de visibilite, s'est montree de nature hyperbolique. Re- 
chercher, en remontant daus le passe et tenant compte 
des perturbations des planetes , s'il en etait ainsi avant 
l'arrive de ces cometes dans le Systeme solaire. 

Chimie. Prix Bordin (1905): Des siliciures et de 
leur röle dans les alliages metaltiques. 

Mineralogie et Geologie. Prix Alhumbert 
(1905): Etüde sur l'äge des dernieres eruptions volca- 
niques de la France. 

Geographie physique. Prix Gay (1904): Studier 
les variations actuelles du niveau relatif de la terre ferme 
et de la mer, ä l'aide d'observations precises, poursuivies 
sur une portion determinee des cötes de l'Europe ou de 
l'Amerique du Nord. 

Prix Gay (1905) sera attribue ä un explorateur du 
Continent africain qui aura determine avec une grande 
precision les coordonnees geograpbiqes des points prin- 
cipaux de ses itineraires. 

Botanique. Grand prix des scienees phy si ques 
(1905): Rechercher et demontrer les divers modes de 
formation et de developpement de l'oeuf chez les Asco- 
mycetes et les Basidiomyeetes. 

Physiologie. Prix Pourat (1904): Les pheno- 
menes physiques et chimiques de la respiration aux 
grandes altitudes. 

Prix Pourat (1905): Les origines du glycogene 
musculaire. 

Außer den vorstehenden, speziell formulierten Preis- 
aufgaben schreibt die Akademie auf den verschiedensten 
Gebieten der Naturwisssenschaften 57 allgemeine Auf- 
gaben aus, für welche in gleicher Weise wie für die spe- 
zialisierten die nachstehenden allgemeinen Bedingungen 
gültig sind: 

Die Manuskripte oder Drucksachen iür die verschie- 



denen Bewerbungen müssen direkt von den Autoren an 
das Sekretariat des Instituts mit einem Briefe geschickt 
werden, der die Sendung anzeigt und die Bewerbung 
angibt, für welche sie eingeschickt sind. Die Bewerber 
müssen in einem gedrängten Auszage den Teil der Arbeit 
bezeichnen, in dem sich die Entdeckung befindet, welche 
sie dem urteil der Akademie unterbreiten. Die Bewerber 
werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Akademie 
keins von den Werken oder Abhandlungen zurückschickt; 
es steht aber den Verff. frei, sich im Sekretariat des In- 
stituts Abschriften zu nehmen. Der Schluß einer jeden 
Bewerbung ist auf den 1. Juni des Jahres festgesetzt, 
für welches sie ausgeschrieben ist. 

Vermischtes. 

Die Beeinflussung der Tonhöhe von Stimm- 
gabeln durch Magnetismus, über welche bereits 
interessante Erfahrungen vorlagen, so besonders von 
Maurain (Rdsch. 1895, X, 563), welcher gefunden, daß die 
Schwingungszahl der Stimmgabel abnahm, wenn die 
Schwingungsebene parallel zum Felde lag, und zunahm, 
wenn sie senkrecht zum Felde stand, hat Herr O. Kir- 
stein einer erneuten Untersuchung unterzogen. Die 
Schwingungszahlen der Stimmgabel, deren Achse von den 
Kraftlinien des Magnetfeldes senkrecht geschnitten wurde, 
bestimmte Verf. durch die Schwebungen, welche bei der 
Vergleichung mit einer Differenzstimmgabel gefunden 
wurden (welche Stimmgabel von beiden die höhere 
Schwingungszahl hatte, wurde durch Experimente mit 
Belastung der einzelnen Zinken festgestellt). Die Feld- 
stäi ke wurde mit einer Wismutspirale gemessen, die Zeiten 
mit einem Hipp sehen Chronoskop. Die Ergebnisse der 
Untersuchung, welche zum Teil nur Bestätigungen früherer 
Erfahrungen bilden, zum Teil aber dieselben erweitern, 
sind folgende: 1. Schwingt eine Stimmgabel so im mag- 
netischen Felde, daß die Kraftlinien die Schwingungs- 
ebene senkrecht schneiden, so wird die Schwingungszahl 
erhöbt; schwingt eine Stimmgabel im Felde so, daß die 
Kraftlinien parallel zur Schwingungsebene verlaufen, so 
wird die Schwingungszahl erniedrigt. 2. Die Veränderung 
der Schwingungszahl ist direkt proportional der Feld- 
stärke. Die Konstante, die für verschiedene Stimmgabeln 
verschiedene Werte bat, wächst mit steigender Feldstärke. 
3. Die Einwirkung des Magnetismus auf die Stimmgabel 
ist nur eine temporäre. 4. Bei gleicher Feldstärke und 
bei entsprechenden Lagen der Schwingungsebenen ist die 
Abnahme der Schwingungszahl größer als die Zunahme. 
5. Ist die Schwingungsebene unter 45° gegen die Ebene 
der Kraftlinien geneigt, so findet keine Veränderung der 
Schwingungszahl statt. (Physikalische Zeitschrift 1903, 
Jahrg. IV, S. 829—832.) 

Hatte HerrR. Blond lot die als Quelle seiner «-Strah- 
len benutzte Auerlampe, deren Strahlen von einer Quarz- 
linse auf einen phosphoreszierenden Schirm konzentriert 
wurden, ausgelöscht und entfernt, so sah er die Wir- 
kung der »-Strahlen weiter sich fortsetzen und 
erst nach 20 Minuten verschwinden. Er überzeugte sich 
bald davon, daß die Quarzlinse »-Strahlen der Auerlampe 
aufgespeichert hatte und nur allmählich abgab. 
Diese Aufspeicherung von w-Strahlen konnte nicht allein 
an anderen Quarzstücken, sondern auch an Gold, Blei, 
Platin, Silber, Zink und anderen Metallen nachgewiesen 
werden; Aluminimum hingegen, Holz, trockenes und an- 
gefeuchtetes Papier, Paraffin besaßen nicht die Fähigkeit, 
»(-Strahlen zu speichern , während Calciumsulfid dieselbe 
zeigte. Kieselsteine, die gegen 4 h nachmittags vom Hofe 
aufgelesen waren und daselbst längere Zeit der Bestrah- 
lung durch die Sonne ausgesetzt gewesen, sandten spontan 
n-Strahlen aus. Ähnliches zeigten Stückchen von Kalk- 
stein und Ziegeln, die auf demselben Hofe aufgelesen 
waren; und all diese Objekte behielten ihre Wirksamkeit 
ohne merkliche Abschwäckung vier Tage lang; aber es 
mußte, damit diese Wirkungen zutage treten, die Ober- 



28 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 2. 



fläche der Körper ganz trocken sein — denn die ge- 
ringste Schicht Wasser kann die «-Strahlen aufhalten. 

Bei dem Studiuni dieser Aufspeicherung der »-Strahlen 
beobachtete Herr Blondlot an einem Ziegel, dessen 
eine Seite vorher besonnt worden war, folgende Erschei- 
nung: Er fixierte einen etwa 1 m entfernten, schwach 
beleuchteteu, kleinen Papierstreifen und fand diesen heller, 
wenn der Ziegel mit seiner besonnten Seite dem Auge 
genähert wurde ; wenn er den Ziegel wieder entfernte 
oder eine nicht besonnte Seite dem Auge zukehrte, 
wurde das Papier wieder dunkler. . Dieser Versuch konnte 
mehrfach variiert werden, und immer wurde ein sehr 
schwacher, grauer, unscharfer Lichteindruck eines sehr 
schwach erleuchteten Objektes verstärkt und deutlicher, 
wenn »-Strahlen von einem vorher besonnten Kiesel oder 
Ziegel das Auge trafen. Hier wirkten die «-Strahlen 
nicht auf die schwache Lichtquelle, sondern auf die 
Netzhaut des Auges. Wenn es auffallen könnte, daß 
diese Strahlen, welche von den kleinsten Spuren Wasser 
aufgehalten werden, durch die Augenflüssigkeiten hindurch 
wirksam waren, so lehrte ein direkter Versuch, daß salzhalti- 
ges Wasser für »-Strahlen durchlässig ist und sie speichern 
kann. Diese Verstärkung des Lichteindruckes schwach 
beleuchteter Ojekte wurde ebenso von primären M-Strahlen, 
z. B. denen einer Nernstlampe, hervorgebracht, wie von 
den aufgespeicherten sekundären Strahlen. (Compt. rend. 
1903, t. CXXXVII, p. 729 und 831.) 



Herr Höber hatte den Gehalt des Blutes an OH- 
lonen mittels Messung der elektromotorischen Kraft einer 
Konzentrationskette vom Typus H 2 | Blut| II C1|H 2 bestimmt. 
Dieser Methode haften verschiedene Mängel an (vgl. Rdsch. 
XVIII, 568); deshalb modifizierte er seine frühere An- 
ordnung: Neben dem Wasserstoff, der während der ganzen 
Versuchsdauer durch Blut und Salzsäure strich, wurde 
gleichzeitig Kohlensäure durchgeleitet. Damit wurde der 
Entfernung der Kohlensäure aus dem Blut und der dadurch 
bewirkten künstlichen Veränderung des HO-Ionengehaltes 
entgegengearbeitet und gleichzeitig die Möglichkeit ge- 
schaffen, den OH-Ionengehalt des Blutes bei den wech- 
selnden Oü 2 -Spannungen, die im Leben vorkommen, zu 
untersuchen. Zunächst hat der Versuch ergeben: Wenn 
man ein Gemisch von H und C0 2 an platinierte Platin- 
elektroden leitet, verhalten sich die Elektroden wie reine 
H-Elektroden uuter vermindertem Druck; das Kohlen- 
dioxyd ist also neben H elektrochemisch indifferent und 
verhält eich bloß wie ein Verdünnungsmittel. Untersucht 
mau nun die elektromotorische Kraft von Ketten vom 
Typus H 2 +■ C0 2 |HCl|defihriniertes Säugetierblut |H 2 -f- 
CU 8 bei wechselnden Verhältnissen zwischen H und (J0 2 
und berechnet die HO-Iouen-Konzeutratiouen des Blutes 
für die verschiedenen C0 2 -Spannungen, so findet man bei 
physiologischen C0 2 -Drucken des arteriellen und venösen 
Blutes (0,028 bis 0,054 Atmosphären) den OH-Gehalt 
gleich 2 bis 0,7 X 10—' Gramm-Ion, Werte, die wenig von 
dem OH-Werte reinen neutralen Wassers abweichen. 
Demnach ist das Säugetierblut — in Übereinstimmung 
mit den Befunden mehrerer anderer Forscher — eine 
ungefähr neutrale Flüssigkeit. Fernerhin ergab sich, 
daß der HO-Ionen-Gehalt in defibriniertem Blut von der 
Kohlensäure-Spannung des arteriellen Blutes bis doppelt 
so groß ist wie der Gehalt bei der Spannung des venösen 
Blutes und daß ungeronnenes Blut genau dieselbe Reaktion 
wie defibriniertes Blut besitzt. (Pflügers Arch. 99, 
S. 572—593, 1903). P. R. 

Personalien. 

Die philosophische Fakultät der Universität Gießen 
bat Herrn Hermann Strebel in Hamburg für seine 
Verdienste auf dem Gebiete der Zoologie und der mexi- 
kanischen Altertumskunde ehrenhalber die Doktorwürde 
verliehen. 

Ernannt: Der Professor der Biologie am Bryn Mawr 
College Dr. Thomas Hunt Morgan zum Professor 
der experimentellen Zoologie an der Columbia Univer- 
sity; — Prof. F. G. Wrenn zum Walker Professor der 
Mathematik am Tufts College ; — R. H. Y a p p aus Cam- 



bridge zum Professor der Botanik am University College 
of Abprystwyth ; — Oberingenieur Mathesius in Essen 
zum Professor der Metallurgie an der technischen Hoch- 
schule in Berlin ; — Privatdozent der Arzneimittellehre 
Dr. Robert Heinz au der Universität Erlangen zum 
außerordentlichen Professor; — Privatdozent der Botanik 
Dr. Richard Kolkwitz an der Universität Berlin zum 
Professor. 

Gestorben: In Göttingen der Professor der Botanik 
Wilhelm Behrens; — am 31. Dezember in München 
Dr. Georg v. Liebig, ein Sohn Justus v. Liebigs, 
der sich durch physiologische und klimatologische Stu- 
dien während seiner praktischen Tätigkeit als Arzt ver- 
dient gemacht, im Alter von 76 Jahren ; — am 5. Januar 
zu München der ordentliche Professor der Paläontologie 
und Geologie Dr. Karl v. Zittel, Präsident der bayri- 
schen Akademie der Wissenschaften, 64 Jahre alt. 



Korrespondenz. 

Bezüglich der Erinnerung des Herrn Dr. Uhrig 
auf Seite 684 des XVIII. Jahrganges erlaube ich mir zu 
bemerken, daß mir die Arbeiten von Schuster und 
Giese wohlbekannt waren, die Zitate in meiner Arbeit 
aber absichtlich so gewählt wurden, daß man in den 
zitierten Arbeiten leicht die älteren Literatur- 
stellen auffinden konnte. Eine erschöpfende Bibliogra- 
phie des umfangreichen Gegenstandes zu geben, wäre 
auf den wenigen Druckseiten unmöglich gewesen. 

Prof. G. B red ig (Heidelberg). 



Astronomische Mitteilungen. 

Im Februar 1904 werden folgende Minima von 
Veränderlichen des Algoltypus für Deutschland 
auf Nachtstunden fallen: 

l.Febr. 12,8h Algol 14. Febr. 16,2h ÜCephei 

1. „ 16,5 (fLibrae 15. „ 15,6 (fLibrae 

2. „ 5,0 PCephei 18. „ 7,0 flCanismaj. 

2. „ 9,3 BCanisraaj. 19. „ 8,5 Z7Coronae 

3. „ 5.9 ÄTauri 19. „ 10,3 BCanismaj. 

3. „ 12,6 BCanismaj. 19. „ 15,8 PCephei 

4. „ 9,6 Algol 22. „ 15,2 (fLibrae 

4. „ 16,8 r/Cephei 24. „ 11,3 Algol 

5. „ 13,1 PCoronae 24. „ 15,5 t/Cephei 
6 „ 10,8 SCaDcri 25. „ 10,0 S Cancri 

7. „ 6,5 Algol 26. „ 5,8 BCanismaj. 

8. „ 16,1 (fLibrae 27. „ 8,1 Algol 

9. „ 16,5 r/Cephei 27. „ 9,1 BCanismaj. 

10. „ 8,2 BCanismaj. 29. „ 14,8 (fLibrae 

11. „ 11,4 BCanismaj. 29. „ 15,2 r/Cephei 

12. „ 10,8 t/Coronae 

Mit dem 36 zölligen Refraktor der Lick-Sternwarte 
hat Herr Aitken wieder mehrere. Sterne 7. Größe in 
Doppelsterne aufgelöst, wobei die größte Diatanz '/,, 
die kleinste V 7 Bogensekunde beträgt, ein neuer Beweis 
für die hohe Leistungsfähigkeit des großen Fernrohrs. 

Seit Anfang Oktober ist eine Zweigsternwarte 
des Lick-Observatoriums auf einem 838 m hohen 
Berge bei Santiago (495 m über dem Meere) in Chile in 
Täigkeit. Ihre Aufgabe besteht hauptsächlich in der 
Aufnahme von Sternspektren zum Zweck der Bestim- 
mung der Sterubeweguugen längs der Sehrichtung. 
Namentlich wird durch diese Arbeit das Material zur 
Ermittelung der Sonnenbewegung im Raum vervoll- 
ständigt. Vor drei Jahren hatte Campbell, gestützt 
auf die spektrographische Bestimmung der Bewegungen 
von etwa 200 nördlichen Sternen, schon ein recht befrie- 
digendes Resultat erlangt. Zweifellos wird auch man- 
cher interessante spektroskopische Doppelstern auf der 
Südhalbkugel entdeckt werden; in dieser Hinsicht wäre 
besonders der berühmte Veränderliche y Argus einer 
Untersuchung wert. A. Berberich. 

Berichtigung. 

Jahrg. XVIII, S. 670, Sp. 1, Z. 3 v. u. muß es heißen 
„dreimal" statt „doppelt". 

Für die Redaktion verantwortlich 
Prof. Dr. W. Sklarek, Berlin W., Landgrafenstraße 7. 



Druck und Verlag von Fried r. Vieweg 4 Sohn üi BraunBohweig. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 



über die 



Fortschritte auf dem Gesamtgebiete der Naturwissenschaften. 



XIX. Jahrg. 



21. Januar 1904. 



Nr. 3. 



Über die 
Bredichinschen Kometenschweiftypen. 

Von R. Jaegeraiann (Moskau). 

Am 17. September vorigen Jahres, 1903, sind gerade 
25 Jahre verflossen, seitdem Herr Th. Bredichin 

— damals Direktor der Sternwarte zu Moskau — 
der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu 
St. Petersburg eine kurze, aber äußerBt wichtige und 
inhaltsreiche Mitteilung über die Kometenschweife 
machte. Dieser Mitteilung gemäß soll in den Schwei- 
fen der Kometen, welche vordem sich ohne jegliche 
Gesetze zu entwickeln schienen, die größte Harmonie 
und Regelmäßigkeit herrschen. Diese Entdeckung 
legte den Anfang zu den bekannten Bredichinschen 
mechanischen Untersuchungen über die Kometen- 
schweife, welche im Laufe einer ferneren, ununter- 
brochenen fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit fortge- 
setzt — nach Secchis, Tacchinis, Lorenzonis, 
Winneckes, Zöllners, Wilsons, Riccös, C. 
H. F. Peters u. A. Bestätigung — nächst den 
spektroskopiscben Untersuchungen Licht in ein Gebiet 
brachten, in welchem vordem nur ein Chaos herrschte. 

Zwar existierten ähnliche mechanische Unter- 
suchungen auch vor Bredichin, doch bezogen sie 
sich auf nur zwei Kometen und waren außerdem un- 
vollkommen ausgeführt. Diese Kometen sind: der 
Halleysche 1835 III (untersucht von Bessel) und 
der Donatische 1858 VI (untersucht von Benjamin 
Peirce, Norton, Pape). 

Das von Bredichin entdeckte Gesetz konnte 
im Jahre 1878 durch die Resultate von schon 13 me- 
chanisch untersuchten Kometen bekräftigt werden. 
Zwar waren diese hierbei erhaltenen numerischen 
Werte, da sie mit Hilfe der bekannten, nur genäher- 
ten Be sseischen Formeln abgeleitet wurden, einer 
weiteren Korrektion bedürftig, doch hat sich die ver- 
mutete Typeneinteilung der Kometenschweife in be- 
zug auf die Anfangsgeschwindigkeit (g) der von dem 
Kometenkerne in der Sonnenrichtung herausgeschleu- 
derten Materie und in bezug nuf die im allgemeinen 
noch unbekannte repulsive Sonnenenergie (1 — ft) 

— in den weiteren 25 Jahren — an mehr denn 
50 Kometen glänzend bestätigt. Die eben erwähnten 
ersten numerischen Resultate waren: I.Typus: 1 — ft 
= 11,0; = 0,15; II. Typus: 1 — ft = 0,7; = 0,03 ; 
III.Typus: 1— ft = 0,1, = 0,01 (0 = 0,01 entspricht 
einer Geschwindigkeit von 295 m in der Sekunde). 



Im Anfange des darauffolgenden Jahres 1879 
führte Herr Bredichin in die mechanische Kometen - 
theorie die von ihm selbst abgeleiteten strengen For- 
meln der hyperbolischen Bewegung ein. Schon um 
das Jahr 1859 hatten Peirce und Norton die 
Besselschen Formeln durch genauere zu ersetzen 
gesucht, doch waren letztere immer noch genäherte. 

Die ersten genaueren , dementsprechend neuen 
Untersuchungen Bredichins zeigten gleich, daß 
die mit den Besselschen Formeln sich ergebende Ver- 
ringerung der Werte 1 — ft mit der Entfernung der 
Teilchen eines und desselben Schweifes vom Kometen- 
kerne als illusorisch anzusehen ist. Aus diesem 
Grunde waren auch die für die Schweiftypen im Jahre 
1878 erhaltenen Werte 1 — ft viel zu klein. Für den 
Schweif vom IL Typus beim Kometen 1860 III z. B. 
ergab sich mit den hyperbolischen Formeln ein Weit 
1 — fl = l,36, während die Besselschen Formeln 
nur 1 — fl = 0,64 liefern. Dasselbe läßt sich vom 
III. Typus sagen, für welchen Herr Bredichin anstatt 
des früheren Wertes jetzt 1 — ft = 0.2 ableitete. 

Eine ganz besondere Art Schwierigkeit bereitete 
und bereitet teilweise noch jetzt die endgültige Be- 
stimmung des numerischen Wertes 1 — ft für den 
I. Typus. Die Ursache hiervon liegt erstens in dem 
bekannten Umstände, daß geringe Änderungen in der 
Lage des Schweifes dieses Typus große Unterschiede 
in den entsprechenden Größen 1 — ft nach sich ziehen. 
Mit anderen Worten, äußerst geringe Beobachtungs- 
fehler in dem Winkel zwischen den Schweifen dieses 
Typus und dem verlängerten Radiusvektor des Kerns 
rufen große Fehler (um mehrere Einheiten) für 1 — ft 
hervor. Der Einfluß solcher infolge der Zartheit des zu 
beobachtenden Objekts unvermeidlichen Beobachtungs- 
fehler kann nur in den Fällen auf ein Minimum redu- 
ziert werden, wenn der Schweif eine genügende Länge 
besitzt, so daß möglichst weit vom Kerne gelegene 
Punkte vermerkt werden können , und wenn ander- 
seits der Schweif zugleich ein vollständig entwickeltes 
Konoid mit scharf begrenzten Rändern darstellt. 

Nach genauer Durchforschung der ganzen in die- 
ses Gebiet einschlagenden Literatur gelang es Herrn 
Bredichin endlich im Jahre 1884, die genauesten 
Beobachtungen des großen historischen Kometen 
18111 zu erlangen, dessen vollständig entwickelter 
Schweif I. Typus den obigen Forderungen in einem 
weit höheren Maße genügte als die Beobachtungen 
nnderer Kometenschweife dieses Typus. Die strenge 



30 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. 



Nr. 3. 



Durchführung der Berechnungen mit den hyperboli- 
schen Formeln ergab im Jahre 1885 (9. Februar) für 
den I. Typus den Wert 1 — (i = 17,5 oder abge- 
rundet 18. 

Eine im demselben Jahre 1885 vorgenommene 
genaue Revision aller von Herrn Bredichin bis 
dahin mechanisch untersuchten Kometen — 40 an 
der Zahl — zeigte, daß alle Schweife I. Typus dieser 
Kometen innerhalb der Grenzen der Beobachtungs- 
fehler dem obigen Werte 1 — ft = 18 vollständig 
genügen. 

Bei der Berechnung der Schweiftypen ist ferner 
noch der äußerst wichtige Umstand im Auge zu be- 
halten, daß nur in der Perihelnähe die Typen streng 
getrennt erscheinen können (Backhouse beobach- 
tete alle drei völlig von einander getrennten , stark 
entwickelten Schweiftypen beim Kometen 1886 IX 
in der Anomalie v = -+- 30°), und daß darum solche 
Beobachtungen genauere Resultate liefern als bei 
großen positiven oder negativen Anomalien des Kerns 
(Komet 1882 II, beobachtet z. B. von Elkin, Cruls, 
bei V = -\- 160°), in welch letzteren Fällen die 
Schweiftypen — der mechanischen Theorie gemäß — 
mehr oder weniger zusammenfallen müssen und darum 
schwieriger zu unterscheiden sind. Endlich ist es 
noch klar, daß die Beobachtungsgenauigkeit sehr 
viel in dem Falle einbüßt, wenn die Erde — was 
recht häufig der Fall ist — sich nahezu in der Ko- 
metenbahnebene befindet. Die Schweiftypen sind 
scheinbar einander genähert und fallen im Durch- 
gangsmomente der Erde durch die Bahnebene des 
Kometen miteinander zusammen (z. B. Komet 
1861 II, beobachtet von Ellery, Secchi, Schmidt), 
oder gekrümmte Schweife erscheinen gerade (Komet 
1874 III, beobachtet von J. Schmidt). 

Die seit dem Jahre 1892 erhaltenen photographi- 
schen Aufnahmen der Kometen: 1893 II (aufgenom- 
men von J. Hussey), 1893 IV (von Barnard), 
1894 II (von Max Wolf), 18991 (von Coddington 
und Palmer), 1901 I (von D. Gill), 1902 III (von 
Sykora) haben die Bredichinsche Typeneinteilung 
sowie überhaupt die mechanische Kometentheorie 
außer allen Zweifel gestellt. Zwar konnten die auf 
diesen Aufnahmen erhaltenen Schweife infolge ihrer 
verhältnismäßig geringen Kürze (in dem letzten Jahr- 
zehnt sind keine solche Kometen erschienen, welche 
mit den großen Kometen 1744,18111,186111, 1858 IV, 
1882 II usw. auf eine Stufe gestellt werden könnten) 
nicht immer zur direkten Bestimmung von 1 — ft die- 
nen, nichtsdestoweniger konnte ihre Lage durchaus 
vollständig durch die von Bredichin schon im 
Jahre 1885 festgestellten Werte 1 — [i der Schweif- 
typen erklärt werden. 

Der besseren Übersicht wegen sind in der folgen- 
den Tafel alle von Bredichin mechanisch unter- 
suchten Kometen zusammengestellt. Sie sind in chro- 
nologischer Reihenfolge geordnet; ferner sind an- 
gegeben : die Länge des aufsteigenden Knotens (il), 
das Argument des Perihels («), die Neigung («'), die 
Periheldistanz (q). Durch die Buchstaben (v) (vor 



dem Perihel) und (n) (nach dem Perihel) ist die Be- 
obachtungszeit angegeben. 



Nr. 


Komet 


Schweiftypen 


lg 


9 


10 


J2 


i 


1 


1472 


I 







V. 


0,486 


246° 


285' 


53' 


170°50' 


2 


1577 


— 


n 


III 


n. 


0,178 


256 


25 


20 


104 50 


3 


1580 


— 


n 


— 


V. 


0,602 


89 


19 


7 


64 34 


4 


1582 


- 


— 


in 


n. 


0,169 


332 


227 


14 


118 34 


5 


1618 II 


— 


u 


— 


n. 


0,390 


287 


75 


44 


37 12 


6 


1652 


— 


ii 


— 


n. 


0,848 


300 


88 


10 


79 28 


7 


1664 


— 


n 


— 


n. 


1,026 


311 


81 


16 


158 42 


8 


1665 


I 


— 


— 


V. 


0,107 


156 


228 


2 


103 55 


9 


1680 


— 


ii 


_ 


v.n. 


0,0062 


351 


272 


9 


60 40 


10 


1682 


I 


- 


- 


V. 


0,583 


109 


51 


11 


162 15 


11 


1744 


I 


ii 


— 


v.n. 


0,222 


151 


45 


45 


47 7 


12 


1769 


I 


ii 


— 


V. 


0,123 


329 


175 


4 


40 46 


13 


1807 


I 


ii 


- 


n. 


0,646 


4 


266 


47 


63 10 


14 


18111 


I 


II 


le, III 


n. 


1,035 


65 


140 


25 


106 57 


15 


1819 II 


— 


II 


— 


n. 


0,341 


13 


273 


42 


80 45 


16 


1823 


— 


— 


III 


n. 


0,227 


28 


303 


3 


103 48 


17 


1825 IV 


I 


II 


— 


V. 


1,241 


257 


215 


43 


146 27 


18 


1835 III 


I 


- 


III 


V. 


0,587 


111 


55 


10 


162 15 


19 


1843 1 


I 


II 


— 


n. 


0,0055 


83 


1 


15 


144 19 


20 


1844 III 


— 


11 


IE 


n. 


0,252 


178 


118 


19 


45 39 


21 


1853 II 


— 


— 


III 


V. 


0,909 


199 


40 


58 


122 11 


22 


1853 III 


I 


— 


III 


V. 


0,307 


170 


140 


31 


61 31 


23 


1853 IV 


— 


— 


III 


V. 


0,173 


278 


220 


6 


119 


24 


1854 II 


— 


II 


— 


n. 


0,277 


102 


315 


28 


97 28 


25 


1854 III 


— 


II 


— 


ti. 


0,648 


75 


347 


40 


108 41 


26 


1857 III 


— 


— 


m 


V. 


0,368 


134 


23 


42 


121 1 


27 


1858 VI 


I 


II 


— 


n. 


0,579 


129 


165 


19 


116 58 


28 


1860III 


— 


II 


— 


n. 


0,293 


77 


84 


41 


79 19 


29 


1861 II 


I 


— 


in 


n. 


0,822 


330 


278 


59 


85 26 


30 


1862 III 


I 


- 


m 


v.n. 


0,963 


153 


137 


27 


113 34 


31 


1863 IV 


I 


— 


— 


n. 


0,707 


357 


97 


29 


78 5 


32 


1865 1 


— 


II 


in 


n. 


0,0258 


112 


252 


56 


92 30 


33 


1874 III 


I 


II 


— 


v.n. 


0,676 


152 


118 


44 


66 21 


34 


1877 II 


I 


— 


— 


n. 


0,950 


63 


316 


27 


121 9 


35 


1880 1 


— 


II 


— 


n. 


0,0055 


86 


6 


10 


144 40 


36 


1881 III 


I 


II 


— 


n. 


0,735 


354 


270 


58 


63 26 


37 


1881 IV 


I 


11 


— 


v.n. 


0,634 


122 


97 


3 


140 14 


38 


1882 1 


I 


II 


m 


n. 


0,0608 


209 


204 


56 


73 49 


39 


1882 11 


I 


II 


in 


n. 


0,0077 


69 


346 


1 


142 


40 


1884 1 


I 


II 


- 


V. 


0,776 


199 


254 


6 


74 3 


41 


18861 


_ 


II 


_ 


n. 


0,642 


127 


36 


23 


82 37 


42 


1886 II 


— 


11 


— 


11. 


0,479 


120 


68 


19 


84 26 


43 


1886 IX 


I 


II 


m 


v.n. 


0,663 


86 


137 


23 


101 38 


44 


1887 1 


— 


— 


in 


n. 


0,0055 


65 


339 


38 


137 37 


45 


18891 


_ 


_ 


in 


n. 


1,815 


340 


357 


25 


166 22 


46 


1892 III 


I(?)- 


— 


n. 


2,142. 


14 


331 


38 


20 47 


47 


1893 II 


I 


— 


_ 


n. 


0,675 


47 


337 


21 


159 58 


48 


1893 IV 


I 


II 


— 


n. 


0,812 


347 


174 


55 


129 50 


49 


1894 II 


— 


II(?) 


in (?) 


n. 


0,983 


324 


206 


21 


87 4 


50 


1899 1 


I 


_ 


in 


v.n. 


0,327 


9 


24 


59 


146 15 


51 


1901 I 


— 


II 


in 


n. 


0,245 


203 


109 


39 


131 5 



Anmerkung. Neben dem großen, vollständig ent- 
wickelten Schweif I. Typus waren beim Kometen 1811 I 
schwache Spuren von Nebenausläufern hinter dem Haupt- 
schweife vorhanden ; doch kann infolge Mangels des Beob- 
achtungsmaterials ihre Zugehörigkeit zum II. oder III. Typus 
nicht festgestellt werden. Dasselbe läßt sich vom äußerst 
schwachen Schweife des Kometen 1892 III (Holmes) sagen, 
dessen sehr große Periheldistanz eine bedeutendere Schweif- 
entwickelung verhinderte. Die von Max Wolf gegebene 
Beschreibung seiner vom Kometen 1894 II erhaltenen 
Photographie kann ebenfalls nicht zur genauen Bestim- 
mung der Schweiftypen ausgenutzt werden. Dagegen ist 
sie in der Hinsicht sehr wertvoll, indem sie die für die 
mechanische Theorie sehr wichtige Wellen- und Uamma- 
form der Schweife nachweist. 

Wie aus der vorigen Tafel zu ersehen, treten die 
verschiedenen Schweiftypen bei Kometen mit den ver- 
schiedenartigsten Elementen auf. Es kann somit das 
vorwiegende Auftreten des einen oder anderen Typus 



Nr. 3. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 31 





I. Typus 


1- 


-u: 18; 


9- 


von 0,34 bis 0,1 



nur von Unterschieden im physiko- chemischen Bau 
der Kerne herrühren. Die Penheidistanz ist gering 
und im allgemeinen bedeutend kleiner als eine astro- 
nomische Einheit. Sieht man von den Kometen 1892 III, 
1894 II völlig ab und läßt man ebenfalls den II. oder 
III. Typus des Kometen 18111 beiseite, so besaßen 
49 von Bredichin mechanisch untersuchte Kometen 
zusammen 75 Schweife, von denen 26 dem I. Typus, 
30 dem II. Typus und 19 dem III. Typus angehören. 
Die Schweife des III. Typus werden somit weniger als 
die der anderen Typen beobachtet. Die Ursache hier- 
von liegt wahrscheinlich in der allgemeinen Schwäche 
und Verschwommenheit dieser Schweife. Unter Be- 
rücksichtigung dieses letzten Umstandes kann der 
allgemeine Schluß gezogen werden, daß die drei 
Schweiftypen im Durchschnitte gleichmäßig bei allen 
Kometen auftreten, daß die Kometen somit in phy- 
siko-chemischer Hinsicht identisch unter einander sind, 
was mit den Resultaten der Spektralanalyse überein- 
stimmt. 

Die den drei Schweiftypen entsprechenden Werte 
von 1 — fl und g sind: 

II. Typus IH. Typus 

von 2,2 bis 0,5 ; von 0,3 bis >0. 
von 0,07 bis 0,03 ; von 0,02 bis 0,01. 

Als Zeiteinheit für die Anfangsgeschwindigkeit g 
sind 1 : ȣ = 58,13244 Tage angenommen (x = Gauss- 
sche Konstante). Als Distanzeinheit gilt die mittlere 
Entfernung der Erde von der Sonne (149 480976 km, 
entsprechend der Parallaxe 8,80 ' und den B e s - 
s eischen Erddimensionen). Die repulsive Kraft 
1 — ft der von der Sonnenrichtung ausgehenden, un- 
bekannten Energie ist in Einheiten der gewöhnlichen 
Attraktion ausgedrückt. 

Herr Bredi chin erklärte die strenge Getrennt- 
heit der Schweiftypen durch die Annahme, daß die 
Schweife I. Typus aus den Molekeln von reinem 
Wasserstoff, die des II. Typus aus den Molekeln von 
Kohlenwasserstoff, Natrium usw., die des III. Typus 
aus den Molekeln von Eisen und anderen schwereren 
Metallen gebildet sind. 

Es sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß Herr 
Bredichin die in den Kometen 18821 und 1882 II 
entdeckten Elemente Natrium und Eisen schon im 
Jahre 1879 auf Grund seiner Typeneinteilung nach- 
gewiesen hat. Das von Bredichin vorausgesetzte 
Element Wasserstoff konnte dagegen, abgesehen von 
zwei zweifelhaften Fällen: beim Kometen 18821 (be- 
obachtet von Bredichin), 1893IV (beobachtet von 
Campbell), spektroskopisch nicht nachgewiesen 
werden. Herr Bredichin erklärt diese Tatsache 
dadurch, daß die verhältnismäßig schwachen Wasser- 
stofflinien von den entsprechenden Fraunho fer- 
schen Linien des vom reflektierten Sonnenlichte her- 
rührenden, kontinuierlichen Spektrums verdunkelt 
werden. Selbst bei einer großen relativen Bewegung 
des Kometen zur Erde werden die Wasserstofflinien 
sowie auch die Fraunhof ersehen Linien, dem Dopp- 
ler sehen Prinzip gemäß, eine gleichförmige Verschie- 
bung erleiden, so daß nur in äußerst günstigen Fäl- 



len bei besonderer Intensität der Wasserstofflinien 
letztere sichtbar werden können. 

Diese physiko-chemische Erklärung der Schweif- 
typen sieht Herr Bredichin durchaus nicht als ab- 
solut richtig an, sondern ist gern bereit, dieselbe 
durch eine andere (um so mehr, als die Resultate 
der mechanischen Untersuchungen hierdurch gar nicht 
tangiert werden) zu ersetzen, wenn die neue Erklä- 
rung ebensogut der strengen Getrenntheit der Schweif- 
typen genügt. 

In der Kometenliteratur existieren mehrere Ko- 
meten (ungefähr 6), darunter auch der Komet 1893 II, 
bei denen sich für den I. Schweiftypus solche Größen 
der repulsiven Kraft ergeben, welche bedeutend den 
Wert 1 — ft= 18 übertreffen. Diese Werte gruppieren 
sich — innerhalb der Grenzen der dem I. Typus 
eigenen Fehler — um die Zahl 40. Es muß aber 
bemerkt werden , daß zum Zweck einer wenigstens 
annähernden Feststellung dieser Zahl die hierher ge- 
hörenden Beobachtungen und sogar photographischen 
Messungen noch einer strengen Kritik unterworfen 
werden müssen. 

Aus allen Bredichinschen Schriften kann der 
Schluß gezogen werden, daß im Falle einer endgültigen 
Feststellung der Existenz zweier Werte 1 — fi für 
den I. Typus, Bredichin nicht anstehen wird, in den 
Kometen entweder die Gegenwart eines noch leichte- 
ren, als Wasserstoff, neuen und in den Laboratorien 
noch nicht identifizierten Elementes zuzugeben oder 
die Dissoziation der Molekeln von Helium und Wasser- 
stoff anzunehmen. 

Es ist selbstverständlich, daß bei diesen Betrach- 
tungen die Kometenschweife als materiell voraus- 
gesetzt werden , in welchem Zustande die Materie 
sich auch befinden möge. Bewiesen ist diese Mate- 
rialität schon in den Jahren 1881, 1882 durch direkte 
Spektralbeobachtungen der Ausströmungen und der 
Schweife durch C. A. Young, Tacchini, Cruls, 
Copeland, Lohse. Gefordert wird die Materialität 
der Schweife durch die Wellenform und Gammaform 
derselben und durch die direkt beobachteten und ge- 
messenen Geschwindigkeiten der Schweifverdichtun- 
gen, welche äußerst gering sind im Vergleich zur 
Geschwindigkeit des Lichtes, der Elektrizität oder der 
Kathodenstrahlen (vgl. Rdsch. 1903, XVIII, Nr. 26, 27). 



Th. Boveri: Über die Konstitution der chro- 
matischen Kernsubstanz. (Verhandl. J. deut- 
schen zoolog. Gesellschaft 1903, Bd. XIII, S. 10—32.) 
In einem der deutschen zoologischen Gesellschaft 
erstatteten Referat gab Herr Boveri eine zusammen- 
fassende Übersicht über die bisher durch seine und 
anderer Forscher Arbeiten in betreff der morphologi- 
schen und physiologischen Bedeutung der Chromo- 
somen ermittelten Tatsachen. Aus den Ausführungen 
des Verfassers sei hier kurz folgendes wiedergegeben. 
Schon vor etwa 15 Jahren hatte Verf. aus der 
durch Flemming, Strasburger, E. van Beneden 
u. A. festgestellten Konstanz der Chromosomenzahl 
für jede Spezies, sowie aus der von Rabl bei Sala- 



32 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Kundschau. 



1904. 



mandra, von ihm selbst bei Ascaris megalocephala 
sehr wahrscheinlich gemachten Tatsache, daß die Chro- 
mosomen auch im ruhenden Kern ihre charakteristi- 
sche Gruppierung bewahren, den Schluß gezogen, daß 
die chromatischen Elemente, welche bei der Kern- 
teilung als Chromosomen hervortreten, Individuen, 
elementarste Organismen seien, die in der Zelle eine 
selbständige Existenz führen. Die zur Zeit der Mi- 
tosen ihnen eigene Faden- oder Stäbchenform be- 
trachtet Herr Boveri als ihre Ruheform, während sie 
im „ruhenden" Kern im Zustande ihrer Tätigkeit 
seien. Bei der Kernrekonstruktion aktiv weidend, 
sollten sie feine, pseudopodienartige Fortsätze aus- 
senden, die sich vergrößern und verästeln, bis das 
ganze Chromosoma in dies Gerüstwerk aufgelöst sei 
und wegen der gegenseitigen Verfilzung der von den 
verschiedenen Chromosomen ausgegangenen Fortsätze 
schließlich die einzelnen konstituierenden Elemente 
nicht mehr erkennbar seien. 

Weitere, zum Teil vou ihm selbst, zum Teil von 
einer Reihe anderer Beobachter veröffentlichte Be- 
funde führten Herrn Boveri einige Jahre später zur 
Formulierung des Satzes, „daß die 'Zahl der aus einem 
ruhenden Kern hervorgehenden chromatischen Ele- 
mente direkt und ausschließlich davon abhängig ist, 
aus wie vielen Elementen dieser Kern sich aufgebaut 
hat". Er stützte sich dabei vorwiegend auf die Tat- 
sache, daß bei der Entwickelung von Ascaris-Embryo- 
nen, bei welchen sich aus mechanischen Gründen nur 
ein Richtungskörperchen abgeschnürt hatte, so daß 
der Eikern mehr als die normale Zahl der Chromo- 
somen enthielt, diese Überzahl sich durch alle Ent- 
wickelungsstadien, bis zur Anlage des Urdarms und 
des Mesoblasts, verfolgen ließ. Daß hierbei nicht die 
größere Menge der im Eikern enthaltenen Chromatin- 
substanz an sich entscheidend war, ergab sich aus 
weiteren Versuchen. Erfahrungsmäßig vermehrt sich 
das Chromatin zwischen zwei Teilungen annähernd 
auf das Doppelte. Die Chromosomen, die bei begin- 
nender Kernteilung auftreten, sind etwa doppelt so 
groß als die, aus welchen der Kern sich aufbaute. 
Dies ist ganz unabhängig von der Menge des ur- 
sprünglich im Kern vorhandenen Chromatins. Ist in- 
folge künstlicher Eingriffe diese von Anfang kleiner 
oder größer, als sie normalerweise zu sein pflegt, so 
erfolgt vor der nächsten Teilung trotzdem die Ver- 
mehrung bis auf das doppelte Quantum, und nicht 
darüber hinaus. Im ersten Fall haben dann alle aus 
den folgenden Teilungen hervorgehenden Zellen ab- 
norm kleine (Th. Boveri, Gerassimoff), im zwei- 
ten Fall abnorm große Kerne (M. Boveri). Diese 
offenbar vorhandene Notwendigkeit, daß das Chro- 
matin vor einer neuen Teilung wachsen muß , sieht 
Verf. als einen weiteren Beweis für eine Individuali- 
tät der Chromosomen an. 

Auf Grund dieser Annahme erörtert Herr Boveri 
nun zunächst die Frage, ob diese als individualisiert 
zu denkenden Chromosomen eines Kerns unter einander 
gleich oder verschieden seien, und ob sich innerhalb 
eines Chromosomen Bereiche verschiedener Wertig- 



keit erkennen lassen. Bei Ascaris megalocephala 
bivalens hat sich feststellen lassen, daß nur die der 
Keimbahu der späteren Geschlechtszellen angehöligen 
Zellen durchweg vier unveränderte Chromosomen be- 
sitzen, während von den Chromosomen der übrigen 
Zellen die beiden Enden abgestoßen werden und de- 
generieren, während der mittlere Abschnitt in kleine, 
stäbchenförmige Elemente zerfällt, welche, in regu- 
lärer Weise gespalten, sich auf die Tochterzellen ver- 
teilen. Hieraus scheint sich zu ergeben, daß die End- 
abschnitte eine von der des mittleren Abschnitts ver- 
schiedene Bedeutung besitzen. In ähnlichem Sinn 
deutet Verf. Beobachtungen, welche Giardina un- 
längst bei der Entwickelung der Keimzellen von Dy- 
tiscus machte, doch liegen die Verhältnisse hier nicht 
ganz so klar. 

Was nun die gleiche oder verschiedene Valenz 
der ganzen Chromosomen betrifft, so hat Herr Bo- 
veri in früherer Zeit, auf Grund der Möglichkeit 
natürlicher und künstlicher Parthenogenese, sowie 
seiner eigenen Versuche über die Entwickelungs- 
fähigkeit monosperm befruchteter, kernloser Eifrag- 
meute sich der Annahme der Gleichwertigkeit aller 
Chromosomen zugeneigt. Doch scheinen die Eut- 
wickelungsvorgänge, die man an disperm befruchte- 
ten Seeigeleiern beobachten kann, hiermit nicht über- 
einzustimmen. Diese Entwickelung verläuft nicht 
nur stets mehr oder weniger pathologisch , sondern 
es hat sich auch feststellen lassen, daß, wenn man 
die vier ersten Blastomereu eines solchen Keimes — 
z. B. durch vorübergehendes Einsetzen in Ca -freies 
Wasser — von einander trennt, nunmehr jede der- 
selben sich in anderer Weise entwickelt, so daß einige 
bis zum Blastula-, andere bis zum Gastrulastadium, 
noch andere bis zur Skelettbildung und Darmgliederung 
gelangen, während wieder andere, wieDriesch zeigte, 
sich vom normalen Pluteus in keiner Weise unter- 
scheiden lassen. Verf. hebt nun hervor, daß die aus 
solchen disperm befruchteten Eiern hervorgehenden 
Blastomeren nicht nur weniger Chromosomen enthal- 
ten als die Normalzahl, da hier der aus dem durch 
Vereinigung von drei Kernen gebildete Furchungs- 
kern durch simultane Teilung in vier Tochterkerne 
zerfällt, sondern daß auch tatsächlich die einzelnen 
Blastomeren eine verschiedene Zahl von Chromosomen 
erhalten dürften, da die Vorbedingungen für eine 
gleichmäßige Verteilung fehlen. Die verschiedene 
Eutwickelungsfähigkeit der einzelnen Teilblastomeren 
erklärt Herr Boveri — da die bloße Verschieden- 
heit der Chromosomenzahl, wie die Erscheinungen 
der Merogonie beweisen, hierfür nicht entscheidend 
sein kann — dadurch, daß die einzelnen Chromo- 
somen unter einander nicht gleichwertig seien, und 
daß die einzelnen Blastomeren verschiedene Kombi- 
nationen dieser ungleichwertigen Chromosomen ent- 
halten. „Jeder Vorkern (das lehrt die Merogonie 
und die künstliche Parthenogenese) enthält alle Arten 
von Chromosomen, die wenigstens bis zum Pluteus 
nötig sind , aber zwischen den einzelnen Chromo- 
somen jedes Vorkerns müssen qualitative Unter- 



Nr. 3. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 33 



schiede sein, so daß sie nur in ganz bestimmter Kom- 
bination, vielleicht nur alle zusammen, alle Eigen- 
schaften darbieten , die zu normaler Entwickelung 
nötig sind." 

Handelt es sich hier um Indizien für eine phy- 
siologische Ungleichwertigkeit der einzelnen Ele- 
mente, so sind an anderen Objekten morphologi- 
sche Unterschiede zwischen denselben direkt beob- 
achtet worden. Henking wies nach, daß in der 
Spermatogenese von Pyrrhocoris ein Chromatinele- 
ment sich von den anderen verschieden verhält und 
bei der letzten Teilung ungeteilt in eine der Samen- 
zellen übergeht, welche dann ein Chromatinelement 
mehr als die anderen enthält. Ähnliches wurde seit- 
her mehrfach von anderen Forschern bei Hemipteren, 
Orthopteren und Coleopteren, am eingehendsten von 
Sutton bei Brachystola magna, einer Heuschrecken- 
art, beobachtet, welcher nicht nur das „accessorische 
Chromosoma" durch alle neun Generationen der se- 
kundären Spermatogonien verfolgte, sondern ganz 
kürzlich auch konstante Größenunterschiede unter 
den übrigen (22) Chromosomen nachwies, indem er 
nicht nur sechs kleinere und 16 größere unterschied, 
sondern auch wenigstens bei den sechs kleineren 
durch genaue Zählung drei , durch je ein Paar ver- 
tretene Größenstufen darstellte. Ahnliche Größen- 
unterschiede fand Herr Boveri auch bei Seeigeln, 
doch liegen hier die Verhältnisse nicht so klar. 

Sprechen nun all diese Befunde zugunsten der 
Annahme einer Individualität der Chromosomen, so 
diskutiert Verf. zum Schlüsse noch die bei Oo- und 
Spermatogenese eintretende Reduktion der Chromo- 
somenzahl. Unter den verschiedenen hier in Betracht 
kommenden Möglichkeiten erscheint Herrn Boveri 
die Annahme einer Reduktionsteilung, bei welcher jede 
Tochterzelle eine Hälfte der Chromosomen enthält, 
am wahrscheinlichsten. Sind nun die einzelnen Chro- 
mosomen unter einander qualitativ verschieden und 
ist zur Ermöglichung einer normalen Keimentwicke- 
lung die Gegenwart aller Arten von Chromatinsub- 
stanz notwendig, so macht dies die weitere Annahme 
nötig, daß bei dieser Reduktion jeder Ei- und jeder 
Samenzelle alle Arten von Chromosomen gewahrt 
bleiben. Die oben erwähnten Angaben Suttons über 
die paarweise Gleichheit der Chromatinelemente, so- 
wie die weitere von ihm beobachtete Tatsache, daß 
die reifen Samenzellen von Brachystola schließlich 
nur drei kleine und acht größere Chromatinelemente 
enthalten, scheinen diese Annahme zu bestätigen. 

Schließen sich nun all diese Einzeltatsachen ganz 
gut zusammen, so ist doch unsere Kenntnis über die 
physiologische Bedeutung der morphologischen Un- 
gleichwertigkeit der Chromosomen einstweilen natur- 
gemäß noch sehr gering. Die oben erwähnten Beob- 
tungen an Ascaris und Dytiscus lassen erkennen, daß 
den Sexualzellen gewisse Chromatinelemente nötig 
sind, die die somatischen Zellen nicht brauchen; Mac 
Clung hat die Hypothese aufgestellt ■ — und Sut- 
tons Beobachtungen scheinen dieselbe zu bestäti- 
gen — , daß die Spermien, welche das zuerst von 



Henking (s. o.) beobachtete accessorische Chromo- 
soma besitzen, die von ihnen befruchteten Eier zur 
Entwickelung von Männchen bestimmen. Auch die 
oben kurz erwähnten Beobachtungen an disperm be- 
fruchteten Seeigeleieru lassen sich im Sinne einer 
Lokalisation bestimmter Eigenschaften auf einzelne 
Chromosomen deuten. Insbesondere aber dürften, 
wie Verf. zum Schlüsse ausführt, diese letzterwähnten 
Versuche bei weiterer systematischer Verfolgung einen 
Angriffspunkt bieten für die Erforschung der Rolle, 
welche die Chomosomen bei der Vererbung elterlicher 
Eigenschaften spielen. Verf. weist darauf hin, daß 
Plutei, welche aus disperm befruchteten Eiern her- 
vorgehen, zuweilen aus zwei ganz verschiedenen Hälf- 
ten bestehen, deren jede einem bestimmten Typus 
normaler Entwickelung entspricht. Verf. verspricht 
sich nun weitere große Erfolge von systematischen 
Bastardieruugsversuchen in Verbindung mit Chroma- 
tinstudien am gleichen Objekt. R. v. Hanstein. 



E. Warhurg: Über die Ozonisierung des Sauer- 
stoffs durch stille elektrische Entladungen. 
(Sitzungsberichte der Berliner Akademie der Wissenschaf- 
ten 1903, S. 1011 — 1015.) 
Arthur W. Gray: Über Ozonisierung durch stille 
elektrische Entladungen in dem Siemens- 
schen Ozonapparat. (Ebenda, S. 1016—1020.) 
Zur Darstellung des Ozons aus Sauerstoff oder Luft 
schickt man durch das Gas sog. stille Entladungen, d.h. 
elektrische Entladungen von schwacher Stromstärke bei 
hoher Potentialdifferenz der Elektroden. Man benutzt 
für diesen Zweck teils die Entladungen aus Metallspitzen, 
teils, nach Siemens, die Entladung aus glatten, dielek- 
trischen Oberflächen (konzentrischen Glasröhren), zwi- 
schen denen man Potentialdifferenzen von wechselnder 
Richtung hervorbringt. Während nun bei der Elektro- 
lyse die Menge der zu gewinnenden Zersetzungsprodukte 
aus den Faradayschen Gesetzen berechnet werden 
kann, sind bisher die Bedingungen, von denen die Menge 
des zu gewinnenden Ozons abhängt, noch unbekannt. 
Herr War bürg stellte sich die Aufgabe, diese Bedin- 
gungen zu finden. 

Da elektrische Kraftfelder ohne Leitungsströme so 
gut wie gar keine ozonisierende Wirkung ausüben, war 
die zu lösende Frage, wieviel Ozon unter verschiedenen 
Bedingungen sich bildet, wenn ein Coulomb als Leitungs- 
strom durch das Gas geschickt wird. Wegen der des- 
ozonisierenden Wirkung, welche die elektrischen Ent- 
ladungen auf das Ozon ausüben neben der ozonisieren- 
den Wirkung auf Sauerstoff, mußte bei der Messung der 
letzteren die erstere möglichst ausgeschlossen, bzw. her- 
abgemindert werden; und dies wurde dadurch erreicht, 
daß der hervorgebrachte Ozongehalt sehr klein blieb 
und die Ozonbildung pro Coulomb Leitungsstrom in 
hinreichend schwach ozonisiertem Gase gemessen wurde. 
Diese Aufgabe wurde von Herrn Warburg für die 
Entladung aus metallischen Spitzen und gleichzeitig von 
Herrn Gray für die Entladung aus den glatten, dielek- 
trischen Oberflächen der Siemensschen Üzonröhren in 
Angriff genommen. In beiden Versuchsreihen wurde 
Gas von ungefähr 93 Volumprozent Sauerstoff verwendet ; 
dasselbe wurde, sorgfältig getrocknet, in der einen Ver- 
suchsreihe über die ozonisierenden Spitzen, die auf kon- 
stantem, gemessenem Potential entweder negativ oder 
positiv geladen waren, und in der anderen Reihe durch 
den ringförmigen Zwischenraum zwischen den beiden 
Glasröhren, durch deren äußere Belegungen 12 000 bis 
25 000 Stromstöße in abwechselnden Richtungen geschickt 



34 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. o. 



wurden, zu dem die gebildete Ozonmenge messenden 
Absorptionsapparate geleitet. 

Die Versuche mit Spitzenpotentialen, für welche drei 
Apparate mit 4000 Volt und 7000 bis 12000 Volt zur 
Verwendung kamen, ergaben bei negativer Ladung, daß 
die gebildete Ozonmeuge bei konstanter Stromstärke von 
der Potentialdifferenz der Elektroden und der Beschaffen- 
heit der zur Erde abgeleiteten Elektrode unabhängig ist; 
daß die üzonmenge pro Coulomb nur von der Strom- 
stärke abhängt und mit wachsender Stromstärke lang- 
sam sinkt. Bei positivem Spitzenpotential wuchs die 
Ozonmenge pro Coulomb schnell mit der Stromstärke 
und war bei schwachen Strömen kleiner, bei starken 
größer als für negatives Spitzenpotential. — Die Messun- 
gen am Siemensschen Generator ergaben, daß die Masse 
des Ozons, welche man pro Coulomb Leitungsstrom bei 
diesem Apparat erhält, eine nahezu, wenn auch nicht 
genau konstante Größe zu sein scheint, deren Betrag für 
den benutzten Apparat ungefähr gleich 0,27 g gefunden 
wurde, unabhängig von der Änderung der Potential- 
differenz zwischen den Elektroden des Generators und 
auch wahrscheinlich von der gebrauchten Elektrizitäts- 
menge. Eine Zusammenstellung der Ergebnisse bei ne- 
gativer Spitze, bei positiver Spitze und im Siemensschen 
Apparat zeigte, daß die Entladung zwischen dielektrischen 
Oberflächen 4 bis 5 l / s mal soviel Ozon pro Coulomb Lei- 
tungsstrom geliefert als die Entladung aus metallischen 
Spitzen. 

Herr Warburg berechnete die Anzahl von Cou- 
lomb, welche in den drei Versuchsreihen zur Erzeugung 
von 1 Grammäquivalent Ozon gebraucht wurden, und 
fand sie zwischen 92 und 500, „während zur elektro- 
lytischen Abscheidung von 1 Grammäquivalent 96540 
Coulomb erforderlich sind, d. h. 1000 bis 193 mal soviel. 
Daher kann man nicht annehmen, daß die Ozonbildung 
bei der stillen Entladung auf einem der Elektrolyse ähn- 
lichen Vorgang beruhe". Hingegen weist Herr War- 
burg auf die von Lenard beschriebene ozonisierende 
Wirkung der Kathodenstrahlen und der kurzwelligen, 
ultravioletten Strahlen hin, die beide bei der stillen Ent- 
ladung auftreten und die alleinige Ursache der Ozon- 
bildung sein können. Die Einflüsse der in den Ver- 
suchen geprüften Bedingungen auf die Ozonbildung und 
auf die beiden Strahlengattungen machen es sehr wahr- 
scheinlich, „daß die Ozonbildung bei der stillen Ent- 
ladung den photo- und kathodochemischen Wirkungen 
zuzurechnen ist". 

E. P. Adams: Radioaktivität des Wassers. (Philo- 
sophical Magazine 1903, ser. 6, vol. VI, pag. 563—569.) 

Um die Natur der Radioaktivität aufzuklären, die 
Herr J. J. Thomson im Leitungswasser von Cambridge 
aufgefunden hatte (Rdsch. 1903, XVIII, 395), veran- 
laßte er Herrn Adams, vergleichende Versuche auszu- 
führen, welche zunächst die Art des Verschwindens der 
Aktivität betrafen. Wie bekannt haben Rutherford so- 
wohl wie Curie gefunden, daß die Radioaktivität der 
Radiumemanation nach einem Potentialgesetz (J—J e—U) 
abnimmt; es fragte sich also, ob die Wasserradioaktivität 
demselben Gesetze folgt. 

Das Wasserleitungswasser wurde durch ein erhitztes 
Kupferrohr geleitet, so daß alles enthaltene Gas schnell 
ausgekocht, in einem abgekühlten Gefäß aufgesammelt 
und in das Wilsonsche Goldblattelektroskop von etwa 
200 cm 3 Kapazität geleitet werden konnte. Das Elektro- 
skop war auf 200 Volt geladen, und die Bewegungen des 
Goldblattes nach Zulassung des zu untersuchenden Gases 
wurden beobachtet. Unmittelbar nach Zutritt des Gases 
sank das Goldblatt um 17 Teilstriche in der Minute; uud der 
Elektrizitätsverlust nahm allmählich etwa zwei Stunden 
lang zu, dann begann er langsam abzunehmen. Diese 
Abnahme der Leitfähigkeit der Luft von dem Maximum 
an, welche, nach der obigen Formel berechnet, für die 
Konstante X einen Wert ergibt, der ziemlich gut über- 



einstimmt mit dem für die Radiumemanation erhaltenen 
Werte, macht es sehr wahrscheinlich, daß die Radio- 
aktivität des Leitungswassers von der Radiumemanation 
herrührt. 

Ähnliche Resultate wurden mit Luft erhalten, die 
durch Leitungswasser hindurchgeperlt war, so daß die 
Leitfähigkeit der Luft infolge von Durchperlen durch 
Leitungswasser von derselben Ursache bedingt zu sein 
scheint wie die Leitfähigkeit der im Wasser gelösten 
Gase. 

Obwohl Rutherford gezeigt hatte, daß Radium- 
emanation unverändert durch Wasser hindurchgeht, sollte 
doch noch untersucht werden, ob nicht vielleicht etwas, 
wenn auch nur sehr weniges, vom Wasser absorbiert 
werde. Eine schwache Lösung einer Radiumverbindnng 
in gasfreiem destillierten Wasser wurde hergestellt, ge- 
reinigte Luft hindurchgeperlt, durch Glaswolle filtriert 
und durch ausgekochtes, destilliertes Wasser geleitet. 
Nachdem dies drei Stunden fortgesetzt war, wurde alle 
Luft aus dem Apparate herausgeblasen. Etwas von dem 
Wasser wurde sodann unter Durchleiten von Zimmerluft 
ausgekocht und die hierbei erhaltenen Gase im Elektro- 
skop untersucht. Während nun die Zimmerluft im 
Elektroskop ein Sinken um 0,5 Teile in der Minute gab, 
bewirkten die aus dem Wasser, durch welches die Radium- 
emanation hindurchgeleitet worden war, ausgekochten 
Gase ein Sinken um 10 Teilstriche in der Minute, das noch 
auf 18 anstieg uud dann abnahm. Nachdem das Wasser 
mehrere Tage gestanden, zeigte das demselben entnommene 
Gas die gleiche Aktivität wie Zimmerluft. Hierdurch ist 
sicher erwiesen, daß Radiumemanation von Wasser ab- 
sorbiert wird, von der eine sehr kleine Menge hinreicht, 
die im Leitungswasser beobachtete Aktivität zu erklären. 

Die im vorigen Versuche hergestellte Lösung der Ra- 
diumemanation zeigte, wenn man das Entweichen der Ema- 
nation aus der Lösung hinderte, denselben Gang des 
Schwindens der Aktivität wie die Emanation (und somit 
auch wie das Leitungswasser). Ein Unterschied stellte sich 
aber zwischen der Lösung der Emanation und dem 
Leitungswasser darin heraus, daß erstere, nachdem ihr 
durch Auskochen alle Emanation entzogen war, ihre Ak- 
tivität dauernd eingebüßt hatte; auch wenn man sie noch 
so lange stehen ließ, zeigten ihre Gase nur gleiche Akti- 
vität wie die Zimmerluft. Dem Leitungswasser hingegen 
konnte niemals alle Aktivität entzogen werden ; geringe 
Spuren blieben stets zurück, und es scheint, als wenn 
das Leitungswasser außer Radiumemanation noch eine 
äußerst geringe Menge eines Radiumsalzes in Lösung 
enthielte. Direkt nachweisbar in ä^em Rückstände noch 
so großer Wassermengen war das Radiosalz freilich nicht. 

Ebenso wie die Radiumemanation besitzt auch das 
radioaktive Gas aus dem Wasser die Fähigkeit, auf ein- 
getauchte Körper Radioaktivität zu induzieren. Hierauf 
beruht die Erscheinung, daß das in das Elektroskop ein- 
geführte Gas zuerst seine Aktivität erhöbt und erst dann 
langsam verliert. Diese induzierte Aktivität schwindet 
nach einem Potentialgesetz und nach etwa 35 Mi- 
nuten auf die Hälfte gesunken, sowohl wenn sie von 
der Radiumemanation, wie wenn sie vom Leitungswasser 
herrührt. Sie ist stärker auf einem negativ geladenen 
Leiter als auf einem positiv geladenen ; ist der Leiter 
nicht geladen, so scheint keine Aktivität induziert zu 
werden. Einige Messungen der induzierten Radioaktivität, 
welche Herr Adams anführt, zeigen, daß die Radium- 
emanation auch bei der Ladung eine Aktivität induziert, 
die aber nur etwa '/ 8 von derjenigen der Radioaktivität 
bei der Ladung -4- 400 V. ist. Da aber die Leitungs- 
wassergase auf Körpern mit der Ladung -4- 400 V. nur 
die Radioaktivität 3,5 hervorbringen (die Emanation 
bringt 50), so ist erklärlich, daß bei der Ladung nichts 
gefunden wird. Die Zahlen zeigten ferner, daß beide 
reduzierte Radioaktivitäten für einen negativ geladenen 
Leiter etwa sechsmal so groß sind wie für den positiv 
geladenen. 



Nr. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 35 



Charles Fabry: Über eine praktische Lösung des 
Problems der heterochromen Photometrie. 
(Compt rend. 1903, t. CXXXVI, p. 743—745.) 

Trotz vieler Untersuchungen ist das Problem der 
verschiedenfarbigen Photometrie noch nicht praktisch 
gelöst ; bei der Vergleichung zweier Lichtquellen von 
sehr verschiedenen Färbungen, z. B. einem elektrischen 
Bogen und einer Vergleichsflamme, bleibt für Unsicher- 
heit und Willkür noch ein weiter Spielraum, und die 
Einführung der verschiedensten Lichtquellen in die Be- 
leuchtungspraxis macht diese Schwierigkeit noch viel 
empfindlicher. Herr Fabry schlägt nun vor, zu den 
photometrischen Messungen einen sekundären Etalon 
von derselben Farbe wie das zu messende Licht, zwischen 
denen die Vergleichung leicht ausführbar ist, zu benutzen. 
l>ie verschiedenen sekundären Maßstäbe können ein für 
allemal mit der Grundeinheit nach den verschiedensten 
Methoden verglichen werden, und jeder hat dann für die 
praktische Verwendung einen ganz bestimmten Wert, 
der bei der Messung zugrunde gelegt wird. 

Bei der großen Mannigfaltigkeit der gebräuchlichen 
Lichtquellen könnte es scheinen, daß man ebenso viele 
sekundäre Etalons haben müßte. Dies ist aber nicht der 
Fall ; es ist nicht erforderlich , daß das sekundäre Ver- 
gleichBlicht die gleiche spektrale Zusammensetzung wie 
das zu messende habe, sondern es genügt, wenn der Eta- 
lon den gleichen farbigen Eindruck hervorruft, und dies 
läßt sich, wie der Versuch zeigte, leicht durch passend 
gewählte absorbierende Medien mit einer Vergleichs- 
flamme (z. B. einer Carcel-Lampe) erreichen. 

Herr Fabry verwendet zwei absorbierende Flüssig- 
keiten, die leicht herstellbar sind: i lg kristallisiertes 
Kupfersulfat in 100 cm 3 Ammoniak gelöst, mit Wasser 
auf 1 Liter gebracht, -Big Jod und 3 g Jodkalium in 
Wasser auf 1 Liter gelöst; die Flüssigkeit A schwächt den 
roten, B den blauen Teil des Spektrums. Läßt man das 
Licht einer Lampe durch Schichten x und y dieser Flüs- 
sigkeiten gehen, so erhält man eine Unzahl von Färbun- 
gen und alle Nuancen der in der Praxis vorkommenden 
Lichtquellen (auch die des Sonnenlichtes und des Queck- 
silberbogenlichtes). Mit der Färbung ändert das Zwischen- 
schalten der absorbierenden Flüssigkeiten auch die In- 
tensität. Diese Schwächung der Helligkeit wird nun ein 
für allemal gemessen und in einer Tabelle als Funktion 
von x und i/ numerisch angegeben. 

Bei der photometrischen Vergleichung verfährt man 
nun wie folgt: Es sei eine Lichtquelle L mit einem Eta- 
lon E zu vergleichen. Man nimmt ein Vergleichslicht 
S, z. B. eine Carcel-Lampe, oder ein ähnliches Licht von 
konstanter Helligkeit, stellt es mit den absorbierenden 
Trögen an die eine Seite des Photometers, auf die andere 
das zu messende Licht L und füllt in die Tröge soviel von 
den absorbierenden Flüssigkeiten, daß die Farbe gleich 
der des zu messenden Lichtes ist; hierauf stellt man die 
Gleichheit der Helligkeiten her. Sodann wiederholt man 
denselben Versuch, indem man statt der zu messenden 
Lichtquelle den Etalon E vergleicht und dieselben Tröge 
vor H mit neuen Flüssigkeiten füllt. Eine einfache Rech- 
nung gibt dann das gesuchte Verhältnis von L zu E. 



P. Schei: Geologische Ergebnisse der zweiten 
norwegischen Polarexpedition der „Fram" 
1898 bis 1902. (The Geographical Journal XXII, 1903, 
p. 56—65.) 
Auch nach der geologischen Seite hin hat die Polar- 
expedition unter Kapitän Sverdrups Leitung die mannig- 
fachsten Ergebnisse geliefert. Die Basis der weiten Gebiete 
im Nordwesten Grönlands, in North Lincoln-Land und 
nördlich des Hayes-Sundes sowohl wie westlich bis zum 
Harbour-Fjord bilden archäische Schichten, die von 
Graniten besonderer Art durchsetzt sind. Darüber lagern 
cambrische, dickbankige Sandsteine, wie z. B. auf der 
Bache-Halbinsel und am Foulke-Fjord, am Inglefield-Golf 
und auf North Somerset. Ihnen folgen bis mehrere 



hundert Fuß mächtige Kalkkonglomerate und Arkosen 
und mittelsilurische, bis zu 2000 Fuß mächtige Schichten. 
Letztere sind besonders an der Prinzeß Marie-Bucht und 
am Jones-Sund entwickelt. Ihr Hangendes bilden unter- 
devonische, schwarze Tonschiefer und Kalke und mittel- 
oder oberdevonische, küstennähere Bildungen mit Fisch- 
resten und eingeBchwemmten Pflanzen. Carbonisehe fossil- 
reiche Kalke Btehen am Big Bear-Kap an und triassische 
Sandsteine und sandige Kalksteine mit Lamellibranchiaten 
und Ammoniten finden sich am Ammonitenberg im nörd- 
lichen Teil des Bear Cape-Landes. Nach der Triaszeit er- 
schütterten gewaltige vulkanische Eruptionen das Land, 
und große tektonische Störungen durchsetzten diesen Teil 
der festen Erdrinde. Zwar finden sich auch schon carbo- 
nische Eruptivgesteine, deren Deckenergüsse mit Tuff- 
schichten wechsellagern, jedoch die Hauptmasse der infolge 
ihrer besseren Widerstandsfähigkeit gegen die Erosion 
heute als dunkle Gänge und Wälle erhaltenen Ausbruchs- 
gesteine ist posttriassischen Alters. 

Ellesmere-Land und König Oskar-Land sind Tafel- 
länder, die mit hohen Steilküsten zum Meere abfallen. 
In den durch die Erosion gebildeten Tälern und Senken 
dieses Gebietes finden sich jüngere miocäne Ablagerungen 
mit Pflanzenresten, die der rezenten Sequoia Kaliforniens 
und der Sumpfcypresse Floridas verwandt sind. Die 
jüngsten marinen Ablagerungen bilden Sande und Tone 
mit subfossilen Resten, die bis zu einer Höhe von 650 Fuß 
über der Küste liegen. Anzeichen solch höherer derein- 
stiger Meeresbedeckung bieten Terrassenbildungen lockerer 
Sedimente und deutliche Abrasionsebenen im Gebiete des 
festen Gesteins, wie z. B. am Baumann-Fjord und am Mai- 
hügel. Ahnliche Terrassenbildungen wurden auf der 
Graham-Insel und am Eureka-Sund beobachtet. 

Einer der bezeichnendsten Züge dieser Gegend ist 
ihre Vereisung. North Lincoln -Land ist gänzlich ver- 
gletschert; sein Inneres bedeckt eine mehr oder weniger 
zusammenhängende Eisdecke, von der zahlreiche Gletscher 
zur Küste und ins Meer hinabziehen. Ebenso ist es am 
Jones-Sund. Weiter nach Westen zu nimmt die Vereisung 
ab; zunächst ziehen sich die Gletscher von der Küste 
zurück und verschwinden allmählich ganz und gar. Die 
höheren Teile von König Oskar-Land sind noch eisbedeckt, 
doch ist diese Hülle nur sehr dünn und frei von Gletscher- 
bildungen. Im gebräuchlichen Sinne des Wortes ist dieses 
Gebiet bereits nicht mehr vergletschert, ebensowenig wie 
Grinell-Land und der größte Teil von Heiberg-Land. Nur 
in dessen südöstlichstem Teil finden sich noch Gletscher, 
jedoch erreichen diese nicht mehr das Meer. Wahr- 
scheinlich hängt hier die Vergletscherung mit der Kon- 
figuration des Landes zusammen; an den kurzen, steilen 
Abhängen treibt der Wind deu Schnee zusammen und 
lagert ihn hier ab, so daß es zur Bildung von Firneis 
kommen kann. Im Sommer jedenfalls sind große Teile 
des Landes frei von Schnee und Eis. 

Auffallenderweise zeigen die eisfreien Teile des Ge- 
bietes nirgends eine Spur einer früheren Vereisung; 
nirgends beobachtet man sog. Roches moutonnees oder 
Schrammung oder Glättung. Auch fehlen jedwede glazia- 
len Sedimente. Hingegen sieht man vielerorts deutliche 
marine Terrassen bis zur Höhe der heutigen Gletscher, 
die kaum von einer so hoch stehenden See geschaffen 
sein können, wenn hier einst die Vereisung so stark wie 
heute oder womöglich noch stärker gewesen sein sollte. 
Wahrscheinlich war sie dereinst geringer, und wir haben 
in der gegenwärtigen Vergletscherung ihr Maximum, wie 
sie nie zuvor war, ein Umstand, der für die physikalische 
wie biologische Geographie dieser Gebiete von hoher 
Bedeutung ist. A. Klautzsch. 



L. Macchiati: Über die Photosynthese außerhalb 

des Organismus. (Revue generale de Botanique 1903, 

vol. XV, p. 20—25.) 

Vor kurzem hat ein französischer Forscher, Herr 

l'riedel, Untersuchungen veröffentlicht, nach denen das 



36 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. o. 



Chlorophyll auch außerhalb des Organismus die Fähig- 
keit zur Assimilation (Photosynthese) besitzen soll (vgl. 
Rdsch. 1902, XVII, 191). Diesen Angaben ist unter anderen 
von Harroy widersprochen worden (s.ebenda S. 191). Herr 
Macchiati indessen ist zu Ergebnissen gelangt, welche 
die Friedeische Behauptung bestätigen. Er hat über 
diese Untersuchungen außer der oben angegebenen, uns 
nicht zugänglichen Arbeit noch verschiedene andere Ver- 
öffentlichungen in italienischer und französischer Sprache 
erscheinen lassen. Wir halten uns im folgenden an ein 
Referat, das Herr Bernard im „Botanischen Zentral- 
blatt" (1903, Bd. XCIII, S. 407—408) erstattet hat. 

Herr Macchiati zog aus Arum italicum, Acanthus 
mollis und anderen Pflanzen einerseits die in reinem Gly- 
cerin löslichen Stickstoffkörper (unter anderen die Enzyme) 
aus, anderseits gewann er teils durch Austrocknung bei 100°, 
teils durch Verdampfung einer alkoholischen Lösung ein 
grünes Pulver, das das Chlorophyll enthielt. Er ver- 
mischte das Pulver einmal mit Wasser, das andere Mal 
mit dem Glycerinauszug. Mit der Versuchsflüssigkeit 
füllte er ein Glasgefäß, in das er einen umgestülpten 
Trichter tauchte, auf dem ein graduiertes Reagensglas 
mit derselben Flüssigkeit angebracht war. Der Apparat 
wurde dem Lichte ausgesetzt. Außer den beiden Ver- 
suchsflüssigkeiten stellte Verf. drittens noch das isolierte 
Enzym her, indem er einen Teil des GlycerinauszugeB 
mit Benzol schüttelte ; nach dem Abgießen des Benzols 
schied sich das Enzym in Form einer weißen, flockigen, 
amorphen Substanz aus. Die Ergebnisse waren folgende: 

Der Glycerinauszug vermag für sich keine Assimilation 
hervorzurufen, ebensowenig das mit destilliertem Wasser 
vermischte Enzym. Dagegen ruft das durch Austrock- 
nung bei 100° erhaltene und in destilliertes Wasser ge- 
brachte Pulver immer Sauerstoffentwickelung mit Form- 
aldehydbildung hervor. Dieses Pulver, in dem kein leben- 
des Protoplasma vorhanden sein kann, enthält noch das 
Enzym in aktivem Zustande; denn bringt man das Pulver 
in reines Glycerin, läßt es einige Zeit darin und behan- 
delt dann mit Benzol, so erhält man das freie Enzym so 
gut wie aus den frischen Blättern. 

Das aus einer alkoholischen Lösung erhaltene Pulver 
und das vom Enzym befreite Pulver sind unfähig 1 ) zu 
assimilieren, wenn man sie mit destilliertem Wasser 
mischt. Dagegen tritt sofort Sauerstoffentwickelung ein, 
wenn man ein wenig Enzym hinzufügt. 

Die Wirkung des Enzyms kann durch das Glycerin, 
das eine konservierende Flüssigkeit ist, maskiert werden. 
Hieraus erklärt sich nach Herrn Macchiati der Miß- 
erfolg Friedeis in einigen seiner Versuche. 

Aus seinen Versuchen zieht Verf. folgende Schlüsse. 

Die Photosynthese kann außerhalb des Organismus 
in Wirkung treten, und das Hauptagens der Chlorophyll- 
assimilation ist ein lösliches Ferment (Enzym), das von 
den grünen Zellen abgesondert wird ; der Chlorophyll- 
farbstoff scheint nur als chemischer Sensibilator zu wirken. 
Das Enzym erträgt eine erhöhte Temperatur (100°) und 
die Gegenwart antiseptischer Stoffe. Die Photosynthese 
außerhalb des Organismus findet nur statt, wenn die 
Pflanze zu günstiger Jahreszeit gesammelt worden ist. 
Die Assimilation muß als ein feimentativer Vorgang, der 
den Nitrifikationen und anderen Erscheinungen derselben 
Art analog ist, betrachtet werden. F. M. 



A. van Delden: Beitrag zur Kenntnis der Sulfat- 
reduktion durch Bakterien. (Zentralljlatt für 
Bakteriologie usw. Abt. II, 1903, BJ. XI, S. 81—94, 
S. 113—119.) 
Beijerinck hat 1895 als Ursache der Sulfatreduktion 
in Gewässern ein kleines Spirillum beschrieben, das von 
ihm Spirillum desulfuricans, von Migula später Micro- 
spira desulfuricans genannt wurde. Auf Veranlassung 
Beijerincks hat Herr van Delden diese Unter- 

') In unterer Quelle ist diese Angabe in ihr Gegenteil verdruckt. 



suchungen erweitert, indem er den Bedingungen der 
Sulfatreduktion genauer nachforschte und ferner die Ur- 
sache der starken Schwefel Wasserstoff bildung an den 
holländischen Seeküsten, namentlich in den Ästuarien, 
festzustellen suchte. In diesen Ästuarien (holländisch 
„Wadden") ist der Schlamm bis auf viele Meter Tiefe 
durch die Gegenwart von Schwefeleisen, das durch Sulfat- 
reduktion entstanden ist, tief schwarz gefärbt, während 
die farblose, oxydierte Oberfläche nur wenige Zentimeter 
oder Millimeter dick ist. 

Die Süßwasserkulturen ergaben, daß Wässer, die stark 
mit organischen Stoffen verunreinigt sind (die Kulturen 
wurden mit Delfter Grabenschlamm infiziert) und zu- 
gleich Sulfate enthalten, reichliche Mengen H 2 S ent- 
wickeln können. Die Konzentration des H 2 S kann sehr 
hoch sein, ohne daß die Sulfatspirillen dadurch abgetötet 
werden. Die höchste Ziffer, die in den Delfter Stadt- 
gräben (nach einer Stagnation des Wassers) festgestellt 
wurde, war 18 mg H. 2 S in 1 Liter Wasser. Am kräftigsten 
war die H 2 S-Entwickelnng in den Kulturen bei 25 bis 30° C. 
Die meisten in verunreinigten Wässern vorkommenden 
organischen Verbindungen können die H 2 S- Bildung er- 
möglichen. Von den organischen Salzen sind Lactate, 
Malate und Succinate am geeignetsten, und von den 
Stickstoffverbindungen können Asparagin , Pepton und 
Ammonsalze durch die Spirillen assimiliert werden; Sal- 
peter verhindert aber die Sulfatreduktion. Dieser Körper 
kann, in kleinen Mengen (bis '/ 50 %) zugesetzt, von den 
Spirillen als Stickstoffquelle benutzt werden; er wird 
unter Bildung von Nitrit und vielleicht von Ammoniak 
reduziert, und erst wenn alles Nitrat und Nitrit aus der 
Flüssigkeit verschwunden ist, beginnt die Sulfatreduktion. 
In Gelatinekulturen, die im Reagensgläschen her- 
gestellt wurden, erschienen die Spirillenkolonien als kleine, 
schwarze Pünktchen, die ziemlich gut wuchsen und sich 
dabei mit einem schwarzen Hofe von Schwefeleisen um- 
gaben, der sich allmählich ausbreitete, so daß vier bis 
fünf Kolonien genügten, um die ganze Röhre zu schwärzen. 
Die Spirillen sind klein, kurz, lebhaft beweglich, anaerob. 
In Reduktionsflüssigkeit übertragen , rufen die Kolonien 
nach zwei bis drei Tagen H 2 S- Bildung hervor. Die 
Spirillen bewahren ihre Beweglichkeit nur bei erschwertem 
Sauerstoffzutritt, doch kann durch Zufügung von H 2 S, 
der den überschüssigen Sauerstoff absorbiert, dessen 
schädliche Wirkung aufgehoben werden. In den Gelatine- 
kulturen sind die Spirillen gewöhnlich noch mit einer 
anderen Bakterie, Aerobacter coli var. infusionum, ver- 
gesellschaftet, der den Sauerstoff absorbiert, aber an der 
H 2 S- Bildung unbeteiligt ist. Es^ gelang, völlig reine 
Spirillenkulturen zu erhalten, indem die Schutzwirkung 
des Aerobacter durch die des H S S ersetzt wurde. Bei 
Gegenwart von H 2 S in der Gelatine macht sich die oxy- 
dierende Wirkung der Luft durch Abscheidung von 
Schwefel erkennbar. Erst unterhalb der Schwefelabschei- 
dung entwickeln sich Spirillenkolonien, von einer kleinen 
Sauerstoffmenge anscheinend im Wachstum gefördert, 
aber schon bei geringer Zunahme des Sauerstoffdruckes 
daran gehindert. 

In den mit schwarzgefärbtem Seeschlamm infizierten 
Kulturen wurden ganz bedeutende H 2 S-Mengen gebildet. 
So fand Verf. in einer mit Leitungswasser und den er- 
forderlichen Nährsalzen hergestellten Kultur 1030 mg 
H 2 S, entsprechend 2424 mg S 3 auf den Liter, eine Zahl, 
die den mittleren Gehalt an S0 3 in SeewasBer (2100 bis 
2200 mg im Liter) übertrifft. Wenn die organische 
Nahrung hinreicht, kann also das Seewasser durch die 
Sulfatreduktion schwefelsäurefrei gemacht werden, was 
Verf. mit Seewasser aus der Nordsee, das mit den nötigen 
Nährstoffen versehen war, wirklich erreichen konnte. 

Als Ursache der Sulfatreduktion in diesen Seewasser- 
kulturen stellte Verf. ein dem M. desulfuricans sehr 
ähnliches Spirillum fest, das er Microspira aestuarii 
nennt. Es tritt ebenso wie M. desulfuricans mit einem 
Begleitorganismus, einem Micrococcus, auf, der aber auch 



Nr. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 37 



hier durch Anwendung der H 2 S- Methode entbehrlich 
gemacht werden kann. Die Reinkulturen der Microspira 
aestuarii rufen gewöhnlich schon einen Tag nach der 
Impfung Sulfatreduktion unter starker Schwefelwasser- 
stoffbildung hervor. Als Maximum fand Verf. einen H 2 S- 
Gehalt von 952 mg, entsprechend 2240 mg S O a im Liter. 
Daß Microspira aestuarii und M. desulfuricans trotz ihres 
übereinstimmenden Verhaltens in morphologischer und 
physiologischer Beziehung verschiedene Arten seien, 
glaubt Verf. vorläufig deswegen annehmen zu müssen, 
weil der Kochsalzgehalt der Nährflüssigkeit beide in ver- 
schiedener Weise beeinflußt. 

Beide Organismen können ihre Wirkung nur anaerob 
in einem Medium ausüben, das außer Sulfaten noch eine 
geeignete organische Nahrung enthält, deren Verbrennuug 
die für die Spaltung der Schwefelsäure nötige Energie 
liefern muß. Quantitative Analysen, in deuen neben dem 
H 2 S auch die in derselben Zeit gebildete C0 2 bestimmt 
wurde, bestätigten den Zusammenhang beider Prozesse. 
Der Sulfatsauerstoff wird bei der Selbstreinigung der Ge- 
wässer ebenso wirksam sein wie der Nitratsauerstoff. 
Für die Sulfatreduktion sowohl wie für die Denitrifikation 
ist es charakteristisch, daß sie bei Abwesenheit von freiem 
Sauerstoff stattfinden. F. M. 



Literarisches. 

J. M. Pernter: Allerlei Methoden, das Wetter zu 
prophezeien. (Vorträge des Vereins zur Verbreitung 
naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien. XL11I. Jahr- 
gang. Heft 14.) 
Das vorliegende Werkchen erklärt einem größeren 
Leserkreise in gemeinverständlicher Form die Bedeutuug 
der heutigen Methode der wissenschaftlichen Wetter- 
prognose. Da das Wetter für das Leben der Menschen 
von jeher eine große Bedeutung gehabt hat, so sind die 
Versuche, dasselbe auf Grund irgend welcher Erfah- 
rungen, die man gemacht zu haben glaubt, zu prophe- 
zeien, sehr alt. So sind die Bauernregeln entstanden, so 
der Glaube an den Einfluß des Mondes auf die Witte- 
rung usw. Letzteren Glauben hat bekanntlich Falb noch 
in unseren Tagen zur Ausbildung einer Theorie ver- 
wertet. Erst als man anfing, die Schwankungen des 
Barometers zu beobachten, kam man dem Ziele einer 
wissenschaftlichen Wetterprognose etwas näher. Schon 
Otto von Guericke wußte, daß ein ungewöhnlich 
schnelles Fallen des Barometers stürmisches, schlechtes 
Wetter zur Folge hat. Seitdem die modernen Ver- 
kehrsmittel nun gestatten , den gleichzeitigen Witte- 
ruugszustand für ein größeres Gebiet zu erfahren , hat 
man aber erkannt, daß nicht der Luftdruck am Orte, 
sondern die Verteilung desselben über einem größe- 
ren Gebiete maßgebend für Wind und Wetter ist. 
Als Grundlagen für die moderne, wissenschaftliche 
Wetterprognose bezeichnet der Verfasser nun folgende 
Sätze: 1. Es entspricht Btets einem Punkte, welcher in 
einer bestimmten Luftdruckverteilung dieselbe Lage ein- 
nimmt, dasselbe Wetter. 2. Das Wetter einer Gegend 
ist bestimmt von ihrer Lage in und zu den verschiede- 
nen Formen der Luftdruckverteilung. 3. Gelingt es, vor- 
aus zu erkennen, welche Luftdruckverteilung an einem 
bestimmten Tage oder einer Reihenfolge von Tagen, 
bzw. einem Zeiträume herrschen wird, so ist dadurch 
auch das Wetter des Tages oder des Zeitraumes voraus 
bestimmt. 4. Modifikationen, welche durch die geogra- 
phischen Verhaltnisse der Bodenkonfigurationen, z. B. 
die Lage eines OrteB in den Alpen usw. auftreten, 
sind für diesen Ort auch iu jeder Form der Luftdruck- 
verteilung konstant. Die Überlegenheit der wissenschaft- 
lichen Prognose über die übrigen Methoden wird dar- 
getan. Die Ausführungen des Verfassers werden an 
einer großen Anzahl von Kartenskizzen erläutert. 

G. Schwalbe. 



J. Tafel: Über elektrolytische Reduktionen. 

Vortrag, gehalten in der Sitzung der physikal.-med. 

Gesellschaft zu Würzburg am 22. Januar 1903. 15 S. 

(Würzburg 1903, A. Stuber.) 

In diesem Vortrage gibt Verf. einen zusammenfassen- 
den Bericht über seine interessanten Studien, die sich 
mit den elektrolytischen Reduktionen, d. h. mit den Re- 
duktionswirkungen an chemischen Stoffen, welche mittels 
des galvanischen Stromes hervorgebracht werden, be- 
schäftigen. Diese Methode ist einer großen Verallgemei- 
nerung fähig, und es ließen sich auf diese Weise Reduk- 
tionsprodukte von einer großen Reihe von Substanzen 
darstellen, die bisher der Reduktion durch die sonst üb- 
lichen chemischen Reduktionsmittel widerstanden haben. 
Um die genauen Bedingungen, bei welchen die elek- 
trolytische Reduktion glatt voustatten geht, festzustel- 
len, bediente Bich Verf. folgender Anordnung: Durch 
zwei ganz gleich gebaute Apparate, von denen der eine 
nur verdünnte Schwefelsäure , der andere im Kathoden- 
raum außer dieser noch den zu reduzierenden Stoff ent- 
hält, wird derselbe Strom geleitet, die im Laufe einer 
Minute aus beiden Kathodenräumen entweichenden Wasser- 
stoffmengen werden aufgefangen und ihr Volumen be- 
stimmt. Falls keine Reduktion stattfindet, sind beide Men- 
gen gleich; im anderen Falle entweicht aus dem mit dem 
Versuchskörper beschickten Apparat weniger Wasserstoff, 
und die Differenz der in einer Minute entweichenden 
Wasserstoffvolumina gibt ein direktes Maß für die Reduk- 
tionsgeschwindigkeit im betreffenden Zeitpunkt. 

Auf diese Weise konnte festgestellt werden, daß der 
Reduktionsverlauf gegen einen Gehalt der Kathoden- 
flüssigkeit an anderen Metallen als Blei im allerhöchsten 
Maße empfindlich ist. So störten schon ganz minimale 
Mengen (zwischen 0,004 und 0,0004 mg) Platin die Re- 
duktion ; Kupfer, Silber, Zinn wirken, wenn auch in viel 
geringerem Grade, ebenso. Ohne auf die physikalisch-che- 
mische Betrachtung des Reduktionsvorganges näher ein- 
zugehen, gibt Verf. nur die rein chemischen Resultate 
seiner Arbeiten. Reduziert wurden auf elektrolytischem 
Wege die Ureide und Körper der Puringruppe, ferner 
Amide und Imide organischer Säuren und gewisse Oxime, 
wie das Acetylacetondioxim. P- R. 



M. Hoernes: Der diluviale Mensch in Europa. 

Die Kulturstufen der älteren Steinzeit. 

227 S. Mit vielen Textabbildungen. (Brauuschweig 

1903, Friedr. Vieweg & Sohn.) 
Das Erscheinen dieses äußerst interessanten Buches 
ist mit Freuden zu begrüßen, besaßen wir doch in unse- 
rer deutschen Literatur bisher überhaupt kein Werk, 
das die zahlreichen paläolithischen Funde des mittleren 
Europas im Zusammenhang behandelte oder gar in Be- 
ziehung setzte zu den klassischen Funden Frankreichs. 
Das einzige ähnliche Werk dieser Art, das sich doch 
aber ausschließlich auf die Funde in Westeuropa be- 
schränkt, ist das veraltete Buch von deMortillet: Le 
prehistorique, antiquite de l'homne. Verf. folgt zwar 
auch dem von diesem aufgestellten, von Piette verbes- 
serten System des Paläolithikums und gliedert dasselbe 
in drei Perioden, das aber auf Grund besonders der öster- 
reichischen Funde etwas von jenem abweicht. In Be- 
ziehung zu den verschiedenen Phasen der Eiszeit ist sein 
System das folgende: I. Erste Eiszeit (nach Geikie 
pliocän). 1. Erste Zwischeneiszeit: Stufe von Til- 
loux-Taubach (mit Elephas meridionalis, antiquus und 
primigenius) oder Chelleo-Mousterien. II. Zweite Eis- 
zeit: Hiatus (wenigstens östlich von Frankreich). 2. 
Zweite Zwischeneiszeit: Mammutzeit oder Solu- 
treen. Stufe der Lößfunde in Österreich. (Höhlen- 
bewohnende Bären, Löwen, Hyänen.) III. Dritte Eiszeit: 
Verschwemmung der älteren pleistocänen Fauna. An- 
wesenheit arktischer Tiere. (Renn, Vielfraß.) 3. Dritte 
Zwischeneiszeit: a) Renntierzeit oder Magdalenien 
in ganz Mitteleuropa, b) Edelhirschzeit oder Asylien 



38 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 3. 



(Tourrasien) in Westeuropa. IV. Vierte Biszeit: Ari- 
sien (etage coquillier) in Südfrankreich. Gleichzeitig 
Hiatus im übrigen Europa. 4. Nacheiszeit: Jüngere 
Steinzeit. 

Auf Grund dieser Einteilung bespricht Verf. nun 
zunächst die Funde Westeuropas unter Kritik der Systeme 
de Mortillets und Piettes. Gerade diese beweisen 
für seine erste Periode durch die Gleichzeitigkeit des 
Auftretens die Berechtigung des Verfassers, die von de 
Mortui et getrennten Gruppen des Chelleen und des 
Mousterien zu vereinigen. Die Typen von Chelles und 
Moustier gehören einer einzigen altdiluvialen Periode 
an, in deren Verlauf Klima und Fauna einschneidende, 
aber wohl nur allmähliche Veränderungen erfahren haben. 
Doch ist es nicht einmal zulässig, beide Typen als eine 
ältere und jüngere Phase derselben Periode aufzufassen. 
In Deutschland gehören hierher die Funde von Taubach 
und Rübeland ; sie vermitteln zu denen aus der Sipka- 
höhle in Mähren und von Krapina in Kroatien. Ihr ge- 
hören die menschlichen Reste von Spy und aus dem 
Neandertale an, auch die Funde von Taubach, der Sipka- 
höhle und Krapina bergen solche. 

Seine zweite Periode, das Solutreen, erweitert das 
de Mortilletsche Solutreen um die ältere Periode von 
Piettes äge glyptique. Verf. ist für ihr Fortbestehen, 
obwohl sie viele einziehen wollen, denn sie scheidet die 
voi aufgegangene und folgende Periode, die Neandertal- 
zone von den jungdiluvialen Menschenformen und füllt 
die große Kluft zwischen beiden archäologisch, vielleicht 
auch anthropologisch aus. Sie umfaßt eine Periode mil- 
den Klimas, worauf wohl ihre Kulturhöhe zurückzufüh- 
ren ist. Ihr gehören die Höhlenwandfiguren mit bloß 
vertiefter Umrißzeichnung aus den Departements Gard, 
Gironde und Dordogne an. Die menschlichen Reste aus 
der sog. „Kindergrotte" in der Umgegend von Mentone 
repräsentieren einen ausgesprochen negroiden Typus 
(„Grimalditypus") und beweisen wenigstens für das süd- 
liche Westeuropa die Existenz einer afrikanischen Men- 
schenrasse. In Übereinstimmung damit zeigen auch auf- 
gefundene elfenbeinerne Rundfiguren denselben Typus. 
Außer den Fundpunkten in Westeuropa gehören hierher 
die deutschen von Thiede und Westeregeln, Munzingen, 
aus Bayern , von den Höhlen Ofnet und Boakstein bei 
Nördlingen und von Lindenthal bei Gera, die mähri- 
schen von Brunn und Pfedmost sowie vielleicht solche 
von Kiew. 

Die jüngste Stufe des Paläolithikums umfaßt die eigent- 
liche Renntierzeit mit kaltem , trockenem Klima. Ihre 
Steinwerkzeuge sind klein und länglich, meist unansehn- 
lich. An ihre Stelle treten zahlreiche und mannigfache 
Werkzeuge aus Knochen und Geweih. In Westeuropa 
blüht die Kunst der Umrißzeichnung auf Knochen und 
die Freskomalerei in Höhlen ; die Menschenrasse selbst 
erscheint neu von vorgeschrittener Körperbildung. Von 
deutschen Funden gehören hierher die von Schussenried, 
Andernach usw.; aus der Schweiz stammen die vom 
Keßlerloch und Schweizerbild, aus Österreich die von 
der Gudenushöhle und von Kulna bei Sloup. 

Übergangsstufen zum Neolithikum sind sodann das 
Asylien und das Alisien. Sie beweisen, daß mit der 
Renntierzeit das Jägerstadium Westeuropas nicht endete, 
sondern daß dieser noch ein paläolithisches Hirschzeit- 
alter folgte. Für einige Gegenden Italiens und Frank- 
reichs bieten andere Funde, die nach Piette als Cam- 
pignien bezeichnet werden, Übergänge zum alluvialen 
Zeitalter, aber im allgemeinen beweist nichts die An- 
nahme, daß die neolithische Kultur mit Feldbau, Vieh- 
zucht, Herstellung geschliffener Steinwerkzeuge und Töp- 
ferei von einer altheimischen Bevölkerung errungen und 
ausgebildet worden sei. Auch de Mortillets Tarde- 
noisien mit seinen zahlreichen „geometrischen" Flint- 
werkzeugen iöt keine durchgehende Kulturstufe, sondern 
nur eine besondere, feuerstein-technische Richtung, welche 
gewissen Lebensbedürfnissen entspricht und chronologisch 



teils mit dem Campignien , teils schon mit neolithischer 
Kultur zusammenfällt. 

Im zweiten Teil seines Werkes behandelt sodann der 
Verf. im speziellen die paläolithischen Funde Österreich- 
Ungarns. Sie beweisen den vollen Anteil auch dieser 
Länder an den drei paläolithischen Kulturstufen West- 
europas und daß auch für sie diese Dreigliederung dient. 
Die Darstellung ist hier weit ausführlicher und berück- 
sichtigt alle einschlägigen E\indoite, da bisher noch 
keine zusammenhängende und vergleichende Behandlung 
bzw. kein System derselben existierte. 

Überblicken wir so im Zusammenhang das in die- 
sem Buche gebotene Material, so erkennen wir im Dilu- 
vium Europas Kulturprovinzen, welche von der Natur 
verschiedene Ausstattungen empfangen haben, welche 
sich insbesondere zu den Glazialerscheinungen verschie- 
den verhalten und sich darum auch kulturell differen- 
ziert haben. Und doch sind gewisse Hauptmerkmale 
ihnen allen gemeinsam. Man erkennt weiterhin Kultur- 
stufen, die eine zeitliche Gliederung gestatten und gleich- 
zeitig geologische und tiergeschichtliche Phasen sind. 
Nicht aber kennen wir Herkunft und Verbleib der zum 
Teil sehr verschiedenen Rassen, die in den drei Haupt- 
perioden Europa bewohnten. Für einen Teil der Be- 
wohner Westeuropas in der mittleren Stufe ist afrika- 
nische Herkunft sehr wahrscheinlich, aber woher stammt 
die Neandertalrasse und was ist aus ihr geworden? Sind 
die Menschen des Magdalenien nördlicher oder südlicher 
Herkunft oder haben sie sich in Mitteleuropa aus älte- 
ren Formen entwickelt, sind sie hier geblieben oder mit 
dem Renutier ganz oder teilweise aus Europa hinweg- 
gezogen? Alles das sind Fragen, die noch der Lösung 
harren. 

Die hohe Bedeutung Frankreichs und überhaupt 
Westeuropas für die Kenntnis des diluvialen Menschen 
und sein Reichtum an Funden solcher Art liegt einmal 
in dem Umstand, daß es weit mehr als das mittlere und 
östliche Europa von der Eiszeit verschont war, und zum 
anderen in seinen damaligen geologischen Verhältnissen. 
Es war ein großes Zentralgebiet, das mit seinem flachen 
Westen weiter hinausragte als heute und das durch Laud- 
brücken mit Nordafrika und Südengland in Verbindung 
stand. Gerade diese südliche Verbindung mit Afrika 
hat sicherlich bei der ältesten Besiedelung Europas eine 
entscheidende Rolle gespielt. Nordafrika ist Europa 
gegenüber der Orient des Diluviums, und ihm muß 
für jene Zeit dieselbe Rolle zugeschrieben werden , die 
späterhin Westasien unserem Erdteil gegenüber gespielt 
hat. A. Klautzsch. 



Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 
Sitzung am 17. Dezember. Herr van 't Hoff über- 
reichte eine Mitteilung von Herrn A. Geiger: „Künst- 
liche Darstellung des Krugits". Es ist Herrn Geiger 
gelungen, den Krugit: Ca, K 2 Mg (SOJj 2 H 2 künstlich 
darzustellen. — Zu wissenschaftlichen Unternehmungen 
hat die Akademie bewilligt: Herrn Prof. Dr. Arthur 
Danneu berg in Aachen zum Abschluß seiner geologi- 
schen Untersuchung von Vulkangebieten auf der Insel 
Sardinien 800 Mk. ; Herrn Prof. Dr. Hugo Kronecker 
in Bern zu Versuchen über Serum-Transfusion 1500 Mk. ; 
Herrn Geh. Hofrat Prof. Dr. Otto Lehmann in Karls- 
ruhe zur Drucklegung seines Werkes über flüssige Kri- 
stalle weiter noch 600 Mk.; Herrn Prof. Dr. Armin 
Tschermak in Halle a. S. zur Fortsetzung seiner Ar- 
beiten über das Binocularsehen der Wirbeltiere 300 Mk. 



Academie des sciences.de Paris. Seance du 
28 decembre. M. Troost est elu Vice-President de 
l'Academie pour l'annee 1904. — Moissan et Binet du 
Jassoneix: Recherches sur la densite du chlore. — A. 
Hall er et G. Blanc: Sur de nouvelles syntheses effec- 



Nr. 3. 190-1. 



Naturwissenschaftliche Kundschau. 



XIX. Jahrg. 



39 



tuees au moyen des molecules renfermant le groupe me- 
thylene associe ä un ou deux radicaux negatifs. Action 
de l'epicldorhydriue sur l'acetylacetone sodee. — Th. 
Schloesing fils: La potasse soluble dans l'eau du sol 
et son utilisation par les plantes. — Loewy: Sur le 
premier Volume du Catalogue photographique du Ciel 
publie par M. A. Donner, Directeur de l'Observatoire 
d'Helsingfors. — Zeiller presente ä l'Academie le Vo- 
lume de texte de la Flore fossile des gites de charbon du 
Tonbiii. — Alfred Picard: Note accompagnant la pre- 
seutation du Recueil des plans de son Rapport sur l'Ex- 
position universelle de 1900. — Armand Sabatier: 
Sur les mains scapulaires et pelviennes chez les Poissons 
chondropterygiens. — Ch. Deperet et 0. Mengel: 
Sur la limite du Jurassique et du Cretace dans la region 
Orientale des Pyrenees et sur l'existenee de deux epoques 
distinctes de formation des calcaires ä couzeranite. — 
J. A. Normand: De l'influence de la surimmersion suv 
la vitesse. — Janssen fait hommage ä l'Academie d'un 
Volume qu'il vient de publier sous le titre: „Lectures 
academiques. Discours." — Paul Audollent adresse 
une reclamation de priorite relative ä Demission de radia- 
tions par les corps. — Henri Rovel adresse plusieurs 
Communications relatives ä la Navigation aerienne. — 
Paul Radiot: Ouvertüre de deux plis cachetes ren- 
fermant des Notes sur la direction des ballons. — 
Le Secretaire perpetuel signale divers Ouvrages 
de M. E. Mathias et de M. A. Lacroix. — Le 
Ministre de l'Instruction publique transmet ä 
l'Academie une Lettre relative ä un tremblement de 
terre en Bulgarie. — H. Lebesque: Sur une pro- 
priete des fonctions. — J. Le Roux: Sur les equations 
lineaires aux derivees partielles. — Paul Wierns- 
berger: Convergence des radicaux superposes pe- 
riodiques. — Charles Renard: Sur un nouveau Sy- 
steme de train routier dit ä propulsion continue. — 
Paul Gasnier: Nouveaux dispositifs electromecaniques 
d'embrayage et de changement de vitesse progressifs. 

— L. Aries: Sur l'extension de la formule de Clapey- 
ron ä tous les etats indifferents. — Charles Fabry: 
Sur l'intensite lumineuse des etoiles et leur comparaison 
avec le Soleil. — E. Rogovsky: Sur la diflerence de 
temperature des corps en contact. — J. de Kowalski: 
Sur les decbarges glissantes. — J. Thovert: Diffusio- 
metre. — Defacqz: Sur une nouvelle methode de pre- 
paration de quelques fluorures anhydres et cristallises. 

— Marcel Ascoli: L'osmose electrique dans l'ammoniac 
liquide. — P. Lebeau: Sur la dissociation des carbo- 
nates alcalins. — Marcel Delepine: Sur les ß-amino- 
iiitriles. — D. Gauthier: Combinaisons du Saccharose 
avec quelques sels metalliques. — Tieffeneau: Sur la 
transformation des «-glycols primaires en aldehydes cor- 
respondantes. — H. Duval: Sur les ethers nitriques des 
acides-alcools. — Louis Meunier: Action de l'acide 
carbonique sur les Solutions aqueuses d'aniline en pre- 
sence des nitrites. — L. Maquenne: Sur la retrogra- 
datiou de l'empois d'amidon. — Leon Brunei: Prepara- 
tion d'alcools hydro-aromatiques — Gabriel Bertrand: 
Sur l'oxydation du gayacol par la laccase. — G. Andre: 
Sur le developpement des plantes grasses annuelles; etude 
des bases minerales. — ISouilhac et Giustiniani: 
Sur une culture de sarrasin en presence d'un me- 
lange d'algues et de bacteries. — Louis Roule: Sur 
l'evolution subie par les Poissons du genre Atherina 
dans les eaux douces et saumätres du midi de la France. 

— Augustin Charpentier: Nouveaux faits sur les 
rayons n d'origine physiologique ; localisations nerveuses. 

— J. Durand: Determination du minimum perceptible 
et de la duree de la perception lumineuse chez les per- 
sonues dont la vue est affaiblie. — Kro necker: Le 
mal des montagnes — J. Vallot: Sur les modifications 
que subit la respiration par suite de Pascension et de 
Pacclimatement ä l'altitude du mont Blanc. — Charles 
Henri et M lle J. Ioteyko: Sur une relation entre le 



travail et le travail dit statique energetiquement equi- 
vahnts ä l'ergographe. — P. Ancel et P. Bouin: Re- 
chercheB sur le röle de la glande interstitielle du testi- 
cule. Hypertrophie compensatrice experimentale. — 
Georges Coutagne: Sur les croisements entre taxies 
differentes. — Georges Bohn: Sur le phototropisme 
des Artiozoaires superieurs. — E. Varenne, J. Rous- 
sel, L. Godefroy: Action de l'anethol sur l'organisme. 

— J. Danysz: De l'action du radium sur les differents 
tissus. — Leclerc du Sablon: Sur une consequence de 
la fecondation croisee. — Grille: Sur un hybride vrai 
de chasselas par vigne vierge (Ampelopsis hederacea). 

