(logo)
Web | Moving Images | Texts | Audio | Software | Education | Patron Info | About IA
(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Open Source Books | Project Gutenberg | Biodiversity Heritage Library | Children's Library | Additional Collections

Search: Advanced Search

UploadAnonymous User (login or join us) 
See other formats

Full text of "Naturwissenschaftliche Wochenschrift"

NATURWISSENSCHAFTLICHE 
WOCHENSCHRIFT 



BEGRUNDET VON H. POTONlfi 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

PROF DR. H. MIEHE 

IN BERLIN 



NEUE FOLGE. 16. BAND 

(DER GANZEN REIHE 32. BAND) 

JANUAR DEZEMBER 1917 

MIT 180 ABBILDUNGEN IM TEXT 




JENA 

VERLAG VON GUSTAV FISCHER 
1917 



Alle Rechte vorbehalten. 



Register. 



I. GroBere Originalartikel 
und Sammelreferate. 

Andre'e, K., Einige Bemerkungen zur 

Geschichte der Geologic, insbesondere 

der ,,phantastischen Periode" der Pala- 

ontologie. 719. 
Becker, A., Uber den Kathodenstrahlen- 

durchgang durcb Materie. 513. 
Brehm, V., Dr. Absolon's zoologische 

Hbhlenforschungen auf der Balkanhalb- 

insel. 49. 
Bretschneider, Fr., Zur matbema- 

tischen Behandlung des Inzuchtgrades. 

225. 
Coehn, Alfred, Das Stickstoffproblem 

und seine Lbsungen. 129. 
Dittrich, G., Die Pilzvergiftungen der 

letzten Jahre. 297. 
DUggeli, M., Die Schwefelbakterien und 

ihre Tatigkeit in der Natur. 321. 
K i c h w;i lil ,!'.., Atmung und Garung. I. 
Engelhardt, V., Faraday's Stellung in 

der Geschichte der Physik. 465. 
K ngelhardt, V.,D'Alembcrt'sBedcutung 

fiir die Naturwissenschaften. 641. 
Frank, M., Abschatzen von grofieren 

Entfernungen unter Beriicksichtigungder 

Luftperspektive. 486. 
Freund, L., Keimdriisen und Kastration 

der mannlichen Vbgel. 569. 
Frickhinger, H. W., Die deutschen 

Seidenbaubestrebungenund das Problem 

der Schwarzwurzelfiitterung. 541. 
Giinther, H., Sulfit- und Karbidsprit. 

609. 
1 1. ill n, F, d., Brennesseln in alter und 

neuer Verwendung. 328. 
Halbfafi, W., Die iru Elb- und Oder- 

stroragebiet vorhandene Wassermenge. 

105. 
Hennig, Edw., Zum Problem der Wiin- 

schelrute. 251. 
Hennig, Edw., Untersuchungen mil der 

Wunschelrute. 537. 
Hennig, R., Das ,,Wiederholungsgefuhl" 

als Quelle des Seelenwanderungs-Glau- 

bens. 585. 
Hirsch, G. Chr., Der Arbeitsrhythmus 

der Ganglienzellen. 185. 
Herrmann, Ursprung, Verbreitung und 

Nutzbarmachung der chemisch-industri- 

ellen raineralischen Rohstoffe. 657. 
Kathariner, L., Der Anthropomorphis- 

mus in der Zoologie. 611. 
Kelhofer, E., Wegener's Verschiebungs- 

theorie. 702. 
Killermann, S., Der Alraun (Mandra- 

gora). 137. 
Killermann, S., Die Entdeckung der 

Paradiesvogel. 409. 



Killermann, S., Maischwamm und Erd- 

simmerling. 430. 
Krause, Grundwasser und Quellen. 265. 

Berichtigung dazu 480. 
Krause, K., Die Veranderungen der 

Landoberflache durch das Wasser. 673. 
Krausel, R., Zur Bestimmung fossiler 

Blattabdrucke. 214. 
Krausel, R., Die Bedeutung der Ana- 

tomie lebender und fossiler Hblzer fur 

die Pbylogenie der Koniferen. 305. 

Notiz und Berichtigung dazu 408. 
Krausel, R., Die Seefelder bei Reinerz 

in Schlesien, ein des Schutzes bedurftiges 

Hochmoor. 659. 
Kfizenecky, J., Versuch einer metho- 

dischen Bestimmung des Inzucbtsgrades 

mittels mathematischer Methode. 73. 
K u h n , K., Das Coronium, ein unentdecktes 

Edelgas. 381. 
Kuhn, K., Neuere Ergebnisse der Kanal- 

strahlenforschung. 697. 
Lenk, E., Stiitzgewebe und Integumente 

der Tiere. 209. 

Literaturliste dazu 422. 
Lipschutz, Al., Studien zur Nerven- 

regeneration. 625. 
Mecklenburg, W., Siliciumchemie und 

Kohlenstoffchemic. 163. 
Mecklenburg, W., Der Basenaustausch 

der Silikate. 441. 
Menzelf, H. Zur Entwicklung und 

Gliederung der Quartarbildungen des 

nbrdlichen Deutschlands. 193- 
Mortens, R., Uber einige Falle des 

Scheinhermaphroditismus bei Fischcn. 

683. 
Milewski,A., Zur Kenntnis des Genus. 

Typhlonectes Peters der Gymnophiona 

(Amphibia apoda). 33. 
Mo hi us, M., Die Reduktionsteilung im 

Ptlanzenreich. 713. 

Mb'tef ind t, H., G^org Schweinfurth. 57. 
Muller, A., Gehort die Psychologic zu 

den Naturwissenschaften? 553. 
Muller, K. Angewandte Botanik. 97. 
Miiller-Freienfels, Zur Psychologic 

und Biologic der Gefuhle. 629. 
Neumann, W., Bemerkungen zu der 

Enlgegnung Ziegler's. 24. 
Oudemans, A. C., Sind die Maskarenen 

und die zentralpazifischen Inseln oze- 

anisch? 201. 
Pax, F., Die Verbreitung des wilden 

Kaninchens in Russisch-Polen. 299. 
Radestock,H., Fernwetterprophezeiung. 

337- 

Rahlmann, E., Goethe's Farbenlehre und 
die Naturwissenschaft. 601. 

Reichenau, W. v., Der Sang der Un- 
sichtbaren im Fdhrenwalde. 144. 

Riebesell, P., Relativitat und Gravita- 
tion. 113. 



Rbflle, Uber das Altern. 241. 
Schelenz, H., Die Wunschelrute. 39. 
Schilling, F., Vitamine. 229. 
Schoy, C., Eine merkwiirdige Naturer- 

scheinung im Jordantal. 17. 
Schutt, K., Uber den Druck der Licht- 

strahlen. 425. 
Schutt, K., Kristallstruktur und Rb'nt- 

genstrahlen. 521. 

Notiz dazu 608. 
S u d h o f f , K., Ein Alkoholrezept aus dem 

8. Jahrbundert? 68 1. 
Taschenberg, O., Etwas liber den Be- 

griff ,,Brutparasitismus". 353, 369. 
Taschenberg, O., Einige Betrachtungen 

uber die BegritTe Parasit, Raubtier und 

Pflanzenrauber. 153, 169. 
Taudin Chabot, J. J., Zur Bewertung 

der geistigen Leistungen von Hund und 

Pfcrd. 377. 
Theel, J., Uber die Bedeutung der 

Grbfie fiir Organismen. 481. 
Trojan, E., Zur Lbsung der Frage des 

Organismenlichtes. 457. 
Wachs, H., Ein Beitrag aum Problem 

der Seidenraupenzucht mil Schwarz- 

wurzelfutterung. 729. 
Werner, F.. Scheinwaffen im Tierreiche. 

89- 
\V e s e m u 1 1 e r , A., Die Wanderungen 

unserer Seevbgel. 393. 
Ziegler, E. H., Uber denkende und 

buchstabierende Hunde. 20. 
/illig, H., Hanf. 249. 



II. Emzelberichte. 

A. Zoologie, Anatomie, 
Forstwirtschaft. 

Babak.E., ,,Hypnose" bei Fischen. 375. 
Baumann,E., Wildkaninchenvorkommen 

in Griechenland. 333. 
Benecke, Zum Vorkommen der Wachtel. 

646. 
Berg, Frhr. v., Abnehmen der Wald- 

schnepfen. 488. 
Berner, U., Die Bestaubertatigkeit der 

Insekten in Zablen. 688. 
Borner, K., s. Dewitz. 
Boulenger, G. A., s. Physalix. 
Briicke, Th. v., Ricbtung der Flimmer- 

bewegung. 375. 
Buddenbrock, W. v., Zweck der sog. 

Schwingkolbchen der Dipteren. 341. 
Burckhardt, F., Eine auffallende Ge- 

spinstbildung infolge Massenauftretens 

einer Gespinstmotte. 651. 
Dewitz J. und Borner.K., Serobiolo- 

gische Studien fiber Blattlause und deren 

Wirtspflanzen. 357. 



4 



IV 



Register. 



D e w i t z , J., Zucht des Edelseidenspinners 

ira Freien. 236. 
D e w i t z , Die Zucht des Seidenspinners im 

Freien. 688. 
Durken, B., Farbenwirkung auf Schmet- 

terlmgspuppen. 219. 
Durken, B., Physiologische brtliche 

Rassen beim Grasfrosch. 436. 
E b e r t s , Krammetsvogelfang im Dohnen- 

stieg. 315. 
En n erst, Wildschaden durch Fasanen. 

55- 

Erdmann, s. Woodruff 
Escherich, K., Bockkaferkalamitat in 

Eichenwaldern. 47. 
Faus t, s. Zeleny. 
Fischer, s. Goeldi. 
Fischer, E., Eiablage und Paarung von 

Tagfaltern in der Gefangenschaft. 28. 
Franz, V., Gegenwartiger Stand der 

Metamerentheorie des Wirbeltierkopfes. 

62. 
Franz, V., Farbenvariationen von Helix 

nemoralis. 121. 

Druckfehlerberirhtigung dazu 224. 
Franz, V., Hiidschnucken in freier Wild- 

bahn. 191. 
Frickhinger, H. W. Massenhaftes Auf- 

treten des Girtenlaubkafers in einigen 
, Bezirken Oberbayerns. 688. 
Friedberger, E., Farbung mikrosko- 

pischer Praparate mil Farbsiiften. 708. 
Goeldi u. Fischer, Der Generations- 

wechsel im Tier- und Pflanzenreich. 

124. 
Goldsmith, M., Das Verhalten der 

Kopffiifiler in bezug auf das Sehen. 

388. 
Goldschmidt, Beobachtungen und Ver- 

suche iiber Spermatogenese in Gewebe- 

kulturen. 636. 
Gravier, Ch. J., Symbiose zwischen 

Kieselschwamm, Aktinie und Ringelwurm 

4 '7- 
Gunther, W., Der Wildstand im Bialo- 

wieser Urwald. 234. 
Gunther, S., Schonheitssinn im Tier- 

reich. 464. 
Haecker, V., Die Erblichkeit im Man- 

nesstamme. 605. 

Berichtigung dazu 656. 
Haecker, V, Entwicklungsgescbichtlich 

begrundete Vererbungsregel. 190. 
Head ley, Th., Kampf eines Staates 

gpgen die Moskitos. 62. 
Hefi, C. v. u. Stellwaag, Fr., Neue 

Untersuchungen iiber den Farbensinn 

der Insekten. 203. 
Heymons, R., Blausaure im Kampf 

gegen die Mehlmntte. 519. 
H i 1 1 n e r , L., Gesi-tzmafligkeit beim Fort- 

schreilen der Feldmauseplagen in Siid- 

deutscliland. 247. 
H o 1 i k , O., Zur Biologic der Barenspinner. 

477- 
Hoge, Der EinfluB der Temperatur auf 

die Entfaltung eines erblichen Merk- 

mals. 6m. 
Hiibner, E., Zur Eiablage und Paarung 

der Tagfalter in der Gefangenschaft. 

342- 

Joakimoff, s. Popoff. 
J o 1 1 o s , Beobachtungen iiber die Partheno- 

genese bei Infusorien. 414. 
Knopfli, W., Mutmaflliche Ausbildung 

und Geschichte der Vogelgesellschaften 

des schweizerischen Mittellandes. 317. 



Kofferath , R., Kaninchenjagd mil dem 

Freltchen. 664. 
Korschelt, Lebensdauer, Altern und 

Tod. 358. 
Krohn, Bombenwerfende Flieger in der 

Natur. 380. 
Kutin, A., Die parasitare Schlupfwespe 

der Kohlraupe als indirekter Schadling 

des Weizens. 236. 
Lars en, W. P. r Der Krieg und die 

\Vanderstra8en der Zugvdgel. 191. 
Linshauer, Selbstleuchtende Regen- 

wu'rmer. 332. 

Lohmann, Isoplankten. 12. 
Lorn, A. L., Nahrung des Fasans. 189. 
Lucanus, Die Hbhe des Vogelzuges. 

574- 
Liistner, G., Magenuntersuchungen an 

Wespen. 687. 
Metz, Chromnsnmengarnituren in der 

Gattung Drosophila. 217. 
Natorp, O, Gelegentliches Uberwintern 

von Zugvbgeln. 191. 
Natzmer, G. v, Beitrage zur Instinktpsy 

chologie der Ameisen. 376. 
Ore Hi, Generationenzahl beim Borken" 

kafer. 414. 
Orth, J., Das biologische Problem in 

Goethe's Wahlverwandtschaften. 435. 
Physalix.M. und Boulenger, G. A., 

Giftschlangen und ungiftige Schlangen. 

619. 

Plate, L., Fauna ceylanica. 206. 
P o p o f f , M., Parallele zwischen der kiinst- 

lichen Parthenogenese und d>-r Anregung 

zur Wundheilung durch die gleichen 

Agenzicn. 66. 
Popoff u. Joakimoff, DieBekampfung 

der Reblaus usw. 475. 
Prell, H., Springende Insektenlarven. 

206. 

Prell, Trommelnde Spinnen. 364. 
Ranninger, R., Bekampfung des Mohn- 

wurzelriisselkafers. 342. 
Reh, L., Die Nacktschneckenplage im 

Sommer !Qi6. 475. 
Reh, L., Die Schadlichkeit der Amseln. 

5S- 
Roule, L., Laichwanderung der Forelle. 

260. 

Reuter, M., Tollwut des Wildes. 235. 
Sch ieff erd ecker, P., Das Verhaltnis 

der Fasern und Kerne der Muskulatur 

des menschlichen Herzens zueinander. 

43*. 
Schlesinger, F. W., Unheilvolle Ein- 

wirkung der Verschilfung der stehenden 

Gewasser auf die Fischzucht 646. 
Schmidt, M., Ober den Verschlufi von 

Praparatengla'sern. 666. 
Sc h n ei d er- Or elli, O., Dauer der 

Puppenruhe beim Frostspanner. 416. 
Schumann, Ad., Brutdauer und erste 

Jugendstadien de Bartgeiers. 12. 
Schuster, W., Das Gewicht lebender 

Vogeleier. 488. 
Schuster, W., Ein Beitrag zur Biologic 

der Schwebefliegen. 690. 
Schwaab, Bedeutung 1 (aliens fur den 

Vogelschutz. 260. 
Seligo, A., Verteilung des Fettes bei 

einigen Fischen. 95. 
Senay, s. Zeleny. 
Shull, s. Whitney. 
Spix, A., A. WeismannalsNaturphilosoph. 

621, 



Steinach, E., Ergebnisse der bei Meer- 
schweinchen vorgenommenen Trans- 
plantation der Keimdrusen. 373. 

Stellwaag, Fr. s. H e fi. 

Stitz, H., Wirtschaftliche Bedeutung der 
Ameisen fur den Menschen. 725. 

Strind berg, H., Bau und Entwicklungs- 
geschichte der Mallophagen. 436. 

Strose, Nutzlichkeit und Schadlichkeit 
der Spechte. 647. 

Stubler, H., Der Spiegelfleck am Vogel- 
kopfchen. 488. 

Taschenberg, Schlupfwespen als 
Pflanzenparasiten. 342. 

Thienemann,J., Krieg und Vogelzug. 
573- 

Thienemann, Die Verbreitung der 
Coregonen. 650. 

Toldt, Insektenfa'hrten im Ladenstaub 
naturwissenschaftlicher Sammlungen. 

33- 

Vogelschutz im Kriegsjahr 1916. 127. 

Wegelin, Erbliche Mifibildung. 462. 

Whitney u. Shull, Einflufi der Nah- 
rung auf das Gechlecht bei Rota- 
torien. 94. 

Winterstein, Die osmotischen und 
kolloidalen Eigenschaften tierischer Ge- 
webe. 333. 

Woodruff u. Erdmann, Der perio- 
dische ReorganisationsprozeiS bei Infu- 
sorien. 27. 

