NATURWISSENSCHAFTLICHE
WOCHENSCHRIFT
BEGRUNDET VON H. POTONlfi
HERAUSGEGEBEN
VON
PROF DR. H. MIEHE
IN BERLIN
NEUE FOLGE. 16. BAND
(DER GANZEN REIHE 32. BAND)
JANUAR DEZEMBER 1917
MIT 180 ABBILDUNGEN IM TEXT
JENA
VERLAG VON GUSTAV FISCHER
1917
Alle Rechte vorbehalten.
Register.
I. GroBere Originalartikel
und Sammelreferate.
Andre'e, K., Einige Bemerkungen zur
Geschichte der Geologic, insbesondere
der ,,phantastischen Periode" der Pala-
ontologie. 719.
Becker, A., Uber den Kathodenstrahlen-
durchgang durcb Materie. 513.
Brehm, V., Dr. Absolon's zoologische
Hbhlenforschungen auf der Balkanhalb-
insel. 49.
Bretschneider, Fr., Zur matbema-
tischen Behandlung des Inzuchtgrades.
225.
Coehn, Alfred, Das Stickstoffproblem
und seine Lbsungen. 129.
Dittrich, G., Die Pilzvergiftungen der
letzten Jahre. 297.
DUggeli, M., Die Schwefelbakterien und
ihre Tatigkeit in der Natur. 321.
K i c h w;i lil ,!'.., Atmung und Garung. I.
Engelhardt, V., Faraday's Stellung in
der Geschichte der Physik. 465.
K ngelhardt, V.,D'Alembcrt'sBedcutung
fiir die Naturwissenschaften. 641.
Frank, M., Abschatzen von grofieren
Entfernungen unter Beriicksichtigungder
Luftperspektive. 486.
Freund, L., Keimdriisen und Kastration
der mannlichen Vbgel. 569.
Frickhinger, H. W., Die deutschen
Seidenbaubestrebungenund das Problem
der Schwarzwurzelfiitterung. 541.
Giinther, H., Sulfit- und Karbidsprit.
609.
1 1. ill n, F, d., Brennesseln in alter und
neuer Verwendung. 328.
Halbfafi, W., Die iru Elb- und Oder-
stroragebiet vorhandene Wassermenge.
105.
Hennig, Edw., Zum Problem der Wiin-
schelrute. 251.
Hennig, Edw., Untersuchungen mil der
Wunschelrute. 537.
Hennig, R., Das ,,Wiederholungsgefuhl"
als Quelle des Seelenwanderungs-Glau-
bens. 585.
Hirsch, G. Chr., Der Arbeitsrhythmus
der Ganglienzellen. 185.
Herrmann, Ursprung, Verbreitung und
Nutzbarmachung der chemisch-industri-
ellen raineralischen Rohstoffe. 657.
Kathariner, L., Der Anthropomorphis-
mus in der Zoologie. 611.
Kelhofer, E., Wegener's Verschiebungs-
theorie. 702.
Killermann, S., Der Alraun (Mandra-
gora). 137.
Killermann, S., Die Entdeckung der
Paradiesvogel. 409.
Killermann, S., Maischwamm und Erd-
simmerling. 430.
Krause, Grundwasser und Quellen. 265.
Berichtigung dazu 480.
Krause, K., Die Veranderungen der
Landoberflache durch das Wasser. 673.
Krausel, R., Zur Bestimmung fossiler
Blattabdrucke. 214.
Krausel, R., Die Bedeutung der Ana-
tomie lebender und fossiler Hblzer fur
die Pbylogenie der Koniferen. 305.
Notiz und Berichtigung dazu 408.
Krausel, R., Die Seefelder bei Reinerz
in Schlesien, ein des Schutzes bedurftiges
Hochmoor. 659.
Kfizenecky, J., Versuch einer metho-
dischen Bestimmung des Inzucbtsgrades
mittels mathematischer Methode. 73.
K u h n , K., Das Coronium, ein unentdecktes
Edelgas. 381.
Kuhn, K., Neuere Ergebnisse der Kanal-
strahlenforschung. 697.
Lenk, E., Stiitzgewebe und Integumente
der Tiere. 209.
Literaturliste dazu 422.
Lipschutz, Al., Studien zur Nerven-
regeneration. 625.
Mecklenburg, W., Siliciumchemie und
Kohlenstoffchemic. 163.
Mecklenburg, W., Der Basenaustausch
der Silikate. 441.
Menzelf, H. Zur Entwicklung und
Gliederung der Quartarbildungen des
nbrdlichen Deutschlands. 193-
Mortens, R., Uber einige Falle des
Scheinhermaphroditismus bei Fischcn.
683.
Milewski,A., Zur Kenntnis des Genus.
Typhlonectes Peters der Gymnophiona
(Amphibia apoda). 33.
Mo hi us, M., Die Reduktionsteilung im
Ptlanzenreich. 713.
Mb'tef ind t, H., G^org Schweinfurth. 57.
Muller, A., Gehort die Psychologic zu
den Naturwissenschaften? 553.
Muller, K. Angewandte Botanik. 97.
Miiller-Freienfels, Zur Psychologic
und Biologic der Gefuhle. 629.
Neumann, W., Bemerkungen zu der
Enlgegnung Ziegler's. 24.
Oudemans, A. C., Sind die Maskarenen
und die zentralpazifischen Inseln oze-
anisch? 201.
Pax, F., Die Verbreitung des wilden
Kaninchens in Russisch-Polen. 299.
Radestock,H., Fernwetterprophezeiung.
337-
Rahlmann, E., Goethe's Farbenlehre und
die Naturwissenschaft. 601.
Reichenau, W. v., Der Sang der Un-
sichtbaren im Fdhrenwalde. 144.
Riebesell, P., Relativitat und Gravita-
tion. 113.
Rbflle, Uber das Altern. 241.
Schelenz, H., Die Wunschelrute. 39.
Schilling, F., Vitamine. 229.
Schoy, C., Eine merkwiirdige Naturer-
scheinung im Jordantal. 17.
Schutt, K., Uber den Druck der Licht-
strahlen. 425.
Schutt, K., Kristallstruktur und Rb'nt-
genstrahlen. 521.
Notiz dazu 608.
S u d h o f f , K., Ein Alkoholrezept aus dem
8. Jahrbundert? 68 1.
Taschenberg, O., Etwas liber den Be-
griff ,,Brutparasitismus". 353, 369.
Taschenberg, O., Einige Betrachtungen
uber die BegritTe Parasit, Raubtier und
Pflanzenrauber. 153, 169.
Taudin Chabot, J. J., Zur Bewertung
der geistigen Leistungen von Hund und
Pfcrd. 377.
Theel, J., Uber die Bedeutung der
Grbfie fiir Organismen. 481.
Trojan, E., Zur Lbsung der Frage des
Organismenlichtes. 457.
Wachs, H., Ein Beitrag aum Problem
der Seidenraupenzucht mil Schwarz-
wurzelfutterung. 729.
Werner, F.. Scheinwaffen im Tierreiche.
89-
\V e s e m u 1 1 e r , A., Die Wanderungen
unserer Seevbgel. 393.
Ziegler, E. H., Uber denkende und
buchstabierende Hunde. 20.
/illig, H., Hanf. 249.
II. Emzelberichte.
A. Zoologie, Anatomie,
Forstwirtschaft.
Babak.E., ,,Hypnose" bei Fischen. 375.
Baumann,E., Wildkaninchenvorkommen
in Griechenland. 333.
Benecke, Zum Vorkommen der Wachtel.
646.
Berg, Frhr. v., Abnehmen der Wald-
schnepfen. 488.
Berner, U., Die Bestaubertatigkeit der
Insekten in Zablen. 688.
Borner, K., s. Dewitz.
Boulenger, G. A., s. Physalix.
Briicke, Th. v., Ricbtung der Flimmer-
bewegung. 375.
Buddenbrock, W. v., Zweck der sog.
Schwingkolbchen der Dipteren. 341.
Burckhardt, F., Eine auffallende Ge-
spinstbildung infolge Massenauftretens
einer Gespinstmotte. 651.
Dewitz J. und Borner.K., Serobiolo-
gische Studien fiber Blattlause und deren
Wirtspflanzen. 357.
4
IV
Register.
D e w i t z , J., Zucht des Edelseidenspinners
ira Freien. 236.
D e w i t z , Die Zucht des Seidenspinners im
Freien. 688.
Durken, B., Farbenwirkung auf Schmet-
terlmgspuppen. 219.
Durken, B., Physiologische brtliche
Rassen beim Grasfrosch. 436.
E b e r t s , Krammetsvogelfang im Dohnen-
stieg. 315.
En n erst, Wildschaden durch Fasanen.
55-
Erdmann, s. Woodruff
Escherich, K., Bockkaferkalamitat in
Eichenwaldern. 47.
Faus t, s. Zeleny.
Fischer, s. Goeldi.
Fischer, E., Eiablage und Paarung von
Tagfaltern in der Gefangenschaft. 28.
Franz, V., Gegenwartiger Stand der
Metamerentheorie des Wirbeltierkopfes.
62.
Franz, V., Farbenvariationen von Helix
nemoralis. 121.
Druckfehlerberirhtigung dazu 224.
Franz, V., Hiidschnucken in freier Wild-
bahn. 191.
Frickhinger, H. W. Massenhaftes Auf-
treten des Girtenlaubkafers in einigen
, Bezirken Oberbayerns. 688.
Friedberger, E., Farbung mikrosko-
pischer Praparate mil Farbsiiften. 708.
Goeldi u. Fischer, Der Generations-
wechsel im Tier- und Pflanzenreich.
124.
Goldsmith, M., Das Verhalten der
Kopffiifiler in bezug auf das Sehen.
388.
Goldschmidt, Beobachtungen und Ver-
suche iiber Spermatogenese in Gewebe-
kulturen. 636.
Gravier, Ch. J., Symbiose zwischen
Kieselschwamm, Aktinie und Ringelwurm
4 '7-
Gunther, W., Der Wildstand im Bialo-
wieser Urwald. 234.
Gunther, S., Schonheitssinn im Tier-
reich. 464.
Haecker, V., Die Erblichkeit im Man-
nesstamme. 605.
Berichtigung dazu 656.
Haecker, V, Entwicklungsgescbichtlich
begrundete Vererbungsregel. 190.
Head ley, Th., Kampf eines Staates
gpgen die Moskitos. 62.
Hefi, C. v. u. Stellwaag, Fr., Neue
Untersuchungen iiber den Farbensinn
der Insekten. 203.
Heymons, R., Blausaure im Kampf
gegen die Mehlmntte. 519.
H i 1 1 n e r , L., Gesi-tzmafligkeit beim Fort-
schreilen der Feldmauseplagen in Siid-
deutscliland. 247.
H o 1 i k , O., Zur Biologic der Barenspinner.
477-
Hoge, Der EinfluB der Temperatur auf
die Entfaltung eines erblichen Merk-
mals. 6m.
Hiibner, E., Zur Eiablage und Paarung
der Tagfalter in der Gefangenschaft.
342-
Joakimoff, s. Popoff.
J o 1 1 o s , Beobachtungen iiber die Partheno-
genese bei Infusorien. 414.
Knopfli, W., Mutmaflliche Ausbildung
und Geschichte der Vogelgesellschaften
des schweizerischen Mittellandes. 317.
Kofferath , R., Kaninchenjagd mil dem
Freltchen. 664.
Korschelt, Lebensdauer, Altern und
Tod. 358.
Krohn, Bombenwerfende Flieger in der
Natur. 380.
Kutin, A., Die parasitare Schlupfwespe
der Kohlraupe als indirekter Schadling
des Weizens. 236.
Lars en, W. P. r Der Krieg und die
\Vanderstra8en der Zugvdgel. 191.
Linshauer, Selbstleuchtende Regen-
wu'rmer. 332.
Lohmann, Isoplankten. 12.
Lorn, A. L., Nahrung des Fasans. 189.
Lucanus, Die Hbhe des Vogelzuges.
574-
Liistner, G., Magenuntersuchungen an
Wespen. 687.
Metz, Chromnsnmengarnituren in der
Gattung Drosophila. 217.
Natorp, O, Gelegentliches Uberwintern
von Zugvbgeln. 191.
Natzmer, G. v, Beitrage zur Instinktpsy
chologie der Ameisen. 376.
Ore Hi, Generationenzahl beim Borken"
kafer. 414.
Orth, J., Das biologische Problem in
Goethe's Wahlverwandtschaften. 435.
Physalix.M. und Boulenger, G. A.,
Giftschlangen und ungiftige Schlangen.
619.
Plate, L., Fauna ceylanica. 206.
P o p o f f , M., Parallele zwischen der kiinst-
lichen Parthenogenese und d>-r Anregung
zur Wundheilung durch die gleichen
Agenzicn. 66.
Popoff u. Joakimoff, DieBekampfung
der Reblaus usw. 475.
Prell, H., Springende Insektenlarven.
206.
Prell, Trommelnde Spinnen. 364.
Ranninger, R., Bekampfung des Mohn-
wurzelriisselkafers. 342.
Reh, L., Die Nacktschneckenplage im
Sommer !Qi6. 475.
Reh, L., Die Schadlichkeit der Amseln.
5S-
Roule, L., Laichwanderung der Forelle.
260.
Reuter, M., Tollwut des Wildes. 235.
Sch ieff erd ecker, P., Das Verhaltnis
der Fasern und Kerne der Muskulatur
des menschlichen Herzens zueinander.
43*.
Schlesinger, F. W., Unheilvolle Ein-
wirkung der Verschilfung der stehenden
Gewasser auf die Fischzucht 646.
Schmidt, M., Ober den Verschlufi von
Praparatengla'sern. 666.
Sc h n ei d er- Or elli, O., Dauer der
Puppenruhe beim Frostspanner. 416.
Schumann, Ad., Brutdauer und erste
Jugendstadien de Bartgeiers. 12.
Schuster, W., Das Gewicht lebender
Vogeleier. 488.
Schuster, W., Ein Beitrag zur Biologic
der Schwebefliegen. 690.
Schwaab, Bedeutung 1 (aliens fur den
Vogelschutz. 260.
Seligo, A., Verteilung des Fettes bei
einigen Fischen. 95.
Senay, s. Zeleny.
Shull, s. Whitney.
Spix, A., A. WeismannalsNaturphilosoph.
621,
Steinach, E., Ergebnisse der bei Meer-
schweinchen vorgenommenen Trans-
plantation der Keimdrusen. 373.
Stellwaag, Fr. s. H e fi.
Stitz, H., Wirtschaftliche Bedeutung der
Ameisen fur den Menschen. 725.
Strind berg, H., Bau und Entwicklungs-
geschichte der Mallophagen. 436.
Strose, Nutzlichkeit und Schadlichkeit
der Spechte. 647.
Stubler, H., Der Spiegelfleck am Vogel-
kopfchen. 488.
Taschenberg, Schlupfwespen als
Pflanzenparasiten. 342.
Thienemann,J., Krieg und Vogelzug.
573-
Thienemann, Die Verbreitung der
Coregonen. 650.
Toldt, Insektenfa'hrten im Ladenstaub
naturwissenschaftlicher Sammlungen.
33-
Vogelschutz im Kriegsjahr 1916. 127.
Wegelin, Erbliche Mifibildung. 462.
Whitney u. Shull, Einflufi der Nah-
rung auf das Gechlecht bei Rota-
torien. 94.
Winterstein, Die osmotischen und
kolloidalen Eigenschaften tierischer Ge-
webe. 333.
Woodruff u. Erdmann, Der perio-
dische ReorganisationsprozeiS bei Infu-
sorien. 27.
Zander, Die Zukunft der deutschen
Bienenzucht. 330.
Zander, Zeitgemafie Bienenzucht. 477.
Zeleny, Faust u. Senay, Spermato-
zoendimorphismus. 534.
Ziegler, H. E., Urdarmhbhle und Co-
lorn. 575.
B. Physiologic, Medizin,
Hygiene.
Amar, Weir-Mitchell'sches Phanomen.
147.