— Aman Sur le röle de l'oxalate de calcium dans la 
nutrition des vegetans. — ■ H. Bouygues: Sur la Nielle 
des feuilles de tabac. — L. A. Fabre: Sur le glaciaire 
de la Garonne. — Emile Haug: Sur les racines de 
quelques nappes de charriage des Alpes occidentales. — 
H. Arsandaux: Contribution a l'etude des roches basal- 
tiques de l'Est-Africain. — Andre Delebecque: Sur les 
lacs de haute Engadine. — E. Fleurent: Sur la relation 
qui existe entre la proportion de gluten contenue dans 
les differents bles et la proportion des matieres azotees 
totales. — Fred. Riesz adresse une Note ayant pour 
titre: „Theoreme relatif aux correlations". — T. Le- 
moyne adresse une Note „Sur quelques proprietes des 
cubiques nodales". — Marcellin Recoupe adresse une 
„Note relative ä des mesures thermometriqes aux gelees 
du printemps". 

Royal Society of London. Meeting of Novem- 
ber 19. The following Papers, received during the 
Recess, and published in füll or in abstract in accor- 
dance with the Standing Orders of Council, were read 
iD title: „On the Formation of Definite Figures by the 
Deposition of Dust." By J. Aitken. — „Note on the 
Disintegration of Rabid Brain Substance." By J. 0. 
Wakelin Barratt. — „On the Spectrum of the Spon- 
taneous Luminous Radiation of Radium at Ordinary 
Temperatures." By Sir William Huggins and Lady 
Huggins. — „On the Oxidising Action of the Rays 
from Radium Bromide as shown by the Decomposition 
of Iodoform." By W. B. Hardy and Miss E. G. Will- 
cock. — „Experiments on Radio-Activity, and the Pro- 
duction of Helium from Radium." By Sir W. Ramsay 
and Frederick Soddy. — „Experimental Researches 
on Vegetable Assimilation and Respiration III. On the 
Effect of Temperature on Carbon Dioxide Assimilation." 
By Miss G. L. C. Matt ha ei. — The Ultra- Violet Spec- 
trum of Radium." By Sir W. Crookes. — „On the 
Intensely Penetrating Rays of Radium." By R. J. Strutt. 

— „An Experimental Investigation of the Röle of the 
I!lood Fluids in Connection with Phagocytosis." By Dr. 
A. E. Wright and Captain Stewart R. Douglas. — 
„The Vapour Pressures of Liquid Oxygen on the Scale 
of the Constant-Volume Oxygen Thermometer filled at 
Different Initial Pressures." By Dr. M. W. Travers 
and Dr. C. J. Fox. — „On the Measurement of the 
Pressure Coefficient of Oxygen at Constant Volume, and 
Different Initial Pressures. By Walter Makower and 
Henry R. Noble. — „On the Sensation of Light pro- 
duced by Radium Rays and its Relation to the Visual 
Purple." By W. B. Hardy and Dr. H. K. Anderson. 

: — „On an Approximate Solution for the Bending of a 
I Beam of Rectangular CrossSection under any System 
i of Load. Additional Note." By L. N G. Filon. — 
„Further Observation on the Spectrum of the Sponta- 
neous Luminous Radiation of Radium at Ordinary Tem- 
peratures." By Sir Wm. Huggins and Lady Hug- 
| gins. — „The Maximum Ordre of an Irreducible Cova- 
riant of a System of Binary Forms." By A. Young. — 
The following Papers were read: „On the Physiological 
Action and Antidotes of Colubrine and Viperine Snake 
VenomB. By Dr. Leonard Rogers. — „On the Rapi- 
dity of the Nervous Impuls in Tall and Short Indivi- 



40 XiX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 3. 



dals." By Dr. N. H. Alcock. — „The Secreio-inotor 
Effects in tlie Cat's Foot studied by the Elektrometer." 
By Dr. A. D. Waller. — „On the Nematocysts of Aeo- 
lids." By G. H. Grosvenor. — „The Cell Structure of the 
Cyanophyceae. Preliminary Paper." By Harold Wager. 



Vermischtes. 



Nachdem jüngst Kreusler nachgewiesen, daß man 
durch Benutzung der photoelektrischen Empfindlichkeit 
der Metalle im Spektralgebiet zwischen X = 300 pfi und 
X = 185 fju vergleichende Intensitätsmessungen aus- 
führen kann (Rdsch. 1902, XVII, 103), hat Herr Edgar 
Meyer diese Methode im Berliner physikalischen Institut 
benutzt, um das Absorptionsvermögen des Ozons 
für ultraviolette Strahlung in diesem Wellen- 
bereiche zu untersuchen. Das durch stille Entladungen 
in der Ozonisierungsröhre gewonnene Gemisch von Ozon 
mit Sauerstoff wurde stets analysiert und die verschie- 
denen Konzentrationen auf ihr Absorptionsvermögen mit 
einer gleich dicken Schicht Sauerstoff für die verschie- 
denen Längen des kurzwelligen Lichtes eines Funkens 
verglichen; die gefundenen Werte sind dann für reines 
Ozon bei 0° und 760 mm Druck berechnet und pro cm 
Schichtdecke die Absorption « unter anderen für X 193 
= 26,9, für X 220 = 44,3, für X 240 = 241, für X 260 
= 291, für X 280 = 169 und für X 300 = 69.8 gefunden. 
Die graphische Darstellung (bei der die Wellenlangen 
als Abszissen, die Absorptiouskoeffizienten als Ordinaten 
genommen sind) zeigt sofort ein ausgesprochenes Absorp- 
tionsminimum bei X = 205 ,u// und ein starkes Absorp- 
tionsband mit einem Maximum bei etwa X = 258 uu. 
In einer Arbeit Hartleys aus dem Jahre 1880 ist ein 
Absorptionsband des Ozons beschrieben, dessen mittlere 
Wellenlänge zu X = 256 /u/u angegeben ist, und daraus 
geschlossen, daß das plötzliche Aufhören des Sonnen- 
spektrums bei etwa 293 t uu wahrscheinlich durch die 
Absorption des Ozons bedingt sei. Herr Meyer berechnet 
aus den vorliegenden Angaben über den Ozongehalt der 
Atmosphäre und aus seinen Werten des Absorptionskoeffi- 
zienten die durch diesesGas bedingteEuergieverteilung des 
Spektrums und findet eine starke Wahrscheinlichkeit für 
Hartleys Hypothese. Eine mit der K reu slerschen 
Methode auf größeren Höhen versuchte experimentelle 
Prüfung dieser Annahme hat bisher noch keine sicheren 
Erfolge herbeigefühlt. (Annalen der Physik 1903, F. 4, 
Bd. XII, S. 849—859.) 

In einer historischen Notiz zur Wasser- 
zersetzung weist Herr Edm. Hoppe darauf hin, 
daß die von Herrn Neu burger auf der Kasseler Natur- 
forscher-Versammlung als vergessen und unbekannt be- 
schriebene Arbeit von Simon über die Wasserzersetzung 
(s. Rdsch. 11103, XVIII, 595) bereits 1884 in seiner „Ge- 
schichte der Elektrizität" eingehend gewürdigt ist. Er 
zeigt aber weiter, daß ebensowenig Simon wie Davy 
erster Entdecker der elektrolytischen Wasserzersetzung 
gewesen, sondern Ritter in Jena, dessen einschlägige 
Arbeiten aus dem Jahre 1799 gleichfalls in der erwähnten 
„Geschichte" besprochen sind, und dessen andere be- 
deutende Untersuchungen zur Lehre von der Elektrizität 
in Herrn Hoppes Schrift „Die Akkumulatoren für Elek- 
trizität" zuerst 1888, in 3. Auflage 1898, behandelt worden 
sind. (Physikalische Zeitschrift 1903, Jahrg. IV, S. 865.) 



Personalien. 

Die Technische Hochschule in Karlsruhe hat Herrn 
Prof. Dr. Paalzow von der Technischen Hochschule in 
Berlin zum Ehrendoktor ernannt. 

Die Philadelphia Academy of Natural Science hat 
den Professor der Physiologie (1. Grehant in Paris 
zum korrespondierenden Mitgliede ernannt. 

Die Soeiete de Biologie zu Paris hat Herrn Prof. 
Dr. W. Waldeyer in Berlin zum auswärtigen Mitgliede 
erwählt. 

Ernannt: Dr. Ermanno Giglio-Tos (Turin) zum 
Professor der Zoologie, vergleichenden Anatomie und 
Physiologie in Cagliari; — Dr. A. Maximow zum Pro- 



fessur der Histologie und Embryologie an der medizi- 
nischen Militärakademie in Petersburg; — Privatdozent 
der Chemie Dr. Leo Marchlewski zum außerordeut- 
lichen Professor au der Universität Krakau; — Privat- 
dozent der Chemie an der Universität Göttingen Dr. W. 
Kötz zum Professor; — Privatdozent Dr. Erich Mül- 
ler zum außeretatmäßigen außerordentlichen Professor 
der Chemie an der technischen Hochschule in Dresden; 

— der Unterdirektor des Kgl. botanischen Gartens und 
Museums in Berlin Prof. Dr. Ignatz Urban zum Geh. 
Regierungsrat;— Dr. Eberhard Rimbach, Abteilungs- 
vorsteher am chemischen Institut der Universität Bonn 
zum außerordentlichen Professor; — Dr. Horace Clark 
Richards zum außerordentlichen Professor der Physik 
an der University of Pennsylvania. 

Habilitiert: Prof. Dr. Richard Boernstein für 
Meteorologie an der Universität Berlin; — Dr. Clemens 
Schaefer für Physik an der Universität Breslau; — 
Diplom-Ingenieur Dr. Hugo Mosler für Elektrotechnik 
an der Technischen Hochschule Braunschweig: — Dr. 
Wilh. Böttger für physikalische Chemie an der Uni- 
versität Leipzig; — Dr. Ephrain für Chemie an der 
Universität Hern. 

Gestorben: Am 5. Januar in Wien der Forschungs- 
reisende Felix Kanitz; — am 7. Januar der Ingenieur 
Dr. Friedrich von Hefner-Alteneck, Mitglied der 
Akademie der Wissenschaften in Berlin, 58 Jahre alt; 

— am 10. Januar in Berlin der Professor der Botanik 
Dr. August Garcke, 84 Jahre alt. 



Astronomische Mitteilungen. 

Unter den Sternen des Algoltypus ist f T Cephei 
besonders merkwürdig durch den hohen Betrag der 
Lieh ts eh wank ung, die zwei Größenklassen übersteigt, 
durch die ziemlich lauge Dauer des Minimums und durch 
die Schnelligkeit der Ab- und Zunahme einige Zeit vor 
und nach dem Minimum. Diese Verhältnisse hat Herr 
P. S. Yendell neuerdings genauer untersucht, wobei 
er sich auf mehr als 1100 eigeue in den Jahren 1888 bis 
1902 angestellte und gegen 2000 fremde Beobachtungen 
stützte. Die ganze Dauer des Lichtwechsels umfaßt 
11 Stunden 20 Minuten, die Veränderung erfolgt inner- 
halb der Genauigkeitsgrenzen der Beobachtungen ganz 
symmetrisch zum Minimum. Abweichungen kommen 
wohl vor, sie sind von Herrn Yendell entweder als per- 
sönliche A.uffassungsfehler der einzelnen Beobachter er- 
kannt worden, die sich im Mittel gegenseitig aufhebeu, 
oder sie sind abhängig von der Jahreszeit und der wech- 
selnden Lage des Veränderlichen gegen die Vergleich- 
sterne. In den ersten zwei Stunden der Abnahme be- 
trägt diese nur l / 4 Größe, von 7,09. bis 7,34. Gr., dann 
beschleunigt sie sich, nach je einer weiteren Stunde ist 
der Stern 7,73., 8,49. und 40 Min. vor dem Minimum 
9,17. Gr., welche er bis 40 Min. nach dem Minimum bei- 
behält, um daun in umgekehrter Folge in gleicher Weise 
wieder zum vollen Lichte anzusteigen. Die Helligkeits- 
änderung vollzieht sich ganz nach Art einer ringförmigen 
Finsternis, indem ein kleiner dunkler Körper einen 
großen leuchtenden zentral teilweise verdeckt. Der Ver- 
lauf der Erscheinung hat sich seit der Entdeckung der 
Veränderlichkeit im Jahre 1880 nicht nachweisbar ge- 
ändert. (Astr. Journ. Nr. 551.) 

Austritte von Jupitermonden am Rande des 
Planetenschattens sind im Februar zu beobachten 
(M.E.Z.): 

3. Febr. 8 h 21 m I. A. 10. Febr. 7 h 28 m II. A. 

8. „ 6 48 111. A. 19. „ 6 40 I. A. 

Sternbedeckungen durch den Mond, sichtbar 
für Berlin (M.E.Z.): 
30. Jan. E. h. = 16 h 8 m A. h. = 17 h 1 m X Gemiu. 4. Gr. 

8. Febr. K. h. = 16 59 A. d. = 17 44 & Librae 5. „ 

12. „ E.h.= U 28 .4. d. = 18 18 Q l Sagitt. 4. „ 

(E = Eintritt, A = Austritt, h = heller, d = dunkler 
Mondrand). A. Berberich. 

Für die Redaktion verantwortlich 
Prof. Dr. W. Sklarek, Berlin W., Landgrafenstraße 7. 



Druck und Verlag von Kriedr. Vieweg £ Sohn in Braunschweig. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 

über die 

Fortscnritte auf dem (xesamtgettete der Naturwissenschaften. 



XIX, Jahrg. 



28. Januar 1904. 



Nr. 4. 



George C. Simpson: Über Ladung durch Ionen- 
absorption und ihre Bedeutung für die 
stetige negative Ladung der Erde. (Philo- 
sophical Magazine 1903, ser. 6, vol. VI, p. 589—598.) 
Die dauernde negative Ladung der Erdoberfläche 
wird jetzt fast allgemein nach der Theorie von 
Elster und Geitel, welche der letztere in seinem 
Vortrage auf der Hamburger Naturforscherversamm- 
lung l ) ausführlich entwickelt hat, auf die Ladung der 
Erdoberfläche durch die Absorption von Ionen aus 
der umgebenden Atmosphäre zurückgeführt. Wie 
nach Zelenys Versuchen (Rdsch. 1898, XIII, 604) 
isolierte Leiter in durch X-Strahlen ionisierter Luft 
sich negativ laden wegen der größeren Geschwindig- 
keit der negativen IoDen , bis infolge dieser Ladung 
die positiven Ionen beschleunigt und die negativen 
verlangsamt werden, beide also in gleicher Zahl an- 
langen, ebenso müsse die Erde sich laden, da die 
Atmosphäre gleichfalls ionisiert ist und die sich 
schneller bewegenden negativen Ionen die Erdober- 
fläche so lange negativ laden, bis die Ladung so 
groß geworden, daß positive und negative Ionen in 
gleicher Zahl zur Erde gelangen. Geitel selbst 
hatte bereits in seinem Vortrage auf den schwachen 
Punkt dieser Theorie hingewiesen, die sich auf einen 
Versuch stützt, der bei der Wiederholung durch Vil- 
lari (Rdsch. 1900, XV, 307, 380, 635) ein anderes Re- 
sultat ergeben hatte. Die Wichtigkeit der Frage nach 
dem Ursprung der negativen Ladung der Erde ver- 
anlaßte Herrn Simpson, im Göttinger geophysika- 
lischen Institut einige Versuche darüber anzustellen, ob 
und in welchem Grade ein Leiter durch Ionenabsorp- 
tion geladen werden kann. 

Über das Phänomen lag zunächst die erwähnte 
Erfahrung von Zeleny vor, daß durch X- Strahlen 
ionisierte Luft beim Durchleiten durch eine Röhre 
Metalle, über welche sie strich, negativ lud, und er 
hatte aus diesem und anderen Versuchen geschlossen, 
daß die negativen Ionen in einem elektrischen Felde 
sich durch die neutralen Molekeln schneller bewegen 
als die positiven. Villari hingegen hatte gefunden, 
daß Metalle in einem Strome ionisierter Luft ent- 
weder positiv oder negativ geladen werden, je nach- 
dem die Luft sich stärker oder schwächer mit ihnen 
reibt. Herr Simpson konnte diesen Widerspruch 



2 ) Geitel: „Über die Anwendung der Lehre von den 
Gasionen auf die Erscheinungen der atmosphärischen Elek- 
trizität". Braunschweig 1901. Rdsch. 1902, XVII, 133. 



aufklären: Aus einem Kasten, in dem die Luft durch 
Röntgenstrahlen ionisiert werden konnte, wurde sie 
durch eine 40cm lange Röhre geleitet, welche aus 
vier Stücken bestand; am Kasten war eine 10cm 
lange Glasröhre, dann folgte ein Metallrohr von 5 cm, 
sodann ein Glasrohr von 20 cm und schließlich wie- 
der ein Metallrohr von 5 cm. Hierbei wurde das 
dem Kasten nächste Metallrohr negativ, das am fer- 
neren Ende gelegene positiv geladen. Dies stimmt 
mit Zelenys Beobachtung, daß zuerst die schneller 
bewegten negativen Ionen wirksam werden; es 
stimmt aber auch mit Villaris Resultat. Dieser 
hatte nämlich bei seinen Versuchen Glasröhren mit 
Metallfeilicht oder -Streifen loser oder dichter gefüllt 
und hatte gefunden, daß das lose Metall negativ, das 
dicht gepackte positiv gel.iden wird. Hierbei ist aber 
nicht die Reibung maßgebend, wie Villari meinte, 
sondern die Verzögerung des Luftstromes durch das 
fest gepackte Metall, wie Herr Simpson durch einen 
direkten Versuch zeigen konnte. 

Weiter ging Herr Simpson an die direkte expe- 
rimentelle Prüfung der von Townsend bei der Dis- 
kussion dieser Erscheinung eingeführten Vorstellung, 
daß die positiven und negativen Ionen sich wie zwei 
besondere, mit dem nichtionisierten Gase gemischte 
Gase verhalten, welche eine verschiedene Diffusions- 
gescb windigkeit besitzen. Ein Kasten, aus dem Wii bei- 
ringe ausgestoßen werden konnten, stand über einer 
Röntgenröhre, die gegen die Zimmerluft abgeschirmt 
war; man konnte so Wirbelringe ionisierter Luft in 
die nicht ionisierte Luft des Zimmers entsenden, die 
dann in mit einem Elektrometer verbundenen Metall- 
gazekasten aufgefangen wurden. War der auffan- 
gende Kasten 20 cm von der Öffnung entfernt, dann 
zeigten die Ringe keine Ladung; bei geringerem 
Abstand von der Öffnung ergaben sie eine deutliche 
positive Ladung. Während die ionisierten Ringe 20 cm 
zurücklegten, waren alle Ionen in die nicht ionisierte 
Luft diffundiert; vorher aber waren nur die nega- 
tiven Ionen wegdiffundiert, die positiven waren noch 
zugegen. Hierdurch ist also erwiesen, daß die nega- 
tiven Ionen einen größeren Diffusionskoelfizienten 
haben als die positiven. Waren die Ringe durch 
Rauch sichtbar gemacht, so zeigten sie in dem Gaze- 
kasten eine negative Ladung statt einer positiven, 
weil, vie Verf. ausführt, die negativen Ladungen von 
den Kohleteilchen absorbiert werden. 

In diesen und ähnlichen Versuchen wurde also 



42 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 4. 



eine elektrische Ladung durch Ionenabsorption erzielt; 
aber in allen Fällen war stark ionisierte Luft von dem 
Orte ihrer Ionisierung an einen anderen Ort gebracht 
worden, wo die Diffusion in nicht ionisierte Um- 
gebung stattfinden konnte. In der Atmosphäre jedoch 
tritt eine solche Fortführung nicht ein; eine Über- 
tragung der Versuchsergebnisse auf die Verhältnisse 
in der atmosphärischen Luft ist nicht ohne weiteres 
möglich. Herr Simpson hat daher direkte Versuche 
angestellt, ob ein isolierter Leiter in der Atmosphäre 
negativ geladen werde. Wurde ein langer, isolierter 
Kupferdraht unter den notwendigen Kautelen gegen 
störende, äußere elektrische Einwirkungen (Umgeben 
mit einem Drahtkäfig) mit einem Elektrometer ver- 
bunden, so wurde der Draht nach längerer Zeit positiv 
geladen. Als aber sodann ein verzinkter Draht zu 
dem Versuche genommen wurde, wurde dieser negativ 
geladen. 

Herr Simpson stellte infolgedessen vergleichende 
Messungen in einem großen Käfig aus verzinktem 
Eisendraht an verschiedenen Metallen an und fand 
nach Exposition neutralisierter Metallstücke während 
einer Stunde folgende Ladungen: Kupfer -(-0,70 V, 
Eisen 4- 0,46 V, Zinn 4- 0,25 V, Blei 4*- 0,23 V, Mag- 
nesium — 0,28 V und Natrium — 0,70 V. Dies« 
Zahlen entsprechen den Voltaschen Poteutialdifferen- 
zen zwischen den verschiedenen Metallen und Zink. 
Der verzinkte Eisenkäfig und das innen befindliche 
Metall bilden somit nur die Pole einer Batterie, in 
welcher die schwach ionisierte Luft den Elektrolyten 
bildet. Es handelt sich also in diesen Versuchen 
keineswegs um eine elektrische Ladung des Leiters 
durch Ionenabsorption , sondern um die Herstellung 
einer Kette durch Einbiingen verschiedener Leiter 
in einen Elektrolyten. Ein Leiter wird aber, wie 
eine einfache Überlegung zeigt, in ruhender ioni- 
sierter Luit überhaupt nicht negativ geladen werden, 
weil, auch wenn die negativen Ionen wegen ihrer 
größeren Geschwindigkeit zuerst den Leiter treffen 
und von ihm absorbiert werden, die entsprechen- 
den positiven Ionen in unmittelbarer Nähe der Ober- 
flüche verbleiben und da gleichsam eine elektrische 
Doppelschicht bilden, die nach außen keine Wirkung 
ausübt. 

Es wäre nun möglich, daß vielleicht in bewegter 
Luft, die immer neue, schneller sich bewegende nega- 
tive Ionen dem Leiter zuführt, eine Ladung eintreten 
und daher auch in der freien Luft eine Schicht 
positiver Ionen sich nicht ansammeln könnte. Herr 
Simpson prüfte diese Möglichkeit durch den Ver- 
such, in dem er die isolierten Metalle innerhalb des 
gegen elektrostatische Induktion schützenden Metall- 
käfigs einer Luft exponierte, die mittels eines Venti- 
lators eine Bewegung von G m in der Sekunde aus- 
führte. Eine Änderung der Ladung gegen die in 
ruhender Luft konnte nicht beobachtet werden. Aber 
obwohl eine Ladung des Leiters in der bewegten 
ionisierten Luft nicht nachzuweisen war, konnte ge- 
zeigt werden, daß eine starke Absorption der Ionen 
stattgefunden. Wurde Luft in einem weiten Metall- 



kasten durch einen Fächer in lebhafter Bewegung 
gehalten, so daß immer wieder frische Luftpartien 
mit den Wänden in Berührung kamen, dann war die 
Luft ärmer an Ionen , als wenn die Luft die gleiche 
Zeit hindurch ruhig im Kasten verweilt hatte. 

„Verwendet man nun diese Resultate für die atmo- 
sphärische Elektrizität und die negative Ladung der 
Erde, so wäre es übereilt, zu sagen, daß sie die 
Theorie widerlegen, nach welcher die dauernde La- 
dung von der Ionenabsorption herrühre; aber sie 
zeigen, daß der Vorgang, welchen Elster undGeitel 
als in der Atmosphäre stattfindend annehmen, durch 
das Experiment nicht gestützt wird. Wir stehen auch 
vor der Tatsache, daß bisher noch kein Leiter ge- 
laden worden durch Absorption von Ionen aus der 
natürlich ionisierten Luft der Atmosphäre (Ladung 
infolge des Voltaeffektes ausgenommen), und bis dies 
geschehen, können wir das Problem der negativen 
Ladung der Erde nicht als durch die Absorption der 
Ionen aus der Atmosphäre gelöst betrachten." 



Jean Massart: 1. Wie die ausdauernden Pflan- 
zen ihr unterirdisches Niveau innehalten. 
2. Wie die ausdauernden Pflanzen im 
Frühling den Boden verlassen. (Bulletin 
du Jardin botanique de l'Etat a Bruxelles 1903, vol. I, 
p. 113 — 179.) 

Die ausdauernden Pflanzen, von denen in diesen 
beiden Arbeiten die Rede ist, sind solche, deren ober- 
irdische Organe im Herbste völlig absterben. Die 
unterirdischen Teile, die den Winter überdauern 
(Rhizome, Knollen, Zwiebeln, selten Wurzeln), werden 
durch die Bedeckung mit Erde einerseits vor den 
Angriffen vieler pflanzenfressenden Tiere, anderseits 
vor dem Einfluß des Frostes geschützt, der ihnen 
viel gefährlicher werden kann als den Knospen der 
Bäume. Dieser Schutz wird um so wirksamer sein, 
je tiefer die ausdauernden Organe in den Boden 
eingesenkt sind; anderseits dürfen sie auch nicht zu 
tief liegen, da sonst die Schwierigkeit für die jungen 
Luftsprosse, ans Licht zu kommen, zu groß wird. 
Jede Pflanze hat eine bestimmte Normaltiefe, die ihr 
unterirdisches Organ aufsucht oder wieder zu er- 
reichen strebt, wenn es durch äußere Umstände in 
zu hohe oder zu tiefe Lage gekommen ist. Auf 
diese Verhältnisse ist bereits durch die schönen Unter- 
suchungen von Rimbach Licht geworfen worden 
(vgl. Rdsch. 1898, XIII, 657). Herr Massart hat 
während des Frühlings und Sommers 1902 im Brüs- 
seler botanischen Garten an zahlreichen Monokotylen 
und Dikotylen Versuche ausgeführt, vorzugsweise zur 
Ermittelung des Verhaltens unterirdisch ausdauern- 
der Organe, die zu tief eingepflanzt waren. Unter 
Beifügung schematischer Abbildungen zeigt er, daß 
die unterirdischen Winterknospen in vielen Fällen 
entweder durch das Wachstum ihrer eigenen unter- 
sten Internodien oder durch das Wachstum der unter- 
sten Internodien des Luftsprosses in die für sie an- 
gemessene Höhe emporgehoben werden. In anderen 
Fällen wird dieses Resultat durch eine Aufwärtskrüm- 



Nr. 4. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 43 



mung erreicht, die entweder von dem jüngsten Teil 
des unterirdischen Organs oder von dem Basalteil 
der Knospen ausgeführt oder durch Ausläufer (Sto- 
lonen) bewirkt wird. 

Wie zu tief befindliche Knospen emporgeführt 
werden, so tritt bei ausdauernden Organen, die ober- 
halb der ihnen zusagenden Normaltiefe im Boden 
liegen, ein Hinabsteigen ein. Dies kann erfolgen 
durch Bildung von Adventivknospen an den Wur- 
zeln, durch Abwärtskrümmung des jüngsten Teils 
des Rhizoms oder der Basalinternodien der Knospen, 
durch Entwickelung gestielter Zwiebelchen, oder end- 
lich durch Kontraktion der Wurzeln, die dabei die 
Pflanze herabziehen, ein Vorgang, der ja von Rim- 
bach näher studiert worden ist (vgl. Rdsch. 1895, 
X, 496; 1896, XI, 473). 

Nicht alle Pflanzen haben zugleich die Fähigkeit, 
hinauf- und hinabzusteigen. Einige können nicht 
emporsteigen, andere, noch zahlreichere, können nicht 
hinabsteigen. Ferner erfolgen bei den Pflanzen, die 
sowohl hinauf- wie hinabsteigen können, die beiden 
Bewegungen gewöhnlich nicht durch den gleichen 
Vorgang. Es gibt endlich auch Arten , die ein be- 
stimmtes Niveau nicht aufzusuchen scheinen. 

Schon Rimbach hat die Frage, auf welche Art 
diese Erscheinungen der Selbstregulierung zustande 
kämen, aufgeworfen, ohne zu einer befriedigenden 
Erklärung zu gelangen. Herr Massart glaubt der 
Lichtempfindlichkeit einen vorwiegenden Einfluß zu- 
schreiben zu müssen. Er kultivierte einige seiner 
Versuchspflauzen im gleichen Niveau teils im Lichte, 
teils in der Dunkelheit und fand z. B., daß Crocus 
und Ornithogalum, die sich an der Oberfläche des 
Bodens und im Lichte befanden, kontraktile Wurzeln 
bildeten, die die Pflanze abwärts zogen, daß aber 
solche Wurzeln den Individuen fehlten, die gleich- 
falls an der Bodenoberfläche, aber im Dunkeln kulti- 
viert wurden. Diese Dunkelpflanzen verhielten sich 
mithin ebenso, als wenn sie sich in genügender Tiefe 
befänden. Als Zwiebeln von Ornithogalum in ihrer 
Normaltiefe (2 bis 3 cm) eingepflanzt wurden , bilde- 
ten sich die neuen Zwiebeln bei den belichteten 
Pflanzen in gewöhnlicher Weise an der Seite der 
alten; bei denen aber, die im Dunkeln kultiviert 
wurden, zeigten sich die jungen Zwiebeln gestielt 
und durch ein Internodium von 5 bis 6 mm in die 
Höhe geschoben. „Dies zeigt wiederum, daß die 
Pflanze in der Dunkelheit völlig die Orientierung 
verliert, man möchte sagen, daß sie in einer zu 
großen Tiefe zu sein glaubt, während sie sich in 
Wirklichkeit im richtigen Niveau befindet." 

Die letzterwähnten Tatsachen ergaben sich dem 
Verf. im Laufe der Untersuchungen, die er in seiner 
zweiten Arbeit dargestellt hat und welche die Mittel 
betreffen, die den Austritt der Pflanze aus der Erde 
sichern. Bei einigen Gewächsen bilden die Blätter 
des vorhergehenden Jahres einen Kanal, in dem die 
jungen Blätter nach außen treten. Meistens aber 
müssen sich die jungen Urgane selbst einen Durch- 
gang erzwingen. Bald stoßen sie ihre Spitze vor- 



wärts, bald sind sie unter dem Gipfel gekrümmt und 
bieten eine runde, glatte, widerstandsfähige Ober- 
fläche dar. Die Organe, die mit einer Spitze durch 
den Boden dringen, sind entweder gewöhnliche Blät- 
ter oder Schuppen-(Nieder-)Blätter, die für die Laub- 
blätter den Weg bahnen, oder endlich Stengel, die 
mit Laub- oder Niederblättern besetzt sind. Die ge- 
krümmten Organe sind entweder Blätter oder Sten- 
gel. Alle diese Fälle werden vom Verf. näher be- 
sprochen und durch zahlreiche Beispiele unter Bei- 
fügung einiger photographischer Abbildungen belegt. 
Aus einer Liste, in der die Pflanzen mit der ihnen 
eigentümlichen Austrittsweise übersichtlich zusammen- 
gestellt sind, ersieht man, daß die Art des Austritts 
von der systematischen Verwandtschaft völlig unab- 
hängig ist und nur zu der Ausbildung des Luftappa- 
rates in Beziehung steht. Die Pflanzen, deren Blüten- 
schaft sich nach den Blättern entwickelt, treten durch 
das Wachstum der Laub- oder Schuppenblätter aus 
der Erde; die, welche sogleich einen Stengel hervor- 
bringen, nützen dessen Wachstum aus. So verlängern 
die Gramineen, deren Stengel sich frühzeitig ent- 
wickelt, ihre unteren Internodien, während die Cype- 
raceen, bei denen sich der Stengel erst nach der Aus- 
bildung mehrerer Blätter erhebt, sich durch spitze 
Schuppenblätter einen Weg durch die Erde bahnen. 
Innerhalb ein und derselben Pflanzengattung (z. B. 
Sanguisorba, Lysimachia, Veronica, Linaria) findet 
man, daß Arten mit unterirdisch ausdauernden Or- 
ganen Einrichtungen zur Sicherung des Austrittes 
besitzen, während solche Arten, die sich im Herbste 
nicht unter die Erde zurückziehen, nichts derart 
haben. Diese Umstände weisen darauf hin, daß die 
Austrittseinrichtungen phylogenetisch rezente Bildun- 
gen sind. 

Herr Massart dehnte seine Untersuchungen auch 
auf die physiologischen Bedingungen der Austiitts- 
einrichtungen aus. Er stellte sich zur Aufgabe, die 
inneren und äußeren „Reflexe" festzustellen, auf 
denen beruhen: 1. die senkrechte Stellung der Or- 
gane während ihres unterirdischen Empordringens; 
2. die Vereinigung der Blätter zu einem dichten 
Bündel; 3. ihre Entfaltung, wenn sie frei geworden 
sind; 4. das Wachstum der unteren Stengelinternodien; 
5. die Umwandlung der unterirdischen Blätter in 
Schuppen; 6. die hakenförmige Krümmung der Blät- 
ter oder Stengel; 7. die Ausgleichung der Krümmung 
und die Entfaltung der Blätter über dem Boden. Jede 
PHanzenart wurde in drei Gruppen von Töpfen ge- 
zogen, an der Erdoberfläche, in 3 bis 4 cm Tiefe und 
in 7 bis 10 cm Tiefe. Hauptsächlich handelte es sich 
um die Untersuchung des Einflusses der Lichtinten- 
sität, der Richtung der Lichtstrahlen, der Schwer- 
kraft und des von der Erde ausgeübten Druckes. 
Die Lichtintensität wurde durch Kultur der Pflanzen 
im Schatten oder einem schwarzen Gehäuse modi- 
fiziert, Helio- und Geotropismus wurden am Klino- 
staten geprüft. Zur Feststellung des Druckes unter 
Zulassung von Licht kam die Pflanze in einen großen 
Glaszylinder, der bis zu veränderlicher Höhe mit völ- 



44 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 4. 



Hg durchsichtigen Glasperlen angefüllt war. Aus 
den Versuchsergebnissen zieht Verf. folgende Schlüsse: 

Einige der hier in Frage kommenden Einrichtun- 
gen werden durch unveränderliche innere Reize be- 
herrscht, z. B. die Zahl der Schuppen bei Crocus, 
Stachys usw. und die Richtung der Krümmurgsebene 
bei Lathyrus pannonicus. Andere Erscheinungen 
werden zugleich durch innere und durch äußere Reize 
beeinflußt; so ist die Verlängerung der Internodien 
im Lichte gering, in der Dunkelheit beträchtlich, 
hält sich aber immer innerhalb bestimmter äußerster 
Grenzen, die für jede Art durch die inneren, ererbten 
Reize fixiert sind. 

Sehr oft tritt ein Konflikt zwischen den inneren 
und den äußeren Reizen ein. So ist die normale 
Stellung des Blattes von Aegopodium ein Kompro- 
miß zwischen dem „Exonastisinus" , der das Blatt 
mehr und mehr nach außen zu kehren strebt, und 
dem Geotiopismus, der den Blattstiel wieder aufzu- 
richten und die Blattspreite in die horizontale Ebene 
zu stellen sucht. Bei Mercurialis strebt der Nastis- 
mus im Gegenteil, das Blatt nach innen zu krümmen, 
und es ist die Mitwirkung des Liahtes nötig, damit 
es seine gewöhnliche Lage annimmt. 

Man kann die Pflanze leicht den äußeren Reizen 
entziehen und sie ganz den inneren ausliefern ; sie 
bietet alsdann die unregelmäßigsten Erscheinungen 
dar. Niemals gelingt es ihr, aus der Eide heraus- 
zutreten und ihre Blätter angemessen zu entfalten. 
Das Zusammenwirken innerer und äußerer Reize ist 
also unentbehrlich. 

Nicht selten beobachtet man , daß ein innerer 
Reiz, der anfangs unzulänglich und genötigt ist, sich 
von außen unterstützen zu lassen, zuletzt jeder äuße- 
ren Hilfe entbehren kann. So strecken sich die jun- 
gen, gekrümmten Stengel von Mercurialis perennis 
nur gerade, wenn sie beleuchtet werden; mit zuneh- 
mendem Alter aber verstärken sich die inneren Reize, 
und schließlich gleicht der Stengel seine Krümmung 
auch im Dunkeln aus. 

Zuletzt hebt Verf. noch hervor, daß die Ansicht, 
wonach die im Dunkeln etiolierten Monokotylen lange 
Blätter und kurze Internodien, die etiolierten Diko- 
tylen aber verkümmerte Blätter und lange Internodien 
erzeugen, völlig ungenau sei; diese Wachstumsunter- 
schiede ständen vielmehr nur zu der Art, in der die 
Pflanze den Boden verläßt, in Beziehung. F. M. 



Th. Monreaux: Die magnetische Anomalie des 
Pariser Beckens. (Compt. rend. 1903, t. CXXXV1I, 
p. 918-920.) 
Die Diskussion der erdmagnetischen Beobachtungen 
in Frankreich, das ein Netz von 617 Stationen umfaßt, 
hat zahlreiche Unregelmäßigkeiten in der Verteilung der 
magnetischen Elemente ergehen. Abgesehen von der he- 
kannten Anomalie des zentralen Massivs, die eine direkte 
Wirkung der vulkanischen Gesteine ist, sind auch mitten 
auf Erdschichten , von denen man wußle, daß sie ohne 
Wirkuug aul die Magnetnadel sind, Anomalien aufgefunden 
worden, deren wichtigste und am wenigsten vermutete 
die des ideologischen Beckens von Paris ist. Gestützt auf 
Beoba. hiungen aus 130 Stationen, die üher 12 Depar- 
tements verteilt sind, hat Herr Moureaux diese Ano- 



malie zum Gegenstande einer Untersuchung gemacht; die 
durch die Beobachtung festgestellten Werte wurden mit 
den theoretisch nach Cauchys Methode berechneten ver- 
glichen und die Karten der Abweichungen Beobachtung- 
Rechnung für jedes Element besonders entworfen. 

Die Karte der Deklination D zeigt nun, daß alle Ab- 
weichungen positiv im Osten und negativ im Westen 
einer Linie sind, die, von Fecamp ausgehend, sich nach 
Moulins im Südosten wendet und den geographischen 
Meridian unter 30° schneidet. Auf dieser Linie selbst 
sind die Abweichungen Null, Beobachtung und Rech- 
nung decken sich hier. Da in Frankreich die Deklination 
eine westliche ist und von Ost nach West zunimmt, er- 
kennt man aus dem Sinne der Abweichungen, daß der 
Nordpol der Magnetnadel nach der bezüglichen Linie 
angezogen wird. Die störende Kraft äußert sich also auf 
dieser Anziehungslinie an einem oder mehreren noch zu 
bestimmenden Punkten. 

Die Ahweichungen der Horizontalkomponente H grup- 
pieren sich gleichfalls narh ihrem Vorzeichen in bestimmte 
Zonen Die positiven Abweichungen bilden drei Zonen, 
zwischen denen Zonen mit negativen Abweichungen ge- 
legen sind. Alle drei können durch ge'chlossene Kurven 
umgrenzt werden, auf denen die Abweichungen Null sind, 
und welche die für D bestimmte Anziehungslinie an zwei 
Punkten schneiden. Diese Punkte haben, da in der Norm H 
von Süden nach Norden abnimmt, im Süden der positiven 
Zone eine andere Bedeutung als im Norden; der nörd- 
liche Schnittpunkt ist ein Anziehungspunkt, au dem das 
Zentrum der Anomalie liegen muß; und da dieses Zen- 
trum auf der Anziehungslinie für D sich befindet, so 
bilden diese Schnittpunkte der Nordgrenze der drei 
Zonen mit positiver Abweichung von H ehenso viele 
Zentren der Anomalie, deren ungefähre Lagen in der 
Nähe von Rouen, an der Grenze zwischen den Departe- 
ments Eure und Seine-et-Oise und zwischen Sancerre 
und Aubigny angegeben werden. 

Die Karte der Abweichungen der Vertikalkomponente 
Z bestätigt diese Hypothese. Nimmt man an, daß im 
Innern der Erde eine Anziehungskraft unterhalh eines 
jeden dieser Punkte wirkt, so müssen »n diesen Punk- 
ten die größten positiven Ahweichungen von Z beobach- 
tet werden, und in der Tat gruppieren sich die Ab- 
weichungen zu Zonen um diese Anziehungspunkte. Wenn 
die Beobachtungen hiermit nur für Rouen ziemlich über- 
einstimmen und nicht auch für die beiden anderen 
Zonen, so ist zu beachten, daß hier von Punkten die 
Rede war, während es sich in der Wirklichkeit um mehr 
oder weniger ausgedehnte Gebiete handeln wird, deren 
genaue Feststellung erst durch weitere Beobachtungen 
miiglich sein wird. 

Die Schlüsse, die man aus der Vergleichung der drei 
Elemente D, H und Z ziehen kann, werden bestätigt 
durch die Diskussion der Beobachtungen über die Ge- 
samtkraft, deren Abweichungen sich ziemlich so wie die 
der Veriikalkomponente verteilen. 

„Nimmt man an, daß die Anomalie des Pariser 
Beckens der Wirkung magnetischer Gesteine zugeschrie- 
ben werden kann, dann würde die obere Grenze der stö- 
renden Masse sich als das Relief eines Gehirges dar- 
stellen, das bedeckt ist durch rezentere Erdschichten, 
mit Gipfelu und Rücken an den Punkten oder den 
Zonen, welche durch die Betrachtung der Anomalien 
der magnetischen Elemente als Anziehungszentren be- 
zeichnet worden sind." 



Günther Schulze: Über den Spannungsverlust im 
elektrischen Lichtbogen. (Anoalen der Physik, 
F. 4, Bd. XII, S. 828—841.) 
Die Mehrzahl der vielen über die Abnahme der 
Spannung im elektrischen Lichtbogen ausgeführten Ver- 
suche sind am Kohlebogen gemacht, in dem die lebhafte 
Verb'ennuug der Kohle die elektrische Erscheinung ver- 
deckt und die sich bildenden GaBe CO und CN sich neben 



Nr. 4. 



1904. 



Natur wissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 45 



den Kohlenteilchen an der Überführung des Stromes 
beteiligen. Verf. unternahm es daher, den Spannungs- 
abfall in metallischen Bogen an den Grenzen zwischen 
den Elektroden und deu Gasen zu untersuchen und die 
Abhängigkeit desselben von den Versuchsbedingungen 
zu ermitteln. 

Die benutzte Bogenlampe ermöglichte die Regulierung 
und die Me.-sung der Länge des Bogens; der Strom wurde 
einer Akkumulatorenbatterie von konstanter Spannung 
(110 Volt) entnommen, die gesamte Spannung des Licht- 
bogens (£) an den Haltern der Lampe gemessen; der 
Spannungsabfall an der Anode (e„) und der an der Kathode 
(eic) wurden zunächst an Kobleuelektroden und sodann 
an Metallelektroden bei verschiedenen Längen des Bogens, 
verschiedenen Temperaturen und variablen Stromstärken 
gemessen. Die Metallelektroden hatten 11 mm Durch- 
messer; Fe, Ni und Cu wurden als massive Stäbe zu 
Elektroden benutzt, die anderen Metalle Pb, Sb, Sn, Bi, 
Ag, Mn, Cr, Co, Mg, die bei der Bogentemperatur rasch 
schmelzen, wurden in Bohrungen von Kohle als Elek- 
troden verwendet, wobei die Kuppen der Metalle teils 
von Oxyd frei blieben, teils (bei Fe, Cu, Ni, Mn, Cr, Co, 
Mg) sich mit Oxyd bedeckten; bei Cd und Zu wurden 
von vornherein Oxyde benutzt, bei K, Na, Ba, Sr, Ca die 
Karbonate. 

Von den Ergebnissen dieser Messungen sei zunächst 
die Beziehung der Spannungsverluste zur Länge des 
Bogens (l) besprochen. Es zeigte sich, daß e a und e k 
mit l verzögert wachsen, und zwar beide ziemlich in 
gleicher Weise; somit wächst auch ihre Summe mit zu- 
nehmender Bogenlänge verzögert; die Kurven für e a und 
ek in ihrer Abhängigkeit von l liegen niedriger, wenn 
sie der oberen Elektrode angehören ; ferner liegt die Kurve 
e a höher als e^, und zwar im Mittel um 2,6 Volt. In 
bezug auf das Material der Elektroden ergaben die Mes- 
sungen, daß e a innerhalb einer chemischen Gruppe des 
M en delej elf sehen Systems mit zunehmendem Atom- 
gewicht abnimmt; dies zeigt sich am besten bei den Al- 
kalien und den Erdalkalien, aber auch bei den anderen 
Metallen. Die Vergleichuug der einzelnen Gruppen zeigt, 
daß die Gruppe, die durchschnittlich höheres Atomgewicht 
und höheren Schmelzpunkt hat, auch die höheien Kurven 
für E und das höhere e a aufweist. Hierbei dürfen jedoch 
nur Metallbogen für sich und Oxydbogen für sich ver- 
glichen werden. Endlich ist bezüglich der Abhängigkeit 
der Größen e a und e^ vom Strome ermittelt worden, daß 
für sehr geringe Bogenlängen (für / = 0) e von der 
Stromstärke unabhängig ist; für größere Bogenlängen 
nimmt e a mit zunehmender Stromstärke verzögert ab, 
und zwar viel stärker als e k , welches bei Fe 3 4 gar nicht, 
bei CuO wenig abnimmt. 

Zur Erklärung der Messungsergebnisse macht Verf. 
folgende Annahme: „Elektrizitätsmengen, wie Starkströme 
sie führen, können nur dann von einem festen Körper 
oder einer Flüssigkeit in ein Gas übergehen, wenn sie 
auf den Molekülen des Körpers oder der Flüssigkeit be- 
findlich mit denselben in das Gas austreten, also wenn 
der Körper verdampft. An der anderen Elektrode muß 
dann entsprechend ein Niederschlag des Dampfes statt- 
finden. Wir nehmen also an, daß der Durchgang der 
Elektrizität durch Ga-e sich dem Durchgange durch 
Elektrolyte analog verhält." Die überwiegende Mehrzahl 
der Messungswerte ließ sich nach dieser Hypothese er- 
klären. 

A. Maresca: Wärmewirkungen der Funken in 
isolierenden Flüssigkeiten. (11 nuovo Cimento 
1903, scr. 3, tomo V, p. 315—322.) 
Die vielen Untersuchungen über den Durchgang 
elektrischer Funken durch dielektrische Flüssigkeiten 
haben sich meist mit den Messungen des Potentials be- 
schäftigt, die bestimmten Schlagweiten entsprechen, 
während der Energieverlust bei dem Durchgang der 
Entladungen weniger beachtet wurde. Nur für Gase 



lagen bereits Messungen des Wärmeverlustes beim Durch- 
schlagen des Funkens vor, und Herr Maresca hat die- 
selben durch Beobachtungen an isolierenden Flüssig- 
keiten erweitert. 

Bei den Versuchen wurde die Energie des Entladungs- 
kreises eines Kondensators ziemlich konstant gehalten 
und nur die Schlagweite des Funkens in der untersuch- 
ten Flüssigkeit innerhalb bestimmter Grenzen variiert. 
Von den Polen einer großen Holtz- Vossschen Maschine 
gingen Leitungen, die in Nebenschluß eine Hauptfunken- 
strecke S enthielten, zu den äußeren Belegungen zweier 
Koudensatorbatterien, deren andere Belegungen den Ent- 
ladungskreis bildeten; derselbe enthielt ein Petroleum- 
kalonmeter und eme in der zu untersuchenden Flüssig- 
keit liegende Funkenstrecke P. Die äußeren Belegungen 
der Batterie Bind noch durch eine Wassersäule in fast 
kapillarer Röhre mit einander verbunden. So laden sich 
die Kondensatoren von der Maschine aus langsam, und 
wenn die Potentialdifferenz groß genug geworden, springt 
der Funke gleichzeitig in S und in P über. Man mißt 
nun tlie Verschiebung des Petroleummeniskus beim Durch- 
gang einer bestimmten Zahl von Funken, einmal wenn 
die Funkenstrecke 6' ausgeschaltet ist, sodann wenn sie 
im Entladungskreise sich befindet, und erhält das Ver- 
hältnis der vom Funken in der Flüssigkeit verbrauchten 
Energie zu der gesamten verfügbaren. In allen Ver- 
suchen war die Schlagweite S gleich 2 mm. Als isolie- 
rende Flüssigkeiten wurden verwendet destilliertes Was- 
ser, Olivenöl, Alkohol, Schwefeläther, Petroleum und 
Vaselinöl. 

Aus den Zahlen werten ergab sich, daß im allgemei- 
nen in den untersuchten Flüssigkeiten, wie in den Gasen, 
die vom Funken absorbierte Energie ein kleiner Bruch- 
teil der Gesamtenergie ist, und daß sie bei gegebener 
Kapazität aus zwei Teilen besteht, einem konstanten, der 
von dem Widerstand abhängen muß, den die Entladun- 
gen beim Übergang von den Metallelektroden in das iso- 
lierende Medium erfahren, und einem veränderlichen, der 
proportional der Länge des Funkens wächst. Bei Zu- 
nahme der Kapazität der Kondensatoren werden die 
Werte für das Verhältnis der Funkenwärme zur Gesamt- 
wärme kleiner; daher scheint auch bei den dielektrischen 
Flüssigkeiten, daß bei Zunahme der Elektrizitätsmenge 
der Funke sich verhält wie ein Leiter mit größerem 
Querschnitt. Eine mit demselben Apparate ausgeführte 
Messung au Funken, die in Lutt übersprangen, ergab 
Werte, welche zeigten, daß in der Luft die absorbierte 
Energie etwas kleiner ist als die unter gleichen Bedin- 
gungen in den Flüssigkeiten gefundenen Werte; aber 
der allgemeine Gang der Erscheinung war derselbe. 



J. Stoklasa und F. Czerny: Beiträge zur Kenntnis 
der aus der Zelle höher organisierter Tiere 
isolierten gärungserregenden Enzyme. 
(Ber. d. deutsch, ehem. Ges. 1903, Jahrg. XXXVI, S. 4058 
—4069.) 
In der vorliegenden Arbeit berichten die Verff. über 
ihre Untersuchungen, bei denen ihnen gelungen war, aus 
der Zelle der verschiedensten Organe höher organisierter 
Tiere Enzyme zu isolieren, die bei vollständigem 
Ausschluß des Einflusses von Bakterien 
gärung8erregend wirken. Zur Isolierung dieser Enzyme 
wurde folgende Methode angewendet. Die betreffenden 
Organe — Muskelsubstanz, Leber, Lunge usw. — wurden 
zu einem feinen Brei zerrieben und der Brei bei einem 
Drucke bis zu 350 Atmosphären ausgepreßt. Der so 
gewonnene Preßsaft zeigte, mit Glukose oder Saccharose 
gemischt, ein schwaches glykolytisches Vermögen, nie- 
mals wurde jedoch dabei eine alkoholische Gärung 
nachgewiesen. Zu dem Safte, der von Gewebsteileu und 
Zellen vollständig frei war, wurden absoluter Alkohol 
und Äther bis zur Bildung eines Niederschlages hinzu- 
gefügt; dieser Niederschlag enthielt nun die gärungs- 
erregenden Enzyme. Er wurde im Vakuumtrocken- 



46 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. 



Nr. 4. 



apparat bei 25 bis 30° getrocknet, die trockene Substanz 
zu einem leinen Pulver verrieben und behufs Studiums 
der Gärung in eine sterilisierte Glukose- oder Fruktose-, 
Galaktose-, Saccharose-, Maltose-, Laktose- usw. Lösung 
getan. Je nachdem der Preßsaft unter einem Druck von 
2U0 oder von 200 bis 300 Atmosphären gewonnen war, 
erhielten die Verff. weniger aktive Enzyme — solche, 
die erst nach 12 Stunden eine alkoholische Gärung 
hervorrufen, und, im zweiten Falle, solche, die eine rasche 
und energische alkoholische Gärung iu einer Glukose- 
lösung veranlassen. Nach 14 Tagen verlieren die Euzyme 
ihr Garungevermögen fast vollständig. 

In den unter allen Kautelen zur Beschränkung von 
Miki obeninvasionen ausgeführten Experimenten gelangten 
jedesmal lug des Enzyms zur Anwendung, das in 50cm 3 
einer 10 bis 15 proz. Lösung von Hexosen und Disaccha- 
riden eingetragen wurde. Die aus Muskeln, der Leber 
und den Lungen isolierten Enzyme riefen in zahlreichen 
Fallen augenblicklich Gärung hervor, deren Kulminations- 
punkt in sechs bis acht Stunden erreicht war. Die an- 
gestellten Kontrollversuche, die im Original nachgelesen 
weiden müssen, zeigten auch, daß niemals eine von Bakte- 
rien verursachte Gärung wahrgenommen werden konnte. 

Die enzymatiscbe Gärung war in 60 Stunden voll- 
ständig beendet, während, wenn sich in demselben ste- 
rilen Medium geimpfte Bakterien befanden, erst nach 
dieser Zeit eine intensive Zersetzung unter Entwickelung 
von Kohleudioxyd begann. Das gärungserregeude Enzym 
wird auch im trockenen Zustande während vier bis sechs 
Stunden von einer Temperatur von 100° nicht zerstört 
und bewirkt in reiner Kuhlenhydratlösung selbst nach 
dieser Behandlung noch nach neun Stunden eine wahr- 
nehmbare Gärung. 

Die in Tabellen niedergelegten Versuchsergebnisse 
zeigen ferner, daß die Verluste au Glukose größer sind 
als die Gesamtmenge von Alkohol und Kohlendioxyd, die 
nach der Formel C 6 H ls 6 = 2C 2 H 6 OH -4- 2CO, zu er- 
warten wäre. Dauerte die Gärung länger als 24 Stunden, 
so zeigte die Glukoseprobe stets eine saure Reaktion, die 
zum größten Teil auf Milchsäure zurückzuführen ist. Über 
die Bildung der Milch- und Buttersäure in der tierischen 
Zelle soll demnächst näher berichtet werden. P. R. 



W. B. Hardy und H. K. Anderson: Über die durch 
Kadi umstrahlen erzeugte Lichtempfin- 
dung und ihre Beziehung zum Sehpurpur. 
(Proceedings of thc Royal Society 1903, vol. LXX1I, p. 393 
—398.) 
Es ist bekannt, daß eine diffuse Lichtempfindung 
erzeugt wird, wenn einige Milligramm eines Radiumsalzes 
im Dunkeln in die Nähe des Kopfes gebracht werden. 
Die Herren Hardy und Anderson stellten sich die Auf- 
gabe, 1. den Ort zu ermitteln, wo diese Empfindung 
entsteht, und 2. die Art der Strahlen festzustellen, welche 
dieselbe veranlassen. 

Zunächst überzeugten sich die Verff., daß die Radium- 
strahlen weder den Empfiudungs-, noch den Gehörs-, 
Geruchs- oder Geschmackssinn erregen, nur eine diffuse 
Lichtempfindung wird durch sie veranlaßt. Sie erwecken 
die Empfindung eines stetigen, zerstreuten Lichtes, das 
in den Raum vor dem Kopfe projiziert wird und den- 
selben gleichmäßig erfüllt. Wird das mit Bchwarzem 
Papier bedeckte Radium vor ein Auge gehalten, und 
schließt man die Augenlider, dann wird die Intensität 
des Lichtes bedeutend geschwächt; eine Lokalisierung 
des Radiums ist bei offenem Auge gut möglich, weil die 
Empfindung am stärksten ist, sowie die Sehachse dem- 
selben zugekehrt ist, und aus der IutensitätBverschieden- 
heit kann die Richtung gefunden werden. 

Ist das Auge geschlossen, dann ist die Fähigkeit zu 
lokalisieren vollkommen verschwunden. Dies rührt daher, 
daß, wie noch weiter gezeigt werden soll, das Leuchten 
von den ß- und den y-Strablen herrührt, und daß das 
Augenlid für erstere sehr undurchlässig ist, während die 



y-Strahlen ebensogut durch die Lider wie durch die 
Knochen und die anderen (iewebe der Augenhöhle drin- 
gen; bei geschlossenen Augenlidern werden daher die 
(5-Strahlen abgehalten, und es kommen nur die allseitig 
eindringenden y-Strahlen zur Wirkung. 

Daß die Lichtempfindung nur in der Retina entsteht, 
wurde dadurch festgestellt, daß sie nur zustande kam, 
wenn die Strahlen rlie Retina trafen, nicht aber wenn 
andere Teile des Kopfes den Strahlen exponiert wurden. 
Wenn man aus dem Tageslicht in eine Dunkelkammer 
tritt, ist das Auge anfangs für die Strahlen ganz un- 
empfindlich, und die Empfindlichkeit entwickelt sich nur 
laugsam. War jedoch abends das Auge mehrere Stunden 
lang dem gelben künstlichen Licht exponiert, so war nach 
dem Aulöschen des Lichtes die Empfindlichkeit für die 
Radiumstrahlen sofort vorhanden. 

Das „Radiumsehen" ist Bomit dem dunkel adaptierten 
Auge eigen und gleicht dem Wahrnehmen schwachen 
Lichtes, und weil dies letztere mit dem Sehpurpur in 
Zusammenhang steht, untersuchten die Verff. den Ein- 
fluß der Strahlen auf diese Substanz; sie fanden aber 
auffallenderweise keine Wirkung. Stark purpurhaltige 
Netzhäute von Fröschen und Kaninchen wurden 20 Stunden 
lang den Radiumstrahlen exponiert und zeigten ebenso- 
wenig ein Bleichen wie die nicht exponierten dunkel 
gehaltenen Augen. Hieraus mußte der Schluß gezogen 
werden, daß die Radiumstrahlen wahrscheinlich nicht 
direkt die Retina erregen, sondern Lichtstrahlen ei zeugen, 
welche von den Geweben des Augapfels ausgesandt wer- 
den, wenn diese von /?- und y-Strahlen durchsetzt werden. 

Die frischen Augenlinsen vom Schaf, Ochsen oder 
Kaninchen leuchieten in der Tat stark, weun sie den 
Radiumstrahlen exponiert wurden; ebenso leuchteten, wenn 
auch schwächer, die Hornhaut und der Glaskörper, und 
selbst die Netzhaut leuchtete stark; die Sclerotica leuch- 
tete nur sehr schwach. Das Licht der Linse allein ist so stark, 
daß es vollständig die durch die Strahlen erzeugte Licht- 
empfindung erklärt. Übrigens zeigten außer den Geweben 
des Augapfels auch noch andere Gewebe, so die Haut, 
Fett und Muskeln, die Eigenschaft, in der Nähe von Ra- 
dium Licht auszustrahlen. 

Bei der Frage nach der Natur der die Lichtempfin- 
dung veranlassenden Strahlen müssen die «-Strahlen 
wegen ihres zu geringen Durchdringuugsvermögens außer 
Betracht bleiben; es handelt sich nur um die ß- und 
y-Strahlen. Wurde etwas Radiumbromid auf den Boden 
eines Bleirohres gelegt, das zwischen den Polen eines 
kräftigen Elektromagneten stand, so konnten bei Her- 
stellung des Feldes die ^-Strahlen in das Blei hinein ab- 
gelenkt werden. Befand sich c^as Auge an dem Rohre, 
so wurde das Leuchten durch das Feld sofort auf etwa 
'/ 5 seines Wertes reduziert; das noch vorhandene schwache 
Leuchten mußte den y Strahlen zugeschrieben werden, 
während der Hauptteil von den ^-Strahlen herrührt. 

Die Wirkung der y-Strahleu konnte auch durch Ab- 
schirmen der /3-Strahlen mittels Bleiplatten nachgewiesen 
werden. Eine Platte von 2,3 mm Dicke, die die /?-Strahlen 
aufhält, verminderte die Helligkeit des Leuchtens sehr 
bedeutend; aber das zurückbleibende Licht wurde durch 
weitere Bleiplatten bis zur Dicke von 11,5 mm nicht 
vermindert, da die y-Strahlen durch diese noch durch- 
dringen. Seibat 4 cm Blei konnte das Leuchten nicht 
unterdrücken, dies gelaug erst bei 5 cm. 

Die ß- Strahlen, denen der Hauptteil des Radium- 
sehens zukommt, wirken nur dadurch, daß sie die Ge- 
webe des Augapfels vor der Retina zum Fluoreszieren 
anregen. Denn eine Prüfung mit dem Elektroskop zeigte, 
daß die /9-Strahlen durch Hornhaut, Linse und vorderen 
Glaskörper nicht hindurchdringen können ; sie gelangen 
daher auch niemals bis zur Retina. Die Wirkung der 
y-Strahlen ist nicht so klar; sie kommen zur Retina; ob 
sie diese aber direkt erregen oder nur ihre Fluoreszenz 
induzieren, oder ob beide Wirkungen zustande kommen, 
ist nicht entschieden. 



Nr. 4. 1904. 



Naturwissenschaftliche Bundschau. 



XIX. Jahrg. 47 



R.Hesse: Über den Bau der Stäbchen und Zapfen 
der Wirbeltiere. (Verh. d. deutschen zoolog. Ge- 
sellschaft 1903. Bd. X11I, S. 33—40.) 
Herr Hesse, der sich seit einer Reihe von Jahren 
mit dem Studium des feineren Baues der Sehorgane bei 
den verschiedenen Tierstämmen beschäftigt, gibt hier 
eine vorläufige kurze Übersicht über die Ergebnisse seiner 
Untersuchungen der Retina-Elemente von Wirbeltieren. 
Verf. hat (vgl. Rdsch. XI, 515; XU, 455; XIII, 343; XIV, 
256; XVI, 83; XVII, 172; XVIII, 30) bei den verschie- 
densten Tierstämmen in den Sehzellen feine Fibrillen 
nachweisen können, deren direkter Zusammenhang mit 
den Sehnervenfasern in vielen Fällen beobachtet wurde, 
und sieht, wie an dieser Stelle schon mehrfach berichtet 
wurde, in diesen Fibrillen die eigentlich lichtempfindlichen 
Teile der Sehzellen. Da nun schon vor einer Reihe von 
Jahren von anderer Seite (Ritter, W. Krause) eigen- 
tümliche Fibrillenbildungen aus den Stäbchen bzw. Zapfen 
von Knochenfischen, Vögeln und Amphibien beschrieben 
wurde, bo untersuchte Herr Hesse daraufhin von neuem 
die Retina von etwa 20 Wirbeltierarten. Während manche 
derselben sich für die Untersuchung wenig günstig er- 
wiesen, auch eine elektive Färbung der Neurofibrillen 
noch nicht gelang, konnte Verf. immerhin an drei ver- 
schiedenen Arten, nämlich Chondrostoma nasus Ag., 
Rana esculeuta L. und Thalassochelys corticata Rond., 
die Fibrillen beobachten und in Dauerpräparaten kon- 
servieren. Wie die oben erwähnten Autoren, fand 
auch Herr Hesse die Fibrillen innerhalb der Retina- 
elemente spiralig gedreht und konnte bei den Stäb- 
chen von Chondrostoma und den Zapfen von Rana 
dieselben vom Außengliede bis auf das Inuenglied mit 
Sicherheit verfolgen. Bei eingehendem Studium ließen 
die Präparate auch in dem Stäbchen von Rana, den 
Zapfen von Chondrostoma und wenigstens in den Außen- 
gliedern der Zapfen von Thalassochelys Ähnliches erkennen, 
auch machten die Befunde bei Chomlrostoma den Zu- 
sammenhang dieser Fibrillen mit den Sehnervenfasern 
wahrscheinlich. Verf. glaubt, daß es erst dann möglich 
sein wird, wesentlich über diese Belunde hinauszukommen, 
wenn ein Verfahren zur elektiven Färbung dieser Fibrillen 
gefunden sein wird. Immerhin glaubt Verf., diese Fibrillen 
als Neurofibrillen bezeichnen und damit diese Befunde 
seinen früheren anreihen zu können. Zum Schlüsse dis- 
kutiert Herr Hesse die Möglichkeit, daß diese Fibrillen, 
deren er in den einzelnen Stäbchen und Zapfen mehrere, 
getrennt und in gleichem Abstand von einander verlau- 
fende, oder auch sich kreuzende beobachtete, von ein- 
ander isoliert sein und daß diese Befunde vielleicht sich 
als wichtig für die Erklärung des Farbensehens erweisen 
könnten. R. v. H an st ein. 

Sorauer und Hollrung : Zwölfter Jahresbericht 
des Sonder -Ausschusses für Pflanzen- 
schutz 1902. (Arbeiten der Deutschen Lanlwii'schafts- 
gesellschaft, Heft 82, Beilin 1903, XXVIII u. 214 S.) 
In dieser nützlichen Publikation sind die Beobach- 
tungen über das Auftreten von Pflanzenkrankheiten in 
den landwirtschaftlichen Kulturen aus allen Gebieten 
Deutschlands zusammengetragen und in guter Ordnung 
zur Darstellung gebracht, so daß man mit Hilfe des In- 
haltsverzeichnisses leicht über jeden einzelnen Pflanzen- 
schädling Auskunft erhalten kann. Voran geht eine 
allgemeine Schilderung der Witterungsverhältnisse in 
Deutschland während des Jahres 1902, die von Herrn 
E. Leß verfaßt ist. Die Zahl der einzelnen Beobach- 
tungen beträgt über 4000 (3904 eigene Beobachtungen 
und 736 aus Fragekarten entnommene Notizen). An die 
spezielle Darstellung und Erörterung dieser Berichte 
schließt sich eine Zusammenstellung der praktisch wich- 
tigen Ergebnisse, die von Herrn Sorauer für die pflanz- 
lichen Parasiten und die Witterungseinflüsse, von Herrn 
Hollrung für die tierischen Feinde bearbeitet worden 
ist. Die Schlußbetrachtung dieses Abschnittes ist von 



so allgemeinem Interesse, daß wir sie hier wörtlich wieder- 
geben wollen. 

„Wenn wir die Ergebnisse des aus mehreren Tausend 
von Einzelbeobachtungen aufgebauten Berichts näher ins 
Auge fassen, kommen wir zu der Überzeugung, daß kein 
einziger pflanzlicher oder tierischer Parasit auch nur 
annähernd so große Ernteverluste veranlaßt hat wie die 
Ungunst der Witterungsverhältnisse. Besonders ist es 
der Frost gewesen, der sieh verderblich gezeigt hat. Er 
hat nicht nur durch das unmittelbare Abtöten der Blüten, 
Blätter und Triebe geschadet, sondern auch vielfach da- 
durch, daß er eine große Anzahl von Folgekiankheiten 
eingeleitet, die zum Teil parasitärer Natur sind. Wir 
haben mehrfach Krankheitsfälle zu besprechen gehabt, 
die auf die Ausbreitung vou Pilzen zurückgeführt werden; 
dabei aber haben wir gesehen, daß diese Pilze gar nicht 
imstande sind, die natürlichen Schutzdecken der Pflanzen- 
teile zu durchbrechen, sondern erst dann im Pfianzenkörper 
sich auszubreiten vermögen, wenn sie durch eine Wunde 
Einlaß gefunden haben. Der Schutz, den wir derartig 
bedrohten Kulturen angedeihen lassen können, beruht 
also nicht so sehr in den Bestrebungen, die vorhandenen 
Parasiten zu zerstören, als vielmehr darin, die möglichen 
Ansiedlungsherde, nämlich die Wunden, zu vermeiden. 
Und wenn wir nun sehen, wie oft schwere Wunden der 
verschiedensten Art durch den Frost hervorgerufen wer- 
den, dann müssen wir erkennen, daß vielfach eine wirk- 
same Bekämpfung parasitärer Krankheiten in Maßnahmen 
zur Vermeidung von Frostschäden zu bestehen hat. 

„Es haben aber auch die Beobachtungen des Berichts- 
jahres gezeigt, wie außer der unmittelbaren Frostzerstörung 
die naßkalte Witterung schädlich gewesen ist, indem sie 
die Gesamtentwickelung der Feldfrüchte verzögert, ihre 
Menge vermindert und ihre Güte verschlechtert hat. 
Diese Ergebnisse bilden somit eine ernste Mahnung so- 
wohl an die Kreise der Praxis, als auch an die Männer 
der Wissenschaft, über der oft übertriebenen Furcht vor 
Parasiten die Sorgen um Vermeidung oder Verminderung 
von Witterungsschäden nicht zu vergessen. Wenn es 
auch auf den ersten Blick scheinen mag, als ob wir der 
Witterung machtlos gegenüberstehen, so ißt dies doch 
tatsächlich nicht der Fall. 

„Es sind namentlich zwei Wege, auf denen wir mit 
sicherer Aussicht auf Erfolg vorgehen können, nämlich 
einerseits durch die Anzucht von Sorten, die den Witte- 
rungs-, Boden- und Lage- Verhältnissen einer bestimmten 
Gegend angepaßt sind, und zweitens durch die Kultur- 
eingriffe zur Milderung örtlich sich einstellender Witte- 
rungsextreme. Hier wird die Errichtung von Schutz- 
pflanzungen und die Regulierung größerer Baumbestände 
bzw. Waldkomplexe in erster Reihe vou Privaten und 
außerdem auch von Seiten der Staatsverwaltungen mehr 
als bisher ins Auge zu fassen sein." 

Die hier ausgesprochenen Gedanken finden ihre 
wissenschattliche Begründung in der Berliner Habili- 
tationsrede des Herrn Sorauer „Über die Prädis- 
position der Pflanzen für parasitäre Krank- 
heiten", die dem vorliegenden Heft als Anhang beigegeben 
ist. Herr Sorauer legt darin an der Hand eines reichen 
Tatsachenmaterials dar, daß die durch günstige Wachs- 
tumsumstände herbeigeführte Vermehrung der Parasiten 
für sich allein zur Erzeugung der Kraukheiten nicht hin- 
reicht, sondern daß auch ein gewisses Empfänglichkeits- 
stadium (Prädispositiou) des Nährorganismus oder doch ge- 
wisse, die Entwickelung und Ausbildung der Nährpflanze 
beeinflussende Nebenumstände dazu gehören. F. M. 



A. v. Oberraayr: Die Errichtung der höchsten 
meteorologischen Beobachtungsstation der 
Erde auf dem Vulkan El Misti in Peru. 
(Elfter Jahresbericht des Sonnblick- Vereins für das 
Jahr 1902.) (Wien 1903.) 
Der Vulkan El Misti in Peru in 16° 16' südl. Br. 

und 60° 11' westl. L. von Greenwich hat eine Seehöhe 



48 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 4. 



von 5850 m. In einer solchen Höhe , welche die 
des höchsten Bergps in Europa noch um etwa 1000 m 
übertrifft, ist der Mensch naturgemäß den Beschwerden 
der Bergkrankheit sehr ausgesetzt, und es erscheint die 
Besteigung, mehr aber noch die Errichtung einer meteo- 
rologischen Station in dieser Höhe fast als eine Unmög- 
lichkeit. Die Schneegrenze liegt in jenen Gegenden im 
allgemeinen in 5200 bis 5500 m Höhe, kann aber in man- 
chen Jahren bis auf 6100 m ansteigen. Kaum in einer 
anderen Gegend der Erdoberfläche dürfte die Schnee- 
grenze so hoch ansteigen wie hier in Südamerika zwi- 
schen dem 15. und dem '25° südl. Br. Am Misti erhält 
sich fast immer eine gewisse Menge Schnee, doch be- 
dingt die isolierte Lage des Berges, welche dem Sonnen- 
schein von allen Seiten Zutritt gestattet, besondere Ver- 
hältnisse, indem die Sonne die Schneebedeckung nach 
frischem Schneefalle rasch vermindert, während die 
innere Wärme des Vulkans keinen Einfluß zu haben 
scheint. In der nassen Jahreszeit (Dezember bis März) 
sammelt sich naturgemäß besonders viel Schnee auf dem 
Gipfel an. An dieser Stelle ist nun von der Sternwarte 
in Arequipa eine meteorologische Beobachtungsstation 
errichtet worden, die in der anfänglichen Einrichtung 
mit zwei SchutzbäuBcben versehen war. Das eine ent- 
hielt die registrierenden Thermographen und Hygro- 
graphen von Richard, das Normalthermometer, das 
feuchte Thermometer, sowie die Extrem thermometer. 
Am Dache befand sich das Robiusonsche Schalen- 
kreuzanemometer (2,75 m über dem höchsten Punkte des 
Gipfels), dessen Anzeigen durch elektrische Kontakte 
auf den Registrierapparat übertragen wurden. Alle Re- 
gistrierapparate blieben 10 Tage hindurch unaufgezogen 
im Gange. Das zweite Schutzhäuschen enthielt den 
selbstregistriereuden Barographen von Richard, sowie 
den Registrierapparat des Anemometers. Ein Queck- 
silberbarometer wurde in der Hütte zur Kontrolle ab 
und zu abgelesen; der mittlere Druck ist 378,4mm. Über 
dem Gefrierpunkt ist die Temperatur nur während einer 
kurzen Zeit um Mittag und dies nur an schönen Tagen. 
Ähnliche Stationen wurden gleichzeitig in 4784 m und 
in 3961 m errichtet. Gegen Ende 1S95 erhielt die Gipfel- 
station einen Meteorographen von Fergusson, welcher 
ohne Aufziehen drei Monate in Gang bleiben konnte. 
Doch hat sich dieser nicht sehr bewährt. Ein ständiger 
Beobachter war nicht oben; die Station wird vielmehr 
alle 10 Tage von Angestellten der Sternwarte in Are- 
quipa besucht. G. Schwalbe. 



Literarisches. 

M. Klar: Die Erdkunde. Eine Darstellung ihrer 
Wissensgebiete, ihrer Hilfswissenschaften und der 
Methode ihreB Unterrichts. VI. Teil W. Schmidt: 
Astronomische Erdkunde. 231 S., öl Holz- 
schnitte im Text und 3 lithogr. Tafeln. VII. Teil 
Engen Gelcich: Die astronomische Bestim- 
mung der geographischen Koordinaten. 
126 S., 46 Holzschnitte im Text. (Leipzig u. Wien, 
1903, Franz Deuticke.) 
Die hauptsächlich für Lehrer bestimmte, aber auch 
zum Selbstunterricht vorzüglich geeignete Sammlung von 
Werken über die einzelnen Zweige der Erdkunde wird 
30 Abteilungen umfassen. Hiervon bildet die „Astrono- 
mische Erdkunde" des Herrn W. Schmidt den VI. Teil 
und stellt eine durch große Klaiheit des Textes wie durch 
Zweckmäßigkeit der zahlreichen, vielfach neuen und ori- 
ginel.en Abbildungen ausgezeichnete Schrift dar. Diese 
Abbildungen betreffen öfter Apparate und sinnreich er- 
dachte Vorrichtungen, die das Verständnis der Erschei- 
nungen am Himmel oder auf der Erdkugel ganz wesentlich 
erleichtern, z. B. Hilfsmittel am Globus zur Veranschau- 
lichung der wechselnden Tageslängen unter verschiedenen 
geographischen Breiten oder der ungleichen Dauer der 
Dämmerung an verschiedenen Orten und Zeiten. Auf 



solche Art erreicht Herr Schmidt eine vollkommene 
Deutlichkeit aller Erklärungen und kann von der An- 
wendung mathematischer Formeln gänzlich Abstand 
nehmen. 

Der behandelte Stoff ist in drei Abschnitte zerlegt, 
deren erster vom Anblick des Himmels und dessen schein- 
barer Bewegung ausgeht. Die Gestalt der Erde, die 
Gradnetze an der Erd- und Himmelskugel, Sterne und 
Sternbilder, die scheinbaren Ortsänderungen der beweg- 
lichen Gestirne Sonne, Mond und l'laneten, Jahreszeiten, 
Finsternisse usw. finden sich gleichfalls in diesem Teile 
erläutert. Der zweite Teil schildert die wahren Bewe- 
gungen im Räume, die Achsendrehung und die Bahn- 
bewegung der Erde und der Planeten, sowie die räumlichen 
Entfernungen im Planeten- und Kixsternsystem, deren 
Ermittelung durch die genauere Erforschung der beob- 
achteten Gestirnsbewegungen ermöglicht ist. Sodann 
wird gezeigt, wie die Bewegungen im Sonnensystem 
durch die Schwerkraft geregelt sind und wie diese Kraft 
die Kugelgestalt der Weltkörper bedingt. Die Abplattung 
rotierender Körper und die von der Abplattung abhän- 
gigen Erscheinungen der Präzession und Nutation, die 
Entstehung der Gezeiten, die Bahnen der Doppelsterne 
und andere Gegenstände der Himmelskunde sind hier 
ebenfalls noch mehr oder weniger eingehend, aber stets 
in anschaulicher Form behandelt. Der dritte Teil des 
Buches (S. 174 bis 219) enthält eine Anleitung über die 
Einteilung und Anordnung des Unterrichts in der astro- 
nomischen Erdkuude an Mittelschulen und bietet manche 
wertvollen Ratschläge. Em ausführliches Inhaltsverzeichnis 
beschließt das äußerst lehrreiche Werk. 

Von den drei Tafeln und den darauf befindlichen 
Figuren gilt das gleiche, was von den Abbildungen im 
Text gesagt wurde. In sehr übersichtlicher Form sind 
die scheinbaren und wahren Bewegungen der Planeten 
während der letzten Jahre, die Phasen der Venus, die 
Anordnung des Planetensystems, die Größen- und Entfer- 
nungsverhaltnisse in diesem System und zum Vergleich 
die Entfernung des nächsten Fixsterns, der Verlauf der 
Sonnen- und Mondfinsternisse und noch manches andere 
dargestellt. Der Gebrauch des Buches zum Studium der 
astronomischen Erdkunde läßt die Benutzuug von Erd- 
und Himmidsglobus als sehr wünschenswert, wenn auch 
nicht gerade als unumgänglich nutwendig erscheinen. 

Das andere Werk der Klarsehen Sammlung, die 
„astronomische Bestimmung der geographischen 
Koordinaten" von E. Gelcich verdient ebenfalls, aufs 
beste empfohlen zu werden. Herr Gelcich hat das 
Hauptgewicht auf einfache Ableitung der mathematischen 
Formeln, auf die Beschreibung der für die Beobachtungen 
nötigen Instrumente und der Art und Weise ihres Ge- 
brauches, sowie ganz besonders auf die Anlührung voll- 
ständiger Rechenbeispiele für die Reduktion von 
Beobachtungen gelegt. Wo es nötig war, sind dem Texte 
Abbildungen von Instrumenten und geometrische Figuren 
eingefügt. Des öfteren wird der Leser auf ausführlichere 
Werke über deu betreuenden Gegenstand hingewiesen. 
Die einzelnen Teile des Buches behandeln „das Messen 
der Höhen der Gestirne" (über dem Horizont) und die 
hierzu erforderlichen Instrumente (Theodolit, Sextant, 
Pbototheodolit usw.), die „Zeitmessung" und „die Be- 
stimmung des Staudes und Gauges einer Uhr", wobei 
das Durchgangsinstrument und sein Gebrauch nebst Bei- 
spielen eingehend geschildert wird, die „Bestimmung der 
geographischen Breite" (unter anderen auch nach der 
Methode Horrebow-Talcott), die „Bestimmung der 
geographischen Länge" (durch Sgnale, Uhrübertragungen, 
telegraphisch und durch Gestirnsheobachtungen) und end- 
lich die „Bestimmung der geographischen Schiffsposition 
in der Navigation". Namentlich sind es die Mondbeob- 
achtungen zwecks geographischer Längenbestimmung, 
denen Herr Gelcich einen großen Raum widmet; indessen 
je mehr Punkte auf der Erde nach ihrer Länge astrono- 
misch bestimmt sein werden, desto seltener wird man z. B. 



Nr. 4. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 49 



als Forschungsreisender oder Seefahrer von jenen Methoden 
(Mondkulminationen, Monddistanzen usw.) Gebrauch zu 
machen hahen, die immer Behr weitläufige Rechnungen 
erfordern, und desto sicherer wird man mit der ein- 
fachen Zeitübertragung mittels Chronometer auskommen. 
Der Vollständigkeit wegen konnten aber auch diese in 
früheren Zeiten viel angewandten Methoden nicht uner- 
wähnt gelassen werden. A. Berberich. 

Gustav Kanter: Der gegenwärtige Stand der 
Schwefelsäureindustrie. Sammlung che- 
mischer und chemisch-technischer Vorträge, heraus- 
gegeben von Felix B. Ahrens. V 111. Bd., 8. Heft, 
46 S. (Stuttgart 1903, F. Enke.) 
Die Darstellung der Schwefelsäure, welche, wenigstens 
nach ihrer technischen Seite hin, bis vor wenig Jahren 
im großen und ganzen abgeschlossen zu sein schien, hat 
durch die Einführung des Kontaktverfahrens eine ge- 
waltige Erschütterung erfahren, welche anderseits auch 
zu dem Bestreben iührte, das ältere Verfahren sachgemäß 
zu verbessern. Dieser Streit zwischen beiden llerstellungs- 
weisen prägt sich auch äußerlich aus in einem außer- 
ordentlichen Anschwellen der Literatur über diesen Gegen- 
stand, so daß eine Übersicht über den gegenwärtigen 
Stand der Frage ein aktuelles Interesse beansprucht. 

Verf. bespricht zunächst, ohne sich au ein bestimmtes 
Verfahren zu halten, den allgemeinen Gang des Kammer- 
prozesses mit den neuerlich eingeführten Verbesserungen, 
der Einfügung von Ventilatoren, Anwendung von Tan- 
gentialkammern u. dgl., die Nebenapparate des Betriebes 
und behandelt sodann die Herstellung der Schwefelsäure 
in den Türmen, die Verminderung des Kammerraums durch 
Einschalten der Lu n ge - Roh rm ann sehen Platten- 
türme, während bei völliger Ersetzung der Kammern 
durch Reaktionstürme keine befriedigenden Ergebnisse 
erzielt werden. Den Beschluß büden die Verfahren zur Dar- 
stellung des Anhydrids, das alte Verfahren von Clemens 
Winkler, das von fertig gebildeter Schwefelsäure aus- 
ging, und die neueren Methoden zu seiner Herstellung 
aus den Rösteasen selbst, welche uns ein anschauliches 
Bild des fruchtbaren Zusammenwirkens von Theorie und 
Praxis liefern. Die kleine Schrift mag allen denen, welche 
sich über die ganze Frage unterrichten wollen, als kurzer 
und übersichtlicher Fühier bestens empfohlen sein. Bi. 



K. Schirmeisen: Systematisches Verzeichnis 
mahrisch-schlesischer Mineralien und ihrer 
Fuudorte. (S.-A. a. d. Jahresbericht des Lehrerklubs 
für Naturkunde in Brunn. 92 S. Brunn 1903, K. Winiker.) 
Gerade in den letzten Dezennien hat sich die geolo- 
gisch-mineralc gische Kenntnis von Mähren und Öster- 
reichisch-Sehlesien derartig gehoben, daß es dankenswert 
erschien, eine neue Zusammenstellung der mähiisch-schle- 
sischeu Mineralien und ihrer Fundorte zu geben. Das 
kleine Werk gibt kurz und übersichtlich ein Verzeichnis 
derselben, hat aber ferner den hohen Wert, daß es kritisch 
ist und sich nur auf die tatsächlich in öffentlichen und 
Privatsammlungen vorhandenen Belegstücke stützt. Wün 
sehenswert wäre eB gewesen , auch noch kurz der Art 
des Auftretens der aufgezählten Mineralien in der Natur 
zu gedenken. Der Wert der Arbeit wäre dadurch be- 
deutend gesieigert worden. A. Klautzsch. 



Gt. Steinmann: Einführung in die Paläontologie. 

466 Ö. Mit 818 Textabbildungen. (Leipzig 1903, 

W. Engelmann.) 
Während in dem in früheren Jahren erschienenen 
Werke des Verf., das er mit Prof. Döderlein (Straßburg) 
gemeinsam herausgegeben hatte, in den „Elementen der 
Paläontologie", allein eine Übersicht der Formen des 
Tierreiches geboten wurde, macht Herr Steinmann nun 
den Versuch, unter Kurzum;' des Textes auch die fossile 
Pflanzenwelt zu berücksichtigen. Er läßt die Aufzäh- 
lung der geologisch wichtigen Arten wegfallen und ver- 



sucht es, den hierdurch verfügbaren Raum gleichmäßig 
auf Pflanzen, Wirbellose und Wirbeltiere zu verteilen. 

Die Darstellung des Stoffes ist eine systematische, 
nur an einzelnen Stellen ist im Interesse der Übersicht- 
lichkeit davon abgewichen worden. In der Einleitung 
erörtert der Verf. Gegenstand und Ziele der Paläontologie, 
weißt auf die Unvollständigkeit der paläontologischen 
Überlieferung hin, sowohl in bezug auf die uns erhaltenen 
körperlichen Reste, als auch bezüglich der ältesten Formen 
und bespricht den Erhaltungszustand der fossilen Pflanzen 
und Tiere wie ihr Vorkommen und Alter. 

Der erste Teil des Werkes behandelt die Pflanzen. 
Entsprechend der besonderen Bedeutung der Pteriophyten- 
reste in unseren Steinkohlenschichten erfährt diese 
Klasse der Kryptogameu neben denen der Thallophyten 
und Bryoi byten die ausführlichste Behandlung. Weiter- 
hin folgen die Phanerogamen. Ihre ältesten Formeu 
sind die Gymnospermen, sie beginnen bereits im Karbon. 
Von der Kreide ab erst dominieren die Angiospermen. 

Der zweite Teil wendet sich dann den Formen des 
Tierreiches zu. In systematischer Reihenfolge werden 
die einzelnen Tierkreise, mit den Protozoen beginnend 
und mit den höchst organisierten Vertebraten endigend, 
besprochen. Zu Beginn jeder Klasse wird eine kurze 
Übersicht der Organisation und des Baues der ihr zu- 
gehörigen Formen gegeben und ihre systematische Grup- 
pierung angeführt. Sodann folgen die einzelnen Unter- 
klassen mit ausführlicher Charakterisierung der sie be- 
zeichnenden Unterschiede und ihre Systematik, die sich 
aber, wie gesagt, nur auf die wichtigsten Formen erstreckt 
ohue Aufzählung der einzelnen Arten. Wohl aber wird 
ihr geologisches Auftreten und ihre Verbreitung berück- 
sichtigt. Von besonderem Wert sind Hinweise auf den 
Eutwickelungsgang der einzelnen Gruppen und Andeu- 
tungen über die verschiedenen Beziehungen zwischen 
den einzelnen Abteilungen. 

Eine ganze Reihe guter Abbildungen dient zur wesent- 
lichen Erläuterung des Textes. Dieser selbst steht, wie 
es bei der Stellung des Verf. nicht anders zu erwarten 
ist, völlig auf der Höhe der Zeit, und man erkennt aller- 
orts die Berücksichtigung der neuesten Ergebnisse der 
paläontologischen Forschung. A. Klautzsch. 



Pokornys Naturgeschichte des Tierreichs für 
höhere Lehranstalten, neu bearbeitet von R. Latzel. 
233 S. m. 24 Tafeln, 8°. (Leipzig 1903, G. Freytag.) 
Bei Besprechung der unlängst erschienenen 22. Auf- 
lage des Pokornyschen Lehrbuches wurde an dieser 
Stelle hervorgehoben, daß dasselbe im Laufe des letzten 
Jahrzehntes wesentliche Änderungen nicht erfahren habe, 
vielmehr — abgesehen von einem hinzugekommenen Ab- 
schnitt über die geographische Verbreitung der Tiere — 
noch wesentlich das alte geblieben sei. Namentlich war 
der neuerdings so stark in den Vordergrund getretenen 
biologischen Seite des zoologischen Lehrstoffes zu wenig 
Rechnung getragen; nur in den Abbildungen zeigte sich 
das Bestreben, dieser Seite mehr als in den früheren 
Autlagen gerecht zu werden. Es ist daher erfreulich, 
daß die Verlagsanstalt für die Bearbeitung der nunmehr 
vorliegenden 23. Auflage einen Autor gefunden hat, der 
selbst als Forscher auf dem Gebiet der Zoologie hervor- 
getreten ist und sich mit Sachkenntnis der Aufgabe 
unterzogen hat, das Buch zeitgemäß im Sinne der neueren 
Lehraufgaben und Lehrmethoden umzugestalten. Daß 
dabei eine völlige Neubearbeitung des Textes erforder- 
lich wurde, wie Herr Latzel in der Vorrede hervorbebt, 
ist dem, der die früheren Auflagen kennt, nicht be- 
fremdlich. Das Buch hat insofern seinen Charakter be- 
wahrt, als es nicht wie die sogenannten methodischen 
Leitfäden oder auch das in seiner Weise ausgezeichnete 
Buch von 0. Sehmeil (Rdsch. 1899, XIV, 13) den ganzen 
Gang des Unterrichts vorzeichnen will; vielmehr gibt es 
eine systematische Übersicht über das Tierreich in der 
auch sonst vielfach üblichen Art, daß je ein Vertreter 



50 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 4. 



jeder Gruppe als Paradigma ausführlicher besprochen 
wird, während einige andere Arten kürzer charakterisiert 
werden. Es hat diese Behandlungsweise zweifellos in 
didaktischer Beziehung manches für sich, sie bringt aber 
leicht den Nachteil mit sich, daß der Schüler von der 
ungeheuren Mannigfaltigkeit der lebendigen Natur Dur 
eine unzureichende Verstellung erhält. So fällt dem Re- 
ferenten bei Durchsicht des vorliegenden Buches auf, 
daß z. B. von Eidechsen neben der ausführlichen Be- 
sprechung der Lacerta agdis keine der anderen heimischen 
Arten erwähnt wurde, daß ebenso von Erdsalamandern 
nur Salamandra maculosa, von der gesamten Gruppe der 
Echiuodermen nur Echinus esculentus, Asterias rubens 
und Astropecten aurantiacus genannt sind, ohne jeden 
Hinweis darauf, daß es noch sehr viel andere Arten in 
anderen Meeren gibt; es könnte sogar die Bemerkung 
auf S. 215 dahin verstanden werden, daß außerhalb des 
Atlantischen Ozeans gar keine Seeigel existieren. Auch 
würde Referent es für wünschenswert halten, aus der 
Gruppe der Plathelminthen nicht nur die durch Parasitis- 
mus stark abgeänderten Cestoden, sondern auch eine 
Planarie herangezogen zu sehen, wie anderseits von Pro- 
tozoen auch einige Rhizopoden, namentlich die auch in 
geologischer Beziehung so wichtigen Thalamophoren 
Anrecht auf Berücksichtigung gehabt hätten. Auch 
hätten bei den Fischen Amphioxus und S. 170 die 
Heterogonie der Gallwespen erwähnt werden können. 
Im übrigen ist die Auswahl der behandelten Tiere durch- 
aus angemessen, Biologie und Morphologie in ihrer 
gegenseitigen Bedingtheit sind allenthalben betont, ohne 
durch zu weitgehende Deutungen den Tatsachen Gewalt 
anzutun. Mehr Berücksichtigung hätte Ref. der geogra- 
phischen Verbreitung der Tiere gewünscht; daß die der 
vorletzten Auflage beigegebene Übersicht über die 
Wallaceschen Regionen und Subregionen fortgefallen ist, 
ist nicht zu bedanei'n, aber eine Übersicht über die wich- 
tigeren Charaktertiere bestimmter Gebiete oder über die 
Verbreitung gewisser wichtigerer Gruppen (z. B. Hirsche, 
Bären, Marder usw.), nicht nur der einzelnen ausfuhr- 
licher beschriebenen Arten, wäre in einem Schulbuch 
erwünscht. Auch gewisse paläontologische Tatsachen 
sollten nicht unerwähnt bleiben. Daß Elefanten früher 
auch in Europa und Amerika existierten, daß Europa 
zur Tertiär- und Diluvialzeit zahlreiche inzwischen hier 
ausgestorbene Säugetierfamilien beherbergte, ist doch 
immerhin von allgemeinem Interesse. Auf S. 51 vermißt 
Ref. den Hinweis darauf, daß in Hochasien noch gegen- 
wärtig wilde Kamele leben, und der Satz, daß in Süd- 
amerika und Asien keine echten Wildpferde leben (S. 52), 
bedarf mit Rücksicht auf Equus Przewalskii der Ein- 
schränkung. 

Diesen Ausstellungen gegenüber, die ja zum Teil 
Punkte betreffen, bezüglich welcher die Meinungen zur- 
zeit noch geteilt sind, sei aber nochmals ausdrücklich 
hervorgehoben, daß das vorliegende Schulbuch der ganzen 
Stoffbehandlung nach als ein brauchbares, auf durchaus 
wissenschaftlicher Grundlage stehendes bezeichnet wer- 
den muß. 

Bei der großen Wichtigkeit, welche den Abbildungen 
gerade in einem Schulbuch zukommt, sei auch über die 
Illustrierung des Buches noch ein Wort gesagt. Außer 
den fast durchweg recht guten, biologisch charakterisierten 
Textabbildungeu ist demselben noch ein Atlas mit 24, 
von W. Kuhnert und H. Morin ausgeführten farbigen 
Tafeln beigegeben. Dank der Vervollkommnung der 
technischen Reproduktionen verteuert die Beigabe solcher 
farbigen Illustrationen die Bücher Dicht mehr so stark 
als noch vor relativ kurzer Zeit, und es ist daher sehr 
begreiflich, daß die verschiedensten Schulbücher in ihre 
neuen Aullagen solche aufgenommen hal>en. In diesem 
Buche sind dieselben besonders zahlreich. Während 
jedoch in der vorletzten Auflage des Pokornyschen 
Lehrbuches vor allem die niederen Meertiere (Aktinien, 
Quallen, Echiuodermen usw.) farbig dargestellt waren, 



umfaßt der hier heigegebene Atlas außer 15 Vogeltafeln 
eine Anzahl von Reptilien, Amphibien und Schmetter- 
liniren. Hier ist nun nicht zu verkennen, daß das Drei- 
farbendruckverfahren zur Wiedergabe der Farben vieler 
Vögel und Schmetterlinge doch nicht ausreicht. Bei 
aller Anerkennung dessen, was hier geboten wird, muß 
doch die Farbengebung auf manchen Bildern direkt als 
unrichtig bezeichnet werden, so z. B. bei der Raupe von 
Cossus, Aeheroutia atropos, Arctia u. a. Sachlich muß 
Ref. die Zusammenstellung von Vögeln ganz verschiedener 
Länder oder verschiedener Aufenthaltsorte auf einem 
Bilde beanstanden, wie z. B. die der drei Papageien auf 
Tafel 3 oder die von Wiedehopf, Blaurabe und Eisvogel 
auf Tafel 4. Es ist dies kein Vorwurf, der das vorliegende 
Buch speziell trifft, da in dieser Beziehung bisher in den 
meisten ähnlichen Büchern meist ebenso verfahren wurde; 
aber es sollte gerade für Schul- und Lehrbücher der Grund- 
satz mehr maßgebend werden, nur das auf einem Bilde 
zusammen darzustellen, was auch in der Natur zusammen 
vorkommen kann — natürlich nur, soweit es sich um 
Gruppenbilder lebender Tiere handelt. R. v. Hanstein. 



E. Hassert: Landeskunde des Königreichs Würt- 
temberg. 160 S. 16 Vollbilder und 1 Karte. Samm- 
lung Göschen Nr. 157. (Leipzig 1903, G. J. Göschen.) 

In der richtigen Erkenntnis , daß die Bekauntschaft 
mit der engeren Heimat wichtig ist zum Verständnis 
der Fremde und daß die Heimatskunde die Grundlage 
bildet zur Einführung in das Wesen der geographischen 
Wissenschaft, bietet uns der Verf. in kurzen, aber er- 
schöpfenden Zügen eine Landeskunde von Württemberg. 
Wohl nur wenige Länder Europas zeigen die verschie- 
denen Naturformen in solcher Mannigfaltigkeit und da- 
bei in so klarer Anordnung auf ziemlich kleinem Räume 
wie gerade dieses Gebiet. 

Nach wenigen Worten zur Geschichte der geogra- 
phischen Erforschung Württembergs schildert uns der 
Verf. zunächst die allgemeinen geographischen Verhält- 
nisse des Landes und die Abhängigkeit seiner überÜächen- 
formen von dem geologischen Bau. Sodann bespricht 
er im einzelnen die typischen Landschaftsformen, den 
Schwarzwald, das Neckarland, die schwäbische Alb und 
die oberschwäbische Hochebene. Er erörtert ihren all- 
gemeinen Bau und ihre geologischen Verhältnisse und 
beschreibt ihre Gewässer und die von diesen natürlichen 
Faktoren abhängigen klimatischen, Vegetatious- und Be- 
siedelungsverhältnisse. Auch die Siedelungskunde und 
die Verhältnisse von Handel und Gewerbe werden ein- 
gehend berücksichtigt. 

Des weiteren folgt noch ein besonderer wirtschafts- 
geographischer Überblick und eine kurze Schilderung des 
Volkes, seiner Sitten und Gebräuche. A. Klautzsch. 



Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 
Sitzung am 7. Januar. Herr F. E. Schulze las „über 
den Bau des respiratorischen Teils der Säugetierlunge". 
Das respiratorische Parenchym der Säugetieriunge wird 
gebildet von zahlreichen selbständigen „Alveolarbäum- 
chen", welche teils als terminale Fortsetzungen der letz- 
ten Brouchioli, teils als Seiteuäste kleiner Bronchien er- 
scheinen. Der sehr verschieden lange, einfach röhren- 
förmige Stamm eines jeden „aibor alveolaris" zeigt ent- 
weder nur vereinzelte Alveolen, bzw. mit Alveolen be- 
setzte, seitliche Aussackungen, „saccufi alveolares", oder 
er ist ringsum gleichmäßig mit Alveolen besetzt. Er 
geht über in das baumartig verzweigte System der Al- 
veolargäuge, „ductuli alveolares", welche stets ringsum 
gauz mit Alveolen besetzt sind, und endet mit den seit- 
lich oder terminal in die Alveolargänge einmündenden 
blinden Alveolarsäckchen, „sacculi alveolares". Die von 
Miller als besondere kugelig erweiterte Teile des Al- 
veolarsystemB beschriebenen „Atria" ließen sich an den 



Nr. 4. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahr?. 51 



bisher studierten Säugetieren nicht erkennen. Im ein- 
zelnen bestehen große Differenzen im Bau der Alveolar- 
bäumchen UDd in der Größe der Alveolen bei den ver- 
schiedenen Säugetieren. — Herr van 't Hoff legte eine 
Arbeit des Herrn Dr. Rud. Schenck in Marburg vor: 
„Theorie der radioaktiven Erscheinungen." Den Kern- 
punkt der Abhandlung bildet die Autfassung, daß die 
Elektronen bei Erscheinungen chemischen Gleichgewich- 
tes, zumal bei demjenigen zwischen Sauerstoff und O/on, 
eine Rode 6pielen, welche sich dem sog. Massenwirkungs- 
gesetze unterordnet. — Herr Klein legte einen Bericht 
des Herrn Prof. Dr. G. Klemm in Darmstadt vor über 
seine mit akademischen Mitteln ausgeführten „Unter- 
suchungen an den sog. „Gneißen" und den metamorphen 
Schiefergesteinen der Tessiner Alpen". Es wird der 
Nachweis erbracht, daß der Tessiner Gneiß ein echter 
Granit mit primärer Fluidalstruktur ist. Die ihn be- 
deckenden metamorphen Schiefergesteine werden als kon- 
taktmetamorph angesprochen und ihre Lagerung als 
die eines nordwestlich streichenden Sattelgewölbes ge- 
deutet, in dessen Scheitel das Tessintal eingeschnitten 
iBt. Der früher als archäisch angesehene Tessiner Gneiß 
wird als jungteitiär aufgefaßt. — Herr F. E. Schulze 
überreichte die 18. und 19. Lieferung des Werkes: „Das 
Tierreich": Paridae, Sittidae und Certhiidae von C. E. 
Hellmayr und Tetraxonia von R. v. Lendenfeld, 
und Herr Engler das 18. Heft (IV. 5): R. Pilger, 
Taxaceae des Werkes „Das Pflanzenreich", sowie ein 
neues Heft der Monographien afrikanischer Pflanzen- 
famüien: VII Strophantus, bearbeitet von E. Gilg. — 
Ferner wurden übergeben : Gesammelte Schriften von 
Adolf Fick, II. Band. Physiologische Schriften, Würz- 
burg 1903, und: Wiesner und seine Schule. Ein Bei- 
trag zur Geschichte der Botanik. Festschrift von K. 
Linsbauer, L. Linsbauer und L. von Portheim. 
Wien 1903. 

Königliche Gesellschaft der Wissenschaften 
zu Göttingen. Sitzung am 31. Oktober. Herr D. Hu- 
bert legt vor: F. Bernstein, Über den Klassenkörper 
eines algebraischen Zahlkörpers. — Derselbe legt vor: 
Lothar Heffter, Zum Beweis des Cau chy-Goursat- 
schen Integralsatzes. — Derselbe legt vor: Rud. 
Schimmack, Über die axiomatische Begründung der 
Vektoraddition. — Herr W. Voigt legt vor: C. Runge, 
Über die elektromagnetische Masse der Elektronen. — 
Derselbe legt vor: R. A. Houstoun, Wirkung einer 
Übergangsschicht bei Totalreflexion. — Derselbe legt 
vor: S. Nakamura, Über das Gesetz der Lichtge- 
schwindigkeit im Turmalin. — F. Klein überreicht: 
Klein und Sommerfeld, Über die Theorie des Krei- 
sels, H.3 und Enzyklopädie der mathematischen Wissen- 
schaften H. III, 3, Nr. 2 und 3; H. IV, 2, Nr. 3. — D e r s e 1 b e 
legt vor: R. Fr icke, Über die in der Theorie der auto- 
morphen Funktionen auftretenden Polygoncontinua. — 
H. Wagner berichtet über den Stand des Samoa-Unter- 
nehmens. 

Öffentliche Sitzung am 14. November. M. Verworn: 
Naturwissenschaft und Weltanschauung. 

Sitzung am 28. November. F. Klein legt vor: G. 
Herglotz, Zur Elektroneutheorie. — W. Voigt über- 
reicht die italienische Übersetzung seiner „Kristallphysik." 



Academie des scienees de Paris. Seance du 
4 janvier. Berthelot: Recherches sur Demission de la 
vapeur d'eau par les plantes et sur leur dessiccation 
spontanee. — J. Boussinesq: Kationalite d'une loi ex- 
perimentale de M. Parenty, pour l'ecoulement des gaz 
par les orifices. — H. Baraduc: Ouvertüre d'un pli 
cachete relatif ä des recherches photographiques sur 
des irradiations de la vitalite humaine. — Karl Huter 
adresse une reclamation de priorite relative ä „des rayons 
lumineux du corps humain". — Le Secretaire perpe- 
tual signale le Tome LX des „Oeuvres de Gauss", un 



Volume de MM. Imbeaux, Hoc, Van Hint et 
Peter. — Pierre Weiß: La notion de travail appli- 
quee ä l'aimautation des cristaux. — A. Guillemin: 
Sur l'osmose. — T h. Moureaux: Sur la valeur alisolue 
des elements magnetiques au 1 er janvier 1901. — Pierre 
David: Sur la stalnlite de la direction d'aimautation 
dans quelques roches vohaniques. — L. Teieserenc 
de Bort: Sur la decroissauce de temperature avec la 
hauteur dans la region de Paris d'apres 5 annees d'ob- 
servaiions. — Augustin Charpentier: Caracteres dif- 
ferentielles des ladiations physiologiques suivant leur 
oriuiue musculaire ou nerveuse. — P. Carre: Sur les 
ethers phosphoiiques de la glycerine. — L. Maqueune, 
A. Fernbach et J. Wolff: Retrugradation et coagu- 
lation de l'amidon. — L. Beulaygue: Le monosulfure 
de sodium, comme reactif indicateur, dans le dosage du 
glucose par la liqueur de Fehling. — Doyon et A. 
Jouty: Ablation des parathyroides chez l'Oiseau. — 
Georges Coutagne: De la telection des petites diffe- 
rences que presentent les caracteres ä variations con- 
tinues. — Edouard Heckel et H. Jacob de Corde- 
moy: Sur le double appareil secreteur des Dipteryx 
(Coumarouna). — Wallerant: Sur les transformations 
polymorphiques. — Emile Haug: Sur les racines des 
nappes de charriage dans la chaiue des Alpes. — Sta- 
nislas Meunier: Contribution ä la conuaissance des 
formations Iuteoiennes au Senegal. — Wassilieff: 
Emploi general du crin de Florence en Chirurgie. 



Royal Society of London. Meeting of Novem- 
ber 26. The following Papers were real : „Mathema- 
tical Contributions to the Theory of Evolution. XII. On 
a Generalised Theory of Alternative Iuheritance, with 
Special Releience to Mendel's Laws." By Prof. Karl 
Pearson. — „On the Distribution of Stress and Strain 
in the Crosssection of a Beam." By J. Morrow. — 
„Some Experiments in Magnetism." By T. C. Porter. 

Anniversary Meeting of November 30. The Reports 
were read, Anniversary Adress delivered by the Presi- 
dent and the Awards of the Medals for the year were 
annouuced. (Rdsch. 1903, XVIII, 620.) 

Meeting of December 3. The following Papers were 
read: „On the Fructitication of Neuropteris heterophylla 
Brogniart." By R. Kids ton. — „tiistological Studies 
on Cerebral Localisation." By Dr. A. W. Campbell. 

Meeting of December 10. The following Papers 
were read: „On the Integrals of the Squares of Ellip- 
soidal Surface Harmonie Functions." By Professor G. 
H. Darwin. — „Preliminary Note on the Resistance to 
Heat of B. anthracis." By A. Mal lock and Lieutenant- 
Colonel A. M. Davies. — „A Generalisation of the Func- 
tions x" and r(n)." By Rev. F. H. Jackson. — „On 
the Resemblances Exhibited between the Cells of Ma- 
lignant Growths in Man and those of Normal Reproduc- 
tives Tissues." By Professor J. Bretland Farmer, 
J. E. S. Moore and C. E. Walker. 



Vermischtes. 

