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Full text of "Naumannia : Archiv für die Ornithologie Vorzugsweise Europa's : Organ der Deutsche Ornithologen-Gesellschaft"

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NAUMANNIA. 



für die Ornithologie, 

, vorzugsweise Europas. 

Organ der deutschen Ornithologen - Gesellschaft. 

Redigirt 
von 

Eduard Baldamus, 

Pfarrer zu Diebzig in Anhalt, wirklichem, correspondirendem und Ehrenmitglieds 
mehrer Naturforscher -Gesellschaften 




Jahrgang 1855. 

Mit 5 Tafeln. 



Dessau, 1855. 

Druck und Verlag von Gebrüder Katz. 
London, Williams & Borgate, Henriella Street, Coventgarden. 



Inhaltsverzeichniss. 



I. Originalaufsätze. 



Seite 

1. Beiträge zur Ornithologie N.-O. -Afrikas. Von A. Brehm 1 

2. Planmässiges Sammeln, Ausstopfen und Stellen der Vögel. Von B. Altum 29 

3. Ueber die europäischen Böthlinge. Von L. Ol ph-Gall i ard . . . . 39 

4. Verzeichniss der Vögel der Umgegend von Lyon. Von demselben ... 44 

5. Die Zeichnung der Kehle steht bei den Vögeln gewöhnlich mit ihrem Ge- 

sänge in Beziehung. Von Chr. Ludwig Brehm 54 

6 Auch etwas über Aquila minuta und pennata. Von demselben .... 60 

7. Ueber Aquila pennata. Von C. Graf Wodzicki 65 

8. Zu dem Verzeichnisse der Trivialnamen der bayerischen Vögel. Von 

J. Jacke 1 70 

9. Bemerkungen über die Vögel des Mindel- und Kamel-Thales in Bayern. 

Von Chr. Ludwig Landbeck 73 

10 Zur Naturgeschichte der Oidemia fusca, Numenius arquata und Pavo crista- 

tus. Von Gadamer . . . .' 89 

11. 16. Einiges über Vogelstimmen. Von A. Hansmann 96 181 

12. Nachtrag zu den neuen deutschen Schwänen. Von B. Altum. Hierzu 

Abb. Tafel IV. 101 

13- 32- Brütezonen der Vögel innerhalb Scandinavien. Von Wallengren, 

(Fortsetzung) ' 129 429 

14. Cyanecula suecica, orientalis, dichrosterna und Wolfii. Von B. Altum. 

Hierzu Tafel III 166 

15. Die Vogelwelt im letzten Winter. Von Baron R. König-Warthausen 171 
17. Versuch einer natürlichen Klassifikation der Vögel. Von Dr. F. Berge 196 
18- 19. Verzeichniss der europäischen Vögel nach den Species und Sub- 

species. Von Chr. Ludwig Brehm 266 

20. Ueber Ausstopfen und Stellen der Vögel im Allgemeinen. Von B. Altum. 

Hierzu Tafel I. und II 301 

21. Ueber eine wahrscheinlich neue Cypselus- Art. Von Marchese Oratio 

Antinori. Hierzu Tafel V 307 

22. Zur Verfärbungstheorie bei Pterocles setarius, und die Stellung der Ptero- 

clinen im System. Von L. 1 ph-Gall i ard 311 

23. Die münsterländischen Trivialnamen einiger Vögel. Von H. Bolsmann . 313 

24. Abweichende Provinzialnamen der Vögel in der Mark Brandenburg. Von 

Dr. C. Bolle und A. Hansmann 317 

26. Noch ein Wort über Aquila pennata. Von C. Graf Wodzicki .... 327 



IV 

Seite 

27. Die Vogelfauna von Neuwied. Von F. P. Bralits 329 

28. Ueber das Meckern der Bekassine Von B. AI tum 362 

29. 34. Omithologisclie Beobachtungen, aus Dr. R. Vierthaler's Tagebucli 

einer Reise durch Egypten, Nubien, Dongola, Sennaar etc. . . 371 469 
30- 33. Ueber die Lebensweise der Vögel Nordamerikas (Georgia). Von A. 

Gerhardt | '■*> 380 458 

31. Zusätze zu den Bemerkungen über die wahren Gänse Europas. Von 

E. DeSelys- Longe hamps 397 

36. Ueber die hochnordischen Edelfalken. Von Dr. N. Kjärbö Hin g . 489 

37 Vorläufige Bemerkungen über die Ornis der Provinz Valdivia (Chile). 

Von Dr. E von Boeck 494 

38. Auszug aus dem Protokolle der neunten Versammlung der D. O.-G. zu 

Braunschweig 226 

Beilagen dazu. Nr. 1. Ueber die grossen Edelfalken. Von Wallengren 247 

„ 2 a. Ueber meine Verfärbungstheorie 

„ b. Verzeichniss der mir bekannten 

Arten der Falken .... 

„ c. Ueber die Saat- und weissstirni- 

gen Gänse | 'Von Professor 

„ d. Ueber Altums Schwan. Hierzu j H. Schlegel 249 

Abb. Tafel IV 

„ e. Probetafeln meiner Vogelfauna 

von Niederland 

„ f. Meine Schriften über die Dodos 

„ 3- Bemerkungen über die wahren Gänse Europas. Von 

E. De Selys-Longchamps. Hierzu Abbild. 

Tafel IV. . . . , 261 

„ 4. Ornithologische Mittheilungen aus Kurland. Von Dr. 

A. Hummel 321 

„ 5. Ueber die „verdächtigen Arten" im Verzeichnisse der 

europäischen Vögel. Von Prof. H. Blasius . 480 

IL 

Notizen, briefliche Mittheilungen etc 104 213 398 513 

III. 

Literarische Berichte, Nr. 8 — 18 114 224 413 519 

IV. 

Bekanntmachungen 123 272 427 521 



Nr. 1. 

Beiträge zur Ornithologie Nord- Ost -Afrikas 

, mit besonderer Rücksicht 

auf die in Europa vorkommenden Arten der Vögel, 

von 

.4. Brehm. *) 

(Fortsetzung zu Seile 38, Band IT, Heft 3 der N.) 



Hihe ich zu den Adlern und Falken Nord-Ost- Afrika' s übergehe, muss 
ich noch einen Nachtrag zum Geieradler einschalten. Die erste Ab- 
theilung dieses Aufsatzes war in Charthum geschrieben, und ich hatte, 
wie ich schon erwähnt habe, in ganz Nord-Ost-Afrika niemals einen 
Geieradler gesehen. Auf einer Reise nach dem Sinai im November 
und December 1851 sah ich dagegen diesen Vogel mehrere Male. 
Seine Erscheinung ist so imposant, dass er gar nicht verkannt wer- 
den kann. 

Am 19. November (1851) bemerkte ich drei alte, ausgefärbte und t 
zwei noch das Jugendkleid tragende Geieradler über einer Heerde von 
Ziegen herumkreisen, welche die duftigen Alpengräser des Djebel 
Umsalahf abweidete. Wenige Tage später umschwebte ein anderer , 
dieser kühnen Räuber der Gebirge die höchste Spitze des Djebel 
Mussa (Sinai) in einer Höhe von 8000 Pariser Fuss über dem Meere. 
Der erste Geieradler, den ich sähe, war ein junger Vogel, und hätte 



*) Schon zum III. Quartale des vorigen Jahrganges bestimmt, aber vom 
Hrn. Verleger ohne Wissen der Redaction zurückgelegt. f 

Naumannia 1855. > 1 



vielleicht mit einem Vultur verwechselt werden können. Allein der 
abgestumpfte, lange Schwanz eines Cathartes, die langen, spitzen 
Flügel und die dem eines Wanderfalken wirklich ähnliche Haltung 
Hessen mich bald unsern Vogel erkennen. Die später erscheinenden 
Alten, deren prächtig goldgelbe Unterseite nur noch mit dem kaum 
minder lebhaften Gelb eines, recht alten und schönen Neophron per- 
cnopterus verwechselt werden konnte, bestätigten den richtigen Blick, 
den ich auf den unscheinbaren Jungen geworfen hatte. Ein Geier 
erscheint träge und plump gegen den zierlichen Flieger. Es scheint, 
als sei sich jener grosse Vogel seiner Kraft gar nicht bewusst, we- 
nigstens nicht so wie der Geieradler. Dieser verachtet, stolz auf seine 
Kraft, das kleinliche Treiben der tief unter ihm dahinkriechenden 
Menschen, und sucht seine Ruhe den Wolken näher in den unzu- 
gänglichen Felsenklüften und unersteiglichen Kuppen des Djebahl 
Serbai, Mussa und Catharina. Nur selten, vielleicht nur, wenn 
es ihm nicht gelang, eine Ziege des Ibex sianiticus, Ehrenberg, 
zu ergreifen, lässt er sich in die Thäler jener Alpen herab, um sich 
eine sichere Beute aus den Heerden der Beduinen zu holen. Jene fünf 
Exemplare kamen in den schönsten Schwingungen zuletzt so tief in 
das Wadi Salafe herab, dass ich auf einen der Fliegenden einen 
Büchsenschuss machen konnte. Nur eine von der Kugel losgerissene 
Flügelfeder fiel herab. Der Vogel setzte seine Reise, unbekümmert 
der ernstlichen Drohung, ruhig fort. 

Die Beduinen des peträischen Arabiens nennen den Geieradler 
(wahrscheinlich nach seinem Geschrei?) el Büdj oder Putsch und 
suchen seinen kühnen Räubereien dadurch zu begegnen, dass sie die 
Gipfel der Berge, an deren Abhängen ihre Ziegen weiden, erklimmen 
und von dort aus durch Geschrei und Schüsse aus ihrer sie stets be- 
gleitenden langen Flinte den herannahenden Geieradler vertreiben. 
Nach ihren verlässlichen Aussagen bauet er hoch am Dj. Serbai 
und Dj. Catharina seinen fast nie zu ersteigenden Horst, in dem 
sich in den Monaten Februar und März zwei grosse, grau weissliche, 
wie mit Lettwasser besprengte Eier befinden sollen. — — — 

Von den Bussarden habe ich in Nord-Ost- Afrika fünf Arten 
beobachtet. Buteo communis ist gerade keine seltene Erscheinung 
in Egypten und Nubien, wenn er dort auch nicht unter die häufigen 
Raubvögel gezählt werden kann. Er scheint, wie ich schon im 
Journal für Ornithologie von Dr. Cabanis erwähnt habe, nicht einmal 



überall seine Nahrung zu finden. Im peträischen Arabien fand ich 
ihn verhungert. Häufiger ist der schöne 

Buteo rufinus, llüppell. 

Von Kairo stromaufwärts ist er einzeln überall anzutreffen, und 
jedenfalls schon in Europa vorgekommen. Der Naumann'schc Adler- 
bussard Buteo leueurus steht ihm so nahe, dass ich noch heute 
die Identität desselben mit Buteo rufinus für möglich halten kann. 
Ich habe diesen mit zunehmendem Alter immer heller werdend ge- 
sehen und Exemplare in Händen gehabt, welche sich nur durch die 
sieben Schwanzbinden^von dem Naumann'schen Originalexemplare unter- 
schieden. Es soll damit die Richtigkeit der Naumann'schen Art nicht be- 
stritten werden, wohl aber wünsche ich die Augen der Ornithologen auf 
beide gleidh interessante Vögel zu lenken. Wegen des Buteo leueurus 
verweise ich auf Seite 256 u. ff*, der Naumannia Jahrgang 1853; von 
Buteo rufinus will ich die Maasse in Pariser Zollen mittheilen. Eine 
genaue Beschreibung zu nehmen hielt ich bei einem von Eüppell 
aufgestellten und beschriebenen Vogel nicht für nöthig. 

Die Maasse des Buteo rufinus sind folgende: 

a, (S adlt. b, £ adlt. c, £ med. 

Länge 

Breite • . - . . . 

Höhe der Fusswurzel 

Mittelzehe ohne Nagel 

Aeussere Zehe 

Innere Zehe 

Hintere Zehe \ 

Nagel der Hinterzehe im Bogen 
Nagel der innern Zehe im Bogen 
Nagel der äussern Zehe im Bogen . 
Nagel der mittlem Zehe im Bogen 
Schnabel vom Mundwinkel bis zur Spitze 
Schwanz besonders gemessen 

Ordnung der Schwungfedern nach ihrer verschiedenen Länge: 
3>4>5>2>1>6>7 etc. 

Farbe der Iris: erzgrau; des Schnabels: dunkelhornblau; 
der Wachshaut: licht orange; der Füsse: strohgelb. Gewicht 
a. 2 Wiener Pfund; b. 2 Pfund 13 Loth; c. 2 Pfund 9 Loth. 

Der röthliche Bussard ist sehr scheu und vorsichtig und fast 
nur mit der Büchse zu erreichen. Er hält sich paarweise zusammen, 



1' 8" 


2' 


— " 


1' 


10" 9'" 


3' 11" 


4' 


10" 6" 


' 4' 


8" 


. 2" 10" 




3" 6" 


1 


3" 4'" 


fehlt. 




1" 9" 
1" 2" 




1" 7"' 
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fehlt. 




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1" 10'" 




1') ii" 




1"10"' 


fehlt. 




9" 




8" 9'" 



bäumt gern auf Palmen auf, setzt sich -noch lieber auf einzelne, in den 
Feldern Egyptens stehende Lehmhügel und findet sich regelmässig 
auf den hohen und kahlen Stellen der Erddämme an den das Land 
durchziehenden Kanälen, welche seinen Lieblingsaufenthalt auszu- 
machen scheinen. Seine Hauptnahrung sind Mäuse; er frisst aber 
auch Eidechsen und Vögel, wenn er letztere erlangen kann. Wo und 
wann er nistet, blieb mir unbekannt; übrigens ist dies in Egypten 
schwer zu erforschen. Die Vögel sind dort nicht wie bei uns an eine 
bestimmte Nistperiode gebunden, sondern nisten, wenn die für sie am 
günstigsten Verhältnisse eintreten, so dass ein und derselbe Vogel in 
den verschiedenen Länderstrichen Nord-Ost-Afrika's zu verschiedenen 
Jahreszeiten zum Nestbau schreitet. 

Einen höchst interessanten Buteo, dessen plastische Verhältnisse 
dem B. rufinus ähneln, erlegte ich am 9. Februar 1851 bei Rosse er es. 
Es ist der einzige seiner Art, den ich erlegen konnte, obgleich ich 
ihn noch einige Male gesehen zu haben mich erinnere. Wir haben ihn 

Buteo eximius 

genannt und halten ihn für eine neue, selbstständige Art. Die Be- 
schreibung des an das Berliner Museum abgegebenen Exemplars ist 
folgende : 

Artkennzeichen. Das ganze Gefieder sehr dunkelbraun; 
die vier Schwungfedern auf der innern Fahne sehr stark 
ausgeschnitten; Länge 23" Pariser Maass. 

Ausführliche Beschreibung. Unser Bussard hat eine be- 
deutende Grösse, denn er ist 23", wovon der Schwanz 9" wegnimmt, 
lang, und 61 l / s " breit, wovon der Flügel vom Bug bis zur Spitze 
12" misst. Die Flügelspitzen erreichen das Schwanzende. Der Schnabel 
misst längs der Firste 23"', die Wachshaut 9'"; der Schnabel innen 
vom Mundwinkel bis zur Spitze 27"'. Die Höhe der Fusswurzel be- 
trägt 3" 9'"; die Mittelzehe ohne Nagel misst 19'", die hintere Zehe 
13'", die äussere 14'", die innere 13'". 

Der Schnabel ist ziemlich schwach, niedrig, schon an der Wachs- 
haut gekrümmt, mit wenig vortretendem Zahne, ein ächter Bussard- 
schnabel, schwarzblau, auf der Wachshaut gelb. Die nackte Stelle 
am Augenliede ist gelb, die Iris erdbraun, die Fusshaut citronengelb. 
Die Zügel sind weisslich mit schwärzlichen Schäften und Haaren; vor 
dem Auge befindet sich ein schwarzer Fleck. 



Das ganze Gefieder zeigt ein sein- dunkles Braun, auf dem Unter- 
körper, besonders an den Schienbeinen schwarzbraun mit schwachem 
Purpurglanze ; auch die Dunen sind sehr dunkelgrau. Die Schwung- 
federn sind dunkel graubraun mit schwarzbrauner Spitze, auf der 
äussersten Fahne dunkler als auf der innern, wo die Färbung grau 
wird. An den Schwingen der ersten Ordnung zeigt sich von der 
Wurzel an viel Weiss, welches nach der Mitte zu abnimmt, an der 
sechsten Schwinge kaum noch zu merken ist und nach hinten, d. h. 
an den letzten Schwungfedern, wieder zunimmt. Dieses Weiss- ist 
schön grauschwarz bespritzt und gewässert, wie wir es bei keinem 
andern Buteo gesehen haben, mit fünf bis sieben schwarzbraunen oder 
braunschwarzen Querbinden, die auf der äussersten Fahne schief stehen. 
Alle Oberflügeldeckfedern sind tiefbraun. Der Unterflügel ist silber- 
grau mit breiter, brauner Spitzenkante und schwarzer Spitze an den 
Schwungfedern zweiter Ordnung; vor der Spitze sind die Federn 
weissgrau mit schwärzlichen Querbinden. Die längsten vorderen Unter- 
flügeldeckfedern sind grauschwarz, die anderen schwarzbraun. 

Der Schwanz ist so lang als, bei Buteo rufinus, aber viel breiter, 
an seinen Federn kräftiger und kaum abgerundet, weil seine äusser- 
sten Steuerfedern um 9'" kürzer als die mittleren sind. Alle Steuer- 
federn sind zugerundet, aschgrau, auf der innern Seite weisslich, hier 
schwärzlich bespritzt, mit sieben schwärzlichen Querbinden in der 
Mitte, deren Zahl sich nach aussen hin so vermehrt, dass die zweite 
deren acht, die erste aber neun hat; sie sind hier jedoch .undeut- 
licher als in der Mitte. Diesen dunkeln Binden entspricht eine 21'" 
bis 24'" breite schwarze Schwanzspitze. 

Unser Bussard unterscheidet sich ausser der ganz andern Farbe 
vom Buteo rufinus, Rüppell: 

1) durch die Grösse; er ist merklich grösser als dieser; 

2) durch die viel kräftigere Gestalt und stärkeren Ein- 
zel th eile. Der Schnabel ist viel ausgebildeter, die Füsse, 
Zehen und Nägel sind kräftiger, die Schwung- und Steuerfedern 
viel breiter, als bei Buteo rufinus; 

3) durch den Ausschnitt der vierten Schwungfeder. Die- 
ser ist bei unserm Vogel ganz deutlich, während die vierte 
Schwungfeder bei Buteo rufinus gar nicht ausgeschnitten ist 
und die anderen es nur sehr undeutlich sind. Die vierte 



6 

Schwungfeder des Buteo rufinus ist nach vorn hin so schmal, 
wie bei Buteo eximius die fünfte; 
4) durch die Schilder an den Fusswurzeln, welche bei Buteo 
eximius viel grösser, aber weniger scharf begrenzt sind, als 
bei Buteo rufinus. 

Wir würden die Unterschiede zwischen Beiden gar nicht hervor- 
gehoben haben, hätten wir es nicht gerade mit Bussarden zu thun 
gehabt, deren verschiedenes Gefieder bei ein und derselben Art be- 
kannt ist und die Aufstellung einer neuen Art mehr oder weniger 
bedenklich macht. 

Der beschriebene Prachtbussard scheint in Ost-Sudahn nur sehr 
einzeln vorzukommen. Unser Exemplar sass in der Steppe am obern 
blauen Fluss auf Nabacksträuehen , war sehr scheu und wurde nur 
nach langer Jagd erlegt. Der Magen des Vogels war leer. 

Hoch oben am blauen Flusse kommt Rüppell's Buteo Augur 
einzeln vor. . Ich habe ihn nur in den tropischen Wäldern angetroffen 
und nie längere Zeit beobachten können. Wie die Vorhergehenden 
ist auch er sehr scheu> was hervorgehoben werden muss, weil die Vögel 
jener Länder gewöhnlich sehr wenig scheu sind. Einen aufgebäumten 
Adler bis auf 20 Schritt zu unterlaufen, war gerade keine schwierige 
Aufgabe. 

Die Maasse eines alten Männchens des Buteo Augur, Rüp- 
pell sind folgende: Länge 18", Breite 3' 7", Schwanz besonders ge- 
messen 7" 6'", vom Bug des Flügels bis zur Spitze 13'/ 2 ", Höhe der 
Fusswurzel 2" 10'", Mittelzehe 18'", hintere Zehe 10'", innere Zehe 
13'", äussere Zehe 15"' (ohne Nägel), Schnabel längs der Firste 
174/»'"» Wachshaut besonders gemessen 5'", vom Mundwinkel bis zur 
Spitze des Oberschnabels 1" 5'". 

Als den letzten der von mir beobachteten Bussarde führe ich 
noch eine Art auf, welche wir 

Buteo anceps 

genannt haben. Ob dieser Bussard mit dem le Vailliantschen Falco 
Tachardus synonym ist, wissen wir nicht. Jedenfalls halte ich es 
für nicht überflüssig, eine Beschreibung von unserm „zweifelhaften Bus- 
sard" zu geben. 

Artkennzeichen. Farbe und Zeichnung eines gewöhn- 
lichen, etwas ins Rostfarbige fallenden Bussards; Länge 16". 



Beschreibung. Der zweifelhafte Bussard hat mit unserrn ge- 
wöhnlich gefärbten Bussard grosse Aehnlichkeit; er ist aber viel 
kleiner. Die Maasse des uns vorliegenden Weibchens werden dies 
augenscheinlicher machen. Dasselbe misst 16" in der Länge, wovon 
der Schwanz 8" 6'" wegnimmt, und ist 39" 6'" breit, die Schwingen- 
länge vom Bug bis zur Spitze der längsten Sclrwungfeder beträgt 12", 
der Schnabel misst im Bogen (längs der Firste) 15'", die Wachshaut 
4 3 / 4 "', der lange schwache Haken 4'", die Höhe des Schienbeins be- 
trägt 3", die der Fusswurzel 2" 6'", die Mittelzehe ohne Nagel ist 
1" 3'", der Nagel 10'", die innere Zehe 87 2 '", der Nagel lO'/V", die 
äussere Zehe 10y 2 "', der Nagel 6y 2 "', die Hinterzehe 4%'", der 
Nagel 12 l / 2 "' lang. , 

Der Schnabel "unseres Vogels ist schwach, niedrig, schon auf der 
Wachshaut gekrümmt, mit langem Haken und sehr wenig vortreten- 
dem Zahne, vor der Wachshaut bläulich, übrigens schwarz; die Farbe 
der Wachshaut und Augenhaut ist gelb, der Augenstern hellbraun. 
Die Füsse und Zehen sind gestreckter als bei Buteo communis, aber 
ähnlich geschildert, die sehr gekrümmten Nägel schwächer und 
länger. 

Die Zügel und Seiten der vordem Stirn sind weisslich mit 
schwärzlichen Schäften; der Oberkörper ist braun mit rostfarbigen 
Federrändern, welche auf dem Oberflügel zum Theil rostgelb erscheinen. 
Die Oberschwanzdeckfedern sind fast ganz rostfarben; die 24 Schwung- 
federn sind schwächer als bei Buteo communis und stehen in fol- 
gendem Verhältniss: die erste ist so lang als die achte, die zweite 
fällt mit ihrer Spitze zwischen die Spitzen der fünften und «sechsten. 
Sie sind braun, auf der innern Fahne von der Wurzel an mit viel 
Weiss, besonders bei denen der ersten Ordnung, vorn braun mit hel- 
lerer Kante, und besitzen fünf kurze, schwärzliche Querbinden. Der 
Unterflügel ist weisslich mit grauschwarzen Querbinden und schwärz- 
licher Spitze. Die längsten Unterflügeldeckfedern sind grauschwarz, 
die übrigen rostfarben und rostgelblichen Spitzenkanten und Seiten- 
flecken, längs dem Handgelenke rostgelblichweiss mit rostbraunen 
Flecken. Die Steuerfedern sind rostbraun, die beiden mittelsten rost- 
farben, auf der innern Fahne heller, von der Wurzel an etwas weiss- 
lich mit zehn braunen Querbinden und rostfarbiger Spitze. Auf der 
untern Seite ist der Schwanz weisslich, nach vorn rostfarbig mit un- 
deutlichen, schwarzgrauen Binden. 



8 

Der Unterkörper ist eigentlich rostgelblich weiss , auf dem Ober- 
bauche fast weiss, überall mit braunen und rostbraunen Längeflecken, 
welche auf dem Vorderhalse Streifen bilden, auf dem Kröpfe fast die 
ganze Feder einnehmen (das Rostgelblichweiss erscheint hier als 
schmale Kante) und auf dem Bauche, wie an den Urjterschwanzdeck- 
federn herzförmig erscheinen. Die Seiten und Hosen sind rothbraun 
mit hellen Spitzenkanten. 

In der Grösse und Gestalt hat unser Bussard Aehnlichkeit mit 
Buteo Augur; allein seine Zeichnung ist ganz anders und erinnert 
sehr an die unseres Bussards. Wie bei diesem enden die zusammen- 
gelegten Flügel an der Schwanzspitze. 

Das Männchen dieses Bussards kennen wir noch nicht; es muss 
der Analogie nach viel kleiner als das Weibchen sein. 

Auch dieser Vogel scheint sehr südlich zu wohnen; das beschrie- 
bene Exemplar wurde Ende Januars 1851 am obern blauen Flusse 
geschossen. Ein anderes erlegte ich bei Siut in Oberegypten am 
7. März 1850; es befindet sich in der Sammlung des Baron v. Müller. 
In Bezug auf Flug, Nahrung und Betragen ähnelt er seinen Gattungs- 
verwandten. 

In weit grösserer Artenzahl als die Vorhergegangenen treten in 
Nord-Ost-Afrika ■, 

die Adler 

auf. Ich beobachtete von den Edeladlern, Aquila, Brisson, über 
10 Arten, von denen ich einige mit Hülfe meines Vaters näher zu 
beschreiben versuche, von anderen nur die genaueren Maasse geben will. 
In Egypten kommen nur europäische Adler vor. Sie erscheinen 
daher auch fast nur auf dem Zuge dort oder überwintern daselbst. 
Nur wenige Paare dürften dort nisten; mir ist kein Beispiel davon 
bekannt. Anders ist es mit der Ornis Süd-Nubiens und Ost-Sudahns. *) 
Sie hat, wie jedes Centralland, ihre eigenen Vögel aufzuweisen. Die 
an Vögeln so reichen, ausgedehnten Urwälder beherbergen mehrere 
Adlerarten, und gewiss noch manche uns unbekannte. 



*) Ich schreibe die arabischen Wörter möglichst genau nach ihrer Aussprache 
und weiche dadurch oft von früheren Reisebeschreibern und selbst meiner frühern 
Schreibweise ab. Desshalb schreibe ich Sudahn statt Sudan, Charthum statt 
Kartum, Chartum oder Chardum, Kordofahn statt Kordofan etc. 



Die Araber und Beduinen unterscheiden alle Edeladler von den 
übrigen Falken und belegen sie mit dem gemeinschaftlichen Namen 
„Agahb". Einzelne Falken — im weitesten Sinne, — welche sich 
durch auffallendes Gefieder oder besondere Eigenschaften auszeichnen, 
werden mit einem besondern Namen belegt, alle übrigen aber unter 
dem gemeinsamen Namen „Sukhr' (in Egypten ausgesprochen „Sa — r'") 
zusammengeworfen. So nennt man den Haliaetos vocifer Abu-Tohk, 
den Seeadler Egyptens (Haliaetos funereus et cinereus, Brm.), Schö- 
mita, den Fischadler, (Pandion haliaetos), Rhatahsi (der Taucher), 
Aquila imperialis „el Mänsühri" (der Siegende), Falco peregrinus und 
die ihm nahestehenden Arten „Schealin" (die Wegtragenden, Last- 
träger), Falco tinnunculus „Sukhr el biuht (den Hausfalken), Milvus 
parasiticus nach seinem Geschrei „Hitaie" etc. Diejenigen, welche 
sich mit der Jagd beschäftigen, kennen die einzelnen Arten genau. — 

Unter den von Europa in Nord-Ost- Afrika ankommenden Wander- 
adlern ist der Schreiadler der häufigste. Man findet ihn in nam- 
hafter Anzahl an allen Seen und längs des Nilstroms in Egypten, sobald 
sich für ihn günstige Umstände vereinigen. Ich verstehe darunter 
einen von Beute wimmelnden See, oder einen angenehm, inmitten 
grosser Feldstücke gelegenen, ruhigen Palmenwald, von dem einige 
Sandinseln im Strome nicht fern sind. Nahrung bietet Egypten selbst 
Hunderten von Adlern in grossem Ueberfluss. Die Raubvögel werden 
bei dem Futter Egyptens eben so fett, wie weiland die Israeliten 
bei den Fleischtöpfen, und geniessen im Ganzen ein sehr ruhiges, 
sorgloses Leben, so lange eben nicht ein Naturforscher das Land 
durchreist oder ein Jagd-, beute- und schiesslustiger Engländer den 
ganz zutraulich gewordenen Raubvogel mit seiner Mordsucht belästigt. 
Den Eingeborenen kommt es nicht in den Sinn, einem Falken zu 
zürnen, der ihnen eine Taube raubte, sie denken: leben und leben 
lassen gelte auch hier, und sind geneigt, mit einem „Allah kerihm" 
(Gott ist barmherzig) den Verlust eben so schnell zu verschmerzen, 
als er ihnen geworden. So kommt es, dass sich die Adler in ihrem 
Winterquartier recht wohl befinden und dieses gern nur in Egypten 
nehmen. Unser Schreiadlcr ist schon im nördlichen Nubien eine eben 
so seltene, als zufällige Erscheinung. In Egypten bringt er den 
grössten Theil des Morgens auf der Jagd zu; Mittags erscheint er auf 
den Sandinseln im Strome, um dort zu saufen und zu ruhen. Man 
sieht oft drei bis sechs Stück neben einander sitzen. Alle Raubvögel 



10 

trinken, wie ich schon bemerkt habe, oft und viel; sie nehmen im 
Nothfalle auch mit brackem und salzigem Wasser verlieb, ziehen aber 
fliessendes vor. Von neun Uhr Vormittags bis drei Uhr Nachmittags 
dauert diese Ruhe, dann fliegen die Adler von Neuem auf die Jagd 
aus. Waren sie glücklich, so kommen sie schon in einer Stunde 
nach ihren Nachtruheplätzen, kleinen oder grösseren, stillen Feld- 
gehölzen. Schon von Weitem erkennt man die grosse, dunkle, dicht 
an den Stamm der Palmen gedrückte Gestalt der edlen Räuber. Im 
Allgemeinen sehr scheu, sind hier die Adler weniger vorsichtig; die 
Zeit vor und nach Sonnenuntergang ist die ergiebigste Jagdzeit. Man 
kann, wenn man glücklich ist, an einem Abend vier Schreiadler er- 
legen. Die fallenden Schüsse verscheuchen die schon zur Nachtruhe 
aufgebäumten Thiere nicht in dem Maasse, als man glauben sollte. 
Während bei Tage der Adler nach einem Schusse sich hoch in die 
Luft erhebt und stundenlang kreist ohne sich wieder niederzulassen, 
entfernt sich derselbe Abends höchstens auf die Dauer einer halben 
Stunde und kehrt nicht selten zu demselben Baume zurück, von dem 
er verscheucht wurde. 

Die Nahrung der Schreiadler besteht in Egypten aus zahmen 
und wilden Tauben (Columba livia, Turtur senegalensis sive aegyp- 
tiacus), Enten, Gänsen (Anser albifrons nach überzeugenden Beob- 
achtungen), Fischen*) etc. 

Mein Vater hat unter den yon mir aus Egypten mitgebrachten 
Schreiadlern die Aquila naevia nicht, dagegen aber die Pallasische 
Aquila clanga und zwei neue Arten Aquila unicolor und fulvi- 
ventris aufgefunden und diese in der Naumannia (Jahrg. I, Heft 3, 
Seite 22) beschrieben. Ich fühle mich zu wenig Kenner dieser Vögel, 
als dass ich darüber etwas Genügendes sagen könnte. In Bezug auf 
Nahrung, Geschrei, Flug und Betragen ähneln alle Schrciadler ein- 
ander sehr. 

Dass die in Susemihl's Atlas auf Taf. 20 und noch mehr Taf. 21 
unnatürlich sind, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Der Schrci- 
adler hält, auf der Erde sitzend, seinen Körper fast wagerecht; auf- 
gebäumt sitzt er sehr aufrecht da, die Federn gelockert, den Hals 
eingezogen. Die erwähnten Tafeln zeigen Beides nicht, wohl aber 



*) Alle grösseren Arten Adler fressen in Egypten Fisehe. 



11 

Stellungen ausgestopfter Vögel, bei denen der Draht das Unmögliche 
möglich macht. 

Schon eine weit seltenere, jedoch immerhin in Unteregypten keine 
aussergewöhnliche Erscheinung ist die der 

Aquila imperialis, Temm., 

des herrlichen Kaiseradlers. Er kommt .auf dem Manzaleh- und 
Morissee vor, ist ausserordentlich scheu, und desshalb fast ausschliess- 
lich nur an seinem Nachtplatze zu erlegen. Im Allgemeinen hat er 
die Eigenschaften der Vorhergehenden, zeichnet sich aber sogleich 
von diesen durch die Kühnheit, mit der er selbst grosse Thiere an- 
fällt, und dadurch aus, dass er den Fischen sogar nachstellt, wie ich 
von glaubwürdigen Arabern berichtet worden bin. Ein Kaiseradler, 
den wir lange Zeit lebend erhielten , widersprach in der Gefangenschaft 
letzteren nicht; er zog Fische aller übrigen Nahrung vor, zerlegte sie, 
sehr sorgfältig, um seine Mundbissen von den Gräten zu säubern, 
und nagte das Geripp sauber ab. Der Kaiseradler jagt Alles, was 
er bewältigen kann: Gänse, Flamingos, Enten und Löffelreiher dienen 
ihm sehr häufig zur Nahrung, grosse graue und Silberreiher soll er 
nicht angreifen. Wie der vorhergehende frisst auch er frisches Aas 
ohne Bedenken. Er brütet, so viel mir bekannt wurde, nicht in 
Afrika, sondern verschwindet Ende März, um nach seiner Heimath 
zurückzukehren mit den Schreiadlern, in deren Gesellschaft man ihn 
öfters sehen kann. Seine Ankunft fällt in die Mitte des October. 

Taf. 14 des Susemihl'schen Atlasses zeigt die Stellung des auf 
der Erde sitzenden Adlers sehr treu; es ist dies die Stellung, welche 
auch die Schreiadler annehmen, wenn sie auf der Erde, z. B. beim 
Aase, sitzen. Schon aus ziemlicher Entfernung kann man' den Kaiser- 
adler ausser seiner auffallenden Grösse noch dadurch vom Schreiadler 
unterscheiden, dass er beim Gehen ganz sonderbare Sprünge macht, 
was dieser nicht thut. 

Im Fluge kann man unsern Adler in Egypten mit keinem an- 
dern Vogel verwechseln. Der Adlerflug ist charakteristisch und Aquila 
fulva ist in Nord -Ost -Afrika noch nie mit Sicherheit beobachtet wor- 
den. In den Felsgebirgen des peträischen Arabiens kommt er dagegen 
vor, wie wir an mehreren Exemplaren des französischen Naturforschers 
de Malzai sahen, der sich über ein halbes Jahr in Tohr am rothen 



12 

Meere aufhielt. In Egypten scheint, wie gesagt, nur der Kaiseradler 
vorzukommen. 

So scheu und wild sich ein gefangener Kaiseradler im Anfange 
zeigt, eben so sanft und zutraulich wird er später. Mein verstorbener 
Bruder Oskar schoss am 1. Februar 1850 in Fajum ein junges 
Männchen flügellahm. Wir fesselten es an einem um den Fuss ge- 
schlungenen Riemen. Im Anfange war der Vogel, dessen Wunde 
durch den ebenfalls der Wissenschaft zum Opfer gefallenen Dr. Vier- 
thaler kunstgerecht verbunden war, so wild, dass er bei Annäherung 
eines Menschen jedesmal energische Fliehversuche machte, wovon 
seine Wunde jedesmal wieder aufbrach. Schon nach wenigen Tagen 
verschwand diese Wildheit mehr und mehr; nach vierzehntägiger Ge- 
fangenschaft nahm er uns sein Futter aus der Hand. Er trank sehr 
viel Wasser. 

Von den Raubadlern des innern Afrika's, welche bisher unter 
dem Namen der Aquila rapax zusammengestellt wurden, habe ich 
drei sichere Artep erlegt. Ob eine von ihnen mit der schon von 
Rüppell unterschiedenen weissen Aquila albicans zusammenfällt, kann 
ich nicht bestimmen; ich besitze RüppelPs zoologischen Atlas nicht. 
Leider habe auch ich in Afrika diese so verschiedenen Vögel als Aquila 
rapax angesehen und desshalb die verschiedenen Arten nicht ge- 
messen. Dies geschah nur bei denen, welche mir besonders auffielen. 
Ich will hier versuchen, die drei Arten zu beschreiben; bessere For- 
scher mögen dann bestimmen, ob unsere Arten bekannt und schon 
benannt sind oder nicht, denn uns mangeln auch hierzu die nöthigen 
Hülfsmittel, wie sie wohl eine königliche Bibliothek oder ein fürst- 
liches Museum darbieten kann. 

Der Adler, welchen wir für die 

Aquila rapax, Temm., 

halten, ist der kleinste unserer Suite. Aproximative Länge des 
C 2' — ", — '"; vom Bug bis zur Flügelspitze 1' 5"; Schwanz, von 
den Flügeln bedeckt 7y 2 " lang; Wachshaut 8'", Schnabel im Bogen 
mit derselben 2"; Fusswurzel 2y 2 "; Mittelzehe ohne Nagel 1" 9'"; 
Nagel im Bogen 1' . 

Beschreibung. Wir haben die Aquila rapax gewöhnlich in 
dein Kleide angetroffen , nach welchem (wie ich glaube) die Tem- 
mink'schc Beschreibung entworfen worden ist: das ganze Gefieder 



13 

fast einfarbig erdbraun, die obere Seite dunkler als die untere; 
Schwanz bisterbraun, wenig, im Alter fast nicht gebändert; Schwingen 
schwarz; der Oberkopf ins Röthliche scheinend; Iris erzgrau, Füsse 
und Wachshaut gelb, Schnabel hornblau. Jedoch liegt uns noch ein 
Exemplar vor, welches eine, von den gewöhnlichen Raubadlern sehr 
abweichende Färbung zeigt. Ich halte diesen Vogel aber dennoch 
für die wirkliche Aquila rapax, und da ich einen alten Vogel vor 
mir habe, für ein ganz ausgefärbtes Exemplar des Raubadlers. 

Die Oberseite desselben ist im Ganzen röthlich erdbraun, 
der Oberkopf und Nacken roströthlich, die Stirn und Wangen dunkel, 
fast schwarz, ebenso der Mantel, d. h. die langen Schulter- und Ober- 
flügeldeckfedern; die Unterseite röthlich mit breiten, braunen Feder- 
rändern, welche an der Oberbrust dunkler und so breit werden, dass 
die roströthliche Grundfarbe nur als schmaler Schaftstrich erscheint, 
oder sich vorzugsweise auf die Spitze der Federn beschränkt. Die 
Hosen sind rostgelb; der Schwanz ist grau ins Bräunliche, ungebän- 
dert, der Länge der Feder nach schwach gewellt. Grösse die der 
Aquila naevia. 

Wir wollen unentschieden lassen, ob dieser Vogel eine eigene 
Art charakterisirt öder nicht; er darf aber nicht mit dem in der An- 
merkung pag. 24 beschriebenen Adler verwechselt werden. 

Aufenthalt: die Urwälder am blauen und weissen Flusse, bis 
Charthum herab. 

Der Aquila rapax steht in Farbe und Zeichnung unsere 

Aquila raptor, spec. nov. , 

sehr nahe, unterscheidet sich von ihm aber durch ihre bedeutende 
Grösse, denn diese steht zu der der Aquila rapax fast in dem- 
selben Verhältnisse, wie die der Aquila clanga, Pall. zu der der 
Aquila naevia auct.; der Grössenunterschied zwischen den ersteren 
Beiden ist aber noch auffälliger. 

Artkennzeichen: Hauptfarbe erdbraun; Schwung- und 
Steuerfedern ungebändert. 

Aproximative Länge des Männchens: 2' 3"; vom Bug bis zur 
Flügelspitze 4' 7" 6"'; Schwanz besonders gemessen 9" 6'"; Wachs- 
haut 10'"; Schnabel im Bogen mit derselben 2" ()'"; Fusswurzel 3"; 
Mittelzehe ohne Nagel: 2" 2"'; Nagel derselben 1" 2'/*'". Die Flügel 
erreichen die Schwanzspitze. 



14 

Beschreibung. Unser Adler zeichnet sich von allen anderen, 
ihm nahe stehenden Arten sogleich durch seine Grösse aus. Er ist 
der grösste aller Raubadler. Die Zeichnung seines Gefieders ist sehr 
einfach. Die ganze Oberseite ist dunkel erdbraun; die mittleren 
und kürzeren Oberflügeldeckfedern sind lichter; Kopf und Nacken 
sind dunkelerdbraun, in's Roströthliche scheinend; die Spitzen der 
Federn sind heller; Unterrücken und Bürzel sind fahlgrau, ins Weiss- 
graue ziehend; der Oberschwanz ist schwarzbraun; die Spitzen der 
vorderen Schwungfedern sind schwarz, die der mittleren mausegrau, 
die der hinteren schwarzbraun. Die Unterseite ist viel lichter, als 
die obere, fahl erdgraubraun, zum Theil mit schwärzlichen Flecken; 
Kehle und Unterhals sind dunkler; Schwanz- und Flügelfedern ohne 
alle Binden. 

Dieser Adler ist seltener als der vorhergehende, kommt aber mit 
ihm an denselben Orten vor. 

Die dritte Art ist wahrscheinlich die Rüppell'sche 

Aquila albicans. 

Obgleich Schlegel glaubt (Rüppell's Uebersicht der Vögel N. 
O. Afrikas, Vorrede), dass dieser Vogel mit der Aquila rapax, 
Temm. synonym ist, können wir dieser Meinung doch nicht bei- 
pflichten, weil die plastischen Verhältnisse der Aquila albicans sie 
leicht von der Aquila rapax, Temm. unterscheiden. Wir theilen die 
von Reichenbach ausgesprochene Ansicht: „der Begriff einer 
Species ist individuell," allein wir glauben auch, dass es eine 
Grenze giebt, wo die Meinung eines Beobachters aufhört individuell 
zu sein, und zur allgemein gültigen wird. Wir sind überzeugt, dass 
die Aquila albicans, Rüppell, eine eigene, selbstständige Art ist. 
Von einer sogenannten „klimatischen Varietät" kann hier nicht 
die Rede sein, und würden wir uns ohnehin mit diesem schwanken- 
den, in unseren Augen gar nicht zulässigen Begriffe nicht begnügen, 
weil wir geradezu zweifeln, dass das Klima nur sich constant 
bleibende Varietäten hervorbringt. Ebenso gut, als die Pyrgita 
cisalpina, Temm. (syn. Fringilla italia, Viell., Pyrgita italia, Bonap.) 
und die Pyrgita hispanica, Temm. (hispaniolensis, Temm., Pyrgita 
salicaria, Viell et Bp.) früher als klimatische Varietäten gelten konnten, 
und jetzt mit vollem Rechte als gute Species anerkannt worden sind, 
eben so gut dürften sich späterhin noch viele Vögel, welche noch jetzt 



15 

als klimatische Varietäten aufgeführt werden, als Species herausstellen. 
Doch dies nur beiläufig. 

Der Adler, welchen wir für die Aquila albicans, Rüppell, 
halten, ist ungefähr 2' 2" — 3" lang; er misst vom Bug bis zur 
Schwingenspitze 1' 7" (Weibchen); die Schwanzlänge beträgt 9". 
Der Schnabel im Bogen misst 2" 3"', die Wachshaut allein 8'", die 
Mittelzehe ohne Nagel 2" 2'", der Nagel derselben 1" 3'", der 
Lauf 3". 

Artkennzeichen. Bedeutend grösser als Aquila rapax, 
mit viel längeren Zehen und gebänderten Schwung- und 
Steuerfedern. 

Beschreibung. Ein altes Weibchen, welches vom Horste 
abfliegend von mir erlegt wurde, trägt das schlechteste Kleid, was 
ich je bei einem Raubvogel gesehen habe. Ich erwähne dieses dess- 
halb, weil ich mich nicht erinnere, gehört zu haben, dass ein Vogel 
in einem Kleide brütet, bei welchem die Federn nicht bloss abge- 
tragen, sondern so abgerieben sind, dass der ganze Kopf nur von 
Dunen und Borsten — den Ueberbleibseln der Kiele — bedeckt ist. 

Der Oberkörper ist erdbraun, auf dem Kopfe und Nacken sehr 
hell, mit schwärzlichen Schäften und Schaftstrichen, auf dem Mantel 
mit schwarzen Flecken, welche auf beiden Fahnen oder nur auf der 
der äussern stehen. Der Unterrücken ist sehr licht und ungefleckt, 
die Schwungfedern sind schwarzbraun; die vorderen, ihre Wurzeln 
ausgenommen, schwarz; die vorderen nur an der Wurzel, alle übrigen 
auf der innern Fahne weiss oder hellgrau, mit deutlichen 
schwarzen Bändern und Flecken. Der Unterflügel braungrau, 
deutlich schwärzlich gebändert und gefleckt; die Unter- 
flügeldeckfedern hellgrau, grossentheils mit schwärzlichen Schaft- 
strichen, die längsten matt schwarzgrau; die Steuer federn sind 
braunschwarz gebändert. Der Vorderhals weisslich; der übrige 
Unterkörper hell erdgrau, an den frischen Federn ins Aschgraue zie- 
hend, mit schwärzlichen Länge- und verdeckten Querflecken, an den 
Unterbauch- und Unterschwanzdeckfedern ohne sie. 

Ein altes Männchen (erlegt im Januar 1851 am blauen 
Flusse), welches wir zu dieser Art rechnen, ist viel dunkler, auf dem 
Oberkörper dunkelbraun, an den frischen Federn schwarzbraun, an 
den ganz alten erdbraun mit Purpurglanz, an dem Kopfe und Nacken 
dunkel-, an den alten Federn hell erdbraun. Auch an den Ober- und 



16 

Unterflügeldeckfedern ist unser Vogel viel dunkler, grossentheils 
braun, an den unteren heller, an den Steuerfedern noch deut- 
licher gebändert als beim Weibchen; der Unterkörper dunkel 
erdbraun, überall schwarz gefleckt, auf dem ganzen Kopfe braun- 
schwarz, mit hell rostgrauen Schaftflecken. Am Bauche nimmt das 
Braun überhand, das Schwarz zeigt sich nur an den Seiten der Federn 
und fehlt an denen des Unterbauches, den Hosen und Fusswurzeln, 
sowie an den Unterschwanzdeckfedern gänzlich. 

Ein jüngeres, aber schon mehrmals vermausertes Männchen 
ist oben erdbraun, an den frischen Federn dunkel- und schwarz- 
braun, an den Steuerfedern lichter, als bei dem ganz alten Vogel; 
der Unterkörper ist einfach dunkelbraun mit wenigen schwarzbraunen 
Federn. 

Die jungen Vögel sind fast ganz einfach erdbraun, stets mit 
dunkelgebänderten Schwung- und Steuerfedern. 

Unser Adler steht an Grösse der Aquila raptor wenig nach, 
übertrifft hierin die Aquila rapax um ein Dritttheil, wesshalb sie, 
wie schon bemerkt, mit diesen nicht zusammengestellt und als ein 
und dieselbe Art"* betrachtet werden kann. Sie unterscheidet sich von 
dieser aber auch wesentlich dadurch, dass sie nie einen rostgelben 
Kopf und Nacken bekommt (welchen diese im ausgefärbten Kleide 
zeigt) und stets gebänderte Steuerfedern hat, welche bei Aquila 
rapax nur dunkel gewässert erscheinen. 

Von Aquila raptor unterscheidet sie der gestrecktere, aber 
schwächere Schnabel und die dunkeln Bänder an den Schwung- und 
Steuerfedern, welche diesem Adler gänzlich fehlen. In der Farbe 
und Zeichnung scheint er sich wenig zu verändern. 

Im Falle, dass der oben beschriebene Adler — den wir auch 
auf einer Ornithologenversammlung vorlegen werden — nicht die 
Aquila albicans, Rüppell ist, nennen wir ihn Aquila variegata 
L. et Alf. Brehm. 

Die Raubadler bewohnen die an Beute reichen tropischen Wälder 
des obern Niles und seiner drei Zuflüsse: Bahhr el abiad (weisser 
Fluss), Bahhr el asrakh (blauer Fluss) und Atbara (Astaparas der 
Alten, Tahazze einiger Geographen), nähern sich den Dörfern und 
Städten jener Länder ungescheut und sind nicht besonders scheu. 

In Egypten und dem grössten (nördlichen) Theile von Nubien 
habe ich sie nie beobachtet, wesshalb ich an ihrem Erscheinen in 



17 

Europa zweifle. Sie kommen an die ausserhalb der Städte liegenden 
Schlachtbänke, um die Fleischabfälle zu verzehren, welche dort den 
Hunden und Geiern überlassen werden, fressen mit letzteren gemein- 
sam Aas und rauben in den Dörfern Hausgeflügel. Sie fressen das 
Aas grosser Fische und Amphibien eben so gern, wie das der warm- 
blütigen Thiere, und nehmen im Nothfalle selbst mit stinkendem 
Fleische vorlieb. In ihrem Magen fand ich Ueberbleibsel von Tauben 
(wie fangen sie diese wohl?) Erdeichhörnchen (Sciurus palmarum), 
Mäusen und anderen Säugethieren. 

Ihr Flug unterscheidet sie wenig oder nicht von den Schreiadlern,*) 
die sie in Afrika repräsentiren. Sie kommen wie diese Mittags auf 
die Sandbänke im Strome, halten sich dort mehrere Stunden auf, 
fliegen dann auf die Jagd und setzen sich gegen Abend gern auf ein- 
zelne in der Steppe oder den Durrahfeldern stehende Bäume, von 
denen man sie mit der Büchse und selbst mit dem Gewehr ohne 
grosse Mühe herabschiessen kann, weil sie selten auffliegen, ehe der 
Jäger schusss;erecht angekommen ist. 

o o o 

Ich habe mehrere Male ihren grossen Horst aufgefunden, leider 
aber nie daraus Eier erhalten. Er steht auf hohen Mimosen, ent- 
weder mitten im Walde oder an jähen Abhängen der Stromufer, von 
wo sie eine weite Aussicht haben. Man findet in dem sehr stark ge- 
bauten, ganz flachen und etwa 2V 2 — 3' im Querdurchmesser halten- 
den Horste in den Monaten December und Januar ein oder zwei 
Junge in dem bekannten Dunenkleide junger Raubvögel. Sie werden 
in der Gefangenschaft sehr bald zahm und zutraulich; leider gelang 
es mir nicht, sie gross zu füttern.**) 



*) Voigt, in der Uebersetzung des „le regne aniraal" von Cuvier hält die 
Aquila rapax mit der Aquila pomarina Br. für synonym. 

**) In meinem Tagebuche finde ich auch noch einen den Raubadlern nahe- 
stehenden Adler kurz beschrieben, besitze aber. leider das resp. Exemplar nicht 
mehr. Ich will diese Beschreibung der Maasse wegen hier folgen lassen: Länge 
24", Breite 62'/ 2 ", Schwanz besonders gemessen 8" 9'", vom Bug bis zur 
Schwingenspitze 18", Schnabel innen 'd. h. vom Mundwinkel bis zur Schnabel- 
spitze 25'", Schnabel im Bogen 26'/./", Wachshaut 8'", Fnsswurzel 45'", Mittel- 
zehe 25'", Hinterzehe 13'", innere Zehe 17'", äussere Zehe 20'". 

Die Flügel erreichen das Schwanzende. Gefieder dunkelbraun, Schwanz- und 
Schwungfedern schwarzbraun, erstere ohne alle Bänder oder Flecke, Kehle und 
Kopf hellbraun, Bürzel und Steiss mit gelb und braungescheckten Federn. Iris 
erzfarben, Füsse gelb, Wachshaut strohgelb. Schnabel hornblau. Geschlecht: 
Männchen. Jedenfalls ist der Vogel von allen Raubadlern sehr abweichend; ich 
würde ihn sonst auch nicht gemessen haben. 

Naumaonia 1855. 2 



18 
Die von Müller'sche 

Aquila Brehmii 

haben wir als selbstständige, leicht kenntliche Art anerkannt. Es ist 
wohl möglich, dass der Adler schon in den Sammlungen zu finden 
war, ehe wir ihn aus Nord-Ost- Afrika mitbrachten; wenigstens glaube 
ich, dass die le Vaillant'sche Beschreibung des Jugendkleides von 
Spizaetos occipitalis nach der Aquila Brehmii entworfen wurde. Ich 
erlegte meinen Adler zuerst in Kordofahn, und fand ihn später am 
obern blauen Flusse wieder auf. Sein Betragen unterscheidet ihn 
leicht von Spizaetos occipitalis. Nach mehreren Exemplaren können 
wir folgende Beschreibung geben: 

Artkennzeichen. Das ganze Gefieder einfarbig braun; 
im Nacken einige schwarze Federn; der Schnabel schwach 
und niedrig; die Flügel erreichen die Schwanzspitze nicht. 

Beschreibung. 

Maasse: d. Männchens, d. Weibchens. 

GanzeLänge 1'8"2'" 1' 10" 3"* 

Ganze Breite 4' 2" 6" 4' 6" 

Vom Bug bis zur Schwingenspitze .... 1' 3" 1' 4" 

Schwanz besonders gemessen 8" 8"9'" 

Die Flügel lassen von der Schwanzspitze un- 
bedeckt 1" 6'" 1" 9'" 

Schnabel innen 1" 7 l j%" 1" 10'" 

Schnabel längs der Firste im Bogen ... 1" G l /i'" 1" 9'" 

Wachshaut . . . N . . 7'" 8'" 

Lauf . . - 3" 3" 

Mittelzehe ... . . 1" 6'" 1" 8'" 

Innere Zehe 1" 1" 1'" 

Aeussere Zehe 1" 1'" 1" 3'" 

Hintere Zehe 1" 1" 1'" 

Gewicht 1 Pfd 16 Lth. 1 Pfd. 20 Lth. 

Ordnung der Schwungfedern: 4>3 = 5>2>6>1>7>8. 
Farbe der Iris: braun; des Schnabels: schwarz; der Füsse und der 
Wachshaut: zitronengelb. 

Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Unser kleiner Adler 
ist auf der ganzen Oberseite fast gleichartig umbrabraun, im Alter 
dunkler als in der Jugend; die Scapularfedern sind dunkelbraun; die 
Schwingen schwarz; im Nacken stehen einige schwarze Federn; der 



19 

Überkopf ist dunkelbraun. Die ganze Unterseite ist gleichartig hell 
kaffeebraun, die Wange dunkler als das übrige Gefieder; alle Federn 
haben wenig hervorstehende dunkele Schaftstriche. Der Schwanz ist 
oben dunkel-, unten graubraun mit deutlichen Binden; er zeichnet 
sich durch seine bedeutende Länge aus. Die Unterfliigeldeckfedern 
sind am Handgelenk kaffeebraun, nach der Schwingenspitze hin dun- 
kelbraun oder schwarzgraubraun, die Schwungfedern zeigen undeut- 
liche Binden. Die Füsse sind lang und reich befiedert, die Fänge 
schwach, die Nägel aber sehr stark gekrümmt und scharf. Der ganze 
Vogel ist sehr schlank. 

Er lebt in den Wäldern des Ost-Sudahns, südlich des 15. Grades 
der nördlichen Breite, ist wenig scheu und vorsichtig, fliegt rasch und 
sehr gut, und nährt sich von Vögeln und kleinen Säugethieren. In 
der Grösse ähnelt er allerdings dem Spizaetos occipitalis, unterscheidet 
sich von ihm aber (wenn wir einzig und allein die plastischen Ver- 
hältnisse Beider berücksichtigen wollen) sogleich durch seine langen 
Flügel und seinen langen Schwanz. In Ansehung seiner Grösse zeigt 
er einen deutlichen Uebergang von der Aquila naevia zur Aquila 
pennata; in seiner Farbe ähnelt er der Aquila minuta. Ueber die 
beiden letzteren will ich noch Einiges mittheilen: 

Es gelang mir durch vielfache, während mehrerer Jahre eifrig 
fortgeführte Jagden, eine Reihefolge dieser niedlichen und seltenen 
Adler zusammenzubringen, wie sie keine Sammlung aufzuweisen hat. 
Zwei gepaarte Paare haben uns gezeigt, dass die südlicher wohnenden 
gestiefelten Adler von den in Egypten (?) und Europa brütenden ein 
wenig verschieden sind, worauf ich jedoch nicht eingehen will,*) weil 
wir lieber die Aquila minuta, Brehm, näher berücksichtigen wollen. 
Ich schicke voraus, dass ich von allen Zweiflern an der Selbststän- 
digkeit dieser Art der ärgste gewesen bin. Im Jugendkleide unter- 
scheidet sich die Aquila pennata so wenig von der Aquila minuta, 
dass mir meine Zweifel vollkommen begründet erschienen. Ich hatte 
ungefähr acht Stück junge Aquila pennata in Händen, von denen 
jedes die Aquila minuta sein konnte, und war in Egypten wirklich 
nicht im Stande, die Aquila minuta nach meines Vaters Beschreibung 
aus den jungen gestiefelten Adlern herauszusuchen. Aber ich bin 



*) Sie haben unter Anderm regelmässig einen bellen Fleck an der Seite des 
Schnabels. 



20 

bekehrt worden, und halte jetzt die Aquila minuta, Brehm, für 
eine eigene gute Art. Zuerst war es mir, und ich glaube wohl 
auch fast allen zur Ornithologcnversammlung in Altenburg gegen- 
wärtigen Vogelkennern sehr einleuchtend, dass die beiden, am Horste 
erlegten Zwergadler, welche der Herr Graf Dziednszycki aus Gali- 
zien nebst ihren Eiern vorzeigte, keine jungen Aquilae pennatae sein 
konnten. Nach allen bisher gemachten Erfahrungen sind die Männ- 
ehen der Raubvögel nicht zeugungsfähig, bevor sie das 
ausgefärbte Kleid tragen. Die Weibchen brüten, wie wir wissen, 
ebenfalls nur sehr selten im mittlem Kleide. In der Riesensamm- 
lung meines Vaters finden sich nur vier Habicht w T eibchen, ein 
Sperberweibchen und ein Thurmfalkenweibchen, welche in 
ihrem mittlem Kleide brüteten. Ein nicht ausgefärbtes Männchen 
ist von meinem Vater und seinen ornithologischen Freunden nie am 
Horste erlegt oder auch nur gesehen worden. Es konnte desshalb 
nach dem für die Wissenschaft bedeutungsvollen Ereignisse, dass 
meines Vaters Aquila minuta brütend gefunden wurde, an ihrer Exi- 
stenz und Selbstständigkeit nicht mehr gezweifelt werden. 

Aber ein ebenso günstiges Resultat für die Richtigkeit der Ent- 
deckung meines Vaters ergaben die von mir in Egypten erlegten 
beiden Exemplare der Aquila minuta, ein Männchen und ein Weibchen. 
Das Weibchen zeigt evident das dritte Kleid unseres Vogels,*) 
und damit das Unterscheidungsmerkmal beider kleinen Adler: 

Dass die dunkelkaffeebraune Aquila pennata im Alter 
immer lichter, die dunkelkaffeebraune Aquila minuta im 
Alter immer dunkler wird. 

Demnach ist auch das Männchen, welches mein Vater**) für 
zweijährig hält, ein alter Vogel, und da dieser kurz nach der Mauser 
im schönsten Kleide erlegt ist, unterscheidet er sich von den beiden 
gepaarten Zwergadlern Dzieduszycki's nur dadurch, dass er noch 
nicht, wie diese, ausgebleicht, sondern ganz dunkel ist. Auch mein 
Vater ist jetzt davon überzeugt, weil ihn eine sehr genaue Unter- 
suchung der Vögel eines Bessern belehrt hat. Ich halte es nicht 
für überflüssig, nochmals die Beschreibung der 



*) Nicht das zweite, wie mein Vater angiebt (Caban. Journ. f. Ornithologie, 
1853. Seite 202). 

**) Ebendaseihst. 



21 



Aquila minuta, ;Brehm. 

hier zu geben. 

Altkennzeichen. Mittlere Länge des Männchens 18", 
des Weibchens 19 l / 2 > die Spannhaut zwischen der äussern 
und mittlem Zehe gross, Hauptfarbe und Flügelrand 
stets braun. 

Das ausgefärbte Männchen. Der Kopf und Nacken matt 
rostbraun, mit schwärzlichen, auf dem Vorderkopf besonders vortre- 
tenden Längeflecken, um das Auge ein deutlicher, schmaler, schwarzer 
Ring; der Mantel dunkelbraun, mit weissen Flecken an der Einlen- 
kung (Oberschulter) des Flögeis, an den längeren Schulterfedern 
schwarzbraun, an den kürzeren, den meisten Oberflügeldeck- und 
hinteren Schwungfedern erdbraun; die Mitte des Oberrückens und 
der Bürzel, wie die meisten Schwungfedern schwarzbraun, die letz- 
teren auf der innern Fahne und an der Spitze lichter, mit vier 
schwarzen Querbinden; die Schwingenspitzen schwarz; die Ober- 
schwanzdeckfedern fahl erdfarben; der Schwanz mattbraun, mit drei 
bis vier deutlichen, schwärzlichen Binden und hellerer Spitze; der 
Unterflügel grossentheils schwarzgrau, an seinen Deckfedern braun 
und schwarzbraun. Der Unterkörper gleichförmig sehr dunkelbraun, 
mit schwärzlichen Backen und kaum bemerkbaren dunkeleren Schaft- 
strichen; an den Hosen, Fusswurzeln und Unterschwanzdeckfedern 
heller. , 

Das alte Weibchen ist auf dem Unterkörper lichter, sehr 
dunkel kaffeebraun, mit deutlich hervortretenden schwarzen Schaft- 
strichen. 

Das Jugendkleid ist durchaus lichter, auf dem Kopfe heller 
rostfarben mit mehr hervortretendem Schwarz auf dem Vorderkopfe, 
lichteren Oberflügeldeck-, hinteren Schwung- und mittleren Schulter- 
federn , und viel hellerm Unterkörper, — denn dieser ist kaffeebraun 
mit sehr deutlichen breiten Schaftstrichen — und weniger deutlich 
gebänderten Steuerfedern. 

Die Aquila minuta unterscheidet sich demnach in allen Kleidern 
mehr oder weniger von der Aquila pennata, mit der sie überhaupt 
nur in der Jugend verwechselt werden kann. Und dieses ist ja bei 



22 

mehreren Vögeln, z. B. bei Haliaetos albieilla et leucocephala, Circus 
pallidus et cinereüs etc. der Fall. 

Aufenthalt. Der Zwergadler ist gewiss schon mehrere Male 
in Deutschland vorgekommen. Er brütet in Galizien, geht auf dem 
Zuge durch Egypten, — wohin, ist mir unbekannt — und kehrt 
Mitte März dahin zurück, hält sich in kleinen Gesellschaften oft mit 
der Aquila pennata vereinigt, und bleibt einzeln vielleicht auch den 
Sommer über dort, um zu brüten. Die Aquila pennata wohnt wahr- 
scheinlich südlicher. 

Betragen wie bei Aquila pennata, wovon weiter unten. 

Die 

Aquila pennata, Cuv. 

ist von meinem Vater in Cabanis Journal f. Ornith. 1853, Seite 202 
u. ff. bereits in allen Kleidern, und so genau beschrieben worden, dass 
mir hier Nichts zu thun übrig bleibt. Ich will zur Vergleichung mit 
Aquila minuta das Artkennzeichen und ausserdem noch die genauen 
Maasse beifügen. 

Artkennzeichen. Länge des Männchens 18 — 18y 2 ", 
des Weibchens 19y 4 — 20"; die Spannhaut zwischen der 
äussern und mittlem Zehe klein, der Flügelrand mit viel 
Weiss gemischt oder ganz weiss; Hauptfarbe in der Jugend 
braun, im Alter unten weiss oder gelblich weiss. 

1. Maasse eines gepaarten Paares (erlegt am 12. December 
1850 unterhalb Sennahr am blauen Flusse). 

Männchen. Weibchen. 

Ganze Länge ....'' 1' 6" 6'" 1' 7" 9"' 

Ganze Breite 3' 7" 6'" 3' 11" 

Vom Bug bis zur Spitze des Vorderflügels . 1' 1" 9'" fehlt. 

Schwanz besonders gemessen 7" 3'" 7" 6'" 

Schnabel längs der Firste des Oberschnabels . 1" 7'" fehlt. 

Wachshaut ß'/V" fchlt - 

Fusswurzel 2" T" 2" 8'" 

Mittelzehe . . . . 1" 6"' , 1" 6'" 

Innere Zehe 1" 1'" 1" 1'" 

Hintere Zehe 1 1 1 / 2 / " 12'" 

Aeussere Zehe 1" 1'" 1" 1'" 



23 

2. Maasse eines gepaarten Paares (erlegt am 22. März 1852 
unterhalb Minnieh in Egypten). 

Männchen. Weibchen. 

Ganze Länge 1' 6" • 1' 8"* 

Ganze Breite 3' 8" • 4' 

Schwanzlänge 7" 7 3 /*" 

Flügel vom Bug bis zur Spitze der längsten 

Schwungfeder 1' 1" 6'" 1' 2" 6'" 

Höhe der Fusswurzel 2" 2'" 2" 4'" 

Länge der Mittelzehe 1" 8'" 1" 10'" 

„ „ innern Zehe «. 1" 1'" 1" 1'"' 

„ „ hintern Zehe ....... tt%'«" 1" */«** 

„ „ äussern Zehe 1" 3'" 1" 4'" 

Die Flügel von der Schwanzspitze unbedeckt . 8'" 12'" 

3. Maasse eines jungen Männchens (erlegt am 22. März 1852 

in Egypten). 

Länge *. 17" 6"' 

Breite 3' 8" 

Länge des Schwanzes (besonders gemessen) . . . 7" 

Vom Bug bis zur Spitze der längsten Schwungfeder 13" 

Höhe der Fusswurzel 2" 2'" 

Mittelzehe 18'" 

Hinterzehe . § X ]>z" 

Innere Zehe 12'" 

Aeussere Zehe ' . . 14'" 

Schnabel längs der Firste 15"' 

Wachshaut allein 5'" 

Ordnung der Schwungfedern: 5 > 4 > 3 > 6 > 2 > 7 > 1 > 8 
> 9 ff. Der Schwanz überragt die zusammengelegten Flügel um 
1 bis . 1%". 

Die Farbe der Iris ist helle rzfarben (fast wie Messing); die 
des Schnabels an der Basis hellblau, an der Spitze schwarz, 
die der Füsse citronen-, die der Wachshaut strohgelb. 

Der gestiefelte Adler kommt in ganz Nord-Ost-Afrika einzeln, 
auf seinem Zuge öfters aber auch in Gesellschaften von acht bis zehn 
Exemplaren vor. Einzelne Pärchen mögen wohl das ganze Jahr in 
Egypten bleiben, etwas Gewisses kann ich freilich darüber nicht 
sagen. Auf dem Zuge bezieht er die Palmenwälder am Nile, jagt in 
den Feldern nach kleinen Säugethiercn und Vögeln, und vereinigt sich 



24 

gegen Abend an bestimmten Schlafplätzen. Er ist niemals scheu, 
und desshalb leicht zu erlegen. Im Flug und Betragen ähnelt er 
den ächten Adlern so sehr, dass man ihn bald erkennt; ein geübtes 
Auge unterscheidet selbst die jüngeren Vögel und die ihnen ähnlich 
gefärbte Aquila minuta leicht von dem überall gegenwärtigen, häu- 
figen Milvus parasiticus. Er gehört zu den zierlichsten Raubvögeln, 
die ich kenne, und ist für den Ornithologen stets eine höchst erfreu- 
liche Erscheinung. Die Araber nennen ihn zum Unterschiede von 
Milvus parasiticus, welcher Hitaie heisst, Hitaie el abiad, d. i. weisser 
Milan. Wahrscheinlich wird er in Egypten selbst von Kennern oft 
mit diesem verwechselt. 

Aquila Bonelli 

ist einer der seltensten Vögel Nord-Ost-Afrika's. Ich erinnere mich 
ihn während der ganzen Zeit meines Aufenthalts daselbst kaum acht 
Male gesehen zu haben. Nur fünf Exemplare dieses Vogels sind mir 
zu Händen gekommen. Er ist in Egypten eben so selten, als in 
Nubien oder in Sudahn, geht auf seinem Zuge sehr weit südlich und 
folgt dem Laufe der Flüsse, da er ebenfalls ein grosser Fischlieb- 
haber ist. 

Zu der in Cabanis Journal f. Ornith.*) von meinem Vater ge- 
gebenen Beschreibung dieses Adlers gebe ich hier die Maasse (Pariser) : 

fem. adlt. masc. juv. 

Länge 2' 2' 

Breite 4' 6" ■<-. 4' 4" 

Schwanz besonders gemessen 9" 9'" 9"6"' 

Vom Bug bis zur Spitze der vierten Schwung- 
feder 15" 6"' 15"- 

Schnabel längs der Firste des Oberschnabels 

im Bogen 2" 1" 9'" 

Wachshaut 7'" 6'" 

Unterschnabel vom Kieferastwinkel an . . 8"' 7"' 
Schnabel innen, d. h. vom Mundwinkel bis zur 

Spitze des Oberschnabels ... 1" 9"' 1" 8'" 

Höhe der Fusswurzel ......... 3" 9'" 3" 4'" 

Mittelzehe ohne Nagel 2" 4'" 2" 3'" 

Nagel derselben im Bogen 1" 4'/./" 1" 3'" 

Hinterzehe (ohne Nagel) l" •"'" i" 8 

*) Jahrgang 1853, Seite 204 und 205. 



25 

fem. adlt. masc. juv. 

Nagel derselben im Bogen 2" 1"' 1" 8'" 

Aeussere Zehe ohne Nagel 1" 10'" 1" 9'" 

Nagel derselben ....:. * . . 1" 2'" 1" 

Innere Zehe ohne Nagel 1" !)'" \' 4 '$ ,4i 

Nagel derselben 1" 10'" 1" 9'" 

Gewicht (Wiener) 2 Pfd. 16 Lth. 2 Pfd. 8 Lth. 

Farbe der Iris rothbraun. erzfarben. 

„ des Schnabels schwarz. blauschwarz. 

,, der Wachshaut ....:.. grünlichgelb. hellgelb. 

„ der Füsse blassgrünlich- strohgelb. 

gelb. 

Aufenthalt. Egypten, Nubien, Sennahr, Kordofahn, der weisse 
und blaue Fluss (laut Exemplaren der von mir und dem Kaufmann 
Nikola Ulivi zusammengebrachten Sammlung), Abyssinien etc.; überall 
selten. Wälder an Flüssen und Strömen sind sein Wohnsitz. 

Nahrung. Zahme und wilde Tauben und andere Vögel, Säuge- 
thiere. Fische etc. 

Betragen. Scheu und vorsichtig; ziemlich schneller, dem eines 
Habichts nicht unähnlicher Flug; aufrechte Stellung beim Aufbäumen 
auf den hohen Wipfeln der Palmen und Mimosen. Geschrei mir un- 
bekannt. 

So viel ich weiss, nicht in Nord-Ost-Afrika brütend. 

Ihm steht nahe die 

Aquila Wiedii, nobis, spec. nova. 

Der Adler Sr. Durchlaucht des Prinzen Maximilian von Wied- 
Neuwied. 

Artkennzeichen. Die zusammengelegten Flügel lassen 
von der Schwanzspitze 2" 3'" unbedeckt; die Schwung- 
federn erster Ordnung sind von der Wurzel an gebändert; 
die Steuerfedern des alten Vogels sind der Länge nach 
braunschwarz gebändert und gewässert; Breite des alten 
Weibchens 5' 1" Pariser Maass. Das Jugendkleid ist unten 
gefleckt. Das Gefieder ist am Körper sehr locker, die ein- 
zelnen Federn sind lang.*) 



*) Artkennzeichen von Aquila Bonelli: die Flügel endigen 4" 
3 — fi " ' vor der Schwanz« pitze; die Schwungfedern erster Ordnung 



26 

Ausführliche Besehre ibun»;. 
Maasse eines mittelalten Weibchens: « 

Ganze Länge 2' — " 6' ' 

Breite 5' 1" 

Flügelbreite (vom Bug des Handgelenks bis zur Spitze 

der längsten Schwinge) 11 5" 9"' 

Schwanz besonders gemessen 10" — '" 

Die zusammengelegten Flügel erreichen die Schwanz- 
spitze bis auf 2" 3'" 

Höbe der Fusswurzel 3" 9'" 

Mittelzehe ohne Nagel 2" 5'" 

Nagel derselben im Bogen 1" 3"' 

Hinterzehe ohne Nagel 1" 3'" 

Nagel derselben im Bogen 1" 9"' 

Innere Zehe ohne Nagel 1" 4'" 

Nagel derselben im Bogen 1" 9'" 

Aeussere Zehe ohne Nagel 1" 10'" 

Nagel derselben im Bogen 1" 1'". 

Schon die Gestalt unterscheidet unsere Aquila Wiedii auf den 
ersten Blick von Aquila Bon eil i. Während diese sich durch die 
Bildung des Schnabels und der Füsse den Habichten nähert, ist unsere 
Aquila Wiedii ein ächter Adler. Als solchen charakterisiren ihn 
ausser dem näher zu beschreibenden Schnabel seine viel längeren Flügel. 
Er verbindet die Edeladler mit den Habichtsadlern (Aquila 
Bonelli, limnaetos etc., für welche Gruppe wir den Gattungs- 
namen Astur aetos vorschlagen möchten), ist aber wahrscheinlich 
immer für eine Aquila Bonelli im mittlem Kleide gehalten 
worden. 

Pie Schnäbel beider Arten zeigen auffallende Unterschiede, 
mag man sie nun von oben, von 'der Seite oder von unten ansehen. 
Bei Aquila Bonelli ist der Schnabel kurz, schon auf der Wachshaut 
etwas, vor ihr aber sehr stark gekrümmt, mit kurzem, kaum 4'" lan- 
gem Haken, bei Aquila Wiedii hingegen ist er gestreckt, auf und 
vor der Wachshaut wenig, dann plötzlich in den auffallend überragen- 
den, 6'" langen Haken gekrümmt. 



sind in allen Kleidern an der Wurzel ungefleckt; die Steuerfedern 
des alten Vogels haben schwarzbraune Querbinden; Breite des 
alten Weibchens 4' 6". Das Jugendkleid ist unten ungefleckt, fast 
einfarbig. Das Gefieder ist sehr knapp, die einzelnen Federn der 
Unterseite sind kurz. 



27 

Auf dem Oberkörper ist unser Adler braun, auf dem Kopfe 
mit kaum merklichen, auf dem Nacken und an den Halsseiten mit 
deutlichen rostbraunen Federkanten. Die Schwungfedern, von denen 
die 2., 3., 4., 5. und 6. in der Länge wenig verschieden sind — 
die 6. ist kaum, die 2. wenig kürzer als die andern — und desswegen 
einen stumpfen Flügel bilden, sind dunkel-, die vorderen schwarz- 
braun, diese zum Theil mit schwarz- oder tiefaschgrauen Querflecken 
und auf der Kante der innern Fahne mit viel Weiss, auf welchem 
6 bis 7 wenig begrenzte, aber sehr deutliche schwarze 
Querbinden und viele solche Flecken stehen; die tiefbraunen 
Schwungfedern zweiter Ordnung haben nur hellere, tiefaschgraue 
Flecken und keine Binden. Dadurch bekommt der Unterflügel ein 
ganz anderes Ansehen, als bei Aquila Bonelli. Bei dieser ist er 
an seinen Schwungfedern, die dunkle Spitze und Kante ausgenommen, 
rein gelblichweiss, bei Aquila Wiedii hingegen sind die 
Schwungfedern der ersten Ordnung hellaschgrau, überall 
schwärzlich in die Quere gestreift, und die der zweiten Ord- 
nung grossentheils schwarzgrau, weissgrau gewässert, wodurch 
dieser Theil des Flügels ein sehr dunkles Ansehen bekommt. Die 
Unterflügeldecken sind meist weisslich, schwarzbraun gefleckt; einige 
unter dem Handgelenke sind schwarz und bilden einen schwarzen 
Flecken. Die Steuerfedern sind tiefasch- oder schwarzgrau, mit 1" 
breiter, gelblich weiss eingefas*ster , dunkler Spitze, auf der innern 
Fahne rostgelblichweiss mit unvollkommenen schwärzlichen Querflecken 
und Längestreifen. 

Der Unterkörper ist rostbräunlich mit Rostgelblichweiss gemischt 
und mit schwarzbraunen Längestreifen und grauschwarzen Quer- 
flecken. Die Schienbeine sind rostgraubraun und dunkelbraun ge- 
mischt, und die Fusswurzeln gelblichgrauweiss mit braunen Schäften. 
Dieses ist das mittlere Kleid. 

Im Jugendkleide sind die Schwungfedern der zweiten Ord- 
nung braun, auf der innern Fahne grossentheils weiss, ohne dunkle 
Spitzenkante, welche A. Bonelli hat, mit sieben schwärzlichen Quer- 
binden; die Steuerfedern sind hellbraun, auf der innern Fahne rost- 
gelblich, oder rostgelblichweiss mit sechs bis sieben schwarzbraunen 
Querbinden und schmaler eben solcher Spitzenkante. Der Oberkörper 
ist braun, der Unterkörper rostgelb und rostgelblich, wenigstens an 



28 

der Brust und dem Bauehe, an jener mit schwärzlichen Längestreifen, 
besonders von der Wurzel an, an diesem fast oder ganz ungefleckt. 

Im ausgefärbten Kleide ist der Oberkörper schwarzbraun, 
der untere grossentheils weiss und gelblichweiss* mit schwärzlichen 
Schäften oder Seitenflecken, an manchen rein weissen Federn mit 
braunschwarzen Spitzenflecken. 

Unser Adler weicht also in jedem Kleide von Aquila Bonelli 
auch in der Farbe und Zeichnung ab. Wenn wir uns recht erinnern, 
besitzt der Herr Hauptmann Kirchhoff auf Schäferhof bei Nienburg 
a. W. einen unserer Aquila Wiedii ähnlichen Vogel unter dem 
Namen Aquila Boncllj, dem er in der Länge und der Gestalt der 
Fänge allerdings sehr ähnelt. 

Vorliegende Beschreibung wurde mit Hülfe meines Vaters nach 
einem das mittlere Kleid im Uebergange zu dem ausgefärbten tragen- 
den Weibchen entworfen, welches am 17. November (1851) im pe- 
träischen Arabien, unweit des Fleckens Töhr am rothen Meere, von 
Beduinen gefangen worden war. Nachdem ein französischer in Töhr 
sich aufhaltender Naturaliensammler unsern . seltnen Vogel nicht be- 
achtet, mein Freund Heuglin ihn aber geradezu verschmähet hatte, 
kaufte ich ihn für — einen Piaster oder zwei Silbergroschen unseres 
Geldes. 

Wir bezweifeln nicht im Geringsten, dass die Aquila Wiedii 
nicht nur der Fauna Westasiens und Nord-Ost-Afrika's, sondern auch 
der Süd- und Ost-Europa's angehört. 

(Furisclzung folgt.) 



29 



Nr. 2. 



Planmässiges Sammeln der Vögel und planmässiges 
Ausstopfen und Stellen derselben. 



Hierzu zwei Tafeln. 

Von 

ßcrnanl Altnm. 



Unter planmässigem Sammeln verstehe ich ein derartiges Sam- 
meln, das mit bewusstem Hinstreben zu einem bestimmten, von vorn 
herein vorgesteckten Ziele unternommen und fortgesetzt wird. 

So wie der Anlass zur Anlegung einer Vogelsammlung gar ge- 
wöhnlich ein rein zufälliger ist, so ist es ebenfalls gar gewöhnlich der 
Zufall, der zur Vergrösserung und Erweiterung der Sammlung die 
betreffenden Vögel darbietet. Manche Geistliche, nämlich Landgeist- 
liche, manche Forstleute, Beamte, Kaufleute, Studenten etc. haben der- 
artige Sammlungen. Es befinden sich darin ausser den überall oder 
an dem jedesmaligen Orte häufig vorkommenden Vögeln auch ge- 
wöhnlich einzelne grössere imponirende Stücke, etwa Haliaetos albi- 
cilla, Aquila fulva, Pandion haliaetos, Otis tarda, Grus cinerea etc., 
einzeln auch wohl eine oder andere Seltenheit. Von den meisten 
Species sind 1, 2, 3, selten mehre Exemplare vorhanden. Man sieht 
auf den ersten Blick, dass der Sammler nach hübsch vermauserten 
alten M. gegriffen hat; die Weibchen sind schon weit weniger ver- 
treten, Jugend- und Nestkleider fast gar nicht repräsentirt. Es liegt 
freilich nahe und ist desshalb verzeihlich, dass man sein Augenmerk 
eben auf grosse, schöne, die Sammlung hebende Exemplare richtet. 
Als ich einst als Gymnasiast auf dem Markte meiner Vaterstadt 
Münster einen Rallus aquaticus iuv. fand, verschmähte ich es, diesen 
Nestvogel, der, noch nicht einmal ausgewachsen, mir ein zu hässliches 
Kleid bot, für meine Sammlung zu kaufen. Aber fragt man: was 
kommt denn bei solchen Sammlungen eigentlich heraus? welchen 
Nutzen kann die Wissenschaft daraus ziehen? so möchte die Antwort 



30 

* 

wohl nicht sehr günstig ausfallen. Eine solche Sammlung ist nichts 
Halbes und nichts Ganzes, man findet darin stets nur Allbekanntes, 
allenfalls ist irgend eine Notiz der Provenienz eines Vogels von einigem 
Interesse. 

Die erste Sammlung, in der ich bei fast vollständiger Vertretung 
die europäischen Species, die verschiedenen Kleider eines und dessel- 
ben Vogels in zum Theil ausgedehnter Weise mit gründlicher Kennt- 
niss ausgewählt fand, ist die des jetzigen Majors v. Zittwitz in Glogau, 
damals Hauptmann zu Münster, dieselbe, in der sich ausser anderen 
Seltenheiten, z. B. Regulus proregulus, auch die von mir früher be- 
schriebenen und abgebildeten kleinen Schwäne befinden. Seine Suiten 
von Blaukehlchen, Bachstelzen, Ammern, Schneehühnern, Gänsen etc., 
die offenbar Zeugniss davon ablegen, dass die Sammlung planmässig 
bewusst completirt ist, bieten dem Kenner hohes Interesse. Mit Ver- 
gnügen habe ich manche Stunde bei den meisterhaft ausgestopften 
Vögeln dieser Sammlung zugebracht, während bei so manchen anderen 
Sammlungen ein einziges flüchtiges Durchgehen derselben genügt, 
um sich von dem Inhalte derselben zu instruiren. Allein wie diese, 
so wird jede Universal-Sammlung der europäischen oder auch der 
deutschen Vögel (nur diese, nicht die Exoten, habe ich bei dieser 
Abhandlung im Auge) stets mehr oder weniger unvollkommen 
bleiben müssen, auch bei noch so grossen Opfern und noch so ange- 
strengtem Fleisse. Die Sammlung des Herrn Pastor Brehm, von 
der er ja selbst sagt, dass keine derartige in der ganzen Welt existire, 
zeigt gewiss die Wahrheit, dass nur in höchst seltenen, durch die 
mannigfachsten Umstände begünstigten Fällen ein derartiges Ziel zu 
erreichen ist. Und doch ist diese Erreichung für die Wissenschaft 
durchaus nothwendig. Der genannte eminente Forscher verweiset bei 
seinen Species und Subspecies stets auf seine Sammlung und ge- 
wiss mit Recht. Niemand kann seine Behauptungen und Ansichten 
gehörig würdigen, der nicht seine Sammlung kennt. Wenn jedoch 
eine derartige Sammlung nur in den allerseltensten Fällen erreicht 
werden kann, so ist dasselbe Ziel nichtsdestoweniger und zwar in 
einem vielleicht noch umfangreichern Maasse, mit noch grösserer 
Gründlichkeit, noch mehr Notizen für die Wissenschaft auf einem 
andern Wege zu erreichen: Man sammle nämlich nicht Alles, 
sondern nur ein einziges Genus, oder falls dieses arm an Arten 
ist, und die Arten arm an Verschiedenheiten, einige wenige ver- 



31 

wandte Genera. Man wird auf diese Weise freilich nicht multa, 
aber multum sammeln. Geschieht dies von Mehreren, so werden sich 
bald die verschiedenen Gattungen (Gattung und genus sind Wechsel- 
begriffe) so umfangreich in einzelnen Sammlungen vertreten finden, 
dass man zur Beleuchtung so vieler Neuheiten den Satz: audiatur et 
altera pars angewendet finden kann. Ein solches Sammeln ist dann 
von selbst schon ein planmässiges , bewusstes, man weiss, was man 
will und wohin man will. Man nimmt nicht indiscret, was Zufall, 
günstige Gelegenheit, Tausch und Kauf bietet, wählt nicht bloss schön 
gefärbte, frisch vermauserte Exemplare aus, sondern man sammelt 
einzig das noch Fehlende. Man steckt sich von vorn herein be- 
stimmte Grenzen und sucht innerhalb dieser Grenzen eine erschöpfende 
Vollkommenheit zu erreichen. Man beschränke sich dann nicht, alle 
möglichen Kleider aus einer Gegend zu besitzen, sondern dehne das 
Acquiriren der betreffenden Gattung auf alle Länder aus, wo sie nur 
Repräsentanten findet. So müssten die einzelnen Gegenden aller 
europäischen Länder, des angrenzenden Asiens und Afrika's etc. durch 
möglichst viele Exemplare aller Altersstufen der beiden Geschlechter, 
durch Winter- und Sommerkleider, durch frisch und halbvermauserte, 
durch Exemplare kurz vor der Mauser etc. etc. vertreten sein. Zu- 
fällige Abänderungen, gewöhnlich Varietäten genannt, bildeten dann 
angenehme interessante Zugaben und Glanzpunkte dar. 

Dass ein solches Sammeln kein stabiles ist, dass Hunderte, ja 
Tausende von Exemplaren oft kaum eine Vollständigkeit herbeiführen 
würden, ist klar. Aber von welchem Interesse, von welchem Nutzen 
für die Wissenschaft wäre nicht eine derartige Specialsammlung, z. B. 
aller europäischen Falken,. Anthus, Sylvien (im weitesten Sinne), 
Drosseln, Enten, Möven etc. ! — Dann könnten instructive Arbeiten 
geliefert werden, ähnlich wie z. B. die „über die europäischen Pieper" 
vom Herrn Pastor Zander (Naumannia 1854, L), aber ungleich um- 
fangreicher, mit Berücksichtigung der Subspecies etc.; dann kann die 
Feststellung und Begrenzung von Arten und Unterarten, dann der 
Einfiuss, den Localität, Temperatur, Nahrung, Luft, überhaupt den 
alle geographischen, physikalischen und meteorologischen Eigentüm- 
lichkeiten ausüben, fest bestimmt, es könnte ferner nachgewiesen wer- 
den, welche Abweichungen eben nicht durch die genannten Einwir- 
kungen zu Stande gekommen, sondern die rein zufällig, individuell 
seien etc. 



32 

Es Bei bei der dringlichen Anempfehlung solcher Specialsannn- 
lungen nun nicht gesagt, dass andere Vögel gar nicht gesammelt 
werden dürften; freilich ja, warum auch nicht? Aber es niüsste die 
sonstige Sammlung, die dann meist aus solchen Exemplaren bestände, 
die der günstige Zufall dem Sammler auf leichte und billige Welse 
bietet, stets nur die Nebensammlung bilden. Die Exemplare dieser 
letzten sind dann namentlich als Tauschgegenstände zum Zweck 
der Vervollkommnung der Hauptsammlung gut zu ver- 
wenden. Abgesehen davon, dass eine solche mit Umsicht und Be- 
wusstsein angelegte und fortgesetzte Specialsammlung viel geringern 
Kostenaufwand und in den meisten Fällen auch viel beschränktere 
Räumlichkeit in Anspruch nimmt, ist sie, wie gesagt, von hohem 
wissenschaftlichen Interesse. 

Mit dieser muss sich dann ferner eine auf denselben Umfang be- 
rechnete Eiersammlung aller betreffenden Species und Subspecies ver- 
binden, wenn man die wissenschaftliche Vollständigkeit erschöpfen 
will. Die Oologie hat, um Bekanntes nochmals zu wiederholen, in 
neuerer Zeit nicht Erwartetes geleistet. Für Feststellung von Arten, 
für die Systematik etc. ist sie von entschiedenem, ja von entscheiden- 
dem Momente gewesen. Wer z. B. zweifelt, dass Coracias garrula 
den Meropideen näher als den Krähen stehe, dass Grus cinerea und 
virffo eher zu den Rallen als zu den Reihern zu zählen ist, dass von 
den Ammern inelanocephala und nivalis sich enger als die übrigen 
an die Lerchen anschliessen, dass unter den Rohrsängern turdina, arun- 
dinacea und palustris, ferner pliragmitis, cariceti und aquatica, end- 
lich fluviatilis, luscinioides und locustella zusammen gehören, dass die 
Hypolais- Arten sich von den übrigen Laubvögeln trennen und sich 
eng an einander anschliessen etc. etc., — der betrachte nur ihre Eier. 
Man verbinde also mit einer derartigen Specialsammlung der Bälge 
der Vögel die ihrer Eier. Dass die Oologen schon längst in bezeich- 
neter Weise sammeln, dass sie sich nicht begnügen mit einem oder 
anderm, etwa grossem, recht schön gefärbtem Ei eines Vogels, son- 
dern einer Menge in den verschiedensten Ländern gesammelter Eier 
bedürfen, um zu sicherm Resultate zu kommen, ist bekannt. Ich will 
gewiss der Manie, womit Unberufene schonungslos so viele Nester 
lieblicher Sänger und nützlicher Vögel zerstören, nicht das Wort 
reden, sondern ich wünsche recht sehr, dass dieser Habsucht, die- 
ser Zerstörungslust, dieser Schadenstifteret, die viel weiter reicht, 



33 

als es die Unwissenheit und Kurzsichtigkeit bercehnet, so vieler 
Schüler von Gymnasien, Elementar-, Bürger-, Realschulen etc. etc. 
von oben herab auf energische Weise Einhalt geboten würde; aber 
eine in genannter Weise angelegte Specialsannnlung, verbunden mit 
einer derartigen Vogelsammlung würde verhältnissmässig des Schäd- 
lichen so wenig und des für die Wissenschaft Förderlichen so über- 
wiegend viel enthalten, dass gewiss Jeder, der unparteiisch die Sache 
betrachtet, nichts dagegen einzuwenden haben kann. 

In manchen anderen, freilich nicht hierher gehörigen Branchen der 
Naturwissenschaft sammelt man ebenfalls in der genannten Weise, 
man sucht möglichst viele Individuen aus allen betreffenden Ländern 
in eine Sammlung zu vereinigen, und ist schon längst zu sicheren Re- 
sultaten gekoinmnn, so dass man es dort nicht mehr nothwendig hat, 
sich in der abweichendsten Weise über den Begriff von Subspecies, 
über deren Realität und Bedeutung herumzuzanken. Es sei mir ver- 
gönnt, hier nur auf die Lepidopterensammlungen hinzuweisen. Ich 
habe hier in Berlin die Gelegenheit, eine der ausgezeichnetsten Privat- 
sammlungen, die vielleicht existiren, oftmals mit Müsse zu besehen. 
In dieser ist z. B., um nur eins zu erwähnen, Melitaea didyma durch 
eine grosse Anzahl von Exemplaren vertreten und zwar aus den ver- 
schiedensten Gegenden Deutschlands, dem nördlichen und südlichen, 
dem Flachlande und den Hochgebirgen der Schweiz und Tyrols, aus 
Spanien, Frankreich, Italien, Russland, der Türkei etc. Alle diese sind 
in klimatischer, oder wenn man lieber will, localer Abweichung be- 
stimmt bezeichnet. So z. B. heisst die in Mittel- Und Süditalien 
vorkommende Abweichung; Mel. didyma var. australis. Man weiss 
jetzt, was man unter dieser Bezeichnung zu verstehen hat; es ist von 
Mel. didyma die mittel- und süditalienische, bestimmt charakterisirte 
Form. Will man diese offenbar, wie mir scheint, durch das verschie- 
dene Klima bedingten Verschiedenheiten Subspecies nennen, oder sie 
als klimatische Varietäten bezeichnen, ist meiner Ansicht nach ziem- 
lich gleichgültig. Bei anderen Specics ist es nicht die verschiedene 
locale Provenienz, die solche Mannigfaltigkeiten in bestimmter, regel- 
mässiger Weise bedingt, sondern es haben andere, zum Theil bis jetzt 
noch unerklärte Ursachen dergleichen Abweichungen zur Folge. So 
ist bekannt, dass von Vanessa prorsa die Frühlingsgencration hell- 
röthlichbraun mit einzelnen schwarzen Flecken und Linien, die zweite 
Generation im Spätsommer dagegen intensiv schwarz nur mit sehr 

N.auiiaimiu 1855. R 



34 

geringen, oft kaum bemerkbaren röthlichcn Zeichnungen und einer 
weissen oder gelblichen, bei der ersten Generation ebenfalls hell- 
braunen, daher von der übrigen Hauptfarbe kaum zu unterscheiden- 
den Mittelbinde gezeichnet ist. Heisst der vorwiegend schwarz ge- 
färbte Schmetterling Vanessa prorsa, so bezeichnet Vanessa prorsa 
var. levana fest und bestimmt die rothbraune (Frühlings-) Generation 
und Van. prorsa var. porrima die Mittelstufe in der Färbung, wie sie 
z. B. dann entsteht, wenn die Puppen dieses Schmetterlings in einem 
Treibhause oder sonst in geheizten Zimmern während des Winters 
ausfallen. Ob aus dieser höchst merkwürdigen Eigen thümlichkeit 
Schlüsse auf die verschiedenen Generationen bei einem oder andern 
Vogel für Bildung von Subspecies zu ziehen seien, will und kann ich 
nicht als wahrscheinlich annehmen, doch möge uns dieses Factum ver- 
anlassen, einmal scharf bei Gelegenheit zuzusehen ! Ferner kommen auch 
Subspecies bei den Schmetterlingen durcheinander und zusam- 
men vor. Dabei ist also weder an klimatisch-locale Verschiedenheit, 
noch an eine Abweichung nach den verschiedenen Generationen zu 
denken. So kommt hier bei Berlin Limenitis ilia und Lim. ilia var. 
clytie durcheinander vor. Ein Beweis also für den verschiedenen 
Bildungsgrund solcher standhaften Varietäten. Wäre eine derartige 
verschiedene Ursache nicht auch bei der Subspecies der Vögel 
denkbar? Muss man etwa desshalb den Ausdruck klimatische Va- 
rietät durchaus verwerfen, weil die Differenz im Klima bei einzel- 
nen Subspecies nicht als Erklärungsgrund passt? Können es nicht, 
wie bei den Lepidopteren, theils locale, theils temporale, theils (viel- 
leicht) individuelle Eigenthümlichkeiten sein, die solche standhafte 
Unterschiede erzeugen? Will man die verschiedensten Abweichungen, 
z. B. Grösse, Kopfbildung, Schnabelform, Farbe, Zeichnung, von 
denen sich bei dem einen Vogel diese, bei dem andern jene findet, 
alle nude crude aus einem einzigen Princip erklären, so wird man 
gewiss nie zu einem festen Haltpunkte kommen. Was übrigens die 
Benennung solcher Subspecies durch Varietäten anbelangt, so per- 
horrescire man den Ausdruck: varietas als Bezeichnung von regel- 
mässigen, stabilen Abweichungen innerhalb derselben Art nicht. 
Varietas bezeichnet gerade eine derartige „Buntheit", Mannigfaltig- 
keit. Will man aber abnorme Abweichungen, z. B. den Albinismus 
u. dergl. bezeichnen, so ist für solche das freilich in dieser Bedeutung 
nicht klassische, aber sehr passende und in anderen Zweigen der Natur- 



35 

Wissenschaft schon lange als terminus technicus eingebürgerte Wort: 
aberratio an seiner Stelle. Auch in der Ornithologie wäre eine der- 
artige feste Bezeichnung* gewiss höchst wünschenswerth. Jedenfalls 
ist es sehr misslich, wenn alle stabilen Abweichungen coordinirt neben 
den Species in einer Reihe stehen. Da ist denn eigentlich von einem 
Speciesnamen gar nicht zu sprechen, da einem statt einer bestimmten 
Species 3, 4, 5 oder mehrere Subspecies entgegentreten. Man kann 
bei diesem Verfahren nicht einmal die Species „Nachtigall" allgemein 
bezeichnen, da der Name Luscinia zu einem Gattungsnamen gewor- 
den ist, der dann 1) major, 2) philomela, 3) eximia, 4) megarhynchos, 
5) media, 6) Okenii, 7) peregrina in sich fasst. Alles steht coordinirt 
neben einander! Vindicirt man die Nummern 1 — 3 dem Sprosser 
und die übrigen 4—7 der Nachtigall, fängt meinetwegen bei Nr. 4 
wieder von vorn zu zählen an, so bleibt trotz dieser bedeutenden Be- 
richtigung der Hauptfehler, woran die Bezeichnung laborirt, bestehen. 
Wenn man aber, statt zu sagen, der Sprosser zerfällt in folgende 
Subspecies in 1) Luscinia major, 2) philomela, 3) eximia, eine von 
diesen, etwa die gewöhnlichste, am häufigsten, am verbreitetsten vor- 
kommende als die Normalform bezeichnet, sie etwa Luscinia phi- 
lomela nennte und die anderen als Abweichungen von dieser Haupt- 
form darstellte, etwa um die genannten Namen beizubehalten, Luscinia 
philomela var. major, var. eximia, so würde eine derartige Subordina- 
tion meiner Meinung nach trotz scharfer Theilung doch das Ganze 
in nicht so viele disjecta membra auseinanderspalten, und die Wissen- 
schaft bedeutend gewinnen. Es wäre bei derselben Mannigfaltigkeit 
und Gründlichkeit, klarere Uebersichtlichkeit , grössere Einheit, kurz, 
grössere Wissenschaftlichkeit. Abnormitäten in Zeichnung, Färbung, 
Gestaltung könnte man durch aberratio .bezeichnen, so z. B. einen 
Albino der Normalform des Sprossers als Lusc. philomela aberr. alba 
und eine derartige abnormale Färbung der beiden Subspecies als Lusc. 
philomela var. major (oder var. eximia) aberr. alba. Auf genannte 
Weise wäre durch die Bezeichnung Species und Subspecies innig ver- 
bunden und Species von Species streng geschieden, wie mich be- 
dünkt, der Natur durchaus entsprechend, da trotz noch so grosser 
Aehnlichkeit wirkliche Species wesentlich verschieden und 
noch so verschiedene Subspecies in ihrem Wesen homogen und 
alle derartigen subspeciellen Unterschiede nur accidentell 
sein werden, obgleich wir bei den mannigfachen Mittelstufen die 

3* 



36 

die Species bei dem jetzigen Standpunkte der Ornithologie oft nicht 
scharf trennen und den Subspecies noch nicht stets ihre gehörige 
Stelle anzuweisen im Stande sein möchten. Allein eben darum sam- 
mele man in genannter Weise möglichst speciell, möglichst gründlich 

und vollkommen! Man begnüge sich ferner auch nicht mit der ein- 
er 1 o 

zigen Betrachtung ihres äussern Gewandes und ihrer Lebensweise, 
sondern man ziehe auch die Anatomie und Physiologie zu Hülfe, 
namentlich dort, wo sofort keine scharfen Diagnosen zu entdecken 
sind. Ich erinnere hier nur an die tiefe Wahrheit, die Naumannia 
1854,' I. S. 87 von Dr. S. (Speerschneider?) ausgesprochen ist. Die 
Oologie wird hier ebenfalls ajs Hülfs Wissenschaft gewiss nicht Gerin- 
ges zur Feststellung der Wahrheit beitragen. Sind nämlich die Eier 
der wirklichen Species stets zu unterscheiden, so wäre dies ja ein 
nicht ganz schwieriges Criterium für die Ermittelung, 'ob z. B. die 
zwischen Calamoherpe arundinacea und palustris in der Mitte stehende 
salicaria der ersten oder der letzten Species unterzuordnen sei, oder 
ob das Recht einer eigenen Art für sie in Anspruch zu nehmen sei, 
oder ob alle drei in eine Art zusammenfielen. 

Klimatisch und local werden freilich die Abweichungen von der 
als Normalform angesehenen und als solche bezeichneten Species, wie 
vorhin oben eingeräumt ist, nicht immer sein. Dass jedoch bei man- 
chen Subspecies die Localität eben Hauptfactor zu sein scheint, zei- 
gen die Behauptungen Brehm's, der z. B. der Lusc. major Polen, 
der philomela Pommern und Schweden (?), der eximia Ungarn, dem 
Fringilla nobilis (nach unsrer vorgeschlagenen Bezeichnung: Fringilla 
coelebs, var. nobilis) die deutschen Gebirgswälder, der Scops rupestris 
Italien, der rufescens Südfrankreich, der Tetrao bonasia Schweden 
(siehe Naum. 1853, I.) als Aufenthaltsort beilegt. Wenn ferner das 
Klima bei verschiedenen Vögeln einen verschiedenen Einfluss ausübt, 
wenn (ibidem pag. 17) der rothköpfige Würger am Senegal weniger 
schön gefärbt ist, als der von Deutschland, so beweist dies meines Fr- 
acht ens gar nichts gegen dessen Influenz überhaupt. Wenn daher diese 
Subspecies im Allgemeinen keine localen, keine klimatischen Verschie- 
denheiten sein sollen, so können sie es doch zum Theile sein. Ich 
verweise zurück auf das Analogon, was ich vom Mel. didyma und 
Van. prorsa und von Lim. ilia angeführt habe. Aber eben um diese 
Abweichungen, worauf aufmerksam gemacht und die festgestellt zu 
haben das gewiss grosse Verdienst Brehm's bleiben wird, allseitig 



37 

erkennen, um sie allseitig ergründen, um tiefer in ihr Wesen, ihre Be- 
deutung und Geltung eindringen zu können, möge man in bezeich- 
neter Weise sammeln und beobachten, und lediglich aus diesem ein- 
zigen Grunde habe ich mir diese Zeilen erlaubt. Es gibt noch viele 
Unterschiede, die Niemand kennt, Niemand ahnt, die Menge der In- 
dividualverschiedenhciten ist unendlich. Ein jedes Männchen der in 
grosser Zahl sich fliegend durchkreuzenden Schwalben kennt sein 
Weibchen und weiss es von jedem andern genau und bestimmt zu 
unterscheiden, und umgekehrt, und doch vermögen wir unter ihnen 
keine Subspccies herauszufinden. Dieses berücksichtigend halte ich es 
nicht für so auffallend und physiologisch von so grosser Bedeutung, 
wenn Thiere derselben Art, bei denen wir Gleichheit und Abweichung 
von anderen Individuen derselben Art finden, also Thiere derselben 
Subspccies, sich untereinander paaren, weil sie darin eben um so mehr 
ihr Gleichbild im andern Geschlechte erkennen. Sind diese Subspecies 
nun obendrein noch an bestimmte Localitäten gebunden , so ist diese 
Erscheinung ja fast eine Notwendigkeit. 

Nun noch Weniges über das plan massige, mit Bewusstsein 
unternommene Ausstopfen und Stellen der Vögel für die 
Sammlung. Auch hiergegen wird nicht selten gefehlt. So wie der 
Zufall dem Sammler diesen oder jenen hübschen Vogel zuführt, so 
ist es häufig der jedesmalige Geschmack, der isolirte Einfall, der dem 
Thiere diese oder jene (wenngleich natürliche) Stellung gibt. Wie 
planlos gesammelt ist, so wird planlos ausgestopft und aufgestellt. Es 
beeinträchtigt dieses letztere freilich das wissenschaftliche Interesse 
nicht, aber die Sammlung leidet dadurch an ästhetischem Werthe. — 
Bekommt, um an einem Beispiele zu zeigen, worauf ich hinauswill, 
ein Anfänger z. B. einen gemeinen Fischreiher, so möge er ihm nicht 
ohne Weiteres eine an sich zwar richtige und gute Stellung geben, 
sondern eine solche, die durch die Stellung später zu acquirirender 
Vögel derselben Art (oder auch naher Verwandter) gehoben und er- 
gänzt wird. Ich erlaube mir hier auf die neun Figuren von dieser 
Ardea cinerea meiner beiden Tafeln für Reiherstellungen hinzuweisen. 
Beabsichtigt der Sammler z. B. für seine Sammlung drei derartige 
Vögel, etwa ein altes Männchen, ein altes Weibchen und einen jungen 
Vogel zu verwenden, dann möge er sie in eine Gruppe stellend etwa 
als Norm Tafel II, Figur 1, c, b und Tafel I, Figur 1, d, oder Tafel I, 
Figur 1, a, b, e, oder Tafel I, Figur 1, f und Tafel IT, Figur a, b 



38 

wählen und beim Ausstopfen und Stellen des ersten gleich schon die 
beabsichtigte künftige Stellung des zweiten und dritten berücksichtigen. 
Das eine Exemplar würde passend auf dem Brette, die beiden an- 
deren in verschiedener Höhe auf den Zweigen eines auf dem Brette 
befestigten Astes aufzustellen sein. So würde diese kleine Reiher- 
gruppe einerseits viel weniger Kaum einnehmen, und andererseits für 
sich ein abgeschlossenes Ganze bilden, das, obwohl nur aus ganz ge- 
wöhnlichen, ganz bekannten Thieren bestehend, doch der Sammlung 
gewiss zur nicht geringen Zierde gereichen würde. Lässt sich wegen 
der Seltenheit- des Vogels nicht hoffen, sobald in den Besitz eines 
zweiten derselben Art zu kommen, dann gebe man ihm eine derartige 
Stellung in Beziehung und mit Rücksicht auf seine nächsten Ver- 
wandten. Vögel, die nicht in dieser Absicht ausgestopft sind, lassen 
sich freilich auch später zu einer Gruppe vereinigen, allein man wird 
oftmals eine gewisse Einförmigkeit und Steifheit nicht vermeiden kön- 
nen, und jedenfalls nicht ein so abgeschlossenes, abgerundetes Ganze 
erhalten. Wenn ich hier von dem Abrunden und dem Ganzen einer 
9 Gruppe spreche, so weiss ich wohl, dass die Stellungen unendlich 
mannigfach niemals erschöpft werden können; aber es gibt doch in 
gewisser Weise Extreme und Mittelstufen, und eben die Berücksich- 
tigung und Ausführung dieser Hauptformen in der natürlichen Hal- 
tung eines Vogels verstehe ich unter einer abgerundeten, ein Ganzes 
darstellenden Gruppe. — Will man die Gruppen noch durch ander- 
weitige Additamente verschönern, z. B. die Hinterwand des Kastens 
bemalen, so dass die Vögel sich in einer natürlichen Landschaft zu 
befinden scheinen, oder gar in dem Vordergrunde dieser Landschaft 
einen, alten Baum oder Baumstamm malen, an den dann einzelne natür- 
liche Zweige und Aeste angebracht sind, die in den Kasten hinein- 
ragend die betreffenden Vögel tragen, wie dies z. B. in der herzog- 
lichen Sammlung zu Cöthen (der Sammlung Naumann's) der Fall ist, 
oder will man aus bemalter Pappe etwa künstliche Felsen machen 
und hierauf passende Vögel thcilweise ruhen lassen oder durch Moos, 
Muscheln etc. etc. eine entsprechende natürliche Umgebung darstellen, 
so sind derartige Verzierungen mit Maass, Kenntniss und Geschick 
angebracht, gewiss sehr dienlich, den ästhetischen Eindruck der Samm- 
lung zu vermehren. 

Berlin, im November 1854. B. AI tum. 



39 



Nr. 3. 

lieber die europäischen Röthlingc, 

(Sur les Rubiettes europiennes.) 

' Von 

l/(oii Olph-ßailiaril. 



Die ersten Methoden, welche man bei der Classification in 
der Naturgeschichte befolgte, hatten das Eigenthümliche, dass sie nur 
ein einziges oder sehr wenige „Kennzeichen" („Merkmale," 
„Charaktere") anwendeten. Man nennt diese Methoden und die dar- 
auf gegründeten Systeme „künstliche." Sie haben den grossen Nach- 
theil, Wesen der wesentlich verschiedensten Art in ein und dieselbe 
Gruppe zu vereinigen, und zu Gunsten eines mehr oder weniger 
wichtigen '„Merkmales" die übrigen, vielleicht wichtigeren Momente in 
den Hintergrund zu stellen, d. h. die natürliche Verwandtschaft künst- 
lich zu verwirren und zu zerreissen. Wir .wollen mit diesem Vor- 
wurfe gegen die künstlichen Methoden dieser keineswegs auch den 
Werth der Uebergangs-Phasen nehmen: der grosse Linne hat die 
geschichtliche Bedeutung der künstlichen Methode für alle Zeiten 
festgestellt, ihr Einfluss auf die genauere Kenntniss der Natur ist 
nicht wegzuleugnen, aber zu billigen ist es nicht, wenn wir 
heute noch Leute, die sich Naturforscher nennen, bloss mit Zirkel, 
Maassstab und Lexikon in der Hand, die blossen Mumien nach 
irgend welchem einseitigen — - gleichviel ob geistreichen oder 
dummen — Eintheilungsgrunde in Reihe und Glied, im Kreise 
oder in der Spirale aufstellen und benamsen und ihr einseitiges und 
kleinliches Machwerk — unnützer und todter, ja hindernder Ballast 
der Wissenschaft — als „System der Natur" ausgeben hören. 

Es gibt dieser „Kunst-Methodiker" leider auch noch unter 
den Ornithologen, ja hier sogar sind sie stärker vertreten, als in 
andern Disciplinen der Naturkunde. So beschränken sich einige nur 
auf die vom Schnabel oder von den Füssen genommenen Charaktere, 



40 

um darauf ihr System zu bauen. Andere haben sich freilich mehr 
der natürlichen, d. h. der allein rationellen Methode genähert, 
indem sie eine grössere Anzahl von Charakteren zu Rathe zogen. 
Doch verfielen auch sie zuweilen in Irrthum, indem sie den Schein 
für die Wirklichkeit nahmen. So reichte z. B. ein mehr oder weniger 
spitzer Schnabel bei einem Vogel von einer gewissen Grösse hin, 
ihm das Bürgerrecht in dem Genus Turdus zu verschaffen; so ging 
es dem Pastor roseus, der Calamoh. turdina, dem Petrocoss. saxatilis 
und einer Menge anderer Arten, denen man jetzt erst den wahren 
Platz in dem ornithologischen Systeme anzuweisen begonnen hat. 

Indem man die natürliche Methode adoptirte und für die 
systematische Einordnung den Totalhabitus, das. Ensemble der 
Charaktere zu Rathe zog, scheint man doch lange Bedenken ge- 
tragen zu haben, eines derselben, das System der Coloration, 
ernster zu beachten, denn nur erst seit einiger Zeit geschieht seiner 
Erwähnung. Und doch ist dasselbe wohl geeignet, in manchen Fällen 
als Führer zu dienen. Ich sage nicht, dass man ihm zu viel Wich- 
tigkeit beilegen solle, denn es ist auch oft im Stande, den oberfläch- 
lichen Beobachter zu verwirren. 

Es kommen zuweilen Analogieen vor, welche nur 'scheinbar 
sind; gewisse Charaktere sind oft auf Formen übergetragen,, welche 
geeignet scheinen, diese unkenntlich zu machen : ein scheinbar langer 
Schnabel ist z. B. vielleicht nur ein modificirter kurzer. Oft tritt 
aber auch ein Charakter, unbrauchbar in der einen Lebens- 
periode eines Vogels, in einer andern frappant hervor; endlich 
gibt es deren, welche nur auf eines der beiden Geschlechter 
anwendbar sind. Die Systematik fordert desshalb in vielen Fällen 
das Studium beider Geschlechter und deren Umbildungen 
und Uebergänge in den verschiedenen Lebensperioden. 
Neomorpha Gouldii bietet ein Beispiel: bei dem M. ist der Schnabel 
von übermässiger Länge, während der des W. mit der Schnabellänge 
der anderen Arten der Familie der Neomorphidae mehr in Ueberein- 
stimmung zu sein scheint. Oberflächlich betrachtet, könnte diese 
Familie überhaupt als aus den heterogensten Elementen zusammen- 
gesetzt erscheinen; Callicas cinerea, Neomorpha Gouldii und Philestur- 
nus caruneulatus bieten so verschiedene Schnabelformcn, dass sie uns 
den früher von ihnen eingenommenen Platz in den verschiedenen 
Systemen erklären, bis sie durch O. des Murs so glücklich in einer 



41 

von ihm geschaffenen Familie vereinigt wurden. Ferner Coracia 
(Fregilus) gracula und Pyrrhocorax alpinus wurden wegen ihrer 
scheinbaren Schnabelform von Cuvicr zu Upupa und Turdus gestellt, 
während die Natur ihres Gefieders allein schon hinreicht, von der 
Unnatürlichkeit dieser Stellung zu überzeugen.*) 

Das eben Gesagte möchte seine Anwendung auch auf das von 
Degland, in seiner Ornith. europ. I. pag. 497, etablirte Genus Ru- 
biette-Erithacus, finden. 

Degland stellt an die Spitze dieses Genus Luscinia und Phi- 
lomcla. Ich will nicht von den vom Schnabel und den Füssen her- 
genommenen Kennzeichen sprechen, diese Organe scheinen mir von 
denen der wahren Rubietten (Röthlinge, Rothschwänze) sehr ver- 
schieden zu sein, und ich sehe keine Analogie, welche diese Annähe- 
rung hätte motiviren können. Was das Färbungssystem betrifft, so 
ist die Analogie grösser, besonders wenn man das Jugendkleid be- 
rücksichtigt, das an dem Rande jeder Feder Zeichnungen trägt, welche 
an die Schuppen des Jugendkleides der Rothschwänze (Ruticilla) und 
Steinschmetzer (Saxicola), erinnern. Das Gefieder der Alten könnte 
auch einige Uebereinstimmung mit dem von z. B. Ruticilla Phoeni- 
curus bieten. Die rostrothe Farbe des Schwanzes würde diese Ana- 
logie noch deutlicher machen. Eben so verhält es sich mit einer ge- 
wissen Modulation des Gesanges der Nachtigall, ich meine die, welche 
man mit der Sylbe: suit ausdrücken könnte. Alle diese Analogieen 
sind aber nur scheinbar, und abgesehen von ihnen, glaube ich, dass 
alle anderen Charaktere hinreichen werden, um die Nachtigallen von der 
Gruppe der Rubietten zu sondern, mit denen sie auch nicht in der 
Lebensweise übereinstimmen. 

Dasselbe gilt meiner Ansicht nach vom Rothkehlchen , Rübe- 
cula, das bis jetzt meist immer unter die Rubietten placirt 
wurde. Man hat es ohne Zweifel wegen seines rothen Schildes an 
der Kehle unter diese Gruppe geworfen , aber man vergleiche nur 



*) Selbst die Lebensweise der Vögel, Nahrung, Stimme, Fort- 
pflanzungsweise u. s.w. können unter Umständen dem Systematiker von Ge- 
wicht sein; ja das Alles zusammen bildet erst das wirkliehe Ensemble, die Totalität 
der Kennzeichen, und um es in einem in diesem Sinne erweiterten Worte zusam- 
menzufassen: nur die Kennt niss des Total h ab itus der Vögel wird im 
Stande sein, ein wahrhaft natürliches System der Ornithologie der 
Natur nachzuschaffen. Der II eran s s e 1) e r. 



42 

den Schnabel, die Zehen, die Flügel, die Lebensweise, die Färbung 
der Eier, und ich zweifle, dass man versucht sein möchte, das Roth- 
kehlchen unter den Röthlingen zu belassen. Ungeachtet des ge- 
schuppten Jugendkleides ist dieser Vogel hier noch weniger an seinem 
Platze, als die Nachtigallen. 

Wir kommen nun zu den wahren Röthlingen, von denen ich 
nur einiger, von dem System der Färbung entlehnter Charak- 
tere erwähnen will. 

Das Kleid der Jungen ist düster, bräunlich, die Federn haben 
an ihrem Innenrande einen dunklern Saum, was dem Gefieder ein 
schuppiges Aussehen gibt. Die Alten zeichnen sich durch entschie- 
dene und abstechende Farben aus, unter denen besonders das reine 
Weiss und Schwarz, das lebhafte Rostroth u. s. w. sich bemerklich 
machen. Die W. nähern sich in ihrer Färbung mehr den Jungen, 
jedoch ohne das Geschuppte der Zeichnung; aber in jeder Periode des 
Lebens ist der Schwanz mehr oder weniger lebhaft rostroth, seine 
beiden Mittelfedern braun. 

Die Blaukehlchen (Cyanecula) scheinen sich noch in mehreren 
Punkten den Ruticillen zu nähern. Was auch Büffon sagen mag, 
das Blaukehlchen ist keineswegs die Wiederholung des Rothkehlchens. 
„Es unterscheidet sich nur — sagt mein grosser Landsmann — durch 
das brillante Azurblau der Kehle von dem Rothkehlchen, bei dem 
sie orangenroth ist; es scheint, dass die Natur die Analogie zwischen 
diesen Vögeln sogar an ihren Differenzen habe zeigen wollen', denn 
über diesem blauen Schilde sieht man ein anderes schwarzes und ein 
orangerothes Band, welches quer über die Brust geht; diese Orange- 
farbe erscheint dann noch auf der ersten Hälfte der Seitenfedern des 
Schwanzes; übrigens sind die Farben, obwohl etwas dunkler, ganz 
dieselben beim Blaukehlchen wie beim Rothkehlchen." 

Zunächst erscheint mir das glänzende Blau des Blaukchlchens, 
anstatt an das Brustschild des Rothkehlchens zu erinnern, vielmehr 
eine Modifikation des Schwarz an der Kehle von Rutic. Tithys und 
Phoenicurus zu sein; dies Brustschild ist angedeutet bei den Jungen 
und Weibchen. Die schwarze Binde über dem blauen "Schilde scheint 
da geblieben zu sein, um diese Ansicht noch zu befestigen. Der 
orangerothe Gürtel weist auf dieselbe Farbe hin, welche bei Ruticilla 
Phoenicurus und Moussieri fast die gesammte Unterseite überzieht. 
Dieselbe Farbe, aber dunkler, erscheint noch an den Seitenfedern des 



43 

Schwanzes, und das Alles dürfte wohl geeignet sein, die Aufmerksamkeit 
auf die, wie mir scheint, frappante Analogie der Blaukehlchen mit den 
Röthlingen zu lenken. Mir wenigstens ist Cyanecula die modificirte Rutic. 

Wenn wir einige Arten der Gattung Ruticilla unter sich ver- 
gleichen, wird die Analogie noch schlagender. Wir finden dann bei 
der einen Art Nuancen oder Färbungen, welche bei andern nur an- 
gedeutet oder rudimentär sind. So beginnt z. B. das weisse Band an 
der Stirn der Rutic. Moussieri sich bei Rutic. Phoenicurus zu zeigen 
(dies Band, welches einen Augenblick täuschen und an eine Analogie 
mit Pratincola Rubetra denken lassen konnte!). Der breite weisse 
Spiegel im Flügel von Rutic. Moussieri ist nicht bei Rutic. Phoeni- 
curus repräsentirt, findet sich dagegen bei Rutic. Tithys. 

Wir kommen zu ähnlichen Resultaten, wenn wir unsere Unter- 
suchung noch auf Petrocincla saxatilis ausdehnen. Abgesehen von 
dem Färbungssystem der Weibchen und Jungen, deren Gefieder die 
oben erwähnte Schuppenzeichnung trägt, mache ich nur darauf auf- 
merksam, dass das Rostroth bei der, Steindrossel dieselben Partieen 
wie bei Rutic. Phoenicurus einnimmt; die Flügel haben dieselbe 
Farbe, und so scheint mir, trotz der Abwesenheit des Schwarz an 
der Kehle und der Anwesenheit einiger weisser Flecken am Bürzel, 
die Steindrossel nur ein verjjrösserter Phoenicurus zu sein. Die an- 
deren Farben des Gefieders sind nur Modifikationen von denen, welche 
die übrigen Species des Genus Ruticilla schmücken. 

Dessenungeachtet, und obgleich dieser Vogel alle — zwar etwas 
modificirte, aber wesentliche — Charaktere der Röthlinge trägt, dürfte 
seine passendste Stelle im Systeme eine den Ruticillen möglichst nahe, 
aber in einem eigenen Genus sein. Wahrscheinlich wegen seiner 
Grösse wurde er unter die Drosseln (Turdus) gestellt, ein Irrthum, 
den Temminck bemerkte, als er seine Gruppe; „Merles saxicoles" auf- 
stellte; aber Temm. scheint Anstand genommen zu haben, einen 
Riesen unter die kleinen Ruticillen einzuführen ; als ob der Systema- 
tiker die Arten in seinem Systeme nur so rangiren müsste, wie in 
einem Kasten, wo man des Raumes wegen auf die passende Grösse 
Rücksicht zu nehmen gezwungen ist. 

Ich trenne denn also nach dem oben Bemerkten die beiden 
Genera Luscinia und Rubecula von dem G. Ruticilla, und nähere 
diesem das Genus Petrocincln. 

Lyon en 1854. Leon Olph-Galliard. 



44 



Nr. 4. 

Yerzeichniss der Vögel der tingcgcnd von Lyon. 



Von 

Leon Olph-dralliard. 



1. Vultur fulvus. Zwei Exemplare wurden vor einigen Jahren 
in Bresse geschossen. Damals ohne Kenntniss der Schlegel'schen 
Art oder Localrasse (Gyps occidentalis), kann ich jetzt nicht 
entscheiden, ob die jedenfalls hierher verirrten Individuen zu 
ihr gehörten. 

2. Cathartes Percnopterus. Obwohl selten, zeigt sich dieser 
Vogel doch fast alljährlich in unseren Umgebungen, besonders 
im Frühjahre, auf den Sandbänken und längs den Ufern der 
Rhone in der Nähe von Miribel. Ein alter Vogel wurde 1853 
im Sommer in der Nähe dieses Dorfes erlegt. 

3. Aquila.fulva. Sehr selten in den Umgebungen von Lyon. 
Er zeigt sich, wie man sagt, zuweilen auf dem Mont Pilat, der 
höchsten Spitze des Lyonnais; indess glaube ich nicht, dass er 
dort nistet. 

4. Haliaetos albicilla. Ich sah ein Individuum, das ganz in 
der Nähe von Lyon erlegt war. 

5. Buteo vulgaris. Sehr gemein im Herbste, besonders zur 
Zeit des Drosselzuges. Man findet ihn im Sommer vielleicht in 
den Waldungen der Iseron-Kette und im Norden des I^hone- 
Departements. 

6. Pernis apivorus. Sehr selten. 

7. Milvus regalis. Im Herbst und Winter, aber seltener als 
ßuteo vulgaris. 

8. Milvus niger. Im Sommer an der Rhone. Ich zweifle indess, 
dass er in der Nähe horstet. 

9. Circus rufus. 

10. „ cyaneus. Nistet auf den Rhone-Inseln bei Miribel, 
nördlich von Lvon. 



45 

11. Ol reu« ein er accus. Sehr gemein, besonders auf den oben- 
genannten Inseln, wo er nistet. 

12. Astur nisus. Sehr gemein. 
1,3. „ palumbarius. Seltener. 

14. Falco subbuteo. Zeigt sich gegen den Monat September. 

15. „ peregrinus. Sehr selten. 

16. „ lithofalco. Seltener, im Herbste. 

17. „ tinnunculus. Sehr gemein. Nistet in den Thürmen 
und höheren Gebäuden von Lyon. Er scheint theilweise im 
Winter fortzuziehen, wenigstens sehe ich ihn in geringerer An- 
zahl während dieser Jahreszeit. 

18. Strix Aluco. 

19. „ noctua. Gemein. 

20. „ flammea. Sehr gemein. 

21. „ braehyotus. Im September auf dem Zuge. 

22. „ Bubo. Ziemlich selten. 

23. „ Otus. Ziemlich gemein. 

24. „ Scops. Ziemlich gemein. 

25. Picus viridis. Gemein. 

26. „ canus. Ziemlich selten. 

27. „ minor. Ziemlich selten. 

28. „ major. Gemein. ' 

29. Yunx Torquilla. Sehr gemein. 

30. Cuculus canorus. Sehr gemein. Hört zwischen dem 21. bis 
24. Juni auf zu rufen. Ich habe zweimal die rothe Varietät 
erhalten, und eine solche mit weissen Tupfflecken gesehen. 

31. Loxia curvirostra. In sehr unregelmässigen Zwischenräumen 
sich zeigend. Wenn er Standvogel in unserm Departement ist, 
so kann das nur in der Kette des Iseron sein. 

32. Pyrrhula europaea. Nistet in den Bergwäldern des Iseron 
und im Norden des Rhone-Departements. 

33. Fringilla Serinus. Gemein im Sommer. 

34. „ Coccothraustes. 

35. „ Chloris. Gemein. 

36. „ domestica. 

37. „ montana. 

38. „ petronia. Nistet auf dem Iseron. 
3,9. „ coelebs. Sehr gemein. 



46 

40. Fringilla Montifringilla. Auf dem Winterzuge. Soll auf 
der Kette des Iseron nisten. 

41. Fringilla carduelis. 

42. „ Spinus. 

43. „ Linota. 

44. „ ■citrinella. Selten. Auf dem Iseron. 

45. „ borealis. Ich habe ihn zwei oder dreimal auf 
unserm Markte gefunden. 

46. Emberiza Cirlus. Ziemlich selten. 

47. „ citrinella. Gemein. 

48. „ Cia? 

49. „ hortulana. Gemein im Sommer. Hält sich be- 
sonders in den Weinbergen auf, wo er sein Nest am Fusse der 
Weinstöcke anlegt. 

50. Emberiza Schoeniclus. 

51. „ miliaria. 

52. „ nivalis. Zuweilen im Winter. Ein Vogelhändler 
unserer Stadt hatte ein Individuum lebend erhalten, das sich 
sehr schnell an die Gefangenschaft gewöhnte. Es zeigte jedes- 
mal eine besondere Furcht, wenn man einen andern Vogel in 
seinen Käfig that. Es hat im Frühjahre nicht gemausert. 

53. Parus major. Gemein. 

54. „ ater. Im Herbst in der Ebene. 

55. „ coeruleus. Ebenso. 

56. „ palustris. 

57. „ caudatus. 

58. „ cristatus. Niemals in der Ebene, nur in den bergigen 
Gegenden des Departements. 

59. Parus biarmicus. Soll auf den Rhone-Inseln bei Miribel 
gefunden sein. 

60. Parus pendulinus. Ebenso, auf den Inseln bei Pierre-Benite. 

61. Regulus cristatus. 

62. „ ignicapillus. 

63. Corvus Corax. Selten. 

64. „ Corone. Auf dem Zuge. Nistet vielleicht in den 
Gebirgsgegenden . 

65. Corvus Cornix. Seltener. 
Qiü. „ frugilegus. 



47 

67. Corvus Monedula. Nicht gemein. Nistet nicht in Lyon, 
wohl aber z. B. in Paris. 

68. Corvus Pica. Gemein. 

69. „ glandarius. Gemein. Auf dem Herbstzuge in der 
Ebene in grossen Trupps. 

70. Nucifraga Caryocat. Auf dem Zuge in langen und unregel- 
mässigen Zwischenräumen. Vor ungefähr 12 Jahren in erstaun- 
licher Menge. 

71. Sturnus vulgaris. 

72. Pastor roseus. Im September 1853 einmal erlegt. 

73. Hirundo urbica. Kommt früher als die folgende in Lyon an, 
nistet aber nicht in der Stadt, wie sie es nach Degland in Lille 
thut. Ich besitze eine ganz weisse Varietät mit röthlicher 
Kehle. Sie wurde bei Irigny an der Rhone erlegt. 

74. Hirundo urbica. Sehr gemein. 

75. „ riparia. Gemein. 

76. Cypselus murarius. Sehr gemein in der Stadt. Scheint des 
Nachts zu wandern, denn ich hörte ihren durchdringenden 
Schrei zu Anfang Mai's 1854 zuerst Abends 11 Uhr in den 
Strassen Lyons. 

77. Caprimulgus europaeus. 

78. Muscicapa grisola. Ziemlich gemein. 

79. „ atricapilla. Kommt zu Anfang Aprils hier an 
und verschwindet gegen Ende dieses Monats,, wahrscheinlich um 
in den waldigen Gegenden des Departements zu nisten. Erscheint 
wieder gegen den 15. August im Herbstkleide. 

80. Muscicapa albicollis. Sehr selten, wenn überhaupt, was 
jedoch nicht unwahrscheinlich, hier vorkommend. 

81. Lanius Excubitor. Standvogel. 

82. „ minor. Seltener als voriger. Verschwindet bald nach 
der Brutzeit. 

83. Lanius rufus. Gemein. 

84. „ Collurio. Gemein. 

85. Alauda arvensis. Sehr gemein, besonders im Herbste, wo 
sie in grossen Schaaren zu uns kommen.*) Ich besitze mehrere 



*) Ich habe Gelegenheit gehabt zu beobachten, dass der Lerchenspiegel — 
an manchen Tagen weniger ergiebig — von den hier wohnenden Lerchen unbe^ 



48 

Varietäten, eine grau mit dunklerer Zeiehnung, eine andere asch- 
grau ohne alle Flecken, eine dritte isabellfarbig. 

86. Alauda cristata. 

87. „ arborea. 

88. „ brachydactyla. Ich habe sie einige Male auf un- 
serm Markte gefunden. 

89. Alauda calandra. Einigemal gesehen und erlegt bei dem 
Dorfe Irigny, zwei Lieues südlich von Lyon. Ich besitze eine 
Monstrosität, deren Schnabel wie der des Kreuzschnabels ge- 
kreuzt ist. 

90. Anthus Richardi. Sehr selten. 

91. „ campestris. 

92. „ pratensis. Sehr gemein. Wandert später als die 
folgende Art. 

93. Anthus arboreus. Sehr gemein. Zieht im September durch. 
Er ist den Jägern unter dem Namen Bec-figue*) bekannt, 
womit sie alle Pieper bezeichnen. 

94. Anthus aquaticus. Gegen Ende des Herbstes. 

95. Motacilla alba.**) 
9tJ. „ boarula. 

97. Budytes flavus. 

98. Cinclus aquaticus. 

99. Oriolus Galbula. Versammelt sich nach der Brut, um die 
Maulbeerbäume zu plündern. 

100. Turdus Merula, 

101. „ torquata. Auf dem Mont Pilat und wahrscheinlich 
auch auf dem Iseron. 

102. Turdus musicus. Ebenda. Im Herbste auf dem Zuge. 

103. „ viscivorus. Standvogel. 



lichtet bleibt, während er die Züge der wandernden anzieht, oder vielmehr von ihrem 
Striche ablenkt. Der Zug, unter Anführung eines erfahrenen Führers, geht dicht 
nebe-n dem Jäger vorbei, ohne anzuhalten, nur einige Individuen , vielleicht Junge, 
fliegen muthwillig um das tödtliche Instrument, aber sie scheinen mehr beunruhigt 
durch ihr Zurückbleiben hinter dem Zuge, als erschreckt durch die Entdeckung des 
Jägers. 

*) Feigen- Schnabel. 

**) Ich weiss nicht, welche von den Species oder Subspecies Brehm's hier 
vorkommen, da ich sie noch nicht unterscheiden kann. 



49 



104. Turdus pilaris. Auf dem Zuge. Ich besitze eine Varietät 
mit weissem Kopfe. 

105. Turdus iliacus. Auf dem Zuge. 

106. „ saxatilis. Ziemlich selten. 

107. „ cyaneus. Ich habe diese Drossel einmal im Januar 
1853 auf unserin Markte gefunden, zweifle aber, dass sie anders 
als ausnahmsweise bei uns vorkommt. 

108. Saxicola Oenanthe. Gemein. 

109. „ rubetra. Ebenso. 

110. „ rubicola. Seltener. 

111. Sylvia Luscinia. Gemein. 

112. „ Phoenicurus. Ebenso. 

113. „ tithys. Seltener in der Ebene, wo er sich nur zeigt, 
wenn er durch Frost und Schnee vom Gebirge vertrieben wurde. 

114. Sylvia rubecula. Gemein. 

115. „ cyanecula. Nicht gemein. Nistet auf den Inseln der 
Rhone. 

116. Sylvia suecica. Sehr selten. 

117. „ atricapilla. Gemein. 

118. „ hortensis. Ebenso. 

119. „ orphea. Seltener als vorige. 

120. „ cinerea. Sehr gemein in allen Hecken. 

121. „ curruca? 

122. „ Trochilus. 

123. „ sibilatrix. 

124. „ Bonelli. Nicht gemein. 

125. „ polyglotta. Kommt zu Anfang Mai, verschwindet 
gegen Ende August. 

126. Sylvia turdina. 

127. „ arundinacea. 

128. „ phragmitis. 

129. „ aquatica. Selten. 

130. Accentor modularis. . 

131. Troglodytes europaeus. 

132. Sitta caesia. 

133. Certhia familiaris. . 

134. „ muraria. Soll bei Lyon erlegt und sogar am Stadt- 
hause kletternd bemerkt worden sein. 

Naumannia 1855. 4- 



50 

135. Upupa Epop.s. 

136. Merops Apiaster? 

137. Alcedo ispida. 

138. Columba Palumbus. 

139. „ Oenas. 

140. „ Turtur. Nach der Brut vereinigen sich die Jungen 
in grosse Trupps. 

141. Pterocles Alchata. Ein Exemplar im Jngendkleide wurde 
vor zwei Jahren in der Dauphinee bei Lyon erlegt. 

142. Perdix rubra. Nistet in den Gebirgsgegenden des Depar- 
tements. 

143. Perdix saxatilis. Sonst häufiger, jetzt sehr selten auf der 
Kette des Iseron. 

144. Perdix cinerea. 

145. „ Coturnix. Man erlegt sie zuweilen noch im November. 
140. Otis tarda. Sehr selten. 

147. „ tetrax. Ebenso. 

148. Cursor europaeus. Zweimal im Winter auf unserm Markte 
gefunden. 

149. Oedicnemus crepitans. Nistet auf den Rhone-Inseln. 

150. Charadrius pluvialis. 

151. „ morinellus. Seltener. 

152. „ hiaticola. 

153. „ minor. 

154. Pratincola glareola. Soll in Pierre-Benite beobachtet wor- 
den sein. 

155. Vanellus cristatus. ' Gemein, auf dem Zuge. 

156. „ helveticus. Seltener. 

157. Grus cinerea. 

158. Ardea cinerea. Gemein. 

159. „ purpurea. Selten. 

160. „ stellaris. Gemein. 

161. „ minutä. 

162. „ Nycticorax. Ziemlich selten. 

163. Ciconia alba. Während des Zuges. 

164. Ibis Falcinellus. Sehr selten. . 

165. Numenius arquata. 

166. „ Phaeopus. Seltener. 



51 

1(57. I/imosa mclanura. Auf dem Zuge. 

168. „ rufa. Seiton. 

169. Totanus Glottis. 



170. 




„ . fuscus. 


171. 




„ -calndris. 


172. 




„ ochropus. 


173. 




„ hypoleucos. 


174. 




' „ pugnax. Auf dein Zuge 


175. 


S 


colopax major. 


176. 




„ Gallinula. 


177. 




4 

„ Gallinago. 


178. 




„ Rusticola. Die Jäger 



Arten: die grosse, mittlere und kleine. Letztere wäre dunkler 
gefärbt, und wanderte später als die grosse. 

179. Tringa Canutus. Selten. 

180. „ Cinclus. 

181. „ minuta. 

182. „ platyrhynchus. Ich habe nur ein einziges Individuum, 
und, zwar im Herbste, auf unserm Markte gefunden. 

183. Rallus aquaticus. Gemein. 

184. „ Crex. 

185. Gallinnla porzana. 

186. „ pusilla. 

187. „ Chloropus. 

188. Fulica atra. 

189. Stercorarius? — ? Ich habe vor einigen Jahren über der 
Rhone, sogar in der Stadt, einen Vogel fliegen sehen, der mir 
zu diesem Genus zu gehören schien. 

190. Larus tridaetylus. Selten. 

191. „ ridibundus. Gemein im Winter. 

192. „ minutus? Auf dem Zuge bei Chtdons sur Säone und 
vielleicht in demselben Jahre auch bei Lyon beobachtet. 

193. Sterna Hirundo. Gemein. 

194. „ minuta. Seltener. Nistet im Departement. 

195. „ nigra. Gemein, auf dem Zuge. 

196. „ leueopareia. Seltei). 

197. Phalacrocorax Carbo. 

4* 



52 

198. An ser einer eus. Seltener als die folgende, was bei Paris 
umgekehrt ist. 

199. Anser segetum. 

200. „ albifrons. Selten. 

201. Cygnus olor. Zeigt sich nur in sehr strengen* Wintern. 

202. Anas tadorna. Selten. 



203. 


?> 


clypeata. 




204. 


}> 


Boschas. 


• 


205. 


"» 


acuta. 




206. 


>? 


strepera, 




207. 


«» 


Penelope. 




208. 


55 


Querquedula. 




209. 


55 


Crecca. 




210. 


55 


clangula. • 




211. 


55 


marila. Sehr selten. 




212. 


55 


ferina. Gemein. 




213. 


55 


Homeyeri.*) Einmal. 


•In meinem Besitz. 


214. 


55 


cristata. 




215. 


55 


nyroca. 




216. 


55 


nigra? 


i 


217. 


55 


fusca? 





218. Mergus Merganser. Das M. ist sehr selten und kommt nur 
in sehr strengen Wintern vor. Dasselbe gilt von den beiden 
folgenden Arten. 

219. Mergus Serrator. 

220. „ albellus. 

221. Podiceps cristatus. 

222. „ rubricollis? 

223. „ auritus. 

224. Colymbus septentrionalis. 

■ 
Nachtrag. 

225. Haematopus Ostralegus. Scheint im Sommer durchzuziehen. 

226. Himantopus melanopterus? 

227. Ardea com ata. Bei Pierre-Benite erlegt. 



*) Der Ornithologen- Versammlung zu Halberstadt vorgezeigt. D. 11. 



n 

228. Platalea Leucerodias. Bei Bourg beobachtet. 

229. Recurvirostra Avocetta? 

230. Phoenicopterus an ti quo nun. Mehrmals an den Ufern der 
Rhone bei Lyon beobachtet. 

231. Larus canus. Selten. 

232. Anas rufina. Sehr selten. 



Man wird dies Verzeichniss der Ornis unseres Departements 
ziemlich mager finden. Ich hätte es allerdings noch mit einer 
Anzahl zweifelhafter Vorkommnisse bereichern können, zog es indess 
vor, nur die Resultate eigener Beobachtungen oder solcher zu geben, 
die wenigstens eine einigermassen sichere Bürgschaft boten. Ebenso 
wird die kleine Anzahl südeuropäischer Arten auffallen; allein 
Lyon, obschon unter ziemlich südlichem Breitegrade gelegen, 
scheint doch eine mehr dem gemässigten Europa eigenthüm- 
liche Fauna und Flora zu besitzen. 

Der Mangel der Seevögel erklärt sich durch die weite Ent- 
fernung vom Meere und von allen grösseren Seeen. Die grossen 
Raubvögel und die Alpen vögel kommen fast nie in unsere 
Ebenen. Endlich ist unsere Lage zu südlich, um die Vögel 
des Nordens zu erhalten, und zu wenig südlich, um die des 
Südens zu beherbergen. Nichts desto weniger glaube ich, dass, 
wenn alle Theile unseres Departements gehörig durchforscht sein 
werden, sich die Anzahl seiner gefiederten Bewohner mehren wird, 
und ich hoffe mit der Zeit und durch die Mittheilungen, welche man 
mir machen wird, in den Stand gesetzt zu werden, manche auffallende 
Lücke dieses Kataloges ausfüllen zu können. 

Lyon, im August 1854. 

Leon Olph-Galliard. 



54 



Nr. 5. 



Die -Zeichnung der Kehle steht bei den Vögeln gewöhnlich 
mit ihrem Gesänge in Beziehung. 



Von 

fiiiilwi; Kit hm. 



Die Farbe der Geschöpfe ist keineswegs etwas so Unbedeutendes, 
als sie vielen Zoologen erscheinen mag; sie ist in manchen Fällen 
sogar zur Bezeichnung der Sippen von grosser Wichtigkeit. Nur 
einige Beispiele werden dies bei den Vögeln zeigen. Die Sippe 
Corvus hat Schwarz, oder Weiss und Schwarz, oder Beides gemischt, 
was dann als braun oder grau , oder erzfarben erscheint , zur 
Grundfarbe. Die Scharben erscheinen schwarz^ mit verschiedener 
Schattirung auf dem Unterkörper, bei einigen mit Weiss, was schon 
durch die helle Farbe der Jungen an dieser Stelle angedeutet ist. 
Die lerchenartigen Vögel sind oben grau, was sich nach dem Boden, 
auf welchem sie leben, richtet, indem es bald heller, bald dunkler, 
bald mehr, bald weniger mit Schwarz gemischt, bald mit Rothfarbe 
gedämpft, ja sogar in den Wüsten mit Wüstenfarbe, d. h. mit Rostgelb 
oder wo der Boden sehr ockerartig ist, mit Ockergelb überzogen zu 
sein scheint. Desswegen sind auch die Sippen die vorzüglichsten, 
deren Arten in Hinsicht der Farbe einen besondern Charakter haben. 
Allein nicht bloss die Betrachtung der Farbe im Allgemeinen ist wichtig, 
sondern auch die der einzelnen Theile. So sind es besonders der Kopf, 
die Kehle und der Bürzel, welche bei vielen Vögeln eine ausgezeichnete 
Farbe zeigen. Der erstere ist offenbar desswegen in dieser Hinsicht 
bevorzugt, weil sich unter seiner Hirnschale das Gehirn mit seinen 
vielen Nerven befindet, und der Bürzel, weil er die allen Vögeln 
höchst wichtige Fettdrüse birgt. Sie hat sehr vielen Einfluss auf die 
Erhaltung der Frische und des Glanzes des Gefieders, und wenn sie 
verstopft ist, geht der Vogel zu Grunde. Das am meisten Ausge- 
bildete bei den Vögeln ist offenbar die Luftröhre. Wie schön sind 



55 

ihre Ringe, wie merkwürdig ist bei vielen ihr Muskelapparat am 
untern Kehlkopfe! Da Lässt sieh nun schon vermuthen, dass auch 
äusserlich die Stelle, wo die Luftröhre liegt, ausgezeichnet sein werde, 
und dies ist in der That der Fall. Die Farbe der Kehle steht mit 
der Ausbildung der Luftröhre in einer Beziehung, so zu sagen, in 
einem gewissen Verhältnisse, und das ist es, was ich in den nachfol- 
genden Zeilen zeigen will, und zwar an den europäischen Vögeln, 
weil diese mehr, als die ausländischen, bekannt sind. 

Die Raubvögel haben keinen besondern Gesang , die Sing- 
habichte, Melierax, ausgenommen, .unter denen Melierax musicus in 
Südafrika schöne Töne hervorbringen soll. Allein sie haben auch 
sämmtlich, nämlich Melierax musicus, cantans polyzonus et gabar, eine 
aschgrauliche, unten scharf abgeschnittene Halszeichnung. Eben so ist 
es schon bei den schwalbenartigen Vögeln. Unter diesen 
zeichnen sich die Spiessschwalben (Rauchschwalben, Cecropis, 
Boje) durch ihren Gesang aus, und diesem entspricht auch ihre Kehle. 
Sie ist schwarz und rostbraun gefärbt und sticht gegen die Farbe 
des übrigen Unterkörpers sehr ab. Die Hausschwalben, Hirundo, 
Linne et Boje (Mehl schwalben), zwitschern nur und desswegen ist 
ihre Kehle wie der übrige Unterkörper weiss gefärbt. Auch alle 
Ziegenmelker (Nachtschwalben) haben keine laute Stimme; 
dem entspricht auch ihre wenig ausgebildete Luftröhre und ihre nicht 
ausgezeichnete, sondern dem übrigen Unterkörper ähnlich gefärbte, 
mit wenigen weissen Federn untermischte Kehle. 

Unser aschgrauer Kuckuck, Cuculus canorus, Linne, zeichnet 
sich durch eine sehr starke Stimme aus, allein das alte Männchen' 
hat auch einen durchaus aschgrau gefärbten Vorderhals, während der 
übrige Unterkörper weiss und schwärzlich gebändert ist. 

Unter den krähen artigen Vögeln hat unsere Elster eine grosse 
Fertigkeit, selbst in der Freiheit verschiedene Töne hervorzubringen 
— zwei Elstern unterhalten sich ganz ordentlich mit einander und das 
Männchen lässt zuweilen eine Art von Gesang hören, — allein ihr 
Vorderhals ist auch dunkelschwarz, wie abgeschnitten, und sticht 
gegen das Weiss der Brust sehr ab. Der Bluthänfling hat unter 
den finkenartigen Vögeln den schönsten Gesang; das zeigt sich auch 
an seinem Vorderhalse, denn sein Kopf ist gerade zu der Zeit, in 
welcher er singt, blutroth. Bei weniger guten Sängern, wie bei dem 
Kirschkernbeisser, dem Seidenschwanz, dem Schncefinken, 



56 

den Erlen- und Leinzeisigen, den Sumpfmeisen, Blaumeisen 
und anderen zeigt sich diese besondere Färbung des Vorderhalses nur 
in einem dunklern, meist schwarzen Kehlflecken, welcher auch zur 
Singzeit erst recht sichtbar wird. — 

Unter den lerchenartigen Vögeln ist die Hauptsängerin die 
Kai an der am m er ler che (Melanocorypha ealandra); aber auch sio 
hat zur Auszeichnung des Vorderhalses auf jeder Seite der Gurgel 
einen schwarzen Flecken. — 

Am deutlichsten tritt jedoch, wie begreiflich, diese Erscheinung 
bei den eigentlichen Singvögeln, der Sippe Motacilla, Linne, 
hervor. 

In der Singzeit haben die eigentlichen Bachstelzen unseres 
Erdtheiles einen schwarzen Vorderhals, welcher bei alten Männchen 
der Motacilla alba, Linne, Mot. lugubris, Pall., Mot. Yarrelli, Gould, 
et Mot. cervicalis, Brhm., weiter ausgedehnt ist, als bei den Weibchen, 
weil diese nicht oder nur wenig singen. Ausser der Singzeit ist 
dieser Vorderhals, ein schwarzer hufeisenförmiger Kropfflecken aus- 
genommen, weiss. Noch merkwürdiger ist dies bei der schwefel- 
gelben Bachstelze, Motacilla sulphurea, Bechst. (Calobates, Kaup). 
Bei dieser hat das Männchen zur Singzeit — das Weibchen nur, 
wenn es hahnfederig ist — eine schwarze Kehle, ausser der Singzeit 
ist sie röthlichweiss oder ganz weiss. 

Unter den Amseln zeigt sich diese Erscheinung bei der Ring- 
amsel, sowohl bei der nordischen, der ächten Merula torquata, 
(Turdus torquatus, LinnC*), als bei der gefleckten*), meiner Merula 
alpestris et maculata, durch das weisse Kropfquerband, welches auch 
beim Männchen viel heller, als bei dem Weibchen ist, und zur Sing- 
zeit recht deutlich vortritt. Unter den einheimischen ächten Dros- 
seln, Turdus, kenne ich nur die schwarzkehlige, Turdus atri- 
gularis, Natt. (Bechsteinii) et rufigularis, Pall., welche eine sehr aus- 
gesprochene Halszeichnung haben, bei jener ist der Vorderhals schwarz, 
bei dieser schön roth. — Sehr ausgezeichnet ist in dieser Beziehung 
die herrliche Sängerin, eine der vorzüglichsten, welche wir besitzen, 
die schöne europäische Steindrossel, Petrocossyphus saxatilis, 



*) Bei ihr hat jede Brust- und Bauehfeder einen weissen Spiegel längs 
ihrer Mitte. 



57 

Boje (Petrocincla saxatilis, Vig.). Das hellstrahlende, sanfte, hohe Pflau- 
menblau, vvelehes ihren Vorderhals aber nur im männlichen Geschleehte 
und am reinsten zur Singzeit ziert, bedeckt eine Luftröhre, welche 
die mannigfaltigsten Töne hervorbringen, und die verschiedenartigsten 
Gesänge anderer Vögel vorzutragen fähig ist. — 

Einen so herrlich strahlenden Stern, wie Calliope camschatensis, 
Strickland aufzuweisen hat, kann unter den Sängern nur der Vorder- 
hals eines Vogels zeigen, der ausgezeichnet singt, und so ist es auch 
bei unserm Vogel, welcher wegen seines schönen Gesanges von K. 
und Bl. Melodes genannt wurde. Von den eigentlichen Grasmücken 
hat nur Curru^ca Rüppelli, Bp. einen schwarzen Vorderhäls; sie singt 
aber auch sehr schön. Bei den Rothschwänzen zeigt sich die 
merkwürdige Erscheinung, dass die Färbung der Kehle mit dem 
Gesänge in Beziehung steht, recht deutlich. Die Baumroth- 
schwänze, Ruticilla phoenicura, aurorea et orientalis haben eine 
schwarze, unten scharf abgeschnittene Vorderhälszeichnung. Ihre 
Stimme ist aber auch ungleich stärker und ihr Gesang viel schöner, 
als der des Hausrothschwanzes, und auch bei den drei genannten 
Arten tritt das Schwarz des Vorderhalses zur Singzeit erst recht vor. 
Eben so ist das Rothkehlchen ein Beleg für meine Behauptung. 
Wie schön ist der Vorderhals dieses niedlichen Vogels gefärbt! Allein 
wie flötenartig, voll und schön ist auch sein Gesang. — 

Am auffallendsten aber unter allen Vögeln sind in dieser Be- 
ziehung die Blaukehlchen, die Arten meiner Sippe Cyanecula! 
Sie sind ohne Widerrede die am schönsten gezeichneten Sänger, 
welche wir besitzen; kein einziger anderer hat ein solches herrliches, 
wahrhaft strahlendes Blau aufzuweisen. Aber bei welchem Ge- 
schlechte zeigt sich dieses? Ebenfalls nur bei dem männlichen voll- 
ständig, bei dem weiblichen gar nicht, oder mehr oder weniger in 
Andeutung, selten und nur bei hahnfedrigen Weibchen in weiter 
Ausdehnung. Aber auch die Männchen besitzen es nur zur Singzeit 
in schönster Pracht. Im Herbste ist es bei den jungen Vögeln nur 
in einem hufeisenartigen Kropfflecken vorhanden, bei den alten matt 
und mit grauen Federrändern mehr oder weniger bedeckt. Erst zur 
Singzeit — es färbt sich nämlich aus — tritt es in seiner ganzen 
Pracht hervor und strahlt nur so lange in derselben , als diese 
dauert. — Aber das Allcrmerkwürdigste der Blaukehlchen ist 
Folgendes. Ihr Gesang ist um so herrlicher, je weiter das Blau bei 



58 

ihnen verbreitet ist. Ueber den Gesang des schwedischen Blau- 
kehlchens, meiner Cyanecula suecica, der ächten Motacilla suecica, 
Linne — es hat im männlichen Geschlechte bei den alten Vögeln 
einen rostbraunrothen Stern — und des morgenländischen, meiner 
Cyanecula orientalis — es hat bei den alten Männchen einen rost- 
braunrothen, weiss eingefassten Stern — habe ich keine Beobachtungen 
anstellen können; allein bei den einheimischen, welche in* mehre Sub- 
species zerfallen, habe ich genau beobachtet, dass das grossweiss- 
sternige, meine Cyanecula leueo-eyana, den schlechtesten, mein 
wolfisches hingegen, meine Cyanecula Wolfii, dessen alte Männchen 
beim Aufheben der Gurgelfedern kein Weiss, sondern ein reines 
Blau zeigen, den vorzüglichsten Gesang hat. Dieses ist das Blau- 
kehlchen in höchster Ausbildung. Es hat in seinem Gesänge 
nicht nur etwas Schlagartiges, sondern lernt auch schwere Vogel- 
gesänge, namentlich den ganz eigenthümlichen Finkenschlag täuschend 
vortragen. — 

Aber wird man mir einwenden, denkst du den gar nicht an die 
Sprosser und Nachtigallen, deren Vorderhals durch keine be- 
sondere Farbe ausgezeichnet ist? Das weiss ich sehr gut; diese 
Vögel sind überhaupt vom Herrn so schmucklos erschaffen, damit 
wir uns gewöhnen sollen, auf äussern Glanz nicht zu viel Werth 
zu legen, sondern die wirklichen Vorzüge eines Geschöpfes zu beachten 
und zu schätzen. Allein auch bei ihnen wird meine oben aufgestellte 
Behauptung bestätigt. Je dunkler eine Nachtigall am Kröpfe 
gefärbt ist, einen desto höhern Werth hat sie bei unseren Vogelfreun- 
den, weil sie versichern, dass die am Vorderhalse hell gefärbten einen 
weit weniger guten Schlag hätten. Doch hier ist es Geschmackssache, 
und der Schlag der Nachtigallen ist weit weniger verschieden, als 
der der Sprosser. Diese sind die eigentlichen eluwelen unter den 
Singvögeln für den Freund des Vögelgesanges und der Stubenvögel 
und gerade die verschiedenen Sprosser lassen sich nach ihrem ver- 
schiedenen Werthe, welcher auf dem mehr oder weniger herrlichen 
Schlage beruht, nach ihrer Hals- und Kropffarbe beurtheilen und 
abschätzen. Je dunkler der Vorderhals, desto herrlicher der Schlag. 
Meine Luscinia eximia unterscheidet der Kenner sogleich an dem 
dunkeln Grau des Kropfes. Sie ist die ungarische und der Schmuck 
und die Zierde aller Singvögel. Ihr Schlag ergreift den Kenner so, 
dass mir ein Freund versicherte, er sei durch den Schlag seines 



59 

Sprossers bis zu Thränen gerührt worden. Nach ihm kommt der 
polnische, meine Luscinia major. Er ist weniger tiefgniu am 
Kröpfe, aber grösser als der ungarische, bewohnt Polen und hat einen 
weniger herrlichen Schlag. 