Zander, Die Zukunft der deutschen 
Bienenzucht. 330. 

Zander, Zeitgemafie Bienenzucht. 477. 

Zeleny, Faust u. Senay, Spermato- 
zoendimorphismus. 534. 

Ziegler, H. E., Urdarmhbhle und Co- 
lorn. 575. 



B. Physiologic, Medizin, 
Hygiene. 

Amar, Weir-Mitchell'sches Phanomen. 

147. 

Beck, Vergiftung durch Muskatnufl. 344. 
Baumgaertel, Farbtofftabletten. 733. 
Bardachzi u. Zoltan, Vorhommen von 

Nematoden als Darmschmarotzer im 

Osten 547. 
D o 1 d , H., Immunisierungsversuche gegen 

das Bienengift. 561. 
Fuchs v. Wolfring, Rindertuber- 

kulose. 732. 

Laurent, O., Transplantation. 146. 
Lux, Fr., Verfahren der okjektiven Pru- 

fung und Messung der Hbrfahigkeit. 639. 
Jossel, M. B., Verbreitung des Krebses 

in der Schweiz. 649. 
Kaup, Wert und Witkungsdauer der 

Choleraschutzimpfung. 344. 
K o e 1 s c h , Hautschadigungen durch Kalk- 

stickstoff. 342. 
Kuhn, Scheintod und Wiederbelebbar- 

keit. 345. 
Legendre, J., Muckenvertilgung durch 

Fische. 147. 

May, Der Spargel als Heilmittel. 693. 
Pf eiffenber ge r, K., Schilddriisenstb- 

rungen und Meereshbhe. 491. 
Schiitzengrabenfufi. 406. 
Wegelin, Ergebnisse der experimentellen 

Krebsforschung. 474. 
Zoltan, s. Bardachzj. 



Register. 



C. Botanik, Landwirtschaft, 
Pflanzenkrankheiten. 

Banner t, Ursache der Blutenstielkrtirn- 

mungen. 405. 
Bobilioff-Preifler, W, Wanderung 

des Zellkerns. 314. 
Brenner, W., Selenbakterien. 340. 
Ehrmann, Bestaubung von Bliiten durch 

Schnecken. 301. 
Ernst, A., Jungfernzeugung im Pflanzen- 

reicb. 404. 
Esenbeck u. Fischer, W., Physiolo- 

gischer Wert der Erstlingsblatter. 617. 
Fischer, W., s. Esenheck. 
Haberlandt, G., Die Pilzsymbiose der 

Barlapp-Vorkeime. 534. 
Hahn, Ed., Uber alte Nutz- und Kultur- 

pflanzen. 255. 
Harder, R., Die Ernahrung der Blau- 

algen durch organische Stoffe. 384. 
Heinricher, Geotropismus der Mistel. 

385- 
Hil tner, Silene dichotoma, erst Unkraut, 

dann Kulturpfianze. 314. 
Hoffmann, Diingung und Insekten- 

befall. 47. 
Iflleib, M. u. Strdse, Die Reismelde 

als deutsche Getreidepflanze. 80. 
K r a u s e 1 , R., Variation der Blattform von 

Ginkgo biloba L. und ihre Bedeutung 

fur die Palaobotanik. 405. 
Keilhack, Tropische und subtropische 

Moore usw. 637. 
Lam pa, A., Beobachtungen iiber das 

Leben niederer Pflanzen. 638. 
Lange, R., Beitrage zur biologischen 

Bliitenanatomie. 722. 
Lingelsheim, Zur Kenntnis der Deut- 

schen Tertiarfloren. 368. 
Lingelsheim, Teratologische Beobach- 
tungen. 562. 
Lingelsheim, Uber die Fluoreszenz wa'ss- 

riger Rindenausziige von Eschen usw. 5 76. 
Molisch, Uber das Treiben von Wur- 

zeln. 533. 
Molisch, H, Eigenartiger Bau des Plas- 

makorpers. 644. 
Naturdenkmal Deutsch- Sudwestafrikas 

unter briiischem Schutze. 26. 
Pack, Ch. L., Die Gefahrdung der ame- 

rikanischen Waldungen durch den Wey- 

mouthkieferhlasenrost. 128. 
Pander, H., Einwanderung einer ameri- 

kanischen Pflanze nach Norwegen. 112. 
Plaetzer, H., Assimilation und Atmung 

von Wasserpflanzen. 722. 
Reese, L., Zerstbrung von Ziegelmauer- 

werk durch Organismen. 26. 
Sauvageau, C., Geschlechtlichkeit bei 

den Laminarien. 578. 
Stern, K., Die Entwicklung der Nepen- 

thaceen. 6 5. 
Strbse, s. Iflleib. 
Thellung, Neue Wege der pfianzlichen 

Systematik. 81. 

Thellung, Stratiobotanik. 723. 
Theune, E., Fruchtbildung geokarper 

Pflanzen. 724. 
Ule, E., Die Vegetation des Amazonas- 

gebietes. 615. 
Wettstein, Fr. von, Beobachtungen 

fiber das Leben niederer Pflanzen. 63*. 
Wi n d e 1 , E , Beziehungen zwischen Funk- 

tion und Lage des Zellkerns. 437. 
Zlataroff, Uber das Altern der Pflanzen. 



D. Geologic, Palaontologie. 

B b k e r , H. E. und F r e c h , F., Die Kohlen- 

vorrate des Deutschen Reiches. 248. 
Braun, R., Laacher Trachyt. 182. 
Braunhauser, M. , Rhatsandstein im 

Schbnbuch. 418. 
Cloos, H., Zur Entstehung schmaler 

Stbrungszonen. 261. 
Daly, R. A., Theorie der Koralleninseln. 

563. 

Deecke, W., Gastropoden. 63. 
D e e c k e , Palaobiologische Studien. 386. 
Diener, C., Die marinen Reiche der 

Triasperiode. 122. 

Escherich, K., Bekampfung der Lause- 
plage. 549. 

Frech.Fr., Kohlenvorrate der Welt. 189. 

Freeh, Fr. s. Bbker, H. 

Geinitz, F., Die neun Endmoranen 

Nordwestdeutschlands. 46. 
Goldschmidt, Geologisch-Petrogra- 

phische Studien im Hochgebirge des 

sudlichen Norwegens. 362. 
Hohenstein, V., Die schwabischen 

Eisenerzvorkommen. 179. 
Koert, W., Uber den Krusteneisenstein 

in den deutscb-afrikaniscben Schutz- 

gebieten. ic;o. 
Kranz, W., Geologic und Hygiene im 

Stellungskrieg. 84. 
Kranz, W. , Wasserversorgung durch 

oflene Giaben. 665. 
Kranz, W., Die Beschaffung von Roh- 

stoffen des Bodens fur militiirische Er- 

fordernisse. 693. 

K r u s c h , Die Bodenschatze Belgiens. 1 79. 
Lambrecht, K., Osteologische Ver- 

gleiche an fossilen Vogelresten. 46. 
Leuchs, K., Die Geologic des mazedo- 

nischen Kriogsschauplatzes. 473. 
Loewinson-Lessing.F., Vulkane und 

Laven des zentralen Kaukasus. 24. 

Moritz, Die Goldlagerstatten Arabiens. 

607. 
M u g g e , O., Weiterwachsen von Orthoklas 

im Ackerboden. 436. 
Offermann, J., Beitrage zur Geologic 

der Kolonie Neupommern. 546. 

Range, P., Grundwasserverhaltnisse im 

Namalande. 220. 
Richter, R., Zur stratigraphischen Be- 

urteilung von Calceola. 648. 
Richter, R. u. E., Die Lichadiden des 

Eider Devons. 549. 
Salomon, W., Die Bedeutung derSoli- 

fluktion fur die Erklarung deutscber 

Landschafts- und Bodenformen. 570, 
Scupin, H, Erdgeschichtliche Kntwick- 

lung des Zechsteins im Vorland des 

Riesengebirges. 383. 
Scupin, H., Die Fossilfuhrung des Zech- 
steins von Niederschlesien. 406. 
Schlosser, M., Die zitliche und raum- 

liche Verbreitung u. Stammesgeschichte 

der fossilen Fische, 668. 
Schroeder, H., Eozane Saugetierreste 

aus Nord- und Mitteldeutschland. 668. 
Schultz, A., Die nutzbaren Mineralien 

des Pamir. 666. 
Stremme, Die geologischen Ursachen 

der Zerstorung von Talsperren. 545. 
Walt her, J., Das geologische Alter und 

die Bildung des Laterits. 83. 



Wervecke, L.v., Die Bodenschatze Elsafl- 

Lothringens. 148. 
Willruth, K., Die Fahrten von Chiro- 

therium. 708. 
Wutschke, J., Das franzosisch-lothrin- 

gische Industriegebiet, besonders das 

Becken Briey-Longwy. 148. 



E. Volkerkunde, Anthropologie, 
Urgeschichte. 

Greulich, O., Die Kreolen. 546. 
Kblsch, A., Die Eigenart der Musiker- 
scbadel. 412. 

Mollison, Die Maori. 449. 

Sarasin, Bewohner von Neukaledonien 

und der Loyaltyinseln. 477. 
Schlaginhaufen, Pygmaenproblem. 

Si e gel, Konzeptionsfahiekeit und Ge- 
schlechtsbestimmung beim Menschen. 
670. 

Sokolowsky, A., Die Psyche der 
Malayen und ihre Abstammung. 733. 



F. Geographic, Meteorologie. 

Barkow, E., Turbulenz und Windande- 

rung mil der Hbhe. 450 
Bigourdan, G. s. Perot. 
Defant, A., Vorhersage des Welters. 48. 
Deslandres, Geschiitzfeuer und Weiter- 

lage. 6)3. 

Halbfafl, W., Der Landzuwachs an den 

Kusten Schleswig-Holsteins. 532. 
Helgesen, Peary's Entdeckerlatein und 

die amerikanischen Polarkarten. 82. 
Houssay, F., s Perot. 
Hut ton, J., EinfluB des Geschutzfeuers 

und der Minensprengungen auf die 

Witterung. 706. 

Jessen, O., Das Landschaftsbild der 

trocknen Champagne. 472. 
K op pen, W., Vertikale Gliederung der 

taglichen Windperiode in Zyklonen und 

.\nlizyklonen. 182. 
Krebs, W., Mistpoeffer-Erscheinungen an 

der hollandischen Kiiste infolge einer 

nordenglischen Explosion. 721. 

L e m o i n e , G., Geschiitzfeuer und Wetter- 
lage. 613. 

Perot, A., Bigourdan, G. u. Hous- 
say, F., Die mil dem Artilleriefeuer 
zusammenhangenden akustischen Phano- 
mene. 53. 

Sandstrbm.J. W., Hydrographie Neu- 

fundlands. 83. 
Sebert, entlich 
niedriger ist als die aufierhalb des Organismus 
zu Verbrennungen notwendige. Und zweitens die 
Frage, auf welche Weise die ohne freien Sauer- 
stoff lebenden Organismen ihre Energie sich be- 
schaffen, eine Frage, die um so entscheidender 
wurde, als durch P f 1 ii g e r nachgewiesen wurde, 
dafi Frosche auch ohne Sauerstoffzufuhr noch 
langere Zeit Kohlensaure ausscheiden. Bei zahl- 
reichen anaeroben Pflanzen wurde dieses eben- 
falls beobachtet, vor allem bei der Hefe. 

Die erste Schwierigkeit fuhrte zu der hcute 
herrschenden fermentativen Auffassung 
der Atmungsprozesse, die zweite zu der Erkennt- 
nis der Vorgange der sogenannten intramole- 
kularen Atmung, die, konsequcnt durch- 
gefiihrt, schliefilich die Tatigkeit der Lunge nur 
noch auf den Austausch von Sauerstoff und 
Kohlensaure beschrankte, dagegen den eigent- 
lichen Veratmungsprozefi auch bei den lungen- 
atmenden Tieren in das Innere des Korpers als 
intramolekulare Atmung verlegte. Bei beiden 
Vorgangen wurde die auch sonst in der Ge- 
schichte der Biologic im Vordergrunde stehende 
alkoholische Garung noch ein weiteres Mai ent- 
scheidend fiir unsere Vorstellungen bei den Pro- 
zessen der Atmung, da sie ja ein besonders 
augenfalliges Beispiel der intramolekularen At- 
mung darstellt, und es ist deshalb zuerst not- 
wendig, uns mit den augenblicklich herrschenden 
Auffassungen uber die Garungsvorgange vertraut 
zu machen. 

Die Hefegarungf. 

o o 

Die Vorgange bei der Hefegarung bestehen 
bekanntlich darin, dafi Traubenzucker unter dem 
EinfiuB des von Buchner isolierten Fermentes, 
der Zymase, in Alkohol und Kohlensaure zer- 



legt wird. Vor den bahnbrechenden Buchner- 
schen Arbeiten war man der Ansicht, dafi es 
unter alien Umstanden der Gegenwart lebender 
Zellen bedtirfe, um die alkoholische Garung her- 
vorzurufen, und es spielte demgemafi in alien 
Diskussionen iiber die Hefegarung der Begriff der 
Lebenskraft eine grofie Rolle , bis schliefilich 
durch die Tatsache, dafi vollkommen zellfreie 
Prefisafte die gleichen Erscheinungen erzeugen 
konnen, der Nachweis gefiihrt war, dafi es sich 
keineswegs um Lebenstatigkeiten der Zelle 
handelt, sondern um Vorgange, die durch ein 
Ferment, die Zymase, auch auSerhalb der Zelle 
reproduzierbar sind. Seitdem hat man eine grofie 
Zahl solcher ,,i n tr azell ulare n" Fermente 
isoliert und durch diese Isolierung die Bedin- 
gungcn zu eingehender chemischer und physika- 
lisch-chemischer Erforschung ihrer Wirkungsweise 
geschaffen. Denn erst jetzt war es moglich, die 
Fermente genau zu dosieren und dadurch den 
Einflufi ihrer Menge auf den Umsatz der zersetzten 
Substanzen zu studieren, erst jetzt moglich, den 
Einflufi bestimmter chemischer Stoffe zu unter- 
suchen und ein Bild iiber den genaueren che- 
mischen Verlauf der sich abspielenden Umsatze 
zu gewinnen. Der Erfolg dieser Arbeiten war, 
dafi man den vorher einfachen Prozefi in eine 
Reihe von Zwischenstufen zerlegte und im Zu- 
sammenhang damit das vorher als einheitlich be- 
trachtete Ferment ,,Zymase" als ein Gemisch 
verschiedenartiger, sich gegenseitig erganzender 
Fermente crkanntc. 

Betrachten wir zunachst die chemische Seite 
des Problems. 

Bei der alkoholischen Garung wird Trauben- 
zucker nach folgender Formel in Alkohol und 
Kohlensaure zerlegt: 



C U H 1S 



2 CH 3 CH 2 OH 



2 C0 2 . 



So einfach diese Formel aussieht, so unbe- 
friedigend mufi sie trotzdem bei eingehender Be- 
trachtung bleiben , da sie offenbar einen sehr 
komplizierten Zerfall des Traubenzucker-Molekiils 
voraussetzt. 

Die Bemuhungen, Einzelheiten iiber den Ab- 
bau des Traubenzuckers bei der Garung zu er- 
fahren, fiihrten zuerst zu einer Theorie, die durch 
einen hauptsachlich im Tierkorper, unter ge- 
wissen Bedingungen aber auch im Pflanzenkorper 
ablaufenden Abbau des Traubenzuckers nahe liegt. 
Man nahm namlich an, dafi zuerst sich Milch- 
saure bildet und daraus Alkohol und Kohlen- 
saure. Indessen steht dieser Auffassung entgegen, 
dafi Milchsaure vollkommen unvergarbar ist und 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



N. F. XVI. Nr. I 



also nicht als Zwischenprodukt bei der alkoho- 
lischen Garung vorausgesetzt werden kann. Viel- 
mehr ist es wahrscheinlich, dafi zunachst irgend- 
eine andere, leicnt umsetzbare Substanz ent- 
steht, die dann je nach den Bedingungen, ent- 
weder Milchsaure liefert (im Tierkorper und bei 
der Milchsauregarung) oder durch weitere 
Zwischenstufen hindurch schliefilich Alkohol und 
Kohlensaure (alkoholische Garung). Als solche 
primare Abbaustufe hat man vor allem den 
Glyzerinaldehyd ins Auge gefafit. 