Über Elektrizitätszerstreuung in Luft teilte 
Herr R. Börustein einige in Berlin und einem Vororte 
ausgeführte Versuche mit, in denen zunächst die Leit- 
fähigkeit der Kellerluft, die bekanntlich an verschiedenen 
Orten zu sehr verschiedenen Werten geführt, mit dem 
Eiste r - G ei te 1 sehen Zerstreuungsapparat gemessen 
wurde. Es zeigte sich, daß die beiden untersuchten, im 
Sandboden liegenden Keller eine Luft enthielten, welche 
eine größere Leitfähigkeit besaß als die Luft eineB Ar- 
beitszimmers mit offenem Fenster; doch war der Unter- 
schied recht gering, vielleicht, weil der Abschluß der 
Luft in den Kellern kein vollständiger gewesen. Sodann 
untersuchte Herr Börnstein Luft, die aus dem Boden 
in 1 bis 2 m Tiefe gesaugt war, und fand, daß ihre 
Leitfähigkeit anfangs etwas zunahm und dann langsam 



52 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 4. 



zur Norm absank; im allgemeinen war die Zerstreuung 
der negativen Ladungen größer als die der positiven; 
der Maximalwert konnte fast das 30 fache der für Zim- 
merluit ermittelten Größe erreichen. Es lag nahe, auch 
das Grundwasser auf seinen Gehalt an Emanation zu 
untersuchen. Der Pumpe entnommenes Wasser, mit dem 
Fließpapier getränkt war, hatte keinen Einfluß auf die 
Zerstreuung der Ladung; einige weitere mehrfach abge- 
änderte Versuche führten zu dem Ergebnis, daß die Leit- 
fähigkeit der Luft durch die Berührung mit Wasser nicht 
merklich beeinflußt wurde, wenn eine abgeschlossene 
Wassermenge zur Wirkung kam; wenn aber eine fort- 
während erneuerte Wassermasse auf die Luft wirkte, 
wuchs deren Leitfähigkeit deutlich, was darauf hinweist, 
daß in dem Wasser die Emanation in geringer Menge 
enthalten ist und an die Luit abgegeben werden kann. 
(Verbandlungen der deutscheu physikalischen Gesellschaft 
1903, Jahrg. V, S. 404—414.) 



Im weiteren Verfolge seiner Untersuchung der n- 
Strahlen kam Herr R. Blondlot auf die Vermutung, daß 
die Kompression bestimmte Stoffe veranlassen konnte, 
?!-Strahlen auszusenden; er fand diese Annahme bestätigt, 
als er mit einer Tischlerpresse Holzstücke, Glas, Kaut- 
schuck und andere Substanzen komprimierte. Solange 
die Kompression anhielt, sandten diese Stoffe n-Strahlen 
aus, welche eine phosphoreszierende Masse Calciumsulfid 
heller leuchtend machien und schwache Licbteindrücke, 
z. ß. das verschwommene, graue Bild eines Uhr-Zitfer- 
blattes in einem 6ehr schwach erleuchteten Zimmer, heller 
werden ließen. Es lag nun nahe, zu prüfen, ob Körper, 
die an sich in einem Spannungszustande eich befinden: 
Glastränen, gehärteter Stahl, durch Hämmern gehärtetes 
Messing, zu Kristallstruktur geschmolzener Schwefel usw., 
nicht von selbst dauernd «-Strahlen entsenden. Dies 
war in der Tat der Fall ; durch Abschrecken gehärtete 
Stahlstücke oder Werkzeuge waren eine dauernde Quelle 
von n-Strahlen und verloren diese Fähigkeit, nur, wenn 
man sie ausglühte; erneutes Harten machte sie wieder 
strahlend. Ihre Wirkungen durchsetzten ohne merkliche 
Abschwächung eine 1.5 cm dicke Aluminiumplatte, eine 
3 cm dicke eichene Bohle, schwarzes Papier usw. Stahl- 
werkzeuge aus dem XVIII. Jahrhundert erwiesen sich 
gleichfalls als n-Strahlen aussendend, so daß diese Eigen- 
schaft von unbeschränkter Dauer zusein scheint. (Compt. 
rend. 1903, t. CXXXYTI, p. 962—964.) 



Eine Beziehung zwischen der Laubfärbung im 
Herbste und dem Gehalt an Kieselsäure hat 
Herr P. Q. Keegan auf Grund von Analysen der bei 
100° getrockneten Blätter verschiedener Baumarten auf- 
gestellt. Bei der einen Reihe von Bäumen, solchen, deren 
Blätter im Herbst rot werden, bleibt der Kieselsäure- 
gehalt unter 10 % der Gesamtascbe, bei der anderen 
Reihe, deren Blätter gelb oder braun werden, geht er 
darüber hinaus, zum Teil bis zu bedeutender Höhe (bei 
der Hainbuche auf 42,2 °/ )- Besonders bemerkenswert 
ist der Gegensatz zwischen dem rot werdenden norwegi- 
schen Ahorn mit 8,7 °/o und dem gelb werdenden Berg- 
ahorn mit 20,7 % Kieselsäure, ebenso zwischen der 
Scharlacheiche (Quercus coccinea) mit 3 % und der ge- 
meiuen Eiche (tjuercus robur) mit 13 % Kieselsäure. 
(Nature PJ03, 69, 30.) F. M. 

VI. Internationaler Zoologenkongreß in Bern 
14. bis 19. August 1904. Auf dem V. in Berlin ab- 
gehaltenen Zoologenkongreß wurde als Versammlungsort 
des VI. Kongresses die Schweiz bezeichnet und als Prä- 
sident Herr Prof. Dr. Th. Studer in Bern erwählt. Als 
Zeitpunkt wurde der 14. bis 19. August 1' 04 festgesetzt. 
Der vorbereitende Ausschuß und die verschiedenen Ko- 
mites haben sich konstituiert. Die allgemeinen Ver- 
sammlungen werden im Eidg. Parlamentsgebäude in 
Bern, die Sektionssitzungen im neuen Uuiversitätsgebäude 



stattfinden. Während des Kongresses findet ein Ausflug 
nach Neuchatel und den Juraseen zur Besichtigung der 
dortigen Pfahlbaustationen statt. Die Schlußsitzung wird 
in lnterlaken abgehalten. Nach Beendigung des Kon- 
gresses werden die Teilnehmer zum Besuche anderer 
Schweizerstädte eingeladen. Man bittet Anmeldungen 
von Vorträgen und Aufragen, welche den Kongreß be- 
treffen, an den Präsidenten des VI. internationalen Zoo- 
logenkongresses, Naturhistorisches Museum, Waisenhaus- 
straße, Bern, zu richten. Alle Zoologen und Freunde 
der Zoologie werden eingeladen, sich als Mitglieder am 
Kongreß zu beteiligen. 



Personalien. 

Die Academie des sciences zu Paris hat Herrn A. 
Lacroix zum Mitgliede in der Sektion für Mineralogie 
an btelle des verstorbenen Munier Chalmas erwählt. 

Die Geological Society zu London bat in diesem 
Jahre ihre Medaillen und Preise wie folgt verliehen: die 
Wollastun-Medaille Herrn Prof. Albert Heim (Zürich), 
die Murchison-Medaille Herrn Prof. G. A. Lebour, die 
Lyell-Medaille Herrn Prof. A. G. Nathorst (Stockholm), 
den V\ ollaston-Preis dem Fräulein E. M. R. Wood, den 
Murchison-Preis Herrn Dr. A. Hutchinson, den Lyell- 
Preis Herrn Prof. S. H. Reynolds und Herrn Dr. C. A. 
Matley, den Barlow - Jameson - Preis Herrn H. J. L. 
Beadnell. 

Ernannt: Dozent S. A. F. White zum Professor 
der Mathematik am Kings College in London; — Dr. W. 
A. Osborne zum Professor der Physiologie und Histo- 
logie an der Universität Melbourne; — der Abteilungs- 
vorsteher im chemischen Institut der Universität Bonn 
Dr. Georg Frerichs zum außerordentlichen Professor. 



Astronomische Mitteilungen. 

Prof. Schaeberle in Ann Arbor (Nordamerika) hat 
sich vor einiger Zeit einen parabolischen Spiegel von 
33 cm Öffnung und nur 50 cm Brennweite hergestellt, um 
damit photographische Himmelsaufuahmen zu machen. 
Die Lichtstärke dieses Instruments ist sehr groß, schon 
in wenigen Minuten Belichtung erhält Schaeberle auf 
der Platte die schwächsten Sterne, die in den grnßten 
vorhandenen Fernrohren, Lick- und Yerkes-Refraktor, 
noch sichtbar sind, und weit schwächer sind die Sterne, 
die bei der längsten möglichen Aufuahmeilauer sich ab- 
bilden. Über eine Stunde darf diese Zeit nicht wesent- 
lich ausgedehnt werden, weil danu die allgemeine Hellig- 
keit des Himmels die Platten verdirbt. Die Aulnahmen 
Schaeberles geschehen nämlich in eiuer verkehrs- 
reichen, des Nachts hell beleuchteten Stadtgegend. Nach- 
teilig für manche Zwecke ist auch das kleine Gesichts- 
feld, in dem die Bilier noch ohne Verzerrung zustande 
kommen; der Durchmesser ist höchstens ein halber Grad. 
Schaeberle hat daher kleine Nebel und Sterugruppen 
als Objekte für seiue Aufnahmen gewählt und dabei inter- 
essante Ergebnisse erhalten. 

So sieht er beim Ringnebel der Leier vom Zen- 
tralstern zwei Spiralstreifeu in entgegengesetzter Rich- 
tung ausgehen, von denen jeder wieder in eine Anzahl 
Äste sich teilt. Die inneren, dem Zentrum näheren Äste 
eiues Streifens sind stärker gekrümmt als die äußersten; 
nach Zuiückleguug von s / 4 Windungen holen sie die 
äußeren, mehr radial vom Zentrum sich entfernenden 
Äste wieder ein und kreuzen diese. Aus solchen Syste- 
men divergierender und sich kreuzender Nebeläste wäre 
also das verwinkelte Bild des Ringuebels zu erklären. 
Die äußersten Teile der Äste reichen aber noch weit 
über den eigentlichen Nebelriug hinaus und wurden auf 
den Platten als matte Nebelbigen erkannt. Ähnlichen 
Bau besitzen nach Schaeberle der „Hanteluebel" in 
Vulpecula, die Sternregion um y Cassiopeiae sowie der 
große Sternhaufe im Herkules, der bisher immer für 
ganz nebellrei gehalten wurde. Feine Nebelstreileu, die 
mit Sterureiheu besetzt sind, bezeichnen die spiralige 
Anordnung des ganzen Sterusystems. A. Berberich. 

Für die Redaktion verantwortlich 
Prof. Dr. W. Sklarek, Berlin W., Landgrafenstraße 7. 



Druck und Verlag von Friedr. Vioweg <t Sohn in Braunachweig. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 



über die 



"Fortschritte auf dem G-esamtgebiete der Naturwissenschaften. 



XIX. Jahrg. 



4. Februar 1904. 



Nr. 5. 



J. Elster und H. Geitel: Über die radioaktive 
Substanz, deren Emanation in derBoden- 
luft und der Atmosphäre enthalten ist. 
(Physikalische Zeitschrift 1904, Jahrg. V, S. 11—20.) 

Nachdem die Verff. zum ersten Male die Radio- 
aktivität der atmosphärischen Luft und gewisser sehr 
verbreiteter Substanzen der Erdrinde, die der Boden- 
luft eine erhöhte Radioaktivität verleihen , nach- 
gewiesen, waren sie dauernd bemüht, die Ursache 
dieser Erscheinung aufzufinden. Auf dem Wege, auf 
dem sie dieses Ziel verfolgten , hatten sie zuletzt die 
Tatsache ermittelt, daß gewisse, nämlich die tonhalti- 
gen Erdarten radioaktive Eigenschaften haben, und 
daß die Atmosphäre in Mitteldeutschland durchschnitt- 
lich mehr Emanation enthält als an der Nordseeküste 
(Rdsch. 1903, XVIII, 595); noch höhere Beträge hat 
jüngst Sa ake im Alpental vonArosa gemessen (Rdsch. 
1903, XVIII, 532). Herr Elster hat nun am Nord- 
abhang der Bayerischen Alpen in der freien Atmo- 
sphäre und Herr Geitel an verschiedenen, ihrem 
Entstehungsorte entnommenen Eidarten im Harz 
weitere Messungen der Radioaktivität ausgeführt, über 
die sie , wie über die durch diese veranlaßten Unter- 
suchungen Bericht erstatten. 

Die Beobachtungen in den Voralpen wurden zu 
Altjoch in etwa 600 m Seehöhe mit dem gleichen In- 
strumentarium wie bei den früheren Messungen aus- 
geführt. Zwischen dem 9. und 29. Juli wurde täg- 
lich je eine Messung zwischen 9 und 1 Uhr gemacht 
und im Mittel die Aktivierungszahl (Ä) gleich 137 
gefunden; auf einer frei gelegenen Wiese am Kochel- 
see wurde am 26. Juli A = 100,7 und am 22. Juli 
auf einer Wiese außerhalb der Alpen A = 43,3 ge- 
messen; am 14. Juli maß Herr Elster auf einem 
1650 m über dem Meere gelegenen Felsgrate am 
Nachmittage A = 51,5. „Mit dem Verlassen der 
Talsohle sanken also die Werte der A beträchtlich. 
Der in Altjoch zutage tretende Fels (Kalk), sowie 
die denselben überlagernde Humuserde erwiesen sich 
als inaktiv; man wird also zu dem Schlüsse genötigt, 
daß aus größeren Tiefen stammende Luft die Ema- 
nation der Talluft zuführt." Eine Zusammenstellung 
der extremen mittleren Werte an den drei Beobach- 
tungsorten Juist, Wolfenbüttel und Altjoch zeigt, daß 
die Radioaktivität der Luft von der Nordseeküste 
nach dem Innern des Kontinentes zunimmt, um im 
Alpengebiet zu hohen Beträgen anzusteigen. Durch 
direkte Messungen wies Herr Elster noch nach, daß 



ein in der Nähe von Altjoch niedergehender Wasser- 
fall nicht die hohe Aktivität der Talluft bedinge. 

Die Untersuchungen des Erdbodens im Harz sind 
von Herrn Geitel in der Nähe von Clausthal nach 
früher verwendeten Methoden ausgeführt. Zunächst 
wurde einem durch Verwitterung des darunter lie- 
genden Tonschiefers entstandenen Ton Bodenluft ent- 
nommen , und diese zeigte eine sehr beträchtliche 
Aktivität; während in normaler Luft das geladene 
Elektroskop in der Stunde 6 bis 8 Volt verlor, be- 
trugen die stündlichen Verluste in der Bodenluft 120 
bis 980 Volt und waren im Durchschnitt beträcht- 
licher als die in Wolfenbüttel erhaltenen. Die Ver- 
mutung, daß der Ton selbst die Quelle der Radio- 
aktivität der Bodenluft sei, wurde durch den Versuch 
bestätigt; es zeigte sich, daß eine kleine Quantität 
(125 g) Ton, in die unter einer Glasglocke abgeschlos- 
sene Luft gebracht, den Spannungsverlust eines ge- 
ladenen Leiters von 9,3 Volt auf 17,6 Volt in der Stunde 
erhöhte. Humusboden, derselben Stelle entnommen, 
erwies sich wirkungslos; aber merkwürdigerweise auch 
das Muttergestein des Tones, der Tonschiefer und der 
neben ihm vorkommende Grauwackefels. 

Die Vermutung, daß trotz der Inaktivität des 
Muttergesteins der radioaktive Stoff in demselben 
gleichwohl enthalten sein könne und erst bei der 
äußersten, durch die Verwitterung herbeigeführten 
Zerkleinerung frei werden und in die Luft übertreten 
könnte, bildete das Programm zu weiteren Unter- 
suchungen, für welche die Verff. zunächst verschiedene 
Tonarten aus dem Harz einer Prüfung unterwarfen, 
aber ohne ihre Erwartungen erfüllt zu sehen. Da 
gelang es ihnen, in dem sogenannten „Fango", einem 
aus einer Sprudeltherme bei Battaglia in Oberitalien 
gewonnenen und zu medizinischen Zwecken einge- 
führten feinen Schlamme, ein Material ausfindig zu 
machen, dessen Aktivität die der bisher untersuchten 
Tone um das Drei- bis Vierfache übertrifft. Hier 
lag am ehesten die Möglichkeit vor, durch chemische 
Behandlung eine Anreicherung der Aktivität zu er- 
zielen und so festzustellen, an welchen chemischen 
Bestandteilen die Aktivität hafte. Das Ergebnis der 
chemischen Untersuchung, deren Gang in der Ori- 
ginalmitteilung beschrieben wird, war, daß aus der 
Salzsäurelösuug durch Chlorbaryuin bei Gegenwart 
von Sulfaten das aktive Prinzip gefällt werde , und 
daß es aus der Lösung durch Elektrolyse an der 
Kathode sich abscheide. „Da sich nun in derselben 



54 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 5. 



Weise Lösungen indifferenter Salze verhalten wür- 
den , denen eine äußerst geringe Spur einer Radium- 
verbindung zugesetzt ist, so widerspricht der che- 
mische Befund der Annahme nicht, daß der aktive 
Stoff im Fango das Radium ist." 

Die Prüfung dieser Vermutung wurde noch von 
einer anderen Seite unternommen. Wie bekannt, 
haben die Curies das Gesetz bestimmt, nach dem 
die durch Kontakt mit der Emanation vom Radium 
erworbene induzierte Aktivität in der Luft sich ver- 
liert. Die Herren Elster und Geitel untersuchten 
nun, ob die Emanationen des Fangos, der gewöhn- 
lichen Ackererde, der Bodenluft und der Freiluft 
dem gleichen Gesetze des Abklingens folgen. Das 
Ergebnis war ein entschieden positives; innerhalb 
der Fehlergrenzen der Methode war die Überein- 
stimmung der Mittelwerte des beobachteten Abklin- 
gens der Aktivität der Fango-, Erde-, Erdluft- und 
Freiluft -Emanation mit den nach der Curieschen 
Formel berechneten eine gute. 

„So weisen sowohl das Ergebnis der chemischen 
Untersuchung wie auch die physikalischen Eigen- 
schaften der induzierten Aktivität mit Übereinstim- 
mung darauf hin , daß das aktive Prinzip des Fango 
und der verschiedenen Erdarten höchstwahrschein- 
lich Radium selbst ist. Rechnet man hinzu, daß 
nach den Untersuchungen der Herren Ebert und 
Himstedt die aktive Emanation, die entweder direkt 
dem Boden entnommen war oder aus Quellwasser, 
in dem sie absorbiert enthalten war, durch Einblasen 
von Luft gewonnen ist, denselben Kondensations- 
punkt wie die des Radiums zeigt, so dürfte ein — 
zwar indirekter — Beweis für das Radium als letzte 
Ursache der Aktivität der Bodeuluft und der der 
Atmosphäre als erbracht gelten können." 

Die Herren Elster und Geitel fassen zum Schluß 
die bisherigen Erfahrungen auf dem betrachteten 
Gebiete in folgender Weise zusammen: „Die feste 
Erdrinde ist die Quelle einer radioaktiven Emana- 
tion, die in gewisser nicht überall gleicher Dichtig- 
keit allgemein in der Bodenluft enthalten zu sein 
scheint. Von hier aus dringt sie einerseits durch 
Diffusion in die Atmosphäre, besonders bei sinken- 
dem Luftdruck, ein und ist daher über dem Lande 
in größerer Konzentration als über dem Meere vor- 
handen , anderseits löst sie sich in dem Wasser der 
Quellen und Brunnen und kann diesem mittels Durch- 
lüftung wieder entzogen werden. Der Ursprung 
dieser Emanation ist in einem verschwindend kleinen 
Gehalt an Radium in den verschiedenen Erdarten zu 
suchen , seine Gegenwart tritt verhältnismäßig deut- 
lich in tonhaltigen Erden hervor. Gewisse Tatsachen, 
wie das Vorhandensein starker Emanation in Koh- 
lensäureexhalationen und Thermalquellen und die 
vergleichsweise starke primäre Aktivität des aus 
einer solchen stammenden Fangoschlammes scheinen 
darauf hinzudeuten, daß der Gehalt an Radium mit 
der Tiefe zunimmt oder vielleicht in vulkanischen 
Produkten besonders hoch ist." 



M. Hartmnnn : Die Fort pflanzungsweisen der 
Organismen, Neubenennung und Ein- 
teilung derselben, erläutert an Proto- 
zoen, Volvocineen und Dicyemiden. 

(Biolog. Centralblatt 1904, Bd. XXIV, S. 18.) 

Durch Untersuchungen an Dicyemiden, jenen 
eigentümlichen, vielfach als Mittelformen zwischen 
Protozoen und Metazoen betrachteten Tieren („Meso- 
zoeu"), konnte der Verf. bei ihnen einen Generations- 
wechsel feststellen, indem ungeschlechtliche mit ge- 
schlechtlichen Generationen abwechseln. Dabei sollen 
nach der Angabe des Verfassers die ungeschlechtlich 
entstandenen Individuen von „echten ungeschlecht- 
lichen Keimzellen, sog. Sporen", herrühren, der „ein- 
zige Fall einer ungeschlechtlichen Fortpflanzung 
durch Einzelzellen bei vielzelligen Tieren". In dem 
Bestreben, diese Art der Fortpflanzung mit den be- 
kannten Fortpflanzungsweisen zu vergleichen und in 
Einklang zu bringen, unterzieht er diese einer Prü- 
fung und kommt dabei zu dem Schluß, daß sie einer 
neuen Benennung und Einteilung bedürfen. 

Zunächst geht der Verf. auf die von den einzel- 
nen Autoren gebrauchten Unterscheidungen und De- 
finitionen der verschiedenen Fortpflanzungsarteu ein, 
wobei er die von Häckel aufgestellte Unterscheidung 
in Monogonie (ungeschlechtliche Fortpflanzung) und 
Amphigonie (geschlechtliche Fortpflanzung) insofern 
nicht anwendbar findet, als dabei die ungeschlechtliche 
Fortpflanzung durch Einzelzellen und diejenige viel- 
zelliger Organismen durch Teilung und Knospung 
unter einen Begriff zusammengefaßt sind, obwohl 
beide nicht ohne weiteres etwas miteinander zu tun 
haben. Letzteres Moment ist ganz besonders von 
R. Hertwig scharf hervorgehoben worden; an seine, 
auf den neueren Forschungen über die Fortpflanzung 
der Protozoen fußenden Ausführungen lehnt sich 
Herr Hartmann vor allem an. Nach R. Hertwigs 
Auffassung haben die Teilungs- und Knospungsvor- 
gänge der Metazoen nur eine äußere Ähnlichkeit mit 
denjenigen der Protozoen und wurden in dieser Form 
überhaupt erst durch die Vielzelligkeit des Körpers 
ermöglicht, während die geschlechtliche Fortpflan- 
zung der Metazoen als die Fortführung der Fort- 
pflauzungsweise der Einzelligen anzusehen ist. Wie 
bei den Protozoen erfolgt diese Form der Fortpflan- 
zung durch Einzelzellen. Diese durch das ganze Tier- 
reich gehende Fortpflanzung durch „Propagations- 
cyten" schlägt der Verf. vor, als cytogene Propagation 
oder kurz „Cytogonie" zu bezeichnen. Ihr wäre 
dann als vegetative Propagation diejenige Fortpflan- 
zung der Metazoen gegenüberzustellen, bei welcher 
„ganze vielzellige Stücke eines Muttertiers, die zuvor 
durch lebhaftes Wachstum sich vergrößert haben, 
sich ablösen und zu selbständigen Organismen aus- 
wachsen" (R. Hertwig). 

Bei der Cytogonie selbst unterscheidet der Verf. 
wieder: Fortpflanzung durch Cyten ohne und mit 
Befruchtung, die durch Agamocyten oder Aga- 
meten — Agamogonie — und durch Gamo- 
cyten oder Gameten — Gamogonie — . „Von 



Nr. 5. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 55 



diesen beiden Namen, die dasselbe Stammwort ent- 
halten", fährt er fort, „lassen sich sämtliche wün- 
schenswerten und notwendigen Begriffe im Zeugungs- 
kreis der Protisten wie der höheren Pflanzen und 
Tiere ableiten." Seine neuen Bezeichnungen wendet 
der Verf. dann auf andere naheliegende Begriffe an, 
von denen hier nur einige gebräuchlichere hervor- 
gehoben seien. Sind z. B. die zur Kopulation ge- 
langenden Gameten nicht von gleicher Größe, so wird 
man sie Heterogameten, Isogameten und An- 
isogameten nennen. Die letzteren sind als Makro- 
und Makrogameten (eventuell Eier und Sperma- 
tozoon) zu unterscheiden. Ihre Bildung erfolgt in 
Makrogametangien (Eierstock der Metazoen) und 
Mikrogametangien (Hoden der Metazoen). Das Ko- 
pulationsprodukt heißt Zygocyte, kürzer Zygote 
(Oocyste, Ookinet, befruchtetes Ei). Bei der Gamo- 
gonie der Protozoen ist es von Vorteil, progameti- 
sche, d. h. spezifische Teilungen, die der Befruch- 
tung vorausgehen, von den metagametischen Tei- 
lungen zu unterscheiden, die ihr folgen. 

Der Verf. kommt dann noch auf den Begriff des 
Generationswechsels zu sprechen und untersucht, wie 
sich dieser mit den von ihm gegebenen Definitionen 
der Fortpflanzungsarten vereinigen läßt. Der erste 
ursprüngliche Wechsel von Generationen ist der von 
Agamogonie und Gamogonie bei Protozoen ; er wird 
als primärer Generationswechsel bezeichnet. 
Als sekundärer Generationswechsel würde 
ihm der Wechsel von vegetativer Propagation und 
Gamogonie (Metagenesis), sowie derjenige von 
Parthenogenesis und Gamogonie (Heterogonie) 
gegenüberstehen. „Einen primären Generations- 
wechsel finden wir außer bei Protozoen noch bei den 
meisten Pflanzen und bei einer einzigen vielzelligen 
Tiergruppe, den Dicyemiden (und wohl auch bei den 
Orthonektiden); alle höheren Tiere haben die Aga- 
mogonie verloren. Wenn bei ihnen ein Generations- 
wechsel vorkommt, so ist es stets ein sekundärer 
Generationswechsel, also echte Metagenesis oder He- 
terogonie." 

Herr Hartmann wendet seine Nomenklatur auf 
einige niedere ein- und vielzellige Organismen an, 
die er zum Teil aus eigenen Untersuchungen kennt. 
Es handelt sich um das besonders durch Schaudinn 
in seiner Fortpflanzungsweise genauer bekannt ge- 
wordene Trichosphaerium sieboldi, ein Rhizopod, sowie 
Coccidium schubergi und zwei Volvocineen, Stephano- 
sphaera pluvialis und Volvox, endlich die Dicyemiden. 

Trichosphaerium pflanzt sich einmal in der Weise 
fort, daß es durch „Zerfallteilung" in eine größere 
Anzahl von Agameten zerfällt, und während der Aus- 
gangspunkt dieser Teilung (der Agamont) durch den 
Besitz einer Stäbchenhülle ausgezeichnet ist, wachsen 
die Agameten zu einer Form ohne solche Stäbchen 
heran, dem Gamonten. Dieser erzeugt Isogameten, 
welche kopulieren und dann zu den Agamonten her- 
anwachsen. Auf die vom Verf. gezogenen Vergleiche 
seiner Benennungen mit denjenigen anderer Autoren 
kann hier nicht eingegangen werden. 



Sehr übereinstimmend mit dem Zeugungskreis des 
Trichosphaerium ist derjenige von Stephanosphaera. 
Die acht Individuen dieser Flagellatenkolonie teilen 
sich als Agamonten in je acht Agameten, die wieder 
zu Agamontenkolonien heranwachsen. Zu gewissen 
Zeiten allerdings tritt dann die Geschlechtsgeneration 
auf, indem von den acht Individuen (als Gamouten) 
je 16 bis 32 Gameten gebildet werden. Die spindel- 
förmig gestalteten Isogameten kopulieren, bilden eine 
Cystozygote, die später als Agamont wieder eine Ko- 
lonie von acht Agamonten liefert. 

Etwas kompliziertere Verhältnisse zeigt eine an- 
dere Volvocinee, Eudorina, indem bei ihr Mikro- und 
Makrogameten in verschiedenen Kolonien gebildet 
werden, wobei die Individuen der Makrogameten- 
kolonie direkt zu den Makrogameten heranwachsen, 
die sonst übliche und bei der Bildung der Mikro- 
gameten stattfindende Vermehrung also unterbleibt. 
Wenn sich hierin bereits eine weiter fortgeschrittene 
Differenzierung zu erkennen gibt, so ist dies in noch 
höherem Maße bei Volvox der Fall, bei dem inner- 
halb ein und derselben Kolonie somatische und (als 
Mikro- und Makrogameten differenzierte) Propagations- 
zellen vorhanden sind. 

Die Ausführungen des Verfassers über die Fort- 
pflanzungsverhältnisse von Volvox bieten noch inso- 
fern besonderes Interesse, als er hierüber neue Tat- 
sachen beizubringen vermag. Gewöhnlich erfolgt die 
Fortpflanzung des Volvox durch Agameten. Es sind 
dies jene in der Volvoxkolonie auftretenden größeren 
Zellen, die durch eine Anzahl von Teilungen die so- 
genannten Tochterkolonien oder „Parthenogonidien" 
bilden. Diese letztere Bezeichnung ist nach Herrn 
Hartmanns Untersuchungen direkt unrichtig, da bei 
der Anfangsteilung dieser Zellen Reifungserscheinuu- 
gen fehlen, die der Verf. bei den Eizellen (Makro- 
gameten) in ähnlicher Weise wie bei den Eiern der 
Metazoen nachweisen konnte. Somit sind die zur 
Bildung der sog. Parthenogonidien führenden Zellen 
bloße Agameten. 

Den Volvox selbst faßt Herr Hartmann nicht 
als Kolonie einzelliger Tiere, sondern (mit Bütschli 
und Klein) als vielzelliges Individuum auf. Diese 
Auffassung begründet er nicht , wie man erwarten 
sollte, damit, daß die Zellen des Volvox durch Plas- 
maverbindungen untereinander im Zusammenhang 
stehen, auch legt er nicht das größere Gewicht auf diw 
Tatsache, daß diese Zellen sich als somatische Zellen 
gegenüber den Propagationszellen differenziert habeu, 
sondern er findet die größte Bedeutung darin, daß 
diese Zellen im Gegensatz zu den Zellen einer Kolo- 
nie einzelliger Individuen die Fähigkeit der Fort- 
pflanzung verloren haben. „Diese Zellen sind also 
keine Individuen, da ihnen eine der wichtigsten 
Funktionen der Individualität fehlt." Ob man so 
weit gehen darf, erscheint fraglich, da doch die Zel- 
len des Volvox in hohem Maße die Fähigkeit der 
Teilung besitzen. Ehe der junge Volvox zu der 
großen, außerordentlich zellenreichen Kolonie her- 
anwächst, erfolgt eine große Zahl von Teilungen, und 



56 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 5. 



daß jede dieser Zellen eine neue Kolonie liefert, er- 
scheint zum Begriff des Individuums nicht nötig, da, 
im Vergleich mit verwandten, einzeln lebenden Flagel- 
laten ihr selbst die Individualität zugesprochen wer- 
den darf. Hier könnte der Einwurf gemacht werden, 
daß doch irgend welche Zellen des Metazoenkörpers 
ebenfalls die Fähigkeit der Teilung besitzen und daß 
man trotzdem weit entfernt sein wird, ihnen eine In- 
dividualität (in dem hier gemeinten Sinne) beizu- 
legen, aber bei ihnen liegt die Sache schon insofern 
anders, als sie eine weitgehende Differenzierung und 
bedeutende Verschiedenheit von selbständig lebenden 
Zellen aufweisen. 

Bei Volvox kommt hinzu, daß einzelne Zellen der 
Kolonie (abgesehen von den geschlechtlich differen- 
zierten Zellen) in hohem Grade die Fähigkeit der 
Fortpflanzung bewahren und (als die Agameten 
Hartmanns) die Parthenogonidien liefern. — Be- 
sonders wesentlich erscheint uns bei der Auffassung 
des Volvox als vielzelliges Individuum die jedenfalls 
vorhandene Differenzierung der „somatischen" Zellen 
nach der Funktion der Bewegung, Ernährung usw., 
sowie ihre plasmatischen Verbindungen untereinander. 

Entsprechend seiner Auffassung des Volvox als 
eines vielzelligen Individuums schreibt der Verf. die- 
sem eine Agamogonie und Gamogonie zu. Diese 
erstere erfolgt durch einzelne Zellen, wie sie (abge- 
sehen von den auf parthenogenetischem Wege sich 
entwickelnden Eiern) bei mehrzelligen Tieren sonst 
nicht bekannt sind 1 ), und führt zur Bildung der vor- 
erwähnten „Parthenogoni>lien". Auffallend bei die- 
ser Art der Fortpflanzung erscheint es , daß diese 
Fortpflanzungszellen sich bereits im Innern der 
Mutterkolonie zu neuen Kolonien entwickeln und daß 
dies nicht durch einzeln abgegebene Zellen im Freien 
geschieht. Die Erzeugung der Tochterkolonien im 
Innern der Mutterkolonie könnte vielleicht als ein 
weiteres Moment für die Vielzelligkeit des Volvox 
angesehen werden. — Der Volvox als gamogenes In- 
dividuum (Gamont) bringt Makro- und Mikrogameten 
(Eizellen und Spermatozoiden) hervor, die miteinan- 
der kopulieren und eine Cystozygote bilden , aus der 
dann durch Teilung ein neuer Volvox hervorgeht. 

Der Verf. setzt sich hier und an anderen Stellen 
mit verschiedenen Autoren , besonders Grassi und 
Lang, über seine und ihre Auffassung der Fortpflan- 
zungsweisen im allgemeinen wie bezüglich der von 
ihm herangezogenen Tiere auseinander, doch fehlt 
der Platz, ihm darin zu folgen, obwohl dies nicht un- 
interessant wäre; es muß in dieser Beziehung auf das 
Original verwiesen werden, ebenso wie hinsichtlich der 
Ausführungen des Verf., welche die Fortpflanzungs- 
weisen der Sporozoen, speziell der Coccidien betreffen. 
Bezüglich ihrer läßt sich nach Herrn Hartmanns 
Meinung bei dem jetzigen Stande der Kenntnisse 
Sicheres noch nicht aussagen. Seine Hauptdarstellung 
entspricht der bisher für die anderen, angeführten 

') Eine Ausnahme machen davon , wie gesagt , nach 
des Verf. Darstellung die Dicyemiden, auf welche weiter 
unten genauer einzugehen sein wird. 



Protozoen betrachteten. Der aus der Cyste entleerte 
Agamet dringt in die Darmzelle ein, wächst hier zu 
dem Agamonten heran, der wieder in viele Agameten 
zerfällt, die entweder denselben Entwickeluugsgang 
durchmachen, oder aber zu Makro- und Mikrogameto- 
cyten heranwachsen. Aus ihnen gehen die Makro- 
und Mikrogameten hervor, die kopulieren und da- 
durch die Cystozygote liefern. Letztere zerfällt in 
jene Agameten , die wieder in die Darmzellen ein- 
dringen. Zweifelhaft erscheint es dabei, ob die Ver- 
mehrung innerhalb der Cystozygote, wie hier dar- 
gestellt, als Agamogonie oder als metagametisch an- 
zusehen ist, bezüglich welcher Erörterungen, wie ge- 
sagt, auf die Originalarbeit zu verweisen ist. Wir 
wenden uns jetzt vielmehr zu dem Zeugungskreise der 
Dicyemiden, dessen Durchforschung den Verf. erst zu 
diesen Betrachtungen führte. 

Die Dicyemiden sind sehr einfach gebaute, lang- 
gestreckte, wurmförmige, aus einer einfachen, platten 
Zellenlage und einer großen, inneren Zelle bestehende, 
durch ihre Wimperbekleidung sich bewegende Tiere, 
die in den Venenanhängen der Cephalopoden leben. 
Bereits in den jüngsten Cephalopoden, die der Verf. 
untersuchen konnte (Sepien und Eledonen von 2,5 
bis 3 cm Länge), fand er Dicyemiden vor, und zwar 
als ganz junge, sog. Nematogene. Nach Herrn Hart- 
manns Auffassung sind dies die jungen Agamonten, 
denn ihre „axiale Zelle fungiert ausschließlich als 
ungeschlechtliches Fortpflanzungsorgan" ; in ihr ent- 
stehen die Agameten und entwickeln sich in ihr weiter. 

Die Bildung des ersten Agameten erfolgt auf die 
Weise, daß der Kern der axialen Zelle in eine Spin- 
del übergeht, durch deren Teilung ein großer Kern 
entsteht, welcher dauernd der vegetative Kern der 
axialen Zellen bleibt, während sich von dem kleine- 
ren sämtliche Fortpflanzungszellen ableiten. Er teilt 
sich auf mitotischem Wege, und diese Teilung wieder- 
holt sich, wodurch vier oder acht Keimzellen gebildet 
werden. Indem wir die Einzelheiten und die Aus- 
einandersetzung des Verf. mit den Auffassungen frü- 
herer Autoren übergehen, folgen wir der Umwand- 
lung jener als Agameten anzusehenden Keimzellen 
in der axialen Zelle. 

Ohne daß sie irgend welche Reifungserscheinungen 
durchmachen, treten die Agameten in die Furchung 
ein, die zur Differenzierung in eine axiale „Urkeim- 
zelle" und einen sie umgebenden Kranz von somati- 
schen Zellen führt. Mit diesem Stadium ist der Aus- 
gangspunkt, nämlich der junge Agamont, wieder 
erreicht, an dessen äußeren (somatischen) Zellen die 
Cilien auftreten und der aus der axialen Zelle des 
Muttertieres auswandert, indem er dessen somatische 
Zellen durchbohrt. Die übrigen Agameten verhalten 
sich ebenso, wobei das Muttertier immer weiter 
wächst und eine ansehnliche Größe erlangt. Auf 
diese Weise erfolgt die Ausbreitung der Parasiten in 
dem einmal infizierten Wirt, und zwar finden sich in 
jungen Cephalopoden nur derartige agamogene Di- 
cyemiden. „Erst in älteren Wirtstieren, die meist eine 
ungeheure Anzahl von Parasiten beherbergen und 



<r. o. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 



57 



deren Venenanhänge infolge der reichen Infektion 
meist schwammig zersetzt sind, treten mit einemmal 
gamogene Generationen auf, indem sich in Agamonten 
jeden Alters die Agameten nicht mehr wie bisher zu 
agametischen Individuen (Agamonten), sondern zu 
Geschlechtsindividuen, Weibchen bzw. Männchen, ent- 
wickeln", was nach Ansicht des Verf. wohl zum Teil 
auf veränderte Lebensbedingungen infolge der reich- 
lichen Infektion zurückzuführen ist. 

Man unterschied bisher nematogene und rhom- 
bogeue Individuen, die sich beide auf parthenogene- 
tischem Wege fortpflanzten und von denen eine letzte 
Generation rhombogener Weibchen befruchtete Eier 
erzeugt, woraus die infusorigenen Weibchen hervor- 
gingen, welche die Männchen liefern. Nach Herrn 
Hartmanns Darstellung sind sowohl die neinatogenen 
wie die rhombogenen Individuen Agamonten, die sich 
nur dadurch unterscheiden, daß in den ersteren die 
Agameten wieder zu Agamonten, in letzteren hin- 
gegen zu Geschlechtstieren (Weibchen und Männchen) 
sich entwickeln. 

Dabei ist nach des Verf. eigenen Beobachtungen 
das höchst bemerkenswerte Verhalten festzustellen, 
daß die inf usorienförmigen Embryonen , d.h. die 
Männchen, welche aus den Keimzellen des Infn- 
sorigens (Weibchen) hervorgehen , sich aus be- 
fruchteten Eiern entwickeln, während die 
Weibchen aus Agameten ihren Ursprung 
nehmen. Die im Infusorigen entstehenden Keim- 
zellen sind nämlich echte Eier, an denen der Verf. 
mit Sicherheit die Bildung der beiden Richtungs- 
körper nachweisen konnte, auf welche die ebenfalls 
von ihm beobachtete Befruchtung des Eies folgt. Aus 
den befruchteten Eiern entwickeln sich vielleicht auch 
die später auswandernden Agamonten. Auch hierbei 
verbietet uns der Raum, auf die Einzelheiten und die 
Deutungen einzugehen, welche der Verf. seinen eige- 
nen wie den Befunden der früheren Autoren gibt. 
Man wird jedoch aus dem Vorstehenden bereits er- 
kannt haben, daß der Entwickelungsgang der Dicye- 
miden ein höchst verwickelter und schwer zu deuten- 
der ist. Es wird nötig sein, ihn zum Schluß noch- 
mals zusammenfassend darzustellen, wie er sich jetzt 
aus den älteren Beobachtungen und denen des Verf. 
zu ergeben scheint. 

Junge, geschlechtlich entstandene Agamonten wan- 
dern aus und infizieren junge Cephalopoden , wo sie 
weitere Agamonten erzeugen. „Mit dem Auftreten 
der Geschlechtsgeneration werden die älteren Aga- 
monten sekundär-rhombogen , die ganz jungen da- 
gegen primär-rhombogen, indem in beiden reduzierte 
Weibchen sich aus Agameten entwickeln, die dauernd 
in der axialen Zelle der Elternindividuen liegen blei- 
ben. Die Eier entwickeln sich nach der Richtungs- 
körperbildung und Befruchtung, welche heutzutage 
wohl ausschließlich durch Samen von aus anderen 
Cephalopoden stammenden Männchen bewirkt wird, 
in der großelterlichen axialen Zelle zu Männchen, die 
in andere Cephalopoden auswandern, um die Eier 
dort lebender Dicyemideu zu befruchten." Ausnahms- 



weise können übrigens nach früheren, vom Verf. be- 
stätigten Beobachtungen die Männchen auch aus 
Agameten hervorgehen. „Aus der letzten Generation 
von befruchteten (?) Eiern entwickeln sich jedoch 
wieder Agamonten, so daß sämtliche rhombogeue In- 
dividuen zum Schluß sekundär- nematogen werden." 
Mit dieser letzten geschlechtlich entstandenen Aga- 
montenbrut ist das Ausgangsstadium wieder erreicht. 
Vergleicht man hinsichtlich des Standpunktes, 
welcher vom Verf. bezüglich der Fortpflanzungsver- 
hältnisse im allgemeinen eingenommen wird, seine 
Darstellung des Entwickelungsganges der Dicyemiden 
mit der Auffassung desselben durch frühere Autoren, 
so besteht die Differenz vor allen Dingen darin, daß 
der Verf. diejenigen Fortpflanzungszellen, welche man 
bisher als parthenogenetische Eier ansah, für Aga- 
meten erklärt, und zwar besonders deshalb , weil bei 
ihnen von einer Richtungskörperbildung wie bei den 
Eiern nicht die Rede sein könne. Nach Herrn Hart- 
manns Auffassung würde also bei den Dicyemiden 
ein Fall der Fortpflanzung durch Einzelzellen vor- 
liegen , welche keine Geschlechtszellen sind (Cyto- 
gonie), für mehrzellige Tiere ein ganz eigenartiges 
Verhalten. Wenn es sich als richtig erwiese, läge die 
Vermutung nahe, daß Ähnliches sich auch bei ande- 
ren Metazoen, etwa bei der Fortpflanzung der Tre- 
matoden, fände, deren Generationswechsel dann wie 
derjenige der Dicyemiden in einem anderen Lichte 
erscheinen würde. Auch bei der Fortpflanzung der 
Schwämme durch „Gemmulae" und der Bryozoen 
durch „Statoblasten" würde an die Herkunft dieser 
eigenartigen Fortpflanzungskörper von agametischen 
Einzelzellen und nicht von parthenogenetischen Eiern 
zu denken sein, d. h. bei allen denjenigen Fällen, die 
man schon früher mit der „Sporenbildung" der ein- 
zelligen Tiere verglich. K. 



Arthur Heller: Über die Wirkung ätherischer 
Öle und einiger verwandter Körper auf 
die Pflanzen. (Flora 1903, Bd. XCIU, S. 1—31.) 
Marie Leschtsch: Über den Einfluß des Ter- 
pentinöls auf die Verwandlung der Ei- 
weißstoffe in den Pflanzen. (Berichte der deut- 
schen botanischen Gesellschaft 1903, Bd. XXI, S. 425— 431.) 
Die Pflanzenphysiologie hat in betreff der äthe- 
rischen Öle noch eine Reihe von Fragen zu lösen, 
und wir haben erst kürzlich über Untersuchungen, 
die sich mit diesem Gegenstande beschäftigen , Be- 
richt erstattet (Rdsch. 1903, XVHI, 536). Die Ein- 
wirkung der ätherischen Öle und verwandter Stoffe 
auf den Pflanzenorganismus ist schon vielfach behan- 
delt worden; in der Arbeit des Herrn Heller findet 
man eine Übersicht über die einschlägige Literatur. 
Daß die ätherischen Öle giftig wirken , darin stim- 
men Alle üherein; aber über die Art und Weise, wie 
diese Stoffe in das Innere der Pflanzen eindringen, 
ist nichts bekannt. Auch bezüglich der den ätheri- 
schen Ölen nahestehenden Harze und Harzbalsame 
bestehen Kontroversen ; wird doch von einigen For- 
schern die Durchlässigkeit der Membran für Harz 



58 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 5. 



bestritten. Auf Veranlassung des Herrn Pfeffer hat 
daher Herr Heller eine Untersuchung über diese 
Fragen ausgeführt. Die Versuchspflanzen (teils Keim- 
linge, teils Zweige und Blätter) wurden unter luft- 
dicht abgeschlossene Glasglocken gebracht, in denen 
die durch Atmung gebildete C0 2 mit Kalilauge, der 
Wasserdampf durch Chlorcalcium weggenommen 
wurde; der verbrauchte Sauerstoff wurde in geeig- 
neter Weise ersetzt. Mit den flüchtigen Stoffen, 
deren Einwirkung geprüft werden sollte, wurden 
Fließpapierstücke getränkt und unter die Glocke ge- 
bracht. Feste Körper, wie Kampher und Thymol, 
kamen in Uhrgläsern unter die Glocke. Da bei 
den veränderten Lebensbedingungen eine Schädigung 
der Pflanzen, auch abgesehen von der Einwirkung 
der Versuchsstoffe, möglich war, wurden Kontroll- 
pflanzen unter Glocken ohne ätherische Öle usw. ge- 
halten. Solche Pflanzen, die selbst Öl produzierten 
und auf dessen Einwirkung hin geprüft wurden, 
standen an einem Ostfenster, während bei allen Ver- 
suchen mit künstlicher Zufuhr der flüchtigen Stoffe 
die Glocken im Zimmer, den Sonnenstrahlen nicht 
erreichbar, aufgestellt waren. Außer diesen Ver- 
suchen wurden in besonderer Weise vorbereitete 
Keimpflanzen auf ihre Aufnahmefähigkeit für Harz 
und Balsam , die in Olivenöl oder Paraffin gelöst 
waren, geprüft. In den Keimstengel wurde dazu ein 
spaltförmiger Längsschnitt gemacht, in den ein mit 
der gefärbten Lösung getränkter Streifen Fließpapier 
gesteckt wurde. Später wurden etwa 8 bis 15 cm 
über der Einführungsstelle Schnitte gemacht und auf 
die Anwesenheit von Harz untersucht. Ferner wur- 
den Versuche angestellt über das Eindringen von 
Paraffin in trockene und frische Moospfiänzchen, 
über einseitige Öldampfwirkung auf Blätter und über 
andere Fragen mehr. 

Die für die Untersuchung benutzten Stoffe waren 
folgende: 1. Ätherische Öle: Pfefferminz-, Origa- 
num-, Salbei-, Rosmarin-, Lavendel-, Eucalyptus-, 
Senf-, Terpentin- und Kiefernöl (= Ol. Pini silv.), 
außerdem blausäurefreies Bittermandelöl , ferner 
Kampher und Thymol; 2. Harze und Balsame: 
Venezianisches Terpentin (Lärchenterpentin), Kolo- 
phonium und Asphalt; 3. Kohlenwasserstoffe: 
Paraffin, Petroleum, Benzin, Petroläther, Xylol und 
Benzol. 

Die Versuchsergebnisse führten zur Aufstellung 
folgender Sätze: 

1. Die Giftwirkung der ätherischen Öle in Dampf- 
form auf die Pflanze ist sehr groß; in flüssigem Zu- 
stande wirken die Öle schwächer, ebenso wenn sie in 
Wasser gelöst sind. 2. Ölerzeugende Pflanzen (Dic- 
tamnus, Salvia, Pinus, Camphora, Mentha usw.) sind 
gegen ihr eigenes Öl widerstandsfähiger als fremde 
Pflanzen. 3. Ätherisches Öl wird in die lebende Zelle 
aufgenommen. 4. Der Oldampf gelangt am schnellsten 
durch die Gaswege in die Pflanze. 5. Der Öldampf 
löst sich im Imbibitionswasser der Membran und ge- 
langt so ins Zellinnere. 6. Die Ölexhalation unter 
der Glocke scheint vermindert zu werden, wenn die 



Lebensbedingungen für die Ölpflanze ungünstig wer- 
den. 7. Die Cuticula verlangsamt die Einwirkung 
des ätherischen Öles nur, hindert sie aber nicht. 
8. Eine trockene Membran bietet einen geringeren 
Schutz als eine imbibierte. 9. Flüchtige Kohlen- 
wasserstoffe zeigen gleiche Wirkung wie ätherische 
Ole. 10. Aufnahme von gelösten Harzen in die 
lebende Zelle scheint bei künstlicher Zufuhr nicht 
möglich zu sein. 11. Paraffin wird von Moosen und 
Pilzen nicht in die lebende Zelle aufgenommen. 

Es muß, sagt Verf., als ein gewisser Widerspruch 
zu den beobachteten Giftwirkungen erscheinen, wenn 
man sieht, daß mitten im Gewebe der Pflanzen das 
Vorhandensein von ätherischen Ölen in besonderen 
Behältern keinen schädigenden Einfluß ausübt. Diese 
Behälter sind zwar meist mit einer Korkschicht um- 
schlossen, doch ist auch eine solche nicht völlig un- 
durchlässig für ätherische Öle. Es muß hier ent- 
weder eine besondere Schutzschicht oder aber eine 
Veränderung der Durchlässigkeit angenommen wer- 
den. Auch das Verhalten der Sekretbehälter, die 
Harzbalsam führen, würde für die letztere Annahme 
sprechen. Des Verfassers Versuche einer künstlichen 
Einführung von Harzbalsam hatten eine völlige Im- 
permeabilität der imbibierten Membran ergeben ; die 
Membranen der Epithelzellen, die den Harzgang ein- 
schließen, müssen aber dennoch durchlässig sein. Der 
Harzgang als solcher hat keine Reste von Plasma- 
massen oder Zellkernen aufzuweisen, die auf eine 
eigene Lebenstätigkeit hindeuten ; es ist also wahr- 
scheinlich, daß in den ihn umgebenden lebenden 
Zellen das Harz gebildet wird und durch die Mem- 
bran in ihn hinüberwandert. 

Die Giftwirkung der Kohlenwasserstoffe (die an- 
scheinend mit höherem Siedepunkt abnimmt) unter- 
scheidet sich insofern etwas von der der ätherischen 
Ole, als die Pflanzen schon alle Anzeichen des Ab- 
sterbens bieten, wenn noch kaum Gelbfärbung zu 
beobachten ist. Bei mikroskopischer Untersuchung 
fand Herr Heller die Chlorophyllkörner zwar etwas 
umgeformt, aber dennoch grün. Doch nimmt Verf. 
auch für die ätherischen Öle an, daß die Zerstörung 
des Chlorophylls bei der Giftwirkung erst an zweiter 
Stelle komme. In erster Linie finde vermutlich eine 
Hemmung der Plasmatätigkeit statt. 

Für ein einzelnes ätherisches Öl, das Terpentinöl, 
hat nun Frl. Leschtsch eine bestimmte Wirkung 
auf den Stoffwechsel festgestellt. Schon Z a 1 e s k i x ) 
hatte gefunden, daß bei Lichtabschluß die Einwirkung 
des Äthers auf Keimpflanzen eine starke Regeneration 
der Eiweißstoffe hervorruft. Die Verfasserin brachte 
nun zerschnittene Zwiebeln von Allium Cepa und as- 
calonicum nebst je einem Schälchen mit Terpentinöl 
unter Glasglocken, deren Wände mit feuchtem Papier 
belegt waren. Eine gleiche Portion Zwiebelstücke 
befand sich unter einer Glasglocke ohne Terpentinöl, 
eine dritte, ebenso große, wurde sofort getrocknet. 



') Vgl. Edsch. 1900, XV, 667. Der Name des Verf. 
ist dort in Zalewski verdruckt. 



Nr. 5. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Alle zwei Tage wurden die Glasglocken gelüftet und 
das Terpentinöl gewechselt. Nach Verlauf mehrerer 
Tage wurde der Gesamtstickstoffgehalt der Zwiebeln 
nach der Kjeldahl sehen, der Gehalt an Eiweiß- 
stoffen nach der Methode Stutzers bestimmt. 

Wie Zaleski gezeigt hat (Rdsch. 1901, XVI, 511), 
geht in verwundeten Zwiebeln eine ziemlich starke 
Bildung der Eiweißstoffe vor sich. Die von Fräulein 
Leschtsch mitgeteilten analytischen Befunde lassen 
nun den Schluß zu, daß dieser Prozeß durch Hinzu- 
fiigung einer kleinen Menge Terpentinöl (1 bis 2 
Tropfen) beschleunigt wird, während eine größere 
Dose (2 bis 3 Tropfen) verzögernd wirken. Auf 
ruhende, nicht verwundete Zwiebeln übt das Terpen- 
tinöl, wie weitere Versuche lehrten, selbst in größe- 
ren Mengen (12 Tropfen) keinen Einfluß aus. 

B o r o d i n und E. Schulze haben schon vor län- 
gerer Zeit nachgewiesen, daß in hungernden Keim- 
pflanzen des Weizens eine ziemlich rege Zersetzung 
der Eiweißstoffe vor sich geht. Um die Beeinflussung 
dieses Prozesses durch Terpentinöl zu prüfen , setzte 
Verfasserin zehntägige, etiolierte Weizenkeimpflanzen 
in Gläser mit Wasser unter verdunkelte Glasglocken. 
Kontrollversuche gingen in entsprechender Weise wie 
bei den Zwiebelversuchen nebenher. Es zeigte sich, 
daß unter dem Einflüsse des Terpentinöls (2 bis 11 
Tropfen) eine bemerkbare Hemmung der Zersetzung 
der Eiweißstoffe eintrat. 

„Ist das Terpentinöl", so fragt die Verfasserin, 
„vielleicht ein Desinfektionsmittel, ein Mittel, das der 
Pflanze in ihrem Kampfe mit den ungünstigen Natur- 
bedingungen zu Hilfe kommt?" 

Kleine Mengen von Terpentinöl werden sowohl 
von den Zwiebeln als den Keimpflanzen gut er- 
tragen, während größere Dosen (bei jungen Keim- 
pflanzen schon 6 Tropfen) in beiden Fällen den Tod 
herbeiführen. F. M. 

Charles Fabry: Über die Intensität der durch 
die Sonne hervorgebrachten Beleuchtung. 
(Compt. rend. 1903, t. CXXXVII, p. 973—975.) 
Die Angaben der verschiedenen Beobachter über die 
Helligkeit der von der Sonne verursachten Beleuchtung 
in photometrischen Einheiten ausgedrückt, weichen sehr 
bedeutend voneinander ab sowohl wegen der Unvoll- 
kommenheit der Messuugsmethoden, wie wegen der Un- 
sicherheit der benutzten Lichteinheiten und der wechseln- 
den Zustände der Atmosphäre, unter denen die Messungen 
ausgeführt wurden. Herr Fabry hat nun ein jüngst be- 
schriebenes Verfahren zur Messung verschiedenfarbigen 
Lichtes (Rdsch. 1904, XIX, 35) bei Beobachtungen über 
die Helligkeit des Sonnenlichtes nach folgender Methode 
verwertet : 

Ein Bündel Sonnenlicht wird durch eine Linse von 
geringer, aber bekannter Brennweite auf die eine Seite 
eines Lummer-Brodhun sehen Photometers geworfen, 
während die andere Seite von einer konstanten, gleich- 
farbigen Lichtquelle erleuchtet wird, nämlich einer 
kleinen elektrischen Glühlampe, deren Licht, um Gleich- 
heit der Nuance mit dem Sonnenlicht herzustellen, durch 
einen Trog mit farbiger Lösung hindurchgegangen; die 
durch die Lösung hervorgerufene Lichtschwächung 
ist ein für allemal bestimmt. Man stellt nun die gleiche 
Beleuchtung der beiden Seiten des Photometers her, in- 
dem man die Linse, welche in dem Bündel der Sonnen- 
strahlen steht, verschiebt. Als Lichteinheit nahm Herr 



XTX. Jahrg. 59 



Fabry die Dezimalkerze, welche mit der Hefnerlampe 
verglichen wurde und 1,13 von dieser gleich war. 

Die Messungen wurden in Marseiile ungefähr im 
Niveau des Meeres ausgeführt, während die Sonne nie- 
mals mehr als 25° vom Zenit abstand. Die Zahlen wur- 
den auf den mittleren Abstand der Erde von der Sonne 
und auf den Zenit reduziert. Natürlich ändern sich die 
Werte mit der Beschaffenheit des Himmels; da jedoch 
nur die Beobachtungen berücksichtigt wurden, die bei 
vollkommen reinem Himmel gemacht waren, so schwanken 
die Zahlen nur um einige Hundertstel. 

Man kann aus den Beobachtungen entnehmen, 
daß die von der Sonne im Zenit bei mittlerer Entfernung 
von der Erde am Meeresniveau hervorgebrachte Beleuch- 
tung 100000 mal so groß ist wie die einer Dezimalkerze 
in 1 m Abstand. Wenn man nun annimmt, daß die 
scheinbare Helligkeit der Sonnenscheibe eine gleich- 
mäßige ist, so folgt daraus, daß 1 mm 2 der Sonnenscheibe 
normal eine Lichtintensität aussendet, welche nach der 
Absorption durch die Atmosphäre der von 1800 Kerzen 
gleicht. In Wirklichkeit aber ist der Rand weniger hell 
als die Mitte, so daß diese Zahl ein Minimum darstellt. 
Zum Vergleich führt Verf. an, daß die Intensität des 
positiven Kraters im elektrischen Lichtbogen 150 bis 
200 Kerzen pro mm 2 beträgt. 



F. Richarz und Rudolf Schenck: Über Analogien 
zwischen Radioaktivität und dem Verhal- 
ten des Ozons. (Sitzungsberichte der Berliner Aka- 
demie der Wissenschaften 1903, S. 1102 — 1106.) 

Vor einer Reihe von Jahren hatte Herr Richarz 
im Verein mit Robert v. Helmholtz die Konden- 
sationserscheinungen untersucht, welche in einem Dampf- 
strahl durch chemische und elektrische Prozesse hervor- 
gerufen werden (Rdsch. 1890, V, 419) und dieses Kon- 
densieren sowohl vom frisch bereiteten als auch von 
dem durch Einwirkung von Desozonisatoren zerfallenden 
Ozon beobachtet. Als Erklärung für ihre Beobachtun- 
gen hatten sie eine kondensierende Wirkung der Gas- 
Ionen angenommen, welche schon damals als Vermittler 
der Elektrizitätsleitung in Gasen bekannt waren und 
auch bei chemischen Prozessen durch Zertrümmerung 
der Molekeln entstehen konnten. Bekanntlich hat man 
jetzt für das Vorhandensein von Gas-Ionen eine breitere 
Grundlage, da, außer den früher allein bekannten Atom- 
Ionen, noch freie negative Elementarquanten, Elektronen, 
und Mol-Ionen, d. h. Ionen, die mit neutralen Molekeln 
verbunden sind, nachgewiesen sind. 

War die Erklärung des Dampfstrahlphänomens durch 
das Auftreten von Gas-Ionen richtig, dann mußte bei 
denselben Vorgängen auch Leitfähigkeit zu beobachten 
sein. Dies hat Uhrig jüngst für stärker ozonisierten 
Sauerstoff experimentell nachgewiesen (Rdsch. 1903, 
XVIII, 601), und in einer gleichfalls im physikalischen 
Institut zu Marburg ausgeführten, noch nicht publizier- 
ten Arbeit ist dieser Befund von Gunckel bestätigt und 
erweitert worden. Sie wiesen nach, daß durch Desozoni- 
satoren zersprengtes Ozon starke Leitfähigkeit zeigt und 
daß dieselbe auch mittels Platinbleche auf nicht leiten- 
den, trockenen und reinen Sauerstoff übertragen werden 
kann, „eine Erscheinung , die der induzierten Radio- 
aktivität sehr ähnlich ist". Die Vermutung wird hier- 
durch nahegelegt, daß die in der Atmosphäre vielfach 
vor sich gehende Bildung und Zerfall von Ozon die 
schwache wiederholt erwiesene Leitfähigkeit der Luft 
veranlassen könnten. 

Gas-Ionen werden außer durch chemische und elek- 
trische Prozesse, auch durch Röntgen-, Kathoden- und 
Becquerelstrahlen erzeugt, und da sie alle der Luft Leit- 
fähigkeit geben und das Dampfstrahlphänomen auslösen 
(vgl. Rdsch. 1901, XVI, 621), ist eine Analogie zwischen 
Ozon, Radium und den anderen radioaktiven Stoffen her- 
gestellt, indem sie in gleicher Weise Gas-Ionen hefern 
und die durch deren Gegenwart bewirkten Phänomene 



60 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 5. 



auslösen. Auch die Fähigkeit der radioaktiven Substan- 
zen, auf die photographische Platte einzuwirken, ist von 
Braun in einer noch nicht publizierten Arbeit aus dem 
Marburger physikalischeu Institut am Ozon nachgewiesen 
worden. 

Die Vermutung lag hiernach nahe, daß die anderen 
Eigenschaften der radioaktiven Stoffe sich gleichfalls 
beim Ozon finden würden , nämlich die Fluoreszenz- 
erregung und die spontane Wärmeentwickelung. Ver- 
suche, welche die Verft'. zunächst mit Sidot scher Blende 
anstellten, bestätigten die erstere Vermutung; die Blende 
wurde durch einen kräftigen Ozonstrom zu intensivem 
Leuchten gebracht. Hingegen haben Baryumplatincyanür 
und Zinkoxyd keine Phosphoreszenz bei Einwirkung des 
Ozons gegeben, eine Differenz des Verhaltens, die auch 
bei den verschiedenen Emanationen der radioaktiven 
Körper beobachtet wird. 

Was endlich die Wärmeentwickelung der Radium- 
präparate betrifft, so ist auch hier die Analogie mit dem 
Ozon unverkennbar. Nimmt man nämlich als Quelle der 
Wärmeentbindung den Zerfall des Radiums an, so geht 
auch das Ozon in seine Zersetzuugsprodukte unter kräf- 
tiger Wärmeentwickelung über. 

„Im vorstehenden haben wir uns über die Art der 
Gas-Ionen, die bei der Bildung und dem Zerfall des 
Ozous auftreten, nicht näher ausgesprochen und können 
das auch nicht bestimmt auf Grund der vorliegenden 
Tatsachen. Unsere Anschauung ist, daß beim Zerfall 
des Ozons neben neutralen 2 -Molekeln entweder teils 
positiv, teils negativ geladene O^Atoiu-Ibnen oder posi- 
tive O^Atom-Ionen und freie negative Elektronen auf- 
treten. Alle Ionen werden dann wahrscheinlich mit 
neutralen Molekeln alsbald Mol-Ionen bilden. Die den 
Chemikern schwierige Annahme positiver 0,-Atom-Ionen 
folgt ja auch aus dem Auftreten und der Untersuchung 
der Kanalstrahlen in Sauerstoff." 



R. W. Wood: Photographische Umkehrungen in 
Photographien von Spektren. (Philosophical 
Magazine 1903, ser. 6, vol. VI, p. 577—587.) 

Für die Beurteilung und Verwertung von Spektro- 
grammen ist es von der größten Wichtigkeit, zu wissen, 
ob die in der Photographie des Spektrums umgekehrten 
(dunklen) Linien wirklichen Umkehrungen (Liehtabsorp- 
tionen) entsprechen oder nur photographische Wirkungen 
sind. Herr Wood hielt es daher für angezeigt, die Be- 
dingungen näher zu untersuchen, unter denen Umkeh- 
rungen, die ausschließlich von Vorgängen in der photo- 
graphischen Platte herrühren, vorkommen. Mit einer 
hierher gehörigen Erscheinung, dem sogenannten „Cleyden- 
Effekt", oder jener Umkehrung auf photographischen 
Bildern, welche das Erscheinen „schwarzer Blitze" ver- 
anlassen, hatte Herr Wood sich schon früher beschäftigt 
und gezeigt, daß das Phänomen von einem Lichtshock 
auf die Platte vor ihrer Exposition im diffusen Licht 
herrührt. Dieser Lichtshock, der eine äußerst geringe 
Dauer haben muß, macht die Platte an den getroffenen 
Stellen weniger empfindlich, und die darauf folgende Be- 
lichtung wirkt hier schwächer als auf der übrigen Platte. 
Über die Dauer des Shocks hatte er damals nur auf Grund 
einer einzelnen Beobachtung die Vermutung ausgesprochen, 
daß sie Vioooo Sekunde betrage, während die später ange- 
stellten Messungen, wie wir sehen werden, zu anderen 
Zahlen geführt haben. 

Bevor Herr Wood an die Beschreibung seiner Ver- 
suche geht, macht er darauf aufmerksam, daß man vier, 
vielleicht auch fünf verschiedene Arten photographischer 
Umkehrungen zu unterscheiden habe, und zwar: 1. Die 
Umkehrung infolge gewöhnlichen Überexponierens, wenn 
die Platte 300 oder 400 mal so lange, als notwendig, expo- 
niert worden und dann in gewöhnlicher Weise entwickelt 
wird. 2. Umkehrungen, die entstehen, wenn die Platte 
in vollem Lampenlicht entwickelt wird. 3. Die bisher 
noch nicht beschriebene, aber sicherlich oft vorkommende 



Umkehrung, die entsteht, wenn eine normal oder unter- 
exponierte Platte entwickelt und dann ein bis zwei Minuten 
vor dem Hypobade dem Lichte ausgesetzt wird. 4. Der 
Cleyden-Effekt, der hier vorzugsweise behandelt wird und 
eintritt, wenn die Platte '/ 1000 Sekunde oder weniger ex- 
poniert worden ist und dann vor der Entwickelung dem 
diffusen Licht ausgesetzt, verschleiert wird. Waren z. B. 
Bilder elektrischer Funken auf eine. Platte geworfen und 
die Platte dann dem Licht einer Kerze für einige Sekunden 
exponiert, so werden die Funkenbilder umgekehrt ent- 
wickelt, was aber nicht der Fall ist, wenn das Exponieren 
im Kerzenlicht der Einwirkung der Funkenbilder vor- 
hergeht. Als fünfter Typus photographischer Umkeh- 
rung wird der Ff.11 zitiert, daß der Lichtshock durch eine 
chemische Wirkung ersetzt wird. Exponiert man einen 
Teil der Platte einige Sekunden lang einem schwachen 
Licht, taucht sie dann in ein oxydierendes Bad von 
Kaliumbichromat und Salpetersäure und läßt dann nach 
dem Trocknen Kerzenlicht einwirken, so werden beim 
Entwickeln die ursprünglich exponierten Teile umgekehrt. 

In erster Reihe wurde die Beziehung zwischen dem 
Cleyden-Eflekt und der Wellenlänge des Lichtes unter- 
sucht; sowohl für das Licht, welches die Shockwirkung 
hervorbrachte, als auch für dasjenige, welches später 
auf die Platte wirkte , wurden verschiedene Abschnitte 
des Spektrums untersucht, ohne bei der entsprechenden 
Stärke und Dauer einen Unterschied in der Umkehrung 
hervorzubringen, so daß beim Cleyden-Effekt eine selektive 
Wirkung nicht vorzuliegen scheint. Eingehend wurde 
sodann der Einfluß der Zeit untersucht. Für die Dauer 
des Shocklichtes wurden Blitze von '/^„oo bis Vsoo Sekunden 
Dauer untersucht und dabei gefunden, daß bis zur Dauer 
von Vjdj,, Sekunden die Umkehrungen sehr leicht auf- 
traten; wurde die Shockdauer länger, dann wurden die 
Umkehrungen schwächer, schließlich erschienen gar keine 
Bilder auf der Platte; nahm die Dauer der Blitze noch 
mehr zu, so erschienen die Bilder wieder, aber nicht 
mehr umgekehrt. Auch die Dauer des diffusen Lichtes 
wurde untersucht; ferner wurde, wie bereits erwähnt, 
ein Ersatz der Shockwirkung durch chemische Einflüsse, 
die Wirkung der X-Strahlen in abwechselnder und gleich- 
zeitiger Einwirkung mit gewöhnlichem Lichte auf die 
photographische Platte und andere Einwirkungen, so z. B. 
Druck, untersucht. 

Die interessanten Einzelheiten dieser Beobachtungen 
machen ein weiteres systematischesVerfolgen dieserErschei- 
nungeu notwendig, bevor allgemeine Schlußfolgerungen 
zum Verständnis des Phänomens werden abgeleitet werden 
können. Interessant ist folgende Regel, die sich aus den 
Versuchen ergeben: Ordnet man die Reize in nach- 
stehender Folge, Druckmarken, X-Strahlen; Lichtshock 
und Lampenlicht, so kann der Eindruck eines jeden von 
ihnen umgekehrt werden, wenn man die Platte später 
einem anderen ihm in der Liste folgenden Reiz aussetzt, 
aber unter keinen Umständen durch einen ihm voran- 
gehenden; Druckmarken können also durch alle drei 
folgenden Reize umgekehrt werden, die Bilder der 
X-Strahlen aber nur durch Lichtshock und Lampenlicht. 
Becquerelstrahlen gaben unsichere Resultate; Druckmarken 
konnten durch sie umgekehrt werden, und sie selbst wurden 
von Lampenlicht umgekehrt; eine bestimmte Stelle in 
obiger Reihe konnte ihnen aber nicht zugewiesen werden. 



E. Wasmann: Die Thorakalanhänge der Termi- 
toxeniidae, ihr Bau, ihre imaginale Ent- 
wickelung und phylogenetische Bedeu- 
tung. (Verh. tl. deutschen zool. Gesellschaft, Bd. XIII, 
1903, S. 113—120.) 
In mehreren früheren Mitteilungen hat Herr Wa s m a n n 
einige eigentümliche, flügellose und durch Physogastrie 
— angeschwollenen Hinterleib — ausgezeichnete Fliegen- 
arten von sehr geringer Größe (1 bis 2 mm) beschrieben, 
welche als Gäste einiger Termitenarten an sehr verschie- 
denen Orten angetroffen wurden (vgl. Rdsch. XV, 603; 



Nr. 



5. 1904. 



Natur wissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 61 



XVI, 514; XVII, 140). Es handelt sich um Angehörige 
zweier Gattungen, deren eine (Termitoxenia) ihre ganze 
Entwickelung bis zur Imagoform im abgelegten Ei durch- 
macht, während die andere, Termitomyia, ihre ganze 
Entwickelung im mütterlichen Korper durchläuft. Beiden 
fehlt demnach eine eigentliche Verwandlung mit Larven 
uud Puppenstadium, doch machen die Imagines, deren 
Physogastrie sich erst allmählich ausbildet und deren 
Geschlechtsorgane anfangs noch durchaus unentwickelt 
sind, noch eine Entwickelung durch. Als Eigentümlich- 
keit dieser Fliegen erwähnte Verf. schon in seiner eisten 
Mitteilung eigentümliche Thorakal-Anhänge, welche, der 
dorsalen Seite des Mesothorax angehörig, als Homologa 
der Flügel erscheinen, aber ihrer Form nach nicht zum 
Fliegen, wohl aber als Handhaben zum bequemen Trans- 
porte dieser Gäste seitens ihrer Wirte geeignet scheinen. 

Mit diesen Thorakalanhängen beschäftigt sich die 
hier vorliegende Publikation. Verf. gibt seine Befunde 
in knapper Form, eine ausführlichere Darstellung späterer 
Veröffentlichung vorbehaltend. Seinen Studien liegen 
Übersichtspräparate ganzer Tiere und reichhaltige Schnitt- 
serien von 60, fünf Arten angehörigen Individuen zu- 
grunde. 

Die genannten Anhänge haben bei Termitoxenia an- 
fangs die Form sehr kleiner, durchsichtiger Flügel, nehmen 
aber allmählich die Gestalt rüder- oder griffeiförmiger, 
chitinisierter Organe an, die nur bei einigen Arten noch 
eine oberflächliche Flügelähnlichkeit bewahren; bei Ter- 
mitomyia sind sie hakenförmig und bestehen aus je zwei 
untereinander nur unvollkommen verwachsenen Haut- 
röhren, welche — als Ausstülpungen der pleuralen Körper- 
wand — eine innere Matrixschicht und eine äußere Cuticula 
mit Spiralstruktur erkennen lassen. Vergleichend ana- 
tomisch läßt sich die Form der Termitoxenia aus jener 
der Termitomyia dadurch herleiten, daß die beiden Haut- 
röhren der letzteren sich verkürzen, verflachen und unter- 
einander durch cuticulare Zwischenstücke verwachsen. 
Dagegen lassen sich dieselben nicht ohne weiteres von 
Dipterenflügeln ableiten, da die Äste der Appendices nicht 
den Rippen der Flügel entsprechen. Wohl aber besitzen 
diese Äste Ähnlichkeit mit den in die Vorderflügel ein- 
tretenden Tracheenstämmen. Es können dieselben dem- 
nach nicht als rudimentäre, sondern nur als phylogenetisch 
umgebildete Flügel bezeichnet werden. 

Die biologische Bedeutung ist bei den Anhängen 
beider Gattungen dieselbe : Herr W a s m a n n deutet sie 
als Transportorgane, an denen die Tiere getragen werden 
können, und als Balancierorgane zur Erhaltung des Gleich- 
gewichts beim Laufen. Außerdem dürfte der vordere Ast, 
in dessen Lumen ein starker Nervenstamm verläuft und 
der außen zahlreiche Tastborsten trägt, als Tastorgan, der 
hintere Ast, der eine blutführende, mit dem Hohlraum 
des Mesothorax in Verbindung stehende Röhre darstellt 
und am oberen Rande ein Gruppe großer, membranöser 
Poren trägt, als „symphiles Exsudatorgan" aufzufassen 
sein. Während nun bei Termitomyia diese Organe von 
Anfang an dieselbe Ausbildung zeigen, machen sie bei 
Termitoxenia eine Entwickelung während des Imago- 
Stadiums durch, indem sie anfangs, wie schon gesagt, 
kleinen Flügeln ähnlich sehen, auch teilweise deutliche 
Aderung zeigen und erst später eine Umbildung erfahren. 

Während nun, wie oben gesagt, die Anhänge von 
Termitomyia einen einfacheren Bau zeigen als die von 
Termitoxenia, können diese doch aus biologischen Gründen 
sich nicht aus jenen entwickelt haben. Schon der Um- 
stand, daß jene in ihrer Entwickelung kein flügelähnliches 
Stadium mehr durchlaufen, läßt sie als die stärker um- 
gebildeten Formen erscheinen. Es handelt sich hier um 
eine im Laufe der Phylogenese zu immer einfacheren 
Formen zurückschreitende Metamorphose, welche aber 
infolge des eingetretenen Funktionswechsels nicht zu 
völligem Schwund, sondern zu immer weiterer Umbildung 
führte. Eine gleiche rückschreitende Umbildung zeigen 
die Termitoxeniiden auch in anderen Punkten, so in der 



Reduktion der Eiröhrenzahl der Ovarien — dieselben 
enthalten nur eine Eiröhre — , im Ausfall des Larven- 
stadiums und dem vom Verf. (Rdsch. XIV, 514) wahr- 
scheinlich gemachten proterandrischen Hermaphroditis- 
mus, der an die Stelle der Geschlechtstreunung getreten ist. 
Wie in der weiter vorgeschrittenen Umbildung der Tho- 
rakalanhänge , so erscheint Termitomyia auch durch die 
— allerdings noch nicht völlig bewiesene, aber von Herrn 
Was mann als sehr wahrscheinlich betrachtete — vivi- 
jiare Fortpflanzung als die stärker vereinfachte Gattung. 
Sollte sich bestätigen, daß Termitomyia vivipar ist und 
gleich stenogastre Imagines hervorbringt, so würde sie 
sich dadurch von allen anderen viniparen Insekten, die 
stets nur Larven gebären, unterscheiden. R. v. Hanstein. 



J. B. Dandeno: Phototropismus unter Licht- 
strahlen verschiedener Wellenlänge. (Science 
1903, vol. XVIII, p. 604—606.) 

Die Wirkung verschiedenfarbigen Lichtes aufpflanzen 
ist wiederholt nach verschiedenen Richtungen untersucht 
worden, ohne daß die Frage zum Abschluß gelangt wäre. 
Unter anderem ist nachW i e s n e r die relative phototropische 
(heliotropische) Wirkung der Lichtstrahlen verschiedener 
Wellenlänge am größten zwischen Ultraviolett und Violett, 
nimmt allmählich nach dem Gelb hin ab, verschwindet 
dort, beginnt von neuem im Orange und erreicht ein 
kleines sekundäres Maximum im Ultrarot. Sachs gibt 
an, daß hinter blauem Licht die Krümmung wie im ge- 
wöhnlichen Tageslicht eintritt und daß keine Krümmung 
hinter Rubinglas oder Lösung von Kaliumbichromat, die 
nur rote, gelbe und einen Teil der grünen Strahlen 
durchläßt, erfolgt. Ferner haben beide Forscher ge- 
funden, daß die Strahlen geringer Brechbarkeit eine 
frische alkoholische Chlorophylilösung kräftiger entfärben, 
als diejenigen hoher Brechbarkeit. 

Herr Dandeno hat über diesen Gegenstand einige 
neue Versuche ausgeführt, wobei er sich folgenden Ver- 
fahrens bediente. In eine Anzahl Metallrahmen mit vier 
vertikalen Seiten konnten farbige Gläser eingesetzt 
werden. Die zu untersuchende Pflanze wurde in den 
Rahmen gestellt und an den vier Seiten so eingeschlossen, 
daß an zwei gegenüber liegenden Seiten undurchsichtige 
Schirme, an den beiden anderen Gläser mit zwei ver- 
schiedenen Farben eingesetzt wurden. An der Spitze 
und am Grunde befanden sich undurchsichtige Platten. 
So konnte nur durch die beiden farbigen Schirme Licht 
zu der Pflanze gelangen. Wenn also Krümmung des 
Stengels nach einem der farbigen Schirme hin eintrat, 
so konnte man annehmen, daß das durch den entsprechen- 
den Schirm einfallende Licht den größten phototropischen 
Reiz ausübte, vorausgesetzt natürlich, daß die Intensität 
des Lichtes die gleiche war. Es wurde nur diffuses 
laut-licht zugelassen. Da die „Laternen" nicht ganz 
luftdicht waren, so konnte die Pflanze unter einigermaßen 
natürlichen Bedingungen der Temperatur, der Feuchtig- 
keit und der Luftzufuhr leben. 

Die verwendeten Gläser waren auf ihr besonderes 
Spektrum untersucht worden. Die beistehende Fig. 1 
gibt die Kurve für jedes farbige Glas an. Die Zahlen 
von 1 bis 5 bezeichnen der Reihe nach das rote, das 
gelbe, das grüne, das blaue und das violette Glas, die 
Buchstaben A bis H die Fraunhoferschen Linien des 
Sounenspektrums. Man sieht, daß keins der Gläser, viel- 
leicht mit Ausnahme des roten, eine ganz reine Farbe 
repräsentiert. 

Die bei der Untersuchung auf die phototropische 
Wirkung gewonnenen Ergebnisse sind durch die Kurve 
in Fig. 2 wiedergegeben. Die Farben rangieren danach 
in folgender Ordnung: Blau, Weiß (Fensterglas), Violett, 
Grün, Gelb, Rot, Dunkel (undurchsichtig). Zwischen be- 
stimmten Paaren dieser Schirme ist der Unterschied nicht 
sehr groß, doch ist ein positiver Unterschied in jedem 
Falle vorhanden. Im Gegensatz zu den Angaben von 
Sachs zeigt sich, daß die Krümmung hinter dem blauen 



62 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 5. 



Schirm stärker ist als hinter dem gewöhnlichen Tages- 
licht. Es zeigt sich auch, daß hinter Rot und Gelb tat- 
sächlich eine Krümmung eintritt, im Gelb stärker als im 
Rot, während nach Wiesner hinter Gelb keine, hinter 
Rot eine geringe phototropische Wirkung eintritt. Über 
das Eintreten der Krümmung hinter diesen beiden Farben 
wurde eine besondere Versuchsreihe eingerichtet, immer 
mit demselben Ergebnis. Übrigens hat auch schon früher 
Guillemain angegeben, daß unter dem Einfluß aller 
Strahlen eine heliotropische Krümmung zustande komme, 
mit Ausschluß der am wenigsten brechbaren Wärme- 
strahlen. (Sachs, Vorlesungen über Pflauzenphysiologie. 
1887, S. 739.) 




D P. Ge Gr B V W 























^~~*^ 




























^s** * 






















Fig. 2. 
D E Ge Gt B VW 










/ 












/ 












/ 












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Fig. 3. 

Eine andere Reihe von Versuchen wurde mit diesen 
farbigen Schirmen zur Feststellung der Entfärbuugs- 
wirkung auf Chlorophylllösung ausgeführt. Die Schlüsse, 
zu denen diese Versuche führten, sind in dem Schema 
Fig. 3 zusammengefaßt. Danach ist die Reihenfolge der 
verschiedenen Lichtarten , von der am stärksten wirken- 
den angefangen, folgende: Diffuses Licht, Gelb, Blau, 
Rot, Grün, Dunkelheit. Ein Vergleich mit der Kurve 
Fig. 2 zeigt, daß zwischen der phototropischen und der 
entfärbenden Wirkung nur geringe Verwandtschaft be- 
steht. Nach Sachs und Wiesner haben die Strahlen 
niedriger Brechbarkeit eine größere entfärbende Wirkung 
als diejenigen hoher Brechbarkeit; nach den Ergebnissen 
des Verfassers aber scheint die Entfärbung in keiner 
Weise der Brechbarkeit direkt oder umgekehrt propor- 
tional zu sein '). 

. Die deutlichste und rascheste Reaktion wurde in 



l ) Die beiden Figuren 2 und 3 sollen nicht das wirkliche 
Verhältnis in der Stärke des Einflusses je zweier Farben ver- 
ansi baulichen ; in Fig. 2 ist z. B. Blau drei Einheiten über 
Grün, einfach deshalb, weil es stärker wirkt als Weiß, dieses 
stärker als Violett und dieses stärker als Grün. Ebensowenig 
zeigen, wie man sieht, die Koordinatennetze die genaue Lage 
der Farben an. 



diesen Versuchen mit Weizen- und Gerstenkeimlingen 
von 5 bis 40 mm Höhe erhalten. Auch Tabakkeimlinge 
erwiesen sich als sehr empfindlich gegen die phototropi- 
schen Einflüsse. Von anderen Keimlingen wurden ver- 
wendet Catalpa, Datura, Bohne, Erbse, Mais, Sonnenblume 
und Kürbis. 

Wenn man die Spektra der farbigen Schirme be- 
trachtet, so sieht man, daß das Blau andere Farben in 
ziemlich beträchtlicher Menge durchläßt, besonders Hot. 
Da nun die phototropische Wirkung des Blau größer ist 
als die des diffusen Tageslichtes, so könute man zu dem 
Schlüsse kommen, daß irgend ein Abschnitt des Sounen- 
spektrums negativ phototropisch wirke. Da aber alle 
hier behandelten Farben positiv phototropisch wirken, 
so bleibt nur eine Annahme übrig (die eine reine Ver- 
mutung ist), daß nämlich dieser negative Teil jenen 
dunkleren Banden im Blau entspricht, die durch die 
scharfe Abwärtskrümmung der Kurve bezeichnet werden. 
Verf. will diesen Punkt noch weiter untersuchen mit 
Hilfe von Farbenschirmen, die jenen Teilen des Spektrums 
möglichst genau entsprechen. F. M. 



A.Tschirch: Sind die Antheren der Kompositen 
verwachsen oder verklebt? (Flora 1903, 
Bd. CXIII, S. 50—55.) 
Bekanntlich sind bei den Kompositen die Antheren 
der fünf Staubblätter zu einer den Griffel umschließenden 
Röhre vereinigt. Die Art der Verschmelzung wird teils 
als Verklebung, teils als Verwachsung bezeichnet. Verf. 
hat nun bei der Untersuchung von einem Dutzend Kom- 
positenarten, die zehn Gattungen repräsentierten, fest- 
stellen können, daß weder eine Verklebung noch eine 
eigentliche Verwachsung der Antheren stattfindet, sondern 
daß ausschließlich die Cuticula zweier benachbarter An- 
theren auf eine kurze Strecke verwächst und dauernd 
verwachsen bleibt. Das Ligament, das die ganze Antheren- 
röhre auch im Zustande völliger Reife umschließt, wird 
nur von der Cuticula der Antheren gebildet, die sich 
von der Außenwand der Antherenepidermis ablöst und 
eben wegen der erwähnten partiellen Verwachsung der 
benachbarten Stücke ein zusammenhängendes Band bildet. 

F. M. 



Literarisches. 
W. Valentiner: Veröffentlichungen der Groß- 
herzoglichen Sternwarte zu Heidelberg. 
(Astrometrisches Institut.) I. Band 274 S., II. Band 
147 S. Fol. (Karlsruhe 1900 u. 1903, G. Braun.) 
Gelegentlich der Anzeige des II. Bandes der Ver- 
öffentlichungen der Heidelberger Sternwarte, v und zwar 
der astronomischen Abteilung, welche als Ersatz der alten 
Mannheimer, 1878 provisorisch nach Karlsruhe verlegten 
Sternwarte in den Jahren 1896 bis 1898 auf dem Königs- 
stuhl bei Heidelberg zugleich mit dem Astrophysikalischen 
Observatorium neu errichtet wurde, möge hier kurz der 
Inhalt des vor drei Jahren erschienenen I. Bandes an- 
gegeben werden. 

Als Direktor der Mannheimer Sternwarte hatte Herr 
E. Schönfeld (gestorben in Bonn am 1. Mai 1891, 
s. Rdsch. 1S91, VI, 374) zahlreiche Beobachtungen von 
veränderlichen Sternen, besonders in den Jahren 1865 
bis 1875 angestellt. Über 80000 Vergleichungen je zweier 
Sterne lagen aus dieser Zeit in Schön felds Beobach- 
tungsbüchern vor, als Material von etwa 36000 vollstän- 
digen Beobachtungen an 117 verschiedenen Veränderlichen. 
Da die S chönf e ld sehen Größenschätzungen sich durch 
eine sehr hohe Genauigkeit auszeichnen, so besitzen die 
Mannheimer Beobachtungen einen bedeutenden Wert 
für die Erforschung des Lichtwechsels der einzelnen von 
Schönfeld jahrelang überwachten Sterne. Leider war 
rlies'T Astronom in seiner späteren Zeit durch seine 
Tätigkeit an der Bonner Sternwarte verhindert, die frü- 
heren Beobachtungen zu reduzieren und zu veröffentlichen. 



Nr. 



1904. 



N a t ur \v i s s e u s c h a f 1 1 i c h e Rundschau. 



XIX. Jahrg. 



63 



Es war daher ein wahrhaft nützliches Werk, daß Herr 
Valentiner, unterstützt von Herrn E. Jost, unter- 
nommen hat, die S chön fei d sehen Größenschätzungen 
genau nach den Eintragungen in den Beobachtungs- 
büchern mit allen daselbst zugefügten Bemerkungen 
der Öffentlichkeit zu übergeben. Hierbei sind sämtliche 
Beobachtungen jedes einzelnen Veränderlichen chrono- 
logisch aufgeführt, die Sterne selbst sind in der Reihen- 
folge ihrer Rektaszensionen angeordnet. In einem An- 
hang hat Herr Jost für jeden Veränderlichen die von 
Schönfeld benutzten Vergleichssterne zusammengestellt, 
soweit sich diese aus den Seh önf eldschen Aufzeich- 
nungen noch ermitteln ließen. In einigen Fällen unter- 
geordneter Bedeutung war die Identifizierung dieser 
Sterne nicht ganz sicher zu bewerkstelligen. Somit 
bildet der I. Band der „Veröffentlichungen" eine reiche 
Fundgrube von Material für die Kenntnis der Veränder- 
lichen. Der Hauptwert dieser Beobachtungen liegt, ab- 
gesehen von ihrer hohen Genauigkeit, in der langen 
Zeitdauer, die sie umfassen, wodurch sie die Möglichkeit 
o-ewähren, etwaige Wechsel in der Form der Lichtkurven 
oder der Periodenlängen zu erkennen. Es wäre nur zu 
wünschen, daß der vorliegende Beobachtungsstoff bald 
und gründlich ausgenutzt werden möge. 

Der II. Band der „Veröffentlichungen" enthält einen 
Katalog der Positionen von 2843 Sternen bis 8. Größe, 
die in den Jahren 1882 bis 1894 auf der provisorischen 
Sternwarte zu Karlsruhe am Meridiankreis beobachtet 
worden sind. Die Sterne stehen zwischen dem Äquator 
und 7 bis 8° südlicher Deklination. Die in den Publi- 
kationen der Karlsruher Sternwarte von Jahr zu Jahr 
mitgeteilten Beobachtungen haben nicht selten wertvolle 
Dienste geleistet für die Bestimmung von Planeten- und 
Kometenörtern , denen die betreffenden Sterne als An- 
schlußsterne zugrunde lagen. Im allgemeinen herrschte 
nämlich bisher ein empfindlicher Mangel an guten, genauen 
Örtern südlicher Sterne. Die Einleitung des vorliegenden 
II. Bandes gibt Aufschluß über die Art der Beobachtung 
und über die Reduktionsrechnungen; auf den eigentlichen 
Sternkatalog folgt eine Zusammenstellung sämtlicher 
(reduzierten) Einzelbeobachtungen, deren iu der Regel 
sechs auf jeden Stern kommen, eine verhältnismäßig 
große Zahl, durch welche die Sicherheit der abgeleiteten 
Sternpositionen wesentlich erhöht wird. Die Beobach- 
tungen sind mit geringfügigen Ausnahmen von E. v. Re- 
beur- Pasch witz (1884 bis 1887) und F. Ristenpart 
(1892 bis 1894) angestellt. 

An ihrem jetzigen sehr günstigen Orte ist die Groß- 
herzogl. badische Landessternwarte noch mehr als bisher 
befähigt, zum Fortschritte der Astronomie beizutragen. 
Man darf also noch manche wertvollen Ergebnisse ihrer 
Arbeiten auf verschiedenen Gebieten in den künftigen 
Bänden der „Veröffentlichungen" erwarten. 

A. Berberich. 

Reiuhold Müller: Leitfaden für die Vorlesungen 
über darstellende Geometrie an der Her- 
zoglichen technischen Hochschule zu 
Braunschweig. Zweite Auflage. Mit in den Text 
eingedruckten Abbildungen. VIII u. 95 S. gr. 8°. 
(Braunschweig 1903, Friedr. Vieweg & Sohn.) 
Die Eigentümlichkeiten dieses knapp gefaßten Leit- 
fadens haben wir bei seinem Erscheinen hinreichend 
gewürdigt (Rdsch. 1899, XIV, 669—670). Wie voraus- 
zusehen war, hat sich das Büchlein des erfahrenen Hoch- 
schullehrers der lebhaften Teilnahme weiter Kreise zu 
erfreuen gehabt, obschon es zunächst nur als Hilfsmittel 
für die Studenten der Braunschweiger Hochschule ver- 
faßt war. Um den eigenartigen Charakter dieser Schrift 
zu wahren, hat der Verf. bei der Durchsicht für die 
zweite Auflage der Versuchung widerstanden, die in man- 
chen an ihn gerichteten Aufforderungen enthalten war, 
besonders durch Beigabe ausgeführter Figuren den Leit- 
faden in ein Lehrbuch umzuwandeln. Nur die Zentral - 



Perspektive ist etwas eingehender behandelt als in der 
ersten Auflage. Sonst ist wenig geändert worden; der 
ganze Zuwachs beträgt 7 Seiten. Wie die Notwendig- 
keit einer neuen Auflage zeigt, ist der Abnehmerkreis 
des Leitfadens nicht so beschränkt, wie nach seiner be- 
schränkten Bestimmung gefürchtet wurde. Das Ver- 
dienstliche seines Planes, was allerseits anerkannt ist, 
wird dadurch aufs beste bestätigt. Die weitere Verbrei- 
tung ist danach zu erwarten. E. Lampe. 



Manuel von Uslar: Das Gold, sein Vorkommen, 
seine Gewinnung und Bearbeitung. Mit 
19 Abbildungen im Texte und zwei Tafeln. 60 S. 
(Halle a. S. 1903, Wilhelm Knapp.) 

Das Büchlein ist für den gebildeten Laien bestimmt, 
für den Inhaber von Goldaktien, den Finanzmanu, wel- 
cher sich an der Anlegung und Ausbeutung von Gold- 
minen beteiligen will, den Kolonialpolitiker, den Kauf- 
mann, der mit golderzeugenden Ländern in Handelsver- 
biudung steht, u. a. ; ihnen allen soll es „ein Berater und 
Führer auf fachtechnischem Gebiete" sein. 

Verf. gibt zunächst iu den einleitenden Worten eiuige 
ältere Mitteilungen über Anhäufung riesiger Goldschätze 
in den Händen einzelner ; dieselben sind sehr willkür- 
lich ausgewählt, fehlt doch sogar König Krösus, der 
Typus dieser Klasse. Er erwähnt dann kurz die Ver- 
suche zur Goldmacherei im Mittelalter. Zu seiner eigent- 
lichen Aufgabe übergehend bespricht er das Vorkommen 
des Goldes auf primärer und sekundärer Lagerstätte, 
seine physikalischen und chemischen Eigenschaften; hier- 
auf werden die Verfahren zu seiner Gewinnung beschrie- 
ben, welche von den örtlichen Verhältnissen, der Menge 
des in den Erzen vorhandenen Goldes und der Art, in 
welcher es in diesen enthalten ist, abhängen; es sind 
die Goldwäscherei, das Amalgamierverfahren und die che- 
mischen Methoden zum Ausziehen des Goldes aus seinen 
Erzen, der Cyanidprozeß, wobei zu erwähnen gewesen 
wäre, daß Cyankalium das Gold bloß bei Gegenwart von 
Luft zu lösen vermag (vgl. 2Au-f-4KCy-|-0-f- H 2 
= KAuCy 2 -f- 2 KOH), und das Chlorationsverfahren 
von Plattner, welches Verf. durchweg mit dem engli- 
schen Worte „Chlorination" bezeichnet. Abbildungen 
der beschriebenen Apparate tragen wesentlich zum Ver- 
ständnis des Textes bei. Sodann folgt die Besprechung 
der Goldscheidung, der Trennung des Goldes vom Silber 
durch Schwefelsäure (Affination) und die elektrolytiscbe 
Goldscheidung von Möbius, wobei zu erwähnen ge- 
wesen wäre, daß das dazu verwandte Gold ziemlich rein 
sein muß, vor allem nicht viel Kupfer enthalten darf 
und einen Feingehalt von mindestens 950/1000 haben 
muß. Auch die ältere Scheidung durch Salpetersäure, 
die „Scheidung durch die Quart", wäre wenigstens kurz 
zu erwähnen gewesen, zumal ihr ja die Salpetersäure 
den Namen „Scheidewasser" verdankt. Den Beschluß 
bildet das Probieren der Golderze und ein kurzer Ab- 
schnitt über die Verarbeitung und Verwendung des Goldes. 
Im Anhang sind statistische Angaben über die Gold- 
erzeugung und ein Verzeichnis der auch im Text überall 
genannten englischen Fachausdrücke zusammengestellt, 
welches sicherlich manchem willkommen sein wird, da 
gerade für dieses Gebiet die englische Fachliteratur von 
größter Bedeutung ist. 

Die Auswahl des Stoffes ist gut, seine Darstellung 
klar und leicht faßlich, so daß das Heftchen vielen sicher 
recht erwünscht kommen wird. Bi. 



Hans Krämer: Weltall und Menschheit. Bd. II, 
XIII und 518 S. Mit 40 Tafeln und zahlreichen 
Textabbildungen. iBerlin 1903, Deutsches Verlagshaus 
Bong & Co.) 

Mit Lieferung 43 liegt der zweite Band des großen, 
schnell populär gewordenen Werkes vollendet vor. Der- 
selbe umfaßt die Entstehung und Entwickelung des Men- 
schengeschlechts von Prof. H. Klaatsch, die Entwicke- 



64 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 5. 



lung der Pflanzenwelt von Prof. H. Potonie und die 
Entwickelung der Tierwelt von Prof. L. Beushausen. 

Herr Klaatsch gibt einleitend einen historischen 
Rückblick auf die Entstehung der Lehre von der Vor- 
geschichte des Menschen. Zunächst entwickelte sich auf 
Grund der einzelnen stellenweis gemachten Funde eine 
reine Vorgeschichte oder Prähistorie, die jenseits der 
geschichtlichen Überlieferung lag. Allmählich erst er- 
brachten menschliche Reste, die mit denen ausgestorbe- 
ner Tierformen zusammen lagen, derart, daß man auf ein 
gemeinsames Alter schließen mußte, den Beweis der Exi- 
stenz älterer Formen und die Erkenntnis, daß der 
Mensch, gleichwie die ganze Tierwelt, sich im Laufe 
der Erdgeschichte entwickelt habe und nur die höchst 
entwickelte Form innerhalb dieser darstelle. Darauf 
weisen ja auch seine anatomischen und entwickelungs- 
geschichtlichen Verhältnisse hin. Mit deren Studium 
setzt die eigentliche Anthropologie ein. Diese bestand 
zunächst im wesentlichen in der Betrachtung der Skelett- 
teile, insbesondere des Schädels, und führte zur Entwicke- 
lung der Kraniometrie , die in einseitiger Übertreibung 
bis in die neueste Zeit die ganze Anthropologie be- 
herrschte. Erst in jüngster Zeit erkannte man, daß sich 
eine wahre Naturgeschichte des Menschen auf Zoologie 
und Ethnographie stützen müsse. Zellenlehre, Embryo- 
logie wie Osteologie beweisen seine Zugehörigkeit zum 
Tierreich. Gewisse Abnormitäten erklären sich als 
Wiederholungen gewisser Vorfahrenzustände, ebenso wie 
rudimentäre Organe oder absonderliche -Erscheinungen 
der äußeren Körperfläche, wie z. B. ungewöhnliche Be- 
haarung. Anderseits führt die Vervollkommnung einzel- 
ner Teile zur Rückbildung gewisser anderer (vgl. Rippen- 
bau und Gehirn). Wir erkennen, daß unser Organismus 
aus Einrichtungen besteht, die zu verschiedenen Zeiten 
erworben und vervollkommt wurden, während andere 
zurückgingen und verschwanden. Solche Erinnerungen 
und Erwerbungen des menschlichen Körpers aus der 
ältesten Zeit seiner tierischen Vorgeschichte sind z. B. 
die Chorda dorsalis, die Knorpelbogen des Kopfskeletts 
am Embryo, die den Kiemenbogen der Fische entsprechen, 
und die Beziehungen von Haut- und Mundhöhle in be- 
zug auf Zahnbildung und Geschmack. Reste gewisser 
tierischer Formen, wie die Andeutung des Schädeldecken- 
auges und die Entwickelung unseres Gehörorganes aus 
der ersten Kiemenspalte deuten auf unsere Verwandt- 
schaft mit Fischen, Amphibien und Reptilien hin. Verf. 
bespricht sodann weiterhin das Wesen der Saurier und 
die zoologische Stellung der Säugetiere zu diesen. Beide 
sind Nachkommen eines Stammes uralter Landwirbeltiere, 
deren gemeinsames Erbteil die Gliedmaßen sind. Ihre 
Verschiedenheit jedoch in der Kieferbildung lehrt, daß 
die Spaltung in Reptilien und Säugetiere schon früh- 
zeitig eingetreten sein muß. 

Bezüglich der Stellung des Menschen in der Reihe 
der Säugetiere läßt sich erkennen, daß er einer durch 
höhere Intelligenz ausgezeichneten, alten Stammgruppe 
der Primatoiden angehört, aus der nach Ausscheiden der 
Raubtiere, Huftiere usw., deren Gehirnentwickelung „pri- 
mitiv" blieb, ein Rest blieb, der durch körperlich viel- 
seitige Gewandtheit, Schärfe des Gesichtssinnes und stetig 
anwachsendes Gehirnvolumen den Mangel natürlicher 
Waffen ersetzte. Er umfaßt die Vorfahren der eigentlichen 
Primaten, der Affen und Menschen. Was nun deren Ver- 
wandtschaft anlangt, sowohl die mit den niederen Affen, 
wie die mit den Menschenaffen, so ist diese nur eine rein 
anatomische, die eben auf gemeinsame Vorfahrenformeu 
zurückweist. Das erste Auftreten echter Menschenformen 
knüpft sich an noch verhältnismäßig niedere Formen an. 
Sie besaßen zwar die Fähigkeit des aufrechten Ganges, 
aber die mechanische Festigung des Skeletts ist erst in 
den Anfängen begriffen. Auch die Ausbildung des Kopfes 
ist noch auf niederer Stufe. Dabei äußern sich doch 
schon recht beträchtliche individuelle Verschiedenheiten, 
die sich weiterhin zu Rasseverschiedenheiten entwickeln. 



Das erste Auftreten dieser Formen muß ins ältere Ter- 
tiär fallen , denn die fossilen Reste von Anthropoiden 
aus dem mittleren Tertiär Europas beweisen, daß da 
die letzte Gliederung des Primatenstammes schon ein- 
getreten war. Wo ihre Urheimat war, ist mehr als 
zweifelhaft: gewisse Umstände deuten auf den Malaiischen 
Archipel. Auch von der Ausbreitung des Menschen- 
geschlechts vermögen wir uns nur ein sehr unvollkom- 
menes Bild zu machen , zumal ja auch die Konfiguratio- 
nen unserer Erdoberfläche in tertiärer Zeit andere waren 
als später. Ein wesentliches Hilfsmittel zur Erkennung 
des verschiedenen Alters menschlicher Reste bieten die 
Artefakte, besonders die Feuersteinsplitter und die Tech- 
nik ihrer Bearbeitung. Besonders Frankreich ist der 
klassische Boden geworden für die Auffindung und die 
theoretische Verwertung der ältesten Steinwerkzeuge. 
Sie erbringen den Beweis, in Verbindung mit den mit 
ihnen sonst noch vergesellschafteten Resten und unter 
Berücksichtigung der geologischen Stellung der Schich- 
ten, in denen sie auftreten, daß die Anfänge mensch- 
licher Kultur nicht erst au dem Schluß der letzten Eis- 
zeit liegen, sondern daß der Mensch auch zur Inter- 
glazialzeit und bereits vor der ersten Eiszeit existiert 
hat. Besonders auch die Wandgemälde in den Höhlen 
des Vezeretales, mehrfarbige, mit höchstem Realismus 
durchgeführte Bilder von weidenden Mammuts, Bisons 
und Renntieren deuten auf bereits hoch stehende künst- 
lerische Leistungen hin. Und für sie erbringt der Verf. 
den Nachweis, daß sie bereits in die ältere Steinzeit fallen ! 

Des weiteren behandelt, er die körperliche Erschei- 
nung und die fossilen Knochenreste des diluvialen Men- 
schen und erörtert zum Schluß das Thema von der 
Rassengliederung der jetzigen Menschheit, indem er 
unter Berücksichtigung ihres geschilderten Entwicke- 
lungsganges ihren gegenwärtigen Bestand in körper- 
licher Hinsicht staminesgeschichtlich beleuchtet. Wir 
erkennen, daß die drei großen Hauptrassen der Euro- 
päer, Mongoloiden und Neger trotz ihrer Abweichung 
in der Hautfärbung, Behaarung, im Auge und im Bau 
ihres Skeletts einen gemeinsam australoiden Stamm 
haben , dessen Sonderung weit vor der „Diluvialzeit" 
Europas geschehen sein muß. 

Im zweiten Teil dieses Bandes bespricht sodann Herr 
Potonie die Entwickelung der Pflanzenwelt. Einleitend 
erörtert er die Frage: „Was ist Leben?" unter Hinweis 
darauf, daß in Wirklichkeit gar kein so scharfer Unter- 
schied zwischen lebenden und leblosen Formen besteht 
und daß wir über den Ursprung des organischen Lebens 
nichts wissen. Wie bei allen lebenden Wesen, so erklärt 
sich auch für die Pflanzenwelt die Vielheit der Formen 
und ihres Aufbaues durch die Anpassung an" neue Ver- 
hältnisse. Auch sie weist eine allmähliche Entwickelung 
vom Einfacheren zum Verwickelteren auf, und beides ist 
durch Zwischenformen verknüpft. Die Tendenz dieser 
Richtung zielt auf eine Arbeitsteilung der Tätigkeiten, 
die der Erhaltung des Lebewesens, also seiner Ernäh- 
rung und seiner Fortpflanzung dienen. Überblicken wir 
in diesem Sinn die Formen der Pflanzenwelt, so können 
wir sofort folgende Typen unterscheiden: echte Lager- 
pflanzen mit ungegliedertem Körper, wo alle Teile diesen 
Funktionen dienen, Lagerpflanzen mit Trophosporosomen, 
d. h. mit Gliedern , die ausschließlich diesen Zwecken 
dienen, Pflanzen mit Urkaulom und Urtrophosporophyllen. 
d. h. mit stengeiförmigem Träger und Blättern, die der 
Ernährung und Fortpflanzung dienen, und Pflanzen mit 
Perikaulom und Posttrophosporophyllen, d. h. mit sekun- 
dären Stengelbildungen und echten Blättern. Die Ent- 
wickelung der höheren Pflanzen endlich gliedert sich in 
solche, die ein Perikaulom mit Trogophyllen (Ernährungs- 
blättern) und Sporophyllen (Fortpflanzungsblättern) haben, 
solche, deren Blätter am Stengel deutlich in Regionen 
geschieden sind , d. h. in Teile mit Laubblättern und 
Teile mit Fortpllanzungsblättern (Blüten), solche, deren 
Ernährungsblätter in Keim-, Nieder-, Laub- und Hoch- 



Nr. 5. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 65 



Matter sich scheiden, während die Blütenblätter noch 
übereinstimmen, und solche, deren Blütenblätter schließ- 
lich auch noch in Kelch-, Kronen-, Staub-, Frucht- und 
Nektarblätter gesondert sind. In dieser Reihenfolge haben 
sich denn auch die Pflanzen im Laufe der geologischen 
Perioden entwickelt, aber im Unterschied zu den heuti- 
gen Pflanzen zeigen jene älteren Formen weit mehr echte 
Gabelverzweigung, während diese rispige und fiederförmige 
Verzweigung besitzen. Man erkennt in letzterer aber 
doch nur einen weiteren Entwickelungsfortschritt zur 
Festigung ihres mechanischen Systems, denn die heu- 
tigen Arten weisen Bntwickelungsformen auf, die jenen 
älteren Zuständen entsprechen. Besonders bei den Wasser- 
pflanzen sehen wir heute noch derartige gabelige Grup- 
pierungen, und es drängt sich daher leicht die Vermutung 
auf, daß die Heimat aller Pflanzen das Wasser gewesen sei. 
Weiterhin bespricht Verf. die einstige Flora, wie sie 
uns fossil erhalten ist, schildert ihre Zusammensetzung 
und erörtert die Frage ihrer Herkunft. In den uub er- 
haltenen ältesten Resten erkennen wir keineswegs auch 
die erste einst lebende Flora, sondern unsere Kenntnisse 
setzen sogleich bei einer Pteridophytenflora ein. Nach 
diesen fossilen Überresten können wir die Formationen 
gliedern in Silur-Perm: Epoche der Pteridophyten, Trias- 
Jura: Epoche der Gymnospermen, und Kreide-Jetztzeit: 
Epoche der Angiospermen, unsere heutige Flora ist 
eine Mischflora: sie besteht aus Resten der Eiszeit, aus 
Gewächsen der östlichen Steppengebiete und aus atlanti- 
schen und westmediterranen Pflanzen ; dazu gesellen sich 
eingewanderte Flußtalpflanzen und solche, die erst in 
historischer Zeit eingeschleppt worden sind. 