Endlich erscheint der po mm ersehe Sprosser, meine Luscinia 
philomela. Er ist kleiner und am Kröpfe noch lichter als der pol- 
nische, geht von Pommern bis Schweden hinauf und hat den am 
wenigsten schönen Schlag unter allen Sprossern. So beweisen also 
gerade diese unscheinbar und ganz einfach gezeichneten Sprosser 
die oben aufgestellte Behauptung auf das Vollständigste. — 

Zum Schlüsse will ich nur noch hinzufügen, dass unter den 
hühnerartigen Vögeln die einzige Sängerin, die schlagende Wachtel, 
eine schwarze Kehle hat, welche ebenlalls zur Singzeit am schönsten 
hervortritt und dem Weibchen gänzlich fehlt ; dass unser lautschreien- 
der Kiebitz, Vanellus cristatus, einen schwarzen Vorderhals zeigt, 
dessen dunkle Farbe unten wie abgeschnitten an das Weiss anstösst, 
dass die stark schreienden Uferpfeifer, Aegialites hiaticula et minor, Boje 
wenigstens einen schwarzen Ring am Vorderhalse haben und dass die 
merkwürdige und laute Töne ausstossenden Eisentenmännchen zu 
der Zeit, in welcher dieses geschieht, einen dunkeln, einen acht 
braunen Hals, im Winter aber einen weissen Vorderhals zeigen.*) 



*) Vorstehende interessante Arbeit war zum Vortrage bei der Gothaer Ver- 
sammlung bestimmt, an deren Stelle der Herr Verfasser über die Ehen der Vögel 
spraeh. Die Redaction. 



60 



Nr. 6. ; 

Auch Etwas über Aquila minuta et pennata, 

Von 
Ludwig 1! it lim. 

(Als Nachtrag zu dem Aufsatze meines Sohnes Alfred Brehm, mit Berücksichtigung 
der Abhandlung des Herrn Grafen von Wodzicki. Naumannia 1854, 2. Heft, 

Seite 166—173.) 

Mein hochverehrter Freund, der Herr Graf von Wodzicki, dessen 
Forschungsgeist, Eifer und Ausdauer Niemand mehr bewundern und 
schätzen kann, als gerade ich, greift in dem oben genannten Auf- 
satze die Artverschiedenheit der Aquila minuta et pennata haupt- 
sächlich aus drei Gründen an. 1) Weil das Korn der Eier dieser 
Adler nicht so verschieden sei, wie die Oologen glauben, 2) weil 
beide mehr oder weniger deutliche weisse Achselflecken hätten, und 
3) weil das braune Kleid der Aquila minuta in das ausgefärbte der 
Aquila pennata übergehe. Er spricht von dem Begraben vieler so- 
genannten Scheinvögelarten, seitdem unsere Versammlung gehalten 
worden, tadelt das Aufstellen neuer Arten und lässt die Nesthocker 
— d. h. die Kabinetsnaturforscher — nicht im glänzendsten Lichte 
auftreten. Es dürfte vielleicht nicht überflüssig sein, nach Erschei- 
nung dieser Abhandlung dem, was mein Sohn bereits gegeben hat, 
noch Einiges beizufügen. Eigentlich sind wir, der Herr Graf und 
ich, gar nicht so sehr verschiedener Meinung, als es bei oberfläch- 
licher Betrachtung der Sache scheinen könnte. Er ist ein viel zu 
grosser Forscher und viel zu scharfer Beobachter, um die Verschie- 
denheit der Vögel in verschiedenen Ländern, und selbst die einer 
Gegend ein und derselben Art nicht zu sehen und anzuerkennen. Er 
hat mir, wofür ich dankbar bin, viele in dieser Beziehung höchst 
interessante Vögel geschickt; nur nennt er Racen, was ich als Sub- 
species aufführe. Dass er nun manchen Vogel als eine Race be- 
trachtet, den ich für eine wirkliche Art halte, z. B. die Calamoherpe 
palustris, macht nur einen geringen Unterschied. 



61 

Was nun zuerst das Begraben vieler sogenannten Arten der 
Vögel seit dem Entstehen unserer omithologischen Versammlungen 
betrifft, so ist meines Wissens die Zahl dieser Leichenbegängnisse 
nicht sehr gross, was jederzeit für den Gesundheitszustand etwas Er- 
freuliches hat. 

Ueber die Nesthocker und Nestflüchter erlaube ich mir 
Folgendes zu bemerken. Auch ich bin, was vielleicht auch meine 
Schriften zeigen, kein Nesthocker. Wer Tausende von Vögeln 
und Hunderte von gepaarten Paaren derselben erlegt und beobachtet 
und einen grossen Theil seines Lebens in der freien Natur zugebracht 
hat, ist gewiss mehr Nestflüchter als Nesthocker. Dass ich, um mit 
dem Herausgeber (Naum. 1854,2. Hft.p. 174) zu sprechen, das Unglü ck 
gehabt habe, mehr neue Arten zu entdecken, als mancher Andere, 
kommt nur daher, dass ich viel beobachtet habe und mit Consequenz 
verfahren bin, was viele Andere nicht thaten. Wenn Gyps occiden- 
talis, Bp. (Gyps fulvus occidentalis, Schlegel), Falco candicans et 
gyrfalco, Certhia Costae, Parus frigoris et borealis etc., als besondere 
Arten auftreten und sich geltend machen dürfen, wird es mancher 
meiner neuen Arten auch erlaubt sein, zu erscheinen. 

Was nun aber Aquila pennata et minuta anlangt, erlaube ich 
mir auf die Einwürfe des Herrn Grafen einzugehen. 

Ueber die Verschiedenheit der Eier beider Adler sage ich Nichts, 
weil ich sie nicht besitze und kein besonderer Oolog bin; auch hat 
der Herausgeber Seite 173 und 174 schon geantwortet. 

Ich komme zuerst auf die weissen Achsel flecken. Niemals 
und nirgends habe ich die Behauptung aufgestellt, dass das Dasein 
oder Fehlen dieser Achselflecken ein Unterscheidungszeichen beider 
Arten sei, denn ich habe schon lange gewusst, dass sie bei beiden 
Arten und zwar in jedem Alter vorhanden sind. Unter einigen 
zwanzig solchen Adlern, welche mein Sohn aus Afrika mitgebracht 
hat, fehlten sie keinem einzigen, und wenn die ostindischen 
Zwergadler, was mir versichert worden ist, diese weissen Achsel- 
fiecken nicht haben — vielleicht sind sie vorhanden, aber durch 
schlechtes Präpariren der Bälge verdeckt, — so bilden sie eben eine 
dritte Art, welche dann von den beiden anderen eben so verschieden 
ist, als Aquila fulva von Aquila chrysaetos. Unser verehrter Freund 
ist also im Irrthume, wenn er glaubt, dass ich nach den Achselfiecken 
diese Adler bestimmen wolle; es ist also ohne Bedeutung, wenn er 



Seite 168 sagt: „Er habe einen Zwergadler gesehen, der auf einem 
Flügel Aquila pennata mit herrlichen, weissen Achseltiecken war, und 
mit dem andern Flügel als ein düsterer Aquila minuta sich vor- 
stellte. So kann ich denn keck behaupten, dass Aquila minuta 
nichts als Aquila pennata im ersten und zweiten Jahre ist." 

Ich komme nun auf die allmälige Ausbildung beider Adlerarten, 
welche schon in Cabanis Journal, was die Aquila pennata betrifft, 
vollständig beschrieben ist, weswegen auch mein Sohn die Beschrei- 
bung derselben nicht noch ein Mal gegeben hat. Ich gestehe zu, 
dass beide Adler in der Jugend eine sehr grosse Aehnlichkeit mit 
einander haben. Wir hatten bei der Ansicht und Musterung von 
einigen zwanzig Exemplaren hinlängliche Gelegenheit, dies zu be- 
merken. Allein sie sind dennoch zu erkennen und leichter zu unter- 
scheiden als Circus pallidus et cineraceus im Jugendkleide. Aquila 
pennata ist der stärkere Vogel, was sich am deutlichsten an dem 
Schnabel zeigt. Denn dieser ist bei den gleichalten, d. h. bei den 
jungen Vögeln beider Arten verschieden, bei Aquila pennata merklich 
grösser als bei Aquila minuta. Dann unterscheiden sich Beide in der 
Jugend bei ähnlicher Zeichnung durch die Unterflügel und den Flü- 
gelrand. Bei Aquila pennata ist der erstere an seinen Deckfedern 
stets viel lichter, und an der Flügelkante heller — sie hat etwas 
Weiss mit dunklern Flecken — als bei Aquila minuta, auch hat die 
letztere stets eine deutliche Spannhaut zwischen der äussern und 
mittlem Zehe, welche bei Aquila pennata nur angedeutet ist. 

So ähnlich aber nun beide Vögel in der Jugend sind, so sehr 
gehen sie später auseinander. Aquila pennata wird heller und be- 
kommt im mittlem Kleide kleine weisse Flecken am Unterkörper, 
während Aquila minuta dunkler wird. Dass übrigens Aquila minuta 
nicht der ein- oder zweijährige Vogel von Aquila pennata ist, be- 
weisen die beiden von meinem Sohne aus Egypten mitgebrachten 
Stücke ganz deutlich. Sie sind wenigstens zweimal vermausert. Dies 
zeigen die Steuerfedern des einen und die Schwungfedern des andern 
ganz augenscheinlich, was ich auch bei der Ornithologenversammlung 

OD 7 Ö © 

in Gotha nachgewiesen habe. Das Weibchen hat, wie mein Sohn 
schon gesagt hat, im Schwänze Steuerfedern von drei verschiedenen 
Zeiten. Die eine ist ganz abgerieben — sie hat wenigstens 8'" ihrer 
Länge verloren — und verbleicht; die meisten anderen sind etwas ab- 
gerieben und mehrere frisch. Da nun dieser Vogel am 23. März 



H 

1850 geschossen ist, so steht er, angenommen, dass die sehr abge- 
stossene Feder noch vom Jugendkleide her ist — ist ' dies nicht der 
Fall, dann ist er noch älter, — wenigstens im vierten Lebensjahre. 
Denn er mausert sich erst im zweiten Sommer und Herbste seines 
Lebens zum ersten und im dritten zum zweiten Male, muss also, da 
er unleugbar zwei Federwechsel überstanden hat, das vierte Lebens- 
jahr angetreten haben. Dieser Adler behält also seine Zeichnung 
wie Aquila Brehmii, wird aber mit zunehmendem Alter dunkler, als 
in der Jugend. 

Was nun das Brüten der weisslichen Aquila pennata und der 
braunen Zwergadler, Aquila minuta, anlangt, so beweist schon 
der Umstand, dass man sie beide brütend findet, die Richtigkeit bei- 
der Arten. 

Es ist eine bekannte Sache , dass die Tagraubvögel in der Regel 
nicht brüten, bis, sie ausgefärbt sind. Ich besitze gepaarte Paare 
von Haliaetos albicilla, Aquila pomarina, den verschiedenen Subspe- 
cies von Buteo communis, Astur palumbarius, Nisus communis, Falco 
subbuteo, Cerchneis etc.; aber von keinem einzigen ist das Männchen 
ein einjähriger, bei allen ein mehrjähriger Vogel. Von folgenden 
Tagraubvögeln habe ich einjährige Weibchen bei dem Horste ge- 
schossen oder doch vom Horste erhalten, nämlich von Buteo com- 
munis einmal, von Astur palumbarius viermal, von Nisus communis 
einmal, von Cerchneis dreimal, von Circus cyaneus einmal, von Circus 
rums einmal. So selten brüten die Weibchen von den Tagraubvögeln, 
ehe sie ausgefärbt sind, und von den männlichen weiss ich in meiner 
Erfahrung kein Beispiel. Und die Zwergadler sollten hiervon eine 
Ausnahme machen? Ihr Horsten im Jugendkleide sollte etwas Ge- 
wöhnliches sein? Das wäre höchst auffallend und mit den Gesetzen 
der Fortpflanzung der Raubvögel unvereinbar. Bei genauer Betrach- 
tung wird es uns einleuchtend, dass die Weibchen sich früher als die 
Männchen paaren können, im weiblichen Geschlechte tritt die Pubertät 
früher ein, als im männlichen. 

Wenn übrigens der Herr Graf Wodzicki bemerkt, dass sich die 
jungen Vögel gewöhnlich zusammen paaren, so ist das gegen meine 
Beobachtung. Wie viele alte Vögel gehen auf dem Zuge oder wäh- 
rend des Winters zu Grunde. Was können die übriggebliebenen 
anders thun, als an die Stelle der fehlenden alten Vögel junge an- 
zunehmen? Es wäre also eine Art von Wunder, wenn sich die jungen 



m 

Aquila pennata immer zusammenfänden; nein, die brütenden braunen 
Zwergadler 'sind eben Aquila minuta und keine Aquila pennata. 
Ein Beispiel führt der Herr Graf an, welches sehr merkwürdig ist 
und alle Beachtung verdient. Er schoss nämlich im Frühjahre 1853 
von einem Paare Aquila pennata das Weibchen und beobachtete ein 
Paar braune Zwergadler, welches erst Anstalten zum Brüten traf. 
„Nach drei Tagen," sagt er S. 169, „musstc mein junger Zwergadler 
weichon, und der alte nahm das Weibchen «mimt dem Horste in 
Besitz." Hier sind nun mehrere Fälle möglich. Entweder war das 
Männchen des braunen Paares umgekommen, und das Weibchen nahm 
das Männchen eines sehr verwandten Vogels an, wie die beiden ver- 
wandten Krähenaften Corvus corone et cornix sich mit einander paaren. 

Dass das Männchen von Aquila pennata das des braunen Paares 
abgetrieben habe, hat der Herr Graf wahrscheinlich nicht gesehen, 
sondern geschlossen, weil er es später mit dem braunen zusammen 
gesehen ; oder das braune Paar bestand aus Vögeln im mittlem Kleide, 
welche aber nicht wie die von dem Herrn Grafen in Altenburg vor- 
gezeigten aussahen, sondern kleine weisse Flecken am Unterkörper 
haben, und hatte ausnahmsweise im nicht ausgefärbten Kleide zur 
Brut Anstalt gemacht. Wie dem aber auch sei, höchst wichtig ist 
diese Beobachtung des Herrn Grafen jedenfalls, und wenn Etwas 
meine Ueberzeugung von der Richtigkeit beider Arten erschüttern 
kann, so ist es gerade diese Beobachtung. 

Was nun den Ausdruck des Herrn Herausgebers in seinem 
Briefe anlangt, dass er nicht das Unglück gehabt, eine neue 
Spocies zu entdecken, so ist das auch kein Glück zu nennen; denn 
er theilt dieses Schickeal mit vielen Millionen Menschen. Wenn 
aber, wie er sehr richtig bemerkt, nicht einmal der Speciesbegriff 
feststeht und sobald nicht feststehen wird, so muss es auch dem For- 
scher erlaubt sein, die nach seiner Ueberzeugung vorhandenen, aber 
bisher noch unbekannten oder wenigstens nicht unterschiedenen Arten 
als neu aufzustellen, und wenn sie auch alle später fallen sollten, so 
ist das auch kein Unglück,*) sondern die Aufstellung derselben hat 
neue Forschungen veranlasst und neues Leben gebracht, und dieses 
ist es gerade, was der Wissenschaft förderlich ist und den mensch- 



*) Auch hiermit bin ich völlig, einverstanden, und meine, dass dadurch die 
grossen Verdienste unseres ausgezeichneten Forschers und Kenners nicht im Ge- 
ringsten geschmälert würden. I>. H. 



65 

liehen Geist bildet und erhebt; ich achte desswegen jedes wissen- 
schaftliche Streben hoch, nur muss es ernstlich und redlich, von 
Hochmuth und Eitelkeit frei, und des Ausspruchs: „Ins Innere der 
Natur dringt kein erschaffener Geist," wie des andern: „Quantum 
est, quod neseimus" stets eingedenk und desswegen mit Bescheidenheit 
gepaart sein. 

Rcnthendorf, am 13. October 1854. - 

. 
Nr. 7. ' 

Heber Aqiiila pennata. 

(Siehe den Artikel der Naumannia, Jahrgang 1854, zweites Quartal, Pag. 160.) 

Von 
Casimir Ural' Wodzicki. 



Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass der Zwergadler erst im 
vierten Lebensjahre das vollkommene Kleid bekommt, und im dritten 
Jahre ein noch unbeschriebenes Gefieder trägt. Wenn man bedenkt, 
wie im Allgemeinen diese Vögel selten zu bekommen sind, wie schwer 
es fällt, dieselben zu erlegen, wird man es mir verzeihen, dass ich 
bis jetzt dieses Kleid, welches ich für ein zufälliges Gefieder gehalten, 
noch nicht beschrieben habe. Da ich dieses Jahr aber ein gepaartes 
gleich gefärbtes Zwergadlerpaar beim Horste geschossen habe, so 
bin ich überzeugt, dass es das dreijährige Kleid ist, das übrigens 
viel Aehnlichkeit mit dem ausgefärbten hat. Wäre die Schlegel'sche 
Verfärbungstheorie nicht so vielfältig angegriffen worden, so hätte ich 
behauptet, dass Aquila pennata aus diesem dreijährigen ins vollstän- 
dige Kleid nicht durch Mauser, sondern allein durch Verfärbung 
übergeht, denn meiner Erfahrung nach hat Professor Schlegel bei 
vielen Gattungen Recht, und ich bin überzeugt, dass seine Ansicht 
bald die ihr gebührende Würdigung finden wird; denn alle Vögel 
mausern jährlich, dieses steht fest, allein es gibt Gattungen, die ausser 
der Mauser noch durch die Verfärbung das Kleid verändern. — Da 
es sich indess hier weder um die Verfärbung noch um die Mauser 
handelt, sondern um die Beschreibung eines unbekannten Kleides, so 
gehe ich jetzt direct zu dieser über. 






Naumannia 1855. 



Zwischen dem rostbraunen und weissen Kleide hat der 
Zwergadler ein «ranz ander es Gefieder, welches mit keinem an- 
dern zu verwechseln ist : Scheitel und Nacken gelbbraun, die Flügel- 
deckfedern lehmbraun, der Unterleib gelblichweiss mit dunklen Schaft- 
strichen, die Gurgel und Brust braungelb mit vielen sehr dunklen 
Schaftstrichen, die Hosen und untere Schwanzdecke gelblich ange- 
flogen. Vergleicht man dieses Kleid mit dem der alten Vögel, das 
lichtbraune Achsel- und Flügeldeckfedern zeigt, die schmutzigweiss 
umsäumt sind, den Scheitel, der weisslich ist mit dunklen feinen 
Schaftstrichen, und endlich den weissen Unterleib mit feinen Schäften, 
so wird man die grosse Differenz im Gefieder bald einsehen. Das 
Weibchen ist so stark, wie ich es noch nie gesehen habe, beinahe 
von der Grösse einer Aquila naevia, misst in der Länge 22" 4'", 
Breite 56" 6'". Das Männchen dagegen so klein, dass es zu diesem 
Weibchen in keinem Verhältnisse steht. Es misst nur 20" Länge, 
52" Breite. Beide Vögel haben herrliche weisse Achselflecke. Ich 
schoss das Weibchen beim Abstreichen vom Horste und wartete 
Stunden lang auf das Männchen, welches nicht kommen wollte. End- 
lich Hess ich auf die hohe Buche steigen, und als der Bursche die 
Krone schon erreicht hatte und noch ein paar Klaftern vom Horste 
entfernt war, kam das Männchen herbei, rief schon von Weitem: Koj, 
koj, koj, key, key, key, setzte sich unweit des Horstes auf einen 
dürren Ast und sah ganz befremdet das Nest ohne seine Gattin und 
die Gesellschaft unter dem Baume an. Dies dauerte so lange, dass 
ich Zeit genug hatte, mich zurecht zu machen und den Adler her- 
unter zu schiessen, der noch im Schnabel die Hälfte einer Kohlmeise 
hielt. Wo hätte ein anderer Adler die Zutraulichkeit zum Menschen 
und diese Anhänglichkeit für die Gattin so ungenirt an den Tag 
gelegt? Die Eier waren ziemlich gross und ohne Flecke, von der Farbe 
der Eier des Astur palumbarius. Diese Aehnlichkeit ist so gross, 
dass man sich sehr leicht täuschen kann in Farbe und Form, selbst 
das Korn ist so schwach, dass ein Unerfahrener kaum die Adlereier 
herausfinden wird ohne Lupe. Als Beweis kann ich anführen, dass 
ich dieses Jahr viele Eier von Astur palumbarius gesammelt und in 
eine Schachtel gelegt habe; unter ihnen waren zwei Zwergadlereier; 
als ich die 20 Eier herausgeschüttet hatte, konnte ich gar keinen 
Unterschied entdecken, und erst nach genauer Untersuchung zeigte 
das Korn die Adlereier. Diese Bemerkung mag die Sammler warnen, 



• 67 

gar zu schnell aus dem Horste die Eier zu nehmen, oder welche 
zu kaufen ohne genauere Untersuchung. Je älter dieser Adler wird, 
desto feiner und seltener werden die Schaftstriche, sie sehen dann 
wie Linien aus, verschwinden gänzlich auf dem Unterleibe, der sammt 
der untern Schwanzdecke und der Fussbefiederung glänzendweiss ist. 
Solche alte Vögel haben auch Kopf und Nacken weiss mit schwarzen 
Strichen, wie Aquila haliaetus, und der stark markirte Backenstreif 
nimmt sich dann sehr schön aus. Wie nahe er dem Falken steht, 
beweist seine Jagd. Wie schon früher bemerkt, kreist er selten um 
Nahrung zu suchen. Sein schönes und graziöses Kreisen ist reine 
Belustigung. Entweder sitzt er auf seine Beute lauernd auf einem 
Aste, oft im gut bestandenen Walde, und schiesst wie ein Pfeil nach 
dem vorbeifliegenden Vogel , den er selten verfehlt , oder er fliegt 
schwerfälligen Fluges ziemlich niedrig zwischen den Bäumen herum, , 
wie es oft P. apivorus thut, beunruhigt die Singvögel und erwischt 
sie sowohl sitzend wie im Fluge. Allerlei kleine Vögel dienen ihm 
zur Nahrung, am häufigsten die Buchfinken und Meisen. Wenn die 
Jagd gut geht, wird auch hin und wieder eine Drossel verspeist, 
aber ich denke nicht, dass er grössere Vögel fängt, oder gar Feder- 
wild. Es fehlt ihm gerade nicht an Muth und Kühnheit; denn mit 
diesen Eigenschaften macht er den Adlern Ehre, allein er scheint 
geschaffen, sich von kleinen Vögeln zu nähren, die er ohne grosse 
Mühe und ohne viel zu jagen leicht bekommt. Er ist immer gut 
bei Leibe und seine Devise scheint das „dolce far niente" zu sein. 
Seine Gewandtheit und sein Muth sind zu bewundern, und ich 
will hier einige Beispiele davon geben. 

Ein Paar Zwergadler horstete unweit eines Horstes von A. albi- 

* 

cilla, in welchem bereits ein ziemlich grosser Nestvogel sass, und 
dieses Paar wusste sich einen so grossen Respect zu verschaffen, dass 
endlich die Seeadler nie mehr auf die Seite sich wagten, wo die 
Zwergadler hausten. Diese sich täglich vor meinen Augen wieder- 
holenden Kämpfe waren sehr interessant, ich sah ihnen oft Stunden 
lang zu, weil ich das Aufziehen des jungen Seeadlers beobachtete. 
Sobald sich nur der grosse Adler in ihre Nähe wagte, ertönte gleich 
der wehmüthige Ruf: Koj, koj, der andere Gatte kam herbei und 
mit Wuth verfolgten sie den Adler, stiessen nach ihm, wie die 
Krähen, gingen ihm mit Schnabel und Krallen zu Leibe und zeigten 



68 

sich dabei so flink, so gewandt, dass der Seeadler sich gar nicht 
vertheidigen konnte. Später, als das Weibchen brütete, versah das 
Männchen allein diesen Wachdienst. Milane und Habichte verfolgte 
der Adler eben so unter Accompagnement des charakteristischen 
„Koj, koj." Zu bemerken ist noch, dass dieses so muthige Paar 
aus jungen braunen Vögeln bestand. Der Zwergadler ist ein ächter 
Waldvogel und wagt sich als solcher selten ins Freie, streicht jedoch, 
wenn die Jungen viel Nahrung brauchen, auf die umliegenden Felder, 
(ist aber auch in Podolien, welches sehr waldarm ist, gezwungen, in 
Feldhölzern zu horsten). Den Beweis dafür lieferte er mir dieses 
Jahr im Monate Juli auf einer Bekassinen -Jagd nah am Walde. 
Auf diesem Moraste nährten sich grosse Schaaren von Sturnus vul- 
garis, und wie es schien, lockten sie den Zwergadler aus dem Walde, 
der eine Weile über mir in schönen Schwenkungen kreiste. Ich sass 
unter einigen jungen Weiden, und vor mir hüpften die Staare, alle 
Augenblicke auffliegend und steh wieder setzend, wie sie es zu thun 
pflegen. Dieses Spiel war dem Zwergadler zu langweilig, er wollte sie 
zum Aufstehen bringen, um schneller sein Frühstück zu bekommen. 
Mit Blitzesschnelligkeit stiess er in gerader Linie auf die Staare bis 
auf die Erde herab, die Schaar erschrak und wollte in den Bäumen, 
wo ich ruhte, ihre Zuflucht nehmen. Trotz der kleinen Distanz war 
es dem Adler möglich, einen Staar zu fangen, obwohl die Vögel in 
grösster Eile den Weiden zuflogen. Als der Adler nach den Staaren 
stiess, verursachte sein unglaublich schneller Flug ein so lautes Brau- 
sen, dass es mich an das Geräusch im Theater erinnerte, das die 
Directoren veranstalten zu lassen sich verpflichtet glauben, um die 
Erscheinung der Götter und Geister auf der Bühne zu verkünden. 
Ohne auf die Jäger und Hunde Acht zu geben, flog der Adler auf 
eine nahestehende Bude, setzte sich aufs Dach, besah die Umgegend 
mit grosser Vorsicht längere Zeit, und fing dann an, den Staar zu 
rupfen. Die Zubereitung der Mahlzeit dauerte über eine Viertel- 
stunde, und als ich den Adler schoss, war der Vogel so schön ge- 
rupft, als wenn er vom besten Koche zubereitet gewesen wäre. In 
der zweiten Hälfte des Monat Juni kommen die Jungen aus, die, 
obwohl perlgrau, wie alle Nest-Raubvögel, doch sehr leicht von an- 
deren zu unterscheiden sind. Der Flaum sehr lang und fein wie 
Seide, viel lichter gefärbt als der der Anverwandten, die Läufe mit 
längerem Flaume bis zur Fusswurzel bedeckt, die Zehen, die Wachs- 



m 

haut und der Augenrand gelb, die Nägel weiss; auf dem Kopfe hat 
der Flaum einen gelbliehen Anflug. 

Bei den Zwergadlern bestätigt sich die Erfahrung, dass im All- 
gemeinen die Vögel mehr Sorge für die Eier zeigen als für die 
Brut; so lange man den brütenden Vögeln nur die Jungen weg- 
nimmt, kommen sie wieder, nimmt man aber ein- oder zweimal die 
Eier weg, so verlassen sie die Gegend ganz gewiss. Diesen Satz 
bestätigt eine s siebenzehnjährige Erfahrung bei verschiedenen Raub- 
vögeln, selbst bei den scheuesten. In meiner Nähe horstete lange 
Jahre hindurch ein Paar Aquila albicilla, denen die Jungen alljährlich 
von den Bauern zum Verspeisen herausgenommen wurden ; der Horst 
lieferte ausserdem viel Fische, Geflügel und Wildpret, und natürlich 
hielten die Landleute den Brutort des ausgiebigen Adlerpaares sehr 
geheim. Als man diesem aber vor einigen Jahren die Eier nahm, 
verschwand es aus dem lange innegehabten Reviere. Ebenso trug es 
sich zu mit einigen Aquila haliaetos. — Ich selbst habe mit Aquila 
pennata, Falco lanarius, Strix uralensis diese traurige Erfahrung 
gemacht. 

Meine in der Naumannia Pag. 166. 854. veröffentlichten Beobach- 
tungen finden sich dieses Jahr doppelt bestätigt : die eingesammelten 
weissen Eier gehörten zu Zwergadlern von verschiedenem Alter, 
und ich behaupte nochmals, dass Aquila minuta und Aquila 
pennata ein und derselbe Vogel ist, mit dem Unterschiede, 
dass der fragliche Minuta ein schlecht präparirtes Exemplar war, und 
endlich, dass es keinen Zwergadler gibt, der nicht weisse 
Achselflecke hätte, welche sichere Kennzeichen seiner 
Art sind. • 

Krakau, den 15. Januar 1855. 

C. Graf Wo dz ick i. 



70 



Nr. 8. 

Zu dem Vcrzcichniss der Trivialnamen der bayerischen Vögel. 



Von 

.f. Jacke 1. 

(Naumannia 1853, Quartal IV., S. 391.) 



Bei Memmingen in Schwaben werden alle kleineren Tagraubvögel, 
wie Falco nisus, tinnunculus, subbuteo etc. etc., Vogelhäckla 
genannt. 

Falco subbuteo, L. In hiesiger Gegend: Weissback. 
Buteo vulgaris, B. Bei Memmingen: Maushack, Stockmauser. 
Astur palumbarius, L. In hiesiger Gegend: Vogelgeier, der 

Geier. 
Circus cyaneus, L. Bei den Münchner Jägern: Spitzgeier. 

Bei Memmingen heissen alle Eulen, der „Schuhu" ausgenommen, 
Kauze oder Nachteulen. Nachteul ist auch der fränkische Collectivname. 
Aegolius otus, L. Horneule (N.*). 

Corvus com ix, L., heisst im Mindelthale in Schwaben: Oesterreicher. 
Cypselus apus, L. Steure (M. **). 
Cuculus canorus, L. Gucker (M..). 
Upupa epops, L. Wieshopf (M.). 
Emberiza cirlus, L. Steinemmerling (M.). • 

' ~„ schoeniclus, L. Bingelspatz (M.). 

Fringilla spinus, L. Jüngere Vögel heissen bei Memmingen: Bir~ 
kenzeisla, ältere: Kohlzeisla. 

„ linaria, L. Rothblättele (M.). 

„ cannabina, L. Junge: Lerchengschössle, Alte: Blut- 

gschössle (M.). 
citrinclla, L. Zitrinle (M.). 

„ montifringilla, Tannfink (M.). 



*) Neuhaus, drei Stunden von Erlangen, in Oberfranken. 
**) Memmingen. 



71 

Coccostraustes vulgaris, Fall. Griesbeerschnelkr (M. Griesbcer- 

Kirschen). 
Parus caudatus, L. Pfannenstielmeise (M.). 
„ major, L. Spiegelmeise (M.). 
„ ater, L. Kohlmeis (M.). 
, „ palustris, L. Plattmeise (M.). 

„ cristatus, L. Husarenmeise (M.). 
Nucifraga caryocatactes, L. Schwarzer Nussjäck (M.). 
Pica caudata, L. Kägersch, Alster (M.). 
Corvus monedula, L. Gatz, Dulle (M.). 
Anthus pratensis, L. Riedgimser (M). 

„ arboreus, B. Waldgimser (M.). Durch' „gims- w ist der 
Lockton dieser Vögel versinnlicht. 
Motacilla alba, L. In Unterfranken bei Zeulizheim: blaue Bach- 
stelze; weisse Wasserstelze (M.). 
„ boarula, P. Gelbe Wasserstelze (M.). 

Turdus musicus, L. Drostel (M.). 
„ pilaris, L. Grommeter (N.). 

viscivorus, L. Zierling; Halbvogel bei den Jägern (M). 
„ merula, L. Kohlamsel; jung: Stockamsel (M). 
Salicaria turdoides, JVleyer. Sumpfnachtigall (M.). 

„ palustris, B. Rohrspötter (M). 

Ficedula hypolais, L. Gelbe Grasmuck (M.). 

„ trochilus, L. Laubvögele (M.). 

„ rufa, Lth. Zipzap, Zillzelterle (M.). 

Sylvia curruca, Lth. Weisse Grasmuck (M.). 

„ cinerea, Briss. Rothe Grasmuck (M.).; bei Kempten Zeiler- 

spatz (Zeil-Hecke). 
„ hortensis, P. Graue Grasmuck (M.). 
Lusciola suecica, L. Blaubrüstchen (M.). 

„ phoenicurus, L. Waldröthele (M.), Holzblässle (M). 

„ tithys, Sc. Hausröthele (M.). 

Pratincola rubetra, L. Krautvögelein (M.). 
I<anius excubitor, L. Spatzenstecher, Finkenbeisser (M.). 

„ ruf us, Briss. Finkenbeisser (M.). 
Muscicapa atricapilla, L. et albicollis, Tcmm. Todtenvögc- 
lein (M.). , 



72 

Hirundo riparia, L. Sandschwalb, Steurle (M.). • 
Columba palumbus, L. Grosse Taube (N.). 

turtur, L. Turteltaub (M.). 
Cr ex pratensis, B. Habergeis (M.), Mähder (N.). 
Ortygometra porzana, L. In hiesiger Gegend wegen seines ge- 
sprenkelten Kleides von den Bauern: Wasserstaar genanut. % 
Fulica atra, L. Blässling (M. N.). 
Charadrius pluvialis, L. Brachhühnle (M.). 
Totanus calidris, L. Pfeifer (M.). 
Ascalopax gallinago, L. Moorschnepfe (M.). Bei den Landleuten 

und Jägern hiesiger Gegend: Habergas (-gais), Moosbock. 
Nuraenius arquata, L. Bei den schwäbischen Jägern: Seeschnepf, 

bei den oberbayerischen: Grill, bei den hiesigen: Brachschnepf. 
Anas penelope, L. Pfeifer, Pfeifente (N.). 
„ querquedula, L. Mittelentlein (N.). 
„ strepera, L. Mittelente (N.). 
„ acuta, L. Pfeilschwanz (M.). 

„ crecca, L. Halbentlein, Griesentlein , Kriechentlein, Stock- 
entlein (N.). * 
„ marila, L. Schimmelente (N.). 

„ nyroca, Güld. Rothbrust, Rothkopf, Rothköpflein, Braunent- 
lein; Brandentlein, Brandigelente, -entlein, Morgente (N.). 
„ ferina, L. Grosser Braunkopf (N.). 

Die schwäbischen Jäger nennen Anas clangula, Weibchen, 
rufina, ferina, nyroca mit dem gemeinschaftlichen Namen: 
Braunköpfe, auch Rothhälse. 
Anas rufina, Pall. Türkische Ente (M.). 
Podiceps minor, Lath. Wasserduck erli (N.). 

„ cristatus, L. Langhals, langhalsige Ente (N.). 

Larus r^dibundus, L. Möve (M.), in Altbayern: Fischervogel; die 

hiesigen Bauernschützen nennen sie: Rheinschwalben. 
Sterna hirundo, L. Allebock, Alabock (M. weil sie auf Alles, 

Menschen und Nahrung, bockt === stösst). 
Sterna nigra, Briss. In hiesiger Gegend wird dieser häufige Vogel: 
Scheergeierle genannt. Die Sterna leucoptera, welche hier 
zahlreich, und Sterna leucopareia, welche in Truppen bis 
zu fünf Stück durchzieht und heuer % Stunden von meinem Pfarr- 



73 

orte, auf dem Strittweiher bei Bmgarten, in einem Paare sogar 
gebrütet hat, nennen hier zu Lande die Hirten und Bauernschützen : 
fremde Scheergeierle. 
Neuhaus bei Höchstadt an der Aisch. 

J. Jäckel, Pfarrer. 



Nr. 9. 



Bemerkungen über die Vögel des Mindel- und Kamelthales 

in Bayern. 

Ein Beitrag zur bayerischen Ornithologie 



Christian Ludwig Laudbeck. 

Mitgetheilt 

von 

Pfarrer J. Jäckel. 



In Folge einer Aufforderung meines Freundes Jäckel, meine 
Beobachtungen über die Vögel des Mindelthales bekannt zu machen, 
theile ich in nachfolgenden Blättern dasjenige mit, was mir seit meinem 
siebenjährigen Aufenthalte im Klingenbad ornithologisch Bemerkens- 
werthes vorgekommen ist. Da die beiden obgenannten Xhäler nur 
durch einen 1 / 2 bis % Stunden breiten Bergrücken getrennt sind, vor 
der Einmündung in das Donauthal sich vereinigen und sonach nur 
zwei Arme oder Zweige eines Astes bilden, ganz ähnliche geographi- 
sche und geognostische Verhältnisse zeigen, beide die Voralpen nicht 
erreichen, also nicht durch Schneewasser, sondern durch Quellenflüsse 
bewässert werden, in die Molasse eingerissen sind und parallel von 
Süden nach Norden streichen, durch eine fast gleiche Vegetation be- 
deckt und ungefähr gleich hoch gelegen sind, so ziehe ich beide 
Thäler, d. h. einen etwa zwei bis drei Stunden langen Abschnitt der- 
selben, soweit bis zum Jahre 1848 beinahe meine Jagd gereicht hatte, 



74 

zugleich in Betrachtung, und bemerke nur noch, dass beide Flüsse 
wenig Ufergebüsch haben, das Mindelthal aber grosse mit Binsen, 
Schilf und Seggengräsern bedeckte Moorflächen enthält und etwa dop- 
pelt so breit ist, als das Kamelthal. 

Eigentliche Wanderungsstrassen bilden diese Thäler nicht, aber 
die Nähe der Donau übt einigen Einfiuss auf die ornithologischen Vor- 
kommnisse, indem sich Donauvögel nicht selten hierher verfliegen. 

Das obere Mindelthal, in welchem sich viele warme Quellen und 
unkultivirte Sümpfe befinden, ist. reicher an Sumpf- und Wasservögeln, 
sowohl während der Brut- als Strichzeit, als das untere Thal. Das 
Kamelthal, obgleich der Kamelfluss bedeutend fischreicher ist, als die 
Mindel, ist weit ärmer an Vögeln und hauptsächlich nur wegen der 
Schilfsänger, welche die Weidengebüsche der Kamel während der 
Wanderung besuchen, wichtig. Der Bergrücken, welcher sich zwischen 
beiden Thälern erhebt, ist grossentheils mit Nadel- und Laubholz, 
namentlich Eichen- und Birkenwaldungen bedeckt, welcher Umstand 
auf die Vögelwelt von besonderem Einflüsse ist. 

1. Falco albicilla, L. Erscheint selten im Winter auf der 
Wanderung, hat aber vor mehreren Jahren bei Offingen, nicht 
weit vom Einfluss der Mindel in die Donau gebrütet, von wel- 
chem Paare ein alter Vogel erlegt wurde. 

2. Falco fulvus, L. Kommt noch weit seltner als der Seeadler vor 
und wurde erst ein paarmal gesehen. 

3. Falco haliaetos, L. Brütet an der Donau bei Landstrost, Rei- 
sersburg etc. und ist daselbst nicht selten. Er besucht im Früh- 
jahr und Herbst, seltener im Sommer, das Mindelthal. Am 5. No- 
vember 1847 setzte sich ein Fischadler auf das Storclmest der 
Kirche zu Ettenbeuren im Kamelthal und wurde vom Schul- 
lehrer heruntergeschossen. Der Unterschenkel war früher einmal 
abgeschossen und in einem stumpfen Winkel wieder zusammen- 
gewachsen. 

4. Falco lagopus, L. Erscheint nur im Winter in beiden Thälern 
in wenigen Paaren, gewöhnlich vom October bis März. 

5. Falco butco, L. Uebcrall gemein; brütet häufig und wandert 
selten aus. 

(5. Falco apivorus, L. Ist in der hiesigen Gegend nicht selten 
und hat einige Jahre kaum 500 Schritt von meiner Wohnung 
auf einer Buche im «deichen Horste gebrütet. Am 28. August 



75 

1848 erlegte ich unfern vom Klingenbad ein ganz tiefbraunes, 
beinahe schwarzes altes Weibchen, dessen innere Magenhaut von 
genossenen Heuschrecken schön grasgrün gefärbt war. 

7. Falco milvus, L. Nicht selten vom Ende Februar oder An- 
fang März bis Ende October, manchmal bis December; brütet 
in den grossen Waldungen auf dem zwischen dem Kamel- und 
Mindelthale befindlichen Bergrücken. 

8. Falco at er, L. Selten und nur im Herbst und Frühjahr auf 
der Wanderung. 

9. Falco tinnunculus, L. Gemeiner Brütvogel; vom März bis 
October oder November. 

10. Falco subbuteo, L. Vom März bis November, so lange die 
Lerchen da sind; brütet nicht selten. 

11. Falco peregrinus, L. Im Winter selten und meist nur vor- 
überziehend oder an der Mindel auf Enten stossend. 

12. Falco palumbarius, L. Häufig; brütet. 

13. Falco nis us, L. Noch häufiger als der vorige; brütet. Wäh- 
rend der Paarungszeit im Jahre 1848 erlegte ich im Badwalde 
zunächst beim Klingenbade in ein Paar Tagen sechs Stück: 
zuerst ein Männchen von einem gepaarten Paare; das Weibchen 
hatte Nachmittags diesen Verlust ersetzt und wurde zum zweiten 
Male Wittwe; am zweiten Tage war bereits wieder ein Männchen 
da. Nun wurde aber das Weibchen erlegt und — siehe da! — 
am Abend hatte sich bereits ein zweites Weibchen eingefunden, 
und so wurde der Krieg fortgesetzt, bis kein Sperber mehr zu 
finden war. Sie waren leicht zu entdecken, da sie sich durch 
ihre klingenden Paarungslaute sogleich verriethen und sich leicht 
gegen den Schützen treiben Hessen. 

14. Falco pygargus auet. Wurde früher bei Edelstetten zwischen 
der Mindel und Kamel erlegt. Am 14. November 1851 erhielt 
ich ein prachtvolles altes Männchen, welches bei Haldenwang 
im Mindelthale erlegt worden war. Zu gleicher Zeit wurden 
noch vier Exemplare in dieser Gegend geschossen. Am Tage 
zuvor sah ich ein altes Männchen von Süden nach Norden am 
Klingenbad vorüberziehen. Der Magen des von mir unter- 
suchten Vogels war mit Mäusen und den Ueberresten eines 
Goklannners angefüllt. 



76 

15. Strix noctua, lietz. Ist, wahrscheinlich wegen des Mangels 
an hohlen Obstbäumen, ziemlich selten. 

16. Strix aluco, L. Ebenfalls selten. 

17. Strix flammea, L. Auf Kirchen und alten Gebäuden nicht 
selten. 

18. Strix otus, L. Hier die gemeinste Eule, welche zu allen 
Jahreszeiten in den Tannen- und gemischten Waldungen ge- 
funden wird. Ich habe hier schon zweimal die interessante Er- 
fahrung gemacht, dass diese Eule ihre Jungen, wie die Katzen, 
fortträgt. 

19. Strix brachyotus, L. Selten; ich habe sie erst zweimal, am 
20. October 1847 und 2. October 1848 in den Torflöchern beim 
Klingenbad angetroffen und erlegt. 

20. Strix bubo. L. Wurde bei Thannhausen im Mindelthal und 
bei Edelstetten schon dreimal, 1847 auf dem Schnepfenanstande 
und im Herbst 1852 bei Tage, von Raben und Raubvögeln ver- 
folgt, erlegt. Der letzte hatte einen Falco buteo im Magen. 

21. Caprimulgus europaeus, L. Bisher noch nicht brütend, 
sondern stets nur auf der Herbstwanderung fast alljährlich be- 
merkt und bei Jettingen, Edelstetten, Kemnat geschossen. Beim 
Klingenbad traf ich denselben im October 1850 und 1851 auf 
einem lichten, sonnigen Schlage ganz auf der gleichen Stelle an. 

22. Cypselus murarius, Temra. An alten Schlössern und Thür- 
men vom Mai bis Juli. 

23. Hirundo riparia, L. Brütet in grösseren und kleineren Colo- 
nien bei Burtenbach, Krumbach, Edelstetten und Wettenhausen. 
Ich beobachtete schon einige Male einzelne Paare, welche in 
Brücken und Stadtmauern brüteten. 

24. Hirundo urbica, L. Gemein vom April bis October. 

25. Hirundo rustica, L. Fast so häufig wie die vorige; kommt 
etwas früher als diese und brütet gewöhnlich in Ställen. 

26. Alcedo ispida, L. Selten an der Mindel, zahlreicher an der 
weit fischreichern Kamel. 1852 hielten sich sechs Stück an 
der Mindel bei Burtenbach auf. Einer wurde am 31. Juli 1851 
in einem Garten in Thannhausen todt gefunden: er war ver- 
hungert, weil er in Folge der Ueberschwemmung nicht mehr 
fischen konnte; ein anderer sass Morgens lebend vor meiner 



77 

Hausthürc, wurde von meiner Magd gefangen und von mir 
einige Zeit lebendig erhalten. 

27. Coracias garrula, L. Selten hier durchziehend. Am 
16. Mai 1843 zeigte sich eine Blau - Krähe im Walde beim 
Klingenbad und am 3. September 1845 wurde ein junges Weib- 
chen im vollständigen Herbstkleid im Schlossgarten zu Burten- 
bach erlegt. Sie wurde auch schon in anderen Theilen des 
Mindelthales erlegt oder be aerkt. Gegen die Donau zu bei 
Hausheim, Bächingen etc. soll sie gewöhnlich sein. 

28. Oriolus galbuTa, L. In manchen Jahren häufig hier, wo sie 
grossen Schaden an den Kirschen verursacht. 1851 war nur ein 
einziges zweijähriges Paar in der Umgebung des Klingenbades. 
Kommt Anfangs Mai und geht zu Ende August. 

29. Cuculus canorus, L. Vom Anfang April bis Ende August 
häufig. Einer stiess sich am weiss übertünchten nördlichen Giebel 
des Bades bei Nacht das Genick ab und lag Morgens todt vor 
demselben. 

30. Jynx torquilla, L. Bei Ettenbeuren nicht selten, beim Klin- 
genbad nur auf der Frühjahrs- Wanderung einzeln. Kommt mit 
dem Kuckuck, geht aber später. 

31. Picus canus, L. Selten. 

32. Picus viridis, L. Gemein. 

33. Picus martius, L. Selten beim Klingenbad, aber in den 
grossen Burtenbacher und Waldbacher Waldungen ziemlich ge- 
mein, doch weit seltener als der Grünspecht. Er lebt im Laub- 
und Nadelholz und kommt nur bei bevorstehenden Witterungs- 
wechseln mit grossem Geschrei in die Wälder nächst dem Bade. 

34. Picus major, L. So ziemlich der häufigste Specht 

35. Picus medius, L. Selten. 

36. Picus minor, L. Sehr selten. 

37. Certhia familiaris, L. Im Sommer seltener, als im Winter, 
nur im Nadelholz und gemischten Waldungen. 

38. Sitta europaea, L. Im Winter häufiger als im Sommer, auch 
mehr in gemischten Waldungen, als in reinem Laub- oder Nadel- 
holz. 

39. Upupa epops, L. Nicht selten vom März bis September. 

40. Corvus monedula, L. Bewohnt in zahlreichen Colonien die 
Kirch thürme etc. in Ettenbeuren, Wettenhausen, Knöringen, 



78 

sämmtlich im Kamelthal, während sie im untern Mindelthal nicht 
brütet. Dagegen erscheint sie manchmal daselbst im Juni in 
grossen Schaaren, um halbreife Dünkelähren zu naschen, wo- 
durch sie sehr schädlich wird. 

41. Corvus frugilegus, L. Brütet nicht hier, erscheint aber im 
Winter in grossen Schaaren auf den Saaten. 

42. Corvus corone, L. Sehr häufiger Standvogel. 

43. Corvus cornix, L. Selten im Winter. 

44. Corvus corax, L. Sehr selten. 

45. Corvus pica, L. Zahlreich. 

46. Corvus caryocatactes, L. Oefters durchziehend. 

47. Corvus glandarius, L. War im kalten Winter 1844 — 45 
fast ganz ausgestorben, ist jetzt aber wieder der zahlreichste 
rabenartige Vogel hiesiger Gegend. Ich fing mit vorgehängten 
hölzernen, rothgefärbten Vogelbeer-Surrogaten in einer Dohne 
im December 1851 ein altes Weibchen, bei welchem der Schna- 
bel wie bei der Gattung Rhynchops gebildet, nämlich der Ober- 
schnabel nur halb so lang, als der untere war. 

48. Sturnus vulgaris, L. Wird in allen Dörfern gehegt und durch 
Staarenhäuschen zum Brüten in der Nähe der Häuser veranlasst. 
Er ist daher, zumal ihm die sumpfigen Viehweiden hinlängliche 
Nahrung gewähren, sehr zahlreich, so dass sich im Herbste 
Schaaren von vielen Hunderten bei den Viehheerden sammeln. 
Er kommt gewöhnlich schon im Februar, spätestens zu Anfang 
des März an und geht zu Ende October wieder fort. Nach 
Vollendung der zweiten Brut verlassen sie mit ihren Jungen die 
Brüteplätze und ziehen mit denselben auf sumpfigen Viehweiden 
umher. Gegen die Mitte oder das Ende des Octobers aber 
kommen die alten Paare wieder zu den Häusern, ergreifen von 
ihren Häuschen zum zweiten Male Besitz, bleiben fast den gan- 
zen Tag da und singen bei einigermassen heiterm Wetter fast 
unausgesetzt, als wollten sie dadurch ihre Dankbarkeit für die 
genossene Gastfreundschaft bezeugen, und sind nach etwa 10 bis 
14 Tagen eines schönen Morgens verschwunden. Dieser Ab- 
schied, verbunden mit dem beginnenden rauhern Herbst, hat 
etwas recht Rührendes, das gewiss jeder Naturfreund unter diesen 
Umständen empfindet. 

49. Turdus merula, L. Brütet in allen Wäldern ziemlich häufig; 



79 

wandert in strengen Wintern aus, in gelindern gewöhnlich nur 
die Weibchen. 

50. Turdus torquatus, L. Kommt aus dem Gebirge herab im 
Striche. Am 24. October 1845 erlegte ich ein junges' Weibchen 
auf einem Vogelbeerbaum und sah noch ein weiteres Exemplar. 
Bei Münsterhausen wurden vier Stück gefangen. 1850 im Oc- 
tober fing ich im hiesigen Garten wieder eine Ringamsel. 

51. Turdus pilaris, L. Vom October bis März auf Vogelbeer- 
bäumen oft zahlreich. 

52. Turdus iliacus, L. Vom October bis März sehr häufig; 
wird in der ganzen Umgegend in Menge gefangen. Ich habe 
im Jahre 1851 zwei Exemplare gefangen, auf deren äusserster 
Schwanzfeder an der Spitze ein halbmondförmiger weisser Fleck 
befindlich ist. 

53. Turdus musicus, L. Sehr zahlreich; wandert im Winter nach 
Süden und wird durch nördliche Einwanderer ersetzt. 

54. Turdus viseivorus, L. Brütet in den hiesigen Laubwäldern 
nicht zahlreich; auch im Winter ist sie nicht gemein. 

55. Lanius exeubitor, L. Standvogel; nicht gemein. 

56. Lanius rufieeps, B. Ziemlich seltener Brutvogel; manche 
Männchen sind ausgezeichnete Sänger. 

57. Lanius spinitorquus, B. Der gemeinste Würger, der alle 
grösseren Feldhecken vom Mai bis September bewohnt. Einzelne 
Männchen singen herrlich, andere gar nicht. 

58. Bombycilla garrula, Briss. Am 25. Januar 1848 wurden im 
Schlossgarten zu Burtenbach acht Stück bemerkt. 

59. Muscicapa grisola, L. Nicht häufig; kommt sehr spät im 
Mai und geht im September. Im Sommer 1851 hat ein Paar 
auf der Latte eines Spaliers dicht über dem Fenster meines 
Wohnzimmers gebrütet. 

60. 61. Muscicapa atricapilla, L. und albicollis, Temm., 
kommen nur auf dem Durchzuge im September vor. 

62. Saxicola oenanthe, L. Vom April bis September selten, in 
alten Kiesgruben brütend; auf dem Durchzuge im Herbst in 
Krautgärten und an den Flussufern. 

63. Saxicola rubetra, L. In den Wiesen und Rieden nicht 
selten. Kann den Finkenschlag täuschend nachahmen. 



80 

64. Saxicola rubicola, L. Selten und nur auf der Wanderuno- 
im Kamelthale. 

65. Sylvia tithys,' L. Nicht selten vom März bis October. 

66. Sylvia phoenicurus, L. Brütend ziemlich selten; im Herbst 
auf der Wanderung in. Gärten und Wäldern gemein. 

67. Sylvia cyanecula, Pall. Auf dem Durchzug im April und 
September ziemlich zahlreich. 

68. Sylvia rubecula, L. Der gemeinste Sänger vom März bis 
October, oft bis in den November hinein. 

69. Sylvia curruca, Lath. Nicht häufig vom April bis in den 
October. 

70. Sylvia cinerea, Briss. Vom April bis Ende September in 
Gärten, Wäldern, Feldhecken und an den Ufern der Bäche und 
Flüsse gemein. 

71. Sylvia atricapilla, L. Gemein in Gärten und Wäldern vom 
April bis October. 

72. Sylvia hortensis, Penn. Etwas seltener als die vorige; kommt 
erst im Mai und geht im September; thut ziemlichen Schaden 
an den veredelten Kirschen. 

73. Sylvia aquatica, Lath. Nicht selten an derMindel und Kamel, 
wo er vielleicht auch brütet. Im Frühjahr, April, bemerkt man diesen 
hübschen Schilfsänger mehr im Weiden- und Erlengebüsch an den 
Flussufern, im Herbst, August und September mehr im Seggen- 
grase, Schilf, Binsen etc., sowohl an den Flussufern, als an klei- 
neren Bächen und Wassergräben; selbst in den Kraut- und Kar- 
toffelstücken zeigt er sich. 1845 schoss ich am 23. September 
noch ein junges Männchen. 

Sylvia cariceti, Naum. Kommt unter dem Vorigen vor. 

74. Sylvia phragmitis, Bechst. Im April und August bis Sep- 
tember an der Mindel und Kamel auf der Wanderung nicht 
selten. Brütend habe ich ihn hier noch nicht gefunden. Schon 
seit mehreren Jahrern erscheint ein Männchen im Garten zu Klin- 
genbad in einem Hollunder- und Fliederbusche, singt daselbst ein 
bis zwei Tage herrlich und verschwindet dann wieder. Vor einigen 
Jahren fing ich einen dieser Vögel im Nachtigallengarn, worauf 
den andern Tag ein zweiter sich in demselben Busche einstellte 
und fleissig sang. Der Gefangene wurde bald zahm, sang 
äusserst fleissig und wurde über ein halbes Jahr mit Ameisen- 



81 

puppen ernährt, wobei er gesund und munter blieb. Ich schenkte 
ihm die Freiheit wieder. Sehr sonderbar ist der Besuch dieses 
Vogels in dem seitwärts eine halbe Stunde von der Mindel ent- 
fernten Klingenbade, da auch kein Wassergraben oder fortlaufendes 
Gebüsch dahinführt. 

75. Sylvia locustella, Penn. Kommt hier öfters auf dem Zuge 
durch. Einmal erlegte ich ein Stück im Frühjahr an der Kamel, 
ein zweites in den Kartoffel- und Krauttheilen im Herbst bei 
Schönenberg, das dritte am 12. August 1849 im Seggengrase 
einer zum Bade gehörigen nassen Wiese, wo es durch meinen 
Hühnerhund zuerst gestanden, dann aufgestöbert wurde. 

76. Sylvia arundinacea, Briss. Auf der Wanderung im April 
und August an der Mindel und Kamel gemein, an ersterer 
brütend. 

77. Sylvia hypolais, L. Vom Mai bis September ziemlich zahlreich 
junge Schläge von Haseln, Eichen und Zitterpappeln bewohnend. 

78. Sylvia sibilatrix, Bechst. Vom April bis September ziem- 
lich selten; Brütvogel. 

79. Sylvia montana, Landbeck. Er brütet wahrscheinlich im 
obern Mindelthal, doch habe ich darüber noch keine Gewissheit 
erlangt. Am 10. Mai 1844 zogen vier bis fünf Stück hier durch; 
am 1 6. August 1845 erlegte ich von mehreren Stücken ein junges 
Männchen im Garten beim Klingenbad; im Juli hörte ich wäh- 
rend der Hirschjagd im Ettenbeurer Forst ein Stück locken, 
auch später bemerkte ich noch mehrere durchziehende. 

80. Sylvia trochilus, L. Sehr gemein in den meisten Wäldern 
vom März bis October. Im vorigen Sommer (1851 am 4. Mai) 
erlegte ich zwei Männchen, welche einen von dem gewöhnlichen 
so sehr abweichenden Gesang hören Hessen, dass ich dieselben 
kaum für Laubvögel erkannte. Sie unterschieden sich jedoch 
im Aeussern in Nichts von den übrigen. 

Eines dieser Exemplare, von Landbeck meisterhaft ge- 
stopft, sowie das obenerwähnte junge Berglaubvogel-Männchen 
sind in meinem Besitz. Ja ekel. 

81. Sylvia rufa, L. Bei weitem der gemeinste Laubvogel vom 
März bis Ende October. In den beiden letzten Monaten seines 
Hierseins ist er bei dem Bade äusserst häufig und man hört sein 
melancholisches „Huit" aus allen Bäumen ertönen. 

Naumaimia 1855. Q 



82 

82. 83. Regulus flavicapillus, Br., und ignicapillus, Br., sind 
in den hiesigen Tannenwäldern das ganze Jahr hindurch gemein. 

84. Parus caudatus, L. Als Brütvogel nicht häufig, im Herbst 
und Winter gemein. » 

85. Parus coeruleus, L. Ziemlich häufig. 

86. Parus major, L. Sehr häufig. 

87. Parus ater, L. Gemein. 

88. Parus palustris, L. Zahlreich. 

89. Parus cristatus, L. So gemein wie P. ater. 

90. Accentor modularis, B. In der Umgebung des Bades vom 
März bis October nicht selten, auch in den Wäldern brütend. 

91. Troglodytes parvulus, L. Häufig. Im October, November 
und December 1851 kamen solche Vögelchen in das Wohn- 
gebäude des Klingenbades, suchten in den Hausgängen und Win- 
keln Nahrung und schlüpften drei Stockwerk hoch durch die Ab- 
tritte hinunter und unten hinaus. 

Im Spätherbst 1850 schlüpfte ein Zaunkönig durch die zer- 
brochene Scheibe eines Fensters im Chore der Kirche zu 
Kloster Sulz in Mittelfranken, suchte am Schnitz werke und 
der Bekleidung des Altars und der Kanzel nach Spinnen, 
Mücken etc. und kannte sein oft benutztes Pförtlein*) recht gut. 

Jäckel. 

92. Cinclus aquaticus, B. Ziemlich selten. 

93. Motacilla alba, L. Sehr häufig; brütet öfters unter den über- 
hängenden Rändern der Torfgräben und zwischen aufgeschich- 
teten Torfstücken. März bis October. 

94. Motacilla sulphureäf, B. Selten an der Mindel; kommt bei 
kalter Regenwitterung im September und October auf die Düng- 
lege beim Klingenbad. 

95. Motacilla flava, L, Brütend habe ich sie hier noch nicht 
angetroffen, aber auf der Wanderung im Frühjahr und Herbst 
erscheint sie zahlreich bei den Schafheerden. Ihr Besuch bei 
denselben soll bevorstehende Witterungsveränderung anzeigen. 
Im October 1851 schoss ich ein altes Männchen, dessen Herbst- 
kleid so schön war, wie das Frühlingsgewand. 



*) Ganz ebenso in hiesiger Kirche. Baldamus. 



83 

96. Anthus pratensis, B, Brütet ziemlich häufig in den Torf- 
gründen des Mindclthals. Von Anfang des März bis Ende Oc- 
tobcr. 

97. Anthus arboreus, B. April bis October in lichten Schlägen 
häufig. 

98. Alauda arborea, L. Häufig auf der Wanderung im März, 
October und November; brütend habe ich sie hier noch nicht 
beobachtet. 

99. Alauda arvensis, L. Ungemein häufig von Ende Februar 
bis Ende October, 

100. Emberiza citrinella, L. Aeusserst zahlreicher Standvogel. 

101. Emberiza hortulana, L. Nur einmal erhielt ich ein schönes 
altes Männchen im Mai 1848 im Walde beim Klingenbade. 

102. Emberiza schoeniclus, L. An der Mindel und den daran- 
stossenden beschilften Gräben während der Brütezeit ziemlich 
gemein, auf der Wanderung auch in Wäldern und Feldhecken 
nicht selten. März bis November. , 

103. Fringilla coelebs, L. Häufig; im Juli und August oft in 
Schaaren von Hunderten beisammen, thut er an den frisch an- 
gesäeten Rapsäckern Schaden, Die Weibchen ziehen im Winter 

■ auch hier fort. 

104. Fringilla montifringilla, L. Erscheint jeden Herbst in grossen 
Schaaren, überwintert und geht im April wieder nördlich. Im 
December und Januar 1846 fiel er begierig auf die Vogelbeeren 
und wurde in den für Drosseln aufgehängten Dohnen in Menge 
gefangen; 1851 ging er nicht auf diese Beeren, sondern ernährte 
sich hauptsächlich von Birkensamen. 

105. Fringilla montan a, L. Ziemlich häufig, zumal im Winter. 

106. Fringilla domestica, L. Häufig. Ein Paar baute im Sep- 
tember 1851 ein grosses Nest in die Spitze eines Zwetschgenbau- 
mes in meinem Garten, um den Winter darin zu übernachten. 

107. Fringilla coecothraustes, L. Nicht gemein, doch brüten 
mehrere Paare in den grösseren Waldungen. Im October er- 
scheint er auf den samentragenden Weissbuchen in Gruppen 
von 6— 15 Stück in der Nähe des Bades. Er mausert sich sehr 
spät, nämlich erst um diese Zeit. 

108. Fringilla pyrrhula, L. Im Sommer im Ettenbeurer Forst 
und den Kemnater Wäldern brütend, im Winter im Badwald, 

6* 



84 

wo er die Vogelbeeren zum Drosselfang ruinirt und dabei selbst 
gefangen wird. Frisst auch gerne Birkensamen und die Blüthen- 
knospen der Kirschbäume, wodurch er schädlich wird. 

109. Fringilla chloris, L. Brütend selten, zuweilen im Striche 
auf Disteln. 

110. Fringilla cannabina, L. Brütet in Feldhecken und erscheint 
im September zu Hunderten in den Schönenberger Kraut- und 
Hanfländern. 

111. Fringilla linaria, L. Erschien seit meinem Hiersein, seit 
sieben Jahren, nur einmal im November 1847, sehr häufig in 
den Birkenwäldern hiesiger Gegend. Einzelne oder kleinere 
Truppe zeigen sich öfter. Ein Männchen sah und hörte ich 
noch im Mai 1848 in einem Tannenwäldchen beim Kling-enbad 
singen. 

112. Fringilla carduelis, L. Ein ziemlich seltner Brütvogel. 

113. Fringilla spinus, L. Brütet in den grösseren Nadelholzwal- 
dungen; im Winter fast überall in grösseren Gesellschaften. 

114. 115. Loxia curvirostra, L., und pytiopsittacus, L. Beide 

Arten ziehen gegenwärtig umher und werden bald da, bald dort 
in grösserer Anzahl in^ den Nadelwäldern angetroffen. Im obern 
Mindelthal zahlreicher als im untern. 1851 fing: sich einer in 
einer Drosseldohne, welche den Sommer über im Walde hängen 
geblieben war, ohne beködert zu sein. Er hatte sich wahr- 
scheinlich, um auszuruhen, darauf gesetzt. 

116. Columba oenas, L. Aus Mangel an hohlen Bäumen zur 
Brütezeit nicht gemein, häufiger während des Zuges. 

117. Columba palumbus, ( L. Sehr häufig vom März bis Ende 
September. 

118. Columba turtur, L. In den Tannenwäldern bei Burtenbach 
und Waldbach brütend, beimKlingenbad manchmal vorüberziehend. 

119. Phasianus colchicus, L. Ist in den Donauauen bei Günz- 
burg nicht selten und verstreicht sich manchmal in das untere 
Mindelthal. 

120. Tetrao tetrix, L. Am 27. Januar 1849 wurde ein Weibchen 
auf der hiesigen Jagd erlegt; es war entweder aus dem Hoch- 
gebirge oder wahrscheinlicher von den Jagden des Fürsten von 
Fugger, auf denen es in den Rieden bei Babenhausen gehegt 
wurde, herbeigestrichen. 



85 

121. Perdix cinerea, L. Verschwand in dem kalten Winter 1844 
bis 1845 gänzlich, ist später wieder eingewandert und jetzt nicht 
mehr selten. 

122. Perdix coturnix, L. In manchen Jahren häufig, in andern 
seltener; vom Mai bis October. 

Otis tetrax, L. Vor mehreren Jahren wurde vor den Thoren Augs- 
burgs ein Weibchen gefangen, das sich in der hiesigen Samm- 
lung befindet. 

Oedicnemus crepitans, Temm. Kommt bei Augsburg öfters 
vor und brütet im Lechfelde, woher ein Junges im Dunenkleid 
hier aufgestellt ist. Einmal glaubte ich auch hier einen alten 
Vogel gehört zu haben. 

123. Charadrius auratus, Suck. Erscheint öfters in Truppen 
von 10 — 15 Stück im Mindelthal, so 1845 bei Thannhausen, 
1847 bei Burtenbach, 1851 am 31. November elf Stück bei Burgau. 

124. Vanellus cristatus, M. und W. Ziemlich zahlreich von An- 
fang März bis November, oft bis zum December. 

125. Tringa alpina, L. Selten auf dem Zuge das Donau- und 
Mindelthal heraufkommend. 

126. Totanus hypoleucos, L. Selten auf der Herbstwanderung 
im Juli und August an der Mindel, zumal an einem kiesigen 
Arm derselben. 

127. Totanus o ehr opus, L. Nicht selten im Frühjahr und Herbst 
sowohl an der Mindel, als in den sumpfigen Torflöchern. 

128. Totanus calidris, L. Es brüten in hiesiger Gegend jährlich 
6 — 8 Paare auf den Halbinseln der Mindel und in den sumpfigen 
Torfstichen, so dass er die Brüteplätze mit dem Kiebitz theilt. 
Er erscheint etwas später als dieser in der Mitte des März und 
zieht bereits Ende August bis Mitte September wieder fort. Am 
14. September 1851 bemerkte ich an der Mindel bei Burtenbach 

1 eine auf der Wanderung begriffene Truppe von etwa 30 — 40 
Stücken, welche ich am gleichen Tage 1 1 / 2 Stunden weiter süd- 
lich auch bei Thannhausen bemerkte. 

129. Scolopaxrusticula, L. Ist zur Strichzeit ziemlich häufig, 
brütet aber auch im Ettenbeurer Walde. Im Frühjahr kommt 
sie Mitte März, im Herbst im September und bleibt bis Kälte 
oder Schnee eintritt. Wird öfters noch in der Mitte Novembers 
geschossen. 



86 

130. Scolopax major, L. Ist hier selten, so dass jährlich nur ein 
bis zwei Stück erlegt werden; dagegen ist sie oberhalb Thann- 
hausen, Balzhausen etc. weit zahlreicher. 

131. Scolopax gallinago, L. Brütet in den Torfsümpfen. 1847 
und 1851 war sie auf dem Striche im März und im August bis 
October sehr zahlreich; öfters noch im November in grosser 
Anzahl. 1851 waren viele Hunderte hier, weil die Flüsse und 
Seen so mit Wasser überfüllt waren, dass die Bekassinen keine 
Nahrung mehr daselbst fanden. Sie hielten sich sehr häufig auf 
Aeckern und Krautländern auf. Ich besitze eine beinahe schnee- 
weisse Bekassine. 

132. Scolopax gallinula, L. Im April und Mai, im September 
und October nur auf dem Striche, weniger häufig als die vorige 
und nur in manchen Jahren, wie 1845 und 1847, ziemlich ge- 
mein. 

133» Numenius arquata, L. Im obern Mindelthal ziemlich häufig; 
hier brüten jährlich nur zwei bis drei Paare, wovon ich am 
8. April 1845 vier Eier erhielt. Das Nest war auf den Wiesen 
unterhalb Schönenberg in der Nähe eines Heuhaufens erbaut. 

134. Ciconia alba, L. Ist in beiden Thälern gemein und brütet 
auf vielen Kirchen. Er kommt zu Anfang des März und geht 
im August. 1845 hielten sich während des letztgenannten Monats 
über hundert Stück gegen drei Wochen im Mindelthale auf und 
zogen endlich am 21. August weiter. Sie waren sehr scheu, 
und gelang es mir nicht, einen derselben zu erlegen. Sie hatten 
gewisse Lieblingsplätze, wo sie übernachteten, z. B. das Schloss 
in Eberstall, einige hohe Eichen etc., und da wurden ein Paar 
Exemplare geschossen. 

135. Ciconia nigra, L. Wurde vor mehreren Jahren bei Edel- 
stetten geschossen. 

Grus cinerea, L. Soll auf dem Durchzuge öfters im obern Mindel- 
thal erscheinen» 

136. Ardea cinerea, L. Gemein an der Mindel und Kamel. Bleibt 
auch in strengen Wintern hier und lebt dann von Fröschen, die 
er in den warmen Brunnenquellen fängt. Brütet in den Berg- 
waldungen beider Thäler. 



87 

137. Ardea stellarls, L. Wurde im Mindelthalc bei Edelstetten etc. 
öfters erlegt. 

138. Rallus aquaticus, L. In den Rieden des Mindelthales, jedoch 
nicht häufig. 

139. Crex pratensis, B. Nicht selten, in manchen Jahren häufig; 
vom Mai bis September und October. 

140. Gallinula porzana, L. Brütet an den, mit Seggengras be- 
deckten Ufern der Mindel und in den Torfsümpfen zunächst am 
Bade. Kommt gewöhnlich im April und zieht im September 
und October ab. Im Jahre 1846 waren diese Rohrhühner so 
häufig, dass ich mehr denn achtzig Stück schoss und zehn le- 
bendig fing. Eines, welches ich fehlte, erschrak so sehr, dass 
es sich auf die Erde setzte und ruhig mit den Händen ergreifen 
Hess. Pfeift bei Nacht wie ein Schäfer „Huit"! 

141. Gallinula pusilla, Temm. Ist selten; ich erhielt ein Stück 
am 26. August 1846 bei Burtenbach; wurde auch bei Edel- 
stetten schon erlegt. 

142. Gallinula chloropus, L. Ziemlich selten in den Fischweihern 
bei Burtenbach und im See bei Edelstetten. 

143. Fulica atra, L. Ebendaselbst, aber seltener. 

144. St er na nigra, L. Selten auf dem Durchzuge auf der Mindel. 

145. St er na hirundo, L. Brütet vielleicht an der Mindel; denn 
sie erscheint in etwa zwei Paaren fast täglich an derselben. Es 
ist aber auch möglich, dass sie von der Donau heraufkommt, da 
Seeschwalben und Möven zur Aufsuchung ihrer Nahrung täglich 
weite Strecken absuchen. Im August erscheinen oft Truppe 
von sechs bis zehn Stück an der Mindel. 

146. Larus ridibundus, L. Erscheint auf der Frühlings- und 
Herbst Wanderung alljährlich im März, Juli und August in ziem- 
lich zahlreichen Flügen. Am 22. Juli 1851 kamen ungefähr 
sechzig alte Vögel auf die Wiesen unfern der Mindel, trieben 
sich ein Paar Stunden darauf umher und zogen dann gegen 
Süden weiter. Zeigt sich auch an der Kamel nicht selten. 

147. Anser segetum, L. Kommt alle Winter auf dem Durchzuge 
in hiesige Gegend, besonders auch an die Mindel. Im Winter 
1845 — 1846 kamen sechs bis acht Stück an eine warme Quelle 
in der Wiese beim Klingenbad. 



88 

148. Anser cinereus, L. Kommt ebenfalls hier durch, 

149. Cygnus musicus, L. Wurde einmal an der Kamel und von 
drei Stück eines bei Burtenbach an der Mindel geschossen. 

150. Anas clypeata, L, Selten auf dem Striche.' 

151. Anas boschas, L. Den Winter hindurch in Schaaren von 
Hunderten auf der Mindel zwischen Burtenbach und Jettingen; 
brütend in wenigen Paaren. 

152. Anas acuta, L. Sehr selten auf dem Striche. 

153. Anas querquedula, L. Brütet zuweilen in den Torf löchern 
beim Klingenbad; sonst im Strich daselbst. 

154. Anas crecca, L. Zuweilen brütend; auf dem Striche häufiger 
als die vorige. 

155. Anaspenelope, L. Kommt manchmal im Strich mit den 
Stockenten. Am 11. August 1845 erhielt ich an der Mindel ein 
altes Weibchen. 

156. Anas ferina, L. Wie die vorige. Im Winter 1844 — 1845 
erhielt ich ein Weibchen an der Mindel. 

157. Anas clangula, L. Sehr selten. Im Winter 1847 erhielt ich 
ein Weibchen an der Mindel. 

158. Anasleucophthalmos, L. Unter Zügen der Stockente ziem- 
lich selten, 

159. Podiceps minor, Lath. Brütet im See bei Burtenbach, an 
der Mindel selten. 

160. Podiceps cristatus, Lath. Sehr selten durchziehend. 

161. Colymbus septentrionalis, L. Wurde im Winter 1843 
durch einen Schäfer auf der Mindel erschlagen. 

Geschrieben Klingenbad im Februar 1852. 



89 



Nr. 10. 



1. Zur Naturgeschichte der Oidemia fusca, Flem. 

Piatypus fuscus, Brehm. Melanita fusca, Boje. 

Anas fusca, Linne. Fuligula fusca, Bonap. 



Von 

Gadamer. 

Forstverwalter in Trolle-Ljungby. 



Die Sammetente (Schwedisch: Svärta; Norweg.: Sjöorre, Dänisch: 
Floejeland) ist an der nordöstlichen Küste von Schonen nicht 
selten, nistet auf fast allen kleinen Inseln hierselbst. Da ich den 
früheren Beschreibungen anderer Forscher Nichts zuzufügen habe, 
theile ich nur das mit, was ich in den meisten Faunen vermisse oder 
mit einem Worte, was ihr Brütgeschäft und ihre Lebensweise 
betrifft. 

Ihre Verbreitung hierselbst und ihre Brützone betreffend, weise 
ich auf Pastor Wallengrens Aufsatz: „Brützonen der Vögel inner- 
halb Scandinavien. Naum. 2. Quart. 1854" hin. 

Dieser Vogel ist nicht sehr scheu, so dass man auf offenem 
Meere mit dem Boote sich oft auf Schussweite nähern kann, beson- 
ders dem Weibchen, wenn es Junge hat. Je schwächer oder kleiner 
diese sind, desto besorgter und weniger scheu ist die Mutter. Jagt 
man sie mit einem Boote, so drängen die Jungen sich um ihre 
Mutter, und diese lässt sich dann sehr nahe kommen, ehe sie auf- 
steht und eine kurze Strecke fortstreicht. Dabei gibt sie ihre Angst 
mit einem tiefen: „Arr! — Arr! — Arr!!" — zu erkennen, und 
verweilt nicht lange, um fliegend oft bis zu zwanzig Schritt das Boot 
zu umkreisen und nach ihren Jungen zu sehen, welche mittlerweile 
getaucht haben. Diese zerstreuen sich nach allen Seiten hin und 
schwimmen unglaublich lange unter dem Wasser, ehe sie wieder her- 
aufkommen, um Luft zu schöpfen, tauchen aber sogleich wieder, 
wenn sie sich noch verfolgt sehen. Hat man die Mutter vielleicht 



-90 

durch mehrere .Schüsse (denn nach dem ersten Schuss kommt sie 
noch jederzeit zurück) erschreckt, so naht sie sich nicht mehr so 
nahe, dass der Schrot sie erreichen kann, sondern schwimmt auf 80 — 100 
Schritt ängstlich umher, ihr rauhes Arp! rufend. Dies ist auch ihr 
Lockton, womit sie die zerstreuten Jungen zusammenruft. Ruht man 
da mit dem Verfolgen, so hat man das schöne Schauspiel ,. das eine 
Junge nach dem andern auftauchen und dem Mutterrufe folgen zu 
sehen, worauf die ganze Gesellschaft eiligst davon schwimmt. 

Ihr Nest ist gewöhnlich im hohen Grase angelegt, nahe einem 
Erdhügel, einem Steine oder unter einem überhängenden Strauche, 
und ist, nach Art des Eidervogelnestes (Somat. mollissima), inwendig 
mit den schönsten Dunen dicht ausgefüttert. Es liegt jederzeit in 
einer Vertiefung und ist äusserlich mit trockenen Gräsern umgeben. 
Hat die Mutter Zeit, wenn sie genöthigt wird das Nest zu verlassen, 
so überdeckt sie erst die Eier mit Dunen, ehe sie fortfliegt. Ja, ich 
habe gesehen, dass eine solche Ente, welche früher durch Schüsse 
mehrmals beunruhigt worden war, beim ersten Schusse, den sie an 
einem andern Tage vielleicht auf der Insel hörte, sogleich aufstand, 
das Geschäft des Bedeckens begann, und als sie damit geendigt, sich 
nach dem Wasser schlich und fortschwamm. Sie liegt sehr fest auf 
dem Neste und es geschah mir oft, dass sie nicht eine Elle weit vor 
meinen Füssen aufstand. 

Das Ei dieser Ente ist 2 3 / 4 Zoll Rheinl. lang und 2 Zoll dick.*) 
Es hat im noch unbebrüteten Zustande eine schöne Isabellfarbe. Aus- 
geblasen aber, und besonders, wenn es nicht an dunkler Stelle ver- 
wahrt wird, verfärbt es sich bald zu einem Weiss, ähnlich wie die 
isabellfarbne Brust des Mergus merganser, welche, dem Lichte aus- 
gesetzt, ebenfalls fast ganz weiss wird. 

Sobald die Jungen**) ausgekommen sind, folgen sie sogleich der 
Mutter aufs Wasser und gehen dann selten ans Land, sondern ruhen 
nur auf aus dem Wasser hervorragenden Steinen oder auf dem 
Rücken der Mutter aus. Anfangs, so lange die Jungen noch zu 
schwach sind, führt die Mutter sie auf weniger tiefe Gewässer, am 
meisten an flache Küsten, wo Sandboden ist, und wo ihre Lieblings- 



*) Ich verstehe darunter den "kleinen oder Quer-Durchmesser. 
**) In einem spätem Aufsatze: „Dunenkleider einiger Vögel", werde ich 
das Junge in diesem Kleide beschreiben. 



91 

nahrung, Cancer pulex und andere kleine Oustaceen und Mollusken, 
in Menge zu finden sind, welches ihre Lieblingsnahrung zu sein 
scheint; älter geworden nähren sie sich auch von der Mytilus edulis 
und anderen zweischaaligen Muscheln. Auch Fliegen und andere 
Insekten wissen die Jungen sehr geschickt zu fangen, und springen 
oft ellenhoch nach denselben. In der Gefangenschaft wollten die 
Jungen -nichts Anderes 'fressen als Fliegen, wesshalb sie auch allezeit 
bald starben, und wesswegen ich den Versuch, sie aufzuziehen, ganz 
aufgegeben habe. Feinde hat diese Ente sehr viele. Ein Hecht, der 
beim Reinigen aufgeschnitten wurde, hatte, wie ich mit eignen Augen 
sah, ein junges Entchen dieser Art im Magen. Falco palumbarius und 
besonders A. albicilla thun ihnen sehr Abbruch. Auf dem Wasser 
schwimmend habe ich sie jedoch noch nie von ersterem angreifen 
sehen, auf dem Neste jedoch, und wenn sie über dem Lande fliegen, 
werden sie oft von ihm zu Boden geschlagen. Raben und Krähen, 
und vor Allem der Mensch, suchen ihre Eier auf und rauben sie 
unbarmherzig. Auch Mustela Erminea, wenn es zur Winterzeit den 
Weg übers Eis nach einer Insel gefunden hat, und im Frühjahre 
durch den Eisbruch verhindert wird, wieder ans Land zu kommen, 
und also dort übersommem muss, nimmt sowohl die Mutter auf dem 
Neste, als auch die Eier. Mir ist ein solcher Fall vorgekommen, wo 
ein Wieselpaar über eine Viertelmeile weit übers Eis auf eine solche 
Insel gewandert war und dort Junge bekam. Gerade diese Insel, eine 
der grössten hierselbst, war sonst von Hunderten von Tot. calidris, 
Vanellus cristatus, Haematopus ostralegus, Strepsilas collaris, Charadr. 
hiaticula, Oidemia fusca, Anas tadorna und Mergus serrator, so wie 
von Anthus rupestris, Larus canus und Sterna arctica bewohnt. Als 
ich für selbes Jahr meine erste Tour dorthin machte, erstaunte ich, 
die Insel ganz leer von Vögeln zu sehen. Ich wunderte mich lange, 
bis ich endlich das listige Räubergesicht von mehreren Wieseln zwi- 
schen dem Gesteine hervorblicken sah; da war das Räthsel gelöst! 

Die Jagd auf Oidemia fusca geschieht auf folgende Weise : wenn 
die Jungen fast flugbar sind, begibt man sich auf ein Boot, geführt 
von zwei Ruderern, und sucht so lange, bis man eine Kette dieser 
Enten findet. Da steht der Jäger im Vordertheile des Bootes, und 
das Boot wird erst in weiten, dann immer engeren Kreisen um die 
Enten herumgerudert. Diese verlieren dadurch ganz den Gebrauch 
ihrer Sinne, und drängen sich dicht an und um die Mutter, auf ein 



92 

und selber Stelle bleibend. Das Kudern geschieht im raschen Takte, 
so dass den Enten überall der Weg abgeschnitten wird. Ist man 
ihnen nun schussrecht gekommen, so schiesst man beide Schüsse auf 
ihre Hälse, und sehr oft geschieht es, dass man da die ganze Kette 
erhält. Diese Jagd ist jedoch nur anwendbar, so lange die Jungen 
noch nicht recht fliegen können. 

Eine andere Jagdmethode, am meisten zur Herbstzugzoit ange- 
wendet, ist folgende: Man hat eine ausgestopfte Ente dieser Art, 
welche man, in Schussnähe vom Lande, schwimmend aufs Wasser 
setzt. Mehrere Boote suchen nun die Enten und treiben sie nach 
der ausgestopften Ente hin, bei welcher sie gern einfallen, und werden 
dann geschossen, ehe sie den Betrug merken. 

Das Fleisch des alten Vogels ist thranig, und kann nur dann 
benutzt werden, wenn man sorgfältig alle fetten Theile wegnimmt 
und es in Milch legt, . ehe es gebraten wird. Wendet man beim 
Braten Wachholderbeeren als Gewürz an, so wird dieser ganz gut. 
Junge Enten geben einen guten Braten ab. 

Hauptsächlich aber verfolgt man diese Ente wegen der guten 
Federn und besonders der Dunen, die den Eiderdunen nicht viel 
nachgeben. Die meisten dieser Enten verlassen uns im Winter, doch 
findet man manchmal auch bei strengen Wintern ein oder das andere 
Exemplar. 

Ich habe ein altes Weibchen conservirt, welches Anfang Januar 
geschossen wurde. Es war äusserst mager und hatte nichts im -Magen. 



2. Zur Naturgeschichte des Numenius arquata. 

Der grosse Keilhaken oder grosse Brachvogel (Schwed.: 
Storspof-Tullare oder" Ko-vipa. Dänisch: Stör Regn spove, Dobbelt 
spove) ist ein sehr scheuer Vogel, dem man theils nur zufällig, theils 
sich anschleichend, zu Schusse kommen kann. Am wenigsten scheu 
ist er, wenn man sich seinen Jungen nähert, obschon er sich auch 
da noch sehr hütet, so nahe zu kommen, dass man ihn mit einem 
Schusse erreichen könnte. Naht man sich dem Neste, worin noch 
Eier sind, so ist er bei weitem nicht so ängstlich, obwohl er in einiger 
Entfernung auch da den Störer umkreist, wobei er seinen Affect 
durch vielfältige Töne zu erkennen gibt. Wollte ich einen alten 



93 

Vogel haben, so glückte es mir noch am besten auf folgende 
Weise: 

Das Gewehr fertig, bückte ich mich oft schnell nieder und griff 
mit der Hand schnell im Grase hin und her , gleich als ob ich einen 
jungen, v,or mir springenden Vogel greifen wollte; sobald der alte 
Vogel dies sieht, glaubt er, dass man hinter einem Jungen her ist, 
und kömmt da pfeilschnell, mit steifen Flügeln (so wie ein Falk), 
gegen den Suchenden, prallt aber, gleichsam erschreckt, dass er sich 
von der Liebe zu seinen Jungen so hat hinreissen lassen, zurück und 
sucht die Höhe. Dies ist der Augenblick ihn zu schiessen. 

Noch sicherer ist die Jagd. bei Mondschein. Man geht mit einem 
dunkelgefärbten Hühnerhunde in die Gegend, wo es solche Vögel 
o-ibt, und lässt den Hund revieren. Sobald man den Schrei des 
Vogels hört, deckt man sich hinter einem Strauche oder kniet auch 
nieder und bleibt unbeweglich, das Gewehr fertig. Der Hund sucht 
nach seinem Herrn zurück, und der Vogel, nach ihm stossend, folgt 
nach und wird geschossen. 

Neben seiner Scheu ist er auch sehr schlau, so dass man ihm 
eine gewisse Ueberlegungskraft nicht absprechen kann. Dies habe 
ich zur Herbstzeit während seines Zuges oft bemerkt. Da sammeln 
sich oft fünfzig und mehrere in eine einzige Gesellschaft, und gehen 
an dem flachen Seestrande ihrer Nahrung nach. An hiesiger Küste, 
so wie im Lande selbst, sind überall, statt der Zäune, von Steinen 
aufgelegte Mauern, welche sich oft noch ein Stück ins Wasser hin- 
ziehen, so dass das dort auf Weide gehende Vieh nicht aus der einen 
Umzäunung in die andere kommen kann. Nun geschah es oft, dass 
ich von grosser Weite eine Gesellschaft Brachvögel am Meeresgestade 
gewahrte. Ich wollte mich nun vorsichtig kriechend hinter der Mauer 
nähern. Dies glückte aber nicht oft, denn auch sie hatten mich schon 
in der Entfernung gewahrt, und sobald ich mich hinter der Mauer 
bückte, verstanden sie sogleich meine Absicht, und suchten mit 
grossem Geschrei das Weite. 

Die Eier dieses Vogels, wie die der Schnepfen vögel überhaupt, 
sind im Verhält niss zu seinem Körper sehr gross und dick. Er legt 
deren vier; und sie sind, so wie die meisten seiner Verwandten, bir- 
nenförmig, von Farbe dunkeltheegrün mit grösseren und kleineren, 
unregelmässigen, am dicken Ende fast zusammenfliessenden dunkel- und 
hellbraunen Flecken. 



94 

(Vier Eier aus einem Neste.) 
Ihre Länge: Diameter am dicksten Thcile 

Nr. 1. 2" — '" Rheinl. 

Nr. 2. 1" T" „ 
Nr. 3. 1" T" „ 
Nr. 4. 1" 5'" 



Nr. 1. 2 3 / 4 " — '" Rheinl 

Nr. 2. 2" 6'" „ 

Nr. 3. 2 3 / 4 " — '" „ 

Nr. 4. 2" 4'" 



Sein Nest findet man an seinen Lieblingsplätzen, auf grossen 
öden, morastigen, mit Gebüsch (Weiden) coupirten Wiesen, in einer 
Vertiefung, und es besteht aus einigem zusammengetragenen Grase und 
Gewurzel. 

Sein Wildpret, besonders das der Jungen, ist wohlschmeckend. 
Seine Feinde sind Fuchs und Wiesel, welche die Mutter auf dem 
Neste greifen. Die Haben und Krähen stehlen seine Eier und wer- 
den desshalb von ihm mit grossem Geschrei dreist verfolgt. Merk- 
würdig genug, obschon der Vogel hier nicht selten und zur Zugzeit 
sogar sehr häufig ist, habe ich noch nie einen Falco palumbarius 
einen solchen Vogel greifen sehen. 

Witterungswechsel und seine Ankunft im Frühjahre verkündiget 
er mit grossem Geschrei. 

Er bringt mehrere Laute hervor, einestheils einen langgedehnten 
gellen, anderntheils einen lachenden, — ja, er hat wohl für jeden 
Affect seinen eigenen Laut. 

Seine Nahrung (wenigstens habe ich nie Anderes in seinem Magen 
gefunden), besteht in Insekten, Eegenwürmern , Maikäferlarven und 
an den Küsten in Crustaceen, nach welchen man ihn oft bis an die 
Knie im Wasser herumspazieren sieht. 



3. Zur Naturgeschichte von Pavo cristatus. 

Nach den bisherigen Ansichten soll der Pfau erst im dritten 
Jahre oder dann, wenn der Schwanz des Hahnes richtig ausgebildet 
ist, fortpflanzungsfähig werden. Dass es hiervon jedoch Aus- 
nahmen gibt, beweist Folgendes: 

Ich erhielt ein Paar junge Vögel, ausgebrütet im Sommer des 
Jahres 1852. In diesem Sommer (1854) legte das Weibchen vier 
Eier und begann zu brüten. Um es nicht vergebens auf den Eiern 



95 

liegen zu lassen, beschloss ich, ihm einige Enteneier unterzulegen. 
Aller Bemühungen ungeachtet gelang mir dies jedoch nicht eher, als 
nach vierzehn Tagen. So lange lag der Pfau auf seinen eignen Eiern. 
Die Pfaucneier nahm ich nun weg, und da sie verdorben zu sein 
schienen, schlug ich eins entzwei, und siehe da, ein Junges befand 
sich im Ei; und so verhielt es sich mit allen übrigen. Der Hahn 
hat noch keine Spur von seinem schönen Schwänze, sondern soll ihn 
erst zum künftigen Frühjahre erhalten. 

Hierbei muss ich auch noch einer andern, nicht minder merk- 
würdigen Sache gedenken, nämlich, dass der Pfau ebenfalls nicht die 
geile Natur der Hühnervögel verleugnet. Als nämlich die Henne auf 
den Eiern lag, topulirte sich der Hahn mit zahmen Haushühnern, 
und was noch absurder ist, mit einer mannlosen Ente. Zu dieser 
letztern fasste er eine sehr dauerhafte Liebe, und man sah diese bei- 
den fast nie getrennt, — wo der Pfau war, da war auch die Ente, 
und Abends, wenn der Hahn nach dem sechszig Schritt entfernten 
Kieferwalde ging, um dort auf den höchsten Aesten zu übernachten, 
folgte die Ente ihm jederzeit dorthin und verweilte so lange, bis er 
aufgeflogen war, worauf sie ebenfalls ihrem Stalle zuwandelte. Am 
Morgen wiederum, sobald der Hahn vom Baume gestrichen kam, 
wurde er sogleich von der Ente mit der lebhaftesten Freude begrüsst, 
indem sie vor ihm und um ihn herum, mit dem Kopfe lebhaft sich 
hin und her bückend, ein eignes Geschnatter hören, liess.' Gewöhnlich 
trat dann der Hahn die Ente. 

Diese Freundschaft zwischen zwei so ungleichen Vögeln währte 
bis zum Tode der Ente. 

Auch zänkisch ist der Pfau und dabei sehr eigensinnig. Ich 
kaufte einen Haushahn, der, obwohl klein, doch sehr muthig und 
kampfsüchtig war. Sobald ich ihn auf dem Hühnerhofe losliess, ging 
er sogleich gegen den Pfauhahn, betrachtete ihn eine Weile, und fuhr 
dann auf ihn. Im Anfange betrachtete . dieser ihn mit Verachtung — 
es schien seiner unwürdig, sich mit einem so kleinen Männchen zu 
schlagen. Aber als der Hahn ihm einen Schnabel voll Federn ab- 
gerissen hatte, da wurde auch er böse, und eine fürchterliche Balgerei 
war das Ende vom Liede. Darauf fasste der Pfau einen solchen 
Hass gegen den Hahn, dass er sogar des Morgens, ehe noch die 
Hühner aus ihrem Stalle kamen, sich an dessen Thür postirte und 
wartete, bis sie geöffnet wurde, und dann verfolgte er ihn, von Morgens 



96 

bis Abends, fast nicht ans Essen denkend. Ich musste den Hahn 
schlachten, denn beide kümmerten ab, da sie sicU niemals Zeit zum 
Fressen Hessen. Also zwei Extreme beim Pfau — dauerhafte Liebe 
und dauerhafter Hass. 

Trolle-Ljungby, im December 1854. 

Gadamer. 



Nr. 11. 

Einiges über Vogelstimmen. • 

In Briefen an Dr. Karl Bolle. 

-Von 

Alfred Hausmann. 



Berlin, Januar 1855. 

Du willst von mir über die Vögel hören, mein 'Freund, und 
könntest doch in dieser Beziehung so gut Beobachter sein, als ich, 
wenn Dein Blick sich nur von den Kräutern des tiefen Bodens zu 
den luftigen Höhen jener luftigen Schwingenträger würde erhoben 
haben. • 

Und doch war die Ornithologie Deine erste Liebe, wie Du mir 
selber gestanden. Aber in der stolzen Kraft des Mannesalters hattest 
Du sie abgestreift, die Schlangenhaut einer jugendlichen Romantik. 
Mein Freund, dachtest Du wohl daran, dass jene Haut heimlich wieder 
wächst, und dass alte Liebe nicht rostet? 

So ist es denn auch gekommen: Amor scientiae hat wieder ge- 
kuppelt, und das schillernde Frühlingskleid einer neuen Erkenntniss 
hat allmälig die alten Farben wieder angenommen. Tritt vor den 
Spiegel, Freund, Du bist wieder der Alte! 

Auf denn, und mir nach durch alle Windungen einer mehr oder 
weniger empirischen Wissenschaft! Aber belehren will ich Dich 
nicht, kann es auch nicht, nur den Staub sollen Dir Vogelschwingen 
von den alten Erinnerungen schlagen, und die Gluth eines neuen 
Forschertriebes wieder anfachen. 



97 

Ueber Vogelstimmen soll ich Dir schreiben, dem die Kanarien- 
sänger im Garten gebrütet, und vor den Fenstern getrillert und ge- 
schmettert? 

So horche denn, ob es die unsrigen auch so gut oder besser 
oder schlechter machen, als jene goldgrünen Inselbewohner. 






„Frühlingslüfte sind erwacht, sie säuseln und wehen bei Tag 
und bei Nacht." Der Schnee zergeht vor Wehmuth, dass sein Reich 
bald zu Ende, aber die Spatzen und Krähen spüren's auch auf den 
Dächern und werden lenzesfroh. Die Sperlingsmännchen blasen die 
Kehle auf, drehen sich rechts und links, und ihr „Schilling, Schil- 
ling!" klingt heller und fröhlicher. Die Krähen auf den Dachfirsten 
machen komische Anstrengungen, den alten Paarungsruf in ihrem 
Singmuskelapparate wieder zu finden, und der Staarmatz sitzt auf 
den regentröpfelnden Zweigen, schlägt mit den Flügeln, kräht, und 
schimpft die Sonne aus, dass sie für seine Ungeduld immer noch zu 
niedrige und zu kalte Bogen macht. Auf den Bäumen der Land-, 
Strasse sitzt die Goldammer, und leise und verstohlen übt sie ihre 
melancholischen Sylben. Zu einem Trupp hat sich die Gerstenammer 
(Emberiza miliaria L.) auf den Spitzen der Pyramidenpappeln ver- 
sammelt. Man hört schon von weitem ihr Schellengeklingel. Noch 
ist es aber ein ziemlich blecherner Ton. 

Die Haubenlerche sitzt auf einem Stein am Wege, und aus ihrem 
Gesänge erklingen allerlei Vogelweisen in wunderlicher Nachbarschaft: 
Stieglitzgesang und der Ruf des grauen Rebhuhns, das Krähen des 
Hänflings und das Pfeifen des grossen Brachvogels (Numenius arquata 
L.). Die Haubenlerche brütete im vorigen Frühling am Feldraine, 
nahe den Ufern des Sees. Sie hat seit der Zeit noch nichts verlernt, 
unsere nordische Calandra, wie wir hören. 

So klingt's auf dem Felde, Freund. Jetzt komme in den 
Wald! 

Hörst Du mitunter jene tiefflötenden Töne ? Du weisst betroffen 
zuerst nicht, wer da so schön singen kann. Horch weiter: „Spine 
dicke, spine dicke," übersetzt das Volk jene eben vernommenen 
Sylben. Ach, das dachtest Du Avohl nicht, dass die Kohlmeisen noch 
mehr können, als ihr Zwitschern und ihr „Fink, fink, fink! " Auch 

Naumannia 1855. 7 



,- 



98 

der Baumläufer (Certhia familiaris L.) merkt, dass es Frühling wer- 
den will. Von Baum zu Baum lässt er seinen eintönigen Ruf er- 
klingen, und die Weibchen seiner Art nehmens so gut für gesungen, 
als die der Nachtigall. 

Durch die Aeste der jungen Kiefern hüpft der Heher (Garrulus 
glandar. Vieill.), spottet dem Mäusebussard nach, knarrt wie die alten 
Eichen im Winde, und gackert wie die Hühner des nahen Dorfes. 
Man vermuthet unter dem abscheulichen „Ratsch, ratsch!" gar nicht 
so musikalische Talente. 

Zwischen den Wurzeln der Buchen, bloss gespült von den Wellen 
des in frostiger Klarheit dahin murmelnden Baches, hüpft der Zaun- 
könig, und singt und singt. Er kann's bald so gut, wie Deine Kana- 
rienvögel, Freundchen, aber zu seinem Liede braucht nicht die Sonne 
jener glücklichen Inseln zu scheinen. Er trillert, wenn die anderen in 
der IVUttagshitze des Juli schweigen, und wenn bei 13° Kälte Sper- 
linge und Goldammern nur noch ihr klägliches Zirpen kennen, mit 
dem sie von Thür zu Thür betteln gehen. 

Kleiner Vogel, ich wollte, ich besässe deine unverwüstliche Fröh- 
lichkeit! — 

Durch die Erlenzweige klettert der Zeisig den Samenkätzchen 
nach. Auch er lässt seinen Gesang stossweise ertönen, dessen End- 
sylbe ihm beim Volke den Namen: Strumpfwirker verschafft hat. 
Aber so lang wie im Frühling und Sommer wird das Lied doch 
nicht. Der Zeisig frisst gern und viel, dabei hat er die Zeit zum 
Singen nicht allzu überflüssig. 

Von den hohen Kiefern fallen uns Zapfenstücke auf den Kopf. 
Eine Schaar Kreuzschnäbel öffnet mit ihren Schnabel-Dietrichen die 
verschlossenen Samenbehälter, deren herabkreiselnde Rudimente uns 
erst auf jene Vögel aufmerksam machen. Denn ausser einem ver- 
einzelten Anrufen hören wir nichts von ihnen. 

Aus den Ebreschen- und Hartriegelbüschen lässt der Dompfaff 
sein eintöniges Pfeifen hören. Eigentümlich sticht das Roth der 
Männchen von dem hier und da noch zerstreut liegenden Schnee ab. 
Aus der Mark werden sie bald genug ihren Brüteplätzen in den Bergen 
des südlichem Deutschlands, Schwedens und Norwegens zueilen. 

Auf einer einzeln stehenden Birke sitzt eine ganze Schaar von 
Ziemern (Turd. pilaris L.). Das schwirrt und schwatzt durcheinander. 



99 

Bei unserer Annäherung flieht die ganze Gesellschaft, und noch aus 
der Ferne hören wir ihren Lockruf, ein dumpfes „Jack, schack," und 
zwischendurch ein feines helles Pfeifen. 

Oben in den Buchen sucht der Kernbeisser (Coccothraustes vul- 
garis, Pall.) nach übrig gebliebenen Nüssen und nach Blattknospen. 
Auch er entflieht in wilder scheuer Hast unter lautem, schnell sich 
wiederholendem Pfeifen. Es bleibt doch ein ungeschlachter, unma- 
nierlicher Bursche, dieser Kernbeisser. 

Am Feldrande bei den dürren Distel- und Beifussstauden treffen 
wir Hänflinge und Stieglitze. Noch bekommen wir ausser den Lock- 
tönen nicht viel von ihnen zu hören. 

Auch die Seidenschwänze haben uns noch nicht ganz verlassen. 
Die stillen, trägen Vögel verriethen sich uns durch ihren zitternden 
Ruf. Wir gehen an ihnen vorüber in stillen Betrachtungen, wie doch 
der höchste Norden Vögel mit fast tropischem Gefieder habe hervor- 
bringen können. Aber vermögen wir nicht an den Linarien, an Lox. 
pityopsittacus und Enucleator, an Plectrophan. nivalis und calcarata, 
an Otocoris alpestris u. 8, w. ähnliche Bemerkungen zu machen? 

Lassen wir's jedoch heute genug sein; ein andermal sollst Du 
mehr zu hören bekommen. 

Herzlichen Gruss u. s. w. 



* Berlin, März 1855. 

Jetzt meint's der Frühling vollständig ernst mit seinem Anzüge, 
mein lieber Freund. Die Rothbuchen hat er auf die Spähe beordert, 
und sie schauen sich aus tausend Knospenaugen nach Nachtfrösten 
um, aber es wollen keine mehr recht kommen. Da befahl denn Fürst 
Lenz der Heroldin Lerche, sein Regiment zu proclamiren. O, über 
den Gesang der ersten Lerche ! Wie klingt er doch so „wiegenlied- 
heimlich," so freudeberauschend, wie das Versprechen einer fröh- 
lichem Zukunft. Zu allen Freunden möchte man laufen, und ihnen 
schon unter der Thüre zurufen: „Denkt Euch, ich habe heute die 
erste Lerche gehört!" 

Aber noch ist ihr Gesang in abgebrochene Strophen getheilt. 
Wirbelnd zieht sie hoch über unseren Dächern dahin, und auch der 

7* 



100 

finsterste Hypochondrist zürnt ihr nicht über die Stelle, die sie ihm 
am blauen Himmel verdeckt. Leiser und blasser gefärbt ' scheinen 
ihre Triller, mit denen sie später jauchzend den Himmel stürmt. 
Noch dichtet sie, sagt das in seinen Bezeichnungen unvergleichliche 
Volk. So dichte denn, Bardale, dein schmetterndes Epos vom König 
Frühling, Text und Ton, unzertrennbar in Eins verwebt, wie es dir 
doch kein Poet unter den Menschen nachmachen kann. Aber wehe 
dir, arme Lerche, wenn es nochmals heissen sollte: „Es fiel ein Reif 
in der Frühlingsnacht," Traurig sitzest du dann auf dem Felde, und 
zupfest an den frostbraunen Saatspitzen. Dein Lied hast du über 
Nahrungssorgen halb vergessen. Armer Dichter, nicht Alles ist 
Gold, was glänzt; auch Sonnenstrahlen können täuschen, und vom 
Singen wird Niemand satt. 

Wenn auch nicht unter den Menschen, so hat Alauda arvensis 
doch eine ebenbürtige Nebenbuhlerin an ihrem Mühmchen arborea. 
Die kann's eben so gut, wenn auch in anderer Manier. Ueber den 
ödesten, nur mit Silbermoos und kleinen Kiefern bewachsenen Wald- 
stellen, dreht sie sich flötend und trillernd. Leise hebt sie an, dann 
klingen die Glöckchen, die in ihrer kleinen Kehle versteckt sind, 
stärker und stärker, bis sie wieder decrescendo verschwimmen. Die 
ganze melancholische Poesie einer weiten Haidefläche ist in ihrem 
Gesänge ausgedrückt, und oft habe ich sie noch spät in der Nacht 
auf unseren märkischen Hügelplateaus über einsam und zerstreut lie- 
genden Hünengräbern hoch aus der sternenklaren Luft gehört, als 
besänge sie den Tod der tief unten schlummernden Helden. , Wer 
könnte das auch besser, als die kleine Haidelerche mit ihrer süssen, 
wehmüthigen Stimme. 

Sie steigt beinahe noch höher zu den Wolken hinan, als die 
Feldlerche. Am frühsten Morgen kreisen beide schon in der röthlich 
angehauchten Luft. Wald und Feld liegen noch in der Dämmerung 
verborgen, aber die Lerchen schweben schon in einem Lichtmeere, 
aus dem hervor* uns ihr Lied wie die Verkündigung einer freund- 
lichen Gottheit klingt. 

Feldlerche und Haidelerche, wenn ihr auch noch so hoch steigt, 
ihr müsst doch wieder auf die Erde zurück ! Unter dem Monde wird 
kein Wesen geboren, das sich so gänzlich von der groben Scholle 
emancipiren könnte, auf die es zuerst seinen Fuss gesetzt. 



101 

Für diesmal hast Du nur die Lerchen in den Kauf bekommen, 
mein lieber Freund. Der nächste Singebrief soll aber die Drosseln, 
Nachtigall und den ganzen Schwärm der Sylvien enthalten. 

Damit Gott befohlen! Dein u. s. w. 



Nr. 12. 

Nachtrai 






zu den im IL Quartale 1854 beschriebenen und im III. des- 
selben Jahres abgebildeten deutschen Schwänen. 
Cygnus Bewickii. (?) 



Von 

B. tltiini. 






Ein Brief meines Freundes Pf. Bolsmann in Gimbte (bei Gre- 
ven in Westphalen) vom 15. December 1854, veranlasst mich, einige 
Bemerkungen meiner frühern Beschreibung zuzufügen. Die betreffende 
Stelle der brieflichen Mittheilung ist folgende: „Deine Schwäne haben 
mir viele Freude gemacht, besonders da ich von den Bevergern'schen 
Wildhändlern im October auch ein sehr schönes Exemplar, ein sehr 
altes Männchen erhalten habe, dessen Schnabelhöcker noch auffallen- 
der ist, als bei dem von Dir copirten Exemplare des Herrn Majors 
v. Zittwitz. Obschon wohlbeleibt, wog er nur 11 Pfund. Von der 
Schnabel,- bis Schwanzspitze betrug seine Länge 4' 2". Flugbreite 
6' 2". Die Haut der Füsse tief schwarz. Er steht noch in der 
Mauser; die alten Federn sind alle zugespitzt, die neuen schön rund 
und weich. Am Halse sind die Federkiele ebenfalls besonders be- 
merkbar. Es waren ihrer vier zusammen gewesen, zwei weisse und 
zwei graue, in dem Bruche hinter Hopsten, woher auch die von Dir 
beschriebenen Individuen gekommen waren. Schnabel und Kopfbil- 
dung erinnern mehr an olor wie an musicus. Das schön gerathene, 
höchst elegante Exemplar ziert , meine Sammlung. Uebrigens hat 
Herr Conservator Kar seh (zu Münster) im vorigen Herbst auch ein 
Exemplar erhalten, und zwar eben daher. Es ist dieser Vogel der 
Sammlung der Realschule einverleibt." — So weit mein Freund, 



102 

dessen kurze Beschreibung die meinige ergänzt. Ich hatte, als ich 
vor etwa zwei Jahren diesen Vogel beschrieb und zeichnete, nicht 
erwartet, dass er so unbekannt sein würde, als er wirklich ist. Sämmt- 
liche Koryphäen unserer Ornithologie, welche ich nach diesem Thiere 
fragte, konnten sich nicht erinnern, je einen derartigen Schwan ge- 
sehen zu haben. Dass er überhaupt nicht neu ist, dafür bürgt schon 
seine Grösse, denn wie sollte ein so stattlicher Vogel noch nicht 
früher bemerkt worden sein! Aber zu welcher Species der bereits 
bekannten Schwäne gehört er? Ausser ihm kenne ich aus Autopsie 
olor, musicus, minor, nigricollis und atratus. In Büchern finde ich 
noch zwei Namen, nämlich immutabilis und Bewickii, wenn ich von 
Brehm's Islandicus, der vielleicht nur die isländische Form von mu- 
sicus, jedenfalls aber, nicht die hier in Frage stehende kleine Species 
ist, absehen darf. In Bonaparte's Synopsis ■ steht immutabilis dem olor 
zunächst. Diese Stellung im Systeme würde jedenfalls der fragliche 
einnehmen müssen. Manche halten immutabilis für wenig von olor 
verschieden, etwa nur dadurch, dass er auch im ersten Jugendkleide 
rein weiss und nicht grau erscheint, woher seine Benennung immuta- 
bilis. Ist das wirklich so, dann ist an eine Identität nicht zu denken, 
verhält es sich aber anders, dann ist der Name immutabilis, wenn er 
in der gleichen Färbung des Jugend- und spätem Kleides seinen 
Grund hat, eben so unpassend, wie er bei olor sein würde. 

Ich vermuthe daher, dass es Bewickii ist. Folgende kurze Be- 
schreibung dieses Vogels im Nuttall passt ungefähr: „Weiss, Schnabel 
gelb an der hintern Basis bis zu den Nasenlöchern; Schwanz von 18 
Federn; Füsse schwarz." 

„Die Länge dieser Art beträgt etwa 55"; die des Schnabels oben 
372"; Tarsus 3" 9"'; die Mittelzehe sammt dem Nagel 5" 3"'; Flug- 
breite 6' 1"'. Rein weiss, mit Ausnahme des Scheitels und der 
oberen Halstheile, welche tief mit röthlichem Orange angeflogen sind, 
und des Bauches, der mit derselben Farbe überhaucht ist. Schnabel 
schwarz; Wachshaut orange (diese Farbe gänzlich hinter den Nasen- 
löchern); Iris orange; Füsse schwarz. Alte Vögel ganz weiss, junge 
grau. Die zweite und dritte Schwungfeder gleich lang und die läng- 
sten. Schwanz aus 18 Federn bestehend." 

Genannte Rostfarbe habe auch ich in meiner Beschreibung er- 
wähnt, jedoch beim Malen keine Rücksicht darauf nehmen können 
und dürfen, weil ich nur annehmen konnte, dass diese Färbung aus- 



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103 

serlich den Federn inficirt sei. Diese Vögel leben . vielleicht vorzugs- 
weise oder gar ausschliesslich auf ockerhaltigem Boden oder in Moor- 
gegenden, so dass erwähntes Phänomen leicht erklärlich ist. Ich kann 
hier nicht unterlassen, auf eine ähnliche Erscheinung bei einer Anas 
crecca fem., welche in der herzoglichen Sammlung zu Köthen auf- 
gestellt ist, aufmerksam zu machen. Dieses Individuum ist nämlich 
am Vorderhalse, an der Brust und am Bauche schön rosaroth, ähnlich 
wie Columba turtur. Bei meiner Nachfrage über den Grund, die ich 
mir gegen Herrn Professor Dr. Naumann erlaubte, erfuhr ich, dass 
selbe dadurch entstanden sei, dass sich die Ente längere Zeit zwischen 
Gebüschen aufgehalten, deren Blätter mit einer sehr zarten, leicht zer- 
drückbaren rothen Coccus-Art bedeckt gewesen, und bei der Zer- 
quetschung dieser durch ihren rothen Saft so intensiv gefärbt sei. 

Ich meines Theils halte desshalb die fraglichen Schwäne für B e - 
wickii, und möchte die Selbstständigkeit von immutabilis als Art 
bezweifeln. — Auffallend ist es mir daher, dass in dem Werke: 
Faune ornithologique de la Sicile par Alfred Malherbe 1843, Be- 
wickii mit Brehm's islandicus als synonym dargestellt, und die Mög- 
lichkeit einer Verwechselung des erstem mit musicus ausgesprochen 
wird. Ich will die betreffende Stelle pag. 214 wörtlich folgen lassen: 
Cygne de Bewick (Temm.j. 

Cygnus Bewickii (Yarrel, Gould, Swains, Selby, pl, 47), Cygnus 
islandicus (Brehm). Cette espece, que Ton a observ^e en France et 
en Belgique a diverses epoques ayant toujours e'te confondue avec le 
cygnus musicus ( ! ), il est possible qu'elle soit comme cette derniere 
espece de passage en Sicile. Je crois donc devoir la signaler pour 
que l'attention des observateurs siciliens soit eveillee sur ce point. Le 
cygne de Bewick a ete tue recemment dans le departement des Landes 
suivant M. Darracq. 

Gern hätte ich noch die betreffenden englischen Werke über 
diesen Vogel eingesehen, namentlich Yarrel; allein ich konnte der- 
selben nirgends habhaft werden, wesshalb ich mich zu der Bitte an 
die Herren Ornithologen veranlasst fühle, zur genauem Kenntniss 
dieses neuen Insassen Deutschlands, entweder aus den ihnen zu Ge- 
bote stehenden Schriftwerken, oder aus ihren eigenen Beobachtungen 
Näheres mitzutheilen. 

Berlin, im Januar 1855. 

B. Altum. 



104 



IL Notizen, 



Mehrfach erlegte ich Sylvia phragmitis, B eckst., mit einer, 
in sonst genauen Beschreibungen nicht erwähnten Zeichnung des 
Schwanzes, darin bestehend, dass die letzten zwei Drittheile desselben 
mit acht verloschenen Querbinden, etwas dunkler als die Grundfarbe, 
versehen sind. Diese wenig in die Augen fallenden Binden treten 
bald mehr, bald weniger deutlich hervor, zuweilen fehlen sie ganz. 
Die sie tragenden Vögel sind nach meiner Ansicht recht alte, was die 
im Allgemeinen etwas lebhaftere Färbung des ganzen Gefieders an- 
zudeuten scheint. 

Analog mit dieser Zeichnung ist die des Schwanzes der Sylvia 
locustella Lath., deren nur Gloger in seinem Handbuche erwähnt, 
und die daher, wie es scheint, von anderen Ornithologen übersehen ist. 
Diese gleichartige Zeichnung des Schwanzes bekundet die Verwandtschaft 
der beiden nicht leicht zu verwechselnden Sänger, bei denen die ver- 
schiedene Form der Schwanzfedern sogleich in die Augen fällt und 
ein sicheres Unterscheidungszeichen bildet. 



Obgleich die Graugans, Anser cinereus, Meyer, in den Um- 
gebungen meines Wohnorts zuweilen brütet, verweilen daselbst nur 
äusserst selten die dem Norden angehörenden Gänsearten, so dass es 
mir zuerst bei dem hohen Schnee im Frühjahre 1853 gelang, ein 
Exemplar zu erlegen, das sich als A. arvensis, Brehn., erwies. 
Sicher ist diese Gans, ohne von A. cinereus unterschieden zu sein, 
schon recht oft in Mecklenburg erlegt worden, da ich der Ansicht bin, 
dass die Mecklenburg im Winter besuchenden Gänse hauptsächlich 
aus dieser Art und der Saatgans, A. segetum, B eckst. , bestehen, 
während die hin und wieder, hier nistende Graugans wohl nur mit 
seltenen Ausnahmen — wenn überhaupt — im Winter hier anzu- 
treffen, vielmehr bereits südlicher gezogen ist, wenn A. arvensis 
und segetum hier anlangen. 



105 

Vorzüglich zahlreich sind diese dann auf Saatfeldern und grossen 
Wiesenflächen in der Nähe der Ostsee anzutreffen; weiter von der 
Küste entfernt, nimmt ihre Zahl mehr und mehr ab, so dass sie in 
der hiesigen, davon etwa sechs Meilen entfernten Gegend, nur sehr 
selten sich aufhalten, wenngleich, wie bereits bemerkt, die Graugans 
hier zuweilen brütet. 



Ganz in der Nähe meines Wohnorts wurde im letzten Herbste 
auf einem Landsee Anser torquatus, Frisch, erlegt; Anas gla- 
cialis, Linn., von mir bemerkt. Beide Vögel gehören im Innern des 
Landes zu den sehr seltenen Erscheinungen, wenngleich sie im 
Winter auf der Ostsee häufig vorkommen, A. glacialis namentlich 
in grosser Menge. 



Die . Verschiedenheiten , vorzugsweise die der Grösse , bei der 
Waldschnepfe, Scolopax rusticula, Linn., hat vielfach zu der Ver- 
muthung Anlass gegeben, dass unter dieser Benennung mehr als eine 
Species enthalten sei, und in der That, vergleicht man die grössten 
Exemplare mit den kleinsten, gewahrt man die seltene Färbung des 
Gefieders, die fleischfarbenen Füsse (Ständer) jener; die dunklere 
Färbung des Gefieders, die blaugrauen Füsse dieser; so, scheint an 
dem Vorhandensein zweier specifisch verschiedenen Arten kaum zu 
zweifeln. Hat man aber recht viele dieser Vögel unter Händen gehabt 
und sie mit Aufmerksamkeit betrachtet, so wird man zu der Ueber- 
zeugung gelangen, dass zwischen den hier beregten Extremen so 
viele Uebergänge sich finden, dass die vermutheten beiden Arten 
schliesslich wieder in Eine verschwimmen. 

Ganz ähnlich verhält es sich mit Scolopax major, gallinago, 
gallinula; jede dieser Species enthalt ähnliche Verschiedenheiten, 
aber mit eben so vielen Uebergängen, die schliesslich zu der Ueber- 
zeugung führen müssen, dass darunter nicht noch andere Arten ver- 
borgen sein können. Bedenkt man dabei, wie weit diese Vögel über 
die Erde verbreitet sind, wie verschiedene Klimate sie bewohnen, wie 
verschieden die Nahrungsmittel sowohl in der' Beschaffenheit als in 
der Menge sein- mögen, welche sie dort vorfinden; so scheinen leichte 
Abänderungen, wie die zuvor erwähnten, so in der Natur begründet, 
dass es Wunder nehmen müsste, wenn unter solchen Umständen, 



106 

alle Individuen wie aus einem Gusse gebildet wären. Erwägt man 
ferner, dass der Schöpfer den Menschen wie den Thieren eine An- 
hänglichkeit an die Gegend, die sie entstehen sah, beigegeben hat, 
ein Streben, diese wieder aufzusuchen, wenn Umstände zwangen, 
daraus sich zu entfernen: so müssen solche Abänderungen um so 
leichter sich finden und erhalten. 

Diese Erwägungen leiteten mich zu der Ueberzeugung, dass die 
beregten Abänderungen bei Scolopax rusticula, major, galli- 
nago und gallinula sämmtlich auf die genannten Species sich zu- 
rückführen lassen und zwar so, dass die grössten Exemplare derselben 
dem Süden, die kleinsten dem Norden, die Uebergänge — wo sie 
nicht in Verschiedenheiten des Geschlechtes beruhen — den dazwi- 
schen liegenden Himmelsstrichen angehören. 

Die Abänderungen, welche durch Klima und Nahrungsmittel bei 
den Individuen einer Species herbeigeführt sind, werden oft bei 
Weitem nicht hinreichend gewürdigt, und die Zukunft wird es lehren, 
dass diesem Umstände viele in neuerer Zeit geschaffene Species ihren 
Ursprung verdanken. 

Wie gross aber die beregten Einwirkungen auf das Thierreich 
sein können, davon geben unter anderm die verschiedenen Racen des 
Pferdes, Equus caballus, Linn., ein auffallendes Beispiel. So viel 
ich weiss, i§t deren Abstammung von denselben Ureltern bisher nicht 
in Zweifel gezogen, und doch würde es dem hiermit Unbekannten 
schwer fallen zu glauben, dass das edle, arabische Boss mit dem 
Seidenhaare und der leichten, feinen Mähne, desselben Ursprungs sein 
könne, wie der zwerghafte, zottige, mit struppiger Mähne versehene 
Pony des Nordens. 



Schon mehrfach ist bemerkt worden, dass Scolopax gallinula, 
Linn., mit Unrecht die stumme Bekassine genannt wird. Im Früh- 
jahre, wenn sie bei windstiller, warmer Witterung nur ungern sich 
erhebt und dann dicht über die Erde hinstreicht, gehört es mitunter 
zu den Ausnahmen, wenn die eine oder die andere nicht ein deut- 
liches, wenn auch nicht weitschallendes Kr eck! ertönen lässt. Es 
geschieht dies nach meinen Erfahrungen nur im Herausfliegen, und 
zwar in demselben Momente, wo Scolopax gallinago gewöhnlich 
ihr Latsch! vernehmen lässt, was meist dem Augenblicke vorangeht, 



107 

wo sie von einem ruhigen Jäger sicher aufs Korn genommen, todt 
herabstürzt. — Auch zuweilen im Herbste vernimmt man, wenngleich 
viel seltener als im Frühjahr, die geschilderte Stimme der Scolopax 
gallinula. 



Zu den Nahrungsmitteln der Scolopax gallinago gehören 
auch die Blutegel, wovon mir der Beweis durch eine herabgeschossene 
Bekassine geliefert wurde, die einen solchen soeben bis auf ein kleines 
Endchen verschluckt hatte, an welchem ich das im Uebrigen unver- 
sehrte Thier herausziehen konnte. 



Limicola pygmaea, Koch, wird unter die in Mecklenburg vor- 
kommenden Vögel zu zählen sein. Gegen Ende Septembers, als ich 
am Rande eines Landsees umherging, um Enten zu schiessen, flog 
plötzlich an einer Stelle, woselbst, weil dort Vieh zur Tränke ge- 
trieben wird^ kein Rohr das Ufer begrenzte, ein Vogel heraus, den 
ich im ersten Augenblicke, ohne weiter meine Aufmerksamkeit auf 
ihn zu richten, für eine Lerche hielt, dann aber, als ich ihn zufällig 
noch einmal ins Auge fasste, gewahrte, dass derselbe mit einem 
Schnepfenschnabel versehen war. Leider war es nunmehr zum 
Schiessen zu spät geworden, auch gelang es mir nicht, den Vogel 
wieder aufzufinden, in welchem ich ^übrigens mit Gewissheit eine Li- 
micola pygmaea glaube erkannt zu haben. 

Sternberg, im Februar 1855. 

v. Müller, Forstmeister. 



Zu meinem Aufsatze über die Fortpflanzung des Alcedo ispida 
(Naumannia, Bd. IV. p. 160 — 166) ist noch Folgendes hinzuzufügen : 

12) Am 27. April 1853 erhielt ich sechs schwach bebrütete Eis- 
vogeleier aus der Gegend von Neckartheilfingen, und 

13) am 2. Mai 1854 von Wildberg auf dem Schwarzwalde fünf 
Stück unbebrütete. 

Meine Vermuthung, dass ohne Störung ein zweimaliges Brüten, 
wenigstens ausnahmsweise vorkommen könne, habe ich inzwischen in 
Glogers Schriften bestätigt gefunden. 

Baron Richard König-Warthausen. 



108 

Von einem Memminger Correspondenten habe ich ein Ver- 
zeichniss der Ornis der dortigen Gegend erhalten. Sie enthält unter 
Anderem: Strix scops. — Muscic. parva. — Pastor roseus. — 
Calamoh. palustris. — Myst. biarmicus. — Emb. Cirlus. — 
Fring. petronia, Serinus, Citrinella. — Tichodr. muraria. 

— Ardea Egretta. — Ibis falcinellus. — Recurvirostra 
Avocetta, und manches Andere, was eine Zierde unserer bayeri- 
schen Fauna ist. 

Dass Sterna leucopareia hier (bei Neuhaus, Höchstadt an 
der Aisch in Oberfranken) gebrütet hat, wird man kaum glauben 
wollen. Wenn ich aber sage, dass ich täglich am Brüteplatze war, 
und das Ei dieser schönen Seeschwalbe meine Sammlung ziert, wird 
man wohl nicht weiter zweifeln. Es ist überhaupt eine ornithologisch 
interessante Gegend, in der ich jetzt lebe: Enten zu Tausenden auf 
dem Zuge, Nyroca ferina brütend; Gänse in Schaaren zu Hun- 
derten; Schwäne in kleinen Truppen; Numenius arquatus in 
Flügen von 5 — 30 Stücken und darüber; Limosen; Streithähne 
oft in grossen Schaaren; Tot. glottis häufig, nicht selten fuscus; 
calidris, ochoprus, glareola sehr gewöhnlich; Limicola pyg- 
maea heuer fünfmal beobachtet, einmal erlegt; im Frühjahr Schaaren 
von Podiceps cristatus, einmal 26 Stück auf einem Haufen; die 
herrliche Sterna leucoptera in Flügen von 30 — 40 Stück unter 
Hunderten der nigra; zu 3 — 5- Stücken leucopareia; Gallinula 
pusilla nicht ungewöhnlich; Calam. cariceti, aquatica, phrag- 
mitis u. s. w., hier und da eine Aquila albicilla, chrysaetos. 
So viel etwa sei angedeutet von meinen 3 / 4 jährigen, interessanteren 
Beobachtungen. Hier erst lerne ich Naumann so recht schätzen. 
Was hat doch dieser treffliche Forscher geleistet! Wie die aller- 
heimlichsten Heimlichkeiten des Tag- und Nacht-Lebens der Sümpfe, 
Weiher und Moore belauscht und aufgedeckt! 

Herr Controleur Steinbrenner in Frankfurt a/M. theilt mir die 
sehr interessante Notiz mit, dass im Taunus, in welchem seit un- 
denklichen Zeiten kein Auerwild bemerkt worden, nun schon inner- 
halb zwei Jahren drei mittlere Waldhühner — Tetrao medius 

— vorgekommen sind, was sich, wenn das Mittel-Waldhuhn durch 
Verbastardiren entstehen solle (wie er denn auch glaube), nicht erklären 
lasse. Wie kämen diese Bastarde in den Taunus, wo sie sicher nicht 
ausgebrütet würden, wo es zwar Birkhühner, aber kein Auerwild 



109 

gebe, und letzteres auch in weiter Runde nicht getroffen werde. 
Sollte ein Stück Auerwild aus dem Spessart dahin gewandert sein, 
um eine Mesalliance zu schliessen? 

Ich glaube, dass die eine oder andere Auerhenne, die in ihrer 
Heimath keinen Gatten ihrer Art fand, nach dem Taunus verstrich, 
auch dort den Ersehnten nicht fand, endlich auf Balzplätze des Birk- 
wildes fiel, hier mit einem stattlichen Birkhahn vorlieb nahm etc., so 
dass allerdings die fraglichen Hähne auf dem Taunus ausgebrütet 
wären. Dass die Auerhennen in der Balzzeit weit umherstreifen, habe 
ich im Reichswalde bei Nürnberg oftmals beobachtet. 

J. Jäckel. 



„In Frankreich befestigt man jetzt an den Aesten der mit Früchten 
behangenen Bäume und Weinstöcke kleine Doppelspiegel, deren 
Glanz die Vögel entfernt hält. Kein Vogel wagt es, so be- 
schützten Obstbäumen sich zu nahen, und man erhält sich die Ernten 
vollständig." (Fr. Bl.) Bekanntlich zieht der sonst mehr als jetzt 
gebräuchliche Lerchen Spiegel — aus kleinen Spiegel- und Glasstücken 
zusammengesetzt — die Lerchen herbei, und man meint, dass diese 
den Spiegelglanz für Wasser halten etc. Es wäre interessant, falls 
sich die Wahrheit jener Mittheilung bestätigen sollte, zu erforschen, 
was wohl der Grund so entgegengesetzter Wirkungen des Spiegels 

wäre. Erklären liesse es sich immerhin. 

Baldamus. 

Am 12. September d. J. wurde ein ungefähr acht Tage alter 

Oedicnemus crepitans beim Ackern von einem Pferde ertreten. 

Die Alten liefen ängstlich in einer Entfernung von einigen Schritten 

umher. Ohne Zweifel hatten die Vögel dort gebrütet. Wegen der 

Länge der Zeit zwischen der ersten Brut — Ende Mai — und dieser 

späten könnte man auf den Gedanken an eine zweite reguläre Brut 

kommen: denn wenn seine erste Brut gestört worden wäre, hätte er 

wohl schon eher wieder genistet, und dass nach Störung der zweiten 

dies etwa die dritte gewesen sein sollte, lässt sich bei Oedicn. crepit. 

nicht wohl annehmen. 

Lübbert. 



110 

Bu-teo vulgaris legt öfter ganz ungefleckte Eier, und zwar 
zuweilen alle eines Geleges. Ich nahm aus einem Horste vier Stück, 
welche auch nicht einmal einen Anflug von braunrothen Flecken 
zeigten, und mir als Eier von Circus rufus bestimmt wurden. 
Glücklicherweise hatte ich selbst das Weibchen vom Horste geschossen, 
der sich in dem hiesigen auf Flugsand bestandenen Kiefernwalde 
befand. 

Die Eier von Corvus corax variiren gleichfalls oft in einem 
Gelege sehr bedeutend in Grösse, Zeichnung und Färbung. Die 
Maasse von fünf Stück desselben Geleges sind: 

Nr. 1. G. D. 2" 1'" K. D. 1" 3'" Rheinland. 

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Nr. 1. Das grösste ist eigenthümlich gefärbt. Die Grundfarbe ist 
ein sehr helles Grünlich weiss, gleich dem der frischen Eier von Buteo, 
überall mit sehr kleinen , fast gar nicht ineinanderfliessenden, dunkel- 
braunen Punkten besäet. Nur am stumpfen Ende sind die Flecken 
grösser, aber auch hier ausgezeichnet durch eine deutliche, begrenzte 
und regelmässige Form. Die übrigen Eier sind von der gewöhnlichen 
Färbung und Zeichnung der Kräheneier. *) 



*) Ein sehr gewöhnlicher Mangel fast aller mir bekannten ornithologischen 
Faunen und selbst vieler Handbücher ist die schlechte Beschreibung der Eier. 
Und doch ist die Oologie ein integrirender und wichtiger Theil der Ornithologie, 
und den Ornithologen von Fach eine so gröbliche Unkunde der Eier kaum noch 
zu verzeihen, die bei Einigen so weit geht, dass man ihnen, die vielleicht selbst 
Vögel und Eier beschrieben haben, wer weiss wie viele von den letzteren vorlegen 
kann, ohne dass sie sie zu bestimmen vermögen. Die grösseren Bilderwerke, z. B. 
das Thienemann's, sind nicht Jedem zugänglich; aber es muss auch möglich sein, 
durch Beschreibung die Eier kenntlich zu machen, und hier ist eine grosse Lücke 
auszufüllen. 

Nicht minder lückenhaft ist auch die Beschreibung der Dunenkleider, und 
die in dem Berichte von Herrn Dr. Cabanis spöttisch und verächtlich gemeinte 
„Nachlese" ist gar nicht so verächtlich. Wir haben noch recht viel nachzulesen, 
und ich habe mir desshalb vorgenommen, besonders die noch unbeschriebenen 
Dunenkleider unserer Vögel kennen zu lernen und in derNaumannia zu be- 
schreiben. Dies kann natürlich nicht systematisch geschehen, sondern wie mir 
das Material zur Hand kommt. Mögen einst Andere das Sammelmagazin unserer 
Zeitschrift zu einer systematischen Arbeit benutzen. 

Gadamer. 

Trol 1 e-Lju n gby, Januar 1855. 



111 

Die Thiere haben offenbar, wie der Mensch, nicht nur diejenigen 
Verschiedenheiten an sich, welche der Physiognomie angehören, son- 
dern auch ihre Temperamente. Sie zeigen selbst in Beziehung auf 
ihre Lebensweise vielfache Abweichungen von der ursprünglichen 
Kegel, welche im Lauf der Zeiten theils constant geworden sind, theils 
in einzelnen Zügen und oft so schroff hervortreten, dass man sich 
billig darüber wundern muss. 

Ich hatte lange Zeit einen Milan, Milvus regalis, dem ein 
grosser Bühnenraum zum Aufenthalt angewiesen war und der mit 
Ochsenlunge, todten Vögeln und verschiedenen Fleischabfällen ge- 
füttert wurde, welche ihm reichlich zu Gebot standen und die er stets 
begierig frass. Nach einiger Zeit theilten zwei halberwachsene Katzen 
seine geräumige Lokalität, welche täglich Brod in Milch aufgequellt 
erhielten. Im Anfang; schien der Vogel keine Notiz von seinen Gesell- 
schaftern zu nehmen, nach- mehreren Tagen aber verjagte er sie stets 
von ihrem Futtergeschirr, wenn sie fressen wollten, und in Kurzem 
steigerten sich diese Aeusserungen des Neides so weit, dass der Milan 
alles Fleisch, welches er erhielt, unberührt Hess und täglich zweimal 
den mit Brod und Milch gefüllten Katzenteller leerte, so, dass man 
nach Verfluss von drei Wochen genöthigt war, die Katzen zu ent- 
fernen, welche längst verhungert wären, hätte man sie anderwärts 
nicht entschädigt. In dieser ganzen Zeit genoss der Vogel kein Fleisch 
und duldete weder, dass die Katzen dieses noch ihr eigenes Futter 
zu sich nahmen. Einen sichtlichen Erfolg hatte diese Abweichung 
von seiner natürlichen Gewohnheit für den Vogel nicht. 

Dr. F. Berge. 



Das eben ablaufende sehr grosse Hochwasser, welches die Elb- 
und Saaldämme, sowie die Binnendämme unseres Deichverbandes über- 
fluthete und durchbrach, hat mir neben vielem Ungemach doch auch 
die interessante Beobachtung gebracht, dass die Vögel selbst dann 
ihren alten Aufenthaltsort aufsuchen oder innebehalten, wenn 
wenige oder keine Merkmale desselben, wenigstens auf dem Erd- 
boden und an etwa besonders kenntlichen Bäumen vorhanden 
zu sein scheinen. Ein niedriges, mit einigen höheren Bäumen durch- 
wachsenes Weiden- und Dorngebüsch war kurz vor dem Hochwasser 
von zwei bis drei Paaren Emb. Schoeniclus eingenommen worden. 



112 

Ich habe sie während des Hochwassers, das nur die höchsten Spitzen 
der höheren Bäume frei liess und sich mit einer Eisdecke belegte, auf 
diesen sehr einzeln stehenden Spitzen das Fallen des Wassers ab- 
warten sehen, und an schönen Tagen lustig singen hören, während 
ihr Revier ihnen selbst äusserlich unkenntlich sein musste. Zwei an- 
dere Paare, später ankommend, liessen sich auf den wenigen, aus 
einem gänzlich mit Wasser bedeckten Weidenreviere hervorragenden 
Baumspitzen nieder, mussten stundenweit nach spärlicher Nahrung 
umherstreichen, da selbst die Dämme tagelang unter Wasser standen, 
waren aber Abends doch zurück und sind heute noch in dem allmälig 
aus dem Wasser hervorragenden Weidensumpfe, den sie wahrscheinlich 
in früheren Jahren bewohnt. Wie erkannten sie diesen Ort? Und 
warum blieben sie hartnäckig hier, während tausend Schritte davon 
Weidengebüsch in Menge aus dem Wasser hervorragte, das sie aber 
im Sommer wegen der unmittelbaren Nähe dichten Waldes nie be- 
wohnen ? 

Diebzig, den 17. März 1855. E. Baldamus. 



Berichtigung. 



Dr. med. Louis Ziegler citirt in seiner Federwild-Jagd, Han- 
nover 1846, p. 174, bei Besprechung des Meckerns der Bekassine, 
Scolopax gallinago, L., die Naumann 'sehe Erklärung dieser be- 
rüchtigten Töne, lässt aber den „ersten deutschen Ornithologen, dessen 
gründliche Beobachtungsgabe man nur bewundern kann," sagen, die 
fraglichen Töne würden durch die wirbelnd schnurrende Bewegung 
der Schwanzfederspitzen hervorgebracht. Bei Naumann steht Band 
VIII., p. 327, Zeile 5 von unten: Schwingfederspitzen. Das 
leichtsinnige Ziegler'sche Citat — und ein solches bleibt's, auch wenn 
ein Druckfehler vorgeschützt und die Schuld auf den Setzer gescho- 
ben werden will — ist in W. A. E. Pralle's interessanten Aufsatz 
über das Meckern der Bekassine (Naumannia II. p. 24 — 26) unver- 
ändert übergegangen, und durch letztere Arbeit hat sich H. Ga da- 
mer (Naumannia 1853, p. 411—413 resp. 412 Zeile 8 von unten) 
veranlasst gesehen, auf die Unwahrscheinlichkeit hinzudeuten, dass 



113 

das Meckern nur durch die Schwanzspitzen bewirkt werde. Das 
senkrechte Herabfallen des Vogels geschehe in diesem Augenblicke 
nicht so hastig, wie man voraussetzen dürfte, wenn die Schwanzfedern 
den meckernden Ton allein bewirken sollten. Auch spreche die ge- 
ringe Steifheit derselben nicht dafür; er würde dazu die Schwanz- 
federn eines Spechtes für nöthig erachten. 

Herr Controleur Steinbrenner in Frankfurt a/M. wird unter 
der Aufschrift: „Bruchstücke aus dem Manuscript zu einer neuen Auf- 
lage der Erfahrungen auf dem Gebiete der Niederjagd von C. E. 
Diezel" in der Forst- und Jagdzeitung von v. Wedekind in Darm- 
stadt zwei Aufsätze veröffentlichen, von denen der zweite über das 
Meckern der Bekassine handelt, was mir Freund Diezel, der die 
Naumann'sche Ansicht nur nach Ziegler's Citate kannte, mit der 
Bemerkung mittheilte: „Wie ist unser alter hochverehrter und sonst 
so scharfbeobachtender Naumann wohl auf die Idee gekommen, dass 
die Heerschnepfe ihr bekanntes Schnurren oder, si placet, Meckern 
durch die Bewegung der Schwanzfedern hervorbringe? Diesmal könnte 
man fast sagen: „Interdum et bonus dormitat Uomerus." 

Meine Diezeln gerade noch zu rechter Zeit zugekommene Be- 
richtigung veranlasste denselben, den bereits nach Darmstadt abge- 
schickten Aufsatz des Herrn Steinbrenner wieder zurückzunehmen, 
welcher „optima fide die Schwanzfederspitzen in Affäre (wie die Ber- 
liner sagen) genommen hatte." 

So viel zur Beleuchtung der Folgen und zur Berichtigung des 
Ziegler'schen Citats. 

Neuhaus, am 19. November 1854. 

Pfarrer Ja ekel. 



Naumannia 1855. 



114 



III, Literarische Berichte. 



8) Observations sur le Catharte cidatin; par M.O. des Murs. (Extralt 
de la Revue et Magasin de Zoolog. Nr. 4. 185 3. 8.) 

Der Verf. findet unter den vier Species des Gen. Cathartes, welche 
P. Ch. L. Bonaparte in seinem Conspectus 1850 aufgestellt, nicht den Lesson'schen 
Catharte citadin = Cathartes urbis incola, Ricord und Lesson, der zu 
einer Varietät der vier Arten als synonym zu ziehen oder einer noch wenig be- 
kannten , obwohl sehr gemeinen Art zugehört. Er reproducirt den wenig bekannt 
gewordenen Artikel von Lesson, der eine ziemlich genaue Beschreibung, auch der 
Lebensweise, nach Ricord, gibt, und schlägt vor, dass der den spanischen An- 
tillen eigene Vogel vorläufig als zweifelhafte und zu studirende Art den Namen 
Cath. urbicola oder Ricordi erhalten möge. Schliesslich wird noch die Be- 
schreibung und Diagnose einer neuen Art, Phalcobaenus carunculatus, 
0. d. Murs, aus Columbia, gegeben. 

Ph. supra intense niger: primariis secundariisque remigum albo ad apicem 
notatis; rectricibus nigris ad apicem albo late fasciatis; subtus albus: pec- 
toris plumis singulis nigro circum-marginatis ; supercilio albo; plumis 
occipitalibus crispis, elongatis, albido striolatis; commissura subcarunculata. 

Diese Art wird nächstens in der „ iconographischen Monographie" der 
Herren 0. des Murs, Chenu und Jul. Verreaux abgebildet werden. 

Der Herausgeber. 

9) Ornithologie de la Savoie, ou hist. des ois. qui vivent en Savoie 
ä l'dtat sauvage, soit constamment, soit passagerement. Par 
M. J.-B. Bailly, Conserv. d'ornith. au Mus. de la Socidte d'hist. natur. de 
Savoie. Chambery, chez l'auteur, I Vol. in 8. (Das Ganze ist auf 4 Bände, 
ä c. 400 Seiten, berechnet, die je nach einem Trimester erscheinen sollen; 
Preis ä Bd. in Savoyen 3 Fr. 50 Cent., im Auslande 4 Fr.). 

So eben ist der erste Band dieses für „Popularisation der Kenntniss der 
Vögel" geschriebenen Werkes erschienen. Die grosse Anzahl der Subscribenten 
beweist, dass der Verf. sich bei seinen Landsleuten einer grossen Achtung und 
Aufmunterung zur Herausgabe des wahrhaft nationalen Werkes erfreut. Die zahl- 
reichen und interessanten Beobachtungen des Verf. werden ohne Zweifel zur Auf- 
klärung noch dunkler Punkte durch fortgesetzte Beobachtungen führen, während 
die Weglassung des zuweilen trockenen Details und literarischen Apparates — zu 
Gunsten einer leichtern und anziehendem Lecture - — doch einige Reclamationen 



115 

veranlassen dürfte. Das Recht der Priorität ist gänzlich missachtet: keine Citate, 
wenig Synonyme! Herr Bailly will kein Lehrbuch schreiben, aber da er sich „au 
courant" der Wissenschaft hält, wäre es seine Pflicht gewesen, längst bekannte 
Data nicht als von ihm entdeckte zu geben. Die Classification ist die, oder 
nahezu die von Temminck. Ausser den Trivialnamen Savoyens finden wir gewöhn- 
lich die von Linne, Cuvier und Temminck. Darauf folgen die Beschreibungen 
der Männchen, Weibchen, Jungen: gut, kurz und in leicht verständlicher Termino- 
logie, aber weniger exact als die, welche Herr Dr. Degland in seiner Ornithologie 
gegeben. Dann werden interessante Details über Aufenthalt, Wanderung, 
Paarung, Nestbau, Brutgeschäft, Erziehung der Jungen, Sitten, 
Nahrung etc. mitgetheilt und diese Anordnung* des Stoffes streng aufrecht ge- 



halten. *) 



A. Lefevre. Med. aide-maj. au 6 le"ger. 



10) Coup d'oeil sur 1' ordre des Pigeons par S. A. Monseigneur le Prince Charles 
Lucien Bonaparte. Extrait des Comples rendus des se'ances de C Academie 
des Sciences. Tom. 39 et 40. Annees 1854 et 1855. 59 p. in 4. Paris, 
Mallet-Bachelier. 

Nach einer kurzen system-geschichtlichen Einleitung über die „mit auf- 
fallendem Mangel an Präcision behandelte, so wichtige Gruppe der Tauben" 
begründet der Herr Verf. seine eigene Einlheilung im Einzelnen gegenüber den 
neueren und neuesten Systematikern. Zugleich werden hier die Diagnosen folgen- 
der Species gegeben: Plüopus apicalis, Bp. , n. sp. , Omeolreron Baliida, Bp., 
Globicera Tarrali, Bp., Globicera Sundevalli, Bp., Glob. rubricera, Bp. ex Gr., 
Carpophaga chalybura, Bp., Carp. ochropygia , Bp. , Ptilocolpa Carola, Bp., 
Plil. griseipectus , Bp. ex Gr., Ducula Paulina, Bp. ex Temm., Duc. basilica, 
Bp. ex Temm., Myristivora grisea, Bp. ex Gr., Sticloenas Dilloni? Bp., Chlo- 
roenas spilodera, Bp. ex Gr., Crossophlhalmus Reichenbachi, Bp., (Col. Pizacuro, 
Temm. wärejuv.), Cross. gymnophlhalmus, Bp. ex Temm., (Col. poeciloplera, 
Vieill. = maculosa, Temm. = maculipennis , Licht, wäre juv.), Chlor, flavi- 
roslris, juv., Bp. ex Wagl., Macropygia Doreya, Bp., n. sp., Macr. Carlerelia, Bp., 
n. sp., Geolrygon saphirina , Bp., n. sp. , Leploplila Dubusi, Bp. , Melriopelia 
(Chamaepelia) anais, Bp. , Zenaida hypoleuca, Gr., n. sp., Zen. ruficauda, Gr. 
(mexicana, Bp.), n. sp., Zen. penlheria, Bp., n. sp., Zen. stenura, Bp., n. 8p., Ze- 
naidura marginella , Bp., (Columbe marginella, Woodhouse) , n. sp. , Scardafella 
Inca, Bp., Chalcophaps Augusla, Bp., n. sp., Phabilreron amethyslina, Bp., Globi- 
cera microcera, Bp., n. sp.?, Ducula pistrinaria, Bp„ n. sp.? 

Zum Schlüsse folgt der Conspectus syslematicus und geographicus. 



Ordo V. Colli mbae. 

Trib. I. Pleiodi. Trib. II. Gyrantes. 

Fam. 1. Didunculidae. Fam. 2. Treronidae: 5 Subfam., 32 Gen., 111 Sp. 
1 Subfam. mit 1 Genus „ 3. Columbidae:4 „ 48 „ 174 „ 

und 1 Species. „ 4. Caloenidae: 1 „ 1 „ 1 „ 

(Didunculus strigirostris.) „ 5. Gouridae; 1 „ 1 „ 2 „ 

1 Fam. 11 Subfam., 8 2 Gen., 288 Sp. 



k ) Die genaue Besprechung des Einzelnen im nächsten Hefte. 

D. H. 



116 



Geographische Verkeilung. 





F. 1. 

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Farn. 2. 


Fam. 3. 


F. 4. 

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F. 5. 

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Africa . . 
America . 
Oceania . 






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11 

6 



11 








37 



4 




3 





38 






1 


18 

7 

18 

17 


11 

17 

2 






53 




1 




29 






1 





2 


44 

34 

71 

139 


Total . . 


1 


28 


37 


4 


41 


1 


60 30 


53 


30 


1 


2 


288 



11. Conspectus generum avium. Auetore Carolo Luciano Bonaparte. 
Sect. III. 

Eine ausführliche Besprechung dieses hochwichtigen und in seiner 
umfassenden Anlage grossartigen Werkes hoffen wir später von kundigerer 
Feder zu erhalten, und bemerken nur noch, dass uns bis jetzt 7 2 pag. (die 
Ordo 4. Inepti, Fam. 76 (a.) Dididae, Subfam. 186 (*>.) Aepyorni- 
thinae, und Subfam. 187. Didinae, 4 Gen. 6 Spec. extinet. umfassend, 
dann Ordo V. Columbae, bis Subfam. Columbinae) zugekommen sind. 

Der Herausgeber. 



Zur Kritik!*) 



12. Die Nester und Eier der in Deutschland und den angrenzenden 
Ländern brütenden Vögel. Von Dr. Willibald. Mit 228 nach der 
Natur gefertigten Abbildungen. Luckau, bei Kutzscher 1854. 

Hoffentlich ist der Autor ein Anonymus, denn seinen wahren Namen 
einem solchen Machwerk voranzusetzen, wäre doch zu gewagt gewesen. Das 
Ganze zeigt eine seltene Kenntnisslosigkeit, wenigstens in diesem Gebiete, in dem 
Synonymes doppelt, längst aus den Katalogen Gestrichenes als Besonderes auf- 
geführt und die Systematik nicht gehörig berücksichtigt ist. Grobe orthographische 
Fehler, die sich in Menge finden, will ich weniger hervorheben, als das, dass die 
Abbildungen nach der Natur gefertigt sein sollen, während sie nichts Anderes als 
kaum kenntliche Copien der ohnehin schon so schlechten „ Bilderbogen" im 



*) Schlechte Bücher gleichen faden Menschen : beide verrathen sich früher oder 
später selbst, nur mit dem Unterschiede, dass man bei diesen froh ist, wenn man sie 
wieder los ist, während man sich bei jenen über die Verschwendung von Geld und 
Zeit ärgert. Diese dem weitern Publikum zu ersparen, ist Sache der Kritik. Manche 
Bücher stehen aber auch unter aller Kritik, so das vorliegende, und ich spreche von 
demselben nur, weil ich es für heilige Verpflichtung aller Förderer der Ornithologie 
halle, verderbliche Tendenzen zu Gunsten des Ganzen und zur eigenen Bechtfertigung 
öffentlich zu entkräften. Dass gerade ich dies unternehme, geschieht, weil es sich 
von selbst versteht, dass im Dienst der Wissenschaft ergraute Männer sich mit 
solcher Arbeit weder befassen können noch wollen; dies ist also Pflicht der Jüngeren. 

B. König-Warthausen. 



117 

Supplement- Atlas zu Oken sind; alle selteneren Eier sind somit auch falsch. Doch 
dies nur beiläufig, ich gehe desshalb zu meinem Hauptzweck über. 