Vor allem spricht hierfiir der von Iwanow 
gefuhrte Nachweis, dafi bei der Hefegarung ein 
Triosephosphorsaureester eine Rolle spielt, d. h. 
die esterartige Verbindung von Phosphorsaure 
mit einem Zucker aus 3 Kohlenstoffatomen. 
Schon friiher hatte man die giinstige Einwirkung 
erkannt, die Phosphate auf den Garprozefi aus- 
iiben. J w a n o w *) wies dann nach, dafi hierbei 
die Phosphorsaure esterartig an ein Kohlen- 
hydrat gebunden wird. Ob an eine Hexose 
oder an eine Triose, blieb zunachst zweifelhaft, 
aber die letzten Untersuchungen Euler's und 
Fo dor's iiber diesen Gegenstand sprechen da- 
fur, dafi sowohl Hexose- wie Triosephos- 
phorsaureester auftreten. Ungewifi ist hierbei 
nur noch, ob diese Phosphorsaureester notwendige 
Zwischenstufen des Garungsprozesses bilden oder 
vielleicht als Aktivatoren der Garungsfermente 
d. h. als Stoffe wirken, die die Garungsfermente 
erst wirksam machen und sie aus einem poten- 
tiellen in einen aktiven Zustand uberfiihren. 
Solche Stoffe sind ja bei zahlreichen Fermenten 
von Bedeutung. 

Von Euler und seinen Schulern wurde auch 
festgestellt, daS es sich bei der Veresterung der 
Phosphorsaure mit dem Kohlehydrat um einen 
fermentativen Prozefi handelt und dafi das be- 
treffende Ferment, er nennt es Phosphatese, 
von den iibrigen, bei der Hefegarung in Betracht 
kommenden Fermenten abtrennbar und also eine 
selbstandige Komponente des Zymase-Systems 
ist. Das folgt daraus , dafi es bei schwach 
garenden Trockenhefen moglich war, eine Ver- 
esterung zugesetzter Phosphorsaure zu erzielen, 
ohne dafi Bildung von Alkohol und Kohlensaure 
auftrat. Gleichzeitig wurde dann auch gezeigt, dafi 
nicht der urspriingliche Zucker sich mit der Phosphor- 
saure verestert, sondern irgendein Umwandlungs- 
produkt. Sobald man namlich zu einer solchen 
unwirksamen Hefe reine Glukoselosung sowie 
Phosphorsaure hinzusetzte, trat keine Abnahme 
der mit Magnesiamischung fallbaren Phosphor- 
saure ein, mit anderen Worten , es hatte sich 
keine Phosphorsaure verestert. Wohl aber war 
dies der Fall, falls man bereits angegorene 
Zuckerlosung zusetzte, die also bereits Umwand- 
lungsprodukte der Glukose enthielt. 

Bevor wir eins der von den heutigen For- 
schern aufgestellten Schemen des Traubenzucker- 



') Zeitschr. f. physiolog. Chemie, Bd. 50, S. 281, 1907. 



abbaus mitteilen , wollen wir zuerst noch die 
weiter bekannten Tatsachen betrachten. Hier 
ist vor allem an die Forschungen Neu berg's 
und seiner Schuler iiber ,,Zuckerfreie Ga- 
rungen" zu erinnern. 

Bereits oben sahen wir, dafi ein gewichtiger 
Einwand gegen das Auftreten von Milchsaure als 
Zwischenprodukt in der Unvergarbarkeit dieser 
Substanz durch Zymase vorliegt. Auf einem 
ahnlichen Forschungsprinzip beruhen die Arbeiten 
von Neuberg, der eine Reihe der verschieden- 
sten Substanzen der Hefe darbot und aus ihrem 
Verhalten schlofi, ob sie als Zwischenprodukte 
der Garung in Frage kommen oder nicht. Stets 
wenn bei Abwesenheit von Zucker der betreffende 
Stoff unter Kohlensaureentwicklung vergoren 
wird, liegt offenbar die Moglichkeit seines Auf- 
tretens als Zwischenprodukt vor. 

Vor allem sind es eine Reihe von organischen 
Sauren, die der zuckerfreien Garung unterliegen. 
Neuberg nimmt an, dafi diese Garung unter 
dem Einflufi eines bis dahin unbekannten Fer- 
mentes, der ,,Carboxy 1 ase" von statten geht, 
und dafi diese Carboxylase auch bei der normalen 
Garung mitwirkt, also zu dem Komplex der als 
Zymase bezeichneten Fermente hinzugehort. Aus 
Brenztraubensaure wird unter dem Einflufi der 
Carboxylase Acetaldehyd und Kohlensaure: 

CH 3 COCQ H = CH 3 C^ -f CO., 

Brenztrauben- Acetal- Kohlen- 
saure dehyd saure 

In der Tat hat man bei alien Garungen das 
Auftreten von Acetaldehyd feststellen konnen. 
Auch die Salze der Brenztraubensaure werden 
durch die Carboxylase zersetzt und aus der dabei 
entstehenden Kohlensaure bilden sich kohlensaure 
Alkalien, so dafi also aus dem Salz einer orga- 
nischen Saure ein fixes Alkali entstanden ist, ein 
Prozefi, der bei hoheren pflanzlichen Organismen 
allgemein als Veratmung von Pflanzensauren be- 
kannt ist. 

Es sind noch sehr zahlreiche Substanzen auf 
ihr Verhalten bei der zuckerfreien Garung gepriift 
worden, und es hat sich ergeben, dafi fast alle 
Sauren, die in den Stoffwechselprodukten der 
Hefe vorkommen, von der Carboxylase zersetzt 
werden. Als solche kommen z. B. in Betracht 
die Ameisen- und die Essigsaure, die Glyzerinsaure 

und vor allem die Oxalessigsaure C QifOCti.^CQ^ 

Diese Saure, die interessant ist wegen ihrer Be- 
ziehungen zur Wein- und zur Apfelsaure, ist be- 
sonders leicht angreifbar. Dafi es sich bei diesen 
Zersetzungen wirklich um ein von den iibrigen 
Zymaseenzymen unterschiedenes Ferment handelt, 
lafit sich dadurch nachweisen, dafi die Zersetzung 
auch nach Abtotung der Hefe mittels Toluol oder 
Chloroform noch weiter vor sich geht. Hierbei 
wird der Zymase die Moglichkeit genommen, ein- 
zuwirken, da sie als intrazellulares Enzym nur nach 



N. F. XVI. Nr. i 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



der Zerstorung der Hefezellen und der Gewinnung 
des HefepreSsaftes zu wirken vermochte. Die 
Carboxylasewirkung bleibt jedoch, trotz der Ab- 
totung der Hefezellen erhalten, ebenso wie die 
Invertasewirkung, ein gleichfalls in der Hefe vor- 
handenes Ferment, das imstande ist, Rohrzucker 
in Traubenzucker und Fruchtzucker zu zer- 
legen. 

Wir sahen oben, dafi aus Brenztraubensaure 
Kohlensaure und Acetaldehyd entsteht. Um 
diesen Befund fur die Aufklarung der alkoholischen 
Garung fruchtbar zu machen, miissen sich uns 
zwei neue Fragen ergeben: Einmal, woher die 
Brenztraubensaure stammt und weiterhin, ob und 
in welcher Weise aus dem Acetaldehyd, der bei 
alien Hefegarungen in reichlicher Menge auftritt, 
Athylalkohol entsteht. Zuvor jedoch miissen 
wir einige allgemeinere Bemerkungen iiber die 
bisher geschilderten Versuche einschalten. 

Offenbar haben wir es bei der alkoholischen 
Garung mit einem Procefi zu tun, dessen Ana- 
lyse aus mehrerlei Griinden aufiergewohnliche 
Schwierigkeiten bietet. Neben der Zersetzung 



des Zuckers in Alkohol und Kohlensaure laufen 
eine Reihe von anderen Zersetzungsprozessen her, 
die z. T. zu organischen Sauren, wie Essigsaure, 
Bernsteinsaure, Buttersaure und anderen fiihren, 
z. T. zu Stoffen, wie Glyzerin und Amylalkohol. 
Es wird also jedesmal, wenn wir einen bestimmten 
Prozefi aus dem Gesamtvorgang isoliert haben, 
notwendig sein zu entscheiden, ob dieser Teil- 
prozefi zu der Hauptreaktion, tier Zuckerzersetzung 
in Alkohol und Kohlensaure gehort, oder ob er 
zu einer der Nebenreaktionen gehort, die von Kohle- 
hydraten, EiweiBkorpern, Fetten oder Pflanzen- 
sauren ausgehend zu den mannigfaltigsten Stoff- 
wechselprodukten hinfiihren. 

Fur die Brenztraubensaure diirfte es wahr- 
scheinlich sein, daS sie von den Kohlehydraten 
abstammt und also dem Hauptprozefi angehort. 
Da, wie oben erwahnt, aus dem Traubenzucker 
zunachst eine Triose entsteht, und hier vor allem 
Glyzerinaldehyd in Frage kommt, so haben fol- 
gende Umwandlungen sehr viel Griinde fiir sich, 
obwohl sie keineswegs experimentell in alien 
Einzelheiten klar gestellt sind: 



Traubenzucker * 

CH 3 COC H 
Brenztraubensaure 

CH 3 COCH 2 OH 

Brenztraubenalkohol 



Glyzerinaldehyd 

TT 
^ ^-HgCx/-} ^(-^2 

Acetaldehyd 



Methylglyoxal 

-> CH 3 CH 2 OH 
Alkohol 



Der Ubergang vom Glyzerinaldehyd zum 
Methylglyoxal geschahe hierbei durch die Ver- 
schiebung einer Hydroxylgruppe, ein Vorgang, 
der bei biologischen Reaktionen nichts Aufier- 
gewohnliches hat. Auch der folgende Vorgang 
gehort einer Gruppe von Reaktionen an, die sich 
sehr haufig in der Chemie der Zelle verwirklicht 
findet. Es wird namlich ein Teil des Methyl- 
glyoxals auf Kosten eines anderen Teils oxydiert 
und aus dem Aldehyd entsteht eine Saure sowie 
ein Alkohol : namlich Brenztraubensaure und 
Brenztraubenalkohol, der isomer mit Glyzerin ist 
und ebenfalls durch Hydroxylverschiebung Icicht 
darin iibergeht. 

CH 3 COCHoOH isomer CH.,OHCHOH.CH 2 OH 



Brenztraubenalkohol 



Glyzerin. 



Wie aus der Brenztraubensaure dann unter 
der Einwirkung der Carboxylase Acetaldehyd und 
Kohlensaure entstehen, haben wir vorhin naher 
ausgefiihrt. Es bleibt also nur noch der letzte 
Schritt zu tun, namlich zu erklaren, wie der 
Acetaldehyd zu Athylalkohol reduziert wird, ' 
um ein wenigstens vorlaufiges Bild der Zucker- 
vergarung zu haben, das mit den bisherigen ex- 
perimentellen Befunden im Einklang steht. 

Fiir die Reduktion des Acetaldehydes zu 
Athylalkohol ist Wasserstoff notig, und es ist 



sehr wohl moglich, dafi dieser Wasserstoff ver- 
mittels einer sogenannten gekoppelten Reaktion 
aus den Element en des Wassers bezogen wird, 
wobei dann gleichzeitig der Sauerstoff des Wassers 
zu ( )xydationsprozessen verbraucht wird, wie sie 
z. B. bei der Umwandlung von Methylglyoxal in 
Brenztraubensaure erforderlich sind. Abgesehen 
von dieser Auffassung ist noch eine andere moglich, 
dafi namlich das entstandene Gemisch aus Brenz- 
traubensaure und Brenztraubenalkohol (isomer 
Glyzerin) sofort bei der Zersetzung Ahylalkohol 
liefert. In der Tat haben Neuberg und Kerb 
den Nachweis gefiihrt, dafi bei der Einwirkung 
von Hefe auf Brenztraubensaure bei Gegenwart 
von Glyzerin statt Acetaldehyd - Athylalkohol 
sich bildet. 

Eine wichtige Aufgabe fiir jede Garungs- 
theorie wird, abgesehen von der Erklarung des 
Hauptprozesses, die Entstehung der bei der Ga- 
rung auftretenden Nebenprodukte sein. Als solche 
kommen in erster Linie hohere Alkohole, wie 
z. B. der optisch aktive Amylalkohol, ferner auch 
organische Sauren sowie Glyzerin in Betracht. 
Dabei ist dann wiederum ein erschwerender Um- 
stand, dafi diese Nebenprodukte je nach den 
Heferassen stark variieren und weiterhin, dafi ein 
und dasselbe Endprodukt aus ganz verschiedenen 
Ausgangsmaterialien gebildet sein kann. So kann 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



N. F. XVI. Nr. I 



z. B. die Brenztraubensaure sich aufier aus Kohle- 
hydraten auch aus einem Abbauprodukt des Ei- 
weifi, dem Alanin, sich bilden. Ebenso kann sich, 
wie wir sehen werden, Milchsanre aus Kohle- 
hydraten sowie aus EiweifistofFen , ja auch aus 
anderen Pflanzensauren bilden , so dafi hier in 
jedem Falle eine sehr vorsichtige Beurteilung der 
experimentellen Befunde geboten ist. 



H 3 / CH ' CH ' 



C 






OH 



Isoleucin 



Die Entstehung hoherer Alkohole ist zuerst 
durch die Untersuchungen von Felix Ehrlich 
klargestellt worden. Sie entstehen aus Amido- 
siiuren , also aus Spaltprodukten des Eiweifi- 
molekiils. Vor allem wies Ehrlich dies 
nach beim Amylalkohol , dem sog. Fuselol. Es 
entsteht nach folgender Bruttogleichung aus 
Isoleucin: 



= CH ' CH -2 H 



C,H/ 



Amylalkohol. 



Indessen haben Neubauer und Fromberg 1 ) 
gezeigt, dafi die Umwandlung des Isoleucins durch 
sogenannte oxydative Desaminierung 
geschieht. Zunachst bildet sich durch Oxydation 
und nachherige Abspaltung von Ammoniak eine 
w-Ketosaure. Diese oe-Ketosaure wird dann unter 
Abspaltung von Kohlensaure und gleichzeitiger 
Reduktion in den entsprechenden Alkohol iiber- 
gefiihrt. Zweckmafiig stellt man sich dabei vor, 
dafi die Kohlensaureabspaltung durch Carboxylase, 



ahnlich wie bei Brenztraubensaure erfolgt, und 
der hierbei entstehende Aldehyd weiter zum Al- 
kohol reduziert wird. 

Es ist Neubauer im wesentlichen gelungen, 
diese Vorgange stufenweise zu verfolgen und da- 
durch die Entstehung hoherer Alkohole aus Amido- 
sauren auf die angegebene Weise verstandlich 
zu machen. 

In chemischen Gleichungen erhalt man folgcn- 
des Bild: 



- CH - C - 






H 



NH, 
Isoleucin 



Methylathylbrenztraubensaure Isovaleraldehyd 



Isoamylalkohol. 



Von den anderen Nebenprodukten der alko- 
holischen Garung sind vor allem noch die ver- 
schiedenen sich bildenden Sauren von Interesse, 
und zwar hauptsachlich deshalb, weil eine Reihe 
von niederen Organismen diese Nebenreaktionen 
der Hefe zur Hauptquelle ihrer Betriebsenergie 
ausgebildet haben. Dadurch sind andere Typen 
von Garungen entstanden, die je nach dem ent- 
stehenden Hauptprodukt als Milchsaure-, Butter- 
saure-, Capronsauregarung usw. bezeichnet werden. 

Zum Teil werden diese Sauren auf einfache 
Art aus Kohlehydraten entstehen, z. B. die 

Milchsaure CH 3 CH- OH- CQ^ aus Glyzerinaldehyd 



CH 2 OHCHOHC^. Bei der Bildung der ge- 
sattigten Fettsauren jedoch, z. B. der Buttersaure 
CH 3 CH 2 CH., CQJ.J bedarf es einer weitgehenden 

Reduktion, iiber deren speziellen Verlauf wir noch 
wenig unterrichtet sind. Ohne Zweifel spielen 
aufier den abbauenden Prozessen auch synthetische 
Vorgange hierbei eine Rolle, besonders die Kon- 
densation des Acetaldehydes, der ja bei alien 
Garungen auftritt, zu Aldol, der dann seinerseits 
sich in ,j-Oxybuttersaure und Buttersaure ver- 
wandelt. 



CH,,CQ +C 

Acetaldehyd 






CH :! CH-OHCH,CQ 

Aldol 



/>'-Oxybuttersaure 



Buttersaure. 



Aber auch aus bereits vorgebildeten or- 
ganischen Sauren konnen gesattigte Fettsauren 
entstehen. So wies Karczag nach, dai3 Wein- 
saure bei der Garung sich in zahlreiche andere 
Sauren verwandelt, in Essigsaure, Propionsaure, 
Bernsteinsaure und Milchsaure. 