Beck, Vergiftung durch Muskatnufl. 344.
Baumgaertel, Farbtofftabletten. 733.
Bardachzi u. Zoltan, Vorhommen von
Nematoden als Darmschmarotzer im
Osten 547.
D o 1 d , H., Immunisierungsversuche gegen
das Bienengift. 561.
Fuchs v. Wolfring, Rindertuber-
kulose. 732.
Laurent, O., Transplantation. 146.
Lux, Fr., Verfahren der okjektiven Pru-
fung und Messung der Hbrfahigkeit. 639.
Jossel, M. B., Verbreitung des Krebses
in der Schweiz. 649.
Kaup, Wert und Witkungsdauer der
Choleraschutzimpfung. 344.
K o e 1 s c h , Hautschadigungen durch Kalk-
stickstoff. 342.
Kuhn, Scheintod und Wiederbelebbar-
keit. 345.
Legendre, J., Muckenvertilgung durch
Fische. 147.
May, Der Spargel als Heilmittel. 693.
Pf eiffenber ge r, K., Schilddriisenstb-
rungen und Meereshbhe. 491.
Schiitzengrabenfufi. 406.
Wegelin, Ergebnisse der experimentellen
Krebsforschung. 474.
Zoltan, s. Bardachzj.
Register.
C. Botanik, Landwirtschaft,
Pflanzenkrankheiten.
Banner t, Ursache der Blutenstielkrtirn-
mungen. 405.
Bobilioff-Preifler, W, Wanderung
des Zellkerns. 314.
Brenner, W., Selenbakterien. 340.
Ehrmann, Bestaubung von Bliiten durch
Schnecken. 301.
Ernst, A., Jungfernzeugung im Pflanzen-
reicb. 404.
Esenbeck u. Fischer, W., Physiolo-
gischer Wert der Erstlingsblatter. 617.
Fischer, W., s. Esenheck.
Haberlandt, G., Die Pilzsymbiose der
Barlapp-Vorkeime. 534.
Hahn, Ed., Uber alte Nutz- und Kultur-
pflanzen. 255.
Harder, R., Die Ernahrung der Blau-
algen durch organische Stoffe. 384.
Heinricher, Geotropismus der Mistel.
385-
Hil tner, Silene dichotoma, erst Unkraut,
dann Kulturpfianze. 314.
Hoffmann, Diingung und Insekten-
befall. 47.
Iflleib, M. u. Strdse, Die Reismelde
als deutsche Getreidepflanze. 80.
K r a u s e 1 , R., Variation der Blattform von
Ginkgo biloba L. und ihre Bedeutung
fur die Palaobotanik. 405.
Keilhack, Tropische und subtropische
Moore usw. 637.
Lam pa, A., Beobachtungen iiber das
Leben niederer Pflanzen. 638.
Lange, R., Beitrage zur biologischen
Bliitenanatomie. 722.
Lingelsheim, Zur Kenntnis der Deut-
schen Tertiarfloren. 368.
Lingelsheim, Teratologische Beobach-
tungen. 562.
Lingelsheim, Uber die Fluoreszenz wa'ss-
riger Rindenausziige von Eschen usw. 5 76.
Molisch, Uber das Treiben von Wur-
zeln. 533.
Molisch, H, Eigenartiger Bau des Plas-
makorpers. 644.
Naturdenkmal Deutsch- Sudwestafrikas
unter briiischem Schutze. 26.
Pack, Ch. L., Die Gefahrdung der ame-
rikanischen Waldungen durch den Wey-
mouthkieferhlasenrost. 128.
Pander, H., Einwanderung einer ameri-
kanischen Pflanze nach Norwegen. 112.
Plaetzer, H., Assimilation und Atmung
von Wasserpflanzen. 722.
Reese, L., Zerstbrung von Ziegelmauer-
werk durch Organismen. 26.
Sauvageau, C., Geschlechtlichkeit bei
den Laminarien. 578.
Stern, K., Die Entwicklung der Nepen-
thaceen. 6 5.
Strbse, s. Iflleib.
Thellung, Neue Wege der pfianzlichen
Systematik. 81.
Thellung, Stratiobotanik. 723.
Theune, E., Fruchtbildung geokarper
Pflanzen. 724.
Ule, E., Die Vegetation des Amazonas-
gebietes. 615.
Wettstein, Fr. von, Beobachtungen
fiber das Leben niederer Pflanzen. 63*.
Wi n d e 1 , E , Beziehungen zwischen Funk-
tion und Lage des Zellkerns. 437.
Zlataroff, Uber das Altern der Pflanzen.
D. Geologic, Palaontologie.
B b k e r , H. E. und F r e c h , F., Die Kohlen-
vorrate des Deutschen Reiches. 248.
Braun, R., Laacher Trachyt. 182.
Braunhauser, M. , Rhatsandstein im
Schbnbuch. 418.
Cloos, H., Zur Entstehung schmaler
Stbrungszonen. 261.
Daly, R. A., Theorie der Koralleninseln.
563.
Deecke, W., Gastropoden. 63.
D e e c k e , Palaobiologische Studien. 386.
Diener, C., Die marinen Reiche der
Triasperiode. 122.
Escherich, K., Bekampfung der Lause-
plage. 549.
Frech.Fr., Kohlenvorrate der Welt. 189.
Freeh, Fr. s. Bbker, H.
Geinitz, F., Die neun Endmoranen
Nordwestdeutschlands. 46.
Goldschmidt, Geologisch-Petrogra-
phische Studien im Hochgebirge des
sudlichen Norwegens. 362.
Hohenstein, V., Die schwabischen
Eisenerzvorkommen. 179.
Koert, W., Uber den Krusteneisenstein
in den deutscb-afrikaniscben Schutz-
gebieten. ic;o.
Kranz, W., Geologic und Hygiene im
Stellungskrieg. 84.
Kranz, W. , Wasserversorgung durch
oflene Giaben. 665.
Kranz, W., Die Beschaffung von Roh-
stoffen des Bodens fur militiirische Er-
fordernisse. 693.
K r u s c h , Die Bodenschatze Belgiens. 1 79.
Lambrecht, K., Osteologische Ver-
gleiche an fossilen Vogelresten. 46.
Leuchs, K., Die Geologic des mazedo-
nischen Kriogsschauplatzes. 473.
Loewinson-Lessing.F., Vulkane und
Laven des zentralen Kaukasus. 24.
Moritz, Die Goldlagerstatten Arabiens.
607.
M u g g e , O., Weiterwachsen von Orthoklas
im Ackerboden. 436.
Offermann, J., Beitrage zur Geologic
der Kolonie Neupommern. 546.
Range, P., Grundwasserverhaltnisse im
Namalande. 220.
Richter, R., Zur stratigraphischen Be-
urteilung von Calceola. 648.
Richter, R. u. E., Die Lichadiden des
Eider Devons. 549.
Salomon, W., Die Bedeutung derSoli-
fluktion fur die Erklarung deutscber
Landschafts- und Bodenformen. 570,
Scupin, H, Erdgeschichtliche Kntwick-
lung des Zechsteins im Vorland des
Riesengebirges. 383.
Scupin, H., Die Fossilfuhrung des Zech-
steins von Niederschlesien. 406.
Schlosser, M., Die zitliche und raum-
liche Verbreitung u. Stammesgeschichte
der fossilen Fische, 668.
Schroeder, H., Eozane Saugetierreste
aus Nord- und Mitteldeutschland. 668.
Schultz, A., Die nutzbaren Mineralien
des Pamir. 666.
Stremme, Die geologischen Ursachen
der Zerstorung von Talsperren. 545.
Walt her, J., Das geologische Alter und
die Bildung des Laterits. 83.
Wervecke, L.v., Die Bodenschatze Elsafl-
Lothringens. 148.
Willruth, K., Die Fahrten von Chiro-
therium. 708.
Wutschke, J., Das franzosisch-lothrin-
gische Industriegebiet, besonders das
Becken Briey-Longwy. 148.
E. Volkerkunde, Anthropologie,
Urgeschichte.
Greulich, O., Die Kreolen. 546.
Kblsch, A., Die Eigenart der Musiker-
scbadel. 412.
Mollison, Die Maori. 449.
Sarasin, Bewohner von Neukaledonien
und der Loyaltyinseln. 477.
Schlaginhaufen, Pygmaenproblem.
Si e gel, Konzeptionsfahiekeit und Ge-
schlechtsbestimmung beim Menschen.
670.
Sokolowsky, A., Die Psyche der
Malayen und ihre Abstammung. 733.
F. Geographic, Meteorologie.
Barkow, E., Turbulenz und Windande-
rung mil der Hbhe. 450
Bigourdan, G. s. Perot.
Defant, A., Vorhersage des Welters. 48.
Deslandres, Geschiitzfeuer und Weiter-
lage. 6)3.
Halbfafl, W., Der Landzuwachs an den
Kusten Schleswig-Holsteins. 532.
Helgesen, Peary's Entdeckerlatein und
die amerikanischen Polarkarten. 82.
Houssay, F., s Perot.
Hut ton, J., EinfluB des Geschutzfeuers
und der Minensprengungen auf die
Witterung. 706.
Jessen, O., Das Landschaftsbild der
trocknen Champagne. 472.
K op pen, W., Vertikale Gliederung der
taglichen Windperiode in Zyklonen und
.\nlizyklonen. 182.
Krebs, W., Mistpoeffer-Erscheinungen an
der hollandischen Kiiste infolge einer
nordenglischen Explosion. 721.
L e m o i n e , G., Geschiitzfeuer und Wetter-
lage. 613.
Perot, A., Bigourdan, G. u. Hous-
say, F., Die mil dem Artilleriefeuer
zusammenhangenden akustischen Phano-
mene. 53.
Sandstrbm.J. W., Hydrographie Neu-
fundlands. 83.
Sebert, entlich
niedriger ist als die aufierhalb des Organismus
zu Verbrennungen notwendige. Und zweitens die
Frage, auf welche Weise die ohne freien Sauer-
stoff lebenden Organismen ihre Energie sich be-
schaffen, eine Frage, die um so entscheidender
wurde, als durch P f 1 ii g e r nachgewiesen wurde,
dafi Frosche auch ohne Sauerstoffzufuhr noch
langere Zeit Kohlensaure ausscheiden. Bei zahl-
reichen anaeroben Pflanzen wurde dieses eben-
falls beobachtet, vor allem bei der Hefe.
Die erste Schwierigkeit fuhrte zu der hcute
herrschenden fermentativen Auffassung
der Atmungsprozesse, die zweite zu der Erkennt-
nis der Vorgange der sogenannten intramole-
kularen Atmung, die, konsequcnt durch-
gefiihrt, schliefilich die Tatigkeit der Lunge nur
noch auf den Austausch von Sauerstoff und
Kohlensaure beschrankte, dagegen den eigent-
lichen Veratmungsprozefi auch bei den lungen-
atmenden Tieren in das Innere des Korpers als
intramolekulare Atmung verlegte. Bei beiden
Vorgangen wurde die auch sonst in der Ge-
schichte der Biologic im Vordergrunde stehende
alkoholische Garung noch ein weiteres Mai ent-
scheidend fiir unsere Vorstellungen bei den Pro-
zessen der Atmung, da sie ja ein besonders
augenfalliges Beispiel der intramolekularen At-
mung darstellt, und es ist deshalb zuerst not-
wendig, uns mit den augenblicklich herrschenden
Auffassungen uber die Garungsvorgange vertraut
zu machen.
Die Hefegarungf.
o o
Die Vorgange bei der Hefegarung bestehen
bekanntlich darin, dafi Traubenzucker unter dem
EinfiuB des von Buchner isolierten Fermentes,
der Zymase, in Alkohol und Kohlensaure zer-
legt wird. Vor den bahnbrechenden Buchner-
schen Arbeiten war man der Ansicht, dafi es
unter alien Umstanden der Gegenwart lebender
Zellen bedtirfe, um die alkoholische Garung her-
vorzurufen, und es spielte demgemafi in alien
Diskussionen iiber die Hefegarung der Begriff der
Lebenskraft eine grofie Rolle , bis schliefilich
durch die Tatsache, dafi vollkommen zellfreie
Prefisafte die gleichen Erscheinungen erzeugen
konnen, der Nachweis gefiihrt war, dafi es sich
keineswegs um Lebenstatigkeiten der Zelle
handelt, sondern um Vorgange, die durch ein
Ferment, die Zymase, auch auSerhalb der Zelle
reproduzierbar sind. Seitdem hat man eine grofie
Zahl solcher ,,i n tr azell ulare n" Fermente
isoliert und durch diese Isolierung die Bedin-
gungcn zu eingehender chemischer und physika-
lisch-chemischer Erforschung ihrer Wirkungsweise
geschaffen. Denn erst jetzt war es moglich, die
Fermente genau zu dosieren und dadurch den
Einflufi ihrer Menge auf den Umsatz der zersetzten
Substanzen zu studieren, erst jetzt moglich, den
Einflufi bestimmter chemischer Stoffe zu unter-
suchen und ein Bild iiber den genaueren che-
mischen Verlauf der sich abspielenden Umsatze
zu gewinnen. Der Erfolg dieser Arbeiten war,
dafi man den vorher einfachen Prozefi in eine
Reihe von Zwischenstufen zerlegte und im Zu-
sammenhang damit das vorher als einheitlich be-
trachtete Ferment ,,Zymase" als ein Gemisch
verschiedenartiger, sich gegenseitig erganzender
Fermente crkanntc.
Betrachten wir zunachst die chemische Seite
des Problems.
Bei der alkoholischen Garung wird Trauben-
zucker nach folgender Formel in Alkohol und
Kohlensaure zerlegt:
C U H 1S
2 CH 3 CH 2 OH
2 C0 2 .
So einfach diese Formel aussieht, so unbe-
friedigend mufi sie trotzdem bei eingehender Be-
trachtung bleiben , da sie offenbar einen sehr
komplizierten Zerfall des Traubenzucker-Molekiils
voraussetzt.
Die Bemuhungen, Einzelheiten iiber den Ab-
bau des Traubenzuckers bei der Garung zu er-
fahren, fiihrten zuerst zu einer Theorie, die durch
einen hauptsachlich im Tierkorper, unter ge-
wissen Bedingungen aber auch im Pflanzenkorper
ablaufenden Abbau des Traubenzuckers nahe liegt.
Man nahm namlich an, dafi zuerst sich Milch-
saure bildet und daraus Alkohol und Kohlen-
saure. Indessen steht dieser Auffassung entgegen,
dafi Milchsaure vollkommen unvergarbar ist und
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
N. F. XVI. Nr. I
also nicht als Zwischenprodukt bei der alkoho-
lischen Garung vorausgesetzt werden kann. Viel-
mehr ist es wahrscheinlich, dafi zunachst irgend-
eine andere, leicnt umsetzbare Substanz ent-
steht, die dann je nach den Bedingungen, ent-
weder Milchsaure liefert (im Tierkorper und bei
der Milchsauregarung) oder durch weitere
Zwischenstufen hindurch schliefilich Alkohol und
Kohlensaure (alkoholische Garung). Als solche
primare Abbaustufe hat man vor allem den
Glyzerinaldehyd ins Auge gefafit.
Vor allem spricht hierfiir der von Iwanow
gefuhrte Nachweis, dafi bei der Hefegarung ein
Triosephosphorsaureester eine Rolle spielt, d. h.
die esterartige Verbindung von Phosphorsaure
mit einem Zucker aus 3 Kohlenstoffatomen.
Schon friiher hatte man die giinstige Einwirkung
erkannt, die Phosphate auf den Garprozefi aus-
iiben. J w a n o w *) wies dann nach, dafi hierbei
die Phosphorsaure esterartig an ein Kohlen-
hydrat gebunden wird. Ob an eine Hexose
oder an eine Triose, blieb zunachst zweifelhaft,
aber die letzten Untersuchungen Euler's und
Fo dor's iiber diesen Gegenstand sprechen da-
fur, dafi sowohl Hexose- wie Triosephos-
phorsaureester auftreten. Ungewifi ist hierbei
nur noch, ob diese Phosphorsaureester notwendige
Zwischenstufen des Garungsprozesses bilden oder
vielleicht als Aktivatoren der Garungsfermente
d. h. als Stoffe wirken, die die Garungsfermente
erst wirksam machen und sie aus einem poten-
tiellen in einen aktiven Zustand uberfiihren.