Die Vorrede ergeht sich, nachdem zuvor allerdings Einiges gegen die Sammel- 
sucht gesagt ist, über die Art, wie man Kinder zum Sammeln anweisen soll und 
wie dies Buch zur Aufmunterung und Belehrung der gereiftem Jugend bestimmt 
sei. Glaubt der Herr Verf. etwa, das Plündern der Nester nützlicher Vögel dürfe 
den Knaben, wie Mineralogie, Botanisiren und Schmetterlingsfang zur Unterhaltung 
dienen? Glaubt er etwa, dass aus der Nester zerstörenden Jugend tüchtige Natur- 
forscher herangebildet werden ? Nein, wahrlich, gewiss nicht ! Und wäre dies wirk- 
lich vielleicht bei einem Procent der Fall, so liegt am Tage, dass der Schaden den 
Nutzen überwiegt. Meint er, wenn die Sammelleidenschaft geweckt ist, man werde 
seinem Käthe folgen und sich nur mit einigen Eiern aus jedem Neste begnügen? 
Uebrigens ist dies eine falsche Maxime, die nur in einzelnen Fällen von Nutzen 
sein kann, z. B. wenn man ein Nistpaar in einem kleinen Reviere gern behalten 
will. Meine Ansicht ist, man nehme Nichts (stets das Beste für Knaben!) 
oder Alles! Auf jene Weise findet zwar in vielen Fällen eine Brut statt, aber eine 
unvollständige, da einige Eier weniger ausgebrütet werden; im letztern Falle ist 
hingegen immer noch, wenn es nicht schon gar zu spät im Sommer ist, sichere 
Aussicht auf eine neue und vollzählige (eigentlich sogar überzählige) Brut. Dies 
sind Alles Dinge, die der gesunde Menschenverstand mit sich bringt, es ist daher 
um so auffallender und unverzeihlicher, wenn ein Mann, der den Zweck der Jugend- 
bildung zur Schau trägt, sich für solche Lehren bezahlen lässt. Entweder — und 
das wollen wir annehmen — hat er nicht bedacht, was er that, oder aber sollte das 
Jugendwohl nur zum Deckmantel peeuniärer Interessen dienen. Dass das Nester- 
ausnehmen jugendliche Gemüther verhärtet, liegt auf der Hand, und ich brauche 
den Beweis nicht zu führen, da man ihn täglich im Leben hat. Ueberdies kämpfe 
-ich nicht für Jugenderziehung, die nicht mein Fach ist, sondern für den Schutz 
der Vögel. Schon auf der Altenburger Versammlung beanspruchte der „Leipziger 
Verein zum Schutze der Singvögel", sowie Dr. Lenz, Unterstützung ihrer gleich 
menschen- wie thierfreundlichen Absichten von Seiten unserer Gesellschaft. Diese 
konnte natürlich zunächst nur im Allgemeinen durch öffentliche Anerkennung des 
guten Zweckes etc. wirken; den vorliegenden Fall halte ich jedoch zu specieller 
Rüge herausfordernd, und fühle dazu eine moralische Verpflichtung. Ich kann 
nicht anders! Ich schreibe ja mit'dem Bewusstsein, im Sinne aller Ornithologen zu 
handeln, die sämmtlich der unberufenen und nutzlosen Zerstörung der Nester 
und Vögeibruten entgegen sein müssen : Stillschweigen könnte leicht den Verdacht 
stiller Billigung bringen. Dass ich unter die Widerlegung eines sich selbst wider- 
legenden Themas meinen Namen setze, geschieht mit Widerstreben, ich thue dies 
jedoch im Bewusstsein der guten Sache, bereit zu vertreten, was ich behauptet, 
und desshalb, weil Anonymität und Pseudonymität leicht in den Verdacht par- 
teiischer Nebenabsichten oder gehässiger Lästerung bringen. 

Warthausen, im November 1854. 

^aron Richard König-Warthausen. 

Veranlassung und Zweck vorstehender Ergüsse sind leider nur zu gerecht- 
fertigt, wie Jedermann aus eigener Durchsicht des in jeder Beziehung schlechten 
Buches ersehen wird, und stimme ich desshalb der verdienten Zurechtweisung aus 
innerster Ueberzeugung bei. 

Der Herausgeber. 



118 



Zum Verzeichnisse der jetzt lebenden Ornithologen, 
Sammler etc. 



Unter dem Titel: „Premiere lisle des ornühologisles, lant qu'e'crivrains, 
amaleurs, colleclionneurs et commercanls , de France," hat uns Herr Dr. C. D. 
De gl and in Lille (Verf. der vielverbreiteten Ornithologie europeenne etc., deren 
zweite, vermehrte und verbesserte Auflage unter der Presse ist) eine höchst voll- 
ständige und umfassende Arbeit zu liefern die Güte gehabt, welche ganz dem von 
uns durch diese Rubrik beabsichtigten Zwecke entspricht: die Ornithologen aller 
Länder mit einander, sowie mit ihren oft wenig bekannten kleineren und grösseren 
Schriften bekannt zu machen, und dadurch den gegenseitigen persönlichen Verkehr 
zu ermöglichen oder zu erleichtern.*) Wir geben zunächst das Verzeichniss der 
Ornithologen etc. Frankreichs, und werden später die Auszüge aus deren 
Schriften, wie sie uns Herr Dr. De gl and mitgetheilt, nachliefern. Die Namen 
dieser Autoren sind im Folgenden mit einem * bezeichnet. 

Frankreich. 

1. Mr. Demarle ainö,* Pharmacien, administrateur-directeur du musö'e d'hi- 

stoire naturelle de Boulogne-sur-mer. 

2. „ Bonard, Dr. en medicine, administrateur du muse'e d'hist. natur. de 

Calais. Beschäftigt sich mit der Ornithologie und Entomologie, besitzt 
eine Sammlung von Vögeln und Käfern Frankreichs. 

3. „ Carpo, Marchand, Conservateur du musee d'hist. nat. de Calais. 

4. „ A. Delahaye, Administrateur du musee d'hist. natur. de St. Omer. 

Sammlung europäischer Vögel. 

5. „ de Giveuchy, a Calais. Amateur. Sammlung europ. Vögel. 

6. < „ de Wilmarest, Propridtaire , ä la Motte aubois, pres St. Omer. 

Amateur. Sammlung europ. Vögel und Eier. 

7. „ deContes, Proprietaire, ä St. Omer. Amateur. Samml. v. Eiern europ. 

Vögel. 

8. „ vandeWaele, Proprie'taire, ä Hazebrouck, Dep. du Nord. Amateur. 

Samml. von Säugethieren, Vögeln, Insekten aller Länder. 



*) Es gibt freilich leider Ornithologen, welche ihre noch nicht bekannten „Cor- 
respondenten" möglichst geheim halten, und es ist der Fall vorgekommen, dass ein 
jetziges Mitglied der Ornithologengescllschaft seinen Correspondenten, auch Mitglied 
derselben, jahrelang um Vermittelang seiner Aufnahme in die Gesellschaft vergebens 
gebeten, bis er sich direct an den Secretär gewendet. 



119 

/ 

9. Mr. Baillon, ä Abbeville, fils du correspond. de l'illustre Buffon. Be- 
sitzer einer reichen Sammlung europäischer Vögel und Eier. Verfasser 

eines „Catalogue des oiseaux des environs d' Abbeville," und einiger No- 
tizen in den Memoiren der Socidte" etc. de la Normandie. 

10. „ Garnier, Bibliothecaire, ä Amiens, administr. du mus. d'hist. nat. 

d'Amiens. Beschäftigt sich mit der Ornithologie; Verf. mehrer Memoiren 
über die Insekten. 

11. „ J. B. Jaubert, Dr. en medic. ä Marseille. Eifriger und tüchtiger 

Zoolog. Hat eine Sanfmlung europ. Vögel. Verf. von „Quelques mots 
sur l'ornithologie europdenne de Mr. le Dr. Degland et sur une critique 
de Mr. etc. Ch. L. Bonaparte, prdcedes d'un essai sur la ddfinition d'es- 
peces et des races," ferner von: „Quelques notices sur les ois. du midi de 
la France," in der Revue et magasin de Zoologie, publ. p. Mr. Guerin- 
Meneville, etc. 

12. „ Jules Ray, Pharmacien k Troyes, Ddp. de l'Aube. Amateur. Samml. 

europäischer Vögel und Eier. Verf. der „Faune de l'Aube," in dem 
„Annuaire de 1843, publ. ä Troyes sous les auspices de la soc. d'agri- 
cult. , sciences, arts et de belles lettres de l'Aube." 

13. „ Hippol. Bouteille. Conserv. du museum de Grdnoble. Ausgezeich- 

neter Ornitholog und Entomolog. Verf., mit Mr. de Labatie, der „Or- 
nithologie du Dauphine", 2 Vol. in gr. 8., mit Tafeln." Ferner der „Lettre 
ä Mr. Isid. Geoffroy St. Hilaire sur les lions du jardin des plantes de 
Grenoble." 

14. „ Loche,* Capitaine de grenadiers au 45. regiment de ligne. Amateur. 

Samml. von europ. Vögeln und Eiern. Prachtvolle Sammlung von ihm 
selbst präparirter Bälge. Hat im Interesse der Ornithologie die Basses- 
Pyrenees im Jahre 1851 durchforscht, und seine Beobachtungen an die 
„Sockste* Linneenne de Bordeaux" übergeben, deren corresp. Mitglied er 
ist. Diese hat sie in ihre „Actes," tom. XVHL, 2 e . seYie, Juin 1852, 
p. 80, aufgenommen. 

15. „ Darracq, Pharmacien, a St. Esprit, pres de Bayonne. Ornith. col- 

lecteur et marchand. Verf. eines „Catalogue des oiseaux du Dep. des 
Landes," in den „Aqtes de la Soc. Linn. de Bordeaux." 

16. „ Alfred Mal herbe, Juge au Tribunal civil ä Metz. Gelehrter Orni- 

tholog. Verf. einer Notiz: „Ascension ä l'Etna 1841;" ferner der 
„Faune ornithologique de la Sicile, I. Vol. in 8. 1843;" „Catalogue rai- 
sonne d'oiseaux de l'Algdrie," „Quelques notices sur les Pics" etc. in 
der Rev. et Magas. de Zool. ; „Du role des oiseaux," in den „Memoires de 
l'Academie royale de Metz ; " „Monographie des Pics," noch nicht ganz 
vollendet, eine Arbeit, von der man das Beste sagt. 

17. „ L. Manduyt, Conserv. du Cabinet d'hist. nat. de Poitiers (Vienne). 

Verf. folgender Schriften: „Tableau methodique des oiseaux tant sdden- 
taires que de passage periodique ou accidentel observds dans lc Dep. de 
la Vienne, 1840. (Aehnliche Tabl. betr. die Säugethiere, Reptilien, 
Fische.) 

18. „ F. Cailliand, Directeur-conservateur du mus. d'hist. nat. de Nantes. 

19. „ P. A. Millet, Membre de plus. soc. savantes, ä Angers. Verfasser 

der vortrefflichen „Faune de Maine et Loire, 2 Vol. in 8., 1828. u 

20. „ J. Crespon, Proprietaire ä Nismes. Besitzer einer sehr schönen 

Sammlung europ. Vögel. Verf. von „Ornithologie du Gard et des pays 
circonvoisins, in 8., 1840," und „Faune meridionale, 2 vol. in 8. mit 
(schlechten) Tafeln, 1844." Crespon ist Gründer des Cabinets de Zoo- 
logie de la ville de Nismes. 



120 

21. Mr. Hardy,* Proprietaire k Dieppe. Amateur. Besitzer schöner Samml. 

europ. Vögel und Eier. Verf. des „Catalogue des oiseaux observ. dans 
le Dep. de la Seine infeneure" im Annuaire de l'association de la Basse- 
Normandie." Dieser Katalog bildet die Fortsetzung und Ergänzung des 
„Tableau methodique des quadrupedes et des oiseaux trouves en Basse- 
Normandie," und enthält einige interessante Bemerkungen über Stercor. 
pomarinus und Pastor roseus. 

22. „ Le Comte de Lafresnay, k Falaise. Gelehrter Zoolog, Besitzer 

einer sehr reichen Sammlung. Verf. einer grossen Anzahl wichtiger orni- 
thologischer Arbeiten, welche in der „Kevue et Magas. de Zoologie," im 
„Dictionaire universel d'histoire naturelle" und anderen der gelehrten 
Welt bekannten Werken erschienen sind. 

23. „ O. des Murs, k Paris. Einer der Mitarbeiter der „EncyclopeMie 

d'hist. naturelle," Verf. einer grossen Anzahl in der gelehrten Welt sehr 
geachteter ornithologischer Arbeiten. Er besitzt eine Sammlung von 
Eiern, und besass vor 1848 eine der reichsten, welche nach Amerika ver- 
kauft worden ist.*) 

24. „ Alphonse Blank, k Paris. Verf. von „Lecons de Zoologie generale, 

pour servir d'introduction ä l'etude de l'Ornithologie, publ. sous les auspi- 
ces de Mr. Isid. Geoffr. St. Hit 1848. IV. in 8." 

25. „ Jacob, ä Paris. Amateur. Hübsche Samml. europ. Vögel. 

26. „ EdmondFairmaire,kParis. Marchand-Zoologiste, beschäftigt sich 

besonders mit europ. Vögeln und Eiern. 

27. „ Parzudaki, ä Paris. March.-Naturaliste. Tüchtiger Ornitholog und 

Oolog. 

28. „DeVeze,kParis. Amateur. Ornitholog und Oolog. 

29. x Perrot, ä Paris. March.-Naturaliste , attache au Muse"um d'histoir. 

naturelle ä Paris. 

30. „ Kesner,äParis. Conserv. de la gaterie de Zoologie au Museum 

d'hist. nat. de Paris. 

31. „ Pull, March.-Natural. a Paris. 

32. „ L. Boudinau, a Paris, March.-Natural. 

33. „ Gerbe, Aide-Naturaliste au College de France ä Paris. Gelehrter 

Ornitholog und Oolog. Verf. der grossen Mehrzahl der zoologischen 
Artikel im „Dictionaire univers. d'hist. natur.", und mehrer ausgezeich- 
neter Arbeiten in der Revue et magas. etc., und anderen Zeitschriften. 

34. „ lö Vicomte de Taragon, ä Paris (Rue Tronchet). Mammalog, Or- 

nitholog und Oolog. 

35. „ Deyro 11 e, k Paris. March.-Naturaliste. 

36. „ Verreaux, Jules et Edouard, a Paris. Marchands. - Naturalistes. 

Ausgezeichnete und vielverdiente Zoologen. Mr. Jules V. hat mehre 
ornithologische Arbeiten für die Rev. et Mag. etc. geliefert. Ehrenmit- 
glieder der D. O.-G. 

37. „ le Dr. Pucheran, Sous-chef de Zoologie au Mus. d'hist. nat. de Paris. 

Ebenso bescheidener als gelehrter Naturforscher. Verf. vieler werth- 
voller Arbeiten in d. Rev. et Mag. etc., und anderen Werken. Ehren- 
mitglied d. D. O.-G. 

38. „ Le'febre, Auguste, k Paris. March.-Natural. — Verfass. einer 

Oologie und mehrer Artikel, auch in der Naumannia. 



*) An Dr. Wilson, welcher sie der jetzt wohl bedeutendsten Eiersammlung der 
Academy of N. Sc. in Philadelphia einverleibt hat. 



121 

39. Mr. Chenu, Chirurgien-Major au Val-de-grace a Paris. Verf. der eben er- 

scheinenden „Encyclope'die d'hist. nat.'.' und anderer wichtiger Arbeiten. 

40. „ Moquin-Tandon, Professeur d'hist. nat. a la Faculte" de medicine de 

Paris. Ornitholog und besonders Oolog. Verf. verschiedener sehr 
geschätzter Arbeiten und Werke. 

41. „ le Prince Charles Lucien Bonaparte, k Paris. Gelehrter, geist- 

reicher und unermüdlicher Naturforscher, Verf. einer sehr grossen An- 
zahl grösserer und kleinerer Werke und Memoiren (über 1 ! ), beson- 
ders über Ornithologie, deren grösster Kenner er wohl ist. Ehrenmit- 
glied der D. O.-G. 

42. „ Bourcier, a Paris. Gelehrter Ornitholog, ausgezeichneter Kenner 

und Besitzer einer der grössten Sammlungen von Colibris. Gibt eins 
der schönsten Werke über die „Colibri's et Oiseaux-mouches" heraus. 

43. „ Mulsant, a Lyon. Berühmter Entomolog. Verf. (mit Mr. Bourcier) 

des eben genannten Werkes über die Colibris. 

44. „ Le*on Olph-Galliard, Proprietaire k Lyon. Sehr eifriger Orni- 

tholog. Verf. mehrer Artikel in den „Mem. de la Soc. nation. d'agricult., 
d'hist. nat. etc. de Lyon," der Naumannia u. a. Zeitschriften. Beschäftigt 
sich gegenwärtig mit einer Monographie der Alaudidae. Mitglied der 
D. O.-G. 

45. „ Caire, Pretre en retraite, aux Sanieres, Ddp. des Basses-Alpes. Sehr 

eifriger und kenntnissreicher Ornitholog, Verf. mehrer Arbeiten in ver- 
schiedenen Werken. Mitglied d. D. O.-G. 
4 6. „ Hollandy, Notaire ä Marseille. Amateur. Samml. v. Vögeln u. Eiern. 

47. „ Gierra, a Marseille. Amateur. Vögelsammlung. 

48. „ Laurin (Casimir), k Marseille. Vögelsammlung. 

49. „ Barthelemy de la Pommeraye, Directeur du Museum d'hist. nat. 

de Marseille. Verf. mehrer Notizen und Memoiren ornithol. Inhalts. 

50. „ Gervais, Paul, Profess. de Zoologie k la Faculte des sciences de 

Montpellier. Verf. einer Anzahl gelehrter Arbeiten über Ornith. u. 
Mammalog. 

51. „ Godefroy-Lunel, ä Montpellier. March.-Naturaliste. 

52. „ Arquier, a Marseille. Naturaliste. Besitzer einer Samml. europ. Vögel. 

53. „' Gassend, Cure, k Colmars-les-Alpes. Samml. von europäischen 

Vögeln und Eiern. 

54. „ Jouffret, Negociant, kDraguignau. Vögelsammlung. 

55. „ Foulon, Proprietaire, k Douai (Nord). Amateur. Vögelsammlung. 

56. „ Taillard, Proprietaire k Popincourt pres de Douai (Nord). Amat. 

Vögelsammlung. 

57. „ Dorin, Dr. en medic. k Chalons-sur-Saöne. Amat. Besitzer 

einer schönen Sammlung europ. Vögel. 

58. „ deMontessus, Dr. en medic. k Chalons-sur-Saöne. Zoolog. 

Besitzer einer hübschen Vögelsammlung. 

59. „ Descourtils de Messy, Propriet. k Taas pres de Chalons-sur-Saone. 

Amat. Besitzt eine schöne Sammlung europ. Vögel u. Eier. 

60. „ Demeezemaker, pere et fils, Propriöt. k Bergues. Besitzer sehr 

schöner Sammlungen von Vögeln, Eiern, Insekten etc. 

61. „ Mayer, Gustave, March.-Naturaliste k Nancy. Sammlung europ. 

Vögel und Eier. 

62. „ Stievenart-Bethune, k Cambray (Nord). Samml. europ. Vögel. 

63. „ Prdvost, Naturaliste-preparateur du Musee deDunkerque. 

64. „ Thelu, Pharmacien kDunkerque, administr. du Mus. d'hist. nat. de 

Dunkerque. 



122 

65. Mr. Martin, Abel, ancien verificateur des domaines, ä Bellesme, (Orne). 
Besitzer einer sehr hübschen Samml. europ. Vögel und Eier. Verfasser 
einer noch ungedruckten, in meinem Besitze befindlichen Abhandlung: 
„Notes et observations sur quelques oiseaux qui habitent et frequentent 
le De*p. de l'Orne et les pays circonvoisins etc., et sur ceux de quelques 
autres localites de la France." 

6 6. „ Bruneel, Louis, ä Dieppe. Amat. Besitzer einer Sammlung euro- 

päischer Vögel. 

67. „ Jaure, Henri, ä Wazemuns, pres de Lille (Nord). Sammelt euro- 

päische Vögel. 

68. „ Proto, ä Autun. Oolog. 

69. „ Barbier-Montault, Advocat ä Loudun, De"p. de la Vienne. Orni- 

tholog. Verf. von „Quelques Observations sur les ois. d'Europe," be- 
sitzt eine schöne Sammlung europ. Vögel. 

70. „ Chesnon, a Evreux, Dep. de l'Eüre. Verf. eines Werkes: „Essai 

sur l'histoire nat. de la Normandie. IV. in 8. 1834. 

71. „ Potentier, Natur. -preparateur ä Amiens. 

72. n Raoul Oursit, Propriet/' au Havre. Besitzer einer schönen Samml. 

73. „ Doumails, De*pute* et maire de Cette. Sammelt Säugethiere, Vögel, 

• Eier, Pflanzen. 

7 4. „ Guilloux,aCholet, De'p. de Maine et Loire. Sammelt Vögel. 

75. „ Bossu, fils, Negoc. ä Bouvay, Dep. du Nord. Besitzt eine Sammlung 

von Vögeln, Reptilien, Insekten etc., und machte eine Reise nach Egypten 
zu naturhistorischen Zwecken. 

76. „ Choquet, Maire ä Carvin, D6p. du Pas de Calais. Samml. inländ. V. 

77. „ Descat, Jules, a Lille (Nord). Amateur. Samml. europ. Vögel. 

78. „ Espri et fils, „ „ 4 „ „ „ 

79. „ Demould, Propriet. „ „ „ „ „ „ 

80. „ de Norguet, „ „ „ „ „ „ „ 

81. „ Choisy, Clerc de notaire a Lille. „ „ „ „ 

82. „ Choquet, Negociant, „ „ „ „ „ 

83. „ le Comte de Brigote, „ „ Samml. der Vögel d. Gegend. 

84. „ Justin Macquart, Administrateur du Mus. d'hist. nat. de Lille. 

Berühmter Entomolog (Dipterolog). Besitzt eine Samml. europ. Vögel. 

85. „ S m e t , Naturaliste-preparateur du Mus. d'hist. nat. de Lille. 

86. „ Durot, Pro prie*t., a Houpl in, Arrondiss.de Lille. Amat. Samml. inländ. V. 

87. „ Fievet, Edouard, ä Lomme, „ „ „ „ „ „ 

88. „ Damide, Greffier du juge de paix a Cytring „ „ „ „ „ 

89. „ D eh en ne, Negoc. k Armentieres, „ „ „ „ „ „ 

90. „ Deschoodt, Propriet. ä Esquermes pres de Lille. Besitzer einer 

Sammlung europ. Vögel. Gegenwärtig auf einer Reise nach dem Westen 
Irlands, für seine Sammlung etc. 

91. „ Lefebre, Auguste, Medecin au 6 e . leger en garnison a Lille. Sehr 

eifriger und unterrichteter Sammler europ. Vögel, in Bälgen. Verfasser 
mehrer ornithol. Arbeiten in verschiedenen Zeitschriften. 

92. „ C. D. Degland, Dr. en medic, Administrateur-Directeur du Museum 

d'hist. nat. de Lille. Verf. einer „Notice sur les oiseaux du nord de la 
France;" eines „Catalogue des oiseaux d'Europe," in den „Memoires de 
la Soc. imper. des sciences de l'agric. et des arts de Lille ; " «nd der „Or- 
nithologie europeenne," 2 vol. in 8. 1849; ein dritter Band unter dem 
Titel : „Supplement et revue etc.," wird bald folgen. Mitglied der D. 
Ornithologen-Gesellschaft. 



123 



IV. Bekanntmachungen. 



Der deutschen Ornithologen - Gesellschaft sind ferner im Laufe 
des gegenwärtigen Gesellschaftsjahres 185 4 / 5 beigetreten: 

Herr Baron W. Schertel von Burtenbach, z. Z. in Hohenheim. 

Herr Caffetier Gustav Werner in Stuttgart. 

Herr Dr. med. Fr. Herrklotsch in Gröbzig, Anhalt. 

Herr Lieutenant von Preen in Schwerin, Mecklenburg. 

Herr Forstmeister von Müller in Sternberg, Mecklenburg. 



Die neunte Versammlung der deutschen Ornithologen- 
Gesellschaft wird am 5., 6. und 7. Juni 1855 in Braunschweig 
stattfinden. Am 4. Juni, Abends 8 Uhr, Vorversammlung im 
Saale des Hotel de Prusse, wo die unterzeichneten Geschäftsführer 
die Gäste in Empfang nehmen, die Sitzungen stattfinden, sowie die 
nöthigen Logis in Bereitschaft gehalten werden. Besondere Anmel- 
dungen dazu, so wie zu den zu haltenden Vorträgen, wolle man an 
einen der Unterzeichneten gelangen lassen. 

Acht Wochen vor der Versammlung werden die Mitglieder der 
Gesellschaft noch durch besondere Karten eingeladen werden. 
Der Secretär: Die Geschäftsführer der 9. O.-V.: 

E. Baldamus. Prof. H. Blasius, in Braunschweig. 

von Yechclde, in Braun schweig. 



Wir erlauben uns zugleich den laut Beschluss der Gothaer Ver- 
sammlung festgestellten Theil der Tagesordnung der nächsten 
Versammlung in Erinnerung zu bringen. Vorträge, so wie die sich 
daran schliessenden Discussionen über 1) die Falken, speciell Edel- 



124 

falken, 2) die Pieper, 3) die Verfärbungstheorie, nach allen 
Seiten hin, auch nach der physikalischen und chemischen, werden 
demnach den Vorzug vor den — wie sich von selbst versteht — 
nicht ausgeschlossenen Vorträgen und Debatten über andere Themata 
haben, und wiederholen wir den vom Vorstande ausgesprochenen 
Wunsch: dass sich die Mitglieder unserer Gesellschaft besonders für 
„möglichste Erledigung dieses Theils der Tagesordnung nach allen 
Seiten hin" vorbereiten wollen. 

Der Secretär: 
E. Baldamus. 



Berichtigung. 

In der Rechnungsablage etc. IV. Quartal dieser Zeitschrift, 1854, p. 414, Z. 
18 von oben, muss es anstatt: „7 9 Mitglieder" heissen: 69 „Mitglieder." 



Nachstehend verzeichnete Säugethiere und Vögel sind für beige- 
setzte Preise beim Unterzeichneten zu haben. Für das Ausstopfen 
wird ein geringes Honorar berechnet. 

Simia (Pithecus) Satyrus L. , gestopft : 40Thlr. — Sgr. 

„ » n Skelett« 50 „ — „ 

„ (Macoco) nemestrina L., gestopft: 3 „ — „ 

„ „ Skelett: . . . 6 „ — „ 

Pteropus rubricollis, Geoffr., gestopft: 2„ — „ 

Pteromys simplex, Balg: 4 „ • — „ 

Euryotis irrorata, Brandt, Balg: 1 » — » 

Lepus Capensis, Balg: 1 „ 15 „ 

Macrosulides typicus, Balg : 1 „ — „ 



Falco sparverius 5 9 Balg: äl „ — 

Buteo borealis, Balg: .* 2 „ — 

Circus cineraceus, Montag, juv. , Balg : 1 „ — 

Strix canicularia, Balg: 1 » — 

„ virginiana, Dand, Balg: 3 „15 

„ Brasiliana, L. , gestopft : 1 »15 

Barita destructor, Temm., Balg: 1 „ — 

Bethylus picatus, Lath. , Balg: — »15 

Bardalotus punctatus, Balg: 1 „ — 

Muscicapa regia, gestopft: 3„ — 

„ filicauda, Balg: 1 » — 



125 



Muscicapa plumbea, Balg: — Thlr. l&Sgr. 

„ coronata 5 ? Balg: & 1 » ■ — » 

„ nigriceps 5 ? Balg: a 1 » — » 

Tersina coerulea S 9 Balg : a — 

Bombycilla americana, Balg: .',... . — 

Edolius (Phibalura) flavirostris, Balg: 

Euphone violacea, Balg: • . 

„ „ gestopft: 

„ rufiventris, Balg: 10 Sgr. , gestopft: ....... 1 

„ elegantissima S 9 Balg: . ä 1 



15 

20 



— „ 10 



Tanagra Brasiliensis 
„ flava 
„ rubra (missisipiensis) 
Turdus polyglottus . . 

„ scolopaceus . 
Cyanecula coerulecula, Cab 
Sylvia Velia, Lath. . 
„ cyanocephala 
„ icterocephala 
„ venusta 
„ agrostis (Setophaga 

bra, Sw.) . 
„ coerulea (laticevoia 
Motacilla lugubris, Pall. 
Pipra erythrocephala . 

„ manacus 
Alauda alpestris (Amerika) 
Fring. (Loxia) canadensis 
„ epopea 
„ haemorrhea 5 9 
Cassicus haemorhoeus . 

„ persicus 
Icterus viridis 

„ Costall?. . . 
„ aeneus? . . . 
Xanthornus icterus? 
Paradisea apoda . 
Nectariea cyanea 5 9 . 
TrochiHis superciliaris . 
„ macrourus 

| Mango . . 

i Puvoli 

„ petasophorus 

„ ater . 

„ Helianthea . 

„ Derbyanus . 

„ furcatus . 

„ rubinus . 

„ Buffoni . 

„ virescens, Vieill, 



Balg: —Thlr. 10 Sgr. gestopft: 



20 
20 
15 

20 

15 
15 

20 



12 
10 
20 



15 

10 
20 
25 
20 



15 
15 
15 
15 
15 
20 
15 
15 



20 
15 



Thlr.— Sgr. 



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126 



Trochilus leucogaster . 


Balg: 


— Thlr. 20, 


3gr. gestopft: 


lThlr 


. 5 Sgr. 


„ Franciae, Reichb. 


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„ mellivorus 


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„ glaucopis 


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„ cyanofrons . 


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„ moschitus 5 9 . 


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„ - Clarissa . 


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„ rufiventris (Eriocni- 






















mus Reichb.) 


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„ Delalandi 


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„ leucotis . 


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Tr. (Chlorectes prasina, Reicht 


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Trochilus azureus . . . 


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„ colubris . 


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„ cornutus . 


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„ (Oxypogon, Gould) 






















Guerini . 


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„ Mocoa 


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„ scutatus . 


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„ magnificus 


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„ Audiberti 


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„ Goudoti . 


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„ Eryphili . 


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„ Columbia 


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„ Esmaralda . 


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15 


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„ thirianthinum (Pau 






















lini?) . . . 


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„ microrhynchum . 


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„ amathystinoides . 


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Merops erythrorhynchus . 


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Prionites ruficapillus 


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Galbula viridis .... 


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Picus rubricatus 


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„ aurifrons .... 


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„ melanochloris 


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„ campestris . 


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Geococcyx variegata 


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Ramphastos erythorhynchus 


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„ chlororhynchus 


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Penelope cristata 


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„ Pipili . . . 
Phasianus pictus 




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Pterocles Namaquara 5 ? 


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Perdix naevia .... 


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Tinamus variegatus 


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Vinago Abyssinicca 


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Haematopus ostralegus 


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Ardea tigrina .... 


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A. Egretta — Ostindien . 


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„ candidissima 


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„ castanea . 


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„ scapularis 


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Numenius phaeopus 


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127 



Scolopax frenata 
Tringa pugnax 5 § 
Totanus maculatus . 
Strepsilas interpres 
Recurvirostra Avocetta 
Eudites rufogularis 
Alca Torda . 
Procellaria gigantea 
Puffinus fuliginosa? 
Sterna macroura 

„ cantiaca . 
Larus atricilla 
Tachypetes Aquilus 
Phaeton aetherus 

„ phoenicurus 
Anser torquatus 

„ arcuata (Anas? aus Süd 
Amerika) 
Anas nigra . 

„ fusca . 

„ clangula 

„ glacialis 5 

,, fuligula 

„ tadorna 
Mergus serrator . 



Balg: — Thlr.20 Sgr. gestopft: 
„ — „ 10 „ 
» „ 20 „ „ 



15 
20 
20 

10 

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1 Thlr.20 Sgr 


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Bad-Kösen bei Naumburg a/S. 



Dr. W. Schilling. 



Nr. 13. 

Brütezonen der Vögel innerhalb Skandinavien. 

Von 

G. B. J. Wallengren. 

(Fortsetzung von Naumannia 1854.) 



J-ihe ich zu einer aligemeinen Uebersicht und Charakterisirung 
der Brütezonen übergehe, muss ich noch einige Zusätze dazu geben, 
welche mir gütigst mitgetheilt wurden , seitdem mein Aufsatz durch 
die Naumannia in die Hände meiner Landsleute gekommen ist, wie 
ich es auch für nöthig halte, einige Berichtigungen zu dem schon 
Veröffentlichten zu geben. 

Berichtigungen und Zusätze. 

Falco gyrfalco wird brütend noch südlicher als unter dem 65° n. B. 
angetroffen, obwohl sparsam, indem er dem Gebirgsrücken bis 
nach Jemtland und Dowrefjell in Norwegen herab folgt, in 
welch letztgenanntem Lande er bis nach den Hardangerfjell herab 
getroffen wird. Sonach ist die südliche Grenze für seine Brützone 
in Schweden der 63°, in Norwegen der 60° n. B., welches natür- 
lich bloss für die Gebirgsgegenden und die Hochalpen daselbst gilt. 

Falco subbuteo wird in den südlichsten Gegenden Norwegens an- 
getroffen, geht aber in diesem Lande wenig höher gegen Norden, 
als bis Hedemarken, und wird nördlich von Dowrefjell und 
dessen Verzweigungen als Brutvogel nicht angetroffen. Seine 
nördliche Brütgrenze hierselbst ist also um den 61° n. B. Die 

Naumannia 1855. 9 



130 

Ursache dazu scheint die schon angegebene zu sein: die bergige 
Natur des Landes. 

Aquila fulva brütet in Norwegen bis nach dem Jocklefjell und in 
Tellemarken, also unterm 59° n. B., jedoch unter denselben Be- 
dingungen wie F. gyrfalco. 

Milvus regalis ist in Norwegen sehr selten und nur ausnahmsweise 
dort nistend getroffen. 

Buteo lagopus ist in Norwegens Alpengegenden ein gemeiner Brut- 
vogel bis nach dem Hardangerfjell herab, unterm 60° n. B. 

Circus rufus brütet auf Oland und in Smaland, also unterm 57° n. B. 

Strix lapponica wird im Winter manchmal bis bei Christiania an- 
getroffen. 

Strix passerina brütet sicher um Calmar in Schweden, so wie 
auch im südlichen Norwegen. 

Strix .brachyotos geht längs den Alpen in Norwegen bis zum' 
60 ° n. B. herab. 

Picus leuconotus. Bei dieser Art ist durch Druckfehler der 75° 
statt des 57 ° n. B. angegeben. 

Picus tridäctylus ist in Norwegen, nächst P. major, die gemeinste 
Art der Gattung. 

Alcedo ispida und Merops apiaster sind auch in Norwegen ge- 
sehen worden; ersterer bei Christiania und Arendal, letzterer in 
Töienhaven — doch nicht brütend. 

Nucifraga caryocatactes ist ein oder das andere Mal im Sommer 
in Norwegens Alpengegenden gesehen worden. 

Sturnus vulgaris kommt in Norwegens westlichen Theilen häufiger, 
als in dessen östlichen vor; sonach gemeiner im Küstenlande als 
gegen die Alpen. 

Coracias garrula wird in Norwegen nur zufälliger Weise ange- 
troffen. 

Turdus torquatus. Esmarck berichtet, dass sie auf den Lofoden 
sehr gemein ist und dort ihr Nest in die im Sommer leeren 
Fischerhütten baut. 
Zwischen Anthus cervinus und A. campestris muss folgende, 

auf eine für mich unerklärliche*) Weise ausgelassene Art eingeschaltet 

werden : 



*) War im Manuscript vergessen und vom Herausgeber übersehen worden. 



131 

Anthus arboreus. Bechst. 
Dieser Pieper geht sehr hoch nach Norden hinauf und wird auf 
den Seiten der Alpen durch die ganze Nadelholzregion hindurch ge- 
funden, wo er durch seinen Gesang die sonst ziemlich todte Natur 
belebt. Im Polarkreise findet er sich auch bis in die Enare -Lapp- 
mark hinauf, wo er nicht selten ist. Jedoch scheint er hier nicht 
den Kamm der Alpen zu übersteigen, so dass er nicht in den Finn- 
marken vorkommt, da es sicher ist, dass er nicht in der Utsjocky- 
Lappmark angetroffen und auch nicht in der Nähe von Tromsö be- 
merkt worden ist; wesswegen man annehmen muss, dass seine nörd- 
liche Brütgrenze um den 69° n. B. liegt. 

Phyllopneuste rufa trifft man in Norwegen bis unter den 60° n. B. 
brütend. Bezüglich der Bemerkung meines Freundes Baldamus, 
dass er Eier vom Warangerfjord, unterm 70° n. B., erhalten 
habe, dürfte eingewendet werden, dass, obwohl es gewiss mög- 
lich ist, dass diese Art als Brutvogel so weit nach Norden 
hinaufgeht, man dies jedoch nicht für ausgemacht halten kann, 
weil man Eier durch einen Sammler erhalten hat. Man weiss, 
wie viele Umstände hier begegnen, welche leicht einen Missgriff 
oder eine Verwechselung bei Angabe des Fundorts verursachen 
können. Da nun sowohl Prof. Liljeborg als auch Herr Malm 
diese Art in diesen so hoch nach Norden belegenen Gegenden 
nicht gefunden haben, und da besonders letzterer über ein Jahr 
lang sich gerade in der Nähe von Warangerfjord aufgehalten, 
sehe ich es noch für sehr zweifelhaft an, dass genannte Art sich 
dort finde. Dazukommtauch noch, dass Löwen hjelm während 
seiner Reisen in der schwedischen Lappmark diese Art nicht 
eher, als in Angermanland fand, und dann während der Reise 
zwischen Urne nach Lycksele und zuletzt bei Skellefte (64% ° 
n. B.), aber nicht mehr um den 66° n. B. Es scheint demnach 
sicher, wenn man die Angaben dieser 3 Ornithologen zusammen- 
hält, dass die Art nicht im Polarkreise vorkommt. — Das was 
hier angeführt wurdeT gilt auch für die Angaben in der Nau- 
mannia 1854 p. 176, dass Astur palumbarius und Anthus 
arboreus bis über den 70° n. B. hinaus brüten sollten, was 
bezüglich des erstem ausdrücklich von Malm bestritten wird, 
der diese Art am nördlichsten bei Muonioniska am 14. April 
antraf und dann sie weder in Her Enare-Lappmark noch in den 



132 

Finnmarken sah. Prof. Liljeborg traf den Vogel weder bei 
Archangel noch bei Tromsö. Auch kann man, bei seiner be- 
kannten Lebensart und der Natur nördlich um den Alpenrücken 
in der Norwegischen Finnmark, nicht mit Wahrscheinlichkeit er- 
warten, ihn als Brutvogel unterm 70° iv B. anzutreffen. Was 
den letztern betrifft, so ist es sicher, dass, obwohl er gerade 
nicht so selten in der Enare- Lappmark oder südlich um den 
Alpenrücken unterm 69° n. B. ist, er jedoch durchaus nicht in 
der Utsjocki-Lappmark, oder nördlich um den Alpenrücken unterm 
70° n. B. vorkommt; so wie auch, dass er nicht bei Tromsö ge- 
funden wird. Sonach ist seine nördliche Brütgrenze der 69° n. B., 
und er ist auch schon in den südlichen Theilen der Lappmarken 
seltner, als in den südlichen Provinzen der Halbinsel. Wenn 
nun noch hierzu kommt, dass er der Waldregion angehört, so 
hat man sehr Ursache, sein Vorkommen über dem 70° n. B. 
zu bestreiten, wenigstens bis zuverlässigere Angaben darüber be- 
kannt werden, als solche, welche sich auf Eiersendungen stützen.*) 

Accentor modularis brütet in Norwegen bis Dowrefjell unter dem 
61° n. B. herab, vielleicht auch dort südlicher; man trifft ihn 
auf den Alpen in der Birkenregion, besonders wo Betula nana 
wächst. 

Upupa epops ist einer der seltensten Brutvögel Norwegens, und 
kann nur ausnahmsweise zur Fauna dieses Landes gerechnet 
werden. Auf Oland dagegen ist er besonders zahlreich. 

Regulus cristatus. Obwohl diese Art weder in der Enare- noch 
Utsjocki-Lappmark getroffen wird, soll sie doch, nach Prof. Ratkes 
Angabe, in Norwegen bis auf Nord-Cap vorkommen. Daraus 



*) Mein gelehrter Freund hat mit dieser Behauptung insofern Recht., als 
er sie auf unsichere Eiersendungen bezieht: solche von glaubwürdigen Ge- 
währsmännern sind dagegen ohne Zweifel der beste Beweis des Vorkommens. 
Diesen Beweis nun kann selbst ein in der Oologie ungeübter Sammler liefern, 
vorausgesetzt dass er den Fundort gewissenhaft angiebt : denn soweit sind wir nun 
doch in der Kenntniss der europäischen Vogeleier gekommen, dass ihre Bestimmung, 
mit sehr wenigen Ausnahmen, eine vollkommen sichere ist. Die in Frage stehen- 
den Eier wurden von dem Sammler, Herrn Schrader, als in der Umgegend des 
Warangerfjord gesammelte eingesendet, gehören allerdings ohne allen Zweifel den 
bezeichneten Arten an, und bestanden in mehren Gelegen; ich sehe mich jedoch 
um so mehr ausser Stande, die Glaubwürdigkeit der Angaben über den Fundort 
zu verbürgen, als sie den so bestimmt ausgesprochenen dreier Autoritäten direct 
widersprechen. Baldamus. 






133 

folgt, dass sie nicht östlich um diese Spitze vorkommen dürfte 
und höher gegen Norden auf der Westküste, als im Osten unserer 
Halbinsel geht. 

Fringilla montifringilla brütet in Norwegen so südlich wie in 
Tellemarken oder unterm 59° n. B. 

Loxia curvirostra ist in Norwegen gemeiner als L. py tiopsittacus. 

Perdix coturnix scheint bis unter den 59° n. B., obwohl selten 
und sporadisch, zu brüten. 

Charadrius morinellus kommt in Norwegen herunter auf dem 
Hardangerfjell, unterm 60° n. B., vor. 

Platalea leucorodia ist zwei Mal in Norwegen geschossen, näm- 
lich im Herbste 1846 bei Jarlsberg und in Kyfylke 1848. 

•Ibis falcinellus ist auch in Norwegen geschossen worden, nämlich 
bei Saiten 1845. 

Tringa canutus ist auf dem Alpenrücken in Norwegen bis bei 
Modum, unterm 60° n. Br. brütend gefunden worden. 

Totanus glareola wird ziemlich selten in Norwegens südlichen 
Theilen angetroffen. 

Limosa aegocephala brütet auch auf Oland und ist dort nicht 
selten. 

Larus ridibundus ist nur einmal bei Bergen in Norwegen ge- 
schossen worden. 

Larus minutus. Nachdem diese Art von Gothland verschwunden 
ist, glaubte man nicht länger das Recht zu haben, sie zu Skan- 
dinaviens Fauna zu rechnen. Erst neulich aber hat Studiosus 
Westerland, der mehrmals Oland besucht hat, bekannt gemacht, 
dass sie auf mehren Stellen, in den nördlichen Theilen dieser 
.Insel, brütet, wesswegen sie also ihren Platz in unserer Fauna • 
beibehält. 

Sterna cantiaca ist einmal in Trondhjems Stift, in Norwegen, ge- 
funden worden. 

Vulpanser tadorna ist in Norwegen gemein bei Teilemarken, 
Tyrifjord, Jäddern und auf Mjösen. 

Rhynchaspis clypeata ist im Frühjahr ein einziges Mal bei 

Christiania geschossen worden. 
Anas rutila Pall ist im letzten Jahre bei Stockholm angetroffen 
worden. 



134 

Anas querquedula ist, soviel ich weiss, in Norwegen nicht gefun- 
den worden. 

Fuligula ferina brütet auch auf Oland. 

Fuligula glacialis hält man für in Norwegen brütend auch süd- 
lich um Dowre, also zwischen 60 --61° n. B., obwohl sie in 
Schweden nicht südlich um den 64 — 65° n. B. reicht. 

Alca impennis. Ein Exemplar wurde 1838 bei Fredriksstadt in 
Norwegen erlegt. 



Tabellarische Uebersicht über die Brützonen der Skandinavischen 
Vögel nach der Polhöhe. 

Anmerkung. W in der Columne bedeutet die nördliche oder südliche Grenze im Westen, 
O im Osten der Halbinsel. CJ- bedeutet, dass der Vogel in der ganzen Halbinsel 
innerhalb des angegebenen Gebietes brütet. 





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Falco gyrfalco . 

peregrinus 

subbuteo . 

lithofalco . 

tinnunculus 
Astur palumbarius 

nisus . 
Aquila fulva . * 

albicilla . 
Pandion haliaetos 
Milvus regalis . 

lagopus . 
Pernis apivorus . 
Circus cyaneus . 

liturata 
lapponicA . 

Tengmalmi 

brachyotos 
bubo . .. 
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Cuculus canorus 








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Picus martius 
viridis . 

canus 

leuconotus 
medius 

major .... 
minor . . . .' 
tridactylus 
Jynx torquilla 
Nucifraga caryocatactes 
Sturnus vulgaris 
Corvus corax & cornix 
frugilegus . 
monedula 
Pica caudata .... 
Garrulus infaustus**. 
glandarius 
Coracias garrula 
Bombycilla garrula . 
Caprimulgus europaeus 
Cypselus apus 
Hirundo rustica . 
urbica . 
riparia . 
Muscicapa grisola . 
atricapilla 
Lanius exeubitor 
collurio . 
Turdus viscivorus . 
pilaris 
iliacus . 
musicus . 
torquatus . 
merula . 
Motacilla alba & flava 
Antbus rupestris 
pratensis 
cervinus . 
arboreus 
campestris . 
Saxicola oenanthe . 

rubetra 
Erithacus philomela 

phoenicurus 
rubecula . 
suecica 
Sylvia atricapilla 
hortensis . 
curruca . 
nisoria 


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Sylvia cinerea . . 
Phyllopneuste trocbilus 
rufa . 
sylvicola 
Hypolais vulgaris . 
Calamoherpe arundinacea 

scboenobaenus 
Accentor modularis . 
Troglodytes europaeus 
Certbia familiaris 
Sitta europaea 
Upupa epops 
Parus major < 
ater 

cristatus . 
sibiricus . 
fruticeti . 
borealis . 
coeruleus . 
caudatus . 
Regulus cristatus 
Alauda arvensis . 
alpestris 
arborea . 
Emberiza miliaria 
citrinella 
hortulana 
scboeniclus 
rustica 
Plectrophanes nivalis 

lapponica 
Coccothraustes vulgaris 
Chlorospiza chloris . 
Pyrgita doraestica . 

montana 
Fringilla coelebs 

montifringilla 
Carduelis elegans 
spinus 
Canabina linota . 

flavirostris 
Linaria rufescens 
Pyrrhula sanguinea 
Corythus enucleator 
Loxia pytiopsjttacus 

curvirostra 
Columba palumbus 

cenas . 
Tetrao urogallus 
tetrix 
bonasia . 



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Lagopus subalpina . 

alpina . 

Perdix cinerea . 

coturnix . 

Charadrius apricarius 
morinellus 
biaticula 
curonicus 
cantianus 

Squatarola helvetica 

Vanellus cristatus . 

Strepsilas collaris . 

Haematopus ostralegus 

nigra 
Ardea stellaris . 

cinerea 
Numenius arquata . 
phaeopus 
Tringa maritima 

subarquata . 
alpina 
Temminckii 
canutus . 
Machetes pugnax . 
Actitis hypoleucos . 
Totanus fuscus . 
calidris 
ochropus . 
glareola 
glottis . . . 
Limosa aegocephala . 

major . 

gallinula . 
Ralius aquaticus 

porzana . 
Gallinula chloropus 

Phalaropus hyperboreu 
Recurvirostra avocetta 
Lestris pomarina 

parasitica . 
Buffonii . 
Larus marinus & fuscu! 
glaucus . 


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Larus argentatus 
canus . 
tridactylus 
ridibundus 
Sterna caspia 
birundo 
macrura 
ininuta 
nigra . 
Cygnus musicus 

olor . 
Anser cinereus 
segetum 
albifrons 
leucopsis 
Vulpanser tadorna 
Rhynchaspis clypeata 
Anas boschas 
acuta . 
penelope . 
querquedula 
crecca • 
Fuligula ferina . 
marila . 
cristata 
glacialis 
clangula 
Oidemia nigra . 
fusca 

perspicillata 

Somateria Stelleri . 

spectabilis 

raollissima 

Mergus mergansßr . 

serrator 

albellus . 

Phalacrocorax carbo 

cristatus 
Podiceps cristatus 
rubricollis 
auritus. L. Sundev. 
minor . 
Colymbus glacialis 
arcticus 
septentrionali 
Uria troile 
» rhingvia 

- Brünnichii 

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Lunda arctica 
Alca torda 



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139 

Obwohl es ein gewagtes Unternehmen ist, bei dem gegenwärtigen 
Stande der geographischen Ornithologie etwas Allgemeingeltendes 
über die Ornis eines Landes aufzustellen, so mag es doch als ein 
Versuch angesehen werden, wodurch ich gern andere in derselben 
Richtung hervorrufen möchte, überzeugt wie ich bin, dass die geo- 
graphische Zoologie nicht dieselbe Höhe erreichen kann, welche die 
Pflanzengeographie jetzt behauptet, bevor nicht die Verhältnisse jedes 
Landes an sich mehr erforscht sein werden, als bis jetzt geschehen. 

Wenn man die faunistischen Verhältnisse eines Landes klar 
machen will, muss man sich zunächst mit der physiologischen Be- 
schaffenheit desselben bekannt machen, weil diese den grössten Ein- 
fluss sowohl auf die Fauna als auch Flora des Landes ausübt. 
Wenige Länder unseres Erdtheils dürften in dieser Beziehung so 
ausgezeichnet sein, wie die Skandinavische Halbinsel. Mit l / 3 ihres 
Areals im nördlichen Polarkreise liegend und sonach in der arktischen 
Zone, erstreckt sie sich vom 71° n. B. mit ihrer südlichen Spitze bis 
zwischen den 55 — 56° n. B. herab; so dass, während deren nörd- 
licher Theil grosse Aehnlichkeit mit Island und Grönland hat, ; deren 
südlichster mehr dem nördlichen und mittlem Deutschland gleicht. 
Ihre Begrenzung im Westen durch den Atlantischen Ocean und im 
Osten durch die Ostsee, ferner ihr nordöstlicher Zusammenhang mit 
Finnland und dadurch mit ßiissland, üben ebenfalls einen sehr merk- 
baren Einfluss auf die faunistischen, speciell: ornithologischen Ver- 
hältnisse unserer Halbinsel aus. 

Diese peninsuläre Lage Skandinaviens verursacht auch, in Folge 
der durch das Eismeer und den Atlantischen Ocean bedingten Ent- 
fernung von Grönland und Island, dass, obwohl die nördlichen Theile 
der Halbinsel einen arktischen Charakter haben, doch der ornitholo- 
gische Austausch mit diesen, in derselben Zone liegenden Ländern 
— was die eigentlichen Landvögel betrifft — verhältnissmässig sehr 
unbedeutend ist, so dass ein nicht geringer Theil solcher Vögel, 
welche auf unserer Halbinsel bis ans Eismeer vorkommen, auf beiden 
genannten Inseln fehlen und diese wiederum Arten besitzen, welche 
noch nicht zu uns gelangt. Dies ist die Ursache, warum Skandi- 
naviens nördliche Gegenden, obwohl unter selber Polhöhe liegend wie 
Island und Grönland, doch neben dem arktischen einen rein europäi- 
schen Charakter in der Vogelfauna beibehalten haben, da hingegen 
beide genannte Inseln schon einen amerikanischen Anstrich haben, 



140 

obwohl dieser in Grönlands Ornis deutlicher ist, als ^n der von 
Island. So besitzen Skandinaviens nördlichste Gegenden mit 
dem übrigen Europa folgende Vögel gemeinsam, welche, in 
Folge des grossen Abstandes zwischen Island und Grön- 
land, noch nicht dorthin vorgedrungen sind: 
Cuculus canorus, Hirundo riparia, Actitis hypoleucos, 

Emberiza schoeniclus, Motacilla flava, Tringa Temminckii, 

Corvus cornix, Erithacus phoenicurus, Larus canus, 

Lantus excubitor, Phyllopneuste trochilus, „ fuscus, 

Hirundo urbica, Calamoherpeschoenobaen., „ argentatus. 

Es sind auch diese hier aufgezählten Arten, welche den arkti- 
schen Ländern der skandinavischen Halbinsel den in die Augen 
fallenden europäischen Charakter geben, während Grönland nur 
folgende mit Skandinavien und ganz Europa gemeinsame 
Vögel besitzt: 

Aquil'a albicilla, Scolopax gallinago, Anas crecca, 

Corvus corax, Charadrius hiaticula, Larus marinus. 

Saxicola oenanthe, Anas boschas, 

Diese besonders drücken auch diesem Lande den europäischen 
Stempel auf, der es eher zur Fauna dieses Welttheils, als zu der 
Amerikas stellt. 

Islan d, Europa näher liegend und fast eben so weit von Norwegens 
als von Schottlands Küste, besitzt dagegen gemeinsam mit 
Europa und Skandinaviens nördlichen Gegenden, ausser 
vorgenannten Grönländischen Arten, folgende: 

Anthus pratensis, Hasmatopus ostralegus, 

Motacilla alba, Totanus calidris. 

Welches Hinderniss der Atlantische Ocean der Verbrei- 
tung der Vögelarten entgegensetzt, gleichviel, ob wir Schottland 
oder Norwegen als Ausgangspunkt betrachten, ersieht man am deut- 
lichsten daraus, dass unter Vögeln, dem ganzen Europa angehörend, 
und auf unsrer Halbinsel gegen Norden bis zum 69° n. ß. hinauf- 
gehend, nur Scolopax rusticola und Sterna hirundo, und bis- 
weilen Hirundo rustica und urbica bis nach Island reichen, 
obwohl diese Insel zwischen dem 63° n. B. und dem Polarkreise liegt, 
und wegen seiner, im Verhältniss zu Skandinaviens unterm 67 — 69° 
belegenen Landschaften, südlichen Lage ebenso vortheilhafte Brüt- 
plätze abgeben könnte, besonders da die klimatischen Verhältnisse 
durch Islands Lage mitten im Weltmeere und den Zusammenhang 



141 

der nördlichen Lappmark mit dem Continente bedingt, keinen so 
sehr bedeutenden Einfluss haben können auf dergleichen kosmopoli- 
tische Arten. Denn Islands mittlere Temperatur, was dessen südliche 
Küste betrifft, stimmt mit der von Norwegens Südwestküste überein, 
während sie in dessen nördlichen Theilen gleich ist mit der der 
Enare- und Kami -Lappmarken, wo jedoch z. B. Cypselus apus, 
Hirundo riparia, Muscicapa grisola, Erithacus phoeni- 
curus u. a. brüten, während sie auf Island nicht vorkommen. Mit 
Ausnahme der rein borealen Vögel, wovon Island mehrere mit Skan- 
dinavien gemeinsam hat, sind folgende, die in Skandinavien 
zwischen 63 und 66° n. B. und darüber hinaus brüten, nach 
Island und daher auch nach Grönland nicht vorgedrungen: 



Falco subbuteo, 

„ tinnuncidus, 
Astur palumbarius, 

„ nisus, 
Pandion haliaetos, 
Strix aluco, 

„ Tengmalmi, 

„ passerina, 

„ bubo, 

„ otus, 
Cuculus canorus, 
Picus martius, 

„ major, 

„ minor, 
Jynx torquilla, 
Sturnus vulgaris, 
Corvus monedida, 
Pica caudata,- 
Garrulus glandarius, 
Caprimulgus europaeus, 
Cypselus apus, 



Hirundo riparia, 
Muscicapa grisola, 
Lanius excubitor, 

„ collurio, 
Turdus viscivorus, 

„ pilaris, 

„ musicus, 

„ merula, 
Motacilla flava, 
Anthus rupestris, 

„ arboreus, 
Saxicola rubetra, 
Erithacus phoenicurus, 

„ rubecula, 
Sylvia (alle Arten), 
Phyllopneuste trochilus, 
Calamoherpe schoenobaen., 
Certhia familiaris, 
Parus (alle Arten), 
Regidus cristatus, 
Alauda, 



Emberiza (alle Arten), 
Pyrgita (beide Arten), 
Fringilla (beide Arten), 
Carduelis (beide Arten), 
Pyrrhula sanguinea, 
Loxia (beide Arten), 
Tetrao (alle Arten), 
Charadrius apricarius, 
Grus cinerea, 
Actitis hypoleucos, 
Totanus ochropus, 

„ glareola, 
Scolopax rusticola, 

„ major, 
Rallus crex, 

wogegen die meisten 
Wasservögel, welche in 
Skandinavien überm 64° 
n. B. brüten, auch als 
Brutvögel in Island vor- 
kommen. 



Auf selbe Weise verursacht das Eismeer und der- Atlantische 
Ocean, dass die für Grönland mehr eigenthümlichen Arten sich nicht 
nach Skandinaviens arktischen Gegenden verbreitet haben. Sonach 
fehlen uns ganz und gar folgende, welche alle auf Grönland 
brüten, jedoch noch nie auf unserer Halbinsel gefunden 
wurden : 



142 

Anthus rufus, Larus Sabini, 

Linola canesce?is, Anser hyperboreus, 

Fringilla leucophrys, Fuligula Barrowii. 

Lagopus Reinhartii,*) 
Die Nordsee mit ihren Meeresengen Skagerack und Kattegat üben 
ebenfalls einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die Verhältnisse 
zwischen Skandinaviens, Englands und Dänemarks Ornis, obwohl 
diese Länder zum Theil unter selber Polhöhe liegen. Dass jedoch 
ein grösserer Unterschied zwischen England und Skandinavien statt- 
finden müsse, als zwischen letzterm und Dänemarks ornithologischen 
Verhältnissen, liegt in der Natur der Sache, da die Entfernung von 
letztgenannten Ländern so unbedeutend ist, dass sie im Vergleiche 
zu der von England und Skandinavien für nichts angesehen werden 
kann. Englands nähere Lage zum südwestlichen Europa (Frankreich) 
macht, dass mehr südliche Arten dorthin vorgedrungen sind, als 
nach Dänemark und Skandinavien. 

Sehen wir erst auf das Verhältniss zu England, so finden wir 
dort folgende Arten, welche in Dänemark nicht brütend vor- 
kommen, auch nicht nach Skandinavien gekommen sind: 
Motacilla campestri3,Emberizacirlus,Fregilus graculus**) 
und wenn man so will, auch Lagopus scoticus. Die drei ersten 
sind rein südliche und südwestliche Arten, für welche noch das Meer 
ein Hinderniss gesetzt hat. Dazu kann auch gerechnet werden Mota- 
cilla Yarellii, welche wohl in Skandinavien angetroffen worden, 
aber doch, wie es scheint, später hierher gekommen ist und sich 
vielleicht auch hier noch nicht angesiedelt hat, sei sie nun Art oder 
blosse klimatische Abänderung. 

Jedoch noch mehr in die Augen fallend ist der Unterschied, 
wenn man die Arten betrachtet, welche von Skandinavien nicht 
nach England übergewandert sind, obwohl sie in Skandinavien 
so tief herab brüten, als unter Britanniens Polhöhe: 
Stria ulula, Picus leuconotus, Erithacus philomela*, 

Stria passerina*, ***) „ tridaetylas, Sylvia nisoria*, 

Picus canus, • Anthus rupestris* ', Parus borealis, 



*) Ob dieser Vogel von L. alpina verschieden sei, was doch sehr zweifel- 
haft ist. 

**) Sylvia provincialis. 

***) Die mit Stern bezeichneten Arten brüten in Dänemark. 



143 



Sitta europaea, Corythus enucleator, Grus cinerea, 

Loxia curvirostra, Tetrao bonasia*, Ciconia nigra. 

„ pytiopsittacus, 

Dagegen werden die Britischen Inseln nur im Winter von fol- 
genden Vögeln besucht, welche theils aus Skandinavien, theils auch 
aus höher nach Norden liegenden Ländern kommen : 



Lanius excubitor, 
Turdus pilaris, 
„ iliacus, 
Bombycilla gamda, 
Emberiza nivalis, 
Fringilla montifringilla* 
Squatarola helvetica, 
Arenaria calidris, 
Strepsilas collaris, 



Limosa rufa, Anas strepera, 

Scolopax rusticola, „ acuta, 

„ gallinula, „ penelope, 

Tringa cinerea, Fuligula, 

„ subarquata, Colymbus, 

„ maritima, Mergulus, 

Anseres (mit Ausnahme Larus glaucus, 

von segetum), Mergus merganser. 

Cygnus musicus, 

Wie nun einerseits der Grund dieser Verhältnisse in dem Hin- 
dernisse, welches die Nordsee entgegensetzt, gesucht werden muss, 
so muss man ihn andrerseits auch darin suchen, dass die meisten 
eigentlich östlichen Vögel nur über Deutschland die britischen Inseln 
werden erreichen können, sich aber zum grössten Theil nicht in ge- 
nanntem Lande so weit nach Westen ausgebreitet haben, dass sie noch 
Frankreich erreichen. Dabei fehlen in England fast alle zu Skandi- 
naviens asiatisch - europäischer und arktischer Ornis gehörende Arten, 
und die Ursache, warum ein Theil von diesen, welche die Inseln nur 
im Winter besuchen, sich dort nicht niedergesetzt hat, muss in dem 
Meeresklima dieser Insel gesucht werden. 

Wie gering auch der Raum zwischen Dänemark und Skan- 
dinavien ist, so verursacht dies doch, idass eine nicht unbedeutende 
Anzahl Arten, welche in Dänemark brüten, ganz und gar nicht 
in Skandinavien während irgend einer Jahreszeit vorkommen, und 
sonach noch nicht einmal zufälligerweise angetroffen worden sind. 
Solche sind: 

Calamoherpe aquatica, 
„ cariceti, 

,, locustella, 

Erithacus luscinia, 
Parus biarmicus, 
Eegulus ignicapillus, 
Von diesen scheinen Calamoherpe palustris, aquatica und 
locustella, so wie Regulus ignicapillus vorzugsweise als 



Sitta ca?siä, 
Muscicapa parva, 
Lanius rufus, 
Motacilla boanda, 
Anthus aquaticus, 
Calamoherpe palustris, 



Serinus hortidanus, 
Oedicnemus crepitans, 
Sterna cantiaca, 
„ DougaUi, 
Fuligula nyroca. 



144 

östlichere Vogel betrachtet werden zu müssen, welche also vom öst- 
lichen oder südöstlichen Europa, sich nach der Ostseeküste zu ver- 
breitet haben, und nun, indem sie dem Küstenlande folgten (so wie 
die übrigen, mehr von Süden oder Westen kommenden Arten) längs 
der jütischen Halbinsel nach Norden vordringen, bis sie Skagerack und 
Kattegat erreichen, wo sie wenigstens eine Zeit lang gehindert werden, 
weiter vorwärts zu gehen. Obwohl weniger in die Augen fallend 
findet dasselbe Verhältniss auch bei einer Anzahl Vögel statt, welche 
im südlichen und mittlem Schweden brüten und welche dort Stand- 
vögel sind. Einige, obwohl aus leicht begreiflicher Ursache nicht 
viele, haben sich von Schweden aus noch nicht nach Däne- 
mark verbreitet, obwohl sie bisweilen im Winter bis dahin sich 
verbreitet haben. Solche sind: Picus canus, leuconotus, tri- 
dactylus, Sitta europaea und Parus borealis.*) 

Solche Zugvögel dagegen, welche von der Skandinavi- 
schen Halbinsel ihren Weg nach Dänemark nehmen, in 
diesem Lande aber als Brutvögel noch nicht festen Fuss 
gefasst haben, können hier nicht eigentlich in Betracht kommen, 
da sie, als eigentlich nordische einem andern Gesetze folgen, und als 
Zugvögel nach Süden sich durch kein Hinderniss aufhalten lassen, 
wenn der Migrationsinstinct sie forttreibt. Jedoch ist die Meeresenge 
zwischen Skandinavien und Dänemark nicht ganz ohne hindernden 
Einfluss, obwohl mehr in klimatischer Hinsicht, auch auf einige solche 
Vogelarten, welche während des Winters nach südlichen Gegenden 
herabstreichen. Als solche nennen wir nur Turdus pilaris, welche, 
obwohl im Herbst und Winter über Dänemark streichend, sich doch 
nicht dort ansässig gemacht hat; wogegen sie aber von Nord-Ost seit 
ungefähr 50 Jahren sich in Deutschland verbreitet hat und dort ziem- 
lich südlich brütet. So verhält es sich auch mit Turdus iliacus, 
die im östlichen Europa bis unter Dänemarks südlichste Polhöhe herab 
brütet, gegen Westen zu aber nicht den Skagerack überschreitet. 
Hierbei muss hauptsächlich in Beachtung genommen werden, dass 
Dänemark, sowie auch Schonen, wo diese Arten auch nicht als Brut- 
vögel vorkommen, ein Meeresklima, wogegen die östlichen Gegenden 



*) Dieser Vogel wird wohl in den östlichen Theilen Deutschlands angetroffen, 
ist aber noch nicht, so viel ich weiss, in Dänemark angemerkt worden. 



145 

Deutschlands, wo sie brütend vorkommen, mehr ein Continentalklima 
haben. 

Hat diese schmale Meerenge einen so merkbaren Einfluss auf 
unsre Ornis, so üben die Ostsee und der Bottnische Busen einen 
nicht weniger grossen aus, auch wenn sie es nicht hindern konnten, 
dass sogar das südliche und mittlere Schweden, in Folge der Nach- 
barschaft des Russischen Reiches, einen östlichen Charakter erhielten. 
Wir haben schon gezeigt, wie die Ostsee eine Grenze für mehrere 
östliche Vögel gesetzt hat, welche, während sie über Deutschland nach 
Dänemark vordrangen, doch Schweden noch nicht erreicht haben. 
Ausser diesen kommen aber noch mehre andere vor, theils in Kur- 
land und Liefland, theils im eigentlichen Russland und in Finnland, 
welche, obwohl ein Theil von ihnen in Deutschland angetroffen wird, 
ja zum Theil auch zufälligerweise in Dänemark, doch nicht die Ostsee 
und den Bottnischen Busen überstiegen haben. Solche sind beson- 
ders: Falco vespertinus, Milvus ater, Oriolus galbula, Ery- 
thros piza erythr in a, Aquila nnevia, Parus cyanus? und Parus 
lugubris. 

Hier können nicht solche Vogelarten in Betracht kommen, welche 
Russlands Ornis den rein sibirischen Charakter, (Emberiza aureola 
und pusilla, Limosa cinerea etc.) geben, da diese kaum die 
Dwina übersteigen, und sonach noch nicht die finnischen Waldhöhen- 
züge, die als longitudinelle Grenze am besten Finnland von Russland 
zu trennen scheinen. 

Obwohl nun Skandinaviens Ornis also schon durch die natür- 
lichen Grenzen der Halbinsel von der benachbarter Länder geschie- 
den ist, so sind doch diese Grenzen nicht von der Beschaffenheit ge- 
wesen oder sind es jetzt, dass sie absolut allen ornithologischen Aus- 
tausch gehindert hätten. Im Gegentheil — wir finden, wenn wir auf 
Skandinaviens ältere geologische Verhältnisse achten, dass es die 
meisten seiner Vögel von anderswo her erhalten haben muss. Geo- 
logische und auch naturhistorische Beweise bekräftigen, dass Skan- 
dinaviens südlichste Spitze (Schonen) in der Vorzeit mit Deutschland 
zusammengehangen hat, und dass es somit eine Zeit gab, wo beide 
Länder, zugleich mit Dänemark, ein Festland bildeten. Aus geo- 
logischen Gründen wird man auch genöthigt anzunehmen, dass die 
nördlichen und zum Theil auch die mittleren Theile in einer frühern 
Zeit so hoch erhoben waren, dass sie über oder so nahe an der 

Naumanuia 1855. 10 



146 

Schneegrenze lagen , dass sie mit Schnee und TEis bedeckt waren, 
und sonach den Glacieres der Alpen des südlichen Deutschlands 
glichen. In dieser Zeit konnten — mit Ausnahme einiger arktischen 
Arten — also nicht die Vögel, welche jetzt das Land bewohnen, hier- 
selbst ausdauern, sondern sie müssen, nachdem das Land sich so tief 
gesenkt, dass es die jetzige Höhe hatte, von anderswoher eingewan- 
dert sein. Ebenso ist es klar, dass, als Schonen noch mit Dänemark 
und Deutschland zusammenhing, auch von dort mehrere Vögelarten 
eingewandert sind, so wie genannte Provinz während jener Periode 
sicher von dort den grössten Theil ihrer Säugethiere erhalten hat. 
Hätte man also die Frage zu beantworten: sind die Vögelarten, 
welche Skandinavien nun besitzt, ursprünglich auf dieser 
Halbinsel heimisch? so würde man ein unbedingtes Nein ant- 
worten müssen, wenn man vielleicht vorher solche Arten (besonders 
Wasservögel) ausgenommen hätte, welche der arktischen Zone ange- 
hören, denn diese konnten zum grössten Theile natürlicherweise, auch 
als das Land noch so hoch lag, dass es mit beständigem Schnee und 
Eis bedeckt war, um d\e Küsten herum leben — wenigstens konnte 
dies so der Fall auf der Westküste der Halbinsel sein. Nun hätte 
freilich die geographische Ornithologie die verschiedenen ornithologi- 
schen Schöpfungsmittelpunkte zu bestimmen, aus welchen die Vogel- 
arten hervorgegangen sind, und von wo sie sich über das ganze Ter- 
rain ihres jetzigen Wohnplatzes verbreitet haben. Dieser Mittel- und 
Ausgangspunkt wäre als das primitive Vaterland der respectiven Art 
anzusehen; aber es ist nun für uns in vielen Fällen unmöglich, dies 
mit Sicherheit zu bestimmen. Faber nimmt an, dass die primitive 
Heimath jeder Art dort sei, wo sie das ganze Jahr hindurch lebe, 
also da, wo sie Standvogel sei, weil man annehmen kann, dass diese 
Gegend jene in sich schliesse, oder wenigstens nicht weit davon liege, 
wo die Vogelart zuerst aufkam. Treviranus Annahme dagegen, 
dass die Heimath einer jeden Vogel- oder Thierart dort sei, wo die 
Art sich im Winter aufhalte, gleichviel ob sie sich dort während des 
Sommers finde, ist unhaltbar. Man kann siqh nämlich sehr leicht be- 
greiflich machen, wie ein Vogel sich von dem Orte, wo er Stand- 
vogel ist, weiter nach im Süden oder Norden liegende Länder aus- 
gebreitet habe, und warum er unter gewissen Umständen dort migra- 
torisch werden musste, schwer aber wäre zu begreifen, warum er das 
Land, wo er zuerst hervorkam, ganz und gar verlassen sollte, um es 



147 

nur einmal im Jahre wieder zu besuchen, und auch da nicht einmal 
um sich dort zu propagiren, obschon die Propagation den Culmina- 
tionspunkt für das jährliche Leben einer jeden Vogelart ausmacht. 
Hat eine Art die Gegend ganz und gar verlassen, wo sie zuerst auf- 
kam — eine Annahme, die sich jedoch nicht beweisen lässt, da die 
Erfahrung bei anderen Thierklassen das Gegentheil beweist — so ge- 
schah es darum, weil sich dort nicht mehr alle Mittel für ihre Existenz 
vorfanden, und da kehrt sie auch nie wieder dorthin zurück. Von 
dem Lande dagegen, wo sie Standvogel ist, hat sie sich so weit ver- 
breitet, als es die Natur und ihre eigne Constitution erlaubt, und sie 
pflanzt sich auch fort an rings von der primitiven Heimath liegenden 
Orten, welche mit letztgenannten, nach Faber, die Heimath des 
Vogels ausmachen, da, wie auch Linne' sagt, die Heimath des 
Vogels dort ist, wo er sich in vollkommner Freiheit fortpflanzt. In 
dieser Hinsicht ist Skandinavien Heimath für nicht ganz wenige 
Vogelarten, muss aber doch, in Folge obengenannter Ursachen, im 
Allgemeinen als seitwärts von der Gegend liegend angesehen werden, 
wo jede dieser Arten zuerst hervortrat, und die Frage, worauf eine 
Antwort nöthig ist, würde also diese sein: Wie haben sich diese 
Arten bis dorthin verbreitet? 

Wir haben schon gezeigt, wie Skandinaviens jetzige Grenzen 
für verschiedene in Nachbarländer vordringende Vogelarten Hinder- 
nisse in den Weg legten, so dass sie jetzt noch nicht Skandinaviens 
Halbinsel erreicht; aber wir haben auch im Vorbeigehen gesagt, dass 
der südliche Theil der Halbinsel in der Vorzeit mit Dänemark und 
Deutschland zusammenhing. Da sonach während jener Zeit die Com- 
munication mit dem Festlande leichter war als jetzt, so folgt auch 
hieraus, dass auf diesem Wege ein grosser Theil der Vogelarten, 
welche nun auf der Halbinsel Standvögel sind, sowie auch ein grosser 
Theil derer, welche dort Zugvögel sind, während dieser Zeit hierher 
gekommen ist. Dies gilt vorzüglich für alle die Vögel, die sich nicht 
so weit nach Norden verbreitet haben, dass man sie in den Grenzen 
der Lappmark antrifft und welche in Dänemark und Deutschland 
brüten, und die also als mehr südliche Vögel zu betrachten sind; 
aber auch für solche Vögel, welche für die temperirte Zone mehr 
charakteristisch sind, obwohl sie bis nach dem Nord-Cap oder in 
dessen Nähe vorgedrungen sind. Obwohl, seitdem die Ostsee sich 

einen Auslauf zwischen Deutschland und den dänischen Inseln und 

• 10* 



148 

Schonen gebahnt hat, die Communication zwischen diesen Ländern 
abgebrochen wurde, ist es dennoch klar, dass über die dänischen 
Inseln , Bornholm und Rügen ebenfalls mehrere Vogelarten zur Halb- 
insel gelangen konnten, und auch im Laufe der Zeit wirklich ange- 
langt sind; aber wir glauben nicht, dass wir uns betrügen, wenn wir 
behaupten, dass es sich fast ausschliesslich mit einem Theile Zugvögel 
so verhält, und dass, seit der Belt und der Oresund sich gebildet, 
kaum irgend ein Standvogel auf diesem Wege zur Halbinsel ge- 
langt ist. 

Auf Tliesem Wege (Dänemark und Rügen) glauben wir, dass die 
Skandinavische Halbinsel dem Laufe der Zeit ihre 



G ermanisch - Europäische Vogelfauna 

erhalten hat, zu welcher wir folgende Brutvögel rechnen: 



Falco subbuteo*). 

„ tinnunculus, W. 

„ peregrinus. 
Astur palumbarius. 

„ nisus. 
Aquila fulva. 

„ albicilla. 
Buteo vulgaris. 
Pernis apivoras. 
Milvus regalis, W. 
Circus cyanus, O. 

„ rufus, O. 
Strix aluco. 

„ tengmalmi, 0. 
f „ passerina, Ö. t 

„ brachyotos. 

„ bubo. 

„ otus. 
Cuculus canorus. 
Picus martius, O. 

„ viridis, W. 
f „ canus, O. 



Picus medius. 

,< major, W. 

„ minor. W. 
Jynx torquilla. 
Sturnus vulgaris. 
Corvus (alle Arten). 
Pica caudata. 
Garrulus glandarius. 
Coraeias garrida. 
Caprinmlgus europaeus. 
Cypselus apus. 
Hirundo (beide Arten). 
Muscicapa grisola. 

„ atricapilla. 

Lanius excubitor. 

„ collurio. 
Turdus musicus. 
„ torquatus. 
„ merula. 
? „ viscivorus, O. 
Motaeilla (alle Arten). 
Anthus rupestris, W. 



Anthus pratensis. 
„ arboreus. 
„ campestris. 
Saxicola (beide Arten). 
Erithacus phoenicurus. 
„ tithys, W. 
„ rubecida. 
? „ philomela, 0. 
Sylvia atricapilla. 
„ hortensis. 
„ curruca. 
„ cinerea. 
? „ nisoria, 0. 
Phyllopneuste trochilus. 
„ rufa. 

„ aylvicola, W. 

ITypolais icterina, W. 
Calamoherpe arundinacea, 
Ö. 
„ schoenobaenus. 
Troglodytes europaeus. 
Certhia familiaris. 



*) Ich setze voraus, dass die Stellung der Vögelarten in dieser und den folgen- 
den Faunen der Halbinsel nicht unangefochten bleiben kann, doch habe ich ver- 
sucht, einer jeden ihre Stellung gemäss der Wahrscheinlichkeit und annähernd 
richtig zu geben. 



149 



Upupa epops. 
Parus major. 

„ ater. 

„ cristatus. 

„ fruticeti* 

„ coeruleus. 

„ caudatus, 
Regulus cristatus. 
Alauda arvensis. 

„ arborea. 
Emberiza müiaria. 
„ citrinella. 

„ hortidana, W. 

,, schoeniclus. 

Coecothraustes vulgär. W 
Chlor ospiza chloris. 
Pyrgita domestica. 

„ montana. 
Fringilla coelebs. 
Carduelis elegdns. 
„ spinus. 
Cannabina linota. 
Columba (alle Arten). 
Tetrao (alle Arten). 



Perdix (beide Arten). 

Otts tarda, 0. 

? Charadrius apricarius. 

„ Maticula. 

„ curonic, W. 

„ cantian., W. 

Vanellus cristatus. 
Haematopus ostralegus. 
Strepsilas collaris, W. 
? Gras cinerea, 0. 
Ciconia alba, W. 
„ nigra, 0. 
Ardea cinerea, 0. 
„ stellaris, O. 
? Numenius arquata. 0/ 



Scolopax gallinago. 
„ rusticola. 
Rallus (alle Arten). 
Gallinula chloropus. 
Fulica atra. 
Recurvirostra avocetta. 
Cygnus olor. 
Vulpanser tudorna. 
Anas boschas. 

„ querquedula, 0. 

„ cracca. 
Rhynchaspis clypeata, Ö. 
Podiceps cristatus, 0. 
„ rubricollis, O. 
„ minor, 0. 



phaeopus, Ö. Sterna hirundo, W. 



„ minuta, W. 

„ nigra, Ö. 
Larus ridibundus. 

„ canus. 

„ argentatus. 

„ fuscus. 

? „ marinus. 



Tringa alpina. 
Machetes pugnax. 
Actitis hypoleucos. 
Totanus calidris. 

„ ochropus. 

„ glareola. 
Sßolopax major. 

Die eben aufgezählten Arten scheinen alle auf diesem südlichen 
Wege nach der Halbinsel gelangt zu sein, obwohl wir natürlicher- 
weise darum nicht alle für wirklich südliche Vögel ansehen. Die, 
welche mit W. bezeichnet sind , sehen wir im Gegentheil für mehr 
westliche und die mit O. bezeichneten für mehr östliche Arten an. 
Die> ersteren sind bei ihrem Vorwärtsschreiten nach Norden vom 
mittlem und südlichen Europa nach Osten zu, und die letzteren von 
den Ländern östlich um den 25.— 30. ° w. L. (wo Europas grösste 
Höhe über dem Meeres-Niveau die natürlichste Longitudinal-Grenze 
zwischen den Faunen des westlichen und östlichen Europa ausmacht, 
und wo sie auch beide in einander überzugehen scheinen), nach Westen 
zu vorgeschritten. Die mehr östlichen Vögel sind vielleicht auch zum 
Theil über die Inseln der Ostsee angelangt; aber alle sind doch, 
Während sie in den Ländern, die in ihrer Zone lagen, gegen Norden 
fortgingen, oder ihre Zone nach Westen oder Osten hin erweiterten 
und sich hier (25 — 30° w. L.) begegneten, nach Skandinavien erst 
über Dänemark, Rügen und Bornholm gekommen, entweder während 



150 

diese Halbinsel noch mit Deutschland zusammenhing, oder auch nach- 
dem die Ostsee sich einen Weg zur Nordsee gebahnt hatte. Die 
Arten, welche vergleichsweise zuerst ankamen, sind auch im Laufe 
der Zeit im Allgemeinen am weitesten gegen Norden vorgedrungen, 
wogegen die, welche vergleichsweise später anlangten, 'sich auf der 
Halbinsel noch nicht so hoch hinauf verbreitet haben wie vorige, und 
wie sie es vielleicht in der Zukunft thun werden, bevor die langsam 
wirkende Kraft, welche jetzt den nördlichen Theil der Halbinsel er- 
höht, jedes weitere Vordringen ganz unmöglich macht, oder vielleicht 
einen grossen Theil zwingt, sich wieder zurückzuziehen. Wie diese 
Arten auf der Halbinsel bis zu der Polhöhe , welche sie jetzt inne 
haben, vorgedrungen sind und vordringen können, wollen wir so gut 
als möglich weiter unten, zu zeigen versuchen. 

Demselben Wege sind auch folgende, in Skandinavien nur zu- 
fälligerweise vorgekommene Vögel gefolgt, unter welchen jedoch wohl 
einer oder der andere in der Zukunft sich hier ansässig machen dürfte, 
so wie es vielleicht schön der Fall ist mit den Arten, die ich mit * 
bezeichnet habe: 



? Falco lanarius. 
Aquila naevia. 
Strix noctua.i 

„ flammea. 
Alcedo ispida. * 
Merops apiaster. 
Pastor roseus. 
Oriolus galbula. * 



Lantus minor. 
Motacilla Yarellii. * 
Saxicola nibicola. 
Erithacus tithys. * 
Alauda cristata. 
Otis tetrax. 
? „ houbara. 
Ardea minuta. * 



Ardea purpurea. 
Ibis falcinellus. 
Platalea leucorodia. 
Sterna cantiaca. 

„ leucoptera. 
Anas strepera. * 
? Pelecanus onocrotalus. 
Podiceps nigricollis. 



Aber in der Ornis der Skandinavischen Halbinsel gewahrt man 
auch einen rein östlichen Charakter, der durch Arten bezeichnet 
wird, die entweder nie oder doch sehr sparsam auch in Deutschland 
brüten, und welche darum, wenn man zugleich auch die Verbreitung 
dieser Arten auf der Halbinsel beachtet, nicht leicht den südlichen Weg 
gekommen sein können. Da man sie überdies nicht, oder doch sehr 
sparsam, in der Gegend der Lappmark antrifft, können sie auch nicht 
von nordostwärts zur Halbinsel gekommen sein, sondern sie müssen 
sich dorthin rein von Osten her verbreitet haben, besonders da sie 
ihre eigentliche Zone im mittlem Russland und zum Theil auch in 
Asien haben. Hier liegt jedoch die Ostsee dazwischen, und diese ist, 
auch da schon, als die südlichen Theile der Halbinsel noch mit 



151 » 

Deutschland zusammenhingen, und sie im eigentlichen Sinne des 
Wortes bloss ein Landsee war, stets ein bedeutendes Hinderniss für 
die Verbreitung der östlichen Arten nach Westen zu gewesen. Darum 
sind auch dieser Arten, nicht bloss relativ, sondern absolut weniger, 
als derer, welche von Norden und Süden hierher kamen. Obwohl 
nun genannte See, wie oben gezeigt wurde, stets ein mächtiges Hin- 
derniss war und noch ist, so war doch nicht alle Communication mit 
dem Osten verschlossen. Gothland liegt ungefähr inmitten zwischen 
der Skandinavischen Halbinsel und Kurland, und die Inseln Oesel 
und Dago liegen nicht viel weiter von Gothland als Kurland von 
dieser Insel. Von Esthland, Liefland und Kurland sind sonach, un- 
geachtet der zwischenliegenden See, einige Vogelarten wirklich gegen 
Westen so weit vorgedrungen, dass sie Gothland erreicht haben. Dies 
beweisen die Vogelarten, welche auf der Insel brütend gefunden wer- 
den, ohne dass sie je — nicht einmal in der Zugzeit — auf der Halb- 
insel gefunden wurden, während sie auf dem nach Osten nahe liegen- 
den Festlande zahlreicher vorkommen. Ein solcher Vogel ist z. B. 
Muscicapa albicollis, der kaum als von Deutschland, wo er ziem- 
lich selten ist, herübergekommen angesehen werden kann, und welcher 
noch weniger den Weg üfyer Dänemark genommen haben wird, da 
er nach Dr. Kjaerbölling nur bisweilen in den Herzogthümern ge- 
funden wird. Von Gothland ist die Entfernung nach Oland nicht 
gross und darum sind auch dorthin von erstgenannter Insel Arten 
angelangt, die sich noch nicht weiter nach Westen verbreitet haben. 
Als solcher Vogel mag Larus minutus angegeben werden, die vor 
mehren Jahren in den gothländischen „Myren" brütend gefunden 
wurde, und von dort nach den Morästen des nördlichen Olands aus- 
gewandert ist (obwohl sie später von Gothland ganz verschwunden 
ist, vielleicht in Folge der dort veränderten Lokalverhältnisse). Diese 
Art könnte nun ganz und gar nicht von Süden kommen, sondern 
muss von Russland über ' dessen Ostseeprovinzen eingewandert sein, 
da die Brutplätze dieser Art erst in dessen Grenzen gefunden wer- 
den. Aber nachdem solche östliche Vogelarten erst Oland erreicht 
haben, ist die Entfernung von dort nach dem Festlande der Halb- 
insel etwas Unbedeutendes, welches bald' überwunden wurde, worauf 
die Verbreitung gegen Westen zu ungehindert fortging. Doch ist 
Gothland und Oland nicht der einzige Vereinigungsweg zwischen den 
mittleren Theilen von Russland und Skandinavien. Von der finnischen 



152 

Küste aus, bei Abo, geht bis nach Uppland herüber eine bei letzt- 
genannter Provinz wenig unterbrochene Kette von grösseren und 
kleineren Inseln, unter denen die Alandsinseln die bedeutendsten 
sind. Auch über diese sind im Laufe der Zeit eine Anzahl Vogel- 
arten von Russland nach Skandinavien gekommen. Gothland, Oland 
und die Alandischen Inseln sind also als ein ornithologischer 
Verbindungsweg mit dem mittlem Russland zu betrachten und 
über diesen scheint die Skandinavische Halbinsel ihre 

Russisch - Europäische Vogelfauna 

erhalten zu haben, zu welcher wir folgende von Osten her, wie es 
scheint, angelangte Brutvögel aufzählen: 

Circus cineraceus. Anser cinereus. 

Picus leuconotus. f Anas acuta. 
fNucifraga caryocatactes. Fuligula ferina. 

Muscicapa albicollis. f Oidemia fusca. 

Sitta europaea. ? Mergus merganser. *) 

? Limosa aegocephala. f „ serrator. *) 
Larus minutus. 

Von den unter Skandinaviens Germanisch-Europäischer Vogel - 
fauna aufgezählten Arten können möglicherweise auch folgende über 
diesen östlichen Verbindungsweg angelangt sein, worauf sowohl ihr 
Vorkommen auf den bezeichneten Inseln, so wie auch ihre mehr 
östliche Verbreitung auf der Halbinsel selbst, und auch überhaupt 
ihre Eigenschaft als östliche Vögel hinweist; sie können darum auch 
als ein Vereinigungsglied zwischen der Germanisch- und 
Russisch-Europäischen Vogelfauna angesehen werden: 

t ? Picus ca?ius.**) Sylvia nisoria. Rhynchaspis clypeata. 

Turdus viscivorus. ? Grus cinerea. ? Numenhis phaeopus. 

Erithacus philomela. Ciconia nigra. t , „ arfucrtcu 



*) Diese beiden Arten kommen in Sibirien und Japan vor, und sind daher 
hier als östliche Vögel zu betrachten, obwohl sie auch in Nordamerika zu treffen 
sind. Beide kommen auch auf Island , aber erstere gar nicht auf Grönland, vor, 
wo letztere sparsam ist. 

**) Diese Art kommt nicht auf Gothland nistend vor, kommt aber nach Däne- 
mark nur als Zugvogel, und hat im Osten, wie es scheint, ihre grösste Verbreitung. 
Sie kommt dazu auch in Schonen nicht vor. 



153 

So wie über den südlichen Weg verschiedene Arten zufälliger- 
weise auf die Halbinsel gekommen sind, so geschah dies auch auf 
dem östlichen Wege, und diese sind: 

Circus pallidns. Anas rutila. 

Paras cyanus. Anser rußcollis. 

Erythrospiza erythrina. f Pelecanus onocrotalus. 

Von den aufgezählten Brutvögeln haben die beiden Standvögel: 
Picus leuconotus und Sitta europaea — von welchen ersterer 
wenigstens bis zum 67° n. B. gegen Norden geht, und darum mög- 
licherweise zum Theil auch über den nordöstlichen Weg auf unsre Halb- 
insel gelangt ist, letzterer aber nicht die Grenzen der Lappmark über- 
steigt — ihre grösste Verbreitung gegen Westen, so dass sie jetziger 
Zeit bis zum Atlantischen Ocean gehen, wesswegen sie auch erst von 
Osten eingewandert zu sein scheinen. Limosa aegocephala und 
Nucifraga caryocatactes — wenn sie wirklich diesen Weg ge- 
kommen sind, oder vielleicht erstere den südlichen und letzterer den 
nordöstlichen Weg — so wie Fuligula ferina, haben sich bis Goth- 
land und Oland verbreitet, und, was Nucifraga caryocatactes be- 
trifft, auch über die mittleren Theile der Skandinavischen Halbinsel, 
wie man nach bis jetzt gemachten Observationen schliessen kann. 
Muscicapa albicollis ist dagegen während seines Strebens nach 
Westen noch nicht weiter gelangt, als bis Gothland, und Larus mi- 
nutus, welche nun Oland bewohnt, ist von Gothland dagegen ver- 
schwunden. Circus cineraceus scheint dagegen auf Gottland noch 
nicht so festen Fuss gefasst zu haben (und sonach noch nirgends in 
dem Bezirke, mit dessen Fauna wir uns beschäftigen), dass er als ein 
dorthin gehörender normaler Brutvogel angesehen werden könnte, 
sondern man muss ihn als einen solchen betrachten, dessen beständige 
Ansässijmiachiino; noch zu erwarten steht. Die übrigen Arten neh- 
men grössere oder geringere Bezirke der Halbinsel ein. 

Es bleibt uns nun noch übrig zu ergründen, von wo die Skan- 
dinavische Halbinsel diejenigen Vogelarten erhalten hat, welche 
ihrer Ornis den arktischen Charakter aufdrücken. Die Schwimm- 
vögel unter ihnen, welche eigentliche Seevögel sind, und welche in 
jener Zeit, wo das Land so zu sagen noch einen einzigen Gletscher 
bildete, doch dessen Küsten bewohnen konnten, sind offenbar rein 
nordische Vögel, und können als solche möglicherweise hier gelebt 



154 

haben, ohne von oben erwähnten Naturrevolutionen gehindert worden 
zu sein, und sie können also die einzigen primitiven Vögel sein, 
oder mit anderen Worten: die einzigen, welche hier gleichzeitig mit 
denen in anderen Ländern der arktischen Zone hervortraten. Die, 
welche eine mehr gleichmässige Verbreitung in allen arktischen Län- 
dern haben, scheinen sich jedoch sowohl von Sibirien, Spitzbergen, 
Island und Grönland übers Eismeer nach Skandinaviens Küsten ver- 
breitet zu haben, wenn man nicht annehmen kann oder will, dass sie 
in allen diesen Ländern gleichzeitig auftreten. Was nun aber die 
eigentlichen Landvögel betrifft, so wie auch den grössten Theil 
der Wader und solche Schwimmvögel, welche mehr Moräste und 
Landseen, als die Meeresküsten lieben, so scheinen diese theils auf 
einem nordöstlichen, theils nordwestlichen Wege angelangt zu 
sein, je nach ihrer östlichen oder westlichen Heimath. So besitzt 
auch Skandinavien zwei in denselben Richtungen gehende Verbin- 
dungswege, welche sichtlich im Laufe der Zeit von verschiedenen 
Vögelarten während ihres Verbreitungsstrebens benutzt worden sind. 
Der eine dieser Wege — der nordöstliche — ist, wo die Skan- 
dinavische Halbinsel zwischen dem 66 — 70 ° n. B. mit dem Russi- 
schen Reiche zusammenhängt und dadurch Festland mit Europa bildet. 
Ueber diesen ornithologischen Verbindungsweg sind deutlich solche 
Vögel nach Skandinavien gelangt, welche ihre grösste Verbreitung 
nach Osten — also nach Sibirien hinein — haben. Deren sind nicht 
so wenige Arten und sie bilden zusammen die 

Asiatisch - Europäische Vogelfauna 

der Halbinsel, zu welcher wir rechnen: 



Falco gyrfalco. 
? „ lithofalco. 
Buteo lagopus. 
Strion ulula. 

„ liturata. 

„ lapponica. 
Picus tridactyhis. 
Garrulus infaustus. 
Bombycilla garrula. 
Anthus cervinus. 
Erithacus suecica. 



Parus Sibiriens. 

„ borealis. 
Alan da alpestris. 
Emberiza rustica. 
Fringüla montifringilla. 
Cannabina flavirostris. 
Tnrdus pilaris. 

„ ' iliacus. 
Plectrophanes nivalis. 

„ lapponica. 

Linaria rufescens. 



Pyrrluda sanguinea. 
Corythus enncleator. 
Loxia bifasciata. f 

„ pytiopsittacus. 

„ curvirostra. 
Lagopus subalpina. 
Tringa subarquata. 

„ maritima. 
Tringa canutus. 
Charadrius morinellus. 
? „ apricarius. 



155 



Squatarola Helvetica. 
Totanus fuscus. 
„ glottis. 
Limosa nifa. 
Scolopax gallinula. 
f Numenius arquata. 
t „ phaeopus. 



Cygnus musicus. 
Anas penelope. 
? „ acuta. 
Fuligula marila. 

„ cristata. 

„ clangula. 

„ glacialis. 
Oidemia nigra. 



f Mergus merganser. 
? „ serrator. 

„ albellus. 
Colymbus arcticus. 

„ septentrionalis. 
Anser albifrons. 
„ leucopsis. 



Von diesen aufgezählten Vogelarten scheinen einige über oben 
angedeuteten östlichen Verbindungsweg nach Skandinavien gekommen 
zu sein, obwohl es am nächsten liegt, anzunehmen, dass sie den nord- 
östlichen benutzt haben, weil dieser — einen ununterbrochenen Zu- 
sammenhang mit Kussland bildend, von wo die Arten ausgegangen 
zu sein scheinen, und zum Theil noch im Begriffe stehen, sich weiter 
nach Westen auch in Deutschland zu Verbreiten — kein Hinderniss 
in den Weg stellte. Wenn daher einige von ihnen über Gothland 
und Aland gekommen sind, so sind diese weit später gekommen als 
die Individuen, welche den nordöstlichen Weg kamen. Indem es hier 
sich jedoch nur darum handelt, das Ankommen und Wohnhaftwerden 
einer jeden Art hier auf der Halbinsel zu bestimmen, so scheint es 
uns, was die aufgezählten Arten betrifft, auf dem nordöstlichen Wege 
geschehen zu sein, doch mögen nicht wenige Individuen von folgenden 
Arten nach und nach auch auf dem östlichen Wege zur Halbinsel 
gekommen sein: 



Falco lithofalcq. 
Tuvalus pilaris. 
„ iliacus. 
f Pyrrhula sanguinea. 
? Loxia pytiopsittacus. 



? Loxia curvirostra. 
t Charadrius apricarius. 
? Numenius arquata. 
? „ phaeopus. 
Totanus glottis. 



? Anas acuta. 
Mergus merganser. 

„ serrator. 
? Colymbus arcticus. 



Diese sind auch unter den zur Asiatisch -Europäischen Ornis 
der Halbinsel gehörenden Arten die, welche am weitesten nach Süden 
herabgedrungen sind, so dass man nicht ohne Ursache dafür halten 
kann, dass sie auf beiden Wegen angelangt sind und dadurch ihre 
weit erstreckte Verbreitung erhalten haben. Colymbus arcticus 
ist der einzige unter ihnen, der auf Gothland nicht brütend angetroffen 
wird, wesshalb man glauben könnte, dass er sich nicht über diese 
Insel nach der Skandinavischen Halbinsel verbreitet habe; da aber 
seine eigentliche Heimath die Gegenden nahe an der arktischen Zone 



156 

zu sein scheinen, in welchen er, wenn nicht ganz und gar ersetzt, 
dennoch in einem nicht geringen Grade durch seinen Verwandten, 
den C. septentrionalis, verdrängt wird, so ist es eben so wahr- 
scheinlich, dass er von Osten her zur Halbinsel gelangt ist, beson- 
ders da er sich, mit Ausnahme der Fortpflanzungszeit, an den See- 
küsten aufhält, und Gothland, welches keine eigentlichen Landseen 
mehr besitzt, ihm jetzt keine passenden Brutplätze bieten kann. Viel- 
leicht aber brütete er hier doch in jenen Zeiten, da die „Myren" ge- 
nannter Insel noch Landseen, und noch nicht, so wie jetzt, nur 
wassergetränkte Ebenen waren. — Diese Arten sind sonach als 
Vereinigungsglieder zwischen der Russisch-Europäischen und 
Asiatisch-Europäischen Vogelfauna auf der Skandinavischen 
Halbinsel zu betrachten. 

Denselben nordöstlichen Weg nahmen auch einige Vogelarten, 
die sich noch nicht auf unserer Halbinsel wohnhaft gemacht haben, 
sondern nur als accidentell angesehen werden müssen, da sie nicht 
einmal während der Zugzeit oder im Winter das Land normal be- 
suchen. Solche waren bis jetzt: 

Turdns varius. Loxia bifasciaia. f Anser rußcollis. 

Emberiza J>usüla. . Columba gelastes. Anas falcaria. 

Einige von diesen, so wie z. Anser ruficollis und Anas fal- 
caria, können jedoch auf dem östlichen Wege angelangt sein, obwohl 
(besonders was letztere betrifft) es wahrscheinlicher erscheint, dass sie 
von Nordost gekommen sind," und sich dann im Lande herab bis dort- 
hin verbreitet haben, wo sie endlich erlegt wurden. 

Der andere dieser ornithologischen Verbindungswege, über wel- 
chen Skandinavien die Vögel erhalten hat, welche dessen Ornis den 
arktischen Charakter aufdrücken, scheint sich in zwei bisweilen ge- 
trennte und bisweilen wieder in sich vereinte zu theilen, so dass, 
während man bei einigen Arten es nicht schwer hat zu bestimmen, 
welcher von ihnen benutzt werde, doch bei anderen wiederum dies 
kaum zu bestimmen ist, sondern man muss annehmen, dass beide 
Wege vereint nach Skandinavien geführt haben. Einer von ihnen, 
welchen wir den nördlichen nennen wollen, ist über Spitzbergen, 
wobei auch Nowaja-Zembla und Sibiriens Küstenland mitgenommen 
werden können, und der andere, den wir den nordwestlichen 
nennen, ist über Island, die Färöer und die Shetlands-Inseln. Ersterer, 
welcher in fünf Latitudengraden durchs Eismeer unterbrochen ist, 



- 157 

scheint mit wenigen Ausnahmen nur die eigentlichen Seevögel abge- 
geben zu haben, wogegen letzterer, der bis in die Nähe von Nor- 
wegens Westküste eine doch etwas zusammenhängende Reihe von 
Inseln bildet, und sonach nicht wie der vorige in so grossen Zwischen- 
räumen vom Meere unterbrochen ist, wenigstens, wie es scheint, zwei 
eigentliche Landvögel abgegeben hat. . Für beide Wege kann man 
jedoch zum Theil Grönland als Ausgangspunkt betrachten, wobei be- 
sonders für den nördlichen auch Sibiriens Küste als solcher anzu- 
sehen ist. 

Ueber den nördlichen Weg glauben wir, dass Skandinavien 
besonders seine eigentliche 

Arktisch-Europäische Vogelfauna 

erhalten hat, zu welcher wir folgende Arten rechnen: 

Arenaria calidris. f Sterna macrura. Uria Brünnichii. 

Phalaropus hyperboreus. Somateria mollissima. „ trotte. ' 

Lestris Buffonii. „ stellen. „ rhingvia. 

„ pomarina. „ spectabilis. Lunda arctica. 

Larus glaucus. Phalacroeorax carbo. Alca torda. 

„ tridactylus. „ cristatus. Procellaria glacialis. ? 

Colymbus glacialis. 

Die meisten von ihnen aber sind von der Beschaffenheit , dass 
sie, wie schon oben angedeutet wurde, als primitive Vogelarten be- 
trachtet werden können, und dass sie sonach an den Küsten der 
Halbinsel gelebt haben, während noch keine anderen Vögel auf deren 
Gefilden leben konnten. — Unter ihnen scheint uns Arenaria cali- 
dris, welche nach Faber brütend nur auf Grimsö bei Island ge- 
troffen wird und nach Hollböll auf Grönland selten ist, und Soma- 
teria stelleri, welche weder auf Grönland noch Island gefunden 
wird, mehr ausschliesslich über Nowaja-Zembla und Sibiriens Küsten- 
strecken angekommen zu sein, wesswegen sie auch auf der Halbinsel 
eine mehr nordöstliche Richtung zeigen, und beide auch während der 
Zugzeit an den Küsten der Ostsee ankommen. Diese, welche von 
allen aufgezählten Arten die eingeschränkteste Brützone auf der Halb- 
insel haben, scheinen auch in einer spätem Zeit angekommen zu sein, 
und bilden damit eine Ausnahme von der eben ausgesprochenen Regel. 
Vielleicht muss hierzu auch Phalaropus hyperboreus gerechnet 



158 

werden, welcher, obwohl nicht selten weder auf Island noch Grönland, 
doch denselben Weg angekommen zu sein scheint wie beide erstge- 
nannten. Larus trydactylus, Uria troile und rhingvia, so wie 
Lunda arctica und Alca torda, welche alle auf der Westküste 
der Halbinsel bis nach dem Kattegat herab brüten und zum Theil 
auch bis in die Ostsee hinein, scheinen dagegen ebenfalls den nord- 
westlichen Weg gekommen zu sein, falls man sie nicht als 
primitive Vögel betrachten will. Diese Ansicht stützt sich besonders 
auf ihre vorzugsweise westliche Richtung auf der Halbinsel. Pro- 
cellaria glacialis ist noch ein unsicherer ßrutvogel. 

Der mehr nordwestliche Weg, glauben wir, hat Skandinavien 
folgende Arten zugeführt, welche dessen 



Amerikanisch-Europäische Vogelfauna 



bilden : 



,Strix nyctea. Anser segetum. 

? Lagopus alpina. Oidemia perspicillata. 

? Tringa canutus. Thalassidroma pelagica. f 

? „ maritima. Puffinus anglorum. I 

Beide letztgenannten sind noch unsichere Brutvögel. Strix 
nyctea ist ein rein nordwestlicher Vogel, der von Grönland und 
Nordamerika ausgegangen zu sein scheint — vielleicht über Mayon 
und nach den Lofoden. Auf Island findet sie sich nur zufälliger- 
weise, hat aber ihre grösste Verbreitung in Nord- Amerika, so dass 
sie kaum von anderswo nach Skandinavien gekommen sein kann, wo 
man sie als ßrutvogel keineswegs als gemein ansehen darf. Lago- 
pus alpina findet sich, nach Pallas, nicht im Russischen Reiche, 
kann daher auch nicht daher gekommen sein, sondern muss auch als 
ein nordwestlicher Vogel betrachtet werden und ist vielleicht von den 
Schottischen Inseln herübergekommen. Er scheint auch seine grösste 
Verbreitung in Nord-Amerika zu haben, da ohne Zweifel L. Rhein- 
hardtii, sowie auch L. islandorum, dieselbe Art wie die unsrige 
ist und höchstens nur als Modification angesehen werden darf. 
Anser segetum, obwohl nicht ausschliesslich ein amerikanischer 
Vogel, hat dennoch eine so westliche Richtung auf unsrer Halbinsel, 
dass die Art mehr von Westen als von Norden hierher gekommen 
sein mag, besonders da sie sowohl auf Schottland als auf Island und 



159 

im südlichen Grönland, so wie auch in den arktischen Gegenden von 
Amerika brütet und nicht in Sibirien vorkommen soll. Oidemia 
perspicillata kann ebenfalls, obwohl nach Holböll sehr selten auf 
Grönland und von Faber auf Island gar nicht bemerkt, nur auf die- 
sem Wege nach Skandinavien gelangt sein, und dies um so viel mehr, 
da man sie während des Winters auch an den Schottischen Küsten 
trifft. 

Auf selbem Wege sind auch zwei Vögel nach Skandinavien ge- 
kommen, die sich hierher verirrt haben, nämlich: Totanus serni- 
palmatus und Alca impennis, von denen ersterer weder auf Island 
noch auf Grönland brütet, und letzterer, der vormals auf beiden Inseln 
brütete, sich nun weiter zurückgezogen hat, entweder gegen Norden 
oder Westen, wenn er nicht gerade als ganz verschwunden betrachtet 
werden mag. 

Einige Vogelarten, die nicht auf der Halbinsel brüten, doch aber 
dieselbe normal besuchen, entweder während der Zugzeit oder 
im Winter und welche der arktischen Zone angehören, scheinen so- 
wohl auf dem nördlichen als auch auf dem nordwestlichen Wege an- 
zukommen, andere dagegen auf einem von ihnen oder auf beide». 

Die, welche auf beiden dieser Wege anlangen, sind: Mergu- 
lus alle, Sula bassana, Fuligula histrionica, Lestris catar- 
rhactes, Phalaropus fulicarius, Tringa pygmaea und Larus 
eburneus. Von diesen scheint jedoch Mergulus alle eine mehr 
nordöstliche Richtung zu haben, da er in grösserer Anzahl, oder 
öfter, auf der Ostsee vorkommt, als auf der Westküste; Sula bas- 
sana und Fuligula histrionica scheinen dagegen eine mehr west- 
liche Richtung zu haben und die übrigen eine mehr rein nördliche. 

Den nordwestlichen Weg scheint Larus leucopterus ein- 
zuschlagen und den nordöstlichen nur allein Anser bernicla, da 
diese Art in der Ostsee viel gemeiner ist als an der Westküste, so 
weit es bis jetzt bekannt ist. 

Aus diesen ungleichartigen Elementen ist Skandinaviens Ornis zu- 
sammengesetzt und auf diesem Wege scheint sie zu einem Ganzen sich 
gebildet zu haben. Wenn wir nun aber die ornithologischen Land- 
verbindungswege angegeben und es unterlassen haben, uns mit den 
die Halbinsel umgebenden Meeren zu befassen, so geschah dies dess- 



160 

wegen, weil für Brutvögel gerade die Landstrecken vorzugsweise 
lockend sind, nicht nur für die eigentlichen Landvögel allein, sondern 
auch für die Wasservögel, weil es gerade auf diesen oder nahe an 
diesen ist, wo jede Vogelart sich wohnhaft machen muss. Doch ist 
es klar, dass für die Wasservögel überhaupt und für die eigentlichen 
Seevögel besonders auch die Meere Verbindungswege zwischen den 
Vogelfaunen verschiedener Länder sind. Sonach, während sie einer- 
seits die eigentlichen Landvögel in ihrer Verbreitung^von dem einen 
Lande zum andern hindern, befördern sie andrerseits in gewisser Hin- 
sicht die der Wasservögel und besonders der Seevögel. Doch ge- 
schieht dies auf eine untergeordnete Weise und nur insofern, als der 
Strand der Länder zusammenhängend oder doch nur auf kurze 
Strecken unterbrochen ist. Darum ist Skandinaviens Arktisch- und 
Asiatisch-Europäische Vogelfauna reicher an Wasservögeln, als dessen 
Amerikanisch-Europäische Ornis; erstere nimmt auch in sich fast nur 
solche Arten auf, welche ausschliesslich am Meere und dessen Küsten 
leben, und welche sich als gute Schwimmer und Taucher auszeich- 
nen; die andere nimmt nur solche auf, welche sich nur ausser der 
Brützeit am Meere finden, dagegen mit dem Erwachen des Fortpflan- 
zungstriebes sich von dort wegbegeben; die Amerikanisch-Europäische 
Vogelfauna hat dagegen nur sehr wenige Arten, weil die grosse, von 
kleineren Inseln nur unbedeutend unterbrochene Wasserfläche für die 
Verbreitung der Arten nicht so günstig ist, als da, wo Sibiriens 
Küstenstrecke mit der Nordküste der Halbinsel zusammenhängt. Sie 
nimmt auch nur einen Wasservogel auf, der als Brutvogel der Küste 
nicht angehört, wogegen die übrigen an der Küste des Meeres brüten; 
zwei andere sind eigentliche Oceanvögel und als solche mit starkem 
Flugvermögen ausgerüstet. Skandinaviens Germanisch-Europäische 
Vogelfaunä nimmt auch ungefähr gleich viele Schwimmvögel auf, als 
die asiatische und arktische, weil die Verbindungswege für sie von 
ungefähr derselben Beschaffenheit sind, während die Russisch-Euro- 
päische weit weniger solche Arten zeigt, da die zusammenhängende 
Wasserfläche hier grösser ist. Der nordwestliche Weg, der die grösste 
Wasserfläche zeigt, und über welchen Skandinaviens Amerikanisch- 
Europäische Vogelfauna angelangt ist, hat unter allen die geringste 
Anzahl Arten auch von Wasservögeln abgegeben. Obwohl nun die 
Meere, als ornithologische Verbindungswege betrachtet, nur unter- 
geordnete Bedeutung haben, können doch über sie Vögel von weit 



161 

entfernten Ländern kommen, so dass auch Skandinavien bisweilen 
Repräsentanten einer andern Zone erhalten hat. So sind Diomedea 
exulans und chlor orhynchus über den Ocean an Norwegens Küste 
angelangt. 

Um die bereite Frage noch näher zu erörtern, sind noch zwei 
Umstände anzudeuten, welche in der eigenen Natur der Vögel be- 
gründet sind. Die Vögel sind in Folge ihres stark entwickelten Be- 
wegungsvermögens weniger als andere Thiere an einen Ort gebunden, 
so dass die mechanischen Hindernisse, welche der Verbreitung einer 
Thierart im Wege liegen, leicht von ihnen überwunden werden. Dar- 
um finden sich unter ihnen auch mehr Kosmopoliten, als unter irgend 
einer andern Thierklasse, die Fische vielleicht ausgenommen. Das 
Flug- und Schwimmver.mögen, jedes für sich oder beide vereint, sind 
besonders für eine weitere Verbreitung der Vögel geeignet, und ver- 
ursachen, dass die mechanischen Hindernisse, so wie die Natur sie 
aufstellt, wie z. B. Gewässer und Berghöhen u. dergl., leicht über- 
wunden werden. Daher auch das allgemeine Gesetz: dass, je mehr 
das Bewegungsvermögen, insonderheit das Flugvermögen, 
bei einer Vogelart entwickelt ist, desto weiter erstreckt 
sich deren Zone. Die Gültigkeit dieses Gesetzes sieht man leicht 
ein, wenn man auf das grosse Ganze achtet, denn da findet man, dass 
z. B. die hühnerartigen Vögel, welche im Allgemeinen schlechte 
Flieger sind, eingeschränktere Verbreitung haben, als die Raptatores 
und Passeres, so wie dass die des Flugvermögens ganz und gar be- 
raubten Struthionen und andere Nichtflieger die eingeschränkteste Zone 
besitzen; wogegen dasselbe Gesetz weniger deutlich hervortritt, wenn 
man bloss auf die Ornis eines einzigen Landes achtet. Dessenunge- 
achtet kann man auch da beim Vergleiche mit der Ornis anderer 
Länder die Gültigkeit dieses Gesetzes leicht einsehen. So sind nach 
Skandinavien am wenigsten von allen Vögelordnungen angelangt die 
Arten der Hühnervögel und die der nahe verwandten Tauben; wo- 
gegen Raptatores, und darunter das stark fliegende Geschlecht Falco, 
so wie Passeres, an Anzahl weit überwiegend sind. Und sehen wir 
weiter auf die yerhältnisse zwischen den Arten unter sich, so sind 
die spitzflüglichen im Allgemeinen weiter vorwärts ge- 
rückt, als die mit abgerundeten Flügeln: die Arten des Ge- 
schlechts Falco weiter als die Arten von Astur; Hirundo, Cyp- 

Naumann ia. 1855. 11 



162 

selus und Anthus weiter als Sylvia;*) Totanus und Tringa 
weiter als Ardea und Ciconia u. s. w. 

Ein anderer, für die Verbreitung günstiger Umstand sind die 
periodischen Wanderungen, welche gewisse Vögel — Zugvögel — 
von der einen zur andern Gegend, von dem einen Lande zu dem 
andern vornehmen. In diesen Wanderungen hat man gleichfalls eine 
der Ursachen der immer noch fortgehenden Erweiterung ihrer Zone 
zu suchen. Während der Zugzeit kommen verschiedene Arten zu 
Ländern, wo sie früher nicht gefunden wurden. So hat sich der im 
südöstlichen Europa vorkommende Pelecanus onocrotalus sowohl 
im mittlem Schweden, als auch in Finnland gezeigt; die der südlichen 
temperirten Zone angehörigen Arten Dimodea exulans und chlo- 
rorhynchus sind bis nach der norwegischen Küste, so wie der das 
nördliche Afrika bewohnende Otis houbara bis nach Gothland^ge- 
kommen, mehrerer anderer Beispiele zu geschweigen. Das gehört 
jedoch zu den Ausnahmen, und diese Vögel sind nur durch einen 
oder den andern Zufall aus ihrer eigentlichen Bahn geworfen worden 
und haben sich daher über ihre normalen Grenzen hinaus verirrt. 
Man sieht daher solche weit von ihrer Heimath verirrte Vögel ganz 
rathlos, und, wenn sie auch paarweise bei einander sind, sich selten 
in der fremden Gegend fortpflanzen. So sah man vor einigen Jahren 
Ciconia alba, durch einen Zufall veranlasst, mehre Stellen in 
Schonen verlassen, wo sie vorher gebrütet, und ungewöhnlich zahl- 
reich im mittlem, ja sogar nördlichen Schweden sich einfinden, doch 
nirgends in diesen nördlichen Gegenden sah man sie sich fortpflan- 
zen. Jedoch ist es klar, dass VögeL welche im Frühjahre ihre Wan- 
derung weiter als gewöhnlich erstreckt und eine Gegend erreicht 
haben, welche wenig von der Heimath abweicht, auch dort, wenn die 
Umstände im Uebrigen günstig sind, sich fortpflanzen, und dadurch 
leicht die Art zu einem beständig wiederkommenden Brutvogel 
machen können — eine Ansicht, welche keineswegs irrig ist, da man 



*) Sogar zwischen den Arten in diesem Genus gilt die aufgestellte Regel. 
Die Arten, welche, so wie S. curruca, atricapilla, cinerea, hortensis und 
nisoria, mehr zugespitzte Flügel besitzen, als die übrigen (4>. conspicillata, 
subalpina, provincialis und melanocephala), haben ebenfalls weiter er- 
sti-eckte Verbreitung, so dass die vorigen in Europa mehr oder weniger weit auf 
der Skandinavischen Halbinsel hinauf getroffen werden , während die letzteren in 
südlicheren Ländern, auf der andern Seite der deutschen Alpen und deren Ver- 
zweigungen, geblieben sind. 



163 

weiss, wie viel Zuneigung die Vögel für ihren Geburtsort haben, und 
wie sie sich bestreben, der Propagation wegen nicht nur dasselbe 
Land, sondern sogar denselben Baum, Strauch, denselben Acker und 
Morast, wo sie geboren wurden, wieder zu erreichen. So scheint es 
sich mit Ibis falcinellus verhalten zu haben, der wahrscheinlich in 
Uppland gebrütet hat; wäre er dort geschont worden, so würde er 
vielleicht auch in der Zukunft ein beständiger Brutvogel für unsere 
Fauna geworden sein. Ardea minuta, der in letzterer Zeit auch in 
Schonen gebrütet haben soll, kann dadurch ebenfalls ein beständig 
wiederkommender Vogel werden, wenn er es nicht schon ist. Cala- 
moherpe turdina — sollte Malms C. media eine Form dessel- 
ben sein — scheint auch auf diese Art hierhergekommen zu sein und 
sich jetzt wohnhaft zu machen. 

Im Laufe der Zeit haben wir auch auf diese Weise einen gar 
nicht so geringen Zuwachs für unsere Ornis erhalten , und unter die 
auf diese Art hier eingebürgerten Brutvögel glauben wir mehre von 
denen der Germanisch-Europäischen Vogelfauna Skandinaviens, be- 
sonders solche Zugvögel, welche mehr eingeschränkte Zonen haben, 
z. B. Calamoherpe arundinacea, Phyllopneuste sylvicola, 
Charadrius cantianus, rechnen zu müssen, besonders da ihre noch 
sehr eingeschränkten Brützonen eine spätere Zeit für ihre Ankunft 
hierselbst anzudeuten scheinen. Und wie viele Arten sowohl dieser 
als auch der übrigen Vogelfaunen Skandinaviens mögen nicht 
während einer langen Reihe von Jahren auf diese Art hierher ge- 
kommen und beständige Brutvögel geworden sein? Dass die Brüt- 
zonen der auf diese Weise in einem Lande angekommenen Vögel 
eine geraume Zeit beschränkt sein müssen, ist klar, denn erst durch 
die Abkömmlinge geschieht es, dass man die Art eigentlich für ac- 
climatisirt ansehen kann, und dass ein weiteres Verbreiten derselben 
zu erwarten steht. Für solche Arten ist dies sonach eine Brütstation 
in einem Lande, welche so allmälig zu einer Brützone übergeht, 
wozu indessen eine bedeutende Anzahl Jahre nöthig sein dürfte. Diese 
Erweiterung der Brützonen der Vogelarten, sollte man glauben, müsse 
äusserlich dem Zufalle unterworfen sein, aber in dem grossen Haus- 
halte der Natur gibt es keine zufälligen Begebenheiten, sondern Alles 
geschieht in Uebereinstimmung mit dem weisen Plane des grossen 
Ganzen, und die grössten Wirkungen werden oft durch Kleinigkeiten 
und die unbedeutendsten Ursachen hervorgerufen. Natura in 

11 * 



164 

minirnis maximal Die Migration bewirkt also, dass eine 
und die andere Art der Zugvögel das dermalige Vaterland 
überschreitet, und der Propagationstrieb, dass sie sich 
dort'unter günstigen Umständen fortpflanzt; der Heimaths- 
trieb bewirkt, dass die in solchen Gegenden ausgebrüteten 
Jungen sich dort wieder propagiren und sich in derselben 
Gegend so allmälig weiter ausbreiten, ,bis eine Brützone 
gebildet wird, welche sich alsdann, demselben Gesetze zu- 
folge, nach und nach erweitert, bis unübersteigliche Hin- 
dernisse entgegentreten und das weitere Fortschreiten un- 
möglich machen. Hiernach kann ein Land Repräsentanten un- 
gleicher ornithologischer Gebiete erhalten und dadurch seine Ornis 
gewissermaassen umgestaltet werden, wie es auch Skandinaviens or* 
nithologischen Verhältnissen begegnet ist. 

Eine andere Bewegung, welche in geographischer Hinsicht von 
grosser Bedeutung ist, ist die, durch welche verschiedene Vogelarten 
ihre Heimath in der Richtung von Osten nach West und Südwest 
erweitern. Diese Bewegung ist näher besprochen durch Professor 
J. F. Naumann in der Rhea 2. H. S. 142. In Folge derselben hat 
Deutschland in späterer Zeit einen Zuwachs von mehren östlichen 
Arten erhalten, und so geschah es auch in Skandinavien. Die ganze 
Russisch-Europäische und der grösste Theil der Asiatisch- 
Europäischen Ornis unserer Halbinsel ist auch ohne Zweifel im 
Laufe der Zeit auf diese Art heimisch geworden und wird auch 
zweifelsohne fernerhin vermehrt werden. 

Einige Arten zeigen jedoch unabhängig von vorgenannten Ver- 
hältnissen eine Art von Beweglichkeit in ihren Brützonen, so dass 
sie bald einen eingeschränktem, bald einen weitern Bezirk einneh- 
men und dadurch ohne bestimmte Zwischenperioden an gewissen 
Orten gemein werden, wo sie entweder vorher selten waren oder ganz 
fehlten. Solche Vögel kann man mit Recht zigeunerartige nennen, 
weil ihre umherirrende Lebensart sie dazu vollkommen berechtigt. 
Zu ihnen rechnen wir in unsrer Ornis Strix nyctea und lappo- 
nica, welche in den nördlichen Gegenden unsrer Halbinsel bisweilen 
in grösserer Anzahl getroffen werden, oder auch viel weiter südlich 
als sonst. Den Grund für die Ungleichheit in deren Vorkommen 
sucht man mit Recht in der grössern oder geringern Anzahl von 
Lemmus norvegicus, sowie auch in den Migrationen dieser Thier- 



165 

art, besonders da das Auftreten dieser Eulen in grösserer Zahl ent- 
weder in dieselbe Zeit fällt oder auch bald darauf, wenn der Lem- 
ming sich zeigt. Auch Strix liturata wird im Norden unsers 
Landes bisweilen häufiger getroffen, bisweilen sparsamer, und ist zu 
Zeiten auch im übrigen Europa weit über ihre gewöhnliche Grenze 
brütend gefunden. Bombycilla garrula, welcher zu Zeiten im 
südlichen Schweden im Winter höchst gemein ist und bisweilen seine 
zigeunerartigen Wanderungen bis ins mittlere Europa erstreckt, hat 
ebenfalls weit südlicher als sonst gebrütet. Zu derselben Kategorie 
scheint auch Emberiza hortulana gerechnet werden zu müssen, 
indem sie vor fünf bis sechs 'Jahren im nordöstlichen Schonen (so 
wie auch anderswo) sehr gemein war, nun aber so abgenommen hat, 
dass sie sogar in den letzten zwei Jahren gar nicht bemerkt worden 
ist. Nucifraga caryocatactes überschwemmte vor zehn Jahren 
fast ganz Europa, und Loxia bifasciata kam im Winter 1845 — 46 
in grösserer Menge nach Schweden. Ohne Zweifel blieben wohl 
auch diese beiden an mehren südlichen Stellen zurück, um zu brüten. 
Im Allgemeinen muss man auch die europäischen Arten des Ge- 
schlechtes Loxia zu denen rechnen, welche eine umherstreifende 
Lebensweise führen. Vor ungefähr zwei Jahren trat aucL Musci- 
capa atricapilla in Schweden in enormen Massen auf. Noch hat 
man dies Phänomen nicht mit Sicherheit erklären können; doch sucht 
man den Grund in einer Ueberpopulation der betreffenden Arten in 
deren Heimath, theils auch in eintretendem Mangel an Lebensmitteln 
daselbst. Beide Ansichten sind jedoch bei Weitem nicht bewiesen und 
scheint erstere weniger wahrscheinlich als letztere. Mag es sich 
jedoch damit verhalten wie es will — diese Bewegung ist doch ein 
Factum, und gerade durch diese Neigung gewisser Vögelarten, nach 
unbestimmten Perioden gleichsam eine Auswanderung im Grossen vor- 
zunehmen, sind ihre Brützonen erweitert worden. Dadurch ist denn 
auch die Ornis unsrer Halbinsel bereichert und diese für viele Arten 
auch eine beständige Heimath geworden. Diese Arten haben sich 
dann aus den angegebenen Gründen in Skandinavien mehr und mehr 
ausgebreitet, sei es nun in der Richtung von Norden nach Süden, 
oder umgekehrt, oder auch von Osten nach Westen und vice versa. 

(Fortsetzung folgt.) 



166 



Nr. 14. 

Cyanecula suecica, orientalis, dichrosterna und Wolfii. 



Von 
Bernard Altuni. 

Hierzu eine Tafel. 



Früher kannte man Ein Blaukehlchen , Sylvia' suecica. L. 

Den schärferen Forschungen und genaueren Beobachtungen der 
Neuzeit, denen wir so viele neue Species verdanken, blieb es vor- 
behalten, deren drei zu entdecken: Cyanecula suecica L., orien- 
talis Brm., Wolfii Brm., oder vielmehr die orientalis Brm. oder 
coerulecula Pall. noch zu spalten, so dass dichrosterna Cab. (cf. 
Mus. Hein. pg. 1. Not.) als vierte Species für sich dasteht. Bin ich 
recht unterrichtet, so unterscheiden sich diese genannten Arten dadurch, 
dass suecica in dem blauen Brustschilde einen weissen, orientalis 
einen braunen, dichrosterna einen" weiss und braun gemischten 
Stern hat, und derselbe bei Wolfii gänzlich fehlt. 

Den berühmten Auctoritäten , die jene Species aufstellen, gegen- 
über wage ich es nicht, ein absprechendes Urtheil zu fällen, glaube 
aber doch der Wissenschaft es schuldig zu sein, die Farbmetamor- 
phosen, wie ich sie in diesem Jahre bei einem und demselben 
Individuum beohachtet habe, zur nähern Würdigung jener vier Species 
einfach mitzutheilen, andrerseits aber auch durch nachstehende Zeilen 
einen, wenngleich höchst geringen Beitrag zur Verfärbung der 
Vögel ohne Mauser zu liefern. 

In einer Rede, die Prof. H. Schlegel in Leyden 1853 gehalten 
hat, behauptet und bestätigt er noch ganz dasselbe, was unserer 
Naumannia (Jahrgang 1852) von ihm mitgetheilt ist. Allerdings 
ist er viel zu weit gegangen, hat, was er gesehen und genau beob- 
achtet, auch auf solche Vögel und solche Erscheinungen übertragen, 
bei denen man billig allen Grund hat, an ein Umfärben ohne Mauser 
zu zweifeln, aber abgesehen davon ist seine wiederholte Erklärung 



167 

dass seine Gegner dadurch so sehr auf Irrwege gerathen seien, weil 
sie die theil weise stattfindende Frühlingsmauser für eine voll- 
ständige hielten, so viel ich bei der schärfsten Beobachtung bei 
meinem Blaukehlchen habe wahrnehmen können, vollständig richtig. 
Die alten bleibenden Federn färben sich um, und die neu aufspros- 
senden Federn haben mit jenen umgefärbten dieselbe Färbung. — Ich 
könnte noch andere ganz evidente Facta für die Umfäfbung, die mir 
bei anderen Vögeln gezeigt sind, mittheilen, doch will ich Anderen 
nicht vorgreifen und deren Beobachtungen nicht vorwegnehmen, be- 
gnüge mich daher mit dem zwar Geringen, aber Factischen, was ich 
selbst gesehen. 

Bei Gelegenheit unserer vorigjährigen Versammlung in Gotha 
hatte ich einem der anwesenden Herren versprochen, ihm eine Anzahl 
Blaukehlchen, deren ich kurz vor meiner Abreise auf unseren Märkten 
recht viele bemerkt hatte, zu kaufen, fand aber gleich nach der 
Rückkunft nur ein einziges noch , welches ich vorläufig in der Hoff- 
nung im Laufe der nächsten Wochen noch mehrere zu erhalten, käuf- 
lich an mich brachte. Allein ich hatte mich sehr getäuscht, kein 
zweites war mehr zu finden, wesshalb ich es nicht der Mühe werth 
hielt, dies einzige Vögelchen zu versenden, und desshalb dasselbe für 
mich behielt.*) 

Es war ein junges Männchen, das eben das erste Jugendkleid 
abgelegt zu haben schien. Kehle und Brust waren schmutzig weiss, 
darunter ein blauer wegen der weissen Ränder der einzelnen 
Federn grau weisslichblau scheinender Gürtel, den ein 
schwarzes, ebenfalls von weissen Federrändern stark bedeck- 
tes Band von der bekannten rostrothen Zeichnung der Unterbrust 
trennte. Vom Mundwinkel zog sich ein aus schmutzig grau- 
braunen Federn gebildeter Bart st reif zu beiden Seiten der Kehle 
und Brust bis zu den beiden Enden des blauen Gürtels. Fig. 1. ist 
die Abbildung dieses Kleides, welches vom Ende Juli v. J. bis zur 
eisten Hälfte des März d. J. ziemlich unverändert blieb. Von da ab 
zeigten sich jedoch in sehr kurzer Zeit autfallende Farben Wechsel, 
die dadurch entstanden, dass 

1) die weissen Federkanten sich abnutzten, so dass die 
unterliegende (blaue oder schwarze) Färbung reiner hervortrat; 

*) Diese Erwähnung, Herr Baron, als Entschuldigung meiner scheinbaren 
Wortbrüchigkeit. 



168 

2) die vorhandenen alten Federn 

a) von Neuem durch Nachwachsen sich ergänzten, 
wodurch sie den Anschein eben fertig gebildeter 
junger Federn erhielten, und dass diese 

b) sich umfärbten; 

3) einzelne neue hervorkeimten, die mit den umgefärb- 
ten gleiche Färbung zeigten. Diese neu hervorkeimenden Federn 
bemerkte ich nur an der Kehle und in den durch oben erwähnte 
schmutzig graubraune Federn gebildeten Bartstreifen. Dass auch 
nur eine einzige Feder vorher oder während des Processes ausgefallen 
sei, habe ich durchaus nicht wahrnehmen können, wiewohl ich um 
so mehr Grund hatte scharf darauf zu achten, als mir vom Stand- 
punkt der Teleologie aus eine Federvermehrung für die Sommerzeit 
ungereimt und zweckwidrig erschien und erscheinen musste. Der sehr 
enge Käfig einerseits, und die sehr grosse Zahmheit des niedlichen 
Vögelchens andrerseits, das in meiner nächsten Nähe auf meinem 
Schreibtisch, ja sogar auf dem Papier, worauf ich gerade schreibe, 
umhertrippelt, mir die Larven von Tenebris molitor aus der Hand 
nimmt, wie ein Hund im Zimmer mir nachläuft, kurz, sich den gan- 
zen Tag beständig der freiesten Beobachtung bloss stellte, machten 
eine Täuschung meinerseits, wenn auch nicht unmöglich, doch wenig- 
stens höchst unwahrscheinlich, zumal da ich, um über den Feder- 
wechsel völlig sicher zu sein, das Thierchen oft mehre Tage im Käfig 
eingesperrt hielt und auch dann nie eine ausgefallene Feder, nicht 
das geringste Rudiment einer solchen entdecken konnte. 

In der ersten Hälfte des März nun wurde das vorhandene 
Blau durch Abstossen der weissen Kanten allmälig gesättigter, 
das anfäng-lich schmale schwarze Band zwischen der blauen und 
rostrothen Zeichnung reiner und scheinbar breiter, an der Kehle 
und in den Bartstreifen zeigte sich das frühere Grauweiss und 
Grau bläulich, einzelne ebenfalls bläuliche Federn sprossten 
empor, so dass am 14. März das Kleid entstand, was wir Fig. 2. 
darzustellen versucht haben. 

Die Umfärbung ging von nun an schnell progressiv vor sich, 
das ursprüngliche Blau ward von Tag zu Tag reiner, das neu 
entstandene von Tag zu Tag breiter; am 21. März hatte es 
schon die ganze Brust, mit Ausnahme eines kleinen runden 
graulich weissen Fleckes in deren Mitte, und eines ganz klei- 



169 

nen Fleckchens zwischen den Schenkeln d es Unterschnabels 
eingenommen (Fig. 3.). 

Wie gross aber war mein Erstaunen, als ich schon am 24. März 
diesen runden weisslichen Fleck stark röthlich angeflogen fand (Fig. 4.). 

Ich erzählte es meinen ornithologischen Freunden unseres Clübb- 
chens, die ich von der Umfärbung schon vorher 1 in Kenntniss gesetzt 
hatte, und äusserte die Hoffnung, eine hübsche Cyanec. orientalis 
Brm. oder coerulecula Patt, zu erhalten-, allein am 26. März, also 
zwei Tage nachher, war jener rostrothe Anflug vollständig ver- 
schwunden, verschwunden war der ganze weisse Fleck, die 
ganze Brust war — blau, mein Vögelchen eine echte Cyan. Wolfii 
(Fig. 5.). Das Blau war freilich nicht das schöne Cyanenblau, was 
wir beim ausgefärbten alten Männchen bewundern, sondern ein mehr 
weissliches Blau, doch sättigt sich dieses allmälig, ohne dass man 
mit unbewaffnetem Auge einen Grund der Aenderung wahrnehmen 
könnte. 

Nicht acht Tage später konnte man in der Mitte des blauen 
Feldes, zumal dann, wenn der Vogel Kopf und Hals emporrichtete, 
ein kleines, rein weisses perlmutterartiges Fleckchen wahr- 
nehmen, das, sich stets vergrössernd, endlich mein Blaukehlchen wieder 
zur echten Cyan. suecica machte (Fig. 6.). Einige ausgezupfte 
Federchen zeigten luce clarius, dass das neue reine Weiss sich in 
den blau umgefärbten Federn von der Wurzel zur Spitze, hin all- 
mälig verbreitete und endlich die ganze Feder einnahm. 

Die Mittheilung über die Resultate der mikroskopischen Unter- 
suchungen bei den sich umfärbenden Federn behalte ich mir später 
vor , falls es nicht schon von anderer Seite her sollte geschehen sein. 

Wenn der Vogel am 21. März geschossen wäre, so würde man 
ihn für ein in der Mauser stehendes junges Männchen von sue- 
cica erklärt haben, — wenn am 24. März für eine noch nicht 
völlig vermauserte orientalis oder dichrosterna — wenn am 
26. d. M. für Wolfii, — wenn in den ersten Tagen des April 
für eine der Wolfii sehr nahe stehende suecica, 14 Tage später 
für ein altes Männchen der echten suecica. 

Ich folgere aus allem Diesem, dass mit der Behauptung, die eine 
Species oder Subspecies dieses oder jenen Vogels ziehe ein, zwei, drei 
Wochen früher oder später durch irgend einen Landestheil, als eine 
andere dieser in neuerer Zeit creirten Arten , in manchen Fällen, z. B. 



170 

gewiss bei Budytes, gar nichts gesagt ist. Ich selbst habe schon eine 
blaugrauköpfige Budytes flava mit einzelnen eingesprengten gelben 
Federn auf dem Oberkopfe geschossen. 

Sind dergleichen Verschiedenheiten nun Species? Nein — 
Subspecies? Nein — klimatische Varietäten? auch nicht; es 
sind ganz dieselben Vögel, vielleicht gar ganz dieselben Indi-^ 
viduen, die sich in verschiedenen Stadien der Umfärbung 
befinden. 

Will man auf die Beobachtung, die ich bei meinem Blaukehlchen 
gemacht habe, etwa noch einwenden, dass von Vögeln, die in der 
Gefangenschaft gehalten werden, kein Schluss zu machen sei auf die 
in der freien Natur lebenden, so kenne ich diesen wohlbegründeten 
Einwand und seine Tragweite sehr wohl, möchte ihn aber hier in 
diesem speciellen Falle dahin für meine Ansicht ausbeuten, dass die 
bei Weitem grössere Verschiedenheit des Klima, der Luft, 
Temperatur, Nahrung etc. in der freien Natur, nach dem logischen 
Satze, dass die Wirkung der Ursache entsprechen muss, auf die Fär- 
bung des Kleides noch verschiedenartiger hätte einwirken müssen, 
so dass z. B. der Anflug von Rostroth auf der Mitte der Brust ein 
wirkliches Rostroth, der Vogel also eine wirkliche orientalis 
oder dichrosterna geworden wäre, während vor der vollen Ent- 
wickelung dieser Farbe bei meinem Exemplar das nachfolgende Blau 
sie zur Wolfii machte. — 

Wie wenig überhaupt bei diesem Vogel die Farbe der Kehle 
und Brust constant ist, zeigte mir neulich noch ein in der Gegend 
von Cöln geschossenes Exemplar, dessen Kehle und Oberbrust schmut- 
zig röthlich weiss war, darunter folgte statt eines blauen ein tief 
mattschwarzer, wegen der weissen Federkanten grau erscheinender 
Gürtel von ungefähr V2 Zoll Breite. Nur auf einzelnen dieser tief 
schwarzen Federn konnte man einen ganz schwachen, kaum sichtbaren 
Anflug von Blau bemerken. Sollen das Alles Species sein, so schlage 
ich für dieses Kleid den Namen nigrocincta vor, und wir haben dann 
fünf Blaukehlchen. 

Berlin, den 25. April 1855. 



171 



Nr. 15. 

Die Vogelwelt im letzten Winter. 

Von 
Baron R. König- Warthausen. 



Auch dieser eben verflossene Winter gehörte zu den nicht ganz 
normalmässigen, wie wir deren im Laufe der letzten Zeiten so manche 
erlebt haben.*) 

Da die verschiedenen Erscheinungen in der Thierwelt durch die 
Witterung bedingt sind, sei mir gestattet, über diese einige Notizen 
voranzuschicken. Der Winter stellte sich diesmal sehr früh und mit 
grosser Strenge ein. Am 4. November fielen hier in Warthausen die 
ersten Schneeflocken bei trübem und rauhem Wetter, am 7. war der 
Boden schon fest gefroren und die Gegend in einen weissen Schleier 
gehüllt, am 9. Schlittenbahn. Der Schnee kam so rasch und die Kälte 
steigerte sich so geschwind, dass ich meine Voliere nicht mehr mit 
Dach und Fenster versehen konnte, was gewöhnlich erst Ende No- 
vember geschieht. Ich musste desshalb sämmtliche Vögel anderwärts, 
die härteren in einem besondern mit eiligst gehauenen Tannenbäumen 
versehenen Zimmer, die empfindlicheren im Treibhause unterbringen. 



*) Am widernatürlichsten war wohl der Verlauf des Winters 1852 auf 53, 
wo December und Januar die schönste Frühlingswitterung boten : überall trieben 
die Bäume Blätter, Frühlingsblümchen blüthen und bei Esslingen soll Ende De- 
cember ein Buchfinkenriest mit bebrüteten Eiern gefunden worden sein ; kurz zuvor 
will man am Bodensee, laut Zeitungsnachricht, ein Kotbkehlchennest mit flüggen 
Jungen entdeckt haben. Auch Schweizer Blätter berichteten Aehnliches. Münd- 
lich erhielt ich Nachricht über die Auffindung von Feldlercheneiern in der Pfalz. 
Verbürgen kann ich natürlich Nichts und aus eigener Erfahrung nur anführen, dass 
Eisvögel nicht vor Mitte März (also erst nach wieder eingetretener schöner Wit- 
terung, denn der Winter war nicht ganz ausgeblieben) am Brütplatz erschienen, 
dass dagegen in den Weinachtsfeiertagen ein halbwüchsiger Hase auf den Stutt- 
garter Markt gebracht wurde und einer meiner Freunde im Januar eine tragende 
Häsin bei Heidelberg schoss, auch ebendort einen jungen Bah. 



172 

i 

Am 13. war die Communication schon ganz gehemmt und schweres 
Fuhrwerk nur noch mit Schlitten zu bewerkstelligen. Jenseits der 
Alb, in der Stuttgarter Gegend, welche sich wie der grössere Theil 
des Unterlandes überhaupt eines mildern Klimas zu erfreuen hat, 
als das südlichere Oberschwaben, hatte sich der Schnee später einge- 
stellt, so dass dort noch an keine Bahn zu denken war. In der Nacht 
vom 14. auf den 15. November sank, nachdem die vorhergehenden 
Tage nicht besonders kalt gewesen waren, die Temperatur Nachts 
2 Uhr plötzlich auf 14° R. unter Null, Morgens 6 Uhr im Dorf Wart- 
hausen auf 17° Kälte, oben auf dem Schlossberg auf 16°. Am 18. 
trat Thauwetter ein, der 19. brachte wieder Schnee und der 20. 8° 
Kälte. Nun begann abermaliges Thauwetter, welches den ganzen 
Rest des Monats und fast ununterbrochen den ganzen December 
dauerte. Dieser fing mit heftigem Winde an und machte den übrig 
gebliebenen Schnee bald verschwinden. Nur selten trat geringe Kälte 
und mit ihr ein schwacher Anflug von Schnee ein, so am 3., 8., 12., 
13. und 19. Am 20. November und 14. December regnete es, der 
15. und 16. December zeichneten sich durch laue Luft und hef- 
tige Orkane- aus. Während der ersten, zwei Drittel dieses Monats 
herrschte helle, heitere Luft, nur vom 8. bis 10. war es neblig. Als 
ich hierauf für längere Zeit meinen Aufenthalt in Stuttgart nahm, 
traf ich dort regnerische Tage, wahres Sudelwetter. Die später ein- 
getretene Kälte (17 und 21° als Maximum) brachte auch in Stuttgart 
einen schneereichen Januar, worauf am 1. Februar Thauwetter er- 
folgte, welches am 8. einer abermaligen Schlittenbahn Platz machte. 
Am 23. Februar trat wiederum Thauwetter ein, dessen Wirkung sehr 
schnell war. Hier in Warthausen dagegen, wo dieser letzte grosse 
Schnee über vier Fuss hoch gelegen hatte und auch früher gefallen 
war, sind die Reste noch jetzt beträchtlich. Ueberhaupt war in allen 
Theilen des Landes der Schnee seit Menschengedenken nicht so tief 
gewesen und Oberschwaben verhältnissmässig viel stärker von ihm 
heimgesucht, als die ungleich rauheren Gebirgsgegenden der Alb. 
Der Schwarzwald natürlich war und ist noch zum Theil nach den 
Zeitungsberichten ganz besonders eingeschneit. In der Nacht vom 8. 
auf den 9. März fror es wieder in Stuttgart und am 9. war Alles 
weiss. Am 10. kehrte ich unter Schneegestöber nach Warthausen 
zurück, wo ich es recht kalt traf. Am Morgen desselben Tages hatte 
es — 8° gehabt. Seither fiel jede Nacht Schnee, der den Tag über 



173 

wenigstens theilweise wieder wegschmolz. Heute endlich beginnt die 
Winterlandschaft ihren muthmasslichen Todeskampf gegen einen war- 
men Regen zu bestehen. 

Doch nun zu den Vögeln. 

Am 16. November beobachtete ich in einem Tannenwald einen 
Grünspecht, der hart an der Fahrstrasse durch den Schnee hin- 
durch sich in einen grossen Ameisenbau hineingearbeitet hatte. Da 
ich zu Pferd war und er desshalb keine Furcht vor mir zu haben 
brauchte, trieb er sein Geschäft ruhig weiter, und ich konnte genau 
zusehen, wie er in seinem tiefen Loche nach Nahrung wühlte. 

Am 19. Nov., 2. und 5. Dec. bemerkte ich noch einige Fisch- 
reiher an den Ufern der Riss fischend; mehre wurden noch in der 
zweiten Hälfte des December wie auch am 13. Januar 1854 am 
Neckar geschossen. 

Am 2. December trafen bei Warthausen die ersten nordischen 
Krähen- Zuzüge ein. Unter einem Schwärm von mindestens hundert 
Rabenkrähen befanden sich jedoch nur vier Nebelkrähen, die 
uns in der Nistzeit ganz fehlen und nicht einmal jeden Winter be- 
merkt werden. 

Während der strengen Kälte und dem hohen Schnee im Februar 
waren diese armen Vögel genöthigt, ihr Futter selbst in den belebteren 
Strassen Stuttgarts zu suchen. Viele kamen durch Hunger und Kälte 
um, manche erlagen den böswilligen Nachstellungen, die ihnen ver- 
schiedene „Lichtfreunde" mit Strychnin und Schrot bereiteten. Hat 
eine Krähe „Krähenaugen" bekommen, so sucht sie eine erhabene 
Stelle, wo sie mit aufgesträubtem Gefieder, abgesondert von ihren 
Kameraden, ruhig sitzt, bis die Wirkung des Gifts heftiger wird; 
dann bekommt sie Zuckungen, lässt ein eigenthümliches Schmerzensge- 
schrei hören und stürzt endlich köpflings todt zu Boden, oft so, dass 
sie vom Schnee ganz begraben wird und höchstens das Ende des 
Schwanzes sichtbar bleibt. Fragt man nach dem Grund dieser Mordlust, 
so heisst es: „ich kann diese schwarzen Bestien und ihr heiseres Ge- 
krächz nicht leiden, ich wollte die Wirkung des Gifts sehen, ich 
brauchte Federn um meine Tabackspfeife zu reinigen" u. dergl. mehr. 
Solche Motive sind alle zu erbärmlich, um ihretwegen noch weitere 
Worte zu verlieren, denn sie sind sämmtlich die Resultate der langen 
Weile und eines fühllosen Herzens. Nur die oft vorgeschützte Be- 
hauptung, „sie seien ja schädlich," will ich hier berühren, ob sie gleich 



174 

schon oft genug wiederlegt worden ist. Der Mensch, der natürliche 
Herr der Schöpfung, glaubt gar so gerne, Alles sei nur seinetwegen 
da, nicht er auch der andern Kreatur wegen, er vergisst so leicht, 
dass jeder Anforderung eine Gegenleistung das Gleichgewicht hält 
und dass er beim Empfang des Genussrechts auch ein Protectorat 
übernommen hat. Dass die Krähen bisweilen Etwas nehmen, was 
auch dem Menschen mundgerecht gewesen wäre, ist nicht zu läugnen; 
ich hatte selbst einmal Gelegenheit, zu beobachten, wie sie auf einen 
jungen Hasen baizten. Graben sie auch manchmal ein Saatkorn aus 
dem Boden, oder stehlen sie einige Kiebitzeier, um derenwillen sich 
ein Feinschmecker kein Gewissen macht, die Nesteltern kraft seines 
Jagdrechts selber zu bestehlen, was ist das Alles gegen den grossen 
Nutzen, den sie der Landwirthschaft neben anderen Vortheilen nur 
allein durch Vertilgung unzähliger Feldmäuse gewähren? 

Dann sind am Ende auch die Schwalben schädliche Thiere, weil 
sie sich erfrechen, unsere Häuser mit Schmutz zu beklexen! Dieser 
Ansicht sind vielleicht auch wirklich die Sonntagsschützen der franzö- 
sischen Schweiz, die ja auf die Jagd der Schwalben und Grasmücken 
ausziehen! Dass ich hier übrigens nicht zu Gunsten der Saatkrähen 
am ßrütplätz rede, versteht sich von selbst. 

Bei uns zu Lande ist den Krähen ohnehin schon, freilich indirect 
und ohne bösen Willen, ein anderer Krieg von Obrigkeits wegen 
erklärt worden, indem die Gemeinden von der Regierurig aufgefordert 
wurden, die Mäuse nichs bloss in Fallen, sondern auch mit Arsenik 
und Phosphor zu vertilgen. Die vergifteten Mäuse schleppen sich 
sterbend aus ihren Löchern hervor und werden den Krähen zur 
leichten Beute, deren einzige Beschäftigung in mausreichen Jahren es 
ja ist, diese wegzufangen. So breitet sich dann der Tod durch mittel- 
bare Vergiftung über ganze Gegenden, und ich kann mich nur mit 
Wehmuth der vielen, in ihrer nützlichen Beschäftigung gemordeten 
Rabenkrähen erinnern, die ich früher bei Hohenheim und im letzten 
Herbste im hiesigen Oberamt (Biberach) in Feldern und Wäldern ge- 
funden, des Schadens gar nicht zu gedenken, der durch Vertilgung 
von mausenden Füchsen, Mustelen (namentlich Wieseln), Katzen und 
selbst Hunden der Landwirthschaft erwächst. Dass bei der enormen 
Vermehrung der Feldmäuse (Hypudaeus arvalis lllig.) in Folge der 
ihnen so günstig gewesenen vergangenen Jahre allerdings durchgrei- 
fende Gegenmittel nöthig waren, bin ich weit entfernt, läugnen zu 



175 

wollen, man hätte dabei nur nicht vergessen sollen, dass die Natur 
selbst, vermöge ihrer unerforschlichen Gesetze, jedem ihrer Uebel ein 
kräftiges Gegengewicht setzt. Ich will damit ja nicht sagen, man hätte 
es nur auf die natürlichen Vertilger ankommen lassen, sondern auf 
diese Rücksicht nehmen, also Gift verbieten nnd das Stellen von Fallen 
noch mehr begünstigen sollen. Obgleich gar nicht hierher gehörig gebe ich 
zum Beweise der Möglichkeit eines solchen Vorhabens die Hohenheimer 
Resultate vom vorletzten Herbst, und hoffe desshalb nicht getadelt zu 
werden, da es ja zum Schutz der Vögel geschieht. Vermittelst vier- 
hundert billiger, dauerhafter, einfach und leicht zu stellender Fallen 
fingen wenige Tagelöhner in 150 Tagelöhnen ä 24 Xr., also mit einem 
Kostenaufwande von 60 Fl. (beiläufig 34 Rthlr.) sieben undzwanzig- 
tausend Mäuse in den Monaten October und November. Der Werth 
der Fallen ist 36 Fl. 40 Xr., somit der noch zum Tagelohn hinzuzu- 
rechnende Jahrszins aus diesem Theil des landwirtschaftlichen In- 
ventars etwa 1 Fl. 12 Xr. Kann man nun möglicherweise, was 
sich aber nicht nachweisen lässt, vermittelst Gifts in gleichem Werth, 
(bei übrigens nicht viel geringerer Arbeit) vielleicht auch mehr Mäuse 
vertilgen, so ist doch sicher, dass der Vortheil, den die Schonung 
der natürlichen Feinde bringt, das scheinbare Minus mindestens um 
das zehnfache übersteigt. Dann ist noch zu erwähnen, dass bei den 
angegebenen Kosten mehre Tagelöhne eingerechnet sind, welche 
mit einer weit unergiebigeren Fangweise (den „Bohrlöchern") ausge- 
füllt wurden. In einem andern Falle wurden auf die nämliche Weise 
in einem Jahre über hunderttausend Stück gefangen. Dies also zur 
Notiz für berechnende Landwirthe, die sich weiter nicht an das 
Leben oder Sterben- der Vögel kehren! 

Abgesehen von dieser unabsichtlichen Verminderung der Krähen 
sind mir Fälle bekannt, wo Winters Hunderte zum blossen Vergnügen 
mittelst Gift geopfert, wo einem Vogelliebhaber ebenfalls nur „zum 
Spass" geschossene Krähen sackweise als Uhufutter angeboten wurden. 
Doch wenden wir uns von diesem hässlichen Bilde zu einem erfreu- 
licheren. 

Ich bemerkte zu meiner grossen Freude, wie im verflossenen Fe- 
bruar Kinder den Krähen im königlichen Schlossgarten Küchenabfälle, 
ja sogar besonders für sie abgesottene gelbe Rüben brachten, und hatte 
oftmals Gelegenheit, zu sehen, wie Damen und Herren ebendort in 
unbewachten Augenblicken (es ist ein eigentümlicher Zug im mensch- 



' . 176 

liehen Charakter,- dass man eine edle That nur schüchtern vollbringt!) 
die Taschen ausleerten, um die hungernden „Boten der Finsterniss" 
mit Hafer, Erbsen und Brot zu erfreuen. Ich machte dies sogleich 
nach,*) brachte täglich mehrmals tüchtige Portionen Welschkorns und 
hatte die Freude, die Vögel so zu gewöhnen, dass sie mir unter Ge- 
schrei selbst durch volkreiche Strassen der Stadt folgten, um hüpfend 
und flatternd das Futter aufzulesen, welches ich sparsam und so unver- 
merkt fallen liess, dass uns die Leute oft verwundert nachsahen. 
Bald kannten mich meine Vögel auch ohne Spende und begrüssten 
mich auch mit leeren Händen. Im Schlossgarten fütterte ich immer 
unter einem bestimmten Baume, an einer Stelle, wo sie mir gleich 
beim ersten Male während des Futterstreuens ordentlich vor und 
zwischen die Füsse geflogen waren. Oft sassen hier nur einige we- 
nige, kaum aber war die Fütterung begonnen, so kamen sie massen- 
weise überall her über die Dächer herein auf die Bäume geflogen 
und stürzten sich in einem kaum zu beschreibenden schwarzen Knäuel 
hastig von da zur Erde. Wäre der Weg nicht ziemlich betreten ge- 
wesen, so hätten sie, glaube ich, bald die Speise aus meinen Händen 
geholt. Als ich einmal rohes Fleisch brachte, nahmen sie dieses nicht 
und es lag noch nach einer Woche unberührt da. Dies geschah 
wohl, weil sie in nächster Nähe kurz zuvor traurige Erfahrungen an 
vergiftetem Fleisch gemacht hatten. Alle diese Stuttgarter Krähen, 
welche eine Abschweifung hervorriefen, derenwegen ich um Verzeihung 
bitte, waren wie die in Warthausen gesehenen ausschliesslich Raben- 
krähen, worunter als Spielart nur einige wenige Nebelkrähen. 
Ebenso verhielt es sich auch im vorletzten Winter. Saatkrähen 
kamen jedenfalls nur sparsam vor, während sie im Winter 1848 auf 
49 die zahlreichsten waren. 

Haubenlerchen**) traf ich im Januar nur wenige bei' Stuttgart. 
— Die umfassendsten Nachrichten über das im Winter in Würtem- 
berg Vorgekommene kann man bei unserem Conservator Ploucquet 
erhalten, dessen vortreffliche Leistungen durch die Londoner und 
Münchener Industrieausstellung; weltbekannt geworden sind. Alles was 



*) In Warthausen und bei Stuttgart unterhalte ich seit Jahren jeden Winter 
Futterbretter für die kleineren Vögel. 

**) Des Sommers fehlen sie uns ganz und zeigen sich nur in den rauheren 
Wintern. 



177 

von Kundigen und Unkundigen erlegt und theils zum Privatbesitz, 
theils für die öffentlichen Sammlungen des königlichen Naturalien- 
cabinets und des Vereins für vaterländische Naturkunde gesammelt 
wird, wird diesem zum Ausstopfen zugesendet. Da ich in seinem 
Arbeitslokal ein Journal aufliegen habe, in welches das Bemerkens- 
werthe pünktlich eingetragen wird, bin ich stets im Stande, genaue 
Berichte zu liefern. Die wenigen diesjährigen Resultate sind fol- 
gende: 

Am 6. December ein Colymbus septentrionalis, bei Ulm auf 
der Donau geschossen. ' 

Am 8. December ein Podiceps cristatus, auf der Brenz bei 
Heidenheim erlegt. 