Die Mannigfaltigkeit der experimentell bereits 
nachgewiesenen Umwnndlungen ist also aufier- 
ordentlich grofi und wird dadurch noch ver- 
wirrender, dafi nicht nur die einzelnen Heferassen 



') Zeitschr. f. physiolog. Chemie, Bd. 70, S. 326, 1911. 



weitgehende Unterschiede aufweisen, sondern auch 
die Anpassung an ihr Nahrsubstrat keineswegs so 
spezifisch ist, wie bei hoheren Organismen, so dafi 
auch ungewohntes Nahrmaterial innerhalb gewisser 
Grenzen die Stelle der normalen Nahrstoffe er- 
setzen kann. Ein Befund, der bei alien Versuchen 
iiber Garung sorgfaltig zu beriicksichtigen ist. 
Bei hoheren Organismen pflanzlicher und tierischer 
Art ist diese Anpassungsfahigkeit nicht mehr in 
so hohem Mafie vorhanden, so dafi wir erwarten 
diirfen , dort konstantere Verhaltnisse anzu- 
treffen. 



N. F. XVI. Nr. i 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



5 



Die intramolekulare Atmung. 

Wenn wir jetzt daran gehen, die Vorgange 
der intramolekularen Atmung bei hoheren sauer- 
stoft bedurftigen Organismen zu studieren, so wird 
zunachst von Interesse sein, ob der Prozei3 der 
alkohohschen Garung auch von hoheren pflanz- 
lichen oder gar tienschen Organismen als Energie- 
quelle benutzt werden kann. Fur pflanzhche 
Organismen ist dies in der Tat der Fall. Schon 
fruher hatte man vereinzelt Alkohol in den Organen 
hoherer Pflanzen nachgewiesen, und als dann 
Pfeffer seine Theorie der intramolekularen 
Atmung aufstellte, dafi namlich alle, auch die 
aerobiotischen Atmungsvorgange auf intramole- 
kularen Umsetzungen beruhen, da war man nahe- 
zu allgemem der Ansicht, dafi diese intramole- 
kularen Reaktionen ausschliefilich Vorgange der 
alkoholischen Garung seien. Spater gelang es 
dann Stoklasa, aus dem Gewebe zahlreicher 
hoherer Pflanzen em Fermentgemisch zu isoheren, 
das die wesentlichen Eigenschaften der Zymase 
besitzt, vor allem also Zucker in Alkohol und 
Kohlensaure spaltet. Er gewann dieses Ferment- 
gemisch aus Pflanzengewebe nach der von 
Buchner zur Gewinnung von Hefeprefiaaft be- 
nutzten Methode, indem er das Gewebe zerrieb 
und mittels eines Druckes von 300400 Atmo- 
spharen den Zellsaft herausprefite. Aus diesem 
Salt ist das Fermentgemisch mit Alkohol aus- 
fiilibar. 

Es fragt sich nun, wie man sich die Rolle 
dieses Zucker vergarenden Enzyms vorzusiellen 
hat. Orfenbar sind zwei Aunahmen moghch. 
Nach der einen wiirde die alkohohsche Garuug 
em normaler Vorgang im pflanzhchen Stoffwechsel 
sein, der nur deshaib liir gewohnhch nicht in Er- 
scheinung tntt, weil der gebildete Alkuhol sofort 
weiter oxydiert wird , ehe er sich in grofieren 
Mengen ansammelt. Nach der anderen dagegen 
wurde bei aerober Atmung die ZerseUung 
der Kohlehydrate iiberhaupt nicht bis zum Alko- 
hol gehen, sondern vorher bereits ein Zwischen- 
prouukt durch oxydativen Abbau weiter 
zerlegt werden. Falls aber der Sauerstoff fehlt, 
so wiirde allerdings unter dem Einflufi der Zy- 
mase sich Alkohul bilden. 

Mit beiden Auffassungen ist die Tatsache ver- 
einbar, dafi bei Abschlufi der Luft fast stets eine 
erhebhche Produkiion von Alkuhol statthndet. 
Palladin, uud ebenso Kostytschew, haben 
eingehende Versuche dariiber gemai-ht, wie viel 
Kohlensaure und wieviel Alkohol sich bei anae- 
erober Atmung verschiedener Pflanzenteile bilden. 
Dabei haben sie die Prlanzen zunachst durch 
Gefneren auf 2O abgetotet, so dafi die erzielte 
Kohlensaureproduktion ausschliefilich auf Rech- 
nung enzymatischer Prozesse zu setzen ist. Wah- 
rend namhch das Protoplasma durch langere 
Einwirkung tiefer Temperaturen abgetotet wird, 
sind die Fermente eiheblich widerstandsfahiger. 
Dadurch ist es moglich, ihre Wirkung rein und 



unbeeinflufit* durch die Tatigkeit des Protoplasmas 
zu erforschen. 

Aus den Versuchen P a 1 1 a d i n ' s und K o s t y - 
tschew's ergibt sich, dafi in zahlreichen 
Fallen allerdings ein erheblicher Teil der anae- 
roben Kohlensaure-Entwicklung aus alkoho- 
lischer Garung stammt, in anderen Fallen jedoch 
nur wenig, oder gar kein Alkohol gebildet wird. 
Die beiden Forscher verfuhren folgendermafien : 
Sie toteten das zu untersuchende pflanzhche 
Organ durch Erfrieren ab, brachten es dann, 
um die anaerobe Atmung zu studieren, in einen 
\Yasserstoffstrom und mafien die ausgeschiedene 
Kohlensaure. Ebenso bestimmten sie auch den 
gebildeien Alkohol. 

Bei der Zuckergarung miifite auf i Molekiil 
Kohlensaure i Molekiil Alkohol sich bilden. In 
Wirklichkeit wurde fast immer weniger Alkohol 
gebildet, oft iiberhaupt keiner. Daraus folgt 
dann, dafi bei anaerober Atmung die alko- 
holische Garung haufig zwar eine mehr oder 
weniger grofie Rolle spielt, ganz gewifi aber nicht 
der emzig verlaufende Prozefi ist, vielmehr durch 
andere, ebenfalls Kohlensaure erzeugende Ferment- 
reaktionen ersetzt wird. Bei aerober At- 
mung wurde fast iiberhaupt kein Alkohol ge- 
bildet. 

Die Atmung im tierischen Organismus. 

Bevor wir die Vorgange im pflanzlichen Ge- 
webe weiter verfolgen, wollen wir einen orien- 
tierenden Blick auf die Atmungsvorgange im 
tierischen Organismus werfen. 

Hier tritt uns sofoit mit viel grofierer Dring- 
lichkeit die Frage entgegen , in welcher Weise 
der Sauerstoff der Luft in die Atmungsvorgange 
eingreift. Auch bei der pflanzhchen Atmung ist diese 
Frage selbstverstandlich nicht zu umgehen, aber, 
da auch die hoheren Pflanzen einige Zeit ohne 
Sauerstoff zu atmen vermogen, ist die Rolle des 
Sauerstoffs nicht so in die Augen fallend wie beim 
hoheren Tier. DaB umgekehrt trotz der dauernd 
notwendigen Zufuhr von Sauerstoff auch im 
hoheren Tier standig Umsetzungen verlaufen, 
die denen der Pflanzen analog sind, ist durch 
die Forschungen Embden's und seiner Schiller 
sicher gestellt. Hier interessiert uns davon na- 
mentlich die Umsetzung der Kohlehydrate. Die 
gt-nannten Further verfuhren in der Weise, dafi 
sie untersuchten, was aus dem zu Blut hinzugesetzten 
Traubenzucker wurde, wenn sie das Blut durch 
eine iiberlebende Leber hindurch leiteten. Es 
zeigte sich, dafi stets eine Vermehrung des Milch- 
sauregehaltes stattfand. Auch wenn Blut durch 
glykogenhaltige Leber hindurchflofi, ergab sich 
eine Vermehrung der Milchsaure, nicht jedoch, 
wenn die Leber vorher durch Hungern des Tieres 
vom Glykogen befrrit war. Dadurch ist ein- 
deutig bewiesen, dafi Milchsaure ein Abbauprodukt 
des Traubenzuckers im lierischen Organismus ist, 
ohne dafi Traubenzucker allerdings der einzigste 
Stoff ist, aus dem Milchsaure entsteht. Denn 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



N. F. XVI. Nr. 1 



auch aus EiweiSabbauprodukten, wie Alanin, ver- 
mag Milchsaure sich zu bilden. 

Embden halt es fur wahrscheinlich, daS aus 
dem Traubenzucker zunachst Glyzerinalde- 
hyd gebildet wird. Und zwar wiirde es sich 
urn optisch aktiven Glyzerinaldehyd handeln, da 
die daraus entstehende Milchsaure ebenfdlls op- 
tisch aktiv ist. In der Tat hat sich bei Leber- 
durchblutungsversuchen herausgestellt , dafi Gly- 
zerinaldehyd in hohem Mafie als Milchsaurebildner 
wirkt. Auch im Blute wird aus Zucker zunachst 
Milchsaure gebildet. Dagegen ist bei der seit 
langem schon bekannten Bildung von Milchsaure 
im arbeitenden Mus>kel nicht ausschliefilich der 
Traubenzucker die milchsaurebildende Substanz, 
sondern eine andere, noch nicht naher charakte- 
risierte Verbindung, die Embden vorlaufig als 
Lactacidoge n bezeichnet. Es ergab sich nam- 
lich, dafi die im Muskelprefisaft gebildete Milch- 
sauremenge unabhangig war von der Menge von 
zugesetztem Traubenzucker oder Glykogen. Im 
lebenden tatigen Muskel wird sich wahrscheinlich 
auch aus diesen Substanzen Milchsaure bilden, 
aber es ist anzunehmen, dafi auch hier die als 
Lactacidogen bezeichnete Zwischenstufe durch- 
laufen wird. 

Bis zum Abbau des Traubenzuckers zur Milch- 
saure ist energetisch noch kaum eine Ande- 
rung eingetreten, so dafi es nur einer geringen 
Zufuhr von Energie bedarf, urn aus der Milch- 
saure Traubenzucker zuruckzubilden. Diese Ten- 
denz, seine Substanzen moglichst wenig abzu- 
bauen, findet man allgemem bei den che- 
mischen Vorgangen in den Organismen. Be- 
sonders gilt dies fur alle hydrolytischen Prozesse, 
alle jene Vorgange also, die durch die zerlegende 
Wirkung des Wassers hervorgerufen werden, so 
z. B. die Aufspaltung der Eiweifikorper und der 
Fette, auch die des Glykogens oder der Starke 
in Traubenzucker. Solange wie moglich sucht 
der Organismus seinen Energiebestand intakt zu 
halten, und sich die Moglichkeit zu bewahren, 
leicht aus den Zersetzungsprodukten die urspriing- 
lichen Stoffe zuruckzubilden. Auf der Stufe der 
Milchsaure ist dies noch ohne Miihe durchfuhr- 
bar, und ebenso, wie sich in zuckerreichem Blute 
bei der Leberdurchbluumg Milchsaure bildet, 
ebenso bildet sich auch umgekehrt in milchsaure- 
reichem Blute Traubenzucker unter Verbrauch der 
Milchsaure. 

Erst bei dem nachsten Schritt kommt es zu 
einem Eingriff, der schwerer reversibel ist. Aus 
der Milchsaure bildet sich Brenztraubensaure, 
derselbe Stoff also, mil dem wir uns oben bei der 
alkoholischen Garung eingehend beschaftigt haben. 
Weiterhin entsteht dann in der Leber aus Brenz- 
traubensaure die Acetessigsaure und hieraus durch 
Kohlensaureabspaltung Aceton. Diesen Reaktions- 
verlauf erklart man wohl am besten , wenn man 
annimmt, dafi die Brenztraubensaure sich in Acet- 
aldehyd und Kohlensaure zersetzt und der Acet- 
aldehyd sich zu Aldol kondensiert, der sich durch 



Oxydation in Acetessigsaure umwandelt. Es er- 
gabe sich also folgendes Schema des Zucker- 
abbaus im tierischen Organismus: *) 

d-Glukose CH, -OH.(CHOH) 4 C^ 

it 

I. Aktiver Glyzerinaldehyd CH 2 OHCHOHC^ 



II. d-Milchsaure CH 3 CH-OH.CQ H 



III. Brenztraubensaure CH 8 CO-CQ H 

i 

IV. Acetaldehyd 



I 

Essigsaure 






Acetessigsaure 
CH 3 COCH 2 CQ H 



Aufier dieser Art des Abbaus diirften aber noch 
andere Arten vorkommen , wie sich vor allem 
aus dem Auftreten vonGlukuronsaure schliefien 
lafit. In diesem Falle wiirde bereits an dem m- 
takten Zuckermolekul eine Oxydation einsetzen 
und erst nachher eine Zertrummerung des Mole- 
kuls in klemere 1 eile erfolgen. Leider ist uber 
diese Form des oxydativen Abbaus noch wenig 
bekannt. Deshalb wenden wir uns, anstatt uns 
welter darin zu vertieien, einer naheren Betrachtung 
der oxydativen P r o z e s s e zu. 

Im tierischen Organismus setzen diese, falls wir 
das oben mitgeteilte Schema zugrunde legen, bei 
dem Ubergang von Milchsaure in Brenzirauben- 
saure ein. Wie hndet nun diese Oxydation statt? 
Ist der Ort dieser Oxydation im Blut oder im 
Gewebe? Und weiterhin: Findet sich im Blut 
oder im Gewebe freier Sauerstoff oder gibt es 
andere Substanzen, die die oxydative Wirkung zu 
entfalten vermogen ? 

Zunachst ibt nachgewiesen, dafi ein Teil der 
Oxydation im Blute stattfindet, und zwar sind es 
die Formelemente des Blutes, welche die 
Oxydation bewirken. Dabei spielt dann das 
Hamoglobin des Blutes die Rolle eines Sauerstoff- 
ubertragers, indem es sich mit dem Sauerstoff 
der Lult zu Oxyhamoglobin verbindet und den 
aufgenommenen, nur lose gebundenen Sauerstoff 
an die oxydationsfahigen Substanzen weitergibt. 
Aber auch in den Geweben findet bereits eine 



l ) V&l- G- Embden und M. Oppenheimer, Biochera. 
Zeitschr. 45, 202. 



N. F. XVI. Nr. i 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Oxydation statt, wie vor allem durch die P fl ii g e r - 
schen Versuche nachgewiesen 1st. Pfliiger er- 
setzte namlich das Blut von Froschen durch 
physiologische Kochsalzlosung und fand, dafi so 
behandelte Frosche in einer Atmosphare von 
reinem Sauerstoff noch etwa 2 Tage zu leben 
vermochten und Kohlensaure ausschieden und zwar 
ebensoviel , wie normale Frosche. Es ist nicht 
anzunehmen, dafi hierbei erhebliche Oxydationen 
in der Kochsalzlosung vor sich gehen, zumal dann 
nicht, wenn man bedenkt, dafi in der Kochsalz- 
losung vollkommen die Formelemente fehlen, die 
im Blute Trager der Oxydationswirkungen sind. 
Auch bei den niederen Tieren , die noch kein 
Blutgefafisystem besitzen, findet die Oxydation 
notwendigerweise in den Geweben statt, da sie 
bei Entziehung des freien Sauerstoffs sehr bald 
zugrunde gehen. Dafi aber andererseits bei den 
hoheren Tieren auch im Blute Oxydationsprozesse 
verlaufen, geht aus dem Verhalten des Blutes er- 
stickter Tiere hervor. Normales Blut enthalt nur 
geringe Mengen von oxydablen Stoffen. Infolge- 
dessen verschwindet freier Sauerstoff, der zu 
normalem Blute aufierhalb des Korpers hinzugefiigt 
wird, nur sehr allmahlich. Anders ist dies aber, 
wenn die Tiere erstickt sind, wenn also die aus 
den Geweben ins Blut gelangenden oxydablen 
Stoffe aus Mangel an Sauerstoff nicht oxydiert 
werden konnten. Das Blut ist dann reich an re- 
duzierenden Substanzen und in der Tat ver- 
schwindet Sauerstoff, der zu Erstickungsblut hinzu- 
gefiigt wird, mit grofier Geschwindigkeit unter 
Bildung von Kohlensaure. 

Wir konnen also sagen, dafi sowohl das Ge- 
webe als auch das Blut die Orte sind, wo die 
Oxydationen stattfinden. So bleibt uns noch die 
Frage zu beantworten , in welcher VVeise diese 
Oxydationen vor sich gehen, ob durch freien Sauer- 
stoff oder mit Hilfe anderer Substanzen. Nun 
ist allerdings in einigen Organen, z. B. in der 
Speicheldriise, in der Plazenta der Saugetiere, in 
den Leuchtorganen von Lampyris splendidula das 



OH 

I 

Hf xr 1 u 
. 4 \ C /' L 6 H 4 

OH 

Oxanthranol 



OH-H 
OH-H 

Wasser 



Auftreten freien Sauerstoffs nachgewiesen, aber, 
wie wir oben sahen, ist aus chemischen Griinden 
eine einfache Oxydation durch freien Sauerstoff 
ganzlich unbegreifbar. Wir mussen die neueren 
Forschungen der Pflanzenphysiologie zugrunde 
legen, urn in das Innere der hierbei verwendeten 
Mechanismen einen Einblick zu gewinnen, mochten 
aber zum voraus darauf hinweisen, dafi es sich 
hierbei um komplizierte, nicht ganz leicht zu 
verstehende Vorstellungen handelt. Indessen sind 
sie von so fundament aler Bedeutung fur das 
Verstandnis der Atmungsvorgange, dafi wir zum 
Abschlufi unserer Betrachtungen eine kurze Dar- 
stellung dieser Theorien geben wollen. 