Solche Stoffe sind ja bei zahlreichen Fermenten
von Bedeutung.
Von Euler und seinen Schulern wurde auch
festgestellt, daS es sich bei der Veresterung der
Phosphorsaure mit dem Kohlehydrat um einen
fermentativen Prozefi handelt und dafi das be-
treffende Ferment, er nennt es Phosphatese,
von den iibrigen, bei der Hefegarung in Betracht
kommenden Fermenten abtrennbar und also eine
selbstandige Komponente des Zymase-Systems
ist. Das folgt daraus , dafi es bei schwach
garenden Trockenhefen moglich war, eine Ver-
esterung zugesetzter Phosphorsaure zu erzielen,
ohne dafi Bildung von Alkohol und Kohlensaure
auftrat. Gleichzeitig wurde dann auch gezeigt, dafi
nicht der urspriingliche Zucker sich mit der Phosphor-
saure verestert, sondern irgendein Umwandlungs-
produkt. Sobald man namlich zu einer solchen
unwirksamen Hefe reine Glukoselosung sowie
Phosphorsaure hinzusetzte, trat keine Abnahme
der mit Magnesiamischung fallbaren Phosphor-
saure ein, mit anderen Worten , es hatte sich
keine Phosphorsaure verestert. Wohl aber war
dies der Fall, falls man bereits angegorene
Zuckerlosung zusetzte, die also bereits Umwand-
lungsprodukte der Glukose enthielt.
Bevor wir eins der von den heutigen For-
schern aufgestellten Schemen des Traubenzucker-
') Zeitschr. f. physiolog. Chemie, Bd. 50, S. 281, 1907.
abbaus mitteilen , wollen wir zuerst noch die
weiter bekannten Tatsachen betrachten. Hier
ist vor allem an die Forschungen Neu berg's
und seiner Schuler iiber ,,Zuckerfreie Ga-
rungen" zu erinnern.
Bereits oben sahen wir, dafi ein gewichtiger
Einwand gegen das Auftreten von Milchsaure als
Zwischenprodukt in der Unvergarbarkeit dieser
Substanz durch Zymase vorliegt. Auf einem
ahnlichen Forschungsprinzip beruhen die Arbeiten
von Neuberg, der eine Reihe der verschieden-
sten Substanzen der Hefe darbot und aus ihrem
Verhalten schlofi, ob sie als Zwischenprodukte
der Garung in Frage kommen oder nicht. Stets
wenn bei Abwesenheit von Zucker der betreffende
Stoff unter Kohlensaureentwicklung vergoren
wird, liegt offenbar die Moglichkeit seines Auf-
tretens als Zwischenprodukt vor.
Vor allem sind es eine Reihe von organischen
Sauren, die der zuckerfreien Garung unterliegen.
Neuberg nimmt an, dafi diese Garung unter
dem Einflufi eines bis dahin unbekannten Fer-
mentes, der ,,Carboxy 1 ase" von statten geht,
und dafi diese Carboxylase auch bei der normalen
Garung mitwirkt, also zu dem Komplex der als
Zymase bezeichneten Fermente hinzugehort. Aus
Brenztraubensaure wird unter dem Einflufi der
Carboxylase Acetaldehyd und Kohlensaure:
CH 3 COCQ H = CH 3 C^ -f CO.,
Brenztrauben- Acetal- Kohlen-
saure dehyd saure
In der Tat hat man bei alien Garungen das
Auftreten von Acetaldehyd feststellen konnen.
Auch die Salze der Brenztraubensaure werden
durch die Carboxylase zersetzt und aus der dabei
entstehenden Kohlensaure bilden sich kohlensaure
Alkalien, so dafi also aus dem Salz einer orga-
nischen Saure ein fixes Alkali entstanden ist, ein
Prozefi, der bei hoheren pflanzlichen Organismen
allgemein als Veratmung von Pflanzensauren be-
kannt ist.
Es sind noch sehr zahlreiche Substanzen auf
ihr Verhalten bei der zuckerfreien Garung gepriift
worden, und es hat sich ergeben, dafi fast alle
Sauren, die in den Stoffwechselprodukten der
Hefe vorkommen, von der Carboxylase zersetzt
werden. Als solche kommen z. B. in Betracht
die Ameisen- und die Essigsaure, die Glyzerinsaure
und vor allem die Oxalessigsaure C QifOCti.^CQ^
Diese Saure, die interessant ist wegen ihrer Be-
ziehungen zur Wein- und zur Apfelsaure, ist be-
sonders leicht angreifbar. Dafi es sich bei diesen
Zersetzungen wirklich um ein von den iibrigen
Zymaseenzymen unterschiedenes Ferment handelt,
lafit sich dadurch nachweisen, dafi die Zersetzung
auch nach Abtotung der Hefe mittels Toluol oder
Chloroform noch weiter vor sich geht. Hierbei
wird der Zymase die Moglichkeit genommen, ein-
zuwirken, da sie als intrazellulares Enzym nur nach
N. F. XVI. Nr. i
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
der Zerstorung der Hefezellen und der Gewinnung
des HefepreSsaftes zu wirken vermochte. Die
Carboxylasewirkung bleibt jedoch, trotz der Ab-
totung der Hefezellen erhalten, ebenso wie die
Invertasewirkung, ein gleichfalls in der Hefe vor-
handenes Ferment, das imstande ist, Rohrzucker
in Traubenzucker und Fruchtzucker zu zer-
legen.
Wir sahen oben, dafi aus Brenztraubensaure
Kohlensaure und Acetaldehyd entsteht. Um
diesen Befund fur die Aufklarung der alkoholischen
Garung fruchtbar zu machen, miissen sich uns
zwei neue Fragen ergeben: Einmal, woher die
Brenztraubensaure stammt und weiterhin, ob und
in welcher Weise aus dem Acetaldehyd, der bei
alien Hefegarungen in reichlicher Menge auftritt,
Athylalkohol entsteht. Zuvor jedoch miissen
wir einige allgemeinere Bemerkungen iiber die
bisher geschilderten Versuche einschalten.
Offenbar haben wir es bei der alkoholischen
Garung mit einem Procefi zu tun, dessen Ana-
lyse aus mehrerlei Griinden aufiergewohnliche
Schwierigkeiten bietet. Neben der Zersetzung
des Zuckers in Alkohol und Kohlensaure laufen
eine Reihe von anderen Zersetzungsprozessen her,
die z. T. zu organischen Sauren, wie Essigsaure,
Bernsteinsaure, Buttersaure und anderen fiihren,
z. T. zu Stoffen, wie Glyzerin und Amylalkohol.
Es wird also jedesmal, wenn wir einen bestimmten
Prozefi aus dem Gesamtvorgang isoliert haben,
notwendig sein zu entscheiden, ob dieser Teil-
prozefi zu der Hauptreaktion, tier Zuckerzersetzung
in Alkohol und Kohlensaure gehort, oder ob er
zu einer der Nebenreaktionen gehort, die von Kohle-
hydraten, EiweiBkorpern, Fetten oder Pflanzen-
sauren ausgehend zu den mannigfaltigsten Stoff-
wechselprodukten hinfiihren.
Fur die Brenztraubensaure diirfte es wahr-
scheinlich sein, daS sie von den Kohlehydraten
abstammt und also dem Hauptprozefi angehort.
Da, wie oben erwahnt, aus dem Traubenzucker
zunachst eine Triose entsteht, und hier vor allem
Glyzerinaldehyd in Frage kommt, so haben fol-
gende Umwandlungen sehr viel Griinde fiir sich,
obwohl sie keineswegs experimentell in alien
Einzelheiten klar gestellt sind:
Traubenzucker *
CH 3 COC H
Brenztraubensaure
CH 3 COCH 2 OH
Brenztraubenalkohol
Glyzerinaldehyd
TT
^ ^-HgCx/-} ^(-^2
Acetaldehyd
Methylglyoxal
-> CH 3 CH 2 OH
Alkohol
Der Ubergang vom Glyzerinaldehyd zum
Methylglyoxal geschahe hierbei durch die Ver-
schiebung einer Hydroxylgruppe, ein Vorgang,
der bei biologischen Reaktionen nichts Aufier-
gewohnliches hat. Auch der folgende Vorgang
gehort einer Gruppe von Reaktionen an, die sich
sehr haufig in der Chemie der Zelle verwirklicht
findet. Es wird namlich ein Teil des Methyl-
glyoxals auf Kosten eines anderen Teils oxydiert
und aus dem Aldehyd entsteht eine Saure sowie
ein Alkohol : namlich Brenztraubensaure und
Brenztraubenalkohol, der isomer mit Glyzerin ist
und ebenfalls durch Hydroxylverschiebung Icicht
darin iibergeht.
CH 3 COCHoOH isomer CH.,OHCHOH.CH 2 OH
Brenztraubenalkohol
Glyzerin.
Wie aus der Brenztraubensaure dann unter
der Einwirkung der Carboxylase Acetaldehyd und
Kohlensaure entstehen, haben wir vorhin naher
ausgefiihrt. Es bleibt also nur noch der letzte
Schritt zu tun, namlich zu erklaren, wie der
Acetaldehyd zu Athylalkohol reduziert wird, '
um ein wenigstens vorlaufiges Bild der Zucker-
vergarung zu haben, das mit den bisherigen ex-
perimentellen Befunden im Einklang steht.
Fiir die Reduktion des Acetaldehydes zu
Athylalkohol ist Wasserstoff notig, und es ist
sehr wohl moglich, dafi dieser Wasserstoff ver-
mittels einer sogenannten gekoppelten Reaktion
aus den Element en des Wassers bezogen wird,
wobei dann gleichzeitig der Sauerstoff des Wassers
zu ( )xydationsprozessen verbraucht wird, wie sie
z. B. bei der Umwandlung von Methylglyoxal in
Brenztraubensaure erforderlich sind. Abgesehen
von dieser Auffassung ist noch eine andere moglich,
dafi namlich das entstandene Gemisch aus Brenz-
traubensaure und Brenztraubenalkohol (isomer
Glyzerin) sofort bei der Zersetzung Ahylalkohol
liefert. In der Tat haben Neuberg und Kerb
den Nachweis gefiihrt, dafi bei der Einwirkung
von Hefe auf Brenztraubensaure bei Gegenwart
von Glyzerin statt Acetaldehyd - Athylalkohol
sich bildet.
Eine wichtige Aufgabe fiir jede Garungs-
theorie wird, abgesehen von der Erklarung des
Hauptprozesses, die Entstehung der bei der Ga-
rung auftretenden Nebenprodukte sein. Als solche
kommen in erster Linie hohere Alkohole, wie
z. B. der optisch aktive Amylalkohol, ferner auch
organische Sauren sowie Glyzerin in Betracht.
Dabei ist dann wiederum ein erschwerender Um-
stand, dafi diese Nebenprodukte je nach den
Heferassen stark variieren und weiterhin, dafi ein
und dasselbe Endprodukt aus ganz verschiedenen
Ausgangsmaterialien gebildet sein kann. So kann
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
N. F. XVI. Nr. I
z. B. die Brenztraubensaure sich aufier aus Kohle-
hydraten auch aus einem Abbauprodukt des Ei-
weifi, dem Alanin, sich bilden. Ebenso kann sich,
wie wir sehen werden, Milchsanre aus Kohle-
hydraten sowie aus EiweifistofFen , ja auch aus
anderen Pflanzensauren bilden , so dafi hier in
jedem Falle eine sehr vorsichtige Beurteilung der
experimentellen Befunde geboten ist.
H 3 / CH ' CH '
C
OH
Isoleucin
Die Entstehung hoherer Alkohole ist zuerst
durch die Untersuchungen von Felix Ehrlich
klargestellt worden. Sie entstehen aus Amido-
siiuren , also aus Spaltprodukten des Eiweifi-
molekiils. Vor allem wies Ehrlich dies
nach beim Amylalkohol , dem sog. Fuselol. Es
entsteht nach folgender Bruttogleichung aus
Isoleucin:
= CH ' CH -2 H
C,H/
Amylalkohol.
Indessen haben Neubauer und Fromberg 1 )
gezeigt, dafi die Umwandlung des Isoleucins durch
sogenannte oxydative Desaminierung
geschieht. Zunachst bildet sich durch Oxydation
und nachherige Abspaltung von Ammoniak eine
w-Ketosaure. Diese oe-Ketosaure wird dann unter
Abspaltung von Kohlensaure und gleichzeitiger
Reduktion in den entsprechenden Alkohol iiber-
gefiihrt. Zweckmafiig stellt man sich dabei vor,
dafi die Kohlensaureabspaltung durch Carboxylase,
ahnlich wie bei Brenztraubensaure erfolgt, und
der hierbei entstehende Aldehyd weiter zum Al-
kohol reduziert wird.
Es ist Neubauer im wesentlichen gelungen,
diese Vorgange stufenweise zu verfolgen und da-
durch die Entstehung hoherer Alkohole aus Amido-
sauren auf die angegebene Weise verstandlich
zu machen.
In chemischen Gleichungen erhalt man folgcn-
des Bild:
- CH - C -
H
NH,
Isoleucin
Methylathylbrenztraubensaure Isovaleraldehyd
Isoamylalkohol.
Von den anderen Nebenprodukten der alko-
holischen Garung sind vor allem noch die ver-
schiedenen sich bildenden Sauren von Interesse,
und zwar hauptsachlich deshalb, weil eine Reihe
von niederen Organismen diese Nebenreaktionen
der Hefe zur Hauptquelle ihrer Betriebsenergie
ausgebildet haben. Dadurch sind andere Typen
von Garungen entstanden, die je nach dem ent-
stehenden Hauptprodukt als Milchsaure-, Butter-
saure-, Capronsauregarung usw. bezeichnet werden.
Zum Teil werden diese Sauren auf einfache
Art aus Kohlehydraten entstehen, z. B. die
Milchsaure CH 3 CH- OH- CQ^ aus Glyzerinaldehyd
CH 2 OHCHOHC^. Bei der Bildung der ge-
sattigten Fettsauren jedoch, z. B. der Buttersaure
CH 3 CH 2 CH., CQJ.J bedarf es einer weitgehenden
Reduktion, iiber deren speziellen Verlauf wir noch
wenig unterrichtet sind. Ohne Zweifel spielen
aufier den abbauenden Prozessen auch synthetische
Vorgange hierbei eine Rolle, besonders die Kon-
densation des Acetaldehydes, der ja bei alien
Garungen auftritt, zu Aldol, der dann seinerseits
sich in ,j-Oxybuttersaure und Buttersaure ver-
wandelt.
CH,,CQ +C
Acetaldehyd
CH :! CH-OHCH,CQ
Aldol
/>'-Oxybuttersaure
Buttersaure.
Aber auch aus bereits vorgebildeten or-
ganischen Sauren konnen gesattigte Fettsauren
entstehen. So wies Karczag nach, dai3 Wein-
saure bei der Garung sich in zahlreiche andere
Sauren verwandelt, in Essigsaure, Propionsaure,
Bernsteinsaure und Milchsaure.
Die Mannigfaltigkeit der experimentell bereits
nachgewiesenen Umwnndlungen ist also aufier-
ordentlich grofi und wird dadurch noch ver-
wirrender, dafi nicht nur die einzelnen Heferassen
') Zeitschr. f. physiolog. Chemie, Bd. 70, S. 326, 1911.
weitgehende Unterschiede aufweisen, sondern auch
die Anpassung an ihr Nahrsubstrat keineswegs so
spezifisch ist, wie bei hoheren Organismen, so dafi
auch ungewohntes Nahrmaterial innerhalb gewisser
Grenzen die Stelle der normalen Nahrstoffe er-
setzen kann. Ein Befund, der bei alien Versuchen
iiber Garung sorgfaltig zu beriicksichtigen ist.