Am 17. Januar eine weissliche Varietät von Falco buteo, aus 
Mundeisheim eingeschickt. 

Am 24. Januar Ardea egretta masc, von Herbrechtingen bei 
Heidenheim. Eine grosse Seltenheit! 

Am 25. Januar Falco milvus, von Herrenberg. 

Am 17. Februar Anas fusca, sehr schönes Männchen, von 
Schnaitheim an der Brenz. 

Eine am 21. Februar bei Mühlacker gefangene Otis tarda fem. 
starb am 27. den freiwilligen Hungertod. An letzterm Tage wurde 
ein zweites Exemplar aus Frankfurt a. M. eingeschickt. Trappen 
kamen selten nach Würtemberg. Die letzten waren eine Henne, im 
December 1849 bei Adelberg, unweit Schorndorf, und zwei desglei- 
chen im Januar 50 bei Nürtingen und Böckingen (Heilbronner Ge- 
gend) geschossen worden. 

Am 22. Februar Falco tinnunculus, von der badisch-würtem- 
bergischen Grenze. 1854 traf ich den ersten Thurmfalken Anfangs 
Januar. 

Am 23. Februar eine Scolopax gallinago und ein Paar An- 
ser segetum von Mössingen bei Tübingen. 

Am 24. Februar einMergus merganser fem. von Kirchheim 
am Neckar. Auf den Schweizerseen kamen heuer viele vor. Am 
gleichen Tage wurde an der Fasanerie von Weil-im-Dorf Falco la- 
gopus fem. geschossen. Sonst war dieser Vogel jeden Winter sehr 
häufig, besuchte uns aber in neuerer Zeit viel seltener. Der Winter 
1852 auf 53 brachte keinen einzigen, und im vorletzten wurde bloss 
ein Stück im December erlegt. Ein Paar sehr helle Bussarde, die 

Nau minima. 1855. 12 



178 

ich am 2. November des vergangenen Jahres hier im Fluge durchs 
Fernrohr beobachtete, könnten indessen möglicherweise dieser Art 
angehört haben.' Ebenfalls am 24. Februar wurde in Unterriexingen 
ein prachtvolles junges Männchen jener blassen Elster- Varietät ge- 
schossen, die ich im Journal für Ornithologie (1854, S. 251) beschrie- 
ben habe. Da noch zwei Stück dort fliegen, hatte also das alte Paar 
dieser Halb-Albinos („Albidi") sieben gleiche Jungen gezogen. Auch 
vom Rebhuhn wurde im Unterlande zu Anfang Februars eine hübsche 
Spielart erlegt und für den vaterländischen Verein erworben. Sein 
Gefieder ist durch zahlreiche weisse Federn - ganz gleichmässig weiss 
gefleckt. 

Ein weiteres Feld bequemer Beobachtung bot sonst der Stuttgarter 
Wildpretmarkt. In diesem Winter Hess sich da gar nichts machen. 
Im December kamen zweimal wenige Krammetsvu^gel (Turdus pila- 
nis) und eine einzige Reiherente, im December mehrere Stock- 
enten,*) im Januar und Februar mehrere Saatgänse („Schneegänse"). 
Diese zeigten sich, wie dies stets in schneereichen Wintern zu sein 
pflegt, in allen Landestheilen häufig, in der Warthauser Gegend erst 
zu Ausgang des Februar. 

Von Seltenheiten, bei denen mir eine bestimmte Zeitangabe des 
Vorkommens fehlt, ist anzuführen, dass auch diesen Winter der 
Mauerläufer in den Felsen des Seeburger Thals (einem Ausläufer 
des romantischen Uracher Thals im Albgebirge) beobachtet wurde 
und dass bei der Fasanerie unweit Weil-im-Dorf ein grosser Adler, 
als er auf ein Haushuhn stiess, durch zwei Fehlschüsse verscheucht 
wurde. Der oberflächlichen Beschreibung nach gehörte er wohl zu 
der uns am häufigsten heimsuchenden Art, Aquila albicilla, und war 
vermuthlich ein junger Vogel. Ein solcher wurde auch im Winter 
1853 auf 54 bei Oeffingen beobachtet und Anfangs März 1853 ein 
jähriges Männchen bei Binswangen unweit Riedlingen geschossen. 

Aus dem Allem erhellt, wie wenig der diesjährige Winter im 
Verhältniss zu manchem andern liefert. Beim Herbstzuge kam Wür- 
temberg besonders schlecht weg; erst beim Zurückwandern wurden wir 



*) Im November sind sie noch da (z. B. am 15. 1853 bei Klingenbad, bai- 
rischen Landgerichts Burgau); manchmal bleiben sie aber noch viel länger, so waren 
den ganzen December 1852 ungeheure Schaaren an den Ufern des Neckars, auf 
den Feldern bei Weil-im-Dorf, Degerloch, Echterdingen, Möhringen u. 8. w. 



179 

ein klein wenig besser bedacht. Es fehlten die meisten Enten ganz, 
ebenso die verschiedenen Möven u. s. w. 

In Baden scheint es auch nicht besser gewesen zu sein. In 
Karlsruhe kam nach brieflichen Mittheilungen ebenfalls nichts zu Markt, 
und der sonst so grossartige Entenfang bei Rintheim war noch nie 
so schlecht gegangen; das Gefrieren der Gewässer mag hierzu kein 
Geringes beigetragen haben. Auf dem Rhein war auch nicht viel 
und die Ueberrheiner brachten nur wenige Stockenten. 

In der Schweiz ging es schon besser. Auf den dortigen Seen 
wurde doch Einiges erlegt, was bei uns nicht vorkam, z. B. Anas 
rufina und Podiceps auritus. 

Aus Sachsen wird mir gemeldet, dass wenigstens bis zu An- 
fang des Februar noch keine Seidenschwänze eingetroffen waren. 
Auch im Winter 1853 auf 54 wurde dort kein einziger gefangen, 
während sie in den beiden vorhergehenden recht häufig gewesen waren. 
Am 23. October hatten Motacilla alba und Sylvia tithys die 
Dresdener Gegend verlassen und es waren statt ihrer als Boten eines 
frühen Winters Turdus iliacus und Fringilla montifringilla 
eingerückt. 

In der Lausitz erschienen zu Ogrosen bei Calau die ersten Staare 
am 3. März und die Kibitze am 6. Der Schnee war daselbst 
nicht über 18 Zoll hoch gewesen, allein bei 20 — 23 Grad Kälte hat- 
ten, wie dies auch bei uns der Fall gewesen, Hasen und Rebhühner 
stark gelitten. Die bei uns bleibenden Frühlingsboten haben sich 
diesmal, wenn auch nicht in der Zeit, doch im Wetter stark ver- 
rechnet. Am 8. März nahmen in Tübingen die Störche ihr Nest 
auf dem Rathhaus in Besitz, nach Zeitungsbericht in Reutlingen noch 
früher. Meine Wartiiauser sind aber von jeher die klügsten und bis 
Dato noch nicht da. Am 3. März sangen bei Stuttgart die Sing- 
drosseln, Buchfinken und Feldlerchen schon herrlich. Letz- 
tere waren in Warthausen noch am 11. in grossen Flügen beisammen 
und sind erst seit dem 14. gepaart. Am 15. kamen auch die Ki- 
bitze an. Etwa 40 Stück zogen stets mit einem grossen Schwärm 
der fast 14 Tage früher eingerückten Staare in unmittelbarer Nähe 
der Häuser herum, flogen mit ihnen auf, machten alle Schwenkungen 
derselben mit und Hessen sich auch mit ihnen wieder nieder. Am 
folgenden Tag waren sie an den drei Viertelstunden entfernten Brüt- 
platz abgegangen. Am 15. langte hier der erste Hausrothschwanz 

12* 



180 

an und am gleichen Tage sah ich seit langer Zeit wieder einmal einen 
Flug von Hänflingen. 

Als ich am 10. März Stuttgart verliess, hatten die Elstern 
noch keine Anstalt zum Nisten gemacht, während ich doch 1849 
(freilich bei anderer Witterung!) schon Ende Februar fertige Nester 
gefunden hatte. Hier kann ich darüber keine Beobachtungen machen, 
da im letzten Jahrzehnt die früher häufige Elster fast ganz aus der 
Warthauser Gegend verschwunden ist. 

Wenn ich endlich zum Schluss noch von den Haus vögeln be- 
richten darf, so wäre zu erwähnen, dass heuer die ersten Gänse- 
Eier erst Anfangs März, und da noch sehr sparsam, auf den Markt 
kamen, was sonst schon einen ganzen Monat früher nicht ungewöhn- 
lich ist. Zu eben dieser Zeit legten bereits die Bisamenten; seit 
1849 war mir dies nicht mehr vorgekommen, wo ich die ersten Eier 
am 10. März erhielt. Zu Anfang desselben Monats besassen wir schon 
dreiwöchige junge Haushühner, ausgebrütet von einer Truthenne, 
die in einem nicht eben warmen Stalle Mitte December zu legen be- 
gonnen und mir ein hübsches Spulei geliefert hatte. Diese Henne 
sitzt nun abermals auf Zwerghühnereiern. Die obigen Jungen sind 
jedoch bis auf zwei der rauhen Witterung erlegen. Sie bekamen 
steife Beine, worauf eine Lähmung eintrat. Ein gleiches Schicksal 
hatten in Stuttgart junge, Ende Februar ausgebrütete Cochinchina- 
Hühner. Haustauben hatten in einem kalten Stalle den ganzen 
Winter hindurch Junge gezogen. 

Warthausen, am 16. März 1855. 



181 



Nr. 16. 

Einiges über lfogelstimmen. 

In Briefen an Dr. Karl Bolle. 
Von Karl Hausmann. 

(Fortset zun g.) 



Königs-Wusterhausen, Anfang Mai 1854.*) 
Eine schöne Nacht war es gestern, Freund; wenn auch nicht 
gerade so warm, dass man sich ins Gras legen und die Augen vom 
blitzenden Mondlicht hätte schliessen lassen können. Aber darum 
schien der Mond doch eben so klar, und, an einen Baumstamm ge- 
lehnt, überliess ich mich so gut meinen stillen Träumereien, als spiel- 
ten mir Halmenwellen leise um's Haupt. 

Drüben am See übten die Taucher und Frösche ihren Bass, der 
auf die verschiedensten Vogelstimmen passt, wie teinte neutre auf alle 
Farben. Den tiefsten Ton hielt eine Rohrdommel (Botaurus stellaris 
Briss.). „Rum, dum! rum dum!" klang es in Pausen aus dem heim- 
lichsten Winkel des Seeufers, als wollte sie eine finstere, schauerliche 
Wahrheit verkünden, über deren erste Sätze sie selber nicht vermöchte 
hinwegzukommen. 

An den Erlengräben sassen Blaukehlchen und sangen aus zehn 
Schwalbenkehlen zugleich. Auch Calamodyta palustris Naum. mischte 
ihr Lied darein, bald tief flötend, bald klirrend, wie wenn Regen 
auf dürres Laub fällt. Die sonst so kecke Turdoides zwitscherte weges- 
müde und halb im Traum: „Karr, karr — — ki, ki. ki," und da- 
zwischen klang der Becassinenweibchen melancholisches „Tücke, tücke, 
tücke," während die Männchen, hoch oben in der Luft segelnd, mit 
dumpfem Ruf wie Sturzwellen herabschössen. 



*) Aus Uebersehen ist im I. Hefte dieses Jahrgangs, p. 9 C und 99, 1855 
anstatt 1854, und Hausmann anstatt Hansmann stehen geblieben. D. Red. 



182 

Ich habe ihnen bei Tage oft stundenlang zugesehen, und weiss 
doch immer noch nicht recht, wie sie diesen Ton hervorbringen. 
Anfangs glaubte ich, es geschehe mit den Flügeln allein. Denn wenn 
jener erschallt, haben sie diese fest angezogen, und sausen so, den 
ganzen Körper wellenförmig schwankend; herab. Aber der Ruf ist 
doch zu laut, als dass er allein durch einen Schwingenschlag sollte 
hervorgebracht werden können, und so ist wohl meine unmaassgebliche 
Meinung, dass diese heftige Bewegung den in der Luftröhre erzeugten 
Ton intensiver hervorpressen muss. 

Weiter aus der Mitte der angrenzenden Wiesen her ertönen die 
Flütentriller des Rothschenkels (Totanus calidris Beckstein). Unruhige 
Kibitze lassen ab und zu ihr helles „Rrhui, rrhui!" erschallen. Sie 
sind auch Glieder jener Familie Vanellus, deren eines, der pflicht- 
vergessene Spinosus, Spornen an den Flügeln bekommen hat, damit 
dieselben ihn aus dem Schlafe emporstacheln sollen, den ihm Allah, 
nach der Sage der Araber, zur Strafe nicht gönnen will. Die Was- 
serralle spectakelt wunderlich im halbwachsenen Rohre, und die Was- 
serhühner am Seerande rufen glockenähnlich. 

Eine einzelne Stockente (An. Boschas L.) ist dicht bei uns von 
ihrem Schlafquartiere irgendwie aufgescheucht worden. Mit pfeifenden 
Schwingen zieht sie weiter an uns vorüber. Aus der Ferne ein Hei- 
ses „Paak" , ein noch leiseres Aufschlagen auf's Wasser, und sie ist 
vorläufig wieder zur Ruhe. 

Drüben am andern Ufer stechen Fischer bei Kiehnfackellicht nach 
Hechten (Esox lucius. L.) und laichenden Schleihen (Tinea chrysitis. 
Agassiz). Der glührothe, infernalische Schein, der ihren Kahn um- 
gibt, hat ein Käuzchen (Athene noctua Bj.) angelockt, dessen Bellen 
wie das Lachen der Hölle zu jener grausamen, fackelbeleuchteten 
Fangart klingt. 

Ganz aus der Ferne, von dem mit Haidekraut bewachsenen Brach- 
felde her, ertönt der heisere Ruf des Rebhuhns. Der Dickfuss (Oedi- 
cnem. crepitans Temm.) huscht pfeifend und schrillend durch den Nebel. 
Seine Stimme hören wir bald hier und bald dort; aber der Vogel 
bleibt unsichtbar, wesenlos für uns, wie der Nebel selbst. 

„Err, irrr, err, irrrr!" kommt es leise vom Walde hergezogen. 
Immer mehr nähert es sich uns. Jetzt erklingt dieser wunderbar 
monotone Ruf dicht bei uns. Wir sehen nichts, wir vernehmen kei- 
nen Flügelschlag;. Jetzt ist es an uns vorüber. Immer schwächer 



183 

klingt es aus der Ferne: „Errr — — — irrr!" vom leisesten Winds- 
geräusch verweht.. — Jetzt ist es ganz stille! — 

Das war wirklich ein Gespenst, das war der Ziegenmelker mit 
dem Schwalbenkopf und den Eulenschwingen. — 

Und nun, Freund, höre alle diese einzelnen Klänge, theils hinein- 
flüsternd in den Chor der Frösche und leise rauschenden Seewellen, 
theils in Oberstimmen daraus hervorspringend — und hast Du nicht 
die schönste Ouvertüre zu einem Sommernachtstraum, schöner, als 
sie sich ein Mendelssohn erdenken und erdichten konnte?! 

Und zu meinem Sommernachtstraum war es die Ouvertüre. 

Stumm lehnte ich an einer jungen, knorrigen Kiefer zwischen 
niedrigen Birken und falben Windhahr.en. 

Die Nachtigall sang. 

Wie ein elektrischer Funke von Drahtspitzen zu Drahtspitzen 
sprang das Mondenlicht von einem harzfeuchten Birkenblättchen zum 
andern. Meergrün schimmerte es zwischen den Zweigen, und wenn 
das junge Birkenlaub sich in Wellen vor dem Grusse des vorüber- 
ziehenden Windes neigte, glaubte ich wirklieh, leuchtende Fluthen 
rauschten über mir dahin, und das Mährchen wäre wahr, und ich 
befände mich lebend und athmend auf dem Grunde des Wassers. 

Die Nachtigall sang. 

Sie sass in einem Ginsterbusche verborgen. Leise, leise hub sie 
an, tiefer und voller schwoll die Melodie, bis sie ein Schmettern 
sprengte, das mir fast fühlbar an meine Seele schlug. Wieder tönte 
es aus dem schwarzen Ginster her, weich und zitternd, jeder einzelne 
Laut eine ganze Klage, eine Klage voll der rührendsten, innigsten 
Sehnsucht. Dann klang es fast, als schlügen weiche Schwingen an 
die Gitterstäbe eines Gefängnisses. 

Hast du deine Liebe verloren, Nachtigall, oder deine Freiheit, 
nach der du so bange rufest? 

Ja wohl, beides. 

Meergrün rauscht es über uns weg, wie aus tiefen Fluthen schauen 
die Sterne zu uns herab. Dein Lied zaubert meiner Kindheit Mähr- 
chen um mich her, und jetzt erkenne ich sie alle daraus wieder, jene 
lieben, schönen Gestalten. Du bist die verzauberte Prinzessin Nach- 
' tigall, die auf tiefem Meeresgrunde gefangen sitzt. Der schwarze, 
stachliche Ginsterbusch ist dein Kerker, und aus dem hervor rufest 
du denn lange, lange Nächte hindurch nach deinen verlorenen Ge- 



184 

spielinnen, und nach jenem jungen, schönen Ritter im weissen Sammet- 
barett mit den feuerfarb wallenden Federn. Du klagest und rufest 
die bis zum Meeresgrunde herabschimmernden Sterne an, dass sie 
dir helfen sollen. Siehe, da fährt einer herab und will zu dir hin; 
aber traurig erlischt er in der bleichen Fluth und sinkt als ein kalter, 
sechsstrahliger Stein zu den Muscheln auf den Boden. Das sind die 
Seesterne, die bei der Ebbe in den purpurnen Tangzweigen hangen 
bleiben. — — 

Da krähten die Hähne aus dem nahen Dorfe mitten hinein in 
meinen Sommernachtstraum. Aus den meergrünen Fluthen wurden 
wieder schwankende Birkenzweige, und aus meiner verzauberten Prin- 
zessin, mit der ich nicht übel Lust hatte, einen kleinen Liebeshandel 
anzufangen, ein graues Vögelchen, "Sylvia luscinia Latham. 

O, über diese Hähne, die von Düngerhaufen herab mit ihrem 
materiellen Krähen Einen an gemüthliche Hofzimmer mit warmem 
Kaffee und warmen Eiern zum Frühstück erinnern müssen! 

Ja wahrlich, Freundchen, noch sind die Nächte kalt, und ich 
habe draussen eine ganze zugebracht. So eine Traumwelle kann 
Einen weit, weit umherschleudern, bis man von ihr als ein izokvtkag 
TCoXvtQOJtos an den halb fremden Strand der Kindheit, den man vor 
zwanzig Jahren bewohnt, wieder geworfen wird. 

Das Frühroth wiegt sich auf den Gipfeln des nahen Kiefernwaldes. 
Die Rohrdommel ist, Gott sei Dank, stumm geworden. Von ferne 
lässt sich der Ruf des Kuckuks vernehmen. Es ist der erste, den 
ich in diesem Jahre gehört; gestern bin ich ja erst ins Freie gekom- 
men. Ich schüttele dabei schnell mein Geld in der Tasche um, denn 
das bringt Segen nach der naiven Meinung des Volkes. 

Der Wiedehopf lässt sein „Hupp, hupp, hupp," erschallen, und 
der Pirol üötet, wie es ihm alle Knaben nachpfeifen wollen, und doch 
nicht so schön und voll können. 

Das Laubvögelchen (Phyllopneuste trochilus. Mey. und Wolf) singt 
so leise, dass man seine kleinen Molltöne kaum noch hört. Es ist 
unter den ersten, die des Morgens früh anfangen, und unter den 
allerletzten, die in ihren Astwinkel zur Ruhe gehen, natürlich die 
Nachtschwärmer ausgenommen, die schon das matteste Sternenlicht 
nicht schlafen lässt. 

Wie tönende Raketen steigen die Lerchen in die Luft. Die Fin- 
ken schmettern ihre verschiedensten Weisen, und Saxicola Oenanthe 






185 

L. fliegt, etwas heiser singend, wie ein Ball in die Höhe, um in eigen- 
tümlichen Schwenkungen auf einen einzelnen Feldstein wieder herab- 
zufallen. 

„Zirieh! zirieh!" steigt Anth. campestr. Bechst. von einer kleinen 
Kiefer auf, in weiter Curve dem fernen Horizontrande zueilend, als 
wollte er den halben Aequator der Himmelskugel ausmessen. 

Immer mehr nähere ich mich den menschlichen Wohnungen, denn 
die vis inertiae meines Magens treibt mich gewaltig. Die Hühner 
gackern, die Hähne krähen, die Tauben girren, die Puter kollern, 
die Enten und Gänse schnattern, die Spatzen zwitschern — o weh, 
welch' gräuliches Tarn -tarn -Concert für das Ohr von musikalischen 
Ornithologen, die noch dazu vor Kurzem in zarten Sommernachts- 
träumen geschwelgt haben! Auch ein Rothschwänzchen S. Tithys 
Lath. scheint zur Hälfte von jener Nachbarschaft angesteckt zu sein, 
denn der Nachsatz in seinem kurzen Gesänge klingt, als zöge man 
einen rostigen Eisendraht durch eine Kneipzange gerade. 

Auf dem Scheunengiebel sitzt eine Elster, schwatzt und liebäugelt 
auf ihre Weise mit den Küchlein im Hofe. Ich habe sie desswegen 
schon längere Zeit auf dem Striche, denn bei mir hilft ihr kein Harm- 
losstellen, ich durchschaue sie und — ihren Appetit. 

Nachdem ich durch einen, bei vielen Gelegenheiten sehr anwend- 
baren Stein wurf vorläufig zwei Hähne getrennt, die sich wahrschein- 
lich „Hie Weif!" und „Hie Waiblingen!" zugekräht hatten, trat ich 
in das Wohnzimmer. 

Kopfschüttelnd sah man mich kommen, kopfschüttelnd hörte man 
meine Entschuldigungen wegen des nächtlichen Ausbleibens. Ich liess 
mich dadurch nicht stören, sondern trank mit philosophischer Ruhe, 
aber innig-em Wohlbehagen meinen Kaffee und ass für Vier Butter- 
brod dazu. Dies letztere fanden sie, glaube ich, allein begreiflich. 

Zwei Stunden später setzte ich mich mit einer duftigen Cigarre 
nieder, um Dir diesen Brief zu schreiben. Du wirst ihn wohl ver- 
stehen, du besitzest die Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen. — 
Grüsse mir die übrige Berliner menschliche Ornis, und besonders 
den Krüper und sage ihm, er möchte bald machen, dass er aus 
Europa, wenigstens aus Deutschland komme. Dein u. s. w. 

Alfred Hansmann. 



186 

Neustadt-Eberswalde, Juli 1854. 

Du bist im Süden gewesen, Freund, Du kennst den Genuss 
eines dolce far niente. So versetze Dich denn wieder in die dazu 
gehörige Gemüthsstimmung, blase allen ängstlich sorgenden Materia- 
lismus wie Staub von Deiner Seele, und sei so gut, bei den leise 
rauschenden Buchen nicht an Klafterholz und nasskalte Wintertage 
zu denken. Mehr gehört wahrhaftig nicht zu einer fröhlich poetischen 
Auffassung dessen, was mit unbefangenem Auge gesehen und nicht ge- 
gessen und getrunken sein will. Wer muss sich denn zu einem Accorde 
gleich die Dissonanz hinzudenken, welche derselbe auflösen soll? 

Aber diese weisen Reflexionen gehören auch nicht einmal zu 
einem dolce far niente. Da heisst es, ins weiche Moos sich gelegt 
unter den Buchenzweigen am Bergabhange und, unberührt von jedem 
anderen, nur in dem Gefühle geschwelgt, welches eine vorübergehende 
sinnliche Wahrnehmung aus der Waldumgebung uns einflösst. 

Die Sonne brennt heiss auf das Dach der hohen Haselstaude, 
unter der wir liegen. Schläfrig nicken die blauen Glockenblümchen, 
und unten aus dem matt durch einen langen Moorstreifen dahinschlei- 
chenden Quellchen starren die mächtigen Huflattichblätter hervor, stolz 
über ihre Brauchbarkeit en tous cas: als Sonnen- und als Regen- 
schirme. Alles still. Der Wind schläft in den Zweigen, und sogar 
die Krähe, welche mit dem halben Schwänze aus dem Neste auf jener 
Birke herausragt, scheint über den Eiern eingenickt zu sein. Hoch 
oben in der Luft zieht ein Schreiadler seine unermüdlich sich wieder- 
holenden Kreise mit der Regelmässigkeit eines Pendels. Jetzt streift 
er scheinbar jene Kiefernspitze, und wenn ich die Augen schliesse 
und bis dreissig zähle, ist er genau dort in der Blätterfigur zu sehen. 
Das scheint mir denn doch ein etwas langweiliges Vergnügen zu sein ; 
aber „jedes Thierchen" — sagt das Sprüchwort. 

Ab und zu schmettert einmal ein Fink in die Höhe, aber auf 
halbem Wege fällt die klingend emporsteigende Strophe matt in sich 
zusammen. Ich weiss nicht, singt der Vogel wirklich schon im Traume, 
oder ist er gerade beim Entschlummern? — 

Auch links von den jungen Eichen her zwitschern Fitis und Roth- 
kehlchen leise und mit langen Pausen abwechselnd. Es ist fast, als 
hätten sie die weichsten Molltöne aus ihrem kleinen Liede heraus- 
gesucht, so klagend schwingen sich die Trillerchen an unser Ohr. 
Und doch, wenn ich das muntere, possirliche Wesen des Rothkehl- 



187 

chens mit seinem traurigen Liede vergleiche, muss ich immer an 
jenen Komiker auf dem Theater denken, der sich aus Melancholie 
erhängte. Wenn auch dieser Vergleich nicht ganz genau passt, so 
ist es doch einer von jenen, für die ich stets eine Vorliebe gehegt 
habe; und, wie Du weisst, theurer Freund, kann ich mich in mancher 
Beziehung von oft unmotivirten Vorurtheilen nicht ganz lossagen. 

Eine einzelne Spechtmeise (Sitta caesia M.) will indess keine 
Siesta feiern. Sie hat eine vorjährige Haselnuss im Laube gefunden, 
welche sie nun zwitschernd in einem Astwinkel fest zu klemmen sucht, 
um dieselbe dann mit gewichtigen Schnabelhieben zu zertrümmern. 
Aber immer wieder schnellt die tückische Frucht aus der Zweiggabel 
hervor, und immer wieder wird sie von dem emsigen und leise vor 
sich hin zwitschernden Vögelchen aus dem Moose aufgelesen, um das 
eben Missglückte von neuem zu wiederholen. Unterdess hat der Ei- 
frigen ein Eichhörnchen von oben mit philosophischer Ruhe zugesehen. 
„Ich kann's besser," mag's bei sich gedacht haben, steigt bedächtig 
von Zweig zu Zweig abwärts, setzt sich ein Weilchen dem arbeiten- 
den Vogel gegenüber und nimmt ihm dann in aller Gemüthsruhe die 
Nuss weg. Die Schalen knacken und fallen zu Boden, und die Specht- 
meise, welche jetzt erst von ihrer starren Verwunderung zu sich sel- 
ber gekommen ist, fliegt unwillig hinweg. 

Die Vögel schlafen alle bei nahe an 30° über Null nach Reau- 
mur. Der Wald ist still wie eine Kirche, dass man fast die Harz- 
tropfen von den Kiefern fallen hört. Den Blumen steht es wie ein 
Schweiss im Antlitze. Träge und lässig summt eine grosse Hummel 
herbei. Sie kriecht auf einem rothen Busche wilden Thymians (Thy- 
mus serpillum) umher. Jetzt erhebt sie sich schwer und fliegt sum- 
mend über den Huflattich unten fort in den Wald, in dieser athem- 
losen Stille dasselbe Ereigniss, wie ein rollender Wagen auf belebter 
Strasse. Ganz aus der Ferne tönt das Hämmern eines fleissigen Spech- 
tes in abgemessenen Pausen, als wäre es der Pulsschlag der Natur, 
den man bei der tiefen Stille rings umher hören könnte. Dazwischen 
murmelt unten der Quell unwillig über den kleinsten Stein, der ihm 
sein langsames Fortkommen noch beschwerlicher macht. Eine Man- 
delkrähe (Coracias garrula L.) steigt aus dem Astloche der alten 
Eiche drüben empor, ihre Brut für kurze Zeit im Stiche* lassend, um 
dem Magen sein Recht zu geben. Mit einem leisen „Schäck, tack" 
fliegt sie hastig davon. Wieder Alles stille. Aus den einzelnen Kie- 



188 

fern rechter Hand sinkt ein dürrer Zweig zu Boden. Ich fühle, dass 
meine Augenlider immer schwerer werden, und endlich fallen sie 
ganz zu. 

Mir träumte von einer mächtigen Hand, welche der Erde lieb- 
kosend über das Antlitz führe, dass es von den Bergen und aus den 
Waldwipfeln rauschte. Wie lange ich mochte geschlafen haben, weiss 
ich nicht. Als ich aber erwachte, rauschte es noch immer fort. Das 
kam jedoch von einem Regen, der in wenigen schweren Tropfen 
herab sank. Eine einzelne Wolke mochte zu ihrem Vorbeidefiliren 
etwa eine Viertelstunde gebraucht haben, wie man aus dem nicht 
allzu nassen Rasen erkennen konnte. Wahrhaftig sie war einer Hand 
nicht eben unähnlich gebildet, und mir schien es einen Augenblick 
fast, als winke die abziehende mir noch einen Gruss zu. Indess wird 
sie das wohl nicht gethan haben. 

Aber wie nach dem Regen plötzlich überall und üppig Grün aus 
der noch eben todtbleichen Wüste hervorschiesst , so hatte auch hier 
das kühle Element erfrischend die Hitze -gelähmten Vogelzungen ge- 
löst, und aus der öden Stille ringsum flatterten jetzt überall und üp- 
pig lustige Lieder empor. 

Rothkehlchen und Fitis sangen lauter und länger. ; Die Garten- 
grasmücke (Currucca Briss. hortensis Gin.) sass auf einer jungen Buche, 
bald hoch aufjauchzend vor Lust, bald in rollenden Passagen mit dem 
munterer gewordenen Quellchen unten um die Wette murmelnd. Da- 
zwischen schmetterte der Plattmönch (Currucca Briss. atricap. L.), dass 
es fast wie Waldhornfanfaren klang. Ein Sprachmeister (Hypolais 
Brehm. salicariaJ5p.) förderte ein ganzes Fricassee von Gesängen zu Tage, 
über welches er seine eigene Sauce gegossen. Da hatte er bald am 
Plattmönch, bald am Stieglitz oder Goldammer ein Plagiat begangen. 

Hoch oben in den Kronen der mächtigen Kiefern schlug eine 
Zippdrossel (Turdus musicus L.), welche mit ihrer schallenden Stimme 
das für das weite Terrain der Waldwipfel sein muss, was die Nach- 
tigall für die engere Welt der Büsche und Sträucher ist. 

Nicht weit von ihr sass der grosse Würger (Lan. Excub. L.), 
mit dem Schwänze fechtend, und vergnüglich sich Eins pfeifend, da- 
bei sein musikalisches Talent durch getreue Nachahmung der unme- 
lodischen Töne des Sensenschleifers missbrauchend, „Schring, schräng! 
schring, schränk!" hatte er es von den Arbeitern auf der Wiese 
gehört und getreulich behalten. 



189 

Der Zaunkönig sitzt auf einem alten Baumstumpfen, hebt sich 
und sein Schwänzchen möglichst hoch in die Höhe und sucht durch 
eine möglichst laute Stimme seiner kleinen Person Geltung unter den 
übrigen Sängern zu verschaffen, von denen er durchaus keiner der 
schlechtesten ist. Er trillert trotz einem Kanarienvogel, wenn man 
auch auf dem dunklen Stamme kaum die Stelle zu finden weiss, wo 
diese Töne herkommen. 

Anthus arboreus Bechst. flattert weiter unten über die, von jenem 
Quellchen gebildete Waldschlucht hin und her, und sein Lied, das 
erst so fröhlich und schmetternd hervorbrach, verliert sich gegen das 
Ende ritardando in einzelnen und denselben Tönen, welche wie Tro- 
pfen herauskommen und verschwinden. 

Drüben aus den Windhalmen, mit jungen Birken vermischt, zirpt 
und schwirrt es monoton, ohne eine Hebung und Senkung in den 
Sätzen, und ebenso klingt es rings um mich herum — wer soll da 
unterscheiden, was Heimchen oder was der Heuschreckenrohrsänger 
ist? Aber ich mag gar nicht genauer hinhören, sonst werde ich 
den Ton nicht wieder los, der sich einem in der Seele festsetzen kann, 
wie die sogenannte Todtenuhr im alten Holze, dass man aus seinem 
innersten Innern heraus dieses monotone Schwirren zu. vernehmen 
glaubt. Indessen zum ganzen grossen Waldconcert stimmt dasselbe 
doch nicht so übel und gibt ihm einen eigenthümlichen Reiz, be- 
sonders wenn der grüne Laubsänger (Phyllopneuste M. sibilatrix 
Bechst.) das Klirren noch verstärkt. . Auch dieser Vogel hat wie 
Anthus arboreus die Gewohnheit, seinen Gesang von Zweig zu Zweig 
flatternd, in der Luft hören zu lassen, so dass derselbe förmlich einen 
räumlichen Anfang und ein räumliches Ende hat: von jenem Strauch 
zu diesem Aste. 

Pirol (Oriolus galbula L.) und Kuckuck sind von verschiedenen 
Seiten aus der Ferne, und durch das leise Waldrauschen gedämpft, 
zu vernehmen. Schön und voll klingt aber dennoch jeder einzelne 
Ton. Da ist kein Pfeifen oder Zwitschern, es liegt schon etwas von 
der Stimme des Menschen darin, die doch kein Instrument und keine 
Vogelkehle ganz erreichen kann. , 

Wie ein lebendiges Metronom sitzt der Tannenlaubvogel (Ph. 
rufa Vieill.) oben über dem Krähenneste in der Birke. „Tilm, telm, 
tilm, telm!" wägt er den Rhythmus des ganzen Waldconcertes herüber 



190 

und hinüber, und nichts bringt ihn aus seinem gleichförmigen Takte. 
Wahrlich, ein geborenes Dirigententalent! 

Die Sonnenstrahlen färben sich indessen röther und röther, und 
der Duft der weissen Piatanthera bifolia wird immer stärker. Die 
Goldammer ist von der Erde aufgeflogen und sitzt auf einer jungen 
Birke, Schwanz und Flügel träumerisch herabhängen lassend. Leise 
und schnell folgen ihre einzelnen kurzen Strophen auf einander. Sie 
singt ganz in sich verloren fort, unbekümmert darum, dass ein Vogel 
nach dem andern aus ihrer Umgebung allmälig verstummt. Mit den 
Heimchen und dem Heuschreckenrohrsänger (Locustella Gould. locu- 
stella Penn.) ist sie die letzte. In den Bäumen rauscht es stossweise, 
Tropfen sinken von Blatt zu Blatt auf das welke Laub des Bodens. 
Auch die Goldammer schweigt allmälig. Nur Heimchen und Rohr- 
sänger zirpen noch fort, aber auch leiser. Die Sonne ist unterge- 
gangen, und der Wind schweigt. Hin und wieder blitzt schon ein 
Sternchen und alle Wälder ruhen nun. 

A. Hansmann. 



Nieder-Saaten bei Schwedt a. d. Oder, Septbr. 1854. 

Gestern Abend ging ich auf den Bergen längs der Oder spa- 
zieren. Es wehte eine frische schöne Herbstluft, die stets im Stande 
ist, mich mehr auf- und anzuregen, als die des Frühlings, wenn 
letztere auch alle möglichen 'Flieder- und Maiglöckchen -Düfte mit 
sich führt. Der Mai hat mehr Talent, aber der September mehr 
Charakter, und die stille Zierlichkeit, welche in lichten, zarten Früh- 
lingsblumen und in schimmernden Hochzeitskleidern der Vögel liegt, 
überwiegt bei mir nicht die herbe Pracht meilenweit roth gefärbter 
Waldungen, zwischen deren Stämmen blasse Nebel schleichen, und 
über deren Wipfel hinweg stolze, höhnische Wolken segeln. 

Die Sonne sank bald hinter die Berge, aber lange noch stand 
das Abendroth am Himmel in Streifen von so eigentümlicher Stel- 
lung und Zeichnung, als hätte sie ein Maler als fliegende darstellen 
wollen. Ich weiss nicht, ob ich mich verständlich ausgedrückt, doch 
wird dies schwerlich besser geschehen können. Derjenige, welcher 
diese Abendrothformation selbst schon beobachtet, wird mich gewiss 
verstehen. Für Andere, die dies nicht haben, streift es überhaupt 






191 

fast an das Unmögliche, eine besondere Wolkenstellung und Luft- 
färbung hinreichend zu beschreiben. Das vermag nur der Pinsel, und 
auch der darf von keiner unbedeutenden Hand geführt werden. 

Ueber der Oder und den angrenzenden Wiesen stand bereits 
Nebel, der von dort aus seine Wolken immer weiter landeinwärts 
wälzte.' Die Dunkelheit nahm schnell zu, und eine gänzliche Wind- 
stille war eingetreten. Unten im Dorfe hörte man ab und zu ein 
kurzes Hundegebell, einzelne lautere Worte, und das Klappen der 
Hausthüren. Hin und wieder bohrten sich erleuchtete Fenster in die 
anbrechende Nacht, oft einen zitternden langen Streifen über das 
dunkle Wasser der Oder hinauswerfend. 

Mein Weg führte mich an der Kirche vorbei, welche, von ihrem 
Friedhofe umgeben, über dem Strome auf einem Berge liegt, der 
ziemlich senkrecht aus den Wogen aufsteigt. Der Nebel war auch 
hier geschäftig und hängte lange, weisse, Falten schlagende Talare 
hinten an die Grabkreuze, so dass er, die unbeweglichen mit seiner 
flatternden Draperie in Verbindung bringend, diese wie in einer 
Procession wandelnd erscheinen liess. Durch zwei sich gegenüber- 
liegende Fenster der Kirche konnte ich durch diese hindurch das 
letzte blasse Gelb über den uck ermärkischen Hügelreihen stehen sehen. 

An einem Maulbeerbaum gelehnt, schaute ich auf den Strom 
hinab, dessen Wogen von Nebel rauchten und zu kochen schienen. 

Um mich Gräber vom fallenden Laube bedeckt, unter mir ein 
Dorf mit erleuchteten Fenstern, und über mich fort zogen die wilden 
Enten, unsichtbar, und nur durch einen leisen Ruf und durch die 
pfeifenden Schwingen ihr Dasein oben in der Luft verrathend. 

Fallendes Laub und wandernde Vögel, Gräber und die Woh- 
nungen vom Tagewerke ausruhender Menschen — Tod und Leben, 
wie nahe bei einander! 

Aber nicht, um dergleichen alltägliche Reflexionen zu machen, 
ging ich auf jenen Kirchhof, sondern um von diesem bequemen Punkte 
aus möglichst viele wandernde Wasservögel in der Stille einer herein- 
brechenden Herbstnacht beobachten zu können. 

Zuerst kamen drei Reiher, in wunderlichen Tönen schwatzend 
und sich laut etwas erzählend, als wären drei Bässe oben in der 
Luft aufgehängt, über deren Saiten ein kräftiger Wind auf- und ab- 
wärts fingerte. Wahrhaftig, eine schnurrige Aeolsharfe im Vergleiche 
mit denen, welche etwa ein romantisch gesinntes Fräulein, oder ein 



192 

kunst- und verschönerungssüchtiger Dorfschulmeister zwischen blühen- 
den Obstbäumen aufgehängt haben mögen! 

Der eine der drei langbeinigen Herren musste sich dem gegen- 
überliegenden Ufer zugewandt haben, denn ein lauter Ruf, ähnlich 
wie der Name des Vogels selbst klingend, sollte Ersterem dies von 
Seiten seiner, den alten Strich haltenden Kameraden bemerklich 
machen. Jedoch schien sich derselbe nicht daran kehren zu wollen; 
denn immer ferner und schwächer schallte seine Stimme von drüben 
her, vielleicht die Zurückgebliebenen zum Einschlagen einer gleichen 
Richtung auffordernd. Diese mochten indess keine Lust dazu haben, 
und machten laut ihre Bemerkungen über ein solches Betragen in oben 
geschilderten lieblichen Tönen. Aber auch diese verschlang bald die 
Ferne und das leise Murmeln der Stromwellen. 

Darauf liess sich ein Trupp Märzenten (Anas Boschas L.) ver- 
nehmen. Der alte Erpel voran begleitete den Rhythmus der pfeifen- 
den Schwingen mit seinem taktirenden „Päckpack, päckpack, päckpack," 
welches unten aus einer stillen Uferbucht her mit dem lauten: „Pack, 
pack, päckpäckpäck" einer sich einsam fühlenden Ente beantwortet 
wurde. Indess spürte der krausschwänzige Herr bei sich durch- 
aus keine galante Regung, dieser weiblichen Aufforderung Genüge 
zu leisten, sondern zog, taub für jede derartige Verführung, ruhig 
fürbas. Wer weiss, ob derselbe um die Zeit, wo die Knospen der 
Rothbuchen aufbrechen, ebenso würde gehandelt haben? — 

Von ferne höre ich eine Heerschnepfe (Scolopax Gallinago L.) 
kommen. Mit ihrem heiseren Rufe, gleich dem Wetzen eines Taschen- 
messers, nähert sie sich mir immer mehr. Jetzt muss sie dicht bei 
mir über den Maulbeerbäumen des Kirchhofs sein. Da meldet sich 
wieder eine aus derselben Richtung und Entfernung, aus der ich 
jene vernommen. Jetzt ist die erste über mir fort, und der Ruf der 
zweiten vollkommen deutlich geworden. Horch! wieder von rechts 
kann ich jetzt sogar in der Ferne zwei Becassinen zugleich hören. 
Die erste ist fort, die zweite schwebt schon über dem Dorfe und 
die beiden letzten streichen dicht über den Bäumen dahin. Sie schei- 
nen sich nicht von einander trennen zu wollen, denn ihr wechsel- 
seitiger Anruf folgt schnell und lebhaft auf einander. 

Auch diese Stimmen sind bald verhallt, und Alles ist wieder 
still geworden. Einzelne Blätter sinken von den Maulbeerbäumen 
und rauschen auf das unten bereits liegende, welke Laub aufschlagend. 



193 

Die hellsten Sterne strahlten durch den Nebel. 

Mit mächtigen Schwingen gleitet ein grosser Vogel dicht über 
mir hin, gespensterhaft in den bleichen Dunst gehüllt, der in der 
Laune eines Kobolds mit den Umrissen der nächsten Gegenstände 
spielt, denselben dadurch eine beliebige wunderliche Form gebend. 
Ich höre nur die Flügel rauschen, sonst aber weiter nichts. Gewiss 
ist es eine Rohrdommel, denn ein Reiher würde jedenfalls mehr spec- 
takeln. 

Das ist aber Alles ein verteufelt zahmes Geklinge ! wirst Du mir 
mit Recht sagen, Werthgeschätztester. Wo bleiben da die rauschenden 
Schaaren wilder Gänse und Kraniche, wo höre ich da unsichtbare 
Trupps infernalisch lärmender und wie die Hölle lachender Ohreulen 
zum Brausen der an einander geschlagenen hohen Pappeln und zum 
Klirren sturmgerüttelter Kirchthurmglocken — wo bleibt da mit 
Einem Worte der ganze schauerliche Spuk des wilden Jägers, mit 
dem sich jeder alte Förster früher will auf Du und Du gestanden 
haben? 

Sachte, sachte, lieber Freund. Das ist Alles der jetzigen Auf- 
klärung gewichen. Habe ich doch einmal in einer gelehrten Abhand- 
lung, welche dem Jahresberichte eines Berliner Gymnasiums voran- 
gedruckt war, gelesen, dass der wilde Jäger eigentlich nichts, als die 
Frau Holle, also ein altes Weib gewesen sei. Alopex, pax, pux 
sagt die schulmeisterliche Weisheit, und unser guter Meister Reinecke 
ist fertig. Auf diese Art lässt sich aus einem Ochsen schon ein Esel 
machen, und lucus kommt a non lucendo. 

Aber warum wieder diese Philippica? Musst Du denn immer 
gleich mit Deinem groben Sarkasmus bei der Hand sein? Nun, ich 
will ja schweigen, Theuerster. 

An meinen Maulbeerbaum gelehnt, horche ich aber doch noch, 
ob kein wilder Jäger kommen will. 

Ein wanderndes Dreieck von Schneegänsen (Anser cinereus M. 
u. W.) zieht nicht allzu hoch durch die stille Nacht. Jeder einzelne 
Ruf lässt sich deutlich unterscheiden, alte Männchen im heiseren Bass, 
jüngere Vögel in höheren Falsettönen. Die luftige Kette scheint zer- 
rissen zu sein, denn ich vernehme jetzt von verschiedenen Seiten 
ihre Stimmen. Bald sind sie indess wieder zusammen, gewiss von 
einem alten zähen Gänseriche, als patriarchalischem Oberhaupte, zur 
Ordnung gebracht. 

Naumannia. 1855. 1 3 



194 

Lass Dir rathen, Freund, und wenn Du je einmal mit gespann- 
tem Hahne eine Kette Schneegänse überraschen solltest, schiesse nur 
nicht in der Hitze gleich die Vordersten hinweg. Du müsstest es 
denn auf deren Balg, ich will sagen Leder, abgesehen haben, sonst 
sind sie zu weiter nichts nütz, und Du hast Dich einen Tag lang 
umsonst mit Deiner schweren Jagdtrophäe geschleppt. Ein einzelner 
Wasserläufer — ich glaube, es muss Totanus Bechst. glottis L. sein 
— fliegt in der Ferne von einer überschwemmten Uferstelle laut pfei- 
fend in die Höhe. Aber bald fällt er wieder auf seinen alten Platz 
zurück. 

Ein Paar Kriekenten (Anas Crecca L.) ziehen vorüber, jedoch 
ohne Geräusch der Schwingen, nur durch ihr einzelnes „Kriek, kriek!" 
bemerkbar. 

Von ferne höre ich's jetzt: „Tut, tut! — Tut, tut, tut!" in schö- 
nen vollen Flötentönen. Näher kommt es. Nun ist's über mir. Ein- 
zelne Individuen kann ich an ihren Stimmen unterscheiden. Aber 
bald klingt es schwächer. Noch ein ganz schwaches, mit grosser An- 
spannung vernommenes „Tut", und Alles ist wieder still, stille wie auf 
einem Kirchhofe, und zwar diesmal nicht etwa bloss vergleichsweise. 
Das war der Goldregenpfeifer (Charadrius auratus. Suckow.) Ich 
kenne ihn wohl. Wie oft, wie oft habe ich nicht schon als Knabe 
seinen melodischen Ruf oben über unserer guten Stadt Berlin gehört, 
später, als gewöhnlich Regel, von einem Besuche der mütterlichen 
Tante heimkehrend. Ich habe mich immer über meine fröhlichen 
Wandervögel gefreut, die mir noch in stiller Nacht und oben aus 
dunkler Luft von meinen rauschenden Wäldern und Horizont-begrenz- 
ten Feldern einen Freimaurergruss bringen mussten, den Niemand 
von dem trägen Volke, das etwa noch auf der Strasse war, ver- 
stehen konnte. O, wie stolz war ich in solchen Momenten über meine 
wild gewachsene Ornithologie! 

Und auch noch in späteren Jahren, wann ich nach Hause ging 
aus einer steifen Gesellschaft, wo ich in Frack und weisser Halsbinde 
hinter dem Stuhle einer steifen jungen Dame hatte stehen müssen, 
dieselbe mit artigen Abgeschmacktheiten unterhaltend und gleichsam 
fütternd, und ich unterwegs stille über manches Erlebte bei mir nach- 
dachte — da pfiffen sie wieder oben über mir, die freien Wander- 
vögel. Alle Wonneschauer einer frischen Herbstluft überkamen mich 
plötzlich wieder. Aber ich konnte nicht, wie manchmal früher, hin- 



195 

ausstürmen in die Haide, und mein Doppelgewehr im Arme, „ein 
Wort mit d'rein reden in die Schöpfung des Herrn." Das Herz 
wurde mir zu eng und zu weit, und den verhassten Frack riss ich 
auf, dass die Knöpfe flogen. Nachher konnte ich vor Aufregung wie- 
der nicht einschlafen. Das war das Ende vom Liede. 

Tant de bruit pour une Omelette! — 

Aber einen eigenthümlichen Eindruck muss es doch für Jeden 
machen, der nur einigermassen ornithologische Ohren besitzt, wenn 
er so durch die Zugvögel die Laute einer ungebändigten Natur mitten 
hinein in die laternenhellen , kohlendampfigen Strassen einer grossen 
Stadt tragen hört. Unten hämmert's in Fabriken und erfindenden 
Menschengehirnen, und dicht über ihre Schornsteine weg zieht der 
scheidende Sommer in ein schöneres Land und ruft ihnen seinen 
spöttischen Abschiedsgruss zu. Das Beste dabei ist: sie machen sich 
nichts daraus. — 

Und nun, Freund, will ich schliessen, und zwar Ein für alle 
Mal. Ich sehe schon, es sind mehr Naturschilderungen und subjec<- 
tive Gefühle, als Stimmen der Vögel in meinen Briefen enthalten. 
Aber es gehört doch immer ein Zweig oder ein Stück Rasen, oder 
ein Fetzen blauer Luft zu einem singenden Vogel. Manchmal sind 
diese indess fast zu lang und breit geworden. Aber ein Schelm gibt's 
besser, als er's hat. Interessanter wäre es freilich gewesen, wenn ich, 
wie Du, von Bergen hätte erzählen können, die ihren Schatten über 
das Meer hinauswerfen, und von Abendroth vergoldeten Palmen. So 
aber bleibt meine Schattirung Grau in Grau. Nimm damit fürlieb. 

Dein 

Alfred Hansmann. 



13* 



196 



Nr. 17. 

Versuch einer natürlichen Klassifikation der Vögel. 



Von 



Dr. F. Berge. 



So sehr die Trennungssucht der meisten Zoologen und Botaniker 
getadelt worden ist, so hat sie doch den grossen Nutzen, dass wir 
dadurch in den Stand gesetzt wurden, das Einzelne besser kennen 
zu lernen und in systematischer Beziehung eine bessere Grundlage 
zur Wiedervereinigung und Constatirung derjenigen Abtheilungen zu 
erlangen, welche ein Wif Natürlichkeit Anspruch machendes System 
enthalten muss; denn wir lernen eine complicirte Sache nur dadurch 
genau kennen, dass wir sie in ihre einzelnen Theile zerlegen und 
aus diesen wieder zusammensetzen oder ihren Zusammenhang wenig- 
stens begreifen. So haben wir unsere Kenntniss der thierischen Or- 
ganisation, K des Pflanzenbaues und der Mineralogie erreicht, bei welch' 
letzterer die Chemie an die Stelle der Anatomie tritt. 

In gleicher Weise muss auch, bei der Systematik verfahren werden. 
Wir dürfen keinen einzelnen Theil eines Reichs, nicht eine beliebige 
Klasse, Ordnung oder wie die Abtheilung immer heissen möge, als 
etwas Gesondertes, für sich Bestehendes betrachten, denn es finden 
unter den Thieren wie unter den Pflanzen gewisse Verhältnisse und 
Beziehungen statt, welche auch zwischen den Gliedern der Reiche 
bestehen , d. h. mit anderen Worten : Es ist ein unlogisches und nutz- 
loses Verfahren, die Wirbelthiere einer klassifikatorischen Betrachtung 
zu unterwerfen, ohne auf die wirbellosen Rücksicht zu nehmen oder 
umgekehrt; man kann die Thiere, die Pflanzen oder Mineralien nicht 
in eine systematische Anordnung bringen, ohne die beiden anderen 
Reiche beizuziehen. Noch viel weniger steht uns ein glücklicher, 
bleibender Erfolg in Aussicht, wenn wir glauben, es können unsere 



197 

desfallsigen Versuche sich auf eine Klasse oder Ordnung erstrecken, 
ohne das Ganze zu berücksichtigen. Aber es gibt ? sogar Eintheilungs- 
versuche, welche bei dem gleichen Gegenstande sich nur auf die 
europäischen Formen oder ein noch beschränkteres Gebiet erstrecken. 
Das ist immer verwerflich und wir Deutsche sind in dieser Beziehung 
weit übler daran als die Engländer und Franzosen, weil durch die 
Menge systematischer Arbeiten unsere Ansichten zu sehr getheilt und 
unsere Wahl schwankend gemacht wird, was eben beweist, dass das 
Rechte noch nicht gefunden ist. 

Die ganze Natur ist nach einem einzigen, grossen Plane hervor- 
gebracht worden und diese Hervorbringung beruht auf Gesetzen, 
welche sich uns in zahlreichen Erscheinungen des organischen und 
anorganischen Lebens ankündigen. Kein Theil desselben ist unabhän- 
gig vom Ganzen, und nur indem wir dieses betrachten, lernen wir 
das Einzelne richtig beurtheilen. Es gibt daher für den Botaniker 
und Mineralogen keine andere Anschauungsweise der Natur als für 
den Zoologen und für diesen keine anderen, systematischen Grundsätze 
als für jene beiden. Jeder Körper muss betrachtet werden nach seiner 
Totalität und nach allen seinen Beziehungen, aber stets nach seinem 
Verhältniss zum Ganzen. Wir können daher nicht einmal auf das 
Aeussere allein, ein andermal auf die anatomischen Verhältnisse, ein 
drittesmal auf das chemische Verfahren, auf die Lebensweise u. s. w. 
Rücksicht nehmen. 

Wir haben eigentlich nur zwei Systematiker, welche diesen einen, 
umfassenden Grundgedanken festhielten, Linne und Oken. Alle da- 
zwischen liegenden Klassifikationen, so verdienstvoll sie in Bezug auf 
ihren besondern Gegenstand zum Theil sind, verdienen darum den 
Namen eines natürlichen Systems noch nicht; das eine ist nur natürlicher 
als das andere und alle zusammen sind mehr oder minder wichtige 
Hülfsmittel zur Erkenntniss der Grundsätze, welche uns der Lösung 
der Aufgabe näher bringen können. 

Okens Verwandtschaftstheorie hat viele Anfechtungen erfahren, 
theils mit, theils ohne Grund; mit Unrecht hat man sie die Ausgeburt 
eines Phantasten genannt, mit Recht wirft man ihr die Schaffung 
barbarischer, oft lächerlich klingender Namen, bei welchen er ohne 
Prüfung und Wahl nur der ersten Eingebung folgte, und vielfache 
Inconsequenzen vor, deren Umgehung aber zum Theil nicht in seiner 
Macht lag. Aber das systematische Eintheilungsprinzip , welches es 



198 

in sich schliesst, dieser einzig wahre Grundsatz, wie ihn kein Sy- 
stematiker vor und nach ihm erkannt hat, wird nimmermehr umzu- 
stossen sein. 

Die natürliche Verwandtschaft der Körper ist es am Ende allein, 
in welcher alle anderen Prinzipien zusammenfliessen. Sie ist ja ge- 
gründet auf die Entwicklung der vegetativen und animalen Systeme 
und Organe, welche auf dem Stoffverhältniss und mithin auf der 
chemischen Natur beruht; aus ihr folgt die specielle und Gesammt- 
organisation , welche ihrerseits Habitus und Lebensweise bedingt; was 
könnte mehr verlangt werden? — Welche andere Grundsätze könnten 
durchgreifender, natürlicher sein als eben diese? — Die Oken'schen 
Klassifikationsprinzipien bestimmen Zahl, Form, Rang und Bedeutung 
aller Theile des Systems. Ist er selbst nicht so glücklich gewesen, 
sie mit der von Anfang an versprochenen Consequenz durchzuführen, 
und ist ihm in manchen Punkten ein folgewidriges Verfahren nachzu- 
weisen, so fällt darum die Schuld nicht auf die Sache, sondern f auf 
den, der es hervorgerufen hat. 

Ein natürliches System aufstellen, heisst den Plan deuten, nach 
welchem die Natur hervorgebracht worden, und da kein Theil ausser- 
halb der Grenzen dieses Planes liegen kann, so muss auch ein jeder 
von diesem Gesichtspunkte aus angesehen und kann daher auch bei 
einem ornithologischen System nur von diesen allgemeinen Grund- 
sätzen ausgegangen werden. Die Klasse der Vögel scheint unter den 
Wirbelthieren besonders geeignet, das Verfahren der natürlichen Me- 
thode zu demonstriren und zu unterstützen, und wenn auch das Neue 
im Anfang weniger Anklang findet, so wird doch die Erkenntniss 
des Wahren, die Ueberzeugung von Tag zu Tag zunehmen und die 
Macht der Gewohnheit, welche erst dem Weichen des Alten entge- 
genstand, ihr immer mehr Raum verschaffen. 

Die Verschiedenheiten, welche eine Thierreihe zeigt, beruhen 
offenbar auf den Beziehungen, in welchen, sie zu der, ihr im Range 
vorangehenden, höhern Abtheilung steht. Als letzte Folge der gene- 
tischen, organischen und habituellen Verhältnisse wird durch das 
Affinitätsverhältniss die Zahl der Abtheilungen des Systems bestimmt, 
es wird ihnen ihre Reihenfolge nach der Bedeutung angewiesen, 
welche aus der Vergleichung ihrer Formen entspringt. Handelt es 
sich also darum, die Ordnungen einer Klasse festzustellen, so kann 
solches nur geschehen, indem wir sämmtliche Klassen derjepigen 



199 

Reihe, in welcher die betreffende Klasse steht, zur Richtschnur 
nehmen. 

Die Vögel machen eine .Klasse der Wirbelthiere aus und ihre 
Ordnungen müssen daher den Wirbelthierklassen analog gebildet und 
dabei auf diejenigen Anhaltspunkte vorgesehen werden, von welchen die 
Wirbelthierklassen selbst abhängig sind. Das sind aber die organi- 
schen Massen und die animalen Systeme: 

Wasser, Knochen, 

Erde, Muskeln, 

Luft, Nerven, 

Licht. Sinne. 

Die Fische sind Wasser- und Knochen thiere, die Reptilien Erd- 
oder Muskelthiere, die Vögel Luft- oder Nerven- und die Säugethiere 
Licht- oder Sinnenthiere. 

Da nun die Wissenschaft diese Reihenfolge der oberen Thier- 
klassen längst sanctionirt hat, so kann auch über den Bestand und 
die Aufeinanderfolge der Vogelordnungen kein Zweifel entstehen; 
denn die Vögel zerfallen offenbar in vier grosse Haufen, deren 
Deutung nach den ausgesprochenen Grundsätzen nicht schwer sein 
kann. 

Fisch vögel oder Wasservögel sind die Schwimmvögel, Reptilien- 
oder Erdvögel die Sumpfvögel ; wahre oder Luftvögel sind die Flug- 
vögel und Licht- oder Sinn vögel die Laufvögel, um ihnen eine, den 
übrigen Ordnungen conforme Bezeichnung zu geben. 

Während drei Ordnungen der Klasse je eine Wirbelthierklasse 
darstellen, entspricht die vierte ihrer Klasse selbst und bildet den 
eigentlichen Repräsentanten derselben. Da die Klasse der Vögel 
aber die dritte im Range ist, so muss auch die Ordnung der wahren 
oder Flugvögel ebenfalls die dritte Stelle einnehmen. 

Die Zünfte, als die nächste Theilung der Ordnung, werden auf 
dieselbe Weise gebildet, wie diese. Sie sind das Schema für die 
ersteren, welche folglich als eine Nachbildung der Ordnungen er- 
scheinen. Diese vier Zünfte werden sich nach dem Umstände richten, 
dass eine derselben wieder den eigentlichen Charakter ihrer Ordnung 
vorzugsweise repräsentirt, während die übrigen eine nähere Beziehung 
zu den anderen Ordnungen zeigen. So wird es also wahre Fischvögel, 
reptilienartige, vogelartige und säugethierartige geben, wie es fisch- 
artige, wahre, vogel- und säugethierartige Reptilien vögel, fisch-, rep- 



200 

Hen-, wahre und säugethierartige Flugvögel und fisch-, reptilien-, 
vogelartige und wahre Säugethiervögel gibt. 

Man erkennt daraus deutlich, dass — wie schon oben gesagt — 
Zahl, Bedeutung und Rangstellung nie willkürlich sein können, son- 
dern diese Umstände die Folge des coraparativen Verfahrens der 
natürlichen Methode sind, welche auf dem Affinitätsverhältniss beruht. 
Man erkennt ferner, das ein solches System — den bisherigen Klassi- 
fikationen entgegengesetzt, bei welchen es sich rein um den Inhalt 
der Abtheilungen handelt — die Eigentümlichkeit und den grossen 
Vorzug besitzt, dass es erst die Abtheilungen selbst feststellt und dass 
diese stets stehen bleiben,- wie auch ihr Inhalt, etwa in Folge bessern 
Erkennens oder neuer Entdeckungen, sich ändern möge. 

Ebenso wird man überzeugt, dass die sich für die Vögel erge- 
benden Abtheilungen nicht erst geschaffen zu werden brauchen; sie 
sind längst vorhanden und durch die Anwendung der, auf den Haupt- 
eintheilungsprinzipien basirten, verwandtschaftlichen Verhältnisse oder 
des natürlichen Parallelismus werden die bisherigen Bestrebungen 
der Systematik nicht aufgehoben, sondern nur auf die Gesetzmässigkeit 
zurückgeführt und zu einem geordneten Ganzen vereinigt. 

Wir können uns jetzt schon mit einer übersichtlichen Darstellung 
der Ordnungen und Zünfte befassen; zuvor muss ich jedoch noch 
erinnern, dass ich zur Bezeichnung verschiedener Abtheilungen Be- 
nennungen nöthig habe, mich aber in Beziehung darauf an bereits 
existirende Namen halte oder mich des bereits theilweise Angenommenen, 
wie Lurche statt Reptilien, Sucke statt Säugethiere, bediene. Nur bei 
den wahren Vögeln komme ich wirklich in Verlegenheit um einen 
passenden Ausdruck, weil das blosse Wort Vogel diesen Begriff für 
die übrigen Ordnungen ausschlösse, was nicht angeht, und andere 
vorhandene Benennungen in ihrer bisherigen Anwendung der Wahl 
ein Hinderniss bieten; man möge desshalb hier den neugeschaffenen 
Namen für die Ordnung mit der Nothwendigkeit, die mir geboten war, 
um so mehr entschuldigen , da gegen die übrigen nichts einzuwenden 
sein wird und das Wort Felter nicht ganz ohne Bedeutung ist, da 
ich es aus einer Vergleichnng der Vögel mit den Schmetterlingen 
oder Faltern geschöpft habe. 



201 
Dritte Ordnung der Wirbelthiere: 

Luft- oder Nerventhiere. — Vögel, 

I. Ordnung: Fischvögel ~ Schwimmvögel — Ruche. 

1. Zunft: Wahre Ruche — Alken. 3. Zunft: Felterruche — Möven. 

2. „ Lievenruche — Enten. 4. „ Trappenruche — Scharben. 

IL Ordnung: Lurchvögel — Wadvögel — Lieven. 

1. Zunft: Ruchlieven — Rallen. 3. Zunft: Felterlieven — Kibitze. 

2. „ Wahre Lieven — Schnepfen. 4. „ Trappenlieven — Reiher. 

III. Ordnung: Wahre Vögel — Flugvögel — Felter. 

1. Zunft: Ruchfelter — Atzein. 3. Zunft: Wahre Felter — Sänger. 

2. „ Lievenfelter — Spatzen. 4. „ Trappenfelter — Raben. 

IV. Ordnung: Suckvögel — Laufvögel — Trappen. 

1. Zunft: Ruchtrappen — Hühner. 3. Zunft: Feltertrappen — Aare. 

2. „ Lieventrappen — Geier. 4. „ Wahre Trappen — Strausse. 

Die aufgeführten Zunftnamen entsprechen auch dem seither Ge- 
wohnten und bezeichnen verständlich ihren Inhalt, nur bei den Atzein 
erscheint der Zusatz nöthig, dass darunter die spechtartigen Vögel zu 
verstehen sind. 

Die Beziehungen, welche aus dieser Uebersicht hervorgehen, 
sind so auffallend und handgreiflich, dass ich es unterlasse, sie im 
Einzelnen noch besonders hervorzuheben, denn es ist unmöglich, sie 
zu verkennen. Wir wollen uns desshalb gleich mit der weitern 
Theilung der Zünfte beschäftigen. 

Die nächste systematische Gliederung sind eigentlich die Ge- 
schlechter; auch sie sind eine Nachahmung der Zünfte, von welchen 
die der ersten, zweiten und vierten Ordnung nur in Geschlechter 
zerfallen; bei der dritten aber ist dieses anders. Während nämlich 
die erstgenannten in ihren Geschlechtern nur die vier Zünfte ihrer 
Ordnung zu vertreten haben , wiederholen die Geschlechter der 
dritten Ordnung nicht nur die Zünfte ihrer eigenen, sondern auch 
die aller übrigen Ordnungen, weil diese der Hauptrepräsentant der 
ganzen Klasse ist. Hier treten uns die doppelten Beziehungen der 
innern und äussern Verwandtschaft entgegen, es zerfallen daher die 
Zünfte der wahren Vögel nicht nur in Geschlechter, sondern zuvor 
noch in Familien. Diese nähere Vereinigung in Familien entspringt 
aus der innigen Verwandtschaft, in welcher je vier Geschlechter 



202 

zu £inander stehen; sie ist auch ganz passend und naturgemäss, da 
schon im socialen Leben die Familienverwandtschaft eine engere be- 
zeichnet. Die Sache wird übrigens durch die Anschauung deutlicher 
werden, wobei wir die ganze Eintheilung in ihrer letzten Form 
geben und das Weitere nachfolgen lassen. 

Dritte Klasse: Vögel. 
I. Ordnung: Fischvögel — Ruche. 

1. Zunft: Wahre Ruche — Alken. 

1. Geschlecht: Wahre Alken — Alca. 

2. „ Entenalken — Uria. 

8. „ Mövenalken i*— Colymbus. 

4. „ Scharbenalken — Podiceps. 

2. Zunft: Lievenruche — Enten. 

1. Geschlecht: Alkenenten — Mergus. 

2. „ . Wahre Enten — Anas. 
\ „ 8. „ Mövenenten — Anser. 

4. „ Scharbenenten — Cygnus. 

3. Zunft: Felterruche — Möven. 

1. Geschlecht: Alkenmöven — Puffinus. 

2. „ Entenmöven — Sterna. 

3. „ Wahre Möveü — Larus. 

4. „ Scharbenmöven — Lestris. 

4. Zunft: Trappenruche — Scharben. 

1. Geschlecht: Alkenscharben — Sula. 

2. „■ Entenscharben — Pelecanus. 

3. « „ Mövenscharben — Tachypetes. 

4. „ Wahre Scharben — Carbo. 

II. Ordnung: Lurchvögel — Lieven. 

1. Zunft: Ruchlieven — Rallen. 

1. Geschlecht: Wahre Rallen — Fulica. 

2. „ Schnepfenrallen — Gallinula. 

3. „ Kibitzrallen — Glareola. 

4. „ R&herrallen — Rallus. 

2. Zunft: Wahre Lieven — Schnepfen. 

1. Geschlecht: Rallenschnepfen — Trynga. 

2. „ Wahre Schnepfen — Scolopax. 
8. „ Kibitzschnepfen — Totanus. 

4. „ Reiherschnepfen — Numenius. 






3. Zunft: Felterlieven — Kibit2e. 

1. Geschlecht: Rallenkibitze — Strepsilas. 

2. „ Schnepfenkibitze — Himantopus. 

3. „ Wahre Kibitze — » Charadrius. 

4. „ Reiherkibitze — Cursor. 

4. Zunft: Trappenlieven — Reiher. 

1. Geschlecht: Rallenreiher — Phoenicopterus. 

2. „ Schnepfenreiher — Ibis. 

3. „ Kibitzreiher — Scopus. 

4. „ Wahre Reiher — Ardea. 

III. Ordnung: Wahre Vögel — Felter. 

1. Zunft: Ruchfelter — Atzein. 

I. Familie: Wahre Atzein — Spechte — Alkenatzeln. 

1. Geschlecht: Wahre Spechte — Alcedo. 

2. „ Rackenspechte — Sitta. 

3. „ Schweberspechte — Picumnus. 

4. „ Habsspechte — Picus. 

2. Familie: Spatz enatzel n — Racken «-^ Entenatzeln. 

1. Geschlecht: Spechtracken — Scythrops. 

2. „ Wahre Racken — Coracias. 

3. „ Schweberracken — Merops. 

4. „ Habsracken — Crotophaga. 

3. Familie: Sängeratzeln — Schweber — Mövenatzeln, 

1. Geschlecht: Spechtschweber — Certhia. 

2. „ Rackenschweber — Cynniris. 

3. „ Wahre Schweber — Trochilus. 

4. „ Habsschweber — Nectarinia. 

4. Familie: Rabenatzeln — Habse — Scharb enatz ein. 

1. Geschlecht: Spechthabse — Coccyzus. 

2. „ Rackenhabse — Cuculus. 

3. .„ Schweberhabse — Phoenicophaeus. ♦ 

4. „ Wahre Habse — Centropus. 

2. Zunft: Lievenfelter — Spatzen. 

1. Familie: Atzelspatzen — Meisen — Rallen spatzen. 
1 Geschlecht : Wahre Meisen — Parus. 

2. „ Finkenmeisen — Phytotoma. 

3. „ Ammermeisen — Ploceus. 

4. „ Taubenmeisen — Pipra. 



204 

2. Familie: Wahre Spatzen — Finken — Schnep'fenspatzen. 

1. Geschlecht: Meisenfinken — Spinus. 

2. „ Wahre Finken — Fringilla. 

3. „ Ammerfinken — Loxia. 

4. „ Taubenfinken — Coccothraustes. 

3. Familie: Sängerspatzen — Ammern. — Kibitzspatzen. 

1. Geschlecht: Meisenammern — Tanagra. 

2. „ Finkenammern — Plectrophanes. 

3. „ Wahre Ammern — Emberiza. 

4. „ Taubenammern — Alauda. 

4. Familie: Rabenspatzen — Tauben — Reiherspatzen. 

1. Geschlecht: Meisentauben — Corythaix. 

2. „ Finkentauben — Trogon. 

3. „ Ammertauben — Musophaga. 

4. „ Wahre Tauben — Columba. 

3. Zunft: Wahre Felter — Sänger. 

]. Familie: Atzelsänger — Schwalben — Ruchsänger. 
1". Geschlecht: Wahre Schwalben — Hirundo. 

2. „ Piperschwalben — Cypselus. 

3. „ Sylvienschwalben — Caprimulgus. 

4. „ ' Drosselschwalben — Podargus. 

2. Familie: Spatzensänger — Piper — Lievensänger. 

1. Geschlecht: Schwalbenpiper — Accentor. 

2. „ Wahre Piper — Anthus. 

3. „ Sylvienpiper — Motacilla. 

4. „ Drosselpiper — Cinclus. 

3. Familie: Wahre Säjnger — Sylvien — Feltersänger. 

1. Geschlecht: Schwalbensylvien — Phoenicurus. 

2. „ Pipersylvien — Phyllotus. 

3. B Wahre Sylvien — Sylvia. 

4. „ Drosselsylvien — Salicaria. 

4. Familie Rabensänger — Prossein — Trappensänger. 

1. Geschlecht: Schwalbendrosseln — Muscicapa. 

2. ,„ Piperdrosseln — Todus. 

3. „ Sylviendrosseln — Saxicola. 

4. „ Wahre Drosseln — Turdus. 

4. Zunft: Trappenfelter — Raben. 

1. Familie: Atzelraben — Staare — Hühnerraben. 

1. Geschlecht: Wahre Staare — Sturnus. 

2. „ Würgerstaare — Psaracolius. 

3. „ Papageistaare — Oriolus. 

4. „ Krähenstaare — Epimachus. 



205 

2. Familie: Spatzenraben — Würger — Geierraben. 

1. Geschlecht: Staarenwürger — Barita. 

2. „ Wahre Würger — Lanius. 
8. „ Papagei würger — Ampelis. 
4. „ Krähenwürger — Gracula. 

3. Familie: S-ängerraben — Papageien — Aarraben. 

1. Geschlecht: Staarenpapageien — Bucco. 

2. „ Würgerpapageien — Ramphastos. 

3. , Wahre Papageien — Psittacus. 

4. „ Krähenpapageien — Buceros. 

4. Familie: Wahre Raben — Krähen — Straussenraben. 

1. Geschlecht: Staarenkrähen — Pyrrhocorax. 

2. „ Würger krähen — Garrulus. 

3. „ Papageikrähen — Pica. 

4. „ Wahre Krähen — Corvus. 



F7. Ordnung: Suckvögel — Trappen. 

1. Zunft: Buchtrappen — Hühner. 

1. Geschlecht: Wahre Hühner — Perdix. 

2. „ Geierhühner — Tetrao. 

3. „ Aarhühner — Phasianus. 

4. „ Straussenhühner — Pavo. 

2. Zunft: Lieventrappen — Geier. 

1. Geschlecht: Hühnergeier — Strix. 

2. „ Wahre Geier — Cathartes. 

3. „ Aargeier — Vultur. 

4. „ Straussengeier — Gypaetos. 

3. Zunft: Feltertrappen — Aare. 

1. Geschlecht: Hühneraare — Circus. 

2. „ Geieraare — Buteo. 

3. „ Wahre Aare — Falco. 

4. „ Straussenaare — Aquila. 

4 Zunft: Wahre Trappen — Strausse. 

1. Geschlecht: Hühners trausse — Didus. 

2. „ Geierstrausse — Grus. 

3. „ Aarstrausse — Otis. 

4. - Wahre Strausse — Struthio. 



206 

Aus dieser verwandtschaftlichen Anordnung treten erst die gegen- 
seitigen Verhältnisse recht klar hervor. Die Abtheilungen können 
keine andere Stellung einnehmen, als die ihnen hier angewiesene. 
Was könnte entschiedener sein als der Ausdruck des Fischcharakters, 
wie er den Rüchen zukommt? Ihre oft fast gänzlich fischartige Le- 
bensweise, ihre kurzen Flügel, welche sie häufig wie die Fische 
ihre Flossen gebrauchen, ihre weit nach hinten gerückten Ruder- 
oder Flossenfüsse bestätigen dies aufs vollkommenste; es kann nur 
die Zunft der Alken sein, welche ihre Ordnung beginnt und durch 
welche das eigentlich Fischartige im Vogel dargestellt ist. Unter den 
Lieven entspricht ihnen die erste Zunft, aber man darf dabei nie ver- 
gessen, dass es in allen diesen Fällen die wahren Repräsentanten 
einer Zunft sind, welche diese gegenseitigen Beziehungen* vorzugs- 
weise andeuten, also hier das Geschlecht Fulica, welches durch seine 
Schwimmfähigkeit und die Hautlappen an den Füssen diese Annahme 
hinlänglich rechtfertigt. Die Spechte stehen ihnen in der Ordnung 
der Felter gegenüber: auch ihre Füsse stehen weit hinten, ihre Flügel 
sind kurz, die Alken sind im Schwimmen, die Spechte im Klettern 
geschickter als im Fliegen, und die letztere Bewegungsärt ist nichts 
anderes als ein Schwimmen auf festen Gegenständen. So treten auch 
die Beziehungen in den übrigen Geschlechtern und Familien, wenn 
auch nicht überall mit gleicher Schärfe hervor. Bei den Trappen sind 
es nur die Hühner, welche den Anfang machen können: ihre Flügel 
sind ebenfalls kurz, ihr Flugvermögen schlecht, und ist bei den Lieven 
die Aehnlichkeit in der Lebensweise der Ruche noch durch Schwim- 
men ausgedrückt und dieses bei den Feltern in ein Klettern verwan- 
delt, so ist es hier nur noch ein Scharren. 

-Eben so deutlich ist der Reptilien- oder Lurchcharakter durch 
die Lieven oder Wadvögel bezeichnet. Sie sind, wie jene, an zwei 
Elemente gebunden; es gibt indess viele Reptilien, die ausschliesslich 
im Trockenen leben, aber es gibt auch Sumpfvögel, welche nicht 
in's Wasser gehen. Wir finden die gleiche Lebensweise bei den 
Enten, sie sind daher die lievenartigen Ruche. Unter den Feltern 
und Trappen können ihnen nur die — wenn man so sagen darf — 
unedleren Spatzen und Geier gegenüber gestellt werden. 

Die beiden ersten Zünfte der Flugvögel haben bereits ihre Ver- 
gleichung gefunden; der dritten Zunft, der der wahren Felter ent- 



207 

sprechen in den drei übrigen Ordnungen die Möven, Kibitze und 
Aare. Welche Schwimmvögel wären* auch im Stande, durch das sehr 
entwickelte Flugvermögen den Flugvogel anzudeuten, als die munteren 
Möven mit ihren sanften Farben und ihren gefälligen Formen? — 
Wie gut stehen die Schwalben den Sturmvögeln und die wahren 
Sänger den wahren Möven gegenüber. Gleich triftige Gründe recht- 
fertigen ihren Vergleich mit den lieblichen Charadrinen und den 
edlen Falken. 

Wer wollte die mancherlei Beziehungen verkennen, welche "wir 
zwischen Scharben, Keinem und Raben finden? Schon im gewöhn- 
lichen Leben wurden den ersteren das Rabenartige zugesprochen und 
merkwürdige Uebereinstimmungen liegen selbst in der Lebensweise, 
in ihren Eigenheiten und der Art der Fortpflanzung. Die wahren 
Trappen können nur an der Spitze stehen, da sie den Säugethier- 
charakter am vollständigsten repräsentiren. 

Auch Herr Baldamus dürfte bezüglich seines Aufsatzes „die 
Oologie und die Systematik" im Stande sein, die interessantesten 
Folgerungen an die hier geschilderten Verhältnisse zu knüpfen, denn 
sie sind es offenbar, welche den von ihm ausgesprochenen Ansichten, 
welche allerdings bei der strengern Bestimmung der Geschlechter 
von nicht geringem Nutzen sein können, eine breitere Basis unter- 
schieben. 

Was die innere Verwandtschaft der Ordnungen betrifft, so wird 
sie eben so leicht, ja noch mehr in die Augen springen und die 
Stellung mancher Geschlechter wird nicht verkannt werden, wenn 
man die Verhältnisse, in denen sie stehen und die Bedeutung, welche 
sie auszudrücken haben, berücksichtigt. Es würde aber hier zu um- 
ständlich, zu ermüdend und raumraubend sein, sie in fortlaufender 
Rede hervorzuheben, sie lässt sich zum Theil aus der gegebenen 
Klassifikation selbst ersehen und wird durch die folgende Zusammen- 
stellung noch anschaulicher gemacht werden, aus welcher erhellt, 
dass — man mag diese Parallelen drehen und wenden, wie man 
will — immer dieselben Beziehungen, dieselben Resultate zum Vor- 
schein kommen. 



Wahre Ruche. 
Lievenruche. 
Felterruche. 
Trappenruche. 



208 
Schema für die Zünfte. 



Ruchlieven. 
Wahre Lieven. 
Felterlieven. 
Trappenlieven. 



Ruchfelter. 
Lievenfelter. 
Wahre Felter. 
Trappenfelter. 



Ruchtrappen. 
Lieventrappen. 
Feltertrappen. 
Wahre Trappen. 



Ordnung und Zünfte. 



Ruche. 


Alken. 


Enten. 


Möven. 


Scharben. 


Lieven. 


Rallen. 


Schnepfen 


Kibitze. 


Reiher. 


Felter. 


Atzein. 


Spatzen. 


Sänger. 


Raben. 


Trappen. 


Hühner. 


Geier. 


Aare. 


Strausse. 



Zünfte und Familien. 

Alken. Spechte. Rallen. Meisen. Atzein. Schwalben. Hühner. Slaare. 
Enten. Backen. Schnepfen- Finken. Spatzen. Piper. Geier. Würger. 
Möven. Schweber. Kibitze. Ammern. Sänger. Sylvien. Aare. Papageien. 
Scharben. Habse. Reiher. Tauben. Raben. Drosseln. Strausse. Krähen. 



Familien und Geschlechter. 



Wahre Alken. 


Wahre Rallen. 


Spechte. 


Wahre Hühner. 


Entenalken. 


Schnepfenrallen. 


Racken. 


Geierhühner. 


Mövenalken. 


Kibitzrallen. 


Schweber. 


Aarhühner. 


Scharbenalken. 


Reiherrallen. 


Habse. 


Straussenhühner. 


Alkenenten. 


Rallenschnepfen. 


Meisen. 


Hühnergeier. 


Wahre Enten. 


Wahre Schnepfen. 


Finken. 


Wahre Geier. 


Mövenenten. 


Kibitzschnepfen. 


Ammern. 


Aargeier. 


Scharbenenten. 


Reiherschnepfen. 


Tauben. 


Straussengeier. 


Alkenmöven. 


Rallenkibitze. 


Schwalben. 


Hühneraare. 


Entenmöven. 


Schnepfenkibitze. 


Piper. 


Geieraare. 


Wahre Möven. 


Wahre Kibitze. 


Sylvien. 


Wahre Aare. 


Scharbenmöven. 


Reiherkibitze. 


Drosseln. 


Straussenaare. 


Alkenscharben. 


Rallenreiher. 


Staare. 


Hühnerstrausse. 


Entenscharben. 


Schnepfenreiher. 


Würger. 


Geierstrausse. 


Mövenscharben. 


Kibitzreiher. 


Papageien. 


Aarstrausse. 


Wahre Scharben. 


Wahre Reiher. 


Krähen. 


Wahre Strausse. 



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210 

Es gehört wahrlich eine grosse Befangenheit dazu, aus diesen 
parallel itischen Schematen die tiefe Bedeutung nicht herauszufinden, 
welche das Affinitätssystem darbietet. Ich muss dasselbe für das 
natürliche halten, weil es alle Thatsachen vereinigt, welche bei der 
Klasse der Vögel in Betracht gezogen werden können und weil seine 
Abtheilungen auf durchgreifenden Principien beruhen, welche selbst 
wieder auf einem Grundprincip basirt sind. Da es aber nicht bloss 
todte Form, sondern von einem, auf dem innigsten Wesen der Kör- 
per beruhenden, geistigen Agens durchwebt ist, so kann es auch aus 
der Anschauung allein nicht begriffen, sondern es muss durchdacht und 
im Geiste verarbeitet, mit dem bereits Bestehenden verglichen werden. 
Wer es in dieser Weise aufnimmt, wird von seiner Unfehlbarkeit 
und Gesetzmässigkeit bald überzeugt sein und finden, dass es ein 
zugleich einfacheres nicht geben kann, da es — einmal erkannt — 
dem Gedächtniss nicht mehr verloren geht und seiner Regelmässig- 
keit wegen auch für die praktische Anwendung das tauglichste ist. 

Es ist durch dasselbe auch der Uebelstand einer willkürlichen 
Nomenclatur beseitigt, indem es die genauesten Bestimmungen für 
die Bezeichnung der Geschlechter in der Bedeutung derselben gibt. 
Man wird also — um nur ein Beispiel anzuführen — darnach sagen 
müssen: die Trauerente, die Spiessente; aber nicht der kleine 
Säger, die weisswangige Gans, der schwarze Schwan, sondern die 
kleine Alkenente, die weisswangige Mövenente, die schwarze Schar- 
benente u. s. w. 

Die durch die gegebene Anordnung erzielten Ordnungen, Zünfte, 
Familien und Geschlechter können sich principiell nicht ändern und 
früher oder später werden sie allgemein anerkannt werden müssen; 
was dagegen ihren Inhalt betrifft, so werden wir, je vertrauter wir 
mit dem natürlichen Verfahren werden, um so mehr im Stande sein, 
den Inbegriff oder das Formelle einer jeden Abtheilung richtig zu 
bestimmen, und vielleicht hätte jetzt schon Einiges einen andern Platz 
einnehmen sollen, so z. B. werden die Pelikane und Scharben ihre 
Stelle zu wechseln haben, allein ich habe letztere stehen lassen, weil 
sie als eigentliche Zunftrepräsentanten den Namen der Zunft tragen, 
den man alsdann auf die Pelikane übertragen und den Scharben einen 
andern beilegen müsste. In einigen andern Fällen, wie bei den Ral- 
len und Spechten ist diese Rücksicht bereits aufgegeben worden. 



211 

In Beziehung auf die Geschlechter erkennt man sogleich, dass 
bedeutende Zusammenziehungen nöthig sind, was jedoch gerade eine 
nothwendige Bedingung ist, da ja über die grosse Zersplitterung von 
vielen Seiten geklagt wird und wir in der That auch nahe daran sind, 
früher vereinigte Geschlechter zu besitzen, deren jetzige Auflösung 
fast eben so viele Genera erzeugt hat, als Species vorhanden sind. 
Die hier aufgestellten Geschlechter reichen vollkommen zur Unter- 
bringung aller Hauptformen aus, wenn man nur das rechte Princip 
im Auge hat und sich von den Anhaltspunkten, welche man bis da- 
her im Fuss- und Schnabelbau genommen hat, lossagen kann. Das 
sind auch höchst untergeordnete Dinge und die Natur ist so einseitig 
nicht verfahren, ihr gilt nur die Totalität der Gruppen, aber nicht 
dasjenige als Hauptsache, was allein von den Specialitäten der Nah- 
rungsweise und des Aufenthalts abhängig ist, und in allgemeinem 
Betracht treffen auch diese Verhältnisse mit den Grundsätzen zusam- 
men, welche die vergleichende Eintheilungsweise an die Hand gibt. 
Die Füsse sind jedenfalls noch wichtiger als der Schnabel, dessen 
vielseitige Modifikationen eigentlich nur auf der Scheide beruhen und 
dem Schädelbau häufig nicht einmal entsprechen. Diese Berücksich- 
tigung des Schnabels ist dasselbe, als wenn man die Säugethiere 
nach der Beschaffenheit der Schnauze und der sie bedeckenden Haut 
oder der ihrer Nägel und Klauen, ordnen wollte. Man muss nur 
bedenken, dass die Vögel so wenig als eine andere Thierklasse eine 
fortlaufende Reihe darbieten, sondern mehrere, die wie Strahlen von 
einem Centralpunkt ausgehen und gleichen Werth haben. Es darf 
auch nicht angenommen werden, die vierte oder oberste Ordnung, 
Zunft, Familie oder das Geschlecht sei vollkommener als die erste 
oder unterste; sie sind alle gleich und nehmen nur den Rang ein, 
welcher ihnen durch die verwandtschaftlichen Verhältnisse angewiesen 
ist. Da aber das Verwandtschaftssystem ein Entwicklungssystem ist, 
so muss es seine Reihen oder Abtheilungen stets von unten beginnen, 
weil die Entwicklung der anatomischen Systeme und Organe, welche 
diese Abtheilungen bedingen, in derselben Ordnung erfolgt. 

Der Grundsatz, dass man das Gleichartige überall verbinden zu 
müssen glaubte, hat bei allen Klassifikationsversuchen nachtheilig ge- 
wirkt. In jeder Ordnung, Zunft und Familie müssen entsprechende 
Bildungen zum Vorschein kommen, aber es kann allein von dem 

Grade der Gleichartigkeit abhängen, ob sie eine Zusammenstellung 

14* 



212 

bedingen oder eine mehr oder minder nahe Verwandtschaft, ein gegen- 
seitiges Verhältniss ausdrücken, und darüber kann allein der natürliche 
Parallelismus, als letzte und oberste Instanz, entscheiden. 

Was die Zahl der Geschlechter betrifft, so fällt das Gesetz hie- 
für leicht in die Augen. Jede Ordnung zählt 16 Geschlechter, welche 
die Ordnung der wahren Vögel sämmtlich zu wiederholen hat; sie 
muss mithin 64 Geschlechter umfassen und die Zahl aller Vogelge- 
schlechter beträgt 112. Was aber das Wesen der von mir namhaft 
gemachten Genera anbelangt, so ist dabei durchaus nicht an eine de- 
finitive Geltendmachung zu denken, sondern ich habe aus dem vor- 
handenen Vorrath ein Geschlecht ausgewählt, um zu zeigen, wie 
ungefähr die Anwendung der definirten Grundsätze zu geschehen hat. 
Eine strenge Feststellung derselben konnte nur von einer besondern 
Arbeit erwartet werden; übrigens wird das Gegebene bei einigen 
Zünften bleibend sein, wie bei den Möven und Enten jedenfalls. 

Aber auch für Denjenigen, der ein natürliches System gar nicht 
anerkennt, möchte das aufgestellte genügen, und wer der Existenz 
aller bis jetzt angenommenen oder vorgeschlagenen Geschlechter hul- 
digt und also deren Zahl keinem Gesetz unterworfen glaubt, kann 
sie alle beibehalten; es ist dann weiter nichts zu thun, als die von 
mir bezeichneten Geschlechter zu Sippen zu erheben und die betref- 
fenden Genera der Reihe nach in dieselben aufzunehmen. 

Schliesslich muss ich mich gegen einen möglichen Vorwurf ver- 
wahren, der mir in Folge des schon im Eingang Ausgesprochenen 
gemacht werden könnte, indem ich gesagt habe, eine natürliche Klassi- 
fikation könne sich nicht mit einem einzelnen Theile beschäftigen. 
Ich habe aber eine umfassende Arbeit vor mir, und der gegenwär- 
tige Versuch ist nur ein Beispiel von der .speciellen Anwendung der- 
selben. 



213 



IL Notizen und briefliche Mitteilungen. 



Portugiesisches Idiotikon zur Ornis des westlichen 

Afrikas 

von 

Dr. Carl Bolle. 

Wir entnehmen dem portugiesischen Werke: „Ensaios sobre a 
statistica das possessöes portuguezas na Africa occidental etc." (Ver- 
suche über die Statistik der portugiesischen Besitzungen in West- 
Afrika) von Lopes de Lima ein Verzeichniss dortiger, unter ihrem 
Trivialnamen aufgeführter Vögel. 

a. Vögel von Guinea de Caboverde (den Gegenden am 
Rio grande zwischen Gambia und Sierra Leone gelegen). 

Abutre, Geier. Aguia, Adler (nur im Lande der Mandingos 
und Biafaren). Andorinha, Schwalbe. Azuläo-Cardeal, Car- 
dinal. Colhereira, Löffelreiher. Colibri, (wahrscheinlich eine 
Nectarinia). Coruja, Eule. Estorninho, Staar. Falcäo, Falk. 
Flamengo, Flamingo. Galinha, Huhn. Galinha do matto, 
Perlhuhn. Ganga, ave trombeteira, oiseau de trompette. 
Gar 9a, Reiher. Gerne, ein grosser, hässlicher, mürrischer Vogel, 
von niedrigem Fluge, mit dickem, auf dem Kropf aufliegendem 
Schnabel, ganz schwarz, ausser unten am Schwänze, wo er reiche und 
überaus zarte Federbüschel verbirgt, welche die Franzosen in jenen 
Gegenden aufkaufen, um sie in Europa zu theuern Preisen wieder 
abzusetzen. Ist leicht zu zähmen. (Wahrscheinlich ein Marabout.) 
General, ein niedlicher, melodisch singender Vogel, scharlachroth 
mit Gelb an der Unterseite der Flügel. Gral ha, Krähe. Grou- 
real, Pfauenkranich. Ibis. Jagudy, derselbe Raubvogel, der auf 
Santiago Manoel Lobo heisst. Macarico, eine Art Eisvogel. 
Marreca, wilde Ente, macreuse. — Milhafre, Weihe. Mocho, 
Kauz. — Morcego, Fledermaus (sie!). Paguim. Pato, Ente. 



214 

Papagaio, Papagei. Auf den Bissayo-Inseln und am Rio grande, 
sind grau von Farbe, leicht zu zähmen und sprechen ausserordentlich 
gut. Pelicano, Pelikan. Periquito, kleiner Papagei, Perrüsche. 
Drei Arten, ganz grün, gelb und grün und grün mit blauer Kehle. 
Man bringt sie dazu, gut zu sprechen. Picaflor, Blumensauger, in 
vielen Species. Pica-peixe, Eisvogel. Pomba verde, grüne 
Taube, ausserdem viele andere Taubenarten. Rabeca, Violinvogel. 
Rola, Turteltaube. Secretario, Sekretair. Tordo, Drossel. Tu- 
cano, Tukan und eine grosse Menge von Pardaes, Sperlings-, d. h. 
Fringillenarten. Zahme Enten zuletzt, wahrscheinlich Anas mo- 
schata und Hühner von der allerkleinsten Race, wie man sie auch 
in Angola und Mozambique antrifft, in unbeschreiblichem Ueberfluss. 
Bei Weitem zahlreicher als diese angeführten sind die Arten, welche 
bis jetzt noch namenlos geblieben sind. 

b. Vögel der Inseln St. Thorne* und Principe im Meer- 
busen von Guinea. 

Es gibt daselbst Haushühner im Ueberfluss und auch die Zahl 
der Perlhühner ist sehr gross. Truthühner und Enten zieht man in 
geringerer Menge; doch ist der Markt stets auch mit diesen nach Be- 
darf versehen. Die übrigen daselbst vorkommenden Arten sind 
folgende : 

Abutre, Geier. Albatroz, Albatros. An dorin ha, Schwalbe. 
Codorniz, Wachtel. Coruja, Eule. Corvo, Rabe. Estorninho, 
Staar. Francelho, Thurmfalk. Gaivota, Möve. Garca, Reiher. 
Gaviäo, Sperber. Gralha, Krähe. Macarico, Eisvogel. Melro, 
Amsel. Milhafre, Weihe, Milan. Mocho, Kauz. Pardal, Sper- 
ling. Von diesen gibt es eine reizende Art, wie Kanarienvögel und 
schön singend. Pardella, Puffinus sp. — Der graue Papagei. Pe- 
riquito, d. i. grüne Perrüche. Pica-peixe, eine andere Art Eis- 
vogel, wörtlich: Fischspecht. Tauben verschiedener Art. Rabo de 
junco, Tropikvogel. Rola, Turteltaube. — 

Berlin, 1855. Dr. Carl Bolle. 



215 

Ich glaube nirgends gelesen zu haben, dass sich die Fei dl er che, 
Alauda arvensis, auf Bäume setzt. Dennoch konnte ich es in 
diesem Frühjahre beobachten. Ich wünschte nämlich eine Lerche im 
Frühlingskleide für meine Sammlung zu erlegen, und verfolgte eine 
solche, welche, über eine nachbarliche Mauer fliegend, sich auf unsern 
Grund und Boden niedergelassen hatte. Der Vogel war sehr scheu; 
ich schoss mehrmals aus zu grosser Ferne vergeblich. Ich legte mich 
nun in Hinterhalt hinter ein Getreidefeld. Allein der Vogel merkte 
meine Kriegslist und setzte sich auf den obersten Zweig eines klei- 
nen Mandelbaumes, von wo er meine Bewegungen beobachtete und 
bei dem geringsten Anscheine von Gefahr in das Nachbarfeld nie- 
dertauchte, wo ich ihn wegen der erwähnten Mauer nicht verfolgen 
konnte. Ich schliesse aus den häufigen Flügelschlägen, dass er sich 
auf dem Baume in keiner gewohnten und bequemen Situation befand; 
denn die geringste Bewegung der Zweige liess ihn das Gleichgewicht 
verlieren. L^on Olph-Galliard. 



Es gehört gewiss zu den seltneren Fällen, dass sich die sonst so 
muthigen, dem Menschen gegenüber aber sehr scheuen Raubvögel 
gegen diesen beim Horste zur Wehr setzen. Ich sah dies zu 
meinem Erstaunen in diesem Jahre von einem W. von A. nisus, 
das, über zwei noch unbebrüteten Eiern sitzend, diese durch heftige 
und schnelle Flügelschläge zu vertheidigen suchte und nur nach 
einigem Widerstreben die Flucht ergriff. 

Weniger auffallend mag es sein, dass die Eulen in ihren Brut- 
höhlen sich zu vertheidigen suchen. Eine Strix noctua legte 
sich über ihren in einer Mauerhöhle befindlichen Eiern auf den 
Rücken und streckte mir knapsend die scharfen Fänge entgegen. 

Einen unedlen Tod fand neulich ein M. von F. peregrinus, 
das auf einem Bauerhofe in Laaland seine Fänge in den Rücken 
einer Hausente geschlagen hatte, und da es den schweren Vogel 
weder fortbringen noch seine Fänge sogleich losmachen konnte, von 
den herbeieilenden wüthenden Putern todtgebissen wurde. 

Noch in den letzten Tagen des Mai wurde auf Falster ein 
altes W. von Strix nisoria erlegt, und befindet sich in meiner 
Sammlung. Desgleichen erlegte ich in der ersten Hälfte des Mai 



216 

auf Falster in einer Stunde 10 Stück Parus borealis. Sie hielten 
sich in den höchsten Baumkronen auf, waren sehr scheu und flüchtig 
und offenbar auf dem Zuge begriffen. Die Eierstöcke waren sehr 
zurück; die Hoden noch wenig angeschwollen. Zu gleicher Zeit hatte 
aber Parus palustris bereits Eier. 

N. Kjärbölling. 



1. Die Neigung der Milane, ihren Horst mit Papierab- 
fällen und alten Lumpen auszukleiden, ist so gross, dass sie 
diese Gegenstände oft im ekelhaftesten Zustand auflesen , was die Unter- 
suchung ihres Nestbaues manchmal recht unerquicklich macht. 

Im Mai 1846 liess ich einen Horst des Königsgabel weihs be- 
steigen, der zwei Junge und ein faules Ei enthielt. Erstere sassen 
auf einem Exemplar des ßiberacher „Amts- und Intelligenzblatts." 
Ich nahm das Ei und liess den Jungen ihre Freiheit, vermag dess- 
halb auch nicht anzugeben, ob sie durch diese Leetüre besonders 
intelligent geworden sind. 

Dass Falco milvus und andere Amphibienfresser Kröten ver- 
zehren, ist schon mehrfach in Abrede gezogen worden. Einen Ge- 
genbeweis vermag jedoch ich zu liefern. Am 7. Juli 1849 beobachtete 
ich nämlich durch das Fernrohr einen Gabelweih, der im hohen 
Grase herumspazierte und desshalb meine besondere Aufmerksamkeit 
auf sich gezogen hatte, weil eine mindestens vierhundert Mann hohe 
Abtheilung der eben vom ziemlich entfernten Brutplatz angekomme- 
nen Lachmöven sich gar nicht um seine Anwesenheit zu kümmern 
schien. Der Respect vor ihm war so gering, dass sogar eine Feld- 
lerche mehrmals auf ihn herabstiess, während er seine in Rede 
stehende Mahlzeit hielt. Derselbe war nämlich plötzlich in das seichte 
Wasser des Flüsschens gesprungen, hatte einen braunen Gegenstand 
im Schnabel fortgeführt und tranchirte seitwärts auf dem Fallerstock 
eines Wässerungsgrabens über eine Viertelstunde an diesem kleinen 
Braten. Da ich mir nicht erklären konnte, warum er ihn nicht ganz 
verschluckte, rieth ich auf einen Krebs, ging aber, um mich durch 
Augenschein zu überzeugen, ins Thal, wo ich die Reste leicht fand. 
Aber was für Reste! Auf dem Fallerstock lag so schön, dass der 



217 

beste Präparator sich der Arbeit nicht zu schämen gebraucht hätte, 
die abgebalgte Haut einer Kröte (ßufo calamita), kunstgerecht auf- 
geschlitzt, und selbst die Knochen der Extremitäten (die, wie es sich 
gehört, im Balge gelassen waren), sorgfältig entfleischt. Der Körper 
selbst war verzehrt, das an ihm befindliche Fett und gelbe Laich- 
kügelchen zuvor pünktlich entfernt und mit dem Schnabel ans Ge- 
bälk geschmiert. Es gehört doch ein ziemlicher Grad von Trägheit, 
Feigheit und Unerfahrenheit (der Vogel war ein junger) dazu, eine 
so unangenehme und mühselige Kost beim Ueberfluss reichlicher, 
besserer, nicht einmal schwer zu fangender Beute anzurühren! 

2. Vogelarten, die des Menschen Gesellschaft und 
Werke nicht besonders scheuen, künstliche Behausungen 
zu bereiten, ist etwas Altes. Im Mittelalter bauten die Franzosen 
den Fischreihern hölzerne Bruthütten (Heronieres) an die Flüsse, 
die Nordamerikaner gewöhnten die Purpurschwalben in ausge- 
höhlte Calebassen zu nisten, und stellen den „Blauvögeln" (Sialia 
Wilsonii) Kästen auf, die für verschiedene Paare in Fächer eingetheilt 
sind. Dem Storch setzen wir Räder, seltener viereckige Kästen auf 
die Dachfirste, den Sperlingen, Hausrothschwänzen und Feld- 
röthlingen hängen wir Blumentöpfe (mit vergrössertem Loch im 
Boden, die obere Oeffnung gegen die Wand) unter das Dach. Für 
Meisen, Fliegenfänger u. s. w. sind in Nord-Deutschland eigene 
kleine Brutkästen construirt, die in letzter Zeit öfters öffentlich be- 
sprochen wurden und die ich, da ich nun ein Modell erhalten habe, 
auch hier zu verbreiten hoffe. 

Die Kästen für Staare, hier Staarenhäuschen, in Sachsen Staar- 
mästen genannt, will ich hier besonders hervorheben. Bei uns findet 
man sie im Oberlande und in der Gegend von Gmünd und Aalen. 
Die vielen Staare bei Stuttgart dagegen brüten alle in hohlen Eichen 
und Buchen. Bei uns werden sie nicht zum Zweck des Verspeisens 
der Jungen, sondern aus Pietät, und weil der Bauer ihre Nützlichkeit 
ehrt, aufgehängt. Wenn Junge ausgenommen werden, so geschieht 
es bloss zum Aufziehen. Als ich bei Stuttgart Staarkästen einführen 
wollte, wurden sie nicht von Staaren, wohl aber von den beiden 
Rothschwanzarten bezogen. Ebenso fand ich in Sachsen mehrmals 
in denselben die Nester des Mauerseglers und der weissen Bach- 
stelze. Unsere Staarenhäuschen sind nach Form und Grösse (vier- 



218 

eckig, l l / 2 Fuss hoch, mit geradem Deckel; runde, mit geneigtem 
Dach findet man sehr selten, z. B. im bairischen Tyrol) wie die 
sächsischen beschaffen, ausser dass der Eingang nicht viereckig, seit- 
lich an der vordem Wand ist, sondern stets rund, gebohrt in der 
Mitte sich befindet und mit einem Hölzchen zum Aufsitzen versehen 
ist. In Sachsen sah ich sie nur an Bäumen, bei uns nie an diesen, 
stets an den Hausgiebeln, selten auf den Spitzen hoher, frei aufge- 
stellter und im Winde schwankender Hopfenstangen. In der Schweiz 
(z. B. in den Kantonen Appenzell und St. Gallen) werden sie lie- 
gend so unter dem Dach angebracht, dass der Eingang in demjenigen 
Brett ist, welches sonst den Deckel bildet. Meist sieht nur dies Brett 
unter dem Giebel hervor und der Kasten selbst ist innerhalb des 
Hauses. Die Staare nisten aber auch unter Ziegeldächern und hinter 
Fensterläden sehr gerne, sobald sich die ersten Paare durch künst- 
liche Mittel an die Häuser haben gewöhnen lassen. — Im Mai 1851 
legte meine Schwester einem Staarenpaar zu den eigenen Eiern zwei 
Haussperlingseier in den Kasten. Sie brüteten weiter, warfen 
sogar nach einigen Tagen die ihrigen heraus und hatten Ende Juni 
die Spatzen schon ziemlich gross gezogen. Dies war zwar nicht be- 
sonders verdienstlich, ist aber sehr interessant, da Lottinger (in seinen 
Nachrichten über den Kuckuk, Strassburg 1776) bei anderen Vögeln 
eine Menge ähnlicher Versuche vergeblich anstellte. Aehnlich erging 
es auch Buffon (Vögel, übers, v. Otto, Bd. 20. S. 206 u. ff.). Aus 
Sylvia curruca-Nestern habe ich, beiläufig gesagt, öfters ohne die 
Brut zu stören, Eier gegenseitig umgetauscht. Lanius collurio 
verliess jedoch sein Nest, als ich zu den warmen, schwachbebrüteten 
Eiern ein frisches, also kaltes gebracht hatte. 

Ein Paar Kohlmeisen hatte sich im gleichen Jahre einen eigen- 
thümlichen Brutkasten erwählt und darin zwei Brüten erzogen. Wo 
nämlich die Blitzableiter am hiesigen Schlosse in die Erde gehen, 
sind sie in Mannshöhe mit einer Holzverschaalung versehen. Diese 
besteht nach den drei offenen Seiten aus Brettern, hinten schliesst die 
Mauer an und oben ist ein schiefer Deckel, an dem hinten durch einen 
kleinen Ausschnitt Platz für die Eisenstange gelassen ist. In einem 
solchen Lokal wurde tief unten, fast am Boden gebrütet. Ein ge- 
fährliches Haus! Vor menschlichen Nachstellungen war es übrigens 
ziemlich sicher, denn es steht (nordöstlich) in einem wenig zugäng- 
lichen feuchten Winkel. 



In Ludwigsburg nisteten Feldrothschwänze einmal mitten in 
der (übrigens wegen ihrer Menschenarmuth bekannten) Stadt in einem 
unbenutzten Briefkasten! Unsere katholischen Grabmäler bestehen 
meist aus einem eisernen Kreuz, in dessen Mitte ein sich öffnendes 
Kästchen mit einem Bilde angebracht ist; in einem solchen Schrank 
fand ich bei halbgeöffneter Thüre im Tübinger botanischen Garten 
(der zum Theil aus dem alten Kirchhof besteht) in zwei verschiede- 
nen Jahren Nester vom Hausröthling. Dass auf dem Schwarz- 
wald die Bauern den Thurmfalken Strohkörbe zum Hineinnisten 
aufhängen, in der Meinung, hierdurch die Hühnerhabichte entfernt 
zu halten, berichtet Landbek (Vögel Würtembergs, S. 7). 

R. v. König-Warthausen. 



Was nun unser ornithologisches Clübbchen angeht, gewiss eine 
Erscheinung nur in Duodezformat, so kann ich Deinem Wunsche*) 
desshalb nicht nachkommen, weil es eben durchaus nicht ein wirklicher 
Verein genannt werden kann. Zu einem solchen gehören Statuten, 
Verpflichtungen, Mitglieder etc. Alles fehlt uns. Die ersten fehlen 
gänzlich, die Mitglieder aber sind weder förmlich eingeführt, noch 
verzeichnet.' Es kommt und geht, wer Lust hat. Dass nun Einzelne 
oder auch die Meisten sich regelmässig einfinden, bedingt lediglich 
das lebhafte Interesse an der Sache. Zum Schutze der Vorträge wird 
monatlich ein Präses gewählt, der, ohne steifen Schulzwang auszu- 
üben, jede Störung während derselben zu verhüten sucht, und erst 
am Schlüsse die Debatte, falls sich über den angezogenen Gegenstand 
eine solche führen lässt, darüber eröffnet. Bis jetzt hat uns fast aus- 
schliesslich Herr Hansmann durch seine Vorträge, die eben so sehr 
durch lebendige, ungezwungene Darstellung, als durch die scharfe 
Kenntniss der Sache unser Aller Interesse sehr in Anspruch nahmen, 
erfreut. Ausser den beiden letzten Abenden, an denen er vom reinen 
Standpunkte der Oologie aus eine Systematik versuchte und grössten- 
theils scharf und richtig durchführte, sprach er sonst über die Vögel 
der Mark, ihr Erscheinen und Betragen in den verschiedenen Jahres- 
zeiten vorzugsweise berücksichtigend. Freund Krüper, dessen ge- 



*) Nämlich über die Statuten etc. desselben zu berichten. 



220 

räumiges Zimmer den steten Versammlungsplatz abgibt, kann durch 
Vorzeigen mancher Eier das Interesse des Vortragenden oftmals er- 
höhen. — Ausserdem hat Herr Dr. Bolle uns schon mehrmals Ueber- 
setzungen und Excerpte aus wenig bekannten oder doch nicht leicht 
zugänglichen Schriften vorgelesen, z. B. Aucjibon's Beobachtungen 
über Caprimulg. virginianus und carolinensis u. a., die ich Dir neulich 
übersandt habe.*) Dass sich daran verschiedentliche anziehende Mit- 
theilungen über das Leben und Treiben unsers C. europaeus anschlössen, 
und diese merkwürdige eigenthümliche Gattung der Vögel der Gegen- 
stand einer belehrenden und heitern Unterhaltung wurde, brauche ich 
wohl kaum zu erwähnen. Auch ist das Kapitel der Verfärbung schon 
mehrfach berührt, Gesichtspunkte für Systematik sind vorgetragen und 
dergleichen. So hat der Stoff zu angenehmer und belehrender Unter- 
haltung noch nie gefehlt. Auch manche praktische Sachen wurden 
wiederholt, von diesem und jenem Mitgliede gezeigt, erklärt und dann 
von Allen besprochen; so zeigte Herr Hans mann ein eigentümlich 
construirtes Schlagnetz, Herr Krüper hübsche Nistkästchen, Herr 
Glitsch selbst verfertigte recht bequeme und angemessene Pappschach- 
teln zum Transport von Eiern auf Excursionen eingerichtet etc. Aus- 
serdem beginnen wir uns gegenseitig beim Ausstopfenlernen behülflich 
zu sein. Herr Hansmann brauchte es nur einmal zu sehen, um 
gleich das Gesehene mit Geschick und einigem Glück nachzumachen. 
Herr Dr. Bolle, stud. med. Kutter, Arend werden es dieser Tage 
ernstlich beginnen, wenigstens freue ich mich auf ihren morgigen 
Besuch, wo wir zusammen den ersten Vogel ausstopfen werden. — 
Noch will ich nicht unerwähnt lassen, dass manche unserer Natur- 
freunde interessante lebende Vögel halten; so z. B. Herr Dr. med. 
Tichy (Ines, prakt. Arzt) Turd. saxatilis, cyaneus, Psittacus undulatus 
(Pärchen) nebst mehreren kleineren finkenartigen Ausländern und manche 
andere, Herr Dr. Bolle einige Plectrophanes nivalis, Fr. montium, 
auch linaria, Strix noctua etc. Auch diese gefiederten Lieblinge geben 
oft, wenn auch nicht den Gegenstand für Vorträge, doch für ange- 
nehme Unterhaltung ab. Du siehst aus diesen Andeutungen hoffent- 
lich so ungefähr, was es mit unserem kleinen ornithologischen Clübbchen 
auf sich hat, wie wenig es einerseits ein Recht hat, auf den Namen 
eines förmlichen Vereines Anspruch machen zu dürfen; aber wie in- 

*) Werden im nächsten Hefte gegeben werden. Die Red. 



221 



teressant und belehrend es andrerseits nicht bloss für den ist, der sich 
mit der Ornithologie und Oologie zu befassen anfängt, sondern auch 
Aller Kenntnisse läutert, vervollkommnet, berichtigt. 

Berlin, im März 1855. B. AI tum. 



Berliner Correspondenz. *) 

' Der diesjährige Winter, welcher sich anfangs durch grosse Milde 
auszeichnete, dann aber, etwa Mitte Januar, streng zu werden begann, 
und uns noch jetzt, wenn auch nicht mit Kälte, so doch noch mit 
Schnee heimsucht, hat rücksichtlich des Vorkommens nordischer Sing- 
vögel uns des Interessanten nicht allzuviel gebracht. Seidenschwänze 
gab es gar nicht; Flachsfinken (Fringilla linaria), hier zu Lande 
„Zigeränchen" , auch „Tannenzeisig" genannt, sonst mit unsere ge- 
meinsten Wintergäste, sind ebenfalls ausgeblieben. Nur ein einziges 
hier gefangenes Weibchen ist in meinen Besitz gelangt und ßonst sieht 
man viele, viele Tausende! Ich knüpfe hieran die Bemerkung, dass 
bei diesem niedlichen, kleinen Vogel das überwiegende Vorrücken der 
Weibchen und Jungen gegen Süden, — ein durch zahlreiche Bei- 
spiele erwiesenes Factum, — der grossen Verschiedenheit im Gefieder 
zwischen den Geschlechtern und Altersstufen wegen, vorzugsweise an's 
Licht tritt. Die Jahre, wo die an der Brust herrlich rosenroth ge- 
färbten alten Männchen massenweise bei uns auftreten, sind selten; 
für gewöhnlich bestehen die hierher gelangenden Schwärme aus Weibchen 
und Jüngeren. Vor einiger Zeit sah einer meiner Bekannten einen 
hier erzogenen Bastard vom Kanarienvogel und Flachsfinken, einen 
Vogel, den ich in den Büchern, im Bechstein z. B. mehr theoretisch 
erwähnt als beschrieben gefunden habe. 

Dafür ist die viel seltenere Fringilla montium, von unseren Vogel- 
händlern mit dem äusserst bezeichnenden Namen „Quitter" belegt, auch 
wohl „russischer Hänfling" genannt, den Winter hindurch, vom Beginn 
des Novembers an in kleineren Gesellschaften bei uns gewesen und 
vielfach, wenn auch, ihrer überhaupt geringen Anzahl gemäss, stets 
nur in wenigen Exemplaren gefangen worden. Ich besitze in diesem 



*) Unter diesem Titel sind uns fortgehende Nachrichten über die Beobach- 
tungen und die sonstige Wirksamkeit des Berliner ornithologischen „Clübbchens" 
verheissen worden, von dem wir uns manches Gute versprechen. Die Red. 



222 

Augenblicke zwei bereits vollkommen eingewöhnte Pärchen davon, die 
Männchen mit roth überflogenem Bürzel, die ich im Sommer in einem 
Vogelhause zum Brüten zu bringen versuchen will. Ihr Gesang, den 
sie bis jetzt erst sehr selten hören Hessen, klingt mehr zeisig- als 
hänflingsartig und bewegt sich in langgedehnten, ein wenig heiseren 
Strophen. Ueber ihr Verhalten und ihre Sitten behalte ich mir spätere 
Beobachtungen mitzutheilen vor; denn diese Thierchen scheinen ihrer 
Seltenheit in Deutschland und ihres bescheidenen Kleides wegen bis 
jetzt der Aufmerksamkeit der Liebhaber ziemlich entgangen zu sein.— 
Ende Februar scheinen die „Quitter" auf dem Rückzug begriffen ge- 
wesen zu sein; wenigstens sind im März, so viel ich weiss, keine mehr 
gefangen worden. 

Fringilla spinus , der in geringer Menge bei uns, selbst im Thier- 
garten, vor den Thoren Berlins nistet, aber als Strichvogel unendlich 
zahlreicher ist, blieb Anfangs im Herbst aus; wahrscheinlich des schlecht- 
gerathenen Erlensamens wegen. Im November jedoch stellte er sich 
so häufig wie gewöhnlich ein, um gegen die Mitte des Winters hin 
wieder zu verschwinden. Stieglitze, die bei uns in der unmittelbaren 
Nähe nie, wohl aber schon einzeln, bei Ruppin und Neustadt-Ebers- 
walde, wenige Meilen nördlich von der Hauptstadt sich fortpflanzen, 
sind wie gewöhnlich auf dem Striche im Herbste und zu Winters 
Anfang und zwar diesmal im Ueberfluss erschienen. Fringilla monti- 
fringilla fehlte im Spätherbst und stellte sich erst im Ende Januar 
und Februar ein. Von den Finkenmännchen, die zahlreich bei uns 
überwintern, leben viele beständig in der Stadt selbst, zumal in den 
Vorstädten und auf den Plätzen nahe den Thoren. Vor meiner Woh- 
nung am Leipziger Platz, den englische Gartenanlagen mit Rasen, 
Linden und Akazien füllen, sehe ich ihrer täglich wenigstens ein 
Dutzend unter den Sperlingen umherhüpfen. Ein einziges Weibchen 
ist unter ihnen, aber es ist kein freiwillig hiergebliebenes, sondern von 
mir selbst im November, als die übrigen schon fort waren, also zu 
spät in Freiheit gesetztes. Die Feldsperlinge, die Glogers Beobach- 
tungen zufolge dies in Schlesien noch nicht zu thun scheinen, leben 
in der Mark Brandenburg bereits, wie in Scandinavien, den Winter 
hindurch in den Dörfern und Städten. Man sieht sie, auch ohne 
strenge Kälte, mit den Haussperlingen gemischt, in den Strassen 
Berlins, auf welchen, namentlich auf den Plätzen, wo, wie auf dem 
Gendarmenmarkte etc., Getreide verkauft wird, bei tiefem Schnee 



223 

oder auch schneelosem strengen Frostwetter, die Goldammern schaaren- 
die Haubenlerchen gruppenweise erscheinen. 

Ein seltener Gast war für uns in diesem Winter die Schneeammer, 
die, seit längerer Zeit hier nicht gesehen, die Ebenen der Mark auf 
ihrem Zuge überhaupt eher zu verzneiden als aufzusuchen scheint, denn 
die Anzahl der kälteren Jahreszeiten, in denen sie hier beobachtet 
wurde, ist eine überaus geringe. Diesmal waren sie vom November 
bis Anfang März in einiger Anzahl vorhanden , immer aber noch 
selten, zumal die alten Männchen, für welche die Vogelhändler durch- 
schnittlich den Preis von einem Thaler zu fordern pflegen. 

Auch das Vorkommen der Alauda alpestris, an dem noch Schulz 
in seiner Fauna marchica Zweifel ausspricht, hat sich diesmal als 
Thatsache herausgestellt. Anfang Februar wurden 7 Stück der „rus- 
sischen oder sibirischen Lerche" bei Biesdorf, zwei Meilen östlich von 
Berlin an der Frankfurter Strasse gelegen, gefangen. Schon vorher 
hatte unsre Vogelhändlerin, Frau Bless, zwei ebenfalls in Berlins 
Nachbarschaft ins Garn gegangene schöne Exemplare verkauft. Sie 
versichert mir auch, im verflossenen Winter zwei Stück bekommen 
zu haben. Auch weiss ich durch Herrn Arend, dass dieser vor 
mehreren Jahren bei einem Förster nahe bei Neustadt mehrere dieser 
Vögel im Käfig gesehen hat. In der östlicheren Neumark, aus der es 
uns leider an Nachrichten fehlt, mögen sie sich schon häufiger zeigen. 

Rothkehlchen leben vereinzelt in den grossen Gärten Berlins mit 
Blau-, Kohl- und Sumpfmeisen den ganzen Winter hindurch, und ich 
glaube nicht, dass sie alle aus der Gefangenschaft entkommen sind. 
Ihre Erscheinung ist zu constant. Die Spechtmeisen kommen aus den 
Gärten auf die nahgelegenen Höfe. 

Seit dem 10. März sind auch die Rohrammern wieder hier. Die 
ersten Feldlerchen scheinen des tiefen Schnees wegen, viel später als 
gewöhnlich, erst mit Anfang März eingetroffen zu sein. 

Ich schliesse diese wenigen Zeilen mit der Anführung eines nicht 
unmerkwürdigen Factums; dem nämlich, dass Herr Vicar AI tum, der 
jetzt auf längere Zeit in unseren Mauern weilt, in den ersten Tagen 
des Februars im Invalidenpark einen Picus leuconotus längere Zeit 
ganz in seiner Nähe beobachtet hat. 

Man sieht, die Materialien zu einer wahrhaft gediegenen Fauna 
Marchica beginnen sich langsam, aber sicher anzuhäufen. 

Berlin, den 14. März 1855. Dr. Carl Bolle. 



224 



III. Literarische Anzeigen, Berichte etc. 



13) In dem zoologischen Atlas zu „d'Orbigny, Voyage dans l'Amd- 
rique meridionale" sind die Eier folgender Vögel abgebildet: 



Calharles urubu . . 


t. 


1 


f. 2. 


Muscicapa iclerophrys 


t. 45 f. 3. 




„ aura . . 


B 


1 


. 4. 


Loxia cucullata . 


„ 45 „ 


4. 




Polyborus vulgaris 


» 


1 


„ 5. 


Emberiza malulina . 


, 47 „ 


3. 




„ chimango . 


» 


, 2 


„ 3 u. 4. 


„ gubernatrix 


. 47 „ 


4. 




Turdus rufivenlris 


n 


10 


, l. 


Carduelis trislis . . 


„ 48 „ 


4. (nee 3 





Orpheus calandria 


» 


10 


• 2. a. 


Icterus virescens . 


„ 48 „ 


3. (nee 4 


!) 


Embernagra platensis. 


y> 


22 


„ 3. 


Cassicus solilarius . 


» 4 9 „ 


4. 




Aglaia episcopus . . 


„ 


22 


« 4. 


Icterus pyroplerus . 


• 50 „ 


3. 




Saltalor aurantiirostris 


V 


28 


. 3. 


Fringilla cucullata . 


„ 50 „ 


4. 




„ coerulescens . 


„ 


28 


■ 4. 


Tyrann, melancholicus 


. 51, 


3. 




und 


» 


54 


» 4. 


und 


» 54 „ 


3. 




Tyrannus sulphuralus 


» 


3? 


. 3. 


Pepoaza rixosa . 


„ 5 1 „ 


4. 




und 


„ 


49 


• 3. 


Icterus breviroslris . 


» 52 „ 


4. 




Pepoaza polyglotla . 


n 


39 


» 4. 


„ flavus . . . 


, 52 „ 


5. 




und 


» 


57 


,4. 


Garrulus chrysops . 


. 53 „ 


3. 




Caprimulgus nacunda . 


» 


42 


i. 3. 


„ cyanomelas 


» 53 „ 


4. 




Passerina flava . . 


7) 


43 


„ 3. 


Furnarius rufus . 


r> 56 „ 


3. 




„ nigriceps 


„ 


43 


» 4. 


(Nest 


» 55 „ 


2.) 




Tyrannus savanna 


» 


44 


. 3. 


Anumbius slriaticeps 


» 56 „ 


4. 




Fluvicola iclerophrys . 


» 


44 


i. 4. 


Fluvicola bicolor 


» 57 „ 


3. 





Theobald Krüper. 

14) Tableaux synoptiques de l'ordre des Herons, par S. A.Monseigneur 
Charles - Luden Prince Bonaparte. Extrait des Comptes rendus des 
seances de l'Acade'mie des Sciences, tome XL., seance du 2 avril 1855. 



Tribus I. Urucs 



Tribus II. Ciconiae 



Tribus III. Hygrobatae 



Ordo VI. Herodiones. 

Fam. 1. Gruidae: 1 Subfam. 6 Gen. 15 Spec. 

„ 2. Psophiidae: 1 » 1 „ 3 „ 

„ 3. Sariamidae: 1 „ 1 » 1 „ 

„ 4. Aramidae: 1 „ 1 „ 1 „ 

„ 5. Ciconiidae: 2 „ 9 „ 14 „ 

„ 6. Ardeidae: 1 „ 21 , 100 „ 

„ 7. Cancromidae: 2 „ 2 „ 2 „ 

„ 8. Scopidae: 1 „ 1 „ 1 „ 

9. Euripygidae: 1 „ 1 „ 2 „ 

10. Phoenicopteridae: 1 „ 1 „ 6 „ 

11. Plataleidae: 1 „ 2 „ 8 , 

12. Tantalidae: 3 _ 15 „ 32 






III. Tribus. 



12 Fam. 



1 6 Subfam. 6 1 Gen. 1 8 5 Spec. 



225 



Conspectus herodionum geographicus. 
Ordo VI. Herodiones. 





Irib 


1. Groes. 




Trib. II. 


Ciconiae. 




Trib. III. Hjgrobatae. 




F. 1 


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-' , . 


1 


F. 


5. 


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7. 


8. 


9. 


10. 


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12. 


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Asia . . . 


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3 


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34 


Afrika . . 


5 











3 


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18 





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1 





2 


1 


1 


8 





41 


America. . 


2 


3 


1 


1 


2 





27 


1 








2 


2 


1 


1 


6 


6 


55 


Oceania . . 


1 











3 





30 

















3 


1 


2 


1 


41 


Orbis . . . 


15 


3 


1 


1 

1 


12 


2 


100 


1 


1 


1 


2 


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8 


4 


19 


9 


185 



Baldamus. 



Naumannia. 1855. 



15 



226 



Protokoll 

der neunten Versammlung der deutschen Ornitho- 
logen - Gesellschaft. 



Verzeichniss der Mitglieder der neunten Versammlung der 
deutschen Ornithologen-Gesellschaft zu Braunschweig, 

am 4. 5. 6. 7. Juni 1855. 

Herr Prof. J. H. Blasius aus Braunschweig. 
Dr. Hennecke aus Goslar. 
Hofrath Pannier aus Zerbst. j 
Dr. J. Cabanis aus Berlin. 
Oberamtmann F. Heine aus Halberstadt. 
Forstinspector Wegener aus Magdeburg. 
Gutsbesitzer Kratsah aus Kl. Tauschwitz. 
J. S. W. Brandt aus Hamburg. 
Conservator C. F. Wiepken aus Oldenburg. 
Pastor H. O. J. Wallengren aus Schweden. 
Forstverwalter H. Gadamer aus Schweden. 
Conservator Mev es aus Stockholm. 
Fabrikbesitzer G. H. Kunz aus Leipzig. 
Rentier von Vechelde aus Braunschweig. 
Dr. N. Kjärbölling aus Kopenhagen. 
Amtmann B. Degener Wolferstedt. 
Postsekretär W. A. E. Pralle aus Hannover. 
Baumeister A. Sehring aus Edderitz. 
E. von Bodemeyer aus Schlesien. 
Lieut. Balduin von Münchhausen aus Leitzkau. 
Pastor H. Zander aus Mecklenburg. 
Conservator Moritz Schulz aus Braunschweig. 
Oekonom J. Reinicke aus Kl. Paschleben. 
Baron von Minnigerode aus Halberstadt. 



227 

Herr Hauptmann Kirchhoff aus Nienburg (Hannover). 
„ Einnehmer E. Griesing aus Cöthen. 
„ Fabrikant Fr. Beckmann aus ßraunschweig. 
„ Pfarrer E. Bai dam us aus Diebzig. 



Braunschweig , den 5. Juni. 

Die erste Sitzung der O. -V. wurde heute morgens 9y 2 Uhr im 
Saale des Hotel de Prusse durch den in der gestrigen Vorversamm- 
lung mit grosser Stimmenmehrheit erwählten Vorsitzenden, Hrn. Dr. 
Hennecke, eröffnet. Derselbe dankte für das ihm bewiesene Ver- 
trauen, dem er, bei der nöthigen Nachsicht seitens der Versammlung, 
durch äussere Leitung der Discussion und durch Vermeidung aller 
langen Reden zu entsprechen sich bestreben werde. Prof. Blasius 
hiess darauf in gleichfalls kurzer, aber herzlicher Rede die Versam- 
melten willkommen, und bezeichnete gleichfalls die freie auf Demon- 
stration gestützte Discussion als den Mittelpunkt der Thätigkeit die- 
ser Versammlungen. 

Man ging nun sofort zum ersten Theile der vorher bestimmten 
Tagesordnung, der Kritik der Edclfalken über. Dr. Kjärbölling 
legte eine grosse Anzahl Bälge von F. grönlandicus , islandicus und 
gyrfalco vor, und machte darauf aufmerksam, dass grönl. und island. 
in jedem Lebensalter gut von einander zu unterscheiden seien. Er 
wies an mehren jungen Exemplaren nach, dass grönl. im ersten Jahre 
im Allgemeinen weit dunklere Färbung, grössere weisse Flecke und Nei- 
gung zum Bläulich -Grau zeige, während island. überhaupt und auch 
in der Jugend eine mehr braune Färbung habe. Ferner sei bei grönl. 
auch schon in der Jugend die Mittelzehe standhaft länger als der 
Tarsus, was bei island. nicht der Fall sei. Er sei daher geneigt, beide 
als gute Arten aufrecht zu erhalten. Hingegen halte er gyrfalco nur 
für Racen - Verschiedenheit von islandicus, ähnlich wie Lagopus 
scoticus und albus. 

Blasius. Prof. Schlegel verfahre umgekehrt, indem er gyrfalco 
mit grönland. zusammenziehe. Ihm seien alle drei Falken nur eine 

Species. Um eine gute Art zu begründen, müssen für alle Zustände 

15* 



228 

specifische Eigentümlichkeiten nachweisbar sein; bei diesen Falken 
habe er solche nicht finden können. Mittelgrössen, wenn man auf 
den Grössenunterschied Gewicht lege, seien stets verdächtig, hier seien 
alle Grössenübergänge vorhanden. Die Farbenzoologie sei gleich- 
falls sehr irreführend; er wünsche alle Vögel für einige Zeit schwarz 
gefärbt, dann werde es sich zeigen, wie viele Arten gut seien. Ein 
constanter Unterschied in den plastischen Verhältnissen sei nicht da: 
er müsse demnach, bis dieser nachgewiesen, diese Falken für eine 
in drei constanten Racen vorkommende Art erklären. 

Kjärbölling. Für meine Ansicht spricht ausserdem, dass nach 
brieflichen Mittheilungen des Capt. Holböll in Grönland F. islandicus 
dort gleichfalls, und sogar häufiger vorkommt, als grönland. , ohne 
dass sich beide jemals verpaaren. 

Blasius. Buffon's Paarungskriterium ist ja durchaus ein un- 
sicheres. Wollte und könnte man es consequent anwenden, so 
würden überhaupt kaum 1000 Species stehen bleiben. Weder in der 
Gefangenschaft noch im Freien dürfte man die Arten darnach be- 
stimmen können. 

Heine. Früher hielt man die kleineren Individuen für Männ- 
chen, was sich aber als irrig erwiesen hat. Bonaparte hat neulich 
behauptet, dass island. im Alter ganz ungefleckt vorkomme. Verhält 
es sich so? 

Kjärbölling. Ich kann das allerdings bestätigen. 

Blasius. Auch das beweist Nichts. Wir finden dieselbe Er- 
scheinung bei Lagop. scoticus und albus. 

Zander. Ich kann nur den Charakter von Subspecies oder 
klimatischer Abänderung darin finden. 

Baldamus. Mir scheint vor allen Dingen nöthig, dass wir die 
Begriffe von Species, Subspecies, Race, Varietät etc. feststellen. 
Alle diese Begriffe sind so dehnbar, dass- wir uns zuvor hierüber 
einigen müssen, ehe wir über deren Anwendung in concreten Fällen 
entscheiden können. 

Blasius. Der theoretische Begriff Species ist doch im All- 
gemeinen nicht zu definiren. Er wird für verschiedene Gruppen, 
Ordnungen etc. seine verschiedenen Kriterien beanspruchen. Wir 



m 

müssen vorläufig auch praktisch festhalten, was Species ist, und da 
scheint vor Allem nüthig, dass keine Uebergänge vorhanden sind. 

Meves. Die alten Individuen von gyrfalco im Stockholmer 
Museum sind gänzlich dem island. ähnlich, hingegen sind die jungen 
wahre gyrfalco. Nach Wallengren stehen im Lunder Museum einige 
ungefleckte Individuen, doch ist deren Provenienz unsicher. 

Kjärbölling. Beide Falken, grönland. und island. kommen ja 
im Winter in Schweden vor. Ich habe mehre von dorther erhalten. 
Ich weiss nicht, ob die Stockholmer, die Lunder sind aber jedenfalls 
lauter island. 

Heine. Von den aussereuropäischen Falken stimmt nur F. sub- 
niger mit island. und grönl. besonders überein. Der gyrfalco hat nicht 
so weit herab befiederte Füsse, als jene; er nähert sich schon mehr 
den Würgfalken in dieser Beziehung. 

Kjärbölling. Ich muss ferner noch/erwähnen, dass grönland. 
in Nordamerika als Brutvogel vorkommt, und zwar ziemlich häufig, 
während island. dort niemals brütend beobachtet worden ist. Auch 
im Schnabelverhältniss und dem der Füsse ist zwischen beiden ein 
constanter Unterschied: überzeugen Sie sich, dass island. stets einen 
grössern Schnabel und längere Zehen hat, selbst bei gleich grossen 
und gleich kleinen Individuen beider Arten. 

Dr. C.abanis. In Berlin steht ein sehr weisser Falke aus Sibi- 
rien. Zu welcher Race gehört der? Doch nur zu gyrfalco, und 
damit wäre dann bewiesen, dass auch gyrf. im Alter weiss wird. Es 
ist ein Exemplar .von Pallas. Ich kann mich nur für eine Art ent- 
scheiden. Es ist eine solche Entscheidung; in vielen Fällen freilich 
mehr Gefühlssache, ohne dass man sich eben Rechenschaft darüber 
geben kann. 

Kjärbölling. Ich weiss nur von Skandinavien, dass gyrf. 
dort nie weiss wird, und kann nicht über die* in Sibirien vorkom- 
menden urtheilen. Jedenfalls ist der skandinavische gyrfalco eine 
gute Race von islandicus. 

Heine. Ich sehe nur zwei Arten: norvegicus-gyrfalco ist eine, 
grönland. mit island., klimatische Varietäten, bilden eine andere; gyrf. 
ist standhaft kleiner, hat einen weniger gewölbten Schnabel und ist 
nicht so weit an der Tibia herab befiedert als jene. Er scheint mir 
überall den Würgfalken näher zu stehen, als jenen. 



230 

Kunz. Auf so kleine Differenzen in der Befiederung der Füsse, 
wie die vorliegenden, ist wohl überhaupt wenig Gewicht zu legen. 
Ueberdies sind ja die südlicher lebenden Vögel verschiedener und 
derselben Arten weniger stark befiedert, und die Fussbefiederung, wo 
diese vorhanden ist, weniger herabgehend, als dies bei den Vögeln 
des Nordens stattfindet. 

Blasius. Ich lege Ihnen hier unsere Exemplare vor. Hier ist 
island., und zwar kleiner als dieser unbezweifelte gyrfalco. 

Wallengren. Meiner Ansicht nach ist gyrf. nichts als ein ver- 
kümmerter, über seine primitive Heimath hinausgegangener grönlan- 
dicus: er ist über Sibirien nach Skandinavien gekommen. 

Heine. Wollen Sie bemerken, dass auch bei diesen (Blasiusschen) 
Exemplaren die Tibia viel weniger herab befiedert ist. 

von Bodemeyer. Solche Verschiedenheiten kommen bei 
mehren Vögeln vor und haben wohl kein entscheidendes Moment. 
Ebenso tragen oft Vögel desselben Nestes, bei den Raubvögeln be- 
sonders, eine hellere und dunklere Färbung. 

Blasius. Hier sind noch zwei gyrf., und zwar jüngere Vögel, 
von ziemlich dunkler Färbung. 

Kjärbölling. Gut, legen wir sie jetzt nebeneinander: hier 
sind drei alte Vögel, hier ein junger, hier einige ältere, hier ein ganz 
alter. Bei diesem werden die Füsse schon gelb. Dann: der junge 
Vogel hat keine S]*>ur von Flecken an der äussersten Schwungfeder, hier 
bei den älteren zeigen sich diese Flecke bereits, mein sehr altes 
Exemplar hat deutlich ausgebildete helle Flecke. 

Kunz. Sind diese Exemplare sämmtlich eines Geschlechts? Und 
Schwingenfleckung nicht etwa Geschlechtsunterschied? 

Kjärbölling. Dieselben Unterschiede kommen bei M. und 
W. vor. 

Meves. Die drei als alt bezeichneten gyrfalco — ich habe sie 
untersucht — sind junge Vögel, noch nicht im dritten Jahre; sie 
haben Schwingen und Steuerfedern noch nicht gewechselt; es kom- 
men eben die neuen Federn von hanfgrauer Färbung hervor, wie sie 
der gyrf. unseres Vaterlandes (Schweden) zeigt. 

Blasius. Ich muss, weil hierher gehörig, gleich noch vorläufig 
erwähnen, dass Hr. Prof Schlegel unter den später zu besprechenden 
Einsendungen an unsre Versammlung auch ein „Verzeichniss aller ihm 
bekannten Falken- Arten" gegeben hat. Er zieht, wie schon bemerkt, 



F. istandicus als Race oder Unterart zu candicans (jener in Island, 
dieser im Polzirkel) und trennt gyrfalco (Norwegen, auf dem Zuge in 
Holland und in nördl. Deutschland) als besondrer Art ab. 

Baldamus. Wenn dieser Gegenstand als durchgesprochen an- 
gesehen wird, so möchte ich darauf antragen, eine Abstimmung zu 
Veranlassen: nicht als ob in Dingen der Wissenschaft eine Majorität 
entscheiden könnte, sondern nur um zu sehen, welche Ansicht etwa 
ein Jeder aus der Discussion und der eigenen Untersuchung des 
vorliegenden Materials gewonnen hat. 

Der H. Vorsitzende eröffnet darauf die Debatte über die Frage- 
stellung und schreitet dann zur Abstimmung über die Frage selbst: 
ob F. grönlandicus, islandicus und gyrfalco als eine, zwei 
oder drei Arten, Racen etc. anzusehen seien? Es erklären 
sich für eine Art: 

Brandt, , Degener, 

Wallengren,*) von Bodemeyer, 

Kunz, Wegener, 

Pralle, Hennecke; 

für eine Art, mit constanten Racen: 

Blasius, Baldamus, 

Zander, Cabanis (der über die Racen 

Sehring, noch nicht ganz sicher ist); 

für zwei Arten: 

a. candicans (mit islandicus) und gyrfalco: 

Heine, Schulz, 

Kratsch, (Schlegel);**) 

b. grönlandicus und islandicus (mit gyrfalco): 

Kjärbölling, von Münchhausen. 

Die Uebrigen halten die Sache für noch nicht spruchreif. 

Für die Gruppe der Würgfalken, zu deren Besprechung man 
jetzt überging, war ein nicht so reiches Material zur Hand. Man 

*) Will seine Ansicht inotiviren; s. Beil. N. 1. 
**) S. Beil. N. 2. b. 



232 

beschloss daher, nachdem Prof. Blasius drei F. lanarius (der Samm- 
lung des Coli. Carolinum angehörig), von der Wolga, Wien und dem 
Neusiedlersee provenirend, und einen Feldeggii, aus Dalmatien, vor- 
gelegt, letzterer als gute Art, welche zwischen F. tanypterus und 
lanarius stehe, anerkannt, — auf Antrag des H. Oberamtm. Heine, 
die Untersuchung und Discussion der noch übrigen Grup- 
pen der Falken bis zur nächsten Versammlung zu ver- 
tagen. Prof. Blasius bemerkte noch, dass F. Eleonorae, dessen fast 
sämmtliche in den Sammlungen befindliche Exemplare er gesehen, 
eine gute Art sei; ebenso F. concolor und unicolor des Wiener 
Museums. O. Heine fügte hinzu, dass F. schistaceus Liehst. = 
unicolor Sw., und Dr. Cabanis und Prof. Blasius: dass diese 
langflügelige Art von Temminck unter dem Namen conco- 
lor beschrieben, und von Susemihl als graue Varietät des 
F. concolor abgebildet sei, während Temminck's Abbildung 
des F. concolor die kurzflügelige, F. ardesiacus Veill.,se\. 

Nach dem auf der Vorversammlung gefassten' Beschlüsse war 
für jeden Tag eine Nummer der feststehenden Tagesordnung be- 
stimmt worden, nach deren Erledigung anderweite Vorträge, Mit- 
theilungen etc. Platz greifen sollten. 

Zunächst zeigte Hr. Postsekretär Pralle zwei Eier von Tota- 
nus ochropus vor, welche im Hannoverschen gefunden worden waren. 
Das Nest — ob ein fremdes oder eigenes, war nicht zu ermitteln ge- 
wesen, da Hr. P. es nicht selbst gesehen — befand sich in einer 
Kiefer etwa einen Fuss hoch von dem Boden.*) 

Sodann legte Hr. Prof. Blasius die Eier von S<jolopax 
major vor. Er hat das Nest in der Nähe von Braunschweig auf- 
gefunden und das von den Eiern fliegende W. geschossen, so 
dass über die Authenticität dieser Eier kein Zweifel sein kann. 
Vollständig mit diesen übereinstimmend zeigten sich ein anderes Ei 
dieses Vogels, welches Blasius aus Oldenburg erhalten, und zwei 
dergl., welche Dr. Kjärbölling in Jütland selbst genommen.**) 



*) Die Mehrzahl der Eier dieses Vogels ist in Drosselnestern gefunden wor- 
den, und ist uns eine Zusammenstellung der bisher bekannten Data über die ab- 
weichende Fortpflanzungsgeschichte dieses Wasserläufers für unsere Zeitschrift 
von einem unserer Freunde versprochen worden. Die Red. 

**) Eine Beschreibung derselben bei anderer Gelegenheit. Bai dam us. 



233 

Der Geschäftsführer und Sekretär erhielten darauf das 
Wort zu Ablegung des Geschäfts- und Jahresberichtes. Zunächst 
brachte ersterer einen Gruss von Prof. H. Schlegel in Leyderi, der 
zu seinem wie der Versammelten Bedauern -abgehalten wurde, nach 
ßraunschweig zu kommen, und seine Theilnahme durch Uebersendung 
von sechs schriftlichen Mittheilungen bethätigte. *) 1) Einige Worte 
über meine Theorie der Verfärbung und des Anwachsens der Federn 
bei den Vögeln; 2) Verzeichniss aller mir bekannten Arten der 
Falken; 3) Beobachtungen über die Saat- und weissstirnigen Gänse; 
4) ein Wort über den von Altum beschriebenen Singschwan; 5) 34 
Probetafeln meiner Vögel-Fauna von Niederland; 6) 3 Broschüren: 
a) Ook een wordje over den Dodo (Didus ineptus) en zijne ver- 
wanten. Door H. Schlegel, b) Over de struisachtige vogels (Stru- 
thiones), door H. Schlegel, c) Over den groei en de kleur ver- 
anderingen der vederen van de vogels, door H. Schlegel. (Diese 
drei Broschüren überweist der Herr Verf. der Bibliothek der D. O. G.) 
Ferner hatte Mr. Edm. De Selys Longchamps ein Manuscript: 
„Note sur les vrai Anser d'Europe, adressee au Congres Ornitholo- 
gique Allemand, ä Braunschweig, en juin 1855, par M. de Selys 
Longchamps,"**) eingesendet, Herr Buchhändler Julius Baedecker, 
der, wie sein Herr Vater, leider verhindert war, der Versammlung 
beizuwohnen, liess derselben die 1. Lieferung des prachtvoll ausge- 
statteten, der Gesellschaft dedicirten Eierwerkes seines Herrn Vaters 
vorlegen und der Bibliothek der Gesellschaft überreichen. Die ersten 
8 Tafeln, Imp.-Folio, fanden ungetheilten Beifall; nicht so der Text, 
der, wie es scheint, als Nebensache betrachtet wird.***) 

Von Herrn B. Altum war ein Manuscript nebst einer Tafel 
Blaukehlchen (Cyanecula) f) bezüglich der Verfärbungstheorie 
eingegangen, das später besprochen werden wird. Leider konnte er 
nicht selbst anwesend sein! 

Herr Pastor L. Brehm, dessen Abwesenheit gleichfalls sehr 
beklagt wurde, entbot, wie die eben genannten Herren, der Ver- 



*) S. Beilage Nr. 2. a — f. 

**) S. Beilage Nr. 3. 

***) Wir werden im nächsten Hefte darauf zurückkommen. Die Red. 

f) S. dies Heft p. 16 6. 



2U 

Sammlung seinen Gruss, und hatte eine Kiste Vögel beigefügt, von 
denen weiter unten die Rede sein wird. 

Ferner war ein Brief von Herrn Dr. Hummel aus Ed wählen 
in Kurland mit einem „Verzeichnisse der von ihm in der 
Gegend von Goldingen (in Kurland) nistend und durch- 
ziehend beobachteten Vögel, und einem „Verzeichnisse der 
Vögel Kurlands, nach der Natur gemalt von Herrmann 
Friedrich Wäber, d. G. G. K. *) eingegangen. 

Auch hatte Herr von Homeyer brieflich sein Bedauern aus- 
gedrückt, durch dringende Geschäfte an dem Besuche der Ver- 
sammlung verhindert zu sein, und die Zeit der diesjährigen Ver- 
sammlung als für die Herren Oekonomen sehr unpassend be- 
zeichnet. Auch dieser tüchtige Forscher gehörte zu den schmerzlich 
Vermissten. 

Endlich hatte Herr Major von Zittwitz in Glogau ein Origi- 
nalexemplar des von Altum beschriebenen Schwanes ein- 
gesandt, das mit den oben angeführten Bemerkungen und Abbil- 
dungen Schlegels zu weiterer Besprechung des Gegenstandes Anlass 
gab. (S. weiter unten.) 

Der Jahresbericht weisst — mit Einschluss der mit Beginn 
des Jahres 18 55 / 56 eingetretenen 7 Mitgliedern — 141 ordentliche 
Mitglieder auf, von welchen auf 
Preussen 55 Braunschweig 

Anhalt 16 Hannover 

Herzogth. Sachsen 13 Oldenburg 
Würtemberg 12 Bremen 

Oesterreich 9 Hamburg 

Mecklenburg 6 Frankfurt a/O. 

Königreich Sachsen 6 Bayern 
kommen. 

Den Dank für das Ehrendiplorn hat noch ausgesprochen Dr. Pu- 
cheran in Paris. 



4 


Schweden 


3 


3 


Frankreich 


3 


3 


Dänemark 


1 


1 


Russland 


1 


1 


Holland 


1 


1 


Belgien 


1 


1 







Die noch übrige Zeit bis zum gemeinschaftlichen Mittagsmahle 
wurde der Besichtigung der verschiedenen ausgelegten Werke, Bälge 
und Eier gewidmet, und nach Tische noch die zoologische, speciell 

*) S. Beilage Nr. 4. 



235 

die ornithologische Sammlung des Collegium Carolinum 
unter Führung des Herrn Prof. Blasius besichtigt. Reich an manchen 
seltenen europäischen Vögeln, die weit grösseren Museen fehlen, bietet 
sie . namentlich in den Pallasischen Original -Exemplaren grosses 
Interesse, so dass Herr Blasius gebeten wurde, diese Sammlung zu 
nochmaliger, genauerer Untersuchung zu öffnen. Ein Spaziergang 
zu dem reizenden herzoglichen Lustschlosse Richmond nahm den 
Rest des Abends bis zum wiederum gemeinschaftlichen Abendessen im 
Hotel de Prusse hinweg. 



Die Frühstunden des 6. Juni wurden zum Besuche des herzog- 
lichen Museums verwendet. Hier steht »der Mergus anatarius 
Eimbeck, ein offenbarer, zweifelloser Bastard. Sonst war noch merk- 
würdig ein ausserordentlich kleines aber proportionirtes Exemplar von 
Circus rufus nebst einigen anderen mehr oder weniger seltenen 
Thieren. Leider aber scheinen Motten und Speckkäfer in viele der 
Kästen Eingang gefunden zu haben. So zeigten sich z. B. viele der 
letzteren in dem Pelze des schönen, im Harze geschossenen Luchses. 
Die Sammlung bedarf schleuniger Hülfe, wenn sie nicht ehestens 
gänzlich zu Grunde gehen soll! 

Der Vorsitzende, Herr Dr. Hennecke, ' eröffnete gegen 
9 l / 2 Uhr die zweite Sitzung mit der Debatte über die Wahl des 
nächsten Versammlungsortes und den Zeitpunkt der Ver- 
sammlung. 

Professor Blasius schlug Cöthen vor, um dem vielvermissten 
Veteranen der vaterländischen Ornithologie, Professor Dr. Naumann, 
die Theilnahme möglich oder wenigstens bequem zu machen. Der 
also motivirte Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, und es wurde 
Cöthen als Ort der nächstjährigen Versammlung bestimmt. Eine 
längere Debatte wiederholte sich über die Zeitbestimmung. Pfar- 
rer Baldamus stellte den Antrag: die Wahl der Zeit einmal 
versuchsweise den sämmtlichen Mitgliedern der Gesell- 
schaft, nicht bloss der Versammlung, anheim zu geben, da 
anzunehmen sei, dass die Mehrheit der letzteren stets für den eben 
beliebten Termin stimmen werde. Nach längerer Discussion wurde 
dieser Antrag in folgender Fassung angenommen: 

„Die sämmtlichen Mitglieder der Gesellschaft sollen zur 

Stimmabgabe betreffs der Zeit der nächsten Versammlung der 



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D. O. G. aufgefordert werden. Es sind, um die Stimmen nicht 
allzusehr zu zersplittern, folgende 3 Termine bezeichnet worden, 
unter denen zu wählen ist: 

1) die erste volle Woche des Juni, 

2) die „ „ „ „ Juli, 

3) die letzte Woche des September. 

Die Abstimmung ist bis zum 1. October d. J. an den Sekretär 

einzusenden, der das Resultat derselben, wie die Aufforderung 

in dem Organe der Gesellschaft bekannt zu machen hat. Bei 

etwa eintretender Stimmengleichheit entscheidet der Vorstand 

der Gesellschaft." — 

Zu Geschäftsführern der nächsten Versammlung wurden Herr 

Rittergutsbesitzer Nette in Wörbzig bei Cöthen und der Pfarrer 

Baldamus erwählt. 

Herr Dr. Cabanis schlug darauf unter allgemeiner Zustimmung 
Se. Durchlaucht den Prinzen Max von Wied und den Director 
des Jardin des plantes zu Paris, Professor Isidore' Geoffroy St. 
Hilaire, zu Ehrenmitgliedern vor. Auf Vorschlag der Herren 
Wallengren, Blasius und Baldamus wurden ferner die Herren: 
Edmond de Selys Longchamps in Lüttich, Baron Dubus in 
Brüssel, Staatsrath Dr. von Middendorf und K. Kammerherr 
Graf Keyserlingk in St. Petersburg, Marchese Oratio Antinori 
in Smyrna und die Professoren Nilson, Liljeborg und Sundeval 
in Lund und Stockholm zu Ehrenmitgliedern creirt, und der 
Sekretär beauftragt, die betreffenden Diplome auszufertigen. 

Die Discussion über die Verfärbungstheorie, als Haupt- 
gegenstand der heutigen Tagesordnung, wurde nun durch Mittheilung 
der Beobachtungen Altum's über sein Blau kehlchen (s. dres 
Heft, p. 166. ff.) eröffnet, und die dazu gehörige Zeichnung vorgelegt, 
woran sich die Mittheilungen H. Schi e gel' s (s. Beilage Nr. 2a.) 
über diesen Gegenstand schlössen. 

Zunächst bemerkt Herr Dr. Cabanis, wie er nicht zugeben 
könne, dass die von Altum gemachten Bemerkungen sich auch auf 
Cyanec. orientalis beziehen könnten, welche keinen runden rostrothen 
Kehlfleck habe und jedenfalls eine gute Species bleibe. 

Professor Blasius versichert, dass sich die orientalis in keiner 
Weise, auch nicht in Stimme, Benehmen, Lebensart u. s. w., von der 
suecica unterscheide. 



237 

Herr Meves hat die echte suecica lebend gehabt und beobachtet, 
dass nach der ersten in der Gefangenschaft überstandenen Mauser 
die Kehlfärbung weit bleicher, überhaupt weniger intensiv aufgetreten 
ist, so dass daraus eine Subspecies entstanden. 

C. Wiepken. Vögel, welche längere Zeit vor der Mauser ein- 
gefangen worden sind, werden diese — da sie in der Gefangenschaft 
überhaupt geschwächt werden — weniger kräftig zeigen; die neue 
Färbung muss notwendigerweise schwächer, weniger intensiv und 
extensiv auftreten. 

Meves. Wir haben aber diese Subspecies in Schweden auch 
im Freien und bis zum Juli. 

Sehring. Ueberhaupt darf man wohl an den feststehenden 
Grundsatz erinnern, dass von der Gefangenschaft keineswegs allgemein 
gültige Folgerungen auf das freie Naturleben zulässig sind. 

Baldamus citirt Schlegel's Ansicht, „dass bei der ersten Mauser 
zahllose individuelle Abweichungen vorkommen, welche das Aufstellen 
allgemeiner Gesetze für diese Erscheinung sehr erschweren." 