Der dritte Abschnitt dieses Bandes behandelt aus der 
Feder von Herrn Beushausen die Entwickelung der 
Tierwelt, wie sie uns die Paläontologie aus den Verstei- 
nerungen erkennen lehrt. Von wesentlicher Bedeutung 
für ihren Ausbau wurden die Anschauungen Buffons, 
Cuviers und besonders Darwins. Wie in der Pflanzen- 
welt, so sind uns auch unter den Formen der Tierwelt 
nicht die primitivsten als älteste erhalten; die älteBte 
Fauna, die des Cambriums, zeigt sogleich eine Zusam- 
mensetzung aus zahlreichen Tierkreisen und in schon 
ziemlich hoch entwickelten Formen. Verf. betrachtet 
eingehend die fortschreitende Entwickelung der einzelnen 
Tierklassen innerhalb der geologischen Zeiträume. Auch 
sie lehrt uns, daß die Entwickelung des organischen 
Lebens stets aufwärts strebt zum Höheren, zum Voll- 
kommeneren. 

Den ganzen Band schmücken wieder zahlreiche gute 
Abbildungen im Texte, und 40 farbige, künstlerisch aus- 
geführte Tafeln dienen der anschaulichen Erläuterung. 

A. Klautzsch. 

Karl Alfred v. Zittel f. 
Nachruf. 

Einem Herzleiden, das den Meister unserer deut- 
schen Paläontologie schon seit längerem quälte, ist K. A. 
von Zittel am Abend des 5. Januars zu München er- 
legen. Mit ihm verliert die geologische Wissenschaft 
einen ihrer führenden Geister, die Universität München 
einen ihrer bedeutendsten Lehrer, der bayerische Staat 
einen seiner hervorragendsten Diener. 

Karl Alfred v. Zittel war am 25. September 1839 
zu Bahlingen bei Freiburg i. Br. geboren als jüngster 
Sohn des Dekans Zittel, des bekannten Führers des 
protestantischen Liberalismus in Baden. Mit dem Winter- 
semester 1857 bezog er die Universität Heidelberg und 
widmete sich hier besonders unter der Leitung von 
Bronn und C. Leonhard dem Studium der Natur- 
wissenschaften. So sehr ihn auch diese anzogen und 
begeisterten, fand er doch auch Zeit, sich frohen Mutes 
dem Studentenleben zu widmen. Voll Begeisterung schloß 
er sich den Burschenschaften an, trat in die Reihen 
der Frankonia ein und ward ihr zeitlebens ein treuer 



alter Herr. Zum Schluß seiner Studienzeit verbrachte 
er noch ein Jahr in Paris, wo besonders E. Hebert sein 
Lehrer ward. EifrigBt nutzte er die Zeit seines Aufent- 
haltes zum Studium des klassischen Tertiärgebietes des 
Seine-Beckens und anderer berühmter geologischer Stät- 
ten Frankreichs. Zurückgekehrt von dort, trat er 1861 
als Volontärassistent bei der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt zu Wien ein, beteiligte sich an den geologischen 
Aufnahmen in Dalmatien und habilitierte sich 18G3 als 
Privatdozent an der Wiener Universität. Noch in dem- 
selben Jahre lehnte er einen Ruf nach Lemberg ab in 
der klaren Erwägung, dort nicht das genügende Material 
zu seinen Studien zu finden ; er zog es vielmehr vor, in 
dem gleichen Jahre die Stelle eines Assistenten am Wie- 
ner Hofmineralienkabinett anzunehmen. Doch schon 1863 
rief ihn seine Heimat, und gern folgte er dem Ruf als 
ordentlicher Professor für Mineralogie, Geognosie und 
Petrefaktenkunde nach Karlsruhe an das Polytechnikum. 
Hier wirkte er bis 1866 und beteiligte sich gleichzeitig 
an der geologischen Kartierung des Großherzogtums. 
Dann zog ihn aber ein ehrenvoller Ruf nach Müncheu 
als Ordinarius auf den durch Oppels Tod erledigten 
Lehrstuhl für Paläontologie. Gleichzeitig wurde er auch 
zum Konservator der paläontologischen Staatssammlun- 
gen ernannt. 1869 bereits wurde er zum außerordent- 
lichen Mitglied der bayerischen Akademie der Wissen- 
schaften gewählt, und 1875 wurde er ihr ordentliches 
Mitglied. 1880, nachdem er einen ehrenvollen Ruf nach 
Göttingen abgelehnt hatte, wurde ihm auch die Geologie 
als Lehrfach übertragen. Im Juni 1899, nach dem plötz- 
lichen Tode Pettenkofers erwählte ihn die Akademie 
der Wissenschaften zu ihrem Präsidenten, und in dem- 
selben Jahre erfolgte seine Ernennung zum General- 
konservator der wissenschaftlichen Sammlungen des 
Staates. Zahlreiche Orden schmückten die Brust des 
verdienten Mannes, und viele wissenschaftliche Akade- 
mien und Gesellschaften zählten ihn zu ihrem Mitgliede. 
An seiner Bahre trauern neben seiner Witwe, der 
Tochter des Landschaftsmalers und Direktors der Kunst- 
schule zu Karlsruhe J. W. Schirmer, seinen Kindern 
und Enkeln seine Wissenschaft und seine Verehrer. 

Gerade letztere besaß er in reichem Maße. Seiner 
wissenschaftlichen Bedeutung entsprechend, zählt er fast 
alle Paläontologen Deutschlands, ja der ganzen Welt zu 
seinen Schülern; alle lauschten dereinst den Worten des 
glänzenden, anregenden Lehrers, eines stets liebens- 
würdigen und von vornehmer Gesinnung erfüllten Cha- 
rakters. Viele gedenken dankbar seiner steten Hilfs- 
bereitschaft. 

Zittels Bedeutung für die Wissenschaft liegt vor 
allem auf dem Gebiete der Paläontologie, doch auch die 
Geologie verdankt ihm viele Beiträge. Sicheres Urteil, 
äußerst präzise und exakte Darstellungsweise, sowie un- 
gemein umsichtiges Verarbeiten des einschlägigen Mate- 
rials sind seinen Werken eigen. Aber auch in populä- 
rer Form konnte er für weite Kreise anregend und be- 
lehrend wirken, wie sein bekanntes Buch „Aus der Ur- 
zeit, Bilder aus der Schöpfungsgeschichte" (1. Auflage 
1872, 2. Auflage 1875) beweist. In fesselnder Darstel- 
lungsweise bietet er dem Leser Bilder aus dem Entwicke- 
lungsgang der Lebewelt, von ihren ersten Anfängen bis 
zur Jetztzeit. 

Seine erste wissenschaftliche Publikation fällt be- 
reits in die Zeit seines Pariser Aufenthalts (1861). Hier 
veröffentlichte er, zusammen mit Goubert, eine Arbeit 
über Juraversteinerungen von Glos. Calvados ; der Wie- 
ner Zeit gehört sein Werk über „Die obere Nummu- 
litenformation in Ungarn" an, und etwa 1863 folgte die 
Arbeit, die ihn mit einem Schlage zum Meister seines 
Faches machte, über „Die Bivalven der Gosaugebilde in 
den nördlichen Alpen". Mit Beginn seines Münchener 
Aufenthaltes, auf Gruud des reichen dortigen Samm- 
lungsmateriales, das er späterhin zum ersten und be- 
rühmtesten Europas zu gestalten wußte, entwickelte 



66 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 5. 



Zittel eine bedeutungsvolle wissenschaftliche Tätigkeit. 
Neben umfangreichen und epochalen Werken veröffent- 
lichte er im Lauf der Jahre eine reiche Anzahl kleinerer 
Arbeiten, die er der Mehrzahl nach in den Sitzungs- 
berichten und Abhandlungen der bayerischen Akademie 
der Wissenschaften oder in der von ihm mit heraus- 
gegebenen Zeitschrift „Palaeontographica" erscheinen ließ. 
Aus der großen Zahl derselben seien nur genannt seine 
„Paläontologischen Studien über die Grenzschichten der 
Jura- und Kreideformation" (1863 bis 1873), in denen er 
eine erste umfassende systematische und faunistisch- 
stratigraphisch vergleichende Arbeit über die Versteine- 
rungen des Thitons lieferte ; seine „Paläontologischen 
Mitteilungen aus dem Museum des Königl. bayerischen 
Staates", welche zahlreiche Beiträge zur Kenntnis der 
fossilen Echinodermen, Cephalopoden, Krebse, Brachio- 
poden uud Fische, wie der Schildkröten und Flugsaurier 
des lithographischen Schiefers enthalten. Von klassi- 
schem Werte sind seine „Beiträge zur Systematik der 
fossilen Spongien" (1371), in denen er auf Grund sorg- 
samster mikroskopischer Untersuchungen zuerst den 
komplizierteu und vielgestaltigen Bau der Schwamm- 
skelette entzifferte und eiue wissenschaftliche Gliederung 
der zahlreichen fossilen Spongien begründete. Zahlreiche 
Keisen lehrten ihn die verschiedensten Gebiete Europas 
und Nordamerikas kennen und vermehrten seine Kennt- 
nisse fossiler Formen. 

So vorbereitet, konnte er das Werk beginnen, das 
heute das fundamentalste der paläontologischen Wissen- 
schaft ist und das seinen Namen zu einem unvergeß- 
lichen für alle Zeiten macht. In fünf umfangreichen 
Bänden veröffentlichte er von 1876 bis 1893 das „Hand- 
buch der Paläontologie". Die ersten vier Bände ent- 
stammen seiner Feder und umfassen das gesamte Gebiet 
der Paläozoologie; Band 5, von Schimper und Schenk 
verfaßt, behandelt die Paläobotanik. Wohl kein Hand- 
buch ist so umfasseud und enthält so zahlreiche Hin- 
weise für Spezialuntersuchungen; für zahlreiche fossile 
Tiergruppen ist hier zum erstenmal eine im Einklang 
mit der Stammesgeschichte stehende natürliche Syste- 
matik gegebeu ; eine Fülle von Anregungen werden dem 
Leser geboten — kurz alle Umstände vereinigen sich in 
diesem Werke , um seinen Verfasser zum Lehrer fast 
aller modernen Paläontologen zu machen. 

Dem Handbuch folgten 1895 die „Grundzüge der 
Paläontologie", ein mehr Lehrzwecken dienendes Buch. 
Von einer zweiten Auflage desselben konnte Zittel im 
Vorjahre noch den ersten Teil herausgeben, mit der Bear- 
beitung des zweiten Teiles beschäftigt, entriß ihn der Tod. 

Als Geologe nahm er 1873/74 an der vom Khedive 
von Ägypten ausgerüsteten Rohlfsschen Expedition in 
die Libysche Wüste teil. Der Wissenschaft ward da- 
durch ein bisher gänzlich unbekanntes Gebiet erschlos- 
sen; das umfangreiche Fossilmaterial, das er heimbrachte, 
bildet die Grundlage seiner Arbeit „Über den geologi- 
schen Bau der Libyschen Wüste" (1880) uud der „Bei- 
träge zur Geologie und Paläontologie der Libyschen 
Wüste und der angrenzenden Gebiete", die er von 1883 
bis 1902 unter Mitwirkung von Fachgenossen herausgab. 

Die Nähe Münchens zu den Bergen zog ihn oft und 
gern in die Alpen ; wenn er nur konnte, eilte er ihnen 
zu, um hier Erholung zu suchen und mannigfachste An- 
regung zu neuen Studien. Von Arbeiten aus diesem 
Gebiete seien nur kurz erwähnt : eine „Gletschererschei- 
nungen in der bayerischen Hochebene" (1874) und seine 
Untersuchungen der Triasablagerungen der Seißeralp in 
Südtirol (1899). Als Mitglied des Vorstandes des Deutsch- 
österreichischen Alpenvereins wirkte er gleichfalls eifrigst 
mit zur Erschließung der Alpen und neuer Schönheiten 
iu ihnen. 

Mit Beginn seiner Präsidentenschaft in der bayeri- 
schen Akademie 1899 beginnt gleichzeitig eine mehr 
retrospektative Seite seiner Tätigkeit. Zeuge dessen ist 
der von ihm verfaßte 23. Band der Geschichte der Wis- 



senschaften „Geschichte der Geologie und Paläontologie 
bis Ende des 19. Jahrhunderts" (1899) und seine letzten 
Reden in den Festsitzungen der Akademie „Rückblick 
auf die Gründung und Entwickelung der Königl. bayeri- 
schen Akademie der Wissenschaften im 19. Jahrhundert" 
(am 15. November 1899), „Ziele und Aufgaben der Aka- 
demien im 20. Jahrhundert" (am 14. November 1900) und 
„Über wissenschaftliche Wahrheit" (am 15. November 1902). 
Überblicken wir zum Schlüsse noch einmal diesen 
Lebensabriß, so müssen wir wohl sagen, daß ein geseg- 
netes, an Erfolgen reiches Leben geendet hat und daß 
nicht bloß die Wissenschaft, sondern auch die ganze 
Menschheit in K. A. v. Zittel eines ihrer besten Mit- 
glieder verloren hat. Möge ihm die Erde leicht sein ! 
Sein Name aber wird leben , unvergessen im Herzen 
aller, die ihm nahe standen! A. Klautzsch. 

Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Akademie der Wissenschaften in Berlin. 
Sitzung am 14. Januar. Herr v. Bezold las über „Luft- 
temperatur und Luftwärme". Häufig wird besonders in 
neuerer Zeit anstatt „Lufttemperatur" das Wort „Luft- 
wärme" gebraucht. Dies ist ein sehr bedenklicher Sprach- 
gebrauch , der zu Unrichtigkeiten führt und wichtige 
Tatsachen verhüllt. So entspricht z. B. einer bestimmten 
Temperaturschwankung in größeren Höhen eine gerin- 
gere Wärmeschwankung als an der Meeresfläche, in 
5500 m nur etwa die Hälfte. Bei feuchter Luft ist es 
sogar möglich , daß infolge zunehmender Feuchtigkeit 
der Wärmegehalt wächst, während die Temperatur sinkt. 
In der Mitteilung werden diose Verhältnisse nach ver- 
schiedenen Richtungen hin genauer untersucht und wich- 
tige Schlüsse daraus gezogen. — Die Akademie geneh- 
migte ilie Aufnahme einer am 10. Dezember von Herrn 
Hertwig vorgelegten Abhandlung der Herren Prof. Dr. 
Rudolf Krause und Dr. S. Klemperer in Berlin: 
„Untersuchungen über den Bau des Zentralnervensystems 
der Affen : das Nachhirn vom Orang Utan" in den An- 
hang zu den Abhandlungen von 1904. — Herr Wal- 
deyer erläuterte im Anschluß an die Mitteilung des 
Herrn Prof. H. Virchow im Anhang zu den Abhand- 
lungen der Akademie vom Jahre 1902 eine von dem- 
selben nach Vertikalschnitten durch den gesamten Orbi- 
talinhalt einschließlich des Lidapparates entworfene Tafel. 
Es wurden insbesondere hervorgehoben feinere Bauver- 
hältnisse der Lider, der Lidmuskeln, des Septum orbi- 
tale, der septalen Brücke am Musculus obliquus inferior 
und der Wimpern. — Als von der Akademie unterstützte 
Werke wurden eingereicht : H. Klebahn: Die wirts- 
wechselnden Rostpilze. Berlin 1904, und E^A'bderhal- 
den, Bibliographie der gesamten wissenschaftlichen Lite- 
teratur über den Alkohol und den Alkoholismus. Berlin 
und Wien 1904. 

Akademie der Wissenschaften in Wien. 
Sitzung vom 3. Dezember. Herr Prof. J. v. Hepp er- 
ger übersendet eine Abhandlung: „Bahnbestimmung 
des Bielaschen Kometen aus den Beobachtungen wäh- 
rend der Jahre 1846 und 1852". — Herr Prof. Rudolf 
Andreasch und Dr. Arthur Zipser in Graz: „Über 
substituierte Rhodaninsäuren und deren Aldehydkonden- 
sationsprodukte". II. Mitteilung. — Herr Hofrat Prof. 
E. Ludwig übersendet eine Abhandlung von Herrn 
Julius Donau: „Über die Bildung von Magneteisen- 
stein beim Erhitzen von Eisen im Kohlensäurestrom". — 
Herr Prof. J. Zehenter in Innsbruck übersendet eine 
Arbeit: „Beiträge zur Kenntnis des Baryumuranylacetats 
und des Bleiuranylacetats , sowie der daraus entstehen- 
den Uranate." — Herr Chefgeologe G. Geyer berichtete 
über „die neuen Aufschlüsse in den beiden Richtstolleu 
des Bosrucktunnels". — Herr Prof. Dr.- Alfred Nalepa 
übersendet eine Mitteilung : „Neue Gallmilben" (23. Fort- 
setzung). — Herr Athanas Thodoranoff in Rust- 



Nr. 5. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 67 



schuk übersendet ein versiegeltes Schreiben. — Herr 
Prof. R. v. Wettstein überreicht eine Abhandlung von 
Dr. Fritz Vierhapper: „Beiträge zur Kenntnis der 
Flora Südarabiens und der Inseln Sokötra, Abdel Kuri 
und Semhah. Bearbeitung der von Dr. St. Paula y und 
Prof. Dr. 0. Simony vom Dezember 1898 bis Mitte 
März 1899 gesammelten Gefäßpflanzen I". — Herr Prof. 
R. v. Wettstein überreicht ferner eine vorläufige Mit- 
teilung über „die geographische Gliederung der Flora 
Südbrasiliens". — Herr Prof. Franz Exner überreicht 
eine Abhandlung: „Beiträge zur Kenntnis der atmo- 
sphärischen Elektrizität XIV. Messungen des Potential- 
gefälles in Kremsmünster' ; von P. Bonifaz Zölss. — 
Derselbe legt ferner eine Arbeit von Herrn Dr. E. 
v. Schweidler vor: „Beiträge zur Kenntnis der atmo- 
sphärischen Elektrizität XV. Weitere luftelektrische Beob- 
achtungen zu Mattsee im Jahre 1903." 



Academie des sciences de Paris. Seance du 
11 janvier. 1!. Lepine et Boulud: Action des rayons X 
sur les tissus animaux. — EmilBorel: Sur l'etude asym- 
ptotique des fonctions meromorphes. — M. d'Ocagne: 
Sur la resolution nomographique des triangles sphe- 
riques. — Aug. Pourcel: Sur les proprietes du beton 
frette. — M. A. Mesnager: Sur un appareil enregistreur 
permettant de mesurer ä travers une paroi solide , sup- 
portant des pressions relativement elevees , des difie- 
rences de pression aussi faibles que l'on veut. — Mes- 
nager: Sur un procede pour la comparaison des epais- 
seurs. — J. Mace de Lepinay: Sur la production des 
rayons N par les vibrations sonores. — E. Varenneet 
L. Godefroy: Sur les applications du chronostiliscope 
E. Varenne. — Oamille Matignon: Reaetions colorees 
de l'acide vanadique et de l'ethenol. — G. Urbain et 
H. Lacombe: Sur l'emploi du bismuth comme agent 
de Separation dans la serie des terre3 rares. — H. Bau- 
bigny et G. Chavanne: Nouveau procede de dosage 
des elements halogenes dans les corps organiques: cas 
du chlore et du brome. — Leon Debourdeaux: Titrage 
des manganeses. — Behal et Sommelet: Sur une me- 
thode de Synthese des aldehydes. — F. Bodroux: Syn- 
these d'aldehydes aromatiques. — A. Trillat: Influence 
activante d'une matiere albumino'ide sur l'oxydation pro- 
voquee par le manganese. — Alphonse Labbe: Sur 
la formation des tetrades et les divisions maturatives 
dans le testicule du Homard. — I. Borcea: Sur la 
glande nidamentaire de l'oviducte des Elasmobranches. 

— Edouard Meyer: Emission des rayons N par les 
vegetaux. — C. Houard: Caracteres morphologiques 
des Acrocecidies caulinaires. — Marcellin Boule: 
Chronologie de la grotte du Prince, pres de Menton. — 
De Montessus de Bailore: Sur les tremblements de 
terre des Andes meridionales. — J. Thoulet et Ch. 
Sauerwein: Sur la Carte generale bathymetrique des 
oceans. — P. Bouin et P. Ancel: La glande intersti- 
tielle a seule, dans le testicule, une action generale sur 
l'organisme. Demonstration experimentale. — Georges 
Bohn: Cooperation, hierarchisation, integration des sen- 
sations chez les Artiozoaires. — Foveau de Cour- 
melle: La Radiotherapie, moyen de diagnostic et de 
therapeutique de certains fibromes. — C. Galtier soumet 
au jugement de l'Academie un Memoire et des photo- 
graphies „Sur les radiations humaines". — Aug. Loui- 
ton adresse un Memoire accompagne de plans, ayant 
pour titre: „Aviateur, tables aeriennes". — D. Tom- 
masi adresse une Note ayant pour titre: „Action de la 
lumiere sur la vitesse de formation des accumulateurs." 

— Tchernychevsky adresse une Note intitulee: „Sur 
une expression singuliere, la Variante." 



Vermischtes. 



Versuche über die Einwirkung der Radium- 
strahlen auf Pflanzen hat Herr Henry H. Dixon 



angestellt. Etwa IUI) Kressensamen wurden gleichmäßig 
über die Oberfläche von etwas feuchtem Sand, der in 
einer Blumenschale ausgebreitet war, verteilt. Dann 
wurde eine Glasröhre mit 5 mg reinem Radiumbromid 
1 cm über der Mitte der Sandoberfläche angebracht. 
Während des Versuchs befand sich die mit einer Glas- 
platte bedeckte Schale im Dunkeln. Nach der Keimung 
der Samen, die überall fast gleichzeitig im Laufe der 
nächsten zwei Tage eintrat, war das Wachstum aller 
dieser Keimpflanzen beinahe einförmig. Ein genauer 
Vergleich zeigte aber, daß die Entwickelung der un- 
mittelbar unter der Radiumröhre befindlichen Keim- 
pflanzen in geringem Maße verlangsamt war. Diese Ver- 
langsamung war deutlich bei den Keimpflanzen, die sich 
innerhalb eines Radius von etwa 2 cm von dem Radium- 
bromid befanden. Außerdem, daß diese Keimlinge klei- 
ner waren, entwickelten sie auch etwas weniger und 
kürzere Wurzelhaare als die anderen. Bei dem weiteren 
Wachstum rief die Gegenwart des Radiums keine Krüm- 
mungen, weder in den ihm zunächst befindlichen, noch 
in den weiter abstehenden Pflänzchen, hervor. Auch 
schien es während der Dauer des Versuchs, d. h. inner- 
halb von 13 Tagen, keine weiteren schädlichen Einwir- 
kungen auszuüben. Die Pflanzen wuchsen neben dem 
Radium und gegen das es einschließende Glas auf, ohne 
daß sie, soweit beobachtet werden konnte , dadurch be- 
einflußt oder geschädigt wurden. Der Versuch wurde 
mit dem gleichen Erfolge wie das erste Mal zweimal 
wiederholt, einmal mit dreitägiger, das andere Mal mit 
viertägiger Dauer (von dem Eintritt der Keimung au 
gerechnet). — Um zu bestimmen , ob bewegliche Orga- 
nismen gegen die Strahlung empfindlich sind, brachte 
Herr Dixon die Radiumröhre in ein Gefäß mit Wasser, 
das große Mengen von Volvox globator enthielt. Das 
Licht wurde dabei auch wieder abgeschlossen. Nach 
20 Stunden waren viele Volvox-Kolonien auf den Boden 
des Gefäßes gesunken, aber sie waren gleichmäßig über 
den Boden verteilt und weder unterhalb der Röhre an- 
gehäuft, noch von ihr weg verstreut. Die, welche noch 
im Wasser schwammen, waren auch gleichmäßig durch 
das Wasser verteilt, die einen in Berührung mit der 
Radiuoiröhre, die andern weit davon entfernt; kein An- 
zeichen einer Anziehung oder Abstoßung durch das 
Radium war vorhanden. 

Nach diesen Versuchen scheinen die vom Radium- 
bromid ausgesandten Strahlen innerhalb einer kurzen 
Zeit keinen wesentlichen Einfluß auf die Zellen und Ge- 
webe der untersuchten Pflanzen auszuüben. Zur Aus- 
lösung phototaktischer Bewegungen reicht selbst das vom 
Radium ausgestrahlte phosphoreszierende Licht (das unter 
günstigen Bedingungen mit dem Auge wahrgenommen 
werden kann) nicht aus. (Nature 1903, vol. LLXX, p. 5.) 
Herr Willcock (Cambridge) ist bei Versuchen über 
die Einwirkung der Radiumstrahlen auf Protisten 
und Süß wasserpolypen zu positiven Ergebnissen ge- 
langt. Die Versuche waren derart angeordnet, daß drei 
verschiedene Mengen von Radiumbromid (5 mg, 10 mg, 
50mg) ganz nahe an die Tiere herangebracht wurden. 
Diese befanden sich in Zellen, deren Wände behufs Ver- 
ringerung der Strahlenabsorption aus Glimmer anstatt 
aus Glas bestanden, und das Radiumbromid war nur 
3 bis 4mm von diesen Zellen entfernt. Herr Willcock 
suchte zu bestimmen, ob die Strahlen eine unmittelbare 
Antwort in Form einer Kontraktion veranlassen und ob 
sie eine anziehende oder abstoßende Wirkung auf die 
Tiere ausüben. Es ergab sich folgendes: Actinosphae- 
rium mit ausgestreckten Pseudopodien bei Tageslicht der 
Einwirkung von 10 mg Radium auf 3 mm Entfernung 
ausgesetzt, zog die Pseudopodien nicht ein. In zwei 
Stunden war es aber tot und im Zerfall. Kontrolltiere 
waren unverändert. — Zwei Exemplare eines grünen 
Stentor wurden einige Stunden lang im Dunkeln ge- 
halten, um ihre Empfindlichkeit gegen strahlende Energie 
zu erhöhen. Bei der Untersuchung in einem Minimum 
von Licht zeigten sich die Tiere ausgestreckt mit den 
Cilien in lebhafter Bewegung. Den Strahlen von 50 mg 
Radium in 4 mm Entfernung ausgesetzt, zogen sich beide 
langsam zusammen ; nach Wegnahme des Radiums dehnten 
sie sich langsam wieder aus. Diese Beobachtung wurde 
dreimal wiederholt. Nach der dritten Exposition dehnte 
sich ein Stentor nicht wieder aus. — 16 freischwimmende 
Stentoren wurden im Dunkeln in eine Zelle über einer 
3 mm dicken Bleiplatte gebracht; die Bleiplatte hatte in 



68 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 5. 



der Mitte ein Loch von etwa 5mm Durchmesser, unter 
dem sich 50 mg Radiumbroniid befanden. Am nächsten 
Tage hatten sich 15 von den Tieren außerhalb des Bün- 
dels der ß- Strahlen angeheftet; nur ein beschädigtes 
Exemplar befand sich auf dem Wege der Strahlen. Die 
Zelle wurde dann so bewegt, daß fünf Stentoren in den 
Weg der /3-Strahlen kamen. Nach ein paar Stunden fand 
sich, daß die Tiere sich losgelöst und aus den Strahlen 
wegbegeben hatten. Ähnliche Ergebnisse wurden bei 
anderen Gelegenheiten erhalten, doch scheiut es möglich, 
daß die Strahlen schwache Exemplare töten, bevor diese 
auf den abstoßenden Einfluß antworten. — Hydra viridis 
und fusca lösen ßich gewöhnlich los und begeben sich 
aus dem Bereich der /J-Strahlen hinaus. Wenn aber das 
Tier wieder in die Strahlen von 50 mg auf 4 mm Ent- 
fernung zurückgebracht wird , so hat die dritte Einfüh- 
rung gewöhnlich tödliche Folgen; die Tentakeln fallen 
ab, und der Körper zerfällt langsam. — Vielleicht das 
interessanteste Ergebnis wurde mit Euglena viridis 
erhalten. Encystierte Exemplare wurden unter den Ein- 
fluß der Radiumstrahlen (ß und y) im Dunkeln alsbald 
beweglich, ohne Schaden zu erleiden. (Ebenda, p. 55.) 

In einer zweiten Notiz teilt Herr Dixon mit, daß 
er gemeinsam mit Herrn J. T. Wigham Versuche an 
Bakterien ausgeführt habe. Die Beobachter fanden, 
daß bei Bacillus pyocyaneus, B. typhosus, B. prodigiosus 
und B. anthracis, die in Agar kultiviert waren, die 
jJ-Strahlen des Radiumbromids eine deutliche Hemmung 
des Wachstums bewirkten. Viertägige Exposition in 
4,5 mm Entfernung von 5 mg Radiumbromid scheint 
nicht ausreichend, die Bakterien zu töten, genügt aber, 
um ihr Wachstum aufzuheben. (Ebenda, p. 81.) 

Herr Georges Bohn, der mit Vorticellen, Planarien, 
Asseln, Daphnien und Anneliden experimentierte, gibt 
an, daß Radiumstrahlen auf diese keine tropische, wohl 
aber eine tonische Wirkung ausüben, indem sie rasch 
einen lethargischen Zustand herbeiführen, der dem der 
Lichtstarre analog sei. (Compt. rend. 1903, t. CXXXVII, 
p. 883—885.) F. M. 

Die Stiftung von Schnyder von Wartensee 
schreibt für das Jahr 19013 folgende Preisaufgabe aus 
dem Gebiet der Naturwissenschaften von neuem aus : 

„Das Klima der Schweiz, zu bearbeiten auf Grund- 
lage der jetzt 37jährigen Beobachtungen der schweize- 
rischen meteorologischen Stationen, sowie älterer Beob- 
achtungsreihen." Dabei gelten folgende Bestimmungen: 
An der Preisbewerbung können sich Angehörige aller 
Nationen beteiligen. Die einzureichenden Konkurrenz- 
arbeiten von Bewerbern um den Preis sind in deutscher, 
französischer oder englischer Sprache abzufassen und 
spätestens am 30. September 1906 an das Präsidium des 
Konvents der Stadtbibliothek Zürich (Preisaufgabe der 
Stiftung Schnyder von Wartensee für 1906) einzu- 
senden. Für die beste der eingehenden Lösungen wird 
ein Preis von 3500 Fr. bestimmt. Die mit dem Preis 
bedachte Arbeit wird Eigentum der Stiftung von Schny- 
der von Wartensee, die sich mit dem Verf. über die 
Veröffentlichung der Preisschrift verständigen wird. Jeder 
Verf. einer einzureichenden Arbeit hat diese auf dem 
Titel mit einem Motto zu versehen und seinen Namen 
in einem versiegelten Zettel beizulegen, der auf seiner 
Außenseite das nämliche Motto trägt. 



Personalien. 



Geheimrat Prof. Dr. Emil Fischer (Berlin) ist zum 
stimmberechtigten Ritter des Ordens ponr le merite für 
Wissenschaften und Künste und Herr John William 
Strutt Lord Rayleigh, F.R.S. (London) zum auswärti- 
gen Ritter desselben Ordens ernannt worden. 

Die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft 
zu Frankfurt a. M. hat den von Reinach-Preis, der alle 
zwei Jahre für die beste Arbeit über die Geologie, Pa- 
läontologie oder Mineralogie der weiteren Umgebung 
von Frankfurt verliehen wird, diesmal dem Assistenten 
am mineralogisch - geologischen Institut zu Gießen 
R. Delkeskamp und dem Bergreferendar Einecke zu 
Halle a. S. zuerkannt. 

Die Akademie der Wissenschaften zu Turin verlieh 
den Vallauri-Preis (30000 Lire) je zur Hälfte an Herrn 



Marcoui und Prof. Giambattista Grassi iu Rom 
und den B r e s s a - Preis (9000 Lire) dem Herzog der 
Abr uzzen. 

Ernannt: Der frühere Geologe am Museum von La 
Plata Dr. Karl Burckhardt zum Chefgeologen des 
geologischen Instituts von Mexiko ; — Privatdozent der 
Anatomie an der Universität Kiel Dr. Friedrich Meves 
zum außerordentlichen Professor; — Dr. Delassus zum 
Professor der Differential- und Intregalrechnung au der 
Universität Besancon; — Prof. De läge zum Professor 
der Geologie au der Universität Montpellier; — Dr. Curie 
zum Professor der Mineralogie an der Universität Mont- 
pellier ; — Dr. G u i t e 1 zum Professor der Zoologie au 
der Universität Rennes ; — Dr. Buisson, Dozent der 
Physik an der Universität Aix-Marseille, Dr. Metzuer, 
Dozent der Chemie an der Universität Dijon und Dr. 
C a m i c h e 1 an der Universität Toulouse zu außerordent- 
lichen Professoren; — Dr. B. Neumann, Privatdozent 
der Chemie an der Technischen Hochschule zu Darmstadt 
zum Professor; — Assistent der Sternwarte in Catauia 
G. Boccardi zum Direktor der Sternwarte und Pro- 
fessor der Astronomie an der Universität Turin; — 
Privatdozent der Chemie an der deutschen Universität 
in Prag Dr. J. L. Meyer zum außerordentlichen Professor. 

Berufen: Der Professor der Chemie an der Uni- 
versität Basel Dr. HansRupe als ordentlicher Professor 
an die deutsche Technische Hochschule in Prag. 

Habilitiert: Der Observator an der Sternwarte zu 
Straßburg i. E. C. W. W i r t z für Astronomie an der 
Universität; — Dr. Ewald Wüst für Geologie und 
Paläontologie an der Universität Halle. 



Astronomische Mitteilungen. 

Wie ein Telegramm der Harvard-Sternwarte vom 
27. Januar meldet, hat Herr 0. C. W e n d e 1 1 bei dem 
Planetoiden (7) Iris Lichtschwankungen im 
Betrage von einer Viertelgröße nachgewiesen, die eine 
sechsstündige Periode befolgen. Somit ist Iris 
ein Seitenstück zu dem erdnächsten Planetoiden Eros, 
dessen Veränderlichkeit zeitweilig über eine Größenklasse 
ging, sich aber bald wieder bis zur Unmerklichkeit ver- 
minderte. 

Nicht weit von der Region auf der Sonne, in der 
im Oktober die große Fleckengruppe stand, hatten sich 
Anfang Dezember wieder neue Flecke gebildet, die 
nach 14tägiger Unsichtbarkeit am 30. Dezember wieder 
am Ostrande der Sonne auftauchten. Gleichzeitig stand 
ein schon in drei Sonnenrotationen sichtbar gewesener 
nördlicher Fleck nahe beim Mittelmeridian der Sonnen- 
scheibe. Nachdem die Maguete des Greeuwicher magneti- 
schen Observatoriums schon am Vormittag einige Unruhe 
gezeigt hatten, setzte abends 9 h des 30. Dezember eine 
ziemlich starke Störung ein, die bis 9 h früh am 31. De- 
zember dauerte und Schwankungen der magnetischen 
Deklination von mindestens 24' erzeugte. ,. 

Folgende Maxim» hellerer Veränderlicher 
vom Miratypus werden nach den von Prof. E. Hartwig, 
Bamberg, berechneten Ephemeri len im März 1904 zu 
beobachten sein : 



Tag 


Stern 


M 


m 


AR 


Dekl. 


Periode 


l.März 


FCanori . . . 


7. 


<12. 


8h 16,0m 


-j-17°36' 


272 Tage 


6. „ 


S Amlromedae 


7. 


<13. 


18,8 


-J-38 1 


411 „ 


8. „ 


KCoronae . . 


7. 


11. 


15 45,9 


-f-39 52 


356 „ 


9. „ 


K Hydrae . . 


4. 


10. 


13 24,2 


— 22 46 


425 „ 


20. „ 


FOphiuchi 


7. 


10. 


16 21,2 


— 12 12 


304 „ 


28. „ 


(THereulis . . 


7.5. 


12. 


16 21,4 


+ 19 7 


409 „ 



M bildet die Maximal-, m die Minimalgröße des be- 
treffenden Sterns (das Zeichen < bedeutet „schwächer 
als"). Die Positionen gelten für 1900. 

Mira Ceti selbst, der typische Stern dieser Veränder- 
lichen, soll am 30. März sein Maximum erreichen, steht 
dann aber zu tief in der Abenddämmerung. Es wird 
daher nur die Zunahme teilweise zu beobachten sein. 

A. Berberich. 



Prof. ßi 



Für die Redaktion verantwortlich 
W. Sklarek, Berlin W., Landgrafenstraße 



Druck nnd Verlag von Friedr. Vieweg 4 öohu in Braunschweig. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 



über die 



Fortschritte auf dem Gresamtgebiete der Naturwissenschaften, 



XIX. Jahrg. 



11. Februar 1904. 



Nr. 6. 



A. Titoff: Beiträge zur Kenntnis der negativen 
Katalyse im homogenen System. (Zeitschrift 

für physikalische Chemie 1903, Bd. XLV, S. 641—683.) 
Neben vielfachen und eingehenden Untersuchun- 
gen über die beschleunigende Wirkung der Katalysa- 
toren auf chemische Vorgänge sind auch vereinzelte 
Angaben über Verzögerung der Reaktion durch geringe 
Zusätze fremder Stoffe — eine negative Katalyse — 
in der Literatur vorhanden. Erwähnt sei hier die 
Untersuchung Bigelows, durch welche die verlang- 
samende Wirkung verschiedener organischer Stoffe 
(wie Mannit, Glycerin usw.) bei der Oxydation des 
Natriumsulfits durch Luftsauerstoff erwiesen worden. 
Während normalerweise die Reaktion so schnell vor 
sich geht, daß nach zwei Minuten bereits die Hälfte 
des Sulfits oxydiert ist, konnte durch Zusatz der 
erwähnten Stoffe eine beliebige Verlangsamung der 
Oxydation erreicht werden. Schon V160000 n-Mannit 
verzögerte die Reaktion um die Hälfte. 

Verf. unternahm es nun , die Erscheinungen der 
negativen Katalyse näher zu untersuchen. Er knüpfte 
dabei an die Arbeiten Bigelows an mit der Modifi- 
kation der Methode, daß die Oxydation der Natrium- 
sulfitlösung mit in Wasser gelöstem Sauerstoff geschah, 
so daß die Reaktion im homogenen System vor sich 
ging. Zunächst war Verf. bemüht, eine konstante 
Reaktion ohne Zusätze zu erhalten , wobei es sich 
herausstellte, daß die Reaktion gegen verschiedene 
Verunreinigungen ungemein empfindlich ist; ihre Ge- 
schwindigkeit sank bei der Anwendung eines Was- 
sers von der Leitfähigkeit 1,2 bis 0,6 X 10 -6 cm/Ohm 
um mehr als das 100 fache gegen die Geschwindig- 
keit, die bei Anwendung von gewöhnlichem destil- 
lierten Wasser vorhanden war. Je reiner das Wasser, 
desto langsamer verläuft also die Reaktion. Es lag 
daher nahe, anzunehmen, daß bei vollkommener Ab- 
wesenheit von Katalysatoren die Reaktion zwischen Na- 
triumsulfit und Sauerstoff unmeßbar langsam erfolgen 
würde , und daß die jeweilig gemessene Reaktions- 
geschwindigkeit dem Vorhandensein einer bestimmten 
Menge eines Katalysators entspreche. Aus diesem 
Grunde untersuchte Verf. zunächst verschiedene als 
Katalysatoren bekannte Körper auf ihre Wirksamkeit 
und fand in Kupfersulfat einen Katalysator, der alle 
übrigen um das 100- bis 1000 fache übertraf. Seine 
Wirkung war bereits bei einer Konzentration von 
1 Milliardstel Mol. im Liter deutlich nachweisbar. 
Es konnte weiterhin eine angenäherte Proportiona- 



lität zwischen der zugesetzten Menge und der Be- 
schleunigung festgestellt werden. 

Nach diesen Vorversuchen ging Verf. an das genaue 
Studium der negativen Katalyse, wie diese durch die 
Mannitwirkung erzeugt wird. Ohne auf die zahl- 
reichen Einzelheiten der sorgfältigen Untersuchung 
eingehen zu wollen , sei hier als prinzipiell wichtig 
die Anschauung Luthers über die negative Kata- 
lyse wiedergegeben, nach welcher diese ihrem Wesen 
nach in der Zerstörung oder Bindung von bereits 
vorhandenen positiven Katalysatoren besteht. „Es 
ist leicht zu zeigen, daß bei dieser Betrachtungsweise 
die Wirkung des negativen Katalysators proportional 
seiner Menge sein wird, d. h., daß die resultierende 
Konstante des katalytischen Versuchs proportional 
der zugesetzten Menge abnehmen muß." Die Ver- 
suche des Verf. , bei welchen die Wirkung des Man- 
nits allein, dann die kombinierte Wirkung von Mannit 
und Kupfersulfat in verschiedenen Mengenverhält- 
nissen untersucht wurden, zeigten eine gute Über- 
einstimmung mit dieser Ansicht. 

Es gelang Verf. auch , in dem Zinntetrachlorid 
einen anorganischen negativen Katalysator zu finden. 
Wie bei dem Mannit, so wird auch bei der Zinnsalz- 
katalyse die verzögernde Wirkung erst regelmäßig, 
wenn die Konzentration des Zinns ziemlich groß im 
Verhältnis zu der des Kupfers wird. Zum Schluß 
wurden noch andere negativ und sowohl positiv wie 
negativ wirkende Katalysatoren — Alkalien, Säuren 
— untersucht, und es konnte nachgewiesen werden, 
„daß kleine H- Ion -Konzentrationen die Reaktion be- 
schleunigen, daß aber die Wirkung bei größerem Zu- 
satz in eine Verzögerung übergeht, die bis zum prak- 
tischen Stillstand der Reaktion verfolgt wurde". P. R. 



N. Yatsu: Über die Lebensweise der japani- 
schen Lingula. (Annot. zool. Japonenses, Part IV, 
p. 61—67.) 

Derselbe: Über die Entwickelung von Lingula 

anatina. (Journ. of Coli, of Science, toI. XVII, art. 4, 

112 p.) 
Derselbe: Bemerkungen über die Histologie 

von Lingula anatina Bruyiere. (Ebenda, 

art. 5, 29 p.) 
In der ersten der vorliegenden Arbeiten berichtet 
Herr Yatsu über das Vorkommen und die Lebens- 
weise der Lingula anatina. Soweit Verf. feststellen 
konnte, findet sich diese Brachiopodenspezies nur an 



70 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. G. 



den südjapanischen Küsten und ausschließlich im 
Schlammboden flachen Wassers. An manchen Orten 
kommt sie so häufig vor, daß Verf. in wenigen Stun- 
den mehrere hundert Exemplare zusammenbringen 
konnte, und daß sie massenhaft gefangen und als 
Nahrungsmittel in den Handel gebracht wird. Wäh- 
rend in Kyushü das ganze Tier gekocht und gegessen 
wird , ißt man bei Akura (Bizen) angeblich nur den 
Stiel. Bei Misaki sind die Tiere neuerdings — viel- 
leicht, wie Verl. vermutet, wegen der starken Nach- 
frage seitens der Zoologen — seltener geworden. 

Flache , zur Flutzeit etwa 1 m hoch vom Wasser 
bedeckte , zur Ebbezeit trocken gelegene Küsten- 
strecken, am liebsten sandiger, durch zersetzte orga- 
nische Substanzen schwarz gefärbter Schlamm bildet 
den bevorzugten Aufenthalt der Art. Oft findet man 
diesen schwarzen Schlamm bedeckt von einer 2 bis 
3 mm dicken Schicht braunen, unsauberen Schlammes, 
den Verf. für Kot zahlreicher Anneliden , sowie der 
Lingula selbst zu halten geneigt ist. Pflanzen fanden 
sich an diesen Stellen nicht. Im Gegensatz zu ande- 
ren Beobachtern (Fran§ois, Namiye) fand Herr 
Yatsu, daß zur Ebbezeit auf der Oberfläche des 
trocken gelegten Schlammes keine Spjir der Tiere zu 
sehen war, daß man sie beim Graben aber in etwa 
30 cm Tiefe antraf. Wahrscheinlich waren die Zu- 
gänge ihrer Höhlen durch den Schlamm verstopft. 
Obgleich nicht angewachsen , stecken sie so fest im 
Schlamm, daß beim Herausziehen leicht der Stiel 
oder das Ende desselben abbricht und stecken bleibt. 
Nur selten fand sich der Stiel, wie Morse dies sei- 
nerzeit beschrieb, in einer Röhre eingeschlossen. An 
in Probiergläsern gehaltenen Individuen beobachtete 
Verf., daß sie durch gewaltsames Ausstoßen des 
Wassers und durch Bewegungen der Schalen ihre 
Gruben herstellen , daß sie bis zur Hälfte ihrer 
Schalenlänge aus dem Boden hervorkommen können 
und sich bei plötzlicher Beunruhigung bis zu einer 
Tiefe von 5 bis 30 cm zurückziehen. Im Gegensatz 
zu Morse und im Einklang mit einer früheren An- 
gabe von Semper sah Verf., daß die Arme stets in 
der Schale bleiben, nur der kammartige Cirrheubesatz 
ragt zuweilen teilweise hervor; am besten ließ sich 
dies an jungen Tieren beobachten. 

Über die Lebensdauer von Lingula ist bisher 
Sicheres nicht bekannt. Francois gab seinerzeit 
an, daß dieselbe länger als ein Jahr währe, wahrend 
sie Morse für die verwandte Gattung Glottidia auf 
nicht mehr als ein Jahr veranschlagte. Genau ließe 
sich dies natürlich nur durch mehrere Jahre fort- 
gesetzte Beobachtung derselben Tiere feststellen ; da 
Verf. jedoch fand, daß die Schalen der kleinsten im 
Herbst bei Misaki gesammelten Tiere 5 mm maßen 
und diese Tiere — da die Reifezeit der Geschlechts- 
produkte gleichfalls in den Spätsommer und Herbst 
fällt — wahrscheinlich ein Jahr alt waren , so würde 
sich hieraus, gleichmäßiges Wachstum vorausgesetzt, 
ergeben, daß die Tiere etwa 7 Jahre brauchen, um 
die Maximalgiöße der bei Misaki gefundenen Exem- 
plare, 35 mm , zu erreichen. 



Bekanntlich ist Lingula anatina eine der a Her- 
ältesten und ausdauerndsten Spezies; seit der Kam- 
brischen Formation ist sie anscheinend ohne wesent- 
liche Änderung in den Meeren aller Perioden vorhan- 
den gewesen. An lebend von Japan nach Amerika 
gebrachten Individuen vermochte Morse kaum Unter- 
schiede gegenüber den fossilen kambrischen Schalen 
zu finden. Verf. ist geneigt, einen der Gründe für 
diese große Lebenszähigkeit der Art in ihrer großen 
Indifferenz gegen ungünstige Lebensbedingungen zu 
finden. So vermag, wie Verf. nach einem Bericht 
von Hatta angibt, Lingula in fauligem, übelriechen- 
dem Wasser, in dem alle Muscheln abgestorben waren, 
in vollster Lebenskraft auszudauern. 

In der zweiten Arbeit behandelt Herr Yatsu die 
Entwickelung von Lingula anatina. Er hatte das 
Glück , die Eiablage im Aquarium zu beobachten. 
Die Eier wurden dabei in großer Zahl in kontinuier- 
lichem Strom ausgestoßen , stiegen in Form eines 
umgekehrten Kegels bis zur Oberfläche des Wassers, 
um sich dann langsam zu Boden zu senken. Verf. 
vergleicht den Vorgang mit der Eruption eines kleinen 
Vulkans. Die einzelnen Eier sind so klein , daß sie 
mit unbewaffnetem Auge kaum einzeln zu erkennen 
sind. Nach einigen Minuten war die Ablage beendet, 
und die Eier bedeckten in mäßig dicker Schicht eine 
Fläche von einigen 30 cm 2 . Sie waren gelblich ge- 
färbt, während das gleichzeitig von den männlichen 
Tieren in derselben Weise entleerte Sperma von milch- 
weißer Färbung war. Da Verf. dem Vorgang, der 
in die Morgenfrühe fiel , nicht von Anfang an bei- 
wohnte, so ist nicht sicher zu ermitteln, welches der 
Geschlechtsprodukte zuerst ins Wasser gelangte; Verf. 
nimmt hypothetisch an, daß die Entleerung des Sperma 
dem Wasser bestimmte chemische Substanzen zu- 
führe, welche durch Diffusion in den Körper der 
Weibchen gelangen und nun die Entleerung der bis 
dahin im Körper zurückgehaltenen Eier bewirken ; 
die Weibchen legen nämlich, wenn sie von den Männ- 
chen getrennt werden , keine Eier ab. Ein Versuch, 
weibliche Individuen durch Injektion von Sperma, 
welches einem Männchen entnommen war, zur Ei- 
ablage zu veranlassen, blieb allerdings erfolglos, doch 
ist nicht sicher, ob dieses Weibchen reife Eier ent- 
halten. Die Zeit der Eiablage scheint bei Misaki 
auf die Zeit von Mitte Juli bis Ende August be- 
schränkt zu sein , wenigstens fand Verf. nie Larven 
zu anderen Zeiten. Wie oft innerhalb dieser Zeit der 
Vorgang sich wiederholt, wurde noch nicht sicher 
ermittelt, doch scheint es nach Beobachtungen von 
Mitsukuri, der junge Larven nach jeder Springflut 
antraf, daß dies viermal geschieht. 

Trotz aller Sorgfalt gelang es Herrn Yatsu nicht, 
die aus den Eiern hervorgehenden frei schwimmenden 
Larven länger als drei Tage am Leben zu erhalten; 
künstliche Befruchtung mißlang, und die Versuche, 
etwas weiter vorgeschrittene Larven im Freien auf- 
zufinden, blieben erfolglos. Larven mit 3 bis 10 
Cirrhenpaaren wurden eingefangen und weiter ge- 
züchtet. Immerhin füllen die Beobachtungen des 



Nr. 6. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 71 



Verf. auch so schon eine wesentliche Lücke aus, da 
bisher über die embryonale Entwickelung der Ecar- 
dines überhaupt nichts bekannt war. 

Die Eier, welche bei der Ablage unmittelbar vor 
der Ausstoßung der Richtungskörper standen , be- 
saßen eine zarte Membrana vitellina. Die Furchung 
ist total und aequal. Im 32-Zellenstadium besteht 
der Embryo, wie bei manchen Bryozoen , aus zwei 
Zellenlagen ; später bildet sich , wie bei den übrigen 
in ihrer Entwickelung beobachteten Brachiopoden, 
eine typische Coeloblastula und eine Invaginatious- 
gastrula. Von dem Entoderm aus sproßt alsbald die 
Anlage des Mesoderms hervor, das sich jedoch nicht 
von jenem trennt, sondern mit ihm eine kompakte 
„mesentoblastische" Zellmasse bildet, welche allmäh- 
lich fast die ganze Furchungshöhle erfüllt. Der Ur- 
darm bleibt oft, aber nicht immer erhalten und bildet 
die spätere Darm höhle, das Entoderm liefert die 
Wandung des hinteren Oesophagusabschnittes und des 
Magens , während das Mesoderm die Coelomsäcke 
und die Mesenchymzellen des Armsinus liefert. Die 
Leibeshöhle bildet sich nach dem Typus des Schizo- 
coels im Sinne Huxleys. Aus dem Ektoderm geht 
außer dem Mantel das äußere Epithel des Brachial- 
apparats, der vordere Abschnitt der Oesophaguswand 
und der ektodermale Teil der seitlichen Körperwand 
hervor. Der Mantel legt sich zuerst als eine ring- 
förmige Falte an, welche sich später in zwei Lappen 
spaltet. Die Schale wird als kreisförmige, längs 
ihres einen Durchmessers doppelt gefaltete Lamelle 
angelegt, und diese teilt sich später längs ihres Hin- 
terrandes in zwei Klappen. Der Brachialapparat er- 
scheint zuerst als eine Faltenbildung des Ektoderms, 
wächst heran, tritt aus dem Mantel hervor, und es 
treten die Tentakel und Cirrhen auf. 

Nachdem die Entwickelung so weit vorgeschritten 
und damit die Anlage der verschiedenen Körperteile 
erfolgt ist, geht die weitere, postembryonale Ent- 
wickelung ohne eine Metamorphose vonstatten. 

Verf. vergleicht zum Schlüsse seine Ergebnisse mit 
den bisher noch sehr wenigen Beobachtungen über die 
Entwickelung anderer Brachiopodeuarten, von welchen 
sie in mancher Beziehung abweichen. In betreff dieses 
Teiles, sowie aller weiteren Einzelheiten der Entwicke- 
lung muß auf die Arbeit selbst verwiesen werden. Zu 
weiteren Schlußfolgerungen über die Verwandtschafts- 
beziehungen und die Phylogenese der Brachiopoden 
hält Herr Yatsu in Anbetracht der noch sehr lücken- 
haften Kenntnis die Zeit noch nicht für gekommen. 

Zum Schluß beschreibt Verf. kurz eine Larve von 
Discina. Eine solche ist lebend bisher nur einmal, 
und zwar 1861 von Fritz Müller in Desterro ge- 
funden worden. Auch diese Larve war, wie die 
wenigen anderen bisher beobachteten Larven dieser 
Gattung, in dem Stadium, in welchem vier Cirrhen- 
paare vorhanden sind. — Es scheint demnach , daß 
sie in diesem Stadium wandert. 

Die letzte dieser drei Arbeiten gibt einige histo- 
logische Befunde des Verf., welche die Blochmann- 
sche Darstellung in manchen Punkten ergänzen. 



In der Coelomflüssigkeit der Lingula finden sich 
dreierlei Arten geformter Elemente: Blutkörperchen, 
Leukocyten und die von den verschiedenen Autoren 
bisher in sehr verschiedener Weise gedeuteten Spindel- 
körper, welche sich in der Leibeshöhle und im Pal- 
lialsinus in geringer, in den Hodenlappen in großer 
Zahl finden und im Stiel fast die einzigen geformten 
Körper der Leibesflüssigkeit sind. Im Innern der- 
selben sind feine Faserbündel zu erkennen, die Ent- 
wickelung der Spindelkörper findet während des 
Larvenlebens an den verschiedensten Teilen der 
Körperwand statt, später ist sie auf bestimmte, um- 
schriebene Bezirke beschränkt: auf die längs der 
Mittellinie jedes Zweiges des Pallialsinus verlaufende 
Epithelialfalte und auf die von Hancock als den- 
dritische Organe bezeichneten Regionen der dor- 
salen und ventralen Körperwand. Verf. konnte alle 
Übergangsformen zwischen diesen rätselhaften Spin- 
delkörpern und den Blutkörperchen nachweisen und 
so die Entstehung jener aus diesen wahrscheinlich 
machen, wie dies Cori unlängst für die ähnlichen 
Körper bei Phoronis vermutete. Bei der großen Zahl 
derselben möchte Herr Yatsu sie nicht einfach als 
pathologische Gebilde ansehen , stellt vielmehr die 
Hypothese auf, daß in den genannten Bezirken der 
Körperwaud die Produkte des Stoffwechsels sich an- 
sammeln, daß diese von den in jene Bezirke eindrin- 
genden Blutkörperchen aufgenommen werden, und 
daß letztere dabei die Form der Spindelkörper an- 
nehmen, welche auf diese Weise zur Elimination der 
Zerfallsprodukte beitragen. 

Weitere Ausführungen des Verf. betreffen die Oto- 
cysten. Diese in den Larven mehrfach nachgewie- 
senen Organe hatte Blochmann — im Gegensatz 
zu einer Angabe von Morse — in den erwachsenen 
Tieren vermißt. Herr Yatsu fand sie auch bei 
diesen wieder auf und gibt hier eine nähere Be- 
schreibung. Über die eventuelle physiologische Be- 
deutung dieser Organe soll durch die Bezeichnung 
derselben nichts behauptet werden. 

Eine ältere Angabe von Morse bestätigend, be- 
tont Herr Yatsu — entgegen einer späteren Dar- 
stellung von Beyer — den zweigeschlechtlichen Cha- 
rakter von Lingula. Die Geschlechtsprodukte werden 
ausschließlich in dem ileoparietalen Bande gebildet, 
während die sonst bei Brachiopoden vorhandenen 
Geschlechtsorgane im Pallialsinus fehlen. Bei einiger 
Übung sind die Geschlechter schon bei äußerlicher 
Betrachtung an der dunkler braunen Farbe der Weib- 
chen zu unterscheiden. Über das Alter, in dem die 
Geschlechtsreife eintritt, vermochte Verf. Sicheres 
nicht festzustellen. Die Arbeit enthält endlich noch 
Mitteilungen über die Struktur der Geschlechtsorgane 
und des Herzens. R. v. Ha n stein. 



D.Pacini: Vergleichung der aktinischen mit den 

thermischen Strahlen der Sonne zu Castel- 

franco im Sommer 1903. (Rendiconti Reale Acca- 

demia dei Lincei 1903, ser. 5, vol. XII [2], p. 370—376.) 

Gleichzeitige, an demselben Orte zu verschiedenen 

Tageszeiten ausgeführte Messungen der aktinischen (kurz- 



72 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 6. 



welligen) und der thermischen Strahlung der Sonne lie- 
ferten ein Material, das nicht allein den Gang der rela- 
tiven Intensität dieser beiden Strahlungsarten mit der 
wechselnden Sonnenhöhe, sondern auch die Absorption 
der beiden Strahlungen bei ihrem Wege durch die At- 
mosphäre zu ermitteln gestattete. Die aktinischen Strah- 
len wurden mit dem lichtelektrischen Aktinometer von 
Elster und Geitel (einer negativ geladenen, amalgamier- 
ten Zinkkugel, auf welche die zu messenden Lichtstrah- 
len fielen) gemessen an Tagen, an denen die Beschaffen- 
heit des Himmels konstant blieb; und gleichzeitig wurde 
die Wärmestrahlung' mit einem Cr o vaschen Aktino- 
meter (einem geschwärzten Alkoholthermometer in me- 
tallischer Hülle) bestimmt. Die Beobachtungen wurden 
auf einer Ebene etwa 40 m über dem Meere, auf offe- 
nem Felde, in der Nähe der Station von Castelfranco- 
Veneto ausgeführt. Der Gang der Strahlungsintensität 
mit der Höhe der Sonne wurde nach der Lambert- 
schen Formel berechnet. 

Die Beobachtungen sind für jeden der 5 Tage (16., 
22. August und 1., 3., 4. September) in einer besonderen 
Tabelle wiedergegeben, welche die Zeit der Beobachtung, 
die Höhe der Sonne über dem Horizonte, den beobach- 
teten Wert der Intensität der aktinischen Strahlung, 
den berechneten Wert und die Differenz beider, ferner 
die Intensität der beobachteteu und der berechneten 
Wärmestrahlung und deren Differenz, außerdem das Ver- 
hältnis der beiden Strahlungen und die jedesmalige Be- 
schaffenheit des Himmels sowie die Durchsichtigkeit der 
Luft enthalten. Die Beobachtungen vom 22. August sind 
graphisch in Kurven dargestellt, welche für die akti- 
nischen und die Wärmestrahlen die in den einzelnen 
Stunden zwischen 6 h und 18 h beobachteten und be- 
rechneten Intensitäten (erstere als Abszissen, diese als 
Ordinalen) enthalten. 

Nach den Tabellen scheint es, daß der Durchlässig- 
keitskoeffizient für die Wärmestrahlen etwa 2% mal so 
groß ist wie der für die aktinischen Strahlen; das Ver- 
hältnis zwischen beiden an einem und demselben Tage 
ist fast konstant bei den verschiedenen Sonnenhöhen. 
Nachstehende kleine Tabelle enthält die Beobachtungs- 
tage nach ihrer steigenden Durchsichtigkeit der Luft ge- 
ordnet (j-1), die Größe dieser Durchsichtigkeit (B) und 
das Verhältnis der aktinischen zur Wärmestrahlung mit 
100 multipliziert (C): 

A B C 

4. September . . . '/ s 304 

1. „ . . .% 275 

3. „ . . . V 5 250 

22. August . . . . 4 / 5 241 

16. „ .... 1 224 

Man sieht hieraus, daß mit zunehmender Durch- 
sichtigkeit der Luft der Wert des Verhältnisses der bei- 
den Strahlungen abnimmt, was die Tatsache erweist, daß 
bei zunehmender Verschleierung des Himmels der Durch- 
lässigkeitskoeffizient für die aktinischen Strahlen der Sonne 
im Verhältnis zu dem der Wärmestrahlung abnimmt. 



Karl Eaehler: Über die durch Wasserfälle er- 
zeugte Leitfähigkeit der Luft. (Annalen der 
Physik 1903, F. 4, Bd. XII, S. 1119—1141.) 
Durch Beobachtungen an Wasserfällen und durch 
künstliche Versuche ist von Lenard (Rdsch. 1892, VII, 533) 
und einer ganzen Reihe späterer Beobachter gezeigt wor- 
den, daß durch ein Gas fallende Wassertropfen bei ihrem 
Aufprall immer Elektrisierung des Gases hervorrufen. 
Dieses wird nun gleichzeitig leitend werden, und zwar 
wird die Leitung eine unipolare sein, wenn im Gase nur 
einerlei Klektrizität vorhanden ist, während, wenn beide 
Elektrizitäten anwesend sind, sowohl -|- als — geladene 
Körper entladen werden müssen. Herr K a e h 1 e r hat 
im Kieler physikalischen Institut auf Anregung des Herrn 
I-enard die Elektrisierung der durch fallendes Wasser 
und Kochsalzlösung erregten Luft näher studiert und 



durch Bestimmung der Wanderungsgeschwindigkeit der 
Elektrizitätsträger ihre Natur zu ermitteln gesucht. 

Die Elektrisierung der Luft geschah in einem kugel- 
förmigen Glaskolben von etwa 20 cm Durchmesser ; die 
Ausflußöffnung eines etwa 60 cm höher stehenden Glas- 
trichters erzeugte in dem Kolben einen feinen Strahl, 
der dann im unteren Teile, je nach den Versuchen, ent- 
weder auf eine verzinnte MesBingscheibe, auf eine Glas- 
kugel, eine Glasplatte oder auf Flüssigkeit fiel; diese floß 
bei konstantem Niveau durch ein Heberrohr ab. Die elek- 
trisierte Luft wurde mit gemessener Geschwindigkeit 
abgesaugt und ihre Elektrisierung durch Verbindung 
des mit Wattefilter versehenen, metallischen Abflußrohres 
mit dem Elektrometer gemessen. 

Zunächst wurde die Luftelektrisierung mit destillier- 
tem Wasser untersucht. Die negativen Elektrometeraus- 
schläge nahmen zu, wenn die Metallplatte im Grunde des 
Kolbens durch die Tropfen bespült wurde, sie erreichten 
ein Maximum (—1,84 Daniell), wenn eine dünne Schicht 
destillierten Wassers über der Platte lag, nahmen aber, 
wenn die Wasserschicht höher wurde, rasch wieder ab 
und betrugen ganz ohne Platte etwa '/, des Maximal- 
wertes. Die Elektrisierung nahm mit der Zeit schnell 
ab, nach fünf Minuten war sie nur noch — 0,11 Daniell. 

Die Untersuchung der abziehenden Luft auf etwaige 
positive Träger geschah in der Weise, daß in die me- 
tallische Abflußröhre statt des Wattefilters zwei Messing- 
drahtnetze in 0,8 cm Entfernung sich gegenübergestellt 
waren, die in bekannter Weise zur Feststellung der La- 
dung der durchstreichenden Luft verwendet wurden. 
Das Resultat war ein negatives, die Leitung der durch 
destilliertes Wasser elektrisierten Luft war stets eine 
unipolare. Der Netzkondensator wurde sodann zur Mes- 
sung der Wanderungsgeschwindigkeit der negativen Träger 
verwendet und durch Benutzung verschiedener Wind- 
geschwindigkeiten für die Wanderungsgeschwindigkeit der 
Wert 4,17 cm/sek. für ein Volt/cm gefunden, was der 
Größenordnung nach mit der in anderen Fällen von Elek- 
trizitätsleitung der Luft gefundenen Geschwindigkeit 
negativer Träger übereinstimmt. 

Sodann untersuchte Herr Kaehler das Verhalten von 
Kochsalzlösung, die im Gegensatz zum destillierten Wasser 
nach Lenard und Anderen beim Durchfallen durch 
Luft negativ geladen wurde und die Luft positiv elek- 
trisierte. Verf. fand dasselbe Resultat mit einer verdünn- 
ten Kochsalzlösung; als er aber eine 6,5 proz. LösuDg 
durch die Luft fallen ließ, war die positive Ladung be- 
deutend kleiner und sprang, wenn die Platte am Boden 
mit Lösung bespült war, sogar ins Negative über, um 
bei zunehmender Dicke der Lösung wieder abzunehmen 
und positiv zu werden. Diese Schwankungen zeigten sich 
bei allen Luftgeschwindigkeiten; die positiven Ladungen 
hielten sich sehr lange in der Kolbenluft im Vergleich 
zu dem schnellen Schwinden der negativen Ladung 
beim destillierten Wasser. Die Wanderungsgeschwindig- 
keit der positiven Träger wurde ebenso wie bei den nega- 
tiven Trägern mit dem Netzkondensator in der Abfluß- 
röhre gemessen und gleich 8,33 ; 10— ' cm/sek. für 
1 Volt/cm gefunden. Aus den Wanderungsgeschwindig- 
keiten der Träger berechnete Verf. unter zulässigen An- 
nahmen den Durchmesser des positiven auf das 100 fache 
eines Luftmoleküldurchmessers, während der des nega- 
tiven Trägers von derselben Größe sich ergab wie der 
Durchmesser eines Luftmoleküls. 

Der wechselnde -f- und — Ausschlag bei den Versuchen 
mit Kochsalzlösung, sowie eine unter besonderen Bedin- 
gungen auftretende scheinbare, bedeutend kleinere Wan- 
derungsgeschwindigkeit der negativen Träger führten zu 
der Vermutung, daß in der durch Kochsalzlösung elek- 
trisierten Luft gleichzeitig -4- und — Träger vorhanden 
seien. Dies ließ sich in der Tat direkt, zeigen und die 
bei der Elektrisierung durch Kochsalzlösung beobachteten 
Erscheinungen und numerischen Ergebnisse konnten 
durch die gleichzeitige Anwesenheit der beiden mit ver- 



Nr. 6. 1904. 



Natu r wissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 73 



schiedenen Geschwindigkeiten und Maßen begabten Träger 
erklärt werden. Nicht minder konnte nachgewiesen werden, 
daß beim Durchfallen von Kochsalzlösung die negativen 
Träger im Gase nachträglich erzeugt werden. 

Die erhaltenen allgemeinen Resultate faßte der Verf. 
am Eingänge seiner Abhandlung wie folgt zusammen: 
„Für die durch destilliertes Wasser elektrisierte Luft wurde 
in der Tat reine unipolare Leitung nachgewiesen. Die 
Wanderungsgeschwiudigkeit der negativen Elektrizitäts- 
träger in ihr entsprach ihrer Größenordnung nach den 
früheren, in anderen Fällen der Luftleitfähigkeit gemachten 
Messungen. Dagegen wurden in der durch Kochsalz- 
lösung elektrisierten Luft beide Trägerarten nachgewiesen. 
Die positiven wandern außerordentlich langsam, die nega- 
tiven ebenso schnell, wie die durch destilliertes Wasser 
erzeugten. Andere Versuche zwingen zu der Annahme, 
daß die in der durch NaCl-Lösung elektrisierten Luft 
enthaltenen negativeu Träger erst sekundär entstehen 
und in der Luft fortwährend neu erzeugt werden." 



Norman R. Campbell: Einige Versuche über die 
Elektrizitätsentladung zwischen einer 
Spitze und einer Ebene. (Philosophical Magazine 
1903, ser. 6, vol. VI, p. 618—627.) 

Über die Elektrizitätsentladung aus Spitzen sind be- 
reits eine große Anzahl wichtiger Versuche ausgeführt, 
aber der Mechanismus, durch den der Strom von der 
einen Elektrode zur anderen übergeführt wird , ist noch 
wenig aufgeklärt. Herr Campbell hat nun Versuche 
unternommen in der Hoffnung, einiges Licht auf dies 
Problem werfen zu können. Ausgehend von Wilsons 
Versuchen über die Kondensationskerne, die in einem 
Gase auf verschiedene Weise erzeugt werden können, 
wollte er mittels adiabatischer Ausdehnung eines Gases 
in einem Gefäße, durch welches die Entladung aus einer 
Spitze hindurchgegangen, feststellen, ob in demselben 
Kerne, die größer sind als die Ionen, nachgewiesen werden 
können. 

Die Entladung ging zwischen einer Spitze und einer 
Wasseroberfläche über in einer Kugel, die mit dem 
Apparat zur Ausdehnung des Gases verbunden war und 
mit beliebigen Gasen gefüllt werden konnte. Die beiden 
Elektroden waren mit einer Wimshurst- Maschine durch 
eine Schaltvorrichtung verbunden, die es ermöglicht", 
beliebig jede positiv oder negativ zu machen oder zur 
Erde abzuleiten; die durch eine Funkenstrecke regulier- 
bare Potentialdifferenz wurde am Braunschen Voltmeter 
gemessen. Es zeigte sich bald, daß von einem Minimum 
bis zu 5000 V. die Wirkungen von der Potentialdifferenz 
unabhängig sind und daß niemals Kerne sich gebildet 
haben, bevor eine sichtbare Entladung durchgegangen. 
In Luft, Sauerstoff, Wasserstoff und Helium erzeugte 
positive Entladung an der Spitze ein kleines, schwach 
leuchtendes, fächerartiges Büschel, negative ein viel helle- 
res, sternähnliches Licht; in Stickstoff gab negative Ent- 
ladung dasselbe Bild, die positive einen langen, bis zum 
Wasser reichenden Schweif. 

Während nun die Ionisierung eines Gases durch die 
einfachen Mittel der Röntgenstrahlen und der Becquerel- 
strahlen, oder bei „spontaner" Ionisierung mittels des Aus- 
dehnungsapparates regelmäßige und übereinstimmende 
Resultate gab, auch wenn das Gas beträchtliche Verunreini- 
gung enthielt, traten bei den komplizierteren Ionisierungs- 
methoden, dem ultravioletten Licht und der elektrischen 
Entladung, Unregelmäßigkeiten auf, welche auf den ersten 
Blick jede Hoffnung auf zuverlässige Resultate zu zer- 
stören schienen. Nach einigen Wochen lernte man aber, 
daß man zwei Klassen von Versuchen unterscheiden 
müsse : 1. regelmäßige, welche vollkommen scharfe Werte 
geben für die geringste Ausdehnung, welche bei einer be- 
stimmten Entladung Nebelbildung veranlaßt, und diese 
Werte bleiben unter gleichen Umständen immer dieselben; 
2. unregelmäßige, hei denen man niemals einen be- 
stimmten Wert für die Ausdehnung, die Nebel gibt, er- 



hält. Diese unregelmäßigen Wolken, die bald auftraten, 
bald fehlten, wurden stets bei viel kleineren Ausdeh- 
nungen erhalten, als die Minimalwerte bei den regel- 
mäßigen Versuchen. Zuweilen kam es vor, daß ein un- 
regelmäßiger Apparat nach einigen Stunden Ruhe 
regelmäßig wurde; eine Änderung von regelmäßigen in 
unregelmäßige Resultate ist aber niemals beobachtet wor- 
den, außer bei Einführung einer neuen Spitze oder einer 
neuen Gasmasse. 

Untersucht wurden in Luft Spitzen aus Pt, Au, Ag, 
Cu, Ni, AI, Zn, Stahl, Neusilber, Kohle, Mg und Cu mit 
Natriumamalgam bedeckt; alle diese Metalle, außer den 
beiden letzten, gaben dieselben Resultate; unter 34 Ver- 
suchen waren 19 regelmäßig. Sie gaben bei Entladung 
aus positiver Spitze Nebel bei der Ausdehnung (ty^i) 
auf 1,254 bis 1,251; bei negativer Spitze lagen die Aus- 
dehnungen, die Nebel gaben, zwischen 1,252 und 1,247. 
Im Wasserstoff wurden Spitzen aus Pt, Ag, Cu, Ni, 
AI, Mg, C und Na- Amalgam untersucht; von 32 Ver- 
suchen waren 6 unregelmäßig; die regelmäßigen gaben 
bei positiver Entladung Nebel zwischen 1,253 und 1,247 
Ausdehnung; bei negativer Entladung zwischen 1,244 und 
1,239. Stickstoff gab bei positiver Entladung Nebel mit 
1,252 und 1,251 Ausdehnung, bei negativer zwischen 1,251 
und 1,250. Im Sauerstoff wurden bei positiver Entladung 
unter 36 Versuchen 19 regelmäßige mit gleichem Er- 
gebnis wie in Luft und Wasserstoff erhalten, mit Aus- 
nahme des Magnesiummetalls, das, ebenso wie sämtliche 
Metalle bei negativer Entladung, unregelmäßige Resultate 
gab. Acetylen, Leuchtgas, Kohlenoxyd wurden durch 
die Entladungen zersetzt, und man erhielt schon Nebel 
bei sehr geringer, ja sogar ganz ohne Ausdehnung. Luft 
mit etwas Benzolindampf gab das gleiche Resultat. 

Aus den gefundenen Zahlenwerten ist zu ersehen, 
daß die kleinste Ausdehnung, die notwendig ist, um 
während des Durchganges einer elektrischen Entladung 
eine Wolke zu geben, denselben Wert hat für beide Vor- 
zeichen in Luft und in Stickstoff und für positive Ent- 
ladung in Wasserstoff und Sauerstoff, und daß dieser 
Wert ziemlich nahe übereinstimmt mit dem von Wilson 
für die Kondensation an negativen Ionen dieser Gase ge- 
fundenen, nämlich 1,25. Herr Campbell diskutiert ver- 
schiedene Möglichkeiten, welche die kleineren Werte für 
die negative Entladung im Wassertoff erklären könnten, und 
faßt die sicheren Ergebnisse seiner Versuche in folgende 
zwei Sätze zusammen: 1. „Eine Entladung aus einer 
Spitze in einem Gase, in dein sie keine chemische Reak- 
tion veranlaßt, erzeugt keine Kerne, die größer sind als 
die negativen Ionen. Der Strom wird vollständig von 
Ionen fortgeführt und durch keine größeren Teilchen der 
Elektroden oder des Gases. 2. Man kann keine Entladung 
aus einer Spitze erhalten, in welcher positive Ionen vor- 
kommen, ohne daß sie von negativen Ionen begleitet 
werden." Einige Versuche in Helium und eine Zusammen- 
stellung der Werte für diePotentialdiü'ereoz, die zur Ent- 
ladung in den drei Gasen Luft, Wasserstoff und Helium not- 
wendig sind, zeigen, daß das Potentialminimum im Helium 
f>anz bedeutend kleiner ist als in den beiden anderen Gasen. 



E. Wace Carlier und C. A. Lovatt Evans: Eine che- 
mische Studie der Winterschlafdrüse des 
Igels, sowie der Veränderungen, die sie 
während des Winterschlafes erleidet. (Journal 
of Anatomy and Physiology 1903, vol. XXXVIII, p. 15—31.) 
Vor zehn Jahren hatte Herr Carlier eine Unter- 
suchung über den mikroskopischen Bau der Winter- 
schlafdrüse des Igels und ihrer Veränderungen in ver- 
schiedenen Epochen des vorrückenden Winterschlafs 
publiziert. Durch diese war es wahrscheinlich, daß die 
Drüse neben dem Fette auch etwas Eiweißstoff zum Unter- 
halt des Tieres während des Winterschlafes beisteuert. 
Dieser auf das Aussehen von anatomischen Präparaten 
gestützte Schluß ist verschiedentlich angegriffen worden, 
was Herrn Carlier bestimmte, sich mit einem chemischen 



74 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliehe Rundschau. 



1904. Nr. 6. 



Mitarbeiter, Herrn Evans, zu einer erneuten, und zwar 
chemischen Untersuchung der Frage zu verbinden. 

Sie verschafften sich Ende September 1901 20 bis 30 
Igel und ebensoviel um dieselbe Zeit im Jahre 1902; 
die Tiere wurden im kühlen Keller mit Brot und Milch 
gefüttert, bis Ende Oktober der Winterschlaf begann. 
Jedes Tier wurde sodann gewogen, gezeichnet und in 
ungestörter Ruhe bis zum Gebrauch belassen. Am 25. 
eines jeden Monats von Oktober bis April wurden einige 
Tiere getötet, nachdem vorher ihr Gewicht bestimmt 
war; dann wurde die Drüse möglichst schnell entnommen, 
gewogen, getrocknet und wieder gewogen. Nachdem bo 
der Wassergehalt bestimmt war, wurde das Fett extra- 
hiert und endlich in dem fettfreien Rückstand der Stick- 
stoff, Phosphor und die Aschenbestandteile in üblicher 
Weise gemessen. 

Die Winterschlafdrüse zeigt, wenn sie vollkommen 
entwickelt ist, eine orange Farbe, sie wird während des 
Winterschlafes dunkler und am Ende desselben dunkel- 
braun bis schwarz. Ihr Gewicht war zuerst durchschnitt- 
lich 1 bis 2% vom Körpergewicht, stieg im zweiten 
Monat auf 2,7% und sank dann auf 1% am Ende des 
Winterschlafs. Ihre Zusammensetzung änderte sich mit 
der Jahreszeit und auch mit den Individuen; immer aber 
faud man Wasser, Fette und fettartige Stoffe, Pigmente, 
Eiweiß und Salze. Das Wasser betrug durchschnittlich 
50 big 60% des Gesamtgewichtes, die Fette variierten 
zwischen 40 und 17% und bestanden vorzugsweise aus 
Olein; die Farbstoffe gehörten ausschließlich den Gliedern 
der Lipochromreihe an ; die Eiweißstoffe waren in der 
Menge von 15 bis 16% zugegen. Die Methoden, nach 
denen diese Bestandteile und die übrigen bestimmt wor- 
den, sind angegeben und die Resultate dieser Analysen 
in Tabellen und Kurven mitgeteilt. 

Aus diesen Zahlen und ihren Zusammenstellungen 
nach den einzelnen Monaten ergab sich , daß die Tiere 
bei Beginn des Winterschlafs ungemein fett, die Gewebe 
und Gekröse voll Fettzellen sind. Während der ersten 
Monate nimmt das Körpergewicht sehr schnell ab, auch 
das der Drüse, die viel Fett abgibt; am Ende des ersten 
Monats beginnt sodann ein Sparen des Drüsenfettes, und 
bis Ende März wird nur wenig von diesem abgegeben, 
erst wenn alles im Körper aufgespeichert gewesene Fett 
verschwunden ist, wird die Drüse die einzige Fettquelle, 
ihr Fettgehalt sinkt rapide, Anfang Mai ist % ihres 
Fettvorrates verschwunden. — Der Wassergehalt der 
Drüse ändert sich umgekehrt wie ihr Gehalt an Fett; 
die Eiweißstoffe zeigen hingegen nur eine Differenz von 
0,78%, d. h. sie werden gar nicht verbraucht. Der Phos- 
phor nahm im ersten Monat schnell ab und blieb dann 
konstant. Die Gewichtsabnahme des Körpers war bis 
Februar größer als die der Drüse, nachher wurde das 
Verhältnis umgekehrt. 

„Diese Untersuchung bestätigt die bemerkenswerte 
Tatsache, daß während des Winterschlafes das Leben er- 
halten wird durch Fett allein, ein Zustand, der notwendig 
ist, weil, wie bekannt, der Tierkörper nicht fähig ist, einen 
Vorrat von Stickstoff anzulegen. Hätten diese Tiere 
nicht die Fähigkeit erworben, ohne eine konstante Zufuhr 
von stickstoffhaltiger Nahrung zu leben, so wäre die 
Überwinterung eine Unmöglichkeit." 



E. Bresslau: Die Sommer- und Wintereier der 

Rhabdocoelen des süßen Wassers und ihre 

biologische Bedeutung. (Verhandl. d. deutschen 

zool. Gesellschaft 1903, Bd. XIII, S. 126-139.) 

In der Planarienfamilie der Mesostomiden gibt es 

eine kleinere Anzahl von Arten, welche zu Verschiedenen 

Zeiten zweierlei verschiedene Eier hervorbringen, die 

man als Sommer- und Wintereier unterschieden hat. Die 

letzteren entsprechen in ihrem Bau dem normalen Typus 

der Mesostomideneier ; sie sind dunkel gefärbt, besitzen 

eine harte Schale und entwickeln sich langsam, während 

die ersteren nur von einer dünnen, glashellen, durch- 



sichtigen Eihaut umgeben sind und Bich viel schneller 
entwickeln. Für diese doppelte Form der Eier hat man 
verschiedene biologische Erklärungen herangezogen, die 
aber alle nicht einwandfrei sind. So sollten die Winter- 
eier eine besondere Anpassung zum Zweck der Über- 
winterung oder zum Schutz gegen Austrocknung im 
Sommer darstellen, während von anderer Seite (Hallez) 
die Sommereier als mimetische Anpassungen gedeutet, 
wurden, welche die durchsichtigen Mesostomiden den 
Blicken ihrer Feinde entzögen. Gegen erstere Deutung 
macht Verf. geltend, daß gerade die Wintereier, wie oben 
gesagt, die normale, bei den meisten Mesostomiden 
ausschließlich vorkommende Eiform seien, während gegen 
die zweite der Umstand spricht, daß nicht nur bei durch- 
sichtigen Arten — wie Hallez annahm — sondern auch 
z. B. bei dem schwarzen Bothromesostomum personatum 
Sommereier vorkommen, während das durchsichtige 
Mesostomum rostraturu nur dunkelrotbraun gefärbte Eier 
hervorbringt. Auch die Befruchtung spielt keine aus- 
schlaggebende Rolle, denn schon vor 30 Jahren stellte 
A. Schneider — dessen Beobachtungen Verf. im Gegen- 
satz zu späteren von L. v. Graff erhobenen Bedenken 
in allen Punkten bestätigen konnte — fest, daß beide 
Eiarten der vorhergehenden Befruchtung bedürfen, daß 
aber auch beide Arten durch Selbstbefruchtung der 
hermaphroditischen Tiere erzeugt werden können. 

Die gleichfalls schon von Schneider angegebene 
Tatsache, daß die den Sommereiern entstammenden Tiere 
ausschließlich Wintereier hervorbringen, und daß die 
Wintertiere nur im Anfang ihrer Fortpflanzungsperiode 
Sommereier, später aber gleichfalls nur Wintereier liefern, 
führte Herrn Bresslau — im Verein mit dem oben an- 
gegebenen Unterschiede in den Hüllen der beiderlei 
Eier — zu der Vermutung, den Grund für die verschie- 
dene Form der Eier in dem jeweiligen Entwickelungs- 
zustande der weiblichen Geschlechtsorgane zu suchen. 
Es ergab sich nun in der Tat, daß diese bei jugendlichen 
Winter- und Sommertieren einen sehr verschiedenen Bau 
zeigen. 

So fand Verf. bei den jungen Wintertieren von 
Mesostomum ehrenbergi die Keimstöcke relativ klein, die 
Dotterstöcke sind zarte, fast völlig durchscheinende 
Stränge mit einer Anzahl kleiner, aus fast homogen er- 
scheinenden Zellen zusammengesetzter Papillen, auch die 
Uteruswandung ist in histologischer Beziehung noch nicht 
völlig entwickelt. Bei älteren Wintertieren, sowie bei 
den Sommertieren sind die Dotterstöcke infolge starken 
Wachstums der Papillen erheblich umfangreicher, un- 
durchsichtig und sehr auffällig, die Uteruswaudung fester, 
das Epithel derselben stärker granuliert und die Keim- 
stöcke etwas vergrößert. Es ist hierdurch verständlich, 
daß in beiden Fällen die Keimstöcke etwas verschiedene 
Keimzellen liefern , daß die Dotterstöcke gleichfalls ver- 
schiedene Dotterzellen hinzufügen und daß auch die von 
der Uteruswand abgesonderte Hülle eine verschiedene 
Beschaffenheit hat. 

Nicht so scharf ausgeprägt ist die Verschiedenheit 
bei Mes. lingua, Mes. productum und Bothromesostomum 
personatum. Während bei Mes. ehrenbergi die Winter- 
eier die 7 bis 8 fache Größe der Sommereier besitzen, 
ist bei den beiden anderen genannten Mesostomumarteu 
der Größenunterschied nur gering, bei Bothromesostomum 
noch geringer. In derselben Weise zeigen die Sommer- 
eier der drei letztgenannten Arten auch einen größeren 
Dotterreichtum. Von Interesse ist ferner, daß Bothro- 
mesostomum personatum nach der Periode der Sommer- 
eier nicht gleich Wintereier erzeugt, sondern erst noch 
eine Anzahl von Eiern mittlerer Größe und mittlerer 
Schalendicke von gelblicher bis hellbräunlicher Farbe 
hervorbringt, welche — gleich den Sommereiern — Bich ganz 
intrauterin entwickeln. Auch gibt es in dieser Spezies 
Individuen, welche gleichzeitig beiderlei Eiarten enthalten, 
was Verf. bei den übrigen von ihm untersuchten Meso- 
stomiden nur noch bei zwei Individuen von Mes. lingua 



Nr. 6. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 75 



bemerkte, während Angaben von Hallez und Leuckart 
ein sehr seltenes Vorkommen ähnlicher Art auch für 
Mes. ehrenbergi bezeugen. Es handelt sich hier offenbar 
darum, daß einzelne Sommereier noch nicht völlig ent- 
wickelt waren, als die Bildung der Wintereier begann, 
nicht aber um gleichzeitige Bildung der beiden Arten. 
Verf. faßt das Ergebnis dieser Beobachtungen dahin 
zusammen, daß zwischen beiden Arten von Mesostomiden- 
eiern keine prinzipielle sondern nur relative Unterschiede 
bestehen, welche dadurch bedingt wurden, daß der Be- 
ginn der Eibildung in immer jugendlichere Stadien 
zurückveriegt wurde, in denen der weibliche Geschlechts- 
apparat die zur Bildung der Wintereier nötige Reife noch 
nicht erlangt hat. So ergibt sich die anfängliche Bildung 
dotterärmerer und dünnschaliger Eier. Die verschiedenen 
genannten Spezies stellen verschiedene Etappen dieses 
Differenzierungsprozesses dar. Indem die Eibildung bei 
Mes. ehrenbergi zu einer Zeit beginnt, in welcher auch 
die männlichen Kopulationsorgane noch nicht entwickelt 
sind, ergibt sich als eine weitere Folge die Entwicke- 
lung der Sommereier durch Selbstbefruchtung. Die 
gleichfalls durch die verfrühte Eibildung bedingte Re- 
duktion der Dottermasse und der Schalendicke hatte 
weiterhin eine Beschleunigung der Entwickelung zur 
Folge. In dieser letzteren sucht Herr Bresslau die 
eigentliche biologische Bedeutung dieser ganzen Einrich- 
tung, indem sie nach Eintreten der günstigen Jahreszeit 
eine möglichst rasche und große Ausbreitung der Art 
ermöglicht. Die aus diesen — ■ eine erst erworbene Fort- 
pflanzungsweise darstellenden — Eiern hervorgehenden 
Jungen besitzen nun die Fähigkeit dieser verfrühten Ei- 
bildung noch nicht, sie können demnach nur in der als 
ursprünglich anzusehenden Weise nach erlangter Ge- 
schlechtsreife und erfolgter Wechselbegattung die typi- 
schen Wintereier hervorbringen. Es vollzieht sich dem- 
nach gegenwärtig die Fortpflanzung der betreffenden 
Arten nach folgendem Schema: 
Wintereier 

' i ' 

Wintertiere 

Wintereier Sommereier ] — Sommertiere 

I 
Wintereier 

Denkt man sich nun, daß etwa regelmäßig durch Er- 
schöpfung oder andere Umstände die Wintertiere zu- 
grunde gingen, bevor sie selbst Wintereier hervor- 
gebracht haben, so würde sich ein regulärer Genera- 
tionswechsel ausbilden. Vielleicht besteht ein solcher hier 
und da schon. Verf. gibt an , daß er im Mai und Juni 
in der Umgegend Strasburgs in verschiedenen Tümpeln 
kleine, grüne, nicht näher bestimmte Mesostomiden fand, 
welche so sehr von den aus den Sommereiern ausge- 
schlüpften Jungen erfüllt waren, daß er das Überleben der 
Mutter nach der Geburt für sehr unwahrscheinlich hielt. 
Sollte diese Vermutung sich etwa durch Zuchtver- 
suche bestätigen lassen — was allerdings in Anbetracht 
der sehr geringen Größe der nur 1,5 mm messenden Tiere 
nicht leicht sein würde — so würde diese Tatsache für 
das Verständnis der Entwickelung eines echten Genera- 
tionswechsels von großem Interesse sein. R. v. Hanstein. 



J. Reinke: Symbiose von Volvox und Azotobacter. 

(Berichte der deutschen botanischen Gesellschaft 1903, 

Bd. XXI, S. 481—483.) 
Der Nachweis des Vorkommens stickstoffbindender 
Bakterien (Azotobacter) im Wasser der Ostsee (s. Rdsch. 
1903, XVIII, 629) mußte zu der Folgerung führen, daß 
in der Tätigkeit dieser Organismen die Hauptquelle des 
assimilierten Stickstoffs zu suchen sei, der in der Flora 
und Fauna des Meeres sich in ungeheuren Massen an- 
gehäuft findet. Es liegt die Vermutung nahe, daß eine 
Symbiose von Meeresalgen mit Azotobacter vorhanden 
sei, ähnlich wie auf dem Lande eine Symbiose zwischen 



Leguminosen und Bakterien (in den Wurzelknöllchen der 
ersteren) stattfindet, und daß die Bakterien assimilierten 
Stickstoff an die Algen abgeben, in deren Oberfläche sie, 
wie Herr Reinke sich vorstellt, „so fest eingenistet sind, 
daß ein Zellenverband von gewebeähnlicher Innigkeit 
entsteht." In der Annahme, daß solche Stickstoffbakterien 
auch an der Oberfläche von Süß wasseralgen vor- 
kommen könnten, veranlaßte Verf. Herrn Keutner, eine 
Anzahl von Untersuchungen an Planktonalgen des süßen 
Wassers auszuführen. 

Kugeln von Volvox globator aus Teichwasser wurden 
auf dem Filter sorgfältig abgewaschen. Dann wurde 
eine einzelne Kugel mittels eines sterilisierten Platiu- 
drahtes in die sterilisierte Nährlösung eines Erleumeyer- 
kolbens übertragen. Die Nährlösung enthielt Mannit, 
Kaliumphosphat, Magnesiumphosphat und Calciumkarbo- 
nat. In der Lösung ergab sich nach ungefähr zehn- 
wöchigem Stehen unter reichlicher Entwickelung von 
Azotobacter ein Gewinn von 11,6 mg an gebundenem 
Stickstoff, der nur auf die Assimilation des im Wasser 
absorbierten Luftstickstoffs zurückgeführt werden konnte. 

Die Infektion der Lösung mit Azotobacter war nur 
dadurch möglich, daß an der Oberfläche der Volvox- 
kugeln haftende Zellen desselben in die Nährlösung ge- 
langten. Verf. nimmt an, daß beide Organismen im 
symbiotischen Verhältnis stehen, derart, daß Azotobacter 
durch die grünen Zellen des Volvox mit Kohlenstoff in 
organischer Form versehen wurde und Stickstoff in ge- 
bundener Form an seinen Wirt abgab. 

Verf. nimmt daher an, daß sowohl im Seewasser wie 
im Süßwasser der in die Pflanzen (und Tiere) übergehende 
Stickstoff durch Bakterientätigkeit aus der Luft gewonnen 
wird. Zur Stütze seiner Anschauung verweist er auf 
eine Untersuchung von Gerlach und Vogel, wonach 
Azotobacter eine Eigenschaft besitzt, die ihn als vorzüg- 
lichen Stickstoffsammler erscheinen läßt und ihn dadurch 
auch besonders zum symbiotischen Stickstoffassimilator 
für andere Pflanzen geeignet macht; das ist nämlich der 
verhältnismäßig hohe Stickstoffgehalt seiner Trocken- 
substanz (etwa 10 bis 12 Proz.). F. M. 



M. Büsgen: Einige Wachstumsbeobachtungen 
aus den Tropen. (Berichte der deutschen botanischen 
Gesellschaft 1903, Bd. XXI, S. 435—440.) 
Eine im botanischen Garten zu Buitenzorg kultivierte 
Zingiberacee der Gattung Costus ist in der unteren 
Hälfte der mehrere Zentimeter dicken bis 3 m hohen 
Sprosse ganz mit scheidenförmigen Niederblättern be- 
deckt. Unterhalb des oberen Randes dieser Niederblätter 
sind Auftreibungen sichtbar; sie umschließen Hohlräume, 
die sich zwischen den Blattscheiden und der von ihnen 
bedeckten Sproßüberfläche dadurch bilden, daß die ersteren 
sich uhrglasartig von den letzteren abheben. Herr 
Büsgen fand diese Hohlräume des Morgens in der 
Regel ganz mit Wasser gefüllt, das am oberen Rande 
der Scheidenblätter hervortrat und an den Sprossen 
herabfloß. Mit dem Steigen der Sonne ließ das Über- 
fließen des Wassers nach. Wenn die Niederblätter ein 
gewisses Alter erreicht haben, so erlischt die Sekretion; 
es gelangt nur noch wenig Wasser über die Scheiden- 
ränder und trocknet dort ein. Das Wasser wird an der 
Innenseite der Blattscheiden ausgeschieden; die Spalt- 
öffnungen scheinen nicht daran beteiligt zu sein. Die 
Niederblätter besitzen auch ein stark entwickeltes Wasser- 
gewebe. Wir scheinen hier Wasserreservoire vor uns zu 
haben, wie sie auch in feuchten Tropengebieten bei 
raschwüchsigen Pflanzen gelegentlich von Nutzen sein 
können. 

Eigentümlich ist nun besonders, daß beim Eintrock- 
nen der ausgeschiedenen Flüssigkeit am Rande der 
Scheidenblätter weiße Linien auf der Sproßoberfläche 
auftreten, die vorwiegend aus Kieselsäure bestehen. Diese 
Linien verzeichnen aufs genaueste den Wachstumsvor- 
gang der Internodien. Wenn diese gleichmäßig wüchsen, 



76 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 6. 



so daß ein jedes sich ganz allmählich aus der Blattscheide 
des nächstvorhergehenden herausschöbe, so würde bei 
dem Eintrocknen des Sekretes eine dünne , seine Ober- 
fläche gleichmäßig überziehende Kieselsäurehaut entstehen. 
Treten aber zeitweilige Wachstumspausen ein. so können 
sich während eines jeden Stillstandes am Rande der 
Blattscheiden Kieselsäureabscheidungen bilden, die sich 
in weißer Farbe vom grünen Untergrunde abheben. 
Diese Linien zeigen , daß das Wachstum ruckweise vor 
sich geht, indem nachts eine Verlängerung der Iuter- 
nodien stattfindet, während am Tage kein oder nur ein 
unbedeutendes Längenwachstum stattfindet. Die Ab- 
stände der einzelnen Linien sind anfangs gering, steigen 
dann bis zu einem Maximum (beobachtet wurden 7 bis 
9 mm) und fallen dann wieder rasch ab. Wegen dieser 
eigentümlichen Seibätregistrierung des Wachstums durch 
die Pflanze hat Verf. die Spezies Costus registrator ge- 
nannt, ein Name, der für die Systematik allerdings noch 
keine definitive Gültigkeit beansprucht. 

Die Gesamtverlängerung der Costussprosse war im 
Hinblick auf die früher von G. Kraus an Bambuseu ge- 
wonnenen Zahlen (vgl. Rdsch. 1896, XI, 11) nicht be- 
sonders groß. Einer war vom 10. bis zum 25. November 
von 44 cm auf 125 cm herangewachsen, hatte also in 
ziemlich regelmäßigem Fortschreiten 81 cm oder 5,4 cm 
im täglichen Durchschnitt zugenommen. Bei einem 
zweiten Sproß betrug die tägliche Längenzunahme 7,6 cm. 

öfter erwähnt ist die Geschwindigkeit, mit der 
manche tropische Holzpfianzen ihre jungen Sprosse ent- 
falten. Der junge Zweig mit seineu Blättern wird aus 
den sich stark vergrößernden Knospen förmlich aus- 
geschüttet. Verf. beobachtete diese Erscheinung an 
Brownea grandiceps. Die ruhenden Knospen dieses mäch- 
tigen Strauches sind kaum 1 cm lang. Wenn die Öffnungs- 
zeit herannaht, beginnen sie Honig abzuscheiden, der 
eine Menge von Ameisen anlockt. Eine solche von 
Ameisen besuchte Knospe war am 3. November 12 cm 
lang. An den drei nächsten Tagen hatte sie jedesmal 
nur wenige Millimeter zugenommen; am 10. November 
aber war sie 2,5 cm länger als am Vortage, am 12. November 
hatte sie sich um 3 cm, am 13. November sogar um 7 cm 
innerhalb 24 Stunden verlängert. Zwei Tage darauf, 
also am 15., hing ein 42 cm langer Sproß zwischen den 
stark gewachsenen, von zahlreichen Ameisen belebten 
inneren Knospenschuppen herab. Das Frischgewicht 
einer kurz vor dem Ausschütten stehenden, bereits stark 
verlängerten Knospe betrug 12,3 g, das Frischgewicht 
dreier, eben ausgeschütteter Sprosse 36,7, 46,3 und 46,4 g. 
Daß es sich hier nicht nur um Streckung unter Zunahme 
des Wassergehaltes handelt, zeigten einige Wägungen der 
Objekte in lufttrockenem Zustande. Die schon verlän- 
gerte Knospe wog lufttrocken 2,5 g, während die aus- 
geschütteten Sprosse 9,5 g, 9,7 g und 9,9 g ergaben. 

Bei einigen Stämmen von Albizzia moluccana wurde 
die Zunahme des Stammumfanges gemessen. Der Stamm- 
umfang eines etwa 5 m hohen Baumes betrug am 10. Ok- 
tober 49 cm, am 10. November 53 cm, am 15. Januar 60 cm, 
am 4. Februar beinahe 63 cm, am 18. Februar 64V 3 cm. Der 
Baum hatte also innerhalb wenig mehr als vier Monate 
15 cm an Umfang oder 27s cm an Radius zugenommen. 
Bei der in dem stets feuchten Buitenzorg wohl berech- 
tigten Annahme, daß eine entsprechende Stammzunahme 
wenigstens acht Monate lang andauert, würde die enorme 
Jahresringbreite von 5 cm erreicht werden. Ein zweiter 
Stamm nahm vom 10. November bis 4. Februar von 
48 8 / 3 auf fast 58 cm zu, also um etwa 10 cm oder pro Tag 
0,116 cm; ein dritter vom 10. November bis 18. Februar 
von 25,5 cm auf 30 cm, also um 7,5 cm oder 0,07 cm pro 
Tag. Die Messungen wurden mit Ausnahme der Zeit vom 
11. Dezember bis 11. Januar fast täglich wiederholt und 
ergaben eine ziemlich gleichmäßige Volumzunahme. 

F. M. 



Literarisches. 

Arnold Berliner: Lehrbuch der Experimental- 
physik in elementarer Darstellung. S42 Seiten, 
695 Abbildungen und 3 Tafeln. (Jena 1903, Gustav 
Fischer.) 
Sehr richtig sagt der Verf. des vorliegenden Buches 
im Vorwort: „Die Anzahl der Lehrbücher, die den An- 
spruch erheben , die Experimentalphysik elementar dar- 
zustellen, ist so groß, daß es fast überflüssig erscheint, 
die vorhandene Zahl noch zu vergrößern." Daß er nun 
dennoch ein solches Buch geschrieben, begründet er da- 
mit, daß der Begriff „elementar" unbestimmt und sub- 
jektiv sei. Das vorliegende Buch sei vor allem in der 
Form des Vortrages elementar, d. h. in der Ausführ- 
lichkeit der Darstellung, die darauf angelegt sei, dem 
Leser die Arbeit so leicht wie möglich zu machen. Und 
das ist nun in der Tat ein sehr wichtiger Punkt. Die 
meisten unserer Lehrbücher machen ja leider nicht dem 
Studierenden die Arbeit so leicht wie möglich. Sie lassen 
ihn meist da im Stich , wo er Schwierigkeiten findet. 
Darauf soll nun der Verf. eines Lehrbuches Rücksicht 
nehmen, er soll für Lernende schreiben, nicht für Ge- 
lehrte. Das hat Herr Berliner gewollt, und das ist ein 
sehr anerkennenswertes Bestreben. Naturgemäß muß 
bei einer derartigen Darstellung der Umfang des Buches 
über das gewöhnliche Maß hinauswachsen. Doch nicht 
vom Umfang eines Buches hängt die zu seinem Studium 
nötige Arbeit ab, sondern von der Darstellung. 

Trotz des Verf. Streben nach möglichster Klarheit 
finden sich allerdings noch manche Stellen, bei welchen 
diese Klarheit nicht in dem wünschenswerten Maße zu- 
tage tritt, während an anderen Orten eine unnötige Breite 
ermüdet; doch muß zugegeben werden, daß es schwer 
ist, hier stets die goldene Mitte zu halten. Anzuerkennen 
ist auch, daß es dem Verf. in erster Linie darum zu tun 
war, den Leser zu einem tieferen Verständnis der Er- 
scheinungen zu führen, mit ihm auch theoretische Dinge 
zu besprechen. Damit wird wohl mehr erreicht, als 
wenn dem Anfänger möglichst viele Einzelerscheinungen 
zusammenhanglos vorgeführt werden. Bedauerlich aller- 
dings ist, daß der Verf. bei dem Bestreben, sich nicht in 
Einzelheiten zu verlieren, doch gar manches weggelassen 
hat, was man nur ungern vermißt. Besonders die tech- 
nische Seite ist stark vernachlässigt worden. So ver- 
missen wir die Beschreibungen der Einrichtung von 
Bogeulampen und Nernstlampen, sowie des Baues von 
Dynamomaschinen. Nicht einmal der Gramm escheRing 
ist erläutert. Ferner ist über atmosphärische Elektrizität 
gar nichts im Buch enthalten, die Erscheinungen bei 
Entladungen durch Gase sind nur ganz kur# erwähnt, 
der Zusammenhang zwischen den elektromagnetischen 
und den elektrostatischen Maßeinheiten bleibt dem Leser 
ganz dunkel. In der Wärmelehre vermißt man die Er- 
wähnung der Tatsache, daß ein Gas bei Kompression 
sich erwärmt, ferner eine Beschreibung des Lindeschen 
Luftverflüssigungsverfahrens. In der Optik ist das Spiegel- 
fernrohr übergangen, über das stereoskopische Sehen 
und das Stereoskop findet sich gar nichts. 

Sehr ausführlich behandelt ist anderseits die „geo- 
metrische Optik" mit Hilfe der Lehre von der „Strahlen- 
begrenzung" und des Begriffes der „Pupille". Die, wie 
Verf. zeigt, in den meisten Lehrbüchern unrichtige 
Darstellung des Strahlenganges im Galileischen Fern- 
rohr ist durch die richtige (nach Czapski) ersetzt. 
Eiuige unliebsame Versehen sind dem Verf. bei Be- 
sprechung der Doppelbrechung unterlaufen. Es wird 
behauptet, wenn bei einer parallel zur optischen Achse 
geschnittenen Kalkspatplatte die Einfallsebene der opti- 
schen Achse parallel ist, so werde der außerordentliche 
Strahl weniger abgelenkt als der ordentliche, und wenn 
die optische Achse senkrecht zur Einfallsebene liegt, 
finde das Entgegengesetzte statt. Iu beiden Fällen ist 
das Gegenteil richtig. Auch dürfen die zwei Fälle, wo 



Nr. 6. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 77 



die Achse parallel zur Platte und wo sie senkrecht zur 
Platte in der Einfallsehene steht, nicht identifiziert wer- 
den, wie es Verf. auf S. 689 tut. Die Folge davon ist 
eine falsche Angabe über das Brechungsverhältnis des 
außerordentlichen Strahles. Falsch ist auch die Behaup- 
tung, daß das Brechungsverhältnis für den außerordent- 
lichen Strahl bei senkrecht zur Achse geschnittener Platte 
und bei einem Einfallswinkel von 90° gleich 1,486 sei 
(S. 688). Vom Brechungsverhältnis des außerordentlichen 
Strahles kann man überhaupt eigentlich nur sprechen 
bei einer zur Achse parallel geschnittenen Platte, wenn 
die Einfallsebene zur Achse senkrecht steht, da nur in 
diesem Fall für den außerordentlichen Strahl das Gesetz 
von Snellius gilt. In diesem Fall ist auch der Wert 
dieses Brechungsverhältnisses 1,486 und nicht 1,658, wie 
auf Seite 689 steht. Die ganze Darstellung der Doppel- 
brechung ist überhaupt sehr unklar. Aus den angeführten 
vier Einzelfällen kann sich niemand ein klares Bild über 
die Doppelbrechung verschaffen. Dazu ist unbedingt 
Kenntnis der Wellenfläche im Kalkspat nötig, von der 
Herr Berliner nicht spricht. Fehlerhaft ist in der Optik 
auch noch die Hereinziehung des Winkelspiegels bei Er- 
klärung des Zeißschen Prismenfernrohres auf S. 767. 