Bei hoheren Organismen pflanzlicher und tierischer
Art ist diese Anpassungsfahigkeit nicht mehr in
so hohem Mafie vorhanden, so dafi wir erwarten
diirfen , dort konstantere Verhaltnisse anzu-
treffen.
N. F. XVI. Nr. i
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
5
Die intramolekulare Atmung.
Wenn wir jetzt daran gehen, die Vorgange
der intramolekularen Atmung bei hoheren sauer-
stoft bedurftigen Organismen zu studieren, so wird
zunachst von Interesse sein, ob der Prozei3 der
alkohohschen Garung auch von hoheren pflanz-
lichen oder gar tienschen Organismen als Energie-
quelle benutzt werden kann. Fur pflanzhche
Organismen ist dies in der Tat der Fall. Schon
fruher hatte man vereinzelt Alkohol in den Organen
hoherer Pflanzen nachgewiesen, und als dann
Pfeffer seine Theorie der intramolekularen
Atmung aufstellte, dafi namlich alle, auch die
aerobiotischen Atmungsvorgange auf intramole-
kularen Umsetzungen beruhen, da war man nahe-
zu allgemem der Ansicht, dafi diese intramole-
kularen Reaktionen ausschliefilich Vorgange der
alkoholischen Garung seien. Spater gelang es
dann Stoklasa, aus dem Gewebe zahlreicher
hoherer Pflanzen em Fermentgemisch zu isoheren,
das die wesentlichen Eigenschaften der Zymase
besitzt, vor allem also Zucker in Alkohol und
Kohlensaure spaltet. Er gewann dieses Ferment-
gemisch aus Pflanzengewebe nach der von
Buchner zur Gewinnung von Hefeprefiaaft be-
nutzten Methode, indem er das Gewebe zerrieb
und mittels eines Druckes von 300400 Atmo-
spharen den Zellsaft herausprefite. Aus diesem
Salt ist das Fermentgemisch mit Alkohol aus-
fiilibar.
Es fragt sich nun, wie man sich die Rolle
dieses Zucker vergarenden Enzyms vorzusiellen
hat. Orfenbar sind zwei Aunahmen moghch.
Nach der einen wiirde die alkohohsche Garuug
em normaler Vorgang im pflanzhchen Stoffwechsel
sein, der nur deshaib liir gewohnhch nicht in Er-
scheinung tntt, weil der gebildete Alkuhol sofort
weiter oxydiert wird , ehe er sich in grofieren
Mengen ansammelt. Nach der anderen dagegen
wurde bei aerober Atmung die ZerseUung
der Kohlehydrate iiberhaupt nicht bis zum Alko-
hol gehen, sondern vorher bereits ein Zwischen-
prouukt durch oxydativen Abbau weiter
zerlegt werden. Falls aber der Sauerstoff fehlt,
so wiirde allerdings unter dem Einflufi der Zy-
mase sich Alkohul bilden.
Mit beiden Auffassungen ist die Tatsache ver-
einbar, dafi bei Abschlufi der Luft fast stets eine
erhebhche Produkiion von Alkuhol statthndet.
Palladin, uud ebenso Kostytschew, haben
eingehende Versuche dariiber gemai-ht, wie viel
Kohlensaure und wieviel Alkohol sich bei anae-
erober Atmung verschiedener Pflanzenteile bilden.
Dabei haben sie die Prlanzen zunachst durch
Gefneren auf 2O abgetotet, so dafi die erzielte
Kohlensaureproduktion ausschliefilich auf Rech-
nung enzymatischer Prozesse zu setzen ist. Wah-
rend namhch das Protoplasma durch langere
Einwirkung tiefer Temperaturen abgetotet wird,
sind die Fermente eiheblich widerstandsfahiger.
Dadurch ist es moglich, ihre Wirkung rein und
unbeeinflufit* durch die Tatigkeit des Protoplasmas
zu erforschen.
Aus den Versuchen P a 1 1 a d i n ' s und K o s t y -
tschew's ergibt sich, dafi in zahlreichen
Fallen allerdings ein erheblicher Teil der anae-
roben Kohlensaure-Entwicklung aus alkoho-
lischer Garung stammt, in anderen Fallen jedoch
nur wenig, oder gar kein Alkohol gebildet wird.
Die beiden Forscher verfuhren folgendermafien :
Sie toteten das zu untersuchende pflanzhche
Organ durch Erfrieren ab, brachten es dann,
um die anaerobe Atmung zu studieren, in einen
\Yasserstoffstrom und mafien die ausgeschiedene
Kohlensaure. Ebenso bestimmten sie auch den
gebildeien Alkohol.
Bei der Zuckergarung miifite auf i Molekiil
Kohlensaure i Molekiil Alkohol sich bilden. In
Wirklichkeit wurde fast immer weniger Alkohol
gebildet, oft iiberhaupt keiner. Daraus folgt
dann, dafi bei anaerober Atmung die alko-
holische Garung haufig zwar eine mehr oder
weniger grofie Rolle spielt, ganz gewifi aber nicht
der emzig verlaufende Prozefi ist, vielmehr durch
andere, ebenfalls Kohlensaure erzeugende Ferment-
reaktionen ersetzt wird. Bei aerober At-
mung wurde fast iiberhaupt kein Alkohol ge-
bildet.
Die Atmung im tierischen Organismus.
Bevor wir die Vorgange im pflanzlichen Ge-
webe weiter verfolgen, wollen wir einen orien-
tierenden Blick auf die Atmungsvorgange im
tierischen Organismus werfen.
Hier tritt uns sofoit mit viel grofierer Dring-
lichkeit die Frage entgegen , in welcher Weise
der Sauerstoff der Luft in die Atmungsvorgange
eingreift. Auch bei der pflanzhchen Atmung ist diese
Frage selbstverstandlich nicht zu umgehen, aber,
da auch die hoheren Pflanzen einige Zeit ohne
Sauerstoff zu atmen vermogen, ist die Rolle des
Sauerstoffs nicht so in die Augen fallend wie beim
hoheren Tier. DaB umgekehrt trotz der dauernd
notwendigen Zufuhr von Sauerstoff auch im
hoheren Tier standig Umsetzungen verlaufen,
die denen der Pflanzen analog sind, ist durch
die Forschungen Embden's und seiner Schiller
sicher gestellt. Hier interessiert uns davon na-
mentlich die Umsetzung der Kohlehydrate. Die
gt-nannten Further verfuhren in der Weise, dafi
sie untersuchten, was aus dem zu Blut hinzugesetzten
Traubenzucker wurde, wenn sie das Blut durch
eine iiberlebende Leber hindurch leiteten. Es
zeigte sich, dafi stets eine Vermehrung des Milch-
sauregehaltes stattfand. Auch wenn Blut durch
glykogenhaltige Leber hindurchflofi, ergab sich
eine Vermehrung der Milchsaure, nicht jedoch,
wenn die Leber vorher durch Hungern des Tieres
vom Glykogen befrrit war. Dadurch ist ein-
deutig bewiesen, dafi Milchsaure ein Abbauprodukt
des Traubenzuckers im lierischen Organismus ist,
ohne dafi Traubenzucker allerdings der einzigste
Stoff ist, aus dem Milchsaure entsteht. Denn
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
N. F. XVI. Nr. 1
auch aus EiweiSabbauprodukten, wie Alanin, ver-
mag Milchsaure sich zu bilden.
Embden halt es fur wahrscheinlich, daS aus
dem Traubenzucker zunachst Glyzerinalde-
hyd gebildet wird. Und zwar wiirde es sich
urn optisch aktiven Glyzerinaldehyd handeln, da
die daraus entstehende Milchsaure ebenfdlls op-
tisch aktiv ist. In der Tat hat sich bei Leber-
durchblutungsversuchen herausgestellt , dafi Gly-
zerinaldehyd in hohem Mafie als Milchsaurebildner
wirkt. Auch im Blute wird aus Zucker zunachst
Milchsaure gebildet. Dagegen ist bei der seit
langem schon bekannten Bildung von Milchsaure
im arbeitenden Mus>kel nicht ausschliefilich der
Traubenzucker die milchsaurebildende Substanz,
sondern eine andere, noch nicht naher charakte-
risierte Verbindung, die Embden vorlaufig als
Lactacidoge n bezeichnet. Es ergab sich nam-
lich, dafi die im Muskelprefisaft gebildete Milch-
sauremenge unabhangig war von der Menge von
zugesetztem Traubenzucker oder Glykogen. Im
lebenden tatigen Muskel wird sich wahrscheinlich
auch aus diesen Substanzen Milchsaure bilden,
aber es ist anzunehmen, dafi auch hier die als
Lactacidogen bezeichnete Zwischenstufe durch-
laufen wird.
Bis zum Abbau des Traubenzuckers zur Milch-
saure ist energetisch noch kaum eine Ande-
rung eingetreten, so dafi es nur einer geringen
Zufuhr von Energie bedarf, urn aus der Milch-
saure Traubenzucker zuruckzubilden. Diese Ten-
denz, seine Substanzen moglichst wenig abzu-
bauen, findet man allgemem bei den che-
mischen Vorgangen in den Organismen. Be-
sonders gilt dies fur alle hydrolytischen Prozesse,
alle jene Vorgange also, die durch die zerlegende
Wirkung des Wassers hervorgerufen werden, so
z. B. die Aufspaltung der Eiweifikorper und der
Fette, auch die des Glykogens oder der Starke
in Traubenzucker. Solange wie moglich sucht
der Organismus seinen Energiebestand intakt zu
halten, und sich die Moglichkeit zu bewahren,
leicht aus den Zersetzungsprodukten die urspriing-
lichen Stoffe zuruckzubilden. Auf der Stufe der
Milchsaure ist dies noch ohne Miihe durchfuhr-
bar, und ebenso, wie sich in zuckerreichem Blute
bei der Leberdurchbluumg Milchsaure bildet,
ebenso bildet sich auch umgekehrt in milchsaure-
reichem Blute Traubenzucker unter Verbrauch der
Milchsaure.
Erst bei dem nachsten Schritt kommt es zu
einem Eingriff, der schwerer reversibel ist. Aus
der Milchsaure bildet sich Brenztraubensaure,
derselbe Stoff also, mil dem wir uns oben bei der
alkoholischen Garung eingehend beschaftigt haben.
Weiterhin entsteht dann in der Leber aus Brenz-
traubensaure die Acetessigsaure und hieraus durch
Kohlensaureabspaltung Aceton. Diesen Reaktions-
verlauf erklart man wohl am besten , wenn man
annimmt, dafi die Brenztraubensaure sich in Acet-
aldehyd und Kohlensaure zersetzt und der Acet-
aldehyd sich zu Aldol kondensiert, der sich durch
Oxydation in Acetessigsaure umwandelt. Es er-
gabe sich also folgendes Schema des Zucker-
abbaus im tierischen Organismus: *)
d-Glukose CH, -OH.(CHOH) 4 C^
it
I. Aktiver Glyzerinaldehyd CH 2 OHCHOHC^
II. d-Milchsaure CH 3 CH-OH.CQ H
III. Brenztraubensaure CH 8 CO-CQ H
i
IV. Acetaldehyd
I
Essigsaure
Acetessigsaure
CH 3 COCH 2 CQ H
Aufier dieser Art des Abbaus diirften aber noch
andere Arten vorkommen , wie sich vor allem
aus dem Auftreten vonGlukuronsaure schliefien
lafit. In diesem Falle wiirde bereits an dem m-
takten Zuckermolekul eine Oxydation einsetzen
und erst nachher eine Zertrummerung des Mole-
kuls in klemere 1 eile erfolgen. Leider ist uber
diese Form des oxydativen Abbaus noch wenig
bekannt. Deshalb wenden wir uns, anstatt uns
welter darin zu vertieien, einer naheren Betrachtung
der oxydativen P r o z e s s e zu.
Im tierischen Organismus setzen diese, falls wir
das oben mitgeteilte Schema zugrunde legen, bei
dem Ubergang von Milchsaure in Brenzirauben-
saure ein. Wie hndet nun diese Oxydation statt?
Ist der Ort dieser Oxydation im Blut oder im
Gewebe? Und weiterhin: Findet sich im Blut
oder im Gewebe freier Sauerstoff oder gibt es
andere Substanzen, die die oxydative Wirkung zu
entfalten vermogen ?
Zunachst ibt nachgewiesen, dafi ein Teil der
Oxydation im Blute stattfindet, und zwar sind es
die Formelemente des Blutes, welche die
Oxydation bewirken. Dabei spielt dann das
Hamoglobin des Blutes die Rolle eines Sauerstoff-
ubertragers, indem es sich mit dem Sauerstoff
der Lult zu Oxyhamoglobin verbindet und den
aufgenommenen, nur lose gebundenen Sauerstoff
an die oxydationsfahigen Substanzen weitergibt.
Aber auch in den Geweben findet bereits eine
l ) V&l- G- Embden und M. Oppenheimer, Biochera.
Zeitschr. 45, 202.
N. F. XVI. Nr. i
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
Oxydation statt, wie vor allem durch die P fl ii g e r -
schen Versuche nachgewiesen 1st. Pfliiger er-
setzte namlich das Blut von Froschen durch
physiologische Kochsalzlosung und fand, dafi so
behandelte Frosche in einer Atmosphare von
reinem Sauerstoff noch etwa 2 Tage zu leben
vermochten und Kohlensaure ausschieden und zwar
ebensoviel , wie normale Frosche. Es ist nicht
anzunehmen, dafi hierbei erhebliche Oxydationen
in der Kochsalzlosung vor sich gehen, zumal dann
nicht, wenn man bedenkt, dafi in der Kochsalz-
losung vollkommen die Formelemente fehlen, die
im Blute Trager der Oxydationswirkungen sind.
Auch bei den niederen Tieren , die noch kein
Blutgefafisystem besitzen, findet die Oxydation
notwendigerweise in den Geweben statt, da sie
bei Entziehung des freien Sauerstoffs sehr bald
zugrunde gehen. Dafi aber andererseits bei den
hoheren Tieren auch im Blute Oxydationsprozesse
verlaufen, geht aus dem Verhalten des Blutes er-
stickter Tiere hervor. Normales Blut enthalt nur
geringe Mengen von oxydablen Stoffen. Infolge-
dessen verschwindet freier Sauerstoff, der zu
normalem Blute aufierhalb des Korpers hinzugefiigt
wird, nur sehr allmahlich. Anders ist dies aber,
wenn die Tiere erstickt sind, wenn also die aus
den Geweben ins Blut gelangenden oxydablen
Stoffe aus Mangel an Sauerstoff nicht oxydiert
werden konnten. Das Blut ist dann reich an re-
duzierenden Substanzen und in der Tat ver-
schwindet Sauerstoff, der zu Erstickungsblut hinzu-
gefiigt wird, mit grofier Geschwindigkeit unter
Bildung von Kohlensaure.
Wir konnen also sagen, dafi sowohl das Ge-
webe als auch das Blut die Orte sind, wo die
Oxydationen stattfinden. So bleibt uns noch die
Frage zu beantworten , in welcher VVeise diese
Oxydationen vor sich gehen, ob durch freien Sauer-
stoff oder mit Hilfe anderer Substanzen. Nun
ist allerdings in einigen Organen, z. B. in der
Speicheldriise, in der Plazenta der Saugetiere, in
den Leuchtorganen von Lampyris splendidula das
OH
I
Hf xr 1 u
. 4 \ C /' L 6 H 4
OH
Oxanthranol
OH-H
OH-H
Wasser
Auftreten freien Sauerstoffs nachgewiesen, aber,
wie wir oben sahen, ist aus chemischen Griinden
eine einfache Oxydation durch freien Sauerstoff
ganzlich unbegreifbar. Wir mussen die neueren
Forschungen der Pflanzenphysiologie zugrunde
legen, urn in das Innere der hierbei verwendeten
Mechanismen einen Einblick zu gewinnen, mochten
aber zum voraus darauf hinweisen, dafi es sich
hierbei um komplizierte, nicht ganz leicht zu
verstehende Vorstellungen handelt. Indessen sind
sie von so fundament aler Bedeutung fur das
Verstandnis der Atmungsvorgange, dafi wir zum
Abschlufi unserer Betrachtungen eine kurze Dar-
stellung dieser Theorien geben wollen.