Herr Meves, der über den am meisten angefochtenen Punkt der 
Theorie Schlegel's, die Veränderungen, welche in den alten 
Federn vor sich gehen, die mühsamsten und umfassendsten 
Studien gemacht und einen Theil der von ihm gewonnenen Resultate 
in Öfversigt af K. Vetenskaps. Akad. Förhandl. 1854, Nr. 8. unter 
dem Titel: „Om färgförändringen hos foglarna genom och utan 
ruggning,"*) mit zwei colorirten Tafeln, mitgetheilt hat, berichtete 
darüber und über seine weiteren Entdeckungen, unter Vorlegung der 
mikroskopischen Zeichnungen und Demonstrationen an einer grossen 
Anzahl höchst sauberer und instructiver mikroskopischer Präparate. 
Gemäss der Terminologie von Nitsch theilt er die Federn in Stamm 
{stammen, scapus), Ast (grenar, rami) und Strahlen (stralar, radii). 
Aus dem Stamme gehen zu beiden Seiten die Aeste (oder Zweige) 
heraus, aus diesen wieder die Strahlen, aber diese letzteren sitzen 
nicht immer an den Seiten, sondern bisweilen oben an den Aesten. 
Die kleinen Wimpern und Häkchen (ciliae und hamuli), welche an 



*) „Ueber Farbenveränderungen bei den Vögeln durch und ohne Mauser." 
Wir werden eine genaue Uebersetzung dieser wichtigen Arbeit nebst den Tafeln 
und den verheissenen Zusätzen hoffentlich im nächsten Hefte geben können. 

Die Red. 



• 238 

den Strahlen befestigt und bestimmt sind, diese zusammenzuhalten, 
kommen nicht in Betracht, da sie zur Farbenveränderung nicht 
beitragen. Betrachtet man die Federn verschiedener Vogel mit 
„Winterkleid" unter dem Mikroskope, so findet man, dass hinter den 
weissen, dunklen oder farblosen äussersten Spitzen der Farbstoff bei 
einem Theile sich in den Strahlen befindet, bei einem andern Theile 
in den Aesten. Sie bilden daher zwei Formen, welche nach ihren 
letzten Veränderungen einfache Spitzenabwerfung und Spitzen- 
mit Strahlabwerfung genannt werden können. 

1. Spitzenabwerfung kommt bei den Vögeln vor, welche 
den Farbe^toff vorzugsweise in den Strahlen haben. 

2, Spitzen- und Strahlabwerfung kommt bei solchen Arten 
vor, welche den Farbestoff in den Aesten besitzen. 

Bei der erstem beginnen die farblosen oder gefärbten Spitzen 
nach der Herbstmauser allmälig abzufallen, aber erst gegen den 
Frühling, oder viel später ist dies Abfallen vollständig beendet, und 
dann zeigt sich die vorher bedeckte Farbe in ihrer vollen Schönheit. 
Meves demonstrirte dies am Mikroskop zunächst an den schwarzen 
im Herbste mit weissen Spitzen versehenen Kinnfedern von Rutic. 
phoenicurus, mas, wogegen dieselben Federn im Frühlinge diese 
weissen Spitzen nicht, wohl aber deutliche Spuren von ihrem Ab- 
werfen zeigten. Derselbe Vorgang wurde an den rothbraunen und 
schwarzen Brustfedern von Cyanec. suecica und an verschiedenen 
anderen Präparaten nachgewiesen. Meves zählt zu den Vögeln, welche 
einfache Spitzenabwerfung haben, viele Finken (Fring. monti- 
fring., domestica, montana, coelebs, chloris, spinus), die Gattungen 
Emberiza , Älauda , Stwnus , Turdus , Favus , Saxicola oenanthe, 
Hut. tithys , und mehre Vögel mit partieller Mauser und 
besonders junge Vögel dieser Abtheilung nach ihrem ersten 
Winter. 

Bei der Spitzen- und Strahlabwerfung fallen nicht bloss 
die Spitzen, sondern auch die farblosen Strahlen ab, mit deren Spitzen 
oder Wurzel der Ast zum Theil bedeckt ist, und die dessen Farbe 
(dadurch) abschwächen. Die Spitzen verschwinden natürlich zuerst, 
und wenn man gegen das Frühjahr hin eine solche Feder untersucht, 
so bemerkt man zunächst den Spitzenabfall, und obgleich die Farben 
bedeutend klarer werden, so sieht man doch noch eine Art Reif 
{pruind) daran, aber dieser verschwindet in demselben Verhältniss, in 



239 

welchem die Strahlenabwerfung von oben nach unten fortschreitet. 
Erst nachdem die gefärbten Theile der Aeste ganz und gar von den 
Strahlen befreit sind, zeigt sich die Färbung in ihrem vollen Glänze. 
Die Feder ist jetzt nicht nur bedeutend kürzer, sondern auch 
schmaler, weil die Aeste durch die Strahlen nicht mehr gehindert 
werden, sich einander zu nähern. — Eine Brustfeder des Herbstkleides 
von F. linaria, mas, und ein Mittelstück des Astes derselben zeigte 
sehr deutlich, wie sich die Strahlenspitzen über die nächsten Aeste 
legen, während eine Brustfeder desselben Vogels im Sommer, (Juli) 
nach Abwerfung der Spitzen und Strahlen ihre vollständige Sommer- 
zier zeigten. 

An den Federn, besonders der Spechte, wies Meves ferner 
nach, dass bei einigen Federarten diese Strahlen von sehr 
geringer Dauerhaftigkeit sind, so bei den unteren Schwanz- 
deckfedern von Picus major. Beim Hervorwachsen sind diese dicht 
bedeckt mit feinen, schmalen Strahlen, so dass sie wie mit Puder 
bestreut aussehen, aber kaum hat die Feder ihre volle Länge erreicht, 
so beginnt die Strahlenabwerfung. Eine solche Feder, vom October, 
zeigte diesen Vorgang sehr deutlich. Den rothen oder gelben 
Kopffedern der Spechte fehlen sogar von Anfang an diese 
bedeckenden Strahlen, wesshalb sie sogleich beim Hervorkeimen 
ihre intensive Farbe besitzen. Dies wurde nachgewiesen an einer 
neuen Kopffeder von Picus martius, wie der ganze Vorgang an vielen 
anderen schönen Präparaten. Meves zählt zu dieser Abtheilung: 
Fring. cannabina, erythrina, ßavirostris, Crucirostra (Loxia), Corythus 
enucleator, die blauen Federn von S. suecica, alle Spechte bezüglich 
obenbezeichneter Federn, Anas boschas, clypeata, tadorna, Podiceps 
auritus (L.) mit den braunen und rothbraunen Federn der Unterseite, 
und einige andere Arten. 

Um im Allgemeinen die Aufmerksamkeit auf die höchst ver- 
schiedenen Formen der Strahlen bei verschiedenen Vögeln, 
besonders aber auf die sehr verschiedene Structur der Federn 
des Winter- und Sommerkleides bei einigen Vögeln mit Dop- 
pelmauser zu lenken, brachte Meves auch eine Anzahl Federn 
exotischer Arten unter das Mikroskop, und sprach die Hoffnung 
aus, dass die Resultate dieser Untersuchungen mehr als zureichend 
gegen Schlegel's und Anderer Ansichten — über die Verwandlung 
der Federn unabhängig von der Mauser, oder die Möglichkeit, dass 



240 

aus der einen Form die andere heranwachsen könne — beweisen 
dürften. Er zeigte Federn verschiedener Kleider von Arten der 
Genera Nectarinia, Ploceus, Trochilus, Cuculus, Lopho- 
phbrus, Paradisea, Epimachus etc., ferner an Anas boschas, 
clypeata etc., theils um die verschiedene Bildung der Strahlen über- 
haupt, theils an den Federn verschiedener Kleider, theils auch durch 
diese verschiedene Bildung den Metall- Schiller und Sammetglanz 
nachzuweisen und zu erklären, und stellte als Resultat dieser Unter- 
suchungen hin: 

1. Dass unabhängig von der Mauser zwar eine andere, 
meist intensivere Färbung des Gefieders durch Ab- 
werfen (Abreiben) der Federspitzen und Strahlen 
hervorgerufen werden könne, aber nicht durch Nach- 
wachsen der Federn oder ihrer Theile. 

2. Dass die Strahlen vieler Arten einer Abnutzung unter- 
liegen, diese aber keine höhere Färbung, sondern eine 
Farbenabschwächung zur Folge hat. 

3. ' Dass ein eigentliches Verfärben der Federn nur mit 

dem Absterben,, dem Tode, derselben eintrete. 

4. Bei Uebergangskleidern kann man, wenn andere Merk- 
male fehlen, mit Hülfe des Mikroskopes entscheiden, 
welche Federn neu sind, da die alten stets Spuren von 
Abnutzung zeigen. 

5. Strahlenbildungen mit einfacher und mehrfacher Win- 
dung, andere, welche einer Reihe in einander gesteck- 
ter Pfeilspitzen ähneln, aufwärtsgekrümmte Strahlen- 
spitzen, einseitig gefärbte Strahlen etc. bringen den 
Metall-Schiller, Sammetglanz etc. hervor. 

6. Gleichheiten in den Strahlenbildungen deuten zwar 
nicht auf Verwandtschaft der Vogelarten, dürften 
aber noch sehr aufklärende Resultate hinsichtlich des 
Glanzes, der Veränderung etc. der Federn geben. 

Endlich hebt Meves noch hervor, dass alles über die Mauser- 
verhältnisse Angeführte sich am deutlichsten bei den 
alten Männchen zeige, und dass nicht immer Alles auf die 
Weibchen Anwendung findet. 



241 ^ 

Heine. Sonach wäre Ihrer Ansicht nach das Verfärben nur 
als ein Verbleichen aufzufassen. 

Meves. Ich habe nach den jahrelang angestellten Versuchen, 
deren Resultate ich Ihiien theilweise vorgelegt, zu keiner andern 
Ansicht kommen können. 

Kunz. Habe ich Herrn Prof. Schlegel in seiner gegenwärtigen 
Darlegung richtig verstanden, so widersprechen sich die Ansichten der 
beiden Herren nicht. Prof. S. behauptet nur, dass Veränderungen, 
welche eine Verfärbung zur Folge haben, an den alten Federn 
vorgehen. Dasselbe, nur mit dem Unterschiede, dass er uns auch 
das Wie nachgewiesen hat, behauptet auch Herr Meves. 

Baldamus. Doch wohl nicht ganz. Prof. Schlegel sieht auch 
jetzt noch ausdrücklich in dem von ihm und Herrn J. Verreaux zuerst 
beobachteten Anwachsen der (alten) Federn den Schlüssel zur 
Erklärung — wenigstens einer Seite — der Verfärbung. Dies An- 
wachsen oder Nachwachsen der Federn stellt aber Herr Meves durch- 
aus in Abrede. 

Hennecke. Jedenfalls, 'scheint mir, sind wir durch die schönen 
Untersuchungen des Herrn C. Meves betreffs der vorliegenden Frage 
in ein neues Stadium getreten. Fortgesetzte Forschungen werden 
mehr und mehr Licht in dies interessante 'Dunkel bringen, und ich 
meine, wir sind den abwesenden wie den anwesenden Hauptträgern 
der verschiedenen Ansichten besonders wegen der lebhaften Anregung 
verpflichtet, die uns zu weiteren und eifrigeren Untersuchungen führen 
wird. *) 

Als zum Theil hierher gehörig, erlaube ich mir eine Mittheilung 
über die Mauser meiner 3 jungen Turdus saxatilis. Alle drei 
hatten das gleiche, bunte Jugendkleid. Eine dieser Steindrosseln war 
grösser als die übrigen und zahmer. Gegen den Herbst legten sie ihr 
erstes Herbstkleid an. Aber nur der grössere Vogel, ein Männchen, 
begann zu Anfang Februar seine Frühlingsmauser, die er glücklich 
überstanden hat, und hat jetzt das Frühlingskleid vollständig angelegt. 

*) Die grosse Lebhaftigkeit und — wegen der Demonstrationen an zwei Mikro- 
skopen — Getheiltheit der Discussion über diesen wichtigen Gegenstand machte es 
dem Unterzeichneten unmöglich, diese vollständig aufzufassen und wiederzugeben; 
er musste sich darauf beschränken, das Hauptsächliche kü/zlich aufzuzeichnen, und 
er bittet die verehrlichen Mitglieder der Versammlung, welche ihre Meinung nicht 
ausgesprochen finden, dieselbe zu nachträglicher Mittheilung in unsrem Organe 
an ihn einzusenden. ' Der Sekretär. 

Naumauuia. 1855. 16 



242 

Die beiden anderen sind gestorben, und ich lege Ihnen hier das eine 
Exemplar vor. Uebrigens hat T. saxatilis auch in diesem Jahre 
wieder bei Goslar genistet. Leider ging das Nest mit den Eiern, 
welche ich Ihnen hier vorlege, zu Grunde, indess scheint das Paar 
von Neuem Anstalt zum Brüten getroffen zu haben. 

von Münchhausen. Auch ich habe eine interessante Mitthei- 
lung ähnlicher Art zu machen. Einige Tage vor meiner Abreise 
hierher wurden in unserm Garten ein Paar Pastor roseus bemerkt, 
welche anscheinend dort bleiben und vielleicht Anstalt zum Brüten 
treffen werden. Sie hielten sich zusammen und stets an derselben 
Stelle des Gartens in der Nähe einer Mauer auf, welche ihnen pas- 
sende Gelegenheit zur Anlage des Nestes bieten dürfte. Mein Bruder 
und ich haben die seltenen Gäste bis zu meiner Abreise nicht aus 
den Augen gelassen, und ich hoffe sie bei meiner Rückkehr, Dank 
der Obhut meines Bruders Clamer, als angesiedelte Sommergäste 
anzutreffen. *) 

Man begab sich jetzt in ein Nebenzimmer, um die von Professor 
Blasius aufgelegte reiche Vogel-Sendung des Herrn Pastor 
Brehm zu besichtigen. Zunächst wurde eine Suite von Blaukehl- 
chen (Cyanecula) gemustert und die Debatte über Altum's Beobach- 
tungen von Neuem aufgenommen. Die Meinungen blieben getheilt, 
obschon sich wohl die Mehrzahl der Versammelten zu Altum's Ansicht 
hingeneigt haben mag, und man beschloss, auch die Blaukehlchen 
einer genauem Controle zu unterwerfen. Man ging darauf die ver- 
schiedenen anderen Suiten durch, unter denen ausser Cyanecula noch 
die Gattungen; Motacilla, Budytes, Calamoheiye, Alauda, Gale- 
rida, Anthus, Parus, Pyrgita, Pyrrhula, Crucirostra, Certhia, Telma- 
tias, etc. sehr reichlich vertreten waren. Einig in der Aner- 
kennung des enormen Fleisses und der grossen Anregung, welche 
durch unsern rüstigen Forscher immer von Neuem hervorgerufen 
wird, vermochte man sich doch nicht in der Anerkennung man- 
cher seiner Arten und Unterarten zu einigen, und bedauerte, 



*) Am Sonntage nach der Versammlung, den 10. Juni, erhielt ich durch die 
Güte des Herrn Amtmann Hess in Wulfen ein altes Weibchen, das derselbe Tags 
vorher in seinem Garten erlegt hatte. Es war sehr wenig scheu gewesen, und 
Herr Hess hatte von dem neugierig auf ihn herabblickenden Vogel zurücktreten 
müssen, um nicht aus zu grosser Nähe zu schiessen. Die Herren Wallengren 
und Gadamer, welche mich nach Diebzig begleitet hatten, haben den Vogel ab- 
gebalgt, der Eierstock wurde wenig entwickelt gefunden. Baldamus. 



243 

dass er nicht persönlich seine Ansichten und Erfahrungen vertreten 
und mittheilen konnte, wie ihm denn der Herr Vorsitzende Namens 
der Versammlung den verdienten Dank für seine von Neuem bewie- 
sene Theilnahme aussprach. 

Nach der Rückkehr in den Sitzungssaal zeigte Professor Blasius 
einen der vom Herrn Major von Zittwitz in Glogau freundlichst 
eingesandten, von Altum beschriebenen und abgebildeten Schwäne, 
und legte die betreffenden Bemerkungen *) und Abbildungen des Herrn 
Professor Schlegel vor, welcher diesen Schwan als altes Männchen 
von Cygnus minor ansehen möchte. Professor Blasius findet keinen 
Unterschied zwischen dem vorliegenden Exemplare und dem C. me- 
lanorhinus Naum. in der Cöthenschen und Braunschweiger Samm- 
lung, und hält es für einen alten Vogel dieser Art. Das Geschlecht 
ist unsicher. Die Meinungen getheilt. 

Die Beobachtungen Professor Schlegel's über die Saat- und 
weissstirnigen Gänse,**) und die Bemerkungen des Herrn de 
Selys Longchamps über die drei noch zweifelhaften Species 
(A. segetum und intermedius Naum., und A. pallipes, Selys)der 
europäischen Gänse,***) veranlassten den Ausspruch des lebhaftesten 
Bedauerns, dass ausser den acht sich auf diese Gänse beziehenden 
trefflichen Tafeln Schlegel'st) kein weiteres Material zum Vergleiche 
zur Hand sei, und man deutete darauf hin, dass der nächstjährige 
Versammlungsort, Cöthen, wegen Professor Naumann's und seiner 
Originalexemplare, sich günstig für die Discussion der schwierigen 
Frage stellen dürfte. Der Vorsitzende schloss die Besprechung mit 
der Aufforderung an die Mitglieder der Versammlung wie der Ge- 
sellschaft, die nöthigen Materialien bis dahin möglichst fleissig zu sam- 
meln und vorzubereiten. 

Den dritten Abschnitt der vorausbestimmten Tagesordnung, die 
Pieper (Anthus) betreffend, wurde wenig Neues beigebracht. Pastor 
Zander erklärt, dass er bei seinen ausführlich dargelegten An- 
sichten beharren müsse; Prof. Blasius zieht rupestris etc. zu 
aquaticus, und cervinus zu pratensis; die Herren Wallengren 



*) S. Beilage Nr. 2 d. 
**) S. Beilage Nr. 2 c. 
***) S. Beilage Nr. 3. 

t) S. Beilage Nr. 2 e. 

16" 



244 

und Gadamer (nebst Anderen) wollen ihres Nilsson rupestris, von 
dem sie eine schöne Suite Bälge (so wie von Sitta europaea L. 
Parus borealis etc.) vorlegten, aufrecht erhalten; Baldamus kann 
aus den bereits angegebenen Gründen cervinus nicht aufgeben. Man 
kam überein, die Frage als noch unerledigt weiterem Studium und auf 
der Tagesordnung zu belassen, und beschloss zugleich als Gegenstände 
der nächstjährigen Tagesordnung aufzustellen: 

1) Die Falken (Fortsetzung, Würg-, Schlecht-, Röthelfalken). 

2) Die Motacillen (Motacilla, Budytes etc.). 

3) Die Gänse und Schwäne (Anser, Cygnus). 

4) Was ist Species? 

Nach dem gemeinschaftlichen Mittagsmahle wurde ein Ausflug 
nach dem nahegelegenen Vergnügungsorte „zum grünen Jäger" ge- 
macht, bei welcher Gelegenheit Prof. Blasius die Gesellschaft zu 
den Teichen führte, auf und an denen er so manchen seltenern Vogel 
erlegt oder brütend gefunden (z. B. Anas marila, etc.) Ein heiteres 
Abendessen mit der auf der Tagesordnung stehenden „Bowle" ver- 
einigte die Gesellschaft bis zum späten Abend. 

Am folgenden Tage (7. Juni) Morgens acht Uhr fuhr die Ver- 
sammlung per Eisenbahn nach der am Fusse des Brockens höchst 
reizend gelegenen Harz bürg. Die herzogliche Eisenbahn-Verwaltung 
hatte die Güte gehabt, die Gesellschaft gratis hin und zurück zu be- 
fördern. Auf dem Burgberge angelangt, führten die Herren Geschäfts- 
führer die Gesellschaft, der sich auch einige Damen und Herren aus 
Braunschweig angeschlossen, nach einigen der schönsten Partieen der 
Umgebung, unter andern auch zu dem Platze, wo einst Heinrich der 
Vogelsteller seine Netze und Fallen gestellt, als ihm seine Wahl zum 
deutschen Kaiser verkündigt wurde. Nach dem Mittagsmahle begann 
gegen 2 l / 2 Uhr die letzte allgemeine Sitzung. 

Zunächst bezeichnete Prof. Blasius eine Reihe derjenigen in 
den Verzeichnissen der Vögel Europa's figurirender Spe- 
cies, deren Artschaft, Existenz oder Bürgerrecht noch zwei- 
felhaft ist*) (von einem der skandinavischen Gäste unter allgemeiner 
Heiterkeit „Unarten" genannt). Bei der Aufzählung dieser als „ver- 
dächtig" denuncirten Arten entspann sich eine vorläufig mehr all- 
gemein gehaltene Debatte über einige von ihnen, und es wurde als 



*) S. Beilage Nr. 5., im nächsten Hefte. 



245 

eine der Gesellschaft und ihrer Versammlungen würdige Aufgabe, 
„die Aufstellung eines allseitig geprüften auf bestimmten 
Grundsätzen ruhenden Verzeichnisses der europäischen 
Vögel anzustreben," allseitig anerkannt. 

Ein vom Herrn Baron Richard König-Warthausen gestellter 
Antrag: „die Versammlung, resp, der Vorstand der Gesell- 
schaft, wolle die geeigneten Maassregeln treffen, um, wo 
nur immer Mitglieder der Gesellschaft befindlich, ornitho- 
logische Beobachtungsstationen einzurichten", fand allge- 
meine Zustimmung, und soll dem Vorstande der Gesellschaft zur Be- 
rathung, resp. Ausführung empfohlen werden. Herr Meves bemerkt, 
dass dergleichen Beobachtungsstationen in Schweden seit längerer Zeit 
bereits eingerichtet und Schemata für dieselben gedruckt worden seien. 
Herr Past. Wallengren erbietet sich, einige Exemplare an den Se- 
kretär einzusenden. 

Schach's, von Baldamus und Anderen unterstützter Antrag: „die 
D. O. G. wolle dazu beitragen, dass ein gemeinsames von 
allen Mitgliedern zu benutzendes Maass eingeführt und 
wo möglich das neufranzösische Metremaass gewählt 
werde," findet zwar in seinem ersten Passus Beifall, jedoch erklären 
sich Blasius und Andere gegen die Einführung des Metremaasses, - 
von dem man sich nicht so' leicht eine Vorstellung machen könne, als 
von dem gewohnten Zollmaasse; auch würden dadurch die so wich- 
tigen Messungen von Pallas schwieriger gemacht. Man schlägt vor: 
einen vergleichenden Maassstab aller üblichen Maasse auf 
Pergament oder Pergamentpapier auf Kosten der Gesell- 
schaft drucken und durch das Organ der Gesellschaft, die 
Naumannia, resp. durch directe Uebersendung an die Mit- 
glieder der Gesellschaft verbreiten zu lassen. Der Antrag 
wird in dieser Fassung angenommen; der Vorstand der Gesell- 
schaft soll gebeten werden, die Ausführung desselben, wie der übrigen 
Anträge zu veranlassen. 

Meves stellt endlich den Antrag: „eine Farb,entafel zum 
Zwecke übereinstimmender Farbenangaben anfertigen und 
bekannt machen zu lassen." Man überzeugt sich sofort auch von 
der Wichtigkeit dieses Vorschlages, und beschliesst gleichfalls: die 
Anfertigung, resp. den Druck einer solchen Farbentafel auf 
Kosten der Gesellschaft und die Verbreitung derselben 



246 

in vorhin bezeichneter Weise. Ferner wünscht Herr Meves 
eine Aufforderung an die Mitglieder der Gesellschaft und an alle Or- 
nithologen: die Farben der Augen im frischen Zustande ge- 
nauer, als bisher geschehen, zu beobachten, und durch Malen 
oder mittelst der genannten Farbentafel festzustellen. 

Gegen fünf Uhr wurde mehrseitig der Antrag auf Schluss der 
Versammlung gestellt. Der Vorsitzende, Herr Dr. Hennecke, dem 
bereits zu verschiedenen Malen der Dank der Versammlung für seine 
vortreffliche Leitung der Discussionen in ernsten und launigen Toasten 
ausgesprochen worden war, dankte nun seinerseits den Versammelten 
für ihre Nachsicht mit der Ausübung seiner „Polizei-Charge" , sowie 
den Herren Geschäftsführern für ihre freundliche Mühwaltung, und 
schloss nach fünf Uhr die neunte Versammlung der D. O. mit dem 
Wunsche eines gleich heiteren und gemüthlichen Zusammenlebens in 
Cöthen. 

Diebzig, im Juni 1855. 

' , Der Sekretär der D. O. G. 

E. Baldamus. 



A n m. Eine Reihe von Anträgen betreffs der ZurücknahmedesdemJournal 
für Ornithologie in Gotha zugestandenen Prädikates „Organ der 
D. O. G." hat der Unterzeichnete nicht zur Sprache bringen mögen, um alle Ver- 
anlassung zu widrigen Erörterungen von der sonst so gemüthlichen — und in dieser 
Beziehung an die schönen früheren Versammlungen erinnernden - — Braunschweiger 
Versammlung fern zu halten. Die Herren Antragsteller werden diesen Grund zu 
würdigen wissen, und verzeihen, dass ich, als persönlich betheiligt, mir erlaubt 
habe, diese Anträge bei Seite liegen zu lassen. Kann sich die eine oder die andere 
der beiden Zeitschriften nicht halten, nun, so wird sie eben eingehen. Ich habe 
das Meinige gethan, um das „Erstlingskind unserer Gesellschaft," wie Herr Graf 
Wodzicki die Naumannia nennt, zu erhalten, denn ich bin überzeugt und scheue 
mich also nicht — selbst auf die Gefahr der Missdeutung hin — es auszusprechen : 
dass mit der Naumannia auch unsere Versammlungen und unsere Gesellschaft ge- 
fährdet werden dürften. Dies der Hauptgrund meiner Anstrengungen für die Er- 
haltung der Naumannia, Anstrengungen freilich, die sich niemals von der Bahn des 
Ehrenhaften entfernen und niemals zu Mitteln und Mittelchen herabsteigen werden, 
welche sich — wie die buchhändlerische Ankündigung in dem „Leipziger Börsen- 
blatte" und in dem Journale selbst — bereits gerichtet haben. 

Der Sekretär als Redacteur der Naumannia. 



247 



IV. Beilagen, 

Nr. 1. 

Mit meinem Freunde Dr. Kjärbölling stimme ich vollkommen 
darin überein, dass Falco gyrfalco Schlegel, und F. islandicus 
Briss. nicht speci fisch von einander verschieden sind, doch kann 
ich auch F. candicans GW., (F. groenlandicus Hancock) nicht 
als selbständige Art annehmen, besonders weil die Tracht der jungen 
Vögel kaum verschieden ist, und die Grössenverhältnisse, welche als 
wichtigstes Unterscheidungszeichen zwischen beiden angegeben werden, 
nicht Stand halten, die Ungleichheiten in der Färbung aber viel zu 
unbedeutend sind, um sie als hinreichend genug zu betrachten. Mir 
scheint es sich hier analog wie mit Skandinaviens Luchsen zu ver- 
halten. Man weiss, wie sehr diese variiren, sowohl in der Farbe als 
in der Grösse, weswegen auch früher mehrere Arten davon aufge- 
stellt worden sind, wie: Felis lync-ula, borealis ü. m.; und den- 
noch hat es sich gezeigt, dass alle nur eine einzige Art ausmachen — 
wie sehr sie auch von einander in den Formverhältnissen, in Farben- 
zeichnungen etc. verschieden sind; es hat sich gezeigt, dass dasselbe 
Elternpaar in einem einzigen Wurfe mehrere dieser vorgeb- 
lichen Arten erzeugt hat. Die Luchse gehören eben zu einer Ord- 
nung unter den Säugethieren, welche den Falken unter den Vögeln 
entspricht — *- und da bei einer einzigen Art der vorigen so grosse 
Ungleichheiten in Form und Farbe vorkommen können, ohne dass 
Kultivirung Ursache davon ist, so kann auch bei den letzteren das- 
selbe eintreffen, und man hat um so mehr Ursache die Verhältnisse 
als parallel anzusehen, was die Jagdfalken betrifft, da die ange- 
gebenen Formengleichheiten nicht constant sind. Dass F. candi- 
cans grössere Neigung zum Weisswerden hat, als F. gyr- 
falco, und dass der Uebergang durch Blaugrau geschieht, da- 
gegen bei F. gyrfalco (F. islandicus) durch Graubraun, hat nicht 
viel zu bedeuten — kann auch nicht verwundern. Man weiss, dass 
mehrere Thierarten die weisse Farbe um so reiner annehmen, je mehr 
sie sich dem Norden nähern. Unser nordischer Hase (Lepus variabilis) 
ist z. B. im südlichen Schweden zur Winterzeit blau, je höher er 



248 

nach Norden aufsteigt, desto weisser wird er, bis endlich die weisse 
Farbe vorherrschend wird. Dass der Jagdfalke in Grönland 
weisser wird, als auf Island, ist sonach vollkommen in seiner 
Ordnung; und gerade desshalb, weil er hier früher weiss 
wird (grössere Neigung zum Weisswerden hat) als auf Island, ge- 
schieht auch der Uebergang durch Blaugrau, in Island dagegen 
durch Graubraun, und hier wird er auch nicht rein weiss. Wie 
ich schon in der vorstehenden Fortsetzung meines Aufsatzes: „die 
Brützonen der Vögel innerhalb Skandinaviens" zu zeigen suchte, ist 
der F. gyrfalco von Sibirien über Russland nach Skandinavien ein- 
gewandert. In dem erstem Lande wird der Jagdfalke weiss und 
man hat die dort vorkommende Form als zu Falco groenlandicus ge- 
hörend angesehen. Ich betrachte demnach f. groenlandicus als 
Stammform sowohl für F. gyrfalco, wie auch für F. islandicus. 
Diese Stammform hat bei ihrer Verbreituno; gegen Westen die 
Form von F. gyrfalco angenommen. Die westlichen Küstenländer 
eines Cohtinents sind immer milder, als die östlichen, und gerade 
hierin ist auch die Ursache für die Verschiedenheiten zwischen F. gyr- 
falco und den übrigen Formen zu suchen. F. gyrfalco ist so- 
nach ein über seine ursprüngliche Zone hinausgegangener — 
also ein verkümmerterF. groenlandicus — auf welches Verhältniss 
bei anderen Vögeln schon mein Freund Dr. Kjärbölling unsere Auf- 
merksamkeit gelenkt hat. Auf Island dagegen, welches sich in kli- 
matischen Verhältnissen mehr Grönland nähert, fängt die 
Art an, ihre ursprüngliche Form anzunehmen. Ausserdem ist 
keine grössere Ungleichheit zwischen F. gyrfalco und F. islandicus 
einerseits und F. groenlandicus andererseits, als zwischen den ame- 
rikanischen und europäischen Formen von F. peregrinus, welche 
trotz der Bemühungen neuerer Zeit dennoch nur für eine Art ange- 
sehen werden. Sollten jedoch in Folge des bis jetzt bestehenden 
Schwankens in Bezug auf den Artbegriff diese drei Formen des Jagd- 
falken als Repräsentanten von mehr als einer Art angesehen 
werden, so stimme ich mit der von Freund Kjärbölling ausgesproche- 
nen Ansicht überein, dass F. gyrfalco und islandicus auf der 
einen und F. candicans auf der andern Seite als Repräsentanten 
zweier Arten angesehen werden müssen. Mehr Arten können schick- 
licherweise aus den in Frage stehenden Edelfalken nicht gebildet 
werden, und am allerwenigsten können unter solchen Verhältnissen 



249 

F. candlcans und islandicus zu einer Art geworfen werden, wäh- 
rend F. gyrfalco eine andere Art ausmachen sollte; denn würde, 
wie man auch behauptet hat, F. gyrfalco eine eigene Art aus- 
machen, und F. candicans und islandicus zusammen eine andere, 
so würde — um von der grossen Ungereimtheit abzusehen, dass die 
bei F. gyrfalco und islandicus vorherrschende braune Grundfarbe 
zweien getrennten Arten zukäme, während dagegen eine und dieselbe 
Art sowohl braune als blaugraue Grundfarbe hätte — die eben so 
grosse geographische Ungereimtheit auftreten, dass F. gyrfalco mit 
seiner so schmalen Brützone sich zwischen F. candicans (groen- 
landicus et islandicus), der in der ganzen neuen und in den öst- 
lichen und westlichen Theilen der alten Welt vorkommt, eingedrängt 
habe, und sonach dessen Zone longitudinell abgeschnitten hätte — ein 
Verhältniss, welches, was die arktischen Vögel betrifft, bei anderen 
Arten ohne Beispiel ist. — Ich meinerseits bin aus vorangegebenen 
Gründen überzeugt davon, dass alle drei eine einzige Art aus- 
machen, und dass die Farbenungleichheiten — von denen nur hier 
die Rede sein kann, da die angegebene Grössen- und Formverschie- 
denheiten nicht Stand halten — nur von den klimatischen Ungleich- 
heiten der verschiedenen ^Vohnorte herrühren. Um einen Vogel als 
gute Art betrachten zu können, fordere ich nicht allein Far- 
benverschiedenheit, sondern auch (und zwar hauptsäch*- 
lich) constante Verschiedenheit in den plastischen Ver- 
hältnissen, und diese findet sich bei den hier besprochenen Falken 
nicht. G. D. J. Wallengren. 






Nr. 2. a. 
Den zu Braunschweig versammelten Ornithologen ! 

Auch dieses Jahr, zu meinem grossen Leidwesen, verhindert, der 
Versammlung der Ornithologen Deutschlands beizuwohnen, bitte ich, 
statt meiner Person, mit folgenden Zeilen vorlieb nehmen zu wollen. 

Sie enthalten sechs kurze Mittheilungen verschiedener Art. 

Zuvörderst ein Paar Worte über meine Theorie (der Verfärbung 
und des Anwachsens der Federn bei den Vögeln), welche Sie mir 
die Ehre erwiesen, auf die Tagesordnung zu setzen. 



250 

Nach der Herausgabe meiner ersten Schrift habe ich eine zweite 
über diesen Gegenstand bekannt gemacht. Beifolgend ein Exemplar 
derselben. Es wurden darin spätere Beobachtungen mitgetheilt, und 
besonders der historische Theil der Frage behandelt. Ich habe seit- 
her, oft in Gemeinschaft meines Freundes, des Dr. Westermann, Di- 
rectors des Königl. Niederl. Zool. Gartens, mit steter Berücksichtigung 
der Gegenschriften, vielfache Versuche über diesen Gegenstand ange- 
stellt. Das Endresultat aller war die Richtigkeit der Theorie. Die 
Zweifler mögen, wie schon Yarrell gethan, die Federschäfte der leben- 
den Vögel, vor der Verfärbung der Federn, durch einen mit dem 
Messer gemachten Einschnitt zeichnen, um sich zu überzeugen, welche 
Veränderungen in den alten Federn vor sich gehen können. Ausser- 
dem muss man aber vorurtheilsfrei genug sein, um sich nicht von 
der die Verfärbung oft begleitenden theilweisen Mauser des kleinen 
Gefieders irre machen zu lassen; und darf also eine untergeordnete 
partielle Erscheinung nicht generalisiren , was natürlich zu falschen 
Schlüssen führen muss. Bloss der Satz über die erste Mauser der 
jungen Vögel (der übrigens mit meiner Theorie eigentlich nichts zu 
schaffen hat) muss einigermassen modificirt werden. Jedoch zeigen 
sich nach meinen Erfahrungen bei der ersten Mauser zahllose indi- 
viduelle Abweichungen, welche das Aufstellen allgemeiner Gesetze für 
diese Erscheinung ausserordentlich erschweren. Wiederholte Beob- 
achtungen haben mich belehrt, dass bei Falco communis, von welcher 
Art jährlich eine bedeutende Anzahl in der königlichen Falknerei 
lebend gehalten werden, vor dem zweiten Herbst ihres Lebens durch- 
aus kein Federwechsel stattfindet. Bei den Vögeln, die spät und also 
nur einmal im Jahre brüten oder bei den meisten jungen Vögeln der 
zweiten Brut, findet im folgenden Frühjahre eine theilweise Mauser 
des kleinen Gefieders, zugleich mit der Verfärbung statt. Im Allge- 
meinen muss man bei dieser theilweisen Mauser des kleinen Gefieders 
annehmen, das sie gering ist, wenn die Federn wenig gelitten, ausge- 
breiteter, wenn sie viel gelitten haben. Bei jungen Vögeln ist sie, des 
weichern Gefieders wegen, weit bedeutender als bei alten. Die Vögel 
dagegen, welche sehr früh im Jahr ausgebrütet werden, scheinen im 
ersten Spätjahr grösstentheils einer theilweisen Mauser unterworfen zu 
sein. Bei einigen, vielleicht bei solchen, deren Jugend-, Winter- und 
Herbstkleid sehr verschieden sind, ist sie sogar vollkommen. So z. B. 
beim gemeinen Staar, der sein graues Jugendkleid im ersten Herbst 



251 

durch eine vollständige Mauser ablegt, um nun das getüpfelte Winter- 
kleid anzulegen, welches sich im Frühjahr, zugleich mit dem Schnabel, 
zum Prachtkleide verfärbt. 

Es wird wahrscheinlich noch eine lange Reihe von Jahren ver- 
gehen, ehe wir die Gesetze der Mauser und Verfärbung der Federn 
für jede einzelne Art genau kennen lernen. Dann werden aber offen- 
bar die bis jetzt gelieferten Angaben über die Kleider der Vögel und 
ihre Entstehung in gewissen gegebenen Zeiträumen vielfach modificirt 
werden müssen. Mein Werk über die niederländischen Vögel soll 
den ersten Versuch einer Arbeit in diesem Sinne darbieten. 

Ich verweise übrigens auf meine zweite Arbeit über diesen Ge- 
genstand selbst. Sie werden daraus ersehen, dass die Erscheinung 
des Verfärbens schon im Jahre 1750 beobachtet wurde, dass seither 
viel über diesen Gegenstand geschrieben und gestritten wurde, dass 
ich ihn aber zuerst als allgemeine Erscheinung darstellte, an den 
meisten Vögeln nachwies, Gesetze dafür aufstellte und mit H. J. Ver- 
reaux zuerst das Anwachsen der Federn beobachtete, welches der 
Schlüssel zur Erklärung aller jener Erscheinungen ist. Meine mikro- 
skopischen und chemischen Untersuchungen haben bis jetzt zu keinen 
Resultaten geführt. Nur das Gewordene, nicht das Werden ward mir 
deutlich. Vielleicht sind andere glücklicher als ich, was ich von 
ganzem Herzen wünsche. 



Nr. 2. b. 

Da ich an der Frage über die Falken, besonders die Edel- 
falken so vielfach betheiligt bin, so erlaube ich mir, Ihnen hiermit 
das Verzeichniss aller mir bekannten Arten dieser Vögel vorzulegen.*) 

A. Schlechtfalken. 

1. Falco communis, Gmelin (peregrinus, falcon. ex parte) über 
die ganze Welt verbreitet. Bildet die folgenden oft in einander 



*) Ich erinnere zum Ueberfluss, dass besondere Nachweisungen über die 
Falken, besonders die Gier- und Schlechtfalken in meinem Traite" de fauconnerie 
und meinen Abhandlungen aus dem Gebiete der Zoologie zu finden sind. Eine voll- 
ständige Zusammenstellung aller Arten wird meine Naturgeschichte aller Raubvögel 
(Manuscript) enthalten. 



252 

übergehenden oder kaum oder gar nicht zu unterscheidenden 
Local-Kacen. 

a) septentrionalis. Europa, Sibirien, Japan. 

b) americanus. Amerika. 

c) australis (melanogenys, Gould), Australien. 

d) indicus (ruber indicus, Aldrov. — peregrinator, Gray). 
Dekan. 

e) minor (peregrinus, A. Smith), Kap. 

2. F. peregrinoides, Temminck. Nubien, Egypten. 

B. Gierfalken. 

3. F. c an die ans. Polzirkel, 
a) islandicus, Island, 

4. F. gyrfalco, Falconariorum. Norwegen. Auf dem Zug in 
Niederland und im nördlichen Deutschland. 

5. F. hypoleucos, Gould. Australien. 

6. F. mexicanus, Lichtenst. Mejico, Californien. Neuerlich von 
Cassin beschrieben. 

7. F. tanypterus, Lichtenst. Nubien. 

8. F. lanarius, Belon, Buffon, non auetor. — Dalmatien. 

a) lan. alphanet. Griechenland. — (F. puniceus, Levaillant, 
Algerie, pl. 1. ?) 

b) lan. cervicalis, Lichtenst., biarmicus, Temm. — Kap. 

9. F. Jugger, Gray. Bengalen und Dekan. 

10. F. sacer, Buffon. (F. lanarius, Pall. et auet. rec). Oestliches 
Europa. 

11. F. subniger, Gray. Australien. 

C. Merline. 

12. F. lithofalco et aesalon, Gmelin. Europa, Sibirien, Egypten. 

13. F. columbarius, Linne\ Nord- Amerika. 

14. F. chiquera, Levaillant. Afrika, 
a) F. ruficollis, Swains. Asien. 

15. F. ardesiacus, Vieillot (concolor T. Col. 330, fig. sed non 
descriptio). Senegal, Arabien. 

16. F. semitor quatus, Smith. Kap. 

17. F. femoral is, Temm. Süd- Amerika. 



253 

D. Baumfalkeu. 

18. F. subbuteo. Linne. Europa, Sibirien, China, Nepaul, Ma- 
rokko, Kap. 

19. F. deiroleucos, Temm. Süd- Amerika. 

20. F. severus, Horsfield (Aldrovandi, Reinw.). Nepaul, Sunda- 
Inseln, Philippinen. 

21. F. frontatus, Gould. Süd-Australien, Tasmanien. 

22. F. aurantius, Latham. Brasilien, Guyana. 

23. F. concolor, Temm. (pl. col. descr. sed non flg.). Abyssinien. 

24. F. Eleonorae, Gene. Sardinien, Griechenland, Syrien. 

£. Doppelzähnige Falken. 

a) der neuen Welt.- 

25. F. diodon, Temm. Brasilien, Guyana. 

26. F. bidentatus, Latham. Brasilien, Guyana. 

b) der alten Welt. 

27. F. coerulescens, Linne. Java, Borneo. 

a) F. coerulescens bengalensis, Brisson (Hierax eutolmus, 
Hodgson). Nepaul, Tenasserim. 

28. F. sericeus, Kittlitz (F. Girronierii, Eydoux et Soulinet). 
Lucon, Nördliches China. 

F. Thurmfalkeu. 

29. F. tinnunculus, L. Europa, Sibirien, Egypten, Senegal, 
Nubien, Festland Indiens. In Japan etwas dunkler gefärbt. 

30. F. rupicola, Daudin. Kap, Abyssinien, Egypten. 

31. F. rupicoloides, Smith. Kap. 
?32. F. gracilis, Lesson. Sechellen 

33. F. moluccensis. Von Java bis Ternate beobachtet. 
?34. F. punctatus, Cuv. Madagascar, Mauritius. 

35. F. cenchroides, Vig. und Horsf. Australien. 

36. F. cenchris, Naumann. Süd-Europa, West- Asien, Nord- Afrika. 

37. F. sparverius, Linne*. Amerika. 

G. Röthelfalkcu. 

38. F. vespertinus, Linne. Oestliches Europa. Westliches Asien. 
Nepaul. 



254 

H. Hochbeinige Falken. 

39. F. novae Zeelandiae, Gmelin non Lath. (F. australis, Hombr. 
et Jacq.) Neu-Seeland. 

40. F. be rigor a. Vig. et Horsf. Australien. 

a) orientalis, Oestliches Australien. 

b) occidentalis, Westliches Australien. 



Nr. 2. c. 



Ich erlaube mir noch, Ihnen meine Beobachtungen über die 
Saat- und weissstirnigen Gänse mitzutheilen , und sie Ihrem Urtheil zu 
unterwerfen. 

Diese Gänse bilden zwei Hauptarten, nämlich: 

Anser segetum und Anser albifrons. 

Von Anser segetum kenne ich nur eine Nebenart, nämlich 
Anser brachyrhynchus, Baillon. 

Von Anser albifrons sind mir zwei Nebenarten bekannt, näm- 
lich eine Race mit rosafarbigen Füssen, welche ich vorläufig Anser 
albifrons roseipes nenne, und Anser minutus, Naumann. 

A. Allgemeine Bemerkungen. 

1. Bei allen Saat- und weissstirnigen Gänsen sind, wie bei 
den meisten Arten der Gattung die Männchen stets, oft auffallend 
grösser als die Weibchen. 

2. Ausserdem finden bedeutende individuelle Abweichungen hin- 
sichtlich der Grösse statt, wodurch vielfache Annäherungen der 
verschiedenen Racen oder Unterarten zu einander bedingt werden. 

3. Die Länge und Höhe des Schnabels ist ebenfalls zuweilen sehr 
bedeutenden individuellen Abweichungen unterworfen. Bei jungen 
Vögeln ist er ausserdem oft unten kürzer als bei alten. 

4. Das Verhältniss der Flügel zum Schwanz bietet bei allen diesen 
Arten keinen erheblichen Unterschied. Bei allen überragen die 
zusammengelegten Flügel den Schwanz stets etwas, meist 1 /. i bis 
1 Zoll. 

5. Die Füsse der Jungen sind im ersten Halbjahre ihres Lebens 
stets blässer gefärbt als die der Alten. 



255 

6. Die Farbe der Füsse ist nur an lebenden Individuen mit Ge- 
nauigkeit wahrzunehmen, und bei den meisten Schriftstellern 
falsch angegeben worden. 

7. Nach dem Tode dieser Thiere geht jene Farbe mehr oder we- 
niger ins Orangefarbene über. 

8. Mit dem Eintrocknen der Füsse (also bei ausgestopften Exem- 
plaren), geht sie grösstentheils verloren. 

9. Schnäbel und Füsse bieten, je nach den Arten, vier Hauptfarben 
dar, nämlich: 

1) Fleischfarbe, 

2) schmutzig gelblich-ziegelroth, 

3) purpur-rosafarbig, 

4) orangefarbig. 

Fleischfarbig sind die Schnäbel der weissstirnigen Gänse. 

Ziegelroth sind die Füsse von Anser segetum, albifrons und 
minutus. 

Rosafarbig sind die Füsse bei A. roseipes, und brachyrhyn- 
chus, so wie die Schnabelzone bei letzterer Art. 

Orangefarbig sind die hellen Stellen des Schnabels bei A. 
segetum. 

10. Bei alten weissstirnigen Gänsen ist der Schnabel in der Regel 
einfarbig. — Bei jungen Vögeln ist der Schnabel an der Kuppe 
und oft auch an der Wurzel schwärzlich. — Nach dem Tode 
treten nicht selten hie und da am Schnabel schwärzliche Flecke auf. 

11. Bei den alten Saatgänsen (segetum und brachyrhynchus) bildet 
die helle Farbe des Schnabels hinter seiner Kuppe einen Ring, 
welcher sich in der Regel am Oberschnabel zu einem, gegen den 
Mundwinkel laufenden Streif verlängert. Bei Vögeln im ersten 
Jahre breitet sich die helle Färbung nach hinten und oben, nicht 
selten über einen kleinern oder grössern Theil des Schnabels 
aus. — 

12. Den jungen weissstirnigen Gänsen fehlt bekanntlich das Weiss 
um den Schnabel. Bei Anser minutus steigt das Weiss auf dem 
Kopf weiter nach hinten als bei albifrons und roseipes. Bei diesen 
beiden Arten oder Racen hängt die grössere oder geringere Aus- 
dehnung dieser weissen Federn von der mehr oder weniger voll- 
kommenen Ausfärbung oder vom Zufalle ab, und kann daher 
keine Unterscheidungskennzeichen abgeben. 



256 

13. Bei den alten Saatgänsen ist der Schnabel an den Seiten, hinter 
seiner Wurzel, oft mit einem Streifchen weisser Federn gesäumt. 

14. Bei alten weissstirnigen Gänsen verfärben sich die Brust- und 
Bauchfedern theilweise im Frühjahre in ein dunkles Schwarz. 
Die grössere oder geringere Ausdehnung dieser schwarzen Farbe 
kann also ebenfalls keine Unterscheidungskennzeichen abgeben. 

15. Die Saatgänse sind vorzüglich charakterisirt durch ihre hellfarbige 
Schnabelbinde; die weissstirnigen Gänse durch ihren fleischfar- 
bigen Schnabel, und im Alter durch den breiten weissen Feder- 
saum um den Oberschnabel. 

B. Specielle Bemerkungen. 

a) Saatgänse. 

1. Ansersegetum, Bechstein. Die grösste Saatgans. Schnabel- 
binde orangefarben. Füsse ziegelroth. Es ist mir nicht gelungen, 
Anser arvensis Naumann, als Art zu unterscheiden. Die auf 
seine Beschreibung und Abbildungen passenden Individuen 
zeigten sich als junge Individuen der Saatgans. Diese Art wird 
häufig auf dem Zug in den Niederlanden angetroffen. 

2. Anser brachyrhynchus, Brisson. Kleiner als die Saatgans. 
Grosse Männchen oft in Grösse und Schnabelverhältnissen ganz 
mit den kleinen Weibchen der Saatgans übereinstimmend. Füsse 
und Schnabelbinde rosafarbig. Gefieder in jedem Alter stark 
mit Grau gemischt. Wird jährlich auf dem Zug, aber einzeln, 
bei uns gefangen. 

b) Weissstiniige Gänse. 

1. Anser albifrons. Die grösste weissstirnige Gans. Füsse zie- 
gelroth. Sehr gemein in Holland. Es ist mir nicht gelungen, 
Anser intermedius Naumann, von dieser Art zu unterscheiden. 

2. Anser albifrons roseipes. In nichts von Anser albifrons 
verschieden, als durch ihre rosafarbigen Füsse. Stimme, wie bei 
den übrigen Gänsen, individuell oft abweichend. Oefter in 
Holland und Belgien gefangen. 

3. Anser minutus. Kleiner als die beiden Vorhergehenden. Die 
Männchen nähern sich jedoch zuweilen den kleinen Weibchen 
der albifrons so, dass sie mit Mühe zu unterscheiden sind. Füsse 



257 

ziegelroth, wie bei albifrons. Weiss der Stirn bis über die Augen 
aufsteigend. Augenkreis bei alten Individuen hochgelb. Wird 
jährlich in Holland beobachtet. 



Eine ausführlichere Charakteristik und die Synonymie dieser 
Gänse werde ich in meinem Werk über die Niederländischen Vögel 
geben. Beifolgende acht Tafeln Abbildungen, für dieses Werk be- 
stimmt, mögen vorläufig dienen, das Erkennen der Arten zu erleich- 
tern. Sie enthalten: 

Tab. 1. Anser segetum, Abbildungen von 5 und $, beide sehr alt, 
seit 8 Jahren im Königl. Niederl. Zool. Garten lebend. 

Tab. 2. Anser segetum. Abbildungen von zwei jungen Männchen, 
beide nach dem Leben gemacht. 

Tab. 3. Anser brachyrhynchus. Abbildungen zweier alter Männ- 
chen. Die ganze Figur nach dem Leben gemacht; die halbe, 
nach einem frisch erlegten, wegen seines grossen und hohen 
Schnabels merkwürdigen Individuums. 

Tab. 4. Anser brachyrhynchus, jung. Nach einem von Herrn 
Baillon selbst eingeschickten Individuum. 

Tab. 5. Anser albifrons. Altes Weibchen. Sommerkleid. 

Tab. 6. Anser albifrons. Junges Männchen. Beide Abbildungen 
im Königl. Niederl. Zoolog. Garten gemacht, wo sie die bei- 
den Extreme in Grösse und Färbung unter 17 lebenden In- 
dividuen waren. 

Tab. 7. Anser albifrons roseipes. Männchen im Spätjahr. Ab- 
bildung eines Individuums vom Königl. Niederl. Zoolog. 
Garten, wo bis jetzt drei Stück dieser Race lebten. Bei Hrn. 
de Selys Longchamps zu Lüttich in mehren Exemplaren 
gezähmt. 

Tab. 8. Anser minutus. Altes Männchen und junges Weibchen. 
Nach Exemplaren im Königl. Niederl. Zoolog. Garten, wo 
bis jetzt fünf Stück dieser Art lebten. 



Naumannia 1855. 17 



258 
Nr. 2. d. 

(Hierzu Tafel IV. f. 1 — 4.) 

Nun ein Wort über den von AJtum neuerdings beschriebenen 
Singschwan mit ganz schwarzer Schnabel firste. ImKönigl. Nie- 
derl. Zool. Garten leben seit mehreren Jahren zwei jenem ganz gleiche 
Schwäne. Ein dritter, sonst dem Cygnus minor vollkommen ähn- 
lich, zeigt kleine schwarze Flecke im Gelb des Schnabelrückens. 
Da diese Schwäne- in allen anderen Hinsichten dem Cygnus minor, 
wie er gewöhnlich vorkommt, vollkommen ähnlich sind, so fragt es 
sich , ob sie nicht als alte Männchen dieser Art betrachtet werden 
müssen: eine Frage, die übrigens nur durch anatomische Unter- 
suchungen erledigt werden kann. Beiläufig bemerke ich jedoch, dass 
die gegenseitigen Verhältnisse beider Hauptfarben am Schnabel der 
Singschwäne mancherlei individuellen Abweichungen unterworfen sind. 
Am auffallendsten erschienen sie bei einem seit sieben Jahren hier 
lebenden C. musicus. Bei diesem Individuum ist der Schnabel oben 
an seiner Wurzel mit einem grossen schwarzen Fleck versehen. 

Beigehende Skizzen*) zur Versinnlichung dieser Angaben. Sie 
wurden nach den oben erwähnten lebenden Exemplaren entworfen. 
Fig. 1. Schnabel der erwähnten Varietät eines alten Cygnus 

musicus. 
Fig. 2. Schnabel des von Altum beschriebenen Schwanes, ob alte 

Männchen von Cygnus minor? 
Fig. 3. Schnabel von Cygnus minor, wie er bei uns gewöhnlich 

vorkommt. 
Fig. 4. Schnabel eines Cygnus minor mit schwarzen Fleckchen 
im Gelb auf der Schnabelfirste. Ob Varietät oder Ueber- 
gang zum Schwan mit ganz schwarzer Schnabelfirste? **) 



*) S. Tafel IV. 

**) Da die Schlegelschen Zeichnungen der Schwanenköpfe zum Zweck 
der lithographischen Anfertigung durch meine Hände gingen, so sah ich 
mich veranlasst, der Fig. 2., welche ich mit der Parenthese „ Altuni's Schwan" 
bezeichnet fand, zwei Figuren, nämlich 5a, b, hinzuzufügen. Da ich Schlegel's 
Aufsatz selbst nicht kenne, sondern nur diese als Cygn. minor bestimmten Abbil- 
dungen vor mir habe, so kann ich freilich auf jenen mich nicht beziehen. Allein es möchte 
die Identificirung der Arten bei Vergleich der Nr. 2. und 5. gewiss gegründetem 
Zweifel unterliegen. 

Meine frühere Vermuthung, dass der von mir gezeichnete und beschriebene 
Schwan Bewickii, als verschieden von Naumanns melanorhinus (sive 



259 

Nr. 2. e. 

Ich lege Ihnen ferner 34 Probetafeln, meiner Vögel -Fauna von 
Niederland*) entlehnt, vor. Acht derselben beziehen sich auf bei- 
folgende Zeilen über die Saat- und weissstirnigen Gänse. Die übrigen 
wurden, in so fernes thunlich war, aus anderen Familien gewählt, um 
.einen deutlichem Begriff von der Weise der Ausführung des Wer- 
kes zu geben. 

Die Abbildungen in diesem Werkchen sind alle von mir selbst 
und mit wenigen Ausnahmen nach dem Leben gemacht. Landschaft 
und sonstige Umgebung dieser Abbildungen von Vögeln sind den 
Stellen entlehnt, wo ich die verschiedenen Arten im Freien beobach- 
tete. Meine seit 30 Jahren in den Niederlanden auf vielfachen Jagrd- 
zügen gemachten Skizzen und Erfahrungen sind diesem Werkchen 
zu Grunde gelegt. Mir führt diese kleine Bildersammlung Erinne- 
rungen der schönsten Genüsse vor, welche ich öfter die Freude 
hatte, mit anderen Ornithologen zu theilen. Für jede Art wurde, 
so viel als es die Wissenschaft erlaubt, die ihr am meistern charakte- 
ristische Stellung gewählt. Ich befleissigte mich vorzüglich der gröss- 
ten Genauigkeit hinsichtlich der Zeichnung, und suchte, ohne die 
Natur zu überbieten, die grösstmögliche Kraft im Colorit zu erreichen, 
etwa in der Weise, wie sie die Oelmalerei bezweckt, ohne jedoch 



minor) sei, nehme ich nach einer Privatmittheilung des ausgezeichneten Kenners 
Herrn Dr. Hartlaub vollständig zurück. 

Es bleibt somit vor der Hand die Wahrscheinlichkeit , dass der fragliche 
Schwan eine neue Species sei, der dann zwischen olor und musicus im System 
eine passende Stelle haben würde, da er sich zu olor ungefähr so verhält, als 
minor (Bewickii, melanorhinus) zu musicus. — Weitere Untersuchungen mögen 
die Sache aufhellen, was jetzt um so eher zu erwarten steht, als das Bolsmann'sche 
Exemplar durch Einverleibung in die Bremer Sammlung der Dunkelheit des Pri- 
vateigen thums entzogen ist. — B. AI tum. 

*) Fauna van Niederland. Vogels door H. Schlegel. Leiden, P. W. M. Trap. 
Das Werk wird aus ungefähr 300 Tafeln und einem Theile Text bestehen. Die 
Abbildungen werden in Lieferungen von je acht illuminirten Tafeln erscheinen, die 
Tafel eine, öfter zwei, zuweilen drei Figuren enthalten. Es wird jeden Monat 
mindestens eine Lieferung, ä 1 Fl., ausgegeben werden. Bestellungen angenommen 
in allen Buchhandlungen und beim Herausgeber. 

Wir werden auf dies schon wegen des Taschenformats willkommene Werk 
später ausführlicher zurückkommen, und bemerken nur noch, dass die meist vor- 
trefflich gezeichneten und gut illuminirten Tafeln auch wegen des höchst gefälligen 
Totaleindruckes der Staffage den verdientesten Beifall fanden, und glauben nicht 
zu irren, wenn wir dem mehrfach eigenthümlichen Werke eine grosse Verbreitung 
prophezeien. • Die B,ed. 

17* 



. 260 

der Kunst Concessionen zu machen, welche den wissenschaftlichen 
Werth der Abbildungen beeinträchtigen könnten. Bei der Herausgabe 
wurde das Princip der Billigkeit ganz besonders berücksichtigt. 



Nr. 2. f. 

Ich wünschte endlich beigehende Schrift über die Dodos Ihrem 
Urtheil zu unterwerfen. 

Was einige Naturforscher gleichsam instinctmässig geahnet hatten: 
nämlich, dass der Dodo ein straussartiger Vogel sei, trachtete ich in 
dieser Schrift, von allen Gesichtspunkten ausgehend, welche der 
jetzige Zustand der Wissenschaft darbietet, mit Bestimmtheit dar- 
zuthun. Die verwandten Arten wurden näher beleuchtet und dem 
Dodo angereiht. Ich unterwarf die höchst verschiedenen Meinun- 
gen der Naturforscher über die systematische Stellung dieses Vogels 
einer strengen Kritik und suchte zu beweisen, dass die aus dem 
Knochenbau des Dodo entlehnten Kennzeichen nur zu Fehlschlüssen 
führten, weil man das grosse Gesetz der Einförmigkeit im Bau des 
Vogelskelettes ausser Acht liess. Nachdem ich, durch eine genaue 
Kritik und mit Hülfe der vorliegenden gewissen Thatsachen die Ge- 
wissheit erlangt hatte, dass die bestehenden Abbildungen, hinsichtlich 
der Zeichnung, höchst unrichtig sind, construirte ich nach jenen 
Thatsachen ein neues Schema dieses Vogels. Ich suchte ferner die 
Beschreibung des grossen Dodo von Bourbon durch einen Umriss 
zu versinnlichen. Indem ich mich auf das Gesetz der Variabilität 
der Schnabelform und der Zehenzahl bei den bekannten straussartigen 
Vögeln stützte, suchte ich darzuthun, dass diese Theile bei den 
Dodos keine Abweichungen darbieten, welche ausser den Kreis die- 
ses Gesetzes fallen können. — Ich gab endlich Aufschluss über die 
Ableitung des Wortes dod-aers, des ältesten Stammes des Dodo 
oder Dronte, Wörter, welche die Sprachforscher schon so vielfach 
beschäftigten, und zeigte, dass dieser niederländische Name ursprüng- 
lich dem Podiceps minor angehöre, der jetzt noch hier zu Lande so 
heisst, und dass dieser Name zusammengesetzt sei aus den holländi- 
schen Wörtern dot (Knäuel, Zwickel) und aars (anus), womit ohne 
Zweifel der faserige Schwanz dieser Vögel bezeichnet werden soll. 
Auf den Dodo wurde dieser Name offenbar, wie so viele andere auf 
ausländische Thiere, übertragen. 



261 

In einer andern, aber populären Abhandlung, wovon gleichfalls 
ein Exemplar mitfolgt, habe ich die Dodos mit allen übrigen strauss- 
artigen Vögeln zusammengestellt, um die Uebersicht über diese Thiere 
zu erleichtern. 

Es würde mir lieb sein, wenn die deutschen Ornithologen 
ihre Meinung über diesen so vielfach besprochenen und bestrittenen 
Gegenstand kund geben wollten. Einwürfe können die Wahrheit 
nur schneller zu Tage fördern. Bis jetzt wurde den von mir auf- 
gestellten Thatsachen bloss die Autorität grosser Männer entgegenge- 
stellt. Da aber glücklicherweise die Zeit vorüber ist, wo der Spruch 
jurare in verba magistri Werth hatte, das errare humanum 
dagegen noch gilt und wohl gelten wird, so muss ich, mit aller Ach- 
tung vor jenen grossen Gelehrten, um andere, auf Thatsachen sich 
stützende Widerlegungsgründe bitten, ehe ich auf eine weitere Ver- 
teidigung meiner Ansichten eingehen kann. 

Leyden, am 25. Mai 1855. H. Schlegel. 



Nr. 3. 

Bemerkungen über die wahren Gänse (Ans er) 

Europas. 

(Sendschreiben an den zu Braunschweig im Juni 1855 versammelten Congress der 
Deutschen Ornithologen-Gesellschaft.) 

Von 

Mr. De Selys Longchamps. 

Mitglied der Academie royale des sciences de Belgique etc. 
(Hierzu die Abbild. Taf. IV. f. 6. 7.) 



Indem ich beabsichtige, die Aufmerksamkeit der deutschen 
Ornithologen auf die drei noch zweifelhaften Species — 
Ahser segetum Nauru., A. intermedius Naum. und A. palli- 
pes Selys, — zu lenken, werde ich die acht europäischen Arten 
die Revue passiren lassen, und ihre kurzen, auf die Form und Farbe 
des Schnabels, die Färbung der Stirn, der Füsse, der Brust und die 
Grösse basirten Diagnosen geben, oh'ne von der Färbung des Gefieders 
der anderen Körpertheile zu sprechen, welche bei allen Arten fast 
dieselbe ist. 



262 

§. 1. Graugänse (Oies grises) mit gleichfarbiger Stirn. 
Die Brust, selbst bei den Alten, wenig oder gar nicht 
schwarz gezeichnet. 

A. Schnabel gelb, sehr hoch, ohne schwarze Zeichnung, mit weissem 
Nagel. Füsse fleischfarbig oder blassrosa. 

1. Anser cinereus, Meyer. Nauru, t. 285. Nilss. lllum. fig. 
(sehr gut.) 

Anas anser ferus. Gm. Lath. 

Oie cendree ou premiere, Temm. 

Diese Art, die einzige, welch,e zur Section A. gehört, ist selten bei ihrem 
Durchzuge in Belgien. Der Daumen ist mit einer kleinen Membrane versehen, 
welche bei den übrigen Arten kaum sichtbar ist. 

B. Schnabel orangefarbig, mehr oder weniger schwarz gezeichnet, 
mit schwarzem Nagel in jedem Alter. 

2. Anser arvensis, Brehm. Naum. t. 286. 

Anser segetum, Nilss. Illum. fig. (gut). — Degl. — Bp. 
Temm. — Schlegel (pars). 

Oie sauvage. Buff. pl. ealum. 

Schnabel ziemlich lang und niedrig, orangefarbig, die Eänder 

der Basis und der Nagel schwarz. Füsse safrangelb (crocei). 

Jährlich auf dem Zuge in Belgien während des Frostes. In den Sammlungen 
Frankreichs und Belgiens als Typus von Anser segetum Auct. betrachtet. 

3. Anser segetum, Naum. t. 287. 
Anser sylvestris ? Briss. 

Anser segetum (pars). Temm. — Degl. — Schlgl. 

Schnabel kurz, hoch, schwarz, mit einem orangefarbigen Kreise 

zwischen den Nasenlöchern und dem schwarzen Nagel. Füsse 

safrangelb. Grösse geringer als Anser arvensis. 

Sehr selten in Belgien während strenger Winter. Sie ist verwechselt worden 
mit Anser brachyrhynchus oder mit Anser arvensis, je nachdem man sich an die 
Gestalt des Schnabels oder an die Färbung der Füsse hielt. Von dem erstem 
Gesichtspunkte aus hat M. Ch. Bonaparte das Synonym Naumann's unter Anser 
brachyrhynchus citirt. 

4. Anser brachyrhynchus, Baillon. 

Anser phoenicopuß, Bartlett. 

Diese Art, in der Picardie in strengen Wintern ziemlich häufig, ist in Belgien 
und Holland sehr selten. In den Sammlungen ist sie, im trocknen Zustande, sehr 
schwer von Anser segetum Naum. zu unterscheiden, denn sie hat dieselbe Grösse 
und denselben Schnabel. Der einzige namhafte Unterschied besteht darin, dass 
der Schnabel noch ein wenig kürzer, der röthliche Kreis desselben weniger rein 
und weniger gut abgegrenzt ist und sich an den Rändern bis an die Nasenlöcher 
erstreckt. Hingegen ist sie nach den Mittheilungen der Herren Baillon und 



263 

Schlegel, welche sie lebend gesehen, im frischen Zustande durch ihre rothen oder 
purpurfarbigen F ü s s e , ähnlich denen der Anas tadorna, leicht von den übrigen 
Arten zu unterscheiden. 

§. 2. Graugänse mit weisser Stirn. Nagel des Schnabels im 
Alter weiss oder theilweise weiss. Brust im 
Alter schwarz gezeichnet (mit Ausnahme von 
Anser pallipes?). 
5.? Anser intermedius, JSfaum. t. 288. 

Anser Bruchi?, Bp. — Brhm. 
Schnabel mittelmässig, ziemlich hoch, orangefarbig auf der 
Firste und an den Seitenrändern. Nagel schwarz mit weisser 
Zeichnung. Füsse safrangelb. Ein wenig ausgedehnter, weisser 
Fleck an der Stirn und ein desgleichen kleiner unter dem 
Schnabel, Brust schwarz gefleckt. (Adult. nach Naum.) 

Ich besitze diese Art nicht, allein ich glaube, dass beigefügte Zeichnung 
darauf zu beziehen ist, welche in natürlicher Grösse nach einem mir durch Herrn 
Baillon mitgetheilten trocknen Kopfe gefertigt ist. 

Sollte dies aber nicht vielleicht ein grosses Exemplar von einer halb alten 
(semi-adulte) Anser albifrons (das unvollkommene Weiss der Stirn und der^ 
zweifarbige Nagel des Schnabels lassen das vermuthen) oder vielmehr ein 
Bastard von Anser arvensis und albifrons sein? Das von Stirn und Nagel 
Gesagte könnte in gleicher Weise auch dieser Vermuthung zur Stütze dienen. 

Ich gebe diese Zweifel den Ornithologen zu bedenken und bitte um ihre 
Ansicht über die beifolgende Zeichnung. Das Ende des Schnabels (der Nagel), ist 
breiter als bei arvensis und segetum und mehr übereinstimmend mit dem von 
albifrons. 

Herr Schlegel glaubt, dass die Füsse blassrosa sind, und dass die Abbildung 
Naumann's in dieser Beziehung ungenau ist (s. Nr. 8). 

6. Anser albifrons, Gm. Naum. t. 289. — Miss. lll. fig. 

(sehr schön.) 

Anser erythropus, Bp. , 

Anser medius, Temm. (juv.) 

Oie rieuse, Buff. 
Schnabel mittelmässig hoch. 
' Alt: Schnabel fleischfarbig, ein wenig gelb an der Firste. 
Nagel weiss. Füsse saf ran -orangegelb. Brust schwarz gefleckt. 
Das Weiss der Stirn steigt zwischen den Augen nicht bis 
zum Scheitel. Unter dem Schnabel ist es nicht oder fast nicht 
vorhanden. Kein weisser Kreis um die Augen. 
Jung : Weder Weiss an der Stirn, noch Schwarz an der Brust. 
Füsse trübgelb. Nagel des Schnabels schwarz. 
Auf dem Zuge in Belgien ; selten im Innern des Landes. 



264 

7. Anser minutus, Naum. t. 290. 

Anser brevirostris. Heckel, Brhm., Bp. 

Anser cinerascens, Brhm., (juv.) 

Anser Temmincki, Schlgl. — DeglJ (juv.) 

Schnabel hoch, sehr klein, sehr kurz. Kleiner als Anser 

• albifrons. 

Alt: Schnabel fleischfarbig-rosa (nach Schlegel); Nagel weiss. 

Füsse orangefarben. Brust schwarz gefleckt. Das Weiss der 

Stirn steigt zwischen den Augen bis zum Scheitel. 

Jung (nach Naumann): Unterscheidet sich von der jungen 

albifrons durch die gelben Füsse, durch den mehr schwarz 

gefärbten und kürzern Schnabel und durch das im Allgemeinen 

dunklere Gefieder, besonders an Kopf und Hals. 

Ein altes Exemplar ist im Februar 1855 in Belgien erlegt worden. Das 
Jugendkleid fehlt meiner Sammlung. 

8.? Anser pallipes, De Selys (Mss.). 

Ich möchte die ernste Aufmerksamkeit der Deutschen Ornitho- 
logen für eine, im domesticirten Zustande in den grossen Parks 
Belgiens und Hollands sehr verbreitete Race in Anspruch nehmen. 
Ich kenne ihre Provenienz nicht, und bin selbst nicht sicher, ob 
eins der von mir gesehenen Individuen im Zustande der Freiheit 
geboren ist. 

Diese Gans hat die Gestalt und Grösse von Anser albifrons, 
aber 

1. Die Füsse sind blassrosa, niemals gelb. 

2. Es ist kein Schwarz an der Brust. 

3. Das Weiss der Stirn ist etwas breiter und geht ganz 
um den Schnabel herum, selbst unten. 

4. Um die Augen zeigt sich ein weisser Kreis. 

5. Der Schnabel ist weniger hoch. 

6. Der Schrei ist sehr abweichend: er gleicht einem langen 
Lachen. 

Die Jungen ähneln beinahe denen von albifrons. 

Nur sehr provisorisch lege ich dieser Race einen Namen bei. Herr 
Schlegel schreibt mir, dass es die intermedius von Island sei; allein 
die Abbildungen und Beschreibungen Naumann's sprechen gegen diese 
Ansicht wegen der Farbe 1. des Schnabels, 2. der Stirn, 3. der Brust 
und 4. der Füsse. 



265 

Wäre diese pallipes ein fruchtbarer Bastard von cinereus mit 
albifrons? Aber wesshalb ist dann der Schnabel weniger hoch und 
die Stirn breiter weiss als bei diesen beiden Arten? 

Dieser pallipes hat in Belgien mit Anser cygnoides frucht- 
bare Bastarde erzeugt, welche wegen ihrer safrangelben Füsse und 
des schwarz gezeichneten Schnabels — abgesehen von dem Mangel 
von Schwarz an der Brust — sehr den Abbildungen Naumann's von 
Anser intermedius, t. 288, gleichen.*) 



Ich erwarte die Bemerkungen der deutschen Ornithologen über 
Obiges. Ich wollte für jetzt nicht die Priorität der Namen discutiren, 
sondern adoptirte des leichtern Verständnisses wegen, und um seine 
ausgezeichneten Abbildungen zu citiren, hauptsächlich die Nomenclatur 
Naumann's. 

Liege, 3. Juui 1855. Edm. de Selys Longchamps. 



*) Anser ruficollis, auct., 

„ hyperboreus, adulte, 
Anas glocitans $ £, 
„ falcata $ £, 
„ Stellen $, 
fehlen meiner Sammlung europäischer Vögel. Ich würde glücklich sein, wenn ich 
sie käuflich oder im Tausche gegen andere Gegenstände erwerben könnte. D. O. 



266 



Verzeichniss der europäischen Vögel nach den Species 
und Subspecies. 



Von 
Ludwig Itrchm. 



Wiederholten Aufforderungen des Herrn Herausgebers unserer 
Zeitschrift zufolge hat sich der Verfasser dieses entschlossen, ein 
Verzeichniss europäischer Vögel nach den von ihm aufgestellten 
europäischen Vögelarten und ihrer Unterarten oder Gattungen*) hier 
mitzutheilen, damit die Freunde und Feinde der vielfach besprochenen 
Subspecies das Feld mit einem Blicke übersehen können. Nothwendig 
scheint die Erklärung, dass die Aufstellung der Unterarten europäi- 
scher Vögel auf einem sehr sorgfältigen Studium der Vögel in der 
freien Natur beruht und nicht etwa nach einzelnen Exemplaren, son- 
dern nach einer genauen Musterung von 8000 Vögeln einer Sammlung 
europäischer Vögel,**) mit welcher sich keine andere auf der ganzen 



*) Der Ausdruck Gattung für Genus ist ganz unrichtig, wie schon Oken 
gezeigt hat, Gattungen (von sich gatteri) sind eigentlich die Subspecies, dess- 
wegen muss Genus nicht durch Gattung, sondern durch Sippe bezeichnet 
werden. 

**) Möchte doch diese Sammlung sonder Gleichen, über deren Reichthum 
sogar Prinz Charles Lucien Bonaparte schon zu Anfang der. vierziger Jahre (in 
seiner vor der Naturforscher -Versammlung in Florenz im Jahre 1842 gehaltenen 
Rede) sich bewundernd ausspricht , und die seit jener Zeit vielleicht ums Doppelte 
gewachsen ist — möchte doch dieses werthvolle Zeugniss eines beispiellosen 
Fleisses, einer unermüdlichen Ausdauer und Consequenz dem Vaterlande oder 
wenigstens Europa erhalten bleiben, und nicht etwa — wie es leider zu fürchten 
steht — den Weg über den atlantischen Ocean gehen! Wir sind — und mit uns 
viele Freunde und Gegner, der Ansichten Brehm's — wir sind der Meinung , dass 
nicht nur viele der Brehm'schen „Originalexemplare", sondern die ganze Sammlung 
sich dem Käufer verinteressiren dürfte, abgesehen davon, dass doch auch eine Be- 
lohnung so enormen Fleisses höchst wünschenswerth erscheint. 

Wir selbst glauben uns den Dank der Ornithologen — Gegner wie Freunde 
der Brehm'schen Species und Subspecies — für die nach jahrelangem Bitten und 
Erinnern erreichte Aufstellung derselben erworben zu haben, und geben sogleich, 
wenn auch nur einen kleinen Theil, in den wenigen übrigen Blättern dieses Heftes. 

Die Red. 



267 



Erde in Bezug auf den Reichthum der Reihefolgen vergleichen kann, 
und einer sorgfältigen Untersuchung von Hunderten gepaarter Paare 
gewagt worden ist. Sie ist die Frucht eines lebenslänglichen Studiums 
der europäischen Ornithologie, welche, die Gegner mögen noch so 
sehr dagegen eifern, immer für uns Europäer die Grundlage der 
Erforschung der gesammten Ornithologie bleibten wird. 

Das Gesagte schien zur Begründung einer billigen Beurtheilung 
des Folgenden nothwendig. Zuweilen werden auch aussereuropäische, 
den unsern nah verwandte Vögel mit aufgeführt werden. Diese 
Species und Subspecies sind beschrieben in Brehm's Handbuche und 
Brehm's Vogelfange, beide bei Voigt in Weimar. 



Vulturinae. *) 

I. Neophron, Savign. 

1. N. percnopterus, Sav. 

N. subpercnopterus , Brm. , kurzer 
Schnabel. 

2. N. pileatus, Ml. 

N. monaclms, Brm., mit kurzem 
Schnabel. 

II. Otogyps, Griff. 

1 . Ot. nubicus, Griff. (Vultur auricu- 
laris auct.), mit sehr vortreten- 
dem Flaum. 
Ot. pennatus, Brm., mit wenig be- 
merkbarem Flaum. 

III. Vultur, L. 

1. Vultur cinereus, Raj. 

IV. Gyps, Sav. 

1. Gyps fulvus, Gray. Vultur fulvus, 

Linn. 
G. albicollis, Brm., an occidentalis, 
Sc«. 

2. Gyps Rüppellii, Alfr. Brm. 

Gypaetlnae. 

I. Gy p ae itos, iStorr. 

1. Gypaetos grandis, Storr. (G. bar- 
batus auct.) 

a) G. meridionalis, Brm., an occi- 
dentalis, Schi. 

b) G. nudipes, Brm., Südafrika. 



Falconidae. 

Aqnilinae. 

I. Haliaetus, Sav. 

1. Haliaetus albicilla. 

a) H. groenlandicus, Brm. . 

b) H. borealis, Brm. 

c) H. islandicus, Brm. 

d) H. orientalis, Brm. 

e) H. cinereus, Brm. 

f) H. funereus, Brm. 

2. H. leucocephalus, Pall. 

3. H. vocifer, auct. 

4. H. leucorypha. 

II. Aquila, Briss. 

1. Aq. fulva, Brm. (Falco fulvus, Linn.) 
Aq. melanaetos , Brm. (Falco me- 

lanaetos, Linn.) 

2. Aq. chrysaetos, Brm. (Falco chry- 

saetos, L.) 

3. Aq. fuscicapilla, Brm. 

4. Aq. heliaca, Sav. (Aq. chrysaetos, 

Leisl. Aq. imperialis, Sechst.) 

5. Aq. rapax, auct. 

a) Aq. raptor, nobis. 

b) Aq. variegata, nobis. 

6. Aq. Pallasii, Alfr. Brm. 

7. Aq. clanga, Pall. 
Aq. unicolor, Brm. 



*) Von Sarcoramphos wurden in der Isis beschrieben : 

1. S. gryphus, sehr gross mit einem schwarzen Querbande auf dem weissen 
Flügelschilde. 

2. S. condor, l / 3 kleiner mit keinem schwarzen Querbande auf dem weissen 
Flügelschilde. 



268 



8. Aq. fusca, Brm. 

a) Aq. pomarina, Brm. 

b) Aq. subnaevia, Brm. 

c) Aq. fulviventris, Brm. 

9. Aq. fuscoatra, Brm. 

10. Aq. naevia auct. (Falco naevius, L.) 

11. Aq. ßrehmii, Müller. 

12. Aq. pennata, Cuv. (Falco penna- 

tus, L.) 

13. Aq. minuta, Brm. . 

14. Aq. Bonellii,*) Bp. 

15. Aq. Wiedii, nobis. 

III. Pandion, Sav. 

1. Pandion haliaetos, Cuv. (Falco ha- 
liaetos, Linn.) 

a) P. alüceps, Brm. 

b) P. planiceps, Brm. 

c) P. albigularis, Brm. 

d) P. minor, Brm. 

e) P. fasciatus, Brm. 

IV. Circaetos, Vieill. 

1. Circaetos leucopsis, Brm. (C. galli- 

cus, Vieill.) 
Circ. anguium, Brm. 

2. Circ. hypoleucos, Vieill. (Accipiter 

hypoleucos, Pall.) 

3. Circ. orientalis, nobis. 

Buteoninae. 

I. Butaetos, Naum. 

1. But. leucurus, Naum. 

2. But. ruflnus;, Brm. (Buteo rufinus, 

auct.) 

II. Archibuteo, Brm. 

1. Archibuteo lagopus, Brm. (Falco 
lagopus, L.) 

a) A. planiceps, Brm. 

b) A. alüceps, Brm. 

III. Buteo, Bechst. 

1. Buteo vulgaris, B. (Falco buteo, L.) 

a) B. major, Brm. 

b) B. septentrionalis, Brm. 

c) B. medius, Brm. 

d) B. murum, Brm. 

e) B. minor, Brm. 

f) B. albidus, auct. 



Milvlnae. 

I. Pernis, Cuv. 

1. Pernis apivora, Cuv. 

a) P. apium, Brm. 

b) P. vesparum, Brm. 

c) P. platyura, Brm. 
IT. Milvus, Briss. 

1. Milvus regalis, Br. (Falco milvus, L.) 
M. ruber, Brm. 

2. M. niger, Briss. (Falco ater, Linn.) 
M. fuscus, Brm. 

3. M. parasiticus, Le Vaill. (Falco 

parasiticus, Daud.) 
M. leueorhynchus, Brm. 

4. M. Forskali, Brm. (Falco Fors- 

kali, L.) 
III. Nauclerus, Vig. 

Nauclerus furcatus, Vig. (Falco fur- 
catus, Linn.) 
Elanus, Sav. 
Elanus melanopterus, Leach. (Falco 
melanopterus, Daud.) 

Falconinae. 

I. Hiero falco, Cuv. 

1. Hierofalco islandicus, Cuv. (Falco 

islandicus, Brm.) 

a) Hier, groenlandicus, Brm. (Falco 
candicans, L.) 

b) Hier, gyrfalco, Brm. (Falco gyr- 
falco, L.) 

2. Hierofalco lanarius, Brm. (Falco 

lanarius, Cuv.) 

II. Falco, Linn. 

1. Falco peregrinus, Gm., Linn. (Falco 

communis, L.) 

a) F. griseiventris, Brm. 

b) F. abietinus, Bechst. 

c) F. leueogenys, Brm. 

2. Falco Feldeggii, Schi. (Mittelzehe 

länger, als die Fusswurzel, bei 
den drei folgenden ist sie kürzer.) 

3. Falco cervicalis, Mus., Berol. 

4. Falco biarmicus, auct. 

5. Falco taenypterus, Mus., Berol. 

III. Dendrofalco, Bp. 

I. Dendrofalco concolor, Brm. (Falco 
concolor, Temin., Susem. (Ta- 
fel 54, 4.) 



*) Ich schreibe, und gewiss nicht mit Unrecht, alle Eigennamen hinter dem Namen 
der Sippe gross, werden doch im Lateinischen die davon herrührenden Beiwörter gross 
geschrieben. 



269 



2. Dendrofalco arcadicus, Brut. (Falco 

arcadicus, Linderm. , Sitsem. 
(Taf. 54, 3 ) 

3. Dendrofalco Eleonorae, Bp. (Falco 

Eleonorae, Gene, Sus. Taf. 53.) 

4. Dendrofalco subbuteo, Bp. (Falco 

subbuteo, L.) 

a) Dendr. Hirundinum, Brm. 

b) Dendr. arboreus, Brm. 

5. Dendrofalco gracilis, nobis. (Falco 

gracilis, nobis.) 

IV. Aesalon, Kaup. 

1. Aesalon litbofalco, Kaup. (Falco 
' lithofalco, Gm., Linn.) 

2. Aesalon orientalis, nobis. (Falco 

aesalon, Linn. et Brm.) 

V. Cerchneis, Boje. (Tinnuncul., Vieill.) 

1. Cerchneis tinnuncula, Boje. (Falco 

tinnunculus, L.) 

a) C. murum, Brm. 

b) C. media, Brm. 

c) C. taeniura, Brm. 

d) C. iniercedens, Brm. 

e) C. accedens, Brm. 

2. C. rupicolaeformis, Paul de Wrttb. 

3. C guttata, nobis. 

4. C. fasciata, Brm. 

5. C ruficeps, nobis. 

6. C. ruficauda, nobis. 

7. C. cenchris, Boje. 

a) C. subtinnuncula, Brm. 

b) C. paradoxa, Brm. *) 

VI. Erythropus, Z?rwi. 

1. Eryth. vespertinus, Brm. (Eryth. ob- 
scurus, Brm., Falco vesper- 
tinus, L.) 

a) Erylhr. pallidus, Brm. 

b) Erythr. minor, Brm. 

Accipitrinae. 

J. Astur, Bechst. 

1. Astur palumbarius, Bechst. (Falco 

palumbarius, L.) 

a) Astur gallinarum, Brm. 

b) Astur bracbyrhyncbos, Brm. 

2. Astur paradoxus, Brm. 
II. Mel ierax, auct. 

Melierax gabar, Brm. (Falco gabar, auct.) 



I1T. Nisus, Cuv. (Accipiter, Ray.) 
1. Nisus communis, Cuv. (N. fringilla- 
rum, Brm. Falco nisus, Linn.) 

a) N. peregrinus, Brm. 

b) N. elegans. 

c) N. intercedens (£ alt fast rein 
roth am Unterkörper). 

Circinae. 

I. Circus, Lacep. 

1. Circus aeruginosus, Bp. (Falco aeru- 
ginosus, L.) 

a) Circus arundinaceus, Brm. 

b) Circus rufus, Brm. 

II. Strigiceps, Bp. 

1. Strigiceps cyaneus, Bp. (Circus cya- 

neus, Bechst. F. cyaneus,./..) 

a) Str. cinereus, Brm. (Circus cine- 
reus, Brm. 

b) Str. nigripennis, Brm. (Circus 
nigripennis, L.) 

c) Str. pallens, Brm. (Circus pal- 
lens, Brm.) 

2. Str. pallidus, Bp. (Circus pallidus, 

Bruch.) 

a) Str. Swainsonii, Bp. (Circus 
Swainsonii, Smith.) 

b) Str. desertorum, Brm. (Circus 
desertorum, Brm.) 

3. Str. cineraceus, Bp. (Circus Mon- 

tagui, Vieill. C. cineraceus, 
Cuv. F. cineraceus, Mont.) 

a) Str. pralorum, Brm. (Circus 
pratorum, Brm.) 

b) Str. elegans, Brm. (Circus ele- 
gans, Brm.) 

Strigidae. 

Surniinae. 

I. S u r n i a , Dumer. 

1. Surnia funerqa, Dum. (Strix fune- 
rea, Lath.) 

a) S. nisoria, Brm. (Str. nisoria, Mey.) 

b) S. hudsonia, Brm. (Str. hud- 
sonia, L.) 

II. Nyctea, Steph. 

1. Nyctea erminea, Steph. (Strix nyc- 
tea, L.) 
Nyctea Candida, Brm. 



*) Alle bestimmt nach mehr als 200 Exemplaren. 



270 



III. Glaucidium, Boje. 

1. Glaucidium passerinum, Boje. (Str. 
passerina, L.) 

a) Gl. microrhynchon, Brm. 

b) Gl. pygmaeum, Brm. (Str. pyg- 
maea, Bechst.) 

IV. Athene, Boje. 

1. Athene passerina, Boje. (Strix noc- 

tua, Metz.) 
Athene psilodactyla, Brm: (Strix 
psilodactyla, Nilss.) 

2. Athene indigena, Brm. Griechenld. 

3. Athene meridionalis , Brm. (Strix 

meridionalis, Brm. Noctua ni- 
lotica, Paul de Wrttb.) 

V. Nyctale, Brm. 

1. Nyctale pinetorum, Brm. (Strix 
Tengmalmi, Gm., Linn.) 

a) N. abietum, Brm. 

b) N. planiceps, Brm. 

c) N. minor, Brm. 

2 Nyctale Baedeckeri, Brm. 

VI. Ptynx, Blight. 

1. Ptynx uralensis, Bl. (Strix uralen- 
sis, Pall.) 
Ptynx Iiturata, Brm. 

VII. Syrnium, Sav. 

1. Syrnium cinereum, Gr. (Str. cinerea, 

Gm. Str. lapponica, Retz.) 

2. Syrnium alueo, JSav. (Str. alueo, L.) 
a) S. macroeephalum, Brm. (Strix 

macroeephala, Meisn.) 
. b) S. aedium, Brm. (Str. aedium, 
Zander.) 

c) S. rufescens, Brm. 

d) S. stridulum. (Str. stridula, L.) 

VIII. Ulula, Cuv. 

1. Ulula nebulosa, Cuv. (Strix nebu- 
losa, L.) 

IX. Strix, Linn. 

1. Strix flammea, Linn. 

a) Str. guttata, Brm. 

b) Str. adspersa, Brm. 

c) Str. margaritata, Paul de Wrttb. 

2. Str. maculata, nobis. (Nordostafrika.) 

3. Str. splendens, Hempr. 

X. Ascalaphia, Is. Geoffr. 

1. Ascalaphia Savignyi, Is. Geoffr. 
(Bubo ascalaphus , Sav. Str. 
ascalaphus, Sav.) 



XI. Bubo, Cuv. 

1. Bubo maximus, Sibbald. (Bubo ger- 

manicus, Brm. Strix. bubo, Linn.) 

a) B. septentrionalis, Brm. 

b) B. melanotus, Brm. 

2. Bubo sibiricus, auet. (Bubo palli- 

dus, Brm.) 

XII. Otu s, Cuv. 

1. Otus capensis, auet. 

2. Otus vulgaris , Flemm. (Otus syl- 

vestris, Brm. Strix otus, Linn.) 

a) Ot. major, Brm. 

b) Ot. gracilis, Brm. 

c) Ot. arboreus, Brm. 

d) Ot. minor, Brm. 

3. Otus assimilis, Brm. 

XIII. Brachyotos, Gould. 

1. Brachyotos palustris, Bp. (Strix bra- 

chyotos, Gm., L. Otus bra- 
chyotos, Boje.) 
Brach, agrarius, Brm. (Otus agra- 
rius, Brm.) 

2. Brachyotos leueopsis, Brm. (Otus 

leueopsis, Brm.) 

XIV. Scops, Sav.' 

1. Scops zorca, Sav. (Scops carniolica, 

Brm. Str. scops, L.) 

a) Sc. minor, Brm. 

b) Sc. rupestris, Brm. 

c) Sc. rufescens, Brm. 

2. Scops pygmaea, nobis. 

Chelidones. 

Capriiuulgidae. 
I. Caprimulgus, Linn. 

1. Caprimulgus europaeus, L. (Capr. 

punetatus, Brm.) 

a) Capr. maculatus, Brm. 

b) Capr. foliorum, Brm. 

2. Capr. ruflcollis, Temm. 
Capr. torquatus, Brm. 

3. Capr. longicaudus, Steph. (Capr. 

climacturus, Vieill.) 
Cypselidae. 
I. Cypselus, Illiger. 

J. Cypselus melba, /W. (Hirundo melba, 
L. Cypselus alpinus, Temm.) 

a) Cyps. alpinus, Temm. 

b) Cyps. fuscicollis, Brm. Afrika. 

2. Cyps.apus, III. (Hirundo apus, Linn.) 

a) Cyps. murarius, Temm. 

b) Cyps. turrium, Brm. 

3. Cyps. murinus, nobis. 



271 



Hirundinidae. 

' Hirundiolnae. 

I. Cecropis, Boje. 

1. Cecropis rustica, Boje. (Hirundo 

rustiia, L.) 

a) Ceer. stabuloruni, Brm. 

b) Cecr. pagorum, Brm. 

2. Cecr. cachirica, Brm. (Hirundo ca- 

chirica, Licht. H. Boissonneau, 
Temm.) 

3. Cecr. rufula, Boje. (Hirundo al- 

pestris, Keys, et Blas.) 

II. Chelidon, Boje. 

1. Chelidon urbica, Boje. (Hirundo 
urbica, L.) 

a) Chel. tectorum, Brm. 

b) Chel. fenestrarum, Brm. 

c) Chel. rupestris, Brm. 

III. Cotyle, Boje. 

1. Cotyle riparia, Boje. (Hirundo ri- 

paria, L.) 

a) Cot. fluviatilis, Brm. 

b) Cot. microrhynchos, Brm. 

2. Cot. rupestris, Boje. (Hirundo ru- 

pestris et montana, Gmel., Linn ) 

3. Cot. cachirica, Paul de Wrttb. 

IV. Progne, Boje. 
Progne purpurea, Boje. 



Meropidae. 

Meropinae. 

I. Mero ps, L. 

1. Merops apiaster, L. 

a) M. Hungariae, Brm. 

b) M. elegans, Brm. 

2. Merops aegyptius, Forsk. 

Savignyi, Cuv.) 
Merops persicus, Pall. 



(Merops 



Alcedinidae. 

AIcedlninae. 

1. Alcedo, Linn. 
1. Alcedo ispida, L. 



a) Ale. subispida, Brm. 

b) Ale. brachyrhynchos, Brm. 

2. Ale. pallida, nobis. 

3. Ale. bella, Brm. (Ale. ispida, L.) 

II. Ceryle, Boje. 

1. Ceryle rudis, Boje. (Alcedo rudis, L.) 

2. Ceryle leucomelos, Brm. 

3. Ceryle alcyon,2?/>. (Alcedo alcyon.Z.) 

Cuculidae. 

Cuculinae. 

I. Oxylophus, Srv. 

1. Oxylophus glandarius, Srv. (Cucu- 

> lus glandarius, L.) 

2. Oxylophus minor, Brm. (Cuculus 

macrourus, Brm. 

II. Cuculus, L. 

\. Cuculus canorus, Liren. 

a) Cuc. cinereus, Brm. 

b) Cuc. longipennis, Brm. (mit klei- 
nem Schnabel und sehr langen 
Schwingen.) 

III. Cureus, Boje. 

Cureus americanus, Bp. (Cuculus ame- 
ricanus, carolinenis et domini- 
cus, L.) 

Oriolidae. 

Oriolinae. 

Oriolus galbula, Linn. 

a) Oriol. aureus, Brm. 

b) Oriol. garrulus, Brm. 

Coraciacidae. 

Coracinae. 

1. Coracias garrulus, Linn. 

a) Cor. germanicus. 

b) Cor. planiceps. 

2. Coracias glaueopteros, Brm. (Coi-acias 

garrulus, L.) 



(Fortsetzung im nächsten Hefte.) 



272 



f. Bekanntmachungen. 



Die zehnte Versammlung der Deutschen Ornithologen- 
Gesellschaft wird im nächsten Jahre in dem noch näher von der 
Gesellschaft zu bestimmenden Termine in Cöthen abgehalten werden. 
Zu Geschäftsführern wurden der Rittergutsbesitzer Carl Nette auf 
Wörbzig, bei Cöthen, und der Pfarrer E. Baldamus in Diebzig 
gewählt. 

Als feststehende Gegenstände der Tagesordnung wurden gewählt: 

1. Revision der Falken, Fortsetzung, (Würg-, Schlecht-, 

Röthelfalken). 

2. „ der Bachstelzen, (Motacilla, Budytes etc.). 

3. „ der Gänse und Schwäne (Anser, Cygnus etc.). 

4. Bestimmung des Speciesbegriffes (für die Ornithologie). 

Der Sekretär: 
E. Baldamus. 

'Die verehrl. Mitglieder unserer Gesellschaft werden hiermit auf- 
gefordert, ihre Abstimmung über den Zeitpunkt der Abhal- 
tung der nächsten Jahresversammlung bis zum 1. October 
d. J. an Unterzeichneten einsenden zu wollen. Die Wahl steht für 
diesmal unter den drei Terminen: 

1. erste volle Woche des Juni, 

2. „ „ „ des Juli, 

3. letzte volle Woche des September, 

und wäre es wünschenswerth, wenn — wie das in Braunschweig ge- 
schehen — für einen und eventuell für einen zweiten Termin ge- 
Stimmt würde. • Der Sekretär: 

E. Baldamus. 

Der zu den beiden Reihertafeln im I. Hefte gehörende Aufsatz 
AI tum 's, welcher mit dem dort aufgenommenen verwechselt wurde, 
wird im nächsten (III.) Hefte nachgeliefert werden. 

- D. Redaction. 



Nr. 18. 



Verzeichnis« der europäischen Vögel nach den Species 
und Subspecies. 



Von 

Ludwig Brennt. 

(Fortsetzung.) 



Corvidae. 

Corvinae. 

I. Coraces, L. 

1. Corvus corax, L. (Corvus sylvestris, 

Brm.) 

a) C. littoralis, Brm. 

b) C. peregrinus, Brm. 

c) C. montanus, Brm. 

2. C. umbrinus, ffedenb. 

3. C. brachyuros, *) Alfr. Brm. 

4. C. leucophaens, L. , vera species, 

siehe Brehm's Vogelfang- S. 414. 

II. CorniceS. 

1. Corvus corone, L. 

a) C. subcorone, Brm. 

b) C. hiemalis, Brm. 

c) C. assimilis, Brm. 

2. C. brachyrhynehos, Brm. (C. ame- 

ricanus, Wils.) 

3. C. cornix, L. 

a) C. subcornix, Brm. 

b) C. temürostris, Brm. 

c) C. cinereus, Br?n. 

III. Frugilegi. » 
1 . Corvus frugilegus, L. 

a) C. granorum, Brm. 

b) C. advena, Brm. 

VI. Monedula, Brm. (Lycos, Boje.) 

1. Monedula turriuni, Brm. (Lycos mo- 

nedula , Boje. Corvus mone- 
dula, L.) 
Mon. septentrionalis, Brm. 

2. Mon. spermologos, Brm. (Corvus sper- 

mologos, Frisch.) 



(Cor- 



3. Mon. daurica, Brm. (Corvus dauricus, 
auct., an Lycos collaris? Bp.) 

Fregilinae. 

I. Fregilus, Cuv. 

1. Fregilus graculus, Cuv. (Corvus 
graculus, L.) 
Fregilus alpestris, Brm. 

II. Pyrrhocorax, Cuv. 
1. Pyrrhocorax alpinus, Vieill. 

vus pyrrhocorax, L.) 

a) P. montanus, Brm. 

b) P. planiceps. 

Picinae. 

I. Pica, Briss. 

1. Pica caudata, Ray. (Pica germa- 

nica, Brm. Corvus pica, L.) 

a) P. hiemalis, Brm. 

b) P. pinetorum, Brm. 

c) P. septentrionalis, Brm. 

2. P. leuconotos, Brm. (Corvus pica, L.) 

II. Cyanopica, Bp. 

1. Cyanopica Cooki, Bp. (Pica cyanea, 
Cook.) 

Garrulidae. 
Garrulinae. 
4 Gianda ri us, Brm. 

1. Glandarius germanicus, Brm. (Cor- 
vus glandarius, L.) 

a) Gl. robustus, Brm. 

b) (il. septentrionalis, Brm. 

c) Gl. taeniurus, BrWIt 

d) Gl. leucocephalus, Brm. 



*) Nicht brachyrhynehos, wie Brehm's Vogelfang S. 414, Z. 22 als Druckfehler steht. 
Naumannia 1855. 18 



274 



2. Glandarius melanocephalus, Brm. 

. (Garrulus Krynickii , Kaleniez. 

Garrul. melanocephalus, Temm.) 

Nucifraginae. 

I. Nucifragae, Cnv. 

Nucifraga caryocatactes, Cuv. (Corvus 
caryocatactes, L.) 

a) N. brachyrhynchos, Brm. 

b) N. platyrhynchos, Brm. 

c) N. alpestris, Brm. 

d) N. arquata, Brm. 

e) N. macrorhynchos, Brm. 

f) N. minor, Brm. 

P i c i d a e. 

Pielnae. 

I. Dyocopus, Boje. 

Dyocopus martius, Boje. (Picus mar- 
tius, L.) 

a) D. alpinus, Brm. 

b) D. niger, Brm. 

c) D. pinetörum, Brm. 

II. Picus, L. 

1. Picus major, L. 

a) P. montanus, Brm. 

b) P. pinetörum, Brm. 

c) P. pityopicus, Brm. 

2. P. frondium , Brm. (P. major, L.) 

3. P. mauritanus, auct. (P. lunatus, auct.) 

4. P. cirris, Pall. 

a) P. leuconotus, Bechst. 

b) P. polonicus, Brm. 

5. P. medius, L. 

a) P. roseiventris, Brm. 

b) P. quercuum, Brm. 

6. P. meridionalis, Brm. 

III. P iculus, Brm. 

1. Piculus hortorum, Brm. (Picus mi- 

nor, L.) 

a) P. herbarum, Brm. , 

b) P. minor, Brm. 

c) P. crassirostris, Brm. 

2. P. pusillus, Brm. (Picus minor, L.) 

IV. Apternus, Srv. (Picoides, Lacep.) 
1. Apternus tridactylus, Sw. (Picoides 

europaeus, Less. Picoides al- 
pinus, Brm. Picus tridacty- I 
lus, L.) 



a) Apt. longirostris, Brm. (Picoides 
longirostris, Brm.) 

b) Apt. montanes, Brm. (Picoides 
montanus, Brm.) 

2. Apt. septentrionalis, Brm. (Picoides 
septentrionalis, Brm.) 

V. Gecinus, Boje. 

1. Gecinus viridis, Boje. (Picus viri- 

dis, L.) 

a) G. pinetörum, Brm. 

b) G. frondium, Brm. 

c) G. virescens, Brm. 

d) G. brachyrhynchos, Brm. 

2. G. canus, Boje. (Picus canus, Gmel., 

Linn. Picus norvegicus, L.) 

a) G. viridicanus, Brm. 

b) G. caniceps, Brm. 

VI. Jynginae. (Yunginae, Bp.) 

VII. Jynx, Brm.*) (Yunx, L.) 

Jynx torquilla, Brm. (Yunx torquilla, L.) 

a) J. punctata, Brm. 

b) J. major, Ifn«. 

Siüinae. 
Sitta, L. 

1. Sitta caesia, Wolf. (Sitta europaea, 

auct.) 

a) S. pinetörum, Brm. 

b) S. foliorum, Brm. 

2. S. advena, Brm. 

3. S. europaea, Linn. 
S. suecica, i?rm. 

4. S. sibirica, Pall. (S.uralensis, Licht.) 

5. S syriaca, Ehrenb. 

S. Neumayeri, Michahelles et Brm. 

Certhiadae. 

Certhianae. 

I. Certhia, Linn. 

1. Certhia familiaris, Linn. 

a) C. macrodactyla, Brm. 

b) C. septentrionalis, Brm. (Certhia 
costae, Parzudaki.) 

c) C. brachyrhynchos, Brm. (Cer- 
thia Costae, auct.) 

2. Certhia brachydactyla, Brm. 

a) C. megarhynchos, Brm. 

b) C. paradoxa, Um. 



*) So heis8t diese Sippe, nicht Yunx, welches kein lateinisches Wort ist. Brm. 



275 



II. Tichodroma, lllig. 

1. Tichodroma macrorhynchos , Brm. 

(Tichodroma muraria, lll. (Cer- 
thia muraria, L.) 
T. media, Brm. 

2. T. brachyrhynchos, Brm. (Certhia 

muraria, L.) 

Upupinae. 
Upupa, L. 

1. Upupa epops, L. 

a) Up. macrorhynchos, Brm. 

b) Up. brachyrhynchos, Brm. 

c) Up. bifasciata, Brm. 

2. Up. major, Alfr. Brm. 

Ampelida e. 

Bombjcilliuae. 

B o m b y c i 1 1 a , Briss. 

Bombycilla bohemica, Briss. (Ampelis 
garrulus, L.) 

a) B. garrula, Br?u. 

b) B. brachyrhynchos, Brm. 

Muscicapidae. 

Muscicapinae. 

I. Butalis , Boje. 

Butalis grisola, Boje. (Musicapa gri- 
< sola, L.) 

a) B. montana, Brm. 

b) B. pinetorum, Brm. 

c) B. alpestris, Brm. 

d) B. domestica, Brm. s 

II. Muscicapa, L. 

1. Muscicapa alricapilla, L. (M. luc- 

tuosa, Temm.) 

a) M. luctuosa, Brm. 

b) M. alticeps, Brm. 

2. M. collaris, Bechst. *) (M. albicol- 

lis, Temm.) 
M. albifrons, Brm. 

3. M. museipeta, L. 

a) M. fuscicapilla, Brm. 

b) M. atrogrisea, Brm. 

4. M. parva, Bechst. (gelbe Kehle.) 

5. M. ruftgularis, Brm. (rothe Kehle.) 
M. ruficollis, Brm. (viel kleiner.) 



Laniidae. 

Laniinae. 

I. Lanius, Linn. 

1. Lanius exeubitor, L. 
L. rapax, Brm. 

2. L. major, Pall. (L. septentrionalis? 

Gm.) 

3. L. meridionalis, Temm. 

4. L. assimilis, nobis. 

5. L. leueonotos, nobis. 

6. L. minor, L. 

a) L. pinetorum, Brm. 

b) L. nigrifrons, Brm. 

c) L. eximius, Brm. 

d) L. graecus, Brm. 

7. L. rufus, L. 

a) L. rufieeps, JBrm. 

b) L. melanotos, Brm. 

8. L. paradoxus, Brm. l 
L. cognatus, Brm. 

9. L. collurio, L. 

a) L. spinitorquus, Bechst. et Brm. 

b) L. dumetorum, Brm. 

10. L. nubicus, Licht. (L. personatus, 
Temm. L. leueometopon, w. rf. 
üfwWe.) 
L. caudatus, Brm. 

II. T e 1 e p h o n u s , Swains. 
Telephonus erythropterus, Sw. (L. ery- 

thropterus, Shaw, L. cucul- 
latus, Timm.) 

Loxiadae. 

Loiinae. 
I. Crucirostra, Cwi>. (Loxia, Briss.) 
1. Crucirostra pityospittacus, Cmd. (Loxia 
pityospittacus, Bechst.) 

a) Cr. subpityospittacus, Brm. 

b) Cr. major, Brm. 

c) Cr. brachyrhynchos, ßr??j. 

d) Cr. intercedens, Brm. 4 
2 Cr, curvirostra, Cuv. (Loxia curvi- 

rostra, L.) 

a) Cr. parodoxa, Brm. 

b) Cr. longirostris, Brm. 

c) Cr. montana, Brm. 

d) Cr. pinetorum, Brm. 

e) Cr. minor, Brm. (Amerika.) 
3. Cr. rubrifasciata, Brm. 



*) Dieser, nicht Temminck, hat den Vogel entdeckt. Brm. 



IS* 



276 



4. Cruciroslra erythroptera, Brm. 

5. Cr. Irifasciata, ßrm. 

6. Cr. bifasciata, Brm. 

Cr. taenioptera, Gloger et Brm. 

7. Cr. orientalis, Brm. 

8. Cr leucoptera, Cuv. (Loxia leucop- 

tera, auct.) (Amerika.) 

II. Corythus, Cuv. 

1. Corythus enucleator, Cuv. (Loxia 

enucleator, L.) 

a) Cor. angustirostris, Brm. 

b) Cor. minor, Brm. 

2. Cor. splendens, Brm. 

III. Erythrothorax, Brm. (Carpoda- 
cus, Raup. Erythrospiza, Bp.) 

1. Erythrothorax rubrifrons, Brm. 

(Pyrrhula erylhrina, Fall.) 

2. Eryth. albifrons, Brm. (Passer roseus, 

Fall. Fringilla rosea, auct.) 
3 Eryth. caucasicus, Brm. (Cocco- 
thraustes caucasicus, ^Pall.*) 

IV. Carpodacus, Kaup. (Erythros- 
piza, Bp.) 

1. Carpodacus githagineus, Gr. (Frin- 

gilla githaginca, Licht. Erythro- 
spiza githaginea, Bp.) 
Carp. payraudaei, Cab. et Brm. 

2. Carp. phoenicopterus, Brm. (Frin- 

gilla rhodoptera, Licht. Ery- 
throspiza phoenicoptera, Bp.) 

V. Pyrrhula, Briss. 

1. Pyrrhula vulgaris, Briss. (Loxia 

pyrrhula, L.) 

a) P. major, Brm. 

b) P. germanica, Brm. 

c) P. peregrina, Brm. 

2. P. minor, Brm. 

VI. Paradoxornis, Gould. 
Paradoxornis brevirostris, Gould. 

VII. Serinus, Boje. 

1. Serinus flavescens, Gould. (Serinus 

orientalis s ~Brm. Fringilla se- 
rinus, Z.) 

a) S. meridionalis, Brm. 

b) S. occidcntalis, Brm. 

2. S. islandicus, Brm. (Fringilla islan- 

dica? Fab. spec. dubia.) 

3. S. pusillus, Brandt. (Passer pusil- 

lus, Fall.) 



VIII. Coccothraustes, Briss. 
Coccothraustes vulgaris, Brm. (Cocco- 
thraustes fagorum, Brm. Loxia 
coccothraustes, />.) 

a) Cocc. planiceps, Brm. 

b) Cocc. cerasorum, Brm. 

c) Cocc. minor, Brm. 

IX. Chlor is, Brm. (Clilorospiza, Bp.) 

1. Chloris flavigaster, Siv. (Cbloris 

pinetorum , Brm. Loxia chlo- 
ris, L.) 

a) Chi. hortensis, Brm. 

b) Chi. septentrionalis, Brm. 

c) Chi. montana, Brm. 

d) Chi. brachyrhynchos, Brm. 

e) Chi curvirostris, Brm. 

2. Chi. incerta, Brm. (Clilorospiza in- 

certa, Bp. Fringilla incerta, 
Risso.) 

Fringillinae. 

I. Petronia, Bp. 

1. Petronia rupestris, Bp. (Pyrgita pe- 

tronia, Brm. Fringilla petro- 
. nia, L.) 

a) Petr. saxorum, Brm. 

b) Petr. brachyrhynchos, Brm. 

c) Petr. macrorhynchos, Brm. 

2. Petr. petronella, klein m. sehr gestreck- 

tem Schnabel und gelbem 
Gurgelflecken in N-W.-Afrika. 

3. Petr. albigularis, nobis nova species, 

klein mit weissem Gurgelflecken, 
ebendaselbst. 

II. Passer, Briss. (Pyrgita, Cuv.) 

1. Passer domesticus, Bp. (Pyrgita do- 

mestica, Cuv. Fringilla do- 
mestica, L.) 

a) P. validus, Brm. 

b) P. minor, Brm. 

c) P. pagorum, Brm. 

d) P. rusticus, Brnu 

c) P. brachyrhynchos, Brm. 

2. P. intercedens, Brm. 

3. P. Italiae, Bp. (Pyigitaltaliae, Vieilt. 

Fringilla cisalpina, Temm.) 

4. P. salicaiius, Bp. (Fringilla salica- 

ria, Vieill. Fringilla hispanio- 
lensis, Temm.) 



*) Erythrothorax caudatus, Brm. (Loxia sibirica, Pall.) kommt schwerlich in Europa 
vor und ist deswegen in diesem Verzeichnisse weggelassen. 



277 



5. Passer montanus, Aldr. (Pyrgita 
montana, Cuv. Fringilla mon- 
tana, L.) 
P. rufidorsalis, nobis, (Pyrgita rufi- 
dorsalis, nobis, nova spec. ist 
kleiner als unser Haussperling, 
ihm ähnlich, aber mit kasta- 
nienbraunem Rücken, in N.-O.- 
Afrika) 

III. Montifringilla, Brm. 
Montifringilla nivalis, Brm. (Fringilla 

nivalis, L) 
Mont. glacialis, Brm. 

IV. Fringilla, L. 

1. Fringilla coelebs, L. 

a) Fr. hortensis, Brm. 

b) Fr. sylvestris, Brm. 

c) Fr. nobilis, Brm. 

d) Fr. alpestris, Brm. 

e) Fr. minor, Brm. 

2. Fr. montifringilla, L. 
Fr. borealis, Brm. 

3. Fr. major. Brm. (Fr. montifrin- 

gilla, L.f 
Fr. septentrionalis, Brm. 

V. Cannabina, Brm. (Linota, Bp.) 
1. Canrtabina linota, Gr. (Fringilla can- 
nabina, L.) 

a) C. arbustorum. Brm. 

b) C. major, Brm. 

c) C. minor, Brm. 

2 C. montium, Brm. (Fringilla mon- 
tium, Gm.) > 

a) C. media, Brm. 

b) C. microrhynchos, Brm. 

VI. Linaria, Ms. (Acanthis, Bp.) 

a) Linaria pectore rubro. 
1. Linaria longirostris, Brm. (Fringilla 
canescens, Kjärbölling.) 

a) L. Holbölli, Brm. 

b) L. alnorum, Brvi. 

c) L. agrorum, Brm. 

d) L. betularum, Br?n 

e) L. microrhynchos, Brm. 
ß) Linaria pectore albo. 

Linaria borealis, Brm. (Fringilla bo- 
realis et canescens, auct.) 

a) L. robusta, Brm. 

b) L. rufescens, Brm. 

c) L. canigularis, Brm. 



d) Linaria dubia, Brm. 

e) L. assimilis, Brm. 

f) L. leuconotos, Brm. 

g) L. septentrionalis, Brm. 
h) L. flavirostris, Brm. 

i) L. pusilla, Brm. 

VII. Spinus, Aldrov. (Chrisomitris, 
Boje.) 

1. Spinus alnorum, Brm. (Chrysomi- 

tris spinus, Boje. Fringilla 
spinus, L.) 

a) Sp. medius, Brm. 

b) Sp. betularum, Brm. 

2. Sp. obscnrus, Brm. 

VIII. Citrinella, Bp. 

Citrinella alpina, Bp. (Spinus citrinel- 
lus, Brm. Fringilla citrinella, L.) 
Citr. montana, Brm. (alpina, major 
et cinerascens.) 

IX. Carduelis, Briss. 

Carduelis elegans, Steph. (Carduelis 
septentrionalis, Brm. Fringilla 
carduelis, L.) 

a) C. accedens, Brm. 

b) C. germanica, Brm. 

c) C. aurantii-pennis, Brm. 

d) C. meridionalis, Brm. 

Emberizidae. *) 

Emberizinae. 

I. Struthus, Boje. (Niphaea, Audub.) 
1. Struthus hiemalis, Boje. (Emberiza 

hiemalis, L.) 

II. Miliaria, Frisch. (Cynchramus, 

Aldr) 
Miliaria cana, Frisch. (Miliaria valida, 
Brm. Cynchramus miliaria, Bp. 
Emberiza miliaria, L.) 

a) M. germauica, Brm. 

b) M. septentrionalis, Brm. 

c) M. peregrina, Brm. 

d) M. meridionalis, Brm. 

e) M. minor, Brm. 

III. Euspiza, Bp. 

1. Euspiza melanocephala, Bp. (Em- 

beriza melanocephala, Scop.) 
Eusp. atricapilla. (Bei Sarepta.) 

2. Eusp. aureola, Bp. (Emberiza au- 

reola, Pall.) 



*) Ich trenne die Emberizidae von den Fringillidae, weil sie einen höckerigen Vor- 
sprung vor dem Gaumen haben. Brm. 



, 278 



3. Euspiza dolichonica, Bp. (Emberiza 
orycivora, Schinz. Emberiza 
dolicbonica, Bp.) 

IV. Emberiza, L. 

1. Emberiza citrinella, Linn. 

a) Emb. major, Brm. 

b) Emb. longirostris, Brm. 

c) Emb. sylvestris, Bi*m. 

d) Emb. planorum, Brm. 

e) Emb. septentrionalis, Brm. 
fj Emb. brachyrhynchos, Brm. 

2. Emb. erythrogenys, Brm. (Emb. ci- 

trinella, L., bei Sarepta.) 

3. Emb. hortulana, L. 

a) Emb. pinguescens, Brm. 

b) Emb. dilicata, 5n». 

c) Emb. antiquorum, Brm. 

4. Emb. intercedens, Brm. (Emb. bor- 

tulana? L.) 

5. Emb. caesia, Büpp. (Emb. rufibar- 

ba, Hempr.) 

a) Emb. rufibarba, Hempr. et Brm. 

b) Emb. rufigularis, Brm. 

6. Emb. eleathorax, Bechst. (Emb. 

cirlus, L.) 
Emb. cirlus. L. et Brm. 

7. Emb. striolata, Temm. (Fr. striolata, 

Licht.) 

8. Emb. chrysophrys, Pall. 

9. Emb. cineracea, Brm. (Emb. eine* 

rea, Strickl) 
10. Emb. pusilla, Pall. 

V. Cynchramus, Kaup. (Schoeni- 

cola, Bp.) 

1. Cynchramus pyrrhuloides, Kaup. 

(Emberiza pyrrhuloides , Pall. 
Emb. palustris, Sm.) 
C. palustris, Brm. 

2. C. canneti, Brm. (Emberiza inter- 

media, Michahelles.) 

3. C. pseudo-pyrrhuloides, Brm. 

4. C. schoeniclus, Kaup. (Emb. schoe- 

niclus. L.) 
C. riparius, Brm. 

5. C. stagnatilis, Brm. (Emb. schoe- 

niclus, L.) 

a) C. limicola, Brm. 

b) C. phragmitis, Bnn. 

c) C. lacustris, Brm. 

d) C. alnorum, Brm. 

e) C. lapponicus, Brm. 

f) C. septentrionalis, Brm. 



6. C. microrhynchos, Brm. 

7. Cynchramus rusticus, Brm. (Emb\ 

rustica, Pall,) 

8. C. pityornis, Brm. (Emb. pityor- 

nis, Pall) 

9. C. provincialis, Brm. (Emb. provin- 

cialis, Gmel.) 
10. C. lesbius, Brm. (Emb. lesbia, Gmel.) 
VI. P lectrophanes, Meyer. 

1. Plectrophanes nivalis, Meyer. (Emb. 

nivalis, Z ) 

a) P. montanus, Brm. \ 

b) P. borealis, Brm. 

c) P. hiemalis. Brm. 

d) P. mustelinus, Brm. 

2. P. lapponicus, Selby. (Emb. calcä- 

rata, Temm. Fringilla lappo- 
nica, Linn. Fringilla oalca- 
rata, Pall.) 
P. groenlandicus, Brm. 

Alaudidae. 

Alaudinae. 

I. Melan ocorypha, Boje. 

«) Melanocorypha legitima. 

1. Melanocorypha tatarica, Boje. (Alau- 

da tatarica, L.) 

2. M. calaudra, Boje. (Alauda calan- 

dra, L.) 
M. subcalandra, Brm. 

3. M. semitorquata, Brm. (M. albigu- 

laris, Brm.) n. sp. 

4. M. rufescens, nobis, n. sp. 

5. M. leueoptera, Bp. (Alauda leucop- 

tera, Pall.) 
ß) Melanocorypha spuriae. 

1. M. itala, Brm. (Alauda braehydac- 

tyla, auet.) 

2. M. braehydaetyla, Brm. 

3. M. obsoleta, Brm. 

4. M. macroptera, nobis, n. sp. 

5. M. deserti, Brm. (Alauda deserti, 

Licht.) 

6. M. isabellina, Brm. (Alauda isabel- 

lina, auet.) 

7. M. araba, nobis, n. sp. 

8. M. galeritaria, nobis, n. sp. 

9. M. elegans, nobis, n. sp. 

II. Phileremos, Brm. (Otocoris, Bp.) 
1. Phileremos alpestris, Brm. (Alauda 

alpeslris, L.) 
Ph. striatus, Brm. 



279 



2. Ph. rufescens, Brm. 

3. Ph. bicornis, Brm. (Alauda bicor- 

nis, Hempr. Alauda bilopha, 
auct.) 

4. Ph. albigula, Brm. (Otocoris albi- 

gula, Bp. Alauda albigula, 
Brandt.) 

5. Ph. scriba, Brm. (Otocoris penicil- 

lata et scriba, Bp. (Alauda 
penicillata, Gould. 

III. Certhilauda, Sw. 

1. C. Duponti, Bp. (Alauda Duponti, 

Vieill. Alauda ferruginea, v. 
d. Mühle.) 

2. C. desertorum, Bp. (Alauda deser- 

torum, Stanley. A. bifasciata, 
* Licht.) 

3. C. meridionalis, nobis, n. sp. 

4. C. minor, nobis, n. sp. Viel kleiner, 

als alle vorhergehenden. 

IV. Galerita, Boje. 

«. Galeritae legitimae. 

1. G. nigricans, Brm. (Alauda cri- 

stata, L.) 

2. G. cristata, Boje. (Alauda cristata, 

L.) 

a) G. major, Brm. 

b) G. viarum, Brm. 

3 G. altirostris, Osk. Brm., n. sp. 

(Egypien.) 
4. G. undata, Brm. (Alauda undata, L.) 

a) G. karinthiaca, Brm. 

b) G. abyssinica, Brm. 

c) G. rufescens, Brm. 
5) G. lutea, nobis, n. sp. 

G. flava, Alfr.~Brm. 

ß. Galeritae spuriae. 

1. G, nemorosa, Brm. (Alauda nemo- 

rosa, L.) 

a) G. arborea, Brm. (A. arborea, L.) 

b) G musica, Brm. 

2. G. anthirostris , Brm. (Alauda an- 

thirostris, Landbeck.) 

V. Alauda, Lin. 
Alauda arvensis, L. 

a) A. crassirostris, Brm. 



b) A. robusta, Brm. 

c) A. segetum, Brm. 

d) A. montana, Brm. 

e) A. agrestis, Brm. 

f) A. galeritaria, Brm. 

g) A. bugiensis, Löbenstein. 
h) A. albigularis, Brm. 

i) A. pratorum, Brm. 
k) A. tenuirostris, Brm. 
\ 1) A. minor, Brm. 

Eine von diesen ist wahrschein- 
lich die Alauda cantarella, Bp. 

Anthinae. 

I. Corydalla, Vigors. 

1. Cor. Richardi, Vig. (Anthus Ri- 

chardi, Vieill. Anthus rupestris, 
Menet.) 

2. Cor. orientalis, nobis, n. sp.*) 

3. Cor. Vierthaleri, AI fr. Brm., n. sp. 

4. Cor. campestris, Brm. (Agrodro- 

ma**) campestris, Bp. Anthus 
' campestris, Sechst.) 

a) Cor. gracilis, Brm. 

b) Cor. striata, Brm. 

c) Cor. arvensis, Brm. 

d) Cor. septentrionalis, Brm. 

e) Cor. subarquata, Brm. 

f) Cor. agrorum, Brm. 

5. Cor. arenaria, Brm. 

6. Cor. rufescens, Brm. (Nubien.) 

II. Anthus, Bechst. 

1. Anthus arboreus, Bechst., zer- 

fällt in: 

a) A. foliorum, Brm. 

b) A. juncorum, Brm. 

c) A. herbarum, Brm. 

d) A. luteigularis, Brm. 

e) A. saxorum, Maedel et Brm. 

2. Anth. aquaticus, Bechst. (Alauda 

spinolctta, L.) 

a) A. major, Brm. 

b) A. apinus, Brm. 

c) A. hiemalis, Brm. 

d) A. minor, Brm. 

3. Anth. orientalis, Alfr. et Osk. Brm., 
nova et distincta species 



*) Aehnlich ist diesem Steppenpieper die Corydalla Hasseita auf Bara. 
**) Die Sippe Agrodroma, Bp., ist aus dem Grunde keine genau zu bestimmende, 
weil Corydalla arenaria durch den langen Sporn diese mit Corydalla verbindet. 



280 





a) A. 




b) A. 


5 


Anth. 




Anth. 




Anth. 


6. 


Anth. 




a) A. 




b) A. 




c) A. 




d) A. 


7. 


Anth. 




a) A. 




b) A. 




c) A. 


8. 


Anth. 


«.). 


Anth. 




a) A. 




b) A. 


10. 


Anth. 


11. 


Anth. 



4. Anth. obscurus, Keys, et Bl. (Anth. 
immutabilis, Degl. 
. rupestris, Nils, et Brm. 
. littoralis, Brm. (A. obscurns, 
Degland.) 
. lndovicianns, Bp. 
. chii verirrt stich wohl nicht 
nach Europa. 

pratensis, BecJist., zerfällt in: 

danicus, Brm. 

stagnatilis, Brm. 

tenuirostris, Brm. 

pratorum, Brm. ' 
. virescens, Brm. 

Lichtensteinii, Brm. 

desertoium, Brm. 

alticeps, Brm. 

musicus, Brm. * 
. montanellus, Bondc etlfrm. 
. acuroslris, Brm. 

palustris, Meisn. 

hydrophilos, Brm. 

cervinus, Pall. 
. rufigularis, Brm. 

Motacillidae. 

Ittotacillinai'. 
I. Budytes, Cuv. 

1. Bud. flavus, Cuv. (Motacilla flava, L.) 

a) B. boarulus, Brm. 

b) B. chrysogaster, Brm. 

2. Bud. fasciatus, Brm. (Motacilla fla- 

va, L.) 

3. Bud. cinereocapillus, Brm. (Mota- 

cilla cinereo-capilla, Savi.) 

a) B. Feldeggii, Michahelles. 

b) B. caniceps, Brm. 

4. Bud. atricapilhis, Brm. 
B. dubius, Brm. 

5. Bud. melanocephalus, Brm. (Mota- 

cilla melanocephala, Licht.) 
B. nigricapillus, Bp. et Brm. 

6. Bud. parudoxus, nobis. 

7. Bud. pygmaeus, Osk. Urin. 

8. Bud. rampt'stris, Brm. (Motac. cam- 
, pestris, Pall) 



9 Bud. neglectua, Brm. (Bud. Bayi, 
Bp., Mot. flaveola, Tcm.) 
Bud. cilrcolus, Brm. (Mot. citreola 
Pall.) sibirica band avis Eu- 
ropaea? 

II. Pallenura, Pall. et Bp. (Colobates, 

Kaup.) 

1. Pall. sulphurea, Brm. (Pall. flava., 

Bp. Mot. sulphurea, Bechst.) 

a) P. nivalis, Brm. * 

b) P. montana, Brm. 

2. Pall. robusta , Brm. lebt auf Japan. 

III. Motacilla, /,. 

1. Mot. alba, L. 

a) M. septentrionalis, Brm. 

b) M. major, Brm. 

c) M. sylvestris, Brm. 

d) M. brachyrbynchos, Brm. 

e) M. fasciata, Brm. 

2. Mot. cervicalis, Brm. 
M. pratorum, Brm. 

3. Mot. Yarrelli, Gould. (Mot. lugu- 

bris, Te?n?n.*) 

IV. Cyanecula, Brm. 

1. C. suecica, Brm. (Motacilla sue- 

cica, L Motacilla. coerulecula, 
Pall.**) 

2. C. orientalis, Brm. 

3. C. obscura, Brm. (Sylvia cyane- 

cula, auct. 

a) C. longirostris, Brm. 

b) C. major, Brm. 

c) C. minor, Brm. 

4. C. Wolfti, Brm. 

5. C. leucocyana, Brm. 

V. Luscinia, Gesn. et Briss. (Philo- 

mela, Bp.) 

1. Lusc. major, Brm. (Sylvia philo- 

mela, Jiechsl.) 

a) L. philomela, Brm. 

b) L. cximia, Brm. 

2. Lusc. vera, Brm. (Mol. luscinia, L.) 

zerfällt in : 
a) L. megarhynchos, Brm. 



*) Mot. lugubris, Pall. Sibirica, haud Europaea, Brm. 

**) Die M üt> suecica, L. et Mot. coerulecula, Pall., ist ein und derselbe Vogel, 
denn die sibirische hat auch einen ganz rostrothen Stern. Brm. 



281 



v b) Luscinia media, Brm. 

c) L, Okenii, Brm. 

d) L. peregrina, lirm. 

e) L. minor, Brin. (in Italien.) 

3. I-nsc. hybrida, Brm. (Zweischaller.) 

VI. Rubecula, Gesn. (Erylhacus, Cuv. 
Dandalus, Boje.) 
Rub. vulgaris, Brm. (Mot. rubecula) 
zerfällt in : 

a) R foliorum, Brm. 

b) R. pinetorum, Brm. 

c) R. septentrionalis, Brm. 

7a\ dieser Sippe gehört noch Ru- 
becula cyane, Brm., Sylvia 
cyane, Pall., aus J'Jordostasien 
und Japan. 

VIT. Ruticilla, Gesn. 

1. Rut. phoenicura, Bp. (Mot. phoeni- 

ciirus, L.) zerfällt in : 

a) R. sylvestris, Brm. 

b) R. arborea, Brm. 

c) R. hortensis, Brm. 

2. Rut. aurorea, Brm. (Mot. anrorea, 

Pall. Ruticilla erythrogastra, 
Seht.) 

3 Rut. Moussieri, Brm. (Erylhacus 

Moussieri, Gaillard.) 

4 Rut atra, Brm. (Rut. erithaca. Bp. 

Sylvia, titys, Scop.) 

a) R. atrata, Brm. 

b) R. (iibraltariensis, Brm. 

5. Rut. titys, Brm. 

6. Rut. montana, Brm, (Erythac. Cairi, 

De ff l.) 

Turdinae. 

I. Petrocossypbus, Boje.*) 

1 Petr. cyanus, Boje. (Turdus cya- 
nus, L.) 

2. Petr. solitarius, Brm. 

3. Petr. Sibiriens, Brm. (Turdus Sibi- 

riens, L.) 
4 Petr. saxalilis, Boje. (T. saxatilis, 

a) P. Gourcyi, Brm. 

b) P. polyglottus, Brm. 



II. Morula, Beil., Gesn . et Briss. 

1) Mer. vulgaris, Ray. (Turdus nie- 
rula, L.) zerfällt in : 

a) M. major, Brm. 

b) M. pinetorum, Brm. 

c) M. truncorum, Brm. 

d) M. altieeps, P,rm. 

e) M. carniolica, Brm. 

2. Mer. torquata, Gem. (Turdus tor- 

quatus, L.) 

a) M. montana, Brm. 

b) M. collaris, Brm. 

3. Mer. alpestris, Brm- (Turdus tpr- 

quatus, auet.) 

a) M. voeiferans, Brm. 

b) M. maculata, Brm. 

III. Turdus. L. 

1. T. viseivorus, L. 

a) T. arboreus, Brm. 

b) T. major, Briss. 

2. T. meridionalis, Brm. (T. viseivo- 

rus, L.) 

3. T. pilaris, L. 

a) T. subpilaris, Brm. 

b) T. juniperorum, Brm. 

c) T. fuscj-lflterplis, Brpi. 

4. T. musicus, L. 

a) T. minor, Briss, 

b) T. philomelos, Brm. 

5. T. iliacus, L. 

a) T. betularunii Brm. 

b) T. pinetorum, Brm. 

c) T. gracilis, Brm. 

6. T. minor, Gm. (T. Swainsonii, Naum.) 

7. T. solitarius, Wils. (T. minor, Naum.) 

8. T. Wilsoni, Bp. (T. minor, Homeyer.) 

9. T. migratorius, L. 
T. peregrinus, Brm. 

10. T. olivaceus, L. 

11. T. libonyanus, Sm. 

12. T. Seyffertitzii , Brm. (T. pallens, 

Pall.), minime T. obscurus, 
Gm., nam pectim ejus non est 
nigricans. 

13. T. pallidus, Gmel. 

14. T. auroieus, Pall. 

15. T. dubius, Bcchsl. (T. Naumanni. 

Temm.) 



*) Dass man die Blau - und Steindrosseln nicht als zwei Sippen aufführen darf, be- 
weist der beide verbindende Petrocossypbus manilensis, Brm. 

Naumannia 1855. 19 



282 



16. Turdus fucatus, Pall. 

17. T. ruficollis, Pall. 

18. T. atrigularis, Temm. (T. Bech- 

steinii, Nauni.) 

IV. Oreocincla, Gould. 

1. Or. aurea, Bp. (Turdus varius, Pall. 

T. aureus Holländer. T. Whitii, 
Eyton.) 

2. Or. varia, Bp. (Turdus varius 

Horsf.) 

V. Mimus, Wils. 

Mim. rufus, Wils. (Turdus rufus L. 
T; carolinensis, Briss.) an avis 
europaea ? 

VI. Ixos, Temm. (Picnonotus, Rüpp.) 

1. Txos obscurus, Temm. 

2. Ixos arsinoe , Brm. (Picnonotos ar- 

sinoe, Rüpp.) 

3. Ixos Vaillantii, Temm. (Picnonotus 

Vaillantii, Rüpp.) 
Ixos plebejus, Temm., verestmiliter 
haud avis europaea. 

Cinclidae. 

Cinciinae. 

Cinclus, Bechst. 

1. C. aquaticus, Bechst. (Sturnus cin- 

clus, L.) 
C. medius, Brm. 

2. C. meridionalis, Brm. (C. aquati- 

cus, auct.) 

3. C. rupestris, Brm. 

4. C. septentrionalis, Brm. 

5. C. melanogaster, Brm., non Temm. 
C. leucogaster, Eversm., haud avis 

europaea. 

Sturnidae. 

Sturninae 
I. Sturnus, L. 

1. St. vulgaris, L., zerfällt in: 

a) St. domesticus, Brm. 

b) St. sylvestris, Brm. 

c) St. nitens, Brm. 

d) St. septentrionalis , Brm. Faröer. 



e) St. longirostris, Brm. Kärnthen. 

f) St. tenuirostris, Brm. Wolga. 
2. Sturnus unicolor, Marmora. 

II. B os eis, Brm. (Pastor, Temm.) 

Boscis rosea, Brm. (Pastor roseus, 
Temm. Turdus roseus, Linn) 
B. rosans, Brm. 

Saxicolidae. 

Saxicollnae. 
I Vitiflora, Briss. 

1. Vit. oenanthe, Boje. (Saxicola oe- 

nanthe, Bechst. Motacilla oe- 
nanthe, L.) 

a) V. septentrionalis, Brm. 

b) V. grisea, Brm. 

c) V. cinerea, Brm. 

2. Vit. major, Brm., n. sp. 

3. Vit. saltatrix, auct. 
V. saltans, Brm. 

4. Vit. rufa, Briss. (Saxicola stapazina, 

auct.) 

5. Vit. stapazina, nobis, n. sp. 

6. Vit. paradoxa, nöbis, n. sp. 
V. mirabilis, Brm. 

7. Vit. aurita, Bp. (Vitiflora dlbicollis, 

Vieill.) 

8. Vit. assimilis, nobis, n. sp. 

9. Vit. leucomela, Bp. 

V. melanoleuca, nobis. 

10. Vit. leueura, Bp. (Saxicola cachin- 

nans, Temm. Turdus leueurus, 
Gmel.) 

11. Vit. leueopyga, nobis. (Lucotoa leu- 

copyga, Paul de Wrttbg.) 

12. Vit. leucomelaina, Brm. (Saxicola 

leucomelaina, K. et Bl. Mot. 
leucomelaina, Pall. Mot. lon- 
girostris, Gmel.) 
13 Vit. squalida, Brm. (Sax. squalida, 
Eversm.) 

II. Saxicola, Bechst. (Pratincola, Koch.) 

1. Sax. rubetra, Bechst. (Motacilla 

rubetra, L.) 

a) S. pratorum, Brm. 

b) S. septentrionalis, Brm. 
e) S. crampes, Brm. 

2. Sax. rubicola, Bechst. (Mot. rubi- 

cola, L.) 
a) S. fruticeti, Brm. 



283 



b) S. media, Brm. 

c) S. titys, Brm. 

2. Saxicola maura, aiict. 

3. Saxicola Hemprichü, Keys, et Blas. 

Sylviadae. 

Sjlviinae. 

I. Curruca, Briss. 

1. Curruca orphea, Boje. (Sylvia or- 

phea, Temm.) 

2. Curruca musica, nobis n. sp. 

3. Curruca hortensis, Penn. (Sylvia 

hortensis, auct.) 

a) C. grisea, Brm. 

b) C. brachyrhynchos, Brm. 

4. Cur. atricapilla, Br. (Motacilla atri- 

capilla, L.) 

a) C. nigricapilla, Brm. 

b) C. pileata, Brm. 

5. Cur. ruficapilla, Brm. (Sylvia rufl- 

capilla, Landbeck.) 

6. Cur. Rüppellii, Bp. (Sylvia capi- 

strata, Rüpp.) 

II. Adophoneus, Kaup. 

Adoph. nisorius, Kaup. (Curruca ni- 
soria, Brm. Sylvia nisoria, 
Bechst.) 
a) Ad. undatus, Brm. 
b) Ad. undulatus, Brm. 

VI. Sylvia, Lath. 

1. S. cinerea, Lath. (Curruca cinerea, 

Motacilla sylvia, L.) 

a) S. cineracea, Brm. 

b) S. fruticeti, Brm 

c) S. caniceps, Brm. 

2. S. guttata, Landbeck. 

3- S. conspicillata, Marmora. 

4. S. subalpina, Bonelli. (S. leucopo- 

gon, Meyer. S. passerina, 
Temm. Curruca passerina, Brm.) 

a) S. leucopogon, Brm. 

b) S. albistriata, Brm. 

5. S. curruca, Lath. (Curruca garrula, 

Koch.) 

a) S. dumetorum, Brm. 

b) S. molaria, Brm. 

6. S. superciliaris, Brm. 



7. S. septentrionalis, Brm. 

8. S. assimilis, Brm. 

9. S. obscura, Lindermayer et Brm.*) 

V. Pyrophthalma, Bp. 

1. Py,r. melanocepbala, Bp. (Curruca 

melanocephala, Brm. Mot. me- 
lanocepbala, Gmel.) 
P. nigricapilla, Brm. 

2. Pyr. luctuosa, Brm. (Curruca luc- 

tuosa, Brm.) 

3. Pyr. sarda, Bp. (Curruca sarda, 

Brm. Sylvia sarda, Marmora.) 

VI. Melizophilus, Leach. 

1. Mel. provincialis, Leach. (Curruca 

provincialis, Brm. Mot. pro- 
vincialis, Vieill.) 

2. Mel. obsoletus, Brm. (Curruca ob- 

soleta, Brm.") 

VII. Phyllopneuste, Meyer. 

1. Ph. Eversmanni, Bp. (Sylvia icte- 

rina, Eversm.) 

2. Ph. trochilus, Meyer. (Mot. trochi- 

lus, L.) 

a) Ph. fitis, Brm. 

b) Ph. arborea, Brm. 

c) Ph. acredula, Brm. 

d) Ph. septentrionalis , Brm. 

e) Ph. gracilis, Brm. 

3. Ph. Bonellii, Bp. (Ph. alpestris, 

Brm. Sylvia Nattereri, Temm.) 
Ph. montana, Brm. 

4. Ph. orientalis, Osk. Brm. 

5. Ph. rufa, Mey. (Sylvia rufa, auct) 

a) Ph. pinetorum, Brm. 

b) Ph. solitaria, Brm. 

c) Ph. sylvestris, Brm. 

6. Ph. sibilatrix, Boje. (Sylvia sibila- 

trix, Bechst.) 

a) Ph. megarhynchus , Brm. 

b) Ph. sylvicola, Brm. 

VIII. Hypolais, Brm. 

a) Legitimae. 
1. Hyp. salicaria, Bp. (Mot. hypolais, 
Z/.), zerfällt in : 

a) H. alticeps, Brm. 

b) H. media, Brm. 

c) H. planiceps, Brm. 



*) Bemerken muss ich, dass dieae vorstehenden in meinem Handbuche und Vogel- 
fange nicht mit Sylvia, sondern mit Curruca bezeichnet sind. 

19* 



284 



2. Hyp. polyglotta, Bp. (Sylvia poly- 
glotta, l'ieill.) 
ß. Spuriae. 

1. Hyp. olivetorum, Brm. (Sylvia oli- 

vetorum, Strickl. Salicaria oli- 
vetorum, v. d. Mühle.) 

2. Hyp. elaica, Bp. (Sylvia elaica, 

Lindemi.) 

IX. Lusciniopsis, Bp. 

1. Lusc. fluviatilis, Bp. (Locustella 

fluviatilis, Brm. Sylvia fluVia- 
tilis, Sechst.) 
Lusc. strepitans, Brm, (Locustella 
strepilans, Brm.) 

2. Lusc. Wodzickii, Brm. (Locustella 

Wodzickii, Brm.) 

3. Lusc. Savii, Bp. (Sylvia luscinioi- 

des, Savi.) 
Lusc. gracilirostris," Brm. 

X. Locustella, Göuld. et Brm. 

1. Loc. Rayi, Gould. (Locustella vera, 

Brm. Sylvia locustella, Lath. 
L. anthirostris, Brnu 

Beide sind im Herbstkleide: 
Sylviae lanceolatae. 

2. Loc tenuirostris, Brm. (Calamoherpe 

tenuirostris, Brm.) 

3. Loc. certhiola, Brm. (Turdus cer- 

thiolus, Fall.) 

XI. Calamoherpe, Boje. 

1. Cal. turdoidcs, Boje. (Turdus arun- 

dinaceus, L.) 

a) C. lacustris, Brm. 

b) C. stagnatilis, Brm. 

2. Cal. major, Brm. 

. 3. Cal. longirostris, AI fr. Brm. 

4. Cal. arundinacea, Boje. (Mot. arun- 

dinacea, L.) 

a) C. alnorum, Brm. 

b) C. arbustorum, Brm. 

c) C. salicaria, Brm. 

5. Cal. pinetorutn, Brm. 

a) C. bydrophilos, Brm. 

b) C. pisdnarum, Brm. 

6. Cal. pallida, Brm. 

Cal. latirostris, Brm., in Egypten. 

7. Cal crassivostvis, Osk. et Ludit. Brm. 



8. Cal. Brcbmii , Müller. Species 

dubia. 

9. Cal. palustris, Boje. (Sylvia palu- 

stris, Jicc/ist.) 

a) Cal. philomela, Brm. 

b) Cal. musica, Brm. 

10. Cal. nigrifrons, Bp. (Motacilla nigri- 
frons, Bechst.) Species valde 
dubia. 

XII Cettia, Bp. 

Cellia sericea, Bp. (Sylvia Cetti, Mar- 
morn.) 

XIII. Caricicola, Brm. (Calamody- 

ta*), Meyer.) 

1. Car. phragmitis, Brm. (Calamodyta 

phragmitis, Bp. Calamoherple 
phragmitis, Boje. Sylvia phrag- 
mitis, Bechst. Mot. schoeni- 
baenus, L.) 

a) Cär. tritici, Brm. 

b) Car. subphragmitis, ttrm. 

c) Car. schoenibaenus, Brm. 

d) Car. danubialis, Brm. 

e) Car. brachyrhynchos, Brm. 

2. Car. melanopogon, Brm (Calamo- 

dyta melanopogon , Bp. Syl- 
via melanopogon , Temm.) 

3. Car. aquatica, Brm. (Calamodyta 

aquatica, Bp. Calamoherpe 
aquatica, Boje. Sylvia aqua- 
tica, Lath.) 

a) C. cariceti, Brm. 

b) C. limicola, Brm. 

c) C. striata, Brm. 

XIV. Cisticola, Less. 

Cist. schoenicola, Bp. (Sylvia cistico- > 
la, Temm.) 

XV. Aedon, Boje. (Agrobates auct.) 

1. A. familiaris, Br. (Sylvia familiaris, 

Menü.) 
A. Bruchii, Brm. 

2. A. galactodes, Boje. (Sylvia galae- 

todes, Temm.) 

3. A. pallida, Brm. Persien. 

4. A. rufa, nobis. Nordost-Afrika. 

5 A. pygmaea, nobis. Nordost- Afrika. 



*) Aua dem Grunde nicht passend, weil Meyer diesen Namen allen Schilfsängern 
beilegte. 



XVI. Calliope, Gould. 

Call, kamscliatkensis , Strickt. (Mota- 
cilla calliope, Palt.) 

Accentorinae. 
I. Iduna, Keys, et Blas. 

Iduna caligata, Br. (Motacilla sali- 
caria, Palt. Sylvia caligata, 
Licht.) 

IF. Accentor, Bechst. 

1. Ac. alpinus, Bechst. (Motacilla al- 

pina, Gm.) 

a) A. major, Brm. 

b) A. subalpinus, Brm. 

2. Ac. Temminckii, Brandt. (Accentor 

montanellus, Tetnm) 
3 Ac. modularis, Cuv. (Motacilla mo- 
dularis, L.) 
Ac. pinetorum, Brm. 

Maluridae. 

Troglodytliiae. 

I. Troglodytes, Cuv. 

1. Trogl. europaeus, Cuv. (Motacilla 

troglodytes L.), zerfällt in : 

a) T. domesticus, Brm. 

b) T. tenuirostris,,2?r7n. 

c) T. bifasciatus, Brm. 

2. Trogl. sylvestris, Brm. gepunktet. 

3. Trogl. Naumanni, Brm., ganz ge- 

fleckt. 
T. fucatus auf Japan ist den ge- 
nannten ähnlich, aber noch ein 
Mal so gross. 

P a r i d a e. 

Regulidae. 

I. Reguloides, Blyth . 

Reg. modestus, Blyth. (Regulus 
modestus, Gould. Motacilla pro- 
regulns, Palt.) 

FI. Regulus, Cuv. 

1. Reg crococephalus, Brm. (Motacilla 
regulus, L. Regulus eristalus, 
Ray.) 

a) Fl. septentrionalis, Brm. 

b) R. chrysocephalus, Brm. 

2 Reg. pyrocephalus, Brm. (Fteg. igni- 
capillus, Naum.) 



a) R. Nilssonii, Brm. 

b) R. brachyrhynchos, Brm. 

Parlnae. 

F. Aegitlialus, Vig. (Pendnlinns, Cuv.) 

1. Aeg. pendulinus, Vig. ((Parus pen- 

dulinus, L.) 
Aeg. medius, Brm. (Pendulinus me- 
dius, Brm.) 

2. Aeg. macrurus, Brm. (Pendulinus 

macrurus, Brm.) 

Ff. Calamophilus, Leach. (Mystacinus, 
Cuv.) 

1. Cal. biarmicus, Leach. (Mystacinus 

biarmicus, Cuv. Parus biar- 
micus, L. 

a) Cal. russicus, Brm. (Mystacinus 

russicus, Brm.) 

b) Cal.. arundinaceus, Brm. (Myst. 

aruudinaceus, Brm.) 

2. Cal. dentatus, Brm. (Myst. dentatus, 

Brm. Parus biarmicus, Linn.) 

1FF. M ecistura, Leach. (Paroides, Brm.) 
Mec. caudata, Leach. (Paroides 
caudatus, Brm. Parus cauda- 
tus, Lin.) 

a) M. longicauda, Brm. (Paroides 

longicaudus, Brm.) 

b) M. pinetorum, Brm. (Paroides 

pinetorum, Brm.) 

FV. Parus, L. 

1. Parus major, L. > 

a) P. robustus, Brm. 

b) P. perniciosus, Brm. 

2. Par. cyanotos, Brm., an Par. ma- 

jor, L? 

3. Par. bockhariensis , Mus. Berol. 

4. Par. intercedens, Brm. 

Dieser sehr ähnlich , aber viel klei- 
ner, ist Par. minor, Schlegel, 
aus Japan. 

5. Par. ater, L. 

a) Par. abietum, Brm. 

b) Par. pinetorum, Brm. 

V. Cyanistes, Kaup. 

1. Cyanistes coeruleus, Kaup. (Parus 

coeruleus, L.) 
a| Cyan. coerulescens, Brm. 
b) Cyan. salicarius, Brm. 

2. Cyanistes cyauus, Kaup. (Parus 
cyanus, Palt.) 

Cyan. elegans, Brm. 



286 



3. Cyanistes violaceus, Brm. (Parus 
x violaceus, Vaill., Par. ultramarinus, 
Bp„ P.Teneriffae, Less., Par. coeru- 
leanus, Malkerbe.) 

VI. Poecila, Kaup. 

1. Poecila sibirica, Kaup. (Parus sibi- 
ricus, Gmel.) 

2. Poecila lugubris, Kaup. (Par. lugu- 
bris, Natterer.) 

3. Poec. lugens, Z?rm. (Par. lugens, Brm.) 

4. Poecila alpestris, Brm. (Parus al- 
pestris, Bailly.) 

5. Poecila borealis, Bp. (Parus borealis, 
Selys et Liljeborg.) 

Poec. assimilis, Brm. (Parus assi- 
milis, Brm.) 

6. Poecila frigoris, Bp. (Parus frigo- 
ris, Selys.) 

7. Poecila salicaria, Brm. (Parus sali- 
carius, Brm.) 

a) Poec. accedens, Brm. (Parus ac- 

cedens, Brm.) 

b) Poec. murin a, Brm. (Parus mu- 

rinus, Brm.) 
Hierher gehört noch Poecila melano- 
cephala, Brm. (Parus nielano- 
cephalus), welche das «Eigen- 
thümliche dieser Meisen, den 
langen Schwanz und die Rän- 
der der Schwanzfedern, am 
deutlichsten zeigt. 

8. Poecila palustris, Kaup. (Parus pa- 
lustris, Linn.) 

a) Poec. subpalustris, Brm. (Parus 

subpalustris, Brm.) 

b) Poec. sordida, Brm. (Parus sor- 

didus, Brm.) 

9. Poecila stagnatilis, Brm. (Parus stag- 
natilis, Brm.) (Parus palustris, auct.) 

VII. Lophophanes, Kaup. 

1. Lophophanes cristatus, Kaup. (Parus 
cristatus, L.) 

a. Loph. mitratus, Brm. (Parus mi- 

tratus, Brm.) 

b. Loph. capistratus, Brm. (Parus 

capistratus, Brm.) 

2. Lophophanes rufescens, Brm. (Par. 
rufescens, Brm. Par. cristatus, auct.) 

3. Lophophanes hicolor, Brm. (Parus 
bicolor, auct ) avis europaea adhuc 
dubia. 



Columbidae. 

Columbinae. 
I. Columba, Linn. 

1. Columba palumbus, L. 

a) Col. pinetorum, Brm. 

b) Col. torquata, Brm. 

2. Columba oenas, L. 

a) Col. cavarum, Brm. 

b) Col. arborea, Brm. 

3. Columba livia, Briss. 

a) Col. rupestris, Brm. 

b) Col. Amaliae, Brm. 

4. Columba elegans, nobis. (Columba 
livia, auct.) 

5. Columba glauconotos, nobis. (Col. 
livia, auct.) 

6. Columba unicolor, nobis. 

7. Columba dubia, Brm. 



II. T 
1. 

2. 

3. 
4. 



7. 



10. 
11. 
12. 



urtur, Gr. , Peristera, Boje. 
Turtur auritus, Bay. (Peristera Wirt., 
Boje. Columba turtur, L.) 
Turtur rufidorsalis, Brm. (Peristera 
rufidorsalis, Brm. Columba turtur, 
auct.) 

Turtur glauconotos, nobis. (Perist. 
glauconotos, nobis.) 
Turtur senegalensis, Brm. (Perist. 
senegalensis, Boje. Columba sene- 
galensis, L.) 

Turtur rufescens, nobis. (Peristera 
rufescens, nobis.) 

Turtur aegyptiacus, Bp. (Peristera 
aegyptiaca, Boje.) 
Turtur risorius, Brm. (Peristera ri- 
soria, Boje. Columba risoria, L.) 
Turtur ridens, nohis. (Perist. ridens, 
nobis. Columba risoria, L.) 
Turtur lugens, Büpp. (Peristera 
lugens, Boje.) 

Turtur semitorquatus, Büpp. (Per. 
semitorquata, nobis.) 
Turtur intercedens, Brm. (Perist. 
intercedens, Brm.) 
Turtur vinaceus, nobis. (Peristera 
vinacea, nobis.) 



III. Trygon, Brm. 

1. Trygon migratoria, Brm. (Columba 
migratoria, ,L.) 

2. Trygon gregaria, Brm. (Columba 
migratoria, L.) , 



Gallinae. 
Pteroclidae. 

Pleroclinae. 
T. Pterocles, Ternm. 

1. Pterocles arenarius, Temm. (Tetrao 
arenarius, Pall.) 

2. Pterocles alchata, Steph. et Licht. 
(Pterocles setarius, Temm. Tetrao 
alchata, L. Tetrao chata, Pall. T. 
caudacutus, Gmel.) 

Tetraonidae. 

Tetraoninae. 

I. Tetrao, L. 

1. Tetrao urogallus, L. 

a) T. major, Briss. et Brm. 

b) T. crassirostris, Brm. 

2. Tetrao pseudourogallus, Brm. (Tetr. 
maculatus, Brm.) 

T. medius, Leisl. T. hybridus, auct. 

3. Tetrao tetrix, L. 

a) T. peregrinus, Brm. 

b) T. juniperorum, Brm. 

c) T. ericeus, Brm. 

II. Bonasia, Brm. et Bp. 

1. Bonasia lagopus, Brm. (Tetrao bo- 

nasia, L.) 

2. Bonasia rupestris, Brm. 

3. Bonasia sylvestris, Brm. 

4. Bonasia minor, Brm. 

Bonasia albigularis, mento, albo 
Kamtschatkaiis. 