In Kapitel II (Flüssigkeiten) findet sich S. 174 folgende 
Stelle: „Es erscheint paradox, daß eine ruhende Flüssig- 
keitsmenge, die nur unter der Einwirkung der Schwer- 
kraft steht, auf den Boden des Gefäßes einen anderen 
Druck ausüben kann, als man dem Gewicht der 
Flüssigkeitsmenge nach erwarten sollte, und daß trotzdem 
eine gewöhnliche Wage das Gewicht des Ge- 
fäßes mit der Flüssigkeit stets richtig angibt. 
Aber das Paradoxe verschwindet, wenn man bedenkt, 
daß der Boden den Druck nicht nur von oben erfährt, 
sondern auch nach oben erwidert und in seiner Wirkung 
aufhebt." Diese Erklärung ist jedenfalls nicht sehr klar, 
sie ist aber auch unrichtig. Denn ihr zufolge müßte ja, 
da der Druck der Flüssigkeit auf den Boden durch den 
Gegendruck des Bodens „in seiner Wirkung aufgehoben" 
werden soll, die Flüssigkeit im Gefäß überhaupt gewicht- 
los sein, wenn man das Gefäß auf eine Wagschale stellt. 
Die Erklärung des hydrostatischen Paradoxons liegt viel- 
mehr darin, daß eben auch auf die schräg gestellten 
Seiten wände des Gefäßes ein Druck wirkt, der eine ver- 
tikale Komponente hat, welche bei einem unten sich er- 
weiternden Gefäß im entgegengesetzten, bei einem unten 
sich verengernden Gefäß im gleichen Sinne wirkt wie 
der Bodendruck, so daß der von der Flüssigkeit auf das 
Gefäß ausgeübte vertikale Gesamtdruck stets gleich 
dem Gewicht der Flüssigkeit bleibt. 

Was die Verwendung der Mathematik betrifft, so 
setzt Verf. nur ganz wenige mathematische Kenntnisse 
voraus („höchstens das Sekundanerpensum"). Es fehlen 
daher mathematische Entwickelungen, welche sich mit 
elementaren Mitteln noch durchführen lassen, wie z. B. 
die Ableitung des Potentials einer elektrisch geladenen 
Kugel und die Ableitung des Coulombschen Gesetzes. 
Uns scheint diese starke Beschränkung der mathemati- 
schen Entwickelungen zu weitgehend. Kenntnis der 
Elementarmathematik in vollem Umfange sollte man doch 
bei einem Studierenden der Physik schon im Anfangs- 
stadium voraussetzen dürfen. Um auch weniger Vor- 
gebildeten entgegenzukommen, könnte man ja die mathe- 
matischen Entwickelungen in Anmerkungen setzen, die 
der Leser weglassen kann. 

Die Anordnung des Stoffes weicht vielfach von der 
bisher üblichen ab. Neu ist die Verwendung der in den 
Tafeln untergebrachten „Klappenfiguren", über deren 
Wert sich streiten läßt. Wer Physik studieren will, muß 
so viel Vorstellungsvermögen besitzen, daß er auch ohne 
diese Figuren keine Schwierigkeiten findet. 

Wünschenswert wäre eine Zerlegung des Buches in 
zwei Teile zwecks bequemerer Handhabung. R. Ma. 



W. Herz: Chemische Verwandtschaftslehre. Die 
Lehre von den Gleichgewichten in homogenen und 
heterogenen Systemen und von der Reaktions- 
geschwindigkeit. (Sammlung chemischer und che- 
misch - technischer Vorträge. Herausgegeben von 
Felix B.Ahrens. VIII. Bd., 10. Heft.) 60 S. (Stutt- 
gart 1903, F. Enke.) 
Ausgehend vom Gesetze der Massenwirkung behandelt 
der Verfasser die verschiedenen Erscheinungen der che- 
mischen Kinetik. Das Büchlein ist gut und verständlich 
geschrieben und kann allen denen, welche sich über dieses 
Gebiet der Verwandtschaftslehre orientieren wollen, sowie 
zur Vorbereitung für das Studium der größeren Hand- 
bücher bestens empfohlen werden. Bi. 



E. Wedekind : Die Santoningruppe. (Sammlung che- 
mischer und chemisch-technischer Vorträge. Her- 
ausgegeben von Felix B. Ahrens. VIII. Bd., 9. Heft.) 
46 S. (Stuttgart 1903, F. Enke.) 

Die vorliegende Einzelschrift faßt das Wesentliche 
von dem, was über das Santonin und seine zahlreichen 
Abkömmlinge bekannt ist, in sehr übersichtlicher Weise 
zusammen und gibt eine recht anschauliche Vorstellung 
dieser mannigfaltigen Körpergruppe nach dem heutigen 
Stande unserer Kenntnisse. Eine Übersicht über die 
Abbauprodukte des Santonins und die Beziehungen seiner 
Abkömmlinge zu einander in Form eines Stammbaumes 
sowie eine Zusammenstellung der Fragen, welche noch 
der Lösung harren, beschließt das Ganze. Es ist Herrn 
Wedekind, welcher selbst auf diesem Gebiete tätig ist, 
Dank zu wissen, daß er die weit zerstreute und teilweise 
nicht leicht zugängliche Literatur über diesen Gegen- 
stand zu einem Gesamtbilde verarbeitet hat, welches 
sicherlich vielen willkommen sein wird. Bi. 



Martin Kfiz: Beiträge zur Kenntnis der Quartär- 
zeit in Mähren. 559 S. Mit 180 Illustrationen 
und 2 Tafeln. (Steinitz 1903, Selbstverlag.) 
Nach einleitenden Bemerkungen über Lehm- und 
Lößlager im allgemeinen und ihre Bildungszeit bespricht 
Verf. zunächst den Lößhügel Hradisko in Pfedmost bei 
Prerau und dessen fossile Reste. Die eingebettete 
Fauna beweist, daß wir es hier sowohl mit präglazialen, 
als auch mit glazialen und postglazialen Bildungen zu 
tun haben. Von tierischen Reßten bergen die Schichten 
Mammut, Rhinoceros tichorhinus, Höhlenbär, Eisfuchs, 
Halsbandlemming, Moschusochse, Schneehase, Renntier, 
Vielfraß, Schneehuhn, Moorhuhn, Hölilenlöwe, Höhlen- 
hyäne, Leopard, Steinbock, Pferd, Urochse, Auerochse, 
Elen, Fuchs, Wolf, Geier, Rabe und Wildgans. Aus dem 
Umstand, daß gerade in den Kulturschichten zahlreiche 
Reste borealer und glazialer Tiere gefunden wurde», 
schließt der Verf., daß die Bildung dieser Kulturschich- 
ten in den glazialen Abschnitt der Diluvialperiode falle. 
— Reich sind auch die Funde an Kulturresten. Von 
den ältesten Zeiten an war der auf drei Seiten von Mo- 
rästen umgebene Hügel ein günstiger Siedelungspunkt. 
Schon in der Diluvialzeit wohnten hier Menschen, wie 
die menschlichen Reste innerhalb einer Kulturschicht 
erweisen, über welche noch zwei durch Löß getrennte 
Horizonte mit Mammutsknochen lagern. Von diesen 
drei Schichten ist die mittlere die stärkste und die am 
weitesten ausgedehnte; die obersten Kulturstätten sind 
nur isolierte Feuerstätten von weit jüngerem Alter, aber 
doch noch aus der Zeit des Mammuts. Verf. beschreibt 
sodann eingehend die aufgefundenen Reste aus diesen 
Schichten, von denen zahlreiche abgebildet sind. 

In einem zweiten Teil werden sodann ausführlich 
die Höhlen innerhalb der mährischen Devonkalke und 
ihre vorzeitlichen Reste besprochen. Nordwestlich von 
Brunn erstreckt sich ein etwa 40 km langer Zug mittel- 
devonischer Kalke, die nach Osten hin von kulmischen 
Grauwackensandsteinen und Konglomeraten überlagert 
sind. Infolge der starken Erosion dieser kulmischen 



78 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 6. 



Decke wurden vielerorts die Devonkalke entblößt und 
erodiert. Infolgedessen entstanden in diesen zahlreiche 
Täler und unterirdische Gänge und Höhlen. Die Wasser 
verschwinden hier und treten erst an der Grenze des 
im Westen sich anschließenden Unterdevons wieder zu- 
tage. Verf. gibt zunächst eine topographische Übersicht 
über die verschiedenen Höhlen, die er in drei Gruppen 
gliedert, und bespricht sodann die in ihnen enthaltenen 
Ablagerungen und ihre fossilen und archäologischen Reste. 
Aus seinen Beobachtungen glaubt Verf. infolgedessen zu 
folgenden Schlüssen bezüglich der Geschichte des Men- 
schen in Mähren zu kommen — Folgerungen allerdings, 
die man nur mit großen Bedenken teilen kann. Es ergibt 
sich seiner Ansicht nach, daß der Mensch erst zur Diluvial- 
zeit mit Beginn der glazialen Periode in Mähren aufgetreten 
ist, und zwar als Einwanderer. Die Reste der Tiere, denen 
er als Jäger folgte, sind solche vom Schneehasen und 
Hasen, vom Eisfuchs, vom Schneehuhn und Moorhuhn, 
vom Renntier, Mammut, Nashorn, Pferd, Ur-, Auer- und 
Moschusochs. Ihre Heimat ist die Zirkumpolarregion, 
von der sie nach Sibirien kamen. Von hier aus folgte 
der Mensch ihnen nach Westen. Verf. glaubt aus die- 
sem Grunde an die Existenz eines schon tertiären Men- 
schen, der sich in jenen Gegenden bis zur Kulturstufe 
des diluvialen Jägers entwickelt hat. Weiterhin unter- 
sucht er die Frage, wohin der diluviale Mensch gekom- 
men ist; ist er wie Mammut, Nashorn, Höhlenbär und 
Riesenhirsch erloschen, ist er weiter gewandert oder hat 
er an dieser Stelle ausgeharrt? Wahrscheinlich ist er, 
ein Zweig des indo-europäischen Stammes, teilweise den 
sich nach Norden zurückziehenden Tieren gefolgt, teil- 
weise auch hat er sich, dem neolithischen Menschen 
ausweichend , in die höheren Gebirgsgegenden zurück- 
gezogen. Jedenfalls lassen die Schichten mit diluvialen 
Tierresten und die mit alluvialen Haustierresten, die bei 
ungestörter Lagerung stets getrennt auftreten, auf eine 
längere Zwischenzeit schließen. Es deutet dieser Um- 
stand darauf hin, daß wahrscheinlich die Haustiere von 
neuen von Osten kommendeu Völkern aus Asien mitge- 
bracht worden sind. Der prähistorische Mensch er- 
scheint im Gegensatz zum diluvialen als nicht bloßer 
Jäger, sondern auch als Viehzüchter und Ackerbauer. 

A. Klautzsch. 

Deutsche Südpolarexpedition auf dem Schiff „Gauss" 

unter Leitung von Erich v. Drygalski! Bericht 
über die wissenschaftlichen Arbeiten seit der Abfahrt 
von Kerguelen bis zur Rückkehr nach Kapstadt, 
31. Januar 1902 bis 9. Juni 1903, und die Tätigkeit 
auf der Kerguelen- Station vom 1. April 1902 bis 
1. April 1903 mit Beiträgen von Bidlingmaier, 
v. Drygalski, Gazert, Luyken, Ott, Philippi, 
Ruser, Stehr, Vahsel, Vanhöffen. Mit sechs 
Abbildungen und drei Beilagen in Steindruck. (Ver- 
öffentlichungen des Instituts für Meereskunde und 
des Geographischen Instituts an der Universität 
Berlin, herausgegeben von dessen Direktor Ferdi- 
nand Freiherrn v. Richthofen. Heft 5, Okto- 
ber 1903). IV u. 1S1 S. Lex.-8°. (Königliche Hofbuch- 
handlung Mittler u. Sohn.) 
Dieses inhaltsreiche fünfte Heft der in geographischen 
Kreisen rasch bekannt und heimisch gewordenen periodi- 
schen Veröffentlichung zerfällt in drei Teile. Der erste 
ist dem äußeren Verlaufe der deutschen Südpolarexpe- 
dition , der zweite der fachwisseuschaftlichen Tätigkeit 
der Mitglieder, der dritte endlich technischen Fragen 
gewidmet. Jeder Teil zerfällt dann wieder in Einzel- 
abschnitte von selbständigem Charakter, und über diese 
soll im folgenden kurz Bericht erstattet werden ; eine 
eingehendere Erörterung würile, so interessant sich eine 
solche auch gestalten könnte , doch hier nicht am 
Platze sein. 

1. Herr E. v. Drygalski schildert die Reise von 
dem Augenblicke an, als am 31. Januar 1902 die Hilfs- 



station auf Kerguelen verlassen wurde. Am 3. Februar 
wurde Heard - Island angelaufen ; am 13. d. M. kam die 
„Gauss" ins Scholleneis, und am 22. saß das Schiff bereits 
fest. Sofort wurde die Station eingerichtet und mit den 
wissenschaftlichen Arbeiten begonnen. Schlittenreisen 
wurden mehrfach unternommen; Prof. v. Drygalski 
und Dr. Guzert sind in dieser Weise 57 Tage unterwegs 
gewesen. Erst am 8. Februar 1903 erlangte das Schiff 
seine Bewegungsfreiheit wieder, und da ein weiteres Vor- 
dringen nach Süden durch die Eisberge und Eisfelder 
allzusehr erschwert schien, wurde die Rückfahrt ange- 
treten. Am 29. April wurde der Inselvulkan St. Paul 
besucht, und am 31. Mai landete die Expedition in Durban, 
von wo die ersten Depeschen in die Heimat befördert 
werden konnten. 

2. Herr R. Vahsel gibt eine Skizze der von ihm zu- 
sammen mit Dr. Philippi und dem Matrosen Johane.sen 
unternommenen Sehlittentour, welche zur Auffindung des 
Gaussberge^ führte. Derselbe hat eine Höhe von 366 m 
und ist vulkanischen Ursprunges. 

3. Herr H. Gazert kennzeichnet die sanitären Ver- 
hältnisse. Dank den höchst umsichtig getroffenen Maß- 
nahmen kamen schwerere Schädigungen bei der Haupt- 
expedition nicht vor; auch die fast unausbleiblichen 
psychischen Störungen erreichten keine bedenkliche Höhe- 

4. Herr K. Luyken macht uns mit der Tätigkeit 
der Kerguelen-Station bekannt. Man weiß, daß dieselbe 
schwer unter einem von der chinesischen Mannschaft in 
diese reine Luft eingeschleppten Tropenübel litt. Wäh- 
rend Dr. Werth an den Rand des Grabes kam, ist 
leider Dr. Enzensperger, der anscheinend unverwüst- 
lichste von allen, der Seuche erlegen. Die Bemerkung 
(S. 61) über das Fehlen geeigneter Medikamente verdient 
in künftigen Fällen ganz besonders beachtet zu werden. 

5. Herr E. v. Drygalski bespricht die geographische 
Festlegung des „Gauss" -Kurses und die Bestimmung der 
Koordinaten des Winterquartieres (66° 2' s. Br. ; 89° 48' ö. L.) ; 
hiernächst werden die erforderlichen Mitteilungen über 
Pendelmessungen, Vermessungsarbeiten (teilweise mittels 
der Photogrammetrie) und die im Meere und auf dem 
Eise angestellten Studien gemacht. Von großem Interesse 
sind die Angaben über das den Südhorizont der Winter- 
station vollständig einnehmende Inlandeis. 

6. Herr F.Bidlingmaier hatte den erdmagnetischen 
Beobachtungsdienst unter sich. Die für diesen mit- 
gebrachten Holzhäuschen erwiesen sich als unbrauchbar, 
und man mußte ganz primitive Eishütten beziehen; auch 
sonst waren selbst bei den stabilen Aufzeichnungen be- 
trächtliche Schwierigkeiten zu überwinden, und noch 
größere, wenn man die Instrumente auf Schlittenreisen 
mitnahm. Für die Station wurden als Mittelwert 61° VV. 
für die Deklination, 77° S. für die Inklination, 0,131 C. G. S. 
für die Intensität erhalten. Die Krage, ob sich zwischen 
den nicht seltenen magnetischen Stürmen und dem Auf- 
leuchten der — überhaupt etwas stiefmütterlich behan- 
delten — Südlichter ein Zusammenhang ergab, wird 
nicht aufgeworfen. 

7. Herr H. Gazert übernahm am 18. Mai 1902 an 
Stelle des ohnehin stark in Anspruch genommenen 
Dr. Bidlingmaier die meteorologischen Aufzeichnungen. 
Das absolute Temperaturminimum wurde am 14. August 
mit — 40,8° konstatiert, während der 3. Januar des fol- 
genden Jahres mit -|- 3,5° die höchste gemessene Tem- 
peratur aufwies. Westwinde waren weitaus am häufigsten, 
während die schweren Stürme von Osten kamen ; sie 
trugen das Gepräge eines Fallwindes. Föhnartige Winde 
üben auf das Klima einen nachhaltigen Einfluß aus. Herr 
Ott bespricht die Beobachtungen in freiem Meere. 

8. Herr E. Philippi war mit den geologischen und 
chemischen Untersuchungen betraut. Sedimentäres Ge- 
stein hat er weder in den Gerollen, noch auch anstehend 
zu Gesicht bekommen, vielmehr fand er nur Olivinbasalt 
und andere vulkanische Bildungen von porphyrischer und 
blasiger Struktur. Die sehr kräftige Verwitterung ist 



Nr. 6. 1904. 



Natur wisscnschaf tlicke Rundschau. 



XIX Jahrg. 79 



weit mehr auf mechanische als auf chemische Erwirkun- 
gen zurückzuführen. Erratische Blöcke und andere An- 
zeichen lassen auf eine dereinstige, weit ausgiebigere 
Vereisung schließen. In den Einschlüssen der Eisberge 
fanden sich auch quarzitische Trümmer vor, ebenso auch, 
merkwürdigerweise, im Mageninhalte getöteter Pinguine. 
Die Prüfung des Grundes der See lieferte zumeist Glo- 
bigerinenschlamm und, näher der Eiskante, glaziale Re- 
siduen. Die Bestimmungen von Salzgehalt und Wasser- 
dichte sind sehr zahlreich. 

9. Herr E. Van hoffen legt dar, daß auf der Heard- 
Insel noch ein reges Tierleben herrschte (Kormorane, 
Möwen, Pinguine aller Arten, massenhaft vorkommende 
See-Elefanten), und daß auch weiter südlich Vögel und 
Seesäugetiere nicht mangelten. Die Ausbeute an niedri- 
gen Tieren war nicht unbedeutend. Mehrere Dredgezüge 
förderten ein Plankton zutage, welches von dem der süd- 
lichen Meere überhaupt nicht namhaft abwich. 

10. Herr H. Gazert hatte auch die bakteriologische 
Forschung übernommen. Im Wasser gab es, so reich 
die Organismenwelt vertreten ist, nur wenig Bakterien. 
Auch der Darminhalt verschiedener Vögel gestattete 
keine Bakterienzüchtung. 

11. Herr H. Ruser, der Kapitän, handelt von See- 
fahrt und Schifl'sarbeiten. Polarfahrer werden von der 
sachkundigen Charakteristik der umfangreichen Tätigkeit 
eines Seemannes unter den durch die Natur der Erd- 
gegend auferlegten Bedingungen gern Akt nehmen. 

12. Herr A. Stehr, Obermaschinist der „Gauss", be- 
schreibt die unter seiner Leitung ins Werk gesetzten 
Aufstiege des Fesselballons, von denen allerdings nur 
drei, am 29. März 1902, vollständig gelangen. Prof. 
v. Drygalski kam bis 480 m, Kapitän Ruser bis zu 
500 m Hohe empor. — 

Damit wäre von dem Inhalte des Heftes, das auch 
mit drei Routenkarten ausgestattet ist, eine übersicht- 
liche Rechenschaft gegeben. Wer dasselbe studiert hat, 
der erhält den Eindruck, daß, wenn auch nicht ein gleich 
günstiger Stern über der deutschen Expedition gewaltet 
hat, wie über der englischen, die wissenschaftlichen Be- 
strebungen der ersteren darum doch in keiner Weise zu 
kurz gekommen sind. Was sich im Verlaufe eines Jahres 
erreichen ließ, hat der gelehrte Stab der „Gauss" auch 
wirklich zu erreichen gewußt. S. Günther. 



Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Akademie der Wissenschaften in Berlin. 
Sitzung am 21. Januar. Herr Klein las: „Die Meteoriten- 
sammlung der königlichen Friedrich-Wiihelms-Universität 
zu Berlin am 21. Januar 1904." Der aus der Zeit von 
Weiss, Rose und Websky übernommene Bestand der 
Sammlung beläuft sich, nach dem Absetzen der Pseudo- 
meteoriten und doppelt geführten Lokalitäten, auf 213 Fall- 
und Fundorte; heute weist die Sammlung deren 466 auf, 
hat sich also um mehr als das Doppelte vermehrt; auch 
sind jetzt alle wesentlichen Lücken ausgefüllt. In Europa 
kommt sie zurzeit nach Wien, London und Paris. In- 
folge der bewirkten Vermehrung der Sammlung wird eine 
zusammenfassende Bearbeitung derselben in nächster Zeit 
möglich sein. Unter dem interessanten Neuen , was die 
vorliegende Arbeit enthält, nimmt der Nachweis des Leu- 
cits unter den Mineralien der Meteoriten die erste Stplle 
ein. — Herr Engelmann überreichte einen Bericht über 
die von Herrn Geh. Med. -Rat Prof. J. Bernstein in 
Halle mit Assistenz des Herrn Prof. A. Tschermak im 
vergangenen Jahre mit akademischen Mitteln ausgeführ- 
ten Untersuchungen „über das thermische Verhalten des 
elektrischen Organs von Torpedo". — Herr Kohlrausch 
hat in der Sitzung vom 7. d. M. die hier nachträglich 
folgende Mitteilung des Herrn Prof. F. Braun in Straß- 
burg vorgelegt: „Der Hertzsche Gitterversuch im Gebiete 
der sichtbaren Strahlung". Der Verfasser hat gesucht, 
den Hertzschen Gitterversuch für Lichtschwingungen 



nachzuahmen. Es ist ihm dies, ausgehend von Kundt- 
schen bisher nicht erklärten Beobachtungen, gelungen, 
indem er einen dünnen, über eine Glasplatte gespannten 
Metalldraht durch eine kräftige Flaschenentladung zer- 
stäubte. Der dabei entstehende Metallbeschlag verhält 
sich in gewissen Partien gegen Licht ganz ebenso wie 
ein Hertzsches Gitter gegen elektrische Wellen. Der 
Verfasser macht eine Reihe von Anwendungen insbeson- 
dere zur Diskussion der mikroskopischen Bilder von mit 
Gold gefärbten Dünnschnitten organischer Gewebe. 



Akademie der Wissenschaften in Wien. 
Sitzung vom 10. Dezember. Herr Prof. Philipp Forch- 
heim er in Graz übersendet eine Abhandlung: „WaBser- 
bewegung in Wanderwellen". — Herr Jakob Bur- 
gar itzki übersendet eine Mitteilung: „Hydraulischer 
Motor". — Herr Kand. Erich Bandl übersendet eine 
Mitteilung: „Über die Form der gewöhnlichen Funken- 
entladung als Ergebnis einer bestimmten Stromrichtung". 
— Herr Hofrat Ad. Lieben überreicht eine Arbeit: „Ein- 
wirkung von Pottasche auf Isobutyraldehyd" von Felix 
Kirchbaum. — Herr Hofrat F. Mertens überreicht 
eine Arbeit des Herrn Privatdozenten Dr. Robert Daub- 
lebsky v. Sterneck: „Über die kleinste Anzahl Kuben, 
aus welchen jede Zahl bis 40000 zusammengesetzt wer- 
den kann". — Herr Prof. R. Wegscheider überreicht 
eine Arbeit von Dr. Jean Billitzer: „Zur Theorie der 
kapillarelektrischen Erscheinungen". III. Mitteilung. — 
Herr Dr. Moritz Probst legt eine Abhandlung vor: 
„Zur Kenntnis der Großhirnfaserung und der zerebralen 
Hemiplegie". — Herr Prof. Dr. J. Puluj in Prag über- 
sendet eine Abhandlung: „Über die Leistungskurve im 
Kreisdiagramme der Drehstrommotoren". 



Academie des sciences de Paris. Seance du 
18 janvier. J. Boussinesq: Application de la theorie 
generale de l'ecoulement des nappes aqueuses infiltrees 
dans le sol aux fortes sources des terrains permeables 
et, en particulier, ä plusieurs de Celles qui alimentent 
Paris. — Loewy: Sur les premiers fascicules du „Cata- 
logue photographique du Ciel" publies par M. Trepied. 

— R. Blondlot: Sur la dispersion des rayons n et sur 
leur longeur d'onde. — De Forchand: Sur les per- 
oxydes de zinc. — Armand Gautier presente son 
Ouvrage sur „l'alimentation et les regimes". — J. Wei- 
rich et G. Ortlieb soumettent au jugement de l'Aca- 
demie un Memoire „Sur la presence de la lecithine dans 
les pepins de raisins et dans les vins". — Conrad de 
Liebhaber soumet au jugement de FAcademie un Me- 
moire ayant pour titre : „Guerison et prevention de la 
phtisie pulmonaire par l'atmotherapie". — Le Secre- 
taire perpetuel signale divers Ouvrages de M. Mar- 
cel ßrillouin et de M. F. A. Le Double. — Le 
Ministre de l'Instruction publique transmet un 
exemplaire du texte de la loi beige etablissant un seul 
Systeme de mesures electriques. — Les Academies de 
Goettingue, Leipzig, Munich et Vienne envoient un plan 
d'experiences relatives ä l'electricite atmospherique. — 
Alphonse Demoulin: Sur une propriete caracteristique 
des familles de Lame. — Ernst Pascal: Un theoreme 
sur les systemes completement integrables d'equations 
aux differentielles totales d'ordre superieur. — A. Wi- 
man: Sur le genre de la derivee d'une fonction entiere 
et sur le oas d'exception de M. Picard. — R. Paillot: 
Action du bromure de radium sur la resistance elec- 
trique du bismuth. — J.Richard: Sur un cinemometre 
differentiel enregistreur. — A. Hollard: Influence de 
la nature physique de l'anode sur la Constitution du 
peroxyde de plomb electrolytique. Application ä l'ana- 
lyse. — Jacques Duclaux: Nature chimique des Solu- 
tions colloidales. — A. Ledere: Methode de Separation 
de Palumine et du fer par l'emploi de l'acide formique. 

— Leon Debourdeaux: Dosage des chlorates, bro- 
mates et iodates. — L. Bouveault et G. Blanc: Pre- 



80 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rund schau. 



1904. Nr. (i. 



paration des alcools primaires au moyen des amides 
correspoudautes. — A. Seyewetz et Gibello: Synthese 
de Sucres ä partir du trioxymethylene et du sulfite de 
soude. — V. Grignard: Nouveau procede de synthese 
d'alcools tertiaires au moyen des combinaisons organo- 
niagnesiennes. — J. Dauphin: Influence des rayons du 
radium sur le developpement et la croissance des Cham- 
pignons inferieurs. — Ed. Griffon: Recherches sur la 
transpiration des feuilles d'Eucalyptus. — C. Vaney et 
A. Conte: Utilisation des Champignons entomophytes 
pour la destruction des larves d'Altises. — P.Viola et 
P. Pacottet: Sur les Verrues des feuilles de la Vigne. 
— H. Arsandaux: Sur un trachyte ä noseane du Sou- 
dan frangais. — Ferrus et Machart: Augmentation 
du travail utile des attelages par Pemploi des appareils 
elastiques de traction. — Marey: Remarques au sujet 
de la Note precedente. — P. Ancel et P. Bouin: 
L'apparitiou des caracteres sexuelles secondaires est sous 
la dependance de la glande interstitielle du testicule. — 
Doyon et Kareff: Action de diverses substances sur 
le glycogene du foie. — G. Moussu et J. Tissot: 
Determination de la valeur des combustions iutraorga- 
niques dans la glande parotidienne du boeuf pendant 
l'etat de repoB et l'etat d'activite. — Cluzet: Sur l'ex- 
citation des nerfs par decharges de condensateurs. — 
V. Babes: Sur certaines anomalies congenitales de la 
tete, determinant une transformation symetrique des 
quatre extreniites (acrometagenese). — G. Cantin: Sur 
la destruction de l'oeuf d'hiver du Ehylloxera par le 
lysol. — Th. Tomraasina adresse une Note intitulee: 
„Curieux effet produit par les variations d'intensite 
d'un champ magnetique, sur Fair rendu conducteur par 
une flamme". — Emm. Pozzi-Escot adresse une Me- 
moire ayant pour titre: „Remarques sur le dosage de 
l'alcool par la methode de Nicloux dans les Solutions 
tres diluees". — Joseph Serra - Carpi adresse une 
Note ayant pour titre: „Methode pour determiner la 
temperature moyenne d'une localite, pendant une longue 
periode de temps, avec un evaporimetre ä aleool". 

Vermischtes. 

Die heißen Mineralquellen der Stadt Bath 
sind in jüngster Zeit wegen des Gehaltes der ihnen ent- 
strömenden Gase an Helium vielfach genannt worden. 
Die Ablagerungen, die sich in den Sammelbecken und 
den Leitungen der drei Königsquellen absetzen , sind 
gleichfalls untersucht worden. Vor einigen Wochen ist 
eine Quantität dieser Ablagerungen Herrn R. J. Strutt 
eingesandt worden, der in einer Mitteilung an das Bade- 
Komitee bemerkt: „Meine Versuche haben mich zu 
Schlüssen geführt, die, wie ich hoffe, das Komitee inter- 
essieren werden. Ich habe gefunden, daß die Ablage- 
rungen in merklichen Quantitäten Radium enthalten, 
obwohl ich leider hinzufügen muß, nicht genug, um die 
Darstellung lohnend zu machen. Es sei daran erinnert, 
daß das Gas, welches aus den Quellen aufsteigt, eine 
geringe Menge Helium enthält. Sir William Ramsay 
hat jüngst die höchst bemerkenswerte Entdeckung ge- 
macht, daß Radium durch spontane Umwandlung langsam 
Helium entwickelt. Ich meine, es kann hier kaum be- 
zweifelt werden, daß das Helium von Bath seine Ent- 
stehung großen Mengen von Radium in einer großen 
Tiefe unter der Erdoberfläche verdankt (vgl. Elster und 
Geitel, Rdsch. 1904, XIX, 53). Ein wenig von diesem 
Radium wird durch das Aufsteigen des heißen Wassers 
in die Höhe gebracht und wird in der Ablagerung ge- 
funden. Meine Versuche versprechen weitere interessante 
Enthüllungen, die ich zurzeit dem Komitee gern unter- 
breiten werde." (Nature 1904, 69, 230.) 



Personalien. 

Der Prof. der Physik Abbe (Jena) und der Prof. der 
Mathematik Neumann (Leipzig) sind zu Mitgliedern des 
bayrischen MaximilianBordens für Wissenschaft ernannt. 



Die zoologische Gesellschaft in London hat die Her- 
ren Dr. Lorenzo Camerano (Turin), Dr. Fritz Sara- 
sin (Basel) und Dr. Paul B. Sarasin (Basel) zu auswär- 
tigen Mitgliedern erwählt. 

Die American Academy of Arts and Sciences verlieh 
aus der Rumford-Stiftung dem Prof. Edward Morley 
für seine Untersuchung über die Natur und Wirkungen 
der Ätherströmung 500 Dollar; dem Prof. Karl Barus 
für seine optische Untersuchung der durch Kondensation 
erzeugten Radioaktivität 200 Dollar; Herrn J. A. Dünne 
für die Untersuchung der Schwankungen der Sonuentätig- 
keit 200 Dollar. 

Ernannt: Dr. Stephan Bugarszky zum ordent- 
lichen Professor der Chemie an der Tierarzneischule zu 
Budapest. — Privatdozent der Paläontologie an der Uni- 
versität Berlin Prof. Dr. Otto Jäkel zum außerordent- 
lichen Professor; — Dr. Paul Spie s von der Kriegs- 
akademie in Berliu zum Professor der Physik au der 
Akademie in Posen; — der ordentl. Honorarprofessor der 
Mathematik an der Universität Jena Gottlob Frege 
zum Hofrat. 

Berufen: der Professor der Astronomie und Direktor 
der Sternwarte in Königsberg H. S t r u v e zum Direktor 
der Sternwarte in Berlin; — Privatdozent Dr. Baumert 
in Halle als außerordentlicher Professor der Chemie nach 
Königsberg. 

Habilitiert: Dr. Karl Schall in Zürich für Chemie 
an der Universität Leipzig. 

Gestorben: Prof. der Chemie an der techn. Schule 
zu Novara Dr. V. Rodella durch Vergiftung bei synthe- 
tischen Versuchen mit Cyanwasserstoff; — der Zoologe 
und Forschungsreisende John Sa m u el Budgett, 
31 Jahre alt; — der Botaniker an der Ecole de medecine 
et pharmacie zu Reims Leon Geneau de Lamartiere, 
38 Jahre alt; — der Chemiker Dr. William Francis, 
Mitherausgeber des Philosophical Magazine, 86 Jahre alt; 
Miß Anna Winlock, Rechnerin und Assistentin am 
Harvard College Observatory. 



Astronomische Mitteilungen. 

Im März 1904 werden folgende Minima von 
Veränderlichen des Algoltypus für Deutschland 
auf Nachtstunden fallen: 

5. März 14,3h PCephei 18. März 9,9h Algol 

5. „ 15,2 TJOphiuchi 20. „ 13,3 {7Cephei 

5. „ 15,2 CTSagittae 21. „ 6,7 Algol 

6. „ 8,0 iJCanismaj. 21. „ 10,2 f/Coronae 

7. „ 11,2 BCanismaj. 21. „ 13,5 cf Librae 

7. „ 14,4 tf Librae 21. „ 13,6 ÜOphiuchi 

7. „ 14,8 fJCoronae 22. „ 12,9 t/Sagittae 

lü. „ 14,0 f/Cephei 23. „ 8,9 KCanismaj. 

10. „ 15,9 {TOphiuchi 25. „ 13,0 TJCephei 

14. „ 12,5 r/Coronae 26. „ 14,4 fJOphiuthi 

14. „ 13,9 cf Librae 28. „ 7,9 t/Coronae 

15. „ 9,3 SCancri 28. „ 13,0 cf,Librae 
15. „ 10,1 KCanismaj. 30. „ 12,7 t/Cephei 
15. „ 13,0 Algol 31. „ 7,7 KCanismaj. 
15. „ 13,7 OCephei 31. „ 15,1 POphiuchi 
15. „ 16,7 <7 Ophiuchi 

Sternbedeckungen durch den Mond, sichtbar 
für Berlin: 

24.Febr. E.d.= 7h 18m 4.7s.= 8h 33m «Tauri 1. Gr. 
29. „ E.d. = 10 5 A.h. = U 8 o Leonis 4. „ 

Herr G. W. Hough in Cincinnati hat unter Benut- 
zung mikrometrischer Messungen, die von Herrn Burn- 
ham (Yerkes-Sternwarte) an den Stellungen der weißen 
Flecke auf dem Saturn im vorigen Sommer angestellt 
sind, die Rotation dieses Planeten berechnet. Diese Zeit 
hat sich anscheinend allmählich vergrößert, das heißt, 
die hellen Flecke bewegten sich anfänglich auf dem Pla- 
neten rascher in der Richtung von Westen nach Osten, 
später jedoch langsamer. Für die ersten 16 Tage der 
Beobachtungen der Flecke ergab sich B = 10 h 38 m 19,0 s, 
für die ganzen 53 Tage iJ = 10h 38 m 29,0 s (Monthly 
Notices 64, 122). A. Berberich. 

Für die Redaktion verantwortlich 
Prof. Dr. W. Sklarek, Berlin W., Landgrafenstrafie 7. 



Prnck und Verlag von Friedr. Vieweg A Sohn in "Rraunsehweig. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 



über die 



Fortschritte auf dem G-esamtgebiete der Naturwissenschaften. 



XIX, Jahrg. 



18. Februar 1904. 



Nr. 7. 



Carl Diener, Rudolf Hoernes, Franz E. Suess 
und Viktor Uhlig: Bau und Bild Österreichs. 
Mit einem Vorwort von Eduard Suess. 1110 S. 
Mit 4 Titelbildern, 250 Textabbildungen, 5 Kar- 
ten in Schwarzdruck und 3 Karten in Farben- 
druck. I.Teil: F. E. Suess: Bau und Bild 
der böhmischen Masse. (S. 1 — 322.) (Wien 
und Leipzig 1903, F. Tempsky und G. Freytag.) 
Das vorliegende Werk bildet in seiner vornehmen 
Ausstattung und in seinem reichen Inhalt eine wert- 
volle Bereicherung unseres geologischen Bücher- 
schatzes. Aus der Hand von vier bewährten Fach- 
leuten bietet es eine umfassende Darstellung der geo- 
logischen Verhältnisse unseres Nachbarstaates. Es 
zerfällt in vier, übrigens auch selbständig zu beschaf- 
fende Teile , deren jeder gerade den zum Verfasser 
hat, der das darin behandelte Gebiet zur Aufgabe 
seines Spezialstudiums von jeher gemacht und durch 
fundamentale Einzelavbeiten zur Deutung desselben 
beigetragen hat. Der bewährte Altmeister der Geo- 
logie, Eduard Suess, gibt dem Ganzen ein Vor- 
wort, in welchem er eine historische Übersicht gibt 
davon, wie sich von alters her aus den Bestrebungen 
des Bergbaues heraus allmählich die geologische Er- 
forschung Österreichs entwickelt hat bis zur Grün- 
dung der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien, 
mit der dann eine systematische Landesaufnahme und 
stetige Forschung einsetzt. 

Der erste Teil des umfangreichen Buches behan- 
delt aus der Feder von Franz E. Suess Bau und 
Bild der böhmischen Masse. Zahlreiche Abbildungen 
recht demonstrativer Art und eine geologische Über- 
sichtskarte in 1:150 000 zur Veranschaulichung des 
tektonischen Baues des böhmischen Massivs dienen 
zur Erläuterung des Textes. Selbstverständlich fallen 
die politischen Grenzen Böhmens und der hierher ge- 
hörigen sudetischen Anteile von Mähren und Schle- 
sien und der nördlichen Teile der österreichischen 
Erzherzogtümer nicht mit den Grenzen der geologi- 
schen Einheiten zusammen, erstere folgen meist den 
Wasserscheiden, letztere den Tiefenlinien. Nach allen 
Seiten greift so die böhmische Masse über Böhmen 
und nach W. und N. auch über die Reichsgrenze hin- 
aus. Nach E. umfaßt sie bedeutende Teile von Mäh- 
ren, nach S. greift sie mehrfach über die Donau hin- 
über, und nach W. und N. gehören ihr der bayerische 
Wald, das Fichtelgebirge und der Thüringer Wald, 
alle Ausläufer des Erzgebirges, die Lausitz und die 



Sudeten an bis zu deren Berührungspunkten mit dem 
karpathischen Außenraude zwischen Weißkirchen und 
Prerau. 

Die beiden Hauptbruchlinien des Gebietes sind 
die von Tietze als Boskowitzer Furche bezeichnete 
und weiterhin als Eibbruch und Lausitzer Verwer- 
fung bekannte, SE. — NW. verlaufende Scheidelinie, die 
die Sudeten, die Heuscheuer, das Eulen- und Altvater- 
Gebirge vom böhmischen Hochland scheidet, und der 
von der hohen Lausche über Tetschen bis gegen Fal- 
kenau reichende, NE. — SW. streichende Erzgebirgs- 
bruch, der als deutlicher Steilabfall das Erzgebirge 
von den vorliegenden, tertiären Bildungen abtrennt. 
Im Süden beider Linien gehört der größte Teil der 
böhmischen Masse einem uralten Hochlande zu, das 
von Mähren bis Bayern reicht, südlich sich bis über 
die Donau und nördlich bis gegen Kuttenberg und 
Kolin ausdehnt. Seine südwestlichste Bodenschwelle 
bildet den Böhmerwald. Im NW. schließt sich an 
dieses Gebiet von Klattau und Pisek bis Schwarz- 
Kosteletz der sog. mittelböhmische Granitstock, der 
in einer scharfen, NE. streichenden Linie nach N. zu 
abbricht, gegen das Gebiet der vorcambrischen Schie- 
fer des westlichen Böhmens. Gen NE. ist der Rand 
nicht so scharf markiert, hier ziehen sich die alten 
Gesteine mit dem Sporn des Eisengebirges unter die 
Kreideablagerungen des Elbtales. Nördlich schließen 
sich an dieses ganze, große, archäische Gebiet jüngere 
Sedimente an, die sich dem variscischen Bogen ein- 
fügen, jenem in der Geologie bekannten, einen großen 
Teil Mitteleuropas umfassenden, bogenförmigen Auf- 
bau. Seinen westlichen Anteil bildet die grabenförmig 
versenkte Zone vorcambrischer und paläozoischer Ab- 
lagerungen zwischen Klattau und Prag, die trans- 
gredierenden Schollen von Karbon und Rotliegen- 
dem von Pilsen bis Schlan und Rakonitz und die ter- 
tiären Braunkohlenbecken mit den sie begleitenden 
Eruptivgesteinen, der Duppauer Basaltmasse und dem 
vulkanischen Mittelgebirge, endlich das Fichtelgebirge 
und das Erzgebirge nebst ihren Vorbergen im nord- 
östlichen Bayern und Sachsen. Sein Ostflügel da- 
gegen umfaßt die cambrischen und altpaläozoischen 
Sedimente des Eisengebirges und seiner Vorberge, 
die Kreidemulde des Elbetales und die Sudeten und 
ihre anschließenden Gebirgszüge. Die Hauptfaltung 
erfolgte in diesem dem variscischen System angehören- 
den Bogenteil vor Schluß des Karbons, die jüngsten 
Bildungen dieser Periode liegen, bereits diskordant 



82 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. 



Nr. 7. 



übergreifend, schwebend oder wenig geneigt diesen 
älteren Schichten auf. Diese gesamten jüngeren 
Sedimente faßt Verf. unter dem Namen der post- 
variscischen Decke zusammen. Sie umfaßt, obwohl 
vielerorts nicht alle Gesteinsschichten vertreten sind, 
das Oberkarbon, das Rotliegende, den Jura (ganz 
spärlich erhalten) und Bildungen der mittleren und 
oberen Kreide. Nur die Kreidesedimente sind mari- 
ner Entstehung, und hierin erkennen wir eine der 
bezeichnendsten Eigentümlichkeiten der böhmischen 
Masse, nämlich die Lückenhaftigkeit der Reihe der 
Meeresablagerungen. Zwischen den marinen Bildun- 
gen des Cambriums, des Silurs und des Devons und 
denen der Kreide liegt eine lange Zwischenperiode, 
in der das Gebiet Festland war. 

Gegen die benachbarten Gebiete hin taucht die 
böhmische Masse teils unter die miocäne Decke, teils 
bricht sie in tektonischen Linien gegen sie ab. Der 
ganze Westrand gehört einem nordwestlich gerichte- 
ten System von Störungen an, das die große meso- 
zoische Tafel des südlichen Deutschlands zum Nieder- 
sinken brachte; im östlichen Thüringen bildet die 
Transgressionslinie von Zechstein und Trias die 
Grenze; in Sachsen verschwinden die variscischen 
Falten allmählich unter der Ebene , und auch im 
schlesisch - galizischen Kohlenrevier ist die Grenze 
keine tektonische. Ebensowenig ist dieses der Fall 
im SE. von der Landecke bei Mährisch-Ostrau bis 
gegen St. Polten. Im Süden taucht das Massiv unter 
das Miocän bis in die Gegend von Passau, erst von 
hier bis Regensburg bildet der Donaulauf eine tek- 
tonische Grenzlinie. Nicht das Streichen der varis- 
cischen Faltenzüge bestimmt also Umriß des Massivs 
und Anordnung des Flußnetzes, sondern das bewirkten 
erst die jungen Brüche (Eibbruch, Erzgebirgsbruch) 
in Verbindung mit den Transgressionen. 

Verf. bespricht sodann im einzelnen die verschie- 
denen Teile der böhmischen Masse. Das südliche 
Urgebirge besteht fast ausschließlich aus altkristal- 
linen Gesteinen des sog. Grundgebirges , nur spär- 
liche tertiäre Denudationsreste verhüllen sie stellen- 
weise. Verf. betrachtet jedoch nicht den regelmäßigen 
Wechsel der Beschaffenheit und der Miueralausbildung 
der Gesteinsarten als Funktion des Alters, sondern 
erkennt darin die verschiedene Art der Metamorphose, 
welche die Gesteine in verschiedenen Tiefenlagen der 
Erdkruste erlitten haben. In den höheren Lagen, 
wo der Gebirgsdruck eine größere Bedeutung erlangt, 
kommt das dynamische Moment bei der Umwandlung 
der Gesteine mehr zur Geltung; es äußert sich in 
der Zertrümmerung, Verbiegung und Streckung der 
ursprünglichen Gesteinsbestandteile und deren Wieder- 
verkittung durch Neubildungen von Mineralien wie 
Epidot, Zoisit, Sprödglimmer, Talk und Chlorit. Für 
die Neubildung der Mineralien in den tieferen Um- 
wandlungszonen sind nicht mehr die Volumverhält- 
nisse maßgebend; an ihre Stelle scheinen thermische 
Verhältnisse zu treten ; es herrscht ein anderer che- 
mischer Gleichgewichtszustand und es kommen in 
erster Linie die wärmebeständigeren Salze zur Aus- 



bildung, wodurch eine Annäherung des Mineral- 
bestandes an den der Tiefengesteine, d. i. der Granit- 
stöcke zustande kommt. Strukturell zeigen sie 
gleichfalls dynamische oder durch Gebirgsdruck er- 
zeugte Deformationen, doch fehlen die starken mecha- 
nischen Zerstörungen. Die Gesteinsmasse hat durch 
molekulare Umlagerung des stofflichen Bestandes 
unter Mitwirkung der Wärme der tieferen Erdschich- 
ten der Pressung nachgegeben, und die letztere hat 
richtend auf die Lage der Bestandteile gewirkt. Verf. 
unterscheidet demnach gleich Becke 1 ) innerhalb des 
südlichen Urgebirges der böhmischen Masse ein Ge- 
biet vorwiegend katogen metamorpher und ein Ge- 
biet vorwiegend anogen metamorpher kristallinischer 
Schiefergesteine. Das ganze Gebiet zerfällt in zwei 
Zonen: das Hauptgebiet ist das Donau-Moldaugebiet 
mit katogen metamorphen Gesteinen, dem sich am 
Ostrande die moravische Zone mit anogen metamor- 
phen Gesteinen angliedert. Ersteres besteht haupt- 
sächlich aus Biotitgneisen, Fibrolith-, Granat- und 
Cordieritgneisen und Granuliten ; neben diesen treten 
auch zahlreiche Granitstöcke auf, die znm mindesten 
teilweise jünger sind als die vorcambrischen Schiefer 
und Phyllite, und höchstwahrscheinlich auch jünger 
als das Untersilur, und basische Bildungen mannig- 
fachster Art, besonders große Stöcke von Serpentin 
und Peridodit. Die moravische Zone zerfällt in zwei 
getrennte Partien, deren Grenzlinie oberflächlich gar 
nicht, im Gegensatz der Gesteinstypen aber sehr 
scharf und deutlich ausgeprägt ist. In dem nörd- 
lichen Teil, in dem Gebiet um Groß-Bittesch, ist das 
herrschende Gestein der sog. Bittescher Gneis, ein ge- 
schichteter, plattiger Augengneis mit wenig Biotit 
und vermengt mit Sericit. Daneben treten Phyllite 
auf, und zwar sowohl im Hangenden des Gneises 
(äußere Phyllite) wie auch ihm eingelagert (innere 
Phyllite). Der südliche Teil um Znaim zeigt eine 
geringere Entwickelung der äußeren Phyllite. Die 
tektonischen Verhältnisse in beiden Teilen sind sehr 
kompliziert; nach Schichtfolge und Lagerung zeigen 
sie eine scheinbare, umgekehrte Aufwölbung, die aber 
ganz unabhängig ist von dem variscischefa Bogen der 
benachbarten Sudeten. Das Liegende der fossilfüh- 
renden Schichten bilden also innerhalb der böhmischen 
Masse drei Serien vorcambrischer Sedimente. Eine 
älteste Serie bilden die Schiefergneise und Cordierit- 
gneise, mit Graphiten und Kalken im Donau-Moldau- 
gebiete, die nächste sind die moravischen inneren 
und äußeren Phyllite, ebenfalls mit Graphit und Kalk 
und anderen sedimentären Kalkgesteinen , und die 
dritte wird von den mächtigen Phyllit- und Schiefer- 
massen gebildet, welche die paläozoischen Sedimente 
des mittleren Böhmens rings umgeben und in denen 
kalkige Gesteine nur spärlich auftreten. 



') Becke bat seinerzeit in seinen Studien über den 
geologischen Bau und die kristallinischen Schiefer des 
hohen Gesenkes erstere als in tieferen Erdschichten um- 
gewandelte Gesteine als „katogen metamorphe", letztere 
als in oberen Horizonten veränderte als „anogen nieta- 
morphe" bezeichnet. 



Nr. 7. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 83 



Ref. glaubte auf diese Schilderung der Urgesteine 
der böhmischen Masse etwas spezieller eingehen zu 
müssen, da die Aulfassung des Verfassers bezüglich 
ihrer Genese eine von den früheren stark abweichende 
ist, wohl aber gerade dadurch wesentlich zur tektoni- 
schen Deutung dieses Grundgebirges beigetragen hat. 

Verf. beschreibt sodann das Auftreten der Quarz- 
gänge (Pfahl), das Vorkommen von Gold und Silber 
in diesem Gebirge und sein westliches Randgebirge, 
den Böhmerwald. Eingesenkt in dieses Urgebirge im 
Süden sind die Ebenen von Wittingen und Budweis, 
erfüllt von tertiären Sanden, Tonen und Schottern. 
Sie erscheinen als Ausfüllungen von Einsenkungen 
im vormiocänen Relief des Landes. 

Weiterhin folgt die Beschreibung der vorcambri- 
schen und altpaläozoischen Sedimente im Innern der 
böhmischen Masse, die sich nach NW. hin dem süd- 
lichen Urgebirge angliedern. Von jeher haben diese 
alten Bildungen mit ihrem enormen Fossilreichtum 
das Interesse der Forscher auf sich gezogen und zu 
der bekannten Gliederung Barrandes geführt. Er 
erkannte den im großen konzentrischen Bau der Ab- 
lagerungen derart, daß nach innen zu immer jün- 
gere Schichten lagern, und deutete ihre Sedimentation 
als Absätze innerhalb eines geschlossenen Beckens 
oder „Bassins". Der ganze Komplex wurde von ihm 
zum Silur gerechnet und in neun Stufen, mit den 
Buchstaben A bis H bezeichnet, gegliedert. Heutzu- 
tage weiß man jedoch, daß diese ganzen Bildungen 
durchaus nicht so regelmäßig lagern; sie erscheinen 
vielmehr als Teile eines durch nordöstliche Brüche 
zertrümmerten und abgesunkenen Stückes eines ge- 
falteten Gebirges. Barrandes Stufen A und B gel- 
ten heute als vorcambrisch , C und vielleicht die 
untersten Teile von D entsprechen dem Cambrium, 
die übrigen Horizonte von D und E gehören dem 
Unter- und Obersilur zu und F, G und die Schiefer 
von H dem unteren und mittleren Devon. Dem Cam- 
brium gehören die Schichten von Przibram an, inner- 
halb deren die eng mit Diabasen und Dioriten ver- 
knüpften, silberhaltigen Bleierze aufsetzen; in dem 
Untersilur der Prager Gegend treten die eigentüm- 
lichen Einfaltungen dünner, obersilurischer Gesteins- 
bänke auf, die Barrande zur Ansicht der „Kolonien" 
führten, d. h. er erklärte die örtlichen Einschal- 
tungen einer jüngeren Fauna in den untersiluri- 
schen Schichten durch eine zeitweise Einwanderung 
aus einem gesonderten Faunenbezirk, dessen gesamte 
Tierwelt aber erst später, zu Beginn des Obersilur, 
von dem böhmischen Meeresgebiete endgültig Besitz 
ergriff. Im Obersilur und Devon herrschen kalkige 
Bildungen vor. Ihnen gehören die klassischen Ge- 
biete von St. Ivan, Karlstein und im Berauntale an. 
Das ganze Gebiet wird durch eine Reihe von Bruch- 
linien in nordöstlicher, nordwestlicher und nördlicher 
Richtung durchzogen, von denen die ersteren am be- 
deutungsvollsten sind. Von Prag ostwärts biegen die 
silurischen Gesteinszonen um aus der nordöstlichen 
in die Ostrichtung, mit dem Bestreben, sich mit dem 
Silur des Eisengebirges und unter der Pardubitzer 



Ebene zu einem gegen N. konvexen Bogen zusam- 
menzuschließen, der den äußeren variscischen Bogen 
des Erzgebirges und der Sudeten parallel zieht. 

Die postvariscische Decke umfaßt die Bildungen 
des oberen Karbons und des Rotliegenden, sowie der 
oberen Kreide. Am variscischen Außenrande, in 
Schlesien und um Ostrau bilden sich die ufernahen 
Niederschläge des Culm, in dessen Grauwacken und 
Schiefern sich die Meereskonchylien mit den Resten 
von Landpflauzen mischen, im Oberkarbon des inne- 
ren Böhmens herrschen aber bereits rein limnische 
Absätze, die weiterhin im Perm in ganz allmählichem 
Übergang von echten Wüstenbildungen abgelöst 
werden. Die karbonischeu Sedimente lagern haupt- 
sächlich über den Urschiefern und dem Silur der 
mittelböhmischen Senkung. Die Hauptverbreitungs- 
gebiete des Karbons liegen um Pilsen und bei Kladno- 
Rakonitz, die des Rotliegenden umfassen besonders 
die Gebiete nördlich von Manjetin, bei Rakonitz und 
Flöhna und nördlich von Schlan. Über dem Urgebirge 
liegt es in weiter Ausdehnung bei Böhmisch-Brod und 
Schwarz-Kosteletz und bei Budweis. Im allgemeinen 
fallen die Schichten flach gegen N. und NW. ein; die 
Hauptstörungslinien verlaufen in N. — S.-Richtung. 

Wie in den meisten Gegenden unseres Erdballs 
hat sodann vom Beginn der Cenomanzeit ab eine be- 
deutende Transgression des Kreidemeeres über das 
böhmische Festland stattgehabt; sie reicht bis zum 
Rücken des Erzgebirges und bis zur Höhe der Heu- 
scheuer, und nur die höchsten Kuppen des Böhmer- 
waldes, des Riesengebirges und der Sudeten mögen 
über dem Meeresspiegel emporgeragt haben. Seine 
uns heute erhaltenen Absätze gehören als Perutzer 
und Korytzaner Schichten dem Cenoman an; im Lie- 
genden sind es Schiefertone und Quadersandsteine mit 
Crednerienblättern, darüber lagen das sog. Grund- 
konglomerat und kalkige und mergelige Schichten 
(Pläner) als Äquivalent des unteren Quadersandsteins 
von Sachsen und Schlesien. Nach N. und E. nehmen 
die einzelnen Horizonte an Mächtigkeit zu , womit 
eine bedeutende Zunahme der Sandsteinlagen gegen- 
über dem Pläner in Verbindung steht. Dem Turon 
gehören der mittlere Quader (mit Inoceramus labia- 
tus) und der mittelturone Quader Sachsens (mit I. 
Brogniarti) an ; die darüber folgenden Teplitzer 
Schichten (= turone Baculitentone und Scaphiten- 
schichten Sachsens) rechnen die böhmischen Geologen 
bereits zum Senon. Ihm gehören in Böhmen noch 
die Priesener Schichten zu und ein weiterer Quader- 
sandsteinhorizont, die Chlomeker Schichten und der 
Groß-Skaler-Quader. Das oberste Senon jedoch fehlt 
in Böhmen. Das Hauptverbreitungsgebiet dieser 
Kreidebildungen liegt innerhalb des Elbeflachlandes 
und an deren Vereinigungen mit der Moldau und 
der Eger. Nach NE. bildet die Lausitzer Über- 
schiebung oder der Eibbruch die Grenze, nach NW. 
der Abbruch des Erzgebirges. Die Störungslinien 
innerhalb dieses Gebietes verlaufen teils im erz- 
gebirgischen, teils im sudetischen Sinn. 
(Schluß folgt.) 



84 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 7. 



H. 0. Juel: Über den Pollenschlauch von Cu- 
pressus. ( F lora 1903, Bd. 93, S. 56—62.) 

Im Pollenkorn der Phaneroganien spielen sich 
Teilungsvorgänge ab, die zur Sonderung eines „vege- 
tativen" und eines „generativen" Bestandteils führen. 
Ersterer ist dem Prothallium, letzterer dem Antheri- 
dium der Gefäßkryptogan:en homolog. In dem Pollen- 
schlauch, der bei der Keimung des Pollenkorns aus 
diesem hervorwächst, erfährt die generative Zelle 
eine weitere Teilung, wodurch die beiden männlichen 
Sexualzellen oder Spermazellen gebildet werden, deren 
Kerne bei der Befruchtung mit den weiblichen Kernen 
verschmelzen. Bei den Cycadeen und bei Ginkgo 
biloba sind die beiden Spermazellen mit Cilien ver- 
sehen und beweglich, so daß sie den Spermatozoiden 
der Gefäßkryptogamen ähnlich erscheinen. 

Herr Juel fand nun, daß in Pollenschläuchen von 
Cupressus Goweniana durch Teilung der generativen 
Zelle zumeist ein ganzer Zellkomplex von 4, 8, 10 
oder gar 20 Spermazellen gebildet wird. Möglicher- 
weise beruht die Verschiedenheit in der Anzahl dieser 
Zellen auf der ungleichen Höhe der Entwickelung, 
doch möchte Verf. eher annehmen , daß sie von dem 
schwächeren oder kräftigeren Wachstum und der 
Nahrungsaufnahme der Pollenschläuche abhängig 
sei. Wie gesagt, werden bei allen anderen bisher 
untersuchten Phanerogamengattungen nur zwei 
Spermazellen gebildet. Bei den Koniferen tritt sogar 
hierin meistens noch eine Reduktion ein. So ist bei 
Taxus die eine Spermazelle sehr klein und verküm- 
mert vor der Befruchtung; dasselbe scheint bei Podo- 
carpus der Fall zu sein. Bei den Abietineengattungen 
Pinus, Picea und Abies teilt sich nur der Kern, nicht 
aber der Zellkörper der generativen Zelle, und von 
den beiden Spermakernen ist nur der eine bei der 
Befruchtung tätig. 

Die Cupressineengattungen Biota, Juniperus und 
Thuja besitzen dagegen in jedem Pollenschlauch zwei 
vollkommen entwickelte Spermazellen, die auch beide 
imstande sind, je ein Archegon zu befruchten. Diese 
beiden Cupressineen sind also unter den Koniferen die 
einzigen Gattungen, bei denen der zweizeilige männ- 
liche Zellkomplex keine Reduktion erleidet. Da nun 
der mehrzellige Zellkomplex wahrscheinlich den älte- 
ren Typus darstellt, so können die Cupressineen nicht 
etwa von den Cycadeen und Giukgoaceeu hergeleitet 
werden. Denn bei diesen ist eine Reduktion der 
Zelleuanzahl bis auf zwei schon durchgeführt, ehe 
noch ein Übergang von Spermatozoiden zu unbeweg- 
lichen Spermazellen stattgefunden hat, während in 
der phylogenetischen Reihe, der die Cupressineen an- 
gehören, der Übergang zu unbeweglichen Sperma- 
zellen eingetreten sein muß, ehe die Reduktion der 
Spermazellen stattgefunden hatte. In den Pollen- 
körnern oder Mikrospuren der Cordaiten findet sich 
ein mehrzelliges Gebilde, das nach der allgemeinen 
Annahme ein Spermogon darstellt, welches in jeder 
Zelle ein Sperinatozoid erzeugt hat. Ist dies so, dann 
würde dieses Gebilde das Homologon des Zellkom- 
plexes bei Cupressus sein und sich nur dadurch von 



ihm unterscheiden, daß es innerhalb des Pollenkerns 
vor dessen Keimung angelegt wurde. Bei Cupressus 
bildet sich der generative Zellkomplex erst im Pollen- 
schlauch; immerhin tritt die Teilung der generativen 
Zellen viel früher ein als bei den anderen Cupressi- 
neen, und auch dieser Umstand trägt dazu bei, diese 
Gattung als einen älteren Typus zu charakterisieren. 
Die Frage, ob die Cordaiten wirklich als die Stamm- 
väter der Cupressineen anzusehen seien, will Verf. 
nicht erörtern; „aber jedenfalls kann unter den Vor- 
fahren der Cupressineen irgend ein Typus existiert 
haben , dessen Pollenkorn ein solches mehrzelliges 
Spermogon enthalten hat". 

Die übrigen Koniferen will Verf. nicht von den 
Cupressineen abgeleitet wissen, da nur diese so organi- 
siert seien, daß jede der in einem Pollenschlauch er- 
zeugten Spermazellen als solche funktionieren könne. 
„Hier liegen ja die Archegonien zu einem einzigen 
Haufen zusammengedrängt, und die Spitze des Pollen- 
schlauches kann sich über alle oder wenigstens mehrere 
ihrer Mündungen ausbreiten und seine Spermazellen 
auf dieselben verteilen. Bei den anderen Koniferen 
trifft jeder Pollenschlauch nur auf ein Archegonium, 
und das Funktionieren mehrerer Spermazellen in 
einem Pollenschlauche ist also ausgeschlossen. Diese 
verschiedenen Organisationen im Geschlechtsapparate 
bilden für das System sehr wichtige Charaktere, 
welche darauf hinweisen, daß die Cupressineen wahr- 
scheinlich eine von den übrigen Koniferen früh ab- 
getrennte und mit ihnen parallel laufende Reihe 
bilden. Und in dieser nimmt die Gattung Cupressus 
mit ihren zahlreichen und früh angelegten Sperma- 
zellen die unterste Stufe ein." F. M. 



A. v. Obermayr: Die Temperatur aul dem hohen 

Sou ii hl ick. (Elfter Jahresbericht des Sonn blick-Vereins 

für das Jahr 1902. Wien 190o.) 

Da die Temperaturverhältnisse des hohen Sonnblick 

allgemeineres Interesse beanspruchen dürften, sollen die 

Ergebnisse der dieebezuglicheu Beobachtungen hier in 

Kürze mitgeteilt werden. Zunächst die Monats- und das 

Jahresmittel: i 

Jan. —13,8 April — 8,7 Juli +0,9 Okt. —5,0 

Febr. —13,9 Mai —4,7 Aug. -j- 0,8 Nov , _ 8)1 

März — 12,3 Juni — 1,3 Sept. — 1,0 Dez. — 12,0 

Jahr — 6,5. 

Das Jahresmittel ist sehr niedrig und findet sich in der 
Ebene nirgends in Europa; die mittlere Temperatur des 
kältesten Monates dagegen wird im äußersten Nordosten 
des Erdteiles (Archangelsk — 13,6") auuahernd erreicht. 
ller wärmste Monat ist ungemein kalt und entspricht in 
seiner Mitteltemperatur einem Wintermouat des west- 
lichen Deutschlands. Die Eintrittszeit der niedrigsten 
Temperatur läßt sich bei den geringen Temperatur- 
änderunfjen vom Tage zur Nacht und der noch zu kur- 
zen Beobachtungsreihe nicht geuau bestimmen, doch 
ist nicht anzunehmen, daß das Verhallen anders ist als 
an anderen Gipfelstationen, wo das Temperaturniinimum 
früher als in der Nieilerung eintritt, nämlich eine halbe 
bis anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang. Das Tem- 
peraturmaximum nähert sich aber mehr als an vielen 
anderen Gipfelstationen demjenigen der .Niederung und 
fällt aul 2 bis 3 p. Die jährliche Amplitude des Tem- 
peraturgauges ist natürlich geringer als in tieferen Lagen. 

In sehr anschaulicher Weise hat der Verfasser den 



Nr. 7. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 85 



täglichen und jährlichen Temperaturgang auf dem hohen 
Sonnblick auf zwei Tafeln durch sog. Isoplethen dar- 
gestellt. In einem solchen Isoplethensystem dienen als 
Koordinaten die Monate des Jahres einerseits, die Stun- 
den des Tages anderseits. Den Schnittpunkten beider 
Koordinaten entspricht eine bestimmte Temperatur. In- 
dem mau nun alle Schnittpunkte, welche dieselbe Tem- 
peratur haben, durch Linien verbindet, erhält man die 
Isoplethen, welche den Gang der Temperatur im Laufe 
des Tages und Jahres in sehr einfacher Weise veran- 
schaulichen. Die höchste bisher auf dem Sonnblick be- 
obachtete Temperatur betrug 13,0° C im Jahre 1894, die 
niedrigste — 34,6°C im März 1890. G. Schwalbe. 

R. K. McClung: Die Beziehung zwischen der 
Geschwindigkeit der Wiedervereinigung 
der Ionen in der Luft und der Temperatur 
der Luft. (Philosophical Magazine 1903, ser. 6, vol. VI, 
p. 655—666.) 
Die durch irgend eine Ursache in der Luft erzeugten 
Ionen haben , wenn die ionisierende Ursache zu wir- 
ken aufgehört, das Streben, sich wieder zu neutralen 
Gasmolekeln zu vereinen. Diese Wiedervereinigung er- 
folgt nach einem von Rutherford aufgestellten Gesetze, 
und Herr McClung hatte in einer auf Veranlassung 
dieses Physikers früher ausgeführten Arbeit gezeigt, daß 
der Druck der Gase innerhalb der von ihm untersuchten 
Grenzen auf diese Wiedervereinigung keinen Einfluß hat; 
sie erfolgte nach dem gleichen Gesetze in allen Verdüu- 
nungsgraden (s. Rdsch. 1902, XVII, 358). Nun hat Verf. 
untersucht, welche Wirkung eine Änderung der Tempe- 
ratur auf die Geschwindigkeit, mit der sich die Ionen 
wieder vereinen, haben würde. 

Die Untersuchung wurde nach derselben Methode 
wie die frühere ausgeführt und der Apparat (vgl. das 
erwähnte Referat) nur in einigen unwesentlichen Punk- 
ten modifiziert, um das in dem Messingzylinder enthal- 
tene Gas durch Einhängeu in einen mittels Bunsenflamme 
heizbaren Eisenblechkasten auf eine beliebige kon- 
stante Temperatur zu erwärmen. Für verschiedene Tem- 
peraturen zwischen den Grenzen 15° C und 300° C wur- 
den nun nach einer Einwirkung der Röntgenstrahlen 
während 10 bis 15 Sekunden die Zahl der Ionen im cm 3 
Gas durch die Entladung eines bestimmten Potentials 
gemessen, und diese Messungen wurden in genau glei- 
cher Weise in bestimmten Intervallen wiederholt; hier- 
bei wurden Werte erhalten, welche es gestatteten, den 
Verlauf der Leitfähigkeit, somit die Geschwindigkeit der 
Wiedervereinigung der Ionen durch eine Kurve darzu- 
stellen. Weiter untersuchte der Verfasser den Einfluß 
der verschiedenen Temperaturen auf die Konstante der 
Wiedervereinigung der Ionen. Die experimentell ge- 
fundenen Werte sind mit den aus der Formel berech- 
neten verglichen worden. 

Die Ergebnisse konnte Herr McClung in folgende 
zwei Sätze zusammenfassen: „1. Die Geschwindigkeit der 
Wiedervereinigung der Ionen in Luft folgt demselben 

du 
Gesetze, nämlich -r- = an- \n \e,t die Zahl der Ionen 
dt 

im cm 3 nach Aufhören der ionisierenden Bestrahlung, 
t die Zeit in Sekunden] bei den verschiedenen Tempe- 
raturen, wenigstens in dem untersuchten Umfang der Tem- 
peraturen, das ist zwischen 15° und 300°. 2. Eine Erhöhung 
der Temperatur der Luft erzeugt eine bedeutende Zu- 
nahme in dem Werte des Koeffizienten der Wiederver- 
einigung («), und die Beziehung der Temperatur zu diesem 
Koeffizienten scheint etwas komplizierter Natur zu sein." 



Backsteins" aufmerksam gemacht, der an verschiedenen 
Stellen des Puy de Dome durch die Lavaströme gebildet 
wurde, als diese sich über die pliocänen oder quaternären 
Tonschichten ergossen. In verschiedener Dicke, die unter 
dem Lavastrome 2 Mb 3 m erreichen kann , ist der Ton 
gebrannt worden, während er in größerer Tiefe die Farbe 
und die Beschaffenheit des nicht gebrannten Tones be- 
halten, in welchem Zustande er zwar eine mit seiner Zu- 
sammensetzung wechselnde Magnetisierbarkeit besitzt, 
aber keinen remanenten Magnetismus. Der Backstein hin- 
gegen ist magnetisch, und man kann, wie die Verff. gezeigt 
haben, die Richtung der Magnetisierung dieser natür- 
lichen Ziegel durch eine geeignete Methode nachweisen. 
Die Messungen in den seitdem verflossenen zwei Jah- 
ren, die zunächst freilich an einem beschränkten Material 
ausgeführt wurden, brachten die Verff. auf den Gedauken, 
daß alle vulkanischen Gesteine mehr oder weniger die- 
selbe Eigenschaft zeigen möchten, nämlich einen bestän- 
digen remanenten Magnetismus, dessen Richtung in einem 
bestimmten Steinbruch eine ganz bestimmte und gewöhn- 
lich von der jetzigen Richtung des Erdmagnetismus ver- 
schiedene sein würde und wahrscheinlich die Richtung 
des erdmagnetischen Feldes zur Zeit, wo der Fels er- 
starrte, angibt. Für den gebrannten Ton hatte Folghe- 
raiter diesen Einfluß des Erdmagnetismus direkt er- 
wiesen und gezeigt , wie man aus alten Tongefäßen 
Anhaltspunkte zur Beurteilung des Erdmagnetismus in 
längst vergangenen Zeiten gewinnen kann (Rdsch. 1899, 
XIV, 249). 

Die Herren Brunhes und David hatten nun aus 
der Untersuchung der gebrannten Backsteine des Royat- 
Steinbruchs gefunden, daß die Deklination etwa um 60° 
die gegenwärtige übertreffe und daß die Inklination 75° 
betrage. Aus demselben Bruche wurden neue Stücke 
des gebrannten Backsteins sorgfältig untersucht und mit 
losgelösten Lavastücken aus der Schicht über dem Back- 
stein verglichen. Diese hatten verschiedenes Aussehen 
und wahrscheinlich auch verschiedene Zusammensetzung, 
da sie sehr verschiedene Körper eingeschlossen und ge- 
schmolzen enthielten, und erst einige Meter oberhalb 
des Tonlagers war eine gleichmäßige Lavaschicht vor- 
handen. Der Magnetismus der Lavawürfel variierte ent- 
! sprechend zwischen 1 und 15; die am stärksten magne- 
| tisierten zeigten eine etwa viermal so starke Magnetisierung 
' als die magnetischsten Backsteine. „Auch die Richtung 
■ des Magnetismus variierte stärker als bei den Backsteinen. 
! Die Beständigkeit ihres Magnetismus muß also eine ge- 
| ringere sein. Gleichwohl kann man, wenn man die un- 
vermeidlichen Versuchsfehler bei derartigen Bestimmungen 
berücksichtigt, nicht umhin, zu glauben, daß die Lava, 
die beim Fließen den Ton gebrannt hat, in ihrer Ge- 
samtheit dieselbe Richtung des Magnetismus besessen 
wie dieser gebrannte Ton. Auch die Lava hätte somit 
die Richtung des Magnetismus des Erdfeldes zur Zeit des 
Fließens aufbewahrt." 

Eine interessante Gegenprobe lieferte eine Höhle in 
der Nähe des Backsteinbruches, in welcher man den 
unteren Teil der Tonschicht auf einem Basaltstrom 
lagernd findet; dieser ist natürlich älter als der Lava- 
strom oben, da zwischen beiden sich die Tonschicht ab- 
gelagert hat. Aus diesem Basalt geschnittene Würfel 
gaben nun eine ganz verschiedene Richtung der Mag- 
netisierung, wie die Stücke der oberen Lava, eine De- 
klination von 1° westlich von der jetzigen Deklination 
und eine Inklination von 59° 40'. Schon dieser ver- 
schiedene Magnetismus genügt zum Beweise, daß die 
beiden Ströme nicht gleichzeitig geflossen und daß der 
obere den Ton gebrannt hat. 



Bernard Brunnes und Pierre David: Über die Rich- 
tung der permanenten Magnetisierung in 
verschiedenen vulkanischen Gesteinen. 
(Compt. rend. 1903, t. CXXXVII, p. 975—977.) 
In einer früheren Arbeit (Rdsch. 1901, XVI, 487) 

hatten die Verff. auf den Magnetismus des „natürlichen 



R. Magini: Die ultravioletten Strahlen und die 

stereochemische Isomerie. (Rendiconti Reale Acca- 

demia dei Lincei 1903, ser. 5, vol. XII [2], p. 297—304.) 

„Die Hypothesen über die räumliche Konfiguration 

der Kohlenstoff Verbindungen haben dazu geführt, die 



86 XIX. Jahrg. 



Naturwissens ch ältliche Rundschau. 



1904. Nr. 7. 



Die beiden Asparagine 

CH 3 
CO.OH-C— NH 2 und 

C0.NH 2 



NH, 



H 3 C 

-C-CO.OH 
CO. NIL, 



Existenz isomerer Verbindungen anzunehmen und zu er- 
kennen, welche einer gleichen Konstitutionsformel ent- 
sprechen, leicht in einander transformierbar sind und 
gleiche oder fast gleiche physikalische oder chemische 
Eigenschaften besitzen. Diese feine (delicata sottile) Iso- 
merie ist nur erklärlich und vorstellbar, wenn sie in 
Beziehung gebracht wird zu einer relativen Anordnung 
der das Molekül zusammensetzenden Atome oder der 
Atomgruppen im Räume. 

Ein Beispiel, und überdies das einfachste, hat man, 
wenn ein Kohlenstoffatom unsymmetrisch ist, das heißt : 
verbunden mit unter einander ganz verschiedenen Atomen | 
oder Atomgruppen ; dann können, obgleich nur eine einzige 
Konstitutiousformel möglich und daher eine durch eine 
verschiedene Koustitution bedingte Isomerie nicht denk- ' 
bar ist, zwei verschiedene, vierf'achsubstituierte Produkte 
existieren, die darstellbar sind unter der Form zweier i 
unregelmäßiger Tetraeder, welche bezüglich einer Ebene ! 
symmetrisch und daher nicht superponierbar sind. Es 
ist bekannt, daß in diesem Falle wegen der verschiedenen 
Drehung, mit welcher in beziig auf eine Gruppe die an- 
deren Gruppen (von den Lichtstrahlen) durchlaufen wer- 
den können, die beiden Formen optisch entgegengesetzt 
sind und die sogenannten optischen Antipoden bilden. 
Dies ist der Fall bei den beiden Asparaginen : dem ge- 
wöhnlichen (linksdrehenden) und dem rechtsdrehenden, 
süßen von Piutti. 

Einen vom vorstehenden etwas verschiedenen Fall 
hat man, wenn zwei unsymmetrische Kohlenstoffatome 
mit einander durch eine Valenz verbunden sind. Wollen 
wir uns dann die Substitntionsprodukte vorstellen durch 
zwei an einer Ecke verbundene Tetraeder unter der 
Hypothese, daß sie frei um ihre gemeinsame Achse rotieren 
können , so sind drei Isomere möglich , je nach der 
verschiedenen Anordnung der Gruppen in jedem Tetraeder, 
und zwar das linksdrehende, das rechtsdrehende und das 
durch intramolekulare Kompensation inaktive, entspre- 
chend dem Falle, in dem ein Tetraeder zu dem andern 
umgekehrt ist. Ein anderes inaktives Isomeres ist dann 
dasjenige, welches man erhält, wenn man die racemische 
Verbindung herstellt mit einer gleichen Anzahl rechter 
und linker Moleküle. Die Weinsteinsäuren geben ein 
Beispiel für diese eigentümliche Isomerie. 

Denkt man sich hingegen, daß die beiden vorstehenden 
Tetraeder durch eine Kante verbunden sind oder daß die 
beiden Atome mit je zwei Valenzen verknüpft sind, so 
bietet das System keine freie Rotation, und es sind nur 
zwei Isomere möglich, die Form eis und die Form trans. 
Das klassische Beispiel dieser Isomerie bieten die Malein- 
säure und die Fumarsäure." 

Verf. stellte sich die Aufgabe, die ultravioletten Spektra 
der Asparagine, der Weinsteinsäuren und der Male'in- 
und Fumarsäure darauf zu untersuchen, ob und inwieweit 
die so delikaten Differenzen der molekularen Gestaltung 
imstande sind, die Absorption zu beeinflussen. 



waren dem Verf. von Herrn Piutti zur Verfügung ge- 
stellt. Wegen der geringen Löslichkeit und des starken 
Absorptionsvermögens wurde in der Wärme 1 g-Mol. in 
3 Liter gelöst, filtriert und bei 60° schnell untersucht; 
statt der Untersuchung verschiedener Lösungen wurden 
verschiedene Dicken der Lösungen 1 bis 3,3 cm verwendet 
und die kürzeste noch hindurchgelassene Wellenlänge be- 
stimmt. Die beiden optisch entgegengesetzten Formen des 
Asparagins zeigten keinen Unterschied der Absorption. 
Dasselbe ergaben die Messungen mit den beiden Wein- 
steinsäuren; die Wellenlängen der letzten durchgelassenen 
Strahlen waren in allen drei Schiehtdicken bei der 



rechtsdrehenden und linksdrehenden 
CO. OH CO. OH 



i— c-o 



OH-C-H 



H-C-OH 
(JO.OH 



HO— C— H| 

CO. OH 
Weinsteinsäure gleich. 

H-C — CO. OH 
Sodann wurden die Maleinsäure „ _ U, „„ n „ 

CO. OH-C-H , ., . , 

und die Fumarsäure ü beide in Lo- 

H — L — OU . Un 

sungen von absolutem Äthylalkohol untersucht. Die Prä- 
parate waren teils von Kahlbaum, teils von Merck 
bezogen und gaben identische Resultate. Die Lösungen 
variierten von 1 g-Mol. in 4,8 bis 1 g-Mol. in 2500 Liter 
Alkohol; die Schichtdicke war stets 1cm. Die Absorp- 
tion der beiden Säuren war nicht identisch; in 
den konzentrierten Lösungen war die Maleinsäure durch- 
sichtiger als die Fumarsäure, bei der Lösung '/ 150 n und 
entsprechend der Wellenlänge 2S25 war die Absorption 
beider ziemlich gleich ; bei den verdünnteren Lösungen 
wurde die Maleinsäure stärker absorbierend, und bei den 
noch stärkeren Verdünnungen im äußersten Ultraviolett 
wurde die Absorption beider Säuren wieder ziemlich 
gleich. Diese stereochemischen Isomeren, in denen eine 
doppelte Bindung vorkommt, zeigen somit im Gegensatz 
zu den früher erwähnten Isomeren eine deutlich ver- 
schiedene Absorption der ultravioletten Strahlen, aber 
von derselben Größenordnung. 



M. Gräfin v. Linden: Das rote Pigment der Va- 
nessen, seine Entstehung und seine Bedeu- 
tung für den Stoffwechsel. (Verhandlungen der 
deutschen zoolog. Gesellschaft 1903, Bd. XIII, S. 53—65.) 
Die Austärbung der Schmetterlingsflügel in der Puppe 
erfolgt in ganz bestimmter, gesetzmäßiger Reihenfolge so, 
daß die helleren Farben zunächst, die dunkleren später 
erscheinen. So sind die Flügel von Vanesea urticae vor 
der Bildung der Schuppen anfangs grünlich, dann gelb- 
lich, rötlich, karminfarben, später färben sich die in- 
zwischen gebildeten Schuppen in gleicher Reihenfolge 
der Farben. Auch in der Färbung der Raupenepidermis 
folgen 6ich die Farben in derselben Folge. Diese regel- 
mäßige Färbungsfolge hatte schon vor längerer Zeit die 
Ansicht nahe gelegt, daß die einzelnen Farbstoffe aus- 
einander entstehen. Dabei traten bald zwei verschiedene 
Anschauungen auf. Während Urech annahm, daß die 
dunkleren Farben durch Kondensierung der ursprüng- 
lich heller erscheinenden Farbstoffmolekel entständen, 
und daß die Muttersubstanz dieser Farbstoffe ein der 
Harnsäuregruppe nahestehender Körper, die Farbstoffe 
also Zerfallsprodukte des Körpereiweißes seien , zeigte 
Poulton experimentell, daß die Bildung der grün- 
lichen, gelben und gelbroten Farben in der Raupenhaut 
vom Gehalt ihrer Nahrung an Chlorophyll und Etiolin 
abhängig sei. 

Die Untersuchungen der Verfasserin, über welche 
hier berichtet wird, erstreckten sich zunächst auf die 
gelben und roten Farbstoffe der Vanessen. Es zeigte 
sich, daß dieselben Farbstoffe, welche in den Flügel- 
schuppen der Falter vorhanden sind, auch im Körper- 
epithel der Raupen und Puppen, sowie im Blut der In- 
sekten vorkommen, daß sie im Darm der Raupen kurz 
vor der Verpuppung in Menge gebildet werden, und 
daß der im Körperepithel der jungen Puppe auftretende 
karminrote Farbstoff künstlich aus den grünen, gelben, 
gelbroten und rotbraunen Pigmenten der Raupen- und 
Puppenhaut gewonnen werden kann. Es kann dies durch 
die Einwirkung zum Sieden erhitzten Wassers, durch 
trockene Ofenhitze, durch Sonnenbestrahlung oder durch 
Betäuben der Raupen oder Puppen mittels Chloroform 
geschehen , auch parasitäre Insekten bewirken stärkere 
Rötung der Puppenhülle. 



Nr. 7. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 87 



Als Bildungstätte dieser Farbstoffe ist der Raupen- 
darm anzusehen. Solange die Raupe noch frißt, erfüllen 
den Darm Blattreste, die von einer grünen, alkalisch 
reagierenden Flüssigkeit umspült, sind, welche sich spektro- 
skopisch als Chlorophylllösung erweist. Dieselbe Flüssig- 
keit erfüllt die Darmepithelien. Beim Herannahen der 
Verpuppung geht dieser grüne Darmsaft in eine zuerst gelb, 
dann rot gefärbte, saure Flüssigkeit über, und gleiches 
findet in den Epithelien statt. Die Zellen der letzteren 
degenerieren und gelangen in die Darmflüssigkeit, wo 
sie zum Teil von amöboiden Zellen aufgenommen werden, 
welche, gleichwie das Blut, den roten Farbstoff allent- 
halben im Körper der Puppe verbreiten. Derselbe stimmt 
mit dem Farbstoff der Exkremente im Aussehen sowie 
in der Kristallisationffähigkeit und in der Kristallform 
überein. Um die chemische Natur dieser roten Farb- 
stoffe zu bestimmen, studierte Verfasserin den Einfluß 
oxydierender und reduzierender Mittel, der Luft, der 
Kohlensäure, des Kohlenoxyds, des Lichtes und der Tem- 
peratur, sowie ihr spektroskopisehes Verhalten und ihr 
Verhalten gegen Fällungsmittel. Uurch salzsauren Alkohol 
wird der Farbstoff, ähnlich dem Hämoglobin, in eine 
gefärbte und eine ungefärbte Komponente zerlegt, welch 
letztere sich durch ihr chemisches Verhalten am nächsten 
den Albumosen anschließt, während die erstere in ihren 
Reaktionen den Gallen- und Harnfarlistoffen nahesteht. 

Besonders ausgezeichnet sind die Vanessenpigmente 
durch ihre große Verwandtschaft zum Sauerstoff und 
die Fähigkeit, diesen locker zu binden, welche allein dem 
Schuppenfarbstoff zu fehlen scheint. Verfasserin schließt 
hieraus, daß ihnen im Organismus des Insektes eine 
respiratorische Funktion zukomme. Dafür spricht der 
Umstand, daß sie überall dort angetroffen werden, wo 
die anatomischen Verhältnisse einen regen Stoffwechsel 
voraussetzen. Auch würde hiermit die Tatsache über- 
einstimmen, daß Farbwechsel eintritt, sobald äußere 
Eingriffe oder innere Vorgänge den Sauerstoft'gehalt der 
Gewebe beeinflussen. Es würden danach die verschie- 
den gefärbten Körnchen in der Kaupen- und Puppenhaut 
als verschiedene Oxydationsstufen ein und desselben Pig- 
mentes zu betrachten und die oben erwähnte Folge der 
Färbungen als der Ausdruck sich folgender Oxydationen 
und Reduktionen anzusehen sein. 

Was nun die Herkunft dieser Farbstoffe angeht, so 
hatte Verfasserin in dem roten Pigment der Vanessen 
schon früher einen Abkömmling des Chlorophyllfarb- 
stoffes der von den Raupen verzehrten Pflanzen vermutet. 
Eine Bestätigung dieser Vermutung lieferten Darm- 
präparate von Raupen, welche nach iy s jähriger Auf- 
bewahrung in Glyceringelatine die Bildung roter Farb- 
stoffkristalle innerhalb der Zellen der den Darminhalt 
bildenden Pflanzenreste erkennen ließen. Es ließ sich 
ferner feststellen, daß — ganz entsprechend den im Darm 
des lebenden Tieres vorgehenden Veränderungen — aus 
dem Chlorophyll zunächst Chlorophyllau entsteht, daß 
die Chlorophyllkörper zerfallen und an ihrer Stelle Drusen 
rotbrauner bis karminroter Kristalle auftreten; bei aus- 
gedehnterer Bildung roten Farbstoffes entsprach das Ab- 
sorptionsspektrum durchaus dem des Vanessenfarbstoffes, 
welches wieder gleich dem des Urobilins ist. Verfasserin 
weist zum Schluß darauf hin, daß schon vor längerer 
Zeit Gautier sich für eine nahe Verwandtschaft des 
Chlorophylls mit dem Bilirubin ausgesprochen habe, und 
daß die neuesten chemischen Untersuchungen von Xencki 
und Küster gleichfalls auf nahe Beziehung zwischen 
Chlorophyll und Hämoglobin hindeuten. R. v. Hau stein. 



A. Hansen : ExperimentelleUntersuchungen über 
die Beschädigung der Blätter durch Wind. 
(Flora 1904, Bd. 93, S. 32—50.) 
Um den schädlichen Einfluß, den der Wind auf die 
Pflanzen ausübt (vgl. Rdsch. 1902, XVII, 134), im Labo- 
ratorium prüfen zu können, hat Verf. einen Apparat kon- 
struiert, der aus zwei miteinander verbundenen Kammern 



besteht. In der einen Kammer bewegt sich das treibende 
Rad, in der anderen das von diesem bewegte Windrad. 
Als Kraft wurde Wasser benutzt. Verf. vermag so einen 
die Blätter ziemlich stark bewegenden Luftstrom zu er- 
zeugen, der ununterbrochen, Tag und Nacht, aus einem 
weiten Mündungsrohre strömt. Die Stärke dieses Luft- 
stromes entspricht ungefähr einer Zahl zwischen 1 und 2 
der Beaufortschen Skala. Die mit Tabakpflanzen und 
Sicyos augulatus ausgeführten Versuche hatten ein Er- 
gebnis, das mit des Verf. Beobachtungen unter natür- 
lichen Verhältnissen und mit Versuchen im Freien, die 
er an Weinstöcken ausgeführt hatte, übereinstimmte. 
Die dem Winde ausgesetzten Blätter bekamen an den 
Rändern trockeue Stellen, die sich allmählich weiter aus- 
dehnten, bis der ganze Blattrand trocken und braun ge- 
worden war. Der übrige Teil der Blätter war völlig 
gesund. Um festzustellen, ob der Luftstrom ganz lokal 
wirke, wurde ein Tabakblatt so vor das Windrohr ge- 
bracht, daß nur der Rand getroffen wurde. Nach 14 Tagen 
war hier langsam au drei unterbrochenen Stellen des 
Blattrandes das Gewebe in der Größe von etwa 1 cm 1 
vertrocknet. Die übrige Blattfläche war ganz gesund und 
unverändert geblieben. 

Diese Art der Einwirkung des Windes ist, wie Verf. 
ausführt, ganz verschieden von den Veränderungen, die 
ein Blatt beim Vertrocknen zeigt, und läßt sich nicht 
aus der übermäßigen Transpiration herleiten. Als be- 
sonders bemerkenswert hebt er hervor, daß die Leitbündel 
der affizierten Stellen stark gebräunt sind. „Die Grenze 
von gesundem und durch den Wind vertrocknetem Ge- 
webe fällt scharf zusammen mit der Braunfärbung der 
hier durchziehenden Leitbündel, welche im gesunden Ge- 
webe farblos sind. Die Gefäßbündel werden offenbar von 
dem Winde auffallend verändert. Mir scheint die Sache 
so zu liegen, daß die dünneu Gefäßbändel durch den 
Liiftstrom zuerst ihres Wassers beraubt und dadurch so 
verändert werden, daß sie das Wasser nicht mehr leiten. 
Au dieser Stelle vertrocknet infolgedessen das Mesophyll. 
Da die Blattnerven zwischen dem Mesophyll bloß liegen, 
so sind sie dem Angriff des Windes uumittelbar zugäng- 
lich , und die dünnsten an der Peripherie werden zuerst 
vertrocknen, so daß hier das Vertrocknen des Mesophylls 
beginnt. Bei einer anderen Annahme erscheint mir das 
Vertrocknen der Blätter vom Rande her nicht verständ- 
lich. Wollte man annehmen, der Wind griffe das Meso- 
phyll direkt an, dann wäre nicht zu verstehen, warum 
der Vertrocknungsprozeß nicht auch mitten auf der 
Lamina beginnen sollte. Nach dieser Auffassung, welche 
sich nicht durch Diskussion, sondern nur durch weitere 
Versuche sicherstellen läßt, handelt es sich also um 
einen direkten Angriff des Windes auf das Leitungs- 
gewebe der Blätter und nicht um eine zum Übermaß 
gesteigerte Transpiration. Die Windwirkung verursacht 
vielmehr eine Unterbindung der Transpiration. Der 
Transpirationsstrom wird abgeschnitten. Das ist ziemlich 
das Gegenteil anderer Ansichten." F. M. 



Literarisches. 



E. Mach: Populär - wissenschaftliche Vor- 
lesungen. 3. vermehrte und durchgesehene Auf- 
lage. Mit 60 Abbildungen. XI und 403 S. 8°. 
(Leipzig 1903, Joh. Arabr. Barth.) 

Jeder Physiker, der die Bücher von Mach: „Die 
Mechanik in ihrer Entwickelung. historisch-kritisch dar- 
gestellt" und „Die Prinzipien der Wärmelehre, historisch- 
kritisch dargestellt" in der Hand gehabt hat, wird von 
dem hohen Standpunkte gefesselt, von dem aus der Verf. 
seine Gegenstände abhandelt. Neben dem Naturforscher 
tritt überall der Philosoph Mach in die Erscheinung, 
und indem die Dinge sub specie aeternitatia betrachtet 
werden, fühlt sich der Leser in die Welt des reinen 
Gedankens versetzt und empfindet in dieser Erhebung 
wahren ästhetischen Genuß. Die in den genannten bei- 



XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 7. 



den Büchern und in den größeren rein philosophischen 
Veröffentlichungen des Herrn Mach enthaltenen Be- 
trachtungen werden vielfach ergänzt durch die populär- 
wissenschaftlichen Vorlesungen, die Herr Mach wäh- 
rend eines Zeitraumes von mehr als dreißig Jahren bei 
verschiedenen Gelegenheiten gehalten hat. Einzeln ver- 
öffentlicht, waren diese Vorträge nur schwer zu erhalten, 
und es war daher ein glücklicher Gedanke, sie für die 
Verehrer der Mach sehen Denkweise gesammelt heraus- 
zugeben. Zuerst in englischer Übersetzung veröffent- 
licht, erschienen sie 1896 in deutscher Ausgabe und fan- 
den einen solchen Beifall, daß wir jetzt bereits die dritte 
Auflage willkommen heißen können, die um vier Artikel 
vermehrt worden ist. 

Jede einzelne der 19 Vorlesungen trägt das Gepräge 
des Mach sehen Geistes uud verdient als Muster dieser 
Gattung unserer Literatur die weiteste Verbreitung, mag 
es sich um ganz spezielle Fragen handeln, wie die Corti- 
seben Fasern des Ühres oder die Erscheinungen an flie- 
genden Projektilen oder um allgemein menschliche Dinge, 
wie Umbildung und Anpassung im naturwissenschaft- 
lichen Denken oder die ökonomische Natur der physi- 
kalischen Forschung. Das zumeist beobachtete Verfah- 
ren hat der Verf. in seiner Vorrede zu dem St allo sehen 
Buche: „Die Begriffe und Theorien der modernen Phy- 
sik" in den Worten beschrieben : „Meine Schriften wen- 
den sich, wie dies durch meine Erziehung, meine An- 
lage und meinen Beruf bedingt ist, an jene Physiker, 
welche der logischen Klärung und philosophischen Ver- 
tiefung ihrer Wissenschaft nicht abgeneigt sind. Dem- 
entsprechend suche ich die wissenschaftlichen Mängel 
und Inkonsequenzen erst im einzelnen auf, um von hier 
aus allgemeinere Gesichtspunkte zu gewinnen." Unter 
denselben Gesichtspunkten wenden sich die populär- 
wissenschaftlichen Vorlesungen an alle Gebildeten; viel- 
leicht wird mancher Leser dadurch veranlaßt, sich mit 
den sonstigen Schriften unseres gediegenen Naturphilo- 
sophen weiter zu beschäftigen und aus ihrer vornehmen 
Haltung, die stets auf der Höhe des Gedankens bleibt, 
reichen Genuß zu ziehen. E. Lampe. 



P. Ferchland: Grundriß der reinen und ange- 
wandten Elektrochemie. VII und 271 S. Mit 
59 Figuren im Text. (Halle a. S. 1903, Wilhelm Knapp.) 

Die immer mehr wachsende Bedeutung der Elektro- 
chemie für Wissenschaft und Technik prägt sich auch 
in der zunehmenden Zahl der Lehr- und Handbücher für 
dieses Gebiet aus. Der vorliegende für fortgeschrittenere 
Studierende derj Chemie bestimmte Grundriß unterscheidet 
sich in der Auswahl und Anordnung des Stoffes nicht 
wesentlich von den schon vorhandenen Büchern gleichen 
Zweckes, zeichnet sich aber dadurch aus, daß die vor- 
getragenen Begriffe und Lebren mit großer Klarheit und 
didaktischem Geschick behandelt sind, so daß es den 
Studierenden der Chemie über manche Schwierigkeiten, 
die ihm beim Einarbeiten in dieses Gebiet und in einen 
ihm ungewohnten Ideenkreis entgegentreten, mit Erfolg 
hinweghelfen wird. 

Das Buch zerfällt in drei Abschnitte, welche der 
elektrolytischeu Leitung, der Änderung der Energie bei 
elektrolytischen Prozessen und der speziellen und an- 
gewandten Elektrochemie gewidmet sind. Weswegen der 
Verfasser bei letzterer die elektrochemischen organischen 
Prozesse weggelassen hat, „von welchen er sich keinen 
Nutzen für sein Buch versprechen konnte", ist nicht recht 
einzusehen. Denn wenn auch die Elektrochemie auf or- 
ganischem Gebiete die hochgespannten Erwartungen, die 
man an sie knüpfte, nicht erfüllt hat und wenn auch ihre 
Errungenschaften gegen diejenigen in der unorganischen 
Chemie stark zurücktreten, so ist doch das theoretische 
Interesse, das ihnen zukommt, und ihre technische Be- 
deutung groß genug, um die Aufnahme in ein solches 
Buch zu rechtfertigen. Ein Namen- und Sachregister 
macht den Beschluß. 



Das Buch ist, wie gesagt, sehr klar geschrieben; die 
Darstellung durchaus einwandfrei. Auf Seite 94 ist in der 
Tabelle ein Druckfehler (Nit statt NHJ stehen geblieben. 
Das Buch ist zur Einführung in das Gebiet der Elektro- 
chemie recht geeignet und kann unseren Studierenden, aber 
auch Chemikern, welche sich mit der Theorie desselben 
vertraut machen wollen, bestens empfohlen werden. Bi. 



R. Lepsius: Geologie von Deutschland und 
den angrenzenden Gebieten. Zweiter Teil: 
Das östliche und nördliche Deutschland. 
Lieferung 1 (Bogen 1 bis 16). 246 S. (Leipzig 1903, 
W. Engelniann.) 
Nach längerer Zeit wird mit der ersten Lieferung 
des zweiten Bandes endlich die erwünschte Fortsetzung 
des umfassend geplanten Werkes von Lepsius dem 
geologischen Publikum areboten. Wir besitzen ja zwar 
eine ganze Reihe vorzüglicher monographischer Dar- 
stellungen einzelner Gebiete und Landesteile oder ganzer 
Länder unseres Vaterlandes, und die Aufnahmen der geo- 
logischen Landesanstalten der einzelnen Staaten Deutsch- 
lands bieten dem Fachmann erschöpfende und genaueste 
Auskunft bis in die kleinsten Einzelheiten der verschie- 
denen Gegenden, aber es fehlt eben eine zusammenfassende 
übersichtliche Darstellung des Ganzen. Freilich fehlen 
diese Detailaufnahmen und Untersuchungen noch für 
große Teile unseres Vaterlandes, und es werden daher 
die fortschreitenden Arbeiten der Geologen manche in 
diesem Werke wiedergegebene Ansicht oder Darstellung 
ändern oder gar stürzen, aber um so mehr gerade ist eine 
Zusammenfassung der bisher erreichten Resultate zu be- 
grüßen. Für den vorliegenden ersten Teil dieses zweiten 
Bandes, der mit der Beschreibung des hereynischen Ge- 
birgssystems beginnt, ist der Verf. außerdem in der 
Lage, ziemlich allgeschlossene Ergebnisse verwerten zu 
können, da die hier behandelten Gebietsteile durch die 
Arbeiten der sächsischen, bayerischen und preußischen 
geologischen Landesaufnahme bereits völlig erforscht sind. 
Zunächst gibt der Verf. eine orographische Über- 
sicht des hereynischen Gebirgssystems, jenes nördlichen 
Teils des „nordöstlichen Systems" von Leopold v. Buch, 
das das gesamte Gebirgsland zwischen Wien, Breslau und 
Hannover umfaßt. Durch die großen Verwerfungen am 
Südrande des Erzgebirges wird es in zwei natürliche 
Hälften geteilt, deren nördliche das hereynische, deren 
südliche das sudetische Gebirgssystem genannt wird. 
Jenes erste umfaßt das Fichtelgebirge, das Erzgebirge, 
das Lausitzer Gebirge, den Frankenwald, das Vogtland, 
das sächsische Mittelgebirge, den Thüringer Wald, die 
thüringische Mulde, den Harz, den Teutobur>ger Wald, 
das Wesergebirge und die subhereynischen Berge in 
Hannover und Braunschweig. Die Gebirge streichen fast 
durchweg von S E nach N W, nur im Erzgebirge und im 
sächsischen Mittelgebirge (Granulitgebirge) tritt die ältere 
„niederländische" Streichrichtung von SW gen NE deut- 
lich hervor. Den höchsten Teil dieses Gebirgssystems 
bilden die seinen Südrand abschließenden Teile, das Erz- 
gebirge und das Fichtelgebirge; nach N fallen sie all- 
mählich flach ein, während sie nach S steil abbrechen. 
Die übrigen Gebirge streichen quer zu dieser nordöstlich 
gerichteten Basis nach NW. Beide Ränder dieses lang- 
gestreckten Systems sind gleichförmig zu Gebirgen auf- 
gestaut, die Mitte liegt muldenförmig eingesenkt. Den 
Südrand bilden Ficbtelgebirge, Frankeuwald und Thü- 
ringer Wald in einer geschlossenen Linie; dann folgt von 
Eisenach bis Warburg eine längere Unterbrechung, in der 
nur die Aufbrüche des paläozoischen Grundgebirges auf 
dem linken Werraufer (Richelsdorf , Allendorf) die Auf- 
biegung markieren. Weiterhin folgen dann die lange, 
steil aufgerichtete Mauer des Teutoburger Waldes und 
dessen Ausläufer bis zur Ems. Auf der Nordseite liegt 
gegenüber dem Teutoburger Wald die Weserkette von 
der Haase an über die Weser an der Porta quer hinüber 
bis zum Süntel; an sie schließen sich an die subherey- 



Nr. 7. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 89 



nischen Züge des Süntel, Deister, Osterwald, Ith, Hils, 
Siebeuberge und Sackwald. Dann folgen das breite Harz- 
massiv und die Porphyrberge von Halle und Grimma. 
Weiterhin in der Leipziger Bucht liegt das Grundgebirge 
so tief, daß es nur an wenigen Punkten bei Leipzig 
aus den jüngeren Uberschüttungen zutage tritt. Der 
Nordostrand des Erzgebirges zieht alsdann weiterhin 
westlich von Meißen, Dresden und Pirna hindurch bis 
nach Königswalde in Böhmen. Die Lausitz liegt nord- 
östlich von der GrabenversenkuDg, in welche die Kreide- 
schichten der Sächsischen Schweiz eingesunken sind und 
in der die Elbe von Tetschen bis Dresden ihren Lauf 
verfolgt. Die Lausitzer Granitplatte ist die Fortsetzung 
des Riesen- und Isergebirges ; längs ihres Südrandes ist 
sie in der bekannten Hohensteh:er Linie über die Jura- 
und Kreideschichten der Eibsenke überschoben. Diese 
nördlichste Gebirgsfalte des hercynischen Systems läßt 
sich weiter nordwestwärts verfolgen au der Elbe zwischen 
Riesa, Würzen und Torgau, in den Porphyrinseln zwischen 
Bitterfeld und Wittenberg, in den Porphyren von Alvens- 
leben und in den Culmgrauwacken der Magdeburger 
Gegend. Ferner gehören zu diesem Zuge die Berge bei 
Helmstedt und Fallersleben, der Elm bei Braunschweig 
und die Asse bei Wolfenbüttel. 

Von diesen hier aufgeführten Gebirgszügen behandelt 
der vorliegende Teil nur das Erzgebirge, das Fichtel- 
gebirge, die Münchberger Gneisplatte, das sächsische 
Granulitgebirge, das Eibsandsteingebirge, dieHohensteiner 
Überschiebung, die Lausitzer Granitplatte und das ost- 
thüringiBche Schiefergebirge. Bei jedem dieser Teile 
werden die auftretenden GeBteinsarten, ihre Bildung 
und Tektonik und die in ihnen aufsetzenden Erzlager- 
stätten besprochen. Eingehend werden die hier zu großer 
Bedeutung gelangenden metamorpheu Veränderungen der 
Gesteine erörtert. Eine Reihe genauer Profile dient zur 
wesentlichen Erläuterung des Gesagten. Auf die Einzel- 
heiten hier einzugehen, würde jedoch zu weit führen. 
Nur einiges besonders Wichtige sei an dieser Stelle er- 
wähnt. Für die Deutung des kristallinischen Grund- 
gebirges betont der Verf. das genetische Moment. Den 
größten Teil der erzgebirgischen Gneise z. B. betrachtet 
er als Granite, die in der Tiefe der Erdkruste zwischen 
den Schichtfugen und parallel der Schichtung der ältebten 
Schiefer in das Schiefergebirge eingedrungen sind, sich 
hier mit Schiefermaterial sättigteu und die Schiefer selbst 
zu Glimmerschiefer und die Grauwacken in die sog. dichten 
Gneise durch ihre Hitze uuter Druck und mittels über- 
hitzter, wässeriger Lösungen und Wasserdämpfe meta- 
morph umgewandelt haben. Daß daneben in den Gneisen 
und Glimmerschiefern des Erzgebirges auch sedimentäre 
Elemente stecken, beweisen die vielero'ts auftretenden, 
in Marmor umgewandelten Kalke und Dolomite, die grau- 
wackenartigeu „dichten" Gneise, die „Quarzite." und die 
Kouglomeratgueise vom Obermittweidaer Hammer. Dem 
Alter nach treten hier ältere und jüngere Granite auf; 
jene liegen konkordant, diese disknrdant zur Schichtung 
des Schiefergebirges. — Bezüglich der Entstehung der 
erzgebirgischen Erzgänge stellt sich der Verf. in Gegen- 
satz zu H. Müller, dem ausgezeichneten Kenner der- 
selben. Dieser betrachtet sie als erst zur Tertiärzeit 
entstanden, er hingegen plaidiert für ihr höheres Alter 
und betrachtet sie als die letzten Exhalatiouen der Granit- 
intrusionen, welche hier in das kristalline Grundgebirge, 
in die Glimmerschiefer und Phyllite und bis hinauf in 
den rotliegeuden Teplitzer Quarzporpbyr (Altenberg — 
Zinnwald) in lakkolithisehen Massen und Gängen wohl nur 
bis zum Ende des Rotliegenden aus der Tiefe heraus 
eingedrungen sind. A. Klautzsch. 