Die Ox yd at io nsferm e n te.
Zunachst eine chemische Betrachtung.
Bei der Oxydation eines Korpers durch den
Sauerstoff der Luft hat sich ergeben, dafi fast
stets aufier den eigentlichen Oxydationsprodukten
noch andere weniger bestandige Stoffe auftreten.
Und zwar handelt es sich dabei um Stoffe, die
ihrerseits eine erheblich grofiere Oxydationsfahigkeit
besitzen als der freie, molekulare Sauerstoff. Es
konnen also unter ihrem Einflufi Oxydationen ein-
treten, die der freie Sauerstoff der Luft nicht zu
bewirken vermag, mit anderen Worten, es ist eine
Aktivierung des Sauerstoffes eingetreten.
Zwei Arten einer solchen Aktivierung kommen
hierbei hauptsachlich in Betracht: Das Auftreten
von Wasserstoffsuperoxyd und das Auftreten
anderer Peroxyde. Der erste Fall tritt ein in
jenen Fallen, die der Trau be 'schen Oxydations-
theorie folgen. Nach Trau be wirkt nicht der
molekulare Sauerstoff als oxydierendes Agenz,
sondern zunachst wird Wasser in H und OH
gespalten. Die Hydroxylionen treten an die zu
oxydierende Substanz, wahrend die freien Wasser-
stoffionen mit Sauerstoff zusammen Wasserstoff-
superoxyd bilden. Der Vorgang ware also z. B.
bei der Oxydation -von Oxanthranol zu Antrachinon
folgender:
OHx
OH
/OH
H0
OH
Ist der Reaktionsverlauf richtig formuliert, so
mufi die doppelte Menge Sauerstoff bei der Oxy-
dation verbraucht werden, als wenn kein Wasser-
stoffsuperoxyd entstiinde, eine Folgerung, die nach
Manchot mit dem experimentellen Befund tiber-
einstimmt. Gleichzeitig vermag jetzt das Wasser-
stoffsuperoxyd neue, durch freien Sauerstoff nicht
vollziehbare Oxydationen in Gang zu setzen.
Eine andere Reihe von Oxydationen verlauft
nach dem von Engler und Wild, sowie von
Bach undChodat entwickelten Schema. Hier-
nach entstehen zunachst Substanzen vom Charakter
der Peroxyde nach folgender Gleichung:
A + O 2 = AO.,.
Diese peroxydartigen Verbindungen, wie sie
z. B. von den katalytisch wirkenden Platinmetallen
bekannt sind, vermogen jetzt leicht die Halfte,
haufig sogar den ganzen aufgenommenen Sauer-
stoff weiterzugeben und dadurch selbst schwierige
8
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
N. F. XVI. Nr. I
Oxydationen hervorzurufen. Man nennt diesen
zweiten Stoff den Acceptor, und es ist be-
merkenswert, dafi nicht nur der Acceptor durch
das Peroxyd starker als durch Luftsauerstoff oxy-
diert wird, sondern dafi haufig auch umgekehrt
die Gegenwart eines Acceptors die Oxydations-
geschwindigkeit des ersten Stoffes erhoht. Dies ist
z. B. der Fall bei der Oxydation von Ferrosulfat
an der Luft, die unter normalen Bedingungen nur
sehr allmahlich verlauft, schnell dagegen bei Zusatz
einer alkalischen Losung von arseniger Saure.
Hierbeibildetsich zunachst eine Peroxydverbindung
des Eisens, die dann die Halfte ihres Sauerstoffs
an die arsenige Saure abgibt und dabei selbst zu
Ferrisalz reduziert wird.
Es scheint nun auf Grund der Arbeiten Bach
und Chodat's 1 ), dafi die beiden angefuhrten
Oxydationstypen eine grofie Rolle bei den At-
mungsprozessen spielen. Und zwar handelt es
sich um fermentative Prozesse, da durch Erhitzen
auf hohere Temperatur die betreffenden Vorgange
vernichtet werden.
Zunachst wiesen die genannten Forscher nach,
dafi bei den pflanzlichen Oxydationsvorgangen
zwei voneinander unterschiedene Stoffe zu beriick-
sichtigen sind : Ein peroxydartiger Korper, den
sie Oxygenase nannten, und zweitens ein Oxy-
dationsferment, das die Aufgabe hat, den Sauer-
stoff des Peroxydes auf die zu oxydierende Sub-
stanz zu iibertragen. Dieses Ferment nannten sie
Peroxyd as e. Es gelang ihnen, beide Stoffe
voneinander zu trennen, indem sie aus einem
stark oxydierenden Extrakt von R u s s u 1 a die
Oxygenase mit 40 "/ igem Alkohol ausfallten. Die
so isolierte Oxygenase vermochte nur sehr ge-
ringe Oxydationswirkung hervorzurufen. Sobald
man aber peroxydasehaltiges Filtrat hinzufiigte,
trat starke Oxydation ein. Andererseits war es
auch moglich, die ausgeschiedene Oxygenase durch
Wasserstoffsuperoxyd zu ersetzen. Es steht dies
im Einklang mit der ausgefiihrten Theorie, nach
welcher es sich bei der Oxygenase um eine
peroxydartige Verbindung handelt, um eine Ver-
bindung also, die nach dem Typus des Wasser-
stoffsuperoxydes gebaut ist.
Es ist demnach ein recht komplizierter Mecha-
nismus erforderlich, um den Sauerstoff der Luft
fur die Zwecke der Organismen verwerten zu
konnen. Pal lad in hat im Anschlufi an diese
Theorie die Atmungsprozesse genauer verfolgt
und den Anteil der einzelnen Komponenten ein-
gehend herausgelost. Zunachst verfahrt er dabei
wieder so, dafi er die Pflanzen durch Gefrieren
abtotet , um sicher alle beobachteten Erschei-
nungen auf Enzymwirkungen zuriickfiihren zu
konnen. Dann lafit er die getoteten Pflanzen zu-
nachst im Wasserstoffstrom Kohlensaure ent-
wickeln und erhalt dadurch ein Mafi fiir die
anaeroben intramolekularen Prozesse, die wir oben
betrachtet haben und die auf Fermente der alko-
holischen Garung oder ahnliche Fermente hin-
weisen. Dabei werden intermediare Stoffe ge-
bildet. Wird jetzt die Pflanze aus dem Wasser-
stoffstrom entfernt und in einen Strom von Luft
gebracht , so findet von neuem Bildung von
Kohlensaure statt, die ein Mafi liefert fiir die
oxydativen Prozesse. Nach dem Aufhoren der
Gasentwicklung sind die eigentlichen Atmungs-
prozesse beendet. Aber trotzdem enthalt die
Pflanze sovvohl noch wirksame Oxygenase wie
auch Peroxydase. Wenn man namlich die Pflanze
zerkleinert und Pyrogallol hinzusetzt, so findet
eine Oxydation des Pyrogallols statt, die erst auf-
hort, wenn keine Oxygenase mehr vorhanden ist.
Aber noch ein letztes Mai kann man das zer-
riebene Gewebe zu neuer Tatigkeit anregen, in-
dem man an Stelle der verbrauchten Oxygenase
Wasserstoffsuperoxyd hinzusetzt. Jetzt sind wieder
die Bedingungen zur Oxydation vorhanden und
erst wenn jetzt die Kohlensaureentwicklung auf-
hort infolge Verbrauchs der Peroxydase, ist die
Pflanzensubstanz zu keiner weiteren oxydierenden
Tatigkeit mehr imstande.
Durch dieses Fraktionieren der Atmungs-
tatigkeit, wie man es nennen kann, hat Palla-
d i n *) sehr interessante Ergebnisse erzielt. Es
hat sich dabei herausgestellt, dafi je nach der
Pflanze, je nach dem Pflanzenteil, je nach dem
Alter der Pflanze ganz verschiedene Mengen der
einzelnen Atmungsfermente vorhanden sind. Be-
o
sonders deutlich wird dies bei einer Gegeniiber-
stellung des Verhaltens von erfrorenen Weizen-
keimen und etiolierten Blattern von Vicia Faba.
Setzt man die im Wasserstoffstrom ausgeschiedene
Kohlensauremenge gleich 100, so erhalt man:
s
V
1
II .
+ * M
Pflanzen
'asserstoffsti
= Anaerol
Spaltung
Luft =
Oxydationi
prozesse
Pyrogallol
Oxygenase
wirkung
Pyrogallol
[ 2 O 2 = Perc
dasewirkun
5
S
Weizeukeime
100
o 7
123
Etiolierte Blatter
von Vicia Faba
IOO
142
648
293
Dieselben nach
Saccharose und
Lichtnahrung
100
22$
967
621
') Berichte d. Deutsch. Chem. Gesellsch., Bd. 36, S. 606,
1904.
Aus der Tabelle ersieht man, dafi erfrorene
Weizenkeime eine ausschlieSlich anaerobe Tatig-
keit haben. Trotz bedeutender Mengen Peroxy-
dase konnen sie keine Oxydationsprozesse aus-
fiihren, weil es ihnen an Oxygenase fehlt. Das-
selbe ist bei erfrorenen Erbsensamen der Fall
und erklart, dafi diese selbst bei Luftzutritt Alko-
Vgl. z. B. Biochemische Zeitschr. IS, 251.
N. F. XVI. Nr. i
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
hoi bilden , also einen vollkommen anaeroben
Reaktionstypus aufweisen.
Dagegen sind etiolierte Blatter von Vicia
Faba zu lebhaften Oxydationsprozessen befahigt,
und allc in Betracht kommenden Faktoren warden
noch erhoht, wenn die normalen Atmungsbedin-
gungen der Blatter, vor allem Lichtnahrung,
wieder hergestellt werden. Es tritt dann eine
erhebliche Vermehrung ihres Oxygenase- und
Peroxydasegehaltes ein.
Noch eine letzte, aber wichtige Frage bliebe
zu erortern, ob wir namlich irgend etwas Naheres
iiber die hypothetischen peroxydartigen Korper
wissen, die nach der Bach-Chodat'schen Theorie
bei der Atmung notwendig sind. Palladin ist
der Ansicht, dafi wir zwar mil Sicherheit noch
nichts dariiber sagen konnen, daB aber in nahezu
alien Pflanzen eine Gruppe von Stoffen vorlianden
ist, die auf eine den Peroxyden ahnliche Tatig-
keit bei der Atmung hinweist : Es sind dies die
sogenannten Atmungschromogene.
Durch eine alltagliche Erfahrung sind uns die
Atmungschromogene eigentlich sehr wohl be-
kannt. Wenn man namlich einen Apfel durch-
schneidet und an der Luft liegen lafit, so beob-
achtet man nach knrzer Zeit eine Braunfarhung
der Schnittflache. Dasselbe kann man bei Kar-
toffeln, sowie bei sehr vielen anderen Pflanzen-
teilen beobachten. Es beruht darauf, dafi in den
Pflanzensaften Stoffe vorhanden sind, die mit dem
Sauerstoff der Luft Farbstoffe bilden.
Palladin stellt sich nun vor, dafi in der un-
verletzten Pflanze diese Chromogene deshalb keine
Farbstoffe bilden, weil sie sofort wieder reduziert
werden. Und zwar sind seiner Auffassung nach
zwei Moglichkeiten vorhanden, wie diese Atmungs-
chromogene wirken: Einmal konnen sie sich selbst
unter der Einwirkune des Luftsauerstoffs oxydieren,
und es konnte bei dieser Oxydation im Sinne der
Traube'schen Theorie sich Wasserstoffcuper-
oxyd bilden, das dann seinerseits in den eigent-
lichen Atmungsprozefi eingreift. Es ist aber auch
moglich, dafi die Atmungspigmente die Rolle der
Peroxyde iibernehmen im Sinne der Bach Cho-
dat'schen Theorie und dann noch viel unmittel-
barer in den Atmungsvorgang einereifen als bei
der ersten Annahme. In beiden Fallen sind sie
von grofiter Bedeutung bei der Erklarung der
Atmungserscheinungen, und es ist zu hoffen, dafi
ihr naheres Studium noch viel Aufschlufi iiber
diesen wichtigsten Vorgang. des Stoffwechsels
geben wird.
o
Die Atmungspigmente wiirden innerhalb des
pflanzlichen Organkmus dieselbe Rolle spielen,
wie die Blutfarbstoffe im tierischen Organismus.
Es wiirde sich dann als wichtige Folgerung er-
geben, dafl auch der Blutfarbstoff, das Oxyhamo-
globin, eleirhsam ein Peroxyd darstellt, das ver-
mittels Oxydasen, die in den Blutkorperchen und
im Gewebe vorhanden sind, seinen Sauerstoff an
die oxydablen Stoffe abgibt. Da auch das farb-
loe Blut niederer Tiere sich bei Luftzutritt durch
Vermittlung von Oxydasen farbt , also ebenfalls
Atmungschromogene enthalt, so ergibt sich daraus
eine wei'gehende Ubereinstimmung des Mecha-
nismus der Atmung innerhalb des gesamten
organischen Reiches, eine Folgerung, die eine
starke Stiitze fur die hier vorgetragenen Auf-
fassungen biklet, so sehr sie eine weitere
Forsrhung im einzelnen auch noch erganzen und
berichtigen mag.
Kleinere Mitteilungen.
Antike Vererbungstheorien. Vor mir liegen
drei starke Bande, betitelt ..Hippokrates samtliche
Werke". Sie enthalten 55 Abhandlungen me-
dizinischen Inhalts, die jedoch nur zum Teil den
grofien koischen Arzt selbst zum Verfasser haben.
Aufier ihm haben zahlreiche andere griechische
Arzte des fiinften vorchristlichen Jahrhunderts an
dieser Schriftensammlung mitgearbeitet, die in
ihrer Gesamtheit ein gutes Bild von dem Stand
der medizinischen und damit auch der biologischen
Wissenschaft ihrer Zeit gewahrt.
Von besonderem Interesse sind die Speku-
lationen der hippokratischen Arzte iiber die Ver-
erbung. In der Schrift iiber den Samen wird
behauptet, dafi sowohl der Mann als auch das "
Weib Samen absondere, weshalb das Kind beiden
Eltern in irgendeiner Beziehung gleichen miisse
und weder dem Vater allein noch der Mutter
allein noch auch keinem von beiden ahnlich sein
konne.
Ferner nimmt der Verfasser dieser Schrift an,
dafi der Same in beiden Geschlechtern von alien
Teilen des Korpers herkomme. Von schwachen
Teilen soil schwacher, von kraftigen Teilen kraftiger
Samen ausgehen. Daher seien die schwachen
Teile des elterlichen Korpers auch beim Kinde
schwach, die kraftigen kraftig. Wenn von einem
Teil des mannlichen Korpers mehr Samen ausgehe
als von dem entsprechenden Teil des weiblichen
Korpers, so gleiche das Kind in diesem Teile mehr
dem Vater, wenn dagegen von einem Teil des
weiblichen Korpers mehr Samen ausgehe, als von
dem entsprechenden Teile des mannlichen Korpers,
so gleiche das Kind in diesem Teile mehr der
Mutter.
Auffallend ist die Ahnlichkeit dieser hippo-
kratischen Vererbungstheorie mit der von Darwin
aufgestellten Pangenesishypothese, nach der von
alien Zellen des Korpers kleine Keimchen ab-
gesondert werden, die sich in den Geschlechtszellen
IO
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
N. F. XVI. Nr. I
sammeln und in der folgenden Generation wieder
zu den Zellen heranwachsen, von denen sie ab-
stammen. Eine notwendige Folgerung aus dieser
Theorie 1st die von anderer Seite, besonders von
der W e i s m a n n ' schen Schule so heftig bestrittene
Vererbbarkeit ervvorbener Eigenschaften. Diese
wird denn auch von den Hippokratikern an-
genommen.