III. L a g o p u s , Br. 

1. Lagopus scoticus, Vieill. (Tetrao 

scoticus, Lath) 

2. Lagopus alpinus, Nilss. (L. mutus, 

Leach.) 

3. Lagopus montanus, Brm. (Tetrao 

lagopus, auct.) 

4. Lagopus islandicus, Brm. (Tetrao 

islandicus, Brm. Tetrao is- 
landorum, Fab.) 

5. Lagopus subalpinus, Nilss. (Lagop 

subalpinus, Brm.) 
Lagopus albus, Bp. Tetrao lago- 
pus, L.) 



6. Lagopus brachydactylus, Brm. (Te- 
trao brach yd act, Temm. Spe- 
cies adhuc dubia.) 

In Grönland leben: 

Lagopus Beinhardi , Brm. (Tetrao 
Beinhardi, Brm.) et Lagopus 
groenlandicus, Brm. 

Phasianidae. 

Phasianinae. 
Ph asianus, L. 

Phasianus colchicus, L. 

Ph. marginatus, Brm. 
Auf Japan lebt eine ähnliche, aber 
blassere Art, Phasianus palli- 
dus, Brm. 

Perdicidae. 

Perdicinae. 

I. Tetraogallus, J. Gr. 
Tetraogallus caucasicus, Gray. (Tetr. 

caucasicus, Pall.) 

II. Francolinus, Steph. 
Francolinus vulgaris, Steph. (Perdix 

francolina, Lath. Tetrao fran- 
colinus, L.) 

III. Perdix, L. 

1. Perdix graeca, Briss. (Perdix saxa- 

tilis, Mey. et W.) 

2. Perdix rupestris, Brm. (Perdix sa- 

xatilis, auct.) 

3. Perdix rubra, Briss. (Tetr. rufus, L.) 

4. Perdix labatei,*) Bouteille. (Pertlix 

rufidorsalis , Brm. Perdix ru- 
bra, auct ) 

5. Perdix petrosa, Lath. 

In Asia et Africa species his nominatis 
simillimae degunt. 

IV. Starna, Bp. 

1. Starna perdix, Bp. (Tetrao perdix, 

L. Perdix cinerea, Briss.) 
St sylvestris, Brm. (Perdix sylve- 
stris, Brm.) 

2. Starna minor, Brm. (Perdix minor, 

Brm.) 



*) Ist nach brieflichen Mitttheilungen des Herrn Abbe' Caire eine mehr als zweifei 
hafte Art. Baldamus. 



288 



Cuturninae. 

Cot um ix, Gesn. 

1. Coturnix communis, Bonnat. (Co- 

turnix media, Brm. Tetrao 
coturnix, L. Perdix coturnix, 
Lath. Cot. europaea, Sw.) 
a. Cot. major. 

2. Coturnix minor, Brm. 

3. Coturnix Baldami, Nau?n., Müller 

et Brm.) 

4. Coturnix leucogenys, Brm. 

Turninae. 

T u r n i x , Bonnat. 

Turnix gibraltariensis, Bonnat. (Tur- 
nix africanus, Desfent. Tetrao 
andalusicus, Gm. Hemiopodius 
tachydromus et lunatus, Temm.) 

Otitida e. 

Otilinae 

I. Otis, L. 

1. Otis major, Brm. (Otis tarda, L.) 

2. Otis tarda, L. 

3. Otis tetrax, L. 
Ot. minor, Brm, 

II. Houbara, Bp. 

1. Houbara undulata, Bp. (Otis hou- 

bara, Gm.) 

2. Houbara Maqueeni, Bp. (Otis Ma- 

queeni, J. Gr.) 

3. Houbara ornata, Brm. (Otis ornata, 

Brm. an Houbara Maqueeni?) 

Cursorinae. 

Cursorius, Lath. 

1. Cursorius europaeus, Lath. (Cha- 

drius gallicus, L.) 
Curs. brachydactylus , Brm. 

2. Cursorius pallidus, nobis. (Curso- 

rius europaeus, auct.) 

Charadriadae. 

Oedicneminac. 

Oedicnemus, Bell. 

1. Oedicnemus crepitans, Temm. (Cha- 
radrius oedicnemus, L.) 



Oed. desertorum, Brm. 
2 Oedicnemus arenaris , Brm. (Clia- 

radrius oedicnemus, X.) 
3. Oedicnemus sencgalensis, Licht. 

Charadriinae. 

I. Pluvianus, Vieill. (Hyas, Gab.) 
Pliwianus melanocephalus, Vieill. (Hyas 

aegyptiaca, Ca b.) 
PI. microrliynchos, Brm, 

II. Pluvialis, Brm. 

1. Pluvialis apricarius, Bp. (Chara- 

drius apricarius, L.) 

a) PI. auratus, Brm. (Charadrius 

auratus, Brm.) 

b) PI. albifrons, Brm. (Charadrius 

albifrons, Brm.) 

c) PI. septentrionalls, Brm. (Cha- 

radrius pluvialis, Brm.) 

2. Pluvialis longipes, Bp. (Charadrius 

longipes, Temm. et Brm.) 

III. Eudromias, Boje. 

1. Eudromias morinellus, Boje. (Cha- 

radrius morinellus, L.) 

a) Eudr. montanus, Brm. 

b) Eudr slolidus, Brm- 

2. Eudromias asiaticus, Keys, et Bl. 

(Char. asiaticus, L.) 

IV. Charadrius, L. (Aegialitis, Boje.) 

1. Charadrius pyrrhothorax, Temm. 

2. Charadrianus cantianus, Lath (Char. 

albifrons, Mey. Aegialitis can- 
tiana, Boje.) 

3. Charadrius Homeyeri, Brm. (Aegia- 

litis Homeyeri, Brm.) 

4. Charadrius indicus, auct (Aegiali- 

tis ruficeps, Brm.) 
5 Charadr. pecuarius, Licht. (Aegial. 
pecuaria, Brm.) 

6. Charadrius hiaticula, L. (Aegial. 

hiaticula, Boje.) 
Char. septentrionalis. (Aegial sep- 
tentrionalis, Brm.) 

7. Charadrius minor, L,. (Aegialitis 

minor, Boje.) 
Ch. fluviatilis, Brm. (Aegial. fluvia- 
tilis. Brm.) 

8. Charadrius gracilis, Brm- (Aegial. 

gracilis, Brm.) 



289 



9. Charadrius pygmaeus, nobis. (Aeg. 

pygmaea, Brm.) 
10. Charadrius gigas, nobis. (Aegialitis 
gigas, nobis.) 

V. Squatarola, Cuv. 

1. Squatarola Helvetica, Cuv. (Tringa 

helvelica, L. Vanellus helve- 
ticus, Brm.) 
Sq. varia, Brm. 

2. Squatarola megarhynchos, nobis. 

VI. Vanellus, Briss. 

1. Vanellus ciistatus, M. et W. (Tringa 

vanellus, L.) 

2. Vanellus bieornis, Brm. (Vanellus 

cristatus, auct.) 

VIT. Chettusia, Bp x 

1. Chetlusia gregaria, Bp. (Tringa 

gregaria, Fall. Van. gregarius, 
Brm. Tring keplusika, Lepech.) 
2 Chetlusia leucura, Bp. (Vanellus 
leucurus, Licht.) 

VIII. Hoplopterus, Bp. 
Hoplopterus spinosus, Bp. (Charadrius 

spinosus, L.) 
Hopl. armatus, Brm. 

IX. Strepsilas, El. 

1.. Strepsilas collaris, Hl. (Tringa inter- 
pres et morinella, L.) 

a) Str. borealis, Brm. 

b) Str. littoralis, Brm. 

2. Strepsilas minor, Brm. (Strepsilas 

collaris, auct ) 

X. Haematopus, L. 

1. Haematopus ostralegus, L. 
Haem. orientalis, Brm. 

2. Haematopus balthicus, Brm. (Haem. 

ostralegus, auct.) 

Glareolidae. 

Glareolinae. 
Glareola, L. 

1. Glareola pratincola, L (Glareola 
austriaca, Gm. Glareola tor- 
quata, Mty.) 
Gl senegalensis, Brm. 

2 Glareola limbata, Rüpp. (Glareola 

austriaca, auct.) 

3 Glareola Pallasi, Bruch. (Gl. pra- 

tincola, Fall.) 
Naumannia 1855. 



Glareola melanoptcra, Nordm. (61. 
Nordmanni, Fisch.) 

G r u i d a e. 

Griiinac 

I. Grus, Fall. 

1. Grus leucogeranos, Fall. (Ardea 

gigantea, L.) 

2. Grus antigone, Fall. (Ardea anti- 

gone, L ) 

3. Grus vulgaris, Fall. (Grus cinerea, 

Bechst. Ardea grus, L.) 

4. Grus cinercacea, Brm. Gultnre et 

sterno longe aliter i'ormatis, a 
Grue cinerea satis diversa. 

II. Anthropoides, Vieill. 
Anthropoides virgo, Vieill. (Grusvirgo, 

Fall. Ardea virgo, L.) 

III. Balearica, Br. 

ßalearica pavonina, Vig. (Grus pavo- 
nina, Brm. Ardea pavon., L.) 

Ciconidae. 
Clcniinae. 
Ciconia, Bell. 

1. Ciconia alba, Brist. (Ardea cico- 

nia, L.) 
Cic. albescens, Brm. 

2. Ciconia major, Brm. (Ardea cic. L.) 

3. Ciconia nivea,' Brm. 

4. Ciconia nigra, Belon. (Ard. nigr , L.) 

5. Ciconia fusca. Briss. et Brm. (Ar- 

dea nigra, L.) 

A r d e i d a e. 

Ardeinae. 

I. Ardea, L. 

1. Ardea cinerea, L. 

a) Ard. major, Gm. et Brm. 

b) Ard. cineracea, Brm. 

2. Ardea purpurea, /,. 

Ard. caspia, Gmel. et Brm. 

3. Ardea purpurascens, Brm. (Ardea 

purpurea, L.) 

II. Egretta, Bp. (Herodias, Boje.) 

1. Egretta "alba, Bp. (Ardea alba, L. 

Ardea Candida, Brm.) 

2. Egretta nivea, Bp. (Ardea egretta, 

Rüpp. Ard. orientalis, Gray.) 
20 



290 



3. Egretta Latiefn , nobis. (Herodias 

Latiefli, nobis.) an Ardea egret- 
toides, Temm. ? 

4. Egretta brachyrhynchos, nobis. (He- 

rodias brachyrhyncbos, nobis.) 
5 Egretta garzetta, Bp. (Herodias 
garzetta, Boje. Ardea gar- 
zetta, L.) 

6. Egretta Lindermayeri, Brm. (Hero- 

dias Lindermayeri, Brm.) 

7. Egretta jubata, Brm. (Herodias 

jubata, Brm.) 

In Amerika leben wenigstens 2 Arten: 

1. Egretta leuce, Bp. (Herodias leuce, 

Boje.) 

2. Egretta parva, Brm. (Herodias ni- 

vea, Boje.) 

III. B u b u 1 c u s , Brm. 

1. Bubulcus russatus, Brm. (Ardeola 

russata, Brm. Ardea russata, 
Temm.) 

2. Bubulcus aequinoctialis, Brm. (Ar- 

deola bubulcus, Brm. Ardea 
bubulcus, Sav.) 
Bubulcus coromandelicus, Brm. 

IV. B upbus, Boje. 

1. Buphus comalus, Brm. (Ardea co- 

mata, L.) 

2. Buphus ralloides, Bp. (Ardea ral- 

loides, Scop.) 
B. illyricus, Brm. (Ard. comata, L.) 

Buphus pseudo-ralloides, in India 
orientali degens, dorso nigri- 
canti insignis est. 

V. Ardeola, Bp. et Br. 

1. Ardeola minuta, Bp. (Ardeola nae- 

via, Br. Ardea minuta, L.) 

2. Ardeola pusilla, Brm. (Ardea mi- 

nuta, L.) 

VI. Botaurus, Br. 

1. Botaurus major, Briss. (Ardea stel- 
laris, Linn.) 

a) B. arundinaceus, Brm. 

b) B. lacustris, Brm. 



2. Botaurus minor, Bp. (Ardea minor, 
Wils. Ardea lentiginosa, Mon- 
tag.) 

VIT. Nycticorax, Steph. 

Nycticorax griseus, Slrickl. (Ardea 
nycticorax, L.) 

a) N. badius, Brm. 

b) N. meridionalis, Brm. 

Tantalida e. 

Tantalinae. 

I. Tantal us, L. 

1. Tantalus ibis, L. 

2. Tantalus longirostris, nobis. 

II. Thereschiornis, Gr. 

1. Thereschiornis religiosa, Gr. (Ibis 

religiosa, auct.) 
Ther. alba, Brm. 

2. Thereschiornis minor, Brm. (Ibis 

religiosa, auct.) 

Fiataleida e. 

Plataleinae. 
Platalea, L. 

1. Platalea leucorodia, L. 

2. Platalea nivea, Cuv. et Brm. 

Phoenicopteridae. 

Phoenfcupterinae. 

I. Phoenicopterus, L. 

1. Phoenicopterus roseus, Fall. (Phoe- 

nicoplerus ruber, L. Phoenicop- 
terus antiquorum, Temm.) s 

2. Phoenicopterus platyrhynchos, Brm. 

(Phoenicopterus ruber, L.) 
3- Phoenicopterus minor, auct. 

II. P 1 e g a d o r n i s*), Brm. (Ibis Lacepede.) 
|. Plegadornis falcinella, Brm. (Tan- 
talus falcinellus, L.) 

2. Plegadornis major, nobis. 

3. Plegadornis minor, Brm. 



*) Plegadis, welchen Namen Kaup unserer Sippe gegeben hat, ist kein richtiges 
Wort, denn nktyag, nktyadog heisst die Sichel, plegadis finde ich nicht. Brm. 



291 



Scolopacidae. 

Nniueniinae. 

I. Numenius, Briss. 

1. Numenius arquatus, Bechst. (Scolo- 

pax arquata, L.) 
N. assimilis, Brm.*) 

2. Numenius rufescens, Brm. 

3. Numenius medius, Brm., graecus, 

sicut praecedens et sequens 
distincta species. 

4. Numenius longirpstris, nobis. 

5. Numenius islandicus, Brm. 

6. Numenius phaeopus , auct. (Nume- 

nius minor, Br.) 

7. Numenius tenuirostris, Vieill. 
Numenius australis, Brm. veresimi- 

liter Europam non attingit. 

II. Scolopax, L. 

1. Scolopax rusticola, L. 

, a) Sc. pinetorum, Brm. 
b) Sc. sylvestris, Brm. 

2. Scolopax torquata, Brm. (Scolopax 

rusticola, L.) 

III. Enalius, Kaup. (Xylota, Bp., Ho- 

moptilura, Gr.) 
Enalius Sabini, Kaup. (Scolopax 
Sabini, Vig.) 

IV. Gallinago, Leach. (Telmatias, 
Boje.) 

1. Gallinago major. (Scolopax major, 

Sav.) 

2. Gallinago brachyptera, Brm. (Sc. 

major, L. Telmatias brachy- 
ptera, Brm.) 

3. Gallinago uliginosa, Brm. (Telma- 

tias uliginosa, Brm. Scolopax 
major, L. 

4. Gallinago nisoria, Brm. (Telmatias 

nisoria, Brm. Scol. major, Li) 

5. Gallinago robusta, Brm. (Telmatias 

robusta, Brm.) 

6. Gallinago Brehmii, Kaup. (Telma- 

tias ßrehmii, Boje.) 

7. Gallinago Petenyi, Brm. (Telmatias 

Petenyi, Brm.) 

8. Gallinago migratoria, Brm. (Telm. 

gallinago, Boje.) 



9. Gallinago septentrion., Brm. (Telm. 
septentrionalis, Brm.) 

10. Gallinago faeroeensis, Brm. (Telm. 

-faeroeensis, Brm.) 

11. Gallinago lacustris, Brm. (Telmat. 

lacustris, Brm.) 

12. Gallinago peregrina, Brm. (Telm. 

peregrina, Baed. et Brm.) 

13. Gallinago brachypus, Brm. (Telm. 

brachypus, Brm.) 

V. Philolimnos, Brm. 

\. Philolimnos gallinula, Brm. (Sco- 
lopax gallinula, L.) 
Phil, stagnatilis, Brm. 
2. Philolimnos minor, Brm. 

VT. Macrorampbos, Leach. (Limnodro- 
mus, Wagl.) 
Macroramphus griseus, Leach. (Sco- 
lopax grisea et noveboracensis, 
Gm. Sc. Paykulli, Nilss. Lim- 
nodromus gris., Max de Wied.) 

Tringinae. 

I. Limosa, Leisl. 

1. Limosa melanura, Leisl. (Scolopax ' 

limosa et agocephala, L.) 

a) L. islandica, Brm. 

b) L. brachyptera, Brm. 

2. Limosa rufa, Briss. (Scolop. lap- 

ponica, L.) 
L. Meyeri, Leisl. 

3. Limosa grisea, nobis; nova, bene 

distincta et rara species. 

II. Xenus, Kaup. 

Xenus cinereus, Kaup. (Scol. .cinerea, 
Güldenst. Scol. terec. , Latli. 
Limosa recurvirostra, Fall. Li- 
mosa terec, Temm.) 

III. Glottis, Gesn. et Nilss. 

1. Glottis cloropus, Nilss. (Glottis ca- 

nescens, Bp. Scol. glottis, L. 
Limosa glottis et totanus, Pall.) 
Gl. giüsea, Brm. minime Limosa gri- 
sea, Brm. _ 

2. Glottis fistulans, Brm. (Scol. glot- 
• l tis, L.) 



*) Numenius orientalis , Brm., indicus , rostro longissimo insignis est. 

20* 



Brm. 



3. Glottis albicollis, Brm. (Tolanus ' IX. Canntus, liriss. 



glottoides, Gould.) 

IV. Cato ptroph orus, Bp . 
Catoptvophorussemipalmalus, Bp. (Scol. 

semipalmata, /-.) 

V. Totanus, Bechst. 

1. Tolanus fusc, Leid. (Tringa atra, fi.)- 

2. Totanus ater, Brm. (Tringa atra, L.) 
T. natans, Brm. 

3. Tolanus calidris, Bechst. (Scolop. 

calidris, L.) 
T. striatus, Brm. 

4. Tolanus graecus, Brm. (Totan. ca- 

lidris, auct.) 

5. Totanus, meridionalis, Brm. 

6. Totanus sylvestris, Brm. (Tringa 

glareola, L.) 

7. Totanus glareola, Temm. (Tringa 

glareola, L.) 

a) T. palustris, Brm. 

b) T. Kuhlii, Brm. 

8. Totanus ochropus, Temm. (Tringa 

ochropus, L.) 

9. Totanus leucuriis, Brm. (Tringa 

ochropus, auct.) 

10. Totanus stagnalilis, Bechst. 

11. Totanus gracilis, nobis. 

VT. A ctiturus, Bp. 

1. Actiturus bartramius, Bp. (Tringa 

bartramia, Wils. Tringa longi- 
cauda, Nilss.) 

2. Actiturus ruf'escens, Bp. (Tringa 

rufescens, Vieill.) 

VII. Actitis, Boje. 

1. Actitis macularia, Bp. (Tringa ma- 

cularia, L.) 

2. Actitis hypoleucos, Boje. (Tringa 

hypoleucos, L.) 

Act. stagnatilis, Brm. 

3. Actitis megarhynchos, nobis. (Tr. 

hypoleucos, L.) 

4. Actitis fasciata, Brm. America 

septentrionalis. 

VIII. Tringa, L. 
Tringa maritima, L. 

a) Tr. littoralis, Brm. 

b) Tr. nigricans, Montag et Brm. 



1. Canutus islandicns, Brm. (Tringa 

islandica, Gmel.) 

2. Canutus rul'escens, Brm. (Tringa 

canutus, L.) 
Canutus cinereus, Brm. 



X. P 

1. 

2. 

3. 
4. 



1). 
10 
II. 
12. 

lt. 

11. 



elidna, Cuv. 

Pelidna subarquala, Cuv. (Scol. 

subarquata, Z.) 
Pelidna arquata, Brm. (Scolopax 

suharquata, Z,) 
Pelidna macrorhynchos, Brm. 
Pelidna pectoralis, Lay. (Tringa 

pectoralis, Üh. Bp.) 
Pelidna alpina, Cuv. (Tringa al- 

pina, L.) 
Pelidna calidris, Brm. (Tr. alp. L.) 
Pelidna melanolhorax, Br. 
Pelidna Schinzii, Brm. (Tringa 

Schinzii, Brm.) 
Pelidna americana, Brm. (Tringa 

Schinzii, Bp.) 
Pelidna minuta, Cuv. (Tringa mi- 

nuta, L ) 
Pelidna pusilla, Brm. (Tringa mi- 
nuta, L.) 
Pelidna Temminckii, Boje. (Tringa 

'Temminckii, Leisl.) 
Pelidna gracilis, Osk. Brm. 
Pelidna pygmaea, Seyffertitz et Brm. 



XI. Limicola, Koch. 

1. Limicola pygmaea, Koch. 

nius pygmaeus, Koch. 
nius pusillus, Bechst. 
platyrhyncha, Temm.) 

2. Limicola recurvirostris, Brm 



(Nnme- 
Nume- 
Trinsra 



XII. Calidris, ///. 

1. Calidris arenaria, Hl. (Tringa ca- 

lidris, Linn.) 

2. Calidris Mülleri , Naum. , Bald, et 

Brm. 

3. Calidris americana, Brm. 

XIII. Erolia, Vieill. (Falcinellus, Cuv.) 
Erolia pygmaea, Gr. (Scolopax pyg- 
maea, L.) 

XIV. Machetes, Cuv. 

1. Machetes pugnax, Cuv. (Tringa 
pugnax, L.) 



293 



a) M. alticeps, Brm. 

b) M. planiceps, Brm. 
2. Machetes minor, Brm. 

Phalaropidae. 

Phalaropinae« 

I. Phalaropus, Briss. 

Phalaropus rufus, Sechst. (Tringa lo- 
bala, L.) 
Phal. platyrhynchos, Temm. et Brm. 

II. Lobipes, Cuv. (Phalaropus, Briss.) 
Lobipes hyperboreus, Cuv. (Phalaro- 
pus hyperboreus, Br. Tringa 
hyperborea et fusca, L.) 

III. Himantopus, Briss. 

1. Himantopus rufipes, Bechst. (Cha- 

radrius himantopus, L.) ' 

2. Himantopus longipes, Brm. 

3. Himantopus melanocephalus, Brm. 

(Himant. melanopterus, auct.) 

4. Himantopus nigricollis, nobis. 

5. Himantopus leucocephalus, nobis. 

6. Himantopus brevipes, nobis. 
Himantopus' brasiliensis. 

IV. Recurvirostra, L. 

1 . Recurvirostra avocetta, L. 

2. Recurvirostra fissipes, Brm. (Rec. 

avocetta, L.) 

3. Recurvirostra helevi, nobis. 

Rallidae. 

Rjnchaeinae. 

Rynchaea, Cuv. 

Ryncbaea variegata, Cuv. , 

Rallinae. 

I. Rallus, Linn. 

1. Rallus aquaticus, L. 
R. germanicus, Brm. 

2. Rallus minor, Brm. (Rallus aqua- 

ticus, anct.) 

3. Rallus fusci-lateralis, Brm. 

II. Cr ex, Bechst. 

Crex pratensis, Bechst. (Rallus crex, L.) 

a) Crex herbarum, Bi*m. 

b) Crex alticeps, Brm. 



III. Gallinula, Lath. (Porzana, Vieill.) 

1. Gallinula porzana, Lath. (Rallus 

porzana, L.) 
Gallinula maculata, Brm. 

2. Gallinula leucothorax, Brm. (Rallus 

porzana, L.) 
G. punctata, Brm. 

3. Gallinula gracilis, nobis. 

4. Gallinula minuta, Brm. 

5. Gallinula pusilla, Bechst. (Rallus 

pusillus, Gm.) 

a) Gall. parva, Brm. 

b) Gall. minutissima, Brm. 

6. Gallinula pygmaea, Nauvi. 

7. Gallinula Raillonii, Vieill. 

IV. Stagnicola, Brm. (Hydrogallinula, 

Lacep. Gallinula, Gr.) 

1. Stagnicola chloropus, Brm. (Galli- 

nula chloropus, Lath. Fulica 
chloropus et fusca, L.) 
St. septentrionalis, Brm. 

2. Stagnicola minor, Brm. (Gallinula 

chloropus, Lath.) 

3. Stagnicola parvifrons, Brm. (Gall. 

chloropus, Lath.) 

V. Porphyrio, Bell, et Briss. 

1. Porphyrio hyacinthinus, Temm. (Fu- 

lica porphyrio? Fall.) 

2. Porphyrio chloronotos, nobis, nova 

et distincta species. Porphy- 
rio smaragdonotos, Temm. et 
Porphyrio minor, Brm. sunt 
similes, ille alis coeruleis, hie 
ambitu multo minori diversus. 

VI. Fulica, L. 

1. Fulica atra, L. 

2. Fulica aterrima, L. 

3. Fulica platyuros, Brm. (F. atra, L.) 

4. Fulica cristata, Gm. 

Anseres. 

Longlpennes. 
Laridae« 

Lestridinae. 
I. Cataracta, Brunn. 

Cataracta skua, Brunn. (Larus cata- 
ractes, L. Lestris cataractes, III.) 
C. minor, Brm. 



294 



II. Lestris, III. 

1. Lestris pomarina, Temm. 

2. Lestris sphaeriuros, Brm. (Lestris 

pomarina, auet.) 

3. Lestris Boji, Brm. (Lar. parasiti- 

er, L. Lar. pomarina? Boje.) 

4. Lestris macropteros, Brm. (L. pa- 

rasitiere, L.) 

5. Lestris Sclileepii, Brm. (Lestris 

Buffonü, Boje. Lar. parasiti- 
cus, L.) 

6. Lestris Benickemi, Brm. (Lestris 

Buffonü? Boje. Lar. parasiti- 
ere, L.) 

7. Lestris crepidata , Brm. (Cataracta 

cephus, Brunn.) 

8. Lestris brachyrhynchos, Brm. (Le- 

stris parasitica, auet.) 

9. Lestris microrhynchos, Brm. 

Larinae. 

I. Lar us, L. 

1. Larus maximus, Brm. (Larus ma- 

rinus, L.) 
L. Mülleri, Brm 

2. Larus Fabricii, Brm. (L. marin , L.) 

3. Larus marinus, L. et Brm. 

4. Larus glaueus, L. (Lar. giganleus, 

Benicken.) 

5. Larus glacialis, Benicken. 

6- Larus consul, Boje et Brm. (Lar. 

glaueus, auet.) 
7. Larus minor, Brm. (Larus medius, 

Brm.) 

II. Laroides, Brm. (Larus, L.) 

1. Laroides major, Brm. (Larus ar- 

gentatus, Brunn.) 

a) Laroid. argentatus, Brm. 

b) Laroid. argenteus, Brm. 

c) Laroid. argentatoides, Brm. 

2. Laroides argentaceus, Brm. (Lar. 

argentatus, auet.) 
Laroid. americanus. Brm. 

3. Laroides Michahellesii, Brm. (Lar. 

Michahellesii, auet.) 
4 Laroides Audouini, Brm. (Larus 
Audouini, Peyraudeau.) 

5. Laroides glaueoides, Brm. (Larus 

leueopterus, Fab.) 

6. Laroides leueopterus, Brm. (Larus 

leueopterus, Fab.) 



7. Laroides subleucopterus, Brm. (L. 

leueopterus, Fab.) 

8. Laroides melanotos, Brm. (Larus 

fuscus? auet) 
Laroides fuscus, Brm. 

9. Laroides harengorium, Brm. (Lar. 

fuscus, L.) 

10. Laroides fuscescens, Brm. (Larus 

fuscescens, Licht.) 

a) Laroid. nigridorsalis, Brm., fus- 

cescenli minor, rostro breviori. 

b) Laroid. assimilis , Brm. , praece- 

denti similis, sed rostro longiori 
et graeiliori. 

11. Laroides canus, Brm. (Lar. canus L.) 
Laroid. procellosus, Brm. 

12. Laroides canescens, Brm. (Larus 

canus, L ) 

13. Laroides lacrimosus, Brm. (Larus 

lacrimosus, Licht. Lar. Heinii, 
Homeyer.) 

III. Rissa, Leach. (Gavia, Briss.) 

1. Rissa tridaetyla, Leach. (Larus tri- 

dactylus, L.) 

2. Rissa borealis, Brm. (Larus tridac- 

tylus, L.) 
Rissa gregaria, Brm. 

3. Rissa minor, Brm. (Larus tridact. 

L., an Larus bracbyrhynchos, 
Gould.?) 

IV. Gavia, Bruch. (Gelastes, Bp.) 
Gavia gelastes, Bruch. (Larus gelastes, 

Licht. Lar. tenuirostris, Temm.) 

V. Xema, Leach. 

Xema Sabinii, Leach. (Larus Sabinii, 
Leach.) 

VI.\ Chroicoceph alu s, Eyton. 

1. Chroicocephalus ichtliyaetos, Eyton. 

(Larus ichtbyaetos, Fall.) 

2. Chroicocephal. melanocephalus, Eyt. 

(Larus melanocepb., Natterer.) 

3. Cbroicocephalus atricilla, Eyt. (Lar. 

atricilla, L) 

4. Cbroicoceph. canieeps, Brm. (Xema 

canieeps, Brm.) 

5. Chroicocephalus ridibundus, Eyt. 

(Larus ridibundus, L.) 

6. Chroicocephalus eapistratus, Eyton. 

(Larus eapistratus, Temm) 



295 



7. Chroicoceph. pileatus, Brm. (Xema 

pileatum, Brm. an Laras ridi- 
bundus, L. ?) 

8. Chroicocephalus minor, Brm. 

9. Chroicocephalus Bonapartii, Brm. 

(Laras Bonapartii, auct ) 

10. Chroicoceph. leucophthalmos, Brm. 

(Laras leucophthalmos, Licht.) 

11. Chroicocephalus minutus, Eyt. (Lar. 

minutus, Fall.) 

VII. Pagophila, Raup. (Gavia, Boje.) 

1. Pagophila eburnea, Kaup. (Larus 

eburneus, L.) 

2. Pagophila nivea, Brm. (Gavia nivea, 

Brm. Larus brachytarsus, Hol- 
böll.) 

VIII. Rodostethia, Macgill. 
Rodostethia rosea, Macg. (Lar. roseus, 

Jardine. Larus Rossii, Sabine.) 

Sternlnae. 

I. Sylo chelidon, Brm. (Hydroprogne, 

Kaup.) 

1. Sylochelidon balthica, Brm. (Sterna 

caspia, L.) 
Syloch. Schillingii, Brm. 

2. Sylochelidon caspia, Brm. (Sterna 

caspia, L.) 

II. T h a 1 a s s e u s , Boje. 

1. Thalasseus affinis, Boje. (Sterna 

afflnis, Rüpp.) 

2. Thalasseus cantianus, Boje. (Sterna 

cantiana, L.) 

a) Thalass. canescens, Brm. 

b) Thalass. candicans. 

3. Thalasseus Pauli de Württemberg, 

Brm., an Sterna velox, Rüpp. ?) 

III. Gelo ch elidon, Brm. 

1. Gelochelidon balthica, Brm. (Sterna 

risoria, Brm. Sterna anglica, 
Montag.) 

2. Gelochelidon agraria, Brm. (Sterna 

anglica auct.) 

3. Gelochelidon meridionalis, Brm. 

(St. anglica, auct.) 

4. Gelochelidon velox, nobis. (Sterna 

anglica, auct.) 
Gelochelidon aranea, Brm. (Sterna 
aranea, Wils., Amerika ) 



IV. Sternae, L. 

1. Sterna paradisea, Brunn. (Sterna 

Dougalli, Mont.) 

2. Sterna fluviatilis , Naum. (Sterna 

hirundo, auct.) 

3. Sterna Blasii, Brm. (Sterna hirundo, 

auct.) 

4. Sterna arctica, Temm. (Sterna hi- 

rundo, L.) 

a) Sterna macrura, Naum. 

b) Sterna argentata, Brm. 

c) Sterna argentatea, Brm. 

5. Sterna brachytarsa, Graba. 
Sterna Nitzschii, Kaup. 

V. Stern ula, Boje. 

1. Sternula minuta, Boje. (Sternula 
fissipes , Brm. Sternula mi- 
nuta, L.) 
a) Sternula pomarina, Brm. 
b) Sternula danica, Brm. 
2) Sternula danubialis, Brm. (an Sterna 

orientalis, Mus. Berol.?) 
3. Sternula meridionalis, nobis. (Sterna 
minuta, Z.) 

VI. Hydrochelidon, Boje. 

1. Hydrochelidon hybrida, Boje. (St. 

'hybrida, Fall. Sterna leuco- 
pareja, Natt.) 

2. Hydrochelidon leucogenys , Brm. 

(Sterna leucoparej,a, auct.) 

3. Hydrochelidon nilotica, Brm. (Sterna 

nilotica, Rüpp.) 

4. Hydrochelidon nigra, Boje. (Sterna 

nigra, naevia et fissipes, L.) 

a) Hyd. obscura, Brm. 

b) Hyd. pallida, Brm. 

5. Hydrochelidon leucoptera, Boje. 

Sterna lqucoptera, auct.) 
H'ydr. subleucoptera, Brm. 

VI. Anous, Leach. 

Anous stolidus, Leach. (Sterna sto- 
lida, L.) 

VII. Haliplana, Wagl. 

Haliplana fuliginosa, Wagl. (Sterna 
fuliginosa, L.) 

Prooellaridae* 

Dloiiiedinae 
Diomedea, L. 

1. Diomedea exulans, L. 

2. Diomedea chlororhynchos, L. 



296 



Procellarinae. 

I. Procellaria, L. 

1. Procellaria glacialis, L. 
Proc. borealis, Brm. 

2. Procellaria hiemalis, Brm. (Proc. 

glacialis, L.) 

3. Procellaria cinerea, auct. 

4. Procellaria minor, Brm. 

II. Thalassidroma, Leach. (Hydro- 

bates, Boje ) 

1. Thalassidroma pelagica, Leach. 

(Procellaria pelagica, L.) 
Thal, tenviirostris, Brm. 

2. Thalassidroma minor, Brm. (Pro- 

cellaria pelagica, L.) 

3. Thalassidroma faeroeensis , Brm. 

(Procellaria pelagica, L.) 

4. Thalassidroma albii'asciata, Brm. 

5. Thalassidroma Wilsonii, Bp. (Pr. 

pelagica, Wils. Pr. oceanica, 
Lieht.) 

6. Thalassidroma Leachii, Bp. (Proc. 

Bullockii, Selby.) 

III. Bulweria, Bp. 

Bulweria columbina, Bp. (Procellaria 
Bulweri , Gould. Procellaria 
columbina, Webb.) 

IV. Puffinus, Briss. 

1. Puffinus major, Fab. 

2. Puffinus cineieus, Steph. (Procel- 

laria cinerea, Gm. Proc. puf- 
finus, Temm.) 

3. Puffinus Anglornm, Ray. (Pr. puf- 

finus, Brunn. Puffinus arcti- 
cus, .Faber ) 
Puffinus arcticus, Fab. et Brm. 

4. Puffinus obscurus, Steph. (Procella- 

ria obscura, Gm., Vieill. 

Felecnnidaet 
Sulinae. 

Sula, Briss. (Dysporus, III.) 

1. Sula bassana, Briss. (Pelecanus 

bassanus, L ) 

2. Sula major, Brm. (Pelecanus bas- 

sanus, L.) 

Tachypetinae. 

Tachypetes, Vieill. 

Tachypeles aquilus, Vieill. (Pelecanus 
aquilus, L ) 



Phalacrocoracidae. 
Phalacrocorax, Briss. 

1. Phalacrocorax carbo, Dumont. (Pe- 

lecanus carbo, L.) 

2. Phalacrocorax glacialis, Brm. (Pe- 

lecanus carbo, L.) 

a) Phalacr. arboreus, Brm. 

b) Phalacr. humilirostris, Brm. 

3. Phalacrocorax subcormoranus, Brm. 

(Pelec. carbo, L.) 

4. Phalacrocorax brachyrhynchos, nobis. 

(Pelecanus carbo, L.) 

5. Phalacrocorax graculus, Dumont. 

(Pelec. graculus, L.) 
Phalacr. brachyuros, Brm. 

6. Phalacrocorax Desmavesti, Dumont. 

7. Phalacrocorax pygmaeus, Dumont. 

(Pelecanus pygmaeus, Fall.) 

8. Phalacrocorax africanus, auct. (Pel. 

africanus, L.) 

Pelecanioae. 

1. Pelecanus crispus , Bruch. (Pelec. 

onocrolatus, L.) 

2. Pelecanus patagiatus, Brm. (Pele- 

canus crispus? Bruch.) 
- 3- Pelecanus onocrotalus, L. 

4. Pelecanus minor, Rüpp. nee Linn. 

5. Pelecanus pygmaeus, nobis. 

Lamellirostres. 
% ii ati tl ae. 

Cjgninae. 

Cygnus, Mey. et Bechst. 

1. Cygnus gibbus, Bechst. (Anas 

olor, Gmel) 

2. Cygnus olor, III. et Brm. (Anas 

olor, Gmel.) 

3. Cygnus musicus , Bechst. (Cygnus 

ferus, Gr. Anas cygnus, L.) 

4. Cygnus islandicus, Brm. (Cygnus 

musicus, Fab. Cygnus Be- 
wickii, Yarr. Cygnus minor, 
Bali. Cygnus melanorhinus, 
Na um.) 

5. Cygnus immutabilis, Yarr. 

Anserinae. 

I. Cygnopsis, Brandt. 

1. Cygnopsis cygnoides, Brandt. (Anas 

cygnoides, auct.) 



297 



2. Cygnopsis canadensis, Brandt. (A. 
canadensis, L.) 

II. Plec tropterus, Leach. 

1. Plectropterus gambensis, Leach. (An- 

ser gambensis, Briss. Anas 
gambensis, L. 

2. Plectropterus brevirostr., Brm. (Anas 

gambensis, L.) 

III. Ansev, Briss. 

1. Anser cinereus, Mey. (Anas anser, 

L. Anser sylvestris, Briss.) 
Anser sylvestris, Briss. et Brm. 

2. Anser platyuros, Brm. (Anser se- 

getum, auet. Anas seget , L.) 

3 Anser segetum, Brvi. (Anser ar- 

vensis, Naum. Anas anser, L.) 

4. Anser rufescens, Brm. (Anser se- 

getum, Naum!) 

5. Anser arvensis, Brm. (Anser sege- 

tum, auet.) 
6 Anser obscurus, Brm. (Ans braehy- 
rhynchos, Baill.) 

7. Anser Bruchii, Brm. (Anser medius, 

Bruch , Isis XXI. H. 7. Taf. 91 ) 

8. Anser paradoxus, Brm. 

9. Anser albif'rons, Sechst . (Anas 

erythropus, L. Anser erythro- 
pus, Steph.) 

10. Anser medius, Brm. (Anser inter- 

medius, Naum. Anas albi- 
frons, L.) 

11. Anser brevirostris, Heckel. (Anser 

minutus, Naum.) 

12. Anser cineraceus, Brm. 

IV. Bernicla, Stcph. 

1. Bernicla leucopsis, Boje. (Anser 

leueopsis, Bechst. Anser ber- 
nicla, Fall.) 

2. Bernicja torquata. Boje. (Anas 

bernicla, L.) 

3. Bernicla platyuros, Brm. (Anas 

bernicla, L.) 

4. Bernicla pallida, Brm. (Anas ber- 

nicla, L.) 
5 Bernicla glaueogaster, Brm. (Anas 
bernicla, L.) 

a) Bern, collaris, Brm. 

b) Bern, micropus, Brm. 

6. Bernicla ruficollis, Brm. (Anas rufi- 

collis, L.) 
Nauraannia 1855. 



V. Chenalopex, Steph. (Tadorna, 
Brm.) 

1. Chenalopex hyperboreus, Steph. (An- 

ser nivens, aucU Anas hyper- 
borea, L.) 

2. Chenalopex aegyptiac, Steph. (Anas 

aegyptiaca, L.) 
3 Chenalopex varius, nobis. (Anas 
aegyptiaca, L.) 

Anatinae. 
I. Casarca, Bp. 

Casarca rutila, Bp. (Anas rutila, Fall. 
Anas casarca, L ) 

II Tadorna, Leach. 

1. Tadorna gibbera, Brm. (Anas ta- 

dorna, L.) 

a) Tad. liltoralis, Brm. 

b) Tad. maritima, Brm. 

2. Tadorna Schachraman, Alfr. Brm. 

* 

III. Cairina, Flemm. 

Cairina moschata, Flemm. (Anas mo- 
schata, L.) 

IV. Anas, L. 

1. Anas boschas, L. (Anas purpureö- 

viridis, a me ipso examinata 
est hybrida ejus cum Cairina.) 
Anas archiboschas, Brm. 

2. Anas subboschas, Brm. 

In Asia orientali Anas major, Brm. 
degit. 

V. Dafila, Leach. 

1. Dafila acuta, Leach. (Anas acuta, L.) 
Daf. longicauda, Brm. 

2. Dafila caudata, Brm. 

VI. M areca, Stcph. 

1. M areca penelope, Steph. (Anas 

peuelope, L.) 

a) Mar. Kajolka, Brm. 

b) Mar. fistulaus, Brm. 

2. Mareca americana, Steph. 

VII. Chaulelasmus, Gray. 

1. Chaulelasmus streperus, Gray. (Anas 

strepera, L.) 
Chaul. cinereus, Brm. 

2. Chaulelasmus americanus, Gray. 

21 



298 



VIII. Pterocyanea, Brm. 

1. Pterocyanea circia, Bp. (Querque- 

dula circia, Brm. Anas cir- 
cia, L.) 
Pteroc. glaucopteros, Brm 

2. Pterocyanea scapularis, Brm. (Anas 

querquedula, L.) 

IX. Querquedula, Steph. et Boje. 

I. Qnerquedulaangustiroslr , Bp. (Anas 

angustiroslris, Menetr. Anas 
marmorata, Temm.) . 

2 Querquedula bimaculata, Bp. (Anas 

bimaculata, Penn. Anas gloci- 
lans, Gmel. nee Pall.) 

3. Querquedula falcata, Bp. (Anas 

falcata, Pall.) 

4. Querquedula crecca, Steph. (Anas 

crecca, L.) 

5. Querquedula americana, Brm. 

6. Querquedula groenlandica, Brm. 

a) Querq. suberecca, Brm. 

b) Querq. creeeoides, Brm. 

X. A i x , Boje. 

1. Aix sponsa, Boje. (Anas sponsa, L.) 
Aix promissa, Brm. 

2. Aix galericulata , Boje. (Anas ga- 

lericulata, L.) 

XI. Rhyn chaspis, Leach. (Clypeata, 

Boje.) 

, -1. Rhynchaspis clypeata, Leach. (Rhyn- 
chaspis maerorhynchos, Brm. 
, Clypeata macrorhynchos, Brm. 

[Anas clypeata, L]) 

a) Rliynch. platyrhynchos, Brm. 

b) Rhynch. pomarina, Brm. 

2. Rhynchaspis brachyrhynclios, Brm. 

(Clypeata bracbyrhynchos, Brm. 
Anas clypeata, L.) 

3. Rhynchaspis platyuros, Brm. 

XII. Call ich en, Brm. (Branta Boje) 

1. Callichen rnfimis , Brm. (Branta ' 

ruß na, Boje. Piatypus ruflnus, 
Brm. Anas rufina, L.) 

2. Callichen snbrufinus, Brm. 

XIII. Aythya, Boje. 

1. Aythya ferina, Boje. (Aythya cry- 
tbrocepfa , Brm. Anas ferin.L.) 



2. Aythya rufieeps, Brm. (Aythya fe- 

rina, Brm. Anas ferina, L.) 

3. Aythya Homeyeri, Brm. (Fuligula 

Homeyeri, Baedecker.) 

4. Aythya Valisneri, Brm. (Aythya 

erythroeephala, Mus. Berol.) 

XIV. Fuligula, Steph. 

1. Fuligula islandica, Brni. (Aythya 

islandica, Brm. Piatypus is- 
landicus, Brm. Anas marila, L.) 

2. Fuligula marila, Steph.. (Anas ma- 

rila, L.) 

3. Fuligula leueonotos, Brm. (Aythya 

leueonotos, Brm. Piatypus ma- 
rilus, Brm. Anas marila, L.) 

4. Fuligula rufitorques, Mus. Berol. 

Anas mariloides, Vig.) 
5 Fuligula collaris, Bp. (Anas fuli- 
gula, Wils.) 
6. Fuligula patagiatns, Brm. (Piatypus 
fuligulus, Brm. Anas fuligula 
Linn) 
Fulig. cristata, Brm. 

XV Nyroca, Flemm. 

1. Nyroca leucopthalmos, Flemm. (Anas 

nyroca, L.) 

2. Nyroca obsoleta, Brm. (Anas ny- 

roca, Linn.) 

XVI. Erismatura, Bp. 

1. Erismatura leueoeephala, Bp. (Pia- 

typus leueoeephalus, Brm. An. 
niersa, Pall.) 

2. Erismatura incisa, Brm. (Anas 

mersa, L.) 

XVII. Oidemia*), Flemm. (Melanitta. 
Boje. 

1. Oidemia nigra, Flemm (Melanitta 

nigra, Boje. Anas nigra, L.) 

2. Oidemia gibbera, Brm. (Melanitta 

nigra, Brm. Anas nigra, L.) 

a) Oidemia nigripes, Brm. (Mela- 

nitta nigripes, Brm.) 

b) Oidemia megaurus, Brm. (Me- 

lauitla megaiiros, Brm.) 

3. Oidemia f'usca, Flemm. (Piatypus 

fuscus, Brm. Melanitta fusca, 
Boje. Anas fusca, L) 



*) Oidrj[.ia, das Anschwellen. Brm. 



4. Oiderhia Hornschuchii, Brm. (Mel. 

Hornschuchii, Brm. An. fusc.L.) 

a) Oid. megapus, Brm. (Mel. me- 

gapus, Brm) 

b) Oid. platyrhynchos, Brm. (Mel. 

platyrhynchos, Brm.) 

5. Oidemia perspicillata, Brm. (Mel. 

perspicillala, Boje. Anas per- 
spicillata, //.) 

XVIII. Clangula, Flemm. 

1. Clangula glaucion, Boje. (Piatypus 

glaucion, Brni. Anas clang. L.) 

a) Clang. peregrina, Brm. 

b) Clang. leuco-melas, Brm. 

2. Clangula scapularis, Mehlis et Brm. 

(Anas Barrowii, Sw. Anas is- 
landica, L.) 

3. Clangula albeola, Jenyns (Anas 

albeola, Wils.) 
' 4. Clangula angustirostris, Brm. (Mer- 
. gus anatarius, Einbeck.) 

5. Clangula histrionica, Flemm (Pla- 

" typus histrionica, Brm. Anas 
histrionica, L.) 

6. Clangula torquala, Brm (Anas hi- 

strionica, L.) 

XIX. Harelda, Leach. 

1. Harelda glacialis, Leach. (Piatypus 
glacialis, Brm. Anas glacial., 
L. Clangula glacialis, Leach.) 
Harelda hiemalis, Brm (Clangula 
hiemalis. Brm.) 
2 Harelda Faberi, Brm. (Clangula 
Faberi, Brm. Anas glacial , L.) 
Har. brachyrhynchos , Brm (Clan- 
gula brachyrhynchos, Brm) 
3. Harelda megauros, Brm. (Clangula 
megauros, Brm. Anas glacia- 
lis, L.) 
Har. musica, Brm. 

XX. Heniconetta, Gray. 
Heniconetta Stellen, Gray. (Anas Stel- 

leri et dispar, L.) 

XXI. Somateria, Leach. 

1. Somateria mollissima, Leach. (Anas 
mollissima, L.) zerfällt in : 

a) Som. danica, Brm. 

b) Som. norwegica, Brm. 

c) Som. faeroeensis, Brm. (Piatypus 

borealis, Brm) 



d) Som. islandica, Brm. 

e) Som. borealis, Brm. 

2. Somateria Leisleri, Brm. (Plalypus 

Leisleri, Brm. Anas mollis- 
sima, L.) 

3. Somateria planifrons, Brm. (Anas 

mollissima, L.) 

4. Somateria platyuros, Brm: (Anas 

mollissima, L.) 

5. Somateria spectabilis, Leach. (Pia- 

typus spectabilis, Brm. Anas 
spectabilis, L.) 
Som. megarhynchos, Brm. 

6. Somateria Altensleinii, Brm. (Pia- 

typus Altensteinii, Brm. Anas 
spectabilis, Z,.) 

Merginae. 

I. Mergus, L. 

1. Mergus merganser, L. 
Merg. castor, Z. 

2. Mergus serrator, Z. 
Merg. leucomelas, Brm. 

3. Mergus cucullatus, Z. 

II. Mergellus, Raup. 

1. Mergellus albellus, AT««/?. (Mergus 

albellus, L ) 

2. Mergellus minutus , Brm. (Mergus 

albellus, L.) 

PodioipidAe. 

Podicipinae. 

P o d i c e p s , Lath. 

1. Podiceps cristatus, Lath. (Colym- 

bus cristatus, L.) 
Pod. mitratus, Brm. 

2. Podiceps patagiatus, Brm. (Colym- 

bus cristatus, L.) 

3. Podiceps longirostris, Bp. 

4. Podiceps rubricollis, Lath. (Col. 

rubricollis, Gm. L.) 

5. Podiceps snbcristatus, Bechst. (Col. 

subcristatus, L.) 

6. Podiceps cornutus, Fab. (Colymb. 

obscurus. L.) 

7. Podiceps bicornis, Brm. (Podiceps 

cornutus, au ct.) 
8 Podiceps arcticus, Boje (Podiceps 

auritus, Fab.) 
9. Podiceps recurvirostra, Brm. (Pod. 
auritus, auct.) 
Podiceps orientalis, nobis. 
21* 



300 



10- Podiceps nigricollis, Brm. (Pod. 
auritus, auct.) 

11. Podiceps auritus, aucl. 

12. Podiceps hebrycidus, Lath. (Colym- 

bus hebrycidus, L.) 

13. Podiceps minor, Lath. (Colymbus 

minor, L.) 

14. Podiceps pallidus, Brm. (Colymbus 

minor, L.) 

15. Podiceps pygmaeus, Brm. (Col. 

minor, L.) 
Podiceps philippensis äliique podi- 
cipes peregrini ejus sunt sub- 
species. 

Colymbidae. 

Coljmbinae. 
Colymbus, L. 

1. Colymbus glacialis, L. 
Col. maximus, Brm. 

2. Colymbus hiemalis, Brm. (Colym- 

bus glacialis, L.) 

3. Colymbus arcticus, L. 

4. Colymbus megarhynchos, Brm. (Col. 

arcticus, L ) 

5. Colymbus balthicus, Hornschuch et 

Schilling. (Col. arcticus, L.) 

6. Colymbus septentrionalis, L. 

a) Col. lumme, Brunn, et Brm. 

b) Col. borealis, Brunn, et Brm. 

7. Colymbus microrhynchos, Brm. (Col. 

septentrionalis, L.) 

Urinatores. 
A 1 o i d a e. 

Ilrinae. 

I. Uri a, Briss, 

1. Uria lomvia, Brunn. (Uria troile, 

Temm. Cephus lomvia, Pall. 
Colymbus troile, L.) 

2. Uria ringvia, Brunn. (Uria leucop- 

sis, Brm.) 

3. Uria norwegica, Brm. (Uria troile, 

auct.) 

4. Uria arra, Pall. (Uria Brünnichii, 

Sabine.) 



5. Uria polaris, Brm. (Uria Francsi, 

Leach. Uria Brünnichii, auct.) 

6. Uria unicolor, Benicken. 

II. Cephus, Cuv. (Grylle, Brandt.) 

1. Cephus grylle, Cuv. (Uria grylle, 

Oedmann. Grylle columba, Bp., 
Uria minor nigra, Briss. Co- 
lymbus grylle, L.) 

2. Cephus arcticus , Brm. (Uria grylle, 

auct.) 
3 Cephus Meisneri, Brm. (Uria Meis- 
neri, Brm. Uria grylle, auct.) 
14 remiges. 
Cephus faeroeensis, Brm. (Uria fae- 
roeensis, Brm.) 

4. Cephus glacialis, Brm. (Uria Mandtii, 

Licht.) 

5. Cephus carbo, Brm. (Grylle carbo, 

Brandt) 

III. Mergulus, Bay. 

1. Mergulus alle, Ray. (Alca alle, L.) 

2. Merg. arcticus, Brm. (Alca alle, L.) 

Alcinae. 

I. Mormon, ///. 

1. Mormon glacialis, Leach. (Alca 

arctica, L ) 

2. Mormon arcticus, Ilt. (Alca arctica, 

L. Mormon fratercula, Temm.) 

3. Mormon polaris, Brm. (Alca arc- 

tica. L.) 

4. Mormon Grabae, Brm. (Alca arc- 

tica, L.) 

II. Utamania, Leach. 

1. Utamania torda, Leach. (Alca lor- 

da, L.) 

2. Utamania balthica, Brunn. (Alca 

balthica, Brunn, et Brm. Alca 
torda, L.) 

3. Utamania glacialis, Brm. (Alca 

glacialis, Brm. Alca pica, L ) 
Utam. islandica, Brm. (Alca islan- 
dica, Brm) 

4. Utamania microrhynchos, Brm. (Al- 

ca microrhynchos, Brm. Alca 
torda, L.) 

III. Alca, L. (Pinguinus, Bonn.) 
Alca impennis, L. (Pinguinus impen- 

nis, Bonn.) 



Reuthendorf, im Juli 1855. 



Chr. Ludw. Brehm. 



301 



Nr. 20. 

Heber Ausstopfen und Stellen der Vögel im Allgemeinen 

von 
Bernard Altum. 

(Hierzu die Tafeln 1 und 2 des I. Quartals.) 



Bei der grossen Menge der oft, wenigstens an Individuen reich- 
haltigen Sammlungen ausgestopfter Vögel muss es gewiss befremden, 
dass man so selten Exemplare findet, die naturgetreu ausgestopft und 
gestellt sind. Mir sind grössere Sammlungen bekannt, wo auch fast 
nicht ein einziges leidliches Präparat zu finden ist. Oft sogar ist 
das Gesetz des Schwerpunktes so gröblich verletzt, dass auch dem 
Nichtkenner sich der Gedanke sofort aufdrängen muss, dass der 
Vogel in seinem Leben nie so habe stehen können. Zuweilen bemüht 
man sich, durch ausserordentliche und ungewöhnliche Stellungen zu 
imponiren und Knalleffecte beim Zuschauer hervorzubringen, breitet 
z. B. einem Raubvogel die Flügel halb oder ganz aus und lässt ihn 
so mit geöffnetem Schnabel auf seiner Beute stehen. Schon gut; 
aber wenn sonst der Vogel schlecht gestopft, wenn seine ganze Hal- 
tung unnatürlich ist, "so wird durch jenen Effectversuch dieser Fehler 
nicht im Mindesten gehoben. So ist es wirklich bejammernswerth, 
dass oft seltene Stücke so verderbt zum Skandal des Zuschauers im 
Cabinette aufgestellt sind. 

Ein zweiter weit geringerer, aber den ästhetischen Sinn belei- 
digender, ebenfalls recht häufiger Fehler ist die grosse Einförmigkeit 
der Stellungen. So erinnere ich mich einer Sammlung, in der alle 
Exemplare einer Gattung, etwa 10 — 15, als nach einer (ich glaube 
der linken) Seite sich umsehend aufgestellt sind. 

Fragen wir nach den Gründen dieser Fehler, so gibt es, ab- 
gesehen von dem zuweilen sehr verderbten Zustande des Balges, 
deren drei: 



302 

1) Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit, geringes Interesse des Prä- 
parateurs, der ohne Lust und Liebe zur schönen Gottesnatur die 
Sache handwerksmässig, zum Erwerb des täglichen Brodes betreibt. 

2) Ungeschicklichkeit in Handhabung dieser allerdings nicht 
leichten Kunst. 

Dem erbten möchte man den Rath geben, ein anderes Metier zu 
ergreifen, dem Ungeschickten, sich zu üben, oder gleichfalls sich an 
den lieblichen Luftbewohnern nicht ferner mehr zu versündigen. 
Aber ausserdem ist es gar nicht selten: 

3) Unwissenheit und Unbekanntschaft mit der Natur des Vogels 
und seiner eigenthümlichen Haltung, auf deren Rechnung so manches 
derartige Corruptel zu schreiben ist. Man erkennt an der Sauberkeit 
der Thiere, der glatten Lage der Federn, dem ganzen Arrangement 
den Fleiss und das Interesse, das der Präparator angewandt hat; aber 
man vermisst trotzdem das bei Weitem Vorzüglichere, die Natürlich- 
keit; die Haltung des Körpers, die Länge und Biegung des Halses, 
die Lage der einzelnen Theile, dem Geschmacke des Ausstopfers 
vielleicht zusagend, steht oft im schneidenden Contrast mit dem 
Leben. Es ist dieser Fehler gewiss oft gänzlich zu entschuldigen, 
weil es bei manchen Arten fast unmöglich ist, dass man sich den 
natürlichen Habitus selbst herausconstruirt. Desshalb glaube ich, dass 
es nicht überflüssig sein möchte, auf diesen vom Sammler selbst oft 
nicht gekannten Uebelstand aufmerksam gemacht zu haben, und 
erlaube mir die Mittel zur Beseitigung desselben anzugeben. Es 
sind deren zwei, oder vielmehr, es ist nur eins, bei dessen Mangel das 
andere als Surrogat eintreten muss, nämlich: 

a) Selbsteigene Beobachtung der Vögel in der Natur, 
oder falls das nicht möglich ist, 

b) naturgetreue Abbildungen als Normen für die auszu- 
stopfenden und zu stellenden Thiere. 

Zu a. Dass die Beobachtung im Freien das Beste ist, versteht 
sich von selbst. Hier bietet sich die Natur dar, wie sie ist; je reiner 
wir das Bild in uns aufnehmen, desto ähnlicher kann das zu ent- 
werfende Abbild und Nachbild werden. Bei den meisten kleinen 
Vögeln ist diese Beobachtung eben nicht sehr schwierig. Diese 
Thierchen, die uns überall, auf allen Spaziergängen umgeben, sind 
obendrein oft noch so wenig menschenscheu, dass sie sich dem be- 
obachtenden Blick des Naturfreundes ganz offen darbieten. — Man 



303 

wähne ja, nicht, dass eine derartige Beobachtung zum Zweck des 
Ausstopfens und Stellens bei kleinen Vögeln von keinem sonder- 
lichen Belange sei, nein, es hat nicht bloss jede Art und jedes einzelne 
Individuum in verschiedener Situation eine ganz ander0 Gestalt, son- 
dern auch oft einen ihr eigenthümlichen Aufenthaltsort, der ebenfalls 
vom Conservator muss beobachtet und in etwa nachgebildet werden. 

Es kann hier nicht der Ort sein, die verschiedene Haltung der 
einzelnen Gruppen, Geschlechter und Arten zu beschreiben; aber es 
mögen diese Zeilen anregend wirken, dass der Sammler selbst einmal 
zusehe, welche Gestalt der Vogel in der Ruhe, welche bei der 
Bewegung, welche bei heftigem Affect annimmt, wann er das 
Gefieder aufgelockert, wann knapp anliegend trage, ob Schna- 
bel und Schwanz horizontal, oder ob unter oder über der 
Horizontallinie getragen werden, wie die Biegung des Halses, 
die Lage der Flügel, die Haltung des Körpers, namentlich aber, 
wogegen sehr oft gefehlt wird, wie die Einlenkung der Beine 
sei. Verstösst man beim Präpariren gröblich dagegen, so bleibt der 
Vogel trotz polirter Postamentchen und goldrandrger Etiquettchen 
und einem Mahagoni-Schrank doch ein schlechtes Präparat. 

Der Aufenthaltsort der kleinen Vögel im Freien ist nicht 
weniger zu berücksichtigen. Auf gedrechseltem Postamente ist das 
Stellholz in Form eines T befestigt und obenauf steht jeder kleine 
Vogel, ganz gleich, ob er im Leben einen dünnen, horizontalen 
Zweig als Ruheplatz liebe oder nicht. Ich will mich hier nur be- 
gnügen mit der flüchtigen Bemerkung, dass einige Gruppen vorzüg- 
lich den flachen Boden oder Hügelchen, Steine, Pfähle etc., 
andere einen Sitz auf einem horizontalen, andere auf einem mehr oder 
weniger senkrechten .Zweige, einige dünne, andere starke Zweige 
lieben, einige der Quere, andere (oder wenigstens einer: Caprimulgus) 
der Länge nach auf Zweigen ausruhen etc. etc. — verspreche jedoch, 
falls die Erörterung dieses Themas von Interesse ist, die einzelnen 
Gruppen später von diesen und ähnlichen hierhin gehörenden Ge- 
sichtspunkten näher zu charakterisiren. Es mag dieses Manchem 
wohl überflüssig erscheinen, weil das ja nur allbekannte Daten wer- 
den sein können; allein man betrachte unsere Sammlungen, wie sie 
meist sind: Alauda, Emberiza, Cypselus, Calamoherpe, Sylvia, Parus, 
Cinclus, Caprimulgus, Picus ... Alles, einerlei, ob richtig oder 
falsch, steht auf dem Querholze des bequemen und wohlfeilen T-Ge- 



304 

stells, während Sumpf- und Schwimmvögel ohne Weiteres auf flachem 
Brett aufgestellt sind, wiewohl recht viele, namentlich die ersteren, 
oft auf Bäumen sitzen, dort auch ihr Brutgeschäft vornehmen. Ich 
will hier nuipn Totanus ochropus erinnern, der stets auf Bäumen, 
gewöhnlich in Nestern von Turd. viscivorus, brütet. Diejenigen, 
welche ich sah, standen in einer Höhe von 15 — 20 Fuss. Wie ganz 
anders würde sich die Gruppe der Wasserläufer im Cabinette machen, 
Wenn einzelne die Parterre-Wohnung mit der Belleetage vertauschten, 
so wie sich denn der erwähnte ochropus nicht selten auf Zweigen 
aufhält. 

Man beobachte also selbst, beobachte oft und scharf, was, wie 
gesagt, bei den gewöhnlichen kleinen Vögeln nur des ernstlichen 
Willens bedarf. Aber auch bei den grösseren, die in hinreichender 
Anzahl bei uns wohnen, ist diese Beobachtung nicht sehr schwierig. 
Reicht jedoch wegen ihrer zu grossen Scheuheit das unbewaffnete 
Auge nicht hin, so bediene man sich des Fernrohrs, das hier sehr 
gute Dienste thut, und zwar um so bessere, als der Vogel sonst bei 
gehöriger Nähe des Beobachters auch schon diesen bemerkt hat und 
man ihn da in einer ängstlichen, aufgeregten Situation erblickt, der 
Tubus hingegen eine so grosse Ferne erlaubt, dass der Vogel, nicht 
im Mindesten geängstigt, sich in jeder Haltung ruhig beobachten 
lässt. — 

Aber es gibt eine grosse Anzahl, bei denen das Mittel der 
Selbstbeobachtung rein unmöglich ist, solche, die man entweder nie 
lebend, oder nur schwimmend oder fliegend zu Gesichte bekommt. 
Um daher auch diese naturgetreu ausstopfen und stellen zu können, 
ist ein Ersatzmittel unerlässlich. Daher: 

Zu b. Ich erinnere mich sehr lebhaft meiner Verlegenheit, wenn 
ich in früheren Jahren für meine kleine Sammlung irgend einen 
Lappentaucher erhielt. Der dünne lange Hals, die so ausserordent- 
lich nach hinten eingelenkten Beine machten mir nicht geringes Kopf- 
, zerbrechen , wie doch der curiose Vogel wohl zu stellen sei , damit 
er doch nur in etwas Facon erhielte. Als mir aber Gelegenheit ge- 
boten war, die Naumann'schen Abbildungen beim Präpariren zu be- 
nutzen, so bekamen "diese Taucher Leben, Natürlichkeit, ich möchte 
fast sagen, Grazie. In ähnlicher Verlegenheit mochte mein Freund 
Pf. Bolsmann gewesen sein; denn als ihm zuerst die damals eben 
erschienenen Abbildungen von Naumanns Eudytes zu Gesicht kamen, 



305 

äusserte dieser scharfblickende Beobachter der Natur, der so manchen 
„Seerachen" (Mergus merganser) nach den lebenden Modellen der 
auf den Eisschollen der Ems zusammengekauert sitzenden Thiere 
dieser Art mit Glück ausgestopft hatte: „Nun weiss man doch end- 
lich einmal, wie man einen Seetaucher aufstellen muss. Man sieht 
diesen seltenen Vogel stets nur im Wasser, und ist man auch so 
glücklich, einen lebend zu erhalten, so gewinnt man noch nichts, da 
er sich im Zimmer platt auf den Bauch niederlegt und weder zum. 
Aufstehen, noch zum Gehen zu bewegen ist." — Aehnlich mögen 
Viele gedacht haben. Mehre meiner Freunde, darunter der erwähnte 
Pf. B., haben sich daher die Mühe nicht verdriessen lassen, um sich 
die Naumann'schen Abbildungen zu sichern, dieselben sämmtlich 
zu copiren. Ich bin mit dieser Arbeit bis zum 7. Bande (excl.) 
fertig geworden. Hatten wir später einen Vogel auszustopfen, dessen 
Stellung uns weniger bekannt war, so lag die Abbildung als Modell 
uns zur Seite, und der Vogel wurde so lange gedreht, gedrückt, 
gestellt xind geändert, bis wir die Stellung der Abbildung erreicht zu 
haben glaubten, wurde sie nicht erreicht, so galt er ohne Weiteres 
als verpfuscht. — 

Verfährt man so längere Zeit, so bedarf man der Normen immer 
weniger. Die Typen der einzelnen Vögel haben sich schon ziemlich 
festgesetzt und man kann dann freier verfahrend ihnen andere Stel- 
lungen geben, ohne Gefahr zu laufen, dass der eigenthümliche, 
charakteristische Habitus des Genus oder der Species darunter leidet. 

Was nun die vorhandenen Abbildungen, so weit sie mir bekannt 
sind, angeht, so sind sie theils wegen grosser Kostspieligkeit in nur we- 
nigen Händen, theils für genannten Zweck zu klein, theils falsch. Ich 
glaube daher, dass es nicht ohne Interesse wäre, wenn unsere Zeitschrift 
dergleichen Abbildungen zum Zweck des Ausstopfens und Stellens 
von Zeit zu Zeit lieferte, und ich habe mir desshalb erlaubt, 2 Tafeln, 
welche ausser 1 Plat. leucorodia 17 Reiherstellungen, nämlich 9 von 
cinerea, 2 purpurea, 1 alba, 1 garzetta, 1 stellaris, 2 minuta, 2 comata 
enthalten, zugeben. Rohe, einfache Skizzen, Umrisse genügen 
zu dem Zweck. Sollten solche „Stellungstafeln", wie wir diese 
Skizzen nennen wollen, dem ornithologischen Publikum erwünscht 
erscheinen, so könnten ja, falls die Naumannia nach einer Reihe von 
Jahren ihr Leben- nicht verloren hätte, im Laufe der Zeit durch 
allseitige active Theilnahme der Mitglieder unserer Gesellschaft 



306 

• 

für die Hauptgruppen der inländischen Vögel solche Stellungstafeln 
erscheinen, wodurch gewiss einem von Manchem schon gefühlten 
Bedürfnisse abgeholfen würde. — Ich sollte wenigstens meinen, dass 
viele Liebhaber und Naturfreunde derartige praktische Arbeiten eben 
so sehr oder noch mehr interessiren müssten, als so manche andere 
Beschreibung und Erörterung von Gegenständen, die man vielleicht 
niemals selbst in Händen haben wird und welche folglich zumeist 
auch nur den eigentlichen Männern von Fach oder denjenigen, wel- 
chen ein grosses Museum stets zugünglich ist, verständlich und an- 
ziehend sein können. — Aber auch abgesehen von dem praktischen 
Interesse werden solche Mittheilungen doch stets einen gewissen 
Antheil am Wissenschaftlichen haben können, — oder ist etwa die 
Beschreibung der dem Ausstopfer nothwendig zu wissenden Haltung 
des Vogels, der Lage und Richtung seiner einzelnen Theile und 
seines Aufenthaltes weniger wissenschaftlich, als die Angabe der 
Grössen Verhältnisse, der Farbe seiner Federn u. dergl.? Ich glaube 
kaum. 

Um jedoch auf den ersten Versuch solcher „Stellungstafeln", 
den oben erwähnten 2 Reihertafeln zurückzukommen, so habe ich 
gerade diese Vögel gewählt, weil sie in jeder nicht zu unbedeutenden 
Sammlung vorkommen, und gerade sie es sind, bei denen der an- 
gegebene Uebelstand zuweilen recht sichtlich ist. Auch angenommen, 
dass im Cabinette jeder einzelne Reiher leidlich oder auch richtig 
gestopft und gestellt ist, so sieht man doch bei einer auch grossen 
Anzahl dieser Vögel selten einen, der anders als mit gestrecktem, 
mehr oder weniger S förmig gebogenem Halse aufgestellt ist. Diese 
Monotonie fällt um so unangenehmer auf, je zahlreicher andere Lang- 
hälse (Störche, Kraniche etc.) ihre nächste Nachbarschaft bilden. 
Alle stehen auf Brettern, wie bleierne Soldaten, in Reihe und Glied 
neben einander. Dass Reiher einen Ruhesitz auf Bäumen lieben 
und dann fast immer den Hals ganz stark zusammengelegt 
tragen, so dass der Kopf fast auf den Schultern ruht, scheint 
man kaum zu wissen. Wie prächtig sich jedoch dergleichen Stel- 
lungen ausnehmen, wie sie, wenn auch die Vögel den ganz gewöhn- 
lichen angehören, eine wahre Zierde der Sammlungen sind, beweisen 
hier im Berliner Museum so manche Präparate des Conservators 
Herrn Martin, denen z. B. die Stellung der am Rohrstengel klet- 
ternden Ardeola minuta unserer einen Tafel entnommen ist. 




* /+/7W0L, 



. V/t/tu / central figr.tet &, r i/, f./.' 



„ SUllarü „ ^-. 




f., -/nts?' cütena u$ fr. c. 



4. , fiur/iur£>a/a< fr. 6. Pto^u/uo ü-ucfrcdüi/. 



307 

Manche mögen die muthmassliche Schwierigkeit einer Reiher- 
stellung mit sehr zusammengelegtem Halse scheuen. Freilich ist die 
sanfte S-Form leichter herzustellen. Um aber diese Schwierigkeit, 
so weit es sich durch Abbildungen thun lässt, zu vermindern, habe 
ich auf derjenigen Tafel, welche 5 Figuren von Ardea cinerea dar- 
stellt und welche wir Taf. I nennen wollen, ausser den beiden Ex- 
tremen rücksichtlich der Biegung des Halses nämlich la. und lc. 
die entsprechenden Mittelstufen in lb, Id. und le. darzustellen 
versucht, und glaube, dass bei genauer Betrachtung die Furcht vor 
der Schwierigkeit einer Stellung, wie z. B. la., sich bedeutend 
schwächen werde. 

Da, wie oben schon bemerkt wurde, diese Figuren nicht dazu 
dienen sollen, die Vögel kennen zu lernen, sondern sie auszu- 
stopfen und zu stellen, so habe ich dahin nicht Gehöriges auch 
wenig oder gar nicht berücksichtigt, wesshalb man nachsehen wolle, 
dass ausser anderen Ungenauigkeiten das natürliche Grössenverhältniss 
nicht eingehalten ist. So konnte ich z. B. , ohne der Erreichung des 
genannten Zweckes Abbruch zu thun, nicht füglich A. cinerea ge- 
hörig vergrössert und minuta entsprechend verkleinert darstellen. 

Berlin im Januar 1855. 



Nr. 21. 

Leber eine wahrscheinlich neue Cypselus-Art: 

Cypselus Galilejensis? Antinori. 

Vom 

Marchese Oratio Antinori. *) 

(Hierzu eine Tafel im nächsten Hefte.) 

Cauda brevissima subfurcata; corpore nigro -virescente nitoris metallici 

perlucido; fronte dilute albida; gula, regione supercaudale albis; 

pogonio primae extemo remigis albo limbato. 

Schnabel schwarz. Iris dunkel. Kehle und Bürzel weiss, 
diese Farbe erstreckt sich seitwärts längs der Einlenkung der 

*) Aus dem Italienischen vom Herausgeber. 



308 

Schenkel. Stirn, Augenbrauen, Vorderbug der Flügel 
milchweiss, in das Dunkle der angrenzenden Federn übergehend. 
Obere Theile und Seiten des Kopfes und des Halses, Flügel, 
Schwanz und dessen Unterdeckfedern russschwarz, an den 
Obertheifen des Körpers intensiver und mit einigem leichten metal- 
lischen Schiller. Rücken, Brust, Weichen und Bauch gleich- 
falls schwarz, aber in ein glänzendes Grün übergehend. Die erste 
Schwungfeder am Aussenrande mit einer sehr zarten weissen Ein- 
fassung; sie ist kürzer als die zweite Schwinge, welche die längste 
von allen ist. Die Maasse des Vogels sind folgende: 

Flügelbreite . 32y 4 C. M. 

Länge vom Schnabel bis zum Schwanz . 13Y 2 n 

Länge des Schwanzes 4 3 / 4 „ 

Länge des Tarsus . . : 1 ;, 

Ich habe diesen Segler zum ersten und einzigen Male längs des 
Galiläischen Meeres angetroffen, und zwar innerhalb des üppigen 
Thaies von Genezareth, an der Stelle, wo ein Bergstrom die Um- 
gebungen des antiken Migdalo bewässert (am Wege von Tiberias 
nach Saffed) und möchte ihn desshalb nach dieser historischen Pro- 
vinz benennen, innerhalb deren er vorzugsweise vorzukommen scheint; 
denn ich habe ihn weder diesseit noch jenseit der Berge, welche 
den langen Lauf des Jordan begrenzen, jemals aufgefunden, so sehr 
ich mich auch bemüht habe, ihn am Azur des Himmels zu ent- 
decken. Und doch umschwärmen — dort nistend — sehr viele 
Cypselus apus und melba und eine Menge Hirundo daurica, 
rupestris und rustica.die steilen Abhänge jener Gebirge, welche 
meist senkrecht abfallen, gleichsam halbirt durch sehr enge Thäler 
oder vielmehr Abgründe, und alle voll künstlicher und natürlicher 
Höhlen, welche an die einfachen Zeiten der Eremiten von Thebais 
erinnern. 

Nur weil ich befürchte, dass jmeine Species die von Levaillant 
in seinen Vögeln des Cap der guten Hoffnung unter dem Namen 
„Martinet ä croupion blanc" publicirte und von Vieillot „nigra", 
von Anderen Cyps. uropygialis*) genannte Art sein könnte, — Text 
und Abbildungen dieses berühmten afrikanischen Reisenden sind mir 



*) Cyps. leucorrhous, Sleph. = Cyps. Levaillantii, 9. Müller. 
Levaillant, Ois. d'Afrique t. 244. 1. D. Herausg. 




^zalI 




™- ; . H.^h/W/io/ 



Cü/isf/us (rulile/c/isis : J/itinorO. , not. tfr. 






309 

nicht zur Hand — , begnüge ich mich für jetzt damit, auf das Vor- 
kommen dieses Vogels in Palästina aufmerksam zu machen, und dem 
Urtheile Anderer zu überlassen, ob man nicht, falls er eine neue 
Species ist, ihm den sehr passenden Namen Cypselus galilejensis 
geben wolle. 

Ich muss indess wiederholen, dass dieser Segler das Weiss 
nicht nur am Bürzel, sondern auch an der Kehle, am Vorderbug der 
Flügel und an den Augenbrauen zeigt. Ausserdem ist der Hinter- 
zeh, obschon klein und höher am Tarsus sitzend, doch nicht so 
absolut beweglich, sondern nur fähig, sich weit von den drei Vorder- 
zehen abzuwenden, mit denen «er übrigens die gleiche Richtung hat, 
eine Eigenthümlichkeit, welche nicht mit dem vereinbar sein würde, 
was Levaillant von seinem kleinen Segler mit weissem Bürzel sagt: 
„Der Innenzeh ist in der Weise eingelenkt, dass der Vogel 
nach Bedürfniss ihn vorwärts und rückwärts wenden 
kann" (S. Dizionaro di Scienze Natur. Artic. Martinet e 
Rondone). Auch noch eine andere Beobachtung bezüglich der 
Gewohnheiten dieses Vogels muss ich mittheilen: dort nämlich, wo 
ich ihn auffand, flog er nicht in kleinen Gesellschaften, wie es die 
anderen Segler zu thun pflegen, sondern einzeln, und oft in Gemein- 
schaft mit Cyps. apus oder verschiedenen Arten von Schwalben, 
welche dort in sehr bedeutender Anzahl waren. Dieser Umstand 
würde ihn auf der Reise, welche ich zu Pferde machte, meinem 
Auge ohne Zweifel haben entgehen lassen, wenn er meine Aufmerk- 
samkeit nicht durch das Weiss der Kehle und des Bürzels, durch 
die grosse Schnelligkeit seines Fluges, dadurch, dass er kein Geschrei 
ausstiess, und endlich durch seine in Vergleich mit C. apus und 
melba geringe Grösse auf sich gezogen hätte. In Folge dieser wäh- 
rend meines Rittes gemachten Beobachtungen suchte ich mir durch 
zwei Flintenschüsse Gewissheit zu verschaffen, und wohl gerichtet, 
lieferten sie mir zwei unter sich sehr übereinstimmende Individuen, 
obwohl verschiedenen Geschlechts, wie ich sie oben beschrieben und 
abgebildet habe. Als ich sie in Händen hatte, wünschte ich um 
jeden Preis mich länger an dieser Stelle aufzuhalten, um mir eine 
grössere Anzahl davon zu verschaffen und ihre Sitten mit grösserer 
Bequemlichkeit zu studiren; aber die unbequeme und indiscrete Be- 
gleitung, an die ich gebunden war, that Alles, um mir die Sache 
zu verleiden, allein, wie ich war, inmitten eines barbarischen Landes 






310 

und bei der drohenden, wenn nicht sichern Aussicht, in die Hände 
der räuberischen Beduinen zu fallen, welche diese Strassen unsicher 
machen. Ich war desshalb genöthigt, den Plan aufzugeben und die 
Karavane wieder einzuholen, mit welcher ich, nachdem wir zwei 
Stunden unter einer Baumgruppe am Gebirge Saffed Mittag gehalten, 
vor Nachtwerden in der Ebene ankam. Wohl drei Mal während des 
Tages beobachtete ich den wie ein Blitz durch die Luft fahrenden 
Vogel, aber stets an den Abhängen dieser Berge, welche südlich 
nach dem Galiläischen Meere hinsehen; hingegen habe ich ihn um 
den Gipfel derselben und an der andern Bergseite nicht mehr gesehen, 
wo ich anstatt seiner nur Cyps. melba antraf und in grosser Menge 
erlegte. 

Es fragt sich, wie diese lokale Beschränkung des Vorkommens 
bei einem so ausgezeichneten Flieger zu erklären sein dürfte? Doch 
wohl kaum anders, als durch die Existenz irgend eines Insectes, das 
von ihm, wegen zusagenderer Nahrung, besonders vorgezogen wird, 
und dessen Entwickelung in grösserer Menge nur in diesem Thale 
stattfindet, das durch eine sehr hohe und feuchte Wärme befruchtet, 
in Folge davon eine sehr fühlbare Differenz der Tages- und Nacht- 
Temperatur darbietet. 

Und wenn dieser Vogel der oben bezeichnete des berühmten Le- 
vaillant wäre, wie erklären, dass man ihn von jenen fernen Gegenden 
des Cap der guten Hoffnung ab nur im Süden von Kleinasien findet 
und nur innerhalb des Thaies des Galiläischen Meeres? Sollten hier 
vielleicht dieselben Beziehungen und Verhältnisse kosmotellurischer 
Ursachen unter 35° Länge im Süden und 35° 35' Länge im Norden 
wirksam sein? Und wenn die mittlere Temperatur dieser von ein- 
ander so entfernten Gegenden jetzt dieselbe wäre: anstatt voraus- 

i 
zusetzen, dass der Vogel in jedem Jahre von jenem äussersten Punkte 

Afrikas ankomme, um sich den Sommer hindurch in den Thälern 
und Gebirgen von Galiläa ansässig zu machen, ohne sich in den 
zwischenliegenden Ländern sehen zu lassen, — ist nicht vielmehr 
anzunehmen, dass er sich das ganze Jahr und in normaler Weise 
dort aufhält, wie in den Umgegenden von New -Orleans die 
„Schwalben mit weissem Bauche" der Colonisten von Luisiana, eine 
Beobachtung, von Audubon betreffs Hirundo bicolor gemacht; oder 
auch, dass sie in den Höhlen, von denen ich eben gesprochen, den 
ganzen Winter hindurch in einem Zustande von Lethargie zubringen, 



311 

wie es die berühmtesten Naturforscher Linne, Pallas und selbst G. 
Cuvier bei anderen Species der Schwalben annehmen. 

Mögen Andere mit mehr Müsse die von mir angegebenen That- 
sachen tiefer analysiren, um das Wahre zu finden, wodurch allein ein 
wirklicher Fortschritt der Wissenschaft gewonnen wird. 

Smyrna im Juli 1855. O. Antinori, 

Mitglied mehrer Gelehrten-Gesellschaften. 



Nr. 22. 

Zur Verfärbungs-Theorie bei Pterocles setarius und 
Stellung der Pteroclinen im System. 

Von . 

Leon Olph-Galliard. 



Ich erhielt am 10. Januar d. J. zwei Pterocles setarius im Fleisch, 
die mir der Aufmerksamkeit würdig erschienen. Sie hatten bereits 
angefangen, ihr Frühlingskleid anzulegen. Obschon verschiedenen 
Geschlechts, schien doch bei beiden die Kehle schwarz werden zu 
wollen, eine Eigenthümlichkeit, welche nach Degland nur dem M. 
zukommt. Am auffallendsten erschien mir aber, dass dem M., wel- 
ches ich vor der Section für das W. hielt, die langen Schwanzfedern 
fehlten, welche sich bei dem W. sehr entwickelt zeigten. Uebrigens 
war kein merklicher Unterschied in der Färbung beider Vögel, 
ausser dem orangefarbenen Brustschilde, welches beim M. ein wenig 
dunkler erschien. Ausserdem scheinen mir beide Individuen die 
Veränderung ihres Gefieders theils durch die eigentliche 
Mauser, theils durch „Verfärbung" bewirken zu wollen. Die 
Spuren der ersteren sind evident an den Seiten des Kopfes, wenn 
man von der Kürze der Federn darauf schliessen darf. Die der 
letzteren zeigen sich im Ganzen wie eine Mischung der alten 
(Herbst-) Färbung mit der neuen des Frühlings, die sich eben Bahn 
brechen will. Ich möchte behaupten, dass die neuen Federn nicht 
(in diesem Falle nämlich) mit der neuen Farbe sogleich hervorkommen, 
sondern diese gleichsam nur im Keime tragen, dergestalt, dass die 



312 

sie bildenden Elemente sich mit dem Wachsthume der Federn ent- 
wickeln. In dieser Ansicht bestärkt mich, dass die Federn der Kehle 
alle gleich lang erscheinen, dass man keine neuen darunter bemerkt, 
dass inmitten der weissen Federn, welche die zahlreichsten sind, sich 
einige — entweder gänzlich oder längs des Schaftes — schwarze zeigen, 
und dass diese Farbe, von der Mitte der Feder ausgehend, sich bei 
einigen unsymmetrisch auf die Barte ausbreitet. Auch sind schwarze 
Federn mit weisser Spitze darunter. Es würde daraus folgen, dass 
die Farbenveränderung an der Kehle durch Abnutzung der äusseren 
Barte der Federn in Vereinigung mit dem Wachsthum des schwarzen 
Fleckes und der Entwickelung der Federn bewirkt worden sei. Das 
Brustschild bietet durchaus keine schöne Nuance eines gleichmässigen 
Orangeroth; diese Farbe scheint vielmehr erst im Entstehen zu sein. 
Die so gefärbten Federn hätten, um ihre vollständige Färbung zu 
erreichen, sicher nicht einer Mauser unterliegen müssen: sie würde 
sich unabhängig davon in der Folge entwickelt haben. Ausserdem 
sind an jener Stelle Federn mit Flecken von einer schwärzlichen, 
und einige andere von einer gelblich weissen Querbinde; diese letzteren 
sind den Federn eigen, deren röthliche Färbung noch nicht vor- 
handen ist, und ich glaube, dass dies neue sind; einige davon sind 
überall gelblich weiss mit schwarzbraunen gezackten Querbinden, 
andere sind gänzlich schwarzbraun am Ende mit einem schmalen 
gelblichweissen Saume am Barte. 

Ich glaube, dass diese Thatsachen die Theorie der Verfärbung 
unabhängig von der Mauser stützen werden: denn eine Veränderung 
in der Farbe der Feder ist doch wohl eben eine „ Verfärbung u . 
Wenn ich mit dieser meiner Ansicht, die, wie ich meine, auf that- 
sächlichen Beobachtungen beruht, — obwohl ich weit davon entfernt 
bin, in dieser von den ausgezeichneten deutschen Ornithologen be- 
handelten Frage völlig orientirt zu sein, — hervorgetreten bin, so 
geschieht dies mehr, um tüchtigere Gelehrte -aufmerksam zu machen, 
und ich würde mich nicht wundern, wenn ich falsch verstanden oder 
schlecht interpretirt hätte. 

Ich will bei dieser Gelegenheit noch hinzufügen, dass man den 
G. Pterocles, wie mir scheint, noch nicht den rechten Platz im 
Systeme angewiesen hat. Linne stellt die Gangas unter sein Gen. 
Tetrao, mit dem sie weder Sitten, noch sonstige Beziehungen ausser 
dem befiederten Tarsus gemein haben. M. Degland betrachtet sie 



• 313 

als Uebergangsglied von den Hühnern zu den Tauben. Ich 
theile diese Ansicht nicht; ich möchte sie vielmehr als Wiederholung 
und Repräsentation der Trappen unter den Hühnern ansehen. Sie 
haben vielmehr die Sitten der Otidinen als der Perdicinen, und 
durchaus nicht die der Columbinen. Wie die Cursorinen Trappen 
mit sehr langen Füssen sind, und diese unter den Grallatoren reprä- 
sentiren, so möchten , die Pteroclinen Trappen mit sehr kurzen Füssen 
sein. Die Beziehungen z\yischen den Flughühnern und Trappen 
sind in der That frappant: dieselbe Gestalt der Nägel, der Schuppen, 
dieselbe Textur der Haut dieser Theile, dieselbe Dicke und Kürze 
der Zehen. Die bedeutendste Differenz würde die Befiederung der 
Tarsen bei den Pteroclinen sein. Die Beschaffenheit des Gefieders 
scheint mir dem der Trappen sehr ähnlich zu sein. Ich sehe in 
ihrem Schnabel einen verkürzten Trappenschnabel , . während - der der 
Cursorinen ein verlängerter ist. Was diese Vögel als Taubenhühner 
hat erscheinen lassen, ist die Länge der Flügel; aber dies Merkmal 
erscheint mir nur von sehr nebensächlicher Bedeutung bei ihnen; 
diese Organe verdanken ihre besondere Entwickelung der Verkür- 
zung der unteren Extremitäten: da sie ihr Heil nicht in der Schnel- 
ligkeit des Laufens finden konnten, ist ihnen ein schneller und leichter 
Flug zugestanden worden. 

Lyon im Mai 1855. L. Olph-Galliard. 



Nr. 23. 

Die münsterländischen Trivialnamen einiger Vögel 

nebst einigen im Njederstift gebräuchlichen; letztere 



sind durch N bezeichnet. 

Von 
H. i(o Ismail ii. 



Haliaetos albicilla, Gosearnd N. Milv. regalis, Gabelschwanz, platt 

Pand. haliaetos, Fischhabicht (in « = Twielstert. 

der niedersächsischen Mund- Alle kleineren Raubvögel heissen 

art heisst Habicht Havk). Kribben, Kribhabicht, nament- 

Buteo vulgaris, Ullerik, Oellerk. lieh subbuteo u. tinnunculus; 

Naumannia. 1855. 22 



314 



auch nisus, welcher letztere 
doch auch wohl mal wegen 
der entfernten Aehnlichkeit 
Kuckuk genannt wird. 

Die Circus heissen Kornhabicht. 

Syrnium Aluco, Knappeule (platt: 
für Eule Uhle.) 

Athene noctua, Eulchen (platt: 
Uehlken.) 

Strix flammea, Perleule. 

Otus brachyotus, Heideule. 

— vulgaris, Ohreule. 
Caprimulgus europaeus , Nacht- 
schwalbe. 

Cypselus apus, Tieschwalbe. 

Hir. urbica, Mehlschwalbe. 

Alcedo ispida, ausser Eisvogel 
auch platt: Biekschwalwe 
(= Bachschwalbe.) 

Upupa epops, Huppe. 

Die beiden Certhien Baumkrüper, 
auch -läufer. 

Yynx torquilla, Drehhals, Hals- 
dreher. 

Sitta caesia, Spechtmese. 

Cic. viridis u. eanus, Lachspecht, 
Grünspecht. 

— major u. medius, Buntspecht. 

— minor, Kleinspecht, kl. Bunt- 

specht. 
Die Lanien heissen Neuntödter, 

platt: Niegenmöner; — excubi- 

tor, Radekster N. — rufus u. 

collurio, Dorndreher. 
Muscic. grisola, Fliegenschnepper, 

Pöstkcn. 
Sax. oenanthe, Blackstert. 
Prat. rubicola, Schwarzkehlchen. 



Prat. rubetra, Wietupper. 
Rutic. atra, schwarzes Rostschwänz- 
chen (pl.: schw. Roststiätken). 

— phoenicurus, Rostschwänzchen 

(-stiätken.) 

Petrocoss. saxatilis, doppelter Rost- 
schwanz. 

Von Turdus heissen bei den Wild- 
händlern die kleineren ein- 
fache, die grösseren doppelte 
Krammetsvögel. Von den ein- 
zelnen heisst torquatus Krink- 
Ringdrossel. 

— merula, Geitling (dieser auf- 

fallende Name ist für den ge- 
wöhnlichen Mann die einzige 
Bezeichnung dieses Vogels. 

— pilaris, Schakker. 

— viscivorus, Schnarre. 

— musicus, Sippe, Zippe, Gries- 

geitling, Graudrossel. 

— iliacus, Weinvogel, Böhmerken. 
Rubecula u. Cyanecula, Roth- u. 

Blaukehlchen. 
Die Sylvien werden als Collectivum 
Dr'aggen genannt. Nistet der 
Vogel, etwa cinerea, in einem 
Dornstrauche, so heisst er 
Dorndragge, haben die Eier 
am stumpfen Ende einen 
Fleckenkranz, dann war die 
Mama eine Krondragge. Hält 
sich ein solches Thier im 
Schilf (platt: Leis) auf, dann 
nennt man es Leisdragge, wel- 
cher letzte Name die Calam. 
arundinacea bezeichnet, die 
auch sonst noch Reidmese 



315 



(= Rohrmeise) heisst. Doch 
ist in der Umgegend von Mün- 
ster ersterer Name fast aus- 
schliesslich gekannt. Hortensis 
u. curruca sind auch Draggen, 
die man dann zur Verständi- 
gung näher beschreibt, cur- 
ruca heisst aber auch Mül- 
lerchen. 

Sylvia atricapilla, Schwarzplättchen. 

Phyll. trochilus u. rufa nennt man 
beide Backöfchen, erstere doch 
auch Grasmücke (platt: Gras- 
mügge) und letztere Tiltal u. 
Schnepfenvertreiber. 

Hypol. vulgaris, Spottvogel, Seiden- 
spinner. 

Trogl. parvulus, Nesselkönig, Ge- 
ras ist mehrste, (= Geräusch, 
Lärm ist das Meiste), Kurt 
Jann in' Tuhn N (= kurzer 
Johann im Zaune.) 

Accentor modularis, Piepvogel, 
kein anderer Name ist bekannt. 

Parus, Meise, platt: Mese. 

— caudatus, Schwanzmeise. 

— coeruleus, Pimpelmeise. 

— major, grosse Meise. 

— cristatus, Tannenmeise. 
Corvuscorone, Krähe, platt: Kreihe, 

schlechtweg dagegen cornix: 
Winterkrähe, weil letztere nie 
im Sommer dort vorkommt. 
' — frugilegus, Rake N. 

— monedula, Hillekahne, ein sehr 

gewöhnlicher Name. 
Pica melanoleuca, Enkster. 
Garrul. glandarius, Markol (fast 



ausschliessliche Bezeichnung), 
auch Fossenkster (= Fuchs- 
elster). 

Sturnus vulgaris, Sprähe, Spreihe. 

Oriol. galbula, Wiegelwagel. 

Bombyc. garrula, Seidenschwanz, 
platt: Siedenstiät. 

Motacilla alba, Quickstiät (Quick 
oder Queck = beweglich, z. B. 
Quecksilber) ' — , Ackermänn- 
chen N, 

— flava u. sulphurea, gelber Q. 
Die Anthus heissen Pieperken od. 

Lerchen; arboreus, Baum- 
lerche. 
Alauda, Lerche oder gewöhnlich 
Leverig. 

— arborea, Heideleverig. 

— cristata, Toppleverig. 

— arvensis, Leverig. 

Cynchr. Schoeniclus, Dieklüning, 

(= Teichsperling). 
Ember. citrinella, Gelbgänschen 

(platt: Giälgänsken). 

— miliaria, Haverlüning. 

Fring. coelebs, Twogfink (Twog 
= Zweig). 

— montifringilla, Bockfink, auch 

spanischer Buch- (Twog-) 
Fink. 

— domestica, ausser Spatz auch 

Debbing, am allergewühnlich- 
sten Lüning. 

— campestris, Baumlüning, Krink- 

(= Ring-) Lüning. 

— chloris, Kirschfink, Grüntücker. 

— cannabina,Flachsfink (nicht Hänf- 

ling), Tücker, Bräunt ücker. 
22* 



316 



Fring. linaria, Siesken. 

— spinus, Zeisig, auch Siesken. 

— carduelis, Distelfink. 

Lox. coccothraustes, Kirschen- 
knapper. 

Pyrrh. vulgaris, Goldfink. 

Crucirostra, Kreuz- (Krüs-) 
Schnabel. 

Columb. oenas, Holztaube. 

— palumbus, Ringeltaube oder 

grosse Holztaube. 
- turtur, Turteltaube od. Sprik- 
kerduwe (Duwe = Taube, 
Sprikker = Reiser, weil sie 
aus diesen ihr Nest baut). 

Tetrao tetrix, Kurrhahn N. 

Perdix cinerea, Feld- (nicht Repp-) 
huhn, auch Trieshuhn. 

Coturn. communis, Wachtel. 

Otis tarda, Trappgans. 

Oedicnemus crepitans, doppelte Tüte 
— Sandloper N. 

Aegialites hiaticula, Dütken. 

— minor, kleine Dütken. 
Charadr. morinellus, Steentiite. 

— pluvialis, Tüte. 

Vanell. cristatus , Kibitz , platt : 
Kiewit. 

Pelidna Schinzii , Müsken oder 
Haidmüsken. 

Mach, pugnax, Huckepucker N. 

Actitis hypoleucus, Wiewelken. 

Totanus glottis, Gras-, Regen- 
schnepfe. 

— ochropus, Sievenwiewelken. 
Teknat. gallinula, kleine Wasser- 
schnepfe, gewöhnl. Müsken. 

— gallinago, Wasserschnepfe. 



Telmat. major, Pohlschnepfe. 

Scol. rusticula, Holz- (nicht Wald-) 
Schnepfe. 

Numenius arquata, Tütewilp oder 
Tütewelle, dopp. Schnepfe. 

Ardea cinerea, Fischreiher (platt: 
Fiskreiger). 

Bot. stellaris, Rohrdommel, Rohr- 
dom, Rohrdomp, aus specu- 
lativen Rücksichten von Wild- 
prethändlern wohl Schnepfen- 
könig genannt. 

Cic. alba u. nigra, Storch und 
schwarze St. 

Patalea leucorodia, Läpelreiger N. 

Grus cinerea, Krunekran. 

Crex pratensis, Schrak; auch por- 
zana, Rallus aquaticus heissen 
wohl so, wo man denn zur 
nähern Beschreibung seine 
Zuflucht nimmt. 

Rallus aquaticus, Ralle. 

Fulica atra, Blesshuhn. 

Stagnicola chloropus, Wasserhuhn. 

Stern a nigra, Seekrähe. 

— hirundo, Fischschnäpper. 
Xema ridibundum, Unwärsvogel 

N (= Unwettersvogel). 
Larus tridactylus, Wintermeve. 

— canus, Meve. 

Anser cinereus, Graugans (platt: 
Griesgaus). 

— arvensis u. segetum, Wintergans. 

— intermedius u. albifrons, Bläss- 

gans. 

— torquatus, Ringelgans. 
Cygn. olor, zahmer Schwan. 

— musicus u. minor, wilde Schw. 



317 

Von Wen Enten (platt: Änt, — clypeata, Breitschnabel. 
Ante) heissen die kleinen, Plat. ferinus, Rothhals, 
namentlich crecca und quer- — fuligula, Toppe, 
quedula, Krickenten od. Kri- — clangulus, Marmelucke und 
cken, die mittelgrossen pene- Fleitekiel. 
lope, nyroca, fuligula, auch Mergus albellus, Düfken (= Täub- 
wohl strepera, Doppelkricken. chen). 

Ausserdem werden die Arten — serrator u. merganser,' <|> Foss- 

des Subgenus Piatypus und kopp (— Fuchskopf), 5 Schwa- 

Oidemia mit dem Collectiv- . nenduker. 

namen: Grundtaucher (-duker) Podiceps minor, Düker, Dükerken 

bezeichnet. Im Einzelnen heisst (= Täucherchen). 

An. boschas Stockente (-änt). — cristatus, grosser Duker. 

— strepera, Reidente. Colymb. septentrionalis u. arcticus 

— penelope, Braun ente. Isduker (== Eistaucher). 

— acuta, Pielstiät. — glacialis, Isgaus (Eisgans). 



Nr. 24. 

Abweichende, in der Mark Brandenburg übliche Provinzial- 
namen der dort vorkommenden Vögel. 

Von 

Dr. Carl Bolle und Alfred Hausmann. 



Aq. naevia (von den Jägern öfter Rauhfussbussard genannt). 
Pand. haliaet., Blaufuss. 

Buteonen und Milven, sowie Ast. palumb., Howihe, Hak. 
Bubo maxim., Schuhfut. 
Syrn. Aluco, Kulp. 

Caprimulg. europ., Dhauschnarre, Tagesschlaf. 
Cyps. murarius, Baumschwalbe, Thurmschwalbe. 
Hirundo urbica, Mehlschwalbe. 
„ riparia, Erdschwalbe. 
Muscicapa atricap., Schwalben- oder Baumgrasmücke. 



318 

Muscicapa parva, Polnisches, spanisches Eothkehlchen (det Berliner 

Vogelhändler,). 

Lan. Excub. und minor, Drillelster. 

Enneoct. Collurio, Dickkopf. 

Turdus iliacus, Weinvogel. 

„ torquatus, Meeramsel. 

Rubecula famil., Rothbart. 

Sylvia nisoria, schuppige } n 

^ > vjrrasmucKe. 

„ cinerea, DKaunflügelige , Zaun- ) 

„ atricap., Nonne. , 

Die Phyllopneusten, Schneekönige. (!) 

Hypolais salicaria, Sprachmeister. 

Calamoherpe turdoid., Rohrsprosser (wegen seiner Grösse). 

„ phragmitis, Seegrasmücke. 

Accentor modular., Moorgrasmücke. 

Saxicol. Oenanthe, Todtenvogel (!) Geg. v. Neustadt E/W. 

Prat. Rubetra, Braunkehlchen. 

Motac. alba, weisser ) Wipp- oder Quackstärt. ( 

Budyt. flav., gelber ) Kuhhirt. 

Alauda eristata, Toll- oder Saulerche. 

Otoc. alpestris, Russische Lerche. 

Emberiza nival., Schneevogel. 

„ miliaria, Gersten vogel, Ortolan. 

„ citrinella, Grünzling, Gelbgüssel (Uckermark) 

„ hortidana, Orlan, Sommervogel. 

(Dieser Vogel ist eine der gemeinsten Ammerarten durch die 
ganze Mark, besonders in der Berliner Gegend. Schon Lenz und 
Naumann kennen sein hiesiges häufiges Vorkommen. An buschreichen 
Gräben mit alten Kopfweiden, in lichten Obstgärten, längs der meist 
aus lombardischen und Schwarzpappeln bestehenden Baumreihen 
unserer grossen Heerstrassen ist er überall anzutreffen, und macht 
sich durch seinen kurzen, aber volltönenden Gesang auch dem Un- 
aufmerksamsten bemerkbar. Wir erwähnen dies hauptsächlich dess- 
halb, weil der Verfasser einer bereits cxistirenden Fauna Marchica, 
Herr Oberlehrer Schulz (Berlin 1845, Verlag der Eyssenhardt'schen 
Buchhandl., Baumann und Kuhn), darin wörtlich sagt: Die Garten- 
ammer verfliegt sich auch wohl einmal bis in unsere Fauna, ist aber 
doch so selten hier, dass es mir noch nicht gelungen ist, ein in 



319 

unserer Gegend gefangenes Exemplar für unsere Sammlung zu er- 
halten. Auf den Wochenmärkten, wo man den ganzen Sommer hin- 
durch diesen Vogel dutzendweis zum Verkaufe bringt, hätte dies 
Herrn Schulz doch wohl „gelingen" können. 

Wir werden indess noch auf einige andere antediluvianische An- 
sichten kommen müssen, welche derselbe Herr bis zum Jahre 1845 
gehegt hat.) — 

Fring. cannabina, grauer Hänferling. 

„ montium, Quitter, russischer Hänferling. 

(Der von Herrn Schulz angeführte Trivialname „gelbschnäbliger 
Hänfling" hat zwar das Verdienst, eine richtige Uebersetzung des 
lateinischen flavirostris zu sein , ist aber leider dem Volke unbekannt. 
Ueberhaupt würde man die wahren, ächten Vogelsteller-, Jäger-, 
Bauern- und Liebhabernamen der hiesigen Vögel trotz der mit wah- 
rer Qual herbeigeschafften Trivialnamen in der Fauna march. meistens 
vergebens suchen.) 

Fr. linaria, Tannenzeisig, Zizerenchen. (Letzterer ist ein un- 
streitig dem französischen sizerin entlehnter Name, den aber nicht 
Bücher, sondern die massenhafte Einwanderung der Refugies aus der 
Provence und dem Languedoc in die Mark trug.) 

Fr. montifring., Tannenfink. 

Fr. serinus, Schweizer Zeisig. (So nennen unsere Vogelsteller 
jene höchst seltenen Exemplare, die der Handel von Zeit zu Zeit 
nach Berlin bringt. Denn wild kommt der Girlitz bei uns nicht 
vor. Nur ein einziger Fall, wo ein solcher Vogel in der Jungfern- 
haide bei Berlin erlegt und Herrn Dr. Cabanis zum Kaufe für das 
königl. Museum angeboten wurde, ist bis jetzt zu unserer Kenntniss 
gekommen. Wir bitten daher Herrn Oberlehrer Schulz um Ver- 
zeihung, wenn wir seiner Angabe, „der Girlitz sei bei uns ziemlich 
häufig im Sommer," zu widersprechen wagen, und dieselbe in die 
Kategorie jener oben näher bezeichneten Ansichten verweisen. Eben 
dahin möchten auch die Behauptungen von ihm gehören, man stelle 
dem (in der Mark äusserst seltenen) Hakengimpel (L. Enucleator) 
bei uns seines wohlschmeckenden Fleisches wegen nach (ein wahrer 
Heliogabalismus!); ferner, es sei an dem wilden Vorkommen des 
Canarienvogels auf den canarischen Inseln zu zweifeln; der Wasser- 
staar (C. aquat.) sei bei uns nicht selten; der Mauersegler (Cyps. 



320 

mur.) lege gelblich-weisse, grau besprengte, die Hausschwalbe (H. urb.). 
weisse, braun punktirte und die Uferschwalbe (H. ripar.) weisse, 
röthlich-grau und wolkig gefleckte Eier etc. etc. Difficile est satyram 
non scribere.) 

Fr. chloris, grüner Hänferling. 
Fr. Coccothraust., Kirschfink. 
Parus ater, Kreuz- J 

„ palustris, Nonnen- oder Blei- I 
„ coeruleus, Pumpel- / Meise. 

Lophoph. crist. Toll-. I 

Mecistur. caudat., Schleier- ! 

Sitta caesia, Blauspecht. 
Pic. maj. und med., Hackespecht. 

„ Mart., Baum- oder Lochkrähe. 
Certh. famil., Mausespecht. 
Junx torq., Halsdreher. 
Upup. Epops, Misthahn, Huppe, Hupatz (in den wendischen Gegenden 

der Zauche). 
Corracias garrula, Blaurock. 
Oriolus galbula, Wiedewal, Schulz von Prieros. 
Stumus vulg., Sprehe (Uckermark und Priegnitz). 
Car. Caryocat., Türkischer Holzschreier. 
G. glandar., Holzschreier, Holzscheere. 
Corvus Monedula, Thalicke. 

„ Pica, Schackelster, Schalaster. 
„ Cornix, Assack (Gegend von Oderberg). 
Columb. turtur, Wegtaube. 
Oedien. crepit., Brachvogel. 
Charadr. minor, Sand-Kibitz. 

„ auratus, Saathuhn. 
Grus cinerea, Krone. 
Cic. alba, Knepner, Kneppenträger. 
Num. arcuata, Kielhacke, Doppelschnepfe, Kronschnepfe. 

Die Vögel der Gattungen Totanus und Tringa: Schwalbenschnepfen 
oder Strandläufer unter Hinzusetzung irgend einer kurzen, nähern 
Beschreibung der Species. - ' 

Orex prat., Dhauschnarre (wie Caprim. europ.). 
Stagn. chloropus, Kreschene (in den Odergegenden). 



321 

* 

Fulica atra, Blässente, Lietze. (So heisst ein See bei Charlottenburg, 
auf dem dieser Vogel häufig ist, der Lietzensee). 

Die Sternen führen den Namen Kirrmeesen. 

Diejenigen Enten, welche nicht An. Boschas, Crecca oder querqued., 
Stock-, Krick- oder Knäkente sind, werden collectivisch Brandenten 
genannt. 
Merg. Merganser, Baumente. 

Die Vögel der Gattung Podiceps heissen in der Mark Seehähne 
und P. crist. ausserdem noch Lorch oder Düker. 

Berlin, Anfang Juni 1855. 



Nr. 25. 

Ornithologische Mittheilungen aus Kurland. 



Von 

Dr. August Hummel. 



Vor einigen Tagen habe ich endlich drei Quartalhefte der Naumannia 
von 54 erhalten, und fühle mich durch deren Eintreffen um so lebhafter 
an die Erfüllung meiner Pflichten gegen die Gesellschaft gemahnt, als 
ich die Ausübung derselben puncto Schreibens lange habe anstehen 
lassen. Ich habe alle meine freie Zeit auf das Studium der Ornitho- 
logie verwandt; freilich ist das, was ich von Beobachtungen Ihnen 
mittheilen kann, nicht sonderlich viel werth; was ich nicht selbst sehe 
und finde, ist beinahe immer verloren, da Busch Wärter etc., welche 
mir wohl vieles Seltene verschaffen könnten, sich trotz ziemlich hohen 
Schussgeldes recht nachlässig beweisen, und so erhielt ich denn nur 
einiges Wenige an Eiern, was ich Ihnen beigehend mitsende. 

Zuvörderst also wohl neue Vögel. In dem Journal der Moskauer 
Gesellschaft ist eine neue Sterna, am kaspischen Meere entdeckt, ab- 
gebildet und beschi-ieben. Sie ist unter dem Halse und Bauche vom 
schönsten Rosa, Kopf, Flügelspitzen, Schwanz, schwarz, Schnabel 
und Füsse roth. Der Entdecker hat ihr den Namen St. columbina 
gegeben. Vielleicht ist Ihnen die Existenz des Vogels noch nicht 
bekannt, da ich ihn in der Naumannia nicht angezeigt finde. Sodann 
versicherte mich ein Herr v. Kleist, er habe aus einem ganzen Zuge 



322 

von Schnepfen, von der Jagd zurückkehrend, zwei geschossen, deren 
Hauptfarbe rosa mit rothen Füssen gewesen sei. Die Exemplare soll- 
ten ausgestopft werden, verdarben aber durch die Schuld des Aus- 
stopfers in Liebau. Späterhin ist ihm nichts dem Aehnliches mehr 
vorgekommen. Von den Vögeln, die hier gewöhnlich sind, habe ich 
Ihnen ein während 50 Jahren gesammeltes Verzeichniss zugesandt, in 
der Hoffnung, es würden Ihnen für Ihre Ornis die lettischen Namen 
angenehm seien. Ich gedenke Ihnen auch recht bald eine Uebersichts- 
tafel der Zugzeit der hiesigen Zugvögel zu schicken. Was nun die 
finnischen Papageien*) anlangt, so sind dieselben in der Zeit meines 
Hierseins noch nicht erschienen. Der Volksglaube erwartet sie hier 
in jedem siebenten Jahre, besser unterrichtete Personen versichern 
mir jedoch, dass man auf ihre Ankunft keineswegs mit Gewissheit 
rechnen könne, da sie lange Jahre hindurch ausblieben, dann plötzlich 
in ungeheuren Schwärmen alle Wälder anfüllten. Eben so sei es mit 
dem Kreuzschnabel. Fring. rosea habe ich indessen selber gesehen, drei 
Stück flogen über meinen Schlitten, leider konnte ich nicht schiessen, 
da wir gerade auf einer Elenjagd begriffen waren. Der Buschwächter, 
dem ich den Auftrag gab, mir dieselben zu verschaffen, hat sich bis 
jetzt noch nicht gemeldet. Meisen sind in Schwärmen mit Goldhähn- 
chen, Sitta etc., vermischt in allen Gehölzen (ich habe aber nur erst 
einmal parus caudatus geschossen, die, wie man mir sagt, auch selten 
ist), ferner Corv. glandarius, Massen von Corv. corax, pica, etc. beleben 
jetzt die Gegend. Obschon wir hier viel Schnee und grimmige Kälte 
haben, fehlen die Winterzugvögel noch gänzlich, selbst Dompfaffen, 
welche im vorigen Winter den bereiften Bäumen einen so hübschen 
Anblick gaben, fehlen jetzt beinahe ganz. Parus cyan. und coerul. 
sind auch noch nicht erschienen, eben so wenig Ember. nivalis und 
Schneehühner. Von Raubvögeln gibt es jetzt auch nichts, nur Strix 
otus und beifolgende schöne nisoria. Corvus frugilegus existirte früher 
hier in Kurland gar nicht, bis endlich ein Gutsbesitzer in der Nähe 
hier, ich glaube in Lippacken, einige Pärchen aus Deutschland mit- 
brachte, welche sich, bis jetzt aber nur im Bezirke dieses Gutes, ver- 
mehrt haben. 

Aeltere Leute klagen überhaupt sehr über das Abnehmen der 
Vögel. Es ist nämlich constatirt, dass zur Zeit der deutschen Ritter 



") C. enucheator. 



323 

hierselbst Weinbau getrieben wurde, wie ich denn selber in der Za- 
belnschen Chronik fand, dass man daselbst früher Wein gebaut, woran 
jetzt nicht mehr zu denken ist. Das Lichten der Wälder lässt jetzt 
den schneidenden Boreas ungehindert seine Bahn verfolgen , mit der 
steigenden Minustemperatur verschwinden die Insecten und mit ihnen 
die Vögel. So sollen früher die Tauben (freilich kein Insectenfresser) 
in mächtigen Schwärmen gezogen sein, jetzt sieht man dieselben nur 
sehr vereinzelt. Einzelne Vögel haben indessen ihren Verbreitungs- 
bezirk erweitert, so z. B. soll der weisse Storch noch vor kurzer Zeit 
nicht mehr hinter der Düna anzutreffen gewesen sein, während er jetzt 
dort gar nicht selten ist. -* 

Sie erinnern sich, dass ich zwei Uhus besass. Einen verschenkte 
ich an einen Herrn v. Stempel. Das Thier wurde krank, bekam 
Krämpfe, warf sich auf den Rücken und zappelte so lange, bis es 
vor Mattigkeit liegen blieb. Endlich starb es und kurze Zeit nach 
seinem Tode wurden die gelben Federn der Füsse am deutlichsten, 
sonst auch das ganze Gefieder grau. Ist das Folge des Krankheits- 
zustandes oder des Todes an und für sich? Letzteres doch wohl nicht, 
denn geschossene behalten ja doch ihre Farbe. Mir erscheint das 
Factum äusserst merkwürdig, und ich ersuche Sie, mir doch darüber 
Ihre Ansicht mitzutheilen , da ich mich nicht erinnern kann, etwas 
dem Aehnliches je gehört oder gelesen zu haben. 

Bei meinem schwarzen Storche fangen die Füsse und der Schnabel 
an sich roth zu färben, und zwar von oben nach unten, an dem 
nackten Augenkreise ist jedoch noch keine Veränderung in der Farbe 
wahrzunehmen. Seit Kurzem versteht er erst zu klappern, indessen 
nimmt er beim Füttern noch immer die seltsame Stellung an, dass 
er sich auf die Fersen setzt und unter fortwährenden Verbeugungen 
sein tschwitscherndes Geschrei ausstösst. 

Während des Sommers und Herbstes habe ich nichts Seltenes 
bemerkt. Lachmöven und Stern, hirundo waren seit Frühjahr fast 
immer in der Nähe einss kleinen Sees, verschwanden jedoch noch 
während des Sommers. Nester derselben habe ich nicht entdeckt. 
Von ersteren schoss ich eine flügellahm und sperrte sie in den 
Hühnerstall, da es mir aber viel Umstände machte, ihr aus dem 
Schlossgraben Fische zu fangen, so liess ich sie ganz los. Naeh ei- 
nigen Fluchtversuchen fand sie sich bald darein, sich ihre Nahrung 



324 

selber zu suchen, alle Scheu vor den Menschen verschwand und sie 
hielt sich immer in ihrem Revier, bis sie. von einem Habicht wegge- 
fangen wurde. Tringa pugnax war früher hier häufig, jetzt sehr selten. 
Cinclus aquaticus hält sich hier in der Nähe, ja sogar dicht bei der 
Stadt Goldingen an nicht zufrierenden Stellen der Windau in der 
Nähe einer Mühle den ganzen Winter hindurch; ich habe sie zwar 
nicht selbst gesehen, soll jedoch in diesen Tagen einige Exemplare 
erhalten. Birkhuhneier kann ich Ihnen zum nächsten Frühjahr eben- 
falls schaffen, Auerhuhneier wohl nicht so leicht, indessen thue ich 
mein Möglichstes. Kraniche brüten hier sehr häufig; 10 Werst von 
Edwahlen ist ein Sumpf, den man fast einen Kranichstand nennen 
könnte; der Förster, in dessen Revier er liegt, hat mir versprochen, 
Eier suchen zu lassen. Die Birkhuhneier werde ich von Hrn. v. Nolde 
auf Kaleten erhalten, welcher schon seit vielen Jahren ein Birkhühner- 
paar in seiner Voliere hat; alle Jahre bringen sie ihm bis zu 9 Eier, 
allein noch nie waren sie befruchtet. Sollte sich Jemand wegen Auer- 
und Birkhahnbälgen an Sie wenden , so kann ich Ihnen solche liefern, 
ebenso Uhus, deren es hier genug gibt. So sehr man hier den 
Raubvögeln nachstellt, so hat man doch den Uhu zu deren Fange 
noch nicht benutzt; ich glaube, meine Krähenhütte wird fast — mit 
einer Ausnahme — die einzige in Kurland sein. 

Von Drosseln, auf welche mich Professor Naumann hinwies, habe 
ich noch nichts Seltenes gesehen. Pilaris ist die am meisten auch 
im Winter vorkommende. ' Enten gibt es freilich genug, jedoch jetzt 
nur in der See, wo man ihnen nicht beikommen kann, mir sind vor- 
gekommen boschas und crecca. Ein Ort, der für Kurlands Orni- 
thologie besonders wichtig ist, ist ein von hier freilich sehr entfernter 
See, auf welchem, nach dem Berichte eines zuverlässigen Augen- 
zeugen, eine Menge von Wasservögeln, Strandläufern u. s. w. sich 
aufhalten soll; der Entfernung wegen konnte ich mich noch nicht 
selber von der Wahrheit dieser Nachricht überzeugen, gedenke es 
aber doch bei erster Gelegenheit zu thun. — Corv. glandar. habe ich 
in einem Schwärme von 14 Stück aus einem ziemlich entfernten 
Walde über - die Felder nach dem Schlossgarten ziehen sehen und 
zwei davon geschossen. Ich finde das seltsam bei der anerkannten 
Scheu dieser Vögel, sich aus dem Gebüsche zu entfernen, auch 
habe ich, obschon es deren hier sehr viele gibt, sie nie wieder in 
einem so grossen Schwärme beisammen gesehen. 



325 

Falco rufipes ist hier sehr selten. Pastor Büttner sah auf 
der Fahrt von Windau einen, der aus einem Flug Enten eine stiess. 
Er stieg aus dem Wagen und nahm die Ente auf, während der Falke 
15 Schritt ab auf einem Zaune ein klägliches Geschrei erhob und dem 
Beobachter Müsse Hess, ihn zu bewundern. Hierauf verfolgte er den 
Wagen und da er sah, dass die Ente für ihn verloren war, stand er 
nach geraumer Zeit erst ab. 

Eben erhalte ich eine 'prächtige Strix nivea, Weibchen, mit der 
wundervollsten Zeichnung, namentlich auf den Flügeln, und eine 
lebende Strix aluco. Letztere hat die Gewohnheit angenommen , sich 
des Abends, wenn Feuer in meinem Ofen angezündet wird, vor die 
offene Ofenthür in die grosseste Hitze zu setzen, dabei schliesst sie 
die Augen und streckt sich äusserst behaglich so lang als möglich 
aus, um sich vorzüglich die Kehle recht durchwärmen zu lassen. 
Die Temperatur ist jetzt bei uns constant — 22° und doch noch keine 
Schneevögel hier; ich gehe täglich, zum grossen Erstaunen der Ein- 
gebornen, ohne Pelz jagen, finde aber Nichts. 

Bombycilla garrula habe ich noch nicht gesehen, obschon sie 
mitunter sehr häufig sind. 

Das wäre nun wohl das Resultat meiner Beobachtungen. Es ist 
hier eben kein günstiger Ort dazu, etwas Besonderes für die Orni- 
thologie zu leisten. Kurland bildet die Grenzscheide für Deutschland 
und die östlicher und nördlicher gelegenen Länder; mitunter verläuft 
sich einmal ein südlicher Vogel hierher — z. B. Merops apiaster — 
häufiger zwar östliche und nördliche, jedoch ist das alles so selten, 
dass es ein grosser Glücksfall ist, wenn man des Thieres habhaft 
wird. Das Meiste ist noch an den Seeküsten zu leisten, von denen 
ich jedoch drei Meilen entfernt bin. Was ich indessen thun kann, 
soll geschehen, damit Sie in den Stand gesetzt werden, zuverlässige 
Notizen über hier vorkommende Vögel in Ihrer Zeitschrift auf- 
zunehmen. 

Schliesslich gebe ich Ihnen das freilich nocfy magere Ver- 
zeichniss der hier von mir geschossenen, resp. beobachteten Vögel. 
Es sind: 

(NB. Da3 Nisten bei den mit einem * bezeichneten Arten 
beobachtete ich selbst oder schoss doch Junge.) 
Falco palumbarius. * Falco peregrinus. 

Nisus. „ subbuteo. 



326 



Falco buteo. 
Strix nivea. 
„ nisoria. 
„ passerina. 
„ aluco. 
„ bubo. * 
„ otus. 
Cypselus apus (nur lmal über 

Windau). 
Hirundo rustica. * 
„ urbica. * 
„ riparia. * 
Picus martius. * 
„ major. * 
„ medius. * 
„ minor. * 

„ tridactylus * (sehr selten). 
„ viridis. * 
Certhia famil. * 
Sitta europ, * 
Oriolus galbula. * 
Corvus glandar. * 

„ Caryocatactes. * 
„ graculus. (?) 
„ pica. * 
„ frugilegus. * 
„ monedula. * 
„ cornix. * 
„ corax (häufig). * 
Cuculus canorus. * 
Alauda cristata. * 
„ arborea. * 
„ arvensis. * 
Ember. citrinella. * 
„ miliaria. * 
Fring. spinus. * 
„ carduelis. * 



Fring. linaria. * 

„ chloris. * 

„ coelebs. * 

„ campestris. * 

„ rosea. * 

„ pyrrhula. * 
Parus cristatus. * 
d. „ ater. * 

„ major. * 

„ coeruleus (lmal). 

„ caudatus (lmal). 
Sturnus vulgaris. * 
Turdus viscivorus. * 

„ pilaris. * 
Lanius excubitor. 
„ collurio. * 
Muscicapa grisola. * 
Regulus ignicap. * 

„ flavicap. 
Sylvia luscinia. * 

„ phoenicurus. * 
Saxicola oenanthe. * 
Motacilla flava. * 
Perdix cinerea. * 
Tetrao bonasia. * 

„ urogallus. * 

„ tetrix. * 
Columba turtur. * 
„ oenas. * 
Rallus crex. * 
Chardr. ' vanellus. * 

„ hiaticula. * 
Scolopax rusticula. * 
Ciconia alba. * 

„ nigra. * 
Grus cinerea. * 
Anser segetum. 



327 

* 

Anas boschas. * Sterna hirundo. 

„ crecca. Podiceps rubricollis. 

Larus ridibundus. „ cristatus. 

Dr. A. Hummel. 



Nr. 26. ■ v 

Noch ein Wort über die Eier von Aquila pennata, 

■ 

Aus einem Briefe an den Herausgeber. 

Vom 

Grafen C. Wodzicki. 

(S. Naum. 1854. p. 173 ) 



. . . Wenn ich meine Zweifel über die Echtheit einiger Eier von 
Aquila pennata Ihrer Sammlung äusserte, so konnte ich mich nur 
auf Ihre eigenen Aeusserungen darüber in Altenburg stützen: Sie 
hatten damals ein Ei unseres Vogels aus Spanien mit, dessen Echt- 
heit sie selbst nicht garantiren wollten, und verglichen es scrupulös 
mit den von mir mitgebrachten. Ich gab Ihnen ein sicheres Exem- 
plar zum Vergleich mit den Ihrigen, die Ihnen wegen mangelnder 
Angabe des Fundortes und des Sammlers von geringem Werthe 
erschienen, und da alle eingekauft oder eingetauscht waren, min- 
destens zweifelhaft erscheinen müssten. So kam mir natürlich der 
Gedanke, als ich den Aufsatz über Aq. pennata schrieb, dass unter 
den Zwergadler -Eiern Ihrer Sammlung sich wohl einige befinden 
dürften, deren Etiquette ein grosses Fragezeichen tragen könnte. Die 
Eier Ihrer Sammlung, welche Sie mir zusenden wollten, habe ich, 
da ich sie nicht erhalten habe, mit den meinigen nicht vergleichen 
können, diese aber zu einer wissenschaftlichen Reise nicht riskiren 
mögen. 

Ich glaube behaupten zu dürfen, dass gerade die Eier der Raub- 
vögel zu mannigfachen Täuschungen und Verwechselungen Anlass 
geben, und mehr als alle andern die der Zwergadler. Selbst ein 



328 

guter Oolog wird sich ohne ausgezeichnete Lupe und ohne wenigstens 
ein sicheres Exemplar leicht täuschen lassen. Herr Parreyss in Wien, 
der ein guter Eierkenner ist, schrieb mir, als ich ihm ein grosses, 
ungeflecktes Ei des Zwergadlers zusandte: „wäre das Ei nicht von 
Ihnen gesammelt, Herr Graf, so würde ich es für das Ei von 
A. palumbarius halten." 

Glauben Sie mir, mit so theuren Eiern treiben es die Naturalien- 
händler oft sehr arg! Mag das Ihnen und allen Sammlern zur 
Warnung gesagt sein! 

Dass die Nahrung und das Alter der Vögel grosse Verschieden- 
heiten in der Eierschale hervorbringen, unterliegt keinem Zweifel. 
Es ist auch möglich, dass afrikanische oder asiatische Eier der 
Aq. pennata von den europäischen differiren; ich habe leider keine 
sicheren Exemplare bei mir, um die Resultate des Vergleiches nieder- 
schreiben zu können. Endlich protestire ich gegen den mir ge- 
machten Vorwurf,*) als ob ich nur die Echtheit Ihrer Zwergadler- 
Eier in Zweifel gezogen; der Zweifel gilt allen nicht von gewissen- 
haften Sammlern aus dem Horste genommenen . . . 

Krakau, den 15. Januar 1855. 



*) Ich habe hierauf nur zu erwiedem, dass ich mich nicht entsinne, dem 
Herrn Grafen Wodzicki einen Vorwurf darüber gemacht zu haben, dass er die 
Eier meiner Sammlung bezweifle. Hätte ich es gethan, so hätte der Herr Graf 
nur das Recht, mich auszulachen, denn lächerlich wäre es in der That, Widerspruch 
bezüglich wissenschaftlicher Ansichten übelnehmen zu wollen. Hinzufügen muss 
ich aber noch, dass ich die Mehrzahl meiner betr. Eier von Aq. pennata seit der 
Altenburger Versammlung erhalten habe. D. Herausg. 



329 



Nr. 27. 

Vogel- Fauna von Neuwied. 

Von 
F. P. Brahts. 

Vorbemerkung. Nachstehendes Verzeichniss enthält alle diejenigen 
Vögel, welche ich während eines fast zwanzigjährigen Zeitraumes 
entweder selbst beobachtet und gesammelt habe, oder deren Vor- 
handensein mir aus sicheren Nachrichten bekannt geworden ist. Na- 
mentlich habe ich mich, was letzteres betrifft, auf ein Manuscript 
bezogen, welches mir von Sr. Durchlaucht, dem Prinzen Max zu 
Wied gütigst zu diesem Zwecke überlassen worden ist, und alles 
hieraus Geschöpfte gewissenhaft mit Pr. M. z. W. bezeichnet. 



I. Ordnung. Natatores. Schwimmvögel. 

Erste Familie. Pygopodes. Steissfüsser. • 
I. Gattung Colymbus L. (Eudites Illig.) Seetaucher. 

1) ~Col. arcticus L. (C. atrogularis Meyer.) Der Polartaucher. 
Schwarzkehlige Seetaucher. Junge Vögel wurden dann und wann im 
Winter auf dem Rheine erlegt. Pr. M. z. W. 

2) Col. glacialis L. Der Eis-Seetaucher. Eistaucher. Schwarz- 
halsige Seetaucher. Ist öfter als der vorige, als junger Vogel, auf 
dem Rheine erlegt worden. Pr. M. z. W. 

3) Col. septentrionalis L. (C. rufogularis Meyer.) Der nördliche 
Seetaucher. Rothkehlige Seetaucher. Kommt im Jugendkleide öfter 
als die beiden vorhergehenden im Spätherbst und im Winter auf den 
Rhein. Namentlich war dies in den zwei letzten Wintern der Fall. 
Schon im October erhielt ich im Jahr 1849 ein Exemplar von Ham- 
merstein, bald darauf wurde ein zweites bei Neuwied geschossen, und 
auch im letzten Winter wurde wiedjer einer in der Nähe der Stadt 
erlegt. 

Naumannla. 1855. 23 



330 

IL Gattung. Podiceps Lath. (Colymbus Linn.) Lappen- 
taucher. Steissfuss. 

1) P. cristatus Lath. Der Haubentaucher. Kronenlappentaucher. 
Grosser Steissfuss. Nistet auf den grössern Teichen z. B. bei See- 
burg. Pr. M. z. W. Im Spätherbst Ende November und Anfang 
December auf dem Zug im Rhein, aber ohne die Haube, theils als 
junge Vögel, theils alt im Herbstkleid. So zog am 1. December 1844 
eine zahlreiche Gesellschaft schwimmend den Rhein hinab, bei der 
Stadt vorbei, wovon mehrere erlegt wurden. Den nächsten Tag war 
nichts mehr zu sehen. 

2) P. rubricollis Lath. (P. subcristatus Jacq.) Der rothkehlige 
Lappentaucher. Rothhälsige Steissfuss. Ebendaselbst, wo der Vorige 
nistend. Einzeln jung auf dem Rhein. Pr. M. z. W. Zur Zeit des 
Herbstzuges, im October 1849 erhielt ich einen, unweit der Stadt 

. geschossenen und im letzten Herbst wieder einen. 

3) P. cornutus Lath. Der gehörnte Lappentaucher. (Col. cor- 
nutus Licht. Podiceps cornutus Faber.) Der seltenste aller Steiss- 
füsse überhaupt; einzeln auf dem Herbstzuge im Rheine, als junger 
Vogel. Im November 1849 erhielt ich einen dergleichen im ersten 
Winterkleid. 

4) P. auritus Lath. (Col. auritus L. Podiceps s. Colymbus 
obscurus der junge.) Der geöhrte Lappentaucher. Ohren-Steissfuss. 
Er niestet auf den Teichen bei Seeburg; einzeln auf dem Zug. 
Pr. M. z. W. Jeden Spätherbst meist im Jugendkleide auf dem 
Rhein; namentlich wieder meist bei Fahr und Irrlich erlegt. 

5) P. minor Lath. (Col. minor L.) Der kleine Lappentaucher. 
Kleine Steissfuss. Nistet bei uns. Pr. M. z. W. Im Spätherbst zur 
Zugzeit, jung und alt auf dem Rheine ; auch er wird meist bei Irrlich 
und Fahr beobachtet. Wahrscheinlich ziehen diese Steissfüsse von 
den Seeburger Teichen schwimmend die Wiedbach hinab, welche 
bei Irrlich in den Rhein mündet. 

Zweite Familie. Pelecanides. Pelikane. 

HI. Gattung. Carbo. See-Scharbe. (Haliaeus Illig. Pele- 
canus L.) 

1) Carbo Cormoranus. M. et W. (Hai. Carbo Illig. P. Carbo L.) 
Die Kormoren - Scharbe. Der Kormoren. Schwarze Pelikan. (Hier 
Seerabe, auch Seekranich genannt.) Ist einzeln bei uns erlegt worden, 



331 

z. B. Hachenburg, Höchstebach. Pr. M. z. W. Kommt zuweilen, 
meist zu 2 oder 3 Stück auf dem Rhein, im October und November; 
schon in früheren Jahren wurde einer bei der Stadt angeschossen und 
bei Fahr endlich erlegt. Im Herbst 1847 waren 3 Stück beisammen 
in der Gegend der Urmützer Insel, wovon einer erlegt wurde. Im 
vorigen Herbst zeigten sich wieder 2 Stück in derselben Gegend, 
wovon einer, ein zweijähriges Weibchen, geschossen wurde, welchen 
Ich für meine Sammlung erhielt. 

2) Carbo graculus. Auct. Die Krähenscharbe. Krähenpelikan. 
Als junger Vogel bei uns erlegt. Pr. M. z. W. 

IV. Gattung Sula. Briss. Tölpel. (Dysporus Illig. 

Pelecanus L.) 

1) Sula alba. Meyer. (S. bassana Briss. Pelec. bassanus L. 

D. albus 111.) Der weisse Tölpel. Bassanische Pelikan. Ein Exemplar 

wurde vor mehreren Jahren in der Gegend von Leutesdorf gefangen, 

ohne Zweifel durch Stürme verschlagen und ermüdet. " Befindet 

sich in der zoologischen Sammlung. Pr. M. z. W. Herr Weymar 

Remy, welcher sich, besonders früher, viel und mit Glück der 

Pflege lebender Vögel unterzog, erhielt diesen Vogel zuerst lebendig. 

Er wurde ihm von einem Bauer überbracht, welcher den Vogel auf 

der Hochebene über Leutesdorf, in einem Wachholderbusche steckend, 

mit den Händen ergriffen hatte. 
i 

Dritte Familie. Larinae. 
s. Longipennes. Langflügler oder Möven. 

V. Gattung. Larus L. Möve. 
1) L. glaucus. Brünnich. Die grosse weissschwänzige Möve. 
Ein junger Vogel wurde auf dem Rheine erlegt. Pr. M. z. W. 

- 2) L. fuscus L. Die Häringsmöve. Als junger Vogel auf dem 
Rheine erlegt. Pr. M. z. W. Ich erhielt einen im ersten Winter^ 
kleid im December 1849, welcher oberhalb der Stadt am Rheine 
erlegt worden war. 

3) L. canus L. Die Sturmmöve. Den Sommer nicht selten nach 
Stürmen. Pr. M. z. W. Die den Rhein hiesiger Gegend am meisten 
besuchende Seemöve , namentlich alljährlich im Spätherbst und 
Winter, doch meist als junger Vogel im Herbst- oder ersten 
Winterkleid. 

23* 



332 

| 

4) L. tridactylus L. Die Dreizeh-Möve. Ist einzeln erlegt wor- 
den. Pr. M. z. W. Vor mehreren Jahren wurde eine im Winter- 
kleid, bei Nothhausen, erlegt. Im December 1848 erhielt ich ein 
oberhalb der Stadt am Rhein erlegtes altes Weibchen, im Win- 
terkleid. 

5) L. ridibundus L. Die Lachmöve. Nicht selten im Sommer 
auf dem Rheine. Besonders im Frühjahr bei stürmischer Witterung 
zeigt sie sich, zuweilen in Menge, in der Nähe des Rheines und den 
nahen Feldern. Ein altes Weibchen in der Frühjahrs -Mauser be- 
griffen, noch zum Theil mit Blutkielen am Halse, erhielt ich am 
23. März 1849. 

6) L. minutus Pallas. Die Zwergmöve. Diese den östlichen und 
südlichen Ländern Europa's angehörige, sonst seltene Möve erhielt 
ich als altes Weibchen im Winterkleid, Ende December 1847 bei 
Fahr erlegt. 

■ VI. Gattung. Lestris Illig. Raubmöve. 

1) Lestris Buffoni. Boie. (L. crepidata Meyer.) Die lang- 
schwänzige Raubmöve. Dickschnäbelige Raubmöve. (Larus crepi- 
datus Gm.) Ein paar junge Vögel wurden auf dem Rheine erlegt. 
Pr. M. z. W. 

2) Lestr. parasitica Boie. (Larus parasiticus L.) Die Schma- 
rotzer -Raubmöve. Ein junger Vogel wurde im April 1850 bei An- 
dernach geschossen und befindet sich in meiner Sammlung. 

VII. Gattung. Sterna L. Seeschwalbe. 

1) St. cantiaca Gm. Die weissgraue oder Cantische Seeschwalbe. 
Ich erhielt einst ein auf dem Rhein erlegtes Exemplar. Pr. M. z. W. 

2) St. Hirundo L. Die gemeine Seeschwalbe. Wird zuweilen 
auf dem Rheine erlegt. Pr. M. z. W. Sie brütet alljährlich auf den 
Rheininseln in unserer Nähe. Bei Unnütz, Weissenthurm , Ham- 
merstein, wo ich die Eier selbst gefunden habe. 

3) St. nigra. Briss. Die schwarze Seeschwalbe. Selten, doch 
schon erlegt worden. Pr. M. z. W. Ich traf sie einigemale zu 
zweien im Frühjahr in der Gegend der Unnützer Insel, auch einmal 
im September in der Gegend der Weissenthurmer Insel. 

4) St. minuta. L. Die Zwerg- Seeschwalbe. Ich habe sie ein- 
zeln oder zu zweien im Frühjahr, einigemale an und um die Weis- 
senthurmer Insel gesehen. 



333 

Vierte Familie Lamellirostres s. Anserides. Blätterschnäbler oder 

Gänsevögel. 
VIII. Gattung. Mergus. L. Säger. 

1) Merg. Merganser. L. Der Gänse -Säger. Der grosse Säger 
(hier See -Enten genannt). Im Winter nicht selten. Pr. M. z. W. 
Am meisten werden die braunköpfigen, Weibchen und junge Vögel 
erlegt, weit seltener die alten Männchen im Prachtkleide. Ein aus- 
gezeichnet schönes, wahrscheinlich sehr altes Männchen erhielt ich im 
Januar 1848, kurz ehe der Rhein völlig zuging. — Es fanden sich 
an diesem Exemplar auch die Tertiärschwingen, welche Naumann 
weiss beschreibt und abbildet, gleichfalls, wenn auch blässer, 
doch deutlich auroragelb gefärbt; eigentlich mehr nankinfarbig. 
Auch jetzt kann man noch einen Hauch der ehemaligen Farbe er- 
kennen , seitdem der -Vogel in der Sammlung gestanden hat. 

2) Merg. serrator. L. Der langschnäbelige Säger. Seltener wie 
der Vorige. Pr. M. z. W. 

3) M. albellus. L. Der kleine Säger. Nonnentaucher. (Hier 
Wieselköpfe genannt, namentlich die braunköpfigen.) Am häufigsten. 
P. M. z. W. Auch von dieser Art «werden der Mehrzahl nach 
Braunköpfe, d. h. Weibchen und junge Vögel geschossen ; weit seltener 
die alten Männchen im Prachtkleid. 

IX. Gattung. Anas L. Ente. 

1) A. nyroca Güld. (Leucophthalmos Bechstein.) Die weiss- 
äugige Ente; Braun -Ente. Hier selten, im Winter zuweilen. Pr. 
M. z. W. 

2) A. ferina. L. Die Tafel -Ente. Im Winter zuweilen; selten. 
Pr. M. z. W. 

3) A. marila. L. Die Berg- Ente. Ebenfalls seilten, im Winter 
einzeln. Pr. M. z. W. Im Winter 1848 wurde ein Exemplar bei 
Unnütz geschossen. 

4) A. nigra L. Die Trauer-Ente. Selten, wird zuweilen im 
Winter geschossen. Pr. M. z. W. So früher einmal ein Exemplar 
bei Leutesdorf, welches sich in der kleinen Sammlung des Dr. med. 
Vogel in Leutesdorf befand. Dieses Frühjahr wurde x ein schönes 
Männchen bei Fahr erlegt, welches in der Sammlung des Herrn 
Armbruster in Andernach steht. 

5) A. fusca L. Die Sammet-Ente. Selten wird ein Stück zu- 
weilen im Winter geschossen. Pr. M. z. W. 



334 

6) A. tadorna L. Die Brand -Ente. Ist einzeln auf dem Rhein 
erlegt worden. Pr. M. z. W. 

7) A. clypeata L. Die Löffel -Ente. Nicht gar selten auf dem" 
Rheine, brütet aber nicht bei uns. Pr. M. z. W. Kommt fast alle 
Jahre in der Zugzeit und zwar im Herbst oft sehr zeitig, im August, 
September und October in kleinen Flügen. Ich habe schon im 
August erlegte zur Ansicht erhalten, und zwar immer braune; viel- 
leicht noch im Sommerkleid; Weibchen oder junge Männchen im 
Prachtkleid nur im Frühjahr. 

8) A. acuta L. Die Spiess-Ente, der Pfeilschwanz, auch Fasan- 
Ente genannt. Im Winter zuweilen, nistet nicht bei uns. Pr. M. z. W. 
Ich habe sie bis jetzt nur im Frühjahr erhalten, und zwar meist Ende 
März und Anfang .April. 

9) A. strepera L. Die Schnatter-Ente. Im Winter zuweilen, 
nistet nicht bei uns. Pr. M. z. W. Ich habe sie, wie die Vorige, 
hur im Prachtkleid, im Frühjahrs -Zug erhalten. 

10) A. Clangula L. Die Schall -Ente (hier Duckerte genannt, 
und zwar die alten Männchen : Atzelduckerte. Im Winter die jungen 
Vögel nicht selten auf dem Rhein. Pr. M. z. W. In sehr stark- 
zähligen Flügen sah ich oft, namentlich im December, diese Enten 
auf dem Rheine einfallen, aber meist Braunköpfe, d. h. alte Weib- 
chen und junge Vögel. — Viel seltener wird das alte Männchen im 
Prachtkleid erlegt, wie ich eins im verflossenen März erhalten habe. 

11) A. fuligula. Die Reiher-Ente (hier Kohl-Ente genannt). 
Nicht selten im Winter. Pr. M. z. W. Alljährlich; meinen Beob- 
achtungen nach, aber mehr auf dem Winterzug, im März und April. 
Selbst Ende April habe ich sie noch auf dem Rheine angetroffen, 
gewöhnlich die letzten der Zug -Enten. 

12) A. querquedula L. Die Knack -Ente. Nistet zuweilen bei 
uns. Pr. M. z. W. Sie ist auch eine der hier am frühesten im Herbst 
ankommenden Enten ; so ist sie auch im Frühjahr eine der späten. — 
Am 23. Juni 1848 erhielt ich ein bei der Unnützer Insel geschosse- 
nes Männchen im Sommerkleid; es waren einige Stück beisammen; 
wahrscheinlich in der Nähe brütend. 

13) A. Crecca L. Die Krick-Ente. Nistet zuweilen bei uns. 
Pr. M. z. W. In den Zugzeiten in massigen Flügen auf dem Rhein 
in der Nähe der Stadt. 



335 

14) A. Penelope L. Die Pfeif- Ente. Ist im Winter nicht selten. 
Pr. M. z. W. Im October schon kommen die ersten an, die stärkste 
Zugperiode ist gewöhnlich von Mitte November bis Mitte December 
und zwar oft in sehr starkzähligen Flügen. — Im Frühjahrs-Zug sind 
die ersten; Mitte Februar gewöhnlich, manchmal zu Anfang des 
Monates. 

15) A. boschas L. Die Stock-Ente. März-Ente. Gemeine wilde 
Ente. Marsch -Ente. Sehr häufig nistend bei uns. Pr. M. z. W. 
Ihre Hauptbrüteplätze in hiesiger Gegend sind die grossen Weiher 
bei Seeburg, Dreifelden und Wölferlingen. Einzelne Paare brüten 
hin und wieder auf den Rheininseln. — Der Zug fängt gewöhnlich 
mit dem November an, und dauert oft in zahlreichen Flügen bis 
Weihnachten. Im Januar ist Ruhe; einzelne oder kleine Flüge, welche 
überwintern, streichen den Rhein auf- und abwärts, bis Anfangs oder 
Mitte Februar der Rückzug beginnt, welcher mit dem März endigt. 
Kalte und zugleich schneereiche -Winter aber nöthigen sie auch, im 
tiefen Winter die offenen Stellen des Rheines zu suchen, wo sie dann 
oft in grossen Schaaren einfallen. Auch in den buschigen Ufern der 
Nette und Wiedbach fallen sie ein, besonders in der Zugzeit. 

X. Gattung. Anser Briss. Gans. 

1) A. bernicla Illig. (A. torquatus frisch.) Die Ringelgans (Kohl- 
oder Märzgans hier genannt). Wird auf dem Rheine von Zeit zu 
Zeit auf dem Frühlings -Zug geschossen. 

2) A\ albifrons Bechst. Die weissstirnige Gans. Ist einzeln auf 
dem Zuge erlegt worden. Pr. M. z. W. 

3) A. einer eus Meyer. Die Grau -Gans. In hiesiger Gegend ist 
sie einzeln, doch selten erlegt worden. Pr. M. z. W. 

4) A. segetum Bechst. Die Saat -Gans. Alle Winter in grossen 
Flügen in der Ebene des Rheines. Pr. M. z. W. Besonders starke 
Heerden zeigten sich auf dem Rheine selbst in den kalten Wintern 
von 1848 und dem letzten von 1849 — 1850, wo viele geschossen 
wurden. 

XI. Gattung. Cygnus B. Schwan. 

1) Cygnus musicus Bechst. (C. melanorhynchus Meyer. Anas 
Cygnus L.) Der Singschwan. Schwarzschnäbelige Schwan. Kommt 
in kalten Wintern gewöhnlich in Flügen auf den Rhein. So in dem 
Winter 1829 — 30, 1836 — 37. Das letzte Mal, am 27. Januar 1848, 
fielen 9 Stück bei bereits zufrierendem Rhein oberhalb der Weissen- 



336 

thurmer Insel ein; durch die Eifersucht der Schützen wurde jedoch 
keiner davon erlegt. 

2) C. gibbus Bechst. (C. Olpr Illig. Anas Olor Linn.) Der 
Höcker -Schwan, stumme Schwan. Selten, jedoch zu Seeburg erlegt. 
Pr. M. z. W. Am 22. December 1848 fielen 2 Stück dieser Schwäne 
an der Weissenthurmer Insel auf dem Rhein ein, wovon einer, ein 
junger Vogel, geschossen wurde. — > Da diese Thiere sich aber nicht 
scheu zeigten, vielmehr ruhig auf sich schiessen Hessen, so ist es 
zweifelhaft, ob es wilde Schwäne waren, oder vielleicht irgendwo 
entflogene zahme. 

Anm. Für alle Schwimmvögel scheint die Gegend um Mainz eine besonders 
anziehende zu sein. Es kommen dort, nach den mündlichen Mittheilungen des 
Herrn W. Nicolaus, Conservators am dortigen Naturalien -Cabinet, z. B. Carbo 
cormoranus fast alljährlich vor, mehrere Lestris- Arten und grosse Lari; besonders 
aber alle die in der Neuwieder Rheinstrecke als selten aufgeführteu Enten -Arten, 
als: A. nyroca, fusca, nigra, ferina, tadorna, marila werden dort fast alljährlich 
beobachtet, erlegt und auf den Wildpretsmarkt gebracht. Ein schönes aber aus- 
gestopftes, auch auf dem Markt acquirirtes Männchen der seltenen Anas rufina sah 
ich selbst im April 1848 dort. 

Die dort bedeutende Breite des Rheins mit den vielen darin liegenden, busch- 
bewachsenen Auen oder Inseln; der Einflass des Maines mit seinen grünenden 
Ufern ; endlich das viele halbwilde Wassergeflügel im Biebericher Park kann man 
wohl als die Ursachen betrachten. , 

II. Ordnuno;. Grallatores. Waldvögel. 

Erste Familie. Gallinulae. Sumpfhühner. 

XII. Gattung. Fulica L. Blässhuhn. 

1) F. atra L. Das schwarze Blässhuhn. Gemeines 1 Wasserhuhn. 
Nistet auf allen unseren, grösseren Teichen, selbst auch auf kleineren; 
wird auch auf dem Zuge erlegt. Im Spätherbst trifft man sie auf 
dem Rheine und an der Mündung der Wiedbach bei Irrlich; wahr- 
scheinlich gleich den Steissfüssen , aus den Seeburger Teichen die 
Wied hinab ziehend. Am meisten werden sie bei Irrlich und Fahr 
erlegt. 

2) F. chloropus L. (Gallinula chlorop. Lath.) Das grünfüssige 
Blässhuhn. Rothblässiges Wasserhuhn. Gemein bei uns. Nistet auf 
allen Teichen. Pr. M. z. W. Auf dem Herbstzug dem Laufe der 
Bäche, z. B. der Aubach, Wiedbach, Sayn- und Noth folgend, wo 
sie zuweilen erlegt werden. 



337 

XIII. Gattung. Gallinula Lath. Sumpfhuhn. 
1) G. porzana Lath. (Rallus porzana Linn.) Das punktirte 
Sumpfhuhn. Nistet bei uns auf allen Teichen. Pr. M. z. W. 

XIV. Gattung. Eallus L. Ralle. 
1) Rall. aquaticus L. Die Wasser -Halle. Nicht selten; beson- 
ders auf dem Zuge; nistet auch bei uns. Pr. M. z. W. Auf dem 
Zuge besonders in den Wiesen bei Niderbiber und Nothhausen, von 
wo ich sie erhalten habe. 

XV. Gattung. Crex Bechst. Schnarrer. 
1) Crex pratensis Bechst. Der Wiesenschnarrer. Wiesenralle. 
In manchen Jahren häufig, jetzt gewöhnlich in der Rheinebene sel- 
tener. Dieses Jahr scheint er häufiger zu sein 

Zweite Familie. Ardeaceae. Reihervögel. 

XVI. Gattung. Ardea L. Reiher. 

1) A. minuta L. Der kleine Reiher. Kleine Rohrdommel. Ist 
einzeln auf dem Zuge erlegt worden. Pr. M. z. W. 

2) A. stellaris L. Die Rohrdommel. Auf dem Zuge an der 
Mündung der Nette erlegt. Bei Seeburg gar nicht selten. Pr. 
M. z. W. 

3) A. purpurea L. Purpur- Reiher. Junger Vogel auf dem Zuge 
erlegt. Pr. M. z. W. 

4) A. cinerea L. Der graue Reiher. Fischreiher. Nistet nicht 
bei uns; ausser der Brütezeit nicht selten besonders bei Seeburg. 
Pr. M. z. W. Im August schon streichen junge Vögel an den Ufern 
der Wiedbach und des Rheines. Im Winter zuweilen einzeln in der 
Nähe und am Ufer des Rheines. 

XVII. Gattung. Ciconia Briss. Storch. 

1) Ciconia nigra Conr. Gesn. Der schwarze Storch. Nistet zu- 
weilen im Seeburger Forste : auch auf dem Zuge öfter erlegt. Pr. 
M. z. W. 

2) Ciconia alba Briss. Der weisse Storch. Nistet gewöhnlich 
nicht bei uns; doch hatte man früher einige nistende Paare in der 
Gegend. Bloss einzelne auf dem Zuge. Pr. M. z. W. Vor einigen 
Jahren versuchte ein Paar bei Heimbach zu nisten, wurde aber durch 
unzeitiges Schiessen wieder vertrieben. 



338 

XVIII. Gattung. Grus Bechst. Kranich. 
1) Grus cinerea Bechst. Der graue oder gemeine Kranich. 
(Ardea Grus Linn.) Im Frühjahr in grossen Flügen durchziehend, 
wovon bisweilen einige erlegt werden. Pr. M. z. W. 

Dritte Familie. Scolopacinae. Schnepfenvögel. Sondenschnäbler. 

XIX. Gattung. Numenius Lath. Brachvogel. 

1) N. arquata Lath. Der grosse Brachvogel. Doppelschnepfe; 
Keilhacken. Einzeln auf dem Zuge erlegt, jedoch selten. Pr. M. z. W. 
Im Jahre 1849 wurde einer bei der Urmützer Insel geschossen, und 
wenige Tage nachher ein anderer auf den Engerser Feldern todt 
gefunden. 

2) N. phaeopus Lath. Der Regen- Brachvogel. Selten. Auf dem 
Zuge erlegt. Pr. M. z. W. 

XX. Gattung. Limosa Briss. Pfuhlschnepfe. 

1) L. rufet Briss. L. Meyeri Leisler. Die rostrothe Pfuhlschnepfe. 
Einzeln, aber selten auf dem Zuge erlegt. Pr. M. z. W. 

2) L. rnelanura Leisler. (Totanus Limosus Bechst.) Die schwarz- 
schwänzige Pfuhlschnepfe. Selten und einzeln auf dem Zuge erlegt. 
Pr. M. z. W. 

XXI. Gattung. Scolopax L. Schnepfe. 

1) Sc. gallinula L. Die Haarschnepfe. In den Sümpfen bei 
Seeburg. Pr. M. z. W. 

2) Sc. (fallinago L. Die Haarschnepfe. In den Sümpfen bei 
Seeburg sehr häufig. Im Frühjahr auf dem Zuge, auch in den nassen 
Feldern der Rheinebene. Pr. M. z. W. Hier z. B. am sogenannten 
See zwischen Heddesdorf und Heimbach. In den sumpfigen Wiesen 
des Braunsberger Thaies und bei Niederbiber, zuweilen auch einzeln 
an sumpfigen Uferstellen des Rheines. 

3) Sc. rusticola L. Die Waldschnepfe. Nicht mehr so häufig 
als sonst. Pr. M. z. W. 

XXH. Gattung. Recurvirostra L. Säbelschnabler. 

1) Recurv. Avocetta L. Die Avosette. Ist einzeln auf dem Zuge 
erlegt worden, wo man sie auf dem Wiedbache schwimmend antraf; 
auch auf dem Rheine hat man sie geschossen. Pr. M. z. W. 