ß. Beinisck : Petrographisches Praktikum. Zweiter 
Teil: Gesteine. 180 S. Mit 22 Textfiguren. 
(Berlin 1904, Gebr. Bornträger.) 
Behandelte der erste Teil (Rdsch. 1902, XVII, 74) 

dieses petrographischen Praktikums die gesteinsbildenden 



Mineralien, so soll der jetzt erschienene zweite Teil ein 
Ililfsbuch zur Einführung in die Gesteinsuntersuchung 
sein, wobei eine Reihe von mikroskopischen Gesteins- 
habitusbildern zur Erläuterung dient. Sein Inhalt um- 
faßt Eruptivgesteine, Sedimente und kristalline Schiefer. 
Innerhalb der ersten Gruppe sind nur Tiefen- und Er- 
gußgesteine unterschieden , nicht auch „Ganggesteine". 
Die Gliederung der einzelnen Gruppen, zumal auch 
die Ganggesteinsnamen (leider ohne jede Literatur- 
angabe) aufgeführt werden, wird dadurch allerdings 
etwas unübersichtlich. Alkalikalk - und Alkaligesteine 
sind überall scharf geschieden; im Hinblick auf Spal- 
tungsvorgänge wichtige, seltene Gesteine werden auch 
berücksichtigt. Die Bedeutung dieser Vorgänge recht- 
fertigt es, ihrer in einem eigenen Abschnitt besonders zu 
gedenken und das darauf basierende System Löwinson- 
Lessings sowie Rosenbuschs Kerntheorie zu er- 
örtern. — Bei den kristallinen Schiefern steht Verf. auf 
dem Standpunkte Zirkels: er bespricht sie also mit 
Ausschluß aller kontaktmetamorphen Bildungen und aller 
der Abkömmlinge von Eruptivgesteinen, die ab Flaser- und 
Schieferfacies der zugehörigen eruptiven Bildungen er- 
kannt sind. Im ganzen erscheint das Werk weniger als ein 
Hilfsbuch für den Studierenden zur Einführung in die 
Gesteinsuntersuchung; viel eher könnte es bei weiterer 
Durcharbeitung ein wertvolles Repertorium der Petro- 
graphie für den erfahrenen Petrographen werden. 

A. Klautzsch. 

W. Schoenichen: Die Abstammungslehre im Unter- 
richt der Schule. 46 S. 8°. (Sammlung natur- 
wissenschaftlich-pädagogischer Abhandlungen, her- 
ausgegeben von 0. Schmeil und W. B. Schmidt, 
Heft 3.) (Leipzig und Berlin 1903, B. G. Teubner.) 
In dem ersten Abschnitt der vorliegenden Publika- 
tion erörtert Verf. die Frage, aus welchen Gründen die 
Einführung der Deszendeuzlehre in den biologischen 
Unterricht der Schulen nicht mehr zu umgehen sei. Die 
ganze Entwickelung des Unterrichts selbst, in welchem 
jetzt immer mehr die Betrachtung des lebenden Orga- 
nismus und seiner Wechselbeziehungen zur Außenwelt 
in den Vordergrund tritt, drängen auf diese Einführung 
hin. Die Schärfung der Sinnesorgane der Raubtiere und 
der von ihnen verfolgten Pflanzenfresser kann nur dadurch 
verstanden werden, daß die eine durch die andere ur- 
sächlich bedingt ist und daß jede Zunahme auf der einen 
Seite zu einer entsprechenden Steigerung auf der ande- 
ren Seite führte. Die Homologie der einzelnen Skelett- 
teile in der Gruppe der Wirbeltiere, auch in Organen 
von sehr verschiedener physiologischer Bedeutung, die 
Übereinstimmung der Segmentzahl bei den verschiede- 
nen Insektenorduungen usw. verlangt eine Erklärung, die 
hier nicht durch biologische Beziehungen, sondern nur 
durch Stammesverwandtschaft gegeben werden kann. 
Allgemein philosophische Gründe nötigen dazu, den un- 
haltbaren Standpunkt, daß jede zweckmäßige Anpassung 
einer ad hoc erfolgten Schöpfertätigkeit ihren Ursprung 
verdanke, schon im Schulunterricht nicht aufkommen 
zu lassen, und der Einwand, daß es sich bei der De- 
szendenzlehre um eine hypothetische Erklärung handle, 
deren Wahrheit nicht streng beweisbar sei, ist belang- 
los, wenn man sich vergegenwärtigt, daß niemand An- 
stand nimmt, im physikalischen und chemischen Unter- 
richt die Schüler mit einer ganzen Reihe von Hypothesen 
bekannt zu machen. Auch sei es viel richtiger, die 
Schüler im Rahmen des Unterrichts über das Wesen und 
die Begründung der Abstammungslehre aufzuklären, als 
dies den vielfach mit wenig Sachkunde und Vorsicht 
verfaßten populären Schriften zu überlassen. Den reli- 
giösen Überzeugungen endlich könne durch die De- 
szendenzlehre an sich nicht in höherem Maße Abbruch 
getan werden, als durch das längst in dem Rahmen des 
Bchulmäßigen Unterrichts aufgenommene Kopernikanische 
Weltsystem. 



90 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 7. 



Während die hier auszugsweise mitgeteilten Ausfüh- 
rungen des Verfassers kaum auf irgend welchen begrün- 
deten Widerspruch in Fachkreisen stoßen dürften, ver- 
mag Ref. Herrn Schoenichen in einem anderen Punkte 
nicht beizustimmen. Er führt aus , daß Sätze wie die 
folgenden : „die Feldlerche hat eine wunderbare Boden- 
färbung, darum ist sie ein Erdvogel" oder „die Fleder- 
maus besitzt eine Flughaut, darum ist sie ein Lulttier" 
unlogisch und falsch seien; es müsse umgekehrt heißen: 
„die Fledermaus ist ein Lufttier, darum besitzt sie Flug- 
organe". Dem gegenüber muß festgehalten werden, daß 
logisch beide Formulierungen ihre Berechtigung haben. 
Nur deshalb, weil die Vorfahren der Fledermäuse im- 
stande waren, ihre Vordergliedmaßen zu Flugwerkzeugen 
umzugestalten, konnten ihre Nachkommen zu Lufttieren 
werden; und ob im Falle der Feldlerche die Ausbildung 
der Färbung oder die Gewohnheit des Brütens am Boden 
sich zuerst ausgebildet hat, darüber wissen wir doch 
nichts. Ref. ist daher überhaupt ein Gegner von allem 
„darum" und „deshalb" bei solchen Erklärungen und 
hält es für das Richtige, nur darauf hinzuweisen, daß 
beides, Flugvermögeu und Flugorgane, Bodenfärbung 
und Bodenbrütung , sich gleichzeitig miteiuander ent- 
wickelt habe. 

Den Hauptteil der Abhandlung bilden Vorschläge 
über die Art, wie zunächst schon jetzt, ehe die Fort- 
führung des biologischen Unterrichts in den oberen 
Klassen der höheren Lehranstalten lehrplaumäßig durch- 
geführt ist, eine Einführung in die Grundlagen der De- 
szendenzlehre zu ermöglichen wäre. Verf. wünscht, „daß 
alle die Erscheinungen, die zum Verständnis und zur 
Begründung der Deszendenztheorie dienen, mit einer 
gewissen Betonung vorgeführt werden". An einzelnen 
Beispielen erläutert er, wie die gegenseitigen Anpassun- 
gen der Organismen — z. B. die Sinnesschärfe bei Fleisch- 
und Pflanzenfressern — dem Verständnis der Schüler 
sich näher bringen lassen, wie die vergleichende Ana- 
tomie auch für den Schulunterricht viel brauchbares 
Material für Anpassungs- und Vererbungsvorgänge liefert, 
wie z. B. die Blüten verschiedener Blütenpflanzen sehr 
verschiedene Etappen auf dem Wege zur Anpassung an 
die Entomophilie darstellen, wie die Algen Übergänge 
rein zellulärer zu den Gewebe-Organismen erkennen lassen, 
während die rudimentären Organe und die Organisation 
vieler Schmarotzer passende Beispiele für Ruckbildungs- 
vorgänge liefern. Kurz streift Verf. die Gebiete der Em- 
bryologie, Paläontologie und Tiergeographie, um dann 
etwas eingehender bei der Vermehrungsfähigkeit der 
Organismen und dem durch dieselbe bedingten Kampf 
ums Dasein zu verweilen. Mit Recht betont Herr Schoe- 
nichen au dieser Stelle, daß es sehr wichtig sei, den 
Schülern durch direkte Beobachtung — was z. B. be- 
treffs der Zahl der von einer einzigen Pflanze hervor- 
gebrachten Samen sehr wohl möglich ist — und daran 
anschließende Rechnung eine Anzahl von Beispielen für 
die starke Vermehrung der meisten Organismen vorzu- 
führen, und führt dann weiter aus, wie etwa — unter 
Zuhilfenahme einfacher Zeichnungen an der Tafel — 
die Wirkungen der natürlichen und künstlichen Auslese 
anschaulich gemacht werden können. Bei dem nach- 
drücklichen Eintreten des Verfassers für die Einführung 
der Deszendenzlehre in die Schule ist es dem Referenten 
nicht ganz verständlich, warum derselbe sich gegenüber 
der Selektionslehre so reserviert verhält. Denn, wenn- 
gleich die Allmacht der Naturzüchtung wohl außer- 
halb der strengen Weismannschen Schule nicht mehr 
viel Anhänger zählen dürfte, so ist doch eine Mitwirkung 
der Selektion — und wenn auch nur als „dezimierender 
Faktor" — bei der Artbildung nicht wegzuleugnen, und 
die Vorführung einiger Beispiele — außer dem von Herrn 
Schoenichen zitierten Fall der sandfarbigeu Mäuse 
dürfte die Schutzfärbung und Mimikry eine Reihe recht 
geeigneter Falle liefern — wohl angemessen. 

Einige Äußerungen des Verfassers können leicht 



mißverständlich ausgelegt werden, so z. B. die nicht sehr 
glückliche Wendung, es solle „Keim um Keim. .... dem 
Schüler eingeimpft werden, bis schließlich die ganze 
Konstitution im deszendenztheoretischen Sinne beeinflußt 
ist". (S. 16.) 

Ein letzter Abschnitt behandelt das Verhältnis der 
Deszendenzlehre zum Religionsunterricht und zur Moral. 
Daß Deszendenzlehre und religiöse Überzeugung sich 
miteinander vertragen, bezeugt das Beispiel einer ganzen 
Reihe kirchlich gesinnter Forscher, welche überzeugte 
Anhänger der Abstammungslehre sind. Es heißt aber 
zu weit gehen, wenn man nun, wie dies neuerdings 
mehrfach geschehen ist — und auch die Ausfuhrungen 
des Verfassers auf S. 44 lassen eine solche Auslegung 
zu — das Gegenteil behauptet und in der Deszendenz- 
lehre direkt eine Stütze für bestimmte religiöse Auf- 
fassungen sehen will. Daß die Biologie, namentlich auch 
durch ihre Beziehungen zur Gesundheitslehre, ethisch 
und moralisch förderlich wirken kann, ist zweifellos rich- 
tig; wenn aber Herr Schoenichen hofft, daß die Be- 
trachtung der regressiven Entwickelung der Schmarotzer- 
formen den Schülern die schädlichen Wirkungen der 
Unselbständigkeit so nachdrücklich vor Augen stellen 
werde, daß sie in Zukunft keine „Übersetzungen und 
sonstigen Eselsbrücken" mehr benutzen werden, so geht 
dies wohl etwas zu weit. Im übrigen enthält auch die- 
ser Abschnitt manchen beherzigenswerten Gedanken, 
wie denn die ganze kleine Schrift — wenn auch vieles 
nur skizzenhaft angedeutet ist und eine Anzahl der hier 
vertretenen Anschauungen, wie Verf. selbst hervorhebt, 
nicht neu sind — manchem Lehrer der Biologie und 
vielen, die sich sonst für die hier behandelten Fragen 
interessieren, mannigfache Anregung geben dürfte. 

R. v. Hanstein. 

Karl Ltnsbaner, Ludwig Linsbaner und Leopold von 
Portheim.: Wiesner und seine Schule. Ein 
Beitrag zur Geschichte der Botanik. XVIII u. 259 S. 
(Wien 1903, Alfred Holder.) 
Dieses Werk ist als Festschrift anläßlich des 30 jährigen 
Bestehens des pflauzenphysiologischen Instituts der Uni- 
versität Wien und des 30jährigen Professorenjubiläums 
seines Begründers Wiesner erschienen. Es will in 
sachlicher Zusammenfassung Materialien bieten, die die 
Stellung Wiesners und seiner Schule innerhalb des 
Rahmens der botanischen Forschung erkennen lassen 
sollen. In einem Vorworte, das die Form einer Adresse 
an den Gefeierten hat, gibt Herr Hans Molisch in 
großen Zügen ein Bild der vielseitigen Tätigkeit 
Wiesners, wobei er besonders dessen grundlegende 
Arbeiten auf den in die Praxis oder andere Wissen- 
schaften hineinragenden Grenzgebieten der Pflanzen- 
physiologie hervorhebt (Rohstoff! ehre, Papieruntersuchun- 
gen, klimatologische Forschungen). Die wissenschaftliche 
Stellung Wiesners in bezug auf die Grundanschauungen 
von den Lebensvorgängen wird in der eigentlichen Ein- 
leitung des Werkes kurz gekennzeichnet. Es wird aus- 
geführt, daß hei aller Verschiedenartigkeit der von 
Wiesner angeschlagenen Themen sich im Laufe der 
Jahre einige Hauptfragen herausgebildet haben , deren 
Darstellung das wesentliche Ziel des ersten, Wiesners 
eigene Arbeiten umfassenden Teiles des Buches ist. „In 
erster Linie waren es die Organisation der Zelle , Trans- 
spiration, Formbildung, Chlorophyllbildung, Heliotropis- 
mus und sonstiger Einfluß des Lichtes, sowie die Rich- 
tungsursachen der Organe, welchen er jahrzehntelang 
ein eindringliches Studium widmete." Die der zusammen- 
hängenden Darstellung vorangehende Liste der wissen- 
schaftlichen (mit Einschluß einiger populären) Schriften 
Wiesners umfaßt nicht weniger als 213 Nummern, die 
sich auf die Jahre 1854 bis 1903 erstrecken. 

Der zweite Teil des Werkes behandelt die Arbeiten von 
Wiesners Schülern; das Verzeichnis führt 157 Schriften 
auf. Wir begegnen hier von bekannteren Namen Bur- 



Nr. 7. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 91 



gerstein, Czapek, Krasser, Linsbauer, Mikosch, 
Molisch ii. a. Der erste Teil ist von den Herren Lins- 
bauer, der zweite von Herrn v. Portheim verfaßt. Der 
Stoff ist übersichtlich nach Forschungsgebieten angeordnet; 
auch gestattet ein alphabetisches Sachregister die leichte 
Auffindung einzelner Gegenstände. Das Werk ist ein 
höchst interessanter und wertvoller Beitrag zur Geschichte 
der Botanik in der zweiten Hälfte des vorigen Jahr- 
hunderts. F. M. 

Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Akademie der Wissenschaften in Berlin. 
Sitzung vom 28. Januar. Öffentliche Sitzung zur Feier des 
Geburtstages S. M. des Kaisers und des Jahrestages König 
Friedrichs II. HerrWaldeyer hielt die Festrede, deren 
Thema war die Darstellung des Lebens und Wirkens des 
der Fridericianischen Zeit entstammenden, in Berlin ge- 
borenen, aber seiner Vaterstadt durch die Berufung an 
die Petersburger Akademie entfremdeten Kaspar Fried- 
rich Wolff, der „durch die geistvolle und für seine 
Zeit entscheidende Behandlung des großen entwickelungs- 
geschichtlichen Problems seinen Namen unsterblich ge- 
macht hat". — Sodann wurden die Jahresberichte über 
die von der Akademie geleiteten wissenschaftlichen Unter- 
nehmungen, sowie über die ihr angegliederten Stiftungen 
und Institute erstattet. (Von naturwissenschaftlichem In- 
teresse sind: Die Ausgabe der Werke von Weierstrass, 
der Geschichte des Fixsternhimmels, des „Tierreichs", 
des „Pflanzenreichs"; die Humboldt-Stiftung, die Her- 
mann und Elise (geb. II eckmann) Wentzel-Stiftung, 
die Akademische Jubiläumsstiftung der Stadt Berlin, deren 
Verleihung diesmal nur auf Antrag eines ordentlichen 
oder auswärtigen Mitgliedes der physikalisch-mathemati- 
schen Klasse der Akademie erfolgen wird, und die Rudolf 
Virchow-Stiftung.) 

Akademie der Wissenschaften in Wien. 
Sitzung vom 17. Dezember. Herr Prof. Dr. Anton 
Fritsch in Prag übersendet einen Bericht: „Über die 
mit Subvention der kaiserlichen Akademie zum Studium 
der Arachniden der Steinkohlenformation Böhmens unter- 
nommene Reise". — Herr Prof. C. Doelter übersendet 
eine Notiz über: „Adaptierung des Kristallisatiousmikro- 
skops zum Studium der Silikatschmelzen". — Herr Prof. 
Wilhelm Wirtinger übersendet eine Abhandlung: 
„Eine neue Verallgemeinerung der hypergeometrischen 
Integrale". — Herr M. v. Schmidt überreicht zwei Ab- 
handlungen: „1. Zur Kenntnis der Korksubstanz I., Die 
Thellonsäure". 2. „Zur Kenntnis der Korksubstanz IL, 
Über den vermeintlichen Glyceridoharakter der eigent- 
lichen Korksubstanz". — Herr Prof. 0. Tumlirz in Czer- 
nowitz übersendet eine Abhandlung: „Die Gesamtstrah- 
lung der Hefnerlampe". — Herr Heinrich Barvik in 
Leoben übersendet eine Abhandlung: „Notiz über einige 
Eulersche Integrale". — Herr Prof. Emil Waelsch in 
Brunn übersendet eine Abhandlung: „Über Binäranalyse". 
III. Mitteilung. — Herr Ing. Otto Kasdorf übersendet 
ein versiegeltes Schreiben: „Über Entrahmung und Case'in- 
ausscheidung der Milch auf elektro-mechanischem Wege". 
— Herr Sigm. Exner überreicht den III. Bericht der 
Phonogramm- Archiv -Kommission , der eine von Herrn 
Fritz Hauser verfaßte Beschreibung einer neuen, spe- 
ziell für Reisen bestimmten Type des Archivphonogra- 
phen enthält. — Herr Hofrat Ad. Lieben überreicht 
eine Arbeit: „Die Einwirkung von Wasser auf Trime- 
thylenbromid und von Schwefelsäure auf Trimethylen- 
glykol" von Marcellus Rix. — Herr Prof. R. Weg- 
sehe i d e r überreicht zwei Arbeiten : I. „Über das 
5,7-Dimethyl-8-Oxyfluoron" von J. Liebschütz und 
F. Wenzel. II. „Über die Reaktionsfähigkeit substi- 
tuierter Phloroglucine bei der Fluoronbihlung" von 
A. Schreier und F. Wenzel. — Herr Prof. Johann 
Sahulka legt eine Abhandlung vor: „Über die Ursachen 
des Erdmagnetismus und des Polarlichtes". — Herr Prof. 



G. Jäger überreicht eine Abhandlung: „Die Gumraigutt- 
spirale". — Prof. Fridolin Krasser überreicht eine 
Abhandlung: „Konstantin vo u Ettingshausen , Stu- 
dien über die fossile Flora Brasiliens". 



Academie des sciences de Paris. Seance du 
25 janvier. Emile Picard: Sur certaines Solutions 
doublement periodiques de quelques equations aux de- 
rivees partielles. — Henri Becquerel: Sur la lumiere 
emise spontanement par certains sels d'uranium. — A. 
Laveran et F. Mesnil: Nouvelles observations sur 
Piroplasma Donovani Lav. et Mesn. — Prafulla Chan- 
dra Ray soumet au jugement de l'Academie un Me- 
moire „Sur le nitrite mercureux". — Darget adresse 
une reclamation de priorite relative ä l'impression photo- 
graphique d'effluves humains. — Le Secretaire per- 
petuel signale divers Ouvrages de M. Foureau, de 
MM. E. Sartiaux et M. Aliamet. — Dewar et 
Curie: Examen des gaz oeclus ou degages par le bro- 
mure de radium. — A. Ponsot: Sur une loi experi- 
mentale du Iransport electrique des sels dissous. — 
Augustin Charpentier: Sur certains phenomenes 
provenant de sources physiologiques ou autres, et pou- 
vant etre transmis le long de fils formes de diffe- 
rentes substances. — Lambert: Emission des rayons de 
Blondlot au cours de l'action deB ferments solubles. — 
Ed. Defacqz: Sur les fluochlorures, les fluobromures, 
les fluoiodures des metaux alcalino-terreux. — M. Emm. 
Pozzi-Escot: Reactions colorees de l'acide molybdique. 
— Andre Brochet: Edectrolyse de l'acide chlorique 
et des chlorates. — H. Henriet: Sur la presence de 
l'aldehyde formique dans l'air atmospherique. — Louis 
Henry: Sur l'alcool isopropylique trichlore C1 3 C— CH(OH) 
— CH 3 . — Charles Moureu: Sur la condensation des 
ethers acethyleniques avec les alcools (II). — Marcel 
Desfontaines: Sur les aeides /ä-methyladipiques «-Sub- 
stituts. — Guyot et Stoehling: Sur quelques de- 
rives du tetramethyldiaminophenyloxanthranol. — L. 
Maquenne: Sur la formation et la saccharification de 
l'amidon retrograde. — J. Dumont: Sur la repartition 
de la potasse dans la terre arable. — Maurice Caul- 
lery et Felix Mesnil: Sur un organisme nouveau 
(Pelmatosphaera polycirri n. g. n. sp.) parasite d'une 
Annelide (Polycirrus haematodes Clap.) et voisin des 
Orthonectides. — Paul Vuillemin: Necessite d'institupr 
un ordre des Siphomycetes et un ordre des Microsi- 
phonees, paralleles ä l'ordre des Hyphomycetes. — 
Maurice Gomont: Sur la Vegetation de quelques sour- 
ces d'eau douce sousmarines de la Seine-Interieure. — 
A. Dangeard: Sur le developpement du perithece des 
Ascobolees. — L. deLaunay: Sur l'association geolo- 
gique du fer et du phosphore et la dephosphoration 
des minerais de fer en metallurgie naturelle. — Sta- 
nislas Meunier: Sur la puissance de la formation 
nummulitique ä Saint - Louis du Senegal. — J. La- 
borde: Sur le ferment de la maladie des vins pousses 
ou tournes. — P. Bouin et P. Aucel: L'infautilisme 
et la glande interstitielle du testicule. — G. Coutagne: 
De la correlation des caracteres susceptibles de selection 
naturelle. — Joseph Deschamps: Etüde analytique du 
phenomene de la vie oscillante. 



Vermischtes. 

Über die Radioaktivität des Wasserstoff- 
superoxyds hat Herr Octave Dony-Henault in 
den „Travaux de Laboratoire de l'Institut Solvay" (Phy- 
siologie 6, 1903) eine Abhandlung veröffentlicht, von 
welcher uns nur das Referat des Herrn Mittasch im 
„Chemischen Centralblatt" (1903, II, Nr. 24, S. 1303) vor- 
liegt. Nach demselben bezweckte Verf. zu ermitteln, ob 
die mehrfach untersuchte Radioaktivität des H 2 2 durch 
den unbeständigen Charakter des letzteren bedingt und 
der Zerfall in H s O und an sich mit der Aussendung 



92 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 7. 



aktiver Strahlen verbunden sei. Die photographische 
Wirkung dieser Strahlen bei verschiedenen Temperaturen 
zwischen 0° und 30°, oder 18° und — 5° zeigte in der Tat 
dieser Annahme entsprechend, daß die Radioaktivität mit 
sinkender Temperatur in gleicher Weise abnimmt wie 
die Zersetzungsgeschwindigkeit. Wurde jedoch letztere 
durch Katalysatoren oder verschiedene Lösungsmittel 
verändert, so änderte sich die photographische Wirkung 
nicht. Die Annahme, daß die H 2 £ - Strahlen und die 
Becquerelstrahlen verwandter Natur seien, verliert durch 
dieses Verhalten bei verschiedenen Temperaturen viel an 
Gewicht. 

Daß selbst so unberechenbare Elemente, wie die Häufig- 
keit der Schadenblitze, sich nach bestimmten Gesetzen 
über größere Gebiete verteilen, lehrt eine Ab- 
handlung des Herrn Ladislaus von Szalay, der im- 
stande gewesen ist, eine Karte über die geographische 
Verteilung der tödlichen Blitzschläge in Ungarn zu ent- 
werfen. Diese Karte zeigt, daß gewisse Komitate Bich 
durch eine besonders große Anzahl von tödlichen Blitz- 
schlägen auszeichnen, während andere Komitate ein Mi- 
nimum aufweisen. Das Eingehen auf die weiteren sehr 
ausführlich mitgeteilten Einzelheiten dürfte weniger all- 
gemeines Interesse darbieten. (Jahrbuch der Kgl. ungar. 
Reichsanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus 1903, 
Bd. XXXI, Teil III.) G. Schwalbe. 

Versuche, welche die Herren R. Luther und W. A. 
Uschkoff über die chemischen Wirkungen der 
Röntgenstrahlen auf Bromsilbergelatine in einer 
kürzeren Notiz mitteilen, liefern in einigen Punk- 
ten eine interessante Bestätigung der jüngst hier mit- 
geteilten Versuche von Wood (Rdsch. 1904, XIX, 60), 
die den Verfassern noch nicht bekannt gewesen. Wenn 
die Herren Luther und Uschkoff die Platte erst den 
Röntgenstrahlen und dann dem gewöhnlichen Lichte ex- 
ponierten, erhielten sie, ebenso wie Wood, häufig eine 
schwächere Wirkung, als wenn nur Licht eingewirkt; es 
tritt nach den Verff. eine „Erscheinung auf, die äußer- 
lich der Solarisation ähnlich ist". Sie fanden freilich 
auch zuweilen eine entgegengesetzte Wirkung und ent- 
halten sieb zunächst jeder Deutung über die Ursache 
der Erscheinungen, von der Fortsetzung ihrer Versuche 
eine Aufklärung erhoffend. Ihre positiven Ergebnisse 
fassen sie in folgende Sätze zusammen: „1. Die Wirkung 
der Röntgenstrahlen auf Bromsilbergelatine ist spezifisch 
verschieden von der des gewöhnlichen Lichtes. 2. Durch 
vorangehende (selbst sehr kurze) Einwirkung von Rönt- 
genstrahlen wird Bromsilbergelatine in ihrem Verhalten 
gegenüber gewöhnlichem Lichte verändert, und zwar tritt 
je nach den Umständen eine scheinbare Vergrößerung 
oder eine scheinbare Verringerung der Licbtempfindlich- 
keit ein. 3. Vorangehendes Belichten mit gewöhnlichem 
Licht übt keinen Einfluß auf das Verhalten von Brom- 
silbergelatine gegenüber Röntgenstrahlen aus." Dies ent- 
spricht vollkommen der von Wood aufgestellten Reihe. 
(Physikalische Zeitschrift 1903, Jahrg. IV, S. 866—868.) 



Obwohl die Sei de bekanntlich vielfach bei Präzisions- 
instrumenten als Aufhänge-Material verwendet wird, sind 
ihre elastischen Konstanten noch nicht mit der wün- 
schenswerten Genauigkeit festgestellt. Herr F. Beau- 
lard hat diese Lücke in einer Untersuchung (Journal 
de Physique 1903, ser. 4, tome II, p. 785 — 795) auszufüllen 
gesucht, von deren definitiven Ergebnissen hier die nach- 
stehenden mitgeteilt werden sollen. Es bedeute E den 
Youngscheu Elastizitätsmoduls, der bestimmt wird 
aus der Länge L des Fadens, ihrer Zunahme ä L bei der 
Belastung durch P und aus dem Querschnitt S, nach der 

PL 
n . . ; es bedeute ferner ß die seitliche 



Formel E = 



Kontraktion des Fadens und a das Verhältnis der seitlichen 
Zusammenziehung zur Verlängerung bei der Längsaus- 
dehnung. Der verwendete Seidenfaden war etwas über 
50 cm lang, hatte bei 15 g Belastung einen Durchmesser 
von 0,004742 cm und ergab in den ersten Messungsreihen, 
bei denen die Beobachtungen mit zunächst steigenden, 
sodann mit abnehmenden Belastungen ausgeführt wurden, 
Hysteresis- Erscheinungen; das Verhältnis zwischen Be- 
lastung und Verlängerung änderte sich erst stärker, dann 
schwächer und wurde schließlich konstant. In letzterem 
Stadium wurden sodann die Elemente zur Bestimmung 
der Elastizitätskonstanten gewählt. In drei Versuchs- 
reihen hat, der Verf. folgende Mittelwerte erhalten: E 
= 6,5. 1010; a = 1,563 und ß = 2,393. 10-n. Aus diesen 
Werten wurden dann weitere Konstanten abgeleitet, die 
zu dem Schluß führten, daß die Seide ein anisotroper 
Körper ist. Zum Vergleich sind noch einige Konstanten 
von Silberdraht und Quarzfaden angegeben : Es beträgt 
E beim Silber 7,23. 10n, beim Quarz 5,50.10". Die 
Zähigkeit (tenacite) ist für Silber 2,90.109, für Seide 
1,14.109 U ud für Quarz 1,00.101». 



Personalien. 

Die Universität Jena hat den Afrikareisenden Joa- 
chim Grafen Pfeil auf Friedersdorf zum Ehrendoktor 
der Philosophie ernannt. 

Die Royal Astronomical Society in London verlieh 
die goldene Medadle dem Prof. George E. Haie, Direktor 
des Yerk^s Observatoriums. 

Die Geographische Gesellschaft zu Paris hat ihre 
große goldene Denkmünze für 1904 Herrn Sven Hedin 
verliehen-. 

Ernannt: Dr. H. K. Anderson zum Professor der 
Physiologie an der Universität Cambridge. 

Habilitiert: Dr. Fr. v. Schumacher für Anatomie 
an der Universität Wien. 

Gestorben: Am 21. Dezember der Leiter der Marine- 
Sternwarte in Pola, k. k. Linienschiffskapitän Ivo Frei- 
herr Benko von Boinik, 52 Jahre alt; ■ — am 22. Ja- 
nuar in Dublin der Mathematiker George Salmon. 
F.R S., 85 Jahre alt. 

Astronomische Mitteilungen. 

Im neuen Jahre sind schon wieder mehrere neue 
Veränderliche entdeckt worden, davon drei in Mos- 
kau von Krau L. Ceraski auf photographischen Auf- 
nahmen, die daselbst von Herrn S. Blajko gemacht 
sind. Einer dieser Sterne (im Perseus) schwankt um 
drei Größenklassen, ein anderer (in Cassiopeia) könnte 
zum Algoltypus gehören. Merkwürdig ist auch ein von 
Herrn Wolf in Heidelberg (im Sternbild Krebs) gefun- 
dener Veränderlicher, der am 10. Januar photogrdphisch 
12., tags darauf nur 14. Größe war. 

Mit Hilfe des Stereokomparators hat Herr Wolf im 
vergangenen Jahre in der Gegend um y Aquilae 22 
neue Veränderliche entdeckt, die allerdings zumeist den 
schwächeren Größenklassen angehören. Die Größen- 
unterschiede auf den zwei verglichenen Platten über- 
steigen zwei Klassen bei 11 Sternen, wovon einer min- 
destens um vier Klassen schwankt (11. bis unter 15. 
Größe). Diese Himmelsgegend ist sehr sternreich, so 
daß die große Zahl veränderlicher Sterne nicht so auf- 
fällig wäre , wenn nicht andere ebenso sternreiche Ge- 
genden (z. ß. bei $ Cygni) fast ganz frei wären von Ver- 
änderlichen. (Astr. Nachr. Nr. 3925.) 

Die Gesamtzahl der im Jahre 1903 bekannt gewor- 
denen Veränderlichen beträgt 85, von denen sich jedoch 
einige nachträglich als irrtümlich in die Liste gekommen 
erwiesen haben. Von 310 Veränderlichen hat kürzlich 
(Astronomical Journal Nr. 553) Herr S. C. Chandler 
neue Elemente veröffentlicht, das heißt, neue Werte der 
Perioden ihres Lichtwechsels. A. Berberich. 



Für die Redaktion verantwortlich . 
Prof. Dr. W. Sklarek, Berlin W., Landgrafenatraße 



Druck und Verlag Ton Fried r. Vieweg A. Sohn in Braunschweig. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 

über die 



Fortschritte auf dem Gresamtgebiete der Naturwissenschaften. 



XIX. Jahrg. 



25. Februar 1904. 



Nr. 8. 



Carl Diener, Rudolf Hoernes, Franz E. Suess 
und Viktor Uhlig: Bau und Bild Österreichs. 
Mit einem Vorwort von Eduard Suess. 1110 S. 
Mit 4 Titelbildern, 250 Textabbildungen, 5 Kar- 
ten in Schwarzdruck und 3 Karten in Farben- 
druck. I. Teil: F. E. Suess: Bau und Bild 
der böhmischen Masse. (S. 1—322.) (Wien 
und Leipzig 1903, F. Tempsky und G. Freytag.) 
(Schluß.) 
Zur mittleren Tertiärzeit entfaltete sich dann 
hauptsächlich in dem Gebiet zwischen dem Erz- 
gebirge und den Kreideabbrüchen nächst dem Eger- 
tale und bei Auscha eine lebhafte eruptive Tätigkeit. 
Ihr verdankt das Duppauer Gebirge und die vom 
Eibtale durchschnittene Kuppenreihe des böhmischen 
Mittelgebirges seine Entstehung. Ihre Bildungen 
durchbrechen die krystallinische Unterlage, die kal- 
kigen Kreidebildungen und die Süßwasserbildungen 
des Oligocän und Miocän, mit ihren wichtigen Braun- 
kohlenbildungen, die nach der Kreidezeit die ent- 
standene Senke aufzufüllen begonnen hatten. Das 
Duppauer Gebirge trennt das Becken von Teplitz, 
Brüx und Komotau von den westlichen Braunkoklen- 
bildungen, die ihrerseits wiederum durch den Rücken 
von Maria -Kulm in die beiden Becken von Falkenau 
und von Eger geschieden werden. Die weiteste Ver- 
breitung zeigen die oligocänen Bildungen; spätere 
Senkungen bestimmten den Umfang der weniger 
ausgedehnten miocänen Absätze. Die Unterscheidung 
einer vorbasaltischen und einer nachbasaltischen 
Braunkohlenbildung ist heute aufzugeben; glückliche 
Fossilfunde bestimmten in der neuesten Zeit das 
Alter des sogenannten Hauptflözes als untermiocän; 
die Flöze des östlichen Mittelgebirges hingegen sind 
oligocän. Das Liegende des Hauptflözes bilden 
lockere oder harte qnarzitische Sandsteine mit ver- 
einzelten , aber reichen Pflanzen - und Süßwasser- 
schnecken-Fundpunkten. Eingelagert und aufgelagert 
sind diesen Sandsteinen bunte Tone. Das Hauptflöz 
selbst ist vielerorts 8 bis 12 m mächtig und schwillt 
stellenweise bis zu 30 bis 40 m Mächtigkeit au. Sein 
Hangendes bildet eine wechselnde Schichten folge von 
Letten und Schiefertonen , denen besonders in der 
Brüxer und Teplitzer Gegend als gefährlichster Feind 
des Bergbaues große Linsen von Schwimmsand ein- 
gelagert sind. Als jüngste Bildung lagern darüber 
die feuerfesten Tone von Preschen bei Bilin. Un- 
mittelbar im Hangenden des Flözes sind durch Erd- 



brände vielfach die Tone und Letten in sogenannte 
Brandschiefer umgewandelt. Ein jüngeres Lignitflöz 
bauten bisher die aufgelassenen Tagebaue im Egerer 
und Falkenauer Becken ab, die tiefere Gaskohle wird 
durch Schächte zutage gefördert. Über diesen Flözen 
folgen die sogenannten Cyprisschiefer, eine mächtige 
Schichtenfolge von Schiefertonen, Sanden und Letten, 
reich an Schälchen von Cypris angusta Reuß. 

Die Eruptivgesteine des Mittelgebirges , die auf 
dem Spaltennetz, das durch die erzgebirgische Sen- 
kung entstanden war, zahlreich empordrangen, sind 
von größter Mannigfaltigkeit, sowohl in bezug auf 
Gesteinstypen als auch auf ihre Lagerungsform. Be- 
sonders die Untersuchungen von Prof. Hibsch haben 
hier Aufschluß geschaffen über die überaus ver- 
wickelten Verhältnisse. Das Urmagma ist hier ein 
ziemlich basisches und gehört zur Gruppe der Thera- 
lithe, seine Hauptspaltungsprodukte sind Basalte und 
Tephrite, sie bilden auch die ältesten Oberflächen- 
ergüsse. Ziemlich gleichalterig sind die weit verbrei- 
teten Phonolithe, die aber zumeist als Lakkolithe in 
dem oberturonen Tonmergel stecken blieben. Hierauf 
brachen große Massen tephritischer Magmen (Trachy- 
dolerite) hervor in Verknüpfung mit großen Tuff- 
mengen. Teilweise werden diese wieder von jüngeren 
Basalten durchbrochen. Die jüngste Phase wird 
durch hellfarbige Trachyttuffe und -decken repräsen- 
tiert, über welche sich wiederum Phonolithkuppen 
mit Gängen von Tinguait und Tinguaitporphyr aus- 
breiten. Das den Tephriten entsprechende Tiefen- 
gestein ist in dem Essexit von Rongstock entblößt, 
das gleiche Magma erscheint als Sodalith-Augit-Syenit 
am Schloßberg von Groß-Priesen wieder: ein schönes 
Beispiel für die Ausbildung des gleichen Magmas zu 
verschiedenen Miueralgemengen, beeinflußt durch die 
Gegenwart von chemisch gebundenem Wasser und 
Spuren von Chlor und Schwefelsäure, die im Essexit- 
magma bereits vor dessen Erstarrung entwichen sein 
dürften. Fast nur aus Basaltgesteinen besteht das 
Duppauer Gebirge, doch kommen wohl auch Tephrite 
und Phonolithe vor. Typische Beispiele von Strato- 
vulkanen stellen der basaltische Kammerbühl bei 
Franzensbad und der Eisenbühl bei Boden dar. 

Das Erzgebirge selbst erscheint als eine Reihe 
von Teilstücken des variscischen Bogens; der große 
Abbruch an seinem Südrande durchschneidet schräg 
dessen Gefüge. Im W. lassen die vorgelagerten 
Höhen des Waldsassen , des Kaiserwaldes und bei 



94 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 8. 



Karlsbad die Individualisierung des Gebirges weniger 
hervortreten ; erst weiter östlich erscheint es als ein 
orographisch schärfer umgrenztes Gebiet. Vom Nord- 
ende des Böhmerwaldes biegen die Glimmerschiefer 
gen NE. um, verbreitern tich und bilden mit Ein- 
lagerungen von Gneisen und Amphiboliten den Haupt- 
stock des Tepler Hochlandes. Nach W. und N. endet 
das Aruphibolitgebiet an den Graniten des Kaiser- 
waldes. Von hier vermittelt der Pbyllitzug von 
Maria -Kulm den Übergang zum Erzgebirge. Geolo- 
gisch erscheint dieses keineswegs so einheitlich wie 
orographisch; eine von Freiberg quer über das Erz- 
gebirge nach Joachimstal verlaufende Linie scheidet 
in ihm zwei völlig verschiedene Teile, im 0. das sog. 
Freiberger Gneisgebirge , im W. die sog. Neudeeker 
Mulde. Das Innere der nach NW. abdachenden 
Gneismulde ist erfüllt von Phylliten, die im N. bis 
an das Rotliegende von Zwickau reichen und denen 
im W. paläozoische Schichten auflagern. Quer über 
die Mitte der Mulde liegt der Granit von Neudeck- 
Eibenstock, dem sich eine Reihe kleinerer Stöcke 
angliedern. Teils sind es Biotitgranite, teils Zwei- 
glimmergranite oder Lithionit-Albit-Gramte. Bekannt 
sind die ausgezeichueten Kontaktböfe um diese 
Stöcke. Sie sind nicht älter als die variscische Fal- 
tung und wahrscheinlich mit ihr gleichalterig. — Das 
Freiberger Gneisgebirge, das nach NE. durch eine 
aus der Gegend von Dippoldiswalde gen S. zie- 
hende Bruchlinie scharf abgeschnitten wird, gliedert 
sich in zwei Stufen, eine untere, die hauptsächlich 
aus den sog. grauen Gneisen (Biotitgneisen) besteht, 
und eine obere, in der Zweiglimmergneise und Mus- 
kowitgneise (rote Gneise) vorherrschen. Jenseits des 
Dippoldiswalder Porphyrganges liegt noch die ge- 
senkte Altenbeiger Gneisscholle, auf deren Ostseite 
im allgemeinen immer jüngere Bildungen sich an- 
schließen. Im 0. wird sie durch einen von Granit- 
porphyr erfüllten Graben abgeschnitten. Reichlich 
sind innerhalb dieses Gebietes eruptive Bildungen 
vorhanden: Granite, der Teplitzer Porphyr, zinn- 
führende Lithionitgranite, Basalte und Phonolithe. 
Noch weiter ostwärts senkt sich das Gebirge schnell 
hinab und verschwindet bei Tyssa unter der Kreide- 
decke. Nach N. zu zieht es noch bis gegen Tharandt. 
Als eine weitere nördliche Fortsetzung erscheint das 
von den sächsischen Geologen als Eibtalgebirge be- 
zeichnete Gebirgsstück, das den Anschluß der Sudeten 
an das Erzgebirge vermittelt. 

Dieses Gebirge erscheint weit reicher gegliedert 
durch das Eingreifen verschiedener Sedimente zwischen 
den alten Horsten und weit mehr zerstückelt durch 
jüngere Brüche. Im Riesengebirge erreicht es seine 
höchste Höhe, und als tiefe Einseukung liegt in ihm 
die Ebene von Braunau zwischen Eulengebirge und 
Heuscheuer. Im S. bildet der Eibbruch seine Grenze, 
im N. taucht es allmählich unter die jüngere Decke 
unter, und im 0. reicht es bis zur Ebene von Ostrau 
und Oberschlesien. Eine Reihe nordwestlich gerich- 
teter Brüche durchzieht es, im S. schließt sich die 
jange Boskowitzer Furche an , die dann allmählich 



aus der südsüdöstlichen in die südliche und dann in 
die südwestliche Richtung übergeht. An den inneren 
Bruchlinien sind in grabenartigen Einbrüchen jüngere 
Sedimente , besonders solche der Kreide erbalten ge- 
blieben. Dahin gehören die Neiße-Senke von Schild- 
berg in Mähren über Kieslingswalde — Mittenwalde bis 
Habelschwerdt, ebenso gehören hierher die Mulden 
von Lahn bei Hirschberg, Löwenberg und Hermsdorf 
südlich Goldberg. Ebenso gewaltig wie der Eibbruch 
ist sodann auch der sudetische Randbruch, welcher 
von Jauernig und Reichenstein bis gegen Jauer und 
Goldberg das ganze Gebirge abschneidet und unter 
die Ebene versinken läßt. 

Die westlichen Sudeten umfassen das Lausitzer 
Gebirge und das Riesengebirge. Es ist im wesent- 
lichen ein weites Granitgebiet, hier und da bedeckt 
von jüngeren Bildungen, die von N. her lappeu- 
förmig zwischen die einzelnen Kuppen eingreifen. 
Hier und da wird es überragt von einzelnen Phono- 
lith- und Basaltkuppen. 

Man unterscheidet im Lausitzer Gebirge drei Ab- 
arten des Granits: den mittelkörnigen Lausitzer 
Granitit, den zweiglimmerigen, kleinkörnigen Lausitzer 
Granit und den grobkörnigen Rumburger Granitit. — 
Das Riesengebirge zeigt einen inneren, aus Granitit 
bestehenden Kern , der das gesamte Isergebirge und 
das eigentliche Riesengebirge bis zur Schneekoppe 
umfaßt, und eine äußere Umwallung aus Gneis und 
alten Schiefern mit einzelnen Granitvorkommen. 
Letztere Zone beginnt bei Kupferberg, bildet den Zug 
der Schneekoppe, das Jeschkengebirge und die Kuppen 
von Friedland bis Raspenau, ferner den Iserkamm 
und dessen nördliche Ausläufer bis Greifenberg und 
Hirschberg. Im östlichen Teil der inneren Zone liegt 
der große Einbruchskessel von Hirschberg. An 
einigen Stellen zu beobachtende Kontaktwirkung be- 
weist das jüngere Alter dieses als intrusiven Batho- 
lithen zu deutenden Granitits , der seinerseits selbst 
wiederum von jüngeren Eruptivgesteinen, von Basalt 
und Porphyr durchbrochen wird. — Das Jeschken- 
gebirge verdankt im wesentlichen seine Entstehung 
dem Absinken des Elbtalgebietes an dem Eibbruche 
und erscheint als ein Ausschnitt aus dem variscischen 
Bogen. 

Der vorpaläozoische Unterbau der östlichen Su- 
deten besteht aus zwei verschiedenen Hälften. Die 
östliche zeigt nordöstliches und weiter westlich mehr 
nördliches Streichen mit vorwiegendem Westfallen ; 
sie umfaßt die Gruppen des Altvater, des Kepernik, 
des Spieglitzer Schneeberges, das Reichensteiner und 
Bielen -Gebirge und die aus der Ebene aufragenden 
Rücken von Strehlen und Nimptsch ; ihre westliche 
Grenze zieht durch das Marchtal und das Tal von 
Buschin bis zum Ostrande der Neißesenke und folgt 
dann im großen und ganzen dieser. Altvater und 
Kepernik verhalten sich zu den übrigen Gebirgsteilen 
wie das moravische Gneisgebiet zu den benachbarten 
Teilen des Donau -Moldaugebietes. — Die westliche 
Hälfte des sudetischen Unterbaues zeigt nordwest- 
liches Streichen und ist durch große Längsbrüche in 



Nr. 8. 



1904. 



Natur wissen schaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 95 



einzelne Horste aufgelöst. Sie umfaßt das Gebiet 
hei Schildberg und Müglitz, den böhmischen Kamm, 
das Habelschwerdter Gebirge und den Nesselgrund, 
ferner das Adlergebirge, das Eulengebirge und die 
aus der Ebene aufsteigenden Höhen zwischen Fran- 
kenstein und Reichenbach. Neben den paläozoischen 
Gebieten im 0. und W. finden sich solche aber auch 
nebst mesozoischen Schichten im NW.; sie bilden das 
ganze Bober- Katzbachgebirge und erscheinen als 
Zwischenglied zwischen den archäischen Gesteinen 
der Ost- und Westsudeten. Sie bilden die mittleren 
Sudeten und umfassen das niederschlesische Schiefer- 
gebirge, das Überschar- und Heuscheuergebirge. 

Das im 0. sich den Sudeten anschließende, pro- 
duktive Kohlengebiet von Ostrau erscheint als eine 
den älteren Gesteinen angelagerte, gegen die Kar- 
pathen hin offene Mulde. Jenseits derselben ver- 
breitert sich ähnlich wie am Bober und an der Katz- 
bach die mesozoische Gesteinsserie, die einzelnen 
Decken liegen flach, ohne Diskordanz übereinander. 

Die südwestliche Grenze der Sudeten bildet die 
Boskowitzer Furche; ihre Anlage liegt in vorper- 
mischer Zeit. Die Brünner Eruptivmasse gehört 
noch zu den Sudeten , sie ist infolge nachpermischer 
Denudation erst an die Oberfläche gelangt. 

Zahlreiche Schotterterrassen an den Talausgängen, 
Blockanhäufungen in den oberen Talpartien, kleine 
Stauseen nahe der Gipfelregion beweisen eine starke 
diluviale Vereisung dieser Gebirge. Hauptsächlich 
zwei Vereisungszentren barg das Riesengebirge, von 
N. her greift die allgemeine diluviale Vergletscherung 
in diese Gebiete ein. Von S. dehnten die Alpen ihre 
Gletscher bis zur Donauniederung aus, und auch die 
höchsten Teile der böhmischen Masse und im Böhmer- 
wald zeigen Spuren der Vergletscherung. Beweise 
klimatischer Schwankungen am Ende der Diluvialzeit 
sind weit verbreitete Lößpartien und Funde von 
Resten von Steppentieren. Zahlreiche Höhlenfunde 
enthüllen eine reiche diluviale Fauna. 

In den höheren Gebirgsteilen finden sich reichlich 
Torfmoore, Hochmoore wie Wiesenmoore, letztere be- 
sonders aber in den flachen Landgebieten. Bekannt 
sind die „Soos" und die anderen Moorbildungen um 
Franzensbad. A. Klautzsch. 



0. Schultze: Zur Frage der geschlechtsbe- 
stimmenden Ursachen. (Arch. f. mikr. Anato- 
mie 1903, Bd. LXI1I, S. 197—254.) 
Die Frage nach den Ursachen der Geschlechts- 
bestimmung hat aus theoretischen und praktischen 
Gründen schon seit langer Zeit die Forscher und 
Tierzüchter beschäftigt und zur Aufstellung der ver- 
schiedensten Hypothesen Anlaß gegeben. Bald sollte 
das Lebensalter der Eltern, bald der Ernährungszu- 
stand derselben zur Zeit der Konzeption oder wäh- 
rend der Schwangerschaft von ausschlaggebender Be- 
deutung sein, während v. Lenhossek (Rdsch. 1903, 
XVIII, 130) neuerdings auf Grund einer kritischen 
Sichtung der einschlägigen Literatur zu dem Ergeb- 
nis kam, daß bereits im Ei selbst die Bestimmung 



über das Geschlecht getroffen sei, daß also dem Vater 
ein Einfluß nicht zukomme. 

Auf diesen letzteren Standpunkt stellt sich in der 
vorliegenden Arbeit auch Herr Schultze. Behufs 
Prüfung der verschiedenen zur Erklärung der Ge- 
schlechtsbestimmuug herangezogenen Faktoren ex- 
perimentierte derselbe mehrere Jahre hindurch mit 
weißen Mäusen, welche wegen ihrer starken Vermeh- 
rungsfähigkeit ein besonders günstiges Versuchsobjekt 
darstellen. Zunächst wurde die Frage nach dem Ein- 
fluß des Alters der Eltern geprüft. Es zeigte sich, 
daß bei Erstgeburten keins der beiden Geschlechter 
besonders bevorzugt war. Dies änderte sich auch 
nicht, wenn die erste Paarung durch Isolation der 
Weibchen bis in die 37. Woche verzögert wurde. 
Ebensowenig konnte dem Alter der Geschlechtspro- 
dukte selbst ein Einfluß auf das Geschlecht der Nach- 
kommenschaft zuerkannt werden. Die Thurysche 
Lehre, daß jung befruchtete Eier weibliche, spät be- 
fruchtete dagegen männliche Tiere liefern , ist durch 
Nachprüfungen in landwirtschaftlichen Anstalten und 
Gestüten bereits als nicht hinlänglich begründet er- 
kannt worden. Ebenso sind einschlägige Versuche von 
Hoff mann und Strasburger an diözischen Pflanzen 
(Mercurialis, Melandrium) negativ ausgefallen. 

Die Versuche des Verfassers zeigen nun, daß 
auch die stärkere oder geringere geschlechtliche In- 
anspruchnahme der Eltern ohne Einfluß auf das Ge- 
schlecht der Nachkommen ist. Es ist bekanntlich 
angenommen worden, daß starke Inanspruchnahme 
eines der beiden Eltern männliche Geburten begün- 
stige. Düsin g hatte dies als eine nützliche Anpas- 
sung gedeutet, da hierdurch eine aus irgendwelchen 
Gründen stark verminderte Zahl von Männchen von 
selbst wieder zur Herstellung eines normalen Ver- 
hältnisses führen müsse. Nun ergaben die Versuche 
des Verfassers allerdings in zwei Fällen, daß die sehr 
stark in Anspruch genommenen Weibchen — deren 
eines 14, das andere 12 Würfe in etwa l 1 /* Jahren 
hervorbrachte — bei den späteren Würfen etwas 
mehr Männchen als Weibchen lieferten, doch zeigt 
der Vergleich mit anderen Versuchsreihen, daß es 
sich hier durchaus nicht um ein konstantes Verhält- 
nis handelt. 

Auch strenge Inzucht und Incestzucht zeigten sich 
auf das Geschlecht wirkungslos , und ebensowenig 
konnte ein Einfluß derselben auf die Zahl oder Gesund- 
heit der Nachkommen erkannt werden. Verf. erzielte 
eine ganze Anzahl von Würfen bei strengster Incest- 
zucht (Paarung nur mit Bruder, Enkel, Urenkel, Vater 
und Großvater) , bei welchen das Verhältnis der 
beiden Geschlechter ein sehr verschiedenes war, ja, 
in einigen Fällen kamen sogar in der dritten Ge- 
neration, ganz im Gegensatz zu der älteren Annahme, 
überwiegend weibliche Nachkommen zur Welt. Hin- 
zu kommt, daß auch bei diesen Versuchen die Inan- 
spruchnahme der Mütter eine sehr starke war. So- 
weit die Mutter nicht zum Aufsäugen der für weitere 
Versuche erforderlichen Jungen benutzt wurde, ert 
folgte in jeder Brunstperiode ein Wurf. Verf. weis- 



96 XIX. Jahrg. 



Natur wissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 8. 



darauf hin, daß für die behauptete Begünstigung 
männlicher Geburten durch Inzucht ein einwand- 
freier Beweis bisher noch nicht erbracht sei, daß 
Ritzern a Bos schon früher Jahre hindurch Ratten 
in Inzucht hielt, ohne eine solche Wirkung feststellen 
zu können, und daß die als Beweis angeführte höhere 
Knabenziffer bei den Juden weniger eine Folge der 
Inzucht, als vielmehr einen Rassenfaktor darstellen 
könne , wie auch sonst die verschiedenen Stämme 
sich in dieser Beziehung verschieden verhalten. 

In einem weiteren Abschnitt der Arbeit wendet 
sich Verf. dann zur Frage der Geschlechtsbildung. 
Mit Recht betont derselbe, daß es sich hier um eine 
Frage handle, zu deren Lösung Zoologie und Botanik 
zusammenwirken müssen, da in diesem Punkt ein 
wesentlicher Unterschied zwischen beiderlei Organis- 
men nicht bestehe. Es sei auch bereits eine gewisse 
Übereinstimmung in den wesentlichen Ergebnissen 
der von Zoologen und Botanikern angestellten Ver- 
suche zu erkennen. Auf botanischem Gebiete liegen 
folgende Tatsachen vor: Prantl stellte fest, daß 
Sporen von Osmunda regalis und Cystopteris thalic- 
troides auf stickstofffreiem Boden nur unvollkommen 
entwickelte Prothallien lieferten, die ausschließlich 
Antheridien trugen; enthielt die Nährlösung jedoch 
NH4NO3, oder wurden den zuerst ohne Stickstoff ge- 
züchteten Prothallien nachträglich Stickstoffverbin- 
dungen zur Verfügung gestellt, so kam es zur Bil- 
dung von Archegonien, oder die Prothallien wurden 
sogar unter Rückbildung der Antheridien rein weib- 
lich. Auch sehr dichte Aussaat — die ja natürlich 
zu ungenügender Ernährung führt — bewirkte die 
Entwickelung rein männlicher Prothallien. Ganz ent- 
sprechende Ergebnisse erhielten Bauke für Cyathea- 
ceen, Schacht, Milde, Duval, Jone und Buch- 
tien für Equisetaceen. Noll fand, daß Sjioren von 
Equisetum Telmateja bei Mangel an Phosphaten rein 
männliche Prothallien lieferten. Auch mangelnder 
Lichtzutritt wirkte bei Equisetum in gleichem Sinn, 
und bei der normalerweise hermaphroditischen Vau- 
cheria repens bilden sich unter ungünstigen Ent- 
wickelungsbedingungen gleichfalls nur Antheridien 
(Klebs). 

Alle diese Versuche lassen sich dahin zusam- 
menfassen, daß die Entwickelung der weiblichen 
Geschlechtsprodukte eine bessere und reichlichere 
Ernährung voraussetzt. Hiermit steht im Einklang, 
daß der Mais in Süddeutschland, wo er als Grün- 
futter gebaut und dicht gesäet wird, nur wenige und 
verkümmerte, in Italien dagegen, wo er weitläufig 
gebaut wird, reichliche Fruchtkolben entwickelt, wäh- 
rend die männlichen Blütenähren einen solchen Unter- 
schied nicht zeigen; daß die proterandrisch herma- 
phroditen Wassermelonen gleichfalls bei ungenügen- 
der Ernährung nur männliche Blüten bringen; daß 
die gelegentlich beobachtete Umbildung des innersten 
Staubblattkreises von Papaver somniferum zu Kar- 
pellen, welche sogar erblich wird, gleichfalls nur bei 
guter Ernährung eintritt (de Vries). — Doch lassen 
sich nicht alle Pflanzen in dieser Weise beeinflussen. 



So lieferten mehrere Jahre lang fortgesetzte Zucht- 
versuche mit Marchantia kein positives Resultat 
(Noll), ebensowenig bei Melandrium (Strasburger) 
und Spinacia oleracea (0. Schultze). Hier scheint 
das Geschlecht der Pflanze bereits im Samen be- 
stimmt zu sein, ebenso wie E. Pflüger schon vor 
20 Jahren feststellte, daß das reife Amphibienei be- 
reits geschlechtlich differenziert sei. 

Positive Ergebnisse lieferten auf zoologischem 
Gebiet Hydra und Hydatina senta, bei denen gleich- 
falls gute Ernährung die Bildung weiblicher Nach- 
kommenschaft begünstigt (Nussbaum). Bei Hyda- 
tina fällt die Entscheidung bereits bei der Entwicke- 
lung der Eier im großmütterlichen Tier, da jedes 
Weibchen nur eingeschlechtliche Eier legt. Hierzu 
kommen die bekannten Tatsachen, daß Aphiden und 
Daphnien unter günstigen Ernährungsbedingungen 
nur weibliche, bei eintretendem Nahrungsmangel zwei- 
geschlechtliche Nachkommen liefern. Die scheinbare 
Ausnahme, daß die zweigeschlechtlichen Wintereier 
der Daphniden sich im Herbst zur Zeit sehr reich- 
licher Ernährungsmöglichkeit bilden, läßt sich viel- 
leicht dadurch erklären, daß die Daphnien zu dieser 
Zeit — vielleicht wegen der Temperatur — nicht 
imstande sind, hinlängliche Nahrung aufzunehmen. 
Auch Schmankewitschs Resultate, der durch Stei- 
gerung des Salzgehalts im Wasser männliche Daphniden 
erzielte, mögen hierher gehören. Dagegen fielen die 
Versuche, das Geschlecht der Nachkommen von Wir- 
beltieren durch die Ernährung zu beeinflussen, alle 
negativ aus. In bezug auf die einschlägigen Angaben 
von Ploss, Wilkens und Schenck schließt Verf. 
sich der von v. Lenhossek geübten Kritik an. 
Versuche, die er selbst mit Mäusen anstellte, welche 
längere Zeit vor der Paarung auf Hungerkost gesetzt 
waren, lieferten kein bestimmtes Ergebnis, auch die 
Paarung gut genährter Weibchen mit schlecht ge- 
nährten Männchen ließ nicht die von einigen frühe- 
ren Autoren behauptete Vermehrung männlicher Ge- 
burten erkennen. Die Resultate blieben ebenso un- 
bestimmt, wenn nicht das mütterliche, sondern das 
großmütterliche Tier als Versuchsobjekt diente^, und 
ebensowenig führten Versuche über den Einfluß stick- 
stoffreicher und stickstofffreier Nahrung zum Ziel. 

Für den Satz, daß die Bildung weiblicher Ge- 
schlechtszellen bessere und reichlichere Ernährung 
voraussetzt, führt Herr Schultze weiterhin die 
staatenbildenden Hymenopteren an, deren voll ent- 
wickelte Weibchen eine andere Nahrung als die 
Arbeiter und Drohnen erhalten, sowie die Tatsache, 
daß bei ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus die 
Weibchen oft aus größeren Eiern sich entwickeln. 
Die Ausnahme , die die in Feigen lebenden Schlupf- 
wespen (Blastophaga) bilden, hält Verf. für eine Folge 
ihrer eigenartigen Lebensweise. 

Weiter stellte Verf. alle die Tatsachen zusammen, 
die für den schon vor etwa 50 Jahren von B. S. 
Schultze ausgesprochenen Satz plädieren, daß die 
Entscheidung über das Geschlecht bereits im Ei statt- 
finde. Hierfür spreche die Vergeblichkeit aller Ver- 



Nr. 8. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 97 



suche, beidiözischen Phanerogamen, Amphibien, Haus- 
säugetieren, Mäusen das Geschlecht von außen zu 
beeinflussen; auch seien alle positiven Ergebnisse bis- 
her durch Versuche an weiblichen, nicht an männ- 
lichen Tieren erreicht; für Hydatina senta sei durch 
Maupas und Nussbaum der direkte Beweis dafür 
geführt, daß das Geschlecht schon bei der Eibildung 
bestimmt werde; die Weibchen vieler Insekten seien 
zur parthenogenetischen Erzeugung sowohl männ- 
licher als weiblicher Nachkommen befähigt; endlich 
seien in manchen Fällen (Dinophilus, Hydatina, Phyl- 
loxera, Nematus ventricosus) männliche und weib- 
liche Eier bereits durch ihre Größe zu unterscheiden, 
vielleicht gilt auch für Rhopalura und Bonellia das 
gleiche; im Pflanzenreich bilden die Makro- und 
Mikrospuren der heterosporen Filicinen ein Gegen- 
stück. 

Diesen Tatsachen gegenüber müsse festgestellt 
werden , daß für einen Einfluß des männlichen Ele- 
ments auf das Geschlecht der Nachkommen bisher 
kein Beweis vorhanden sei. In der Ovogenese sei 
demnach die Lösung des Problems der Geschlechts- 
bildung zu suchen. R. v. Hanstein. 

E. Ilerruianu: Die Staubfälle vom 19. bis 23. Fe- 
bruar 1903 über dem Nordatlantischen 
Ozean, Großbritannien und Mitteleuropa. 
(Annalen der Hydrographie 1903, Heft X und XI.) 
In den Tagen vom 19. bis 23. Februar 1903 fand 
über weiten Gebieten Mitteleuropas, Großbritanniens und 
des Nordatlantischen Ozeans ein ausgedehnter Staubfall 
statt, der in seinem Auftreten so wesentlich verschieden 
von demjenigen im März 1901 war, daß eine genaue 
Bearbeitung des Phänomens geboten erschien. Nachdem 
durch chemische Analyse festgestellt war, daß es sich 
auf keinen Fall um kosmischen Staub handelte, gelaug 
der wahrscheinliche Nachweis, daß der Staub von einem 
Sandsturme am 18. Februar in der Sahara herrührte. 
An diesem Tage waren über dem nördlichen Teile der 
Sahara sehr heftige atmosphärische Störungen vorhan- 
den. Die Lebhaftigkeit der Bewegungen an diesem Tage 
in jenen Gegenden wird auch durch die im östlicheren 
Teile von Algier und Tunis niedergegangenen reich- 
lichen Niederschläge gekennzeichnet. 

Der wesentliche Unterschied gegen den Staubfall 
vom März 1901 bestand darin, daß der Staub nicht wie 
damals mit einer nach Norden sich fortpflanzenden De- 
pression fortgeführt wurde , sondern daß er mit der 
herrschenden Luftströmung in ferne Gegenden gelangte. 
Über dem mittleren und westlichen Europa, einem Teile 
des nordwestlichen Afrikas und den an Westeuropa an- 
grenzenden Meeresgebieten lag nämlich am IS. Februar 
ein abgerundetes Hochdruckgebiet mit einem Maximum 
des Luftdruckes von über 780 mm über dem nordwest- 
lichen Alpengebiete. Dieses Hochdruckgebiet war rings 
umgeben von einem Gebiet niedrigeren Luftdruckes, in 
dem lebhafte zyklonale Erscheinungen auftraten. Fer- 
ner befand sich zwischen den Azoren uud den Kanari- 
schen Inseln eine Depression, welche den Passat in jenen 
Gegenden störte. Nach Nordwesten und Norden hin i 
war das Maximum durch ein großes Depressionsgebiet , 
begrenzt. Nach dem Osten Rußlands hin nahm der j 
Luftdruck gleichfalls ab. Von der östlichen Luftströmung j 
der höheren Schichten der Atmosphäre im Süden des ' 
Hochdruckgebietes getragen, wurden die Staubmassen | 
nach den Kanarischen Inseln geführt. Sie gelangten so 
an die Südwestseite des Hochdruckgebietes, uud hier 
teilte sich die staubführende Strömung. Ein Teil schloß 
sich den südöstlichen Winden an der Südwestseite des 



Hochdruckgebietes an und nahm die Richtung nach den 
Azoren; der andere Teil wurde in südlicher Richtung 
abgelenkt. Indem sich nämlich der höhere Druck so- 
wohl von Nordosten her über Madeira und die Kanari- 
schen Inseln als auch von Westen her in der Umgebung 
des 40. Breitengrades weiter vorschob, so daß in diesen 
Gegenden ein von Westen nach Osten in Zusammenhang 
stehendes Hochdruckgebiet sich bildete, wurde die Pas- 
satströmung wieder hergestellt, welche den Staub bis 
in die Gegend der Kap Verdischen Inseln führte. Aber 
auch der nach Nordwesten getriebene Staub erfuhr in 
der Gegend der Azoren eine nochmalige Teilung. In- 
dem nämlich im Laufe des 21. Februar auch sudlich 
und südöstlich von den Azoren eine nördliche und nord- 
östliche Luftströmung einsetzte, wurde ein Teil des 
Staubes von den Azoren in westlicher und südwestlicher 
Richtung vertrieben. Der größere Teil wurde aber von 
der sehr lebhaften südwestlichen Luftströmung in den 
Grenzgebieten des Hochdruckgebietes gegen eine tiefe 
über dem Nordatlantischen Ozean liegende Depression 
aufgenommen. Mit dieser Luftströmung ist der Staub 
nach Großbritannien und Mitteleuropa gelangt. 

Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Staubfälle 
war auf dem ganzen Wege 20 bis 25 m in der Sekunde, 
etwa wie im März 1901. Naturgemäß fielen näher am 
Ursprungsorte zunächst die gröberen Staubteile heraus: 
In Belgien war der Staub noch sehr konsistent; in den 
südlichsten Teilen Zentraleuropas äußerte er sich nur 
noch in einer Dunstbildung. Die besondere Erwärmung 
und Trockenheit, welche in jenen Tagen in vielen Gegen- 
den Mitteleuropas beobachtet wurde, erklärt der Verf. 
aus einer Mischung der über Europa hinstreichenden 
Luft mit aus südlicheren Gegenden stammender, wärme- 
rer. Ferner wurden die in der Luft schwebenden Staub- 
teilchen unmittelbar durch die Sonne erwärmt und hier- 
durch auch die Temperatur und Trockenheit der Luft 
nicht unwesentlich gesteigert. G. Schwalbe. 



Lord BlythsTrood uud H. S. Allen: Radiumstrah- 
lung und Kontakt-Elektrizität. (Philosophical 
Magazine 1903, ser. 6, vol. VI, p. 701 — 707.) 

Weun die Luft zwischen zwei isolierten Platten aus 
verschiedenen Metallen dem Einfluß einer radioaktiven 
Substanz ausgesetzt wird, so erlangen ähnliche, mit die- 
sen Platten verbundene Drähte eine Poteutiuldifferenz. 
Diese Differenz kann gemessen werden, indem man die 
Platten mit den Quadranten eines empfindlichen Elektro- 
meters verbindet. Sie ist von derselben Größenordnung 
wie die, welche man erhält, wenn man die Metallplatten 
mit einem Tropfen Wasser verbindet. Diese Wirkung 
wurde zuerst von Lord Kelvin, Beattie und de 
Smolan (1898) in Luft beobachtet, während eine Scheibe 
Uranmetall radioaktiv einwirkte. Genau ähnliche Er- 
folge sind später von Anderen mit X-Strahlen erzielt 
worden. Die Verff. stellten sich die Aufgabe, diese Po- 
tentialdifferenz für verschiedene Metallpaare zu messen, 
während ein Radiumsalz als Strahlungsquelle diente. 

Da zum Abhalten äußerer, störender Einwirkungen 
der Apparat und das Radiumsalz in einen Bleikasten ge- 
setzt werden mußten , wurde für die definitiven Ver- 
suche der ganze Apparat aus Blei hergestellt. In einem 
Bleikasten standen sich zwei Bleiplatten im Abstände 
von 2cm gegenüber, die mittels durch Glasröhren hin- 
durchgehender Bleistäbe mit dem Elektrometer verbun- 
den waren; das Radiumsalz wurde in einer kleinen Blei- 
schachtel in eine Röhre seitlich vom Kasten hinein- 
gebracht. Sollte die Beobachtung beginnen, so wurde 
eine Platte aus dem zu untersuchenden Metall auf die 
untere Bleiplatte gelegt und durch zwei Ablesungen am 
Elektrometer das Potential der oberen Elektrode bei 
Erdung der unteren und dann das Potential der unte- 
ren bei Ableitung der oberen Elektrode gemessen. 

Die Messungen wurden mit Zink, Aluminium, Zinn, 
Wismut, Antimon, Messing, Eisen, Kupfer, Silber, Gold 



98 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 8. 



und Platin ausgeführt und die Potentialdifferenzen der 
oberen und der unteren Platte in einer Tabelle zusam- 
mengestellt, in der die Metalle dieselbe Reihenfolge ein- 
nahmen wie in der Voltaschen Reihe, nur das Messing 
zeigte einen Unterschied gegen die z. B. von Ayrton 
und Perry gegebene Voltasche Spannungsreihe, da 
es zwischen Antimon und Eisen stand ; wahrscheinlich 
waren die Messingsorten verschiedener Zusammensetzung. 
Die zu den Untersuchungen verwendeten Metalle waren 
die gewöhnlichen käuflichen, somit nicht chemisch rein. 
Die Verff. haben ferner eine Versuchsreihe über den 
Einfluß des Vakuums auf die durch Radiumstrahlen er- 
zeugte Potentialdifferenz ausgeführt. Über den Einfluß 
der hohen Verdünnungsgrade auf die Kontakt-Potential- 
differenz lagen einige Beobachtungen vor, welche gezeigt 
hatten, daß die im Vakuum durch Kontakt bewirkte 
Potentialdifl'erenz bei Zulassung der Luft bis zum Atmo- 
sphärendruck sich nicht um 1% ändert. Das gleiche 
Resultat beobachteten die Verfasser ; wenn sie zu dem 
höchsten erreichbaren Vakuum trockene Luft zuließen, 
konnte eine Änderung der Potentialdifl'erenz nicht wahr- 
genommen worden; nach Schätzung hätte jede Ände- 
rung um 5% deutlich beobachtet werden müssen. 



P. von Schroeder: Über Erstarrungs- und Quel- 
lungserscheinungen von Gelatine. (Zeitschrift 
für physikalische Chemie 1903, XLV, S. 75—117.) 

Zum Studium der Kolloide eignet sich die Gelatine 
besonders gut, da die Umwandlung vom. flüssigen (ge- 
schmolzenen) in den festen, erstarrten Zustand, der Über- 
gang vom Sol zum Gel, durch die Umkehrung der Ver- 
suchsbedingungen im umgekehrten Sinn vollführt werden 
kann. Bei dieser Zustaudsänderung hat man nun nach den 
Untersuchungen des Verf. zwei verschiedene Arten von 
Erscheinungen streng auseinander zu halten: einmal eine 
nicht umkehrbare (wahrscheinlich chemische) Änderung 
der Gelatinelösung unter dem Einfluß des Wassers („Ver- 
seifungsprozeß"), die sich darin äußert, daß die innere 
Reibung der Gelatinelösung im Laufe der Zeit abnimmt, 
dann die reversible Gel-Sol-Umwandlung, die nicht augen- 
blicklich verläuft, sondern eine geringe Geschwindigkeit 
besitzt. Da die Geschwindigkeit der Einstellung des Gel- 
Sol-Gleichgewichtes viel kleiner ist als die Geschwindig- 
keit, mit der das Temperaturgleichgewicht erreicht wird, 
so kommt noch eine Nachwirkungserscheinung hinzu: 
die erhitzte und wieder abgekühlte Gelatinelösung zeigt 
noch lange nach Einstellung des Temperaturgleich- 
gewichtes ein allmähliches Anwachsen der inneren Rei- 
bung. Dieses Verhalten ist ganz analog den thermischen 
Nachwirkungserscheinungen bei Gasen. 

Während die früheren Forscher bei ihren Unter- 
suchungen über die Zustaudsänderungen von Gelatine 
den Schmelz- bzw. Erstarrungspunkt bestimmten (Rdsch. 
1900, XV, 330), benutzte Verf. zu diesem Zweck die 
Bestimmung der inneren Reibung von Gelatinelösungen 
mit Hilfe des s t w a 1 d sehen Apparates. Die innere 
Reibung steht im engsten Zusammenhang mit der Er- 
starrungsfähigkeit der Gelatine, und durch die angewandte 
Methode konnten viel feinere Unterschiede in der Beein- 
flussung der Gelbildung bestimmt werden, als durch die 
früher üblichen. 

Verf. hat nun eingehende Untersuchungen über den 
Einfluß von Wasser, Salzen, Säuren und Basen auf die 
Erstarrungserscheinungen von Gelatine angestellt. Von 
den wichtigeren Ergebnissen sei hier nur erwähnt, 
daß der Zusatz von Salzen — angewendet wurden Sulfate, 
Chloride und Nitrate — die innere Reibung der Gelatine- 
lösung stets erhöht, während das Erstarrungsvermögen, 
worunter die zeitliche Änderung der inneren Reibung bei 
konstanter Temperatur zu verstehen ist, von den Sulfaten 
erhöht, von den Chloriden, Nitraten, wie auch von den 
Basen und Säuren erniedrigt wird ; diese wirken also 
Sol-, jene Gel-bildend. Im allgemeinen übertrifft die 



Wirkung des Anions die des Kations. Es ist nun von 
großem Interesse, daß Hofmeister (Rdsch. 1890, V,618; 
VI, 273) bei seinen Studien über die Quellbarkeit von 
Leimplatten eine ähnliche Reihenfolge bei den Salzen 
aufstellen konnte. Gelbildende Salze wirken auf die 
Quellbarkeit der Gelatine hindernd ein, Salze, die die 
Gelbildung hemmen , erhöhen die Quellbarkeit der 
Gelatine. Wie schon Pauli und Rona (Rdsch. 1902, 
XVII, 358) angeben, muß die günstige Beeinflussung 
der Gelbildung der Gelatine durch Salze von der Fällung 
flüssiger Gelatine durch Salze streng geschieden werden. 
Die Gelbildung hindernden (wie Kalium- und Natrium- 
chlorid), sowie die fördernden Salze (wie Natriumsulfat) 
können gleicherweise in geeigneter Konzentration Gelatine 
zur Ausfällung bringen. P. R. 



A. F. Girvan: Die Vereinigung von Kohlenoxyd 
mit Sauerstoff und das Trocknen der Gase 
durch Abkühlen. (Proceedings of the Chemical 
Society 1903, vol. XIX, p. 236—238.) 

Ob das Trocknen eines explosiven Gemisches von 
Kohlenoxyd und Sauerstoff durch Abkühlen auf sehr 
niedrige Temperaturen ausreicht, um die chemische Ver- 
bindung zu hindern, wenn das Gas wieder die Luft- 
temperatur angenommen hat und man elektrische Funken 
durchsendet, wollte Herr Girvan durch direkte Versuche 
entscheiden. 

In den ersten Versuchen, in denen das Gasgemisch 
mit flüssiger Luft abgekühlt war, trat keine Explosion 
ein, wenn Funken, die in der Luft eine Länge von 12 mm 
besaßen, durch das Gemisch geschickt wurden, obwohl 
die Funken in dem Gemisch mit kleinen, kugelförmigen, 
blauen Flammen umgeben waren. Das Gemisch, das in 
einem Schlangenrohr abgekühlt worden war, wurde wäh- 
rend der Kühlung in eine Entladungsröhre geleitet, dort 
auf normale Temperatur erwärmt und untersucht. Ließ 
man auch die Glasspirale die normale Temperatur an- 
nehmen, dann verbreitete sich die in der Spirale kon- 
densierte Feuchtigkeit langsam in die Entladungsröhre 
hinein und ein einziger Funke brachte das Gemisch mit 
scharfem Knall zur Explosion. 

War das Gemisch mit fester Kohlensäure und Alko- 
hol ( — 80°) gekühlt, so war das Verhalten das gleiche 
wie bei Abkühlung auf — 180°. Hatte man das Gas- 
gemisch auf — 15° abgekühlt und ließ man es dann die 
gewöhnliche Temperatur annehmen, so erzeugte ein ein- 
zelner Funke eine scharfe Explosion; dies war jedoch 
nicht der Fall nach Abkühlung unter — 50°. War die 
Trocknung zwischen — 50° und — 35° vorgenommen , so 
erzeugten schwache Funken in der Regel keine Explosion, 
wohl aber regelmäßig kräftige Funken. Nach denf Trock- 
nen zwischen — 50° und — 35° kam es auch vor, daß 
ein einzelner Funke keine Zündung verursachte, wohl 
aber der zweite oder dritte. 

Die Explosion mittels kräftiger Funken nach dem 
Trocknen zwischen — 50° und — 35 c hatte einen anderen 
Charakter als die mit feuchten Gasen erhaltene; letztere 
erfolgt sehr schnell und heftig und gibt einen metalli- 
schen Knall, während erstere ruhig stattfindet und die 
Explosionswelle langsam längs der Röhre wandert und 
stehen bleibt, wenn sie die kalte Spirale erreicht. 

Eine Berechnung der Feuchtigkeitsmengen in dem 
Gasgemische nach dem Abkühlen ergab für — 61° den 
Druck 0,008 mm, für — 56,5° 0,015 mm, für — 51° 0,029 mm, 
für — 45° 0,0.52 mm und für — 36° 0,160 mm. Wir sehen 
also, daß, wenn der Dampfdruck des Wassers geringer 
ist als etwa 0,03 mm , dann explodieren die Gase nicht, 
und wenn der Dampfdruck geringer als 0,16 mm ist, 
dann ist die Explosion eine sehr schwache. Im ersteren 
Falle beträgt die Menge des vorhandenen Wasserdampfes 
etwa 1 Teil auf 24 000 Volumteile und im zweiten 1 Teil 
auf 5000. 



Nr. 8. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 99 



M. Holliday: Eine Studie über einige ergatogyne 

Ameisen. (Zool. Jahrb. Abt. f. Systematik usw. 1903, 
Bd. XIX, S. 293—328.) 

Seit Forel vor etwa dreißig Jahren über das Vor- 
kommen von Zwischenformen zwischen den Weibchen 
und Arbeiterinnen bei verschiedenen Ameisenarten be- 
richtete, sind diese „ergatogynen" Ameisen mehrfach 
Gegenstand näherer Beobachtung gewesen. Namentlich 
war es Wasmann, der in mehreren Arbeiten auf Grund 
eigener Studien hierüber berichtete und die verschiede- 
nen in Betracht kommenden Formen, die sich teils als 
ungewöhnlich kleine Weibchen, teils als große Arbeite- 
rinnen, teils als mehr oder weniger pathologische Bil- 
dungen betrachten ließen, übersichtlich klassifizierte 
und auch zur Klärung der Frage nach den die Ent- 
wickelung solcher Zwischenformen begünstigenden Ver- 
hältnissen wichtige Beiträge lieferte (vgl. Kdsch. 1896, 
XI, 188; 1900, XV, 603). Durch solche Zwischenformen, 
welche sich bei manchen Arten sehr häufig finden, wird 
naturgemäß die Grenze zwischen den Königinnen und 
Arbeiterinnen mehr oder weniger verwischt, da 6ie in 
den äußeren Merkmalen, namentlich in der Beschaffen- 
heit des Thorax, die mannigfachsten Übergänge zwischen 
den beiden typischen Formen der weiblichen Ameisen 
zeigen. Verfasserin hat nun den Zustand der weiblichen 
Geschlechtsorgane bei den Ergatogynen einer Anzahl ameri- 
kanischer Ameisenarten näher untersucht und berichtet 
hierüber in der vorliegenden Arbeit. 

Daß bei manchen Ameisen auch Arbeiterinnen 
Eier legen können , ist längst bekannt. Durch die 
Untersuchungen von E. Bickford (Rdsch. 1896, XI, 
245) wurde festgestellt, daß die Rückbildung der 
Ovarien bei den Arbeitern verschiedener Arten sehr 
ungleich weit vorgeschritten ist und daß die Fähig- 
keit, entwickelungsfähige Eier hervorzubringen, durch- 
aus nicht in gleichem Schritt mit der Rückbildung 
der Ovarien abnimmt. Wheeler hat noch kürzlich das 
Vorkommen eierlegender Arbeiterinnen in den Kolonien 
amerikanischer Ponerinen und Camponotinen für eine 
normale Erscheinung erklärt und dies zur Erklärung 
der Vererbung ihrer Instinkte verwertet (Rdsch. 1902, 
XVII, 148). Adlerz betrachtete als Kriterium echter 
Weibchen das Vorhandensein eines Receptaculum seminis. 

Die Untersuchungen des Fräulein Holliday er- 
strecken sich in erster Linie auf einige in der Umgegend 
von Austin (Texas) vorkommende Ponerinen (Leptogenys 
elongata Buckl. , Pachycondyla harpax Fabr. , Odonto- 
machus clarus Rog.), den unlängst von Wheeler mit 
Bezug auf ihre Lebensweise studierten Leptothorax enier- 
soni (Rdsch. 1902, XVII, 147), sowie auf einige Dorylinen 
und Camponotinen; etwas kürzer referiert Verfasserin 
über eine ganze Reihe anderer Arten, welche jedoch 
wegen der geringen Zahl der zur Verfügung stehenden 
Exemplare nicht anatomisch untersucht werden konnten. 

Als ein wesentliches Ergebnis der in vorliegender 
Arbeit niedergelegten Beobachtungen kann zunächst die 
Tatsache betrachtet werden, daß bei vielen der unter- 
suchten Formen nicht nur die Ergatogynen, sondern 
auch eine Anzahl von Arbeitern, die sich äußerlich von 
den normalen in keiner Weise unterschieden, ein deut- 
liches Receptaculum seminis besitzen. Es ist damit die 
oben erwähnte Angabe von Adlerz, daß ein solches 
nur den echten Königinnen zukomme, hinfällig geworden. 
Da sich in dieser Beziehung die einzelnen Arten sehr 
verschieden verhalten — bei einigen besitzt kein Arbei- 
ter, bei anderen ein größerer oder kleinerer Teil der- 
selben ein Receptaculum seminis — , so haben wir auch 
hier wieder einen Beweis dafür, daß die Rückbildung 
der Genitalien bei den Arbeiterinnen verschiedener Amei- 
sen noch sehr ungleich weit vorgeschritten ist. 

Am kompliziertesten gestalten sich die Verhältnisse 
bei Leptothorax emersoni, einer kleinen, in den Nestern 
von Myrmica brevinodis lebenden und von dieser ge- 
fütterten Art, bei welcher Verfasserin außer der Königin 



nicht weniger als 10 verschiedene Typen von Weibchen 
unterschied, welche sich durch Größe, Anzahl der Ocel- 
len (0, 1, 2 oder 3) und durch den Bau des Thorax, 
namentlich das Vorhandensein oder Fehlen eines Scu- 
tellum sowie die Größe desselben unterscheiden. Außer 
den echten Königinnen kommen noch einem dieser Typen, 
den Mikrogynen , Flügel zu. Unter 1000 untersuchten 
Individuen fanden sich 111 Männchen, 26 Königinnen, 
10 Mikrogynen, 16 ergatoide Weibchen, 276 Arbeiter 
mit je 3 Ocellen (davon 36 mit großem, 126 mit kleinem, 
114 ohne Scutellum), 17 Arbeiter mit je 2 Ocellen, 8 mit 
je einem Ocellus und endlich 429 große (Makroergaten) 
und 107 kleine (Mikroergaten) ohne Ocellen. Alle diese 
Typen besaßen wohlentwickelte Ovarien mit einer wech- 
selnden Zahl (2 bis 4) von Eiröhren auf jeder Seite und 
mit zum Teil reifen Eiern; bei allen mit zwei Ausnah- 
men fand sich auch ein Receptaculum seminis. 

Im Gegensatz zu diesem starken Polymorphismus zeigen 
andere Arten derselben Gattung (L. longispinosus Rog., L. 
curvispinosus Mayr, L. obturator Wheeler, L. canadensis 
Prov.) nur die gewöhnlichen 3 Rassen, die Arbeiter zer- 
fallen in Makro- und Mikroergaten ohne Receptaculum, 
ereatogyne Zwischenformen fehlen gänzlich. Bei einigen 
Arten anderer Gattungen (Leptogenys elongata, Pachy- 
condyla harpax, Odontomachus clarus) unterscheiden 
sich Weibchen und Arbeiter äußerlich sehr wenig. Bei 
allen drei Spezies besitzen nicht nur die Königinnen, 
sondern auch ein Teil der Arbeiter ein Receptaculum. 
Bei den Königinnen der erstgenannten Art fand Verfas- 
serin zwei Typen von Ovarien : entweder waren dieselben 
kurz, mit 2 bis 3 Röhren jederseits, deren jede in der 
Regel 2 Eier enthielt, oder sie waren lang, jederseits 
mit 2 Röhren zu je 15 Eiern. Im allgemeinen schwankt 
die Zahl der Eiröhren bei den verschiedenen Individuen 
einer Spezies, auch ist dieselbe nicht immer in beiden 
Hälften des Ovariums die gleiche. 

Sehr stark ist der Unterschied in der Ovarienent- 
wickelung zwischen Königinnen und Arbeitern der Do- 
rylinen, wie dies bei der stark ausgeprägten äußeren 
Differenzierung zu erwarten war. Die Königinnen von 
Eciton schmitti besitzen jederseits mehrere hundert Ei- 
röhren und ein entsprechend großes Receptaculum, wäh- 
rend bei den — bei dieser Art allerdings sehr kleinen — 
Arbeiterinnen keine Ovarien aufgefunden wurden. Sollten 
dieselben wegen ihrer geringen Größe nur übersehen sein, 
so könnten sie jedenfalls nur ganz rudimentär sein. 

Ähnlich liegen die Verhältnisse bei den Campono- 
tinen. Bei Colobopsis abditus Forel var. etiolatus Whee- 
ler besitzt die Königin Ovarien mit 6 bis 7 Eiröhren 
jederseits, zu je 6 bis 8 Eiern. Die Arbeiter — auch 
die größeren, als Soldaten bezeichneten — besitzen jeder- 
seits nur 1 Eiröhre mit je einem Ei, bei den kleinen 
fanden sich in jeder Röhre 2, auch wohl 3 Eier. Ein 
i Receptaculum besitzen nur die — sehr seltenen — Köni- 
ginnen. Ähnlich verhält sich C. marginatus Latr., wo- 
gegen bei C. fumides var. festinata Buckl. einige Arbei- 
ter mit Receptaculum angetroffen wurden, bei Pogono- 
myrmex Smith var. molifaciens Buckl. sogar etwa die 
Hälfte der untersuchten Arbeiter ein solches besaßen. 

Verfasserin faßt ihre Ergebnisse dahin zusammen, 
daß es nicht angängig sei, die Arbeiterinnen der Ameisen 
schlechthin als steril und ihre Ovarien als rudimentär 
zu bezeichnen. Morphologisch und histologisch erschei- 
nen sie zur Hervorbringung entwickelungsfähiger Eier 
geeignet, wenn sie auch meistens eine Reduktion der 
Zahl der Eiröhren erkennen lassen. R. v. H an st ein. 



C. H. Ostenfeld und C. Raunkiaer: Kastrierungsver- 

suche mitHieracium und andern Cichorieen. 

(Botanisk Tidsskrift 1903, Bd. XXV, p. 407—413.) 

Herr Raunkiaer hat in einem früheren Heft der 

oben genannten dänischen Zeitschrift (p. 109 bis 139) 

bemerkenswerte Untersuchungen über die Befruchtung 

des Löwenzahns (Taraxacum) mitgeteilt , denen leider 



100 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 8. 



kein Resüme in einer der herrschenden europäischen 
Sprachen beigefügt ist. Das Hauptergebnis dieser Ver- 
suche sowie der neuen Beobachtungen an Hieracien ist 
aber aus einer in englischer Sprache gegebenen Zu- 
sammenfassung des unter oben stehendem Titel ver- 
öffentlichten Aufsatzes zu ersehen, die wir hier in der 
Übersetzung wiedergeben. 

„Die Verfasser haben einige Kastrierungeversuche 
an Hiei'acium- Arten ausgeführt mit dem Ergebnis, daß 
alle untersuchten Arten nach der Kastrierung reife 
Früchte brachten und sich demnach ebenso verhalten 
wie die Taraxacum- Arten, von denen C. Raunkiaer 
bewiesen hat, daß sie apogam, wahrscheinlich partheno- 
genetisch sind. Dagegen tragen andere Cichorieen keine 
Früchte nach der Kastrierung. Die Versuche wurden 
in derselben Weise ausgeführt wie Raunkiaers Ver- 
suche mit Taraxacum , d. h. durch Abschneiden der 
oberen Hälfte der noch nicht geöffneten Blütenköpfe 
mittels eines Rasiermessers, so daß die Antheren, die 
Narben und der größte Teil der Korollen entfernt wur- 
den. Die am frühesten kastrierte Art (Hieracium hyparc- 
ticum Almq.) hat schon neue Pflanzen hervorgebracht. 

Die Untersuchung der Narben verschiedener Arten, 
sowohl von Hieracium wie von anderen Cichorieengat- 
tungen zeigte, daß keine keimenden Pollenkörner sicht- 
bar waren, und es ist den Verfassern nicht gelungen, 
Pollenkörner, die zusammen mit Narben in destilliertes 
Wasser gelegt waren, zur Keimung zu bringen ; auch 
Lidforss und H. Molisch geben an, daß es unmöglich 
sei, die Pollenkörner von Kompositen zup Keimung zu 
veranlassen. Dagegen haben die gegenwärtigen Verff. 
Pollenkörner mit langen Schläuchen auf den Narben von 
Dahlia variabilis beobachtet, und folglich scheinen die 
Cichorieen von den anderen Gruppen der Kompositen 
abzuweichen." 

Wenn in diesen Fällen in der Tat echte Parthe- 
nogenese . d. h. Embryoent Wickelung aus der Eizelle 
ohne vorhergehende Befruchtung , vorliegt , so würde 
damit die Zahl der Angiospermen, für die Partheno- 
genese nachgewiesen ist (Antennaria alpiua, einige Al- 
chemilla - Arten , Thalictrum purpurascens), eine erheb- 
liche Vermehrung erfahren (vgl. Rdsch. 1898, XIII, 443; 
1901, XVI, 437; 1902, XVII, 488). F. M. 



A. Nestler: Untersuchungen über das Thein der 
Tee pflanze. (Jahresbericht der Vereinigung der Ver- 
treter der angewandten Botanik 1903, Jahrg. I. Sonder- 
abdruck 10 S.) 
Der Umstand, daß die über den Theingehalt der Tee- 
samen bisher ausgeführten Untersuchungen sich voll- 
ständig widersprechen, veranlaßte Herrn Nestler, die 
Samen nach eigener Methode auf ihren Theingehalt zu 
prüfen. Die Untersuchung wurde dann auch auf die 
übrigen Organe der Teepflanze ausgedehnt, namentlich 
auch auf die Laubblätter, bezüglich deren die Angabe 
gemacht worden ist, daß alles Thein nur in den Epi- 
dermiszellen und nicht im Mesophyll abgelagert sei. 

Zum Nachweise des The'ins bediente sich Verf. des 
früher von ihm beschriebenen einfachen Sublimations- 
verfahrens (vgl. Rdsch. 1901, XVI, 648). Die Unter- 
suchung, die sich auf Thea viridis L. und Thea Bohea L. 
bezog, führte zu folgenden Ergebnissen. 

Die Teepflanze enthält in allen oberirdischen 
Organen Thein; in der Wurzel konnte es nicht nach- 
gewiesen werden. 

Die ruhenden Teesamen enthalten sowohl in der 
Samenschale als auch in den Kotyledonen Thein. Dieses 
Thein läßt sich durch Chloroform , Äther oder Alkohol 
leicht ausziehen und nach dem Verdampfen des Lösungs- 
mittels durch Sublimation nachweisen. Zu diesem Nach- 
weis reichen schon kleine Bruchstücke der Samen aus. 
Dagegen erhält man durch direkte Sublimation aus den 
Samen kein Thein; durch diese Eigentümlichkeit sind 
die Teesamen vom Teeblatt, dem Mateblatt, der Kaffee- 



bohne, kurz, von allen Thein (Kaffe'in) enthaltenden 
Pflanzenteilen verschieden. 

Das Thein kommt in alten und jungen Teestengeln 
vor, aber nur in der Rinde, nicht im Holze. 

In den Haaren und dem Mesophyll des Teeblattes 
ist Thein enthalten ; ob auch in den normalen Epidermis- 
zellen, bleibt unbestimmt. Die Ansicht, daß das Thein 
des Laubblattes auf die Epidermiszellen beschränkt 
sei, ist nicht richtig. 

Alle Teile der Teeblüte enthalten Thein. F. M. 



Literarisches. 



Ad. 



Wernickes Lehrbuch der Mechanik in ele- 
mentarer Darstellung mit Anwendungen 
und Übungen aus den Gebieten der Physik 
und Technik. In zwei Teilen. Erster Teil: 
Mechanik fester Körper. Von Dr. Alex. 
Wernicke. Vierte völlig umgearbeitete Auflage. 
Dritte (Schluß-)Abteilung. Statik und Kinetik 
elastisch fester Körper (Lehre von der 
Elastizität und Festigkeit). Mit eingedruckten 
Abbildungen. XI und S. 811 — 1635. (Braunschweig 
1903, Friedr. Vieweg & Sohn.) 
Bei der Anzeige der zweiten Abteilung von Ad. 
Wernickes Lehrbuch der Mechanik (Rdsch. XVII, 1902, 
12, 13) war Ref. der irrtümlichen Meinung, daß die neue 
Auflage des Werkes abgeschlossen sei. Ein elementares 
Lehrbuch, dessen erster Teil 809 Seiten umfaßt und des- 
sen zweiter, die Theorie der Flüssigkeiten und Gase ent- 
haltender Teil es auf 373 Seiten bringt, schien in der 
Tat schon recht reichlich bedacht zu sein. Und obschon 
die Abwesenheit eines Gesamtregisters für den ersten 
Teil befremdete, so war doch auch keine Andeutung ge- 
geben, daß noch eine Abteilung zu erwarten wäre, deren 
Umfang in Gestalt eines stattlichen Bandes die Stärke 
der beiden vorangehenden Abteilungen um ein Geringes 
übertreffen würde. Um bo mehr war Ref. denn auch 
durch das Erscheinen des vorliegenden Buches über- 
rascht, über welches die buchhäudlerische Ankündigung 
sagt: „Die vorliegende, das Werk abschließende dritte 
Abteilung des ersten Teiles bildet ein selbständiges 
Lehrbuch der Elastizität und Festigkeit in ele- 
mentarer Behandlung, das dementsprechend einzeln käuf- 
lich ist." Das am Ende gegebene alphabetische Sach- 
register zum ganzen ersten Teile, der somit auf 103 Bogen 
mit 1635 Seiten angewachsen ist, bekräftigt den end- 
gültigen Abschluß des Werkes. Die früher gemachte 
Bemerkung des Referenten, daß der jetzige Bearbeiter 
des ersten Teiles eine ungemein weit gebende Vermeh- 
rung des Stoffes bewirkt habe, ist damit über alle Er- 
wartung hinaus bestätigt worden. 

Als vierter Abschnitt des Werkes behandelt der vor- 
liegende Band die Dynamik elastisch fester Körper. Nach 
dem einleitenden Kapitel zur Begründung der Lehre 
von der Elastizität und Festigkeit folgt der Hauptteil 
dieses Abschnittes, die Statik isotroper, elastisch fester 
Körper, welche dem Gesetze von Hooke folgen (S. 857 
bis 1307), d. h. derjenige Teil der Festigkeitslehre, der 
auf den technischen Hochschulen wegen der vielfachen 
praktischen Anwendungen in besonderer Ausführlichkeit 
vorgetragen zu werden pflegt. Besonders eingehend 
wird daher auch der gerade Stab betrachtet unter Ein- 
wirkung von Zug oder Druck und von Schub; seine Bie- 
gung und seine Verdrehung werden erörtert, ferner die 
Knickung gerader Stäbe und ihre Biegung bei exzen- 
trischer Belastung, sowie die Biegung gespannter Bal- 
ken; danach die Anstrengung gerader Stäbe bei Fällen 
zusammengesetzter Elastizität und Festigkeit, endlich 
das Fach werk aus geraden Stäben. Nach Erledigung 
dieses wichtigsten Teiles für die Technik geht der Verf. 
noch auf einige vereinzelte Gegenstände ein : die Biegung 
krummer Stäbe, plattenförmige Körper, den Erddruck. 
Nun erst werden die elastischen Grundgleichungen ent- 



Nr. 8. 1904. 



Natur wissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 101 



wickelt; hierbei wird auch die Arbeit der Formänderung 
besprochen. In einer kurzen Schlußabteilung werden 
einige Bemerkungen über den Einfluß der Temperatur- 
schwankungen gemacht. 

Das folgende dritte Kapitel enthält Betrachtungen 
über die Statik isotroper, elastisch fester Körper, welche 
dem Gesetze von Hooke nicht folgen, und über die 
Statik heterogener Körper, worüber ja nicht viel zu sagen 
ist. Das vierte Kapitel bringt einige Beiträge zur Kinetik 
elastisch fester Körper : die Spannungen und den Stoß 
bewegter elastisch fester Körper, das Prinzip der Erhal- 
tung der Energie. Das fünfte Kapitel ist allgemeinen 
Bemerkungen über Maschinen und über statische Kon- 
struktionen gewidmet. 

Während die drei Kapitel III, IV, V wenig mehr 
als 100 Seiten beanspruchen, umfassen die beiden Ab- 
schnitte des Anhanges: Anwendungen und Übungen der 
Lehre von der Elastizität und Festigkeit, genau 200 Seiten- 
Eine Zusammenstellung einiger häufig vorkommenden 
Bezeichnungen und das alphabetische Sachregister zu 
den drei Abteilungen des ersten Teiles des Werkes 
machen den Beschluß. 

Mehr noch als in den beiden ersten Abteilungen hat 
Herr Alex. Wernicke in dieser letzten Abteilung sich 
von der Beschränkung befreit, nur die Hilfsmittel der 
elementaren Mathematik in Anwendung zu bringen. Will 
man sich in der Theorie der Elastizität zu allgemeinen 
Sätzen und Formeln erheben, so läßt sich die Infinite- 
simalrechnung nicht umgehen. Daher erscheinen denn 
auch auf S. 1293 als die elastischen Grundgleichungen 
für isotrope Körper, welche dem Gesetze von Hooke 
folgen, die partiellen Differentialgleichungen zweiter Ord- 
nung. Außerdem werden die graphischen Methoden in 
ausgedehntem Maße benutzt. Es ist natürlich nicht mög- 
lich, Einzelheiten dieses Kompendiums, die zur Kritik 
herausfordern, hier herauszugreifen und zu besprechen. 
Wir wollen auch nicht wiederholen , was wir bei der 
Anzeige der zweiten Abteilung über das ganze Werk 
gesagt haben. Weniger als in den beiden vorangehen- 
den Abteilungen ist in der Lehre von der Elastizität 
und Festigkeit die Neigung des Bearbeiters zur philo- 
sophierenden Betrachtung hervorgetreten. Die Fülle 
der Tatsachen in dem zu bewältigenden Stoffe hat 
offenbar Schranken gegen die Befolgung jener Neigung 
errichtet. 

Ob man das vollendete Werk noch elementar nen- 
nen will oder nicht, ist ziemlich gleichgültig. Den gan- 
zen in ihm gebotenen Stoff in einem elementaren Kursus 
von der Beschaffenheit durchzuarbeiten, wie derjenige 
der Gewerbeschule geartet war, für den Ad. Wernicke 
ursprünglich sein Lehrbuch verfaßt hatte , ist offenbar 
ganz unmöglich. Als ein Nachschlagebuch für die Zög- 
linge der mittleren technischen Fachschulen und für 
diejenigen auf technischen Hochschulen gebildeten In- 
genieure, welche Werke mit Integralzeichen beiseite 
schieben, wird das Werk recht nützlich sein. Ebenso 
wird mancher Oberlehrer, der auf der Universität keinen 
Eiublick in die technische Mechanik erhalten hat, für 
den Unterricht viele Partien gut verwerten können. Be- 
sonders werden die beigegebenen Übungsaufgaben als 
Probe dienen, ob die allgemeineu Lehren so weit ver- 
standen sind, daß sie in die Praxis umgesetzt werden 
können. E. Lampe. 



E. Hollok: Die Deviationstheorie und ihre An- 
wendung in der Praxis. Ein Handbuch über die 
Deviation der Schiffskompasse und ihre Behandlung. 
Zweite, neu bearbeitete Ausgabe. Mit 41 Figuren 
im Text. XI U. 215 S. Gr. -8°. (Berlin 1903, Dietrich 
Reimer.) 

Dieses Lehrbuch , welches schon durch die zweite 
Auflage sein Dasein als ein erwünschtes, ja notwendiges 
rechtfertigt, gibt eine umfassende theoretische Darstellung 



der aus Kompaßstörungen entspringenden Fehler und der 
zur Unschädlichmachung dieser letzteren ersonnenen 
Hilfsmittel. Wer, wie der Unterzeichnete, der Ansicht 
ist, daß der Unterricht stets gewinnt, wenn man den 
Lernenden auf die Entwickelung des behandelten Gegen- 
standes hinweist, der kann den Wunsch nicht unter- 
drücken, es möge gerade in solchem Falle, da es sich 
doch um recht schwierige Fragen handelt, den früheren 
Arbeiten auf diesem Gebiete eine gewisse Beachtung ge- 
schenkt werden. Ein Buch fast ohne jede Literatur- 
angabe, ohne jede Bemerkung über den Werdegang der 
vorgetragenen Lehren wird zwar seinen Hauptzweck, an- 
gehenden Navigationslehrern und wißbegierigen Seeleuten 
als zuverlässiger Ratgeber zu dienen, auch so, wie es ist, 
sicher erreichen, aber für diejenigen, welche, ohne mit 
der Nautik etwas zu tun zu haben , doch gern die De- 
viationsprobleme kennen lernen möchten, verliert es durch 
solche Beschränkung an Wert. Allerdings hat diese 
zweite Ausgabe an sich schon , verglichen mit der 
22 Jahre älteren ersten, einen bedeutend gewachsenen 
Stoff zu bewältigen gehabt , denn erstens verlangt ein 
modernes Kriegsschiff viel mehr von der Leistungs- und 
Manövrierfähigkeit der Schiffsbussole, und zum zweiten 
ist Anzahl und Intensität der störenden Faktoren nam- 
haft gewachsen. Eine Fülle von Regeln ist angesichts 
der Panzertürme, der elektrischen Anlagen usw. zu be- 
obachten, um wenigstens von vornherein den Kompaß 
an die verhältnismäßig geeignetste Stelle zu bringen 
(S. 128 ff.). Wie früher, so hat auch diesmal der Verf. 
auf die Anwendung höherer Rechnung durchaus ver- 
zichtet und die teilweise gar nicht einfachen Aufgaben 
ausnahmslos mit den Mitteln der ebenen Trigonometrie 
zu erledigen verstanden. 

Nachdem eine von den ersten Anfängen ausgehende 
Einführung in die Lehre vom Magnetismus auch den 
der Physik ganz Unkundigen in den Stand gesetzt hat, 
das Folgende verstehen zu können, wird gezeigt, wie so- 
wohl permanenter als auch „flüchtiger", d. h. vertikal 
und horizontal durch Bewegung induzierter Magnetismus 
die Kompaßnadel aus ihrer normalen, d. h. nur durch 
das erdmagnetische Feld bedingten Lage herausbringen 
muß. Es werden die Deviationsgleichungen und Devia- 
tionskoeffizienten hergeleitet, zu denen dann noch die 
durch eine seitliche Neigung des Schiffes hervorgerufene 
Deviationsstörung hinzutritt. Sie führt den Nameu 
„Krängungsfehler" und wird (S. 105) durch eine ziemlich 
komplizierte Formel ausgedrückt. Der zweite Teil des 
Werkes (S. 13011'.) handelt dann von der „Kompensation", 
deren Wesen darin besteht, „daß man die Wirkung der 
die Deviation hervorrufenden Kräfte durch Anbringung 
gleicher, aber in entgegengesetzter Richtung wirkender 
Kräfte aufhebt". Die dazu dienenden Anweisungen, für 
die Sicherheit des Schiffes und seiner Meerfahrt eine 
Lebensfrage bildend, werden mit peinlicher Genauigkeit 
gegeben. Da man jedoch die zu kompensierenden 
Kräfte nicht immer mit hinreichender Sicherheit kennt, 
so sind Apparate, „Deflektoren" genannt, ersonnen wor- 
den, welche auch ohne solche Detailkenntnis die Aus- 
gleichung zu bewirken vermögen, und die als brauchbar 
befundenen Instrumente erfahren ausführliche Würdigung. 
Besonders gründlich beschäftigt sich unsere Vorlage mit 
dem „Üeviationsmagnetometer", welches zugleich den Vor- 
teil gewährt, eine direkte Bestimmung der drei geomag- 
netischen Elemente zu ermöglichen. Die beigefügten 
Tabellen werden dem Praktiker sehr willkommen sein, 
und überhaupt wird das auch äußerlich sehr angenehm 
in die Augen fallende Werk der Marine aufs neue wert- 
volle Dienste leisten. Erwähnt darf wohl zusätzlich noch 
werden, daß unlängst Messerschmitt in den „Ann. d. 
1 Hydrogr. u. marit. Meteorol." ein aus England stammen- 
des Verfahren besprochen hat, die Deviation aus Schwin- 
gungsbeobachtungen zu ermitteln. S. Günther. 



102 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 8. 



Siegfried Toeche Mittler: Zur Molekulargewichts- 
bestimmung nach dem Siedeverfahren. Mit 
4 Figuren im Text und 3 Abbildungstafeln, 57 S. 
(Berlin 1903, E. S. Mittler u. Sohn.) 
Verfasser hat eine Methode ausgearbeitet, die Dampf- 
druckkurve von Lösungen und Lösungsmitteln in der 
Nähe der betreffenden Siedepunkte mit ausreichender 
Genauigkeit festzustellen, so daß sich aus den erhaltenen 
Pampfdruckdifferenzen die Molekulargewichte gelöster 
Stoffe bestimmen lassen. Die Experimente wurden zu- 
nächst mit dem Quecksilberthermometer, dann mit dem 
Luftthermometer durchgeführt, während der dritte Ab- 
schnitt Versuche darüber enthält, ob die Größe der 
Flamme bei der getroffenen Anordnung von Einfluß ist. 
Die ausgeführten Bestimmungen lieferten ein befriedigen- 
des Ergebnis, so daß damit die Möglichkeit der Mole- 
kulargewichtsbestimmung auf diesem Wege erwiesen ist. 
Bei der Bedeutung, welche die neueren Methoden zur 
Ermittelung des Molekulargewichts gelöster Körper er- 
langt haben, darf die Arbeit, welche im chemischen 
Laboratorium der Universität Kiel auf Anregung und 
unter Leitung Herrn Rügheimers entstandeu ist, auf 
allseitiges Interesse rechnen. Bi. 