In der dem Hippokrates selbst zugeschriebenen
klassischen Schrift ,,Uber Luft, Wasser und Ort-
lichkeit" ist u. a. von dem asiatischen Volkerstamm
der Makrozephalen die Rede. Bei diesen galten
die mit langen Kopfen ausgestatteten Menschen
fiir Angehorige der edelsten Rasse, weshalb bei
den Neugeborenen der Kopf durch Binden kiinstlich
in die Lange geprefit wurde. ,,Im weiteren Ver-
lauf der Zeit aber", schreibt Hippokrates,
,,wurde der Branch zur Natur, so dafi man ihn
nicht mehr notig hatte Denn der Same geht
von dem gesamten Korper aus, gesunder von ge-
sunden Teilen, krankhafter von krankhaften Teilen.
Wenn nun von Kahlkopfigen Kahlkopfige, von
Blauaugigen Blauaugige, von Schielenden Schielende
in der Regel erzeugt werden und bei anderen
korperlichen Gebrechen dasselbe Gesetz obwaltet,
was hindert da, dafi von Langkopfigen Langkopfige
gezeugt werden ?" Doch fiigt der grofie griechische
Arzt hinzu, dafi die Kinder der Makrozephalen
jetzt nicht mehr in derselben Form wie friiher
auf die Welt kommen, da der Brauch wegen der
Nachlassigkeit der Menschen nicht mehr in Bliite
stehe. Hippokrates glaubt also, daS die ur-
spriinglich kiinstlich erworbene und spater vererbte
Veranderung der Kopfform nicht von Dauer ist,
sondern dafi einige Zeit nach Auf horen der kiinst-
lichen Einwirkung ein Riickschlag in die naturliche
Form des Kopfes erfolgt. -
Die Vererbungstheorie der Hippokratiker wurde
spater von Aristoteles in seinen bewunderns-
wiirdigen ,,Fiinf Biichern von der Zeugung und
Entwicklung der Tiere" bekampft. Doch behauptet
auch er die Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften
und belegt sie durch folgende Falle: Wenn die
Eltern Narben hatten, wurde auch bei ihren Kindern
an derselben Stelle das Zeichen der Narbe be-
obachtet. In Chalcedon zeigte sich bei dem Kinde
eines Mannes, der auf dem Arm ein Brandzeichen
hatte, derselbe Buchstabe, nur verwischt und nicht
scharf ausgepragt. Auch die Erscheinung der
unterbrochenen Vererbung war Aristoteles be-
kannt. Er erzahlt, dafi in Elis ein Madchen mit
einem Mohren Umgang hatte, wobei nicht ihre
Tochter, sondern deren Sohn von schwarzer Farbe
war. Aristoteles teilt aber diese Tatsachen
nicht nur mit, sondern sucht sie auch durch eine
Vererbungstheorie zu erklaren, wobei er zugleich
die Ursachen der Entstehung mannlicher und
weiblicher Individuen beriicksichtigt.
Das Erzeugende, lehrt er, wirkt in verschiedenen
Richtungen, als Mann, als Individuum und als
Mensch. Der Antrieb in einer Richtung kann zu-
grundegehen, dann schlagt er in das Gegenteil
urn, der des Vaters in den der Mutter, der des
Vaterindividuums in den des Mutterindividuums.
Der Antrieb kann auch geschwiicht werden, dann
geht er in den nachstliegenden Antrieb iiber, in
den des Vaters des Erzeugers oder bei starkerer
Schwachung in den des Grofivaters oder einer
noch friiheren Generation. Die Ursache, dafi die
Antriebe unterliegen, besteht entweder in ihrer
geringen Kraft und Warme oder in der Kalte des
zu bewaltigenden Stoffes. Die Ursache der
Schwachung der Antriebe liegt in der Gegen-
wirkung des Stoffes. Aus der Anwendung dieser
allgemeineu Prinzlpien ergeben sich fiir Aristo-
teles folgende, die Vererbungstatsachen be-
leuchtenden Gesetze:
Wenn der vom Vater ausgehende Antrieb in
alien Beziehungen iiberwiegt, so entsteht ein
Knabe, der dem Vater ahnlich ist. Wenn der
vom Vater in seiner Eigenschaft als Mann aus-
gehende Antrieb iiberwiegt, der vom Vater als
Individuum ausgehende aber nicht, so entsteht ein
Knabe, der der Mutter ahnlich ist. Wenn der vom
Vater in seiner Eigenschaft als Mann ausgehende
Antrieb unterliegt, der vom Vater als Individuum
ausgehende aber nicht, so entsteht ein Madchen,
das dem Vater ahnlich ist. Wenn der vom Vater
in seiner Eigenschaft als Mann und als Individuum
ausgehende Antrieb unterliegt, so entsteht ein
Madchen, das der Mutter ahnlich ist. Wenn der vom
Vater in seiner Eigenschaft als Mann ausgehende
Antrieb erhalten, der von ihm als Individuum aus-
gehende aber geschwacht wird, so entsteht ein
Knabe, der dem GroGvater oder einem der friiheren
Vorfahren ahnlich ist. Wenn der vom Vater in
seiner Eigenschaft als Mann und Individuum aus-
gehende Antrieb bewaltigt, der von der Mutter als
Individuum ausgehende aber geschwacht wird, so
entsteht ein Madchen, dafi der Grofimutter oder
einem friiheren mutterlichen Vorfahren gleicht.
Wenn alle Bewegungsantriebe geschwacht werden,
so gleicht das Junge keinem der Angehorigen und
Verwandten mehr, sondern es bleibt nur das ihnen
alien Gemeinsame, dafi es ein Mensch ist. In
aufiersten Fallen wird der Bildungstrieb so weit
geschwacht, dafi das Kind nicht mehr menschliches
Wesen ist, sonderm einem Tier gleicht, also eine
Mifigeburt darstellt.
Wenn diese Vererbungstheorie des Aristo-
teles auch keine wirkliche Erklarung der Er-
scheinungen bietet, so lafit sie doch erkennen, mit
welchem Eifer bereits die alten griechischen Denker
das Vererbungsproblem zu losen versuchten.
Walther May, Karlsruhe.
Ein Beispiel fiir die Beeinflussung lokaler Faunen
durch den Weltkrieg. Aufierordentlich grofi ist
zwar das Verbreitungsgebiet der Elster (Pica pica
Linne) in Deutschland und doch finden sich Be-
zirke, in denen es zahlreiche Bewohner gibt, die
noch kein lebendes Exemplar dieses Vogels im
Freien beobachtet haben. In der nachsten Um-
N. F. XVI. Nr. i
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
II
gebung von Frankfurt a. M. nordlich des Mains
kunnte man vor dem Krieg keine Klster finden.
Man mufite schon bis an den Fufi des Taunus
wandern, um diesen schonsten unserer Rabenvogel
anzutreffen. Dort hauste er in den kleinen Ge-
holzen am Rande iippiger Wiesen in der Umgegend
von Oberusel und Homburg v. d. Hone, doch
war seine Anzahl dank den Nachstelmngen, die
er seitens der Jager zu erdulden hatte, nur ver-
haltnismafiig gering.
Seit Herbst 1914 machte sich aber eine auf-
fallende Vermehrung der Elster bemerkbar und
es liefi sich fcststellen, dafi immer weitere Gebiete
des Vortaunus von ihr bevolkert wurden. Im
Friihjahr dieses Jahres (10. Mai 1916) konnte ich
in der Nahe von Eschersheim, einem Vorort
Frankfurts etwa 2 Wegstunden von Oberursel
entfernt, wo seither von mir keine Elstern fest-
gestellt wurden, ein Elsternpaar sichten. In einem
dichten alien Obstgarten hatte es Wohnung ge-
nommen. Im Laufe des Jahres nahm die Zahl
der Vogel zu, einmal durch die erbriiteten Jungen,
dann aber auch wohl durch neue Zuziigler. Sie
haben jetzt schon Besitz ergriffen von mehreren
in der Nahe des vorerwahnten Obstgartens lie-
genden Garten und kleinen Waldanlagen
Wie ist dieses plotzliche Auftreten der Elster
in einem Bezirk, der jahrzehntelang elsternfrei war,
zu erklaren f Wohl nur dadurch, dafi infolge
des Krieges und der dadurch bedingten mafiigen
Ausiibung der Jagd der AbschuS der Elstern im
Taunusvorland so sehr abgenommen hat, dafi die
Vogel genotigt waren, sich andere Raub- und
Futterplatze zu suchen. Vom Standpunkt des
Vogellreundes ist diese Zunahme des prachtigen
Rabenvogels, der durch auf ihn gesetzte Schufi-
pramien vogelfrei geworden der Ausrottung nahe
war, nur zu begrufien. Einer Uberhandnahme des
Nestpliinderers und Raubers der Kleinvogelwelt
wird nach dem Kriege schon Schranken ge^ogen
werden. Sicherlich lassen sich solche Beobach-
tungen von Anderungen der lokalen Faunen in-
folge des Krieges noch mehr anstellen, und ich
ware fur deren gelegentliche Mitteilung dankbar.
Fr. Keyl.
Einzelberichte.
Botanik. Uber das Altern der Pflanzen.
Untersuchungen, die im Laufe der letzten Jahre
von einer Reihe von Autoren an Einzelligen aus-
gefiihrt wurden, haben ergcben, dafi Einzellige
unter dem Einflufi von Stoffwechselprodukten einer
Degeneration und schliefilich dem Tode verfallen
(Enriquez, Popoff, Woodruff). Die Unter-
suchungen an Einzelligen haben auch gezeigt, dafi
die Teilungsgeschwindigkeit durch den Einflufi
von Storfwechselprodukten herabgesetzt wird. Da
nun die Wachstumsgeschwindigkeit eines viel-
zelligen Organismus durch die Teilungsgeschwin-
digkeit der Zellen, aus denen er aulgebaut ist,
bedingt wird, so ist von vornherein die Annahme
gerechtfertigt, dafi auch die allmahliche Abnahme
der Wachsuimsmtensitat vielzelliger Organismen
und der schliefiliche Stillstand ihres Wachstums
eine Wirkung von Stoffwechselprodukten ist, die
im Zellenverband des vielzelligen Organismus zur
Anhaufung gelangen. Und man hat auch in eigens
darauf genchteten Versuchen an vielzelligen Orga-
nismen (Schnecken, Karpfen, Kaulquappen, Da-
phnien) feststellen konnen, dafi unter dem Einflufi
von Stoffwechselprodukten im Kukurmedium eine
Verlangsamung des Wachstums eintritt.
Ahnliche Versuche sind auch an Pflanzen aus-
gefuhrt worden. So hat Whitney gefunden, dafi
ein wasseriger Extrakt aus erschoptttm Boden
einen hemmenden Einflufi auf das Wachstuin der
Pflanze ausiibt. Die Wachstumshemmung war
um so ausgesprochener, je starker konzentriert der
fur den Versuch verwendete Extrakt war.
Zlataroff 1 ) hat nun eine Reihe von Versuchen
mit Keimlingen der Kichererbse ausgeiuhrt, in
denen der Einflufi von Harnstoff, Guanidinkarbonat,
Animoniak und Wa:>serglas (in der jungen Prlanze
der Kichererbse hauft sich Siliciumdioxyd anj, die
als Stoffwechselprodukte in Betracht kommen, auf
das VVachstum der Keimlinge verlolgt wurde. Auch
der Einflufi eines Extraktes aus etwa einem Monat
alien etiolierten Keimlinge der Kichererbse auf
das VVachstum wurde untersucht. Die Versuche
wurden in der Weise ausgefiihrt, dafi die Samen zu-
nachst 10 Tage lang der Keimung iiber destilliertem
Wasser iiberlassen wurden, um dann auf die ver-
schiedenen Versuchsfliissigkeiten verleilt zu werden.
Das Ergebnis war, dafi in alien erwahnten
Losungen dasWachstum derKeimlinge
eine Hemmung erfuhr. Die schadhche
Wirkung der Losungen zeigie sich auch darin,
dafi die Turgeszenz der Keimlinge abnahm.
Wurden die geschiidigten Keimlinge aus den
Versuchsfliissigkeiten iiber eine Knoop'sche
Losung gebracht, der Pflanzenlecithin, Rhamnose
oder Glanutosterin (ein von Zlataroff aus den
Samen der Kichererbse isoliertes und chemisch
definiertes Phyiosterinj beigegeben waren, so er-
holten sich samtliche Keimlinge wieder. In einer
Knoop'schen Losung dagegen erholte sich nur
eine geringe Anzahl der geschadigten Keimlinge.
Die Versuche von Zlataroff, die mit che-
misch wohldefinierten Stoffen ausgefiihrt wurden,
I J As. Zlataroff, Uber das Altern der Pflanzen. Zeit-
schrift f. allgem. Physiologic., Bd. 17, 1916, S. 205209.
12
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
N. F. XVI. Nr. i
die als Abbauprodukte von Eiweifistoffen bekannt
sind, bestatigen die Auflassung, dafi die im Laufe
der ontogenetischen Entwicklung der vielzelligen
Organistnen emsetzende Wachsiumshemmung, die
in Alter und Tod auslault, auf emer lahmenden
Wirkung von Sloffwechselprodukten beruht. : )
Die ein- und zweijahngen Plianzen unterscheiden
sich in dieser Beziebung nicht von den Tieren.
Eine sehr imeressame Frage ist es, ob die
wirksamen Stoffwechselprodukte spezifischer oder
nicht spezifischer Natur sind. An Einzclligen hat
Woodruff gezeigt, dafi bei ihnen Stoffwechsel-
produkie gebudet werden, die hemmend aut die
Teilungsgeschwindigkeit nur der einen bestimmten
Spezies wirken. Aber es ist natiirlich nicht aus-
geschlossen, dafi auch nicht spezifische Stoffwechsel-
produkte gebildet werden, d. h. solche, die auch
auf andere Arten wirken. Vor kurzem hat
Molliard') Versuche liber den Einflufi von
Stoffwechselprodukten der Erbse angestellt und
er ist zur UDerzeugung gelangt, dafi die Stoff-
wechselprodukte der Erbse nicht auf das Wachs-
tum von Erbsenkeimlmgen, sondern auch von
anderen Arten einen hemmenden EinrluS aus-
zuuben vermochten. Die Arbeit von Molliard
ist dem Ref. im Original bisher leider nicht zu-
ganghch gewesen. Alex. Lipschiitz.
Zoologie. Brutdauer und erste Jugendstadien
des Bartgeiers Gypaetits barbatus L. In dem von
Konig Ferdinand I. unterfiahcnen zoologischen
Garten in Soha ist vergangenen Wmier zum
ersten Mai die Zucht des Bartgeiers in Ge-
fangenschaft gelungen. Daruber berichtet
Ad. Schumann. 3 ) Im Garten werden 4 Bart-
geier gehalten. Zwei Stuck waren seit 3 Jahren
gesondert in einem Flugkahg untergebracht. Am
2O. Dezember 1915 wurde die Paarung dieser
beiden Geier beubachtet. Am 30. Dezember 1915,
als das Thermometer in Sofia bis zu 29" C Kalte
zeigte, fand sich am Morgen em frischgelegtes
Ei vor. Das Weibchen begann sofort mil seiner
Bebriitung. Am 3. Januar 1916 lag ein zweites
Ei im Nest.
Die fur den Bartgeier bisher unbekannte Brut-
dauer konnte bei diesem Anlafi festgestellt werden,
indem sich beide Eier als befruchtet erwiesen.
Sie betrug 55 T a g e , was sehr lang ist. Das
erstgelegie Ei kam am 23. Februar aus. Am
27. schemt das zweite Junge ausgeschliiplt zu sein;
dasselbe wurde aber durch die Alien getotet und
o
zum grofiten Teil aufgetressen. Dieser Umstand
wurde der Behauptung recht geben, dafi der
Bartgeier stets nur ein Junges aufziehe.
') Vgl. die zusammenfassende Uarslellung von L i p s c h ii t z ,
Allgememe Physiologic des 1 odes. Braunschweig 1915.