339 

XXIII. Gattung. Totanus Bechst. Wasserläufer. 
. 1) T. calidris Bechst. Der rothfüssige Wasserläufer. Kleiner 
Rothschenkel. Auf dem Zuge im Herbst einzeln. Pr. M. z. W. Im 
September 1849 erhielt ich einen am Rheinufer oberhalb der Stadt 
erlegten; der erste, welchen ich frisch in die Hände bekam. 

2) T. glottis Bechst. (Chloropus Meyer.) Der grünfüssige Was- 
serläufer. Auf dem Zuge im Frühjahr. Pr. M. z. W. Im Herbst- 
zuge besonders im October alljährlich am Rheinufer. 

3) T. fuscus Bechst. Der dunkelbraune Wasserläufer. Grosse 
Rothschenkel. Einzeln im Durchzuge. Pr. M. z. W. 

4) T. ochropus Temm. Der getüpfelte Wasserläufer. Auf dem 
Zuge. Pr. M. z. W. Im Herbst, schon Ende August am Rheinufer 
beobachtet, wurde auch am Wiedbache erlegt. 

5) T. hypoleucos Temm. (Tringa hypoleucos Linn. Actitis hyp. 
Boie.) Der trillernde Wasserläufer. Brütet auf allen in der Nähe 
liegenden Inseln, bei Urmütz, Weissenthurm und Hammerstein. Auch 
am Ufer der Wiedbach trifft man ihn an. 

XXIV. Gattung. Tringa L. Strandläufer. 

1) Tr. minuta Leisler. Der Zwerg- Strandläufer. Auf dem Zuge 
einzeln. Pr. M. z. W. Im September in kleinen Flügen von 4 bis 
6 Stück, oder einzeln unter andern Tringa -Arten, am Rheinufer bei 
der Unnützer Insel beobachtet und erlegt. 

2) Tringa variabilis Meyer. (Tr. alpina L. Tr. Cinclus L. Tr. 
Schinzii Brehm.) Der veränderliche Strandläufer. Selten. Pr. M. z. W. 
Im Herbst, besonders im September alljährlich, bald in kleinen, bald 
stärkern Flügen am Rheinufer bei der Unnützer Insel. Nicht scheu 
und leicht zu schiessen. 

Vierte Familie. Charadrinae Kegenpfeifer; Brachvögel. 

XXV. Gattung. Vanellus Meyer. Kibitz. 

1) Vanell. cristatus Meyer. Der gehäubte oder gemeine Kibitz. 
(Tringa Vanellus L. Charadrius Vanellus Licht.) Nistet in sumpfigen 
Gegenden z. B.- bei Seeburg. Im Frühling in den Feldern unten am 
Rheine bei Neuwied. Pr. M. z. W. In grossen Schaaren, namentlich 
im Herbst am Ufer und den Inseln des Rheines. Im Juli trifft man 
schon einzelne am Rheinufer, der Hauptzugmonat aber ist der ganze 



340 

October, die letzten verlieren sich oft erst spät im November. Im 
Frühling ziehen sie ziemlich schnell durch. 

2) Vanell. rnelanogaster ßechstein. Schwarzbäuchiger Kibitz. 
Grosse Regenpfeifer. (Charadrius squatarola Naum. Tringa helvetica 
Linn.) Auf dem Zuge zuweilen. Pr. M. z. W. Ich erhielt einen 
bei der Urmützer Insel erlegten im Herbt 1849. 

XXVI. Gattung. Charadrius L. Regenpfeifer. 

1) Ch. minor L. Der kleine Regenpfeifer. (Ch. fluviatilis Gloger.) 
Nistet an den Bächen, wo Sandflächen in der Nähe sind. Z. B. am 
Wiedbach bei Niederbiber. Pr. M. z. W. Auch auf den Rheininseln 
bei Unnütz, besonders aber bei Weissenthurm und Hammerstein 
brüten sie häufig. Auch bei Heddesdorf am Wiedbach alljährlich 
einige Paare. Sie kommen Ende März und gehen Ende Septem- 
ber fort. 

2) Ch. hiaticula L. Der buntschnäbelige Regenpfeifer. Halsband- 
Regenpfeifer. Auf dem Zug im Frühjahr erlegt. Pr. M. z. W. Ich 
traf ihn bisher nur im Herbst, und zwar bei der Urmützer Insel in 
kleinen Flügen von etwa 6 Stück, aber nicht alljährlich. 

3) Ch. pluvialis L. (Ch. auratus Succow.) Der Gold -Regen- 
pfeifer (hier Brachhühner genannt). Auf dem Zuge im Herbst und 
Frühjahr. Pr. M. z. W. Ich traf sie im Herbstzug auf den nassen 
Feldern am sogenannten See zwischen Heddesdorf und Heimbach. 
Im Jahr 1845 nach der grossen Ueberschwemmung wurden mehrere 
auf den zum Theil noch nassen Aeckern in der Nähe des Rheines 
erlegt. 

XXVn. Gattung. Otis L. Trappe. 
1) 0. tarda L. Der grosse Trappe. Nistet nicht bei uns; kommt 
aber im Winter in starken Flügen an. Pr. M. z. W. Immer erst 
nach Neujahr, meist im Februar, zeigt er sich, in gelinden Wintern 
wenig, in harten desto mehr in der Rheinebene, und dann meist in 
der Gegend des sogenannten See's bei Heddesdorf und Heimbach. 
Er wird aber wegen seiner grossen Scheu selten erlegt. Im letzten 
kalten Winter 1849 — 50 hielt sich eine starke Schaar ganz in der 
Nähe des Rheines während der Monate Januar und Februar auf; aber 
auch gelang es nicht, hiervon einen habhaft zu werden. 



341 



III. Ordnung. Insessores s. Constrictores. Sitz- oder 
Klammervögel. 

Erste Familie. Raptatores. Raubvögel. 

XXVII. Gattung. Falco L. Falk, 
a. Adler. Aquila. 

1) Falco fulvus L. Der Steinadler. Kann sich bei uns nur durch 
Zufall verstreichen, kommt aber 12 Meilen von hier, in den rauhen 
Wittgenstein'schen Forsten vor. Pr. M. z. W. 

2) F. albicilla L. Der Seeadler. Mehrere Exemplare wurden 
bei uns erlegt. Ein junger Vogel bei Schöneburg am Wiedbach; ein 
schöner alter Vogel zu Seeburg im Januar 1822, wo er vom Förster 
Buch sieb bei einem todten Pferde aus der Luderhütte geschossen 
wurde. Pr. M. z. W. Ein dritter wurde bei Rengsdorf vom Förster 
Reinhardt im Fuchseisen gefangen; dieser gelangte später, durch 
die Güte Sr. Durchlaucht des Prinzen Max, in meine Sammlung. 

3) Falco halietus L. Der Fischadler. Ist nicht gar selten bei 
uns und den Fischteichen sehr nachtheilig. Pr. M. z. W. 

4) F. naevius Temm. Der Schreiadler. Sehr selten bei uns. 
Wijrole in frühern Zeiten einmal erlegt. Pr. M. z. W. 

b. Edelfalken. Falcones. 

5) F. peregrinus IL. Der Wanderfalke. Edelfalk. Jagdfalk. 
Nistet in den Uferfelsen des Rheinthaies unter andern zu Hammer- 
stein und Rheinbrohl. 

6) F. aesalon Gesner. Der Zwergfalk. Merlin. Ist einzeln, aber 
selten erlegt worden. Pr. M. z. W. In neuerer Zeit scheint er öfter 
vorzukommen. Ich erhielt vor einigen Jahren, zwei Herbste nach 
einander, jedesmal im November einen Vogel dieser Art, und zwar 
lebend. Sie waren auf der Heddesdorfer Kuhweide von Vogelfängern 
auf der Leimruthe ergriffen worden, indem sie nach den Lockvögeln 
(Distelfinken) stiessen. Beide waren Weibchen, das eine jedoch 
ein jüngerer Vogel als das andere, welches ein zweijähriges zu sein 
scheint. 

7) F. subbuteo L. Der Baumfalk, Lerchenfalk. Nistet zuweilen 
in . Menge in Prangenberg bei Dierdorf auf hohen Kiefern. Pr. 
M. z. W. Im Herbst streichen sie in die Rheinebene, den Lerchen 



342 

und Strandläufern nach; verzehren aber aueh, gleich Schwalben über 
dem Fltiss auf- und abschwebend, eine Menge Insecten, wie dies 
der Mageninhalt eines von mir vor einigen Jahren erlegten bewies, 
welcher ausser den J£nochenresten einer Lerche ganz mit Insecten 
angefüllt war. — Es waren drei Stück dieser Falken, welche Ende 
August mehrere Tage lang diesen Theil des Flusses und dessen Um- 
gebung zu ihrem Jagdrevier auserkoren hatten, und wahrscheinlich 
ein ganzer Horst, da der erlegte ein junger war; bald nach dem 
Tode des einen waren sie verschwunden. Der Kropf war angefüllt 
mit noch vollkommen kenntlichen Insecten, einer grossen weisslich 
gelben Art, welche zu dieser Jahreszeit häufig über dem Wasser 
umherfliegen. 

8) F. tinnunculus L. Der Thurmfalk. Nistet in alten Kirchthür- 
men, auf hohen Bäumen, namentlich aber in dem Gemäuer oder in 
dessen Nähe der Burgruinen von Braunsberg, Hammerstein, Wer- 
nersecke, auch in alten Thürmen zu Andernach. 

c. Habichte. Astures. 

9) F. palumbarius L. Der Taubenhabicht, Hühnerhabicht. Ge- 
mein, doch nicht sehr häufig. Nistet in allen unsern Forsten. 

10) F. nisus L. Der Finkenhabicht. Sperber. Ueberall gemein, 
doch fast weniger häufig, als der Thurmfalk. 

d. Bussarde. Buteo. 

11) Falco gallicus Gmelin. (Leucopsis Bechst. Aquila brachy- 
dactyla M. et W.) Der Schlangenbussard. Kurzzehige Adler. 
Gemässigte und südliche Länder. Nistet bei uns alljährlich im 
Rockefelder Walde auf hohen Eichen. Das Weibchen brütete einst 
auf einem solchen Horste, als man das Männchen schoss. Da man 
nach beinahe 14 Tagen das Weibchen noch immer brütend sah, so 
wurde auch dieses erlegt, und es fand sich, dass das im Neste be- 
findliche Ei verdorben war. Das Nest ist von Reisern und dünnen 

i 

Zweigen gebaut, obenauf mit grünem Eichenlaub ausgefüttert. Das 
eine in dem Nest befindliche Ei war bläulich von Farbe, aber mit 
grossen braunen Flecken beschmutzt und hatte die Grösse eines Gänse- 
eies. Wird von den Jägern Fischadler genannt. Pr. M. z. W. 

12) F. buteo L. Der Mäusebussard, gemeine Bussard. Sehr 
gemein; nistet in allen Waldungen. Man erhält ausser der ge- 
wöhnlichen Farbe auch die braunen, und wie wohl noch seltener 



343 

eine fast weisse Varietät, welche indess immer kleiner als die ge- 
wöhnlichen sind. 

13) F. Lagopus L. Der Rauchfuss- Bussard. Kommt bloss im 
Winter zuweilen häufig bei uns vor. Verliert sich jedoch stets gleich 
wieder im Frühjahr. 

14) F. apivorus L. Der Wespenbussard. Selten; horstet indess 
doch zuweilen in unsern Waldungen, so im Rockefelder Walde, bei 
Montrepos. Die Eier, welche man aus dem Neste nahm, hatten eine 
sehr stark rothbraun gefleckte Farbe, so dass man sie beinahe gänzlich 
rothbraun nennen kann. Pr. M. z. W. Ich erhielt ein altes Männ- 
chen aus dem Bonefelder Walde. 

e. Milanen. Milvus. 

15) F. Milvus L. Der rothe Milan. Königs -Milan. Gabel- 
schwanz, Gabelweihe. In allen Wäldern gemein. Kommt schon im 
März, gewöhnlich als Vorläufer der Waldschnepfen hier an. In 
warmen Wintern zuweilen im Februar. 

f. Weihen. Circus. 

16) F. cyaneus L. Die Kornweihe. Kommt einzeln vor. Auf 
dem Zuge im Herbst in manchen Jahren, in der Rheinebene nicht 
selten, dann namentlich in der Nähe des Flusses selbst. — Doch 
sind dies im allgemeinen braune Vögel, junge Männchen und alte 
Weibchen. 

17) F. ruf us Gm. Die Rohr weihe. Einzeln, als Seltenheit bei 
uns erlegt. Pr. M. z. W. 

18) F. cineraceus Montag. Die Wiesenweihe. Einzeln, als Sel- 
tenheit erlegt. Pr. M. z. W. 

XXIX. Gattung. Striae L. Eule, 
a. Ohreulen. 

1) Str. bubo L. Der Uhu. Die grosse Ohreule. Horstet in 
einzelnen Paaren in den Felsen des Rheinthaies' zu Rheinbrohl und 
Hammerstein, und im Wiedbachthal bei Altenwied, der Weissenfelser 
Eisenhütte unweit der Arnsau. Auch im Andernacher Wald; des- 
gleichen bei Braubach und im Moselthal bei Cochem. 

2) Str. Otus h. Die mittlere Ohreule. Wald-Ohreule. Gemein 
in allen Waldungen. Im Winter auch im Schlossgarten und den 
hohen Bäumen der Kirchhöfe, und der Obstgärten um die Stadt. 



344 

3) Str. brachyotus Forst. Die kurzöhrige Ohreule. Im Herbst 
in den Feldern des Rheinthaies; auch im Ufergesträuch des Rheines. 
Nistet nicht hier. 

b. Käuze. 

4) Str. Aluco L. Die Baumeule, der Waldkauz. Sehr 'gemein 
in allen Waldungen. Auch in den Obstbäumen der Gärten, z. B. im 
Schlossgarten, namentlich im Winter. 

5) Str. flammea L. Die Schleiereule, Kircheneule, Perleule, 
Goldeule. In Kirchthürmen und Scheunen, besonders gern in solchen, 
welche einzeln im Felde stehen. Sie ist diejenige Eule, welche man 
in den Umgebungen der Stadt am meisten antrifft. 

6) Str. noctua Retz. (Passerina. Bechst.) Der Steinkauz, Sper- 
lingseule. In Kirchthürmen, altem Gemäuer und Felsen, namentlich 
um Hammerstein. Im Winter auch in den hohen und dichtstehenden 
Bäumen des Schlossgartens. Im Ganzen nicht häufig. 

7) Str. tengmalmi Gm. (Dassypus Bechst.) Der räuchfüssige 
Kauz. Selten. Indess erhielt ich ihn doch zweimal, einmal lebend 
von Oberbiber, und das letzte Mal vor 2 Jahren von Hammerstein, 
und zwar ebenfalls das alte Weibchen mit stark abgebrütetem Bauche, 
und auch ein Junges davon, welches ich über Jahr und Tag im 
Käfig erhalten habe, und das in der ersten Jugendzeit ein höchst 
possirjiches Geschöpf war. 

XXX. Gattung. CaprTmulgus L. Der Ziegenmelker, 
Tagschläfer, Nachtschwalbe. 
1) C. europaeas Li. Der europäische Tagschläfer. Gemein und 
zahlreich in den Waldungen, und den nach Süden gelegenen Abhän- 
gen der Alteck hinter Oberbiber; bei Montrepos, Fahr, selbst im 
Schlossgarten, namentlich hier im Spätsommer. Brütet im Haide- 
kraut. Dieser Vogel jagt in der Abenddämmerung besonders den 
Nachtschmetterlingen nach und füllt sich damit Magen und Kropf 
dermassen an, dass sie bis in den Schlund hinaufreichen; wie ich 
dies an einem , aus dem Schlossgarten erhaltenen , zum Aus- 
stopfen bestimmten Weibchen beobachtet habe. Ich habe 25 ziem- 
lich grosse Nachtschmetterlinge, Bombyces und Noctuae, darunter 
mehrere N. pronuba, nach und nach aus dessen Schlund, Kropf 
und Magen herausgezogen. Also ein sehr nützlicher Vogel für die 
Waldungen. 



345 

XXXI. Gattung. Cypselus Illiger. 
1) C. murarius Ulig. (Hirundo Opus Linnee.) Der Maurer- 
Segler. Die Thurmschwalbe. Häufig nistend unter den Dächern 
hoher alter Gebäude, Kirchthürmen und altem Gemäuer. In der 
Stadt; bei Weissenthurm und Andernach vorzugsweise häufig. — 
Mitte April ist hier ihre gewöhnliche Ankunftszeit; in späten Früh- 
jahren auch oft am Ende des Monats. Anfangs August zieht sie 
schon wieder fort. 

Zweite Familie. Oscines. Singvögel. 

XXXII. Gattung. Hirundo L. Schwalbe. 

1) Hirundo riparia L. Die Uferschwalbe. Nistet sehr zahlreich 
in hohen lehmigen Uferwänden des rechten und linken Rheinufers; in 
der Gegend der Urmützer Insel, bei Engers und anderen dergleichen 
Stellen. Ebenso in den Wänden des alten Heddesdorfer Hohlweges 
und den Irrlicher Schieferbrüchen. 

2) H. urbica L. Die Stadtschwalbe. Mehlschwalbe. Gemein. 
Nistet häufig an den Häusern unter den Vorsprüngen der Dächer. 

2) H. rustica L. Die Dorfschwalbe. Rauchschwalbe. Gemein. 
Nistet in den Schornsteinen. Unter den Schwalben kommt sie im 
Frühjahr zuerst an. Zuweilen schon, frühestens, in den letzten Tagen 
des März (1845), gewöhnlich in den ersten 8 Tagen des April, späte- 
stens Mitte April (1850). 

XXXin. Gattung. Bombycilla Briss. Seidenschwanz. 

1) B. garrula Briss. (Ampelis garrulus L.) Der europäische 
oder gemeine Seidenschwanz. Im Nordosten. Kommt in manchen 
Wintern, mehrentheils gegen deren Ende, mehr oder weniger häufig 
in unsere Gegend, wo man ihn dann in den Vorhölzern, auch wohl 
näher um die Stadt antrifft. Es ist nicht immer die Folge eines 
kalten Winters in unserer Gegend, wenn sich Seidenschwänze zeigen 
(da es in dem vergangenen gelinden Winter der Fall war), sondern 
vielmehr ein Zeichen, dass der Winter im Norden anhaltend kalt und 
namentlich schneereich ist, wodurch sie nach und nach bis in unsere 
Gegend herabgedrückt werden. 

XXXIV. Gattung. Muscicapa L. Fliegenschnapper. 

1) M. atricapilla L. Der schwarzköpfige Fliegenfänger. Auf 
dem Durchzuge an den Ufern der Bäche, z. B. bei Rasselstein am 
Wiedbach. Nistet auch hin und wieder. 

Naumannia. 1855. "* ■ 24 



346 

2) M. grisola L. Der gefleckte Fliegenfänger. Gemein. -Nistet 
in Mauerlöchern und hohlen Bäumen um die Stadt und die Dörfer. 

3) M. albicollis L. Der Halsband - Fliegenfänger. Im Durchzug 
einzeln bei uns. Pr. M. z. W. 

XXXV. Gattung. Lanius L. Würger. 

1) L. Collurio L. Der rothrückige Würger. Der gemeinste in 
hiesiger Gegend. Brütet in den Dornbüschen der Vor- und Feld- 
hölzer. Im Spätsommer und Herbst in den Ufersträuchern und 

Hecken in der Nähe des Rheins. 

i 

2) L. rufus Briss. Der rothköpfige Würger. Weniger häufig, 
doch auch nicht selten , mehr in den Baumgärten in der Nähe der 
Dörfer oder Stadt. 

3) L. minor Gmelin. Der schwarzstirnige Würger. Der 
seltenste; aber doch hin und wieder in einzelnen Paaren brütend. 
Ich erhielt vor einigen Jahren im Juli ein Paar aus dem Schloss- 
garten. 

4) L. excubitor L. Der grosse Würger. Krickelster. Nicht 
selten, doch immer in einzelnen Paaren. Im Spätherbst und Winter 
trifft man ihn gewöhnlich in den Wiesen längs dem Rheinufer zu 
Neuwied und Engers, auf der Spitze einzeln stehender, mehrentheils 
hoher Bäume an. 

Alle vier Würgerarten kommen auch im Schlossgarten vor. 

XXXVI. Gattung. Corvus L. Rabe. 

1) C. glandarius L. Der Eichelhäher. Sehr gemein in den 
Waldungen, Vor- und Feldhölzern. 

2) C. Pica L. Die Elster; der Gartenrabe. Sehr gemein und 
zahlreich; namentlich in den Baumstücken zwischen Irrlich und Feld- 
kirchen. Ein Lieblingsaufenthalt scheint ihr auch der Schlossgarten 
zu sein, wo man sie das ganze Jahr hindurch antrifft; namentlich 
aber im Winter versammeln sie sich Abends in Menge, um hier zu 
übernachten. 

3) C. monedula L. Die Dohle. Thurmrabe. In den Kirchen, 
Thürmen und hohen Bäumen, gemein, aber nicht grade häufig. Am 
meisten in den alten Thürmen von Andernach, auch zu Niederbiber. 
Im Winter und Frühjahr aber zuweilen in zahlreichen Flügen in 
den Feldern des Rheinthaies. 



347 

4) C. cornix L. Die Nebelkrähe. Nebelrabe. Nistet nicht hier, 
sondern kommt bloss im Winter zu uns, um zu überwintern. In 
kalten Wintern zahlreich. 

5) C. corone L. Die Rabenkrähe. Kleine Rabe. Nistet häufig 
hier und ist überall verbreitet. Sie überwintern in grossen Schaaren 
in der Rheinebene, dies- und jenseits des Flusses. 

6) C. Corax L. Der Kohlkrabe. Grosse Rabe. Nicht selten, 
auch nistend in unserer Gegend; namentlich da, wo alte Burgen in 
der Nähe sind; so zu Braunsberg. Im Herbst und Winter streichen 
sie durch die Rneinebene. 

7) C. frugilegus L. Die Saatkrähe. Saatrabe. Nistet nicht hier, 
sondern kommt im Herbst in Schaaren an und bleibt den Winter 
durch in der Gegend, namentlich in den Feldern des Rheinthaies 
und zieht zeitig im Frühjahre wieder fort. 

8) C. caryocatactes L. (Nucifraga caryocatactes Meyer.) Der 
Tannenhäher, Nusshäher. Gefleckte Nussknacker. Kommt im Herbst 
mancher Jahre ziemlich zahlreich in die Waldungen der Gegend; 
dagegen fehlt er in anderen wieder gänzlich. Nistet aber nirgends 
als hier. 

XXXVH. Gattung. Oriolus L. Pirol. 

1) 0. galbula L. Der Kirschpirol. Goldamsel. In den Wäldern 
und Vorhölzern; in Nothhausen, dem Schlossgarten alljährlich in 
mehreren Paaren. 

XXXVIII. Gattung. Sturnus L: Staar. 

1) St. vulgaris L. St. varius Meyer. Der gemeine Staar (hier 
Sprahlen genannt). Zahlreich in Waldungen und Vorhölzern, wo er 
in hohlen Bäumen nistet. Ueberwintert zum Theil hier. 

XXXIX. Gattung. Turdus L. Drossel. 

1) T. merula L. Die Schwarzdrossel. Amsel. Merle. Nistet 
häufig in den Vor- und Feldhölzern, besonders da, wo sie an Wiesen- 
gründe stossen. Im Winter in den Gärten um die Stadt. 

2) T. torquatus L. Die Ringdrossel, Ringamsel, Ringmerle, 
Schildamsel. Im Herbst auf dem Durchzuge, wo sie unter anderen 
Drosselarten einzeln gefangen wird. Man erhält sie so zuweilen unter 
den feilgebotenen Krammetsvögeln. 

24* 



348 

3) T. pilaris L. Die Wachholderdrossel. Der Krammetsvogel. 
Im Herbst oft zahlreich auf dem Durchzuge. Bleibt den grössten 
Theil des Winters hier. 

4) T. iliacus L. Die Rothdrossel, Weindrossel. Im Herbst 
ebenfalls auf dem Durchzuge oft zahlreich, wo sie in Dohnen gefan- 
gen und namentlich aus der Gegend von Mayen als Krammetsvögel 
zu Markt gebracht wird. 

5) T. musicus L. Die Singdrossel. Zipdrossel. Die Zippe. 
Gemein und häufig nistend in den Wäldern, Vor- und Feldhölzern. 
Kommt ebenfalls als Krammetsvogel im Herbst häufig zu Markte. 

6) T. visrivorus L. Die Misteldrossel. Leister. Schnarre. Zahl- 
reich brütend in unseren Waldungen; bleibt einzeln den Winter hin- 
durch hier. Im Herbst gleichfalls auf den Märkten. 

7) T. saxatilis L. Die Steindrossel. Steinmerle, grosser Roth- 
schwanz. Einsamer Spatz. Nistet alljährlich in den Felsen des 
Rheinthaies, bei Leutesdorf, Hammerstein, Rheinbrohl, Arienfels, dem 
Ehrenbreitstein. Namentlich bei Leutesdorf und Hammerstein hört 
man sie bis spät in den Herbst singen; vorzüglich am frühen Morgen, 
noch vor Sonnenaufgang, wo sie gleich dem Gartenrothschwanz, 
Baumpieper oder Heidelerche , von ' der Spitze eines Strauches oder 
Weinbergspfahles aufsteigt und sich nach beendigtem Gesang wieder 
darauf niederlässt. Das Nest enthält 4 blaugrüne, an Grösse und 
Farbe den Staareiern gleichende Eier, doch etwas dunkeler von Farbe, 
und zuweilen auch mit einigen kleinen schwarzen Punkten hin und 
wieder besetzt. Die Jungen werden häufig aufgezogen und sind an- 
genehme Stubenvögel. — Sie geht sehr spät im Herbst fort und 
kommt zeitig im .April wieder. 

XXXX. Gattung. Cinclus Bechst. Schwätzer. 
1) C. aquaticus Bechst. Der Wasserschwätzer. Wasserstaar. 
Bachamsel. Bachmerle. Einzeln paarweise an Wald- und Gebirgs- 
bächen, an rauschenden Stellen; auch am Wiedbach in seinen wal- 
digen Gegenden; desgleichen längs der Nette hin und wieder. 

XXXXI. Gattung. Troglodytes Vieill. Schlüpfer. 
1) Tr. europaeus Cuv. Der europäische Schlüpfer. Zaunkönig. 
Gemein da, wo Hecken und Dorngebüsch sind; an den Ufern der 
Bäche, namentlich im Winter, dann auch in den Hecken in der Nähe 
der Gärten. Bleibt im Winter hier. 



349 

XXXXII. Gattung. Regulus. Willbg. Goldhähnchen. 

1) R. ignicapillus Brehm. Das feuerköpfige Goldhähnchen. Unter 
den folgenden, auf dem Zuge; selten. 

2) R. cristatus Ray. R. flavicapillus Naum. Das gemeine oder 
gelbköpfige Goldhähnchep. Häufiger als voriges, namentlich auf dem 
Zuge. Nistet auch hin und wieder in mit Nadelholz bestandenen 
Districten der obern Gegend. Im Winter um die Nadelholzgebüsche 
im Schlossgarten, wo man es auch einmal nistend fand. 

XXXXIII. Gattung. Sylvia. Lath. 
a. Laubsänger. Phyllopn eustae. 

1) S. fitis Bechst. S. trochilus Lath. Der Fitis- Laubsänger. 
Gemein und zahlreich in Gärten , Baumstücken und Vorhölzern. 
Kommt gewöhnlich schon Ende März an. 

2) S. sibillatrix Bechst. Der grüne Laubsänger. In den Buchen- 
waldungen gemein. 

3) S. rufa Lath. abietina Nils. Der braune Laubsänger; Tan- 
nenlaubvogel, Weidenzeisig. Kommt schon Mitte März an, wo man 
ihn besonders in den Weiden am Rheinufer antrifft, besonders gegen 
Engers hin. 

4) S. hipolais Lath. Der Spott -Laubsänger. Gelbbäuchige Laub- 
sänger. Spottvogel. Bastardnachtigall. Einzeln paarweise hier und 
da in feuchtem dunklen Gebüsch, in der Nähe der Dörfer. Im untern 
Theil des Schlossgartens, bei Irrlich, Rommersdorf, Oberbiber, auch 
am Rheinufer oberhalb der Stadt, und gegen Engers hin. Im Gan- 
zen selten. 

b. Rohrsänger. Calamodytae. 

5) aS. phragmitis Lath. Der Schilfsänger. Im Ufergebüsch der 
Bäche und des Rheins hin und wieder. 

6) S. arundinacea Lath. Der Teichrohrsänger. Im Ufergebüsch 
des Rheines und der Wiedbach. An der Weissenthurmer Insel, der 
Urmützer Insel. Unterhalb Irrlich; am Schlossgarten, bei Nieder- 
biber; gemein. 

c. Grasmücken. Currucae. 

7) S. ?iisoria Lath. Die gesperberte Grasmücke. Nistet einzeln 
hier und da, in den Vorhölzern, im Ganzen nicht häufig. 



350 

i 

8) S. curruca Lath. Die Zaun-Grasmücke. Klapper- Grasmücke. 
Müller -Grasmücke. Häufig nistend in Hecken und Obstbäumen 
der Gärten, um Dörfer, im Felde und Vorhölzern. Kommt Anfangs 
April. , 

9) S. cinerea Lath. Die Dorn - Grasmücke ; fahle Grasmücke. 
Sehr gemein und zahlreich, da wo Hecken und Dorngebüsche sind; 
an den mit Gebüsch und Gestrüpp bewachsenen Rändern der Hohl- 
wege. Namentlich im Ufergebüsch des Rheines nach Engers zu. 

10) S. hortensis Lath. Die Garten - Grasmücke. Graue Gras- 
mücke, welsche Grasmücke. Nistend und Aufenthalt im Gebüsch um 
die Gärten, Dörfer und Bäche; im Schlossgarten, bei Irrlich, Noth- 
hausen; im Ganzen nicht zahlreich. 

11) S. atricapilla Lath. Die schwarzköpfige Grasmücke; Mönch- 
Grasmücke; Plattmönch. Im dunkeln, dichten Gebüsch, um die 
Bäche, Vorhölzer, feuchte Wiesengründe, auch in den hohen Bäumen 
der Buchenwaldungen. Nicht selten. Im Schlossgarten, bei Noth- 
hausen, Braunsberger Thal; besonders zahlreich traf ich sie an der 
Berglehne hinter dem Arnsauer Hüttenwerke an der obern Wied- 
bach. — Kommt mit der Nachtigall, zu welcher Zeit insgemein alle 
Sänger in hiesiger Gegend einzutreffen pflegen. 

d. Erdsänger. Humicolae. 

12) S. phüomela Lath. Der Sprossen -Sänger; polnische Nachti- 
gall. Der Sprosser. Hin und wieder, aber selten. Pr. M. z. W. 

13) & luscinia Lath. Der Nachtigall -Sänger; die Nachtigall. 
Durch die ganze Gegend verbreitet; besonders seitdem das Wegfan- 
gen derselbe^ mit Strafe, oder das Halten in Käfigen mit einer 
namhaften Steuer belegt worden ist. Zahlreich an den Ufern der 
Nette und im Schlossgarten; selbst in den Stadtgärten, welche einiges 
Buschwerk haben, brüten einzelne Paare. Man hört in der Regel 
Mitte. April zuerst ihren Gesang, selten schon in der ersten Woche 
des Monats, so am 7. April 1832, und ausnahmsweise spät in der 
letzten Woche, wie im Jahr 1850. 

14) S. cyanecula Wolf. (Suecica Lath.) Der blaukehlige Sänger; 
Blaukehlchen. Anfangs April ankommend, zu welcher Zeit man sie 
oft häufig am Rhein und Wiedbachufer antrifft; in der zweiten Hälfte 
des Monats hört' man sie singen. Im Ufergebüsch der Wiedbach 
nisten sie auch. 



351 

15) S. rubecula Lath. Der rothkehlige Sänger; Rothkehlchen« 
Gemein und zahlreich in Baumstücken, Vor- und Feldhölzern, in 
der Nähe feuchter Wiesengründe. Häufig im Schlossgarten, Noth- 
hausen, da sie auch das Nadelholz lieben. In gelinden Wintern 
bleiben einzelne da. 

e. Röthlinge. Ruticillae. 

16) aS. phoenicurus Lath. Der Garten -Röthling, Garten -Roth- 
schwanz. Zahlreich in den Baumstücken, in der Nähe der Dörfer, 
z. B. bei Seegendorf und Rothebach: Jedoch in hiesiger Gegend 
nicht leicht in den Stadtgärten. 

17) S. tithys Lath. (Erithacus L.) Der Haus -Röthling. Der 
Haus -Rothschwanz. Gemein, in und um die- Gebäude der Stadt 
oder Dörfer. Vom grauenden Morgen bis zur sinkenden Sonne 
kreischt er sein Liedchen von der Spitze der Dächer, der Thürme, 
ja der Thurmfahnen; auch auf dem Gemäuer der verfallenen Burgen 
trifft man sie stets. Er kommt durchschnittlich Mitte März an; aus- 
nahmsweise in der ersten Woche, und als spätesten Termin in letzter 
Woche des Monates, und geht erst spät im Herbst fort. 

XXXXIV. Gattung. Saxicola Bechst. Steinschmätzer. 

1) S. rubetra Bechst. Der braunkehlige Steinschmätzer. Braun- 
kehlige Wiesenschmätzer. Sehr gemein und zahlreich in den Wiesen 
lärtgs dem Rheinufer nach Engers zu. 

2) S. rubicola Bechst. Der schwarzkehlige Steinschmätzer. 
Schwarzkehlige Wiesenschmätzer. Häufiger als der vorhergehende, 
durch die ganze Gegend verbreitet; in dem Ufergesträuch längs der 
Wiedbach, bei Irrlich, Seegendorf, auch in dem Gebüsch an Hohl- 
wegen. Kommt schon Mitte März an und geht erst spät im Herbst fort. 

3) S. Oenanthe Bechst. Der graue Steinschmätzer. Grosse 
Steinschmätzer. Mehr in der obern Gegend, auf der Hochebene von 
Leutesdorf, bei Windhausen, Hammerstein, an steinigen Orten. Im 
Herbst in der Rheinebene in Feldern und Weingärten ; übrigens 
weniger häufig als Vorhergehender. 

XXXXV. Gattung. Motacilla L. Bachstelze. 
1) M. alba L. Die weisse, gemeine oder Ackerbachstelze. Ge- 
mein und zahlreich durch die ganze Gegend. Einzelne bleiben in 
gelinden Wintern hier. 



352 

2) M. flava L. Die gelbe oder Wiesen -Bachstelze. Gemein 
und häufig; namentlich in den Wiesen längs dem Rheinufer nach 
Engers zu; übrigens durch die ganze Gegend verbreitet. 

3) M. boarula L. Die schwefelgelbe, graue oder Gebirgs- Bach- 
stelze. Die seltenste, wenigstens in der untern Gegend. Hauptsächlich 
nur an den Gebirgsbächen ; im Braunsberger Thal, Rothebacher 
Thal , Saynbachs - Thal , auch am Wiedbach in dessen waldigen 
Gegenden, und auch bei Seegendorf. Einzelne, welche in gelinden 
Wintern hier bleiben, trifft man dann an den Bächen in den Dörfern 
selbst an. 

XXXXVI. Gattung. Anthus Bechst. Pieper. 

1) A. pratensis Bechst. Der Wiesenpieper. Wiesenlerche. Zur 
Zugzeit bis spät in den Herbst häufig in den Kartoffelfeldern der 
Rheinebene, auch im Ufergesträuch und dicht am Wasser. Sie schei- 
nen sehr lange auf dem Herbstzug zu verweilen, und einzelne sogar 
den Winter hier zu bleiben; denn ich traf sie oft noch im December 
am Rhein, ganz in der Nähe des Wassers, nach Futter suchend, und 
am 14. Januar 1844; bei starkem Frostwetter traf ich einige am 
Wiedbachufer bei Heddesdorf, von denen ich einen erlegte. 

2) A. arboreus Bechst. Der Baumpieper. Spiesslerche. Sehr 
gemein, in Feld- und Vorhülzern, namentlich in jungem Anwuchs 
von Buschwerk, wo einzelne höhere Bäume stehen. Auch häufig in 
den Baumstücken und auf einzelnen Feldbäumen. 

3) A. aquatieus Bechst. Den Wasserpieper glaube ich einmal 
als jungen Vogel beobachtet zu haben. Wenigstens wurde ein Vogel, 
welchen ich für nichts anderes halten konnte, in meinem Beisein, im 
Juli 1835 dicht am Rheinufer erlegt. Leider ging das Exemplar, der 
Würmer wegen, durch Fäulniss zum Ausstopfen verloren, so dass 
mir der Beweis fehlt. 

XXXXVH. Gattung. Accentor Bechst.' Der Flühevogel. 

1) A. modularis Bechst. Der Hecken- Flühe vogel. Die Brau- 
nelle ; Bastard - Nachtigall. Gemein in Hecken und Gärten um 
die Stadt und Dörfer. Kommt schon Ende Februar und geht 
erst sehr spät wieder. Einzelne bleiben den Winter über hier, wo 
man sie , nach der Weise des Zaunkönigs , die Hecken durch- 
schlüpfen sieht. 



353 

XXXXVIII. Gattung. Alauda L. Lerche. 

1) A. arborea L. Die Baumlerche; Heidelerche. An den Rän- 
dern der Waldungen und auf einzelnen Feldbäumen, auch in den 
Baumstücken. Besonders, wo diese Oertlichkeiten eine hohe Lage 
haben, und etwas steile Triften in der Nähe sind, wie die Hochebene, 
welche sich von Hölleberg nach Forsterhof hin erstreckt. 

2) A. cristata L. Die Haubenlerche. Sonst kam diese Lerche 
nur im October an, überwinterte hier und zog im März wieder fort. 
Seit dem Frühjahr 3841 aber, welches vorzüglich im März ausge- 
zeichnet warm war, so dass die Wärme bis zu 16° im Schatten stieg, 
haben sie sich nistend bei uns angesiedelt. Es waren damals nur 
einige Paare, wahrscheinlich durch die Wärme vom Fortpflanzungs- 
trieb überrascht, welche den Anfang machten, und in der Nähe der 
Heddesdorfer Kuhweide, des Neuwieder Dammes und den Feldern 
längs der Andernacher Strasse brüteten. Seitdem haben sie sich 
wohl etwas in der Gegend ausgebreitet, aber die Mehrzahl hält sich 
noch immer in der Nähe der genannten Orte auf. 

3) A. arvensis L. Die Feldlerche; Ackerlerche. Gemein und 
zahlreich durch die ganze Gegend. Ueberwintert auch alljährlich in 
starken Flügen, namentlich in der Rheinebene. 

XXXXIX. Gattung. Emberiza L. Ammer. 

1) E. miliaria L. Der Gersten- oder Grau -Ammer. Nistet 
einzeln bei uns. Pr. M." z. W. Ich selbst habe nur durch ein ein- 
ziges im Winter mit andern Ammern gefangenes Exemplar das Vor- 
kommen desselben hier bestätigt gefunden. Ist jedenfalls der seltenste 
der hiesigen Ammer. 

2) E. Schöniclus L. Der Rohr -Ammer. Gemein während des 
Sommers in den Weidengebüschen der Rheininseln und des Rhein- 
ufers. Zeigt sich schon Anfangs März auf dem Wiederzug und geht 
spät im Herbst erst fort. 

3) E. da L. Der Zip -Ammer, hier Leyenkleber genannt. Be- 
wohnt die felsigen Weingebirge des 'Rheinthals bis an das Flussufer 
hinab, bei Leutesdorf und Hammerstein, und möglicher Weise wohl 
auch weiter abwärts. Er ist an genannten Orten gar nicht selten, 
kommt zeitig im April an, und geht erst spät im November fort, 
denn ich erhielt ihn noch voriges Jahr, Mitte des genannten Monates, 
in völlig ausgemausertem Kleide. Das Nest steht meistentheils in 



354 

Höhlungen und Spalten der Weinbergsmauern, auch um die alte 
Burg Hammerstein, wo es Gestrüpp und niederes Gesträuch gibt, 
welche Umgebung er zu lieben scheint, da man ,ihn fast immer 
daselbst hört und sieht. Die jungen Vögel sehen denen des Gold- 
ammers sehr ähnlich und werden von Leuten dortiger Gegend 
alljährlich ausgehoben und aufgezogen. Sie füttern sich leicht auf, 
scheinen aber Insecten mehr als andere Ammer zu lieben, denn ich 
habe sie grosse Kreuzspinnen zerhacken und aufzehren sehen, und 
überhaupt sehr begierig nach Insecten gefunden. In der Mauser 
verliert man sie leicht, sie mauserten mir gewöhnlich so stark, dass 
sie fast nackt wurden. Länger wie zwei Jahre konnte ich sie bisher 
nicht erhalten. Vielleicht, dass man sie, namentlich in der Mauser- 
zeit, viel mit Insecten und Larven füttern müsste. Die vier Eier 
sind fast von der Grösse der Goldammer -Eier, an beiden Enden 
abgestumpft, von gräulich weisser Farbe, mit röthlich schwarzen, fei- 
nen Haarzügen und grösseren Punkten, welche meistentheils auf der 
Mitte des "Eies concentrirt sind, und dieselbe gürtelartig umgeben. 

4) E. eitrinella L. Der Goldammer (hier Geele-Gihrsch genannt). 
Gemein und zahlreich durch die Gegend verbreitet. 

5) E. nivalis L. Der Schnee -Ammer. Kommt aus dem höch- 
sten Norden in manchen Wintern nach Deutschland, aber sehr selten 
bis zu uns. Ich erhielt den ersten Vogel dieser Art in dem letzten 
kalten Winter 1849 — 50, wo sich bei Schneegestöber ein kleiner 
Trupp von einigen Stücken im Felde zwischen den Kirchhöfen und 
dem Rheine zeigte, von denen einige gefangen wurden. 

L. Gattung. Loxia L. Kreuzschnabel. 
1) L. curvirostra L. Der gemeine oder Kiefern -Kreuzschnabel. 
Kommt in der Strichzeit im Juni mehr oder weniger zahlreich, je 
nach den Jahrgängen in die Nadelholz -Districte der Gegend, und 
wird dann bei Dierdorf, Montrepos, Nothhausen bis in den Schloss- 
garten hinab, wo es etwas Nadelholz gibt, bemerkt. Es sind alsdann 
meist junge Vögel und alte Weibchen. In frühern Zeiten war er 
viel seltener. 

LI. Gattung. Fringilla L. Fink. 

a. Gimpel. Pyrrhula. 
1) Er. pyrrhula Meyer. Der gemeine Gimpel. Dompfaff; Blutfink. 
Nistet häufig, bewohnt im Sommer die Vorhölzer der Waldungen 



355 

und kommt im Winter in die Nähe der Dörfer und die Gärten 
der Stadt. 

b. Kernbeisser. Coccothraustes. 

2) Fring. Coccothraustes Meyer. Der gemeine Kernbeisser. Kirsch- 
kernbeisser. Hiev: Kirschk nipper. Gemein und brütend in hiesiger 
Gegend. Lebt während des Sommers im Hochwald, besonders da, 
wo es viele Vogelkirschbäume gibt, z. B. Braunsberg, Montrepos. 
Zur Zeit der Kirschenreife näher um die Dörfer, und im Winter 
oft in den Umgebungen der Stadt. 

c. Girlitze. Serini. 

3) Fr. Chloris Illiger. Der Grünfink, grüne Kernbeisser, Grün- 
hänfling. Hier: Grüner Stockfink. Gemein und häufig brütend, in 
den Stadtgärten, um die Dörfer, besonders da, wo es viel Obstbäume 
und Weiden gibt. 

i d. Sperlinge. Passeres. 

4) Fr. domestica L. Der Haussperling. Ueberall zahlreich und 
gemein. 

5) Fr. montana L. (campestris Schrank.) Der Feldsperling. 
Zahlreich und gemein, doch mehr um die Dörfer, und überhaupt da, 
wo es zugleich viel Weiden gibt. Sehr häufig namentlich am Rhein- 
ufer in den Weiden gegen Engers zu. 

c. Edelfinken. Fringillae. 

6) Fr. coelebs L. Der Buchfink; Edelfink. Gemein und zahl- 
reich durch die ganze Gegend. Ueberwintert hier. 

7) Fr. montifringilla L. Der Bergfink; Tannenfink. Quäcker. 
Kommt aus den hochnördlichen Ländern im Winter zahlreich in 
unsere Gegend, doch nicht alljährlich; in sehr schneereichen und 
kalten Wintern bis in die innersten Hausgärten. So 1845. 

f. Hänflinge. Cannabinae. 

8) Fr. cannabina L. Der gemeine Hänfling. Graue und rothe 
Stockfink in hiesiger Gegend; ersterer als junger, letzterer als alter 
männlicher Vogel. Häufig in den Hecken und Obstbäumen der 
Stadt und Dörfer .nistend. An einem für Hänflinge ganz unge- 
wöhnlichen Standort fand ich einmal ein Nest in den ausgewaschenen 
Wurzeln einer Weide am Ufer der Unnützer Insel. 



356 

9) Fr. ßavirostris L. (montium Gm.) Der Berghänfling. Gelb- 
schnabelige Fink. Ein nördlicher Vogel, welcher sich selten im 
Winter bei uns zeigt. Der letzte kalte Winter 1849 — 50 brachte 
diese Vögel in manche Gegenden des Oberlandes und es wurden 
deren bei Altenkirchen gefangen. In unserer nächsten Umgebung 
wurden sie nicht bemerkt. 

g. Zeisige. Acanthides. 

10) Fr. linaria L. Der Leinfink, Leinzeisig. Zätscher. Kommt 
gleichfalls aus dem Norden, mehr oder weniger zahlreich, in manchen 
Wintern zu uns; so im Jahr 1845, 1847-48, 1849 — 50. 

11) Fr. Carduelis L. Der Diestelzeisig. Diestelfink. Stieglitz. 
Sehr zahlreich durch die ganze Gegend verbreitet. Er bewohnt be- 
sonders die Baumstücken und solche Stadtgärten, welche viele Obst- 
bäume haben. Das Nest zeichnet sich durch eine besonders nette 
Bauart und innere Ausstattung aus. Es ist mit Weiden wolle, auch 
den Haarkronen von Syngenesisten so fein ausgefüttert, dass es mit 
Baumwolle kaum vollkommener der Fall sein würde; auswendig ist 
es gewöhnlich mit grauen Flechten gebaut. 

12) Fr. spinus Lt. Erlen - Zeisig ; Erlenfink. Zeisig. Im Winter 
in unseren Gegenden, aber nicht alle Jahre gleich zahlreich, manche 
Jahrgänge selten. Streicht den Erlen und dem Nadelholz nach. — 
In Nothhausen, dem Schlossgarten, weil es da einiges Nadelholz gibt. 
Nistet» nicht hier. 

LH. Gattung. Parus L. Meise. 

1) P. caudatus L. Die Schwanz -Meise. Häufig, namentlich im 
Winter in den Weidengebüschen und Obstbäumen um die Dörfer 
und Gärten der Stadt; bei Irrlich, um Nothhausen; manchmal bis in 
die Hausgärten. 

2) P. ater L. Die Tannenmeise. Selten, und nur da, wo sich 
etwas Schwarzholz befindet, in Nothhausen, dem Schlossgarten. Erst 
durch die zunehmende Nadelholzcultur in hiesiger Gegend hat sie 
sich in der letzten Zeit etwas mehr verbreitet; früher war sie hier 
fast unbekannt. 

3)' P. cristatus L. Die Haubenmeise. In den grossen, mit 
Eichen vermischten Waldungen der obern Gegend zahlreich, im 
Unterland selten. In schneereichen Wintern, bei Schneestürmen im 
Schlossgarten und Nothhausen. 



357 

4) P. palustris L. Die Sumpfmeise. Häufig in den Weiden- 
gebüschen am Wiedbach, im Herbst und Winter auch viel um die 
Dörfer und die Obstbäume der Stadtgärten. 

5) P. coeruleus L. Die Blaumeise. Gemein und zahlreich, ver- 
breitet durch die Gegend in den Hochwaldungen, Vor- und Feld- 
hölzern, im Winter viel in den Weiden und dem Ufergebüsch 
des Rheines. 

6) P. maior L. Die Kohlmeise. An gleichen Orten mit der 
vorigen, gleichfalls durch die ganze Gegend verbreitet. 

LHI. Gattung. Sitta L. Spechtmeise. 
1) S. europaea L. Die gemeine Spechtmeise. Der Blauspecht. 
Zahlreich in den Waldungen, besonders da, wo es viele Eichen 
gibt; namentlich in Nothhausen; im Herbst auch in den Weiden an 
den Bachufern und den. Obstbäumen der äusseren Stadtgärten. 

LIV. Gattung. Certhia L. Baumläufer. 
1) C. familiaris L. Der gemeine Baumläufer. Gemein, aber 
doch nicht sehr zahlreich. Im Sommer in den Waldungen; im 
Winter in den Obstbaumstücken und Weiden um die Dörfer " und 
Stadtgärten; auch im Schlossgarten, in den Nadelholzpartien. 

LV. Gattung. Tichodroma Illig. Der Mauerläufer. 

1) T. phoenicoptera Temm. Der rothflügelige Mauerläufer. Ein 
im Cabinet Sr. Durchlaucht des Prinzen Max zu Wied befindliches 
Exemplar dieses Alpenvogels wurde vor einigen Jahren an den 
Mauern der Gebäude des Windhäuser Hofes erlegt. Das einzige 
bis jetzt bekannt gewordene Beispiel vom Vorkommen dieses Vogels 
in hiesiger Gegend. Möglich, dass er vielleicht auch an anderen 
Stellen des Rheinthaies, an den hohen Felswänden und alten Burgen 
dann und wann vorkommt, aber übersehen wird. 

Dritte Familie. Picides. Spechtartige Vögel. 

LVI. Gattung. Upupa L. Wiedehopf. 
1) U. epops L. Der gemeine Wiedehopf. Nicht selten, obschon 
nicht zahlreich in der Gegend. Bei Dierdorf vorzugsweise, dann 
um Meisbach; auch bei Kettig jenseits des Rheines, namentlich da, 
wo es feuchte Wiesen mit Kopfweiden gibt. Ein Paar nistete vor 
einigen Jahren auch bei Nothhausen. 



358 

LVII. Gattung. Alcedo L. Eisvogel. 
1) A. ispida L. Der gemeine Eisvogel. Gemein, jedoch überall 
in einzelnen Paaren; an den Uf*rn der Nette, der Aubach im Brauns- 
berger Thal, am Wiedbach der ganzen Länge nach zerstreut, in den 
oberen Gegenden desselben aber noch zahlreicher; z. B. um die 
Arnsau. Im Herbst und Winter auch am Rhein. 

LVIII. Gattung. Jynx L. Der Wendehals. 
1) J. torquilla L. Der gemeine Wendehals. Nicht selten, doch 
überall in einzelnen Paaren. Namentlich in den Obstbaumstücken, in 
Vorhölzern und in den Kopfweiden in der Nähe der Dörfer; so zwi- 
schen Nothhausen, Rothebach und Segendorf. 

LIX. Gattung. Picus L. Specht. 

1) P. minor L. Der Grasspecht; kleine Buntspecht. In Wäl- 
dern und Vorhölzern; aber nicht häufig bei Montrepos; auch im 
Schlossgarten. Wird seiner Kleinheit wegen wohl auch öfters nicht 
bemerkt. 

2) P. medius L. Der Rothspecht. Mittelspecht. Mittlere Bunt- 
specht. Ebenfalls in der Nähe selten, in den Vorhölzern von Mon- 
trepos, weniger selten in der obern Gegend zwischen Steimel und 
Altenkirchen. 

3) P. maior L. Der grosse Buntspecht. Bandspecht. Gemein 
in den Waldungen, Vor- und Feldhölzern. Im Winter in den Baum- 
stücken um die Dörfer, den Schlossgarten, auch in den einzelnen 
Weidenbäumen in den oberen Rheinwiesen gegen Engers. 

4) P. Canus L. (P. viridi-canus Meyer.) Der Grauspecht. 
Graugrüne Specht. Nicht selten, doch weniger gemein als der Grün- 
specht. Namentlich in der Wollendorfer Gegend. 

5) P. viridis L. Der Grünspecht. Gemein in Waldungen, Vor- 
hölzern, Baumstücken. Im Winter näher um die Dörfer, den Schloss- 
garten und die Stadtgärten. 

LX. Gattung. Cuculus L. Kuckuck. 
1) C. canorus L. Der gemeine Kuckuck. Geinein und zahl- 
reich, in den Waldungen, besonders um Montrepos, dann auch in 
Vorhölzern, den Obstbaumstücken, auch in der Nähe der Dörfer und 
selbst der Stadt; so im Schlossgarten. Auch zuweilen in den Obst- 
bäumen der Stadtgärten, den Chausseebäumen und den Kirchhöfen. 
Auch die climatische Varietät als ein- und zweijähriges Weibchen 



359 

kommt öfters vor. — Dass man diesen Vogel, so wie den Grün- 
specht, gesund und munter im gezähmten Zustande erhalten kann, 
hat Herr W. Remy hier bewiesen, welcher mehrere Kuckucke jahre- 
lang in seinem Brauhause erhalten hat. Der Grünspecht zeigte sich 
sehr zutraulich und kannte seinen Herrn vollkommen. Pr. M. z. W. 

Vierte Familie. Columbaria. Taubenvögel. 

LVI. Gattung. Columba L. Taube. 

1) C. turtur L. Die Turteltaube. Sehr zahlreich in Wäldern 
und Vorhölzern, durch die ganze Gegend verbreitet. Im Spätsommer 
streifen sie häufig in die Felder nach Kohlsaamen. 

2) C. oenas L. Die Holztaube; gemeine wilde Taube. Hohl- 
taube. In den grossen Buchen Waldungen, namentlich wo es viele 
alte und hohle Bäume gibt, wie im Urbacher Forste. Uebrigens 
weit weniger zahlreich als die Vorige und Folgende. Einzelne blei- 
ben in gelinden Wintern hier. t 

3) C. palumbus L. Die Ringeltaube. Gemein und allenthalben 
in den grossen Buchenwaldungen. In gelinden Wintern bleiben ein- 
zelne hier. 

IV. Ordnung. Rasores. Scharrvögel oder Hühner. 

Erste Familie. Perdrices. Feldhühner. 
LXII. Gattung. Perdrix Lath. Feldhuhn. 

1) P. coturnix Lath. Die Wachtel. Im Ganzen nicht häufig, 
manche Jahrgänge ausgenommen. Vorzugsweise in der Thalebene 
zwischen Neuwied, Heimbach und Engers; so wie auch jenseits des 
Rheines zwischen Weissenthurm und Coblenz. 

2) P. cinerea Lath. Das Rebhuhn; graue Feldhuhn. Nicht sehr 
zahlreich; namentlich haben sie seit einigen Jahren in der nächsten 
Umgebung ziemlich abgenommen, wozu die öfteren Ueberschwem- 
mungen der letzten Jahre viel beigetragen haben. Ueber dem Rhein 
sind sie häufiger. 

Zweite Familie. Tetraones. Waldhühner. 
LXHI. Gattung. Tetrao L. Waldhuhn. 
1) T. bonasia L. Das Haselhuhn. Nicht selten, in den Hecken 
und Voihölzern der Waldungen durch die Gegend verbreitet. Am 
zahlreichsten in der Gegend von Selters. 



360 

2) T. tetrix L. Das Birkhuhn. Nur selten als verstrichener 
Vogel beobachtet. Erst in der Siegener Gegend wird es einheimisch. 
Pr. M. z. W. 

3) T. urogallus L. Das Auerhuhn. Früher nur einzeln hier, 
und nicht nistend. Seit einigen Jahren haben sie sich aber in dem 
Hirschbacher Walde eingefunden und einen Stand gebildet, so dass 
wir jetzt im Seeburger Forst auch welche haben. Pr. M. z. W. — 
Einzeln werden sie auch beim Treibjagen in den Waldungen jenseits 
Montrepos angetroffen. 



Schlussbemerkung. 

Hier noch Einiges über die Oertlichkeit der Gegend, in sofern 
sie auf das Vorkommen der Vögel Einfluss haben kann. 

Die Stadt Neuwied liegt in einer Thalebene am rechten Ufer 
des Rheines. Sie wird in einer Entfernung von ungefähr zwei Stun- 
den vop Gebirgen mittlerer Grösse umschlossen, welche auf der 
rechten Seite zu dem Gebiete des Westerwaldes, auf der linken aber 
zu dem der Eifel gehören. Erstere sind Schiefergebirge, letztere 
meist vulkanischer Natur. Der Rhein, die Hauptbewässerung, durch- 
fliesst mit. starker Strömung das Thal von Südosten nach Nordwesten. 
Ihm fliessen diesseits, bei Mühlhofen, der Saynbach, bei Irrlich der 
Wiedbach und jenseits, gegenüber der Stadt, die Nette zu. An 
Teichen, Seen und Sümpfen fehlt es in der nächsten Umgebung 
gänzlich. 

Entfernter sind auf dem Westerwalde mehrere grosse Teiche 
bei Seeburg und Wölferlingen , aus welchen ersteren der Wiedbach, 
und aus dem zu Wölferlingen der Saynbach den Ursprung hat. 
Kleinere Teiche und Sümpfe gibt es noch in der Gegend von Dier- 
dorf. — Auch ist der Laacher ^ee, etwa drei Stunden entfernt, hier 
noch zu erwähnen. 

Buchenwaldung ist vorherrschend; dann Eichen, und hin und 
wieder, namentlich in den oberen Gegenden des Wiedischen Gebietes, 
auch zum Theil ansehnliche, in neuerer Zeit angelegte Nadel -Holz- 
Districte. Auf der linken Rheinseite kommen Birken vor. Die Vor- 
und Feldhölzer bestehen meist aus sogenannten Hecken, ein Gemisch 
von Weiss- und Schwarzdorn, wilden Rosen, Haseln-, Eichen- und 
Weissbuchen -Gebüsch. Obstbäume, sogenannte Baumstücken, sind 
von den Waldrändern anfangend , waldähnlich durch die ganze 



Gegend verbreitet. Sie bestehen auf diesseitigem Lande meist aus 
Apfel- und Zwetschen-, auf dem jenseitigen auch viel aus Kirsch- 
bäumen. Nussbäume sind ebenfalls in Menge, doch mehr vereinzelt 
in den Feldern der Ebene anzutreffen. 

Birnen gibt es weniger und meist nur um die Dürfer. -Der 
Boden endlich ist in der Ebene sandig -lehmig, auch mehr oder 
weniger mit Bimssteiiigerölle vermischt ; in den oberen Gegenden 
herrscht Lehm vor. Wiesen gibt es ausser den Rheinwiesen in der 
Ebene keine; nur in den Gebirgsthälern trifft man sie an. 

Die Erzeugnisse des Ackerbaues sind ausser den vorherrschenden 
Getreidearten, Kartoffeln und Dick- oder Runkel- Rüben, zunächst 
noch Raps oder Kohlsaat, Cichorien, deutscher und ewiger oder 
Luzerne -Klee; hin und wieder auch Esparsette, Hanf, Rübsen, Buch- 
weizen, und in der obern Gegend auch Lein. Das Weingebirge, so 
weit es hier in Betracht kommt, erstreckt sich von Irrlich, rhein- 
abwärts, an Wollen dorf, Fahr, Leutesdorf und Hammerstein hin und 
schliesst das Thal zwischen Nieder-Hammerstein und Rheinbrohl, wo 
sich dasselbe wieder zur Linzer Thalebene öffnet. 

Aus der eben geschilderten Localität ergibt sich der gänzliche 
oder theilweise Mangel an Vögeln der Nadelhölzer (Picus martius 
und Coracias garrula sind noch niemals hier beobachtet, worden), und 
ebenso fehlen uns die eigentlichen schnepfenartigen und andere ächte 
Sumpfvögel in der nähern Gegend ganz, und alles bisher Beobachtete 
kommt nur auf dem Zuge vor; manche alljährlich, andere nur ein- 
zeln, als Rarität. Nicht besser ist es mit den Schwimmvögeln, diese 
haben wir alle (bis auf die Sterna hirundo), nur auf dem Zuge hier. 
Die Brutplätze der gewöhnlichen Sumpfvögel (mit Ausnahme des 
Charadrius minor und Totanus hypoleucos) liegen in der erwähnten 
wasserreicheren Gegend des Oberlandes, wo auch die Schwimm- 
vögel, soweit sie als gewöhnlich in Deutschland brütend aufgeführt 
werden, ihren Sommeraufenthalt haben. 

Es sind demnach vorzugsweise die Vögel des Laubholzes, welche 
bei uns heimisch sind und als die sangreichsten, in der schönen 
Jahreszeit, unsere Umgebungen so fröhlich beleben, so dass wir 
hierin vor vielen Gegenden einen angenehmen Vorzug haben. 



Nautnannia. 1855. 25 



362 



Nr. 28. 

Heber das Meckern der Bekassine. 



Von 
Iteniitrd Altuni. 



Es ist über das Meckern der Bekassine (Scolopax gallinago, L.) 
schon so vielfach geschrieben, dass es fast unmöglich scheinen könnte, 
etwas anders als Würdigung einer schon hinlänglich bekannten 
Erklärungsweise vorzubringen , zumal da in Herrn Steinbrenners 
interessantem Aufsatz in der „Allgemeinen Forst- und Jagdzeitung" 
(20. Jahrg. neue Folge, 1854, pag. 432) die beiden gangbaren An- 
sichten: Kauschen durch Flügelschwingung und Stimmlaut 
verbunden sind. 

Er erklärt die Sache so, dass der Vogel allerdings den Ton als 
einfachen anhaltenden Stimmlaut ausstosse, dass dieser Ton aber 
durch den zitternden Flatterflug, der sich stets damit verbände, tre- 
mulando hervorgestossen würde, so wie jeder einfache, gedehnte 
Stimmlaut tremulirend , d. h. absatzweise und zwar in demselben 
Tacte erscheint, in welchem Schläge auf den Brustkasten, oder rasche, 
ruckweise Bewegungen mit den Armen und Beinen auch nur in die 
Luft geführt werden. 

Dieser Erklärungsversuch ist also der neue, welcher, als Herr 
Dr. Gloger ihn mir zuerst mittheilte, meme volle Zustimmung erhielt, 
weil er einerseits auf so natürlichen einfachen Principien gründet, 
und ich anderseits kein eigenes Urtheil darüber hatte; denn (merk- 
würdiger Weise!) vom launigen Zufall in dieser Hinsicht nie be- 
günstigt, hatte ieh ein meckerndes Bekassinenmännchen bis jetzt noch 
nicht selbst beobachten können. Manches hatte ich darüber gelesen, 
Vieles war mir davon erzählt. Es sollte ein Ton sein, der dem 
Meckern einer Ziege zum Verwechseln ähnlich wäre. Mein lange 
gehegter Wunsch, einmal selbst diesen wunderlichen Laut zu ver- 
nehmen, ward mir erst in diesem Frühlinge, am 15. April und den 
folgenden Tagen gewährt. Freund Krüper machte mich auf einer 



363 

gemeinsamen Excursion zuerst darauf aufmerksam, und von da an 
hatte ich das Vergnügen, an hellem Tage, des Morgens, Nachmittags, 
Abends wieder und wieder den Vogel ganz in meiner Nähe bei die- 
sem Concert nach Lust und Liebe zu beobachten. Bei den Worten 
meines lieben Krüper: „Hör'! eine Bekassine meckert" horchte ich 
auf in der sichersten Voraussetzung, die Erklärung Steinbrenners 
bestätigt zu finden, ja, ich kann sagen, in der präsumirten Gewissheit 
ihrer unbedingten Richtigkeit. 

Allein wie wurde ich enttäuscht! Es war mir gleich das erste 
Mal, als ich den Laut deutlich vernahm, rein unmöglich, einen 
solchen Schnurrton als Stimme zu erkennen. Mit eben der Sicher- 
heit, mit der ich von einem bestimmten musikalischen Tone sagen 
kann, dass er von einem Saiten- und nicht von einem Blaseinstru- 
mente herrühre, mit der ich also die Gattung des Instrumentes zu 
bestimmen im Stande bin, das den Ton bewirkt, ob es z. B. eine 
Violine, oder Flöte, oder Trompete sei, mit eben der Gewissheit 
drängte sich mir, noch ehe ich auf das Betragen des Vogels und seine 
Haltung beim Meckern mein Augenmerk scharf gerichtet hatte, die 
Ueberzeugung auf, dass dieser Laut kein Kehllaut, keine eigent- 
liche Stimme sein könne. 

Aber auch die andere Meinung, der Ton rühre von der reis - 
send schnellen Flügelbewegung her, ähnlich so, wie ja fast 
alle Vögel mehr oder weniger beim Fliegen ein brausendes Getöse 
verursachen, welches sich je nach der Beschaffenheit der Bewegung 
und der Schwungfedern modificirt, war mir aus dem eben angege- 
benen Grunde, wie auch aus der Stärke des Lautes höchst un- 
wahrscheinlich, ja geradezu verwerflich. Dieser Meckerlaut ist so 
eigenthümlich charakteristisch, dass ich ihn nicht mit dem Geklingel 
von Anas clangula 5, dem Wuchtein von Vanellus cristatus, dem 
polterndem Brausen vieler hühnerartigen Vögel und Aehnlichem, oder 
etwa mit dem geräuschvollen Flattern einer dem Winde ausgesetzten 
Flagge in Reihe und Glied stellen kann. Das Instrument, welches 
das Meckern hervorbringt, mussein anderes sein. 

Dass ich also, wo ich beide Erklärungsweisen zurückweisen 
muss, nicht die Steinbrenner'sche coinbinirendc Ansicht theilen kann, 
versteht sich von selbst. 

Ehe ich jedoch meine eigene Erklärung hier entwickele, finde ich 

mich bewogen und fast verpflichtet, den Aufsatz des Herrn Controleurs 

25* 



364 

Steinbrenner näher zu beleuchten, weil derselbe in sehr anerkennens- 
werther Weise nicht etwa seine Meinung nackt und einfach aus- 
gesprochen, sondern dieselbe mehrfach durch Analogien und mit 
physiologischen Gründen zu stützen gesucht hat. 

Er sagt 1. c: „Es ist bekannte unbestrittene Thatsache, 1) dass 
sich in dem meckernden Laute, welchen das Männchen der Be- 
kassine während der Fortpflanzungsperiode dieser Vogelart aus 
den Lüften hören lässt, seine geschlechtliche Ekstase zu erkennen 
gibt." — Genauer betrachtet kann diese Thatsache sehr wohl be- 
stritten werden. Das ganze Betragen oder in specie der rapide 
Flatterflug sind allerdings der Ausdruck der Ekstase; aber der 
meckernde Laut kann von diesem Ausdruck der Ekstase ganz 
wohl bloss die noth wendige, rein mechanische Folge sein, so dass 
also das Meckern, eben weil es die rein mechanische Folge und 
nicht eine organische Thätigkeit ist, dieser Ausdruck nicht zu 
sein braucht, ja nicht einmal sein kann. Der Vogel kann also in 
der Ursache seine Ekstase ausdrücken, während der Beobachter die 
Folge für diesen Ausdruck zu halten geneigt ist. Wenn daher Herr 
Steinbrenner den Leser durch seine Gründe zu seinem Endresultate, 
dass dieser Ton ein tremulirender Stimm ton sei, allmälig hinzuführen 
sucht, so begegnet ihm gleich beim ersten Punkte eine, freilich sehr 
verzeihliche, petitio principii. 

Herr Steinbrenner fährt fort: 2) „dass eine solche Ekstase über- 
haupt in dem Momente ihres Eintretens die ganze animale Vitalität 
bis zu ihrer höchsten Potenz zu steigern vermag." — Dieser sehr 
wahre Punkt passt auf jede Erklärung und zwar auf diejenige, 
welche den Ton nur durch die Flügelbewegung entstehen lässt, 
am meisten, wenigstens viel mehr als auf seine Combination. Auf die 
dritte Thatsache: 3) „dass die meisten Organe in dem solchergestalt 
erregten Thierkörper mehr oder weniger in aussergewöhnliche, mit- 
unter unglaubliche Thätigkeit und Leistungsfähigkeit versetzt zu wer- 
den pflegen" — ist ganz dasselbe zu erwiedern. 

Aus diesen drei Thatsachen Folgerungen ziehend, fährt er fort: 
„Hieraus folgt, dass in der Begattungszeit ganz andere, markirtere 
Laute bei den Männchen sich zeigen und dass letztere sehr häufig 
von ebenso ungewöhnlichen excentrischen Bewegungen begleitet 
werden. Es kann daher in dem fraglichen Laut des Bekassinen- 
männchens, beziehungsweise in seinem gleichzeitigen rapiden Flattersturz 



365 

etwas Abnormes nicht gefunden werden." — Doch, in einer Hinsicht 
wohl etwas Abnormes ! Wenn man die sonstigen in der Paarungszeit 
hervorgebrachten eigenthümlichen, mit absonderlicher Körperbewegung 
verbundenen Laute, d. h. Stimmlaute mancher Vögel mit der hier in 
Rede stehenden Erscheinung zusammenstellt, so möchte diese Zusam- 
menstellung wohl nicht ganz passen. Denkt man nämlich an das Balzen 
der Auer- und Birkhähne und Aehnliches, so ist dort allerdings eigen- 
thümlicher Laut mit excentrischer Körperbewegung verbunden, aber 
letztere ist kein Flug. Haben wir aber einen abnormen Flug, so 
fehlt während desselben die abnorme Stimme. Ich wenigstens habe 
mehrfach im Frühlinge solche flatternde, Fledermaus ähnlich in der 
Luft umhertaumelnde Männchen von Fringilla chloris, und einige 
Meisen, wenn ich nicht irre, major und coeruleus beobachtet, aber 
nie bei diesem Fluge Töne, welche die geschlechtliche Ekstase 
irgend ausdrücken könnten, oder t überhaupt irgend welchen Laut ver- 
nommen. Die Vögel waren beim taumelnden Flatterflug stumm. 
Somit träte also gegen Herrn Steinbrenners Ansicht die Bekassine 
geradezu aus der allgemeinen Regel heraus, wenn sie beides, Stimme 
und Flug, verbände. 

Weiter: „Der in Rede stehende Laut hat zwar allerdings grosse 
Aehnlichkeit mit jenen Lauten, welche nach Naumanns Anleitung her- 
vorgebracht werden können, wenn man mit einem Stocke, woran 
stärkere Schwungfedern befestigt sind, kräftige Streiche gegen den 
Luftzug führt; auch wird er stets von einer überaus schnellen Flatter- 
bewegung begleitet, so dass die Ansicht, es werde jener Bekassinenlaut 
nur durch die Schwungfedern hervorgebracht, keineswegs einer minder 
plausiblen Stütze entbehrt." — Hier ist der Punkt, wo ich mich auch 
gegen die Ansicht unsers allverehrten Naumann, dem man sonst fast 
stets nur bestätigend nachbeobachten kann, erklären muss. Ich möchte 
nämlich die bezügliche Aehnlichkeit des vom Vogel und durch ge- 
nanntes Experiment hervorgebrachten Lautes für ein gebildetes musi- 
kalisches Ohr bezweifeln. Der Charakter des Tones weist, wie 
schon oben bemerkt, auf ein ganz anderes Instrument hin. Wer 
eine und dieselbe Melodie, in gleicher Tonhöhe, aus derselben Ton- 
art, in demselben Tempo von etwa Geige und von Flöte vorgetragen, 
ähnlich findet, hat vollkommen Recht, wem aber die Töne selbst 
als Laute, also Geigentöne und Flötentöne ähnlich sind, dem ist hier 
weiter nichts zu demonstriren. De gustibus non est disputandum! 



366 

Es sei mir erlaubt, hier abschweifend des Gesanges von Calamo- 
herpe locustella zu gedenken. Dass man ihn so täuschend ähnlich 
dem Zirpen der Heuschrecken findet, hat allerdings seine guten Gründe 
und seine Richtigkeit ; allein mit scharfem , musikalischem Ohre 
betrachtet, wird man keinen Augenblick zweifeln können, dass er eben 
eine Stimme, dass er ein Kehllaut sei. Beschreiben lässt sich im 
Allgemeinen der Unterschied von solchen Lautcharakteren nicht, man 
muss selbst hören. Bei locustella jedoch könnte man etwa das sanfte 
1, was ihrem Gesangschwirren (etwa plrlrlrlrlrlr mit einem zwi- 
schen i und e stehenden Vocale) beigemischt ist, als Criterium dafür 
bezeichnen, dass eben dieses Geschwirre kein auf mechanischem Wege 
hervorgebrachter Ton, sondern dass es ein organischer Laut, eine 
wirkliche Stimme sei. 

Herr Steinbrenner sagt ferner : „ Wenn indessen so weithin 
schallende Laute in der eben gedachten Weise mittelst schneller 
kräftiger Flügelschläge wirklich erzeugt werden könnten, müsste nicht 
in Berücksichtigung des dabei absolut nothwendigen Widerstandes der 
äussern zu durchschneidenden Luft die Entwickelung einer Kraft dazu 
gehören, welche die des Bekassinen -Körpers selbst in seiner höchsten 
Spannung bei Weitem überstiege?" — Wahrscheinlich ja! — 

„Würde ferner, selbst wenn die Flügelkraft dieses Vogels dazu 
ausreichend wäre, der von dem Luftwiderstand abhängende 
Laut nicht dann auf eine dem menschlichen Ohre bemerkliche Weise, 
sowohl in seiner Betonung, als in seiner Dauer zum Oefteren variiren 
müssen?" — Antwort: Nein! Denn da bei reiner klarer Luft die 
Bewegungen stets auf eine und dieselbe Weise gemacht werden, so ist 
nicht abzusehen, weshalb sie bald so bald anders tönen sollten. Wie 
höchst regelmässig, stets sich selbst gleich, Töne, welche durch Flügel- 
schlag hervorgebracht werden, sind, weiss jeder, der längere Zeit hin- 
durch genau darauf zu achten gewohnt ist. Eben diese so überaus 
charakteristische Regelmässigkeit und Gleichheit machte es dem ver- 
storbenen Förster Naumann, Bruder unseres Professors, möglich, jede 
Ente bei Nachtzeit aus dem Geräusche ihres Fluges so sicher 
zu bestimmen, als unsereins am hellen Tage aus Gestalt und Färbung 
oft nicht zu thun im Stande ist. 

Ferner: „Es sind aber im Gegentheil jene stets gleich schal- 
lenden Töne auch in ihrer Dauer gleich, und in letzter Bezie- 
hung der Zeit angemessen, welche erforderlich sein möchte, um die 



367 

nach Massgabe des Bedürfnisses stattfindende Entleerung der luft- 
gefüllten Respirationsgefässe völlig zu bewerkstelligen." — Ich möchte 
wünschen, Herr Steinbrenner hätte seinem verdienstlichen Aufsatze 
diese letztere Bemerkung nicht hinzugefügt, denn über die ange- 
messene Dauer der Zeit, in der die Lungen entleert werden können, 
haben wir doch wohl kein Urtheil. Unser kleiner Troglodyt mit 
seinen kleinen Lungen singt viel anhaltender in einem Athem, als das 
Hervorstossen der Töne fast aller grösseren Vögel währt.' 

Rücksichtlich der letzten Bemerkung des Herrn Steinbrenners : 
„Dass das Luftabwärtsschiessen der Vögel nach bekannten physikali- 
schen Gesetzen nur unter gleichzeitiger Entleerung der Lungengefässe 
möglich ist," muss ich gestehen, dass ich ihre Beweiskraft nicht ein- 
sehe. Die beim Emporsteigen singende, nachher beim fast senkrechten 
Herabschiessen stumme Feldlerche zeigt wenigstens das Gegentheil 
von dem, was, wie mir scheint, diese Bemerkung bei der Bekassine 
erläutern soll. 

Ich finde somit keinen einzigen Grund, welcher mich bewegen 
könnte, Herrn Steinbrenners Erklärung beizutreten. Da ich lediglich 
unserer ornithologischen Wissenschaft zu Liebe mir diese Kritik 
erlaubt habe, so wolle auch Herr Steinbrenner, falls ihm diese Zeilen 
zu Gesichte kommen sollten, darin nur dasselbe Streben und dieselben 
Motive erkennen, die ihn selbst bewogen habe, jene Arbeit für die 
Allg. Forst- und Jagdzeitung zu liefern. Ja ich bin genanntem Herrn 
zu persönlichem Danke für seine Arbeit verpflichtet, da ich ohne selbe 
wohl schwerlich auf meinen, wie ich nicht anders weiss, neuen 
Erklärungsversuch gekommen wäre, den ich jetzt hier folgen lassen 
möchte. 

Um gleich mit der Thüre ins Haus zu fallen, so sehe ich, trotz 
Herrn Diezels: „ Interdum et bonus dormitat Homerus"*) den 
Schwanz dieses Vogels als dasjenige Instrument an, durch welches 
diese laut schallenden Töne hervorgebracht werden. Ich sehe im 
Geiste das Achselzucken und ironische Lächeln mancher Leser, die 
etwa denken, ich meine hier ähnlich, wie Naumann es von den 
Schwungfedern angibt, ein schnelles Sausen durch die Luft, — 
nein daran ist nicht zu denken — oder gar ein gegenseitiges Reiben 
der Steuerfedern — das wäre Tollheit! — 

*) Cf. Naumann»» 1855, I., pag. 113. 



368 

Betrachtet man den Vogel genauer, so erkennt man ein Dreifaches: 
1) ein fächerförmiges Ausbreiten der Steuerfedern; 2) einen äusserst 
schnellen zitternden Sturz des Vogels; 3) eine seitliche Neigung 
des Thieres, so dass der eine Flügel dem Boden näher ist als der 
andere. Der halbkreisförmig ausgebreitete Schwanz durch- 
schneidet also: 

1. überaus schnell; 

2. von oben nach unten unter stumpfem Winkel und 
zwar in zitternder Bewegung; 

3. schräg auf die eiue Seite geueigt die Luft. 

Was folgt daraus? — Die einzelnen Federn desselben decken sich 
nur mit ihren Rändern, somit muss der wegen der Vehemenz des 
Sturzes heftige Luftzug zwischen den einzelnen Federn so hindurch- 
gehen, dass er sich, wie durch feine Ventile, zwischen der ersten und 
zweiten, zweiten und dritten, dritten und vierten u. s. w. Steuerfeder 
der Reihe nach hindurchquetscht. Fände die schräge Neigung 
auf die eine Seite nicht Statt, so würde die Luft unter oder über 
dein Schwänze fortgleiten, und an ein Oeffnen von Ventilen wäre 
nicht zu denken. Nun weiss aber Jeder, dass ein scharfes Pressen 
der Luft durch eine feine Ritze einen sehr lauten Ton ver- 
ursacht. Unsere Clarinetten und Hautbois haben nur aus dieser 
Ursache ihren schneidenden Ton. Obwohl nun ein solcher Ton bei 
verschiedenem Material, das die feine Ritze bildet, verschieden ist, 
so ist doch sein Charakter stets zu erkennen, und eben dieser Laut- 
charakter war es, der sich mir gleich beim ersten deutlichen Hören 
des Meckerns unabweislich aufdrängte und mich sofort auf das be- 
treffende Instrument hinwies. 

Presst sich nun die Luft zwischen der ersten und zweiten Feder 
durch, so entsteht ein einfacher, momentaner Laut, ein momen- 
taner, weil durch die zitternde Wendung des fliegenden Vogels 
sofort die zweite und dritte, dann die dritte und vierte, vierte und 
fünfte u. s. w. Steuerfeder die Richtung gegen den Luftzug annehmen, 
dass sie zur Hervorbringung des Tones geeignet sind. Daher dieses 
aus vielen momentanen Einzeltönen zusammengesetzte, schnurrende 
Tremuliren, das Meckern. Ja, ich wage zu behaupten, dass man bei 
gehöriger Unterscheidungsfähigkeit dieser einzelnen Töne aus densel- 
ben die Anzahl der Steuerfedern erkennen könnte, die ganze 
Anzahl, oder gerade die halbe, weil sich bekannter Massen von 



369 

der Mitte nach beiden Seiten hin diese Federn in umgekehrter Ordnung 
decken. Würde der Luftzug bloss von unten, oder bloss von oben 
her schräg durch die ausgebreiteten Schwanzfedern fahren, so würden 
die einzelnen Töne nur der halben Federzahl entsprechen, wenn 
durch die Wendung des Körpers und Richtung des Schwanzes suc- 
cessive beides stattfindet, der ganzen. 

Mit dieser versuchten Erklärung für die Hervorbringung des lauten 
Meckerns hängt innigst eine andere zusammen, welche auch dasselbe 
musikalische Instrument, den Schwanz, erheischt und nur etwas in 
der Art und Weise, wie der Laut hervorgebracht wird, sich von der 
ersten unterscheidet. Ich will auch diese hier andeutend geben, ohne 
jedoch für jetzt noch im Stande zu sein, über den Vorzug, oder über 
die ausschliessliche Realität der einen oder der andern, oder über die 
Richtigkeit, beide zu verbinden, ein Urtheil fällen zu können. — Es 
ist nämlich ebenfalls eine bekannte Thatsache, dass, wenn die Luft 
heftig durch eine feine Ritze hindurch bläst, in der der Länge 
nach ein feines, dünnes Blättchen gespannt ist, so dass der 
Luftzug gegen die Schärfe eines solchen Blättchens trifft, ein sehr 
lauter, denselben Toncharakter zeigender Schall entsteht. 
Als Beispiel erinnere ich an die gewiss allen Ornithologen bekannte 
Locke, welche aus einem durchgespaltenen Holzstäbchen besteht, dessen 
Hälften, nachdem man die Spaltflächen etwas ausgeschnitten und zwi- 
schen ihnen ein feines Blättchen, etwa Birkenrinde, gespannt hat, 
wieder in der ursprünglichen Lage vereinigt sind. Bei der meckern- 
den Bekassine bildeten dann die vom heftigen Luftzuge etwas aus- 
einander getriebenen Steuerfedern, den ausgeschnittenen Hälften des 
Holzstäbchens vergleichbar, die Ritze, und die jedesmal zwischen zwei 
Federn sich befindende, also die zweite in Bezug auf die erste und 
dritte, die dritte in Bezug auf die zweite und vierte, die vierte in 
Bezug auf die dritte und fünfte u. s. w. würde, ähnlich wie beim 
genannten Kunstinstrument das Stückchen Birkenrinde, den Ton ver- 
ursachen. Um sich die Sache zu versinnlichen, blase man einfach in 
die nicht compact zusammengepressten , sondern etwas gelockerten 
Blätter eines Buches quer von der einen Seite zur andern. — Alles, 
was bei der ersten Erklärung gesagt ist, findet auch hier bei deren 
Modification statt; nur würde man nicht die ganze oder gerade die 
halbe Anzahl der Federn aus den Tönen erkennen können, sondern 
diese weniger zwei, der ersten und der letzten. Eine je feinere 



370 

Schärfe die Steuerfedern darbieten, desto tauglicher sind sie zur Her- 
vorbringung des lautesten Tones. Ueberhaupt wären sehr stark- 
schäftige, steife Federn, ähnlich wie die der Spechte, dazu unfähig. 

Dass die beim Herabstürzen des Vogels etwas angelegten Flügel 
dieses Instrument nicht abgeben können, scheint mir daraus sicher zu 
sein, weil ihre Federn sich zu sehr decken. Und wollen wir der 
zweiten Erklärungsweise beitreten, so würden sie wegen ihres zu 
starken Schaftes und der verhältnissmässig zu kurzen Aussenfahnen 
das dünne, feine, den Ton hervorbringende Blättchen gar nicht ab- 
geben können. Jedoch bin ich nicht abgeneigt, ihnen in Unterstützung 
des Tones, des meckernden Haupttones, eine, aber gewiss sehr unter- 
geordnete Rolle einzuräumen, und zwar auf die von Naumann ange- 
gebene Weise. Denn wie sollten sie bei diesem so äusserst rapiden 
Sturze nicht auch einen mehr oder weniger dumpf rauschenden Ton 
erzeugen, der dann freilich mit dem schallenden, lauten Meckern dem 
Tempo und der Zeit nach in eins zusammenfällt! Dieser Ton ist aber 
nur wenig, und bei grösserer Entfernung des Thieres, wohl gar nicht 
mehr hörbar. 

Vorstehendes war meine in der freien Natur gewonnene Ansicht. 

Ich ging später zu unserm Museum, um die Exemplare von 
Scol. gallinago zu meinem Zwecke zu untersuchen, fand jedoch selbe 
so ausgestopft, dass ich, ohne sie zu beschädigen, das Experiment 
mit ihnen nicht vornehmen durfte. Zu meiner grossen Freude aber 
war der Schwanz einer Scol. indicus ausgebreitet. Ich blies durch die 
Steuerfedern, die ich so hielt, wie ich es bei der meckernden Be- 
kassine beobachtet hatte, und erhielt einen laut schrillenden Ton, 
bin also fest davon überzeugt, dass, wenn diese Schnepfenart auch 
dergleichen Productionen in der blauen Luft ihrer Heimath macht, ihr 
Meckern wegen der eigenthümlich beschaffenen Schwanzfedern ein 
überaus lautes, hellschallendes sein muss. Das schräge Blasen durch 
die Federn des leider nicht gehörig ausgebreiteten Schwanzes von 
gallinago bewirkte wenigstens einen einem hellen Laute sich 
annähernden Ton. — Dass jedoch, wie überall, so hier, das 
künstliche Experiment hinter der reinen Natur zurückbleibt und aus 
naheliegenden Gründen, die nicht auf der Unrichtigkeit der Sache 
selbst, sondern auf unvollkommener Herstellung solcher Experimente 
beruhen, zurückbleiben muss, ist bekannt. Es möge desshalb ge- 
nügen, wenn auf die angegebene Weise ähnliche, d. h. laute und 



371 

denselben Charakter an sich tragende Töne, als der Vogel sie 
uns in seinem Meckern hören lässt, entstehen. 

Sollte es wirklich factisch sein, dass die Bekassine auch wohl am 
Boden sitzend meckert, so wäre dieses nach keiner meiner beiden 
Erklärungsweisen undenkbar. Es würde erfordert, dass der Vogel 
1) die Steuerfedern radförmig ausbreitete, und 2) sie rüt- 
telnd und drehend halb scharf gegen einen heftigen Luftzug 
kehrte. Bei ruhigem, windstillem Wetter wäre dann das Meckern 
eine absolute Unmöglichkeit. 

Manche Einzelnheiten, z. B. das Richten der Federn in jedem 
Momente des Meckerns, beim Anfange, während der lautesten Töne, 
am Ende, möchten wohl dem aufmerksamen Beobachter meine Er- 
klärung noch wahrscheinlicher machen. Mir wenigstens scheinen alle 
Eigenthümlichkeiten, sowohl dem Concertgeber als das Concert anlan- 
gend, dadurch ihre allseitige Begründung zu finden, was bei den frü- 
heren Erklärungsversuchen bald nach dieser bald nach jener Seite hin 
nicht erreicht sein dürfte. 

Berlin im Juni 1855. B. AI tum. 



Nr. 29. 

Ornithologische Beobachtungen, 

aus Dr. Richard Yierthaler's Tagebuche eiuer Reise durch 
Egypten, Nubien, Dongola und Sennaar. 

Mitgetheilt von E. ltaldamus. 

Die in der Naumannia 1853, p. 459 verheissene Mittheilung der 
ornithologischen Beobachtungen unseres so früh verstorbenen Freundes 
hat sich länger verschoben, als ursprünglich beabsichtigt war. Die 
Tagebücher des Dr. R. Vierthaler enthalten neben den ornitholoo-i- 
sehen eine so grosse Menge zoologischer, — besonders entomologischer, 
— botanischer und ethnologischer Beobachtungen und Bemerkungen, 
und sind so fleissig und ausführlieh geschrieben, dass ich, mit dem 
Wunsche seines Herrn Vaters und Oheims übereinstimmend, sie gern 
vollständig und in ihrer ursprünglichen Fassung herausgegeben hätte. 



372 

Der Plan scheiterte bis jetzt, obwohl ich seine Ausführung immer noch 
nicht aufgegeben habe, und wir geben nun vorläufig einen Auszug 
des ornithologischen Theils in unserer Zeitschrift, bedauernd, dass 
die fest bestimmten Grenzen derselben die vollständige Mittheilung 
der Tagebücher nicht gestatten. 

Der Reisegesellschaft und des Reiseplans unseres Vierthaler ist 
bereits in dem Nekrologe, Naum. 1853, p. 456 gedacht worden, und 
ich bemerke nur noch, dass der in den Tagebüchern öfter erwähnte 
Ali Aga der a. a. O. p. 458 als Kabass aufgeführte Türke ist, über 
dessen „Unverschämtheit und Brutalität gegen die armen Fellahs" 
der edle Sinn unseres seligen Freundes gar oft empört ist. 

In einem der fünf Notizbücher Vierthaler's findet sich ein wahr- 
scheinlich zu Anfang 1852 geschriebenes „Verzeichniss der Vögel 
N.-O.- Afrikas, welche in der systematischen Uebersicht etc. des Dr. 
Rüppell nicht aufgeführt sind." Es sind folgende 25 Arten:*) 

1. Aquila Bonelli. 

2. Haliaet. albicilla. Menzaleh. 

3. Nisus minullus? 

4. Sparvius niger. Senn aar. 

5. Circus cineraceus. 

6. Cecropis rufula. Nubien. 

7. „ rußfrons. Chartum. 

8. Merops Cuvieri. Sennaar. Kordofan. 

9. „ minullus. 

10. Lusc. philomela. Egypten. Von Alfred Brehm erlegt. 

11. Budytes calcaratus. H. Paul v. Würtbg. Wadihalfa. 

12. Anthus rufogularis. Häufig im Winter in Tajum. (Wahr- 
scheinlich von Dr. Rüppell als cervinus, Pall. aufgeführt.) 

13. Bessonornis (Smith) speciesf Senn aar und Weisser 
Flu ss. Etwas grösser als Besson. semirufa, Rüpp., diesem 
im Allgemeinen ähnlich, jedoch mit einem weissen Streifen 
auf dem Kopfe, und ohne den weissen Zügel des genannten. 

14. Coccothraustes fasciatus. Blauer Fluss. 

15. Cannabina carduelis. Winter in Egygten. 

16. Fringilla coelebs. Winter 1849 in Alexandria. 



*) Es fehlen natürlich die von den beiden Brehm, Vater und Sohn, seitdem 
bestimmten Species, von denen sich einige mit einem? hinter dem Genusnamen im 
Tagebuche, sowie in den Schusslisten der Notizbücher notirt finden. 



373 

17. Otis tetrax. Deceraber 1849 in Alexandrien, in mehren 
Exemplaren. 

18. Charadrius auratus. Alexandrien. 

19. Falcinellus nov. spec. Senn aar. 

20. Telmatias gallinula. Egypten und Senn aar, im Winter. 

21. Anser albifrons, Bechst. Im Winter in Egypten. 

22. Cygnus Ohr. Im Winter in Egypten. 

23. Anas leucophthalmus. 

24. Podiceps (Colymbus ?) septentrionalis. Egypten. 

25. Larus minutus. (Nicht selbst beobachtet.) 

10. Januar. Endlich sind wir in unserer 20' langen und 
5' breiten Nilbarke. Wegen des Südwindes langsame Fahrt. Wir 
verlieren heute Alexandria nicht aus dem Gesicht. 

11. Januar. Die Barke wird wegen conträren Windes auf einige 
Stunden angelegt. Wir stiegen aus. Auf dem Sumpfboden am Nil- 
ufer sehr häufig Van. cristatus, Circus rufus, Milvus ater und para- 
siticus. Cathartes percnopt. hoch in der Luft. In Zügen: Anser al- 
bifrons! Pyrgita cisalpina und hispan., Motac. alba, Budyt. melanoceph., 
Fring. tinnunculus, aesalon, Fring. spinus, Sterna anglica und? Ceryle 
rudis. — Von den Gebrüdern Brehm beobachtet: Himantop. rußpes, 
Aq. Bonelli, Num. arquatus, Alcedo isp., Larus gelastes, Scol. rusticula. 
Nach zwei Uhr von der Barke aus gesehen: Ardea russata und Aq. 
naevia. 

12. Januar. Wir stiegen, als es bereits finster wurde, aus, um 
zwei einzeln stehende Sykomoren zu untersuchen, auf welche Raub- 
vögel aufzubäumen schienen. Während O.*) und ich nach Käfern 
(zwei Arten Coccinellen waren sehr häufig unter der Baumrinde) 
suchten, schoss A. einen Elanus melanopt. herab. Es flatterten noch 
andere Vögel in dem dichten Gezweig, ohne sich iridess zu entfernen, 
und kehrten bald nach jedem Schusse zurück. Leider war es schon 
zu finster, um die Arten zu erkennen und genau zu zielen; doch 
schien der Stimme nach auch F. tinnunculus darunter zu sein. E. 
melanopt. blieb ganz ruhig sitzen, als A. den Baum bestieg, um 
Rinde loszuschlagen. Die beiden Bäume, in weiter Entfernung die 
einzigen, mochten vielen Vögeln eine geeignete Schlafstelle bieten. 



*) O. ist der ältere, leider ebenfalls in Afrika gestorbne Oscar Brehm, A. der 
glucklieb wiedergekehrte Alfred Brehra. 



374 

Tags über wurden beobachtet: Char. oedicnemus, Ardea cinerea und 
russata, Recurvir. avoeetta, F. parasiticus, ater, rufus, Str. flammea, 
Corv. comix, Van. spinosus, mehre Mövenarten. 

13. Januar. Gleich nach Sonnenaufgang Jagdpartie. Columba 
.aegyptiaca, häufig; ebenso Schaaren von Corv. frugilegus, untermischt 
mit comix. Von drei freistehenden Sykomoren am linken Nilufer 
wurden drei kleine, der Passerina ähnliche Eulen herabgeschossen. 
In der Nähe ein Dorf mit einem kleinen Teiche, der in einen un- 
bedeutenden Graben ausläuft, daselbst Raubvögel in Schaaren, sonst 
noch Charadr. minor, Tot. glottis, eine ziemlich starke Gesellschaft 
von Himantopus (vier wurden erlegt), Ardea russata, sehr häufig auf 
dem Rücken der Büffel, Elan, melanopt., Upupa minor. 

14. Januar. In einem Palmen- und Limonen- Wäldchen sehr 
viele Oedicn. crepit., Ilimantop. longip., eine sehr kleine Strixf und 
E. melanopt. lebend erhalten. 

15. Januar. Nichts Neues. 

16. Januar. Auf der Jagd 60 Vögel erlegt. Himantop. ist sehr 
häufig, hält sich gewöhnlich in Trupps von 12 — 16 Stücken, hier 
nur in kleinen Teichen nahe an Dörfern auf, und watet ganz ge- 
müthlich unter den Gänsen herum. Im Freien trafen wir ihn noch 
nie. Er ist durchaus nicht scheu, lässt sich im Sitzen sehr nahe 
ankommen und nur durch mehre Schüsse verscheuchen. F. tinnunc. 
ist so wenig scheu, dass ich mit Steinen nach ihm werfen konnte. 
Erlegt: Tot. calidris, stagnatilis, hypoleucos, glottis, Gull, chloropus, 
Tringa minuta, Ard. russata, wiederum bei den Viehheerden in grossen 
Massen, F. nisus, F. rufus sahen wir nicht mehr, häufig jedoch, na- 
mentlich in den Dörfern, ater und parasit., Hoplopt. spinosus. Einzeln 
Sterna anglica. Am Nilufer Ard. cinerea, Cic. nigra in Ketten von 
circa 20 Stück, Fand, haliuetos, viele Möven, Gänse und Enten. 
Columb. aegypt. nur an und in Dörfern. Col. domestica, von ebenso 
verschiedenen Farben wie bei uns, meist aber blau, kam, als wir 
Mittags eben wieder die Barke bestiegen, in einem Schwärme von 
circa 24 Stück auf den Nil; alle' setzten sicli aufs Wasser, schwam- 
men jedoch nicht, sondern sassen ruhig, ohne Flügelbewegung, vielleicht 
eine halbe Minute, löschten ihren Durst und flogen dann auf. Leider 
war dies so nahe an unserer Barke, dass sie wohl durch die vielen 
Personen früher verscheucht wurden; vielleicht hätten sie sonst länger 
auf dem ihnen sonst fremden Elemente verweilt. Upupa minor ist in 



375 

den Dörfern nicht so scheu als unser Sperling. Cyanec. orientalis, 
einjähriges Männchen, erlegt. Bud. melanoceph. — Der gemeinste 
Vogel ist hier (wenn man überhaupt von gemeinen Vögeln hier 
sprechen kann, da von fast allen grosse Massen da sind), Mot. alba. 

17. Januar. Jagdpartie von acht Uhr früh bis vier Uhr Nach- 
mittags. Ilimantop. in Schwärmen von 50 — 80 Stück, Anthus JRi- 
chardi?, Cyanecula, Aquilaf Ein Dutzend wilder Schweine hatte 
sich ganz gemüthlich in eine Ackerfurche niedergelegt; wir hatten 
nur Schrot Nr. 6. bei uns, gingen nach der Barke, um Büchsen zu 
holen, fanden jene aber nicht, und mussten die Schweine ruhig liegen 
lassen. Anser albifrons, Carbo cormor., Scol. gallinula. Abends Aus- 
flug, um Felis chaiis zu schiessen, trafen aber keine an. 

18. Januar. Präparirt. Gegen Abend ging A., um wilde 
Schweine zu erlegen, nach dem Delta, während wir Uebrigen einige 
Zeit auf dem linken Ufer, dem Anfange der lybischen Wüste, neben 
dem Schiffe hergingen. Am Horizonte zwei Pyramiden. Nichts 
Neues. 

19. Januar. Hunderte von wilden Schweinen, ein Luchs, 
drei Hyänen. 

20. Januar. Kairo. Besuch bei Dr. Rüppell. Bei Hart- 
mann drei Giraffen, ein Strauss, mehre Affen. Am Nilufer 
unter Krähen Percnopt. und Vultur fulvus. 

21. Januar. Im Hause des englischen Consuls zwei aus- 
gewachsene Giraffen, ein Nilpferd, drei Pelikane (zwei P. 
crispus, ein onocrotalus). Das Nilpferd ist 2 Fuss hoch, säuft täglich 
72 Occa Milch; ist durchaus gutmüthig. Wir sahen dasselbe aus 
seinem Stalle durch den Hof nach einem Wasserbassin laufen, in 
welchem es sich mit sichtlichem Vergnügen langsam hin und her 
bewegte. Es bekommt eben Zähne. 

-22. Januar. H. v. Wrede führte uns durch die Kalifengräber 
nach dem „steinernen Walde." Auf dem Wege dahin Percnopt. und 
Vult. fulvus in Massen; ausserdem Alaiida isabellina und Saxic. leuco- 
melas. Von der Pyramide des Cheops herab, die wir bestiegen, 
schiesst A. einen F. peregrinoides, der unter uns hinschwebte. 

26. Januar. Abreise von Kairo. Zum ersten Male Cke- 
nalopex aegyptiacus, und zwar in Schaaren; Corvus umbrinus, Plat. 
leucorod., Cic. nigra und der unvermeidliche Ard. cinerea. 



376 

27. Januar. Chenal. aegypt. und Plat. leucorod. unter einander 
gemischt zu Tausenden. Prachtvoller Anblick! Erlegt ein Pterocles? 
Circus pallidus, zwei Alauda bifasciata, Saxic. stapazina, Milv. parasit. 
und ater scheinen seltener zu werden. 

29. Januar. Wir verlassen den Nil, um von Beni Suef 
aus mit neun Kamelen und vier Eseln zu Lande weiter zu 
reisen. Mit Sonnenaufgang begann unter furchtbarem Lärm der 
dabei beschäftigten Araber das Aufladen unseres Gepäcks; um 10 Uhr 
brachen wir endlich auf. Oedicn. crepit, Ard. russata und cinerea, 
AI. isabellina überall, Pluvianus melanocephalus. 

30. Januar. Fagum. In der Stadt sehr häufig Ceryle rudis, 
Upupa minor, Milv. ater und parasit, Columb. aegyptiaca fängt an 
sich zu begatten. 

31. Januar. Jagdexcursion in der Nähe von Fagum. Himan- 
topus, Ixos plebejus, Sturnus vulg., Cyanecula; Ceryle rudis höchst 
gemein. 

1. Febr. Morgens Jagdpartie. Aq. imperialis von O. mit Nr. 6. 
erlegt. Der prächtige Vogel hat nur eine leichte Muskelverletzung 
am rechten Flügel und befindet sich sehr wohl. 

2. Febr. In der Nähe der Stadt Himantop. und mehre Totanus. 
Weiter ab in der Wüste Oedicn. crepit., Cursor isabell, (ein Stück 
erlegt) Pterocles. An einem Teiche und den vielen das Terrain cou- 
pirenden Gräben verschiedene Enten, Cic. alba und nigra, Ard. 
egretta; ferner Ard. purpur., Rhynchaena variegata. Dicht vor der 
Stadt auf einer Mimose schlafend viele Nycticorax. 

3., 4. Febr. Ein Fieberanfall hielt mich zu Hause zurück. 

5. — 14. Febr. In Fagum. Langweilige Tage. Ard. russata, 
übernachtet in grossen Gesellschaften auf Mimosen, wie ich heute sah. 
Am 12. erhalten wir Briefe vom Baron v. Müller und 500 Thlr., und 
werden nun schnell nach Chartum aufbrechen. A. reist nach Kairo 
zurück, um die noch nöthigen Einkäufe für die Reise zu machen. 

15. Febr. Endlich geht es wieder vorwärts, nachdem das Aus-, 
Ein- und Aufpacken wieder schrecklich lange gedauert. Bei dem 
Dorfe Selil ist die Gegend, obwohl eben, doch ganz hübsch. Oliven 
wechseln mit Limonenpflanzungen und Dattelwäldern in noch nicht 
gesehener Ausdehnung. Die Palmen stehen gedrängter als sonst, 
und gleichen, im Gemisch mit den die Durchsicht hindernden Oli- 
venbäumen , unsern dichtem europäischen Waldungen gemischten 



377 

Bestandes. Noch vor Sonnenuntergang gelangen wir an den Ort 
unserer heutigen Bestimmung, das Dorf San hör, wo wir den 

16. wegen der Nähe des Sees Möris bleiben. Am See el 
Kam, eine Meile vom Dorfe, Cic. nigra zu 20 Stück, Ard. egretta 
und garzetta, Kormorane, Enten, Totanus- und Tringa- 
Arten, Scol. gallinula etc.; wegen der seichten, schlammigen Ufer 
die Jagd ohne Erfolg. Im Felde vier Pterocles guttatus erlegt. 
Percnopt. flügellahm geschossen. Ard. russata immer noch so häufig. 
Der geflügelte Percnopterus, noch im Jugendkleide, wurde ins Zimmer 
genommen, und zeigte sich sehr bald vertraut mit seiner neuen Um- 
gebung. Er geht ohne Scheu im Zimmer spazieren, lässt sich Kopf 
und Rücken streicheln und gebraucht weder Schnabel noch Fänge 
zur Vertheidigung. Auch setzte er sich bei seiner Gefangennehmung 
nicht zur Wehr. Unser alter Gefangener, Elan, melanopt, begleitet 
uns in einem kleinen Käfige aus Dattelholz. Er ist bald so zutraulich 
geworden, dass er mir die Sperlinge aus der Hand nimmt. Frei im 
Vorraum unseres Zimmers umhergehend, ging er nie zur offenen 
Thür hinaus, höchstens besuchte er uns zuweilen in unserm Zimmer. 
Er bedient sich, auch wenn er angefasst und in die Hand genommen 
wird, seiner scharfen Waffen nicht, und öffnet nur zuweilen drohend 
den Schnabel, aber ohne zu beissen. Er hat bisher nur kleinere 
frische Vögel, Sperlinge, Blaukehlchen etc. gefressen, und zieht diese 
den grössern vor, hat sich aber auch an diesen, selbst F. tinnunculus, 
parasit. etc. versucht, und bewältigte einen zu ihm gesperrten Hoplopt. 
spinosus schon am zweiten Tage sehr bald. Sein Gefieder hat er bis 
heute ganz rein erhalten. Beobachtet wurden heute noch: Corv. um- 
brinus (sehr scheu), cornix, M. parasit., viele weisse und gelbe 
Bachstelzen und Blaukehlchen, Phyllopneuste? und Hoplopt. 
spinosus. 

17. Febr. In der Absicht, heute nach dem See Möris zu gehen, 
bestiegen wir in aller Frühe unsere Wettrenner, und gelangten nach 
zwei Stunden zum See el Kar ah durch ein Stück Wüste, mit Erica 
bewachsen, woselbst Vult. fulvus, Cath. percnopt. und Milv. parasit. 
sehr häufig waren. Aus der Ferne schon zeigten sich, gleich Heu- 
schrecken, grosse dunkle Wolken von Vögeln, die sich in der Nähe 
als Pyrg. hispan. ergaben. Am See angelangt, bestiegen wir die 
Rücken der Araber und Hessen uns durch das seichte Wasser nach 
einer Fischerbarke tragen. Der Weg dahin war sehr beschwerlich 

Naumanina. 1855. 26 



378 

wegen des tiefen Einsinkens in den nachgebenden Boden. Wir fuhren 
nach einer Sandbank, machten aber eine schlechte Jagd, indem wir 
nur Stern, leucopareia und minuta erlegten. Gesehen wurden viele 
Enten, Ard. egretta und garzetta, Lar. ridibund. und andre Möven 
und Seeschwalben, Scharben, Pelikane, Totanus- und 
Tringa-Arten, Bud. melanoceph., Anth.ru/ogularis etc. — Alle sehr 
scheu und nicht schussrecht anzukommen. Uebrigens hatte uns Ali 
Aga in der Irre umhergeführt, da er den Weg zum See Möris nicht 
kannte, und wir mussten nach unserem Dorfe zurück. 

18. Febr. Centropus aegyptius in einem Dattel walde. Unser 
Haussperling bewohnt auch hier die Ortschaften, während 
P. hispan. den Feldsperling ersetzt. Alauda arvensis schaart sich 
zum Zuge nach Norden. Ixos peblejus. 

19. Febr. Mit Provision und Munition auf drei Tage aus- 
gerüstet, brachen wir auf fünf Eseln mit Sonnenaufgang auf, um die 
vorgestern verfehlte Excursion zum See Möris auszuführen. Ali 
Aga führte uns den vorgestrigen Weg zum See el Kar ah, wir be- 
stiegen wieder die Araber und das Boot und fuhren nach der Sand- 
insel, diesmal nur, um Fische einzunehmen, da die Jagd hier wie am 
Ufer wegen des hohen und dichten Gesträuches von Erica arborea, 
die, eben in der Blüthe stehend, 15 bis 20' Höhe erreicht, ebenso 
beschwerlich als unergiebig war. Unter den das Ufer und die Was- 
serfläche bedeckenden Vögeln, ausser den vorgestern bemerkten, noch 
Larus melanoceph. und Anas tadorna, nebst anderen Arten in grossen 
Schwärmen. Da wir das nächste Dorf nicht mehr erreichen konnten, 
übernachteten wir am Ufer des Sees. Am andern Morgen, als wir 
aufbrechen wollten, gestand Ali Aga, dass er den Weg zum See 
Möris nicht kenne, und da sich auch die Angaben der Araber wider- 
sprachen, kehrten wir nach Sanhor zurück, wo wir am 21. blieben, 
am 22. ritt ich nach Fagum zurück. Am 26. Abreise nach Beni 
Souef, wo wir, gegen Abend ankommend, auf unserer neuen Barke 
schliefen. Diese ist um vieles grösser und schöner als die beiden 
vorigen, und kostet trotzdem bis Assuan nur 1000 Piaster. Bis 
Wadi Haifa wollte sie der Besitzer aus Furcht vor den Catarakten 
nicht gehen lassen. Von vier erlegten Pterocles guttatus war eins 
geflügelt und lebend in den Käfig des El. melanopt. gethan worden, 
von dem es durch eine Scheidewand von Papier getrennt war. Trotz 
des Schaukeins auf dem Kameele und dieser allerdings nicht allzufesten 



379 

Scheidewand hatte der Räuber bei unserer Ankunft in Fagum seinen 
Mitgefangenen getödtet und Kopf und Hals bereits verzehrt. 

27. Febr. bis 4. März. Nilfahrt langsam; die Barke muss oft 
gezogen werden, welche Gelegenheit wir zu Streifereien am Ufer be- 
nutzten. Grosse Schaaren von Gänsen, Scharben und Löffel- 
reihern sitzen hin und wieder, letztere gleich Regimentern scheinbar 
in Reihe und Glied. Zuweilen Pluvianus aegyptiacus , Cypselus ? 
Unser Cathartes, der seiner Gemüthlichkeit wegen mir lieb gewor- 
den, fällt ins Wasser und wird vom Strom fortgerissen. Bis heute 
habe ich durchaus noch Nichts von der afrikanischen Hitze bemerkt, 
der heftige und kalte Wind lässt mich die Sonne suchen. (Die 
grossartige v. M. III. Expedition für Central -Afrika hat nicht einmal 
ein Thermometer, und was noch schlimmer, auch keine Nil-Karte, 
und wir müssen uns mit Fragen durchhelfen!) Der schwache Wind 
am 4. März erlaubt uns ans Ufer zu gehen. Saxic. leucomelas, Pyrrli. 
githaginea, Cotyle riparia, Anth. campestris erlegt. Sonst Conus 
umbrinus, Cath. percn., Pelec. crispus. Ungefähr eine Meile vor 
Manfalut werden die Felsen, welche seit einigen Tagen am rechten 
Ufer hinlaufen, steiler und rücken hart ans Strombett. 

5. März. Wir stiegen am rechten Ufer aus, berührten herrliche, 
dichte Mimosenwäldchen, in deren einem mehre Coccystes glandarius 
und sieben Merops viridis erlegt wurden. Leider schoss ich einem 
der erstem das reife Ei im Legekanal entzwei. Dies ist von der 
Grösse dessen vom Cuc. canorus, klein im Verhältniss zum 
Vogel; auf schmutzig hellgrünem Grunde stehen dunkel- 
röthbraune kleine Flecken nach Art derer von Fring. do- 
mestica (s. Naumannia 1853. p. 423). Ausserdem erlegt: Circ. rufus, 
cyaneus, Elan, melanopt., Charadr. minor, Pyrrli. githag., Caprim. isa- 
bell inns?, Pluv. aegypt., Corvus cur nix brütet! Gesehen: Cathart. 
percn., Vult. fidvus, Aquila?, F. peregrinus, Alaxida crist., Anih. cam- 
pestris, Strix fiammea, Ans. aegypt., Ketten von Pterocles guttatus, 
- M. parasit. immer noch häufig. Die Felsen, welche wir gestern ver- 
liessen , sind sicher die Brutplätze vieler Vögel. Cath. percn., F. pe- 
regrinus, M. parasit. etc. umschwärmen dieselben paarweise und setzen 
sich häufig vor und in die Oeffnungen und Höhlen derselben. Nach 
Sonnenuntergang legen wir bei der Stadt Siut an. 

7. März. Ufer flach, nur in der Ferne, links und 

rechts, Bergketten; zwei Aq. naevia auf einer Sandbank. Ali Aga 

2(5* 



380 

wiederholt sein altes Manoeuvre und fängt Fellah's. Er nimmt sie 
ohne Rücksicht von ihrer Arbeit auf dem Felde weg, bittet sie sehr 
höflich, die Barke zu ziehen und .prügelt sie, sobald sie sich wider- 
setzen, wesshalb sie gewöhnlich das erstere vorziehen. Häufig fliehen 
sie aber bei seinem Anblicke schon davon, er schneidet ihnen dann 
den Weg ab, nimmt ihnen auch, wie es heute vorkam, die Esel weg, 
um sie zu zwingen. Auf meine Vorstellungen über sein barbarisches 
Verfahren behauptet er, es sei die einzige Möglichkeit zum Ziele zu 
kommen. 

8. März. Felsige Ufer mit Katakomben. Eine Excursion 
am rechten Ufer: Pyrrh. githag. sehr häufig; ebenso Mer. viridis, Hir. 
cahirica, Petroc. cyaneus, Lan. personatus, Cyanecula, Phyllopn., Cur- 
ruca. Später am Ufer kleine Gesellschaften von Vult.fulvus, Aquilaf, 
Schaaren von Cormor., Platalea, Ard. cinerea. Pelikane in kleinen 
Gesellschaften. Oedicn. crepit., Coturnix communis. Pluvianus aegypt. 
wird sehr häufig. Eine kleine Eule, heller gefärbt als die am 
13. Januar erlegten. 

(Fortsetzung folgt.) 



Nr; 30. 



lieber die Lebensweise der Vögel Nordamerikas, welche 
im Staate Georgia vorkommen. 

Von 

Alexander Gerhardt. 



Aufgefordert, für gegenwärtige Zeitschrift meine Beobachtungen 
über die Lebensweise der hiesigen Vögel einzusenden, wageich 
es hiermit, dasjenige, was ich eigentlich zu meinem eigenen Gebrauche 
aufzeichnete , der nachsichtigen Kritik der grossen Ornithologen- 
Deutschlands vorzulegen. 

Jeder, der sich nur einigermassen mit derartigen Beobachtungen 
beschäftigt hat, kennt die mannichfaltigen Schwierigkeiten, mit denen 
man zu kämpfen hat, da Jahre dazu gehören, um eine erschöpfende 
Beschreibung der Lebensweise etc. einer einzigen Art geben zu 
können. In einem fremden Welttheile sind die Schwierigkeiten noch 



381 

grösser, da man erst nach und nach in dem Chaos von Locktönen und 
Gesängen sich zurechtfinden lernt. 

Eine genaue Kenntniss der Lebensweise der europäischen Vögel 
in ihrem ganzen Umfang, so wie ein geübtes Ohr, sind die unent- 
behrlichsten Eigenschaften für den Beobachter; nur mit diesen aus- 
gerüstet wird es möglich, Locktöne und Gesänge zu unterscheiden 
und dem Gedächtnisse einzuprägen. 

Hat man endlich sowohl von Stand- als Zugvögeln Lebensweise, 
Locktöne und Gesänge studirt, so fehlt noch immer die Kenntniss 
der Fortpflanzung, und diese ist gerade hier der schwierigste Theil 
der Beobachtung, da viele kleine Vögel theils sehr versteckt in den 
höchsten Zweigen der Bäume, theils in den Höhlen derselben nisten. 
Hat man ja endlich auf schwankenden Aesten das Nest eines kleinen 
Vogels entdeckt, so fehlt es gewöhnlich an Kletterern, da die Leute 
von Kindheit auf mit diesem Theile der Gymnastik sich wenig ab- 
geben; wollen sie irgend Etwas von einem Baume herabholen, so 
fällen sie ihn. Auf diese Art musste auch ich mir bisweilen helfen, 
wollte ich Nestbau und Eier kennen lernen, z. B. von Sitta melano- 
cephala. Bisweilen war eins der im Neste liegenden Eier noch 
unversehrt, und so erlangte ich Eier von Colaptes auratus und an- 
deren Arten. 

Alle hier niedergeschriebenen Beobachtungen sind die Früchte 
meines eigenen Forschens, da man Anderen durchaus nicht den gering- 
sten Glauben beimessen kann ; ja, man darf im Anfang seinen eigenen 
Augen und Ohren kaum trauen, und kann erst nach und nach durch 
fortgesetzte Vergleichungen zu einem sichern Resultate kommen. 

Am nothwendigsten ist das ' Selbstbeobachten bei Nestern 
und Eiern, da die Amerikaner für die meisten kleinen Vögel nur 
den gemeinschaftlichen Namen sparrow, Sperling, haben und bei 
Weitem die Arten nicht so unterscheiden, wie unsere deutschen 
Bauern, welche für die meisten Vögel einen Namen kennen. Aus 
diesem Grunde ist auch meine Eiersammlung nicht gross, und ver- 
hindert mich, die vollständige Beschreibung von mehren Species zu 
geben, was ich sonst sehr wohl vermöchte, wenn mir eben Nester und 
Eier sicher bekannt wären. 

Noch muss ich bemerken, dass die folgenden Beobachtungen im 
Norden von Georgien gemacht worden sind, was zumal bei Ankunft 
und Abgang der Zugvögel von Wichtigkeit ist, da z. B. viele Vögel 



382 

hier oben Zug- im Süden von Georgien Standvögel sind, und einige 
Wochen früher bei Savannah singen und gewiss auch um so viel eher 
dort zu brüten anfangen, so wie endlich, dass ich, ohne alle literarische 
Hülfsmittel , namentlich die Beobachtungen Audubon's mit den mei- 
nigen nicht vergleichen kann, und desshalb vielleicht Bekanntes wieder- 
hole. Dies mag indess dann als keineswegs überflüssige Bestätigung 
seiner betreffenden Beobachtungen, so wie derer der andern nord- 
amerikanischen Ornithologen dienen. Das Feld der Sittengeschichte 
der Vögel Amerikas ist ein sehr schwieriges und noch lange nicht 
erschöpftes ! 

Ich gebe die einzelnen Beschreibungen in der Ordnung, wie ich 
sie mir notirt habe, schicke aber das Verzeichniss der Vögel Geor- 
gias nach White voraus. 



Carthartes aura. 

,, atratus. 

Buteo borealis. 

,, lineatus. 

,, pcnnsylvanicus. 
Aquila fulva *) (nicht im 

Verz, v. White). 
Halia'etos leucocephalus. 
Pa?idion halia'etos. 
Elanus dispar. 
Ictinia plumbea. 
Nauclerus furcatus. 
Falco peregrinus. 

,, columbarius. 

,, sparverius. 
Astur Cooperi. 

,, fuscas. 
Circns cyanexts. 
Surnia nyctea. 
Strix americana. 
Syrnium nebulosum. 
Otus sylvestris. 

,, brachyotus. 
Bubo virginianus. 
Caprimulgus virginianus. 
,, carolincnsis. 



Caprimulgus vociferus. 
Chaetura pelasgia. 
Hirundo purpurea. 
,, bicolor. 
,, fulva. 
,, rustica. 
,, riparia (obgleich 
mit rip. v. Europ.?) 
„ serripennis. 
Muscicapa dominicensis . 
tyrannus. 
crinita. 
Cooperi. 
acadica. 
fusca. 
virens. 
ruticilla 
Culicivora coerulea. 
Myiodioctes mitralus. 
,, formosus. 

Sylvicola coronata. 
,, striata. 

,, pensilis. 

,, icterocephala. 

,, pinus. 

,, virens. 



Sylvicola coerulea. 

Blackburniae . 
aestiva. 
petechi. 
americana. 
canadensis. 
maculosa, 
discolor. 
Trichas marylandica. 
Helinaia Swainsonii. 
,, vermivora. 

,, protonotarius. 

,, chrysoptera. 

,, Bachmannii. 

,, solitaria. 

,, celata. 

Mniotilta varia. 
Cert/na americana. 
Troglodytes ludovicianys. 
,, Bewickii. 

,, americanus. 

,, aedon. 

,, hiemalis. 

„ palustris. 

,, brevirostris. 

l'arus bicolor. 



*) Von mir zweimal im nahen Ost-Tennessee erlegt, wo jeden Winter etliche erlegt 
werden , hier in Georgia ebenfalls im Winter. G. 



383 



Parva canadensis. 
Regulus satrapa. 

,, Calendula. 
Stalin Wilsonii. 
Orpheus polyglottes 

,, infus. 

„ carohnensis (geh. 
nicht hieher, sondern zu 
Curruca.) 
Turdus migratorius. 

,, mustelinus. 

,, Wilsonii. 

,, solitarius. 
Antlius coronatus. 

„ • noveboracensis. 

,, ludovicianus. 
Emberiza americana. 

,, gramine a. 

,, Savanna. 

,, passerina. 

,, Henslowi. 

,, pusilla. 

,, socialis. 

Niplica hiemalis. 
Spiza Ciris. 

,, cyanea. 
Ammordamus maritimus. 
,, Macgillivrayi. 

,, palustris. 

Pencaea Bachmannii. 
Spinus pinus. 
Carduelis tristis. 
Fringilla iliaca. 

,, melodia. 

,, pennsylvanica. 

,, leueophrys. 
Pipila crylhrophtlialmos. 
Erythrospixa purpinea. 
Loccia curvirostra ? 
Pitytus cardinalis. 
Coccoborus coeruleus. 

,, ludovicianus. 

Pi/ranya aestiva. 

,, rubra. 



Dolichonyx oryzivora. 
Molothrus pecoris. 
Agelaius phoeniceus. 
Icterus Baltimore. 
,, spurius. 
,, vulgaris. 
Quiscala major. 
,, versicolor. 
,, l'erruyineus. 
Sturnella ludoviciana. 
Corvus littoralis. 
,, americanus. 
,, ossifragus. 
Garrulus cristatus. 
Lanius ludovicianus. 
Vireo flavifrons. 
,, solitarius. 
,, noveboracensis. 
,, olivaceus. 
Icteria dumicola. 
Bombycilla americana. 
Sitta carolinensis . 
,, canadensis. , 
,, pusilla. 
Trochilus colubris. 
Alcedo Alcyon. 
Picus principalis. 
,, pileatus. 
,, villosus. 
,, pubescent. 
,, leucotis. 
,, varius 
,, carolinus. 
,, erythrocephalus. 
,, auratus. 
,, Le Conlri. 
Cuculus americanus. 

„ erythropht/ialmos. 
t'cnlurus carolinensis. 
Columba passerina. 
,, carolinensis. 
,, migratoria. 
Meleagris gallopavo. 
Ortyx virginianus. 



Tetrao jimbellus. 
Gallinula martinica. 
,, chloropus. 
Fulica americana. 
Rallus elegans. 

,, crepitans. 

,, virginianus. 
Grus americana. 
Charadrius helveticus. 
man?wratus. 
vociferus. 
Wilsonius. 
semipalmatus. 
melodus. 
Strepsilas interpres. 
Haematopus palliatus. 
Tringa Bartramia. 

,, islandica. 

,, pectoralis. 

,, alpina. 

,, subarquata. 

,, himantopus. 

,, Schinzii. , 

,, semipalmata. 

,, pusilla. 

,, arenaria. 
Totanus macularius. 

„ solitarius. 

,, flavipes. 

,, semipalmatus. 
Limos a fedoa. 

,, hudsonica. 
Scolopax minor. 

,, noveboracensis. 

,, Wilsonii. 

Recurvirostra americana. 
Himantopus nigricollis. 
Numenius longirostris. 

,, hudsonicus. 

„ borealis 

Ibis alba. 
Tantalus loculator. 
Platalea ajaja. 
Ardea nycticorax. 



384 



Ardea violacea. 

lentiginosa. 
exilis. 
virescens. 
herodias. 
egretta. 
coerulea. 
ludoviciana. 
candidissima. 
Phoenicopt. ruber. 
Anser canadensis. 
,, albifrons. 
,, hyperboreus. 
Cygnus Buccinator. 
,, americanus. 
Anas boschas. 
obscura. 
strepera. 
americana. 
acuta, 
sponsa 



Anas carolinensis. 
,, discors. 
,, clypeata. 
Fuligula ferina. 

,, valisneriana. 

,, marila. 

,, mariloides. 

,, rußtorques. 

,., rubida. 

,, fusca. 

,, americana. 

,, clangula. 

,, albeola. 

,, glacialis. 
Mergus serrator. 

,, cucullalus. 
Phalacrocorax floridanus. 
Plotus anhinga. 
Pelecanus americanus. *} 
Tachypetes aquilus. 
,, fuscus. 



Sula bassana. 

,, fusca. 
Rhynchops nigra. 
Sterna cayana. 

,, anglica. 

,, hirundo. 

,, nigra. 

,, minuta. 

Larus Bonapartii. 

,, atricilla. 

,, argentatus. 

,, marinus. 

Puffinus cinereus. 

,, obscurus. 
Thalassidroma Wilsonii. 
Colymbus glacialis. 

,, arcticus. 

,, septentrionalis. 

Podiceps cristatus. 

,, cornulus. 

,, carolinensis. 



Die eigentlichen Würger werden hier nur durch eine Art, 
den Lantus ludovicianus vertreten, der aber nur in den sandigen 
Gegenden des Südens vorkommt; ich traf ihn in Florida an, wo er 
gleich den deutschen auf Bäumen und Sträuchern und zwar auf den 
höchsten Spitzen derselben sitzt, wie jene ein krächzendes Geschrei 
ausstösst und seitlich mit dem Schwänze wippt. Insecten, vorzüglich 
Reste von Orthopteren fand ich in seinem Magen. Mehr konnte ich 
während meines Aufenhaltes nicht über seine Lebensweise beobachten, 
da ich noch vor der Brutzeit abreiste. 

Den Würgern nahe verwandte Vögel sind jedoch hier ar- 
tenreicher, unter ihnen seht obenan: 

Icteria dumicola. 

Er erscheint in der letzten Hälfte des April und wählt zu seinem 
Aufenthalte freie Plätze, welche mit Brombeergestrüpp und Strauch- 
werk besetzt sind. An solchen Lieblingsplätzen leidet er durchaus 
keinen Mangel, da der gewöhnliche Amerikaner sein Land in der Regel so 



*) Eine viel grossere weisse Art traf ich an der Käste von Georgia, nie mit Pel. 
fuscus vermischt. 



385 

lange bebaut, bis es auch nicht den geringsten Ertrag mehr gibt. Lässt 
er nun ein so unpraktisch bearbeitetes Stück Feld liegen, so überzieht 
sich in ein paar Jahren dasselbe mit Gestrüpp und bildet häufig un- 
durchdringliche Dickichte. Hier wählt dieser Würger einzelne Bäume 
aus und macht von den Gipfeln aus Jagd auf Insecten. Im Sommer 
findet er in den Brombeeren eine seiner Lieblingsspeisen. Eine eigene 
Erscheinung , bietet sein Flug, indem er beim Emporschwingen auf 
erhühete Gegenstände oder beim Abfliegen von solchen die Flügel so 
hoch hebt, dass sich die Spitzen der Schwingen oben über dem Rücken 
fast berühren, eine Manier, welche sich nur bei manchen Seevögeln 
wiederfindet. Im Gebüsch versteckt, verräth er sich am ersten durch 
sein Geschrei, welches, wie sein höchst unbedeutender Gesang, 
aus tiefen, bisweilen fast krähenartigen Tönen besteht und dem 
Tone nach einen viel grösseren Vogel vermuthen Hesse. Häufig lockt 
er auch wie Pipila en/throphthalmos. Jedes Pärchen behauptet seinen 
nicht sehr grossen Bezirk, in dem es kein anderes Paar duldet. Er- 
schreckt flüchtet er eilig in das dichteste Gestrüpp, wo er auch, nie- 
drig am Boden, sein Nest zwischen Stengeln, jedoch nicht wie Rohr- 
sänger, einwebt, sondern einklemmt. Dasselbe ist 6'' hoch, 4" breit, 
der Napf 2 1 / 2 " tief und ist aus trockenen Halmen gebaut, innen mit 
gelbbraunen dünnen Halmen ausgelegt, aussen mit trocknen Blättern 
umschlossen. Es enthält Mitte Mai gewöhnlich vier röthlichweisse, 
mit rostrothen Flecken, Punkten und Strich eichen besetzte Eier; am 
obern Ende ist meistens noch ein schöner Kranz, der häufig noch mit 
aschgrauen Fleckchen geziert ist; die Länge beträgt 8'", die Breite 
6"'. Sie gleichen sehr den Eiern der Sitta europaea. 

Das •Weibchen legte geschickt die Pferdehaarschlingen bei Seite, 
mit denen ich es auf dem Neste fangen wollte. Gegen Ende Juni 
trifft man die ausgeflogenen Jungen an, die meistens mit Brombeeren 
gefüttert werden. Mit anderen Vögeln verträgt er sich ziemlich gut. 
Im September geht er von hier fort. 

Ein anderes, in Europa nicht vertretenes Subgenus der Würger 
bilden die zu Vireo, Vieillot gehörigen Vögel, von denen zwei Arten 
hier zu den gemeinsten Vögeln gehören. 

Vireo olivaceus. 

Der grösste derselben und derjenige, welcher sich am meisten 
den Sylvien in Hinsicht seines gestreckten Schnabels und der langen 



386 

Flügel nähert, erscheint schon um den 8. April, von wo ab er sich 
durch sein Flattern in den Baumkronen und Haschen nach Insecten so 
den wie durch häufig ausgestossenen Lockton, welcher wie „hiu, hui" 
klingt, bemerklich macht; häufig wiederholt und noch mit „hii" unter- 
mischt, bildet dieser Lockton den Gesang. Durch die Gewohnheit, 
die Kopffedern zu sträuben, und, kommt man seinen Jungen zu nahe, . 
kläglich zu schreien, so wie durch sein künstliches Nest erinnert er 
an Ficedula liypolais. Nach Art der Laubsänger hält er sich meistens 
in den Baumkronen auf, hängt sein Nest an Gabeln der Baumäste, 
vorzüglich der Buchen, seltner in Büschen auf; es ist 3' im Durch- 
messer, 4" hoch, auch niedriger, mit festen Wänden, und besteht aus 
breiten Baststückchen und eingewebten, papierartigen Stückchen eines 
Wespennests (welche so wenig, wie am Neste der Ficedula hypolais 
die weisse dünne Birkenrinde, fehlen); innen legt er es mit Kiefernnadeln 
aus. Es enthält gegen den 18. Mai 3 — 4 Eier, welche 9"' lang, 6'" 
breit sind; die Farbe ist weiss, mit vielen Punkten von der Farbe 
geronnenen Blutes, zumal oben, besprenkelt. Im Herbst frisst er die 
Beeren der Mistel und anderer Gewächse, auch der Corneliuskirsche 
(dogwood). Gegen andere Vögel erweist er sich zänkisch. Erst 
Mitte October geht er südlicher. Die bei Alten lichtrothbraune Iris 
ist bei Jungen nussbraun. 

Die zweite kleinere und gedrungenere Art: 

Vireo noveboracensis 

zeichnet sich sogleich durch ihre weissen, mit grosser Pupille ver- 
sehenen Augen aus. Sie kommt schon Ende März an und wählt vorzüg- 
lich Flussufer zum Wohnsitze. Hier hängt sie auch an Büschen ihr 
Nest in einer Gabel auf, gemeinlich nur 4 — 5' vom Erdboden ent- 
fernt, es misst 3y 2 " Höhe, 3" Breite, der Napf 2" tief; es ist aus 
Moos, Bast, faulen Holzstückchen, Fasern und Spinnegewebe zusammen- 
gefilzt, innen mit grobem Bast durchflochten, der Napf selbst mit 
Hälmchen ausgelegt; unten ist es gemeinlich zugespitzt. Manche 
Pärchen fangen sehr zeitig an zu bauen; so fand ich am 14. Mai ein 
Nest mit drei fast flüggen Jungen und ein anderes mit zwei frischen 
Eiern, gemeinlich aber scheint er in den ersten Tagen des Mai Eier 
zu haben, da andere Nester den 25. Mai Junge enthielten, welche 
bald darauf ausflogen. Die Eier etwas kleiner und schmäler — 8'" 
lang, 6"' breit, — als die der vorhergehenden Art, sind weiss mit 



387 

überaus feinen schwarzen Pünktchen meistens sparsam bestreut. 
Seine Brut bewacht er sehr sorgfältig und kommt dem sich ihr Na- 
henden mit unaufhörlichem „tschiäh" oder „tschäh," häufig und 
geschwind augestossen, entgegen und verfolgt ihn ansehnliche Strecken 
weit. Sein Lockruf ist „titituitu", auch ist dies der Hauptbestand- 
teil seines Gesanges, der aber doch nicht werth ist, dass man 
dem Vogel den Namen V. musicus gab. Anfang Februar sang er 
schon in Florida. Ende September ist er noch anzutreffen. 

Muscicapa olivacea, Wilson. 

Stand- und Strichvogel der hiesigen Gegend, ist er gegen die 
öfters strenge Kälte nicht sehr empfindlich, da er, mag der Schnee 
auch noch so hoch liegen, in den Saamen des Sumach ein Futter 
besitzt, zu welchem er jederzeit gelangen kann. Ist es auch bisweilen 
acht Tage nach einander sehr kalt, so tritt doch bald wieder gelindes 
Wetter ein, und mit ihm schwärmen die Insecten wieder, welche er 
erhascht. In gelinden "Wintern singt er schon Ende Janua^ Sein 
Lockton ist ein melancholisches „tüih, tüih". Am 18. März baute 
das Weibchen, allein, an den Balken eines Stalles sein Nest nach 
Art der Cecropis rustica aus Erde, Moos, innen Bast, es war 7" breit, 
4y 2 " hoch, 4" tief, aussen mit Moos bekleidet. Jede Lage, von 
frischer Erde aufgeführt, Hess es erst ein paar Tage trocknen, ehe 
es zu bauen fortfuhr; den 31. März legte es das erste, den 4. April 
das fünfte Ei; diese sind schneeweiss und haben Grösse und Gestalt 
derer von Ruticilla atra, bisweilen sind sie fein roth punktirt. Wo 
er nicht gestört wird brütet er mehrere Jahre in ein und demselben 
Neste. So fand ich ein Pärchen, welches den 24. April 1853 flügge 
Junge und in demselben Neste den 29. Mai wieder fünf frische Eier 
hatte. Wird so ein Nest im Laufe des Jahres zerstört, so bauen 
sie im nächsten Frühjahr dicht nebenan; erwähntes Paar baute seit 4 
Jahren an ein und demselben Balken; die Erde, welche es dazu ver- 
wendete, war aber zu sandig, so dass das Nest immer wieder abfiel. 

An Flussufern, wo er sich ebenfalls gern aufhält, wählt er gern 
Felsenvorsprünge, welche aber von oben durch Ueberhänge geschützt 
sein müssen, zum Nestplatze. Hier begnügt er sich nur die Unter- 
lage mit Lehm anzukleben, und schichtet die übrigen Materialien, 
Bast, Moos, bisweilen auch Federn, nur lose übereinander; ein sol- 
cher Bau gleicht dann manchen Nestern des Rothkehlchens. Auf 



388 

meiner Reise durch Pennsylvanien hierher fand ich im Juni öfters zwei 
brütende Weibchen kaum ein Paar Fuss weit von einander entfernt, 
ein Beweis, dass dieser Fliegenfänger verträglicher ist, als Butalis 
grisola, den er übrigens hier zu vertreten scheint. Mit ihm hat er 
auch dieselbe Lebensart, sitzt traurig auf einem Zweige, bewegt bis- 
weilen den Schwanz, stösst seinen melancholischen Lockruf aus und 
wird nur dann aus seiner Ruhe gestört, wenn sich ein Insect zeigt, 
auf das er sich alsbald in die Luft stürzt, es unfehlbar erhascht und 
auf dem vorigen Ruheplatze, gemeinlich einem dürren Aste, verzehrt. 
Er ist einer von den wenigen Vögeln, welche hier unter einem Dache 
mit den Menschen wohnen, der aber dennoch oftmals verfolgt wird, 
da er den Bienen nachstellt. 

9 Turdus polyglottus. 

Im Süden Stand- hier aber Zugvogel, kommt diese so sehr ge- 
priesene Drossel Mitte April an. Von Natur unverträglich, verfolgt 
sie vi£ stärkere Vögel 'als sie selbst ist, so z. B. Picus carolinensis, 
ja sogar Qarrulus cristatus mit grossem Geschrei. Einzeln stehende 
Bäume, Wetterfahnen und andere erhöhte Gegenstände wählt sie zu 
ihrem Lieblingsaufenthalt und bewacht diese Plätze mit grosser Eifer- 
sucht, bereit, augenblicklich jeden Eindringling zu vertreiben. Am 
29. Juni beobachtete ich ein Männchen, welches in unsere Nachbar- 
barschaft gekommen war, obgleich "erst zwei Meilen von hier das 
nächste Pärchen nistete. Wie gewöhnlich bildete der Lockton und 
Gesang des Troglodytes ludovicianus fast den vierten Theil seines Ge- 
sanges. Es begann mit dem Gesänge des erwähnten Vogels, ging in 
den Lockruf der Hirundo purpurea über, schrie plötzlich wie der 
Cerchneis sparverius, flog dann von dem dürren Aste, auf welchem es 
bisher gesessen hatte und ahmte während des Fluges den Lockruf 
von Parus bicolor und Turdus migratorius nach. Auf einer Fenz, auf 
die sie sich gesetzt hatte, lief sie mit hängenden Flügeln und empor- 
gehobenem Schwänze und sang dabei wie Muscicapa virens, Icterus 
spurius, Tanagra rubra, lockte wie Sitta melanocephala , flog in ein 
Brombeergebüsch und zupfte da ein paar Beeren ab, und lockte gleich 
darauf wie Colaptes auratus, rief wie Ortyx virginianus und stiess dar- 
auf mit grossem • Geschrei nach einer Katze, welche am Fusse eines 
Baumstummels herumschlich; als dieselbe die Flucht ergriffen hatte, 
schwang sie sich unter Gesang auf jenen abgebrochenen Baum und 






389 

begann ihr Lied von Neuem. Ihr Nest, welches im Süden auf im- 
mergrünen Eichen, hier auf Waldbäumen angelegt wird, ist sehr fest 
aus groben Reisern gebaut, der Napf wird mit feinen Wurzeln aus- 
gelegt. Ich fand ein solches am 13. Mai; es stand 5' hoch in einem 
Apfelbaume, war 9" breit, 5 l / 2 " hoch; der Napf, 4" weit und 2" tief, 
enthielt vier frische Eier, welche 11" lang, 9'" breit, von Farbe 
blaugrau, mit grossen rostbraunen und violetten Flecken über und 
über bedeckt waren. Fliegende und kriechende Insecten aller Art, 
Würmer, Nacktschnecken und Beeren bilden im Sommer und Herbst 
ihr Futter, an dem sie auch an den Orten, wo. sie überwintert, keinen 
Mangel leidet. Im October verlässt sie Nord -Georgia. 

Turdus rufus. 

Sie bleibt in gelinden Wintern einzeln da, und nährt sich dann 
an dichtverwachsenen Rändern der Quellen und Bäche von vertrock- 
neten Beeren und am Boden unter Moos und Laub verborgenen In- 
secten und deren Larven. Anfang oder Mitte März, wo die fortge- 
zogenen wieder ankommen, lassen die Männchen von einer Baum- 
spitze herab ihren herrlichen Gesang hören. Unter allen Vögeln in 
Gebirgswäldern, wo T. polyglottus zu den Seltenheiten gehört, ist sie 
der beste Sänger, indem ihr Gesang in vielen Strophen an Turdus 
musicus, ja an Luscinia vera erinnert. Lockstimmen anderer Vögel, 
z. B. der Purpurschwalbe und der Tcteria dumicola mischt sie häufig 
in denselben mit ein. Wenn in der Nähe einer ländlichen Wohnung 
ein Pärchen dieser Vögel sich eingefunden hat, so wählen sie ein 
dichtverwachsenes Brombeergestrüpp, alte Reisholzhaufen oder einen 
niedrigen, von wildem Wein umsponnenen Baum, der in einer Höhe 
von 6 — 8' Aeste hat, und beginnen eifrig in den letzten Tagen des 
März eine Menge grober Reise, Wurzeln und Fasern aufzuschichten, 
welche innen mit Lehm verbunden werden; aussen werden auch dürre 
Blätter mit verwendet; der 2 l / 2 " tiefe Napf wird mit feinen Wurzeln 
ausgelegt, die ganze Länge ist 8" Durchmesser bei 4" Höhe. 
Während des Bauens läuft das Männchen auf dem Reishaufen, oder 
der Einfriedigung des Gartens oder Feldes mit schnellen und kurzen 
Schritten singend hin und her, lässt die Flügel hängen und hebt den 
langen, abgestuften Schwanz empor, oder es trägt selbst Nestmateria- 
lien mit herbei und baut unter Gesang. Gegen den 11. April findet 
man in dem Neste 3—4 Eier, welche 10"' lang, 7" breit sind. Die 



390 

Grundfarbe ist ein Graugrün mit rothbraunen feinen Strichelchen und 
Pünktchen überall bedeckt; die meisten Eier trifft man jedoch Anfang 
Mai, doch sah ich auch schon in einem Neste den o. Mai schwarz- 
kielige, sehende Junge. Im Jnni findet man die Eier der zweiten 
Brut. Selten wird man diese Drossel im dichten Holze antreffen, sie 
hält sich stets mehr an Waldrändern, wo sie vorzüglich gern Brom- 
beeren, Maulbeeren, wilde Kirschen und andere saftige Früchte auf- 
sucht ; im October frisst sie auch die Beeren des schwarzen Gummi- 
baumes und der Corneliuskirsche. Wenn man ihrem Neste zu nahe 
kommt, so umschwärmen alsbald die Alten den Ruhestörer mit lautem 
tiefem „zipp" und langgezogenem „tui", und verfolgen denselben 
in weite Ferne. An der Erde scharrt sie mit ihren langen Füssen, 
die mit starken Zehen und Nägeln versehen sind, unter Blättern, 
nach Hühnerart mit lautem Geräusch, hüpft in schnellen Sprüngen 
und schlüpft mit überaus grosser Behendigkeit zwischen Gestrüpp hin ; 
trotz des langen Schwanzes und der kurzen Flügel ist ihr Flug sehr 
schnell. 

In der Angst gibt sie einen knurrenden Ton von sich. Oftmals 
hört man noch im Herbst ihren herrlichen Gesang; aber nicht so laut 
als im Frühling. Mitte oder Ende October gehen die uns verlassen- 
den Individuen fort. 

Turdus migratorius. 

Sie ist eine eigentliche Walddrossel und entspricht in ihrem Be- 
tragen vielfach der Turdus pilaris. Ende Januar kommt sie in Zügen 
von hundert und mehr Stücken zurück, häufig mit Sylvia sialis unter- 
mischt, und fällt begierig über den Saamen des Sumach her. Da, 
wo diese Büsche häufig stehen, würde man auf einem wohleingerich- 
teten Drosselheerde grosse Mengen fangen können, da sie eine von 
denjenigen Drosseln ist, die am Tage und in grossen Flügen ziehen. Bis 
jetzt is^ aber noch nichts in der Art des Vogelfanges gethan, und 
wer weiss, ob in den ganzen vereinigten Staaten ein einziger Vogel- 
heerd besteht, von denen es doch in Europa, und namentlich in 
Deutschland,*) mehr gibt, als wünschenswerth ist. Nur wenige dieser 
Drosseln bleiben im Winter zurück. In den ersten Tagen des April 
beginnt sie den Nestbau, so dass man schon Mitte dies Monats brütende 



*) Jetzt doch auch nicht mehr. D. Herausg. 



391 

Weibchen antrifft. Das Nest wird in abgebrochenen Baumstummeln, 
auf Nadelbäumen, Pfirsichen und Eichen angelegt, in einer Höhe 
von 8 — 60 und 70', gemeinlich aber auf einem wagerechten Aste 
ziemlich weit vom Stamme entfernt. Es ist 7" lang, 5" breit, der 
Napf S 1 /.}" weit, 2'' tief, so dass so leicht die Jungen oder Eier nicht 
herausfallen können. Die grösste Aehnlichkeit hat dieser Bau mit 
einem Amselneste, indem er aus groben Halmen mit nasser Erde 
vermischt aufgeführt wird; innen liegt trocknes Gras. Während des 
Baues setzt das Weibchen öfters aus, um den Bau trocknen zu lassen. 
Das Männchen begleitet regelmässig die Genossin und hilft ihr beim 
Auflesen' der Materialien. Ein Pärchen, welches den 9. April auf 
einer kleinen Kiefer baute, verliess nach einigen Tagen das Werk 
und fing nach 8 Tagen auf einem niedrigeren Aste ein neues Nest 
an ; auch dieses ward nach kurzer Zeit verlassen und eine Rüster in 
kurzer Entfernung vom früheren Nestplatze ausgewählt; hier begann 
es den 1. Mai überaus emsig ein drittes Nest zu fertigen, aber auch 
dies wurde, nachdem es völlig ausgebaut war-, verlassen. Die vier 
Eier sind einfach blaugrün, 14'" lang, 10"' breit, am stumpfen Ende 
mit tiefen Poren versehen. Die Alten kommen dem Besucher des 
Nestes mit wüthendem Geschrei entgegen, und vertreiben sogar Häher 
und kleine Thurmfalken aus dessen Nähe. Schon auf dem Zuge, 
wenn der Hunger gestillt ist, lassen einzelne Männchen ihren Gesang 
hören; obgleich derselbe nicht im Geringsten melodisch und schön 
ist, da er dem der Tanagra rubra gleicht, so hört man ihm doch 
den Drosselgesang an; bis spät in die Nacht, wenn Alles schweigt, 
ertönt er noch von einer Baumspitze herab. Häufig werden dabei 
die Flügel geschlagen und der Schwanz ausgebreitet, auch das sonst 
nur in Angst und Furcht ausgestossene „tuck, tuck, tuck, tieh, 
tuck, tuck u der Turdus merula daruntergemischt , deren gewöhn- 
lichen Lockton sie auch besitzt. An der Erde läuft sie in kur- 
zen Schritten, hält oft inne, richtet sich empor und wippt mit dem 
Schwänze. Insecten und Würmer, Beeren und saftige Früchte bilden 
ihre Nahrung. Im October, wo sie einzeln zu ziehen anfängt, hört 
man noch öfters bis gegen den 18. hin ihren Gesang; die eigentliche 
Zugzeit ist im November, so dass Ende desselben nur noch einzelne 
Züge angetroffen werden. 



392 

Turdus mustelinus. 
Diese Drossel, welche in der Hauptfärbung und Lebensweise der 
Turdus musicus am nächsten kommt, ist hier überaus häufig von Mitte 
April bis in den October hinein anzutreffen. Sogleich nach ihrer 
Ankunft lässt sie ihren vollen und lauten Gesang ertönen, welcher im 
Anfang auf mich einen überaus unangenehmen Eindruck hervor- 
brachte, da er mich an die hässlichen Töne eines Glockenspieles 
erinnerte, bei welchem, nachdem man den letzten Ton verklungen 
glaubt, plötzlich noch einige Töne nachhinken; gerade so erschien 
mir im Anfange meines Hierseins, wo mir noch die Ohren von deut- 
schen Vogelgesängen klangen, der Gesang dieser Drossel. Was aber 
die Gewohnheit vermag! Jetzt, nach einigen Jahren, kommt mir 
derselbe, wenn auch nicht schön, doch wenigstens erträglich vor, so 
dass ich öfters bei Sonnenuntergang auf ihn horche; er lässt sich am 
besten durch die Sylben „tillulieh,*tulluli, zih, tillili, tick, 
tick, tick, tick, tillululu" wiedergeben. Der gewöhnliche Lock- 
ruf ist das im Gesänge enthaltene „tick" oder „tuck," öfters wie- 
derholt. Während des Singens antworten sich drei bis vier Männchen 
regelmässig; noch im August, wo sie mausert, vernimmt man bis- 
weilen einzelne Töne. Anfangs Mai hat das Weibchen vier, sehr 
selten fünf spangrüne, 10'" lange, T" breite Eier gelegt; das Nest 
ist in Stecheichen, Rhododendron, meistens aber in die Gabeläste 
des Dogwood, eine Art Cornus, 8—10' hoch angelegt. Die Grösse 
beträgt 6 — 7", die Tiefe des Napfes gegen 2". Dürre Blätter aussen, 
Stengel mit Erde vermischt innen, bilden den Hauptbestandteil, der 
Napf selbst ist mit feinen schwarzen Wurzeln ausgelegt; bisweilen, 
doch nicht häufig, ist Moos aussen mit eingewebt, sogar Schaafwolle 
und Schwanzfedern von Truthühnern fand ich darunter, welche 
letztere, überall hervorstehend, dem Ganzen ein überaus liederliches 
Ansehen gaben. Die Gewohnheit, noch spät nach Sonnenuntergang 
zu singen, hat ihr bei den Amerikanern den sonderbaren Namen sun 
down bird (Sonnenuntergangsvogel) verschafft. Im Herbst geht sie 
begierig nach Waldbeeren, vorzüglich vom schwarzen Gummibaum. 
Ihr Naturell ist scheu und ungesellig, wesshalb sie auch andere Vögel 
mit grossem Ungestüm von den beerentragenden Bäumen, welche sie 
sich ausgewählt hat, vertreibt. 



393 

Die Sänger 

der vereinigten Staaten haben eben so wenig als die europäischen 
Arten oder die eines andern Welttheiles einen gleichförmigen Cha- 
rakter. Wenn man die Lebendigkeit der Sylvia marylandica mit dem 
plumpen Wesen der S. sialis vergleicht oder die lustige Lebensweise 
der S. coronata, welche in Baumkronen nach Insecten flattert, mit der 
Gewohnheit der S. formosa, am Erdboden laufend ihre Nahrung zu 
suchen, so muss man schog der bessern Uebersicht wegen sich ge- 
neigt fühlen, ein Anhänger der neuen Methode zu sein, welche die 
alten Genera Linne's und selbst späterer Systematiker noch vielfach 
weiter zertheilt hat. 

Sialia Wilsonii 

liefert den Beweis dafür. Die europäischen Sylvien mit hohen, ge- 
stiefelten Füssen, welche ihre Beute, die mehr in kriechenden 
als fliegenden Insecten besteht, häufig an der Erde erhaschen, und 
welche seltener als die mit geschildeten Füssen, (Gräsmücken 
und Laubsänger) in Büschen an Zweigen kletternd ihr Futter suchen, 
bauen entweder dicht an der Erde versteckt, oder gar in Baumhöhlen 
und Mauerlöchern, Nester mit ziemlich festen Wandungen, häufig 
von Moos und mit Federn und Wolle ausgelegt, und legen meist 
einfarbige oder einzeln und verwaschen gefleckte Eier, während die 
Grasmücken freistehende, lose Nester fertigen, stark gefleckte oder 
punktirte Eier legen und Junge ausbrüten, die ziemlich das Gefieder 
der Alten haben, während jene der ersten Gruppe gefleckt erscheinen. 
In diese eben genannte Abtheilung gehört die Sialia. Theils Stand-, 
theils Zugvogel. Alte Männchen bleiben häufig da und ernähren sich 
von dem Saamen der Sumach- Arten, fangen auch hin und wieder In- 
secten. So beobachtete ich im Winter von 1848 — 49, obgleich wir 
im Gebirge von Ost- Tennessee bisweilen 18° Celsius hatten, mehrere, 
denen man keinen Mangel ansah. \ 

Ende Januar kamen Schaaren von hundert und mehr Indi- 
viduen unter lautem „hüe, hüe u gezogen. Kurze Zeit darauf 
lassen die Männchen ihren Gesang hören, der nicht unangenehm, 
doch auch nicht melodisch ist; durch Sylben gegeben würde er 
lauten: „tu ti ti tu, ti ti ti tu," er wird häufig mit Flügelschlägen 
begleitet, oder das Männchen umkreist das brütende Weibchen in 
einiger Höhe. 

Naumannia. 1855. 27 



394 

Das Nest wird in Höhlen aller Art, in abgestorbenen und grünen 
Bäumen, in Balkenhöhlen der Häuser, in oben offenen, abgehauenen 
Baumstumpfen, so dass das Weibchen allem Wetter ausgesetzt ist, 
auch in Flaschenkürbissen angelegt, aus denen sie die Purpurschwalben 
vertrieben. Je nach Umständen bauen sie mit vielem oder wenigem 
Material; gemeinlich ist das Nest 6" lang, 5" breit, 3" hoch; aussen 
besteht es aus trocknen Halmen, innen aus Baststücken und feinen 
Halmen, selten Federn und einzelnen Pferdehaaren. Die Eier, ge- 
meinlich vier an der Zahl, sind fast 1" lang, T" breit, bauchig, von 
Farbe blassgrün bläulich, und gleichen denen der Saxicola oenanthe*) 
Man findet schon Ende März, häufiger im April die erste Brut, Mitte 
Juni die zweite. Die Alten haben so grosse Anhänglichkeit an ein- 
mal gewählte Nesthöhlen, dass z. B. ein Pärchen, dem 1848 die erste 
Brut zerstört ward, das aber die zweite glücklich aufbrachte, Mitte 
Mai in demselben Wurzelstocke flügge Junge hatte; in günstigen 
Sommern wird noch eine dritte Brut aufgezogen. Die Männchen 
beissen sich um den Besitz der Nestplätze so heftig, dass sie öfters 
zur Erde herabfallen, aber auch da noch den Kampf fortsetzen. Sein 
Betragen ist plump, anstatt mit der Leichtigkeit der Röthlinge in lan- 
gen Sprüngen an der Erde seine Beute zu verfolgen, begnügt er sich, 
von einem Baume herab auf Insecten Jagd zu machen. Sein Körper 
ist viel zu gedrungen und seine Füsse zu kurz, als dass er die so 
gefälligen Bewegungen der Rothschwänzchen ausführen könnte. Die 
Beeren des Fliederbusches bilden im Sommer, die der Mistel und 
des schwarzen Gummibaumes nebst den Früchten des Dogwood im 
Herbst seine Hauptnahrung. Gänzlich und generisch verschieden 
von dem Blauvogel, Blue-bird, der Amerikaner ist 

Sylvia marylandica, 
welche jetzt das Geschlecht Trichas bildet, Fuss- und Schnabelbildung, 
Länge und Gestalt der Flügel- und Steuerfedern bedingen eine Tren- 
nung von dem grossen Haufen der Sylvien, auch ohne Rücksicht auf 
Lebensweise zu nehmen. Den schwach gebogenen Schnabel dieser 
Art findet man bei keiner hiesigen oder deutschen Sylvie wieder. 
Anfang April kommt dieser überaus muntere Vogel aus den sumpfi- 
gen Niederungen Floridas und Süd -Georgiens wieder nach dem nörd- 
lichen Theil letztern Staates zurück. An Fluss- und Sumpfufern 



*) Sind aber stets dunkler gefärbt, als diese. D. Herausgeber. 