Richard v. Wettstein: Handbuch der systemati- 
schen Botanik. Bd. II, Teil I. (Leipzig u. Wien 
1903, Franz Deuticke.) 
Vor mehr als zwei Jahren konnten wir das Er- 
scheinen des ersten Bandes (Thallophyten) dieses Hand- 
buches anzeigen (s. Rdsch. 1901, XVI, 563). Die Heraus- 
gabe des neuen Heftes dürfte sich wohl infolge der 
brasilianischen Reise des Verf. verzögert haben. Wie 
früher erwähnt, hat sich Herr v. Wettstein in diesem 
Werke die Aufgabe gestellt, „einen Überblick über die 
Formen des Pflanzenreiches mit besonderer Berücksichti- 
gung unserer Kenntnisse betreffend die phylogeneti- 
sche Entwickelung desselben" zu geben. Die Er- 
örterungen über Ableitung und Verwandtschaft bilden 
denn auch den hervorstechendsten Zug der vorliegenden, 
die Cormophyten , von den Moosen bis zu den Gymno- 
spermen (einschließlich), behandelnden Abteilung. In 
einem einleitenden Abschnitt werden die vier großen 
Stämme der Cormophyten: Die Bryophyta, Pteridophyta, 
Gymnospermae und Angiospermae kurz charakterisiert 
und die Homologien zwischen ihnen ausführlich erörtert. 
Der ganze Stamm wird als ein entwickelungsgeschicht- 
lich einheitlicher und als wesentliches Moment für die 
Herausbildung der Verschiedenheiten werden die äußeren 
Lebensbedingungen erkannt : „Die vier großen Gruppen 
der Cormophyten, welche wir unterscheiden, repräsen- 
tieren ebenso viele Abschnitte in dem großen Prozesse 
der Anpassung der ursprünglich au das Wasser voll- 
ständig gebundenen Pflanze an das Landleben." 

Die spezielle Darstellung beginnt dann mit den 
Moosen, und hier ist man zunächst recht überrascht, am 
Anfange der Reihe nicht die Lebermoose, sondern die 
Laubmoose vorzufinden. Die Aufklärung bleibt nicht 
aus. In der Einleitung hat Verf. auseinandergesetzt, daß 
die Fortentwicklung der Cormophyten auf der allmäh- 
lichen Reduktion deB Gametophyten (d. h. der geschlecht- 
lichen Generation, also bei den Moosen des Protonema 
und die beblätterte Moospflaiize, bei den Farnen das 
Prothallium) beruht. Ist das so, dann müssen die Leber- 
moose, wo der Gametophyt zum Teil beträchtlich re- 
duziert ist, als stärker abgeleitet betrachtet werden. „Für 
dieselbe Auffassung spricht der Umstand, daß die Ab- 
leitung der Lebermoose vom Typus der Laubmoose keine 
Schwierigkeiten bereitet, wohl aber die umgekehrte, daß 
die scheinbar so einfach gebauten Gametophyten der 
Lebermoose keine ursprünglichen , sondern abgeleitete 
sind, daß es unter den Lebermoosen Formen gibt, die 
deutliche Beziehungen zu den Pteridophyten aufweisen, 
während solche den Laubmoosen fehlen. Mit jener Auf- 
fassung steht es im Einklang, daß die einfachsten Bry- 



ales (Archidiaceae), ferner Formenreihen, die sich früher 
von den Bryales abzweigten, wie die Sphagnales und 
Audreaeales, also Typen, die den ursprünglichen Moosen 
relativ nahe stehen , Beziehungen zu den Lebermoosen 
haben. Wir betrachten demnach die Lebermoose als die 
stärker abgeleiteten Formen mit Betonung des Umstandes, 
daß die Ableitung derselben von den heute lebenden Laub- 
moosen nicht erfolgen kann , sondern weit zurückzuver- 
legen ist, daß die Musci in der Entwickelung einzelner 
Teile (Sporogon, Blatt) weit über jene Formen hinaus- 
gegangen sind, von denen die Ableitung stattfinden kann." 

Dementsprechend steht denu auch innerhalb der Ab- 
teilung der Laubmoose die typische Ordnung der Brya- 
les obenan, ihr schließen sich die Sphagnales, und dieser 
die Andreaeales an. Danach beginnen die Lebermoose mit 
den Jungermanniales, die sonst die Stelle der höchst- 
entwickelten Gruppe dieser Pflanzenklasse einnehmen, und 
sie schließen mit den völlig thallösen und blattlosen An- 
thocerotales. Auch bei den nun folgenden Pteridophyten 
ist die Reihenfolge verändert. Als einfachste Formen 
werden diejenigen betrachtet, bei denen die Gliederung 
des Sporophyten (der ungeschlechtlichen Generation) 
noch die primitivste ist. Das sind die Ophioglossales, 
die mit den ihnen nahe stehenden Marattiales zu den 
ältesten bekannten Ptlanzentypeu gehören. Sie sind auch 
die einzige Gruppe der Pteridophyten, deren Bau sich 
ungezwungen auf jenen der höchstentwickelten Bryophyten 
(Anthocerotales) zurückführen läßt. Freilich will Verf. 
sie nicht etwa von diesen ableiten; es handelt sich viel- 
mehr nur um Beziehungen zwischen den Ahnen beider. 
Anderseits sind die Ophioglossales die einzigen lebenden 
Pteridophyten, von denen sich die übrigen Pteridophyten 
ableiten lassen. „Diese Ableitung könnte in folgender 
Weise geschehen : Die Zweiteilung des Sporophyten der 
Ophioglossales gab die Möglichkeit der Entwickelung 
nach zwei Richtungen. Die eine Richtung charakterisiert 
die vollständige lleduktion des einen Abschnittes und die 
Fortentwickelung des zweiten zum Farnwedel (Übergang: 
Marattiales), wobei die begreifliche Tendenz der Ver- 
mehrung der Fortpflanzuugsorgane zur Ausbildung zahl- 
reicher, relativ einfacher Sporangien führte (leptosporan- 
giate Farne) ; die zweite Reihe charakterisiert die Umbildung 
des fertilen Abschnittes zum sitzenden Sporangiuin und 
die Vermehrung der Sporangien tragenden Blätter: Relativ 
wenige, aber große, zahlreiche Sporangien tragende 
Blätter charakterisieren daher die erste Reihe: Filicinae; 
zahlreiche, aber relativ kleine, wenige, sogar nur je ein 
Sporangium tragende Blätter finden wir in der zweiten 
Reihe: Equisetinae und Lycopodinae. Zwischenformen 
(Marattiales einerseits, Psilotales und Isoetales anderseits) 
sprechen für die Richtigkeit dieser Auffassung. In beiden 
Reihen stellen heterospore Formen die letzten Auszwei- 
gungen deB Stammbaumes dar." 

Eine wichtige Zwischengruppe zwischen den Filicinae 
und den Equisetinae bilden die nur aus Karbon und 
Trias bekannten Sphenophyllales. Die Lycopodinen teilt 
Verf. in Pluriciliatae (Spermatozoiden mit mehr als zwei 
Cilieu) mit den Isoetaceen als einziger Familie und Bici- 
liatae (Psilotales, Lycopodiales, Selaginellales). Die Iso- 
etaceen schließen sich außer durch das Merkmal der 
pluricilaten Spermatozoiden auch durch den Bau des Leit- 
bündels und den Mangel eines Embryoträgers an die Fili- 
cinen an. Am Schluß der Pteridophyten werden anhangs- 
weise auch die fossilen Lepidodendrales charakterisiert. 

Für die Phanerogamen benutzt Verf. den Alexander 
Braunschen Namen Anthophytae. Als wesentlichster 
Unterschied zwischen ihnen und den Archegoniaten wird 
das Verschwinden des Generationswechsels hervorgehoben. 
Die Fortpflanzungsorgane des Sporophyten sind zu 
sexuellen Organen geworden, in denen Spuren des Game- 
tophyten noch nachweisbar sind; dieser aber verschwindet 
damit als selbständiges . Entwickelungsstadium. Verf. 
schildert die allgemeinen Organisations- und Entwicke- 
luugsverhältuisse der Sexualorgane bei den Anthophyteu, 



Nr. 8. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 103 



charakterisiert dann kurz die beiden Unterabteilungen 
derselben, die Gymnospermen und die Angiospermen, 
und tritt sodann in die nähere Beschreibung der erst- 
genannten Gruppe ein. Am Schluß des allgemeinen 
Teiles, der die Morphologie, Anatomie und Entwicke- 
luDgsgeschichte der Gymnospermen behandelt, faßt Herr 
v. Wettstein das Ergebnis seiner phylogenetischen 
Betrachtungen in den Satz zusammen: Die heute leben- 
den Gymnospermen stellen keine einheitliche Entwicke- 
luDgsreihe dar, sondern weisen auf eine weit zurück- 
reichende selbständige Entwickelung der einzelnen Klassen, 
ja selbst einzelner Familien hin. Trotzdim dürfte die 
Gesamtmenge der Gymnospermen ähnlichen Ursprung 
haben und auf den Typus der eusporangiaten Filicinae, 
bzw. der Vorläufer solcher zurückzuführen sein. 

Die Einteilung der Gymnospermen ist die übliche in 
sechs Klassen (Cycadinae, Bennettitinae, Cordaitinae, 
Ginkgoinae, Coniferae, Gnetinae). Auch innerhalb dieser 
Gruppen ist an der gebräuchlichen Anordnung wenig 
geändert worden. Mit den Gymnospermen schließt dieser 
erste Teil des zweiten Bandes ab; als letzte unter den 
behandelten Pflanzenformen erscheint Welwitschia rnira- 
bilis, die seltsame Wüstenpflmze Südwestafrikas, die 
leider ihren guten alten Namen auf Grund des Prioritäts- 
gesetzes hat aufgeben müssen und sich jetzt Tumboa 
Bainesii nennt. 

Eine große Zahl vorzüglicher Abbildungen begleiten 
den Text und erhöhen ganz wesentlich den Wert des 
Buches. Der vorliegende Teil ist nur 160 Seiten stark 
und bringt auf diesem kleinen Räume 604 Einzelfiguren 
in 100 Abbildungen. Auch enthält das Werk eine Farben- 
tafel mit einer schematischen Darstellung der Entwicke- 
lung der Cormophyten und der Homologien ihrer 
Organe; der Nutzen dieser Tafel würde noch größer 
sein, wenn sie in etwas größerem Maßstabe gehalten 
und die Farben glücklicher gewählt wären. F. M. 



Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Akademie der Wissenschaften in Berlin. 
Sitzung vom 4. Februar. Herr Quincke, korrespon- 
dierendes Mitglied, übersendet folgende Mitteilung: 
„Über Doppelbrechung der Gallerte beim Quellen und 
Schrumpfen." 

Königlich Sächsische Gesellschaft der 
Wissenschaften zu Leipzig. Sitzung vom 11. Ja- 
nuar. Vorträge halten Herr N e u m a n n : „Über Funk- 
tionen, die von drei Argumenten abhängen". — Derselbe: 
„Über die Hervorbringung der Kettenlinie durch Biegung 
einer Kreisfläche". — ■ Herr His erstattet Bericht über 
die am 3. Januar abgehaltene Sitzung der von der inter- 
nationalen Assoziation der Akademien niedergesetzten 
Kommission für Gehirnforschung und bittet, diesen Be- 
richt in den Gesellschaftsberichten abdrucken zu dürfen; 
2. spricht er: „Über Form und Lagerung des mensch- 
lichen Magens". — Herr Flechsig legt einen Aufsatz 
vor: „Einige Bemerkungen über die Untersuchungsmetho- 
den der Großhirnhemisphären, besonders des Menschen". 
— Herr 0. Fischer legt seine VI. Abhandlung vor: 
„Über den Gang des Menschen. Über den Einfluß der 
Schwere und der Muskeln auf die SchwiuguDgsbewegung 
des Beines". — Herr Engel teilt eine Arbeit von Herrn 
Noth mit: „Über Differentialinvarianten und invariante 
Differentialgleichungen zweier zehngliedriger Gruppen". 



Academie des sciences de Paris. Seance du 
1 er fevrier. J. Janssen: Präsentation de l'Atlas de 
photographies solaires executees ä l'Observatoire de 
Meudon. — Henri Moissan: Action du carbone sur la 
chaux vive ä la temperature de fusion du platine. — 
Paul Sabatier et Alph. Mailhe: Reduction directe 
des derivees halogenes aromatiques par le nickel divise 
et l'hydrogene. — Berthelot: Observations au sujet 



de la Note precedente. — Armand Sabatier: Sur les 
mains scapulaires et pelviennes des Poissons holecephales 
et chez les Dipneustes. — Emile Picard presente le 
second fascicule du Tome II de sa „Theorie des fonc- 
tions algebriques de deux variables". — Le S ecretaire 
perpetuel signale divers Ouvrages de M. Piaymoud 
Üurand-Fardel, de M. L. Lecornu et de M. Mon- 
merque. — J. Guillaume: Observations du Soleil 
faites ä l'Observatoire de Lyon (equatorial de 0,16 m ) 
pendant le troisieme trimestre de 1903. — Ladislas 
Gorczynski: Sur la diminution de l'intensite du rayon- 
nement solaire en 1902 et 1903. — Guichard: Sur les 
systemes de deux surfaces dont les lignes de courbure 
se projettent sur un plan suivant les meines courbes. — 
A. Pellet: Sur les fonctions entieres. — Edmond 
Maillet: Sur les fonctions monodromes et les nombres 
transcendants. — C. Chabrie: Sur le principe de la 
construction d'un appareil d'optique destine ä obtenir 
de tres forts grossissements. — C. Gutton: Action des 
champs magnetiques sur des sources lumineuses peu 
intenses. — Augustin Charpentier: Sur l'action phy- 
siologique des rayons N et des „radiations conduites". 

— Edouard Meyer: Emission des rayons N par les 
vegetaux maintenus ä l'obseurite. ■ — J. Bergonie: Essai 
de determination experimentale du vetement rationnel. 

— A. Trillat: Sur le röle d'oxydases que peuvent 
jouer les sels manganeux en presence d'un colloide. — 
H. Pelabon: Sur les melanges de trisulfure d'antimoine 
et d'antimoine. — A. Behal: Sur un isomere du bor- 
neol, l'alcool campholenique et quelques derives cam- 
pholeniques. — R. Fosse: Nouveaux pheuols dinaphto- 
pyraniques. — E. E. Blaise: Sur les alcoyl-allyl-cetones. 

— Charles Moureu: Acides et carbures ethyleniques 
oxyalcoyles. — P. Freundler: Recherches sur les azo- 
iques. Reduction des acetales et des acides nitroben- 
zoiques. — E. Demoussy: Influence sur la Vegetation 
de l'acide carbonique emis par le sol. — Bouilhac et 
Giustiniani: Sur des cultures de diverses plantes supe- 
rieures en presence d'un melange d'algues et de bacte- 
ries. — Anthony: Organisation et morphogenie de 
Tridacnides. — G. Coutagne: De la selection des carac- 
teres polytaxiques dans le cas des croisements mende- 
liens. — Jules Anglas: Rapports du developpement 
de l'appareil tracheen et des metamorphoses chez les 
Insectes. — Raphael Dubois: Application des rayons X 
ä la recherche des perles fines. — Pierre-Paul Richer: 
Experiences de pollinisatiou sur le Sarrasin. — M"e M. 
•Stefanowska: Sur la croissanco en poids des vegetaux. 

— P. Viala et P. Pacottet: Sur la culture du Blaek- 
root. — L. de Launay: Sur le röle du phosphore dans 
les gites mineraux. — Paul Lemoine: Sur la presence 
de l'Oligocene ä Madagascar. — Paul Choffat: Sur les 
seismes ressentis en Portugal en 1903. 



Vermischtes. 



Aus einer systematischen Bearbeitung der vom Stern- 
wartendirektor P. Franz Schwab in Kremsmünster 
gesammelten luft elektrischen Aufzeichnungen 
hat Herr P. Bonifaz Zölss die nachstehenden Haupt- 
ergebnisse abgeleitet: 1. Der jährliche Gang des Poten- 
tialgefälles zeigt sein Maximum (147 V/m) im Januar, 
sein Minimum (68 V/m) im Juni; das Jahresmittel beträgt 
98 V/m. 2. Im täglichen Gang überwiegt für heitere 
Tage während des ganzen Jahres die einfache Welle; die 
halbtägige Welle ist im Sommer merklich stärker als im 
Winter. Die Hauptmaxima liegen im Jahresmittel um 
9 ha. und 7hp., das Hauptminimum um 3 h früh. 3. An 
bewölkten Tagen ist der Verlauf des Potentialgefälles 
je nach der verschiedenen Bewölkung verschieden. An 
Tagen mit einer dichten Stratusschicht ist dasselbe sehr 
unregelmäßig und häufig negativ. Niederschlagfreie Nim- 
bustage geben eine deutliche einfache Periode; Tage mit 
Cumulus und Cirrus geben dieselbe tägliche Periode wie 
heitere Tage. 4. Die Bewölkung bewirkt im allgemeinen 
eine Erniedrigung des Potentialgefälles, die um so mehr 



104 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundscha u. 



1904. Nr. 8. 



hervortritt, je näher die Wolken dem Erdboden sind. 
5. Das Potentialgefälle ist im Mittel um so geringer, je 
größer Dampfdruck und Temperatur sind. 6. Eine Ab- 
hängigkeit des Potentialgefälles von der Zenitdistanz des 
Mondes (im Sinne der Theorie von Ekholm und Ar- 
rhenius) konnte nicht konstatiert werden; ebenso 
fehlte eine tropisch -monatliche Periode; 7. 90 °/ der 
gesamten Zeit war das Gefälle positiv , 10 % negativ. 
8. 44 % aller Tage zeigten durchweg positives Gefälle, 
56% sowohl positives als negatives; nur ein einziger Tag 
gab ausschließlich negative Werte. 9. Die gewöhnlich vor- 
kommenden Windstärken scheinen das Potentialgefälle 
nicht merklich zu beeinflussen; sehr heftige Winde er- 
geben niedrige , häufig sogar negative Werte. Ein Ein- 
fluß der Windrichtung ist nicht vorhanden. 10. Aub 
ungefähr 300 mit einem Radium- oder einem Flammen- 
kollektor ausgeführten Doppelmessungen, bei denen letz- 
terer auf einem ebenen , freien Felde aufgestellt war, 
ergab sich, daß die Radiumelektrode bei Winden, die 
von der Elektrode gegen die Mauer zu wehen, im Durch- 
schnitt um 1 % niedrigere Werte liefert als bei entgegen- 
gesetzter Windrichtung. (Wiener akademischer Anzeiger 
1903, S. 296.) 

Während in Deutsehland und in England die Ver- 
suche verschiedener Physiker, die B londl o t sehen 
«-Strahlen zu beobachten, zu negativen Ergebnissen 
geführt haben, mehren sich die Mitteilungen französischer 
Forscher über Bestätigungen und Erweiterungen der 
Beobachtungen Blondlots. Nachstehend sei über eine 
solche Mitteilung kurz berichtet. Herrn. J. Mace de 
Lepinay hat die Angabe Blondlots, daß die Kom- 
pression oder Biegung eines Körpers die Emission von 
«-Strahlen hervorrufe, zu dem Versuche veranlaßt, ob 
tönende Körper, wie schwingende Stimmgabeln, 
Bronzeglocken und große Stahlzylinder, gleichfalls 
«-Strahlen aussenden können. An schwach leuchtendem 
Calciumsulfid konnte er in der Tat eine Zunahme des 
Leuchtens wahrnehmen, wenn er mittels eines Hammers 
Schwingungen erzeugte; noch deutlicher war das all- 
mähliche Verlöschen des Phosphoreszenzlichtes, wenn 
er die Schwingungen plötzlich unterdrückte. Auffallend 
war ihm, daß die Wirkungen am deutlichsten in der 
Nähe eines Bauches der tönenden Körper waren, so daß 
er eine Beteiligung der schwingenden Luft vermutet. 
Überzeugender noch erschienen Herrn de Lepinay die 
Versuche mit einer Sirene; die Wirkung auf das Leuchten 
des Calciumsulfids wurde deutlich beobachtet, wenn man 
dasselbe seitlich etwas oberhalb der rotierenden Scheibe 
hielt. Auch das Hellerwerdeu eines schwachen Lichtes 
hat er beobachten können; die Scheibe der Sirene war 
sehr schwach erleuchtet, so daß man, besonders wenn 
sie rotierte, keine Details wahrnehmen konnte; wenn er 
aber durch Zulassen und Abstellen des Luftstromes zur 
Sirene abwechselud Schwingungen hervorrief, schien die 
Scheibe heller, und ihre Umrisse wurden deutlicher, so- 
lange der Ton anhielt. Sorgfältiges Verstopfen der Ohren 
änderte die Wirkung nicht. (Compt. rend. 1904, tome 
CXXXV1II, p. 76—79.) 



Unter dem Protektorate S. K. H. des Prinzen Lud- 
wig von Bayern und mit wesentlicher Unterstützung 
und Förderung durch die königl. bayerische Staatsregie- 
rung, das Deutsche Reich und viele wissenschaftliche Insti- 
tutionen ist zu München ein „Museum von Meister- 
werken der Naturwissenschaft und Technik" 
entstanden, dessen Zweck und Aufgabe in den Satzungen 
wie folgt bezeichnet werden : „Das Museum von Meister- 
werken der Naturwissenschaft und Technik hat den Zweck, 
die historische Entwickelung der naturwissenschaftlichen 
Forschung, der Technik und der Industrie in ihrer Wech- 
selwirkung darzustellen und ihre wichtigsten Stufen ins- 
besondere durch hervorragende und typische Meisterwerke 
zu veranschaulichen. Dem Zwecke des Museums dienen 
vor allem 1. Sammlungen von wissenschaftlichen Instru- 
menten und Apparaten, sowie von Originalen und Modellen 
hervorragender Werke der Technik, welche anschaulich 
geordnet, und erläutert im Museum zur öffentlichen Be- 
sichtigung ausgestellt sind. 2. Ein Archiv , in welchem 
wichtige Urkunden wissenschaftlichen und technischen 
Inhalts aufbewahrt werden, sowie eine aus Handschriften, 



Zeichnungen und Drucksachen gebildete, technisch-wissen- 
schaftliche Bibliothek. 3. Wissenschaftliche Arbeiten, 
Veröffentlichungen, Vorträge usw. — Auch sollen indem 
Museum Bildnisse sowie die Lebensbeschreibungen der- 
jenigen deutschen Männer Aufnahme finden, welche sich 
um die Förderung der Naturwissenschaft und der Tech- 
nik hervorragende Verdienste erworben haben." Das 
Museum wird unter Oberaufsicht der bayerischen Regie- 
rung verwaltet von einem Vorstand aus drei Mitgliedern 
(Dr. O. von Miller, Dr. W. von Dyck und Dr. Carl 
von Linde), einem Vorstandsrat von 25 bis 50 Mit- 
gliedern und einem Ausschuß. Als Mitglied kann vom 
Vorstande aufgenommen werden, wer sich zu einem 
Jahresbeiträge von mindesten 9 Mark verpflichtet. 



Personalien. 



Die Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften in 
Leipzig hat Herrn Prof. Hantsch zum ordentlichen 
Mitgliede und Herrn Dr. zur Strassen zum außer- 
ordentlichen Mitgliede erwählt. 

Ernannt: Dr. H. D. Bergey zum außerordentlichen 
Professor der Bakteriologie an der Universität Penn- 
sylvania. — Dr. H. C. Richards zum außerordentlichen 
Professor der Physik an der Universität Pennsylvania. 

Habilitiert: Dr. ing. H. Reissner für Mechanik an der 
Technischen Hochschule in Charlottenburg. — Dr. Ivan 
Koppel für Chemie an der Universität Berlin. 

Gestorben: Im September zu Nikolajew der lang- 
jährige Direktor der Mari'nesternwarte Iwan Kortazzi, 
66 Jahre alt. — In Karlsruhe der Professor der Mathe- 
matik Wilhelm Schell. — In Halle am 16. Februar 
Prof. Ludwig Bühring, Direktor der agrikultur- 
chemischen Kontrollstation. 



Astronomische Mitteilungen. 

Wieder ist ein interessanter Veränderlicher 
entdeckt worden, und zwar von Herrn A. S. Williams 
im Sternbild Vulpecula (AB = 20 h 32,3 m, Dekl. = 
-f- 26° 15' für 1900). Der Lichtwechsel erfolgt ähnlich 
wie bei ß Lyrae, indem auf jede Periode ein schwächeres 
Hauptminimum und ein helleres Nebenminimum kommen, 
während die zwischenliegeuden Maxima gleiche Hellig- 
keit aufweisen. Die Periode der Hauptminima beträgt 
75,3 Tage, ist also fast sechsmal so lang als die von 
ß Lyrae (12,9 Tage). Von diesem Zeitpunkt geringster 
Helligkeit (9,7. Gr.) steigt der neue Veränderliche in 16 
Tagen zum ersten Maximum (8,3. Gr.) an, ist am 35. Tage 
der Periode im zweiten Maximum (9,1. Gr.) und am 
51. Tage wieder im Maximum. Die nächsten Haupt- 
minima sind zu erwarten am 21. März und 4. Juni. 
(Astr. Nachr. Nr. 3929.) 

Aus den Eigfnbewegungen von 67 schwachen Sternen 
9. bis 12. Gr., die auf etwa 50jährigen Beobachtungen 
beruhen, hat Herr G. C. Com stock die Richtung und 
Größe der Sonne nbewegung berechnet. Er bediente 
sich der Airyschen Methode, die eine Annahme über 
die Entfernungen der Sterne von der Sonne nötig macht. 
Eine gut begründete Formel über die Beziehungen 
zwischen Helligkeitsgröße, Betrag der Eigenbewegung 
und Entfernung der Sterne hat Herr J. C. Kapteyn 
(Groningen) gegeben, und hiervon ausgehend findet Herr 
Com stock den Ort des Zielpunktes der Sonnenbahn 
in AB = 297", Dekl. = + 28°, also nicht allzuweit vom 
Mittel sonstiger Bestimmungen (275°, + 30°) abweichend. 
Auch die Geschwindigkeit der Sonne, nahe 23 km, stimmt 
befriedigend mit Campbells Resultat, 19,9 km, das aus 
den spektroskopisch ermittelten Bewegungen der helleren 
Sterne längs der Gesichtslinie abgeleitet ist (Rdsch. 16, 
172). Eine genaue Übereinstimmung würde durch kleine 
Änderungen der angenommenen Sterndistanzen erreicht, 
wobei sich die mittlere Parallaxe der 67 Sterne zu 
0,0051" ergeben würde. Zu beachten ist, daß diese Sterne 
bis jetzt noch nie zur Bestimmung der Sonnenbewegung 
herangezogen waren, daß obige Resultate also ganz unab- 
hängig von anderen sind. (Populär Astronomy, 12, 112.) 

A. Berberich. 



Für die Redaktion verantwortlich 
Prof. Dr. W. Sklarek, Berlin W., Landgrafenstraßo 7. 



Druck nnd Verla? von Friedr. VieweR * Sohn in Bravmschwoi«. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 

über die 



Fortschritte auf dem (resamtgelriete der Naturwissenschaften. 



XIX. Jahrg. 



3. März 1904. 



Nr. 9. 



Kritische Bemerkungen über 

neuere Methoden der Entfernungsbestimmung 

der Fixsterne. 

Von Privatdozent Dr. C. W. Wirtz in Straßburg i. E. 

[Nach einem gelegentlich der Habilitation am 7. Dezember 1903 
gehaltenen Vortrage.] 

Die ausdrückliche Frage nach der Entfernung der 
Fixsterne gehört erst der neueren Entwickelung der 
Astronomie an, die wir in ihren Grundzügen der Tat 
des Copernicus verdanken. Seiner Theorie trat 
sofort der schwerwiegende Einwand entgegen: wenn 
die heliozentrische Bewegung zutrifft, dann dürfen 
die Fixsterne nicht mehr im Laufe des Jahres an 
ihrem Orte beharren, sondern müssen kleine Ellipsen, 
projektive Abbilder der Erdbahn, beschreiben, deren 
Achsenverhältnis mit der astronomischen Breite des 
betrachteten Sternes schwankt, in der Ekliptik z. B. 
in eine gerade Linie übergeht, am Pol der Ekliptik 
naht zu in einen Kreis. Die halbe große Achse dieser 
Ellipse nennen wir jährliche Parallaxe und es leuchtet 
ohne weiteres ein, daß sie nichts anderes darstellt 
als den Winkel, unter welchem vom Stern aus gesehen 
der Radius der Eidbahn erscheint, ein Winkel, mit 
dem auf die denkbar einfachste Weise die Entfernung 
Sonne — Stern verknüpft ist. 

Der antike Vorläufer des Copernicus, Aristarch 
von Samos (um 270 a. C), war sieb dieses Einwurfes 
sehr wohl bewußt, und er wich ihm in Vorahnung 
der wahren Verhältnisse dadurch aus, daß er lehrte, 
die Abstände der Sterne seien so groß, daß die Di- 
stanz Erde — Sonne ihnen gegenüber nur wie ein Punkt 
erscheine; eine Parallaxe sei also nicht nachweisbar. 

Copernicus hatte nun geradezu zur Auffindung 
einer Fixsternparallaxe herausgefordert, und da dies 
dem besten Beobachter seiner Zeit, T y c h o, nicht gelang, 
so gab das letzterem hinlänglichen Grund ab, ein 
eigenes System aufzustellen, das die geozentrische 
Weltordnung wieder herstellte. 

Bevor man ernstlich und mit Erfolg an die Frage 
der Entfernung der Fixsterne herantreten konnte, 
mußten zunächst noch zwei den Sternen eigentümliche 
Bewegungen erforscht werden, die bis dahin die 
Wirkungen der geringfügigen parallaktischen Ver- 
schiebung verdeckten. Dies waren Aberration und 
Nutation, deren Entdeckung Bradley im Jahre 1725 
glückte. Das Ende des 18. Jahrhunderts brachte uns 
nun in der Parallaxenbestimmung einen großen Schritt 



weiter hinsichtlich der Leichtigkeit des Nachweises, 
zurück in dem Werte für unsere Erkenntnis. Hatte 
man bisher nach einer absoluten Verschiebung des 
Sternes gegen eine feste Ebene, z. B. die Ekliptik, ge- 
sucht, durch die wir direkt die wahre Entfernung des 
Objektes von uns hätten kennen gelernt, so strebte 
man von jetzt an, mit dem Auftreten Herschels, nach 
der Beobachtung der relativen Verschiebung der 
Sterne gegen Nachbarsterne; diese relative Parallaxe 
sagt uns also nur etwas aus über den Entfernungs- 
nnterschied der beiden verbundenen Himmelskörper. 
Solch relative Methoden nun werden heutigen- 
tags allein angewandt, wenn es gilt, die Entfernung 
vereinzelter Sterne, für die aus irgend einem Grunde 
der Verdacht großer Nähe zur Sonne besteht, zu be- 
stimmen. Mit Sicherheit gelang zuerst im Jahre 1838 
Bessel der Nachweis einer beträchtlichen Parallaxe 
bei dem berühmten Stern 61 Cygni. Verweilen wir 
ein kurzes bei der Methode, die Bessel schuf und 
die seit jener Zeit immer wieder sich bewährte. Er 
beschränkte sich im Prinzip nicht auf einen Vergleich- 
stern, sondern wählte deren zwei, die auf beiden 
Seiten des zu untersuchenden Sternes und mit ihm in 
einem größten Kreisbogen liegen. Messe ich nun die 
beiderseitigen Distanzen, so leuchtet ein, daß sich die 
erwartete Verschiebung des mittleren Sternes in dem 
Verlauf der Differenz der beiden Distanzen geltend 
machen muß, während die Summe fast genau kon- 
stant bleibt und zur Kontrolle gewisser instrnmenteller 
Eigentümlichkeiten dienen kann. Natürlich sollen 
die Vergleichsterne gut gewählt sein, und zwar mit 
dem Parallaxenstern beiläufig auf der gleichen astro- 
nomischen Breite liegen. B esseis schöne Methode, 
die dem Heliometer, dessen er sich bediente, auf den 
Leib geschrieben war, fand bald Eingang in die 
Wissenschaft und wird bis auf den heutigen Tag sehr 
häufig an Heliometern älterer und neuerer Konstruk- 
tion zur Bestimmung relativer Parallaxen verwandt. 
Sie war indes , da sie den kompliziertesten und 
kostspieligsten Apparat der praktischen Astronomie, 
das Heliometer, voraussetzte, recht mühsam, und an 
eine rasche Durchmusterung des Himmels auf große 
Parallaxen durfte man nicht denken, ganz abgesehen 
von anderen Gründen. Da führte mit gutem Erfolge 
Kapteyn 1 ) im Jahre 1885 eine Modifikation der 
Heliometerdistauzenmethode ein. Hatte Bessel die 
Abstände mit dem Doppelbildmikrometer direkt ein- 
gestellt, so suchte Kapteyn sie durch Rektaszensions- 



106 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 9. 



unterschiede zu ersetzen, die er am verbreitetsten, 
bestgekanuten astronomischen Instrument maß, am 
Meridiankreis. Im Prinzip bedeutet das keine Ände- 
rung, nur eine Variation des Beobacbtungsmodus: 
im einen Falle direkte Einstellung bei relativ ruhenden 
Bildern, im anderen Registrierung der Sternantritte 
an die Fäden mittels des Chronographen. Die Re- 
sultate, die Kapteyn an dem lichthellen und mecha- 
nisch ausgezeichneten Meridiankreis der Leidener 
Sternwarte erzielte, befriedigten durchaus und er- 
mutigten zur Fortsetzung der Bestrebungen. 

Inzwischen trat aber ein grußer Umschwung in 
der beobachtenden Astronomie ein: die Photographie 
erwarb sich das Bürgerrecht, und ihre Genauigkeit er- 
reichte rasch die bisher visuell mögliche, ja über- 
flügelte sie in einzelnen Fällen wohl gar. Natürlich 
konnte man auch auf der Platte ohne weiteres Bessels 
Methode der Parallaxenbestimmung anwenden, und 
man hat es auch so unter Vermehrung der Anhalt- 
sterne gemacht, aber damit nutzte man keineswegs 
die Vorteile aus, die die Sternfülle einer Photographie 
der Parallaxenbestimmung bot, und hier war es 
wiederum Kapteyn 2 ), der die meines Erachtens 
heutigentags einzig rationelle und wertvolle Methode 
der Parallaxenbestimmung lehrte. Auf dieses 
Kapteynsche Verfahren will ich mit ein paar Worten 
näher eingehen und seinen Grundzug angeben. 

Zu einer Jahreszeit, wo die parallaktische Ver- 
schiebung einer gewissen Gruppe von Sternen ihr 
Maximum aufweist, mache ich eine Aufnahme jener 
Himmelsgegend, nehme dann die Platte aus der 
Kasette und hebe sie an einem durchaus sicheren 
Orte unentwickelt, lichtdicht ein halbes Jahr auf; nach 
dieser Zeit ist offenbar die parallaktische Verschie- 
bung unseri r Gegend nach der entgegengesetzten 
Seite ausgeschlagen, und nun exponiere ich meine 
alte Platte auf dieselbe Gegend von neuem am gleichen 
Instrument undunter möglichstähnlichen Bedingungen, 
verrücke indes das Fernrohr um ein kleines, so daß 
die neuen Bilder sich nicht mit den alten vermischen. 
Dann erst wird die Platte entwickelt und fixiert, und 
wenn ich jetzt die Distanzen zweier zusammengehöriger 
Bildchen — ■ und nur diese — ausmesse, so äußert 
sich offenbar in dem Verlauf derselben von Stern zu 
Stern die relative Entfernung aller auf der Platte 
vorhandenen Objekte, für die durch eine ungemein 
simple Rechnung die Parallaxen ausgewertet werden 
können. Diese Entfernungen sind natürlich relativ 
und beziehen sich auf eine starre, für jede Platte 
wechselnde mittlere Ebene, die senkrecht steht auf 
dem Visionsradius zur Plattenmitte am Himmel. 
Hat ein Stern negative Parallaxe, so liegt er jen- 
seits der erwähnten Ebene, bei positiver Parallaxe 
diesseits derselben. Allerdings wissen wir über die 
Entfernung dtr starren Ebene jeder Platte ebenso- 
wenig wie im Falle der nach der alten Methode be- 
stimmten Parallaxen von der Entfernung der zwei 
oder mehr Vergleichsterne. 

Der gewaltige Fortschritt der photographischen 
Methode Kapteyns springt in die Augen. Bei der 



an zwei Vergleichsterne angehängten Parallaxe lernte 
ich im Gruude doch sehr wenig kennen, näm- 
lich den Distanzunterschied meines Parallaxensternes 
gegenüber dem Mittel der beiden anderen Sterne. 
Im Falle der Kapteynschen Methode aber blicke 
ich gleichsam stereoskopisch in das Raumstück hin- 
ein, auf welches sich meine Aufnahme bezieht, und 
erkenne dort plastisch die Lage vieler Sterne in be- 
zug auf die feste Ebene. Diesen ökonomischen Weg 
hat Kapteyn selbst schon mehrfach erprobt, und 
meines Erachtens muß man seine Ergebnisse für er- 
mutigend und höchst wertvoll halten. 

Neben diesem Verfahren hat nach meiner Meinung 
keine andere optische Methode mehr Existenzberech- 
tigung, da sie nach Ökonomie der Rechnung und 
Beobachtung weit hinter der photogiaphischen zurück- 
steht, und während man an optischen Instrumenten 
auf mühsame Weise nur eine relative Parallaxe zu 
fixieren vermag , liefert mir die vorgetragene Ver- 
fahrung sart sofort ein stereoskopisches Modell vieler 
hundert scheinbar benachbarter Sterne, die auf der 
einen Platte vorkommen. 

Leider aber hat Herrn Kapteyns Methode heute 
noch gar keinen Eingang in die allgemeine astrono- 
mische Praxis gefunden — und das ist bedauerlich, 
um so mehr, wenn man auf der andern Seite sieht, 
welch große Arbeitsleistung an Rechen- und Beob- 
achtungsaufwand von den nach der alten, vorphoto- 
graphischen Methode tätigen Astronomen darangesetzt 
wird. So sieht man, wie heute wiederum Herrn 
Kapteyns Meridiankreismethode zur Parallaxen- 
bestimmung mehrfach auftaucht, und dazu an Instru- 
menten , die optisch ihrer Aufgabe nicht gewachsen 
sind. Vergegenwärtigen wir uns doch, daß es sich 
darum handelt, Giößen unter 0,10" kennen zu lernen, 
und das will man mit kaum dreizölligen Fernrohren 
von SOfacher Vergrößerung machen! 

Nein, was ich nicht sehen kann, kann ich auch 
nicht messen; ich meine, das muß ein unantastbarer 
Grundsatz sein. Man kann aber leicht nachweisen, 
daß überdies noch irgend ein P'ehler in den neueren 
nach der Kapteynschen Meridianregistrierinethode 
beobachteten Reihen stecken muß. Beim Übei blicken 
der Wertereihe, die Herr Flint 3 ) am vierzölligen 
Meridiankreis des Washburn Observatory gefunden, 
fiel es mir auf, daß zu absolut größeren Parallaxen- 
beträgen auch größere, innere, zufällige Fehler ge- 
hören , — und das liegt keineswegs in der Methode 
an sich gegründet. Auch bei den von Herrn Jost 4 ) 
am kleinen Heidelberger Meridiankreis bestimmten 
Parallaxen tritt unter den bis jetzt allein der öffent- 
lichen Kritik zugänglichen vier Weiten die Erschei- 
nung schon insofern auf, als zu den beiden absolut 
größten Parallaxen auch die größten wahrscheinlichen 
Fehler gehören. Die Ursache scheint mir in der 
optischen Unzulänglichkeit der in Washburn und 
Heidelberg gebrauchten Instrumente zu liegen; denn 
in der schönen Leidener Reihe macht sich der 
GaDg der wahrscheinlichen Fehler mit dem absoluten 
Wert der Parallaxe nicht bemerklich. 



Nr. 9. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 107 



Die alte Besselsche Heliometermethode ist natür- 
lich durchaus scharf und fast einwandfrei, sobald ich 
mit optisch kräftigen Heliometern — und das ge- 
schieht heute — an meine Aufgabe herantrete. Aber 
ich meine, sie ist unzweckmäßig , da sie mich mit 
einem zu großen Aufwand an physischer und rech- 
nerischer Arbeit zu wenig kennen lehrt. 

Ich ziehe die Folgerungen: 

1. Es gibt heutigentages nur eine einzige wert- 
volle Methode der Parnllaxenbestimmung, die allein 
geeignet ist, unsere Erkenntnis, insbesondere von der 
räumlichen Verteilung der Fixsterne zu fördern; das 
ist die photographische Herrn Kapteyns. 

2. Daß heutigentages noch optische Methoden, 
wie die Heliometer- und Registriermethode, zur Ver- 
wendung gelangen, bedeutet einen Rückschritt. 

Ich darf aber die photographischen Methoden der 
Parallaxenbestimmung nicht verlassen , ohne ein In- 
strument zu erwähnen, das erst in diesem oder im 
vorigen Jahre seinen Einzug in die exakte Astronomie 
gehalten hat; ich meine den Stereokomparator *). 
Was Kapteyn durch Messung erzielt, nämlich einen 
stereoskopischen Blick in die Fixsternwelt, das soll 
hier die Anschauung lehren, die freilich auf eine 
einfache Weise durch Einstellung einer wandernden 
Marke in die Tiefenebene des betrachteten Sternes 
fixiert werden kann. Das Prinzip ist einfach genug. 
Ich nehme jetzt eine Platte mit dem Refraktor auf 
und entwickele und fixiere sie wie gewöhnlich. Dann 
mache ich von derselben Gegend nach gewisser Zeit 
eine zweite Aufnahme, lege beide Aufnahmen in ein 
Stereoskop — denn etwas anderes ist im Grunde 
der Stereokomparator nicht — und erkenne dann 
gleich plastisch durch den Anblick die verschiedene 
Entfernungslage der Objekte untereinander. Es ist 
klar, daß ich gar nicht an die Halbjahrsperiode der 
Parallaxe gebunden bin, sondern die Platten auch 
in einem Zwischenraum von zehn oder mehr Jahren 
aufnehmen und unter dem Apparat zur Vergleichung 
zusammenlegen kann. 

Dann gewinne ich offenbar als Basis meines 
Parallaxendreiecks die Wegstrecke, die von der Sonne 
und ihrem ganzen System in zehn Jahren (oder mehr) 
durchlaufen wird, und da diese Eigenbewegung der 
Sonne etwa 15km pro Sekunde, also 32 Eidbahn- 
radien in zehn Jahren beträgt, so könnte man leicht 
geneigt sein, diese Methode für unsern Zweck sehr 
hoch zu schätzen. Gewiß wird sie auch noch ein- 
mal zu Ehren kommen, wenn die eigentümlichen 
Schwierigkeiten, zum Teil physiologischer Art, die 
sich ihr entgegenstellen, überwunden sein werden. 

Auch dann darf ich nie vergessen, daß das, was 
ich im Stereoskop sehe, keineswegs rein parallaktische 
Wirkung ist, sondern noch die eigene Bewegung der 
Sterne und der Sonne mit enthält, deren Trennung 
meist große Schwierigkeiten bereitet. Überdies liegen 
noch keine Versuche vor, bei denen der Stereokom- 
parator in Verbindung mit langbrennweitigen Inatru- 



*) Vgl. Rdscli. 1902, XVII, 429. Red. 



'menten zur Parallaxenbestimmung verwandt worden 
wäre. 

Zum Schluß ein kurzes Wort über die instru- 
mentellen Hilfsmittel der modernen Astronomie. 
Dem Heliometer, welches B es sei mit so ausgezeich- 
netem Erfolge in die Praxis eingeführt, war nur eine 
kurze Blütezeit beschieden. Dreiviertel Jahrhundert 
— und dann war es von der Photographie verdrängt. 
Wenigstens sollte es so sein; denn für das Heliometer 
kennt die moderne Astronomie keinen Platz mehr. 
Unökonomisch und dem in der Astronomie an erster 
Stelle geltenden Prinzip des kleinsten Zwanges zu- 
widerlaufend wäre seine Verwendung in der Him- 
melskunde unserer Zeit. Und leicht läßt sich zeigen, 
wie ihm Schritt für Schritt der Kreis seiner früheren 
wichtigen Aufgaben entzogen wurde. 

Um aber auch Positives vorzubringen, sage und 
resümiereich: Die moderne Fixsternastronomie kennt 
nur zwei Instrumente: 1. den Meridiankreis, der mehr 
noch denn früher seiner alten, klassischen Bestim- 
mung: Festlegung eines fundamentalen, engmaschigen 
Hairptnetzes von Sternen zugeführt werden möge, und 
2. den photographischen Refraktor, dessen Aufgabe 
die auf das vom Meridiankreis beigesteuerte Haupt- 
netz gestützte, detaillierte Aufnahme des Himmels ist. 
Was darüber geht, z. B. ein auf Quecksilber schwim- 
mender Alrnukantarat, ist Spielerei und vom Bösen. 
Literatur. 

') J. C. Kapteyn, Bestimmung von Parallaxen durch 
Registrierbeobachtungeu am Meridiankreis. Annalen d. 
Sternwarte in Leiden Bd. VII, 1897. 

! ) J. C. Kapteyn, The parallax of 248 stars of the 
region around BD -f- 35° 4013. Public, of the astrono- 
mical lahoratory at Groningen Nr. 1, 1900. 

•I. C. Kapteyn and W. de Bitter, Pavallaxes of 
the Clusters h and /Persei, of Groombridge 745, 61 Cygui, 
and surronnding stars. Publ. of the astron. labor. at 
Groningen Nr. 10, 1902. 

3 ) A. S. Flint, Meridian observations for stellar 
parallax. First series 1893—96. Publ. of the Washburn 
observatory Vol. XI, 1902. 

Ordnet man die in Tabelle IX der Arbeit zusammen- 
gestellten absoluten Werte der 102 Parallaxen n ohne 
Rücksicht auf ihre Vorzeichen in vier Gruppen, bildet 
deren und der zugehörigen wahrscheinlichen Fehler r„ 
Mittel, so ergibt sich 



Gruppe I 
Gruppe II 
Gruppe III 
Gruppe IV 



Mittl. n 


wabrsch. F. 


Anzs 


0,05" 


±0,04" 


48 


0,15 


0,05 


30 


0,24 


0,06 


12 


0,37 


0,06 


12 



0,00—0,10" 

0,11—0,20 

0,21—0,30 

0,31—0,49 
also ein langsames Anschwellen der 
Fehler mit n. 

4 ) E. Jost, Parallaxenbestimmungen aus Durchgangs- 
beobachtungen im Meridian. Karlsruhe 1903. 



wahrscheinlichen 



P. Kämmerer: Beitrag zur Erkenntnis der 
Verwandtschaftsverhältnisse von Sala- 
mandra atra und maculosa. (Arch. f. Ent- 
wickelungsmechanik 1903, Bd. XVII, S. 165—264.) 
Die beiden im Titel der Arbeit genannten Sala- 
manderarten sind durch Färbung, geographische Ver- 
breitung und Fortpflanzungsweise voneinander unter- 
schieden. Der schwarze Alpensalamander (S. atra), 
der namentlich in dun höheren Gebirgslagen, von 



108 XIX. Jahrg. 



Natur wisse n schal' tliche Rundschau. 



1904. Nr. 9. 



600m an bis gegen 3000m heimisch ist, bringt 
gleichzeitig nur zwei Junge hervor, welche erst nach 
Verlust der Kiemen geboren werden. Die übrigen, 
zahlreichen Eier kommen nicht über die ersten 
Furchungsstadien hinaus und fließen in einen Dotter- 
brei zusammen, der den beiden einzigen zur vollen 
Entwickelung gelangenden Larven zur Nahrung dient. 
Während der Zeit der Entwickelung im Uterus be- 
sitzen die letzteren große, verästelte Kiemen, welche 
möglicherweise nicht nur der Atmung, sondern 
auch der Nahrungsaufnahme dienen. — Der auf 
schwarzem Grunde gelb gefleckte Feuersalamander 
(S. maculosa), der die Ebenen und die niederen und 
mittleren Gebirgslagen bis etwa 1200 m bewohnt, 
bringt bis 72 Junge gleichzeitig zur Welt, welche 
aber viel früher, noch als Kiemen tragende Larven 
im Wasser abgesetzt werden und hier ihre Entwicke- 
lung vollenden. Da nun trotz dieser äußeren und 
biologischen Unterschiede der anatomische Bau beider 
Arten weitgehende Übereinstimmung zeigt , so ist 
wiederholt in der Literatur auf eine mögliche nahe 
Verwandtschaft derselben hingewiesen worden in dem 
Sinne, daß S. atra von S. maculosa abstamme, uud 
daß die verminderte Fortpflanzung nur eine An- 
passung an die ungünstigeren Lebensbedingungen der 
höheren Gebirgsregionen darstelle. 

Diese Frage hat nun Verf. auf doppeltem Wege 
der Lösung näher zu bringen versucht, auf dem Wege 
des Experimeuts und der Statistik. Experimentell 
prüfte er, ob junge Larven von S. atra, die durch 
natürliche Frühgeburt oder durch künstlichen Ein- 
griff vorzeitig aus dem Uterus entfernt waren, einer 
selbständigen Weiterentwickelung im Wasser fähig 
seien , während er anderseits S. maculosa durch 
geeignete Maßnahmen veranlaßte, seine Jungen erst 
in entwickeltem Zustande abzusetzen. Während 
auf diese Weise untersucht wurde, wie sich jede 
der beiden Arten verhält, wenn ihre Entwickelungs- 
verhältnisse denen der anderen möglichst angenähert 
werden, so wurde anderseits durch Untersuchung des 
Uterusinhalts einer größeren Zahl von Salamauder- 
weibchen — über 500 S. maculosa und 200 S. atra 
aus verschiedenen Höhenlagen — ermittelt, inwieweit 
auch bei frei lebenden Salamandern Abweichungen 
von der normalen Fortpflanzungsweise vorkommen. 
Die Experimentaluntersuchungen knüpfen an an 
einige ältere Versuche früherer Autoren. Schon 1833 
hatte v. Schreibers mit Erfolg versucht, weit vor- 
geschrittene Embryonen von S. atra außerhalb des 
Mutterleibes aufzuziehen. Zehn Jahre später berich- 
tete Czerrnak, daß etwas jüngere Embryonen der- 
selben Art, die er im Wasser aufzog, eine Rückbildung 
der Kiemen erkennen ließen. Im Jahre 1879 unter- 
nahm dann, augeregt durch C. T h. v. Siebold, 
Marie v. Chauvin ihre viel besprochenen Versuche, 
welche ergaben, daß Embryonen von S. atra schon 
auf frühen Stadien an das Leben im Wasser gewöhnt 
werden können, hier Nahrung aufnehmen, aber alsbald 
die im Uterus gebildeten Kiemen völlig abwerfen und 
durch neue, monströse Kiemen ersetzen. 



Diese Versuche nahm nun Herr Kammerer in 
umfassender Weise wieder auf, indem er dabei mit 
Tieren verschiedenster Entwickelungsstufen operierte. 
Befruchtete Eier , welche mittels Hornlöffels dem 
Uterus entnommen und in physiologische Na Cl-Lösung 
gebracht wurden, konnten 12 Tage lang bei fort- 
gesetzter Furchung am Leben erhalten werden, quollen 
dann aber auf und lieferten — obwohl keine Zer- 
setzung eintrat — keine Embryonen. — In der 
Embryonalentwickelung unterscheidet Herr Kam- 
merer drei Stadien: das erste umfaßt die Zeit, in 
der sich der Embryo innerhalb der Eiblase bewegt, 
das zweite diejenige der freien Bewegung innerhalb 
des Dotterbreies, das dritte die Zeit nach Aufzehrung 
des letzteren. — Ein Embryo ersten Stadiums, der noch 
keine Extremitäten und ganz kurze Kiemenansätze 
besaß, entwickelte in Kochsalzlösung die Vorderfüße, 
und die Kiemen verästelten sich; er verließ auffallend 
früh die Eihülle und ging einige Tage darauf ein. — 
Embryonen zweiten und dritten Stadiums dagegen 
ließen sich im Wasser aufziehen und ernähren — 
wozu Verfasser anfangs Dotterbrei aus dem Uterus 
anderer Weibchen, bei weiter vorgeschrittenen Larven 
Tubificiden verwandte — erfuhren aber an den 
Kiemen, dem Flossensaum und dem Schwanz charak- 
teristische, durch das Wasserleben bedingte Ver- 
änderungen. Ein Abwerfen der Kiemen geschah 
jedoch nur ausnahmsweise, und auch dann kam es 
nicht immer zur Bildung monströser Kiemen , dies 
beobachtete Verfasser nur in zwei Fällen; in den 
anderen wurden normal aussehende, aber etwas klei- 
nere Kiemen regeneriert. Meist jedoch fand nur 
eine teilweise Resorption der Kiemen statt, die da- 
durch kürzer wurden, und gleichzeitig eine Häutung, 
mit Neubildung eines derberen, pigmentreicheren 
Epithels. Auch der sehr schmale Schwanzsaum der 
Embryonen wurde im Wasser abgeworfen und durch 
einen breiteren ersetzt. Für die Frage nach der 
Ursache des längeren Verweilens der Atra-Embryonen 
im Uterus ist die Tatsache von Interesse, daß Weib- 
chen, die von den untersten Grenzen des Verbrei- 
tungsgebietes herrührten , bisweilen freiwillig ihre 
Jungen als Larven im Wasser absetzten, wobei dann 
gleichzeitig die Anzahl der Jungen größer war. Es 
deutet dies auf einen Zusammenhang der Trächtig- 
keitsdauer mit der Höhenlage hin. Verfasser beab- 
sichtigt diese Versuche noch weiter zu verfolgen, um 
die Fragen aufzuklären, ob es möglich ist, Atra- 
Weibchen bei länger fortgesetzter Gefangenschaft 
allmählich daran zu gewöhnen, dauernd zu der — 
hypothetischen — früheren Gewohnheit einer früheren 
Geburt der Jungen zurückzukehren. 

War es nun gelungen, Atra-Embryouen zu einer 
Entwickelung außerhalb des Mutterleibes zu bringen, 
so prüfte Verfasser in einer Reihe weiterer Versuche 
die Frage, ob sich bei Salamandra maculosa künst- 
lich eine weitere Entwickelung im Uterus herbei- 
führen lasse. In der Literatur finden sich Angaben 
über gelegentlich beobachtete Geburten von Maculosa- 
larven auf dem Lande. Daß die weiblichen Feuer- 



Nr. 9. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 109 



Salamander, wenn man sie zwingt, längere Zeit aus- 
schließlich auf dem Lande zu leben, auffallend große 
Larven mit kurzen Kiemen gebären, die sich schnell 
in lungenatmende Tiere verwandeln , wurde vor 
einigen Jahren von v. Bedriaga angegeben. Verf. 
fand nun, daß Feuersalamanderweibclien , die gegen 
Ende der Trächtigkeitsperiode in ein Terrarium ohne 
"Wasserbehälter gebracht werden, sehr unruhig sind, 
beständig einen Ausgang suchen und endlich unter 
krampfartiger Öffnung der Kloaken Larven gewöhn- 
licher Art gebären, die nur im Wasser leben können, 
während die Muttertiere den übermäßigen Anstren- 
gungen solcher Geburten erliegen. Bringt man sie 
jedoch vor Beginn der Trächtigkeit in einen solchen 
Behälter, so ergibt der nächste Wurf eine Anzahl 
etwas größerer Larven, während andere verkümmert, 
zum Teil sogar tot zur Welt kommen, da infolge des 
stärkeren Nahrungsverbrauchs seitens der geförderten 
Embryonen die anderen naturgemäß zu kurz kommen. 
Bei Fortfall des Winterschlafes brachten die Tiere 
jährlich zwei Würfe, und bei fortgesetztem Abschluß 
kamen immer größere, aber auch immer weniger 
Larven zur Welt, bis nach vier bis sechs Trächtigkeits- 
perioden (= zwei bis drei Jahre) die Anpassung voll- 
endet war und nur noch zwei bis sieben Junge geboren 
wurden, diren Kiemen entweder ganz oder fast ganz 
zurückgebildet waren, zuweilen waren auch die Kie- 
menspalten schon geschlossen. Dabei dauerte, wie 
Herr Ka in m erer betont, die Trächtigkeitsperiode nicht 
länger als sonst, auch die Zahl der Larven blieb die 
normale. Während nun in dieser Zeit mit jedem 
Wurf eine größere Zahl lebensunfähiger Embryonen 
geboren wurde, nahm die Zahl derselben von nun 
an wieder ab. Uterusuntersuchungen solcher Weib- 
chen ließen erkennen, daß bei ihnen — wie bei S. 
atra — die nicht entwickelungslähigen Eier einen 
Dotterbrei liefern, der den anderen zur Nahrung dient. 
Von Interesse ist auch , daß die unter solchen Um- 
ständen sich entwickelnden Embryonen auf derselben 
Stufe, wie die von S. atra, nämlich schon vor der 
Bildung der Hinterbeine, die Eihüllen verlassen, 
während dies bei normalen Maculosa-Embryonen viel 
später geschieht. Eine solche Anpassung gelang 
Herrn Kammerer bei 80 °/o der von ihm benutzten 
Maculosa- Weibchen, während die übrigen 20% un- 
fruchtbar wurden. Wie nun oben bereits erwähnt 
wurde, daß Atra- Weibchen, namentlich an der unte- 
ren Grenze ihrer Verbreitungsgebiete auch im Freien 
ihre Jungen zuweilen in unentwickeltem Zustande 
zur Welt bringen, so konnte Verfasser anderseits 
feststellen, daß von S. maculosa nahe ihrer oberen 
Verbreitungsgrenzen relativ wenige Junge geboren 
werden, und zahlreiche Abortiveier zurückbleiben, 
welche den anderen als Nahrung dienen. Auch hier 
also sehen wir mit der Annäherung an die Verbrei- 
tungsgrenzen eine Annäherung an die Entwickelungs- 
weise der anderen Art. Ebenso ließen sich bei aus 
höheren Gebirgsregionen stammenden Tieren die er- 
wähnten Anpassungen leichter erreichen. Vergleicht 
man nun die auf diese Weise bis zum dritten Ent- 



wickelungsstadium (s. o.) im Uterus verbliebenen 
Larven mit den gleich weit entwickelten normalen 
im Wasser lebenden, so unterscheiden sie sich von 
diesen durch längere, zartere Kiemen — die jedoch 
denen von S. atra an Länge nicht gleich kommen — , 
einen schmaleren Flossensaum am Schwanz und 
dunklere Färbung. Auch nach der Geburt sind sie 
durch geriugere Größe und Zurücktreten der gelben 
Zeichnung von den normalen zu unterscheiden. 

Betreffs der Färbung beider Arten gibt Verfasser 
noch an, daß bei S. atra auf Lehmboden, bei relativ 
hoher Temperatur und starkem Feuchtigkeitsgehalt 
der Luft weißlich gelbe Punkte und kleine Flecke von 
gleicher Farbe auftreten, daß auch bei S. maculosa die 
Flecke unter gleichen Bedingungen zunehmen , da- 
gegen bei solchen , die bei niederer Temperatur und 
relativ trockener Luft auf schwarzer Erde gehalten 
wurden, zurücktreten. Bei Tieren, die drei bis vier 
Jahre hindurch bei gleichbleibender Temperatur von 
18° bis 22° C auf feuchter Lehmerde gehalten wurden, 
zeigte sich eine Zunahme der gelben Flecke an Zahl, 
Größe und Intensität. 

Dadurch, daß sie verhindert wurden, das Wasser 
zu verlassen, konnten die Larven beider Arten weit 
über die gewöhnliche Zeit zur Beibehaltung der Lar- 
veniorm veranlaßt werden, ohne daß ein Zurückbleiben 
im Wachstum stattfand. Diese Larvenform war bei 
den größten Atra-Larven nur durch das Vorhanden- 
sein der Kiemen und des Flossensaumes gekennzeich- 
net , während die Form bereits die des reifen Tieres 
war. Geschlechtsreif wurden alle diese Tiere erst 
nach der Metamorphose. Es handelt sich also um 
partielle, nicht um totale Neotenie. Mit Rücksicht auf 
die von Powers in einer kürzlich hier besprochenen 
Arbeit (Rdsch. 1903, XVIII, 651) vertretene Ansicht, 
daß die Metamorphose bei Ambiystoma durch knappe 
Ernährung nach vorhergegangener reichlicher Füt- 
terung herbeigeführt wurde , ist die Bemerkung des 
Verfassers von Interesse, daß reichliche Ernährung 
der Atra-Larven notwendig sei, um sie in der Larven- 
form zu erhalten, da sie andernfalls der Hunger zur 
Aufsuchung besserer Orte antreibe. 

Verfasser gedenkt nun einige der ganz im Uterus 
entwickelten Maculosa-Larven bis zur (im vierten Jahr 
eintretenden) Geschlechtsreife weiter zu züchten, um 
festzustellen, inwieweit eine Vererbung der künstlich 
erzielten Anpassungserscheinungen stattfindet. 

Sprechen nun die vorstehenden Ergebnisse für die 
Annahme einer nahen Verwandtschaft beider Arten, so 
wirft Herr Kammerer zum Schluß die Frage auf, wo- 
durch die Abweichungen der S. atra von der S. macu- 
losa als seiner hypothetischen Stammform zu erklären 
seien. Die geringere Größe sei unschwer durch die 
weniger günstigen Lebensbedingungen in den höheren 
Regionen, die dunklere Färbung, die auch bei vielen 
anderen Gebirgstieren sich findet, durch Anpassung 
an die klimatischen Verhältnisse — stärkere Wärme- 
absorption — , sowie an die Bodenart zu erklären. 
Die eigenartige, unter den Amphibien einzig da- 
stehende Fortpflanzungsweise von S. atra lasse sich 



110 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 9. 



wie die Versuche zeigen, als Anpassung an den Man- 
gel geeigneter Gewässer für das Absetzen der Larven 
deuten, und die Möglichkeit, die eine Art durch künst- 
liche Bedingungen dazu zu zwingen, d;iß sie sich in 
der Art der anderen fortpflanzt, sei nicht mehr durch 
bloße Verwandtschaft, sondern nur durch gemeinsame 
Abstammung zu erklären. Ob diese Stammart S. 
maculosa selbst ist, will Verfasser dahingestellt sein 
lassen , jedenfalls steht diese ihr näher als S. atra. 

R. v. Haustein. 



Ph. van Harreveld: Über das Eindringen der 
Wurzeln von frei schwebenden kei- 
menden Samen in Quecksilber. (Kunink- 
lijke Akademie van Wetenscliappen te Amsterdam. Pro- 
ceedings of the Meeting of Sept. 26, 1903, p. 182—197.) 
Im Jahre 1829 erregte eine Mitteilung von Jules 
Pinot, wonach die Wurzeln keimender Samen, die 
in einer dünnen Wasserscliicht aut Quecksilber liegen, 
in dieses eindringen können, allgemeines Aufsehen. 
Die Verbuche waren in doppelter Hinsicht wichtig. 
Erstens nämlich bewies das Eindringen der Keim- 
wurzeln in eine Flüssigkeit von so hohem spezifischen 
Gewicht, daß während des Wachstums bedeutende 
Kräfte entwickelt wurden. Zweitens aber blieb es 
unerklärlich, daß die lose daliegenden Samen nicbt 
durch den Aultrieb aus dem Quecksilber heraus- 
gehoben wurden. Über das erstere Ergebnis ist 
heute kein Wort mehr zu verlieren; zahlreiche Beob- 
achtungen haben gezeigt, wie bedeutende Wider- 
stände wachsende Keimwurzeln überwinden können. 
Die zweite Frage aber, die keine physiologische, son- 
dern eine rein physikalische ist, hat bis heute keine 
befriedigende Beantwortung gefunden. 

Die Anordnung des Pinot sehen Versuches war 
folgende: Ein kleiner Trog von 18 mm Tiefe und 
10 mm Breite wurde mit Quecksilber gefüllt und eine 
düune Wasserschicht darüber ausgebreitet. Der Trog 
stand in einer kleinen Schüssel mit Wasser, die von 
einer Glasglocke überdeckt war. Die auf das Queck- 
silber gelegten gequollenen Samen von Lathyrus odo- 
ratus und anderen Pflanzen keimten, und ihre Wur- 
zeln drangen bis zu beträchtlicher Tiefe (bis 8 oder 
10 mm) in das Quecksilber ein, ohne den Samen em- 
porzuheben. Um das Gewicht des Samens und seine 
Adhäsion an der Quecksilberoberfläche auszuschalten, 
nahm Pinot eine silberne Nadel, befestigte an ihrem 
einen Ende einen Lathyrussamen, an dem anderen ein 
bewegliches Wachskügelchen, das dem Samen gerade 
das Gleichgewicht hielt; die Mitte der Nadel ruhte 
leicht beweglich auf einer horizontalen Achse. Der 
Same hing 2 mm über einer feuchten Quecksilber- 
fläche. Die Keimung ging nuu etwas langsamer vor 
sich, aber die Wurzel erreichte doch das Quecksilber 
und drang ein, ohne den Hebelarm nach oben zu 
schieben. 

Aus der vom Verf. eingehend verfolgten Geschichte 
dieser Versuche sei hier nur erwähnt, daß Wigand 
(1854) sie bestätigte, ohne eine Erklärung zu geben, 
Durand (1845) aber behauptete, daß die Wurzeln 



entweder nur so weit in das Quecksilber eindringen, 
wie ihr Eigengewicht es ihnen erlaubt, oder daß die 
Samen durch eine von ihnen ausgeschiedene Substanz 
an der Quecksilberfläche festgeklebt werden. Ein 
dritter Fall sei der, daß die \\ urzel zwischen der 
Gefäßwand und dem Quecksilber eindringe; hier werde 
sie durch den Seitendruck des Quecksilbers festgehal- 
ten. Dutrochet und nach ihm Hofmeister (1860) 
nahmen diese Erklärung an, und die Ansicht dieser 
Forscher ist seitdem maßgebend geblieben. 

Herr van Harreveld hat nun die Versuche von 
Pinot und Wigand wiederholt. Er benutzte zuerst 
rechteckige Glaströge von 4 cm Breite und Kristalli- 
sierschalen von 10 cm Durchmesser, die etwa 2 ein 
tief mit Quecksilber gefüllt waren. In eine sehr 
dünne Wasserscliicht, die auf der Oberfläche des 
Quecksilbers ausgebreitet war, wurden gequollene 
oder trockene Samen der Erbse, Gartenkresse (Lepi- 
dium sativum), des Weizens, Buchweizens und von 
Lathyrus odoratus gelegt. Zur Vermeidung starker 
Verdunstung waren die Gefäße mit Glasglocken be- 
deckt. 

Die meisten Wurzeln krochen an der Oberfläche 
des Quecksilbers hin oder drangen nur mit ihrer 
äußersten Spitze ein. Einzelne aber, meistens solche, 
die gleich von der Keimung an senkrecht nach ab- 
wärts wuchsen, kamen bis zu einer recht beträcht- 
lichen Tiefe, eine Kresseuwurzel z. B. bis 7 mm in 
zwei Tagen. Beim Buchweizen wurde kein, beim 
Weizen nur ein ganz unbedeutendes Eindringen be- 
obachtet. 

Verf. stellte nun fest, daß die Samen, aus denen 
Wurzeln in das Quecksilber eingedrungen waren, 
nicht ganz frei waren, sondern an anderen Samen 
anlagen; um sie herum und zwischen je zwei Samen 
war das Wasser kapillar emporgestiegen und ge- 
währte den Samen durch die Spannung seiner kon- 
kaven Oberflache eine Stütze. So wirkten die Mole- 
kularkrafte des Wassers dem Auftrieb des Queck- 
silbers entgegen. Durand hat die Kraft berechnet, 
mit der das Quecksilber Samen von Lathyrus odo- 
ratus emportreibt. Bei einer zylindrischen Wurzel 
von 3 / 4 min Durchmesser betrug diese Kralt für 1 mm 

Länge n ( — J . 13,6 = 6 mg, für eine Länge von 

20mm also 120mg. Herr van Harreveld berech- 
nete für Lathyruswurzelu von 5 bis 7 mm Länge den 
Auftrieb auf 68 bis 109 mg. Die Lathyruspfläuzchen 
wogen etwa 200 mg. Wenn nun auch das Gewicht 
der Pflänzcheu dadurch beträchtlich vermindert wird, 
daß sie mit verhältnismäßig voluminösen Teilen in 
Wasser liegen, so übertrifft es doch noch den Auf- 
trieb des Quecksilbers. Bei der Gartenkresse ist das 
Verhältnis aber anders. Verf. berechnete tür Wur- 
zeln von 5 bis 9 min den Auftrieb auf 14 bis 27 mg, 
während die Pflänzcheu vor dem Abfallen der Samen- 
hülle 1 7 mg, nach dem Abfallen sogar nur 8 mg wogen. 
Das Übergewicht des Auftriebes ist jedoch klein 
genug, um durch die Molekularkräfte des Wassers 
kompensiert zu werden. Die Kapillarkoustante des 



Nr. 9. 



1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 111 



Wassers ist 8,8; also ist für jedes Millimeter des 
Unifanges des gehobenen Wassers eine Kraft von 
8.8 mg notwendig. Da der Unifang eines gequollenen 
Samens der Gartenkresse 14 mm, der von Lathyrus 
etwa 29 mm beträgt, so ist eine Kraft von mehr als 
100 mg verfügbar, um die Differenz zwischen dem 
Auftrieb und dem Gewicht auszugleichen. 

Beim weiteren Wachstum wurden die Pflänzchen, 
die in das Quecksilber eingedrungen waren , um- 
geworfen und aus der Flüssigkeit herausgedrängt, 
wie das auch mit der großen Mehrheit der Keimlinge 
gleich beim Beginn geschah. „Das Umkippen ist 
eine Rotation um eine horizontale Achse, wobei die 
Wasseroberfläche nicht vergrößert wird. Die verti- 
kale Komponente der Oberflächenspannung kommt 
folglich für die Verhinderung des Umwerfens und 
Heraushebens der Pflänzchen nicht in Betracht. Die 
Rotation wird erschwert durch Wasser, das durch 
Kapillarität zwischen zwei nahe beisammen liegen- 
den Sämlingen oder zwischen dem Glas und dem 
Sämling aufsteigt, weil dieses Wasser eine größere 
horizontale Obei fläche hat, die während des Uinkip- 
pens vergrößert werden muß. Daher dringen an der 
Glaswand die Wurzeln am häufigsten ein; in diesem 
Falle erleichtert auch die Reibung zwischen Wand 
und Wurzel das Eindringen durch den einseitigen 
horizontalen Druck des Quecksilbers. 

Je dünner die Wasserschicht, desto näher liegen 
die Zentren der Oberflächenspannung und des Auf- 
triebes bei einander und um so kürzer ist auch der 
Hebelaim, mit dem eine seitliche Komponente des 
hydrostatischen Druckes auf ein etwas schief gerich- 
tetes Würzelchen einwirkt, um das Pflänzchen uni- 
zuwerfen. Bei einem Samen in völlig freier Lage 
•wird das Eindringen möglich sein, aber im günstig- 
sten Falle wird nur ein labiles Gleichgewicht be- 
stehen. Das Eindringen frei liegender Samen wird 
folglich im allgemeinen ausbleiben, nicht weil der 
Auftrieb bald das Gewicht der kleinen Pflanze über- 
wiegt, sondern weil diese durch Rotation umgeworfen 
wird." 

Wenn Pinot dennoch mit frei liegenden Samen 
ein gutes Ergebnis erhielt, so lag dies nach Verf. 
daran, daß er ganz kleine Tröge (von 1 cm Breite) 
benutzte. Herr van Harreveld stellte daher auch 
Versuche in dieser Weise an. Er schnitt aus einem 
Glasrohr von 1 cm Durchmesser Stücke ab, die er 
am Grunde mit Kork verschloß. Diese Tröge wurden 
mit Quecksilber gefüllt, und in jeden kam ein ge- 
quollener Same von Lathyrus oder Lepidiuin mit 
möglichst wenig Wasser. Das durch Kapillarität ge- 
hobene Wasser heftete nun den Samen an die Glas- 
wand, und die Wurzel drang leichter ein, weil sie 
weniger leicht umgewoifen werden konnte. Als Verf. 
die Samen mit dem Würzelchen nach der Trogmitte 
legte, wuchs es auch dort in das Quecksilber hinab. 

Auch Pinots Versuch mit dem Hebel wurde 
vom Verf. wiederholt. Ein flacher, G 1 / 2 cm langer 
Wagebalken aus dünnem Aluminiumblech ruhte mit 
einem Messinghütchen auf einer Stahlspitze. An 



dem einen Ende war ein Lathyrussame befestigt, 
an das andere ein Stückchen Paralfin angeschmolzen, 
das dem Samen das Gleichgewicht hielt. Unmittel- 
bar unter dem Samen befand sich ein kleiner Trog 
mit Quecksilber und sehr wenig Wasser darüber. 
Durch ein zweites kleines Gefäß mit Wasser und eine 
über das Ganze gestülpte Glasglocke wurde die Luft 
feucht erhalten. Nach einigen Tagen war die Wur- 
zel 7 mm tief in das Quecksilber hinabgewachsen, ohne 
daß die Wage gehoben wurde. Durch Zufügung und 
durch Abschmelzen wurde das Paraffinstückchen ge- 
legentlich mit dem wachsenden Keimling ins Gleich- 
gewicht gesetzt, nachdem dieser mit Filtrierpapier 
getrocknet worden war. Der Auftrieb des Quecksilbers, 
der mehr als 100 mg betrug, war jetzt durch die 
Oberflächenspannung des durch Kapillarität gehobe- 
nen Wassers balanciert. Er hätte noch beträchtlich 
größer sein können, denn Verf. konnte an dem ande- 
ren Arm des Wagebalkens noch etwa lOUmg zu dem 
Paraffinstückcheu hinzufügen, bevor das Keimpflänz- 
chen aus dem Quecksilber gehoben wurde. F. M. 



J. Jegerlehner: Die Schneegrenzen in den 
Gletschergebieten der Schweiz. (Beiträge 
zur Geophysik, Bd. V, S. 486—566, nach einem Referat 
in der Meteorologischen Zeitschrift 1903, Bd. XX, S. 467.) 

Nach Erörterung der bei der Uutersuchung benutz- 
ten Methode wird im speziellen Teile der Abhandlung 
für jede Berggruppe in eingehendster Weise die Schnee- 
grenze bestimmt. Die Tabellen enthalten für 25 Gebirgs- 
gmppen die einzelnen Gletscher, deren Areale, Expo- 
sition, oberes und unteres Ende und mittlere Höhe. Der 
Flächenraum der gesamten Gletscher umfaßt 2029 km s , 
davon entfallen auf italienischen Boden 188 km 2 , so daß 
die Verület«cherung der Schweiz seiltet 1841 km ä beträgt 
(das schweizerische statistische Bureau gibt 1839 km 2 an). 
Die Gesamtzahl der Gletscher beträgt 1077, darunter 
174 Talgletscher. 

Die klimatische Schneegrenze wird gefunden, indem 
aus den Höhen der lokalen Schneegrenzen ein Mittel ge- 
nommen wird. Eine instruktive Karte zeigt die Linien 
gleicher Höhe der Schneegrenze (Isochionen) in der 
Schweiz. Die Massenerhöhungen der Monte Rosa-Gruppe 
und der Penninisehen Alpen überhaupt sind von den 
höchsten Isochionen umschlossen; am Monte Rosa-Stock 
findet man die Schneegrenze erst bei 3200 m, die Penni- 
nischen Alpen haben dieselbe durchschnittlich bei 3000 m. 
Ein zweites inselföimiges Oebiet höchster Schneegrenze 
findet sich im Bernina Stock und östlich davon in den 
Spöllalpen, sie liegt hier bei 2 100 m. In den Berner 
Alpen liegt sie zwischen 2900 m im S. und 2800 m im N., 
in der äußersten nördlichen Zone, dann im Oberalp- 
stoek und auf der rechten Seite des Oberstein bei 2T00 m, 
Urirot9tock, Tödi, Sardona-Gruppe haben sie bei26i0m, 
Glärnisch bei 2500 m und die Säntis-Oruppe bei 2400 m. 
Die Isochionen steigen von SW. nach NE. stark an. 

Der tiefste und höchste Stand der Schneegrenze in 
der Schweiz liegt 800 m auseinander. Je großer die 
Massenerhebung, desto höher liegt die Schneegrenze; die 
Walliser Berge und das Engadin haben die höchste 
Schneegrenze, das niedrigere Gebiet um den Gotthard- 
stock inzwischen eine erheblich niedrigere. 

Die Ursachen, welche die Höhe der Schneegrenze 
besti nmen, sind Temperatur und Niederschlag. Früher 
hat man den Einfluß der Temperatur fast allein beach- 
tet, später auch der Xiederschlagshöhe einen erheblichen 
Einfluß zugeschrieben. Veif. meint, daß „die Nieder- 
schlagsmenge wenigstens iu den Alpen für die Lage der 



112 XIX Jahrg. 



Naturwissenschaft liehe Rundschau. 



1904. Nr. 9. 



Schneegrenze von geringerem Einfluß ist als die Tem- 
peratur". In der scharten Betonung dieses Satzes geht 
er (nach Ansicht des Referenten, Herrn Hann) jeden- 
falls etwas zu weit. 

Es ist wichtig, den Einfluß der Niederschlagsmenge 
festzuhalten, weil jener der Temperatur ohnehin nicht 
zu übersehen ist. Richter hat konstatiert, daß in der 
Brenta-Gruppe die Schneegrenze bei 2700 m, in den Juli- 
schen Alpen sogar bei 2000 m zu finden ist, trotz der 
hohen Sommerwärme der Lombardischen Ebene und der 
Südseite der Alpen überhaupt. In dem sommerkühlen 
Gebiet der Hohen Tauern liegt sie dagegen bei 2S0O m. 
Die Uri-ache davon sind die reichlichen Niederschläge 
auf der Südseite der Alpen. Die Sommerwärme steigt 
mit der Massenerhebung, das ist sicher, aber auch die 
Niederschläge sind in dem zentralen Teile der Alpen 
viel geringer als auf deren Süd- und Nordseite. Ge- 
ringere Niederschläge und höhere Sommerwärme (ge- 
ringere Bewölkung) gehen parallel, es ist schwer, die 
Einflüsse derselben auf die Höhe der Schneegrenze zu 
trennen. Es ist auch nicht allein die höhere Luftwärme, 
welche die Gletscher abschmelzt, sondern auch die damit 
verbundene größere Begenliäufigkeit in den Hochregionen. 
Die Schneegrenze würde sicherlich auf der Südseite der 
Alpen noch viel tiefer herabsteigen, trotz der Sommer- 
wärme, wenn nicht die Sommerregen dem Wintersclmee 
so zusetzen würden. Auf der Nordseite der Alpen über- 
schüttet jeder der im Sommer nicht seltenen Wetter- 
stürze die Alpenkette oft bis zur Holzgretize herab mit 
Neuschnee, es schneit im Summer viel häufiger auf der 
Nordseite der Alpen als in der Zentralkette und in den 
Südalpen. Die Wärmezufuhr durch Regenwasser ist 
aber wegen der mehr als 3000 mal größeren Wärme- 
kapazität desselben gegenüber der Luft nicht gering zu 
veranschlagen. 

ß. Blondlot: Über die Dispersion der «-Strahlen 
und ihre Wellenlänge. (Comptes rendus 1904, 
t. CXXXVIII, p. 125—129.) 
Zum Studium der Dispersion uud der WellenläDge 
der «- Strahlen verwendete Herr Blondlot dieselben 
Methoden, die für diesen Zweck beim Licht zur Anwen- 
dung kommen, und zwar bediente er sich als Material zu 
den Linsen und Prismen ausschließlich des Aluminiums, 
weil dieses Metall von der sehr störenden Eigenschaft, 
die »Strahlen zu speichern (fldsch. 1901, XIX, 27) frei 
ist. Die von einer Nernstlampe in einer Blechlaterne mit 
Aluminiumfenster ausgehenden «-Strahlen wurden durch 
ein 2 cm dickes Tannenbrett, ein zweites Aluminiumlilatt 
und zwei Blätter schwarzen Papiers gesiebt und von jeder 
fremden Strahlui g gereinigt; vor diesen Schirmen, etwa 
14 cm vom Faden der Lampe entfernt, stand ein großer 
Schirm aus angefeuchtetem Karton , in dem ein Spalt 
von 5mm Bieite und 3,5 cm Höhe ein scharf begrenztes 
Bündel «-Sti ableu durchließ; dieses Bündel hei senkrecht 
auf eine Fläche eines Aluminiumprismas von 27° 15' 
biechendem \\ inkel. Man überzeugte sich dann, daß von 
der anderen brechenden Fläche des Prismas mehrere 
horizontal dispergierte Bündel «-Strahlen heraustraten, 
wenn man einen Spalt eines Kai tenblattes von 1 mm Breite 
und 1 cm Höhe mit phosphoreszierendem Calciumsulfid 
ausfüllte und durch die Verschiebung des Spaltes die 
Lage der zerstreuten Bündel ausmittelte. Die Breehungs- 
indices ergaben sich aus den gemessenen Ablenkungen 
in einfachster Weise. 

Herr Blond lot hat auf diese Weise das Vorhanden- 
sein von «-Strahlen festgestellt, deren Exponenten bzw. 
sind: 1,04; 1,19; 1,29; 1,36; 1,40; 1,48; 1,08; 1,85. Um die 
beiden eisten noch exakter zumessen, wurde ein auden s 
Aluminiumprisma mit einem brechenden Winkel von 00° 
verwendet; man erhielt für den ersten Exponenten den- 
selben Wert 1,04 und für den anderen 1,15 statt 1,19. 
Diese numerischen Ergebnisse wurden durch Messungen 
der Bildabstände, welche durch eine plankonvexe Alumi- 



niumlinse von dem Faden der Nernstlampe erhalten und 
mit phosphoreszierendem Spalt aufgesucht wurden, voll- 
kommen bestätigt. 

Zur Messung der Wellenlänge wurden die durch das 
Aluminiumprisma in ihre homogenen Bestandteile zerleg- 
ten Strahlen verwendet. Aus einem homogenen Strahlen- 
bündel wurde durch einen zweiten feuchten Kartonsehirm 
mit 1,5 mm breitem Spalt ein sehr schmales Bündel aus- 
geblendet, vor welchen man ein Gitter stellte. An einem 
Goniometer meßbar beweglich, war ein Aluminiuniblatt 
mit einem Spalt von '/ ls mm Breite befestigt, der mit 
phosphoreszierendem Calciumsultid ausgefüllt war und 
bei der Drehung des genau eingestellten Goniometers das 
austretende Sttahlenbündel zu untersuchen gestattete. 
Man überzeugte sich nun ohne Gitter von der Gleich- 
mäßigkeit der Strahlung, mit dem Gitter von der An- 
wesenheit eines Systems von Beugungsstreifen, ganz so 
wie bei den Lichtstrahlen; nur waren diese Fransen viel 
enger uud ziemlich äquidistant; dies wies bereits darauf 
hin, daß die «Strahlen viel kürzere Wellenlänge haben 
als die Lichtstrahlen. 

Da der Wiukelabstand der Fransen, bzw. die Drehung 
der Goniometer-Alidade, welche dem Wege des phos- 
phoreszierenden Spaltes von einem hellen Streifen zum 
folgenden entspricht, sehr klein war, wurde er durch 
Reflexion mittels Fernrohr und Skala bestimmt. Ferner 
hat man nicht den Abstand zweier benachbarter Fransen 
gemessen , sondern den zweier symmetrischer Streifen 
höherer Ordnung, z. B. den Abstand des 10. Streifens rechts 
von dem 10. Streifen links. Aus diesen Winkelmessungen 
und der Anzahl der Striche des Gitters pro Millimeter 
wurden in bekannter Weise die Wellenlängen ermittelt. 
Jele Wellenlänge wurde durch drei Reihen von Messun- 
gen mittels dreier Gitter, die bzw. 200, 100 und 50 Linien 
auf 1 mm enthielten, bestimmt. Die Ergehnisse sind in 
einer kleinen Tabelle zusammengestellt, aus der hier die 
Mittelwerte für die Wellenlänge i. für die Strahlen von 
dem Brechungsindex « entnommen sind: 

n = 1,04 1,19 1,85 

X = 0,09815 fi 0,0099 u 0,0176 /* 

Zur Kontrolle dieser Ergehnisse hat Herr Blondlot 
noch Messungen der Wellenlängen der «-Strahlen nach 
der Methode der Newtnnschen Hinge, ähnlich wie beim 
Licht, ausgeführt und erhielt für die Strahlen vom Index 
1,04 die Wellenlänge 0,0085 (i und für Strahlen von dem 
Index 1,85 die Wellenlänge 0,017//. Obwohl die Methode 
der Ringe nicht gleichwertig ist der Gittermethode, hält 
Herr Blondlot die gute Übereinstimmung für eine wert- 
volle Bestätigung. Er hat auch in seiner Tabel'e alle 
aus der Berechnung der Beobachtungen sich ergebenden 
Dezimalstellen angeführt, obwohl er den Grad der An- 
näherung nicht sicher angeben kann; er vermutet, daß 
die Beobacbtuugsfehler 4 °/ nicht erreichen. 

Die Wellenlängen der «-Strahlen smd hiernach viel 
kleiner als die des Lichtes; ganz im Gegensatz zu dem, 
was er früher geglaubt und Saguac aus den ersten Ver- 
suchen abgeleitet hatte (Udsch. 1903, XVI II, 452). Die 
kürzesten bisher bekannten, von Schumann gemessenen 
Strahlen werden von der Luft stark absorbiert (Rdsch. 
1893, VIII, 16, 637). die «-Strahlen hingegen nicht; dies 
setzt das Vorhandensein von Absorptionsbanden zwischen 
dem ultravioletten Spektrum und den «-Strahlen voraus. 
Die W ellenlange der «-Strahlen wachst mit ihrem Index, 
im Gegensatz zu dem Verbalten der leuchtenden Strahlen. 



Aristlde Fiorentino : Mikrophonische Eigen- 
schaften der Gasstrahlen. (11 nuovo Cimento 
190:i, ser. 5, tomo V, p. 3*1— 4(Jl.) 
Die Empfindlichkeit der Gasstrahlen für Töne, die 
bei einigen größer ist als bei anderen, ist von den ver- 
schiedenen Forschern in verschiedener Weise erklärt 
worden; und diese Erklärungen stützen sich ausschließ- 
lich auf optische Versuche, die teils in direkten, teils in 



Nr. 9. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 113 



stroboskopischen Beobachtungen der Gasstrahlen bestan- 
den. Lord Ray 1 ei gh hatte experimentell nachgewiesen, 
daß ein dünner Strahl ein r Flüssigkeit (Flüssigkeit oder 
Gas) in einem gleich beschaffenen .Medium unter dem 
Einflüsse einer schwingenden Bewegung, die sich in dem 
Medium fortpflanzt, eine unisone, schlangelnde Bewegung 
annimmt, infolge deren der Strahl stets verkürzt, wird, 
indem er schon in geringerer Entfernung von der Öffnung 
aufgelöst wird. Diese Verkürzung ist tür Töne verschie- 
dener llölie eine verschiedene. Herr Fiorentino hat 
nun zur Ergänzung der bisherigen rein optischen eine 
akustische Untersuchung der Erscheinung unternommen, 
indem er die Töne oder richtiger Geräusche, die ziem- 
lich stark, aber den erregen len Tönen in keiner Weise 
ähnlich, vou den empfindlichen Gasstrahlen ausgesandt 
werden, beobachtete. 

Zu diesem Zwecke fühlte er in den senkrechten Gas- 
stahl eine kleine, unten zugespitzte Röhre, die dem Gas- 
strahl eine kleiue Öffnung darbot. Der Anstoß des Strahles 
gegen die Öffnung erzeugte in dem Röhrehen eine Druck- 
zunahme, die um so größer war, je näher die Öffnung 
der Achse des Strahles sich befand, dies konnte au einem 
kleinen Manometer leicht nachgewiesen werden. Wurde 
nun der Strahl durch einen Ton in die von Rayleigh 
beobachteten Schwingungen versetzt, so mußte auch der 
Druck in dem Röhrcbeu Schwankungen von gleicher Pe- 
riode wie die Schwingungen des Strahles annehmen. Ver- 
band man sodann das Röhrchen mit dem für periodische 
Druckschwankungen so sehr empfindlichen Ohr, so war 
zu erwarten, daß man den erregenden Ton mit merk- 
lieber Verstärkung wahrnehmen werde. Die Verbindung 
mit dem Ohre wurde mittels eines Gummischlauches 
hergestellt, der sich in zwei Zweige, für jedes Ohr einen, 
gabelte. Gleichzeitig mit diesen akustischen Beobachtun- 
gen wurde der Gasstrahl durch ein konvergierendes Bündel 
Sonnenlicht sichtbar gemacht, und mau sah auf einem 
Schirme den unteren, zylindrischen, durchsichtigen Teil, 
der sich weiter oben in einen weniger scharfen Kegel 
erweiterte. 

Tauchte man die Spitze des empfangenden Röhrchens 
in deu zylindrischen Teil des Strahles, so hörte man 
weder Ton noch Geräusch, während, wenn die Spitze in 
den verbreiterten, konischen Teil oder etwas darüber ge- 
bracht wurde, man ein ziemlich starkes Geräusch borte, 
das ziemlich ähnlich war dem der empfindlichen Klam- 
men hei Eiuwiikuug von Tönen oder sehr Btarkem Druck. 
Ließ man sodann auf den Strahl den Ton einer Stimm- 
gabel einwirken, so wurde nur der durchsichtige Teil 
kürzer, und zwar um so mehr, je stärker und höher der 
Ton war. Das Geräusch beim Eintauchen der Spitze in 
den verbreiterten Teil war dasselbe, wie wenu der Strahl 
nicht durch den Ton gestört wurde. Brachte man die 
Spitze des Glasröhrchens in den zylindrischen Teil des 
Strahles erst in der Nähe der Ausströmungsöffuung und 
dann immer höher über derselben, so war die Verstärkung 
des Tones erst schwach oder Null, dann nahm sie merk- 
lich zu, wurde sehr stark und behielt ihre große Schärfe 
bis zur Spitze des zylindrischen StraMes; auch weiter oben 
hörte man deu Ton ziemlich deutlich, aber bald mehr, 
bald weniger verändert, überlagert von einem Geräusch, 
solange man au der Grenze zwischen dem zylindrischen 
und konischen Teile blieh, noch weiter oben blieb nur 
das Geräusch hörbar. 

Die Stelle des Gasstrahles, an welcher die größte Ver- 
stärkung des Tones beobachtet wurde, war wie die Ver- 
kürzung des zylindrischen Strahles verschieden für 
verschiedene Tone; die höheren Töne ergaben bei 
gleichen Abständen von der Müudung größere Ver- 
stärkung. Die größte Empfindlichkeit des Gasstrahles 
wurde an der Ausströmungsöffuuug gefunden. Durch 
Verbinden des Glasröhrchens mit einem Schalltrichter 
statt mit dem gegabelten Schlauch konnten die Ver- 
stärkungen des Tones gleichzeitig mehreren Personen 
wahrnehmbar gemacht werden. 



Herr Fiorentino stellte noch mehrere Versuche 
an zum Vergleiche der hier beschriebenen mikrophoni- 
schen Gasstrahlen mit den empfindlichen Flammen von 
Govi, welche entstehen, wenn in passender Entfernung 
von einer engen Brenneröffnun'_r ein Metallnetz über 
dieser gehalten und das Gas oberhalb entzündet wird. 
Aus den Schlußfolgerungen, welche aus den Versuchen 
abgeleitet werden, sei die letzte hervorgehoben, nach 
welcher die mikrophonischen Erscheinungen eine volle 
Bestätigung der \ on Rayleigh gegebenen Erklärung 
bieten; denn die Ursache der Empfindlichkeit der Gas- 
strahlen muß in den transversalen Schwingungsbewegun- 
gen gesucht werden, welche unter bestimmten Bedin- 
gungen äußere Töne den Teilen der Strahlen mitteilen. 



E 



Büchner und J. Meisenhelmer : Über die Enzyme 
von .Monilia Candida und einer Milchzucker- 
hete. (Zeitschrift für physiol. Chemie 1903, Bd. XL, 

S. 167—175.) 

Die Zymase der Bierhefe von E. Buchner und die 
Invertase aus der Monilia Candida von E. Fischer und 
P. Lindner zeigen manche ähnliche Eigenschalten; 
beide sind weder aus der frischen noch aus der getrock- 
neten Hefe auszuziehen ; erst nachdem die frischen Zellen 
mit Glaspulver zerrieben worden sind, gelingt ihr Nach- 
weis. Diese Analogie veraulaßte die Verff. , die Hefeart 
Monilia mit Hilfe der neuen Methoden zu studieren. 
Zunächst wurde durch Zerreiben mit Quarzsand und 
Kieselgur und darauf folgenden Auspressen in der 
hydraulischen Presse ohne Wasserzusatz der Preßsaft 
der Monilia Candida hergestellt; dieser wirkte kräftig 
invertierend; dagegen zeigte er keine oder nur ganz 
schwache Gärwirkung. Durch diesen Befund wurde die 
Angabe von E. Fischer und P. Lindner, daß die In- 
version des Rohrzuckers und die Gärwirkung getrennte 
Prozesse sind, aufs neue bestätigt. Gegen die Ansicht 
dieser Forscher, daß die Mouiba-Invertase kein bestän- 
diges, in Wasser losliches Enzym, sondern eiu Bestand- 
teil des lebenden Protoplasmas ist, spricht der Umstand, 
daß der Preßsaft wie auch die mit Aceton getötete 
Monilia invertierend wirken. Mouilia-Invertase geht nicht 
durch Pergamentpapier hindurch, in Übereinstimmung 
mit dem Befund, daß das Enzym weder aus den frischen 
noch aus den getrockneteu Zellen extrahiert werden 
kann. Da die mit Aceton abgetötete und auch die 
getrocknete Monilia invertieren, muß der Zucker durch 
die Zellmembran einzudringen vermögen. 

Gegen verschiedene Einflüsse, wie kurze Einwirkung 
von Aceton, Äther, eintägiges Erwärmen auf 30° unter 
Einhaltung der natürlichen Konzentratiousbediugungen, 
ist die Mouilia Iuvertase ziemlich unempfindlich, wogegen 
die Zymase aus Unterliefe bei eintägig' m Digerieren an 
Wirksamkeit bedeutend nachläßt infolge der gleich- 
zeitigen Anwesenheit der Hefeneudotrypase im Preß-iaft. 

Außerdem hatten Verff. eine Milchzuckerhefe aus 
armenischem Mazun untersucht, mit deren Preßsaft sie 
Milchzucker unter Kohleudioxydeutwickeluug vergären 
konnten. Es ließ sich aus dieser Hele mittels Aceton 
ein Hauerpräparat darstellen, welches aus Trauben- und 
Milchzucker — wenn auch schwache — Kohlensäure- 
hildung bewirkte. Rohrzucker wurde durch das Aceton- 
dauerpräpaiat nicht vergoren. In dieser Milchzucker- 
hefe scheinen also nur Spuren einer Invertase vorhanden 
zu sein, während die Wirkung auf Milchzucker für die 
Anwesenheit einer hydrolysiereudeu Lakkase spricht. 

Sowohl die Monilia-Invertase wie die Milchzucker- 
Hefe und die Zymase sind sogenanute Endoeuzyme, sie 
sind nur im Innern der Zelle zu wirken bestimmt. P. R. 



W. Wulff: Über einige geologische Beobachtungen 
auf Helgoland. (Monatsberichte der deutschen geologi- 
schen Gesellschaft Berlin 1903, Nr. 7, S. 2— 4.) 
Gerade in letzter Zeit wird iu der Geologie lebhaft 

die Frage erörtert über jüngere spät- oder postdiluviale 



114 XIX. Jalirg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 9. 



tektonische Vorgänge. Besonders die Küsten unseres 
Landes gestatten leicht derartige Beobachtungen. So ha- 
ben z. B. Jentzsch, Geinit z u. A. derartige junge Boden- 
wegungeD für die Ostsee nachgewiesen, und auch die Ufer 
der Nordsee bieten dafür mancherlei Beweise. In Helgo- 
land deuten zwei Erscheinungen auf gleiche Gründe hin. 
Bekanntlich besteht diese Insel aus zwei Teilen, der 
hohen, steilküstigen Felsinsel und der niedrigen Püne; 
beide haben einen gemeinsamen, großen unterseeischen 
Sockel, der vorwiegend aus den Schichten des Zech-tein- 
lettens, unteren Buntsandsteins, Muschelkalkes und der 
Kreide vom Neocom bis zum Senon besteht. Es ist dieses 
der letzte Rest einer der Abrasion erliegenden Landma*se. 
Nach genauen Beobachtungen beträgt dieser Landschwund 
im Jahrhundert etwa 3 bis 5m. Darauf gestützt, berechnet 
sich die Zeit, welche die Abrasion zur Herausbildung des 
Sockels der Hauptinsel gebraucht hat, auf etwa 10- bis 15000 
Jahre. Schützende Klippen fehlten der Insel im We-ten. 
An dem Außeurand der Abrasionsfläche, der mit einer 
Verwerfung zusammenfällt, senkt sich der Meeresboden 
plötzlich zu l"ibis2<>m Tiefe, erhebt sich schnell noch einmal 
im „butters Roig" zu 5 bis 8 m und sinkt jenseits derselben 
schnell bis unter die 20 m -Tiefenlinie. Entweder also, denn 
sonst hätte die Abiasion ja viel früher einsetzen müssen, 
existierte früher die Nordsee üherhaupt Dicht, oder aber 
Bodenbewegungen brachten erst zu jener Zeit Helgoland 
in eine so tiefe Lage, daß die bereits benachbarte Nord- 
see den Angriff eröffnen konnte. Im ersten Falle mußte 
erst damals die Nordsee das Inlandeis verdrängt haben, 
dagegen und zugunsten der zweiten Annahme sprechen 
aber Renntier- und Mammutfunde auf der Doygerbank, 
die auf eine kurze Festlandsperiode hinweisen, die zwis. hen 
der Enteisung des Bodens und seiner Einnahme durch 
das Meer liegt. Ein weiterer darauf hindeutender Um- 
stand ist der, daß m unter der See am Grunde des Nord- 
hafens und bei den Klippen nördlich der Düne eine quar- 
täre, nach Tier- und Pflauzenresteu postglaziale Süßwasser- 
ablagerung vorkommt. A. Klautzsch. 



C. Chun: Über die sogenannten Leuchtorgane 

australischer Prachtfinken. (Zool. Anz. iy03, 

Bd. XXVII, S. 61—64.) 
Vor einigen Jahren veröffentlichte Lewek eine Mit- 
teilung über Leuchtorgane am Schnabel einer australi- 
schen Prachtfiukenart, der Gould - Amandii e (Poephila 
gouldiae). Jederseits am Schnabelrande der nestjuugeu 
Vögel dieser Art fiudet sich e ne blaue, seidenglänzende 
Papille, welche im Dunkeln leuchtet. Es blieb dabei 
einstweilen dahingestellt, ob es sich um wirkliche Phos- 
phoreszenz oder um bloße Liehtreflexiou handle. Die 
naheliegende Deutung war die, daß diese Organe den 
fütternden Eltern das Aulfinden der Schnäbel ihrer 
Jungen in der dunkeln Bruthohle erleichtere. Herr 
Chun, der gelegentlich der Hamburger Naturforscher- 
Versammlung bereits eine kurze Mitteilung über diese 
Verhältnisse machte (vgl. Rdsch. 1901, XVI, 618). kam 
auf Grund der anatomisch - histologischen Untersuchung 
der In treffenden Organe zu dem Ergebnis, daß eine echte 
Phosphoreszenz schwerlich voi liegeu dürfte, da sich in 
denselben keinerlei zellige Gebilde fanden, welchen man 
eine Liehterzeugung hätte zuschreiben können. Die halb- 
kugelig sich hervorwnlbeuden, an der Basis von schwar- 
zem Pigment umgebt neu Papi leu sind von einem Biude- 
gewebspolster erfüllt, dessen eine, der Epidermis anliegende 
Schiehtaus konzentrisch geschichteten liiudegewebsbalken 
besteht und sich , vom Hände her an Dicke zunehmend, 
wie eioe Linse hinter die hier stark verdünnte Epidermis 
einschiebt, während die andere ein Polster wirr sich 
kreuzender Bindegewebsfibnllen darstellt, in welchen hier 
und da Blutkapillaren und Nerven wahrnehmbar Bind. 
Zwischen diesen beiden Bindegewebs! .gen fallen große, 
sternförmig verästelte Pigrneutzellen auf, welche sich 
gegen die Mitte der Papille sehr zusammendrängen, so 
daß sie als Tapetum gelten können. Das Pigment der- 



selben ist gelblichbraun. Dieser ganze Bau spricht mehr 
für ein lichtreflektierendes, als für ein lichterzeugendes, 
Organ. 

Mit diesem Ergebnis stimmt nun die Beobachtung 
eines Herrn Chun kürzlich zugegangenen lehenden Nest- 
jungen durchaus überein. In der Dunkelkammer hei 
schwachem Lichtzutritt beobachtet, „erglühten" die 
Papillen, etwa wie die Augeu der Sphingiden oder der 
Tiefseekrnster; hei völligem Ausschluß des Lichtes hörte 
dies auf. um sofort beim Einfallen einer geringen Licht- 
menge wieder zu beginnen. Nach dem Chloroformieren 
hörte das Leuchten auf. Auch am toten Tier ist die 
Lichtreflexion noch wahrzunehmen, doch tritt sie nach 
dem Konsei vieren sehr wenig hervor. 

Handelt es sich hier nach diesen Befunden auch nur 
um reflektiertes Licht, so bleibt dadurch, wie leicht er- 
sichtlich, die biologische Deutung dieser Verhältnisse un- 
berührt, da in den Brut höhlen der Vögel natürlich keine 
gauz absolute Finsternis herrscht. R. v. H an st ein. 



Eugen Andreae: Inwiefern werden Insekten 
durch Farbe und Duft der Blumen angezo- 
gen? (Beihefte zum Butanischen Centralblatt 1903, 
Bd. XV, S. 427—470.) 

Die hier ve' öffentlichten Versuche sind durch die 
wiederholt in unserer Zeitschrift erörterten Plateau- 
schen Arbeiten veranlaßt worden (vgl. Rdsch. XI, 258; 
XII, 130. 407; XV, '650). Bekanntlich hat der Geuter Ge- 
lehrte hus seinen lange fortgeführten Beobachtungen den 
Schluß gezogen, daß Farbe und Form der Blüten von 
geringem oder keinem Einfluß auf die blumenbesuchen- 
den Insekten sind, daß diese vielmehr in erster Linie 
durch den Geruchssinn zu den Blüten geleitet würden. 
Plateau hat aber mit dieser Annahme wenig Erfolg 
gehabt; seine Versuche sind von verschiedenen Seiten 
einer scharfen Kritik unterzogen worden, und auch der 
Referent sah sich, wie ein Blick in die oben bezeichneten 
Besprechungen lehrt, ve> anlaßt, gegen die neue Lehre 
Stellung zu nehmen. Doch glaubte Ref. den Untersuchun- 
gen Plateaus das Verdienst zusprechen zu müssen, daß 
sie den ühei wiegenden Einfluß des Duftes auf die Au- 
lockung der Insekten festgestellt hätten. Nach den Ver- 
suchen des Heim Andreae muß auch dieser Schluß 
eine wese tliche Einschränkung erlei len. 

Die Arbeit zerfällt in einen „logischen Teil", in dem 
die Methode und die wichtigsten Schriften Plateaus 
kritisiert werden, und in einen experimentellen Teil, in 
dem Verf. über seine eigenen Beobachtungen Bericht er- 
stattet. Sie wurden im Sommer 1902 in Jena, am Corner 
See und in Korsika ausgeführt, vorzugsweise in Gärten. 
Die beobachteten Insekten waren vorzugsweise Hymen- 
opteren, Dipteren und Lepidoptereu. Die Versuche wur- 
den in der mannigfachsten Weise variiert. Zur Aus- 
schließung der Duftwirkuug brachte Verf. sehr häufig 
die Blumen unter umgestürzte Bechergläser, wobei durch 
leere Bechergläser die nötige Kontrolle für eine etwaige 
Einwirkung der glänzenden Glasoberfläcbe hergestellt 
wurde. Auch künstliche Blumen fanden Verwendung, 
um festzustellen, ob sie die Insekten anzulocken ver- 
mögen Um nur den Duft, wirken zu lassen, wurden 
z. B. mit Blumen gefüllte Gläser oder Gläser, in denen 
sich Honig befind, oder solche, die mit irgend eiuem 
Duftstoff parfümiert waren, mit erdfarbigem l'apier um- 
hüllt. Wenn sich auch gegen dieses Verfahren einige 
Bedenkeu gelteud machen lassen, obgleich ferner einzelne 
Versuche nicht mit der wünschenswerten Klarheit be- 
schrieben sind, bleibt doch genug übrig, um den Schluß 
des Verfassers, daß die Insekten die Farben wahrnehmen 
und daß insbesondere die höher stehenden Bienen iu 
erster Linie durch den Gesichtssinn zu den Blüten ge- 
lockt werden, als begründet erscheinen zu lassen. 