Die Ox yd at io nsferm e n te. 

Zunachst eine chemische Betrachtung. 

Bei der Oxydation eines Korpers durch den 
Sauerstoff der Luft hat sich ergeben, dafi fast 
stets aufier den eigentlichen Oxydationsprodukten 
noch andere weniger bestandige Stoffe auftreten. 
Und zwar handelt es sich dabei um Stoffe, die 
ihrerseits eine erheblich grofiere Oxydationsfahigkeit 
besitzen als der freie, molekulare Sauerstoff. Es 
konnen also unter ihrem Einflufi Oxydationen ein- 
treten, die der freie Sauerstoff der Luft nicht zu 
bewirken vermag, mit anderen Worten, es ist eine 
Aktivierung des Sauerstoffes eingetreten. 

Zwei Arten einer solchen Aktivierung kommen 
hierbei hauptsachlich in Betracht: Das Auftreten 
von Wasserstoffsuperoxyd und das Auftreten 
anderer Peroxyde. Der erste Fall tritt ein in 
jenen Fallen, die der Trau be 'schen Oxydations- 
theorie folgen. Nach Trau be wirkt nicht der 
molekulare Sauerstoff als oxydierendes Agenz, 
sondern zunachst wird Wasser in H und OH 
gespalten. Die Hydroxylionen treten an die zu 
oxydierende Substanz, wahrend die freien Wasser- 
stoffionen mit Sauerstoff zusammen Wasserstoff- 
superoxyd bilden. Der Vorgang ware also z. B. 
bei der Oxydation -von Oxanthranol zu Antrachinon 
folgender: 



OHx 



OH 



/OH 






H0 



OH 



Ist der Reaktionsverlauf richtig formuliert, so 
mufi die doppelte Menge Sauerstoff bei der Oxy- 
dation verbraucht werden, als wenn kein Wasser- 
stoffsuperoxyd entstiinde, eine Folgerung, die nach 
Manchot mit dem experimentellen Befund tiber- 
einstimmt. Gleichzeitig vermag jetzt das Wasser- 
stoffsuperoxyd neue, durch freien Sauerstoff nicht 
vollziehbare Oxydationen in Gang zu setzen. 

Eine andere Reihe von Oxydationen verlauft 
nach dem von Engler und Wild, sowie von 



Bach undChodat entwickelten Schema. Hier- 
nach entstehen zunachst Substanzen vom Charakter 
der Peroxyde nach folgender Gleichung: 

A + O 2 = AO.,. 

Diese peroxydartigen Verbindungen, wie sie 
z. B. von den katalytisch wirkenden Platinmetallen 
bekannt sind, vermogen jetzt leicht die Halfte, 
haufig sogar den ganzen aufgenommenen Sauer- 
stoff weiterzugeben und dadurch selbst schwierige 



8 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



N. F. XVI. Nr. I 



Oxydationen hervorzurufen. Man nennt diesen 
zweiten Stoff den Acceptor, und es ist be- 
merkenswert, dafi nicht nur der Acceptor durch 
das Peroxyd starker als durch Luftsauerstoff oxy- 
diert wird, sondern dafi haufig auch umgekehrt 
die Gegenwart eines Acceptors die Oxydations- 
geschwindigkeit des ersten Stoffes erhoht. Dies ist 
z. B. der Fall bei der Oxydation von Ferrosulfat 
an der Luft, die unter normalen Bedingungen nur 
sehr allmahlich verlauft, schnell dagegen bei Zusatz 
einer alkalischen Losung von arseniger Saure. 
Hierbeibildetsich zunachst eine Peroxydverbindung 
des Eisens, die dann die Halfte ihres Sauerstoffs 
an die arsenige Saure abgibt und dabei selbst zu 
Ferrisalz reduziert wird. 

Es scheint nun auf Grund der Arbeiten Bach 
und Chodat's 1 ), dafi die beiden angefuhrten 
Oxydationstypen eine grofie Rolle bei den At- 
mungsprozessen spielen. Und zwar handelt es 
sich um fermentative Prozesse, da durch Erhitzen 
auf hohere Temperatur die betreffenden Vorgange 
vernichtet werden. 

Zunachst wiesen die genannten Forscher nach, 
dafi bei den pflanzlichen Oxydationsvorgangen 
zwei voneinander unterschiedene Stoffe zu beriick- 
sichtigen sind : Ein peroxydartiger Korper, den 
sie Oxygenase nannten, und zweitens ein Oxy- 
dationsferment, das die Aufgabe hat, den Sauer- 
stoff des Peroxydes auf die zu oxydierende Sub- 
stanz zu iibertragen. Dieses Ferment nannten sie 
Peroxyd as e. Es gelang ihnen, beide Stoffe 
voneinander zu trennen, indem sie aus einem 
stark oxydierenden Extrakt von R u s s u 1 a die 
Oxygenase mit 40 "/ igem Alkohol ausfallten. Die 
so isolierte Oxygenase vermochte nur sehr ge- 
ringe Oxydationswirkung hervorzurufen. Sobald 
man aber peroxydasehaltiges Filtrat hinzufiigte, 
trat starke Oxydation ein. Andererseits war es 
auch moglich, die ausgeschiedene Oxygenase durch 
Wasserstoffsuperoxyd zu ersetzen. Es steht dies 
im Einklang mit der ausgefiihrten Theorie, nach 
welcher es sich bei der Oxygenase um eine 
peroxydartige Verbindung handelt, um eine Ver- 
bindung also, die nach dem Typus des Wasser- 
stoffsuperoxydes gebaut ist. 

Es ist demnach ein recht komplizierter Mecha- 
nismus erforderlich, um den Sauerstoff der Luft 
fur die Zwecke der Organismen verwerten zu 
konnen. Pal lad in hat im Anschlufi an diese 
Theorie die Atmungsprozesse genauer verfolgt 
und den Anteil der einzelnen Komponenten ein- 
gehend herausgelost. Zunachst verfahrt er dabei 
wieder so, dafi er die Pflanzen durch Gefrieren 
abtotet , um sicher alle beobachteten Erschei- 
nungen auf Enzymwirkungen zuriickfiihren zu 
konnen. Dann lafit er die getoteten Pflanzen zu- 
nachst im Wasserstoffstrom Kohlensaure ent- 
wickeln und erhalt dadurch ein Mafi fiir die 
anaeroben intramolekularen Prozesse, die wir oben 



betrachtet haben und die auf Fermente der alko- 
holischen Garung oder ahnliche Fermente hin- 
weisen. Dabei werden intermediare Stoffe ge- 
bildet. Wird jetzt die Pflanze aus dem Wasser- 
stoffstrom entfernt und in einen Strom von Luft 
gebracht , so findet von neuem Bildung von 
Kohlensaure statt, die ein Mafi liefert fiir die 
oxydativen Prozesse. Nach dem Aufhoren der 
Gasentwicklung sind die eigentlichen Atmungs- 
prozesse beendet. Aber trotzdem enthalt die 
Pflanze sovvohl noch wirksame Oxygenase wie 
auch Peroxydase. Wenn man namlich die Pflanze 
zerkleinert und Pyrogallol hinzusetzt, so findet 
eine Oxydation des Pyrogallols statt, die erst auf- 
hort, wenn keine Oxygenase mehr vorhanden ist. 
Aber noch ein letztes Mai kann man das zer- 
riebene Gewebe zu neuer Tatigkeit anregen, in- 
dem man an Stelle der verbrauchten Oxygenase 
Wasserstoffsuperoxyd hinzusetzt. Jetzt sind wieder 
die Bedingungen zur Oxydation vorhanden und 
erst wenn jetzt die Kohlensaureentwicklung auf- 
hort infolge Verbrauchs der Peroxydase, ist die 
Pflanzensubstanz zu keiner weiteren oxydierenden 
Tatigkeit mehr imstande. 

Durch dieses Fraktionieren der Atmungs- 
tatigkeit, wie man es nennen kann, hat Palla- 
d i n *) sehr interessante Ergebnisse erzielt. Es 
hat sich dabei herausgestellt, dafi je nach der 
Pflanze, je nach dem Pflanzenteil, je nach dem 
Alter der Pflanze ganz verschiedene Mengen der 
einzelnen Atmungsfermente vorhanden sind. Be- 

o 

sonders deutlich wird dies bei einer Gegeniiber- 
stellung des Verhaltens von erfrorenen Weizen- 
keimen und etiolierten Blattern von Vicia Faba. 
Setzt man die im Wasserstoffstrom ausgeschiedene 
Kohlensauremenge gleich 100, so erhalt man: 





s 










V 


1 


II . 


+ * M 


Pflanzen 


'asserstoffsti 
= Anaerol 
Spaltung 


Luft = 
Oxydationi 
prozesse 


Pyrogallol 
Oxygenase 
wirkung 


Pyrogallol 
[ 2 O 2 = Perc 
dasewirkun 




5 






S 


Weizeukeime 


100 


o 7 


123 


Etiolierte Blatter 










von Vicia Faba 


IOO 


142 


648 


293 


Dieselben nach 










Saccharose und 










Lichtnahrung 


100 


22$ 


967 


621 



') Berichte d. Deutsch. Chem. Gesellsch., Bd. 36, S. 606, 



1904. 



Aus der Tabelle ersieht man, dafi erfrorene 
Weizenkeime eine ausschlieSlich anaerobe Tatig- 
keit haben. Trotz bedeutender Mengen Peroxy- 
dase konnen sie keine Oxydationsprozesse aus- 
fiihren, weil es ihnen an Oxygenase fehlt. Das- 
selbe ist bei erfrorenen Erbsensamen der Fall 
und erklart, dafi diese selbst bei Luftzutritt Alko- 



Vgl. z. B. Biochemische Zeitschr. IS, 251. 



N. F. XVI. Nr. i 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



hoi bilden , also einen vollkommen anaeroben 
Reaktionstypus aufweisen. 

Dagegen sind etiolierte Blatter von Vicia 
Faba zu lebhaften Oxydationsprozessen befahigt, 
und allc in Betracht kommenden Faktoren warden 
noch erhoht, wenn die normalen Atmungsbedin- 
gungen der Blatter, vor allem Lichtnahrung, 
wieder hergestellt werden. Es tritt dann eine 
erhebliche Vermehrung ihres Oxygenase- und 
Peroxydasegehaltes ein. 

Noch eine letzte, aber wichtige Frage bliebe 
zu erortern, ob wir namlich irgend etwas Naheres 
iiber die hypothetischen peroxydartigen Korper 
wissen, die nach der Bach-Chodat'schen Theorie 
bei der Atmung notwendig sind. Palladin ist 
der Ansicht, dafi wir zwar mil Sicherheit noch 
nichts dariiber sagen konnen, daB aber in nahezu 
alien Pflanzen eine Gruppe von Stoffen vorlianden 
ist, die auf eine den Peroxyden ahnliche Tatig- 
keit bei der Atmung hinweist : Es sind dies die 
sogenannten Atmungschromogene. 

Durch eine alltagliche Erfahrung sind uns die 
Atmungschromogene eigentlich sehr wohl be- 
kannt. Wenn man namlich einen Apfel durch- 
schneidet und an der Luft liegen lafit, so beob- 
achtet man nach knrzer Zeit eine Braunfarhung 
der Schnittflache. Dasselbe kann man bei Kar- 
toffeln, sowie bei sehr vielen anderen Pflanzen- 
teilen beobachten. Es beruht darauf, dafi in den 
Pflanzensaften Stoffe vorhanden sind, die mit dem 
Sauerstoff der Luft Farbstoffe bilden. 

Palladin stellt sich nun vor, dafi in der un- 
verletzten Pflanze diese Chromogene deshalb keine 
Farbstoffe bilden, weil sie sofort wieder reduziert 
werden. Und zwar sind seiner Auffassung nach 



zwei Moglichkeiten vorhanden, wie diese Atmungs- 
chromogene wirken: Einmal konnen sie sich selbst 
unter der Einwirkune des Luftsauerstoffs oxydieren, 
und es konnte bei dieser Oxydation im Sinne der 
Traube'schen Theorie sich Wasserstoffcuper- 
oxyd bilden, das dann seinerseits in den eigent- 
lichen Atmungsprozefi eingreift. Es ist aber auch 
moglich, dafi die Atmungspigmente die Rolle der 
Peroxyde iibernehmen im Sinne der Bach Cho- 
dat'schen Theorie und dann noch viel unmittel- 
barer in den Atmungsvorgang einereifen als bei 
der ersten Annahme. In beiden Fallen sind sie 
von grofiter Bedeutung bei der Erklarung der 
Atmungserscheinungen, und es ist zu hoffen, dafi 
ihr naheres Studium noch viel Aufschlufi iiber 
diesen wichtigsten Vorgang. des Stoffwechsels 
geben wird. 

o 

Die Atmungspigmente wiirden innerhalb des 
pflanzlichen Organkmus dieselbe Rolle spielen, 
wie die Blutfarbstoffe im tierischen Organismus. 
Es wiirde sich dann als wichtige Folgerung er- 
geben, dafl auch der Blutfarbstoff, das Oxyhamo- 
globin, eleirhsam ein Peroxyd darstellt, das ver- 
mittels Oxydasen, die in den Blutkorperchen und 
im Gewebe vorhanden sind, seinen Sauerstoff an 
die oxydablen Stoffe abgibt. Da auch das farb- 
loe Blut niederer Tiere sich bei Luftzutritt durch 
Vermittlung von Oxydasen farbt , also ebenfalls 
Atmungschromogene enthalt, so ergibt sich daraus 
eine wei'gehende Ubereinstimmung des Mecha- 
nismus der Atmung innerhalb des gesamten 
organischen Reiches, eine Folgerung, die eine 
starke Stiitze fur die hier vorgetragenen Auf- 
fassungen biklet, so sehr sie eine weitere 
Forsrhung im einzelnen auch noch erganzen und 
berichtigen mag. 



Kleinere Mitteilungen. 



Antike Vererbungstheorien. Vor mir liegen 
drei starke Bande, betitelt ..Hippokrates samtliche 
Werke". Sie enthalten 55 Abhandlungen me- 
dizinischen Inhalts, die jedoch nur zum Teil den 
grofien koischen Arzt selbst zum Verfasser haben. 
Aufier ihm haben zahlreiche andere griechische 
Arzte des fiinften vorchristlichen Jahrhunderts an 
dieser Schriftensammlung mitgearbeitet, die in 
ihrer Gesamtheit ein gutes Bild von dem Stand 
der medizinischen und damit auch der biologischen 
Wissenschaft ihrer Zeit gewahrt. 

Von besonderem Interesse sind die Speku- 
lationen der hippokratischen Arzte iiber die Ver- 
erbung. In der Schrift iiber den Samen wird 
behauptet, dafi sowohl der Mann als auch das " 
Weib Samen absondere, weshalb das Kind beiden 
Eltern in irgendeiner Beziehung gleichen miisse 
und weder dem Vater allein noch der Mutter 
allein noch auch keinem von beiden ahnlich sein 
konne. 



Ferner nimmt der Verfasser dieser Schrift an, 
dafi der Same in beiden Geschlechtern von alien 
Teilen des Korpers herkomme. Von schwachen 
Teilen soil schwacher, von kraftigen Teilen kraftiger 
Samen ausgehen. Daher seien die schwachen 
Teile des elterlichen Korpers auch beim Kinde 
schwach, die kraftigen kraftig. Wenn von einem 
Teil des mannlichen Korpers mehr Samen ausgehe 
als von dem entsprechenden Teil des weiblichen 
Korpers, so gleiche das Kind in diesem Teile mehr 
dem Vater, wenn dagegen von einem Teil des 
weiblichen Korpers mehr Samen ausgehe, als von 
dem entsprechenden Teile des mannlichen Korpers, 
so gleiche das Kind in diesem Teile mehr der 
Mutter. 

Auffallend ist die Ahnlichkeit dieser hippo- 
kratischen Vererbungstheorie mit der von Darwin 
aufgestellten Pangenesishypothese, nach der von 
alien Zellen des Korpers kleine Keimchen ab- 
gesondert werden, die sich in den Geschlechtszellen 



IO 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



N. F. XVI. Nr. I 



sammeln und in der folgenden Generation wieder 
zu den Zellen heranwachsen, von denen sie ab- 
stammen. Eine notwendige Folgerung aus dieser 
Theorie 1st die von anderer Seite, besonders von 
der W e i s m a n n ' schen Schule so heftig bestrittene 
Vererbbarkeit ervvorbener Eigenschaften. Diese 
wird denn auch von den Hippokratikern an- 
genommen. 