*) Marin Molliard, Revue generate de Botanique,
Bd. 27, 1915, p. 289296. ^
3 j Ad. Schumann, Erfolgreiche Zucht von Gypaetus
barbatus im Konighch Zoologischen Garten von Sophia.
,,Zoologischer Beobachter", Frankfurt a. M., 1916, S. 209 216.
An der Fiitterung des Jungen beteiligte sich
auch das Mannchen. Das Junge wurde nicht aus
dem Kropf gefuttert, sondern es wurden dem-
selben ganz kleine Sttickchen Fleisch vorgehalten,
die es dann den Alien aus dem Schnabel nahm.
Die Eltern kauten das Fleisch gewissermafien vor.
Der frisch geschliipfte Bartgeier zeigte ein
weifies, wolliges Dunenkleid. Der verhaltnismafiig
grofie, schwere Kopf, den das Tierchen nicht
tragen konnte, ruhte mit der Schnabelspitze am
Buden. Die dunklen Augen waren schon am
ersten Tag geoffnet. Am 14. Marz, also im Alter
von 3 Wochen, war der junge Geier etwas grofier
als eine ausgewachsene Haustaube. Er war schon
ziemhch beweghch und nahm Fleischstiickchen
aus der Hand des Warters. Die weiGen Dunen
waren aut Rticken und Kopf ca. I cm lang, in
der Achselgegend und am Hals jedoch kaum 2 mm.
Die Federtluren waren bereus deuilich erkennbar,
aber es zeigte sich noch keine Spur von Kielen.
Am 23. Marz wurden am Kopf des jungen Bart-
geiers ganz kleine schwarzbraune Flaumtederchen
entdeckt. Die Farbe des Dunenkleides zeigte
einen Strich ins Blaugraue. Die dunkle charakte-
ristische Kopfzeichnung des Bartgeiers war schon
vom Alter von 14 Tagen an erkennbar.
Dieser ganz unerwartete Zuchterfolg hat eine
Anzahl Fragen iiber das Leben des Bartgeiers
gelost, oder doch ihrer Losung naher gebracht.
A. Hefi.
Isoplankten. Nennen wir die Linien gleicher
hydrographischer Eigenschalten des Meerwassers,
wie die Isohalinen und Isothermen, zusammen-
fassend Isohydren, so konnen wir, iiihrt Loh-
mann 1 ) aus, die Linien gleicher biologischer
Eigenschatten Isobien nennen. Kommen nur
Planktonorganismen in Frage, so spncht L o h m a n n
von Isoplankien. Kurven gleicher Volksdichte
einer planktomschen Orgamsmenart sind Isone-
phen; andere Isoplankten waren die Linien gleicher
Arienzahl, gleicher Planktonmassen und andere
mehr. Sen 1912 hat Lohmann sich bemuht,
Isoplankten, und zwar Isonephen, lur Orgamsmen
des Nannoplanions im Atlantischen Ozean nach
zentnfugierten Wasserproben von 300 ccm zu
zeichnen. Er legt jetzt die Ergebmsse nament-
lich fur einige Coccohthophonden, also kleine
kalkhaltige blageilaien , vor, zunachst Vertikal-
schmtte uurch das IVker langs der Fahrt der
,,Deulschland'' vom 7. Mai bis 7. September 1911
von Hamburg nach Buenos Aires; sic lehren, dafi
das Maximum von Calyptrosphaera oblonga Lohm.,
wo bis 408 Stuck des Organism us in I 1 VVasser
leben, etwa bei 45 w. L. und 25 n. Br. und
zwar ungelahr in 100 m Tiefe hegt, umgeben
auf der Querschnittskarte von ring-
') H. Lohmann: Neue Untersuchungen iiber die Ver-
teilung des Planktons im Ozean. Sitzungsber. d. Gesellschaft
naturtorsch. Frcunde, Berlin, Jahrg. 1916, Nr. 3, S. 73 126.
10 Textfig., i Tabelle, 2 Taf.
N. F. XVI. Nr. i
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
formigen geschlossenen Isonephen von charakte-
ristischer Gestalt. Siidlich vom Aquator, im Siid-
aquatorialstrom, wurde in etwas geringerer Tiefe
das Zentrum der scharf umschlossenen Volksmasse
von Coccolithophora fragilis gefunden, wahrend
das von Pontosphaera huxleyi, iiber 1000 Indivi-
duen im Liter, dort an der Oberflache liegt und
die Isonephen urn diesen Punkt nach der Tiefe
bin eine Asymmetrie haben, eine doppelte insofern,
als bis etwa 125 m Tiefe das Maximum fur die
jeweilige Tiefe nordlich von jenem Oberflachen-
maximum liegt, in Tiefen von 250 400 m aber
90 80 70 60 50 40 30 20" 10 10 20
60
intwurf einer Dichte-Vcrbreitungskarte von Pontosphaera huxleyi.
Nach Lohmann, Sitzungsher. d. Ges. naturf. Freunde, Berlin,
Jahrg. 1916, Nr. 3 (S. no).
siidlich von ihm. In ahnlicher Weise zeichnet
Lohmann die vertikalen Kurven fiir bestimmte
Teile der Fahrt fiir eine Englenide, fiir die Zoo-
flagellate Rhynchomonas marina, fiir die Coccolitho-
phoride Syracosphaera pulchra Lohm., fiir nackte
Flagellaten und fiir alle Diatomeen. Syracosphaera
im Nordaquatorialstrom hatte im Kern der Volks-
masse ein Minimum, das Gebiete grofierer Volks-
starke bogenformig umlagern, vermutlich infolge
davon, dafi das Volk in seinen zentralen Teilen
Ruhestadien oder nackte Schwimmer bildete, die
der Zahlung entgehen, oder ein einfaches Ab-
sterben eingetreten war. Auf einer Tafel werden
einige Ouerschnitte langs der ganzen Fahrt an-
gefiigt. Aufierst mannigfach ist das so gewonnene
Bild ftir Pontosphaera huxleyi, die am weitesten
verbreitete Art unter den Coccolithophoriden.
Erst unterhalb etwa 150 m Tiefe wechseln Fund-
gebiete und Freigebiete dieser Art miteinander
ab und halten sich etwa das Gleichgewicht, dar-
iiber sind die Volksmassen offenbar miteinander
verschmolzen.
Solche und andere Kurvenbilder der Fahrt-
schnitte beweisen zunachst die Brauchbarkeit der
von Lohmann ersonnenen Methode und haben
jedes fiir sich hohes Interesse, doch mag es hier
wohl zu weit fiihren, sie alle einzeln zu besprechen.
Um nun nach diesen Fahrtschnitten ein Bild von
der wirklichen Verbreitung der Volksdichte der
Arten im Ozean zu erlangen, stehen wir freilich
vor derselben Schwierigkeit ,.als wenn man von
einem noch nicht naher bekannten Organismus
nichts weiter als einen einzigen Langsschnitt hatte
und daraus Schliisse auf den Ban des Tieres
ziehen wollte". Doch gibt uns ,,das, was wir von
den hydrographischen Verhaltnissen des Wohn-
raums und den biologischen Eigenschaften der
betreffenden Arten wissen, wichtige Hinweise dar-
auf, wie wir diese Schnittbilder in Wirklichkeit
zu erganzen haben". Solche Abbildungen , wie
wir deren eine nebenstehend wiedergeben, ver-
mitteln also zunachst nur eine hypothetische Vor-
stellung, deuten aber das Ziel an, zu welchem die
methodische Fortsetzung solcher Untersuchungen
fiihren mufi. V. Franz.
Physik. Eine hiibsche Methode zur Analyse
schwingender Tropfen beschreibt V. K utter in
der Physikal. Zeitschr. XVII, 424 (1916). Lafit
man aus mafiiger Hohe Tropfen einer verdiinnten
Kaliumpermanganatlosung in eine Ferrosulfatlosung
fallen, so entsteht beim Eindringen des Tropfens
indieFliissigkeitsoberflache ein schon ausgebildeter
Wirbelring, der bis zu einer gewissen Tiefe
eindringt, um dann zu zerfallen. Beim Vermischen
der beiden Losungen verschwindet die rote Farbe
der Permangatlosung wegen der Reduktion durch
das Eisensalz; man kann also mit der gleichen
Fliissigkeitsmenge den Versuch haufig wieder-
holen. Man kann auch eine stark verdiinnte salz-
saure Losung von Antimonchlorid in reines Wasser
tropfen lassen und erhalt dann milchig triibe bis
weifie Wirbelringe. Man sollte nun erwarten, dafi
wenn man die Fallhohe der Tropfen steigert, die
Wirbelringe bis zu grofierer Tiefe in die Fliissigkeit
eindringen. Das tritt aber nicht ein, vielmehr
beobachtet man folgendes: zunachst nimmt die
Einsinktiefe der Wirbelringe zu, wird dann wieder
Heiner, um bei weiterer Vergrofierung der Fall-
hohe der Tropfen wieder bis zu dem ersten
Maximum zu steigen und so fort. Es findet also
ein ganz regelmaSiges periodisches Schwanken
zwischen einem hochsten und einem niedrigsten
Wert der Einsinktiefe statt. Diese Erscheinung
erklart sich dadurch, dafi jeder fallende Tropfen
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
N. F. XVI. Nr. i
ellipsoidische Schwingungen um die Kugelgestalt
ausfiihrt, und zwar steht die grofie Achse des
Ellipsoids abwechselnd vertikal und horizontal,
zwischen diesen beiden Extremen hat der Tropfen
einen Augenblick Kugelgestalt. Wenn er nun
auf die Fliissigkeitsoberflache auftrifft , so findet
an der Beruhrungsstelle ein sofortiges Zusammen-
fliefien der beiden Fliissigkeitsmassen statt , so
dafi in diesem Augenblick der Tropfen als eine
Ausbuchtung der Fliissigkeitsoberflache nach oben
erscheint. Eine solche beseitigt aber die Ober-
flachenspannung und zwar mit einer Kraft, die der
Grofie der Deformation proportional ist. 1st nun
die Fallhohe des Tropfens gerade eine solche,
dafi er im Augenblick des Auftreffens die Gestalt
eines Ellipsoids mit vertikaler grofier Achse hat,
so ist die Ausbuchtung nach oben die grofit-
mogliche, wahrend sie, wenn die grofie Achse
horizontal liegt, am kleinsten ist. Im ersteren Fall
erreicht der Wirbelring seine grb'fite, im letzteren
seine kleinste Einsinktiefe, wahrend sie fur den
kugelformigen Tropfen eine mittlere ist. Steigert
man die Fallhohe des Tropfens um eine Strecke,
da8 sich die Tiefe seines Eindringens von einem
Maximum bis zum nachsten verschiebt, dann hat
der Tropfen wahrend des Durchfallens dieser
Strecke eine voile Schwingung ausgefiihrt, deren
Dauer sich mittels der Fallgesetze aus den beiden
Fallhohen berechnen lafit. Die Periode der
Schwingungen hangt vom Tropfengewicht und
der Oberflachenspannung der Fliissigkeit ab;
letztere ergab sich zu 7,378
mg
mm'
Die genauere
Untersuchung zeigt weiter, dafi die beiden Halb-
perioden der Schwingung nicht gleich sind; es
lagern sich vielmehr iiber die Hauptschwingung
Oberschwingungen, welche die Symmetric der
Hauptschwingung zerstoren. - - Die Methode, aus
der Periode der Tropfenschwingung die Ober-
flachenspannung zu ermitteln, hat vor der anderen
(statischen) Methode den Vorteil, dafi man es
mit ganz frischen Oberflachen oder solchen von
genau mefibarem Alter zu tun hat. Bekanntlich
ist die Oberflachenspannung einer reinen und
frischen Wasseroberflache besonders grofi, sie wird
indessen sehr bald geringer, da sich meistens
irgendwelche Verunreinigungen (Spuren von Fetten,
Dampfen) auf ihr ausbreiten. Schon vor langeren
Jahren ist die Oberflachenspannung von Fliissig-
keiten von Lenard nach der Methode der
schwingenden Tropfen gemessen worden, doch
auf andere Weise. Beobachtet man die von einem
Wasserhahn herabfallenden Tropfen (oder auch
Regentropfen), so sieht man, dafi dieselben in
ganz bestimmten Entfernungen unter dem Hahn
hell aufblitzen; der Reflex trjtt immer dann auf,
wenn der Tropfen nach Vollendung einer
Schwingung wieder dieselbe Gestalt angenommen
hat. Dadurch, dafi an einer vertikalen Skala der
Abstand der Reflexe bestimmt wird, kann man
ihre Schwingungsdauer und daraus ihre Ober-
flachenspannung berechnen. K. Sch.
Albert Heim. Geologic
Lieferung I. Leipzig 1916. Chr Herm. Tauch-
nitz. Ca. 10 Lieferungen a 6 M.
Wem es beschieden ist, in der geologischen
Erforschung eines Landes seine ganze Lebens-
arbeit aufzuopfern, der hat ein Anrecht darauf,
Riickblick zu halten auf das Geschaffene und eine
zusammenfassende Ubersicht iiber die gewonnenen
Resultate seiner Zeit zu geben. Und wem zum
Wissen noch das Lehrgeschick gegeben ist, wie
es ein Albert Heim besitzt, von dem wird man
mit Spannung ein Buch entgegen nehmen, wie
es die vorliegende I. Lieferung der Geologic der
Schweiz einleitet. Sagen wir es zum vorneherein:
Jede Seite der vorliegenden Geologic ist Heim-
sche Sprache und tont uns entgegen, als ob wir
den greisen Geologen von dem Katheder, wo er
so viele Jahre gewirkt, horen wiirden. Oder ist
seine Einleitung nicht Heim'sche Sprache, wenn
er schreibt: ,,Eine wahre Wallfahrt von Menschen
wandelt alljahrlich in die schweizerischen Berge
zur Erholung, zur Starkung von Geist und Korper.
Von hohen Aussichtswarten bewundern sie mit
uns die henliche Gestaltung der Erdoberflache.
Alles was wir da vor uns sehen, ist, sowohl in
den grofien Formen wie bis in das feinste Einzelne
Biicherbesprechimgen.
der Schweiz. hinein, die Wirkung geologischer Vorgange. Diese
es, welche das vor uns liegende
sind es, welche das vor uns liegende Land so
schon gestaltet haben. Verstandenes zu schauen
ist ein weit edlerer grofierer Genufi als Un-
verstandenes anzustaunen. Der Anblick erweckt
das Bediirfnis nach Verstandnis. Je weiter wir in
das Verstandnis eindringen, desto mehr beseelt
uns das Bewufitsein, dafi die Forschung die er-
habenste Pflicht des Menschengeistes ist. In diesem
Sinne ist unsere ,,Geologie der Schweiz" ge-
schrieben." -
Schon der erste Abschnitt, die Geschichte der
Geologic der Schweiz, verrat den Mann, der iiber-
all mitgewirkt hat. Wir verweisen z. B. auf die
ausfiihrliche Wiirdigung der Geologen Studer
und Esc her. Der historische Abrifi iiber die
schweiz. geologische Kommission, die geologische
Gesellschaft, die topographische Landesdarstellung
geben uns einen Einblick in das reiche Arbeiten
der vergangenen hundert Jahre. Auch dem jungen
Geologen wird es nichts schaden, von dem Selbst-
bewufltsein der Gegenwart zu den Arbeiten ver-
gangener Tage zuriickzublicken. Und dazu ist
Heim ein vortrefflicher Fiihrer.
Das Buch halt sich an die drei Hauptzonen
des Schweizerlandes, Mittelland, Juraland, Alpen-
N. F. XVI. Nr. I
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
land. So beschaftigt sich der erste Hauptteil mit
dem Mittelland, d. h. Molasseland und Diluvium,
jenem Gebiet, das den Winkel zwischen Alpen
und Jura fiillt. Das Wort ,,Molasse", zuerst von
Saussure gebraucht, bezeichnet in erster Linie
weiche, zerreibliche Sandsteine, im ganzen aber
gemischte Gesteinsarten, die aus der Verwitterung,
Schlammung und dem Wiederabsatz machtiger
Gebirgsmassen hervorgegangen sind. Es werden
unterschieden :
Untere Molasse, Sarmatische Stufe und obere
VVienerstufe,
Mittlere Molasse, untere VVienerstufe und
Bordeauxstufe,
Obere Molasse, aquitanische und stampische
Stufe.