Herr Andreae stimmt auf Grund seiner Versuche 
Forel bei, der der Honigbiene nur ein schlechtes Ueruchs- 
verniögen zuerkannt hat. Auch Lemmerrnann und 



Nr. 9. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 115 



Focke haben gefunden, daß die Hymenopteren nur aus- 
nahmsweise durch deu Geruch geleitet werdeu. Dies trifft 
nach Verf. für Apis und ihre hoher stehenden Verwandten 
(Osmia, Bombus usw.) zu, nicht aber für die niedereu 
Hymenopteren (Prosopis, Anthrena). Recht charakteri- 
stisch hierfür war das Verhalten verschiedener Insekten 
gegenüber einem hohlen Würfel, dessen Seiten mit ver- 
schiedenfarbigen Stollen beklebt und zum Teil mit Öffnun- 
gen versehen waren. In diesen Würfel, der auf einer 
Stange stand, waren Lindenblüten gelegt worden. Der 
Zweck der Einrichtung war, die Wirkung des Dultes und 
der Farbe zu gleicher Zeit zu erforschen. Etwa 10 bis 20 
Honigbienen flogen an die Karben, vorzugsweise an die 
beleuchtete Seite. Zwei Hummeln flogen au Blau. Drei 
Eristaiis (I* liegen) flogen erst au die Karben, dann durch 
die Ötluuug hinein. Von Prosopis beobachtete Verf. etwa 
20 Exemplare, die sämtlich nicht an die färben, sondern 
hineinflogen. Bei einer Wiederholung des Versuchs be- 
fand sich P.uchweizeu in dem Würfel. Apis nielhtica flog 
wieder an die Karben, Prosopis hinein. Eiu drittes Mal 
befand sich nichts in dem Kasten; Prosopis blieb weg, 
und Apis flog au die Karben. Apis wird abo in erster 
Linie durcli die Farbe, Piosopis in erster Linie durch 
deu Dutt angezogen. Den höheren Apideu ist ein direk- 
ter, schnell' r Flug nach farbenprächtigen Gegenständen 
eigentümlich , der Flug der niedereu Lieueu ändert da- 
gegen häufig seine Richtung, indem er sich immer der- 
jenigen Snte zuwendet, von der der Dult herströmt. 
Aber auch diese Tiere nehmen die Karben wahr, obschon 
nur in der nächsten Nahe. 

Ebensolche Verschiedenheiten zeigen die Dipteren. 
Eine Eristaiis verhalt sich anders deu Farben gegen- 
über als eine Mücke, und Bombibus und Volucella, 
zwei hoch entwickelte fliegen, reagieren sehr wenig auf 
Düfte. Die Ausgabe Korels, daß die fliegen ihren Weg 
iu der Luft keineswegs mit dem Geruch, sondern mit 
dem Auge finden, hat für die hocheniwickelten Dipteren 
jedenfalls seine Richtigkeit. Auch Tagschnietterliuge 
(Argynuis Aglaja, Vauessa Urticae, Piens Brassicae) wur- 
den nach des Verf. Versuchen vorzugsweise durch die 
Farben angelockt, während Dämmerungsfalter (Spbiux 
Couvolvuli) dem Dufte nachgehen. Verl. unterscheidet 
dann in jeder lnsektenordn'-ng biologisch niedere und 
höhere Insekten. Jene zeichnen sich durch kurzen Klug, 
kurze Lebensdauer im Eudstadium, hohes Geruchs- 
vermögen und geringes Sehvermögen, diese hingegen 
durch einen laugen, direkten Klug, eine relativ lauge 
Lebensdauer uud einen scharten Gesichtssinn aus. Doch 
soll diese Unterscheidung keine absolute sein; auch muß 
hervorgehoben werden, oaß eine biologisch hochstehende 
Art nicht auch im System eine hohe Stellung einzu- 
nehmen braucht. 

Über die Karben aus w ah 1 der Insekten haben die 
vorliegenden Versuche keine Tatsache von Bedeutung 
ergeben. F. M. 

Anton J. M. Garjeanne: Über die Mykorrhiza der 

Lebermoose. (Utihet'ie zum Botanischen Centralblatt 

1903, Bd. XV, S. 471—482.) 
Da recht viele Moose llumusbewohner sind, so ist 
ein Vorkommen von Mykorrbüapilzeu bei ihnen von 
vornherein sehr wahrscheinlich. Für die Laubmoose hat 
Amanu das häufige Auftreten von Pilzhypheu zwischen 
den Rhizoiden beschrieben und diese Uyphen, die sich 
auch wohl den Rhizoidenwänden anschmiegen, als „epi 
trophische" Mykorrhiza gedeutet. Doch ist die Deutung 
dieser Bildungen als Mykorrhizen unsicher, da innigere 
und konstante Beziehungen zwischeu den Uyphen und 
den Rhizoiden nicht nachzuweisen sind. Bei deu Leber- 
moosen bat Kuy schon 1879, also lange vor der Auf- 
stellung des Mykorrbizabegrifi's durch Frank (18-5) 
eigenlümliche Durchwachsuugen an den Wurzelhaareu 
von Marchantia und Luuulana beobachtet , wahrend 
Janse in seiner Arbeit über die Mykorrhizen javani- 



scher Pflanzen (vgl. Rdsch. 1897, XII, 150) eine Myko- 
rrhiza bei Zoopsis beschreibt. Nemec (vgl. Rdsch. 1900, 
XV, 101) berichtet, daß er bei allen von ihm untersuch- 
ten Jungermanuiaceen, mit Ausnahme von Ju germannia 
bidentata, eine Mykorrhiza gefunden habe; eine ausführ- 
liche Beschreibung derselben gibt er von Calypogeia 
tricbomanes. Nach seinen Kulturversuchen scheint 
Moilisia Juugermanuiae, eine kleine Pecicee, der Myko- 
ri hizapilz zu sein. 

Herr Garjeanne hat den Gegenstand von neuem 
behandelt, wozu die von ihm in Hilversum kultivieiten 
niederläudis heu Lebermoose ihm ein reichliches Material 
(etwa 30 Arten; lielerten. Er beschreibt zuerst das Auf- 
treten und die Eutwickelung der Hyphenknäuel in deu 
Rhizoiden von Ca'ypogeia und zeigt, daß die Hyphen 
auch die ganze Außen ohieht des Stämmchens durch- 
ziehen und die Infektion des Rhizoids zuweilen vom 
Stamme ausgeht, was auch bei Jungermannia couuivens 
zu beobachten ist. Leztere Art sowie Jungermannia 
divaricata erwiesen sich für die Untersuchung der Rhi- 
zoidhyohen besonders günstig. In das noch iutakte Rhi- 
zoul dringen Zweige von auß n an seiuer Wandung ver- 
laufenden Hyphen durch diese eiu und verursachen eine 
Desorganisation des Zellinhalts des Rhizoids. Das Proto- 
plasma wird immer körniger uud zerfällt in rundliche 
Ballen, die häufig in Molekularlv-wegung begriffen sind. 
Der Kern verändert seine Gestalt uud versch windet 
später. Die Hyphen erfüllen nach und nach das ganze 
Lumen des Rhizoids, dringen dauu durch die Membran 
der Naehbarzelleu uud entwickeln sich iu ihnen weiter, 
wobei der Zelliuhalt krankhafte Veränderungen erfahrt. 
Bei Juugermaunia divaricata kouute Verf. dreimal be- 
obachten, daß eine Hyphe aus einer keimenden Spore in 
das Rhizoid eindraug. 

Bei Juugermauuia veutricnsa machte Verf. die in- 
teressante Wahrnehmung, daß die Hyphen, die zwar 
außerhalb der Blätter und lihizoiden wuchsen, aber doch 
mit den dariu wachsenden in Zusammenhang standen, 
mit Algenkolouien, die sich auf den Blättern an- 
gesiedelt halten, zusammentraten und sie umspannen. 

„Iu diesem Falle haben wir es mit einer „Halbflechte" 
zu tun, wie z. B. die von Z u k a 1 beschriebene Pary- 
phydria Heimerlii. Die Uyphen dieses Diskomyceten 
dringen in die Rhizoiden von Jungermannia quinque- 
<!eutata ein und befallen später die ä .Bereu Zellen des 
Stämmcheus, von da aus kommen sie in die Blätter und 
durchbrechen häufig die Zellwände an St' Uen, wo sich 
Algenkolouien augesiedelt haben. Die Hyphen umspinnen 
die Algen und bilden so kleine Thallusschüppcheu, 
worauf sich die eigeutümlicheu Frucbtkorper anlegen." 
Bei Jungermannia veutricosa konule Verf. die Anlage der 
Kruchtkörper allerdiugs nicht beobachten. 

Noch bei mehreren anderen Jungerm mniaceen fand 
Verf. eine kräftige Eutwickebiug der Rhizoidpilze. Bei 
Alicularia scalaris durchzieheu die Hyphen das ganze 
Siämmchen und die Blätter. Hier ließen sich unter anderem 
sehr auffallende Desorganisationserscheinungen der 01- 
körper (vgl. Rdsch. 1903, XVIII, 056) beobachten. Die Ali- 
cularien mit starker Ilypheuentwickeluug waren auf Wald- 
boden gewachsen; solche, die auf moorigem Sandboden 
gesammelt waren, zeigten zwar in ihren Rhizoiden und 
in einzelnen Zellen des stämmcheus Uyphen, doch waren 
die Zellen des Blaites immer gauz frei uud die Olkörper 
normal. Dies zeigt wieder, wie groß der Einfluß der 
äußeren Umstäude i9t. 

Eine Anzahl von Jungermanniaceenarten, wie Sca- 
pania, Jungermannia albicans und iuflala usw , sind sehr 
wenig pil/.reich; Lophocoleaarten von Waldboden wurden 
gewöhnlich gauz pilzfrei gefunden. Bei Lepidocia sind 
gewisse Rhizoiden verpilzt, andere pilzfrei. Die Rhizoiden 
bauinbewohnender Lebermoose (z. B. Metzgeria) führen 
biBweilen Hjphenkuäuel. 

Von deu Marchantieen untersuchte Verf. nur Mar- 
chantia polymorphe, für die das Vorkommen von Pilzen 



llfi XIX. Jahr?. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 9. 



in den Rhizoiden, wie eingangs erwähnt, längst bekannt 
ist. Verf. fand die Erscheinung sehr inkonstant. Die 
in Hihersum überall zwischen Steinen wachsenden 
Pflanzen dieser Art waren fast allgemein frei von Pilzen, 
ebenso die auf lehmigen Ackern wachsenden Marchantieen. 

Im ganzen erhielt Verf. den Eindruck, daß die Rhi- 
zoidpilze der Lebermoose mehr als Parasiten auftreten; 
denn ihr Eindringen rief immer mehr oder weniger weit- 
gehende Desorganisation hervor. Ob sie ihren Wirten 
irgend einen Nutzen gewähren, erscheint fraglich, Verf. 
hat stattliche, gänzlich pilzfreie Exemplare von Lopho- 
colea bidentata beobachtet, dagegen waren die mit Rhi- 
zoidpilzen verseheneu Pflanzchen dieser Art schwächlicher 
und kleiner. Wenn von Herrn Garjeanue außerdem 
angeführt wird, daß die von ihm auf geglühtem Saude 
mit Knopscher Nährlösung kultivierten Exemplare von 
Jungermaunia crenulata gänzlich pilzfrei und dabei min- 
destens ebenso schön entwickelt seien wie ein infizierter 
Rasen dieser Art, der auf mooriger Heide gesammelt 
wurde, so beweist das nichts gegen den Nutzen des Pilzes 
für die Pflanze. 

Die Rbizoidpilze scheinen immer aus der Erde in die 
Lebermoose einzudringen. Da der humose Waldboden 
außerordentlich reich an Pilzarten ist, so kann es nicht 
in Verwunderung setzen, daß Hypben verschiedener Bau- 
art in den Rhi/.oiden angetroffen sind. Eine Remzüeh- 
tung der Pilze ist vom Verf. nicht durchgeführt worden. 

Verf. glaubt aus seinen Beobachtungen schließen zu 
können, daß das Wort Mykorrhiza, wemi wif damit einen 
biologischen Begriff, den der mutualtstischen (oder jeden- 
falls nicht antagonistischen) Symbiose verbinden, für die 
Lebermoose nicht gut verwendbar sei. Denn die „Leber- 
moos-Mykorrhiza" sei nicht etwas so Konstantes und Ein- 
förmiges wie die Mykorrhiza vieler höherer Pflanzen, 
und die ganze Erscheinung habe eiuen mehr parasitären 
Charakter. F. M. 



Literarisches. 

V. Bjerknes: Vorlesungen über hydrodynamische 

Eerukräfte nach C. A. Bjerknes' Theorie. 

Band II. Mit CO Figuren im Text und auf 2 Tafeln. 

XVI u. 316 S. gr. 8°. (Leipzig 1902, Joh. Ambr. Barth.) 
Verschiedene Ursachen, deren Erörterung hier nicht 
am Platze ist, haben den Ref. gehindert, die Besprechung 
des vorliegenden Bandes so rasch zu liefern, wie es wün- 
schenswert gewesen wäre. Inzwischen ist derverdienstvolle 
Schöpfer dieser Theorien, der Professor G. A. Bjerknes 
zu Christian ia, am 20. März 1903 (nicht im Mai, wie in 
den Beibl. der Phys. 27, 1130 steht) im Alter von 77% 
Jahren durch den Tod abgerufen worden. Bei der Hun- 
dertjahrfeier der Geburt Abels zu Christiauia im Sep- 
tember 1902 war der alle Herr noch vollständig rusiig; 
ich hatte die Freude, nach einem Zwischeni aum von 
neun Jahren wieder mit ihm verhandelu zu können und 
zu hören, daß er von meiner Anzeige des ersten Bandes 
(Rdsch. 190H, XV, 619—620) in jeder Hinsicht befriedigt 
war. Um so mehr bedaure ich es, daß ich ihm nicht 
mehr die Anzeige des zweiten Bandes als Zeichen der 
Hochachtung für die in demselben niedergelegten Arbei- 
ten überreichen kann. 

Seinem Sohne, Herrn V. Bjerknes, gebührt das 
Verdienst der Abfassung des ganzen Werkes. Als früh- 
zeitiger Mitarbeiter des Vaters war er sowohl in die 
theoretischen als auch in die experimentellen Unter- 
suchungen desselben eingeweiht und hat sie besonders 
nach der Richtung selbständig fortgesetzt, daß er sie 
mit den aus den Maxwellschen Ideen sieh entwickeln- 
den neuen Anschauungen in Verbindung gebracht hat. 

Obgleich der vorliegende zweite Band die unmittel- 
bare Fortsetzung des ersten bildet, kann er unabhängig 
für sich gelesen werden, weil die Versuche zur Bestäti- 
gung der im ersten Baude analytisch abgeleiteten Resul- 
tate au sich einen neuen Eingang zu dem Studium des 



gesamten Erscheinuugskomplexes geben und außerdem 
eine vorausgeschickte elementare Einleitung die Ver- 
suche verständlich macht, ohne daß auf die umständ- 
licheren mathematischen Entwickelungen zurückgegriffen 
zu werden braucht. 

Der erste Teil beschäftigt sich mit der Ableitung 
der hydrodynamischen Ferukräfte, indem der erste Ab- 
schnitt die qualitativen Gesetze der hydrodynamischen 
Fernkräfte nachweist, der zweite die quantitative Formu- 
lierung der Resultate bringt. Der zweite Teil beschreibt in 
zwölf Abschnitten die Versuche über hydrodynamische 
Fernkiäfte. Seit 1880 hatte C. A. Bjerknes ein kleines 
eigenes Laboratorium mit Unterstützung des norwegi- 
schen Staates eingeiichtet ; in demselben übernahm Herr 
V. bjerknes die experimentelle und koustrukiive Ar- 
beit. Die Schilderung dieser Versuche auf S. 41 bis 221 
nimmt mehr als die Hälfte des Buches ein. In ihrer 
Mannigfaltigkeit entziehen sie sich einer kurzen Bericht- 
erstattung, die sich begnügen muß, auf den Scharfsinn 
bei der Erdenkung und die Geschicklichkeit bei der 
Ausführung derselben hinzuweisen. 

Wenn der zweite Teil die hydrodynamischen Grund- 
lagen für die Betrachtungen des dritten und letzten Teiles 
enthält, so ist dieser selbst der Diskussion der Analogie 
der hydrodynamischen Erscheinungen mit den elektro- 
statischen und den magnetischen gewidmet. Eine be- 
sonders große Erleichterung hat hierbei die Einführung 
des tl eavisi de sehen rationellen Einheitssystems gebracht. 
Da aber somit die elektrischen und maguetischen Er- 
scheinungen in einer Form beschrieben werden, welche 
den meisten Lesern fremd sein dürfte, so hat der Verf. 
die betreffenden Teile der Lehrgebäude der Elektrizität 
und des Magneti-mus neu entwickelt. Daher hat der 
dritte Teil dieses Bandes (S. 221 bis 3U0) gewissermaßen 
die Form eines Lehrbuches der Elektrizität und des 
Magnetismus erhalten und kann als solches an sich inter- 
essieren, vor allem wegen der Anschaulichkeit, welche 
man den sonst so abstrakten Theorien durch Heranziehung 
der hydrodynamischen Bilder geben kann. 

In einem Rückblicke und in Schlußbetrachtungen 
werden die Ergebnisse der Untersuchung kurz zusammen- 
gefaßt. Wir Betzen aus dem letzten Paragraphen die Über- 
legungen des Verfassers bezüglich der Ursachen der auf- 
gedeckten Analogien her. 

„Hinter der Frage nach den Bildern und ihrer prak- 
tischen Verwertung erhebt sich eine andere von ungleich 
größerer Wichtigkeit: Warum besteht diese Ähnlichkeit 
zwischen hydrodynamischen Erscheinungen und den 
elektrischen und magnetischen? Demi niemand wird 
sich durch die Erklärung befriedigt finden, daß eine 
Analogie von dieser Ausdehnung und dieser Schärfe auf 
einem Zufall beruht. Sie muß ihre Ursache in ngend 
einer formalen oder realen Verwandtschaft zwischen den 
zwei Klassen von Erscheinungen haben, sei es, daß hin- 
ter den elektrischen oder magnetischen Erscheinungen 
ein Mechanismus steckt, welcher wesentliche Zuge mit 
dem von uns studierten Mechanismus gemein hat, sei 
es, daß wir uns über die Ursachen noch keine Vorstel- 
lungen macheu können. Um Klarheit über dieses Ratsei 
zu finden, wird es kaum mehr als einen Weg geben: 
fortgesetzte Forschungen nach demselben Plane, welcher 
zu der Entdeckung der Analogie geführt hat." 

Die Zukunft muß also über die Tragweite der mit- 
geteilten interessanten Untersuchungen entscheiden. Die 
beiden Bände des vorliegenden Werkes bilden aber schon 
jetzt em bleibendes Denkmal des dahingegangenen nor- 
wegischen Forschers, der bis zum Grabe eiuen jugend- 
lichen Enthusiasmus für die Durchführung seiner Ideen 
bewahrte. Mit den vorstehenden Zeilen wollen wir auf 
das Grab des Kämpfers für Licht eine bescheidene Blume 
niederlegen. E. Lampe. 



Nr. 9. 1904. 



Naturwissenschaftliehe Runds eh an. 



XIX. Jahrg. 117 



Th. Schubert: Die Entstehung der Planeten-, Son- 
nen- und Doppeiste rnsysteme und aller 
Bewegfungen in denselben aus den Elemen- 
ten ihrer Bahnlinien nachgewiesen. 82 S., 
14 Figuren. (Bunzlau 1903. G. Kreuschroer.) 
Mit dem anspruchsvollen Titel der Schrift steht in 
gänzlichem Widerspruch die Art der darin enthaltenen 
„Berechnungen", die auf einer ganz sinnlosen Formel 
sich aulbauen. Es wird nämlich die „Schwungkraft" bei 
den Bahnen der Planeten, Monde usw. als das 1,21 fache 
der „Fallhöhen" „berechnet". Was „Fallhöhe" (f) genaunt 
wird, ist der Quotient aus Durchmesser (2a) einer Plane- 
tenbahn und halber Umlaufszeit in Sekunden (r), denn 
„in einem halben Umlaufe ist die Erde (und jeder Pla- 
net usw.) unzweifelhaft einmal durch deu ganzen Durch- 
messer ihrer Bahn gefallen". So wird die „Fallhöhe" in 
der Sekunde kurzweg und ohne jede physikalische Be- 

deutunur gleich einer Lange gesetzt, deren Wert = — ist. 

Das in einer Sekunde vom Planeten zurückgelegte Stück 

seiner (kreisförmig vorausgesetzten) Bahu d ist — . Nun 

wird der Weg t „berechnet", den der Planet infolge Beiner 
„Schwungkraft" zurücklegen sollte, wenn die Schwere ge- 
gen die Sonne zu wirken aut hörte, und dazu die Formel 
benutzt: t = Vi/ 2 — / 2 . Diese Formel wird numerisch 
für die einzelnen Planeten, Monde usw. ausgerechnet und 
stets das Verhältnis f:/= 1,211 gefunden. „Die geringen 
Differenzen (1,210 bis 1,213) rühren nur he- von der Uu- 
genauigkeit der Zahlen, welche der Rechnung zugrunde 
liegen". Wäre die Formel zuerst algebraisch ausgerechnet 
worden, so wäre das gleiche Resultat herausgekommen, 
ganz unabhängig von Planeten, Monden, Doppeltsternen, 
denn bei jedem Kreis wird 

( = ü Vn* — 4 und t:f = 1 Vn* — 4 = 1,21136. 

i J 2 

Schade um die viele Zeit, die zur „Berechnung" dieser 
Zahl aus den zahlreichen Bahnen von Planeten, Monden usw. 
verschwendet worden ist, besonders da diese Gestirne 
überhaupt nichts mit der Zahl 1,21 zu tun haben. 

Im übrigen ist die in der vorliegenden Schrift aus- 
einandergesetzte Theorie so unbestimmt und willkürlich, 
daß von einer „Berechnung" keine Rede sein kann. So 
sollen einst in der Urzeit statt unseres Sonnensystems 
zwei Nebelbälle vorbanden gewesen sein , ein größerer 
und ein kleinerer, die sich aus „unendlicher" Entfernung 
einander näherten. Am kleineren Körper entstanden an 
der dem größeren Balle, der nachmaligen Sonne, zuge- 
kehrten Seite Auswüchse, „Kopfe", von deueu jeder bald 
nach seiüer Bildung losriß, in einer sich immer stärker 
krümmenden Bahn auf die Soune loseilte, bis er in die 
Krümmung einer Kreislinie gelangt war, in der er dann 
für immer um die Sonne laufen mußte. An den los- 
gerissenen Köpfen bildeten sich wieder Köpfe zweiter Ord- 
nung; diese rissen sich auch ab, eiuernach dem anderen, 
eilten dem vorangehenden größeren Kopfe nach und 
wurden zu dessen Trabanten, z.B. die verloreneu Köpfe 
des ursprünglichen Uranusballes wurden Trabanten des 
Saturn, die des Saturn Trabanten des Jupiter. Doch 
genug, es würde zuviel Raum beanspruchen, wollte man 
alle anderen ähnlichen interessanten Stellen der gerade 
deshalb lesenswerten Schrift anfuhren! A. Berber ich. 



G. Mahler: Physikalische Formelsammlung. 
2. verbesserte Auflage. 190 S. 65 Figuren. (Leipzig 
1903, G. J. Göschensche Verlagshandlung.) 
Die Verlagsbuchhandlung gibt dem IJüchlein, einem 
Bändchen der allbekannten „Sammlung Göschen", fol- 
gende Empfehlung mit: „Die Formelsammlung enthält 
die Hauptgesetze der Experimentalphysik und diejenigen 
Formeln, die sich mit den Hilfsmitteln der niederen 
Mathematik ableiten lassen. Dabei ist deren Herleiluug 
in den meisten Fällen kurz angedeutet. Letztere Ein- 
richtung ermöglicht es, das Bändchen nicht bloß als 



Nachschlagemittel, sondern auch bei der Durchnahme 
und Wiederholung des physikalischen Lehrstoffes mit 
Erfolg zu benutzen." Wir köunen dem nur zustimmen. 
Man könnte das Büchlein als ein in Formeln mit ver- 
bindendem Text abgefaßtes kurzes Lehrbnchlein der ele- 
mentaren Physik bezeichnen, das bei aller Kürze recht 
inhaltsreich ist. R. Ma. 

W. Wislicenus: Die Lehre von den Grundstoffen. 

30 S. (Tübingen 1903, Kr. Pietzckev.) 
Zd. H. Skraup : Die Chemie in der neuesten Zeit. 
20 S. (Graz 1903, Leuschner u. Lubeusky.) 

Der erste Vortrag, als Antrittsrede bei Übernahme 
der ordentlichen Professur der Chemie in Tübingen ge- 
halten, gibt in großen Zügen die Entwickelung der Lehre 
von den chemischen Atomen seit deu griechischen Phi- 
losophen bis auf unsere Tage. Die hauptsächlichen Wege 
zu der Auffindung der Elemente, das periodische System, 
wie die neuen Probleme, die durch die Entdeckung der 
radioaktiven Substanzen entstanden sind, werden in an- 
regender und allgemein verständlicher Weise vorgeführt. 

In dem zweiten Vortrage, einer Rektoratsrede, schil- 
dert einer unserer nambafiesten ürganiker die große 
Bedeutung der physikalischen Chemie für die ganze che- 
mische Forschung. Wenn auch die organische Chemie 
auf ihrem eigentlichen Gebiete noch viele und große 
Fragen zu lösen bat, so wird ihre durchgreifende Aus- 
gestaltung kaum anders erfolgen, „als wenn die organi- 
schen Chemiker mehr als bisher in die Forsehungsrich- 
tung der physikalischen Chemie eindringen ... Ganz 
sicher und zweifellos ist es aber, daß eine besondere 
Vertretung der physikalischen Chemie für eine Hoch- 
schule heute nicht mehr als eine besondere Gunst gelten 
darf, sondern eine absolute Notwendigkeit ist." P. R. 



A. Stttbel: Karte der Vulkanberge Antisana, 
Chacana,Sineholagua, Quilindaüa, Cotopaxi, 
Ruminahui und Pasochoa. Ein Beispiel für die 
Äußerung eruptiver Kraft in räumlich kleinen Ab- 
ständen unter deutlichen Anzeichen ihrer Ab- 
schwächung und ihres Ersterbens innerhalb be- 
greuzter Zeiträume. (VerbÖ'entlkhungen der vulkanologi- 
schen Abteilung des Grassi - Museums zu Leipzig. 12 S. 
1 Karte. Leipzig 1903, Max Weg.) 
Derselbe: Das nordsyrische Vulkangebiet Di- 
ret-et-Tulül, Haurän, Duhebel Mäui' und 
Dschöläu. Beschreibung der im Grassi-Museum zu 
Leipzig ausgestellten Zeichnungen der vulkanischen 
Schöpfungen dieses Gebietes. (Ebenda. 21 S. 1 Über- 
sichtskarte. Leipzig 1903, Max Weg.) 
Wer jemals die vulkanologische Abteilung des be- 
kannten Grassi- Museums zu Leipzig besucht hat, wird 
erstaunt sein und gefesselt durch die Fülle des dort durch 
den Sammeleifer und die Muuifizeuz von Dr. A. Stübel 
gebotenen Materials. Zahlreiche meisterhaft ausgeführte 
große Gemälde, vorzügliche Modelle, Reliefkarten und 
eine Menge bildlicher Darstellungen vermitteln in direk- 
tester Weise die Anschauung der verschiedensten Vulkan- 
gebiete der Erde. Namentlich der Geologe wird in 
mannigfachster Weise augeregt und wird es mit Freuden 
begrüßen, daß zumal doch nicht jeilem, wie dem Ref. 
es geschah, vergönnt sein dürfte, unter seiner persön- 
lichen Führung diese Sammlungen studieren zu können, 
von Stübels Hand für einzelne Teile derselben erläu- 
ternde Texte erscheinen. 

So gibt der Verf. hier nach an Ort und Stelle ge- 
machten Aufnahmen eine in ihrer graphischen Darstel. 
luug vorzügliche Karte eines der Hauptgebiete vulkanischer 
Tätigkeit in Ecuador in 1:200000, wo auf dem ver- 
hältnismäßig engen Raum von 3000 km* nicht weniger 
wie sieben selbständige, große Vulkanberge sich erheben. 
Jeder derselben ist seiner Hauptmasse nach das Produkt 
einer einzigen Ausbruchsperiode, in der sich der dem Erup- 
tionszentrum zugehörige Herd mehr oder weniger er- 



118 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 9. 



schöpfte. Nur drei derselben, Antisana, Chacana und 
Cotopaxi, haben Hinzufügungen durch erneute Tätigkeit 
ihrer Zentren in späterer Zeit erfahren. Zwischen beiden 
Ausbruchephasen liegt eine überaus lange Zwischenpause, 
und die neuen Ergüsse sind verhältnismäßig gering und 
entspringen an beliebigen Punkten der einheitlich auf- 
gebauten Gebilde der ersten Periode. Jeder dieser Berge 
steht über einem lokalisierten Herd, jedoch ist die Reihen- 
folge ihrer Entstehung nicht mehr festzustellen. Möglich 
ist, daß die einzelnen Eruptionszentren gleichzeitig oder 
nahezu gleichzeitig in Tätigkeit traten; möglich ist es 
aber auch, daß dieses successive geschah. Sicher allein 
ist nur, daß der heutige Cotopaxikegel die jüngste dieser 
Schöpfungen ist. Das dichte Beisammenstehen dieser 
Vulkanzentren ergibt jedenfalls die bemerkenswerte Tat- 
sache, daß ein Verbindungsschacht, den sich das glut- 
flüssige Magma zur Erdoberfläche bahnt, die Füllmasse 
des Herdinnern immer nur in einem relativ kleinen Be- 
reich zu entlasten vermag, uud daß es solchen benach- 
barten Füllmassen weniger leicht wird, eine Verbindung 
seitlich miteinander herzuteilen, als in vertikaler Rich- 
tung nach der Erdoberfläche hin sich einen neuen Schacht 
zu schaffen. Die Gleichheit ihres inueren tektonischen 
Baues und die Gleichartigkeit der Erscheinungen, die 
äußere zerstörende Einflüsse hervorriefen, beweisen, daß 
die verschiedenen Tätigkeitsperioden der einzelnen Erup- 
tionszentren doch zeitlich so nahe beisammen gelegen 
haben, daß ihre Intervalle als verschwindend klein be- 
trachtet werden müssen gegenüber der Länge des Zeit- 
raums, der seit der Bildung der sieben monogeneu Berge 
vergangen ist. Die zweite Tätigkeitsperiode der Herde 
setzte erst dann ein, als die Gebilde der ersten bereits 
zu einem großen Teile zerstört waren. Infolge der Ge- 
ringfügigkeit der jüngeren Ergußmassen am Antisana 
und Chacana sind diese eigentlich als tätige Vulkane im 
Sinne der alten Schule gar nicht zu betrachten, und auch 
der Cotapaxi ist es nur scheinbar, da er zweifellos erst 
durch einen zweiten Herdausbruch zum tätigen Vulkan 
geworden ist; ein ausnahmsweise großer Restbestand 
an aktionsfähigem Magma führte zur Bildung eines zweiten 
monogenen Berges von bedeutenden Dimensionen und 
ist heute noch in einer von diesem vermittelten und noch 
fortdauernden Tätigkeit. 

In der zweiten Publikation gibt Verf. eine ausführ- 
liche Beschreibung der26im Grassi Museum aufgestellten 
Abbildungen aus dem nordsyrischen Vulkangebiet, der 
eine Skizze dieser Gegend 1:500 000 beigefügt ist. 

A. Klautzsch. 

Alb. Schmidt: Tabellarische Übersicht der Miue- 
rahen des Fichtelgebirges uud des Stein- 
waldes. Ein Taschen- und Nachschlagebuch für 
Mineralogen und Freunde dieser Gebiete. 84 S. 
(Bayreuth 1903, Grausche Buchhandlung.) 
Der verdienstvolle Forscher des Fichtelgebirges, Herr 
Alb. Schmidt in Wunsiedel, bietet in dieser Schrift eine 
dankenswerte Zusammensi eilung aller ihm bekannt ge- 
wordenen Mineralfund|iuukte des Fichtelgeliirges und 
des südlich vorgelagerten Steinwaldes. Die Grenzen des 
behandelten Gebietes reichen von Münchberg bis Gold- 
kronach, von Culm bis Wiesau und von der bayerisch- 
böhmischen Grenze bis zum Kornberg. Gerade in die- 
sem, durch geotektonische Vorgänge so vielfach verwor- 
fenen und zerklüfteten und von zahlreichen Eruptiv- 
gesteinen durchbrochenen Gebirge bietet sieh eine Fülle 
sekundär oder metamor|ih gebildeter Mineralien. Diese 
alle hat Verf. tabellarisch in alphabetischer Reihenfolge 
zusammengestellt und ihnen die Fundpunkte zugefügt. 
Besonders dankenswert sind die ergänzenden Angaben 
des umgebenden Gesteins, in dem sie auftreten, sowie 
die hinzugefügten Literaturvermerke und anderweitigen 
historischen oder beschreibenden Bemerkungen. 

A. Kl a i; t zsch. 



E. Dacque: Der Deszendenzgedanke und seine 
Geschichte vom Altertum bis zur Neuzeit. 
119 S. 8°. (München 1903, Reinhardt.) 

Die kleine Schrift führt in großen Zügen den Ent- 
wicklungsgang des der Deszendenzlehre zugrunde liegen- 
den Gedankens von den ältesten Überlieferungen bis in 
die Gegenwart vor. Daß es sich dabei nur um ein Her- 
vorheben des Wichtigsten handeln kann, ist in Anbetracht 
des sehr weiten Gebietes selbstverständlich. Immerhin 
erhält der Leser ein Bild davon, aus wie verworrenen 
und unklaren Vorstellungen älterer Zeit sich der Des- 
zendenzgedanke allmählich zu immer größerer Klarheit 
und Bestimmtheit entwickelte, und wie erst die Ab- 
lösung der rein spekulativen Philosophie durch die be- 
obachtende und eine große Menge von Induktionsmaterial 
sammelnde Naturforschung dieser schon den Philosophen 
des Altertums als Problem vorschwebenden Lehre einen 
sicheren Boden gab. 

In einer Einleitung legt Herr Dacque seinen eige- 
nen Standpunkt der Keszendenzlebre gegenüber dar. Mit 
Recht warnt er vor dem landläufigen Irrtum, daß Des- 
zendenztheorie uud Darwinismus dasselbe sei; wenn er 
jedoch den Darwinismus als „in seinen Hauptzügeu über- 
holt und widerlegt" bezeichnet, so ist dies Urteil zu 
weit gehend, denn daß die Selektion eine Rolle in .der 
Artbildung spielt — wenn auch vielleicht nicht eine so 
große, wie Darwin uud die Weismannsche Schule 
dies annehmen — ist noch in keiner Weise als wider- 
legt zu betrachten. Auch daß die Haeckelsche Natur- 
philosophie „sich überlebt" habe, wie Verf. S. 109 sagt, 
kann nicht so unbedingt zugegeben werden. Zeigt doch 
gerade das von Herrn Dacque mehrfach angeführte 
Wiederaufleben vitalistischer Gedanken bei einer Anzahl 
neuerer Biologen, daß eine lange Zeit für „überlebt" ge- 
haltene Richtung doch immer wieder Anhänger findet, 
solange es sich um Fragen handelt, die nicht einfach 
mittels mathematischer oder streng logischer Beweise ent- 
schieden werden können. Unter Ablehuung des Fleisch - 
mannscheu Standpunktes, der einen Verzicht auf jedes 
Verständnis der organischen Lebewelt involviere, sieht 
Verf. in der Wiederaufnahme vitalistischer Gedanken, 
wie sie sich namentlich in der Schrilt von A. Pauly: 
„Wahres und Falsches an Darwins Lehre" zeigen, und 
in einer stärkeren Betonung der Lamarckschen Fak- 
toren den Weg vorgezeichnet, den die Erforschung der 
Entwickelung des Lebens zunächst zu gehen haben. 

R. v. Hanstein. 



Akademien und gelehrte Gesellschaften. 

Akademie der Wissenschaften in Berlin 
Sitzung vom 11. Februar. Herr Möbiua las: „Die 
Formen, Farben und Bewegungen der Vögel, ästhetisch 
betrachtet." Idealbilder schöner Vögel sind uns nicht an- 
geboren. Sie entstehen unabsichtlich aus Wahrnehmungen 
gewandt fliegender Vogelarten. Schönheit tritt stets in 
individueller Ausprägung anschaulich auf und gefällt 
als eiue Einheit mannigfaltigen gesetzlichen Inhalts. Ab- 
weichungen von den gewohnten Eigenschaften des Vogel- 
ideals mißfallen, weil sie unseren Erwartungen nicht ent- 
sprechen, auch bei Vögeln, welche erhaltungsmäßig 
(physiologisch zweckmäßig) gebaut sind. Schönheit und 
organische Zweckmäßigkeit decken sich also nicht. Die 
Formen der Vögel haben einen höheren ästhetischen 
Wert als die Farben. Das Laufen und Schwimmen der 
Vögel sind keine so schönen Bewegungen wie das Fliegen 
und Sehweben. — Herr Hertwig überreichte die zweite 
Auflage seines Werkes: „Die Elemente der Eutwiekeluugs- 
lehre des Menschen und der Wirbeltiere" (Jena 1904). — 
Herr F. E. Schulze legte eine Mitteilung des Herrn 
Dr. R. Heymons in Berlin vor: „Die flügeiförmigen 
Organe (Lateralorgane) der Solifugen und ihre Be- 
deutung." Die flügelfrirmigeit Organe der Solifugen ent- 
wickeln sich aus den Seitenplatten der Embryonalaulage 



Nr. 9. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 119 



am zweiten Beiusegment. Sie dienen als embryonale 
Atmuugsorgane und verschwinden beim jungen Tiere mit 
dem Beginn der Tracheeuatmung. Die flügellörniigeu 
Organe haben keiue Beziehung zu den Flügeln der 
Iusekteu, sie entsprechen dagegen den Lateralorgauen 
hei den Embryonen der Gigautostraken und Pedipalpen 
und deuten auf eine Verwandtschaft der Solifugen zu 
diesen Tieren hin. — Herr Helmert legte eine Mit- 
teilung des Herrn Geh Reg.-Rats Th. Albrecht in Pots- 
dam vor: „Neue Bestimmung des geographischen Längen- 
unterschiedes Potsdam - Greenwioh." Die Bestimmung 
wurde ausgeführt, um eine dem gegenwärtigen Stande 
der Beobacbtungskuust entsprechende Genauigkeit in der 
Kenntnis der Lage von NorddeutschlaDd gegen den Null- 
punkt der geographischen Längeuzakluug zu erhalten. 



Academie des sciences de Paris. Seauce du 
8 fevrier. H. Deslandres: Loi generale de distribution 
des raies dans les spectres de bauds. Venficalion pre- 
cise avec le deuxieme groupe de bandes de l'azote. — 
D'Arsonval: Nouveau dispositif electrique permettant 
de soufÜer l'arc de haute irequence. — D'Arsonval 
et Gaiffe: Dispositifs de protection pour sources elec- 
triques alimeutaut les geuerateurs de Laute irequence. 

— A. Haller et A Guyot: Action du hromure de phe- 
nylmaguesium sur l'anthraquinone. Dibydrure d'authra- 
ceue y- dihydroxyle-y - dipheuyle symelrique. — E. Bi- 
chat: Sur le mecanisnie de la transmission des rayons N 
par des fils de difierentes substauces. — J. A. Nor- 
mand: Sur la determiuation du deplacement d'un bäti- 
ment de combat. — Le Secretaire perpetuel signale 
divers Ouvrages de M. Sven Hedin et de M. Jaroslav 
Perner. — Louis Fabry: Sur la ventable valeur du 
graud axe d'une orbite cometaire lorsque l'astre est tres 
eloigne du Soleil, et le caractere suppose hypeiboüque 
de la comete 18t») II. — Emile Borel: Remarques sur 
les equations dirlerentielles dont l'integrale generale est 
une louetion entiere. — Traynard: Sur certaines fonc- 
tions theta et sur quelques-uues des surfaces hyperellip- 
tiques auxquelles elles conduisent. — Fatou: Sur les 
series entieres ä coefficients eutiers. — Georges Re- 
moundos: Sur les zeros d'une classe de transceudautes 
multiformes. — C. de Watteville: Sur les spectres de 
flammes des metaux alcalins. — C. Uhabrie: Sur la 
fonction qui represente le grossissement des objets vus 
ä travers un cöne de cristal. — C. Gutton: Sur l'effet 
maguetique des courants de convection. — V. Schaffers: 
Nouvelle theorie des machines ä influence. — L. Frai- 
chet: Sur la relatinn qui existe eutre les variations 
brusques de la reluctauee d'un barreau d'acier aimaute 
souinis ä la traction et la furmation des lignes de LüJers. 

— A. Ponsot: Remarques au sujet d'une Note „Sur 
l'osmose" de M. A. Guillemin. — Andre Brochet et 
Joseph Petit: Sur l'emploi du courant alternatif en 
electrolyse. — F. Pearce et Ch. Couchet: Sur des 
phenomenes de reductiou produits par l'action de cou- 
rants alternatifs. — H. Boulouch: Production ä froid 
des sulfures de phosphore. — E. Dervin: Observations 
relatives ä l'action de la chaleur et de la lumiere sur 
les melanges de sesquisulfure de phosphore et de soufre 
en Solution dans le sulfure de carhone. — C. Marie et 
R. Marquis: Action de l'acide carbonique sur les Solu- 
tions d'azotite de sodium. — Leon Guillet: Sur la 
Constitution et les proprietes des aciers au Vanadium. — 
0. Boudouard: Les transformations allotropiques des 
aciers au nickel. — L. J. Simon: Sur les diureides : 
ether homoallantoique. — P. Carre: Sur les ethers 
phosphoriques du glycol. — L. Maquenne: Sur la 
nature de la feoule crue. — Henri Pottevin: Synthese 
biochimique de l'oleine et de quelques ethers. — Eng. 
Charabot et Alex. Hebert: Formation des composes 
terpeuiques dans les organes chlorophylheus. — J. E. 
Abelous et J. Aloy: Sur l'existenue d'une diastase 
oxydo-reductrice chez les vegetaux. — L. Calvet: La 



distribution geographique des Bryozoaires marins et la 
theorie de la bipolarite. — J. Jolly: Inüueuce de la 
temperature sur la duree des phases de la division in- 
directe. — Henri Coupin: Sur l'assimilation des alcools 
et des aldehydes par le Sterigmatocystis nigra. — H. 
Jacob de Cordemoy: Sur une fonct on speciale des 
mycorhizes des raciues laterales de la Vauille. — J. Ber- 
geron: Sur les nappes de recouvrement du versaut 
meridional de la Montagne Noire. — H. Douxami: Ob- 
servations geologiques aux envirous de Thonon-Ies-Bains 
(Haute-Savoie). — Agnus: Palaeoblattina Douvillei, con- 
sidere d'abord comme un Insecte, est une pointe genale 
de Trilobite. — L. Jays adresse une reclamation de 
priorde „Sur les radiations de nature inconnue de cer- 
taiues eaux minerales". 



Royal Society of London. Meeting of January 21. 
The following Papers were read: „On the Acoustic 
Shadow of a Sphere." By Lord Rayleigh. With au 
Appendix by Professor A. Lodge giving tlie Values of 
Legendre's Functions from P to P !0 at Inteivals of 
5 Degrees. — „The Third Elliptic Integral and the 
Ellipsotomic Problem". By Professor A. G. Greenhill. 
— „On the Structure of the Palaeozoic Seed. Lageno- 
stoma Lomaxi, with a Statement of the Evidence upon 
wich it is referred to Lyginodendron". By Professor 
F. W. Olliver and Dr. D. H. Scott. — „The Signifi- 
cauce of the Zoological Distribution, the Nature of the 
Mitoses, and the Trausmissibility of Cancer." By Dr. 
E. F. Bashford and J. A. Murray. 



Vermischtes. 

In der Zeit vom 27. Juni bis 8. Oktober 1903 wurden 
von Herrn E. v. Schweidler zu Mattsee bei Salzburg 
an 7 Beohachtungstagen 418 Doppelmessungen der 
Zerstreuung (der -j- und der — Laduugeu) an je fünf 
festen Terminen ('V 2 , 9, 12 3 / 4 , 7, 9'/ 2 ) und außerdem an 
20 schönen Tagen 60 Halhstundenmittel des Potential- 
gefälles ermittelt. Die Haupt resultate dieser Messungen 
sind: Die Zerstreuung zeigt einen ausgesprochenen täg- 
lichen Gang mit Minitnis um Sonnen-Aufgang und -Unter- 
gaug und Maximis nach Mittag uud in der Nacht; im 
Sommer ist außerdem um Mittag ein sekundäres Mini- 
mum angedeutet, so daß in den Vormittagsstunden ein 
sekundäres Maximum entsteht. An Tagen , die bei ge- 
ringer Bewölkuug große Durchsichtigkeit der Luft zei- 
gen, ist diese Mittagsdepression besonders deutlich 
ausgeprägt. Die Größe q (das Verhältnis zwischen -)- und 
— Zertreuung) folgt im allgemeinen dem Gange der Zer- 
streuung der uegativen Elektrizität, deren Schwankungen 
größer sind als die der nahe parallel gehenden Zerstreu- 
ung positiver Ladungen. Von meteorologischen Faktoren 
sind auß-r der Durchsichtigkeit der Luft von Bedeutung 
Bewölkung, Niederschlag, Luftdruck. Bei klarem Himmel 
sind die Amplituden der täglichen Variation vergrößert; 
bei Regen sind bei normalen Werteu der Zerstreuung 
die Werte des Verhältnisses q merklich eruiedrigt. Mit 
geringem Luftdruck sind verbunden bedeutend erhöhte 
Werte der Zer.-treuung selbst und eine Störung des nor- 
malen Ganges, indem das Abendminimum ausfällt. Das 
Potentialgefälle zeigte keinen merklichen täglichen Gang. 
(Wiener akademischer Anzeiger 1903, S. 297.) 



Eine Reihe von Oxyden seltener Erden wur- 
den von den Herren Charles Baskerville und George 
F. Kunz mit Radium- Baryumverbindungen ge- 
mischt und längere Zeit tüchtig durchgeschüttelt, ohne 
daß es ihnen gelang, trotz sorgfältigster Prüfung im 
Dunkeln ein Leuchten wahrnehmen zu können, wäh- 
rend eine Reihe Mineralpulver bei gleicher Behandlung 
dauernd leuchtende Präparate gaben. Zu der ersten 
Gruppe von Substanzen gehörten: Thorium-, Zirkonium-, 
Titaniumdioxyd; Zink-, Cer-, Lanthan-, Yttrium-, Ytter- 



120 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Kundschau. 



1904. Nr. 9. 



bium-, Erbium-, Praseodidym-, Neodidym-, Gadolinium-, 
Samarium- und Uranoxyd. Die zweite Gruppe enthielt: 
Chlorophan, Willemit, Zinnoxyd (nach dem französischen 
Verfahren hergestellt), Zinksulfid und Kutizit. Im ersten 
Falle wurden die pulverisierten Oxyde mit Radium-Baryum- 
chlorid von 240 Aktivität in Reagenzgläsern geschüttelt. 
im zweiten, wo gutes Leuchten erzielt wurde, wurde teils 
Radium-Baryumchlorid von 240 Aktivität, teils Karbonat 
von 100 oder 40 Aktivität verwendet. In einem früheren 
Versuche hatten dieselben Beobachter gefunden, daß von 
allen obengenannten Oxyden nur zwei unter der Einwir- 
kung von ultraviolettem Licht phosphoreszieren, nämlich 
Zirkon- und Thordioxyd, und von diesen ist nun eins, 
nämlich das Zirkondioxyd , nicht radioaktiv, während 
das Thordioxyd ebenso radioaktiv ist wie das Uranoxyd; 
die Vermutung ist daher nach den Verfassern nicht 
abzuweisen , daß es sich bei den Ähnlichkeiten und 
Verschiedenheiten der Oxyde und Mineralien um noch 
unbekannte Bestandteile handle, von denen diese Eigen- 
schaften herrühren. Diese Vermutung soll weiter expe- 
rimentell verfolgt werden. (American Journal of Science 
1904, ser. 4, vol. XVII, p. 79.) 



Gewisse seit Einführung der neuen Bestim- 
mungen über die Orthographie hervorgetretene 
Mißstände in zoologischen Zeitschriften werden 
von den Herren J. W. Spengel und E. Ziegler im 
„Zoologischen Anzeiger" (XXVII, 177—184) zur Sprache 
gebracht. Da die hier berührten Fragen "nicht nur für 
Zeitschriften, sondern auch für Bücher in Betracht kom- 
men und eine über das Spezialgebiet der Zoologie hinaus- 
gehende Wichtigkeit besitzen, so sei auch au dieser 
Stelle darauf hingewiesen. In ähnlicher Weise, wie Re- 
ferent unlängst in dieser Zeitschrift gelegentlich der Be- 
sprechung der neuen Auflage von Hertwigs Zoologie 
(Rdsch. 1903, XVIII, r>97), betonen auch die Verfasser, 
daß es nicht angängig sei, ein Wort nach lateinischer 
oder nach neuer deutscher Orthographie zu schreiben, 
je nachdem die Endung verdeutscht sei oder nicht (z.B. 
Cnidaria und Knidarier, Cephalopuda und Zephalopoden 
u.s. f.), und befürworten die Beibehaltung der lateinischen 
Orthographie für alle Namen und für die terminologischen 
Fachausdrucke. Herr Spengel weist auf die Unzuträg- 
lichkeiten hin, welche die in Italien übliche Umformung 
der Namen mit sich bringt, da z. B. Namen wie Ime- 
notteri, Missinoidi und andere für den Nichtitaliener 
kaum verständlich seien. Herr Ziegler betont die Un- 
bequemlichkeit, welche sich ergibt, wenn mau ein und 
dieselbe Beuennung je nach der Orthographie an zwei 
bis drei verschiedenen Stellen im Register zu suchen 
habe (Cephalopoden, Kepbalopoden, Zephalopoden). Die 
augenblickliche Verwirrung ist, wie Herr Spengel mit- 
teilt, durch die auf Veranlassung und unter Mitwirkung 
des deutschen Buchdruckereivereins, des Reichsverbandes 
der österreichischen Buchdruckereibesitzer und des Ver- 
eins schweizerischer BuchdruckereibeBitzer von Duden 
herausgegebene „Rechtschreibung der Buchdruckereien 
deutscher Sprache" hervorgerufen. Die Verfasser befür- 
worten die Aufstellung einer Liste der unabhängig von 
den die deutsche Orthographie regelnden Bestim- 
mungen in lateinischer Sprache zu schreibenden Fach- 
ausdrücke. — In eiuem Nachwort zu diesen beiden Artikeln 
teilt Herr E.Korschelt mit, daß ein solches Verzeichnis 
für die En gel man n sehe Verlagsanstalt bereits vor- 
bereitet und für den Druck der von dieser Anstalt 
herausgegebenen Zeitschriften und anderen Werke maß- 
gebend sein werde. R. v. Hanstein. 

Personalien. 

Die Universität Heidelberg hat den Hofrat (>r. Hein- 
rich Oaro in Mannheim zum Ehrendoktor der Natur- 



wissenschaft, und die technische Hochschule in Darm- 
stadt zum Doktor-Ingenieur ehrenhalber ernannt. 

Die belgische Akademie der Wissenschaft zu Brüssel 
hat zu Mitgliedern (membres titulaires) ernannt die 
korrespondierenden Mitglieder Armand Jorissen, 
Polydore Francotte und Paul Pelseneer; — zu 
auswärtigen Mitgliedern (associes) die Herren Prof. G. H. 
Darwin (Cambridge). Prof. Corrado Segne (Turin), 
Prof. Wilhelm Roux (Halle) (s. S. 16) und Michel 
Levy (Paris). 

Die Gesellschaft der Naturforscher zu Moskau hat 
Herrn Prof. W. Ostwald (Leipzig) zum EUrenmitgliede 
ernannt. 

Die Universität Utrecht hat Herrn Prof. van 't Hoff 
(Berlin) zum Dr. med. hon. causa ernannt. 

Ernannt zu außerordentlichen Professoren (prf. ad- 
joints) an der Faculte des scieuces zu Kennes der Dozent 
der Physik Dr. Maurain und der Dozent der Botanik 
Dr. Lesage; — Privatdozent der physikalischen und 
anorganischen Chemie Dr. Robert Luther an der Uni- 
versität Leipzig zum außerordentlichen Professor. 

Gestorben: Dr. Arth ur William Palm er, Professor 
der Chemie an der Universily of Illinois; — der Professor 
der Physiologie an der Uuiversisät Lund Dr. Magnus 
Blix, 55 Jahre alt; — am 13. Februar in Paris der 
Astronom Callandreau. Mitglied der Academie des 
sciences; — am 21. Februar der Hozeut für Geologie und 
Paläontologie an der Bergakademie zu Berlin Prof. Dr. 
Ludwig Beushausen, 41 Jahre alt; — am 22. Februar 
in Stockholm der Leiter des naturhiBtorischen Reichs- 
museums Prof. F. A. Smitt. 



Astronomische Mitteilungen. 

Folgende Maxima hellerer Veränderlicher vom 
Miratypus werden im April 1904 zu beobachten sein: 



Tag 


Stern 


H 


rn 


AR 


Dekl. 


Periode 


10. April 
11. „ 
30. „ 


T Herkulis . 
TCephei . . 
R T Cvgni . 


7,5. 

6. 

6,5. 


11. 

10. 
11. 


18 h 5.3 m 
21 8.2 
10 40.8 


+ 31° 0' 
4-68 5 
-f 48 32 


165 Tage 

383 „ 
180 „ 



Eine ringförmige Sonnenfinsternis wird in den 
Vormittagsstunden des 17. Mäi z stattfinden ; ihre Sicht- 
barkeit beschrankt sich auf den Indischen Ozean und die 
angrenzenden Teile Asiens und Afrikas sowie auf die 
We8thälite des Großen U/.eans. 

Nachdem erst kürzlich (Rdsch. 190 t, XIX, 68) Hellig- 
keitsschwankungen am Planetoiden Ins entdeckt worden 
sind, die auch von Herrn H. Clemens in Berlin durch 
photometrische Messungen nach Höhe und Periode be- 
stätigt wurden, meldet jetzt Herr J. Palisa in Wien 
eine starke Veränderlichkeit des Planetoiden 
(135) Hertha. Dieses Gestirn sollte sich ji*tzt als 
Sternchen 11,6. Gr. zeigen, war aber am 12. Febr. 9,7. Gr., 
d. h. sechsmal beller, hat dann am 16. von anfänglich 
10,5. auf 10. Gr. und nach achtstündiger Beobachtung des 
Herrn Palisa am 19. Febr. von 10,7. auf 10,0. Gr. zu- 
genommen. Schon die Größenschätzuugen früherer Jahre 
(1874 bis 1879) lassen bei der Hertha auffällige Wider- 
sprüche erkennen, die sich jetzt als Lichtschwaukuogen 
um wenigstens eine Größenklasse erklären. Gelegentlich 
der Besprechung der Veränderlichkeit von Eros (Rdsch. 
1902, XVII, 158) wurde auch der bei (77) Frigga, (89) 
Julia, (363) Padua und (3!)1) Intreborg bemerkten Größen- 
abweichungen gedacht. Auch bei dem Planetoiden (324) 
Bamberga hat Herr A. Abetti in Arcetri (Florenz) im 
vergangenen Jahre am 24 Aug. und am 1. Sept. eine 
Größenzunahme um 0,5 Klassen gegen die Vortage kon- 
statiert. In diesem Falle war rechtzeitig auf die Mög- 
lichkeit von Lichtschwankungen hingewiesen worden, 
leider scheint der Hinweis wenig Beachtung gefunden 
zu haben, da sonst die Wahrnehmungen des Herrn 
Abetti wohl nicht so vereinzelt stünden. 

A. Berberich. 

Für die Redaktion verantwortlich • 
Prof. Dr. W. Sklarek, Berlin \V., Landgrafeustraße 7. 



Druck und Verlag von Friedr. Vioweg & Sotiu in Brauuachweig. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



Wöchentliche Berichte 



über die 



Fortschritte auf dem Gresamtgetaete der Naturwissenschaften. 



XIX. Jahrg. 



10. März 1904. 



Nr. 10. 



Die Konstitution der Phtalemsalze. 

Von Prof. Dr. Richard Meyer (Braunschweig). 

Das Phenolphtalein, welches allgemein als In- 
dikator in der Maßanalyse benutzt wird — seit kurzem 
auch als Abfiihrungs mittel unter dem Namen Purgen, 
während das als Jodoformersatz empfohlene „Noso- 
phen" tetrajodiertes Phenolphtalein darstellt — ist 
im freien Zustande ein farbloses Pulver, dessen 
Lösungen in indifferenten Lösungsmitteln gleichfalls 
ungefärbt sind. Seine Alkalisalze dagegen sind in- 
tensiv karmoisinrot. Auf diesem Umstände beruht 
seine Anwendung in der Titrieranalyse. Setzt man 
einer alkalischen Flüssigkeit einige Tropfen einer 
alkoholischen Phtaleinlösung zu, so entsteht eine tief- 
rote Färbung. Auf Säurezusatz verschwindet dieselbe 
in dem Augenblicke, wo der Neutralitätspunkt erreicht, 
bzw. eben überschritten ist; ein Tropfen verdünnter 
Alkalilösung stellt die rote Farbe sogleich wieder her. 

Das Phenolphtalein wurde im Jahre 1871 von 
Adolf Baeyer entdeckt. Es entsteht durch Kon- 
densation von 1 Mol. Phtalsäureanhydrid und 2 Mol. 
Phenol unter Mitwirkung eines wasserabspaltenden 
Reagens, wie konzentrierte Schwefelsäure oder Zinn- 
tetrachlorid. Seiner Konstitution nach ist es das Lak- 
ton einer Di-p-dioxytripbenylcarbinolcarbonsäure, ent- 
sprechend der Formel 

C 6 H 4 . C 



y 







HO 



\ 



,'OH. 



\/ \/' 

Worauf beruht nun der merkwürdige Farben- 
umschlag beim Übergang in ein Alkalisalz'? Im all- 
gemeinen bilden farblose Säuren mit farblosen Basen 
auch ungefärbte Salze, wie an Tausenden von Bei- 
spielen aus der organischen wie der unorganischen 
Chemie gezeigt werden könnte. Nach der obigen 
Formulierung des Phenolphtaleins sind die beiden 
phenolischen Hydroxylgruppen die Träger seiner 
sauren Eigenschaften. Wenn der Übergang in ein 
Alkalisalz durch Austausch der Hydroxylwasserstoff- 
atome gegen Alkalimetall bedingt ist, so sollten die 
Salze ebenso farblos sein wie das freie Phtalein. 

In einem früheren Aufsatze (Rdsch. XIII, 479, 
495, 505) ist ausführlich dargelegt worden, daß man 
die Färbung vieler organischer Verbindungen auf die 
Anwesenheit eines chinoiden Benzolkernes 



n _^~C H — C H-- ,, 

zurückführt, welcher als der „Chromophor" der be- 
treffenden Verbindung zu betrachten ist. 

Diese Anschauung ist nun 1892 von A. Bernthsen 
und 1893 von P. Friedländer auf die Phtaleine 
übertragen worden. Sie ließen dem freien Phenol- 
phtalein die Baeyer sehe Formel, nahmen aber an, 
daß dasselbe bei der Salzbildung eine desmotrope 
Uinlagerung in die chinoide Form 

C H 4 .COOH 

AAA 
H0 \/ \/\ 

erfährt. Einfacher ausgedrückt würde dem Phtalein 
im freien Zustande die Formel I zukommen, in den 
Salzen die Formel II: 



C 6 H 4 

i 

CO- 



c< 



C 6 H 4 .OH 
C 6 H, . OH 



f. -fr p^CeH., . OH 
II. V 6 4 • ^C B H 4 =0. 



-0 COOH 

P. Friedländer suchte die Richtigkeit dieser 
Ansicht durch die Darstellung eines Phenolphtalein- 
osims zu stützen, und die meisten Chemiker haben 
sich dem mehr oder weniger bestimmt angeschlossen. 
Vor einigen Jahren gelang es R. Nietzki, von dem 
durch Hydrierung des Phenolphtaleins entstehenden 
Phenolphtalin aus einen unzweifelhaft chinoiden Ester 
des Tetrabromphenolphtaleins 

PH r ^-C 6 H s Br 8 .OH 

V 6 4 ^C e H 2 Br 2 =0 

C00CjH 5 

darzustellen, was als eine weitere Bestätigung der 
Bernthsen-Friedländer sehen Betrachtungsweise 
angesehen wurde. Dieser Ester ist gelb gefärbt; er 
bildet aber tief blaue Salze und färbt die tierischen 
Fasern gleichfalls mit blauer Farbe an. — Die ge- 
wöhnlichen Äther des Phenolphtaleins dagegen sind 
farblos. 

Hiernach erscheint das Phenolphtalein als eine 
tantomere Verbindung, welche selbst nur in einer 
Form existiert, dagegen zwei Reihen von Derivaten 
bildet: eine lactoide (entsprechend der obigen For- 
mel I) und eine chinoide (Formel II). 

Aus Phtalsäureanhydrid und Resorcin erhielt 
Baeyer das Fluorescein 



/C,H 



/ 



C 6 H 4 . C 



\nn./ 



OH 




CO 



I N C B H 



OH 



122 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 10. 



Nach den in meinem Laboratorium ausgeführten 
Untersuchungen ist es ein Dioxyfluuran im Sinne der 



Formeln 






Fluorescein 

Das Fluorescein hat aber wenig Ähnlichkeit mit dem 
Phenolphtalei'u: es ist im freien Zustande nicht farb- 
los, sondern gelbrot; seine Alkalisalze lösen sich in 
Wasser mit gelber Farbe und einer überaus starken 
grünen Fluoreszenz. Man ist deshalb geneigt, dem 
Fluorescein sowohl als solchem, wie in den Salzen die 
chinoide Formel zu erteilen: 



C 8 H. 

I 
COOH 






^C a H 








Es gibt aber auch eine Anzahl farbloser, bestimmt 
lactoid konstituierter Derivate des Flucresceius; und 
aucli die Umsetzungen dieses Phtalei'us - lassen keinen 
Zweifel an seiner tautomeren Natur. 

Der Farbenwechsel des Phenolphtaleins beim 
Übergang aus saurer in alkalische Lösung und um- 
gekehrt ist von W. Ostwald unter einem anderen 
Gesichtspunkte betrachtet worden. In seinen „Wissen- 
schaftlichen Grundlagen der analytischen Chemie", 
deren erste Auflage 1894 erschien, gab er eine Theorie 
der Titerindikatoren, nach welcher der Farbenumschlag 
auf dem Übergang aus dem Molekularzustande in den 
der Ionisation beruht. Danach wäre die Molekular- 
farbe des Phenolphtaleins weiß, die Ionenfarbe rot. 
Das Phenolphtalei'u ist eine sehr schwache Säure; es 
ist in neutraler oder saurer Lösung nicht, oder kaum 
merklich dissoziiert; dagegen sind seine Salze, wie 
bei anderen, auch schwachen Säuren, in sehr ver- 
dünnten Lösungen — und nur um solche handelt es 
sich — vollkommen ionisiert. 

Ich habe vor mehreren Jahren eine Beobachtung 
gemacht, welche geeignet ist, diese Aulfassung zu 
stützen (Jahrbuch d. Chemie 9, 404): Die rote 
Lösung, welche man durch Einwirkung überschüssigen 
Phenolphtaleins auf verdünnte Natronlauge erhalt, 
wird durch Zusatz von (selbstverständlich säurefreiem) 
Alkobol entfärbt, was ungezwungen durch Zurück- 
drängung der Dissoziation erklärt werden könnte. 

Dem Fluorescein isomer ist das, gleichfalls von 
Baeyer entdeckte Hydrochiuonphtalein. Ich habe 
gemeinsam mit H. Meyer und L. Friedland den 
Nachweis geführt, daß auch dieses Phtaleiin ein Di- 
oxyfluoran ist: .H,.CO 

y 



HO, 




Eine Vergleichung' dieser Formel mit der obigen 
des Fluorescelns zeigt den Grund der Isomerie: sie 
beruht auf der verschiedenen Stellung der Hydroxyle. 

Aber das Hydrochiuonphtalein gleicht in seinem 
Verhalten keineswegs dem Fluorescein, sondern viel- 
mehr dem Phenolphtale'in: im freien Zustande ist es 
farblos, in Alkalien löst es sich ohne Fluoreszenz, mit 
intensiv violettroter Farbe. Die Frage nach der 
Konstitution der gefärbten Alkalisalze bietet nun beim 
Hydrochinonphtaleiin noch größere Schwierigkeiten 
als bei anderen Phtalei'nen. Will man das Hydro- 
chinonphtalein in alkalischer Lösung chinoid formu- 
lieren, so gelangt man zu dem folgenden Bilde : 

C 6 H 4 .COOH 

i 

oh/VVV 



o 

In demselben befinden sich die beiden den Chinon- 
typus bedingenden Atome C= und =0 in der Meta- 
stellung. Der Prototyp aller Chinone, das Benzochinon, 
enthält dieselben in der Parastellung (vgl. die obige 
Formel), und in der Benzolreihe sind bisher andere 
als Parachinone kaum bekannt. Von mehrkernigen 
Kohlenwasserstoffen, wie Naphtalin, Phenanthren, 
leiten sich auch eiuige Orthochinoue ab. Metachiuone 
sind dagegen noch niemals dargestellt worden. Wenn 
sie überhaupt existenzfähig sein sollten, so bedaif es 
offenbar ganz besonderer, noch nicht aufgefundener 
Bedingungen, um die sich ihrer Bildung entgegen- 
stellenden Widerstände zu überwinden. Um so weniger 
leicht wird man sich zu der Annahme entschließen, 
daß bei dem, in ganz verdünnter Lösung, durch die 
geringste Spur Alkali herbeigeführten Farbenumschlag 
des Hydrochinonphtah ins die für die Bildung eines 
Metachinons erforderlichen Umstände gegeben sind. 

Die Frage nach der Natur der llydrochinouphtaleiu- 
salze schien mir von Interesse für die organische 
Chemie im allgemeinen, danu aber auch für die 
Theorie der Indikatoren und der organischen Farb- 
Stoffe. Ich habe deshalb gemeinsam mit Herrn 
0. Spengler eine Untersuchung begonnen, um wo- 
möglich experimentelle Anhaltspunkte zur Beurteilung 
dieser Frage zu gewinnen. Im Verlaufe dieser Arbeit 
machte sich ab-r bald die Notwendigkeit geltend, 
auch das Phenolphtalein in den Bereich der Unter- 
suchung zu ziehen. Die Ergebnisse sind an anderer 
Stelle ausführlieh mitgeteilt; hier muß ich mich auf 
eine kurze zusammen fassende Wiedergabe beschränken. 

Wenn das Hydrochinonphtalein in einer chinoiden 
Form auftreten kann, so war die Existenz eines Car- 
boxylesters 

/C a H 3 . 
C 6 H 4 .c/ >0 

COOR 1 ) ^O 

zu erwarten. Ein solcher war aber weder auf direktem 
noch auf indirektem Wege zu erhalten. — Wir unter- 

') R = Methyl, Äthyl, Benzyl usw. 



Nr. 10. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 123 



suchten darauf die Ätherifizierung des Hydrochinon- 
phtaleins in alkalischer LösiiDg. Wenn diese das 
Phtalei'n in chinoider Form enthielt, so war hier die 
Bildung von Monoalkyläthern (I) zu erwarten, andern- 
falls die von Dialkyläthern (II): 

.OB 



I. C B H 4 .C 

I 
COOH 



/C«H 



/ v 










IL 



^C,H; 



V 



C 6 H., 

I 
CO— 



'\ 



/C,H 8 
C.H» 



OR 



OE 



Eine Veresterung der Carboxylgruppe ist unter 
den eingehaltenen Versuchsbedingungen so gut wie 
ausgeschlossen. 

Der Versuch entschied im Sinne der Formel II: 
es wurde ein farbloser, iu Alkali unlöslicher Dimethyl- 
äther und ein entsprechender Diäthyläther erhalten. 

Um noch eine Kontrolle der Formel II zu ge- 
winnen, haben wir das Hydrochinouphtalein in ein 
Anilid übergeführt und dieses alkyliert. Da bei der 
Darstellung des Anilids das Phtalei'n im freien Zu- 
stande angewandt wurde, so kann das Anilid nur 
lactoid konstituiert sein. Durch Alkylierung in 
alkalischer Lösung gibt es einen farblosen, alkali- 
unlöslichen Diinethylather, aus welchem durch Abspal- 
tung des Anilins ein Hydrochinonphtaleindimethyl- 
äther resultierte, der sich mit dem aus dem Phtalei'n 
direkt erhaltenen durchaus identisch erwies. 

Wir studierten ferner die Einwirkung von Hydr- 
oxylamin auf Hydrochinonphtaleiu in alkalischer 
Lösung, über welche bisher nur eine ganz kurze 
vorläufige Notiz von P. Friedländer aus dem Jahre 
1893 vorlag. Es wurde ein Produkt erhalten, dessen 
nähere Untersuchung zu dem unerwarteten Ergebnisse 
führte, daß sich drei isomere Körper von der Zu- 
sammensetzung eines Hydrochinonphtaleinoxims ge- 
bildet hatten. Das Hauptprodukt ist farblos ; die 
beiden in viel geringerer Menge auftretenden Be- 
gleiter sind gelb gefärbt; der eine von ihnen löst sich 
in Holzgeist mit intensiv grüner Fluoreszenz. — Bis- 
her konnte nur das farblose Oxim näher untersucht 
werden. Je nachdem man dem Phtaleiu in alkalischer 
Lösung lactoide oder chinoide Konstitution zuschreibt, 
wird man auch das Oxim chinoid (1) oder lactoid (II) 
formulieren: 



C 6 H 

I 
COOH 



/OH 
>0 



/OH 



yC 6 H 3 

C ^C H / V 

^N.OH 



II. 



C 6 H 4 

I 
CO— 



C 6 H 3 ( 

c 6 h/ 



c< 

N.OH x OH 



I muß bei alkalischer Alkylierung einen Dialkylätber 
geben; II einen Triäther. — Der Versuch entschied 
auch hier im Sinne der lactoiden Formel II. 

Genau ebenso verhielt sich das Phenolphtalei'n- 
oxim, wie aus den folgenden Formeln wohl ersicht- 
lich ist: 



III. 



P pr p^CgH, . OH 
V 6 4 ^C 8 H 4 =N.OH 
COOH 

Oxim, chinoid 

V 6 4 ^C 6 H 4 =N.OR 
COOH 

Diäther. chinoid 



IT. 



p Tj- p^-^C 6 H 4 .OH 
V 6 4 , < -C„U 4 .OH 

CO N.OH 

Oxim, lactoid 

p tt p^-CsHj . OR 
Y 6 "• T^C 6 H 4 .OR 

CO N.OR 

Triäther, lactoid. 



Tatsächlich wurden drei Triäther erhalten, welche 
nur lactoid sein können und daher auch auf die lac- 
toide Natur des Oxims schließen lassen. 

Überblickt man die vorstehend skizzierten Ver- 
suchsergebnisse, so gelangt man zu dem Schlüsse, 
daß durch sie die Annahme einer chiuoiden Kon- 
stitution der Phenol- und Hydrochinonphtaleinsalze 
keine Stütze erhalten hat. Sie geben für die bisher 
angenommene Tautoraerie der genannten beiden 
Phtalei'ne keinen Anhalt J ). Der tiefgehende Unter- 
schied in den Eigenschaften und im Verhalten, welcher 
diese von dem Fluorescein trennt, und welcher bisher 
viel zu wenig berücksichtigt wurde, findet hierin, 
wie mir scheint, einen prägnanten Ausdruck. Warum 
freilich Phenolphtah in sich nicht tautomer verhält, 
obwohl bei ihm die Vorbedingungen dazu ebenso vor- 
handen zu sein scheinen wie beim Fluorescein, muß 
einstweilen dahingestellt bleiben. Auch bietet die 
intensive Färbung der Phenol- und Hydrochinon- 
phtaleinsalze dem Verständnis immer noch erheb- 
liche Schwierigkeiten. Denn wenn man sie auch als 
Ionenfarbe auffaßt, so bleibt doch die Frage, warum 
diese Ionen gefärbt sind. Fällt die chinoide Formel, 
so ist ein die Färbung bedingender Chromophor nicht 
zu finden. 

Vielleicht gibt eine vor kurzem von A. Baeyer 
und V. Villi ger angestellte Betrachtung den Schlüssel 
zu dieser Frage. Sie wiesen darauf hin, daß das an 
sich farblose Dibenzalaceton 

p n< ^-C H=C H . C 6 H 5 

ou ^CH=CH.C t H s 

wie schon Claisen beobachtete, intensiv gefärbte 
Salze bildet: das Chlorhydrat ist rotgelb, das Jod- 
hydrat sogar schwarz. Der Grund dieser Färbung 
beruht nicht etwa auf der Entstehung einer mit der 
Salzbildung verknüpften chromophoren Gruppe, son- 
dern das Dibenzalaceton als solches liefert gefärbte 
Salze. Für diese Eigenschaft des Dibenzalacetons 
hat Baeyer die Bezeichnung „Halochromie" gebildet. 
Auch die Färbung der Phenol- und Hydrochinon- 
phtaleinsalze könnte vielleicht auf Halochromie be- 
ruhen. 

0. Penzig und C. Chiabrera: Ein Beitrag zur 
Kenntnis der acarophilen Pflanzen. 
(Malpighia 1903, Anno XVII, p. 429—487) 
Delpino hat zuerst (188<>) die Aufmerksamkeit der 
Botaniker auf gewisse, an der Unterseite der Blätter 
mancher Pflanzen auftretende Grübchen gelenkt, die 
von den Honigbehältern (extranuptialen Nektarien) 
durch den Mangel der Honigausscheidung und außer- 
dem dadurch unterschieden sind, daß sie regelmäßig 
von Milben bewohnt werden. Ein Jahr später wurden 
von Lundström ausführliche Untersuchungen über 
diese Gebilde veröffentlicht, die von ihm den Namen 



') Der oben erwähnte farbige Carboxylester des Tetra- 
bromphenolphtalei'ns steht dem nicht entgegen, da diese 
unzweifelhaft chinoide Verbindung gar nicht aus einem 
Phtaleinsalze, sondern aus dem Phtalinester dargestellt 
wurde. 



124 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Mr. 10. 



„Acarodomatien" erhielten (vgl. Rdsch. 1888, III, 
87). Er beschrieb eine ganze Anzahl von Beispielen 
und zählte mehr als 200 Arten auf, an denen 
er Acarodomatien feststellen konnte. Es sind alles 
Bäume oder Sträucher, die sich auf 24 Dikotyledonen- 
familien verteilen. Er unterschied verschiedene Typen 
von Acarodomatien : solche , die gebildet werden aus 
Grübchen , aus Taschen , aus Haarbüscheln und aus 
Umbiegungen des Blattrandes. Lundström kam 
zu dem Schlüsse, daß zwischen der Pflanze und den 
Milben eine Symbiose bestehe, die der Symbiose 
zwischen Pflanzen und Ameisen (Myrmecophilie) ent- 
spreche. Wie diese die Aufgabe haben , ihre Wirts- 
pflanzen vor den Angriffen tierischer Feinde zu 
schützen und dafür Nahrung aus den extranuptialen 
Nektarien oder Wohnung in den „Myrmecodomatien" 
empfangen, so läge es den Milben ob, die Blätter 
vor pflanzlichen Parasiten zu bewahren , indem sie 
die Blattoberfläche von den Sporen und Hyphen der 
Schmarotzerpilze säubern. Auch ist Lundström 
anzunehmen geneigt , daß die Pflanze dadurch einen 
weiteren Vorteil aus der Anwesenheit der Milben 
ziehe , daß sie die Kohlensäure und die Exkremente, 
die von diesen ausgeschieden werden , absorbiert. 
Einige spätere Arbeiten haben weitere Beiträge zur 
Kenntnis der Acarodomatien geliefert. 

Das Material zu der hier vorliegenden Arbeit der 
Herren Penzig und Chiabrera wurde von dem 
ersteren während seines Aufenthaltes in Buitenzorg 
(1896/97) gesammelt und (in Alkohol konserviert) 
im botanischen Institut zu Genua einer genauen Prü- 
fung unterzogen. Die Zahl der acarophilen Pflanzen 
ist durch diese Untersuchung um 81 Arten ge- 
wachsen, die sich auf 15 Familien verteilen. Unter 
diesen befinden sich die Meliaceen, Euphorbiaceen, 
Sterculiaceen, Ternstroemiaceen, Violaceen und Com- 
bretaceen , bei denen allen hier zum ersten Male 
Acarodomatien festgestellt wurden. Die Gesamtzahl 
der Arten , für die bis jetzt die Acarophilie nach- 
gewiesen ist, beträgt nach der von den Verfassern 
gegebenen Aufzählung 426 Arten aus 44 Familien. 
In den warmen Ländern scheint die Acarophilie 
mehr verbreitet zu sein als in den gemäßigten und 
kalten Gebieten. Auch ist es bemerkenswert , daß 
alle bis jetzt bekannten acarophilen Pflanzen ohne 
Ausnahme dikotyle Holzpflanzen sind. Wir kennen 
keine einzige krautartige Pflanze mit solchen Schutz- 
einrichtungen, und unter den Monokotylen, den Gym- 
nospermen und den Pteridophyten ist kein einziges 
Vorkommen von Acarophilie festgestellt worden. 

Auf die von den Verfassern gebotene Beschrei- 
bung der einzelnen Fälle kann hier natürlich nicht 
eingegangen werden. Wir beschränken uns auf eine 
Wiedergabe der wichtigsten allgemeinen Ergebnisse. 

Die mikroskopische Untersuchung der Acarodo- 
matien ergab eine große Einförmigkeit und Einfach- 
heit des Baues, sowohl bei den „Grübchen", wie den 
„Taschen", wie auch den von Haarbüscheldomatien 
eingenommenen Bezirken. Durch besondere Ausbil- 
dung sind am bemerkenswertesten die Domatien mit 



doppelter Öffnung bei Terminalia Katappa und die 
Domatien von Saprosina fruticosum , die durch Erha- 
benheiten des Grundes in verschiedene Kammern 
geteilt zu sein scheinen. 

Die Epidermis des Blattes ist an den Stellen , wo 
sich die Domatien befinden , nur unbedeutend ver- 
ändert und wenig von der verschieden, welche die 
' extradoinatialen Teile der Blattunterseite überzieht. 
Auffällig ist nur die verstärkte Haarentwickelung 
um die Mündung der Domatien oder in deren Innern 
bei solchen Blättern, deren übrige Teile nur spärlich 
damit ausgestattet sind, oder das Auftreten von Do- 
matienhaaren auf Blättern, die sonst völlig glatt sind. 

Die Haare, welche die Mündung der Domatien 
umgeben oder deren Inneres auskleiden , sind in 
ihrem Bau entweder den extralomatialen Haaren 
gleich oder (in weniger zahlreichen Fällen) von ihnen 
verschieden. In letzterem Falle sind immer die 
Domatienhaare höher entwickelt als die anderen; sie 
sind z. B. mehrzellig, während die anderen einzellig 
sind, oder sie sind länger, steifer usw. Jeder sol- 
cher Fortschritt, ob er qualitativer oder quantita- 
tiver Art sei, steht im Einklang mit der Aufgabe der 
Domatienhaare, die kleinen Bewohner der Domatien 
besser zu verbergen und zu beschützen, anderen Tieren 
das Eindringen zu erschweren und das NisteD , die 
Eiablage und die Aufzucht der Larven zu erleichtern. 
Auch sind die Haare (wie mehrmals festgestellt wurde) 
nützlich , um organischen Detritus , Sporen und der- 
gleichen Stoffe, die der Milbe zur Nahrung dienen 
können, anzuhäufen. 

Ein ziemlich allen Domatien gemeinsames Merk- 
mal ist die Verminderung oder auch völlige Unter- 
drückung der Spaltöffnungen in den Höhlungen oder 
Bezirken der Domatien und ferner die mehr oder 
weniger starke Cuticularisierung der Epidermis im 
Innern derselben; in. einigen Fällen wenigstens ist 
die Cuticula noch stärker entwickelt als an den 
extradoinatialen Teilen der Blattunterseite. Diese 
Tatsachen widersprechen der von Lundström ge- 
machten Annahme, daß die Pflanze Ernährungsvor- 
teile aus der Anwesenheit der Milben ziehe. 

Das Mesophyll ist im Gebiete der Domatien oft 
leicht verändert, doch beschränkt sich diese Verände- 
rung auf die Bildung einiger (1 — 5) hypodermaler 
Schichten mit isodiametrischen, parenchymatischen, 
derben Zellen, die wahrscheinlich dazu dienen, die 
Wände des Domatiums mechanisch zu verstärken 
und es von den assimilierenden Geweben außerhalb 
zu isolieren. Die Verminderung des Chlorophylls 
und andere geringe Unterschiede im Inhalt dieser 
circumdomatialen Gewebe finden vielleicht ihre Er- 
klärung in der infranervalen , verborgenen Lage der 
Domatien. 

Die Angabe Lundströms, daß die Milben der 
Pflanze dadurch nützen , daß sie die Blattoberfläche 
von fremden Stoffen und Organismen, wie Pilzhyphen 
und Sporen, reinigen, wird durch die Beobachtungen 
der Verfasser bestätigt. In den Tropengegenden, wo 
die Acarophilie ihre größte Entwickelung erreicht, 



Nr. 10. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 125 



und vor allem in den Wäldern Brasiliens und des 
tropischen Asiens, denen die große Mehrheit der bis 
jetzt beschriebenen acarophilen Pflanzen angehört, 
werden die Blätter der Bäume und Sträucher oft von 
einer außerordentlich großen Zahl von Epiphyten, 
mehr als von Parasiten , heimgesucht. Algen , Pilze, 
Flechten und epiphyllische Moose bedecken bisweilen 
die ganze Oberfläche der Blätter, und sicherlich muß 
ihre Gegenwart, auch wenn sie keine echten Para- 
siten sind, den befallenen Pflanzen schaden, beson- 
ders durch die Hemmung des Lichtzutritts und die 
dadurch bewirkte Verminderung der Assimilation. 
Gegen solche unwillkommene Gäste scheint die Rei- 
nigungsarbeifc der Blattmilben vorzüglich gerichtet 
zu sein. Nur in drei Fällen, nämlich bei Agati- 
santhes javanica, Chasalia curviflora und Saprosma 
dispar fanden die Verfasser die von Milben be- 
wohnten Blätter dennoch mit einer dichten Krypto- 
gamenvegetation bedeckt; in allen anderen Fällen 
waren die Blattoberflächen sauber und rein, frei von 
Epiphyten und Parasiten. 

Ein gewisses biologisches Interesse hat auch die 
Tatsache, daß die Domatien zuweilen von anderen 
Tieren usurpiert werden. Schon Lundström hatte 
beobachtet, daß bei der Linde und dem Ahorn sich 
zuweilen Gallmilben (Phytoptus) in den schon ge- 
bildeten Acarodomatien einnisten und sie durch das 
Anstechen und die davon ausgehende Reizung in 
Gallen (Phytoptocecidieu) umwandeln. Eine ähnliche 
Erscheinung beobachtete Dietz (1890) an den Do- 
matien der Erle, und die Verfasser beschreiben einen 
neuen Fall bei einer Rottleraart (Euphorbiaceen), der 
deshalb besonders merkwürdig ist, weil es sich da- 
bei um eine echte, beständig und regelmäßig gewor- 
dene Symbiose zwischen den gewöhnlichen Blatt- 
milben und den Gallmilben auf derselben Pflanze 
handelt. Die in der Mitte der Blattspreite dieser 
Euphorbiaceenart befindlichen Domatien sind näm- 
lich stets in Phytoptocecidien mit reichlicher Haar- 
bildung umgewandelt, aber außer Phytoptus findet 
man in ihnen verschiedene Milben, die keine Gallen 
erzeugen (Caligonus longimanus K.) und andere 
kleine Tiere. Für einige Arten von Melastomaceen 
scheint durch Beccaris Beobachtungen festgestellt 
zu sein, daß ihre Acarodomatien regelmäßig von 
kleinen Ameisen besetzt werden, die die Höhlungen 
vergrößern und sie in Myrmecodomatien umwandeln. 

Die Annahme Delpinos, daß die Acarodomatien 
ursprünglich extranuptalle Nektarien gewesen seien, 
welche die Fähigkeit der Zuckerausscheidung ver- 
loren hätten und zu Milbenwohnungen umgewandelt 
seien , erklären die Verfasser zum Teil aus logischen 
Gründen im allgemeinen für unzulässig, wenn sie 
auch vielleicht für die von Delpino erwähnten 
Fälle von Ligustrum coriaceum und Bignonia diversi- 
folia Geltung haben könnte. Es würde, so wird aus- 
geführt, eine sehr ungewöhnliche Erscheinung sein, 
daß so spezialisierte und durch die Anlockung 
von Schutzameisen so vorteilhafte Organe, wie die 
extranuptialen Nektarien, ihrem ursprünglichen Zweck 



entfremdet und für eine ganz andere Funktion um- 
gestaltet sein sollten. Auch lasse sich nicht denken, 
daß die Ameisen, „die Inkarnation des Krieges und 
der Zerstörung", die alle kleinen Tiere befehden, 
ruhig zugesehen haben sollten , wie sich die Milben 
langsam und allmählich in den Organen, die den 
Ameisen Nahrung gaben, einnisteten. Überzeugender 
als diese Begründung scheint uns das von den Ver- 
fassern weiter angezogene Moment, daß die Lokali- 
sation der extranuptialen Nektarien gewöhnlich von 
der der Acarodomatien verschieden ist. Während die 
ersteren an ziemlich sichtbaren und leicht zugäng- 
lichen Stellen, an den Nebenblättern, den Blatt- 
stielen, längs der Blattränder sitzen und zuweilen 
durch purpurne oder gelbe Farbstoffe noch auffäl- 
liger erscheinen , sind die Acarodomatien zwischen 
den Winkeln der vorspringenden Blattnerven ver- 
steckt, oft auch von Haaren beschützt und tragen 
in allen ihren Merkmalen den deutlichen Stempel 
von Schlupfwinkeln. Außerdem ist die Mikrostruk- 
tur der Acarodomatien von der der Nektarien ziem- 
lich verschieden. Endlich gibt es eine Reihe von 
Pflanzen, bei denen extranuptiale Nektarien und 
Acarodomatien gleichzeitig an denselben Blättern 
auftreten und in ihrem Bau und Aussehen nichts 
miteinander gemein haben. Aus allen diesen Grün- 
den betrachten die Verfasser die Acarodomatien als 
Organe sui generis, die ausschließlich für die Milben, 
wahrscheinlich unter ihrer (direkten oder indirekten) 
aktiven Mitwirkung erzeugt worden sind. 

Nach den Versuchen von Lundström ist die 
Gegenwart der Milben für die Entstehung der Aca- 
rodomatien notwendig. Die Verfasser halten diese 
Versuche nicht für völlig beweiskräftig. Doch führen 
sie an, daß bei vielen von ihnen beobachteten Arten 
eine große Verschiedenheit in der Entwickelung zwi- 
schen den Acarodomatien eines Blattes und denen 
eines anderen Blattes desselben Alters , derselben 
Größe und desselben Stockes wahrzunehmen sei, und 
daß man gleichfalls sehr häufig an einem Exem- 
plare einer acarophilen Pflanze gewisse, im übrigen 
ganz normale Blätter finde, die keine Domatien 
tragen. Das scheine die Ansicht zu stützen, daß die 
Bildung der Domatien nicht auf einer spontanen, er- 
erbten Tätigkeit der Pflanze beruhe, sondern unter 
Mitwirkung der Milben zustande komme. Zur end- 
gültigen Entscheidung dieser Frage sind aber Ver- 
suche nötig, die mit äußerster Vorsicht und Sorgfalt 
an zahlreichen acarophilen Pflanzen an ihrem hei- 
mischen Standort ausgeführt werden müßten. F. M. 



L. Teisserenc de Bort: Über die Temperatur- 
abnabme mit der Höhe in der Gegend 
von Paris nach fünfjährigen Beobachtun- 
gen. (Compt. rend. 1904, t. CXXXVIII, p. 42—45.) 
Aus seinen Beobachtungen der Atmosphäre mittels 
Sondenballons hatte Herr Teisserenc de Bort bereits 
wiederholt einige der auffallendsten Ergebnisse mitgeteilt. 
Nachdem diese Sondierungen nun eine Periode von fünf 
Jahren erreicht haben, über die sie ziemlich regelmäßig 
verteilt sind, war es ihm möglich, mit einiger Genauig- 
keit allgemeine Schlüsse ._. über die Abnahme der Tem- 



126 XIX. Jahrg. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



1904. Nr. 10. 



peratur oberhalb Paris in verschiedenen Jahreszeiten ab- 
zuleiten. Das gesamte Beobachtungsmaterial hat er in 
zwei Gruppen geteilt ; A umfaßt die Resultate von 581 
Ballonauistiegen in verschiedenen Höhen und B besteht 
nur aus den 141 Aufstiegen, welche die Höhe vou 14 km 
erreicht habeD. In einer Tabelle sind die Temperaturen 
von 500 zu 500 m für die unteren Luftschichten und von 
Kilometer zu Kilometer für die oberen zusammengestellt. 
Hier soll die Tabelle nur in verkürzter Form, und zwar 
für die Gruppe B wiedergegeben werden: 

Höhe Winter Frühling Sommer Herbst Amplitude 



Erdoberfläche 


+ 1,9 


+ 5,1 


+ 13,0 


+ 7,5 


13,4 


1000 m . . 


- 0,2 


+ 2,4 


+ 11,8 


+ 6,1 


14,6 


2000 m . . 


— 1,4 


— 2,1 


+ 7,3 


+ 2,2 


14,3 


3000 m . . . 


— 6,0 


— 6,4 


+ 2,1 


- 1,7 


12,5 


4000 m . . 


— 10,9 


— 12,2 


— 2,7 


— 6,5 


12,6 


5000 m . . . 


— 17,0 


— 18,5 


— 8,3 


— 12,4 


13,3 


6000 m . . 


— 23,7 


-25,2 


— 14,8 


— 18,7 


12,5 


8000 m . . 


— 39,0 


— 39,0 


— 29,3 


— 33,5 


12,5 


10000 m . . 


— 54,0 


— 52,7 


— 45,3 


—48,3 


11,6 


12000 m . . 


— 57,9 


— 53,1 


— 52,7 


— 57,1 


9,1 


14000 m . . 


— 55,5 


— 52,5 


— 51.3 


— 57,1 


9,3 



Man Bieht aus dieser Tabelle, daß die mittlere Tem- 
peraturabnahme gering ist in den unteren .Schichten, wo 
sie in einer mit der Jahreszeit wechselnden Höhe ein 
Minimum zeigt wegen der Kondensation der Wolken und 
infolge der Umkehrerscheinungen (Zunahme der Tempe- 
ratur mit der Höhe an Stelle der Abnahme). Letzere 
bilden in den untersten 3 bis 4 km nicht eine Ausnahme, 
wie man früher meinte, sondern sie treten sehr häufig auf. 
Bei Windstille sind sie nachts die Regel ; in manchen 
Fällen zeigen sie sich auch bei starken Winden. Am 
Tage sind sie oberhalb der Wolkenschichten gewöhnlich, 
zuweilen kommen sie jedoch auch ohne Wolken vor. 

Im allgemeinen scheint die Temperaturumkehr zu 
entstehen, wenn die Luft ihre Temperatur an Ort und 
Stelle ändern kann entweder durch die Berührung mit dem 
Boden, bzw. mit der Oberfläche der Wolken, oder durch 
Strahlung; ferner wenn die Luft auf oder unter anderen 
Luftmassen hingleiten kann, ohne merklich den Druck zu 
ändern, wobei sie ungefähr den Isobarenflächen folgt. 
Dies ist z. B. der Fall bei manchem Luftaustausch zwi- 
schen Gebieten hoher und niedriger Drucke. 

Übrigens ist der Mechanismus, der kleine Luftmassen, 
wenn sie erwärmt werden, veranlaßt, infolge einfacher 
Dichtigkeitsdifferenz in die Höhe zu steigen, noch sehr 
wenig bekannt, und man beobachtet oft ein lahiles Gleich- 
gewicht in der Nähe des von den Sonnenstrahlen erwärm- 
ten Bodens (mit Abnahmen der Temperatur von mehr als 
1° pro 100 m), ein Gleichgewicht, das nur durch das Ein- 
greifen von Winden mit ziemlich ausgesprochener hori- 
zontaler Komponente aufgehoben wird. Wenn hingegen 
eine allgemeine Luftbewegung ein Durchrühren erzeugt 
und eine Gesamtverschiebung mit vertikaler Komponente 
veranlaßt, dann findet man, daß die Änderung der Tem- 
peratur mit der Höhe sich der adiabatischen Abnahme 
nähert. 

Die Atmosphäre ist somit abwechselnd zwei ent- 
gegengesetzten Regimen unterworfen, welche in unseren 
Gegenden bedeutenden Einfluß haben auf die unteren 
Schichten, in denen die Kondensationen und die Umkeh- 
rungen mit Wärmeäuderungen infolge der Ausdehnung 
abwechseln. Der Abschnitt der Atmosphäre zwischen 6 km, 
10 km und 11km scheint vorzugsweise der adiabatischen 
Abnahme zu unterliegen; Umkehrungen sind hier selten, 
die Feuchtigkeit ist hier gering und Wolken sind nach 
di D in Trappes ausgeführten Messungen wenig häufig. 
Da man nun findet, daß die Luft immer trockener wird, 
könnte man somit erwarten, daß die Temperaturabnahme, 
die oft 0,9" (pro 100 m) erreicht, fortfahren wird sehr groß 
zu sein; aber von einer bestimmten Höhe an haben die 
Beobachtungen zur Entdeckung einer ganz und gar un- 
vorhergesehenen Erscheinung geführt, deren Ursache 
noch sehr dunkel ist (vgl. die etwa gleichzeitigen Mit- 



teilungen des Verf. und des Herrn Assmann, Rdsch. 
1902, XVII, 381): 

Wie man aus obiger Tabelle sieht, hört durchschnitt- 
lich gegen 11km die Temperatur auf abzunehmen, und 
man gelangt zu einer vom Verf. als „isotherm" bezeich- 
neten Zone, die man in allen Monaten aller Jahre antrifft. 
Diese Schicht zeigt Wendepunkte verschiedenen Sinnes: 
Temperaturerhöhungen und geringe Abkühlungen. Ohne 
in eine vorzeitige Diskussion dieser Eigentümlichkeit ein- 
treten zu wollen, hält Verf. sich zu der Bemerkung be- 
rechtigt, daß alles so vor sich geht, als ob die Atmo- 
sphäre in diesen Höhen einem ähnlichen Regime wie bei 
den Umkehrungen ausgesetzt wäre, in welchem die Be- 
wegungen mit vertikaler Komponente von geringer Be- 
deutung sind ; daher die Möglichkeit dicker isothermer 
Schichten und von Änderungen des Vorzeichens bei der 
Änderung der Temperatur. 



Anton Wassmutli: Über die bei der Biegung von 

Stahlstäben beobachteteAbkühlung. (Annalen 
der Physik 1904, F. 4, Bd. XIII, S. 182—192.) 

In einer früheren, der Wiener Akademie vorgelegten 
Untersuchung hatte Herr Wassmuth die Behauptung 
aufgestellt, daß bei der Biegung von Metallstäben eine 
meßbare Abkühlung auftreten müsse und daß es umge- 
kehrt möglich sei, aus dem Vergleiche der Theorie und 
der Versuche die Änderung des Elastizitätsmoduls mit 
der Temperatur zu bestimmen. Die Biegungsversuche, 
die er seit einem Jahre mit verschiedenen Stahlstäben 
durchgeführt, haben nun in der Tat den Nachweis er- 
bracht, daß das obige Ziel wenigstens für dieses Material 
(Stahl) wirklich erreicht wurde. 

Zunächst wurden ungleichförmige Biegungen unter- 
sucht, bei denen die Stäbe mit beiden Enden frei auf- 
lagen und durch weiteres Anbringen von Zugkräften in 
der Mitte des Stabes immer stärker gebogen wurden. 
Die in der Mitte eingelöteten, sehr feinen Thermoelemente 
wiesen stets Abkühlungen (:>) bei Verstärkung der Bie- 
gung auf, die sich im Sinne der Rechnung — wie das 
Verhältnis der Änderungen der Produkte aus Zug und 
Pfeilhöhe — verhielten. Die Temperaturänderungeu 
blieben die gleichen, wenn man auch auf verschiedenem 
Wege von der Anfangsbiegung zu der Endbiegung über- 
ging (Summationsprinzip). So lieferte eine durch einen 
Hebelarm bewirkte Biegung eines 3 mm dicken Stabes 
von 20 Grad auf 7 Grad die Abkühlung » a = 0,00389° 
und die Biegung von 7 Grad auf 5 Grad die Abkühlung 
# 5 — 0,00119°; somit » 3 -+-*, = 0,00508°. Wurde dann 
der Stab von 20 Grad auf nur 9 Grad gebogen , so 
war #, = 0,00286°, und bei der weiteren Biegung von 
9 Grad auf 5 Grad » 4 = 0,00200°, also », + » 4 = 0,00 496°, 
d. h. nahe = S- 3 -|-#, 1 . Eine direkte Biegung von"*20 Grad 
auf 5 Grad lieferte eine Abkühlung (bzw. Erwärmung 
bei Entlastung) # s = 0,00465°, also etwas kleiner als 
S- s -f- S- 5 oder #, -f # 4 . 

War das feine Thermoelement nicht in der Mitte, 
sondern seitwärts von derselben angebracht, so ergaben 
sich immer kleinere Temperaturänderuugen 9, je näher 
man an die Enden herankam. Zweifellos war es , daß 
bei dieser Anordnung der Biegung eine Wärmeleitung 
ins Spiel trat, die sich nur schwierig bestimmen ließ; 
immerhin wies das Mittel der beobachteten # für mehrere 
Stellen keine bedeutende Abweichung von dem berechneten 
Werte auf. 

Sodann hat Verf., um die Wärmeleitung zwischen 
den einzelnen Querschnitten möglichst auszuschließen, auf 
den Rat des Herrn Voigt (Göttingen) die gleichförmige 
Biegung in der Art zur Anwendung gebracht, daß der 
Stab auf zwei Drehschneiden, die von den Stabenden gleich 
weit entfernt waren, frei auflag; an den Enden des Stabes 
wirkten gleiche Zugkräfte, die gleiche Drehungsmomente 
rechts wie links erzeugten. Der Stab bog sich dann 
zwischen den beiden Schneiden gleichförmig nach oben, 
und die Pfeilhöhe konnte mittels einer Marke gemessen 



Nr. 10. 1904. 



Naturwissenschaftliche Rundschau. 



XIX. Jahrg. 127 



werden. Für die Temperaturänderung bei der Biegung 
von einem Drehungsmoment in ein anderes hatte Herr 
Voigt eine Beziehung aufgestellt, welche durch die 
Messungen an zwei verschieden dicken Stahlstäben ihre 
volle Bestätigung fand. Die ausführlich mitgeteilten 
Zahlenwerte gestatten auch die Berechnung des Elastizi- 
tätsmoduls, dermitden von Anderen für Eisen gemessenen 
übereinstimmt. Die Versuche bestätigten ferner die Un- 
abhängigkeit der Temperaturveräuderungen 3 a b von einer 
Zwischenstation, d. i. das Gesetz: .'t ; ib = #ak-f- #kb. 



A. H. Pfund: Untersuchung der Selenzelle. 
(Philosophical Magazine 1904, ser. 6, vol. VII, p. 26—39.) 

Die Tatsache, daß eine Selenzelle ihren elektrischen 
Widerstand im Lichte verändert, wird jetzt allgemein 
nach Bidwell (Rdsch. 1895, X, 614) auf die Anwesenheit 
von Seleniden zurückgeführt, von denen das Selen nie- 
mals ganz frei zur Verwendung kommt. Die Gründe 
hierfür sind, daß die Leitung der Zellen ihrem Charakter 
nach eine elektrolytische ist, daß Selen ein sehr schlechter 
Leiter ist, während die Selenide verhältnismäßig gut 
leiten, und daß das Sonnenlicht Selen mit Metall zu einem 
Selenid verbindet, das einen elektrischen Strom zu leiten 
vermag. Bei einer experimentellen Prüfung dieser Er- 
klärung, die Herr Pfund beabsichtigte, ging er von der 
Annahme aus, daß es zweckmäßig sein werde, das Ver- 
halten von Zellen, welche verschiedene Mengen von Sele- 
niden enthalten, zu untersuchen; und als es sich im Laufe 
der Untersuchung sehr bald herausstellte, daß im sicht- 
baren Spektrum die Empfindlichkeit der Zelle ein be- 
stimmtes Maximum zeigt, lag es nahe, zu prüfen, ob die 
Stelle dieses Maximums von dem Metall des Selenids 
abhängig ist. Da ferner nach Bidwells Auffassung 
das Licht die Zunahme der Leitfähigkeit in der Zelle da- 
durch bewirkt, daß es die Rückkehr der Molekeln in ihre 
ursprüngliche Anordnung in der oberflächlichen Schicht 
eines Selenids, durch welches ein Strom hindurchgegangen, 
erleichtert, so sollte experimentell geprüft werden, ob 
der Widerstand einer Zelle bei Einwirkung des Lichtes 
sich auch ändert, wenn kein Strom hindurchgeht. 

Das zu den Versuchen verwendete Selen wurde nach 
einer chemischen Methode äußerst sorgfältig gereinigt, 
zu einem feinen Pulver zerrieben und, mit 3 Proz. eines 
Selenids gemischt, in einer Schicht von durchschnittlich 
O,0S mm Dicke zwischen Kohlenelektroden gegossen. Es 
wurde vermieden, Metalle als Elektroden zu verwenden, 
um die Bildung von Seleniden in der Zelle außer den direkt 
zugesetzten zu verhüten; es wurden als Zusätze sowohl 
Kupfer-, als Blei-, Quecksilber- und Silberselenid wegen 
ihrer guten Leitfähigkeit verwendet. Als Lichtquelle 
diente ein Strahlenbündel von einer Nernstlampe, das, 
von einem Steinsalzprisma zerlegt, in beliebiger Wellen- 
länge durch einen Spalt auf die Zelle geworfen werden 
konnte. Das Strahlenbündel bestimmter Wellenlänge 
wurde erst auf eine Thermosäule zur Messung seiner 
Intensität und dann auf die Selenzelle geworfen. Das 
Verhältnis der Leitfähigkeit im Dunklen und beim Auf- 
fallen der Lichtstrahlen war das Maß der Empfindlichkeit, 
welche bei gleichbleibender Energie für die verschiedenen 
Wellenlängen gemessen wurde. 

Das erste wichtige Ergebnis, das Herrn Pfund 
schon bei seinen Vorversuchen mit gewöhnlichem, nicht 
gereinigtem Selen und verschiedenen Metallelektroden 
aufgefallen war, daß nämlich die Empfindlichkeit des 
Selens ein Maximum bei etwa 0,7 u besitzt, und daß 
dieses Maximum für alle Zellen das gleiche ist, dieses 
Ergebnis ist bei den definitiven Versuchen mit reinem 
Selen und bestimmten Mengen aus sehr verschiedenen 
Metallen hergestellten Seleniden bestätigt worden. Daraus 
konnte der Schluß gezogen werden , daß die Natur des 
Metalls im Selenid die auswählende Empfindlichkeit der 
Zelle nicht beeiuflußt. 

Um nun eine Vorstellung zu gewinnen von den 
molekularen Vorgängen, die sich abspielen, wenn die 



Zelle unter der Einwirkung des Lichtes ihren Widerstand 
ändert, untersuchte Herr Pfund, ob für die Entwicke- 
lung der Empfindlichkeit in einer Selenzelle das Durch- 
fließen eines elektrischen Stromes notwendig ist. Es 
wurde untersucht, ob vielleicht das Licht, indem es auf 
die Zelle fällt, irgend eine leitende Verbindung herstellt 
und der Strom diese Verbindung zerlegt, wodurch die 
Zelle wieder ihren ursprünglichen Widerstand erlangt. 
Eine Selenzelle wurde 15 Sekunden belichtet und gab 
einen starken Ausschlag des Galvanometers; wurde hier- 
auf bei stetig geschlossenem Kreise das Licht verlöscht, 
so kehrte die Galvauometernadel nach 65 Sekunden zu 
ihrer Anfangsstellung zurück. Demgegenüber wurde in 
einem anderen Versuch der Kreis geöffnet, das Licht 
wirkte wieder 15 Sekunden ein, und 65 Sekunden nach 
dem Verlöschen wurde der Widerstand gemessen; auch 
in diesem Falle wurde der Widerstand gleich dem ur- 
sprünglichen gefunden. Eine leitende Verbindung durch 
die Einwirkung des Lichtes scheint sich also nicht 
gebildet zu haben, denn sonst müßte der Widerstand 
kleiner gefunden werden als früher; oder diese Verbin- 
dung hat sich auch ohne Strom im Finstern von selbst 
wieder zersetzt. Zur Aufklärung wurde der Versuch 
in der Weise wiederholt , daß der Ki-eis ohne Strom 
30 Sekunden lang dem Licht exponiert und dann sofort 
nach dem Verlöschen des Lichtes der Widerstand bestimmt 
wurde. Dieser war bei Belichtung ohne Strom derselbe 
wie bei Belichtung der Zelle im geschlossenen Kreise ; 
die Selenzelle erleidet somit, wenn Licht einwirkt, die- 
selbe Widerstandsänderung, wenn der Strom hindurch- 
fließt, wie ohne denselben. 

Diese Tatsache spricht gegen die Bidwellsche 
Theorie, welche auch nur schwer die Rolle erklären kann, 
die der große Überschuß von freiem Selen spielt, dessen 
Anwesenheit absolut notwendig ist für die Entwickelung 
der Empfindlichkeit einer Zelle. Verf. stellt sich vielmehr 
vor, daß das Licht das polymorphe Selen" in eine neue 
Modifikation umwandelt, die den nach den Elektroden 
wandernden Bestandteilen der Selenide weniger Wider- 
stand bietet, so daß hierdurch eine größere Geschwindig- 
keit derselben resultiert und hiermit eine Abnahme des 
Widerstandes der Zelle bewirkt wird. Nimmt man weiter 
an, daß diese neue Modifikation des Selens nur im Lichte 
beständig ist, so folgt naturgemäß beim Abschneiden des 
Lichtes die Rückkehr zum ursprünglichen Verhalten. 

Verf. resümiert seine Abhandlung wie folgt: „1. Die 
Empfindlich