In der dem Hippokrates selbst zugeschriebenen 
klassischen Schrift ,,Uber Luft, Wasser und Ort- 
lichkeit" ist u. a. von dem asiatischen Volkerstamm 
der Makrozephalen die Rede. Bei diesen galten 
die mit langen Kopfen ausgestatteten Menschen 
fiir Angehorige der edelsten Rasse, weshalb bei 
den Neugeborenen der Kopf durch Binden kiinstlich 
in die Lange geprefit wurde. ,,Im weiteren Ver- 
lauf der Zeit aber", schreibt Hippokrates, 
,,wurde der Branch zur Natur, so dafi man ihn 
nicht mehr notig hatte Denn der Same geht 
von dem gesamten Korper aus, gesunder von ge- 
sunden Teilen, krankhafter von krankhaften Teilen. 
Wenn nun von Kahlkopfigen Kahlkopfige, von 
Blauaugigen Blauaugige, von Schielenden Schielende 
in der Regel erzeugt werden und bei anderen 
korperlichen Gebrechen dasselbe Gesetz obwaltet, 
was hindert da, dafi von Langkopfigen Langkopfige 
gezeugt werden ?" Doch fiigt der grofie griechische 
Arzt hinzu, dafi die Kinder der Makrozephalen 
jetzt nicht mehr in derselben Form wie friiher 
auf die Welt kommen, da der Brauch wegen der 
Nachlassigkeit der Menschen nicht mehr in Bliite 
stehe. Hippokrates glaubt also, daS die ur- 
spriinglich kiinstlich erworbene und spater vererbte 
Veranderung der Kopfform nicht von Dauer ist, 
sondern dafi einige Zeit nach Auf horen der kiinst- 
lichen Einwirkung ein Riickschlag in die naturliche 
Form des Kopfes erfolgt. - 

Die Vererbungstheorie der Hippokratiker wurde 
spater von Aristoteles in seinen bewunderns- 
wiirdigen ,,Fiinf Biichern von der Zeugung und 
Entwicklung der Tiere" bekampft. Doch behauptet 
auch er die Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften 
und belegt sie durch folgende Falle: Wenn die 
Eltern Narben hatten, wurde auch bei ihren Kindern 
an derselben Stelle das Zeichen der Narbe be- 
obachtet. In Chalcedon zeigte sich bei dem Kinde 
eines Mannes, der auf dem Arm ein Brandzeichen 
hatte, derselbe Buchstabe, nur verwischt und nicht 
scharf ausgepragt. Auch die Erscheinung der 
unterbrochenen Vererbung war Aristoteles be- 
kannt. Er erzahlt, dafi in Elis ein Madchen mit 
einem Mohren Umgang hatte, wobei nicht ihre 
Tochter, sondern deren Sohn von schwarzer Farbe 
war. Aristoteles teilt aber diese Tatsachen 
nicht nur mit, sondern sucht sie auch durch eine 
Vererbungstheorie zu erklaren, wobei er zugleich 
die Ursachen der Entstehung mannlicher und 
weiblicher Individuen beriicksichtigt. 

Das Erzeugende, lehrt er, wirkt in verschiedenen 
Richtungen, als Mann, als Individuum und als 
Mensch. Der Antrieb in einer Richtung kann zu- 
grundegehen, dann schlagt er in das Gegenteil 



urn, der des Vaters in den der Mutter, der des 
Vaterindividuums in den des Mutterindividuums. 
Der Antrieb kann auch geschwiicht werden, dann 
geht er in den nachstliegenden Antrieb iiber, in 
den des Vaters des Erzeugers oder bei starkerer 
Schwachung in den des Grofivaters oder einer 
noch friiheren Generation. Die Ursache, dafi die 
Antriebe unterliegen, besteht entweder in ihrer 
geringen Kraft und Warme oder in der Kalte des 
zu bewaltigenden Stoffes. Die Ursache der 
Schwachung der Antriebe liegt in der Gegen- 
wirkung des Stoffes. Aus der Anwendung dieser 
allgemeineu Prinzlpien ergeben sich fiir Aristo- 
teles folgende, die Vererbungstatsachen be- 
leuchtenden Gesetze: 

Wenn der vom Vater ausgehende Antrieb in 
alien Beziehungen iiberwiegt, so entsteht ein 
Knabe, der dem Vater ahnlich ist. Wenn der 
vom Vater in seiner Eigenschaft als Mann aus- 
gehende Antrieb iiberwiegt, der vom Vater als 
Individuum ausgehende aber nicht, so entsteht ein 
Knabe, der der Mutter ahnlich ist. Wenn der vom 
Vater in seiner Eigenschaft als Mann ausgehende 
Antrieb unterliegt, der vom Vater als Individuum 
ausgehende aber nicht, so entsteht ein Madchen, 
das dem Vater ahnlich ist. Wenn der vom Vater 
in seiner Eigenschaft als Mann und als Individuum 
ausgehende Antrieb unterliegt, so entsteht ein 
Madchen, das der Mutter ahnlich ist. Wenn der vom 
Vater in seiner Eigenschaft als Mann ausgehende 
Antrieb erhalten, der von ihm als Individuum aus- 
gehende aber geschwacht wird, so entsteht ein 
Knabe, der dem GroGvater oder einem der friiheren 
Vorfahren ahnlich ist. Wenn der vom Vater in 
seiner Eigenschaft als Mann und Individuum aus- 
gehende Antrieb bewaltigt, der von der Mutter als 
Individuum ausgehende aber geschwacht wird, so 
entsteht ein Madchen, dafi der Grofimutter oder 
einem friiheren mutterlichen Vorfahren gleicht. 
Wenn alle Bewegungsantriebe geschwacht werden, 
so gleicht das Junge keinem der Angehorigen und 
Verwandten mehr, sondern es bleibt nur das ihnen 
alien Gemeinsame, dafi es ein Mensch ist. In 
aufiersten Fallen wird der Bildungstrieb so weit 
geschwacht, dafi das Kind nicht mehr menschliches 
Wesen ist, sonderm einem Tier gleicht, also eine 
Mifigeburt darstellt. 

Wenn diese Vererbungstheorie des Aristo- 
teles auch keine wirkliche Erklarung der Er- 
scheinungen bietet, so lafit sie doch erkennen, mit 
welchem Eifer bereits die alten griechischen Denker 
das Vererbungsproblem zu losen versuchten. 
Walther May, Karlsruhe. 

Ein Beispiel fiir die Beeinflussung lokaler Faunen 
durch den Weltkrieg. Aufierordentlich grofi ist 
zwar das Verbreitungsgebiet der Elster (Pica pica 
Linne) in Deutschland und doch finden sich Be- 
zirke, in denen es zahlreiche Bewohner gibt, die 
noch kein lebendes Exemplar dieses Vogels im 
Freien beobachtet haben. In der nachsten Um- 



N. F. XVI. Nr. i 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



II 



gebung von Frankfurt a. M. nordlich des Mains 
kunnte man vor dem Krieg keine Klster finden. 
Man mufite schon bis an den Fufi des Taunus 
wandern, um diesen schonsten unserer Rabenvogel 
anzutreffen. Dort hauste er in den kleinen Ge- 
holzen am Rande iippiger Wiesen in der Umgegend 
von Oberusel und Homburg v. d. Hone, doch 
war seine Anzahl dank den Nachstelmngen, die 
er seitens der Jager zu erdulden hatte, nur ver- 
haltnismafiig gering. 

Seit Herbst 1914 machte sich aber eine auf- 
fallende Vermehrung der Elster bemerkbar und 
es liefi sich fcststellen, dafi immer weitere Gebiete 
des Vortaunus von ihr bevolkert wurden. Im 
Friihjahr dieses Jahres (10. Mai 1916) konnte ich 
in der Nahe von Eschersheim, einem Vorort 
Frankfurts etwa 2 Wegstunden von Oberursel 
entfernt, wo seither von mir keine Elstern fest- 
gestellt wurden, ein Elsternpaar sichten. In einem 
dichten alien Obstgarten hatte es Wohnung ge- 
nommen. Im Laufe des Jahres nahm die Zahl 
der Vogel zu, einmal durch die erbriiteten Jungen, 
dann aber auch wohl durch neue Zuziigler. Sie 



haben jetzt schon Besitz ergriffen von mehreren 
in der Nahe des vorerwahnten Obstgartens lie- 
genden Garten und kleinen Waldanlagen 

Wie ist dieses plotzliche Auftreten der Elster 
in einem Bezirk, der jahrzehntelang elsternfrei war, 
zu erklaren f Wohl nur dadurch, dafi infolge 
des Krieges und der dadurch bedingten mafiigen 
Ausiibung der Jagd der AbschuS der Elstern im 
Taunusvorland so sehr abgenommen hat, dafi die 
Vogel genotigt waren, sich andere Raub- und 
Futterplatze zu suchen. Vom Standpunkt des 
Vogellreundes ist diese Zunahme des prachtigen 
Rabenvogels, der durch auf ihn gesetzte Schufi- 
pramien vogelfrei geworden der Ausrottung nahe 
war, nur zu begrufien. Einer Uberhandnahme des 
Nestpliinderers und Raubers der Kleinvogelwelt 
wird nach dem Kriege schon Schranken ge^ogen 
werden. Sicherlich lassen sich solche Beobach- 
tungen von Anderungen der lokalen Faunen in- 
folge des Krieges noch mehr anstellen, und ich 
ware fur deren gelegentliche Mitteilung dankbar. 

Fr. Keyl. 



Einzelberichte. 



Botanik. Uber das Altern der Pflanzen. 



Untersuchungen, die im Laufe der letzten Jahre 
von einer Reihe von Autoren an Einzelligen aus- 
gefiihrt wurden, haben ergcben, dafi Einzellige 
unter dem Einflufi von Stoffwechselprodukten einer 
Degeneration und schliefilich dem Tode verfallen 
(Enriquez, Popoff, Woodruff). Die Unter- 
suchungen an Einzelligen haben auch gezeigt, dafi 
die Teilungsgeschwindigkeit durch den Einflufi 
von Storfwechselprodukten herabgesetzt wird. Da 
nun die Wachstumsgeschwindigkeit eines viel- 
zelligen Organismus durch die Teilungsgeschwin- 
digkeit der Zellen, aus denen er aulgebaut ist, 
bedingt wird, so ist von vornherein die Annahme 
gerechtfertigt, dafi auch die allmahliche Abnahme 
der Wachsuimsmtensitat vielzelliger Organismen 
und der schliefiliche Stillstand ihres Wachstums 
eine Wirkung von Stoffwechselprodukten ist, die 
im Zellenverband des vielzelligen Organismus zur 
Anhaufung gelangen. Und man hat auch in eigens 
darauf genchteten Versuchen an vielzelligen Orga- 
nismen (Schnecken, Karpfen, Kaulquappen, Da- 
phnien) feststellen konnen, dafi unter dem Einflufi 
von Stoffwechselprodukten im Kukurmedium eine 
Verlangsamung des Wachstums eintritt. 

Ahnliche Versuche sind auch an Pflanzen aus- 
gefuhrt worden. So hat Whitney gefunden, dafi 
ein wasseriger Extrakt aus erschoptttm Boden 
einen hemmenden Einflufi auf das Wachstuin der 
Pflanze ausiibt. Die Wachstumshemmung war 
um so ausgesprochener, je starker konzentriert der 
fur den Versuch verwendete Extrakt war. 



Zlataroff 1 ) hat nun eine Reihe von Versuchen 
mit Keimlingen der Kichererbse ausgeiuhrt, in 
denen der Einflufi von Harnstoff, Guanidinkarbonat, 
Animoniak und Wa:>serglas (in der jungen Prlanze 
der Kichererbse hauft sich Siliciumdioxyd anj, die 
als Stoffwechselprodukte in Betracht kommen, auf 
das VVachstum der Keimlinge verlolgt wurde. Auch 
der Einflufi eines Extraktes aus etwa einem Monat 
alien etiolierten Keimlinge der Kichererbse auf 
das VVachstum wurde untersucht. Die Versuche 
wurden in der Weise ausgefiihrt, dafi die Samen zu- 
nachst 10 Tage lang der Keimung iiber destilliertem 
Wasser iiberlassen wurden, um dann auf die ver- 
schiedenen Versuchsfliissigkeiten verleilt zu werden. 
Das Ergebnis war, dafi in alien erwahnten 
Losungen dasWachstum derKeimlinge 
eine Hemmung erfuhr. Die schadhche 
Wirkung der Losungen zeigie sich auch darin, 
dafi die Turgeszenz der Keimlinge abnahm. 

Wurden die geschiidigten Keimlinge aus den 
Versuchsfliissigkeiten iiber eine Knoop'sche 
Losung gebracht, der Pflanzenlecithin, Rhamnose 
oder Glanutosterin (ein von Zlataroff aus den 
Samen der Kichererbse isoliertes und chemisch 
definiertes Phyiosterinj beigegeben waren, so er- 
holten sich samtliche Keimlinge wieder. In einer 
Knoop'schen Losung dagegen erholte sich nur 
eine geringe Anzahl der geschadigten Keimlinge. 

Die Versuche von Zlataroff, die mit che- 
misch wohldefinierten Stoffen ausgefiihrt wurden, 



I J As. Zlataroff, Uber das Altern der Pflanzen. Zeit- 
schrift f. allgem. Physiologic., Bd. 17, 1916, S. 205209. 



12 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



N. F. XVI. Nr. i 



die als Abbauprodukte von Eiweifistoffen bekannt 
sind, bestatigen die Auflassung, dafi die im Laufe 
der ontogenetischen Entwicklung der vielzelligen 
Organistnen emsetzende Wachsiumshemmung, die 
in Alter und Tod auslault, auf emer lahmenden 
Wirkung von Sloffwechselprodukten beruht. : ) 
Die ein- und zweijahngen Plianzen unterscheiden 
sich in dieser Beziebung nicht von den Tieren. 
Eine sehr imeressame Frage ist es, ob die 
wirksamen Stoffwechselprodukte spezifischer oder 
nicht spezifischer Natur sind. An Einzclligen hat 
Woodruff gezeigt, dafi bei ihnen Stoffwechsel- 
produkie gebudet werden, die hemmend aut die 
Teilungsgeschwindigkeit nur der einen bestimmten 
Spezies wirken. Aber es ist natiirlich nicht aus- 
geschlossen, dafi auch nicht spezifische Stoffwechsel- 
produkte gebildet werden, d. h. solche, die auch 
auf andere Arten wirken. Vor kurzem hat 
Molliard') Versuche liber den Einflufi von 
Stoffwechselprodukten der Erbse angestellt und 
er ist zur UDerzeugung gelangt, dafi die Stoff- 
wechselprodukte der Erbse nicht auf das Wachs- 
tum von Erbsenkeimlmgen, sondern auch von 
anderen Arten einen hemmenden EinrluS aus- 
zuuben vermochten. Die Arbeit von Molliard 
ist dem Ref. im Original bisher leider nicht zu- 
ganghch gewesen. Alex. Lipschiitz. 

Zoologie. Brutdauer und erste Jugendstadien 
des Bartgeiers Gypaetits barbatus L. In dem von 
Konig Ferdinand I. unterfiahcnen zoologischen 
Garten in Soha ist vergangenen Wmier zum 
ersten Mai die Zucht des Bartgeiers in Ge- 
fangenschaft gelungen. Daruber berichtet 
Ad. Schumann. 3 ) Im Garten werden 4 Bart- 
geier gehalten. Zwei Stuck waren seit 3 Jahren 
gesondert in einem Flugkahg untergebracht. Am 
2O. Dezember 1915 wurde die Paarung dieser 
beiden Geier beubachtet. Am 30. Dezember 1915, 
als das Thermometer in Sofia bis zu 29" C Kalte 
zeigte, fand sich am Morgen em frischgelegtes 
Ei vor. Das Weibchen begann sofort mil seiner 
Bebriitung. Am 3. Januar 1916 lag ein zweites 
Ei im Nest. 

Die fur den Bartgeier bisher unbekannte Brut- 
dauer konnte bei diesem Anlafi festgestellt werden, 
indem sich beide Eier als befruchtet erwiesen. 
Sie betrug 55 T a g e , was sehr lang ist. Das 
erstgelegie Ei kam am 23. Februar aus. Am 
27. schemt das zweite Junge ausgeschliiplt zu sein; 
dasselbe wurde aber durch die Alien getotet und 

o 

zum grofiten Teil aufgetressen. Dieser Umstand 
wurde der Behauptung recht geben, dafi der 
Bartgeier stets nur ein Junges aufziehe. 