Nach einer kurzen Ubersicht bespricht H e i m
ausfuhrlich die Gesteine der Molasse, als da sind:
Nagelfluh, Sandsteine, Mergel, Kalksteine und
Kohlen. Eine sehr ausfuhrliche Darstellung hat
die Nagelfluh erfahren, wobei eine instruktive
Karte die Ausbreitung derselben angibt. Hier
kommen namentlich die drei grofien Gerolldelta
des Napf, des Rigi-Rofiberg und zwischen Linth
und Rhein zum Ausdruck. Eine detaillierte
Tabelle gibt Auskunft iiber die Herkunft der
Nagelfluhgerolle. Was eine kiinftige Forschung
uns noch fur Aufklarung bringen mag, so viel ist
sicher, dafi die subalpine tertiare Nagelfluh der
Schweiz aus den ursprunglich siidlicheren Zonen
der Alpen stammt und von dort zuerst teils durch
Deckenschub, dann durch Abspulung hierher ge-
langt ist und am Alpenrande liegt als der tertiare
Schutt der jungen beginnenden Alpen." Auch den
besonderen Erscheinungen der Nagelfluhgerolle,
den Eindriicken, der Glattung und Streifung, der
Dislokationsumformung, wird besondere Auf-
merksamkeit erwiesen. Instruktive Textbilder
begleiten das Wort. Im Juraland trifft man aufier
der Nagelfluh mit alpinen Gerollen auch noch
eine Nagelfluh mit Gerollen, die von Norden her-
stammen, die man als Juranagelfluh bezeichnet
hat. Auch diesen Gesteinen wird eine ausfuhrliche
Besprechung gewidmet. Als Hauptabanderungen
der Molassesandsteine fiihrt er an : Kalkige Sand-
steine, granitische Molasse, graue Molasse, platten-
formige Molasse, Ralligsandsteine, Berner Sand-
steine, Knauermolasse, weiche Sandsteine, gemeine
Molasse, Mergelmolasse, Muschelsandsteine. Jedem
Abschnitt ist ein ausfu'hrliches Literaturverzeichnis
beigegeben, so dafi man auf bequeme Weise die
Originalarbeiten zu Rate ziehen kann, wenn man
sich weiter in ein Thema vertiefen will, oder mit
der Auffassung des Autors sich nicht einverstanden
erklaren kann. Das ist ja das Wertvolle an der
,,Geologie der Schweiz", wie wir eingangs schon
bemerkt haben, dafi Ileim iiberall mit seiner
personlichen Auffassung nicht zuriickhalt. Wir
weisen nur auf die Diskussion der Glazialerosion
hin (Seite n ff.i.
Uber die Illustrationen konnen wir erst ur-
teilen, wenn weitere Lieferungen vorliegen. Ob
die Anwendung des wirklich kleinen Kleindruckes
ein Vorzug ist, mochten wir sehr bezweifeln.
Der Preis des Werkes mag auf den ersten
Blick hoch erscheinen. Wer sich aber die Miihe
nimmt, die erste Lieferung nur oberflachlich an-
zusehen, der wird unbedenklich dieses Buch seiner
Hibliothek einverleiben. Hans Bachmann.
Anregungen und Antworten.
H. M. in L. Sie schreiben: ,, Jedem, der im Schutzcn-
graben gewesen ist, wird der eigentiimliclie Doppelklang der
Gewehrschiisse aufgefallen sein. Man vernimmt zunachst einen
starken helleren Knall und unmittelbar darauf einen dumpferen,
der jenen kurz abschneidet. Diese eintbnigen Doppelklange
sind namentlich nachts sehr charakteristisch. Aufierdem kann
besonders in waldigem Gelande bisweilen noch der rollende
Widerhall hinzukommen, der also keinesfalls die Ursache des
zweiten Schlages sein kann.
Aufier diesen ot'fenbar mit dem Abschufi zusammen-
hangenden Gerauschen liort man noch das eigentumliche
Zischen, Quarren, Wimmern oder Brummen der Geschosse in
der Luft, doch ist es im allgemeinen nicht mbglich , etwa
einen einzelncn dieser langgezogenen Tone mit einem be-
stimmten Doppelklang in Zusammenhang zu bringen. Wie
es scheint, sind es nur die von dem Feind gegenuber abge-
gebenen Schusse, die den Doppelkrach hervorrufen ; die aus
dem eigenen Graben kommenden sind nicht von ihm begleitet.
Deshalb macht man auch diese Beobachtung auf dem Schiefi-
stand nicht. Doch kann ich mich auch nicht erinnern , den
Doppelklang in der Anzeigerdeckung deutlich gehb'rt zu haben,
wenn ich auch damals nicht darauf geachtet habe. Bei Platz-
patronenschlachten fehlt er sicher. Die Entfernung, aus der
der Feind schofi, war 3 500 m."
Auf den doppelten Kn-ill scharfer Schusse ist man erst
in neuerer Zeit aufmerksam geworden, als man den Geschossen
eine Anfangsgeschwindigkeit von vielen hundert Metern zu
gebcn verstand. Die Beobachtungen zeigen , dafi der erste
scharfe Knall bedeutend schneller anlangt, als sich aus der
normalen Schallgeschwindigkeit in der Luft ergibt, wahrend
die Geschwindigkeit des zweiten dumpferen Knalles diesem
Werte entspricht. Eine Zeitlang glaubte man, dafi die
Heftigkeit der Schallerregung die Ursache der eigentum-
lichen Erscheinung sei, E. Mach u. a. haben aber gezeigt,
dafi die schnelle Ausbreitung des ersten Knalles auf einer
Art Mitfuhrung des Schalles durch das schnell fliegende
Geschofi beruhe. Der Schall geht so lange mit dem Geschofi,
als es sich noch mit Uberschallgeschwindigkeit bewegt, und
lost sich von ihm los, sobald die Geschwindigkeit unter die
Schallgeschwindigkeit herabsinkt. Durch den Druck des sich
bcwegenden Geschosses wird die vor ihm befindliche Luft
verdichtet; diese Luftverdichtung breitet sich mit Schall-
geschwindigkeit aus. Wenn sich das Geschofi langsamer be-
wegt als der Schall, so werden also die in aufeinander-
folgenden Zeitpunkten entstehenden Vcrdichtungen hinter-
einander hereilen, d. h. bis auf grofie Entfernung von dem
Geschofi schiebt sich vor demselben die Luft gleichmafiig
zusammen, aber es kommt nicht zur Ausbildung einer Welle
i6
Naturwissenschaftliche VVochenschrift.
N. F. XVI. Nr. I
(vgl. Abb. l). Bewegt sich aber das Geschofl schneller als
der Schall, so wird die vor dem Geschofl entstehende Ver-
dichtung bei ihrem Bestrebcn, sich rait Schallgeschwindigkeit
auszubreiten, von dem Geschofi selbst stets uberholt, die in
aufeinanderfolgenden Zeitpunkten entstehenden Verdichtungen
laufen also nicht hintereinander her, soudein kreuzen, durch-
dringen sich. Dadurch entsteht eine scharf ausgepragte Ver-
dichtungswelle, die sich von dem Geschofi abzweigt, ahnlich
wie die Bugwelle von einem fahrenden Dampfer (vgl. Abb. 2).
Sie erzeugt den zucrst zu horenden scharfen Knall , wahrend
der an der Gewehrmiindung durch das Abfeuern hervor-
gerufene und mit normaler Schallgeschwindigkeit sich aus-
breitende Knall ihm nachfolgt.
Mach hat die von dem rtiegenden Geschosse ausgehenden
Schallwcllen durch geeignete Methoden sichtbar gemacht.
auf der man sieht, wie auf einer Weide eine Eberesche ge-
wachsen ist. Ich habe Gelegenheit gehabt , ahnliche Be-
obachtungen zu machen. So hatte auf einer Weide sich eine
grofie Kobinia pseudacacia angesiedelt (s. d. Abbildung). Sie
hat lange Jahre gelebt, bis sie ein starker Wind zersplitterte.
In einer Spalte des Stammes einer anderen Weide hatte sich
ebenfalls eine wilde Akazie entwickelt, deren Stamm einen
Durchmesser von 4 cm hatte. Auf dem Kopf einer dritten
Weide hatte sich ein Prunus cerasus von 2 m Hobe und 7 cm
Durchm. entwickelt. In einem anderen Fall habe ich einen
Faulbaum (Rhamnus frangula) auf dem Kopf einer Weide ge-
sehen. Doch konnen noch sehr viele andere Pflanzenarten
auf Weiden vorkommen ; hier eine Liste solcher, die ich selbst
bemerkt habe: Tamus communis, Lamium macu-
latum, Solanum dulcamara, Sambucus nigra,
Abb. I.
Abb. 2.
Abb. 3.
Die besondere Gestalt der Gescboflspitze ergab dabei anstatt
einer Kegelwelle eine solche in der Form eines Hyperboloids,
auflerdem eine Gliederung in Kopf-, Seiten- und Achterwelle
und endlich eigenartige hinter dem Geschosse sich bildende
Wirbel (vgl. Abb. 3). Die Richtigkeit der angegebenen Er-
klarung wird durch die Sfters gemachte Beobachtung be-
statigt, dafi zu kurze Schiisse nur von einem schwachen Knall
begleitet sind, was von Mach auf das Erloschen der Kopf-
welle zuruckgcfuhrt wird.
Das eigenartige Pfeifen, Sausen und Schwirren des Ge-
schosses erklart sich durrh die Reibung desselben an der
Luft. Es entsteht ahnlich wie das kratzende Gerausch, das
der u'ber die Saiten einer Geige hingleitende und sie zum
Tonen bringende Bogen verursacht. (G.C.) Dr. Fr. Nblke.
Hbrbarkeit des Kanonendonners. ,,Sehr zahlreiche Be-
obachter meinten", heifit es in der Naturw. Wochenschr. Nr. 41,
S. 589, ,,dafi der Schall durch den Boden oder durch die
Wasserlaufe fortgeleitet werde 1 '. Ich gestatte mir, hierzu auf
die im Felde ganz gewohnliche Erfahrung hinzuweisen, dafi
man entfernte Kanonaden stets am deutlichsten in Unterstanden
vernimmt. Sobald man aus dem Unterstande nur in den
Graben hcraustritt, hort man viel weniger oder unter Urn-
standen nichts mehr. (G.CJ) Dr. V. Franz.
Uber die Flora der Weiden. Kein Baum ist so geneigt,
eine reiche epiphytische Flora zu beherbergen, wie die Weide.
Das Studium der Pflanzen, die auf dem Kopf oder in kleinen
Hbhlungen der Weidenstamme leben, wiirde sehr interessant
sein. Nicht nur kleine Pflanzen, sondern auch Baume konnen
auf Weiden eine Entwicklung finden. So hat G. Klatt in
dieser Zeitschrift ') eine schone Photographic veroffentlicht,
Achillea mille folium, Taraxacum officinal e,
Oxalis acetosella, Stellaria media, Geranium
sanguineum, Viola odorata, V. canina, Barbarea
sp., Malva silvestris, Rubus discolor, Fragaria
vesca, Chelidonium majus, Rumex acetosa,
Urtica dioica, Parietaria officinalis, Humulus
lupulus, Polypodium vulgare, Aspidium filix mas.
Die mit verschiedenfarbigen Bliiten und Beeren geschmiickten
Weiden gewiihren einen schonen Anblick. Wie konnen alle
diese Pflanzen auf den Weiden sich entwickeln ? Es ist sehr
wahrscheinlich, dafi nicht nur der Wind, sondern auch Tiere,
die Keime dieser Pflanzen auf die Weiden verbreiten.
B. Galli-Valerio.
') 1916 S. 591.
Inhalt: Egon Eichwald, Atmung und Garung. S. I. Kleinere Mitteilungen: Walther May, Antike Vererbungs-
theorien. S. 9. F r. Keyl, Ein Beispiel fiir die Beeinflussung lokaler Faunen durch den Weltkrieg. S. 10. -
Einzelberichte: Zlataroff, Uber das Altern der Pflanzen. S. 11. Ad. Schumann, Brutdauer und erste Jugend-
stadien des Bartgeiers Gypaetus barbatus L. S. 12. Lohmann, Isoplankten. S. 12. V. K utter, Analyse schwingender
Tropfen. S. 13. -- Biicherbesprechungen: Albert Heim, Geologic der Schweiz. S. 14. -- Anregungen und
Antworten : Doppelklang der Gewehrschusse. S. IS. Horbarkeit des Kanonendonners. S. 16. Cher die Flora der
Weiden. S. 1 6.
Manuskripte und Zuschriften werdeu an Prof. Dr. H. Miehe, Berlin N 4, Invalidenstrafie 42, erbeten.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
Druck der G. Patz'schen Buchdr. Lippert & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S.
Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
Neue Folge ID. Band;
der ganzen Keihe 32. Band.
Sonntag, den 14. Januar 1917.
Nummer
Eine merkwurdige Naturerscheinung im Jordantal.
[Nachdruck verboten.]
Von Dr. Dr. Carl Schoy, Essen a. d. R.
Mil 3 Abbildungen.
Es diirfte sich auf unserem Erdball nicht so
leicht eine zweite Stelle mit ahnlichen klima-
tischen und physikalisch geologischen Sonder-
heiten finden, wie sie jener dem irdischen Ant-
litz tief eingerissenen Grabenfurche eigen sind,
die heute der Jordan von Nord nach Slid durch-
stromt und die in ihrem tiefsten Teile vom Toten
Meer erfullt ist. Die Beduinen nennen dies Tal
El-Ror (die Einsenkung), den Jordan Scheriat el-
Kebire (die grofie Tranke) und das Tote Meer
Bahr el-Lut (Meer des Lot). Aber nicht nur
bis hierher zerbarst einst eine langgestreckte
Erdscholle in einen tiefen Schlund: die Wir-
kungen dieses katastrophalen Ereignisses reichen
heute noch weit durch das Wadi el-'Araba bis
zur Kiiste des roten Meeres, ja selbst bis ins
aquatoreale Afrika hinein. Es ist insbesondere
das Verdienst Professor M. Blanckenhorn's
uns diesen interessanten Teil Palastinas klima-
tisch , meteorologisch und geologisch erschlossen
zu haben. Die Resultate seiner Palastinafor-
schungen hat Blanckenhorn in einer Anzahl
Schriften niederlegt, von denen fur uns in erster
Linie die ,,Naturwissenschaftlichen Studien am
Toten Meer und im Jordantal" *), sowie ,,Syrien,
Arabien und Mesopotamien" 2 j in Betracht
kommen.
So gewaltig war dereinst der Sturz einer
Landmasse zur Tiefe, daB sich schon vom See
Genezareth an die Talsohle 208 m unter den
Spiegel des Mittelmeeres senkt, um am Toten
Meer die Zahl 393 m zu erreichen. Dazu
hat das altbekannte ,,Meer der Wiiste", das ,,Salz-
meer" der Israeliten, oder der ,,Asphaltsee" der
Griechen, selbst eine grofite Tiefe von 401 m,
so dafi die Gesamttiefe der Erdspalte 794 m
betragt. Wer vom Olberg (~f- 806 m) zu dieser
Statte der Verwerfung hinunterpilgert, steigt nicht
weniger als 1200 m hernieder, wahrend das Baro-
meter bei dem Druck der schweren Luftmassen,
die iiber dem Ror lagern, zuletzt auf iiber 800 mm
zu stehen kommt. Und wem in den Winter-
monaten Frost und Schnee den Aufenthalt in
Jerusalem verleiden, der vvandere dieselbe Strafie
nach Jericho, die uns aus des Heilands Gleichnis
bekannt ist, und wenn er von Beduinen unbe-
helligt nach der uralten Palmenstadt gelangt, so
umf