395 

unter Fächerpalmengestrüpp, Schilf und Binsen herumkrh chend und 
an der Erde hüpfend verbrachte er dort die Wintermonate, schon im 
Februar singend. Seine Lieblingsplätze*, wo er auch brütet, sind die 
dichtesten Brombeergestrüppe; hier schlüpft er mit der Behendigkeit 
einer Maus nahe an oder auf dem Boden hin, und lässt bisweilen 
seinen schnarrenden Lockton hören. Selten zeigt er sich an freien 
Stellen oder auf Spitzen der Büsche, geschieht dies ja, so steigt er 
gemeinlich unter Gesang, nach Art der Curruca cinerea, in die Luft 
empor und verkriecht sich im nächsten Augenblicke wieder im 
Gebüsch. So unbedeutend auch sein Lied ist, da es dem der Parus 
ater ähnelt und wie „ziwizi, ziwizi, ziwizi, ziwizi u klingt, so 
gewährt es doch in Verbindung mit der Lebhaftigkeit des Vogels 
dem Beobachter viel Vergnügen; noch im August hört man es bis- 
weilen. Am 21. Mai 18Ö3 hatte ein Pärchen, welches den 20. April 
bauete, aber gestört wurde, in einem hohen Grasbusche sein Nest an- 
gelegt. Es war 4" hoch und breit, der Napf 2 1 / 2 " tief, und bestand 
aussen aus groben Halmen und trocknen Blättern, innen war es 
mit feinen Hähnchen und einzelnen Pferdehaaren ausgelegt und ent- 
hielt 5 frische Eier, von denen am 21. Mai das letzte gelegt war. 
Diese sind 8'" lang, 6'" breit, blassröthlieh weiss, mit feinen roth- 
braunen Linien überzogen und mit grösseren und kleineren Punkten, 
Strichen und verwaschenen, wie wolkigen Flecken bedeckt. Das 
Weibchen war anfangs wenig, dann sehr scheu, während das Männ- 
chen selten in die Nähe des Nestes kam, sondern in einiger Entfer- 
nung in Erlen- und Weidengebüsch umherschlüpfte, kurze Strecken 
flog und beim Einfallen sogleich seinen Gesang wieder hören liess. 
Mitte Juni findet man die erste, Ende August die zweite Brut aus- 
geflogen. Im Herbst fing er sich öfters in Sprenkeln, denen Hollunder- 
beeren vorgehängt waren. 

Eine andere Lebensweise hat die Sylvia formosa, welche wegen 
ihres ziemlich starken Schnabels mit etwas übergreifender Spitze, ihrer 
hohen Füsse mit langer, stark gekrümmter Hinterzehe, gänzlich ver- 
einzelt dasteht. Sie wurde daher jetzt unter dem Namen 

Myiodioctes formosus 

als Repräsentant einer neuen Gattung aufgestellt. Sie kommt Mitte 
April an, lockt schmatzend, jedoch nicht schnell hintereinander, singt 
„ti tui tui tui tui tui tui, u und wird am häufigsten an feuchten 



396 

oder nicht zu dichten Waldrändern in der Nähe von Wasser 
angetroffen ; hier hüpft sie in kleinen Sprüngen am Boden oder 
auf liegenden Baumstämmen hin, springt auch in die Höhe, um 
Insecten zu erhaschen, und Jässt sich ziemlich nahe ankommen. Beim 
Singen sitzt sie entweder auf jungen Bäumchen oder an der Erde 
und hält den Schnabel senkrecht empor; doch lässt sie ihn auch 
laufend hören und sträubt dabei die Kopffedern, eine Haube kann 
sie jedoch nicht aufrichten. Mit anderen Vögeln und ihrer eigenen 
Art beisst sie sich unaufhörlich herum, wippt auch häufig nach Pie- 
perart mit dem Schwänze. Das Nest wird nur an der Erde, zwischen 
Farrenkraut und niedrigem Gebüsch versteckt, angelegt, und ist aussen 
von trocknen Eichen- und Kastanienblättern, innen von dunklen 
Wurzeln gebaut; der 2" tiefe Napf wird mit Pferdehaaren ausgelegt; 
es hat 4" Durchmesser und 3" Höhe. Die Eier, vier an der Zahl, 
sind weiss, rothbraun und lehmfarbig gefleckt, oben mit einem schönen 
Kranz; die Länge ist 9'", die Breite 7'", sie werden öfters Mitte 
Mai gefunden, doch bauten zu dieser Zeit noch mehrere Paare, auch 
fand ich schon den 22. Mai ausgeflogene Junge. Männchen und 
Weibchen, so wie die Jungen, haben gleiche Färbung. Erst im Octo- 
ber verlässt dieser schöne Vogel die Gebirgswälder, um südlich 
zu ziehen. 

Zu der Abtheilung mit breitem, fliegenfängerartigem Schnabel 
gehört 

Culicivora coerulea, 
die, den Schnabel abgerechnet, am meisten der Klappergrasmücke, 
Curruca garrula, gleicht. Sie kommt schon Anfang April an und 
wird dann am häufigsten in Obstgärten bemerkt, wo sie von den 
zu jener Zeit in voller Blüthe stehenden Pfirsichbäumen die kleinen 
Käferchen und Hymenopteren wegfängt, wobei ihr Gesang, ein kleines 
Zwitschern, unaufhörlich erschallt, in den der Lockton „tschieh, 
tschieh, tschieh" eingemischt wird. Selten wird sie in dichten 
Wäldern sondern meistens in Vorhölzern und an Waldsäumen an- 
getroffen, und sie macht hier geschickt auf fliegende Insecten in den 
Baumkronen Jagd, trotz der sehr kurzen Flügel und des langen 
Schwanzes, wesshalb auch der Flug schlecht ist. Am 13. April 1854 
fand ich in einer Entfernung von 1000 Schritten vier Nester dieser 
kleinen Sylvie in einer Höhe von 40 — 60' auf Eichen. Die Mehr- 
zahl von ihnen stand auf horizontalen Aesten; eins davon entdeckte ich 



397 

durch das Geschrei, welches die Alten ausstiessen, um ein Männchen 
der Tanagra aestiva aus dessen Nähe zu vertreiben. Am 25. April 
ward einer dieser Bäume erstiegen; das Weibchen sass so fest, dass 
der Kletterer, nachdem der eingesägte Ast sich senkte, es mit der 
Hand ergreifen und mitbringen konnte. 

(Fortsetzung folgt.) 



Nr. 31. 

Zusätze zu den Bemerkungen über die wahren Gänse 

Europas, 

Von 

Edm. De Selys Longchamps. 



1. Der Dr. Degland in Lille hat mich soeben auf ein wichtiges 
Kennzeichen für die Unterscheidung der Species unserer Gänse auf- 
merksam gemacht: die Farbe der Nägel (an den Füssen). 

Sie sind: weiss oder weisslich bei A. einer eus, albifrons, pallipes, 
minutus, 

weiss mit braunen Flecken bei A. brachyrhynchus, 
schwarz bei arvensis und segetum. 
Die Farbe derselben bei intermedius Nawn. ist mir unbekannt. 
Herr Degland sagt in seinem Briefe, dass sie aschgrau bei albifrons, 
adult. und hornfarbig bei juv. sind, aber ich besitze diese Art 
lebend, und die Nägel sind weiss. 

2. Ich habe bei H. Koberti in St. Trond zwei Gänse gesehen, 
welche von den von mir bezeichneten Arten abweichen: 

1°. Ein altes Männchen, Grösse und Färbung der grossen arvensis, 
der Schnabel gefärbt wie der von intermedius, — dessen Abbildung ich 
im vorigen Hefte gegeben — aber kein Weiss auf der Stirn, kein 
Schwarz an der Brust; Fasse blass-rosa, Nägel der Zehen weiss; 
Schnabel ein wenig kürzer als der von arvensis, länger als der von 
segetum; Hinterzehe mit deutlicher Membran, Augenring schwarz, wie 
man behauptet; die hellen Partieen des Schnabels theilweise gelb, theil- 
weise rosa. 



398 

Soll im März 1855 in grosser Anzahl in den Mooren beobachtet 
worden sein. 

Herr Degland hat ein ähnliches Exemplar gesehen, was den 
Schnabel und die Nägel betrifft, aber die Füsse waren getrocknet, 
und er weiss nicht, ob sie orange- oder rosafarben gewesen. Ich 
selbst habe das Exemplar des H. Roberti in frischem Zustande 
nicht gesehen. 

Wenn es eine neue Art ist, so schlage ich den Namen Anser 
leuconyx, Selys, vor. 

2°. Die andere Gans, gleichfalls im wilden Zustande im Winter 
1855 erlegt, unterscheidet sich etwas von meiner pallipes (domestique) 
durch die schwarzen Nägel und dadurch, dass das Weiss der Stirn 
nicht bis unter den Schnabel herabgeht. Der Augenliderkreis soll gelb 
gewesen sein. Sie gehört zu den grossen Gänsen. 

Herr Degland hat an den Küsten von la Manche in diesem 
Jahre gleichfalls A. pallipes erhalten. Nach seinem Briefe scheinen 
sie von den domesticirten Exemplaren durch die am Ende braunen 
Nägel, den lebhaft orangefarbigen Schnabel und den an der Spitze 
ein wenig braunen Nagel desselben abzuweichen. Diese Exemplare 
nähern sich bezüglich der Nägel dem des H. Roberti. 

Liege, den 10. August 1855. 

Edm. De Selys Longchamps. 



II. Notizen, briefliche Mitteilungen etc. 



Elberfeld, den 10. Juni 1854.*) 
Indem ich Sie freundlich ersuche, die nachstehende Mittheiluno; 
in das nächste Heft der Naumannia aufzunehmen, bemerke ich, dass 
sich dieselbe auf eine im verflossenen Winter in der Nähe Elberfelds 
erlegte, und wie es scheint, sehr interessante Varietät der gemeinen 
Elster, Corvus pica L., bezieht, über die ich die nöthigen Notizen 



*) Leider ist mir dieser Brief mit dem Ersuchen, ihn wörtlich abdrucken zu 
lassen, erst vor einigen Tagen, nach Vollendung des II. diesjährigen Quartals, 
zugekommen, zugleich mit der in diesem Hefte abgedruckten Vogelfauna von 
Neuwied. Die Redaction. 



399 

bereits vor einem halben Jahre bei der Redaction der Verhandlungen 
des naturhistorischen Vereins von Rheinland Westphalen einreichte, 
ohne vor Ende dieses Jahres Aussicht auf Veröffentlichung derselben 
zu haben. Da ich nun gern die Aufmerksamkeit der Ornithologen 
auf diesen Vogel lenken, noch lieber aber irgend welchen befriedigen- 
den Aufschluss über denselben erbitten möchte, so wird die frühere 
Veröffentlichung in Ihrer Zeitschrift wohl um so eher Entschuldigung 
finden, als von einem Vogel die Rede ist, der in den genannten Ver- 
handlungen in Verbindung mit einer Frage wird erwähnt werden, die 
hier ganz unberücksichtigt bleibt. 

Die erwähnte Varietät ist ausgestopft im Besitze eines hiesigen 
Arztes, des Herrn Dr. Louis v. Guerard, eines eifrigen Sammlers für 
die Wupperthaler Ornis. Der Vogel hat bei verhältnissmässig schlan- 
kem Bau, 2 — 3 Zoll unter dem gewöhnlichen Längenmaass seiner 
Art und zeichnet sich in der Färbung besonders durch ein ganz 
schmales weisses Flügelband von etwa */ 4 der normalen Breite aus, 
welches Flügelband ausserdem in einer nach hinten gekrümmten 
Bogenlinie von beiden Seiten bis zum innern Rande der zusammen- 
gelegten Flügel fortlaufend, in der Mitte des Unterrückens zusammen- 
fliesst und dadurch noch auffallender von der gewöhnlichen Form 
abweicht. Nach der Versicherung des Besitzers halten die Landleute 
der hiesigen Gegend diese kleine Elsterart für eine eigene, nicht ganz 
seltene Species, die nicht auf Bäumen, sondern in Sträuchern und 
Zäunen nistet und zum Unterschied von der grössern Art Hecken- 
oder Zaunelster genannt wird. 

In keinem meiner Bücher, auch nicht im Naumann, ist von dieser 
so sehr abweichenden Varietät die Rede. Als solche glaubte ich sie 
daher beanspruchen und zur Kenntniss der Ornithologen bringen zu 
müssen, als ich in dem vierten Hefte der Naumannia, Jahrgang 1853 
pag. 378 eine ganz ähnliche Beobachtung aus der Gegend von 
Schlottheim in Thüringen mitgetheilt und in demselben Hefte pag. 417 
eine Pica varia Gessn., an beiden Stellen leider ohne Beschreibung, 
aber mit der Angabe verzeichnet fand, dass der Vogel gar nicht 
gcheu sei und sein Nest in Baumgärten nur 3 — 4 Ellen hoch anlege. 
Der Gedanke, dass eine oberflächliche Vergleichung der beschriebenen 
Varietät mit der gemeinen Elster, bei der Aehnlichkeit beider im 
Allgemeinen, vielleicht eine eigenthümliche Species bisher habe ver- 
kennen lassen, hat mich seitdem häufig beschäftigt. Es würde mich 



400 

daher sehr freuen, wenn durch Mittheilung anderweitiger Beobachtungen 
über den fraglichen Vogel meine Zweifel bestätigt, oder insofern die 
Frage bereits vollständig erledigt sein sollte, die Quellen zur Beleh- 
rung in Ihrer Zeitschrift angezeigt würden. 

Hochachtungsvoll Ihr ergebener 
Dr. Fuhlrott. 



Das plötzliche Sinken der Temperatur zu Ende Juni d. J. 
war den Schwalben und Seglern verderblich; man fand sie 
todt längs den Quais und auf den Trottoirs in Lyon, da ihre Nah- 
rung, die Insecten, entweder umgekommen waren oder aus ihrem 
Versteck nicht hervor kamen. 

Ich fand in dem Thurme des Dorfes Irigny ein Nest von Stria; 
flammea mit sechs Eiern, von denen einige nahe am Auskom- 
men, andere wenig oder gar nicht bebrütet waren. Einige 
Tage später (zu Anfang Juli), bat ich den Maurer, der das Dach 
unsers Landhauses ausbesserte, ein Karnies zu untersuchen, in wel- 
chem ich ein Nest der Schleiereule wusste. Es enthielt fünf mit 
Flaum bedeckte Junge, die aber gleichfalls in längeren Zwischenräumen 
ausgekommen sein mussten: denn das eine war nahe daran Federn 
zu bekommen, während die beiden jüngsten erst seit einem oder zwei 
Tagen ausgebrütet waren.*) Sollte diese Thatsache vielleicht ihren 
Zweck in der leichtern Ernährung einer so zahlreichen und gefrässigen 
Familie haben? Eins dieser Jungen und das Weibchen habe ich für 
meine Sammlung präparirt, die übrigen in einem Korbe in ein ab- 
gelegenes Zimmer gesetzt , dessen Fenster offen steht , und ich 
habe mit Vergnügen beobachtet, dass das Männchen den Jungen 
allnächtlich Nahrung bringt. 

Ich habe Ihnen einige Details über die Schwalbe mitzutheilen 
versprochen, welche ich vom St. Gotthard mitgebracht habe. Sie 
hat die grösste Aehnlichkeit mit Hir. rustica, von der sie sich nur 
durch das Roth der Stirn und Kehle, das sehr dunkel ist, und durch 
die Farbe der Unterpartieen des Körpers zu unterscheiden scheint: 
diese ist nämlich ein" lebhaftes Rostroth, aber heller als das der 



*) Ich entsinne mich gleichfalls zweier Brüten der Schleiereule, bei denen 
die Jungen von sehr verschiedener Grösse und von offenbar verschiedenem Alter 
waren, und erhielt noch gestern eine derartige Mittheilung vom H. Pf. Joachimi in 
Wulfen. D. Herausgeber. 



401 

Kehle. Ich war versucht, diese Schwalbe für Hir. Boissonneauti, 
Temm. zu halten: allein Temminck sagt, dass bei dieser Art die 
mittleren Schwanzfedern ohne Flecken an der Innenfahne sind, während 
dies bei meinem Exemplare lediglich von den beiden Mittelfedern 
gilt. Sollte es wirklich weder H. Boissonn., noch H. rustica orientalis, 
Schi., sondern eine neue Art oder Unterart sein, so würde ich im 
letztern Falle, analog der betreffenden Namenbildung Schlegel's, für 
sie den Namen H. rustica alpestris vorschlagen. 

Temminck behauptet, dass das Weibchen von Platalea leucerodius 
jener eigenthümlichen Windung der Luftröhre entbehre, welche 
das Männchen auszeichnet. Ich hatte kürzlich Gelegenheit, ein altes 
Weibchen, zu Anfang April 1855 geschossen, zu untersuchen: wenn 
das Geschlecht nur durch diese Besonderheit hätte constatirt werden 
sollen, so hätte man es als Männchen betrachten müssen. Wahr- 
scheinlich war es ein sehr altes Weibchen, mit sehr entwickelter Haube 
und sehr deutlich markirten gelben Halsringen versehen. Wenn die 
Behauptung Temm. nur durch dies einzige isolirte Factum wider- 
sprochen würde, so müsste man wohl annehmen, dass bei den Löfflern 
(wie bei anderen Vögeln, z. B. Fasanen etc.) die alten Weibchen sich 
auch hierin (wie in anderen Punkten) den Männchen nähern. 

Woher kommt die rostrothe Färbung, welche man im 
Frühjahr bei den Enten bemerkt? Ist sie, wie Manche wollen, Folge 
der Gegenwart von Eisensalzen oder organischen Substanzen in man- 
chen Gewässern, Substanzen, deren färbende Eigenschaften nur zu 
gewissen Zeiten des Jahres wirksam sind? Hat man Beispiele von 
Wasservögeln, deren Gefieder in (}i eser Weise auch in einer andern 
Jahreszeit gefärbt ist, und zeigt sich diese Färbung überhaupt auch 
bei anderen als den Enten? Machen z. B. die Taucher eine Ausnahme 
von dieser Thatsache? Oder hängt diese Erscheinung mit der „Ver- 
färbung" zusammen? 

Cathartes percnopt. ist doch nicht so selten in unseren Umgebungen, 
als ich es anfangs glaubte. Man sieht ihn, wie es scheint, alljährlich 
auf den Inseln der Rhone, gegenüber Miribel, nördlich von Lyon. Im 
Juni vorigen Jahres schoss ich selbst auf zwei alte weisse Vögel , die 
ich ganz in der Nähe betrachten konnte (auf ungefähr 30 Schritte) 
und die sich am Rlioneufer unter einer Heerde von Pferden nieder- 
gelassen hatten. Leider war das Blei zu fein, um wirksam sein zu 
können. Die Vögel erhoben sich in grossen Spiralen in die Luft. 



402 

Sie müssen erst nach der Brutzeit zu uns kommen, denn ich kenne 
in unserm Departement keine Localität, wo sie sich fortpflanzen 
könnten. 

Einer meiner Freunde, Grundbesitzer in der Nähe, hat diesen 
Winter den Besuch eines Weibchens von Anas boschas erhalten, 
das sich im Geflügelhofe häuslich niedergelassen hat. Um 
seine etwaige Flucht zu verhindern, wurden ihm die Flügel ver- 
schnitten. Es scheint mit seiner neuen Lage nicht unzufrieden, hat 
sich an das verschiedene Hausgeflügel vollkommen gewöhnt, und hält 
sich nur etwas abseits von den zahmen Enten. Ich werde bald 
erfahren, ob es sich fortgepflanzt hat. 

Jedermann weiss, dass die alten Mergus merganser nach dem 
Tode die schöne Rosen-Orangefarbe der Untertheile verlieren. 
Wenn nun die todte Feder gewisse Farben durch die Ver- 
trocknung gewisser färbender Stoffe verliert, sollte nicht 
die lebende Feder zu gewissen Zeiten des Jahres durch den 
Einfluss irgend eines färbenden Principes neue Farben- 
Nuancen annehmen können, ähnlich, wie die Fleischauswüchse 
(carunculae) mancher Arten im Frühlinge sich lebhafter färben? Es 
scheint mir, dass diese Thatsache zu Gunsten der „Verfärbung 
ohne Mauser" sprechen könnte. 

Im Januar 1854 fand ich auf unserm Markte (Lyon) eine A. 
boschas M., var. pallescens. In diesem Jahre, fast zu derselben Zeit, 
acquirirte ich ein Männchen dieser Ente von der entgegenge- 
setzten Färbung, d. h. zum Melanismus neigend. Alle Obertheile 
des Körpers sind dunkel russbraun, gegen den Bürzel zu schwarz, 
dieser mit blauem Glanz; die Brust heller und mit einer grossen 
Menge kleiner Wellenlinien von weisslichgrauer Farbe, was diesen 
Theil wie gekörnelt erscheinen lässt. Der Halsring ist weiss mit 
einigen roströthlichen Sprenkelfedern. Die Brust von einem tiefen 
bräunlichen Rostroth, das nach den Schultern zu ins Gelbliche über- 
geht. Kopf und Hals dunkelgrün, mit- Purpur und blauem Metall- 
glanz. Scheitel und Kehle sammetschwarz. Spiegel mit blauem und 
Purpur -Glanz. Schnabel grünlich gelb, Füsse orangeroth. 

Ich finde in dem Journal von Cabanis (1854 V. p. 409) einen 
Artikel von Dr. Gloger, in welchem dieser Behauptungen aufstellt, die 
der Wirklichkeit nicht entsprechen: Fuligula Homeyeri soll nämlich 
„kein Bastard sein, weil sie offenbar nicht zwischen F. ferina und 



403 

F. nyroca mitten inne steht. Denn sie stimmt mit letzterer 
entschieden gar nicht überein; wohl aber destomehr nur mit der 
erstem." Bei meinem Exemplare, das Sie der Ornithologen- 
Versammlung vorgelegt, und das mit der Abbildung in der Naumannia 
vollkommen übereinstimmt, sind die Verhältnisse thatsächlich anders: 
es steht offenbar zwischen beiden genannten Arten, wenn 
auch nicht „mitten .inne," da es sich wirklich der einen von 
beiden mehr nähert, aber umgekehrt, wie Herr Dr. Gloger es will, 
nämlich der nyroca. Der Schluss, dass es eine blosse klimatische oder 
höhere Alters -Abänderung von F. ferina sei, erscheint daher um so 
unzulässiger, als die Voraussetzung eine unzulässige ist. Ohne darauf 
zu bestehen, dass F. Homeyeri eine „gute Art" sei, mache ich doch 
auf die Uebereinstimmung zweier getrennter Individuen wiederholt 
aufmerksam, eine Uebereinstimmung, wie sie bei Bastarden doch wohl 
selten vorkommt. Ich habe in diesen Tagen einen Bastard von A. 
acuta und boschas gesehen, der in Gestalt und Vertheilung der Farben 
viel von beiden Eltern hat, und der die Ansicht, dass auch F. Ho- 
meyeri Bastard sei, unterstützen würde, vorausgesetzt, dass sich auch 
noch andere von derselben Gestalt und Färbung vorfänden, was ich 
vorläufig noch bezweifeln muss. Noch sind mir nicht zwei Bastarde 
derselben Eltern von völliger Uebereinstimmung vorgekommen. Im- 
merhin aber bleibt die Aufstellung einer Art nach nur zwei Exem- 
plaren desselben Geschlechts eine gewagte. 

Der Courrier de Lyon bringt in der Nr. vom 1. März 1855, nach 
dem Courrier de Saone et Loire, die folgende Mittheilung, welche ich 
wörtlich wiedergebe, und die interessant genug ist, vorausgesetzt, dass 
die Herren Journalisten nicht ausgeschmückt und verschönert haben. 
„Im Monat October schienen die in grosser Anzahl zur Abreise sich 
rüstenden Schwalben zu Bourg-Neuf noch eine wichtige Debatte zu 
haben. Eine Schwalbe war verwundet worden, ihr verletzter Flügel 
konnte sie nicht mehr zu dem fernen Ufer tragen. Vergeblich streiften 
ihre verzweifelten Genossen das Nest, wohin sich die Kranke ge- 
flüchtet, in schnellem Fluge, und stiessen ein kurzes, scharfes Geschrei 
aus, um die Unthätige zu reizen: die arme Verwundete konnte ihr 
Nest nicht verlassen. Endlich mussten sie abreisen und den un- 
glücklichen Krüppel verlassen; aber sie blieb doch nicht gänzlich 
verlassen: eine Freundin opferte sich, um ihr in ihrem Un_ 
glücke beizustehen, vom Morgen bis zum Abend brachte 



404 

sie der Eingeschlossenen ihre Nahrung. In dess ist der Winter 
sehr kalt, bald bedeckt der Schnee den Boden, und die arme barm- 
herzige Schwester würde ein Opfer ihrer Liebe geworden sein, wenn 
nicht ein mitleidiger Nachbar das für die Erhaltung der beiden 
interessanten Vögel nöthige Gesäme (grain!) in die Nähe des 
Nestes legte." 

Ich glaube, dass die Fortpflanzung der Amsel {Turdus 
merula) in der Gefangenschaft ziemlich selten und desshalb 
folgende Thatsache nicht uninteressant ist. Ein Schneider in unserer 
Stadt (Lyon) hielt ein Paar Amseln, in einem Zimmer frei herum- 
fliegend. Im Frühjahre bauten sie ein Nest und erzogen sechs 
Junge. Die Alten wurden darauf von einem Liebhaber gekauft, der 
sie in ein grosses, mit vielen grünen Zweigen bekleidetes Zimmer 
that. Als der Besitzer nach einiger Zeit kein Nest bemerkte, gab er 
die Hoffnung auf, dass sie sich fortpflanzen würden, und verschenkte 
die Vögel. Aber wie gross war sein Verdruss, als man bei der Rei- 
nigung des Zimmers in dichtem Gezweig versteckt das Nest mit sechs 
Eiern fand. Es war zu spät, um sie noch ausbrüten zu lassen, und 
so ging diese zweite Brut verloren. 

Der Winter von 1854 — 55 hat die Hoffnungen, welche seine 
Strenge fassen liess, bezüglich der Einführung nördlicher Gäste nicht 
ganz erfüllt. Ich habe auf unserm Markte nur folgende hier seltener 
vorkommende Arten gefunden: Haliaet. albicilla, Mergus albellus S, 
Merganser 5, A. marila S, und eine Gans, dem Schnabel nach Anser 
arvensis, Naum. 

In meinem Kataloge der Vögel der Umgegend von Lyon habe 
ich gesagt, dass A. marila sehr selten in unserer Gegend sei; dies 
gilt indess nur vom alten Männchen, junge Vögel findet man 
fast jeden Winter auf unserm Markte. 

Noch will ich Ihnen eine Idee mittheilen, deren Ausführung der 
Naumannia angemessen sein dürfte: das wäre nämlich die Biographie 
aller berühmten Ornithologen unter Beifügung ihrer Porträts.*) 

Leon Olph-Galliard. 



*) Sollte diese Idee, welche schon früher einmal zwischen Professor Naumann, 
Brebm und mir besprochen wurde, unter den Lesern der Naumannia allgemeinen 
Anklang finden, so wäre ich zu deren Ausführung gern bereit. D. Herausgeber. 



405 

Das eben vergangene Frühjahr brachte mir manche interessante 
Ausbeute. Ich erhielt zwei alte Hai. albicilla mit zwei Jungen im 
Flaume, Vultur einer eus, ein Nest von Picus leueonotus, leider nur 
mit zwei Eiern, vielleicht die einzigen sicheren: die Alten wurden 
beim Neste geschossen. Am 20. Mai fand ich, seitdem ich Forscher 
bin, das zweite Nest von Salic. ßuviatilis, mit vier Eiern. Das 
Nest ist wie das früher gefundene, die Eier aber, rosa punktirt, kom- 
men denen von S. locustella sehr nahe, und nur die Grösse unter- 
scheidet sie. Wieder ein Beweis, wie nahe die drei Arten verwandt 
sind! Am 18. Mai schoss ich beim Horste fünfmal auf Aq. pennata, 
ohne einen der Adler zu bekommen: die Buche war so hoch und so 
belaubt, dass die Schüsse unwirksam blieben. Ich nahm zwei Eier, 
die nur durch das Korn von Ast. palumbarius zu unterschei- 
den sind. Am 27. Mai ein Nest von Gallinula pusilla mit neun 
Eiern, eine Zahl, die mir zum ersten Mal vorkommt; ich fand früher 
nie mehr als 5. Muscicapa albicollis in Massen. Muse, parva fängt 
erst zu legen an. 

Holhoeze, den 29. Mai 1855. Graf Wodzicki. 



So eben von einer Reise zurück, fahre ich in der Mittheilung 
einiger Notizen fort. Ich erhielt bisher (7. Juli) viele Eier von 
Muse, parva, lichte und röthliche, grünliche mit röthlichen 
Punkten. Die Eier verschiedener Färbung gehören ohne Unter- 
schied lieh tbr listigen wie dunkelbrüstigen Paaren an, und ich überzeuge 
mich immer mehr, dass M. parva und minuta ein und derselbe Vogel 
sind. Die lichtbrüstigen sind einjährige Vögel, die im zweiten 
Herbste eine röthliche Kehle, und erst im dritten Jahre ihre 
vollkommene Färbung bekommen. 

Es gibt in diesem Jahre sehr viele Störche und Trappen, 
welche sich nicht gepaart haben. Ferner viele Kampfhähne, 
Mach, pugnaw, an sonst ungewöhnlichen Orten brütend, die Männchen 
noch in schöner Hochzeitstracht, obwohl die Jungen bereits ausge- 
wachsen sind. Am 15. Juni fand ich in der Steppe noch fünf Ne- 
ster von Scol. gallinago mit flugbaren Jungen. Ich beobachtete eine 
so späte Brut zum ersten Male, und meine, dass einzelne Paare 
vielleicht zweimal brüten. Casimir Graf Wodzicki. 



406 

Mergus merganser scheint denn doch nicht immer in Baum- 
oder anderen Höhlen zu brüten. Herr Lieutenant Kaplick fand am 
16. April dieses Jahres ein Nest im Lüdderitzer Reviere, das auf einem 
ziemlich ansehnlichen Hügel mitten in einer von Wasser über- 
schwemmten Wiese, nicht weit vom Walde entfernt, angelegt war. 
Es enthielt, als er es entdeckte, ein Ei, am 19. drei. Leider fand er 
das Nest zerstört, als er nach einiger Zeit es wieder aufsuchte. 

Herr K. beobachtete ebenfalls am 10. September 1854 eben 
ausgeflogene Junge von Alcedo ispida. 

Phyllopn. rufa hatte in diesem Jahre ihr Nest 4 — 5' hoch in 
die Schlingpflanzen angelegt, welche unter einer Veranda die Wände 
der Gärtnerwohnung in dem schönen und vortrefflich angelegten bota- 
nischen Garten in Braunschweig bedecken, und zwar dicht neben dem 
Küchenfenster. Der Vogel hatte ruhig gebrütet und ausgebracht. 
Eben dort zeigte uns Professor Blasius nebst vielen anderen Nestern 
das einer Nachtigal, 2' hoch über dem Boden in einem immer- 
grünen Gebüsch, — wenn ich nicht irre Hex quercifolius — stehend. 
An der Ocker in den Gärten dicht bei den Häusern sang Sal. pa- 
lustris ziemlich häufig. Sal. locustella fand ich in mindestens zwei 
Paaren an dem mit einzelnen Bäumen und Gesträuch bewachsenen 
Rande eines kleinen Teiches, in unmittelbarer Nähe von Sal. turdina. 

E. Baldamus. 



Das vergangene Frühjahr hat mir eine sehr geringe oolo- 
gische Ausbeute geliefert.*) Sonst erhielt ich jährlich 200 bis 
400 Raubvogeleier, und heuer Alles in Allem 23 Stück! Astur 
palumb., Pernis apivorus und Sitta caesia sind noch das Beste. Für 
meine Menagerie ziehe ich gegenwärtig auf: 1 Str. aluco, 2 Col. pa- 
lumbus, 1 Corv. monedula, 2 Sturnus vulg., 2 Vanell. crist., 6 A. bo- 
schas und viele junge Bisamenten. 

In Betreff meiner für das II. Heft gelieferten Notizen muss ich 
bemerken , dass der dort erwähnte Aquila albicilla von Lieswangen 
bei Riedlingen gestern in meinen Besitz kam, und sich als A. naevia 
erwies. 

Zur Ergänzung meiner ebendaselbst gegebenen Notizen über den 
Zug der Vögel noch Folgendes. Angekommen sind am 17/3. Milv. 



*) Dieselbe Klage ist vielfältig laut geworden, und stimme ich selbst darin 
ein : noch niemals habe ich so wenig erhalten, als in diesem Frühjahre. Baldamus. 



407 

regalisy 18/3. Phyllopn. rufa, 19/3. Cicon. alba (der zweite Gatte erst 
am 25/3.), S. rubecula (zahlreich), 20/3. Scolop. rustic. (bei Stuttgart 
schon am 17.). (Hier bei Warthausen ist etwa seit 18 Jahren kein 
ordentlicher Schnepfenstrich mehr. Damals wurden auch noch viele 
Laufdohnen in die vom Vieh getretenen Wege in den Wäldern ge- 
stellt. Nachdem die Wald - Weideberechtigung schon längst aufgehört 
hat, unterbleibt bei der geringen Anzahl der Schnepfen (ich weiss 
nur zwei Fälle, dass sie hier gebrütet haben) diese Fangart gänzlich). 
21/3. Accent. modul. (zahlreich und singend), 22/3. Cal. palumbus, 
23/3. Scol. gallinago, Tot. calidris und Anth. prat. haben sich bei Klin- 
genbad im benachbarten Bayern am Brutplatze eingefunden. 15/4. 
Lar. ridib. zieht vom Donauthal her nach seinen Brutplätzen in Ober- 
schwaben (Federsee, Sägweiher, See von Blitzenreuthe etc.), 17/4. Sylv. 
cinerea (bei Stuttgart), Cuc. canorus (auf der Schlotwiese bei Kron- 
thal), Limosa aegoceph. (bei Buolbach), 19/4. H. rustica (nur wenige), 
Sylv. titliys. 20/4. Cuc. canorus (bei Königshofen unweit Warthausen), 
22/4. Hir. urbica, und (in Menge) Hir. rustica (bei heftigem Mor- 
genfrost). 28/4. Muse, collaris (im ^chönbruchwalde bei Gärtringen 
und bei Müssingen unweit Tübingen). 12/5. Jynx torq. (bei Stuttgart). 
15/5. Himantopus rußp. (im Fleisch erhalten aus Rosenheim in Bayern, 
mochte fast 14 Tage früher geschossen sein), 21/5. Cyps. apus, 22/5. 
Oriolus galb. — (NB. Wo kein anderer Ort angegeben, sind die 
Beobachtungen in Warthausen gemacht.) In Vergleich zu anderen 
Jahren zeigt diese Tabelle zum Theil eine auffallende Verspätung 
mancher Arten. 

Ende April zeigte sich in der Schweiz, in unmittelbarer Nähe 
der Stadt Chur, Falco rufupes, in Schaaren. Er soll sich daselbst 
alljährlich um diese Zeit zahlreich einfinden. Zwei Männchen sah ich 
im Fleisch, - zwei andere wurden lebendig gefangen und wurden gleich 
sehr zahm. 

Ausgangs 1854 wurde F. aesalon, Männchen, bei Weil-im- 
Dorf geschossen. Baron Richard König- Warthausen. 



Eine seltene Dreistigkeit zeigte vor einigen Tagen ein 
Eichelheher, G. glandarius. Drei Schritt von meinem Fenster, 
auf dem Staket meines hart an der gerade ziemlich belebten Strasse 
liegenden Gärtchens, verzehrte er, als ich ihn eben bemerkte, mit 
grossem Appetite eine Raupe von Bombyx dispar; er sah mich dabei 



408 

an, flog dicht unter das Fenster, das ich inzwischen öffnete, auf das 
Weingeländer, und sofort mit einer andern Raupe auf das Staket 
zurück, und wiederholte dies Manoeuvre noch eimnal, flog aber davon, 
als ich mich zum Fenster hinausbeugte, während er einen Fuss tiefer 
die letzte Raupe hervorholte. 

„Weil ich einmal bei dem Kapitel der Vögel bin — sagt Mme. 
Georges Sand,*) — will ich einen Zug erzählen, von dem ich Zeuge 
war und den ich wohl Buffon , diesem sanften Dichter ' der Natur, 
hätte erzählen mögen. Ich zog zwei Grasmücken von verschie- 
denen Nestern und Arten auf: die eine mit gelber Brust — (wahr- 
scheinlich Hypolais polyglotta) die andre mit grauer (Sylv. hortensis 
oder curruca ?). Die Gelbbrust, welche Jonquille hiess, war 14 Tage 
älter als die Graubrust, die Agathe hiess. Vierzehn Tage für eine 
Grasmücke (die Grasmücke ist der intelligenteste und frühreifste un- 
serer kleinen Vögel) das ist ebensoviel, als 10 Jahre für ein junges 
Mädchen. Jonquille war also ein sehr niedliches Kind, noch mager 
und schlecht befiedert, konnte nur von einem Aste zum andern fliegen 
und selbst noch nicht einmal allein fressen; denn die Vögel, welche 
der. Mensch erzieht, entwickeln sich viel langsamer, als die, welche in 
der Freiheit aufwachsen. Die Grasmücken-Mütter sind viel strenger 
als w T ir, und Jonquille würde 14 Tage früher allein gefressen haben, 
wenn ich so klug gewesen wäre, sie dazu zu zwingen, indem ich sie 
sich selbst überlassen und ihren Zudringlichkeiten nicht nachgegeben 
hätte. Agathe war ein kleines unerträgliches Ding. Sie that Nichts 
als hüpfen, schreien, die hervorsprossenden Federn abschütteln und 
Jonquille quälen, welche nachzudenken und sich Probleme zu stellen 
begann, den einen Fuss unter die Federn, den Kopf in die Schultern 



*) In „Histoire de ma vie, Paris 1855," tom. I. p. 26. Mütterlicherseits aus 
einer Vogelsteller -Familie stammend, hat diese „geistreichste aller Dichterinnen" 
eine angeborne Vorliebe für den befiederten Theil der Schöpfung ausgebildet, dass 
ihre Freunde von der Sympathie der Thiere oft wie von einer wunderbaren That- 
sache frappirt wurden. Sie hat „merkwürdige Erziehungsresultate in dieser Hin- 
sicht erlebt, aber die Vögel sind die einzigen Wesen der Schöpfung, auf welche sie 
eine Zauberkraft ausgeübt. Sie bat diese Gabe von der Mutter, welche sie in 
einem noch grössern Maasse besass, und die in ihrem Garten stets in Begleitung 
von Grasmücken, Finken etc. wandelte, welche auf den Bäumen in voller Freiheit 
lebend, die Hände zu picken kamen, welche sie ernährt. Jene hat diesen Einfluss 
von ihrem Vater, den sicher nicht der simple Zufall zum Vogelsteller gemacht, 
sondern der Zug der Natur, sich den Wesen zu nähern, mit welchen ihn der In- 
stinet in Verbindung gesetzt. B. 



409 

versteckt, die Augen halb geschlossen. Indess war sie noch sehr 
klein, sehr gefrässig, und strengte sich an, bis zu mir zu fliegen^ um 
sich zu sättigen, seitdem ich die Unklugheit hatte, sie zu berück- 
sichtigen. Eines Tags schrieb ich, ich weiss nicht welchen Koman, 
an dem ich ein wenig eifrig arbeitete; ich hatte in einiger Entfernung 
den grünen Zweig befestigt, auf welchem meine Zöglinge in gutem 
Einverständniss sassen und lebten. Es war ein wenig kalt. Agathe, 
noch halb nackt, hatte sich unter den Bauch Jonquille's gedrückt und 
geschmiegt, die sich zu dieser Mutterrolle mit grossmüthiger Güte 
hergab. Sie hielten sich beide während einer halben Stunde ruhig, 
und ich profitirte davon, um zu schreiben; clenn es war selten, dass 
sie mir tagsüber so viel Müsse Hessen. Aber endlich erwachte der 
Appetit, und Jonquille, auf einen Stuhl und dann auf meinen Tisch 
springend, löschte das letzte Wort meiner Feder aus, während Agathe, 
welche den Zweig nicht zu verlassen wagte, mit den Flügeln schlug 
und den offnen Schnabel unter verzweifeltem Geschrei nach meiner 
Seite hin vorstreckte. Ich war inmitten der Entwickelung meiner 
Geschichte, und zum ersten Male wurde ich böse auf Jonquille. Ich 
machte ihr deutlich, dass sie in dem Alter sei, allein zu fressen, dass 
sie unter ihrem Schnabel ein vortreffliches Futter in einer niedlichen 
Untertasse habe, und dass ich entschlossen sei, nicht länger die Augen 
vor ihrer Trägheit zu schliessen. Jonquille, ein wenig piquirt und 
eigensinnig, ergriff die Partie zu schmollen und auf ihren Ast zurück- 
zukehren. Aber Agathe gab sich nicht sogleich zufrieden, und sich 
gegen sie wendend, forderte sie mit unglaublicher Beharrlichkeit Futter. 
Ohne Zweifel sprach sie mit grosser Beredtsamkeit zu ihr, oder wenn 
sie sich noch nicht gut auszudrücken wusste, so hatte sie doch in 
ihrer Stimme einen Ton, um ein fühlendes Herz zu zerreissen. Ich 
aber, Barbarin genug, beobachtete und hörte sie, ohne mich zu 
rühren, und studirte die sehr sichtbare Aufregung Jonquille's, die zu 
zweifeln und sich einem innern, sehr ausserordentlichen Kampfe hin- 
zugeben schien. Endlich fasst sie einen Entschhiss, fliegt in einem 
einzigen Satze auf die Untertasse, schreit einen Augenblick, hoffend, 
dass das Futter von selbst in ihren Schnabel kommen werde; dann 
entscheidet sie sich und greift in das Futter. Aber, o Wunder von 
Gefühl! (sensibilite) sie denkt nicht daran, den eigenen Hunger zu 
stillen ; sie füllt den Schnabel, kehrt auf den Zweig zurück und füttert 
Agathe mit so viel Geschick, als ob sie schon Mutter gewesen wäre. 

Naamannia. 1855. 28 



410 

Seit diesem Augenblicke belästigten mich Agathe und Jonquille nicht 
mehr, und die Kleine wurde von der Grossem ernährt, die sich da- 
bei besser benahm als ich: denn sie machte sie reinlich, glatt, wohl- 
beleibt und leitete sie viel früher zum Selbstfressen an, als ich es 
vermocht haben würde. So hatte diese arme Kleine aus ihrer Ge- 
nossin eine Adoptivtochter gemacht, sie, die selbst nur ein Kind 
war, und nur selbst fressen gelernt hatte aus mütterlicher Liebe zur 
Gefährtin. *) Einen Monat später lebten Jonquille und Agathe — stets 
unzertrennlich, obwohl desselben Geschlechts und verschiedener Spe- 
cies — in voller Freiheit in den Bäumen meines Gartens. Sie ver- 
loren sich nie weit vom Hause und hatten ihr Domicil vorzugsweise 
im Gipfel einer grossen Tanne. Sie waren schlank, glatt und frisch. 
Alle Tage, wenn wir während der schönen Jahreszeit im Freien 
speisten, kamen sie in schnellem Fluge auf unsern Tisch, und hielten 
sich, gleich liebenswürdigen Gästen, um uns, bald auf unsern Schul- 
tern, bald dem Diener entgegenfliegend, der die Früchte brachte, um 
vor uns von dem Teller zu naschen. Trotz ihres Zutrauens zu uns 
Allen Hessen sie sich doch nur von mir ergreifen und zurückhalten, 
und zu welcher Tageszeit es sein mochte, sie kamen von der Höhe 
ihres Baumes auf meinen Ruf herab, den sie sehr wohl kannten und 
nie mit dem von andern Personen verwechselten. 

.... Ich hatte auch ein Rothkehlchen, das an Intelligenz und 
Gedächtniss ein wahres Wunder war; einen Königsmilan (Milvus 
regalis), der für alle Welt eine wilde Bestie, zu mir in so vertrauten 
Beziehungen stand, dass er sich auf den Rand der Wiege meines 
Sohnes setzte und mit seinem grossen Schnabel, scharf wie ein Scheer- 
messer, leise und mit einem kleinen zarten und coquetten Schrei die 
Fliegen wegnahm, welche sich auf das Gesicht des Kindes setzten. 
Er legte dabei so viel Geschick und Vorsicht an den Tag, dass er 
den Knaben nie aufweckte. Dieser Herr war indess von einer solchen 
Stärke und von einer solchen Willenskraft, dass er eines Tags davon 
flog, nachdem er einen grossen Käfig umgestürzt und zerbrochen, 



*) Es scheint, dass diese wanderbare Geschichte die gewöhnlichste Sache von 
der Welt ist, denn wir haben, seit ich diesen Band geschrieben habe, noch andre 
Beispiele davon gesehen. Eine Brut Mauer-Nachtigallen (Iiutic. phoeni- 
curus), von uns aufgezogen, und kaum allein zu fressen anfangend, ernährte mit 
Zärtlichkeit alle kleinen Vögel ihrer Art, welche man in denselben Käfig setzte. 

(Aninerk. der Verfasserin.) 



411 ' 

in welchen man ihn gesperrt hatte, weil er für die ihm miss- 
fallenden Personen lästig wurde. Die grössten Hunde hatten eine 
unbesiegbare Furcht vor ihm. 

Ich endige noch nicht mit der Geschichte der Vögel, die ich zu 
Freunden und Gesellschaftern gehabt habe. In Venedig lebte ich 
tote a tete mit einem reizenden Staare, der zu meiner grossen 
Verzweiflung im Canale ertrank; dann mit einer Singdrossel 
{Turdus musicus), die ich dort zurückliess und von der ich mich 
nicht ohne Schmerz getrennt habe. Die Venetianer haben ein grosses 
Talent, Vögel aufzuziehen, und es war dort in einem Winkel einer 
Strasse ein junger Bursche, der Wunder darin leistete ...-. Ach, die 
Vögel; wie wenig man sie achtet, und wie schlecht man sie würdigt! 
— Ich habe mir den Einfall hingehen lassen, einen Roman zu schrei- 
ben, worin die Vögel eine ziemlich wichtige Rolle spielen, und worin 
ich Etwas über die Affinitäten und geheimen Einflüsse zu sagen ver- 
sucht habe. Er heisst Teverino etc. 

(Wir können es uns nicht versagen, noch einige bezügliche Be- 
merkungen der für die Vögel begeisterten Dichterin zu übersetzen. 
„Der Vogel, das erhalte ich aufrecht, ist das höchste Wesen der 
Schöpfung. Seine Organisation ist bewundernswürdig. Sein Flug 
stellt ihn materiell über den Menschen, und schafft ihm ein 
Lebens- Vermögen (puissance vitale), welches unser Genie uns noch 
nicht hat erwerben können. Sein Schnabel und seine Füsse besitzen 
eine unerhörte Geschicklichkeit. Er hat die Instincte der Gat- 
tenliebe, der Vorhersicht {prhision) und der häuslichen In- 
dustrie; sein Nest ist ein Meisterstück von Geschicklichkeit, Sorgfalt 
und ausgesuchtem Luxus. Das ist die am höchsten stehende 
Art, wo das Männchen dem Weibchen in den Pflichten 
der Familie beisteht, und wo der Vater, wie der Mann, mit 
dem Bau der Wohnung dem Schutze und der Ernährung 
der Kinder sich beschäftigt. Der Vogel ist Sänger, er ist 
schön, hat Grazie, Geschmeidigkeit, Lebhaftigkeit, An- 
hänglichkeit, Sittlichkeit, und ganz mit Unrecht hat man ihn 
oft zum Typus der Unbeständigkeit gemacht. Insoweit von dem 
Instinct der Treue bei dem Thiere die Rede ist, ist er das treueste 
der Thiere. Bei dem so sehr gerühmten Hunde hat die Mutter 
allein Liebe zu der Nachkommenschaft, was sie über das Männchen 

stellt; beim Vogel bieten beide Geschlechter, mit gleichen 

28* 



412 

Tugenden begabt, das Beispiel des Ideals in der Ehe. Wollte 
man doch nicht so leichthin von den Vögeln sprechen! Es fehlt 
wenig, dass sie uns gleich kommen, und als Musiker und Dichter 
sind sie von der Natur besser begabt als wir. Der Vogel -Mensch 
{Vhomme-oiseau), das ist der Künstler." 

Es versteht sich von selbst, dass die Verfasserin bei dieser 
enthusiastischen Schilderung den Typus der Vögel, die Singvögel, 
vor Augen gehabt, und dass man einige poetische Hyperbeln nicht 
urgiren darf. Sonst aber, wie viel Treffendes! 



Durch die Güte der Frau Amtmann Klepp in Krüchern erhielt 
ich acht Eier von einem Paar schwarzer Hausenten, mit 
schwarzem Schnabel und schwarzen Füssen, die ein eigentümliches 
Phänomen bieten. Der Melanismus scheint sich von den Eltern 
auf die Eier übertragen zu haben. Das zuerst gelegte ist einfarbig 
dunkel pulverschwarz, das zweite und dritte ebenso, kaum merklich 
heller, beim vierten ist die schwarze Färbung nur noch wie ein Puder 
über dem Grauweiss der Grundfarbe, beim fünften, sechsten und sie- 
benten eoncentrirt sich dieser hell pul ver schwarze Puder in viele kleine 
verwaschene Flecke, um beim achten nur noch wie ein ^schwacher 
Schein über der gelbweissen Farbe zu liegen. Die für Geflügelzucht 
sehr passionirte und aufmerksam beobachtende Dame versicherte mich, 
dass diese Enten ganz dieselbe Nahrung wie die übrigen bekommen, 
und auch sonst schwerlich andere gefunden haben. Dass der Albi- 
nismus sich auf die Eier erstreckt, ist bekannt; vom Melanismus 
weiss ich noch kein Beispiel. E. Baldamus. 



Ich habe Ihnen eine ornithologische Neuigkeit mitzutheilen : den 
Fang einer für Frankreich, wenn nicht überhaupt für Europa, neuen 
Seeschwalbe, welche im Juni dieses Jahres am Ufer der Ariege, 
in dem gebirgigsten Theile ihres Laufes, lebend ergriffen wurde. Sie 
wurde einem meiner Collegen gebracht, der mir vorläufig eine kurze 
Beschreibung gegeben, nach welcher ich "Sterna fuliginosa darin 
erkenne. Ich werde den Vogel erhalten, und Ihnen sofort weitere 
Nachricht geben. Dr. C. D. De gl and. 



(Sterna fuliginosa wurde bekanntlich vor mehren Jahren an der 
Elbe, zwei Meilen von hier, gleichfalls lebendig gefangen, und dem 



413 

Herrn Pastor Gueinzius in Prödel überbracht, in dessen Sammlung 
sie sich noch befindet. Ein prächtiges Exemplar. Baldamus.) 

Von den neuen Arten des Herrn Abbe Caire scheint mir Sylvia 
pratensis, Caire*), aus den Basses- Alpes, so bedeutend von S. pa- 
lustris des nördlichen Frankreich verschieden, dass sie wohl eine gute 
Art sein könnte. Ich bin eben bei dem vergleichenden Studium bei- 
der Vögel, muss aber noch weiteres Material abwarten, um Ihnen 
meine definitive Ansicht mitzutheilen. Dr. C. D. Degland. 



Soeben theilen mir die Herrn Ober-Regierungsrath v. Braun- 
behrens und Oberstlieutenant v. Minckwitz bei der Rückkehr von der 
Entenjagd in unserm Bruche mit, dass Ersterer eine Gall. chloropus 
von einer Kopfweide herabgeschossen, in deren Zweigen sie umher- 
kletterte. Es war ein junger Vogel von diesem Jahre. 

Baldamus. 



111. Literarische Berichte, Auszüge etc. 

Ornithologie de la Savoie etc. par M. J. B. Bailly. 

Von A. Lefevre. Med. aide-maj. au 6 leger. 
(Fortsetzung von Naum. 1855. I. p. 114.) 



Indem ich zu der Besprechung des Details übergehe, bemerke ich, dass ich 
mir die Aufklärung mancher dunkeln Punkte für später vorbehalte. 



Vultur j Y ' fUlVUS 

/ „ cinerei 



, cmereus 
Cathartes C. percnopterus 

Gypaetus G. barbalus. 

V. fulvus besucht Savoyen nur sehr zufällig. V. cinereus ist sehr selten vor- 
gekommen. C. percnopt. kommt nur im Sommer und in die weniger kalten Re- 
gionen , um in den steilsten Felsen zu nisten. Das Nest von Reisig enthält 1 Ei, 
selten 2 Eier, das Weibchen brütet gegen 30 Tage. Sie würgen den Jungen die 
Nahrung vor. Brütet fast jährlich in einigen Gebirgen Savoyens. Scharrt die von 



*) Wir werden die uns von dem Herrn Entdecker verheissene Beschreibung 
nebst der Abbildung nächstens geben. Die Redaction. 



414 



Falconidae 



Astur 



Aquila 



Milvus 



den Hirten vergrabenen Cadaver der Schafe und Ziegen aus. Sollte es wohl wirk- 
lich Milvus regalis gewesen sein, der dem Percnopt. einen Kampf geliefert, in wel- 
chem dieser mit zerbrochenem Flügel unterlegen? (p. 35.) 

Gypalit. barb. ist sehr selten, während ihn noch vor 60 Jahren jeder Jäger 
kannte und häufig erlegte. M. Bailly glaubt, dass er sich noch in S. fortpflanzt. 
Legt im Mai 1 Ei, selten 2. Die Jungen sind mit weisslichem Flaum bedeckt. 

F. peregrinus. 

subbuleo. 

„ aesalon. 
ialco < c 

„ rufipes. 

„ linnunculus. 

„ linnunculoid.es. 
\A. palumbivorus. 
\ „ nisus. 
A. imperialis. 
1 „ fulva. 

) „ planga fnaevia). 
i „ albicüla. 
i „ ßuvialis. 

„ braehydaelyla. 
{M. regalis. 
| „ ater. 

IB. variabilis 
„ lagopus. 
„ apivorus. 
C. rufus. 
„ cyaneus. 
„ cineraceus. 
„ pallidus. 

Der Verfasser hat sich jedenfalls getäuscht, wenn er angibt, „ dass die Augen 

der Falkoniden unter einem muskulösen Vorsprunge liegen." 

F. peregrinus (dessen Beschreibung ein wenig zu wünschen lässt) ist wenig ver- 
breitet. Man findet, jedoch selten, einige Exemplare, welche um einige Centi- 
metres kleiner sind, als die gewöhnlichen Männchen. 

F. subbuleo ist Standvogel und ziemlich gemein. Brütet 24 Tage. Die Jungen, 
mit rein weissem Flaum bedeckt, verlassen erst nach 40 Tagen den Horst. 

F. Aesalon horstet sehr wenig in Sav. *), ist aber auf dem Herbstzuge nicht selten. 
Mr. Bailly behauptet, dass er seinen Horst im Gipfel der Eichen und Fichten 
oder in Felsenspalten anlege. 

F. rußpes, nur im Winter und auch da selten. Mr. B. hält sich nicht allzulange 
bei dem Kleide des Weibchens auf, das doch von dem des Männchens so sehr 
abweicht. 

F. linnunculus , sehr gemein. Die Jungen verlassen das Nest selten vor der Mitte 
Juli. 

/•'. liiinunculoides, sehr selten. 

A. palumbivorus , in den grossen Fichtenwäldern der Gebirge horstend. Ein 4 
Monate alter Junger tödtet mit Schnabel und Fängen einen Milvus ater von 
gleichem Alter, mit dem er seit 14 Tagen in demselben Käfige sass, und 
frisst dessen Eingeweide, obschon es ihm an Nahrung nicht fehlt. 



Circus 



*) Wohl eine Verwechslung. F. aesalon horstet, wie es scheint, nur auf Felsen, 
die er ja auch in Savoyen in reicher Auswahl hätte! 



415 

A. nisus. Mr. B. spricht von sehr starken Weibchen, die er indess nur als Race 
betrachtet. Das Männchen baut mit dem Weibchen an dem Horste, der in 
14 Tagen fertig ist. Die Eier stehen im Verhältniss zur Grösse des Weib- 
chens. Brutzeit 22 Tage. Junge mit weissem Flaum bedeckt. Wandern 
mit Eintritt der Kälte südlich ; die Zurückbleibenden werden sehr mager. 
A. imperialis. Zufällig und nur im Sommer einige Exemplare auf dem Gipfel des 
Mt. Cenis. Nach den Mittheilungen des Advokaten Mr. Molin in Chambery 
sind zwei Jahre nach einander 2 junge Adler mit weissen Schulterflecken aus 
einem Horste auf einem Felsen in Bessuns genommen worden. Der Verf. 
meint desshalb, dass es Junge dieser Art gewesen. Indess man weiss jetzt, 
dass A. imp. nicht der einzige Adler mit weissen Schultern ist. 
A. fulva. Standvogel und ziemlich verbreitet. 

A. planga. Ist es A. clanga oder naevia, den H. B. meint? Die Beschreibung 
ist zu unsicher. „Man findet fast nur junge Vögel , und zwar selten. Im 
J. 1844 und 45 beobachtete ich einen leicht zugänglichen Horst dieses 
Adlers auf demselben Buchsbaum - Gebüsch in den Felsen des Mont- Basin, 
am Fusse des Nivolet. Im J. 1846 fand ich ganz nahe bei dem frühern 
Nestplatze einen andern Horst, was mich glauben lässt, dass dasselbe Paar 
3 Jahre nach einander sich hier fortgepflanzt hat. Der Horst, äusserlich aus 
kleinen ziemlich dünnen Aesten, innen aus Buchsbaumzweigen, Wurzeln und 
dürren Blättern zusammengesetzt, 7 bis 8 Centim. Durchmesser, enthielt am 
25. April ein Ei, am 1. Mai ein zweites. Nach 26 Tagen war das erste, 5 
oder 6 Tage nachher das zweite ausgebrütet. Vom zehnten Lebenstage an, 
bis sie den Horst verliessen, hörte man die Jungen unablässig schreien. Sie 
wurden mit Schlangen und andern Reptilien, kleinen Vögeln, jungen Hüh- 
nern, sehr kleinen Hasen, deren Knochen oder Skelette sehr rein abgenagt 
waren, gefüttert (p. 98, 99). Der A. planga scheint in kleinen Gesellschaf- 
ten auszuwandern." 
A. albicilla. Nur im Winter, und ein- bis zweijährige Junge, 
A. fiuvialis. (Pand. Haliaetos.) Selten. 

A. brachydaclyla. Ziemlich selten. Kommt im März oder April an und geht 
gegen Ende August fort. Nistet bald auf den höchsten Tannen und Eichen, 
bald in den Einbuchtungen der Felsen oder auf dem dicksten Dorngebüsch, 
welches dort wächst, zuweilen nahe am Boden und an Stellen, die man ohne 
Gefahr erreicht. Der Horst ist flach, in der Mitte etwas vertieft, aus kleinen 
Zweigen, besonders von Weissdorn, bestehend, innen mit kleinen Buchsbaum- 
zweigen, trocknem Rohr, Gewurzel und Moos ausgelegt. Gegen den 20. 
oder 2 5. April ein einziges Ei. Dieses ist ein wenig länglich, sehr gross im 
Verhältniss zum Vogel, von rauher Oberfläche, weiss mit einem leichten 
Scheine ins Graugrüne. Länge 7,4 Centim., Breite 6 Centim. — Grosse 
Amphibien -Vertilger. Wird in der Gefangenschaft sehr zahm. Nach der 
Mahlzeit trinkt er zuweilen und taucht dann den Kopf bis an die Augen ins 
Wasser. 
Milv. regaUs. Ziemlich häufig in S. Zugvogel. Männchen und Weibchen ver- 
theidigen zuweilen muthig ihre Brut. „Ein Nestausnehmer legte seinen 
Hut dicht neben sich auf den Felsen, um freier zu sein, da stürzt sich der 
Vogel mit Ungestüm darauf und trägt den Hut durch die Lüfte. (S. 118.) 
M. ater , selten oder häufiger in verschiedenen Jahren, und zwar in umgekehrtem 
Verhältniss zu regalis. Kommt mit diesem, zieht aber etwas später fort. 
Taucht bis zu halbem Leibe nach kleinen Fischen. Brütezeit 2 5 Tage. 
Buleo variab. , der gemeinste der Raubvögel in Savoyen , legt seinen Horst zu- 
weilen in Felsenspalten, Höhlen und geschützten Absätzen an. 
B. lagopus , selten und nur im Herbste und während des Winters. 



416 

B. apivorus, Standvogel und auf dem Zuge. 

C. rufus und cineraceus selten, cyaneus weniger selten, alle nur auf dem Zuge. 
C pallidus nur einmal vorgekommen in Savoyen. 

JSlrix bubo. 
„ olus. 
„ scops. 
„ brachyotus. 
Slrigidae. Strix <( „ aluco. 

\ „ flammea. 
sans aigrettes < „ noclua. 

I „ Tengmalmi. 
[ „ passerina. 

Str. bubo, Standvogel, ziemlich häufig in den Wäldern im Norden von Savoyen. 
Str. olus. Gemeiner. 

Sir. scops. Gemein. Jedes Jahr in den Ebenen des eigentlichen Savoyen, be- 
sonders in der Umgegend von Chambery. Wandert im Winter südlich. 
Sir. brachyolus ist die seltenste Eule im Sommer*), dagegen stets häufig im Herbste. 
Str. aluco. Zwei Weibchen auf den Eiern ergriffen, waren den alten Männchen 
vollkommen ähnlich, deren Gefieder „dunkelgrau, weiss und schwarzbraun 
gefleckt ist"; der Verfasser fragt, ob man annehmen könne, dass das 
Weibchen in vorgerücktem Alter das Gefieder des Männchens anlege. Sehr 
häufig zu allen Jahreszeiten. 
Str. flammea. Ebenso. 

Str. noclua. Gemein. Verfolgt, ebenso wie scops. und flammea, die Personen, 
welche sie vorübergehen sieht, mit lautem Geschrei, besonders bei Anbruch 
der Morgenröthe. So hat der Verfasser öfter beobachtet. 
Str. Tengmalmi, das ganze Jahr hindurch nicht selten, besonders in den Nadel- 
waldungen der Berge. Nest in Baumhöhlen, selten in Felsenlöchern. 4 — 5 
Eier, ein wenig grösser und länglicher, als die von noclua. L. 3,6 Centim., 
Br. 2,6 Centim. 

Caprimulgus C. vulgaris. 
\C. alpinus. 



Cypselus 
J * [ „ murarius. 

Chelidones { iH. domeslica (ruslica). 

TT . . \ „ rupeslris. 

Hirundo <• .».»., .. ^ 

1 „ sociabilis (urbica). 

[ „ riparia. 

Caprim. vulg., nicht selten. Das Weibchen brütet allein, und das Männchen küm- 
mert sich sogar wenig um die Erziehung der Jungen. Dass das Weibchen 
die Eier im Schnabel fortträgt, hat schon Levaillant berichtet, und über den 
Schutz der Jungen finden sich im Magazin de Zoologie 183 7 bessere Beob- 
achtungen , mitgetheilt durch De Lafresnaye nach Florent Prp vost. 2 — 3 
Eier, selten 4. Hr. Bailly hat nur einmal diese Zahl gefunden. 

Cyps. alpinus ist im Sommer gemein um die hohen Felsen von Maurienne. 

Cyps. murarius wie bei uns. 

Ueber die Schwalben gute Beschreibungen der Sitten, aber nichts Neues. 

Man könnte selbst bedauern, dass der Verf. nicht einige Artikel seiner Vorgänger 

entlehnt hat. 

Hir. rupeslris kommt in Savoyen mit dunklerem Gefieder vor, als in den Basses- 
Alpes. Ziemlich häufig, besonders bei Chambery. Kommt Ende Februar 



*) Oder kommt wohl fielmehr gar nicht vor. 






417 

oder Anfang März früher als die übrigen Schwalben an und zieht später fort. 
Ende Mai legt sie ihr Nest in Felsenspalten, den Karniessen alter Thürme 
und Häuser, besonders in der Nähe von Wasser an. In Savoyen nur eine 
Brut, 
H. riparia ist die am wenigsten häufige der vier Arten in Savoyen und kommt mit 
der urbica, etwas später als rustica an. 

A , (Meropidae M. apiaster. 

Alcyones {.. / ., . ... 

(Alcedomdae A. ispida. 

M. apiaster ist selten und sein Durchzug nicht alljährlich. Zieht einzeln oder in 
Paaren, selten in kleineren Banden, ohne sich aufzuhalten. Der Verf. glaubt, 
dass er i» Savoyen niste. 
A. ispida macht zwei Brüten, die zweite Ende Juni oder Anfang Juli. Verwun- 
det dreht er den Hals wie Y. torquilla. 

martius. 
viridis. 

, canus. 
Tetradactyh {" 

* J„ major. 

Picidae ) /„ medius. 

minor. 
Scansores <( f Tridactyli „ Iridactylus. 

Y. torquilla. 
Cuculidae C. canorus. 

Der Hr. Verf., der so oft die Ideen Buffons adoptirt, ohne diesen Forscher 
jemals zu citiren, macht, wie dieser, aus den Spechten Unglückliche, zur ewigen 
Galeerenarbeit Verdammte, ohne zu bedenken, dass sie für ihre besondere Lebens- 
weise so gut organisirt sind, dass ihnen eben nur diese natürlich und also bequem 
und angemessen ist. Die Manieren und der Charakter der Spechte scheinen mir doch 
nicht so ganz trist, als Mr. B. es beschreibt. Da alle Spechte in ihrer Nahrungs- 
weise beinahe gänzlich übereinsimmen, so hätten öftere Wiederholungen in diesem 
Bezug vermieden werden können. 

P. martius, ziemlich verbreitet, in allen Jahreszeiten. Männchen und Weibchen 
brüten und haben Brutflecko. Brützeit 17 — 18 Tage. Die Alten legen im 
Herbste Vorräthe von Saamen von Pinus cembra an; die Jungen, weniger 
erfahren, sind gezwungen zu wandern. 
P. viridis häufiger und scheuer. Legt gleichfalls Vorräthe an. 
P. canus nur sehr zufällig im Herbst und Winter. 
P. major gemein, medius selten, obwohl Standvogel, minor ziemlich häufig, zumal 

im Winter. • 

P. iridactylus sehr selten, nistet wahrscheinlich nicht in Savoyen (?). 
Y. torquilla kommt den 8. April an und zieht im September fort. Brützeit 16 — 1 7 

Tage. 
Cuc. canorus. Der Verf. gibt viele interessante Thatsachen, nur ist zu bedauern, 
dass er den Artikel O. Desmurs über den Kuckuk in der Encyclopedie d'hi- 
stoire naturelle, deren I. vol. 1850 erschienen ist, nicht gekannt zu haben 
scheint. Zunächst finden wir zahlreiche Beobachtungen, um zu beweisen, 
dass der rothbraune K. der junge Vogel ist. Der K. schiebt sein Ei mittelst 
des Schnabels nur in solche Nester, in welche er nicht unmittelbar legen kann, 
wie der Verf. es bei einem in einer Höhlung befindlichen Neste von Rubecula 
beobachtete, dass das Weibchen nach verschiedenen gescheiterten Versuchen, 
direct ins Nest zu legen, sich endlich bequemte, das Ei an die Erde zu legen. 
Der Verf. hätte wohl gethan, wenn er uns gesagt hätte, ob das Ei Aehnlich- 
keit mit der Färbung der Nesteier gehabt. Die Erklärung des Grundes der 



418 

geringen Grösse der Eier ist die gewöhnliche: Nahrungsweise, grosser Ma- 
gen etc. Wäre der junge K. in der That so gefrä6sig und blutdürstig, um 
schliesslich die Pflegeältern zu verschlingen? Die Versuche von Montbeillard 
lassen uns das Gegentheil glauben. Mit gleichem Unrecht behauptet der 
Verf., dass die Pflegeältern dem jungen K. seine eigentümliche Nahrung zu- 
führen: dieser muss sich vielmehr an die Nahrungsmittel seiner Pfleger ge- 
wöhnen. (Ueber den so eben erschienenen IL Bd. später.) 
Lille 1855. A. Lefevre. 



Premiere liste des ornitholoo-istes etc. de France. Par Mr. 
le Dr. C. D. Degland. 

(Fortsetzung von Naum. 1855. I. p. 118 ff.) 

Mr. Demarle aine, Tableau des oiseaux observe's dans le Boulonnais , enthalten 
in : Prelis de l'histoire physique, civile et politique de la ville de Boulogne- 
sur-mer et de ses environs etc. 2 vol., Boulogne chez tous les libraires. Der 
Verfasser gibt zunächst sein eigenes Verzeichniss der Zug- und Standvögel 
des Boulonnais, dann, „um seine Arbeit vollständiger zu machen," das der 
Hrn. Baillon und De Lamotte der Umgegend von Abeville, und zuletzt das 
der in seiner Gegend vorgekommenen Varietäten. Wir bezeichnen die „ge- 
wöhnlich nistenden Arten" mit *, die „zufällig nistenden u mit **. Es sind 
folgende Arten: 

Falco peregrinus**, subbuteo*, aesalon*, tinnunculus*, chrysaetos L. , naevius, ossi- 
fragus, haliaetus, palumbarius**, nisus*, milvus, buteo*, fasciatus*, pennatus, 
apivorus, rufus*, cyaneus*, cineraceus. 

Slrix otus, braehyotus, alueo*, flammea*, passerina, Gm.* 

Lanius exeubitor*, rufus**, collurio*. Muscicapa grisola*, atricapilla**, Bombyc. 
garrula. 

Turdus merula*, torquatus, musicus*, viseivorus*, pilaris, iliacus. Oriolus galbula. 

Molacilla rubetra*, rubicola*, oenanthe*, rubecula*, suecica*, phoenicurus** (?), 
tithys*, luscinia*, turdoides, arundinacea*, salicaria Gm.*, atricapilla*. orphea* 
(?), hortensis*, sylvia L.*, curruca*, schoenobaenus L., alpina Gm., modularis*, 
locustella, provincialis, regulus Lath., ignicapilla Brhm., tioglodytes*, trochi- 
lus*, hypolais*, sylvicolaLath.*, rufa*, alba*, lugubris Pall., boarula L.*, flava*. 

Anlhus pratensis L.*, trivialis Gm.*, obscurus Gm., rufescens Temni.* 

Hirundo apus*, urbica*, rustica*, riparia*. Caprim. europaeus*. 

Alauda arvensis*, cristata*, arborea*. 

Parus major*, ater, coeruleus*, palustris*, cristatus, caudatus*, biarmicus*. 

Emberiza citrinella*, cirlus**, schoeniclus*, nivalis, miliaria*, cia, calcarata. 

Fringilla domestica*, montana*, coelebs*, montifring., cannabina*, linaria, montium, 
carduelis*, spinus, chloris*, coecothr.*, pyrrhula*, curvirostra**. 

Slurnus vulgaris*. Silla europaea*. 

Corvus corax*, cornix*, frugilegus*, monedula*, pica*, glandarius*, caryocatactes. 

Upupa epops**. Cerlhia familiaris*. Merops apiaster. Alcedo ispida**. 

Picus viridis*, major*, medius*, minor. Jynx torquilla*. Cucit/u.s canorus. 

Phasianus colchicus**, Telrao coturnix*, cinereus*, rufus**, damascenus Gm.* 

Columba palumbus*, oenas**, turtur*. 

Otts tarda, tetrax. Charadr. oedienemus*, pluvialis, morinellus, hiaticula, minor, 
cantianus*, calidris. 



419 

Tringa squatarola, vanellus*. Haemalopus ostralegus. 

Ardea grus, cinerea**, purpurea, nycticorax, minuta*, stellaris*, ciconia L., nigra. 

Plalulea leucerodia. Scolopax falcinellus, arquata**, phaeopus, rusticula**, galli- 

nago**, leucophaea Lath., aegocephala. 
Tringa cinerea Gm.** (?), arenaria, cinclus L., pugnax**, Temminckii, subarquata, 

maritima, minuta, lobata Edw., hyperborea, interpres. 
Scolopax glottis, fusca, totanus L., gambetta L., ocbropus, hypoleucus*, stagnatilis. 
Charadrius bimantopus. Recurvir. avocetta. Rallus aquatieus*, crex*, porzana, 

Bailloni**. 
Fuiica cbloropus*, atra. Glareola austriaca. 
Colymbus cristatus, cornutus, subcristatus, minor*, auritus, arcticus, septentrionalis, 

glacialis. 
Uria troile**, alle. Alca torda, arctica L. Proceflaria glacialis, pelagica, Leacbii. 
Larus marinus, argentatus, fuscus, glaucus, glaucoides, eburneus, cyanorrhynchus 

L.** (hibernus Gm.), tridactylus, ridibundus, erythropus Gm., minutus, Sabini, 

catarractes, parasiticus, pomarinus. • 

Slerna cantiaca, hirundo**, anglica, nigra**, minuta**, arctica. 
Pelecanus carbo, bassanus. 
Anas olor, cygnus Gm., anser ferus, albifrons, leucopsis, bernicla, nigra, fusca, 

perspicillata, glacialis, clangula, mollissima, ferina, marila, fuligula, clypeata, 

tadorna**, moschata^ acuta, boschas**, strepera, penelope, rufina, leucoph- 

thalmus, querquedula**. 
Mergus merganser, serrator, albellus. 

Von den Herrn Baillon und de Lamotle sind ausserdem in der Nachbarschaft 
beobachtet: 
Vullur fulvus , F. islandicus, Strix nyctea, Coracias garrula, Sylvia Nattereri, 

Anlhus Richardi, Emberiza horlulana, Fring. pelronia, Ardea egretta, gar- 

zetta, Tringa platyrhyncha, Sterna leucopareia, Procellaria glacialis, Puffinus 

anglorum, Carbo cristalus. 

An Varietäten und Spielarten sind vorgekommen: 

F. aesalon mit weissen Federn an den Flügeln. 

T. merula, jung, ganz weiss. T. merula, jung, weiss und schwarzbunt. T. merula, 
jung, aschgrau. 

T. pilaris, isabellfarben. Rubecula mit weissen Federn an den Flügeln. 

Molac. alba ganz weiss, idem mit einigen schwarzen Federn. Hirundo urbica weiss. 

Passer domeslicus a) schwarz, b) weiss, c) weisslich d) isabellfarben, e) gescheckt. 

Fr. coelebs weisslich. F. carduelis gelb, chlor is isabellfarben. Ember. dir in. 
isabellfarben. 

Slurnvs vulg. a) falb, b) rothgelb. Corvus corax mit weissen Federn in den 
Flügeln. 

C. frugilegus mit Kreuzschnabel. C. pica a) ganz weiss, b) weissgestreift, c) rost- 
roth. 

Perd. einer, a) falb, b) weisslich. Coturnix weiss. Char. mor melius weisslich. 
Haemal. ostral. weissgestreift. Scolop. rusticula falb. Gallinago a) falb, 
b) milchkaffeefarben. Sc. galiinula isabellfarben. Anas acuta isabell- 
farben. A. penelope ganz weiss. 



M. Loche (s. Naum. 1. c. p. 11 9). Unter den von diesem eifrigen Ornithologen 
während der Monate Juli und August 1850 auf der Höhe der Pyrenäen, längs 
und in der Nähe der Küste gesammelten Vögeln befinden sich folgende Arten: 
Vultur fulvus et cinereus, N. perenopt., Gyp. barbatus, Pand. haliaet., 



420 

Pernis apivor. , Milv. niger, Circ. cyaneus, A. nisus, Str. aluco, Pic. major 
et minor, Pyrrh. serinus, Emb. cia, Parus ater, Pyrrh. alpinus et graculus, 
Cincl. aquat., Petroc. saxat. et cyanea, Sax. stapaz., Eryth. tithys, S. orphea, 
trochilus, rufa, hypolais, locustella, Tetr. urogall. , Tot. stagnat. , Tringa 
minuta, Rallus pusillus et ßailloni, Lestris pomarinus, Puff, major, Alca torda. 
Ferner F. subbuteo et vespertinus, Str. otus, Fring. nivalis, Regul. ignicap., 
Anth. campestris, Sylv. provincialis, Cettii, phragmitis et aquatica, Tichodr. 
muraria, Col. livia et oenas, Lagop. alpinus, Tot. glareola, Phalaropus fuli- 
carius, Proc. glacialis, Uria troile, Morm. areticä — alle im Hochzeitkleide. 

In den ersten Tagen des Februar 1851 bei sehr schönem Wetter und in 
Begleitung zweier ortskundiger Jäger durchstreifte Hr. Loche zu wiederholten Malen 
die Thäler von Campan und Aure und die sie einschliessenden Gebirge; dann 
das Thal von Ossan und die Umgebungen von Ordos. Wir geben einige seiner 
neuen und interessantesten Beobachtungen. Um die scheuen Raubvögel beobachten 
und erlegen zu können ,' hatte Capt. L. auf dem Gebirge unterirdische Verstecke 
ausgraben lassen, in deren Nähe Cadaver gelegt wurden. Hier tagelang versteckt, 
hat er merkwürdigen Scenen beigewohnt, deren Acteurs sich zuweilen auf die Zahl 
von 20 beliefen. 

Hatten sich z. B. einige Vult. fulvus auf den Cadaver niedergelassen, so räum- 
ten sie dem herbeikommenden Gypaetos eiligst das Feld und warteten einige Schritte 
davon unbeweglich, bis der gesättigte, mächtige Rival ihnen erlaubte, ihre Mahl- 
zeit fortzusetzen. Die Milanen und Raben erwiesen den Geiern eben so viel Ach- 
tung, als diese den Bartgeiern. Von V. cinereus hat Hr. L. nur 2 Stück gesehen 
und ei'legt, das eine am 2. Juni, das andere am 10. Juli 1851 bei Ordos. Das 
letztere stand bereits in der Mauser. 

Viele der Raubvögel scheinen dort sehr früh zu horsten. Hr. L. nahm 
am 9. März aus einem Horste, auf dem Gebirge der „trois couronnes" in Spanien, 
einen jungen Gypaetos, der schon alle Federn hatte. Am nämlichen Tage und auf 
demselben Gebirge nahm er einen V. fulvus, der aber noch mit dickem weisslichem 
Flaume bedeckt war und dessen Flügel und Schwanzfedern nur eben hervorkamen. 
Am 2. April 1851 schoss Hr. L. ein sehr altes Männchen von Gypaetos, das trotz 
aller Vorsicht mehre Personen ernstlich verwundete , und das man , da man seiner 
nicht Meister werden konnte, endlich tödtete. Die Falken horsten viel später 
als die Geier. Bei Campan wurde ein Horst von Aq. fulva entdeckt, der aber un- 
ersteiglich war. Das Weibchen war auf ein todtes Pferd in der Nähe des von 
Hrn. L. genommenen Hinterhaltes gefallen; er verwundete es, konnte es aber 
gleichfalls nicht bewältigen und musste es mit einem zweiten Schusse tödten (am 
15. Februar). 

Einige Tage darauf erlegte er in dem Walde von Campan zwei Paare Picus 
mariius neben dem Neste, das sie in einer grossen, schönen Tanne angelegt hatten. 
Diese enthielt acht gerade unter einander gemeisselte Löcher, die etwa 40 CM. 
von einander und das unterste gegen 10 M. (c. 35. F.) vom Boden entfernt waren. 
Am 10. Februar 1851 erlegte er ein gepaartes Paar von Picus leueonolus und 
ein einzelnes W. , am 7. Juni ein Männchen. Dieser Vogel nistet also auch in 
Frankreich (Pyrenäen). 

Im Thale von Ossan erlegte er viele Pyrrhoc. alpinus und graculus, Cinclus 
aquat. und ein prächtiges Exempl. von Fring. nivalis; aber nur einen P. pefcronius. 

In den Umgebungen von Bayonne, vom 20. September bis 10. December, 
verschaffte er sich Anthus Richardi. Am 8. November erlegte er eine Alauda 
alpeslris , die einzige, welche er sah. Im Mai, Juni und Juli schoss er Mol. 
Yarelli und einer eocapilla. Bei Behovie, Pau und Bayonne beobachtete und 



421 



iödtete er C. Cettii, Männchen, Weibchen und eben ausgeflogene Junge. Er konnte 
dabei die Genauigkeit der Beobachtungen des Hrn. Gerbe hinsichtlich des zigeuner- 
artigen Lebens dieses Vogels würdigen, der an verschiedenen Localitäten nistet. 
In Behovie acquirirte L. auch C. luscinioides , die dort durchzieht und sich in klei- 
nen Zügen zeigt. Weniger selten ist €. locustella. 

In Ordos wurde Tichodr. muraria im Hochzeitkleide erlegt; in Campan 
waren sie im Winterkleide bemerkt worden. 

Ungeachtet aller Nachforschungen wurden weder T. tetrix, noch bonasia und 
P. graeca entdeckt, welche einige Schriftsteller als Bewohner der Pyrenäen an- 
geben. Die Jäger und Hirten versicherten , sie niemals bemerkt zu haben. 

In Folge der Stürme, welche die Schifffahrt im Golf von Gascogne so gefähr- 
lich machen und eine grosse Menge Vögel an den Strand werfen, hat Hr. L. auf 
den Dünen zwei schöne Proc. glacialis gefunden, wie er früher Lesiris pomarinus, 
Puff, major und fuliginosus, Alca lorda, Uria trolle , M. fratercula, arclica und 
viele kleine Wadvögel dort erlegt hatte. 



Von dem Kataloge des Hrn. Hardy (Catal. des ois. observ. dans le derart, de la 
Seine inferieure, s. Nauru. 1855 I. p. 120) geben wir nur die merkwürdigeren Vor- 
kommnisse an nebst einigen Notizen, und übergehen die überall gemeinen Arten. 

V. Kolbü, (einmal). Ist V. fulvus juv. oder Gyps occidentalis, Bp. 



C. percnopt. (zweimal). 

F. islandicus. 

A. naevia. 
„ albicilla. 

„ haliaet. 

Circ. pallidus (in Abbe- 
ville). 

Sir ix scops. 

Nuci/raga caryocat. 

Pyrrhoc. graculus ( ein- 
mal). 

Corac. garrula. 

Paslor roseus. 

Lan. excubüor. 
„ rufus. 



Lan. collurio. Mol. boarula. 

Muse, albicollis. „ flava. 

Turd. torquatus. „ flaveola**) Gould. 

Cinclus aqualicus (einmal). Anth. Richardi. 



C. locustella. 

„ aqualica. 

„ phragmilis 

„ lurdoides. 

„ arundinacea* ) 

„ palustris (einmal). 

S. provincialis. 

„ cyanecula. 

„ suecica. 

Acc. alpinus. 

Mol. Yarelli. 



„ aqualicus. 

,, rupeslris. 

AI. crislala.***) 

Par. biarmicus. 

„ pendulinus 

Emb. horlulana 

„ cirlus. 

„ nivalis 

„ calcarata. 
Fring. monlifring. 
monlium. 



*) Wir haben hier zwei sehr wohl zu unterscheidende Vögel, die unter dem Namen 
Effarvate (arundinacea) vereinigt sind. Die eine Art, die aiund. Temmineks, zieht nur 
im Herbste durch, wenigstens habe ich sie im Frühling niemals beobachtet. Die andere 
kommt Mitte Mai zu uns, um zu nisten, und zieht Ende August fort. Sie gleicht 
der ersten im Gefieder gänzlich, aber der breite und niedrige Schnabel hat alle 
Charaktere des Schnabels der Temminckschen palustris, den ich nur einmal hier 
gefunden und mit dem er nicht zu verwechseln ist. Sein Gesang ist wenig angenehm. 
Wenn es nicht die Sylvia strepera Vieill. ist, könnte man ihn Effarvate ä large bec — 
breitschnäbliger R. — nennen 

**) Es ist schwer, nicht zu glauben, dass flaveola und ilava nicht ein und die- 
selbe Art sind: dasselbe Geschrei, dieselben Sitten, dieselben Eier elc. Ich habe sehr 
viele Nachforschungen und Beobachtungen in dieser Beziehung angestellt, und alle 
Uebergange von flaveola bis Feldegii getödtet und untersucht, ohne einen specitiseben 
Unterschied auffinden zu können. 

**) Die Farbe des Bodens scheint Eintluss auf die Färbung der Haubenlerche 
zu haben: in den Sandgegenden haben sie eine mehr graue, in den Thongegendtn 
eine mehr falbe Farbe. Diese Beobachtung gilt auch von andern Arten , besonders 
von Sax. oenanthe, welcher fast weiss ist au den Gestaden der Marne. 



422 



Fring. borealis. 

„ linaria. 

Pic. viridis*) 

„ canus. 

„ major. 

„ medius. 

„ minor. 

Tichodr. murar. 

Perdix rubra. 

„ cinerea.**) 
Glareola torquata. 
Olis tarda. 
„ lelrax. 
Oedicn. crepilans. 
Arenaria calidris. 
Himanlopus atropl. 
Haematopus oslral. 
Charadrius, alle Arten. 
Ciconia nigra. 
Ardea purpurea. 

„ alba. 

„ ralloides. 

„ cinerea. 

„ minula. 

„ stellaris. 

„ nyclicorax. 

Plat. leucerod. 

Ibis falcinell. 

Numenius) ,. , 

rp, . } säuimthche. 

iringa ) 

Tolanus (ausser stagnalilis). 

Limosa melan. if rufa. 



Scolop. Brehmii (16 rectri- 

ces). 
Scolop. LamoUii(l3 rectri- 

ces). 
Scolop. galiinago (14 rec- 

trices. 
Scolop. grisea, Gm. 
Phalaropus , (beide). 
Podiceps, (alle). 
Sterna caspia. 

„ arclica. 

„ anglica. 

„ leucoplera.***) 

„ nigra. 

„ leucopareia. 

minula hf hirundo. 
Larus glaucus 

„ leucoplerus. 

„ argenlalus. 

„ Michahellis.^) 

„ marinus. 

„ juscus. 

„ canus. 
tridacl. 

„ ridibund. 

„ minulus. 

„ Sabini. 
Lestris, (alle vier). ff) 
Procell. glacialis. 
Puff, major. 

„ anglorum. 
Thalass. Leachii. 



Thalass. pelagica. 
Diomedea exulans, (einmal). 
Anser einer eus. 
„ segetum. 
„ albifrons. 
„ leueopsis. 
„ bernicla L. 
Cygnus olor. 

„ melanorhynchus. 
„ Bewickii. 
Anas tadorna. 
„ slrepera. 
„ acuta. 
„ penelope. 
,, querqued. 
„ crecca. 
,, clypeata. 
„ molliss. 
„ fusca. 
„ nigra. 
„ rufina. 
„ marila. 
„ fe.rina. 
„ leucophlhalmus. 
„ fuligula. 
„ clangula. 
„ glacialis. 
Merg. merganser. 
„ serralor. 
„ albellus. 
Carbo cormoranus.fft) 
„ cristatus. 



*) Ich besitze ein Gelege Eier vom Grünspecht, welche grün sind und welche 
man mir mit dem Weibchen gebracht ha! (Sicher ein Irrthum, falls nicht die grün- 
liche Farbe von einem zufälligen Färbemittel des Nestes, wie sie vom Gerbstoffe 
mancher Bäume braungelb überzogen vorkommen, herrührt. Bald.) 

**) Die rostrothe Varietät, genannt Perdrix de montagne, findet sich ziemlich 
häufig in einer Gegend, wo Perdrix rubra niemals vorkommt. Die kleinere Bace, welche 
im Winter zu uns kommt, wandert ohne Zweifel aus der Bretagne und Vendee aus, 
wo man nur solche findet. 

***) Ich habe ein Paar zu Ende Mai in unsern Sümpfen erlegt, die einzigen, 
welche ich hier bemerkt habe. 

1") Diese Bace oder Varietät hat gelbe Füsse, wie Lar. fuscus, und das lebhafte 
Roth des Nagels des Unterkiefers erstreckt sich bis an den Oberkiefer. Sie ist sonst 
am Mittelländischen Meere. 

•J-J-) \j. Buffonii, Mey. ist parasitica Temm , während die alte parasitica den neuen 
durch die Engländer gegebenen Namen Richardsouii In'igl. Der Unterschied zwischen 
den Jungen beider Arten ist durch Beschreibung schwer festzustellen, aber man kann 
sieb nicht leicht irren, wenn man folgende Charaktere beachtet: die mittleren Sleuer- 
federn der jungen Buffonii, welche um einige Linien, zuweilen um einen Zoll länger 
sind, sind an ihren Enden abgerundet, während sie bei der jungen parasitica oder 
Richardsonii in eine Spitze auslaufen. 

1*i"t) Wir haben liier eine Race von Cormoranen, welche stärker ist, als die ge- 
wöhnliche. Der Schnabel ist grösser, die Totallänge 35 Zoll; die Jungen haben mehr 
Weiss an den Unterteilen des Körpers. Vielleicht rührt dieser Unterschied der 
Grösse von den Ueberfluss und der nahrhaftem Beschaffenheit der Seefische her. 



423 

Sula alba. Uria lacrimalis, (Fab.) Alca torda. 

Colymbus, alle (drei). „ alle. „ impennis.*) 

Uria Iroile, (Lath). Morm. fralerc. 

Dem Verzeichnisse folgen noch einige ausführlichere Notizen über Lesiris po- 
marinus — deren Altersverschiedenheiten der Verf. in sehr genauen Beschreibungen 
angibt (bei dem grossen , anhaltenden Sturme hatte Herr H. 1 1 Stück erlegt und 
einige und vierzig andere von jedem Alter erhalten, welche dieses schreckliche 
Wetter an den Strand von Dieppe geworfen hatte,) — und endlieh einige Bemer- 
kungen über Paslor roseus, der als Verirrter meist im Sommer**) erschienen ist, 
mit Ausnahme eines Männchens, dass am 15. Dcbr. von einem Kirchendache am 
Meere, und zwei einjähriger Jungen, welche unter einer Schaar von Staaren im 
Herbste erlegt wurden. „Die neueste Sommererscheinung bestand in einem kleinen 
Trupp, der sich 2 Lieues von Abbeville an dem steilen, erdigen, von vielen Brut- 
höhlen der Uferschwalbe durchlöcherten Meeresstrande häuslich einrichtete. Die 
Vögel flogen beständig um einige Löcher herum, schlüpften hinein und schienen 
brüten zu wollen. Leider störte man die Brut, indem man mittelst eines gabeligen 
Stabes ein mit Brutflecken versehenes Weibchen aus einer der Höhlen zog und in 
den folgenden Tagen mehre Individuen schoss und nach Paris schickte. Der Rest 
entfernte sich, um nicht mehr zurückzukehren. Vielleicht wären sie, wenn sie un- 
gestört geblieben, wenigstens die Jungen, nach dem Orte ihrer Geburt zurückge- 
kehrt, um sich hier förmlich anzusiedeln, wie man das bei so vielen Zugvögeln 
beobachtet hat, und wie sich überhaupt die Heimathsgrenzen der Vögel erweitern 
und modificiren. Die Mauser des Rosenstaars ist eine doppelte: nach der ge- 
wöhnlichen im Herbste unterliegt das Gefieder durch Abreiben und die Ein- 
wirkung der Luft im Frühjahr einer periodischen Veränderung; es verschwinden 
die braunen Einfassungen der Federn des Mantels und die grauen Ränder der 
Schulterfedern, Schwingen und Schwanzfedern, denn man findet sie nicht mehr im 
Sommer: eine Beziehung mehr zum Staare, dem er durch seine Sitten und das 
Ensemble der Gestalt schon so nahe steht. Abweichend von diesem, der sich nach 
der ersten Herbstmauser nicht mehr von den Alten im Winterkleide unterscheidet, 
braucht der Rosenstaar wenigstens ein Jahr, um sein vollkommenes Kleid anzulegen. 

Dr. C. D. Degland, 



Die im Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg vorkommenden 

Vögel. Eine ornithologische Skizze von .1, F. Leu. Augsburg, 

1855. v. Jenisch & Stage. 8. 20 p. 

Die kleine Schrift enthält die Aufzählung der in der weitern Umgebung von 
Augsburg nistenden wie durchziehend beobachteten Vögel, 228 Arten, als ersten, 



*) Alca impennis ist zweimal in zwei verschiedenen Jahren, jedesmal im April, 
an unserer Küste vorgekommen, der eine geschossen, der andere todt gefunden. 
Ein anderes Individuum ward in Cherbourg erlegt und befindet sich in der Sammlung 
des Hrn. de hamotte in Abbeville 

**) Man findet den Grund der Erscheinung dieses Vogels, so wie der von 2 — 3 
andern südlicheu Arien, in nördliche)) Klimaleu einmal in der Wanderung der 
Inseclen, von denen sie sich vorzugsweise nähreu und in deren Verfolgung sie sich 
verirren, und dann in der iri manchen Jahren übermässigen Hitze ihrer Heimalb, 
welche den Hoden so austroekn ■■!, dass sie ihre Nahrung dort nicht, mehr linden. Dazu 
kommen aber noch, namentlich um dergleichen Erscheinungen auch im Winter zu 
erklären, grosse Heiiurbationen der Atmosphäre, die Beständigkeit gewisser Winde, 
Nebel, etc. 



424 

keineswegs abgeschlossenen Bericht, scheint aber neben dem local-faunistischen 
noch den sehr rühmenswerthon Zweck der Verbreitung besserer Kenntniss, betref- 
fend der Schädlichkeit und Nützlichkeit gewisser Arten, im Auge zu haben , und 
warnt wiederholt und mit vollem Rechte vor der Verfolgung der Eulen, Mauser und 
anderer nützlichen Vögel. 

Als merkwürdigere Nistvögel der Lokalität erwähnen wir Pand. halia- 
etos, Hai. albicüla (einmal), Aq. chrysaetos (auf den Allgäuer Alpen), Tetr. uro- 
gallus , tetrix und bonasia (letzteres gemein auf den Allgäuer Bergen), Numen. ar- 
quatus (gar nicht selten), Sterna anglica (vor c. 3 Jahren grosse Seltenheit, hat 
sich in den letzten 10 Jahren so ziemlich auf dem Lech und der Wertach ein- 
gebürgert, und schien sogar die gemeine Seeschwalbe (hirundo) verdrängen zu 
wollen; die Ueberschwemmungen seit 2 — 3 Jahren zur Brützeit scheinen sie wieder 
verjagt zu haben, sie sind wenigstens seltener geworden). Als seltenere Vor- 
kommnisse auf dem Zuge werden bezeichnet: Müvus ater, Gircaet gallicus, Cireus 
rufus, cyan. und cinerac. Lantus minor, Muse, albicollis, Sylvia nisoria (einmal 
gefangen), Sal. turdoides (sehr selten), locustella (nicht „überall selten", sondern 
an geigneten Orten ziemlich häufig), L. luscinia („auf den Zügen nicht selten"), 
cyanecula, im Herbste, (zahlreicher im Frühjahr in Gesellschaften, bisweilen einige 
Wolfii darunter),&m'c. oenanthe, rubicola, Acc. alpinus, Parus biarmicus, Tichodr. 
muraria, Pic. medius, minor, tridaetylus, C. corax (nur in strengen Wintern), 
ebenso C. cornix, Pyrrh. alpinus (einmal Q), Pastor roseus fl7. Juni 17 94 gefan- 
gen und 10 Jahre im Käfige erhalten), AI. cristata, Fr. citrinella, petronia (er- 
schien 1815 in ziemlicher Anzahl), serinus (einzelne im Winter), Emb.hortul., milia- 
ria (sehr selten), Otis tarda und tetrax (einmal ^), Lim. rufa und melanura, Tot. 
ochropus und stagnatilis, Num. phaeopus, Ard. purp., egretta, nyeticor. und minuta, 
Cic. nigra, Pod. cristat., rubricollis, cornutus und auritus, Colymb. areticus und 
septentr. (nur junge Vögel), A. strepera, clypeata, fusca, glacialis, marila, nyroca 
(häufiger: acuta, clangulaj Larus fuscus, tridact., Lestr. pomarina und crepidata. 

Baldamus. 



Der Hakengimpel, Pyrrhula Enucleator, Temm. 
in Amerika. 

Aus dem Englischen des Audubon, von Dr. Carl Bolle. 



Z\i Wilson's Zeit war dieser schöne Vogel in Pennsylvanien selten; seitdem 
aber hat er sich daselbst von Zeit zu Zeit zahlreich blicken lassen und im Winter 
1836 fing Dr. Trudeau mehre bei Philadelphia. Auch in Neu -York und Massa- 
chusetts waren sie zu derselben Zeit zahlreich vorhanden. Einige sind an der 
Mündung des Big-Guayandotta in den Ohio erlegt worden. Nuttall beobachtete 
ihn am untern Missouri. Ich habe sein Vorhandensein als Standvogel im Staate 
Maine zur Gewissheit erhoben, traf ihn auch auf verschiedenen Inseln des Fundy- 
Meerbusens, nicht minder in Neufundland und Labrador. Dr. Richardson erwähnt 
seiner, als unter dem fünfzigsten Breitengrade während der Expedition beobachtet 
und als eines Standvogels an der Hudsonsbay. Er ist sicher der härteste, bis jetzt 

:;: ) Merkwürdig erscheint, dass verirrte Vögel sich häufiger an den Meeresküsten 
als im Innern des Landes einfinden, wahrscheinlich suchen .sie jene auf, nm sich zu 
orientiren. Sicher ist, dass die Küsten gleichsam die Bussale des grössern Theils der 
Zug- und Strichvögel sind. Anmerkung, des Verf. 



425 

in Amerika gefundene Vogel seiner Familie, denn selbst der rosenbrüstige Kern- 
beisser wandert, obwohl er im Sommer in Neufundland und Labrador angetroffen 
wird, doch im Herbst nach südlicheren Gegenden als selbst Tejas, in welchem 
letzteren Lande ich noch gegen Mitte Mai viele im Hochzeitskleide sah. — 

Der Hakengimpel ist ein bezaubernder Sänger. Wohl ist's mir im Gedächt- 
ni8S, welches Entzücken ich fühlte, als, auf einem moosbewachsenen Felsen Neu- 
fundlands, nahe bei St. Georg's Bay, ausgestreckt, ich noch spät im Jahre, etwa 
Mitte August, gegen Sonnenuntergang, seinem anhaltenden Liede lauschte. Ich 
erinnerte mich der Lust, welche ich früher an den Ufern des klaren Mohawk unter 
ähnlichen Umständen empfunden hatte, wenn ich den süssen Tönen einer andern 
Finkenart mein Ohr lieh. Aber in Neufundland, mein Leser, war ich noch viel 
weiter entfernt von den geliebten Meinigen; die Landschaft rings umher war drei- 
mal wilder und prachtvoller. Diese ungeheuren düstern Granitfelsen, sich dem 
Nord entgegenstemmend, als wollten sie den winterlichen Stürmen trotzen, durch- 
rieselten mich mit eisiger Kälte; denn ich dachte an die Leiden jener kühnen 
Wanderer, die der Wissenschaft zu Liebe, vor den Schrecken des arktischen Winters 
nicht erbebten. Die. glühenden Tinten des Abendhimmels, die über den Gewässern 
des weiten Meeres funkelnden lichten Sterne fesselten mich an diese Stelle, und je 
länger ich hinschaute, desto länger wünschte ich weilen zu können; aber eine 
dichte Nebelschicht hüllte plötzlich Alles in Finsterniss, der Vogel hörte auf zu 
singen und die Gegend schien sich in dunkles Chaos aufzulösen. Schweigend 
verfolgte ich meinen Weg dem Strande zu und bald war der „Ripley" erreicht. 

Die jungen Männer unserer Gesellschaft waren mit meinem Sohne, John 
Woodhouse und einem neufundländischen Indianer, um Rennthiere zu jagen, ins 
Innere eingedrungen, kehrten indess schon am folgenden Nachmittage zurück, da 
sie von den Fliegen und Moskitos zuviel zu leiden gehabt hatten. Mein Sohn 
brachte eine Anzahl von Hakengimpeln verschiedenen Geschlechtes, Junge wie 
Alte, mit, letztere jedoch in der Mauser begriffen, dunkelroth, aschgrau, schwarz 
und weiss gefleckt. Merkwürdig war es, wie bedeckt mit Geschwüren die Beine 
der männlichen sowohl als weiblichen Alten waren. Diese wunden Stellen und 
Auswüchse entstehen, wie ich glaube, durch die harzigen Stoffe der Tannen, auf 
denen sie ihrer Nahrung nachgehen. An einigen Exemplaren hatte der Hintertheil 
der Tarsen mehr als das Doppelte seiner gewöhnlichen Stärke, die Excrescenzen 
waren nicht mit der Hand abzulösen, und ich erstaunte, dass es selbst diesen Vögeln 
nicht möglich gewesen war, sich ihrer zu entledigen. 

Mir wurde berichtet, dass man während milder Winter den Hakengimpel in 
den Waldungen Neufundlands in Menge antreffe und dass einzelne sogar bei der 
strengsten Kälte zurückbleiben. Eine dort seit Jahren wohnende Dame, welche 
Vogelliebhaberin ist, versicherte mir, sie habe mehre Männchen im Käfig gehalten ; 
dieselben seien bald zahm geworden und hätten oft während der Nacht gesungen. 
Sie nährte sie im Sommer mit Früchten und Beeren, im Winter mit verschie- 
denen Sämereien. Sie badeten sich gern, seien aber Krämpfen unterworfen und 
stürben meist an Geschwüren in der Augengegend und am Grunde des Ober- 
schnabels. — Ich habe Aehnliches beim Cardinal und beim rosenbrüstigen Kern- 
beisser beobachtet. 

Der Flug dieses Vogels ist wellenförmig und gleichmässig. Im Zuge be- 
griffen halten sie in kleinen Gesellschaften von 5 — 10, die gerade Linie inne und 
streichen hoch über den Wäldern hin. Den Tag über lassen sie sich häufig auf 
Bäume nieder, die gerade ihre Knospen oder Blüthen öffnen. Um diese Zeit sind 
sie äusserst zutraulich und leicht zu beschleichen; auch dem Baden sehr zugethan; 
am Boden wie auf den Zweigen hüpfen sie in kurzen Sätzen. Oft habe ich voller 
Verwunderung zugesehen, wie, wenn ich feuerte, die Nichtgetroffenen gerade, bis 
auf wenige Fuss, auf mich zuflogen, dann abschwenkten und sich auf die niederen 
Naumannia. 1855. 29 



426 

Aeste des nächsten Baumes setzten, von wo aus sie, aufrecht wie kleine Falken, 
mich anstarrten, wie einen neuen, seiner Natur nach ihnen ganz fremden Gegen- 
stand. In Maine fängt man sie leicht unter, in der Form einer Vier aufgesl eilten 
Schneeschuhen, rings um die Campirungen der Holzfäller. Sie gelten dort für ein 
gutes Essen. Ihre Nahrung besteht aus Knospen und Saamen von Bäumen aller 
Art. Hin- und wieder verschlucken sie auch ein vorüberfliegendes Insect. Ich 
kannte einst einen dieser herrlichen Sänger, der Abends, sobald die Lampe in dem 
Zimmer, wo er im Bauer hing, angezündet ward, augenblicklich seine Stimme aufs 
Neue zu erheben pflegte. — 

Mein theurer Freund Thomas M'Culloch zu Pictou in Neuschottland hat 
mir folgenden Bericht; erstattet, der sicher meinen Lesern eben so interessant 
erscheinen wird, wie mir. 

„Im vorigen Winter lag der Schnee äusserst tief und der Sturm wehte so 
oft und so gewaltig, dass viele Vögel aus Futtermangel zu Grunde gegangen sein 
müssen. Das trieb die Hakengimpel aus den Wäldern; sie erschienen schaaren- 
weis vor den Scheunen und man sah sie selbst in den Strassen von Pictou häufig, 
Nahrung suchend , umherhüpfen. — Ein Paar dieser Vögel wurden mir frisch 
gefangen durch einen Freund gebracht, aber in so jammervoll abgemagertem 
Zustande, dass ich fast daran verzweifelte, sie am Leben zu erhalten. Da es mir 
indess am Herzen lag, für Sie den Wechsel ihres Gefieders niederzuschreiben, so 
beschloss ich den Versuch zu machen ; aber trotz all meiner Sorgfalt starben sie 
wenige Tage nachher. Kurz darauf bekam ich ein Männchen im prächtigsten 
Federkleide, aber so mager, dass es wenig mehr als ein Federball zu sein schien. 
Durch vorsichtigeres Füttern gewann es indess bald wieder Fleisch und wurde so 
zahm, dass es mir ohne einen Anschein von Furcht aus der Hand frass. Um es 
nach und nach mit seiner Gefangenschaft auszusöhnen, liess ich es in meinem 
Schlafzimmer frei umher fliegen, und mein erstes Geschäft des Morgens beim Auf- 
stehen war, ihm e'inige Körner zu reichen. Zufällig schlief ich drei Morgen hinter 
einander länger als gewöhnlich und jedesmal weckte mich der Vogel, indem er mir 
auf die Schulter flatterte und nach Futter schrie. Am dritten Morgen liess ich ihn 
etwas länger um mich herumflattern, ehe ich ein Zeichen des Wachseins gab; kaum 
aber bemerkte er, dass sein Zweck erreicht sei, so zog er sich auf das Fenster 
zurück und wartete ruhig, bis ich aufgestanden sein würde. Bei Annäherung des 
Frühlings pflegte er gelegentlich am Morgen zu pfeifen und seine Töne waren, wie 
die seines Verwandten, des rosenbrüstigen Kernbeissers, ausserordentlich reich 
und voll. Um die Zeit indess, wo die Species nach Norden hin zu wandern be- 
ginnt, verschwand seine frühere Zahmheit ganz. Den Tag über hatte er keinen 
Augenblick Ruhe, sondern sprang beständig von einer Ecke des Fensters in die 
andere, einen Weg zur Flucht suchend; Nachts, wenn das helle Mondlicht aufs 
Fenster fiel, weckte er mich häufig durch sein Anflattern gegen die Scheiben. Der 
Trieb nach Freiheit schien zuletzt jedes andere Gefühl zu absorbiren ; vier Tage 
lang konnte ich nicht die geringste Verminderung in der Quantität seines Futters 
entdecken; dabei erfüllte er das Haus mit seinem kläglich winselnden Rufe, den 
Niemand hören konnte, ohne den armen Gefangenen zu bedauern. Unfähig, seinen 
Bitten zu widerstehen, gab ich ihm die Freiheit; aber als sein Wunsch erfüllt war, 
schien ihm wenig daran gelegen. Er setzte sich meinem Hause gegenüber auf die 
Spitze eines Baumes, putzte sich und sah sich ein Weilchen um. Dann flog er 
dicht vor der Thür nieder, und ich sah mich zuletzt genöthigt , ihn fort zu jagen, 
sonst hätte er zu Schaden kommen können. 

„Diese Vögel neigen zu einer eigenthümlichen Krankheit, welche ich nie 
bei anderen beobachtete. Unregelmässig geformte weissliche Massen bilden 
sich an Beinen und Füssen. Dem Auge erscheinen sie wie Stückchen Kalk; 
wenn man sie aber zerbricht, so zeigt ihr Inneres ein Conglomerat von kleinen 



425 

in Amerika gefundene Vogel seiner Familie, denn selbst der rosenbrüstige Kern- 
beisser wandert, obwohl er im Sommer in Neufundland und Labrador angetroffen 
wird, doch im Herbst nach südlicheren Gegenden als selbst Tejas, in welchem 
letzterm Lande ich nocli gegen Mitte Mai viele im Hochzeitskleide sah. — 

Der Hakengimpel ist ein bezaubernder Sänger. Wohl ist's mir im Gedächt- 
niss, welches Entzücken ich fühlte, als, auf einem moosbewachsenen Felsen Neu- 
fundlands, nahe bei St. Georg's Bay,- ausgestreckt, ich noch spät im Jahre, etwa 
Mitte August, gegen Sonnenuntergang, seinem anhaltenden Liede lauschte. ' Ich 
erinnerte mich der Lust, welche ich früher an den Ufern des klaren Mohawk unter 
ähnlichen Umstanden empfunden hatte, wenn ich den süssen Tönen einer andern 
Finkenart mein Ohr lieh. Aber in Neufundland, mein Leser, war ich noch viel 
weiter entfernt von den geliebten Meinigen ; die Landschaft rings umher war drei- 
mal wilder und prachtvoller. Diese ungeheuren düstern Granilfelsen, sich dem 
Nord entgegenstjemmend, als wollten sie den winterlichen Stürmen trotzen, durch- 
rieselten mich mit eisiger Kälte; denn ich dachte an die Leiden jener kühnen 
Wanderer, die der Wissenschaft zu Liebe, vor den Schrecken des arktischen Winters 
nicht erbebten. Die glühenden Tinten des Abendhimmels, die über den Gewässern 
des weiten Meeres funkelnden lichten Sterne fesselten mich an diese Stelle, und je 
länger ich hinschaute, desto länger wünschte ich weilen zu können; aber eine 
dichte Nebelschicht hüllte plötzlich Alles in Finsterniss, der Vogel hörte auf zu 
singen und die Gegend schien sich in dunkles Chaos aufzulösen. Schweigend 
verfolgte ich meinen Weg dem Strande zu und bald war der „Ripley" erreicht. 

Die jungen Männer unserer Gesellschaft waren mit meinem Sohne, John 
Woodhouse und einem neufundländischen Indianer, um ßennthiere zu jagen, ins 
Innere eingedrungen, kehrten indess schon am folgenden Nachmittage zurück, da 
sie von den Fliegen und Moskitos zuviel zu leiden gehabt hatten. Mein Sohn 
brachte eine Anzahl von Hakengimpeln verschiedenen Geschlechtes, Junge wie 
Alte, mit, letztere jedoch in der Mauser begriffen, dunkelroth, aschgrau, schwarz 
und weiss gefleckt. Merkwürdig war es, wie bedeckt mit Geschwüren die Beine 
der männlichen sowohl als weiblichen Alten waren. Diese wunden Stellen und 
Auswüchse entstehen, wie ich glaube, durch die harzigen Stoffe der Tannen, auf 
denen 6ie ihrer Nahrung nachgehen. An einigen Exemplaren hatte der Hintertheil 
der Tarsen mehr als das Doppelte seiner gewöhnlichen Stärke, die Excrescenzen 
waren nicht mit der Hand abzulösen, und ich erstaunte, dass es selbst diesen Vögeln 
nicht möglich gewesen war, sich ihrer zu entledigen. 

Mir wurde berichtet, dass man während milder Winter den Hakengimpel in 
den Waldungen Neufundlands in Menge antreffe und dass einzelne sogar bei der 
s'trengsten Kälte zurückbleiben. Eine dort seit Jahren wohnende Dame, welche 
Vogelliebhaberin ist, versicherte mir, sie habe mehre Männchen im Käfig gehalten; 
dieselben seien bald zahm geworden und hätten oft während der Nacht gesungen. 
Sie nährte sie im Sommer mit Früchten und Beeren, im Winter mit verschie- 
denen Sämereien. Sie badeten sich gern, seien aber Krämpfen unterworfen und 
stürben meist an Geschwüren in der Augengegend und am Grunde des Ober- 
schnabels. — Ich habe Aehnliohes beim Cardinal und beim rosenbrüstigen Kern- 
beisser beobachtet. 

Der Flug dieses Vogels ist wellenförmig und gleichmässig. Im Zuge be- 
griffen halten sie in kleinen Gesellschaften von 5 — 10, die gerade Linie inne und 
streichen hoch über den Wäldern hin. Den Tag über lassen sie sich häufig auf 
Bäume nieder, die gerade ihre Knospen oder Bfüthen öffnen. Um diese Zeit sind 
sie äusserst zutraulich und leicht zu beschleichen; auch dem Baden sehr zugethan; 
am Boden wie auf den Zweigen hüpfen sie in kurzen Sätzen. Oft habe ich voller 
Verwunderung zugesehen, wie, wenn ich feuerte, die Nichtgetroffenen gerade, bis 
auf wenige Fuss, auf mich zuflogen, dann abschwenkten und sich auf d' (e niederen 
Naumannia. 1855. 29 



426 

Aeste des nächsten Baumes setzten, von wo aus sie, aufrecht wie kleine Falken, 
mich anstarrten, wie einen neuen, seiner Natur nach ihnen »ganz fremden Gegen- 
stand. In Maine fängt man sie leicht unter, in der Form einer Vier aufgestellten 
Schneeschuhen, rings um die Campirungen der Holzfäller. Sie gelten dort für ein 
gutes Essen. Ihre Nahrung besteht aus Knospen und Saamen von Bäumen aller 
Art. Hin und wieder verschlucken sie auch ein vorüberfliegendes Insect. Ich 
kannte einst einen dieser herrlichen Sänger, der Abends, sobald die Lampe in dem 
Zimmer, wo er im Bauer hing, angezündet ward, augenblicklich seine Stimme aufs 
Neue zu erheben pflegte. — 

Mein theurer Freund Thomas M'Culloch zu Pictou in Neuschottland hat 
mir folgenden Bericht erstattet, der sicher meinen Lesern eben so interessant 
erscheinen wird, wie mir. 

„Im vorigen Winter lag der Schnee äusserst tief und der Sturm wehte so 
oft und so gewaltig, dass viele Vögel aus Futtermangel zu Grunde gegangen sein 
müssen. Das trieb die Hakengimpel aus den Wäldern ; sie erschienen schaaren- 
weis vor den Scheunen und man sah sie selbst in den Strassen von Pictou häufig, 
Nahrung suchend, umherhüpfen. — Ein Paar dieser Vögel wurden mir frisch 
gefangen durch einen Freund gebracht, aber in so jammervoll abgemagertem 
Zustande, dass ich fast daran verzweifelte, sie am, Leben zu erhalten. Da es mir 
indess am Herzen lag, für Sie den Wechsel ihres Gefieders niederzuschreiben, so 
beschloss ich den Versuch zu machen; aber trotz all meiner Sorgfalt starben sie 
wenige Tage nachher. Kurz darauf bekam ich ein Männchen im prächtigsten 
Federkleide, aber so mager, dass es wenig mehr als ein Federball zu sein schien. 
Durch vorsichtigeres Füttern gewann es indess bald wieder Fleisch und wurde so 
zähm, dass es mir ohne einen Anschein von Furcht aus der Hand frass. Um es 
nach und nach mit seiner Gefangenschaft auszusöhnen, liess ich es in meinem 
Schlafzimmer frei umher fliegen, und mein erstes Geschäft des Morgens beim Auf- 
stehen war, ihni einige Körner zu reichen. Zufällig schlief ich drei Morgen hinter 
einander länger als gewöhnlich und jedesmal weckte mich der Vogel, indem er mir 
auf die Schulter flatterte und nach Futter schrie. Am dritten Morgen liess ich ihn 
etwas länger um mich herumflattern, ehe ich ein Zeichen des Wachseins gab; kaum 
aber bemerkte er, dass sein Zweck erreicht sei, so zog er sich auf das Fenster 
zurück und wartete ruhig, bis ich aufgestanden sein würde. Bei Annäherung des 
Frühlings pflegte er gelegentlich am Morgen zu pfeifen und seine Töne waren, wie 
die seines Verwandten, des rosenbrüstigen Kernbeissers, ausserordentlich reich 
und voll. Um die Zeit indess, wo die Species nach Norden hin zu wandern be- 
ginnt, verschwand seine frühere Zahmheit ganz. Den Tag über hatte er keinen 
Augenblick Ruhe, sondern sprang beständig von einer Ecke des Fensters in die 
andere, einen Weg zur Flucht suchend; Nachts, wenn das helle Mondlicht aufs 
Fenster fiel, weckte er mich häufig durch sein Anflattern gegen die Scheiben. Der 
Trieb nach Freiheit schien zuletzt jedes andere Gefühl zu absorbiren; vier Tage 
lang konnte ich nicht die geringste Verminderung in der Quantität seines Futters 
entdecken; dabei erfüllte er das Haus mit seinem kläglich winselnden Rufe, den 
Niemand hören konnte, ohne den armen Gefangenen zu bedauern. Unfähig, seinen 
Bitten zu widerstehen, gab ich ihm die Freiheit; aber als sein Wunsch erfüllt war, 
schien ihm wenig daran gelegen. Er setzte sich meinem Hause gegenüber auf die 
Spitze eines Baumes, putzte sich und sah sich ein Weilchen um. Dann flog er 
dicht vor der Thür nieder, und ich sah mich zuletzt genöthigt, ihn fort zu jagen, 
sonst hätte er zu Schaden kommen können. 

„Diese Vögel neigen zu einer eigenthümlichen Krankheit, welche ich nie 
bei anderen beobachtete. Unregelmässig geformte weissliche Massen bilden 
sich an Beinen und Füssen. Dem Auge erscheinen sie wie Stückchen Kalk; 
wenn man sie aber zerbricht, so zeigt ihr Inneres ein Conglomerat von kleinen 



427 

Zellen, so regelmässig und schön, wie die eines Honigwabens. Bisweilen, obwohl 
selten, sah ich die ganzen Beine und Füsse mit dieser Substanz bedeckt; brach 
man die Krusten ab, so lag der Knochen darunter bloss und die Sehnen schienen 
fast ganz die Kraft, die Füsse in Bewegung zu setzen, verloren zu haben. Ein 
Bekannter von mir hielt einen Hakengimpel die Sommermonate hindurch. Er 
wurde ganz zahm, zuletzt aber verlor er den Gebrauch der Füsse und starb. Von 
ihm erfuhr ich, dass dieser Vogel gewöhnlich während eines Gewitters, oder wenn 
der Regen auf das Dach tropfte, sang." — 

Als ich in Maine war, beobachtete ich, dass die Enucleatoren auf dem Zuge 
ganz still und in bedeutender Höhe über den Bäumen hinfliegen. Sie setzen sich 
auf die höchsten Zweige, so dass es schwer hält, sie herabzuholen, ausser wenn 
man ein vorzüglich gutes Gewehr hat. Wenn man indess ein paar Minuten wartet, 
sieht man den Trupp, der meist aus sieben oder acht Individuen besteht, von Zweig 
zu Zweig auf die Erde herab hüpfen, wo sie Kies aufpicken und dem nächsten 
Pfuhl oder Bache zueilen, um sich zu baden, wobei sie ihr Köpfchen untertauchen 
und sich dermassen bespritzen, dass sie ganz nass werden, worauf sie dann auf die 
Zweige niedriger Sträucher auffliegen, sich so stark schütteln, dass es einen ganz 
hörbar raschelnden Laut hervorbringt und ihr Gefieder putzen. Nachher suchen 
sie in den Aesten höherer Bäume nach Futter. 



Vi. Bekanntmachungen. 



Der deutschen Ornithologen-Gesellschaft sind im Laufe 
des gegenwärtigen Gesellschafts- Jahres 185 5 / 6 beigetreten: 
1. Herr Dr. Bodinus in Greif swald. 

Fabrikant F. Beckmann in Braunschweig. 

Dr. Otto Thieme in Allstedt. 

Lieutenant Leo Kaplick. 

Einnehmer Eduard Griesing in Cöthen. 

W. Meves, Conservator am Reichsmuseum in Stockholm. 

IStadtsecretär Otto Danneel in Teterow. 

Kaufmann Herrmann Hans in Eyben. 

Bankbuchhalter W. Ehmer in Dessau. 



2. 
3. 

4. 

5. 
6. 

7. 



9. 
10. „ Amtmann A. Säuberlich in Wiendorf. 



Da die Abstimmungen über den Zeitpunkt der nächsten 
Ornithologen-Versammlung (s. Naum. IL Quartal p. 272) bis 
heute noch nicht vollständig eingegangen sind, so wird der Termin 
zur Einsendung derselben hierdurch bis zum 1. December d. J. 
verlängert. 

Diebzig, den 1. October 1855. . Der Secretär: 

E. Baldamus. 



428 



Folgend verzeichnete Vögel, von Dr. Richard Vierthaler in 
Chartum gesammelt, sind in sehr gut erhaltenen Bälgen abzulassen. 
Darauf Reflectirende wollen sich an Oberlieutenant G. Vierthaler 
in Cöthen wenden. 



Otogyps nubicus. 

Leptoptilos Argala et Rüppellii. 

Gyps? et Gyps marmoratus. 

Vultur occipitalis. 

Neophron pileatus. 

Haliaetos vocifer, $ 9 juv. 

Aquila clanga, naevia et A. pennata. 

Spizaetos occipitalis. 

Buten rufinus et B. ? 

Melierax polyzonus et gabar. 

Falco rutilans. 

„ peregrinoides. 

„ Chiqueva. 
Nif us? 

Sparvius niger. 
Corvus umbrinus. 

,, scapulatus. 
Bubo lacteus. 
Otus africanus. 
Mycteria ephippiorhynchos. 
Balearica pavonina, 
Grus Virgo. 
Tantalus Ibis. 
Ciconia leucocephalus. 

„ Abdimii. 
Anastomus lamelliger. 
Ibis Hagedasch. 

,, aethiopicus. 

,, religiosa. 

„ falcinellus. 
Plotus le Vaillantii. 
Ardea albico/lis.. 

,, Golia th. 

,, coromandelica. 
Egretta , spec. ? 
Plectopterus gambensis. 
Sarkidiornis melanon. 
Chennlopex egyptiacus. 
Anas Vidua. 
Columba Guinea. 

„ risoria. 
Peristera chafcopsilos. 
Numida ptilorhyncha. 
Promerops erythror. 
Lamprotornis aeneus. 



Lamprotornis nitens et rufiventer. 
Parva africana. 
Passerina pusilta. 
Crateropus egyptiacus. 
Loxia Senegal, et albicollis. 
Dicrurus lugubris. 
Colitis lugubris. 
Sarkiophorus pileatus. 
Lobivanellus ? 

Vaneftus leucurus et coronatus. 
Rhynchaea variegata. 
Pluvianus egyptiacus. 
Pica senegalensis. 
Strepsilas interpres, 
Turdus olivaceus. 
Ortygomelra pygmaea. 
Crateropus leucocephalus. 
Glareo/a limbata. 
Dendromus aethiopicus. 
Dendrobates ? 
Tragyphornus ? 
Palaeaenis cubicularis. 
Merops Bull. 
Caprimu/gus ? 
(Jena capensis. 
Lantus cucullatus. 
Laniarius , spec. ? 
Sylvia galactode.s. 
Parus leucomelas, 
Fringilla nitens et senegalensis. 
Vidua parad. et serena. 
Muscipeta ? • 

Pyrgita Swainsonii. 
Nilaus brubru. 
Prionops cristatus. 
Ploceus — 

Motacilla hybrida. 
Serinus luteus. 
Loxia ? 

Drymoica ruficeps. 
Nectarinia , spec. ? 
Oligura micrura. 
Cecropis rufifrons. 
Tocus erythror hynchus. 
Rhynchops fla viroslris. 



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427 

Zellen, so regelmässig und schön, wie die eines Honigwabens. Bisweilen, obwohl 
selten, sah ich die ganzen Beine und Füsse mit dieser Substanz bedeckt; brach 
man die Krusten ab, so lag der Knochen darunter bloss und die Sehnen schienen 
fast ganz die Kraft, die Füsse in Bewegung zu setzen, verloren zu haben. Ein 
Bekannter von mir hielt einen Hakengimpel die Sommermonate hindurch. Er 
wurde ganz zahm, zuletzt aber verlor er den Gebrauch der Füsse und starb. Von 
ihm erfuhr ich , dass dieser Vogel gewöhnlich während eines Gewitters, oder wenn 
der Regen auf das Dach tropfte, sang." — 

Als ich in Maine war, beobachtete ich, dass die Enucleatoren auf dem Zuge 
ganz still und in bedeutender Höhe über den Bäumen hinfliegen. Sie setzen sich 
auf die höchsten Zweige, so dass es schwer hält, sie herabzuholen, ausser wenn 
man ein vorzüglich gutes Gewehr hat. Wenn man indess ein paar Minuten wartet, 
sieht man den Trupp, der meist aus sieben oder acht Individuen besteht, von Zweig 
zu Zweig auf die Erde herab hüpfen, wo sie Kies aufpicken und dem nächsten 
Pfuhl oder Bache zueilen, um sich zu baden, wobei sie ihr Köpfchen untertauchen 
und sieh dermassen bespritzen, dass sie ganz nass werden, worauf sie dann auf die 
Zweige niedriger Sträucher auffliegen, sich so stark schütteln, dass es einen ganz 
hörbar raschelnden Laut hervorbringt und ihr Gefieder putzen. Nachher suchen 
sie in den Aesten höherer Bäume nach Futter. 



IV. Bekanntmachungen. 



Der deutschen Ornithologen-Gesellschaft sind im Laufe 
des gegenwärtigen Gesellschafts- Jahres 185 5 / 6 beigetreten: 

1. Herr Dr. Bodinus in Greifswald. 

2. „ Fabrikant F. Beckmann in Braunschweig. 

3. „ Dr. Otto Thieme in Allstedt. 

4. „ Lieutenant Leo Kaplick. 

' 5. „ Einnehmer Eduard Griesing in Cöthen. 

6. „ W. Meves, Conservator am Reichsmuseum in Stockholm. 

7. „ Stadtsecretär Otto Danneel in Teterow. 

8. „ Kaufmann Herrmann Hans in Eyben. 

9. „ Bankbuchhalter W. Ehmer in Dessau. 
10. „ Amtmann A. Säuberlich in Wiendorf. 



Da die Abstimmungen über den Zeitpunkt der nächsten 
Ornithologen-Versammlung (s. Naum. II. Quartal p. 272) bis 
heute noch nicht vollständig eingegangen sind, so wird der Termin 
zur Einsendung derselben hierdurch bis zum 1. December d. J. 
verlängert. 

Diebzig, den 1. October 1855. Der Secretär: 

E. Baldamus. 



428 



Folgend verzeichnete Vögel, von Dr. Richard Vierthaler in 
Chartum gesammelt, sind in sehr gut erhaltenen Bälgen abzulassen. 
Darauf Reflectirende wollen sich an Oberlieutenant G. Vierthaler 
in Cöthen wenden. 



Otogyps nubicus. 

Leptoptilos Argala et Rüppe/lii. 

Gyps? et Gyps marmoratus. 

Vultur occipitalis. 

Neophron pileatus. 

Haliaetos vocifer, & *j? juv. 

Aquila clanga, naevia et A. pennata. 

Spizaetos occipitalis. 

Buteo rufinus et B. ? 

Melierax polyzonus et gabar. 

Falco rutilans. 

„ peregrinoides. 

„ Chiquera. 
Nisus? * 
Sparvius niger. 
Corvus umbrinus. 

,, scapulatus. 
Bubo lacteus. 
Otus africanus. 
Mycteria ephippiorhynchos. 
Balearica pavonina. 
Grus Virgo. 
Tantalus Ibis. 
Ciconia leucocephalus. 

,, Abdimii. 
Anastomus lamelliger. 
Ibis Hagedasch. 

,, aethiopicus. 

„ religiosa. 

„ falcinellus. 
Plotus le Vaillantii. 
Ardea albicollis. 

,, Goliath. 

,, coromandelica. 
Egretta , spec. ? 
Plectopterus gambensis. 
Sarkidiornis melanon. 
Chenalopex egyptiacus. 
Anas Vidua. 
Columba Guinea. 

„ risoria. 
Peristera chalcopsilos. 
Numida ptilorhyncha. 
Promerops erythror. 
Lamprotornis aeneus. 



Lamprotornis nitens et rufiventer. 

Parva africana. 

Passerina pusilta. 

Crateropus egyptiacus. 

Loocia Senegal, et albicollis. 

Dicrurus lugubris. 

Colius lugubris. 

Sarkiophorus pileatus. 

Lobivanellus ? 

Vanellus leucurus et coronatus. 

Rhynchaea variegata. 

Pluvianus egyptiacus. 

Pica senegalensis. 

Strepsilas interpres, 

Turdus olivaceus. 

Ortygomelra pygmaea. 

Crateropus leucocephalus. 

Glareola limbata. 

Dendromus aethiopicus. 

Dendrobates ? 

Tragyphornus ? 

Palaeaenis cubicularis. 

Merops Bull. 

Caprimulgus ? 

Oena capensis. 

Lanius cucullatus. 

Laniarius , spec. ? 

Sylvia galactodes. 

Parus leucomelas. 

Fringilla nitens et senegalensis. 

Vidua parad. et serena. 

Muscipeta ? 

Pyrgita Sivainsonii. 

Nilaus brubru. 

Prionops cristatus. 

Ploceus — 

Motacilla hybrida. 

Serinus luteus. 

Loxia ? 

Drymoica ruftceps. 

Neclarinia , spec. ? 

Oligura micrura. 

Cecropis ruftfrons. 

Tocus erythrorhynchus. 

Rhynchops flavirostris. 



Nr. 32. 

Die Brützonen der Vögel innerhalb Skandinavien. 



Von 

G. D. J. Walleugren. 

(Fortsetzung.) 



Zum Theil schon hineingekommen in die Frage: wie haben 
die zu Skandinaviens Ornis gehörenden Arten sich auf der 
Halbinsel in den Grenzen, die sie nun inne haben, so ver- 
breiten können, oder: welche Hindernisse hat die Natur 
dem Fortschreiten der Vögel innerhalb der Halbinsel ge- 
setzt, so dass sie sich bisher nicht weiter haben verbreiten 
können, wollen wir uns nun näher in deren Beantwortung einlassen. 
Voraussetzend, was schon oben gesagt ist, glauben wir, dass diese 
Frage sich am leichtesten beantworten lasse, wenn wir auf das Klima 
und die localen Verhältnisse der Halbinsel achtgeben. 

Das Klima wirkt im Allgemeinen am meisten hindernd 
oder begünstigend auf die Verbreitung der Vögel ein. 
Schon Linne" nahm in seiner Abhandlung über die Migration der 
Vögel die Kälte und den Mangel an Nahrungsmitteln als Ursache 
ihrer Wanderungen an, sonach also auch Klima und Mangel an 
Lebensmitteln als Ursache für die Bestimmung der geographischen 
Verbreitung eines Vogels. Mehrere Andere waren mit ihm derselben 
Meinung, indem sie die Verbreitungsgesetze in den physischen Ver- 
hältnissen der Länder suchten, so wie auch im Vorhandensein der 
Lebensmittel, welche jeder Vogelart für sich angewiesen wurden. 
Tiedeman suchte dagegen den Grund in den ungleichartigen Nah- 
rungsmitteln und betrachtete das Klima als weniger einwirkend, da 
so viele kleine Vögel in den Wintern kalter Länder ausdauern 
könnten. Baldamus (Naum. 1853. H. 2.) glaubt ebenfalls, dass das 
jedem Vogel angewiesene Nahrungsmittel es sei, welches hauptsächlich 

Naumannia. 1855. 30 



430 

dessen Aufenthaltsort und geographische Verbreitung bedinge, da er 
(p. 161) sagt: „Wäre uns die specifische Nahrung — sowohl ani- 
malische als vegetabilische — der Vögel vollkommen bekannt; wüssten 
wir, welcher Nahrung jede Species für ihre Jugend bedarf; stünde 
endlich die geographische Verbreitung aller dieser Animalien und 
Vegetabilien fest: so würde Nichts leichter sein, als die Heimath 
(und ihr Vorrücken), so wie die ganze Zone aller Vogelarten zu be- 
stimmen, es würden sich dann von selbst ziemlich sicher gegrenzte 
ornithologische Provinzen ergeben." Er gibt dem Klima, der Tem- 
peratur und den Localverhältnissen nur einen „indirecten Einfluss, 
sofern sie die Vorbedingungen der Nahrungsproduction sind." Wie 
richtig dies auch beim ersten Betrachten erscheinen mag, so kann ich 
doch weder Tiedemans Ansicht gelten lassen, noch auch die meines 
ausgezeichneten Freundes Baldamus. Es verhält sich nämlich mit 
den Vögeln ganz anders als mit einem Theile der Insecten. Von 
diesen sind gewisse Arten so an gewisse Nahrungsmittel gebunden, 
. ■ z. B. an gewisse, bestimmte Gewächse, dass sie nur dort leben kön- 
nen, wo diese Gewächse sich finden. So kann z. B. die Cochenille 
sich nicht weiter verbreiten, als wo Cactus wächst, und Bomb, 
mori muss, sich selbst überlassen, dem Maulbeerbaume folgen, wenn 
schon vielleicht beide Arten ein anderes Klima ertragen könnten, 
als das, worin sie nun leben. Gastropacha spartii muss sich an 
Sarothamnus halten u. s. w. Die Vögel dagegen haben nicht eine 
so specielle Nahrung, wie diese und andere dergleichen Insecten. 
Wohl haben verschiedene Vogelarten in der Weise eine specifische 
Nahrung, dass z. B. ausschliesslich insectenfressende Vögel nicht von 
Vegetabilien, wohl aber viele saamenfressende auch von animali- 
schen Stoffen leben können, so wie auch zum grossen Theil dieser 
für ihre Jungen nothwendig bedürfen. Wohl sind auch verschiedene 
Arten hinsichts der Nahrungsmittel mehr eingeschränkt als andere, 
aber dennoch sind diese Verhältnisse nicht so beschränkt, wie bei den 
Insecten. Im Gegentheil finden wir, dass eine mannigfache Verschie- 
denheit in Lebensmitteln, inner der im Uebrigen von der Natur bestimm- 
ten Grenzen, für die Gesundheit und die Entwickelung eines jeden 
Vogels nöthig ist, so dass, wenn man zum Beispiel einen saamenfres- 
senden Vogel eine längere Zeit ausschliesslich nur mit einer gewissen 
Saamenart futtern wollte, die er im freien Zustande sogar liebt, er 
doch abmagern und zuletzt mit allen Zeichen des Hungertodes 



431 

sterben würde. Und so kann man wohl auch nicht annehmen, dass 
die insectenfressenden Vögel ausschliesslich auf zwei oder drei gewisse 
Insectenarten angewiesen sind, sondern sie verzehren mit gleicher 
Gier eine grosse Menge derselben, vorausgesetzt, dass sie von der 
Beschaffenheit sind, dass sie von den Manducations- und Mastications- 
Organen der verschiedenen Vogelarten zerstückt und verdaut werden 
können. So kann freilich Cypselus apus z. B. Melolontha oder 
Cetonia zu ihrer Nahrung nicht anwenden, welche Lanius dagegen 
keineswegs verschmäht, da hingegen Fliegen und Mücken und andere 
weichschalige Insecten keineswegs verschont bleiben; aber dennoch 
kann man wohl nicht behaupten, dass Cypselus apus in Italien die- 
selben Schmetterlinge und Mückenarten finden solle, wie in Lappland 
oben beim 68° N. B.*) Eine solche Behauptung würde ganz gegen 
die Erfahrung streiten. Falco tinnunculus würde in den nördlichen 
Theilen liusslands dieselben kleinen Vogelarten finden, wie in den 
nordwestlichen Gegenden Skandinaviens, und doch wird er nicht an 
ersteren Orten gefunden, wohingegen er in Skandinavien bis zum 
Nord-Cap hinaufgeht; viele andere Beispiele zu verschweigen. Die 
Ungleichheit, welche man in der Verbreitung ein oder der andern 
Art erblickt, kann man mithin zunächst nicht der ungleichen Ver- 
breitung der Lebensmittel zuschreiben, sondern vielmehr der Ungleich- 
heit der klimatischen Verhältnisse. Will man sich auch daran erin- 
nern, dass ein grosser Theil der Jungen von Standvögeln aus dem 
Lande, in dem sie geboren wurden, fortzieht, dagegen aber, wenn 
sie älter geworden, ebenso wie ihre Eltern bleiben, so kann man 
diesen Umstand nicht vom Mangel an Nahrung herleiten, welcher, 
wenn er sich wirklich fände, für die zurückgebliebenen Alten ebenso 
fühlbar sein müsste, wie für die fortziehenden Jungen, sondern man 
muss im Gegentheil die vornehmste Ursache gerade in der Notwen- 
digkeit einer andern Temperatur suchen, als die der Heimath während 
des Winters, — eine Notwendigkeit, welche den sonst bei ihnen 
schlummernden Trieb zum Wegzuge erweckt, — wesswegen auch solche 
Halbzugvögel, hinsichts der Zeit ihres Wegzuges, im Gegensatze zu 
den eigentlichen Zugvögeln mehr von der Strenge der Witterung 



*) Warum nicht? Es gibt Kosmopoliten in allen drei Reichen, und fast in 
allen Ordnungen derselben. Aber ich bin ja auch nie der Meinung gewesen, dass 
die Nahrungsmittel den alleinigen Grund für die Verbreitung der Vögel abgeben. 



Baldamus. 
30' 



432 

abhängig sind. Da sonach diese Vögel deutlich zeigen, dass während 
einer gewissen Lebenszeit eine mehr gleichmässige Temperatur (welche, 
wenn das Junge im Norden geboren wurde, durch ein allmäliges 
Ziehen nach Süden erreicht wird) für die fortgehende Entwickelung 
bis zum Alter der Individuen nöthig ist, so muss man auch ein- 
gestehen, dass die klimatischen Verhältnisse einen nicht geringen 
directen Einfluss auf die Vögel haben müssen. Noch mehr fällt die 
grosse Bedeutung dieses Einflusses in die Augen, wenn man die grosse 
Ungleichheit der Vogelfauna in jeder Zone für sich betrachtet. Man 
wird auch da eingestehen müssen, dass die klimatischen Verhältnisse 
an und für sich schon zureichend sind, die Vögel in ihrem Vorwärts- 
schreiten vom Aequatör nach den Polen hin, oder umgekehrt, auf- 
zuhalten oder zu begünstigen. Wäre man so weit gekommen, dass 
man die niedrigste und höchste Temperatur bestimmt hätte, binnen 
welcher jede Vogelart nicht nur leben, sondern ohne schädlichen 
Einfluss auf die Fortpflanzung auch ausdauern könnte, und sonach 
zu einem Resultate über die für die Ausdauer jeder Vogelart not- 
wendige Mitteltemperatur gekommen, so würde man, mit Hinsicht auf 
die bekannten klimatischen Verhältnisse der verschiedenen Länder, a 
priori nicht nur bestimmen können, wo eine jede Art, in Folge der 
Forderungen ihrer eignen Natur, Standvogel oder Zugvogel sein 
müsste, sondern auch, wie weit sie ihren Lebenskreis unter den jetzt 
bestehenden Verhältnissen, sowohl Brutzone als auch Wanderzone, 
würde ausbreiten können. Dies ist aber nicht der Fall, wesswegen 
man sich auch genöthigt sieht, sich an die bekannten klimatischen 
Verhältnisse der Länder zu halten und aus ihnen Schlüsse über die 
natürlichen Forderungen der Vögel in oben angedeuteter Richtung 
zu ziehen. — Die grosse Bedeutung der klimatischen Verhältnisse für 
die Vögel und deren Verbreitung wird auch, in der mütterlichen 
Vorsorge klar, welche die Natur zum Schutz gegen stark wechselnde 
Temperatur gegeben hat. Die Vögel der heissen Zone haben im 
Allgemeinen das ganze Jahr hindurch eine beinahe gleich dichte 
(oder dünne) Federbekleidung, wogegen die der temperirten Zone 
überhaupt eine dichtere Bekleidung bei Annäherung des Winters 
erhalten, nur solche Arten ausgenommen, die ihre Migration so weit 
erstrecken, dass sie keinen schädlichen Einfluss der Temperatur zu 
befürchten haben. Dichtbefiederte Wader und Wasservögel sind die 
überwiegende Anzähl der Vögel, welche in der kalten Zone leben, 



433 

und die übrigen Arten dieser Zone erhalten bei Annäherung des 
Winters eine weit dichtere Bekleidung, als sie im Sommer haben, 
z. B. Falco candicans und Stria nyctea — ja das Wintergefieder dieser 
Eule kann man in dieser Hinsicht mit dem einer Fuligula gewisser- 
massen vergleichen. 

Wenn wir sonach die klimatischen Verhältnisse, und als eine 
Folge derselben auch die Temperatur, für Hauptursache der Ver- 
breitung einer Vogelart anerkennen, so leugnen wir darum nicht, dass 
die Nahrungsmittel und deren geographische Verbreitung auch Bedin- 
gungen in selber Richtung sind, jedoch ist deren Einfluss von mehr 
untergeordneter Bedeutung, so dass ein Vogel, der einem warmen 
Klima angehört, kein kaltes vertragen kann, selbst wenn man, ohne 
ihn gegen die schädlichen Einwirkungen des Klima's zu schützen, ihn 
mit zureichender und passender Nahrung versieht. Von specifischen 
Nahrungsmitteln kann man, was die Vögel betrifft, nicht sprechen, in- 
sofern man darunter bestimmte Thiere oder Gewächsarten versteht, 
denn man findet, dass ein und dieselbe Vogelart in einem Lande eine 
Menge Thiere und Gewächse verzehrt, von welchen er in einem 
andern Lande nur wenige oder gar keine findet, und darum genöthigt 
wird, dort andere zu verzehren — jedoch Alles in den von der Natur 
bestimmten Grenzen*) — und dass in anderen Ländern sich auch 
dieselben Nahrungsmittel finden können, ohne dass jedoch derselbe 
Vogel dort anzutreffen wäre. Nur insofern würde man von einem 
specifischen Nahrungsmittel für jede Vogelart sprechen können, als 
man dabei von der Bedeutung der Species in naturhistorischem Sinne 
absieht, und nur die chemischen Bestandtheile in Betracht nimmt, 
welche bei Organismen ungleicher Klassen, Ordnungen, Genera und 
Arten sehr übereinstimmend sein können und auch wirklich sind; 
aber noch ist die organische Chemie nicht so weit vorgeschritten, 
dass sie specifische Nahrungsmittel für eine gewisse Vogelart in dieser 
Weise anzugeben vermöchte, und ausserdem zeigen die chemischen 
Stoffe, welche die Organismen charakterisiren , sei es nun im Allge- 
meinen oder Besondern, durchaus keine Uebereinstimmung mit der 
Verbreitung der verschiedenen Vogelarten, die ihre Nahrung daher 
holen, so dass sie in geographisch - ornithologischer Hinsicht noch 
keine besondere Bedeutung haben. 

*) Die denn eben den Kreis der „specifischen Nahrungsmittel" schlössen. 
Omnivoren im strengen Sinne des Wortes gibt es unter den Vögeln nicht. B. 



434 

Wenn man demselben Meridiane vom Aequator gegen den Pol zu 
folgt, so findet man, dass die Wärme ziemlich regelmässig abnimmt, 
je mehr man sich dem Punkte nähert, wo die Schneegrenze mit der 
Meeresoberfläche zusammenfällt; man findet auch, dass mit diesem 
Abnehmen die eine Vogelart nach der andern abnimmt und sich 
neue zeigen; aber vergleicht man dieses Abnehmen der Wärme unter 
mehreren Meridianen gleichzeitig, so gewahrt man eine bedeutende 
Differenz zugleich aber auch in dem Verschwinden und Auftreten der 
Vogelarten an den ungleichen Orten. Unter solchen Verhältnissen 
sollte man glauben, dass die gezogenen Curven, die Isothermen, wo- 
durch die Mitteltemperatur bezeichnet wird, wenn auch nicht absolut, 
so doch wenigstens approximativ, die Grenzen für die Verbreitung 
der Vogelarten angeben müssten. Im westlichen Europa scheint auch 
die jährliche Mitteltemperatur einen Einfluss auf die Vögel auszuüben, 
weil man hier verschiedene Arten weiter nördlich gehen sieht, als im 
Osten; jedoch bei näherer Betrachtung findet man, dass die Mittel- 
temperatur, welche so grossen Einfluss auf die Verbreitung peren- 
nirender Gewächse ausübt, nur für die Standvögel von Wichtigkeit 
sein kann. Sie kann aber keinen sehr grossen Einfluss haben auf die 
Brutvögel im Allgemeinen — (die Vögel nur als Brutvögel betrachtet) 
— und noch weniger auf die Zugvögel in solchen Ländern, wo grosse 
Ungleichheit in der Mitteltemperatur des Sommers und Winters herrscht. 
Im Westen unsers Welttheils ist die Temperaturdifferenz zwischen 
genannten Jahreszeiten geringer als im Osten, in Folge eines be- 
kannten Gesetzes. Im Westen können darum auch solche Standvögel 
weiter nach Norden hinauf gehen, welche im Laufe des Jahres so- 
wohl starke Kälte als starke Wärme ertragen können. Auch können 
im Westen unsers Welttheils solche Vögel brüten, welche einen 
gemässigten Sommer dem heissen vorziehen. Die Mittelwärme des 
Sommers, welche durch die Isothermen angegeben wird, scheint jedoch 
den grössten Einfluss auf die Brutzonen der Vögel zu haben, wie 
vergleichsweise die Verhältnisse im westlichen und östlichen Europa 
darzuthun scheinen. Viele Vögel, welche im Westen an südlicheren 
Breitegraden stehen bleiben, findet man während des Sommers im 
Innern Russlands weit nördlicher. Ein entgegengesetztes Verhalten 
tritt dagegen während des Winters ein, wie dies die Richtung des 
Zuges einer grossen Zahl von Zugvögeln von Nord nach Südwest 
deutlich beweist. Aus allem diesen ersieht man sonach, dass die 



435 

geographische Verbreitung der Vögel hauptsächlich von den klimati- 
schen Verhältnissen abhängt, und dass sie — was unsern Welttheil 
betrifft — im genauesten Zusammenhange mit dem Meeresklima des 
Westens und dem Continentalklima des Ostens steht. Nur hierdurch 
wird es erklärlich, wie man im Osten, aber nicht im Westen, Gar- 
rulus infaustus und Fuligula marila unter denselben Breitegraden, wie 
Erithacus philomela und Coccothraustes vulgaris brütend finden kann. 
Aber nicht nur in horizontaler, sondern auch in verticaler Rich- 
tung treten mit denselben Bedingungen dieselben Resultate hervor. 
Je höher man auf die Gebirge steigt, desto mehr fällt die Temperatur 
und zwar in einer solchen Progression, dass einige Stunden Hinauf- 
steigens hinreichend sind, um von einem warmen Flachlandklima alle 
Grade einer abnehmenden Temperatur zu durchgehen, und man 
gewahrt dabei dieselbe Verschiedenheit der Vögelarten, ein zureichen- 
der Beweis, dass es die Temperatur ist, welche hauptsächlich die 
Wohn- und Brutplätze der Vogelarten bestimmt. Je höher die 
Temperatur am Fusse der Gebirge, desto höher liegt auch die Schnee- 
grenze, wesswegen auch die Vögel, welche sich in horizontaler Rich- 
tung am wenigsten von der Schneegrenze entfernen, oder sich ihr 
am wenigsten nähern, auch in derselben Proportion höher oder nie- 
driger auf den Gebirgen angetroffen werden. Schreitet man nun in 
verticaler Richtung vorwärts, so erreicht man dieselbe Temperatur 
wie beim Durchschreiten gewisser Breitegrade, und dadurch erklärt es 
sich, dass man auf Gebirgen unter südlichen Breiten solche Vogel- 
arten antrifft, welche man sonst auf dem Flachlande nur weit nördli- 
cher findet , sowie auch , dass man , ungeachtet des bedeutenden 
Unterschiedes in der Polhöhe, in südlichen Alpen dieselben Vogel- 
arten antreffen kann, wie in den nördlichen. Nimmt man auch die 
Polhöhe in Betracht, so erklärt es sich ferner, warum einige Vogel- 
arten, welche unter südlicheren Breiten vom Flachlande auf die 
Gebirge hinaufgehen, in nördlicheren gar nicht oder doch nicht so 
hoch hinaufsteigen, obwohl sie hier auf dem Flachlande leben. 

Im genauen Zusammenhange mit dem Klima und der 
Temperatur eines Landes stehen dessen locale Verhält- 
nisse, welche ebenfalls in einem nicht geringen Grade auf 
dessen Ornis einwirken. Nicht allein die Gebirgsstrecken und 
Höhen über dem Meeresspiegel eines Landes — welches natürlicher- 
weise von grösstem Gewichte ist — , sondern auch die Wälder, 



436 

Moräste, Wasserzüge, sowie auch der Ackerbau und die Cultur über- 
haupt üben grossen Einfluss auf die ungleiche Verbreitung der Vogel- 
arten aus. Die Bergzüge und die allgemeine Höhe über dem 
Meeresspiegel bestimmen, im Zusammenhange mit der Pol- 
höhe, die Nähe oder den Abstand der Schneegrenze, in Folge 
dessen auch im hohen Grade dessen Klima und Temperatur, wobei 
aber auch eine Anzahl physikalischer Verhältnisse, z. B. die lo- 
calen Regenquantitäten, die Feuchtigkeit der Atmosphäre, 
die herrschenden Winde u. a. mit in Berechnung kommen. Grosse 
Wälder und Moräste drücken in Ländern ausserhalb der heissen 
Zone die Temperatur herab,*) so dass das herrschende Klima eine 
grössere Strenge in der Nähe derselben (einen langwierigem und 
härtern Winter und einen kürzern Sommer) erhält, wovon Sibirien 
und Nord -Amerika noch heutzutage Beispiele sind. Der Ackerbau, 
durch welchen die Wälder gelichtet und die Moräste entwässert wer- 
den, macht ein Klima milder. Dieses Gesetz ist von nicht unbe- 
deutendem Gewichte für die geographische Ornithologie. Germanien 
und Gallien waren noch zu den Zeiten der erobernden Römer bedeckt 
mit fast undurchdringlichen Wäldern und unzugänglichen Morästen. 
Da waren auch im Winter die Flüsse, sogar in den südlichsten 
Theilen dieser Länder, mit so starkem Eise belegt, dass z. B. Cäsar 
ein Heer über die gefrorene Rhone führte. Jetzt aber sind die Ver- 
hältnisse ganz anders. Damals konnte weder Rebe noch Olivenbaum 
in diesen Gegenden gedeihen, und nun geben beide einen Ueberfluss. 
Aber nicht allein die Flora dieser Länder, sondern auch deren Fauna 
muss ein ganz anderes Aussehen gewonnen haben. So wissen wir 
denn auch, dass viele Thierarten, welche früher jene Länder be- 
wohnten, ganz von dort verschwunden sind, während es umgekehrt 
ganz gewiss ist, dass andere, welche sich entweder damals dort noch 
nicht fanden, oder doch nur sparsam (wie an der nördlichen Grenze 
ihrer Zone) gefunden wurden, dorthin von südlicheren Gegenden ein- 
gewandert sind und sich ansässig gemacht haben. 

Nach den Berichten älterer Schriftsteller wurden Rennthiere, 
Auerochsen, Elchwild, Luchse etc. in den morastigen und gebirgigen 



*) Das gilt sogar von kleineren in kleinerem Massstabe: das tiefe, wald- und 
morastreiche Inundations- Delta der Saal -Eibmündung — die Umgegend meines 
Wohnortes — zeigt gegen die nur einige Fuss höhern trocknen und waldlosen 
Ebenen wenigstens eine Differenz der So mm er -Temperatur von fast 2°. B. 



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Wäldern gefunden. Jetzt haben sich diese Thierarten weiter nach 
Norden zurückgezogen. Leider erwähnen jene Autoren der Vögel 
nicht, wenigstens nicht so speciell, wie es für unsern Zweck wün- 
schenswerth wäre: aber es ist mehr al