') Vgl. die zusammenfassende Uarslellung von L i p s c h ii t z , 
Allgememe Physiologic des 1 odes. Braunschweig 1915. 

*) Marin Molliard, Revue generate de Botanique, 
Bd. 27, 1915, p. 289296. ^ 

3 j Ad. Schumann, Erfolgreiche Zucht von Gypaetus 
barbatus im Konighch Zoologischen Garten von Sophia. 
,,Zoologischer Beobachter", Frankfurt a. M., 1916, S. 209 216. 



An der Fiitterung des Jungen beteiligte sich 
auch das Mannchen. Das Junge wurde nicht aus 
dem Kropf gefuttert, sondern es wurden dem- 
selben ganz kleine Sttickchen Fleisch vorgehalten, 
die es dann den Alien aus dem Schnabel nahm. 
Die Eltern kauten das Fleisch gewissermafien vor. 

Der frisch geschliipfte Bartgeier zeigte ein 
weifies, wolliges Dunenkleid. Der verhaltnismafiig 
grofie, schwere Kopf, den das Tierchen nicht 
tragen konnte, ruhte mit der Schnabelspitze am 
Buden. Die dunklen Augen waren schon am 
ersten Tag geoffnet. Am 14. Marz, also im Alter 
von 3 Wochen, war der junge Geier etwas grofier 
als eine ausgewachsene Haustaube. Er war schon 
ziemhch beweghch und nahm Fleischstiickchen 
aus der Hand des Warters. Die weiGen Dunen 
waren aut Rticken und Kopf ca. I cm lang, in 
der Achselgegend und am Hals jedoch kaum 2 mm. 
Die Federtluren waren bereus deuilich erkennbar, 
aber es zeigte sich noch keine Spur von Kielen. 
Am 23. Marz wurden am Kopf des jungen Bart- 
geiers ganz kleine schwarzbraune Flaumtederchen 
entdeckt. Die Farbe des Dunenkleides zeigte 
einen Strich ins Blaugraue. Die dunkle charakte- 
ristische Kopfzeichnung des Bartgeiers war schon 
vom Alter von 14 Tagen an erkennbar. 

Dieser ganz unerwartete Zuchterfolg hat eine 
Anzahl Fragen iiber das Leben des Bartgeiers 
gelost, oder doch ihrer Losung naher gebracht. 

A. Hefi. 

Isoplankten. Nennen wir die Linien gleicher 
hydrographischer Eigenschalten des Meerwassers, 
wie die Isohalinen und Isothermen, zusammen- 
fassend Isohydren, so konnen wir, iiihrt Loh- 
mann 1 ) aus, die Linien gleicher biologischer 
Eigenschatten Isobien nennen. Kommen nur 
Planktonorganismen in Frage, so spncht L o h m a n n 
von Isoplankien. Kurven gleicher Volksdichte 
einer planktomschen Orgamsmenart sind Isone- 
phen; andere Isoplankten waren die Linien gleicher 
Arienzahl, gleicher Planktonmassen und andere 
mehr. Sen 1912 hat Lohmann sich bemuht, 
Isoplankten, und zwar Isonephen, lur Orgamsmen 
des Nannoplanions im Atlantischen Ozean nach 
zentnfugierten Wasserproben von 300 ccm zu 
zeichnen. Er legt jetzt die Ergebmsse nament- 
lich fur einige Coccohthophonden, also kleine 
kalkhaltige blageilaien , vor, zunachst Vertikal- 
schmtte uurch das IVker langs der Fahrt der 
,,Deulschland'' vom 7. Mai bis 7. September 1911 
von Hamburg nach Buenos Aires; sic lehren, dafi 
das Maximum von Calyptrosphaera oblonga Lohm., 
wo bis 408 Stuck des Organism us in I 1 VVasser 
leben, etwa bei 45 w. L. und 25 n. Br. und 
zwar ungelahr in 100 m Tiefe hegt, umgeben 
auf der Querschnittskarte von ring- 



') H. Lohmann: Neue Untersuchungen iiber die Ver- 

teilung des Planktons im Ozean. Sitzungsber. d. Gesellschaft 

naturtorsch. Frcunde, Berlin, Jahrg. 1916, Nr. 3, S. 73 126. 
10 Textfig., i Tabelle, 2 Taf. 



N. F. XVI. Nr. i 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



formigen geschlossenen Isonephen von charakte- 
ristischer Gestalt. Siidlich vom Aquator, im Siid- 
aquatorialstrom, wurde in etwas geringerer Tiefe 
das Zentrum der scharf umschlossenen Volksmasse 
von Coccolithophora fragilis gefunden, wahrend 
das von Pontosphaera huxleyi, iiber 1000 Indivi- 
duen im Liter, dort an der Oberflache liegt und 
die Isonephen urn diesen Punkt nach der Tiefe 
bin eine Asymmetrie haben, eine doppelte insofern, 
als bis etwa 125 m Tiefe das Maximum fur die 
jeweilige Tiefe nordlich von jenem Oberflachen- 
maximum liegt, in Tiefen von 250 400 m aber 



90 80 70 60 50 40 30 20" 10 10 20 



60 




intwurf einer Dichte-Vcrbreitungskarte von Pontosphaera huxleyi. 

Nach Lohmann, Sitzungsher. d. Ges. naturf. Freunde, Berlin, 

Jahrg. 1916, Nr. 3 (S. no). 

siidlich von ihm. In ahnlicher Weise zeichnet 
Lohmann die vertikalen Kurven fiir bestimmte 
Teile der Fahrt fiir eine Englenide, fiir die Zoo- 
flagellate Rhynchomonas marina, fiir die Coccolitho- 
phoride Syracosphaera pulchra Lohm., fiir nackte 
Flagellaten und fiir alle Diatomeen. Syracosphaera 
im Nordaquatorialstrom hatte im Kern der Volks- 
masse ein Minimum, das Gebiete grofierer Volks- 
starke bogenformig umlagern, vermutlich infolge 
davon, dafi das Volk in seinen zentralen Teilen 
Ruhestadien oder nackte Schwimmer bildete, die 
der Zahlung entgehen, oder ein einfaches Ab- 
sterben eingetreten war. Auf einer Tafel werden 
einige Ouerschnitte langs der ganzen Fahrt an- 
gefiigt. Aufierst mannigfach ist das so gewonnene 



Bild ftir Pontosphaera huxleyi, die am weitesten 
verbreitete Art unter den Coccolithophoriden. 
Erst unterhalb etwa 150 m Tiefe wechseln Fund- 
gebiete und Freigebiete dieser Art miteinander 
ab und halten sich etwa das Gleichgewicht, dar- 
iiber sind die Volksmassen offenbar miteinander 
verschmolzen. 

Solche und andere Kurvenbilder der Fahrt- 
schnitte beweisen zunachst die Brauchbarkeit der 
von Lohmann ersonnenen Methode und haben 
jedes fiir sich hohes Interesse, doch mag es hier 
wohl zu weit fiihren, sie alle einzeln zu besprechen. 
Um nun nach diesen Fahrtschnitten ein Bild von 
der wirklichen Verbreitung der Volksdichte der 
Arten im Ozean zu erlangen, stehen wir freilich 
vor derselben Schwierigkeit ,.als wenn man von 
einem noch nicht naher bekannten Organismus 
nichts weiter als einen einzigen Langsschnitt hatte 
und daraus Schliisse auf den Ban des Tieres 
ziehen wollte". Doch gibt uns ,,das, was wir von 
den hydrographischen Verhaltnissen des Wohn- 
raums und den biologischen Eigenschaften der 
betreffenden Arten wissen, wichtige Hinweise dar- 
auf, wie wir diese Schnittbilder in Wirklichkeit 
zu erganzen haben". Solche Abbildungen , wie 
wir deren eine nebenstehend wiedergeben, ver- 
mitteln also zunachst nur eine hypothetische Vor- 
stellung, deuten aber das Ziel an, zu welchem die 
methodische Fortsetzung solcher Untersuchungen 
fiihren mufi. V. Franz. 



Physik. Eine hiibsche Methode zur Analyse 
schwingender Tropfen beschreibt V. K utter in 
der Physikal. Zeitschr. XVII, 424 (1916). Lafit 
man aus mafiiger Hohe Tropfen einer verdiinnten 
Kaliumpermanganatlosung in eine Ferrosulfatlosung 
fallen, so entsteht beim Eindringen des Tropfens 
indieFliissigkeitsoberflache ein schon ausgebildeter 
Wirbelring, der bis zu einer gewissen Tiefe 
eindringt, um dann zu zerfallen. Beim Vermischen 
der beiden Losungen verschwindet die rote Farbe 
der Permangatlosung wegen der Reduktion durch 
das Eisensalz; man kann also mit der gleichen 
Fliissigkeitsmenge den Versuch haufig wieder- 
holen. Man kann auch eine stark verdiinnte salz- 
saure Losung von Antimonchlorid in reines Wasser 
tropfen lassen und erhalt dann milchig triibe bis 
weifie Wirbelringe. Man sollte nun erwarten, dafi 
wenn man die Fallhohe der Tropfen steigert, die 
Wirbelringe bis zu grofierer Tiefe in die Fliissigkeit 
eindringen. Das tritt aber nicht ein, vielmehr 
beobachtet man folgendes: zunachst nimmt die 
Einsinktiefe der Wirbelringe zu, wird dann wieder 
Heiner, um bei weiterer Vergrofierung der Fall- 
hohe der Tropfen wieder bis zu dem ersten 
Maximum zu steigen und so fort. Es findet also 
ein ganz regelmaSiges periodisches Schwanken 
zwischen einem hochsten und einem niedrigsten 
Wert der Einsinktiefe statt. Diese Erscheinung 
erklart sich dadurch, dafi jeder fallende Tropfen 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



N. F. XVI. Nr. i 



ellipsoidische Schwingungen um die Kugelgestalt 
ausfiihrt, und zwar steht die grofie Achse des 
Ellipsoids abwechselnd vertikal und horizontal, 
zwischen diesen beiden Extremen hat der Tropfen 
einen Augenblick Kugelgestalt. Wenn er nun 
auf die Fliissigkeitsoberflache auftrifft , so findet 
an der Beruhrungsstelle ein sofortiges Zusammen- 
fliefien der beiden Fliissigkeitsmassen statt , so 
dafi in diesem Augenblick der Tropfen als eine 
Ausbuchtung der Fliissigkeitsoberflache nach oben 
erscheint. Eine solche beseitigt aber die Ober- 
flachenspannung und zwar mit einer Kraft, die der 
Grofie der Deformation proportional ist. 1st nun 
die Fallhohe des Tropfens gerade eine solche, 
dafi er im Augenblick des Auftreffens die Gestalt 
eines Ellipsoids mit vertikaler grofier Achse hat, 
so ist die Ausbuchtung nach oben die grofit- 
mogliche, wahrend sie, wenn die grofie Achse 
horizontal liegt, am kleinsten ist. Im ersteren Fall 
erreicht der Wirbelring seine grb'fite, im letzteren 
seine kleinste Einsinktiefe, wahrend sie fur den 
kugelformigen Tropfen eine mittlere ist. Steigert 
man die Fallhohe des Tropfens um eine Strecke, 
da8 sich die Tiefe seines Eindringens von einem 
Maximum bis zum nachsten verschiebt, dann hat 
der Tropfen wahrend des Durchfallens dieser 
Strecke eine voile Schwingung ausgefiihrt, deren 
Dauer sich mittels der Fallgesetze aus den beiden 
Fallhohen berechnen lafit. Die Periode der 
Schwingungen hangt vom Tropfengewicht und 
der Oberflachenspannung der Fliissigkeit ab; 



letztere ergab sich zu 7,378 



mg 
mm' 



Die genauere 



Untersuchung zeigt weiter, dafi die beiden Halb- 
perioden der Schwingung nicht gleich sind; es 
lagern sich vielmehr iiber die Hauptschwingung 
Oberschwingungen, welche die Symmetric der 
Hauptschwingung zerstoren. - - Die Methode, aus 
der Periode der Tropfenschwingung die Ober- 
flachenspannung zu ermitteln, hat vor der anderen 
(statischen) Methode den Vorteil, dafi man es 
mit ganz frischen Oberflachen oder solchen von 
genau mefibarem Alter zu tun hat. Bekanntlich 
ist die Oberflachenspannung einer reinen und 
frischen Wasseroberflache besonders grofi, sie wird 
indessen sehr bald geringer, da sich meistens 
irgendwelche Verunreinigungen (Spuren von Fetten, 
Dampfen) auf ihr ausbreiten. Schon vor langeren 
Jahren ist die Oberflachenspannung von Fliissig- 
keiten von Lenard nach der Methode der 
schwingenden Tropfen gemessen worden, doch 
auf andere Weise. Beobachtet man die von einem 
Wasserhahn herabfallenden Tropfen (oder auch 
Regentropfen), so sieht man, dafi dieselben in 
ganz bestimmten Entfernungen unter dem Hahn 
hell aufblitzen; der Reflex trjtt immer dann auf, 
wenn der Tropfen nach Vollendung einer 
Schwingung wieder dieselbe Gestalt angenommen 
hat. Dadurch, dafi an einer vertikalen Skala der 
Abstand der Reflexe bestimmt wird, kann man 
ihre Schwingungsdauer und daraus ihre Ober- 
flachenspannung berechnen. K. Sch. 



Albert Heim. Geologic 

Lieferung I. Leipzig 1916. Chr Herm. Tauch- 

nitz. Ca. 10 Lieferungen a 6 M. 

Wem es beschieden ist, in der geologischen 
Erforschung eines Landes seine ganze Lebens- 
arbeit aufzuopfern, der hat ein Anrecht darauf, 
Riickblick zu halten auf das Geschaffene und eine 
zusammenfassende Ubersicht iiber die gewonnenen 
Resultate seiner Zeit zu geben. Und wem zum 
Wissen noch das Lehrgeschick gegeben ist, wie 
es ein Albert Heim besitzt, von dem wird man 
mit Spannung ein Buch entgegen nehmen, wie 
es die vorliegende I. Lieferung der Geologic der 
Schweiz einleitet. Sagen wir es zum vorneherein: 
Jede Seite der vorliegenden Geologic ist Heim- 
sche Sprache und tont uns entgegen, als ob wir 
den greisen Geologen von dem Katheder, wo er 
so viele Jahre gewirkt, horen wiirden. Oder ist 
seine Einleitung nicht Heim'sche Sprache, wenn 
er schreibt: ,,Eine wahre Wallfahrt von Menschen 
wandelt alljahrlich in die schweizerischen Berge 
zur Erholung, zur Starkung von Geist und Korper. 
Von hohen Aussichtswarten bewundern sie mit 
uns die henliche Gestaltung der Erdoberflache. 
Alles was wir da vor uns sehen, ist, sowohl in 
den grofien Formen wie bis in das feinste Einzelne 



Biicherbesprechimgen. 

der Schweiz. hinein, die Wirkung geologischer Vorgange. Diese 

es, welche das vor uns liegende 



sind es, welche das vor uns liegende Land so 
schon gestaltet haben. Verstandenes zu schauen 
ist ein weit edlerer grofierer Genufi als Un- 
verstandenes anzustaunen. Der Anblick erweckt 
das Bediirfnis nach Verstandnis. Je weiter wir in 
das Verstandnis eindringen, desto mehr beseelt 
uns das Bewufitsein, dafi die Forschung die er- 
habenste Pflicht des Menschengeistes ist. In diesem 
Sinne ist unsere ,,Geologie der Schweiz" ge- 
schrieben." - 

Schon der erste Abschnitt, die Geschichte der 
Geologic der Schweiz, verrat den Mann, der iiber- 
all mitgewirkt hat. Wir verweisen z. B. auf die 
ausfiihrliche Wiirdigung der Geologen Studer 
und Esc her. Der historische Abrifi iiber die 
schweiz. geologische Kommission, die geologische 
Gesellschaft, die topographische Landesdarstellung 
geben uns einen Einblick in das reiche Arbeiten 
der vergangenen hundert Jahre. Auch dem jungen 
Geologen wird es nichts schaden, von dem Selbst- 
bewufltsein der Gegenwart zu den Arbeiten ver- 
gangener Tage zuriickzublicken. Und dazu ist 
Heim ein vortrefflicher Fiihrer. 

Das Buch halt sich an die drei Hauptzonen 
des Schweizerlandes, Mittelland, Juraland, Alpen- 



N. F. XVI. Nr. I 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



land. So beschaftigt sich der erste Hauptteil mit 
dem Mittelland, d. h. Molasseland und Diluvium, 
jenem Gebiet, das den Winkel zwischen Alpen 
und Jura fiillt. Das Wort ,,Molasse", zuerst von 
Saussure gebraucht, bezeichnet in erster Linie 
weiche, zerreibliche Sandsteine, im ganzen aber 
gemischte Gesteinsarten, die aus der Verwitterung, 
Schlammung und dem Wiederabsatz machtiger 
Gebirgsmassen hervorgegangen sind. Es werden 
unterschieden : 

Untere Molasse, Sarmatische Stufe und obere 

VVienerstufe, 
Mittlere Molasse, untere VVienerstufe und 

Bordeauxstufe, 
Obere Molasse, aquitanische und stampische 

Stufe. 

Nach einer kurzen Ubersicht bespricht H e i m 
ausfuhrlich die Gesteine der Molasse, als da sind: 
Nagelfluh, Sandsteine, Mergel, Kalksteine und 
Kohlen. Eine sehr ausfuhrliche Darstellung hat 
die Nagelfluh erfahren, wobei eine instruktive 
Karte die Ausbreitung derselben angibt. Hier 
kommen namentlich die drei grofien Gerolldelta 
des Napf, des Rigi-Rofiberg und zwischen Linth 
und Rhein zum Ausdruck. Eine detaillierte 
Tabelle gibt Auskunft iiber die Herkunft der 
Nagelfluhgerolle. Was eine kiinftige Forschung 
uns noch fur Aufklarung bringen mag, so viel ist 
sicher, dafi die subalpine tertiare Nagelfluh der 
Schweiz aus den ursprunglich siidlicheren Zonen 
der Alpen stammt und von dort zuerst teils durch 
Deckenschub, dann durch Abspulung hierher ge- 
langt ist und am Alpenrande liegt als der tertiare 
Schutt der jungen beginnenden Alpen." Auch den 



besonderen Erscheinungen der Nagelfluhgerolle, 
den Eindriicken, der Glattung und Streifung, der 
Dislokationsumformung, wird besondere Auf- 
merksamkeit erwiesen. Instruktive Textbilder 
begleiten das Wort. Im Juraland trifft man aufier 
der Nagelfluh mit alpinen Gerollen auch noch 
eine Nagelfluh mit Gerollen, die von Norden her- 
stammen, die man als Juranagelfluh bezeichnet 
hat. Auch diesen Gesteinen wird eine ausfuhrliche 
Besprechung gewidmet. Als Hauptabanderungen 
der Molassesandsteine fiihrt er an : Kalkige Sand- 
steine, granitische Molasse, graue Molasse, platten- 
formige Molasse, Ralligsandsteine, Berner Sand- 
steine, Knauermolasse, weiche Sandsteine, gemeine 
Molasse, Mergelmolasse, Muschelsandsteine. Jedem 
Abschnitt ist ein ausfu'hrliches Literaturverzeichnis 
beigegeben, so dafi man auf bequeme Weise die 
Originalarbeiten zu Rate ziehen kann, wenn man 
sich weiter in ein Thema vertiefen will, oder mit 
der Auffassung des Autors sich nicht einverstanden 
erklaren kann. Das ist ja das Wertvolle an der 
,,Geologie der Schweiz", wie wir eingangs schon 
bemerkt haben, dafi Ileim iiberall mit seiner 
personlichen Auffassung nicht zuriickhalt. Wir 
weisen nur auf die Diskussion der Glazialerosion 
hin (Seite n ff.i. 

Uber die Illustrationen konnen wir erst ur- 
teilen, wenn weitere Lieferungen vorliegen. Ob 
die Anwendung des wirklich kleinen Kleindruckes 
ein Vorzug ist, mochten wir sehr bezweifeln. 

Der Preis des Werkes mag auf den ersten 
Blick hoch erscheinen. Wer sich aber die Miihe 
nimmt, die erste Lieferung nur oberflachlich an- 
zusehen, der wird unbedenklich dieses Buch seiner 
Hibliothek einverleiben. Hans Bachmann. 



Anregungen und Antworten. 



H. M. in L. Sie schreiben: ,, Jedem, der im Schutzcn- 
graben gewesen ist, wird der eigentiimliclie Doppelklang der 
Gewehrschiisse aufgefallen sein. Man vernimmt zunachst einen 
starken helleren Knall und unmittelbar darauf einen dumpferen, 
der jenen kurz abschneidet. Diese eintbnigen Doppelklange 
sind namentlich nachts sehr charakteristisch. Aufierdem kann 
besonders in waldigem Gelande bisweilen noch der rollende 
Widerhall hinzukommen, der also keinesfalls die Ursache des 
zweiten Schlages sein kann. 

Aufier diesen ot'fenbar mit dem Abschufi zusammen- 
hangenden Gerauschen liort man noch das eigentumliche 
Zischen, Quarren, Wimmern oder Brummen der Geschosse in 
der Luft, doch ist es im allgemeinen nicht mbglich , etwa 
einen einzelncn dieser langgezogenen Tone mit einem be- 
stimmten Doppelklang in Zusammenhang zu bringen. Wie 
es scheint, sind es nur die von dem Feind gegenuber abge- 
gebenen Schusse, die den Doppelkrach hervorrufen ; die aus 
dem eigenen Graben kommenden sind nicht von ihm begleitet. 
Deshalb macht man auch diese Beobachtung auf dem Schiefi- 
stand nicht. Doch kann ich mich auch nicht erinnern , den 
Doppelklang in der Anzeigerdeckung deutlich gehb'rt zu haben, 
wenn ich auch damals nicht darauf geachtet habe. Bei Platz- 
patronenschlachten fehlt er sicher. Die Entfernung, aus der 
der Feind schofi, war 3 500 m." 



Auf den doppelten Kn-ill scharfer Schusse ist man erst 
in neuerer Zeit aufmerksam geworden, als man den Geschossen 
eine Anfangsgeschwindigkeit von vielen hundert Metern zu 
gebcn verstand. Die Beobachtungen zeigen , dafi der erste 
scharfe Knall bedeutend schneller anlangt, als sich aus der 
normalen Schallgeschwindigkeit in der Luft ergibt, wahrend 
die Geschwindigkeit des zweiten dumpferen Knalles diesem 
Werte entspricht. Eine Zeitlang glaubte man, dafi die 
Heftigkeit der Schallerregung die Ursache der eigentum- 
lichen Erscheinung sei, E. Mach u. a. haben aber gezeigt, 
dafi die schnelle Ausbreitung des ersten Knalles auf einer 
Art Mitfuhrung des Schalles durch das schnell fliegende 
Geschofi beruhe. Der Schall geht so lange mit dem Geschofi, 
als es sich noch mit Uberschallgeschwindigkeit bewegt, und 
lost sich von ihm los, sobald die Geschwindigkeit unter die 
Schallgeschwindigkeit herabsinkt. Durch den Druck des sich 
bcwegenden Geschosses wird die vor ihm befindliche Luft 
verdichtet; diese Luftverdichtung breitet sich mit Schall- 
geschwindigkeit aus. Wenn sich das Geschofi langsamer be- 
wegt als der Schall, so werden also die in aufeinander- 
folgenden Zeitpunkten entstehenden Vcrdichtungen hinter- 
einander hereilen, d. h. bis auf grofie Entfernung von dem 
Geschofi schiebt sich vor demselben die Luft gleichmafiig 
zusammen, aber es kommt nicht zur Ausbildung einer Welle 



i6 



Naturwissenschaftliche VVochenschrift. 



N. F. XVI. Nr. I 



(vgl. Abb. l). Bewegt sich aber das Geschofl schneller als 
der Schall, so wird die vor dem Geschofl entstehende Ver- 
dichtung bei ihrem Bestrebcn, sich rait Schallgeschwindigkeit 
auszubreiten, von dem Geschofi selbst stets uberholt, die in 
aufeinanderfolgenden Zeitpunkten entstehenden Verdichtungen 
laufen also nicht hintereinander her, soudein kreuzen, durch- 
dringen sich. Dadurch entsteht eine scharf ausgepragte Ver- 
dichtungswelle, die sich von dem Geschofi abzweigt, ahnlich 
wie die Bugwelle von einem fahrenden Dampfer (vgl. Abb. 2). 
Sie erzeugt den zucrst zu horenden scharfen Knall , wahrend 
der an der Gewehrmiindung durch das Abfeuern hervor- 
gerufene und mit normaler Schallgeschwindigkeit sich aus- 
breitende Knall ihm nachfolgt. 

Mach hat die von dem rtiegenden Geschosse ausgehenden 
Schallwcllen durch geeignete Methoden sichtbar gemacht. 



auf der man sieht, wie auf einer Weide eine Eberesche ge- 
wachsen ist. Ich habe Gelegenheit gehabt , ahnliche Be- 
obachtungen zu machen. So hatte auf einer Weide sich eine 
grofie Kobinia pseudacacia angesiedelt (s. d. Abbildung). Sie 
hat lange Jahre gelebt, bis sie ein starker Wind zersplitterte. 
In einer Spalte des Stammes einer anderen Weide hatte sich 
ebenfalls eine wilde Akazie entwickelt, deren Stamm einen 
Durchmesser von 4 cm hatte. Auf dem Kopf einer dritten 
Weide hatte sich ein Prunus cerasus von 2 m Hobe und 7 cm 
Durchm. entwickelt. In einem anderen Fall habe ich einen 
Faulbaum (Rhamnus frangula) auf dem Kopf einer Weide ge- 
sehen. Doch konnen noch sehr viele andere Pflanzenarten 
auf Weiden vorkommen ; hier eine Liste solcher, die ich selbst 
bemerkt habe: Tamus communis, Lamium macu- 
latum, Solanum dulcamara, Sambucus nigra, 





Abb. I. 



Abb. 2. 



Abb. 3. 



Die besondere Gestalt der Gescboflspitze ergab dabei anstatt 
einer Kegelwelle eine solche in der Form eines Hyperboloids, 
auflerdem eine Gliederung in Kopf-, Seiten- und Achterwelle 
und endlich eigenartige hinter dem Geschosse sich bildende 
Wirbel (vgl. Abb. 3). Die Richtigkeit der angegebenen Er- 
klarung wird durch die Sfters gemachte Beobachtung be- 
statigt, dafi zu kurze Schiisse nur von einem schwachen Knall 
begleitet sind, was von Mach auf das Erloschen der Kopf- 
welle zuruckgcfuhrt wird. 

Das eigenartige Pfeifen, Sausen und Schwirren des Ge- 
schosses erklart sich durrh die Reibung desselben an der 
Luft. Es entsteht ahnlich wie das kratzende Gerausch, das 
der u'ber die Saiten einer Geige hingleitende und sie zum 
Tonen bringende Bogen verursacht. (G.C.) Dr. Fr. Nblke. 



Hbrbarkeit des Kanonendonners. ,,Sehr zahlreiche Be- 
obachter meinten", heifit es in der Naturw. Wochenschr. Nr. 41, 
S. 589, ,,dafi der Schall durch den Boden oder durch die 
Wasserlaufe fortgeleitet werde 1 '. Ich gestatte mir, hierzu auf 
die im Felde ganz gewohnliche Erfahrung hinzuweisen, dafi 
man entfernte Kanonaden stets am deutlichsten in Unterstanden 
vernimmt. Sobald man aus dem Unterstande nur in den 
Graben hcraustritt, hort man viel weniger oder unter Urn- 
standen nichts mehr. (G.CJ) Dr. V. Franz. 



Uber die Flora der Weiden. Kein Baum ist so geneigt, 
eine reiche epiphytische Flora zu beherbergen, wie die Weide. 
Das Studium der Pflanzen, die auf dem Kopf oder in kleinen 
Hbhlungen der Weidenstamme leben, wiirde sehr interessant 
sein. Nicht nur kleine Pflanzen, sondern auch Baume konnen 
auf Weiden eine Entwicklung finden. So hat G. Klatt in 
dieser Zeitschrift ') eine schone Photographic veroffentlicht, 




Achillea mille folium, Taraxacum officinal e, 
Oxalis acetosella, Stellaria media, Geranium 
sanguineum, Viola odorata, V. canina, Barbarea 
sp., Malva silvestris, Rubus discolor, Fragaria 
vesca, Chelidonium majus, Rumex acetosa, 
Urtica dioica, Parietaria officinalis, Humulus 
lupulus, Polypodium vulgare, Aspidium filix mas. 
Die mit verschiedenfarbigen Bliiten und Beeren geschmiickten 
Weiden gewiihren einen schonen Anblick. Wie konnen alle 
diese Pflanzen auf den Weiden sich entwickeln ? Es ist sehr 
wahrscheinlich, dafi nicht nur der Wind, sondern auch Tiere, 
die Keime dieser Pflanzen auf die Weiden verbreiten. 

B. Galli-Valerio. 

') 1916 S. 591. 



Inhalt: Egon Eichwald, Atmung und Garung. S. I. Kleinere Mitteilungen: Walther May, Antike Vererbungs- 
theorien. S. 9. F r. Keyl, Ein Beispiel fiir die Beeinflussung lokaler Faunen durch den Weltkrieg. S. 10. - 
Einzelberichte: Zlataroff, Uber das Altern der Pflanzen. S. 11. Ad. Schumann, Brutdauer und erste Jugend- 
stadien des Bartgeiers Gypaetus barbatus L. S. 12. Lohmann, Isoplankten. S. 12. V. K utter, Analyse schwingender 
Tropfen. S. 13. -- Biicherbesprechungen: Albert Heim, Geologic der Schweiz. S. 14. -- Anregungen und 
Antworten : Doppelklang der Gewehrschusse. S. IS. Horbarkeit des Kanonendonners. S. 16. Cher die Flora der 
Weiden. S. 1 6. 

Manuskripte und Zuschriften werdeu an Prof. Dr. H. Miehe, Berlin N 4, Invalidenstrafie 42, erbeten. 

Verlag von Gustav Fischer in Jena. 
Druck der G. Patz'schen Buchdr. Lippert & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S. 



Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 



Neue Folge ID. Band; 
der ganzen Keihe 32. Band. 



Sonntag, den 14. Januar 1917. 



Nummer 



Eine merkwurdige Naturerscheinung im Jordantal. 



[Nachdruck verboten.] 



Von Dr. Dr. Carl Schoy, Essen a. d. R. 
Mil 3 Abbildungen. 



Es diirfte sich auf unserem Erdball nicht so 
leicht eine zweite Stelle mit ahnlichen klima- 
tischen und physikalisch geologischen Sonder- 
heiten finden, wie sie jener dem irdischen Ant- 
litz tief eingerissenen Grabenfurche eigen sind, 
die heute der Jordan von Nord nach Slid durch- 
stromt und die in ihrem tiefsten Teile vom Toten 
Meer erfullt ist. Die Beduinen nennen dies Tal 
El-Ror (die Einsenkung), den Jordan Scheriat el- 
Kebire (die grofie Tranke) und das Tote Meer 
Bahr el-Lut (Meer des Lot). Aber nicht nur 
bis hierher zerbarst einst eine langgestreckte 
Erdscholle in einen tiefen Schlund: die Wir- 
kungen dieses katastrophalen Ereignisses reichen 
heute noch weit durch das Wadi el-'Araba bis 
zur Kiiste des roten Meeres, ja selbst bis ins 
aquatoreale Afrika hinein. Es ist insbesondere 
das Verdienst Professor M. Blanckenhorn's 
uns diesen interessanten Teil Palastinas klima- 
tisch , meteorologisch und geologisch erschlossen 
zu haben. Die Resultate seiner Palastinafor- 
schungen hat Blanckenhorn in einer Anzahl 
Schriften niederlegt, von denen fur uns in erster 
Linie die ,,Naturwissenschaftlichen Studien am 
Toten Meer und im Jordantal" *), sowie ,,Syrien, 
Arabien und Mesopotamien" 2 j in Betracht 
kommen. 

So gewaltig war dereinst der Sturz einer 
Landmasse zur Tiefe, daB sich schon vom See 
Genezareth an die Talsohle 208 m unter den 
Spiegel des Mittelmeeres senkt, um am Toten 
Meer die Zahl 393 m zu erreichen. Dazu 
hat das altbekannte ,,Meer der Wiiste", das ,,Salz- 
meer" der Israeliten, oder der ,,Asphaltsee" der 
Griechen, selbst eine grofite Tiefe von 401 m, 
so dafi die Gesamttiefe der Erdspalte 794 m 
betragt. Wer vom Olberg (~f- 806 m) zu dieser 
Statte der Verwerfung hinunterpilgert, steigt nicht 
weniger als 1200 m hernieder, wahrend das Baro- 
meter bei dem Druck der schweren Luftmassen, 
die iiber dem Ror lagern, zuletzt auf iiber 800 mm 
zu stehen kommt. Und wem in den Winter- 
monaten Frost und Schnee den Aufenthalt in 
Jerusalem verleiden, der vvandere dieselbe Strafie 
nach Jericho, die uns aus des Heilands Gleichnis 
bekannt ist, und wenn er von Beduinen unbe- 
helligt nach der uralten Palmenstadt gelangt, so 
umf